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ARCHIV
FÜR
NATURGESCHICHTE.
IN VERBINDUNG MIT MEHREREN GELEHRTEN
HERAUSGEGEBEN
von
Dr. AR. FR. AUG. WIEGMANN,
AUSSERORD. PROFESSOR AN DER FRIEDRICH-WILHELMS-UNIVERSITÄT
ZU BERLIN.
DRITTER JAHRGANG.
Erster Band.
MIT ZEHN KUPFERTAFELN.
TE [TOT
BERLIN, 1837. 2
IN DER NICOLAI’SCHEN BUCHHANDLUNG.
BELLSELEE ea 1
San LKur .
Inhalt des ersten Bandes,
. Zoologie
1) Originalaufsätze.
. Ueber die Byssus der Acephalen, nebst einigen Bemerkungen zur
Anatomie von Tichogonia Chemnitziüi Rolsm. (Mytilus poly-
morphus Pall) von A. Müller, Dr. med. (Hierzu Taf. I u. II.)
Ueber neue Arten der Gattung iz Rofsm. vom Her-
ausgeber. > SE ;
Ueber die Sexualität der Müschelihiere, Notiz von Dr. v. Sie-
Bol} non lady
Ueber einige -Eingeweidewürmer ‘des schwarzen Storches. Fi-
laria labiata Crepl. und Strongylus trachealis. (Syngamus
veiSieh id ur anıcrallesce Ye Rs x al
. Zusaiz zum vorhergehenden Aufsatze von v. Siebold. . . .
Ornithologische Reise nach und durch Ungarn von Joh. Fr.
Naumann.
Ueber die Gattung ne von Dr. Ertchade,
. Herpetologische Notizen v. Herausgeber. (1) Amystes= Gskiafi
2) Scincus Fitz. 3) er 4) re 5) Xeno-
dermus.) . 2. 0% I;
. Ueber die gestielten Eier der Eule horn! vom Prof Th.
Hartig. (Hierzu Ta£-IV.)oı 20. 20%
. Beobachtungen über den Dachs von $. C. v. Sicmuszowa-
Brrintskud,. htnunierii ee a
Steganotoma nov. gen. vom Dr. F. H. Troschel, (Taf, 11.
2 IE) sahmuinien he ai .
. Neue Sülswasserconchylien des Ganges von demselben,
. Ueber südamerikanische Raupen, besonders über die dortigen Brenn-
und Giftraupen von Moritz. .
Seite
51
h Helknirithölogische Beiträge von H, Naklln sius, Erster Beitrag. \
52
66
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123
151
160
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IV
14.
15.
16.
17.
18.
19.
20.
21.
22.
23.
24.
25.
26.
27.
28.
29.
30.
Ueber die mit Asterias aurantiaca verwandten und verwech-
selten Asterien der sicilianischen Küste von Dr. Philippi. .
Einige Bemerkungen über Guilding’s Peripatus vom Heraus-
Er. et. A N A -
Berichtigung einer ‚Stelle des Isis vom Prof. v. d. Hoeven. .
Beschreibung zweier mifsgebildeter Seeigel nebst Bemerkungen
über die Echiniden überhaupt von Dr. SIERDEn in. Kassel.
(Taf. V.) . 2 3 GN. 2175
Ueber Gorgonia paradoxa von Tnelbh;
Diagnosen einiger neuen Conchylien-Arten von Anton.
Ueber die Fortpflanzung des Pteroptus Vespertilionis Dufour
von Chr. L. Nitzsch. (Hierzu Taf. VIII. Fig. 1 — 3.)
Neues Genus von N a von Joh. Jakob Tschudi.
(Hierzu Taf. VII. Fig. 1—7.). Sn Er
Filaria? im Gehirn eines Eidechsen-Fötus von Prof. Kaıhke)
Ueber die Gattung Procyon vom Herausgeber. E
Ehrenberg’s neuere Entdeckungen über die Bacillarien, .
Notiz über das Gebils des Moco vom Herausgeber. . .
Familien unter den Kamm -Muscheln von A. Roemer,
Pododesmus, ein neues Genus der Acephalen von Dr. Philippi.
(Hierzu Taf, EX. Big, I). ur au us anuguih adaed ir
Zur Entwickelungsgeschichte der Mollusken ‚und Zoophyten von
M. Sars in Norwegen... A «La. win re
Auszüge aus den Schreiben FR Hın. Aus iiei in Südanherika;
mitgetheilt von: Herrn v. Bredow auf WVagenitzi 4... 1%
Ueber den Unterschied der Schalenbildung. bei den männlichen
und weiblichen Anodonten von Dr. v, Siebold. . ......*
2). Auszüge.
. Ichthyologische Beiträge zur Fauna Grönlands vom Professor
Reinhard. (I.)
. Ueber eine neue Ordnung der Mel von J. F. Baar
Ueber die Benennung des Tapir von Roulin.. . ..«
Ueber die Entstehungsweise der Schwimmblase ohne Ausfüh-
rungsgang. Notiz von v. Bär. . ... 0... Eee
. Beiträge zur Kenntnils der Gattungen Cumpanaldrbi und Syn-
coryna von S$. K. Lowen. (Hierzu Taf. VI.)
1) Campanularia. alerts
2) Syncoryna. .
Seite
193
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238
Y
Seite
6. Ichthyologische Beiträge zur Fauna Grönlands vom Professor
Bupimhandit audit, Dr eue. 8 m la Ann Ana hr a nn ulm s 263
7. Gebler über Perdia altaica. Noiz.. . . Sitwakıss 267
8. Ueber den Zubr oder Auerochsen des Kaukasus von v. Bär. . 268
9. Bemerkungen über das 'Thier der. Argonauta von Rang. . . 286
10. Elektrische Erscheinungen am Zitterrochen. . . 2» 2.2.2... 377
11. Zur Verbreitung von Cyprinus farenus. Notiz von Kröyer. . 393
12. Ueber die Be, der Plagiostomen von J. Müller und
Hienle.... .,- a Re RS SH IF
13. Pflegmutterschaft bei Katzen. Notiz... . 2 2 2.2.2.2... 401
14. Eligmodontia, neues Nagethier-Genus von F. Cuvier. . . . 407
II 3.:BNor tan Ik:
Originalaufsätze.
1. Die Meinungen von Kämpfer, 'Thunberg, Linn und Anderen
über die Mutterpflanze des Sternanises, vertheidigt gegen Dr. Ph,
F. v. Siebold u. Prof. G. Zuccarini von W.H.de Vriese. 111
2. Bemerkungen über das Vorkommen von Pflanzen in heifsen Quel-
len und in ungewöhnlich warmem Boden von H. R. Göppert. 201
3. Ueber die Epidermis der Pflanzzen von Meyen. . . .. . 211
4. Einige botanische Bemerkungen von C. S. Kunth.. . . . . 231
5. Notiz über die Einwirkung freier Kohlensäure auf die Ernährung
der Pflanzen von Dr. M. J. Schleiden... . . 2. .2..2..%79
6. Einige Blicke auf die Entwicklungsgeschichte des vegetabilischen
Organismus bei den Phanerogamen vonDr M.J. Schleiden. 289u,414
7. Beweis, dafs die Nulliporen Pflanzen sind, von Dr. Philippi.
Kuchgerzu Tal sen Re OR en ar BEE LOW ID a TR
8. Beiträge zur Pflanzenphysiologie von Meyen. (Hierzu Taf. X.) 419
(1) Entwickelung des Getreidebrandes. 2) Einige Eigenthüm-
lichkeiten der Epidermis verschiedener Orchideen. 3) Brut-
knospen bei Laubmoosen. 4) Auffallende Bewegung in
verschiedenen Pflanzentheilen.)
II. Petrefaktenkunde.
1) Originalaufsätze.
1. Die Stylolithen sind anorganische Absonderungen, von A. Quen-
TE LE) Be ee al nr En 7
Pu
Beiträge zur Petrefaktenkunde von Demselben. . . . . 2... 42
Beiträge zur Kenntnils der Trilobiten, mit besonderer Rücksicht
auf ihre bestimmte Gliederzahl, von Demselben. . . . . . . 337
2) Auszüge.
Ueber die fossilen Gattungen Xarthidium und Peridinium von
GAHGHEhrenberg..;..... Uume en eK fe
Ueber fossile Infusorien von Demselhen, NE An
Fossile Quadrumanen. 1... u 0 2 oh ee. 200 did
Druckfehler.
S. 271 Z. 10 von oben in der Diagnose von Procyon canerivorus ist
genis vor fuscescenti-cinereis einzuschalten.
Ueber die Byssus der Acephalen,
nebst einigen Bemerkungen
zur Anatomie der Tichogonia Uhemnitzii Rolsm.
(Mytilus polymorphus Pall.)
von
A. Müller, Dr M
Hierzu Taf. I. und II.
Die Byssus ist eines von den Mitteln, deren sich die Natur zur
Aufhebung der Locomotivität bedient, was in den niederen Thier-
‘ klassen eine nicht seltene Erscheinung ist. Die hier genannte
Befestigungsart hat das Merkwürdige, dafs sie durch einen will-
kührlichen Akt des Thieres herbeigeführt wird, dals dann aber
der Willkühr sogleich die Nothwendigkeit folgt, und das Thier
für das ganze Leben an eine Stelle gebunden bleibt. Sie ist
nicht organisirt, sondern das erhärtete Sekret einer Drüse, wel-
ches die (nicht wesentliche) Form von den muskulösen Weich-
itheilen des Thieres erhält. Meines Wissens findet sie sich nur
bei den zweischaligen Muschein, an deren Bauchmuskeln sie
sich anheflet, indem ein zweites Sekret die Verbindung ver-
mittelt.
. Geschichte.
Die Byssus der Alten wurde aus der Faser verschiedener
Pflanzen verferligt, und ist nicht Gegenstand dieser Untersu-
chung *). Die Byssus«der Acephalen findet man in den klas-
sischen Schriften der Griechen und Römer kaum genannt; Ari-
1) Vergl. hierüber: G. W. Wedelii programma de purpura et
bysso. Jenae 1706. 4. — J. R. Forster de bysso antiquorum. Londini
1776. 8. — M. Rosa delle porpore e delle materie vestiarie presso gli
antichi. Modena 1786. 8.
IL. Jahrg. 1. Band. 1
2 \
stoteles 2) und Plinius reden nicht davon. Indessen erregte die
Byssus der pinna, die aus langen, feinen Fäden von schön ka-
stanienbrauner Farbe besteht, schon früh die Aufmerksamkeit ‚der
Beobachter, und wurde auch schon früh zu Zeugen verarbeitel,
denen man (wohl erst später) wegen einiger Achnlichkeit mit der
alten. Byssus unpassend denselben Namen gab. Bochartus ?) glaubt
sogar, dafs das 59; kalch, der Hebräer aus den Fäden der pinna
bereitet sei, was mir sehr gewagt scheint. ‘Die älteste mir be-
kannte Nachricht von der Verarbeitung der Muschelbyssus ist
aus dem zweiten Jahrhundert nach Christus von Tertullian ®):
nec fuit salis, tumicam panger serere, ni eliam piscari vesti-
tum conligisset: nam et de mari vellera, quo (quibus) mu-
cosae lanosilalis plautiores conchae comant. Aus dem vierten
Jahrhundert findet sich eine Stelle in den Predigten des Ba-
silius 3), Erzbischof zu Caesarea, wo er sagt, wie wohl die
Steckmuscheln die goldene Wolle erzeugten, die noch kein Fär-
ber habe nachahmen können., Auch Procopius °) gedenkt im
sechsten Jahrhundert einer chlamys, aus Wolle verlertigt, aber
nicht aus solcher, die von den Schaafen kommt, sondern die aus
2) Hiergegen scheint eine Stelle des Aristoteles zu sprechen, hist.
animal. lib. V. ce. 13 ed. Schneid., wo es heilst: «i ö2 zlyvaı doYeur
pvovruı 24 rou-Bvooov dv woig Aupkbdenn za Booßoowdeoı. Dies ist je-
doch sicherlich eine falsche Lesart, und kann nicht auf das Gespinnst
der pinna bezogen werden. , Denn das Wort Avo00s dient gar nicht zur
Bezeichnung des Muschelgespinnstes, sondern man findet dafüz zumıxoV
und zinuvov Zoıov. . Ferner palst der Artikel zo0 gar nicht zu Alooog in
der Bedeutung von Gespinnst oder Leinwand, denn alsdann ist es gen.
fem. Man mälete es also mit verändertem Accent in der Bedeutung
von „Tiefe“ nehmen, wo es gen. masc. ist. Hiergegen spricht aber,
dafs Aristoteles für diese Bedentnk immer 6 Bu&ös, nie 6 Buooog ge-
braucht, weshalb die Leseart des Athenaeus, ?z rov Pugou gewils die
richtige ist. Endlich giebt es keinen vernünftigen Sinn, wenn man über-
setzen wollte: Die Steckmuscheln entstehen aufrecht an sändigen und
sumpfigen Orten aus der Byssus. Man lese also lieber: „aus der Tiefe,“
wie denn auch Oppian sagt, dafs sie in der Tiefe leben.
3) Hierozoicon I. lib. II. ce. 45.
4) Tertulliani liber de pallio recens. C. Salmasius. Lugd. Bat.
1656. 8. p. 45 er 218.
5) Hexaemeron, homilia VI.
6) De Justiniani fabricis. I. III.
x
3
dem Meere genommen; pinnae sollen die Thiere heifsen, welche
diese Wolle erzeugen. Endlich sagt Phile 7), die pinna zeuge
ein bewunderungswerithes Büschel Haare, als ob sie es aus den
Eingeweiden der Spinne entnehme, dessen glänzende und zarte
Feinheit, in die gelben Locken der Jungfrauen gebunden, lustige
Freier anziehe. — Der Vergleich mit den Spinnen ist trefflich.
Es schien nicht der Mühe werth, mehrere dergleichen Stel-
len aufzusuchen. —'Den Naturforschern des 16ten' Jahrhunderts
fehlten noch die physiologischen Kenntnisse, um mit ‚Bestimmt-
heit eine Ansicht über die Natur der Byssus aussprechen zu kön-
men. Man findet bei ihnen sonderbare Vermuthungen oder höch-
stens eine oberilächliche Beschreibung von der Byssus der pinna.
So glaubt Bellonius ®), ‚die pinna ziehe durch ihre Byssusfä-
den Nahrung an. G. Rondelet °), Professor zu Montpellier,
sucht diese Ansicht zu widerlegen. Er sagt auch, dafs die mytuli
Byssus erzeugen, die sich aber gegen die weiche und zarte Wolle
der pinna wie Hanf verhalte. Von der Byssus der Alten redet
er ebenfalls und nenuet sie byssus terrenus zum Unterschiede vom
marinus und glaubt, dafs beide in den kostbaren Zeugen ver-
mischt gewesen seien, U. Aldrovandi *°) untersucht, ob
Aristoteles Recht habe, wenn er sagt, dals die pinna aus der
Byssus entstehe, und giebt die Ansichten des Rondelet wieder,
die überhaupt sehr oft nachgesprochen sind. S. Bochartus !?)
ist wichtig für die älteste Geschichte dieser Byssus. Er scheint
übrigens der irrigen Meinung zu sein, als wachse die Byssus auf
der Schale der pinna. und citirt deshalb p. 488. mehrere Stellen
der alten Schriften, die von der Rauhheit der Schale reden, also
nicht auf die Byssus zu beziehen sind.
Noch im 17ten Jahrhundert erschien eine ausgezeichnete
Beobachtung über die Byssus des myfilus edulis Linn. von Anton
" 7) De animalium proprietate. c. 88.
8) ©. Gesneri hist. animal. lib. IV. Tiguri 1558. fol. p. 863. ı
9) Universae, aquatilium historiae pars altera etc. Lugd. 1555. fol.
P.50. sqq.
10) De reliquis animalibus exsanguibus ete. Francof. 1633. fol
1. DE. ce. 77.
11) Hierozoicon. Francof. 1675. fol. P. I.1. II. c.45. — Vergl. auch
hierüber: A. Libavius Singularium P. II. Bombyciorum 1. II. e. 7.
L 1*
»
4
v. Heide '?). Wer die Beschaffenheit der Theile kennt, wel-
che auf die Entstehung und Formung der-Byssus Bezug haben,
der wird in v. Heide’s Beschreibung Vieles wieder erkennen.
Da aber v. Heide selbst diese Organe weder genau beschrieben,
noch ihre Bedeutung erkannt hat, so ist es sehr natürlich, dafs
sie von den folgenden Arbeitern in seinem Werkchen wieder
übersehen wurden. Er beschreibt den zungenförmigen Muskel
(Fuls), seine beiden Schenkel, die zur Schale gehen, sowie den
muse. relractor ganz richtig, hat die grolse Beweglichkeit des
erstern beobachtet, und beweist, dals er nicht das Herz sei, da
er ihn oft ganz fehlend oder verstümmelt gesehen habe, und doch
kein Thier ohne Herz leben könne. Auch ist ihm die Längs-
furche des zungenförmigen Muskels (F.5.£.) bekannt, und er
bemerkt sogar, dafs sie durch Aneinanderlegen der Ränder in
einen Kanal verwandelt werden könne. Er hat ferner im Inue-
ren des zungenförmigen Muskels das Parenchym der Byssusdrüse
gesehen, indem er die äufserliche caro musculosa von der inne-
ren pulpa unterscheidet. Er beschreibt auch die Arterie, welche
an der oberen Seite des Muskels in der Mittellinie verläuft, und
sagt, sie communicire mit den Gefälsen der Leber, des Eierstok-
kes (pinguedo) und der Spitze des Muskels. Die erweiterte, et-
was verliefte Stelle am oberen Ende der Längslurche, wo (F. 6.)
die ihm unbekannten feinen Mündungen der Byssusdrüse liegen,
sah er aber für ein Loch an, und hielt dieses für einen offenen
Zugang des eben beschriebenen Blutgefälses, durch welches er
die Gefäfse der Leber, des Eierstockes und der Spitze des zun-
genförmigen Muskels mit Luft und Flüssigkeiten injieirt haben
will, was nur durch eine gewaltsame Zerreilsung geschehen sein
könnte. Aufser diesem Gefäfse redet er noch von zwei seitli-
chen, die mit ihm communieiren, Dabei hat v. Heide den äu-
[seren Vorgang beim Spinnen der Byssusfäden richtig beobachtet,
und weils, dafs diese in der Längsfurche gelormt werden. Sein
eben beschriebenes Blutgefäfs bringt er aber hiermit nicht im
Zusammenhang, denn er sagt p. 33: »ich war erst zweifelhaft,
woher der Stoff für die Fäden komme, und weils keicen beque-
12) Anatome Mytuli, Belgice Mossel etc. Amstelod. 1683. 8. min.
mit Kupfern. p. 25. qq.
_
5
mer und passender anzunehmen, als die klebrige Materie, wel-
che aus der Oberfläche des zungenförmigen Muskels ausschwitzt
(gluten e linguae superficie exsudans, was nur Schleim ist). Denn
dies ist ein Kleber, der sich in Fäden ziehen läfst, und in der
Längsfurche (sinus) unter vielseitigem Drucke seiner Lippen die
läugliche und runde Form leicht annimmt. Endlich erstreckt
sich die Furche bis zum Stamme der Byssus (stamen), den sie
umgeht, weshalb sich der Kleber leicht mit ihm verbinden kann,
wenn dieser nicht zum Theil aus den benachbarten und tiefer
gelegenen Theilen hervortritt.« Seine Ansicht über das Wachs-
ihum der Byssus ist folgende: »Diese Fäden übertreffen den Fa-
den einer Spinne nicht an Dicke (der gewaltige Unterschied ist
wohl ohne Mikrometer zu finden), demungeachtet scheint doch
der Stamm der Byssus, der viel dicker ist, und vielleicht täglich
zuwächst, aus einem solchen Faden entstanden zu sein (was ganz
unrichtig ist). Es ist daher die Frage, wie die gesponnenen Fä-
den wachsen. Wahrscheinlich setzt sich der Kleber an, der aus
den Theilen, die an der Basis des Stammes liegen, herausquillt,
und bewirkt so ihr Wachsthum. Ferner scheint er wie eine
Pflanze zu wachsen und verlängert zu werden. Es ist auch
nicht abgeschmackt, zu sagen, dafs die Fäden sich durch Anzie-
hung von Theilchen aus dem Seewasser vergröfsern.» Endlich
hat v. Heide die sonderbare Idee, dafs der mytilus sich vermit-
telst dieser Fäden bewegen könne, indem er sich durch Zusam-
menziehung der Muskeln, die sich an der Basis der Byssus in-
seriren, erheben und seine Lage nach Gefallen verändern könne,
und dann entfernter hin einen Faden anlegen. Hierbei bleibt
v. Heide zu erklären schuldig, wie der mytilus die alten Fä-
den, die ihn zurückhalten müssen, ablöst. v. Heide kennt also
die Quelle der Byssusmaterie nicht, und hat noch keinen be-
stimmten Begriff von organisirten und nicht organisirten Theilen.
Nicht gar lange hierauf machte Reaumur !:) ähnliche Be-
obachtungen, und wie es scheint, ganz unabhängig von Heide.
Beide haben den mytilus edulis beim Spinnen der Fäden in
13) Des differentes manicres dont plusieurs especes d’Animaux de
Mer wattachent etc. In der Histoire de‘V Academie royale des Sciences.
Annee Ill. Paris 1730. 4. p. 114.
*
7
6
einem Gefälse mit Seewasser beobachtet, Beide haben ziemlich
gleichviel gesehen, allein Reaumur’s Begriffe sind weit geläu-
terter und seine Arbeit hat ‘nicht mehr die Farbe der früheren
Jahrhunderte. Er hat den zungenförmigen Muskel mit seiner
Längsfurche richtig beschrieben, und bemerkt, dafs in dieser
Furche die Fäden aus einer klebrigen Materie geformt werden.
Auch hat er beobachtet, dafs frisch gesponnene Fäden weilser,
durchscheinender und glänzender seien als die ältern, und dafs
sie sich immer zu unterst an dem Byssusstamme inseriren. Die
Byssusdrüse war ihm unbekannt, und er will die Byssusmaterie
aus der Wurzel des zungenförmigen Muskels gedrückt haben, wo
die Ausführungsgänge der Drüse gar nicht liegen. Ueber die
Natur des Byssusstammes, an welchem sich die Fäden inseriren,
und der der Substanz der Fäden sehr ähnlich sei, ist er zwei-
felhaft. Die Beobachtung aber, dafs die frischen Fäden immer
der Basis des Stammes zunächst sitzen, dafs man aber auch an
den oberen Theilen des Stammes ältere Fäden findet, neigen ihn
zu der Ansicht, als wachse der Stamm aus dem Körper nach
Art eines dieken Haares hervor, an dessen Basis die aus einer
kleberigen Materie geformten Byssusfäden angeheftet würden.
Diese Ansicht ist jedoch unrichtig. Reaumur bildet einen beim
Spinnen beschäftigten myf. edulis ab, und berichtet, dafs er nach
abgelöster Byssus auf seinem zungenförmigen Muskel kriechen
könne. Auch einen durch Byssus angehefteten pecten bildet er ab.
D. v. Argenville **) sagt, die Hauptbeschäftigung der
Weiber in Smirna, Messina und Palermo sei, die Seide der Steck-
muschel, die dort sehr gemein wäre, zu Handschuhen, Strümpfen
u. dgl. zu verarbeiten. Uebrigens folgt er der Ansicht Reau-
mur’s und besteht darauf, dals die mytili die Spinnen des Mee-
res heilsen sollen.
Pastor F. ©. Lesser '5) spricht viel über Byssus, und hat
darüber fleifsig nachgelesen, hat aber keine eigenen Beobachtun-
gen angestellt. Sein College, Hr. Pastor Chemnitz !°), nimmt
es übel, dals Lesser so dreist rede, wie die Muscheln ihre Fä-
14) Conchiologie. Wien 1772. fol. p. 77. u. 250.
15) Testaceotbeologie. Leip. 1744. 8. p. 577. sqq. p. 845. u. 919.
16) Der Naturforscher, 10tes Stück. Halle 1777. 8.
7
den machen, »als ob er,von dieser nenn Sache durch
einen geheimen Kanal die riehtigsten und zuverlässigsten Kennt-
nisse erlangt habe.« Er will sich also »kein so unerweisliches
Zeug auf den Ermel heften lassen,» sondern lieber mit Dävid
sagen: »solche Erkenntnils sei ihm zu wunderlich und zu hoch.«
Besonders reizt es seinen Zorn, dafs Lesser mit dem Abt Plu-
che '?) glaubt, die Muscheln hätten einen auflösenden Saft, um
die gesponnenen Fäden wieder zu lösen, der wirklich nicht exi-
stirt. Denn es sei mit den Muscheln nicht wie mit einer Haus-
apotheke, wo man allerhand klebende und auflösende Wässer
finde.— Hr. Pastor Chemnitz hälte besser getlian, bei David’s
Spruch stehen zu bleiben, als dals er olıne Sachkenntnils gera-
dezu abspricht, und dann selbst Theorieen außstellt, die die ein-
fachste Beobachtung widerlegt, und die hier zu wiederholen zu
unfruchtbar scheint.
Poli !°) kam in der Kenntnils der Byssus nicht: weiter als
Reaumur, vielmehr entfernt sich seine Ansicht noch weiter
von der Wahrheit. Er sagt bei denı mytilus edulis, die Fäden
seien organisirt wie die Haare der Thiere, und wüchsen auch
so, (was sich schon aus der äulseren Form widerlegen läfst).
Denn die Byssus habe eine organische Form wie ein Baumstamm
mit seinen Aesten, und steige tief zwischen die Muskeln des
-Tbieres hinab. Reaumur’s Beobachtung, die ihm hierin wi-
derspricht, konnte er jedoch nicht leugnen, und half sich also
durch die Annahme von Fäden zweierlei Art: 1) die organischen,
die mit dem Tliiere geschaffen sind, und mit ihm wachsen ; 2)
die aus Kleber mittelst des zungenförmigen Muskels: geformten,
durch welche die in Fleifs und Hülfsmitteln unerschöpfliche Na-
tur den Mangel der organischen ersetze. Diese seien, wie R&-
aumur selbst sage, an Farbe und Dicke von den organischen
verschieden. — Frisch gesponnene Fäden der tichogonia sind in
der That weils, die älteren schwärzlich. Hieraus schliefsen wir
aber nur, dafs auch die schwärzlichen einst weils waren. Der
Unterschied in der Dicke ist etwas Zufälliges, worin auch die
älteren rife gefärbten Fäden unter einander abweichen. Oft mö-
gen die Fäden deshalb dünner geraten, weil das Thier nach
17) Le Spectacle de la Nature T. I. Entret. 9.
18) Testacea utriusg. Siciliae. Parma 1791. ful. pars II. p. 196.
;
Zesstörnügfälhen MM Theiles oder aller alten Fäden in kurzer
Zeit viele neu® zum Ersatz des Verlustes hervorbringen muls,
wobei Mangel an Stoff eintreten mag. Dies ist besonders zu be-
rücksichtigen, wenn die abgelösten Thiere sich in Gefälsen wie-
der anspinnen. Poli bildet die äulsere Form der Byssus von
vielen Muscheln ab. ;
@. Cuvier !°) beschreibt die Bildung der Fäden aus einer
kleberigen Materie, die von einer conglomerirten Drüse abgeson-
dert werde, welche unter der Basis des beweglichen Fulses liege.
Hier liegt sie wenigstens bei mytilus nicht, und Cuvier scheint
hierin blofs dem Reaumur zu folgen. H. M. D. de Blain-
ville 2°) sagt, es sei eine grolse Merkwürdigkeit, dafs sich bei
einigen Acephalen die Muskelfasern der Schlielsmuskeln mit: ih-
rem verdickten Ende an äufsere Körper anheften und festkleben
könnten, und so das Thier fixiren. Dies mache bei der pinna,
tridacna, mylilus, arca u. s. w. die Byssus aus. Diese sei also
gar nicht aus dem Sekrete einer Drüse u. s. w. gesponnen, wie
es einige Schriftsteller ‚beschrieben, sondern es sei ein Bündel
Muskelfasern, die oben vertrocknet, unten an ihrem Ursprunge
aber lebend und contractil seien, was sie zur Zeit, da sie sich
anhefteten, in ihrer ganzen Ausdehnung gewesen wären. — Das
hat Blainville gewils nicht gesehen. Es ist auch gar nicht
zu begreifen, wie der vertrocknete Theil eines Muskels mit dem
lebenden in Zusammenhang bleiben kann, ohne dafs Eiterung und
Abstofsung erfolgt.
Man sieht aus diesem kurzen Abrifs der Gsschichte, dafs
die einzigen genauen Beobachtungen die von v. Heide und Re&-
aumur sind. Diese geben aber noch kein genügendes Resultat,
denn es bleiben bei ihnen wesentliche Punkte unerörtert:
1) Die Naehweisung der Quelle der Byssusmaterie.
2) Die Erklärung, welcher Art die Verbindung der offenbar
nicht organisirten Byssusfäden mit den Muskelfasern sei,
woran sie sich befestigen.
3) Die anatomische Untersuchung mehrerer äufserlich verschie-
dener Arten von Byssus, und der Weichtheile die darauf
Bezug haben, um die Analogie der Theile aufzufinden.
19) Legons d’anatomie comparee. Paris 1805. Bd. V. p. 264.
20) Manuel de Malacologie etc. Paris 1825. 8. p. 115.
"x f
. .
9
und um eine allgemeine Ansicht über die Natur der Bys-
sus darauf gründen zu können, wie denn die Anatomie
immer der Physiologie vorhergehen muls.
Der zweite Punkt hat namentlich Poli und Blainville
veranlalst, die Byssus für organisirt zu halten, was Poli nur
zweideulig ausspricht, indem er sie mit Pflanzen und mil Haaren
vergleicht. Sie glaubten an dem unteren Theile der Byssus eine
innige Verbindung mit den Muskelfasern zu sehen, hielten also
diesen Theil für organisirt, oder glaubten ihn wenigstens da ab-
gesondert, wo er mit den organisirten Theilen in Verbindung
sieht, wie ein Haar oder Nagel in der matrix steckt. Da sie
nun aufwärts gehend die Materie der Byssusfäden unverändert
und ununterbrochen fanden, mufsten sie dasselbe vom oberen
Theile gelten lassen, also die älteren Beobachtungen, die dem
geradezu widersprechen, leugnen. Dies war um so leichter, als
das Sekretionsorgan der Byssusmaterie noch nicht nachgewiesen
war. Aus diesem Grunde sind auch die Meinungen der Physio-
logen und Anatomen unserer Zeit so getheilt, die sich der An-
sicht des Reaumur, Poli oder Blainville mehr nähern.
In der vorliegenden Untersuchung *) habe ich die Beobach-
lung von jeder Theorie und snbjectiven Ansicht zu trennen ge-
sucht; das liest sich zwar weniger gefällig, erleichtert aber spä-
teren Arbeitern die Benutzung und Kritik. Nur zu den musku-
lösen Organen mochte ich nicht wieder zurückgehen.
Dals ich gleich die Byssus einer Reihe von Gattungen aus
verschiedenen Familien untersuchen konnte, verdanke ich der
grofsen Gefälligkeit der Herren Professoren Lichtenstein,
J. Müller und Wiegmann, die mir die Untersuchung des
betreffenden Materials, welches sich in den hiesigen Museen vor-
findet, so bereitwillig erlaubten, wolür ich ihnen meinen Dank
wiederhole.
UL Beobachtung.
A. Ueber die Byssus und die darauf Bezug habenden
Organe im Allgemeinen.
Das Muskelsystem der Byssiferen mufs vorzüglich ‚aus zwei
Gründen von dem der byssuslosen Muscheln abweichen:
*) Die schon kürzer in meiner Inaugural-Disserlation: De bysso
aucephalorum. Berolini 1836. 4. erschienen ist.
10
1) haftet die Byssus in den Muskeln des Thieres, und an ihm
ist das ganze Thier aufgehangen. Daher ist eine Vorrichtung zur
Aufnahme der Byssus nöthig, so wie auch die Ausbildung kräf-
tiger Muskeln, die von der Byssus zur Schale gehend das ganze
Gewicht des Thieres tragen können;
2) bedurfte es zur Formung der Byssus eines beweglichen
muskulösen Organes,' von dem sich zwar das Analogon bei den
byssuslosen Muscheln findet, dem aber hier der Zweck das be-
stimmte Gepräge gegeben hat.
Man kann die anodonta als Repräsentanten der gewöhnlich-
sten Form des Muskelsystems bei den bysstislosen Bivalven an-
nehmen. Wir finden hier eine muskulöse Decke über den gan-
zen Bauch (Fuls) ausgebreitet, welche in der Mittellinie eine
dicke fleischige Carina bildet, und sich mit vier Muskelfascikeln
dieht bei den Schliefsmuskeln an die Schale heftet. Man pflegt
diesen ganzen Muskel retractor zu nennen, weil er das Thier in
die Schale zurückzieht. Bei der mya arenaria bat sich auf der
muskulösen Carina, wo diese am oberen Theile plötzlich zurück-
iretend eine Ecke bildet, schon ein Muskelstück durch einen
Einschnitt mehr isolirt, so dafs.es eine freiere Beweglichkeit er-
langt; auch findet man vor ihm in dem geschlossenen Mantel
eine Oeflnung, durch welche dieses Muskelstück im ausgedehn-
ten Zustande hervorgestreckt werden kann.
- Bei den Byssiferen schritt diese Isolirtung noch weiter fort.
Sie haben hier einen sehr beweglichen Muskel (den zungenför-
migen Muskel F. 5. 2.) der mit seiner etwas breiteren Basis auf-
sitzt, dessen Körper und Spitze aber freier sind als die einer
menschlichen Zunge. In der Ruhe liegt er gegen das Mundende
zu an dem Leibe des Thieres, so dals seine untere Fläche sicht-
bar ist. — Zur Aufnahme der Byssus findet sich dicht unter
diesem Muskel eine Höhle (F. 5. c.), von welcher zwei Muskel-
bündel nach vorn (s.) und zwei nach hinten (r.) wie Radien
vom Mittelpunkte auslaufen, ohne zugleich den Bauch des Thie-
res vollkommen zu bedecken; sie inseriren sich gleichfalls dieht
an den beiden Schlielsmuskeln der Schale. Es hat sich also die
allgemeine muskulöse Decke der anodonta in die 4 Anheftungs-
fascikel und den zungenförmigen Muskel geschieden. Die Zahl
dieser Muskelbündel ist nicht immer 4, wie bei der fichogonia.
11
Beim mytilus edulis bilden die Muskelfasern, die von der Schale
kommend zum zungerförmigen Muskel gehen, ein besonderes
Bündel, so dafs bei ihm dieser Muskel mit seinen beiden Schen-
keln auf dem Vereinigungspunkte .der'vordern und hintern Bün-
del des retractor reitet. Aulserdem kommt noch ein besonderes
Bündel zwischen den hintersten und den Schenkeln des zungen-
förnigen Muskels hinzu, so dafs sich hier jederseits 4 Bündel
finden. Bei tichogonia liegen die den 3 hinteren dieser Bündel
entsprechenden Fasern als hinterer Schenkel des reiractor zu-
sammen (F.5.r.), doch lassen sich noch deullich 2 Lagen in
ihm unterscheiden. Die obersten seiner Fasern kreuzen sich,
sobald sie, seitlich von den Schalen kommend, sich vor dem
Herzen vereinigen. Wo sich jederseits nur zwei Bündel des re-
tractor finden, wie bei tichogonia, sind die vorderen immer weit
schwächer als die hinteren, da diese vorzüglich die Byssus auf-
nehmen, und das Thier tragen müssen. Am auflallendsten ist
dieser Unterschied bei der pinna, wo die hinteren Bündel Dau-
mensdicke haben, während die vorderen nicht stärker sind als
ein Strohhalm.
Noch herrscht ein merkwürdiger Unterschied in der Lage
der Muskeln. Gewöhnlich liegen sie wie beim mytilus edulis
und bei anodonta ganz oberflächlich; bei der tichogonia aber
werden die hinteren Bündel vom ovarium und dem Darm be-
deekt, und zwischen ihnen und der Schale liegt nach dem Rü-
cken zu nur das Herz und der Mastdarm. Deshalb kann sich
auch die räthselhafte Höhle bei tichogonia nicht finden, die beim
mytilus edulis zwischen den hinteren 'Muskelbündeln und dem
Eierstock mit weiter Oeflnung anfangend bis zur Mitte des Kör-
pers hinaufläuft. — Bei der tichogonia kann also der retractor
nicht die Funktion haben, die Eier bei der Geburt aus dem Eier-
gange zu drücken, deren v. Bär *) bei der anodonta scharlsin-
nig erwälınt. 3
Da die beiden stärkern hintern Schenkel des refractor von
den Schalen her sich vereinigen, und dann die Byssus aufneh-
men, so haben sie mit der Byssos die Form eines y, an wel-
chem die Byssus den Schweiß darstellt, und die "Funktion einer
*) Meckel’s Archiv. Jahrg. 1830. Heft 4.
\
#
12
u
Sehne versieht. Bei der Kontraktion des Muskels wird daher
das Thier dem äufseren Anheftungspunkte genähert, wvobei sich
zugleich die Schalen schliefsen müssen. Die vorderen Bündel
des retractor verlüten hierbei, dafs die Byssus mit den hinteren
zurückgleite. — Die Schliessmuskeln der Schale scheinen durch
das Hinzukommen der Byssus keine Veränderungen zu erleiden.
Der zungenförmige Muskel zeigt bei allen Muscheln, deren
Byssus Fäden enthält, auf der unteren Fläche in seiner Mitte
eine Längsfurche (F. 5. {.), die nahe an der Spitze mit einer sehr
kurzen Queerspalte aufzuhören pflegt. Sie ist sehr tief, und in
der Tiefe ausgehöhlt, so dafs sie im Queerdurchschnitt die Con-
tour einer Flasche mit sehr weitem Halse zeigt, und durch An-
einanderlegen der Ränder einen Kanal bilden kann. An der
Wurzel der Zunge verläuft diese Furche in eine Höhle (die Bys-
sushöhle, cavum byssiferum F.5.c.), welche sich im musculus
retractor befindet, da wo seine verschiedenen Faseikel radien-
förmig auseinander laufen. Diese Höhle nimmt die Byssus auf,
um welche sie sich eng anschlielst; ihr Eingang ist etwas eng
und enthält Cirkelfasern. Auf dem Boden der Höhle sind ge-
wöhnlich zwei seitliche Vertiefungen, deren jede in einen von
den dicken hintern Fascikeln hinabsteigt. Aufserdem ist der
ganze Boden uneben, denn er zeigt gewöhnlich tiefe, schmale
Furchen, bisweilen auch rundliche blinde Löcher. Diese sind in
die Muskelsubstanz eingedrückt, und so wie die ganze Höhle mit
einer feinen Membran ausgekleidet. — Auf dem zungenförmigen
Muskel sieht man bei der Zichogonia zu beiden Seiten der Längs-
furche einen weilsen undurchsichtigen Streifen, der von der Höhle
anfangend mit wachsender Grölse hinansteigt, und an der Spitze
der Zunge noch die kleine Queerfurche umkreist (die Byssus-
» drüse, glandula byssipara F.5.g.). Unter dem Mikroskope sieht
man, dafs die parenehymatöse Masse, die diesen Streifen bildet,
aus rundlichen acini besteht. Bei den meisten andern Muscheln
ist dieser Streif wenig oder gar nicht bemerkbar, weil die Haut,
die ihn bedeckt, undurchsichtig oder gefärbt ist, während der
ganze zungenförmige Muskel der fichogonia sehr hell, fast durch-
sichtig ist. Zieht man bei dem mytilus edulis den oberen Theil
der Längsfurche und die Queerspalte auseinander, so sieht man
an dieser, wie auch bei der tichogonia eine halbmondförmige
13
Platte, die mit der Convexität nach der Spitze der Zunge sieht.
Am concaven Rande bemerkt man beim myf. edulis mit Hülfe
einer Lupe 7 Oeflnungen, deren 3 mittlere größser sind (die Aus-
führungsgänge der Byssusdrüse F. 6.). Es ist schwierig, sie zu
finden, da sie in der Tiefe der Querfurche liegen, die man durch
eingesteckte Nadeln auf einer convexen Unterlage stark ausdeh-
nen muls, wobei die feine Membran, welche sie überzieht, leicht
zerreilst, und die Oeffnungen verhüllt. Keunt man erst den Ort
genau, so sieht man sie unter günstigen Umständen mit blofsen
Augen. Bei der fichogonia konnte ich diese Oeflnungen, die hier
gewils in ähnlicher Form existiren, da die ganzen zungenförmi-
gen Muskeln bei beiden Thieren so ähnlich sind, wegen zu gro-
fser Kleinheit und Laxität des Gewebes nicht auffinden. Eben
so wenig gelang mir dies bei den übrigen Gattungen, die gröfs-
tentheils durch langes Liegen in Weingeist sehr stark zusam-
mengezogen waren,
Der zungenförmige Muskel bekommt die meisten Zweige
eines Ganglion (g. Magnili), das dicht unter seiner Wurzel liegt,
und die ganze Byssusspinnerei dirigirt. Es schickt, wie bei der
anodonta, zwei an der Speiseröhre hinaufgehende Verbindungs-
zweige zu den beiden Ganglien am Schlunde. Da dieses Gan-
glion tiefer als die vorderen Schenkel des retractor liegt, die
Schlundganglien aber ganz oberflächlich, so durelibohren diese
Verbindungszweige bei der tichogonia jene Schenkel an ihrem
oberen Drittheil. Der Nervenknoten ist durch einen mittleren
Eindruck tief zweitheilig, und schickt bei der Zichogonia zwei
Paar Hauptnerven zum zungenförmigen Muskel, deren einer zur
vorderen, der andere zur hinteren Seite geht. Diese beiden Ner-
ven entspringen bei dem myt. edulis als ein gemeinschaftlicher
Stamm, der nach seinem Ursprunge noch an Slärke zunimmt.
Ein viertes Nervenpaar geht zum hint@en Theile des m.' retra-
etor, und theilt sich bald in zwei Aeste, die ich bei tichogonia
auch getrennt entspringen sah. — Bei myt. edulis geht auf der
Mitte des zungenförmigen Muskels, seiner oberen an dem Körper
anliegenden Fläche sehr nahe, eine starke Arterie, die sich da,
wo an der vorderen Fläche die Längsfurche aufhört, in mehrere
Zweige theilt. Diese schlagen sich an der Spitze nach der un-
teren Fläche um, vervielfältigen sich sehr, und bilden eine Menge
parallel herablaufender Zweige.
“
»
14
Der zungenförmige Muskel ist ein überaus wichtiges Organ
für die Byssifeıen. Er dient zum Spinnen der Byssus; bei der
fehlenden Lokomotivität als Tastorgan, bei einigen selbst als Be-
wegungsorgan nach Zerstörung der Byssus (fichog); bei anderen
scheint dies wegen der relativen Kleinheit zum Körper unmög-
lich (pinna). Zu allen diesen Funktionen wird er durch eine
äulserst; mannigfallige Beweglichkeit geschickt, denn er kann sich
wie ein Elephantenrüssel weit ausdehnen und sehr zusammen-
ziehen, auch jede seitliche Bewegung ausführen.
Die Byssus zeigt im getrockneten Zustande eine hornartige,
feste Substanz. Mit Wasser befeuchtet nimmt sie schnell an Vo-
lumen zu, wird biegsamer, und die Fäden den Haaren ähnlich.
Sie nimmt dadurch indessen nieht immer ihre ursprüngliche Ge-
stalt genau wieder an, da man bei einigen Arten (fridaena) die
Figuren der Durchschnitte weniger deutlich und etwas verändert
sieht. Man bewahrt sie daher am besten in schwachem Wein-
geist auf.
An der Byssus mufs man zwei Theile unterscheiden. Der
obere, der die Verbindung mit den äufseren Körpern eingeht,
und in deh meisten Fällen aus Fäden besteht (F. 1. /.), enthält
eine einfache Materie, die man vorzugsweise Byssusmaterie nen-
nen kann. Der untere Theil, der die Verbindung mit dem Kör-
per des Thieres eingeht, und gewöhnlich einen Stamm bildet,
von dem jene Fäden ausgehen (F. 1. r. a.), enthält aufser der
Byssusmaterie noch eine Verbindungsmaterie. Von dieser ist
schon oben gesagt, dals sie die Verbindung mit dem Körper des
Thieres vermittele. Sie verbindet sich auf zweifache Weise mit
der Byssusmaterie; entweder hüllt sie diese ein, oder sie wird
von ihr eingeschlossen. Im letzteren Falle herrscht bei der Bys-
susmaterie die Ausdehnung in die Fläche vor, sie schlägt sich
um die Verbindungsmaßrie herum und bildet eine Art Rinde,
die ein Gemisch von Byssus- und Verbindungsmaterie einschliefst,
Seltener ist die Rinde auf einer Seite sehr verdickt, oder fehlt
dann wohl an dem übrigen Umfange ganz. Im ersten Falle
herrscht in der Byssusmaterie die Fadenform vor, die Verbin-
dungsmaterie dringt zwischen und um sie und hüllt sie ein.
Hiernach zerlällt alle Byssus in zwei Klassen, in solche mit einer
Byssüsrinde und in Byssus ohne diese. — Der unterste Theil des
15
Stammes, der in der Byssushöhle steckt, und gewöhnlich in La-
mellen oder Fasern gespalten ist, heifst die Wurzel. Der Stamm
selbst tritt zwischen den Schalen des Thieres hervor, um seine
Fäden mit irgend einem äulsern Körper zu verbinden. In den
Schalen befindet sich deshalb ein besonderer Ausschnitt, der aber
oft sehr flach ist.
B. Ueber Byssus und die betreffenden Organe bei
einzelnen Arten.
a) Byssus mit einer Byssusrinde und
a) mit Fäden.
1) Tichogonia Chemnitzii Rolsm. In der Byssus-
höhle (F.5.c.) treten die beiden seitlichen Verliefungen wenig
zurück, sie sind fast nicht tiefer als der mittlere Theil. Der
ganze Boden der. Höhle ist von Furchen uneben, in denen die
Richtung nach ‚der Längsachse des Thieres vorherrscht, die aber
doch nach dem vorderen Theile, der Höhle convergiren. Nach
hinten sieht man oft eine oder zwei, die sich durch ihre Breite
auszeichnen. Am vordern Theile des Bodens, wo die Furchen
convergiren, ist eine ebene Fläche, die seitlich noch von den
"Furchen umzogen ist, und auf welcher die Längsfurche des zun-
genförmigen Muskels endet. Dieser ist schon oben. beschrieben,
Er ist in seinem ganzen Umfange so ausdehnbar, dafs ich einst
seine Wurzel mit der ganzen Byssus aus der Schale, heryorge-
‚sireckt fand.
Die Byssus hat einen 3—4“’ langen Stamm, der nach oben
schnell an Dieke abnimmt. Seine Spitze ist besonders bei älte-
ren Individuen immer wie abgenagt. An der dem zungenförmi-
gen Muskel zugekehrten Seite entspringen eine grolse Menge
Fäden von ihm, sobald er aus dem Körper des Thieres hervor-
getreten ist. Die der Basis zunächst. entspringenden sind. die
stärksten und längsten, so dafs sie nach der Spitze zu mit der
Dicke des Stammes selbst abnehmen. Seine Basis ist bisweilen
ziemlich rund, gewöhnlich aber länglich, an der Seite, wo sich
die Fäden inseriren, breiter und abgeplattet, also fast herzförmig
"(F. 4.).
In den Furchen der beschriebenen Höhle steckt die Wurzel
der Byssus, die aus ziemlich dieken, der Form der Furchen ent-
“
T
16 /
sprechenden und senkrecht neben einander gestellten Lamellen
von weilser Farbe besteht. Die Wurzel löst sich durch Mace-
ration in Wasser oder Weingeist von selbst, aber aus dem fri-
schen Thiere gerissen nimmt sie die Wandungen der Höhle zum
Theil mit sich fort. Diese Lamellen steigen senkrecht aus den
Furchen empor, und verbinden sich noch innerhalb der Höhle
mit ihren breiten Flächen zu dem Stamm der Byssus. Da die
Lamellen senkrecht aus den Furchen emporsteigen, bleibt an
der vorderen Seite, wo sich auf dem Boden der Byssushöhle
statt der Furchen jene ebene Fläche befindet, eine Lücke oder
Aushöhlung im Stamme. Sie nimmt nach oben ab, und ist da,
wo die untersten Fäden abgehen, schon ganz ausgefüllt. Die
Masse, welche sie ausfüllt, besteht aus dünnen übereinander ge-
legten Schichten, die schräg gegen die Achse des Stammes ein-
fallen, und mit’ dieser nach oben einen sehr spitzen Winkel
bilden. Die untere Seliicht mufs also die obere deeken, und
reicht bis ganz nahe an ihren oberen Rand. Sie liegen also wie
Dachziegel oder Schuppen, nur dafs sie weiter über einander
greifen. Dies ist die oben erwähnte Byssusrinde, die hier nur
an einer Seite des Stammes in die Vertiefung gelegt ist. Im
Queerdurchsehnitte (F. 4.) zeigen sich die Lamellen, welche aus
der Byssushöhle aufsteigen, als breite Längsstreifen; in ihnen
bemerkt man dunklere schmälere Streifen (die Verbindungsma-
terie r), die bisweilen darmähnliche Windungen machen, und
von helleren Einfassungen (i) umgeben sind. Oft lassen sich in
der Mitte einige größsere Abtheilungen erkennen, die den hin-
tern breiten Furchen entsprechen. Die beiden Substanzen (r,i)
sind immer geschieden, gehen nie in einander über. Die eben
beschriebenen Schichten zeigen sich als sehr feine Qucerstreifen
(e) und füllen am obern breiten Theile der Figur den Raum,
welcher weiter unten an der Wurzel als die beschriebene Lücke
leer stand. Sie schmiegen und fügen sich um die dieken Längs-
streifen, bilden Bögen um ihre konvesen Umrisse, und schieken
spitzige Winkel in ihre Zwischenräume. Auch wird man’ nie
finden, dafs eine Queerlinie, die nach der Mitte za zwei, nach
oben drei Bögen macht, bei diesen Bögen absetze, sondern sie
zieht sich ununterbrochen aus den Winkeln wieder hervor. Zu
beiden Seiten aber verlieren sich die Bögen in den hellern Strei-
fen
Rn,
* .
17
fen (i), von welchen sie sich nicht abscheiden lassen. Es ist
also zwischen den Schichten (c) und dem helleren Theile der
Lamellen (i) ein entgegengesetzies Verhältnifs, als unter: den
beiden Substanzen der Lamellen (r,:). Dasselbe zeigt sich sehr
auffallend in dem Längendurehschnitte queer durch die Lamellen,
also von rechts nach links durch F. 4. Die Schichten (c) wel-
che hierbei mehr von einander gespalten als geschnitten werden,
zeigen sich als breite Streifen, die sich nach der Wurzel zu un-
‘merklich in die hellere Materie der Lamellen (i) verlieren, um
ihren dunklern Theil (r) aber wegziehen wie flielsendes Wasser
um einen Brückenpfeiler. Der andere Längendurchschnitt, wel-
eher queer durch die Schichten geht, die Lamellen aber nur von
einander spaltet, stellt die Schichten (c) als Linien dar, welche
von oben und aufsen nach unten und innen verlaufen, sich also
der Achse des Stammes nach unten nähern. Hier sieht man
sehr deutlich, dafs die Fäden der Byssus nur Forlsetzungen der
Schichten sind, denn jede Schicht läuft nach oben olıne Aende-
rung der Substanz oder Unterbrechung der Form in einen Faden
aus. Oft sind mehrere Fäden an ihrem Ursprünge zu einem
dickeren Aste verschmolzen. — Da sich die Schichten, wie
gesagt, nur in der dem zungenförmigen Muskel zugekehrten
Lücke finden, so müssen sich natürlich auch alle Fäden von
dieser Seite dem Stamme inseriren.
Mit dem beschriebenen Zusammenhange der verschiedenen
Materien der Byssus, wie sie die mikroskopische Untersuchung
gelehrt hat, stimmt auch seine Spaltbarkeit genau überein. Er-
greift man einen der untersten Fäden, der also nicht durch über-
gelegte Schichten fest gehalten wird, so kann man ihn wie einen
Zweig vom Stamme abspalten; er reilst nicht nur seine Schicht
mit sich fort, sondern geht zur Wurzel bis in die helle Substanz
der noch getrennten Lamellen hinunter, die ihm dann in Form
von Franzen anhängt. Das Mikroskop zeigt alsdann die voll-
kommenste Continuitlät von den Franzen durch die Schicht zum
Faden, ebenso als bei allen übrigen Arten der Byssus. — Die
Verbindungsmaterie bildet also senkrecht stehende Platten, an
"deren vordere Seite sich die Schichten anlegen, welche nach
oben in die Fäden auslaufen, nach unten aber dünner werdend
zwischen und um jene Platten dringen, und dieselben einhüllen.
IIL. Jahrg. 1. Band. 2
18 ”
Die Fäden sind wie die geschiehtete Masse schwarzbraun,.
unter dem Mikroskope hellbraun. Neu entstandene Fäden und
ihre Schichten sind aber weils; sie färben sich erst nach einigen
Tagen, lassen sich aber nicht wieder weils waschen, weil die
Färbung durch die ganze Masse geht. Die Fäden sind eylin-
drisch mit feinen Queerrunzeln, bei einem grofsen Exemplare
22.000, bei einem jüngern 14.000 Par. Lin. dick. An dem Ende,
welches an dem äufseren Gegenstande geheftet ist, gehen sie in
eine kleine rundliche Platte über, wodurch die adhärirende Flä-
che, vergrölsert wird. Auf ähnliche Art befestigen die spinnen-
den Insekten ihre Fäden.
2) Tridacna elongata Lam. Die ganze Byssus ist F.1,
in natürlicher Grölse; abgebildet, weil die äulsere Ansicht sehr °
instruktiv ist. Das aus der Schale genommene Thier war etwa
9“ lang. Die Byssusfäden inseriren sich dem Stamme alle von
einer Seite, wie bei der vorigen Art. Der Stamm nimmt nach
oben an Dicke ab, ist zurückgekrümmt, und seine Spitze war
auch hier zerstört. Die Byssus ist sehr schlaff und biegsam, von
schmutzig-gelber Farbe. In wie weit sie durch das Aufbewah-
ren in Weingeist verändert ist, kann ich nicht bestimmen.
Der zungenförmige Muskel ist kurz uud dick, und enthält
eine starke Längsfurche, die an ihren Lefzen mehrere erhabene
Linien zeigt. An seiner Spitze liegt eine dunkele parenchyma-
töse Masse, vermuthlich die Byssusdrüse, deren Ausgänge aber
nach dem langen Aufbewahren in, Weingeist nicht mehr aufzu-
finden waren. Wo die Furche in die Byssushöhle hinabsteigt,
wird sie breiter, und schliefst in ihrer Milte eine V-förmige Er-
habenheit ein, dann geht sie zu beiden Seiten in die beiden
Hauptvertiefungen der Höhle hinab. Diese haben auf ihrem Bo-
den kleinere Vertiefungen, in welchen wieder kleinere blinde
Löcher sind u. s. w., dafs der ganze Boden, selbst die Erhaben-
heit, welche die beiden seitlichen Hauptvertiefungen trennt, ganz
uneben wird.
Die Wurzel besteht, wie Fig. zeigt, aus Fasern, die sich zu
kleinen Fascikeln verbinden; diese vereinigen sich zu grölsern,
und bilden zuletzt zwei Hauptbündel, zwischen denen noch
einige schwächere stehen. Diese größsern und kleinern Faseikel,
und endlich die Fasern werden von den Vertiefungen auf dem
%
*
19
Boden der Byssushöhle aufgenommen, und entsprechen ihnen
genau der Form nach. Die Hauptbündel bilden endlich zusam-
mentretend den Stamm (r a). Dieser wird von Scheiden um-
schlossen, von denen die untere immer die obere so weit umfalst,
dafs nur der Rand der oberen frei bleibt. Es verhält sich also
wie bei tichogonia, wenn man sich die Schichten zu vollständi-
gen Ringen um den Stamm ergänzt denkt. „So erhält der Stamm
eine Rinde, und es entsteht das Ansehn, als wenn man viele
Becher gleicher Gröfse in einander setzt, was an der von den
Fäden freien Seite der Byssus gut zu sehen ist. Jede Scheide
geht an ihrem oberen freien Rande in einen Faden über, wie
eine nach antikem Muster geformte Kafleetasse in ihren geschweif-
ten Henkel ausläuft. An der Seite, wo die Fäden sitzen, sind
die Scheiden und folglich die ganze Rinde dicker als an der ent-
gegengesetzten. Nach unten laufen die untersten Scheiden an
der Wurzel hinab, zerästeln sich mit ihr, und hüllen, dünner
und zarter werdend, die Bündel, zuletzt jedes feinste Fäserchen
besonders ein, und hören nahe an seinem unteren Ende auf. Sie
umschliefsen also oberwärts den ganzen Stamm, wie ein Hand-
schuh die Handwurzel, dann die einzelnen Bündel, wie dieser
die einzelnen Finger u. s. w., jedoch so, dafs die letzten Enden
offene Röhrchen bilden, aus denen die Fasern hervorblicken.
Hiervon kann man sich überzeugen, wenn man die ganze Scheide
bei ihrem Faden ergreift und abzieht; dies gelingt jedoch nicht
ohne Spaltung, weil das unterste Ende der Wurzel dicker ist.
Ganz ebenso, wie es von den untersten Scheiden an der Wurzel
demgprstrirt ist, verzweigen sich auch die übrigen, wie dies un-
ten seine Erklärung finden wird.
Im Queerdurchschnitt erscheint die Rinde als breiter Ring
(F. 3. A.), der aus concentrischen Schichten gebildet ist. Sie
entsteht aus dem Durchschnitte der in einander geschobenen
Scheiden. Der Ring schliefst zwei Haupifelder ein, die bei
Durchschnitten, die der Wurzel näher geführt werden, noch
stärker getrennt sind. Jedes der Hauptfelder hat wieder seine
besondere Rinde, und schliefst wieder 2—4 Felder zweiten
Ranges ein, die ebenfalls ihren besondern, aus concentrischen
Schiehten bestehenden Rahmen haben, und so geht es fort, bis
ınan auf die Fasern der feinsten Bündelchen kommt, die nur
y%*
20
noch kaum sichtbare Streifchen "zwischen sich haben, Fig. 3.
AN. a. a. «. zeigt Schichten der Rinde, (die Felder verschie-
denen Ranges einschliefsen. Jede Schicht der Rinde ist vorn
breiter als hinten und bleibt zur Gröfse des Feldes in proporlio-
nirter Breite. Auf diese Weise entsteht der Schein einer schö-
nen Ramificalion. Die Abtheilungen in Felder stimmen mit den
Theilungen der Wurzel in Faseikel überein.
Alle Rahmen, welche den ganzen Durchschnitt oder ein-
zelne Felder einfassen, entsprechen bei der Zichogonia den Schich-
ten (F.4.c.) und ihren Fortsetzungen (i) (Byssusmaterie). Die
von diesen umschlossenen Fasern aber (F.1.r) den dunkeln
Streifen des fich. (F. 4. r) (Verbindungsmaterie). Die Byssus-
materie erscheint bei halbem Lichte unter dem Mikroskope weils,
während die Felder durchsichtig bleiben, und hat die Eigenschaft,
unter einem gewissen Einfallswinkel desLichtes prachtvoll violet
zu opalisiren, was man durch Drehung des Spiegels herbeiführen
kann. Auch mit blolsen Augen kann man. dies bemerken. Die
Durchschnitte der Byssusfäden haben dieselbe Eigenschaft, nie
aber opalisirt das Innere eines kleinen Feldes. Im Längendurch-
schnitt sieht man Streifen von sehr verschiedener Breite, welche.
von den Durchschnitten der breitern oder schmälern Rähme der
Felder gebildet werden. Auch hier zeigt sich nie ein-Uebergang
der Byssusmaterie in die Verbindungsmaterie.
Die Fäden sind unten, wo sie in die Scheiden übergehen,
sehr breit, und schliefsen hier mit einem verdiekten Saume (F.1.
m.) denmittlern sehr durehsichtigen. Theil ein. . Weiter. oben
werden die Fäden schmäler, haben aber in ihrem Durchschnitte
viele Buchten und Hervorragungen (F. 2.). Am Ende, wo sie
sich an dem äufsern Körper befestigen, sind sie ebenfalls verdickt,
haben aber nicht eine so zierliche Anheftungsplatte, als die Bys-
sus der fichogonia.
3) Malleus vulsellatus Lam. Das Thier ist mir unbe-
kannt, indessen kann man aus der Form der Wurzel der Byssus
schliefsen, dafs die Byssushöhle zwei seitliche Vertiefungen hat,
die mit feinen Furchen bezogen sind. Die Byssus, deren Länge
etwa 9° ist, hat das Eigenthümliche, dafs der Stamm sich über
der Wurzel wohl 4 mit gleichmäßiger Stärke erhebt, ohne
Fäden abzuschicken, was bei anderer Byssus schon dicht über
\)
“2
21
der Wurzel geschieht. Wo die Fäden anfangen abzugehen,
nimmt er schnell an Dicke ab und ist rückwärts gebogen; seine
Farbe ist dunkel olivengrün, die der Fäden etwas heller. Diese
inseriren sich alle von einer Seite, sind an ihrer Basis unter ein-
ander verklebt, und heften sich ebenfalls durch eine kleine Platte
an die äulseren Gegenstände.
Die Wurzel besteht aus Lamellen, die in der Mitte eine
hellere Masse (die Verbindungsmaterie) einschlielsen. Sie steigen
in dem Stamme auf, und zeigen sich beim Queerdurehschnitt in
Form eines Hufeisens (F. 8. r), was indels nicht ganz constant
ist, denn der eine Schenkel ist bisweilen sehr klein oder fehlt
ganz. Das Innere des Hufeisens ist durch eine geschichtete Masse
ausgefüllt, welche sich am offenen Theile des Hufeisens nach
aulsen fortsetzt, und eine ringförmige Rinde bildet (c). Im Län-
gendurchschnitt (F.9.), der in dem abgebildeten Falle das Huf-
eisen zweimal traf (r. s), dessen einer Schenkel (s) aber ver-
wittert ist, sieht man,\ wie sich aus der geschichteten grünen
Masse (ec) undulirte schmale Linien in den weifsen von den La-
mellen gebildeten Streifen (r) fortsetzen, und eben den dunklern
Theil der Lamellen bilden. Nach oben laufen die Schichten (c)
in Fäden (f) aus. Man sieht leicht, dals diese geschichtete Ma-
terie ebenfalls Scheiden bildet wie bei der tridacna. Indessen
lassen sie sich nicht so abziehen, weil diese ek viel fester
und härter ist.
4) Mytilus edulis Linn. Der zungenförmige Muskel mit
der Byssusdrüse und deren Ausführungsgängen ist schen oben
besehrieben. Die Byssushöhle findet sich an der analogen Stelle
im musculus retracior, wo dessen verschiedene Bündel radien-
förmig zusammenstolsen. Sie enthält sehr schmale und tiefe
Furchen, die ziemlich nach der Längenachse des Thieres verlau-
fen, und in eine gelbe parenchymatöse Masse eingedrückt schei-
nen. Von dieser lassen sich die anstolsenden Muskelfasern bei
Individuen, die lange in Weingeist aufbewahrt sind, leicht und
scharf trennen. Das Parenchym ist aber nichts dem myt. edulis
eigenthümliches, sondern entsteht bei der Schmalheit und Tiefe
der Furchen durch die Faltung der Membran, welche ‚die Bys-
sußhöhle auskleidet. In diese Furchen greift die lamellöse Bys-
suswurzel ein.
22
Die Byssus hat einen schlanken, fast cylindrischen, langen
Stamm, der an der Spitze immer mangelhaft ist. Die Fäden
inseriren sich gewöhnlich von einer Seite, seltener abwechselnd
oder ohne bestimmte Ordnung. Sie sind lang, queergerunzelt,
und heften sich mit einer grolsen elegant geformten Platte aulsen
fest. An seiner breitern Basis mafs einer 80.000 unter dem
Plättchen 50.000 Par. Lin. Die Byssus ist überhaupt schön ge-
formt und glänzend, ihre Farbe gelb bis bräunlich. v
In den Lamellen konnte ich ihrer Feinheit wegen nicht die
beiden Substanzen unterscheiden, doch existiren sie ohne Zweifel
auch hier. Die Lamellen erheben sich in grolser Anzahl neben
einander, und bilden das Innere des Stammes. Aehnlich als bei
der Zridacna in einander geschobene Scheiden bilden eine Art
Rinde um den Stamm. Ihr freier oberer Rand läuft in einen
Faden aus; nach unten kommen sie zu den Lamellen, und setzen
sich in diese fort wie die Schichten der tichogonia und des
malleus. Zieht man den untersten Faden rückwärts, so nimmt
er seine Scheide mit, die sich dabei umkehrt wie ein Handschuh-
finger, und sich von den Lamellen in Form von Franzen ab-
spaltet. Setzt man diese Arbeit an den folgenden Scheiden fort,
so wird der Stamm zuletzt nach unten spindelförmig zugespitzt.
Im Längendurchschnitt stellen sich die Scheiden als Linien dar,
die oben und 'aulsen anfangend im Herabsteigen der Achse des
Stammes näher kommen, und endlich in die Lamellen übergehen.
Im Queerdurchschnitt des Stammes zeigt sich die Rinde (F.7. c.)
ringförmig und aus concentrischen Kreisen bestehend; sie schlielst
zarte weilse Linien ein, die Durchschnitte der Lamellen. Diese
gehen in mannigfaltig gewundenen Linien, wie die Blätter in
einem Pack Papier, welches man am Schnitt zusammendrückt,
dals es sich in Bögen und Falten legt, die einzelnen Blätter aber
doch ziemlich parailel bleiben. In den Fächern der Byssushöhle
liegen sie mehr gerade ausgestreckt. Bei dünn gerathenen Durch-
schnitten weichen diese Linien oft auseinander, dafs man dazwi-
schen durchsehen kann; auch von den Scheiden, welche die
Schichten der Rinde bilden, lösen sich nicht selten einige ab
(F. 7. d.). Auch sieht man hier, wie die äufsersten in die Fäden
(f) auslaufen, die’sich in dem abgebildeten Falle an beiden Sei-
ten des Stammes inseriren, was seltener ist. Einigemal sah ich
®
23
auch einen Faden, der durch einen error loci mit seiner Scheide
einen andern Faden umfalste, anstatt sich am Stamme zu inse-
riren. ’
5) Mytilus exustusLinn. Die Byssus ist viel kleiner als
die vorhergehende, übrigens ganz analog gebildet. Die Farbe ist
fuchsbraun, und der einzige Unterschied möchte sein, dafs die
Lamellen im Stamme ziemlich gerade neben einander liegen.
“ 6) Pecten varius Lam. Die beiden Schenkel des zun-
genförmigen Muskels, die bei dem m. edulis ganz getrennt von
den Schalen entspringen und sich dann über dem muse. retractor
vereinigen, liegen hier verschmolzen zusammen, und entspringen
beide von der rechten Schale dicht über dem dicken adductor;
sie fassen die Byssushöhle zwischen sich. Der zungenförmige
Muskel und die Byssushöhle erhalten hierdurch eine schiefe Lage
zum Thiere, so dafs der Muskel der linken Schale näher liegt,
und mit der Furche gegen die rechte sieht. Die Byssus geht
aus dem grölseren Ohre heraus. Der zungenförmige Muskel hat
eine tiefe Furche, die aus der Byssushöhle heraufsteigt, die aber
in der Tiefe nicht erweitert und ausgehöhlt ist, sondern einem
einfachen, mit dem Messer gemachten Einschnitte gleicht. Sie
läuft nieht hoch nach der Spitze des Muskels hinauf, sondern
endet schon früh ganz einfach. ‘Kurz über ihrem Ende hat der
Muskel eine Einschnürung, auf die noch ein kugeliger Anhang
folgt (wie eine Hermessänle). Dieser hat ebenfalls einen kurzen
liefen Längeneinschnitt, der eben so wenig als die untere Furche
in der Tiefe ausgehöhlt ist. Er zieht sich vorn tiefer hinunter
und scheint in einen kleinen Kanal (Ausführungsgang der Bys-
‚susdrüse?) auszulaufen, was ich bei dem sehr kleinen Exemplare,
was mir zu Gebote stand, nicht deutlich erkennen konnte. Die
Lippen dieser Furche haben sehr feine, aber scharf ausgeprägte
Längsstreifen. Die Byssushöhle hat schmale tiefe Furchen und
und erstreckt sich weit zwischen den Schenkeln des zungenför-
migen Muskels hinunter.
Die Wurzel der Byssus besteht aus feinen, parallel neben
einander liegenden Lamellen, die auch diese Lage im Stamme
behalten. Der Stamm ist kurz, pyramidal, und wird von Schei-
den umfafst, die nachgiebig, lax und leicht abzuziehen, übrigens
sich wie beim m. edulis verhalten. Die Fäden, in welche die
24
Scheiden oben auslaufen, sind platt und bandartig, mit feinen
Längsstreifen versehen, und heften sich mit einem verdickten
Ende aufsen an, wobei oft mehrere verklebt sind. Die Lamellen
sind weils, Fäden und Rinde schmutzig gelb.
ß. Byssus ohne Fäden.
7) Arca barbata Linn. Der zungenförmige Muskel ist
etwas breit und dick. Er ist der Länge nach zusammengefaltet,
wie der Fufs der Gasteropoden, enthält auch in der Mitte eine
der Länge nach ‚gehende Vertiefung, aber die scharfe tiefe Längs-
furche fehlt ihm. Die Byssushöhle hat einen sehr weiten Zu-
gang; auf ihrem Boden ist in der Mitte eine fleischige Erhöhung,
von welcher ringsum Furchen nach der elliptischen Peripherie
herablaufen.
Die Byssus hat eine paradoxe Form. Sie bildet einen Stamm
ohne alle Fäden, der nach oben an Dicke zunimmt. Er ist von
den Seiten zusammengedrückt und hat vorn und hinten einen
Kiel. Um seine Struktur zu beschreiben, mufs ich mit der Ge-
stalb der Verbindungsmaterie anfangen. Diese ist ein dünnes
Blätichen, welches eine Pyramide (F.10.« r) mit ovaler Basis
bildet, Die vordere Hälfte der Pyramide (c) ist convex, die
hintere (a) concav, so dafs ihre Spitze (wie bei der Schale der
patella) zurückgebogen ist. Die Wände der Pyramide sind aber
nicht eben, sondern das Blättehen bildet Falten wie ein Fächer,
die an der Spitze klein entstehen, und an Gröfse wie an Zahl
zunehmend zur Basis herabsteigen. Die Falten (F. 11. r.) sind
tief und eng, ihr Zugang von aufsen (c.) etwas erweitert. Ihre
Richtung ist beinahe die der Radien des Ovales, doch sind die
äulseren Zugänge etwas mehr nach vorn gekehrt. Da der Schnitt
(F.11.) parallel mit der Basis (F. 10. r.) gelührt ist, so sind die
Falten von ungleicher Gröfse. Mit ihrem unteren convexen Rande
(F. 10. r.) greifen sie in die Furchen der Byssushöhle, deren flei-
schige Erhabenheit ein wenig in den inneren Raum der Pyramide
aufsleigt, denn diese ist hohl und F. 10. zeigt ihre innere Fläche.
Von ihrem äufseren Zugange aus werden aber die Falten mit
einer schichtweise abgesetzten Materie erfüllt (F. 10. 11. c.). Siud
sie fast angefüllt, so folgen Schichten, die beinahe das ganze Oval
umziehen und nur noch einen kleinen Schwung in den Eingang
der Falte hineinmachen (F. 11.). Die Anordnung der Schichten,
25‘
welche die Pyramide einhüllen, ist co (F. 10.): Die innersten
Schichten haben, wie die innersten Jahresringe des Holzes den
kleinsten Umfang, und fallen auf die Spitze der Pyramide ein;
die folgenden umgeben die innersten, und fallen etwas tiefer an
der Pyramide ein; die äufsersten gehen bis zu ihrer Basis her-
unler. Ferner sind alle Schichten an der vordern Seite der Py-
ramide dicker, und verlieren sich meistens schon ganz, ehe sie
die hintere Fläche (a.) erreichen. Also bilden sie auf der con-
vexen Fläche der Pyramide eine dicke Rinde, während die con-
eave kaum durch einige Schichten bedeckt ist. Nach oben be-
festigen sich die Schichten an dem äufseren Körper, woran die
arca hängt. In dem abgebildeten Falle war dies ein Kalkstück,
in dessen Erhabenheiten nnd Vertiefungen sich die Schichten
genau fügten. Die geschichtete Masse zeigt unter dem Mikro-
skope eine gelbbraune Farbe, mit dunklern Grenzlinien, dem blo-
Ssen Auge erscheint sie streifenweise sehr dunkel, dann wieder
bläulich-hornfarben, und zeigt im Queerdurchschnitte oft einen
grünlichen Schein. Die Verbindungsmaterie (Pyramide) ist weils.
b) Byssus ohne Byssusrinde,
«. Wurzel lameilös.
8, 9) Lima squamosa Lam. und glacialis Lam. An
den Thieren, die eingetrocknet waren, konnte ich nicht viel
mehr erkennen. Beide sind sehr ähnlich; der zungenförmige
Muskel inserirt sich mit zwei Schenkeln an den Schalen dicht
bei dem adductor; er ist an seiner Basis verdickt und hat eine
gewöhnlich geformte Längsfurche. Auch hat der m. relractor
zwei vordere Schenkel.
Die Byssus der squamosa ist der des pecten varius sehr
ähnlich. Die Wurzel besteht ebenfalls aus Lamellen, die etwas
winklich gebogen sind. Die Fäden aber sind eylindrisch, heften
sich oben wie immer mit einer kleinen Platte an, werden unten,
wo sie an dem Stamme sitzen, breiter, umfassen jedoch den
Stamm nicht mit einer Scheide, weshalb diesem die Rinde fehlt.
Zieht man einen Faden ab, so spaltet er sich von den Lamellen
und hat unten einen eleganten Strahlenkranz von Franzen, ähn-
lich als es F, 13. abgebildet ist, nur dafs der untere Theil des
Fadens, wo die Franzen entstehen, sehr verdickt ist. Die Fäden
4
26 }
werden also nur dadurch verbunden, dafs sie nach unten in die
Lamellen übergehen, die man sich aus den übereinander geschich-
teten Franzen entstanden denken kann, ähnlich als es von der
meleagrina beschrieben werden wird. Daher zerfällt auch die
Byssus sehr leicht in ihre Fäden. Bei der glacialis geschieht
dies noch viel leichter, so dafs ich hier die Lamellen gar nicht
in ihrem Zusammenhange untersuchen konnte. Die Farbe beider
ist schmutzig gelb.
10) Meleagrina margaritifera Lam. An dem Thiere
konnte ich nur noch erkennen, dafs der obere Theil des zungen-
förmigen Muskels wie gewöhnlich eine tiefe Furche enthält.
Die Wurzel wird gröfstentheils durch die Verbindungsma-
terie gebildet, welche sehr durchsichtig, farblos, in gröfseren
Stücken weils, und ziemlich nachgiebig ist. Sie hat die Form
von Lamellen, die beinahe in der Längsachse des Thieres gestellt
nach vorn convergiren, und wie gewöhnlich in den Stamm auf-
steigen. Die lebhaft grünen Fäden sind, so weit sie aus der
Schale heraushangen, oft ins Gelbliche verschossen, und lassen
sich leicht und ohne Beschädigung vom Stamme abziehen. Oben
haben sie eine ziemlich starke Anheftungsplatte, unlen schicken
sie (F. 13. /.) zu jeder Seite eine Reihe Franzen oder Würzel-
chen (e.) aus, wie ein Federschaft die Fahne. Die Würzelchen
sind an ihrem Ursprunge ebenfalls grün, nehmen dann mit der
Dicke auch an Farbe ab, und erscheinen endlich durchsichtig
und farblos. Auch der Schaft selbst theilt sich am Ende in
solche Würzelchen.
Die Fäden liegen nun ziemlich regelmälsig an einander ge-
schichtet, dafs Schaft auf Schaft und Fahne auf Fahne fällt und
jeder Schaft in jede Lamelle ein Würzelchen schickt. Die dem
zungenförmigen/Muskel zugekehrten Fäden stehen tiefer und sind
länger als die hintern. Dabei steigen die Faden schräg von vorn
nach unten und hinten in die Byssushöhle hinab, weshalb denn
die Schafte (F. 12. f.) auch mehr vorn angehäuft sind, wo die
Lamellen convergiren, und nur die feinen Würzelchen (F. 12. c.)
den hintern Theil erreichen. Hier sind daher auch die Lamellen
regelmäfsig, während sie vorn von den grölsern Körpern (F.)
gestört werden und sich wie ein Bach zwischen Felsstücke um
sie hinziehen. Die kleinen Körper (c.) sind bald kürzer bald
27
länger, je nachdem der Schnitt, mehr gerade oder schief durch
ihre Längenachse fiel. Man sieht an ihnen. auch deutlich, dafs
sie zwar neben einander geschichtet, aber nicht wirklich unter
einander zu einer Lamelle verschmolzen sind, sondern nur durch
die einhüllende Verbindungsmaterie zusammengehalten werden.
?. Wurzel nicht lamellös.
11) Byssus von einer unbekannten Muschel (perna?). Sie
macht den Uebergang zur folgenden. Die Fäden sind sehr stark,
dunkler grün, und haben oben eine ovale Anheftungsplatte. Sie
schicken unten auf ganz ähnliche Art ihre Würzelchen ab, die
aber eylindrisch sind. Die Verbindungsmaterie ist noch durch-
sichtiger und weicher als bei der meleagrina, und hat gar keine
selbstständige Form mehr, sondern füllt nur die Räume aus, die
zwischen den Fäden und Würzelchen übrig bleiben.
12) Pinna nobilis Poli. Der zungenförmige Muskel ist
zur Grölse des Tlıiieres sehr zierlich und schmal, doch ziemlich
lang. Er zeigt wie gewöhnlich die Längsfurche, welche an der
Spitze mit einer kleinen Queerspalte endet. Die Längsfurche
steigt in die Byssushöhle hinab, und theilt sich an ihrem Ein-
gange in 4 Zweige, die durch 3 spitzwinklige Erhabenheiten
von einander getrennt werden. Die parenchymatösen Streifen
(Byssusdrüse) welche die Furche auf dem zungenförmigen Muskel
begleiten, zerästeln sich mit ihr, und fassen jede der 4 kleinen
Furchen von beiden Seiten ein. Die Byssushöhle, die sich an
der analogen Stelle findet, hat 4 tiefe schmale Gruben, deren
je zwei in den sehr dicken hintern Schenkeln des m. retractor
bis fast zur Schale hinabgehen. Auf dem Grunde dieser 4 Gru-
ben setzen sich die 4 Zweige der getheilten Längsfurche fort,
werden immer feiner und entsprechen den gleich zu beschrei-
benden Fäden an Dicke. Bei einem mehrere Jahre in Spiritus
aufbewahrten Individuum konnte ich sie noch über einen Zoll
weit nach der Theilung in die Gruben verfolgen. Der Eingang
zur Byssushöhle zieht sich zuerst unter einer dünnen muskulösen
Decke fort, wird hier von den heraustretenden Fäden angefüllt
und geht dann in die Tiefe zu den 4 Gruben.
Die Byssus ist ohne Stamm. In den beschriebenen Gruben
sieht man ein Fascikel sehr feiner Fäden, die in Wellenlinien
(bei einem in Weingeist aufbewahrten Exemplare) vom tiefsten
-
+
28
> a
Ende der Grube, die dadurch ausgefüllt wird, heraufsteigen.
Diese Fäden sind in einer sehr durehsichtigen Masse eingeschlos-
sen, der Verbindungsmaterie, welche alle Räume zwischen ihnen
genau ausfüllt, und das ganze Bündel etwas zusammenhält, die
aber noch weniger eine selbstständige Form hat als bei der vori-
gen Art. Die Fäden sind ganz nnten farblos, zirkelrund in ihrem
Durchschnitt und werden von der Verbindungsmaterie, die hier
verhältnifsmälsig reichlicher und daher auch leichter zu bemer-
ken ist, festgehalten. Sie heften sich eben so wenig an den
Boden, als dies bei den vorigen Arten der Fall sein konnte. Sie
steigen mit wachsender Grölse herauf, werden röthlich und in
ihrem Durchschnitte zusammengedrückt. Wo die Fächer der Bys-
sushöhle zusammen kommen, vereinigen sich je 4 zu einem stär-
keren einfachen Faden, der unter dem Mikroskope ‘schön gelb
erscheint. Es war mir nicht möglich, die 4 Wurzeln eines Fa-
dens bei ihrer Feinheit einzeln durch das Gewirre zu verfolgen.
Deshalb machte ich folgendes Experiment, um zu sehen, ob jede
Wurzel in eine andere Grube gehe. Ich zog einen Faden aus,
stutzte die Wurzeln ab, und legte ihn in Wasser, wo die vier
Wurzeln ihre natürliche Richtung annehmen konnten. Hier di-
vergirten sie stets und zeigten also die Richlung nach den ver-
schiedenen Fächern der Byssushöble.
Die Fäden, welche aus der Vereinigung der 4 Wurzeln eni-
stehen, machen eben den aus dem Thiere hervortretenden Theil
der Byssus aus, sind fein, glänzend, von schön kastanienbrauner
Farbe, und malsen 2: Par. Zoll bei einer pinna, deren Schale
16” lang war. Im Queerdurchschnitt erscheinen sie von den
Seiten zusammengedrückt, vorn und hinten winklich. Das obere
Ende heftet sich mit einer zierlichen Platte an äulsere Körper
fest. Ein Faden mals nach der grölseren Queerdimension dieht
unter der Anheftungsplatte 18.000, in der Mitte 14.000, an der
Vereinigungsstelle der vier Wurzeln 29.000. Eine Wurzel nahe
unter der Vereinigungsstelle 10.000, ganz unten 2.000 Par. Lin.
C. Beobachtung der tichogonia beim Spinnen
& der Byssus. »
Diesem Geschäfte habe ich einigemal zugesehen. Sie span-
nen am besten während der Nacht, besonders jüngere Individuen,
29
die abet mobiler sind. Zuerst strecken sie ihren zungen-
förmigen Muskel weitaus der Schale hervor, und suchen tastend
einen bequemen Ort. Finden sie diesen nicht in ihrer Umge-
bung, so kriechen sie langsam und beschwerlich auf demselben
Organe weiter, wohl über ihres Gleichen hinüber und an dem
Rande des Gefälses hinauf, doch können sie auf dem Trucknen
nicht kriechen. Haben sie einen passenden Ort gefunden, so
ziehen sie den Muskel in die Schale zurück, strecken ihn nach
einiger Zeit wieder hervor, lezen dessen Spitze auf den Ort, wo
sie den Faden befestigen wollen, und lassen sie unter einer leich-
ten seillichen Bewegung ein wenig liegen. Sie ziehen hierauf
den Muskel langsam zurück, und es erscheint der Faden weils
und glänzend, und nimmt stets den tiefsten Platz am Stamme
der Byssus ein.
II. Reflexion.
"A. Ueber die Natur und Entstehung der Byssus.
Nach den obigen Andeutungen besteht die Byssus aus zwei
Theilen, der eigentlichen Byssusmaterie und der Verbindungs-
materie. An der Existenz zweier verschiedener Materien kann
man nicht zweifeln, wenn man die scharf begrenzten Fäden der
pinna oder meleagrina mit der sie umhüllenden weichen Masse
vergleicht, oder die opalisirenden Einfassungen der tridacna mit
den Fibern, welche sie einschlielsen, oder die dunkele Substanz
in den Lamellen der tichogonia mit der hellern, die jene um-
zieht, ohne sich je mit ilır zu vermischen. Es bleibt also übrig,
die Gleichheit alles dessen zu erweisen, was wir mit dem Namen
Byssusmaterie belegt haben. Die Byssusfäden, welche eigentlich
aus der Materie bestehen, die Jedermann Byssus nennt, setzen
sich bei der ersten Klasse in die Schichten oder Scheiden fort,
welche die Rinde des Stammes bilden, und diese wieder in die
Lamellen der Wurzel, von denen sie beim Abspalten die Franzen
milnelımen, oder bei der tridaena in die feinen Röhren, welche
die Bündel und zuletzt die einzelnen Fibern der Verbindungs-
malerie einkleiden. In der zweiten Klasse setzen sich die Fäden
unten in den Schaft fort, der die Würzelchen abgiebt, und zu-
letzt sich selbst in solche theilt. Die Franzen der ersten Klasse
sind den Würzelchen der zweiten analog, uud bei beiden zeigt
30
das Mikroskop deu vollkommensten ganz allmäligen Ma,
so dafs man hier an kein Aneinanderkleben verschiedener Sub-
stanzen denken kann. Die Farbe aber scheint den Theil der
Byssusmaterie, welcher sich von den Lamellen in Form der Fran-
zen abspalten läfst, von dem die Fäden und Schichten bildenden
zu. unterscheiden, wie denn auch in der zweiten Klasse die Wür-
zelchen am Ende farblos werden. Allein dieser Theil der Byssus-
materie hat entweder keine abweichende Farbe (wie bei zri-
daena, wo Alles gelblich, oder bei malleus, wo Alles grün und
dunkler ist als die Verbindungsmaterie) oder er ist farblos, und
der Uebergang ist dann'so allmälig, dafs sich keine Grenze be-
stimmen läfst. Der Unterschied der Farbe hat zwei Gründe:
1) Die zunehmende Dünnheit und Zartheit der Franzen und
Würzelehen. Jeder gefärbte durchscheinende Körper er-
scheint bei zunehmender Feinheit zuletzt farblos.
2) Es ist oben bei der tichogonia bemerkt worden, dafs der:
frisch gesponnene Fäden weils sind, und erst dunkel wer-
den, nachdem sie mehrere Tage dem Wasser und dem
Lichte ausgesetzt waren. Der unterste an den Lamellen
befindliche Theil ist aber diesen Einflüssen nicht ausgesetzt,
kann also seine weilse Farbe conserviren.
Hier mufs ich noch eines Irrthums erwähnen, in dem ich
mich während der Untersuchung dieses Gegenstandes selbst län-
gere Zeit befand. Bei Betrachtung eines Queerdurchschnittes
(F. 7. oder 8.) wo sich die Rinde nach innen so scharf von den
Lamellen abzugrenzen scheint, kann man leicht auf den Gedan-
ken kommen, dafs das ganze innere Feld der Lamellen der Ver-
bindungsmaterie angehöre, so dafs diese etwa nach Reaumur’s
Meinung wie ein dickes Haar aus dem Körper hervorwachse, um
welches die Byssusmaterie von aulsen gelegt werde. Allein man
sieht den unmittelbaren Uebergang der Fäden in die Lamellen
bei der meleagrina so sonnenklar, dafs man die analogen Theile
der andern Byssusarten nur hiermit zu vergleichen braucht, un
diese Meinung für immer fahren zu lassen. “
a) Byssusmaterie. “
Alle Byssusmaterie ist das Sekret der oben beschriebenen
Byssusdrüse. Ist das wahr, so muls sie einst flüssig gewesen
sl
{
sein, oder plastisch wie der Kleber, aus welchem die Insekten
ihr Gespinnst machen. Dals sie wirklich so war, folgt
1) weil die Beobachtung lehrt, dafs das Thier den Faden in
kurzer Zeit bereitet. Er kann also nicht wie ein Haar, Sehnen-
faser u. s. w. wachsen;
2) trägt der Faden das unverkennbare Gepräge an sich, dafs
er, wie eine Gypsligur, seine Gestalt in einer Form erhalten
habe, indem er manchen Weichtheilen des Thieres ganz genau
entspricht. So passen die Fäden jedes Thieres in die Längsfur-
che des zungenförmigen Muskels; die Anheftungsplatte in den
oberen erweiterten Theil derselben, wo sie mit der Queerspalte
aufhört. Die Fäden des myiil. edulis sind am unteren Theile queer
gerunzelt, wie die Furche des Thieres; die Fäden der tridacna
haben Längsvertiefungen, die Furche Längserhabenheiten; ihr
unterer breiter Theil palst genau in den breiten Theil der Fur-
che, so dafs der verdickte Saum (F. 1. m.) in die seitlichen Ver-
uch
Erhabenheit der Furche fällt. Der arca, die keine Fäden spinnt,
fehlt auch die Furche am zungenförmigen Muskel. Sie legt nur
die Schichten mit ihrem kurzen Muskel um den Byssusstamm,
den sie seiner Dicke wegen nicht völlig umfassen kann, weshalb
die Schiehten seine hintere Fläche unbedeckt lassen. Die pinn«a
spinnt, ihrer Grölse ungeachtet, mit ihrem langen dünnen Muskel
doch feine lange Fäden, die sich nach unten wie die Furche in
vier Theile theilen. Leider kann ich dies nicht auch von den
Fäden der Perlmutter nachweisen, deren Weichtheile zu sehr
zerstört waren. So sind auch die Scheiden, in welche die Fäden
übergehen, an der vordern dem zungenförmigen Muskel zugekehr-
ten Seite dicker als an der hintern, weil sie der Byssusquelle
näher sind, und bisweilen fehlt das hintere Stück ganz, wie
oben von der arca gesagt, und wie es bei der Zichogonia der
Fall ist. Bei dieser mag der Grund darin liegen, dafs die Rinne
vorn am Stamme die Byssusmaterie auffängt. So: wird bei dem
malleus zuerst das Innere des Hufeisens (F. 8.) ausgefüllt, und
‚nachher umziehen dann die Scheiden den ganzen Stamm.
3) Die Lage der Byssusdrüse ist eine für die genannte Funktion
höchst zweckmälsige. Dals ein Organ eine Drüse sei, ist wohl
nicht zu bezweifeln, wenn man die Ausführungsgänge nachge-
ngen, der mittlere durchsichtige Theil auf die V-förmige
2
32 a
ee) und die rundlichen acini unter dem MikrockOe geschen
hat. Den Byssuskleber herauszudrücken und selbst Byssus zu
spinnen, gelang mir übrigens nicht. Reaumur rühmt sich zwar
dieser Kunst, allein ich hege einen bescheidenen Zweifel gegen
seine Angabe, da er das Sekret bei dem m. edulis aus einem
ganz andern Orte gedrückt haben will, als wo die Oeflnungen
der Byssusdrüse liegen. Das Kunststück mag auch wohl bei
andern Drüsen nicht so leicht gelingen, deren Sekret weniger
diek ist. Man drücke doch die Galle aus der Leber dieses Thie-
res! — Die Zweckmälsigkeit der Lage folgt aus dem Vorgange
beim Spinnen der Byssus. Das Thier legt zuerst den zungen-
förmigen Muskel mit den Oeffnungen der Byssusdrüse an den
Stamm der Byssus, überzieht ihn mit dem Kleber, der dann
durch die ringförmigen Muskelfasern bis. unten zwischen die
Wurzel getrieben werden mag. Durch Zurückziehen des zun-
genförmigen Muskels wird der Kleber in einen Faden 4
der der Furche des ausgestreckten Muskels an Länge gleicht.
(Man hat also an dem Faden ein Maafs für die Länge des zun-
genförmigen Muskels.) Der Faden wird von der Furche aufge-
nommen, weil diese gerade zwischen den beiden Anheftungs-
punkten des Fadens, dem Stamme nämlich und den Ocfinungen
der Byssusdrüse, liegt. Er wird in ihr geformt, und endlich sein
oberes Ende an einen äufseren Körper zur Befestigung übertra-
gen. llierbei fallen wieder die Oeflnungen der Byssusdrüse ge-
rade auf das Ende des Fadens; aus ihnen fliefst das Sekret un-
mittelbar darauf, und bildet die Platte zu seiner Befestigung.
Die Furche am zungenförmigen Muskel des pecten ist unter-
brochen, wovon ich den Zweck nicht klar einsehe, Durch Zu-
sammenziehung im isthmus kann wahrscheinlich Contiguität der
beiden Furchen hergestellt werden. Der Faden entspricht ihrer
Form, indem er platt und breit ist wie ein Bandstreifen, und
trägt die Skulptur des oberen kleineren Stückes der Furche, denn
er enthält feine Längsstreifen. Demnach ist es wahrscheinlich,
dals das Thier, sobald es den Kleber an den Byssusstamm gehel-
tet hat, und durch Abziehen der Spitze des Muskels den Faden
zu bilden anfängt, diesen mit dem oberen Theile der Furche so-
gleich aufnimmt, und die Längsstreifen ihm eindrückt. Dabei
muls der Muskel in dem istAmus gebogen sein, so dals das obere
Stück
#
33
®
Stück zuerst allein an dem Byssusstamme liegt, und bei Verlän-
gerung des Fadens nach und nach das untere Stück der Furche
zu Hülfe genommen wird. !
b) Verbindungsmaterie.
Schon a priori muls der Physiolog das Dasein’ einer solchen
_ Materie vermuthen, denn es wird kein organisirter Theil mit
einem unorganisirten in Verbindung treten, ohne dafs jener den
letztern mit seinem Sekrete einhüllt, sich dadurch vor Reizung
schützt, und die Verbindung befestigt; es sei denn, dafs der or-
ganisirte selbst die matrix des unorganisirten wäre. Dies ist
auch der Punkt, der Viele bei der Untersuchung der Byssus
irre geführt hat. Man erklärte die Byssushöhle selbst für die
matrix der ganzen Byssus, oder man hielt diese oder ihre Wurzel
für organisirt, weil man eine scheinbar so enge Verbindung zwi-
schen lebenden und unorganisirten Theilen anzunehmen für sehr
gewagt hielt. Bei einigen Arten der Byssus, z. B. bei der des
m. edulis, sind nämlich die feinen Lamellen der Wurzel von
Muskelfasern umgeben, die fast in derselben Richtung als die
Lamellen fortlaufen. Bei der Untersuchung von frischen Exem-
plaren kann es dann leicht den Anschein haben, als liefen diese
Lamellen unmittelbar zwischen die Muskelfasern, und als inse-
rirten sich diese an ihnen. Deshalb hat man sie wohl für
Sehnenfasern gehalten. Allein die Byssushöhle ist überall von
der umliegenden Muskelsubstanz scharf abgegrenzt, und ist mit
ihrer besondern Membran ausgekleidet, die vom Bauche kommend
sich durch den Eingang zur Byssushöhle hineinschlägt. Es ist
kein anderes Organ, dem man die Sekretion der Verbindungsma-
terie beimessen könnte, als diese Membran. Im frischen Zustande
hängt auch die Wurzel der Byssus an manchen Stellen so fest
an, dals sie, herausgerissen, ‘einen Theil der Wandungen der
_ Höhle mit sich nimmt. ‘Durch Maceration aber löst sie sich
binnen kurzer Zeit eben so leicht und vollkommen, als die Epi-
dermis oder ein Nagel von seiner matrix.
Die Nerbilingimaterie ist also ebenfalls unorganisirt, und
Sekret der Byssushöhle, welches die Byssusmaterie in dieser
Höhle einhüllt, und ihr zum festen Ansatzpunkte dient. Der
letztere Zweck herrscht in der ersten Klasse der Byssus vor,
der erstere in der zweiten.
IT. Jahrg. 1. Band. 3
„.
34
;
Die Byssus steht also physiologisch dem Gespinnste ‚der In-
sekten am nächsten, und es ist nnr der Unterschied, dafs das
Insekten-Gespinnst nicht mit ‘dem Körper in steler Berührung
bleibt, also bei ihm keine Verbindungsmaterie Statt haben kann.
Sie ist auch ebensoweit der Materie zu vergleichen, womit die
Rossia palpebrosa, ein Cephalopod, nach Rofs’s Beschreibung *)
ihre Eier aneinanderheftet, welche ebenfalls Sekret einer Drüse ist.
> B. Erklärung der Formen der Byssus.
Wenn die im vorigen Abschnitte vorgetragene Meinung, dals
die Byssus aus unorganisirler Materie bestehe, richtig ist, so muls
sie durch Juxtaposition wachsen, und alle ihre Formen sich aus
der Form und Thätigkeit der organisirten Theile erklären lassen,
was ich, soweit ich es vermag, hier thun werde.
Zunächst ist der Grund aufzusuchen, der den Typus der bei-
den Klassen yon Byssus bedingt; woher es also komme, dafs’im
einen Falle die Byssusmaterie flächenhaft ausgedehnt ist, und die
Verbindungsmaterie, in der mehr die Längen-Dimension vor-
herrscht, einschliefst; im ‘andern Falle die ausgedehnte Verbin-
dungsmaterie die fadenförmige Byssus einhüllt. Die Form der
Byssusmaterie hängt hauptsächlich von der Gestalt der Furche
des zungenförmigen Muskels ab; die Form der Verbindungsma-
terie von der Gestalt des Theiles der Byssushöhle,. welcher sie
absondert, und von ihrer Consistenz.
Bei der ersten Klasse der Byssus breitet sich die Furche
des zungenförmigen Muskels beim Eintritt in die Byssushöhle
aus, indem sie weit und flach wird. Die einflielsende Byssus-
materie gelangt ‘hier zwischen Byssusstamm und die Wände
der Höhle, und wird wohl mit Hülfe der eirkelförmigen Muskel-
fasern als eine dünne Schicht nach der Wurzel zu hinunter ge-
trieben. Auf dem Boden der Byssushöhle wird die Verbindungs-
materie abgesondert, und wächst aus einer Furche lamellenför-
mig (tichogonia) aus einem blinden Loche fadenförmig (tridacna)
hervor. Die Byssusmaterie dringt zwischen sie ein und umhüllt
sie. In dieser Klasse muls also nothwendig ein Byssusstamm
*) Appendix to the narrative of a second voyage in search of a
north-west passage etc. by Sir J. Rofs. London 1835. fol. p. 3.
35
En
entstehen, weil die festen Byssusschichten immer das ganze Con-
tentum der Byssushöhle umfassen und verbinden.
In der zweiten Klasse, wo ich nur von der pinna bestimmt
reden kann, da mir nur von dieser die Weichtheile zur Unter-
suchung zu Gebote standen, theilt sich die Furche des zungen-
förmigen Muskels in der Byssushöhle in kleinere Furchen, bei
pinna in 4, bei meleagrina in so viele als man F. 13. Würzel-
chen sieht. Meine Ansicht ist nun, dafs die Byssusmaterie diese
Furche in allen ihren Verzweigungen anfüllt. Dabei ist es nicht
nölhig, dals sie ganz von der Spitze des zungenförmigen Muskels
in der zu einem Kanal geschlossenen Furche hinablaufe, denn
die weilsen Streifen, die sich von der Byssusdrüse an den klei-
nen Furchen herunter fortsetzen, mögen ebenfalls von dieser
Materie secerniren, und durch feine Oefinungen in die Furche
ergielsen. Es ist überhaupt nicht wahrscheinlich, dafs die oben
von mir angegebenen Oeflnungen der Byssusdrüse die einzigen
seien, weil sich diese auch bei der ersten Klasse 'so weit an der
Furche hinunter zieht. — Ist nun in der Furche der Faden ge-
formt, so wird er. ausgeschlossen und kommt dadurch in die
Byssushöhle. So gut also in jedes Fach der Höhle ein Zweig
der Furche-läuft, mufs auch ein jedes Fach ein Würzelchen
des Fadens erhalten. Nun kommt das weichere Sekret der Bys-
sushöhle darauf, hüllt die Fäden ein und hält sie fest. Die
Stammbildung hängt in dieser Klasse davon ab, ob die Verbin-
dungsmaterie Consistenz genug besitzt, das Ganze zu einem
Stamme zu vereinigen und zusammenzuhalten.
Sowohl»durch die Sekretion der Byssushöhle, als durch. die
auf dem Boden der Höhle einfliefsende Byssusmaterie erhält der
Stamm immer nur von unten den Zuwachs, so dafs die neu an-
gelegten Schiehten die älteren nach und nach aus der Höhle er-
heben. Die an der Wurzel noch getrennten Theile werden dann
durch die neu angesetzte Materie verklebt, sobald sie sich über
die Scheidewände erheben, welche die Vertiefungen der Höhle
trennen. Zu dieser Verbindung mag auch wohl die Wirkung
des sphincter am Eingange der Byssushöhle beitragen. Denn
bei dem myt. edulis liegen die Lamellen in der Wurzel ziemlich
gerade, im Stamme aber so verworren, als ob-sie gewaltsam
zusammengedrückt wären. Besonders sind die seitlich in die
3*
36
Sehnen vom Kreise der Byssusrinde fallenden Lamellen sehr
zusammengefaltet, während die im ‚Durchmesser liegenden mehr
gerade verlaufen (F.7.). Nach der Vereinigung der getrennten,
Theile der Wurzel, mufs ratürlich der Theil der Byssusmaterie,
welcher die Oberflächen der Lamellen oder Fibern überzog, in
das Innere des Stammes eingeschlossen werden. Daher sieht
man ‘den ganzen Stamm der iridacna mit dem feinen Geäder
der Byssusmaterie durchzogen, und wird nun nach der obigen
Beschreibung von der untersten Scheide des Stammes leicht ver-
stehen, wie diese beim Wachsthum in den Stamm erhoben wird,
und wie jedes feinste Aderchen die Fortsetzung einer den Stamm
umfässenden Scheide und dadurch eines Fadens ist, mit dem es
auch die Eigenschaft zu opalisiren gemein hat. Aus eben der
Ursach zieht sich bei der tichogonia (F. 4.) die helle Materie (i.)
zwischen die dunklern Streifen (r.).
Für das Wachsthum des Stammes in der angegebenen Art,
kann man noch folgende Gründe anführen:
1) Ergänzt man an einem alten Byssusstamme das obere feh-
lende Stück, so ist sein oberer Theil dem ganzen Stamme eines
jüngern Thieres gleich, was sich auch auf die Länge und Dicke
der von ihnen abgehenden Fäden bezieht. Es ist also hier das-
selbe Verhältnifs als zwischen der Spitze der Schale einer alten
Schnecke und zwischen der ganzen einer jungen.
2) Die Queerdurchschnitte durch den obern und untern Theil
des Stammes zeigen dieselben wesentlichen Theile, so dafs hier-
nach.die jetzige Spitze einst Basis gewesen sein kann.
3) Nach Reäumur’s Beobachtung am m. edulis und der mei-
nigen an der fichogonia ist der ueueste Faden immer der unter-
ste d. h. der nächste an der Wurzel. Da wir aber auch am
oberen und obersten Theile des Stammes Fäden sehen, so schlie-
fsen wir, dafs auch dieser Theil einst die Basis war.
4) Die Thiere selbst können die’ Byssus nicht lösen, denn oft
habe ich den m. edulis und die tichogonia bei niedrigem Wasser-
stande an den Pfählen im Trocknen hangen und sterben sehen;
kein Thier stirbt aber, wo es sich retten kann. Da nun die
während der Jugend gesponnenen Fäden kürzer sind, und also
das Thier dichter an den äufseren Gegenstand anheften, so würde
es, nachdem es grölser geworden, straf? gegen den äufseren Kör-
37
per angezogen werden, und die Fäden mülsten endlich gewalt-
sam zersprengt werden. Dies würde um ‘so milslicher für das
Thier sein, je stärker die Täden sind. Dagegen wird nach .un-
serer Behauptung durch das Anspinnen neuer Fäden ‘der Stamm,
und durch ihn zugleich die älteren Fäden verlängert.
Die Spitze des Stammes ist also der älteste Theil, und ist
deshalb auch fast immer verwittert, wie die Spitze der Schale
des Dulimus decollatus Brug. Nur bei der arca zeigt sich die
_ Pyramide ziemlich vollständig, weil sie durch dieke Schichten
fast ganz eingehüllt ist, denn nur nach hinten stölst’die Spitze
ein wenig an die Oberfläche.
Die Form des Stammes ist immer die einer Pyramide mit
- verschiedenem Verhältnifs.der Basis zur Höhe. Dent mit dem
Waehsthum des Thieres vergrölsert sich ‘auch die Byssushöhle
und formt zuerst einen dünnen, dann einen dickern ‘Stamm.
Das Gröfsenverhältnifs der Basis zur Höhe mufs also von der
Schnelligkeit des Wachstliumes des Byssusstammes abhangen.
Denn- vergrölsert sich ein Stamm von +“ Dicke und 1“ Länge
binnen einem Jahre um 4“ im Durchmesser und’um 2 in der
Länge, so wird die Pyramide bei einer Bäsis von'3# nur 3
Höhe haben, was eine sehr merkliche Pyramidenform giebt, (z.B.
tichogonia, tridaena). Wächst aber der Stamm unter denselben
Bedingungen 1 Zell in die Länge, so verhält sich’ die Basis zur
Höhe wie 2 : 13, was sich schon der Cylinderform sehr nähert
(m. edulis). Es läfst sich also 'aus der Form des Stammes auf
die Schnelligkeit seines Wachsthums schlielsen. Bei dem m. edulis
mag der Grund des schnellen -Wachsthums in der Tiefe und
Schmalheit der Furchen der Byssushöhle liegen, wodurch die
Fläche, welche die Verbindungsmaterie secernirt, vergrößsert wird
und daher mehr schafft, und in einer starken Absonderung der
Byssusmaterie.
Hiermit ist auch die Pyramide im Stamme der arca erklärt.
Nach oben ist sie zwar von Schichten so dick umgeben, dals der
‚ganze Stamm im Gegentheil an Dicke zunimmt. Allein sein
oberer Theil ist den Fäden analog, die mit dem äufseren Körper
in Verbindung stehen, und so würde denn wohl jeder Stamm
an Dicke zunehmen, wenn man sich die Fäden an ihm hinauf-
gelegt und mit ihm verschmolzen denkt.
ik
38
Zugleich, ‚mit der Byssushöhle wächst aber auch der zungen-
förmige Muskel; die Fäden, die er formt, werden also länger und
dicker. Daher .steht..die Grölse eines Fadens immer mit der
Dicke des Stammes an. dem Theile im Verhältnils, wo sich der
Faden inserirt.... Oben ‚sind die ‚kleinsten und ältesten. So inse-
riren. sich‘,auch. die ältesten (innersten) Schichten der.arca an
der Spitze der Pyramide, die neuesten an ihrer Basis.
Ferner ist jeder ‚Stamm zurückgekrümmt, so dafs die Fäden
sich ‚an. der convexen, Seite inseriren. Dies rührt eben nur. von
der . mechanischen. Ausdehnung „dieser Seite her. So geht die
Krümmung des Stammes bei m. edulis bisweilen nach der ent-
gegengesetzten Seite über, wenn die Fäden anfangen, sich auf
der andern Seite zu inseriren, (was durch eine gewaltsame Um-
drehung des Tuieres um die Achse der Byssus geschehen mag).
Auch bei der arca inseriren. sich die Schichten auf der convexen
Seite; die. concave ist fast unbedeckt. 27
Bei .der. pinna bildet sich gar, kein Stamm. — ‘Die Verbin-
dungsmaterie ‚hatıbei der meleagrina noch so viel Festigkeit, dafs
durch die neue‘Absonderung ‚von unten der obere Theil. gehoben
wird undsbervorwächst, wobei das 'Contentum jedes Faches der
Byssushöhle ‚eine Lamelle ‚bildet. - Die Byssus der unbekannten
Muschel: Nro, 11. hat eine weichere Verbindungsmaterie,..so dafs
die Lamellenform ganz verschmolzen ist, und die Fäden kaum
zu einem,Slamme‘ zusammengehalten, werden. Die Weichheit
der Verbiodungsmaterie ‚hat nun .bei der pinna so zugenommen,
dals ‚der ganze Inhalt, der.4 Fächer ‚der Byssushöhleidureh den
Zuwachs der, Verbindungsmaterie, der hier auch sehr gering sein
mag, ‚nicht ‚mehr regelmäfsig vorgeschoben wird... Die älteren
Fäden ‚gelangen nach ‚dem entgegengesetzten Ende der Byssus-
höhle, da von,der dem zungenförmigen Muskel zugekehrten. Seite
immer neue hinzukommen. So erklärt sich. die Ausnahme, ‚wel-
che ‚die pinna darin macht, dafs bei ihr.die ältesten Fäden am
wenigsten, weit, aus.dem Körper hervorragen. Sie .zerreilsen aus
Jem unter Nro. 4. beim Wachsthum ‘des Stammes angeführten
Grunde, mögen sich auch zum Theil herausziehen, und so findet
man. denn ‚an der vom zungenförmigen Muskel abgewandten Seite
einen Büschel, abgekürzter Fäden. Hätte die Verbindungsmaterie
Consistenz genug, und wäre ihre Sekretion reichlicher, so wür-
39
den wir hier einen Byssusstamm erhalten, der. aus ‚vier, grolsen
dicken Lamellen bestände, übrigens wie der der meleagrina ge-
bildet wäre. ‘
Die Form der Fäden ist schon im vorigen Abschnitte aus
der Form der Furche des zungenförmigen Muskels hergeleitet.
Nachtrag.
Kürzlich erhielt ich einen Aufsatz des Prof. Lavini *) über
die chemischen Bestandtheile der Byssus von pinna nobilis, den
ich hier kurz mittheilen will: “
Byssus sei in Piemont unter dem Namen gnactara bekannt,
und finde sich häufig bei Sardinien, woher er die Seinige_er-
halten habe.
Bleiprotosyd in Kalkwasser färbte die Byssus nicht schwarz
wie die Haare, daher sie keinen freien Schwefel enthalte. Ver-
dünnte Schwefelsäure änderte die Farbe nicht merklich, ebenso
Salzsäure. Salpetersäure färbie sie gelbroih. Kalkwasser scheint
sie ein wenig bleicher zu machen. Kaustisches Kali verwandelt
sie in einen Brei. Dem siedenden Wasser theilt sie eine anima-
lische Materie von der Natur der Gallerte mit, die einen Ekel
erregenden Geruch hat. Alkohol zieht ein stinkendes Oel aus;
dies läfst beim Verbrennen eine Kohle nach, die schwierig aber
ohne Rückstand verbrennt. Ammoniak lange damit digerirt giebt
eine seifenartige stinkende Materie, ohne das Gewebe der Byssus
zu zerstören.
Durch Glühen mit kohlenssurem Kali erhielt Lavini ähn-
liche Körper als bei der Hormsubstanz, nämlich unterkohlensaures
Ammoniak, thierisches stinkendes Oel und eine kohlige Substanz,
welche eisen- blausaures Kali enthält. 33 Byssus gaben 4 Kohle,
die 2 Asche hinterliefsen. Die 2 Asche enthielten 14 in Wasser
lösliche Substanz: Jod und Brom, die Natron zur Basis hatten,
salzsaures Natron und eine Spur von Magnesia. Der unlösliche
Theil der Asche bestand aus Kiesel-, Thonerde, Phosphorsäure,
Mangan und Eisenoxyd.
ee
*) Memorie della reale Accademia delle Scienze di Torino. Tomo 38.
Torino 1835. 4. p. 111.
E RL”, .
Zur: Anatomie der tichogonia Chemnitzii Rolsm.
Dr. Vanbeneden hat kürzlich die Anatomie dieses Thieres
untersucht, welches er nach einem Pharmazeuten, der ihm Exem-
plare davon geschickt habe, Dreissena nennt *). Seine Beob-
achtungen weichen in mehreren wesentlichen Punkten von den
meinigen ab, die ich hier herausheben will.
So redet er in der Beschreibung des Nervensystems von 5
Nervenknoten, und will dabei doch noch das ganglion Magnili
vermilst haben. An seiner Stelle beschreibt er ein Paar von
Ganglien, welches durch einen Faden mit dem hinteren, auf dem
adductor inferior gelegenen einfachen Nervenknoten verbunden
sein soll. — Das Nervensystem der tichogonia ist aber dem der
anodonta ganz ähnlich. Am Schlunde liegen zwei Knoten, die
durch eine starke hinter dem Schlunde durchgehende Anastomose
verbunden sind. Von ihnen kommen mehrere Nerven, die in
en vorderen Theil des Mantels gehen. Ferner kommt von den
Schlundganglien jederseits ein Verbindungszweig. "welcher den
vorderen Schenkel des musc. retractor an seinem oberen Drit-
theil durchbohrt und dann unter diesem Muskel seiner Seite
längs der Speiseröhre zu dem einfachen ganglion Magnili geht,
welches unter der Wurzel des zungenförmigen Muskels“ liegt, und
mit seinen Verzweigungen schon oben p. 13. beschrieben ist.
So bilden also die beiden Knoten am Schlunde mit ihrer Ana-
stomose und ihren Communicationszweigen zum gl. Magnili eine
weite Nervenschlinge, welche die Speiseröhre umfalst. Ein zwei-
ter Verbindungszweig (F. 5. u.) geht von den Ganglien des
Schlundes jederseits unter dem Eierstock durch die Leber, dann
an der inneren Seite des Oviductes und durch das Bojanus’sche
Organ zu dem vierten Nervenknoten (F.5.x.), der einfach ist
wie. das gl. Magnili, und über dem unteren Schliefsmuskel (4A.)
ziemlich frei liegt. Bei dem mytilus edulis findet man statt
dieses einfachen Ganglion ein Paar, das durch einen starken
Faden verbunden ist. — Von dem vierten Nervenknoten geht
ein Paar Zweige seitlich zu den Kiemen (v.), und scheint an
diesen abwärts zu laufen. Ein anderes Paar geht zum hinteren
*) Annales des Sciences naturelles. T. III. Avril 1835.
41
Rande des Schliefsmuskels, wo es sich in zwei Zweige theilt.
Der äufsere (w.) verliert sich in dem Mantel und seinen beiden
Röhren, der innere (y.) schlägt sich um den Rand des Schließ-
muskels nach dem Rücken’ zu, und verliert sich im Mantel, wo
dieser den Mastdarm bedeckt. Aulser diesen drei 'Hauptpaaren
sieht man noch mehrere sehr feine Fäden, deren Verlauf nicht
constant ist. Gewöhnlich bilden sie einen Bogen, der von dem
einen Kiemennerven über dem Ganglion zum anderen läuft, uud
zwei Fädchen gegen das Ovarium schickt, die ich nicht weiter
verfolgen konnte, als sie hier abgebildet sind. Diese entspringen
auch bisweilen aus dem Verbindungszweige zu dem Schlund-
kuoten, zumal wenn dieser, wie ich es in einem Falle fand, an
seiner Wurzel eine Anschwellung hat. Ein solcher Nerv mag
es sein, den Vanbeneden als den siebenten von diesem Gan-
glion entspringenden bezeichnet, der in der Mittellinie verlaufe;
‚ich fand ilın nie unpaarig.
Auch die Nerven der mya arenaria haben eine ganz ähnli-
che Disposition. Nur der Communieationszweig zwischen dem
Schlundganglion und dem vierten oder hintersten Knoten ent-
springt von diesem mit einer doppelten Wurzel, deren äufserer
Theil mit dem Kiemennerven verbunden ist.
Muskeln und Darmkanal hat Vanbeneden schr gut 'be-
schrieben, nur ist er'in Zweifel, ob der blinde Anhang des Ma-
gens einen Krystallstiel enthalte, den ich oft gefunden habe.
Der Darm des mytilus edulis ist viel länger als der der £i-
chogonia, und bei ihm fand ich den ‚blinden Anhang nicht. Poli
bildet ihn gerade so ab, wie: ich ihn gesehen habe. Bei der
mya arenaria entsteht der Blinddarm mit einer gröfseren Oell-
nung aus dem Magen als der Darm selbst, und enthielt im Som-
mer einen dicken Krystallstiel. Er verläuft in einem Bogen in
der Carina des Fufses und liegt der linken Seite etwas näher.
Der Darm entsteht ein wenig höher aus dem Magen, ‘ist durch
eine Falte (Klappe) geschlossen, macht einige kurze Windungen,
und läuft dann in der Carina des Fufses der rechten Seite näher
wieder nach dem Magen zu, wendet sich um zum Rücken und
geht wie gewöhnlich durch das Herz zum After. $
Die Oeflnung des Oviductes (F. 5. 0.) konnte Vanbeneden
nicht auffinden. Sie liegt im inneren Kiemengange, etwa mit
42
der Byssushöhle in gleicher Höhe, und bildet eine kleine Längs-
spalte mit einem Rande umgeben. Von hier verzweigt sich der
Eierleiter aufwärts im Ovarium, und an ihm hangen die Eier-
säcke wie die Beeren an einer Traube. Unter dem Mikroskope
zeigten sich bei einem in Weingeist, aufbewahrten Exemplare
die Eierleiter silber- oder perlmutterweils, und die Eiersäckchen
wie schneeweilse Cocons. Bei einigen Exemplaren konnte ich
diese Struktur nicht wiederfinden.
Des Bojanus’schen Organes (F. 5. B.) erwähnt Vanbe-
neden nicht. Es.ist ein häutiger Sack, der sich nach oben (in
der Gegend B) in zwei Schenkel theilt. Der Körper des Sackes,
der auf dem unteren Schliefsmuskel (A) liegt, hängt mit dem
der anderen Seite zusammen, so dafs man die gelbe Materie, die
er zu enthalten pflegt, aus dem einen in den anderen hinüber
drücken kann.‘ Der innere Schenkel liegt in den Kiemengängen
unter dem sepfum, welches beide Kiemengänge scheidet, steigt
gegen die Oeflnung des Oviducts auf und verengert sich hier ein
wenig, dann wird er wieder etwas weiter, und öffnet sich nahe
am‘Oviduct mit einer kleinen Spalte (d.), die ganz an seinem
äufseren Rande. liegt, so. dafs es bisweilen den Anschein. hat,
als wäre die Oeffinung in dem äufseren dicht daneben liegenden
Schenkel. Das Ende von diesem ist in der Abbildung noch
nicht sichtbar. Denn er schien mir noch zwischen dem. Mantel
und dem Rande des musc. retractor nach dem Rücken fortzu-
gehen, und am Mastdarme mit demselben Schenkel der anderen
Seite zusammenzutreflen. Er würde hierdurch, wenn ich nicht
geirrt habe, in die Nähe des Herzens gelangen. Ob ein sinus
venosus am Organe existire, weils ich nicht. Von dem Gewebe
dieses Organes bei der anodonta ist das der tichogonia sehr ver-
schieden, denn es zeigt nichts von dem dunkelen Parenchyme;
und ist ganz dünnhäutig, dafs sein Contentum durchscheint. Die
Formverschiedenheit in diesen beiden Thieren mag darin seinen
Grund haben, dafs der muse. retractor bei der tichogonia einen
Theil des Raumes einnimmt, der bei der anodonta durch das
Boj. Organ erfüllt wird, denn bei dieser ist der Muskel nicht so
iR ausgebildet und inserirt sich weiter nach unten. Das Organ
at, übrigens in beiden Thieren gemein, dals ‘es an der Bauch-
seite des unteren Schlielsmuskels liegt, in die Nähe des Herzens
43
\
gelangt, und im ‘inneren Kiemengange sich öffnet. — Bei der
mya arenaria ist das Boj. Organ auch hellfarbig, und liegt ein
wenig mebr nach hinten als bei der anodonta, so dals das Herz
nur an seinen obersten ‚Theile grenzt. Die Oelfaung ist eine
kleine einfache Spalte, und liegt nahe am Oviduct, der sich, wie
bei dem myt. edulis, auf einer kleinen ‚Papille öflnet. Das Boj.
Organ lälst, sieh durch seine Oeflnung leicht aufblasen.
Bei diesen Muscheln liegt. also die Oeffuung des Eierleiters
und die des Boj. Organes dieht beisammen, und immer verläuft
der Neev,.der das vierte und das Schlund-Ganglion verbindet,
nahe an ihrem inneren Rande, was als Wegweiser dienen kann.
Bei der mya aren. liegen die Oeffnungen der Eierleiter am un-
teren Ende des Fulses sehr nahe an einander, und ‚hier berühren
sich jene Nerven ‚fast, die nach diesem Gesetze noch zwischen
ihnen durch müssen.
Von den Kiemen sagt Vanbeneden, ihr hinterer. Theil
sei frei und floltirend, was bei seiner Untersuchung an in Wein-
geist aufbewahrten Exemplaren wohl zu entschuldigen ist, denn
da lösen’ sich diese Verbindungen der Kiemen ‚sehr leicht; es
sind: folgende: auf jeder Seite liegen zwei Kiemen, deren jede
aus zwei durch (@uerscheidewände verbundenen Blättern be-
stebf. ‚Die ‚sieh berührenden Blätter beider Kiemen sind an ihrer
Basis zusammengewachsen ganz wie bei anodonta. Von der ge-
meinschaftlichen Basis‘ dieser beiden Kiemenblätter geht eine
Scheidewand. zum. Boj. Organe, welche den inneren Kiemengang
voın-äufseren scheidet, und sich nach unten bis zu dem Nerven
erstieckt, der vom vierten Nervenknolien zu eben diesen beiden
Kiemenblättern, übergeht. ' Der ‚Nerv bildet also den unteren
freien Rand der Scheidewand. Unterhalb des Nerven communi-
eiren. daher. beide Kiemengänge derselben Seite. Der äufsere
wird dureh Verwachsung des äufsersten Kiemenblaltes mit dem
Mantel, der innere dureh Verwachsung des innersten Kiemen-
blattes mit dem Ovarium gänzlich geschlossen. Der reehte und
lioke innere Kiemengang sind also durch das dazwischen liegende
Ovarium getrennt; wo dieses aber nach unten spitz auslaufend
endigt, treten die innersten Kiemenblätter der rechlen und linken
Seite zusammen, und verwachsen unter sich. er communici-
ren also beide inneren Kiemengänge, ja die Vefeinigung erfolgt
44
noch etwas früher, weil die Spitze des Ovariums nach 'hinten
nicht verwachsen ist, sondern frei auf dem Boj. Organe und über
dem hinteren Schliefsmuskel liegt, also der Raum zwischen Boj.
Organ und Eierstuck beide vereinigt. Diese Vereinigung geschieht
früher als die der beiden Kiemengänge derselben Seite. Endlich
kommen aber alle vier Kiemengänge zusammen und bilden die
Kloakenhöhle, die hinten vom Mantel und vorn von den Kiemen
begrenzt ist. Die Kiemen sind unter sich und mit dem Mantel
bis zu ihrer äufsersten Spitze verwachsen, gestatten also gar
keine Communication mit der Kiemenhöhle. In der vom Mantel
gebildeten Wand ist eine Oeffnung nach aulsen, die mit der klei-
neren Röhre versehen ist. Die gröfsere Röhre führt in die Kie-
menhöhle, welche durch den Mantel bis auf eine zweite kleine
Oeffaung geschlossen wird, durch welche die Byssus und der
zungenförmige Muskel austreten. Ungeachtet hiernach gar keine
Communication zwischen der Kiemenhöhle und Kloake Statt
findet, schien mir doch das Wasser in beständigem Zuge durch
die gröfsere Röhre in die Kiemenhöhle ein, und aus der Kloaken-
röhre wieder auszusirömen. Aufserdem- spritzt das’ Thier das
Wasser oft gewaltsam aus beiden Röhren zugleich hervor, indem
es die Schalen addueirt. $
Bei der anodonta, deren Mantel bekanntlich ganz gespalten
ist, kann man auch die Andeutungen der Röhren auffinden; denn
an ‘den entsprechenden Orten zeigt der Mantel kleine Verlänge-
rungen, die etwas buchtig ausgesehnitten ‚sind, und deren vor-
dere, die der Röhre der Kiemenhöhle entspricht, mit kleinen
Fibrillen besetzt ist, wie es bei dieser gewöhnlich ist. Das Thier
legt bei der Respiration die Ränder des Mantels aneinander und
läfst an beiden den Röhren entsprechenden Stellen Räume übrig,
aus denen das Wasser wie aus den Röhren der mya ‚und ticho-
gonia ein- und ausströmt. Hieraus scheint mir hervorzugehen,
dafs der Unterschied, den die Spaltung des Mantels giebt, ein
unerheblicher sei.
Da also der untere Theil des grolsen Mantelschlitzes den
Röhren entspricht, so folgt, dafs der sogenannte Rückenschlitz,
der sich bei anodonta und myf. edulis findet, nicht mit der Röhre
der Kloake verglichen werden kann. Sein Zweck ist mir ganz
unbekannt; die Exkremente kommen nicht aus ihm hervor
45
vielleicht nimmt das Wasser aber durch ihn seinen Weg, wel-
ches sich zwischen dem Mantel und der Schale findet.
Erklärung der Kupfer.
NB. Das Secret der Byssushöhle oder die Verbindungsmaterie
ist in allen Durchschnitten mit r bezeichnet.
Fig. 1. Die Byssus der-tridacna elongata Lam. in natürlicher
Gröfse. r die Wurzel des Stammes, die von der Byssushöhle
aufgenommen wird. a die Spitze des Stammes. v die oberen
freien Ränder der Scheiden, welche den Stamm umkleiden.
m der verdickte Rand an der Basis des Fadens, der den mitt-
lern sehr dünnen Theil säumt. - / ein Faden, Fortsetzung der
Scheide, der an den äulseren Körpern befestigt war.
Fig. 2. Querschnitt durch einen Faden von 'Fig. 1., um die
E Vertefnngen und Erhabenheiten zu zeigen, 110mal ver-
größsert. .
Fig. 3. Ein Theil des Querdurchschnittes von derselben Byssus,
nahe der Spitze F. 1. a geführt. Etwa der 5te Theil ist ab-
gebildet und 45mal vergrölsert. A die Rinde, welche den
ganzen Stamm umschliefst. A @ a « verschiedene Lagen von
Rinde, welehe immer kleinere Felder einschliefsen. r die Fa-
sern, welche durch die Rinde zu Bündeln vereinigt werden.
Fig. 4. Querdurchschnitt des Byssus-Stammes von fichogonia
Chemnitzii Rolsm. 110mal vergröfsert. c die Schichten, welche
nach oben in die Fäden auslaufen. ö die hellere Masse der
Lamellen, in welche sich die Schichten nach unten fortsetzen.
r die dunklere Masse der Lamellen.
Fig. 5. Tichogonia Chemn. Rofsm. Der vordere Theil des Kör-
pers, Mantel, Kiemen und Eierstock sind abgetragen, die Oeff-
nung des Oviducis aber stehen gelassen; 24mal vergrölsert.
A der untere Schliefsmuskel. r die unteren Schenkel des
musc. relvaclor, s dessen obere Schenkel. Z der zungenför-
mige Muskel, # dessen Längsfurche, die nach oben mit einer
kleinen Querspalte endet, und nach unten in die Byssushöhle
hinabgeht. g die Byssusdrüse, welche sich längs dieser Furche
erstreckt. c die Byssushöhle, die oben aufgespalten und mit
Nadeln aus einander gehalten ist, damit der mit Furchen be-
zogene Grund derselben erscheine. o die Oefluung des Eier-
leiters. B das Bojanus’sche Organ, welches sich nach vorn
in zwei Schenkel theilt; 6 seine Oeflnung. x das vierte Gan-
glion. u Verbindungsnery zu den Ganglien am Schlunde. v Nerv
46
der Kiemen. Beide werden durch eine sehr feine Nerven-
schlinge verbunden, von der wieder zwei feine Nerven aul-
wärts gehen. y ein Zweig der sich um den unteren Schliels-
muskel herumschlägt, und zum Rücken geht. w Zweig zu
den Röhren des Mautels. a After.
Fig. 6. Spitze des zungenförmigen Muskels von myfilus edulis
Linn., 5mal vergrölsert. Der obere Theil der Längsfurche ist
durch Nadeln aus einander gezogen, um die Oeflnungen der
Byssusdrüse zu zeigen.
Fig. 7. Querschnitt durch den Byssusstamm des mytilus edulis
Linn., 110mal vergrölsert. f f Fäden, welche in diesem Falle
auf zweiSeiten vom Stamme abgehen. c die Rinde, in welche
die Fäden übergehen. d einige abgelöste Schichten der Rinde.
In der Mitte die gewundenen Lamellen.
Fig. 8. Querschnitt durch den Byssusstamnı des malleus vul-
sellatus Lam. und
Fig. 9. Längsschnitt durch denselben. Beide 110mal vergröfsert.
e die geschichtete Masse, welche sich nach oben in die Fäden
F fortsetzt. r die Lamellen, zwischen welche die geschichtete
Masse als schmale Streifen eindringt. s Stelle, wo Lamellen
waren, Jie verwiltert sind. ;
Fig. 10. Längendurchsehnitt der Byssus von arca barbata Linn.,
durch seine beiden Kiele geführt, 21mal vergrößert. r a die
von der Verbindungsmaterie gebildete Pyramide mit gefalteten
Seiten. a ihre zurückgebogene Spitze. c die Schichten, wel-
che die Pyramide besonders an ihrer ‚convexen Seite einschlie-
[sen und sich oben an irgend einen Körper anhelten.
Fig. 11. Querdurchnitt von F. 10. parallel mit deren Basis r
geführt und 75mal vergrölsert. r die Verbindungsmaterie, wel-
che die Pyramide mit gefalteten Seiten bildet. e die Schich-
ten, welche die Falten erfüllen.
Fig. 12. Querschnitt durch den Byssusstamm der meleagrina
margarilifera Lam. zur Hälfte abgebildet und 75mal vergrö-
Ssert./ f Durchsehnitte der Fäden, e ihrer Würzelchen. r die
Lamellen, welche dies alles einschlielsen.
Fig. 13. Der untere Theil eines Fadens von derselben Byssus
und in derselben Vergröfserung. f der Faden, der sich end-
lich selbst spaltel. c die Würzelchen.
Ueber
neue Arten der Gattung Tichogonia Rolsm.
(Dreissena Vanben.)
nach den Exemplaren des Berliner Museums
vom
Herausgeber.
Bi Beni der Arbeiten des Hrn. Dr. Müller über My-
tilus polymorphus theilte ich demselben die Diagnosen zweier
dem Mytilus bilocularis L. ähnlichen Arten des hiesigen Museums
mit, um sie einer Monographie des Myt. polymorphus (Ticho-
gonia Rolsm.) einzuverleiben. Da diese Arbeit indessen später von
ihm nicht zur Inauguralschrift benutzt worden ist, so mögen die
Diagnosen hier einen Platz finden. Es ist leicht möglich, dafs
diese Arten hin und wieder mit Mytilus bilocularis L. verwech-
selt worden sind, obwohl ihre specifische Verschiedenheit keinem
aufmerksamen Beobachter bei genauerer Ansicht entgehen kann.
Die generische Verschiedenheit des Mytilus polymor-
phus Pall. (Tichogonia Chemnitzii Rolsm.) von M. edulis scheint
mir hinreichend dureh die Abweichung des Thieres in äufserer
Gestalt und anatomischen Einzelheiten gerechtfertigt *); von den
° _*) Hr. Deshayes (Lamarck Hist. nat. des anim. s. vert. 2 edit.
Tom. 7. p. 51.) wendet gegen den von der Wirbelplatte entnommenen
Charakter ein, dafs der erste Anfang einer solchen Plattenbildung bereits
bei einigen marinen Arten wahrzunehmen sei, in andern stufenweise zu-
nehme und im Mytilus bilocularis sein Maximum erreiche. Ich kenne
indessen keine ganz ähnliche Bildung. Bei einigen Arten legt sich freilich
der Vordertheil des Unterrandes gegen den Wirbel und bildet so einen
recessus unter dem Wirbel; es ist dies aber, so viel ich deren Beispiele
kenne, nie eine vom vordern Unterrande getrennte, den vorderen Schliels-
muskel aufnehmende Platte. Vielmehr setzt sich dieser an der bei My-
tilus gewöhnlichen Stelle an.
*
48
das Meer bewohtienden Arten, welche sich sämmtlich durch -
ihre Skulptur, d. h. durch strahlenförmig von den Wirbeln zum
Rande verlaufende Rippen auszeichnen, kennen wir aber leider
das Thier bis jetzt nicht; und nur aus dem Vorhandensein der
Wirbelplatte schliefsen wir auf'eine Uebereinstimmung der Thiere.
Die Zukunft mufs lehren, wie weit diese Uebereinstimmung geht;
Indem ich hinsichtlich der Gattung und der gewälilten Be-
nennung auf das im Jahresberichte des vorigen Jahrganges (Bd.
I. p. 210 *)) Gesagte verweise, theile ich hier nur die vollstän-
dige Charakteristik der Gattung und ihrer Arten mit.
Tichogonia Rolsmäller.
(Dreissena Vanbeneden.)
Testa longitudinalis, aequivalvis, trilatera; latus ventrale
pro bysso plerumque hians ; latus anticum cum ventrali confu-
sun, hine nales terminales anticae; margo posticus in dorsalem
arcualim transiens. Valvae carinatae, intus sub umbonibus lamina
perpendiculari, muse. adductorem anteriorem exeipiente instru-
ctae. Cardo varius, his dentes interni minimi, illis dens exter-
nus alterius valvae solitarius vel obsoletus. Ligamentum subin-
ternum, fovea longitudinali marginis dorsalis exceptum. Impressio
musculi posterioris lateralis, subdidyma; anterioris in lamella
sub apicali.
Animalis pallium clausum, aperturis tribus perforatum,
ventrali bDyssum emittente, posterioribus in tubulos prolongatis.
A. Extus costato-striatae, margine interno
erenulato: (Marinae)
a) Dentibus cardinalibus internis parvis sub utroque
apice.
1) Tichogonia bilocularis.
T. testa ovato-trigona antice valde angulata, longitudinaliter
striata; striis confertis, inferne furcatis; epidermide viridi; lamina
subapicali valvarum integerrima; dentibus cardinalibus parvis
internis, sub utroque apice binis.
My-
*) ich mufs hier einen Fehler des Jahresberichts verbessern, der
Hrn. Rolsmälsler zu nahe tritt. Dieser kannte freilich das Thier selbst
nicht aus eigener Ansicht; wohl aber war ihm v. Baer’s Beschreibung
desselben bekannt, was ich an jenem Orte irrig verneint habe.
7
A,
in
SER r
v 49
Mytilus bilocularis Lin. S. nat.— Gmel. p. 3352. n.8.—
Schröter Einl. t. 3. p. 431.*) — Chemn. Conch. 8. t. 82. f. 736
a, b. et 737. — Lamarck Hist. nat. d. Anim. s. vert. 2 edit. 7. p.
39. etc.
Länge 20°. Dicke 94°. Breite 11”. — Nach Abreibung
der Epidermis erscheint sie bläulich-violett. Die Vorderseite
flach, wie abgeschnitten, bildet mit den Seitentheilen einen schar-
fen, fast rechten Winkel. Im indischen Ocean.
2) Tichogonia excisa n. sp. *)
T. testa oblongo - trigona; angulo lateris antici rotundato,
obsoleto; dense striata; striis eminentibus, confertis, mature fur-
eatis; epidermide flavicante; lamina valvarum subapieali sinuato-
exeisa; denticulis cardinalibus internis, sub utroque apice pluri-
bus, minimis.
Länge 194”, Dicke 11”, gröfste Breite 10‘. Bei einem
kürzeren und dickeren Exemplare: Länge 15, Dicke 104,
Breite 81”. — Die erhabene Kante der vorigen Art, durch wel-
che sich die Bauchseite gegen die Seitenflächen iu jener so scharf
absetzt, fehlt hier fast ganz, ist wenigstens so stark zugerundet
und abgestumpft, dafs sie kaum merklich bleibt. Der gezähnelte
Vorderrand setzt sich über der Platte zunächst unter den Wir-
beln jeder Schalenhälfte in eine kleine Leiste fort, welche 5—7
kleine in einer Reihe stehende Zähnchen trägt. Die erhabenen
Linien theilen sich schon früh. Die Farbe ist constant aus dem
Wachsgelben ins Bräunliche fallend. Der wichtigste Charakter
ist der tiefe Ausschnitt am freien Rande der Wirbelplatte. Die
Art ist wit keiner zu verwechseln. Wir erhielten sie durch
Hrn. Lamare-Piquot aus dem indischen Ocean.
b) Dente cardinali solitario externo, sinum alterius
valvae explente:
3) Tichogonia virgata n. sp.
T. testa oblongo-trigona, costis inferius 3—4 partitis, mar-
ginem versus subevanescentibus; extus alropurpurea, intus vio-
lacea.
*) Schröter hat doch wohl nur diese Art gemeint, obwohl er
die Anwesenheit zweier Zähne leugnet.
*) Lamarck’s Varietät d. extus ferruginea, intus albida (Born.
IT. Jahrg. 1. Band. 4
em
50 EN
Mytilus bilocularis var. c. testa extus intusque fusca
Lam. 1. c.?
Länge 20°, Dicke 9, grölste Breite 10. — Die Art ist
hinreichend durch ihren äufserlichen horizontalen Schlolszahn
ausgezeichnet, welcher aulsen am Rande der linken Schale ent-
springt, nach einwärts gekrümmt ist und in eine Bucht der
rechten Schale eingreift. Durch diese Schlofsbildung macht diese
Art einen Uebergang zur zweiten Abiheilung, bei welcher kein
deutlicher äufserer Zahn vorhanden ist, denn nur hin und wie-
der findet sich bei T. Chemnitzii Rofsm. (Mytilus polyn.or-
phus Pall.) ein schwacher Vorsprung, der das Rudiment eines
solehen Zahnes ist. — Wir erhielten diese Art aus dem stillen
Meere durch Hrn. Dr. v. Besser.
B. Margine interno integerrimo, dente cardinali
obsoleto nullove: (Fluviatiles)
4) Tichogonia Chemnitzii Rolsm. *)
T. testa oblongo -trigona, hiante, laevi, striis ineremenli ex-
arata, natibus acutis.
Mytilus polymorphus Pall. Desh. Lamarck. Anim. s. vert.
2 edit. — M. Wolgae Chemn. — M. Chemnitzü Fer. —
M. Hagenii de Baer. — M. lineatus Wardenb. — M. arca
Kickx. — M. cochleatus Kickx. — Tichogonia Chemnitzii
Rofsm. Iconogr. Fasc. I. p. 113. — Dreissena polymorpha
Vanbeneden Ann. d. Sc. nat. 1835.-3. p. 210., Sehr ausführlich
beschrieben von Rofsmälsler. In hiesiger Gegend ist sie erst
seit wenigen Jahren so ungemein zahlreich geworden, vielleicht
durch das Flölsholz aus Ostpreulsen eingeschleppt. Findet sich
aufserdem im caspischen und schwarzen Meere, in der Ostsee,
der Donau, Wolga, im Rheine, in Belgien, Holland, England,
Mus. 7. £. 5.) kenne ich nicht, doch scheint sie nur Varietät der T. bi-
locularis; wenigstens ist sie keinesweges die von mir unterschiedene,
da die Wirbelplatten nicht ausgeschnitten dargestellt sind. Dieser Aus-
schnitt ist aber ein constanter Charakter.
*) Eigentlich hätte der Trivialname den Vorzug verdient, und um so
mehr, als er der am meisten angenommene ist; doch mochte ich die Syno-
nymie nicht vergrölsern.
51
vielleicht nach manchen Orten, wo sie früher nicht gekannt war,
durch preufsische Schiffe verschleppt.
7 5) Tichogonia africana.
T. testa oblonga, apice rotundata, margine ventrali recto,
integro, latere externo regulariter lamelloso, eristis duabus lon-
gitudinalibus ornata.
Dreissena africana Vanben. !. c. p. 211. t. 8. f. 12 u. 13.
Ist mir nur aus Vanbeneden’s Beschreibung und Abbildung
bekannt, auf welche ich schliefslich verweise.
Ueber die Sexualität der Muschelthiere.
Notiz vom Dr. v. Siebold.
I. Bezug auf den Zusatz, welchen der Herausgeber dies. Arch.
zu dem Auszuge aus Silliman’s Journal (Kirtland über die
sexuellen Charaktere der Najaden) gegeben hat, sehe ich mich
veranlafst, die Ergebnisse meiner seit längerer Zeit an Bivalven
des sülsen Wassers und der Ostsee angestellten Untersuchungen
hier vorweg bekannt zu machen. Ich bin nämlich zu dem be-
stimmten Resultate gelangt, dals einige Bivalven Hermaphroditen,
andere dagegen getrennten Geschlechtes sind. So sind z.B. bei
Unio pietorum (ganz in Uebereinstimmung mit Prevost’s und
Wagner’s Beobachtungen) bei Unio tumida, Mytilus polymorphus
und edulis die männlichen und weiblichen Geschlechtsorgane
constant auf verschiedene Individuen vertheilt, einen sexuellen
in die Augen springenden Unterschied der Schalen der Männ-
chen und Weibchen habe ich hier nie auffinden können. Cyelas
cornea, lacustris und rivicola sind entschieden Hermaphroditen,
und zwar besitzen diese Muscheln nicht, wie manche Gastero-
poden (Helix, Planorbis, Lymnaeus u. s. w.) für Hoden und Eier-
stock ein gemeinschaftliches Organ, sondern männliche und weib-
liche Zeugungstbeile befinden sich in jedem einzelnen Thiere von
einander getrennt. Sehr auflallend war es mir, bei Mytilus edulis
die Zeugungsorgane im Mantel suchen zu müssen.
4*
&
l
Helminthologische Beiträge
von
Hermann Nathusius
in Hundisburg.
Bir! s’t’e 1° "Bueirtirtare:
Ueber einige Eingeweidewürmer des schwarzen Storchs.
Filaria labiata Crepl. u. Strongylus trachealis N.
(Syngamus trachealis v. Sieb.)
AV ein man bei dem Studium der Eingeweidewürmer oft eine
grofse Anzahl von ı Thieren öffnet, und, aller angewandten Mühe
und Vorsicht ungeachtet, keine Spur solcher Geschöpfe auffindet,
so geschieht es zuweilen, dals ein Individuum dem Beobachter
eine so reiche kleine Welt darbietet, dafs es unmöglich ist, allen
die gebührende Aufmerksamkeit in gleichem Grade zu ‘schenken.
In wenigen Stunden nach dem Tode beginsnt eine Veränderung »
der Würmer, besonders in warmen Sommertagen, und man ist
gezwungen, sie in Spiritus oder andere Conservationsmittel zu
bringen, um wenigstens die äufsere Form möglichst zu erhalten.
Eine Untersuchung der gröfseren Nematoden mit dem Messer,
eine genauere Betrachtung der kleinern, durchsichtigen Trema-
toden unter dem Mikroskope ist nur in ganz frischem Zustande
möglich.
Am 23. Mai dieses Jahres erhielt ich einen alten männlichen
schwarzen Storch — Ciconia nigra, Bechstein — welcher
Tags zuvor von meinem Jäger in hiesiger Gegend geschossen
war. Das äufsere Ansehn des Thieres war nicht krankhaft, die
Muskeln waren von gesunder Farbe, und die Flugkraft durchaus
nicht gelähmt. Im Innern fand sich eine selten grofse Anzahl
von Entozoen, welche zwar sämmtlich noch ganz frisch waren,
aber nur noch geringe Zeichen von Leben gaben:
53
1. Filaria labiata Creplin, in den Lungen und Luftzellen
24 Individuen.
2. Strongylus trachealis M., 16 Exemplare in der Luft-
röhre.
3. Spiroptera alata Rudolphi, zwischen den Magenhäuten
über 100.
4. Holostomum excavatum Nitzsch, viele Hunderte im
Dünndarm.
5. Distoma ferox Rudolphi, gegen hundert Individuen im
Darm.
6. Distoma hians Rudolphi, 22 Exempl. in der Speiseröhre.
- Distoma (hians Rud.? ), 5 Exenpl. zwischen den Magen-
häuten.
8. Distoma echinatum Zeder, 1 Individuum im Dünndarm.
1
Die grofse, schöne Filaria, und das Thier, auf welches
die Aufmerksamkeit gewils aller Helminthologen durch Herrn
v. Siebold’s Abhandlung in diesem Archiv (II. 105.) gerichtet
ist, nahmen meine Aufmerksamkeit ganz besonders in Anspruch,
und die Untersuchung nahm so viel Zeit hinweg, dals die andern
Arten nieht mehr ebenso frisch untersucht werden konnten.
1. Filaria labiata Creplin.
Ueber den innern Bau der zu der Gattung Filaria gerech-
neien Thiere ist im Ganzen noch zu wenig bekannt, so viel auch
über manche Arten geschrieben ist. Es scheinen mir nach mei-
nen, in dieser Galtung wenig zahlreichen Beobachtungen, ver-
schiedene Formen darunter vereinigt zu sein; ich bin aber nicht
im Stande, etwas Allgemeines über diese Gattung zu sagen, und
will daher das, was ich an der vorliegenden Art beobachtete,
einfach und isolirt mittheilen.
Redi erwähnt einer, unter der Haut und in der Bauch-
höhle des Storches gefundenen Filaria, welche wahrscheinlich
die vorliegende ist, ‚obgleich er die Länge des Körpers viel ge-
zinger angiebt, als Creplin’s und meine Exemplare sie zeigen
(vergl. Rudolphi entoz. hist. II. p. 71. no. 23.). Hr. Creplin
beschrieb im Jahre 1825 (Observat. de entozois. Gryph. 1825. I.
p-1.) diese Art unter dem Namen F. labiata, nach einigen
Exemplaren, welche Barko in der Brusthöhle der Ciconia nigra
54
gefunden hatte, wo sie jedoch nicht, wie im vorliegenden Falle,
in der Substanz der Lungen gelegen haben sollen, obgleich diese
auf der linken Seite nicht unversehrt gewesen ist. Hr.’ Creplin
sah nur wenige weibliche Exeniplare, und theilt uns über die
Anatomie nichts mit. P
Fundort. Die rechte Lunge des schwarzen Storchs
war beinah gänzlich, die linke nicht viel weniger zerstört; nur
wenige und kleine Theile der Lungensubstanz waren noch in
normalem Zustande, übrigens bestanden dieselben aus einem
grünlich-braunen, weichen Stoff, in welchem nur hier und da
noch einzelne Zellenfasern deutlich und fest waren; einzelne
linsengrofse, verhärtete Eitereoneremente lagen darin. In diesen
krankhaften Theilen der Lunge lagen die Würmer in der Sub-
stanz selbst, so dafs sie an vielen Stellen von den noch erhal-
tenen Zellenfasern und Gefälsen umfalst waren (also nicht frei,
wie z. B. Ascaris nigrovenosa Zed. in den Lungen der Batrachier
liegt). Von den Lungen aus erstreckten sich die Wurmknäule
in ‘den Luftzellen bis ins Becken hinein, und nur ein Exemplar
war mit dem Kopfende 5 Zoll weit in die Luftröhre gerathen.
Auf beiden Seiten lagen die Würmer in dichten Knäulen, man-
nigfach unter einander verschlungen, jedoch eigentliche Spiralen
nicht bildend. Im Ganzen fand ich 24 Individuen; 12 männ-
liche und eben so viel weibliche.
Beschreibung. Die Länge aller aufgefuandenen Weibehen
ist ziemlich gleichmälsig 2 Fuls und 10 Zoll bei einem Durch-
messer von beinah 1 Linie. Die Länge der Männchen beträgt
zwischen 4+ bis 54 Zoll und ihr Durchmesser ist ungefähr dem
einer mittlern Violinsaite gleich. Die Farbe gelblich-weils, am
Kopfende auf einer Strecke von 1 bis 14 Zoll rein weils, sehr
ausgezeichnet durch die durchscheinende zinnoberrothe Farbe
des Nahrungskanals, welcher bei dem Weibchen etwas mehr
gewunden, bei dem Männchen beinah ohne Windungen verläuft.
Der elastische, langgestreckte, drehrunde, feingeringelte Körper
ist überall gleich dick, nnr am Schwanzende etwas verschmäch-
tigt, und zwar bei dem Männchen etwas mehr, als beim Weib-
chen, bei diesem gerade, bei jenem am Schwanzende eingekrümmt,
die Schwanzspitze von einer Flügelhaut umgeben, welehe fast
oval und jederseits mit fünf knieförmig gebogenen Rippen ver-
55
sehen ist, so dafs der männliche Schwanztheil bauchwärts concav
gebogen ist, und daher löffelförmig erscheint. Die auf der Län-
genaxe des Körpers stehende Mundöffnung ist kreisrund, zuwei-
len ein wenig oval, und liegt zwischen zwei lippenartigen klei-
nen Hervorragungen, welche parallel neben einander liegen, auf
deren Bogen und an jedem Ende ein kleines conisches, mit einem
abgesonderten Köpfchen versehenes’ Knötchen steht, so dafs also
soleher Knötchen im Ganzen sechs vorhanden sind.
Anatomie des Weibchens. Was zuvörderst die Haut
betriflt, so ist eine äulsere Schicht von Queer- oder Kreisfasern
sehr deutlich, welche eine ganz ähnliche Anordnung zeigen, wie
dieselbe von Ascaris lumbricoides bekannt, und namentlich von
Bojanus abgebildet ist (Isis 1821. Taf. 3. Fig. 48.). Eben so
verhält es sich mit den vier Muskelbündeln von Längsfasern,
welche unter den Kreisfasern liegen, und sich vom Kopf bis
zum Schwanz erstrecken, deren Fasern eben wie bei den Kreis-
muskeln vielfach unter einander verbunden sind, und daher, aus-
einander gezogen, ein maschenarliges Gewebe darstellen. Die
beiden Seitenlinien sind etwas breiter, als bei den von mir un-
tersuchten Ascariden (z. B. A. depressa Zed., lumbricoides L. etc.)
ungefähr halb so breit, als eine Lage der Längenmuskeln, be-
stehen jede aus zwei nebeneinander liegenden opaken Bändern,
in deren Mitte eine durchscheinende, sehr wenig geschlängelte
Linie verläuft. Ueber die Natur dieses Organes vermochte ich
nichts auszumitteln, was die bisherige Kenntnils davon wesent-
lich zu vermehren im Stande wäre, und ich enthalte mich daher
gern, die bisher darüber vorgebrachten Ansichten hier zu wie-
derholen. Sehr deutlich sind auf diesen opaken Bändern war-
zenförmige Hervorragungen mit einem dunklern Punkt im Cen-
traum. Zwischen je zwei Bändern der’Längenmuskeln liegen die
Rücken- und Bauchlinien, welche sehr deutlich unter dem Mi-
kroskope sich von den daneben liegenden Muskelfasern durch
andere Brechung des Lichtes unterscheiden, so dafs es mir im
vorliegenden Falle wiederum sehr wahrscheinlich geworden ist,
dafs sie Gefälse sind, obgleich kein directer Beweis dafür anzu-
führen ist. Das Verhalten an den Körperenden ist mir nicht
deutlich geworden. Diese beiden gefälsartigen Stämme sind dicht
mit jenen Organen besetzt, welche von einigen Beobachtern
56
fälschlich mit den Tracheenbläschen der Insekten verglichen sind;
sie verbinden dieselben mit dem Darmkanal und den Geschlechts-
organen (wie ich weiter unten näher angeben werde), zeigen
aber nieht jene blasenartigen Erweiterungen, wie sie von
Bojanus, Cloquet u. A. von Asc. lumbricoides abgebildet sind,
sondern nur gleich weite Aeste, welche zum Theil blind zu
sein, zum Theil mit den nebenstehenden Fasern zu anastomosiren
scheinen. Am ganz frischen Präparat sieht man neben den
beiden Stämmen, zwischen den Muskelbündeln, grölsere Poren,
welche im Spiritus alsbald unkenntlich werden.
Es geht also hieraus hervor, dafs die Anordnung der Mus-
keln, der Organe der Seitenlinien und der gefälsartigen Stämme
an der Bauch- und Rückenseite, im Wesentlichen bei. dieser
Filaria dieselbe ist, wie sie von andern Nematoden-Gattungen
schon bekannt war *).
Die oben erwähnte kreisrunde oder ein wenig ovale Mund-
öffnung führt in einen sehr kurzen, engen, nach hinten ein
wenig erweiterten Schlund, welcher plötzlich in den viel wei-
teren Magen übergeht: dieser ist cylindrisch, an beiden Enden
stumpf zugerundet, ungefähr 1 Zoll 8 Linien lang, weils und
ganz undurchsichtig.‘ Er besteht im Innern aus einer flockigen
Substanz und wahrscheinlich aus mehreren Häuten, welche dar-
zustellen mir jedoch nicht gelungen ist. In demselben fanden
sich weilse, unregelmälsig gestaltete, rundliche Körnchen. Am
untern Ende geht der Magen in den Darm über, von welchem
er durch eine Einschnürung geschieden ist. Nach einer nicht
bedeutenden Anschwellung hinter dem Magen verläuft der Darm
gleich weit durch den ganzen Körper, verschmächtigt sich plötz-
lich kurz vor seinem Ende sehr bedeutend, und öffnet sich in
den After, welcher an der Spitze des Schwanzes, dem Munde
gerade gegenüber, liegt. In den ersten zwei Drittheilen der
*) Wenn der genaue Beobachter, Hr. A. Retzius bei Beschreibung
der Ascaris mit vierlheiligem Uterus aus Python bivittatus von
den andern Beobachtern darin abweicht, dals er die fadenförmigen Ge-
fälse des Darms an die Seitenlinien treten läfst, so entstand dieser Irr-
thum wohl nur dadurch, dafs ihm bei dieser Untersuchung kein passen-
des Mikroskop zu Gebote stand, wie er selbst berichtet. (Vetenskaps-
Academiens Handlingar för är 1829. p. 104 u. 107.)
57
Körperlänge macht der Darm nur seichte Windungen, in dem
letzten Drittheil dagegen höhere und häufigere Bogen, jedoch
nirgends eigentliche Schlingen. Die Farbe des ganzen Darms,
vom Magen bis zum After, ist schön und lebhaft zinnoberrotlhı.
Im: Innern liegen von oben bis unten theils regelmäfsig kreis-
runde, theils unregelmäfsig gestaltete zinnoberrothe Körnchen.
Die Darmhaut ist besonders zart und dünn, zeigt keine Andeu-
tung von Zottenbildung (wie sie nun schon bei einigen Nema-
toden gefunden ist); die Körnchen sind auf ihr jedoch in insel-
artige Häufchen vertheilt, wodurch die innere Darmwand einige
Aehnliehkeit mit einem Gefälsnetz erhält; — vielleicht ist diese
regelmälsige Verlheilung der Körnchen des Darninhalts auf eigen-
thümliche 'Strukturverhältnisse der Darmhaut gegründet; diese
aufzufinden gelang mir aber nicht. .
Sehr eigenthümlich sind in mehrfacher Beziehung die weib-
lichen Genitalien. Zuerst schon die Lage der Geschlechts-
öffnung. Am Kopfe, dicht neben der Mundöffnung, eine halbe
Linie von dieser entfernt, ist eine kleine Oeflnung (vulva), wel-
che in eine enge, kurze, eine Livie lange Röhre (vagina) führt,
an welcher eine obere, aus verzweigten, anastomosirenden Fa-
sern, und eine untere, minder deutliche, aus Ringfasern beste-
hende Schicht zu erkennen ist. Die vagina geht über in den,
zunächst über derselben kolbenartig angeschwollenen Uterus, der
weiter nach unten cylindrisch ‚verläuft und zwischen 5 und 6
Linien lang ist. Der angeschwollene Theil des Uterus besteht
aus verzweigten, sich durchkreuzenden Fasern, deren Richtung
schief auf die Längenaxe des Uterus ist, und der daher wie ein
gewickeltes Zwirnknaul aussieht; in dem ceylindrischen Theil
des Uterus herrscht eine queere Richtung der (Ring)fasern vor,
jedoch mit mannigfachen Durchkreuzungen. — Plötzlich theilt
sich der Uterus handförmig in fünf Hörner; jedes dieser Hör-
ner verläuft in mannigfachen Windungen, oftmals um den Darm
geschlungen, durch den ganzen Körper, ist gegen «4 Fuls lang,
schwillt ganz allmählig, gegen das Ende zu etwas mehr, an,
endet zugespitzt, und geht hier in das 5 bis 6 Zoll lange Ova-
rium über; dieses ist zuerst sehr dünn, wird ein wenig weiter,
und verläuft dann ziemlich gleich dick, bis es sich in einer
geschlossenen Kugel endet. Die an dem Uterus sehr deut-
58
liche muskulöse Struktur wird im Verlaufe der Hörner immer
undeutlicher, indem nur noch einzelne, zum Theil gabelig ge-
theilte, Längsfasern zu erkennen sind, und geht in eine häutige
über. Der untere-Theil der Üterushörner ist ungefähr so dick
wie der Darm; der dünnste Theil der Ovarien hat dagegen nur
0,0013 Par. Zoll im Durchmesser, und der Durchmesser der Ku-
gel, in welche die Ovarien enden, beträgt 0,0025 Par. Zoll. Den
Inhalt dieser Kugeln und des untern Theiles der Ovarien bildet
eine homogene Masse von Kügelchen, deren Durchmesser ich =
0,0002 Par. Zoll fand; weiter nach dem Uterus zu treten in den
Ovarien mehrere solcher Körnchen zu'abgesonderten Haufen zu-
sammen, welche schon von einer äufserst zarlen Hülle umgeben
zu sein scheinen, wenigstens sind sie auch da bestimmt begränzt,
wo sie sich dicht aneinander drängen, und deshalb eckig er-
scheinen. Gleich in dem untern Theil der Hörner des Uterus
haben die Eier plötzlich eine bestimmt elliptische Gestalt, und
erleiden bis zu ihrem Auslritt aus der vagina keine sichtbare
Veränderung mehr, indem alle Theile des Uterus überall mit
gleich gebildeten Eiern erfüllt sind. Die Längenaxe der Eier
beträgt im Durchschnitt mehrerer Messungen 0,002 Par. Zoll
(Maximum 0,00205. Minimum 0,00194). Zwei Eihüllen sind
deutlich zu erkennen; der Dotter nimmt fast die ganze.Höhlung
ein (an mehreren Eiern erkannte ich an dem einen Ende einen
anscheinend leeren Raum, ähnlich dem Luftraum der Hühnereier),
besteht aus mehrern rundlichen Häufehen, in denen man einen
Keimfleck zu erkennen glaubt.
Die fünf Hörner des Uterus erfüllen den ganzen Raum des
Körpers, indem sie überall neben dem Darm, zum Theil ihn
umschlingend, verlaufen. Zwei von ihnen biegen sich, ungefähr
in der Mitte des Körpers, um, und verlaufen wieder nach dem
Kopfe zu; die»Ovarien dieser beiden Hörner liegen dieht neben
einander, kurz vor dem Schlund, auf dem Magen mit kleinen
Schlingen, und richten sich von hier aus in ihrem fernern Ver-
lauf wieder nach dem Schwanztheil; sie umfassen mit sehr kur-
*) Da die fünf Hörner des Uterus zusammen gegen 20 Fuls lang
und so dick sind, dafs überall eine Menge von Eiern neben und über
einander liegen, so enthält eine Filaria über eine Million Eier
auf einmal! —
59
zen und zahlreichen Windungen, dicht zusammengedrängt die
ihnen entsprechenden Hörner. — Zwei andere verlaufen bis in
das Schwanzende des Wurmes, hier biegen sich die Ovarien um,
und verlaufen ebenfalls in kurzen, sehr zahlreichen Windungen
nach dem Kopfe zu. — Das fünfte Horn des Uterus endlich ver-
läuft nicht ganz bis zum Schwanzende, biegt sich nach dem
Kopfe zu um, und das dazu gehörige Ovarium endet ungefähr
in der Mitte des Körpers.
Die Hörner des Uterus und- die Ovarien sind überall dicht
mit jenen cilienartigen Organen besetzt, welche auch am Darm-
kanal sich finden ; 'sie verbinden diese Theile mit dem oben be-
schriebenen gefälsartigen Stämmen der Bauch- und Rückenlinie.
An der Vagina und dem Uterus selbst konnte ich dieselben nicht
deutlich erkennen; wenn sie hier auch nicht ganz fehlen, sind
sie doch gewils nur in sehr geringer Menge vorhanden. Am
zahlreichsten sieht man sie an den Ovarien nur ganz besonders
an den kugeligen Endungen derselben. Sie sind bei geringerer
als 200maliger Linearvergrölserung nicht überall deutlich zu er-
kennen; zeigen aber selbst bei: 1000maliger Linearvergrölserung
und dem. günstigsten Licht (mit einem grolsen, vortrefflichen
Mikroskop von Schick) keine deutliche Organisation. Sie sind
so zart, dafs sie sogleich zerreilsen, wenn die elastische Haut des
Wurmes im Wasser aufplatzi, oder mit der Nadel und Scheere
aufgesehnitten wird, und es ist daher nicht leicht, ihren Zusam-
menhang mit dem Bauch - und Rückengefäfs direet zu beobach-
ten; er ist jedoch unbezweifelt vorhanden — und die Fäden
selbst können wohl nichts anders als. Gefälse sein.
‘ Bei dem männlichen Geschlecht verhält sich das Ver-
dauungssystem ganz wie bei dem weiblichen, nur ist der Darm-
kanal, indem er etwas weniger und seichtere Windungen macht,
etwas ‚kürzer im Verhältnils zur Körperlänge bei dem Männchen;
und der After liegt nicht"dem Munde gegenüber auf der hier
gellügelten Schwanzspitze, sondern an’ der Bauchseite zwischen
den Flügeln, dielht vor der Schwanzspitze. Die Haut des Wur-
mes ist nicht so durchsichtig, dafs man die Geschlechtstheile in
ihrem ganzen Verlauf deutlich erkennen könnte, und da das
Thier so dünn ist, gelang es mir nicht, mit Instrumenten die
männlichen Genitalien so vollkommen darzulegen, wie es mir
-
60
mit den. weiblichen zu wiederholten Malen glückte. Ein weifses,
vielfach gewundenes Samengefäls erfüllt den gröfsten Theil des
Körpers, und enthält eine homogene Masse von weilsen Körn-
chen, welche an einigen Stellen massenweis zusammen treten.
Von Spermatozoen konnte ich keine Spur in keinem Theile der
Samengefäfse auffinden *). i
Der Penis, welcher bei einigen Individuen dicht neben
dem After vorgeschoben war, ist lang, hornartig, braun, wie
gewöhnlich bauchwärts. sensenartig gebogen, indefs in geringe-
rem Grade, als bei den meisten Ascariden. Er besteht deutlich
aus zwei Blättern, von denen das eiue ein wenig länger ist, als
das andere, wodurch der Penis ungewöhnlich spitz erscheint.
Eine Scheide scheint nicht vorhanden. Bei einigen Individuen
sah ich am Schwanziheil Spuren solcher Haftpapillen, wie sie
bei mehreren Ascariden vorkommen; jedoch nur undeutlich. Bei
mehreren Nematoden hat sich mir die Aculserung des verehrten
Nitzsch. bestätigt, dafs diese Haltknötchen nur zu gewissen
Zeiten vorkommen, indem ihr periodisches Vorhandensein wahr-
scheinlich mit den Geschlechts - Functionen in Zusammenhang
steht **).
2. Strongylus trachealis N.
(Syngamus trachealis v. Sieb.)
Vor Kurzem hat Hr. v. Siebold in diesem Archiv (II. 106.
Taf. 3.) eine Arbeit über diese Art mitgetheilt, welche gewils
*) Die feinen, von den innern Organen zu den Gelälsstämmen der
Bauch- und Rückenseite gehenden Gefälse, von denen oben die Rede
war, haben, wenn sie sich isolirt dem Auge darbieten, zuweilen das
Anschen der haarförmigen Spermatozoen der wirbellosen Thiere, wie
sie Hr. v. Siebold uns vor Kurzem durch seine vortrefllichen’ Unter-
suchungen bekannt machte. Bei einiger Aufmerksamkeit wird man aber
einem solchen Irrthum leicht entgehen.
**) Spätere Beobachter will ich noch auf zwei äufserst kleine drü-
senartige Organe aufmerksam machen, welche im Innern des Körpers,
kurz vor dem Alter, neben dem Darm des Männchens liegen, und mit
den Genitalien nicht in Verbindung zu stehen scheinen. Ich sah sie
nur an einem Präparat ganz deutlich, vermochte sie an andern nicht
aulzufinden.
61
jeden Helminthologen mit dem Wunsche erfüllte, selbst dieses
wunderbare Thier aufzufinden. Der schwarze Storch, wel-
cher uns hier beschäftigt, lieferte mir zu meiner Freude 16 Exem-
plare, von denen einige selbst dreimal so grols, als die von
Hrn. v. Siebold beobachteten Individuen waren.
Die innere Wand der Luftröhre war, wohl in Folge der
Lurgenkrankheit, mit einem sehr zähen, schmutzig-rothbraunen
Schleim überzogen, in welchem die Würmer lagen, und wegen
ihrer rothen Farbe schwer darin aufzufinden waren. Als ich die
'Luftröhre geöffnet hatte, erkannte ich zuerst ein solches doppel-
leibiges Thier, auf welches Hrn. von Siebold’s Abhandlung,
welche ich vor einigen Tagen erhalten hatte, mich so begierig
gemacht hatte; ich betrachtete es sogleich mit der Loupe und
unter dem Mikroskop, und zweifelte keinen Augenblick an der
Richtigkeit der Beobachtung: ich sah keinen After, weil ich ihn
nicht suchte, und glaubte wirklich ein doppelleibiges Thier vor
mir zu haben. Sehr grofs war daher meine Verwunderung, als
ich bei genauer Untersuchung der Luftröhre einige solcher Thie-
re, aber ohne die zweite Hälfte fand, nun verdoppelte ich
meine Aufmerksamkeit, und es gelang mir, eine grölsere Anzahl
grölserer und kleinerer, theils doppelter, theils einfacher Würmer
zu finden. Bei der Betrachtung unter dem Mikroskop sah ich an
einem der kleinsten Individuen, von denen sich mehrere durch
ein abgestutzies Schwanzende sogleich auszeichneten, einen
Schwanzbeutel, und nachdem ich nun ganz ohne Vorurtheil
an die Untersuchung ging, erkannte ich alsbald, dals wir zuerst
einen Strongylus in der Begattung beobachtet hatten; Hr.
v. Siebold war zufällig nicht so glücklich gewesen, auch grö-
fsere und nicht begattete Individuen zu sehen; der Irrthum, der
daraus hervorging, ist sehr leicht zu erklären, wie aus der Be-
schreibung des männlichen Schwanzes erhellen wird.
Ich fand im Ganzen 9 Weibchen von 6 bis zu 20 Linien,
und 7 Männchen von 3} bis 4 Linien Länge; zwei der gröfsern
Weibehen waren in der Begattung begriffen, und die Männchen
hafteten so fest an ihnen, dafs sie selbst im Spiritus noch un-
verändert in dieser Stellung beharren, wie dies bei mehreren
Strongylusarten schon früher beobachtet, und überhaupt keine
seltene Erscheinung ist.
62
Der Körper verschmächtigt sich nach Kopf und Schwanz zu
allmälig, und endet beim Weibchen in eine feine Schwanzspitze,
beim Männchen ist er hinten abgestutzt. Eine Ringelung der
Körperhaut ist nicht deutlich, aber dennoch angedeutet, und auch
ein, wenn auch geringer Grad von Elasticität der Haut zeigt sich
bei der Verletzung des Thieres, besonders wenn es einige Zeit
im Wasser gelegen hat. Der Kopf ist nach vorn gerade abge-
stutzt; eine kreisrunde, sehr weite Mundöflnung führt in eine
napflörmige Aushöhlung, welche aus einer festen, hornartigen
Substanz besteht; der Theil des Kopfes, welcher diesen Napf
enthält, ist etwas, aber wenig von dem übrigen Körper abge-
schnürt, und neben dieser Einschnürung sieht man zuweilen, be-
sonders bei Biegung des Kopfes, ein oder zwei Hautfalten auf
einer Hälfte des Körpers. Der Rand der Mundöflnung ist etwas
eingekerbt, jedoch nicht so, dafs ich dies eine regelmälsige, sechs-
malige Einkerbung nennen möchte, sie scheint vielmehr durch
Umschlagen des äulsersten Randes nach Innen zu entstehen; aber
auf dem Grunde des Napfes sah ich einigemal eine regelmäßige
Gestaltung, konnte es mir jedoch nicht klar machen, ob diese
von Häkchen oder Knötchen gebildet wird, weil die Substauz
des Napfes wenig durehsichlig, und eine Beleuchtung des Innern
schwierig ist. Unter dem ‚Napf beginnen der Schlund und Ma-
gen, der eine birn- oder flaschenförmige Gestalt mit langem Halse
hat, und beim Männchen ein wenig gedrungener zu sein scheint;
er geht in den, durch eine Abschnürung deutlich geschiedenen
Darm über, welcher sich in seichten Windungen durch den gan-
zen Körper bis zum After erstreckt. Dieser liegt beim 2 kurz
vor der Spitze des Schwanzes, und ist durch eine kleine Haut-
falte ein wenig verdeckt,— beim 5 dagegen an. dem abgestutz-
ten Körperende zwischen dem Schwanzbeutel. Am hintern Ende
des vordern Drittheils des Weibchen liegt die Vulva, eine
queer auf der Längenaxe des Körpers stehende, längliche, etwas
halbmondförmige Spalte mit wulstigen Rändern. Zugleich ‚ist
der Körper an dieser Stelle etwas ausgeschweift. — Der Be-
schreibung der weiblichen Genitalien, welche Hr. v. Siebold
giebt, kann ich nichts hinzufügen und finde sie ganz naturgetreu;
die Windungen und Schlingen sind sehr zahlreich, besonders in
der Nähe der Vulva. Eben so sah ich die Eier ganz wie- sie
63
Hr.v. Siebold beschreibt, und füge nur hinzu, dafs sie eine
ellipsoidische Gestalt haben und nach mehreren Mossungen der
Durchmesser der Längenaxe 0,0030. Par. Zoll, an der Queeraxe
0.0015 Par. Zoll beträgt. In den jungen Weibchen von noch
nicht 6 Linien Länge zeigt sich dasselbe gewundene Gefüfs, doch
scheint es im Verhältnils zur Körperlänge noch nicht ganz so
lang zu sein, wie bei den mit reifen Eiern angelällren Thierenz
es ist dies aber nur eine Vermuthung, indem es mir nicht ge-
lang, das Gefäls vollkommen zu entwickeln. Es ist bei diesen
jungfräulichen Würmern durchgängig mit einer körnigen Masse
ohne innere Coagulirungen angefüllt.
Im Männchen ist das gewimdene Samengefäßs im Allgemeinen
sehr deutlich; das Verhältnils des Ausführungsganges zum Penis,
und die Muskeln und Scheiden desselben sind hier jedoch, wie
bei so vielen kleineren Nematoden nicht vollkommen dentlich
zu sehen; der Körper ist in dieser Gegend ziemlich undurchsich-
tig, und der dunkelbraune Penis selbst verdeckt zu viel; dieser
besteht, nach der allgemein bekannten, den meisten Nematoden
gemeinschaftlichen Art, aus zwei hornartigen, etwas sensenarlig
gebogenen Blättern von gleicher Länge, war bei einigen Indi-
viduen vorgeschoben, bei andern durch einen sehr gelinden Druck
hervorzuschieben. Er tritt am abgestutzten Ende des Körpers
heraus, unmittelbar neben dem After, mit welchem er vielleicht
nur eine gemeinschaftliche Oefluung hat. Der Schwanz ist mit
einem Beutel umgeben, welcher allen Strongylusarten zukommt,
bei dieser gerade abgestutzt, am Bauch tief, bis auf den Körper-
vand, gespalten, übrigens ganzrandig ist, und durch fünf Gruppen
von Rippen gestützt wird, deren Anordnung durch eine dem-
nächst an einem andern Orte bekannt zu machende Abbildung
leichter anschaulich zu machen ist, als eine, wenn auch wort-
reiche Beschreibung, zu Ihun vermag. Die Mittelrippe (die
der ollenen Seite des Beutels entgegengesetzte) ist zweifach ga-
belig gelheilt, und endet, über den Bauch des Beutels hinaus,
in eine feine Spitze, welche bei der Begattung etwas vom Körper
des 9 absteht, und nach dem weiblichen Kopf sieht, so dafs
also der Penis nach dem weiblichen Schwanz gerichtet ist. Die
Membran des Beutels zwischen den, ebenfalls sehr zarten, Rippen
ist aufserordentlich durchsichtig, in so hohem Grade, dafs man
64
bei begatteten Exemplaren durch sie. hindurch alle innern Theile
des Weibchen sieht, indem der Beutel den weiblichen Körper
bei der Vulva so umfalst, dafs er mit der Fläche und den Rän-
dern ganz fest aufliegt.
Hieraus wird allein schon der Irrthum des Entdeckers iksus
Thieres erklärlich. Noch mehr aber mag vielleicht eine eigen-
thümliche Erscheinung dazu beigetragen haben, welche an den
hier besprochenen reifen weiblichen Exemplaren sich ‚zum Theil
in hohem Grade zeigte. Um die Vulva herum findet sich näm-
lich zuweilen eine braune Kruste, welche von einem oder beiden
‚Geschlechtern vor oder während der Begattung abgesondert zu
sein scheint, und wahrscheinlich zur stärkern Befestigung an
einander dient. Bekannt sind Cloquet’s und besonders des
treffliichen Mehlis Beobachtungen über diese Erscheinung; auch
ich habe sie an mehreren Ascaris- und Strongylus- Arten wie-
derholt beobachtet, und mein verehrter. Gönner Nitzsch war
so gütig, als ich das Vergnügen hatte, ihm diese Untersuchun-
gen vorzulegen, mir mehrere Individuen des Echinorhynchus
(Strigis Aluconis) globicaudatus Zed. mitzutheilen, au denen
diese braune Kruste ganz besonders reichlich vorhanden ist. Im
vorliegenden Falle, und um so mehr, da die Farbe des Körpers
zum Theil roth und braun ist, macht diese Kruste den männli-
chen Schwanzbeutel bei begatteten Exemplaren, und überhaupt
die ganze Vereinigungsstelle sehr undeutlich.
Im Uebrigen beziehe ich mich auf die Beschreibung des
Hrn. v. Siebold, welche in allen, hier nicht berührten Punkten
mit meinen Beobachtungen vollkommen übereinstimmie; auch
giebt die Abbildung ein klares Bild des Tlieres, nur erschien
mir die Farbe bei dem frischen Thiere weniger ziegelroth, als
vielmehr hell blutroth; diese verändert sich jedoch sehr schnell.
Im frischen Zustande aber ist der Wurm von allen Heliminihen
der schönste, indem die weilsen, zierlich gewundenen Genitälien
'von dem schönen Roth, welches den Körper färbt, auf das Sau-
berste abstechen. Das weibliche Schwanzende des abgebildeten
Exemplar war wahrscheinlich verletzt, denn die unversehrten
Individuen zeigen nicht jene Abschnürung mit einem, kleinen
Köpfchen; sondern es geht der Schwanz allmählig in eine feine
Spitze über.
Aus
65
Aus dieser Beschreibung wird es klar werden, dafs wir
zwungen sind, dieses Thier in der Gattung Strorngylus, wie
sie bis jetzt besteht, unterzubringen, und Diplozoon para-
dexzum bleibt auch ferner das einzige bekannte Doppelthier!
Ob aber wirklich jene von Montagu beschriebene Fasciola,
welche Rudolphi zu seinem Distoma lineare zieht, unser
vorliegender Strongylus ist, darüber müssen wir wohl vor
der Entscheidung fernere Beobachtungen erwarten. —
Von deu andern Entozoen des schwarzen Storchs will
ieh hier nur noch des oben unter No. 7. aufgeführten: Distom’s
erwähnen, weil sein Fundort, so, viel ich weils, für die-Gattung
neu ist. — Zwischen den Magenhäuten, unter den Hunderten
von Exemplaren der Spiroptera alata Rud., lagen 5 Indivi-
duen, ‚deren ausgedehnter Körper genau in eine, durch ‚ihn
gebildete Höhlung, zwischen der innern und äulsern Lage der
Magenhäute, hinein palste, so dafs dem Thiere keine Bewegung
von der Stelle möglich zu sein scheint. Sie lagen alle einzeln,
getrennt von einander. Im Tode haben diese Thiere genau die
Gestalt des Distoma hians Rud., aus dem Schlunde, sind aber
1—2 Linien kleiner, und namentlich schmäler, und ihre Farbe
ist ein intensiveres und reineres Blutroth, als die der Schlund-
bewohner; die Genitalien wurden mir, da ich die Thiere nicht
ganz frisch untersuchen konnte, sondern nur, nachdem sie schon
entfärbt waren, nicht deutlich. Im Uebrigen zeigt sich zwischen
beiden Thieren in den wesentlichen Punkten eine zu. grofse Ue-
bereinstimmung, als dafs ich nicht beide: vorläufig als zu einer
Art gehörig betrachten müfste, obgleich der Habitus auffallend
verschieden ist, indem D. hians des Schlundes im Leben immer
zusammengerollt vorkommt, diese Würmer aber alle flach aus-
gebreitet dalagen, was aber eine natürliche Folge der Lebensart
sein mag. — So wollte ich denn hier nur auf den Fundort auf- .
merksam machen, und die Entscheidung über diese Art denen
überlassen, welche frische und lebende Individuen dereinst wer-
den beobachten können.
III. Jahrg. 1. Band. 5
Herr Nathusius hat mir die Aufmerksamkeit erzeigt, diesen
vorstehenden Aufsatz vor dem Drucke mir mitzutheilen, und zu
erlauben, meine Bemerkungen darüber beifügen zu dürfen; ich
bin ihm dafür um so mehr mit Dank verpflichtet, weil es mich
in den Stand setzt, einem von mir begangenen Irrthume viel- :
leicht noch zeitig genug entgegen zu arbeiten. Die Sache geht
nämlich, wie man leicht errathen wird, den von mir als Syn-
gamus trachealis (in dies. Archive, Jahrg. 1836. 1. p. 105 *) ) be-
schriebenen doppelleibigen Eingeweidewurm an. ‚Schon im Laufe
des Sommers erhielt ich von Hrn. Nathusius ein Schreiben,
worin er mir einen Angriff auf meinen Syngamus ankündigte, da
derselbe kein doppelleibiges Thier, sondern ein in der Begattung
begriffenes Paar eines Strongylas wäre; auch von Hrn. Dr. Die-
sing zu Wien erhielt ich brieflich eine ähnliche Andeutung.
Ich gab mir seitdem alle mögliche Mühe, mir neue Exemplare
dieses Thieres zu verschaffen, allein vergebens, die ganze Aus-
beute bestand nur aus einem sehr beschädigten Individuum, wel-
ches in der Luftröhre eines Sturnus vulgaris gesessen hatte, Als
mir später Hr. Nathusius ein Paar Individuen seines Stron-
gylus trachealis (ein altes und ein junges Weibchen) mitzuthei-
len die Güte hatte, so schöpfte ich Hofloung, mich nicht geirrt
zu haben, indem ich nämlich diese Schmarotzer mit meinem
Wurme nicht für identisch halten konnte; auch Hr. Nathusius,
*) Ich habe an demselben Orte p. 116. das von Hrn. Prof. Nitzsch
aufgestellte genus Hedruris durch einen Gedächtnilsfehler in Heterura
verwandelt, weshalb ich hiermit Hrn. Prof. Nitzsch und die Leser die-
ses Archivs um Verzeihung bitte.
67
dem ich meinen noch einzigen unversehrten Syngamus zur Ver-
gleichung überschickt hatte, konnte.sich von der Identität dieser
Thiere nicht überzeugen. Die Unterschiede sind (so gut sich
solche an in Spiritus aufbewahrten Entozoen auffinden liefsen),
folgende: Das Schwanzende des Weibchens von Strongylus tra-
chealis läuft allmählig in eine Spitze aus, bei dem Weibchen
meines Wurmes dagegen “ist immer das Schwanzende mit den
hinteren zwei Drittel des Leibes in Stärke gleich, endigt stumpf
und besitzt an diesem stumpfen Ende nur eine kleine, gleichsam
abgeschnürte Spitze. Bei Strongylus trach.'befindet sich hinter
dem Kopf keine Einschnürung des Halses, wie bei meinem Wur-
me. Ferner ist der ganze Körper des Strangylus trach. sehr in
die Länge gezogen, und selbst das junge Weibchen, welches ich
von Hrn. Nathusius besitze, verräth, trotz seiner Kleinheit,
schon seiue künftige Schlankheit; bei meinem Wurme dagegen
ist der ganze Körper mehr gedrungen. Sehr auffallend ist an
meinem weiblichen Wurme die plötzliche Zunahme des Durch-
messer des Körpers von der Stelle an, wo sich die Vulva findet,
so dafs der Leib vor der Vulva durch seine Schmalheit von dem
hinter der Vulva gelegenen Theile desselben stark absticht, etwas
Aehnliches konnte ich an den mir vorliegenden’ beiden weibli-
chen Individuen des Strongylus trachealis nicht erkennen und
auch nicht aus der Beschreibung des Herrn Nathusius ent-
nehmen.
Doch was half es mir nun auch, dafs ich mich von der
Verschiedenheit dieser beiden Schmarotzer überzeugte, der Zwei-
fel über die Doppelleibigkeit meines Syngamus war einmal in
mir angeregt, ich konnte mich nicht eher beruhigen, als bis die
Sache in’s Reine gebracht war. Ich nahm also meinen einzigen
Wurm noch einmal vor, untersuchte die Verbindungsstelle des
Weibehens mit dem Männchen noch einmal, Letzterer liefs aber
nicht los; ich brauchte zuletzt Gewalt, und nun brach das Männ-
chen ab; das Weibchen zeigte eine deutliche Hervorragung, auf
der das Männchen aufgesessen hatte, Betrachtete ich das Schwanz-
ende des abgebrochenen Männchens, so erschien es unregelmäfsig
abgerissen, aber genauer zugesehen schien mir wirklich eine ge-
spaltene einfache Blase, wie bei manchen Strongylus- Arten, vor-
handen zu sein, welche nur von einer durchsichtigen wachsar-
5%*
68
tigen Masse versteckt wurde und: in der ich-die Kruste zu er-
kennen glaubte, welcher Hr. Nathusius vorhin erwähnte, und
mittelst welcher dieSchwanzblase des Männchens so fest mit der
Vulva des Weibchens verbunden war, dafs ich früher beide Ge-
schlechter statt für mechanisch verkittet für organisch verwach-
sen hielt. Syngamus trachealis ist demnach wohl nur ein. ge-
paarter Strongylus. Ich besitze in meiner Sammlung noch ‚zwei
Arten vun Strongylus, von denen ich die eine Art in der trachea
eines jungen Haushuhns, und die andere in. der cella infraorbi-
talis eines Larus fuscus gefunden habe. Sie waren ungepaart,
hatten aber mit den vorigen Strongylus- Arten die schöne blut-
rothe Farbe, die zarte Leibeshaut, aus der die Eingeweide auf
das deutlichste hervorschimmerten, das weite Maul ‚und den
Mundnapf gemein; die erste Art scheint mir, obgleich die Kör-
perlänge nur 4—7 Lin. beträgt, dem Strongylus trachealis nalıe
zu stehen, die andere Art aber. ist aulserordentlich gedrungen,
besitzt keine Abschnürung hinter dem Kopfe und eine allmälig
zulaufende Schwanzspitze des Weibchens, ist. 5 Lin. lang, 4—+
Lin. breit, das Männchen nur 3—4 Lin. lang, aber noch einmal
so schmal als das Weibchen, seine Schwanzblase einfach. In
Creplin’s novae observationes de entozois, p. 36. findet man das
Weibchen dieses Wurmes unter Nematoidea quoad genus dubia
beschrieben, es war dasselbe von Schilling in der Nasenhöhle
eines Larus ridibundus entdeckt worden. Diese Strongylus-
Arten scheinen eine besondere Gruppe zu bilden, nur muls erst
eine gröfsere Zahl dieser Thiere verglichen werden, ehe die spe-
eifischen Unterschiede derselben festgestellt werden können.
Ich gestehe das obige, von mir.begangene Versehen um so
lieber ein, da es mir bei Erforschung der Natur und ihrer Ge-
heimnisse ja nur um Wahrheit zu thun ist, und da ich für den
guten Fortgang unseres wissenschaftlichen Bestrebens keinen grö-
fseren Nachtheil kenne, als aus Hartväckigkeit, Eigensinn u. dgl.
seines Irrthum nicht einsehen zu wollen, ihm vielmehr nur. noch
fester anzuhangen und durch ihn in neue Irrihümer zu verfallen.
Mir soll dies Grund genug sein, noch mifstrauischer gegen mich
selbst zu sein, als ich es bis. jetzt gewesen bin, und noch vor-
sichtiger bei meinen Untersuchungen zu Werke zu gehen, als.ich
es bisher gethan habe.
Ornithologische Reise nach und durch Ungarn
Johann Friedrich Naumann.
Bei Bearbeitung meines Werkes: Naturgeschichte der
Vögel Deutschlands ete., wovon bereits der 8te Band die
Presse verlassen, mufste ich’ nur zu oft schmerzlich empfinden,
viele südliche Vögel, die ich doch nicht übergehen durfte, nie-
mals im Freien beobachtet zu haben. Da ich mein vorgesteck-
tes Ziel, in jenem Werke nur praktische Beobachtungen nieder-
zulegen, stets unverwandt im Auge behielt, daher fremde, wenn
sie die strengste Prüfung nicht aushielten, niemals aufnahm, sol-
che aber seltener sind, als mancher glauben möchte, so mulste
natürlich der Wunsch in mir rege werden, auch die südlichen
Vögel, ebenso wie im Jahre 1819 die nördlichen, an ihren Wohn-
orten, wo sie in Menge vorkommen, zu beobachten und ihre
Lebensweise zu erforschen. Längst stand daher mein Sinn nach
Ungarn, weil ich dort ebenso reichliche Ausbeute hinsichtlich
der südlichen Vögel erwarten durfte, äls ich sie in dem genann-
ten Jahre an.den westlichen Küsten Däneniarks hinsichtlich der
nordischen fand. Ein Freund von mir, Hr. Apotheker Neubert
aus Leipzig, welcher im vorigen Jahre eine Geschäftsreise nach
Pesth unternahm, und als Jagdliebhaber von dort aus einige
kleine Exeursionen mit der Flinte in mehrere grofse Sümpfe
machte, schilderte mir diese so vortheilhaft, dafs ich den Einla-
dungen meiner dortigen Correspondenten und seinem gütigen An-
erbieten, mich im nächsten Jahre dahin mitzunehmen, nicht wi-
dersteheu konnte. Leider erlaubte ihm jedoch sein Geschäft nicht,
in der Brütezeit der Vögel nach Ungarn zu reisen, und auch ich
mulste mich dem fügen; wenn ich deshalb auch mein Glück nicht
vollkommen nennen konnte, so mulste dennoch eine solche Reise
auch im August und September meiner Lieblingswissenschaft
70
einen unberechenbaren Gewinn bringen. Was ich demnach durch
diese Reise an Erfahrungen reicher geworden bin, habe ich ledig-
lich diesem Freunde zu verdanken, welcher auf allen meinen
sehr ausgedehnten Excursionen mich nicht nur als brüderlicher
Freund, sondern auch als thätiger Jagdgenosse begleitete, als sehr
geübter Schütze mir treulich beistand, und dabei nicht allein ge-
wandter Jäger, sondern auch sogar Beobachter war.
Durch Sachsen, Böhmen und Oestreich reisten wir schnell,
mit Extrapostpferden; doch ich will unsere Reiseroute etwas
genauer bezeichnen. Am 8. August Abends 9 Uhr reisten wir
von Leipzig ab, über Dresden, Peterswälde, Teplitz, nach Prag,
wo wir einen halben Tag und eine Nacht verweilten; dann am
11. August weiter; über Tabor, Budweis, Freistadt nach Linz,
hier abermals eine Nacht und einen halben Tag uns aufhielten,
beiläufig einen’ Theil der herrlichen Gegend-besahen, und Mit-
tags den 13ten über Enns, St. Pölten u. s. w. nach Wien gingen,
wo wir den l4ten Nachmittags 34 Uhr ankamen und bis zum
19. verblieben, dann über Schwächat,: Fischamend, Megelsbrunn,
Hainburg, die Grenze Ungarns überschritten und Nachmittags
34 Uhr in Prefsburg anlangten, von wo wir den 20sten in der
Frübe das Pesther,Dampfschiff Panonia. bestiegen, die Donau
binabschifften und an demselben Tage Abends 8 Uhr in Pesth
anlangten. Diese Stadt war gleichsam der Centralpunkt unserer
Ausflüchte ins Land hinein, und wir mufsten uns sehr glücklich
schätzen, an Hrn, Salomon Petenyi, Procustos am Königl.
zoolog. Museum zu Pesth, überallhin einen treuen Begleiter und
Führer zu haben. Nur unter Leitung dieses würdigen Freundes,
eines eifrigen Naturforschers, in Ungarn geboren, der Hauptspra-
chen (Magyarisch und Slovakisch) ganz mächtig, mit den übri-
gen nicht ganz unbekannt, das Land, seine Bewohner und ihre
Sitten genau kennend; nur in solcher Gesellschaft waren wir
vor tausend Unannehmlichkeiten gesichert, die dem Fremden,
unter jenen rohen Völkern, deren De er nicht keont, über-
all aufstolsen würden.
Schon am 22sten unternahmen wir eine Excursion, östlich
von Pesth, über Peteri, wo wir bei Hrn. Nic. v. Földrary
die freundschaftlichste Aufnahme fanden, und mit ihm nach dem
Tapjo, einem Flüfschen, das in die obere Theifs mündet, reisten.
71
Wir streiften an den Orten Tapjo Söllo, Gyrgye, Tapjo-Szent Marton
bis in die Nähe dieses -Flusses, nnd kamen den 26sten wieder
nach Pesth zurück, um den 27. mit dem Dampfschiffe Franz 1.
die Donau bis an die türkische Grenze hinabzureisen, wo wir
Semlin vorerst zu einem längern Aufenthalte bestimmt hatten.
Den 29. Aug. Abends langten wir dort an, verblieben hier bis
zum 8. September, während wir Excursionen nach Belgrad, auf
die Donauinseln, ins Banat in die Gegend von Pancsova, und
in Syrmien (Beezania und Szurosin) in die grolsen Sümpfe längs
der Save hinauf u. s. w. machten. Von hier reisten wir durch
die Banater Militärgrenze über Poresa, Glogon, Opova, Szaccola
u. s. w. nach Nagy Becskerek (Grols Bedschkerek), wo wir über-
nachteten und am 9. Mittags nach Szent Gyrgye (im Banat, To-
rontaler Comitat) weiter reisten, hier 2 Tage verweilten und Ex-
eursionen in die dortigen, viele Meilen langen,. grofßsen Sümpfe
unternahmen. Von hier aus begann die eigentliche Rückreise
nach Pesth, die‘ nur dann unterbrochen werden sollte, wenn wir
unterwegs auf interessante Sachen. stielsen. Da jedoch nichts
vorfiel, was wir nicht schon früher gesehen und erlegt hatten,
so reisten wir schnell weiter, über Bassahegy, Nagy Kikinda,
Zirnebära, Oras-Lamos, Szegedin, Dorozsma, Kis-Telek, Felegy-
häza, Kecskemet, Orkeny, Ocsa, Csorocsa, also zu Lande durch
das Banat, Klein-Kumanien u. s. w. nach Pesth zurück, wo wir
den 14. Sept. Mittags’ ankamen. Die Reise von Semlin zu Lande
hieher hatten wir im eignen Wagen mit Bauervorspannpferden,
eine Art Posteinrichtung, gemacht. Den 18. u. 19. Sept. machten
wir abermals eine Ausflucht und zwar auf das rechte Ufer der
Donau, und reisten deshalb über Ofen, Sachsenfeld, Promontori,
Hanschabeg nach Eresi, von wo aus wir in den grolsen Sümpfen
gegen den Velenzer-See hin jagten, aber diesen so wenig wie
den gar nieht weit mehr entfernten Plattensee besuchten, weil
die vorgerückte Jahreszeit nichts mehr bot, das eine Reise dahin
hätte vergütigen können. Erst am 3. October Nachmittags 4 Uhr
verlielsen wir Pesth zum’ letzten Male, die Heimreise antretend,
die ganz zu Lande, mit Extrapostpferden gemacht, und Tag wie
Nacht fortgesetzt wurde. Unser Weg ging über Ofen, Raab, Wie-
selburg und ungar. Altenburg nach Prefsburg, wo uns eine kleine
„Beschädigung unseres Wagens nöthigte, zu übernachten. Am
72
5. Oct. früh 6 Uhr setzten wir unsere Reise fort, über Neudorf,
wo. wir.in die Grenze Deutschlands eintraten, indem wir die
Brücke über die March passirten, dann: über Schlofs-Hof, Kres-
senbrunn, Leopoldsdorf, das herrliche Marchfeld passirten, über
Breitenlee endlich Langen-Engersdorf erreichten, und nun die
sogenannte Kaiserstralse durch Mähren einschlugen, über Ober-
Hollabrünn, Znaym, Iglau, Böhmen wieder erreichten, dann über
Deutschbrod, Ccaslau, 'Kolin, Böhmischbrod u. s. w. nach Prag
kamen, sogleich weiter reisten, auf der Strafse über Tscherdokluk,
Slan, Jungferteinitz, Laun, Kommotau, den 8. Oet. mit Sonnen-
aufgang, mit‘6 Pferden vor dem Wagen, das hohe Grenzgebirge
über Sebastiansberg passirten, und dann über Marienberg, Zscho-
pau, Chemnitz, Penig, Borna, den 9. früh 43 Uhr in Leipzig
wieder eintrafen, von wo ich erst am 11. Oct. Mittags in mei-
nem Wohnorte Ziebigk einzog, nachdem ich seit den 6. August,
also in Allem 9 Wochen und 4 Tage, abwesend war und in
dieser Zeit ohugefähr 420 Meilen zurückgelegt hatte.
Da der Hauptzweck dieser Reise Erweiterung meiner Kennt-
nisse in der Ornithologie war, so nahın natürlich dieser Zweig
der Naturgeschichte fast alle meine Zeit in Anspruch, und alle
übrigen mufsten zurück treten. Ich habe jedoch nicht unterlas-
sen können, auch die Pflanzenwelt eines Blickes zu würdigen,
da in jenem merkwürdigen Lande gänz andere unbekannte Floren
auftraten, die mich gewaltsam zu sich hinzogen, habe auch bei-
läufig noch Mancherlei, zur Länder- und Völkerkunde gehörig,
gesammelt, was Alles ich nicht abgeneigt bin, zu seiner Zeit
meinen Freunden in einem geordneten Reiseberichie mitzutheilen.
Gegenwärtiger Aufsatz soll jedoch rein naturgeschichtlich bleiben.
Auf meiner Reise durch Böhmen drang sich mir die Bemer-
kung auf, dafs die schönen Fluren dieses Landes durchgängig von
einer weit geringern Zahl von Feldlerchen (Alauda arvensis)
bewohnt werden, als die von Sachsen, Anhalt und andern nord-
deutschen Landen; auch das gesegnete Oestreich hatte wenigere,
und ihre Zahl ‚nahm immer mehr ab, je näher ich der Mitte von
Ungarn kam, und die südlichen Theile dieses Landes werden
endlich im Sommer wirklich nur noch sehr einzeln von ihnen
bewohnt. Wir sahen schon am 13. Sept. auf den sogenannten
Haiden bei Felezyhäza kleine Gesellschaften als Zugyögel ankom-
73
men, späterhin alle Tage dergleichen, auf der Rückreise durch
Böhmen immer mehr, der Hauptzug ging jedoch bei uns wie
gewöhnlich erst in der Mitte des October durch. Dagegen ist
die Haubenlerche (Alauda cristata) durch den ganzen von
mir durchreisten Länderstrich an allen Wegen und Strafsen anzu-
treffen, am häufigsten jedoch in Ungarn, wo sie bei jedem Dorfe
in bedeutender Anzahl wohnt und längs den Wegen, auch durch
die weitläufigsten Felder entlang, überall häufig gesehen wird,
und zwar dort überall in einer so grofsen Anzahl, wie sie Deutsch-
land kaum bei einzelnen Ortschaften aufzuweisen hat *). — Von
einem noch 'gemeinern Vogel, dem Haussperling, bemerkte
ich, dafs er gegen Südosten allmählig an Anzahl abnahm, in
Ungarn auffallend einzelner, und in dessen südlichen Theilen
meist nur noch in Städten vorkam, so gut es ihm auch in jenem
Lande geboten wird, wo man keine Scheuern hat, sondern das
Gelreide in grofsen Haufen frei hinstelit, wo so unendlich viel,
leekerhafte Samen tragendes, sogenanntes Unkraut wuchert, und
darunter der Hanf (Cannabis sativa) überall in Menge wild
wächst, wo der Atlich (Sambucus Ebulus), dessen Beeren oder
Samen er bei uns so gern nascht, nirgends fehlt und in grofser
Menge beisammen wuchert, wo manche ihm sehr schmackhafte
Samen im Grofsen gebaut werden, z. B. Mohrhirse (ungar. Szirok,
Holcus Sorghum) und Muhar (Panicum germanicum), Hirse,
Hanf u. a. m., wo, wie namentlich im Banat, seine Lieblingsge-
treidearlen, Waizen und Gerste in so vorzüglicher Güte und so
grolsem Ueberflusse gewonnen werden. Ist es nun das Klima,
was ilım das platte Land nieht angenehm maclıt? oder ist es
nicht vielleicht der Mangel an Heckstätten, in ‚diesen Dörfern?
Das Letzte ist mir das Wahrscheinlichste, weil in vielen Dörfern
Ungarns kein zweistöckiges Haus vorkönmt, die Bauernhäuser sehr
niedrig sind, Viehställe bei den Bauern kaum dem Namen nach
und Scheuern, wie gesagt, gar nicht gekannt sind, auch die Edel-
- *) Ich glaube bemerken zu müssen, dafs die Haubenlerche jetzt
in vielen Gegenden häufiger ist, als sonst; so lange ich zurückdenken
kann, ist dies bei meinem Wohnorte wirklich so auffallend, dafs diese
Bemerkung schon Leute gegen mich geäufsert haben, die sonst auf sol-
che Dinge nicht zu achten pflegen. Sind ihrer Erhaltung vielleicht eine
Reihe schneearmer und gelinder Winter so günstig gewesen?
74
höfe aufser den einstöckigen Wohnhäusern wenig andere, auch
nur niedrige Gebäude haben, und da endlich noch die Kirchen
überall so zierlich aussehen und so gut abgepulzt sind, dafs er
auch da wenig Stellen findet, sein Nest anzubringen. So ist ihm
vielleicht die zu grofse Entfernung der Ortschaften von einander,
namentlich der Mangel an Bäumen, als Zufluchsorte, in diesen
weiten Gefilden zuwider. Er fehlt zwar keinem Dorfe ganz,
nur seine geringe Anzahl ist auffallend, und in Städten ist er
gemein genug. Eine klimatische Farbenabweichung bemerkt
man nicht an-ihm, wenigstens ist sie durchaus nicht auflallend,
die Sperlinge in Semlin und Belgrad sehen wie die unsrigen aus;
die alten Männchen haben alle noch den grauen Scheitel, aber
nur ganz schmal, und die Seiten des Kopfes scheinen etwas leb-
hafter roth, was sich freilich so bestimmt nicht vergleichen ließs,
weil sie, als ich dort war, eben das Herbsikleid angelegt hatten
oder doch in der Mauser standen.
Durch Böhmen reisend sahe ich mich lange vergeblich nach
Krähen um, die in diesem Lande doch nicht fehlen konnten, da
es dort Waldungen von jeder Beschaffenheit in Ueberfluls giebt.
Es mochte daher nur®Zufall gewesen sein; denn ich sahe später-
hin sehr viele, doch nur vereinzelt oder in Familien, sich her-
umlreiben. Ihr Wesen verrieth, dafs sie dort heimisch und aus-
gebrütet waren. Alle, welche ich nahe genug hätte, um es
unterscheiden zu können, waren graue (Corvus Cornix); eine
schwarze (C. corone) habe ich bestimmt darunter nicht gesehen.
Sehr auflallend war es mir, dasselbe von Ungarn zu bemerken.
Auf der Hinabfahrt von Prefsburg nach Pesth zeigten sich an
beiderseitigen Ufern der Donau gar viele, eben so herumschwär-
mend, aber keine andere als graue; weniger häufig waren sie
von Pesth abwärts, östlich und südlich, "am öftersten noch an
den Donauufern, aber ebenfalls, so weit es möglich war sie zu
erkennen, nur graue. Die Sammler in Ungarn „versicherten
auch, dals der sogenannte Corvus Corone dort äulserst selten vor-
komme. — Corv. frugilegus war übrigens an der obern Donau
und weiter hin auf den grofsen Haiden, wo Vieh geweidet hatte,
scharenweis zu sehen, im August und September wohl also schon
auf dem Zuge, da in der Nähe keine brüten sollen. '
Das südliche Grenzgebirge Böhmens, indem man von ihm
75
in das anschliefsende Oestreich hinabsteigt, hat eine sehr inter-
essante Flora, die immer schöner wird, jemehr man auf der Linzer
Strafse sich dem Donauthale nähert; "mehrere schöne Cytisus-
Arten, darunter €. austriacus, C. sessilifolius u. a. m. sehr schöne
Glockenblumen u. dgl., sogar Ruscus aculeatus wäehst dort wild;
Clematis vitalba, sehr gemein, rankte auf hohe Bäume hinauf und
bildete oft sehr malerische natürliche Lauben. Auf. den Bergen
war die schöne Carlina acaulis selır gemein. Dafs daneben die
Insekten-Fauna auch sehr reich sein mulste, zeigten viele dort
vorkommende Arten, zumal Schmetterlinge. Die Vogelwelt hatte
jedoch nichts Besonderes.
Die grolse Kaiserstadt Wien mit ihren reichen Naturalien-
Sammlungen konnte vor der Hand nur der Letztern wegen für
mich ein hohes Interesse haben, weil die Zeit zu kurz war, um
alle andern Herrlichkeiten zu schauen, deren dort so viele sind,
und die wohl durchschnittlich alle den grofsartigsten Charakter
iragen. Es war mir nur vergönnt, die wichtigsten zu sehen,
weil ich die Vormittage alle auf dem K. K. Naturalienkabinet
zubrachte, und namentlich die ungeheure Vogelsammlung genauer
durchmusterte. Die lebend unterhaltenen Säugethiere und Vögel,
hier und in Schönbrunn, wurden nicht vergessen, so auch der
Wiener Vögelmarkt beiläufig täglich durchgesehen, wo lebende
Blau- und Steindrosseln (Turdus- cyanus u. T. saxatilis),
Sprosser und andere Sänger von den zartesten Arten, selbst
auch Muscicapa parva, in mehrern Exemplaren, zu hohen Preisen
feil geboten wurden. Auf einer Ausflucht über Hietzingen in
eine romantisch herrliche Gegend besalı ich den Park und die
Fasanerie eines östreichischen Grofsen *), worin viele Gold- und
Silberfasanen gezogen waren, Hier im Park überraschte mich
der wispernde, feintönige Gesang eines kleinen Vogels, der sich
durch das oft vorkommende etwas lautere Hitzli-hitzli so-
gleich als dem Girlitz (Fringilla serinus, hier Hirngrillerl genannt)
angehörig, erkennen liels; das Pärchen, von dessen Männchen er
kam, sals auf dem trocknen Wipfel einer Fichte, flog aber weg
ehe eine Windbüchse herbeigeholt wurde, und verschwand in
1) Fürsten, ich weils nicht mehr ob Schwarzenbergs, oder Lichten-
steins oder noch eines andern.
76
den dichten Kastanienbäumen eines langen Ganges. Das Vögel-
chen kömmt hier oft vor und ist auch in der Gegend von Pesth
nichts Seltenes; allein Fringilla eitrinella ist dort niemäls ge-
sehen worden.
Auf dem Wege von Wien nach Prefsburg gewährten uns die
vielen Ziesel (Arctomys citillus) eine angenehme Unterhaltung.
Wir sahen die ersten auf abgeernteten Feldern, jenseits Markt-
Patronelle, dicht an der Strafse, gegen Hainburg zu noch mehrere,
aber unglaublich viele, sobald wir die Grenze Ungarns über-
schritien hatten. Jene grolse ebene Fläche, Viehweide, aber in
diesem Jahr ganz dürr, welche sich dem Auge des Reisenden
öffnet, sobald er die Grenzmauth im Rücken hat, oder durch die
ersten Berge des hier anfangenden -Carpathengebirges hindurch
ist, von der Stralse zum Theil durchschnitten, wimmelt so von
ihnen, dafs man bei warmen Wetter und Sonnenschein wohl 6
bis 8 mit einem Male erblickt, die sich sonnen und bei Annähe-
rung des Wagens theils schnell in ihre Höhlen rennen, theils
sich vor derselben noch ein Mal auf die Hinterfüfse setzen (ein
Männchen machen) und erst in die Höhlen stürzen, wenn der
Wagen schon ganz nahe gekommen ist.. Man könnte ihrer viele
schielsen, würde aber stets wenige bekommen, weil sie meistens
dicht vor ihren Höhlen sitzen und nach den: Schusse, selbst
schon halb todt, sich steis in diese hineinstürzen. Ich habe sie
nirgends häufiger als auf dieser Ebene angetroffen, wie sich auch
auf der Rückreise bewies, wo wir diese Gegend, auf der Straßse
von Wicselburg nach Prefsburg, dürchschnitten und auf jener
Seite eben so viele sahen. Aufser dieser sahe ich ich sie, jedoch
minder häufig, auf einer mehr wellenförmigen Fläche, eine kleine
Meile oberhalb Eresin ; sie sind aber auch im der Gegend von
Pesth’ und anderwärts häufig, doch nur in trocknen Gegenden.
Sie wohnen viel weniger auf Getreidefeldern als auf trocknen
Viehweiden, und mögen weit mehr von Wurzeln als von Kör-
nern leben, obgleich sie allenthalben als schädliche Thiere ver-
schrieen sind. — In Ungarn lebt indessen ein noch weit inter-
essanteres Thier, der Blindmoll (Spalax Typhlus), doch aber
lange nicht so häufig und nur in einzelnen Gegenden, deren es
in Ober-, Mittel- und Unter - Ungarn giebt. Ich habe viele
-
77
todte *), aber leider ‚keins lebend gesehen. Das Thier gräbt
Höhlen und Gänge in die Erde wie ein Maulwurf, lebt aber nur
von Wurzeln, namentlich der Rüben- und Knollengewächse, der
jungen Obstbäume und Weinstöcke, thut daher sehr viel empfind-
liehen Schaden und wird deshalb von Garten- und Weinbergs-
freunden fleilsig ausgegraben und getödtet.
Die obere Donau, etwa bis Gran hinab, war sehr belebt
und Tausende von Zugvögeln oder zum Zuge sich anschickender
eilten an ihren Ufern und auf ihren vielen Inseln. Die Mehr-
zahl bildeten freilich wohl gemeine Kibitze, deren schwarze
Schaaren oft den Wasserrand zum Theil bedeckten, aber auch
kleine Flüge von Tofanus Glottis und Actitis hypoleucus waren
sehr häufig zwischen ihnen und überall standen Reiher, aber
nur Ardea cinerea, keine andere Art, da außser dieser keine das
freie Flulswasser zu lieben scheint. Von Enten zeigten sich
nicht viele, ihre-Zugzeit war noch fern; allein einige Heerden
Cormorane (Halieus Carbo, s. Carbo Cormoranus)) waren mir
desto interessanter, sie standen entweder im seichten Wasser
nahe am Ufer oder schwammen sehr tief im Wasser, waren sehr
scheu und zeichneten sich im Fluge aus, welcher allerdings etwas
rabenartiges hat und nebst der schwarzen Farbe den Namen
Wasserrabe sehr wohl entschuldigt. Von Seeschwalben
zeigten sich nur wenige (sie schienen zu Sterna hirundo zu ge-
hören), aber Möven mehrere: Heerden, alles Larus ridibundus.
Hin und wieder sah man auch einen Seeadler (Falco albicilla):
Das Ofener Gebirge, i’ seiner ganzen Ausdehnung an allen
dazu geeigneten Stellen prächtig mit Reben bepflanzt, gewährt
an jeder schroflen Felsenwand und jedem kahlen Bergsturze der
Steindrossel (Turdus saxatilis) einen Aufenthalt und ihrer
viele werden dort aus den Nestern geholt, aufgezogen und in
Pesth als beliebte Stubenvögel verkauft. Die Blaudrossel
gen cyaneus) soll aber in jenem schönen Gebirge nie vor-
*) Hr. Salomon Petenyi, Procustos am Königl. Museum zu Pesth,
sammelt sie fleilsig auf und wird den Museen und andern Liebhabern in
der Ferne auf portofreie Uebersendung von 5 Fl. C.M. pro Stück gern
so viele in Weingeist ablassen, als man wünscht, und auf 10 Stück ein
lltes gratis geben.
78
kommen. Auch Muscicapa parva ist in der Gegend um Ofen
und Pesth kein seltener Vogel.
Die Gegend von Pestlı aus nach Osten zu, meist ein wellen-
förmiges Terrain mit grofsen ebenen Flächen abwechselnd, ein
zum Theil sandiger, aber nicht unfruchtbarer, in vielen Strichen
auch sehr guter Boden, ist hin und wieder mit einigen Baumpar-
tieen und kleinen Wäldehen von Eichen, aber nicht unsern
prächtigen nordischen Eichen, sondern Quercus austriaca, pube-
scens und Cerris, in nicht besonderer Grölse, mit Haseln, meh-
reren Weilsdornarten, Lonicera, Cytisus und dergleichen Gebüsch
vermischt. Einige erhöhete Ufer und unbedeutende Hohlwege
dienten dem Merops Apiaster sich Höhlen zu graben, um darin
zu brüten. ' Man zeigte mir eine Menge solcher Löcher, aber
leider waren die Vögel schon alle (d. 22. Aug.) aus dieser Gegend
verschwunden. Der Bienenfresser hält sich immer gesellig
beisammen, beträgt sich ganz schwalbenartig, fliegt fast bestän-
dig, bald hoch, bald niedrig, und ruht öfters in Gesellschaft auf
dürren Aesten und Gipfeln nicht sehr hoher Bäume aus. Baum-
gruppen und kleine Wäldchen will er immer in der Nähe haben,
und wir kamen später durch eine andere Gegend, mehrere Mei-
len südlich von Pesth nach unterhalb des Dorfes Ocsa, eine Ge-
gend mit vielen Eschenwäldchen, Wiesen und Viehweiden, ab-
wechselnd mit Teichen und andern Gewässern, die ihm auch nicht
fehlen dürfen, wo er alle Jahr sehr häufig sein soll, aber auch
längst weggezogen war. Er ist also auch für Ungarn noch’ ein
ächter Sommervogel, verläfst dies Land schon in der ersten
Hälfte des Augusts und kehrt erst im Mai wieder dahin zurück.
Die rosenfarbige Staaramsel (Merula rosea) könmt im
mittlern Ungarn gar nicht selten vor und man trifit sie in den
ebnern Gegenden gewöhnlich unter den Staaren oder bei den
Viehheerden. Dals sie sich indessen dort auch fortpflanzen, will
wenigstens Niemand beobachtet haben. f
Die Gegenden am Flüfschen Tapjo sind für den Ornitholo-
gen von vielem Interesse. Ueber unabsehbare Flächen besserer
oder schlechterer Viehweiden reihen sich Sümpfe an Sümpfe, die
dem Flüfschen ihr überflüssiges Wasser geben, in welchen Sumpf-
vögel olıne Zahl ungestört ihr Wesen treiben. Die Dürre dieses
Sommers halle vielen derselben, auch dem Flüfschen, grofsentheils
79
das Wasser geraubt und leider hatten auch die Vögel ihre Heck-
stätten bereits verlassen und sich zum Theil schon auf den Zug
begeben. Leider war dies auch mit Limosa melanura der Fall.
Wir wurden an die Orte geführt, wo diese Art sich in Menge
fortpflanzt ; aber diese sumpfigen Wiesen waren so ausgetrock-
net, dafs die Gräser ganz verbrannt aussahen und nur noch man-
che Pflanzen: z. B. Plantago subulata, Lactuca sagittata (?) und
die herrliche in grofsen Gruppen vorkommende Slatice Gme-
lini, die noch in voller Blüthe standen, einiges Leben, aber auch
nebst andern Salzpflanzen, einen mit Erdsalzen geschwängerten
Boden verriethen, welcher also auch der schwarzschwänzi-
gen Limose zuzusagen scheint. — Wir streillen in die Nähe
der obern Theils, -fanden aber überall wenig Wasser. Ardea
cinerea war in diesen Sümpfen nur einzeln, desto gemeiner aber
Ardea purpurea. Aus allen Schilf- und Rohrdickichten, in wel-
chen es, wenn auch nur kleine, doch etwas freiere Stellen giebt,
stürzte dieser Vogel hervor, welcher sich, ganz gegen die Ge-
wohnheit des gemeinen grauen Reihers, am Tage fast nie
am freien Wasser sehen läfst,. sondern sich immer zwischen den
Wasserpflanzen ungesehen aufhält und bei Ueberraschung oft
erst herauspoltert, wenn man ihm schufsmälsig beigekommen ist.
Er lebt so ziemlich versteckt, hält aber sein Versteck doch lange
nicht so fest, wie Rohrdommeln (Ardea stellaris u. A. minuta)
oder Nachtreiher: (Ardea nycticorax), die sich bekamntlich nur
mit Gewalt auftreiben lassen. Das Geschrei der Letztern ertönte
in den Lüften, sobald es Dämmerung geworden war; wir erleg-
ten sie auch anderwärts nur auf dem Anstande, wo sie an den
freiern Stellen der Sümpfe herumschwärmen, am Tage aber sich
meistens in mit Gebüschen und Bäumen besetzten Sumpfdickich-
ten sehr verborgen 'halten. Schwarze und weilse Störche
(Ciconia nigra et alba) sahen wir in dieser Gegend mehrere.
Fr manchen Stellen wimmelte es von Wasser- und Strand-
ufern, Totanus glareola in Scharen; Totanus glottis, T. ochro-
pus, Actitis hypoleucus, Tringa subarquata, Tringa minuta, Cha-
radrius hiaticula wurden erlegt, auch .Tringa alpina schon auf
dem Zuge angetroffen. Eine Stelle, wo sich der 'Tapjo in einem
sehr grolsen, ganz flachen Teich ausdehnte, hatte so viele von
jenen Arten, nebst einer Menge Seeschwalben (Sterna nigra)
so
%
und: einigen Enten (Anas strepera u. A. querquedula) u.Lach-
möven, dafs der einzelne Stelzenläufer (Hypsibates himantopus)
und eine Sterna leucoptera sich kaum herausfinden liefsen.
Höchst anziehend war mir die Beobachtung des in diesen
Gegenden sehr häufigen Halsbandgiarols (Glareola torquata),
der mir aufser hier nur noch in Syrmien wieder vorkam; als ich
aber durch ‘die Gegenden des Platten- u. Neusiedler-See’s (Ende
September und Anfang October) reisete, wo er sonst in vielen
Strichen vorkömmt. bereits ebenfalls fortgezogen war. Ein wun-
derbarer Vogel, in Ungarn Brachschwalbe genannt, von sci-
nem schwalbenartigen Aussehen und Fluge, und seinem öflern
Aufenthalt auf feuchten Brachäckern, ein Vogel, welcher dem
Systemmacher stets viel zu schaffen gemacht hat. In freudiger
Verwunderung salı ich seinem Treiben zu, ich wulste nicht ob
ich meinen Sinnen trauen sollte. Man weils nicht, wenn man
seinem Treiben zusieht, ob man ihn für einen Feld-, oder für
einen Wasser-, oder für einen Luftvogel halten soll, und doch
zeigt er von jedem Etwas, und zwar das sonderbarste Gemisch
von allen, ohne dafs Eines besonders hervorstieht. In Fluge
ganz einer Seeschwalbe ähnlich, in der Stimme ebenso, sieht man
ihn nicht, wie diese, über dem Wasser hin und her’ streichen,
sondern über dem Trocknen, über ausgetrockneten Pfützen, bald
auf den geborstenen Schlammboden oder auf Aeckern, wo vor-
dem Wasser gestanden hatte, sich niederlassen, wenig aber be-
hend herumlaufen, öfters mit dem Schwanze wippen (ganz fremd-
arlig die einzelnen Schläge gegen den Boden gerichtet), bald sich
wieder erheben, niedrig hinstreichen, oder hoch aufsteigen und
schöne Schwenkungen machen; dies Alles, vorzüglich ihn sowol
laufende, als: fliegende Insekten fangen zu sehen, namentlich Heu-
schrecken und grofse Käfer, sieht so wunderbar aus, dafs man
ihn lieber unter die schwalbenartigen, als unter die Sumpfvögel
zählen möchte, am allerwenigsten aber, wenn auch noch so ent-
fernt, etwas Hühnerarliges finden kann. ‘Wer ihn zum ersten
Male im Freien sieht, würde an das- Letztere gar nicht denken,
wenn nicht geschrieben stände, „‚sein Schnabel sähe emem Hüh-
nerschnabel ähnlich,“ was ich indessen auch vordem nie habe
finden können. Der tief gespaltene breite Rachen ist offenbar
ganz schwälbenartig. Und nun diese Fülse, deren Gestaltung
al-
81
- allein schon hinreicht, 'den‘ Vogel) als einzig-in’ seiner Stellung
zu allen: übrigen: zu betrachten! Man. möchte (sie für Seeschwal-
benfüfse halten, denen blofs dieSchwimmhäute' fehlen. — Sein
Aufenthalt sind nicht die Ufer der: Flüsse, oder: grolsen. Sümpfe
und Seen, sondern grüne Weideplätze und tiefliegende Aecker;
wo'es Wasserpfützen giebt, in der Nähe seichter‘ Wasserlachen
und freier ganz flach auslaufender Teiche, an deren ‚Rändern er
sich öfters’ niederläfst, wovon ‚damals die allermeisten ausgetrock-
net, aber doch nicht-von ihm verlassen waren. Ohne ‚grofsen
Hang zum Wasser .zu verrathen, lebt er aber ‚doch nur in Ge-
genden, wo'es nicht daran fehlt, und nistet auch in ‚der, Nähe
desselben im kurzen Grase oder‘ ‚auf Aeckern' hinter '.oder, zwi:
schen Erdschollen. Schade ‚dafs: ich: nicht auch, seine, Fortpflan-
zung beobachten konnte. Es scheint, dals er mehr als, 3 und.4
Eier legt, wenigstens ist so viel'‚gewils, dals diese mehr rund-
lich als länglich sind, sehr blafs grünlich aussehen und mit hrau-
nen Punkten und Tüpfeln bezeichnet sind *); Die Jungen waren
am'23. Aug. so flugbar wie die Alten, ‚diese standen in. voller
Mauser, die Theile des alten Gefieders verbleicht, 'abgerieben und
zerbrechen, die neuen Federn viel .dunkler. und grünlicher ge-
färbt, und das Halsband nur aus unzusammenhangenden Eleckchen
bestehend, weil hier namentlich noch viele.Federn fehlten, Ist
diese Mauser ganz vollendet, so sieht, wie, mir..am.7. Sept. .er:
haltene: Stücke bewiesen, der Vogel blofs dunkler‘ aus als ‚im
Frühjahr, und scheint bei ihm keine Doppelmauser. stattzufinden,;
oder. diese höchstens .nur theilweise zu sein und'sich gewils nicht
auch über die Federn des Mantels und ganzen /Rumpfes. zu. er-
strecken. ‘
In diesen Gegenden‘des mittlern Ungarn ist.'noch.eine, in
utschland sehr seltene, Vogelart wirklich gemein, nänlich der
Rothfulsfalke (Falco rufipes). Man sieht ihn dort überall so
häufig über den Felderii herumfliegen, als im Mannsfeldschen den .
Thurmfalken. Er horstet dort auch in allen Wäldchen und
Baumgruppen und macht seine Brut meistens in Elsternestern,
° *) Hr. Petenyi erhielt ein Jahr früher ein Weibchen, welches ein
zum Legen ganz reifes Ei bei sich trug, an welchem’ Farbe und 'Zeich-
nung deutlich zu erkennen waren.
III. Jahrg. 1. Band. 6
82
da‘'die' Elster (Corvus Pica)); dort ebenfallsı unter ‚die gemeinsten
Vögel‘ gehört. Ob er ‚auch frei auf’ Bäunien. in‘ selbsterbäuten
Nestern- brüte, habe ‘ich nicht“ermitteln' können ; wahrscheinli-
cher ist, dafs er es außerdem in hohlen Bäumen thue, die. hier
freilich selten sind, und'darum die Elstern aus ihren Nestern ver-
ireibe, um mit' seiner Brut wenigstens in Etwas unter Bedachung
zu sein. "Er.nährt: sich‘ 'fäst' einzig. von'.grölsern Käfern‘, Netz-
flüglern, ‘grillenartigen Insekten und deren Larven, ist im’ Fluge
an seiner geringern: Grölse und ‘dem etwas‘ kürzern Schwanze
leicht vom Thurmfalken zu unterscheiden, obgleich..er völlig
ebenso: fliegt, und oft auch’ so über.einem ins Auge: gefalsten
Gegenstände rüttelt, selbst im“der Stimme viele Aehnlichkeit ver-
räth,!/obwohl ‘der Kenner" diese; auch bald’ unterscheiden wird.
Er'ist ziemlich scheu,‘ neckt sich gern mit'andern Raubvögeln,
ist’besonders gegen Abend und: am frühen Morgen sehr beweg-
lich; und ruht am Tage auf freiem Felde, .am: liebsten ' an erha-
benen Orten, auf Heu -"oder Getreidehaufen, Erdschollen' und
sonst vorkommenden Erhabenheiten. Er‘ist Zugvogel und ver-
läfst das Land im-September und October.
Auf der Fahrt von Pesth‘ die ‚herrliche Donau abwätts ‚sahe
man wvenige) und 'nur' gemeine Vögel, jedoch: boten die bewalde-
ten Donauinseln‘'hin und wieder einen ‘Raubvogel zur. Ansicht,
Diese: Inseln sind ‘zuweilen ‘recht malerisch, ‚jedoch‘ .nur hohe
Weiden und" Pappeln; ‘vorzügliehSilberpappeln}; darauf vor-
herrschend;!das linke Donauufer 'immerwährend» ilach und. eben,
das rechte hügelicht :und' viel abwechselnder. ' Einzeln zeigten
sich ‚über. den Wäldern schwebende Adler von kleinern Arten,
die der Entfernung und der Schnelle des Laufs des Dampfschif-
fes wegen, sich’ nicht immer mit Bestimmtheit erkennen lielsen.
Zuverläfsig gehörte ein solcher gesehener Vogel zu Falco brac
dactylus,' welcher. allerdings dort am linken"Donauufer'alle J
und brütend öfter vorkömmt, wo auch Falco pennatus(aber un-
gleich seltener wohnt: und einzeln bis‘ins obere'Ungarn hinauf
streift. Ich glaube ebenfalls einige dieser kleinen interessanten
Adlerarten gesehen zu haben; in den Sammlungen dieses Landes,
auch in Wien, waren sie in allen Uebergängen, von Brehms
Aguila minuta an bis zum ausgefärbten alten Falco pennatus. —
Weiter hinab ward die Donaufahrt immer interessanter; der Fluls
83
vön!Vögeln'‚belebter und‘ die ‘Ufer von .Slavonien: und ‚Syrmien
reizender. Unterhalb Vukovar zeigte sich allenthalben der See-
adler (Falco albicilla), nicht mehr so einzeln als Tags: vorher,
und ‘zu meiner grolsen‘ Freude’auch Geier, einzeln und paar-
weis, Kultur fulvus und auch V. cinereus. »Sie»sind leicht; vom
Seeadler an ihrer! enormen Gröfse. und .den»läugern. Flügeln,
die sie«noch langsamer und weniger tief schlagen, auch in ‚grofser
Ferne zu unterscheiden. Einer stellte sich auf einen 'abgestorbe-
nen Baum: und liels sich mit dem Fernrohr deutlich 'erkennen.—
An mehrern Stellen schwärmten. Schaaren von.'Sceschwalben,
meist: Sterna nigra, doch hatten sich unter ‘die ‘vielen Hunderle
dieser, auch einzelne der nächstverwandten Arten, ‚Sternü leweo-
ptera, und Sterna leucopareia, gemischt.) Sterna Hirundo'zeigte
sich auf der’ ganzen‘ Donau, ' soweit ich sie ‚befähren‘;: mir .sehr
einzeln, Sterna minuta: nur auf der untern. Donau, bei-Belgrad
u.s. w. Hier war aber Sterma leucopareia unsäglich' häufig, und
bei 'weitem:die gemeinste ‚Seeschwalbe, jedoch weniger auf.den
Donäuinseln, als an den Sümpfen in Syrmien und'dein' Bänat,
Sterna nigra viel: einzelner und Sterna ‚leucoptera noch seltener.
Die Letztere. scheint mehr im mittlern. Ungarn’ am Neusiedler-
und Plattensee und in der Umgegend zu wohnen. Von Meven
bemerkte ich in den Sümpfen nur einzelne, an der Donau aber
Schaaren, meist junger, von: Larus ridibundus ;; ander 'untern
Donau, namentlich in Serbien, hin und wieder eine einzelne von
einer grolsen Art, die ich für Larus argentatus im Jugendkleide
hielt, welche. dort auch’ schon. ‘öfter erlegt worden: ist und 'wahr-
scheinlich, vom schwarzen Meere den Flufs heraufkömmt.
Nichts Ornithologisches ‘von Wichtigkeit, aber desto mehr
Wunderbares, Unglaubliches, völlig Aufsereuropäisches, liefs sich
i unsrer ersten Ausflucht: von‘ Semlin. nach Belgrad hinüber,
in dieser alten berühmten Türkenstadt schauen ; kein’ Reisender
aus: dem: civilisirten Europa,‘ welcher jemals diese Gegenden be-
sucht, sollte versäumen, diese bewolinten Ruinen, dieses Versin-
kem ehemaliger türkischer. Herrlichkeit in schmutzige ' Armuth
und Erbärmlichkeit zu sehen. Keine Beschreibung wird ihn
versinnlichen können, was er dort mit eigenen Augen zu sehen
bekömmt; er wird nicht wissen, ob er wache oder träume; vor-
6*
94
ausgesetzt, ‚dafs ‚er nicht schon im Orient war und vernachläs-
sigte türkische Städte sahe und türkische Wirthschaft kennt.
Die zweite Ausflucht am 1. Sept. ging ins Banat hinüber,
oder vielmehr in das Banater Grenzland. Bei der Ueberfahrt
wurde eine kleinere Donaninsel bestiegen, auf welcher viele
Alten von Sterna leucopareia ihre Jungen hatten und: dort füt-
terten, welche aber nicht hier, sondern in den nächsten Süm-
pfen ausgebrütet waren. Sie wurden in Menge erlegt, die Alten
standen aber alle in der Mauser und boten interessante Ueber-
gangskleider dar. Im niedrigen Weidengebüsch der Insel steck-
ten auch einige Purpur- und Rallenreiher, welche an an-
dern Orten dieser Gegenden aber ungleich häufiger vorkommen.
Das: Banater Grenzland. bietet eine unabselibare, ‘viele Meilen
ausgedehnte, ebene, grüne Fläche dar, wenn man es von Ferne
und aus der Höhe betrachtet, wie von mir Tags vorher von der
Festung Belgrad herab geschehen war; betritt man es aber. nur
wenige hundert Schritt über der gewöhnlichen Ueberfahrtstelle,
so findet man längs dem Flusse hinauf und tief ins Land hinein,
weiter als das Auge reicht und Meilen weit, nichts als eine: un-
geheure Widnifs, an den trocknern Stellen aus Gestrüpp von 4
bis 5 Fuls hohen Sumpfeuphorbien mit Brombeerranken und an-
dern hohen Pflanzen durchflochten,, grofsen Gruppen von üppig
vegetirender Geilsraute (Galega officinalis) welche so wenig
wie die Euphorbien von Vieh genossen werden, hohe Gräser und
dergleichen; an den nassen Stellen über 10 Fuls hohes, undurch-
dringliches Rohr, Schilf und zwischen diesen freie Stellen, das
Wasser aber mit Nymphäen und Wassernüssen (Trapa natans)
oder mit der niedlichen Salvinig natans bedeckt. Ueberall stür-
zen hier Purpurreiher, Rallenreiher, Rohrdommeln,
grolse und kleine (Ardeu purpurea, A. ralloides. A. stellari
und A. minuta) hervor, auch Ardea cinerea fehlte nicht an ganz
freien Gewässern, und die herrlichen dort sogenannten Schwarz- |
schnepfen (Ibis Falcinellus) treiben sich in Heerden herum; |
das Gestrüpp wimmelte nicht nur von Rohrammern u: Rohr-
sängern aller Arten, sondern auch Grasmücken und Flie-
genfängern (ich schols eine Muscicapa parva), selbst Würger
fehlten darunter nicht, die wahrscheinlich meistens schon auf |
dem Zuge waren. Die sonderbare kreischende Stimme der Sterna
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leucopareia liefs sich unablässig vernehmen und die Alten fingen
hier und anderwärts auf etwas freiern Grasplätzchen kleine
Fröschehen (alles Rana esculenta in unsäglicher Menge), denen
sie oft zu Fuls nachsetzen und nachher ihre Jungen fütterten,
welche sie ihnen oft im Fluge abnahmen. Des höchst anstren-
genden Herumtreibens in diesen fürchterlichen Wildnissen müde,
und beladen mit Bente, setzten wir mit unserm Nachen (Schi-
nakel) auf die grölste unter den dorligen Donauinseln, die Kriegs-
insel über, die zwar gröfstentheils bebaut ist und einen Boden
hat, welcher die üppigste Vegetation hervorbringt, auf welcher
es aber auch nicht an Rohrdickichten fehlt, wodurch man sich
mühsam hindurch bricht, ehe man zu einem grofsen Sumpfe in
einem Theile der Insel gelangen kann, wo viele Enten, nament-
lich Anas leucophthalmos, und einige A. Boschas vorkamen. Die
nahe Reiherinsel betraten wir leider nicht, weil dort jetzt alles
still und leer war. Sie ist mit Wald und Gebüsch dich besetzt,
in welchem. alljährlich viele Tausende von Reihern, namentlich
Ardea Garzetta in erstaunlicher Menge nisten, die man oft zu Hun-
derten an einem Tage dort erlegt, wo auch Ardea Egretta häufig
brütet, aulserdem aber noch A. purpurea und A. comata aus
jedem Gebüsch hervorstürzen. Wie sehr war hier zu bedauern,
dafs es nicht mehr Frühling war! Welch reichen Zuwachs würde
durch mich die Ornitlologie auf diesem einzigen Purkte gewon-
nen haben, wenn ich im Frühjahr alle hierwohnende Arten bei
ihren Nestern, Eiern und Jungen hätte beobachten können!! —
Es zeigten sich an diesem Tage uoch Tausende von Ibis
Faleinellus, wie es schien, auf dem Zuge begriffen, wo eine sol-
che Schaar eine einzige geschlossene, aber nicht gerade, sondern
eschlängelte Reihe bildete, und so nicht ein Vogel hinter, son-
& neben dem andern, hoch durch die Luft fortstrich. Eine
solche lange Reihe dieser grolsen schwarzen Schnepfengestalten
mit gemächlichen Flügelschlägen sich fortbewegen zu sehen, mit
allen den abwechselnden schlangenartigen oder wellenförmigen
Bewegungen, welche in einer solchen Linie vorgehen, ist ein
ganz eigenthümliches Schauspiel und mir sonst noch von keiner
Vogelart vorgekommen. Der Vogel fliegt überhaupt schön, ähnelt
in der Gestalt fliegend zwar entfernt den Brachvögeln (Nu-
menius), hat aber viel breitere, abgerundetere Flügel, die er lang-
96
samer\schwingt als irgend ein schnepfenartiger Vogel, aueh'öfters
schwebt und schwebend wohl gar Kreise in der Luft beschreibt.
Hals’ und Schnabel streckt er, wie'die langen Fülse, in gerader
Linie; von sich, wie ein Schnepfenvogel, die Schwingungen der
Flügel verraihen aber auch viel: Reiherartiges, und so’ steht der
Vogel und wahrscheinlich‘ seihe' ganze Gattung, sehr ‘genau''auf
der-Grenze zwischen Schnepfen und Reihern, sowol im Betragen,
wie‘iin der Lebensart. Ich sahe sie oft zwischen Tausenden än-
derer Vögel aus den Gattungen Ardea, Totanus, Tringa, Hypsi-
bates u.a. im seichten Wasser oder Schlamm, wie jene, herum-
waden und sich wie diese nähren; fand aber auch ihre zahlrei-
chen Fährten an kleinen, ziemlich ausgetrockneten Pfützen, in
welchen sie noch mit dem Tode ringende kleine Fischehen in
ungeheurer Menge: gefunden hatten, und fand auch kleine Frösch-
chen in ihren’ Mägen. ‘Ihre Fährte ist leicht von:der:der klei-
nen Reiherarten ander kürzern und schwächern Hinterzeh und
im‘ Gegentheil, san’ der Länge dieser, von denen der Gattungen
Numenius: und :Limosa zu unterscheiden. Ihre Stimme 'istımehr
reiher- als’ sclinepfenarlig. Uebrigens ist es ein geselliger Vogel
und vereinzelte suchen ‘immer wieder die Gesellschaft mehrerer
ihrer Art. So soll'er auch dort in den Sümpfen in Menge bei-
sammen nisten, in fast unzugänglichem: Moraste auf umgeknick-
tem-Rohr wud Schilf sein Nest bauen und 2 bis 3 grünliche Eier
legen, 'und an den nämlichen Orten, oft zwischen ihnen sich auch
die kleine Scharbe' (Halieus s. Carbo pygmaeus) häufig dort
fortpflanzen, Die Nachrichten über die Fortpflanzung dieser bei-
den Arten’ sind von einem dortigen‘ Jagdlieblaber, welcher uns
oft-Führer und Gehülfe war, die Vögel seines Landes’ sehr gut
kannte, und der uns niemals Gelegenheit gab, über seine Unzu-
verlässigkeit Klage führen zu können. Die letzte Vogelart habe ich
dort»nieht"mehr gesehen; sie hatte die Brüteorte längst verlassen,
und ich'bekam:nur ein schon früher in der Türkei erlegtes Ex-
emplar ‘derselben. |
Höchst interessant. und reich an Ausbeute waren unsere fer-
nern Exeursionen 'von Semlin aus in Syrmien längs der Save
hinauf, ‚wo es unermefsliche, vielfach 'verzweigte, und sehr ver-
schiedenärtige’ Sümpfe giebt, von denen uns nur die mit vielem
Iteien "Wasser" gestatteten, "mit ihren’ Bewohnern bekannter''zu
97
werden, daneben die fürchterlichen Rohrwälder; ‚in. dıe selbst
der verwegene Raitze (Raatze, Serbler),.nie einzudringen wagt,
es sei denn im Winter und..in Masse, um die ‚vielen darin hau-
senden Wölfe aufzustöbern ‚und den Schützen zuzutreiben, wo
denn, beiläufig: gesagt, das Ergebnis ‚einer solchen: Treibjagd, an
einem glücklichen Tage, zuweilen ‚wohl mehr. als 20 Wölfe, 12
bis15 Füchse, aber nur wenige Hasen ist, dabei auch wohl ein
aus den fernen. Gebirgwäldern hierher verirtter Luchs, oder wil-
der!’ Kater vorkömmt.. So weit sich auch das: weidende Vieh,
‚Horn- u. Borstenvieh, zuweilen in die Sümpfe hinein verkriecht,
so wissen sorgliche Hirten es jedoch vom allzutiefen Eindringen
abzuhalten, weil dort. oft vorkömmt, dafs einzelne Stücke sich
verirren und verloren gehen. ‘Von angerichtetem Unfuge der
Wölfe unter den Schaafheerden hört man im untern Ungarn gar
oft und viel: sprechen.
‚In einer. Gegend beim raatzischen Dorfe Becsania (Bedschania)
an einem freien Wasser, ‚war der. Abendanstand sehr" ergiebig.
Ardea nycticorax, kam, hier zum Vorschein, es vwrurden ‚einige
junge Vögel geschossen, wie denn überhaupt die Reiherarten auf
‚der. ganzen: Reise meistens nur in den Jugendkleidern erlegt wur-
den, weil die allen Vögel die.Nistplätze verlassen, und fast alle
schon 'weggezogen waren. Der weilse Löffler (Platalea leu-
‚cerodia) ‚früher im Jahr hier sehr, gemein, jetzt, nur noch hin
‚and wieder in kleinen Gesellschaften oder einzeln gesehen, wurde
ebenfalls. hier erlegt, aber auch nur junge Vögel. Er wird .als
Löffel-Gans dort gern gegessen und schmeckt auch nicht übel.
Die allerbelebteste Gegend auf meiner ganzen Reise,, und in Hin-
sicht der Menge. der Vögel ‚wohl mit irgend einer an der Nordsee
zu vergleichen, fing etwa eine halbe Meile oberhalb‘ jenem Dorfe
und zog.'sich an dem Dorfe Zsuresin (Surdschin) vorbei, und
eine ‚sehr, weite Strecke, noch ‘über dasselbe hinaus. Ein freies
‚Wasser, ‘eine Art Teich, von ‚etwa einer halben Meile Länge,
abwechselnd 100 ‚und mehrere; Schritte Breite, worüber einige
‚Brücken gingen, voller, Schlamm‘, und meistens nur mit einer
Queerhaud: hoch Wasser über deinselben, so dafs die meisten dort
sich -aufhalteuden: Sumpfvögel nicht. blofs an den, übrigens ganz
kahlen, Rändern, sondern auch in. der Mitte es durchwaten konn-
ten ‚und ‚keiner sich‘ verstecken konnte, war so angefüllt, dafs
98
auf'der ganzen langen Fläche''Vogel' an Vogel stand, sogar ganz
nahe bei mehreren Syrmierinnen, ‘welche neben der einen Brücke
Wäsche 'reinigten, nicht ausgenommen. Es winmelte: hier 'buch-
stäblich von’ den kleinern Arten der Gattungen Totanus u. Tringa,
unter denen: auch Totanus’@lottis in Menge, Tot. fusous aber nur
einzeln, so Limosa melanura ‘und Hypsibates himantopus, aber
die eigentliche 'Zierde dieses Gewässers waren die allenthalben,
und so weit das Auge reiehte, ‘wie ‚Stöcke oder :Pfähle da-
zwischen hingestellten Rallenreiher (Ardeu' ralloides), die in
possierlicher Einfalt die fremden Jäger: anglotzten und nichts
weniger als scheu waren. : Zwischen ihnen standen herrlich
glänzend und kaum weniger zahlreich 'eine Menge von kleinen
Silberreihern (Ardea Garzetta), welche nur wenig vorsichti-
ger ‘waren als jene. Einige grolse Silberreiher (Ard. Egret-
ta) u. Löffler (Platalea leucerodia) entfernten sich jedoch nach
den ersten an diesem allgemeinen ‘Sammelplatze gefallenen Schüs-
sen; nicht so jene, die dadurch wolil\auf eine Strecke hin auf-
gescheucht "wurden, aber "auch "sogleich ‘wieder veinfielen» Auf
jeder Seite des Wassers ein Schütze gehend, lielsen sie sich auf
Haufen zusammentreiben, so dafs ich ein Mal angeregt ward, die
etwa 60 bis 100 Schritt vor uns stehenden blendendvwreilsen-und
‚angenehm hellgelben: Vögel "zu zählen, wo’ denn auf 'einem in
der That sehr. ‘kleinen Raume allein 27 Stück kleine. Silber-
reiher'und mehr als noch ein Mal so viel Rallenreiher standen.
Fiel ein Sehufs;'so erfüllte für den Augenblick das bunteste Ge-
wirmmel von den verschiedensten Vögelarten die Luft, welches
zahllose Seeschwalben, meistens Sterna leucopareia, weniger
St. nigra, nebst einzelnen Lachmöven, noch vermehren hälfen,
während ' kleine Gesellschaften Sichelschnäbler (Ibis Fal-
cinellus), in der Ferne schwarz wie Raben glänzend, den schön-
sten Abstich gegen das weilseste Weils der Silberreiher mach-
ten. Oline grofßse Mühe wurden von allen Arten Stücke erlegt;
aber man hätte ein 'Blutbad anriehten können, 'wenn damit ein
nützlicher Zweck zu verbinden ‘gewesen wäre. — An beiden
Enden verlief diese Wasserfläche in schilfichten' Sumpf, worin
wieder audere Arten"steckten'und ‚überall Purpurreiher und
Beeassinen (Scolopax gallinago et: Sc. major) hervorstürzten,
wo es von Rohrsängern, bei einem Weidengebüsch’und hohem
99
Rohr auch von Waldsängern der verschiedensten Arten 'belebt
war iu. 5:'w.. Viele Vögel ausden Gattungen Sylvia, Muscicapa,
Lanius; ‚Sazicola waren in dem Altichgesträuch (Sambucus' Ebu-
lus) auf etwas trocknern ‚Plätzen anzutreffen, besonders häufig
wär:hier, 'wie dies in Ungarn in vielen.Gegenden, Sazxicola ru-
bicola;;) das 'keekeVögelehen zeigte sich überall auf den, Spitzen
des Attichs, der Disteln, des Hanfes und andrer. wilden ‚hohen
Pflanzen, so wie weiter ‘ander Save hinauf,' auf grolsen Wiesen-
flächen Coracias Garrula einzelne. Ieuhaufen besetzt „hielt, und
älle Büschchen, aus Dornen und 'wild wachsenden Weinreben,
voll kleiner Waldvögel steckten , 'worunier sich auch Sylvia | ni-
sorialzeigte; alles>auf. ‚dem Zuge befindliche Arten. — | ‚Dieser
höchst angenehme undifür mich aulserordentlich belehrende Jagd-
tag, der-öte Sept., wurde mit einem Abendanstande. beschlossen,
wo jedoch nur Enten, Anas Strepera und A. Querquedula, erlegt
warden. — Corvus Cornix sahen wir in !dieser Gegend auch und
eben: nicht einzeln. Ueberall, 'namentlich -auf' den herrlichen
Wiesen, zeigte sich eine höchst interessante südliche Flora, meh-
zere. Arten aus den: Gattungen Paeonia, Clematis, Scabiosa, ‚Cy-
Zisus; unter andern Paeonia tenuifolia, ‚Cylisus purpureus ‚und
viele andere waren hier mit andern‘ Diadelphisten etc. als Heu-
fulter gemähet, "die ich sonst nur, in norddeutschen Gärten als
Zierpflanzen gepflegt, zu sehen gewohnt ‚war.
Obgleich Ardea ralloides der Gestalt. nach ein ächter Balnt:
dommel (dickhalsiger Reiher) ist, so weicht er doch im Betra-
gen ‘sehr von den übrigen ab, nämlich von Ardea stellaris,; A.
minuta und A.nycticorax. Es ist mir immer. vorgekommen, als
hätten er: und Ardea ıpurpurea ihre Rollen vertauscht. Denn
wer den Purpurreiher in einer orvithologischen Sanımlung
sieht und mit Ardea einerea vergleicht, muls unbedingt grolse
Aehnlichkeit in der Gestalt beider nach allen. Theilen finden,
und würde daraus auf: gleiche Lebensart ‚und Betragen‘,schliefsen.
Dafs dies- aber durchaus nicht so sei, ist.schon erwähnt. Er
ähnelt, im Betragen viel mehr den Rolhrdommeln: als: den dünn-
hälsigen Reihern, und ‚ich glaube kaum, dafs er jemals auf Bäu-
mein nistet; man wollte wenigstens in Ungarn nichts davon wis-
sen. Sieht man dagegen den Rallenreiher zwischen Rohr-
dommeln aufgestellt, so würde man schwerlich ahnden, ‚dafs
100
er meistens, auch am Tage, auf dem Freien lebt, seiner Nahrung
öffentlich ‘nachschleicht, sich nur ' selten versteckt. und dieses
Versteck kaum so fest hält, als der Parpurreiher das seine. Vom
Hunde an einer freien Stelle in einem Rohrwalde aufgejagt, läfst
er sich sehr häufig aulserhalb des Sumpfes ganz auf dem Freien
nieder, oft zwischen dem weidenden Vieh, was ich ‘von’ Purpur-
reihern nie gesehen’ habe. Er hält sich’ übrigens auch: ohne an-
dere Veranlassung, besonders gern zwischen Schweinen auf.Der
Purpurreiher ‘drückt sich auch, in einzelnen Fällen, wo ich
dies beobachten konnte, auf die Fersen nieder, wobei er Rumpf,
Hals’ und Schnabel in gerader Linie, aber schräg aufwärts streckt,
so stockstill sitzt und‘ in solcher Stellung, einem schief hinge-
stellten Pfahle ähnlich 'sieht, und zuweilen erst nahe vor dem
Schützen herauspoltert. Selbst in niedrigem Schilfe. und zwi-
schen dünnstehenden-Binsen bemerkt man ihn’ daher oft aus der
Ferne nicht. Er steckt mitten in den. dichtesten' Rohrwäldern,
aber stets an etwas freiern Plätzen, was auch der Rallenrei-
her zuweilen thut, aber keiner von beiden, und am allerwenig-
sten ..der Letztere, verbirgt‘ sich jemals’ in so dichtstehendem
Rohr, ‘als der, grofse oder der kleine-Rohrdommel;'und ich
habe ihn auch nie so an Rohrstengeln hinaufsteigen sehen, wie
diese Beiden. — Die Silberreihery' grofse und kleine, 'äh-
neln im Betragen dem gemeinen grauen Reiher;. Ardea
Egretta ist auch eben: so scheu, A. Garzelta dies aber viel we-
niger und'daher leicht: zu erlegen. Er! ist in Ungarn! sehr ge-
‚mein und: man sieht ihn hin und wieder im gezähmten Zustande,
wo. er ein niedlicher Vogel ist und sich sehr reinlich hält. . Dafs
Ardea Egretta viel einzelner und’ so\sehr scheu ist, mag theil-
weise wohl den vielen‘ Nachstellungen: zuzuschreiben sein, wel-
che er seiner herrlichen Rückenfedern wegen überalF ausgesetzt
ist, indem diese als Federbüsche einen Hauptschmuck des National-
Costüms-der ungarischen Magnalen ausmachen, ‚und von einem
einzigen schönen Exemplar im Frühjahr, wo sie nur schön vor-
kommen, 'aus der ersten Hand, d. h. dem'Schützen, mit: 8bis 10
Gulden €.M. bezahlt werden, nachher in den Putz-' und Mode-
waarenhandlungen, aber zuweilen noch zwei bis vier-Mal theurer
sind. Die von Ardea Garzetta'stehen im Preise verhältnilsmäßig
unter der‘ Hälfte niedriger, weil sie nur kurze Büsche''geben, die
101
Vögel sind daher auch wenigeren Nachstellungen ausgesetzt’ als
die grolse Art. Die dortigen Schützen sind so’ begierig auf den
Gewinn von. den Federn dieser Letztern, dafs Sammler, die nicht
selbst. Jäger sind, grolse Silberreiher mit den vollständigen Rü-
ekenfedern nur ‚für ein 'hohes 'Schufsgeld von diesen erstehen
können. ‘Gewöhnlich rupfen sie dem 'erlegten Vogel auf der
Stelle die schönen Federn aus und werfen ihn dann weg. Im
Herbst kümmert man sich um keinen Silberreiher, weil’ die Alten
in der Mauser jene’Schmuckfedern verlieren, dann meistens ohne
diese vorkommen oder die einzelnen schlecht, schmutzig’und ab-
geschenert aussehen, und die Jungen noch gar keine haben, in-
dem'sie bei allen erst im Frühjahr hervorkeimen und: sich ‘.aus:
bilden, gerade wo die Vögel bei den Nestern am leichtesten zu
erlegen sind und wo dann 'mit dem Wegschielsen der ‘Alten
leider auch ihre Brut zu :Grunde geht. . In jeder Galanteriewaa-
renhandlung Ungarns,.in Pesth, Temeswar,'Prefsburg und allen
andern größsern Städten, sieht. man diese Reiherbüsche, grofse
und kleine, zum Verkauf feilgeboten, meistens in sehr werth-
volle Kapseln vereint, welche. den Stiel eines solchen Busches
bilden, 'und sie sind in der That eine prächtige Zierde des Kal-
pak’s, d.i. der ungarischen Nationalmütze, die bei festlichen Ge-
legenheiten‘ der Hauptschmuck ‘des edlen Ungars ausmacht.: Den
schönen weilsen Nackenfedern des Nachtreihers (A. nyctico-
rax), von denen freilich viele Vögel erst einen mälsigen Busch
geben, scheint der Ungar weniger Werth beizulegen, als’ sie bei
den Türken haben sollen, se auch den flatternden schwarzen
Naekenfedern der alten grauen Reiher und der Purpur-
reiher. Ich habe wenigstens bei Männern keine zu: diesem
Zwecke verwendet gesehen, obgleich der Ungar vaterländischen
Federschmuck sehr liebt‘ und neben seinen Reiherbusch wohl
noch eine oder einige von den gekräuselten Federn des: Hinter-
Nlügels vom gemeinen Kranich, oder eben so eine einzelne
Adlerfeder aufsteckt; sogar 'grofse uud schön geformte Ober-
schwanzdeekfedern ‚des Haushahnes ‘sind davor nicht sicher.
Eine Ausflucht nach Pancsova, in dessen Nähe, wie über-
haupt in ganz Unter:Ungarn,'der grofse Pelekan (Pelecanus
Onverotalus) keine Seltenheit ist und auch der noch grölsere
" Pelecanus crispus vorkömmt, brachte nicht viel mehr als leider
102
blofs den Overschnabel eines solchen Riesenvogels, welcher kurz
vor unsrer Ankunft dort erlegt war, wie der frische Schnabel
bewies, den wir als Trophäe mitnahmen. Die dortigen Jagdlieb-
haber. benutzen beiläufig solche Schnäbel (den obern Theil, wel-
cher hohl ist) als Scheiden für grofse ‚Messer. Ueberall sagte
man uns, dafs wir hinsichtlich dieser Vögel nicht zur rechten
Zeit gekommen wären, und nannte uns als solche hauptsächlich
das Frühjahr, wo sie in den grolsen Simpfen von Syrmien, dem
Militärgrenzlande und dem Banat sich hin und wieder fortpflan-
zen, und gar nicht selten sind, so: dals Bauernknaben und Hirten
oft Junge einfangen und lebend in die Städte zu Markte brin-
gen, sogar Alte nicht selten, wenn sie mausern und schlecht
oder gar nicht fliegen können, in ihren Verstecken (kleinen freien
Plätzchen zwischen hohem Rohr und Schilfe, aber im tiefsteit
Sumpfe) überrumpeln und mit Kuitteln erschlagen. Man sprach
auch noch von einem Herbstzuge, wo sich diese Vögel manch-
mal heerdenweise zeigen sollten, von einer Zeit, die später im
Jahre erst komme, döch konnte ich etwas Gewisses darüber nieht
erfahren. Mit» ornithologischen Reichthümern umgeben, . mufste
ich dennoch stets in die Klage verfallen, nicht in der: Brütezeit
der Vögel diese unvergleichlichen . Gegenden bereist zu‘ haben,
und das Aufdämmern ‚des Wunsches, dort zur rechten Zeit eine
reiche Nachlese halten zu können, ‚obwohl schwerlich zu reali-
siren, war nicht zu unterdrücken.
Da die Zugzeit (der meisten. Sumpfvögel sich ihrem. Ende
nahete, reiselen wir schnell durch das Banater Grenzland und
passirten zur Nachtzeit die Gegend des weilsen Sumpfes, eine
früher. ungemein 'wilde Sumpfgegend, von der Farbe des Wassers
oder vielmehr des mit vielen Salztheilen geschwängerten Bodens
so genannt, die jetzt durch Abzugskanäle viel an ihrem sonst
ungeheuren Umfange verloren, aber immer noch Sumpfvögel in
grolser Menge hat, und das Städtchen Nagy Beeskerek (Grofs
Betschkerek) am Begaflusse, in welchem sich hier in der Nähe
der Stadt eine mit: hohen Weiden dicht besetzte Insel ‚befindet,
auf welcher sich in der Zugzeit manchmal so viele Turtel-
tauben (Columba Turtur) sammeln sollen, dafs gute Schützen
sie dort zu mehren Hunderten an einem Tage erlegen. ‚Beiläufig
sahen wir (im Anfange des Septembers) nicht allein hier, sondern
103
auch 'an der Save und Temes überall Turteltauben in unge:
wöhnlich grolser Anzahl. \
Der schwarze Sumpf, durch den Begakanal in neuerer Zeit
auch etwas abgezapft, doch immer noch eine ungeheure, auf meh-
rere Meilen ausgedehnte, fürchterlich wilde Gegend, mag in einer
andern Jahreszeit ein Sammelplatz zahlloser, Vögel sein. Auch
hier nisten Pelekane. Alle diese Sümpfe sind nämlich unge:
mein schilfreich und die Fischereien in denselben zum Theil sehr
wichtig. Gewöhnlich fängt man hier die Fische auf eine sinn-
reiche einfache, indessen auch’anderwärts bekanute Weise, indem
man Zäune von Rohrstengeln anlegt, in denen sich Labyrinthe
befinden, in welche die Fische, durch Versperrung ihres gewöhn-
lichen Ganges, verleitet werden, sieh zu verirren und den Rück-
weg meistens nicht wieder finden. Sterna leucopareia war noch
in Menge mit den Jungen hier, sonst keine andere Seeschwalbe;
einzeln Ardea Egretta, viele Totani, auch ein kleiner Flug To-
Tanus stagnatilis, diese Art aber sehr scheu. Sie soll in Ungarn
an vielen Orten vorkommen; aber leider war sie bei meiner
Anwesenheit fast allenthalbeu schon weggezogen. Enten gab
es hier viele, doch Anas Boschas nur einzeln, dagegen aber war
Anas leucophihalmos die gemeinste Art. Sie flog dort in grofsen
Schwärmen und lag zu Hunderten beisammen, auf den von Rohr
und Schilf freien, meistens aber mit den Blättern der Nymphäen
und Wassernüsse bedeckten Flächen. An Wasser- und Rohr-
hühnern schien hier ebenfalls ein grolser Ueberfluls zu sein.
Unter der Menge vielarliger Rohrsänger zeigte sich auch eine
besondere Art, auflallend durch ihre geringere Gröfse, Agilität,
und ihren besondern Aufenthalt, dicht am freien Wasser, wo sie
sieh oft auf Nymphäenblätter setzte, Insekten fing, und dabei
_ einzeln mit dem Schwanze wippte, überhaupt sehr munter war.
Nieht ohne viele Mühe wurde ein solches Vögelchen erlegt, und
es zeigte sich, dals wir uns nicht getäuscht hatten; es war Syl-
via melanopogon (Heckelii?). Das Vögelchen sieht der Sylvia
phragmitis ähnlich, ist aber bedeutend kleiner, die Hauptfarbe
mehr in röthlichem Braun als in Olivengrün gehalten, die Kopf-
zeichnung sehr auflallend schwärzer, Rücken und Flügel aber viel
weniger dunkel gefleckt, auf eine ganz andere Weise und nicht
so hart als bei den jungen Vögeln von Sylvia phragmitis. Der
104
gelbweilse Augenstrich ist sehr breit, im. grellen' Abstich von
dem tief braunschwarzen Oberkopfe; ein tief schwarzer sehr'iu
die‘ Augen: ‚fallender Streif ‚geht ‘von der. Schnabelwurzel zum
Auge"und ist,hinter diesem ‚noch. fortgesetzt, nimmt also Zügel
und Schläfe. ein; ein Streifchen aus schwarzen Flecken bestehend,
begrenzt vom Mundwinkel ‚abwärts die braunen Wangen und die
rein. weilse Kehle. Unser Exemplar! war leider so vom Schusse
zerrissen, dals es für.die- Sammlung nicht zu- conserviren war,
und.ein zweites wär äller Mühe ungeachtet nicht zu erhalten,
indem wir in Allem nur drei Stücke von der Art bemerkt hat-
ten. 'Währscheinlich nistet sie auch in diesen Wildnissen.— Die
Bartmeise (Parus biarmieus) war hier, wie ‚auch anderwärts
inUngarhı, gemein, duch Parus pendulinus liels sieh überall hören
und: sehen.‘ Dals auch .der. Singschwan (Cygnus: melanorhyn-
chus) im Winter bis in! diese Gegenden streift, beweist ein
schönes Stück, welches wir bei einem Hrn. v. Kis (Kisch)) .le-
bend: sahen, wo es flügellahm geschossen, schon‘ seit-länger als
einem: Jahr in Gefangenschaft war.
Vom: schwarzen Sumpf bis in die Nähe der Theis, die wir
bei Szegedin -passirten, giebt es wenig Wasser, die Gegend war
dalier für meine Absichten ohne Interesse, Nicht‘ weit: von. der
eben genannten Stadt fehlt es dagegen nicht an Sümpfen. und
Teichen, die alle sehr ‘fisehreich sind, und oft mit: der Theis, die
für den fischreichsten Fluls in ‘ganz Europa gehalten- wird, 'zu-
sammenflielsen, wenn Letzterer änschwillt und aus: seinen Ufern
tritt, was gar oft geschieht, da er sehr langsam und in zahllosen
Krümmungen sich durch eine ganz ebene und tief liegende Län-
derstrecke zur Donau hinabschlängelt. Die ungeheuren. Sümpfe,
durch welche sich die Theis ihrer gröfsten Länge nach: hindureh-
windet, sind ein Aufenthalt zahlloser Schaaren von Sumpf- und
Wasservögeln ; wir hatten jedoch triftige Gründe dies Mal hier
nicht zu verweilen, obgleich die Erzählungen der Jagdliebhaber
von diesen Herrlichkeiten sehr lockend waren. Ich: erfuhr spä-
ter in Pestlı von sicherer Hand, dafs jene Gegenden, wegen der
vielen Fische, oft von Pelekanen besucht würden, dafs sie sich
da sogar in Schaaren, aus mehreren Hunderten zusammengesetzt
zeigten, und wo solche einfielen, ganze Fischteiche, begreiflicher-
weise in sehr kurzer Zeit, von ihnen rein ausgefisclit würden,
105
wobei ‚ihnen: gewöhnlich. die,Scharben' ( Halieus s. Carbo Cor-
moranus oder gar H. pygmaeus?) behülflich, wären, indem. sie,
auch schaarenweis,' beständig untertauchten und das Wasser trübe
machten, wodurch jenen der Fang der grölsern 'Fische erleich-
tert würde. Wenn diese Nachrichten auch übertrieben scheinen
möchten, so sind sie doch keineswegs grundlos, da man Pele-
kane und Scharben dort oft: genug geschossen hat. — Die
grolsen Sümpfe in Klein Cumanien lielsen.wir zur Linken. unsres
Weges, ohne dort zu jagen, und setzten so die Brise nach
Pesth zurück, ohne, weitern Aufenthalt fort.
Eine Ausflucht am: 18. u. 19. Sept., auf dem rechten Donau-
Ufer lin, nach Ercsi, wo. wir in den großsen Sümpfen von hier
aus gegen den .Velenzer-See hin jagten,. brachte wenig; Erheb-
liches. Allenthalben wurde ‚der‘ Mangel ‚an Sumpfvögeln nun
bemerkbar, da bereits die meisten auch‘ diese Gegenden schon
verlassen‘ ‚hatten und weggezogen waren, welches von allen
schnepfenartigen Vögeln,’sogar' auch ‚von den’ Becassinen galt,
an welchen‘ es bislier noch nirgends gefehlt hatte, und welche
wir. in manchen Gegenden Ungarns beiläufig in. bedeutender An-
zahl angetroflen. und' erlegt hatten... Ueberall zeigte sich „Ardea
purpurea als eine, in. Ungarn ‚sehr ‚häufige Art. Die'in diesen
Gegenden im Vörsommer: häufig. wohnende @lareola torguata war
bereits gänzlich‘ verschwunden; auch Rohrsänger' wurden 'ein-
zelner; dagegen zeigten sich viele Rohrmeisen. Erlenzei-
sige (Fringilla Spinus) kamen. als Zugvögel‘'schaarenweis: im
Lande an und lielsen sich in Ermangeluug der Bäume, 'wunder-
lich genug, in den Rohrwäldern nieder.‘ Einige Tage später
zeigten sich auch aus‘ dem Norden vorkommende Schaaren von
Kranichen (&@rus cinerea) in der Gegend von Pesth.
Der Rohrammer (Emberiza Schoeniclus) ist im‘ ganzen
Königreich ..ein allenthalben vorkommender Vogel; aber ich habe
unter der grolsen Menge derselben keine andere Art aufgefünden.
Emberiza miliaria. ist jedoch nicht minder gemein, nanientlich
in den Wiesen und neben Sümpfen.
In den Naturalien - Sammlungen zu Pesth fand ich: viele
interessante Sachen, besonders vaterländische Seltenheiten, na-
mentlieh im National-Museum, nit welchem ich mich in dieser
Zeit vertraut machen konnte. Unter zahlreichen Bekannten und
106
Freunden nützteich 'die' Zeit ‘auf das Angenehmste‘'mit' Be:
schauen, Untersuchen, Zeichnen,‘ Beschreiben u. s. w.: Vonvden
ehrenvollsten Bekanntschaften unter, den dortigen Naturforschern
nenne ich dankbar nur die Namen: Reilsing, Szadler,; Sche-
dius und Frivaldszky, weil ich mich diesen ganz besonders
verpflichtet fühle; wollte ich alle nennen, welche mir mit Güte
und Liebe entgegen kamen; so würde eine lange Namensliste
entstehen. Der Letztere, nämlich Hr, Dr. v. Frivaldszky, ist
im Besitz einer ganz aufserordentlichen Insekten -Samnılung, und
als ausgezeichneter Entomolög auch unter uns in. Norddeutsch-
land’ bekannt. Sein Augenmerk ist besonders auf südeuropäische
Insekten gerichtet; er sammelt deshalb bis .in die Türkei hinein,
und hat Leute bis in das Balkangebirge gesendet, von woher er
die köstlichsten Sachen und ( wie natürlich) fast lauter Neues
bekömmt. Sie sammeln nicht’ allein Gegenstände der Entomolo-
gie, sondern auclı' der Botanik und Herpetologie. Leider. sind
äber seine Agenten: (einer derselben ‚war: damals von:Räubern
ermordet)‘ keine Ornithologen und Jäger, ‘doch hatten sie neben-
bei einiges gesendet, was mir Hr. Dr. v. F. zu mustern 'erläubie,
auch mir davon das zukommen liels, was ich wünschte... Unter
diesen befand sich auch eine‘ Taube (Columba), welche in, der
Türkei in vielen Gegenden, namentlich am Balkan; häufig''vor-
kommen soll, ‚dort völlig wild lebt und im ‘Winter aus'.den
rauheru Gegenden meistens wegzicht, in andern bleibt. Sie ähnelt
unsrer Lachtaube (Columba risoria), ist aber bedeutend größer,
das Gefieder viel: dunkler und unterscheidet sich ‘schon ‘durch
diese beiden Merkmale auflallend genug von jener Art, die wir
hier freilich: blofs im: gezähmten Zustande besitzen, welcher schon
Jahrhunderte gedauert haben mag, wodurch sie in jenen Punkten
verzärtelt sein kann. ‚Ohne auf eine weilläufige Untersuchung
dieses Umstandes einzugehen, kann ich mich blols auf das Zeüg-
nils des Hrn. Geheimeraths Lichtenstein beziehen, ‚welcher
nach Ansicht und genauem Vergleichen der drei von.mir.ikm
zugesendeten Exemplare dieser in der Türkei ‘vorkommenden |
Taube mit denen im Königl. zoologischen Museum zuiBerlin be- |
findlichen, aus Nubien. überhaupt aus Afrika und Asien erhal- |
tenen wilden Lachtauben keinen erheblichen Unterschied |
zwischen diesen’ und jenen gefunden hat. Auffallend ist jedoch, |
dafs
107
dafs sehr abweichende Umstände im Leben dieser sogenannten
wilden Lachtauben vorkommen sollen, die sich mit denen
der zahmen Art nicht vereinigen lassen wollen. Hr. Dr. v.F.
schreibt mir hierüber nachträglich, was ihm einer seiner Samm-
ler, Namens €. Hinke, aus der Türkei darüber schriftlich mit-
theilte und ich gebe es mit dessen eigenen Worten wieder.
„Diese Taube lebt in den grölsern Städten der innern euro-
päischen Türkei wild, gleich den Dohlen, gehet aber nie in
die Häuser, nistet indessen auf Balken unter den Dächern, in
alten Mauerlöchern, Felsenritzen, auch häufig in kleinen Körben,
die man in bedeckten Gängen über oder neben den Strafsen auf-
hängt. Mit Eintritt des Frühlings, im Februar, läfst sie ihren Ruf:
gurr! gurr, gurr! hören, welchen sie mit einem andern Rufe:
Deca-octo! häufig wechselt. Ueber letztern ist folgende Sage
unter den hiesigen Einwohnern. „„„Ein armes Mädchen diente
einer sehr hartherzigen Frau, welche ihr jährlich nur achtzehn
Para Lohn gab. Das Mädchen flehete die Götter an, dafs sie
doch der Welt kundthun möchten, wie jämmerlich sie von ihrer
Herrin gelohnt würde. Darauf schuf Zeus diese Taube, welche
ein vernehmliches Deca-octo noch bis heute in alle Welt aus-
ruft.“ — Während des Schreiens sitzt sie gern auf Bäumen.
Sie ist munter und sehr kampflustig, hadert besonders häufig
mit den Dohlen, mit welchen sie übrigens in beständiger Ge-
sellschaft lebt; begattet sich wie andere Tauben, legt ihre zwei
weilsen Eier auf ein kunstloses Nest und brütet 14 Tage. Die
Jungen begatten sich bereits, wenn sie erst 3 Monate alt sind,
Man findet vom Februar bis September Eier und Junge in den
Nestern. Wenn die Erndte, besonders die Reiserndte vorüber
ist, ziehen diese Tauben in grolsen Schaaren nach den Dresch-
und Treteplätzen, besonders gern nach solchen, wo Bäume,in der
Nähe sind, auf deren Aesten sie, besonders früh Morgens, gern
sitzen. Kömmt der Winter, so suchen sie bei ihren Nestern
Schutz gegen die Kälte und leben einsam *). Sie nützen durch
ihr äufserst zartes Fleisch, und vergnügen durch ihre angenehm
gurrenden Töne. Sie werden im Herbst geschossen, doch nur
*) Viele sollen auch wegziehen und den Bosphorus zwei Mal im
Jahre passiren.
7
IT. Jahrg. 1. Band.
108
von wenigen Türken; die meisten schonen sie, noch mehr die
Christen, welche sie gar für heilig halten, und ihnen nie etwas
zu Leide ihun. Es zog mir daher viel Verdrufs zu, als ich bei
Filibe diese Tauben schofs, nicht sowol von Türken als vielmehr
von Christen. So sehr sie in der Nähe des Menschen und mensch-
lichen Verkehrs leben, so sollen sie doch nach allgemeiner Be-
hauptung nicht zähmbar sein oder in der Gefangenschaft sich
doch nie begatten. Ihrer ungemein zarten Haut wegen sind sie
schwer auszubalgen. Ich sahe diese Tauben zu vielen Hunder-
ten, und erlegte deren selbst eine grolse Menge, konnte aber
dazunter nicht eine einzige entdecken, welche durch auffallende
Farbenverschiedenheit oder sonst von den übrigen merklich ab-
gewichen wäre, ausgenommen, dafs die Weibchen ein wenig
kleiner oder schwächlicher als die Männchen sind, und im All-
gemeinen eine schmutzigere Färbung, und einen kleinern schwar-
zen Halsfleck haben; sie gehörten demnach alle einer selbststän-
digen, vielleicht neuen Art an.“
Ob sie das letztere sei, bleibt vor der Hand noch unent-
schieden, jedoch ist sie in der Liste der europäischen Vögel ganz
bestimmt als neu aufzuführen. Wir sehen denn durch diese Ent-
deckung die europäische Ornithologie um eine Art bereichert,
da eine wilde Taube dieser Art, als im freien Zustande unsern
Erdtheil bewohnend, vorher nicht bekannt war. Dals sie jedoch
die Urrage unsrer Lachtaube sein oder diese von ihr abstam-
men solle, ist namentlich darum nicht zu behaupten, weil sie
eine ganz verschiedene Stimme hat, und jener Berichterstatter
einer Aehnlichkeit mit der in Ungarn allgemein bekannten Lach-
taube mit keiner Sylbe erwähnt. Läge etwas Bekanntes im
Betragen, der Stimme u. s. w., so würde er es gewils erwähnt
haben. Eine genaue Beschreibung und naturgetreue Abbildung
dieser interessanten Taubenart hoffe ich vielleicht an einem an-
deren Orte zu geben.
Sehr schätzbar war mir, von Hrn.Dr. v. F. auch eine weib-
liche Otis Tetrax zu erhalten, die von jenem Sammler in der
Türkei, und zwar auf dem Neste und über ihren 3 Eiern sitzend,
getödtet war, so dals auch ein zuverlässig ächtes Ei derselben
in meinem Besitz kam. Das Ei ist sehr schön, von der Grölse
eines etwas kleinen Hühnereies, schön eiförmig gestaltet, und
109
hat eine starke Schale, auf welcher die Poren sehr sichtbar sind,
obgleich seine Oberfläche so starken Glanz hat,-dafs es aussieht,
als wäre es künstlich polirt. Seine Grundfarbe ist, genau be-
sehen, ein schönes Grün, dieses jedoch mit Braun gewölkt und
dadurch düster gemacht, und dieses Braun tritt noch überdem
auf der ganzen Fläche in meist länglichen, gröfsern und kleinern
Flecken vor, deren Umrisse sich aber nur aus der Nähe betrach-
tet deutlicher zeigen. Obgleich viel schöner gefärbt, viel glän-
zender und um Vieles kleiner als das der ©. Tarda, ist der Cha-
rakter der Gattung daran doch so stark ausgeprägt, dafs man es
augenblicklich für ein Trappenei erkennen muls. — Otis Tetrax
ist übrigens auch in Ungarn auf allen sogenannten Haiden (rich-
tiger Steppen, denn Haidekraut — Erica — wächst dort nirgends)
anzutreffen; man kennt die Art hin und wieder unter dem Na-
men: Haidehühner. Sie pflanzt sich dort auch fort, wird ,
jedoch selten erlegt, weil nur der Zufall einen Jäger auf jene
grünen Einöden führt, über welche sich theilweise ungeheure
Viehheerden ausbreiten, deren Hirten aber nie Schielsgewehre
mit sich führen. Es ist sogar gefährlich, auf den Wegen, welche
über diese Steppen führen, sich weit von seinem Wagen zu ent-
fernen, indem es den Hirten oft nicht möglich ist, zu verhin-
dern, dafs ihre fürchterlichen Hunde (sehr grolse, starke, zottige,
weilse Wolfshunde, in ganz Ungarn von derselben Rage u. Farbe),
oder gar ein böser Stier, über den Jäger herfallen, so dafs harm-
lose Fulsreisende beim Pässiren solcher Heerden oft in Lebens-
gefahr gerathen, und Beispiele von auf diese Weise zu Tode ge-
kommenen Reisenden gar nicht selten sind. Auch hat man in
solchen einsamen Gegenden alle Ursache, sich vor Zigeunerban-
den und andern Raubgesindel zu fürchten. Es ist daher dem,
der als Naturforscher Ungarn durchreisen will, dringend anzu-
rathen, dies nicht ohne einen zuverlässigen, der Sprachen und
Landessilten kundigen Begleiter zu unternehmen. Ev muls sich
vor langen Fufsreisen hüten, wenigstens nie anders als am hellen
Tage reisen; sein Nachtquartier wo möglich in Städten nehmen,
oder bei einem Landedelmann einkehren, wo er dort gute Wirths-
häuser (mit deutschen Wirthen und Aufwärtern) und hier stets
eine gastliche Aufnahme findet, u.s.w. In den südlichen Thei-
len des Landes steht das gemeine Volk der Raatzen, Wlachen
7*
110
’
u.a. m. annoch auf einer gar niedrigen Stufe der Kultur; Prüge-
leien bis auf den Tod, Blutrache und andere Verbrechen kom- _
men häufig unter ihnen, und gegen Fremde Mord, Stralsenraub,
Diebereien u. dergl. vor. Die sonst so humane Regierung sahe
sich daher gezwungeu, erst vor wenigen Jahren, jene rohen Völ-
ker mit mehr Strenge zu behandeln und ein Standrecht für auf
der That ertappte Verbrecher einzuführen. Die gute Wirkung
machte sich auch bald bemerklich, und seitdem Galgen und
Richtstätten allenthalben ihre Opfer zur Schau tragen, steht es
auch um die Sieherheit der Reisenden dort besser. Trotz aller
Widerwärtigkeiten, welche in jenen Theilen von Ungarn. den
Reisenden Schritt vor Schritt aufstolsen, haben gerade diese un-
wirthlichen Gegenden für den Naturforscher ein so hohes Inter-
esse, dafs ich zu einer zweiten Reise bis an die türkische Grenze
mich mit Freuden entschliefsen würde; eine günstige Gelegenheit
dazu werde ich gewifs nicht unbenutzt lassen; aber dann muls
ich dieses Land im Frühlinge, in der Fortpflanzungsperiode der
Vögel sehen.
v Die
Meinungen von Kämpfer, Thunberg, Linne u. Anderen,
über
die Mutterpflanze des Sternanises des Handels,
vertheidigt gegen
Dr. Ph. F. v. Siebold und Prof. J. G. Zuccarini;
von
° Prof, W. H. de Vriese,
in Amsterdam.
„Quodsi suas quisque observationes protu-
lerit, spes est aliquando fore, ut ex omnibus
opus unum absolutum perfieiatur.““
v Gesnerus.
Vor zwei Jahren habe ich einige Beiträge zur näheren Kennt-
nifs und Unterscheidung der Pflanzenart mitgetheilt, welche, so
wie ich damals meinte und noch glaube, den Sternanis des Han-
dels liefert *). Ich bin weit entfernt darauf großen Werth zu
legen, oder das daselbst von mir Vorgetragene als ganz neu zu
betrachten. Blofs in der Absicht, etwas beitragen zu können,
um der in den Gärten so allgemeinen Verwechselung der Mutter-
pflanze des Sternanises, mit den andern Arten des Geschlechtes
Illicium, ein Ziel zu setzen, gab ich Beschreibungen von allen
bekannten Arten, und wiederholte dabei, was man nach dem
Zeugnils von Kämpfer, Thunberg, Linne, Willdenow,
DeLamarck, De Candolle und so vielen andern Botanikern,
allgemein angenommen und erkannt hat.
Hr. Dr. v. Siebold hat neulich behauptet, dafs die Pflan-
zenart, welche man bisher als die Mutterpflanze des Sternanises
des Handels betrachtet hat, denselben nicht verschafft, und von
*) S. meinen Aufsatz: Over den Sternanijs (Ill. anis. Linn.) in het
Tijdschrift voor Natuurlijke Geschiedenis door J. van der Hoeven en
W. H. de Vriese. I. Bl. 31. Amst. 1834. Dasselbe ist daraus entlehnt
von Prof. Wiegmann, in dess. Arch. f. Naturg. I. Jahrg. 5s Hit. S. 233.
112
dieser Pflauze specifisch verschieden ist *). Der Mitarbeiter der
Flera Japonica, der in unsere Wissenschaft so verdienstliche
Zuccarini, Professor an der Universität in München, hat diese
Meinung im erwähnten Werke ausführlich dargelegt, und ist über-
dies späterhin **), noch anderswo darauf zurückgekommen.
Ich hege gleichwohl hierüber stets dieselbe Meinung. wie
früher, und man wird es mir daher nicht verargen, wenn ich,
mit der Bescheidenheit, welche man gegen Gelehrte von aner-
kannten Verdiensten zu beobachten hat, bezweifle, ob durch
Zuccarini’s Gründe bewiesen ist, was nach seiner und v. Sie-
bold’s Meinung, bewiesen werden mufste. Ich hoffe, diese beiden
Herren werden sich wohl überzeugt halten, dafs die meisten
Stimmhaber in Gegenständen wie der unsrige, Reisenden mehr
Befugnifs zuerkennen, als anderen, doch bleibt mir nicht destowe-
niger die Ueberzeugung, dafs die Wissenschaften keine abgegrenzte
Eigenthumsrechte kennen, welche der eine oder der andere sich
ausschliefslich zueignen kann, um. darüber ein unbestimmtes oder
willkührliches Urtheil zu fällen, sondern dafs im Gegentheil zu
allen ihren Theilen einem Jeden der Zutritt und die Freiheit zum
Untersuchen gestattet ist, wenn man sich damit zu beschäftigen
wünscht.
In der That glaube ich, wird man mir zugeben, dafs, unge-
achtet der grölsten Anstrengung von Reisenden, viele ihrer Un-
tersuchungen nicht immer zu völlig genügenden Resultaten ge-
bracht werden können, und dafs auch dadurch oft ein Unterschied
von Meinungen zwischen früheren und späteren Reisenden ent-
steht, welche an denselben Orten dieselben Sachen zu Gegen-
ständen ihrer Untersuchungen machten, ohne dafs man darum
*) Dr. Ph. Frid. de Siebold, Flora Japonica Sect. I. plantas
ornatui vel usui inservientes eontinens Digessit Dr. J. G. Zuccarini
1. Fasc. Lugd. Bat. 1835. p. 5 sqg.
*) Wiegmann’s Archiv II. Jahrg. 2s Heft S.204, wo man findet:
Berichtigung der Angaben des Hrn. Prof. de Vriese über
die Mutterpflanze des Sternanises, vom Prof. Zuecarini. In-
dem Zuce. mir diese Angaben zuschreibt, giebt er mir eine Ehre,
worauf ich gar keinen Anspruch zu machen begehre, und die ich also
auch weit entfernt bin anzunehmen. Der Hr. Verf. wird mir eingestehen
müssen, dafs alle Botaniker, nach Kämpfer, Thunberg und Linne,
dieselben Angaben angeführt haben.
113
immer Ursache habe, dem Urtheil der Letztern beizupflichten.
Hierzu kömmt noch, dafs ein Jeder, der Gegenstände auf seine
Weise zu betrachten pflegt, leicht eine verschiedene Meinung
annimmt. Daher rührt es, dafs nicht selten eine unangenehme
Unbestimmtheit über wichtige Punkte, in der Kenntnils so oft
höchst nöthiger und nützlicher naturhistorischer Gegenstände
entsteht; daher dafs man eine ganze Reihe, von verschiedenen
Naturforschern zu verschiedenen Zeiten angestellter Beobachtun-
gen bedarf, um endlich zu bestimmten und unzweifelhaften Re-
sultaten zu gelangen. Ohne andere Ursachen zu erwähnen, warum
man nach meiner Einsicht, in dem unbedingten Annehmen der
Angaben von Reisenden in entfernten Ländern, mit einiger Be-
hutsamkeit zu Werke gehen muls, erinnere ich blols (weil ieh
dieses einzige treflende Beispiel für hinreichend halte), an die
Geschichte der Cinchonen und deren Rinden, worin man nicht
nur einen Ruiz und Pavon, nicht nur einen Mutis oder den
verdienstvollen de la Condamine, sondern auch viele Jahre
nachher einen Alexander v. Humboldt bedurfte, um durch
dessen ausführliche Untersuchungen an Ort und Stelle in dieser
äufserst wichtigen Angelegenheit zu einer etwas genauern Kennt-
nils zu gelangen.
Der Sternanis des Handels bietet ebenfalls ein merkwürdi-
ges Beispiel dessen, was wir so eben behaupteten. Man war seit
dem Jahre 1712 der Meinung, die Pflanze, die denselben hervor-
bringt, zu kennen, und auf einmal sehen wir durch einem spä-
tern Schriftsteller das, was man nach der Behauptung von Käm-
pfer und Thunberg u. s. w. in derselben erkannt und als eine
längst ausgemachte Sache betrachtet hat, und noch als solche
betrachten kann, bei Seite gestellt. Wir wollen daher dasjenige,
was die Herren v.Siebold und Zuccarini neulich über diese
Sache zur allgemeinen Kunde gebracht haben, kurz aber genau
auseinander setzen, um auf dessen Erwägung und Prüfung aus den
früheren Angaben und aus unseren eigenen jetzt wiederholten
Untersuchungen, die Folgerungen herzuleiten, welche daraus her-
vorgehen müssen.
Die Pflanzenart, welche von den botanischen Schriftstellern
unter dem Namen Illicium anisatum angeführt ist, wird von
v. Siebold und Zuccarini (Fl. Jap. p. 5.) Il. religiosum ge-
114
nannt. Dieselbe ist baumartig, immer grün, gänzlich unbehaart,
und hat länglich-runde, völlig gleichrandige, an beiden Seiten
schmal zulaufende spitzige, lederartige Blätter, 18— 20 Staub-
fäden, und fleiselige Samenkapseln. Der Japanische Name ist
skimi, der Chinesische ao-woo-soo. Bei Kämpfer kömmt der-
selbe in dessen Amoenitates Exoticae p. 880 unter dem- Namen
somo, auch wohl skimi, oder Tanna skimi vor, wo er auch ab-
gebildet ist. Es ist das I. anis. von Thunberg’s Flora Jap.
p: 235, und von den übrigen Schriftstellern, mit Ausnahme von
Loureiro Fl. Coch. p. 432, u. von Gärtner’s Carpol. I. p. 338
— 369. (y. Sieb. u. Z. haben die Ausgabe der Fl. Coch., von Will-
denow besorgt, gebraucht. Die ursprüngliche ist erschienen in
Lissabon, 1790. 4.)
Die Beschreibung, welche dieSchriftsteller von diesem II. rel.
gegeben haben, ist in allen Theilen sehr ausführlich. Dasselbe
wächst in dem Japanischen Kaiserreiche; es wird meistens in
den Gärten und Wäldern, welche die Tempel umringen, gezogen
und erscheint hier und da selten verwildert, es blühet im
Monat April. (Man lieset.bei den Verfassern „hic inde effe-
ratum.‘“ Ich hofle, die Worte wohl verstanden zu haben, glaube
aber nicht, dals die zwei ersien Wörter in dem gewöhnlichen
lateinischen Style verbunden vorkommen.)
Das Illicium anis. wird von den Schriftstellern mit dieser
Art verwechselt, diese kann aus der davon in Loureiro’s Flora
S. 353. vorkommenden [verwirrten] Beschreibung, auf folgende
Weise ‚bestimmt, werden: „Il. frutescens, foliis ovatis, oblusis
parvis, staminibus circiter triginta.“ (Loureiro erwähnt folia
subovalia turbinalo-ovata.) "
Die skimi, d.h. Ill. rel. v.S. u. Z., ist eine der in den älte-
sten Zeiten, durch die Buddhistischen Priester, aus China oder
Korai, in das.Kaiserreich Japan eingeführten Pflanzen. Darum
wird sie noch heute als heilig betrachtet, und sehr häufig um
die Tempel gepflanzt u. s.w. (Man sche Kämpfer 1.1.) Die
gelbe Rinde der jüngern Zweige hat einen gewürzhaften Ge-
schmack. Die Blume ist gelb, hat 12—15 Kronenblätter und
10—20 Staubfäden. Die Frucht reifet im Herbste, und besteht
aus 8 fleischigen, in der Gestalt eines Sterns gebildeten Samen-
kapseln, welche in eine kurze Spitze endigen. Dieselbe gleicht
115
vollkommen dem wahren Sternanis, ohne jedoch dessen gewürz-
haften Geschmack zu haben. Dessenungeachtet hielt man diesen
Baum bis jetzt allgemein für die Pflanze, weiche dieses Gewürz
hervorbringt, welches man in Japan wohl gebraucht, aber\aus
China eingeführt wird. Nach der Mittheilung von Loureiro
(das einzige Zeugnils, welches von Zuccarini und v. Siebold
gegen Kämpfer, Thunberg, Linne u. A. angeführt werden
kann) wächst der wahre Sternanisbaum in den Chinesischen Pro-
vinzen, westlich von Canton, und unterscheidet sich dadurch
von dem Illicium relig., dals der Stengel niedriger (d. i. ungefähr
8Fufs hoch) ist, die Blätter eirund, kleiner und zugleich an bei-
den.Enden abgerundet sind, und endlich durch die Staubfäden,
welche in jeder Blume bis an dreilsig betragen. Der Irrthum
der Schriftsteller vor v. Sieb. u. Zucc. entstand besonders da-
her, dafs die europäischen Botaniker, verleitet durch die Aehn-
lichkeit der Früchte *), die Skimi oder Somo von Kämpfer, für
die wahre Sternanispflanze hielten, uhne zu bedenken (sans faire
attention ü la remarque de Vexacte observateur!!) dafs nur die
Rinde der Japanischen Pflanze einen gewürzhaften Geschmack
hat, während die Frucht einen schalen und unangenehmen Ge-
schmack hat, liber saporis cum exigua adstriclione aromaltici,
Jructus saporis vapidi. Durch Thunberg ist der Irrthum noch
vergrölsert, weil er erklärte, dafs die Früchte der Japanischen
Pflanze nur weniger gewürzreich seien, als die aus China, ohne
dals er einigen Zweifel an die Identität der Art angab. Durch
ilın ‘kamen auch getrocknete Exemplare der Pflanze nach Eu-
ropa. Spätere Schriftsteller haben sich an seinen Ausspruch
gehalten, und so dauerte der Irrthum bis auf unsere Zeiten fort.
v. Siebold u. Zuccarini endigen diese Phrase mit deu Wor-
ten: „DeCandolle en les considerant n’osa point ecar-
ter les contrarietes dans la description de Loureiro
et c’est ainsi que l’erreur conlinua jusqu’ä ce jour
meme, par. les tableaux de Fr. Nees v. Esenbeck, de
Vriese et Heyne!“
Ich glaube, die Meinung der Herren Verfasser getreu dar-
*) „„Täuschend ähnlichen Ansehen der Japanischen und Chinesischen
Früchte“ sagt Zuecarini in Wiegmann’s Archiv 1. |.
116
gelegt zu haben. Wir würden also durch Hinzufügung der jetzt
behandelten Art, nach v. S. u. Z. vier Arten von Illicium haben,
nämlich 1) Il. floridanum Ellis, welches in Florida wächst;
2) Ill. parviflorum Michx, aus dem westlichen Florida; 3) Ill.
religiosum v. Sieb. u. Zucc.; 4) Ill. anisatum Lour., welches
den Sternanis liefert, und nur noch allein von Loureiro be-
schrieben sein würde. Ich bemerke noch, dafs das Il. japoni-
cum, eine früher durch v. Siebold angezeigte Art (siehe die
Synopsis pl. oec. Un. regni Jap. auctore de Siebold in Vertr.
van het Bataviaasch Gen. XII. deel Bl. 50.), wahrscheinlich die-
selbe als sein nun bekannt gemachtes Il. relig. sein wird, ob-
gleich sie in der Synonymik nicht genannt wird.
Sobald die Zurechtweisungen der genannten Herren Verfas-
ser nur bekannt geworden sind, habe ich mich entschlossen, die
Sache aufs neue zu untersuchen. Bevor ich nun das Resultat
dieser Untersuchungen mittheile, habe ich mir in Betreff der
Meinungen der zwei Gelehrten, welchen vorzüglich durch v.Sieb.
u. Zuec. mit mir die Schuld der vermeinten Verwirrung zuer-
kannt wird, die erforderliche Gewifsheit zu verschaffen gesucht.
Ob ich nun gleich zur Vertheidigung dessen, was ich für wahr
halte, nicht der Namen berühmter Gelehrten bedarf, um den
meinigen zu beschützen, so gereicht es mir doch zum Vergnügen,
anzeigen zu können, dafs diese Gelehrten auf ihre frühere Aeulse-
rung bestehen.
Dem Professor T. F. L. Nees v. Esenbeck in Bonn, hat
der Hr. v. Sieb. früher aus Japan ein Exemplar von Ill. anisa-
tum zugesandt, nach welchem, unter diesem Namen, zufolge
v. Siebold’s eigner Angabe, die 23ste Abbildung der XVlten
Lieferung in der Sammlung officineller Pflanzen von er-
wähntem Hrn. Professor, verfertigt worden ist. Bei diesem Ex-
emplar befand sich eine dem Sternanis des Handels vollkommen
ähnliche Frucht; diese stimmte auch an Geruch, der zwar etwas
schwächer war, mit der capsula anisi stellati überein. Prof. N.
v. Esenbeck hat mir dies sogar zweimal (in seinen Briefen vom
29. Febr. und 29. Juli d. J.) gütigst mitgetheilt, und zugleich ver-
sichert, dafs er nicht zweifle, dafs die von ihm durch v. Siebold
erhaltene und abgebildete Pflanzenart, die wahre Mutterpflanze
des Sternanises des Handels sei.
_ ze ee
117
Als vor einigen Jahren unsere Wissenschaft durch den Tod
des verdienstvollen Professor Hayne/ einen Verlust erlitt, der
gewils den schmerzlichsten, welche sie erleiden konnte, beige-
zählt werden mulste, wurde unter andern eine Arbeit unvollen-
det nachgelassen, welche von ihm nach einem’ grofsen Mafsstabe
begonnen, meistens beendigt war, und den höchsten Beifall aller
Sachkundigen erhalten hatte *).
Es mulste den Besitzern dieses schönen und kostbaren Wer-
kes zum Vergnügen gereichen, dafs die Herren Brandt und
Ratzeburg, bekannt durch viele genaue und ausführliche For-
sehungen, die Kenntnifs der Pflanzen und Thiere betreffend, die
Vollendung dieses Werks auf sich nehmen würden. Man hat
wirklich von diesen Gelehrten schon einige Fortsetzungen des-
sen, was Hayne früher geleistet hatte. Die 29. Abbildung des
XII. Theils ist vou Dr. Brandt, Director des Museums zu St.
Petersburg, besorgt und stellt dies Illicium anisatum Auctorum
vor *). N
Diese von Brandt beschriebene und abgebildete Pflanze ist
indessen nicht die Japanische, sondern die Chinesische.
v. Siebold und Zuccarini irrten sich also in dieser Hinsicht,
welches keinem Zweifel unterliegt, denn wir lesen in der Er-
klärung des Kupferstiches von Brandt die folgenden Worte:
„ein Zweig mit Früchten und Blumenknospen nach
einem aus China stammenden Exemplar des Herba-
riums des Hro. Kaufmann Prescott in St. Petersburg.“
Zur fernern Erklärung dieser Figur kann ich noch hinzufügen,
wie Dr. Brandt **) mir versichert hat, dafs die Analyse der
Blumentheile von Fig. 2— 13, nach dem, von dem berühmten
Hooker, als aus China stammend, an Prescott geschenkten,
*) Getreue Darstellung u. Beschreibung der Arzneigewächse u. s. w.
von Dr. F. G. Hayne. Berlin. 1805. 4.
”*) Wenn v. Siebold und Zuccarini von Heyne (Hayne)
sprechen, wird man wohl Brandt und Ratzeburg darunter ver-
stehen müssen. Es ist mir nicht bekannt, dals Hayne selbst jemals .et-
was über diese Pflanzenart bekannt gemacht hat. Die Abtheilung dieses
Werkes, worin diese Pflanze vorkommt, ist nach dem Titel in Deutsch-
land, im J. 1833 erschienen. Mir kam es erst im Juli 1834 zur Ansicht.
***) In einen mir aus St. Petersburg zugesandtenBriefe v.10.Juli 1836.
118
ursprünglich Chinesischen Exemplar, von ihm beschrieben und ge-
zeichnet worden ist. — Mich dünkt, dafs wir hiermit die Sache
schon nöthigenfalls als ausgemacht betrachten könnten, und dafs
aller Zwiespalt dadurch gänzlich gehoben sei. Ich will dem-
ungeachtet den einmal eingeschlagenen Weg verfolgen. Gerne
gebe ich zu, dafs die Beschreibungen einiger Schriftsteller nicht
immer in kleinen oder weniger wichtigen Punkten übereinstim-
men; ich glaube, dals es sogar welche giebt, die etwas zu wün-
schen übrig lassen; aber ich bin doch auch der Meinung, dafs
eine genaue Betrachtung und unpartheiische Erwägung uns dazu
führen müssen, um als bestimmt anzunehmen, dafs das von Käm-
pfer, Thunberg, Linne, Loureiro, Gaertner, De Can-
dolle, Nees v. Esenbeck, Brandt, und auch von mir be-
schriebene Ill. anis., dieselbe Art ist, als das IZ. rel. von v. Sieb.
und Zuccarini. :
Schon auf den ersten Blick zeigt sich zwischen der ersten
Abbildung der Flora Japonica eine so grofse Aehnlichkeit mit
der Chinesischen von Brandt und der Japanischen von Nees
v. Esenbeck, wie auch mit der von mir abgebildeten Pflanze,
dafs es nieht möglich ist, beide nicht für die nämliche zu halten.
Die Vergleichung der getrockneten Pflanze, sowohl von Käm-
pfer und Thunberg, als von v. Siebold und Bürger, die
sich alle in dem Reichs-Herbarium zu Leiden befinden, zeigen
eine vollkommene Uebereinstiimmung in der äulsern Form an,
und stimmen überdies mit allen Abbildungen, besonders aber mit
der von Brandt, überein. Beide, nämlich die Chinesische und
die Japanische, sind baumartig, und in Ansehung der Eigenschaf-
ten des Stammes, der Gestalt und der Zweige sich beinahe voll-
kommen gleich. Was die Kennzeichen der Blätter betrifft, wel-
che die Herren Verfasser von ihrem Il. rel. (nämlich der Stern-
anispflanze, die auf Japan wächst), angegeben haben, so sind diese
nicht in jedem Exemplare, so vollkommen dieselben, als sie uns
hier vorgezeigt werden. Die von Kämpfer und Thunberg
zum Beispiel, obgleich aus Japan stammend, nähern sich mehr
der Form, welche jene Herren uns später (Flora Jap. p. 7.) aus
der von der Chinesischen Pflanze entlehnten ungenauen Beschrei-
bung desLoureiro, gezeigt haben. Dies gilt auch unter andern
von den Exemplaren derselben früher erwähnten Reisenden in
119
dem Herbarium von Banks, wie Herr Robert Brown mir
neulich versichert hat. Hieraus ergiebt sich also wieder, dafs
man in dem Geschlecht Illieium grolse Behutsamkeit nöthig hat,
wenn man die Kennzeichen von den Blättern nehmen will.
Darin darf keine Ungewilsheit obwalten, wenn nicht die grölste
Verwirrung entstehen soll, und wer ist der Botaniker, der nicht
die manniglfaltigen Uebergangsformen, ovaler, eirunder und läng-
lich-eirunder Blätter in einer und derselben, als unverkennbar,
auf andere Kennzeichen gegründeten Art, eingesteht? Ich glaube
daher, dafs die Botaniker mit Recht in diesem Geschlecht Illicium,
die Kennzeichen von andern Theilen, zur Gründung der drei all-
gemein angenommenen und bestehenden Arten entnommen haben.
Die Abbildung von Brandt zeigt schon, dafs die Blätter
der Chinesischen Pflanze sich nicht von denen der Japanischen
unterscheiden. Brandt hat überdies die Blätter der Pflanze mit
den Ueberbleibseln derjenigen, welche im Sternanis des Handels
vorkommen, verglichen, und die Uebereinkunft gesehen *).
Ich habe im Anfang dieses Jahres und später durch die lo-
benswerthe Bereitwilligkeit, womit Materialienhändler zu Amster-
dam dergleichen Forschungen zu unterstützen pflegen, eine grolse
Menge Sternanis untersucht, und Blätter und Stücke derselben
dergestalt gefunden, dafs ich, meinerseits, wenn ich auch keine
anderen Gründe zur Vertheidigung der Meinungen 'Kä mpfer’s
und Thunberg’s hätte, hierin schon hinlängliche Ursache finden
würde, um die Berichtigungen von v. Sieb. und Zucc. zu ver-
werfen. Ich hatte das Vergnügen, diese Blätter neulich meinem
hochgeschätzten Lehrer, Prof. Reinwardt, zu zeigen, der mit
mir darin vollkommen die Form und die Eigenschaften der Blät-
ter des Illicium anisatum von Brandt, und des relig. v. Sieb.
und Zucce. erkannte, und mit mir übereinstimmte, dafs auch
hierin (so wie in den Abbildungen) durchaus die entgegengesetz-
ten Merkmale, welche von v.Sieb. u. Zucc. aus der mehrmals
erwähnten Beschreibung von Loureiro entnommen sind, an-
sichtig waren.
*) Er schreibt mir: „Ich habe die Blätterreste, wie sie sich sehr
selten unter dem Sternanis befinden, ebenso wie Stengelreste mit ihm
verglichen, und die Identität anerkennen zu müssen geglaubt. “
120
Dafs es nun, die Blätter des Sternanises sind, unterliegt kei-
nem Zweifel'mehr. Sie haben einen schwachen, von den capsulae
anisi stellati, angenommenen Geruch, welchen sie jedoch bald
verlieren, wenn sie schon von dieser getrennt werden. Im Ge-
schmack aber spürt man das Gewürzhafte des Anises sehr deut-
lich. Da nun dieser Geschmack erst nach langer Zeit und sehr
feinem Zermalmen zwischen den Zähnen, entsteht, so zeigt sich,
dafs auch dieser nicht von aufsen herrührt, sondern als ein Er-
zeugnils der innern Theile angesehen werden mufs. Es ist daher
gar nicht mehr zu bezweifeln, dafs diese die Blätter des Chine-
sischen Il. an. sind. Dafs diese Blätter bei dem Einernten der
Früchte leicht unter die capsulae anisi stellati gerathen und da-
mit vermischt werden können, ist leicht zu begreifen, weil so-
wohl das Vaterland der Art, wovon De Candolle sagt: „, /olia
anisum redolentia ubi contrita sunt“* als auch die Gestalt ihrer
Blätter, mit demjenigen, was mir vorgekommen, zu sehr ver-
schieden ist, hinlänglich verbieten, diese Blätter oder Stücke von
Blättern zu einer andern Art, als dem Ill. anis. zu bringen.
Wir sehen also in diesen angeführten Gründen einen neuen
Beweis gegen die vermeinte Blätterform, und ich glaube also in
dieser Hinsicht die obgenannten Schriftsteller widerlegt zu haben.
Ich wende alle Eigenschaften der Blätter, die in dem Ill. relig.
v. Sieb. und Zucc. vorkommen, auch auf die Chinesische Pflan-
ze, und die von mir gefundenen Blätterüberreste an.
Die Zahl der Staubfäden hat mir, bei näherer Untersuchung
in einigen Blumen von Japanischen Exemplaren, noch größer
geschienen, als früher, ja, ich habe. deren sogar bis auf 24 darin
bemerkt, besonders beim Untersuchen der in den letzten Jahren
von Hrn. Bürger gesammelten Pflanzen. Die Herren v. Sieb.
und Zucc. behaupten dagegen nach Loureiro, dafs sich in der
Chinesischen Pflanze ungefähr dreifsig befinden.
Es ist unumgänglich nöthig, dafs, wenn man zur Unterschei-
dung der Geschlechter oder Arten die Anzahl der Theile anwen-
den will, man hierin bestimmt und fest, keinesweges schwan-
kend verfahren muls. Da nun in der Anzahl der Blumentheile
bei der Familie der Magnoliaceae eine solche Unbestimmtheit
und Unregelmäfsigkeit herrscht, dals unter denselben kaum ein
Geschlecht angegeben werden kann, worin man über diesen Punkt
121
hinlängliche Gewilsheit hat, da auch in den Arten des Illicium,
in dieser Hinsicht, andere Schriftsteller einen so grolsen Spiel-
raum lassen (De Cand. Syst. I. 439. Prodr. I. 77. Blume Fl.
Javae Fasc. 19 —20. Lindley Intr. 26.), und da endlich aufser
obgenannten Herren Verf. Niemand hierauf einigen Werth gelegt
hat, so scheint es mir, dafs die Gründung einer neuen Art, auf
diesen Grund allein (denn der andere, nämlich die Verschieden-
heit in den Blättern ist schon verschwunden) wenigstens als un-
vorsichtig zu betrachten ist, und dafs solche Arten in dieser Fa-
milie gewils verworfen werden müssen.
Es ist überdies ganz unmöglich, dafs diese Anzahl Staubfäden
fest bestimmt und auch stets grölser in einer Pflanzenart sein
kann, worin die Carpellen und die Kronen - und Kelchtheile so
sehr in Anzahl abwechseln, dafs sie in Ansehung der Letzteren
kaum nit einiger Genauigkeit festgesetzt werden kann und man
in Betreff der ersteren, bei genauer Beobachtung vieler capsulae
des Handels, deren mittlere Zahl vielleicht, wie in der Japani-
schen Pflanze von v. Sieb. und Zucc. und deren Vorgänger ge-
schehen ist, etwa auf acht angeben könnte. Ich sah in dem
Sternanis des Handels 3—13 Carpella vereinigt, aber meistens
waren deren 8, so dals man auch in der Chinesischen Pflanze,
die Zahl 8 als die mittlere der in einem Stern vereinigten
Carpellen, annehmen kann. In den Exemplaren von v. Sieb.
und Bürger beträgt dieselbe ebenfalls 8 oder weniger, nie mehr,
die natürliche Folge einer weniger starken Entwickelung der
Nahrung der Fruchttheile in der aus ihrem natürlichen Klima
nach Japan versetzten Pflanze.
Wenn nun die Anzahl anderer Theile eine so grolse Ab-
wechselung zeigt, so frage ich jeden Unpartheiischen, ob die
Staubfäden den einzigeu Kranz in der Blume, in welcher man
kein Fehlschlagen wahrnehmen wird, bilden werden. Meinerseits
glaube ich es, hauptsächlich in den Magnoliaceae nicht, und ich
sehe daher keine Schwierigkeit, auch diesen aus Loureiro ent-
nommenen Grund von v. Sieb. und Zucec. für unhaltbar zu er-
klären, der überdies gewils schon dadurch viel von seinem Wer-
ihe verliert, weil in der genauen Abbildung und Beschreibung
von Brandt durchaus keine Erwähnung davon geschicht.
Eine aufmerksame Erwägung der durch v. Siebold und
122
Zuccarini gegen meine Meinung angeführten Gründe, macht
mich’ also stets geneigt, deren Werth in Zweifel zu ziehen. So
ist es z.B. gleich auffallend, dafs die Pflanze, welche v. Sieb.
und Zucc. als eine neue Art anbieten, ursprünglich aus China,
und in Japan von da eingeführt ist, und nur selten hier und da
verwildert (hic inde efferatum)) erscheint, aber übrigens nur an
heiligen Orten gezogen wird.
Ist also die neue Pflanzenart eine Kulturpflanze? In der
That würden wir es kaum für Ernst halten, wenn die Angabe
nicht-aus der Feder des berühmten Zuccarini geflossen wäre.
Streitet die auf kleine Verschiedenheilen gegründete Feststellung
neuer Arien, nicht mit allen Regeln der Taxonomie? Ich be-
zweille dies nicht, sondern überlasse es gern den Herren Verff.,
wenn sie eine dergleichen Ansicht vertheidigen wollen, sie mit
den von Jedermann anerkannten Gründen unserer Wissenschaft
in Einklang zu bringen. Kurz, von Kulturpflanzen, die ins Un-
endliche abwechseln, bildet man keine neue Arten, so lange man
dieselbe zu einer oder anderen verwandten Pflanzenart zurück-
führen kann.
Endlich mufs ich noch bemerken, dafs, im Fall die Angabe
von v. Siebold und Zuccarini richtig ist, dals nämlich diese
Pflanze auf Japan zwar gezogen wird, aber da nicht ursprüng-
lich einheimisch ist, welches Niemand bezweifeln kann, diese Her-
ren keine reine, sondern eine Flora mixta von Japan darbieien.
Ich bin der Meinung, dafs durchaus kein botanischer Unter-
schied zwischen den capsulae anis. stellati des Handels und der
Früchte der Japanischen Pflanze, besteht. Wenn also die Ver-
fasser von einer parfaite ressemblance sprechen, so lese ich lieber
vollkommene Gleichheit. Verschiedenheit aber waltet hier
nicht ob, und wenn ich die Beschreibung und Abbildung Gärt-
ner’s oder die von anderen Schriftstellern, oder die der erwähnten
Herren Verfasser der Flora Japonica betrachte, so kann ich kei-
nen Unterschied in wesentlichen Eigenschaften bemerken. Zur
Vermeidung aller Weitschweifigkeit, überlasse ich es daher
einem Jeden, der mit diesen Herren nur auf diesen Gegenstand
einigen Werth legt, diese Vergleichung fortzusetzen. Den Ge-
schmack haben die Japanischen Früchte zwar nicht so ausge-
zeichnet, Thunberg schrieb also mit Recht: „non eo gradu
sa-
123
sapore aromatico,“ aber er ist doch eben so charakteristisch; das
Feine, Wohlriechende, Süfse, finden wir bei der Japanischen
Frucht nicht so vorherrschend, und es fehlt daran, was wir bei
dem Weine das Bouquet zu nennen pflegen; den eigenthümlichen
Charakter des Sternanises des Handels finden wir jedoch wie-
der, so dafs man in der That nicht die Identität beider bezwei-
feln darf. — Es sind jedoch zwischen den Früchten, die zu ver-
schiedenen Zeiten aus Japan eingeführt worden sind, wie ich
oben erwähnte, sehr, geringe Modificationen, hinsichtlich des Ge-
schmackes, zu bemerken. So hat der Hr. v.Siebold, mit wel-
chem ich das Vergnügen hatte, mich über diesen Gegenstand
mehr als einmal mündlich zu besprechen, mir eine Japanische
" Frucht gezeigt, worin das Süfse, welches ebenfalls das Aroma
des Sternanises bezeichnet, fehlte. Ich habe dagegen jetzt eine
Japanische Frucht von Herrn Bürger, aus dem Reichs-Her-
barium, vor mir liegen, worin ich keinen Unterschied des Ge-
schmackes und der Eigenschaften, als in der Stärke unterschei-
den kann. Dasselbe schrieb mir Prof. Nees v. Esenbeck über
die Früchte des ihm aus Japan von seinem Freunde v. Sie-
bold, während dessen Aufenthalt in dieser Gegend, geworde-
nen Exemplares.
Führt uns nun die genaue Vergleichung der hier erwähnten
Früchte nicht zur Annahme der geringsten Verschiedenheit, so
bringt uns überdies die Betrachtung der capsulae anisi stellati
so wie dieselben im Handel gefunden werden, von selbst zu dem
Schlusse, dafs der kleine Unterschied im Geschmack (denn der
Geruch ist der nämliche), den v. Siebold und Zuecarini zur
Bekräftigung ihrer Meinung anführen, nicht das mindeste Gewicht
als specifisches Kennzeichen der Chinesischen und Japanischen
Sternanisfrüchte abgiebt, und also auch nicht der ganzen Pflanze.
Man kann wohl annehmen, dafs mehr als einem Drittel der er-
wähnten capsulae des Handels das feine und wohlriechende
Aroma fehlt, was man darin verlangt, wenn der Siernanis für
den Gebrauch gut sein soll. Es wäre in diesem Punkte nicht
unwichtig, diesen Handelsartikel etwas genauer zu betrachten.
Doch, dem sei, wie ihm wolle, und so sehr wir in dem Chine-
sischen Sternanis des Handels sehr oft dieselbe Verschiedenheit
im Geschmack erkennen, welche obgenannte Herren in dem Ja-
HIT. Jahrg. 1. Band. 8
114
panischen beständig zu sein meinen, so glaube ich dessenunge-
achtet nicht berechtigt zu sein, einen botanischen Unterschied
der Arten zu machen, wenn wir nicht gegen die ersten Regeln
der Taxonomie sündigen wollen.
Die Chinesische Sternanispflanze hat also durch vieljährige
Kultur auf Japan, etwas von ihrem Arom verloren; allein sie ist
als Art geblieben, was sie war: Sollen die Arten in der Natur-
geschichte sich auf solehe unbeständige Eigenschaften, welche
Niemand als wesentliche Charaktere betrachtet hat, stützen, so
frage ich, welches Schicksal steht den Wissenschaften bevor? *)
Ich kann daher nicht glauben, dafs v. Siebold u. Zuecarini
diesem Charakter einen wesentlichen Werth haben beilegen
wollen.
Ergiebt sich nun aus dem oben Behaupteten hinlänglich,
dafs die Frucht. des Japanischen Sternanises, nicht so, wie jene
Herren sagen, fade et rebutant ist, und dafs, wäre dies auch so,
es doch nie zur Trennung einer Art in mehrere Arten, berech-
tigen kann, so glaube ich deutlich und aufser allem Zweifel,
auch diesen Grund von v.Sieb. u. Zuce. entkräftet und bewie-
sen zu haben, dafs nicht nur die Rinde, sondern auch die Früchte
und Blätter aromatisch sind, und dafs nicht blofs ein täuschend
ähnliches Ansehen der Japanischen und Chinesischen Früchte,
sondern eine vollkommene Uebereinkunft besteht, und dals also
die Sternanispflanze aus Japan von der aus China nicht ver-
schiedenartig sein kann. Um indessen solche Sachen zu beur-
theilen oder zu begreifen, braucht man weder Botaniker zu sein,
noch Beispiele von ausländischen Gewächsen anzuführen. Wenn
*) Dr. Brandt schreibt mir über diesen Punkt, in demselben oben
erwähnten Briefe: „Ich glaube nicht, dals der Aromgehalt der Chine-
„sischen, und der Mangel an Arom beim Japanischen Sternanis, worauf
„Z. ein besonderes Gewicht legt, zur Trennung berechtigen kann. Das
„angebliche II. religiosum ist ja aus China eingeführt, und kann in dem
„kältern Japan sehr wohl sein Arom verloren haben, auch kann ‚eine
„Kultur von vielen Jahrhunderten gewils Resultate herbeiführen, wovon
„wir keine Vorstellungen haben. Man erinnere sich nur an die Zwerg-
„bäume der Chinesen etc. Wie verschiedenartig ist nicht das Arom |
„vieler Varietäten unserer Kulturpflanzen? Soll gar Geruch u. Geschmack
„die Existenz der Arten entscheiden, dann stehen wir am Ziel aller opti-
„schen Beobachtung. “
115
man mur eine sehr allgemeine Sachkenntnifs besitzt, weils man,
dafs die Produkte der einen Gegend sich oft von denen einer
andern wegen Verschiedenheit des Klima, der Temperatur u.s. w.
unterscheiden. Um nur bei dem von Brand angeführten, wirk-
lich populären Beispiel, stehen zu bleiben, so würde man in der
That nicht bezweifeln, Jemanden für partheiisch zu halten, der
der Meinung wäre, dals der Apfelsinenbaum (Citrus sinensis Risso)
eine andere Art geworden wäre, weil die Früchte, in Geschmack,
das heilst, in den minder wesentlichen Eigenschaften verändert
sind.
In dem Texte der Flora Japonica kommen, wo ich nicht
irre, Worte von Kämpfer vor, welche über die Meinung der
Herren Verf., wegen der Eigenschaften der Japanischen Früchte,
näheren Aufschlufs geben sollen. Ich halte es der Mülie werth,
auf diese, schon oben von mir erwähnten Worte, die Aufmerk-
samkeit dieser Herren zurückzuführen. Sie schreiben: „lber sa-
poris cum exigua adstriclione aromalici, fructus saporis vapidi.“
— Es sei mir vergönnt zu bemerken, dafs diese Worte hier sehr
unzusammenhängend erscheinen, und zwischen den Worten ad-
stricfione aromatici (die sich nicht auf die Frucht, sondern auf
die Rinde beziehen). und den Worten saporis vapidi (denn fru-
etus saporis vapidi steht nicht dabei), fünf ganze Sätze bei
Kämpfer vorkommen, welche über das Holz, die Sprossen, Blu-
men, Blumenstiele und Früchtchen handeln, und ungefähr eine
ganze Quartoseite einnehmen. — Hiergegen nun würde man ver-
nünftigerweise nichts einwenden können, wenn einiger Zusam-
menhang zwischen den angeführten Worten wäre, und wenn in
den letzten die Sachen erwähnt würden, zu deren Bestätigung
v. Siebold und Zucearini sich derselben bedienen; aber im
Gegentheil, weder das eine noch das andere findet hier Statt.
Die letzten Worte indessen .,........ saporis vapidi ..... deuten
nieht auf die Frucht, nämlich die pericarpia (in welcher das
Arom des Sternanises des Handels allein und ausschliefslich sich
befindet, was dagegen nicht im geringsten in dem Samen selbst
angelroffen wird), sondern sie betreffen bei Kämpfer den Kern
des Samens. Zur mehreren Deutlichung der jimmerlich ausein-
ander gerissenen, und unrichtig angeführten Stelle des vortrefl-
lichen Kämpfer, werde ich dieselbe, in so weit es hier nöthig
g*
116
sein wird, abschreiben. Wir lesen Seite 880. der Amoenitates
Exoticae:
„Arbor sylvestris caudice recto ramoso ad Cerasi altitudi-
nem consurgit, corlice obvoluta obscuro vel pullo, libero viridi
carnoso nonnihil mucoso, saporis cum exigua adstrictione aro-
malici 22... +- . und 22 Zeilen weiter, auf Seite 882: „Ex his
saepenumero capsulae aliae contabescunt et cassae sicut, reliquae
membrand validü arcte involuta claudunt semina singula, grani
pomi figura, et Ricini semini non disparia, in pallido splen-
dentia; quae fracta, qua teguntur, corlicula duriuscula, nucle-
um ezxhibent album carnosum mollem, non dividuum, saporis
vapidi.“— Diese beiden letzten Worte sind die durch v. Sie-
bold und Zuccarini angeführten und auf die ganze Frucht
angewandten, während Kämpfer sie nur auf einen Theil des Sa-
mens bezieht. Es findet sich also in diesem Theile des Textes ein
Verstoßs, welchen genannte Herren Verf. leicht mit mir bemerken
werden *).
Ich könnte hier endigen, aber ich mufs noch eine einzige
Anmerkung hier beifügen.
Die Herren v. Siebold u. Zuccarini haben für die Mei-
nung, die sie behaupteten, nur das Zeugnils des unglaubwürdigen
Loureiro, das heifst kein Zeugnifs; sie sahen seine Pflanze nicht,
sie sahen auch nicht die Pflanze, von welcher sie behaupteten, dals
sie von der von jeher und von allen Botanikern erkannten Art,
specifisch verschieden sei. Sie entschieden dessenungeachtet über
einen wissenschaftlichen Gegenstand auf eine leichtfertige Weise,
*) Im Vorbeigehen erinnere ich hier an einen andern, für das hol-
ländische Gefühl sehr anstölsigen Fehler, welchen man jedoch einem
Ausländer leicht verzeihen kann. Wir lesen S. 22: Le genre Deutzia
fut nomme ainsi par Thunberg, en U’honneur du Senateur van der
Deutz a Amsterdam etc. Dieser Herr hiefs Johann Deutz van
Assendelft, und war nicht allein Schöffe von Amsterdam, sondern
auch Director (Bewindhebber) der ostindischen Compagnie, und einer
der angesehensten Einwohner unserer Stadt, dem die Wissenschaft zu
verdanken hat, was Thunberg durch seinen Einfluls und Eiler zur Be-
förderung der Wissenschaften in fremden Ländern hat verrichten kön-
nen. Die Namen solcher Männer verdienen eher mit goldenen Buchsta-
ben in unseren Geschichtrollen geschrieben, als der Nachkommenschaft
unrichtig übertragen zu werden.
117
während sie gar, ohne allen Grund, das Zeugnils derjenigen um-
stielsen, welchen man die eı'ste Kenntnils der Flora Japonica zu
verdanken hat. Ein Jeder fragt nun von selbst, beim Lesen des
Textes der Flora, welche ist doch nun die echte Sternanispflan-
ze? Giebt es denn vier Arten Illicium? Und warum haben
vw. Siebold und Zuecarini diese Sache, und ihre behauptete
Meinung, nicht durch die Beschreibung der Chinesischen Pflanze,
die ihnen, aus dem Herbarium von Lambert zu Gebote stand,
aulser allen Zweifel gesetzt? *)
Ich würde auf diese und ähnliche Fragen in wenig Worten
antworten, was ich oben ausführlich auseinander gesetzt habe.
Man brauchte den wahren Sternanis nicht mehr zu beschreiben
oder abzubilden, dies ist schon ganz genügend geschehen. Es
giebt nieht vier, sondern drei Arten Illicium. Die Japanische
Pllanze ist als Art der Chinesischen gleich, obgleich die Frucht
nieht in den Handel kömmt. Man hätte ganz unmöglich eine
andere Pflanze abbilden können; denn diese würde eine aus dem
‚menschlichen Geliirn entsprossene Milsgestalt gewesen sein; man
würde endlich, um das Zeugnils eines, in anderen Rücksichten
vielleicht melır erfahrenen, aber als Botaniker durchaus unkundi-
gen, ungenauen portugiesischen Mönches (der selbst die Behaup-
tung Kämpfer’s nicht bezweifelt hat **)), welchem nie ein Bota-
niker (Willdenow ***) vielleicht allein ausgenommen), die in
wisseuschaftlichen Angelegenheiten so unumgänglich nöthige Glaub-
würdigkeit, in der Botanik zuerkannt hat, zu handhaben, Dinge
haben vortragen müssen, die mit der Wahrheit durchaus streiten.
Männer, die in unserer Wissenschaft erfahrner sind als ich, haben
*) S. den Prospectus der Fl. Japonica, u. De Cand. Syst. I. 441.
**) Es. ist unbegreiflich, wie man auf den Gedanken gerathen ist,
gerade das Teer Loureiro’s zu gebrauchen, um dadurch allein an-
zuzeigen, dals Kämpfer und Thunberg sich geirrt haben. Loureiro
hat doch gar nicht daran gezweilelt, dals die von diesen Botanikern be-
schriebene Pflanze eine pe a als sein Chinesisches Il. an. sein würde. Er
selbst bezog sich wegen dieses Artikels auf ihre Schriften. Er hielt die
Pflanzen also für identisch. S. Flora Coch. Lissabon. I. S. 353.
***) Willdenow hat Loureiro’s Werk zwar herausgegeben, aber
es scheint nicht mit Gewilsheit, dafs er ihn für glaubwürdig hält; er sagt
unter andern von ihm in der Praefatio der Fl. Coch. Berolini. 1793. 8.:
„plantas lounge diversas sul nomine plantarum Europaearum deseripsit,“
und anderswo: „in formandis generibus auctor nimis facilis, et in ter-
minis passim vacillans videtur.‘*
118
mit mir die Meinungen früherer Botaniker hochgeachtet, ich
vertheidige sie auch jetzt gegen v. Siebold u. Zuccarini.
Durch das oben Angeführte halte ich mich nun berechtigt,
das Illicium rel. v.Sieb. und Zuce., als Art zu verwerfen, die
durch diese Gelehrten dargestellte Synonymik verändern zu dür-
fen, und also den Namen von Illieium anisatum Auctorum (der
bleiben mufste, wäre diese auch nicht die Mutterpflanze des
Sternanises) wieder an die Stelle des IX. relig. v. Sieb. und
Zucec. zu setzen.
Gern überlasse ich andern Botanikern, welche diesen Ge-
genstand in den letzten Jahren bebandelt haben, ihre eigenen
Mittheilungen über diese Pflanzenart, an den von diesen Gelelır-
ten gegebenen Nachrichten, zu prüfen, oder wenn sie es wün-
schen, dieselben dagegen zu vertheicigen, oder mit ihnen darin
übereinzustimmen.
lch kann also diese Vertheidigung von dem, was einmal ein
Kämpfer, ein Thunberg und ein Linn geschrieben haben,
endigen. Wohl glaube ich, dafs Einige dafür halten werden,
dafs ich Unrecht gethan habe, so lang entschiedene und ausge-
machte Sachen so ausführlich auseinander zu setzen. Indessen
lasse ich diesen Tadlern ihre Meinung, aber ich meinte den zwei
berühmten Schriftstellern, mit welchen ich mir dieFreiheit nehme,
nicht übereinzustimmen, schuldig zu sein, nicht mit wenigen
Gründen oder kurzen Worten ihre Meinung zu bestreiten. Ich
hege auf der andern Seite zu viel Achtung und Ehrfurcht für
den Ruhm unserer Vorfahren in dem Gebiele der Wissenschaften,
als dafs ich die Mühe zu grols aehten würde, um Schritt für
Schritt ihre auf unsicheren Gründen angegriflene und verworfene
Behauptung zu vertheidigen. Ich hoffe indessen, dafs die Herren
v. Siebold und Zuccarini meine Ansicht hierin vollkommen
gutheilsen werden, und mit mir die Wahrheit der Worte des vor-
treflichen Gesners erkennen werden, die an ‚der Spitze dieses
Aufsatzes stehen, und womit ich denselben schliefse :
„Quodsi suas quisque observationes protulerit, spes est aliquando
Jore ut ex omnibus opus unum absolutum perficiatur.
Amsterdam, September 1836.
a ——
Ueber die Gattung Pieroloma
‘ von
Dr. W. F. Erichson.
Es ist wohl ziemlich allgemein bekannt, dafs die Gattungen
Pteroloma Gyll. (Ins. Suec. IV. p. 418.), Adolus Esch. (Fisch.
Entomogr. Imp. Ross. III. p. 242.) und Holocnemis Schilling
(Beitr. z. Entomolog., bes. in Bezug a. d. schlesische Fauna 1. p.93.)
nicht nur, sondern auch die zugleich als Typus beschriebenen,
zuerst in Lappland, dann von Eschscholtz auf Kamtschatka, und
zuletzt von Schilling in dem schlesischen Gebirge aufgefun-
denen Arten Pieroloma (früher Harpalus) Forströmi, Adolus
brunneus, und Holocnemis Gravenhorstii identisch sind. Auffal-
lend aber ist dabei, dafs alle diese erwähnten Schriftsteller, fer-
ner ein Paar so einsichtsvoller Entomologen, wie Eschscholtz
und Dejean, welche gleichfalls die Gattung nach eigener An-
sicht beschreiben, dieselbe zu den Caraben stellen. Offenbar
räumt man heuliges Tages in der Systematik dem Habitus zu
viel ein, und zwar um so mehr, je weniger gründliche Unter-
suchungen und Analysen bei der Aufstellung von Gattungen für
unumgänglich notlıwendig geachtet werden.
In Rücksieht auf die einfachen, an der Innenseite nicht aus-
geschnittenen Vorderschienen wird Pteroloma überall in die Nähe
von Nebria gestellt, mit der es freilich auch, besonders in der
Form des Halsschildes, einige Achnlichkeit hat. Gyllenhal ist
in diesem Punkte so sicher, dals er a.a.O. sagt: „Labium *)
*) So soll es offenbar heifsen statt Zabrum: denn einmal ist in dem
zu vergleichenden Gattungscharakter von Nebria (t. II. p. 37.) nur vom
labium die Rede, und zweitens ist das Labrum so deutlich zu sehen,
dals G. dasselbe bei beiden Gattungen ohne Schwierigkeit vergleichen,
und unmöglich übersehen konnte, dals es bei Nehbria vorn gerade abge-
schnitten, bei Pteroloma ausgerandet ist,
_
120
et ligula ut in Nebria forte.“ Genauer, und, soweit er sie be-
obachtet, richtig beschreibt Eschscholz (Zool. Atl. p. 6.) die
Mundtheile, indessen beschränkt er sich auf die Taster, die Lefze
und das Kinn, bemerkt die von der den Caraben zukommenden
abweichende Bildung des letzten, ohne darin jedoch mehr als
Eigenthümlichkeit der Gattung zu erkennen. Graf Dejean (Spec.
gen. d. Col. V. p. 570.) erwähnt aufserdem noch der Mandibeln,
unrichtig aber als ungezähnt. Vielleicht mag man wegen der
Seltenheit des Thieres eine Analyse vermieden haben, ich glaube
aber eher, dafs in der ziemlich allgemein befolgten Methode des
Grafen Dejean, die äußserlich nicht leicht sichtbaren Mundtheile
unberücksichtigt zu lassen, der Grund zu suchen ist.
Diesem Mangel einer vollständigen Beobachtung der Theile
des Mundes ist durch die Darstellung, die Hr. Schilling a.a.O.
giebt, nieht abgeholfen worden: auf der diesem Käfer eingeräum-
ten Tafel B. nämlich sind unter den Details Fig. a. die Maxilla
mit ihren Tastern, Fig. 5. der Kopf mit den Mundtheilen von
oben, und Fig. c. die Unterlippe mit ihren Tastern in Umrissen
abgebildet, jedoch sind alle diese Figuren so wenig richtig, dafs
Jemand, der nar einige Kenntnifs von den Mundtheilen der In-
sekten sich erworben hat, dadurch nicht irre geleitet werden
kann. Die Maxille mit ihrer carabenartig tasterförmigen äulseren,
Lade (die hier, abentheuerlich genug, aus dem ersten Gliede der
eigentlichen Taster herauskommt) ist offenbar rein erfunden,
denn im Texte wird nur auf die Taster hingewiesen. Dasselbe
scheint mit der Unterlippe der Fall zu sein, denn auch hier ist
nur von den Tastern die Rede: was diese letzteren betriflt, so
zeigen sie nur die beiden letzten Glieder, und diese sind sowohl
in Umrils als Verhältnils nieht ganz richtig, von der Unterlippe
selbst aber läfst sich nichts sagen. Recht ist es wohl nicht, sol-
che Abbildungen zu geben. Die Mandibeln sind auch hier als
ungezähnt gezeichnet.
Bei aller äufseren Aehnlichkeit, die Pteroloma unleugbar mit
einem Laufkäfer hat, enifremdet sie doch von diesem Manches.
Es fällt zunächst die Form der Fühler auf, die nach der Spitze
zu leicht verdickt sind, etwas in der Abtheilung der Caraben,
in der Pteroloma seine Stelle einnehmen mülste, ganz Ungewöhn-
liches. Ferner die Gestalt der Taster und selbst der Beine ist
121
fremd: es fehlt ihnen, so schlank sie sind, das Leichte, Zierliche und
zugleich Feste, Kräftige derselben bei einem Laufkäfer. Dazu
kommt die Form des Kinnes, welches hier nach vorn vereugt,
und an der Spitze gerade abgeschnitten, bei deu Caraben aber
immer nach vorn erweitert und an der Spitze ausgebuchtet ist.
Bei weiterem Vergleiche findet sich, dafs die Ausrandung, mit
weicher bei den Caraben beständig das Mesosternum die zwi-
schen den Mittelhüften vorspringende Spitze des Metasternum
aufnimmt, hier nicht zu bemerken ist; dafs ferner der Hinterleib,
zwar aus sechs Segmenten, wie bei den Caraben besteht, dals
hier aber alle Segmente frei sind, während, ohne alle Ausnahme
bei jenen die drei ersten Segmente fest mit einander verwachsen
sind; und endlich, dafs die Trochanteren der Hinterbeine, deren
eigenthümliche Form die Caraben so sehr auszeichnet, indem sie
zapfenförmig verlängert neben ihrem Schenkel liegen, hier ganz
einfach sind. und dafs sich der Schenkel nicht, wie dort, zur
Seite, sondern an der Spitze derselben anheftet.
Ich glaube, die Berücksichtigung aller dieser Eigenthümlich-
keiten würde hinreichen, Pirolıina von den Caraben zu entfer-
nen, und eine andere Familie zu seiner Aufnahme zu ermitteln.
Ein Hinterleib mit sechs Segmenten, nach der Spitze zu ver-
diekte Fühler, bei fünfgliedrigen Fülsen, sind Merkmale, die der
Fam. der Silphen angehören, und, um den Habitus nicht ganz aufser
Augen zu lassen, möchte dieser wohl nicht in irgend einer Be-
ziehung mehr an Leistus und Nebria, als an Necrophilus und
Agyrtes auf der einen, und an Catops auf der anderen Seite er-
innern. Diese Ansicht, die ich der Betrachtung des allgemeinen
Körperbaues abgewonnen hatte, wurde dann durch die Unler-
suchung der Mundtheile durchaus bestätigt. ö
Folgende Beschreibung habe ich von den letzteren entworfen:
Pteroloma.
Labrum corneum, transversum, apice emarginatum.
Mandibulae aequales, breves, validiusculae, subfalcatae, acutae,
intos pluries acute dentatae.
Maxillae corneae, malis coriaceis subaequalibus, exteriore pa-
rallelopipeda, apice barbata, interiore oblique truncata, mar-
gine nn barbato, apice unco eorneo minuto armalo.
Palpi mazillares articulo primo minuto, secundo tertioque tere-
tibus, apicem versus sensim leviter incrassatis, illo paulo lon-
giore: quarto lerlio aequali, oblongo-ovato, apice acuminato.
122
Mentum transversum, apicem versus sensim angustatum, apice
truncatum. Ligula porrecta, basi coriacea, apice membranacea,
acute emarginata, lobis rotundatis.
Palpi labiales articulo primo minuto, secundo longiore, apice in-
erassato, terlio minore, subovato.
Man sieht hieraus die grölste Uebereinstimmung mit Silpha,
Necrophilus, Agyrtes, und besonders mit Catops. Mit Silpha und’
Catops hat Pteroloma das hornige Häkchen an der Spitze der
inneren Maxillarlade gemein, es ist aber hier nur sehr klein, und
ich habe es nur unter dem Compositum bemerkt: bei Agyrtes
stehen an der Stelle einige eingelenkte Dörnchen, und bei Ne-
crophilus ist die Spitze der inneren Lade ganz unbewehrt. Die
eiförmige Gestalt des letzten Gliedes der Maxillartaster bringt
Pteroloma in die Nähe von Agyries, bei Silpha und Necrophi-
us ist dasselbe cylindrisch, bei Catops kegelförmig zugespitzt.
Die gestreckteren schlanken’ Beine endlich entfernen Pteroloma
etwas von Silpha, Iecrophilus und Agyrtes, und lassen es sich
eng an Catops anschlielsen: so dafs, wenn man alle diese Punkte
berücksichtigt, Pteroloma in der Familie der Silphen
am natürlichsten seine Stelle zwischen Agyrtes und
Catops einnehmen würde.
Eine Erweiterung der Fulsglieder beim Männchen ist in die-
ser Familie sehr allgemein, und sie fehlt auch bei Pteroloma nicht.
Zwar werden bei Pt. Forströmii die Fufsglieder überall als ein-
fach angegeben, und Fischer sagt ausdrücklich, dafs sie es bei
beiden Geschlechtern seien. Hr. Schilling, der mehrere Ex-
emplare vor sich hatte, schweigt darüber: das einzelne Exemplar,
welches das Museum der Mittheilung des verst. Prof. Esch-
scholtz verdankt, hat auch durchaus einfache Tarsen. Eine
zweite Art aber, die von Hın. Deppe auf dem Orizaba in Me-
xiko gefunden worden, zeigt im männlichen Geschlechte stark
erweiterte Fulsglieder an den vier vorderen Beinen, nnd zwar
der Art, dafs an den Vorderfüfsen die drei, an den Mittelfülsen
die beiden ersten Glieder erweitert sind. Ein anderer Geschlechts-
unterschied findet sich bei dieser noch unbeschriebenen, kleine-
ren Art auch darin, dafs beim Männchen die Oberfläche glatt und
glänzend, beim Weibchen durch einen seidenartigen Anflug matt
erscheint.
123
“
Aulfser diesen beiden giebt es noch eine dritte, in Kamt-
schatka einheimische Art, mir nur durch die Beschreibung be-
kannt: Pteroloma pallidum Esch. Zool. Atlas, I. p.7.
Herpetologische Notizen
vom
Herausgeber.
1. Amystes Wiegm. = Ophiops Menetr.
|
E: scheint fast, als ob dies Archiv ein Archiv für Irrthümer
und deren Berichtigungen werden sollte, denn an die Seite von
Syngamus tritt auch mein Amystes, und ich muls von Glücke
sagen, dafs ich selbst diesen meinen Irrtihum berichtigen kann
und dafs er weniger mir zur Last fällt, als demjenigen, welcher
dies Tliier mit unvollständiger Beschreibung in die Wissenschaft
einführte.
Als eben der Druck meiner Herpetologia mexicana begonnen
hatte, und bereits die synoptische Tabelle der Brevilingues in der
Druckerei gesetzt war, erhielt ich von Hrn. M@netries dessen
Catalogue raisonn€ des objets de Zoologie recueillis dans un vo-
yage au Caucase etc. (Petersbourg 1832. 4.), um diese Schrift der
hiesigen nalurforschenden Gesellschaft zu überreichen. Unter vie-
len sehr ungenügend bezeichneten Amphibien fand ich auch ein
neues Genus der Eidechsen mit folgenden Worten (p. 63.) auf-
gestellt.
Ophisops (ogıs serpens et wp facies).
‘Nares in apice canthi rostralis; palpebra inferior nulla; su-
perioris tantummodo rudimenta; palatum (!) nullum (vielleicht
dentes palatini nulli?); squamae supra carinatae, subtus imbri-
calae; collare nullum; pori sub femoribus; cauda verticillata.
124 /
Ich war in einiger Verlegenheit, was ich hieraus machen
sollte. Die cauda verticillata palste nicht auf die Seinke und
Gymnophthalmen und: liels mieh erst vermuthen, dafs das neue
Genus zu meiner Familie der Ptychopleuren gehöre; aber der
Verf. erwähnte keiner Seitenfalte und die squamae imbricatae der
Bauchseite pafsten hierauf eben so wenig. Da nun der Verf. am
Schlusse der Artbeschreibung, die nur eine Farbenbeschreibung
giebt, hinzufügt: Ce genre doit Etre place dans la famille des Scin-
coides — so zweifelte ich nicht, dafs dies neue Genus Ophiops
(denn so mufs der Name richtig gebildet lauten) zu meiner Fa-
milie der @ymnophthalmi gehöre, wohin ich es frageweise in
meiner Herpetologia mezxicana stellte. Ich beruhigte mich über
die Cauda verticillata damit, dafs der Verf., sowie er palatum
mullum für dentes palatini nulli gebraucht, sich in dem gewähl-
ten terminus vergriffen habe, wie denn auch seine geringere Be-
kanntschaft mit der Herpetologie schon zur Genüge daraus her-
vorging, dafs er zweifelt, ob sein Thier nieht vielleicht mit dem
Gymnodactylus caspius Eichw. (einem Gecko) identisch sei. Wie
erstaunte ich aber, als ich neulich von Hrn. Prof. Eichwald
erfuhr, dafs Menetries’s Ophiops elegans ein den Lacerten ähn-
liches Thier sei. Ich verfiel nun gleich auf meinen Amystes
Ehrenbergii *), der denn auch sogleich von Hrn. Prof. Eich-
wald als dasselbe Thier erkannt wurde. So habe ich denn wie-
der in aller Unschuld die Zahl der Synouyme vermehrt, und
nehme meinen Namen zurück, erlaube mir aber, hinsichtlich der
von Hrn. Menetries erwähnten Charactere, noch einige Bemer-
kungen. Wenn derselbe seinem Ophiops ein Rudiment des obe-
ren Augenliedes zuschreibt, so irrt er; denn das Thier hat wirk-
lich keine Augenlieder, sondern sein Auge ist gleich dem der |
Schlangen gebildet, d. h. es liegt hinter einer durchsichtigen
Kapsel und bewegt sich hinter derselben, und, wie dort, so be-
steht auch hier diese Kapsel aus drei Sclichten, die von der
Epidermis, Cutis und Conjunctiva gebildet werden. Indem aber die
beiden erstgenannten, der Cornea gegenüber dünner und durchsich-
tig werdend, sich vor der Vorderfläche des Augapfels hinziehen,
bilden sie rings um ihre durchsichtige Area, eine ringförmige,
*) S. dieses Archiv I 2. p. 1.
125
mit Schuppen bekleidete Falte, so dafs das Auge wie von einem
Schuppenringe umgeben erscheint. Das Ansehen von Augenliedern
erhält diese ringförmige Falte, wenn die durchsichtige Area
(Augenkapsel), in welche sich ihre Ränder fortsetzen, bei Be-
schädigung des Auges herausgerissen ist, wie dies leicht geschieht,
wenn man, nach Augenliedern suchend, jene Falten mit der Pin-
cette”hervorzieht. In diesen Irrthum bin auch ich verfallen,
indem ich dem Ablepharus Augenlieder zuschrieb *)., Auch
hier ist von mir als Rudimente der Augenlieder die eben er-
wähnte Falte genommen. Augenlieder fehlen überall, wo
die Haut, ohne eine Spalte zu bilden, über die Vorderfläche
des Augapfels hingeht, und eine Augenkapsel (capsula ocu-
laris), ein durchsichtiges, ungespaltenes Augenlied bildet, also
auch bei den Geckonen, denen sie deshalb Prof. J. Müller
richtig absprach **). Eine Andeutung zu einer Kapselbildung
bei vorhandener Augenliedspalte treffen wir bei einigen
Seinken, namentlich bei Sphenops Wagl. und vielen Arten der
Gattung Euprepes Wagl., wo das obere Augenlied rudimentär,
das untere dagegen sehr entwickelt ist, und mitten in einer
ovalen oder runden Area (gleichsam einer Staubbrille) dünn und
durchsichtig wird, so dals diese Thiere bei geschlossenem Auge
sehen können, indem die Staubbrille des unteren Augenliedes
gerade vor ihrer Sehe sich befindet, eine Einrichtung, die mit
dem Aufenthalte dieser Arten in Flugsand-reichen Wüsten wahr-
scheinlich in enger Beziehung steht. —
Die Bedeckung des Bauches ist bei Ophiops ähnlich der
der übrigen Lacerten, wie ich es auch in meiner Gattungs-Dia-
gnose des Amystes angegeben. Dafs der Schwanz, wie bei allen
Lacerten eine cauda verticillata ist, versteht sich von selbst. Im
Uebrigen verweise ich auf die von mir a. a.O. gegebene Gat-
tungs-Diagnose, muls aber bemerken, dafs es in derselben durch
einen mir unbegreiflichen Fehler fälschlich: pori femorales nulli
heilst. Es sind sehr deutliche pori ‚femorales vorhanden ; auch
finde ich so in meinem MS., von dem die gedruckte Abhandlung
ein Auszug ist. Ich bitte also schliefslich, diesen Schreibfehler
güligst zu entschuldigen.
*) Herpet. Mexie. I. p. 12. not. 3. u. Jahresber. im Arch. I. 2. p: 287.
”*) Ammon’s Zeitschrift für Ophthalmologie Bd. 1. Hft. 2. p. 181.
126
2. Scincus Fit.
Als Herr Fitzinger den Scincus officinalis L. mit
Recht von den übrigen Arten generisch trennte, kannte er nur
diese eine Art. Zur Beruhigung derjenigen Naturforscher, wel-
che an einem neu BUENR Genus so lange Anstofs nehmen,
als es nur noch-in einer Art besteht, gebe ich hier eine mono-
graphische Arbeit über die drei Arten dieser Galtung, welche
durch die reichhaltigen Sammlungen der Herren Hemprich und
Ehrenberg in dem hiesigen zoologischen Museum vorhanden
sind. Abbildungen von diesen drei Arten in natürlicher Gröfse
habe ich bereits für Ehrenbergs: Symbolae physicae seit län-
gerer Zeit anfertigen lassen.
Scincus Fitz. (Seincus Daud. Merr. ex parte.)
Caput ovato-tetraädrum, pyramidatum, lateribus obliquis,
maxilla superiori in rostrum obtusum, depressum, cuneatum, fos-
sorium elongata. Scutella capitis regularia. Internasalia duo con-
tigua, obliqua. Frontale anterius unicum, latum, regulariter he-
zagonum, posteriora duo trapezoideo-penta-vel hexagona. Verti-
eale anterius subspathulato - hexagonum, retrorsum angustatum,
lateribus modice sinuatis. Vertiealia posteriora (oceipilalia alior.)
5 (243). Scutella occipitis nuchaeque latissima, brevia, hexagona,
transversa, paria 4—5. Nares oblongae, laterales, ad apicem
rostri, superne scutello triangulari accessorio nunitae, Lorum
scutellis ternis tectum, anteriori parvo, intermedio multo maiori,
posteriori anteorbitali, maximo. Oeculi palpebrosi. Palpebra
|
n
superior brevis, inferior perfecta, seutellata, pellucida. Aures
plus minusve oceultae. Lingua basi lata, cordato - sagittata,
medio utrinque constrieta, antrorsum angustata, subtriangularis,
papillis brevibus squamulosa, apice ineiso, obtuse brevissimeque
bieuspide. Dentes maxillares simplices, obtusi, palatini breves
conici utrinque 4. Truneus modicus, dorso convexo, abdomine
plano, utrinque acute angulato. Cauda trusco brevior, initio
lata, depressa, subito attenuata, apicem versus e lereli plus mi-
nusve compressa, subtus squamarum latiorum serie scutellata.
Pori anales nulli. Pedes robusti, pentadaetyli. Digiti bre-
ves, supra subtusque scutellati, squamis acutis utrinque denticu-
latim fimbriali, squama rhizonychium obtegente ovali, magna.
u
; 127
Digitus scelidum tertius quintusque subaequales, quartus iis pa-
rum longior. Ungues validi, obtusi, subtus canalieulati.
* Caput pyramidatum, cantho rostrali distineto obtu-
so, loro introrsum tracto, subperpendieulari, labiis demum ex-
trorsum obliquis. Aures conspicuae. Meatus auditorii externi
rima angusta, obliqua, dentieulis ineumbentibus operta, pone oris
angulum. Nares oblongae, angustae, sursum patulae.
Squamae dorsi laevissimae. Cauda prope apicem perquam com-
pressa.
1. Se. officinalis L. Seine. seutellis supraciliaribus 6,
squamis dorsi per series 18 longitudinales dispositis, faseiatim
fusco alboque guttulatis; lateribus immaculatis.
Sceutellorum verticalium par primum conliguum, postice
angulo obtuso divergens. Scutellorum verticalium posteriorum
intermedium rotundato -subpentagonum. Scutellorum paria 4
in oceipite et nucha. Laminarum supraeiliarium scutella 6.
Sceutella labii superioris 8; sextum cum septimo sub oculo
iacens. Squamae dorsi laevissimae, per series longitudinales
18 dispositae; abdominalium series 8, quarum una utrinque in
ipso angulo laterali. — Color flavescenti-griseus, fusco albo-
que transverse nebulosus; squamae scilicet guttulis fuscis albi-
disque passim ad marginem postlicum notatae, ut taeniae trans-
versae irregulares inde oriantur. Long. capitis fere 9°, trunci
3%, eaudae 23”. — Habitat in Aegypto.
2. Sc. meccensis Hempr. et Ehr. Sc. scutellis supraci-
liaribus 5, squamis dorsi per scries 16 dispositis, omnibus albido
fuscoque gutlatis; maculis suprascapularibus binis ternisve rufo-
fuseis.
Sc. verlicalium posteriorum intermedium oblongo - rhom-
beum, poslice subtruncatum, euspidiforme. Sceutellorum paria
4 in oceipite et nucha. Seutella labii superioris 7, quintum
et sextum sub oculo. Squamarım dorsalium series 16, abdo-
minalium ut in officinali 8 (externa utriusque lateris in ipso
angulo). Color capitis dorsique rufescenti-griseus, abdomine
laterumque albidus. Squamae dorsi omnes in margine posti-
co gultulis rufo - fuscis albidisque variegatae. Maculae duae
128
iresve rufo-fuscae in pectoris utroque latere. Long.. eapitis
fere 7°, colli 5°, trunei 224, caudae 2,;“. — Habitat in
Arabia.
*%* Caput ovatum, subpyramidatum, cantho rostrali nul-
lo, lateribus rostri deorsum valde obliquis, loro rotundato.
Aures occultae. Nares ovales, extrorsum patulae.
Squamae dorsi impresso-siriatace. Cauda apice vix compressa.
3. Sc. Hemprichii. Se. supra olivaceo - fuscus, taeniis
transversis albidis variegatus, in capite membrisque griseus; gula,
abdomine caudaque subtus albidis,
Sceutella verlicalia paris primi haud contigua, scutello
verticalium posteriorum (oecipitalium) intermedio maximo,
oblongo-rhombeo diremta. Scutellorum 1ransversorum paria 5
in oceipite el nucha. Squamarum dorsalium lineae tredecim,
omnes striis impressis binis ternisve longitudinalibus notatae;
striis lateralium magis obsoletis. Abdominales laeves series 9
longitudinales constituunt. Cauda basi crassa, depressa, deinde
teres, subito attenuata, acula, apice vix compressa. Longit.
cap. 11”, trunei 3 5°, caudae 23”. Hab. in Abyssinia.
\
Anm. Die letztgenannte Art unterscheidet sich mithin sehr
von den beiden anderen, so dals vielleicht mancher Herpetolog ein
eigenes Genus daraus bilden würde. Indessen möchte bei der son-
stigen Uebereinstiimmung eine solche Zersplilterung eher dazu die-
nen, das natürliche Band, welches Beide so innig vereinigt, zu
lösen. Ich lasse mithin einstweilen beide Formen in einer Gattung
neben einander; behalte aber der letzten abweichenden Art den
Namen Pedorychus für den Fall vor, dals der von mir bereits in
der synoptischen Tabelle der Brevilingues (Herp. mexic. p. 11.)
für die unteren Genera der Seinke nachgewiesene Parallelismus in
den Formen mitund ohne äulsere Ohröffnung sich auch als
in den oberen Generibus der Seinke bestehend durch spätere Ent-
deckungen nachwreisen sollte.
129
3. Diploglossus Wiegm. (Herp. Mexic. p. 36.)
“ Schon in meiner Herpetologia mexicana habe ich auf die
generische Verschiedenheit dieser den Euprepes- Arten verwand-
ten Seinke aufmerksanı gemacht. Die Kopfbedeckung unterschei-
det sie schon äufserlich von diesen, auch die Beschuppung des
Rumpfes. Am ausgezeichneisien ist aber die Bildung der Zunge,
wodurch sie sich von allen Seinken entfernen und den Lacerten
nähern. Die Zunge ist nämlich wie bei diesen, vorn tief in zwei
scharfe Spitzen Bespalfen. Andrerseits ist aber das Warzengewebe
derselbeii ‘so stark entwickelt, dafs dieses, da es vorn ausgerandet
ist der Zunge einer Agama gleicht, unter welcher die Zunge einer
Lacerte hervortritt. Aehnliches findet sich bei @errhonotus ru-
dicollis. Es veranlafste mich dieses auch, den Namen, Diploglos-
sus zu wählen. Als Arten gehören hierher die Tiliqua fasciata
Gray (Euprepes fasciatus Reuls) und Scincus Monotropis Kuhl,
erstere mit ungekielten, leiztere mit stumpf gekielten Schuppen.
Beide Arten slimmen in der queergebänderten Färbung überein;
wie denn überhaupt gar oft die Zeichnung in kleinen natürli-
chen Gruppen etwas Charakteristisches darbietet.. Ich halte es für
angemessen, die Charaktere her umständlicher zu entwickeln:
Caput ovato - pyramidatum, tetra&drum, subdepressum, scu-
tellatum, scutis internasalibus contiguis 2, frontalibus 7 (2-3-2),
intermedio rhombeo-subhexagono, paribus 3 eincto, verticali pri-
mo maximo lato hexagono; posierioribus 5, intermedio paribus
binis ineluso; scuto oceipitali subpentagono, solitario vel duobus
_trapezoideis, uno utringque, adiectis. Oculi palpebris praediti, sn-
periori brevissima, inferiori scutellata, infra scutellorum infraorbi-
talium semieireulo inelusi. .Nares laterales, ovales, prope scutelli
nasalis finem, pone scutellis accessoriis binis inclusae. Lori scu-
tella duo, anterius parvum, posterius duplo maius. Lingua sub-
didyma, parte basali crassa, ovato-cordata, papillis densis filifor-
mibus villosa, parte apicali tenui, sublineari, profunde excisa,
apieibus acutissimis bieuspide, papillis adpressis squamulosa, sub
parte basali, Agamarum linguam forma referenti, quasi emergente.
Dentes primores 9 conieci, maxillares 16—18, quorum anterio-
‚ res 4 obtusi conici, ceteri breviores, latiores, coronide obinsa,
I - _ .. ” I . ”
compressa, obsolete triloba; palatini parvi obtusi, vix emergen-
III, Jahrg. 1. Band. 9
130
tes”). Aures conspieuae,;meatus auditorii margo, anterior squamis
spiniformibus destitutus. Truneus elongatus, obsoleie tetragonus,
squamis dorsi laterumque latis hexagonis, longitudinaliter stria-
tis, striis conferlis eminentibus.. Artus modici, pentadactyli.
Palmae plantaeque subtus verrucosae. Digiti breves teretiusculi,
nudi, subtus scutellati; scelidum quartus tertio vix-longior. Un-
gues breyissimi, obtusi. Cauda elongata, e tereti parum com-
press. Pori femorales desunt. — Dorsum cognitarum specie-
rum taeniis transversis pictum.
A. Squamis non carinatis, antipedum digil; is,hertio
quartoque subaequalibus:
1.'D. fasciatus. Griseus, fasciis 8 fusco-cinereis nigro
marginatis, cauda fusco annulata; squamis non carinalis.
" Syn. Euprepes fasciata Reufs. Mus. Senckenb. I, 1.
Caput magis quam in sequente depressum. Scutum lo-
reum haud in fronlis superficiem adcendit. Seutella labii *°,
superioris uinque priora angusta; 7, 8, 9 sub oculo iacent;
scutella M
tudine excellit. Scutellorum frontalium par alterum oblongo-
pentagonum, in loream regiorfe vix descendit; seutella fron-
orbitalia 8, parva, intermedium prae ceteris magni-
talia paris tertii subhexagona. Seutellum verticale anterius
(frontale proprium) oblongo - hexagonum latissimum, angulo
antico et postico obtusatis. Oceipitale solitarium polygonum
squamarum semicireulo einetum. Truncus gracilis. Longit. cap.
10, trunci 3°, caudae 53”. — Color vivi animalis (secundum
illustr. Olfers) pulchre griseus, infra pallide ruber; fasciae splen-
dide cupreae. Habitat in Brasilia.
B. Squamis carinatis, digito antipedum tertio ceteris
longiore.
2. D. monotropis. Supra rufus, fasciis dorsalibus albis fusco
marginatis, subtus albidus; squamis medio obtuse carinatis.
Syn. Scincus Monotropis Kuhl. Beitr. p. 128.
Caput minus quam in praecedente depressum; capitis su-
perficie a vertice sensim declivi. — Scutellum loreum secundum
in frontem adscendit, spalium inter scutella frontalia secundi ac
*) Dentes Dipl. monotropidis deseripsi; in fasciato maxillares
pauciores conicos, simplices 12 — 16, palatinos prorsus nullos inveni.
131
tertii paris explens. Seutella labii 2,5,6, 7-labii superioris oculo
subiacent. 'Seutella süborbitalia 4,.secundum ceteris.duplo.lon-
gius, supra sexto et seplimo.scutellorum labialium ‚situm. ;Scu-
tella frontalia paris secundi trapezoideo -pentagona, 'in regionem
loream alte descendunt; scutella frontalia. paris tertii subqua-
drata. Verticale maximum, latissimum, oblongoe-hexagonum,
antiei posticique anguli eruribus profunde sinuatis. Scutella verti-
ealia postica 5; quorum duo anteriora.irregulariter pentagona,
posteriora maiora trapezoidee- hexagona, intermedio rhombeo
ufrinque adiacentia. "Oceipitalia tria, scutello intermedio. pen-
tagono, lateralibus trapezoideis. Truncus crassus, subtetragonus.
Squamarum dorsalium carina. solitaria, mediana, crassa, obtusa,
unde lineae undecim eminentes continuae in dorso.. , Carinae
lateralium obsoletissimae, striae minus conspicuae; squamae
gulae abdominisque ovali-hexagonae, transversae, laevigatae.
Antipedes pedesque .breves. — Color flavescens, dorso rufo
fasciisangustis albis fusco marginatis pieto, lateribus-‚transverse
fusco maeulatis. Caput flavicans maculis ' rufis "hine illine ad-
spersum, macula oblonga rufa sub oculis in, tempora porrecta.
Labia alba rufo varia. Gastraeum flavicans, immaculatum.
Artus supra rufi, subtus ex albido flavicantes. Habitat—?
4 Euprepes..
In meiner Herpetologia mexicana p. 36. habe ich mich be-
reits dahin ausgesprochen, dafs der Unterschied der von Wagler
unter Gongylus getrennten Arten zu unerheblich sei, um sie ge-
nerisch von den übrigen Euprepes-Arten zu trennen. Die Zahl
und Anordnung der’Kopfschilder, welche den vorzüglichsten Un-
terschied darbietet, zeigt nämlich in der Gattung G@errhonotus,
welche den Euprepes in der Familie der Piychopleuren entspricht,
eine ähnliche Differenz, so. dafs man, wenn man auf dergleichen
Unterschiede fulsen wollte, auch dieses Genus in mehrere zer-
‚splittern mülste. Ich habe a. a. ©. drei Unterabtheilungen der
Gattung Euprepes vorgeschlagen, nämlich Euprepes s. str., Gon-
gylus u. Eumeces, welche letztere insofern zwischen jenen beiden
die Mitte hielte, als sie das Gebils von Gongylus, die Kopfbede-
ckung von Euprepes zeigt, d. h. wie jene 7 Vorderzähne im Zwi-
schenkiefer, wie dieser 3 Stirnschilder und 5 hintere Scheitel-
g%*
132
schilder besitzt. ‘Die typische Art dieser Abtheilung; ist: der
schöne! Scineus pavimentatws Geoffr:,"der'sich auch durch
die Form seiner Zunge, und: darch die zahlreichen eylindrischen
in schiefer Linie stehenden Gaumenzähne, etwas von den übri-
gen Euprepes- Arten‘ unterscheidet. * Indessen 'sind diese Unter-
sehiede zu unerheblich, um eine generische Trennung zu recht-
fertigen. Die Zahl der Vorderzähne ist unsicher, da man oft
Exemplare von Euprepes s.'str. mit unvollständigen Gebisse an-
trifft, die dann gleichfalls'nur 7 Vorderzähne zeigen; Gaumen-
zähne finden sich ebenfalls bei vielen‘ Euprepes, wenn auch in
geringerer Anzahl und von geringerer Gröfse. Ich glaube daher,
dafs man besser thut, wie ich es:a.a. ©. vorschlug, alle drei
Abtheilungen in einem Genus Euprepes vereinigt zu lassen.
Wie ich schon früher (Jahresber. 1835. 2. p. 288.) bemerkte, sind
von mir fälschlich der Se. rufescens und 'punetatus zu
Eumeces gestellt. Beide gehören zu Euprepes s. str. Der Halb-
kreis kleiner scutella, welcher bei jenem den Infraorbitalrand,
wie bei Sc. pavimentatus, bekleidet, während er bei den übrigen
Euprepes-Arten uicht vorhanden, verleitete mich dazu; allein in
den übrigen Charakteren stimmt er mit den ächlen Zuprepes-
Arten völlig überein. Bei Scincus punctatus glaubte ich die Na-
senlöcher, wie bei Sc. pavimentatus in der Mitte eines Nasen-
schildchens liegend gefunden zu 'haben, allein auch hier liegen
sie, wie bei den übrigen Euprepes, auf der Gränze zweier. Die-
ser Charakter ist überhaupt nicht immer leicht zu entscheiden,
auch giebt es Arten ächter Euprepes, bei denen das hintere Na-
salschildchen klein und kaum von dem vorderen getrennt ist.
Noch mifslicher wäre es, nach dem Vorhandensein oder Mangel
der Carinulae auf den Rückenschuppen generische Abtheilungen
machen zu wollen. Sie sind bald deutlicher, bald schwächer in
in derselben Art, so dafs man zuweilen in Ungewilsheit ist, ob
man die Schuppen glatt oder carinirt nennen soll. Indem
ich auf Ehrenberg’s Symbolae physicae verweise, in denen ich
das gesammte Genus in seineu Besonderheiten ausführlich ge-
schildert habe, will ich hier nur zwei neue Arten hervorheben,
um bei der verzögerten Publikation des genannten Werkes auf
den schon vor zwei Jahren gedruckten Tafeln die ‚gegebenen
Benennungen, wo möglich, gültig zu erhalten.
133
*Palpebra inferior perspiecillata; squamis dorsi carinatis:
E. pyrrhocephalus. E. supra olivaceo-griseus, immacula-
tus; vitta laterali utrinque obsoleta, pallida,.alteraque inferiori ni-
gricante; capite unicolore rufescente; squamulis meatus auditorii
binis, obtusis; squamis dorsi carinatis; oceipitis seutellis duobus.
Caput pyramidatum, oblongo -ovatum, rostro porrecto cum
fvonte parum declivi. Scutella internasalia angusta, obliqua.
Seutum frontale anterius latum subrhombeum, anlice rotunda-
tum. Sc. verticale prius (frontale proprium) spathulato-pen-
tagonum, pone valde angustatum; verticalium posteriorum par
primum contiguum, trapezoideum; posirema tria, intermedium
paryum pone angustatum cuneiforme, lateralia maxima trape-
zoidea; oceipitalia angusta duo; oceipitis reliqua pars squamosa.
Supereilia scutellis 4. Scutum loreum primum subquadratum,
alterum longius, praeorbitalis Jocum tenens; scutella postorbi-
talia 4 squamiformia, inaequalia, inferiora duo minima, tertium
jis duplo maius. Scutella infraorbitalia nulla. Squamae dorsales
hexagonae, latae, inter vittas laterum nigricantes 12, in lateribus
ipsis quaternas series longitudinales constituunt; dorsales di-
stinele carinalae, laterum abdominisque laeves. Cauda sensim
attenuata, basi subtetragona, deinde teres, apicem versus levi-
ter compressa, squamis imbricalis superis ad basin tantum ca-
rinatis, ceteris laevibus. Squamae inferae, in’ regenerata caudae
parte latissimae, scutelliformes. _Dentes palatini parvi, parum
conspieui, decidui; unum tantum in altero latere inveni. —
Color: Caput ochraceo-rufum, unicolor; lorum cineraceo tin-
etum; dorsum medium olivaceo-cinereum latera versus pallide
griseum, ‚vitla einereo - nigricans ab oculis supra aurem in
trunei lalere excurrit. Labium superius et colli latera in adulto
speeimine guttulis albido - flavieantibus adspersa. Gastracum
albieat. Cauda trunei colorem ostendit. In iunioribus dorsi
eolor magis in cinereum vergit.. — Mensurae adultiz Longi-
tado capilis 1”, colli 11”, trunei reliqui ad anum 31”, caudae
regeneratae 51“. Mensurae iunioris: capitis 10, colli 8,
trunei reliqgui ad auum usque 2° 10°, caudae integrae 4 8,
— In Aschik, insula maris rubri, a Cel. Hemprich et Eh-
renberg delectus.
E. brevicollis. E. supra olivaceo-griseus, striis dorsi
fuseis interruptis; vita laterali pallide grisea, vitta fascescenli
| marginata; eapite brevi; rostro brevi obtusissimo, scutellis pilei
| fusco marginatis; squamis carinalis.
, Caput breve, ovatum, rostro brevi obtusissimo, declivi,
eapilis toliusque corporis pholidosis eadem quae in pyrrhoce-
phalo. Squanne mealus auditorii ternae, tennes, oblusae, Squa-
| marum dorsalium carinae ternae; distineliores quam in prae-
| cedente, at intermedia saepius magis obsoleta. Color dorsi
j
134
plus’ minüsye: intense olivaceus, maculis faseis lineas plures in-
„terruptas constituentibus, quarum exteriori utrinque vitta pal-
lida subiacet, tres squamarum series occupans, infra vitla ci-
nerca maculis fuscis adspersa marginata. Labia pallida. Ga-
straeum albicat. ‘Stria fusca haud procul’ ab oris angulo in-
eipiens, sub meatu auditorio procedit, in medio collo desinit.
Alterum huius animalis exemplum colorem dorsi saturatiorem,
intense olivaceum, maculis pluribus.maioribusqgue conspersum,
vittam Jateralem infimam maeulis crebrioribus fuseis consper-
sam ostendit, ut fuscum primarium colorem putes, latera insuper
gutiulis albidis erebris variegata. — Diflert potissimum capitis
collique brevitate a pyrrhocephalo, quocum praeterquam in
pietura, in omnibus convenit. Longitudo capitis 2” (in pyr-
rhocephalo 1”), colli 3” (in pyrrhoc. 11’), trunei reliqui a '
basi colli ad anum usque 34” (in illo eadem), caudae regene-
ratae 43”. Habitat in Abyssinia.
Schlielslich will ich noch zweier Euprepes-Arten gedenken,
welche. von Schneider (Hist. Amph, Fasc. II.) nach Exemplaren
der Sammlungen von Bloch und Meyer angeführt‘ werden und
aus diesen in die hiesige Sammlung übergegangen sind. Schnei-
der erwähnt bei Scincus auratus zuerst dreier Bloch’schen
Exemplare (p. 181.). Das erste ist Se. tristatus Daud. (Sc.
auratus Merr.), das zweite, wie Merrem richtig bemerkte, des-
sen Scincus rufescens, das dritte, anı Ende der Seite erwälınt,
scheint eine unbeschriebene Art, dem Scincus agilis Raddi nahe
stehend, und wurde im hiesigen Museum Scincus taeniatus be-
nannt. Wegen ihrer Zeichnung möchte man sie lieber semitae-
niatus nennen., Ohne mich hier in eine weitere Auseinander-
setzung einzulassen, bemerke ich nur, dafs der brasilische Sein-
cus (Euprepes) agilis sich vom tristatus Daud. sehr leicht durch
die Form des Kopfes unterscheidet. Bei letzterem setzt sich die
Schnauze gar nicht ab, Augendecken u, Schläfengegend sind flach,
die obereFläche des Kopfes stellt demnach in ihrem Umrisse ein ge-
radlinig gleichschenkliges Dreieck mit abgestumpfter Spitze dar.
Beim agilis ist der Kopf vor den’convexeren Augendecken ein
wenig eingezogen, daher setzt sich die Schnauze mehr ab, und
die Oberfläche des Kopfes giebt eine länglich-eiförmige, vor den
Augenhöhlen sanft‘ ausgeschweifte Figur. Die Stirn fällt zur
Schnauze deutlich ab, wälrend sie bei jenem einen kaunı merk-
lichen Abfall zeigt. Die Seiten der Schnauze sind. bei trista-
tus eben, Lippen und Zügelgegend liegen in einer Ebene, bei
135
agilis ist die Zügelgegend unten vertieft, und dieLippen treten mit
einiger Wölbung stärker hervor. Ferner ‚möchte bei letzterem
das ‚6te -Lippenschild „welches mit ‚dem, 7ten: unter dem Auge
liegt, einen Charakter abgeben, sofern‘ es nach oben und vorn
einen zapfenförmigen Fortsalz ausschickt, der das untere der beiden
gleich grofsen vorderen Augenschildchen aufnimmt u. s. w. Dem
brasilischen E. agilis steht nun der semifasciatus am näch-
sten. Der Kopf ist bei ihm kurz, vor den Augenhöhlen etwas
eingezogen, die Schläfengegend convex, daher die obere Fläche
länglich -eiförmig. Die Schnauze ist deutlicher abgesetzt als bei
tristatus und von der Stirn ab allmählig abfallend. Die Zügel-
gegend nicht vertieft, sondern in einer Ebene mit den flachen
Lippen. Von den Lippenschildern liegt das 5te und 6te unter
dem Auge, das 5te gränzt an das untere der vorderen Augen-
schildchen ohne jenen Fortsatz zu bilden. Die Schuppen des
Körpers sind glatt. Hierzu gesellt sich noch die bereits von
Schneider erwähnte abweichende Zeichnung, nach welcher
sich folgende Diagnose stellen lielse:
E. semitaeniatus. E. flavescenti-griseus, vittis. cervicali-
bus 3 albidis in rostro oriundis, cum vittis 4 Inktofibns rufo-fuseis
alternantibus, utrisque’ in dorsi initio latescentibus.
Long. corp. tot. 2” 34’, caudae 3 7°“, capitis 54%, colli
43°, trunei 1” 64%, latitudo capiti in regione temporum 31,
latitudo frontis ante orbitas 12°”.
Der Kopf ist auch kürzer als bei agilis, wo er bei etwa
gleicher Körpergröfse 6‘ milst.
Das Exemplum Musei Meyeriani Stettinensis (p. 182.) bildet
eine dem Scincus tristatus ähnliche, aber ebenfalls ver-
schiedene Art, die ich Eupr. spilonotus nenne. Ein zweites,
angeblich aus Westindien stammendes Exemplar sah ich in der
Sammlung meines Freundes Nathusius.
E. spilonotus. E. olivaceo-griseus, vitta laterali lala ci-
nereo-fusca, altera angustiore subtus marginata, vittis cervicali-
bus 4, in dorso medio desinentibus, externis albidis, internis an-
guslioribus fuseis, tergo punclis fuseis adsperso; squamis sublae-
vibus, capite obtuse trigono, rostro subliorizontali, acutiusculo.
Caput depressum, pileo oblongo-triangulari, ante oculos haud
eoarclato, plano, supereiliis applanatis, fronte rostroque haud de-
elivibus, fere in eaden planilie cum vertice sitis. Rostrum acu-
/
136
tius quam in Sc. tristato, longius quam in Sc. agili, neque ut
in eodem declive, neque ante orbitas coarctatum, ‚sed. cantlus
rostralis rectus, cum frontali continuus. Tempora convexiuseula,
nee ut in Sc. tristato complanata. Pilei color olivaceus, vitta
pallida ‚a rostro incipiente inque .dorsalem continuata utrinque
marginalus. Longit. capitis 6— 74‘, colli 5—6’, trunei 13 —
2”, caudae 4 71 — 4 4“ (mutil.).
5. Xenodermus Reinh.
Bei meinem Aufenthalte in Kopenhagen zeigte mir Hr. Prof.
Reinhard eine merkwürdige Schlange, welche sich durch die
Schuppenbedeckung ihres Rückens sehr auszeichnet, und abge-
sehen von der Bauchbedeckung, an Acrochordus in Kopfbildung
und Gebisse anschliefst. Mit gütiger Erlaubnifs des Hrn. Prof.
Reinhard theile ich hier vorläufig mit, was ich mir bei ge-
nauerer Untersuchung dieser aus dem Hochgebirge von Jaya stam-
menden Schlange notirte.
Kopf eiförmig, gegen den dünnen Hals stark abgesetzt, wie
der einer‘ Giftschlange, oberhalb auf Stirn, Scheitel und Hinter-
haupt mit kleinen Schuppen ‚bekleidet. Kinn und Kehle ganz
mit Schuppen bekleidet. Die Kinnfurche undeutlich, nicht von
Kinnschildern eingefalst. Ein scufum labiale intermedium und
zwei kleine aecessorische. Die Lippen mit Schildern, doch liegen
diese mehr auf dem Lippenrande nach innen, äls sie nach aulsen
sichtbar sind, daher scheint es fast, als seien die Lippen nur mit
Schuppen bekleidet. Die Gegend zwischen dem Auge und Lip-
penrande ist ganz mit kleinen Schuppen bedeckt. Vordere und
hintere Augenschilder fehlen gänzlich. Nur Schnauzenschilder
sind da; ein scuftum rostrale, pentagon, unterhalb ausgehöhlt. An
dieses lehnt sich jederseits ein Nasenschild mit seiner Spitze,
welches hinten eingeschnitten, fast zweilappig ist. Nasenlöcher
nierenförmig, zur Seite der Schnauze in Mitte jener Schilder.
Vorn auf der Schnauze 2 Paar Schnauzenschilder, das erste sehr
schmal, das hintere kurz, fast viereckig. Augen klein, vorquel-
lend, mit kleiner runder nach vorn gerichteter Pupille. Zähne
solide, im Oberkiefer, Gaumen und Unterkiefer. Zunge der
Colubrinen. Körper seitlich zusammengedrückt ; Rückenfirste
stumpf dreikantig. Bauch abgerundet. Schwanz lang, allmählig
verdünnt, spitzig. Die Schuppen der Rückenmitte körnig, un-
gleich, klein; die der Seiten oval, gekielt, in schiefen Reihen
stehend. Auf der Rückenfirste 3 Längsreihen grolser Kielschup-
pen, die mittlere aus 3 im Quincunx alternirenden Reihen auf
der Mitte der stumpf dreikantigen Rückenfirste, eine einfache
jederseits an deren Kanten. Bauchseite mit breiten Schildern.
nterseite des Schwanzes mit einfacher Schilderreibe.
Die
Stylolithen sind anorganische Absonderungen.
Von
A. Quenstedit.
(Hierzu Taf. II.)
Di. von Klöden sogenannten Stylolithen des Rüdersdorfer Mu-
schelkalkes gehören unstreitig mit zu den interessantesten geo-
gnostischen Erscheinungen unserer Gegend. Da sie fast täglich
vor unsern Thüren abgeladen werden, so kam natürlich die Frage
über die Natur dieser merkwürdigen Gebilde hier wiederholt zur
Sprache. Noch immer sind die Meinuugen über ihren Ursprung
mit Recht getheilt. Ob uns nun gleich in Klöden’s fleilsigem
Werke: „Die Versteinerungen der Mark Brandenburg “ schon
eine umständliche Beschreibung gegeben ist, so will ich doch
noch einiges Wesentliche hier hervorheben.
Im Allgemeinen trennen sie sich in bestimmie und un
bestimmte Formen, die zwar unter sich die mannigfachsten
Uebergänge zeigen, aber in ihren Extremen festgehalten werden
können. Ihre seitlichen Grenzllächen sind mit den verschieden-
arligsten Längsstreifen versehen, die mit der Faser gespaltenen
Tannenholzes verglichen werden, mit welcher sie allerdings ent-
fernte Aechnlichkeit darbieten, wenn man sie nicht lieber mit
der Bruchfläche fasriger oder feinstenglicher Gesteine vergleichen
will. Wie alle Klüfte dieser Muschelkalkschicht, so ist auch ihre
Aufsenfläche mit einer schmutzig gelben Eisenoxydhydratfärbung
überzogen, wodurch sie sich leicht von dem umgebenden Gestein
unterscheiden lassen.
Wären die Stylolithen Reste organischer Geschöpfe, so wür-
den die Streifen der Abdruck der innern Schalenzeichnung des
Tlieres sein müssen: denn dieselben haben durchaus keine Dicke,
138
sondern bilden gemeinschaftlich eine mathematische Grenzfläche,
welche den Stylolithenkern von dem umgebenden Gesteine ab-
sondert. Die Masse des Kerues selbst ist von der- porösen Ge-
birgsınasse ununterscheidbar; vom innern Gefüge, oder von äufse-
rer Schale ist noch nicht die Spur gefunden. In der physikali-
schen Beschaffenheit der Streifen, ein organisches Gesetz zu ent-
decken, habe ich mich stets vergebens bemüht; kleine, grölsere,
stumpfere und schärfere Streifen sind gesetzlos durch entspre-
chende Furchen von einander gelrennt; einige gehen die ganze
Länge lıinab, andere hören plötzlich auf, und geben wieder neuen
sich einsetzenden Furchen oder Sireifen Platz: aber alle zeigen
unverkennbar das Bestreben, in mathematisch geraden Linien,
gleich der Faser krystallinischer Gesteine, parallel mit einander
fortzulaufen. Dieser bestimmte Parallelismus der Streifen setzt vor-
aus, dals‘die Form; von der die Streifen ein Abdruck sind, aus
fester Masse bestand. Denn wollten wir hypothetisch einen ilei-
schigen Mantel oder feine Rankenfülse annehmen, so wäre es bei
aller Nachgiebigkeit derselben durchaus nicht denkbar, dafs der
frei bewegliche Organismus stets in mathematisch parallelen Li-
nien erstarrt wäre. Diese Voraussetzung muls als undenkbare
Hypothese gleich von vornhertin verworfen werden. Wir dür-
. Jen demnach nur eine Schale’ von merklicher Dicke vermuthen.
Aber obgleich alle anderen Steinkerne dieser Schicht stets durch
einen hohlen oder mit Kalkspath gefüllten Raum von dem um-
gebenden Gestein getrennt sind, so finden sich bei den meisten
Stylolithen doch zur solche Räume, die höchstens der Schale die
Dicke eines starken Papierblattes gestatten. Ja, zuweilen ist
nicht der geringste Zwischenraum zwischen Kern und Bergmittel
beobachtbar. Wohl aber findet sich aufs Strengste bestätigt, dals
jeder Streifung des Kernes genau eine ähnliche Vertiefung in der
umgebenden Gebirgsmasse entspricht. Es mufste demnach an
der Schale jeder innern Erhöhung äufserlich eine Vertiefung, und
umgekehrt, entsprechen. (Und gerade hierin spricht sich das
Wesen der anorganischen Absonderung aus!) Da oftmals starke,
gleich Leisten hervorstehende, Streifen plötzlich aufhören, an
ihre Stelle wohl gar ähnlich grofse Vertiefungen treten, so sollte
man wenigstens eine zerbrechliche Schale vermuthen; aber trolz
dem ist nie eine zerbrochen. Ja, man findet selbst die geboge-
139
nen Exemplare ‘in keinem Theile verletzt, den Parallelismus der
Sireifen aber immer streng bewahrt. Wollen wir‘ demnach un-
befangen urtheilen, so haben wir wohl Grund, die Streifen für
Absonderungen, aber auf keine Weise für organischen Ursprungs
zu halten. !
Eine zweite Entscheidung der Frage ist aus den Formen
zu entnehmen. Die eine Art derselben, welche mehr unbestimmt
zu nennen sind, durchsetzen entweder die Schichten gleich quee-
ren Gebirgsspalten, oder erlieben sich senkrecht aus den Schich-
ten, am liebsten da, wo eine Kluftfläche sich eingesetzt hat.
Ihre Anfänge erinnern sehr an Dutenmergelbildung, sie zeigen
aber an der Aufsenfläche: nur parallele Längenstreifen, nie wel-
lenartige Qucerstreifen. Man wird nicht leicht eine Spalte fin-
den, an der nicht deutliche Anfänge dieser Streifung zu sehen
wären. Oft sind die Streifen noch mit fasrigem Kalkspath über-
zogen, der sich über dieselben parallel hinweggelegt hat. Durch
die unbestimmte Mannigfaltigkeit dieser Formen wird man am
wenigsten an organische Ueberreste erinnert.
Bei weitem mehr ziehen die bestimmten Formen unsere
Aufmerksamkeit auf sich (Fig. 1—6). Sie gleichen mehr oder
weniger gerundeten Säulen, die selten 3—4 Zoll Länge über-
steigen. Da sich diese unter einander ähnlichen Gestalten unge-
mein häufig wiederholen, so können sie nicht in zufälliger Ab-
sonderung ihren gemeinsamen Grund haben. Ueberraschend ist
es aber, dafs die grölste Anzalıl derselben genau den Umrifs des
kleinen glatten Pecten discites Schl. zeigt, der so häufig in die-
sen Gebirgsschichten zerstreut liegt. Näher untersucht finden
sich wirklich noch viele Exemplare, welche von diesem Pecten
an einem Ende wie von einem rings passenden Deckel bedeckt
werden (Fig. 2.). In den meisten Fällen liegt die Muschel so
darauf, dafs ihre convexe Fläche nach Aufsen gekehrt ist, nur
ein umgekehrter Fall ist mir bekannt (Fig. 5.). Die parallelen
Streifen des Stylolithen fallen genau mit dem Rande des Pecten
zusammen, so dals jede Unebenheit und jede Verletzung dessel-
ben‘sich auf der Säule wiederholt. Exemplare mit gut erhalte-
nen Schalen sind nicht ganz häufig, gewöhnlich ist die Schalen-
substanz weggeführt, und an ihre Stelle eine schmutzig gelbe
Kalkmasse getreten : aber der Umrils der Säule, so wie einige
140
Anwachsstreifen der Endfläche beweisen noch deutlich, dafs ein
Pecten darauf safs. Fehlen dem Pecten die Ohren, so fehlen sie
auch: der Säule. Kurz jede zufällige Verbrechung der Schale
pflanzt sich mit mathematischer Bestimmtbeit auf die Säule fort.
Es ist daher unleugbar, dafs die Muschel mit der Bildung des
Stylolithen in engem Zusammenhange stand. Ja diese Behauptung
trifft nicht blofs den kleinen Pecten, sondern ich habe auch meh-
rere Säulen von 1—14 Zell Durchmesser, dessen Endfläche deut-
liche Ueberreste des gröfßsern P. laevigatus Schl. ‘bedecken. Fer-
ner finden sich Säulen von der Gestalt ünd mit dem Deckel einer
Trigonia vulgaris, Terebratula vulgaris, Mytilus socialis, kurz
es kommt keine Muschel in der Schicht vor, welehe nieht zu
solchen Säulen Gelegenheit gegeben hätte, ja selbst die kleinen
Trochiten des Enerinites vulgaris (Fig. 4.), welche in unendli-
cher Anzalıl in einigen Stylolithenschichten liegen, machen keine
Ausnahme. Am auflallendsten war mir aber eine kurze Säule,
die von einer Plagiostoma lineatum (Fig. 3.) bedeckt ist,
deren grölster Durchmesser 3 Zoll beträgt. Die Streifen der Säule
sind genau so breit, wie die der Muschel am Rande, ein Beweis,
dals erstere von letztern abhängen.
Durch diese Thatsachen ist es naturhistorisch erwiesen, dafs
die Form der Stylolithen von den sie bedeekenden Muscheln ab-
hängt. Da die Absonderungen in einer sich einsetzenden Discon-
tinuilät der Masse ihren Grund haben, so ist es auch wohl denk-
Dar, dafs eine Muschel dazu den ersten Impulsi'geben konnte.
Gehen wir nemlich auf die Entstehung der Muschelkalkschichten
zurück, wie sie im Urmeere als kalkige Schlammniassen nieder-
geschlagen wurden: so war nalürlich die hoble Fläche der festen
Kalkschalen, welehe in der weichen Schlammschicht zerstreut
lagen, sehr dazu geeignet, bei der Erhärtung der Schichten die
in sich aufgenommene Kalkmasse rings von der übrigen loszu-
reilsen. Dals diese Absonderuugen in so grolser Regelmäfsigkeit
vor sich gegangen, kann uns zwar Wunder nehmen, aber durch-
aus keinen Einwurf gegen die Erklärung abgeben.
Die regelmäfsigen Säulen erheben sich gewöhnlich senkrecht
aus der Sclüchtungsebene (Fig. 1.). In den meisten Fällen bildet
die Muschel ihre obere Grenze da, wo ein hohler mit Thonlet-
ten gefüllter Raum die Individuen von dem Bergmittel trennt.
141
Nur wenige Beispiele kenne’ ich, wo das Umgekehrte der Fall
war, aber dann fand sich auch bestimmt auf der ‘Unterseite der
hohle Raum. Die zweite Gränzfläche ist nicht immer bestimmt.
Bald hängt der Stylolith hier mit der homogenen Gebirgsmasse
zusammen, bald selzt er auf der Leitenschicht ab, oder geht auch
wohl durch dieselbe hindurch, und verliert sich dann erst in der
darunter liegenden Kalkbank. Zuweilen scheinen sie auch eine
den Schichten parallel gehende Absonderungsfläche gemein zu
haben, die mehr oder weniger von Zufälligkeiten abhängt. Wäh-
rend die kleinen unbestimmten Formen meistens die Mitte der
Bänke parallel mit der Schichtung durchziehen, stehen diese grö-
fsern bestimmiern fast ausschließslich in der Gegend der Ablö-
sungsflächen, wo eine feine Leitenschicht die einzelnen Bänke
von einander trennt.
Der Erklärungsgrund für den hohlen Raum in der Gegend
des Muscheldeckels ist jetzt leicht zu finden. Da der Siylolith
nur an dem einen Ende mit der 'Gebirgsmasse zusammenhing,
so konnte er sich beim Austrocknen der Schichten nur nach die-
ser Richtung zusammenziehen. Er mufste demnach der Zusam-
menziehung der Gebirgsmasse etwas vorauseilen, weil letztere
vermöge ihrer Schiehtung sich nach beiden Richtungen gleich-
mälsig zusammenzog. 'Dafs der hoble Raum. über der Muschel
sich mit Letten füllte, ist weniger Schwierigkeiten unterworfen,
da ihm durch die seitliche, wenn auch unbedeutendere Zusam-
menziehung des Stylolithen, ein natürlicher Weg geöffnet war.
Man sieht daher auch nicht selten längs des Stylolilhen noch
Leiten abgesetzt. Erklärlich ist es ferner, wenn der Stylolith
kleinere Muscheln nicht nur durchsetzt, sondern auch zerbricht
und verwirlt: eine Erscheinung, woraus v. Dechen schon längst
den anorganischen Ursprung desselben zu bekräftigen suchte.
Wenn es aber erwiesen ist, dafs eine Muschel zu solchen
bestimmten Absonderungen Gelegenheit gab, und zwar auf ganz
\ mechanische Weise durch ihr blofses Dasein: so ist es nicht ab-
‚ zusehen, warum es nicht jede andere vom Kalkschlamme ver-
| schiedene Masse geihan haben sollte. Auf diese Weise sind au-
' genblicklich die vielen verschiedenarligen Gestalten erklärt. die
‚ »och dadurch vermehrt werden, dafs die zwischen den gedrängt
| stehenden Individuen liegende Gebirgsmasse ebenfalls bestimmte
142
Formen, zu haben scheint. « Doch: soll..damit nicht gesagt: sein,
dafs jedesmal zur‘ Erregung ein fremdartiger Körper nothwendig
wäre.
Die Stylolithen finden sich nicht nur ausschliefslich in’ den
mittlern Schichten des Muschelkalkes (dem Kalkstein von Frie-
drichshall), sondern sie sind’ schon längst aus dem Zechstein von
Grund am Harze und von Mansfeld bekannt. ‚Die Beobachtung,
dals sie die räthselbaften Oolithen des bunten Sandstein durch-
setzen, kann ich ebenfalls bestätigen. Selbst aus dem Juragebirge-
sind mir’ deutliche Spuren vorgekommen. Fıeilich sind sie in
allen diesen nicht so schön, als in unserm Rüdersdorfer Muschel-
kalke. Doch glaube ich, werden auch andere Gegenden bald
mit Rüdersdorf weiteifern.. Denn eine flüchtige Durchsuchung
eines kleinen Steinbruches im Muschelkalke amHuy bei Schwane-
beck ‚brachte mir sogleich. mehrere Exemplare zu Händen, wie
ich’ sienach, langem Suchen kaum bei Rüdersdorf gefunden habe.
Es bedarf daher. nur der Aufmerksamkeit, um diese. Thatsache
auch in andern Gegenden besläligt: zu sehen. ‘
Die, Stylolithen sind. also, durch organische Körper
geleitete Absonderungen, wie sich Hr. Prof. Weils kurz
aber.'bezeichnend ausdrückt, Wenigstens gilt‘ dies von .den be-
stimmtern Formen, die zu geregelt waren, als dals ein geübtes
mineralogisches Auge sie hätte für zufällig erklären sollen.
Beiträge zur Petrefaktienkunde.
Von Demselben,
Seitdem durch L. v. Buch’s gründliche Untersuchungen die
Brachiopoden zu den ersten Leitmuscheln der Formationen \er-
hoben sind, verdienen sie vor allen andern die sorgfältigste
Beachtung. Sowohl ihre grolse Anzahl, als auch: ihr vielfacher
Formenreichthum ziehen sogleich beim ersten Auftreten der or-
ganischen Schöpfung unsre ganze Aufmerksamkeit aufsich. Denn
bekanntlich halten wir das horizontalgeschichtete Uebergangsge-
birge des Norden bis jetzt mit Recht für die älteste Formation.
5 143
Ein,höchst, feinkörniger Sandstein, licht gefärbt und oft denen
des spätern Kreidegebirges ‚auffallend ähnlich, lagert sich entwe-
der unmittelbar auf dem krystallinischen Urgebirge ab (Schweden),
oder es liegt zwischen beiden noch eine wenig. mächtige Thon-
schieferschicht. (Finnischer Meerbusen); darauf: folgt in Schweden
und Livland ein Kalkstein mit Trilobiten und Orthoceratilen über-
füllt.. Doch noch ehe diese auftrelen, sieht man an. der ganzen
Küste des Finnischen Meerbusens von Reval bis Petersburg unter
dem Trilobitenkalk eine kleine, kaum 6.Linien erreichende,
zweischalige Muschel, in so gewaltiger Anzahl entwickelt, dafs
sie ganze Schichten bildet, die theils in den Sandstein selbst
noch hineingreifen, theils unmittelbar darüber liegen. Ihre genaue
Symmetrie stelit sie ohne Zweifel zu den Brachiopoden, und
Pander in seinen Beiträgen zur Geognosie des Russi-
schen Reiches hat sie schon längst in vielen Arten abgebil-
det, und mit dem bezeiehnenden Geschlechtsnamen
Ungulites benannt. Da sie als zu den,ersten Bewohnern
der Erde gehörig ganz besonders Interesse haben, und sie über
dies den meisten Petrefaktenkennern Deutschlands noch gänzlich
unbekannt sein möchten, so dürfte eine kurze Beschreibung und
Zeichnung besonders der innern Organe, die selbst dem Ent-
decker noch unbekannt geblieben sind, nicht unwillkommen sein.
Wie Fig. 8. zeigt, so stechen .auf der convexen Seite. der
einen Schale die, feinen concentrischen Anwachsstreiien sehr,
deutlich hervor, ebenso feine Streifen, mehrmals sich in ihrem
Verlaufe theilend, strahlen von dem Wirbel nach den Rändern.
In jugendlichen Zustande hat die Schale grofse Aehnlichkeit mit
der Gestalt eines Fingernagels, ‚allein später ‚breitet sich der ‚un-
tere Rand schnell nach Aufsen aus, der Wirbeltheil bleibt viel
schmaler. , Wichtiger. ist die. Innenseite. Der gleichschenkliche
stumpfwinklich-dreieckige Raum der Schlofsgegend ist dem einer
Auster nieht unähnlich. Die deutliche Sireilung, welehe von
den einzelnen Lamellen der Schale herrührt, geht der Basis pä-
tallel. Eine tiefe Furche trennt das Dreieck in zwei congruenle
Theile. In dieser lag, wie bei Lingula, ein Band, womit das
Tlhier sich an äufsere Gegenslände befestigle. Unter der Schlols-
Nläche wird die concave Seite des lamellösen Schalentheiles von
einem flach ausgebreiteten glatten Kalkwulst überzogen, der, wie
144
bei allen Brachiopoden, verschiedene sich symmetrisch wieder-
holende Zeichnungen zeigt. Hart unter der Schlofsfurche erhebt
sich nämlich ein kleines länglich-rundes Rostellum, darunter folgt
eine tiefe herzförmige Grube, die den herzförmigen Zeichnungen
unserer Kartenblätter ganz gleichkommt; ihre Spitze ist, vom
Rostellum weg, dem untern Muschelrande zugekehrt. Zu jeder
Seite der herzlörmigen Grube liegt ein länglicher Muskeleindruck;
diese Eindrücke entspringen dicht an der Spitze des Herzens,
und laufen, etwas breiter werdend, an den Seiten entlang. Un-
ten werden sie von einer sich queer vor das Herz legenden
schmalen Fläche begränzt, die fein punktirt geneigt der lamel-
lösen äulsern Schale zu fällt, und so die untere Gränze des in-
nern Kalkwulstes bildet. Zu beiden Seiten dieser Fläche beginnt
eine Furche, mit verhältnilsmäfsig grolsen vertieften Punkten
überdeckt; diese beiden Furchen convergiren bis zu den Seiten
des Rostellunis, welches dieselben von einander trennt. Ueber
den Furchen nach Aufsen und oben sitzt zu jeder Seite ein
schmaler langer Muskeleindruck, der mit der Furche seiner Seite
parallel läuft. Darüber wird die Fläche horizontal, glatt und
verliert sich im Schlofsrande. Durch diese zierlich gezeichnete
Kalkmasse ist die Schale in der Mitte sehr verdickt, rings am
untern Rande wird sie dünner, weil sie hier allein aus der äu-
fsern lamellösen Schicht besteht, die meistens verbrochen ist. Da
die Schalen stets vereinzelt liegen, und nur mit grofser Mühe
aus dem Muschelkonglomerat heraus präparirt werden konnten,
so müssen wir über die Gestalt der zweiten zugehörigen Valve
in Zweifel bleiben. Jedenfalls ist sie äußerlich mit der ersten
gleich gezeichnet, und auch ungefähr‘ gleich gestaltet. Doch
konımen Formen vor, die innerlich nicht eine gleich deutlich
ausgeprägte Schlofsfurche zeigen, denen Rostellum und Herzgrube
fehlt, und dessen unterer Rand, wie bei der Crania, handförmig
gezeichnet ist. Fast möchte ich lieber diese für eigene Species
als für die andere zugehörige Schale halten. Doch ohne uns zu
entscheiden, heben wir als Resultat hervor: dafs schon in |
den ersten Erdschichten Brachiopoden in unzählba-
rer Menge sich finden, deren vier Muskeleindrücke |
sammt dem Rostellum und der übrigen Zeichnung an |
Crania, deren Befestigung aber an Lingula erinnert.
Kei-
4 145
Keiner von beiden angehörend, sind sie ein neuer Beweis, dals
die Geschöpfe, besonders der Uebergangsperiode nur selten in das
System der lebenden passen, sondern meist verbindende Mittel-
glieder bilden.
Verlassen wir jetzt unsere Ungulitenschichten, in der noch
eine andere sonderbare, bis jetzt aber nicht gekannte Brachiopo-
denart sich findet, und verweilen wir kurz bei der schönen 14
Zoll langen, und über 1 Zoll breiten
Lingula (Fig. 9.), welche so ausgezeichnet in den über-
liegenden Trilobitenkalken von Ehstlaud bei Orrenhofen südlich
vop Reval vorkommt. Leider ist wenig von ihrer äufsern Schale
übrig geblieben, aber selbst die Steinkerne behielten ihre cha-
rakteristische zungenförmige Gestalt noch bei, und die strahligen
und concentrischen Streifen derselben deuten eine ähnliche der
äulsern Schale an. Die strahlenden Streifen der äufsern Schale
bestehen aus einer Reihe feiner Punkte, zu welchen sich die
concentrischen Anwachsstreifen periodisch erheben. Obgleich
einige Strahlen unter ihnen sich durch ihre Gröfse vor den übri-
gen auszeichnen, so scheint doch darin kein bestimmtes Gesetz
zu sein. In der Mitte dem Schlofsrande näher zeigen die Kerne
‚gewöhnlich beulenartige Vertiefungen, weil hier die innern Kalk-
wülste durch die Steinkernbildung hinweggenommen sind; von
der Mitte aus fallen aber beide Schalen nach dem untern graden
Stirorande gleichmälsig ab, so dafs dieser Theil mit der Schneide
eines Meilsels passend verglichen werden kann. Ausgezeichnet
ist auf der einen Schale (Bauchschale) des Steinkernes eine
tiefe Spalte, welche schmal im Wirbel begiont, und in der Mitte
der Schalenlänge bei einigen Abänderungen bedeutend breit wird.
Beim ersten Anblick wird man hier an Ordicula erinnert, allein
da wir es mit Steinkernen zu ihun haben, so befand sich hier
nothwendig eine eben so gestaltete Leiste, die bekanntlich allen
Lingulen zugehört, und ein Analogon des innern Kalkgerüstes
der Terebrateln oder des Rostellums derCranien ist. Sie erweist
sich dadurch bestimmt als Lingula.
Die Lingula ist demnach eins der wenigen Geschlechter,
welche von der ersten Formation an bis in-die lebende Welt
Sich fortpflanzten, ohne dafs man wesentliche Veränderungen in
ihren Orgauen nachweisen könnte. Dieselbe innere Leiste, die-
IT. Jahrg. 1. Band. 10
146
selbe Einfachheit der Gestalt findet sich bei unserer lebenden,
wie bei jener der Urwelt.‘' Vielleicht mochten die Thiere ver-
schiedener sein, ' doch konnte dieselben diese Verschieden-
heiten ihrer Schale nieht aufdrücken. Wenn nun schon die
Formen dieser extremen Zeitalter sich berühren, so ihun es noch
vielmehr die der verschiedenen Formationen unter sich. In ei-
nem deutlichen Grauwaekenschiefer, den Sellow in Rio Grande
Brasiliens sammelte, findet sich oftmals eine kleine Lingula ein-
gestreut, die der Lingula Beanii Phill. aus dem Dogger (Infer.
Ool.) von Yorkshire und den entsprechenden Schichten bei Gun-
dershofen (Elsafs) auffallend gleicht. Kaum dafs der Umrifs beider
einen feinen’ Unterschied vermuthen läfst. Eine ganz ähnliche
findet sich in den Geschieben der Mark mit Patellites antiquus
Schl., Productus latus v. B. und Knochenresten (Fische?) zu-
sammen. Eine Lingula exunguis führt Eichwald aus dem
Uebergangskalk von Petersburg an. Aufserdem werden Lingulen
aus dem Schieferthon des Kohlengebirges von Werdun (West-
phalen), aus dem Muschelkalk und Keuper angeführt. Im Krei-
degebirge ist sie bis jetzt noch nicht bekannt geworden, doch
soll sie sich im London Clay wieder finden. Alle diese Arten
zeigen nur leichte Unterscheidungscharaktere, die hauptsächlich
auf der modifieirten Form der Scliale und Leiste beruhen. Sie
sind daher weniger Leitmuscheln, haben mehr zoologisches In-
teresse, da sie sich unmittelbar an die lebende L. anatina des
Indischen Oceans anschließen.
Nieht weniger zoologisch-wichtig ist das Vorkommen einer
Orbicula Cuv. im Muschelkalke vom Lohberge bei Tonna
(Thüringen). So ausgezeichnet die lange Spalte der flachen
Schale bei der im nordischen Meere sich findenden Patella ano-
mala Müll. ist, die später Cuvier zu einem eigenen Geschlecht
erhob: eben so selten kann man diesen Charakter bei den pettri-
fieirten Schalen erkennen. ‚Nur ein glücklicher Zufall zeigt uns
die flache Schale, welche das Thier in seinen natürlichen Lagen
gegen äufsere Gegenstände drückt, um sich mit seinem kurzen
Muskel festheften zu können. Sowerby’s Zeichnung von Orbi-
cula reflexa tab. 506. ig. 1. aus dem Lias von Whitby ist viel-
leicht die einzige, welche diesen Charakter dentlich zeigt. Er
fügte zwar dieser noch zwei andere Species aus den Oolithen
147
hinzu, beobachtete aber an ihnen die Spalte nicht, sondern er-
schlofs das Geschlecht nur aus der tellerföormigen Oberschale.
Leopold’ v. Buch wies ganz analoge Oberschalen selbst aus dem
Rotheisensteinlager der Grube Martenberg im Waldeckschen ohn-
weit Stadtberge nach, und legte auf diese Weise ihre‘ allgemeine
Verbreitung dar, denn auch in der englischen Kreideformation
finden sich einige Arten. Die Zeichnung beider Schalen: in
unserer T'. IIT. Fig. 10 u. 11. wird beweisen, dafs sie sich auch’ im
Muschelkalk findet, und zwar ist diese der ©. reflexa so ähnlich,
dafs man sie nur mit Mühe unterscheidet *). Die flache, sehr
wenig nach Aufsen convexe Unterschale hat eine Längenaxe, 'un-
merklich. grölser als die grölste durch den Mittelpunkt gehende
Breitenaxe, nach dem Schlofs hin wird sie etwas schneller'schmä-
ler, als’ nach der Stirn. Die Anwachsstreifen,: welche ‚fast ma-
thematisch genau im Mittelpunkte beginnen j-gelien dem äufsern
Rande parallel. Am Ende einer kleinen Leiste; kaum 1 Linie
lang,’ welche wie ein Durchmesser die ersten’Kreise der Anwachs-
streifen halbirt, beginnt die grofse ‚Spalte, welche sich‘ plötzlich
erweitert, und sich in der Schlolsgegend nieht wieder zu schlie-
fsen scheint. In der Spaltengegend ist die Schale etwas stark
nach Aufsen gedrängt. Von der Mitte aussirahlende Linien
känn man nicht entdecken. Ueber ‘dieser flachen Schale erhebt
sieh die patellenförmige gewölbte obere. Ihr stunpfer Wirbel
stelit 'genau in der Halbirungsebene, und um ihn herums laufen
eöncentrisch die Anwachsstreifen.: Er ist dem Schlofsrände»zuge-
kehrt, und seine Entfernung von demselben mehr als um das
Doppelte kürzer, wie die von dem Stirnrande. Vom Wirbel zum
Stirnrande erhebt sich die Schale zu einem sehr schwachen Kiele.
Nach beiligender Etikette: „„Räthselhafte, noch unbestimmte Ver-
steinerung, aus der merkwürdigen Schichte des Muschelkalkflötz-
steins mit eingewachsenen kleiuen Berg- und Quarzkrystallen am
Johberg bei Tonna. ‘Von einigen wird diese Versteinerung für
eine Patelle gehalten, von andern zu den Gryphiten gerechnet.
Am wahrscheinlichsten keins von Beiden.“ hatte Schlotheim
*) Nach v.Alberti’s Mittheilung soll dieselbe mit Capulus mitra-
tus Goldf. (bei Dechen) aus dem Muschelkalk von Villingen überein-
stimmen, ;
10 *
148
das Exemplar wohl gekannt, aber es weder benannt, noch in
seiner Petrefaktenkunde aufgeführt.
Dieses zweite deutlich erkennbare Beispiel von einer Orbi-
cula mufs uns vorsichtig machen, nicht jede patellenförmige
Schale sogleich für eine wirkliche Patella zu erklären. Denn
beide Formen gehen so unmerklich in einander über, dafs ‚es
schwerlich gelingen möchte, falls die flache Schale fehlt, einen
bestimmten Unterschied ausfindig zu machen. Sobald der Wirbel
stumpf und dem Schlofsrande genähert ist, kann man ‚wohl im-
merhin geneigter sein, die Schalen für Orbiculen zu halten. Des-
halb dürfte auch der Patellites discoides Schl. aus Weimar hier-
hergehören, den schon Schröter Einl. Tom. IV. tab. 4. fig. 9
abgebildet hat. Ja es kommen ganz ähnliche Schalen im schwar-
zen Uebergangsthonschiefer mit Orthis jenseits der Alpen bei
Sabbia unfern ‚Breseia ‚vor. Im systematischen Verzeichnifs der
Petrefaktensammlung des Frh. v.Schlotheim ist sie als Patella
putellaria aufgeführt.» Dals sich Orbieulen wirkliel-im Ueber-
gangsthonschiefer finden, kann uns derselbe Brasilianische Grau-
wackenschiefer, worin wir die Lingula auszeichneten, beweisen.
Denn hierauf liegt dicht neben einer Orthis eine fast kreisrunde
flache Schale mit einer Spalte, die im Miitelpunkte beginnt, und
sich wieder schliefst, ehe sie die Schlofskante erreicht. Die Schale
ist in der Spaltengegend ebenfalls etwas nach Aulsen gedrückt.
Uebeihaupt bedürfen die Patelliten des ältern Gebirges noch einer
genauern Sichtung. Der Schlotheim’sche P. costatus aus dem
Kalkstein von Histerich ist: offenbar nur ein an beiden Seiten
eoncaver Fisch- oder Saurierwirbel. Der P. primigenus Schl. aus
dem Uebergangskalk von Gladbach zu. unvollständig, als dafs ich
mich darüber entscheiden möchle, doch wäre es wohl möglich,
dafs die vorhandenen Exemplare sich eher an Wirbelknochen, als
an Patellen anschlössen. Vor allen ausgezeichnet ist der kleine
elliptische P. antiquus Schl., den Schlotheim abbildet. Er
hat sich bis jetzt nur in der Mark als Geschiebe gefunden. ı Trotz
seiner Häufigkeit ‘habe ich doch nie eine flache Unterschale an
ihm entdecken können. Er steht bis jetzt noch ganz allein da,
und möchte‘ wohl nicht zu den Orbiculen gehören. Mit ihm
kommt der Patellites cingulatus Schl. vor, der laut der Petrefak-
tenkunde p. 115. auf einem Kalksteingeschiebe mit Cranioliten
149
aus der Sandsteingrube bei Kopenhagen aufliegen soll. Dem
Ganzen liegt eine Betrügerei zum Grunde. Erstens ist das Ge-
stein, zwar im Allgemeinen ähnlich, doch näher betrachtet, von
den Geschieben (aus der Kreideformation) der Kopenhagener Grube
ganz verschieden. -Es finden sich darin weder die sogenannten
Brattenburger Pfennige (Crania Brattenburgensis Schl.) noch die
Dentalien, sondern Versteinerungen, welche die Märkischen Ge-
schiebe auszeichnen. Alsdann ist der vermeintliche Patellit nichts
anderes, als eine künstlich umgearbeitete gelblich übertünchte
Muschel, die, nachdem sie gewaschen war, sich deutlich als ein
kleiner gestreifter Productus zu erkennen gab, an dem der Grif-
fel auf der einen Seite nachgeholfen hatte. In dem Pat. cornu-
copiaeformis Schl. auf einem Hornsteingeschiebe von Aachen er-
kannte L. v. Buch sogleich eine Arcacee, die feinen nach den
Rändern strahlenden Streifen dienten ihm als Beweis.
Aus Vorbesagtem sehen wir, dals die Ordicula ebenfalls sehr
allgemein verbreitet ist. Von ihren Schalen zeigt die obere 'we-
nig ausgezeichnete Merkmale, so dafs sie nicht nur schwer von
Patella, sondern eben so schwer, wie bei Lingula der Fall war,
unter sich zu unterscheiden sind. So lange das Hauptinteresse
noch auf die generellen Kennzeichen gerichtet sein muls, ver-
meiden wir geflissentlich die speciellen Unterscheidungsnamen.
Schon L. v. Buch macht in seinem klassischen Werke über
Terebrateln p. 72. darauf aufmerksam, wie ähnlich die leitende
Ter. prisca Schl. des Uebergangsgebirges der in der Magellani-
schen Meerenge lebenden Ter. dorsata sei. Und in der That ist
es oft auffallend, wie gerade die Geschöpfe des ältesten Gebirges
den noch lebenden gleichen, von denen man es am Wenigsten
erwarten würde. Vor allen gehört hier hin Madreporites stel-
latus Schl. der in der Silurischen Formation Englands sich an
vielen Orten findet. Aus der Eifel und von Bensberg hat ihn
Goldfufs als Astraea porosa beschrieben, und die schwedischen
Forscher nennen die Exemplare von der Insel Gothland Madre-
pora interstincta. Wegen ihrer zwölfstrahligen Zelle stellte sie
Ehrenberg zu den Milleporinen. Zwischen diesen größsern
stehen kleine sechsseitige, beide, die grofsen und kleinen Zellen
sind eigentlich lange Röhren, welche vom Mittelpunkte nach der
Oberfläche des Korallenstockes ausstrahlen, und durch Queer-
150 ‚
Lamellen in Fächer getheilt sind. Die gröfsern Zellen treten
näher oder entfernen sich von einander, je nach der Anzahl der
kleinen sechsseitigen dazwischen liegenden Zellen. Ja die Koralle
geht unmittelbar zu den Favositen (Calamoporen) über, sobald
die Zwischenzellen ganz fehlen, Uebergänge, die man vielfach
nachweisen kann. Ganz denselben Bau zeigt die noch im Indi-
schen Meere lebende Millepora caerulea Linn., die so wesentli-
ehen Aniheil an dem Bau der Koralleninseln nimmt, nur haben
bei der fossilen die meisten Abänderungen grölsere Zellen. Nicht
minder auffallend ist die Aehnlichkeit des glatten Helicites heli-
einaeformis Schl. von Pfaflrath mit dem Trochus vestiarius Linn.
(Rotella Lam.) aus dem Indischen Ocean. Dächte man sich die
lebende um das Doppelte größer, so würde es uns schwer werden,
sie von der fossilen bestimmt zu unterscheiden.
Erklärung der Kupfertafel.
Fig. 1. Stylolithen, wie sie im Gestein sitzen, mit oben auflie-
enden Muscheldeckeln, der obere hohle Raum zwi-
schen Schale und Bergmasse sichtbar. &
Fig. 2. Stylolith in geneigter Stellung mit aufsitzendem Pecten
discites Schl., die Muschel von der Schloßskante ge-
sehen.
Fig. 3. Kurze Stylolithensäule mit aufsitzendem Plagiostoma li-
neatum Schl.. die Streifen der Säule entsprechen den
Streifen der Schale.
Fig. 4. Trochit von Encrinites liliformis, unter dem sich eine
kleine Stylolithensäule gebildet hat.
Fig. 5. Stylolith mit einem Schalendeckel, dessen coneave Seite
nach Aulsen gekehrt ist.
Fig. 6. Stylolith mit einem Muschelbruchstück.
Fig. 7. Ungulites Pand. innere Ansicht, die 4 schmalen Mus-
: keleindrücke, die herzförmige Grube, das Rostellum
und die Ligamentfurche des Schlosses deutlich.
Fig. 8. Aeufsere Ansicht desselben Unguliten.
Fig. 9. Lingula aus dem Uebergangskalke bei Reval. Steinkern
der Bauchschale, auf dem die Leiste einen tiefen Ein-
druck zurückgelassen.
Fig. 10. Oberschalen einer Orbicula aus dem Muschelkalke bei
Tonna. &
Fig. 11. Die Unterschale derselben mit der deutlichen Spalte.
Ueber die gestielten Eier der Schlupfwespen
von
Prof. Dr. Th. Hartig. *)
(Hierzu Taf. IV.)
Die weiblichen Geschlechtstheile der Aderflügler enden ohne
Ausnahme in einem, zwischen zwei hornigen Scheideklappen
(Fig. 3. a.) liegenden Hülfsorgan zum Ablegen und Versenken der
Eier in das Innere der Pflanzen oder thierischer Körper. Dies
letztere, der eigentliche‘ Legstachel, ist in den verschiedenen
Gruppen der wespenartigen Insekten sehr verschieden gebildet,
er iritt als Säge, Messer, Raspel, Harpunc, Bohr, Stachel geformt
auf, stimmt aber bei Allen darin überein, dals er aus zwei Haupt-
stücken, einem oberen und einem unteren zusammengesetzt ist
(Fig. 10. a. 5.), von denen das obere meist die Form einer nach
unten geöffneten Röhre hat (Fig. 8.) und als Eileiter dient, wäh-
rend das untere Siück, das eigentliche Organ zum Sägen, Ste-
chen etc. stets seiner ganzen Länge nach gespalten und nur an
der Basis verbunden ist. Daher theilt sich der Legstachel unter
dem Prelsschieber meist in drei Borsten, von denen die dickere
ausgehöhlte der Eileiter, die schmalen, plattenförmigen, anı der
Spitze gezähnten Borsten hingegen die beiden symmetrischen
en des unteren Theils sind, welche ich mit dem Ausdruck
Gräten bezeichne. Bei mehreren Blattwespen ist auch der Ei-
leiter der ganzen Länge nach bis zur Basis gespalten, wo dann
*) Als Ankündigung meines zu Ostern 1837 im Verlage der Haude-
Spener’schen Buchhandlung erscheinenien Werks über: die Aderflüg-
- ler Deutschlands, mit besonderer Berücksichtigung ibres Larven-
52
standes und ihres Wirkens in Wäldern und Gärten, für Entomologen,
Wald. und Gartenbesitzer bearbeitet. Ite Abtheilung: Blattiwespen und
Holzwespen. Mit‘8 Steindrucktafeln.
dh
152
“dureh Druck zwischen Glasplatten eine Trennung in vier Theile
bewirkt werden kann; da aber die Gräten mit dem Eileiter stets
durch eine Nath an_der oberen Seite der Gräten und eine hakig
gebogene Längsleiste am Unterraude des Eileiters verbunden sind
(S. Fig. 9 a. 5. Legstachel von Tryphon rutilator im Durchschnitt),
so zertheilt sich der Legstachel z. B. bei Cimbex bei gelindem
Druck zwischen den Fingern nicht in vier Theile, sondern in
zwei seitlich auseinander weichende symmetrische Hälften, jede
aus dem halben Eileiter und der entsprechenden Gräte bestehend,
welche beide nur mit Gewalt aus ihrer innigen Verbindung ge-
rissen werden können. Vermöge dieser Verbindung der Gräten
mit dem Eileiter können erstere, ohne sich von letzterem zu
trernen, hin- und hergeschoben werden, worauf besonders das
feilenartige Wirken des Apparäts beruht. Beim Versenken des
Legstachels werden nämlich die Spitzen der Gräten über die des
Eileiters hinausgeschoben, und der letztere in die gewonnene
Oeffaung versenkt, worauf durch wiederholtes Hin- und herschie-
ben der Gräten am ruhenden aber eingedrückten Eileiter, die
Oeffnung bis zu der Stelle verlieft wird, an welcher ein zum Ab-
legen des Eis geeigneter Gegenstand sich darbietet. abzu-
legende Ei wird schon vor Beginn der Arbeit des Versenkens in
den Eileiter gebracht und rulıt während derselben an einer oft
etwas erweiterten Steile vor der Spitze des Eileiters. Ist der Ort
zum Ablegen des Eies gefunden und bereitet, so wird es aus dem
Eileiter zwischen den Gräten herausgedrückt, und bleibt, beim
Zurückziehen des Legorgans in der Wunde zurück.
Bei den parasitischen Hymenopteren werden die Eier auf
diese Weise in andere lebende Insekten versenkt; die ausgekom-
mene Larve nährt sich bis zu ihrer Ausbildung vom Fettkörper
der Raupe, unbeschadet deren weiterer Entwickelung bis zum
Puppenstande hin; oder sie lebt pseudoparasilisch in Eiern oder
Puppen, gröfstentheils pflanzenfressender Insekten, mitunter sogar
äulserlich an ihren Feinden schmarotzend, wie ich dies bei Bra-
conen an Holzkäferlarven, bei Pteromalinen an Gallwespenlarven
direkt und häufig beobachtet habe. r a
Etwas Achnliches wie bei jenen Letzteren findet bei vielen
Schlupfwespen der Gattung Tryphon Grhst, statt, deren Weibchen
die gestielten Eier nicht in die Raupen ablegen, sondern nur mit
* ” ‘
153
dem knopfartig erweiterten Ende des Stiels in der Raupenhaut
befestigen, worauf die ausgekommene Larve, mit der geplatzten
Eischale in Verbindung bleibend, äufserlich die Säfte der Raupe
saugt.
Die ersten und einzigen Nachrichten über gestielte Schlupf-
wespen-Eier verdanken wir Albin, Bonnet, Goedart und
Degeer, von denen jedoch Degeer allein eine genauere
Beschreibung und Abbildungen des Gegenstandes liefert. Nach
Degeer versenkt das Weibchen, angeblich von Ophion luteus,
seine schwarzen gestielten Eier, wie ich solche Fig. 7. nachge-
bildet habe, zu 6— 8, mit dem knopfförmig erweiterten Ende
des Stiels in die Haut der Raupe von Harpyia vinula, und zwar
auf die vorderen Segmente des Leibes. Beim Auskommen der
Larve soll die obere Hälfte der Eischale wegfallen, die Larve
selbst aber mit dem Afterende so fest in dem napfförmigen Ue-
berrest der Eischale hängen bleiben, dals sie sich von ihm nur
unter Zerreilsen der Haut absondern läfst. Auf diese Weise durch
das Ei am Körper der Raupe befestigt, soll sich die Larve in
die Raupenhaut einbeifsen, und bis zur nahenden Verwandelung
die Säfte derselben aussaugen. Die Larve, mit dem Afterende
in der gestielten Eischale hängend, habe ich Fig. 16. der Degeer-
schen Abbildung nachgezeichnet. Nach dem Einspinnen der Raupe
sollen sich die Larven ebenfalls, innerhalb des Raupencoccons,
eigene, 4 Zoll lange und 2 Linien dicke feste Gespinnste fertigen,
aus welchen im folgenden Jahre die Wespen erscheinen. Die
Eier sollen der Raupenhaut so fest angeheftet sein, dafs sie nur
durch Zerreilsen von ihr getrennt, auch bei den Häutungen der
Raupe nicht abgestreift werden.
Die Beschreibung, welche Degeer von der gezogenen Wespe
giebt, stimmt sowohl mit Ophion luteus, als mit Paniscus testa-
ceus und Mesoleptus testaceus, mit letzterem besonders in Rück-
sicht der Fülilerfärbung überein. Die Zalhnung der Klauen kann
nicht entscheidenge da sie bei allen drei genannten Arten vor-
landen ist, eben so wenig Degeer’s Bestimmung des Insekts
‚als Ophion luteus, da zu jener Zeit die feineren Unterscheidungs-
_ merkmale im Verlauf des Flügelgeäders und der Bildung des Stiel-
segments noch nicht beachtet wurden. Vergleicht man die ge-
gebenen Abbildungen, so läfst sich aus der Bildung des Slielseg-
154 3
ments mit Bestimmtheit entnehmen, dafs Ophion luteus das ge-
zogene Insekt nicht ist. Hierzu kommt, dals alle neueren Beob-
achter, Bechstein, Bouch&, Drewsen und Boie, Graven-
horst, ich selbst, den wirklichen Ophion luteus nie aus B. vinula
sondern stets aus Eulenraupen gezogen haben. Die Länge des
Legstachels und die Bildung des Stielsegments spricht für Panis-
cus testaceus;, die aulserdem nur bei Tryphonen wiedergefunde-
nen gestielten Eier hingegen für Mesoleptus.
Was Degeer und seine Vorfahren an Paniscus testaceus
beobachteten, ist bei den ächten Tryphonen eine nicht ungewöhn-
liche Erscheinung, doch ist Hr. Gravenhorst der einzige, wel-
cher ihrer gedenkt. Ichneumonologia Europaea 7‘. II. p. 151. heilst
es in einer Note zu Tryphon pinguis: „‚Q ventri ante anum cor-
puscula mulla ellipticopyriformia, straminea, apice nigra, racemose
Juneta, adhaerent. Oua esse videntur, ab animali mortis angore par-
ta, quemadmodum multorum bombycum feminae, acu perforatae,
ova parere, et ad anum coadcervare solent.“
Aufserdem hat Hr. Gravenhorst solche Eiertrauben noch
bei Tryphon albovinctus und varitarsus seiner Beschreibung ge-
funden.
Im hiesigen entomologischen Kabinet befindet sich ein Weib-
chen von Tr. pinguis mit siebzehnbeeriger, zwei von Tr. vari-
tarsus mit sechs- u. zehnbeeriger, ein anderes noch unbeschrie-
benes, Tr. varitarsus nahe verwandtes Tryphonen-Weibchen mit
zwölfbeeriger Eiertraube.
Die gröfste Zahl der Eier, in sechs u. dreifsigbeeriger Traube
(Fig. 1.) trägt ein unbeschriebenes Weibchen meiner Sammlung
(Tryph. cancer n.) Tr. varitarsus besitze ich mit neunbeeriger,
Tr. albovinctus mit funfzehnbeeriger Eiertraube. Einzelne Eier
im verlängerten Legstachel, wie dies Fig. 3. darstellt, fand ich
unter den Tryphonen meiner Sammlung bei Tr. elongator Grhst.,
rutilator Grhst., caudatus n., mergator n. und Sphinctus seroti-
nus Grhst. In Folgendem werde ich die Resultate meiner mi-
‚kroskopischen Untersuchungen dieses Gegenstandes im Auszuge
mittheilen.
Das eben gelegte, mit dem Knopf im Eileiter hängende Ei
der weiblichen Schlupfwespe ist vollkommen geschlossen, derb-
häutig, keulenförmig, an der Spitze abgerundet, an der Basis in
: *
n.\
155
einen längeren oder kürzeren Stiel auslaufend, dessen Substanz
die der Eischale selbst ist (Fig. 4—7). Giebt man dem Objecte
halbes Licht, so gewahrt man deutlich, dafs die Membram der
Eischale nicht einfach, sondern panzerähnlich gebildet ist (Fig.
11. 12.). In dem erweiterten Theile liegt ein, denselben fast ganz
ausfüllendes, eiförmiges Ei (Fig. 4—6.) im Innern mit Bläschen-
haufep, schwimmend in klarer Flüssigkeit, erfüllt. Die Membran
dieses inneren Eies wird später zur Larvenhaut, und schon vor
dem Zerplatzen der Eischale gewahrt man am oberen’ abgerun-
deten,Ende die allmählige Entwickelung der hornigen Kopfhaut
(Fig. 4). Das Ende des Stiels ist knopfartig erweitert, wie dies
aus den Abbildungen zu ersehen, der Knopf meist von derselben
derbhäutigen Masse wie der Stiel selbst, bei Tryphon rutilator
besonders groß, hornig, schwarz, spindelförmig, an einem Ende
gabelförmig gespalten, am vorderen gekrümmt und vor der stum-
pfen! Spitze: verdickt.
‚Bei Sphinctus serotinus ist der kurze Stiel der Eischale seit-
lieh iuserirt (Fig. 5.), wie dies, nach Degeer’s Abbildung auch
bei Paniscus der Fall ist (Fig. 7.). Die Lage des Knopfes im
Eileiter ist aus den Figuren 8 (der isolirte Eileiter von Tr. ruti-
lator von unten gesehen) und 9 (der ganze Legstachel im Durch-
schnitt) zu entnehmen.
Bei den Tryphonen mit Banchus-ähnlichem Hinterleibe (Tr.
[Moneblastus n.] caudatus Tig. 3. mergator, rutilator, elongator)
kommt stets nur ein meist gelbliches Ei im Legstachel vor und
ich habe sie hier nie anders als ungeöffnet gefunden. Dasselbe
ist bei Sphinctus der Fall. Bei den Tryphonen mit Ichneumonen-
ähnlichem Hinterleibe hingegen (bei Tr. [Polyblastus n.] cancer
Fig. 1., varitarsus, albovinctus, pinguis) finden sich deren meh-
rere, und zwar in verschiedenen Entwickelungs-Stadien, Die
äulsersten Eier sind die zuerst gelegten, die Eischale ist bereits
geplatzt, und die Larve sieht mit dem grofsen schwarzen horni-
gen Kopfe aus der Spalte hervor. Die mittleren Eier sind zwar
nicht geplatzt, aber die schwarze Hirnschale scheint an der Spitze.
durch, und dunkelt diese. Die hintersten jüngst gelegten Eier
sind ganz und einfarbig weils oder gelb — letzteres nur bei Tr.
Pinguis. Hier hat man also die engste Entwickelung der geleg-
ten Eier in fortlaufender Veränderung vor Augen, die darin be-
»
8
156
ruht, dafs die Spitze der Eischale der Länge nach spaltet (Dal
dies auch bei der von Degeer beobachteten Larve der Fall ist,
zeigt seine Abbildung, Fig. 16. unserer Tafel, und es ist wohl
ein Irrthum, wenn Degeer sagt, dafs die obere Hälfte der Ei-
schale abfalle), worauf mit dem allmähligen Wachsen der Larve,
diese immer weiter mit dem Körper aus dem Kelche hervortritt.
Bis jetzt ist es mir nicht geglückt, die weilere Entwickelung
und Lebensweise der Larven zu erforsehen, doch können hier
Degeer’s Beobachtungen mit ziemlicher Sicherheit als ergän-
zend angenommen werden. Fig. 17. habe ich den Kopf und die
ersten Segmente einer Selandrien-Raupe meiner Sammlung, mit
dem, genau zwischen Kopf und Prothorax abgelegten gestielten
Ei einer Schlapfwespe abgebildet.
Bei einiger Behutsamkeit gelingt es ganz gut, die lebende
Larve zwischen Glasplatten aus ihrer Schale herauszudrücken,
ohne dafs dabei der Körper verletzt wird, der demnach mit der
Schale selbst in keiner Verbindung steht. Fig. 11. habe ich die
in der Eischale steckende Larve mit hervorstehendem Kopf von
der Seite, Fig. 12. von unten, Fig. 13. die Larve aufser der Ei-
schale abgebildet. Die Kopfbildung; der Larven ist so eigen-
thümlich, dafs sie sich in dieser Hinsicht mit keiner anderen
Aderflüglerlarve auch nur entfernt vergleichen lassen *). Der Kopf
*) Eine Kenntnifs der parasitisch lebenden Wespen-Larven habe ich
mir auf eigenthümliche Weise, und zwar dadurch zu verschaffen gewufst,
dals ich aus Raupen, Puppen oder Coccons, welche mir Parasiten gelie-
fert hatten, die letzte abgestreifte Larvenhaut derselben hervorsuchte,
aufweichte, und deren Mundtheile, denn dies ist ohnehin das einzige Cha-
rakteristische derselben, mikroskopisch untersuchte. Bei einer Auswahl
unter 4—500 von mir selbst gezogener Parasiten ist es mir geglückt,
den Larvenstand dieser Thiere wenigstens in allgemeinen Umrissen nach
Gattungs- Charakteren zu bezeichnen. Art-Charaktere werden sich, mei-
ner Ueberzeugung gemäls, bei den Larven dieser Insekten- Gruppe nie,
wenigstens nur für sehr-einzelne Fälle aufstellen lassen. So gilt auch
hier, was ich von den Larven der Tryphonen berichte, nur für die ge-
nannten Arten, für sie aber allgemein, wohingegen andere Tryphonen-
"Larven, z. B. die der Gattung Exenterus n (Tryphon Grhst. tibiis po-
sticis spinis apicalibus nullis, mediis unispinosis e. gr. Tr. margina-
torius Grhst.), die von Tryphon aulicus, die der Scolobaten, Metopi
und ächten Mesolepten, bei weitem weniger von der allgemeinen Bildung
abweichen.
157
bildet, in..den mir allein bekannten früheren Entwickeluagssta-
dien über 4 der ganzen Körperlänge. Seine Längenachse ist
nieht parallel der des übrigen Körpers, sondern durehschneidet
diese in einem Winkel von eirca 140 Graden, so dals der ganze
Kopf unbeweglich nach der Brust gekrümmt erscheint. Der ganze
obere Theil des Kopfes wird von zwei Hirnschalen (Fig. 15. a. a.)
und einem langgedehnten hornigen Kopfschildchen. (Fig. 15. 2.)
zwischen denselben beschützt. Schon darin liegt.ein wesentli-
cher Unterschied von allen übrigen mir bekannten Aderflügler-
Larven, dafs das Kopfschild, welches sonst stets nur bis zur Mitte
des Kopfes hinaufsteigt (Fig. 17.), hier bis zum Binterrande der
Hirnschale sich erstreckt, und. letztere vollständig trennt. Der
Hirnschädel selbst ‚ist: von einer derben hornigen Substanz und
glänzend’ schwarz. Etwas unter der Gesichtsmitie, dieht neben
dem Kopfschildehen steht jederseits ein aulsergewöhnlich kleiner
Fühlerfleck. Augen fehlen wie bei allen Aderflüglerlarven,
mit Ausnahme der Blattwespen, gänzlich. Dem vorderen Rande
der- hornigen Kopfschale ist. eine. häutige ungefärbte Oberlippe
angehängt (Fig. 12. 14. 15. c.), welche die Mandibeln bedeckt, in
der Mitte zwei kleine dunkle Hornflecke irägl. Die Mandibeln
sind lang, ungezähnt, scharf zugespitzt, gewöhnlich gebildet, aber
in der Mitte so stark gebogen, dafs sie mit den Spitzen in den
Mund hinein stehen, also wahre Haken. Ihrer Basis ist der ge-
wöhnliche Kauknochen angehängt. Die Unterlippe (d@.) ist weich,
häutig, warzig; die gewöhnlichen Tasterwärzchen habe ich nicht
aufgefunden. Dieser ganze Theil ragt bedeutend, fast sackähn-
lich hervor, und ist beim lebenden Insekt in einer steten Bewe-
gung, indem die Membran abwechselnd eingezogen und aufge-
bläht wird, eine Verrichtung, die mit dem Geschäft des Saugens
in Verbindung zu stehen scheint. Die Basis der Unterlippe wird
durch das gewöhnliche Zungenbein, dessen unterer Theil breit,
hornig, dreispitzig ist (Fig. 11. 12. e.), gestützt; die Spinnöffnung
hat eine hornige Einfassung ; den gewöhnlichen Spinnknochen
an den Seiten des Zungenbeins vermisse ich hingegen. ‘Fig. 14.
habe ich zur bessern Versinnlichung den Kopf der Larve etwas
on der Seite und schräg von vorn gesehen, Fig. 15. von oben
und schräg von hinten gesehen in Umrissen dargestellt.
Ungewöhnlich ist ferner die Stellung der Prothorax-Stigmen,
158 »
welche, wie’ dies die Figuren 13 und 15. nachweisen’ auf dem
Rücken des Prothorax, dicht hinter der Hirnschale nahe bei ein-
ander stehen. Der übrige, madenfarbige,-mitunter gelbe;; zwölf
ringige walzige Körper hat nichts weiter Auszeichnendes und
mag die unter No. 13. gegebene Abbildung für das Weitere ge-
nügen.
Nur die’ eiertragenden Tryphonen mit vide
lassen sich mit Bestimmtheit von Tryphon Grhst. trennen, indem
die Klauen beider Geschlechter, ‘wie bei den Ophionen'bis' zur
Spitze stark kammzähnig sind (Fig. 18. von Tr. cancer n.), ein
Charakter, den schon das einfach geschärfte Auge herausfindet.
Ich würde daher für diese, schon wegen ihres, sowohl in Form
als Wesen so sehr abweichenden Larvenstandes, bestimmt 'von
Tryphon zu trennende Gruppe den Gattungsnamen Polyblastus
vorschlagen. Die Klauen der Tryphonen mit einfachem’ Ei im
Tegstächel sind, wie die aller übrigen Tryphonen nur an der
Basis mit einigen zugespitzten Zähnen besetzt, die gleich so
tief stehen, dafs sie ohne Zergliederung selten wahrnehmbar sind
(Fig. 19.). Will man diese von Z’ryphon Grhst. trennen), 60: ist
die Banchus-ähnliche Form des Hinterleibes und der 'hervor-
stehende Legstachel, der einzige beachtenswerthe Charakter der-
selben. Man könnte die Gruppe als Monoblasten bezeichnen.
Schliefslich erlaube ich mir noch die Bemerkung in Bezie-
hung auf das’ oben angekündigte Werk, dafs dasselbe nach’ fol-
gendem von mir entworfenen System der Aderflügler
tibiis antieis
spinis apicalibus
duabus
tibiis antieis
H. phyllophaga
(Blattwespen)
abdomine con-
trochanteribus sus spinis apicalibus H. ylophaga
S ee Re uf (Holzwespen)
S) . ditrocha
B abdomine vel sessili vel petiolato Sc 6 =
wespen
S
SD [trochanteribus ( tarsis basi simplieibus H. rapientia
inarticulatis (Staubwespen)
H. monotrocha | tarsis basi plerumque dilatais MH. anthophila
(Blumenwespen)
entworfen und geordnet ist. Die erste Abtheilung wird die Ein-
leitung zur Geschichte der Aderflügler und, nebst meinen Erfah-
159
rungen über den Larvenstand der Blatt- und Holzwespen,
eine vollständige Uebersicht sämmtlicher bisher bekannt gewor-
denen, deutschen Aderflügler dieser Gruppen und zwar 381 Blatt-
wespen-Arten, worunter über 96 Arten neu entdeckt oder noch
unbeschrieben sind, und 20 Holzwespen-Arten, gewähren. Die
bereits beschriebenen, im Larvenstande noch nicht beobachteten,
oder ökonomisch unwichtigen Arten sind nur mit der Diagnose
bezeichnet, während alle von mir neu aufgefundenen oder bisher
unbeschriebenen, so wie die schon früher bekannt gewordenen,
ökonomisch wichtigern Insekten speciell beschrieben sind.
Die beiden nächstfolgenden Abtheilungen, von denen die
erste, Ichneumonides genuini Grlist., bereits gröfstentheils bear-
beitet ist, werden in gleicher Art und Weise die parasitischen
Aderflügler umfassen. Für diese Theile ist meine Sammlung be-
sonders reich an unbeschriebenen Arten. Indem ich vorzugs-
weise in den ausgedehnten Kiefer-Waldungen der Marken und
Pommerns sammelte und Kiefer-Insekten in Zwingern erzog,
mulsten, bei der Bestimmtleit, mit welcher die Schlupfwespen
innerhalb gewisser Grenzen auf gewisse Ernährer angewiesen
sind, viel unbekannte Parasiten in’meine Hände fallen, da gröfsere
Kieferwaldungen, wenigstens bisher, seltener von sammelnden
Entomologen besucht wurden, als die an Insekten- Arten reiche-
ren Laubholzwälder, Gärten und Wiesen. So wird z. B. die Zahl
der von Hrn. Gravenhorst beschriebenen Arten der Gattung
Pimpla, allein aus meiner Sammlung von 30 auf 49 gesteigert.
Die Zahl der von mir selbst gezogenen Parasiten beläuft sich
weit über 400, von denen mindestens 2 unbeschrieben sind. Mit
Hinzuziehung der früheren Beobachtungen ergiebt sich hieraus
schon eine recht hübsche Uebersicht des Wirkens Heer Insek-
tengruppe, die um Vieles noch gewinnen würde, wenn es neue-
ren Beobachtern gefallen wollte, mir ihre Beobachtungen mitzu-
theilen, die ich, mit dem gröfsten Danke, aufzunehmen bereit bin.
Beobachtungen über den Dachs.
Voir
Stanisl. Const. v. Siemuszowa -Pietruski,
mehrerer gelehrten Gesellschaften Mitgliede,
In Mai des Jahres 1833 bekam ich zwei junge Dachse, ein
Männchen und ein Weibchen, welche höchstens 4 Wochen alt
waren. Während der ersten Tage ihrer Gefangenschaft waren
diese Thierchen ziemlich scheu, indem sie aus Furcht Tag und
Nacht in einen Ballen zusammengerollt zu schlafen schienen. In
5 Tagen verging jedoch ihre Furchtsamkeit gänzlich, so dafs sie
das ihnen vorgehaltene Futter aus den Händen nahmen. Sie
frafsen Alles, Brod, Früchte, Milch, am liebsten jedoch rohes
Fleisch. - Anfangs hielt ich sie in meinem Wohnzimmer, und sie
waren so zabm und zutraulich, dafs sie auf den ihnen gegebenen
Namen, wie kleine Hunde nachliefen. Ich erhielt sie auf diese
Art in meinem Zimmer 3 volle Wochen, bis sie mir endlich
durch ihre Unruhe bei der Nacht und durch die immerwährende
Lust zum Graben lästig wurden. Dieses bewog mich, für sie
einen grolsen Käfig von Eisenstäben machen zu lassen, nach Art
der Thierbehälter der Menagerie-Inhaber. Dieses Behältnils war
draulsen an der Wand meines Hauses angebracht. In diesem
Käfig behielt ich meine Dachse den ganzen Sommer hindurch.
Das Reinhalten wurde jedoch pünktlich beobachtet. ‚Erst mit
Annäherung, des Herbstes fühlte ich die Unmöglichkeit: meine
Thierchen hier länger halten zu können. Starke Fröste verhin-
derten das Reinhalten, und ihr Fell wurde schon Anfangs Oclo-
bers sehr schnutzig. Ich beschlofs daher, sie ganz naturgemäls
zu halten und dieser Versuch glückte mir folgendermalsen vollens.
Ich liels zu diesem Zwecke über einen ummauerten Graben, wel-
cher 20 Ellen im Durchmesser hatte, noch einen ordentlichen
Zaun ziehen. Im Zaune befand sich eine Eingangsthür, durch
wel-
161
welche man mittelst Treppen in den Graben eingehen konnte.
Im Graben inwendig liefs ich ein 6 Schuh’ langes, 6 Schuh brei-
tes und 4 Schuh hohes Häuschen bauen, mit einer kleinen Ein-
gangsthür. In diesen Graben nun wurden meine Dachse einge-
lassen, die sich bald gewöhnten. In ungefähr 10 Tagen fingen
sie schon an, eine naturgemälse Höhle zu bauen. Bewunderungs-
würdig war dabei ihre unermüdete Thätigkeit. Sie gruben im-
mer mit ihren Vorderpfoten; der Hinterfülse bedienten sie! sich,
um die herausgegrabene Erde aus dem Loche hinauszuwerfen.
Das Weibchen war bei diesem Geschäfte viel thätiger, als das
viel schönere und gröfsere Männchen. ‘Innerhalb 2 Wochen war
schon die Höhle 5 Schuh tief, aber noch immer innerhalb des
für sie gemachten Häuschens. Jetzt wurde alle mögliche Thä-
tigkeit angewendet, um sich diese Höhle zu erweitern,. damit
die zwei Thiere bequem darin schlafen könnten. Es mangelte
ihnen‘noch an- einem guten Lager, und als ich bemerkte, dafs
sie das in ihrem Bezirke befindliche Gras pflückten und ihrer
Höhle zutrugen, liefs ich ihnen frisches Heu holen, welches sie
sehr gut zu benutzen waulsten. Es gewährte einen sehr anzie-
henden Anblick, wie sie die ihnen vurgeworfenen Heubündel
nach Art der Affen zwischen ihre Vorderpfoten nahmen, und so
ihrer Wohnung zutrugen. Das fortwährende Graben dauerte
doch noch immer, und ich ‚hatte das Vergnügen zu bemerken,
dafs meine Thiere neben der ersten Höhle, welche zur Schlaf-
kammer bestimmt war, noch eine andere gruben; diese wurde
zur Vorrathskammer bestimmt. Bald darauf machten sie noch
eine dritte kleinere Höhle, wo sie sich ihrer Exeremente entle-
digten. Es war aber noch immer nur ein Ausgang und zwar immer
noch innerhalb des für sie gemachten-Häuschens vorhanden; aber
nun wurde alle mögliche Mühe verwendet, um sich einen zwei-
ten Ausgang aulserhalb des Häuscheus zu machen. Als sie die-
ses bezweckt hatten, waren sie vollkommen frei, indem sie,
obgleich die Thür des Häuschens zugemacht war, aus- und ein-
gehen konnten, und wenn sie einmal in dem Graben waren,
konnten sie durch Zaunlöcher, welche grols genug waren, auch
in den Garten gelangen. Sehr schön war es, zuzuschen, wie sie
in schönen hellen Nächten im Garten zusammen spielten. Sie
bellten, wie kleine Hunde, murmelten wie Murmelthiere, um-
HIT. Jahrg. 1. Band. 11
162
armten einander zärtlich wie Affen, und trieben tausenderlei. lu-
stige Possen.- Wenn ein Schaaf oder Kalb in der Gegend kre-
pirte, so waren die Dachse immer bei dem Aase die ersten.
Unglaublich fast war es zu sehen, was sie für grolse Stücke
Fleisch Viertelmeile weit in ihre Höhle schleppten. Das Männ-
chen entfernte sich selten von seiner Wohnung, aufser wenn es
der Hunger trieb. Das Weibchen folgte mir aber auf allen mei-
nen’Spaziergängen bis in die benachbarten Dörfer, wie eine Hün-
din nach. Die Monate‘ December und Januar verschliefen sie
in der Höhle; im Februar wurden ‚sie lebhafter. In diesem Mo-
nate wurde das zweijährige Weibchen läufisch. Die Begattung
ging den 30. Februar von Statten, und zwar Abends. Das Weib-
chen legte sich auf den Rücken und empfing umarmend das
Männchen. Die Brunstzeit dauerte bis zum 15. März, also zwei
Wochen, wo mich ein Unglück der Freude beraubte, meine Be-
obachtungen weiter fortsetzen zu können. Das trächtige Weib-
chen wurde den 1. April in einem benachbarten Walde in Eisen,
die man auf Füchse gestellt hatte, gehugen, und von unkundi-
gen Jägern erschlagen.
Steganotoma'’) nou gem
von
Dr. FH. Troschel.
(Hierzu Taf. III. Fig. 12— 13.)
®
Unter den Conchylien des. französischen Reisenden Lamare
ER BER Sammlung, meist aus ostindischen Arten be-
stehend, auf Befehl Sr. Maj, des Königs für die zovlogischen
Museen der Preufsischen Universitäten angekauft ist, befindet sich
eine Art, welche, obgleich der Gattung Cyclostoma nahestehend,
doch unbedingt eine eigene Gattung bilden mufs. Sie zeichnet
sich durch eine ganz eigenthümliche Bildung der Apertur aus,
was offenbar. mit den Organen des Thieres in genauem Zusam-
menhange steht. Um so mehr ist es zu bedauern, dafs nur die
Schalen vorhanden sind, da doch gewils eine Untersuchung des
Thieres interessante Resultäte geben würde.
Das Charakteristische der Gattung besteht in einem tiefen
Einschnitt am Ladrum, der oben dicht an der vorhergehenden
Windung sich findet. Er krümmt sich ein wenig der frühern
Windung zu und ist unten abgerundet, wie Taf. III. Fig. 13. zeigt.
Schon. das Vorhandensein dieses Einschnittes würde die Trennung
von. der Gattung Cyclostoma veranlassen, wenn auch keine an-
dere Kennzeichen hinzukämen, und es würde dann diese neue
Gatlung Steganotoma zu Cyclostoma Lam. etwa in dem Verhält-
nisse stehen, wie Pleurotoma zu Fusus, welche sich im Wesent-
lichen nur durch das Vorhandensein ‚oder Fehlen eines ähnlichen
Einsehnittes im Labrum unterscheiden. Es ist jedoch die Bil-
dung der Apertur der vorliegenden Schalen nicht so einfach, und
*) von oreyavog bedeckt, mit einem Däche versehen, und zo) der
Einschnitt.
11 *
164
etwas Analoges ist mir in der Conchyliologie nicht bekannt. Es
scheint nämlich, als wenn das Gehäuse aus zwei ineinanderste-
ckenden gewundenen Röhren bestände, deren jede einen beson-
dern Mundsaum hätte. Der innere ist ziemlich scharf, nicht um-
gelegt, steht elwas vor dem äufsern vor, und er ist es, in dem
allein der charakteristische Einschnitt sich befindet. Der äulsere
Rand dagegen ist etwas umgelegt. daher etwas kürzer und bildet
so fast in dem ganzen Umfauge der Apertur aufsen eine scharfe
Wulst. An der Stelle, ‚welche dem Einschnitt des innern Mund-
saumes entspricht, erhebt sich der äufsere in eine starke Wöl-
bung, und bildet so gleichsam ein Dach über dem Einschnitt, so
_ dafs die entsprechenden Theile des Thieres, die wir leider nicht
kennen, durch die Spalte treten können, ohne deshalb einer fe-
sten schützenden Hülle zu entbehren (Taf. IH. Fig. 12.).
Uebrigens hat die Schale ganz das Ansehn eines Cyclostoma.
Sie ist schr niedergedrückt, fast scheibenförmig,. Die Umgänge
sind eylindrisch, allmählig weiter werdend, durch tiefe Nähte
getrennt, und lassen einen weiten offenen Nabel. Die Mündung
ist kreisrund. Ob alle etwa noch zu entdeckenden Arten dieser
neuen Gattung ebenfalls ein niedergedrücktes und weit genabel-
tes Gehäuse haben, ist sehr ungewils, und sogar unwahrschein-
lich, wenn man an die Verschiedenheit, welche sich in dieser
Hinsicht in der Gattung Cyclostoma zeigt, denkt. Daher können
diese Merkmale noch nicht in den Gattungscharakter aufgenom-
men werden.
Ein Deckel ist vorhanden, und zwar ist er von einer eben-
falls ganz besondern Bildung.‘ Seine äufsere Fläche ist stark
eoncav, die innere dagegen stark convex, weshalb der Deckel
tief in die Schale hineinragt. Sollte vielleicht der Einschnitt in
der Apertur dazu dienen, die Communication der Luft mit dem
Thiere bei geschlossenem Deckel zu erhalten? Dann würde
wohl ein solcher Deckel bei allen Arten vorkommen, und somit
in den Gattungscharakter aufgenommen werden müssen. Ob diese
Bildung aber der Gattung zukommt ‘oder nur der Art, kann nicht
entschieden werden, bevor mehrere Arten dieser interessanten
Gattung bekannt sind.‘ Die Bildung des Deckels kann also auch
noch nicht in den Gatiungscharakter aufgenommen werden, da
doch ohne Zweifel eine Art mit dem Einschnitt und dem Dache
f
N
165
darüber in 'diese Gattung gehören würde, wenn sie auch einen
Deckel ganz anderer Art hätte. Deshalb bleibt auch die Beschrei-
bung des Deckels bis zu der Beschreibung der Art vorbehalten.
Nach allem diesem würde sich der Gattungscharakter etwa
so stellen lassen:
Steganotoma.
Testa —, anfraetibus eylindraceis, apertura rotunda, labro
prope anfractum praecedentem incisura profunda praedito, ineisura
lamina distante extus tecta. - Operculum.
Hierher als einzige bis jetzt bekannte Art:
Steganotom« picta.
St. testa depressa, suborbieulari, solida, albida, fascia fusca
eineta, maeulis striisque fuscis fulgurantibus, radiatis pieta; supra
subplana, spira prominula, infra late umbilicata; anfractibus sub-
senis, eylindraceis; suturis profundis; opereulo acetabuliformi.
Das Gehäuse ist niedergedrückt, fast kreisförmig, fest, we-
nig durchscheinend, wenig glänzend. Auf dem schmutzig wei-
sen Grunde finden sich aufser einer braunen Binde, welche auf
der Mitte der Windungen verläuft, Flecke und blitzähnlich ge-
sehlängelte Linien von derselben Farbe, die strahlenföormig vom
Mittelpunkte auslaufen, doch so, dafs sie auf der obern Fläche
breiter und dunkler, auf der untern dagegen schmaler und heller
sind. Die obere Fläche ist fast eben, und die Spira springt nur
wenig hervor; die untere stark concav, und bildet einen offenen
weiten Nabel, in dem man fast alle Windungen verfolgen kann.
Die Windungen sind genau eylindrisch, 'nehmen allmählig an
Weite zu, und legen sich nur in einer sehr schmalen Fläche an-
einander, so dais die runde Gestalt der Mündung durchaus nicht
durch die vorhergehende Winduug verändert wird, und dafs so-
wohl auf der oberu als unteru Fläche tiefe Nähte entstehen. Die
Mündung ist schon im vorigen genau beschrieben ‘worden.
Thier —?
Durchmesser der Schale 8“ (Par. M.);' Höhe der Schale 34%;
Durchmesser des Deckels 23”, Höhe des Deckels 14.
Der Deckel (Taf. II. Fig. a, 5, ec.) zeichnet sich durch eine
saugnapfähnliche Gestalt aus. Die äulsere eoncave Fläche ist glatt,
glänzend, braun. Auf der innern convexen Fläche windet sich
eine Lamelle in sieben bis acht ziemlich engen Windungen schrau-
166
benförmig nach dem Gipfel oder Mittelpunkt hin, und läfst oben
einen mehr oder weniger grolsen runden, braunen, etwas glän-
zenden Fleck frei, der durchscheinend 'ist.
Fundort: Bengalen, gesammelt von Lamare Pi
i
Neue Sülswasser-Conchylien aus dem Ganges
von Demselben. |
In der LamarePicquotschen Sammlung befinden sich überdiefs
besonders schöne Land- und Sülswasser-Conchylien, auf deren
Bestimmung ich viel Zeit und Mühe verwendet habe. Alle zu-
gängliehen, Hülfsmittel ‚der Berliner Königlichen Bibliothek sind
sorglältig benutzt worden, und obgleich leider derselben einige der
neuesten. ‚kosibaren Reisewerke noch fehlen, so halte ich mich
doch für. ‚überzeugt, dals die nicht zu bestimmenden hierher ge-
hörigen Conchylien der Wissenschaft neu sind. Denn. sollten
dieselben bereits in gröfsern hier fehlenden Werken beschrieben
sein,,so würde, deren doch ohne Zweifel schon in Zeilschriften
Erwähnung 'gethaa, sein. — Wenn gleich die Aufstellung und Be-
schreibung neuer Arten nicht das Erste und Wesentlichste in der
Wissenschaft ist, so kann ich doch unmöglich mit denen über-
einstimmen,. welche. mit Unwillen auf dieselben als auf einen
unnützen Ballast der Wissenschaft herabblicken. Besonders: ist
die Betrachtung der Formen eiuer gewissen Lokalität gewils nicht
ohne Interesse, und aus dem Gesichtspunkte, dafs die folgenden
Beschreibungen einen Beitrag zu der Fauna von Bengalen liefern,
glaube ich dem Tadel der Artengegner zu entgehen. Wohl hätte
ich gewünscht, dals dieser Aufsatz von Abbildungen begleitet
würde, indessen liefs dies die Einrichtung des Journals nicht zu.
Die Abbildung bleibt. daher für einen andern Ort vorbehalten.
Für jetzt beschränke ich mich auf die Sülswasser -Conchylien;
die Laud-Couchylien werden in einem der nächsten Hefte folgen.
167
Limnaeus Lam.
1) Limnaeus patulus nov. sp.
L. testa imperforata vel vix rimata, ovato-acuta, tenuissima,
pellueidissima; spira mediocri, acuta; ullimo aniraetu ventricoso,
3 testae longo, margine exteriore patulo. Anfr. 5—6.
Das Gehäuse ist ungenabelt, länglick eiförmig, mit ziemlich
ausgezogenem sehr spitzem Gewinde, hell gelblich hornfarbig,
mit einem Stich ins Rothe, sehr leicht und zerbrechlich, seiden-
artig glänzend, regelmälsig und nett der Länge nach fein gestreift.
Von den 5—6 Umgängen ist der letzie bei weitem der grölseste,
so dafs er 2 der ganzen Schale ausmacht; er ist nie mit einer
stumpfen Kante, wie dies bei L. stagnalis gewöhnlich ist, ver-
sehen, sondern wölbt sich flach von der.Spira zur Basis hin.
Die Spira, deren Windungen etwas gewölbt, und in merklichen
Nähten vereinigt sind, ist kegelförmig und geht in eine sehr
feine Spitze aus, die meist dunkelbraun und glänzend ist. Die
Mündung ist länglich eirund, hei ganz ausgewachsenen Exempla-
ren halbkreisförmig, immer vorn breit gerundet, hinten einen
spitzen Winkel bildend. Die Columella verhält sich ganz ähn-
lich wie bei L. stagnalis, und ihr Rand ragt etwas in die Mün-
dung hinein. Die Columellarplatte liegt fest au der vorletzten
Windung an, und läfst nur selten die Spur einer Nabelritze. Der
Aufsenrand ist sehr weit vorgezogen, besonders nach vorn zu.
Länge des Gehäuses 20” *); Breite der letzten Windung 11°;
Höhe der letzten Windung 6°; Länge der Mündung 15°". ;
Thier: — ?
Anm. Diese Art, welche sich durch besondere Nettigkeit auszeich-
net, ist am meisten dem L. stagnalis verwandt, unterscheidet sich jedoch
wesentlich von ibm durch den vorgezogenen Aulsenrand bei erwachse-
nen Exemplaren, durch die kürzere Spira, und durch die geringe Wöl-
bung des letzten Umganges.
2) Limnaeus sulcatulus nov. sp.
L. testa rimata, ovata, acuta, tenui, longitudinaliter suleata;
spira mediocri, acuta; ultimo anfraciu 2 testae longo; apertura
ovata, plica columellari profunda. Anfr. 5—6.
Das Gehäuse ist eiförmig mit ausgezogenem spitzen Gewinde,
*) Die Maafse sind in Pariser Linien angegeben.
168
hellgelb hornfarbig, und geht durch Ausbleichen gern in eine
milchweilse Farbe über, wobei es jedoch seinen Glanz ziemlich
behält; es ist zerbrechlich, aber doch in geringerem Grade, wie
L. patulus, auch bei weitem weniger durchsichtig, zumal in dem
so eben erwähnten ‚milchweilsen Zustande, in dem sich die mei-
sten vorhandenen Exemplare befinden, und zu dem selbst die
frischesten schon hinneigen. Die letzte Windung ist bauchig,
wölbt sich ziemlich flach von der Spira zur Basis hin, und ist der
Länge nach regelmälsig und seicht gefurcht. Diese Furchen ma-
chen einen Bogen nach dem Aulsenrande der Apertur hin, was
darauf hindeutet, dafs sie durch das fortschreitende Wachsthum
der Schale entstanden sind; parallel mit diesen Furchen ist die
Schale, wenn man sie durch die Loupe betrachtet, fein gestreift.
Die Spira, welche aufser der letzten noch aus 4—5 Windungen
besteht, die durch eine bemerkliche Nalıt verbunden werden, ist
kegelförmig, und geht in eine feine Spitze aus, die mit einem
dunkelbraunen hellglänzenden durchsichtigen Punkte, der ersten
Windung, endigt. An der Spira bemerkt man ebenfalls, wenig-
stens an den spälern Windungen derselben, die Furchen. Die
Mündung ist länglich eirund, vorn ausgerundet, hinten spitz. Die
Columellarfalte ist sehr tief, und in ihr schliefst sich die Colu-
mellarplatte nicht genau an die Mündung an, sondern läfst einen
sehr deutlichen Nabelritz offen. Der Aufsenrand ist nie vorge-
zogen, sondern im Gegentheil häufig in der Mitte etwas ange-
drückt, scharf und schneidend.
Länge des Gehäuses 15”; Breite der letzten Windung 8”,
Höbe der letzten Windung 7°; Länge der Mündung 10’,
Thier: — ?
3) Limnaeus amygdalum nov. sp.
L. testa imperforala vel vix rimata, colore stramineo vel
eycaceo, nilida, ovata; spira medioeri, acuta; ultimo anfractu $
testae longo, margine exteriore, plus ‚minus adpresso. _Anfr. 5,
rarissime 6.
Das Gehäuse ist gewöhnlich ungenabelt, eiförmig, mit aus-
gezogenem spitzigen Gewinde, strohgelb oder sagofarbig (eyca-
ceus), mit Wachsglanz. In der Festigkeit steht es dem Z. sul-
catulus kaum nach, doch ist es um etwas mehr durchscheinend.
Die letzte Windung ist bauchig, wölbt sich nicht eben stark
'
169
von der Spira zur Basis hin, und ist der Länge nach meist ziem-
lich regelmäfsig und seicht gefurcht, worin es mit L. sulcatulus
übereinstimmt. Die Furchen sind besonders nach der Naht, die
die letzte Windung mit der vorhergehenden macht, deutlich und
von grolser Regelmäfsigkeit und Zierlichkeit. Charakteristisch ist
für diese Art die Neigung ein gegiltertes Ansehn zu gewinnen.
Dies geschieht jedoch nicht durch Querstreifen oder Furchen,
sondern es bilden sich vielmehr gern in den Längsfurchen kleine
erhabene Querleisten, die jedoch nicht so regelmälsig vorkonı-
men, dafs ‚die benachbarten aneinanderstofsend Querleisten bil-
den soliten. Häufig bemerkt man aber Querstreifen, welche,
oline erhaben zu sein, nur ihren Grund in der abwechselnd grö-
[sern oder geringern Durchsichtigkeit haben. Die Spira ist aus-
gezogen und endet mit einem dunkelbraunen glänzenden Knöpf-
chen in eine scharfe Spitze. Die letzte Windung schliefst sich
so an die Spira an, dals dadurch kein bedeutender Winkel, son-
dern nur eine leise Ausschweifung hervorgebrasht wird, und
die Schalen sind daher in Grölse und Gestalt den Mandeln nicht
unähnlich, Die Mündung ist länglich eiförmig, vorn ausgerundet,
hinten spitz. Die Columellarfalte ist bei weitem weniger tief
als bei L. sulcatulus, und die Columellarplatte, welche oft kaum
bemerklich, oft auch, besonders bei der var. cycacea sehr be-
trächtlich ist, lälst keinen oder doch nur einen sehr unbedeu-
tenden Nabelritz. Der Aufsenrand ist nicht vorgezogen, sondern
mehr oder weniger angedrückt, wodurch zuweilen ein fast birn-
oder flaschenförmiges Ansehn der Mündung hervorgebracht wird.
Länge des Gehäuses 13’; Breite der letzten Windung 8°;
Höhe der letzten Windung 6°‘; Länge der Mündung 91,
Thier: — ?
Anm. Diese Art ist, wie aus der Beschreibung hervorgeht, eine
gut unterschiedene. Es befinden sich unter den vorhandenen Exempla-
ren zwei verschiedene Färbungen, so dals man geneigt sein könnte, sie
als verschiedene Arten zu betrachten, da sich kaum ein Uebergang
von einer Farbe in- die andere findet. Da jedoch dies der einzige Un-
terschied ist, der sich bei genauerer Untersuchung, ergiebt, so scheint
es, dafs sie als Varietäten zu einer Species gestellt werden müssen. Es
kann ja auch eine Lokalverschiedenheit leicht auf die Färbung der Schale
einwirken. Wir unterscheiden also
«) Var. colore stramineo die sich durch ihre strobgelbe Farbe leicht
170
kenntlich macht, und bei der die Columellarplatte meist nur sehr schwach
angedentet ist;
£) var. cycacea wegen der dem getrockneten Sago so sehr ähnlichen
Farbe. Bei ihr ist die Columellarplatte stärker, und schon wegen der
Farbe schärfer begrenzt und kenntlicher.
4) Limnacus prunum nov. sp.
L. testa ovata, rimata, subglabra, subtiliter striata; spira
globoso-acuta, anfractibus convexis, suturis profundis; ultimo an-
fractu testae dimidium superante; apertura ovato-acuta. Anfr. 6.
Das Gehäuse ist verlängert eilörmig, ‚etwas bauchig, dünn,
fein und dieht der Länge und Quere nach gestreift, sehr hell
horngelb, seidenglänzend, durchscheinend. Von den sechs durch
eine tiefe Naht vereinigten Windungen ist die letzte grölser als
die Spira und gleichmälsig gewölbl, ohne eingedrückt zu sein.
Das Gewinde, dessen Umgänge sehr gewölbt erscheinen, endigt
in eine stumpfe Spitze. Die Mündung ist länglich, immer schma-
ler als bei den beiden folgenden Arten, vorn ausgerundet, hinten
spitz. Die Columella springt wenig in die Mündung hinein, son-
dern geht in der Richtung der Axe ziemlich gerade nach vorn
und ist sehr wenig bogig, so dals man sie auch nicht, wie bei
den meisten andern Arten, weit mit dem Gesichte nach ‚dem In-
nern der Schale verfolgen kann. Die Columellarplatte legt sich
sehr breil auf die vorletzte Windung, und läfst einen unbedeu-
tenden Nabelrilz offen. Die Columellarfalte ist nicht sehr tief.
Der Aufsenrand ist scharf und schneidend; er macht mit der
Spira keinen bedeutenden Winkel.
Länge des Gehäuses 12°; Breite der letzten Windung 7’,
Höhe der letzten Windung 6”; Länge der Mündung 8“.
5) Limnaeus cerasum nov. sp.
an Lymnea luteola Lam.?
L. testa subglobosa, rimata; spira prominula, acula; ultimo
anfractu ventricoso 2 testae longo; apertura ovato-acula. Anfr. 6.
Das Gehäuse nähert sich schon sehr der Kugelgestalt, was
durch die stärkere Wölbung der letzten Windung und durch die
weniger ausgezogene Spira hervorgebracht wird. Obgleich in
vielen Beziehungen eine Verwandtschaft dieser Art mit der vor-
‚hergehenden nicht zu läugnen ist, so berechtigt doch schon die
Verschiedenheit der Gestalt, abgesehen von andern kleinen Un-
171
terschieden, 'sie als verschiedene Species anzusehen, und da sich
beide in der Form etwa verhälten; wie die Pflaume zur Kirsche,
so haben wir: daher Gelegenheit genommen, sie'mit diesen Namen
zu. belegen: Die ‘folgende Art. ist;,ihnen auch verwandt, und
bildet in Hinsicht auf den Bau ‘der’ Schale ein Mittelglied.zwischen
beiden, doch ist sie mit, keiner von beiden. zu verwechseln. Das
Gehäuse ist ferner dünn, zerbrechlich, hell hornbraun, glänzend,
durchscheinend, meist der Länge nach mit gebogenen, glatten,
seiehten Furchen: versehen, die durch häufige kleine Querhervor-
ragungen gern ein gegittertes Ansehn gewinnen. Von den sechs
Windungen ist die letzte bei weilem die grölseste, und wölbt
sich ziemlich stark von der Spira zur Basis hin. Die Spira ist
kurz und ziemlich spitz. Die Windungen derselben sind weni-
ger gewölbt, als beit der vorigen»Art; und: deshalb »die' Nähte
weniger, obgleich immer noch merklich, vertieft. Auch in der
Gestalt weicht die Spira.von. der der an Art ab, indem bei
L. prunum die Wölbung derselben von der letzten Windung zur
Spitze convex, bei L. cerasum dagegen concay ist. Die Mündung
ist eiförmig, vorn, breit ausgerundet, hinten spitz. Die Colu-
mellarplatte ist breit umgelegt und dunkler als die Schale, und
läßst in der nicht eben tiefen Columellarfälte einen sehr geringen
Nabelritz offen.
Länge des Gehäuses 10“; Breite der letzten Windung 74‘;
Höhe der leizten Windung 6°; Länge der Mündung 8°.
Thier: — ?
6) Limnaeus nucleus nov. sp.
L. testa. oyata, vix rimata, cornea; anfraetu ultimo 2 testae
longo, impresso; apertura oyata, margine exteriore impresso suh-
cordala; margine eolumellari reflexo. Anfr. 6.
Das Gehäuse ist eiförmig, und erhält durch den Eindruck in
die letzte Windung ein fast Slaschen- oder birnförmiges Ansehn.
Es ist im Verhältnils zu der übrigen Limnaeen fest, matt glän-
zend, und etwas durchsichtig an der letzten Windung, nicht aber
an der Spira, welche fast immer mit‘ einem leichten schwärzli-
chen Ueberzuge, der sich auch häufig bis auf die Hälfte der letz-
teu Windung erstreckt, bekleidet ist. Von den 6 Windungen ist
die letzte die grölseste, und nimmt etwa 3 der Länge des Ge-
3
häuses ein. ‘Sie ist rundum nicht gleichmälsig von der Spira
172
zur- Basis gewölbt, sondern etwas eingedrückt.' wodurch, da in
den Nähten der Ansatz zu einer bedeutenden 'Wölbung genom-
men: wird, die Andeutung zu zwei stumpfen''Kanten entsteht,
von denen die nach der Spira zu'gelegene die bemerklichere ist.
Die Spira hat etwas gewölbte Umgänge, und vertiefte‘ Nähte,
doch nicht so stark, als bei L. pereger, mit‘dem man die 'in
Rede stehende Art noch am ersten vergleichen könnte; sie endet
spitz. Die Mündung ist länglich, ‚am Aufsenrande 'seicht, herz-
förmig, ausgeschnitten; der Colümellärrand legt sich um; die Co-
lumellarplatte ist weit ausgebreitet, dick, von hellerer Farbe als
das Gehäuse, und läfst keinen oder doch kaum einen Nabelritz in
der vertieften Columellarfalte.
Länge des Gehäuses 10°“; Breite der beh Windung 7;
Höhe: derselben 6; Länge der;Mündung' 7%,
Thier: — ?
7) Limnaeus impurus nov. sp.
IL. testa ovato-oblonga, rimata, tenui, subtiliter striata, füsca,
subolivacea; spira mediocri, acuta, suturis satis excavalis; ullimo
anfractu subventricoso, testae dimidium superante, aperlura ovata,
plica columellari nulla vel exigua. Anfr. 5.
Das Gehäuse ist länglich eiförmig,, fein gestreift, etwas durch-
scheinend, malt glänzend, von brauner ins Grüne spielender Far-
be, zerbrechlich. Alle Exemplare sind innen etwas schmutzig.
Von den fünf Umgängen ist der letzte grölser als die Spira, et-
was bauchig. Die Spira ist mälsig ausgezogen, kegelförmig, zu-
gespitzt. Die Windungen "derselben sind mäßig gewölbt und
vereinigen sich in ziemlich 'verlieften Nähten. Die Mündung ist
oval, vorn stark ausgerundet, hinten spitz. Die’ Columellarplatte
ist schmal umgeschlagen aber sehr deutlich; die Columellarfälte
ist so gering, dals der etwas umgeschlagene Columellarrand mit
der vorletzten Windung eontinuirlich zusammenhängt, und eine
nur wenig gebogene Linie bildet. Der Nabelritz ist gering, der
Aufsenrand scharf, schneidend.
Länge des Gehäuses 7“; Breite der letzten Windung 4;
Höhe derselben 3°; Länge der Mündung 4.
Thier: — ?
"Anm. Diese Art hat die meiste Verwandtschaft mit L. fuscus Pfeifl.
und L. cinetus Nob., unterscheidet sich jedoch wesentlich von beiden
‚173
durch die mehr bauchige letzte Windung, die schwächere Columellar-
falte und die Bag Farbe.
Paludina Lam.
1) Paludina obtusa nov. sp.
P. testa perforata, ventricosa, solida, subglabra, corneo-vi-
rente; spira exserta, apice obiuso; anfractibus quinis, inflatis,
suturis profundis.
Das Gehäuse ist’ genabelt, bauchig mit sehr stumpfem Apex,
fest, wenig durchscheinend, hellhorngrün, fast glatt, durch die
Loupe gesehen äulserst fein gegittert. Die fünf Umgänge nehmen
schnell an Weite zu, sind stark gewölbt, und lassen daher sehr
tiefe Nähte zwischen sich. Auf der letzten Windung bemerkt
man bei ganz allen Exemplaren durch schwärzliche Linien be-
merkliche Absätze, welche durch unterbrochenes Wachsthum ent-
standen sind. Ein Riel fehlt, doch ist die letzte Windung nach
der Basis zu ein wenig gedrückt, so dafs ganz dicht um den
Nabel herum ein Winkel entsteht. Die Spira ist ausgezogen,
hat aber eine sehr stumpfe Spitze. Mündung eiförmig, schräg,
innen weils, hinten ziemlich deutlich, vorn undeutlich gewin-
kelt. Der schwärzliche Mundsaum ist wegen der sehr dicken
Columellarplatte vollständig. Der Deckel ist leider an keinem
Exemplare vorhanden.
Läuge des Gehäuses bis 101°”; Durchmesser der leizten Win-
dung bis 9°; Länge der Mündung 5°. Diese Maalse sind nach
den grölsten vorhandenen Exemplaren genommen, die übrigen
sind meist nur 6° lang, die andern Maalse im Verhältnifs.
Thier: — ?
Anm, Diese Art könnte nur allenfalls mit P. unicolor Lam. und
P. carinata Swains. verglichen werden, unterscheidet sich aber sehr gut
von ersterer durch die vollkommen gerundeten Windungen der Spira, die
mehr. vertieften Nähte, und den stumpfen Apex; von letzterer durch das
Fehlen des Kiels, die stärkere Wölbung der Windungen, die bei weitem
tielern Nähte, den stumpfen Apex, durch die beträchtliche Columellar-
platte und das Vorhandensein des Nabels.
2) Paludina conica nov. sp.
P. testa conico-acuta, sublaevi, subpellucida, pallide cornea,
fasciis quaternis fuscis eincta; spirae anfraclibus planis, suluris
parum excavatis; ultimo anfractu subventricoso. Anfır. 8
174
Die Schale dieser niedlichen’Paludine ist spitz kegelförmig,
an der Basis abgerundet. Sie ist fast glatt, mit ganz feinen
Längsstreifen versehen, etwas glänzend und hellhorngelb, etwas
durckscheinend. Die Spira, welche aufser der letzten noch aus
7 wenig convexen Windungen besteht, ist sehr spitz; die letzte
Windung ist etwas bauchig und mit 4 braunen schmalen Binden,
die aber oft bis zum Verschwinden matt werden, umgeben. Die
Mündung ist fast eirund mit kaum verdickten Rändern. Die
Columellarplatte tritt kaum so weit vor, wie die Ränder: der
Mündung, so dafs ein ganz kleiner Nabel vor ihrer Mitte oflen
bleibt.
Länge 43”; Durchmesser der letzten Windung bis 3%;
Länge der Apertur 12”.
Thier: — ?
Anm. Eine Varietät mit einer scharfbegrenzten weilsen Binde auf
der Mitte der letzten Windung scheint nicht selten zu sein.
Melania Lam.
1) Melania varicosa nov. sp.
M. testa turrita, olivacea; anfractibus subcarinatis, parte su-
periore iongitudinaliter costatis,. parte inferiore transversim sul-
catis, ultimo subventricoso, varices irregulares formante. Anfr. 13.
Das Gehäuse ist thurmförmig und bei älteren Exemplaren
ist die Spitze meist etwas abgebrochen; es ist etwas durchschei-
nend, von olivenbrauner Farbe, und von gröfserer oder geringe-
rer Dunkelheit; gewöhnlich sind die älteren Exemplare die dunk-
leren. Die Windungen sind in der Mitte stumpf gekielt, und
werden dadurch in zwei Hälften getheilt, die sich in Ansehung
ihrer Oberfläche sehr von einander unterscheiden. Die der Spira
anliegende Hälfte ist nämlich regelmäfsig der Länge nach gerippt,
die der Basis anliegende Hälfte ist quer gefurcht. Die Windun-
gen legen sich so aneinander an, dals der Kiel nahe an der Naht
einer jeden Windung frei heraussteht; daher denn die ganze Spira
längsgerippt mit wenig gewölbten Windungeu aber sehr vertiel-
ten Nähten erscheint. Die Nähte sind nicht bei allen Exempla-
ren gleich tief, zuweilen jedoch so, dafs die Schale das Ansehn
einer Menge in einander geschobener Kegel gewährt. Die letzte ,
Windung ist fast bauchig und zeichnet sich in der Regel durch
|
|
i
175
einige stark hervorstehende unregelmäfsige Varices aus; die vor-
letzte Windung theilt diese Eigenschaft zwar zuweilen mit der
letzten, doch ist dies nicht häufig; daher denn auch jungen Ex-
emplaren die Varices fehlen. Die Mündung ist innen weils, ei-
rund; die Columellarplatte dünn, aber deutlich vorhanden; der
Aufsenrand ist scharf, schneidend, und nach der Basis zu sehr
weit vorgezogen.
Länge der Schale bis 30“; Durchmesser der letzten Win-
dung 10‘; Länge der Mündung 9“.
Thier: — ?
Anm. Als Varietät sehe ich ein Exemplar an, welches sich durch
lebhafte Färbung, durch das gänzliche Fehlen der Varices und dadurch
auszeichnet, dis die Längsrippen auf den Windungen nicht bis zur Naht
mit der vorhergehenden Windung reichen, sondern früher in stark vor-
tretenden spitzen Höckern nu und so noch eine glatte Vertiefung
bis zur Naht lassen, in deren Mitte eine schwache Querleiste verläuft,
2) Melania adspersa nov. sp.
M. testa turrita, apice truncata, subpellueida, iransversim
sulcata, suleis superioribus anfractus ultimi reberrime obsolelis,
longitudinaliter striata, fusco-viridi, maculis fuseis longitudinali-
bus raris adspersa; anfractibus convexis, denis, suturis excavalis.
- Das Gehäuse ist thurmförmig mit abgebrochener Spitze; es
ist etwas durchscheinend, was jedoch häufig durch einen roth-
braunen Ueberzug u es ist quergefurcht, etwa 10 Furchen
auf jeder Windung der Spira. Die Furchen der letzten Windung
sind oft nach hinten zu sehr gering, so dafs der Theil der letz-
ten Windung, welcher der Spira zunächst liegt, fast glatt wird;
es ist der Länge nach unregelmäßsig gestreift. Die Farbe ist ein
etwas ins Braune übergehendes Grün, mit seltenen länglichen
braunen Flecken bestreut. Dicht um die Coiumella herum win-
det sich eine 3 breite braune Binde, die, wenn gleich bei meh-
rern Melanien vorhanden, doch bei der vorliegenden besonders in
die Augen fällt. Die Spira ist schr weit ausgezogen, und besteht
aufser der letzten noch aus 9 gewölbten Windungen, die durch
vertiefte Nähte vereinigt werden. Die Mündung ist eiförmig,
innen weils; die braune Binde in der Nähe der Columella ist
innen sichtbar. Die Columellarplatte ist als dünner Anflug vor-
handen.
176
Länge der Schale 15‘; Durchmesser der letzten Windung
5°; Länge der Mündang 5°“.
Thier: — ?
3) Melania lineata nov. sp.
M. testa conica, exserta, tenui, subdiaphana, anfraetibus ap-
planatis, lineis elevatis spiralibus 7—8, quartm superiores ple-
rumque tuberculatae sunt, cinctis; aperlura ovato-acuta.-Anfr.10.
Das kegellörmige Gehäuse zeichnet sich durch grofse Nettig-
keit aus. Es ist dünn, etwas durchscheinend, matt, hell grün-
lich braun, mit ganz dunkelbraunen schmalen scharf begrenzten
Linien spiralförmig umgeben, die auf der Mitte von ziemlich star-
ken Erhabenheiten liegen, so dafs zwischen ihnen sich tiefe Fur-
chen befinden. Diese Vertiefungen sind bei ziemlich gleicher
Breite doch sehr verschieden tief. Im Allgemeinen werden sie
nach der Basis zu flacher und sind näher der Spira, wo.die Er-
habenheiten, auf denen die Linien verlaufen, zu kleinen Höcker-
reihen werden, am tiefsten. Es finden sich jedoch auch Exem-
plare, an denen die Höcker fast ganz fehlen, und an denen zwi-
schen den Linien sehr geringe Vertiefungen liegen. Solcher er-
habenen Linien finden sich auf der letzten Windung 6—9, auf
jeder der vorigen Windungen 3. Die 2—5 hintersten Linien
sind solche, die aus Höckerreihen bestehen, daher denn auck die
Spira meist gauz mit Böckern besetzt ist. Die ersten 4—5 Win-
dungen sind dadurch, dafs die Höcker der benachbarten 'Linien
verschmelzen, mit tiefen Längsfurchen versehen. Die letzte Win-
dung ist etwas bauchig und kürzer als die Hälfte der Spira, Die
Spira ist weit ausgezogen, spitz und terrassenartig, da die Win-
dungen von der obersten Linie an, sich fast im rechten Winkel
mit der vorigen Windung vereinigen, besonders an den Exem-
plaren mit den stärksten Höckern. Die Mündung ist eiförmig,
vorn ausgerundet, hinten spitz, innen glänzend und: weilslich.
Die Columellarplatte ist sehr dünn, nicht schr breit umgeschla-
gen, aber bei unbeschädigten Schalen scharf begrenzt. Sie ist
ganz durchsichtig, glänzend. Der Aufsenrand ist! nach vorn zu
stark vorgezogen und daher bogig ausgeschweift, durch die Li-
nien kaum etwas gezähnelt, scharf, schneidend.
Länge des Gehäuses 10’; Durchmesser der letzten Windung
4"; Länge der Mündung 43°. Thier: — ?
Ne-
177
Neritina Lam.
1) Neritina hamuligera' nov.'sp.
N. testa globoso-oblonga, crassa, alba, fasciis et lineis fle-
xuosis longitudinalibus pieta, sub epidermide pellueida, 'viridi-
fusca; spira mediocri; apertura alba; fauce callo hamüliformi 'in-
signito; margine columellari denticulato, fulve rer oper-
culi dente laterali bipartito. Anfr. 5.
Das Gehäuse ist dick, fast kugelig, etwas länglich, nicht
zerbrechlich, sehr fein gestreift, wachsglänzend, mit einer durch-
sichtigen grünlichbraunen Epidermis überzogen. Unter dieser ist
es weils mit breiten schwarzen Längsbinden, die mehr oder we-
niger nahe aneinander stehen; zwischen diesen finden sich zahl-
reiche, sehr zierliche, feine, gerade oder geschlängelte', ‘ebenfalls
schwarze Längslinien. Die letzte Windung ist bauchig und nahe
der Spira stark eingedrückt, so ‘dafs dem Ganzen ein fast flaschen-
oder birnförmiges Ausehn entsteht. ‘Die Spira ist etwas ausge-
zogen, mit wenig gewölbten Windungen, und schwächen Nähten.
Die Mündung ist 'halbkreisförmig, weils, glänzend. "Die Colu-
mella ist an der scharfen Kante 'fein gezähnt, und es 'sind an
ihr immer zwei seichte Einkerbungen bemerklich: die eine dicht
am Aufsenrande, die zweite’ fast in der Mitte, ‘wodurch denn
zwei Hervorragungen entstehen, die zwar nicht sehr’ bedeutend,
aber sehr eonslant sind, und von denen ‘die eine, welche dem
Aufsenrande näher liegt, besonders nach dem Innern der Schale
zu, sehr bemerklich ist. Die Columellarplatte legt sich dick und
breit auf die vorletzte Windung, ist weils und mit einem gel-
ben Flecke versehen, der nach allen Seiten hin allmählig' ver-
schwindet. Der Aulsenrand ist ziemlich scharf.‘ Tief innen‘ am
Gaumen liegt links nahe der Cohrmella eine starke hakenförmige
nach dem Rande zu concave Schwiele, welche ‘ohne Zweifel'zur
Einlenkung und Befestigung des Deckels dient. Obgleich'bei den
meisten, vielleicht bei allen Nerilinen; 'wenn auch in verschie-
dener Form, und besonders bei I. gagates Lam., der unsere#Spe-
eies am nächsten steht, eine Andeutung dieser Schwiele vorhan-
den ist, so ist sie doch bei der in Rede stehenden Art mehr als
bei irgend einer andern entwickelt.
Der Deckel ist’ auf der äufsern Seite glatt und glänzend, und
nur geringe Furchen, entsprechend dem fortschreitenden Wachs-
HIT. Jahrg. 1. Band. 12
178
thum, sind bemerklich. Die innere Fläche ist ebenfalls glänzend;
zur Seite steht ein. starker. platter oben abgestutzter Zahn, um
den sich dicht eine erhabene Leiste im Halbkreise windetz die
nach:der geraden Seite des’ Deckels hin in einen fast eben so hohen
Zahn ausläuft. ‘Io der Mitte des Deckels windet sich eine zweite,
Leiste entsprechend, ‚die aber weniger bedeutend ist; dicht am
gekrümmten Rande endlich ist die Spur einer dritten. Der Deckel
von NV. gagates hat: mit dem vorliegenden aulserordentlich viel
Aehnlichkeit, doch. ist er ‚bei gleicher Breite länger, und der
Hauptzahn, ist kleiner. Die Länge des Deckels bei N. gagates
ist 64, die ‚Breite 34“; die. Länge des Deckels vou IV. hamuli-
gera 54“, die Breite 33”.
Länge des Gehäuses 12‘, Breite 10°, Ar der Mindung See
Thier: — 2 / |
2) Neritina crepidularia Lam.
Lister Conch. tab. 601, f. 19.
N. testa.oblonga, Navicellae. similis, immaculata, spira Kari,
obliqua, margini postico incumbente; apertura: saturate flava,
intus incrassata; labro. acutoz;: margine shlumellant medio 8—10
dentibus erenulato. N
Die Schale ist fein Bestapilkz länglich ur oben ni con-
vex, unten concav; sie ‚ist dunkelbraun violett, immer ohne Zeich-
nung, nur an. der Spira zuweilen ‚mit'gezackien Linien versehen. |
Die Spira ist kurz, steht über dem ‚hintern Rande mindestens’ un
1. vor, und liegt auf dem Hinterrande dicht auf. ‚ Sie ist sehr
stark zur Seite gekrümmt, mehr ‚als, dies. bei, der folgenden) Art
der. Fall ist. . Die Mündung ist halbkreisförmig, klein, dunkel-
gelb. Der Columellarrand ist ziemlich.scharf, mit S—10 stum-
pfen Zähnchen in der,etwas; ausgeschweiften Mitte besetzt. ‚Die
Columellarplatte geht nach hinten in einen freien, Rand ‚aus, der
mit dem Vorderrande verläuft, und so dem Gehäuse ein Navicel-
lenähnliehes Ansehn. giebt. . Dieser Rand bildet ein ‚längliches
Ovab und ist scharf nnd\.schneidend; der Vorderrand ist innen
verdickt. Am Gaumen ist, links eine kleine etwas gekrümmte,
nach innen convexe Schwiele. Der Deckel ist fast eirund, auf
der äulsern Fläche ziemlich glatt, auf der innern glänzend; zur
Seite steht ein stumpf konischer Zahn, neben welchem sich eine
kurze scharfe Leiste‘ krümmt, die in einen noch: längern Zahn
- 179
ausläuft." Von diesen Zähnen aus verläuft in an Längsrichtung
des Deckels eine fast S-förmige Linie.
Länge des Gehäuses 81’; Breite 54”; Höhe 5m
Thier: — ? \
3) Neritina melanostoma nov. sp.
N. testa ovata, Navicellae similis, spira brevissima, mar-
gini postico nunquam inceumbente; ‚aperlura intus incrassala;
labro acntissimo, 'margine columellari eireiter. 25. dentibus denti-
eulato, alro -fusco. ‘
Die Schale ist sehr fein gestreift, oval, oben stark convex,
unten concay. Sie ist aufsen hellgelblich grün gefärbt, mit zar-
‚ten schwarzen. punktirten Linien, welehe‘ dem ‚Rande entspre-
chend. verlaufen. "Diese Färbung ist jedoch nicht.ganz, constant,
denn es finden sich'zuweilen Exemplare, ‘welche eine fast schwar-
ze, etwas ins Violette spielende Farbe haben. “Die Spira ist sehr
kurz; sie steht etwas über dem hintern Rande der Mundöffnung
hervor, doch ‚berührt sie denselben nie, was bei der vorigen Art
immer der Fall ist, und sie ist etwas zur Seite gebogen. Die
Mündung ist halbkreisföormig. Der Columellarrand ist ziemlich
scharf, mit'etwa 25 feinen spitzen Zähnehen der ganzen Länge
nach besetzt, und etwas ausgeschweift, Die Colümellarplatte,
welche ebeuso wie bei der vorigen Art nach hinten in einen
freien sehr scharfen Rand ausläuft, ist, bis zu diesem schwiclig
und glänzend schwarzbraun. Der Vordervand ist innen mit einer
braunen Verdickung verseben. An der linken Seite des Gaumens,
nahe dem Columellarrande findet ’sich eine kleine sehr deutliche,
fast punktförmige Schwiele. Deckel: — ?
Länge der Schale 81; Breite 64; Höhe 4".
Tbier: — ?
Anm. Unter den Neritinen findet sich eine Grüppe, welche sich
dadurch von den übrigen sehr auffallend unterscheidet, dafs die Colamel-
larplatte nach hinten + einen freien Rand ausläuft, der continuirlich mit
dem Labrum zusanımenhängt, so dafs dadurch ein mehr oder weniger
ovaler scharfer Rand entsteht, der fast die ganze Basis der Schale ein-
nimmt, Hierdarch bekommen diese Conchylien ein Ansehn, welches sehr
auffallend an die Gattung Navicella erinnert... Von ihr unterscheiden. sie
sich jedoch wesentlich durch die kleinere Mündung, welche, indem der
Columellarrand quer liegt, höchstens die Hälfte der Schale einnimmt, und
dadurch, dafs der Apex sich in schiefer Riehtung, und zwar 'von links
12. *
180
nach rechts zu, nach; dem freien Hinterrande der Columellarplätte krümmt,
Wahrscheinlich wird, wenn man :die. Thiere dieser Schalen kennen lernt,
sich eine nene Gattung,.aus dieser, Gruppe bilden lassen, was jedoch
bis jetzt nur vermuthet werden kann. Hierher gehören:
1) Neritina plumata Mke.
Menke Synops. meth, Moll, Ed. altera p..48 et 139.
Fundort: ‚unbekannt.
2) Neritina mitrula Mke.
Menke: Synops. meth. Moll. Ed. altera p. 48.
© > Lepas neritoides Martini Conch. I. tab. XIII. fig. 133. 134.
Nerita violacea Linn. Gmelin Syst. nat, Ed, 13. p. 3686.
Fundort: Ostindien;
3) Nerita intermedia Desh. '
Belanger: Voy. aux Ind. or. Part. Zool. p. 420; Moll. Pl. I. f.6.7.
Fundort: Küsten von Malabar. Sie ist der vorigen ähnlich, unter-
scheidet sich aber'von ihr, wie es scheint, durch die Färbung und da-
durch, dafs der Columellarrand der: ganzen Länge nach erenulirt: ist, wo-
gegen: dies bei N. mitrula Mke,, nur in der Mitte stattfindet. Ob die
ı-förmige Schwiele, welche bei N. mitrula auf der linken ‚Seite am
Gaumen, ähnlich wie bei Neritina hamuligera Nob. vorhanden ist, sich
auch bei N. intermedia Desh. findet, läfst sich nicht bestimmen, da Ex-
emplare auf dem hiesigen Königl. zoolog. Museo fehlen, und die .
dung nichts ergiebt. ’
. 4) Neritina melanostoma Nob., ‚Sie unterscheidet sich'von N. crepidu-
laria Lam., Nerita intermedia Desh. u. N, mitrula Mke. besonders durch
die Färbung und dadurch, dals die weniger gewundene und weniger nach
rechts gekrümmte Spira nie auf dem Hinterrande aufliest, sondern dals
dieser frei vorragt, durch die kleine fast punktförmige Gaumenschwiele
und die: gröfsere Anzahl ‘schärferer Zähne auf dem Columellarrande.
5) Neritina. erepidularia Lam. Sie unterscheidet sich von allen andern
durch die schmälere längliche Gestalt, die gleichmälsig braunviolette Far-
be, die stark gekrümmte Spira, und die hochgelbe Farbe der Mündung.
6) Neritina auriculata Lam.
7) Neritina dilatata Brod.
Obgleich Neritina latissima Sow. den Uebergang zu dieser Gruppe
bildet, so kann sie doch nicht in dieselbe, aufgenommen werden, da die
seitlichen Vorraguangen des Labrum hinten unter der Spira nicht mit ein-
ander verfliefsen.
Unio, Retz.
1) Unio semiplicatus nov. sp.
U. concha angulato-ovata, posterius altiore quam anterius,
viridi, parte superiore plicata, margine inferiore intus incrassato;
dentibus cardinalibus paryis, compressis, sinistrorum posteriore
minore vel evanescente.
\ 181
Die Muschel ist eiförmig, nach hinten 'höher werdend und
dort drei stumpfe Ecken bildend. Sie ist grün gefärbt, doch
nicht ganz gleichmäßig, indem einzelne Stellen mehr oder we-
niger ins Gelbe übergehn; von den Wirbeln laufen nach hinten
zu auf jeder Schale drei dunkelgrüne Strahlen, von: denen die
unterste auf einer Art stumpfem. Kiel liegt. Der Oberrand ist
vorn ziemlich gerade und wendet sich dann in einem stumpfen
Winkel schräg zur hintern Spitze herab; der Vorderrand ist ab-
gerundet; der Unterrand ist zuerst gerade und divergirt mit dem
Oberrande nach hinten, dann macht er’ einen stumpfen Winkel
und steigt schräg zu der hintern Spitze auf. Die Wirbel sind
wenig aufgelrieben und mit dichten divergirenden Falten bedeckt,
deren mittleren die Mitte der Schale nicht erreichen; die vorde-
ren bilden sich vor den Wirbeln zu ziemlich ‚scharfen Höcker-
chen und reichen bis zum Vorderrande; die hinteren sind weni-
ger eng und erstrecken sich bis zu dem Hinterrande, so dafs die
ganze obere Hälfte der Muschel mit Falten bedeckt ist. Das
Schlofsband ist schmal und glatt. Innen ist die Muschel weils-
lich, etwas in Regenbogenfarben spielend; der untere Rand ist
gewöhnlich stark verdickt. Die Schlofszähne sind klein, zusam-
mengedrückt; in der linken Schale ist der hintere immer.der
kleinere und oft bis zum Verschwinden klein. Der vordere
Muskeleindruck ist doppelt: der grölsere ist fast rund, hinter und
unter demselben befindet sich ein zweiter ebenfalls runder fast
punktförmiger Eindruck, der von dem ersteren ganz getrennt ist;
der hintere Muskeleindruck ist ebenfalls ziemlich rund, wird
aber durch einen nach vorn liegenden Einschnitt fast herzförmig.
Länge der Schale 13°; Breite 44“; Höhe 7°.
Tbier: — ?
Aufser diesen sind durch Hrn. Lamare Picquot noch fol-
gende schon beschriebene Sülswasser-Conchylien aus dem Ganges
an das Königl. zoologische Museum gekommen:
1) Physa acuta Drap.
Draparnaud: Hist. nat. des Moll.
2) Planorbis exrustus Deslı.
Belanger: Voy. aux Ind. or. pl. I. fig. 11 —13.
182
3) Paludina Bengalensis Lam.
P. Bengalensis Desh. in Belänger Foy. aux Ind. or. pl. I.
Sig: 14—15.
P. elongata? Swains. Zool. Ill. I. tab. 98.
4) Paludina carinata Swains.
Swainson: Zool. Ill. I. tab. 98.
5) Ampullaria globosa Swains.
Swainson: :Zool. Ill. I. tab. 119.
6) Nuvicella elliptica Lam.
Lamarck: Anim.s. vert. 1. Edit. VI. 2. p. 181.
7) Unio marginalis: Lam.
Lamarck: Anim. s. vert. 2. Edit. VI. p. 544.
Enc. meth. II. pl. 247. fig-1,a.d.c. \
Unsere Exemplare haben eine zu grolse Aehnlichkeit mit der
eben eilirten Abbildung und dem im Museum vorhandenen Exs-
emplär, als dafs man daraus eine besondere Species machen sollte,
zumal .da der. Fundort derselbe ist. Sie zeichnen sich aber da-
dureh vor ‚denselben aus, dals der Oberrand gerade ist, wogegen
er sieh bei’dem ächten U, marginalis Lam. etwas krümmt. Auch
die Gestalt weicht ab, indem das Hinterende bedeutend ausge-
zogen ist. weshalb.ich eine Vergleichung der Maalse hier beifüge:
U. marginalis Lam.: Länge 29°, Höhe 15°, Dicke 94,
U. marginalis var. rostratus Nob.: Länge 35‘, Höhe 151‘,
Dicke 94 — 12.
Aufserdem verschwinden bei sonst gleicher Farbe und Skulptur
die ‚gelben Randbinden entweder ganz, oder sind doch sehr un-
deutlich.
8) Unio corrugatus. .
) U. corrugata Lamarck. Anim. s. vert. 2. Ed. VI. p. 542.
9) Cyrena Bengalensis.
Lamarck. Anim. s. vert. 2. Ed. VI. p. 276.
NW Wr
Ueber südamerikanische Raupen, besonders über
die dortigen Brenn- und Giftraupen
von
C Moritz.
Wer etwa die Ansicht hat, Raupen könnten als unvoll-
kommene Lärven etwa nur so viel Interesse haben, als eine in
einen Blumentopf gepflanzte Zwiebel, deren Form und Farbe,
Stengel und Blätter nieht in Betracht kommen, indem es nur um
Erzielung der Blume zu thun ist, — der möchte als Reisender
in einem fremden Welttheil die hier so unendlich mühsamere
und milslichere Raupenzucht mit wenig Eifer, auf rein mechani-
sche Weise und somit ohne erheblichen Nutzen für die Wissen-
. schaft selbst treiben. Um in einem fremden Welitheile sieh mit
Liebe dieser mühevollen, in ihrem Erfolge hier so zweifelhaften
Beschäftigung hinzugeben, muls man dieser selbst schon ein ge-
wisses Interesse abzugewinnen wissen. Obigen Vergleich mag
man immer mit einiger Veränderung anwenden.‘ Man betrachte
die Raupe als Pflanze, die Puppe als Knospe, den Schmetterling
als Blüthe, die Eier als Samen. Ein Botaniker wird die Blume
nicht ohne die Blätter einlegen und eben die Blätter, der Wuchs
u.s. w. mancher Pflanzen, die selten nur oder unscheinbar blü_
hen, haben oft das grölseste Interesse für den Freund der Pflan-
zenkunde. Und was weils oft der Entomolog von der grolsen
Masse exolischer Bombyces, Noctuae ete., ja was läfst sich über-
haupt von den verborgen lebenden nächtlichen Lepidopteren mehr
sagen als zwei griechisch-lateinische Worte, worunter sie viel-
leicht in den entomologischen, unendlich längern Verzeichnissen als
Don Juans grolse Liste, aufgeführt stehen! — denn ihre Blüthezeit
ist kurz und einförmig, wie die Blüthezeit der Gewächse. Lange
dauernd ist dagegen ihr Pflanzenleben als Raupe und Puppe, ihre
Nahrung bestimmt, ihre Lebensart, ihre Verwandlung eigenthüm-
lich und oft sehr merkwürdig.
184
Ferner wie in Europa jeder Forstmann und Gartenbesitzer,
so kennt hier jeder Pflanzer, Indier oder Neger eine Menge Raupen,
namentlich viele gesellschaftlich lebende Spinner-Larven, die er
in, ‚lederfesten ‚Beutelu, vor seiner Wohnung an den, äulsersten
. Zweigen der Fruchibäume, oder in braunen Klumpen am Stamm
derselben, oder beim Arbeiten in den Cacao - und Kaffeepflanzun-
gen auf den Blättern der herabhangenden Erythriuen - Zweige
oder wie grüne, bunte, schwarzem Pelzwerk ähnliche Massen
am Stamme ruhend erblickt; er kennt die giftigen Eigenschaften
vieler und — fürchtet alle. — Kaum weils er jedoch etwas
davon, dals diefs nur unvollkommne Larven eines vollkommuern
Geschöpfs. sind, ‚geschweige dals er diels selbst kennen sollte.
Hierbei will,mich bedünken, dafs ein Insekt in diesem allgemein
bekannten Zustande seiner längeın Lebensperiode und seines ei-
genllichen Wirkens, wo es durch sein zerstörendes Gebils, und
seine anderweiligen Eigenschaften so mächtig in die Räder der
Natur,eingreift, eben sowohl und genauer noch von dem Freunde
der Entomologie beachtet zu werden verdient, als vom Indier
und ‚Neger.
Aus diesem Gesichtspunkt betrachtet, abgesehen von dem
oft wichtigen Einflufs, den die Enthüllung der ersten Stände der
Lepidopteren auf deren sichere Bestimmung und Classification
hat, hoffe ich, dals folgende Bemerkungen über einige Abtheilun-
gen hiesiger Raupen nicht ohne Interesse sein dürften.
„ Zuvörderst bemerke ich, dals auch in dieser Zone Ueber-
einstimmungen mit den europäischen Raupen-Klassen sich
finden, die gewissen Ordnungen Lepidopteren angehören. Z. B.
die Raupen des Genus Papilio (ein Theil der Linn. Equites) haben
auch hier im Nacken verborgene Schneckenhörner; die der Hes-
perien sind rundköpfig, in der Mille meist verdickt und leben
zwischen Blättern ‚eingesponnen. Bürstenraupen geben Sphin-
giden der Gen, Syntomis und Zygaena. Die übrigen Haarrau-
pen sind so wenig wie die europäischen einem bestimmten .Ge-
aus, eigen, doch geben sie einst, wie jene, Bomdyces der Genera
Gastropacha, Callinorpha, Orgyia etc. Dagegen gehören kahle
glänzende Porzellanraupen und Buckelraupen dem Gen. Nofodonta
(ein Repräsentant von Not. Dictaea und einer von Chaonia et
Cons.) an. Die spaunerartig auf 6 vollkommenen Fulspaaren
185
(das 7te miltlere ist unvollkommen) gehenden Raupen liefern
Noctuen des Gen. Plusia. Eine glatle strohfarbene Längsstreifen-
raupe, in Blattscheiden des Zuckerrohrs bei Tage versteckt, giebt
eine Leucania, der L. straminea und obsoleta nahe verwandt etc.
Auf der andern Seite aber finden bedeutende Ab weichun-
gen und Eigenthümlichkeiten Statt.
Die sogenannter Schild-, besser fulslosen Raupen, die in
Europa, seitdem das Gen. Heterogenea von den Bombyces wegge-
nommen, nur kl. Papilioniden, kl. Sphingiden u. Tortrices liefern,
sind hier, so weit meine Beobachtungen reichen, einer Abthei-
lung ächter Bombyces eigen, die in der Verwandlung dem Gen.
Heterogenea sich‘ nähern und so dasselbe wieder mit den Bom-
byces. zu vereinigen scheinen. Hierher gehören die runzlichen,
eckigen, braunen und grünen, in der Form ganz denen von Zyg.
Lonicerae et Cons. ähnlichen Gesellschaftsraupen (über ihre Ver-
wandelung habe ich früher berichtet), deren Schmetterlinge sich
durch einen starken Seidenglanz der meist düster gefärbten Flü-
gel anszeichnen. Die Raupen selbst sind mit ganz kurzen feinen
Haarbüscheln besetzt, die sie in ihrer genieinschaftlichen Flor-
decke über den Coccons, und in diese selbst locker einweben,
und deren Wirkungen dieselben sind, wie bei Bomb. processio-
nea elc.
Hierher gehört die sonderbarste mir bisher vorgekommene
Raupe, deren Gestalt aber so eigenthümlich ist, dafs ich sie durch
einen eben so senderbaren. Vergleich vielleicht am deutlichsten
machen kann. Man denke sich, d. h. im selır verkleinerten Maalse,
etwa von 1 Zoll Länge, einen Fuchs- oder Eichhörncheubalg flach
ausgebreitet, den Schwanz hinten abgenommen und dafür au
jeder Seite 5 dergleicien Schwänze, mit etwas nach hinten um-
gelegter Spitze, angesetzt, zwischen denselben kürzere Schwänze
eingeschoben, so dals die Breite der Länge fast gleich kommt,
den Rücken entlang 2 Reihen schwarze Haarknöpfe, einen braun
verbrämteu Halskragen — so etwa sieht dieses Thierchen aus,
nur muls die Farbe: heller rotbgelb gedacht werden. Ueber die-
ser kurzen dichten Behaarung erheben sich lange braune, oben
mit einem Kuopf (wie bei der Raupe von N. Alni) versehene
Haare; wogegen jene kurzen Haare vielästig und durcli Vergrö-
Sserung wie Woos erscheinen. Dieser ganze Pelz löst sich beim
186
Einspinnen der Raupe stückweise (wobei die Seitenschwänze ganz,
bleiben) ab und hängt um das mit’ einem’ 'Deekel sich öffnende
Gespinnst. Nach etwa 3 Wochen erscheint der Schmelterling,
ein ächter Bombyx; es erschienen in diesen Tagen 2 und 19,
bei denen die Geschlechtsverschiedenheit so grols ist, dafs Z' und
9 fast niehts mit einander gemein haben als—das erste Fulspaar
mit 2 rothen Wülsten versehen. - Diese Raupe lebt im Septem-
ber und October auf der Oberseite der Blätter von Malpighia
crassifolia et coccolobaefolia auf dürren sonnigen Höhen wach-
send.
" Auf leizterm Baume traf ich auch, jedoch leider nur in ei-
nem einzigen Exemplare, das nachher beim Binspinnen vertrock-
nete, eine noch etwas gröfsere Raupe ganz von derselben Gestalt,
doch pechschwarz wie die Stockflecke der Blätter, worauf sie
sitzt, die Seitenschwänze noch etwas länger und an den Spitzen
etwas umgerollt. y
Sehr eigenthümlich in Gestalt und Lebensart ist ferner eine
Abtheilung Raupen, deren Schmetterling sich am nächsten dem
Gen. Pygaera ©. Tr. anschlielst, und die nach Art der Sackträger
jedoch in einer ven jenen Säcken durchaus verschiedenen, Kap-
sel wohnen, deren hintere Oeflnung sie mit ihrer ungeheuren
Schwanzklappe verschlossen halten. Diese Klappe kann gewis-
“ sermalsen ‚als Basis des langen Kegels gelten, den ihr hinten un-
förmlich dieker, nach vorn allmählig verschmälerter Körper bil-
det... Die Haut ist chagrinirt, die ersten Gelenke nach Art der
Sackträgerraupen mit hellern Streifen oder Flecken ausgezeichnet,
die Klappe dagegen graubraun wie ihre Wohnung. Eine Raupe
dieser Abtheilung, die auf Malpighia crassifolia lebt, verfertigt
ihre Wohnung auf folgende Art. Sie sucht die Seitenränder eines
Blattes ihrer Nahrungspflanze, die ohnehin schon etwas nach
oben gebogen sind, oberhalb zusammenzuspinnen, gelingt diels
wegen Steifheit des Blattes nicht, so nagt sie davon einen Theil
ab und fügt uun ein anderes wohlabgepalstes Blattstück der Länge
nach ein, so dafs hiernach die Kapsel bald 1 bald 2 Längsnähte
bekommt, die jedoch so genau schliefsen, dals dieselbe, zumal
da innen die Wände durch eine dicke Lage Exeremente und
darüber gelegte innere Decke stellenweis bis zu + Zoll stark
werden, besonders von oben, wo man die starke Bıattrippe nicht
‚187
bemerkt, fast wie eine Nufsart aussieht. An beiden Enden ist
diese Kapsel schräg abgestutzt und hier jederseils mit einer niemals
geschlossenen runden Oeffnung versehen, aufser dals die hintere
durch die Afterklappe verdeckt ist. $ie wird so an beiden Enden
mit einigen kurzen aber statken Bändern zwischen den Blättern in
der Schwebe wie eine Hangmatte aufgehangen: Die Raupe ver-
puppt sich darin, indem sie beide Oeilnungen nur ein klein we-
nig verengt. Die Puppe liegt völlig frei, so dafs sie durch Um-
kehren der Kapsel, bald nach oben, bald nach unten fallend das
Kopf- oder Schwanzende vor der Oeffnung der Kapsel zeigt. —
Eine besondere Eigenthümlichkeit dieser Raupe sind noch 4 auf
der runzeligen Stirn im Trapez stehende kolbige Borsten etwa so
lang als der Kopf breit ist. Der nach 14 Tagen bis 3 Wochen
sich entwickelnde Bombyx von sanfter Chokolatfarbe hat nichts
mit der Galtung Psyche, dagegen mehr mit der Gattung Pyguera
gemein, unterscheidet sich -aber von letzterer wiederum durch
seine Stellung in der Ruhe, indem er nicht wie P. Curtula et
Cons., die Flügel dicht um den Leib schliefst, sondern nach Art
der Cidaria prunala, dieselben seitwärts ausstreckt und eben so
den Leib aufwärts gebogen hält. h
Ich übergehe eine zweite ‚hierher 'gehörige Art, um noch
Einiges über die in Europa gänzlich unbekannte Klasse der
Brenn- oder Gift-Raupen
mitzutheilen.. Es kann hier natürlich nicht von der Menge
hiesiger Haarraupen die Rede sein, deren kurzbrüchige Haare
mit feinen Acsten oder Widerhaken versehen, sich in die
Poren der 'zarteren Hauttheile einbohren, und Jucken, 'selbst
kleine Geschwüre z. B. an der Handwurzel in der Pulsgegend
erregen. Dergleichen kennt man unter den europäischen Raupen
ebenfalls. Ich meine hier diejenigen, dieser Zone eigenthümli-
chen Haar- und Dorn-Raupen, die mit ihren feinen Haar- oder
Dornspitzen willkührlich *) stechen und durch einfliefsendes
Gift (gleich dem Stich der Aculeata unter den Hymenopteren oder
dem Bils der Schlangen) einen heftig brennenden Schmerz und
unter gewissen Umständen Fieber zu Wege bringen können. Es
‚*) Mit dem Tode und nach Zusammentrocknen dieser Giftröhrchen
hört alle Wirkung auf.
188
wurde mir von letzterm Falle das Beispiel eines jungen erwach-
senen Mädchens angeführt, welches durch Verwundung von einer
solchen Giftraupe unmittelbar ein hefliges Fieber bekommen hat-
te ’*). Wenn gleich ich selbst sehr oft beim Einsammeln und
Füttern von einer Menge solcher Raipenarten gestochen wurde,
zuweilen selbst, um zu erfahren, ob eine neue Art zu den soge-
nannten guzanos bravos gehörte, mich absichtlich stechen oder
brennen liefs, so habe ich nie wirklich Fieber davongetragen.
Allein dessezungeachtet finde ich es sehr erklärbar, dafs, bei der
größsern Reizbarkeit der Nerven in diesem Klima, der sich hier
ungewöhnlich stark anhäufenden Galle, namentlich bei schwachen
Constitutionen, unter Mitwirkung des Schrecks—, Fieber in sol-
chem Fall erfolgen kann. Nach meinen bisherigen Erfahrungen
bringe ich diese Klasse in drei Ordnungen, nähmlich: 1) Gift-
Dornraupen, 2) Gift-Haarraupen, 3) fulslose (nur mit
3 schwachen Paaren Brustfülsen begable) Giftraupen mit kry-
stallischen Seitendornen; wovon ich kürzlich die wich-
ligsten beschreibe.
1) Gift-Dornraupen, die zahlreichste Abtheilung, tra-
gen auf jedem Gelenk queerüber 8 mit 10—30 und mehr Neben-
ästen besetzte dornähnliche, mehr oder weniger lange Spitzen;
ausgenommen, dals auf jedem der 4 ersten Bauchfufsglieder nur
6 Dornen stehen; so dafs der ganze Körper der Raupe mit 88
dergleichen Stachelbündeln besetzt ist. Diese Dornen sind nicht
hornartig, wie bei den Raupen mancher Tagfalter, sondern flei-
schig (trocknen über dem Feuer beim Aufblasen der Raupe zu-
sammen), hohl, der Hauptstamm so wie die Nebenäste, alle für
sich an der Wurzel beweglich. Mit den Giftzähnen der Schlan-
gen dürfte vielleicht noch eine Analogie in der Bemerkung
liegen, dafs nur ein Theil der Seitenäste, und zwar diejenigen,
welche am Ende gleich dick bleiben und abgestumpft sind, die
eigentliche etwa 1 Linie lange (zuweilen längere) feine Stechbor-
ste tragen, die man am häufigsten ‚auf dem Vorder- und Hinter-
körper, und an den weniger ästigen Seitendornen über den Fü-
(sen, höchst einzelne aber nur auf den mittlern Rückendornen
*) Selbst, ein sonst starker Mann versicherte, einst dasselbe Schick-
sal gehabt zu haben.
189
antrifft; dagegen die meisten Dornenäste des Mittelkörpers und
einzelne ohne bestimmte Regel an den vordern und hintern Dor-
nen blofs gleichförmig nadelartig zugespitzt sind. Diese letztern,
die ich unbewaffnet nennen will, sind an ihrer Spitze braun,
doch heller gefärbt, als die dunkelbraune stumpfe Spitze der be-
waffneten unterhalb ihrer Stechborste, welches stumpfe Ende
stets durch dunkle Färbung, stark absticht, so dafs man leicht
die Spitze der erstern für schwache unreife Knospen halten
möchte, während bei letztern aus der gereiften, angeschwollenen,
geöffneten Knospe die Stechborste hervorgetrieben wurde. Somit
würden vielleicht die noch unbewaflneten Dornen bestimmt sein,
bei etwanigem Verlust der Vertheidigungswafle der übrigen, diese
zu. ‚ersetzen, gleich den Keimen zu neuen Giftzähnen, welche
die Schlangen neben ihrem ausgebildeten Giftzahn: besitzen. Hier-
her gehören:
a) eine grolse an 4 Zoll lange und 2 Zoll dicke Raupe (von
Bomb: Janus? Cr.); grün wie das Laub der grofsen Erythrinen,
der sogen. Bucares, die als Schattenbäume in allen Kaflee- und
Cacaoplantagen von Venezuela stehen, auf welchen sie gesell-
schaftlich lebt. Ueber den Gelenken stehen eine Anzahl kleiner
brauner Queerstriche und solehe Flecke in den Einschnitten. Die
Dornen stehen gleiehmälsig nach allen Seiten gerichtet und ihr
Stamm ist rosenroth. Sie verpuppt sich am Stamm in einem
weitläufigen netzartigen schwarzbraunen Gespinnst u. der Schmet-
terling erscheint unregelmälsig in 4 Wocher bis in eben so vie-
len Monaten. Um sich zu vertheidigen, rollt sich die Raupe
nach Art des Igels zusammen und dreht sich so, dafs auf die
Seile, wo sie berührt wird, möglichst viel Dornen mit ausge-
spreizten Aesten sich hinsträuben. Y
‘ b) Etwas kleiner als die vorige, blau- auch gelblichgrün mit
Sleischfarbnem Seitenstreif, von welchem nach unten bis zwischen
die Bauchfülse 6 eben so breite braune, fleischroth punktirte
Queeräste hinziehen. Ueber dem Seitenstreife 6 schwarzblaue
Spitzllecken zu jeder Seite, Die Bauchfülse fleischfarben mit blau-
schwarzem Queerfleck. Von den Dornen mit gleichfarbigem Stam-
me stehen die vordern nach hinten, die hintersten aber besonders
auffallend nach vorn gerichtet, so dals sie auf dem Rücken gleich-
mälsig zusammengedrängt, eine Art langen Kamm bilden. Beim
190
Berühren schlägt die Raupe den Vorder- und: Hinterkörper auf-
wärts, die Aeste der Dornen sträwbend und ein sonderbares Kni-
stern hervorbringend, wobei 'man 'an das Rasseln der Stacheln
beim Stachelschwein erinnert wird. Sie lebt auf dem Alcorno-
que *) und Malpighia. Der Schmetterling ist mit B. Janus ete.
nahe verwandt.
e).d)'e) £) ‚Der vorigen mehr oder weniger ähnliche, in ‘der
relativen ‚Gröfse der Dornen, wie in Zeichnungen der’ Seiten,
Bauchfülse u. s. w. ‚unterschiedene, auf verschiedenen Pflanzen
lebende Raupen, von grüner Grundfarbe, deren Schmetterlinge
noch nicht zur Entwickelung ‚gekommen: sind.
g) Ziemlich von der Grölse der vorigen, schwarz, mit 8 wei-
fsen Längs- und mehrern solchen Queerstreifen gegittert, mit
braunrothem Kopf und: Brustfülsen.. Die Dornen weilslich, auf
dem zweiten und letzten Gelenk sehr lang. Lebt‘in kleinen
Gesellschaften auf den Erythrinen der Bela
h) So grofs wie die vorige, weilslich mit vielen schwarzen
gehäuften feinen Strichen und Punkten auf der Milte. jedes Ge-
lenks, worunter em Winkelzug in der Mitte und‘ ein ‚diekeres
hieroglyphisches Zeichen zur Seite, ‘besonders hervorstechen. Der
Kopf weilslich mit schwarzen Zügen. Die Seitendornen am läng-
sten, die auf der Mitte des Rückens sehr kurz. Lebt auf Ery-
thrinen in kleinen Gesellschaften gleich der vorigen.
i) Kleiner,'schwarz, mit klaren rothen Queergürleln, breitem
weilslichem Seitenstreif und weilslichen Dornen mit schwarzen
Spitzen. Sie brennt heftig. Lebt auf einer straucharligen Ery-
thrina mit violetter Blüthe und weichen Blättern.
Von den meisten besitze ich Puppen, deren Entwickelung
täglich zu erwarten steht.
2) Gift-Haarraupen tragen queer auf jedem’ Gelenk 6
pinselarlig von einem Punkt ausgehende Haarbüschel. Die Haare
sind theils kürzer und steifer (borstenartig), theils länger und
*) Der in der Gegend von Valeneia Alcornoque genannte Baum, den
man fast nur krüppelhalt auf igen Höhen antrilft, kann nicht der. in
v.Humboldt’s Reisen so benannte Baum sein, welcher eine Malpighia
sein soll; wogegen der hiesige Ale. gefiederte Blätter hat, die mir
bei keiner Malpighia Vor scheinen. Ich sah weder Bläthen
noch Früchte, daher ich den Baum nicht weiter bestimmen kann.
#
191
dann. sehr fein auslaufend und oben gekrümmt, alle jadöüch durch
Vergrößerung mit kurzen Seitenästen erscheinend. Diese Haare
erregen‘ bei Berührung derselben brennenden Schmerz wie die
Dornen ıder ersten Ordnung. Eine. besondere Eigentliümlichkeit
ist bei den mir bekannten beiden Arten, dafs vor dem ersten
Paar Bauchfülse und: hinter dem vierten Paar. derselben noch: ein
Paar, wenn gleieh’schmälere, doch vollkommen ausgebildete Fülse
sich finden, die von der Raupe wirklich zum Gehen und Fest-
klammern gebraucht werden, so dafs diefs das erste mir vorge-
kommene Beispiel einer zwanzigfülsigen Schmetterlings-
larve ist. 1 ;
a) Grols, plump und dick, mit winzig kleinem, in die ‚erstan
Gelenke eingezogenem Kopf. Die Gelenke queerüber weifslich-
oder röthlichgelb mit peehschwarzen Einschnitten. Alle. Haar-
pinsel enthalten zuvörderst 2—3 Linien lange und äufserst feine
kolbige Härchen, über welche sich sodann 1 Zoll lange, an. der
Wurzel braune, dann pechschwarze, nach ‘der Spitze zu fahlgraue
und sich krümmende' kurz: ästige Haare erheben. Es lebt diese
Raupe einzeln: auf Alcornoque im September und October. Sie
macht am Stamm gewöhnlich unter einem Höcker oder Ast ein
weites, elastisches, kissenartiges Gespinnst, oft 24 Zoll Jang und
breit, von aulsen weilsgrau' wie die Rinde des Stammes, mit den
eingewebten längern Haaren und klebt innerhalb das sehr enge
etwa 14 Zoll lange etwas flachgedrückte oben fast eben gewölbte
und an der Seite des Bogens mit einer Naht sich öffnende per-
gamentarlige Coeon am Slamıme selbst allseilig fest an. Der Bom-
byx entwickelt sich nach etwa 4 Wochen und später, und kommt
theils dem Genus Lipanis,.theils Gastropacha nahe. N
b) Der vorigen nahe verwandt. Das einzige mir vorgekom-
mene Exemplar, das ich noch füttere, ist von der gleichen Ge-
stalt der vorigen. Doch.die Grundfarbe ist milchweils mit feinen
schwarzen Einschuitten; in den Seiten und unten schwarz.‘ Die
Haarpinsel gehen aus sternförmigen: goldgelben Knöpfen hervor,
sind auf dem Rücken kurz (ohne die langen gekrümınten Haare
der vorigen), röthlichgrau und auch ohne Knopfhärchen. Da-
gegen enthalten die an den Seiten viele kleine Knopfhaare und
einzelne lange, an den Spitzen dunklere Haare. Sie fand sich
Anfangs November, wie es scheint, erst halberwachsen, auf:Alcor-
»
192
noque und frifst auch die Blätter"der Malpighien. (Ich zweifle bei
meiner nahen Abreise, sie bis zum Verpuppen zu bringen.)
Hierher gehört vielleicht noch eine in der Provinz Varinas,
überhaupt: im Innern, wie man versichert, vorkommende und von
Maisblättern lebende Raupe, welche als dicht weifsbehaart, da-
bei kurz und nur von mittlerer Gröfse beschrieben wird. Diese
soll von allen guzanos bravos die gefährlichste sein und ihre
Stiche unmittelbar und unausbleiblich das Fieber hervorbringen.
3) Fuflslose Giftraupen. Ich nenne sie fulslos, weil die
Bauchfüfse gänzlich fehlen, wie bei den sogenannten Schildrau-
pen, die Brustfülse zwar vorhanden, aber ganz klein und wie
verkümmert erscheinen. — Nur eine Art ist mir bisher vorge-
kommen.‘ Sie ist etwas flach gedrückt, vorn sehr breit. Statt
der Bauchfüfse hat‘ sie feinhäutige, blasige, klebrige Wülste, wo-
mit sie sich langsam fortzieht. Sie ist grün, wie die Blätter der
Malpighien, auf deren Oberseite (besonders der M. coceolobaefolia)
sie lebt. Feine, mehr oder ‚weniger geschlängelte gelbe Linien
laufen den Körper, besonders die Seiten entlang, bilden aber auf
dem Rücken in der Mitte 4 kettenartig. verbundene viereckige
Zeichnungen. Auf dem dritten und vorletzten Gelenke befindet
sich ein solches ‚weiteres Feld, jedes mit 2 mennigrothen Punkten
bezeichnet. An jeder Seite stehen 12 lange, abwärts geneigte
krystallhelle, farblose ästige Dornen mit dickem in einer gelben
Knospe sich endigendem Stamm. Neben den durch zwei rothe
Punkte bezeichneten beiden gröfsern Feldern stehen ‘vorn: und
hinten jederseits zwei stärkere, krystallhelle Dornen mit: durch-
scheinendem kimmelblauem Saft gefüllt. Die Dornen sind alle
beweglich und eben so wie bei der 1. Ordnung mit Stechborsten,
welche heftig brennen, versehen. Die Raupe lebt gesellschaftlich
(doch auf einzelne Blätter zerstreut) auf. den Malpighien, » Sie
spinnt sich nach Art des Genus Heterogenea ein enges, festes, fast
kugelrundes Tönnehen am Ende der Zweige. (Die meinigen sind
nach etwa 3 Wochen seit dem Einspinnen noch unentwickelt
geblieben.)
N. Valencia, 15. November 1836.
Ueber die mit Asterias, aurantiaca verwandten:und
. verwechselten ur .der sieilianischen Küste.
Aus. ‚einem Schreiben
Rs Dr. Philippi in Cassel
an den Herausgeber.
Die kurzen Diagnosen der mit Asierias aurantiaca verwandieh
und verwechselten Arten, die Sie wünschen. erfolgen hierbei;
was allen gemeinschaftlich ist, der Discus TORNR complanadi
und der Margo articulatus ist dabei weggelassen.
1. Asterias Jonstoni della Chiaj. vol. 2.1.18. PAS
A. ratione diametri disci ad longitudinem radi ht 1: 1,3;
“articalis in margine radiorum circa 30, supra inermibus,
infra spina simpliei armatis, caeterum Jaeviuseulis. ‚Magn. 3”.
2. ‚Asterias spinulosa n. sp. }
DB. Be diametri disch ad Iongitudinem Ed ut A ko al 32;
articulis in märgine An circa 25, omnino spinu-
„losis, infra spina simpli i bi Bun spina distineta nulla.
"7 Magn.' 3% 8, BI Ben als
3. Asterias platyacaniha n. sp. Are
"A rätione diamerri disei ad longitudinem radir ut VL; 4;
"articulis in märgine radiorum circa 20-24, supra’ae-
que atque intra spina simpliei hhatigı Be
niajore lanceolata.. — Magna. 13:94 u u i )
"4. Asterias subinermis'n. sp: 1915 snohlerumnıd
A. ralione diametri ‚disci"ad® longitudinem! vadii ut 121,78;
sinubus inter radios 'rotumdatis;’artieulis im mar-
gine radiorum, eirca 70,78, süpva inermibus; linfra
spina minima simpliei armatis. — , Magn. 14,
(
5. Asterias auranliaca L.
A. ratione diametri disci ad-longitudinem yadii ut 1:2,12;
articulis in margine ons circa 38, supra spinis
parvis BD, infean spina simplieci armatis.— Magn.9’ 10’.
Mlydehrg. 1. Band, 13
194
6. Asterias pentacantha DelleChiaje Mem.vol.11.t.18.£.3.
A. ratione diametri disci ad longitudinem radii ut 1:2, 3;
articulis in margine radiorum circa 40, supra inermibus,
infra spinis quinis armatis. — Magn. 5 3,
7. Asterias bispinosa Otto Nov. Act. Acad. Leif Car. vol.
XI. pars 2. p. 285: 1.39. 00‘
A. ratione diametri disci ad Bien radii ut .1:3,1;
articulis in margine radiorum circa 50, supra aeque
atque infra spina longa, lanceolata-armatis. —
Magn. 6" gu,
Ich habe diese Arten nach rn wachsenden Verhältnils der
‘Länge der Strahlen zum Durchmesser der Scheibe geordnet, und
dieses, ‚Verhältnils lieber, durch Zahlen, als durch Worte ausdrük-
ken wollen, die Beschaffenheit, der kalkigen Warze aber weg-
gelafsen,, weil. deren Beschreibung, nicht, mit wenigen Worten
gegeben werden ‚kann, Eine ‚sehr ausgezeichnete neue Art der
Schultz’ ischen Sammlung ist;
8. ‚Asterias eiliaris.
FR disco parvo, radiisque septenis elongatis, angustis, depres-
sis, paxillis truncatis obsitis ; radiig non arliculalis, wargine
subtusque spinis numerosissimis teretibus armatis, _
Diameter disci 15°, longitudo radiorum 4 gu; altitudo 2—
3, Pedes biseriales; ‚spinulae „usque ad 3°” longae. .,
Ich glaube, ‚dafs eine sehr gute. -Unterabtheilung nach der Zahl
der Fufsreihen in den Rinnen gemacht werden könne. Zwei
Reihen Fülschen haben die 8 oben ‚erwähnten Arten, so wie lae-
vigata;und variolata, 4 Reihen glacialis u. tenuispina ‚und wahr-
scheinlich alle. Verwandte derselben. Noch will ich, bemerken,
dals Agassiz das Wachsthum der Seesterne ‘wahrscheinlich un-
richtig angegeben hat, wenn er sagt’ (Isis 1834. p. 254sq.): „die
Wachsthumsstücke treiben sich. immer. ia den.von den. Strahlen
gebildeten Winkel ein‘, und. tragen, so,die Strahlen hinaus, die-
selben 'verlängernd.‘ » Ich.bin fest überzeugt, dafs neue Gelenk-
‘glieder an der-Spitze der Strahlen, nie am Grunde derselben
gebildet werden. ' {
Einige Bemerkungen über Guilding'’s Peripatus
vom
Herausgeber.
Unter den mannigfaltigen Bereicherungen, welche unser Museum
den eifrigen Forschungeu des Hrn. C. Moritz verdankt, befand
sich zu meiner grolsen Freude ein Exemplar des Peripatus, in
Columbien in der Umgegend des Valencia-See’s gefunden. ‚Ob-
wohl bereits seit 10 Jahren in die Wissenschaft eingeführt, ist
dies Thier uns dennoch nach seinen merkwürdigen Eigenthüm-
lichkeiten noch keinesweges gehörig bekannt, und ich bedauere
daher um so mehr, dals wir nur ein einziges Exemplar dessel-
ben erhielten, und mir dies nur gestatten konnte, Einiges über
seine äulseren Organe zu berichtigen, ohne dafs es mir möglich
wurde, durch eine Anatomie des Thieres seine gesammte Orga-
nisation näher aufzuklären. Bekanntlich wurde: es zuerst von
Lansdowu Guilding in den Urwäldern von St. Vincent ent-
deekt (Inter plantas a me leclas ad radices montis immensi „Bon
homme“ unicum exemplum atlonitus forte detexi. Zool. Journ.
1826. Vol. II. p. 444.). Merkwürdiger Weise hielt er es für ein
Mollusk. Subregnum Mollusca hocce genere paradoxo mullum
‚perturbatur. Vermis moribus Onchidio terrestri similis, at (quod
„mirabile) polypus. Genus incerlae sedis classem \propriam gaste-
zopodis affinem veposcil, qude pedibus multis lateralibus distin-
guitur. Er machte also eine eigene Klasse der Mollusken daraus,
‚die er Polypoda benennt. Seine (Isis 1828. t. II.) copirte Abbil-
dung des Thieres ist übrigens ziemlich naturgelreu; sie giebt
selbst eine richligere Vorstellung von demselben als die später
von Milne-Edwards und Audouin. Als Charaktere seiner
Gattung setzt Guilding folgende:
13 #*
196
Corpus molle, elongatum, contractile, subrotundatum (subteres),
poslice subattenuatum, corrugatum. Tentacula 2 longa, semi-
retractilia, subeylindracea. Os subtus longitudinale, (in quies-
cente) clausum; labiis (dum extenditur) papillosis. Mandibulae
nullae. Oculi ad: radices tentaculorum, obscuri, verrucosi.
Olypeus nullus. Anus posticus infra. Orificium: generätionis (?)
distinctum, postieum, infra. Ambulacra utrinque 33, paribus al-
ternis extenduntur. Ungues multifidi.
Die Art P.-iuliformis charakterisirt er folgendermalfsen:
P. atrofuscus, annulose flavido maculatus, ventre nigrescenti-
roseo ; corpore toto spinuloso - papilloso; linea dorsali atra.
Long. corp. 3; lat. 3”. — Saepe retrogradus. Atterritus li-
quorem glutinosum ab ore respuit.
Unter den obigen Charakteren ist unrichtig die Zahnlosigkeit
des Mundes und was von den Augen und Krallen der Fülse aus-
gesagt ist. Die Berichtigung des ersten Fehlers ist bereits von
Audouin und Milne-Edwards (Ann. des Sc. nat. Tom. ANXX.
(1833) p. 411.) gegeben; in die beiden letzteren sind indessen
auch sie verfallen. — Nach ihrer Ansicht gehört übrigens diese
Thiergaitüung ohne Zweifel zu den Annelides errantes und bildet
unter diesen den Typus einer besonderen Familie. Die gesammte
Körpergestalt, das Vorhandensein eines geschiedenen (distincte)
Kopfes, der mit schr entwickelten Fühlhörnern versehen ist, die
Bewaffnung des Mundes, die Bildung der Fülse lasse es nicht
mit den Tubicolen, Terricolen und saugenden Annulaten ver-
wechseln; andrerseits unterscheide es der gänzliche Mangel der
Cirren, der Kiemen und aller weichen Anhängsel mit Ausnahme
der Antennen von den übrigen „Annelides errantes. Sie charak-
terisiren’ deshalb diese Familie: Pieds saillans, garnis seulement
de 'soies proprement dites, et ne portant ni cirres, ni d’autres ap-
pendices mous; tete bien distincle et pourvue d’antennes tres de-
veloppees; 'bouche armee de mächoires. — In der Definition des
Genus nennen sie den Körper fast eylindrisch, stumpf an beiden
Enden, in wenige Ringe getheilt, deren jeder wieder in mehrere
Segmente zerfalle (womit wohl nur die vielen Queerrunzeln der
Haut gemeint sein können). „Kopf abgerundet, trägt 2 dicke und
sehr lange Fühler; Mund am untern Theile des Kopfes, verbirgt
einen kleinen Rüssel, der mit sehr entwickelten Kiefern bewehrt
ist. Fülse konisch.“ In der Artbeschreibung wird die Länge des
- Angaben der früheren Beobachter. Wenn gleich die Darstellung
197
Thieres auf 2—3 angegeben. Der Körper zeige eiwa 30 wenig
deutliche Ringe. Der Kopf sei diek, rund; die Fühler lang, ey-
lindrisch, geringelt, und es heilst weiter: sur les cöfes deux tu-
bercules, qui paraissent representer les yeux. Die Verf. meinen
damit dieselben Erhabenheiten, welche Guilding als oculi ver-
rucosi benannt und abgebildet hat. Die Mundtheile beschreiben
sie genauer: Trompe tres courte couronnee d’un cercle de petits
Zubercules et armee de 2 mächoires grosses et creuses, dans l’in-
terieur desquelles s’en trouve d’autres, qui somt sans doute desti-
nees ü les remplacer. Es ist eine vergröfßserte Abbildung dieser
beiden Kiefer gegeben. In der Artbeschreibung werden dann
auch die Beine umständlicher beschrieben. Es heifst hier pieds
Ires gros, coniques, und weiter & leur extremitE on remarque un
petit appendice, du milieu duquel sortent deux ou trois soies, et
en dessous 2 ou 3 lignes stillantes transversales, qui paraissent
Jformees par l’agglomeration de plusieurs des tubercules dont
toute la surface de la peau est herrissee. Endlich werden noch
kleine Oeffuungen erwähnt, welche innen an der Basis eines
jeden der Fülschen gelegen sind, von Guilding übersehen wur-
den, von’ den Verf. aber mit analogen Oeffuungen, die sie bei
Hippono&‘ wahrnahmen, verglichen werden. — Soviel über die
5
der beiden französischen Gelehrten in den meisten Punkten mit
der Natur übereinstimmt, so scheinen mir doch die wesentlichen
Eigenschaften, welche für die systematische Stellung des Thieres
entscheiden müssen, nicht gehörig hervorgehoben und ich halte
daher einige hierauf bezügliche Bemerkungen keinesweges für
überflüssig. Nochmals eine Abbildung des ganzen Thieres zu
geben, möchte dagegen weniger nöthig sein, da die von Oken
eopirte Figur Guilding’s bekannt genug ist und eine richtige
Vorstellung des sich bewegenden Thieres liefert; ruhend und zu-
sammengezogen ist es aber bedeutend kürzer. Der Körper ist
länglich-linear, auf der Rückenseite convex, auf der Bauchseite
aber, mit eiwa 30 undentlichen Gliedern. Die Länge unseres
Exemplars beträgt 1” 24° Par. M., die Breite 24“. Die Oberseite
mit diehistehenden Queerrunzeln und dicht mit Warzen beselzt,
aus deren Spitze eine kurze dornartige Borste hervorragt. Auf
der Mitte des Rückens verläuft eine seichte Längsfurche vom
198
Vorder- zum Hinterende. Der Kopf ist keinesweges so deutlich
abgesetzt, wie ihn die Abbildung der französischen Zoologen dar-
stellt; richtiger ist er von Guilding a.a.O. abgebildet. Die
Antennen sind cylindrisch, an der Basis etwas verdiekt, an der
Spitze stumpf, undeutlich vielgliedrig, oder vielmehr geringelt
und mit spitzigen stachelborstigen Höckern besetzt; sie sind da-
bei weich, und wie es scheint, bedeutender Verlängerung und
Verkürzung fähig (semirectractilia Guild.). Augen sind nicht die ,
körnigen Höcker, welche Guilding und die franz. Naturforscher
dafür nahmen, sondern es sind 2 einfache Augen (ocelli) vorhan-
den, deren jederseits eins hinten am Grunde der Fühler liegt.
Bei genauerer Ansicht sind sie leicht als ein runder, convexer,
glänzend schwarzer Punkt wahrzunehmen. Was die genannten
Naturforscher für Augen ansehen, ist vielmehr das rudimentäre
erste Fulspaar, welches zur Seite des Mundes stehend, die Stelle
der Taster zu vertreten scheint. Es kann bedeutend verkürzt
werden, und erscheint in seiner grölsten Verkürzung als ein rund-
licher Höcker, was zu jenem Versehen Anlals gab. Der Mund
ist richtig von Milne- Edwards und Audouin beschrieben
(s. oben), auch ihre Beschreibung und Darstellung der Kiefer
stimmt mit dem überein, was ich davon bei 'blofser Erweiterung
der Mundöffnung erblicken konnte. Minder genau ist ihre Schil-
derung der Fülse, deren für jedes Körpersegment ein Paar vor-
handen ist; bei unserem Exemplare mit Ausschlusse des ersten
rudimentären oder Tasterpaares, 30. Sie scheinen mir keineswe-
ges den borstentragenden Fulsstummeln der wahren Anneliden
vergleichbar, sondern haben eine viel vollkommnere Bildung und
ähneln vielmehr den Bewegungs-Organen der Insekten-Larven,
jedoch nicht völlig, da sie zwischen den membranösen Afterfü-
{sen und den wahren Fülsen derselben gleichsam die Mitte hal-
ten. Sie sind nämlich weich und ungegliedert, wie jene, andrer-
seits aber mit einem beweglichen, aber zweikralligen Klauen-
gliede versehen, wie diese. Jeder Fuls erscheint als ein fleischi-
ger, stumpfkonischer Fortsatz, dessen Haut durch etwa 10 Queer-
reihen kleiner spitziger Dornenwarzen geringelt ist. Er endigt
mit einem treffleföormigen Klauengliede, welches an der Spitze
seines mittleren Lappens die beiden gekrümmten spitzigen Krallen
trägt. Unter der Spitze des Fulses zeigen sich queerübereinander-
199
liegend, 4 schmale körnig-kurzborstige Schwielen *), deren äufse-
rer das meist nach aufwärts umgeschlagene Klauenglied angefügt
ist. Man könnte vielleicht diese Schwielen‘als: Spuren einer Glie-
derung, als Rudimente von Tarsusgliedern ansehen (s. Tab. IV.
fig. 20.). Dals 2 oder3 Klauen vorhanden sein sollen, wie Audouin
undMilne-Edwards angeben, beruht so gut. wie Guilding’s
Angabe (ungues multifidi) auf einer Täuschung. Ueberall habe ich
nur 2 einfache, hakenförmige Krallen gefunden. Mit eben so wenig
Rechte kann man diese Borsten (soies) nennen, indem’ dagegen
einerseits ihre Anheftung an ein wahres Klauenglied, andrerseits
ihre Gestalt spricht, da die Hakenborsten (uneinuli) denen allein
man sie vergleichen könnte, nur Eigenthum' der Röhrenwürmer
und Arenicolen sind. Unser Exemplar hat, wie bereits erwälınt,
bei geringerer Körperlänge nur 30 Fufspaare,' es scheint daher,
dafs ihre Zahl mit dem Wachsthume zunimmt, da das von Guil-
ding beschriebene von 3“ Länge 33 Fulspaare zeigte. Das letzte
Paar stelıt am letzten Körpersegmente, au dessen hinterem Ende
der Alter sich findet, während eine andere längliche Oeflnung
(Geschlechtsöffaung ?) an der Unterseite des vorletzten Segmentes,’
hart an dessen Gränze mit dem letzten, bemerkbar ist. Innen
an der Basis eines jeden Fulses findet sich ein kleiner Schlitz
mit wulstigen, faltigen Lippen umgeben. ' Spiracula zu Tracheen
sind dies indefs nicht, da ein ausgetrenntes Stückchen des Kör-
. pers unter dem Mikroskope keine Spur von Tracheen zeigte; es
sind also vielmehr die Oeflnungen vun Absonderungs-Organen
oder auch von Athmungs-Organen ähnlicher Art, wie die der
Hirodineen, was nur in einer vollständigen Anatomie des Thieres
ermittelt werden kann. Die von Hrn. Moritz mitgesandten Pa-
piere enthalten leider nichts Näheres über das Vorkommen des
Thieres. Guilding fand es an Pflanzen, die er in den Urwäl-
dern gesammelt; Lacordaire, nach Audouin und »Milne-
Edwards /. c., unter faulem, im Schlamme versunkenem Holze
an den Ufern des Approuage im Brackwasser. Hiernach gewinnt
es fast den Anschein, als ob das Thier beiden Elementen ange-
höre. Die drei bisher beschriebenen Individuen scheinen nur
*) Sie sind nämlich äufserst dicht mit kleinen Warzen besetzt, aus
deren jeder eine kurze Borste entspringt. Aus Versehen sind in unserer
Figur nur 3 Schwielen dargestellt.
200
Specimina einer und derselben. Art: zu 'sein, und diese würde
mithin über Columbien, Guyana und eine (St. Vincent) oder meh-
rere Inseln der kleinen Antillen ‚ausgebreitet sein. Fragen wir
schiefslich nach: der systematischen Stellung des Thieres, so scheint
es keinem Zweifel zu unterliegen, dafs es den Gliederwürmern
zuzuzählen ist. Am meisten nähert es sich allerdings den Anne-
lides. errantes Aud. u. Edw.; aber der Maugel der Cirren ‘und
Kiemen, seine Lebensweise,am und auf (?) dem Lande, und be-
sonders die höhere Eutwickelung seiner Bewegungs-Organe mit
ihrer konischen' mehr! beinähnlichen Gestalt und ihrem bewegli-
chen Klauengliede entfernen ‚es von ihnen. \. Es scheint also, dafs
die Familie der Peripatiden in die Ordnung der Antennaten oder
erranten Anneliden zu stellen ist, aber als ein Uebergangsglied,
welches dieselben den höheren Gliederthieren, d, h. denen mit
- gegliederten Bewegungs-Organen, und wohl zunächst mit den
Myriapoden, verbindet. Dabei kann man aber nicht umhin, auf
die Analogie mit einer Thiergatiung hinzuweisen, die ebenso
räthselhaft in ihrer Stellung, in neuern Zeiten den Crustaceen
zugewiesen ist, obwohl es fast den Anschein hat, als ob sie auf
einer niederen Stufe der Organisation die Peripaliden wiederhole.
Ich meine die Gattung Aretiscon Schrank, aus welcher Perty
die Familie der Xenomorphen bildete (s.'d. Arch. Jahrg. I. Bd. 1,
p- 380. u.d. Abbild. von Arctiscon Hufelandii Isis 1834. tab. XIV.
5.1). Auch hei dieser Gattung ist das letzte Fulspaar dem letz-
ten Körpersegmente angefügt, und steht unmittelbar neben dem
After. Auch hier sind die ungegliederten Fülse mit Krallen ver-
sehen. Auch hier finden sich einfache Augen und zwei Kiefer.
Aber es fehlen die Fühler und die gleichfalls wenig deutlichen
Körpersegmente sind abwechselnd fulslos. Hieraus ergiebt sich,
dafs wir hier denselben Typus auf einer niedrigeren Stufe der
Entwickelung (der der Erdwürmer Terricolae Edw.Aud,) haben,
und dafs also die Gattung Arctiscon richtiger den Gliederwür-
mern zugezählt werden, und in der Eauusen der Terricolen der
Prototyp der Peripatiden sein. möchte.
Bemerkungen
über das Vorkommen von Pflanzen in heilsen
Quellen und in ungewöhnlich warmem Boden
von
H. R Goeppert.
Ueber die Einwirkung niederer Wärmegrade auf die Vegelation
giebt es mehrere Untersuchungen. Ich selbst habe mich lange
mit dergleichen beschäftiget und sie in einer schon vor sechs
Jahren erschienenen Schrift. bekannt gemacht, jedoch über den
Eiuflufs sehr hoher Temperatur mangelt es gegenwärtig fast noch
gänzlich an experimentellen Forschungen. Wiewohl ich der-
gleichen auch noch zu unternehmen beabsichtige, will ich in-
dessen nicht ermangeln, eine kleine hierher gehörende Beobach-
tung mitzutheilen, die ich auf meiner letzten Reise in Sachsen
(1836) zu machen Gelegenheit hatte. Voran schicke ich eine
Zusammenstellung der mir bekannt gewordenen Erfahrungen die-
ser Art, die vielleicht dem künftigen Bearbeiter dieses Zweiges
der Physiologie nicht unangenehm sein dürfte. Die DL fin-
den wir über die berühmten Quellen, zu Padua. Schon Plinius,
indem er der Eigenthümlichkeiten der heilsen Quellen gedenkt,
erwähnt, dafs in den warmen Quellen zu Padua grüne Kräuter
wüchsen (Patavinorum aquis calidis herbae virentes innascuntur.
Plin. hist. natur. Lib. secund. cap. 106.), was auch später Clau-
dianus in seinem Gedicht Aponus (Carm. 42.) besingt *) und
*) Cl. Claudiani Oper. edit Gesner p. 165: Idylliam VI. Aponus.
Humida Nammarum regio Vulcania, terrae
Übera sulfureae fervida regna plagae.
Quis sterilem non credat humum? fumantia vernant
Pascua, luxuriat gramine cocta silex. ’
Et cum sie rigidae cautes fervore liquescant,
Contentis audax ignibus herba viret.
202
Cassiodorus erwähnt (Cassiodorus variarum epist. Lib. II.) in
dem berühmten Briefe des Königes Theoderich an Aloys den
Baumeister *). Acht Jahrhunderte nachher fand der Marchese
Johann Dondi *) zwar blos ein vegetabilisches Sediment; al-
lein zwei Jahrhunderte nach ihm kam wiederum Fallopius,
welcher üppige Gewächse sammt ihren Blüthen und Saamen aus
den Bächen hervorgeholt haben wollte **). Baccius ****) be-
zweifelte die Thatsache und meinte, man träfe Gewächse nur
längs der Ufer oder da an, wo sich wildes mit heilsem Wasser
vermische. Vallisneri pflichtete im Ganzen genommen dem
letzteren bei +); Vandelli ++) aber bestätigte hingegen, was
Carlo Dottori ++f) in seinem Gedichte so bezeichnet ausge-
drückt hatte. — Die Existenz der Cryplogamen ward in neuester
Zeit auch von Erast v. Andrejowski bestätigt, welcher im
Jahre 1829 Gelegenheit hatte, die Quellen von Abano chemisch
zu prüfen (Gräfe u. v. Walther Journ. für Chirurgie u. Augenheil-
kunde. 15r Bd. 1831. S. 568.) und dabei auch ein interessantes
Beispiel von dem Vorkommen von Phanerogamen in denselben
anführt. Es entdeckte nämlich der General-Direktor Hr. G.
M. Zechinelli in den ersten Tagen des Mai’s 1820 zu Monie-
*) Rideat florenti gramine facies decora campestris, quae etiam ar-
dentis aquae fertilitate laetatur, miroque modo dum proxime salem ge-
nerat sterilem, nutriat pariter et virores.
**) Johannes de Dondis de fontibus agri Patayia (1388) abgedruckt
in „de-balneis omnia quae exstant etc. Venetiis apud. Juntas 1553.‘
***) Fallopii opera omnia, Venetiis 1606. Tom. I. Aract. VIII. e. 17.
p- 312. Rursus fuit celebris fons ille, eo quod in aqua illa ferventissima
vivant plantae, quod a Plinio habelur pro miraculo, ut prope habendum
est; et nunc etiam aluntur ipsae plantae, ut ego vidi; nam extraxi ali-
quando plantas ex illis rivulis virenles ac pingues, cum floribus et semi-
nibus ex quo colligere possumus aquam illam facere non ad corruptio-
nem sed ad nutritionem plantarum, atque ad sanitatem humani corporis.
6. Faloppii tractat. de thermis ete. cap. 17. in operib. omnib. Francof.
1584. p.284.
****) Andreae Baccii libri septem, opus in quo agitur de nniversa
aquarum natura Romae, 1622,
?) Opere fisicho. mediche. Venezia 1733. p. 433.
+}) Vandelli tractatus de ihermis agri. Patayini 1701.
+tp) Ivoldo Crotta (Carlo Dottori) poema eroicocomico 1’ Asino.
Venezia 1652. Cant. VI stanz. 79.
203:
Grotto eine Salzpunge (Samolus Valerandi), deren Wurzel in
einem 54° R. warmen Schlamm steckte, während der Stengel
mit noch heilserem, darüber stehendem Wasser umspühlt wurde,
dessenungeachtet aber frisch und kräftig-vegetirte. Der Saame
hatte sieh wahrscheinlich im Ierbste bei der Füllung desSchlamm-
servoirs verschleppt. Eine andere phanerogamische Pflanze, die
Hr. v. Andrejowski ebenfalls unter sehr hoher Temperatur er-
blickte, war Zannichellia palustris, die einen der kleinen 28° R.
warmen Abflufsteiche des Montiron bewohnte, — Der Tremel-
len und Conferven findet man eine sehr grofse Menge, die mei-
sten bei 40° R., wo z. B. nahe der Mühle die Conferva bullosa
ganze Gräben anfüllt.
Auch Hr. A. v. Humboldt (Versuche über die gereizte
Muskel- u.Nervenfaser. 2 Bde. S. 233.) salı bei den heifsen Quellen
von Abano aneinanderhängende Rasenstöcke, von denen ein Theil
die gewöhnliche Erdtemperatur hatte, ein anderer, unter dem
die heilse Quelle durchströmte, bis zu 35 — 40° erwärmt war.
Auf beiden wuchsen dieselben Grasarten: Andropogon Ischaemum,
Lolium perenne, Poa coerulea, P. annua, in gleichem Wuchse
und von gleicher Gröfse.
Jener organische, in den heilsen Quellen vorkommende, un-
ter verschiedenen Namen bekannte Stoff (Baregine [Longehamp],
Glairine oder Schleimstoff [Anglada], Zoogen [Gimbernat] , Zoo-
thermin [Monheim]) besteht höchst wahrscheinlich, wiewohl bei
sorgfältigerer Untersuchung überall nachgewiesen werden dürfte,
aus Pflanzen oder Thieren von mikroskopischer Kleinheit. Ich
beabsichtige nicht die einzelnen Arten der bisher in den Quel-
len entdeckten organischen Wesen aufzuzählen, sondern will nur
eine Zusammenstellung der heifsen Quellen liefern, in denen jene
Substanz entdeckt ward oder in deren Nähe in ungewöhnlicher
Temperatur noch Pflanzen gedeihen. Lemonnier (Examen de
quelques fontaines minerales de France et particulirement de celle
de Barröges in der Hist. de l’Acad. royale des sc. pour l’annee
1747.) beobachtete jene Substanz zuerst in den Heilquellen zu
Barege, später ebendort Borgella (Vouv. Elem. de Therapie par
Alibert, Edit. 4. F. 2. p. 679.), Bordeu (Letires sur les eaux
thermales de Beaurn par Bordeu p. 187.), Poumier (Analyses des
eaux thermales de Pyrenees par Poumier p. 73, 87 et 99.). Letz-
204
terer auch noch zu Cautereis und zu Bagneres de Luchon, wo
sie auch früher schon Bayen (Opuscules chymiques de Bayen.
T. I. p. 40—50 et p. 135.) und-Longcehamp (Annales de Chimie
et de Piyrilne. T. XXI. p. 158— 161.) angeiroffen hatte. Ra-
mond (DeCandolle Pflanzenphysiol. Bd. II. p. 661.) sah in Bagne-
res am Ufer eines Baches von 31° T. Verbena officinalis, De Can-
dolle zu Balerac Exemplare von Aster Tripolium, deren Wur-
zeln von 30° warmen Wasser bespühlt wurden. Barbut (Ma-
nuel des eaux minerales par Patissier p.176.) fand jenen sogenann-
ten thierischen Extraktstoff in den warmen Schwefelwässern von
Bagnols de Lozere.. Bonvoisin (1785 in dem vorigen Werke
p- 176.), Soequet (desgl. p. 189.); Saussure (Voyage dans les
Alpes. T. III. p. 7. $. 1168, Journ. de Physique 1790. Dcbr. p.401.)
fand denselben nebst 2 Tremellen in den Bädern zu Aix in Sa-
voyen, Laurens (Diet. des sc. medic. T. XI. p. 84.), zu Aix en
Provence Dispan, Magnes Lahers (Analyse des eaux minerales
d’Aix 1823.), Chaptal, Secondat, Pilhes (Traite analytique
et pralique des'eaux thermales d’Aix par Pilhes p.12.) u. Vauque-
lin zu Aix, letzterer noch zu Coulonbret, Ussat u. Neris (Ann.
de Chemie T. 39. p. 173—176, Dict. des sc. medic. T. XI. p. 47.),
ein Ungenannler (s. Patissier l.c. p. 205.) in den Schwefelwäs-
sern zu St. Honore (Nieyre), Fabas (Alibert I. c. T.2.p. 683.) zu
Sauveur, Anglada zu Molitz und in den Schwefelquellen der
östlichen Pyrenäen (Mem. pour servir ü l’hist. generale des eaux
minerales etc. par J. Anglada T'. I. Mem. second.), Daubeny an
der heilsen Quelle zu Greovix in der Provence, zu Arles in Rous-
sillon (Drunsact. of ihe Linnean Soc. XVI. Lond. 1833. p. 5857 —
597, Annalen der Pharmaeie Bd. X. p. 337. 1834.) und an meh-
reren Punkten der Pyrenäen, De Candolle zu Valdiari in Pie-
"mont (Il. c.p.341.). Die beiden letzteren erklären sich vorzugs-
weise für die Algennatur jenes Slofles, während Anglada noch .
in der neuesten Zeit bemüht ist, denselben als ein chemisches
Erzeugnils nachzuweisen, welches in den Wässern bei ihrem
Entspringen aus der Erde in Auflösung gehallen und wenn es
mit der äulseren Luft in Berührung komme, von ihnen abgesetzt
werde. In Aachen entdeckte ihn Gimbernat (Analyse chymi-
que des eaux Iherm. sulphureuses d’Aix la Chapelle et de Borceite
par Francois Lausberg p. 98—119.), Monheim (dess. Beschrei-
205
bung der Heilquellen von Burtscheid, Aachen u. s. w. 1829. S.
238. überhaupt reich an literärischen Nachweisungen). ' Ersterer
auch noch in Baden in Niederöstreich zu, Ischin‘(Gilbert’s Annal.
B. 58. p. 213.), Kastner (Buchner u. Kastner’s Repertorium der
Pharmaecie, 14 Bd.) 1821 zu Wiesbaden, Brandes in Tattenhau-
sen (Poggendorf’s Annalen 19. 93.) und Edward Turner in
den 160 —180° F. heilsen Schweielquellen zu Pinarkoon u. Loor-
gotha in Ostindien (Edinb. Journ. of Science n. XVII. p. 95—99.
“ Journ..d. Physik u. Chemie von Schweigger. Bd. 53.8. 479—483).
In den heifsen Quellen zu Carlsbad. (59° R.) hatte Springfeld
schon früh die’ vegetabilische Natur der grünen daselbst bei dem
Ausflusse der heilsen Quellen in ‚den Tepl vorkommenden Sub-
stanz erkannt (T'rremella thermalis: gelatinosa reticulosa substantia
reticulosa; Mem. de l’ Acad. royale des sc. de Berlin T. V Ill. Ann.
1752.) Später untersuchten sie‘Scherer (Abhandlungen .der
bölimischen Gesellschaft der Wissenschaften 1786.), in der neue-
sten Zeit die Herren Agardh, Kützing, Corda, Ehrenberg,
Fischer und Schwabe.
Nicht minder bestimmte Beobachtungen finden wir: auch iu
‘den Schriften ‚verschiedener Reisenden. . So. in der Reise: durch
Island von Eggert Olaffen über die in der Nähe: der ‚heilsen
Quellei wachsenden Pflanzen (des ‚Vice-Lavmands Eggert Olaflens
und des Landphysiei Biarne Povelsens Reise durch. Island‘, ver-
anstaltet von d. Soc. d. Wissensch: zu-Kopenhagen 'u»beschr;:von
bemeldtem Egg: Olaflen. Aus d. Dän.' übers. Mit. 25 Kupfertafeln.
"1 Karte. 1. u. 2. Th. 1774., 2r Th. .S. 31 u. 181.): Die Pilanzen,
die dort in der Nähe des Geiser und um: andeze: auf, der Insel so
"hänfig vorkommende heilse Quellen wuchsen, "gedeihen! vorzüg-
lich gut, theils wegen der unterirdischen Wärme, theils weil sie
täglich von den warmen Dämpfen befeuchtet werden. Aus den
"Felsenritzen des Geiser wächst so häufig, ‘wie nirgends in: Island,
der wilde Thymian, Thymus Serpyllum. ‘Die Prunella erreicht
auf dem heilsen Boden in der Nähe: des Bades Balstofa eine:be-
deutende- Größse (S. 181.), ‚auf ähnlichem: Boden bei Thestaryka
Achillea Millefolium mit schöner Purpurfarbe, Angelica Archan-
‚Belica fand er’ in den Nattferrevigen 1756 d. 6..Sept.: in starker
Kälte und in zugefvorner Erde hoch hinauf in.den Klippen im
"besten Wuchse stehen (S. 31.). In dem heifsen Boden bei Kri-
206
suviik blühet MMurar, Argentina (Potentilla Anserina), Soly
Ranunculus acris u. Tormentilla erecta. Die warmen Bäder zu
Laugarnes haben folgende Pflanzen (Mura?), welche gemeinig-
lich und: vorzüglich um die heilsen Quellen wächst, desgleichen
Plantago major, Sisymbrium Nasturtium (Katter-Balsam). Leider
vermilst man bei diesen Beobachtungen die nähere Angabe über
die Temperatur des’Bodens. In neuerer Zeit soll ein Hr. John
Dauby,, der Bruder des Vorstehers.des botanischen ‘Gartens zu
Liverpool, eine‘ Art Chara aus Island ‚initgebracht haben, die er
in einer (der heilsen Quellen, in denen ein Ei binnen vier Minu-
ten gekocht ward, blühend und saamentragend fand (Fror. Not.
36 Bd. n. 3: Febr. 1833. S.38.). Nach Daubeny’s Angabe sah
Dr..Hooker: (Annal. der Pharm. 1834. a.a.0. 8. 345.) nahe am
Rande des .Geiser, und wenige Zoll. von. siedendem Wasser die
Conferva limosa Dillw., eine neue Art Oseillatoria und die schön-
sten Exemplare von Jungermannia anguloga. Auch, wurde im
Wasser von einem sehr hohen Wärmegrade in Menge üppig
wachsend die Conferva flavescens Roth und eine neue Art, die
der €. rivularis nahe steht, gefunden.
Georgi (Bemerk.v. J. G. Georgi, 1775. I. Bd. S. 75.93 u. 141.)
beschreibt mehrere heilse Quellen um den Baikälsee. An einem
lauwarmen: Wasserbecken: auf-Steinen und am Rande wuchsen
-Conferva fontinalis u. C. gelatinosa, Mnium pellucidum u. fon-
tanum, ‚Marchantia, Cardamine, u. mehrere Quellpflanzen (S. 93.).
In einem aus melireren 53° Del. warmen Quellen entspringenden
Bache Conferva fontinalis, Mnium fontanum ($.140.). Auch
ist die Bemerkung, dafs es hier keine besondere von der benach.
bärten Flora verschiedene Pflanzen gäbe, die er noch an einem
andern Orte wiederholt (S. 73.), wichtig, ‚Güldenstädt (Reise
naelı Georgien‘und Imarelhi, herausgegeben von Klaproth. Berl.
1815. p. 66.) sah eine Wassergallerte oder Ulva amı Ausfluls der
Bäder des ‚heiligen Peter zu.Bragun ‚am ‚Fusse des Kaukasus in
einem Bache von 30°. - Im Sande von Senegambien steigt ‚das
Thermometer nach Adanson (Sennebier Physiol. veget. T. 3sieme
p- 284. Adans. Reise, übersetzt von Schreber) auf 60°, und doch
wachsen mehrere Pflanzen in dieser Hitze. Barrow (Voya-
ge to Cochinchina, p. 43.) und Stanton (in seiner Beschreibung
der Gesandtschaft'des Grafen v. Macartney nach China auszüglich
207
in-Voigt’s Magazin für den neuesten Zustand der Naturkunde. 1.
2.St. 1798. S. 22.) bemerkt auf der Insel Amsterdam eine heifse
Quelle von 186° Fahrh., auf deren Schlamme‘Marchantien und
Eycopodien wucherten. Forskäl (Flora aegyptiaco-arabica, Haf-
niae 1775. p. 189.) sah Conferva thermalis in einer 49° R. war-
men Quelle Arabiens. Unbestimmt sind die Angaben ‘von Spar-
mann (Sparmann’s Reise. Berlin 1784. S. 142.) und Thunberg
(dess. Reise Bd. I. Th. I. p. 149.; Th. II. p. 17.) über die Vegetation
in der Nachbarschaft des hottentottisch-holländischen Bades am
Vorgebirge der guten Hoffnung, desgleichen von dem schon oben
genannten Barrow über diese und ändere Quellen: des V.d.g.H.
(Barrow Reise in das Innere von Südafrika in dem Jahre 1797—98.
Leipz. 1801. S. 93.94. 411.), die von Stephan Kraschennikofi
über die heilsen Quellen Kamtschatka’s (Beschreibung ‘des Bades
Kamtschätka ete. Lemgo 1766. p.91.), die. von Labillardiere.
Nach des Leizteren Angabe wachsen. auf der Insel Kuruka unfern
von Amboina um 'siedendheilse Quellen Bäume, denen diese Däm-
pfe nichts zu schaden scheinen (Labili. relat. de Voyage ü la re-
cherche de la Perouse T.I.). Auch aus Forster’s Beschreibung
der.Insel Tanna geht keinesweges hervor, dafs eine Art’ Feigen-
bäume oder andere Pflanzen in einem 212° heilsen Boden wüch-
sen, wie sich aus den genauen Vergleichungen (S. 107. For-
ster’s Reise um die Welt ete. herausgeg. von Georg Forster 3 Bde.
1784. 120 u. 142.) .ganz klar ergiebt. Es ist/an ersterem Orte nur
von einer heilsen Quelle die Rede, wo Feigenbäüme standen, aber
nirgends wird erwähnt, dafs dieser Punkt mit dem Thermometer
gemessen worden wäre. Es mufs daher diese Stelle künftig in
den Handbüchern wegfallen, wohin. sie nach Sprengel’s und
Anderer Vorgange gerathen 'ist und auch schon von Agardh
(dess. Biologie S. 173.) ınit Recht bezweifelt wird. In Ostindien
sah Sonnerat (Observat. d’un Phenom. singul. sur des Poissons
qui vivent dans un eau, qui a 67 degres de chaleur, par M.Sonnerat;
Journ. de Physique, Avril, p. 256. 1774.) Vitex Agnus castus und
2 Arten Aspalathus 'bei einer Quelle von 61°, und Desfontai-
wes mehrere Gewächse in der Nähe der heilsen Quellen von
‚ Bona in der Barbarei, ungeachtet die Wärme derselben 77° er-
\ teichte.
= Auf der Insel Trinidad in der Nähe des berühmten Pechsee’s
208 |
ganz nahe an dem kochenden Pech wachsen Bäume (J.E, Alex- \
ander James. Edinb:N. Phil. Journ. 1833, XXV11..94—97., Leonh,
u: Bronn. Jährb. 1833.'8.129.); nach Lyons sollen (Lyons Journ.
of a Residence and Tour'inthe Republice Mexico in the Year 1326.
Vol. II. p.'60., Fror. Not.S. 70. n. 643. n. 5.30 Bd. März 1831)-Mi-
mosen ‚und ‘andere kleine Sträucher än einigen Stellen über den
kochenden Quellen ’zu .‚Istlan’ hängen, dicht neben‘welchen: sich
die Wurzeln‘ befanden. . Aın. Rande kommt feines obgleich sehr
kurzes Gras:vVor. Nach Breislak (Instit. geolog. Fror. Nat.Febr.
1833. n. 774.):fanden Dunbar und Hunter in ihrer 1804 längs
des Waschita:'oder Anachita einem ‚Flusse in Louisiana gemach-
ten Reise ‘über dem Fort Meiro ‚an der Grenze der vereinigten
Staaten Quellen von 40—45° ‚R., worin'angeblich. nicht allein
Conferven, sondern auch Sträucher.nnd Bäume wuchsen.
Die Beobachtung , ‚die. ich'zu machen Gelegenheit hätte, 'be-
zieht sich.auf die Vegetation, welche sich auf einem: in .der Tiefe
brennenden: Konlenflötze bei Plaenitz unweit Zwickau befindet.
Dieser Brand soll.rach der Angabe, des Hrn. v. Gutbier in sei-
ner\trefllichen-Beschreibung; des Zwickauer -Schwarzkohlengebir-
ges, Zwickau.1834. p. 81., im Jahre,1641 entstanden sein, als der
kaiserliche General Borry Zwickau besetzte „da man vorsätzlich
Feuer in die Schächte, geworfen habe.“ Dieser Brand, der im
Jahre: 1670 ‚besonders ‚heftig gewüthet haben soll, dauert noch
fort, und. nimmt ein Terrain von ‚400 Ellen Läuge:im Streichen
und 200 Ellen Breite ein. Das Feuer hat daselbst eine Tiefe ‚bis
90 Eilen unter der Oberfläche erreicht, 'und die, dadurch entwik-
kelten Dämpfe, brechen aus, mehreren Spalten und Oefinungen
hervor. ; An. ein paar, Punkten. kömmt das Flötz äuch zu Tage.
Das Ausstreichen, derselben bezeichnet nach Hr. v. Gutbier im
Sommer ‚ganz ‚verdorrter, im Winter durch die unterirdische Hitze
von Schneeientblößster, schön ‚grüner Rasen. Als ich ‚diese inter-
essauten Gegenden. am\ 20. ‚Oct.\v. J. besuchte,: fiel\mir ‚schon
in der Ferne,,noch ehe ich’den an einzelnen ‚Stellen ıhervorbre-
chenden Rauch ‚bemerkte, die von’ der gesammten Umgebung ’ab-
stechende ‚Färbung ‚des Rasens auf, , Die. Strecke, auf. der man
den Einflußs!‚der unterirdischen Hitze nach der Tiefe des darunter
liegenden brennenden Flötzes mehr oder minder bemerkt, ist
etwa 1800. Eufs lang, ‚900 Fuß, breit, meistens flach, und, wie'es
scheint,
209
scheint, in Folge von alten Grubenarbeiten, schwach hügelich.
Es wird von einer Fahrstrafse durehschnitten und zur Linken von
derselben von einem Hügelrande eingefalst. Nach rechts erhebt
sich die Gegend zu einer mäßig abfallenden Bergwand. Links
von der Strafse scheint das brennende Flötz in der ‚gröfsten, ho-
rizontalen Erstreckung zu sein, wiewohl’sich auch hier in der
Entfernung von wenigen Schritten grolse Temperäturdifferenzen
finden, wie z.B. an einer Stelle 35° und acht Schritte davon
nur 16°. Gegen den Hügelrand verliert sie sich allmählig, ‚und!
hier kommen ‚auch wieder grölsere Bäume vor, die auf der übri-
gen heifsen ‚Fläche ‚fehlen. An einer Sielle, wo. das. Rlötz..zu
Tage’ streicht, so wie an den Hauptausgangspunkten ‚der heißen
Dämpfe beobachtete ich 50 54° R., auf den vorzugsweise mit
Moos bedeckten hügelichen Erhabenheilen 35— 36°, in dem mit
üppigem Grase bewachsenen, gegen den erhabenen Rand hinlie-
genden Theile 14—30°. Folgende Pilanzen fand ich überhaupt
auf der Fläche, deren Boden in höherem oder geringerem Grade
die Wirkung des’ unterirdischen. Brandes spürte. Akotyledo-
nen: Bryum cespiticium H.,, Br. argenteum H., Dicranum pur-
pureum, Climacium dendroides W. et M., Funaria hygrometrica,
Hypnum velutinum H., H. rulabulum, H.squarrosum H., H. splen-
dens H., Polytrichum undulatum H. — Monokoiyledonen:
Agrostis vulgaris, Juncus effusus, Poa annua. — Dikotyle-
donen: Achillea Millefolium, Alsine media, ‚Apargia hastilis,
Campanula rolundifolia, Carlina. acaulis, Centaurea Jacea, Cheno-
podium album, Chrysanthemum Leucanthemum , Erica vulgaris,
Erodium eicutarium, Ervum hirsulum, Fragaria vesca, Galium
Sylvaticum, Geranium molle, Hypericum humifusum, perforatum,
Leontodon Taraxacum, Hypochoeris radicata, Polygala. vulgaris,
Polygonum aviculare, Pimpinella Sarifraga, Plantago lanceola-
la, media, Prunus spinosa, Rosa canina, Rumex Acetosa, R.
Acetosella, Ranunculus acris, R. repens, Serratula arvensis,
Solidago Virgaurea, Tormentilla reptans, Thymus Serpyllum,
Trifolium Slexzuosum Jeq., T. repens, Urtlica urens, Veronica
Chamaedrys. Alle diese Arten sah ich auch in den nächsten
Umgebungen dieser heilsen Stelle, nur waren sie viel weniger
‚entwickelt und nicht in voller Vegetation, wie dies-bei den ge-
‚nannten der Fall ist, namentlich blühte noch Tormentilla reptans
| HIT. Jahrg. 1. Band. 14 .
210
sehr reichlich, Zrodium eicutarium, und das überall verbreitete
mit den Moosen an den heifsesten Stellen vorkommende Hype-
ricum*humifusum zeigte 6—8 Zoll lange Sprossen'und eine Menge
reife Kapseln, woraus ich, wie auch aus dem Zustande der oben
erwähnten gröfstentheils perennirenden Pflanzen mit Recht schloß,
dafs auch im heilsen Sommer diese Stellen keinesweges: derVe
getation gänzlich entbehren. Der ‘wärmste Punkt war ein mi!
6 Zoll dickem Rasen und einer leichten hölzernen Verkleidung
bedeckte Schachtenmündung ; nur Dieranum purpureum , Bryum
cespiticium und argenteum, Funaria hygrometrica, und junge
Pflanzen von Hypochaeris radicata, Poa annua, Polygonum avi-
culare, Agrostis vulgaris, waren hier in einem Boden, der durch
50° warme, aus der Tiefe aufsteigende Dämpfe erhitzt ward und
selbst noch in 3 Zoll Tiefe 45° maafs. Ich’ bedaure nur, nicht
fortdauernd das Verhalten der Vegetation dort beobachten zu
können, doch hat mir Hr. Apotheker Laurentius in Zwickau
versprochen, dies namentlich im Winter zu thun, wo, wie begreil-
lich, auf jener Gegend der Schnee nie liegen bleibt, also nicht
niedere Temperatur des Bodens, sondern nur die der Atmosphäre
hemmend' auf die sonst gewils sehr weit vorschreitende Vege-
tation einzuwirken vermag. Wenn es nun erlaubt ist, aus die-
ser allerdings nur vereinzelten Beobachtung einige Resultate zu
ziehen, so ergiebt sich übereinstimmend mit andern ähnlichen
Erfahrungen, z. B. ‚mit der des Hrn. A. v. Humboldt (s. oben),
dafs die hohe Temperatur des Bodens, da in der Umgebung .die-
selben Pflanzen. vorkommen, keinen Einflufs auf die Qualität der
Arten ausübte, was hier um so eher hätte hervortreten müssen,
da jene Gegend schon so lange Zeit in so hohem Grade erhitzt
ward: so wie ferner, dafs auch hier an den wärmsten Punkten
nur Moose, also Pflanzen niederer Organisation gedeihen, was
sich. an die oben erwähnte Beobachtungen anschlielst, welche die
Existenz von den dieser, Familien verwandten Algen in noch
höherer Temperatur nachweisen. \
*
Ueber die Epidermis der Gewächse
J. Meyen.
.
Die Epidermis der Pflanzen besteht aus Parenchym- Zellen von
vielfach verschiedener Form, die mehr oder weniger tafelför-
mig zusammengedrückt, durch seitliche feste Vereinigung aus-
gebreitete Häute darstellen, welche als Integumente die ganze
Oberfläche der Pflanzen überziehen. Die Zellen dieser äufseren
Schicht, welche die Pflanze bekleidet, zeichnen sich nicht nur
durch ihre eigenthümliche Form aus, sondern auch durch: be-
sondere Festigkeit ihrer Häute, welche meistens eine größere
Dicke darbieten, so dafs man auf gut ausgeführten Queerschnit-
ten den;grolsen Unterschied der Zellen der äufseren und der dicht
darunter liegenden Schicht ganz besonders deutlich sehen kann.
Ja es sind noch viele andere Erscheinungen aufzuführen, welche
eine besondere Betrachtung dieser Zellen der äufseren Schicht
rechtiertigen ; als solche führe ich hier noch den besonderen,
von den darunter liegenden Parenchym- Zellen ganz abweichen-
den Inhalt jener Zellen auf, so wie den Mangel an’ Intercellular-
Gängen, welche sonst den Parenchym - Zellen fast immer zu-
kommen. us -
Es ist eine bekannte Thatsache, dafs die äufsere Zellenschicht
von sehr vielen weichen und saftigen Pflanzen, und besonders
von einzelnen Pflanzentheilen, als von den Blättern, mitLeich-
tigkeit abgezogen werden kantı. "Man erhält durch dieses Ab-
ziehen der äufseren 'Zellenschicht von den darunter liegenden
Zellen ein feines, wasserhelles Häutchen, welches dem’ blofsen
"Auge als einfach erscheint, doch bei hinreichender Vergröfserung
ist die Zusammensetzung desselben aus plattgedrückten und
‚seitlich fest verbundenen Zellen deutlich zu beobachten. Die-
ses feine Häutchen führt die Benennung: Oberhäutchen oder
Epidermis.
14 *
212
Da sich die Zellen der Epidermis oder überhaupt der äufse-
ren Zellenschicht der Pflanzen seitlich vereinigen und zwar so
fest, dafs man sie weder durch mechanische Gewalt, noch durch
Kochen oder durch Maceration. von einander trennen kann, so
bleiben natürlich keine Intercellular-Gänge zwischen denselben
übrig, Die doppelten Linien, welche man auf der horizontalen
Ansicht der Epidermis zwischen ‚den neben einander liegenden
Zellen erblickt, sind nicht etwa als die Einfassungen von beson-
deren Kanälen oder Gefälsen anzusehen, wie dieses wirklich von
vielen Phytotomen geschehen ist, sondern es sind nur die Begren-
zungen. der neben einander liegenden, und mit, einander -ver-
wachsenen Seitenwände der Zellen; der helle Streifen, welcher
zwischen den beiden schattigen Linien liegt, deutet die dureh-
schnittene Subsianz der neben einander liegenden 'Zellenwände
an. ‚Die Vereinigung ist hier gewöhnlich so innig, dals die Flä-
che, wo die Zusammenwachsung der neben einander liegenden
Zellenwände stattfand, nur in seltenen Fällen zu erkennen ist.
Wenn die Wände der Epidermis-Zellen sehr dick sind, dann ver-
mag man diese Vereinigungslinie. zuweilen zu erkennen,, wie
2. B. in der Epidermis. der oberen Blatifläche von Begonia ma- -
culata. Diese Doppellinien, welche zwischen den Zellen der
Epidermis so allgemein zu beobachten sind, wurden schon seit
der Mitte des vergangenen Jahrhunderts bald als Fibern, bald als
besondere Gelälse angesehen. Hedwig nannte diese angeblichen
Gefälse: Iymphatische Gefälse, und darin sind ihm die Herren
Kieser, Amici und einige‘ Andere gefolgt. Beobachtet man
indessen die Verbindung der neben einander liegenden Zellen der
Epidermis auf gutgelungenen, Querschnitten, so wird man sich
gewils vollkommen überzeugen, ‚das zwischen den Seilenwänden
der Epidermis-Zellen durchaus gar keine Spur eines durchschnit-
tenen Gefälses oder eines Kanales vorhanden ist, dafs also die
Annahme der lymphatischen Gefälse in der Oberhaut beseiligt
werden ‚muls. 2 h
Wir haben bisher unter Epidermis die äufsere Zellenschicht
der Pflanzen verstanden; der Begriff der Epidermis ist indessen
von anderen Phytotomen verschieden festgestellt. Man wollte
z.B. nur das feine, abziehbare Häutchen als Epidermis gelten
lassen, welches fast immer auf der unteren Fläche der Blätter
213
zu beobachten ist; indesseh. man sah! sehr ‚bald ein, dafs die Ei-
genschaft der Oberhaut, sich, von den ‚darunter liegenden Zellen
abziehen zu lassen, nicht ‚zur Begriffs- Bestimmung dienen. kann;
denn sehr hänfig ist die.Oberhaut auf der. oberen Blattfläche mit
derjenigen der unteren Blattfläche von einem und demselben
Baue. und läfst sich dennoch nicht abziehen. Andere Botaniker
erkennen zwar in der Epidermis die äulserste Zellenlage, indes-
sen sie beschränken dieselbe nur auf ‚die, über der Erde, wach-
senden, Theile der vollkommneren ‚Pflanzen, wozu‘ auch einige
Familien der Cryptogamen gehören sollen... Iudessen’ ich glaube,
dafs man auch die äufserste Zellenschicht, welche ‚die Wurzel
umkleidet, eben sowohl, als Oberttaut anerkenzen kann, denn auch
sie unterscheidet sich in mancher Hinsicht von den: ‚darunterlie-
genden Zellenschichten, und Abziehbarkeit, Farbe und Dasein
oder Fehlen der Spaltöffnungen kaun wohl nicht bei der Begrifis-
Bestimmung mit in Betrachtung gezogen werden.
Einige Pflanzen- Analomen, als F. Bauer und L. Trevira-
nus, haben von einer doppelten Epidermis gesprochen, d.h. von
einer solchen, welche aus mehreren Zellenlagen bestehen soll,
und man kann selbst von einer.drei- und vierfachen Epidermis
der Art sprechen. Da wir im Vorhergehenden nachgewiesen
haben, dafs sieh die Selbstständigkeit der Epidermis‘ von .dem
darunter liegenden Zellengewebe einmal durch eigenthümliche
Form der Zellen, so wie durch besondere Festigkeit und innige
Verbindung der Zellen auszeichnet, und .da es sich ‚zeigt, dals in
verschiedenen Pflanzen die Zellen der zwei und der drei äufser-
sten Schichten von gleicher Form und gleich fest mit einander
verwachsen sind, so muls man diese verschiedenen Zellenschich-
ten zusammen genommen als Epidermis betrachten. In derglei-
chen Fällen, wo die Zellen in den einzelnen Schichten der .Epi-
dermis zu gleichmälsigen Flächen vereinigt sind, da kann man
immerhin eine solche Zusammensetzung der Epidermis aus ver-
schiedenen Schichten annehmen, in anderen Fällen aber, wie
‚ = B. auf der oberen Blattfläche der Zamien, findet man eine
| ganze dicke Szhicht von Zellen, welche mit denen der äufsersten
i Schicht übereinstimmend sind, und hier könnte man von sechs-
‚ Sacher und siebenfacher Epidermis sprechen, wenn die Zellen
U selbst regelmäfsig schichtweise georduet wären, was aber nicht
214
der Fall'ist. In anderen Fällen sind die verschiedenen Zellen-
lagen einer solchen doppelten Epidermis aus verschieden geform-
ten'und aus ganz verschieden gelagerten Zellen bestehend, .und
sie‘ haben 'nur ‚gleiche‘ Dieke und gleichartigen Inhalt gemein.
Dergleichen Fälle sind übrigens wohl die gewöhnlichen, .denn
meistens sind die Zellen in den verschiedenen Schichten der Epi-
dermis verschieden geformt und ähneln sich nur darin, daß sie
keine festen Stoffe enthalten, oder auch darin, dafs ihre Mem-
branen ‘gleichmäßig dick sind, was schon Ur. Amici (Aft. della
Soe. Ital. T. XIX.) angiebt. Es kommt dieses fast allgemein bei
Blättern von härter und lederartiger Struktur vor. Auch ver-
gleiche man J. Krocker’s (‚De plantarum epidermide observa-
tionies. Vratisl.1833. p. 2.) Bemerkungen über diesen Gegenstand.
Die Dicke und Festigkeit der Epidermis ist auf verschiede-
nen Theilen der Pflanze sehr verschieden, so wie auch nach dem
Alter und den verschiedenen Gattungen, denen die Pflanze ange-
hört, grofse Verschiedenheit darin vorkommt. Zarter ist die Epi-
dermis in der Jugend des Gewächses’ und dann läfst sie sich
häufig sehr leicht von den darunter liegenden Zellen abziehen;
straffer ist dagegen die Epidermis in höherem Alter der Pflanze
und überhaupt bei Gewächsen von fester, lederartiger und per-
gamenutarliger Textur. Mit Leichtigkeit irennt' man das Ober-
häutchen von einem jungen Stengel und von den Blättern der
Monokotyledonen, während sich dasselbe bei den Dikotyledonen
im Allgemeinen nur von der unteren Blattfläche abziehen läfst.
Auch von dem Kelche, der Blumenkrone saftiger Blüthen, den
Gemmen, den Antheren und zuweilen auch von saftigen Früch-
ten, kann man die Epidermis abziehen. Dagegen ist die Epi-
dermis auf der Wurzel der Gewächse meistens mit den darunter
liegenden Schichten so stark verwachsen, dafs man die einzelne
äulserste Zellenschicht wohl nur selten abzuziehen vermag, und
hier unterscheidet sich auch diese äufsere Schicht von den dicht
darunter liegenden Zellen viel weniger.
Die Zellen der Epidermis sind fast immer platt zusammen-
gedrückt, aber ihre seitliche Einfassung ist von sehr verschiede-
ner Ferm. Am häufigsten sind die Zellen der Epidermis rauten-
fürmig und sechseckig. Den Monokotyledonen ist diese Form
fast ausschliefslich eigen; complicirter, ja fast unregelmäfsig ist
215
dagegen nicht selten die Form der Epidermis- Zellen bei den
Dikotyledonen, doch kommen bei jenen wie bei diesen grolse
Ausnahmen vor und selbst Cryptogamen, wie die Farrnkräuter,
zeigen dergleichen Zellen, wie sie so häufig bei den Dikotyledo-
nen: vorkommen. Die vier- und sechseckige Form der Epidermis-
Zellen bei den Monokotyledonen ist mehr oder weniger gestreckt
und sehr regelmäfsig verlaufend. Bei der sechseckigen Form
wechseln meistens die Zellen in nebeneinander liegenden Reihen
sehr regelmälsig, ganz wie bei dem dodeka@drischen Parenchym.
Von den mehr unregelmäfsigen Formen, welche den Zellen der
Epidermis zukommen, sind die sogenannten geschlängelten Epi-
dermis-Zellen am bekanntesten geworden; dergleichen Zellen sind
zwar im Allgemeinen 3-, 4-, 5- und 6-seitig, aber diese Seiten
derselben sind höchst unregelmälsig, dabei aber öfters sehr zier-
lich gewunden. Diese Form der Epidermis-Zellen kommt bei
sehr verschiedenen Pflanzenfamilien, sowohl bei den vollkomm-
neren, als bei den unvollkommneren vor, und findet in sehr ver-
schiedenem Grade Statt. Hr. Unger (Die Exantheme p. 30 etc.)
ist dadurch veranlalst worden, drei verschiedene Formen der
geschlängelten Epidermis - Zellen aufzustellen und dieselbe mit
besonderen Namen zu belegen; er unterscheidet nämlich wel-
lenförmige, buchtige und faltige Epidermis-Zellen.
Bei den wellenförmigen Epidermis-Zellen sind die Seitenwände
dieser Zellen nur leicht wellenförmig geschlängelt, wie z. B.'bei
der Epidermis von Succharum officinarum, von Lilium candidum
u. 5. w., ja diese Form kommt bei den langgestreckten Zellen in
der Epidermis der Gräser sehr häufig vor. Bei den buchtigen
Zellen sind die Windungen der geschlängelten Zellenwände viel
bedeutender, wie es z. B. in der Epidermis von Gladiolus com-
munis zu sehen ist, und bei den faltigen Epidermis-Zellen ver-
laufen die Seitenwände der Zellen so unregelmälsig, dafs sie mehr
oder weniger tiele Einfaltungen bilden. Letzteres ist, besonders
schön bei der Paeonia officinalis, Maranta - Arten, bei Rheum pal-
malum und vielen Anderen zu sehen. Auch verweise ich auf
die schönen Abbildungen, welche Hr. Unger, als Beispiele zu
den angeführten Zelleuformen mitgetheilt hat. Die früheren Ab-
bildungen solcher faltigen Epidermis- Zellen wareu von H. Amiei
(Mem. della Soc. Italiana. T. XIX. pl. II. fig. 1,5 etc.) mitgetheilt,
216 „
doch weniger treu'der Natur nachgebildet. Derselbe hat diese
geschlängelten Epidermis-Zellen von Portulaca oleracea, von Ra-
mumeulus repens u. s. w. dargestellt. In einer gröfsern Anzahl
von Pilanzen wurde diese Forın der Epidermis-Zellen von H.L.
Treviranus ( Vermischte Schriften. IV. p.16.) beobachtet, doch
kam derselbe nicht zu allgemeinen Resultaten.
Noch führe ich hier die eigenthümliche Wellenform der
Epidermis-Zellen an, wie sie sich auf den Blättern von 'Carex-
Arten darstellt. Zwar zeigt die Epidermis auf beiden Blattflächen
dieser Pflanze: dergleichen wellenförmige Zellen, doch sind die
der oberen Blatifläche stärker ausgebildet, als die der unteren.
Das Merkwürdigste hierbei ist, dafs diese seitlichen Scheidewände
der Epidermis-Zellen. nur an ihrem oberen und äufseren Rande
eine solchesWVellenform zeigen, während der untere Rand ganz
gleichmäfßsig ist. Hr. Unger (l.c.p.136.) scheint diese Art von
Vereinigung der Epidermis-Zellen rosenkranzförmig zu nen-
nen. — Die Form der Epidermis-Zellen ist nicht nur bei ver-
schiedenen Pflanzen verschieden, sondern sie ist häufig auf den
verschiedenen Flächen der Blätter sehr abweichend, ja selbst auf
einer und derselben Blatifläche in neben einander liegenden Rei-
hen. Waren die Epidermis-Zellen auf dem Diachym der Blätter
unregelmälsig oder wellenförmig gestaltet, so”treten sie in den
Zellenreihen, welche unmittelbar auf den Blattnerven liegen, re-
gelmäfsiger und stets länger gestreckt auf. In solchen Fällen
müssen alle Erklärungen, über die Entstehung der Form der
Zellen aus einer äufseren gemeinschaftlichen Ursache ihren Un-
tergang finden ; wäre der gegenseitige Druck auch nur eine der
Hauptursachen, wodurch die Form der Zellen entsteht, so wäre
hier nicht abzusehen, weshalb neben einander liegende Zellen so
ganz verschieden grols und ganz verschieden geformt sind, aber
hauptsächlich spricht hiergegen die groise, sich immer. wieder-
holende Regelmäßsigkeit in der verschiedenen Form der Zellen,
welche auf keine Weise einer mechanischen Ursache zugeschrie-
ben werden kann. Ein soleher Bau der Epidermis, wie bei dem
Zuckerrohre, wo einzelne kleinere und viereckige Zellen zwi-
schen den gröfseren gelagert sind, kommt sehr allgemein bei den
Gräsern vor, und bei solchen Gewächsen dieser Familie, wo die
Blätter oder der Stengel rauh nnd mit Haaren bekleidet erscheint,
|
|
217
da sind’ es gerade diese kleinen und einliegenden, viereckigen
Zellen, welche in diese Haare auswachsen, wie man es an der
Epidermis einer grolsen Mais-Pflanze beobachten kann.
Im Allgemeinen sind die Zellen der Epidermis auf der oberen
Blattfläche kleiner, als die auf der unteren, dagegen sind Letztere
auch fast immer platter gedrückt, als die der oberen Blatifläche.
Eine ganz außerordentliche Abweichung in der. Form. der. Epi-
dermis- Zellen kommt auf der oberen Blattfläche der Begonia
maculata vor. Bei dieser Pflanze sind die Seitenwände der Epi-
dermis-Zellen ganz besonders dick und an den Kanten, mit wel-
chen diese Zellen zu drei und drei neben einander liegen, bilden
sie durch ihre starke Dimension förmlich 3-seitige Prismen, was
auch mehr oder weniger auf der unteren Blattfläche dieser Planze
vorkommt. Sieht man die Epidermis dieser Pflanze”in ‚der ho-
rizontalen Lage an, so bemerkt man jene dreiseitigen Figuren
überall an den Kanten, wo die Zellen der, Epidermis zusammen-
stofsen, und betrachtet man Vertikalschnitte, die durch diese
Epidermis geführt sind, so'sieht man durch Vergleichung mit der
horizontalen Ansicht, dafs jene Zellen von der Epidermis der
oberen Blattfläche aufserordentlich grofs und ganz prismatisch
gestaltet sind. Hier ist also ein Fall, wo die Epidermis-Zellen
nicht tafelfürmig zusammengedrückt erscheinen, und wo besonders
die Seitenwände eine auflallende Dickendimension erlangen, wäh-
rend sonst nur die oberen Wände der Epidermis-Zellen so au-
Sserordentlich dick werden, dafs man dieselbe sogar für eine
eigene Membran ansehen will.
Die Zellen der Epidermis verändern bei sehr vielen Pflanzen
mit vorschreitendem Alter ihre Form, und auch der Inhalt der-
selben, so wie, ihre Wände bekommen allmählig eine grölsere Fe-
sligkeit. Fast allgemein nimmt die obere Wand dieser Epidermis-
Zellen an Dicke zu, und aufserordentlich häufig verschwindet der
Saft dieser Zellen und es bleibt nur eine, mehr oder weniger
feuchte Luft in derselben zurück. Sehr häufig erhebt sich die
obere Wand der Epidermis-Zelle in Form eines kleinen Wärz-
chens, welches von der Mitte der Wand ausgeht, und in der
horizontalen Darstellung der Epidermis-Zelle als ein kleiner Kreis
erscheint. Bei selır vielen Pflanzen bleiben diese Wärzchen oder
Papillchen sehr klein, während sich dieselben bei andern Pflanzen
218
immer: mehr und: mehr vergröfsern, und zwar kann ‚diese Ver-
gröfserung auf doppeltem Wege stattfinden; einmal nämlich durch
blofse Verlängerung des Papillchen, und hierdurch entstehen dann
‚ dievungegliederten Haare, womit so viele Pflanzen auf ihrer Ober-
fläche bedeckt sind. Die ungegliederten Haare, sie mögen noch
so lang sein, wie z. B. bei der Baumwolle, sind nur dergleichen
Auswüchse der’ oberen Wand der Epidermis - Zellen. Bei der
Baumwelle sind es die Zellen der Epidermis der testa des Saa-
mens, welche mit ihrer oberen Wand in solche lange ungeglie-
derte Fäden auswachsen, wie sie .die Baumwolle zeigt. Dabei
ist-in diesem Falle noch zu bemerken, dals in der testa des Saa-
mens der Baumwollpflanze nicht alle Zellen in Haare auswachsen,
sondern 'nur eine gewisse Anzahl, vielleicht nur der:5te Theil,
und 'die «übrigen Zellen stehen dann rund um solche, in Haare
ausgewachsene Zellen, gleichsam radial geordnet, wodurch zu-
weilen, wie'bei der gelben chinesischen Baumwollpflanze, nied-
liche Sterne geformt werden.
In anderen Fällen vergrölsert sich das Papillchen auf der
oberen und äulseren Wand der Epidermis- Zelle nicht nur nach
oben, sondern auch seitlich und dadurch kommt es endlich .da-
hin, dafs'sich die ganze obere Wand der Zelle gleichsam blasen-
förmig erhebt. Diese so bedeutende Erhebung der oberen Zellen-
wände’ der Epidermis dieser Pflanze, findet nur im höheren Alter
Statt, ganz juuge Pflänzchen zeigen sie noch nicht, doch zeigt
sich der Anfang dieser Bildung ebenfalls schon sehr früh. Durch
diese letztere Formveränderung der Epidermis-Zelien erhält die
Oberfläche solcher Pflanzen ein rauhes Ansehn, gleiehsam als
wenn 'sie ganz mit kleinen Körnchen besetzt wären. — Das Vor- ;
kommen der kleinen papillenföormigen Auswüchse auf der obern
Wand der Epidermis - Zellen, ist eine sehr allgemeine Erscheinung,
auf welche besonders Hr. Link (Elementa phil. bot. p.233. und
an andern Stellen seiner Schriften) die Aufmerksamkeit der Bota-
niker ‘gerichtet hat, auch Jurine (Journ. de Phys. 56. p. 175.)
kannte selion die konischen Erhabenheiten auf den Zellen der
Blumenblätter, wodurch der schillernde Farbenglanz derselben
veranlalst wird.
Hr. Unger hat die inleressaule Beobachtung gemacht, dals
sich auf den Epidermis-Zellen des @ladiolus communis mehrere
|
219
Papillen, zu zwei und zu drei, und auch noch in gröfserer Au-
zalıl zeigen, welche zugleich ganz regelmäfsig 'gestelltsind. Wir
könnten hier eine grolse Anzahl von Pflanzen aufführen, welche
dergleichen Papillen auf deu Epidernfßs- Zellen zeigen,‘ die zu-
weilen sehr eigenthümlich geformt sind; doch es möchte 'genü-
gen zu bemerken, dals die Erscheinung sehr allgemein: ist, be-
sonders bei saftigen Pflanzen mit fester Oberhaut, wie z. B. bei
den Cactus-, Aloe-, Crassula-, Mesembryanthemun-, den para-
sitischen Orchideen - Arten, und fast bei allen Blüthen.
Schliefslich bemerke ich noch, dafs: man dergleichen großse,
mit wasserheller und ungefärbter Flüssigkeit gefüllte blasenför-
mige Auswüchse, wie sie auf der Oberfläche von Mesembryan-
Ihemum cryslallinum, bei den Tetragonia-Arten und andern Pflan-
zen mehr vorkommen, nicht etwa für solche Epidermis-Zellen
halten dürfe, deren obere Wand blasenförmig erhoben ist; wie
ich selbst diese Erscheinung früher deuten zu können glaubte,
sondern diese Wasser- oder Zellensaft-haltenden Blasen sind oflen-
bar als ganz eigenthümliche Sekretions-Organe anzusehen, wel-
‚ehe später auf besonderen, durch eine grofse Masse von Zellen
gebildeten Stielen stehen.. Wahrscheinlich ‚wird: es aber, dafs
auch diese, oft so aulserordentlich grofs werdenden Organe eben:
falls aus den Zellen der Epidermis hervorgebildet werden.
Es wurde im Vorhergeheuden die Entstehung der ungeglie-
derten Haare aus papillenförmigen Auswüchsen ‘der oberen Epi-
dermis-Zellenwand nachgewiesen; hier noch Einiges über die
Entstehung der gegliederten Haare. Die gegliederten Haare be-
stehen wie die Conferven-Fäden aus linienförmig aneinander ge-
reileten cylindrischen Zellen; auch sie entstehen durch papillen-
förmige Auswüchse der oberen Wände der Epidermis- Zellen, doch
bildet dieser Auswuchs immer nur das unterste Glied oder die
unterste Zelle des Haares, und aus der Spitze dieses Gliedes
wächst dann ‘die zweite Zelle und aus dieser die dritte Zelle
hervor, u.s. w. — Die Membran, welche die Epidermis-Zellen
bildet, tritt ebenfalls getüpfelt auf, und diese Tüpfelung giebt
oftmals einer solchen Epidermis ein sehr niedliches, punktirtes
Anselın, wenn man dieselbe unter dem Mikroskope betrachtet,
wie z. B. bei der Epidermis von der oberen Blatiläche von Cycas-,
_ Epidendrum- Arten u... w. Hier stehen die Tüpfel in Reihen
220
dieht:neben den Seitenwänden der:Epidermis- Zellen. . In!man-
chen Fällen treten die Tüpfel- Kanäle selbst in der oberen dicken
Wand der Epidermis- Zellen auf, wie z.B. in der Epidermis. von
Cactus grandiflorus. Infindern Fällen zeigen sich die Tüpfelka-
näle nur in ‚den Seitenwänden dieser Epidermis-Zellen, was in
Cactus gramdiflorus; ebenfalls zu sehen ist, und überhaupt gar
nicht’ selten bei Blättern von lederarliger Struktur vorkommt.
Aber noch häufiger kommen die Tüpfel auf den unteren Wänden
der Zellen‘ vor und communiciren hier mit den dicht darunter
liegenden diekhäutigen Zellen, wie z. B. auf der oberen Blatt-
fläche von ‘Nerium-Arten, bei den Banksien u. s. w. Ich führe
noch. einige’ Pilanzen an, bei denen, die Epidermis getüpfelt ist,
2, B. Dracaena cernua und aufserordentlich stark bei. Epiden-
dendrum. fuscum u, s. w.
Bei sehr vielen Pflanzen mit festen und lederartigen Blättern
kann man verleitet werden, die obere gemeinschaftliche Wand
der Epidermis- Zellen für eine eigene Membran zu halten, welche
gleichsam die Epidermis-Zellen umschliefst, denn diese äulseren
Wände.der Epidermis-Zelleu werden zuweilen ganz aufserordent-
lich dick, sie sind dabei so innig mit einander verschmolzen, dafs
meistens keine Spur. einer. Vereinigung der Wände aneinander-
grenzender Zellen darin zu bemerken ist; ja es kommt sogar der
Fall-vor, dafs diese gemeinschaftlichen dieken Wände der. Epi-
dermis-Zellen eine eigenthümliche Färbung erhalten, ‘wie z. B.
auf der oberen Blattfläche der Cycas-Arten, bei Phormium, bei
Orchideen u. s. w., wo sie schön grüngefärbt werden, und wo-
durch ‚man um so mehr veranlalst zu. sein glaubte, diese äulseren
Wände der Zellen für eine eigene Membran zu halten. Von der
Dickendimension dieser äulseren Wände der Epidermis - Zellen
kann man sieh nur durch gutgeführte Verlikalschnilte überzeugen.
Führt ‚man einen gutgeleiteten Schnitt parallel der Blattfläche
durch ‚diese dicken Wände der Epidermis- Zellen, so bemerkt man
an einzelnen Stellen, besonders an den Rändern des Schnittes,
dals daselbst die Membran ganz einfach erscheint, indem hier die
Anheftungslinien der Seitenwände der Epidermis-Zellen gänzlich
abgeschnitten sind.
Der erste Botaniker, welcher die Ansicht aussprach, dafs
die Epidermis der Gewächse, nämlich die äufsere Zellenschicht
221
noch durch ein eigenes sehr dünnes und: durechsichtiges Häutehen
überzogen wäre, war Ludwig; er nante es Cuticula, ‘und ‘gab
schon an, dafs es durch die Maceration nicht aufgelöst werde,
auch könne man keine Fibern in demselben entdecken. Der äl-
tere De Saussure kannte diese Cuticula Ludwig’s ebenfalls,
denn er sagt, dafs die Oberhaut der Pflanzen aus zwei Lagen be-
siehe; die äulsere dieser Lagen wäre die eigentliche Oberhaut, sie
bilde eine Membran ohne alle weitere Organisation: u. s. w. Die
folgenden Pflanzen - Anatomen kannten die Cuticula‘ ebenfalls,
doch 'man erklärte sie ganz allgemein für die verdickten äulse-
ren Wände der Epidermis-Zellen. Hr. Brongniart (Ann. des
science. nat. Tom. XVLII. p. 427.) hat auf»diesen Gegenstand von
Neuem aufmerksam gemacht; er stellte wiederum die Meinung
auf, dafs diese äulseren dieken Zellenwände der Epidermis eine
eigenthümliche Membran wären, welehe ‘man durch Maceration
von den Zellen der Epidermis trennen könne. Zugleich belegte
Hr. Brongniart diese angeblich besondere Membran mit dem
alten Namen: Cuticula, und diese Benennung ist in der That zur
Bezeichnung dieser dicken Epidermiswände sehr bequem, wenn
auch, wie ich glaube, nachgewiesen werden kann, dafs die Cu-
tieula keine eigene Membran ist. Hr. Link (Elem. phil. bot. Ed.
alt. I.p. 81 et 107.) nennt in seinem neuesten Werke die Cuticula:
Oberhaut, die Epidermis dagegen: Oberschicht, und. um künfti-
gen beständigen Verwechselungen und langen Umschreibungen zu
umgehen, ist es durchaus nöthig, dals man sich allgemein über
diese Begriffe verständigt *).
© Hr. Brongniart schied die Cuticula von den angrenzenden
*) Es ist hierbei zu beachten, dals Hr. De Candolle (Organo-
graph. oeget. T. I. p. 67 etc.) unter Cuticula die wahre Epidermis der
Blätter und überhaupt der krautartigen Theile versteht, während er un-
ter Epidermis die ausgetrocknete Zellenschicht begriffen wissen will,
welche die älteren Theile der Pflanze, wie z. B. die Rinde der Bäume
überzieht. Was Hr. De Candolle unter Epidermis versteht, ist kei-
neswegs seine aus vertrockneten Zellen bestehende Cuticula, sondern
‚ diese ist längst abgefallen, und die darunter liegenden Zellenschichten
bilden die neue Oberhaut. Die wahre Epidermis (die Cutieula D. C.)
der jungen Triebe der Bäume besteht aus Zellen wie die Epidermis der
Blätter, nur sind sie innen etwas länger gestreckt, gleichsam wie die
Epidermis- Zellen auf den Blattnerven.
222
Zellen,‘ woraus |die'Epidermis besteht, durch Mäceration, worüber
man sich nicht‘ wundern: darf, da dieselbe immer sehr. fest, oft-
mals selbst hornartig ist; sie mufs demnach übrig bleiben, wenn
die seitlichen Wände ‚der Epidermis-Zellen. schon. längst, verfault_
sind; dagegen 'sah ‚dieses Hr. Brongniart; und: die meisten übri-
gen Botaniker als’ einen Beweis für, die Selbsiständigkeit der Ou-
ticula‘ an. Ja'Hr. Brongniart (Vouvelles recherches sur la struct,
de l’Epiderme des Vegetaux. — Ann. des scienc. nat. 1834. T. II.
p- 65—71.) hat später diesen Gegenstand nochmals untersucht
und; behauptet, dafs das Vorkommen der Cuticula, welche die
äufsere Oberfläche der Epidermis- Zellen überzieht, ganz allgemein
sei, dals sie aber immer.'nur durch Maceration dargestellt werden
könne. Auch will Hr: Brongniart beobachtet haben, dafs sich
die Epidermis- Zellen von’der Cuticula durch Maceration trennen
lielsen, und zwar so, dafs; sie ihre ganze Continuilät behielten, nur
mehr'abgerundet erschienen. Die Versuche sind mit Blättern von
‚Agapanthus umbellatus, Allium porrum, Beta vulgaris u. 5. w.
gemacht; ‘auch ich habe dieselben zu wiederholen gesucht, doch
es ist mir nichb gelungen, die Epidermis-Zellen aus ihrer festen,
seitlichen Verbindung, ohne Zerreilsen der Wände zu trennen,
wenn. die Cuticula nicht ganz besonders dick war. Die Cuticula
von Agapanthus erschien Hrn. Brongniart in Folge der Mace-
ration! ganz körnig und er glaubt, dafs diese Körner, zwischen
der Cuticula und den darunter liegenden Epidermis-Zellen gela-
gert waren. Auch bei den Wasserpflanzen behauptet Hr. Bron-
gniart die Gegenwart der Cuticula, wo bekanntlich fast allge-
mein diese dicken obern Wände der äufßseren Zellenschicht fehlen.
Auch hat Hr. Henslow zu Cambridge eine solche Haut auf der
Corolla, auf den Staubfäden und auf dem Stylus gefunden, wo er
‘dieselbe durch Salpetersäure gelrennt hat, welche aber, nach un-
serer Ansicht, immer nichls weiter, als die, mit einander ver-
wachsenen äufseren Wände der Epidermis-Zellen sind. Als Re-
sultat jener angeführten Beobachtungen stellt Hr. Brongniart
die Meinung auf, dals die Cuticula alle Organe der Pflanze be-
kleide, bis auf die Narbe und die Wurzelspitze, wo die Zellen
der Epidermis frei liegen sollen.
Im, gegenwärtigen Aufsatze werden wir die Erscheinungen
etwas näher erörtern, welche theils für, theils gegen die aufge-
223
führte Ansieht des Hrn. Bronghiart und seinerVorgänger spre&
chen ; im Allgemeinen will ich nur noch! bemerken „dafs. dieser
Gegenstand einer von denjenigen ist, ‚welche ‘zwar Jleicht..als
factisch behauptet werden können, die aber sehr schwierig dureh
positive Gründe zu widerlegen sind, daher‘ über diesen. Gegen-
stand nicht so leicht die Physiologen zu einer und' derselben
Ansicht gebracht werden können. Ja man findet es sehr.-be-
quem eine solche Cuticula anzunehmen, welche: die Zellenmasse
umschliefst, und für manche Hypothesen: über die Organisation
der Pflanzen sehr. passend ist.
Wenn mau die Epidermis von einem Agapanthus oder Hya-
einthus der Maceration hinreichende Zeit unterwirft, so‘faulen
die Seitenwände der Epidermis- Zellen ab und es bleibt bekannt-
lich nur noch das äulserst feine Häutchen übrig, welches vorher
die äulseren Wände der verfaulten Epidermis-'Zellen bildete. ‘In
dieser feinen Haut erkennt man mit einem guten einfachen. Mi-
kroskope den Verlauf der Längenstreifen ‚noch sehr wolil, selbst
- wenn schon die Quersireilen verschwunden sind ‚und. man mit
einem: zusammengesetzten Mikroskope nicht mehr, als eine ein-
fache strukturlose Haut zu\sehen glaubt. Weshalb sind: hier die
Längenstreifen, diese Linien, wo früher die Seitenwände der Epi-
dermis-Zellen befestigt waren, noch zu sehen, wenn’ die Cuticula
eine eigene Membran ist?‘ Ich kann dafür keinen Grund finden,
wohl aber erkenne ich im diesen, der Membran einliegenden
Sireifen diejenigen Stellen, wo ursprünglich das Zusammenwach-
sen der Epidermis-Zellenwände stattfand. Aufserdem! ist: es ja
bekannt, wie die obere Wand dieser Epidermis-Zellen‘ auf den
Blättern der meisten Liliaceen und verwandter Familien so’ äu:
Iserst zart ist, und diese zarte Membran bleibt in Folge derMa
eeralion zurück; eine zweite Haut ist hier nicht zu beobachten,
und äufsere Wände müssen‘ doch auch diese Zellen der Epidermis
gehabt haben. Die Cutieula soll die ‚ganze Pflanze aulser ‚den
Stielen und aufser den Wurzelspitzen überziehen, doch man 'kann
sich durch Maceration der Epidermis überzeugen, dafs auch: die-
jenigen Zellen, welche die Spaltöffnung zwischen den Epidermis-
Zellen bilden, eben so leicht, als das darunter liegende Diachym
werfaulen; über diese Zellen der Spaltöffnung, 'setzt sich also die
\ sogenannte Cutieula nicht fort, doch zeigt sie daselbst besondere
N
224 ;
Eigenthümlichkeiten. Auf der Oberfläche. der Wurzelspitzen, wo
die ’Cuticula ebenfalls fehlt, sind die Zellen der äufseren Schicht
haarförmig ausgewachsen; es ist aber auch nicht schwer, wenig-
stens bei manchen Pflanzen, durch den verschiedenen Grad von
Feuchtigkeit, welchen man .der Wurzel dieser Pflanzen darbietet,
dieselbe gleichsam zu zwingen, dafs sich ähnliche und noch län-
gere’Härchen aus den oberen Wänden der Epidermis- Zellen ent-
wiekeln und die sogenannten Wurzelliaare bilden, welche: oft
aufserordentlich lang und ungegliedertert sind. Hier müfste man
annehmen, dafs die Cuticula bei der papillenförmigen Erhebung
der äufsern Wand der Epidermis-Zellen, so wie bei dem späte-
ren Auswachsen derselben in lange Haare, nicht nur sich mit
erhoben, sondern sich auch sogar um das ganze lange Haar her-
um ausgedehnt habe, So etwas wäre möglich, ist aber nicht
wahrscheinlich, ja es möchte sogar als unrichtig nachzuweisen
sein, denn es läfst sich beweisen, dafs die Membran, woraus ein
solches Härchen besteht, nicht als eine ausgedehnte obere Zellen-
wand anzüsehen, sondern für eine neue Bildung zu halten ist!
Man untersuche übrigens jungen Individuen solcher Pilanzen,
welche später eine sehr lederartige Struklur zeigen; man wird
sich gewils sehr bald überzeugen können, dafs in der frühesten
Zeit-Periode nur die feinen Häute da sind, welche die oberen
Wände der Epidermis-Zellen bilden, und allmählig werden diese,
auf das Innigste verwachsenen Zellenwände so dick, dafs man
sie für eine eigene Membran zu halten sich berechtigt fühlt. Die
Cuticula bildet sich also erst mit fortschreitendem Wachsthume
der Pflanze; sie ist aber nicht ursprünglich, daher muls man sie
doch für eine Bildung halten, ‚welche von den Zellen der Epi-
dermis dargestellt oder hervorgerufen wird, und dieses ist auch
ganz damit übereinstimmend, wenn man die Cuticula für die ver-
diekten, äufseren Wände der Epidermis-Zellen hält. Glaubt man
annehmen zu müssen, dals eine solche Membran nöthig sei, um
selbst‘ die äufsere Zellenschicht genau zu umkleiden, damit die
äufsere Luft‘nicht ungehindert und die Pflanzensubstanz eindrin-
gen kann, so möchte ich hierauf antworten, dafs die seitliche
Vereinigung der Epidermis-Zellen nach allen Beobachtungen so
fest und innig ist, dafs die Trennung dieser Zellen durch ge-
wöhnliche Mittel gar nicht zu bewerkstelligen ist. Gerade dieses
Mit-
225
Mittel hat die Natur erwählt, um die Pflanzenmasse äufserlich zu
umschliefsen. Es ist freilich eigenthümlich, dafs gerade nur die
äufseren Wände der Epidermis-Zellen so sehr verdicken, indes-
sen warum dieses geschieht, ist eine ganz andere Frage, und sehr
oft findet man, auch an der entgegengesetzten inneren Wand der
Epidermis- Zellen solche Verdickungen, wenn auch nicht in dem
Grade und so regelmälsig wie an den oberen Wänden. Bei der
Begonia maculata, wie ich schon früher angegeben habe, findet
gerade die besondere Verdickung der Seitenwände Statt, wogegen
die obere oder äufsere Ward verhältnifsmäfsig zurückbleibt. Auch
betrachte man die Queerschnitte aus der Epidermis von Agaven-,
von Phormium- und einigen-Aloe-Arten, wo die Verdickung der
Wände schon in der oberen Hälfte der Seitenwände beginnt, so
dafs diese verdickte Masse einen Keil zwischen zwei neben ein-
ander liegenden Epidermis-Zellen bildet, welcher mit seinem
- breiteren Ende in die Verdickung der oberen Wände, der soge-
nannten Cuticula sich gleichmälsig fortsetzt. Wie will man auch
hier eine wirkliche Scheidung der Cuficula von den oberen Wän-
den der Epidermis-Zellen erklären, ganz abgesehen davon, dafs
sich die, Vereinigungslinie selbst auf den letzten Queerschnitten
ganz der Beobachtung entzieht, und unsere Instrumente gegen-
wärtig doch so vollkommen sind, dals sie überall an den dicken
Häuten selbst die verschiedenen Schichten zu unterscheiden ver-
mögen.
Schließlich ist denn hierbei auch noch die Analogie zu be-
achten. Alle Membranen, welche in der Pflanzen-Substanz vor-
kommen, bilden stets geschlossene Behälter, ais Zellen, Röhren,
Gefälse und hier, bei der Cuticula, wäre der einzige Fall, wo
eine Membran als blofses einhüllendes, an vielen Stellen durch-
brochenes Gebilde aufträte. Die eigenthümliche grüne Färbung,
welche die Cuticula auf der oberen Blatiläche der Oycas- Arten
und bei andern Pflanzen zeigt, kann eben so wenig als ein
Beweis für die Selbständigkeit der Cuticula gelten, denn’ diese
grüne Färbung erscheint zuweilen auch in der Zellenmembran
‚ganz im Innern des Gewebes der Cycas-Blätter.
Ganz neuerlich ist die Ansicht über die Verschiedenheit der
Cuticula von den oberen Wänden der Zellen durch Hrn. Mohl
(Erläuterung u. Vertheidigung meiner Ansicht von derStruktur der
|
HIT. Jahrg. 1. Band. 15
226
Pflanzen -Substanz. Tübingen 1836. p. 13.) nicht nur bestätiget,
sondern dieser Gegenstand hat eine ganz andere Bedeutung er-
halten. Herr Mohl hat nämlich in der genannten Schrift zu
zeigen gesucht, dafs das Gewebe der Pflanzen nicht aus einer
Zusammenhäufung von unmittelbar mit einander verwachsenen
‚Zellen bestehe, sondern dafs eine homogene Masse, gleichsam ein
organischer Leim vorhanden sei, in welche die Zellen eingesenkt
und durch welche sie untereinander verbunden seien. Nachdem
ich dieses vorangeschickt habe, wird man die Ansicht verstehen,
welche Hr. Mohl in angeführter Schrift (p. 13.) über die Cuti-
cula ausspricht; sie besteht nach demselben „höchst wahrschein-
lich in nichts anderem, als in der äufsersten, die Epidermis-Zel-
len überziehenden Lage der Intercellular-Sabstanz.* Wäre diese
Ansicht richtig, so wäre es ganz unerklärlich, weshalb und auf
welche Weise diese Intercellular-Substanz, welche die Cuticula
darstellt, mit zunehmendem Alter der Pflanze sich verdickt.
Hr. Mohl bemerkt noch, dals die Gründe, welche ich früher
(S. dieses Archiv 1835. p. 158.) gegen Hrn. Brongniart’s An-
sicht aufßstellte, ihm dieselbe nicht zu widerlegen scheinen, und
deanoch giebt derselbe eine andere Deutung über diesen Gegen-
stand, so dafs also gegenwärtig drei verschiedene Ansichten über
den Ursprung der Cuticula vorhanden sind. Nach dem Erschei-
nen der Mohlschen Schrift hat Hr. Valentin in einer beson-
“ deren Abhandlung (Ueber den Bau der vegetabilischen Membran,
insbesondere der secundären Verholzungs-Schiehten. Repertorium
für Anatomie u. Physiologie. Berlin 1836.) die Ansicht des Hrn.
Mohl über die Intercellularsubstanz in- mancher Hinsicht modi-
fieirt, aber in Bezug auf die Cuticula beibehalten. Hr. Valen-
tin bestätigt die Beobachtung Brongniart’s, dals sich die Cu-
tieula, welche er ebenfalls Intercellular-Substanz nennt,. allmählig
abschuppe, dafs überhaupt hier ein ähnlicher Häutungs- Prozels
vorgehe, wie an den äulseren und inneren Oberflächen des thie-
rischen Organismus.. „Im jungen Zustande, sagt Hr. Valentin,
läfst sich dieses an sehr vielen Blättern unserer dikotyledoni-
schen Bäume ganz bestimmt wahrnehmen. Eben so gehört das
feine mehlartige Wesen, welches sich auf der Oberfläche der
Blätter von Agave, Aloe, Cacalia, Cactus u. dgl. so sehr häufig
absondert, hierher. Es ist, wie man sieh leicht überzeugen kanny
jene verhöltnilsmälsig dicke Schicht, welche die Oberfläche der
Epidermis-Zellen bedeckt. Bald folgt sie, wie z. B. bei Agave
americana, Aloö intermedia, A. Lingua u. dgl., in ihrem Ver-
227
laufe den mehr kuppenartigen Hervorragungen der einzelnen
Oberhaut-Zellen. und hüllt diese rings herum ein, so dafs sie
in der Seiten -Ansicht lauter wellenförmig verlaufende Linien
darbielet; bald lat sie cine mehr ebene Oberfläche, so dals sie
die Zwischenräume, welche sich nach aufsen zwischen den
Epidermis-Zellen vorfinden, ausfüllt, wie bei Cactus u. dergl.
mehr. Von oben betrachtet zeigt sie eben so sehr, als von
der Seite angesehen, ein von der Intercellular-Substanz in den
übrigen Theilen ganz verschiedenes Wesen. Sie erscheint als
eine faltige, halbdurehsichtige, bisweilen mit einem graumelirten
Wesen versehene Membran’ oder läfst, wie bei Aloe intermedia,
sogar deutliche Körnchen erkennen. Es fehlt ihr das glasartige,
helle und klare Aussehen, welches die Intercellular-Substanz sonst
charakterisirt.— Noch deutlicher wird alles da, wo diese Masse
nieht blofs als feine Linie auf den Zellen erscheint, sondern sich
auch in die auf der Oberfläche zwischen den Zellen befindlichen
Räume hinein. begs:bt, wie z. B. an den Blättern der meisten
Coniferen, an den Blättern der Hoya, u.s.w.‘‘ — Um ferner noch
zu zeigen, wie sehr die Dicke der auf der äufseren Oberfläche
der Epidermis- Zellen aus Intercellular-Substanz bestehenden Häu-
tungslamelle sowohl in ihrer absoluten Stärke, als im Verhält-
nisse zur Höhe der Zelle wechselt, giebt Hr. Valentin einige
mikrometrische Messungen, welche sämmtlich an feinen perpen-
dikulären Queerschnitten veranstaltet sind; sie beziehen sich auf
die Dicke der Intecellular-Sabstanz und auf die Höhe der darun-
terliegenden Zelle, woraus dann das Verhältnifs zwischen der
Dicke der Intercellular- Substanz und der Höhe der darunterlie-
genden Zellen angegeben wird. Zu diesen Messungen erlaube ich
mir folgende Bemerkungen, welche man theilweise allgemein
auf dergleichen mikrometrische Messungen anwenden kann. Ich
habe dergleichen Messungen ebenfalls angestellt, und stets-habe
ieh die gröfsten Verschiedenheiten in den Resultaten wahrge-
nommen, ja diese Verschiedenheiten betragen zuweilen das Dop-
pelte der ursprünglich angegebenen Messung. Bei der Messung
der Cuticula muls man aber wenigstens das Alter der Pflanzen
| angeben, denn die Dicke derselben ist hiernach doch sehr ver-
ieden. Hr. Valentin giebt z. B. an, dafs sich die Dicke der
icula zur Höhe der, darunter liegenden Zelle —=1:2.79 ver-
halte; ich habe dagegen Verhältnisse von 1:6 und noch weni-
ger gefunden. Bei .Aloö intermedia ist das Verhältnils der Cu-
\ ieula zur Zellenhöhe nach Hrn. V. gleich 1:2,71 und ich habe
15 *
228 )
es in einigen Fällen gleich 1:4 beobachtet. Demnach wird man
diesen mikrometrischen Messungen niemals einen zu hohen Werth
beilegen dürfen, wozu noch die Ungleichheit der Mefsinstrumente
ganz besonders zu beachten ist. Alle jene Messungen geben nur
Andeutungen von der mittleren Dicke der sogenannten Cuticula,
doch beweisen sie nichts für die Ansicht, dafs dieselbe der In-
tercellular- Substanz zuzuzählen sei, auch möchte diese Ansicht
unhaltbar sein. Die Intercellular-Substanz, wie sich Hr. Mohl
dieselbe vorstellt, mufs ursprünglich sein, wenigstens muls sie
mit der Bildung der Zellen zu gleicher Zeit auftreten und an
Dicke verlieren, um so grölser sich die Zellen ausdehnen, wenn
sie überhaupt vorhanden ist. Bei der Entwickelung der Cuticula
wird jedoch gerade das Gegentheil beobachtet; die Zellen der
Epidermis sind hier das Ursprüngliche, aus deren oberen Wänden
sich die Cuticula entwickelt und mit zunehmendem Alter immer
dicker wird. Dieses allmählige Wachsen der Cuticula ist oftmals
sehr leicht zu verfolgen ; meistens sieht man, dafs die Substanz
derselben durch und durch gleichmäfsig dicht ist, oft sieht. man
aber auch, dafs dieselbe um so diehter wird, je näher der äufse-
ren Oberfläche, doch zuweilen findet man auch, dafs die Sub-
stanz der Cuficula, welche zwischen den äulsersten und den in-
nersten Schichten derselben gelegen ist, etwas heller erscheint
und in noch wenigern Fällen ist eine Zusammensetzung der Cu-
Ticula aus einer grofsen Menge von dünnen Schichten zu beob-
achten. Sehr deutlich habe ich diese Schichtung an der Cuticula
auf einem Queerschnitte aus der Epidermis eines alten Blattes
von Aloö intermedia wahrnehmen können, und gerade durch
diese Schichtung wird das Abschälen der Cuticula möglich, was
man zuweilen auf der Oberfläche mancher Pflanzen beobachten
kann. Diese Schichtung zeigt aber auch, wie die Substanz. der
Cuticula allmählig durch die Zellen der Epidermis abgesondert
wird, nämlich ganz auf dieselbe Weise, wie alle übrigen Ab-
sonderungen der Art.
Berichtigung
einer Stelle der Isis von Oken für 1836
von
Prof. J. van der Hoeven.
(Schreiben an den Herausgeber.)
I. der Isis von Oken 1836. Heft 7. giebt der Herausgeber eine
Anzeige des Aufsatzes von Milne-Edwards über die Farben-
veränderung des Chamäleons, worin ich mit Verwunderung las
(S. 496.):
„Ein neuerer Schriftsteller meint, das violettblaue Blut scheine
„bald mehr, bald weniger durch die gelbe Haut. (Warum ver-
„schweigt der Verfasser, dafs dies van der Hoeven ist?)“
Da nun die Zeitschrift von Oken sicher in die Hände vieler
kommt, die meine Icones ad illustrandas coloris mutationes in
Chamaeleonte. Lugduni Batav. 1831. 4. nicht kennen, so ersuche
ich Sie, in Ihrem Archive für Naturgeschichte diesen meinen Brief
zu übersetzen, da ich hiermit erkläre, so elwas keinesweges ge-
sagt zu haben. Ich werde deshalb die betreffenden Stellen hier
wörtlich anführen.
Auf pag. 9. sage ich geradezu das Gegentheil von dem, was
mich Oken sagen läfst: „Non probanda videtur eorum sen-
tentia, qui staluunt adauctum sanguinis affluxum, qui pellu-
cida cute cerni possit, coloris mutali caussam esse.“
pag. 10.: „caussu proxima mutati coloris est in mutato pig-
mento.“
und pag. 11.: „sedem coloris in pigmento culaneo esse, cuius
mulalio qualiscungue diversi coloris causa sit.“
Warum Milne-Edwards meine Abhandlung nicht erwähnt,
230
weils ich nicht. Die beste Erklärung davon ist, wie mir scheint,
die, dafs er sie nicht kennt, obwohl dieselbe in Paris wohl zu
finden war, und auch von Bibron in seiner Erpetologie benutzt
ist. So viel ist gewils, dafs die Erklärung von Milne-Edwards
der meinigen am nächsten steht und ich auch bereits unter den
Schuppen Pigmentkörner gesehen habe (puncta sive granula quae-
dam nigra distinctap.9.). Ob die Erklärung von Milne-Ed-
wards zureichend ist, um die Erscheinungen durch zwei Pig-
mente, ein graues und ein violettes, aufzuhellen, wage ich nicht
zu entscheiden. — Auch die früher von Oken gegebene An-
zeige meiner Icones beweist, dals er meine Meinung nicht recht
verstanden hat und schlielst noch überdies mit partheiischen, für
die achtungswerthe Regierung des Königs der Niederlande höchst
schmählichen Bemerkungen, in Folgen einer Aeulserung meiner
Gefühle, welche mir bei Abfassung jener Schrift durch den Gang
der Umstände abgenöthigt wurde.
Leiden, den 25. Dec. 1836.
Ursprung, des Wuraly- oder Urary- Giftes.
Notiz.
Nach einer Mittheilung des Hrn. R.Schomburgk an die Lin-
nean Society wird das Wuraly- oder Urary-Gift von den In-
dianern des Orinoko aus einer unbeschriebenen Sfrychnos-
Art gewonnen, welche auf dem Canocon-Gebirge in der Nähe
des Aecquators wild wächst. Hr. S. nennt sie: Strychnos
toxifera. \
S. Jolüis ovato-lanceolatis, acuminatis 3—5 nervüs ulrin-
que ramulisque ferrugineo - tomentosis, bacca polysperma. (Lond.
and Edinb. Philol. Magaz. 1837. Vol. X. p. 72.) %
Einige botanische Bemerkungen
von
GIS KUNntcH
«
Ueber Myosurus Linn.
Die Gaitung Myosurus wird von De Candolle, Lindley,
Bartling, Reichenbach, Koch u. a. neben Ranunculus ge-
stellt, und von Hrn. v. Schlechtendal, welcher die ketztere
Gattung kritisch bearbeitet hat, sogar mit derselben gänzlich
vereinigt. Sehon bei einer oberflächlichen Betrachtung dieser
Pflanze drängte sich mir eine Vermuthung über ihre eigentliche
Verwandischaft auf, welche ich später bei genauerer Untersu-
chung der Fruclit vollkommen bestätigt fand. Die an der Basis
verlängerten Kelchblätter, die Form und Anheftungsweise der “
Früchte nämlich erinnerten mich sogleich an Adonis annua, es
blieb mir blofs noch zu ermitteln übrig, ob die Befestigung des _
Samens in beiden dieselbe sei. Ungeachtet seiner Kleinheit über-
zeugte ich mich sehr bald, dafs derselbe, wie in Adonis aufge-
hängt ist, was aufserdem mit Gärtner’s Abbildung überein-
stimmt, welche den Embryo an dem nach oben gerichteten Ende
des Albumens eingeschlossen darstellt. Hiernach ist Myosurus
von Ranunculus zu entfernen, und unter die Anemoneen zu
setzen, oder vielleicht selbst wegen des abweichenden Frucht-
baues mit Adonis zu einer besondern kleinen Gruppe zu erhe-
ben. In den eigentlichen Anemoneen nämlich ist das Pericar-
pium mit dem Samen verwachsen, in den Adonideen dagegen
eo” demselben vollkommen getrennt.
Ueber die Narben der Gattung Papaver.
Hr. Lindley schreibt den Papaveraceen wandständige Pla-
eenten zu, welche mit den Narben abwechseln. Dies letztere
2 Ss
würde aber nicht auf Papaver passen, wo die Theile, welche
bisher für die Narbenlappen gehalteu worden sind, oflenbar den
Placenten entsprechen. Die Gattungen Glaueium und Argemone
haben mich zu einer Ansicht geleitet, welche jenen scheinbaren
Widerspruch zu beseitigen geeignet ist. In den erwähnten bei-
den Gattungen sind nämlich die Narben nach oben gebogen, und
zeigen sich aufserdem in den dazwischen liegenden Buchten ei-
genthümlich erweitert, so dafs man diese Erweiterungen leicht
bald für kleinere, bald auch für die eigentlichen Narben halten
könnte. Bei Papaver ist dies letztere in der That geschehen.
Die eigentlichen Narbenlappen erscheinen nämlich in dieser Gat-
tung jederzeit nach oben geschlagen, bedecken den Scheitel des
Fruchtknotens, und sind aulserdem mit demselben innig ver-
wachsen. ‚Die Strahlen, welche vom Mittelpunkte der grolsen
schildförmigen Narbe ausgehen, werden von den papillösen Rän-
dern je zweier neben einander liegender Lappen gebildet, erschei-
nen daher deutlich mit einer Mittelfurche versehen, und sind die
Stellen, wo die Befruchtung vor sich geht. Am leichtesten kann
man sich von der Richtigkeit dieser Angabe bei Papaver Arge-
mone überzeugen, wo die Buchten, nicht, wie in den meisten
übrigen Arten, hervortreten, die Narbe daher stumpf fünfeckig
erscheint, und die Lappen sich vom Ovarium leicht lösen lassen.
Ich beabsichtige, obige Beobachtungen, welche bis jetzt blols an
trocknen Pflanzen gemacht worden sind, in der Folge an leben-
den zu wiederholen und ihnen überhaupt eine gröfsere Ausdeh-
nung zu geben.
Ueber den Embryo der Cruciferen.
Schkuhr war der erste, welcher die Samen einer grofsen
Anzahl von Cruciferen mit der ihm eigenen Genauigkeit abbil-
dete, und ‚hierbei auf die verschiedene Lage der Radicula zu
den Cotyledonen, so wie auf die mannigfaltigen Formen der
letztern aufmerksam machte. Nachdem später Hr. Bröwn den
Bau des Embryo bei Feststellung der Gattungen mit Erfolg be-
rücksichtigt hatte, ging Hr. De Candolle hierin noch weiter |
und bildete nach der Form der Cotyledonen und ihrer Lage zur
Radicula seine Hauptabtheilungen der Familie der Cruciferen.
Man hat mehrmals versucht, die Beständigkeit jener Charaktere
233
in Zweifel zu ziehen und hierbei behauptet, dafs die Cotyle-
donen zuweilen in ein und derselben Art eine verschiedene Lage
zur Radieula zeigen könnten. Weit entfernt, hier in eine weit-
läufige Erörterung dieses wichligen Gegenstandes einzugehen,
beschränke ich mich gegenwärtig blofs darauf, obige Behauptung
durch eine Beobachtung zu beleuchten. In mehreren von mir
untersuchten Cruciferen, welche zur Abtheilung der Notorrhi-
zeen gehören, z. B. Erysimum cheiranthoides Linn. und E. (Si-
symbrium) offieinale Linn. fand ich nämlich in dem jungen Sa-
men die Radicula jederzeit den Cotyledonen seitlich gelegen,
und erst bei vorschreitender Reife stellten sich die letztern durch
ein allmähliges Verschieben vor die Radicula und wurden in-
cumbentes. Hiernach lassen sieh also in einer und derselben
Pilanze Cotyledones accumbentes und incumbentes gleichzeitig
nachweisen, wenn man Samen in verschiedenen Zuständen der
Reife nimmt. Sehr gering erscheint der Unterschied zwischen
dem Embryo der Notorrhizeen und Orthoploceen und besteht
bekanntlich blols darin, dafs die Cotyledonen in diesen der Länge
nach gelallet sind und die Rudicula umgeben, während sie in
jenen flach ausgebreitet bleiben.” Demungeachtet läfst sieh schon
im jungen Samıen ein orthoplocischer Embryo leicht an der un-
gleichen Gröfse seiner Colyledonen erkennen und von dem der
andern Abtheilungen unterscheiden. In dergleichen jungen Sa-
men von Baphanns sativus fand ich nämlich den Embryo noch
fast gerade, blofs an der Radicula schwach gekrümmt, die Co-
tyledonen flach ausgebreitet, an der Spitze tief ausgerandet und
von ungleicher Grölse, welcher letzterer Umstand mit ihrem spä-
tern Verhalten, wo der äufsere den inneren gröfstentheils um-
hüllt, zusammenhängt.
Aus obigen Bemerkungen scheint hervorzugehen, 1) dafs der
Embryo der Cruciferen erst beim Reifwerden des Samens in
Folge äufserer Ursachen die verschiedenen Formen annimmt,
welehe wir au ihm im vollkommen ausgebildeten Zustande wahr-
nehmen, und 2) dafs jene Verschiedenheiten, da die Ursachen,
*® welche sie erzeugen, bei derselben Pflanze jederzeit wieder ein-
treten müssen, sehr beständige und wichtige Charaktere liefern.
Eine älnliche Veränderung der ursprünglichen Lage der
Theile während des Reifwerdens läfst sich gleichfalls an den
234
Früchten der Cruciferen wahrnehmen. Das Ovarium liegt näm-
lich bei allen Gewächsen dieser Familie jederzeit so zur Achse,
dafs diese der Scheidewand entspricht. Jene Richtung erhält
sich blofs bei den Früchten, wo das Dissepimentum schmal
bleibt, sobald sich aber dieses ausbreitet, was bei der grölsern
Anzahl derselben Statt findet, kommt es der Achse seitlich zu
liegen.
Ueber die Gattung Teesdalia.
Es ist zu verwundern, dafs sowohl Hrn. Brown, dem
Gründer der Gattung Teesdalia, als allen andern Botanikern,
welche dieses Genus angenommen und beschrieben haben, ein
wichtiger Umstand im Blüthenbau derselben gänzlich entgangen
ist. Die beiden hierher gehörigen Linn&’schen Pflanzen, Iberis
nudicaulis und Lepidium nudicaule, nämlich sind die einzigen
mir bekannten Cruciferen, deren Kelchblätter au der Basis napf-
artig verwachsen sind und die Blumenblätter, Staubgefälse und
Nektardrüsen tragen oder mit andern Worten die eine deutliche
perigynische Insertion zeigen. Der freibleibende Theil der Kelch-
blätter fällt in der Folge ab, der verwachsene dagegen bleibt
unter der Frucht in Gestalt eines kleinen Näpfchens stehen.
Ichthyologische Beiträge zur Fauna Grönlands \
von
Prof. J. Reinhard.
1.
(Kongelige Danske Videnskabernes Selskabs Program
‚for Aaret 15835 — 36.)
Neue im Herbst 1834 von Grönland angelangte Naturalien-Sen-
dungen setzten den Verf. in den Stand, seine Untersuchungen
über die grönländischen Fische fortzuseizen uud gewährten eine
genauere Bestimmung der von ihm nach einem Individuum auf-
gestellten Gattung Lyeodes, einer Mittelgattung zwischen Zoar-
eeus und Anarrhichas. Erst drei Jahr nachher glückte es ihm,
einen Fisch derselben Gattung von Fiskenässet zu erhalten, wel-
cher großse Aehnliehkeit mit Lycodes Vahlii zeigte, aber doch
in einiger Hinsicht abwich; da inzwischen dieses letzterhaltene
Exemplar ein Weibchen, das früher beschriebene ein Männchen
war, und da die Geschlechts - Verschiedenheit in der Klasse der
Fische sich bis jetzt noch nicht hat unter bestiinmte Regeln brin-
gen lassen, schien es das richtigere zu sein, neue Materialien ab-
zuwarten, um nicht verleitet durch eine in Farbe und Maafs sich
ausdrückende Verschiedenheit, zwei Arten aufzustellen, wo die
Natur nur eine geschaflen, oder auf der andern Seite zwei ver-
schiedene Arten unter einem Nanien zusammenzuwerfen. Im vo-
rigen Herbste wurden von Omenak (etwa unter dem 71° n. Br.)
zwei wol erhaltene Fische derselben Gattung, beide männlichen
Geschlechts, eiugesandt, von denen der eine im relativen Maaßse,
Strahlenzahl und Zeiehnung mit dem in der grönländischen Samm-
lung des Museums aufgestellten Weibehen, der andere dagegen,
welcher eine von jenem ganz abweichende Zeichnung besafs,
dieselbe Strahlenzahl, dasselbe relative Maals und dieselbe Lage
236
der Afteröffnung hatte, wie Iycodes Vahlii. Es ergab sich also
aus dieser Vergleichung, dafs die Gattung Zycodes im grönländi-
schen Meere zwei Arten zählt, welche vom 60—70° n. Br. ver-
breitet sind. Von der einen dieser Arten besitzt das Museum
Männchen und Weibchen, von der andern nur zwei Männchen.
Die neuen Untersuchungen wurden zu schärferen Bestimmungen
der Gattungs- und Artkennzeichen benutzt.
Genus Lycodes.
Corpus elongatum antice incrassatum, rostro conico, trunco
compresso, cauda ensiformi. Squamae corporis rolundae mi-
nutae tenuissimae, cuti immersae- Os dentibus validis, inter-
maxillaribus, mandibularibus, vomerinis et palatinis armatum;
rietus medioeris. Membrana branchiostega uiriusque aper-
turae cum jugulo connata, vadiis 6; apertura branchiali an-
gusta postica. Pinnae ventrales obsoletae, brevissimae, la-
tiusculae, jugulares. Pinna dorsalis et analis longissimae
apicem caudae eircumdantes; radiis arliculatis divisis. Vesica
natatoria nulla. Inter Zoarceum et Anarrhicham Genus medium.
1) Lycodes Vahlii.
Corpore fasciato ; capite parum depresso; pinnis dorsali et
anali squamis minulissimis adspersis; illa radiis 117, hac radiis
91; ano ante medium gastraeum sito.
Habitat in mari grönlandico, prope Julianehaab et prope
Omenak.
2) Lycodes reticulatus.
Corpore reticulato; capite compressiusculo; pinnis dorsali et
anali nudis, illa radiis 95, hac 75; ano fere in medio gastraeo sito.
Habitat in mare groenlandico ad Fiskenaesset, et ad Omenak.
Derselbe Naturforscher theilte der Gesellschaft eine vollstän-
dige Beschreibung eines andern unbekannten und in seiner Ge-
sammitgestalt ebenso merkwürdigen Fisches mit, von welchem er
das einzige Individuum in einer von Fiskenaesset im Herbste 1834
überschiekten Sendung antraf. Dieser Fisch gehört zur Dorsch-
familie (Gadini Cuv.); aber unter den zahlreichen Untergattun-
gen der Gattung Gadus L. giebt es keine einzige der bisher auf-
gestellten, zu welcher diese Art einigermalsen palst.
Mit der Untergattung Brotula (Enchelyopus barbatus Bl.Schn.)
stimmt sie wohl darin überein, dafs Rücken - und Afterflosse sich
237
in einer Spitze zu einer nicht gesonderten Schwanzflosse ver-
einigen und dafs die verhältnilsmälsig lange Bauchflosse einstrah-
lig ist und vor der Brustflosse sitzt; aber sowol von dieser Gat-
tung, als von der ganzen Dorschfamilie unterscheidet sich der
Fisch darin, dais er 8 Strablen in der Kiemenhaut besitzt, und
Zähne auf den Gaumenbeinen hat und dals er hinter dem After
ein merkwürdig gebildetes äufseres Glied trägt, welches vermu-
then lälst, dafs eine Paarung bei der Befruchtung Statt findet,
und dafs das Weibchen wahrscheinlich lebendige Junge zur Welt
bringt. Er besitzt eine mit,Drüsen versehene Schwimmblase,
welche in Form und Lage nichts Auffallendes zeigt. Aus diesen
und andern Gründen scheint es, dafs diese Art eine besondere
Gattung bilden müsse, für welche Hr. R. den Namen Bythi-
tes vorschlägt, weil sich dieser Fisch nach Angabe der Grön-
länder in grofsen Tiefen aufhalten soll. Das beschriebene Indi-
viduum ist ein Männchen von 64 Länge; sein Hode ist bereits
ausgebildet; weskalb man die Aussage der Grönländer, dafs diese
Art die Grölse einer ausgewachsenen Phoca hispida erreiche, in
Zweifel ziehen möchte.
Genus Bythites.
Corpus breve, antice incrassatum, ore fere truncato, abdomine
compresso, eauda ensilormi. Squamae corporis minulae im-
bricatae. Os dentibus aculis intermaxillaribus, mandibulari-
bus, vomerinis et palatinis armatum. Rietus medioeris. Mem-
brana branchiostega utriusque aperturae invicem connata,
sub ingulo libere suspensa; radiis 8; apertura ampla infero-
postica. Pinnae ventrales obsoletae, filiformes, longiuseu-
lae, iugulares. Pinna dorsalis et analis longae, apicem
caudae eircumdantes; radiis articulatis et diviss. Membrum
eonicum, crassum pone anum situm, apicextriphyllo papilli-
gero. Specimen unicum huius generis in mare Grönlandico
prope Fiskenaesset caplum.
Ueber eine neue Ordnung der Myriapoden
a a a ie
(Vorgetragen in der St. Petersburger Akademie der Wissenschaften
den 2. Dec. 1836. Bullet. Scient. de I’ Acad. Imp. de Sc. de
St. Petersb. T. I. n. 23. p. 182.)
Vor einigen Jahren stellte Hr. B. eine neue sehr auffallende
Gattung der Myriapoden Polyzonium auf, welche er damals als
” Typus seiner zweiten Familie der Glomeridien oder Pentazonien
benutzte. Spätere noch sorgfältigere Untersuchungen über die
Mundtheile haben in ihm die Ansicht hervorgebracht, dafs die
Polyzonien keine harte Substanzen zu sich nehmen können, da
ihnen Organe zur Zerkleinerung der Nahrung fehlen, und dafs
sie sich vielmehr von flüssigen Stoffen, welche sie saugend ver-
schlingen, nähren, Während seines letzten Aufenthaltes in Berlin
fand er in der reichen Myriapoden-Sammlung des zoclogischen
Museums zwei, dem Polyzonium in der Körperbildung sehr nahe
stehende Arten, deren Mundtheile noch mehr zu Saugorganen aus-
gebildet waren. Die bereits früher von Brandt modificirte Ein-
theilung der Myriapoden scheint ihm deshalb einer neuen Ab-
änderung zu bedürfen ; denn Abwesenheit oder Entwickelung
eines Kau-Apparates sei in der Physiologie der Thiere zu wich-
tig, so dals sie eins der ersten Principe der Classification sein
müsse. Unter diesem Gesichtspunkte können die Polyzonia nicht
mehr eine Abtheilung der Chilognathen bilden, sondern müssen
vielmehr eine besondere Ordnung ausmachen. Verf. schlägt da-
her folgende Eintheilung vor:
1. Ord. Myriapoda manducantia od. Gnathogena Br.
2. Ord. M. sugentia od. Siphonizantia Br.
239
1. Ord. Gnathogena
entspricht den Myriapoden Latreille’s und kann nach dessen
Vorgange in 2 Sectionen: A. Chilopoda, B. Chilognatha
getheilt werden.
Die Chilognathen zeigen in der Struktur der Körperringe 3
sehr verschiedene Typen, nach welchen Br. bereits früher 3 ver-
schiedene Familien aufgestellt hat.
a) Fam. Monozonia s. Polydesmata.
b) Fam. Trizonia s. Julidea.
e) Fam. Pentazonia s. Glomeridia.
2. Ord. Siphonozantia.
Mandibulae et maxillae, nee non labia in proboscidem plus
minusve evolutam coalita. Corpus valde elongatum, angustum.
Corporis media eingula singula ut in Pentazoniis e partibus quin-
que composita.
Sect. 1. Ommatophora.
Oeuli parvi simplices in fronte inter antennas, conspieui.
Gen. 1. Polyzonium Br. (Isis 1834. p. 704.)
Oculi 4, quorum bini approximati. Capitis inferioris faciei pars
labio inferiori analoga appendice palpiformi quovis latere aucta.
Rostrum antennis fere duplo brevius, acutum. Antennae genicu-
latae.
Sp. P. germanicum Br. — Germania.
Gen. 2. Siphonatus Br.
Oculi duo distineti. Appendix palpiformis nulla. Rostrum elon-
galum , apice obtusiusculum, antennis longitudine fere aequale.
Antennae subrectae, elavatae.
Sp. 8. brasiliensis Br. — Brasilia.
Sect. 2. Typhlogena.
Oenli nulli.
Gen. 1. Siphonophora Br.
Caput parvum, angustum, Rostrum aculissimum, tenuissimum,
elongatum, subulatum, subdeflexum, antennas subaequans. An-
tennae salis elongatae, subeurvatae. Appendix palpiformis nulla.
Sp. S. portoricensis Br. — Portorico.
240
Ueber die Benennungen des Tapir
enthält die an gelehrten Untersuchungen reiche Schrift von Rou-
lin (Memoire sur le Tapir ete. Paris 1835. 4.) mehrere interes-
sante Angaben. Danta, sein gewöhnlicher Name bei den Spaniern
ist ursprünglich Bezeichnung des Elenn, bei den Portugiesen An-
ta, und nach Weise der europäischen Ankömmlinge auf das grölste
Thier des Landes übertragen (p. 54 fg.), dessen dicke Haut sich
ähnlich wie die des Elent, Elant (daraus Anta, das El für den
Artikel genommen) gebrauchen liefs. — Nach La Condamine
hiefse das Thier bei den Peruanern Uagra, richtiger wohl Huac
kra, contrahirt aus huaca kara (aulserordentliches Fell). Das
Wort Tapir findet sich in den Guarani-Dialekten unter verschie-
denen Formen (p- 68.) Tapii, Tapierete, Tapiroussou. Ta ist
eine Contraction aus Tata oder Tatai (dick, stark) und pi oder
pü (Leder), welches Wort vor einem andern die liquida r an-
nimmt. Die Silben ei sind Verstärkung = vorzüglich. oussu
ist grofs, Tapiroussou das grolse Thier mit dieckem Fell. —
Maypuri, in der Galibi-Sprache deutet auf die nächtliche Er-
scheinung des Tapir. Mae, mbae: Ding, Fantom; puru Geräusch.
In der Guarani-Sprache von Paraguay heilst das Tapir Mhorebi.
Nimmt man die Ableitung Mbae rabi an, so würde es chose relue,
‚fantome velue bedeulen; doch scheint es natürlicher den Namen
von Mbo Fu[s und raba trennen, welches auf den vielzehi-
gen Fuls hindeuten würde, abzuleiten *).
*) Dem Verf. ist hier. eine Angabe von Rengger (Naturgesch. der
Säugethiere von Paraguay p. 312., welches Buch er überhaupt nicht be--
nutzte) unbekannt geblieben, welche den Schlüssel zur Bedeutung des
Wortes liefern möchte. Rengger sagt dort: „In der Guarani-Sprache
wird der Tapir Mborevi genannt, ein schmutziger Name, dessen Ueber-
setzung ich hier weglasse.“ Ist vielleicht Mborevi Bezeichnung des männ-
lichen Gliedes? Wie denn auch unser Verf. (p. 25.) Piso’s Worte an-
führt: Mas membrum genitale longe exserere potest instar cercopitheci,
und hinzufügt: Comme le Tapir est le seul (?) des quadrupedes ameri-
cains qui le presente, les indigenes eux-memes l’avaient remarque, ainsi
qu'on peut le voir par le nom quwils donnaient au caneficier etc.
Herausgeber.
‚
Beschreibung zweier milsgebildeter See-Igel, nebst
Bemerkungen über die Echiniden überhaupt
von Dr. Philippi in Cassel.
(Hierzu Taf. V.)
1) Monströser Echinus Melo.
In Januar 1832 bekam ich auf der Insel Lipari ein schönes
trockenes Exemplar von Echinus Melo, welches sich durch eine
merkwürdige Monstrosität auszeichnet. Es ist Fig. 1. 2. 3. in
Zweidrittel der natürlichen Größse abgebildet. ‚Die Gestalt ist
- nicht kugelförmig, sondern schief, indem der After nach hinten,
der Mund nach vorn gerückt is!, und der Theil über dem Munde
in Gestalt eines Buckels hervorragt, der kurz vor seinem Auf-
hören eine flache Grube hat (s. Fig. 2.). ‘Die beiden Seiten sind
vollkommen symmetrisch. Die obere oder After-Seite zeigt nur
vier, Paar Fühlergänge, 4 Felder dazwischen, 4 Eierstocksplatten,
_ ohne die mindeste Unregelmäfsigkeit; die Zickzacklinien, welche
die Felder zwischen den Ambulakren in zwei Hälften theilen,
kreuzen sich unter rechten Winkel und zwei derselben bilden
die Mittellinie, welche unseren See-Igel genau in zwei symme-
trische Hälften theilt (s. Fig. 1.). Auf der untern oder Mund-
n.. finden wir aber fünf Fühlergänge, und zwar bildet der
| fünfte, der obere fehlt, den vorhin erwähnten Buckel. indem er
| sich zwischen die beiden Hälften des einen Feldes eindrängt.
' Die Poren desselben sind längere Zeit ganz regelmälsig und wer-
‚ den erst kurz vor ihrem gänzlichen Verschwinden. unregelmäfsig.
Dieser fünfte Fühlergang besteht aus 12 Plättchen jederseits und
endigt mit einem unpaaren fünfundzwanzigsten, grofsen Plättchen.
' Die regelmäßigen Ambulakren haben einige und funfzig Plat-
lenpaare,
I. Jahrg. 1. Band. 16
242 H
Da, wie Hr. Agassiz (Isis 1834. p. 254.) zuerst bemerkt
hat, die Echinus-Arten durch Bildung neuer Täfelehen in der
Aftergegend wachsen ; so mufs ia vorliegendem Falle das fünfte
Ambulakrum verkümmert sein, nachdem das Thier etwa den
vierten Theil seines Wachsthums \erreicht hatte, und zwar muls
dies durch innere Ursache ‚geschehen sein, da alle Spuren einer
äufseren Verletzung fehlen, wobei die dadurch entstandene voll-
kommene Symmetrie in.der äufseren Gestalt noch besonders auf-
fallend ist.
Da die fünf Fühlergänge nach A gassiz I. c. aus einem vor-
dern, einem hintern ‘Paare "und" einem'unpaaren vorderen be-
stehen, so sollte man bei der äufsern Symmetrie unseres Mon-
'strums erwarten, es sei der vordere, unpaare Fühlergang ver-
kümmert. Allein dem ist nicht so. Dieser unpaare Fühlergang
liegt nämlich der gröfseren porösen Eierstocksplatte gegenüber;
im gegenwärtigen Falle liegt diese Eierstocksplatte’aber auf der
Seite (s. Fig. 1.) und es ist demnach der linke vordere paa-
rige Fühlergang der verkümmerte.
Ueberhaupt scheint ‘bei den regelmäfsigen Eehiniden die
Natur nicht selten wenig auf dieSymmetrie der eitimal vorkom-
menden Organe zu geben. So ist z. B. meist die Afteröffnung
der Schale unregelmälsig. (s. z. B. auch Fig. 8. u. 9.) und bei einer
Abtheilung Echinus durch vier Schuppen verschlossen (s. Fig. 8.);
und bei den ovalen See-Igeln, die man neuerdings zur Gattung
Echirsometra erhoben hat, nämlich bei E. Quoyi Blainv. und E.
acufer Blainv. finde ich den unpaaren Strahl nicht in der langen
Axe der Ellipse, auch nieht, wie es in diesem Archiv (1. p.37. ] :
Note) angegeben ist, in dem Queerdurchmesser, sondern in einem }
schiefen Durchmesser. i
\
2) Beschädigter und geheilter Spatangus. B
Wir haben eben einen aus innern Ursachen monströs gebil-# |
deten See-Igel betrachtet; Fig. 6. u. 7. zeigt uns dagegeu einen @ &
in Folge äufserer Gewaltthätigkeit verkrüppelten Spatangus. Er u
gehört wohl Lamarck’s Sp. arcuarius an, unterscheidet sich je-
doch hinreichend von dem unter diesem Namen von Goldfufs® «
vortrefflich abgebildeten fossilen. Diese Art ist gemein an den
sandigen Ufern Siciliens, und Fig. 4. u. 5. geben zwei Ansichten“ &
243
von oben und von hinten,.von einem jungen normal gebildeten
ne, zur Vergleichung mit dem verkrüppelten. Dieses ist
in seinem hintern Theile durch einen Schlag von: oben 'gequetscht,
so. dafs der hintere Theil viel niedriger ist, als im, normalen, Zu-
stande (vgl. Fig. 7. mit Fig. 5.). Es ist ein gewaltiger Rils. auf
der linken Seite in der kalkigen Körperbedeckung entstanden
(s. Fig. 6. 7.), der noch zum Theil unyverheilt, und. an mehreren
Stellen nur durch ein dünnes, durchsichtiges Häutehen, geschlos-
sen. ist, , Mit Substanzverlust ist. die Verletzung nicht verbunden
gewesen, es hat sich im Gegentheil auf beiden Seiten des Risses
zu viel erzeugt. Denn es haben sich nicht nur die beiden Schen-
kel des lanzetiförmigen, die Oeflnungen. der Eierleiter einschlie-
senden, Vertikalfeldes (s. Fig. 4, a.) in Fig. 5.) bedeutend ‚ausein-
ander, begeben, und das Infraanalfeld (s. d. in Fig. 5.). ist ‚viel
breiter geworden, sondern. der After (.. in Fig. 7.) ist ganz aus
der Mittellinie heraus in die rechte Seite. verschoben... Damit
hängt die abweichende Gestaltung ‚der ‚beiden ‚hintern ‚Fühler-
gänge (vergl. Fig. 6. mit Fig. 4.) zusammen. Gleichzeitig mit dem
grolsen Längsrils scheint ‚ein-Queerrils entstanden ‚zu sein. Ev.ist
in: Fig. 6. und 7. durch ‚die gezähnelte Linie ‚angedeutet, | deren
Zähnchen durch die; hervorragenden, stacheltragenden ‚Höcker
‚entstehen, und die Hinterseite zeigt eine eben: so breite ‚längli-
che, flache Vertiefung, in Jeren rechtem Enile: der Alter liegt.
Dieser ‚Quecerrils scheint einfach zusammengeheilt' zu sein, ohne
Erzeugung neuer Schale, denn in der Richtung vom Risse ‚nach
unten, ist eber weniger als mehr Schale, verglichen mit (dem
gleich grolsen normalen Exemplar.
Dieser Fall beweist, dafs die, die innere Fläche der Schale
auskleidende, Haut bei Spatangus im Stande ist, überall neue
Schale hervorzubringen, dies zeigt nicht nur die abnorme gröfsere
Breite der Schale in der Gegend des Risses, sondern auch der
Umstand, dafs man an beiden Stellen, wo der Rifs erst durch
ein blofses durelisichtiges Häutchen verschlossen ist, kleine rings-
um abgesouderte Sch lenstückehen in dieser Haut wahrnimmt.
Ich habe vorhin die Ausdrücke Vertikal- und Infraanalleld
"gebraucht. Breite, glattere Linien schliefsen bei den Spatangen
Räume ein, deren verschiedene Gestalt ein vortreffliches Mittel
abgiebt die Arten zu unterscheiden. Es sind folgende: 1) das
16 *
244
\
Vertikalfeld‘ area verticalis, zwischen ‘den Fühlergängen, ‘die
Oeffnungen ‘der 'Eierleiter einschlielsend. 2) Das Ambulakralfeld
area ambulacralis, wenn säwmtliche Fühlergänge des Rückens
durch eine steroförmige Figur scharf begränzt sind (Es fehlt un-
serer Art). 3) Das Analfeld, area analis, welches den After ein-
schliefst, 4) das Infraanalfeld area in/raanalis, 5) das Bauchfeld
area ventralis. Diese Felder kommen nicht sämmtlich bei allen
Arten vor; ihr Vorhandensein oder Fehlen und ihre Gestalt ga-
ben sehr beständige und scharfe Kennzeichen ‘der einzelnen Arten.
3) Ueber das Wachsthum der Echiniden.,
Die Echiniden wachsen‘ durch "Verinehrung der Täfelchen,
aus denen ihre Körperschale ‘besteht, und zwar entstehen, wie
Agassiz zuerst angegeben hat, die neuen Täfelchen um den After
herum. Derselbe hat über die Art, wie die einzelnen Täfelchen
wachsen, nichts gesagt. Diese wachsen, wie man sich leicht
überzeugen kann, nur am Rande, und nicht in allen Dimensionen
gleich stark. Die gröfste Ungleichheit in der Grölse zeigen"die
Exemplare, welche ich von Echinus lividus Blainv. besitze; denn
das kleinste hat einen Durchmesser von 6 Linien, die’ gröfsten
von 29 Linien. Das erstere ‘hat 10 bis 11 Täfelchen in einer
Längsreihe, die ausgewachsenen 25. ‘Die Breite des gröfsten Tä-.
felchens beträgt bei dem jungen 1,2”; bei dem Erwachsenen
61°“; die Breite bei dem ersteren 0,66‘; bei dem letztern 1,66“.
Während also die horizontale Dimension des Täfelchens sich ver-
fünffacht hat, hat sich seine senkrechte Dimension nicht ein Mal
verdreifacht. Dals die Täfelchen nieht in der Mitte, nur an den
Rändern wachsen, ist leicht a priori einzusehen, allein es wird
unumstöfslich dadurch bewiesen, dafs die Tuberkeln, welche auf
einem Täfelchen stehen, gleich weit von einander entfernt sind,
die Täfelchen mögen alt oder jung sein. Deshalb bilden ein Mal
die Tuberkeln parallele Längsreihen, keine Meridiane, und
zweitens ist die Zahl dieser Längsreihen nach dem Alter ver-
schieden. Das Kennzeichen der Arten, welches von dieser Zahl
hergenommen ist, ist daher immer etwas unsicher, da man einem
Echinus es nicht ansehen kann, ob er ausgewachsen ist, oder
nicht; sicherer wäre es beinahe die absolute Entfernung von je
zwei Längsreihen zu bemerken.
245
Bei den, regelmälsigen Echiniden findet ein ‚doppeltes Gesetz
in Beziehung auf das Wachsthum der einzelnen Täfelchen Statt.
Um dies deutlicher aussprechen zu können, unterscheide ich bei
jedem Täfelchen den den Poren zugekehrten oder Poralrand,. den
der Mittellinie des Feldes oder des Ambulakrums [ich folge La-
marck, welcher sagt: ces bandelettes toujours au nombre de dix,
et disposees, par paires, comstituent entre elles des compartimenis
allonges, qu’on a nommes ambulacres. hist. d. an. s. vert. III. p.40.]
zugekelhrten Medianrand, so wie den Anal- und Oralrand; Me-
ridian nenne ich aber die Linie. welche von Mund zu After
durch die Mitie der Täfelchen geht. Das häufigste Gesetz. ist,
dafs die Reihen der Höcker in den Feldern parallel
dem Meridian derselben gehen. S. Fig. 9. von Echinus li-
vidus Blainv. Dies Gesetz findet sich bei allen Cidarites (C.
Hystrix, imperialis, n. sp.) Echinometra (E. Quoyi u. acufer) und
bei den meisten der eigentlichen Echinus. Die ächten See-Igel
aber mit schmalen Ambulakren, wo die Porenbänder gerade, nicht
gezähnte Linien bilden (Blainville’s erste Abtheilung), zeigen das
zweite Gesetz; die Höcker in den Feldern gehen dem
Poralrand derselben parallel. S.Fig. 8. von E. aequituber-
eulatus Blainv. Die Höcker der Ambulakren scheinen
allemal dem Poralrand parallel zu laufen. Bei den Tä-
felehen. der Ambulakren findet das Wachsthum also allemal anı
Medianrand am stärksten Statt; bei den Täfelchen der Felder aber
findet meist ein gleiches Wachsthum am Poral- und Medianrand
Statt; nur bei der ersten Abtheilung der ächten Echinus, wie sie
Blainville Diet. d. Sc. nat. aufstellt, findet das Wachsthum der
Täfelchen der Felder nur am Meridianrand Statt. Wenn Klein’s
Figuren in dieser Hinsicht Zutrauen verdienen, so findet sick der
letztere Fall auch bei Cidarites diadema t. 37. f. 1.
Dafs die Schale durch Entstehung neuer Täfelchen vergröfsert
werde, gilt nur von den regelmälsigen Echiniden. Bei Spatangus
scheint von Anfang an die gehörige Zahl von Täfelehen vorhan-
den zu sein, wenigstens finde ich bei meinem kleinsten 9° lan-,
gen Sp. arcuarius eben so viel als bei meinem grölsten, welcher
27 milst. Sie scheinen überall am Rande zu wachsen, und
die Zahl der Höcker und Stacheln nimmt auch bei ihnen mit
dem Waclısthume zu, so dals z. B. zwischen den zwei Poren
246 3
jeder Seite des Infraanalfeldes (s. Fig. 8.) bei einem jungen Exem-
piare ein einziger Höcker steht, während in demselben Raume
bei einem Ausgewachsenen deren drei angetroffen werden.
4) Ueber die Fülschen der Echiniden,
Cuvier in den 'Zegons d’anat. comp. 1. edit. vol. I. p. 467.
beschreibt die Fülschen also: .‚Leur forme est ü-peu-pres celle
d’une ampoule a long tube, remplie d’une humeur tnes-fluide,
dont les parois sont formes par des fibres cireulaires. La porlion
tubuleuse ou alongee de ces ampoules est la seule, qui paraisse
au dehors de l’animal, quand il a le pied alonge...... D’apres
ceite organisation du pied il est facile d’expliquer le mecanisme
de son action. L’humeur contenue dans l’interieur de l’ampoule
devient par son deplacement la cause du mouvement,“ u. s. w.
Es geht hieraus hervor, dals Cuvier die Ausieht gehabt
hat, die Wände des Organes besälsen nur Kreisfasern. In diesem
Falle ist es nicht möglich, sich die enorme Verlängerung und
Verkürzung der Füfschen zu erklären. Die blofse Contraclion
der innern Blase kann die Verlängerung nicht bewirken, denn
eine kurze und weite Röhre enthält eben so viel Flüssigkeit als
eine lange und enge. Die ungeheure Verkürzung der Fülschen
erklärt Quvier so: „Le pied rentre-t-il? c’est alors la tunique
du tube, qui se conlracte, el qui chasse l’humeur dans l’ampoule.*
Dies ist aber noch weniger zu begreifen. Die Contraction der
Röhre d.i. des Fülschens kann allerdings die Flüssigkeit in die
Blase aber nicht das Fülschen selbst in den Körper des See-Igels
hineintreiben. Die Contraction der Kreisfasern wird im Gegen-
theil eine Verengerung und Verlängerung der Röhre bewirken.
Man kann sich, wie ich glaube, die Aklion der Seeigel-Füls-
chen nur dann erklären, wenn man annimmt, dafs sie nicht blofse
Kreisfasern, sondern auch Längsfasern besitzen. Von dem Dasein
dieser letzteren habe ich mich auch beim E. lividus Blainv. über-
zeugt, von dem ich ein paar Fülschen abrils und unter dem Mi-
kroskop betrachtete. Bei mälsiger Vergröfserung stellten sie sich
dar, wie Fig. 10., nachdem ich sie zwischen zwei Glasplatten
gelind gequetscht. Sie bestehen deutlich aus- zwei Schichten,
einer oberen schwärzlichen, die bei der durch den Spiritus be-
wirkten Contraction tief gerunzelt ist, und gröfstentheils aus.
“
247
Kreisfasern besteht, wie ich sehr schön am untern Theil einmal
sah, ‚von welchem sie gröfstentheils entfernt war und nur ein-
zelne Fasern hinterlassen hatte. Die Längsfasern sind gelblich
gefärbt, scheinen in mehreren Bündeln zu stehen, und enden
sich, strahlenförmig divergirend in den Saugnapf, der frei von
Queerfasern zu sein scheint, und ebenfalls eine blasse gelbliche
Farbe besitzt. Diese Längslasern sind viel feiner ‚als die Queer-
fasern, und erst bei einer 240maligen Vergrößserung meines Pi-
stor-Schickschen Mikroskops erkannte ich die einzelnen pri-
mitiven Fasern mit grofser Deutlichkeit *).
Von derselben Beschaffenheit finde ich auch die zehn Füh-
ler, welche kreisförmig in der Mitte der Mundhaut stehen, nur
ist an ihrem Ende die Saugnapfgesialt weniger deutlich, und sie
sind daselbst ebenfalls mit der äulseren, dunklen, hauptsächlich
aus Queerfasern bestehenden Haut überzogen.
Ueber Gorgonia paradoxza
von Demselben.
Es per beschreibt in seiner Fortsetzung der Pflanzenthiere I. Th.
Nürnberg 1797. p. 167 sq. die zweifelhafte Hornkralle Gorgonia
paradoxa, und bildet sie Tab. XLVII. ab. Er sagt p. 169: er
hätte vermuthet, es sei das unbekannte, macerirte Skelett der
holzigen Theile einer Pflanze gewesen, die angewachsenen Ser-
tularien, Tang und Conchylien, brachten ihn aber von diesem
richtigen Gedanken ab. Seine Gorgonia paradoxa ist nämlich
nichts weiter als ein Theil des Skelelts von einem Gliede einer
Opuntia. Ich habe dergleichen hundert Mal in dem Cactus ficus
indica (C. Opuntia Guss.) u. C. amyclaeus Tenore gefunden, wenn
sie faulten, und bewahre noch ein Exemplar in meinem Herba-
rium auf, Die glatte Seite, von welcher Esper spricht, war der
Oberfläche, die rauhe der Mitte des Gliedes zugekehrt. — Es ist
mir nicht bekannt, dafs Jemand die höchst sonderbare Verthei-
lung der Holzbündel bei den Opuntien, wie sie Esper’s Figur
*) Längsmuskelfasern fand schon Tiedemann: Anatomie der Röh-
renholothurie etc. p. 85. Herausgeber.
Pi
(4
248
recht gut zeigt, beschrieben habe, was sie wohl verdient, da sie
von der gewöhnlichen Struktur der Dikotyledonen-Stämme, und
selbst der andern Cactus-Gattungen- so sehr abweicht.
Erklärung der Abbildungen auf Taf. V.
Fig. 1. 2. 3. monströser Echinus Melo, zwei Drittel der natür-
lichen Gröfse von oben, von der Seite, und von unten.
Fig. 4. Junger Spatangus arcuarius von oben,
Fig. 5. derselbe von hinten gesehen.
Fig. 6. Verkrüppelter Spatangus arcuarius von oben,
Be. 7. derselbe von hinten gesehen. a. bezeichnet in diesen 4
Figuren die area verticalis, b. die area infraanalis mit
vier Fühlerporen, c. der After.
Fig. 8. Theil von Echinus aequituberculatus Blainv. nr. 1. (der
Name kommt bei Blainville Dict. d. Sc. nat. art. Oursin
zwei Mal für zwei verschiedene Arten vor), wo die Längs-
reihen der Tuberkeln in den Feldern dem Poralrand der
Felder parallel laufen.
Fig. 9. Theil von Echinus lividus Blainv. wo die Längsreihen
der Tuberkeln in den Feldern dem Meridian parallel laufen.
v. Bär:
Ueber die Entstehungsweise der Schwimmblase
ohne Ausführungsgang.
(Bullet. scientif. de U’ Acad. de St. Petersbourg Tom. I. p. 15.)
Seine Vermuthung, dals dieSchwimmblase ohne Ausführungsgang
auf gleiche Weise wie die mit einem Ausführungsgange versehene,
entstehe, und dieser aus der Schwimmblase in den Darmkanal füh-
rende Gang im Fortschritte der Eutwickelung obliterire, hat Verf.
durch Beobachtungen am Barsche völlig bestätigt gefunden. Wenn
der Embryo das Ei verläfst, ist er noch ohne Schwimmblase; bald
darauf tritt sie aber hervor. DerGang ist schon am 4. Tage merk-
lich enger, als in Cyprinus-Arten, obgleich noch deutlich hohl;
am öten und 6ten Tage wird er noch enger, am 7ten und $ten
Tage fängt die Schwimmblase an rascher zuzunehmen und der
Kanal wird so eng, dafs man nicht mehr mit Gewilsheit be-
haupten kann, dafs er hohl sei.
|
|
Beitrag zur Kenntnils der Gattungen Campanularia
und Syncoryne
5. L Lowen
(Uebersetzt aus den Verhandlungen der Königl. Schwedischen Akadeınie
der Wissenschalten f. d. J. 1835.)
l.Campanularia.
(Hierzu Taf. VI.)
E findet sich vielleicht in der ganzen Klasse der Polypen keine
Ordnung, welche öfter — und dazu von ausgezeichneten For-
schern — untersucht worden wäre, als die, zu welcher wir jene
eben genannten Gattungen rechnen. Aulser den älteren Schriftstel-
lern,, welche deren thierische Natur erkannten oder läugneten,
‚und darüber einen hitzigen, nun längst geschlichteten Streit
führten, haben ein Pallas, Ellis. Cavolini, ein Grant *),
Lister *) und Rud. Wagner **) ihnen besondere Abhandlun-
gen gewidmet und Ehrenberg +) hat auf neue, durchgreifende
Ansichten ihre Systematik gegründet. Es möchte deswegen zum
mindesten überflüssig scheinen, einem von solchen Männern be-
handelien Gegenstande noch eiwas hinzuzufügen, sofern nicht
eine Vergleichung ihrer Schriften gewisse Verschiedenheiten der
Beobachtungen darböte, über welche es nothwendig war, die
Natur zu Rathe zu ziehen. Aus dieser Quelle entsprangen die
Beobachtungen, welche im Folgenden dargelegt werden sollen.
Die Gattung Campanularia Lam. ist nach ihren Charakteren
völlig bekannt; ihre glockenförmigen Zellen und knotigen, aus
dünnem und farblosem Horne gebildeten Röhren sind eben so
*) Edinburgh New Philos. Journ. I.
”*) Philos. Transactions, 1834.
“**) Isis 1833,
7) Die Corallenthiere des rothen Meeres plysiol. unters. u. sysle-
matisch verzeichnet von C. G, Ehrenberg. Berl. 1834.
250
bekannt, als leicht zu beobachten. Es bleibt daher nur übrig,
einige geringere, übersehene oder unzureichend beschriebene Ein-
zelnheiten hinzuzufügen, welche an der an unseren Küsten ge-
meinen Sertularia geniculata Müller *) wahrgenommen worden
sind.
Man kann den ganzen Polypen in zwei Theile theilen, wel-
che, wie weiterhin gezeigt werden soll, schon während seiner
- Entwickelung angedeutet sind, den Stamm nämlich (Stirps) und
die Sprossen (Stolones), welche beide röhrenförmig und im Durch-
schnitte zirkelrund sind **). Der Stamm trägt am Ende seiner
Zweige und in den Axillen Zellen zweier Art, männliche (Fig. 1.)
und weibliche (Fig. 11.) ***), welche letzteren, ehe Ehrenberg
ihre rechte Bedeutung nachwies, bald Ovarien, bald Bläschen ge-
nannt wurden. Jede männliche Zelle hat einen Boden (Septum
Lister; Fig. 2, 3, a.), und dieser ist in der Mitte mit einem run-
den Loche (Foramen septi +), Fig. 2, b.) versehen. Der Rand
dieser Ochnung springt ein kurzes Ende weit in den umgekehrt-
konischen Raum zwischen ihr und dem Anfange des Zweiges
(Fig. 3, b.) vor und bildet so eine kurze Röhre +7). Die obere
*) Zool. danica, Tab. OXVII. — Es ist dieselbe Art, welche
Lister zu seinen Untersuchungen benutzte und die er sehr gut abge-
bildet hat a. a. ©. Tab. X. Fig. 1.
**) Bei den Sertularien, deren Zellen nicht auf Stielen stehen, son-
dern sitzend oder in die Röhre eingesenkt sind, sind diese im Durch-
schnitte (Lumen) ungleich und nie rund.
***) Schon im Jahresberichte für 1836 (II, 2. p. 192.) habe ich be-
merkt, dafs die Benennungen männliche und weibliche Polypen
nicht passend scheinen. Es ist dies auch schwerlich Ehrenberg’s Mei-
nung, welcher, indem er die fruchtbaren Individuen Weibchen nannte
(dl. e. p. 9.), sie den geschlechtslosen entgegensetzte. Die Gründe,
welche sich gegen des Verf. Deutung anführen lassen, habe ich a. a, O.
bereits auseinander gesetzt, worauf ich deshalb hier nur verweise,
Herausgeber.
+) Das Septum und sein Foramen, welche zuerst von Lister,
a. a. O., beschrieben wurden, finden sich an allen Sertularien, die ich
untersucht habe, und ihre Gestaltung liefert sehr gute Charaktere.
tt) Lister, a.a. 0. S. 372, sagt nur: a thin column of soft mat-
ter between it and the base of the cell, und deutet etwas davon an in
Tab. IX. Fig. 4, a.5,a. Es ist indessen eine Hornlamelle, die sich
unter mehreren verschiedenen Formen bei' allen Sertularinen wiederfindet.
“
251
Fläche der Scheidewand ist etwas convex, und ihre Peripherie
zeigt einen Kranz von kleinen Punkten, welche durch das Mikroskop
angeselien, den Betrachter in Ungewilsheit lassen, ob sie für Er-
habetiheiten oder für Eindrücke zu’ halten seien. Der Rand der
. Zellenöffnung ist bei dieser Art völlig glatt, und alle Zellen sitzen
in der Längenachse ihrer Stielehen (Pedicelli) *).
Die weichen Theile des ausgewachsenen'Zoophyten bestehen
bekanntlich aus einem gemeinschaftlichen Organe, der Darmröhre,
welche von Stamm zu Stamm zusammenhängt und fortgesetzt
wird durch Sprossen und Zweige. und aus’ den durch sie ver-
eiuigten Individuen (Capitula auct.), welche von den Zellen um-
geben werden, entweder während ilıres ganzen Lebens — Männ-
chen —, oder blofs während ihrer Entwickelung — Weibchen.
Von den Ersteren findet sich in jeder Zelle nur Eines, von den
Letzteren mehre (Feminae Concellitae).
Mit Leichtigkeit unterscheidet man zwei Membranen, wel-
che alle weichen Theile des Thieres bilden, eine äulsere und eine
innere. Die äufsere (Fig. 1, 9, 10 ete. a.), durchsichtig und un-
Befrbt, begränzt dieselben und giebt die Bänder ab, welche sie
an der Schale belestigen. Sie allein bildet die Fühler der männ-
lichen Polypen und den grölsern Theil des weiblichen Körpers.
Die innere Membran (Fig. 1, 9, 10 etc. d.), weniger durch-
sichlig und von einer körvigen Textur, wird überall von der
äufsern bedeckt, bekleidet die Wände der Darmröhre und der
Mägen der Thiere, mit einem Worte, so viel ich weils, alle
Höhlen, in welchen sich eine Flüssigkeit bewegt, fehlt aber in
*) Bei anderen Arten von Campanularia ist der Zellenrand mit
Stacheln besetzt, und diese sind mitunter so entwickelt, dafs sie, sich
zu einer Spitze zusammenneigend, sie Zelle zuschlielsen, wenn sich das
Thier hineingezogen hat. So bei Camp. clausa Nob., und, obgleich in
geringerem Grade, bei €. Syringa Lanık., welche letztere auch durch
eine schiefe Stellung der Zellen von ihren Gattungsverwandten abweicht.
— Camp. elausa nobis. Trilinearis, gracillima, tubulis „';" erassis,
hyalina, flexuosa, nodoso-annulata, alterne distanter ramosa, ramis
simplieibus, brevibusz cell, masculis ramos longitudine aequantibus, tur-
, binatis, elongatis (1:34), apertura dentihus 8 conniventibus, longis
(=! cellae), acutis clausili. — b. in fucis fundi petrosi maris
Bahusiam alluentis, rara.
252
den Fühlern des Männchens und dem grölsern Theile des weib-
lichen Körpers.
Bei der folgenden speciellen Beschreibung dürfte es passend
sein, denselben Weg zu verfolgen, welchen die Entwickelung des
Thieres nimmt, nachdem die erste Zelle — welche allemal eine
männliche ist — sich geöffnet hat, also erst den männlichen Po-
Iypen und die Darmröhre, dann die Knospenbildnng, dann das
Weibchen und schliefslich die Entwickelung zu beschreiben.
Die Fühler des Männchens (Fig. 1, c; Fig. 4.). An der
Zahl fand ich sie von 16 bis 28, aber, vielleicht nur zufälliger-
weise, niemals gleich lang, und die Ursache dieser Veränderlich- _
keit liegt, wie es den Anschein hat, nicht in einer mit dem Alter
zunehmenden Anzahl, sondern vielmehr in geringerer oder reich-
licherer Nahrung während der Entwickelung. ‚Sie sind durch-
sichtig, hohl und werden von einer dünnen Schicht der äufsern
Membran gebildet. Auf ihrer Oberfläche sitzen unregelmälsige,
hier und dort in unvollständiger Spirallinie gewundene Kränze
von stachelähnlichen aufwärts gerichteten Wärzchen (Saugwärz-
chen?), welche gegen die Spitze zu ausgebildeter sind und ge-
gen das unterste Viertel fast ganz verschwinden. Die inner
Höhle ist durch kleine Queerhäute in Zellen getheilt. An der
Basis sind die Fühler in einem Halsbande (Collare) (Fig. 1, d.)
vereinigt, welches den Mund umgiebt. In ihrem Innern findet
man keine mit der in den übrigen Theilen des Thieres überein-
stimmende Bewegung von Flüssigkeiten, und ihre Verrichtung
ist nur die von Fangorganen. Sie werden meistens in der Stel-
lung gehalten, dafs der Eine mehr aufgerichtet, der Andere mehr
herabgebogen ist *), und sind übrigens nach mehreren Richtun-
*) Diese Stellung, die unregelmäfsige Bewegung und die geringere
Lebendigkeit des ganzen Thieres geben einen Habitus. ab, welcher es
einem einigermalsen geübten, auch unbewaffneten Ange leicht macht, ein
Sertularin von einem Bryozoon zu unterscheiden. Die Bryozoen halten
die Fühler in einer regelmäfsigen, umgekehrt konischen Stellung ganz
still, oder biegen sie plötzlich in scharfe Winkel. Auch ist hier die Ver-
richtung eine andere, Der Raub wird nicht unmittelbar mit dem Fühler
erfalst, sondern mit Hülfe des Strudels, welche ihre Wimpern (Citia) im
Wasser erregen. Im Innern der Fühler geht aufserdem eine beständige
Bewegung von Flüssigkeit mit eingemengten Körnchen vor sich, welche
iu Verbindung mit einem Ringgefäfse steht, das den Mund umschliefst.
253
gen hin 'biegsam, so dafs die Spitze eines jeden Fühlers rück:
wärts zum Munde hinab geführt werden kann.
Der Mund (Fig. 1, e; Fig. 5, 6, 7.), umgeben vom Halsbande,
ist bei allen Campanularien, welche ich gesehen habe, mehr oder
weniger stark vorstehend, doch bei dieser; Art am meisten. Er
ist hier hoch, bisweilen beinahe von der Höhe des halben Ma-
gens, und an der Basis stark zusammengezogen, so dafs der Zwi-
schenraum zwischen ihm und der innern Fläche. des Halsbandes
bedeutend ist. Der obere, weitere Theil bildet gleichsam Lippen.
Er kann bald völlig geschlossen, bald trichterförmig ausgebreitet
und auf'mancherlei Weise gefaltet werden, ja, wenn der Polyp
recht hungrig ist, wird er ‘wie ein Kragen niedergelegt (Fig. 7.)
Der unterste, zusammengezogene Theil dürfte als Speiseröhre zu
betrachten sein.
Der Magen (Fig. 1, f.) ist eine weite Röhre, welcher an
der Basis des Halsbandes anfängt und von da bis zur Scheide-
wand hinabsteigt. « Er kann zusammengezogen und bedeutend
verkürzt werden. So wie das Halband, ist er nach allen Seiten
n der Zelle vollkommen frei, und nur seine Basis ist an der
idewand befestigt. An dieser breitet sich sein Pförtnertheil
aus, befestigt sich durch strahlige Bänder (Fig. 8.) der äufsern
Membran in den Eindrücken (?), welche wir oben beschrieben
haben, schlägt sich zurück und steigt durch das Loch der Schei-
dewand als Darm hinab.
' Die Darmröhre (Fig. 1,g.) füllt nicht völlig den Raum
der Hornröhre aus, ist ausdehnbar, demzufolge hier und da er-
weitert und durch Bänder von der äufsern Membran an der
Schale befestigt. Diese Bänder sitzen höchst unregelmälsig, bald
dicht, bald mehr auseinander, und man sieht bisweilen ein Sol-
ches von der Stelle, an welcher es erst war, verschwunden, und
ein Anderes an einer andern Stelle entstanden, an welcher erst
Keines war.
1% Im Magen, und noch deutlicher und minder unterbrochen
in der Darımröhre dieses Thieres, zeigt das Mikroskop, wie bei
allen Sertularinen und Tubularinen, eine Flüssigkeit, in welcher
|Besemengt Körnchen in unaufhörlicher Bewegung sind, — eine
Erscheinung, welche, schon von Cavolini wahrgenommen, bald
als ein, entweder dem der höheren Thiere oder auch der Ge-
1
“
254
wächse (Chara) analoger Kreislauf, ‚baldiaber, vonEhrenbierg‘),
als eine durch einen: Motus ‚peristalticus entstandene ‚Bewegung
‚der aufgenommenen Nahrungsstoffe betrachtet ward, ‚, Sorgfältige
Beobachtungen. haben letztere Ansicht. auch-zu der ‚meinigen' ge-
macht. vl sta anni |
Die Campanularie ‚nährt sich meistens von Thieren‘. welche
zum. mindesien eine gleiche. Gröfse mit der Weite ihres,‚eigenen
Magens haben, wie: kleine Entomostraka (Cyclops u. ähnl.),.‚wäh-
rend sie kleinere, wie Bacillarien u.s. w.zu verschmähen; scheint,
Im Magen, welcher von solchem Futter ‚aueh oft stark ausgedehnt
erscheint, werden die härten Theile abgeschieden und durch den
Mund wieder ausgeworfen.: Die weichen gehen ‚in den. Darm und
sind’in demselben sogleich unter der Gestalt kleiner: unregelmä-
fsig geformter, selten runder, meistens eckiger, knoliger und mehr
oder weniger stark gelbbraun ‚gefärbter, Körnchen »siehitban, Diese
schwimmen: in einer klarer Flüssigkeit. und. sind in ununterbro-
chener Bewegung. . Diese ist jedoch, zweifach :; erstens so, .dals '
viele Körnchen, z.B. alle in einem Zweige, auf einmal und mit
ebenmälsiger und gleicher Schnelligkeit, wie; ein Strom, dahin
flielsen ; zweitens so, dafs jedes Körnchen für sich, innerha
eines kleinen Raumes kleine Bewegungen macht, die von denen
der nächstumliegenden Körner mehr. oder weniger verschieden
sind. Die erstere Art der Bewegung ist..die, welche. Lister
meint, wenn er eine Strömung beschreibt, deren „Ebbe und Fluth‘*
zu bestimmten Zeiten und zugleich nach derselben Richtung hin,
wiederkehre. Ohne einigen Zweifel an der Genauigkeit, dieses
Schriftstellers — welche an vielen Stellen: seiner schönen Abhand-
lung für sich selbst: spricht — erwecken zu wollen, ‚muls ieh
dennoch anführen, 'dals ich nie eine solche.Regelmäßigkeit.\mit
hinreichend überzeugender Gewilsheit gesehen habe. Theils schien
“mir die Schnelligkeit des Stromes sehr ungleich, indem. die Kör- U
ner bald so lebhaft fortgetrieben wurden, dafs ihnen: das Auge
kaum folgen konnte, ‚bald: wieder nur langsam ‚vorwärts: 'schli-
chen. Ferner war die Richtung fast nie in allen Zweigen gleich.
So z. B. stand der Strom vor einer Axille still, während er ‚zu
gleich in dem einen Zweige aufwärts, in dem andern abwärl
lau.) S..75;
255
lief. Bisweiten wandte sich der Strom des Hanptstaınmes ganz
° um und: strömte heftig rückwärts ‚herab ; dann folgte der Strom
des einen Zweiges derselben Wendung, aber in dem andern wur-
den die Körnchen fast ununterbrochen aufwärts geführt. Indes-
sem istıes klar, dafs diese, wenn gleich unregelmäßsige, Bewe-
gung doch ven einer allgemeinern Kraft, einer Vis a tergo, ver.
ursacht wird, welche zu gleicher‘ Zeit ‘auf den ganzen Inhalt
eines Stammes oder Zweiges einwirkt— und diese Kraft: ist die
abwechselnde, bald hier, bald dort erfolgende Zusammenziehung
und Erweiterung des Darms. Diese aber muls immer unregel-
mälsig werden, da jedes Individuum, von dessen Darm oder Ma-
gen 'ein solcher Antrieb ausgeht, seine Nahrung unabhängig von
den übrigen einnimmt und verschluckt. Ferner füllen die Theile
des Polypen, wzlche in der Entwickelung begriffen sind (die
Knospen), die Röhre völlig und zeigen keine Zusammenziehun-
gen, sondern sind beständig erweitert, — woraus folgt, dafs sie
auch: mehr Flüssigkeit aufnehmen, als die bereits ausgebildeten
und sie nie zurückschicken, sondern vielmehr absorbiren. Des-
wegen ist auch der Zufluls immer überwiegend in den Knospen.
o viel von der allgemeinen Bewegung; der Strömung.
Die andere Art der Bewegung, welche dagegen den einzel-
nen Körnchen zukommt, besteht darin, dals— die Strömung mag
fortgehen oder stillstehn — jedes Körnchen sich unablässig herum-
schwingt und hin und her wirft, vorwärts oder rückwärts, gegen
ein nahe liegendes stölst und von ilım eine Strecke weit fortge-
führt wird,oder auch dieses aus seiner Bahn treibt,und solcherweise
auf unzähligen Umwegen weiter gefördert wird. Dabei vereinigen
sich mitunter zwei oder mehr zu einem kleinen, unregelmälsigen
Körper, welcher auf dieselbe Weise, wälırend einer ununterbro-
chenen Drehung um seine Achse, hin und her geworfen wird.
Geht nun, bisweilen, die allgemeine Strömung sehr stark vor
sich, so hört diese Bewegung wohl bei einigen Körnern auf, wel-
che dann gerade vorwärts geführt werden ; aber nimmt die all-
gemeine Strömung ab, und, wie es mir schien, wenn das eine
oder andere Korn den Wänden der Darmröbre nalıe kommt, so
fängt jene Bewegung sogleich von neuem an. Indessen finden
sich Punkte, auf welchen sie nie aufhört, nämlich in den Thei-
len, welche noch in der Ausbildung begrifleu sind, und in wel-
256
cher die Absonderung der Schale vor sich geht, ferner‘in den
Röhren der weiblichen Zellen. Dort sind die Körnchen ‘ohne
Vergleich zahlreicher, als an irgend einer Stelle, und bilden ein,
durchs Mikroskop betrachtet, ganz dunkles und so dichtes Ge-
wimmel, dafs es ganz unmöglich ist, den Bewegungen eines ein-
zelnen Kornes mit dem Auge zu folgen. Von solchen Stellen
scheint sich kein Korn zurückzuwenden — alle scheinen aufge-
sogen zu werden. Diese, so zu sagen, individuelle Bewegung,
welche bis auf einen gewissen Grad von der allgemeinen Strö-
mung unabhängig ist, muls auch eine andere Ursache haben und
von einer Kraft herrühbren, welche an der Fläche der inneren
Darmwand so vertheilt ist, dals sie auf-jedes Köruchen ‚anders,
als auf dessen Nachbar, einwirken kann, — denn so zeigt sich
diese Erscheinung. Es findet sich eine Kraft. von dieser Be-
schaffenheit nicht weiter, als in den schwingenden Wimpern,
diesen kleinen Organen, welche zufolge der Entdeckungen: neue-
rer Zeiten als wichtige Mittel zur Bewegung der Flüssigkeiten in
den Organismen und an deren Oberfläche auftreten *). Es glückte
mir zwar nicht, die Wimpern selbst hier wahrzunehmen; — aber
je öfter ich sie vergebens suchte, desto fester wurde dennoc
meine Ueberzeugung, dafs sie zu finden‘ sein müssen; so voll-
kommen glichen die Bewegungen der Körnchen denen, welche
von Wimpern, die man sehen kann, hervorgebracht werden,
Die Knospenbildung (Fig. 1, A.). Diese ist zwielach,
indem sie männliche Knospen hervorbringt, welche durch Bil-
dung von Zweigen nach dem für die Art geltenden Geseize,
ihnen den Habitus dieser verleiht, oder weibliche, welche: hier
in den Axillen der ersteren sitzen. Die männliche Bildung ist
hier, wie bei allen Sertularinen, die überwiegende; dagegen aber
sind die Knospen der Weibchen gröfser und ihre Zellen enthal-
ten mehrere Individuen. Hier ist es bemerkenswerth, dafs bei
Campanularia und Plumularia **) die weiblichen Knospen mehr
ent-
*) Die+Wimpern vibriren an den Kiemen der meisten Ringelwür-
mer, um den Fulsrand der Gasteropoden, im Magen und hauptsächlich
in der Kloake der Bryozoen, ja, sie fehlen nicht einmal bei den Hy-
drinen.
2). Man vergl. Plumularia setacea. — Plumularia falcata weicht
hierin, so wie in vielem Andern ab. 3
e, 257
entfernt von den Männchen ausgebildet werden, während bei
Sertularia die weibliche Zelle am häufigsten unmittelbar neben
der Basis der männlichen sitzt. — Der Fortgang der Knospenbil-
dung verhält sich folgendermalsen: An der nach dem Verzwei-
gungsgesetze der Art beslimmien Stelle sieht man, dafs die nicht
mehr in der Schale freistehende, noch blols mit Bändern an ihr
aufgehängte Darmröhre jetzt dicht an ihr anliegt, und dafs der
Zuflufs der Körner dort stärker ist, als anderwärts. Dort sieht
man auch bald eine im Anfange geringe Ausbiegung an der äu-
fsern, harten Schale, welche allmählig zunimmt und zu einem
kleinen, kurzen Zweige wird. Dieser wächst nun auf die Weise,
dafs die in der geschlossenen Spitze des Zweiges angeschwollene
Darmröhre eine grofse Menge Flüssigkeit mit eingemengten Körn-
chen aufnimmt und aus ihnen die Hornschale bildet, innerhalb
welcher sie selbst wächst. Ueberall, wo die Schale ausgebildet
worden ist, zieht sich die Darmröhre von ihr zurück und bleibt
an ihr nur durch Bänder befestigt; aber ihre angeschwollene
Spitze, welche jetzt wie eine Matrix für die weitere Bildung der
chale wirkt, liegt fortwährend der neuen Hornlamelle, welche
bildet wird, dicht an. So bildet sich der Zweig nahe am
tamme mehrentheils durch Anschwellungen und Einschnürungen
ausgezeichnet, dann glatt, endlich von neuem knotig, bis die
letzte Anschwellung grölser als die vorhergehenden, and der An-
fang der männlichen Zelle wird. Nun bildet sich deren Scheide-
wand (Fig. 1, %k.), während der Darm eine ringlörmige Ausbrei-
tung macht. Ueber dieser schielst sie kegelförmig auf und nimmt
allmählig an Weite aufwärts zu, so däfs das Ganze am Ende die
Form der bleibenden Zelle, nämlich die eines umgekehrten Ke-
gels, bekommt (Fig. 9.). Ihr oberer Rand wird scharf, aber die
ganze Oellnung ist durch eine in der Mitte convexe, näher dem
Rande concave Haut geschlossen. Wenn diese fertig ist, zieht
sich der angeschwollene Darm, welcher die Zelle hervorgebracht
hat, zurück, steht frei in ihr, und nun erst bilden sich die Füh-
ler (Fig. 10.) aus. Wenn sie ausgewachsen sind, und das Thier
demnach vollständig ist, durchbrieht dieses mechanisch die die
Zelle bedeckende Haut, schlägt die Fühler heraus und lebt für
sich selbst.
3 Die weiblichen Knospen (Fig. 11.) bilden sich, wie
\ III. Jahrg. 1. Band. 17
IE |
258
schon bemerkt, in den Axillen der Zweige. Ihre Stielchen sind
kürzer, und die Zelle ist beinahe 24 Mal so grols, wie die der
Männchen. Ihre Bildungsgeschichte ist dieselbe, bis dahin, wo
die Darmröhre die Zelle fertig gebildet hat und noch unter der
deckenden Haut eine grolse Anschwellung macht (a.). In dieser
Stellung bleibt sie stehen, und ihr dünner Theil, welcher, unge-
fähr in der Achse der Zelle,‘ gerade abwärts steigt, ist an der
einen Seite durch Bänder an ee inneren Oberlläche der Zelle
befestigt. Diese ganze Röhre und ihre obere grofse Erweiterung
unter der Oeffnung der Zelle lassen ein starkes Gewimmel von
Körnchen sehen. Nun zeigt sich auch bald — und mehrentheis
an einer Seite der Darmröhre, von welcher keine Bänder ab-
gehen, — eine kleine Erhöhung (.), in deren Höhle sich auch
der Zuflufs der Körner gleichsam zu concentriren scheint. Dies
ist ein werdendes Weibehen. Die Erhöhung wird immer grölser,
kugelförmig, ihre Verbindungsstelle mit der Darmröhre schmäler,
ihre Höhle gröfser, ausgebreitet, gleichsam in mehrere Buchten
getheilt (ec, d, e; Fig. 13, a.). Diese Höhle steht jedoch immer
durch eine enge Röhre mit der Darmröhre in Verbindung, gleich-
wie eine aus ihr ausgezogene Blase, inwendig bekleidet mit d
ren innerer Haut und ein dichtes Gewimmel von Körnern um-
schlielsend. Aufsen an dieser Blase erscheint, mit zunehmender
Ausbildung, ein kleiner kugelrunder Körper (f.) von einer dun-
keln, körnigen Malerie, an dessen nach aulsen gewandter Seite
man wieder einen hellern, eirkelrunden Flecken (g.) erkennt,
welcher ziemlich deutlich, doch so umschrieben ist, dafs er eher
einer unter der Körperooerlläche verborgenen Blase mit hellerem
Inhalte gleicht. Alles dieses wird wieder von einer glashellen,
äufserst dünnen Hülle (h.) umgeben, an deren oberer und äufserer
Seite man einen Kranz von kleinen Erhabenheiten (%.) sieht.
Dies ist der Körper des Weibchens, die Erhabenheiten sind seine
Fühler, der kleine kugelförmige Körper ist ein Ei mit dem
Purkinje’schen Bläschen, und der aus der Darmröhre ausgezo-
gene Sack entspricht dem Magen des Männchens. Es bilden sich
allezeit auf einmal mehrere Weibchen, aber nicht in denselben
Stadien aus. Zu äulserst bede:kt sie alle die äulsere Membran
es Darmes, und ihre Entwickelung geschie ht demnach blofs durch
die innere.
\
>
259
Das Weibchen, welches. zu oberst liegt, ist immer am mei-
sten ausgebildet, und sein Ei zuerst reif; die tiefer sitzenden sind
nach der Reihe jüngere. Inzwischen ist der aus der Darmröhre
hervorgetretene Sack, an dessen Oberfläche das Ei gebildet wurde,
da er früher diesem an Grölse überlegen war, nun viel kleinef, das
Ei aber gröfser geworden. Der Flecken des leiztern ist auch ver-
schwunden. Das zwischen den beiden Häuten ausgebildete Weib-
chen hat nur die äufsere zu durchbrechen. Dies geschieht nun so,
dafs der Kanal, durch welchen sein Sack mit der Darnıröhre in
Verbindung steht, verlängert wird, so dafs, wenn das ausgebil-
dete Weibchen jene äufsere Haut und die dünne Hornlamelle
durchbricht, welche die Zelle zuschliefst und deren Fragmente
man dann auch abfallen sieht, wie dies Lister beschrieben hat,
sein Zusammenhang mit dem gemeinschaftlichen Stamme (Fig. 12,
13.) damit nicht aufhört. Hat das Weibchen sich sonach hin-
ausgedrängt, so silzt es, wie eine beinahe kugelrunde, glashelle
Blase, mit einem kurzen Stiel aufsen am Deckel der Zelle be-
festigt, wo die Oeffuung, welche es sich gemacht hat, sich dicht
zuschlielst. Die Fühler, ungefähr 12 an der Zahl, sind bei eini-
gen ausgesireckt, fast von gleicher Länge mit dem Durchmesser
des Körpers, bei anderen sehr stark verkürzt. Bei allen sind sie
mehr zugespitzt, als die der Männchen, und mit Spitzchen ohne
Ordnung besetzt. Von ihrem Kranze gehen in die dünne Mem-
bran, aus welcher des Weibehens Körper zu äufserst gebildet wird,
vier entsprechende Gefälse ab, welehe sämmtlich sich in den jetzt
bedeutend verkleinerten Sack an dessen Basis endigen. Nun sieht
man auch, dafs die äulserste dünne Eihülle an diesem Sacke
befestigt ist (Fig. 12.). Diese Hülle platzt und es kommt ein
Junges hervor, welches seiner Mutter ganz unähnlich ist (Fig.
12, a; Fig. 13, b.). Es hat die Gestalt eines kleinen Wurmes,
einen elliptischen Umrils und ist etwas flach gedrückt. Seine
Oberfläche ist allenthalben mit vibrirenden Wimpern besetzt,
mittelst deren es sich im Körper der Mutter bewegt. Nach einer
Weile treibt es sein eines Ende zwischen den Fühlern derselben
vor und gleitet hinaus, indem es zugleich eine mehr verlängerte
Gestalt annimmt (Fig. 13.).
Jedes Weibehen trägt gewöhnlich zwei Eier, und eben so
viele Jungen schlüpfen aus. Nur ein Mal habe ich drei Junge
17 *
260 }
gesehen, und vermuthe, dafs sie auch aus eben so viel Eiern
gekommen seien. Indessen findet hierbei eine Abweichung Statt,
welche bemerkenswerth ist und eine Monstrosität genannt wer-
den mufs. Mehrere Male beobachtete ich nämlich, dafs in Weib-
chen, welche die Zelle verlassen hatten, ein in seiner Hülle schon
frei gewordenes Junges, durch eine Einschnürung erst getheilt
und dann allmählig in zwei Hälften zertrennt wurde, welche
später, jede für sich, sich auf dieselbe Weise vervielfältigten, und
zwar bis zu einer Anzahl von mehr, als dreilsig (Fig. 13, c.).
Wie weit diese frühzeitig begonnene Selbsttheilung gehen kann,
und welches Schicksal diese Thiertheilchen erwarte, habe ich
zwar nie sehen können; aber ohne Zweifel ist es dasjenige, was
Lister a.a. ©. S. 376. beschreibt und daselbst abzeichnet (Tab.
X, 6, 4.). Ihm, welcher die Weibchen für die Jungen ansah,
blieb jene Ausströmung einer Menge von Körnchen unerklärt.
Nachdem (die Mutter sich ihrer Jungen entledigt hat, zieht
sie sich immer mehr und mehr zusammen, hängt geneigt und
leblus da, und die Fühler verschwinden fast. Lister’s 1reflliche
Beobachtungen überzeugen hinreichend, dafs sie wirklich ver-
schwindet (,„absorbirt wird,“) *), und damit stimmen auch
meine Beobachtungen völlig überein. Ob sie etwa, nachdem sie
sich auf’s äulserste zusammengezogen hat, in die Zelle zurück-
geht? — Für jedes Weibchen, welches hinaustritt, verringert
sich die Ausbreitung der Darmröhre in der Oeflnung der Zelle,
nachdem der Zufluls der Nahrungsstoffe nicht mehr so stark
geblieben ist.
Wenn das Junge aus dem Körper der Mutter hervorgekom-
men ist, fängt es an, mittelst Schwingungen seiner Wimpern um-
her zu schwimmen. Seine Bewegung ist dabei gleichmäfsig und
gleichsam gleitend. Dabei dreht es sich beständig um seine
Achse, bald horizontal liegend, bald lothrecht aufgerichtet ste-
hend, wobei auch die Form des Körpers veränderlich (Fig.14,18.),
bald eiförmig, bald mehr verlängert, nach vorn abgestumpft, nach
hinten gleichmäfsig verschmälert, bald verkürzt und birnförmig
*) a.a. O. S. 376. Er war völlig überzeugt, dafs das, was er sah,
die Jungen wären, und konnte sich natürlich nur höchlich verwundern,
dafs sie ‚„‚absorbirt würden,“ nachdem sie mittelst einer so langen Pro-
cedur in ihr Element hinausgetreten waren.
261
ist. Seine Farbe ist weils und unter dem Mikroskope ziemlich
opak, doch so viel durchscheinend, dafs man eine innere Höhle
unterscheidet, welche von einiger in ihr enthaltenen Flüssigkeit
dunkel ist und von zwei Membranen, einer äufseren glashellen
und einer inneren undurchsichtigeren umgebeu wird. Erneuerte
Beobachtungen verschallten keine Wahrscheinlichkeit, dafs diese
Jungen sich durch eine Mundöflnung ernähren.
Dieses Stadium der Entwickelung der Campanularia ist lange
unter dem Namen der „beweglichen Eier“ bekannt gewesen,
weil es schien, dals die Jungen eine Analogie mit dem Samen
gewisser Algen haben. So sind auch die Weibchen Kapseln ge-
nannt worden *).
Nachdem die Jungen eine Zeit lang frei umher geschwom-
men, befestigen sie sich an irgend einem grölseren Körper,
einem Tangblatte u. s. w. Der Körper wird dabei platter und
eirkelrund, wie ein kleines Küchelchen (Fig. 15.) und die Wim-
pern, welche aufgehört haben, zu vibriren, legen sich rund um
ihn, wie durchsichtige Fransen. In der Mitte der inneren Höhle
erscheint ein dunkler Flecken, dessen Durchmesser ziemlich ei-
nem Fünftel des ganzen Körperdurchmessers gleich ist und von
Körnchen herrührt, die um den Punkt concentrirt sind, aus wel-
chem der Stamm des Thieres hervorgehen soll, die äufsere Mem-
“bran ist jetzt etwas dicker, als bei dem ausgebildeten Thiere,
und, wie es scheint, von Gefäfsen (?) aus der inneren Höhle
durchzogen. Nun entsteht über dem dunkeln Mittelfelde eine klei-
ne halbkugeligte Erhöhung (Fig. 16.), und zugleich zeigt es sich,
dafs die innere, nicht mehr zirkelrunde Höhle sich in vier oder
fünf unregelmälsige Buchten, und die äulsere, cellulöse Haut, mit
Beibehaltung des runden Umfangs des Ganzen, in eben so viele
Lappen getheilt haben, welche letzteren nur durch schmale, con-
eentrische Einsehnitle getrennt sind. Diese Lappen sind Andeu-
tungen der bleibenden horizontalen Theile dieses Phytozoon’s —
der Sprossen. Schon ist die Bekleidung des Ganzen hornartig
geworden; aber man. überzeugt sich nicht leicht davon eher, als
bis sich, während des Stammes weiterer Entwickelung, die Höhle
*) S. Grant’s Abhandlung im Edinburgh New Philssophical Jour-
nal I. p. 150.
‘
262
so vermindert, dafs ihre äufserste Haut sich in vier Lappen zu-
rückzieht (Fig. 17.). Sie befestigt sich dann durch zerstreute
Bänder an der hornartigen, glashellen Schale, welche mit ihren
tiefen Einschnitten den ursprünglichen Umfang beibehält. Der
Stamm, welcher jetzt allmählig lothreeht aufschielst, bekommt
zuletzt an der Spitze eine männliche Zelle, und zeigt während
seiner Ausbildung dieselben Erscheinungen der Bewegung der
Körnuchen in der Darmröhre u. s. w., wie die Knospen bei dem
schon entwickelten Phytozoon. Nachdem solchergestalt das pri-
märe Thier, welches jederzeit ein männliches ist, sich vollkom-
men ausgebildet hat, ist auch dessen äufsere Membran bedeutend
dünner geworden, als sie bei dem Jungen war. Man möchte
deshalb vielleicht annehmen können, dals sie, während die Ent-
wiekelung innerhalb der Hornhülle ohne Hinzukommen einer
Nahrung von aufsen her vor sich ging, die absorbirten Stolle
zurückgehalten habe.
Die Campanularia (und wir können demzufolge, was wir
wissen, hinzufügen: alle Sertularinen) fängt sonach ihr Leben als
ein frei umherschwimmendes, seiner künftigen Gestalt ganz un-
ähnliches, Thier an. Dieses befestigt sich und umgiebt sich mit
einer unbeweglichen, hornartigen Hülle. Nachdem diese gebildet
worden ist, ist sie ein Abgeschiedenes und todt, denn von jedem
Punkte derselben, welcher fertig ist, ziehen sich die bildenden
weichen Theile zurück und ernähren sie nicht mehr. Innerhalb
ihrer bildet sich der Polyp nach allen seinen Theilen, wie nach
Anzahl, so nach Gestalt, aus, durchbrieht mechanisch seine Hülle
und wächst nachher nieht mehr. Fafst man diese Erscheinun-
gen zusammen, so möchte man wagen, ihre Gesammtheit eine
Metamorphose zu nennen, den ersten Zustand mit dem der Larve,
den zweiten mit: dem der Puppe zu vergleichen und zu sagen,
dafs der in seiner'Zelle ausgebildete männliche Polyp die von
ihrer Puppe umgebene Imago sei, welche erstere auch fortbe-
stehe, obgleich durchbrochen von dem Gebilde, welches sie ge-
schützt hatte. Das Weichen tritt dagegen aus seiner Puppe her-
vor, thut seiner Fortpflanzungsverrichtung Genüge und — stirbt?
(Der Schlufs, die Beschreibung der Syncoryne, folgt nächstens.)
Kol. 3
Ichthyologische Beiträge zur Fauna Grönlands
Prof. J, Reinhard.
I.
(Kongelige Danske Videnskabernes Selskabs Program
for Aaret 1835 — 36.)
Professor Reinhard hat eine Beschreibung nebst Abbildung von
dem isländischen Trachypterus Bogmarus Valene. mitgetheilt, der
bei den Faröern im Sommer 1828 gefangen wurde, und von dem
die Gesellschaft eine vorläufige Nachricht im Winter 1829 erhielt.
Da das in Brantwein aufbewahrte Exemplar bis auf die Rücken-
und Bauchflossen ganz vollständig ist, uud bei seiner Empfang-
nahme, 10 Tage, nachdem es gefangen, die unpaarigen Flossen
unbeschädigt und noch rothgefärbt waren, so hat die von Hrn.
Schousboe verfertigte Zeichnung eine Genauigkeit erhalten, der
sich keine der bisher gefertigten nähert. Seit 1829 scheinen die
Beschreibungen dieser Art nicht durch Untersuchung besserer _
Exemplare vervollständigt worden zu sein. Hr. Yarrell hat in
seiner history of british fishes p. 191 nach eigenen Untersuchun-
gen keinen Beitrag liefern können; er hat in Beziehung auf die
englische Fauna nur Flemming’s Beschreibung und Abbildung
eines Exemplars benutzt, welches an den schottischen Küsten
gelangen war; aber ist die Restauralion des verslümmelten Ex-
emplars in derselben riehtig ausgeführt, so kann dies Individuum
nicht einmal zum Genus Trachypterus gerechnet werden.
* Hr. Vabeneiennes hat in seinem gründlichen Artikel über
dieses Genus im 10. Theil der histoire naturelle des poissons zu
- den älteren Beschreibungen dieser Art, einige Bemerkungen"lin-
zugelügt, welche von seinen eigenen Untersuchungen eines trock
nen Exemplars vom Nordeap herrühren. "Es ist einige Verschie!
264
denheit in den angegebenen relativen Kennzeichen dieses und
des Faröerschen Exemplars vorhanden, welche jedoch wohl von
dem Eiutrockeren herrührt. Die Strahlenanzahl in den Rücken-
flossen beider stimmt fast ganz überein, aber bei dem letztern
sieht man durchaus nich!s Scharfes an der Oberfläche der ein-
zelnen Strahlen, wie es Hr. Valenciennes bei dem seinigen
angiebt, denn die einfache Reihe sehr kleiner Spitzen, welche
sich längs der Basis der Rückenflosse erstreeken, kann hier
wohl kaum gemeint sein. Dagegen sind sehr kleine und zer-
streute Spitzen sichtbar und fühlbar auf den Strahlen der
Schwanzflosse. Herr Valenciennes. beschreibt den letzten
Stachel an der Wurzel der Schwanzflosse als auf dem letzien
Schilde der Seitenlinie (bei seinem Exemplar) sitzend; dies ist
nicht der Fall bei dem Faröerschen Exemplar; jener gablige
kurze ‚Stachel sitzt mit seinem auf beiden Seiten schildförnig
ausgebreiteten Grundtheile im scharfen Rande des Schwanz-
endes, und die Schilderreihe der Seitenlinie setzt ihren Lauf über
denselben und weiter nach hinten gegen die Wurzel der Schwanz-
flosse fort; hinter diesem und dieht an demselben sitzt noch
ein. dünnerer, aber beweglicher Stachelstrabl; beide zusammen
könnten eher als eine gegen das Ende des Schwanzes liegende
rudimentäre Analflosse betrachtet werden, welche sich iu eine
andere unter der Schwanzilosse unmittelbar liegende Partie von
4 sehr kurzen und dünnen, gewöhnlich übersehenen Sirahlen fort-
setzt, welche gleichsam wie die verkrüppelte andere Hälfte der
Schwanziflosse aussehen, Das abgebildete Exemplar hat nur 2
großse schwärzliche Flecke auf seiner silberblanken Seite, welche,
noch nach 8 Jahren eben so deutlich sind, als beim Fange .des
Fisches. Die Totallänge dieses Exemplars von der Spitze des ge-
schlossenen Mundes bis zur Wurzel der Schwanzflosse ist 34° 6°,
der Kopf ist 71 Mal. und die Schwanzfilosse 64 Mal in der Total-
länge enthalten. Die gröfste Höhe, welche an das Ende des er-
sten Drittels der Totallänge fällt, ist 54 Mal in derselben euthal-
ten. Die Kiemenmembran hat 6 Strahlen, die Brustflosse 10— 11;
die Bauchllosse 6; erste Rückenflosse 5, zweite 172, und die
Schwanzflosse 8 Strahlen.
‚Dasselbe Mitglied hat: die Fortsetzung seiner ichthyolegischen
Beiträge zur Fauna Grünlands eingeliefert, von denen dieersteeine
22:
. 265
Beschreibung und Abbildung einer von verschiedenen Handels-
plätzen sowohl in Nord- als Süd-Grönland 1834 eingesandten
neuen Fischart enthält, die sich auszeichnet durch 4, Schleimöfl-
nungen führende Linien an jeder Seite. Er gab ihr bis wei-
ter den Namen Clinus unimaculatus, und betrachtete sie als
nahe mit Clinus punctatus verwandt. Später hat Hr. Kröyer,
unbekannt mit jener vorläufigen Bestimmung, dem Verf. mitge-
theilt, dafs er auch eine Beschreibung einer solchen Fischart von
Grönland entworfen habe, die er wegen der grofsen Anzahl der
Seitenlinien zu Cuvier’s Geschlecht Chirus gerechnet und prae-
eisus”) genannt habe. Die Abhandlung beschäftigt sich deshalb
zuerst mit der Untersuchung der Frage, ob die gröfßsere Anzahl
von Seitenlinien (hier Richtungslinien für die schleimausführenden
Oellnungen) bei einer Fischart diese von der Gruppe entfernen
müsse, zu welcher sie die Uebereinstimmung in den meisten übri-
gen Orzanssystemen hinstellt. Die Systematiker scheinen z. B.
bei der Classification von Batrachus punctatissimus den Seitenli-
nien nicht diese Wichtigkeit eingeräumt zu haben. Nun ist die neue
Art in wichtigen Theilen verschieden vom Geschlechte Chirus,
obgleich in Hinsicht der Anzahl der-Seitenliuien eine interessante
Aehnlichkeit zwischen dem grönländischen Fische und dem Genus
Chirus vom Meere bei Kanıtschatka besteht, dagegen herrscht
sowohl im ganzen Habitus, als in den meisten Organen eine voll-
kommene generische Uebereinstimmung zwischen ihm u. Blennius
punctatus Fabrie. Dies hat den Verfasser auf eine durch die
wichligsten Organe ausgeführte Vergleichung’sämmtlicher bekann-
ter Arten der Familie der Schleimfische (Blennius) geführt, wel-
che im grönländischen Meere vorkommen, woraus er den Schluls
zieht, dafs diese Arten, in Hinsicht des Zahnbaues, der Kiemen-
haut, der Schleimöffnungen, des Digestionskanals und der Eier-
slöcke in drei Gruppen oder Unterordnungen getrennt werden
können: nämlich die @unellus » Gruppe mit, einer wie eine
Querlalte unter dem Halse verwachsenen Kiemenhaut, mit fünf
Strahlen versehen, keine oder sehr wenige Zähne auf dem Os
vomer, und keine Art von Seitenlinien ; diese Unterabtheilung
enthält die Arten: Gunellus grönlandicus (fasciatus Bloch) und
%) Jetzt erschienen int Naturhistorisk Tidsskrift Heft 1.-p. 25.
ud
@. affinis; die Lump enus - Gruppe mit einer kinten freien Kie-
menhaut mit 6 Strahlen, einer Seitenlinie ohne Schleimöffnung ,
und mit Zähnen auf dem Os vomer; hierhin gehören Lumpenus
Fabricii (Blennius Lumpenus Fauna Grönl.), Lump. medius Mus.
Reg., und L. aculeatus Mus. Reg.; beide sind neue Arten; und
endlich schlägt er für die dritte Gruppe den Naınen Stichaeus
vor, welche ebenfalls 6 Strahlen in der freien oder ganz vorn
verwachsenen Kiemenhaut, Zähne sowohl auf Fomer als auf dem
266
Kiemenbogen, und eine oder mehrere mit Schleimöffnungen ver-
seheneSeitenlinien hat; hierhin rechnet er Blennius punctatus Fabr.
und die in der Abhandlung beschriebene neue Art Stichaeus uni-
maculatus, deren 6 der Beschreibung zu Grunde liegende Exem-
plare zwischen einer Länge von 7 2 und 8‘ 10‘ variiren.
In einem anderen Beiträge theilte der Verf. Abbildungen und
Beschreibungen zweier neuen Fischarten mit, von denen die
eine mit der von Ström zuerst in die nordische Fauna einge-
führten Art des Geschlechtes Scopelus (Se. borealis Nils.) nahe
verwandt, aber in der Anzahl der Strahlen und der Stellung
der Schleimöffnungen: etwas von jener verschieden ist. Sie hat
den Namen Sc. glacialis erhalten. Sie hat 12 Strahlen in der
Rückenflosse, die Ström’sche Art soll nur 9 haben. Die
Analflosse zählt ‘bei der ersten Art 17, bei der letztern sind
von Ström 10 angegeben ; von Nilsson dagegen 15. Die 6
Exemplare, welche das Museum nach und nach erhalten hat, sind
alle aus den nördlichsten Kolonien, wie Omenak, Ritesbank und
Jacobshavn. Die Gröfßse variirte zwischen 2 — 34”.
Die andere Art gehört zum Genus Motella, und unterschei-
det sich von allen übrigen bekannten nordischen Arten oder
Abarten dieses Geschlechts durch ihre silberblanke Farbe, ihren
forellenartigen, stumpfen Kopf, und besonders durch die sehwaclı
ausgeschnittene Schwanzflosse. Sie war zuerst im Museum ‚als |
Motella wnicirrata aufgestellt, unter welcher unpassenden Be-
nennuog sie vor einigen Jahren mehreren Museen mitgetheilt ist.
Sie heilst jetzt in der grönländischen ‚Sammlung Motella argen-
tata, Die seit 1831 zahlreich eingesandten Exemplare dieser Art
sind fast’ alle von derselben Grölse, und‘ gewils ganz jung. Sie
kommen nur im Süden vor, und besonders im Distrikt Julia-
nenshaab. * Sie sind 24 — 3“ lang. Das nördliche Grönland
Aa w s
267
scheint auch eine unbeschriebene grofse Motella-Art zu besitzen,
nach zwei aus dem Magen einer Klappmütze herausgenomme-
nen, und sehr beschädigten Exemplaren zu urtheilen, welche
1534 aus Omenak eingesandt, und in derselben Sammlung unter
dem Namen von Motella Ensis aufgestellt wurden. Sie zeich-
nen sich aus durch die Länge des ersten Strahls der vordersten
aborliven Rückenflosse, welche fast ebenso lang wie der Kopf
ist, und dadurch am After weiter zurücksitzt als bei Motella
Mustela.
Endlich schlofs dieser Beitrag mit der Bemerkung, dals es
in dem grönländischen Meere aufser Cyelopterus Liparis Fabric.,
welchen man wegen des besonders losen Anhängens der Haut
Liparis tunicala nennen könnte, noch eine andere Art giebt, wel-
che in ihrer Zeichnung viele Aehnlichkeit mit der von Yarrel
in seinen british fishes abgebildeten europäischen Art hat, aber
da das Museum nur ein einziges unvollständiges Exemplar besitzt,
so kaun eine sichere Bestimmung noch nicht Statt finden.
Gebler: Perdix altaica.
(Auszug aus dem Bullet. scientif. de l’ Acad. de St. Petersb. I. p. 31.)
P. capite, collo pectoreque cinereis, dorso nigro, griseo un-
dulato, gula abdomineque albis, pedibus nigris, tarsis subauran-
tiaeis, intus callosis, rectrieibus 24.
Die Geschlechter sollen nach Angabe der Jäger wenig ver-
schieden sein. Ganze Länge 26“ engl. Die Art wurde im ka-
tunischen Gebirge, namentlich am Flusse Argut gefunden. —
‚Als Nahrung dienen ihr die Zäpfchen von Betula nana, Beeren
von Berberis sibirica. Sie hält sich Sommers in den höchsten
Schluchten auf, kommt aber im Winter in Truppen bis zu 10
Stück herab.
Ueber den Zubr oder Auerochsen des Kaukasus
von v. Bär.
(Bullet. Scientif. de l’ Acad. de St. Petersb. I. No. 20. p. 153.)
Der Generalmajor Rosen hat eine Haut des Zubr oder Auer-
ochsen (Bos urus aut.) der Akademie eingesandt und dadurch
die Zweifel über dessen Existenz am Kaukasus gehoben. Freilich
geben die Handbücher aufser Lithauen auch den Kaukasus, die
Moldau und oft selbst Preulsen als sein Vaterland an, aber nur
als Wiederholung dessen, was in der Vergangenheit der Fall war.
Bojanus sagt im Eingange seiner Abhandlung : Fabulosae sunt,
quae de Moldaviae et Caucasi Uro hodierno passim dicuntur; worin
er zu weit ging, denn es ist gewils, dals der Auerochs lange
Zeit in der Moldau existirte und dafs er sich dort noch im An-
fange dieses Jahrhunderts in den waldigen Gränzgebirgen fand.
Das Exemplar zu Schönbrunn stammte aus dieser Gegend. . Seit
dieser Zeit hat man nichts weiter von ihm gehört, und Perso-
nen, welche davon unterrichtet sein konnten, versicherten Hrn.
v. B., dafs er dort nicht mehr existire. — In Ilinsicht des Kau-
kasus berulite die Meinung, dafs der Zubr in dessen Gebirgen
lebe, nur auf zwei von Pallas im Archive der Akademie gefun-
denen Noten, deren eine von Lowitz, die andere von Gülden-
städt ist. Der erstere scheint aber nur vom Hörensagen darüber
zu sprechen; der andere, welcher nur Schädel sah, hat diese für
die des Zubr genommen. Zu Güldenstädts Zeit war es indes-
sen fast unmöglich, Arten durch die vergleichende Osteologie zu
unterscheiden. Pallas giebt uns davon einen Beweis, indem er
den Auerochsen für den Stammvater unseres Hausochsen hielt.”
Angenommen aber, dafs Güldenstädt die Schädel der verschie-
denen Ochsenarten kannte; so hatte er diese Schädel in einer
Höhle mit anderen gefunden, und Niemand konnte angeben, seit
w
269
wann sie sich dort vorfanden. Hr. Steven erwähnt des Zubr’s
nicht in seiner Aufzählung der westlich vom kaspischen Meere
belegenen Provinzen. In unseren Tagen hat Eichwald berich-
tet, dafs Kaukasier, welche das zoologische Museum der Univer-
sität Wilna besuchten, den Zubr äls ein kaukasisches Thier er-
kannten. — Es unterliegt keinem Zweifel, dafs Veränderungen
in der Verbreitung der Thiere Statt haben. Die einen ziehen
sich auf allen Seilen zurück, sind im Begriff zu verschwinden,
oder verschwiuden von unserer Erde in den historischen Zeiten;
die andern dehnen ihren Wohnsitz aus, wie gewisse Völker.
Nehmen wir uicht auf die unter die Herrschaft des Menschen
gekommenen Thiere Rücksicht, so sind es immer schwache, zu-
weilen kaum sichtbare Thiere, welche ihr Reich erweitern: einige
Insekten z. B. und besonders die, mit dezen der Mensch täglich
im Kriege begriffen ist, ohne ihrer Vermehrung Abbruch ihun zu
können. Die einen reisen mit den Pflanzen, die andern mit dem
Menschen. Es giebt einige, welche Amerika unserem Welttheile
verehrte, und andere, welche die neue Welt zur Vergeltung
von der alten erhalten hat. — Es giebt auch Eroberer unter den
Säugthieren, aber immer sind es die kleinsten, Nager oder In-
sektivoren. Die Zwergspitzmaus (Sorex pygmaeus Pall.),
das kleinste Säugelhier, welche man zuvor nie in Deutschland
gesehen, wurde vor wenigen Jahren in Schlesien und Mecklen-
burg beobachtet. Mehrere Arten von Mäusen und Ratten rücken
fortwährend von Asien aus in Europa vor. Es scheint, dafs die
Ratte in alten Zeilen unbekannt war. Seit langer Zeit besitzt
man sie in ganz Europa. Aber in unsern Tagen ist diese schwarz-
graue Ratte (Mus rattus) nicht mehr die gemeine. Eine andere
slärkere Art, die Wanderratie (Mus decumanus Pall., Buflon’s
Surmulot), noch so neu, dafs sie Linn& noch nicht kannte, und
Pallas als die Zeit ihrer Ankunft zu Astrachan das Jahr 1727
anzeichnet, macht die andere überall verschwinden, wo sich der
Handel etablirt. Sie ist in unseren Tagen durch die Nadejda
nach Kamtschatka eingeführt, wie überall, wohin Civilisalion und
Handel dringen. Sie ist in Wahrheit das lebendige Symbol des
Handels und man kann sagen, dafs ein Ort ohne diese Ratten
ein Ort ohne Handel ist. Ganz im Gegentheil ziehen sich die
großsen Thiere zurück und verschwinden endlich ganz, ein deut-
a ER.
270
licher Beweis, dafs der Kampf zwischen demMenschen und einem
Thiere, es mag dies noch so grolse Kraft und Muth besitzen, fast
nie zweifelhaft ist. So ist der Löwe, welcher nach Herodot und
Aristoteles noch zu ihrer Zeit in Macedonien existirte, welcher
lange Zeit Kleinasien und Syrien inne hatte, in einige wüste
Gegenden Arabiens und der Gränzen Persiens und Indiens zurück-
gedrängt, und herrscht nur noch in Afrika. Eben so existirt der
Krokodil nicht mehr in Unter- Aegypten. Ebenso haben sich
das Flulspferd, die Giraffe und andere kolossale Thiere in
das Innere von Afyika zurückgezogen. Aber es giebt auch Aıten,
die in historischen Zeiten verschwunden sind; denn ich rede hier
nicht ven denen, welche vor den historischen Zeilen äusgerottet
wurden. Der Urus der Alten, welcher zu Cäsar’s Zeit in
Deutschland gemein war, existirte dort nicht mehr im 16. Jahr-
hundert. Herberstain fand noch ein Ueberbleibsel von ihm in
Polen, und er exislirte in Preulsen unter der Regierung des Mark-
graf Albert. Seitdem hat er aufgehört zu existiren *). Die
*) Hr. v. Bär versteht unter dem Urus nicht den Bos urus aut,,
den jetzt fälschlich so genannten Auerochsen, welcher bei den Germanen
WVisent hiels, sondern den Urus des Cäsar’s, der neben jenem früher
in Germanien und dem östlichen Europa lebte, und von Cuvier mit
Recht für den Stammyater unseres Rindes angesehen wird, da seine im
aufgeschwemmten Lande sich findenden Schädel mit denen des Rindes
im Wesentlichen übereinstimmen. Plinius H. N. VII. $. 15. führt neben
einander iubatos bisontes excellentique vi et velocitate uros, quibus im- |
peritum vulgus bubalorum nomen imponit in Germanien auf, Auch das
Nibelurgenlied erwähnt beider in der Jagd des Siegfried: „Darnach
schluch er schiere einen Wizend und ein Elk, Starker Ure viere und ei-
nen grimmen Schelk (v. 3753, 54.).“ Herberstain sah 1558 noch
beide in Polen, giebt von beiden eine rohe Abbildung und bemerkt schon, #
dafs man beider Namen verwechsele. Unter das Bild- des Urus setzt er
die Worte: Urus sum, Polonis Thur, Germanis Auerox, ignari Bisontis
nomen dederant; und unter das Bild des Wisent: Bison sum, Polonis
Suber, Germanis Bisont, ignari Uri nomen dederant. — Ein aus dem |
Anfange des 16. Jahrhunderts stammendes Bild eines schwarzen Stieres,
mit der Beischrilt Thur, fand Ham. Smith bei einem Händler in Augs-
burg und giebt davon eine Copie in Griffith Anim. Kingdom IV. zu
p-4l1. Vgl. den von mir bearbeiteten Text zu Bürde’s Abbildung und
Beschr. merkwürdiger Säugethiere. Lief. 2. (Berlin 1532) p. 115. und
H. v. Meyer Nov. Act. Leop. Carol. XVII. I. p. 103 fa.
_ % Herausg. _
P.J 7 *
271
Seekuh des kamtschatkischen Meeres hat eine noch kürzere Ge-
schichte. Nur im Anfange des 18. Jahrhunderts hat man Kennt-
nils von ihr gehabt. Steller hat sich ein ewiges Denkmal durch
die umständliche Beschreibung errichtet, welche er 1743 von ihr
gab und schon 1768, 25 Jahre später, ist das letzte Individuum
getödtet. Ste!ler ist der einzige Naturforscher geblieben, der sie
geschen hat.— Kehren wir zum Zubr zurück, dem Auerochsen
der Deutschen und Franzosen. Durch Cuvier’s und Anderer
Untersuchungen ist es aulser Zweifel gesetzt, dafs er der Bison
der Alten, der Wisent der Deutschen ist. Es ist gewils, dafs er
in früherer Zeit fast über ganz Europa verbreitet war. Viele
Ortsnamen (wie Wisantensteg u. a.) haben sein Andenken in
Schwaben bewahrt. Im Nibelungenliede wird die Jagd dieses
Thieres besungen. Aber zur Zeit der Wiedergeburt der Wissen-
schaften gab es ihn in Deutschland nicht mehr, nur in Preufsen
und in einigen Theilen Polens, wo er von Herberstain beob-
achtet und gezeichnet wurde. In Preufsen wurde der letzte im
Jahre 1755 getödlet. Zur Zeit des jungen Forsler fand er sich
in Polen in dem grofsen Walde von Bialowieza. Aufserdem exi-
stirte er in einem anderen entfernteren Walde des alten Polens
an der Gränze der Moldau. Er ist vielleicht in diesem Walde
ausgeroltet, und er würde auch in dem Walde von Bialowieza
ausgerottel sein, wenn die Regierung nicht mit Strenge über seine
Erhaltung wachte. Es ist daher interessant, aus sicheren Bewei-
sen zu wissen, dals er sich jm Kaukasus gehalten hat, wo noch
in unseren Tagen ein Ueberrest der Königstieger und der Panther
vorhanden ist.
Bei Vergleichung der Zubrhaut, welche vom ‘Kaukasus ein-
gesandt ist, mit dem ausgestopften Exemplare aus dem Bialowie-
zer Walde, findet man, dafs bei jener die Hörner merklich dün-
ner (gröles) und kürzer sind, und dafs der Abstand der Hörner
oder die Breite der Stirn geringer ist. Diese Verschiedenheilen
scheinen aber vom Geschlechte abhängig, denn die vom Kauka-
sus eingesandte Haut ist die einer Kuh, wie die deutlichen Zitzen
beweisen. Die Farbe des Felles ist bei der kaukasischen Haut
weniger dunkel und sichtlich mit grau gemischt. Auch ist die
Behaarung am Vordertheile kürzer und nur auf der Stirn und
einem Theile des Nackens gekräuselt. Diese Versckiedenheiten
272
hängen von der Jahreszeit und dem Alter ab, denn die langen
Haare am Vordertheile des Körpers fallen auch bei dem lithaui-
schen Zubr im Frühjahr aus, und die Farbe des Pelzes ist im
Jugendalter mit Grau gemischt. Die Hufen und Alterhufen sind
sehr viel kürzer an der kaukasischen Haut, was ohne Zweifel
mit dem Leben in einer Gebirgsgegend zusammenhängt. Es finden
sich keine andere Verschiedenheiten so weit man aus einer ein-
zigen Haut schliefsen kann, als eine etwas verschiedene Krüm-
mung der Hörner, und ein sehr deutlicher Streif, welcher
sich über den Rücken erstreckt. Die Spitze der Hörner scheint
etwas mehr nach hinten gerichtet zu sein, als man es bei dem
lithauischen Zubr sieht, und was den Streif betrifft, so findet sich
davon bei den Schriftstellern. welche ausführlich die Hautbehaa-
rung der verschiedenen Jahreszeit beschrieben haben, bei Gili-
bert, Bojanus, Brincken, Jarocki keine Erwähnung. Ge-
wils reichen diese Unterschiede nicht hin, um den wilden Och-
sen des Kaukasus, den «man dort Dembei nennt, mit Eichwald
als eine verschiedene Art anzusehen. Vielleicht sind dies selbst
individuelle Verschiedenheiten. Nur nach mehreren Häuten und
I Skelten wird sich entscheiden lassen, ob diese beiden seit län-
gerer Zeit getrennt lebenden Ragen des Zubr, von denen die
eine beträchtliche Gebirge, die andere einen vertieft liegenden
Wald inmitten einer ausgedehnten Ebene bewohnt, in der Reihe
der Generationen Verschiedenheiteu erfahren haben.
Man hat vor einigen Jahren die Existenz eines wilden Och-
sen, Gaour genannt, im Innern Indiens, zwischen der Küste Co-
romandel und der Bay von Caleutia angekündigt. Die Beschrei-
bung, so ungenügend sie auch ist, konnte muthmalsen lassen,
dafs es ein Zubr sei; seitdem aber dessen Existenz im Kaukasus
bewiesen, ist nicht mehr daran zu zweifeln. Die vortretende
gewölbte Stirn, das krause Haar derselben, die Maalse sind die-
selben, und die Reihe von Dornfortsätzen über den Rücken hin,
von. der Major Roughsedge spricht, kann nichts anders als der
sehr erhabene Widerrist des Zubr sein. Aber dasselbe Thier findet
sich auch vielleicht jenseit des Ganges. Capt. Low hat vor
kurzem in dem Journ. of the Royal Asiatic Soc. of Great Britain
and Ireland Nr. V. eine Liste der Thiere von Tenasserim, einer
neulich durch die Engländer erworbenen Provinz, gegeben. Er
nennt.
273
nennt dort‘den Bison, von dessen Kopfe er eine Zeichnung giebt.
Die Hörner sind genau dieselben, wie die des lithauischen Zubr,
nur ist das Fell zu glatt, was indessen Fehler des Künstlers sein
kann. Endlich zweifelt Herr von Bär nicht, dafs der Zubr
auch selbst mitten in Centralasien lebe. Nach Angabe des Aka-
demiker Schmidt findet man in mongolischen Schriften einen
wilden Ochsen erwähnt, welcher in der Umgegend des See’s
Kokkonoor und in der chinesischen: Provinz Khansi lebt. Man
unterscheidet ihn immer vom Yak (Bos grunniens) und nennt
ihn im Mongolischen „Boukha gueureugueusun.“ Ein mongoli-
sches Wörterbuch beschreibt ihn folgendermafsen: „Er gleicht
dem gemeinen Ochsen; der obere Theil seines Körpers ist hoch,
der Hintertheil ist abschüssig und schmal. Das Haar ist dunkel
schieferfarbig, dunkelbraun oder schwärzlich.“ Der Zubr lebt
demnach noch heute zerstreuet in einigen sehr von einander
entfernten Tribus. In dem Walde von Bialowieza hat er den
nordischen Vielfrafs zum Nachbar, an der Küste von Tenasserim
den Elephanten und das Rhinoceros.
Ueber die fossilen Infusorien-Gattungen
Xanthidium und Peridinium.
von
C. G. Ehrenberg.
(Auszug a. d, gedruckten 38. Bogen des grölseren Infasorienwerkes.)
Herr Turpin in Paris hat 1837 mein obiges Urtheil über die
fossilen Formen der Xanthidien und Peridinien ganz auf die Seite
geschoben und sie für Polypeneier der Oristatella vagans erklärt.
Derselbe mikroskopische Beobachter hat auch früher die Eier der
Salpina mucronata, eines Räderthierchens, welche an Conferven
angeheftet sind, unter dem Namen Bursella olivacea als eigene
Pflanzengattung beschrieben, und im Diction. des sc. nat. Tab. XI.
Fig. 18. abgebildet. Auch die Eier der Triarthra, eines andern
“ Jahrg. 1. Band, 18
274
Räderthierchens, hat er als Pflanzengattung, Erythrynella annu-
laris, ebenda beschrieben und Fig. 17. abgebildet. Das erstere
wurde nebenbei‘schon im Jahre 1831 bei Gyges (Abhandl. d.
berl. Akad.:der Wiss. 1831. p. 61.) angezeigt. Man ‚sieht daraus,
dafs auch eine vielfache Uebung; im mikroskopischen Beöbachten
ohne gute iCritik zu. starken Fehlgriffen leitet. Im Uebrigen ist
es erfreulich, dals Hr. Turpin. die. fossilen Formeu keineswegs
als Fragmente, sondern als wohl ‚erhaltene. geschlossene Organis-
men miterkannt und: gezeichnet hat... ‚Die Täfelchen des Feuer-
steins,. wonach Herr Turpin seine Zeichnungen gemacht hat,
hatte ich auf den Wunsch des Hm. v. Humboldt, Hrn. Arrago
und der. pariser Akademie, wie es auch Herr Turpin. meldet,
überreicht, aber ich hatte auch vorher, was dieser nicht meldet,
sowohl Berichte als noch weit detaillirtere Zeichnungen, sowol
im September 1836 der Versammlung der deutschen Naturfor-
scher in Jena, als im December der berliner Akademie rgelegt
(s. den Bericht der Akad.). Die Besorgnils des Hrn. Turpin, dafs
die damals von mir gegebenen Namen das Schicksal rascher Ver-
gänglichkeit mit andern theilen und der Wissenschaft lästig wer-
den möchten, weswegen ihm nöthig dünkt, noch andere (unver-
gängliche) Namen zu geben (!), scheint nicht nahe zu liegen.
Die Vergleichung mit Cristatellen-Eiern, deren Form nicht, wie
es dort scheinen könnte, Hr. Turpin 1837 entdeekt hat, ‚son-
dern welche der englische Gelehrte Graham Dalzell im Jahre
1834 (Jamesons New Edinb. Philos. Journ, XVII. p. 411.) zuerst
beobachtete, ist deshalb unstatthaft, weil die fossilen Körpercher
des Feuersteins eine viel geringere und sehr variable Grölse ha-
ben, wie sie bei Eiern nur als seltene Ausbildung vorkommt,
auch nicht linsenförmig und nicht blofs am Rande, sondern über-
all stachlig sind (wie überhaupt die Genauigkeit von Hrn. Tur-
pin’s Abbildungen der Fossilen keineswegs genügend ist), end-
lich weil sie öfter doppelt vorkommen. — Durch eine Mils-
deutung der kleinen Federzeichnungen, welche ich auf. die Cou-
verie der Täfelchen zur Orientirung entworfen hatte, hat Herr
Turpin vermuthet, dafs ich die mit seiner Fig. C. C. bezeich-
neten Körper ebenso Peridinium genannt habe, als die mit sei-
ner Fig. E. bezeichneten. Das wird ihm aber Niemand glauben,
da.nur Fig. E. das glatte Peridinium, Kranzthierchen, und Fig. C.
”
{Di
275
das stachlige Xanthidium, Klettenthierchen, sein kann. Das Pe-
ridinium hat Hr. Turpin verkehrt abgebildet, wodurch es aller-
dings einer (Bischofs)Mütze (!) sehr ähnlich geworden. Ein ihm
wichtiges äulseres Organ bei Fig. C., das. er mit a bezeichnet
hat, und wohl unter dem mit dem Penis des vegetaux (!) p. 307
zu vergleichenden Organe mitversteht, scheint mir nur einer der
Stacheln zu sein, dessen Widerhaken abgebrochen sind. Ich er-
wartete von einem Referenten einer Akademie eine gerechlere
Anerkennung, und sehe in Zurücksetzung meiner Mittheilungen
und in diesen neuen von Hrn. Turpin, den von ihm nicht ent-
deckten und nicht verbesserten Divgen gegebenen Namen kei-
nen Vortheil für die Naturwissenschaft. .
“ C. G. Ehrenberg:
Ueber fossile Infusorien.
1.
(Bericht der Akad. d. Wissensch. vom 9. Febr.)
Die. an Hrn. Berzelius gesandten Proben der fossilen Infu-
sorien haben Hrn. Prof. Retzius veranlalst, die mehlartige Erde
mikroskopisch zu untersuchen, welche 1832 im Kirchspiele De-
gernä, an den Gränzen Lapplands (64— 65° n. Br.), während des
unglücklichen Milswachses jenes Jahres mit anderm Mehle und
Baumrinde vermischt, zuBrod verbacken worden war, und wel-
che Hr. Berzelius analysirt und als mit organischen Bestand-
theilen vermischte Kieselerde erkannt hatte. Hr. Retzius hat
auch dieses Bergmehl als aus bis 19 verschiedenen Formen von
Infusorien bestehend erkannt, und die von ihm entworfenen
Zeichnungen sammt einer Probe des Mehls an Hrn. Ehrenberg
gesandt. Dieser fand, dafs es bei weitem reicher an ausge-
zeichneten, bisher unbekaunten Formen ist, als das ihm sonst
ähnliche von Santafiora oder als irgend einer der bekannten Kie-
selguhre, Es enthält 24 verschiedene Arten; bei weiten die
meisten sind Infusorien-Panzer aus der Familie der Bacillarien.
4, 18 *
276 N !
äulserst sparsam sind darin Schwammnadeln von Spongien oder
3 den überall fossil vorkommenden und denen der le-
nden Spongilla lacustris ähulich. Endlich liegen nicht gar
selten Pollenkörner einer Pinus-Art dazwischen. Von den 22
fossilen Bacillarien sind etwa 3—5 den jetzt lebenden bekann-
ten so völlig ähnlich, dafs sie vorläufig dafür angesehen werden
müssen; nämlich: 1. Navicula viridis, 2. N. gracilis, 3. Gom-
phonema acuminatum, vielleicht auch 4. N. phoenicenteron und
5. Bacillaria vulgaris, Formen, welche theils in allen Kieselguh-
ren vorkommen, theils wie Nr. 3. nur im Bergmehle von Santa-
fiora, oder wie Nr. 4. in dem von Isle de France, die auch alle
bei Berlin im Sumpfwasser gefunden sind. Von nur fossil schon
bekannten Formen ist die ausgezeichnete, einem Schnellrädchen
ähnliche 6. Navicula follis des Casseler Polirschiefers vorhanden.
Alle übrigen 16 sind nie gesehene, meist höchst auflallende und
ausgezeichnete Formen, deren Namensverzeichnils folgendes ist:
Eunotia (eVv@rog, eine neue Gattung der Bacillarien, wozu
aus den früher bekannten Arten von Navicula nun auch N. tur-
gida, Zebra und einige andere gehören, und welche durch eine
flache und eine convexe Seile, so wie eine andere Stellung der
Panzeröffuungen ausgezeichnet ist) mit 7 neuen Arten, deren
convexe Rückenseite, wie bei keiner bekannten Form, meist tief
gezahnt ist. 7. Eunotia serra mit 13 Zähnen, 8. E. Diadema mit
6 Zähnen, 9. E. Pentodon mit 5 Zähnen, 10. E. Triodon mit 3
Zähnen, 11. E. Diodon mit 2 Zähnen, 12. E. Arcus mit einfach
gewölbtem, flach-einzahnigem Rücken, der I. turgida ähnlich,
13. E. Faba mit zahnlosem, einfach gewölbtem Rücken. Ferner
fanden sich 3 gestreifte neue Naviculae: 14. N. suecica, der N.
striatula ähnlich, 15. N. dicephala, der N. platystoma ähnlich,
16. N. macilenta, der N. viridis ähnlich, schmaler, enger gestreift
und ‚eine glatte Navieula? 17. N.? trinodis, der langstreckigen
N. follis ähnlich. Es fanden sich ferner 18. Fragilaria pecti-
nalis? doch könnte es auch Bacillaria vulgaris sein. 19. Synedra?
Hemicyclus. 20. Cocconema? Fusidium. 21. Achnanthes? inaequa-
lis. 22. Cocconeis unbestimmbar. Navicula gracilis sammt den
übrigen Navieulis bilden die Hauptmasse, welche mithin ein
Süfswässergebild sein könnte. — Eine besondere Bemerkung ver-
dienen noch die Pollenkörner der Fichte. Sie könnten zufällig.
277
in der neuesten Zeit in das Bergmehl eingeweht sein. Es haben
sich zwar ähnliche Körper neuerlich auch in den, Feuersteinen
von Delitzsch gefunden, die sich jedoch nun wahrscheinlicher
als Polythalamien angehörige ganze Formen oder Fragmente. zu
erkennen gegeben haben.
2.
In der Sitzung der naturf. Gesellschaft zu Berlin v. 21. März
berichtete Hr. Ehrenberg, dals er ganz neuerlich im Königl.
Mineralien-Kabinet eine aus Klaproth’s Sammlung stammende
Erde von Kymmene-Gard bei Helsiugfors in Finnland vorgefun-
den, welche so ganz aus denselben höchst eigenthümlichen schwe-
dischen Infusorien bestand, dafs von den 24 Organismen 18 der
ausgezeichnetsten dieselben sind. Auch hier fand sich in der
Masse viel Pollen von Fichten verstreut. Eunotia tetraodon und
Navicula glans waren 2 ganz neue charakteristische Arten iu
dieser Erde.
3.
In der Sitzung der Akademie v. 13. Aprililegte Hr. Ehren-
berg eine briefliche Nachricht des Hrn. Agassiz in Neuchatel
über den ebenfalls aus mikroskopischen Kiesel-Organismen ge-
bildeten Polirschiefer von Oran in Afrika vor, welchen derselbe
als aus scheibenförmigen, sehr regelmäßig zelligen Körpern be-
stehend, erkannte, und in dessen Mitte er Abdrücke, eines von
ihm benannten Fisches, der Alosa elongata, fand. Hr. Ag. hatte
eine Probe dieser Substanz, und von Hrn. Schimper entworfene
Skizzen der beobachteten zelligen Scheiben beigefügt, welche
die Regel der Zellenordnung erläutern. Die weiteren Untersu-
chungen des Hrn. E. gaben folgende Resultate. Die Masse wird
vorherrschend von kleinen zelligen flachen Schüsseln (Scheiben)
gebildet, welche der bisher nie fossil gesehenen Familie der ge-
panzerten Wechselthiere (Arcellina) angehören könnten, da sie
sich ungezwungen in ihrerForm und zelligen Bildung, an Arcella
vulgaris der Jetztwelt anschlielsen (Arcella? Patina), welche
erstere aber einen Hornpanzer, keinen Kieselpanzer besitzt. Aus-
ser dieser Arcella lielsen sich noch 9 verschiedene organische
278
Formen unterscheiden. Besonders merkwürdig ist das erste Vor-
kommen mehrerer Formen, für die es keine lebende Gattungs-
ypen giebt, die also neuen, nur fossilen Gattungen angehören;
eine bisher bei den fossilen Infusorien unerhörte Erscheinung.
Zwei derselben, welche Hr. E. Actinocyclus nennt, gleichen grolsen
Gallionellen mit strahlenartigen inneren Kammern, deren Zwischen-
wände, wie Speichen eines Rades, von 2 seillichen runden und
zelligen Platten eingeschlossen sind. Diese Bildung der fossilen
wirft ein neues Licht auf die Organisalion der mit mehrfachen
Oefinungen im Kreise versehenen kleinen lebenden Gallionellen.
Mit 6 Zwischenwänden erscheirt 1) Actinocyelus senarius; mit 8
2) A. octonarius. Ganz auffallend sind ferner zwei durchbro-
chene und strahlige Formen, deren eine dem lebenden Arthro-
desmus truncatus nahe konımt, sich aber durch ein netzartiges
Kieselgeripp ganz und gar unterscheidet. Sie werden als 3) Di-
clyocha Speculum, und 4) D. fibula bezeichnet. Eine öte Form
ist Gallionella sulcata, eine ausgezeichnete neue Art der bekann-
ten Gattung. Ueberdies fanden sich selten zwei Naviculae, und
eine Synedra, welche nicht genau bestimmbar waren, mit Kie-
selnadeln von Spongillen.
Die Arcella? Patina als Hauptform fand Hr. E. schon früher
in einem mergelartigen Polirschiefer von Zante, aber nur als
Fragmente. Dieser griech. Polirschiefer ist daher wohl identisch
mit dem sogenannten venetianischen Tripel der früheren Zeit.
Seine Hauptmasse sind unregelmälsig punktirte selir feine Blätter
(einer Spongia?) mit Kieselnadeln von Spongillen und vielleicht
noch einer dritten Art von Dictyocha, welche einer Navicula
ähnlich ist.
Der Polirschiefer scheint darüber zu entscheiden, ob der
"Name Terra tripolitana des Mittelalters sich auf das Tripolis der
Barbarei oder das in Syrien beziehe. Von Syrien kennt man
noch keinen Polirschiefer in seinen geognostischen Verhältnissen,
und es ist demnach durch den bei Oran vorkommenden entschie-
den, dafs es in der Barbarei dergleichen giebt. Die Venetianer
sollen ihn (nach Fougeroux) später aus Oorfu bezogen haben,
wodurch der tripolitanische ganz in Vergessenheit gerieth.
Notiz über die Einwirkung freier Kohlensäure
auf die Ernährung der Pflanzen
[i
mitgetheilt
von
Dr. M. J. Schleiden.
1-0. L. Treviranus Physiologie der Gewächse Bd. I. p. 403.
findet sich folgende Stelle:
„Auch müfste in der Nähe und am Rande kohlensaurer Quel-
„len, so wie in einem von Kohlensäure durchdrungenen Bo-
„den die Vegetation üppiger sein, was man doch ebenfalls
„nicht wahrnimmt.“ :
Dieser Ausspruch veranlafst mich zur öffentlichen Mittheilung der
fülgenden Thatsache, indem ich ‘glaube, dafs eine genauere Un-
tersuchung hier wohl von Interesse wäre. Ich kann nur darauf
aufmerksam’ machen, da meine Erinnerung daran aus einer Zeit
herstammt, wo ich Botanik noch mehr als Nebensache belvrach-
tete. N
Das Thal von Göttingen, welches bekanntlich fasl’ ganz von
Muschelkalk-Bergen gebildet wird, hat eine Menge Quellen, die
theils aus dem Musehelkalke selbst, theils auf der Sohle dessel-
ben, auf dem bunten Sandstein entspringen. — Alle, besonders
aber die Ersteren, enthalten viele freie Kohlensäure. Vorzugs-
weise merkwürdig ist in dieser Hinsicht die Quelle, deren Ab-
flufs die Wehnder Papiermühle treibt. In einem engen Kessel
bilden sich durch dieselbe 4—5 kleine Bassins, in einem Um-
kreise von etwa 50 Schritt im Durchmesser, und ihr Gewässer
fällt unmittelbar darauf vereinigt auf die Mühlenräder. — Dies
Wasser enthält grolse Mengen kohlensauren Kalks in überschüs-
siger Kohlensäure gelöst, und derselbe wird schon unterhalb des
Mühlengefälles als sogenannter Duckstein abgesetzt, in größserer
280
Menge jedoch nach weiterm Verlauf des Baches beim Dorfe
Wehnde, wo er zu Bausteinen gebrochen wird. Diese Quellen
entwickeln nun eine solche Menge Kohlensäure, dafs das Wasser,
zumal in dem einen Becken, fast zu kochen scheint, und man
in wenigen Minuten mehrere ‚Cubikfuls Kohlensäure auflangen
kann.
Was nun sogleich jedem Laien schon in die Augen fällt,
ist das saftige, üppige Grün, und die reiche Vegetation sowohl
in den Becken selbst, als in der nächsten Umgebung auf dem
vom Quellwasser zum Theil versumpften Boden, eine Vegetation,
die im Frühling um ganze Wochen früher erscheint, und im
Herbst länger dauert als sonst in jener Gegend. Unter den Pflan-
zen erinnere ich mich besonders des Sium angustifolium, das
mit auflallend frischem und schönem Grün, zumal den Boden
des Bassins überzieht, in welchem die Entwickelung von Koh-
lensäure am stärksten ist, so dals die Pflanzen von der brodeln-
den Bewegung des Wassers beständig hin und her geschüttelt
werden. Am Ufer und im Sumpf sind Ranunculus lanuginosus
(2 Fuls hoch und höher), Ficaria verna, Caltha palustris und
Primula elatior mir durch ihre üppige Entwickelung im Früh-
jahr besonders erinnerlich; auch weils ich nicht schönere Exem-
plare von Hypnum riparioides (beständig fructifieirend) und von
Batrachospermum moniliforme gesehen zu haben, als in dem mit
Brettern gefafsten Mühlengraben. Es scheint hier allerdings die
freie Kohlensäure im Wasser einen vortheilhaften Einfluls auf
die Organisation auszuüben. Aehnliche Erscheinungen, nur nicht
in so hohem Grade, zeigt auch die Quelle der Rasenmühle, in
deren sehr großem und tiefem, sehr kaltem, aber im Winter
nieht frierendem Becken besonders Hippuris vulgaris ausneh-
mend kräftig entwickelt ist. — Es genügt hier, die Aufmerk-
samkeit auf diese Thatsache gelenkt zu haben, eine genauere
Beobachtung aber würde gewils nicht ohne Resultat für die
Wissenschaft bleiben.
Diagnosen einiger neuen Gonchylien- Arten
von
HN Anton in Halle.
Die Bekanntmachung einiger neuen Conchylien aus meiner
Sammlung bedarf um so mehr der Nachsicht, als ich den Con-
chyliologen bis jetzt völlig unbekannt bin, und es auch nicht
unmöglich wäre, dals die eine oder die andere Art, trotz mei-
nen ziemlich reichen literärischen Hülfsmitteln, in neuester Zeit
bereits bekannt gemacht wäre.
Ich beabsichtigte eigentlich, den ziemlich speciell ausgeführ-
ten, mit vielen, vielleicht nicht ganz uninteressanten Bemerkun-
gen versehenen Catalog meiner Sammlung drucken zu lassen ;
meine überhäuften Geschäfte machten aber, mindestens für jetzt,
diesen Plan scheitern. Ich mufs es daher dabei bewenden las-
sen, einige neue Arten anzuzeigen.
1. Solen macrodon.
Testa ovali-oblonga, medio eoarctata, inaequilatera; trans-
verse striata, antiquata, striis longitudinalibus obliquis inseul-
ptis; sub epidermide albida; natibus minimis; in valva dextra
dentibus card. duobus, magnis, coaretatis,in valva sinistra rudi-
mento dentis unius. Long. 9”, Lat. 1’ 10”.
Das Epiderm ist grünlich grau, ins gelbliche fallend. Ist we-
der mit Solen coaretatus Gm., noch mit S. coaret. Desh. (Eneyel.) —
wo der Wirbel in der Mitte steht —, noch mit S. sanctae Mar-
thae Chemn., zu verwechseln. Vaterland unbekannt.
2. Lulraria mactroides.
Testa ovali-irigona, subaequilatera, solida, transverse slria-
ta, hiante, albida; dentibus card. in utraque valva quaternis,
fovea magna, recta; intus alba. Long. 3" 1”, Lat. 4”.
*) Ich stelle die Bivalven wie Deshayes, nicht wie Lamarck.
282
Dies Exemplar ist nieht gut gehalten. Es hat noch Reste
eines grünbraunen Epiderms. Muskeleindruck äufserst flach.
Vaterland unbekannt.
3. Mactra diaphana.
Testa ovata-subtetragona, subrostrata, subgibba, pallide-alba,
diaphana, tenui, transverse plicata, plicarum intertitiis tenuis-
sime relieulatis; nalibus minimis; ano ovato-oblongo ; vulva
nulla, Long. 1” 2”, Lat. 1” 7”.
Die Falten dichter und minder flach, als bei M. plicataria;
gegen die Wirbel ziemlich bauchig, an den Rändern zusammen-
geprelst; äufserst dünnschaalig, so dafs die Falten innen eben
so stark hervortreten, als aufsen. Muskeleindruck äulserst flach.
Vaterland: Brasilien.
4. Mactra cojimbensis.
Texta ovali-trigona, solida, subantiquata, transverse subtili-
ter, longitudinaliter subtilissime striata; dentibus lateralibus bre-
vibus, laevibus; intus alba, extus albida cum epidermide ferru-
ginea. Long. 1” 4”, Lat. 1” 9”.
Steht der M. solida sehr nahe, ist aber mehr gerundet, hat
feine Längsstreifen, und kürzere, nicht gekerbte Seitenzähne.
Vaterland: Cojimbo.
5. Amphidesma trigonella.
Testa trigona, albida, solida, transverse dense striata; hati-
bus minimis, curvalis; sine ano et vulva; dentibus cardinali-
bus tribus in valvula dextra, duobus in valvula sinistra, den-
tibus lateral. nullis; intus alba; impressionibus ut ia Mactra
stultorum. Long. 9”, Lat. 11”. Vaterland: rotlies Meer.
Es hat diese Muschel das doppelte Band der Amphidesmen,
die Zähne und den sonstigen Charakter der Eryeinen. Genau
genommen mülste sie ein neues Genus bilden, da die Anzahl der
Zähne nicht mit der von Amphidesma harmoniren. Da aber die
Stellung, besonders aber die Anzahl der Zähne selbst bei ein-
zelnen Arten differirt; so glauble ich genügenden Grund zu ha-
ben, sie zu Amphidesma zu ziehen. Es möge mir vergönnt sein,
hier einige Beispiele von Abweichung der Zähne anzuführen.
Abgesehen davon, dals bei den Geschlechtern Tellina und Psam-
mobia (inel. Psammotaea) im Allgemeinen eine grolse Verschie-
denheit obwaltet, ist besonders die Lage der Zähne bei den ein- i
zelnen Individuen von Cytherea corbicula (inel. C. tripla) Tam.
283
sehr abweichend; die Anzahl der Zähne aber, nach Beispielen
aus meiner Sammlung, unter andern bei folgenden: Suanguinu-
laria rugosa findet sich 1) mit zwei Zähnen in jeder Schaale;
2) eben so, wo aber die beiden grölseren bifid sind; 3) in der
rechten mit zwei, in der linken mit einem einfachen Zahn; 4)
in jeder Schaale nur ein bifider Zahn. Tellina angwlata Linn.
hat bei mir nur einen Zahn in der linken Schaale, die rechte
ist ohne Zähne. Donar epidermia hat in einem Exemplar 3,
im zweiten Expl. 2 Zähne in der rechten Schaale, die linke
zeigt in beiden blos Rudimente. Cytherea arabica Lam., die Var.
bicolor Chemn. hat gar keine Seitenzähne, weshalb dies Exem-
plar unter Venus Lam. zu stellen wäre. Venus flexuosa Linn.
hat bei mir theils in jeder Schaale 2, theils 3 Zähne. Venus
granulata Lam., von der ich 19 Exemplare besitze, jedes in
Zeichnung und Färbung anders, hat 1) 3 Zähne in jeder Schaale,
2) 3 Zähne in einer, 2 in der andern, mit dem Rudiment eines
dritten, endlich 4) 2 Zähne in jeder Schaale. Es mögen diese
Beispiele genügen, mich aber rechtfertigen, wenn ich die obige
Muschel unter Amphidesma stellte, statt ein neues Geschlecht zu
begründen.
6. Tellina tridentata.
Testa ovali, inaequilatera, antice rotundala, poslice suban-
gulata, transverse subtiliter, longitudinaliter subtilissime striata,
alba, obscure roseo zonata et radiata, diaphana; dentibus card.
in valva dextra tribus, terlio plicato-canalieulato, in valva si-
nistra duobus, altero bifido, allero minimo, denlibus lat, nullis;
inlus alba, Long. 1” 1”, Lat. 1” 10”.
Sie steht der Psammobia laevigata Lam. (was übrigens eine
Telline ist) nahe, unterscheidet sich aber durch das Schlofs, und
den selr geraden untern Rand; eben so wenig ist sie mit Tel-
lina nymphalis Lam. zu verwechseln.
7. Donax seminuda.
Testa ovalo-trigona, compressa, Lransverse suleata, antice
sublaevi, longitudinaliter et transverse sublilissime striata;
albido-rosea, lineis roseis et punclis lividis reliculatis pieta;
vulva excavata; in valva dextra dente cardin. uno, in valva
sinistra duobus; dentibus lateral. duobus. Long. 11”, Lat. 1’ 4”.
Der Rand ist gezähnelt, innen ist sie weils, unter den Wir-
bein rosenroth. Die Zahl der Zähne, besonders aber die starken
254
Querfurchen, die auf der vordern Seite verschwinden, unterschei-
den sie von Donax meroe. Nahe steht sie der fossilen Oytherea,
semisulcala Lam., aus dem Grobkalk des Pariser Beckens, kann
aber nicht mit ihr verwechselt werden. Vaterland unbekannt.
Ich stelle übrigens in meiner Sammlung diese Muschel mit
Don. meroe u. scripta Lam., unter Venus Blainv. (Cytherea Lam.)
8. Cyclas maculata.
Testa cordato-obliqua, inaequilatera, fragili, transverse stria-
ta; natibus protuberantibus; epidermide olivacea, nigro macu-
lata. Long. 2”, Lat. 14”.
Sie ist wenig bauchig, vordere Seite sehr breit, sehr un-
gleichseitig. Vaterland: Südamerika.
9. Cyclus modioliformis.
Testa oblonga, ventricosa, rostrata, rostro curvato,. diaphana,
nitida, laevj; natibus minimis, vix conspicuis. Long. 14”, Lat.2'”.
Vaterland: Südamerika.
10. Venus obligua.
Testa solida, oblique-cordata, inaequilatera, umbonibus et
anlice posticeque transverse sulcala, in medio laevi; pallide-
alba, maculis et lineis trigozis brunneis radiatim pieta; nati-
bus obliquis; ano striato, lanceolato; vulva alba, castaneo ma-
eulata; ligamento subinterno ; intus albo -flavicante; margine
erenato. Long. 1” 9", Lat. 2" 2".
Die Furchen bilden fast Lamellen; sie stehen an den Seiten
sehr eng bei einander, über Wirbel und Schild aber sehr ent-
fernt, Mitte glatt. Steht der Venus mercenaria nahe.
Vaterland unbekannt.
ll. Venus impressa.
Testa cordata-trigona, latere postico productiori, transverse
sulcala, posliee longitudinaliter striata et cancellata; umboni-
bus magnis; natibus obliquis; ano et pube valde impressis;
dentibus cardinalibus in utraque valva duobus, dentibus lat.
nullis; margine laevi; intus alba, c. radio rosaceo, extus ei-
nerascens cum radiis tribus olivaceis; natibus roseis. Long. 11”,
Lat. 1’ 3”.
Von Cyth. flexuosa Lam. unterscheidet sie sich durch die
nicht gekielte hintere Seite, durch den nicht gekerbten Rand, »
durch die tiefere Einpressung von Anus und Vulva, durch die
zum Theil gegitterten und enger stehenden Furchen, durch den
285
iawendig befindlichen rosenrothen Strahl vom Wirbel zum Rand.
Dafs sie in jeder Schale nur 2 Zähne hat, ist kein Grund, sie
aus dem Geschlecht Venus zu entfernen, da auch Venus flexuosa
mit 2 Zähnen vorkommt. Vaterland unbekannt *).
12. Perna quadrata.
Testa longitudinali-subquadrata, compressa, sine rostro; na-
tibus minimis, dentibus octo, intus violascente, extus rubro-
violascente. Long. 1’ 3”, Lat. 11”.
Der Schlofsrand und die beiden Seitenränder sind gerade,
der untere ist abgerundet. Der Rand um den Muskeleindruck
ist violett-schwarz. Vaterland: Californien.
13. Anomia aenigmatica.
Testa membranacea, ovali-oblonga, inaequivalvi, inaequila-
tera, fragili, diaphana, concentrice subtilissime striata; valva
superiore opereuliformi, plana; vertice incumbente, laterali;
valva inferiori alveata, affısa; supra rubra, infra argentea.
Long. 6", Lat. 1” 1”.
Tellina aenigmatica. Chemn. 11r Bd. Taf. 199. f. 1949. 1950.
Chemnitz kannte blos die obere Schale. Dieser sorgfäl-
tige Beobachter würde sie sonst gewils gleich als eine Anomia
Linn. erkannt haben. Die obere Schale ist weit schmäler, so
dafs die untere weit übersteht, und sich nur in der Nähe des
Wirbels die Ränder beider Schalen berühren, an welcher Stelle
zugleich ein kleiner Einschnitt ist. Ich wagte nicht, diese Mu-
schel zu öffnen, um sie, bei ihrer äufserst zarten Natur nicht
der Gefahr des Zerbrechens auszusetzen.
Vaterland, nach Chemnitz: Ostindien **).
14. Parmophorus gibbosus.
Testa oblonga, rostrata, gibbosa, tenui, diaphana, albida;
‚striis concentricis; marginibus acutis; a vertice ad marginem
anteriorem suleis duobus, ad marg. posteriorem sulco uno; intus
medioeriler concava; cum sinu plano ad marginem anteriorem,
carina ad marginem posteriorem. Long. 1” 1", Lat. 7”.
Die gebogene ee Belketige Form, und der Kiel an der
hinteren Seite unterscheiden sie genügend von andern bekann-
*) Die Exemplare der hiesigen Sammlung stammen aus dem indi-
schen Ocean. Herausg.
*"") Daher stammen auch unsere Exemplare. Herausg.
286
ten Arten, Vaterland unbekannt. — Ich verbinde übrigens das
Genus Parmophorus nach Sowerby mit Emarginula, da die
schönsten Uebergänge beide Gattungen verknüpfen.
Ich bleibe, mit Ausnahme des Parmophorus bei den Con-
chiferen stehen, und gebe, die Diagnosen neuer Mollusken in
einer späteren Zeit. Erwähnen wollte ich nur noch schliefslich,
dafs die Patella mamillaris Lam. eine Siphonaria ist, was bis
jetzt noch Niemand bemerkt zu haben scheint. Eine Menge sol-
cher uad ähnlicher Notizen befinden sich in meinem Catalog,
mit deren Aufzählung ich aber zurückhalten mußs, soll ich nicht
befürchten, lästig zu werden.
Halle im November 1836.
Bemerkung über das Thier. der Argonauta
von Range.
(Sitzung der Akademie zu Paris d. 30. Jan. 1837. Instit. Nr. 195.)
Her Rang bestätigt die Angabe der Mils Power, dafs dieses
Mollusk die Fähigkeit besitze, einen Schaden seines Gehäuses
auszubessern; er beobachtete im Hafen von Algier ein Indivi-
duum, welches mit zerbrochener Schale 6 Tage lang lebte. In
dieser Zeit war das Gehäuse ausgebessert und vollständig ge-
‚ schlossen. Gleichwohl scheint ihm diese Entdeckung nicht als
entscheidender Beweis dafür zu dienen, dafs der Bewohner der
wahre Eigenthümer des Gehäuses ist. Das erselzte Stück ist
nur eine dünne, durchsichtige Lamelle, welche weder die Tex-
tur, noch die Festigkeit und Weilse der übrigen Schale besitzt.
Es hat eine unregelmälsige Gestalt, als ob es nicht durch die-
selben Organe hervorgebracht wäre, kurz es hat hier derselbe
Vorgang Statt, wie bei den Schnecken, wenn deren Gehäuse
zerbrochen ist; und man weils, dafs in letzterem Falle es die
Halskrause des Thieres ist, welche allein die Schale produeirt
hat, bei dessen Ausbesserung aber nicht mitwirkt. — Hr. Rang
. 287
suchte ‚die eigentliche Function der elliptischen, sehr ausdehn-
baren Lappen, welche am Ende zweier Arme befindlich sind,
zu erforschen. Dafs das Thier sich ihrer zum Segeln bediene,
wie man angegeben, fand er an lebenden Exemplaren, die er im
Meere und auf einem Wasserbecken beobachtete, nicht bestätigt.
Mehrere Schriftsteller (früher auch der Verf.) haben das Thier ver-
kehrt in seinem Gehäuse dargestellt. Die beiden gelappten Arme
sind imnier hinten, d. h. sie liegen nahe am Gewinde desGehäuses.
Hr. R. betrachtet den Theil ‚des Thieres, den sie vorn begrän-
zen, als die Bauchseite, und den entgegengesetzien Theil, wel-
cher den Sack und die zu den Kiemen führende Spalten be-
greift, als die Rückenseite *). Wenn das Thier kriecht, lassen
die gelappten Arme das hintere Armpaar vermissen, denn sie
endigen nach hinten die Bauchscheibe. Hr. R. beobachtete, dafs
diese gelappten Arme von ihrem Austritt aus der Schale an,
sich umfassen, indem sie sich längs den beiden Seiten des Kieles
hin erstrecken, während ihre häutigen Lappen sich an den Sei-
tenflächen der Schale entfalten, die sie bis zum Rande der Mün-
dung völlig bekleiden. Fragt man, wie es der freien Bewegung
seiner Arme beraubt, sich zur Oberfläche des Meeres erheben
könne, so geschieht dies einfach auf dieselbe Weise, wie bei Octo-
pus, Sepia, Loligo u. s. w. durch Ausstofsen und Aufnehmen des
im Sacke enthaltenen Wassers, wodurch eine zuweilen sehr
rasche Bewegung von vorn nach hinten hervorgebracht wrird.
Wenn eins dieser Thiere am Grunde des Beckens kroch, hatte
es ganz das Anschen eines kammkiemigen Gasteropoden. Die
Mundscheibe, welche leicht einer ziemlich grofsen Ausdehnung
- fähig ist, war wie der Fuls eines Gasteropoden ausgebreitet.
e Be zeigte sich der Kopf mit seitlichen Augen und Tenta-
keln versehen, der Körper darüber verbarg sich in ein Gehäuse,
dessen äufserer Rand vorn den dem After entsprechenden Trich-
ter schützte, welcher, ähnlich der Athemröhre der Kammkiemer,
maclı aufsen hervorragte, Die beiden vordersten Arme stellten
die Fühler vor, die vier seitlichen Arme die fühlerähnlichen
*) Der Verf. hat dabei, wie aus dem Folgenden erhellt, die ziemlich
ferne Analogie der Gasteropoden im Sinne, deren Bauchscheibe er den
von ibm als Bauchseite betrachteten Körpertheil später vergleicht.
288
Anhänge, welche bei Monodonta, Litiopa sich während der Be-
wegung des Thiers um dasselbe schlängeln. Die beiden hinte-
ren Arme endlich liefsen, indem sie mit ihren Lappen die beiden
Seiten der Schale bekleideten, nur einen schmalen Zwischen-
raum zwischen sich auf der Linie des Kieles. Aber diesmal
wurde seine sehr langsame Bewegung von hinten nach vorn be-
werkstelligt. Wurde das Thier durch irgend etwas beunruhigt,
so trat sogleich das Ganze in das Gehäuse zurück, welches da-
durch sein Gleichgewicht verlor, und sich umkehrte. Hr. Rang
macht dann auf die Verwandtschaft zwischen Cephalopoden und
Gasteropoden, welche einerseits durch Argonauta, andrerseits
durch Carinaria und Atlanta bewerkstelligt werde, aufmerksam.
Endlich scheint es ihm, als ob die Kenntnils von der eigentli-
chen Function der lappigen Arme die Ansicht derer bekräftige,
welche das Thier als den Urheber des Gehäuses ansehen. Wel-
che Folgerungen werde man nicht gern ableiten 1) aus den so
genauen Beziehungen zwischen dem Thiere und dem Gehäuse,
2) aus der Gestalt der Lappen, welche sich bei keinem andern
Cephalopoden, sondern nur bei den Thieren der Argonauten-
Arten finden, und bei keiner der bekannten fehlen, was hinrei-
chend beweise, dals diese Einrichtung eigens für das Gehäuse ist;
3) aus dem Gebrauche dieser Lappen als eines das Gehäuse be-
deckenden Mantels, indem diese Lappen unnöthig sein würden,
wenn das Thier nicht von seiner Geburt an ein Gehäuse gehabt
hätte, endlich 4) aus der merkwürdigen Färbung des Grundthei-
les dieser gelappten Arme, welche sich so vollständig an der
entsprechenden Stelle des Gehäuses wiederholt.
rs
Einige Blicke auf die Entwicklungsgeschichte des
vegetabilischen Organismus bei den Phanerogamen
Dr. M. J. Schleiden.
\
’
(Hierzu Taf. VIL.)
Nullo modo generationem explicasse, judicare pos-
sum, eos, qui ne ullam quidem partem, ‚ne ullum
attributum quidem corporis ex iraditis suis princi-
püs explieuerunt, sed sermones saltem de ea re fe-
cisse, utcungue doctos, veros et elegantes.
€. Fr. Wolff Theoria generationis.
Wem es sich auch nicht in Abrede stellen läfst, dals schon
Linne€ die Metamorphose der Pflanzen ziemlich klar ‚aufgefalst
hatte, so ist es doch eigentlich Göthe, von dem an die höhere
Botanik die Einführung ‚dieser Lehre in die Wissenschaft datirt.
Aber schon lange vor Göthe hatte der geniale C. Fr. Wolff
gezeigt, was sich mit dieser Idee anfangen lasse; er wurde. aber
leider von Botanikern kaum gelesen, gar nicht verstanden und
bald vergessen. So überkam die Wissenschaft zu ihrem grolsen
Nachtheil nicht von ihm, sondern von Göthe diesen Gedanken,
der so fruchtbar für sie hätte werden können, und doch in Folge
der Art, wie Göthe ihn einführte, verhältnilsmäßig so wenig
genutzt hat.
f Verstehen wir nämlich unter Metamorphose, die Thalsache,
dafs die Pflanze nur eine gewisse geringe Anzahl, diflerenter
Organe habe, und dafs sich alle übrigen von diesen Grundorga-
nen nur dynamisch so unterscheiden, dafs in ihnen die Tendenz
liegt, eine bestimmte eigenthümliche Aus--und Uml#ldung, zu
erleiden, welche Tendenz aber nicht so absolut ist, dafs sie nicht
unter Umständen unterdrückt werden und die gewöhnliche Er-
scheinungsform des Organs wieder eintreten könne; — legen
wir, sage ich, diesen Begriff zum Grunde, so ist für sich klar,
dals eine solche Lehre die withtigsten Resultate für die ganze
III. Jahrg. 1. Band. 19
290 /
Wissenschaft haben müsse, und ihr eine innere Einheit geben
könne, deren sich noch keine empirische Naturkunde erfreut, —
wenn nämlich dieser Gedanke sich auch als in der Wirklichkeit
begründet nachweisen läfst und dann auch nur so weit, als die-
ses möglich ist; denn was von der Sache nicht in der Natur
selbst vorhanden und sinnlich anschaulich verfolgt werden kann,
ist auch kein Gegenstand der wahren Naturwissenschaft, und
kanı nie dazu dienen, unsere Erkenntnils der Erfahrungswelt
in ihrem Wesen zu fördern.
Den einzig richtigen Weg, die Beobachtung der Entwicke-
lungsgeschichte, halte nun C. Fr. Wolff eingeschlagen und für
den gröfsten Theil der Foliartheile ihre Identität recht gut nach-
gewiesen. Er wurde aber ignorirt, und erst Göthe führte die
Lehre von der Metamorphose in die Wissenschaft ein, aber nicht
als eine Abstraction aus erfahrungsmäfsiger Anschauung des Ent-
wieklungsganges, sondern als speculatives Resultat der Ver-
gleichung der verschiedenen Formen des Entwickelten. Nun
kann allerdings eine solche Vergleichung wohl dazu führen, uns
ein Gesetz ahnen zu lassen, aber nie dahin, es vollständig zu
begründen. Göthe selbst sagt anderswo:
„Alle Gestalten sind ähnlich, doch keine gleichet der Andern;*
„Und so deutet der Chor auf ein geheimes Gesetz. *
Auf diese Weise empfingen die Botaniker ihre wichtigste
und folgenreichste Lehre mit einem falschen Empfehlungsbrief
nur als eine philosophische Idee, und ziemlich! allgemein scheint
sich damit auch der Glaube eingenistet zu haben, dafs ein Nach-
weisen des Wahren in dieser Lehre gar nicht thunlieh sei. —
Zwar machte später ein Mann, der ebenfalls, wie Wolff, kein
Botaniker war, ich meine Francis Bauer, wieder Gebrauch
von der allein richtigen Methode, indem er einzelne Organe bis
auf ihren ersten Anfang verfolgte, um so ihre eigentliche Natur
aufzuklären, aber leider sind seine Untersuchungen zu wenig be-
kannt geworden, und kaum von Jemand anders als von Rob.
Browu mit Glück benutzt.
So bildete sich denn in der wissenschaftlichen Botanik all-
mälich eine eigene Abtheilung aus, nämlich die Lehre von der
Metamorphose, oder über die morphologische Bedeutung der
Pflanzenorgane, und diese wurde nächst dem Felde, auf dem
{
|
' heraus gestattet, nach unten aber
291
sich die ausgezeichnetsten Männer mit Ruhm bedeckten, zugleich
auch recht eigentlich der Spielplatz für alle Freunde vom Räth-
selrathen, für Träumer und Paradoxenkrämer, auf dem oft die
allerwunderlichsten Sachen ausgeheckt wurden, die man wohl
gar mit dem stolzen Namen Philosophie, oder Speculation be-
legte. — Speculation aber, die ächte nämlich, hat nur da ihr
Gebiet, wo die Erfahrung nicht hinreicht, macht sie sich aber
unnütz breit und will an die Stelle der Anschauung treten, so
thut man apı besten, ihr, als einem überlästigen Gaste, die Thüre
zu weisen. Um wie vieles könnten wir weiter sein in Allem,
und se!bst in den speculativen Wissenschaften, wenn die Specu-
lation nicht so oft ihre beste Zeit und besten Kräfte an Plätzen
verschwendete, wo man ihrer gar nicht bedarf, ja ohne sie viel
besser fertig wird. Gerade bei der Lehre von der Entwicke-
lungsgeschichte liegen die Beispiele dafür nur allzu nahe.
Soll die Bearbeitung dieser Lehre aber Erfolg haben und
soll sie in allen Theilen fest begründet sein, so darf man sich
freilich nicht damit begnügen, etwa mit einer Bohne anzufan-
gen, die sich bequem im Vetturino auf einem ifer italicum mit
dem Taschenmesser analysiren läfst, sondern man muls viel wei-
ter zurückgehen auf den ersten Ursprung des Embryo. — Am
reifen Saanıen zeigt die junge Pflanze schon so mannigfache Or-
gane, dafs hier der blofsen Träumerei ein Feld geöffnet wird,
weit genug, um alle folgenden Betrachtungen vage und unsicher
zu machen.
Beim ersten Auftreten erscheint nun der Embryo, als ein
membranöser Cylinder (Fig. 9 u. 13.) nach oben abgerundet und
eschlossen, nach unten offen, indem die Haut, die ilın bildet,
stetig in die des Embryosackes übergeht (von dem er nur eine
Einstülpung zu sein scheint) und erfüllt mit organisirbarer, meist
wasserheller flüssiger Masse, die sich allmälich von oben nach
unten in Zellen verwandelt (Fig. 6 u. 10.), wobei sich die bei
der Zellenbildung überall eine höchst wichtige Rolle spielenden
Zellenkerne zeigen (Fig. 12 u. 24.). Hier findet nun gleich eine
wesentliche Erscheinung im Pflanzenleben ihre Deutung. Der
Embryo tritt nämlich auf als ein Axengebilde, welches nach
oben geschlossen nur eine ehe "ee von innen
icht begrenzt ist und
19°
292 ’
und durch Ausscheiden organisirbaren Stoffes und dessen allmä-
liches Uebergehen in Zellen eine blofse Verlängerung ins Un-
endliche zulälst, woraus sich einfach der so verschiedene Wachs-
tham des Stengels und der Wurzel der Richtung sowohl, wie
der Art nach zu erklären scheint. — Auf der zweiten Stufe der
Fortbildung schwillt nun das obere Ende des Keimes kugelför-
mig an (Fig. 6, 7, 11, 12, 14 u. 15.) und aus den Seiten der Kugel
entwickeln sich mit mehr oder weniger deutlichem Freiblei-
ben der Spitze*) (Fig. 16 u. 17.) bei den Dikotyledonen die
beiden Herzblätter, als zwei zellige Auswüchse, in denen, wie im
Stengel selbst, immer erst sehr spät die länger gestreckten Zel-
len und Spiralgefälse sich bilden und zwar auf eine Weise, die
schon von C. Fr. Wolff im Wesentlichen ganz richtig geschil-
dert worden. Bei den Monokotyledonen dagegen bildet sich
um die Spitze des eylindrischen Embryo’s eine ungleichseitige
Erhebung (Fig. 8.), die zum stengelumfassenden Kotyledonarblatt
auswächst, welches späterbin die Terminalknospe (plumula)' mehr
oder weniger einschlielst **). Mit diesem Vorgang ist nun die
zweite und höchste Differenz gegeben, zu der sich die Pflanze
überhaupt erhebt, nämlich der Gegensatz zwischen vertikaler
Längsbildung und horizontaler Flächenausbreitung. Alle folgen-
den Entwickelungen der Pflanze, alle ferneren Organe sind nun
*) Punetum vegetationis nach C. Fr. Wolff.
**) Aus diesem Entwickelungsgange ergiebt sich, dals nrsprünglich
jeder monokotyledone Embryo eine plumula exserta hat und dals, wo
dieselbe eingeschlossen wird, überall eiue Spalte, wenn auch noch so
klein, vorhanden sein mufs. Zu den Familien mit einer plumula exserta
zählt man gewöhnlich auch die Gräser, welche aber durchaus nicht
hierher gehören. Die Plumula bei dieser Familie wird nämlich voll-
ständig durch eine Erhebung des Kotyledons bis auf eine schmale
Spalte eingeschlossen (das äulsere geschlossene Blatt der Auctoren), und
dieser Theil des Kotyledons wiederholt sich, wie jede Eigenthümlichkeit
desselben, an den spätern Blättern durch ein analoges Gebilde, die Zigula,
während das sogen. seutellum, die eigentliche Hauptmasse des Kotyle-
dons, dem Blatte selbst entspricht. Zuweilen faltet sich nun der Ko-
tyledon noch einmal zusammen wie bei Zea Mays, was man ganz falsch
der Spalte des Kotyledons bei den Aroideen verglichen hat, oder er
bildet nach vorn kleine Auswüchse, die aber schon deshalb nicht als
zweite Kotyledonen betrachtet werden können, weil sie tiefer mit der
Axe zusammenhängen, als der Kotyledon selbst. Ein zweites Blatt kann _
sich aber unmöglich unterhalb des frühern bilden. \
293
nur Modificationen dieser beiden Theile der Axe, des Stengels,
und der seitlichen Organe, der Blätter. Dieser Gegensatz er-
scheint also als etwas Ursprüngliches, ja die Axe ist sogar früher
vorhanden als die Kotyledonen, und damit ergiebt sich sogleich
die Verkehrihieit der Ansicht, den Stengel als verwachsene Blatt-
stiele und die Terminalknospe als eine axillare anzusehen, wie
es z. B. Agardh ihut. Die wichtigsten Verschiedenheiten der
Cotyledonen wiederholen sich nun auch bei den Blättern, die
nur Nachbildungen jener sind, so findet man z. B. bei Stapelien,
wo die Blätter verkümmert sind, auch die Kotyledonen nur sehr
klein, und bei Cusenta deutet schon der kotyledonlose Embryo
den spätern Habitus der Pflanze an. Der grofsen Uebereinstin-
mung des Kotyledons und der Blätter bei den Gräsern wurde
schon in der Note’ erwähnt. h
Einen eigenen interessanten Abschnitt dieser Untersuchun-
gen bildet nun die Verfolgung der Gesetze der Blattstellung, wie
sich aus den ursprünglich opponirten und durchaus gleichzeitig
erscheinenden Kotyledonen die mannigfachen Verhältnisse der
Laubblätter entwickeln, bis sich die Natur endlich am Ende der
Pflanze häufig wieder zu ihrem ursprünglichen Typus zweier
opponirter Blätter zurückzufinden scheint. Doch dieses würde
mich zu weit über die Grenzen dieser kurzen Bemerkungen hin-
ausführen.
Ueber die Bedeutung von Kelch und Blumenkrone, als
Blattorganen, brauche ich hier nichts zu sagen, da sie allgemein
anerkannt ist. Nur bemerke ich, dafs bei allen sogenannten ein-
blätterigen Kelchen und Corollen die später verwachsenen ein-
zelnen Theile bei ihrer Entstehung überall ohne Ausnahme ge-
sondert sind, und ihre freie selbstständige Existenz lange genug
fortsetzen, um jedes Räsonnement, über die Zahl der einzelnen
Stücke völlig überflüssig zu machen, da es Sache der Untersu-
ehung ist, dieses mit Evidenz nachzuweisen. Auch erscheint
jede Blume in ihrer ersten Anlage ebenfalls durchaus ohne Aus-
nalıme, als regelmälsig und der Abort, mit dem so entsetzlicher
Milsbrauch getrieben ist, besonders che man anfing, besser auf
die Mannigfaltigkeit der Zahlengeselze zu achten, die bei den
Blattstellungen stattfinden, ist daher überall unbegründet, wo er
sich nicht in der Wirklichkeit nachweisen lölst.
294
Die Euphorbien hat man, weil man die Entwickelung
nicht verfolgte, ganz ungerechter Weise auf ein Pflichttheil ge-
setzt, statt ihnen ihr Intestaterbe ungeschmälert zu lassen. Das
Involucrum derselben bildet sich nämlich nicht aus 5 Blattstük-
ken, sondern aus 2 fünftheiligen Wirteln, von denen der äufsere
die sogenannten Drüsen entwickelt; diese zeigen auch sogar
früher, als die fünf innern Blätter, einen Mittelnerven mit deut-
lichen Spiralgefäfsen, die daher nicht von jenen, als vasa recur-
rentia, abgeleitet werden können. Für die ursprüngliche Regel-
mälsigkeit der Blüthe giebt es kein besseres Beispiel, als die
Gräser, deren Blüthe nachher durch ungleichseitige Entwicke-
lung, Verwachsung und Unterdrückung einzelner Theile so sehr
verdreht wird, dafs man an ilir alle möglichen Erklärungen,
aber wohl kaum die in der Natur begründete versucht hat. Bei
secale cereale z. B. besteht die Spicula aus einer seitlichen rachis,
an der sich ohngefähr 5 alternirende Blüthen bilden. An diesen
bleiben die obern drei mit dem ihnen angehörigen Stücke der
Axe gänzlich rudimentär, die beiden Untern dagegen werden
anfänglich vollständig regelmäfsig entwickelt. In der Achsel
einer jeden Bractee nämlich (gluma Auct.) findet sich eine Blu-
me, bestehend aus drei ganz getrennten, gleich grolsen
und auf gleicher Höhe stehenden Kelehtheilen, wovon die
zwei innern allmälich verwachsen und mit der äulsern, über-
mälsig vegetirenden die spätern paleas Auct. bilden. — Natürlich
zeigt die innere dann die beiden Mittelnerven der anfangs ge-
trennten Blätter. Mit diesen Kelchtheilen alterniren 3 Corollen-
blätter (squamulae Auct.), einem innern Kreise angehörig und
ebenfalls auf gleicher Höhe stehend, von denen erst später das
der Axe zugewendete wegen des Druckes abortirt. Ferner mit
diesen Blumenblättern ganz regelmälsig abwechselnd findet
man 3 Staubfäden, von denen aber die beiden innern, jedoch
erst später, gleichfalls durch den seitlichen Druck mehr zur Seite
des Fruchiknotens geschoben werden. Endlich kann sich die
Basis der ganzen Blume, der sehr kurze pedunculus, wegen des
Andrängens an die secundäre Rachis nicht horizontal ausdehnen
und mufs daher an der innern Seite in die Höhe steigen, wo-
durch die der rachis spieulae zugewendeten Theile der Blume
eine obwohl nur scheiubar höhere Stellung, als die äufsern an-
-
295
nehmen. Auf diesem Wege werden sich die anscheinend so sehr
verwickelten Gräser vielleicht höchst einfach erklären lassen.
Geben wir nun zu den Staubfäden über. Diese sind ei-
niger Worte mehr werth, weil einige (unter andern Agardh,
jedock nach C. Fr. Wolff, den er aber nicht anführt, obwohl
er ihn doch sonst recht gut kennt) ihnen die Bedeutung von
Knospen haben beilegen wollen, und man auch über die Anthe-
renbildung noch nicht allgemein ganz einig ist.
Dafs die Stamina modifieirte Blätter sind, ist nun ebenfalls
aus ihrer Entwicklungsgeschichte deutlich, denn sie erscheinen
stels später, als die pefala (obwohl sie sich nachher rascher
entwickeln), stehen im Anfang, wo sich wegen Kleinheit der
einzelnen Theile die relativen Verhältnisse deutlicher beobachten
lassen, höher an der Axe, als der vorhergehende Kreis der Blu-
menblätter und mit diesen durchaus immer alternirend *), und
können deshalb nicht Axillarknospen der Kelchtheilc sein.
Die Falschheit der Agardi’schen Ansicht geht auch schon
einfach aus einer Betrachtung der Blumen hervor, wo das In-
ternodium zwischen petala und stamina vollständig entwickelt
ist, wie bei einigen Capparideen.
Es besteht nun das regelmälsig entwickelte Blatt aus einer
Mittelrippe und an beiden Seiten aus einem doppelten Zellge-
webe, zwischen dem die Nerven verlaufen. Daraus bildet sich
natürlich eine Anthere, deren oberes und unteres Zellgewebe **)
*) Bei einigen Familien bestehen (wie es bei den Staubfäden so
häufig ist) auch die petala und sepala, oder sorstigen Perigonial-
theile aus mehr, als einem Blattkreis z.B. bei den Berberideen aus
je 2 3-blättrigen, bei den Thymeleen aus 2-blättrigen Kreisen, und man
kann daber hier eben so wenig von Opposition sprechen, als bei den
Liliaceen ete.; wo wahre Opposition des äulsern Staubladenkreises
gegen den innern Kreis der petala Statt findet, wird sich immer ein
dazwischenliegender Staubfadenkreis als abortirt ergeben.
**) Das normale Blatt zeigt bekanntlich auf der obern und untern
Blattfläche verschieden gebautes Zellgewebe und diesem entspricht der
Pollen der vordern und hintern Zelle jedes Loeulaments. Es wäre mög-
lieh und gewils nicht uninteressant, durch Experimente auszumachen, ob
vielleicht der Pollen einer von beiden, nur der Form nach Pollen sei,
und bei der Befruchtung sich verschieden verhalte, oder gar bei Diöci-
sten die eine Art vorzugsweise männliche, die andere weibliche Em
bryonen hervorrufe.
296 ‚
zu beiden Seiten des Hauptnerven sich in Pollen verwandelt,
also eine 4-zellige Anthere, die wir auch als allgemeines Gesetz
antreffen. Bei mehr als 100 Familien fand ich die Anthere vor
dem Aufspringen 4-zellig und darunter sind die Gräser, Cy-
peraceen, Liliaceen, Labiaten, Borragineen, Scrophu-
larinen, Synanthereen, Umbelliferen, Ranunculaceen
mit den Verwandten, Rosaceen (Juss.) und Leguminosen, wel-
che allein schon fast die Hälfte der ganzen irdischen Vegetation
ausmachen. Man führt häufig an, die Anthere könne nicht ur-
sprünglich 4-zellig sein, weil sie nur mit 2 Spalten aufspringt;
das hiefse, zwei Zimmer für eins erklären, weil sie nicht Flü-
gelthüren, sondern nebeneinanderliegende einfache Thüren haben.
Eigentlich springt jede Anthere wirklich mit 4 Spalten auf, die
aber, weil sie je 2 an der Seite der gemeinschaftlichen Scheide-
wand liegen, nur wie zwei erscheinen. Der Unterschied zwi-
schen 4-fächrigen und 2-fächrigen Antheren der beschreibenden
Botanik besteht (die Antherae dimidiatae und wenige andere aus-
genommen) einzig darin, ob sich die Klappen etwas früher oder
später von der Scheidewand losreilsen, wo man denn hinsicht-
lich des Zeitpunkts alle möglichen Uebergänge beobachten kann.
Nur selten scheint die ursprüngliche mittlere Schicht nicht
entwickelt und dann auch die Trennung in je 2 seitliche Zellen
nieht vorhanden. Noch seltener entwickelt sich nur die eine
seitliche Hälfte des Blattes zur Anthere und die andere bleibt
blattartig, wie es bei den Marantaceen Typus ist und sehr
häufig, als Monstrosität, bei Umwandelung der Blumenblätter in
Staubfäden, oder dieser in pefala beobachtet wird. In beiden
Fällen beweist aber der Verlauf der Oberhaut unwidersprechlich,
was auch schon die Entwickelungsgeschichte ergiebt, dafs sich
der Pollen im Innern des Blattes bilde, dafs also die Anthere
nicht als ein rückwärts, oder vorwärts eingerolltes Blatt zu be-
trachten sei, welches auf seiner Fläche den Pollen erzeugt.
Verfolgen wir die Anthere bis zu ihrem ersten Erscheinen,
so finden wir, dafs alle in ihren früheren Zuständen dieselbe
Formenreihe durchlaufen und dafs alle so abweichenden Erschei-
nungen bei Orchideen, Asclepiadeen, Cucurbitaceen,
Stylideen etc. nur spätere Entfaltungen desselben Grundtypus
sind und nur physiologisch unwvesentliche Modificationen auf
297
einem Gebiete, auf dem sich die Natur, wie überall, wo es sich
nur um äufserliche Formendiflerenzen handelt, das bunteste Spiel
der Mannigfaltigkeit vorbehalten hat.
Die Ausbildung des Pollens geschieht run auf die Weise,
dafs sich die vier für den Pollen bestimmten Zellengruppen’ von
dem übrigen Gewebe des Blattes absondern, ihre einzelnen Zel-
len sich vergrößern und im Innern jeder derselben sich wahr-
scheinlich meist vier andere Zellen bilden, in deren jeder ein
Pollenkorn erzeugt wird, worauf die Mutterzellen sammt und
sonders resorbirt werden. Oft scheinen sich auch die 4 Pollen-
körner'in einer Zelle zu entwickeln, wenn man nicht annehmen
will, dals die zarten sie eng umschlielsenden Zellen nur über-
sehen worden sind. Zuweilen, obwohl selten, finden sich nur
zwei Pollenkömer in der größsern Mutterzelle z. B. bei Podo-
stemon Ceratophyllum, die denn nachher beide aneinanderhängend
bleiben (Fig. 29 u. 30.). Doch ist die Vierzahl gewifls der all-
gemeinere Fall, woraus sich das so häufig vorkommende pollen
quaternarium erklärt.
Geschieht indels die eben erwähnte Resorption der Mutter-
zellen nicht, oder nicht vollständig, so zeigt sich eine eigen-
thümliche Hemmungsbildung, die, typisch bei Orchideen und
Asclepiadeen, den Botanikern so viel zu schaffen gemacht
hat, während die Sache doch ganz einfach die ist, dafs die Pol-
lenentwickelung in einem frühern Stadium stehen bleibt. Man
kann dieselbe Erscheinung, als vorübergehende Bildungsstufe, z.B.
im Januar und Februar bei Picea und Abies, im Februar und
März bei Pinus beobachten, wo in jedem Antherenfach eine
wachsarlige Polleumasse lose eingebettet liegt. Etwas später
sieht man bei Picea und Abies noch die 4 Zellen, in denen sich
die einzelnen Pollenkörner befinden, eng verbunden, und es ge-
währt ein hübsches Schauspiel, wie sich dann auf dem Objekt-
träger des Mikroskops durch Einsaugung des Wassers jedes Pol-
leukorn ausdehnt und seine Hülle sprengt, um hervorzulrelen,
worauf die 4 Zellen leer zurückbleiben (Fig. 25 bis 28.).
Auf diese Weise erkennen wir in der Anthere nur eine Ent-
wickelungsstufe der seitlichen Organe der Pflanze.
Gehen wir nun weiter, so treflen wir zunächst auf den
Fruchtknoten, den Endpunkt des ganzen vegetabilischen Or-
298
ganismus. ‘In ihm sind alle constituirenden Theile so eng zusam-
mengedrängt, dafs die Unterscheidung äufserst schwer erscheint,
und hier ist denn auch der weiteste Spielplatz für Hypothesen
aller Art gewesen, ja manche haben es selbst bis zu den exorbi-
tantesten Träumereien gebracht, weil sie statt zuzusehen, sich
aufs Rathen legten, wobei freilich zuweilen auch ganz zufällig
das Rechte getroffen wurde, wofür Agardh’s Organographie
eine Reihe der vortrefflichsten Beispiele liefert.
Nach der gewöhnlichen, jetzt ziemlich allgemein angenom-
menen Ansicht besteht das Ovarium aus Knospen (ovulis),
die an den Rändern von Blättern (carpellis) sich bilden.
Prüfen wir einmal diese Ansicht von dem gewöhnlichen
Standpunkte aus, so ergiebt sich leider eine logische Mangelhaf-
tigkeit des Räsonnements, welche diese Ansicht allein hinstellen
nnd haltbar finden konnte. Es ist dies nicht der einzige Fall,
wo sich in die Wissenschaft eine ganz unbegründete Annahme
vor Jahren Eingang verschafft hat, und durch Tradition fortge-
pflanzt gleichsam als heilig und unantastbar angesehen worden
ist, so dafs es keiner gewagt hat, der angeblichen Gottheit den
Schleier zu entreifsen und zu zeigen, dafs es nur eine hohle,
selbst-geschnitzte Puppe sei, die man angebetet. Man scheint
sich immer vor den hohen Autoritäten gefürchtet zu haben, die
eine solche Lehre zuerst einführten, während doch in der Natur-
kunde die einzig gültige Autorität die Natur selbst ist und alle
andern nur als Zeugenaussagen über Thatsachen einen Wertli
gewinnen, wo man sie selbst nicht befragen kann.
Betrachten wir den garzen Complex der Pflanzenwelt, so
finden wir es als durchgreifendes Gesetz, dafs sich niemals eine
Knospe an einem Blatte bildet, sondern nur an der Axe und
den von ihr abgeleiteten Organen. Sieht man nun die Ovula
als Knospen an, so hätte man auch consequent weiter schliefsen
müssen, dafs die Placenta eine umgebildete Axe sei. Was hat
man aber, um diese einfache und nothwendige Folgerung um-
zuwerfen, angeführt?
1) Die bekannte Erscheinung bei Bryophyllum ;
2) Eine zweimal beobachtete monströse Gemmenbildung an
dem Blatte einer Malaxis und eines Ornithogalum.
Der letzte Fall ist eben eine Abnormität und daher am we-
\ 299
nigsien geeignet, eine Regel zu begründen, die allen bekannten
Ersebeinungen widerspricht, auch wird er in dem später vorzu-
tragenden, ebenso wie der folgende, seine genügende Erklärung
finden. Der erste Fall aber ist eine singuläre Ausnahme, wovon
noch dazu sehr zweifelhaft ist, ob es wirklich eine Ausnahme
sei oder ob nicht vielmehr das angebliche Blatt von Bryophyl-
lum ein blattartig ausgebreiteter Stengel ist. Seit wann sind
aber solche Gründe genügend, um eine allgemeine Regel, die
natürlich aus dem Prineip der Einheit folgt, umzustofsen? Es ist
ferner ein bekannter Satz der Logik, dafs eine Hypotliese um
so melhr gerechifertigt erscheint, je leichter sie alle Erscheinun-
gen erklärt, und je weniger sie Hülfshypothesen zu ihrem Be-
stehen bedarf. Nun aber frage ich, um gleich einen extremen
Fall zu nehmen, welche abnorme Voraussetzungen erfordert nicht
nach der gewöhnlichen Ansicht die Erklärung der ächten pla-
cenla centralis libera z. B. bei den Plumbagineen (Fig. 20
bis 23.); hier hätten sich 5 Carpellblätter eingebogen, wären mit
den Rändern verwachsen, hätten sich dann von ihren Rändern
getrennt, wieder ausgefaltet, und wären aufs Neue mit einander
verwachsen, und endlich sogar an dem Mittelsäulchen von we-
nigstens 10 Eierchen 9 abortirt, und das einzig übrigbleibende
babe noch dazu die ganz wunderbare Stellung auf der Spitze
des Säulchens angenommen, und wohlgemerkt, das alles ohne,
dals man in der Wirklichkeit auch nur eine Spur dieses ganzen
eomplicirten Vorganges entdecken könne. Ueberhaupt wäre man
schon gezwungen, bei allen uniovulaten Ovarien zu einem an-
geblichen Abort seine Zuflucht zu nelımen, den die Natur nicht
im geringsten angedeutet hätte.
Der zweite entgegengesetzte Fall ist aber fast noch gefähr-
licher für die gewöhnliche Ansicht, wenn nämlich, wie bei den
Gentianeen, Nymphaeaceen, Butomeen etc. die ganze
Fläche des Carpellblaties eiertragend ist, und ich wülste wirk-
lich gar keine nur irgend haltbare Erklärung dieses Phänomens
aus der gewöhnlichen Hypothese herzuleiten. Man hat nun auch
eben deshalb zu vielen Hülfen seine Zuflucht genommen, und
läfst die Ovula bald am Rande des Carpellblattes, bald an der
- Mittelrippe *), bald an beiden entstehen,
BE EEE
*) In dem Werke eines Herrn Eisengrein: „Die Familie der
300
Auf diese Weise hat man mit wahrlich sehr schwachen
Gründen eine exorbitante Ansicht der Wissenschaft aufgezwun-
gen, sich selbst die Sache unendlich schwer gemacht und die
natürliche Auffassung ganz und gar vernachlässigt. Wir werden
weiterhin sehen, wie leicht sich aus der Annahme, dafs die pla-
centa ein Axengebilde sei, die einzige scheinbar entgegenstehende
Thatsache der placenta parietalis, und zwar ohne alle Hülfshypo-
thesen aus ganz bekannten Modificationen des Stengels erklären
läfst. — Gehen wir aber jetzt zur Anschauung der Natur selbst über,
so finden wir, um mit dem leichtern anzufangen, im Anfange
jedes einzelne Carpellblatt isolirt, jedem jungen Blatte oder seit-
lichen Organ der Pflanze gleich gebaut. Erst bei ziemlich weit
vorgeräckter Entwickelung fängt es an sich mit den Rändern
einwärts zu schlagen, wenn das Carpell geschlossen ist, oder mit
den Rändern des benachbarten zu verwachsen, wenn es ein uni-
loculares vielblättriges Pistill ist.
Zu den Familien, die hierdurch wieder zum Theil eine an-
dere als die gewöhnliche Deutung erhalten, gehören auch unter
andern die Gräser und Cyperaceen. Bei beiden Familien
ergiebt die Entwickelungsgeschichte, dafs das Ovarium nur
aus einem Carpellblatt besteht. Bei beiden Familien sind die
zwei vordern *) Stigmata für das Carpellblatt nur eine weitere
Entwickelung der ligula‘, das hintere dagegen, welches bei den
Schmetterliogsblüthigen mit besonderer Hinsicht aufPflanzen-Phy-
siologie‘“ wird als Gesetz aufgestellt, dafs sich bei den Legumino-
sen die Ovula an der Mittelrippe bildeten. Abgesehen davon, dafs schon
aus der Stellung der Blüthentheile sich klar ergiebt, dafs beim Legumen
die eingeschlagenen Ränder des Blattes die eiertragenden sind, so hätte
Hr. Eisengrein an einigen Bohnenknospen sich von der Nutzlosigkeit °
seiner mehrere Seiten langen Erörterung mit einer mälsig starken Loupe
überzeugen können. Ich möchte das Bach überhaupt für ein pathologi-
sches Symptom des Zeitgeistes erklären. In widerlicher Breite wird die
sterilste Spielerei mit leeren Vergleichungsformeln nach Art einer neuern,
jetzt Gottlob allmälich aussterbenden Schule als Philosophie vorgetragen.
Lebendige Naturanschauung zeigt das Buch eben so wenig, wie die nur
auf dem Titel paradirenden physiologischen Principien, und selbst mit
der alltäglichsten Literatur dieses letztern Zweiges der Botanik ist der
Verfasser zwar nur um etwa 30 Jahre zurück, aber doch noch nicht
einmal au niveau von Grew und Malpighi.
*) Wenn man das Ovarium von der Axe aus betrachtet.
301
Gräsern so oft verkümmert, der Blattfläche, das Ovarium
selbst aber dem Scheidentheil des Blattes analog.
Wir können hier nun stufenweise die ganze Ausbildung des
Pistills vom ersten Erscheinen, als flaches Blattorgan, bis zur
Differenzirung im Ovarium, Stylus und Stigma verfolgen.
Für diese Theile wird sich dann ein bestimmter Begriff aufstel-
len lassen, wofür bis jetzt wenig geschehen ist, indem die ihrer
Bedeutung und Funetion nach verschiedenarligsten Theile oft mit
demselben Namen belegt sind.
Ovarium wird dann der Theil des Blattes, so weit es die
Ovula einschlielst, Stylus so weit es aufgerollt ist, ohne Ovula
zu entfalten, bestimmt die Pollenschläuche zu:leiten und Stig-
ma endlich die freie Ausbreitung des obersten Theiles, bestimmt
den Pollen aufzufangen.
Dieses Ergebnils wird dann wiederum vielfach folgenreich.
Für die Benennung der Theile finden wir zum Beispiel, dafs
ganze Familien, denen man bisher Stylö zuschrieb, wie den Grä-
sern, nur Stigmata sessilia haben. Ein wirklicher Stylus
findet sich in dieser Familie nur bei wenigen Gattungen, z. B.
Lygeum und Zea. Auffallend ist es mir immer gewesen, dafs
dieselben Botaniker, die auf der einen Seite, den Satz aufstellen,
dafs die Styli das sicherste Kennzeichen für die Zahl der Car-
pelle sei, indem jedem Carpelle jedesmal nur ein Stylus ent-
spreche, auf der andern Seite aber auch den Gräsern nur ein
Carpell zuschreiben, doch bei dieser Familie von mehreren
Stylis reden. Eben so wenig kommt bei den meisten Euphor-
biaceen ein walırer Stylus vor und namentlich sind bei Eu-
phorbia, Rieinus, Andrachne, Crozophora etc., wo man von meh-
reren Staubwegen gesprochen, entweder gar keine, sondern nur
Stigmata sessilia bifida, oder nur einer vorhanden, wie z.B. bei
Euphorbia, wo die drei Carpellblätter nach oben noch zu einer
obwohl kurzen Röhre verwachsen. So giebt es bei den meisten
Alismaceen, Malvaceen, Phytolacceen keinen Stylus,
sondern nur Stigmata; ja bei einigen dieser Pflanzen z. B. bei
Ricinus und Phytolacca geht die sogenannte stigmatische Fläche
mit ihren Papillen sogar bis an die Basis der Carpellblätter herab.
Eben so wenig sollte man bei den Compositen von ramis
| Styli reden, sondern nur von Formen des zweilappigen Stigmas.
302
Es hat bisher den Worten Stylus und Stigma fast nur
eine traditionelle Bedeutung zum Grunde gelegen, die zum Theil
vielfach durch angeblich logische Unterscheidungen noch mehr
verdorben ist. Es ist aber leicht einzusehen, dafs, wenn die
Botanik wahrhaft wissenschaftlich behandelt werden soll, den
terminis Begriffe zum Grunde gelegt werden müssen, die, aus
der Natur der Pflanze hergenommen, wirklich wesentliche orga-
nische Differenzen bezeichnen und dann auch auf solche eoneise
Weise gefafst werden können, dafs man nicht Gefahr läuft, die
verschiedensten Dinge in demselben Worte zusammenzufassen
und wiederum identische Theile durch die Bezeichnung zu tren-
nen. — Es ergiebt sich ferner aus dem Verfolgen dieses Entwik-
kelungsganges sehr einfach die Erledigung des alten Streites, ob
der Stylus einen Canal habe, oder nicht. Da der Stylus aber
entweder aus der Zusammenrollung eines einzelnen Blattes (apo-
earpe Frucht Lindl.), oder durch das Zusammenwachsen der
Ränder mehrerer Blätter (syncarpe Frucht Lindl.) entstan-
den ist, mufs er immer einen Canal haben, der freilich bei der
geöffneten Blume nicht immer noch auf dem Querschnitte als
scharf umschriebene Höhle erkennbar ist, da die innere Zellge-
webe-Schicht (Fissu conducteur Brogniart, eigentlich die Ober-
haut der obern Blattfläche) durch Umbildung der Zellenform und
Ergiefsung von Schleim in die Intercellularräume so ausgedehnt
wird, dafs selbst die einzelnen Zellen sich ganz aus ihrem Zu-
sammenhange trennen und lose im Schleim eingebettet liegen,
z. B. bei den Orchideen, vielen Liliaceen ete.
Dies wären nun wiederum die wesentlichen Momente, die
die Natur üherall beim Pflanzenorganismus fesihält, während sie
sich in Hinsicht der aufserwesentlichen Formverschiedenheiten
wieder eine grolse Mannigfaltigkeit erlaubt. Die wunderbarsten
Formenspiele zeigen sich besonders in der Gestaltung des Stig-
ma’s, und deshalb ist gerade dieser Theil am häufigsten mißsver-
standen. Doch bietet auch der Stylus und selbst das Carpell-
blatt; letzteres besonders bei Bildung der falschen Scheidewände
durch cellulöse Excerescenzen, z. B. bei den Aroideen, viele
Eigenthümlichkeiten dar. Wir finden ferner das Carpellblatt bei
den Coniferen gar nicht geschlossen; drei zu einer oben offe-
nen Becherform vereinigt bei den Resedaceen; enggeschlossen
303
bei den meisten Familien; oft aber auch sogar gegen die Axe
zu eingebogen und dann wieder rückwärts geschlagen, so dals
der‘ eiertragende Theil einen Bauch bildet und der Stylus von
der Basis zu entspringen scheint, wo sich dann die Uebergänge
beim Studium der Entwickelung von den Euphorbiaceen,
durch die Phytolacceen, Alismaceen bis zu den Borra-
gineen und Labiaten und in der ganzen Familie der Drya-
deen stetig verfolgen lassen. Das junge Ovarium bei den La-
biaten, Borragineen z.B. ist ein gewöhnliches 2- blättriges
Carpell (Fig. 2.), die Blaltränder verwachsen aber sehr früh zum
Stylus und bei der Entwickelung des Ovuli wird der dasselbe
umschliefsende Theil bauchig nach oben und auisen ausgedehnt,
während die obere Hälfte des Blattes, der Stylus, dieser Er-
hebung und Ausdehnung nicht mehr folgen kann. Eine ganz
ähnliche Erscheinung bietet die Frucht der Palmen dar, wo
ursprünglich bald nach der Befruchtung der Embryo vollständig
erect ist. Die innere Seite des Ovariums wächst aber beim rei-
fenden Samen nicht mit in die Höhe. So wird die Spitze des
Embryo fixirt und zum Miitelpunkt, um den die Radicula bei
der einseitigen Entwickelung einen Quadranten beschreibt, wo-
durch der Embryo horizontalis lateralis entsteht. — Ueber eine
Menge solcher scheinbaren Abnormitäten sind viele Worte ver-
loren, die man sich hätte sparen können, wenn man statt zu
rathen, lieber untersucht hätte.
Wenden wir uns nun zur Placenta und zum Ovulum, so
wird es zweckmälsig sein, mit dem einfachsten Falle anzufangen
und das ist ohne Zweifel derjenige, welcher für die gewöhnliche
Theorie die unübersteiglichsten Schwierigkeiten darbietet, näm-
lich wo gar kein Carpellarblatt vorhanden ist. Dieser Fall tritt
2. B. bei Taxus ein. Die ganze weibliche Blüthe ist hier nichts
anderes, als die terminale Blatiknospe der Nebenaxe, welcher
sie angehört. Die Blätter setzen ihre gewöhnliche spiralige Blatt-
stellung fort bis zur äulsersten Spite, und keines deutet auch nur
im Entferntesten an, dals es dem wirklichen Theile mehr ange-
‚ höre, als ein anderes (Fig. 1.). Wie gewöhnlich endigt sich hier
die Axe mit einer kleinen Warze (dem punctum vegelationis
Wolff) und diese ist der Nucleus des Eichens. Es ist also die
| zweite Differenz der Pflanze die Axe, welche den sogenannten
304 ı
weiblichen Theil bildet, und wir sehen. jetzt schon ein, daß die
Befruchtung und Zeugung in Nichts besteht, als in. einem ‚Zu-
'sammentreten und Ausgleichen der beiden wichtigsten Differen-
zen, die in der Pflanze gegeben sind, der horizontalen und ver-
tikalen Gebilde.
Doch verfolgen wir den Gäng der Untersuchung ruhig wei-
ter. Das Ende der Axe also ist der Nucleus des Eichens und
dieser ist der allein wesentliche, nie fehlende Theil des
ganzen weiblichen Organs, während alle übrigen theilweise bald
bei der einen, bald bei der andern Pflanze vermilst werden.
Dieses Ende der Axe erleidet nun häufig eine Krümmung, so
dals seine Spitze auf sich selbst zurückgebogen wird (Ovulum
analropum) und mit dem gerade bleibenden Theil (raphe) ver-
wächst; ein Vorgang, der leieht in der Wirklichkeit zu verfol-
gen ist. In diesem Zustande (ovulum ex nucleo nudo constans)
finden wir das Eichen in mehreren Familien z. B. den Santa-
laceen, Rubiaceen, Dipsaceen, Cuscuteen, Asclepia-
deen *). Es ist zwar kein Grund vorhanden, warum der Nu-
cleus nicht auch, ohne diese Umdrehung zu leiden (als ovulum
atropum ex nucleo nudo constans), vorkommen könnte, indefs
ist mir bis jetzt doch noch kein Beispiel davon bekannt ge-
worden. ‘
Auf diesem äulsersten Punkte der Vegetation concentrirt sich
nun aber die Bildung so, dals, was sonst als gesonderte seitliche
Organe erscheint, hier zu einer scheidenartigen Hülle zusammen-
flielst. Diese stengelumfassenden Hüllblätter der. letzten Knospe |
werden nun hier Eihäute genannt und unterscheiden sich durch
gänzlichen Mangel aller Spiroiden, welche immer nur der Raphe
oder dem nicht in Nucleus und Integumente geschiedenen Theil
des Eichens angehören, und ihre Anwesenheit giebt immer-einen
bestimmten Beweis, dafs man es mit einer nur scheinbaren Ei-
haut zu thun habe. Erst in späterer Zeit nach der Befruchtung
ent-
*) R.Brown zählt auch die Apocyneen hierher. Sie haben aber
ein einfaches Integument. Bei diesen sowohl wie bei den Asclepia-
deen ist es nicht der Nucleus, der sich nach der Befruchtung im In-
nern bildet, sondern der Einbryosack, der sich frühzeitig mit/opakem”
Albumen ausfüllt, welches dann als ein dunkler durchscheinender Kern
nach der Befruchtung sichtbar wird. }
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305
entwickeln sich in einigen seltenen Fällen in den wirklichen
Integumenten Gefälsbündel.
Eine solche einfache Hülle (integumentum simplex mihi) *)
findet sich nun:
1) Ohne dals die Axe gekrümmt ist (Ovulum atropum cum in-
tegumento simplici) bei Taxus zur Zeit der Blüthe, bei den Cu-
pressineen, den Juglandeen, Ceratophylleen,
2) oder die Axe erleidet die oben erwähnte Krümmung, wo-
bei die Hülle mit der verlängerten Axe verwächst (raphe) (Ovu-
lum anatropum cum integumento simplici). Hierher gehören die
Abietineen, Synanthereen, Lobeliaceen, Campanula-
ceen, Goodenovieen, Lentibularien, Scrophularinen,
Orobancheen, Gesnerieen, Sesameen, Labhiaten, Big-
noniaceen, Polemoniaceen, Convolvulaceen, Sola-
neen, Borragineen, Gentianeen (einschlielslich der Men-
yantheen, welche ebenfalls nur ein Integument haben, denn
die am reifen Samen zu irennende äulsere harte Haut ist nichts,
als die Epidermis des Integuments, deren Zellen stark verholzt
sind), ferner die Apovyneen, Umbelliferen, Ranuneu-
leen, Loaseen etc.
Endlich bildet sich auch noch eine zweite Hülle, die die
Spitze der Axe umschlielst (Integumentum externum et internum
mihi), wobei wieder beide Modificationen vorkommen können.
1) Die Axe bleibt gerade z. B. bei den Polygoneen (Fig.4.),
Cystineen, Urticeen, einem Theile der Aroideen,
2) oder die Axe krümmt sich und verwächst mit dem äufsern
Integument (Fig. 20—23.). Hier sieht man besonders bei den
übrigen Aroideen alle möglichen Uebergänge von einer verlän-
gerten Axe, von der das gekrümmte Stück mit seinen Häuten
frei herabhängt (wie es nach R. Brown auch bei Rafflesia der
Fall ist) bis zur gänzlichen Anwachsung, wo denn der ungebo-
gene Theil der Axe als Raphe erscheint. Ferner gehören hierher
wohl alle übrigen Monokotyledonen; bei den Orchideen
*) Die Worte Testa u. Membrana interna, so wie die andern, vom
reifen Samen hergenommenen und nirgend passenden Ausdrücke mulste
ich aufgeben, da,sie wegen der vielen, historisch ihnen anklebenden Irr-
thümer nur dazu dienen konnten, die Begriffe zu verwirren.
TIL, Jahrg. 1. Band, 20
306
drückt sich zwar R. Brown nicht bestimmt darüber aus, sie
haben indels deutlich beide Integumente, die aber nur in ihren
jüngsten Zuständen zu erkennen sind (Fig. 5.), da der schon früh
auftretende Embryosack zur Zeit der Befruchtung den Nucleus
meist spurlos verdrängt hat und man leicht versucht wird, das
sehr dünne innere Integument für die Membrana nuclei zu neh-
men. Von den Dikotyledonen will ich nur beispielsweise die
Nymphaeaceen und Cabombeen, die Plumbagineen, Re-
sedaceen, Passifloren, Caryophylleen und Cruciferen
nennen, um den Raum nicht nutzlos mit Pflanzen - Namen zu
füllen.
Ueber die Bildung dieser Integumente des Nucleus im Allge-
meinen hat zuerst Mirbel etwas Ausführlicheres publieirt, da
er aber zwar die Erscheinungen, die dabei vorkommen, zum
Theil gesehen, aber keineswegs selbst richtig verstanden hatte,
so konnte er die Sache auch nicht deutlich vortragen und es ist
kaum thunlich, aus seinen Worten sich mit Sicherheit abzuleiten,
wie er sich den Vorgang gedacht. Die erste richtige Darstellung
der Art der Bildung gab der, hier, wie überall, neue Bahnen
brechende R. Brown 1831 für die Orchideen und später 1834
in seiner Abhandlung über die weibliche Blüthe der Rafflesia,
wo er seine Beobachtungen schon über mehrere Familien aus-
gedehnt hatte. Am Ausführlichsten hat sich über diese Sache
Fritsche in diesem Archiv ausgesprochen, doch hatte er seine
übrigens höchst vortrefflichen Beobachtungen nur an einer ein-
zigen Species angestellt, die noch dazu wegen des zusammenge-
drängten Baues und des anatropen Eies am wenigsten günstig
für solche Untersuchungen war. Auch hatte er versäumt, die
hierbei höchst nöthigen mikrometrischen Messungen anzustellen,
wodurch er einige Irrthümer hätte vermeiden können. So z.B.
sind eine Verdiekung an einem Cylinder unterhalb einer gege-
benen Linie und eine Einschnürung oberhalb derselben bei so
kleinen Gegenständen, zumal da man nicht alle Stadien zugleich
übersieht, nur durch vergleichende Messungen zu erkennen und
doch ihrem Wesen und ihrer Bedeutung nach so sehr verschie-
den. Einestheils ist Fritsche auf diese Weise zu der unrich-
tigen Ansicht von der simultanen- Bildung beider Integumente
durch Einsenken der ersten Falte in die Masse des Ovulum
307
gekommen, und andrerseits hat er die Bildung des innern Inte-
guments als einer blolsen Falte der Epidermis nuclei zu einseitig,
aufgefalst.
Der Gang, den die Natur nimmt, ist einfach folgender, wenn
wir bei dem atropen Eichen z. B. der Polygoneen (Fig. 4.)
als dem einfachsten Falle stehen bleiben. In gewisser Entfer-
nung unterhalb der Spitze der ursprünglichen Warze markirt sich
eine ideale Linie als Basis des Nucleus (Fig. A, b.), welche fer-
nerhin nicht mehr in der Dicke zunimmt. Oberhalb derselben
bildet sich die Spitze in den Nucleus aus, unterhalb derselben
schwillt die Substanz an und bildet eine Wulst (Fig. 4, b.), die,
sich als eine Art von Hautfalte ausdehnend, allmälick den Nu-
cleus überzieht (Integumentum primum aut internum mihi ; Se-
condine Mirb.; Membrana interna Auct.). Oft bald nachher, ja
fast gleichzeitig, oft erst später (am auffallendsten bei Tazxus,
wo das zweite Integument (Fig. 1, b.) erst nach der Befruchtung
sich ausbildet [Cupula Auct.]) oft unmittelbar unter der ersten
Wulst, oft in einiger Entfernung darunter (so namentlich bei
vielen Polygoneen und Cystineen) bildet sich denn eine
zweite Anschwellung, welche als zweites Integument (Integu-
menlum secundum sive externum mihi; Primine Mirb.; Testa
auctor.) das erstere überzieht *). Das zuerst sich bildende In-
tegument besteht freilich häufig nur aus einer Falte der Ober-
haut des Nucleus, aber in fast allen Familien, die gar kein zwei-
tes Integument bilden und auch in einigen, die beide Eihüllen
haben, z. B. bei den Euphorbiaceen, Cystineen und Thy-
meleen nimmt auch ein ziemlich dickes Parenchyma an dieser
Bildung Theil. Bei den drei genannten Familien tritt der eigen-
thümliche Fall ein, dafs beim Reifen des Samens das äufsere; In-
tegument allmälich bis auf eine dünne Membran absorbirt. wird,
die denn gewöhnlich bei Samenbeschreibungen als epidermis te-
stae, oder bei den Euphorbien wohl gar als Arillus angege-
” Dasselbe beobachtete ich sehr schön bei Hydrocharis und Val-
limeria, und wie aus Richard’s Analyse sich ergiebt, haben auch alle
übrigen ächten Hydrocharideen atrope Fichen, Endlicher’s An-
gabe eines anatropen Eichens für diese Familie (genera plantarum p.160)
ist wohl zu einseitig von Stratiotes (welches vielleicht überall nicht hier-
‚ her gehört) auf die übrigen ausgedehnt worden.
|
20 *
308
ben wird, wogegen in andern Fällen die wirkliche modificirte
epidermis testae wieder als Arillus beschrieben worden ist z. B.
bei den Oxalideen. Die Spitze der ursprünglichen ‚Papille, wel-
che als nucleus auftritt, ist ihrer Grölse nach im Verhältnils zur
Masse des ganzen Eichens bei verschiedenen Familien äulserst
verschieden. Oft ist es ein sehr langes, fast cylindrisches Stück,
z.B. Loasa, Pedicularis, oft kürzer, so dafs diejenige Masse des
Ovuli, wo keine Diflerenzirung in Nucleus und Integumente
eingetreten ist (gleichsam ein fleischig angeschwollener Stengel),
bei Weitem überwiegt z. B. alleSynanthereen, Canna, Phlox,
Polemonium; oft ist es nur die äulserste Spitze der Papille selbst _
z. B. Convolvulus, oder es bleibt nur ein idealer Punkt, der als
eigner Körper gar nicht mehr zu unterscheiden ist, über den
sich aber noch eine Wulst erhebt, und so eine Micropyle bil-
det z.B. bei den Dipsaceen.
Uebrigens wird der hier geschilderte Vorgang im Einzelnen
vielfach durch die einseitige Entwickelung des ovuli (ovul. cam-
Ppylotropum Mitb.) oder durch die oben schon auseinandergesetzte
Umdrehung (ovul. anatropum) modificirt. Es würde aber die
Grenze dieses Aufsatzes überschreiten, wollte ich mich hier auf
eine detaillirte Ausführung aller der unzähligen von mir beob-
achteten Einzelheiten einlassen. Nur beiläufig kann ich hier
noch bemerken, dafs Mirbel’s Quartine gar nicht existirt und
nichts als ein transitorisches Endosperm ist bei Familien, bei
denen der Embryosack frühzeitig den ganzen Nucleus verdrängt,
gleichwohl aber nicht bestimmt ist, durch ein persistentes En-
dosperm späterhin ein Aldumen zu bilden.
Beim Reifen des Samens erleiden nun diese Integumente
mannigfache Veränderungen, so dafs man am reifen Samen sel-
ten oder nie ihre ursprüngliche Zahl noch unterscheiden kann.
Oft verwachsen alle Integumente zu einem, oft und zwar am
häufigsten trennt sich ein Integument in verschiedene Schichten
verschieden ausgebildeten Zellgewebes, wo denn natürlich das
homogene Gewebe von dem heterogenen sich leicht trennen läfst.
Auf diese Weise kann man das Integument des reifen Samens
oft sogar in 5 Schichten zerspalten, während nur eine oder zwei
Häute, oder wie bei Canna im grölsten Umfange des Samens
gar keine vorhanden waren.
309
Da nun oft in derselben Familie *) die gröfsten Verschiedenhei-
ten in dieser Beziehung am reifen Samen vorkommen, wie oben
schon von der Gruppe der Menyantheen erwähnt wurde, beim
Ovulum u das Vorkommen von keinem, einem oder zweien
Integumenten für Familien und Gruppen durchgehends sehr con-
stant erscheint, so möchte es zweckmälsiger sein, bei Beschrei-
bungen überall zur alten Richardschen Terminologie zurückzu-
kehren und beim reifen Samen nur von einem Episperm zu
reden, dessen verschiedene Lagen man denn ja näher charakte-
risiren kann, dafür aber desto genauer in der Beschreibung des
Ovulum zu sein. Wahrscheinlich werden noch manche inter-
essante Resultate sich herausstellen, wenn diese Untersuchuugen
erst über alle Pflanzenfamilien ausgedehnt sind; schon der ge-
ringe Umfang meiner Beobachtungen giebt manche Andeutungen.
Auflallend ist es z. B., dals keine einzige monokotyledone
Familie weniger als zwei Integumente zeigt, und bei der oben
gegebenen Uebersicht mufs es Jedem auflallen, dafs unter den
Dikotyledonen die meisten monopetalen Familien nur ein
Integument haben, die meisten Polypetalen dagegen zwei.
Doch kehren wir zum ruhigen Gang unserer Betrachtungen
zurück. Wenn wir nun freilich bei Pflanzen mit ächter pla-
centa centralis libera, oder noch auflallender bei solchen, wo,
wie bei den Polygoneen, Taxus, Juglans, Myrica von einer
"Placenta als einem besondern Organ gar nicht die Rede sein
kann, nicht einen Augenblick in Zweifel sein köunen, dafs der
Nucleus des Eichens nur die Spitze der Axe ist, so frägt sich
nun aber, wie denn die wandständige placenta zu erklären sei;
doch scheint mir die Sache so schwierig nicht. Wir finden
schon bei vielen Aroideen, das Ende der Axe scheibenförmig
ausgebreitet, und auf dieser Fläche eine Menge Knospen als Ei-
ehen tragen, ähnlich wie es bei den Synantheren und andern
Familien unterhalb der Blumenknospen etwas Gewöhnliches ist;
wir finden diese Scheibe dann in lappige Fortsätze ausgezogen
*) Ja selbst im selben genus. So hat z. B. ein Theil der Salvien
Spiralzellen in der Epidermis des Samen - Integumentes, ein anderer
Theil nicht.
310
und mit den Rändern der Carpellarblätter verwachsen bei allen
wandständigen oder pseudocentralen Placenten, eine Modifieation
des Stengelgebildes, die man z. B. bei Dorstenia findet; auch
könnte man die wandständigen Placenten eben so gut und viel-
leicht einfacher und naturgemälser als eine blofse Verästelung der
Axe deuten. Es kann dabei nicht auffallen, dafs die Knospen
dieser Aeste (Ovula) nur an der innern der Axe zugewendeten
Seite sitzen, da man dasselbe bei vielen Infloreseenzen z. B. bei
‚Aesculus findet. Endlich finden wir die Axe becherförmig aus-
gedehnt bei den Pflanzen, wo die ganze Wand des einfächrigen
Ovariums mit Ovulis besetzt ist, wie wir eine ähnliche Umbil-
dung des Stengels bei vielen Rosaceen und bei Ficus schen.
Es ist aber kein Grund erfindlich, warum man solche Formab-
weichungen der Axe bei einem tiefern Internodium zwischen
Laubblatt und Blüthenknospen annehmen wollte, wenn man sie
bei einem höhern zwischen Carpellblatt und Eiknospen leugnet,
oder für unthunlich erklärt. Nun findet sich aber auch in der
Natur selbst, dafs bei wandständigen Placenten die Blatiränder
sich nie in ihrer ganzen Länge an einander legen und verwach-
sen, sondern von unten auf durch einen nachwachsenden oft
mehr oft weniger deutlichen Zwischenkörper verbunden werden.
Sehr deutlich ist dieser Zwischenkörper z. B. bei den Fumaria-
ceen und Cruciferen, wo er viel später als die Carpellblätter
erscheint, gradezu innerhalb derselben steht, und bei der letzten
Familie durch seine allmäliche Ausbreitung gegen die Mitte und
späteres Verwachsen die falsche Scheidewand bildet. Am deut-
lichsten zeigt sich aber die Placenta als ein von dem Carpellblatt
in seinem Wachsthum völlig unabhängiger Theil bei den Abie-
tineen. Meine Untersuchungen der frühesten Zustände haben
mir nämlich gezeigt, dals das, was man seit Rob. Brown als
offenes Ovarium ansieht, nur eine schuppenförmig ausgebreitete
Placenta ist, dafs aber, was Rob. Brown dractea genannt
hat, das wirkliche Carpellarblatt (Fig. 18.) ist. Auf das glän-
zendste wird dieses Ergebnils durch einen Zapfen von pinus
alba bestätigt, den ich in diesem Frühjahr fand, an welchem die
untere Hälfte der Blüthen männlich, die obere weiblich war. —
Bei den Abietineen entwickelt sich nun die durch nichts ge-
hinderte Placenta, so sehr, dafs sie zuletzt selbst das Carpellblatt
3ll
nur als einen untergeordneten Nebentheil erscheinen läfst. Die
weitläufigere Ausführung dieser Untersuchungen ist hier. nicht
am Orte, und ich mufs daher vorläufig auf ein späteres Werk
verreisen, an welchem ich schon seit Jahren mit grolser Liebe
arbeite und das die Entwickelungsgeschichte der Pflanze in ihrem
ganzen Umfange zum Gegenstande hat.
Bei alle den Formverschiedenheiten der eiertragenden Axe,
wo dieselbe an den Carpellblättern in die Höhe wächst, oder
wo sie frei in der Mitte sich erhebt, kommt nun oft noch die
Eigenheit vor, dafs dieselbe aulser der früher schon erwähnten
Umbiegung noch eine andere erleidet, indem nämlich der Raum
nach oben zu für die Entwickelung der Eiknospen zu beschränkt
ist; hieraus entsteht nun das ovulum horizontale und pendulum
mit den mannigfachsten Zwischenstufen. Diese Modification ist
aber eben, weil sie nur aus einer äulsern Nothwendigkeit, der
Form des Raumes, hervorzugehen scheint, bei weitem weniger
wesentlich, als jene zuerst erwähnte Umkehrung, und wir finden
wohl hängende und aufrechte Eierchen in derselben Familie
z.B. bei den Dryadeen, selten aber in einer höher entwik-
kellen Familie und überhaupt wohl nur bei den Aroideen,
alrope und anatrope Eier vereinigt. Die blofse Angabe einer
radicula supera oder infera in Pflanzenbeschreibungen ist daher
an sich wenig oder gar nichts werth, wenn nicht zugleich auf
die innere Eibildung Rücksicht genommen ist.
Halten wir nun aber bei den Antheren eine eigenlhümliche
Entwickelung des Zellgewebes beobachtet, wodurch eben das
Blatt zum Pollentragenden Organ wird, so finden wir wiederum
eine besondere Modification des Zellgewebes in der
Spitze der Axe, dem Nucleus, wodurch er sich für die Aufgahme
eines neuen Organismus vorbereitet, Es bildet sich nämlich in
demselben eine einzelne Zelle unverhältnilsmäfsig gegen die an-
dern Parenchymazellen aus, indem sie.sich zum Embryosack
entwickelt. Dieser ist bei allen Phanerogamen stels vorhanden
und immer lange vor der sogenannten Befruchtung. Aber auch
nur so viel ist hier das Wesentliche. Im übrigen ist er den
manniglachsten Verschiedenheilen unterworfen, in Bezug auf Form
(indem er bald rund bald oval, bald eylindrisch, flaschenförmig,
| oder selbst geigenförmig wird, oder ganz formlose Aussackungen
312
zeigt, wie bei Zathraea squamaria), Lage zur Spitze des IVucleus
(der er bald näher, bald ferner ist), Inhalt (der bald wasserhell,
homogen und flüssig, bald opak und granulös, bald sogar zellig
ist), die Zeit seines Entstehens (ob längere, oder kürzere Zeit
vor Entfaltung der Blume) und endlich das mehrere oder min-
dere Verdrängen des Nucleus. Allein über die Verschiedenheiten
des Embryosackes vor der Befruchtung könnte man eine lange
Abhandlung schreiben.
Wir sind nun dem Entwickelungsgange der Pflanze so weit
gefolgt, dals wir an dem Thore zum Allerheiligsten stehen. Der
Vorgang, durch welchen sich der neue Organismus aus der Mut-
terpflanze bilden soll, war lange Zeit ebenfalls nur Gegenstand
träumeriseher Spiele der Phantasie, oder unpassender Analogieen
aus dem Thierreich gewesen, zum Theil weil Mangelhaftigkeit
der Instrumente eine wirkliche Beobachtung unthunlich mach-
ten, bis endlich die glänzenden Entdeckungen von Amiei,
Brogniart und Rob. Brown ein ganz neues Licht auf die
Sache warfen. Doch blieb noch immer der wesentlichste Theil
des Geheimnisses unerrathen. Mit lebendigem Eifer habe ich die
Entdeckungen jener grofsen Männer verfolgt und nicht nur das
Wesentliche ihrer einzelnen Beobachtungen als allgemeines Ge-
setz für die Phanerogamen bestätigt gefunden, sondern glaube
selbst noch einen nicht unwichtigen Schritt weiter gethan zu
haben. Die Pollenschläuche habe ich jetzt bei so vielen
(über 100) verschiedenartigen Familien, freilich oft nur nach lan-
ger mühevoller Untersuchung vom Stigma bis ins Ovulum
verfolgt, dafs wohl kein Zweifel mehr obwalten kann, dals dies
der allgemeine Vorgang bei allen Phanerogamen ist. Schon R.
Brown erwähnte mehrerer Pollenschläuche die in eine Micro-
pyle eintreten, ich fand bei sehr vielen Pilanzen 2—3, bei Phor-
mium tenax 3—5, bei Lathraea squamaria aber fast nie weni-
ger als 3 und einmal sogar 7. |
Verfolgt man nun, was allerdings zu den delicatesten Un-
tersuchungen gehört, die in der Botanik vorkommen, den Pol-
lenschlauch weiter im Ovulum (Fig. 3 u. 24.), so findet man, dals
von den in dieMieropyle eintretenden Schläuchen gewöhnlich
nur einer, selten mehrere, wie bei den regelmälsigen oder zu-
fälligen Polyembryonaten (zu welchen letztern besonders die
313
Cynanchum-Arten gehören *), die Intercellulargänge des Nu-
cleus durchkriecht und den Embryosack erreicht, diesen vor sich
herdrängend in sich. selbst hineinstülpt und dann selbst; als der
im Eingange dieser Betrachtungen beschriebene cylindrische
Schlanch, den ersten Anfang des Embryo bildet, der auf diese
Weise nichts anderes ist, als eine auf die Spitze der Axe ge-
pfropfte Zelle des Blattparenchymas. Er wird also mit Ausnah-
me des nicht geschlossenen Radieularendes von einer doppelten
Membran gebildet, von dem eingestülpten Embryosacke und von
der Haut des Pollenschlauches selbst (Fig. 12,13.). Zur Bestä-
tigung dieser Thatsache kann ich mich erstlich auf directe Beob-
achtungen berufen an Taxus, Abies, Juniperus, Lathraea, Phormium
tenax, Canna Sellowii, Oenothera crassipes, Mirabilis longiflora u.
Jalappa, Veronica serpyllifolia, Limnanthes Douglasii und min-
der gut bei Martynia diandra und Cynanchum nigrum, dagegen
am ausgezeichnetsten bei Orchis Morio und latifolia. Bei allen
diesen Pflanzen beobachtete ich das Hineintreten des Pollenschlau-
ches in den Embryosack und die allmäliche Umbildang des Endes
desselben in den Embryo unmittelbar und bei Taxus, und leicht
bei Orchis konnte ich sogar den Theil des Schlauches, der die
erste Grundlage des Embryo darstellte, noch in ziemlich später
Zeit wieder aus dem Embryosack herauszichen **).
*) Bei Cynanchum nigrum et fuscatum fand ich im Sommer 1835
wenigstens in jedem dritten Samen 2— 5 Embryonen.
*) Um hier etwanigen Einwürfen von Seiten derer zu begegnen,
die nicht Gelegenheit hatten, sich selbst mit diesen Gegenständen ge-
nauer za beschäftigen, bemerke ich nur beiläufig, dafs Hrn. Corda's
angebliche Entwicklungsgeschichte der Coniferen (Acta Leop. Carol.
XVII. Pars II.) in den wenigsten Punkten mit der Natur überein-
stimmt, und fast möchte ich hier eine der vor einiger Zeit in Mode ge-
kommenen wissenschaftlichen Mystificationen vermutlien. Es hat mir die
Sache recht sehr wehe gethan, der ausgezeichneten Männer wegen, die,
ohne Gelegenheit, oder Zeit zu eigner Prüfung zu haben, von ihrer eig-
nen Gewissenhaftigkeit in wissenschaftlichen Dingen auf Andere schlies-
send, sich zu voreiliger Bewunderung haben hinreilsen lassen. — Indels
kann man sie hier doch nicht von aller Schuld freisprechen, da der
Aufsatz offen genug seinen Charakter an der Stirne trägt. — Gleich auf
der ersten Seite heifst es: „Seit dem Erscheinen der R. Brownschen
Schriften und dessen Reise durch Deutschland kennt man wohl so all-
314
Indefs ist nicht bei allen Pflanzen die Verfolgung des Pol-
lensehlauchs ins Innere des Embryosacks so leicht, da gewöhn-
lich die Zellen des Nucleus um die Spitze des Embryosacks her-
um sehr fest und opak sind, so dals sich dieser und der Pollen-
schlauch nieht ganz frei darstellen lassen. Es spricht aber in
gemein die Resultate seiner Untersuchungen, dafs ich eine genaue Dar-
stellung hier überflüssig halte.“ Nun ist bekannt, dafs Rob, Brown
schon 1832 seine Entdeckung des Eintretens von einem oder mehreren
Pollenschläuchen in die Mieropyle publieirte, und Jedem, der das Glück
hatte, mit Rob. Brown auf seiner damaligen Reise durch Deutschland
zusammenzutreffen, wird erinnerlich sein, dafs derselbe befruchtete
Ovarien in Spiritus mit sich führte und mit gewohnter Gefälligkeit
Jedem, der Interesse für die Sache hatte, das Eintreten der Pollen-
schläuche ins Ovulum zeigte. — Dessenungeachtet affectirt Hr. Corda
einige Zeilen weiter eine auf jeden Fall unverzeihliche Unwissenheit
dieser Thatsache, um sich eine Entdeckung anzumalsen, die iange vor
ihm Amici (schon 1830) und Rob. Brown gemacht. Da Hr. Corda
sich zur Zeit von R. Browns Anwesenheit in Berlin aafbielt, erscheint
es doch etwas fabelhaft, dafs ihm von alle dem nichts sollte zu Ohren
gekommen sein. — Etwas weiterhin sagt Hr. Corda: „Meine Unter-
suchungen über das Coniferen-Ei weichen keineswegs von denen des
grolsen Engländers, noch von Mirbel’s Untersuchungen ab.‘ Bekannt-
lich sind aber die Ansichten Mirbel’s und R. Browns über das Co-
niferen-Ei, wie über Eibildung im Allgemeinen die direkten Gegensätze.
Solche Schwachheiten (z. B. pag. 5 (603) eine Verwachsung, die nur
in der Jugend innig ist, später aber lose wird) kommen auf jeder Seite
des Textes vor, aus dem man überhaupt schliefsen muls, dafs Hr. Corda
weder Mirbel noch R. Brown verstanden, oder sie nicht gelesen hat,
da er Beiden in jedem einzelnen Punkte geradezu widerspricht. Die-
selben Widersprüche liegen aber auch in den Zeichnungen klar zu Tage.
Fig. 14. z. B. heilst der Embryosack nueula (soll heilsen nucleus) und
die Pollenschläuche gehen in ihn hinein, um durch ihr Aussprühen Gott
weils welches Phantasiegebilde zu erzeugen, Fig. 22. aber heilst eben
dieser Embryosack gar Embryo (E) und die Pollenschläuche laufen
um ihn herum. Doch es wäre eine bekannte Herkulesarbeit, den Auf-
satz Punkt für Punkt durchzugehen. Es genügt hier vorläufig zu ver-
sichern, dafs, mit Ausnahme einiger Nebensachen, alles fast über die
Grenzen des möglichen Ierthums hinaus unwahr und nicht im entfern-
testen der Natur "entsprechend ist, und verweise ich Jeden, der nur ir-
gend einige Uebung in solchen Untersuchungen hat, auf die Natur selbst,
u die Besbacktuneen keineswegs zu den übermälsig schwierigen ge-
hören. '
315
solchen Fällen für die Identität des Embryo’s mit den Pollen-
schlauch: 1) der stets gleiche Durchmesser des letzteren dicht
aufserhalb des Embryosacks und des ersteren dicht innerhalb des-
selben; 2) der stets chemisch-gleiche Inhalt beider, wie es sich
durch die Reactionen bei Anwendung von Wasser, süfsem
Mandelöl, Jodine, Schwefelsäure und Alcalien ergiebt.
Der Inhalt des Pollenkornes besteht im wesentlichen aus Stärke.
Diese steigt nun entweder unverändert durch den Pollenschlauch
herab, oder geht schon vorher durch lebendig-chemische Pro-
cesse in eine wasserhelle Flüssigkeit über, die sich nach und
nach mehr oder weniger trübt, durch Alcohol coagulirbar wird
und aus welcher sich durch einen organisirenden Procefs dann
Zellen bilden, die das Ende des Pollenschlauches bei Orchis Mo-
rio selbst bis weit aus dem Eichen heraus, ausfüllen und so das
Parenchyma des Embryo’s bilden. Doch ich würde die Grenzen
dieses Aufsatzes überschreiten, wollte ich auch die Zellenbildung
hier weiter verfolgen. 3) Endlich spricht noch für die Identi-
tät des Embryo’s und des Pollenschlauchs, dafs bei den Pflanzen,
die mehrere Embryonen haben, stets gerade so viele Pollen-
schläuche vorhanden sind, als sich Embryonen zeigen.
Die höchst wichtige Folge dieser Thatsache, die ich hier
aber nur andeuten, nicht in ihrem ganzen Umfange ausführen
darf, ist nun, dafs man bisher die beiden Geschlechter bei den
Pflanzen geradezu falsch benannt hat. Versteht man nämlich
bis jetzt in der Physiologie unter Ovulum diejenige materielle
Grundlage, aus welcher sich das neue Wesen unmittelbar ent-
wickelt, und nennen wir den Theil, wo diese materiellen An-
fänge, che sie zur Entwickelung kommen, deponirt sind, das
weibliche Organ, — während der Theil, der nur durch dy-
namische Einwirkung die Entwickelung des Keimes hervorruft,
oder befördert, das männliche Organ genannt wird, so ist
die Anthere der Pflanze oflenbar nichts anders, als ein weibli-
cher Eierstock, indem jedes Pollenkorn der Keim eines neuen
Individuums ist. Dagegen wirkt der Embryosack nur dynamisch
die Organisation und Entwickelung der materiellen Grundlage
bestiminend, und wäre also als das männliche Prineip zu be-
trachten, wenn man nicht vielleicht richtiger annehmen will
(alle ohnehin hinkenden Analogieen aus der Thierwelt bei Seite
316
gesetzt) dafs der Embryosack nur durch Transsudation neue or-
ganisirbare Säfte zuführe und so nur ernährt *).
Zweitens ergiebt sich aber aus der vorgetragenen Geschichte
der Embryobildung leicht die höhere Einheit für die Phanero-
gamen und diejenigen Kryptogamen, bei denen die Sporen offen-
bare Umbildungen des Zellgewebes der Blattorgane, oder blatt-
artigen Ausbreitungen sind, indem bei beiden Gruppen derselbe
Theil die Grundlage der jungen Pflanze abgiebt und der Unter-
schied nur darin besteht,) dafs bei den Phanerogamen erst
eine vorläufige Ausbildung im Innern der Pflanze dem Zeitraum
der ruhenden Vegetation vorangeht, während bei den Krypto-
gamen sich die Spore (das Pollenkorn) sogleich ohne jene Vor-
bereitung zur Pflanze entwickelt. Schwierigkeiten machen hier
noch die Laub- und Lebermoose, und ganz besonders die
räthselhaften Rhizocarpeen. Doch scheint mir, dafs auch ge-
rade bei dieser letzten Familie noch vieles zu beobachten ist.
Endlich erklärt dieser Vorgang der Embryo-Eatwickelung
sehr leicht und natürlich das, obwohl doch nur höchst selten
vorkommende, Knospenbilden an Blättern (mag ihnen dies nun
immer eigen sein, oder als Abnormität zukommen), als ein blofses
theilweises Zurücksinken auf eine niedere (kryptogamische) Bil-
dungsstufe.
Zum Schlufs dieser kurzen Darstellung mufs ich mir noch
einige Bemerkungen erlauben, theils um ungerechten Beurthei-
lungen zuvorzukommen, theils um ein richtiges Verständnils die-
ses Aufsatzes zu veranlassen.
Erstens bin ich weit entfernt, alle im Vorstehenden vorge-
iragenen Ansichten, als meine eigenen neuen Entdeckungen, in
*) Diese ernährende Function behält auch der Embryosack bei den
meisten albuminösen Samen noch in einer spätern Periode, in der des
Keimens, bei, indem sich Nahrungsstoff in den allmälich/den Embryosack
auskleidenden Zellen anhäuft, der nachher zum Behuf der ersten Ernäh-
rung der jungen Pflanze theilweise wieder verflüssigt und derselben zu-
geführt wird. Bei den Samen mit centralem Albumen (beim soge-
nannten embryo periphericus) ist das Albuınen aber ein Residuum des
Nucleus, und der Raum, den in früheren Stadien der Embryosack ein-
nimmt, wird beim reifen Samen vollständig vom Embryo selbst aus-
gelüllt.
|
317
Anspruch nehmen zu wollen. Ich gönne gern Jedem das Seine
und bin ohnehin nicht sehr versessen auf Priorität, da ich es
für ehrenvoller halte, eine Ansicht durch unermüdete, oft lang-
weilige Untersuchungen über das ganze Gebiet der Wissenschaft
auszudehnen und unumstöfslich zu begründen, als irgend etwas
Neues aufzufinden, wobei. oft ein glücklicher Zufall das meiste
thut. Auch war nicht Mangel an Kunde von dem, was vor-
treffliche Männer vor mir schon geleistet, sondern nur die enge
Grenze des Aufsatzes der Grund, warum ich mich auf die hi-
storische Entwicklung jener Lehren fast gar nicht eingelassen
habe. Diese, so wie die vollständige Ausführung der Untersu-
chungen selbst bleiben dem oben schon erwähnten Werke vor-
behalten, von dem ich hier nur einen kleinen Theil der Resul-
tate geben konnte und wollte.
Im Gegensatz dazu mufs ich aber zweitens bemerken, dals
alles Vorstehende auf eigenen Untersuchungen beruht und dafs
ich auch nicht den geringsten Nebenpunkt selbst auf die beste
Auctorität hin angenommen habe, ohne selbst zuzusehen.
Endlich drittens mufs ich noch erklären, dafs alles-Gesagte
das Resultat wirklicher Beobachtung in der Natur ist,
und nirgends der Speculation (unmittelbare Folgerungen im eng-
sten logischen Sinne ausgenommen) auch nur der geringste An-
theil gebührt. Alles was etwa Neues von einiger Bedeutung
vorkommt, lag schon vor Jahren klar vor mir, ich verschob
aber mit Bedacht die Veröffentlichung, um meinen Untersuchun-
gen durch möglichste Benutzung der reichen in Berlin mir eröfl-
neten Mittel eine solche Ausdehnung zu geben, dafs die Ergeb-
nisse nicht als vereinzelte Thatsachen, sondern als Gesetze für
den ganzen vegetabilischen Organismus begründet erscheinen
möchten.
Es lag in der Natur der Sache, dafs ich hier nur einige
wenige Abbildungen geben konnte, um nothdürftig einige der
wichtigsten Punkte meiner Untersuchungen zu erläutern, und ich
will wünschen, dals ich durch diesen Mangel nur nicht allzu-
häufig unverständlich geworden bin.
Als Beurtheiler wünsche ich nur solche Leute, die die Natu-
selbst als Richterin befragen, und keinen andern Zweck vor
Augen haben, als die Wahrheit, das einzige würdige Motiv
318
aller wissenschaftlicken Bestrebungen, welches auch mich allein
bei allen meinen Forschungen geführt hat; sollte ich dadurch
die Wissenschaft auch nur um ein kleines gefördert haben, so
würde ich mich unendlich glücklich schätzen.
Si quid his rectius novisti, candidus imperti, si non,
his utere mecum. —
Nachtrag. Ich habe in Vorstehendem mich mehrfach auf
Lathraea squamaria berufen und zwar vorzugsweise gern, weil
ich manches gerade an dieser Pflanze besonders klar und deut-
lich gesehen. Nun finde ich so eben, dafs Unger (Beiträge
zur Kenntnifs der parasitischen Pflanzen. Ann.d.Wiener
Mus. Bd. II. p. 50.) dem Embryo der Zathraea die Koiyledonen
und. das Würzelehen abspricht und man könnte mir leicht ein-
wenden, dafs eine solche Pflanze schlecht geeignet sei, gerade
da als Beispiel aufgeführt zu werden, wo ich sie gebraucht. Ich
mufs aber gestehen, dafs ich Unger’s Ausspruch nicht begreife,
da der Embryo von Lathraea so deutliche Kotyledonen hat, dals
man sie schon mit einer 6—8 Mal vergrölsernden Loupe, ein
scharfes Auge aber selbst ohne alle Hülfe erkennen kann. Die
Kotyledonen sind mindestens eben so lang, als der übrige Theil
des Embryo, wie es schon Gärtner abgebildet hat. Olınmög-
lich kann ich mir denken, dafs Unger den Embryo ganz über-
sehen und das allerdings sehr feste Albumen dafür genommen
haben sollte. Uebrigens sind überhaupt die sogenannten Ako-
tyledonen nicht etwa als ein dritter Gegensatz zu den Mono-
und Dikotyledonen anzusehen und ist die Wichtigkeit dieses
Merkmals nur sehr untergeordnet. Bei jeder Art von Pflanzen
kann die Erscheinung vorkommen. Die Sache ist nämlich nur
die, dals der Zeitpunkt der ruhenden Vegetation etwas früher
eintritt, indem die Ausbildung des Embryo in der Frucht nur
bis zu dem Punkte fortschreitet, wo er kugelförmig wird, die
fernere Entwicklung aber aulser der Frucht stetig in die Kei-
mung übergeht, wie dies bei der ganzen Familie der Orchi-
deen der Fall ist.
Pag. 51 will Unger die Orobancheen zu den Labiaten
gezogen wissen. Gerade der einzige Differenzialcharakler der
/ 319
Labiaten, der Bau des Fruchtknotens, geht aber den Oro-
bancheen ab. Dagegen stimmen Lathraea (die beiläufig be-
merkt, ebenfalls Spaltöffnungen hat) und Orobanche in allen Be-
ziehungen mit Ausnahme des lediglieh dem Standorte zuzuschrei-
benden Habitus so völlig mit den Serophularinen überein,
dafs ich durchaus auch gar keinen haltbaren Grund finden kann,
sie von jenen zu trennen. Es würde doch gewils keinem Zoo-
logen einfallen, ein Thier blos, weil es als Schmarotzer lebt,
von seiner natürlichen Familie zu trennen ; warum will man es
bei den Pflanzen anders halten?
Erklärung der Kupfertafel.
Fig. 1. Blüthenknospe von Taxus baccafa im Längsschnitt (fe-
mina). aa. Blätter. b. Grundlage des zweiten Integuments, wel-
ches die Beere bildet. c. Erstes, inneres Integument. d. Nucleus.
Bei dem Ovulum und den beiden innersten Blättern ist durch
eine feine Linie der Verlauf der Oberhaut angedeutet, ebenso
später in Fig. 4, 18, 22 u. 23.
Fig. 2. Längsschnitt eines ganz jungen Pistills von Salvia Clusiü.
a. Carpellblätter. 5. Ovulum. c. Styluskanal.
Fig. 3. Unteres Ende eines kürzlich befruchteten Eichens von
Mirabilis longiflora, Längsschnitt. a. Funiculus. b. Rest des
Nucleus. c. Integumentum simplex. d. Embryosack. e. Pollen-
schlauch, dessen Ende zum Embryo anschwillt. f. Aborlirter
Pollenschlauch.
Fig. 4. Junges Ovulum von Polygonum orientale, Längsschnitt.
- a. Nucleus. b. Wulst, aus welcher sich das Integumentum in-
ternum bildet. ce. Anfang des Integ. externum.
"ig. 5. Schr kleines Eichen von @oodyera procera. a. Integum.
extern. b. Integ. intern. c. Rest des Nucleus. d. Embryosack.
Fig. 6 u. 7. Jugendliche Zustände des Embryo’s von Potamoge-
ton lucens.
Fig. 8. Ein späteres Stadium für Potamog. heterophyllus. a. Plu-
mula. b. Cotyledon noch ungeschlossen.
Fig. 9— 11. Entwicklungsstufen des Embryo’s bei Echium vul-
gare. a. Embryosack. 5. Embryo.
Fig. 12. Spitze des Embryosacks von Phormium tenax mit
dem entstehenden Embryo. a. Embryosack. 3. Pollenschlauch.
ce. Embryo,
320
Fig. 13— 17. Bildung des Embryo’s bei Oenothera crassipes.
a. Embryosack. 5. Pollenschlauch. e. Embryo. d. Terminal-
trieb (punctum vegetationis Wolff.). e. Kotyledonen.
Fig. 18. Weibliche Blüthe von Pinus Abies im Längsschnitt, aus
einem etwa 2” langen Zapfen. a. Carpellblatt (spätere Bractee
R. Brown). 5. placenta (später oflenes Ovarium R. Brown).
c. Nucleus. d. Beginnendes Integument (Cupula auct.). e. Em-
bryosack. Um diese Zeit ist das Carpellblatt schon grün, die
Placenta aber aus wasserhellem saftigem Zellgewebe gebildet.
Fig. 19 — 23. Zur Bildungsgeschichte von Statice atropurpurea.
Fig. 19. Innerer Theil einer ganz kleinen Knospe aa. Stamina.
d. Carpellblätter. Fig. 20. Etwas späterer Zustand. a. Vier noch
getrennte Carpellblätter. 5. Anfang der Eibildung. c. Stelle des
fünften abgeschnittnen Carpellblattes. Fig. 21. Junges Ovulum
‚bei welchem die erste Anschwellung zur Bildung des innern
Integuments schon angedeutet ist. Fig. 22. Späterer Zustand
im Längsschnitt. Das innere Integument «a. hat schon den gan-
zen Nucleus b. überzogen, das äulsere Integument c. fängt kaum
an sich zu zeigen. Fig. 23. Noch später a, b, ce wie vor.
Fig. 24. Ovulum von Lathraea squamaria bald nach der Befruch-
tung im Längsschnitt. a. Integumentum simplex. b. Rest des
Nucleus (Membrana Nuclei R. Brown). c. Embryosack schon
mit Zellen ausgefüllt. d. Pollenschläuche. e. Embryo. ‚f. Blind-
darmähnliche Aussackungen des Embryosacks im Parenchyma
des Eichens. g. Funiculus.
Fig. 25. Antherenzelle von Pinus Abies, vier pollenbildende Zel-
len umschliefsend.
Fig. 25. Pollenbildende Zellen ebendaher nach Absorption der
Mutterzelle. Man sieht in jeder ein Pollenkorn.
Fig. 26. Dieselben nach Einwirkung von Wasser. Zwei Pollen-
körner sind noch im Austreten begriflen.
Fig. 28. Ausgetretenes Pollenkorn ebendaher.
Fig. 29. Zwei pollenbildende Zellen aus Podostemon Cerato-
phyllum.
Fig. 30. Pollen von Podostemon Ceratophyllum vom Stigma ge-
nommen mit einem Pollenschlauch. r
Beitrag zur Kenntnils der Gattungen Campanu-
laria und Syncoryne (Schluls.)
von
SV DE SO“ WIEN.
2. Syncoryna.
(Hierzu Taf. VI. Fig. 19 — 28.)
Von dem Geschlechte Syncoryna Ehrb. kommen an unserer
Küste zwei Arten vor, $. ramosa Ehrb. (Stipula ramosa
Sars) u. 8. Sarsii nob.*) Von beiden erhält man im Anfange des
Monats Juni gute Exemplare, die Folgendes beobachten lassen.
Syncoryna ramosa Ehrb. ist durch Sars’s Beschreibung
hinlänglich bekannt; es dürften nur folgende Details hinzugefügt
werden. Der männliche Polyp (Fig. 19. a.), versehen mit einem
ganz kleinen Munde, der nicht jene Art Lippe hat, welche wir
bei der Campanularia bemerkten, trägt 16 Tentakeln um den
kenlenförmigen Kopf zerstreut, welche von der Länge des letz-
teren sind. Ihr Bau (Fig. 22.) ist ziemlich unähnlich dem bei
den Sertularinen geltenden. Sie sind zwar, wie bei diesen, von
der äufsern Membran gebildet, und in ihrer Höhle findet man
keine Bewegung einer Flüssigkeit, aber ihre Oberfläche ist voll-
kommen glatt, und die Höckerchen sind nicht über ihre ganze
Länge zerstreut, sondern an der Spitze gesammelt, so dals sie
die Form einer Knopfnadel haben. Die innere Höhle ist, wie
dort, in Zellen getheilt, aber die kleinen Querlamellen, welche
diese bilden, sitzen mehr unregelmälsig, fast in einer Spirale,
d sind durch eine schmale, der Länge nach laufende, memw-
branöse Columelle vereinigt. An dieser sitzen hier auch die
kleinen, gefärbten, aber unbeweglichen Körner. Der Endknopf
ist ganz bedeutend, sphärisch, und nur aus Papillen zusammen-
esetzt, deren Natur als Saugwarzen hier deshalb deutlicher zu
en schein!, weil jede in der Mitte einen kleinen Knopf hat.
*) Die Diagnosen beider Arten siehe am Schlusse,
7) I. Jahrg. 1. Band, 21
322
Aufsen um das ganze Capitulum legt sich die äulsere Mem-
bran sehr nahe an die innere, welche die Cavität selbst bildet;
unterhalb des Magens dagegen aulsen an dem Stücke, welches
noch nicht von einer Hornröhre umschlossen ist, verschmälert
sich der Darm bedeutend, und hier ist die äulsere Membran durch
ein cellulöses Gewebe damit vereinigt.
Die Weibchen (Fig. 19, 2. Fig. 20.), deren eins oder zwei
an der Basis eines jeden männlichen Capitulums salsen, sind von
einer höchst merkwürdigen Gestalt. Gleich unter dem untersten
Fühler des Männchens geht ein kurzer Stiel ab, ein Ausläufer
aus dessen Darmröhre. Dieser trägt eine glashelle, vier- oder
fünfeckige Glocke, in deren Innerem ein freistehender, keulen-
förmiger, gegen die Spitze schmälerer Körper befindlieh ist, wel-
cher eine mit der Darmröhre deutlich in Gemeinschaft stehende
Höhle enthält. Dieser Körper ist des Thieres Magen; er jst in
der Spitze mit einem sehr kleinen Munde (Fig. 20, a.) versehen,
welcher von etwa 10 kleinen Erhabenheiten (Fig. 26.), Rudi-
menten von Mundfühlern, umgeben wird. Er ist seiner ganzen
Länge nach von einer gelbbraun gefärbten Hülse umgeben, wel-
che, wie eine genauere Untersuchung ergiebt, aus Eiern besteht,
die reihenweise dicht hinter einander liegen. Wendet man den
Prefsschieber an, so spriugen sie durch die Haut, welche sie be-
deckt, mitten auf der Stelle, an welcher sie liegen, heraus, drän-
gen sich aber nicht nach oben. Die äulserste, glockenförmige
Hülle besteht aus einer sehr dünnen, glashellen Membran, deren
äufsere Fläche ein unregelmäfsiges Netz von feinen, wenig zu-
sammenhangenden Maschen (Fig. 24.) und kleine, ohne Ordnung
und nicht sonderlich dicht verstreute Papillen zeigt. Der obere
Rand der Glocke ist in vier, bisweilen fünf, Abtheilungen ge-
theilt, welche durch eben so viele knopfförmige, nach innen und
unten in Lappen verlängerte Erhabenheiten — Fühler, Randeirri
(Fig. 20, 5. Fig. 21, a.) geschieden sind. Von der Basis des Ma-
gens gehen eben so viele Gefälse ab (Fig. 20, c. Fig. 21, .), wel-
che entsprechender Weise aufwärts laufen und innerhalb der
Fühler sich zu kleinen Cavitäten erweitern. An der ganzen
Länge eines jeden Gefälses ist die Substanz der Glocke etwas};
dicker, so dals sie davon ein eckiges Ansehen bekommt. Vom f
Magen des männlichen Polypen aus durch das Stielchen des
323
Weibehens in den ihrigen, und aus diesem durch jene Gefäfse
in. deren obere Erweiterungen hinein geht eine beständige Be-
wegung von Kügelchen, derjenigen gleich, welche wir bei der
Campanularia beschrieben haben, vor sich. Vorzüglich stark ist
das Gewimmel und sind die vibrirenden Schwenkungen der Körn-
chen lebhaft in den letzteren. : Unter dem Rande der Glocke,
und zwischen jenen, läuft rund herum ein Band (Tig. 21,e.),
welches man für ein Ringgefäls ansehen möchte; aber ich sah in
ibm nie die Bewegung sich fortsetzen, und betrachte es daher
‘vielmehr als einen Muskel.
Die lebhaften Bewegungen der Glocke bestehen in häufigen
transversellen und seltneren longitudinellen Zusammenziehungen
und Erweiterungen, eine Abwechselung der Systole und Diastole,
denen der Akalephen völlig gleich. Der Magen nee sich
dagegen unbedeutend.
Syncoryna Sarsii nob. Einige Tage später, als die eben
angeführten Beobachtungen gemacht worden waren, erhielt ich
diese Art, auch mit Weibchen, deren zwar wenigere da waren,
aber dagegen in solcher Gestalt, dafs ich: beinahe vermuthete,
es wären die vorher beobachtelen, nur nicht ganz ausgebildet.
Was mir zuerst bemerkenswerth verkam, war, dafs sich die
Weibchen nicht blofs an den männlichen Capitulis befestigt fan-
den, sondern auch von Röhren ohne Männchen (Fig. 25.) ausgin-
gen. Bei allen war die Glocke‘mehr kugelrund und niederge-
drückt, und der Magen, flaschenförmig und ohne Eier, machte
lebhafte Bewegungen, indem er sich bald ausstreckte, bald nach
den Seiten bog. Die Glocke war oben nicht ganz oflen, ‚son-
dern mit einer in der Mitte durchbohrten, der bei Oceania,
Thaumantias etc. gleichen, Haut (Fig: 25, a.) bedeckt, welche,
wie es bei diesen Quallen geschieht, sieh mit jeder Diastole
der Glocke einwärts zog. Ferner waren die Randeirren hier zu
langen, knoligen, selır beweglichen, ausdehnbaren, hohlen Fäden
ausgebildet, und an der Basis eines jeden von diesen erschien,
über der Erweiterung des Längsgefäfses, ein Punkt von glänzend
rother Farbe (Fig. 25, b. Fig. 28, a.), ein Auge. wie Ehrenberg
uns gelehrt hat, dergleichen Organe bei den Echinodermen und
Akalephen zu deuten.
Die Anzahl der Weibchen war hier im Verhältnisse zu der
u,
324
der Männchen viel geringer, als bei .S. ramosa, und keines dev-
selben 'hatte Eier. Ich vermuthe deswegen, dafs sie sich, nach-
dem die Eier entwickelt worden sind, freiwillig ablösen und
ihr Leben als ‘freie Thiere fortsetzen. Indessen ward es mir
nicht möglich, dies zu beobachten; denn alle ferneren Beobach-
tungen wurden unglücklicher Weise abgebrochen, und die Hofl-
nung, sie erneuern zu können, wurde getäuscht. Zur weitern
Erklärung mufs ich daher anführen, was zwei ausgezeichnete
‚ Forscher von hierher gehörenden Beobachtungen berichten. 4
Rud. Wagner *) fand an vielen Individuen der Coryne
aculeata Wagn. hinter den Fühlern gröfsere und kleinere ge-
stielte Knospen, welche, — man vergleiche seine Beschreibung
mit der unsrigen — nichts anderes, als Weibchen waren. Seine
Zeichnung (Fig. 26.) insbesondere läfst hierüber keinen Zweifel
übrig. Die Lage der Eier, die vier „Hörner“ und die Bewegun-
gen, „welche ganz denen der Medusen glichen,“ sind: völlig die-
selben. Als Resultat der Beobachtung ging die folgende Ansicht
hervor: der Polyp treibt, sobald er selbst so weit ausgebildet
ist, dafs er fünf Fühler hat, aus seinem Innern nach der Seite
gerichtete Fortsätze oder Kapseln hervor, ‚welche allmählig durch
eine Einschnürung gestielt werden und inwendig aus dem Schleim
Eier oder Gemmen hervorbringen; wenn diese reif sind, so fallen
die Kapseln ab, bewegen sich, die Eier treien heraus, fallen auf
den Boden und befestigen sich.
Sars beschreibt in seiner letzten vortrefflichen Arbeit **)
ähnliche Knospen an Corymorpha nutans Sars. Dicht über den
langen Fühlern stehen dichotomisch verzweigte Fäden, „Eier-
stöcke,“ an deren Enden die („uneigentlich so genannten“) Eier
traubenweise sitzen. Diese sind gestielt, oben breiter, und. ent-
halten in ihrem Innern die „‚wichtigsten Theile eines werdenden
Polypen,“ nämlich in der Mitie einen Theil, welcher nach Form
und Bedeutung der „Keule“ (dem männlichen Capitulum) ent-"
spricht, und am obern, breiten Ende vier Knoten, die sich in-
wendig nach unten als Röhren fortsetzen. Der eine von diesen
u ee
*) Isis 1833, S. 256, Tab. XI
**) Beskrivelser og Jagttagelser over nogle märkelige eller nye i
Havet ved den Bergenske Kyst levende Dyr ete. Bergen, 1835.
325
ist allezeit grölser, als die anderen, und endigt sich mitxeiner
runden Knospe. Diese soll sich, nach des Verfassers Ansicht,
zum Stiele entwickeln, während der innere Theil zum Polypen-
kopfe wird. Denen, welche wir beschrieben, gleichende Bewe-
gungen bestätigten diese Deutung.
Wagner’s Beobachtungen stimmen völlig mit den meini-
gen überein, und, hälte er die von Ehrenberg hervorgerufene
Deulung der „Kapseln“ gekannt, so würde sicher nichts hinzu-
zufügen gewesen sein. Sars, dessen Erklärung des von ilm
Geseheuen durch die Ansichten älterer Schriftsteller veranlalst
worden zu sein scheint, bat überdies die vier Gefälse in der
Glocke gesehen. Beide erwähnen die, denen der Akalephen
ähnlichen Bewegungen. Aber noch ist übrig, genau zu beob-
achten, wie die Weibchen sich frei machen und die Eier sich
entwickeln.
Lebhaft erinnern diese Gestalten der Weibchen an verschie-
dene Medusen, z. B. Cytaeis tetrastyla Eschsch. *); sie sind viel-
leicht bisweilen mit ihnen verwechselt worden. Die Analogie
der äufsern Glocke mit der .‚Scheibe‘* der letzteren, die vier
Gefälse, die Randeirren, die Lage des Magens, Alles ist gleich **).
Die Vergleichung mit den Weibchen der Campanularia bietet
folgende Aehnliehkeiten und Verschiedenheiten dar. Beiden ge-
meinschaftlich sind: eine äufsere, sackförmige, glashelle Hülle,
deren Rand Fühler (Cirri) trägt, und in deren Wänden Gefälse
den Nahrungssaft aus dem Magen führen, welcher selbst ent-
standen ist durch ein Hervorsprossen aus des Thieres gemein-
shaftlicher Darmröhre und von Eiern umgeben wird. Aber die
unähnliche Form der äufsern Hülle, die verschiedene Anzahl der
Fühler, die Anwesenheit von Augen, wenigstens bei Syncoryna
*) System der Acalephen, Tab. 8, Fig. 2.
**) Noch merkwürdiger erscheint uns diese Aehnlichkeit, wenn wir
die Strobila octoradiata Sars. nach Sars’s neuesten Beobachtungen,
a.a.0. S. 16, Taf. 3., vergleichend betrachten. Diese völlig acalephen-
ähnlichen Thiere, welche in Menge aus dem Körper eines Polypen her-
vorwachsen, welcher das ganze Ansehn und die Organisation eines Hy-
drin’s hat, — sehen wir nicht in ihnen eine so anlockende Analogie mit
Syncoryna, dafs wir nicht anders, als mit grolser Sehnsucht, der Kennt-
nils ihrer weiteren Entwickelung entgegensehen können?
326
Sarsiü, die Lebhaftigkeit der Bewegungen bei dieser Gattung,
die fast völlige Unbeweglichkeit der Campanularia, das wahr-
scheinliche Freiwerden der Ersteren, das räthselhafte Verschwin-
den der Letztern — Alles deutet auf wichtige Verschiedenheiten.
Wenn einmal die Entwickelungsgeschichte der Tubularinen be-
kannt sein wird, dann wird eine künftige Systematik von ihr
und von ‚den oben erwähnten Unähnlichkeiten die Charaktere
für neue Ordnungen entnehmen.
Diagnosen der beiden Arten.
l. Syncoryna ramosa Ehrb. Seaqnipollicanie, tubulis 7,” crassis,
rugosis, gemmis arrectis, flexuosis fruticulosa et intricata; g tentaculis 16;
2 elongato-campanulatis, eoecis, campanula aperta cirris evanidis. Hab.
in fundo petroso inter ostreas et algas, profundit. 12—16 org.
2. Sync. Sarsii Low. Semipollicaris, capillacea, tubulis 45" — 45"
erassis, laevibus, gemmis elongatis arrectis parce ramosa, g' tent. 10—16;
Q globosis, eirris elongatis, oculis exquisite rubris, campanula membrana
perforata clausa. Hab. in fissuris rupium, etiam in aqua staguante ad in-
sulam Mässkär ete. Bahusiae. £
Erklärung der Figuren auf Taf. VI.
Campanularia geniculata (Sertularia genieulata Müll.) d.
Fig. 1, männliche Zelle mit einer männlichen Knospe. 2, leere
männliche Zelle mit ihrer Scheidewand. 3. die Scheidewand
denen Stellungen. 8, der auf der Scheidewand ausgebreitete
Pylorustheil des Magens. 9, eine neugebildete Zelle. 10, eine
ähnliche, noch mit einer buchtigen Haut bedeckte, während
das eingeschlossene Thier sich ausbildet.
Campanularia geniculata Q und Junge.
Fig. 11, weibliche Zelle. 12, der obere Theil einer solchen,
nachdem die Weibchen heraus sind. 13, eine ähnliche. 14, ein
freies Junges oder Larve. 15, ein Junges, welches sich kürz-
von der Seite. 4, ein Fühler. 5, 6, 7, der Mund in =
lich festgetzt hat. 16, ein ähnliches mit neu angefangenenı
Stamme. 17, ein ähnliches, mehr entwickeltes, 18, verschie-
dene Formen von Jungen. A
Syncoryna ramosa Ehrenb. J 2 und Syncoryna Sarsii
nob. 9.
Fig. 19, Syncor. ram. Ehrenb. Z 9. 20, dieselbe Q 21, der
Rand der äufseren Hülle des Weibchens. 22, ein g' Fühler.
23, die rudimentären Mundfühler des Weibchens. 24, ein Stück
der äufsersten Haut. 25, Syncor. Sars. nob. 2. 26. 27, deren
Mund mit den Fühlern. 28. die Basis eines Randeirrus ınit
dem Auge.
Y
nn —
en
Ueber die
Fortpflanzung des Pteroptus Vespertilionis Dufour
von
Ihr. 'U. Nitzsch.
(Hierzu Taf. VII. Fig. 1-1.)
Man findet auf der nackten Flughaut unserer Fledermäuse
sehr gewöhnlich, jedoch meist nur sparsam, eine, das haarige
Fell durchaus meidende Schmarotzer-Milbe, welche seit
Frisch von mehreren Schriftstellern, theils unter dem Namen
Acarus Vespertilionis beschrieben und abgebildet, von Latreille
zur Gattung Gamasus gezogen, von Leon Dufour aber Piero-
ptus Vespertilionis genannt wurde *).
*) Frisch, Insekten VII. 12. tab. 7. Fledermaus-Laus.
Linn&, Fauna suecie. edit. sec. Pediculus Vespertilionis.
_ Systema naturae edit. XII. I. Acarus Vespertilionis.
Baker, Beitr. z. Gebr. d. Mikrosk., aus dem Engl. übers. 528. tab.
XV.E.F.6G. Die Laus einer Fledermaus (Louse of the Bat).
Göze, in Beschäftig. d. Berl. Ges. naturforsch. Freunde. II. 259.
tab. 7. fig. 3— 17.
Schrank, Fauna boica III. 207. Fledermausmilbe (Acarus
Vespertilionis).
Herman, Mem. apterologique. 84. tab. I. f. 14. 'Acarus Vesper-
tilionis.
Latreille, Genera Crustac. et Insect. I. 147. Gamasus Vesper-
tilionis,
Leon Dufour, in Annales des sciene. natur. XXVI. 98 u. 257.
Pteroptus Vespertilionis.
Audouin, ebenda tome XXV. 402. tab. IX. f. 6 — 10. Pteropte
de Chaure- souris.
Duges, Hecherches sur l’ordre des Acariens etc. in den Annales
des sciene. nat. Zool. tome I. 5 u. 144, wo auch der Galtung Pteroptus
gedacht wird, habe ich leider noch nicht benutzen können.
Sundevall, Oonspeetus Arachnidum p. 37. Pteroptus
W
328
Wiewohl ich diese Fledermaus-Milben einigemal ziemlich
häufig auf Vespertilio Myotis und V. Daubentonii vorland, so bin
ich doch bis jetzt nicht im Stande gewesen, mich mit ihrer Un-
tersuchung ernstlich zu beschäftigen und derselben so viel Zeit
zu widmen, als nöthig gewesen wäre, um manche in den vor-
handenen Beschreibungen gebliebene Lücken auszufüllen, beson-
ders die erheblichen Verschiedenheiten, welche die gegebenen
Darstellungen solcher Milben bemerken lassen, nach Alter und
Geschlecht gehörig bestimmen und über ihre sehr wahrschein-
liche specifische Uebereinstimmung entscheiden zu können.
Indessen habe ich vollkommen ausgemittelt: dafs der
Pteroptus vespertilionis keineswegs eierlegend (wie
Göze glaubte) *), sondern lebendig-gebärend ist; dafs
derselbe nur ein Junges auf ein Mal gebiert; dafs die-
ses gleich mit acht Fülsen zur Welt kommt, aber als
jüngerer Foetus oder Embryo nur sechs Fülse hat,
also im Mutterleibe schon eine Verwandlung erfährt.
welche bei vielen andern, namentlich auch parasitischen Milben-
galtungen erst nach der Geburt oder dem Ausschlüpfen aus dem
Eie vor sich geht.
Ich hatte diese Verhältnisse vermuthet, insofern der Wohn-
platz dieses Parasiten die genaueste Untersuchung erlaubt, ich
aber niemals eine Spur von Eiern oder sechsfülsigen Jungen auf
Koch, in Panzer’s Deutschlands Insekt. fortges. von Herrich-
Schäffer, Heft 137. tab. 21. Pteroptus acuminatus, und tab. 22. Pte-
roptus abominabilis.
Ich unterlasse Geoffroy, Scopoli, Fabrieius u. A. anzuführen,
welche diese Milbe nicht selbst geschen zu haben scheinen, und nur
eine entlehnte sehr dürftige Bezeichnung derselben oder wenig mehr als
den blofsen Namen geben, was freilich auch von Linne, Schrank und
Latreille gilt. Die Gattungsnamen Gamasus und Pteroptus anlangend,
so bekenne ich, nicht zu wissen, woher der erste genommen ist, und
wie Pteroptus nach Hrn. Leon Dufour (a.a. ©. S.98.) „suceur de
l’aile* bedeuten kann. Da aber der letztere Name, vielleicht eine an-
“ dere angemessene Deutung (qus in ala conspicitur) erlaubt, so habe
ich denselben nicht ändern wollen. N.
*) Göze nahm unglücklicher Weise die schwarzen kugeligen Ex-
eremente für Eier, und bildete sich ein, dafs eine junge Milbe, die er
daneben fand (und am angef. Orte in einer verzerrten Figur dargestellt
hat) aus einem solchen vermeintlichen Ei ausgewachsen sei.
329
der nackten Flughaut der Fledermäuse wahrnahm,' wenn selbige
auch zahlreich mit alten und jungen’ Milben besetzt war.‘ Eben
diese Vermuthung veranlafste mich, im‘ Juni des Jahres 1825
einige auf Fespertilio Daubentonii gelundene Individuen, welche
wegen ihres angeschwollenen ’Leibes trächtige Weibchen zu sein
schienen, zu öffnen. Wirklich fand ich in jedem dieser Indivi-
duen zwei bis drei, ein Mal sogar vier als solche leicht erkenn-
bare Foetus, und zwar theils unreife sechsfülsige von ver-
schiedener Gröfse, theils meist aulserdeni' noch einen ausgetra-
genen, zur Geburt reifen, mit acht Fülsen, dergleichen in einer
trächtigen Milbe aber nie mehr als ein einziger vorhanden war,
welcher freilich fehlte und fehlen mufste, wenn die Muttermilbe
eben geboren, oder noch keine Frucht so weit ausgetragen hatte.
Die sechsfülsigen Embryonen sind weich, milchweils
und durchaus ohne Haare. Ihre eingekrümmten ‚an die Brust
angelegten Fülse sind ungegliedert, konisch und am Ende abge-
stumpft, inden sie des Haftapparats noch gänzlich ermangeln.
Die von oben wie von unten gut sichtbaren Palpen ebenfalls
gliederlos, dick, kurz. Der hintere Theil des Rumpfs ragt fulslos
und frei gleich einem Abdomen nach hinten ‚hervor und endet
mit geringer Abnahme der ziemlich gleichen Breite, bei jüngern
und kleineru mehr abgerundet, bei den gröfsern wie queer ab-
geschnitten, mit einer stumpfen, den Hinterraud begrenzenden
Seitenecke. ft
Bei einem der jüngsten Individuen schien der weiche Pan-
zer auf der Rückseite noch nicht geschlossen zu sein, wie denn
a priori schon anzunehmen ist, dafs der Dotter von der Rück-
seite eindringt. |
Der ausgetragene achtfülsige Foetus hat den Rumpf
rundlich und auf dem Rücken am Rande deutlich begrenzt, was
bei den vorigen noch nicht der Fall war. Jederseits sind drei
stumpfe Ecken desselben angedeutet, eine spilze unpaare ist
hinten (diese statt des breiten abdominalartigen Hintertheils der
unreifen Individuen). Die Fülse zeigen Gliederung; aber die Zahl
der Glieder, deren sieben sind, ist, so wie die der eingekrümm-
ten Palpen, schwer genau zu erkennen. Der Haftapparat ist am
Ende aller vier Fufspaare deutlich und besteht, wie bei den alten
Milben dieser Gattung, aus zwei Krallen und einem breiten, fast
330
dreieinigen’aber veränderlichen Haftlappen. Auch die, den sechs-
fülsigen Embryonen mangelnde Behaarung ist vorn an den Fülsen
sehr augenfällig. Die Farbe ist gelblich - weils; die dunkle Zeich-
nung älterer geborner Individuen, welche nur yon einem durch-
scheinenden Nahrungskanal herrührt, fehlt noch.
Mehr als die angegebenen beiden Foetusformen hat mir die
Anatömie dieser Fledermausflügelmilben, welche, im Collegio vor
vielen Zeugen auf gut Glück in der Eile unternommen, bei der
Kleinheit der Thiere und der pergamentartigen Härte ihres Pan-
zers sehr roh sein mulste, damals nicht eingetragen. Ich bedauere
zumal, die frühern Bildungsstände nicht untersucht zu haben;
denn es ist durch die fortgehende successive Ausbildung einzel-
ner Früchte die Möglichkeit gegeben, in einer Muttermilbe dieser
Gatiung alle Siufen der Entwiekelung von der Wagnerschen
Keimschicht an bis zur ausgebildeten achtfülsigen Form zu glei-
cher Zeit vorzufinden und zu verfolgen.
Die Abbildungen auf Taf. VIII stellen drei in einer träch-
tigen Milbe beisammen gefundene Embryonen vergrölsert dar.
Fig. I, ein jüngerer Embryo von der Bauchseite gesehen; vorn
die Palpen; an jeder Seite drei nach unten gekrümmte stumpfe
Fülse.
Fig. II, ein älterer unreifer Embryo, ebenfalls noch mit sechs
Fülsen, von der Rückseite gesehen.
Fig. III, ein ausgetragener achtfülsiger Foetus von der Rück-
seite; die Beine, welche wie bei den vorigen, eingekrümmt und
an die Brust angelegt waren, sind hier hervorgezogen, um sie
von der Rückseite sichtbar zu machen. Die Nebenfigur stellt ein
stärker vergröfsertes Fulsende mit zwei Krallen und einem. drei-
einigen Haftlappen desselben Foelus dar.
|
.
Neues Genus von Wasserschlangen
beschrieben
von
Joh. Jakob Tschudi.
(Hierzu Taf. VII. Fig. 1— 7.)
I. einigen Sendungen von Amphibien, die Hr. Prof. Schönlein
aus Celebes erhielt, befanden sich auch mehrere Hydern aus den
Genera Hydrophis Wagl., Platurus Latr., Pelamys Daud., Acro-
ehordus Hornst., aufser diesen aber auch eine neue Species von
Wasserschlangen, die ich als Typus eines eignen Genus betrach-
tete und hier nälıer charakterisiren will.
Wesentliche Charaktere des Genus: Der Kopf der Schlange
ist mit Schildern bedeckt, die den Wirbelschild kreisförmig um-
geben. Die Nasenlöcher sind im hintern äufsern Winkel der
Nasenschilder *) grofs, halbmondförmig, schliefsbar. Die Augen
ziemlich klein, Pupille rund. Zwei vordere Augenschilder und
ein Zügelschild sind vorhanden. Der Rumpf ist seitlich zusam-
mengedrückt, einen Kiel längs dem Rücken und dem Bauche
bildend; in der Miste am dicksten gegen den Alter zu abneh-
mend. Die Schuppen sind hexagonal, auf dem Rücken in die
rhombische Form übergehend und liegen ziegelförmig über ein-
ander. Die Schuppen des Halses sind am kleinsten, werden
gegen den Rücken zu größer, und am breitesten am Bauche,
_ wo sie das Ansehn von kleinen Schildcken erhalten. Ihre Zahl
ist daselbst 166. Im Oberkiefer sind 2 durchbohrte Giftzähne,
hinter diesen kleine, derbe nach hinten gebogene Zähnchen.
*) Hier findet sich aufser den 2 Paar Stirnschilder, auch noch ein
Paar wirklicher Nasenschilder, die aber, nicht wie bei den Colubroiden
seitlich, sondern zwischen dem Lippenschild und den vordern Stirn-
schildern liegen, also ihrer Lage nach vorderste Stirnschilder heifsen
sollten
332
Beschreibung der Species: Der Kopf ist nicht unterschie-
den, von oben zusammengedrückt, stark nach vorn abfallend,
sehr kurz und stumpf. Die Maulwinkel gegen das Hinterhaupt
rasch emporsteigend. Nasenlöcher nicht weit von der Mund-
kante abstehend im hintern äußern Winkel der Nasenlöcher.
Die Augen sind seitlich, doch. hoch, oben, mittelmäßsig grols,
wenig heıvorstehend, rund mit runder Pupille. Ihre Entfernung
von den Nasenlöchern gleich weit, wie von den Mundwinkeln.
Eine Linie von einem Mundwinkel zum Nasenloche auf der näm-
lichen Seite gezogen berührt die untere Seite des Auges kaum *).
Schilder. Das Rüsselschild, sc. rostrale, ist vieleckig,
ziemlich grols, unten ausgebuchtet. Die Nasenschilder, se.
nasalia, unregelmäfsig sechseckig, die Seiten, mit denen sie ans
sc. rostrale stolsen, abgerundet; die vordern Stirnschilder,
sc. front. ant., ziemlich klein, ebenfalls unregelmäfsig hexagonal.
Die hintern Stirnschilder, sc. front. post., bedeutend klei-
ner, als die vorigen, unregelmäßig viereckig. Das Wirbel-
schild, sc. vertebrale, polygonisch, fast rund, ziemlich grofs;
dieHinterhauptsschilder, sc. occipitalia, ablang pentagonisch.
Auf diese folgt eine unregelmäfsige Schuppenbildung, neben ih-
uen liegen die Schläfenschilder, sc. temporalia, länglich un-
regelmälsig vieleckig. Die Zügelschilder, sc. lorea, auf jeder
Seite eins, sind ziemlich klein, fünfeckig, die vordern Augen-
schilder, sc. ocul. anter., zwei, von denen das obere länglich,
das untere mehr quadratisch ist. Die hintern Augenschil-
der, sc. ocularia post., zwei, ziemlich gleich grofs, fünfeckig.
Die Augerbraunschilder sehr stark entwickelt, ablaug pen-
tagonisch. Von den Randsehildern der Oberlippe, seut.
marg. lab. sup. sind die äulsersien sehr klein, schuppenartig,
fast eylindrisch, die übrigen länglich rhowbisch gsler fünfeckig,
die Unterlippenschilder, scut. lab. med., herzlörmig, schmal.
Eigentliche Randschilder des Unterkiefers viere, wovon
das den Lippenschildern nächste, das längste und rhombisch.
*) Ich fand fast immer, als sehr eonstantes generisches Kennzeichen
bei den oft, sehr schwierig zu unterscheidenden Sippen der Schlangen,
das Verhältnifs des Auges zu einer Linie, die man sich von einem Mund-
winkel zum entsprechenden Nasenloche gezogen denkt.
333
Das zweite ist klein, das dritte und vierte fast gleichlang qua-
dratisch.. Von der Mitte des Unterkiefers bis zum Maulwinkel
sind noch vier Schuppen, von denen die ersten regelmäfsig fünf-
eckig, die nächsten 'viereckig sind. Die Kinnschilder, scut.
mentalia, sind grols, fast'rund.' Durch die kreisföormige Anord-
nung der scut. oceip., tempor., supercill., front. post. et ant., um
das Wirbelschild bekömmt der Kopf das auflallende Ansehn, als
wäre er mit einer Krone geziert, wozu die mehr oder. weniger
rundliche Form eines’ jeden dieser Schilde bedeutend beiträgt.
Eben so ist die Anordnung der Schilder um die Augen mehr
oder weniger kreisförmig, was dem Kopfe ein sehr schönes An-
sehn giebt. Die Nasenschilder (siehe Profil Fig. 4.) bilden einen
Absatz, indem der Kopf bis zu den vordern Stirnschildern eben
fortläuft, dann schnell abfällt; was dem Profile den tückischen
Ausdruck, der den meisten Giftschlangen eigen ist, verleiht. Die
Schuppen an der Kehle sind ziemlich klein, der Rumpf ist drall
bis fast gegen die Mitte, wo er anfängt zusammengedrückt zu
werden und anschwillt, seine Dicke nimmt gegen den After zu
ab, die Compression bleibt. Die Schuppen am Halse sind klei-
ner, als am Rücken, wo sie, wie an den Seiten, eine ziemliche
Gröfse erlangen. Der Typus derselben ist ein regelmäßiges Sechs-
eck, sie verschieben sich aber in einen Rhombus mit fast abge-
rundelen gegenüberstehenden Winkeln. Sie liegen übereinander.
An den Seiten liegen mehrere Reihen solcher Schuppen, deren
jede mit einem kleinen hervorspringenden Punkte versehen ist.
Die Bauchschildchen sind gegen den Hals zu sehr regelmälsig,
schmal, weiter nach der Mitte des Leibes zu werden sie gröfser
und an der hintern Seite ausgebuchtet, und bilden auf diese
Weise einen Kiel nach der ganzen Länge des Bauches. Jedes
dieser Schildelien ist gewöhnlich mit 7 kleinen Punkten bedeckt,
von denen 3 von jeder Seite her gegen die Mitte des Kiels kom-
men, das siebente auf dem Kiele selbst steht, oberhalb der sechs
andern, wodurch die Kante, der Länge nach das Ansehn der
Schenkelpapillen der Eidechsen erhält. Der After ist mit zwei
rhombischen Schildchen bedeckt, die seitlich über einander lie-
gen. Der Schwanz ist ziemlich kurz, sehr stark zusammenge-
drückt, ruderförmig, und wenig niedriger als der Rumpf. Die
Höhe beim After ist die geringste des ganzen Körpers. Die Be-
334
schuppung des Schwanzes ist sehr regelmäfsig. Sie wird von
grolsen Sechsecken gebildet, die nicht, wie am übrigen Körper,
aufeinander, sondern nebeneinander liegen. Es sind auf jeder
Seite sechs Reihen, von denen die oberste und unterste sich’ uam
die Schwanzkante herumbiegt, und ‚auf der andern Seite fort-
setzt, im Ganzen also nur 10 vollständige Reihen. Das Schwanz-
ende nimmt ein grolses unregelmälsiges Schild ein. Die untere
Schwanzkante ist ausgebuchtet.
Farbe. Diese Schlange gehört zu den einfarbigen Wasser-
schlangen, deren auch Peron in seiner Reise nach Australien
Erwähnung thut, Sie ist am ganzen Körper braun, scheint die
Sonne auf sie oder wird die Schlange trocken, so schillert sie
ins ‚stahlblaue und hernach ins silberweilse. Die Seiten des
Kopfes und die Kehle sind gelblichbraun, die Punkte auf den
Schuppen sind dunkler als die Schuppen selbst. ‚Häutet' sich die
Schlange im Weingeist, so wird sie schmutzigweils.
Länge der ganzen Schlange von der Schnauze
zur Schwanzspitze 30” 6” par.
Länge des Schwanzes 4" 6"
Länge des Kopfes 93”
Breite des Kopfes gerade vor den Augen 54”
Umfang des Leibes bei seiner grölsten Dieke 3" 4”
Höhe des Schwanzes 114”
Höhe des Leibes beim After gar,
Den Zahnbau dieser Schlange anbelangend bemerke, ich Fol-
gendes:
Im Oberkiefer befindet sich auf jeder Seite ein langer, stark
rückwärts gebogener sehr fein auslaufender durchbohrter Gift-
zahn. Hinter jedem derselben sind acht’kleine, derbe, nach hin-
ten gebogene Zähnchen. Zwei Reihen Gaumenzähne sind vor-
handen, von denen jede aus 10 bis 12 dünnen, langen Zähnen
besteht, von denen die ersten stark nach hinten gebogen sind,
die folgenden mehr, so dafs die vom fünften an unter einem
äufserst spitzen Winkel mit dem Gaumenbeine zusäammenstolsen.
Die Unterkieferzähne sind zahlreich, derb, kurz, gedrängt, nachı
hinten gebogen. — Von der Lebensweise, Nahrung und Fort-
pflanzung dieser Hyder ist weiter nichts bekannt. Ihr Vaterland
ist der ostindische Ocean.
u u
335
Genus *) Stephanohydra mihi.
Caput subdistinetum, in fronte declive, nares superae, ma-
gnae, semilunatae, in scutorum nasalium angulo postico externa.
Scutunr loreum unum. Scuta oeularia anteriora 2. In medio
trunco compressa. Squamae notaei parvae dorsi laterum-
que majores, hexagonae seu rhomboideae imbricatae, gastraei
magnae hexagonae puncetulis pluribus prominulis, caudae ma-
gnae oblongo-hexagonae postpositae. Cauda remiformis. Post
longum telum utrinque dentes parvi, densi, reflexi. Dentes
palatini 10 — 12 utrinque reflexissimi.© (Corpus in medio in-
tumescens.) Asia.
Species. Stephanohydra fusca. mihi.
St. corpore supra fusco, infra helyolo-fusco. Long. corp. 30” 6”.
Erklärung der Figuren.
Fig. 1. Stephanohydra fusca Tsch. natürliche Grölse.
Fig. 2. Kopf derselben von oben —_ _
Fig. 3. Kopf derselben von unten _ —_
Fig. 4. Profil des Kopfes — —_
Fig. 5. Durchschnitt der Schlange am Hals .—
Fig. 6. Durchschnitt der Schlange am Körper in seiner gröfs-
ten Höhe.
Fig. 7. Durchschnitt des Schwanzes.
Filaria? im Gehirn eines Eidechsen -Fötus.
(Briefliche Mittheilung vom Prof. Ratlıke.)
In den nachfolgenden Zeilen will ich Ihnen ‚über einen Fall
Bericht ‘geben, der deshalb, weil bis jetzt, so! viel mir wenig-
stens bewulst, kein ihm ähnlicher bekannt geworden ist, wohl
werth sein dürfte, dem gelehrten Publikum vorgelegt zu werden.
*) Ich zeige hier nicht an, welche Stelle dieser Genus im natürli-
chen Systeme einnehmen muls, indem ich es, da die Systematik der
Wasserschlangen, so wie ihre Einreihung in die Systeme, noch höchst
unbefriedigend ist, später in einer Monographie dieser Familie thun
werde.
336
Wollen Sie ihın eine Stelle in Ihrem Archive gestatten, so wür-
den Sie mich recht‘ sehr erfreuen.
‚Als ich ver einigen Tagen die Eier einer trächtigen Lacerta
agilis untersuchte, und aus dem einen Eie den Embryo, der vom
Scheitel bis zum Schwanzende gemessen 14 Linie lang war. und
erst zwei Kiemenspalten besafs, unter dem Mikroskope .betrach-
tete, bemerkte ich in der wässrigen Flüssigkeit des Gehirnes,
das noch eine sehr dünnwandige Blase darstellte, sehsi.oder sie-
ben weifse und überaus kleine, mit blofsem Auge kaum wahr-
nehmbare Rundwürmer, die sich in der erwähnten Flüssigkeit
sehr lebhaft bewegten und schlängelnd in dem Gehirne herum-
krochen oder vielmehr wohl herumschwammen. In dem Ge-
hirne eines andern Embryo’s derselben Mutter fand ich zwei
solche Würmer, in dem der acht übrigen aber keine. Es waren
alle diese Würmer von ziemlich gleicher Grölse, kaum zum drit-
ten Theile so lang, als das Gehirn der Embryonen, beinahe al-
lenthalben gleich dick, gegen das eine Ende stärker, als gegen
das andere zugespitzt, durchaus drehrund, ohne alle Spur von
irgend einer Hervorragung an der Oberfläche, und im Verhält-
nifs zu ihrer Dicke etwa so lang, wie Oryuris vermicularis. In
der Ruhe wie in der Bewegung zeigten sie sich geschlängelt,
nie zusammengerollt. Wohl ohne Zweifel gehörten sie zu der
Gattung Filaria. Leider kann ich weder eine Zeichuung, noch
auch eine nähere Beschreibung von ihnen mittheilen: denn der
eine Embryo, den ich ganz frisch und unversehrt an Hrn. v.Sie-
bold nach Danzig absandie, war sammt seinen Würmern durch
einen unglücklichen Zufall unterweges ganz zerstört worden,
aus dem andern aber, den ich anderer Untersuchungen wegen
vorläufig bei Seite gestellt hatte, waren Tags darauf seine beiden
Würmer herausgeschlüpft und liefsen sich in dem Glase, woriu
der Embryo aufbewahrt worden war, nicht mehr wiederfinden.
Offenbar hatten sie sich bei diesem letztern Embryo durch das
Gehirn und dessen Decken an einer Stelle, und zwar nahe am
Scheitel, wo diese Theile die geringste Dicke besalsen, durch-
gebohrt. — Obgleich ich bis jetzt mehrere Hunderte von sehr
jangen Wirbelthier-Embryonen untersucht habe, ist mir doch
früher niemals ein solcher Fall, wie dieser, vorgekommen.
—
N
Beitrag zur Kenntnils der Trilobiten, mit beson-
derer Rücksicht auf ihre bestimmte Gliederzahl.
Non
A. Qwenstedt.
Betrachtet man die Decke eines Molukkenkrebses (Limulus). so
findet sich, dafs die beiden kalkig hornigen Schildplatten (Kopf-
und Schwanzschild), rings an ihrem äufsern'Rande nach innen
umgeschlagen, unterhalb noch eine Zeitlang als feste Platte fort-
gehen, dann sich aber in eine dünne Membrane verwandeln, die
mit den in der Mitte gelegenen Organen des Thieres in Verbin-
dung stehen. Zwischen diesen obern und untern Schildlamellen
befinden sich viele weiche Theile. Aehnlich ist auch das Schwanz-
und Kopfschild des Trilobiten gebildet. Die obere Sehilddecke
des einfachen Trilobiten - Schwanzes schlägt sich nämlich rings
an ihrem elliptischen hintern Aufsenrande nach unten uni, läuft
noch eine Strecke als feste hornigkalkige Masse fort, bis sie in
der Spindelgegend sich als dünne Membran im Gestein verliert.
Dasselbe findet auch am vordern geraden Rande so weit Statt,
als sich die Flossen an das Schild anlegen, wo aber die mittlere
- Spindel des Rumpfes sich mit dem Schwanzschilde verbindet, ist
os geöflnet, so dafs der ganze Schwanz oben vollständig, unten
gen zum Theil vom Schilde bedeckt war, indem die Mitte des
"Vorderrandes und der mittlere Vordertheil der ganzen untern
F -Schildplatte keine Spur einer kalkigen Lamelle zeigt. In dieser
Gegend waren die weichern Theile des Thieres an’ das Schild
geheftet. Die untere unvollständige Schildplatte zeigt auf ihrer
Unterfläche sehr regelmäfsige, hin und wieder dichotomirende,
Streifen, die dem elliptischen Aufsenrande sehr genau parallel
laufen. Auf dem homogenen Kalke drückten sich‘ diese Streifen
III. Jahrg. 1. Band. 22
338
vollkommen ab. Sie geben uns ein Bild von der Membrane, wel-
che die Unterschildplatte auf der Unterseite überzog. So weit
die Streifen gehen, so weit geht auch das untere Schild. Die
zwischen den beiden Platten liegende Bergmasse ist oft gar nicht
unbedeutend, sie erreicht bei Schwanzschildern von 2 Zell Durch-
messer 2—3 Linien Dicke. Am Rande des Schildes sind die
Platten am weitesten von einander entfernt, nach der Mitte hin
nähern sie sich gegenseitig. Vorbesagte Thatsachen finden sich
bei den Trilobiten mit glattem Schwanzschilde, wie Isotelus,
Trilobites Esmarkii etc. auf das deutlichste vor. Ist die obere
Schildplatte gerippt, so kann man,die untere Platte schwieriger
finden, da dieselbe alsdann meist sehr dünn wird, und nur wenig
Kalk enthält. Vorhanden ist sie aber bestimmt. Das zwischen
den Platten liegende Bergmittel erscheint auf der Oberfläche
ebenfalls gerippt, und es ist sehr zu warnen, diese Oberfläche
des Bergmittels nicht mit der Oberschildplatte selbst zu ver-
wechseln. Bei Trilobiten mit glatten Schwanzschildern sieht
man den Abdruck der gestreiften Unterfläche nur so weit, als
die Unterplatte schlielst, die Mitte der Vorderseite beobachtet
man nie von derselben, weil hier die weichen Theile vom um-
hüllenden Gestein aufgesogen wurden.
Wie dasSchwanz-, so zeigt auch das Kopfschild eine obere
halbmondförmige Platte, welche durch die Gesichtslinien in das
Stirnschild und die seitlichen Wangenschilder getheilt wird. Ob-
gleich bei manchen Individuen die Wangen vollkommen durch
jene Linie von’ der Stirn getrennt erscheinen, so hängen diese
Theile doch bei andern derselben Species so genau mit einander
zusammen, dafs man glauben muls, jene Trennung sei durch geo-
logische Processe erst künstlich herbeigeführt. Diese ganze obere
Kopfplatte schlägt sich nach vorn um, und bildet eine, vorzüg-
lich mit den Wangenschildern zusammenhängende untere Platte,
denn von dem Stirnschilde ist sie durch die Gesichtslinien ge-
trennt, die sich an der vordern Spitze des Kopfes vereinigen.
Diese untere Schildplatte zeigt auf ihrer Unterseite wieder die-
selbe Streifung, wie die analoge am Schwanze, doch laufen die
Streifen nicht immer genau den äufsern mehr gebogenen Rändern
genau parallel; zuweilen mufs sie wohl noch durch eine beson-
‚dere Naht von den Wangen getrennt sein, denn man findet,
339
z. B. von Entomolithes paradoxissimus Wahl., diese untern Kopf-
schildplatten ‘isolirt im Gesteine liegen, aus denen hin und wie-
der besondere Trilobiten gemacht sind, obgleich schon die Strei-
fung allein uns hinlänglich belehrt, dafs sie keine Oberschild-
plalten sein können. (Wahlenberg’s Entom. bucephalus tab.1.
fig. 6. ist die zu Ent. paradoxissimus tab. 1. fig. 1. gehörige
Unterplatte.) Zwischen der untern und obern Schildplatte ist
ein grolser mit Bergmittel erfüllter Raum für die weichen Theile
des Kopfes, und um diesen Raum so geräumig als möglich zu
machen, schwoll der mittlere Theil des Stirnsehildes noch zu ei-
ner Wulst empor (Glabella, Stirnerhöhung). Bei Isotelus gigas
findet sieh hinterhalb der Unterplatte ein scheinbar rings von
hornigen an ihrer Oberfläche gestreiften Kalkplatten unıschlosse-
ner Apparat, der sich durch mehrere säulenartige Fortsätze der
überliegenden Stirnplatte zu nähern strebt; sein allgemeiner Um-
rißs ist in der Bigsbyschen Fig. 1. tab. 27. der Transact. of the
Geol. Soc. Vol. I. 2 Ser. ungefähr dargestellt, doch sind die ein-
zelnen Fortsätze nach oben nicht gezeichnet, über die mich ein
einziges Exemplar aus Nordamerika nur unvollständig in Kennt-
nils setzte. Ob dieses innen hohle Organ frei im Fleische des
Tlhieres lag, oder ob es sich durelı Fortsätze mit den übrigen
_ Schildplatten verband, konnte nicht ermittelt werden. Von Mund-
theilen ist noch nichts ausfindig gemacht.
Eines der wichtigsten Organe auf der Oberfläche des Kopf-
schildes sind die sich mitlen auf den Gesichtslinien erhebenden
Augen, die mit den weichen, zwischen den Kopf-Lamellen lie-
genden Substanzen in Verbindung standen. Nach Johannes
Müller (Meckel’s Archiv 1829) zerfallen die zusammengesetzien
Augen der Krustaceen in zwei Abtheilungen: 1) zusammenge-
setzte Augen mit glatter, 2) zusammengesetzte Augen mit fa-
‚cettirter Hornhaut. Beide Arten finden wir auch bei den
Trilobiten. Die Hornhaut selbst ist eine unmittelbare Fortsetzung
der obern Schild-Lamelle des Wangenschildes. Sie erhebt sich
ziemlich senkrecht aıs der Ebene des Schildes, und wird durch
die Gesichtslinie genau von dem Stirnschilde getrennt. Bei der
ersten Abtheilung (zusammengesetzte Augen mit facettirter
Hornhaut z. B. Calymene macrophpthalma treten anf dieser Ober-
haut der Augengegend die grolsen Facetten sehr markirt hervor,
22*
340
und da dieselbe bedeutend dick und wie das ganze Schild mit
Kalk imprägnirt ist, so kann man die Facellen, so fern das
Schild des Trilobiten nicht zerstört ist, stets beobachten. Dafs
über die Facetten sich noch eine glatte Oberhaut hinweggelegt
hätte, hat man gar keinen Grund anzunehmen, da diese sich
gleich den übrigen unversehrten Schildtheilen erhalten haben
mülste. Sprengt man die dicke facetlirte Hornhaut weg, oder
ist sie, wie in manchen märkischen Gesteinen, schon durch geo-
logische Processe weggeführt, so sieht man auch noch im ver-
steinerten Auge die deutlichste Facettirung, indem jeder Facette
ursprünglich eine Krystalllinse und ein dahinter liegender Glas-
körper entsprach, welche tief in das Auge eindringen. Da die
Facetten bei dieser ersten Abtheilung bedeutend gröfser sind, als
bei der folgenden, so fallen sie dem unbewaflneten Auge viel-
mehr auf. Die zweite Abtheilung (zusammengesetzte Augen
mit glatter Hornhaut z. B. Trilobites Esmarkii) zeigt uns Augen
mit einer Oberfläche, die von der des Schildes nicht zu unter-
scheiden ist, nur dafs die Augengegend eiwas lichter und durch-
sichtiger erscheint. Ein Querschnitt darauf zeigt bei sehr wohl-
erhaltenen Exemplaren, wie sie in den Marken und dem Kam-
brischen Systeme des Nordens vorkommen, deutlich, dals die
Hornhaut in 2 Lamellen zerfällt, von denen die äufsere durch-
aus glatt, die innere hingegen sehr fein neizartig gestreift ist.
Denn auf der schmalen Durchschnittsfläche muls man eine solche
Struktur aus den feinen Querstreifen erschlielsen, die sich nur
auf der untern Lamelle vorfinden, wo das Netz durchschnitten
wurde; wo hingegen die obere Lamelle beginnt, setzen sie ab,
und gehen nicht hindurch. Bei der Durchsichtigkeit der obern
glatten Lamelle sieht man daher in manchen günstigen Fällen
die feine netzarlig gestreifte untere Lamelle hindurch schimmern,
nie aber zeigt die Oberfläche der Oberlamelle solche Zeichnung.
Sprengt man die ganze Hornhaut hinweg, so tritt die Oberflä-
che des versteinerten Auges fein chagrinartig hervor, mit blofsem
Auge nur schwer erkennbar, weshalb ich lange der Meinung
lebte, die Augen dieser Abtheilung seien glatt. An der bei wei-
tem grölsern Kleinheit der Facetten kann man diese zweite Ab-
theilung leicht von evsterer ‚unterscheiden. Wunderbar ist es,
wie eine so feine Zeichnung sich auf dem verkalkten Auge er-
341
halten konnte.‘ Diese Thatsache erlangt dadurch noch gröfseres
Interesse, dafs Burmeister bei Branchiopus denselben Augen-
bau nachgewiesen hat, wo zwischen der glatten Hornhaut und
den Krystalllinsen noch eine feingegitterte membranöse Haut sich
vorfand, die unserer gegitterlen Lamelle entsprechen würde.
Der Rumpf zwischen dem Schwanz- und Kopfschilde besteht
‚aus Gliedern, die in keinem Theile mit einander verwachsen sind,
sondern im ursprünglichen Zustande durch Membranen in der
Mitte zusammen gehalten wurden. Zwei Längsfurchen, welche
den Rumpf zu einem Trilobus machen, theilen die einzelnen Glie-
der in drei Theile: den mittlern Spindeltheil und die äulsern
Seitentheile. Solche Glieder waren durch ihre freie Verbin-
dung geeignet, zu Bewegungswerkzeugen zu dienen, deslialb
nennt man äuch die Seitentheile Flossen, die an ihrem Ende
zu einem platten Ruder ausgebreitet sind. Die Flossen sind in-
nen hohl, bestehen daher auch aus 2 Lamellen, von denen die
untere in der Spindelgegend wahrscheinlich membranös wird.
Man findet die Flossen gewöhnlich in einer übereinandergescho-
benen Lage, und dadurch kann man sie leicht von den ähnli-
chen Streifen des Schwanzschildes unterscheiden, die an ihren
Enden innig mit einander verwachsen sind. Besonders mufs
man sich hüten, den vordern aufgeworfenen Rand des Schwan-
zes, so wie den hintern des Kopfes, mit zu den Gliedern zu
zählen. Diefs kann leicht geschehen, da diese Theile, so weit
die Flossen sich anlegen, Gestalt und Ansehn der Flossen zeigen.
Bewahren wir uns vor solchen Irrungen, so finden sich die Zah-
lenverhältnisse der Glieder bei den Trilobiten auf das Bestimm-
teste ausgesprochen.
Ueber weitere Organe der Bruchseite des Thieres sind nur
Vermuthungen vorhanden. Mit Bestimmtheit sind weder Ten-
takeln, noch Fülse, noch Freiswerkzeuge nachgewiesen. Wir
dürfen dieselben auf der Unterseite nur da vermuthen, wo die
untern Schildlamellen membranös geworden sind. Daher müssen
alle systematischen Stellungen dieser Thiere nur Versuche blei-
ben. Jedoch sind die von verschiedenen Forschern schon längst
nachgewiesenen Analogieen mit dem indischen Limulus, mil der
auf tiefem Meeresgrunde lebenden Serolis des südl. atlantischen
Oceans und mit den Phyliopoden unserer Sümpfe unverkennbar.
E77
Dreizehngliedrige. ) s
Trilobites Blumenbachii Brongn. (Oalymene). Die hohlen
Glieder auf der Oberseite ihrer Länge nach tief gefurcht. Rippen
des Schwanzschildes gespalten. An mehr als zwanzig, beson-
ders englischen Exemplaren. zählte ich stets bestimmt nur 13
Glieder, gewöhnlich wird, wie die Zeichnungen beweisen, der
aufgestülpte Rand des Kopfschildes als 14tes gerechnet. Die
wenig gelungenen Zeichnungen Dalman’s Palaeaden Tab. 1.
Fig. 2. geben sogar nur 10 Glieder, in der Beschreibung spricht
Dalmann aber von 12. Es ist dieses der berühmte Dudley-
Trilobit für die Silurische Uebergangsformation von Schweden,
‘England, der Mark bezeichnend. Seine schr kleinen Augen lie-
‚gen zwischen zwei klaffenden Augenlidern, ihr Bau ist aber
nicht mehr erkennbar.
Green’s Modelle von Calymene callicephala, selenocephala
und platys aus Nordamerika zeigen deutlich nur 13 Glieder, ob-
gleich der Schriftsteller ihre Zahlen ganz anders angibt. Alle
schliefsen sich durch ihre typische Form, namentlich durch die
Gestalt ihrer gelobten Stirnerhöhung und durch die klaffenden
Augenlider sehr eng an Tr. Blumenbachi an.
Schlotheim’s Tr. tentaculatus, Nachträge I. Tab. 29. Fig.9.
auf einem Geschiebe von Oberwiederstedt (im Mannsfeldschen),
den Märkischen Geschieben gleich, ist ein Kopfschild des Tr.
Blumenbachi, neben welchem mehrere Individuen von Tenta-
culites scalaris Schl. liegen. Schlotheim war bekanntlich der
Meinung, dafs diese sonderbaren Tentakuliten auf den Tuberkeln
der Stirnerhöhung des Trilobiten gesessen hätten, da es zufällig
6 Stück sind, die in der Nähe der 6 Tuberkeln liegen ; eine
Meinung, die jetzt kein Forscher mehr mit ihm theilen wird.
Vielleicht machen Trimerus delphinocephalus Green, Caly-
mene polytoma Dalm., Calymene bellatula Dalm. und Asaphus
Fischeri Eichw. eine zweite Abtheilung unter den 13-gliedrigen,
ihre Glieder sind glatt und nicht gefurcht: Sie sind mir nur
durch die Zeichnungen bekannt.
Zwölfgliedrige.
Trilobites Hoffii Schl. mit tief gefurchten Flossen. Slirn
sehr breit, Wangen schmal. Daher liegen die Augen sehr seitlich
_
. 343
unter den meist noch sichtbaren Augenlidern des Stirnschildes.
Die kleinen Wangen, im lebendigen Zustande wahrscheinlich nur
wenig mit Kalkmasse imprägnirt, sind meist durch Bergmasse
verhüllt, sie wurden daher lange für blind gehalten. Wegen der
elliptischen Stirnerhöhung machte Zenker ein besonderes Ge-
schlecht Ellipsocephalus daraus, und allerdings steht die Form
sehr isolirt. Von der wirklichen Oberschale des Trilobiten sind
alle Spuren verschwunden, man sieht daher nur die Oberfläche
der zwischen die Lamellen eingedrungenen Grauwacke. Die Au-
gen waren sehr flach, und wahrscheinlich weich, sonst müfste
man noch die netzartige Streifung (von den Glaskörpern und
Krystalllinsen herrührend) in günstigen Fällen beobachten. Denn
wenn man an einem Trilobiten-Auge die Hornhaut wegsprengt,
so tritt auch auf dem Auge selbst die Netzzeichnung noch her-
vor, wie wir oben gezeigt haben. Cambrische Formation von
Ginez.
Wahlenberg’s Ent. scaraboidis tab. 1. fig. 2. soll eben-
falls zwölfgliedrig sein, zeigt aber mit Hoffii wenig gemeinsame
Kennzeichen.
Elfgliedrige.
Nach den bisherigen Beobachtungen fand sich, dafs alle
Trilobiten mit 11 Gliedern stets grolse zusammenge-
setzte Augen mit facettirter Hornhaut hatten, und ich
kenne umgekehrt noch keine Thatsache, wo ein Trilobit mit
solchen Augen eine andere Gliederzahl zeigte. Hierzu gesellt
sich ein grolses stark geripptes Schwanzschild, das sich oft zu
einer langen Spitze verlängert. Die Rippen des Schwanzschil-
des nicht dichotom. Sie bilden eine der natürlichsten Gruppen
unter den Trilobiten, und scheinen sämmtlich mehr dem Siluri-
scheu Systeme anzugehören. Denn bei Dudley, auf Gothland, in
der Eifel, dem Dillenburgischen, auf dem Harze sind sie bekannt,
deshalb dürften auch die böhmischen Uebergangskalke, die mit
diesen Trilobiten erfüllt sind, dem Silurischen Systeme angehö-
ren, wenigstens findet sich mit ihnen nie ein Trilobit aus der
dorligen Kambrischen die Kalke unterläufenden Grauwacke ver-
einigt.
Trilobites macrophthalmus Brongn. (Calymene). Eifel, Dil-
lenburg, Marz. Die sorglältige Vergleichung vieler Exemplare
344 _
zeigte nie mehr oder weniger als 11 Glieder, was auch alle
neuern Schriftsteller bestätigen.
Green’s Modelle von Calymene bufo und. microps zeigen
deutlich facettirte Hornhaut und 11 Glieder; ee und diops
wahrscheinlich auch hierher gehörig.
Calymene variolaris Brongn. tab. 1. fig. 3. 4. “en 11 Glie-
der nebst facetlirter Hornhaut.
Trilobites caudatus Brünn., ein. Modell Besmdhen deutlich
11 Glieder und facettirte Hornhaut. Schwanz- und Kopfschil-
der finden sich häufig in den Silurischen Kalkplatten von Dudley
in Begleitung von Tr. Blumenbachii, so wie auf gleiche Weise
in den Produktenkalken der Marken. Den Asaphus Hausmanni
Brongn. halte ich davon nur wenig verschieden, denn die grofsen
Augen nebst dem gestreiften Schwanzschilde und der feingelob-
ten Stirnerhöhung sind in beiden durchaus gleich. Asaphus cau-
datus Brongn. tab, 2. fig. 4. zeigt deutlich die Trennung der
Glieder vom Schwanzschilde an, wo aber der Rumpf sich mit
dem Kopfschilde verbindet, ist das Thier beschädigt, und: hier
möchte auch wohl das elfte Glied mit verletzt sein.
Asaphus Wetherilli Green, von Rochester in New-York, elf
Glieder, aber die Augen verletzt.
Calymene sclerops Dalm. tab. 2. fig. 1. deutlich 11 Glieder
und Augen mit facettirter Hornhaut.
Mehrere Gyps-Modelle bestätigen das Gesetz, darunter das
eines Trilobiten aus dem Thonschiefer des Westerwaldes vom Ka-
luerkopf in der Dietzhatze, ohnweit Dillenburg, dessen Stirn-
erhöhung gelobt ist.
Asaphus mucronalus, selenurus Eat. mit doppelter Schwanz-
spitze, scheinen elfgliedrig.
Calymene arachnoides des Wöninghaus von Gerolstein mit
grolsen facettirten zusammengesetzten Augen, ist aus 2 Stücken
ideal zusammengeseizt, daraus wird denn auch die Zahl von 13
Gliedern in der Figur erklärlich; hätte man ihr 11 Glieder ge-
zeichnet, so würde das der Wahrheit bestimmt näher gekom-
men sein,
Zehngliedrige.
Trilobites Esmarkii Schl. (Ent. crassicauda Wall., Il-
laenus Dal.). Glieder, Kopf- und Schwantschild glänzend glatt.
u 345
Unter der glatten Hornhaut treten die niedrigen Augen mit
ehagrinartiger Oberfläche deutlich hervor. Ein Querschnitt der
Hornhaut zeigte zwei Lamellen, von denen die innere netzartig
gestreift, die obere aber durchaus glatt. Der Bau des Schwanz-
und Kopfschildes bei dieser Abtheilung sehr gut beobachtbar,
namentlich auch die Streifung der Unterseite der Unterlamelle.
Sehr bezeichnend für das Kambrische System des Nordens (Rufs-
land, Mark, Skandinavien, Nordamerika).
Eichwald's Oryptonymus Wahlenbergi, Rudolpki, Par-
insonit und Kosenbergii bezeichnen denselben Trilobiten. Tri-
lobites Schroeteri Schl. ist das Schwanzschild desselben.
Calymene concinna Dalm. schliefst sich zwar durch ihre 10
Glieder hier an, aber die gefurchten Fülse, das gerippte Schwanz-
schild, die hervortretende Sürnerhöhung, nähern sie mehr der
Blumenbachii. Augen stehen sehr hervor mit glatter Hornhaut,
würde sie weggesprengt, so mülsten bei wohl erhaltenen Exem-
plaren die Spuren der frühern Krystalllinsen chagrinartig her-
vortreten. Ob Asaphus Dalmanii Goldf. sich von ihr unter-
scheidet?
Zenker’s Olarion diffractum soll auch 10 Glieder haben,
doch nach Sternberg sehr willkührlich aus Bruchstücken zu-
sammengesetzt sein.
Asaphus centrorsus Dalm. mit gehörntem Kopfschilde ist
der einzige, von dem bestimmt 9 Glieder angegeben werden,
dem Habitus nach ist er übrigens dem Esmarkii sehr verwandt.
Achtgliedrige.
Trilobites cornigerus Schl. (Ent. expansus Wahl.). Ge-
furchte Glieder, glatte wie Hörner hervorstehende Augen. Die
obere Hornhautlamelle dünn, läfst oft die darunter liegende fein
facetlirte durchscheinen. Für das Kambrische System eben so
bezeichnend, wie Esmarkii, dessen steliger Begleiter er ist. Bau
der Schilder sehr deutlich.
Dalman’s Asaphus angustifrons und frontalis unterschei-
den sich wohl nur individuell, und nicht speeifisch. Eiehwald’s
Oryptonymus Schlotheimii, Weissii, Panderi und Lichtensteinii
unter sich gleich, von cornigerus nicht verschieden.
In Nordamerika ist Isotelus gigas Dek. gleich I. megalops
346 *
Green, die Ersatzform, an welchen sich I. stegops Gr., planus Gr.,
Tril. grandis Boeck., Asaphus extenuatus etc. sehr eng anschlies-
sen. Der Unterkiefer der vereinigten Wangen ist sehr. breit,
nach hinten ausgebuchtet, in dieser Bucht liegt mehr nach oben
jener vielleicht mit den übrigen Kopfplatten nicht zusammen-
hängendende Apparat, ebenfalls aus Lamellen bestehend, der
hinten wieder ausgebuchtet ist, wo Buckland den Mund ver-
mathet.
Alle bilden eine sehr natürliche Gruppe, ihre Stirnerhöhung
ist glatt, lälst sich von den Wangen gänzlich abl:eben. Die tief-
gefurchten Glieder sammt dem glatten Schwanze. bedeutend hohl.
Die Streifung auf der Unterseite der Unterschildlamellen sehr
deutlich.
Asaphus laeviceps, palpebrosus und armadillo Dalm. tab. 4.
stehen durch ihre Gliederzahl in dieser Abtheilung, die Glieder
selbst sind aber, wie bei Esmarkii, glänzend glatt und die Stirn-
erhöhung flach. Sie gehören ebenfalls, unter sich von einander
nur wenig verschieden, dem Kambrischen Systeme an. Wenn
bei Armadillo mit breitem Rücken die Längsfurchen nicht sehr
ausgezeichnet sind (vorhanden sind sie aber gewils), so ist die-
ses ein schwacher Grund, den alten eiugebürgerten Nämen Tri-
lobiten durch einen viel unzweckmälsigern Palaeaden verdrän-
gen zu dürfen.
Siebengliedrige.
Asaphus Buchii Brongn. tab. 2. fig. 2. a. zeigt richtig
7 Glieder, während man ‚fg. 2. c. deren 8 zählt. Das Königl.
Kabinet hat ein deutliches Exemplar unbekannten Fundortes
ebenfalls mit 7 Gliedern. Nach Boeck soll es Trilobites dila-
tatus Brünn. sein, den Dalman tab. 3. fig. 1. auch richtig mit
7 Gliedern gezeichnet hat. Das breite Schwanzschild zeigt we-
nig markirte, wie Radien von einem vordern Punkte nach dem
Rande strahlende, Streifen ; die Stirnerhöhung fein und schwach
gelobt, aber keine facettirte Hornhaut. Silurische Formation?
Ogygia Guetlardi Brongn. hat wahrscheinlich auch nur 7
Glieder, denn das erste Glied dürfte nichts anderes als der über-
geschlagene Hinterrand des Kopfschildes sein, wie Handstücke
beweisen. Das Schwanzschild ist durch seine radialen Streifen
dem des de Buchii selir verwandt, Silurisch.
Dr " 347
Ogygia Desmarestii Brongn., sehr unbestimmtes Bruchstück,
ob hierher gehörig?
Einen 7-gliedrigen Trilobiten aus dem Dudleykalke legte
v. Deehen im Königl. Kabinette nieder.
Die 7-gliedrigen Trilobiten bilden durch die flache feinge-
lobte Stirnerhöhung, durch das radialgestreifie Schwanzschild
eine sehr natürliche Gruppe.
Sechsgliedrige.
Asaphus granulatus Wahl. — Asaphus nasutus Dalm. (Am-
pyx). — Trilobites Dalmanii Boeck (Mspt.). — Cryptolithus
tesselatus Green, sind mir sehr unvollständig bekannt.
Viergliedrige.
Triarthrus Beckii Gr. cast. 34 von ‚Cahooesfalls im
Staate von New-York und an vielen andern Orten Nordameri-
ka’s. Es sollen mehrere Species daselbst vorkommen, die nach
Harlan sich alle durch ihre 4 Glieder auszeichnen.
Gliederlose.
Wahrscheinlich ist es, dals den Agnosten Brongn. (Battus
. Dalm.) die Glieder gänzlich fehlen, wenigsiens hat man sich
von dem Dasein derselben noch nicht bestimmt überzeugen kön-
nen. Auch kann man ihre Augen 'nicht nachweisen.
Bis jetzt fehlen demnach in der von den gliederlosen zu
den dreizehngliedrigen Trilobiten aufsteigenden Reihe, die ein-,
zwei-, drei- und fünfgliedrigen bestimmt, während von den neun-
gliederigen nur Dalmann als einzige Species den Asaphus cen-
trorsus auflührtl. Aber die bei den Trilobiten vorkommende
Gliederzahl übersteigt noch die Zahl 13.
Vierzehngliedrige.
Trilobites Sulzeri Schl., dessen Gliederzahl meist als 16
angegeben wird, doch sind die markirten Rippen des Schwanz-
schildes dann stets mit Gliedern verwechselt werden. Mehrere
deutliche Exemplare aus dem Grauwackenschiefer von Ginez
zeigen nur 14 tiefgefurchte Flossen und Rumpfglieder. Wie alle
Trilobiten aus der Grauwacke jener Gegend, so sind auch diese
blolse Steinkerne, eine wulstige Linie, im hintern Winkel des Wan-
genschildes entspringend, und vorn sich zu Tuberkeln erhebend,
könnte nan für die Gesichtslinie halten. Zenker sieht die kegel-
förmig hervorstehenden Tuberkeln zu den Seiten der Stirnerhöhung
348
für Augen an, und machte deshalb sein neues Geschlecht Conoph-
thalmus daraus. Mit dem wahren Tr. Sulzeri kommen zugleich
Kopfschilder vor, wo unzweifelbare Gesichtslinien seitlich Wan-
genschilder abtrennen, diese Species darf mit jenen nicht verwech-
selt werden. Dafs die Flossen mit den Ringen der Spindel in der
Gegend der Furche wirklich artieulirten, ist vielleicht nur Täu-
schung, die durch die Steinkerne veranlafst wird. (Wenigstens
ist bei allen übrigen erhaltenen Trilobiten noch nie eine solche
Artieulation bemerkt worden.)
Calymene Tristani Brongn. schlielst sich durch ihren
Habitus und durch ihre gelobte Stirnerhöhung eng an. Ihre
Gliederzahl wird gewöhnlich auch als 14 angegeben.
Entomolithes gibbosus Wahl. ist wahrscheinlich vier-
zehngliedrig, obgleich Wahlenberg 15 angiebt. Asaphus
teiragonocephalus Gr. ist ihm sehr verwandt, und zeigt im
Modelle, wiewohl nicht ganz evident, 14 Glieder (Green gibt
12 an). Beide kommen im bituminösen Alaunschiefer des Ueber-
gangsgebirges vor, ersterer in Norwegen, letzterer in New-York.
Sie bilden unter den vierzehngliedrigen eine besondere Gruppe.
(Schlielsen sich vielleicht noch mehr an die folgenden an.)
Green’s Dipleura mit 14 tief gespaltenen Gliedern, wie sie
Green selbst angibt, hat wenig mit den vorhergehenden ge-
mein. Das Geschlecht ist durch die nur schwach angedeuteten
Längsfurchen des Rumpfes merkwürdig.
Unbestimmtgliedrige.
Der gröfste Theil der sogenannten Paradoxiden ist durch
eine bedeutende Anzahl von Gliedern und durch ein schr kleines
Schwauzschild ausgezeichnet. Man zählt gewöhnlich mehr als
14 Glieder. Allein bei vielen ist es wegen Unvollkommenheit
der Exemplare mit grolsen Schwierigkeiten verbunden, die An-
zahl bestimmt zu ermitteln. Der schon von Linne gekannte.
Entomostr. paradoxissimus Wahl. tab. 1. fig. 1. ist
nach einem wohl erhaltenen Exemplare aus dem Bjelkianischen
Museum gezeichnet. Brongniart tab. 4. fig. 1. copirte als
Paradoxides Tessini die Wahlenbergische Figur. Nach diesen
Zeichnungen (denn leider gibt Wahlenberg die Zahl nicht
genau an) hätte die Rachis 21 Glieder, und das kurze Schwanz-
schild mit seinem Flosseufortsatze wäre das 22ste. Dalman’s
349
Beschreibung stimmt damit überein, wiewohl dessen Zeichnung
tab. 6. fig. 3. nur 20 Glieder zeigt. Besonders wichtig wäre
es demnach (wenn anders man sich auf die Schwedischen For-
scher verlassen darf), dals das Schwanzschild, wie die
übrigen Glieder, mit einem Fortsatze versehen ist.
Durch dieses Kennzeichen würde der schwedische sich streng
vom böhmischen Par. longicaudatus Zenk. unterscheiden, denn
dieser hat bestimmt nur 20 Glieder und ein Schwanzschild ohne
Fortsatz, wie nicht nur Zenker’s und Boeck’s Zeichnungen,
sondern auch mehrere Exemplare des Königl. Kabinets beweisen.
Die Unterschildplatte ist eine gerundetquadratische Fläche, von
deren vordern Winkel seitlich zwei grolse Hörner fortlaufen, die
Boeck schon richtig gedeutet hat. Die Streifung des Abdrucks
zeigt, dals wir es mit einer Unterfläche der untern Platte zu
thun haben, und nicht etwa mit dem Schilde eines neuen Tri-
lobiten. Wahlenberg’s Entomolith. bucephalus tab. 1. fig. 6.
ist, wie schon erwähnt, das entsprechende Unterschild von Ent.
+ paradoxissimus. Da der Umrils und die Eindrücke dieses Schil-
des von denen des böhmischen verschieden sind, so könnte die-
ses einen Grund mehr abgeben, beide als Species zu sondern.
Die Augen sind sehr flach, aber gewils vorhanden gewesen, wie
das Augenlid des Stirnschildes andeutet.
Paradoxides pyramidalis Zenk. tab. 4. fig. T, U, V würde
20 Glieder und 21 Flossen zeigen, so dals wie bei den schwedi-
schen das Schwanzschild einen Fortsatz hätte. Jedoch sind die
Exemplare so unbestimmt, dals darauf kein sonderliches Gewicht
gelegt werden darf, ja ich bin im Gegentheil eher geneigt zu
glauben, dals das Schwanzschild analog den longicaudatus kei-
nen Fortsatz habe.
Parad. latus Zenk. nur unvollkommen, in der Zeichnung
19 Glieder angegeben, Zenker vermuthet sogar 22.
Trilob. gracilis Boeck, 20 Glieder?
Entomolithes spinulosus Wahl. tab. 1. fig. 3. Spindel 17
Glieder und 1 Schwanzschild, aber nur 17 Flossen, demnach «as
Schwanzschild keinen Flossenanhang. Dalmann, tab. 6. fig. A.,
bildet dieselbe Gliederzahl ab, analog dem paradoxissimus, was
zu glauben man am geneigtesten sein möchte. Auffallend genug
spricht er aber im Texte p. 56: segmentorum numerus videlur
350
cireiter 15, sed ulterius indagandus. Brongniart copirt tab. 4.
‚fig. 3. Wahlenberg’s Figur, und ‚fg. 2. ein anderes Exemplar.
Im Texte sagt er: on compte douze articulations sur ce quon
peut regarder comme l’abdomen, et six en tout sur la reunion
du port-abdomen avec la veritable queue. Er zählt demnach
ebenfalls 17 Glieder und ein Schwanzschild. Nach der Figur
zu urtheilen, würde man freilich nur 16 Glieder und ein Schwanz-
schild, so wie auch 16 Flossen zählen, so dafs das Schwanzschild
keine Flosse hätte. Nach Schlotheimischen Exemplare darf man
auch nur 15 — 16 Glieder annehmen.
Wir können vielleicht bei dieser letzten Abtheilung, die
zwar eine unbestimmte Zahl, aber doch stets mehr als 14 Glie-
der hat, gerade diese Unbestimmtheit als gemeinsames Merkmal '
festhalten. Ein verkümmertes Schwanzschild findet sich bei
ihnen immer, das bei den schwedischen einen Flossenanhang
haben soll, der den böhmischen zu fehlen scheint. Doch bedarf
diese Vermuthung noch sehr der Bestätigung. Sämmtliche ge-
hören dem Kambrischen Systeme an.
Trilobites problematicus Schl. II. tab. 22. fig. 8. aus dem
Zechstein von Glücksbrunnen, ist ein in seiner Sammlung nicht
mehr vorgefundenes Exemplar. Die Zeichnung ist jedoch einem
Trilobiten nicht eben ähnlich.
Trilobites bituminosus Schl. IT. tab. 22. fig. 9. aus dem bi-
tuminösen Kupferschiefer ist bestimmt kein Trilobit, sondern fällt,
wenn nicht etwa den Fischzähnen, mehr der Pflanzenwelt anheim;
wenigstens scheinen die dicken, oblongen, auf beiden Seiten ver-
tieften Täfelehen nach Art der Schuppen der Tannenzapfen an-
einander gereiht. Schlotheim’s Figur ist sehr idealisirt, die
zwei Furchen haben ihn auf den Gedanken an einen Trilobiten
gebracht, die Schuppen gehen jedoch tief hinein, und sind, wie
bei einer Frucht, um eine innere Axe gelagert. Dafs Coniferen-
zapfen im Kupferschiefer vorkommen, darf uns um so weniger
Wunder nehmen, da sämmtliche sogenannte Fucoiden desselben
Schiefers, wie die Frankenberger Kornähren, bestimmt nicht
Fucoiden, sondern Coniferen angehören möchten.
Wäre es zur Zeit schon Bedürfnils geworden, -die noch leicht
übersehbare Familie der Trilobiten in Geschlechter zu theilen,
so dürfte eine gute Systematik in keiner Weise die Zahlenver-
»
351
hältnisse der Glieder verletzen. Auf jeden Fall könnte ein Ge-
schlecht nur Species begreifen, die durch gleiche Gliederzahl mit
einander verwandt sind. Wie wenig dieses bis jetzt berücksich-
tigt ist, lehren die verschiedenen systematischen Zusammenstel-
lungen. Ja wir dürfen nicht ein Mal alle Trilobiten von glei-
cher Gliederzahl zusammenbringen, sondern müssen selbst auch
unter diesen wieder Unterabiheilungen machen, wenn wir
in der Petrefaktenkunde eonsequent dieselben Eintheilungsprin-
cipe befolgen wollen, weiche schon längst von den Zoologen in
der lebenden Fauna eingeführt sind. Allein abgesehen davon,
dafs wir eine Menge Organe der untergegangenen Fauna viel-
leicht niemals werden beobachten können, sind auch selbst die
möglicher Weise zu beobachtenden noch nicht einmal in so weit
bekannt, dals wir darauf ein sicheres Schema gründen könnten.
Wir behalten daher gegenwärtig noch den allgemeinen Namen
Trilobiten bei, unterscheiden sie nur durch ihre specifische Be-
nennung, ohne die schon vorhandenen Geschlechtsnamen zu ver-
werfen, die auf andere gemeinsame Merkmale begründet sind.
Welchen Einflufs die Zahlenverhältnisse der Glieder auf die Ge-
sammtorganisation des Thieres überhaupt hatten, zeigen einige
Gruppen auf das bestimmteste. So z. B. die elfgliedrigen, ihre
Augen sind sämmtlich mit einer tubereulös facettirten Hornhaut
überzogen, die einzelnen aus Krystallinse und Glaskörper be-
stehenden Facetten verhältnilsmälsig viel grölser, als bei irgend
einem Trilobiten mit Gliedern verschiedener Anzahl. Sie haben
alle ein grolses stark gestreiftes Schwanzschild, das meistens in
einer bedeutenden Spitze endigt, die Glieder selbst sind gefurcht.
Sie scheinen mehr auf das obere System des Uebergangsgebirges
4
sich zu beschränken. Geschöpfe mit solchen gemeinsamen Kenn-
zeichen sehen wir dennoch getrennt, die einen unter Calymene,
die andern unter Asaphus aufgeführt. Der siebengliedrige Asa-
phus de Buchii mit seinem breiten radialgestreiften Schwanz-
schilde, seiner fein gelobten Stirnerhöhung ist der Ogygia Guet-
fardi wohl verwandt, hat aber mit dem achtgliedvigen Asaphus
cornigerus Schl. wenig gemein”). Dieser beginnt vielmehr wie-
*) Unsere Autorität, die wir dem Namen hinzufügen, wie z. B.
Schl,, Dalm. ete., bezieht sich nie auf den generischen, sondern nur auf
352
‘der eine neue Reihe, der sich eine Menge achtgliedrige an-
schliefsen. Unnatürlich würde es auf der andern Seite wieder
sein, wenn man alle Trilobiten mit gleicher Gliederzahl unter
ein Geschlecht bringen wollte. So unterscheidet sich der zehn-
gliedriige Trilobites Esmarkii Schl. mit seinen verwandten gene-
risch von allen bekannten, wollte man aber den ebenfalls zehn-
gliedrigen Trilobites coneinnus Dalm. mit ihm vereinigen, so
würden sich aufser der Gliederzahl wenig gemeinsame Merk-
male darbieten. Er steht bis jetzt ziemlich isolirt, zeigt mit
keiner der andern genaue Verwandschaft, denn er hat die Au-
gen des Isofelus gigas Dek., die Stirnerhöhung des Tr. Hoff
Schl., und nur im Allgemeinen die Form der Glieder und des
Sehwanzschildes der Calymene Blumenbachii Brongn., weshalb
man ihn zu den Calymenen gestellt hat. Allerdiogs kann man
zwischen Trilobiten mit verschiedener Gliederzahl zuweilen: die
Verwandtschaft nicht läugnen, so ist der zehngliedrige Asaphus
Esmarkii Schl. dem achtgliedrigen Asaph. laeviceps, palpebrosus
und armadillo durch das glatte Oberflächenansehn seiner Schilder
sehr verwandt, überhaupt der Totaleindruck beider sehr ähnlich,
doch mag uns die Gliederzahl andeuten, noch Kennzeichen zu
suchen, die auf der Bauchseite des Thieres von der Bergmasse
verhüllt sind.
den specifischen Namen, und anders sollte es billig von keinem Schrift-
steller genommen werden. Schlotheim nannte unsern Asaphus cor-
nigerus freilich Trilobites cornigerus; dals nun Brongniart aus die-
ser Species einen Asaphus, Dekay einen Isotelus machte, muls jeder
Petrefaktologe wissen, und braucht ihm nicht erst durch Autorität ange-
deutet zu werden, die Species heilst darum immer Asaphus cornigerus
Schl., Isotelus cornigerus Schl.
EEE
Ueber die Gattung Procyon
vom
Herausgeber.
Die Gattung der Waschbären ist, so weit unsere jetzige Kennt-
nils reicht, nur auf die westliche Hemisphäre beschränkt. Auf
dem Festlande von Amerika kannten wir seit Büffon nur zwei
Arten, den Procyon lotor und cancrivorus, von denen der er-
stere die nördliche, der letztere die südliche Hälfte Amerika’s
bewohnt. Wagler lehrte uns eine dritte, mexikanische Art
(P. Hernandesii), den Mapach des Hernandez, unterscheiden,
welchen man bisher auf den Lotor bezogen hatte. Sie ist dem
gemeinen nordamerikanischen Waschbären sehr ähnlich, und
hauptsächlich nur durch die dunkelbraune Färbung der Fülse ver-
schieden, welche bei jenem beständig schmutzig 'weilsgrau sind.
Eine genauere Kenntnils dieser Art ist sehr zu wünschen.
Durch Büffon, welcher die erste Abbildung des Aguara-
pop© oder Raton crabier gab, lernten wir dies Thier aus Cayenne
kennen, durch Azara und Rengger aus Paraguay, durch den
Prinzen von Neuwied aus Brasilien. Nach Rengger (Naturge-
sehichte der Säugeth. von Paraguay. S. 370.) reicht der Procyon
eancrivorus etwa bis zum 26sten Grade in Südamerika herab.
Wie weit sich das Gebiet des Mapach erstrecke, wissen wir
nicht, da man ihn mit dem nordamerikanischen Raeccoon bisher
verwechselte. Ueber die geographische Verbreitung des letzte-
ren liegen uns bestimmtere Nachrichten vor. Harlan in seiner
Fauna americana Philad.1835.kann hier als keine Autorität geltem,
da er als das Vaterland des Raccoon Nordamerika, Mexiko und
Westindien angiebt. Auch zieht er mit Desmarest nicht nur
den Mapach hierher, sondern auch den Aguarapope des Azara.
Als nördliche Gränze der Verbreitung giebt er den Onlario-See
II, Jahrg. 1. Band, 23
354
an. Richardson, welcher die geograpkische Verbreitung der
Säugethiere sorgfältigeren Untersuchungen unterwarf, giebt in
seiner Fauna boreali- americana (Vol. I. p. 36.) über den Lotor
Folgendes: „Das Thier bewohnt die südlichen Theile der Pelz-
distrikte, wo es bis zum Red River unter 50° Breite gefunden
wird. An 100 Felle erhält die Hudsonsbay Company jährlich
aus jener Gegend. Wenn nicht hinsichtlich der Identität der
Art ein Irrthum stattfindet, so reicht der Raccoon an den Kü-
sten des stillen Meeres höher nach Norden hinauf, als an der
Osiseite der Rocky Mountains. Dixon und Portlock erhiel-
ten Mäntel von Waschbärfellen von den Eingeborenen am Cooks-
River, in 60° n. Br., und Pelze, welche man für die des Raccoon
hielt, wurden vom Capt. Cook am-Nutka-Sund gesehen. Le-
wis. und Clarke sagen ausdrücklich, dafs der Raccoon an der
Mündung des Columbia-River identisch sei mit dem der Verei-
nigten Staaten. *
So viel von der geographischen Verbreitung der 3 bisher
bekannten Arten. Unsere Sammlung. besitzt aufser diesen dreiem,
noch zwei andere Arten, die bisher nirgend erwähnt sind, aber
sich sehr bestimmt unterscheiden. Die eine derselben, nenne
ich wegen der auffallenden Kürze des Schwanzes, welcher 'eiwa
halb so lang als der des gemeinen Waschbären ist, Procyon
brachyurus. Sie befand sich schon in, zwei Exemplaren im Be-
sitze des hiesigen zoologischen Museums, als ich bei demselben
angestellt wurde. Da sie lange Zeit als die einzige Art ‚die
Gattung Procyon in unserer Sammlung repräsentirte ‚und dem
gemeinen Waschbären bis auf die verschiedene, Sehwanzeslänge
ausnelmend gleicht, so ist es nieht zu verwundern; dafs sie
Anfangs für diesen genommen wurde. Sie ist es auch,. welche
der kurzen Charakteristik des Waschbären in meinem Handbu-
che der Zoologie zu Grunde liegt, wo die Kürze des Schwanzes
als besonderes, Kennzeichen hervorgehoben ist. Die viel bedeu-
tendere Länge des Schwanzes in Büffon’s, von Schreber co-
pirter Abbildung fiel mir freilich auf, doch hielt ich sie für ein
Versehen des Künstlers und unterliels es die Beschreibungen der
Schriftsteller zu Rathe zu ziehen, deren angegebene Maafse mich
sogleich von der Richtigkeit jener Abbildungen überzeugt haben
würden. Erst, als im Jahre 1835 der Steuermann, Hr. Philippi,
355
dessen Eifer für die Naturgeschichte wir so manche interessante
Bereicherung unserer Sammlung verdanken, zwei lebende Wasch-
bären aus Neu-Orleans für die Königl. Menagerie auf der Pfauen-
Insel mitbrachte, ward ich auf eine specifische Verschiedenheit
beider Formen aufmerksam, und das Absterben eines dieser
Thiere und eines andern Exemplares derselben Menagerie, machte
es mir später möglich, mich durch genauere Vergleichungen von
der Richtigkeit meiner früheren Muthmalsungen zu überzeugen.
Nicht allein die relative Länge. des Schwanzes, sondern auch
dessen Behaarung und Bindenzeichnung, und die Form der
Schnauze ist bei beiden Arten ganz verschieden. Bei Pr. bra-
chyurus ist nämlich die Behaarung des Schwanzes äufserst dicht,
bei Pr. lotor ungleich lockerer. Bei Pr. lotor sind die Binden
vollständig. umgeben den Schwanz auf der Ober-' und Unter-
seite, bei Pr. brachyurus finden sich nur halbe Binden, d. h.
sie umgeben nur die Oberseite des Schwanzes, sind auf dessen
Unterseite unterbrochen. Da überdies die Zalıl der Binden bei
beiden Arten dieselbe, nämlich 6, ist, so folgt daraus ferner, dafs
die Binden auf dem kurzen Schwanze des Pr. brachyurus viel
diehter zusammen stehen. Hiermit fällt zugleich die Besorgnils
weg, dals der Schwanz der kurzschwänzigen Waschbären nur
verstümmelt sei. Endlich ist auch die Schnauze derselben un-
gleich dieker und stumpfer. Sie stammen aus der Menagerie ei-
nes Hrn. Boisset, und haben auf der Etiquette, wahrscheinlich
_ nach Aussage des früheren Besitzers, Westindien als Vaterland
angegeben. Ist dieser Angabe zu trauen, ao hätten wir in die-
Art den von Hans Sloane erwähnten Waschbären der An-
tillen *).
In tieferes Dunkel gehüllt ist das Vaterland der andern un-
beschriebenen Art, von welcher das hiesige zoologische Museum
*) Hans Slaone (Nat. Hist. of Jamaica p. 329.) sagt: „The Rac-
eoons are commonly here in the Mountains and live in hollow fiddle-
wood trees, from whence they make paths to go to seek sugar canes,
which is their chief, if not only sustenance.‘“ — Hierbei ist aber nicht
' aufser Acht zu lassen, dafs Sloane Ray's Synopsis eitirt dessen Be-
' sehreibung theils aus eigener Anschauung, theils aus Markgral’s Be-
| schreibung des Coati zusammengewebt ist., Das Vorhandensein einer
\ Procyon-Art in Westindien ist nach dieser Quelle immer nur proble-
\ matisch
| 2 23°
356
nur ein Exemplar durch den verstorbenen Naturalienhändler
Becker in Leipzig mit der Bezeichnung : Ursuslotor empfing.
Er stimmt mit dem Pr. lotor in der Länge des Schwanzes ziem-
lich überein, aber dieser ist ebenfalls viel diehler behaart und
besitzt eine: minder deutliche, auf der Oberseite fast verloschene
Bindenzeichnung. Ueberdies hat er eine kürzere Schnauze, kür-
zere Ohren und schlankere Beine als Procyon lotor, und zeich-
net sich durch die einförmige, glänzend dunkelbraune Fär-
bung seines reichen Pelzes aus. Eben weil der Pelz so aufal-
lend schöner ist, möchte ich kaum glauben, dals es diese Art
sei, welche sich im Westen der Rocky Mountains findet, da die
Verschiedenheit und ungleich schönere Beschaffenheit: des Pelzes
den von Richardson erwähnten Reisenden sicherlich auffallend
gewesen wäre.
Hauptsächlich in der Absicht, die Aufmerksamkeit der Na-
turforscher auf diesen Gegenstand zu lenken, und in der Hofl-
nung, über das Vaterland der Arten nähere Auskunft zu erhal-
ten, welche die geographische Verbreitung der Arten, diese Haupt-
aufgabe der speciellen Zoologie, feststellen könnte — heile ich
diese Bemerkungen hier mit, indem ich eine ausführliche Mono-
graphie der Gatlung einer späteren Zeit vorbehalte. Die Abbil-
dungen der beiden neuen Arten habe ich Hrn. Prof. ‚A. Wag-
ner für die Fortsetzung von Schreber’s Säugethieren mitge-
theilt, wo sie bald erscheinen werden. Um jedem Milsgrifle
vorzubeugen, füge ich die Diagnosen und kurzen Beschreibun-
gen der fünf Procyon-Arten hinzu, ohne mich auf die mancher-
lei Irrthümer einzulassen, die sich hinsichtlich der Synonymie
der Arten in den zoologischen Schriften finden, da sie sich Aus
meiner Auseinandersetzung von selbst ergeben.
1. Procyon Lotor.
P. flavescenti-griseus, nigro variegalus, pedibus flavescenti-
griseis, eauda medioeri, laxa, fulvescenti, apice annulisque sex
integris fusco-nigris. America septemtrionalis.
Fischer Syn. Mamm. p. 148. excl. Synonymo: Mapach.
Körperfarbe gelblichgrau mit schwarzbrauner Beimischung.
Die Borstenhaare an der Basis braun, in der Mitte graugelblich,
von der Hälfte ihrer Länge bis zur Spitze schwarz, wodurch
die schwarzbraune Farbe auf dem Rücken und den Seiten des
367
Rumpfes die vorherrschende wird. Nur in der'Gegend des Vor-
derarmes sind die Borstenhaare einfarbig"gelblieh weilsgrau, so
auch ein Busch in der Ohrgegend, der hinter dem Ohre von
einem braunschwarzen Flecke begränzt wird. Der Wollpelz ist
graubraun, der von der Stirn zur Nasenspitze verlaufende’ Sireif
und der das Auge umgebende Fleck sind schwarzbraun, die
zur Schläfe verlaufende Binde über den Augen, die Seiten der
Selinauze und das Kinn sind nicht reinweils, sondern mehr
gelblieh weils. ' Vorderbeine und Vorder- und 'Hinterfüfse: sind
bräunlichgelbgrau, die langen Haare des Unterschenkels und der
Unterarme über der Fulswurzel tief dunkelbraun. Der Schwanz
ist bis zur Spitze fast gleichförmig dick (etwa 3” im Durchnes-
ser), locker behaart, graugelb, endigt mit schwarzbrauner Spitze
und ist von 6 schwarzbraunen Querbinden vollständig umgeben;
von denen nur die der Basis zunächst stehende auf der Unter-
seite unterbrochen ist. Die Schnauze ist ziemlich spitz, die ver-
kehrt eiförmigen Ohren haben fast die halbe Kopfeslänge.
Länge von Kopf und Rumpf beim Männchen 2F.'
Länge des Schwanzes 10"
Länge des Kopfes von der Schnauzenspitze bis hin- >.
ter das O 5"
Länge der Schnauze vom vorderen Augenwinkel
zur Nasenspitze i 2"
Breite der Schnauze vor den Augenhöhlen | 46"
Breite der Schnauze am Hundszahne 1 yon Si
Länge der Ohren 2’ 1”
Weibehen. Länge von Kopf und Rumpf LF.8’
Länge des Schwanzes 9."
2. Procyon Hernandesii Wagl.
Albido-griseus, fusco variegatus, pedibus fuseisz cauda mec-
diocri, fulvescente, apice annulisque 6, infra subinterruptis (?)
fusco-nigris. Patria: Mexico.
Procyon Hernandesii Wagl. Isis 1831. p. 513. Schreber’s
Säugethiere. Taf. 143. A. Suppl.
Die Körperfarbe ist weilslichgrau mit Schwarzbraun melirt,
fällt nach der Mitte des Rückens mehr ins Schwarzbraune, an
den Seiten mehr ins Weifse, denn das lange Borstenhaar des
Rückens ist an der Basis braun, in der Mitte weißs, und von der
368
Hälfte seiner Länge bis zur Spitze schwarz, an den Seiten des
Rumpfes, besonders am-®berarme und Oberschenkel ist esrseiner
ganzen Länge nach, bis zur Spitze hin, schmutzigweils. Der Well-
pelz ist 'graubraun. Die Spitzen und die dieht behaarte Innen-
seite der Ohren, die Seiten der Sclinauze, das Kinn und die
Binde über;den Angen sind nicht gelbliehweils, sondern schnee-
weils;' der Streif auf der. Schnauzenmitte und der Fleck um
das Auge und auf der Wange fällt mehr ins: Kastanienbraune,
Am. meisten ünterscheidend ist die tief, braune Färbung der
Fülse. ‚Auch würde ‚der kürzer behaarte, nach der Spitze. zu
merklich dünner werdende Sch wanz, welcher mit einem schwar-
zen Haarbüschel endigt, die Art ‘gut von Pr. lotor unterschei-
den, venn sich dies als conslante Eigenthümlichkeit aller Indi-
viduen ausweisen sollte; Die Abbildung in Sehreber’s Säuge-
thiereh stellt indessen den Sehwanz so buschig dar, wie beim
Pr. lotor. ‘Die fast schwarzen Ringel sind’ an unserm Exemplar
auf der Unterseite des graugelblichen Schwanzes unterbrochen,
und wo sie fehlen, wie bei P. drachyurus, durch eine etwas
dunklere Färbung angedeutet. Die Schnauzenbildung wie bei
Lotor, die Ohren mehr länglich, etwas schmäler, so lang, als
die Entfernung der Schnauzenspitze vom vordern Augenwinkel.
Die Art bedarf einer genaueren Prüfung nach mehreren Exem-
plaren. Das einzige Exemplar unseres Museums empfingen wir
aus München. Das Gebils giebt es als ein junges Thier zu er-
kennen, welches noch im Zahnweehisel begriffen war. Die Eck-
zähne sind noch nicht gewechselt, die Vorderzähne sind es zum
grolsen Theil, und diesem Umstande mag es zuzuschreiben sein,
dafs sieh die erenulirte Schneide derselben noch erhalten hat,
welehe dem verstorbenen Wiagler so auffiel, dafs er hierdurch
eine eigene Gruppe. der Gattung Procyon angedeutet glaubte.
Schon die geringe Grölse der erst eben durchbreehenden äufse-
ren Schneidezähne des Unterkiefers, die Anwesenheit eines Milch-
vorderzahnes und die krüppelige Gestalt der Eckzähne, hätte
ihn eines besseren hierüber belehren können,
Länge des Körpers bis zur Schwanzspitze (beim nicht aus-
gewachsenen Thiere) 17’, des Schwanzes 7”, des Ohres 1’ 6”.
Ebensoviel beträgt die Entfernung vom vordern Augenwinkel zur |
Sehnauzenspitze.
369
3. Procyon drachyurus n..sp.
Albido-griseus, nigro-fusco variegalus, pedibus!griseo -albi-
dis, cauda brevissima, densissime‘pilosa, fulvescente, annulis 6
eonfertis, nigro-fuseis, inferne 'interruptis, apice ezing fulves-
centi, medio nigra. ‘ Patria: Anfillae?
Auch diese Art hat im Allgemeinen ‘die Färbung des gemei-
nen Waschbären. Die Körperfarbe ist weilslichgrau mit Schwarz-
braun melirt, auf dem Vorderrücken ins Gelblichgraue, auf dem
Hinterrücken mehr ins Schwarzbraune fallend; die Conturhaare
des Rückens in der Mitte weilsgrau an der Spitze schwarzbraun
wie beim ZLotor und P. Hernandesi, am Vorderrücken nimmt
das Weilsgrau der Mitte, anı Hinterrücken das Schwarzbraun der
Spitze einen grülseren Raum ein, daher die oben angegebenen
Nüaneen. An der Unterseite des Halses, am Bauche, an den
Vorderbeinen, am Oberschenkel sind die. Conturhaare einfarbig
"weils... Vorder- "und Hinterfülse sind hell weifsgrau. Der Un-
terschenkel hat, wie bei den beiden verwandten Arten eine
schwarzbraune Farbe, theils von dem durchscheinenden schwarz-
braunen Wollpelze, theils durch die langen schwarzbraunen Enden
der Conturhaare; aber diese Farbe hat nicht‘ die Ausdehnung,
wie beim P. Iotor, sondern 'reicht in völliger Reinheit kaum
einen Zoll über dem Hackengelenk hinauf. Der-Längsstreif auf
der Schnauze, der das Auge umgebende Wangenileck sind
schwarzbraun, die Spitze derSchnauze, das Kinn, die Binden über
den Augen, die Innenseite und der obere Aufsenrand der Olıren
weilsgrau. Besonders auflallend ist die Form der Schnauze, wel-
che kürzer, dicker, stumpfer und flacher ist als beim Pr. lotor.
Der änlserst kurze, fast gleichmälsig dicke Schwanz ist dichter
behaart, mit dichter anliegenden Haaren, daher viel dünner als
‚ bei Pr. lotor (etwa 2’ im Durchmesser), hell ockergelblich, mit
6 sehr diehtstehenden Binden zur Hälfte umgeben, indem diese
auf der gelblichweifsen Unterseite unterbrochen und nur durch
einen dunkler ockergelben Querfleck angedeutet sind. Die Spitze
des Schwanzes ist ockergelblich, in der Mitte schwarzbraun.
Entfernung vom Auge zur Schnauzenspitze 1" 10"
Breite der Schnauze am Hundszalne v2"
Breite der Schnauze vor den Augenhöhlen 1" 10"
Länge der Ohren „a 1
370 s
Länge des Kopfes: 44”, Kopf-und u 1 F. 9", Länge des
Schrwwvanzes 5".
4. Procyon obscurus n. sp.
Supra e badio nigricans subunicolor, nitore pilorum eximio,
infra einereo-fuscus, pedibus. fuscescenti-griseis, cauda me-
diocri, 'densa; süpra unicolore, subtus einereo-fusca annulisque
nigris sursum‘ evanescentibus semieineta. 'Patria ignota.
Die Körperfarbe, oberhalb’ einfach dunkelbraun, auf Hinter-
kopf, Nacken, Schulter und Vorderrücken mehr ins Schwarz-
braune, auf, dem Hinterrücken und Kreuze ‚durch Beimischung
vieler kastanienbrauner Haare mehr ins Kastanienbraune ‚fallend.
Die Couturhaare des Rückens einfarbig schwarzbraun oder ka-
stanienbraun, mit äulserst lebhaftem Glanze. Der Wollpelz dicht,
graubraun.' Die Innenseite der Ohren und deren oberer Aulsen-
rand weilslich'‚behaart. Der Streif über den Augen zur Wange
gelbbräunlichgrau. * Der Mittelstreif auf der Schnauze und der
das Auge umschliefsende, bis zur Kehle hinabreichende Wangeu-
Neck schwarzbraun; die Seiten der Schnauze und das Kiun grau-
lichweils, mit gelbbräunlicher Beimischung. _Vorder- und Hin-
terbeine dunkelbraun... Die Vorder- und Hinlerfülse hell bräun-
lichgrau, ‚Der Schwanz hat nicht völlig die halbe Körperlänge,
ist cylindrisch, dicht behaart, erscheint dadurch dünner als der
des gemeinen Waschbären, Oberhalb hat er die Farbe des Rük-
kens, mil Einmischung vieler einzelnen langen, lebhaft fuchs-
rothen Haare; unterhalb ist er graubraun, mit vier schwarzen
an der Oberseite minder deutlichen Binden umgeben, deren letzte
mit dem schwarzen Ende des Schwanzes fast verflielst. Die
Schnauze ist kürzer als beim Lotor, ohne deshalb dieker und
Rechen zu sein. Auch die ovalen Ohren sind kürzer, messen
nur 4 der Kopfeslänge. Die Vorder- und Hinterbeine sind dün-
ner, ae als beim P. lotor, daher erscheint er hochbeiniger
als die grauen Arten. Die Sohlen der Hinterfülse nicht bis zum
Hacken nackt, schmäler, als bei jenen; der Hacken behaart.
Länge von Kopf und Rumpf 2F.1" 4"
Länge des Kopfes bis hinter die Ohren 48"
Länge der Ohren v8"
Länge der Schnauze vom vordern Augenwinkel
gemessen v' 8”
. \ 371
(Länge des Schwanzes gu"
Umfang des Schwanzes in seiner Mitte fu
Breite den Schnauze vor den Augenhöhlen 1" 10"
Breite der. Schnauze am Hundszahne 0)
Länge der Hinterfüfse zum Hacken 3a,
5.: Procyon eancrivorus ll.
Supra einereo -fulvus, fusco- irroratus, subtus albicans, capite
nuchaqae 'eanescentibus, macula oculum: eingente fusco-nigra,
parva, in genam haud porreela, cum opposita supra naribus
in rostro medio confluente, fascia superciliari alba fuscescenti-
einereis, antibrachiis eruribusque, fuseis, pedibus digitisque
subrasis (parce pilosis) e fusco-einereis, cauda gracili, griseo
nigroque annulata. - America ‚meridionalis.
Fischer Synopsis Mamm. p. 149. dessen Citaten noch Reng-
ger’s Naturgeschichte der Säugelhiere von Paraguay: p. 113. hin-
zuzufügen ist. Körperlänge 2 F., Schwanz elwas über 1 F.
Die Beschreibungen, welche uns die Schriftsteller von Pro-
cyon' cancrivorus geben, sind keinesweges übereinstimmend. Das
Exemplar unserer Sammlung pafst.in allen Punkten zu der von
Sr. Durchlaucht dem Prinzen von Neuwied gegebenen Beschrei-
bung dieses Thieres. Mit dem Procyon lotor verglichen erscheint
er hochbeiniger; hat, wie der Prinz bereits bemerkt, ein weit
kürzeres Ohr, kürzere mehr abgenutzte Krallen und sehr schwach
behaarte Fülse, welche letztere Eigenschaft vom Prinzen dem
Gehen im zähen Schlamme der Mange-Sümpfe zugeschrieben
wird. Auch die Bebaarung des Rumpfes ist eine andere, der
graue, Wollpelz ist weniger entwickelt, das Borstenhaar kürzer,
stärrer. Die Vorderbeine vom Ellbogengelenke abwärts und der
Unterschenkel sind ganz dunkelbraun, was Rengger (Naturge-
schichte der Säugethiere von Paraguay p. 114.) nicht allein nicht
erwähnt, sondern den Extremitäten bis zum Fulse hinab die
Farbe des Rumpfes zuschreibt. Die 4 Fülse sind mehr bräun-
lichgrau. Der Kopf und Nacken haben eine greise, stark mit
Schwarz gemischte Farbe. Der Umkreis des Mundes ist weilslich.
Eine weilse Binde zieht sich von der Stirn über das Auge zur
Wange bin. Von einem weilsen Flecken hinter dem Auge, des-
sen Nich\erwähnung Rengger dem Prinzen von Neuwied vor-
wirft, zeigt auch unser Exemplar keine Spur, eben so wenig
372
den von Büffon erwähnten weilsen Stirnfleck. Besonders cha-
rakteristisch für die Art ist, wie schon Fischer bemerkt, die
Kleinheit des die Augengegend umgebenden schwarzbraunen
Fleckes, der bei den andern Arten über die Wangen hinabreicht,
hier aber über derselben aufhört, dagegen auf dem Schnauzen-
rücken mit dem der andern Seite: verschmilzt, indem der weilse
Superciliarstreif hier nicht, wie es bei den übrigen Arten der
Fall ist, das Auge innerhalb umgiebt. Nach Büffon’s Beschrei-
bung reicht der Wangenfleck fast zum Ohre, doch ist er in sei-
ner Abbildung noch weit davon entfernt. Auf der Wangen-
gegend hat das greise Kopfhaar eine mehr bräunliche Beimi-
schung, so dafs sich in dem dadurch entstehenden, bräunlich-
grauen vierseitigen Wangenflecke der schwarzbraune Augenfleck
bis zur gewöhnlichen Gränze verloschen fortzusetzen scheint.
Der Schwanz hat in unserem Exemplare von’ seinem Wurzel-
ende die Farbe des Rückens;. dann folgen 6 schwarze Ringe,
welche mit eben so viel gelblichweilsgrauen Ringen wechseln.
Das Ende ist schwarz. Der Prinz von Neuwied giebt 4—5
schwarzbraune Ringe, Fischer 8—9 an. Büffon nennt den
Schwanz verhältnilsmälsig kürzer als beim Lotor, was nicht der
Fall ist, aber giebt ihm 6 schwarze Binden. Nach Cuvier
Regne animal 2. Ausg. I. p. 138. wären die Schwanzrioge wenig
deutlich. Nach Rengger (I. e.) ist der Schwanz schwarz und
lat von der Wurzel bis zu seinem letzten Drittheile 3—4 gelb-
lichweilse Ringe. Es scheint also die Zeichnung des Schwanzes
sehr variabel. Obwohl die Haare des Schwanzes länger, als die
des übrigen Körpers sind, so ist doch der Schwanz ungleich dün-
ner als bei den vorerwähnten Arten und nimmt gegen die Spitze
merklich an Dieke ab. Bei 2 Fuls Körperlänge milst er etwas
über einen Fuls.
Fossile Quadrumanen.
Bisher hatte man bekanntlich keine sicheren Beweise, dafs es
in der Vorwelt Affen, oder überhaupt nur Quadrumanen gege-
ben habe. Die neueste Zeit ‚hat die entschiedensten Beweise
für ihr fossiles Vorkommen geliefert. Nachdem Hr. Lartet im
Januar dieses Jahres der Akademie zu Paris die Entdeckung
eines fossilen Aflen-Unlerkielers in der Tertiärformation von San-
sau bei Auch angekündigt und später auch (am 7. April) eine
vollständige Beschreibung und Abbildung eingesandt halte, sind
von älın auch die in seinem Sebreiben erwähnten Gegenstände
der Akademie zugestellt worden, und eine Commission derselben
aus den Herren Dumeril, Flourens und Blainville beste-
‘ hend, hat am 26. Juni darüber Bericht erstattet (Compte rendu
etc. 1837. Nr. 26. p. 981 fg. mit Abbildung des erstgenannten
Unterkieferfragmentes). Die fossilen Reste bestehen 1) aus einem
- fast vollständigen Unterkiefer, an welchem nur der Endtheil der
aufsteigenden Aeste fehlt, 2) aus einem Backenzahne, 3) dem
Vorderende eines Unterkiefers, gebildet von der vordern Hälfte
der Aeste nebst der ganzen Symphyse mit den Zähnen und ih-
ren Wurzeln, 4) aus einem os cuboideum des rechten Fulses,
5) einem zweiten Fingergliede. Die beiden Oberschenkelkno-
eben, welche Hr. Lartet ebenfalls in seinem Schreiben als ei-
nem (Juadrumanen angehörig angekündigt halte, sind von ihm
nicht eingesandt, Der zuerst erwähnte Unterkiefer hat vom
Ende der Vorderzähne bis zur vorderen Wurzel des aufsleigen-
den Astes 1; Zoll. Die breiten Aeste vereinigen sich unter
einem Winkel von 25°, die Länge der Symphyse beträgt 9”.
Die Seitenansicht derselben ist schief, weil sie mit der Ebene,
auf welcher der Kiefer ruht, einen Winkel von 50° bildet. Die
‚ äufsere Seite zeigt am Vordertheile ein Kinnloch. Die innere
374
Seite zeigt eine ziemlich tiefe Aushöhlung für den M. genio
hyoideus, ohne deutliche Kinnapophyse. Der Unterrand der Kie-
feräste ist sehr dick, abgerundet, ganz glatt. Die Zähne schlies-
sen eng an einander ohne Zahnlücke, sind fast von gleicher
Höhe und bilden eine wenig geöffnete parabolische Figur. Sie
zeigen durch ihren wohl erhaltenen Zustand und durch ihre Zahl,
dafs sie einem ausgewachsenen Thiere angehörten. Ihre Zahl ist
die der menschlichen und der Affen der alten Welt. Die Vor-
derzähne vollkommen einander gleich, ziemlich schief, zeigen die
bei den bekannten Aflen sich nicht fiudende Besonderheit, dafs
sie bis zum Nivdau der Spitze der Eckzähne erhoben sind. Sie
sind keilförmig, haben eine lange, spitze, nach der Quere zu-
sammengedrückte Wurzel und eine kurze Krone mit abgestutz-
ter Schneide. Da sie. unter der Krone etwas eingeschnürt sind, '
so lassen sie an der Mitte ihrer Länge eine sehr merkliche Lücke,
während sie sich mit ihrem Kronenende berühren. Die Eckzähne
winklig getrennt von den übrigen Zähnen und kurz, da sie die
übrige Zahnlinie, und besonders die Vorderzähne, kaum überra-
gen, sind von konischer Form, sehr wenig gekrümmt und nach
aulsen gelegt, haben hinten einen gehörig deutlichen Vorsprung
und eine Art tiefer Furche an der Hinterseite, weiche, indem
sie an dem Vorsprunge aufhört, zu erkennen giebt (?), dafs der
entsprechende obere Eckzahn sich mit dem untern kreuzend,
nieht über ihn hinausreichte, wie ‘bei den meisten Aflen. Die
beiden falschen Backzähne sind fast von gleicher Höhe; der erste '
ein wenig höher als ler zweite ist: ganz vertikal gestellt, ohne
im geringsten nach hinten gedrängt zu sein. Seine Krone bildet
einen dreiseitigen ziemlich spitzen Höcker, während der zweite -
Backenzahn deren zwei zeigt, von denen der vordere etwas
stärker als der hintere ist, beide mit zwei obsoleten Spitzen.
Die drei wahren Backenzähne, noch dichter stehend als die an-
dern, in Höhe, Breite, Dicke einander fast gleich, sind dies
° nicht in der Länge. Der hintere, welcher leicht ein wenig
schmäler ist als die übrigen, ist merklich etwas länger, obwohl
die Differenz etwa nur ein Millimeter beträgt. Die beiden
ersten zeigen aulser den beiden Paaren zitzenförmiger Höcker,
welche ihre Krone in ziemlich schiefer Richtung darbietet, noch
einen fünften hinteren und äufseren, wie Hr. Lartet richtig
375
bemerkt, und was diesen zu der Ansicht bewogen hatte, dafs
der fossile Afle den Gibbons angehöre, obgleich dieser Höcker
weit weniger ausgebildet ist als bei den Langarınen. Der hin-
terste, etwas schmälere, und merklich längere Backenzahn hat
aufser den vier Höckern in zwei sehr schief gestellten Paaren,
deutlich einen ziemlich kräftigen, last in zwei oler drei Höckern
getheilten (hinteren) Anhang, etwa wie bei den Makaken, nur
minder deutlich als bei diesen. Der Unterkiefer gehörte also
oflenbar einem Affen des alten Continents der obersten Genera
an, wolür sowol die gleiche Breite der Vorderzähne, ihre fast
vertikale Stellung in einer fast geraden Querliuie, und die kurzen,
vertikalen Eckzähne sprechen, die sich kreuzien, ohne einander
zu überragen, als auch, dafs der erste falsche Backenzahn kei-
nesweges durch den.Druck des oberen Eckzahnes nach hinten
gedrängt, sondern ganz vertikal ist, dals die Backenzähne eine
Krone mit stumpfen in schiefen Paaren gestellten Höckern ha-
ben. Die Deutung des Hrn. Lartet kommt also der Wahrheit
sehr nahe, besonders durch den für die Gibbons charakteristi-
schen fünften Höcker, da jedoch dieser in dem fossilen minder
ausgeprägt ist, und der hinterste Backenzahn desselben eine ver-
schiedene Proportion zei;t, wie sie sich bei denen der Semno-
pitheei und Magol’s findet, so scheint es, als ob der fossile Affe
eine besondere kleine Abtheilung bilden müsse, es sei denn, dafs
er hierin mit der Gattung Colobus, welche die indischen Semno-
pitheken in Afrika ersetzt, übereinstimmt *), deren Gebils die
Berichterstatter nicht vergleichen konnten.
er einzelne Backzahn, welchen Hr. Lartet für den eines
Aflen aus der Familie der Sapaju hielt, hat allerdings in der
Totalform und ‚den Proporlionen einige Aelnlichkeit, scheint
aber eher ein hinterer Höckerzahn eines bärenarligen Raubthie-
res zu sein, und der hintere obere Backenzahn der Gattung
Arclitis zeigte die meiste Achnlichkeit, vier schr niedere Höcker,
aber den (äulseren) Ansatz viel mehr entwickelt. Dals er dem
.) Aug Rüppell’s freilich sehr kurzen Beschreibung des Gebisses
von Colobus, Guereza scheint indessen hervorzugehen,, dals zu dieser
Gattung das Gebils des fossilen Affen nicht palst. Er scheint daher
eine eigene zwischen den Gibbons und Semnopitheken mitten inne
| stehende Gruppe zu bilden. Herausg.
376
grolsen jüngst bei Sansan von Lartet entdeckten Raubthiere
angehört habe, läfst seine grofse Kleinheit nicht zu. Auch das
Os cuboideum wird von den Berichterstattern einem Raubthiere
zugeschrieben, desgleichen die zweite Phalanx. Der zuletzt er-
wähnte Unterkiefer soll keinesweges einem Maki angehören, wie
Hr. Lartet glaubte, sondern entweder einem insectivoren Raub-
thiere oder einem schweineartigen Pachydermen *).
Fast gleichzeitig wurde auch am Himalaya in den Hügeln
unweit Sutlej ein Fragment der rechten Oberkieferhälfte eines
Allen von den Lieutenants Baker und Durand gefunden. (Aus
dem Journal of the Asiatic Society of Bengal. Vol. V. p. 739., in
Lond. and Edinburgh Philosophical Mag. Vol. II. Nro.64. Juli
1837. p. 33.) Die Backenzähne sind der Zahl nach vollständig,
nur am Schmelz .etwas beschädigt, der 2te und 3te stark abge-
nutzt. Der Ecekzahn ist klein, aber sehr verstümmell. Schon
die Gestalt der Zähne beweiset, dafs sie einem Aflen angehör-
ten, noch mehr der untere Theil der Orbita, und der Anfang
des Jochbogens, welcher an dem Fragmente erhalten ist. Die
Vergleichung des Gebisses spricht dafür, dals auch dieser fossile
Aile der Gattung Semnopithecus am nächsten stand.. Der hinterste
Backenzahn soll indefs nach den Angaben der Entdecker, die
nur F. Cuvier’s Abbildungen des Gebisses der Semnopitheci
verglichen, eine kleine zwischenliegende Spitze von‘ Schmelz
(interstitial point of enamel) an der Innenseite der Krone zeigen,
den sie in jener Abbildung nicht fanden. Die Vorderzähne feh-
len ganz, aber der Zwischenkiefer ist deutlich zu unterscheiden.
Aus dem Umfange, den die Backenzähne einnehmen (2,15 Zoll),
schliefsen sie, dafs der vorweltliche Affe die Gröfse des Orang-
Utang gehabt habe. Eine Abbildung im Holzschnitie ist a. a. ©.
gegeben.
*) Da dieses fossile Bruchstück fast nur aus der Symphyse bestand
und nur die Vorderzähne erhalten, Eckzähne und falsche Backenzähne
aber bis zur Wurzel abgebrochen und ausgefallen waren, so erklärt sich
hieraus diese seltsame Alternative. Die gegebene Beschreibung spricht
mehr für die letztere Deutung, za welcher sich auch die Berichterstat-
ter mehr hinneigen. Herausg.
377
Ehrenberg’s neuere Entdeckungen über die
Bacillarien.
Das die mikroskopischen Thierformen dieser Familie noch im-
mer ein Gegenstand des Streites sind, sofern sie von mehreren
Botanikern noch immer dem Pflanzenreiche vindieirt werden,
ist den Lesern aus dem Jahresberichte (s. diesen Jahrg. Bd. 2.
p- 25.) des Hrn. Meyen, welcher derselben Ansicht beitritt,
bekannt. Für diese Meinung schien auch zu sprechen, dafs jene
Wesen bisher nieht zur Einnahme farbiger Nahrungsstoffe, gleich
‘den übrigen Infasorien, zu bringen waren. Neulich ist dieses
indesseu Hrn. Ehrenberg bei den Gattungen Navieula, @om-
phonema, Arthrodesmus (Scenodesmus Meyen), Closterium acerosum
gelungen, worüber er in der Sitzung der hiesigen Gesellschaft
naturforschender Freunde vom 20. Juni, mit Vorzeigung der dies
beweisenden Exemplare Bericht erstatiete. Es zeigen sich hier
ganz dieselben blasenförmigen Magensäckchen, wie bei den
übrigen polygastrischen Infusorien. Mit der gröfsten Deutlich-
keit zählte ich im hellen Mitteltheile einer Navicula gracilis,
welche Hr. Ehrenberg zeigte, 6—7 von blauem Farbestoffe
strotzende Magensäcke. Es ist also mit dieser Entdeckung, der
vollständigste Beweis ihrer Uebereinstimmung mit den polyga-
strischen Infusorien geführt, wofür schon früher die eigenthüm-
liche gleitende Bewegung hinreichend sprach, welche sich bei
mehrern derselben deutlich genug zu erkennen giebt, und sich
weder den lebhaften Bewegungen der Algensporen, noch den
Bewegungen der Oscillatorien vergleichen läfst. Die fufsähnli-
ehen Papillen, welche diese Thierchen aus besonderen Oeflnun-
gen hervorstrecken und zurückziehen, bemerkt man an mehre-
ren derselben z. B. Navicula bei Trübung des Wassers ziemlich
leielit, ebenso sieht man an den leeren Panzern der fossilen die
erwähnten Oeflnungen mit der gröfsesten Deutlichkeit.
v
Elektrische Erscheinungen am Zitterrochen.
! Elektrische Funken erhielt Herr Santi Linari, Professor
zu Siena, mittelst des Zitterrochens. Auch hat er mit Hülfe
#
378
eines sehr empfindlichen Condensators deutliche elektrische Span-
nungen wahrgenommen. Der Rücken des Thieres giebt posi-
tive Elektrieität, der Bauch dagegen negative. Bei den Entla-
dungen geht der Strom’ vom Rücken zum Bauche. Mittelst sehr
feiner Golddrähte hat Hr. S. L. in einer Glasröhre salpetersaures
Silberoxyd und Wasser durch den Strom des Zitterrochens zer-
setzt. Endlich hat ihm das Galvanometer das Dasein eines Stro-
mes in der vom Elektrometer angezeigten Richtung nachgewie-
sen, und_wie bei den früheren Versuchen hat er auch Spuren von
Wärmewirkung wahrgenommen. (Näheres s. in den Compt. rend.
1837. I. p- 326. u. Poggendorf’s Annalen Bd. 40. p. 642.)
&
Notiz über das Gebils des Moco (Cavia rupestris
Neuw. Kerodon Fr. Cuv.)
vom
Herausgeber.
Auf meine Bemerkung *), dals die vom Prinzen Max von’ Nen-
wied gegebene Abbildung des Gebisses der Cavia rupestris von 1
der Darstellung Fr. Cuvier’s sehr abweiche, hat Sr. Durchl,
die Gewogenheit gehabt, mir den abgebildeten Schädel zur Ver-
gleichung zu übersenden. Aus dieser ergiebt sich, dals jene Ab-
weichung auf einer zufälligen Beschädigung des Gebisses beruht,
durch welehe die charakteristischen Eigenthümlichkeiten ganz
verloren gingen. Es fehlt nämlich der vorderste Backenzahn des
Unterkiefers auf der einen Seite ganz, an dem der andern Seile
ist der vordere Anhang abgebrochen; eben so ist auch der char
rakteristische Anhang am letzten Backenzahne des Oberkielers
abgestolsen. Hiernach mulste folglich die von $r. Durchlaucht
gegebene Beschreibung und Abbildung des Gebisses unvollständig
werden.
—
*) S. dies. Archiv Jahrg. I. 2. p.'213.
N 7
Familien unter den Kamm-Muscheln.
Von
A. Roemer, Amts-Assessor.
Die Arten der schönen Gallung Pecten haben sich. in, neuster
Zeit und namentlich durch Auffinden vieler fossiler Formen .so
gemehrt, dals schon zur Erleichterung der Bestimmung eine Zu-
sammenstellung derselben in natürliche Familien gewils sehr wün-
schenswertli erseheinen dürfte.
In den bisherigen Naturgeschichten Man die einzelnen Spe-
eies siets nur in zwei Abtheilungen gebracht, jeınachdem. die
Ohren gleich oder ungleich sind; es linden sich indessen so all-
mählige Uebergänge vom einen Extreme zum andern, dafs häu-
fig nahe verwandte Arten dort getrennt, werden; ‚einem gleichen
Uebelstande begegnen wir bei: fast allen übrigen, ‚Merkmahlen;
wenn wir sie einzeln zur Sonderung ‚benutzen wollen, und nur
zwischen den Formen, deren rechte Schale ganz. Nach, oder con-
cay, und denen, wo sie gewölbt ist, sind Uebergangsformen mir
nicht bekannt.
+ .Durchaus erforderlich scheint es daher, den ganzen Habitus
der einzelnen Species ins Auge zu fassen und den Inbegriff aller
einzelnen Verschiedenheiten uns zu verdeutlichen. Manche, bis-
her bei Beschreibung der Arten, benutzte ‚Merkmahle müssen
hiebei durchaus bei Seite gesetzt werden, da sie bei den For-
men derselhen Gattung vielen Abänderungen unterworfen sind;
ich reehne hieher die Farbe, Anzahl der ausstrahlenden Falten
und Streifen, so wiei;meist auch die Stärke der concentrischen
Auwachsungsslreifen und Rundung der Schärfe der Rippen.
\ Sichere Kennzeichen scheinen die Wölbung der Schalen,
\ Richtung der Schloßslinien. Größse des Schlofskantenwinkels,
| I. Jahrg. 1. Band. 24
380 r
gröfste Breite über, unter oder in der Mitte der Länge, gleiche
oder ungleiche Gröfse der Falten, Dichotomie und Nebeneinan-
derlegen der Rippen und Form der Olıren zu seyn.
Es hat mir bei meinen Untersuchungen über diese Gattung
leider kaum ein Drittheil der bekannten Arten vorgelegen, ich
hoffe aber dennoch, dafs in die folgenden Familien auch die
übrigen Species sich einordnen lassen werden.
I. Pleuronectides.
Die Schalen sind kreisrund, beide flach gewölbt, aufsen glatt
und der Länge nach weder gefaltet noch gerippt, nur selten fein
gestreift; auch die Anwachsungsstreifen sind meist sehr fein, sel-
ten als zarte blättrige Linien bemerkbar. Die rechte Schale ist
oft heller gefärbt. Der Schlofskantenwinkel ist’ größer als ein
rechter; die Ohren sind glatt, meist klein, die hinteren und das
vordere der linken Schale stumpfwinkelig; der Byssusausschnitt
des vordern rechten Ohres fehlt ganz oder ist doch sehr klein;
Zähne scheinen in ihm auf der vordern Schlofskante ganz zu
fehlen. Die Schloßlinie der linken Schale ist gerade und hori-
zontal, die der linken Schale ragt beiderseits über'jener etwas
_ hervor. Im Innern der Schalen finden sich häufig ausstrahlende.
scharf hervorstehende, leistenähnliche Rippen.
Die Anzahl der in diese Familie gehörenden Arten ist ziem-
lich "bedeutend; sie finden sich im Lias und allen jüngeren Bil-
dungen. Ich kenne von ilinen: P. corneus Sow; subulatus v.M.;
calvus Goldf.; eingulatus Phillips, paradoxus v. M.; personatus
Goldf.; vitreus u. sulidus Roem.; membranaceus Nils.; Nilssoni
Goldf.; Zaminosus Mont.; eircularis Goldf.; semicingulatus v. M.;
eristatus Bronn.; 'pygmaeus v. M.; pleuronectes L.; Japonicus
Lam.; oblitteratus Lam.
I. Arcuati.
Die Schalen sind kreisrund oder (bei jüngeren Arten) oval;
beide fach’ bis stark gewölbt, innen glatt, auflsen aber mit mehr
oder minder starken Streifen bedeckt, welche nur zum Theil an
den Buckeln entspringen, gegen den Umfang hin an Zahl sehr
zunehmen, dichotome Zwischenräume bilden und so gebogen
sind, dals sie den Schlolskanten nicht parallel laufen, wie diels
bei allen übrigen Arten der Fall ist, sondern auf alle Kanten in
fast rechtem Winkel aufstolsen. Die Ohren sind häufig nur durch
ee ad U De
381
eine: sanfte Niederbiegung vom übrigen Theile ‚der Schale ''ge-
trennt,“ immer ungleich; die hinteren stumpfwinkelig;''die vor:
deren viel’größser und das der rechten Schale. meist mit‘deut-
lichem Byssusausschnitte versehen, auf dessen’ unterer Kante
kleine Zähne zu sehen sind." Der Schlofskantenwinkeh ist ein
rechter oder grölser.. Die Schlofslinien beider Schalen sind ziem-
lieh gerade und horizontal. Anwvachsungsstreifen sind meist we-
nig und oft nur dadurch bemerkbar, dafs sie im Grunde ‘der
Streifen zarte Punkte bilden, selten schneiden sie die Zwischen-
räume der Streifen tief ein. ;
Angedeutet ist der Typus dieser Familie bereits bei einigen
Arten der vorhergehenden, indem wir auf ihren‘Schalen büschel-
förmige Linien bemerken, welche die Richtang der 'eben ‘be-
schriebenen Streifen theilen; auch bei einigen Arten der folgen:
den Familien hat sich ‘das Organ, welches Wiese an ‚gebil-
det, noch zwischen den Rippen ausgesprochen.
Es finden sich die hieher gehörenden Arten "vorzugsweise
im Muschelkalke, Jura und in der Kreide; von lebenden ist mir
nur eine bekannt: P. discites Hehl, vestitus Goldf.; lens Sow;
subcomatus Roem., comatus v. M.; annulatus Sow, 'obscurus Sow,
sublaevis Roem.; areuatus Sow,, erinitus :v. M.'und Testae Phi-
lippi.
IE Pusiones. r
Die ‘Schalen sind eirund ‚Nach gewölbt, ‘innen. 'gefurcht,
aussen mit geraden ausstrahlenden‘ Rippen: bedeckt, zwischen
welche sich im Verlaufe oft schwächere zwischenlegen; die vor-
dere Schlofskante ist meist sehr deutlich ausgebuchtet und bil-
det mit der ‘hinteren einen stets spitzen Winkel. Die Ohren
sind immer gerippt ‘und sehr ungleich; die hinteren äusserst
klein und ‚stumpfwinkelig; die vorderen sehr grols und’ spitz-
winkelig; das der rechten Schale ragt über dem der linken be-
deutend hervor, ist mit einem weiten Byssusausschnitte versehen
und stölst im rechten Winkel auf die vordere Schlofskante, auf
der sich darunter mehre spitze Zähne befinden. Die -Schloß-
linie ist gerade und steigt nach vorn auffallend schräg "in die
Höhe. Die concentrische Streilung ist meist sehr deutlich und
oft werden dadurch die Rippen’ scharf und raulı.
Aus den älteren Schöpfungen sind mir keine Arten mit Be-
24°
382 ”
stimmtheit bekannt; aus den jüngeren. gehören 'hiehers)P. lime-
tus. Goldf.; elongatus, Lam.; ; varius |Pennant, imbricafus, Lam; ;
Pusio, ornatus, sauciatus, pes or sulphureus und lividus Lam,
IV. Plicati. "
Die Schalen sind ziemlich ke bisweilen breiten als
lang, beide flach gewölbt, innen’ gefureht, aulsen mit. fünf. bis
dreizehn ansstrahlenden, geraden Falten bedeckt; von. diesen
wechseln auf: der linken Schale immer, ‚eine stärkere, und eine
schwächere ab, während auf der recliten. Schale immer zwei
gleichstarke Falten genähert und von‘.den beriächbarten dureh
einen breiten! Zwischenraum getrennt sind. |, Gegen die Basis hin
werden die Falten oft schwächer oder ‚verschwinden ganz; end-
lich ‚werden sie, wie auch ihre Zwischenräume, gewöhnlich von
ausstrahlenden Streifen oder Furchen bedeckt; die concentrische
Streifung pflegt sehr fein und. regelmäfsig zu sein. Die langen
Scehlofskanten bilden einen ziemlich rechten Winkel: Die Oh-
ren sind gewöhnlich. ziemlich grofs und gleich; die ‚hinteren
sind etwas stumpf-, recht- ‚oder selbst spitzwinkelig, 'die''vor-
deren etwas gröfser; ‚das rechte vordere. hat einen spitzen ‚Bys-
susausschnitt und zeigt darin, kleine Zähue.. Die Sehlolslinie-der
linken.Schale ist gerade und horizontal;..die der rechten-Schale
steigt beiderseits etwas an.
Es gehören hieher von lebenden Arten: P:ihyalinus Pli-
lippi; polymorphus: Bronn , ‚glaber \Chemn.;. Plica, Kr ad-
spersus und ‚sulcatus et griseus Lam.
V. Islandicoides.
Der Umfang beider flach gewölbten Sehalen ist!ziemlich
kreisrund; sie sind aulsen mit-zahlreichen, geraden ‚aussirahlen-
den Rippen und Linien bedeckt, neben welche sich im Ver-
laufe feinere zwischenlegen; auch findet sich auf,'dem Rücken
der Rippen wohl eine Furche ein, diese wird aber. nicht so lief,
dals sie eine, wirkliche Dichotomie herbeiführte, Die:vorn: sanft
ausgebuchteten ‚Schlofskanten bilden einen ‚rechten «Winkel; 'die
mit ausstrahlenden Rippen versehenen Ohren sind ungleich; die
hinteren klein und stumpfwinkelig; das vordere rechte, hat einen
tiefen, spitzen Byssusausschnitt, in dem man mehre kleine Zähne
bemerkt. Die Schlofslinie ist horizontal und' gerade, ‚nur wenig
steigt sie,an der rechten Schale nach beiden Seiten an.
" 383
Es liegen mir nur wenige Arten vor, naeh’ denen ich diese
Familie gebildet habe und mag daher ihre Umgränzung ‚leicht
noch in einigen Stücken geändert werden müssen. Ich, kenne
von ihnen: P.'trigeminatus Goldf.; striato-costatus v. M.; trian-
gularis Goldf. und Islandicus’ Lam.
’ VI. Tranquebarini.
Der Umfang der Schalen nähert sich‘dem Kreisrunden; beide
sind ziemlich flach gewölbt, in der Mitte der Länge am breite-
sten und’aufsen mit gleichstarken, zahlreichen, ausstrahlenden
Rippen bedeckt, welche bisweilen wieder längsgefurcht sind.
Die Schlolskanten bilden einen rechten Winkel; die Ohren sind
meist ungleich; die hinteren bald stumpf-, bald rechtwinkelig;
das vordere rechte hat einen spitzen, tiefen Byssusausschnitt, in
dem man einige kleine Zähne bemerkt. "Die Schlofslinie der
linken Schale ist gerade und horizontal; die der rechten Schale
steigt vorn etwas an. Häufig finden sich scharfe, oft blättrige
Anwachsungslinien, wenn auch unr in den Zwischenräumen der
Rippen sichtbar.
Die hieher zu zählenden Arten finden sich im Lias und
allen jüngeren Bildungen; ich kenne von ihnen: P. priscus
v. Schl.; ambiguus v. M.; 'subspinosus v. Schl:; strictus v. M.;
Hausmanni, Menkei, Münsteri Goldf.; bifidus, pectoralis v. M.;
scabrellus Lam.; asperrimus, 'Tranquebaricus, Radula und Pal-
lium Lam.
VII. Opercularini.
Die Schalen sind kreisrund, meist etwas breiter als lang,
bisweilen sehr ungleich gewölbt und aulsen mit zahlreichen,
gleichstarken, ausstrahlenden, oft gestreiften Rippen versehen.
Die Schlolskanten bilden einen stumpfen Winkel. Von den
Ohren sind die hinteren bisweilen die grölseren und stumpfwin-
kelig; das vordere linke ist etwas spitzwinkelig, das vordere
rechte mit tiefem Byssusausschnitte und darunter mit einigen
kleinen Zähnen versehen. Die linke Schlolslinie ist gerade und
horizontal, die rechte steigt vorn etwas an.
Es gehören hieher: P. acutiradiatus v. M.; aequivalvis Sow;
subpunctatus v. M.; multicostatus Nills.; seriafo-punctatus v. M.;
gibbus, sengtorius, lurgidus, opercularis, lineatus, irradiatus und
purpuratus Lam.
%
VIIL Jacobaei.
Die Schalen sind ziemlich kreisrund, oft breiter. als lang
und ungleich; die rechte ist stark gewölbt; die link& ganz flach
oder selbst concav;, beide werden aulsen von ziemlich zahlrei-
chen, geraden, gleichstarken, ‚oft gefurchten Längsrippen 'bedeekt
und zeigen innen Längsfurchen. : Die Ohren sind alle gleich
grols und, spilz- oder rechtwinkelig; der Byssusausschnitt des
rechten Vorderohres fehlt ganz oder ist doch sehr undeutlich
und sind auf der vorderen Schlofskante keine Zähne. zu bemer-
ken. Der Schlofskantenwinkel ist ein spitzer, rechter ‚oder
stuinpfer.
Diese Formen finden sich zuerst in den obersten Lagen des
Oolithengebirges, dann in den jüngeren Bildungen; ich kenne
von ihnen: P: versicostatus Lam.; striato-costatus Goldf.; no-
tabilis v. M.; zickzack, Laurentii, maximus, medius und Jaco-
baeus Lam.
Diefs sind die Familien, welche sich bei Beschauung der
vorliegenden Arten mir hervorstellten und nur für eine, nämlich
den terliären ‚P. striatus v. M.. würde ich vielleicht eine neunte
Familie. gebildet haben, wenn ich vollständige Exemplare ‚oder
ähnliche Formen: besesen hätte; charakteristisch würden für sie
geworden sein: stumpfer Schlofskantenwinkel, sehr zahlreiche
ausstrahlende Linien und deren wirkliche. Dichotomie.
Besitzer grölserer Sammlungen mögen diesen flüchtigen Ver-
such einer Eintheilung der Kamm-Muscheln einer Verbesserung
werth halten.
Hildesheim, den 1. Juli 1837.
®
Pododeswmwus,
ein neues Genus der:Acephalen.
i Von
Dr. Philippi in Kassel.
(Hiezu Tab. IX. Fig. 1.)
Aus Havana habe ich durch meinen jüngern Bruder ein neues
Genus der austerartigen Acephalen erhalten, welches dort nicht
eben selten zu sein sclıeint, aber. wahrscheinlich bisher mit Au-
stern verwechselt und defshalb nicht erkannt worden ist. Es
steht in der Mitte zwischen Ostrea und Anomia, und seine we-
sentlichsten Charaktere sind folgende:
Testa sublamellosa, adhaerens, inaequivalvis, irregularis,
apieibus inaequalibus (apice valvulae inferioris spirali). Cardo
» edentulus; ligamentum internum, in valvula inferiore lamellae
porreelae cum margine vix cohaerenti affıxum, in valvula su-
periore fossulae transversae, margini propinquae. Impressio
muscularis unica, ovata,
Die dünne Schale besteht wie bei Anomia aus feinen äulser-
lich sichtbaren Lamellen, ist aulsen malt, inwendig porcellanar-
tig glänzend. Die unlere Schale ist festgewachsen und hat ei-
nen spiralförmigen, wie bei den meisten Schnecken, rechts ge-
wundenen Wirbel, der hohl und durch Kalklamellen successive
verschlossen ist, so dafs inwendig an seiner Stelle nur eine mä-
fsige Vertiefung bleibt. Der Wirbel der obern Schale ist nur
als Centrum der Anwachsstreifen sichtbar und liegt über der
lachen Grube des Ligamentes, während der der untern von der
das Ligament tragenden Lamelle weit entfernt ist. Diese ist
bei dem abgebildeten Exemplar 14” hoch, schräg nach aufsen
aufsteigend, oben 14” breit, unten schmaler, und hängt nur an
ler dem Wirbel zugekehrten Seite mit dem Rande der Schale
386 ‘ ;
zusammen. anz ebenso ist das Schlofs der untern durchbohr-
ten Schale von Anomia beschaffen; wo jedoch diese Lamelle
mehr horizontal ausgestreekt ist. Auch zeigt bei Pododesmus
die Lameile auf ihrer innern Seite eine tiefe nach oben schwä-
cher werdende Furche, die aber vielleicht nicht zu den generi-
schen Kennzeichen gehört. '
Die obere Schale ist so genau wie bei Anomia gebildet, dafs
ich kein Kennzeichen anzugeben weils, wodurch sich die Ober-
schalen dieser beiden Gattungen von einander unterscheiden.
Eine matte ovale Stelle, die vom Ligament bis zur Hälfte
der Schalenlänge reicht und ungefähr den vierten Theil der
Breite der Schale einnimmt, halte ich für den Manteleindruck,
für den Muskeleindruck eine in derselben befindliche, den drit-
ten Theil so grolse, braune Stelle, die sich auf der obern Schale
nur durch ihren Glanz auszeichnet, auf der untern dagegen seit-
lich mit scharfen erhabenen Rändern eingefafst ist, und auch
diesen parallel ein paar erhabene Linien zeigt.
Die folgenden Eigenschaften ‘möchten wohl mehr sich auf
die Eigenihümlichkeit der Art beziehen. Die Schale, wenn-
gleich unregelmäßsig, ist doch bei den beiden Exemplaren, die
ich vergleichen kann, schief oval, in der Gegend des Schlosses
abgestutzt, beiderseits daneben mit einer Einbuchtung versehen;
und ziemlich flach. Zahlreiche, unregelmälsige und schwach er-
habene Rippen befinden sich auf der obern Schale, und indem
sie etwas über den Rand hinauslaufen, machen sie diesen da-
durch beinahe gezähnelt. Die Farbe ist weils. Die Länge
des kleineren, besser erhaltenen Exemplares ist 10”, die Breite
91”, die Dicke 22”; das andere ist in seinen Dimensionen nur
um 1 bis 2” gröfser.
Der Gattungsname, von zous, der Fuls, Stiel, und deawös, das
Band, gebildet, bezieht sich auf das gleichsam gestielte Ligament;
die Art nenne ich P. decipiens, füge aber keine Diagnose bei,
denn diese soll ja nur die Kennzeichen angeben, wodurch sich
eine Art von der andern unterscheidet, und kann folglich nicht
wohl aufgenommen werden, so lange nur eine Art exislirt.
® 387
Erklärung der Figuren.
Fig. 1. a. ist die Ansicht der oberen Schale von aulsen; Fig.
1. 6. dieselbe von innen. Fig. 1. c. ist‘ die untere Schale von
innen gesehn, und Fig. 1. d. zeigt den spirallörmig gewunde-
nen Wirbel der untern Schale.
Beweis,
dals die Nulliporen Pflanzen sind.
Von
Dr. Philippi in Kassel.
Hierzu Taf. IX.- Fig. 2 — 6.
Bis diesen Augenblick sind die Ansichten der ersten Naturfor-
scher über die Natur der Nulliporen sehr verschieden gewesen,
indem sie deren Struktur entweder nicht untersucht, und nur
nach äulseren Analogien über die Stellung derselben geurtheilt,
oder ihren Bau nicht erkannt haben.- So werden z. B. die Nul-
liporeu von Link und Blainville für anorganische Absätze
von kohlensaurem Kalk angesehn, und demuach in: das Mineral-
reich verwiesen, während Ehrenberg sie, wie Lamarck, für
Zoophyten, und Rapp für Pilanzen hält. Dals der letztere Recht
hat, hat mich die sorgfältige mikroskopische Untersuchung von
9 Arten gelehrt, deren Resultat ich ii der Kürze hier milthei-
len will. '
Die Nulliporen zerfallen in zwei äufserlich sehr verschie-
den geslällete Gruppen, die man allenfalls @enera nennen kann,
nämlich:
I. Lithothamnium mihi; stirps calcarea rigida, e ramis ey-
lindrieis vel compressiuseulis diechotome ramosis constans.
II. Lithophyllum mihi; slirps calcarea rigida, ex ‚expansio-
nibus foliaceis conslans.
Von Lithothamnium habe ich folgende Arten untersucht,
söämmtlich aus dem Sieilischen Meere:
388 %
1) Lithothamnium byssoides.
L. glomeratum, pulvinatum, ramosissimum; ramulis brevis-
simis 'eylindrieis, subverrucosis,.
Nullipora byssoides A. Lamk. Hist. nat. II. p. 203.
„Fasciculus globosus, ramulis minus compressis”.
Millepora polymorpha globosa Esper. I. t. 13. bene.
2) Lithothamnium gracile n. sp.
L. album, ramulis divergentibus, linearibus, subfiliformibus
strietis, compressis.
Von diesem in seiner Gattung zierlichen Gewächs habe ich
wegen seiner Zerbrechlichkeit nur Bruchstücke heimgebracht, die
einen 1L— 2” hohen Busch gebildet haben mögen; der Dureh-
messer der Zweige beträgt +”; die Länge der Endzweigelchen
bis 4".
3) Lithothamnium rubrum n. sp.
L. roseum, ramis gracilibus, filiformibns, teretibus, sub-
flexuosis.
Diese Art bildet ungefähr 1” hohe Büsche; die Dicke der
Zweige beträgt höchstens 4”, die ‚Länge. der Eudzweigelchen
1—2”.
4) Lithothamnium crassum n..sp.?
L. album, faseieulare, ramis brevissimis, erassis, rotundatis,
nodiformibus.
Nullipora racemosa Goldf. Petref.?
Diese Art bildet beinahe kugelige Massen, besitzt 14 — 2”
dicke Zweige, deren Länge zwischen den Verästelungen meist
geringer ist, als die Dicke.
5) Lithothamnium ramulosum n. sp,
L. album, fasciculato-pulvinatum, laxum; ramulis teretius-
eulis, tenuibus, graeilibus, flexuosis, apice sublobatis.
Das grölste Büschehen ist 13” lang, 1” breit, 4’ hoch. Die
krummen, gewundenen Aeste sind 3—z" dick.
Von Lithophyllum besitze ich folgende Arten, ebenfalls aus
dem Sieilischen Meere: ,
1) Lithophylkum incrustans wili.
L. erusta erassa, rufo-albida corpora aliena incrustans, mar-
gine integro, vix lobato.
Ellis Corallin. t. 27. f. 2. d. D. p. 83 der deutschen Uebers.
_ 389
2) Lithophyllum expansum milıi.
„..L. supra pallidum, subtus discolor, album; lamellis maxi-
mis, 'expansis, horizontalibus, subimbrieatis, orbieularibus; mar-
ginis\lobis obtusissimis integris. i
Pocillopora agariciformis Ehrenb. Beitr. z. Kennin. der Co-
rallenih. ps 1292 excl. syn. „membranacea, latere affıxa, libera,
suborbieularis”.
Mein gröfstes Exemplar ist 44” lang und 3” breit.
3). Lithophyllum decussatum.
L. lamellis crassis, suborbieularibus, margine integerrimis,
decussatis et varie congestis.
Millepora decussata Soland. et Ellis £. 23. f. 9. — Esper:
suppl. t. 25. f- 4. |
4) Lithophyllum lichenoides n. sp.?
L. lamellis tenuibus, confertissimis, varie congestis, subse-
mieircularibus; margine undato, inciso-lobato.
An Millepora decussata var, Esper. suppl. t. 25. f. 1. 2. 3
rudis? — Millepora squamosa Mus. Berolin.
. Diese ‘Art bildet zusammenhängende, mehrere Zoll dicke
Massen, welche oft mehr als Fufslänge und verhältnissmäfßsige
Breite haben.
So grols auch der Unterschied in der äufsern Gestalt zwi-
schen Zithothamnium und Lithophyllum ist, so ist doch ihre
Struktur genau dieselbe. Eine Epidermis, gewöhnlich aus sechs-
eckigen, ziemlich regelmäßsigen Zellen bestehend, umschlielst eine
märkige Masse, die aus parallelen, gegliederten Röhren besteht.
Die Glieder derselben stehen bei allen Arten genau in dersel-
ben Höhe, 'und lösen sich oft leichter in der Quere des Gewäch-
ses, als von einander, wie z. B. Fig. 4. d. zeigt. , Defshalb er-
scheint das Gewächs gegliedert, wie der Durchschnitt von Li-
thophylium decussatum (Fig. 4.\a.) und ein Stückchen von Litho-
thamnium vubrum (Fig. 5. a.) bei schwacher Vergröfserung sehen
lassen. Das Verhältnis zwischen Länge und Breite der Glieder
der Röhren ist bei den verschiedenen Arten auch verschieden
(8. Fig. 4..d. u. Fig. 5. 2.), bei einer Art aber ziemlich gleich,
nur pflegen die Glieder nach der Epidermis hin kürzer ‚zu wer-
den. Ob die äulsere Wandung eine continuirliche eylindrische
Gestalt habe nnd,nur durch Einschnürungen inwendig in Glie-
390
der getheilt sei, wie ich dies bei Corallin« 'offieinalis deutlich
geschen habe (s: Fig. 3. c.), konnte ich bei Nullipora nicht
erkennen, möchte es aber der Analogie wegen glauben. Zuwei-
len theilen sich die Röhren dichotomisch (s. Fig. ‘5. #* und
Fig. 5. c.). jour
Die Zellen der Epidermis, und desgleichen die Gliederröh-
ren, wenigstens in den jüngern Theilen, enthalten‘ ungefärbte
Chlorophylikörner, die sich gegen die chemischen Reagentien
gerade wie die mit Alkohol entfärbten Chlorophylikörner der
höheren Gewächse verhalten. In den Gliederröhren sind sie
meist zu beiden Enden der Glieder angehäuft: Bei vielen Ar-
ten finden sich“ aber in den Gliederröhren der älteren Theile
statt dieser Chlorophylikörner Körner von Stärkemehl. Sie
werden nämlich durch Jod blau, violett, oder braunroth gefärbt,
lösen sich in 'kochendem Wasser auf, desgleichen in"concentrir-
ter Salpetersäure und kaustischem Kali; die durch Jod hervor-
gebrachte Färbung wird durch verdünntes kaustisches Kali’ weg-
genommen, kommt. aber beim Zusatz einer schwachen Säure
wieder. Diese Reaktionen lassen'keinen Zweifel übrig, dafs die
Körner wirklich Amylum sind.
Auch die Früchte der Nulliporen glaube ich bei meh-
reren Arten deutlich erkannt zu haben. Ich suche sie nämlich
in'den regelmälsigen, kreisförmigen, beinahe halbkugelförmig ge-
wölbten, und meist mit einer kleinen zitzenförmigen Erhebung
im Centrum versehenen Körpern, die bei mehreren Arten Nulli-
poren von mir beobachtet sind. Sie sind hohl und oft in der
Mitte mit einer regelmäßigen runden Oeflnung durchbohrt. Ich
habe sie (Fig: 5. a.) von Lithothamnium rubrum abgebildet. Bei
Lithothamnium crassum ragen sie wenig hervor, und hier zeigt
der Boden ihrer Höhlung eine kegelförmige Erhabenheit, an wel-
cher wahrscheinlich die Sporen befestigt waren. ‘Es sind mir
auch ein paar Mal Körperchen vorgekommen, die ich geneigt
wäre für Sporen zu halten.
Da mehrere‘ Naturforscher die Struktur der Nulliporen auf
demselben Wege untersucht haben, wie ich, indem sie nämlich
Stückehen, die durch Säuren von ihrem Kalkgehalt befreit wa-
ren, unter dem Mikroskop betrachteten, ohne dasselbe Resultat
zu finden, so will ich in der Kürze den Grund augeben, wels-
391
halb ihre Untersuchungen. nieht von Erfolg gekrönt,wurden. Sie
liegt, in der erstanulichen Durchsichtigkeit der Organe, nament-
lich der Gliederröhren, die fast nie eher zu sehen sind, als bis
man’sie, mit Jodtinktur gefärbt hat, und selbst dann noch oft
nur bei halbem und wechselnden Licht deutlich erscheinen. Ja
selbst dies; genügt zuweilen nieht; bei Lithothamnium crassum
erblickte ich. lange Zeit niclıts, als reihenweise gelagerte Häuf-
chen von ‚Amylumkörnern, bis ich einen ‘Tropfen kaustisches
Kali darauf brachte. .Nun verschwanden die Amylumkörner, und
die gegliederten Röhren, in denen sie enthalten waren, kamen
deutlich zum Vorschein.
1». Was die. Stellung anbelrifft, welche die Nulliporen im Sy-
stem der ‚Algen erhalten müssen, so erlaube ich mir darüber
kein Urtheil, indem ich die Struktur dieser Pfilanzenfamilie nicht
kinlänglich kenne; nur bemerke.ich, dafs.sie nothwendig. dicht
uebeu ,‚Corallina zu stehen kommen müssen. Diese unterschei-
den sich lediglich durch ‚die @liederung, und ‚die aus hornarti-
gen Fäden (hohlen Röhren’? ‚s. ‚Fig. 3. a.) gebildeten) Gelenke,
gerade wie Isis von Corallium. , Sie haben dieselbe Epidermis,
dieselben gegliederten Röhren (s. Fig. 3. c.). dieselben Früchte,
die schon, Ellis erkannt hatte, ‚Die länglichen ‚Körner nämlich,
welche mein hochverehrier Lehrer Link dafür anspricht, und
welche Fig. 3. b. vorgestelli sind, geben sich bei der Behaud-
lung mit Jod und andern Reagentien deutlich als Stärkemehl
zu erkennen, wogegen die durchlöcherten Höcker, die man zu-
weilen an der Oberfläche sieht, wie sie Ellis abbildet, ganz so
beschäffen sind, wie die ähnlichen von Nullipora.
Hiervon etwas abweichend gebildet sind die Galawauren,
von denen ich @. rugosa untersucht habe (s. Fig. 2.). Unter
der‘ aus sechseckigen Zellen gebildeten Epidermis (a.)‘ finden
sich noch rundliche -oder eilörmige Zellen (d.), und das im
trocknen Zustände wergarlige Innere besteht aus lockeren, nicht
dieht anliegenden Gliederröhren, die durch die ganze ‚Masse
(nicht ‚etwa blos an der Theilung. der Aeste) dighadpmisch ver-
zweigt sind (s. Fig. 2. e.).
Noch anders gebildet ist die Gattung Melobesia Lamouroux,
von der ich ebenfalls mehrere Arten untersucht und eine. der-
selben, M, membranacea Lamx. (ig. 6.), abgebildet habe. Die
392
ganze Substanz besteht nämlich durchweg’ aus Zellen, ohne Glie-
derröhren, die aber bei andern Arten nicht so regelmälsig-ge-
stellt ‘und gebildet sind, wie'bei der hier vorgestellten. ' Die
Früchte scheinen ähnlich zu sein, wie bei Corallina und Nulli-
pora. i s
Halimeda' zeigt ebenfalls eine verschiedene, schon’ früher
erkannte’ Bildung, "an welche ich: hier nur ‘erinnern will. Die
Rinde besteht bei ihnen aus sehr großen‘ sechseckig-dodecaedri:
sehen Zellen, die mehrere Schichten bilden, das wergärtige In-
nere dagegen aus regelmälsig trichotomisch verästellen und nicht
gegliederten Bändern, die lose nebeneinander liegen.‘ Dals sie
sich zuletzt in eine Membran ausbreiten, welche ‘dieblasigen
Zellen zwischen sich 'aufnimnt, habe ich nicht gesehen."
Es folgt hieraus, dafs die erwähnten Gatlungen’der Kalk-
algen: Nullipora, Corallina (und Jania, die in ihrent' Bau’ ganz
mit Corallina 'übereinkommt), Galaxaura, Melobesia ,' Halimeda
in ihrem Bau von einander so abweichen, dafs ihnen nichts Ge-
meinschäftliches bleibt, als die sehr merkwürdige Eigenschaft zu
verkalken, und dals sie daher nicht füglich in eine Familie ge-
bracht werden können, wie Blainville dies versucht hat, in-
dem er (Manuel d’Actinologie p. 545.) die’ Familie der‘ Caleiphy-
tae aufstellt. t an
Erklärung der Figuren.
Fig. 2. Ein vergröfßsertes Stück von Galaxaura rugosa ‚Lamx.
a die Epidermis; d die darunterliegenden Zellen von eilörmi-
ger Gestalt; e die dichotomischen, gegliederten Röhren,, wel-
che das Innere bilden. ish
Fig. 3. Ein ‘Gelenkstück von Corallina offieinalis L. vergröfsert.
a die hornartigen Fäden der Gelenke; 6 iängliche Körper, wel-
che nichts anders als getrennte, mit Amylumkörnern dicht er-
füllte Glieder der Gliederröhren sind; c eine einzelue Glieder-
röhre stärker vergrölsert. a
Fig. 4. Struktur von Lithophyllum decussatum Ph. a im senk:
rechten Durchschnitt, mäflsig vergrölsert;" d ‘die' Epidermis;
ec 2 Schichten von Gliedern des Innern; d 4 an. einander lie-
gende Gliederröhren; e eine Gliederröhre stark vergrölsert;
die punktirte Linie deutet die muthmalsliche äulsere Wändung
der Röhre an. i N
Fig. 5. Lithothamnium rubrum Ph. a ein Stück‘schwach ver-
393
gröfßsert, man sieht von aufsen die Gliederung und 2 Früchte;
5 Gliederröhren stark vergrölsert; bei * Spuren ihrer dichoto-
mischen Theilung; e dichotomisch getheille Gliederröhren aus
der Nähe der Epidermis.
Fig. 6. Melobesia membranacea Lamx. a natürliche Gröfse auf
einem Stück Sphaerococeus 'nervosus; db ein Stück schwach
vergrölsert; c ein Theil desselben stärker vergrölsert.
Zur Verbreitung von Cyprinus Farenus.
Notiz von Kröyer.
L. Bezug auf die Mittheilung vom Herrn Dr. v. Siebold, dafs
Cyprinus, Farenus. sich „in .Westpreufsen finde, bemerkt Herr
Kröyer, ‚dals er ihn schon mehrere Jahre als einen dänischen
Fisch kenne, obwohl er bisher in keinem Verzeichnisse der däni-
schen Fische aufgeführt sei. Ev; finde sich häufig ‚auf Seeland, zum
Beispiel im Lyngby-See, in grolser Menge im Nivaa u. s. w.
Als Merkwürdigkeit verdiene aber angeführt zu werden, dafs er
auelı im nördlichsten Theil des;Sundes vorkomme. In der Sanım-
lung. des naturhistorischen Vereins zu Kopenhagen findet sich
ein ungewöhnlich grofses Exemplar, welches im Spätjahre 1835
bei Snedkersteen in einer Aalreuse gefangen wurde. Der ge-
meine Mann kennt den Fisch unter dem Namen Flire,,
(Kröyer Naturhistorisk Tidfkrift. Heft 4. p. 414.)
Ueber die Gattungen der Plagiostomen.
Von
Joh. Müller und Henle.
Io der Sitzung der physikalisch- mathematischen Klasse der Ber-
liner Akademie vom 31. Juli las Herr Müller über die Gattun-
gen der Haifische und Rochen nach einer von ihm mit Herın
Henle unternomnienen gemeinschaftlichen Arbeit über die Na-
turgeschichte der Knorpelfische.
Die Verwirrung, welche noch in der Naturgeschichte der
Knorpelfische herrscht, hängt theils von der mangelhaften Be-
schreibung der Arten, theils von der Vernachlässigung wichtiger
und in.den Species sich wiederholender Gattungskennzeichen ab.
Indem die Verfasser bei ikrer Arbeit sicherere Prinzipien für die
Bestimmungen der Gattungen und Species aufsuchten, schien ih-
nen eine Vermehrung der bisherigen ‘Gattungen und Untergät-
tungen unabweisbar. Eben so nothwendig schien aber, die Gat-
tungen nur auf durchaus wesentliche Kennzeichen zu gründen.
Bei den Haifischen fanden sie die wichtigsten Gattungscharaktere
im Zahnsystem, im Bau des Mauls und der Lippen, der Anwe-
senheit der Niekhaut, der Spritzlöcher, der Grube an der Schwanz-
wurzel und in der Stellung der Flossen; bei den Rochen, in der
Form der Nasenklappen und Kiefersegel, in der Zahl und Stel-
lung der Flossen und im Bau der Zähne. Nur in der Gattung
Raja sind die Zähne unzuverlässig, da sie nach Alter und Ge-
schlecht sich verändern und daher nicht einmal zur Bestimmung
der Species zu gebrauchen. Dies gilt auch in gewissem’ Maalse
von der Beschuppung der Haut und der Form der Schnauize.
Glücklicher Weise besitzen die Verf. durch die zwechmäfsige
Art, in welcher Herr Dr. Schultz seine, dem anatomischen
Museum geschenkte Sammlung sicilianischer Fische angelegt hat,
die
395
die Mittel, ganze Suiten von Individuen derselben Species zu
vergleichen und so die Grenzen der Variationen in den Rochen-
arten festzustellen. Die Arten der Verf. gründen sich durchgän-
gig auf constante Verschiedenheiten der. Form und Farbe. So
weit es möglich war, sind zu allen Gattungen die Skelete theils
bereits angefertigt worden, theils wird ihre Aufstellung fortge-
setzt. Die Zahl der in den Familien der Haifische enthaltenen
Gattungen ist 30. Haifische werden hier die Plagiostomen ohne
Schädelllossenknorpel genannt; alle Rochen, Rhinobatus und
Pristis eingeschlossen, haben Schädelflossenknorpel, welche die
Brustflossen entweder erreichen, oder ihnen nahe kommen. In
den Familien dieser Abtheilung befinden sich 24 Gattungen. Die
Zahl der sichern Species, welche die Verf. gröfßstentheils in der
hiesigen zoologischen und anatomischen Sammlung selbst gesehen
haben und deren Stellung zu ihren Gattungen ausgemacht ist,
beträgt 137. In mehreren Fällen mussten angenommene ‚Species
vereinigt werden. Es bleibt aber für den literarischen Theil ihrer
Arbeit noch eine ziemliche Anzahl übrig, die entweder nicht hin-
länglich sicher oder wegen mangelhafter Beschreibung nicht be-
stimmbar, oder endlich zwar eigenthünlich, aber hinsichtlich ih-
rer Stellung zu den aufgestellten Gattungen zweifelhaft sind, da
die Verf. sie nicht gesehen haben.
Die Gattung Scyllium Cuvier bildet die erste Familie der
Haifische; sie zerfällt in 6 Gattungen. Dieser Familie ist eigen,
dafs bei Spritzlöchern und Afterflosse die erste Rückenflosse nie
vor den Bauchflossen steht. Der Cuviersche, von der Entfer-
nung der Naslöcher vom Maul hergenommene Charakter ist nicht
streng und findet sich auch in ganz verschiedenen Familien hier
und da wieder. Wir beschränken den Namen Scyllium auf die
erste der 2 Abtheilungen der Scyllium von Cuvier (6 Species,
worunter eine neue); die 2te Gattung, Chiloscyllium M. et H.,
hat das 4te und Ste Kiemenloch fast vereinigt, die 2te Rücken-
flosse steht vor der Alterllosse. Charakteristisch ist eine häu-
tige, breite Unterlippe, die von der Haut der Kehlgegend durch
eine Furche abgesetzt ist. Ein Bartfaden an der obern Nasen-
klappe (5 Sp., eine neu). Die neue Gattung, Stegostoma, gleicht
bis auf Maul und Nase der vorigen; der Oberkiefer ist von einem
häutigen, dicken Wulst weit überragt und die Nasenklappen sind
TIL, Jahrg. 1. Band, Du
396
zu Säumen- dieses Wulstes reduzirt. Das Maul ganz quer, die
Zähne in Form 3theiliger Blättchen, stehen auf ganz ebenen.
queren Hautplatten (Typus ist Sg. fasciatus Bl. Schn.). Die
neue Gattung Ginglymostoma hat sehr viele Reihen Zähne; diese
sind kegelförmig auf rhombischer Basis mit 2— 4 Seitenzacken
jederseits. Spritzlöcher sehr klein, die letzten Kiemenlöcher ge-
nähert; die erste Rückenflosse über den Bauchtlossen, die zweite
Rückenilosse über der Afterflosse. Charakteristisch für die Gat-
tung ist, dals die untere Hälfte der Mundwinkelfälte von der
Haut des Unterkiefers dureh eive senkrechte Furche vollständig
getrennt ist, während die beiden Hälften jeder Mundwinkelfalte
selbst wieder wie durch ein Charnier vereinigt sind (Sp. 1 neu).
Bei der neuen Gattung Crossorhinus ist das Maul fast am Ende
der Schnautze; eine Menge lappenförmiger Anhänge von der Nase
bis gegen die Kiemenlöcher. Beide Rückenflossen weit nach hin-
ten, die vorderste etwas hinter und über der Bauchflosse (Sg.
lobatus Bl. Schn.). Die letzte Gattung ist Pristiurus Bonap.;
sie unterscheidet sich von Scyllium nur durch die verlängerte
Schnautze und eine Säge auf dem Schwanze (1 Sp.). Diese erste
Abtheilung der Haifische scheint die eierlegenden zu umfassen.
Alle besitzen Spritzlöcher, eine spiralföormige Darmklappe, keive
Nickhaut und keine Schwanzgruben. Sie haben eine Afterflosse
und ihre erste Rückenflosse steht nie vor den Bauchflossen.
Eine zweite grolse Abtheilung oder Familie der Haifische
hat mit den Scyllien das Vorhandensein der Afterflosse gemein,
aber ihre erste Rückenflosse steht immer zwischen Brust- und
Bauchflossen. Die Spritzlöcher, nach welchen sich die Haifische
nicht ohne Zerreißsung der natürlichen Gruppen eintheilen las-
sen, sind bald vorhanden, bald fehlen sie. Sie bilden wieder
mehrere Gruppen. Unter den Haifischen ohne Spritzlöcher füh-
ven die Verf., als den Seyllien zunächst verwandt, 2 neue Gat-
tungen an, Triglochis und Triaenodon. Der Typus der ersten
ist Carcharias Taurus Raf., mit 3theiligen Zähnen, deren mitt-
lere Spitze sehr lang; die erste Rückenflosse zwischen Brust-
und Bauchflossen, Zte Rückenflosse vor der Afterflosse, Schwanz-
Nlosse wie bei Carcharias, aber ohne Grube. Kiemenlöcher alle
vor den Brustflossen grols. Triaenodon hat Seyllienzähne, näm-
lich spitze Zähne mit einer Nebenzacke an jeder Seite; die in-
397
nere Nebenzacke am Unterkiefer ist meist doppelt. Er besitzt
eine Nickhaut und Schwanzgrube. Die letzte Kiemenöffnung
über der Brustflosse. Die erste Rückenflosse zwischen Brust-
und Bauchflosse, die zweile über der Afterflosse. Schwanzflosse
wie bei Carcharias (1 Sp. neu). Diese beiden Genera unter
scheiden sich von Carcharias wesentlich durch die Größe ihrer
2ten Rücken- und Afterllosse.
Mehrere der folgenden Genera stimmen unter einander über-
ein durch den Mangel der Niekhaut, die Anwesenheit der Schwanz-
graben, die aufserordentliche Kleinheit der 2ten Rücken- und Af-
terflosse, die übereinander stehen, und die Spiralklappe im Darm.
Sie lhaben entweder keine oder sehr kleine Spritzlöcher. Es sind
dies die Gattungen Alopecias, Lamna und Selache. Alopecias N.
ist Carcharias vulpes Cuv., mit Unrecht von ihm zu Carcharias
gezogen. Er zeichnet sich aus durch seine sehr kleinen, bisher
übersehenen Spritzlöcher und durch den aufserordentlich langen
obern Schwanzlappen. Seine Zähne sind triangulär, schneidend,
ohne Zähnelung (1 Sp.). Bei Selache Cuv. sind die Spritzlöcher
auch klein, aber die Zähne sind klein, kegellörmig und schmal.
nach innen gekrümmt. Ihr Schwanz hat einen Seitenkiel und
der obere Lappen desselben ist kaum gröfser, als der untere
(1 Sp.). Die Gattung Lamna Cuy. mit den Untergattungen
Lamna (2 Sp.), Odontaspis Agass. (1 Sp.), Oxyrhina Agass.
(1 Sp.) besitzt lange, spitze Zähne mit oder ohne Nebenzacken,
einen Kiel zur Seite des Schwanzes und eine halbmondförmige
Schwanziflosse, aber keine Spritzlöcher.
Die nächsten Gattungen haben gemeinsam die Nickhaut,
Schwanzgruben, kleine After- und 2te Rückenflosse, übereinan-
der stehend und eine gerollte Längsklappe im Darm. Die Spritz-
löcher fehlen den meisten; bei andern finden sich im Fötuszustande
Spuren davon, noch andere haben auch, wenn sie erwachsen sind,
deutliche, aber sehr kleine Spritzlöcher. Hieher gehören die Gat-
tungen Carcharias, Scoliodon, Zygaena und @aleocerdo. Die Car-
charias haben immer auf beiden Rändern gezähnelte, platte Zähne
entweder in beiden Kiefern, oder nur im obern, und niemals im
erwachsenen, selten im Fötuszustande, eine Spur von Spritzlöchern
(11 Sp. 8 neue). Die Gattung Seoliodon N. unterscheidet sich
nur durelı ihre sehneidenden, mit der Spitze nach aufsen gewand-
25 *
398
ten, oben und unten gleichen Zähne ohne Zähnelung, mit einem
stumpfen Absatz am äufsern Theil der Basis, der glatt oder gekerbt
ist (3 Sp. alle neu). Die unterscheidenden Merkmale von Zygaena
sind bekannt. Sie haben keine Spritzlöcher und Zähne wie Sco-
liodon, ohne eigentliche Zähnelung (3 Sp.). Galeocerdo N. hat
kleine Spritzlöcher; die Zähne sind am äufsern Rande stark, am
innern sehr fein gezähnelt (1 Spec. neu, eine 2te Species ist wohl
der schon von Valenciennes angekündigte Squalus thalassi-
nus mit gerader Darmklappe, womit Galeus arcticus Faber zu
vergleichen). Diese Gattung bildet den Uebergang zu den Ga-
leus, die sich nur durch die Form der Schwanziflosse, den Man-
gel der Schwanzgrube und die spirallörmige Darmklappe von
Galeocerdo unterscheiden. Die Zähne sind am äufsern Rande ge-
zackt.
Die Gattungen Mustelus und Cestracion mit: Rochenzähnen
sind unverändert geblieben; aulser dafs die beiden Species von
Mustelus in eine vereinigt wurden.
Die dritte Abtheilung der Haifische mit Afterflosse aber nur
einer Rückenflosse und mehr als 5 Kiemenlöchern, Gattung IVo-
tidanus Cuvier, zerfällen wir, Rafinesque folgend, in 2 Gat-
tungen, Hexanchus mit 6 Kiemenlöchern (1 Spee.) und Hept-
anchus wit 7 Kiemenlöchern (2 Spec.).
Die Abtheilung der Haifische, mit Spritzlöchern und Stacheln
vor den Rückenflossen, ohne Afterflosse (Acanthorhinus Bl.) ist
in 4 Gattungen zerfallen: Acanthias Bonap., Spinax Bonap.,
Centrina Cuv. und Centrophorus N. Acanthias hat schneidende
Zähne mit ganz nach aufsen gerichteter Spitze, oben und unten
gleich (4 Sp. 1 neu); bei Spinax sind die Zähne des Unterkie-
fers wie bei Acanthias, die des Oberkiefers haben eine mittlere
längere Zacke und 2 Nebenzacken jederseits (1 Sp.). Die Zähne
von Centrina, deren sonstige Gattungscharaktere bekannt sind,
sind unten fast gerade, schneidend, blattföormig mit aufwärts ge-
richteter Spitze, am Rande fein gezähnelt; ein unpaariger Mit-
telzahn. Oben sind sie schmaler, gerade, konisch, wenig schnei-
dend, zu einem Haufen vereinigt auf dem vordersten Theil des
Kiefers (1 Sp.). Bei Centrophorus (Sg. granulosus Bl. Sehn.)
haben die unteren Zähne eine liegende Schneide mit undeut-
licher Zähnelung und nach auswärts gerichteter Spitze. An
399
den oberen Zähnen steht die Spilze gerade nach abwärts. Die
Zähne sind gleichschenklich auf 4seitiger Basis, ungezähnelt. Zu
einer neuen verwandten Gattung gehört vielleicht der Sg. squa-
mosus Bl. Schn.
Die Abtheilung der Haifische mit Spritzlöchern ohne After-
flose und ‚ohne Rückenstachel, Scymnus Cuv., zerfällt in 3 Gat-
tungen: Scymnus N. Zähue sämmtlich gerade, die obern schmal,
hakenförmig, die untern pyramidal, gleichschenklich leicht säge-
förmig gezähnelt. Die erste Rückenflosse zwischen Brust- und
Bauchilossen, die 2te Rückenflosse hinter den Bauchflossen (3 Sp.
und 1 Sp. dubia). Laemargus N. mit gleicher Stellung der Flos-
sen, unteren breiten Zähnen mit liegender Schneide und nach
auswärts gerichieter Spitze und oberen schmalen konischen, we-
nig schneidenden Zähnen, die theils gerade, theils nach aufsen
gekrümmt sind (3 Sp.). Echinorrhinus Blainv. (Goniodus Agass.)
mit sehr breiten, niedrigen Zähnen, die eine fast horizontale
Sehneide haben, in beiden Kiefern gleich. Die Seitenränder ha-
ben eine bis zwei horizontal abgehende Zacken. Erste Rücken-
Nosse über den Bauchflossen, die zweite zwischen Bauch- und
Schwanzflosse (1 Sp.).
Endlich bilden die Squatinae ohne Afterflosse mit vorstreck-
barem Maule am vordern Theil des Kopfes und der bekannten
eigenthümlichen Bildung der Brustflossen noch eine Abtheilung
der Haifische. Die einzige Gattung Squatina (2 Spec.).
Die Pristis schlielsen sich den Rochen an, da sie Schädel-
flossenknorpel besitzen, welche die Brustflossen nicht erreichen.
Sie zerfallen in 2 Gattungen: Pristis N. mit an der Bauchseite
liegenden Kiemenöflnungen, wie bei den Rochen (5 Sp.) und
Pristiophorus N., bei welchen die Kiemenspalten an den Seiten
des Halses vor den Brustflossen liegen. Die 4te und 5te Kie-
menöflnung sind einander genähert. Die Brustflossen haben, wie
bei den Haifischen, eine schmalere Basis und sind sehr von de-
nen der Pristis verschieden. Die Zähne sind nicht, wie bei
Pristis, pllasterlörmig, sondern spitz (Pristis cirrhatus Lath.).
Die Familie der Rhinobatus enthält 3 Gattungen. Der
Name Rhinobatus wurde auf Guvier’s 2te Abtheilung seines
Genus Rhinobatus beschräukt (9 Sp. 3 neu). Rhynchobatus N.
(BR. laevis) sieht Rhina Schn. näher, welche sich nur durch die
400
Schnautze, Nasenklappen und die stärkern Maulbiegungen unler-
scheidet.
Die Zitierrochen bilden 3 Gattungen, Torpedo im engern
Sinne (3 Sp.), Nareine Henle (4 Sp.) und Astrape M. u, H.
(T. capensis und diplerygia auf.).
Die eigentlichen Rochen zerfallen in vier Abiheilungen.
1) Raja Cuv. (15 Sp. einige neu). 2) Sympterygia N., bei die-
ser Gattung vereinigen sich die Brusiflossen, welche bei Raja
den Schnautzenkiel nicht erreichen, an der Stelle des Schnautzen-
kiels mit einander. Die Bauchflosse ist nicht, wie bei Raja, in
zwei Lappen getrennt (1 Sp. neu). 3):-Uraptera N., unterschei-
det sich von Raja nur durch den gänzlichen Mangel der Schwanz-
Nlosse (1 Sp. neu). 4) Propterygia Otto.
Aus Cuvier's Gattung Trygon wurden 6 Gattungen: Tirygon
im engern Sinne umfalst die Stachelrochen, deren Zähnefin der
Mitte einen Querwulst haben und deren »ehwanz oben und un-
ten eine niedrige, das Schwanzende nicht erreichende Flosse hat
(9. Sp.). Pteroplatea N. euthält die Stachelrochen, deren Breite
viel grölser, als die Länge, deren Schwanz viel kürzer, als der
Körper ist und deren Zähne in eine oder 3 Spitzen auslaufen
(3 Sp.). Die ebenfalls neue Gattung Himantura enthält die
Stachelroehen ohne Spur einer Schwanzflosse, doch gehören
nicht alle:Rochen hierher, bei denen man die Flossen ganz zu
vermissen glaubte. Die Abtheilung der Trygon, bei welchen
die obere Schwanzilosse fehlt, die un. re bis zur Spitze reicht
ı (Tr. ornatum Gray u. Hardw.) bildet die Gattung Taeniura N.
Diejenigen, welche man wegen ihrer hohen, segelarligen, untern
Schwanzflosse, die nicht bis ans Ende reicht, unterschieden, bil-
den die Gattung Hypolophus N. Endlich ist die Raja cruciata
Lacep. der Typus des Genus Urolophus N., welches sich durch
‚eine Flosse an der Schwanzspitze auszeichnet.
Eine andere Familie vereinigt mit dem Schwanz der Stachel-
rochen den gänzlichen Mangel des Stachels. ‚ Dahin gehören 2
Gattungen: Ehrenberg’s Gattung Anacanthus, deren Charak-
tere Cuvier angiebt (ohne Spur von Flossen am Schwanz) und
eine neue Gattung @ymnura N. mit einer saumförmigen untern
Flosse am Schwanz (wie bei Trygon), die das Schwanzende
nicht erreicht (Paja asperrima Bl. Schn.). Die Gattungen My-
401
liobatis Cuv. (Aötobatis Bl.), Rhinoptera Kulıl und eine neue
Gatiung gehören in eine Familie, die sich auszeichnet durch
grolse, mosaikartige Pflasterzähne, von den Brustilossen abgesetzte
Kopfflossen, eine Flosse auf der Wurzel des Schwanzes und einen
Stachel hinter derselben. Myliobatis N. hal in. der Mitte breite
Zahnplatten, kleinere au den Seiten, eine gerade Nasenklappe
und verbundene Kopfflossen (3 Sp. I neu). Aötobatis N. hat
bei gleichen Kopfliossen einen weit vorspringeuden Unterkiefer,
nur eine Reihe Zahnplatten ohne kleinere Seitenzähne und eine
tief eingeschnittene Nasenklappe (2 Sp.). Rhinoptera verbindet
mit der allgemeinen Form der Myliobatis abweichende Zähne
und eine in der Mitte eingeschnittene Kopfllosse.
Die letzte Familie machen die Cephalopteren aus: Gattung
Cephaloptera Dum. Maul unten, Zälıne klein und spitz in beiden
Kiefern (mehrere Species, deren Synonymie sehr verwirrt ist)
und Ceratoptera N., deren Typus die von Lesueur beschriebene
Cephaloptera ist; das Maul liegt vorn, die Zähne sind im Unter-
kiefer kleine, schuppenarlige Blättchen, im Oberkiefer sind sie
undeutlich oder fehlen.
None
W.H. White erzählt in Loudon’s Magaz. IX. p. 200. zwei
Fälle, in denen eine Hauskatze Mutterstelle bei Jungen anderer
Tbiere vertreten haben soll. Der Stallknecht des Herrn Stokes
" warf einer Katze, deren Junge vor 3 Wochen ersäuft waren, 4 junge
Ratten vor; nach einigen Stunden fand er sie dieselben säugend.
Sie zeigte grolse Anhänglichkeit an ihre Pfleglinge. — Eine dem
Vater des Ref. angehörige Katze, der man 3 von ihren Jungen
kurz zuvor genommen, trug unbemerkt zwei junge Häschen, wel-
ehe der Knecht vom Felde mitgebracht, fort und säugte sie auf,
Herr White ergötzte sich oft an dem lustigen Spiele des Kätz-
chens und der beiden Hasen. Als letztere sich ihr Futter schon
selbst im Garten und dem nahe liegenden Felde suchten, sah, er
die Katze sie Abends häufig suchen; sie folglen sogleich ihrem
Rufe, und obwohl fast eben so grols wie jene, sauglen sie noch
an ılır. ,
— &
v
Zur Entwickelungsgeschichte der Mollusken
und Zoophyten
von
M. Sars in Norwegen.
(Briefliche Mittheilung an den Herausgeber.)
T.
1. Tritonia Ascanii.
Im Anfange Decembers zeigen sich gewöhnlich die Tritönien,
Eolidien, Doris etc. in Menge am Ufer der Westküste Norwe-
gens; im Sommer dagegen halten diese Thiere sich mehr in den
Tiefen der Fjorde (Meerbuchten) auf. Zu jener Zeit sieht man
oft die Tritonia Ascanii in der Paarung, und am Ende Januars
oder Anfang Februars legt sie ihren Laich auf den Tangen, Fel-
sen u.s, w. Ich habe ‚selbst mehrere Male. dies gesehen.
1) Der Laich ist wie ein rundes buchtiges Band, spiralför-
mig aufgewunden, aus einer ungeheuren Anzahl Eiern bestehend,
das Ganze von einer weichen Schleimhülle umgeben.
2) Die einzelnen Eier sind oval; die Eihaut umschliefst
immer mehrere Dotter (5 bis 11), nur in den beiden äufsersten
Enden der Eierschnur sieht man wenige (1 bis 3) Dotter in
jedem Ei. Diese Dotter sind kugelig; man bemerkt daran die
Vesicula Purkinji, ‚die aber schon am zweiten Tage zu ver-
schwinden anfängt.
3) Vom 2ten Tage an zeigt sich nun eine Reihe merkwür-
diger regelmälsiger Theilungen des Vitellus oder Entwickelung
von Gegensätzen darin. Im Anfange des 2ten Tages theilt sich
nämlich der Vitellus in 2, am Ende desselben Tages viele schon
in4; am 3ten Tage sind alle in 4 getheilt und viele schon in 8.
So geht es nun mit den Theilungen fort, bis der Vitellus am
403
10ten oder Ilten Tage an seiner kugeligen Oberfläche die fein-
ste Granulation zeigt.
4) Am 12ten oder l4ten Tage zeigt sich ein Einschnitt in
dem nunmehr zum Embryo umgestalteten Vitellus: es ist die
Hervorwacksung der runden Lappen einerseits und der Conchy-
lie andererseits. Doch wird dies nicht ganz dentlich eher als
am 17ten oder 18ten Tage. Da aber wachsen die Cilien am
Rande der zwei runden Lappen hervor, einige Embryonen fan-
gen mit ihrer Hülfe-an sich langsam im Kreise zu drehen. Doch
werden die Bewegungen nicht lebhaft und allgemein eher als
am 25sten oder 26sten Tage, wo die Embryonen äulserst rasch
in allerlei Directionen durcheinander laufen.. Man sieht nun deut-
lich, dafs der Embryo in einer Couchylie steckt, die im Anfange
schuhförmig ist, später aber (23sten bis 26sten Tag etc.) in die
Länge wächst und nautilusförmig wird. Der Embryo, in einem
sackförmigen, durchsichtigen Mantel gelegen, der sich zuweilen
ein wenig zusammenzieht, zeigt inwendig schon den Darm völ-
lig ausgebildel; der Magen, von einer leberarligen, undurchsich-
tigen kugeligen Masse umgeben, ist hinten durch ein Ligament
an die Schale befestigt. Er streckt das. Fulsrudiment, das mit
einem kleinen Deckel zum Schliefsen der Schale, versehen ist,
sammt den runden, mit fibrirenden Cilien besetzten Lappen, aus,
und schwimmt so im flüssigen Eiweils umher.
5) Am 31sten bis 36sten Tage ungefähr sind die Embryo-
nen so weit herangewachsen und so grols geworden, dafs sie
nur mit Mühe Platz im Ei finden; sie stofsen immer gegen die
sehr dünse Eihaut an, welche zuletzt platzt: sie Ireten nun her-
aus und schwimmen im: Wasser lustig und sehr rasch durch
Hülfe ihrer Cilien herum. Dieses Herausschlüpfen der Jungen
geht aber nur sehr langsam fort; erst am 38sten Tage war die
ganze Eischnur aufgelöst, und in dem mit Seewasser angefüllten
Gelälse wimmelte es von Tausenden dieser frei 'herumschwim-
menden Jungen. °
6) Nun wird die Conchylie, die früher weich war, hart,
hornartig, glänzend und ausgezeichnet deutlich; sie ist in sich
selbst eingebogen, wie eine Nautilusschale, die Oeflnung länglich
rund; rührt man das Thier an, so zielit es sich in seine Schale
ganz ein, wie eine wahre Gehäusschnecke. So hielt ich diese
404
Jungen noch eine Woche oder mehr lebendig in täglich erneuer-
tem Seewasser; dann aber starben sie, ohne weitere Metamor-
phose gezeigt zu haben, die weichen Theile lösten sich auf und
die Conchylien stiegen zu Tausenden an die Oberfläche des Was-
sers auf. \
2. Eolidia bodoensis.
Fast ebenso verhält es sich mit der Entwickelung der Eoli-
dia, die auch zu selbiger Zeit ihren ebenso gestalteten Laie
legt. Auch hier sind mehrere Vitellus (bis 7) in einer Eihaut
eingeschlossen.
3. Doris muricata.
Die Entwickelung ganz wie bei Tritonia. Im Anfange März
legt die Doris ihren Laich, der bandförmig, stark zusammenge-
drückt ist und mit der einen scharfen Kante an Felsen etc. fest-
klebt. Die Eier weichen darin 'von denen der Tritonia ab, dals
sie immer nur einen Vitellus enthalten. Die Theilungen der
Vitellus sind ganz wie bei Tritonia. Am 24sten Tage sieht man
die beiden runden Lappen hervorwachsen; am 27sten Tage salı
ich die Embryonen sich mit Hülfe ihrer Cilien im Ei herum-
drehen, und am 36sten Tage war schon eine ungeheure Menge
herausgeschlüpft und schwamm frei im Wasser herum. Die
Conchylie ist wie bei der Tritonia, nur kürzer, mehr eingerollt
und die Mündung gröfser.
U.
Asterias sanguinolenta Müll.
Unzählige Male hatte ich Seesterne unseres Meeres unter-
sucht, um die bisher von Niemand beobachtele Entwickelung
kennen zu lernen, immer aber ohne Erfolg. Ein Zufall ver-
schaffte mir endlich die lange ersehnte Gelegenheit. Ich traf
nämlich am 1. April d. J. an unserer Küste ein Exemplar von
Asterias sanguinolenta Müll., auf dem Seegrunde liegend, mit
allen seinen 5 Strahlen gegen einander zusammengeschlagen; dies
fiel mir auf, und als ich die Strahlen von einander beugte, sah
ich eine Menge (40 — 50) sehr-kleiner rother Thierchen aulsen
um und in der Munduöhle. Als ich nun den Seestern mit den
405
kleinen Thierchen in ein Glas mit Seewasser angefüllt warf, fie-
len die letzteren ab und bewegten. sich langsam auf dem Boden
des Gefälses umher. Noch immer könnten aber diese Thierchen
doch Parasiten sein; um darüber ins Reine zu kommen, schnitt
ich den Scestern auf und fand dann in den unter den bekaun-
ten lichtbraunen verästelten Blinddärmen in jedem Strahle lie-
genden, ebenfalls veräsielten Ovarien eine, grolse Menge Eier,
von derselben schönen rothen Farbe, wie die oben erwähnten
kleinen Thierchen; sie waren fast kugelrund, doch. etwas flacher
auf der einen Seile, die convexe Fläche zeigte sehr deutlich die
Vesicula Purkinji. Iclı konute nunmehr nicht länger daran zwei-
feln, dals die erwähnten Thierchen, obschon der Form nach sehr
vom Mutterthiere verschieden, eben ausgeschlüpfte Junge von
dem Seesterne waren, welches sich auch im Fortgange der Ent-
wiekelung derselben zur völligen Ueberzeugung bestätigt hat. —
Die Jungen also sind rundlich, flachgedrückt; an dem Ende, das
sich bei der Bewegung als das vordere zeigt, ınit 4 kurzen keu-
lenförmigen Armen oder Appendices versehen. Bei einigen der
grölsten Exemplare konnte man auf der oberen Fläche des Kör-
pers einige in 5 ausstrahlenden Reihen gestellle Warzen wahr-
nehmen: es sind die hervorwachsenden Fülschen. — Diese Junge
bewegten sich langsam, aber gleichförmig, meistens in gerader
Linie vorwärts, immer mit den 4 Armen voran. Die die Be-
wegung bewirkenden Organe habe ich nicht erkennen können;
es sind aber zweifelsohne sehr kleine Cilien, obschon ich sie
miit meinem Mikroskope, das eins von den alten englischen ist,
nicht bemerken konnte. Mit den 4 Armen konnten sich die
Tbiereben festheften, auch ein wenig längs den Wänden des
Gefälses heraufkriechen. — Nach Verlauf von 12 Tagen fin-
gen die 5 Strahlen des Körpers, der bisher rundlich war, an,
hervorzuwachsen, und noch 8 Tage später waren die Füls-
chen, 2 Reihen in jedem Strahle, schon in lange Röhrchen,
die sich ausstreckten und festsaugten und wieder einzogen, aus-
gewachsen, so dals die Thierchen mit ihrer Hülfe auf dem Bo-
den und längs den Wänden des Gefäfses herumkrochen. ‚(Die
schwimmenden Bewegungen hatten nun gänzlich aufgehört.)
Nach Verlauf eines Monats verschwanden die 4 Arme nach
und nach, und das Thier, das im Anfange symmetrisch oder
406
binair war, ist nun völlig radiair geworden — eine retrograde
Bildung, deren wir schon ‘mehrere Beispiele in den niederen
Thierklassen kennen. Uebrigens gleicht jeizt das Junge dem
Mutterthiere in Allem, nur sind die Strahlen des Körpers noch
ganz kurz und breit, die Fülschen wenig zahlreich u. s. w. —
Obige Beobachtungen sind zwar’ noch unvollständig, und
vieles ist noch auszumitteln übrig; jetzt aber, da wir die Zeit
der Fortpflanzung und die Umstände dabei kennen, wird es wohl
bald, entweder mir oder einem andern Naturforscher, gelingen,
die Entwickelungsfolge vollständiger darzustellen. —
Auch war ich so glücklich, eine neue Art der Fortpflanzung
bei einigen Acalephen, und namentlich bei meiner Cytaeis octo-
punctata, zu entdecken. Die Jungen wachsen nämlich aus dem
Leibe des Mutterthieres nach und nach hervor, ganz wie bei den
Hydren, bekommen allmälig die verschiedenen, die Art charak-
terisirenden Organe, fangen dann an, sich durch Systole und
Diastole zu bewegen, reilsen sich endlich eins nach dem anderu
vom Muttertbiere los, und schwimmen nun frei herum.
Hinsichtlich der früher von mir aufgestellten Acalephen-
Gattung Strobila, die sich durch ihre sonderbare Fortpflan-
zung so auszeichnet '), bin ich zu der Ueberzeugung gelangt,
dafs sie nur ‘der Jugendzustand der Medusa aurita ist, wel-
ches ich durch eine Reihe von Abbildungen, die den allmäligen
Uebergang von der Form und Organisation der Ephyra-artigen
Acalephe bis zu denen der Medusa aurita darstellen, bei der
Versammlung der” Naturforscher in Prag beweisen zu können
hoffte. Leider aber war die Zeit der Versammlung von andern
Rednern so in Anspruch genommen, dafs ich nur die obigen
Beobachtungen über die Entwickelung einiger Mollusken, nicht
aber die der Seesterne mittheilen konnte. Auch war es mir
nicht möglich, meine Abbildungen einer neuen Physophoride des
Nordmeeres vorzulegen, die eine Länge von 1—2F. erreicht.
Ich bedauere dies um so mehr, als nur wenige Naturforscher
diese unglaublich leicht zerstörbaren Thiere in ihrer Integrität
beobachtet haben, und viele unhaltbare Galtungen und Arten
nur nach Bruchstücken aufgestellt sind. Diese, ‘sowie eine eben-
1) S. dieses Archiv. II. 2. p. 198.
407
falls im Nordmeere gefundene Diphyes und mehrere andere
Seethiere werde ich in einer bald herauskommenden Schrift mit
Abbildungen ausführlicher beschreiben.
Eligmodontia,
neues Nagethier-Genus
von
F. Cuvier.
(Ann. des Sc. nat. 1837. März. Tom. VII. p. 169.)
Aus der ausführlichen Charakteristik lassen sich folgende Haupt-
charaktere hervorheben. Allgemeine Gestalt mäuseähnlich, aber
die Hinterbeine sehr lang, 3mal so lang als die vordern (bei Mus
nur doppelt so lang); Tarsus besonders sehr lang, hat 4 der Kör-
perlänge (bei Mus 4), zeigt auf seiner Unterseite nur eine mit
steifem Haar bedeckte Schwiele. Vorderfülse 4-zehig, Daumen
rudimentär, mit plattem, stumpfem Nagel. Hinterfülse 5-zehig.
Krallen sichelförmig. Schwanz sehr lang, mit kurzeu platten
Haaren bekleidet, und unter diesen schuppig geringelt. Augen
mälsig grols; Ohren dünn, oval, 3 der Kopfeslänge; lange Schnurr-
borsten; Backenzälhne jederseits 2, mit deutlichen Wurzeln und
alternirenden Einbuchten, deren der vorderste gröfste Zahn aulsen
und innen 2, der zweite aufsen 2, innen eine, der dritte sehr kleine
jederseits eine zeigt. Schneidezälnne glatt, gelb. — Die einzige
Art, E. typus, bildet eine kleine, oberhalb graulich braune, un-
terhalb weilse Maus von Buenos-Ayres (1. c. tab. 5. abgebildet),
Körperlänge 24”, Schwanz 3" 4”.
Auszüge aus den Schreiben des reisenden Natur-
forschers GC. Moritz in Süd- Amerika,
I
mitgetheilt
von
Herrn v. Bredow auf Wagenitz.
Puerto-Cabello, im Juli 1836.
Die Küsten-Cordillere ‘von Venezuela und die südlich daran
liegenden Thäler enthalten in ihren Waldungen hauptsächlich
zwei Arten Affen: den kurzweg sogenannten Mono (Simia
[Cebus] Capucina) und den Araguato (S. [ Mycetes] seniculus),
letzteren durch sein Geheul bekannt, das er Nachts und früh
Morgens hören läfst. — Diese Affengesellschaften richten in den «
Pflanzungen durch Abreifsen und Zerschlagen der Cacaofrüchte
und des Mais zuweilen ungeheuern Schaden an, indem sie das
Meiste aus Muthwillen spielend zerstören. Doch wagen sie sich
nur dann in die Pllanzung, wenn sie sich ganz sicher glauben
und weit und breit keinen Menschen spüren. Zwei Mittel hat
man als völlig bewährt gefunden, sie für immer nach dem er-
sten Einfall zurückzuschrecken. Entweder, man sucht einen da-
von zu schieflsen, so dafs die Uebrigen den Getödteten, den man
ihnen zu zeigen und dort so aufzustellen weils, sehen, oder in-
dem man ein Fals mit fein zerstolsenem spanischen Pfeffer ( Capsi-
cum) hinstellt. Sie greifen hinein, führen ihn nach Mund und
Gesicht, das sie zum Theil damit beschmieren, fühlen bald
die beizende Kraft desselben, fliehen den Ort und kommen nie
wieder. —
Unter den Vögeln aus der Gattung Cassicus zeichnen sich
bekanntlich viele, wie meine Freunde sich dessen aus meinen
Nachrichten vom Cassicus phoeniceus von der Insel Puerto-Rico
409
eriniern werden, durch gesellschaftliches Nisten aus. Eine ähn-
liche, doch gröfsere und schönere Art mit ganz weilsem Schna-
bel, Arrendajo genannt, ist hier sehr häufig und als Käfig- Vogel
beliebt4 indem er zugleich der Drossel ähnlich Nötet Ich sah
an den äulsersten höchsten Zweigen eines Astes einer hohen
Erythrina in einer Cacao-Pflanzung etwa 9 Nester fast dicht
neben einander hangen, künstlich, gleich denen des Trupials, ge-
flochtene, über Fuls lange schmisle Beutel. Allgemein wird be-
hauptet, diese Vögel nisteten nur da, wo sie ein Wespennest
in demselben Baum ganz nahe hälten. Ich durfte nicht lange
umherspähen, um unter den Vogelnestern ein diesen ähnliches,
jedoch kürzeres, dickeres, von feinerer, festerer Structur, heraus
zu erkennen, das von Wespen umschwärmt wurde und mir da-
her jene Erfahrung zu bestätigen scheint. Diese einzelne ei-
gene Erfahrung genügt mir, der ich in solchen Fällen sehr zwei-
lelhaft bin, freilich keinesweges, da es ein blolser Zufall sein
könnte. — Sollte indessen durch vielfache ausnahnlose Fälle der
Art die Sache sich wirklich bestätigen, so würde als Grund
wohl nur ein eigenthümlicher Instinet dieser Vögel anzunehmen
sein, wodurch sie, selbst wehrlos, geleitet würden, ihre Kolonie
unter den kräftigen Schutz eines wohlbewaflneten und keinen
Feind in der Nähe duldenden Wespenstaates zu stellen.
Eiu seltener, nur in den höhern Gebirgsregionen vorkom-
mender Vogel ist der sogenannle Campanero (Glöckner, Läu-
ter), Procnias variegata Cuv.; von der Größe einer Am-
sel, weils, aschgrau überlaufen, mit schwarzen Flügeln und brau-
nem Kopf, dem Schnabel der Schwalben (bis auf die Einker-
bung an der Spitze) übrigens den Seidenschwänzen (Ampelis L.)
verwandt, daher von Linne auch dahin gerechnet. Das Son-
derbare an diesem Vogel ist der völlig nackte Vorderhals, der
statt der Federn mit zum Theil zolllangen, fast wurmähnlichen
Fleischfäden allenthalben besetzt ist, welche wie schlafle Fran-
gen an demselben niederbanmeln. Voigt’s, in der Uebersetzung
des Cuvier, wahrscheinlich nach einem getrockneten Exemplare
gegebene Vergleichung dieser Fleischfasern mit kleinen Regen-
würmern palst durchaus nicht, indem dieselben schwarz und völ-
lig platt sind, daher sie eher mit jungen Blutegeln (bei dunkler
Färbung derselben) zu vergleichen wären. Eben so wenig habe
410 \
ich von der von Cuvier angegebenen Nahrung des Genus
Procnias, „Insecten”, die geringste Spur im Magen dieses
Vogels, sondern jene gleich der vom Genus Ampelis überhaupt,
in Früchten, besonders Beeren, bestehend, gefunden. Den Ma-
gen eines Campanero, den ich vorgestern untersuchte, füllten 2
rothe Beeren, grölser als Kirschen, völlig aus und hatten zu-
gleich durch ihren Saft die innere Magenhaut kirschbraun ge-
färbt. Es schienen mir diese. Beeren, obwohl sie bereits zer-
queischt waren, von einer Art Amomum, wie ich es in meinen
Nachrichten über Puerto-Rico glaube beschrieben zu haben und
unfern Valencia ebenfalls antraf, herzurühren, und würde da-
durch zugleich die Angabe der Portorikaner über die ächt fär-
bende Kraft dieser Beeren vielleicht bestätigt. — Was aber die-
sen Vogel den Landeseinwohnern hier besonders auffallend macht,
ist seine sonderbare Stimme, die, nach vorhergegangenem knar-
rendem Tone, dem einmaligen Anschlagen und allmäligen
Verhallen einer Thurmglocke gleicht, so dafs man, getäuscht,
in den einsamsten, enllegensten Bergen einem Dorfe nahe zu
seyn glaubt. Da er gewöhnlich unten in den Felsschluchten
sitzt, so könnte vielleicht der den Schall zusammenhaltende und
verlängernde Ort den langen, immer schwächer werdenden Nach-
hall, wenn auch nicht hervorbringen, doch verstärken.
Einer der grölsern und durch seine Form auffallenden Kä-
fer dieser Gegenden, der durch Gröfse, langes Köpfhorn und
schöngeformten Thorax sich auszeichnet, ist der Scarabaeus Age-
nor Ol. — Beachtet man äufmerksam alle Gegenstände, langsam
die üppigen Flufsgestade bei Valencia in den ersten Regenmo-
naten durchschreitend, so kann man nicht umhin, den jungen
Riesensprossen von Armsdicke am Bambusrohr, aus der Wurzel
dem Spargel ähnlich hervortreibend, einige Augenblicke der Be-
trachtung zu schenken. Den Entomologen gereut dies nicht,
denn, ist er an der rechten Stelle, so bemerkt er grolse Seiten-
öffnungen, oft 3—4 an einem Schöfsling, alle nach oben hinauf
gerichtet. Er haut mit seiner Machete hinein, die Oeflnuug zu
erweitern, und schon bei den ersten blolsen Erschütterungen vor
dem Loche kommt eiligst rückwärts ein solcher Hornkäfer, zu-
weilen ein Pärchen, heraus, die er erst völlig herausfallen läfst,
denn will er sie rückwärts herausziehen, sie von hinten fassend,
so
all
so halten sich die gehörnten Männchen mit ihrem gegengestämm-
ten langen Horn so fest, dafs es unmöglich ist, sie so herauszu-
holen. Dies scheint also der Zweck des Horns zu sein (?). Die
Weibchen waren Anfangs Juni wenigstens seltner, da ich bei
circa einem Dutzend Z nur etwa drei @ fand. — Die durch
Zernagen des Marks in demselben hervorgebrachte Gährung lockt
andere kleine Insekten herbei, so dals man zugleich in solcher
Höhlung schön glänzend schwarze Cureulionen (von Gestalt ei-
ner sehr kleinen Calandra), Brachelytera, Nitidulae, seltener
einige kleine Hylophagi ete. ete., auch Dipteren-Larven und die
dazu vermutblich gehörigen Syrphiden, um die Wiege für ihre
Brut umherschwärmend, oft in Menge triflt. — Jener Hornkäfer
richtet auch in den halbreifen Maiskolben, in die er sich ebenso
hineinfrifst, bedeutenden Schaden an.
Mapanare, vielleicht Coluber Lichtensteinii?!), eine der
gefürchtetsten Giftschlangen feuchter Stellen. Ich sah eine solche
auf den Steinen im Felsbache, wahrscheinlich den kleinen Frö-
| schen dort auflauernd. Sie scheint indessen nur, etwa wenn
sie getreten wird, zu beilsen; denn als einer der eben gegen-
wärtigen Holzhauer darnach geschlagen und sie verfehlt, flüch-
tete sie ins Gebüsch, ohne an einen Angriff zu denken. Nir-
gend wird wohl eine Prophezeihung fortwährend so treu er-
füllt, als in diesem Lande die mosaische von, der ewigen Feind-
schaft des Menschen gegen die Schlangen. Beim Erblicken einer
Schlange scheint sich eine Mordwuth der hiesigen Landbewoh-
ner zu bemächtigen, sie ruhen nicht, bis sie das entflohene Thier
aus seinem Versteck hervorgesucht und todtgeschlagen haben.
So geschah es denn auch mit jener; es kostete jedoch Mühe,
sie in dem zuvor zum Theil abzuhauenden dichten Gestripp zu
entdecken. Die angeblichen Schutzmittel oder Heilmittel gegen
den Schlangenbils bestehen (ungerechnet das Tragen eines Cro-
eodilzahnes) in einer Menge Vegetabilien, worunter das @uaco
als das sicherste empfohlen wird, und selbst Einimpfungen damit
_
|
1) Wenn wirklich eine Giftschlange, wahrscheinlich eine Cophias.
Herausgeber.
| IT. Jahrg. 1. Band. 26
|
412
als Präservativ vorgenommen werden. Ein anderes ist die Raiz
de mato, die Wurzel einer Vejuco (Schlingpflanze), wie mau
versichert, daher nicht, wie Herr v. Humboldt vermuthet, von
der baumartigeu Cerbera Thevetia. Nach der mir gemachteu
Beschreibung der Liane scheint diese der Gattung Aristolochia
anzugehören und wahrscheinlich die Aristolochia anguicida. Ich
muls gestehen, dals ich kein sonderliches Vertrauen in diese ve-
getabilischen sogenannten Contras (Gegengifte) setze. In San
Estevan brachte man mir eine lebende Mapanare. Es kam dar-
auf an, sie so in eine Flasche hineinzupraktieiren, und ein In-
dier ward dazu beauftragt. Das Thier, das sich an einem um
den dünnen Hals geschlungenen Vejuco gefesselt fühlte, war
sehr böse. Der Indier bat daher um das Contra; es wurde ihm
die getrocknete Wurzel Raiz de Mato gebracht; er kauete daran,
spie den Saft in den geöffneten Mund der Schlange, kauete dann
noch ein Stück, bestrich die Finger damit und packte mit den-
selben die Schlange ins Genick, die in demselben Augenblick,
eben als wenn kein Contra angewandt wäre, den Rachen zum
Beilsen aufrifs und die Giftzähne aufklappte, jedoch natürlich die
Finger des Indianers nicht erreichen konnte, der sofort, gleich-
sam als wenn er selbst an der Kraft seines Contras zweifelte,
den Kopf der Schlange zerquetschte, wo es denn freilich leicht
war, sie in die Flasche hineinzustecken. Dies Alles ist eben
nicht geeignet, das Verfrauen zur Raiz de Ma:o zu stärken. —
Psittacus ochrocephalus L., unter den hiesigen Pa-
pageien derjenige, den man am Besten und Meisten sprechen
lehrt. Er gewöhnt sich, jung aufgezogen, gleich dem Hausge-
flügel; Männchen und Weibchen sitzen gewöhnlich, ohve sich
lange von einander zu entfernen, beisammen, doch nisten sie
im zahmen Zustande nicht. Es wurde mir versichert, wenn man
sich die Mühe gäbe, diesem Papagey nach und nach alle Federn
auszurupfen, dies aber zu. drei verschiedenen Malen nach der
jedesmaligen Erneuerung des Gefieders wiederholte, dasselbe je-
desmal heller gefärbt und zuletzt völlig gelb würde. Es scheint
mir nicht ganz unwahrscheinlich, und sollte es wirklich gegrün-
det sein, für die Bestimmung der Art von Wichtigkeit.
In den höhern Savanen um Valencia — selten in den tie-
fern Uanos des Innern — lebt als Stellvertreter unsrer Lerchen
413
und Ammern ein Vogel von der Grölse des Staars,‘ unten schön
goldgelb, hier, von seiner Stimme, Chiruli’ genannt, vonden Or-
nithologen aber bald als Alauda.magna, bald’ als Sturnus
ludovicianus aufgeführt. Letztere Benennung ist: von Cuvier
und Voigt adoptirt. Indessen bemerke ich hierbei, dafs wenn
der einzige Grund, diesen Vogel den Staaren zuzugesellen,; sich
nur in“ der Bildung des Schnabels finden möchte,- letzterer
denselben weit mehr den Cassicis nähert. Ferner ist in der
ganzen Lebensweise des Chiruli nicht eine Spur von der Lebens-
art der Staare zu finden, dieselbe vielmehr ziemlich der von
Emberiza miliaria gleich. Wie diese auf den Spitzen der ein
zelnen Gebüsche der Wiesenplätze sitzend, zwitschert er dort
eben so eintönig sein Tschirili, fliegt eben so mit hängenden
Beinen und zitternden Schwingen, in der Luft fortzwitschernd,
auf. Auf ähnliche Weise nistet er auf der Erde zwischen den
Grasbüscheln. Das oben zugewölbte, backofenförmige Nest traf
ich mit 3 bereits bebrüteten Eiern, von Färbung wie bei denen
des Grünfinken, d. h. milchweils mit braunen Fleckehen und
Punkten. — Mir scheint dieser Vogel so viel Eigenthämliches
zu besitzen, dafs er, wenn gleich in verschiedenen Stücken
verschiedenen Gattungen nahe kommend, doch keiner be-
kannten Vogelgattung ausschliefslich angehört, ‚sondern ein für
sich bestehendes Genus auszumachen scheint, und etwa den ven
seiner Stimme und vaterländischen Benennung entlehnten Na-
men: Cirulus (C. pratensis) verdienen möchte.
Eine der wichtigsten Mittheilungen, die ich noch zu machen
habe, ist vielleicht die Nachricht von dem unlängst in Vene-
zuela vorgekommenen Gebären zweier weiblichen Maulthiere.
Der erste Fall ist mir von dem Obrist C..... i angeführt wor-
den, als demselben vom Eigenthümer jener Maulthierstute selbst
rzählt und unbezweifelt. Im Pao de Barcelona theilte uns spä-
terhin ein ganz schlichter Mann, der sonst wenig sprach, eine
auf seinem Hato gemachte eigene Erfahrung mit, zugleich mit
dem Bemerken: dafs alle ihn Besuchenden seine Maulthierfüllen
gesehen. Wäre die Entfernung nicht zu grofls gewesen und hätte
es unsere Zeit erlaubt, so würde ich selbst durch den Augen-
schein mich überzeugt haben; dies war aber nicht pop ale zu
machen. Das Füllen der Maulthierstute beschreibt der "Eigen-
26 *
414
Ahümer ganz .der Mutter gleich, obwohl der Vater ein Esel war.
Es: ist’ schon einige Zeit alt (ich erinnere mich nicht! genau' wie
alt) und. kräftig und gesund, da die Mutter ein tüchtiges Euter
und, Fülle von Milch hat ').
1) Dafs die Maulthierstuten nicht immer unfruchtbar sind, nament-
lich dafs sie, vom Pferdehengste befrachtet, Füllen zur Welt bringen,
ist durch zahlreiche Fälle bewiesen, deren A. Wagner in Schreber’s
Säugethieren, Th. 6. p. 93. viele zusammengestellt hat. Dals sie auch
mit dem Eselhengste eine fruchtbare Begatlung eingehen, war, obgleich
an sich glaublich, durch kein Factum belegt. Herausgeber.
Berichtigungen
von
Dr. M. J. Schleiden.
Früchtigkeit bei der Reinschrift und Mangel au Uebung beim
Corrigiren haben in meinem Aufsalze über die Entwicklungs-
geschichte im laufenden Jahrgang dieses Archivs einige Fehler
veranlalst, welche gütigst zu entschuldigen und zu bessern ich
die Leser ersuche.
Seite 301 Zeile 12 von oben lies enthalten statt entfalten
» 303 » 6 v. u. |. Spitze st. Spite
» 808 » 5 v. u. |. weiblichen st. wirklichen
» 312 zwischen Zeile 16 u. 17 fehlt der Name Mirbel
» 313 Zeile 8 v. u. in der Anmerkung |. „„Männer wegen, die sich
öffentlich über diese Arbeit ausgesprochen haben
und ohne ete.
» 3l4 -» 13 der Anmerk. l. Breslau st. Berlin
Im ganzen Aufsatze 1. Cistinea st. Cystinea.
Ueber den Unterschied 'der Schalenbildung der
männlichen und weiblichen Anodonten.
Von a
Dr. C. Th. von Sieb.old.
Nachdem ich mich überzeugt halte, dafs Unio pictorum, tumi-
dus, crassus, Anodonta cygnea, amalina, Tichogonia polymor-
pha, Mytilus edulis, Cardium edule , Mya 'arenaria, ‚Tellina fra-
gilis und daltica getrennten Geschlechtes’sind’ (siehe Müller’s
Archiv. Jahrg. 1837.), so‘ versuchte ich es, ob es mir nicht 'ge-
lingen könnte, die weiblichen und männlichen Individuen die:
ser Muscheln schon an einer äufseren Verschiedenheit der Scha-
lenbildung zu unterscheiden; es hat mir dieser‘Versuch bei Unio,
Tichogonia, Mytilus, Cardium, Tellina und‘ Mya bis jetzt nicht
gelingen wollen. dagegen wurde es mir sehr bald ein’ leichtes,
bei Anodonta die Männchen und Weibchen schon an der’ blolsen
äulseren Forni der Schalen zu erkennen. Zu gleicher Zeit bin
ich aber auch zu der Ueberzeugung gelangt, dafs Anodonta eygnea
und cellensis nichts anderes als die verschiedenen Geschlechter
einer und derselben Teichmuschelart sind. Es bedarf von mei-
ner Seite keiner näheren Beschreibung der männlichen und weib-
lichen Schalen dieser Muschelart, indem die Anodonta eygnea
und eellensis in den conchyliogischen Werken genugsam beschrie-
ben und abgebildet sind; es ist daher ausreichend, wenm'ich
darauf aufmerksam mache, dafs Anodonta eygnea (comcha late
ovata, siehe Rossmässler’s Iconographie, Hft. I. p. 111. tab. 3.
4 fig. 67.) das Männchen und Anodonta cellensis"(coneha ovato-
oblonga, #. Rossmässler, Uft. IV. p. 22. tab. 19: fig. 280.)
das Weibchen einer und derselben Species ist. Ich fand beide
Muscheln im Danziger Stadtgraben stets bei einander, immer
zeiglen sich mir die Geschlechtsorgane der A. cygnea als Hoden
init lebhaften Spermatozoen und: die der A. cellensis als Ovarien
mit Eierkeimen, in denen das Purkinje’sche Bläschen mit dem
416
Wagner’schen Keinflecke nicht zu verkennen waren. Ano-
donta cellensis, sulcala und cygnea sind demnach synonym, und
dem letzteren Namen, als der älteren Linne’ischen Bezeichnung,
gebührt. wohl; das ‚Recht des. Vorzugs.
Einen ‚Ähnlichen Geschleehtsunterschied bieten die Ehrlan
der Anodonta anatina dar, da aber dieser nicht so grell hervor-
sticht, mögen beide Geschlechter vor einer Trennung in zwei
besondere Species bisher geschützt geblieben sein, und man hat
die verschiedenen Schalenbildungen (was wirklich zu verwun-
deru ist) nur als Varietäten gelten lassen. Wenn Nilsson
(historia, molluscorum Sueciae p. 115.) ‘bei der Beschreibung der
Schale.von..Anod. anatina, sagt: testa, admodum variat, ‚ovalo-
oblonga. vel\elliplico-ovala, jam magis jam,minus compressa eic.,
so. gehört wiederum ‚die: (elliplisch.).. breit-eiförmige, weniger
gewölbte Schale den männlichen. Individuen, und die eiförmig-
längliche, mehr gewölbte Schalg den weiblichen Individuen der
Entenmuschel anı
Trifft ‚den. neueren Gnschuinlneee überhaupt der Vorwurf,
ı mit, Errichtung neuer‘ Species zu leicht umgegangen zu sein, ‚so
tritt dieser Feliler bei den Muscheln besonders hervor, statt dals
man,gerade hier nur mit der grölsten Vorsicht neue Arten bätte
einführen solien,. da man wissen konnte, dafs Alter und Aufent-
haltsort der Muscheln so leicht Formabweichungen der Schale
bei einer und derselben Art hervorbringen; jetzt, da, nun naclı-
gewiesen ist, dafs auch ‘die Geschlechtsversehiedenheit auf die
Schalenbildung. der Muscheln den gröfsten Einflufs ausübt, scheint
doppelt ;nälhig,. die bisher aufgestellten Arten der Bivalven ei-
ner, sorglältigeu ‚Revision ’zu unterwerfen, Die. Anodonta inter-
meilig, ‚eine',Species, gegen welche. schon mehrmals Verdacht
erhoben ‚wurde, glaube..ich wirklich nur für eine noch nicht
völlig: ausgewachsene männliche „Anod. cygnea halten zu müssen.
Ich,bin ‚übrigens. gern bereit, demjenigen, der es wünscht, männ-
liche: und weibliche Schalen der Enten- und Schwanen-Teich-
muscheln, für deren richtige Bestimmung des Geschlechts eine
jedesmal ‚von. wir ‘vorgenommene ‚mikroskopische Untersuchung
dev, .Sexualorgane des Thieres bürgen soll, zu übersenden.
Danzig,.den 3ten October 1837.
Stehihrinerihbien
des Herrn Professor Meyenu
an den Herausgeber.
Hochgeehriester Freund und College!
Es sind beinahe 10 Jahre verflossen, als ich jene kleinen nied-
lichen Algen entdeckte, welche im 14ten Band der Leopoldini-
schen Akien beschrieben und auf tab. XLII. daselbst abgebildet
wurden; ich glaubte damals nicht, dafs es möglich wäre, diese
mikroskopische Pflänzchen für Thiere halten zu können, und
dennoch hat man dieses versucht und hat die Ansicht mit sol-
cher Beslimmiheit ausgesprochen, dafs sich die mit dem Gegen-
stande weniger bekannten Naturforscher wundern mögen, wie
es möglich gewesen ist, Thiere für Pflanzen zu halten. Beruhte
dieser Gegenstand auf blofsen Ansichten, so würde es nicht der
Mühe werth sein, darüber Worte zu verlieren. Indessen das ist
nicht der Fall, sondern der Botaniker, welcher mit der Struk-
tur und den Lebenserseheinungen der Conferven (welche man
gegenwärtig noch ziemlich allgemein für wirkliche Pflanzen hält)
vertraut ist, wird mit aller Bestimmtheit, welche die verglei-
chende Natur-Anschauung geben kann, nachzuweisen im Stande
sein, dafs alle jene Geschöpfe unzweifelhaft zu den Pflanzen
gezählt werden müssen. Eben von diesen Pflänzchen sprach ich
auf Seite 24 meines letzten Jahresberichtes, wozu Sie eine An-
merkung zu machen nöthig fanden, welche aber nicht dazu palst,
denn Sie sprechen von Baeillarien, welche von meinen kleinen
Algen gar sehr verschieden sind ').
1) In der angelührten Stelle S. 24 ist aber von Baeillarien die
Rede, und nicht von Heren Meyen’s kleinen Algen; eben so S. 26,
418
Seit den verflossenen 10 Jahren habe ich keine Gelegenheit
vorübergehen lassen, um jene kleine Geschöpfe zu betrachten,
‚ welche die systematischen Botaniker noch immer unter den Algen
aufführen, und manche neue Formen sind mir vorgekommen,
welche ich ebenfalls nächstens zu publieiren gedenke. Es war
meine Absicht bis dahin über diesen Gegenstand zu schweigen,
doch die Nachrichten, welche Sie im vierten Hefte (p. 377.)
Ihres Archives unter dem Titel: Ehrenberg’s neuere Ent-
deekungen über die Bacillarien haben einrücken lassen,
nöthigen mich sofort zu folgender kurzen Erklärung, damit nicht
etwa die darin enthaltenen Angaben als unzweilelhafte That-
sachen in das gelehrte Publikum übergehen.
Sie führen in Ihrem Aufsatze Beobachtungen an, durch
welche der vollständige Beweis geführt werden könne, dals
meine Gattung Scenedesmus und mehrere andere, von denen ich
hier absichtlich nicht sprechen will, indem sie wenigstens zu
einer ganz verschiedenen Gruppe von Geschöpfen gehören, zum
Thierreiche gezählt werden müsse. Indessen erlauben Sie, dafs
ich jene Angaben öffentlich für nicht richtig erkläre. Ich füge die
Versicherung hinzu, dafs ich meine Erklärung vollständig erwei-
sen werde, sobald das grolse Werk des Herrn Professor Ehren-
berg über die Infusorien erschienen sein wird, und ob ich, aus-
gerüstet mit den vorzüglichsten Mikroskopen, welche sich gegen-
wärlig in Berlin befinden, es wagen darf, meine Ansicht über
diesen Gegenstand auszusprechen, das werden diejenigen Natur-
forscher richtig beurtheilen, welche mit denselben durch eigene
Anschauung vertraut sind.
Sein Sie versichert, dals mich nicht vorgefalste Meinungen,
sondern nur die Liebe zur Sache, der ich mein Leben ebenfalls
gewidmet habe, zu dieser Erklärung veranlalst.
Mit gröfster Hochachtnng u. s. w.
wo sämmtliche von Herrn Ehrenberg beschriebene fossile Bacillarien
von ihm für Pflanzen erklärt werden. Die von mir an ersterer Stelle
gemachte Anmerkung würde also: dorthin passen und dürfte dadurch ge-
rechtfertigt sein, dafs die Worte, auf welche sie sich bezieht, einen
indivecten Vorwurf gegen mich enthalten. Wiegmann.
Beiträge zur Pflanzenphysiologie
J. Meyen.
(Hierzu Taf. X)
I.
Ueber die Entwickelung des Getreidebrandes in der
Mays-Pflanze.
Die Beobachtung des ersten Auftretens des Brandes (Ustilago
Link) bei unsern Cerealien hat aus verschiedenen Ursachen ihre
grofsen und meistens unüberwindlichen Schwierigkeiten aufzu-
weisen, leicht ist dasselbe dagegen bei der Mays- Pflanze zu ver-
folgen, wo jene unheilbare Krankheit oft die sonderbarsten De-
formitäten veranlafst, welche mitunter zu der aufserordentlichen
Grölse eines Kinderkopfes anschwellen. Es ist gegenwärtig eine
ausgemachte Sache, dals der Getreidebrand keine ansteckende
Krankheit ist, sondern zu den erblichen gehört, welche aber
durch eine Stockung der Säfte, herbeigeführt durch übermäfsige
und der Natur der Pflanze fremdartige Düngung, veranlalst wird.
Es würde eine interessante Arbeit sein, alle die verschiedenen
Formen aufzuzählen, unter welchen der Mays- Brand auftritt, und
die krankhafte Umwandlung der verschiedenen Theile der Pflanze
zu verfolgen, welche davon ergriffen werden; ein Land, wie die
piemontesische Ebene, wo der Mays-Bau unsere Cerealien schon
fast gänzlich verdrängt hat, würde dazu sehr leicht Gelegenheit
bieten. Am auflallendsten erscheint diese Krankheit an den
männlichen Blütlien des Mays, welche bald theilweise, bald bis
auf die Kelehblättchen gänzlich krankhaft zerstört sind und die
auflallendsten Formen annehmen, welche durch Auflockerung und
420
krankhafte Wucherung des Zellgewebes (die Spiralröhren laufen
indes ebenfalls hinein) veranlafst werden.
Im ausgebildeten Zustande sind diese Auswüchse in ihrem
Innern mehr oder weniger ganz zerstört und mit der bekannten
braunschwarzen Masse gefüllt, welche Herr Link mit dem Gat-
tungsnamen Ußstilago belegt hat; untersucht man jedoch diese
Auswüchse in ihren früheren Zuständen, so wird man, bei ge-
höriger Vergrölserung, finden, dafs jene Masse im Innern der
Zellen ihren Ursprung nimmt, sich daselbst anhäuft und, indem
die Zellwände allmälich durch Verjauchung zerstört werden,
endlich das Innere jener Auswüchse ausfüllt.
Auf der beiliegenden Tafel habe ich in fig. 1. die Abbildung
einer kleinen Masse jenes wuchernden Zellgewebes gegeben, an
welchem in jeder einzelnen Zelle die erste Bildung der Brand-
masse zu sehen ist. Nämlich an einer, oder an mehreren Sitel-
len der inneren Fläche der Zellenwand zugleich erzeugen sich
kleine Schleimablagerungen, aus welchen fadenartige, sich ver-
ästelnde Gebilde hervorwachsen, die ungefärbt und fast durch-
sichtig sind, nur sehr starke Vergröfßserungen lassen ein feines
körniges Wesen in der zarten Substanz ‚dieser Fäden erkennen.
Alsbald bemerkt man, dafs sich diese Fäden an einzelnen Stel-
len abschnüren, ‚worin, aber nicht ‚leicht eine Kegel zu finden
sein. möchte, denn bald beginnen die Abschnürungen unten, bald
oben, meistens aber scheinen die kleinen Seitenäste zuerst diese
Umwandlung einzugehen. Die abgeschnürten Theile dieser klei-
nen Pseudo-Organismen nehmen eine ellipsoidische, endlich eine
vollkommene Kugeiform an und färben sich zuerst etwas gelb-
lich; dann wird diese Farbe immer dunkler und, indem sich die
Kügelchen allmälich vergröfsern, werden sie vollkommen braun
gefärbt und trennen sich in den Abschnürungs-Punkten von ih-
ren Stämmcehen. Zuletzt zerfällt: das ganze Pflänzchen in jene
braun gefärbten, kuglichten Körper, welche den Brand bilden,
und diese haben sich durch Erstarrung, der weichen Substanz in
eine festere Membran, in Bläschen umgewandelt, welche steis
ein gekörnies oder punkürtes Ansehen zeigt. Ist diese krank-
hafte Bildung erst einmal im Zellengewebe eingetrelen, so ver-
gröfsert sich mit zunehmenden Alter die Zahl und Masse je-
ner kleinen Pseudo-Organismen in den einzelnen Zellen immer
|
421
mehr und mehr, und kurz vor der Zerstörung der Zellenwände
sieht män. grofse und undurchsichtige. Massen in ‚denselben an-
gelagert. )
u Dieses sind die Erscheinungen, welche die Bildung des Bran-
des in der Mays-Pflanze begleiten. Die Brandbläschen entste-
hen: also nicht aus. den Zellensaft-Kügelchen, ja nicht einmal
der große, kugelrunde, schleimige Kern, welcher in jeder dieser,
Zellen des Mays-Parenchyms enthalten ist, wird zu jener kranken
Ablagerung verwendet. ‚Eben so gewils.lälst es sich. hier nach-
weisen „dafs die Brandbildung nieht in den: Intercellulargängen
auflritt, sondern nur im Innern der einzelnen Zellen, und daher
muls man dieselbe als Produkt der abnormen Richtung des Er-
nährungs-Prozesses ansehen. '
II.
Ueber einige Eigenthümlichkeiten in der Epidermis
verschiedener Orchideen.
Die Gattungen Stelis und Pleurothallis, welche in vieler
Hinsicht sehr eigenthümliche Struetur zeigen, haben in der Epi-
dermis ihrer Blätter besondere Grübehen aufzuweisen, welche
durch die ganze Schicht der Epidermis-Zellen durchgehen und
zuweilen noch eben so tief in die darunter liegende Zellenmasse
hineinragen. Die Pleurothallis und Stelis-Blätter haben nicht,
wie es sonst bei den Orchideen wohl ganz allgemein sein möchte,
auf beiden Seiten Hautdrüsen mit Spaltöffnungen,, sondern nur
auf der untern Fläche, und hier sitzen die Hautdrüsen mit ihren
Spitzen fast ganz .in der Ebene der Cutieula, so dafs sie mit
dieser keine Grübchen von Bedeutung bilden, wie es auch die
Darstellung der Durchschnitte der Hautdrüsen in fig. 8. und 9.
zeigen. Dagegen kommen auf der Oberfläche der Blätter jener
Pflanzen eine Anzahl von eigenen Grübchen vor, welche man
als Stellvertreter der fehlenden Hautdrüsen ansehen möchte.
Beobachtet man zarte horizontale Schnitte aus der Epider-
mis der oberen Blattfläche von Pleurothaliis ruscifolia, so be
merkt man eine grofse Menge von runden Oellnungen, wie sie
in den Darstellungen von fig. 4. und 5. zu schen sind, und in
422
den, der Oeffnung zunächst liegenden Zellen sind einzelne groöfse
Oeltröpfchen zu finden, ja bisweilen sind diese Oeltröpfehen sehr
allgemein in den Epidermis-Zellen der Blätter dieser Pflanze:
In fig. 4: zeigen die Zellen aaaa mit; den dieken Wänden,
welche durch doppelte Linien angedeutet sind, die Epidermis,
und die Zellen ff ff liegen unmittelbar unter der Epidermis.
diist die Oeffnung, welche man gleichsam in der Tiefe. eines
Trichters sieht, dessen Rand durch den schattigen Ring ee gebil-
det wird, der rund herum von den Epidermis-Zellen A,h,h,h,h ein-
gefalst wird. In der beistehenden fig. 5. sind die ähnlichen Theile
mit gleichen Buchstaben bezeichnet. Verfertigt man Querschnitte
aus der obern Epidermis dieser Blätter, ‘welche unmittelbar dureh
die Oeffnung 5 laufen, etwas in der Richtuug der angedeuteten
Linie de, so bekömmt man die nähere Erklärung über die Oefl-
nung 5 mit ihrem Rande cc. Jene Oeflnung ist nämlich, wie
es fig. 6. und 7. zeigen, nur der Eingang in die tiefe Grube f,
welche oftmals noch bis zu ihrer Spitze von der Cuticula ee
der Epidermis- Zellen aa eingefalst ist; in andern Fällen, wie,
bei g, fig. 7., ist die Cutienla in der Tiefe der Grube durch-
löchert, und in noch anderen Fällen hat sie daselbst ein siebar-
tiges oder nelzförmiges Ansehen erhalten, gleichsam als wäre
sie durch zu starke Ausspannung hier und da durchlöchert wor-
den. Meistens ragen diese Grübehen der Epidermis unmittelbar
bis auf die Spiralfaser-Zellen, welche die oberen Zellen-Schich-
ten dieser Blätter bilden, doch zuweilen ist unmittelbar darun-
ter eine Juftführende Höhle, wie in fig. 4., wo dieselbe durch
das Polygon ggg ggg angedeutet ist, ja ölters findet man meh-
rere kleinere und ungleich grolse Zellen mit grolsen Oeltröpf-
chen, welche rund um die Spitze des Grübchens gelagert sind.
Einige wenige solcher Grübchen finden sich auch auf der untern
Blattfläche der genannten Pflanze.
Es möchte wohl erlaubt sein die Vermuthung auszusprechen,
dafs diese beschriebenen Grübchen gleichsam als Stellvertreter
der Spaltöffnungen anzusehen sind; sie werden niemals geschlos-
sen, weil die beiden Zellen der Hautdrüsen fehlen, welche sonst
die Spaltöffnung einschliefsen, auch bilden sie eine viel grölsere
Oeffuung als Letztere, und möchten daher wohl noch einer Ne-
benfunction vorstehen. Da die Pflanzen, welche diese Gebilde
423
4 u
aufzuweisen haben, zu den parasitischen Orchideen gehören und
ihre Nahrungsflüssigkeit gröfßstentheils aus der Atmosphäre zie-
hen, so kann der Zweck jener Vorrichtungen nicht fern liegen,
ganz besonders deshalb, weil diese Grübehen unmittelbar auf
die Spiralfaser-Zellen stolsen, deren Struktur ebenfalls eine stär-
kere Einsaugung der Feuchtigkeit der Luft bezweckt, welche
durch die Grübchen unmittelbar an das innere Zellengewebe
treten kann.
Man kann diese Gruben in der Epidermis der genannten
Pflanze eigentlich als wirkliche Löcher in der Oberhaut be-
trachten, denn gröfstentheils ist die einschliefsende Cutienla an
der Basis der Grube ganz durchbrochen. Dergleichen Oeffnun-
gen in der Epidermis der Pflanzen sind aber wohl sehr selten,
denn bei den vollkommeneren Pflanzen sind dieselben stels mit
den Hautdrüsen geschlossen, welche in ihrer Mitte die wahre
Spaltöffnung besitzen. Nur bei den Marchantien sind mir wirk-
liche Oeflnungen zwischen den Zellen der Epidermis bekannt,
denn was man Spaltöffnungen bei denselben nennt, sind nur der-
gleichen Oeffnungen von runder, drei- oder viereckiger Form
mit hohem Walle, welche eine beständige oflene Communication
zwischen der atmosphärischen Luft und den Luftkanälen im
Diachym des Marchantien - Laubes erhalten, die Hautdrüsen,
welche sonst die Spaltöffnungen bilden und öffnen und schlie-
fsen, fehlen den Marchantien und treten erst bei den Laub-
moosen auf. Aber auch bei den Marchantien ist Einathmung
und Ausathmung der feuchten Luft so sehr nöthig.
Auch die wirklichen Hautdrüsen von Pleurothallis rusei-
‚folia haben einige Eigenthümiichkeiten aufzuweisen, auf welche
ich bei dieser Gelegenheit aufmerksam machen möchte. In fig. 8.
und 9. sind zwei verschiedene Hautdrüsen dieser Pflanze nach
Vertikalschnitten dargestellt. aa die eine Zelle, 45 die andere
Zelle der Hautdrüse, e die Vereinigungsfläche derselben. d,d die
mit grüner Substanz gefüllten Höhlen der beiden Hautdrüsen-
Zellen, und e,e wie f,f sind örtliche Verdiekungen der Zellen-
Membranen.
424
Il.
Einige Worte über das Vorkommen von Brutknospen
bei den Laubmoosen.
Es scheint mir noch immer zu wenig bekannt zu seiu, dals
auch bei den Laubmoosen eine Art von Gemmen- oder Brut-
knospen-Bildung vorkommt, wie es fast bei allen Gruppen der
Lebermoose beobachtet ist.
Bei Mnium androgynum Linn. (Aulacomnium androgy-
num Schwaegr.) tritt die Bildung von Brutknospen sehr häufig
auf, und es sind diese Gebilde bei’ der genannten Pflanze auch
schon lange bekannt, aber fast immer für Antheren gehalten
worden, obgleich sie mit diesen in keiner Hinsicht Aehnlich-
keit aufzuweisen haben. Schwaegrichen (Hedwig, species
musc. Opus posth. Suppl. tert. vol. I. p. 4. tab. CCXV. fig. 3.,
4. et 5.) beschreibt die Brutknospen dieses Mooses ganz richtig,
aber die Abbildnng, welche er dazu giebt, ist nicht hinreichend,
auch sagt er von ihnen, dals man die Function derselben nicht
kenne, denn es sei durch Experimente noch nicht ausgemacht,
ob es Gemmen wären. In fig. 3. der beiliegenden Tafel habe
ich die Spitze eines solchen Brutkuospen-tragenden Stieles abge-
bildet; sie ist mit Hunderten von kleinen ungegliederten Här-
chen bedeckt, an deren Enden die Brutknospen sitzen, wie es
die Abbildung zeigt. Die Knospen selbst bestehen aus 3 bis
5 Zellchen, sind meistens mehr oder weniger elliptisch, zu-
weilen etwas zugespitzt und von grüner Farbe, welche durch
die in den Zellchen enthaltenen grünen Zellsaft-Kügelchen ver-
anlalst wird. Bei vollkommener Ausbildung werden sie bräun-
lich und fallen ab, doch die haarförmigen Stielchen, welche eben-
falls bräunlich gefärbt werden, bleiben sitzen.
Das Vorkommen der männlichen Fructifieations- Organe die-
ser Pflanze ist ganz bekannt.
r 425 -
IV.
Ueber auffallende Bewegungen in den verschiedenen
Pflanzen -Theilchen.
Schon vor 26 Jahren hat Herr Gruithuisen beobachtet,
dafs sich die Saamenkörner in den beiden durchsichtigen Hör-
nern des alten bekannten Fibrio Lunula Müll. (Closterium Lu-
nula Nitzsch) fortwährend‘ bewegen, und später hat dieser
vielerfahrene Gelehrte und rästlose Beobachter die Erscheinung
mit dem Corti’schen Phänomen in den ©haren für identisch
erklärt. (S. meine Abhandlung über selbstbewegliche
Moleküle in Robert Brown’s vermischten Schriften.
Herausgegeben von Nees v. Esenbeck, Bd. IV. p. 358.
bis 359., worin ich hierüber berichtet habe.) Ein we-
niger gutes Mikroskop, mit welchem ich damals beobachtete,
brachte mich jedoch nicht zu der Ueberzeugung von der Rich-
tigkeit jener Beobachtung. welche Herr Gruithuisen bei der
Versammlung der Naturforscher zu München im Jalıre 1827 mit-
theilte, während mir ein neues Mikroskop von Ploessl, schon
bei 350maliger Vergröfßserung, dieselbe vollkommen bestätigt.
Zur leichteren Verständigung über diese interessante Bewegungs- |
5
Erscheinung habe ich in fig. 2. der beiliegenden Tafel die Dar-
stellung eines Closteriums gegeben, welches so eben in der Thei-
lung begriflen ist, die ieh bei diesem Exemplare von Anfang an
habe verfolgen können. Ich habe das Pflänzchen mit einer ein-
zigen, etwas dieken Haut gezeichnet, welche durch die zwei
Linien ihre äufsere und innere Fläche zeigt, denn ich habe hier
niemals doppelte Häute gesehen, und was die dritte oder innerste
Haut anbetriflt, wovon Herr Morren spricht, mufs ich bemer-
ken, dafs dieselbe eigentlich ebenfalls gar nicht vorhanden ist,
sondern nur als eine gleichsam zufällige und stets unvollkom-
mene Bildung auftritt.
In der angegebenen Abbildung ist abcd das ursprüngliche
Pflänzchen, welches im Verlauf von wenigen Tagen die Schei-
dewand bd quer durch seine Mitte bildete, wo bis dahin eine
vollkommen oflene Communikation zwischen den beiden Hör-
nern stattfand. Nach vollendeter Bildung dieser Scheidewand
426
P2
trennten sich die beiden Hörner, und in Zeit von 20 Stunden
nahmen dieselben an ihren Enden e und f die abgerundete Ge-
stalt an. Das Innere dieses Individuums war durch eine ziem-
lich gleichmälsige, durch Chlorophyll grüngefärbte Masse ausge-
kleidet, worin eine Menge gröfsere, grüne, mehr oder weni
niger ellipsoidische Kugeln enthalten waren, kurz ganz mit je-
ner Masse gefüllt, welche das Innere der meisten Conferven er-
füllt.. Jene Zusammenballung der grünen Masse in regelmä-
fsig, gestellte grolse Kugeln, wie sie bei Closterien zu gewissen
Zeiten so oft vorkommt, fand hier nicht statt. Die Enden der
Hörner sind dagegen mit einer durchsichtigen schleimigen Sulze
gefüllt, welche auch den ganzen Raum zwischen der Oberfläche
der grünen Masse und der inneren Fläche der ganzen Membran
ausfüllt. An diesen Enden findet man in der Schleimmasse die
runden Höhlen g und A, welche eine gewisse Anzahl, 6, 8 bis 10
und oft wohl noch mehr bräunlicher, elliptisch geformter Bläs-
chen enthalten, die beständig eine sehr lebhafte Molekülen-Be-
wegung zeigen; ‚sie tanzen umher, wie es Herr Gruithuisen
sagt, der diese Erscheinung zuerst beobachtet hat. Die. schat-
tigen Kreise, welche man in g und A sieht und welche jene Höh-
len im Innern der Hörner begrenzen, sind keine Oeffnungen in der
Hülle, denn sie verschwinden, sobald die Masse im Innern des
Pflänzchens zerfällt oder herausgetreten ist; auch sind diese Höh-
len nicht durch eigene Membranen umschlossen, denn in dem-
jenigen Zustande, worin sich das abgebildete Closterium befand,
sah man an dem Ende c ganz deutlich, dafs einige der braunen
Bläschen aus der Höhle heraustraten und sich entweder in die
grünliche Masse hineindrängten, oder, an den Seiten entlang,
mehr oder weniger weit, selbst bisweilen über @ und % hinaus
sich bewegten, und diese fortschreitende Bewegung war bald
schnell und gleichmälsig, bald langsam und gleichsam stolsweise;
auch kehrten die Körperchen mitunter wieder bald zurück und
bewegten sich dann wieder in der früheren Weise, welche ich
mit dem Namen der lebhaften Molekülen- Bewegung bezeichnen
möchte, worüber ich auch sogleich ausführlicher sprechen werde.
Sobald die Theilung des Closteriums, wonach die Abbildung ge-
fertigt wurde, begann, und die Zuspitzung der abgerundeten Ecken
auftrat, zeigten sich auch sogleich an der Stelle „f mehrere der-
glei-
427
gleichen bräunliche Bläschen, und es begann die besondere
Höhle aufzutreten, worin sich dieselben bewegten, ja dieselbe
schien mir durch die Bewegung der Körperchen gebildet zu
werden. Das Auftreten solcher selbstbeweglichen Körperchen in
besonderen Höhlen ist nicht nur den Qlosterien eigen, son-
dern es kommt noch bei mehreren anderen verwandten Pflänz-
ehen vor, wo diese Höhlen auch dicht an den Enden gelagert
sind und oft mehr als 20 und 30 Bläschen enthalten. Auch
werden die inneren Bewegungen in den Zellen-Höhlen der Gat-
tung Euastrum nur durch ganz ähnliche bräunliche Bläschen
ausgeführt, welche man, wofür auch wirkliche Beobachtungen
sprechen, für die Sporen ansehen muls.
So aufserordentlich lebhaft die Bewegung dieser bräunli-
chen Bläschen in den Closterien und in ähnlichen Pflänzchen
ist, so möchte diese doch wohl nur deshalb lebhafter als die
gewöhnliche Molekülen-Bewegung erscheinen, weil die sich hier
bei den Closterien bewegenden Körperchen bedeutend grölser
sind als jene Moleküle; indessen halte ich dennoch diese Bewe-
gung für bedeutungsvoller, indem, wie es vorher angegeben
wurde, die Körperchen aus ihrer tanzenden Bewegung
in eine rein vorschreitende übergehen können, und
so auch wieder umgekehrt, was mir von besonderer Wich-
tigkeit zu sein scheint. Es giebt aber doch wohl häufig Fälle,
wo man 'zweifelhaft bleibt, ob die Bewegungen kleiner vegeta-
bilischer Partikelchen mit jener Molekülen-Bewegung zusam-
menzustellen sind, welche Herr Robert Brown zur Sprache
gebracht hat, oder ob man dieselben als eine Wirkung des Le-
bens, d. h. als eine Lebensäufserung ansehen darf; ja mir scheint
es, dals Uebergänge aus der einen Erscheinung in die andere
wirklich stattfinden. Einige solche Fälle, wo in den Pflanzen
eine der Molekülen-Bewegung sehr ähnliche Bewegung auftritt,
will ich hier anführen. Fast alle Botaniker, welche anatomische
Untersuchungen über Marchantia polymorpha angestellt, werden
beobachtet haben, dafs in dem Diachym dergleichen junger Pflan-
zen hier und da einzelne Zellen vorkommen, welche nicht wie
die übrigen mit grünen Zellensaft-Kügelchen gefüllt sind, son-
dern grolse gelbbräunlich gefärbte Ballen enthalten. : Eine jede
dieser Zellen enthält einen einzelnen Ballen, welcher meistens
III. Jahrg. 1. Band. 27
428
2 so grols als der Umfang der ganzen Zellenhöhle ist; die
Oberfläche dieses Ballens ist ziemlich eben, und durch Einwir-
kung von Alkohol wird ein Theil der Substanz aufgelöst, wor-
auf eine ziemlich ungefärbte Masse zurückbleibt. Herr v. Mir-
bel hat diese Ballen sehr wohl beobachtet und in e, fig. 47.
tab. IV., seiner berühmten Arbeit über Marchantia polymorpha
abgebildet, doch sagt er, dafs sie vielleicht von der Natur des
Amylums wären. Es ist auch in der That nicht schwer, die
Bildung dieser Massen, besonders zu Anfange des Sommers, durch
Zusammenballung wirklicher Amylum-Kügelchen, welche zuwei-
len sehr häufig in dem Diachym der Marchantien vorkommen zu
verfolgen. Man sieht in solchen Zellen zuerst 8— 10 und noch
mehr einzelne grolse Amylum-Kügelchen, welche sich schnell
vergrölsern und endlich in einen gleichmälsigen Ballen zusam-
menflielsen. Hierauf nimmt der Ballen eine bräunliche Farbe
an-und wird durch Jodine nicht mehr blau gefärbt; nimmt man
denselben alsdann aus seiner Zelle heraus oder berührt ihn auch
innerhalb der Zelle mit der Spitze eines Instrumentes, so zer-
fällt er fast augenblicklich in unzählbare kleine bräunliche Mo-
leküle, welche, ganze Tage lang die lebhaftesten we ch
gen, die aber doch ganz ähnlich der Bewegung der Moleküle
in Indigo-, Gummigutt- Auflösung u. s. w. erscheinen, nur etwas
lebhafter.
Ganz ähnliche Umbildungen des Amylums in lebhaft sich
bewegende Moleküle scheinen zuweilen auch im Pollen-Bläschen
vorzukommen, doch ist hier diese Umbildung nicht so vollstän-
dig zu beobachten wie bei der Marchantia, aber auf diese Weise
ist der Zusammenhang der Amylum-Kügelchen mit den soge-
nannten Saamenthierchen der Pflanzen aufzunehmen, und so wird
es erklärlich, wie man durch scheinbar sehr genaue Beobachtun-
gen darthun wollte, dafs die sich lehhaft bewegenden Körper-
chen in dem Pollen (welche ich der Analogie wegen Saamen-
thierchen genannt habe, und dafs hierbei auch die Natur dieser
Gebilde errathen ist, dafür scheinen mir täglich immer wichti-
gere Thatsachen zu sprechen) nichts weiter als Amylum- Kügel-
chen, Oeltröpfchen u. s. w. sein sollten. Ja noch ganz neuer-
lichst gab Herr Schleiden an, dafs der gröfste Theil des In-
haltes der Pollen-Bläschen und der Pollen-Schläuche aus Amy-
429
’
lum bestehe, während chemisch mikroskopische Beobachtungen
das Gegentheil lehren. Es gehört vielmehr zu den Seltenhei-
. wenn man im ausgebildeten Pollen Anıylum in grofser Menge
findet; obgleich es mir sehr wohl bekannt ist, dafs zuweilen
das ganze Bläschen mit Amylum gefüllt ist. In deu Moos-An-
theren ist die die Saamenthierchen umhüllende Substanz ein
zäher Schleim, doch auch hier habe ich einigemal beobachtet,
dafs die ganze Höhle des Antheren-Schlauches mit grofsen Amy-
lum-Körnern vollständig gefüllt war, während in den anderen
Fällen, wo die Saamenthierchen ausgebildet sind, auch nicht eine
Spur von Amylum in den Moos-Anthberen enthalten ist. Auch
bin ieh nicht der Meinung, dals sich die Saamenthierchen un-
mittelbar aus Amylum bilden, sondern in dem einen Falle wer-
den Saamenthierchen u. s. w., und in anderen Fällen wirkliche
Amylum-Kügelchen aus jener schleimigen Substanz. gebildet,
welche die Pollen-Bläschen‘ im frühesten Zustande füllen. Au-
fser den Saamenthierchen, und was sonst noch in verschiedenen
Fällen im Pollen enthalten ist, findet man noch unendlich feine
ine welche ebenfalls die Molekülen-Bewegung zeigen, und
I an diese mit der Bewegung der Saamenthierchen ver-
gleicht, dann sicht man recht den grofsen Unterschied, welcher
zwischen den Bewegungen dieser beiden verschiedenen Körper
herrscht. Es ist nicht weiter nöthig anzuführen, wie viele Bo-
taniker sich vergebens bemüht haben zu zeigen, dals es mit. der
Bewegung der Saamentliierchen (wofür sie jedoch Amylum-Kü-
gelchen und Oeltröpfchen angesehen haben) eine blofse Täuschung
wäre, indessen damit dieselben leichter zur Erkenntnils ihrer
vorgefalsten Meinung kommen, will ich sie auf gewisse Pflanzen-
Gattungen und auf ganze Familien aufmerksam machen, bei de-
nen man die fragliche Erscheinung schon mit Leichtigkeit deut-
lich erkennt. Unter den Phanerogamen sind es die Oenothe-
ren, welche durchgängig sehr grolse und ziemlich langgezogene
Saamenthierchen haben, deren Bewegung zur heifsen Jahreszeit
grolse Aehnlichkeit mit der schleichenden Bewegung der Bacil-
larien zeigte, aber unter den Cryptogamen titt die Erscheinung
sehr interessant auf. Die merkwürdige Bewegung dieser, Kör-
perchen aus den Charen-Antheren ist schon von vielen Bo-
tanikern beobachtet; die Bewegung der Saamenthierchen . von
27*
430 £
Sphagnum hat Herr Nees von Esenbeck entdeckt und Herr
Unger näher beschrieben, dessen Angaben über diesen Gegen-
stand ich jedoch nur zum Theil bestätigen kann. Eben so auf
fallende Bewegungen zeigen die Saamenthierchen der Laubmoose,
denen ein ähnlicher Bau wie bei Sphagnum ganz allgemein zu-
kommt (wenigstens habe ich es bei allen, auf meiner letzten
Reise durch die Schweizer- und Tyroler-Alpen mir vorgekom-
menen Moosen mit mäunlichen Fructifications-Organen vorge-
funden). Hier sind die Saamenthierchen als ziemlich grolse lin-
senförmig zusammengedrückte durchsichtige Bläschen zu erken-
nen, worin jedesmal ein zartes wurmförmiges Gebilde mit diekem
Kopfende und feinem Schwanze enthalten ist; es liegt gerade in
dem Rande dieser Bläschen, und das Ende des Schwanzes ragt
herum bis zum Anfange des Kopfendes. Ich habe ‚weder hier
bei den Laubmoosen noch bei den Sphagnen eine Theilung zwi-
schem dem elliptischen Kopfende und dem Schwanzende beob-
achtet, wie es Herr Unger bei letzteren angegeben hat, auch
habe ich niemals gesehen, dafs diese wurmförmigen Körperchen
von etwas grünlicher Färbung ihre Blasen verlassen hätten, son-
dern sie schienen mir darin befestigt zu sein.
Die Anzahl dieser Saamenthierchen in den einzelnen Moos-
Antheren ist aufserordentlich grofs; sie sind darin in einem zä-
hen Schleime eingehüllt, der durch schnelles Einsaugen von Was-
ser auschwillt, die Antheren aber zum Oeffnen bringt und die
ganze ‘Masse allmählig aus der geöffneten Anthere hervortreibt.
Sobald sich nun dieser Schleim im Wasser auflöst, werden die
Saamenthierchen frei, und nun beginnen dieselben eine fortwäh-
rende Drehung in der Achse ihrer Scheibe, was ich nächstens
durch Abbildungen näher nachweisen werde. Sieht man diese
lebhaften Drehungen, welche bald nach einer gemeinschaftlichen,
bald nach verschiedenen Richtungen in neben einander liegen-
den Bläschen stattfindet, an einer grofsen neben und über ein-
ander liegenden Menge dieser Saamenthierchen, so glaubt man
eine thierische Saamenfeuchtigkeit unter dem Mikroskope zu
beobachten; dieser Vergleich ist dann um so statthafter, indem
man nur mit vorzüglichen Gläsern die Bläschen, welche das wurm-
förmige, einem thierischen Saamenthierchen ähnliche Gebilde um-
schlielsen, ein kann, oft scheint es zu fehlen, und dann glaubt
431
man zu sehen, dafs sich das Saamenthierchen in einer Spirallinie
bewegt. Doch hierüber im zweiten Theile meiner Pflanzen-
bysiologie ausführlicher.
Wir haben also kennen gelernt, dafs entschieden vegeta-
bilische Körperchen sehr lebhafte selbstständige und sogar
der thierischen Bewegung ähnliche Ortsveränderungen zeigen,
wobei ich noch bemerken muls, dals mehrere derselben sogar
Krümmungen ihres Körpers während der Bewegung zeigen, eine
Erscheinung, worauf sich die Bewegungen der Oseillatorien und
Spirogyren gründen !). Schwerlich sind wenigstens die Bewe-
gungen einiger Arten von Saamenthierchen viel bedeutender und
freier, wie ich es nennen möchte, als die Bewegungen der Ba-
eillarien und verwandter Geschöpfe, und demnach kann heuti-
ges Tages eine selbstständige Bewegung nicht mehr für die thie-
rische Natur eines Organismus sprechen. Es versteht sich aber
von selbst, dafs man die Saamenthierchen der Pflanzen nicht
für wirkliche Infusorien ansieht, wenn auch Herr Unger die Saa-
menthierchen von Sphagnum capillifolium Ehrh. als Spirillium
bryozoon beschrieben hat, worin ich nur einen Scherz vermuthen
m B
Doch wir kommen wieder zu den Closterien zurück, deren
braune selbstbewegliche Bläschen in ihrer Ausbildung zu jun-
gen Individuen durch Herrn Morren beobachtet wurden; ich
selbst habe dieses noch nicht gesehen, aber wohl sind mir ganz
junge Closterien vorgekommen, welche jedoch schon grünlich
gefärbt waren und in der ganzen Länge ihres Körpers Krüm-
mungen zeigten. Bald bogen sich die geraden krumm, bald wur-
den die zusammengekrümmten wieder gerade, ja auch ‚Sförmige
Krümmungen wareu gar nicht selten, und diese Krümmungen
sind gleich denen der Oscillatorien zu erachten. So wird es
auch erkläslich, dafs man zuweilen ungekrümmte Closterien an-
trifft u. s. w.
1) Die Oscillatorien halte ich für wirkliche Pflanzen, wofür mir
hauptsächlich ihre leicht zu beobachtende Fortpflanzung spricht, wenn-
gleich ihre krümmenden Bewegungen, besonders die an den Spitzen,
welche sich oft regelmäfsig bald rechts, bald links krümmen, auf eine
gewisse thierische Willkühr deuten möchten. 5
432
Besondere Beachtnng verdient noch die Bewegung. klei-
ner Kügelchen in den Closterien, welche eben Herr Gruit-
huisen mit dem Charen-Phänomen verglich. Diese Erschei-.
nung besteht in einer regelmälsigen fortschreitenden Bewegung
kleiner ungefärbter Moleküle, welche unmittelbar an der inne-
ren Fläche der Ränder der Hülle zu beobachten ist. Eine Reihe
dieser Kügelchen bewegen sich z. B. in Fig. 2. von a über 5
nach c, und eine andere Reihe von c über d nach a, ganz wie
es in der Zeichnung durch die Richtung der Pfeile angedeutet
ist. Man sieht gewils nur selten, dals diese Ströme von einzel-
nen laufenden Kügelchen in mehr als einer einfachen Reihe be-
stehen, aber dicht daneben, oder vielmehr dicht darunter be-
merkt man eine Strömnng ähnlicher Kügelehen gerade nach ent-
gegengeseizter Richtung, was ebenfalls in der Abbildung, so weit
ich es habe sehen können, durch Pfeile angegeben ist. Diese
Bewegungen sind hier schwer zu beobachten, und niemals habe
ich den Verlauf bestimmter Kügelehen durch den ganzen Um-
fang des Closteriums verfolgen können, daher kann ich auch
nicht mit Bestimmtheit sagen, ob nicht etwa bei diesen Pflänz-
chen die Strömung der einen Seite an den Enden nach der ande
ren Seite übergeht, so dafs alsdann zwei ganz für sich beste-
hende, aber nach entgegengesetzter Richtung strömende Kreis-
drehungen in jedem Individuum vorkämen, denn ich habe nur
einmal den Uebergang eines solchen Kügelchens aus der ‚Strö-
mung von be nach der anderen Seite verfolgt, und zwar ge-
schah derselbe an der Stelle Z, wo die Richtung des Pfeiles den
Verlauf desselben angiebt. Mir scheint es wahrscheinlicher, dafs
auf jedem der beiden Ränder des Closteriums eine besondere
für sich bestehende Rotations - Strömung stattfindet, dals näm-
lich die fortlaufenden Kügelchen an den Enden einer jeden Seite
umdrehen und wieder bis zum anderen Ende zurücklaufen. Strö-
mungen von Flüssigkeiten finden hier nicht statt, denn davon
kann man sich überzeugen, wenn einzelne der braunen Sporen
aus der Höhle g, den Rändern entlang, neben jenen kreisenden
Kügelchen sich bewegen; obgleich sie in gerader Richtung fort-
laufen, so geschieht diese Bewegung doch zuweilen absatzweise
und mit einer geringen Schnelligkeit, auch können sie hier und
da anhalten und wieder zu ihrem früheren Aufenthaltsorte um-
-
433
kehren, was nicht möglich wäre, wenn sich der Safı bewegte,
worin die Körperchen enthalten sind.
Es liegt auch in dieser Annahme, dafs sich die Saftkügel-
chen aus eigener Thätigkeit in einem regelmälsigen Laufe fort-
bewegen, nichts Unwahrscheinliches mehr, denn wir haben vor-
her kennen gelernt, dafs die braunen Sporen der Closterien aus
ihrer tanzenden Bewegung unmittelbar in eine ganz ähnliche,
nach bestimmter Richtung fortlaufende Bewegung übergehen
können. Das Corti’sche Phänomen bei den Charen und ande-
ren Pflanzen, wo dasselbe ganz in dem Typus erscheint, wie es
bei den Charen stattfindet, wurde bisher auf eine Weise erklärt,
welche mir nicht mehr annehmbar erscheint. Ich war früher
selbst der Meinung, dals sich bei jener Erscheinung der Saft be-
wege, und dals die undurchsichtigen Körperchen in demselben
mechanisch mittreiben, und diese Erklärung reichte früher hin,
um die vorhandenen Erfahrungen zu erklären. Iudessen eine
solche regelmälsige Rotations.Strömung wie bei den Charen, bei
Najas, Vallisneria und Hydrocharis ist nur in sehr wenigen
Pflanzen‘ zu finden, in den meisten Pflanzen dagegen ist eine
Strömung zu beobachten, welehe jener in den Haar-Zellen der
Tradescantien ähnlich ist, oder sich doch auf einen solchen Ty-
pus zurückführen läfst, und diese Bewegungen, welche an den
verschiedenen Zellen einer und derselben Pflanze so überaus
mannigfaltig auftreten, verlangen eine ganz andere Erklärung.
In den wärmsten Tagen des vergangenen Sommers und bei mei-
nem kurzen Aufenthalte in Ober-Italien während einer sehr hei-
fsen Zeit, habe ich dergleichen Rotations-Strömungen in allen von
mir untersuchten vollkommenen Pflanzen, wenigstens doch in
einzelnen Theilen derselben aufgefunden, auch bemerkte ich die-
selbe schon früher im Pollen, uud ich bin jetzt der Meinung,
dafs alle die alten Ansichten, welche bisher über diesen Gegen-
stand herrschten, schwinden müssen, und dals sich die Erkennt-
nils' desselben überhaupt noch in der tiefsten Kindheit befindet,
woran meistens die ältern und schlechtern Mikroskope Schuld
haben. Es läfst sich sehr bestimmt nachweisen, dafs der Zel-
lensaft ruhend ist, und dafs sich darin nur dasjenige strömend
bewegt, was wir wirklich sich bewegend beobachten; eben diese
Strömungen richten sich nicht nach der Richtung der Zellen-
434
wände, sondern sie laufen, oft nach allen Richtungen hin, quer
durch den Raum der Zellenhöhle, und zeigen selbst an den Um-
drehungspunkten die gröfste Veränderlichkeit, so dafs wir in
der sich bewegenden Masse auch das Prinzip der Bewegung su-
chen müssen, und so wird es mir klar, dals ein Zusammenhang
oder gleichsam eine Verwandtschaft zwischen der iMolekülen-
Bewegung der Sporen und der Rotations-Strömung der Saftkü-
geichen in den Closterieu herrscht. Schon bei verschiedenen
Gelegenheiten habe ich eine Molekülen-Bewegung der kleinen
Zellensaft-Kügelchen ganz vollkommen gesunder Pflanzen beob-
achtet, ja auch einzelne der Kügelchen in dieser Bewegung,
während andere in derselben Zelle auf gewisse Strecken eine
regelmälsige Strömung bildeten. Auch innerhalb der grünen
Zellen-Masse einiger jungen gegliederten Conferven, so wie in
den Zellen des Stengels frischer Sphagnum -Pflanzen, habe ich
mehrmals kleine bräunliche, elliptisch geformte Bläschen oder
Kügelchen, ähnlich jenen Closterien-Sporen, in der lebhaftesten
Molekülen- Bewegung beobachtet. ”
Nachträgliche Bemerkung zu J. Müller’s und
Henle’s Aufsatz über die Gattungen der Pla-
. giostomen.
Di: der Name @ymnura (S. 400.) bereits bei den Säugethie-
ren vergeben ist, haben die Verf. den Namen ihrer neuen Rochen-
Gattung in Urogymnus abgeändert. Mehrere neue Genera,
welche von ihnen seit dem Drucke jener Abhandlung entdeckt
sind, werden im folgenden Jahrgange mitgetheilt werden.
Gedruckt bei A. W. Schade.
ARBCHEV
FÜR
NATURGESCHICHTE.
IN VERBINDUNG MIT MEHREREN GELEHRTEN
HERAUSGEGEBEN
von
D». AR. FR. AUG. WIEGMANN,
AUSSERORD. PROFESSOR AN DER FRIEDRICH - WILHELMS - UNIVERSITÄT
3 -ZV-BERLIN.
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DRITTER JAHRGANG.
Zweiter Band.
BERICHT ÜBER DIE LEISTUNGEN IM GEBIETE DER NATUR-
n GESCHICHTE WÄHREND DES JAHRES 1836.
BERLIN, 1837.
IN DER NICOLAT’SGHEN BUCHHANDLUNG.
Inhalt des zweiten Bandes.
Seite
1. Literatur der systematischen Botanik vom Jahre 1836... . . . 1
2. Jahresbericht über die Resultate der Arbeiten im Gebiete der
5. 111 Z. 5 von unten ist durch ein Versehen die Breite und Länge des
Sclaven- Sees angegeben, während der Regensee in 48° 40° nördl. Br.
und 285° 50° östl. Länge von Ferro gelegen ist.
© 8. 155 Z. 5 von unten st. demselben Naturforscher I. Martin.
physiologischen Botanik während des Jahres 1836 von J.Meyen. 16
3. Bericht über die Leistungen im Gebiete der er während
des Jahres 1836 vom Herausgeber. . . . Fan 075)
4. Bericht über die Gr Fake im Gebiete der Hlinelgie \ von
Dr. C. T. v. Siebold.. . . . en . 254
5. Bericht über die TER in der Entomologie während des Jah-
res-1836 von Dr. Erichson... . » . ... . 2. 20.0... 281
} Berichtigungen.
|
|
|
rer Fra" Tr
der
systematischen Botanik von dem Jahre 1836.
1) Handbücher.
H. F. Link, Elementa philosophiae botanicae. Tom.I. c. tab. lithogr.
IV. Editio altera. Berolini 1837. Lateinisch u. deutsch.
J. Lindley, Introduction to Botany. Sec. Edit. with corrections and
considerable additions. London 1836. 8. 1 Vol.
F. V. Raspail, Nouveau Systeme de Physiologie vegetale et de Bo-
tanique, fonde sur les methodes d’observation, qui ont ete developpees
dans le nouveau systeme de chimie organique, accompagne d’un Atlas
de 60 planches d’analyses. Paris 1837. 8. 3 Vol.
F. A. Pouchet, Traite elementaire de botanique appliquee, contenant
la description de toutes les familles vegetales et celles des genres cul-
tives en offrant les plantes remarquables par leur proprietes ou par
leur histoire. Rouen 1835 et 1836. Tom. T, II et III.
@. Moretti, Guida allo studio della fisiologia ‚vegetabile e della bo-
tanica. Pavia 1836. 8. (Fortsetzung.)
Douy, Noureau manuel de botanique traitd elementaire et mäthodique
de physique vegetale, contenant la glossologie, la physiologie, la ta-
xzonomie des vegetaux. Paris 1836. 8.
W.L. Petermann, Handbuch der Gewächskunde, zuın Gebrauche bei
Vorlesungen so wie zum Selbststudium. Leipz. 1836. 8.
M. Roemer, Handbuch der allg. Bot. ete. 3te Abıh, München 1836.
ichter, Anleitung zur Gewächskunde, zunächst für Seminaristen
und Volksschullehrer., Cöln 1836.
E. Winkler, Anfangsgründe der Botanik, zum Gebrauche für Schulen
und zum Selbstunterricht. Zweite umgearbeitete und vermehrte Aufl.
Mit 140 Abbildungen. Leipz. 1836. 12.
"M(otty), Leitfaden der Botanik, und Einleitung über das Nöthige, was
bei Prüfungen in der Naturgeschichte gefordert wird. Leipz. 13936.
Partington’s, Introduction to the Science of Botany. Lond. 1836. 8.
With box and 14 col. plates. |
v. Krassow und Leyde, Lehrbuch der Naturgeschichte. 2ter Theil.
Lehrbuch der Botanik. Berlin 1836.
N, (. Seringe et Guillard, Essai de formules botaniques represen-
II, Jahrg. 2. Band,
? .
tant les caracteres des plantes par des signes analytiques qui rem-
placent les phrases deseriptives; suivi d’un 'vocabulaire ofganogra-
phique et d’une synonymie des organes. Lyon et Paris 1836. 4.
F. A. HA. J. Müller, Tabellarische Uebersicht des Pflanzenreichs, nach
dem natürlichen Pflanzen-Systeme von Jussieu für angehende Me-
dieiner und Pharmaceuten bearbeitet. Stuttgart. 4 Folio-Bogen.
— — — Toabellarische Uebersicht des Pflanzenreichs, nach dem
Linneischen Sexual-System für angehende Medieiner und Pharmaceu-
ten bearbeitet. Stuttgart. 1 grofses Blatt. k
J. N. Friese, Grundrils der Phytegnosie. Innsbruck 1836. ”
H. Mohl, Untersuchung der Frage: welche Autorität soll den Gattungs-
namen der Pflanzen beigegeben werden. Tübingen 1836.
C. A. Rolsmälsler, Ueber die Nothwendigkeit eines Nomenclator ge-
nerum animalium et plantarum. Dresden 1836. (Ein Sendschreiben.)
A. Steinheil, de l’individualite consideree dans le regne vegetal.
Strassbourg 1836.
F. Unger, Ueber das Studium der Botanik: Grätz 1836.
* * Adress of Earl Stanhope, President of the medico-botanical society.
London 1836.
2) Ueber Phanerogamen. -
J. Lindley, A natural System of Botany, or a Systematice view of
the Organisation Natural Affinities and Geographical Distribution
of the whole Vegetable Kingdom, together with the uses of the most
important species in Medicine, the Arts etc. Sec. Edit. wilh nume-
rous additions and corrections and a complete list of Genera with
their Synonyma. London 1836. 8.
J. C. Laudon, Encyclopaedia of plants. Comprising the description
specific Character, Culture, History, Application in the Arts, and
every other desirable particular, respecting all’ the plants indigenous
to, ceultivated in, or introduced into Britain. Sec. Edit. correct. con-
taining nearly 1200 closely-printed pages, and 10,000 Engravings
on wood, from Drawings by Sowerby. London 1836. Erscheint auch
in das Deutsche übertragen von D. Dietrich. Jena 1836. (In Lie-
ferungen.)
Stephan Endlicher, Genera plantarum secundum ordines naturales
disposita. Vindobonae 1836. 8. No. I. p. 1—80.
K. S. Kunth, Enumeratio plantarum hucusque cognitarum secundum
familias naturales dispositarum; characteribus, differentüs et syno-
nymis. Tom. II. Stuttgardiae et Tubingae 1836.
A. P. D. De Candolle, Prodromus systematis naturalis regni vege-
tabilis. Pars V. sistens calycereas et compositarum tribus priores.
Paris 1836. 8.
Ch. @. Nees ab Esenbeck, Systema Laurinarum. Berolini 1836, 8.
44 Bogen.
® 3
»
J. K. B. Pres!, Prodromus Monographiae Lobeliacearum Pragae
1836. 8. Ex. Act. reg. boh. soe. scient. -
Isaac Lea, A Synopsis of the Family of Naiades. Philad, 1836. 8.
J. @. Agardh, Synopsis generis Lupini. Lundae 1835. 8.
C. B. Trinius, Graminum in hisce actis a se editorum generibus et
speciebus supplementa addit — — Mem. de l’Academie Imperiale
des sciences de St. Petersbourg. Tome II. (Extr. de Mem.— Bulletin
scient. p. p l’Acad. Imp. T. I. No. 9.)
— — Species graminum, iconibus et descriptionibüs illustravit. Fasc.
XXIX — XXX.
Bongard, Quatuor plantae Brasilienses novae iconibus ülustratae. —
Bull. scient. publ. p. U’ Acad. Imp. de St. Petersb. T. I. p. 115.
€. B. Trinius, Nouv. considerations sur la construction de la fleur
des Gramindes. — Bullet. scientif. publie par l’Acad. Imperiale des
scienc. de St. Petersb. T. I. No. 3.
Steinheil, Quelques observ. relatives aux genres Scilla et Urginea. —
LD’Institut. No. 196. p. 48.
€. R. v. Trautvetter, Ueber die Weiden des Hortus Hostianus und
der Dendrotheca bohemica. — Linnaea, 1836. p. 570 — 581. h
Th. Vogel, De plantis in expeditione speculatoria Rumanzoffiana, ob-
servatis disserere pergitur. Leguminosae, -adjectis quas Cl. Ehren-
berg in Hispaniola collegit. — Linnaea, 1836. p. 582 — 603.
H. R. Grisebach, Observationes quaedam de Gentianearum familie
characteribus. Diss. inaug. Berolini 1836. 8.
L. Griesselieh, Kleine botanische Schriften. I. Carlsruhe 1836. 8.
Enthalten für systematische Botanik folgende Abhandlungen ; Versuch
einer Statistik der Flora Badens, des Elsasses, Rheinbaierns und des
Cantons Schaffhausen. <— Zur Kenntnifs des Genus Mentha; über
Bastard-Menthen und über eultivirte Menthen. — Beiträge zur nähe-
ren Betrachtung und zur zweck- und zeitgemälsen Verminderung der
Gattungen und Arten. — Zur Diagnose einiger Plantago- Arten, —
Zu den nackten Samen der Labiaten. — Die Stamina der Salvien. —
Notiz über die Anthodial-Blättchen der Compositae.
Soyer-Willeriet, Gnaphalium neglectum, nouvelle espece du groupe
des Filagindes, avec des observations sur les autres especes frangaises
de ce groupe. Nancy 1836. 8.
E. Spach, Organographie des Cistacees. — Ann. d. sc. Nov. p. 257—272.
Ad. Steinheil, Quelques observations relatives aux genres Seilla et
Urginea. — Deuzx genres a etablir dans la famille des Liliacdes et
description d’une espece nouvelle. — Ann. des sc. p. 272— 296.
J. Decaisne, Remarques sur les affinites du genre Helwingia, et
etablissement de la famille des Helwingiacdes. — Ann. des scienc. nat.
II. 1836. p. 65 — 137.
A. Boreau, Description de l’Euphrasia Jaubertiana, nouvelle espece
du sousgenre Odontites. — Ann, des scienc. nat. 1836. II. p.254—256.
1*
4 „ ;
Zeyher, Beschreibung der Orobanche procera Koch. — Flora v. 1836,
p: 17 — 21. ; x
J. N. Buek, Ueber Solanum nigrum und Phaseolus multiflorus. —
Flora von 1836. p. 113 — 114.
Koch, Biasolettia und Hladnikia, zwei neue Gattungen der Dolden-
gewächse. — Flora von 1836. p. 162 — 175.
G. Bentham, Labiatae orientales Herbarii Montbretiani, seu Labia-
tarum species novae vel minus cognitae quas in Syria et Asia minore
collegerunt G. Coquebent-de-Montbret et Auchon- Eloy. — Ann. des
science. nat. II. p. 37 — 56.
W. J. Hooker, Icones plantarum, or figures, with brief Deseriptive
Characters and Remarks of New or Rare Plants, selected from the
Author’s Herbarium. Part. I. London 1836. 8.
E. Spach, Conspectus Monographiae Hypericacearum. — Ann. des
scienc. nat. 1836. I. p. 349 — 369.
E. Spach, Hypericacearum monographiae fragmenta. — Ann. des
science. nat. 1836. I. p. 157 — 176.
Leon Dufour, Notice sur l’Ambrosia maritima L. — Ann. des sciene.
nat. 1836. I. p. 176.
F. E. L. Fischer et C. A. Meyer, Index seminum horti botaniei
Petropolitani 1835.
A. de Saint-Hilaire, Men. sur les Myrsindes, les Sapotees et les
embryons paralleles au plan de l’ombilic. — Ann. des sciene. nat. I.
p. 193 — 225.
P. Duchartre, Observations sur les Saxifraga stellaris L. et Clusiüi
Gouan. — Ann. des seiene. nat. 1836. I. p. 248.
Dupont, Sur les caracteres generiques du Gypsophila Saxifraga. —
Ann. des science. nat. 1836. I. p. 319.
Leon Dufour, Notice sur le Sonchus scorzoneraeformis Lag. (Scor-
zonera pumila Cav. — Ann. des scienc. nat. 1836. I. p. 49.)
J. Decaisne, Bougueria, novum Plantaginiarum genus. — Ann. des
science. nat. 1836. I. p. 132 — 133.
J. C. Schlosser, Diss. inaug. botanica de Papilionuceis in Germania
sponte cerescentibus. Tiecini 1836. 8.
A. P. et Alph. De Candolle, Septieme notice sur les plantes rares
eultivees dans le Jardin de Geneve. — Mem. de la Soc. de Physig.
et d’Hist. nat. de Geneve. 1836.
Guthnick in Bern, Bartsia parviflora n. sp. — Flora v. 1836. p. 767.
A. Bertolonii, Commentarius de Mandragoris. Bononiae 1935. 4.
Zenker, Plantae indicae. Fase. II. 1835.
Gaudichaud, Cissus hydrophora n. sp — Ann. des sciene. nat. 1836.
II. p. 141. , r
J. F. Tausch, Botanische Beobachtungen über einige Aristidae. —
Flora von 1836. p. 505 — 508.
Tauch, Bemerkungen über einige Arten der Gattung Saecharum. —
Flora von 1836. p. 526 — 528.
5
“
F. Herbich, Select. plantarum rarior. Galiciae et Bucowinae. Üer-
novisii 1836.
W. S. Besser, Supplementum ad synopsin Absinthiorum. — Tenta-
men de Abrotanis. Dissertat. de Scriphidiis atque de Dracunculis.
Moscau 1836.
E. Spach, Hist. naturelle des vegetaux phanerogames. T. V. Paris
1836. (Suite @ Bufon.)
G. A. W. Arnott, New Species. of Indian Balsamineae — Hooker’s
Companion ele. I. p. 320 — 325.
Klotzsch, Sida Sellowiana n. sp. — Allg. Gartenzeit. von 1836. p. 9.
— — Olivia Thunbg. eine capische Gattang, — Allg. Gartenzeitung
von 1826. p. 25.
— — Pentagonaster, eine neue Pflanzengattung der De Candolle-
schen Leptospermeen mit freien Staubgeläfsen. — Allg. Gartenzeitung
von 1836. p. 113.
Pfeiffer, Ueber (die Gattungen Lepismium und Rhipsalis. — Allgem.
Gartenzeitung von 1836. p. 185.
— — Beschreibung einiger neuen Cacteen. — Allg. Gartenzeitung
von 1836. p. 257.
Tommasini zu Triest, Mittheilungen über Crocus-Arten. — Flora von
1836. p. 473 — 478.
Ecklon, Encephalartos Lehmanni. — Allg. Gartenz. v. 1836. p. 217.
A. Dietrich, Beschreibung der Ipomoea elegans Nob., eine neue Zier-
pflanze aus Brasilien. — Allg. Gartenzeitung von 1836. p. 313.
F. Otto und A. Dietrich, Ueber eine neue Gattung aus der Familie
der Bromeliaceae. — Allg. Gartenzeitung von 1836. p- 297.
— — Die Begonien, welche im Berliner botanischen Garten eultivirt
werden. — Allg. Gartenzeitung von 1836. p. 345.
— — Beschreibung und Cultur des’Echinocactus phyllacanthus Hort.
Mon. — Allg. Gartenzeitung von 1836. p. 201.
— — Cereus Mallisoni sp. hybr. — Verhandlungen des Garteubau-
Vereins in den Königl. Preufs. Staaten. XII. Bandes 1s Heft. Berlin
1836. p. 131.
Ch. S. Kunth, Distribution methodique de la famille des Graminces.
20me a 30me Livr. Paris 1836.
Ed. Poeppig, Nova genera ac species plantarum c. A. St. Endlicher
deseripsit iconibusque ilustravit. Lips. 1836. Dec. VII — X.
Edwards, Botanical Register or ornamental or Flower-Garden
and shrubbery. Contin. by J. Lindley. London 1836.
Catalogue methodique des plantes du jardin botanique de la faculte de
medecine de Strasbourg. 1836. 8.
Curtis and Hooker, Botanical Magazine ur Flower-Garden dis-
played. London 1836.
B. Maund, The Botanical Garden or Magazine of Handy Flower
Plants ceultivated in Great Britain. London 1836.
9 u
R. Sweet, The British Flower-Garden and ornamental shubbery.
London 1836.
W. Baxter, British Flowering plants. London 1836.
Alb. Dietrich, Flora Regni Borussici. 4v Bd. Berlin 1836.
C. Dewey, Carieography. Ar continuation of the appendix to the
above gentleman’s paper on the North- American carices. Silliman’s
American Journal of Sciene. ete. Vol. XXIX. 1836. p. 245.
G. Bentham, Synopsis of the Gerardieae, a tribe of Serophularia-
ceae. — Hooker’s Cbmpanion ete. I. p. 198 — 212. — Ann. des science.
nat. 1836. II. p. 225 — 242.
— — Synopsis of the Buchnereae, a tribe of Scrophulariaceae. —
Hooker’s Companion ete. I. p. 356 — 389.
Ch. €. Babington, Botanical Notes. — Jardine’s and Selby's Ma-
gazine of Zool. and Botany. No. II. p. 136 — 141.
Boreau, Sur le Lythrum alternifolium. p. 287.
J. F. Tausch, Botanische Beobachtungen. — Flora von 1836. p. 385
— 397. p. 401 — 414. p. 417 — 427.
D. F. L. de Schlechtendal, Plantarum novarum et minus cogni-
tarum adumbrationes. — Linnaea 1836. p. 473 — 480.
3) In Bezug auf besondere Floren.
F. Nees ab Esenbeck, Genera plantarum florae germanicae. Fasc.
VH — XI. Bonnae 1836.
J. Müller, Systemat. Verz. der in der Umgegend Aachens wildwach-
senden phanerogamischen Pflanzen, zum Gebrauch der Schüler etc.
Auch unter dem Titel: "Prodromus der phanerogamischen Flora von
Aachen. Aachen und Leipzig 1836. j
J. F. Curie, Anleitung, die im mitilern und nördlichen Deutschiand
wachsenden Pflanzen auf eine leichte und sichere Weise durch eigene
Untersuchung zu bestimmen. Kittlitz 1835. 8.
D. J. Koch, Synopsis Florae Germanicae et Helvetiae. Sect. prim.
Francofurti ad Moenum 1836.
J. Bluff et A. Fingerhuth, Compendium Florae Germanicae. Sect.
I. T. I. Edit. sec., curantibus .J. Bluff, C. @. Nees ab Esenbeck et
C. Schauer. Norimbergae 1836.
C. F. W. Meyer, Chloris Hanoverana, oder nach den natürlichen Fa-
milien geordnete Uebersicht der im Königreiche Hannover wildwach-
senden sichtbar blühenden Gewächse und Farrn, nebst einer Zusam-
menstellung derselben nach ihrer Benutzung im Haushalte, in den
landwirthschaftlichen Gewerben und in den Künsten. Göttingen 1836.
J. W. Meigen, Deutschlands Flora, oder systematische Beschreibung
der in Deutschland wildwachsenden, und im Freien angebaut werden-
den Pflanzen. I. Essen 1836. 8.
L. Reichenbach, Kupfersammlung zum praktischen deutschen Bota-
uisirbuche. Erste Lieferang mit 12 Kupfertafeln. Leipzig 1836.
7
Grabowski, Nachträge zu dem „systematischen Verzeichnisse aller in
Mähren und in dem K. K. östreich. Antheil Schlesiens wildwachsen-
den, bis jetzt entdeckten phanerogamen Pflanzen von Robrer u. Mayer.“
Flora von 1836. p. 369 — 375.
Böckeler, Bemerkungen über einige seltnere Pflanzen, welche im Ol-
denburgischen an der Küste der Nordsee vorkommen. Flora v. 1836.
p- 353 — 366. %
Suffrian, Beitrag zur genauern Kenntnifs der Flora von Dortmund. —
Flora von 1836. p. 305 — 316., 321 — 326.
Graf, Einige Bemerkungen über den um Laibach wachsenden Crocus
vernus. — Flora von 1836. p. 239 — 291.
F. €. L. Spenner, „Deutschlands phanerogamische Pflanzengaltungen
in analytischen Bestimmungstabellen, nach dem nätütlichen n. Linnei-
schen Systeme. Mit einem lateinischen u. deutschen terminologischen
Wörterbuche. Freiburg 1836.
L. Rabenhorst, Specielle Uebersicht, der in der Niederlausitz, insbe-
sonders in der westlichen, wildwachsenden und häufig kultivirten Pllan-
zen. Linnaea 1836. p. 19.
J. C. Tausch, Ueber zwei bisher unbeschriebene, schon längst aufge-
fündene deutsche Alpenpflanzen. (Rhizobotrya n. gen. und Rhododen-
dron intermedium n. sp.) — Flora von 1836. p. 33 — 37.
Grielselich, Botanische Notizen (betreffend deutsche Pflanzen). —
Flora von 1837. p. 37 — 47.
J. Gaudin, Synopsis Florae helveticae. Opus posthumum, continuu-
tum et editum a J. P. Monnard. Turini 1836.
H. C. van Hall, Observationes circa floram batavam. — Linnaea
1836. p. 460 — 465.
J. E. Areschong, Plantae Cotyledoneae Florae Gothoburgensis, quas,
secundum familiarum naturalium ordinem Frisianum, disposuit at-
que descripsit. Lundae 1836. 8.
R. Deaken and R. Marnock, Florigraphia britannica or engravings
and description of the flowering plants and feras of Britain.
D. Cooper, Nora metropolitana ; or Botanical Rambles within Thirty
Miles of London etc. London 1836. 12.
W. Rhind, The morthern Ilora ; or a Description of the Wild Rants
belonging to the North and East of Scotland; with an Account of
their Places of Growth and properties. Part, I. Edinb. 1836. 8.
R. de Visiani, IJcones plantarum quarundam Aegypti ac Nubiae.
Padua 1836. .
E. Meyer, Commentariorum de plantis africae australis, quas per
octo annos collegit observationibusque manuscriptis illustravit, J. P.
Drege. Vol, I. Fase, I. Lipsiae 1835. 8.
Ch. P. Ecklon et €. Zeyher, Enumeratio plantarum Africae au-
stralis extratropicae etc. Pars IJ. Hamburgi 1836.
2
8
G. Fresenius, Beiträge zur Flora von Abyssinien. Museum Sencken-
burgianum. Frankf. a. M. 1836. Bd. II. Heft I. p, 103.
W. Jack, Description of Malayan ptants. — Hooker’s Companion. ete.
I. p. 121 — 157, 253 — 272.
A. Colla, Plantue rariores in regionibus chilensibus a Berthero nuper
detectae. Fasc. IV et V. 4. Torino 1835.
Wight and Arnott, Illustrations of Indian Botany. — Hooker’s
Companion ete. I. p. 20, 38, 81, 117, 161, 218, 226, 304.
C. L. Blume, Rumphia, sive Commentationes Botanicae, imprimis de
plantis Indiae orientalis, tum penitus incognitis, tum quae, in libris
Rheedii, Rumphü, Roxburghiü, Wallichii, aliorum recensentur,
J. Hooker, Contributions towards a Flora of Van Diemen's Land. —
Hooker’s Companion etc. I. p. 272 — 277.
W. J. Hooker and W. Arnott, Contributions towards a Flora of
South America and the Islands of the Pacific. — Hooker’s Compan.
etc. I. p. 29 — 38, 102 — 110, 234 — 244.
J. B. A. Guillemin, Zyphyritis Taitensis. — Enumeration des plan-
tes decouvertes par des voyageurs, dans les Iles de la Societe, prin-
cipalement dans celle de Taite.— Ann. des scienc. nat. 11.1336. p.297.
Hooker, Notice concerning Mr, Drummond's Collections made chiefly
in the southern and western plants of the United States. — Compan.
etc. I. p. 21— 26, 39 — 49, 95 — 100, 170.
Nuttall, A Catalogue of a Collections of Plants; made chiefly in
the Valleys of the Rocky Mountains or Northern Andes, towards the
sources of the Columbia River, by Mr. N. B. Wyeth. — Journal of
the Acad. Natur. Seiene. of Philadelphia. Vol. VII.
— — Description of some of the rarer or little known plants in-
digenous to the United States, from the dried specimens in the Her-
barium of that Academy. — Ebendas.
A. Zawadzki, Flora der Stadt Lemberg, oder Beschreibung der um
Lemberg wildwachsenden Pflanzen, nach ihrer Blüthezeit geordnet.
Lemberg 1836.
E. Frivaldski, Succinctae diagnoses specierum plantarum novarum
anno 1835 in Tauria europaea collectarum. — Flora von 1836. p.
433 — 440.
Chr. Metsch, Verzeichnifs der selteneren, in den Umgebungen von
Suhl wildwachsenden, phanerogamischen Pflanzen, als Beitrag zur
Kenntnifs der Flora des Thüringer Waldes. — Flora von 1836. Bei-
blätter 2r Bd. p. 28 — 58.
*** Florae moldavicae species ac genera hucusque exceursionihus ex-
plorata ac secundum Linnaei systema ordinata. Maji 1836. — Flora
von 1836. Beiblätter 2r Bd. p. 58 — 74.
Cesati, Sulle Ombrellate della Germania e dell’ Italia Boreale coll’
aggiunta di aleune nuove specie, recala dalla Grecia. — Biblioteca
Italiana 1835. Fase, di Giugno.
Bertolonii, Flora Italica. Tom. II. Fasc. 3— 5.
Moretti, sulla flora Italiana del Prof. Bertoloni. — Biblioteca Htal.
1836. Fasc. di Aprile.
G. Conolli, Flora Comense disposita secondo il sistema di Linneo,
Tom. I. II. Como 1835. in 18.
A. Colla, Herbarium Pedemontanum. Augustae Taurinorum 1836.
Vol. V. 8.
A. de Brebisson, Flore de la Normandie. Premiere partie. Phane-
rogamie. Caen 1836. 18.
J. Kirschleger, Prodrome de la flore d’Alsace. Strasbourg 1836.
12. 252 pag.
F. V. Merat, Flore des environs de Paris, suivant la methode na-
turelle Ame Edit. 2 Vol.
J. J. Serres, Flore abregee de Toulouse. 8.
A. Mutel, Flore frangaise, ete. Tom. II. et III. av. atlas in 8. obl.
R. P. Lesson, Flore Rochefortine, ow Description des Plantes qui
eroissent spontanement ou qui sont naluralisces aux environs de la
ville de Rochefort. Rochefort 1836. 8.
Bautier, Tableau analytique de la flore Parisienne d’apres la me-
thode adoptee dans la flore frangaise de MM. de Lamarck et De
Candolle. 3me edition. Paris 1836. 18.
J. S. Henslow, A Catalogue of British Plants, arranged according
to the Natural System, with the Synonyms of De Kia Smith,
Lindley and Hooker. Sec. edit. 12mo. 1836.
Catalogue of British Plants, Printed for the Botanical Socty of
Edinburgh. Edinb. 1836.
— . — Enumeration of Species and Varieties of Plants which have
been deemed British, bat whose indigenousness to Britain is conside-
red to be questionable. Loudon ete. Mag. Jan. — April 1836. p. 88.
Bromfield’s Notice of Habitats of some rare British Plants. Lou-
don The Magazine 1836. p. 85.
J. Holandre, Supplement a la flore de la Moselle, contenant les plan-
tes decouvertes depuis 1829 jusqu'au 31 Dec. 1835. Metz, chez Thiel. 18.
J. Lindley, Synopsis of the British Flora arranged according to the
natural orders. Sec. Edit. with numerous additions and improve-
ments. 12mo.
J. T. Mackay, Flora Hibernica ; comprising the Plants, Ferns, Li-
chens ete. of Ireland. Arranged according to the natural System.
Dublin 1836. y
J. Hooker and M. J. Berkeley, The English Flora. Vol. I. Part.
II. 1836.
— — Öbservations on British plants. Compan. ete. I. p. 188—194.
Graham, List of new and rare plants which have lately flowered in
the neighbourhoud of Edinburgh, chiefly in the Royal Botanie Garden
The Edinb. new philos. Journal 1836. Vol. XX. Part. II. p. 412.
10
J. Woods, Botanical excursion in the north of England. — Hoo-
ker’s Companion ete. I. p. 288 — 298.
H. C. Watson, Remarks on the Botany of Britain, as illustrated
in Murray’s Encyelopaedia of Geography. — Hooker’s Companion
etc. I. p. 228 — 234.
4) Ueber Cryptogamen.
Ch. G. Nees v. Esenbeek, Erinnerungen aus dem Riesengebirge
2tes Bdehn. Auch unter dem Titel: Naturgeschichte der europäischen
Lebermoose, mit besonderer Beziehung auf Schlesien und die Oert-
lichkeiten des Riesengebirges. Berlin 1836. 8.
J. @. Agardh, Novitiae florae Sueciae ex Algarum familia, quas in
itineribus ad, oras occidentales Sueciae annis 1832 — 35 eollegit cum
observationibus diagnosticis et geographie. etc.
J. K. B. Presl, Beschreibungen zweier neuer böhmischen Arten der
Gattung Asplenium. Prag 1836. 8. Ex Act. reg. boh. soe. scient.'
G. Opatowski, Commentatio historico-naturalis de familia fungorum
Boletoideorum. Diss. inaug. Berolini 1836. 8. (Enthalten in diesem
Archiv von 1836. I. p. 1.)
A. J. C. Corda, Essai sur ‚les Oscillatoires des thermes de Carlsbad
(Tire de I’Almanach de Carlsbad de 1836.) Pragae 1836. 12.
C. B. Presl, Tentamen Pteridographiae seu gerera filicacearum prae-
sertim juxta venarum decursum et distributionem exposita. 8. (Ex
actis reg. Bohemicae Soc. Scient.) Cum Tab. XII. fol. Prag. 1836.
C.@. Nees ab Esenbeck et C. Montagne, Jungermanniearum Her-
barii Montagneani species. — Ann. des scienc. nat. 1836. I. p.52—72.
Ch. Morren, Memoire sur les Closteries. — Ann. des science. nat. I.
1836. p. 257 — 280. et p. 321 — 336.
c. Montagne, Notice sur les plantes cryptogames recemment decou-
vertes en France, contenant aussi l’indication preeise des localites de
quelques especes les plus rares de la flore frangaise. — Ann. des
science. nat. 1836. I. p. 280 — 290. 337 — 348. II. p. 28 — 36.
v. Martens et Hering zu Stuttgart, Amansia jungermannioides Flo-
ridiarum n..sp. — Flora von 1836. p. 491.
J. B. H. J. Desmazieres, Notice sur quelques Cryptogames nou-
velles qui ont ete publiees, en nature, dans les fascieules NIV —
XVII. des plantes eryptogames de France. (So eben erscheint eine
neue Ausgabe dieser Pflanzen-Sammlung.) — Ann. des science. nat.
1836. II, p. 242 — 247.
G. Kunze, Acotyledonearum Africae australioris recensio nova. I.
Filices. — Linnaea 1836. p. 481 — 510. Halae 1836.
4A. L. A. Fee, Monographie du genre Paulia. Famille des Lichens
trib. des Endocarpees. — Linnaea 1836. p. 466 — 472.
J. Balsamo-Crivelli, Aufstellung von zwei neuen Arlen Mucedineen,
-
18
Botrytis Bassiana und Mucor radicans. Uebersetzt aus dem Ital.
von V. Cesati. — Linnaea 1836. p. 609.
De Notaris, Mantissa Muscorum ad floram pedemontanam. Turin
1536. 8. ) ?
v. Flatow, Reisebericht über eine Excursion nach einem Theile des
südöstlichen Rieseugebirges, unternommen von dem Präsidenten Nees
v. Esenbeck und dem Najor v. Flotow. — Flora von 1836. Beiblätter
p- 1-60. Enthält die Beschreibung vieler neuer Cryptogamen.
G. 6. J. Homann, Flora von Pommern u.s. w.. 3r u. letzter Band.
Cöslin. 1836.
J. Henderson, ÖObservations on the Germination of Ferns. — Jar-
dine’s and Selby’s Magazine of Zool. and Botany. No. II.p. 333.
Thompson, On the Irish Algae. — Loudon The Mag.ete. 1836. p. 147.
€. Montagne, Prodromus florae Fernandesianae. Pars prima, sistens
enumerationem plantarum cellularium in Iasula Juan Fernandez a
A. Bertero eollectarum. — Ann. d. sc. nat. 1835. II. p. (Cont.p.99.)
Weinmann, Hymeno- et Gasteromycetes hueusque in imperio rossico
observatos recensuit. — Pars Prodromi florae Rossicae. Petrop.1836. 8.
J. N. v. Suhr, Beiträge zur Algenkunde. — Flora v. 1836. p. 337—350.
W. P. Schimper, Muscorum chilensium species novas descripsit. —
Ann. des sciene. nat. 1856. II. p. 145.
Trog ia Thun, Verzeichnils der in der Gegend von Thun vorkommen-
menden Schwämme, — Flora von 1836. p. 225— 240, p. 211—256,
p- 259 — 268. £
J. V. Krombholz, Naturgetreue Abbildungen und Beschreibungen der
efsbaren, schädlichen und verdächtigen Schwämme. 4s u. 5s Heft. fol.
Prag 1836.
Agardh, Icones Algarum Europaearum. Livr. IV. Lpz. 1836.
Valentin, Hygrocroeis intestinalis, eine auf der lebendigen nnd unge-
stört functionirenden Schleimhaut des Darmkanales vegetirende Con-
ferve. — Repertorium für Anatomie und Physiologie. Berl. 1836 u. 37/
p. 110 — 114.
M. J. Berkeley, Notices of British Fungi. — W.,Jardine, The Ma-
gazine of Zoology and Botany. London 1836.
Schärer, Lichenum helveticorum spieilegium. Sect, VI et VII.
J. E. Duby, Notices sur quelques Cryptogames nouvelles des environs
de Bahia. 8.
v. Schlechtendal, Ueber ein deutsches Equisetum. — Flora v. 1836.
p- 273 — 286.
5) Für angewendete Botanik.
A. Rullmann, Die Gift-Pflanzen und Gift-Schwänme Deutschlands,
mebst Abbildung und Beschreibung eines tollen Hundes u.s.w. Cassel
1837. 8.
3. G. Fischer, Die schädlichen Gift-Pflanzen Deutschlands. Nach der
”
12
Natur auf eine Wandtafel (in 6 Blatt) gezeichnet von K. W. Hein-
rich, und zum Gebrauche in Elementar-Schulen. Breslau 1836. 8.
G. Spratt, The medico-botanical Pocket book. London 1836. 8.
J. de Fontanelle et Mr. Barthez, Nouveau Dict. de botanique me-
dicale et pharmaceutique contenant la description et les proprietes
medicinales des vegetaux, des animaux et des mineraux. Par une
societe de medecins, de pharmaciens .et de naturalistes, sous la di-
rection de M. Paris 1836. 2 Vol. 8.
E. A. Duchesne, Repertoire des plantes utiles et des plantes vene-
neuses du globe, contenant la synonymie latine et firangaise des plan-
tes etc. „Paris 1836. 8.
Delle Chiaje, Flora medica, oss. Descriz. delle piante piüu usate
nella farmacopea nepoletana. Neapel 1836. 2 B.
A. Jacobovies, Elenchus plantarum‘ officinalium Hungariae indige-
narum phanerogamarum. Diss. bot. Pestini, 1835. 8.
Alb. Dietrich, Handbuch der pharmaceutischen Botanik. Ein Leit-
faden zu Vorlesungen und zum Selbststudiam. Berlin 1837. 8.
Kosteletzki, Medizinisch-pharmaceutische Flora für Aerzte, u. s. w.
ter, 6ter und letzter Band. Prag 1836. s
A. Henry, Die Gift-Pflanzen Deutschlands, zum Schulgebrauch und
Selbstunterricht, durch Abbildungen und Beschreibungen erläutert.
Bonn 1836. 8.
J. C. Zenker, Merkantilische Waarenkurde oder Naturgeschichte. Bd.
ll. 1s Heft. Jena 1835. 4.
J. H. Dierbach, Grundrifs der allgemeinen ökonomisch-technischen
Botanik,! oder systematische Beschreibung der nutzbarsten Gewächse
aller Himmelsstriche. Ein Handbuch für alle Freunde des Pflanzen-
reichs. I. Heiselberg u. Leipzig 1836. 8.
F. Gr. v. Berchtold und W. B. Seidl, ükansmmisch ‚technische Flora
Böhmens. I. Bandes 1. Abtlı. Prag 1836.
F. Guimpel und y. Schlechtendal, Abbildungen und Beschreibun-
gen aller in der Pharmacopoea Borussica aulgeführten Gewächse.
Berlin bei Oehmigke. 1837. HI. 11s, 12s, 13s u. 14s Helft.
Over un nieuen Lackmoes-mos (Roccella gracilis) van het Eiland Bo-
naine, en.deszelfs nuttigheid voor het fabrykwezen. Dorr A. H.
van der Boon Mesch. — Tijdschrift ter bevordening van Nijverheld.
1835. 3 No.
J. Renard, Hist. naturelle chimique et medicale du Lichen d’Islande.
Paris. 8.
C. Nickels, Cultur, Benennung und Beschreibung der Rosen. Ein
Hülfsbuch, aus welchem man ersehen kann, wie eine Rose heilst, u,
8. w. Prefsburg 1836. 8. 1s u. 2s Heft.
Arnz et Comp., Sammlung ‘der neuesten und schönsten, aus Frauk-
reich, England, Belgien-und Deutschland bezogenen, in unserm Garten
13
eultivirten, nach der Natur gezeichneten und colorirten Rosen. Ite
bis Illte Lief. 8. Mit 10 Steintafeln. Düsseldorf.
Th. Ed. Nietner, Ueber das Verpflanzen von bereits starken und
älter gewordenen Bäumen und Sträuchern u. s.w. Allg. Gartenzeit.
von Otto u. Dietrich, von 1836. p. 1.
C. Ritter, Schlüssel zur praktischen Gartenbaukunst, ‘oder gemein-
schaftliche Lehre von der Anlegung und Umgestaltung kleiner Haus-
gärten nach bestehenden Originalen. Mit 11 Plänen und genauer Be-
schreibung. Stuttgart 1836.
Krause und Schenk, Abbildung und Beschreibung aller bis jetzt be-
kannten Getreidearten, mit Angabe,ihrer Cultur und Nutzen u. s. w.
3les Heft. Jena 1836.
€. J. Fintelmann, Praktische Anweisung zur Fruchttreiberei. Nach
20jähriger Erfahrung für Lehrer und Zöglinge der Gärtnerei und Gar-
tenfreunde bearbeitet. Potsdam 1836. 8.
F. G. Dietrich, Neuer Nachtrag zum vollständigen Lexicon der Gärt-
nerei und Botanik, ete. Öter u. 6ter Band. Ulm 1836,
F. L. Kreisig, Ueber die Cultur der lilienartigen Zwiebel- u. Pracht-
gewächse, welche zur Familie der Amaryllideen gehören. — Allgem.
Gartenzeitung von 1836. p 161 etc.
Liegel in Braunau, Kurze Geschichte des Pflaumenbaumes. — Flora
von 1836. p. 497 — 505.
— — Botanische und pomologische Charakteristik und Classification
des Pflaumenbaumes. — Flora.von 1836. p. 561.
Dietionnaire universel de botanique agricole, industrielle, medi-
cale et usuelle, comprenant toute les plantes veneneusgs et les cham-
pignons deleteres et comestibles. Par P. Vavasseur, P. L. Cottereau
et A. Gillet. Tom. I. Paris. 4.
Matihieu Bonafous, Hist. naturelle, \agricole et economique du
Mais. Paris et Turin 1836. fol. cum tab. XIX.
A. Delile, Essai d'acelimatations a Montpellier, et Melanges d’ob-
seroutions. — Extr. du Bulletin de la Societe d’ Agriculture du De-
partement de l’Herault. N. d’Aoüt 1936 et suivans, 8.
Collection de jolies petites fleurs choisies parmi les plus gracieuses
productions en ce genre, tant en Europe que dans les autres parties
du monde; publice par E. Leconte, d’apres les dessins, et graves
sous la direction de P. J. Redoute, 6me Lirr. 4.
Letter from N. B. Ward, to Dr. Hovker, on the subject of this im-
proved method of transporting living plants. — Hooker's Compan.
ete. I. p. 317.
A. Poiteau et P. Turpin, Traite des arbres fructiers, par Duhamel
du Monceau ; nourelle edition ete, T2me et derniere Livr. Paris 1836.
Ad. Brongniart, Hist. des vegetaux fossiles, ou Recherches botani-
ques et geologiques sur les vegetaux renfermes dans les diverses
couches du glohe. Paris 1836. 1Ome Lior. 4.
14. >
H. R. Göppert, Die fossilen Farmnkräuter. — Novorum Aector. Acad.
C. L. C. Naturae Curiosorum. Vol. XVII. Supplementum. Cum tab.
Lthograph. XLIV. 4.
Merian, Flore fossile des environs de Büle. — Bericht über die Ver-
handlungen der naturforschenden Gesellschaft in Basel, vom Angust
1834 bis Juli 1835. I. Basel 1835. 8.
J. Lindley and W. Hutton, The fossil flora of Great Britain; in
figures and descriptions of the Vegetable remains found in a fossil
state in this country. London 1856.
H. B. Göppert, Ueber den Zustand, in welchen sich die fossilen Pflan-
zen befinden, und über den Versteinerungsprocels insbesondere. —
Poggendorff’s Annalen der Physik 1836. p. 561 — 573.
6) Geschichtliche Botanik.
E. Meyer, Albertus Magnus. Ein Beitrag zur Geschichte der Botanik
im 13ten Jahrhundert. — Linnaea von 1836. p. 641 — 741.
F. J. v. Mezler, Franz Xaver Mezler’s Leben und Wirken. Prag 1836.
©. F. Ph. v. Martius, Dankrede auf Franz v. Paula v. Schrank. Min-
chen 1836.
7) Pflanzen-Sammlungen.
M. Heuffel und Ch. M. Wierzbicki, Banater- und Siebenbürger-
Pflanzen. Fasc. VII—X. x
F. Tausch, Dendrotheca Exotico-Bohemica. Faäsc. IV. (Auch sind
noch vorräthige Exemplare von den bereits geschlossenen Herbarien
des Hrn. Tausch zu haben.)
Angelis, Herbarium vivum plantarum styriacarum. Cent., prima.
S. Garovaglio, i Muschi dell’ Austria inferiore racolti e publicati
del. Dec. I— III. Milano.
— — ii Muschi rari della Provincia diComo. Dec. I—IIl. Milano.
Schürer, Lichenes helvetiei exsiccati. Heft XI u. XII.
Fr. Kützing, Algarum aquae duleis. Dec. XIIT — XVI.
No& in Fiume, Istrianische Gewächse in Centurien.
J. W. P. Hübener und €. F. F. Genth, Deutschlands Lebermoose
in getrockneten Exemplaren. Ite u. Ilte Lief. Mainz 1836.
H. Ch. Funck, Cryptogamische Gewächse, besonders des Fichtelgebir-
ges. 39s Heft. Leipzig 1836.
E. Frivaldszki, v. Frivald. Centuria 1} seu spec. 150 plantarum
exsiccatarum anno 1334 in Tureia-europaea collectarum.
Bartling et Hampe, Vegetabilia cellularia in Germania septentrio-
nali, praesertim in Hercynia et in agro Goettingensi lecta. (4 Helte
Fortsetzung erschienen.)
+ Asa Gray, Specimen illustrative of the Grasses and Cyperaceae of
North-America. 1835. 2 Vol.
15
Bohler's Lichenes Britannici, published by @. Ridge, Sheffield. Fase. I.
Gardener's Musci Britanmei.
Mary Wgatt, Algae Danmonienses. 3nd Vol. principally coll. in
Devonshire.
M. J. Berkeley, British Fungi, consisting of deind specimens of the
spevies described in Vol. V. P. II. of the English Flora. London 1836.
Fase. I et II.
Herbier de Plantes medicales indigenes avec texte, publie par M. Alph.
Dalmenesche. In fol. de 60 fewilles. — Dies Herbarium besteht aus
120 Pflanzen in 20 Lieferungen. Jedem Bogen ist die beschriebene
Pflanze aufgeklebt.
Neraer.hee tur are.
In der uns jüngst zugekommenen:
Naturhistorisk Tidsskrift udgivet af Henrik Kröyer. Heft 1—4.
Kiöbenhavn 1837. 8.
finden sich folgende botanische Aufsätze:
J. W. Hornemann, über die Flora danica S. 105.
| Botanische Beiträge von S. Drejer, S. 217.
Lebensbeschreibung des Dr. Carey, Stifter des bot. Gartens in
| Serampore von Voigt, S. 233.
| Drejer, Bemerkungen über die Gattung Polygonum. S. 345. —
Notiz über Stellaria graminea. S. 350.
Botanische Notizen von Blytt, Lector in Christiania.
Anm. Eine kurze Inhalts- Anzeige dieser sämmtlich in dänischer Spra-
che geschriebenen Abhandlungen soll gelegentlich in diesem Archive mitge-
theilt werden.
„ Herausgeber.
Bi.\e rs 1, Gicht,
über die
Resultate der Arbeiten im Gebiete der physiologischen
Botanik
während des Jahres 1836;
von
J.3 Mozer \yirtein.
E; ist sehr erfreulich zu sehen, wie sich auch im vergangenen
Jahre nicht nur die Zahl der erschienenen Schriften im Gebiele
der Botanik vermehrt hat, sondern auch die Resultate der Ar-
beiten von Jahr zu Jahr immer grölser und wichtiger werden.
Aufserordentlich reiche Ausbeute hat die systematische Botanik
im vergangenen Jahre erhalten; denn eine ganze Reihe der wich-
tigsten Werke sind, sowol über Phanerogamen als über Cryptoga-
men erschienen; aber auch die Physiologie der Plianzen ist durch
eine grolse Summe neuer Thatsachen bereichert worden, und über,
viele, bisher minder richtig aufgefalste Gegenstände, sind in den
‚zahlreich erschienenen Schriften richligere Ansichten verbreilet.
Ja die Menge der Werke, welche über physiologisehe, Gegen-
stände der Botanik im vergangenen Jahre eıschienen, is so zrofs,
dafs es auf dem kleinen, hierzu vergönuten Raume, nicht mög-
lich ist, in den Inhalt derselben vollständig einzugehen, und am
schwierigsten ist dieses in Bezug auf den reichen Inhalt eini-
ger der erschienenen Handbücher auszuführen.
Manche Gegenstände der Pflanzen-Physiologie, über welche
in den früheren Berichten sehr ausführlich gehandelt worden ist,
werden auch in dem vorliegenden wieder genauer erörtert wer-
den müssen; es könnte dieses vielleicht überflüssig erscheinen,
doch das Ziel, welches Referent durch diese mühsamen Berichte
zu erlangen strebt, ist: eine Einheit in den Ansichten und eine
Ue-
17
Uebereinstimmung in den Beobachtungen und den Lehren von
dem Baue und den Verriehtungen der Pflanzen zu bewirken,
damit diese Wissenschaft endlich zu der Würde gelange, dals sie
sich der Physiologie der Thiere zur Seite stellen könne.
Bedeutend ist der Verlust, welchen der Kreis der Botaniker
im vergangenen Jahre erlitlen hat, Schrank, Persoon, Jus-
sieu und Schrader sind nicht mehr in ihrer Milte; ihre Lei-
stungen sind bekannt und werden lange in der Gesebichte un-
serer Wissenschaft glänzen.
Seit dem Erscheinen dieses Archivs sind in Deutschland
und Frankreich mehrere Jahresberichte erschienen, deren Inhalt
mehr oder weniger mit dem unserigen Aehnlichkeit hat. Herrn
Wickström’s Jahresberichte über die Fortschritte der Botanik
können, wegen der geographischen Lage Schwedens, immer nur
sehr spät zu uns gelangen, und auch nie so vollständig werden,
als wären sie im Innern des Continents bearbeitet; um diese
Mängel abzuhelfen, hat Hr. Beilschmied unlernommen, jene
Berichte in das Deutsche zu übertragen, und sie zugleich mit
der noch fehlenden neuesten Literatur zu bereichern. So haben
wir im vergangenen Jahre den Wickström’schen Bericht vom‘
Jahre 1834 erhalten '). Von den Archives des Decouvertes et
inventions nowvelles, faites dans les sciences, les Arts et les Ma-
nufactures tant en France que dans les Pays elrangers pendant
Vannee 1835 ?) ist der zweite Jahrgang erschienen, und Hr. Va-
lentin zu Bern hat eine kritische Darstellung der Resultate der
vorzüglichsten physiologischen Leistungen, welche dem Jahre
1835 angehören ?), gegeben, daher es an Concurrenz auch in
diesen Arbeiten nicht mehr fehlt, und es wäre nur zu wünschen,
dafs nicht noch Berichte aus Jahresberichten gemacht würden.
Der Verfasser des vorliegenden Berichtes wird seine Arbeit auch
künftig fortsetzen, und wenn die Umstände es erlauben, auch
auf die systematische Botanik ausdehnen.
* 4) Uebersetzt und mit Zusätzen und Registern versehen von ©. T.
Beilschmied. Breslau 1836.
2) Paris 1836. 8. (Ein höchst dürftiiges Machwerk. Herausg.)
3) S. Valentin’s Repertorium für Anatomie und Physiologie. Kri-
tische Darstellung fremder und Ergebnisse eigener Forschung. Berlin
1837. Ir Bd. p. 1— 77.
>
II. Jahrg: 2. Band, “
18
So erwünscht es den Wissenschaften ist, dafs gegenwärtig
die meisten gelehrten Gesellschaften mehr oder weniger ausführ-
liche Berichte über die Arbeiten ihrer Mitglieder erscheinen las-
sen, so ist doch zu bemerken, dals die kurzen Berichte über den
Inhalt einzelner Abhandlungen, welche in den Sitzungen der Ge-
sellschaften gelesen wurden, oft mehrmals gedruckt erscheinen,
bis endlich, oft sehr lange Zeit nachher, jene Vorträge vollstän-
dig herausgegeben werden. Da diese kurzen Berichte aber oft-
mals sehr unvollständige Darstellungen geben, so hat es Referent
zuweilen für nöthig gefunden, erst das Erscheinen der Original-
Abhandlung abzuwarten.
Ueber Symmetrie, Rangordnung und Charakteristik
der Natur der Pflanzen.
Die neue Ausgabe der Elementa philosophiae botanicae des
Hrn. Link, welche im vergangenen Jahre erschienen ist, be-
ginnt mit der Bemerkung, dafs die natürlichen Körper, wenn
sie sich in einem vollkommenen Zustande befinden, eine mehr
oder weniger symmetrische Gestalt haben. Später (p. 30.) wird
der Beweis geführt, dafs die ganzen Pflanzen oder ihre Theile
symmetrisch sind, doch von der genauen Symmetrie etwas ab-
weichen. Die Pflanze ist ein zusammengesetzter organischer
Körper; jeder einzelne Theil ist fast vollkommen symmetrisch,
die Zusammensetzung oftmals nicht, denn viele äulsere Zufälle
verhindern oder befördern das Entstehen und Fortwachsen der
Aeste. Auch entsteht eine Abweichung von der symmetri-
schen Gestalt, wenn anliegende Theile die völlige Entwickelung
aufzuhalten scheinen.
Eine kleine Schrift des Hrn. Mohl ') handelt ausführlicher
über die Symmetrie der Gewächse. Es wird darin nachgewie-
sen, dafs die meisten Organe der Pflanzen mehr oder weniger
deutlich zur symmetrischen Bildung hinneigen. Die concentri-
sche, symmetrische und die diaphorische Bildungsweise wird
zuerst unterschieden und speeiell bei einer Menge von Pflanzen
nachgewiesen. Ganz vorzüglich wird der Bau der niedern Ge-
wächse betrachtet, und Hr M. macht die Bemerkung, dafs eine
1) Ueber die Symmetrie der Pflanzen. (Als Inaugural -Dissertation
erschienen.) Tübingen 1836. 8.
19
richtige Ansieht über die Pflanzen, bei welchen Stengel und
Blatt getrennt sind, nur durch eine Vergleichung derselben mit
der Bildung des Thallas der nielern Pflanzen erlangt werden
könne. „Wir haben, heifst es p. 38, dem Gesagten zu Folge, bei
den Organen der Vegetation ein beständiges Fortschreiten von
der symmetrischen zur conzentrischen Bildung gesehen, jedoch
- nicht ein steliges, sondern ein durch Schwankungen unterbro-
chenes. Die bei den niedern Pflanzen rein symmetrische Bil-
dung erhob sich am Stengel der Jungermannien und Lycopodien
zur concentrischen, diese trat jedoch noch nicht frei hervor, son-
dern zeigte noch eine bedeutende Annäherung zur symmetrischen
Bildung; bei den Phanerogamen war zwar im Stamme oft noch
eine schwache Hinneigung zur symmetrischen Bildung sichtbar,
im Allgemeinen zeigte sich dagegen in ihn die ausgesprochenste
concentrische Organisation, während in den Blättern die sym-
metrische Bildung ebenso ausgezeichnet, wie beim Thallus der
Cryptogamen statlfindet. Bei den Aesten der Phanerogamen sahen
wir nicht ganz selten einen Rückschritt zur symmetrischen Bil-
dung, während bei den höher entwickelten Blattformen manche
Erscheinungen auf das Streben des Blattstieles, sich zur concen-
trischen Bildung zu erheben, hindeuteten. Wir sahen bei den
beblätterten Stengeln und bei den gefiederten Blättern die Sym-
melrie sich in einer gedoppelten Form aussprechen, einmal in
engerem Kreise in der übereinstimmenden Bildung beider Seiten-
hälften der einzelnen Blättchen, und zweitens im weiteren Kreise
in der symmetrischen Bildung der zwei einander gegenüber-
stehenden Blattzeilen mit Aufopferung der Symmetrie jedes ein-
zelnen Blättchens.
Bei den Blüthen kommt es sehr selten vor, dafs sie nicht
durch einen senkrechten Schnitt in zwei gleiche Hälften getheilt
werden, und als allgemeine Regel gilt, dals alle terminirten Blü-
then regelmälsig siud, dals dagegen die unregelmäßigen Blüthen
den indeterminirten Inflorescenzen zugetheilt sind, demnach steht
die symmetrische Bildung der Blüthen im Zusammenhange mit
ihrer Stellung. —
Hr. Fries ') hat die Frage, welche Gewächse als’ die voll-
1) Entwurf zu einer neuen Beantwortung der Frage: welche Ge-
23#
20
kommensten anzusehen sein möchten, auf eine sehr scharfsinnige
Weise zu lösen gesucht. Er zeigt zuerst, wie die Ansichten
früherer Botaniker über diesen Gegenstand unhaltbar wären; vor-
-trefflich widerlegt er Hrn. De Candolle’s Ansicht, nach wel-
cher die Ranuneulaceen die am höchsten stehenden Pflanzen sein
sollten, denn die Vollkommenheit bei den Gewächsen beruht nicht
auf der vollkommneren Ausbildung irgend eines Organes, son-
dern auf der harmonischen Ausbildung sämmtlicher Organe zu
einem typischen Ganzen. Zu den Kriterien der Vollkommenheit
eines Gewächses rechnet Hr. F. folgende:
1) Je mehr Metamorphosengrade eine Pflanze durchgeht, ehe
die Frucht ausgebildet wird, desto vollkommener ist sie. 2) Je
vollständiger die Metamorphose, desto vollkommener ist das Ge-
wächs. 3) Die vollkommensten Gewächse haben auch die meist
regelmälsige und symmetrische Blumenbildung. 4) Diejenigen sind
die vollkommensten, welche nicht blols alle Organe besitzen,
sondern diese auch in der vollkommensten Harmonie vereinigt
haben. 5) Je mehr Gewicht. die Natur auf die Ausbildung des
Samens gelegt hat, um so vollkommener ist das Gewächs. 6) Die
Gewächse sind die vollkommensten, welche in Structur, Form,
Zahlenverhältnifs und Lebensäulserungen den Typus ihrer Ab-
theilung am reinsten ausdrücken, und 7) da das Typische ‘das
Resultat von den gewöhnlichsten Verhältnissen ist, so folgt da-
raus, dals die vollkommensten Gruppen auch die zahlreichsten
und grölsten sein müssen.
Nach diesen Grundsätzen, welche wohl allgemein zu billi-
gen sind, stellt Hr. Fries die Compositae als die entwickeltesten
Pflanzen dar.
Interessante Beobachtungen haben wir über die Fortpilan-
zung einiger niederer Algen erhalten, welche die grolse Frage,
ob die Bacillarien und die denselben verwandten Geschöpfe den
Pflanzen oder den Thieren anzureihen sind, immer näher zur
bestimmten Entscheidung bringen. Zuerst hat Hr. Mohl !) eine
wächse sind die vollkommensten? Aus d. Schwed. übers. von Horn-
schuch. — Flora von 1836. p. 1 — 16.
1) Ueber die Vermehrung der Pflanzen-Zellen durch Theilung. Tü-
bingen 1835. (Erschienen gegen Ende 1836.)
21
Beobachtung an Conferva glomerata bekannt gemacht, nach wel-
cher eine Vermehrung der Glieder dieser Pflanzen durch Theilung
erfolgt. Die Aeste dieser Pflanze entspringen stels an dem obe-
ren seitlichen Ende eines Gliedes des Confervenfadens, und zwar
auf die Weise, dafs zwischen der Zeile, von welcher der Ast
entspringt, und zwischen dem untersten Gliede des Astes, keine
Communication stattfindet, sondern beide Glieder durch eine
Scheidewand vollkommen getrennt sind. Indessen die Unter-
suchungen hervorsprossender Acste zeigen, dals Anfangs jene
Scheidewand fehlt, und dafs nur eine höckerartige Protuberanz
des Gliedes vorhanden ist, welche in einen eylindrischen Schlauch
von der gewöhnlichen Länge der Glieder answächst. Alsdann
zeigt sich eine Einschnürung, als eine ringförmige, in der Mitte
„ durehbrochene Scheidewand, welche sich immer mehr ausbildet,
bis sie endlich den Zusammenhang zwischen der Zelle des Astes
und des Stammes völlig unterbricht, und nun aus der ästigen
Zelle zwei, völlig von einander abgeschlossene Zellen entstanden
sind. Die neuentstandene Zelle vergrölsert sich wieder und
theilt sich abermals u.s. w. In Folge dieser Beobachtung glaubt
Hr. Mohl annehmen zu können, dafs auch bei den Gattungen
Scytonema und Oscillatoria eine ähnliche Vermehrungsart statt-
findet, und hierin stimmt Referent fast ganz bei. Bei den Ri-
vularien verhält es sich ganz ebenso, wenn auch hier diese Thei-
lung nicht an der Spitze der Sporangien stattfindet, was aber,
wie sogleich gezeigt werden wird, auch bei Conferven vor-
kommt. Durch verschiedene Erscheinungen ist es Hrn. Mohl
wahrscheinlich geworden, dafs auch bei den verschiedenen Ar-
ten der Gattung Spirogyra Link (Zygnema Ag.) die einzelnen
Zellen das Vermögen besiten, sich in ihrer Mitte durch eine
Scheidewand zu theilen. Diese Vermuthung kann Ref. vollkom-
men besläligen, denn Beobachtungen an keimenden Spyrogyren,
welche seit Vaucher’s '!) Beobachtungen, wie es scheint, von
Niemanden wiederholt worden sind, haben es demselben auf das
Bestimimteste gezeigt, und zwar ist es in diesen Falle Anfangs
immer das letzte Glied, welches noch in der aufgeplatzten Kap-
sel steckt, sich bedeutend verlängert und durch eine neue Schei-
1) Hist. d. Conf. Pl. 4, 5 et 6.
22
dewand in zwei Zellen theilt, worauf sich wieder die unterste
Zelle verlängert u.s.w. Sehr bald verlängern sich aber auch
einzelne dieser neuen Zellen und theilen sich abermals.
Diese Thatsache, nämlich die Vermehrung der Zellen bei mi-
kroskopischen Gewächsen durch Theilung, ist von hoher Wich-
tigkeit, und bisher ist dieselbe nur sehr selten und noch niemals
mit solcher Bestimmtheit ausgesprochen. Hr. Carus *) beob-
achtete einst, wie sich die Spitzen bei der Achlya prolifera Nees
durch eine anscheinende Zellwand von dem übrigen Theile des
Schlauches trennten; auch über das allmählige Einschnüren bis
zur völligen Trennung hat Hr. Carus a. a. ©. mehrere Beob-
achtungen angeführt. Auch war die Entstehung der Vaucherien-
Früchte durch Absclınürung bekannt, doch noch niemals wurden
allgemeine Schlüsse über das Wachsthum jener Pflanzen durch
blofse Theilung der Zellen ausgesprochen, als bis Hr. Dumor-
tier 2) eine solche Vermehrung an den Endzellen der Conferva
aurea entdeckte. Sobald nämlich die Endzelle dieser Conferve
bedeutend länger geworden, als die folgenden Glieder, bildet sich
an ihrem Innern ‚eine Scheidewand; diese Benbachtung ist ganz
ähnlich jener des.Hrn. Mohl bei Conferva glomerata. Eine ähn-
liche Vermehrung durch Bildung von Scheidewänden hat auch
Hr. Morren ?) bei den Closterien beobachtet, welche dieser
genaue, Naturforscher durch sehr treffende Gründe zu den Pflan-
zen zu zählen berechtigt ist, worüber in der Folge noch mehr
die Rede sein wird.
Von höchster Wichtigkeit wäre es nun, dafs jene, zuerst
dureh Hrn. Dumortier festgestellte Thatsache, dafs sich Zellen
durch Bildung von Scheidewänden vermehren können, auch im
Zellengewebe der vollkommneren Pflanzen nachgewiesen würde,
was denn auch durch Hrn. Mirbel’s glänzende Untersuchungen
über die Bildung des Pollens bei den Cucurbitaceen mit ziem-
licher Gewilsheit geschehen ist. Ref. hat die Entstehung von
Seheidewänden in den Zellen, bei der Bildung der Drüsenköpf-
1) Nova act. Acad. C. nat. cur. T. XI. p. 503.
2) Recherches sur la structure comparee et le developpement des
animaux et des vegetaux. Bruxelles 1832. p. 10.
3) Sur les Closteries. — Ann. des sciene. nat. I. p. 274.
23
chen mancher Pflanzen zu sehen geglaubt; auch die Entstehung
der eigenthümlich geformten Härchen auf der innern Fläche der
Schläuche, bei der Gattung Utricularia, scheinen nur durch Ein-
schnürung, Auswachsung und Theilung zu entstehen. Ja eine
solche Bildung von mehr oder weniger vollkommenen Scheide-
wänden, zeigt sich selbst in den Diachym-Zellen der Blätter von
Pinus sylvestris; sie sind auf Querschnitten#äls Ausläufer von der
innern Seite der Zellenwände zu sehen, doch eine vollständige
Theilung dieser Zellen ist allerdings nicht: wahrzunehmen.
Eine Vermehrung der Pflanzen-Zellen durch Theilung ist
also schon sehr bestimmt nachgewiesen, daher sind die Kenn-
zeichen, welche Hr. Ehrenberg !) zwischen Thieren und Pilan-
zen aufstellt, keineswegs so bestimmt, sondern möchten im Ge-
gentheile zur Beweisführung dessen zu benutzen sein, was Hr.
E. bekämpfen will. Eine Vermehrung durch Theilung hält Herr
Ehrenberg für einen Charakter, welcher vielen Geschöpfen, die
sich bestimmt als Thiere erweisen, zukomme, und deu Pflanzen
ganz und gar fehle, denn diese wüchsen immer durch Verlänge-
rung und Bildung von Knospen; daher denn die Bacillarien nicht
den Pflanzen, sondern ganz bestimmt den Thieren anzureihen
wären. Da nun nachgewiesen ist, dafs die Theilung der Zellen
bei bestimmten Pflanzen ganz auf dieselbe Weise vor sich geht,
wie bei Bacillarien, und da man wohl nachweisen kann, dafs
die Theilung bei der Vermehrung der Infusorien und anderer nie-
deren Thiere bedeutend verschieden von jener Theilung der Pflan-
zen-Zellen ist, so möchte eine solche Theilung durch Scheide-
wände gerade ein Zeichen abgeben, um ‚die Pflanzen von den
Thieren zu unterscheiden.
Hr. Mohl ?) macht die Bemerkung, dafs der von Hrn. E.
angegebene Charakter, nämlich die Fähigkeit der Theilung bei
den Thieren, der Mangel derselben bei den Pflanzen, das Schick-
sal so mancher andern, vereinzelt hervorgehobener Unterschei-
dungsmerkmale theile, zwar im Allgemeinen richtig, aber im
speciellen, zweifelhaften Falle unzuverläßsig zu sein. Wobei
1) Vortrag in der Sitzung der Akademie zu Berlin vom 25. April.
DInstitut p. 195.
2) Ueber ein von Hrn. Ehrenberg ungegebenes Unterscheidungs-
kennzeichen der Thiere und Pflanzen, — Flora v. 1836. I, p. 491 —49.
24
Hr. Mohl auf seine Beobachtung über die Theilung der Con-
ferven-Schläuche hindeutet, worüber im Vorhergehenden berich-
tet wurde. Auch Hr. M. gestelit, dafs ihm die Stellung der Ba-
eillarien nach Jahre langem Beobachten ebenso zweifelhaft ge-
blieben sei, dafs aber ihre Vermehrung‘ durch Theilung nicht be-
rechtige, dieselben zu den Thieren zu zählen.
Referent führt noch an, dafs sich auch die Herren Link '),
Unger ?) und Morren ?) im vergangenen Jahre dahin ausge-
sprochen haben, dafs jene zweifelhaften Geschöpfe, welche unter
dem Namen der Bacillarien bekannt sind, den Pflanzen anzurei-
hen seien, demnach möchte wohl aufser Hrn. Corda kein Bo-
taniker zu finden sein, welcher sich speciell mit Pflanzenanato-
mie beschäftigt und nicht die Bacillarien für Pflanzen hielte.
Hiernach sind die Widersprüche zu beurtheilen, welche sich
über diesen Gegenstand in den Berichten finden, die Hr. Wieg-
mann und ich über die Leistungen der Zoologie und der phy-
siologischen Botanik von dem Jahre 1835 *) herausgaben; indem
dieselben Geschöpfe, bald als Pflanze, bald als Thiere, und zwar
unter ganz verschiedenen Benennungen, aufgeführt worden sind”).
Hr. Morren hat’ in der angeführten höchst wichtigen Ab-
handlung über Closterien die Frage, ob dieselbe den Thieren oder
den Pflänzen anzureihen wären, sehr ausführlich behandelt; durch
Anwendung selir starker Vergrölserungen ist es ihm gelungen,
zu zeigen, dafs jene, durch Hrn. Ehrenberg an den Spitzen die-
ser Geschöpfe entdeckten rothen, und sehr beweglichen Pünkt-
chen nichts anderes als Bläschen sind, welche sich später zu
neuen Individuen umwandeln. Diese beweglichen, gleichsam oseil-
lirenden Pünktchen waren es eben, welche als Bewegungsorgane
angesehen‘ wurden und die Stellung der Closterien zu den Thie-
ren zu rechtfertigen schienen, was aber nun, nach Hrn. Mor-
1) Philos. bot. Ed. alt. p. 400.
2) S. dessen Bearbeitung der Algen in Endlicher's Genera plant.
3) Sur les Closteries I. c.
*) Es thut mir leid, dafs diese Widersprüche auch im diesjährigen
Berichte wiederkehren müssen, indem ich Ehrenberg’s Ansicht von
der thierischen Natur der Baeillarien durch die angeführten Gründe nicht
entkräftet glaube. Herausgeber.
25
ren’s Entdeckung wegfällt. Aufser dem Vorkommen dieser, im
Innern der Closterien sich bewegenden Propagula, hat Hr. Mor-
ren noch eine Fruchtbildung durch Conjugation, ganz ähnlich
der Art der Fruchtbildung bei den Conjugaten beobachtet *), und
aufserdem findet auch eine Vermehrung der: Closterien durch
Theilung Statt.
Die Kieselhülle, welche die Closlerien wie alle übrigen Ba-
eillarien »einhüllt, sieht Hr. Morren als eine Bildung an, welche
der sogenannten Cuticula der Pflanzen analog sei, was aber
wohl nur in gewisser Beziehung zu bestätigen wäre, denn ‚bei
den vollkommnen Pflanzen liegt diese feine Platte von Kiesel in
der Substanz der Cuficula, und wird von dieser erst durch die
Zerstörung des Organischen geschieden. Aufser der Kieselkülle
nimmt Hr. M. noch zwei besondere Membranen’ an, welche die
die Haut der Closterien bilden und die grüne Masse einschlielsen,
doch er selbst bemerkt hierzu, dafs sie eigentlich erst durch die
Metamorphose der Pilanze sichtbar werden. Referent hält die
innerste Haut für ein Analogon der innern Schlauchhaut, welche
sich in den Gliedern der Conferven bildet, wenn dieselben ihre
Sporen zur Reife bringen, oder sich auf eine andere Art, wie
2. B. durch Auswachsen und Theilung zu vermehren beginnen.
Die Bewegung der Closterien glaubt Hr. Morren durch die Wir-
kung enigegengesetzter Electricitäten erklären zu können. Herr
Morren giebt zugleich eine sehr ausführliche Beschreibung, mit
Abbildungen begleitet, von den verschielenen, höchst mannig-
faltigen Formen, welche die Closterieu in ihren verschiedenen
Zeitverhältnissen aufweisen, und weist hierdurch nach, wie we-
nigsleus ‚sechs der von Hrn. Ehrenberg beschriebenen neuen
Arten der Gattung Closterium einer und derselben, Art ange-
hören.
Auch Hr. de Brebisson ') beobachtete die räthselhaften
Dialomeen, um die Frage zu entscheiden, ob sie den Pflanzen
*) Dieselbe Beobachtung wurde bereits von Corda gemacht, und
’ vorigen Jahresberichte von mir (1836. Bd. 2. p. 186.) mitgetheilt.
ch war sie von Ehrenberg schon 1834 angeführt, (Beitr. z. Kenntn.
gr. Organis. in der Richtg. d. kl. Raumes p. 95.) Herausg.
1) Observations sur les Diatomees. — L’Institut de 1836. p: 378. —
Ann. des science. nat. 1836. II. p. 248.
26
oder den Thieren anzureihen wären. Bei der Verbrennung einer
grofsen Menge von Fragilaria pectinalis zeigte sich ein anima-
lischer Geruch. Ein solcher Geruch möchte aber ein sehr un-
bestimmtes Kennzeichen sein, denn es zeigt sich ein ähnlicher
bei dem Verkohlen vieler anderen Algen. Nach dem Verbren-
nen der Fragilaria pectinalis, so wie mehrerer anderer Geschöpfe
der Art, fand Hr. B. die Kieselhüllen, welche dieselben umge-
ben, in einem vollkommen erhaltenen Zustande, ganz ähnlich
demjenigen, welchen die fossilen von Hrn. C. Fischer im Torf-
moore bei Franzensbad entdeckten Diatomeen zeigen, die zu den
glänzenden Beobachtungen führten, welche Hr. Ehrenberg über
diesen Gegenstand im Verlaufe des vergangenen Jahres bekannt
gemacht hat ?). Die Resultate dieser letztern Untersuchungen
gehören eigentlich ganz der Geognosie an, nur die eine Bemer-
kung müssen wir hinzufügen, dafs unter den bis jetzt aufgefun-
denen fossilen Infusorien nur jene Gebilde zu verstehen sind,
welche die Botaniker, wie früher nachgewiesen wurde, für
Pflanzen erklären. Das fossile Vorkommen dieser mikroskopi-
schen Pflänzchen ist durch die harte Kieselhülle bedingt, welche
allen zerstörenden Einflüssen widersteht. Hrn. Kützing’s Ent-
deckung, dafs die Hülle der Bacillarien aus Kiesel besteht, wo-
von in unserem ersten Jahresberichte die Rede war, wird hier-
durch um so glänzender. Wenn man dergleichen kleine Pflänz-
chen in ihrem lebenden Zustande beobachtet, so ist es sehr oft
der Fall, dals dazwischen auch einzelne abgestorbene vorkom-
men, welche dann jene ganz durchsichtige und ‘ungelärbte Kie-
selhülle zeigen, so dafs also hierdurch erwiesen wird, dafs eine
grolse Masse solcher Kieselhüllen auch durch Fäulnils jener
Pflanzen, oder auf nassem Wege hervorgehen kann,
und dals also Gebirgsmassen, welche mehr oder weniger ganz
aus solchen Kieselhüllen bestehen, nicht immer als ausgeglühter
Meeresboden anzusehen sein dürften. Hr. Brebisson möchte
die Diatomeen in zwei Abtheilungen bringen, nämlich in die
eigentlichen Diatomeen, welche eine Kieselhülle zeigen, und in
die Desmidien, welche ohne Kieselhülle sind und sich verkoh-
1) S. Ueber fossile Infusionsthiere. — Dieses Archivs 2. Jahrgan-
ganges 1. Band p. 333—336, und in verschiedenen anderen Schriften.
27
len lassen. Bei den vollkommeneren Pflanzen, deren Epidermis
mit einer Kieselhülle durchdrungen ist, dürfte man wenigstens
solche Abtheilungen nicht machen, hier wären sie aber nebenbei
wohl brauchbar.
‘In einer ganz neuen Schrift hat sich Hr. Mohl !) abermals
gegen die thierische Natur der Baeillarien ausgesprochen. Ich gebe
zu, heilst es in dieser Schrift, dafs die Zweifel, welche man
gegen ihre vegetabilische Natur erhob, noch. nicht beseitigt sind,
allein eben so wenig ist ihre thierische Natur erwiesen und es
finden sich offenbare Uebergänge von ihnen zu den‘ Pflanzen,
u.s. w.
‚Ueber orig: Bau und Inhalt der Pflanzen-
Zellen.
Wir kommen jetzt zu den Beobachtungen, welche im ver-
gangenen Jahre über die Vereinigung der Zellen bei höheren und
‚niederen Pflanzen bekannt gemacht worden sind. Hr. Mohl ?)
sucht die Ansicht zu erweisen, dals das Gewebe der Pflanzen
nicht als eine Zusammenhäufung von unmittelbar, ohne eine
Zwischensubstanz mit einander verwachsenen Zellen bestehe,
sondern dals eine homogene Masse, gleichsam ein organischer
| Leim vorhanden sei, in welchen die Zellen eingesenkt und durch
|
welche sie unter einander verbunden seien. Diese verbindende
Masse nennt Hr. M. die Intercellularsubstanz, und die Entdeckung
derselben erscheint von solcher Wichtigkeit, dafs kürzlich ein
geistreicher Botaniker die Bemerkung machte, dafs mit dersel-
ben ein neues Zeilalter für die Pflanzenphysiologie erwacht sei.
Hr. M. hat schon früher ®) diese Ansicht bei der Betrachtung
_ der Struetur der Polleuhäute ausgesprochen, wogegen Hr. Mir-
bel *) mit sehr treffenden Gründen auftrat. In der angeführten
1) Ueber die Symmetrie der Pflanzen. Tübingen 1836. im Decemb.
(Als eine Inaugural-Dissertation erschienen.)
2) Ueber die Verbindung der Pflanzen-Zellen unter einander. Als
Inaugural-Dissert, im Sept. 1835. erschienen, aber nochmals abgedruckt
AR: Vieles erweitert unter dem Titel: Erläuterung und Vertheidi-
meiner Ansicht von der Structur der Pflanzen-Substanz, Mit 2
| lithographirten Tafeln. Tübingen 1836.
3) 8. unseren Jahresbericht von 1834. p. 153.
4) S. unseren Jahresbericht von 1835. p. 101.
28
Abhandlung sucht Hr. Mohl die Gründe zu entkräften, welche
Hr. Mirbel gegen seine Ansichten über die Vereinigung der
Pilanzen-Zellen ausgesprochen hat, und weist eine sogenannte
Intercellularsubstanz nicht nur in den Häuten des Pollens nach,
sendern auch bei den verschiedenen Familien der Cryptogamen,
wie im Gewebe der höheren Pflanzen, doch in wiefern dieses
gelungen ist, das wird noch, zum Theil im Verlaufe dieses Be-
richtes, durch die Beobachtungen anderer Botaniker erwiesen
werden.
Bei den Algen findet Hr. M. jene homogene Substanz zwi-
schen den Zellen, wodurch diese zu einem Ganzen verbunden
werden, am deullichsten. Bei den Nostochineen, den Rivularien,
bei Protococcus, Palmella, Hydrurus, Oscillatoria, Scylonema
u.s. w. ist, die, melır oder weniger dicke schleimige oder gallert-
artige Substanz als ein Analogon der Intercellularsubstanz bei
den höheren Pflanzen anzusehen. Bei den eigentlichen Confer-
ven ist die allgemeine Schleimmasse verschwunden, oder bildet
nur einen so dünnen Üeberzug über die Fäden, dafs diese glatt
und schlüpfrig. werden, aber nicht mehr in Massen zusammen-
hängen, dagegen besitzen sie eine homogene, äulsere Röhre, —
Von den wahren Conferven sind es wohl die Spirogyren Link’s,
welche die stärkste Schleimhülle aufzuweisen haben, und bei die-
sen, wie bei anderen Conferven kann man beobachten, dafs diese
Schleimmasse mit zunehmendem Alter der Pflanzen dieker wird,
und dals sie bei den ganz jungen Pflanzen noch ganz fehlt; dem-
nach kann auf diese Substanz wohl schwerlich die Ansicht aus-
gedehnt werden, welche Hr. Mohl über die Bedeutung der In-
tercellularsubstanz ausgesprochen hat. )
Bei den zusammengesetzteren Algen ist jene schleimige Sub-
stanz, nach Hrn. Mohl’s Beobachtung nicht nur auf der Ober-
fläche, des ganzen Gewächses, sondern sie ist auch zwischen die
einzelnen Zellen eingelagert, was auch schon von Eysenhard
und Agardh beobachtet worden ist, und da diese homogene
Masse die Zwischenräume der Zellen vollkommen ausfüllt, so
fehlen bei diesen Gewächsen die Intercellulargänge vollkommen.
In dem Thallus der Flechten bildet die Intercellularsubstanz einen
weniger auflallenden Besiandtheil, als bei den Algen. Es sind
hier die Zellen der äufseren, im Wasser ‚durchsichtig werdenden
29
Schieht durch jene Substanz verbunden, so «als auch hier keine
Intercellulargänge übrig bleiben. Bei den höheren Gewächsen
ist es nicht mehr so leicht, das Dasein der Intercellularsubstanz
nachzuweisen, indem bei diesen Pflanzen die Zellen nicht nur
enger an einander schlielsen, sondern indem auch zwischen den
Parenchym-Zellen derselben Intercellulargänge verlaufen. Indes-
sen, sagt Hr. M., ungeachtet dieser Schwierigkeiten gelingt es
dennoch in vielen Fällen, diese zwischen den Zellen ergossene
Masse, selbst bei höhern Pflanzen, in grölserer oder geringerer
Menge anzutreflen, so dals es wohl keine Planze geben wird,
bei der man nicht in einem oder dem andern Organe dieselbe
wird deutlich nachweisen können. Hierauf führt Hr. M. eine
Menge von Beispielen an, wo sich die Intercellularsubstanz bei den
Moosen, den Farrn, im Holze der Coniferen und der Dikotyle-
donen findet. Deutlicher als zwischen den Holzzellen trittdieInter-
eellularsubstanz zwischen den langgestreckten, dickwandigen Zel-
len auf, welche zuweilen in der Rinde des Stammes oder in den
Blattstielen unter der Epidermis, vorkommen. Untersucht man
diese Zellenmasse im Stamme von Sambucus nigra nach Quer-
schnitten, so scheinen die Zellenhöhlen bei dem ersten Anblicke
sehr unregelmälsig in einer völlig gleichförmigen, glasartig, durch-
sichtigen Substanz. vertheilt zu sein, bei genauerer Untersuchung
zeigt es sich jedoch, dals diese Substanz nicht völlig homogen
ist, sondern dals sich dieselbe in Zellenhäute und in Intercellu-
larsubstanz scheidet. Die Trennungslinien sollen sehr zart und
leicht zu übersehen sein.
Referent’s Ansichten sind über diesen Punkt der Beobach-
tungen sehr verschieden von denen des Hro. M. Sind derglei-
chen Schnitte sehr zart und beobachtet man dieselben bei 1000-
und 1800maliger Vergrölserung mit achromalischen Gläsern, so
kaun man durchaus keine solehe Linie bemerken, welche die
äufsere Fläche der Zellenmembran von der Intercellularsubstanz
scheidet, sondern ınan sieht ganz deutlich, dafs gleichsam ein
allmälhliger Uebergang aus der Substanz der Zellenmembran in
= stattfindet, welche man Intercellularsubstanz nennen
will. Auch führt Ref. eine Beobachtung an, welche auf das
Bestimmteste zeigt, dals jene Intercellularsubstanz des Hrn. M.
keine eigene, für sich bestehende Substanz ist, welche gleichsam
%
30
zwischen die Zellen ausgegossen wäre, sondern dafs sie den Zellen-
wänden selbst angehört, und von diesen abgesondert wird, wenn
eine innigere Verbindung solcher Zellen stattfinden soll. Wenn
man nämlich die festen Zellenschichten, welche die Oberfläche
der Blattstiele von Beta'Cicla (am besten von der rothen Spielart!)
bekleiden, auf Querschnitten beobachtet, so wird man finden, dafs
zwischen den Zellenschiehten die sogenannte Intercellularsubstanz
in grolser Masse vorkommt, doch schon bei schwächeren Vergröfse-
rangen erkennt man, dals einer jeden der umstehenden Zellen-
membranen ein entsprechendes Stück jener Zwischenmasse an-
gehört, und dafs die Aneinanderlagerupg dieser verschiedenen
Stücke in diesem Falle ganz deutlich durch Linien zu erkennen
ist. Ref. könnte noch einige andere Fälle angeben, wo es sich
ganz ähnlich verhält, und demnach hätte man die Ansicht über
die Bedeutung der Intercellularsubstanz in den Pflanzen zu än-
dern. — Auch auf die Epidermis der Pflanzen wendet Hr. M.
seine Ansicht von der Intercellularsubstanz an, indem er näm-
lich die Outicula mit deren Anhängsel als solche erklärt, worin
die Zellen eingesenkt sind.
Nach dem Erscheinen dieser Mohlschen Schrift hat auch
Hr. Valentin !) eine Reihe von Beobachtungen bekannt ge-
macht, wo sich jene Intercellularsubstanz bald mehr, bald weni-
ger deutlich nachweisen läfst, und diese Beispiele werden sich
von jedem Beobachter vielfach vermehren lassen. Hr. V. zielt
aus seinen Beobachtungen den Schlufs, dafs alle Intercellularsub-
stanz nur zwischen verholzten Gebilden, dagegen nie zwischen
einfachen Schläuchen in wahrnehmbarer Quaxtität gefunden wer-
de, und dieses soll in dem Wesen der Intercellularsubstanz selbst |
liegen. Auch Hrn. Valentin’s Beobachtungen lehren, dafs die
Intercellularsubstanz nicht von Anfang an existirt, sondern erst
nach dem Beginne der Verholzung erscheint, und daher sei sie
ganz bestimmt von der Masse zu unterscheiden, welche sich um
und zwischen den Schläuchen der niederen Cryptogamen findet.
Referent hat indessen vorhin angegeben, dals auch diese Masse
bei den keimenden Conferven fehlt.
1) Ueber den Bau der vegetabilischen Membran, insbesondere der
secundären Verholzungsschichten. In dessen Repertorium für Anatomie
u. Physiologie. 1. Band. Berlin 1836. p. 96.
*
are.
31
Da die Intercellularsubstanz, sagt Hr. V., erst nach dem
Acte der Verholzung !) erscheint, so kann sie nicht als ein or-
ganischer Leim angesehen werden, welcher erst die Zellen zu-
sammenhielte. Sie ist eben so gut eine secundäre Ablagerung
aufserhaib des primitiven Schlauches, als die Verholzungslamellen
innerhalb desselben ist. Sie kommt nur vor, wo eine nicht un-
bedeutende Zahl von Verholzungslamellen exislirt. Wenn sich
Referent der frülleren Kunstsprache bedienen darf, .so kommt die
Intercellularsubstanz überall da vor, wo sich dickwandige Zellen
innig vereinigen, mit Zurücklassung weniger oder gar keiner
Intercellulargänge.
An diesen Gegenstand schlielsen sich unmittelbar die Unter-
suchungen, welche über die Structur der Zellenmembran - ‚auge-
stellt sind. Herr Mohl hat in der angeführten Schrift p. 22.
eine genauere Beschreibung von der sireifigen Struktur der Wände
der Bastzellen von Nerium Oleander, Vinca minor, und mehreren
anderen Pflanzen aus der Familie der Apocyneen und Asclepia-
deen gegeben. Auf dem Querschnitte, wie auf dem Längen-
schnitte zeigen diese Zellen, dafs ihre Wände aus einer grolsen
Menge übereinanderliegender Membranen bestehen. Die Bastzel-
len der Yinca verbreiten mehr Licht; Hr. M. beschreibt sie als
weit, an den Enden plötzlich stark verengert, nicht sehr dick-
wandig, und aus mehreren Schichten zusammengesetzt. An den
weiteren Stellen war ihre Membran mit spiralförmigen, steil an-
steigenden Linien besetzt, und zwar so, dals ein Theil dieser
Linien rechts, der andere links gewunden und dadurch die Mem-
bran in kleine, rhombenförmige Felder getheilt war. Hr. M. ver-
muthet schon, dafs die Linien in der einen Schicht rechts und
in der anderen links gewunden sind, und dafs die Schichten,
welehe diese Zellenmembrane zusammensetzen, nicht homogen
sind, sondern eine faserige Textur besiizen.
„Soll man nun aus diesem faserigen Aussehn der Baströhren‘
der angeführten Pflanzen, sagt Hr. M., die Ansicht, die schon von
Grew u.A. gelegt wurde, herleiten, dals die Zellenmembran
aus Fasera zusammengewoben sei? Ich glaube nicht. So viel
1) Unter Verholzung versteht der Verf,, abweichend von den übri-
gen Phytotomen, nichts weiter als die Verdickung der Zellenwände durch
Anlagerung neuer Schichten.
”
sl
32
man an diesen aufserordentlich zarten, nur mit guten Instrumen-
ten bei günstiger Beleuchtung erkennbaren Bildungen sehen kann;
so scheint die Substanz jener scheinbaren Fasern vollkommen
dieselbe zu sein, wie die, welche ihre Zwischenräume ausfüllt,
und es scheint jenes faserige Ausselin nicht sowohl auf’ die Exi-
stenz von wirklichen, getrennten Fasern hinzuweisen, als viel-
mehr auf geringe Unterschiede in der Dicke der Zellenmembran,
vielleicht: auf eine abweichende Anlagerung der Moleküle an ein-
zelnen Stellen, vielleicht auf geringe Unterschiede in der Dich-
tigkeit der Membran, welche eine andere Brechung des Lichtes
veranlassen, auf ähnliche Weise wie Fäden im schlecht geschmol-
zenen Glase sichtbar sind.“ Auch stellt Hr. Mohl die Meinung
auf, dals eine solche faserige Textur der Zellenmembrane sehr all-
gemein sei, wie ihm einige Beobachtungen zu beweisen schienen.
Hr. Valentin (l. ce. p. 89.) hat diese Beobachtungen des
Hrn. Mohl wiederholt und sie in mancher Hinsicht vervollstän-
digt. An den Bastzellen von Nerium odorum beobachtete Hr. V.
sehr gut, dafs die queren, oder vielmehr horizontalen Streifen,
welche diese Zellen zeigen, ganz nach Aufsen, die sich kreuzen-
den Spiralen dagegen in verschiedenen übereinander gebogenen
Lamellen befindlich wären. Und in jeder Wandung der Zellen
laufen diese Spiralen immer nach einer und derselben Richtung,
daher sie sich in gegenüberstehenden Wandungen kreuzen müssen.
Hr. V. betrachtet diesen Bau der Baströhren und Holzzelleu noch
in mehreren anderen, iheils bekannten, theils noch nicht erwähn-
ten Fällen, und kommt zu dem Schlusse, dals sie sammt und
sonders Verholzungsbildungen sind, dafs nämlich nie ihre Wan-
duug die des blolsen primären Zellenschlauches ist, sondern dals
sie immer von Verholzungslamellen bedeckt wird. Und da Hr. V.
in einfacheren Zellen und Schläuchen diese Spirallinien noch nicht
gefunden (wo sie aber dennoch eben so schön vorkommen, wie
es Referent in vielen Fällen nachweisen kann), so glaubt er, die-
selben als eine Folge des Verholzungsprocesses ansehen zu kön-
nen, ja die individuelle Entwickelungsgeschichte soll hierüber
allen Zweifel heben.
Hr. Valentin giebt zugleich eine Bildungsgeschichte dieser
spiraligen Streifen, welche gewils schwer in ihrer Bildung zu
beobachten sind. „‚Im Centrum des Bastrohres sieht man eine
sehr
33
sehr feinkörnige Substanz, deren Körnchen gröfstentheils eine
transversale Anordnung haben. Die Körperchen dieser Substanz
lassen zuerst keine bestimmte Anordnung wahrnehmen. Später-
hin bilden sie Querlinien, dann spirale Linien, in denen man
aber Anfangs noch die einzelnen Körperchen discret unterschei-
det, und welche erst zuletzt in einer ununterbrochenen Conti-
nuität verlaufen.‘ k
Hr. Link !) hat die Samen der Cäsuarinen in Bezug auf
die ‚Zellen unsersucht, welche unter der Testa liegen und als
eine Schicht von abrollbaren Spiralröhren angesehen werden.
Unter diesen fand Hr. L. eine andere Schicht oder Membran aus
langen parenchyınatösen Zellen bestehend, welche an einem Ende
geschlossen sind und Fasern enthalten, die so eben anfangen
sichtbar zu werden, am anderen Ende aber Spiralfasern, die sich
zu wahren Spiralgefälsen entwickeln. Hr. Link hat hiernach
die Ansicht aufgestellt, dafs die Zellenmembran mit dem Alter
in Spiralfasern zerfalle, was auch auf der 3ten Abbildung Tab.
III. zu dem genannten Werke dargestellt ist; Ref. hat dagegen
in seinem neuen Buche über die Pflanzen-Physiologie die An-
sicht zu erweisen gesucht, dafs die Zeilenmembran aus spiral-
förmig verlaufenden Fasern zusammengesetzt werde.
"In einer anderen Abhandlung des Hrn. Valentin ?) ist die
Structur der Zellenmembran, in Bezug auf ihre Zusammensetzung
aus Schichten und in Hinsicht der Form der Tüpfel näher er-
‘örtert worden.
Die Verdickung der Zellenmembran durch Anlagerung neuer
Schichten nennt Hr. Valentin den Verholzungsprocels, und nur
in früherer Zeit der Ausbildung dieses Verfolgungsprocesses liegt
die zuerst abgelagerte Lamelle an der ganzen inneren Oberfläche
der primären Schlauchwandung dicht an. Späterhin dagegen am
Schlusse der individuellen Entwickelung der porösen Zellen und
Gefäßse bildet sich, rings um die äufsere Grenze des Poruskanals
(Tüpfelkanales) zwischen der ersten aufgelegten Verholzungs-
schicht und der primären Schlauchwand eine eireuläre Lücke,
1) Philos. bot. I. p. 186.
2) Ueber die verschiedenen Formen des Poruskanals in den porö-
sen Zellen und Gelälsen. — S. dess. Repert. etc. p. 78 — 97.
HIT. Jahrg. 2. Band. 3
34 z
deren äufsere Peripherie mit der des Poruskanales selbst concen-
trisch verläuft, und welche von diesem aus gegen ihren Umkreis
hin immer schmäler wird, ‘bis die beiden Membranen wiederum
dicht aneinander geheftet sind. Beide, sowohl der Poruskanal,
als die erwähnte Lücke sind immer, wie das lunere dieser ver-
holzten Zellen oder Gefälse mit einem luftförmigen Contentum
erfüllt.“ Hr. Valentin giebt hierauf eine auslührlichere Be-
schreibung der bekannten grolsen Tüpfel mit doppelten Kreisen,
welche die Zellen des Coniferenholzes zeigen, und begleitet seine
Darstellung mit einigen Abbildungen, aus denen man ersehen
kann, dals bei diesen Untersuchungen irgend ein Irrthum vorge-
fallen ist, denn mit Leichtigkeit kann man auch bei diesen Ge-
bilden die Uebereinstimmung mit dem Baue anderer Tüpfel wahr-
nehmen, während Hrn. V.’s Darstellung desselben ganz abwei-
chend ist. Nach dieser liegt nämlich, zunächst der äulsersten
Schicht der Zellenmembran eine grofse Lücke, welche in einem
feinen Kanal, den Tüpfelkanal auslaufen und in der Höhle der
Zelle münden soll, während nach den Untersuehungen anderer
Botaniker die Lücke zwischen den Wänden nebeneinander lie-
gender Zellen, und zwar durch örtliches Auseinandertreten der
Membranen entsteht, und die eigentlichen Tüpfel, welche hier
als die kleinen und innern Kreise sichtbar sind, in einem Grüb-
chen auf der inneren Wand der nach Innen erhobenen Zellen-
membran bestehen.
Hr. V. erklärt selbst, dafs der Poruskanal nicht nur in ver-
schiedenen Pflanzen, sondern bisweilen auch in verschiedenen
Theilen derselben Pflanze ganz verschiedene Form zeigt, aber
dennoch hält er es für nöthig, dals man den verschiedenen Thei-
len desselben verschiedene Benennungen gebe. So nennt er den
Raum, welcher die Lückenbildung bezeichnet, und sich in den
wahren Poruskanal fertsetzt, den Lückentrichter, doch bei
den Coniferen, wo Hr. V. diesen Lückentrichter so aulserordent-
lich grols und deutlich dat'gestellt hat, ist derselbe nicht vor-
handen. Den entgegengesetzten Endtheil, durch welchen die
‚ Endung des Poruskanales in das Lumen der Zelle mündet, nennt
Hr. V. den Eingangstrichter, und den, zwischen befindlichen,
mehr cylindrischen Theil den Mitteltheil selbst.
Hierauf wird auf verschiedene Formen dieser einzelnen Theile
“
35
des Tüpfels bei verschiedenen Pflanzen aufmerksaın gemacht, doch
hat Ref. diese Formen nie so eonstant beobachten können, als sie
angegeben werden. Jedenfalls ist es höchst dankenswerth, dafs
Hr. V. auf diesen Punkt so speciell eingegangen ist; es ist dabei
allerdings wohl noch Manches zu beobachten, besonders bei den
Tüpfeln der Spiralröhren. Auch hat Hr. Valentin bestätigt,
dafs die Stellung der Tüpfel auf den Wänden der Zellen eine
spirale ist, eine Erscheinung, welche offenbar, wie es Ref. an
einem anderen Orte gezeigt hat, mit der Bildung der Zellen-
membran aus Spiralfasern zusammenhängt, indem die Tüpfel im-
mer zwischen den Windungen der spiralförmig verlaufenden Fa-
sern auftreten. Die Tüpfelkanäle sollen nach Hrn. V. nicht ganz
senkrecht auf der äufsersten Schicht der Zellenwand (welche
primäre Schlauchwandung genannt wird) stehen, sondern etwas
schief von Innen nach Aufsen gegen die Letztere gerichtet.
Hr. Doct. Hope *) hat am 21. März 1836. eine Abhandlung
über die Farben der Pflanzen in der Königl. Societät zu Edin-
burg gelesen, welche in ihren Resultaten die gröfste Aehnlich-
keit mit der schönen Arbeit des Hrn. Marquart hat, die 8 bis
9 Monate früher erschienen ist. Auch Hr. Hope weist nach,
dafs in den Pflanzen zwei verschiedene Farbestoffe vorkommen,
der eine derselben giebt mit Säuren die Bildung der rothen Far-
ben, und wird deshalb Erythrogene genannt, während der andere
mit Alkalien die gelben Farbenverbindungen darstellt und Xan-
thogene genannt wird. Diese beiden Stoffe entsprechen offenbar
dem Anthokyan und dem Anthoxanthin des Hrn. Marquart, doch
sind die Untersuchungen des Letzteren über diesen Gegenstand
um Vieles genauer; H. M. hat z. B. gezeigt, dafs das Xanthogne
erst hervorgegangen ist aus einem gesäuerten blauen Extractiv-
stoffe u.s.w. Auch scheint aus dem Vortrage des Hrn. Hope
hervorzugehen, dals die Anwendung des Mikroskopes bei diesen
Untersuchungen nicht stattgefunden habe, was aber wohl durch-
aus nölhig wäre. Eine Folge hiervon ist die Beibehaltung der
Benennung Chromule, welche Hr. De Candolle für die färben-
den Stoffe der Pflanzen vorgeschlagen hat, die aber aus vielen
1) Observations sur les matieres colorees et colorables des feuilles et
des fleurs des plantes. — L’Institut. 15. Febr. 1837. p. 59.
3*
h
36
Gründen nieht anzunehmen sein möchle. Hr. H. will gefünden
haben, dals das Xanthogene unabhängig von dem Chlorophyll-in
allen grünen Blättern vorkomme, dafs ferner in weilsen Blumen
(ungefähr 30 verschiedene sind untersucht worden) ebenfalls nur
Xanthogene enthalten sein, ganz ‘wie in den gelben Blumen,
worin ebenfalls keine Erythrogene vorkommt. Ich glaube, dafs
in den Untersuchungen des Hrn. Marquart die Erklärungen
hierzu enthalten sind. Rothe Blumen zeigten dagegen den Hrn.
H. sowohl Erythrogene als auch Xanthogene, ebenso wie blaue,
purpurne und orange Blumen u.s. w.
Referent glaubt nach seinen eigenen Beobachtungen urthei-
len zu müssen, dafs die Arbeit des Hrn. Marquart iin jeder
Hinsicht den Vorzug verdient, und dafs auch die Benennungen
desselben, schon der Priorität wegen, beibehalten werden müs-
sen. Hrn. M’s Arbeit ist nicht angeführt worden, obgleich sie
in England sehr wohl bekannt sein könnte.
Eiren sehr interessanten Aufsatz hat Hr. Hünefeld ?)-über
die blauen Farben der Pflanzen-Blüthen gegeben, doch ist der
Gegenstand mehr chemisch behandelt, weshalb Ref. auf densel»
ben nur hinweisen kann. Auch bringt Hr. Hünefeld ?) ein
mit schwefeliger Säure gesäuertes Wasser in Vorschlag, um es
als Mittel zur Erleichteraug der mikroskopischen Untersuchung
von gefärbten Pflanzentheilen anzuwenden.
Hr. F. Schulze 3) hat Beobachtungen über das Amylum
der Kartoffel angestellt, und einige der wesentlichsten Punkte
aus den Resultaten, welche Hr. Fritzsehe'bei seinen Untersu-
chungen über diesen Gegenstand erhielt, bestätigt gefunden. Als
solche führe ich auf: Die Zusammensetzung des Amylum-Kügel-
chen aus concentrischen Schichten, welche um einen gewissen
Punkt, Kern genannt, gelagert sind, und die Veränderungen, wel-
che die Amylum-Kügelchen in Folge des Wachsthums erleiden,
sowohl die Auflösung derselben von Innen aus, als auch die auf
der Oberfläche. Hr. Sch. macht darauf aufmerksam, dafs wir
1) Beiträge zur Chemie der Metamorphose der Pilanzenfarben. —
Erdmann u. Schweigger-Seidels Journ. f. prakt. Chem. IX. p. 217—238.
2) Ebendas. p. 238.
3) Ueber die Metamorphose des Amylums. — Poggemlaeet s Ann,
Bd. 39. p. 489 — 493.
37
2
noch keinen Stoff kennen, welcher künstlich das Amylum von
Aulsen aufzulösen vermag; und ein solcher müsse sich beim
Wachsen in den Zeilen der Kartollel erzeugen.
Die Ansichten des Hrn. Hartig ’), dafs „bei den immer-
grünen Nadelhölzern die Verdauungswerkzeuge (die Blätter wer-
den: darunter verstanden!) selbst, bei den sommergrünen Pflan-
zen dagegen der Stoff zur Herausbildung derselben von einem
Jahre auf das andere übertragen wird,“ haben von verschiede-
nen Seiten Beifall erhalten, obgleich wiederholte Beobachtungen
zeigen, dals die Thatsachen, worauf jene Ansicht gegründet war,
nicht richtig sind. Hr. Wiegmann sen. 2). hat das Amylum
aus dem‘ Bolze verschiedener Bäume. getrennt, wozu Referent
nur die Bemerkung macht, dafs das Vorkommen des Amylum’s
im Holze ebenfalls eine ziemlich alte Beohachtung ist. Hr. W.
fand, dafs das Pulver indem Stammende und der Wurzel der
Buxus sempervirens, dusch. Jodine nicht blau gefärbt wurde.
Die Nadelhölzer hat Hr. W. nieht untersuchen. können, er glaubt
aber mit Bestimmtheit, «dafs ihnen das Stärkmehl fast ganz feh-
len’ werde, aber oflenbar nur deshalb, weil die Hypothese des
en. Hartig hierauf gebauet ist. Ref. findet dagegen in jungen
Nadelhölzern, sowohl bei Pinus und Abdies, als auch bei Larix
verhälinilsmäßsig eben so viel Amylum, als bei vielen Laub-
hölzern. |
Hr. Creuzburg ?) hat mikroskopische Untersuchungen der
Stärkmehlkügelelien vor und nach der weinigen Gährung gege-
beu, ‘deren Resultate auf einer von Hrn. Corda gezeichneten
Tafel dargestellt sind.
Ueber das Vorkommen der Krystalle in den Pflanzen sind
im vergangenen Jahre ebenfalls verschiedene Entdeckungen be-
kannt geworden. Hr. Link *) sagt sehr treflend: dafs man die
Krystalle in den Pflanzen mit Steinen und Conerementen in den
Thieren zusammenstellen könne. Sie'sind so häufig, dafs es nicht
1) S. unseren Jahresbericht v. 1835. p. 37.
2) Flora v. 1836. p. 24 etc.
3) Beiträge zur Kenntnils der weinigen Gährung amylonhaltiger Sub-
slanzen. — Erdmann u. Schweigger-Seidel’s Journ. f. prakt, Chem, IX.
pP: 299 u. 8. w.
4) Element. p. 137.
38
wichtig scheint, alle solche ‘Fälle aufzuführen. Auch bestätigt
Hr. Link die Beobachtung, dals die spiefsigen Krystalle mehr
in den Monokotyledonen, die zusammengewachsenen dagegen
mehr in den Dikotyledonen vorzukommen seheinen; doch macht
Hr. L. auch die Bemerkung, dafs diese Krystalle nicht nur’ in
den Zellen, sondern auch zwischen denselben vorkommen, eine
Meinung, welcher Ref. gegenwärtig directe Beobachtungen ent-
gegenstellen kann. In dem Gewebe der Agaven und der Pon-
tederia cordata glaubte ich selbst ") mit Bestimmtheit beobachtet
zu haben, dafs daselbst einzelne grofse Krystalle auch zwischen
den Zellen vorkämen, indessen durch Trennung dieser Krystalle
mittelst Macerätion des ‚Gewebes und durch Anwendung stär-
kerer Vergröfserung, ist es mir gegenwärtig gelungen zu beob-
achten, dafs auch in diesen Fällen die einzeln vorkommenden
Krystalle mit’ einer Zellenmembran umschlossen sind.
Eine interessante Entdeckung hat Hr. Turpin ?) in Bezug
auf das Vorkommen der nadelförmigen-Krystalle in dem Gewebe
der Aroideen gemacht. Es war zwar schon lange bekannt, dafs
diese Krystalle, so wie auch ganze Drusen von kleinen Krystal-
len, in den Zellen der Aroideen vorkommen; doch in den Blät-
tern von Caladium esculentum sind jene spielsigen oder nadelför-
migen Krystalle, welche hier, wie in allen anderen Fällen, im-
mer in Form von Bündeln auftreten, nicht nur sehr lang und
von aufserordentlicher Feinheit, sondern auch die Zellen, worin
dieselben liegen, zeiebnen sich in mancher Hinsicht von den
übrigen Zellen der Blätter dieser Pflanze aus. Diese. Krystalle-
führenden Zellen sind es, welche Hr. T. Biforines benennt und
zwar aus Gründen, welche sogleich angegeben werden sollen.
Die Lageruog dieser langen, Krystalle-führenden Zellen in den
Blättern der genannten Pflanze hat Hr. Turpin nicht erkannt,
doch gerade diese ist es, welche mit beiträgt, um jene Entdek-
kung zu erklären, welche Hr. T. an denselben gemacht’ hat. Es
sind nämlich diese Zellen mehrmals grölser, als die umgebenden,
1) S. den vorjährigen Bericht p. 131.
2) Observations sur les Biforines, organes nouveaux situes entre
les vesicules du tissu cellulaire des feuilles dans un certain nombre d’es-
peces vegetales appartenant a la famille des Aroidees, — Ann. d. seiene,
nat. 1836. II. p. 4 — 27.
39
“
mit grüngefärbten Zellensaft-Kügelchen gefüllten Zellen des Dia-
chym’s der Caladium-Blätter, und sie sind darin so gelagert, dafs
sie nur mit dem mittleren Theile zwischen den Zellen der Wände
liegen, welche die Lufikanäle, mit denen diese Blätter gleich
unmittelbar unter der Epidermis ganz durchzogen sind, ‚von ein-
ander trennen; daher ragen sie mit dem einen Ende iu den einen
Luftbehälter, und mit dem anderen Ende in den nebenanliegen-
den Behälter. Die Membran, welche diese Zellen bildet, ist be-
deutend dicker, als die der nebenanliegenden grünen Diachym-
Zellen, auch zeigt sie eine etwas gelbbräunliche Färbung. Wenn
man nun diese Zellen mit ihrem, in Form eines Bündels darin
liegenden Krystalle unter Wasser legt, so öffnen sich dieselben
meistens an beiden Spitzen, und allmählig treten, mehr oder we-
niger schnell, die Krystalle zu den Oellnungen hinaus, entweder
nur durch die eine Oeffinung, meistens aber durch beide. Herr
Turpin hat diese Oeffnungen der Zellen mit aulserordentlicher
Regelmälsigkeit abgebildet, so dals man glaubt, irgend eine, ganz
eigenthümliche Bildung in diesen Zellen zu sehen; doch habe
ich diese regelmälsigen, gleichsam mit breiten Rändern besetzten
Oeflnungen selbst bei den stärksten Vergrölserungen nicht beob-
achten können, aber die Abbildung, welche Hr. T. in Fig. 4.
Pl. 4. gegeben hat, finde ich in Bezug auf die Structur der En-
den dieser Zellen vor ihrem Aufspringen ganz der Natur nach-
gebildet. Die Ursache des Aufspringens dieser Krystalle -führen-
den Zellen ist in der Hygroscopieität derjenigen Substanz zu
finden, welche in jenen Zellen neben den Krystallen vorkommt;
es ist ein gelbliches Gummi, welches Anfangs die ganzen Zellen
füllt, später aber, meistens nur um das Bündel von Krystallen
gelagert ist, wodurch dasselbe eine gelbe Färbung zeigt. Doch
von einem darmarligen Organe, welches die Krystalle enthalten
‚und im Inneren jener Zellen der Länge nach,’ gleichsam von
Oellnung zu Oeflnung aufgespannt sein soll, hat Referent nichts
beobachten können, wohl aber’ zeigten sich jene Zellen ' wie
andere, welche dergleichen Bündel von nadelförmigen Krystal-
len enthalten, nur dafs hier, wo diese Zellen in die Lufthöh-
len hineinrägen, dickere und etwas gelblich gefärbte Wände auf-
treten. Aulser der gelblichen, gummiartigen Substanz pflegen
noch, mehr oder weniger viel von sehr kleinen Molekülen in
40
diesen Zellen, und zwar seitlich von dem Krystallbündel vorzu-
kommen, und auch diese gehen zu den Oeffnungen der Zelle,
hinaus, wenn dieselbe durch das Eindringen des'Wassers aufplatzt.
Offenbar gehört dieses Aufspringen der genannten Zellen zu den
interessantesten Beobachtungen, welche die Wissenschaft dem
Hrn. Turpin verdankt, doch diese Zellen mit eigenthümlichen
Namen zu belegen, dies möchte die allgemeine Betrachtung die-
ses Gegenstandes wohl nicht erlauben. In den Querwänden der
Luftkanäle der Pontederia cordata ist das Auftrelen der Zellen
mit spielsigen Krystallen ganz in derselben Art, wie in den Blät-
tern der Aroideen, und dort findet man auch dergleichen ein-
zelne Zellen, welche ganz mit einer bräunlichen, gummiharzigen
Substanz, und zwar mit oder meistens ohne Krystalle erschei-
nen !). iin
Dagegen haben wir eine umständliche Erörterung über das
Vorkommen des kohlensauren Kälkes auf der Oberfläche der Sa-
xifraga-Blätter durch Hrn. Unger ?) erhalten. Es ist nämlich
schon seit einer langen Reihe von Jahren bekannt, dafs der graue
und weilse Anflug, welcher auf der oberen Fläche der Blätter
mehrerer Saxifraga-Arten vorkommt, aus kohlensaurem Kalke
besteht; in besonders grolser Menge findet sich dieser Kalkanflug
gerade auf solchen Arten dieser Gatlung, deren Blätter an den
Rändern kleine: napflörmige Vertiefungen besitzen, wie z. B.
Sarifraga Aizoon, S. caesia, intacta, oppositifolia u. s. w. Herr
Unger erklärt das Auftreten des Kalkes auf den Blättern der
Saxifragen für eine Exeretion, und zwar sollen die Grübehen,
welche mit jenem Excrete gefüllt sind, als. solche Exeretions-
Organe angesehen werden. „Die Epidermis der Blätter, sagt
Hr. U., die sonst aus sehr diekwandigen und gestreift- getüpfel-
ten Zellen besteht, wird dort, wo sie die Absonderungsgrube
überzieht, zarter, nnd ‚das darunter liegende Zellgewebe,. eine
Fortsetzung des Gefälsbündels ‘(?) ist gleichfalls etwas ia ‚die
Länge: gestreckt und aus kleineren, nie mit Chlorophylibläschen,
gefüllten Zellen zusammengesetzt. Der kohlensaure Kalk. soll
1) S. die Abbildungen hierzu in Meyen’s Phytotomie Tab. V.
2) Ueber den Einfluls des Bodens auf die Vertheil. der Gewächse
etc. Wien 1336. p. 179.
4l
durch diese Grübchen um so reicher. ausgeschieden werden, je
reicher der Boden an Kalk ist; indessen man findet die Blätter
der genannten Saxifragen ebenfalls sehr stark mit Kalk bedeckt,
wenn sie auf einem sehr humusreichen Boden alt geworden sind.
Auch kann man sehr häufig beobachten, dafs mehr oder weni-
ger grolse Stellen der oberen Blattfläche jener Pflanzen, noch
aulser dem Grübehen nämlich, mit einer dünnen Kruste von Kalk
bedeckt sind, dafs also die Kalkablagerung bei diesen Pflanzen
nickt nur durch die Grübchen erfolgt. Hr. U. meint zwar: Man
würde sich in diesem Falle irren, das Kalkexcrement für ein
Produkt der gesamten Oberhaut zu halten, doch Ref. glaubt,
dals es dennoch der Fall ist, was auch an unseren Gartenp
zen der Art leicht zu beobachten ist. Jenen Absonderungsor-
ganen auf der Oberseite der Blätter sollen ungemein zahlreiche
Poren auf der Unterfläche entsprechen, gleichsam als ob der er-
höhte Ausscheidungsprocels auf der einen Seite einen eben so
erhöhten, aber qualitativ verschiedenen, antagonistisch auf der
anderen Seite hervorrufen wollte.
Es ist in der That diese Kalkablagerung auf den Blättern der
Saxifragen, eine, ganz eigene Erscheinung, und nur mit wenig
anderen in Zusammenhang zu bringen, ja sie ist nicht einmal
mit der Incrustirung der Charen ganz parallel zu stellen, denn
bei diesen scheint sich der Kalk aus dem umgebenden Wasser
niederzuschlagen, indem die Kohlensäure, eich die Lösung des-
selben bewirkte, von den Pflanzen eingesaugt wird. Bei den
Saxifragen scheint eine, blolse Aushauchung der Kalk-haltigen
Flüssigkeit statizufinden und diese ist in jenen Grübchen, wo das
Zellengewebe sehr zart ist, um so stärker; die Erscheinung ist
zusammenzustellen mit der Kalkablager ung in den Lufthöhlen der
Lalhraeen-Blätter und mit dem Vorkommen der Krystalldrüsen
an den Wänden der Luftkanäle in Myriophyllum. Eine Aus-
scheidung eines Salzes, welches in zu grolser Menge im Boden
enthalten ist, findet man auch noch bei anderen Pflanzen auf
der Oberfläche der Blätter u. 8. w. ')
1) Wer hat auf das Vorkommen des Kalkes auf den Blättern der
Saxilragen zuerst aufmerksam gemacht?
42
Ueber den Bau und die Function der
Spiralröhren.
Dafs die Spiralröhren in den Pflanzen zur Fortführung des
Nahrungssaftes dienen, ist von Hrn. Link ') wiederum sehr
bestimmt ausgesprochen und eine Menge von Thatsachen, wel-
che derselbe schon in den früheren Schriften für diese Ansicht
mitgetheilt hat, werden umständlich erörtert. Denjenigen Bota-
nikern, welche der Ansicht sind, dafs die Spiralröhren Luft füh-
ren, weil sie beobachtet haben, dals aus derselben auch deutlich
Luft hervortrete, antwortet Hr. Link, dafs El Därınkanal der
Thiere auch nicht immer voll sei, sondern ö ers Luft enthalte.
_ Auch hat Hr. Ch. Gaudichaud 2) abermals eine Erschei-
nung bestätigt, welche schon von mehreren Reisenden beschrie-
ben ist, und sehr bestimmt für die Saftführung der Spiralröhren
spricht. Wenn man nämlich dergleichen Lianen-Gewächse, wel-
che grolse Spiralröhren besitzen und sich im Zustande des Stei-
gens des Saftes befinden, durchschneidet, so fliefst aus den Schnitt-
flächen eine grolse Menge Saft; dafs dieser Saft aber wirklich
aus den Oeflnungen der Spiralröhren fliefst, das ist von dem Re-
ferenten und auch schon vou Anderen beobachtet. Hr. ©. stellte
seine Beobachtungen bei Cissus Aydrophora an, einer neuen Art,
welche in der Umgegend von Rio de Janeiro wächst. Es wurde
ein Lianen-Stamm von 15— 18 Linien im Durchmesser queer
durchschnitten ; die Sclinittflächen waren feucht, ohne dafs das
Wasser herauslief, nur einige Tropfen fielen von dem oberen
Schnitte herab. Hierauf wurde ein Endchen von 15 — 18 Zoll
von der Basis des oberen Endes abgeschnitten und vertikal ge-
stellt, und augenblicklichst lief das klare Wasser in grofser Menge
hervor; eben dasselbe zeigten dergleichen Schnitte von dem un-
teren Ende des Stammes. Indessen das Ausflielsen des Saltes ge-
schalı langsamer, ja derselbe träufelte aus beiden Enden, sobald
die abgeschnittenen Enden des Stammes in horizonlaler Lage er-
‘ halten wurden. An einem anderen Stamme der genannten Liane
1) Philos. bot. p. 189.
2) Observ. sur l’ascension de la seve dans une Liane, et description
de cette nouvelle espece de Cissus. — Ann. d. sciene. nat. 1836. II. p-
138 — 145.
43
wurde ein Ende von 15 Zoll Länge, bei 14—15 Linien Durch-
messer, abgeschnitten; dasselbe gab 2 Unzen Wasser. Bei einem
anderen, gleichlangen Stücke von einem oberen Ende des Stam-
mes, erhielt Hr. G. etwas weniger Wasser, und diese Verminde-
rung des ausflieisenden Wassers wurde imnier bedeutender, je
mehr das abgeschnittene Ende von der Basis des Stammes ent-
ferot war. An dem folgenden Tage, nach-dem der Lianen-Stamm
durebschnitten war, zeigte die Schnittfläche des unteren, noch
in der Erde stehenden Endes kein Auslliielsen des Saftes; das
ganze Ende war 55 — 6 Zoll unterhalb der Schnittfläche trocken.
Hr. 6. spricht bei dieser Gelegenheit auch von den Ursachen
des Aufsteigens des Saftes im Allgemeinen, er glaubt die Kräfte,
welche diese Erscheinung des Pflanzenlebens bewirken, in äufsere
und in innere theilen zu können. Zu den äulseren Kräften ge-
hörten : Luftdruck, Wärme, Sonnenlicht, u.s.w. Die inneren
Kräfte wären dagegen wieder zu theilen in Kräfte der Nutrition
und in Kräfte der Secretion, zu den Erstern gehörten: die Auf-
nahme der Säfte und der Gase, die Vereinigung der Gase unter
sich, die Verwandelung der Gase zu Flüssigkeiten, die Umwan-
delung der Flüssigkeiten zu festen Stoffen u. s. w.; zu den Letz-
tern dagegen gehörten die Aushauchung der Gase, der Flüssig-
keiten u.s. w.
Besonderes Aufsehen hat eine Abhandlung des Hrn. Girou
de Buzareingues ') gemacht, welche ausschliefslich über die
Organe der Saftbewegung in den Pflanzen handelt. Die Resul-
tate dieser Arbeit sind von denen aller übrigen Pflanzen-Phy»
siologen so abweichend, dafs man vielleicht eine ausführliche
Widerlegung derselben erwartet; indessen die vorgesteckten Gren-
zen dieses Berichtes erlauben uns nicht mehr, als eine Beurthei-
lung derselben im Allgemeinen. Allen Botanikern, welche sich
seit einer Reihe vou Jahren mit der Pflanzen - Anatomie speciell
beschäftigen, wird es sehr leicht sein, sich zu überzeugen, dafs
die angeblichen Beobachtungen des Hrn. Girou de Buzarein-
gues über die Organe der Saflbewegung sämmtlich mit der
Natur nicht übereinstimmen. Die Beobachtungen sind zwar mit
1) Mem. sur la distribution et le mouvement des fluides dans les
Plantes. — Ann. des scienc. nat. 1836. I. p. 226 — 248.
44 5
einem vorirefflichen Mikroskop von Amici angestellt; diesem
Instrumente darf man jedoch nicht die Fehler zuschreiben, wel-
che sich in jene Arbeit eingeschlichen haben, denn Referent,
ebenfalls im Besitze eines solchen Instrumentes, sieht die Gegen-
slände ganz anders, als sie Hr. G. beschrieben und abgebildet hat.
Die grölste Schuld an den abweichenden Resultaten jener .Beob-
achtungen, möchte jedoch. der Methode der Beobachtung zuzu-
schreiben sein; es scheint nämlich, dafs Hr. G. die Objecte stets
zwischen Glasplatten geprefst und im geprelsten Zustande beob-
achtet hat. Nicht genug kann man gegen die Anwendung eines
solchen Quetscher’s bei mikroskopischen Beobachtungen warnen.
Hr. Girou beginnt seine Abhandlung mit dem Ausspruche,
dafs der Saft in den Pflanzen von den Wurzeln zu den Blättern
und von diesen wieder zur Wurzel steigt; dafs sich derselbe
auch von der Achse zur Peripherie und von dieser zur Achse
hin'bewegt, und dafs es eine gasartige Flüssigkeit sei, welche
jenen Saft begleitet. Zur Ausführung jener Saftbewegung bedie-
nen sich die Pflanzen der Zellen und der Gefälse, und diese sind
Intercellular- Gefälse, die zuführenden Gefälse und die abführen-
den Gefälßse. Die Intercellular-Röhren (Des conduits inter-utri-
culaires) sind besondere Gelälßse, welche die Fortbewegung der
Flüssigkeiten und der Gase nach allen Richtungen hin bewirken
sollen (selbst eine erklärende Abbildnng in Fig. 16. Pl. 7. ist hiezu
gegeben!). Zu den zuführenden Gelälsen gehören die einfachen
Gelälse (des vaisseuux unis), worunter wahrscheinlich die Faser-
Zellen und Baströhren verstanden werden, und ferner die Spiral-
röhren oder Tracheen. Zu den abführenden Gefälsen gehören
dagegen die falschen Spiralröhren.
Die Faser, welche die Spiralröhre bildet, soll hohl sein und
Saft führen, sie soll ferner um eine zarte Röhre gewunden sein
und ‚soll äufserlich noch von einer. Membran umschlossen sein,
unter welcher die Flüssigkeit ist, während die innere Röhre, um
welche die Spiralfaser läuft, nur Luft führen soll.
Dieses sind nun eigentlich die Resultate der Beobachtungen
des Hrn. Girou; er giebt aber in dieser Abhandlung, so wie
auch in früheren, niemals speeiell die Planzen an, woran diese
oder jene Beobachtung gemacht wurde, und wo sie leicht zu
wiederholen wäre. Eben so wenig wird der Beobachtungen
45
anderer Botaniker gedacht. Gegen das Ende der Abhandlung
kommt Hr. Girow (I. c. p. 245.) zu dem Schlusse, dafs in den
Pflanzen eine bestimmte Cireulation bestehe; der Saft steige ver-
mittelst der. Intereellular-Röhren durch die ganze Pflanze; durch
die zuführenden Gefälse werde er von der Wurzel zu den Blät-
tern geführt, wo er eine Verarbeitung erleide und dann in die
abführenden Gefälse gehe. Der Salt, welcher in der Spiralfaser
dieser Gefälse enthalten ist, könne zur Wurzel steigen und da-
selbst in der Erde zur Exeretion dienen; der andere Saft aber,
welcher zwischeu den zwei Häuten der abführenden Gefälse ver-
läuft, soll durch die Durchbrechungen seitlich in die Interceliular-
Gänge fliefsen und sich daselbst mit dem aufsteigenden Safte ver-
mischen. Leider hat sich Ref. von keiner dieser Behauptungen
überzeugen können!
Etwas specieller müssen wir in der Angabe, dafs die Spiral-
faser hohl sei, eingehen, denn obgleich wir, schon vor vielen
Jahren zu zeigen suchten, dafs diese Frage auf das Bestimmteste
entschieden sei, so haben sieh doch mehrere der berühmtesten
Phytotomen gerade für die Anwesenheit einer Höhle in den Spi-
ralfaser in diesen letztern Jahren ausgesprochen. Nämlich nicht
nur Hr. Mirbel, sondern auch Hr. Link in seinem neuesten
Werke; Letzterer hält sie für hohl, wegen einiger, wie es
scheint, angeschwollener Stellen, dann auch wegen des Aus-
sehens, da wo sie ästig wird. Doch will Hr. Link ') die Mei-
nung Niemanden aufdringen.
Hr. Mohl ?) hat sich ebenfalls gegen die Anwesenheit ei-
ner Höhle in der Spiralfaser ausgesprochen, welche Hr. Mirbel
der Faser in den Ringröhren des Oleanders zuerkannte; er sagt:
„Wenn der Schnitt genau durch die Achse des Gefälses geht,
und noch besser, wenn es gelingt, dünne scheibenförmige Queer-
schnitte der Spiralfaser zu erhalten, so sieht man sehr bestimmt,
dafs die Spiralfaser aus zwei Schichten besteht, gleichsam aus
einer Mittelstrange und einer Scheide. Es findet hierin also ein
Unterschied zwischen der Spiralfaser und den Fasern der ge-
tüpfelten Zellen Statt, allein auch eine Achnlichkeit, indem es
1) Elem. philos. bot. p. 159.
2) Pllanzen -Substanz, p. 29.
46
wahrscheinlich ist, dafs der Mittelstrang der zuerst gebildete
Theil der Faser, und die Scheide eine spätere Auflagerung auf
denselben ist — —; so viel halte ich jedenfalls für gewils, dafs
die Spiralfaser nicht hohl ist.“ Alles was hier von: den Fasern
der Spiralröhren gesagt ist, das bezieht Ref. auch auf die Spiral-
fasern, welche sich im Innern gewöhnlicher Parenchym-Zellen
zeigen, denn diese Gebilde hält derselbe für identisch. Auch hat
Ref. in seiner neuesten Schrift über Pflanzen-Physiologie noch
mehrere andere Gründe aufgeführt, welche dafür auf das Be-
stimmteste sprechen, dafs die Spiralfaser immer solide
ist. Auch sie verdickt sich durch Anlagerung neuer Schichten
und zuweilen zeigt sie eine scheinbare Gliederung.
Ueber Beobachtungen, das Cireulations-System
der Pflanzen betreffend,
Die Lehre von dem eigenthümlichen Cireulations-Systeme
in den. vollkommeneren Pflanzen hat im vergangenen Jahre wie-
derum bedeutende Anfechtungen erleiden müssen.
Hr. Link !) sucht durch Beobachtungen zu erweisen, dafs
die Harzgänge der Coniferen mit den Milchsaftgefälsen der Eu-
phorbiaceen und Asclepiadeen zu einer 'und derselben Classe von
Gebilden zu zühlen wären, obgleich sie einander nicht ganz
gleich sind. In ganz jungen keimenden 'Coniferen hat Hr. Link
an den Harzgängen eine eigene Membran beobachtet, doch er
selbst sagt, dafs sie an den gröfseren, d. h. älteren Gefälsen die-
scr Art zu verschwinden scheinen. Referent hat sich von dem
Vorhandensein jener eigenen Membran der Harzgänge noch nicht
überzeugen können, und auch die Abbildungen nach Queerschnit-
ten, welche Hr. Link ?) zu diesen Harzgängen gegeben hat,
zeigen keine Spur einer eigenen Haut. Leichter ist die Ent-
stehung dieser Harzgänge in den jungen Schöfslingen der Coni-
feren zu beobachten; hier kann man wenigstens mit Bestimmi-
heit sagen, dafs diese Harzgänge selbst in der Jugend keine ei-
gene Membran besitzen, ja auch die Blätter der Coniferen, am
1) Element. phil. bot. I. p. 196.
2) Anatomie d’une branche de Pinus Strobus. — Ann. des science.
nat. 1836. I. p. 129. Pl. 3. fig. 1. — Auch in dessen Anat. bot. Ab-
bildungen Tab. VII. fig. 1 u. 5.
47
schönsten vielleicht die Blätter von Pinus sylvestris, zeigen eine
Schicht eigenthümlicher Zellen, welche den Harzgang bilden,
aber keine eigene einfache Membran. In der aufgeführten Ab-
handlung (p- 132.) spricht Hr. Link die Meinung aus, dafs der
harzige Saft, welcher jene Harzgänge in den Coniferen erfüllt,
in Bewegung zu sein scheint, denn die Substanz flielst in grofser
Menge und lange Zeit hindurch heraus, wena man einen Ast
dieser Pflanzen abschneidet, Es wäre gewils ein grofser Gewinn
für die Pflanzen-Physiologie, wenn man diese Ansicht näher er-
weisen könnte, was aber kaum ausführbar sein möchte, da die
Pflanzentheile, welche dergleichen Gefälse enthalten, viel zu dick
sind, um unmittelbar ohne Zerstückelung beobachtet werden zu
können. Eine solche Bewegung des Harzes würde die Behälter
den wirklichen Lebenssaft-Gefälsen näher stellen; und Ref.: hält
es für höchst wahrscheinlich, dals sie von grölserer Bedeutung
sind, als man bisher denselben einzuräumen wagte, denn die
“ Harzgänge in den Coniferen, se wie! die Gummigänge in den’
Cycadeen bilden ein, vielleicht durch‘ die ganze Pflanze hindurch,
2
zusammenhängendes, ganz für sich abgeschlossenes System, und
gerade bei solchen Pllanzen, wo diese Harzgänge vorkommen,
da fehlen die Lebenssalt-Gefälse. Auch läfst sich sehr häufig
eine grolse Uebereinstimmung zwischen dem Safte der Gummi-
gänge und dem der Lebenssaft-Gefälse verschiedener Pflanzen in
chemischer Hinsicht nachweisen.
5 Von den Milchsaft - Gefälfsen der Euphorbiaceen und Asele-
. piadeen sagt Hr. Link, dals sie am Stamme einzeln stehen, ge-
rade.und einfach sind, und nur in den jüngeren Stämmen, wo .
sie gegen die Blätter auslaufen, ästig erscheinen; auch wurden
sie in strauchartigen Euphorbien mit gespreizten Aesten beob-
achtet, zuweilen entferuen sie sich in ihrem Verlaufe von den
Nerven. Hr. Link sagt ferner, dafs sie mit einer stumpfigen
Spitze enden, und also auch keine Anastomosen zeigen, ja zu-
weilen scheinen sie Queerwände zu haben, aber nur falsche,
Diese Beobachtungen stimmen allerdings nicht mit denjenigen,
welche Referent im vorjährigen Berichte angeführt hat, um die
Einwürfe des Hrn. Treviranus zu widerlegen, hofft jedoch,
dals es gelingen wird, mehrere derselben anders zu deuten. Nir-
gends als in den Blättern der Hoya carnosa ist es leichter zu
48
beobachten, dafs verästelte und sehr diekhäutige Gefäße mit
stumpfen Enden durch das Diachym derselben verlaufen, indes-
sen diese Gefälse sind keine Milchsaft-Gefälse, sondern es sind
verästelte Bastzellen oder Fasergefälse, von denen allerdings bis-
her in den botanischen Schriften noch nicht die Rede gewesen
ist. Ein so höchst auffallender Bau kommt überhaupt den Faser-
gefälsen (Faserzellen) der Asclepiadeen und der Apocyneen zu,
wovon vorhin dieRede war. Aber nirgends ist die Verästelung
und Anastomose der Gefäfse des Stammes deutlicher und häufi-
ger zu sehen, als im Stamme der alten Gattung Sarcostemma;
bier findet man das regelmäfsige und vielfach anastomosirende
Geflecht von Milchsaft-Gefälsen unmittelbar vor der Schicht von
Bastzellen gelagert, welche mit jenen verästelten der Hoya-
Blätfer in jeder Hinsicht eine und dieselbe Structur zeigen, nur
dafs ihnen die Verästelung fehlt. Diese Beobachtung zeigt denn
auch auf das Bestimmteste, dafs Hrn. Mirbel’s Angabe *), als
wären die Bastzellen bei IVerium, wo es sich ganz ähnlich ver-
hält, für die Milchsaft-Gefälse zu halten, nicht die richtige sein
kann. Bei Ficus elastica ist es Referenten noch nicht gelungen,
geschlossene Enden der Milchsaft - Gefälse zu beobachten, auch
sah er niemals Scheidewände in dergleichen Gefäfsen, wohl aber
wirkliche Anastomosen, selbst bei Chelidonium majus u.dgl.m.
Dafs sich der Saft in den Milchsaft-Gefälsen bewegt, das
hat Hr. Link bekanntlich schon früher bestätigt, und auch wie-
der von Neuem beobachtet, auch bemerkt er ganz vortrefflich,
dafs diese Bewegung weder durch die Zusammenziehung der
Gefälse, noch durch die Bewegung der im’ Safte enthaltenen
Kügelchen bewirkt werde, indem es nämlich die Beobachlung
nicht zeigt.
Durch verschiedene Reisende, welche sich längere Zeit hin-
durch in dem gegenwärtigen Columbien aufhielten, sind Nach-
richten eingegangen ?), wonach es sehr wahrscheinlich wird,
dals in jenen Gegenden noch mehrere Arten von Bäume vor-
kommen, welche eine ähnliche Milch liefern, wie der berühmte
Kuhbaum, über den uns Hr. Alex. von Humboldt in seinem
Rei-
1) S. d. Jahresbericht von 1855.
2) Loudons- Gardeners Magazine 1836. No. 71. p. 100.
49
Reisebericht (Capitel XVI u. XXVI. Note) so unvergleichlich
interessante Mittheilungen gemacht hat.
Ueber Euphorbia phosphorescens mit dem leuchtenden Milch-
safte hat Hr. Morney wiederum sehr interessante Nachrichten
durch die Zeitungen verbreitet. Es wächst dieser Strauch bei
San Franeisco in Alagoas in Brasilien in undurchdringlichen Mas-
sen, die vielleicht mehrere 1000 Q. Fuls bedecken. Nach der
Aussage der Eingeborenen, soll es sich selbst entzünden, eine
Zeit lang eine mächtige Säule dichten Rauches ausstofsen und
endlich in helle Flammen ausbrechen.
Ueber Secretionsorgane der Pflanzen.
Hr. L. Griesselich *) hat mit allem Rechte einige malı-
nende Erinnerungen an die Pflanzen -- Physiologen wegen der
mangelnden Kenntnils über den Bau und die Bedeutung der
Drüsen ergehen lassen; auch er macht die Bemerkung, dafs
selbst dasjenige, was Hr. De Candolle in seinen berühmten
physiologischen Werken gesagt hat, leider nicht geeignet ist,
über jenen Gegenstand Licht zu geben. Auch führt er mehrere
Stellen aus jenen Werken an, welche dieses hinreichend bestä-
tigen. Hrn. Griessefich’s Angaben über den genannten Ge-
genstand sind indessen wohl eben so wenig auf eigene Beob-
achtungen mit dem zusammengesetzten Mikroskope gegründet,
Fr die des Hrn. De Candolle, und wenn sich deshalb in der
bhandlung auch eigentlich wenig Neues befindet, so hat sie
doch das Verdienst auf einen, so höchst vernachläfsigten Gegen-
stand drivugend aufmerksam zu machen. Die Königl. Gesellschaft
der Wissenschaften zu Göttingen, ebenfalls den Mangel in der
Kenntnils der Pflanzen-Drüsen fühlend, hat diesen Gegenstand
zur Preisfrage gewählt, welche Referent zu beantworten gesucht
“hat ?).
Hr. Griesselich nennt die Oel-führenden Drüsen, welche
in (nicht auf) der Substanz der Labiaten-Blälter so allgemein
1) Ueber die sogenannten Drüsen auf den Blättern ‘der Labiaten,
und die in denselben vorkommenden riechenden Bestandtheile. — Kleine
botanische Schriften. I. Theil, Carlsruhe 1836. 8. Ä
2) Meyen, Ueber die Seeretionsorgane der Pflanzen. Berl. 1837. 4.
Mit 9 Tafeln mikroskopischer Abbildungen.
II. Jahrg. 2. Band. 1
50
r
vorkommen: Poren;; eine Benennung, welche einmal der Ver-
wechselung der Begriffe wegen nicht besonders zu loben sein
möchte, dann aber auch den schon bestehenden nachgesetzt wer-
den muls: Neben Guettard’s Benennung (glandes vesiculaires)
ist der Name: innere Drüsen, welcher von mehreren Phytoto-
men gebraucht worden ist, ganz passend und demnach auch bei-
zubehalten, denn es ist dieses die einzige Art von zusammenge-
setzten Drüsen, welche im Innern des Zellengewebes der Pflan-
zen auftreten. Hr. G. hält diese inneren Drüsen für blofse Be-
hälter eines abgesondertes Siofles, eine Ansicht, welche jedoch
die anatomische Untersuchung dieser Drüsen widerlegt. Was über
das Vorkowmen de. inneren Drüsen bei den Labiaten gesagt wird,
möchte so ziemlich schon von Guettard ') aufgeführt sein, ja
derselbe hat darüber wohl noch mehr geschrieben, als in vor-
liegender Abhandlung zu finden ist, leider ist aber Guettard’s
Schrift sehr unbekannt geblieben. -
In Gärten gezogene Labiaten sollen nach Hrn. G.’s Beob-
achtung weniger innere Drüsen haben, als wildgewachsene, in-
dessen bezieht sich dieses wohl nur auf eine geringere Erzeu-
gung von den‘ abgesonderten Oelen; die Drüsen sind wohl in
gleicher Anzahl vorhanden. Schon Gutttard bemerkt, dals
man bei vielen dieser Pflanzen, welche im frischen Zustande
keine Drüsen zeigen, solche an getrockneten Exemplaren beob-
achten könne.
Aufser den inneren Drüsen findet man auch noch äufsere,
aber einfache Drüschen bei den Labiaten, die ich in jener Göt-
tinger Preisschrift aufgeführt habe.
Ueber Säfte- Aufnahme, Ausscheidung und Ernäh-
rung der Pflanzen.
Ueber die Ernährung der Pflanzen sind wiederum sehr in- .
teressante Versuche angestellt und es ist zu hoflen, dafs wir sehr
bald auch über diesen Gegenstand zu .bestimmien und allgemein
anerkannten Ansichten gelangen. Zuerst hat Hr. Unger ?) eine
sehr ausführliche Zusammenstellung der Versuche und Ansichten
1) Observations sur les plantes. Paris 1757. 2 Vol. 8.
2) Einfluls des Bodens auf die Vertheilung der Gewächse. Wien
1836. p. 125 etc.
51
der Botaniker und Chemiker gegeben, welche über die Aufnah-
me und die Bildung des Nahrungsstoffes der Pflanzen gehandelt
haben. Es fragt sich nämlich, ob das Leben der Pflanzen im
Stande ist, die organischen Stoffe selbst zu bilden, welche zur
Ernährung der Pflanzen dienen, oder ob diese Nahrungsstoffe,
wenigstens in ihren Elementen von Aufsen aufgenommen wer-
den. Hr. Unger (I. c.p. 136.) gelangt endlich zu dem Schlusse,
„dafs der Vegetations-Procefs an den ihm dargebotenen Stoffen
weder neue Elementarstoffe zu erzeugen, noch den bereits vor-
handenen anzureihen vermag; dadurch aber geht zugleich indi-
rect hervor, dafs die Pflanze auch ihre unorganischen Stoffe, so
wie den Kohlen-, Wasser-, Sauer- und Stickstoff von der Aus-
senwelt aufzunehmen genöthigt ist.“
Dafs die anorganischen Stoffe, welche die Pflanze enthält,
von Aufsen aufgenommen werden, das hat abermals Herr Ja-
blonski ’) durch genaue Versuche zu erweisen gesucht. Um
nämlich die bekannten Schrader’schen Versuche, welche durch
Beobachtungen erweisen sollten, dals der Vegetations-Procels im
Stande ist, Alkalien, Erden und Metalle zu bilden, zu wider-
legen, wurden von Hrn. J. ähnliche Versuche angestellt, und ‚es
ergaben sich aus diesen folgende Resultate. Die Schwefelblumen,
welehe auch zu diesen Beobachtungen benutzt wurden, sind vor
den Versuchen durch Digeration in Salzsäure gereinigt worden,
und es zeigte sich durch diese Operation, dafs den Schwefelblu-
men eine ()uantität vom Eisenoxyd, Kieselerde und Kalk an-
hänge! In vollkommen gereinigten Schwefelblumen, wurden die
Samen verschiedener Pflanzen gesäet, doch sie kamen nur zu
sehr, geringer Entwickelung, selbst wenn sie mit Kohlensäure-
haltigem Wasser begossen wurden. Die Dikotyledonen entwik-
kelten langsam ihre Kotyledonen, aber die Plumula zeigte kaum
Neigung sich zu verlängeren, und nach 3—4 Wochen waren
alle Pflänzehen todt.
Hr. J. machte nun dieselben Versuche mit Schwefelblumen,
welche in einer Apotheke gewaschen waren ; dieselben hinter-
lielsen beim Verbrennen 4 Proc. kohliger Masse, welche H- Proc.
— vi
1) Beitrag zur Lösung der Frage, ob durch den Wegetations-Pro-
cefs chemisch unzerlegbare Stoffe gebildet werden? — In diesem Archiv
1336. I. p. 206 — 212.
4%
52
Asche aus Eisenoxyd, Kalk und Kiesel gab. Kohlsamen, welche
in diese Schwefelblumen gesäet wurden, keimten sehr bald und
erhielten eine Höhe von 4 Zoll über den Schwefel, bis sie end-
lich von der 7ten bis zur 10ten Woche abstarben, ohne in den
letztern drei Wochen merklich zugenommen zu haben Dieser
letztere Versuch ist ganz in derselben Art ausgefallen, wie die
Versuche von Lassaignes, dessen Buchweitzen-Pllänzchen in
ausgewaschenem Schwefel in 15 Tagen Stengel von 6 Centimeter
Höhe trieben. Hr. L. analysirte damals die ausgesäeten Pflänz-
chen und fand die Asche derselben eben so zusammengesetzt,
als eine gleiche Masse von Samen, woraus jene Pflänzchen her-
vorgewachsen waren. j
Hr. Jablonski zieht aus seinen Versuchen den Schlufs, dafs
die Pflänzchen nur so lange fortlebten, als die im Albumen oder
den Kotyledonen niedergelegten Nahrungsstoffe die zum Pflan-
zenleben nothwendigen chemischen Processe erleiden konnten;
sobald aber ihre Verbindungen eine relative chemische Indifle-
renz erreicht hatten, war auch der Tod unvermeidlich, und Koh-
lensäure und Wasser zeigten sich nicht geeignet, die neue Bil-
dung von organischen Stoffen zu unterhalten.
An diese Untersuchungen schliefsen sich unmittelbar dieje-
nigen, welche man über die Aufnahme verschiedenartiger Stoffe
durch die Wurzeln der Pflanze angestellt hat.
, Hr. M. G. Towers !) hat abermals Versuche angestellt, um
zu beobachten, ob gefärbte Flüssigkeiten durch die unverletzien
Wurzeln der Pflanzen aufgenommen werden ; aber weder Infu-
sionen von Campecheholz noch von Brasilienholz gingen in die
Pflanze über, und es wurde hiermit die Beobachtung des Herrn
Link und anderer deutschen Botaniker bestätigt. Hr. T. wandte
die Balsamine-Pflanze zu diesen Versuchen an, und bald darauf
hat Hı. Unger ?) dergleichen Versuche mit der Lemna minor
angestellt, welche er in Cochenille-Tinktur, mit und ohne Bei-
satz von Alaun, und in Campescheholz-Infusion wachsen liels,
1) Transact. of the Hortie. Soc. to London Sec. Ser. Vol. II. Part. I.
p. 41. — Bibliotheque universelle de Geneve Nr. 5. 1836. — Ann. des
seiene. nat. 1836. II. p. 288. — Froriep’s Notizen Nr. 1078. Sept. 1836.
2) Einfluls des Bodens auf die Vertheil. d. Gew. p. 149.
33
“
aber niemals die Aufnahme der gefärbten Flüssigkeit beobach-
tete. Die Bibliotheque universelle de, Genöve *) hat einen Aus-
zug jener Arbeit des Hın. Towers gegeben, und führt dabei
Beschwerde, dafs Hr. T. die Beobachtungen seiner Vorgänger so
ganz unbeachtet gelassen habe, und gerade diese bewiesen, dafs
die Pflanze auch mit unverletzten Wurzeln gefärbte Flüssigkeiten
aufnehmen. Es wird nämlich die Beobachtung des Herrn De
Candolle sen. angeführt, nach welcher gefärbte Flüssigkeiten
durch die Wurzelschwämmehen eingedrungen wären. Indessen
dieser unvollständig mitgetheilten Beobachtung des Hrn.
De. stehen eine sehr grolse Menge negativer Beobachtungen
entgegen, welche Referent alljährlich angestellt hat. Aber schon
lange vor dem Erscheinen von Hrn. De C.’s Physiologie hat Hr.
©. H. Schultz zu Berlin die Beobachtung bekannt gemacht,
dafs gefärbte Flüssigkeit von einer Chara aufgenommen wäre.
Die Beobachtung ist ganz umständlich erzählt, aber dennoch ist es
mir noch niemals geglückt dieselbe zu wiederholen, obgleich ich
mit‘ ganzen Haufen‘ von Charen dergleichen Versuche angestellt
habe. Ziehen wir demnach diesen einzigen, von Hrn. Sch. be-
obachieten Fall mit der Chara ab, so können wir aus den vor-
handenen guten Beobachtungen den Schluls ziehen, dals der Far-
bestofl' in den gefärbten Flüssigkeiten noch nicht so fein zertheilt
ist, dals er durch die Zellenmembran der Pflanzen durchdringen
kann, dafs er demnach von der unverleizten Pflanze nicht auf-
genommen wird. Dagegen ist es durch’ viele Versuche nachge-
wiesen, dafs Stoffe, welche sich in einem vollkommen gelösten
Zustande belinden, als z. B. Salzauflösungen, selbst wenn es die
stärksten Gifte sind, durch die Zellenmembran der Pflanzen durch-
dringen. Auch hierüber haben die Herren Towers und Unger
mehrere Versuche angestellt; Ersterer begols Balsaminen mit einer
eoncentrirten Lösung des chlorsaueren Eisens, und obgleich das-
selbe in die Substanz der Pflanze eingedrungen war, so hatte
doch die Pllanzee selbst nach 16 Tagen nichts gelitten.. Es ist
bekannt, dafs Hr. Link früher ähnliche Versuche mit blausaurem
Kali und Eisenvitriol mit gleichem Erfolge angestellt hat, und ganz
mit Unrecht hat Hr. Treviranus jene Resultäte der Linkschen
1) Nouv. Ser. I. Mai 1836,
54
Beobachtungen in Zweifel gestellt, denn Ref. sind viele Versu-
che der, Art mit gleichem Erfolge geglückt.
Herr Towers steckte auch abgeschnittene Balsaminen in
jene Eisenlösung und fand, dafs sie darin sehr bald abstarben;
ein Resultat, welches ebenfalls schon aus früheren Versuchen
deutscher Botaniker bekannt ist. Hr. T. zieht aus seinen Ver-
suchen den Sehlufs, dafs Pflanzen im natürlichen Zustande eine
Substanz ohne Nachtheil aufnehmen können, welche denselben
unter anderen Verhältnissen den Tod bringt; indessen dieser
Schluls ist zu voreilig, wie es auch die umständlicheren Ver-
suche des Hrn. Unger erweisen, welche wir sogleich mittheilen
werden.
Hr. Th. And. Knight ') sucht es in Zweifel zu stellen,
dafs die Wurzelschwämmchen diejenigen Organe wären, welche
den Nahrungssaft aus dem Boden ziehen und ihn zu den. übri-
gen Theilen der Pflanze senden; sie wären zu. unvollkommen
organisirt. Hr.K. sagt, dafs er gezeigt habe, wie der Nahrungs-
saft in den Bäumen nur durch das junge Holz oder den Splint
emporsteigt, und da die Wurzelschwämmchen keine Holzfaser
besitzen, so müssen es offenbar andere Kanäle u.s.w. sein, wel-
che den Saft aufnehmen; auch bilde sich das junge Holz schon
sehr früh, lange vorher, ehe sich die Stengel und die Aeste aus-
bilden. Er sei überzeugt, dafs man irrthümlich Fasermasse des
Splints in den Wurzelschwämmchen mit einbegriffen habe. (Wahr-
scheinlich wird hierbei auf die Beobachtungen des Hrn. De Can-
dolle angespielt!) Allerdings fehlt uns noch immer eine ge-
naue Nachweisung über den Zusammenhang der Wurzelschwämm-
chen mit denjenigen Elementar-Organen, welche den von ihnen
aufgenommenen Saft weiter fortführen, dafs aber die Wurzel-
schwämmchen, wo sie vorhanden sind, Nahrungssaft aufnehmen,
ähnlich den feinsten Wurzelhärchen, das ist gar nicht mehr in
Zweifel zu ziehen.
Hr. Unger (l. c.p.147.) liefs mehrere Pflänzchen von Lemna
minor in einer Menge von 4 Unzen Wasser wachsen, worin 3
1) Sur la faculte d’absorption attribuce aux spongioles des racines.
Uebers. aus dem Transact. of the Horticult. Soc. of London. Sec. Ser.
T. II. p. 117. (Ref. benutzte die franz. Uebers., indem das engl. Ori-
ginal zufällig noch nicht nach Berlin gekommen ist.)
55
Gran Bleizueker aufgelöst waren; schon am’ Sten Tage wurden
sie bleicher, wobei die Entfärbung von der Wurzel ‚aus begann.
Von dem 3ten Tage an liefs man diese Pflänzchen in reinem
Wasser wachsen. aber die Vergiftung war so vollkommen, dafs
sie schon ‘am 5ten Tage anfingen ‚abzusterben. Wiederholte,Ver-
suche lehrten, dafs schon binnen 24 Stunden eine so bedeutende
Quantität des Bleisalzes aufgenommen war, dafs Sehwetelam-
moniak ausgezeichnete Bräunung zeigte. Es erwies sich (hierbei,
dafs bei der Lemna nicht nur die Würzelchen, sondern auch die
Blättchen einsaugen, und zwar die untere Fläche im höheren
Grade als die obere Fläche. Diese Erscheinung ist aber wohl,
wie Referent glaubt, ganz allgemein, selbst bei den vollkommen-
sten Landpflanzen; im höheren Grade aber bei’ den unvollkom-
menen Wasserpflanzen, welche aus blofsem Parenchym bestehen,
bei welchen es mehrere Versuche nachgewiesen haben. Hr. U.
glaubt, dals jene aufgenommenen fremdartigen Stofle mehr die
Zellenwände durchdringen, als sich dem Zellensafte mittheilten;
dagegen möchten aber meine eigenen Versuche, welche ich bei
der Lemna mit Eisensalzen, so wie: bei Balsamine- und Mays-
Pflanzen mit blausauerem Kali angestellt habe, darthun, dafs
sich der aufgenommene gelöste Stoff dem Zeliensafte mittheilt.
Lälst man aber Reagentien auf solche Zellen einwirken, so wer-
den meistens die, dadurch hervorgehenden gefärbten Stoffe auf
die Wände der Zellen und auf die Zellensaft-Kügelehen nieder-
geschlagen.
Diese Versuche über die Einsaugung gelöster fremdartiger
Stoffe durch die Zellenmembran, stellte Hr. Unger hauptsäch-
‚lieh an, um zu erfahren, ob eine Ausscheidung der aufgenom-
menen Stofle durch die Wurzel wiederum stattfinde. Verschie-
dene Versuche zeigten schr bestimmt, dals dieLemna-Pllänzchen
weder das aufgenommene Bleisalz noclı Schwefelaminonium; wel-
‚ches sie eingesaugt hatten, wieder ausschieden, und eben das-
selbe kaun Ref. von dem aufgenommenen Eisenvitriol und dem
blausaueren Kali anführen. Es wurden Pflänzchen der Lemna
frisulca, welche mit dem einen dieser Stofle geschwäugert wa-
ren, und Pflänzchen, welche den anderen Stoff aufgenommen
hatten, in ein Glas mit reinem Wasser geselzt; sie wuchsen noch
mehrere Tage aber es zeigte sich keine Reaction in den Wasser.
56
Bekanntlich wird eine solche Ausscheidung der aufgenom-
ınenen fremdartigen Stofle vermittelst der Wurzel durch die Ver-
suche von Macaire und Daubeny gelehrt, doch bei allen ih-
ren Versuchen bleibt man ungewils, ob die Wurzeln unverletzt
waren; ja man muls sogar das Gegentheil vermuthen.
Bei allen diesen Versuchen, besonders wenn man. scharfe
Stoffe, wie Vitriole, den Pflanzen aufzusaugen giebt, leiden die-
selben recht sehr; wenn sie in der Erde stehen, pflegen die Wur-
zeln zuerst abzusterben, und dann entwickeln sich zuweilen am
Stengel kleine Luftwurzeln. Diese Erscheinung scheint sehr all-
gemein zu sein, wenn die Wurzeln leidend sind, oder wenn sich
dieselben nicht gehörig entwickeln können; so sah Hr. Jablonski
(l.c.p. 211.), einen Stengel einer Kohlpflanze, welche in aus-
gewaschenen Schwefelblumen sehr kümmerlich wuchs, mehrere
solcher Luftwurzeln treiben, und Ref. sah es mehrmals bei Bal-
saminen, bei dem Mays u. s. w., wenn die Würzelchen durch In-
sekten in der Erde zerstört wurden.
Hr. Dutrochet !) hat abermals mehrere Untersuchungen
über die Respiration der Pflanzen bekannt gemacht, welche ein
hohes Interesse gewähren, doch möchten wohl nicht alle Phy-
siologen geneigt sein, den Sehlüssen beizustimmen, welche Hr. D.
aus jenen Beobachtungen gezogen hat. Wir wollen zuerst die
Beobachtungen im Allgemeinen erörtern, von welchen Hr. D.
ausgegangen ist; er ist nämlich der Meinung, dals die Hautdrü-
sen, wie Hr. Amici nachgewiesen haben soll, die Neigung hät-
ten, ihre Spaltöffnung zu schlielsen, sobald sie in Berührung mit
Wasser treten. Indessen diese angebliche Beobachtung kann Ref.
nicht bestätigen, und daher kann man einige Zweifel gegen die
Schlüsse zeigen, welche darauf gebauet sind. Hr. D. hatte früher
schon die Beobachtung bekannt gemacht, dafs die Luft in Jen
Luftbehältern der Nymphaea lutea um so reicher an Sauerstoff
wäre, je näher sie den Blättern vorkomme, woraus denn zu
schlielsen wäre, dafs der Sauerstoff von den Blättern aus dureh
alle Athmungsorgane der Pflanzen getrieben werde. Ich führe
dagegen eine Beobachtung an, welche der angegebenen Ansicht
1) Recherches sur la respiration des vegetaux. — L’Institut d 1836.
p. 358. — Im Auszuge in Froriep’s Notizen. Noy. 1836.
57
widerspricht. Wenn man nämlich an einem heifsen Tage ein kräf-
tiges Exemplar einer Calla aethiopica zum Theil unter Wasser
stellt, und einige Blatistiele dicht über der Erde abschneidet, so
wird man beobachten, dafs bei dem Einflusse des Sonnenlichtes,
fortwährend eine sehr grolse Menge Luft aus den durchschnit-
tenen Luftkehältern ausströmt; aber auch diese Luft scheint reich
an Sauerstoff zu sein, denn ein glühender Span glimmte darin
um so heller.
Hr. D. stellte ein abgeschnittenes Blatt einer Nymphaea un-
ter Wasser und beobachtete, wie dasselbe, bei der Einwirkung
des Sonnenlichtes, nur aus den durchschnittenen Oeflnungen der
Zufikanäle des Stieles, Sauerstoffgas entwickelte; eben dasselbe
sah er bei den abgeschnitienen Blättern von Hydrocharis Mor-
sus vanae, Pofamogeton sericeum und Myriophyllum spicatum.
Diese letztere Pflanze lebt bekanntlich ganz unter Wasser und
_ besitzt keine Spaltöffnungen. Lälst man aber die Biätter der
Nymphaea und Hydrocharis auf der Oberfläche des Wassers
schwimmen, wie im natürlichen Zustande, so hört die Aushau-
ehung des Sauerstoffes an den durchschnittenen Luftkanälen des
Stengels auf. Hört diese Gasentwickelung aber auch auf, wenn
die Enden der durchschnitienen Blattstiele nach oben hin gebo-
gen sind? Wurden abgeschnittene Nymphaeen-Blätter umgekehrt
und dem Einflusse der Sonne unter Wasser blolsgestellt, so hörte
allmälich die Entwickelung des Sauerstofles aus den durchschnit-
ienen Lufikanälen auf, sie begann aber von Neuem, wenn jene
Blälter wieder in ihre natürliche Lage gestellt wurden.
Hr. D. zieht endlich aus seinen verschiedenen Untersuchun-
gen den Schluls, dafs die Pflanzen des Nachts den Sauerstoll' aus
der Luft absorbiren, und dafs dieses nur eine Hülfsrespiralion
sei, während der wahre Athmungsprocels der Pllanzen in der,
durch das Sounenlicht veranlafsten Entwickelung und Verbrei-
tung des Sauerstofles im Inneren des Pflanzengewebes bestehe. .
Hr. Morren '), der im botanischen Garten zu Löwen Ver-
suche über die Respiration der Pflanzen anstellte, machte am
18. Mai v. J. während der grofsen Sonnenfinsternils die Beob-
achtung, dafs die Respiralion der grünen Pflauzentheile, nämlich
I) L’Institut de 1836. p. 416.
58
die Aushauchung des Sauerstoffes in dieser Zeit aufhört, Etwas.
Aehnliches kann man aber auch an recht warmen Sonimertagen
beobachten, wenn nämlich diese Aushauchung des Sauerstoflgases
durch die Einwirkung des Sonnenlichtes recht stark ist, und die
Sonne plötzlich durch grofse Wolkenmassen bedecktwird ; Ref.
sah es mehrmals, wie bald dann die Entwiekelung der Gasbläs-
chen sich vermindert, nnd endlich mehr oder weniger ganz
aufhört.
Ueber den Bau und das Wachsthum der vollkom-
meneren Pflanzen.
Ueber den Bau und die Entwickelung der Rinde bei dem
Dikotyledonen-Stamme hat Hr. Mohl !) eine interessante Arbeit
geliefert, worin dieser Gegenstand® bei verschiedenen Pflanzen
vergleichend bearbeitet ist. Die Untersuchungen des Hrn. M.
sind folgende: In der Rinde eines jungen Astes der Korkeiche
(Quercus Suber) unterscheidet man vier bestimmte Schichten;
die äulserste Schicht ist die Epidermis, sie besteht, wie in an-
dern Fällen, aus einer einfachen Lage von platten, dickwandi-
gen Zellen nnd ist mit sternförmigen Haaren bekleidet. (De
Candolle giebt zwar an, dafs die Epidermis der Bäume nie
mit Haaren besetzt sein soll,) Die zweite Schicht liegt dicht
unter der Epidermis und besteht aus 3—5 Lagen dünnwandi-
ger, ungefärbter, körnerloser Zellen, welche meistens horizontal
gelagert und ebenfalls, wie die Zellen der Epidermis, etwas zu-
sammengedrückt sind (nämlich nach der Fläche des Stammes).
Die dritte Schicht ist die zellige Hülle, welche als eine grüne
parenchymatöse Zellenschicht erscheint. Mitten in dieser Schicht
von grünen Zellen erscheinen einzelne ungefärbte, elwas grölsere
Zellen, welche kleine ungefärbte Körner enthalten; ein Fall, der
auch bei vielen andern Pflanzen zu finden ist. Die innerste,
oder die vierte Schicht, ist die Bast- oder Faserschicht, welche
jedoch erst in mehrjährigen Aesten als deutliche Schicht zu er-
kennen ist. In 2- bis 3-jährigen Aesten dieser Pflanze findet
man die angeführten Rindenschichten noch ziemlich unverändert,
die Epidermis und die zweite Schicht sind unverändert, dagegen
1) Untersuchungen über die Entwickelung des Korkes und der Borke
auf der Rinde der baumartigen Dikotyledonen. Tübingen 1836.
59
ist das Parenchym der zelligen Hülle vergröfsert; die Zellen sind
dieker geworden und auf den Wänden findet man Tüpfel. Erst
im 3ten bis ten Jahre erhält die Epidermis, welche die Ausdeh-
nung der Rinde wie überhaupt der Masse des jungen Astes nicht
mehr folgen kann, kleine Einrisse, und nun geht in der unter
ihr liegenden Korkschieht eine grofse Veränderung vor. Diese
Schicht, welche Anfangs so klein war, vergrölsert sich durch
Anlage neuer Zettenschichten auf der inneren Seite. Die neuen
Schichten bestehen ganz wie die alten Schichten aus dünnwandi-
gen ungefärblen Zellen, sind aber mit ihrem Längendurchmesser
horizontal und in der Richtung der Rinden gelegen. Bei dieser
beständigen Vergröfserung der inneren Schichten zerreilsen die
äufseren und geben dem Stamme eine unregelmäßsige, raue Ober-
fläche. Die hierdurch entstehende Masse ist nun die Korksub-
stanz, welche, wie bekannt, so häufig zu technischen Zwecken
benutzt wird. An jedem Korke erkennt man, dafs seine Ver-
grölserung schichtenweis stattgefunden, und dafs an der Grenze
zweier Schichten die Zellen etwas kleiner und diekhäutiger wer-
den, wodurch diese Stellen dunkeler erscheinen, ganz so, wie
die äulseren Enden der Jahresringe der Coniferen. Es ist be-
ständig zu beobachten, dafs auch die Jahresringe im Holze der
Bäume sehr verschiedene dieke Schichten zeigen, dafs sie über-
haupt oftmals unregelmäfsig dick abgelagert sind. In dem Korke
ist dieses noch weit mehr der Fall. Bei der Korkeiche fällt
die Rinde alle 8—9 Jahre ab und wird einige Jahre vorher zu
technischen Zwecken abgenommen. Hr. De Candolle glaubt,
es wäre die zellige Hülle, welche sich hier entwickelt.
Mit dieser Entwickelung der Korkmasse in Folge des Alters
geht die Entwickelung der dritten und vierten Schicht gleichen
Sehritt, doch die zellige Hülle vergröfsert sich nur wenig und
olme Bildung neuer Schichten, während die Gruppen "ungefärb-
ter Zellen, welche oft Krystalle enthalten, immer mehr und mehr
an Umfang. zunehmen. Die innerste Schicht entwiekelt neue
Bastbündel, und die zwischen den Fasern liegenden Zellen glei-
chen deuen der zelligen Hülle, in welche sie sich, wie schon
Duhamel angab, unmittelbar fortsetzen.
Auch Hr. Dutrochet *) hat einige Beobachtungen über die
1) Formation du liege. — L’Institut No. 192.
60 '
Bildung der Korksubstanz bekannt gemacht; er macht dabei vor-
züglich darauf aufmerksam, dafs die Vergröfserung dieser Masse
nach Innen zu stattfindet, ähnlich wie bei dem Horngewebe der
_ Thiere. Hr.’ D. findet es ebenfalls sehr nöthig, die äufsere Hülle
der Rinde genau zu bezeichnen, und folgt hierin den Angaben
des Hrn. Brongniart, indem er die Epidermis in die Cuticul«
und in die Zellenhaut theilt. Was Referent hierüber glaubt, hat
er in einer Abhandlung im 2. Hefte. dieses Archives ganz neuer-
lich bekannt gemacht.
Ganz ähnlich ist die Entwickelung der Korksubstanz bei
Acer campestre, wo die Ausbildung derselben schon im ersten
Jahre stattfindet, nachdem sogleich die Epidermis an verschiede-
nen Stellen zerreilst. Die Kork - Entwickelung geht hier sehr
rasch vor sich, doch hört sie früher auf, als bei der Korkeiche,
und in späteren Jahren entwickeln sich dann die beiden ande-
ren Schichten der Rinde, so dafs allmälich wieder ein gewisses
Ebenmals zwischen den einzelnen Schichten entsteht.
In andern Fällen, wie z. B. bei der Banksia serrata, finden
sieh ebenfalls vier Rindenschichten, doch hier schwillt besonders
die zellige Hülle an, während die Korksubstanz und die Faser-
schicht ganz unentwickelt, wie gewöhnlich, zurückbleibt, und
hier, besonders an der Basis der Bäume, ist die Rinde oft mehr
als doppelt so dick, wie der Holzkörper.
Man sieht schon aus diesen wenigen Beispielen, dafs die
Verdickung der Rinde, selbst bei sehr ähnlich gebauten Pflanzen,
aus der vorherrschenden Entwickelung ganz verschiedener Rin-
denschichten bestehen kann. P
Allgemein bekannt wegen ihrer eigenthümlichen Structur
und ihrer verschiedenen Farben ist die Rinde der Birke. Die
jungen einjährigen Zweige dieses Baumes haben ebenfalls eine
Epidermis, welche mit feinen Haaren besetzt ist; unter dieser
liegt eine kleine Schicht von. tafelförmigen Zellen, welche der
Korkschicht entspricht und' unmittelbar die zellige Hülle bedeckt.
Diese Zellenschicht tritt an die Oberfläche, sobald die Epidermis
abfällt (im 2ten und 3ten Jahre); die einzelnen Zellen werden
dann braun, und neue Zellenschichten lagern sich auf der inneren
Fläche dieser Zellenmasse ab. Diese Masse bildet nun die be-
kannte Birkenrinde, welche aus weilsen düunen Blättchen be-
61
steht, die man nach einander abziehen kann. Hr. Mohl schlägt
vor, diese Zellenmasse mit dem Namen der Rindenhaut zu bele-
gen (Periderma), während die äulserste Zellenschicht unter dem
Namen der Oberhaut (Epidermis) bekannt ist.
Untersucht man die Rinde eines alten Birkenstammes, so
findet man, dafs dieselbe aus einer grolsen Anzahl brauner Schich-
ten besteht, welche, wie die Blätter eines Buches, übereinander
liegen und sehr leicht abzuziehen sind. Sie werden nämlich auf
beiden Flächen mit einem weilsen Ueberzuge bekleidet, welcher
aus sehr dünnwandigen, ungefärbten diametral gelagerten Zellen
besteht, die auch weniger zusammengedrückt sind, als die der
braunen Schicht, wo die Zellen sehr dickwandig und mit einem
braunen Stofle gefüllt sind. Erst im 8ten bis 10ten Jahre ent-
wickelt sich bei der Birke abwechselnd, mit einer jeden Schieht
des braunen Korkgewebes auch zugleich eine weilse Schicht,
welche aus grölseren und weicheren Zellen besteht; bis zu die-
ser Zeit findet nur die Bildung neuer Schichten auf der einen
Fläche der Rindenhaut Statt. Die weilse und die braune Sub-
stanz der Rinde der Birke scheinen eine mehr geschiedener Mas-
sen zu sein, als diejenige im Korke, wo die Ränder der einzel-
uen Schichten sich ebenfalls durch verschiedene Farben auszeich-
nen. (Man sche die anatomische Verschiedenheit dieser Schichten
in der Abbildung, welche Hr. Link in seinen Icon. anat. bot.
Tab. VI. fig. 13. gegeben hat.)
Auflallend ist der Unterschied zwischen der Korksubstanz
der Korkeiche und den braunweilsen Schichten der Birkenrinde,
indem diese, lange Zeit hindurch, ohne Risse zu erhalten, am
Stamme sitzen bleibt und sich nun nach und nach abblätiert,
während die Korksubstanz aufreilst und allmälich abfällt. Die
inneren Schichten der Birkenrinde bestehen aus der zelligen
Hülle und der Bastschicht, die dazwischen liegenden Parenchym-
Zellen sind sehr dickwandig. (Man sehe hiezu die Abbildungen
über die Entwickelung der Birkenrinde, welche Hr. Link in
den Icon. anat. etc. Tab. VI. fig. 12, 14 u. 15. gegeben hat.)
In ganz dicker Borke alter Birkenstämme, ist jedoch nicht
jene, vorhin angegebene Regelmälsigkeit in der Lage der braunen
und der weilsen Schichten zu beobachten, sondern die Verdik-
kungen geschehen bald hier bald dort mehr oder weniger stark;
62
wodurch die vorher vollkommenen regelmälsig concentrischen
Blätter vielfach gebogen und zerrissen werden.
Es sind vorhin die Fälle angeführt worden, wonach die be-
sondere Entwickelung der Rinde einmal in der Verdickung «er
Korksubstanz, ein anderes Mal in der Verdickung der zelligen
Hülle bestand; es giebt aber auch sehr viele Fälle, wo die starke
Entwickelung der Rindenmasse hauptsächlich in der Entwicke-
lung der Bastschicht besteht; als solches Beispiel ist besonders
die Buche (Fagus sylvatica) zu nennen. An diesem Baume
bleibt die Rinde fast immer glatt; die zellige Hülle bleibt hier
immer sehr klein, selbst wenn auch die Rinde bedeutend dick
geworden ist.
Auch die Rinde der bekannten Platane (Platanus oceiden-
talis), welche bei uns zu finden ist, mufs genauer erörtert wer-
den. Sie zeigt denselben Bau wie die Rinde der Buche, erhält
sich jedoch in dieser Art nur bis zum $ten bis 10ten Jahre.
Um diese Zeit bildet sich in der Bastschicht, d.h. nur an ein-
zelnen Stellen eine feine Schicht von tafelförmigen Zellen, wel-
che mit dem des Periderma vollkommen übereinstimmen. Diese
neue Schicht von Rindenhaut legt sich so, dafs ein Theil von
der Rindensubstanz dadurch förmlich abgetrennt wird, welche
alsdann auch vertrocknet und nach allmälicher Ablösung wirk-
lich abfällt. Diese neuen Bildungen von neuen Schichten der
Rindenhaut wiederholen sich, und so erfolgt die beständige Ab-
blätterung, wobei der Baum dennoch eine recht glatte Rinde
behält. Die abfallenden großsen Rindenschuppen bestehen jedoch
aus der zelligen Hülle und einem Theile Bastsubstanz. Bei Pru-
nus, Pyrus, Crataegus, Quercus Robus, Tilia europaea etc. sollen
die Rindenschuppen auf ganz gleiche Weise, wie der Platan,
entstehen. Mohl unterscheidet mit anderen Botanikern diese
dicke innere Rindenschicht von dem Korke, welche sich auf
ganz andere Weise bildet, und nennt jene innere Schicht die
Borke (Rhytidoma von övrig Runzel).
Die Resultate dieser Untersuchungen sind: dafs die Entste-
hung der Schuppen der Oberfläche der Rinde dikotyledoner Ge-
wächse nicht in einem Vertrocknen der Rindenlagen und einem
mechanischen Zerreilsen derselben zu suchen ist, sondern dafs
sie auf der späteren Entwickelung eigener Zellenschichten beruht,
63
welche die einzelnen Rindenschuppen ablösen, oder deren Ab-
lösung vorbereiten, oder auch die Schuppen selbst bilden.
Im Allgemeinen kann man zwei Hauptverschiedenheiten in
-der späteren Entwickelung des Zellengewebes der Rinde anneh-
men; einmal entwickeln sich die Schichten aufserhalb der zelli-
genHülle, und im anderen Falle geschieht dasDickerwerden durch
Entwickelung von Zellenlagen unterhalb der zelligen Schicht;
im erstern Falle bildet sich im Allgemeinen Korksubstanz, im
zweiten dagegen Borke.
Endlich giebt es auch noch eine Anzahl von Pflanzen, bei
denen sich: alljährligh eine neue Bastschicht bildet, während die
alte Schicht abstirbt und abfällt, z. B. Vitis vinifera, Lonicera
Caprifolium etc.
Die Rinde der Dikotyledonen besteht also, wie es in den,
von Hrn. M. speeiell untersuchten Fällen nachgewiesen wurde,
aufser der Epidermis noch aus drei sehr verschieden gebaueten
Schichten. Die äufseren Zellenlagen, welche sich in vielen Fäl-
len zu einer starken Korkmasse umwandeln, nannte Ur. M. die
Korkschicht, stratum suberosum seu phloeum. Hr. Link !) nennt
diese Schicht: Epiphloeum, Oberrinde, während er die Mittel-
rinde Mesophloeum, und die Innenrinde Endophloeum nennt.
Letztere ist offenbar mit der Bastschicht der übrigen Botaniker,
und die Mittelrinde mit der grünen Zellenschieht, dem sogenann- _
ten Rindenmarke mancher Botaniker zu vergleichen.
Ueber das Vorkommen des Korkgewebes am Stamme der
Monokotyledonen hat Herr Mohl ?) ebenfalls interessante Un-
tersuchungen bekannt gemacht; auch die Herren Link und Du-
trochet haben in den angeführten neuen Schriften das Vorkom-
men des Korkgewebes bei dem Mittelstocke von Tamus Elephan-
tipes anerkannt. Nach Hrn. Mohl’s mikroskopischer Untersu-
ehung stimmt die braune Korklage bei Tamus Elephantipes in
ihrem Baue mit dem Korke der Dikotyledonen-Bäume vollkom-
men überein. Auf der Grundlage des Stammes besteht die Kork-
lage nur aus wenigen Schichten tafelförmiger Zellen, welche in
1) Phil. bat. p. 282.
2) Untersuchungen über den Mittelstock am Tamus Elephantipes L.
Tübingen 1836,
*
64
senkrecht auf die Oberfläche des Stammes gestellten Reihen be-
stehen. Die äufsersten Schichten sind braun und abgestorben,
die innerste an die Rinde anstolsende Schicht ist saftig, unge-
färbt oder gelblich. Die dicke Korklage, welche den convexen
Theil des Stammes überzieht, ist auf dieselbe Weise, wie der
Kork der Korkeiche, aus dünnwandigen Zellen zusammengeselzt,
welche in senkrecht auf die Oberfläche der Rinde gestellten
Reihen bestehen u. s. w. Eine Unterscheidung zwischen der Rinde
und dem Korke scheint blos insofern gemacht werden zu können,
als die Rinde belebt, der Kork dagegen trocken und abgestorben
ist; der Kork besteht hier nicht, wie bei„den Dikotyledonen,
aus einer eigenen Schicht, sondern vielmehr aus den abgestorbe-
nen Rindenschichten.
Ueber den Bau und die Bedeutung der eigenthümlichen Rin-
dengebilde, welche gegenwärtig allgemein unter dem Namen der
Lenticellen bekannt sind, haben wir wiederum mehrere ausge-
zeichnete Arbeiten erhalten. Hr. Mohl ') hat seine früheren
Untersuchungen über diesen Gegenstand erweitert, und beson-
ders das Verhältnils der Lenticellen zu den verschiedenen Rin-
denschichten hervorgehoben. Die Lenticellen sind bereits am
einjährigen Aste unter der unverletzten Epidermis sichtbar; spä-
ter, theils gegen das Ende des ersten, theils erst in den folgen-
den Jahren, reilst die Oberhaut über der Lenticelle der Länge
nach auf, und die Lenticelle tritt als eine kleine Warze hervor.
Später werden die Lenticellen in die Breite ausgedehnt, und
dann stellen sie queerliegende Streifen dar, wo aber die Rinde
abgeworfen wird, da fallen auch die Lenticellen mit ab. Die
Lenticelle, sagt Hr. M., liegt zwischen der Epidermis und dem
grünen Rindenparenchym und besteht aus grünlichen, oder unge-
färblen (zuweilen auch abweichend gefärbten, z. B. bei Berberis
gelben, bei Sambucus nigra röthlichen) Zellen, welche in senk-
recht auf die Achse des Zweiges gerichteten Reihen liegen, mei-
stens kleiner, als die Zellen des grünen Rindenparenchym’s sind
und nach Innen mit diesem zusammenllielsen. Bei vielen Pflan-
zen soll die Korkschicht der Rinde, oder das äulsere Parenchym
derselben an der Bildung der Lenticellen seitlich Theil nelımen,
so
1) Untersuchungen über die Lenticellen. Tübingen 1836. 4.
w
65
so dals also die Lenticelle eigentlich aus zwei Schichten besteht,
nämlich aus einer, dem grünen Rindenparenchyme angehörigen,
und aus einer, welche aus dem äulsern Rindenparenchyme besteht,
oder mit diesem zusammenfliefsen soll. Hieraus, so wie aus man-
chen anderen Umständen will Hr. M. die Lenticellen - Bildung
mit der Erzeugung des Korkes in Parallele stellen, ja er meint,
dafs die Lenticelle eine partielle Korkbildung sei, welche der
Wucherung des inneren Rindenparenchyms ihr Dasein verdänkt.
Referent möchte diesen Ansichten nicht beistimmen. Unter-
suchungen dieses Gegenstandes haben ihm gezeigt, dafs die Len-
ticellen stets in einer Wucherung der grünen Rindenschicht be-
stehen, und dafs diese Wucherung von dem äulseren Rinden-
parenchyme nur umfalst wird, doch findet sich allerdings auch
eine Auflockerung in dem Parenchyme, welches die äufsersten,
meistens immer umgeschlagenen Ränder dieser einhüllenden brau-
nen Rindenschicht bildet. Die Zellen der Lenticellen, welche
- gerade in der Mitte liegen und sich vor Allen durch ihre Länge
auszeichnen, pflegen allmälich ihre grüne Färbung zu verlieren
und zuletzt ganz weils zu erscheinen, indem die grünen Con-
tenta allmälich verschwinden. Diese mittleren Zellen stehen
mit ihrer ausgedehnten Längenachse ganz horizontal, dagegen
behalten diejenigen Zellen der Lenticelle, welche die äulsersten '
Schichten derselben bilden, meistens nicht nur ihre gewöhnliche
Form, sondern mehr oder weniger auch ihre grüne Färbung.
Wird die ganze Bildung allmälich trocken, so färben sich auch
die Zellenmembranen derselben mehr, oder weniger, und wohl
nur in dieser Färbung hat das Gewebe der Lenticellen einige
Achnlichkeit mit der Korkbildung.
Hr. Mohl benüährt in der genannten Abhandlung nochmals’
die durch Hrn. De Candolle sehr allgemein verbreitete An-
‚sicht, als wären die Lenticellen gleichsam für Wurzelknospen zu
halten, eine Meinung, welche sich fast in allen neueren, mehr
‚ Populärern Schriften über Pflanzen -Physiologie vorfindet, obgleich
| dieser Gegenstand schon längst beseitigt sein sollte. Auch Hr.
Unger in seiner interessanten Abhandlung über die Bedeu-
tung der Lenticellen ') giebt an, dafs diese Organe lediglich
»
1) Flora von 1836, p: 577 — 604.
u, hrg. 2. Band, 5
66
nur mit dem, Rindenkörper in ar ‚stehen, ‚doch ‚sind ıes
keineswegs „nur vorzüglich die äulsersten hreitgedrückien Zellen
des Rindenkörpers, d. i. diejenigen, welche durch, eine galleri-
arlige Masse (materia intercellularis) ‚zu einer Art, von Decke,
(d. i. äufsersten Rindenschichte) verbunden sind, welche an. die-
ser Metamorphose Theil nehmen,“ wie es Hr. ‚Unger lehrt, son-
dern die ganze Bildung geht von der grünen, Rindenschicht aus
und bricht durch die äufseren Decken hindurch, wie es auch;
Hr. U. zu der genannten Abhandlung, richtig, abgebildet hat, Hr.
U. glaubt, dafs eine Wucherung der breitgedrückten Zellen der.
äulsersten Rindenlage das, ursprünglichste, Bildungsmoment,.der
Lenticellen ist. Die Wucherung beginne mit; ‚Vergrölserung ‚der
einzelnen Zellen; die Vergrölserung ‚hat, ein Lockerwerden. des
Zusammenhanges, und dieses endlich eine vollkommene Trennung
zur Folge. Aus der Intercellularmasse soll, eine namhafte Ver-
mehrung der Zellen stattfinden (!) und darin) mag) vorzüglich. die,,,
Berstung der obersten Zellenlagen seinen nächsten Grund ‚haben.
Schr wohl hat Hr. Unger beobachtet, : dafs: sich die Zellen, wel-,,.
che das Innere der Lenticelle bilden, von einander trennen und
sich Ich selbstständig gemacht haben. (Wo mag denn hier
die Intercellul
schlielsen sollte?) Sind die, heryorwuchernden Massen sehr, grofs
und verstäuben sie nicht, so bilden sie solche grolse, Warzen,
wie sie. Evonymus verrucosus u. a. aulzuweisen haben.
Hr. Unger führt verschiedene, andere Pfianzengebilde, auf, ,,
worin er ein Analogon der Lenticellen- Bildung erkennt;; um
vielleicht auf diesem Wege die wahre Bedeutung, der Lenticellen
zu enträthseln. Zuerst werden als solche analoge. Gebilde. jene
merkwürdigen Organe aufgeführt, welche Hr. v. Mara auf
dem Sta der Baumfarrn entdeckt: hat, und ‚worüber in un-
serem Jahresberichte, von 1834 ') die Rede war, woselbst ich
die Zellen dieser, Organe schon für Brutkörner er-
klären zu können glaubte., Bei den Flechten sollen es die
Soredien sein, und bei den Jungermannien die Keimkörner- tra-
genden Blätter, welche als analoge Gebilde den Lenticellen, der
höheren Pflanzen zur Seite zu stellen wären. „Am unverbüll-
1) Archiv I. p: 168, »
ularmasse geblieben sein, welche diese Zellen ein; ,
u
80
67
lonlıadd
testen, "sagt Hr. Unger, zeigt sich die Bedeutung, Er Teageniten
unbezweifelt in den Brutkuospen. der Jungermannien, , und man,
könnte somit hiervon, die ‚Veranlassung, nehmen, , die, Lentieellen
flWersüche : zu erklären, die Brutknaspenbildung an der Rinde
der Dikotyledonen fortsetzen zu wollen.“ Doch ‚Hr. U, glaubt,
dals allem diesen noch eine ‚viel tiefere Bedeutung , zu Grunde
liegt ; er beobachtete, dafs sich. die Lenticellen an, jungen, Trie- ,
ben. von Prunus Padus und Syringa vulgaris, gerade , an, „genje-,,
.nigen Stellen ‚entwickeln, wo, die ‚Spaltöffnungen, ‚sparsam, Yar- |,
kommen, und daher sollen die Lenticellen. mit ‚dem <athmpnssr,.
processe auf i irgend eine Weise, im Tusammenhange stehen ,.J9 OR,
möchte, dieselben für oblitterirte Alhmungsorgang, ‚ansprechen.
Für eine ähnliche Meinung über die ‚Bedeutung, der, Lenticellen . R
muls sich auch Referent aussprechen ; ich ‚halte dieselben : aber;;
nicht für oblitterirte Atımungsorgane, & sondern, für Gebilde, durch, ,
I eine “oflene Communication zwischen ı der ‚Aulseren ‚Luft, ,
den ‚Intercellulargängen, der grünen Rindensehicht ‚yermit-,
rel wird. In ‘diesem Tetäteren Gewebe sind die Intercellylar-
gänge sehr häufig, aber die feste Nerbinilung der „Le en in
äufseren ‚Rindenschichten gestatten i im älteren Zustande ‚der. Pe
keine ununterbrochene Communication. ? in
Auch. Hr. Link ) spricht, sich dafür : aus, "daß ‚die len
cellen ‚der Rindenbildung, angehören, ‚dafs die Mbeiliuteen. Wur- .,
zeln dagegen. aus dem ‚darunter ‚liegenden I Holze ‚entstehen; ‚doch x
sei nicht zu läuguen, das sie vorzüglich neben jenen Warzen r
herv FEN: wie anch die ‚Sprossen.
o I Soll
Ber
Derienschungs ?) über die, Wirkung, welche die eirkellör-,
mige | kutrindung auf die Veg gelation eines Baumes, zeigt; ähnliche
"Versuche ı mit gleichen Resullate, sind zwar schon Ale ange-,
stellt, "doch ‚der vorliegende von Hrn, D. welcher. an
che angestellt wurde, ist sehr ‚genau, beobachtet, , Die, Wunde ,
} der Rinde, welche um den ganzen Umfang des Stammes verlief,
‚hatte ungefähr ‚einen Fuls, Ausdehnung; und der'kräftig'vege-
Hirende Baum schien durch dieselbe nicht zu leiden. Auf der
1) Elem. phil. bot. p. 281.
2) Effets de la decortication circulaire sur un Hetre.— 'L’Institut
‚de 1836. p.314.
1} 5 3
’
68
Oberfläche des entrindeten Holzes zeigten sich viele unregelmä-
fsige ’Exsndatlonen, weichd ähnlic "der Rinde erschienen. Der
obere Wundrand zeigte am Ende des Sommers eine starke An-
schiwellung, während die des unteren Wundrandes viel geringer
war. Im nächsien‘. Jahre ehtwickelten sich an diesem Baume die
Blätter früher als 'an den’ unverletzten; Anfangs war der Baum
noch, sehr kräftig, doch im "Verlaufe des Sommers magerte er
ab, die‘ Blätter" hidden Men und die Entwickelung der Triebe -
war sehr gering. "Die Exsudation auf der Oberfläche des entrin-
deten Holzkörpers” wurden trockener ‚und im dritten Jahre wa-
ren"sie ganz Vertröckndi. Im Anfange des drilten Jahres schlug
der Baum äbermäls Trüher ‚aus, aber die Blätter blieben klein
us. W. Im Anfänge des vierten Jahres war der Baum todt. Re-
ferent hat dielelbe Beobachtung a an einem starken Stamme cines
Hölfunderdaumes gemacht, welcher ebenfalls im vierten Jahre
abstarb, aber Auf ‘der gereinigten Oberfläche des Holzkörpers gar
keine Exsudatlon zeigte, welche überhaupt erst dann vorzukom-
men’ scheint, wönn | man die Entrindung sehr spät, ‚nämlich im
Juni vornimmt.
‚a Dulssche 3) hat neue Beobachtungen über das Wachs-
ihum des Coniferen -Stammes "bekannt gemacht, doch sind die
Mittheilangen hierüber, weiche” wir in der angeführten Zeit-
schrift" erhalten” haben, zu kurz, um über dieselben mit einiger
Gewilsheit urtheilen zu, können. “Hoffentlich wird "Hr. Dutro-
chet" diesen interessanten” Gegenstand recht bald ausführlicher
bekannt mäöhen,
Hr..J. S. Henslow 2) lat ein Paar ‘Fälle beschrieben,
abgestorbene Holzkörper von Dikotyledonen durch neue Se
ringe allmälich eingeschlossen wurden, ähnlich denjenigen Fäl-
’
len, Ne, pe Du Petit- Thouaı rs und Lindley beschrieben
sind. In dem einen der beschriebenen Fälle, nämlich an dem
Stamme einer 'Pappel, war nur die eine Hälfte der Oberfläche
des Stamnics, wahrscheinlich durch blofse Entrindung abgestor- 2
1), Accroissement: en:.diametre du Pinus ar — L’Institut de 1836.
p. 427. ., 5
2) On the Disunion of erahigioni Lügen: in the Wood af Eirogenolis
Trees. — Jardine's, Selby’s and Johnston’s'Mag a Zoology and
Botany,.., London 1836. I. p.. 32. RM.
69
ben, und die Holzschichten der nächsten Jahresringe legten sich
allmälich seitlich über die entrindete Stelle, so. dals schon im
fünften Jahre die Wunde geschlossen war, und der neue Holz-
ring wieder den ganzen Stamm, umschlofs. Achnliche Fälle sind
übrigens aufserordentlich häufig zu finden, besonders bei den
Weiden, wo bei dem Beschneiden einzelne Avste losgeschnilten
werden, deren Holzkörper dann durch einen Seitenast mit den
neuen Holzschichten überzogen wird. n fü o
Von Hrn. Girou de Buzareingues !) sind neue Unter-
suchungen über die Zusammensetzung der jungen Holzschicht
publieirt worden, deren Resultaten Ref. nicht ganz bestimmen
kann, doch werden wir den Gegenstand erst bei der ausführli-
chen Mittheilung der Abhandlung etwas näher erörtern.
Eine allgemeine Darstellung über den Pflanzenstamm haben
wir durch Hrn. Corda ?) erhalten; „die Arbeit, sagt der Verf.,
wurde im Jahre 1833 geschrieben, und zu Anfang des J. 1834
der hohen Königl. Akademie der Wissenschaften zu Berlin vor-
gelegt. Sie entstand durch Mohl’s grolsartiges Palmenwerk und
durch die in letzterem veröffentlichten Wahrheiten, verglichen
mit meinen früher (!) gemachten Untersuchungen.“ "Ern. Corda
ürde von der Königl. Akad. d. Wissensch. zu Berlin der ehren-
volle Auftrag zu Theil: nachzuweisen, wie und auf welche Art
Palmen und die ihnen verwandten Gewächse wachsen. Zur Lö-
sung dieser Aufgabe stellte sich Hr. Corda eine Reihe von Fra-
gen, welche er hintereinander in der vorliegenden Abhandlung
zu beantworten gesucht hat. Zur Beantwortung der ersten Frage:
ob die äufserlich sichtbaren Bildungen und Anomalien des Stam-
mes sich nach Innen fortpflanzen, oder ob und wie das innere
Verhalten auf die Bildung der äufseren Form Einflufs nimmt?
handelt Hr. ©. von dem Wachsthum der Coniferen, Cycadeen,
Farro u.s.w. Er vergleicht den Holzkörper in sehr verschiede-
nen Anamorphosen des Dikotyledonen-Stammes, und findet eben-
falls, dafs derselbe übereinstimmend gebauet ist, Sehr gut macht
I) Mem, sur l’accroissement en grosseur des exogenes. — Compt.
rendues hehdomad, des scances de l’Acad. d, scienc. de Paris. 1826.
2) Ueber den Bau des Pflanzenstammes. Aus Weitenweber’s Bei-
trügen zur gesammten Natur- und Heilwissenschaft, Prag 1836. I. 2s Hft.
Auch in Commission bei Kronberger u. Weber. 8. 35 Seiten.
>
Hr. C. darauf aufmerksam, wie bei Cactus Rogeni ') durch Ver-
schmelzung’ der” Holzbündel ein Holzeylinder, ähnlich ‚dem des
baumartigen 'Farrristammes, entsteht, woüber im vorigen Jahres-
berichte viel die Rede war. Von Pelargonium zonale glaubt
Hr. €. sagen zu können: der Holzkörper der jüngsten Aeste ist
dem der‘ ‚kraulärligen Farrn, der der älteren Aeste dem der Fich-
ten, und der der ‚Basis des Stainmes jenem der Laubhölzer ete.
ähniiell gestaltet. Doch hierzu möchte Referent die Bemerkung
setzen, dafs sich der Holzkörper im jungen Coniferen- -Stamme,
oder an BB Aesten dieser Gewächse ganz ebenso verhält, wie
in den jungen ‘Aesten des Pelargonium’s. Die einzelnen Holz-
'bündel stehen nämlich in beiden vollkommen getrennt, Nach-
dem Hr! Cordä noch bei Dracaena, Elais u.a. Palmen auf ei-
nen ähnlichen Holzeylinder wie bei den Coniferen, nämlich durch
Verschmelzen der Endigungen der Holzbündel gebildet, "hinweist,
beantwortet er ‚die erste Frage verneinend. :
" Die zweite Frage: ob alle Wachsthumsformen an einer und
derselben Pllanze vorkommen können, beantwortet Hr. C. ganz
naturgemäfs und zeigt, dals bei allen Pflanzen ein peripherisches
und termin: les Wachsen stattfindet. Dieses wulste indessen auch
Hr. Mohl, als 'er die vegetatio terminalis von der vegetatio pe-
ripherica versebieden darstellte, und er nahm diese Begriffe
fenbar in einem anderen Sinne, als Hr. Corda dieselben deutet;
Hr. Mohl’ schien nur darin zu fehlen, dafs er auch den Cyca-
deen eine blolse vegefalio terminalis zuschrieb, während sich
dieselben gänz. wie die Conileren verhalten.
"Die dritte Frage: wie der einjährige Trieb sich zu dem
mehrjährigen Stamme verhalte, und die vierte Frage: ob alle
ein- und mehrjährigen Pflanzen einer Klasse gleich wachsen,
haben ihre Beantwortung im Vorhergehenden gefunden,
"Die fünfte Frage: ob alle exogen- oder peripherisch wach-
senden Pflanzen die neugebildeten Theile, gleichsam die neue
Pilanze, zwischen Bast- und Holzla; ge der älteren schieben, wird
sehr ausführlich behandelt und die Beantwortung ist: „Alle pe-
zipherisch wachsenden Pflanzen schieben ihre ‚neuen Theile in
eine Spaltung‘ des Bastes und nie zwischen Bäst und Holz; die
1) Es findet bei‘ allen holzigen Cacteen Statt, R Ref.
e 71
""Bastseite (die innere der Spaltung) erzeugt neuen 'Bast, während
ein Theil des alten’Bastes dem Holze als wesentlich anheimfällt,
und’ än seiner Aufsenfläche neues Holz erzeugt.“ In Bezug auf
iesen Ausspruch verweist Ref. nur auf die Nachweisung ausge-
zeichneter Phytotomen, dafs die Structur der Bastzellen und die
der Holzzellen sehr verschieden ist, und dals schon dadurch jene
Behauptung zusammenfällt, obgleich sie noch auf verschiedene
andere Weise ‘positiv zu widerlegen ist.
Die sechste Frage: ob der junge Stamm oder Theil dersel-
ben Art anders, als der älte wachse, und die siebente: ob und
wie der 'terininale Wachsthum Mohl’s bestehe und vor sich
gehe, sind ebenfalls schon mit den erstern Fragen beantwortet,
doch die achte Frage: ob ein eonsequent durchgeführter und an-
wenülbarer Unterschied des Wachsthumes mono- und dikotyle-
donischer 'Gewächse "nachzuweisen sei, ‘wird verneinend beant-
wortet.
Die neunte Frage: wie wachsen Moose, Lebermoose, Algen
und Pilze, und kann man ‘obige Fragen theilweise auch auf sie
anwenden, ‘wurde theilweise ebenfalls schon früher beantwortet
und Hr. ©. erinnert nur noch, dafs jede neue Zelle sich an der
Aufsenfläche der älteren bilde, was aber, wie gleich im Anfange
es Berichts von dem Referenten auseinandergesetzt wurde,
nieht richtig ist.
Endlich hat Hr. Corda noch 30 Schlufssätze gebildet, wel-
che er den Nätorforschern zur Beurtheilung und kritischen Un-
lersuchung übergiebt. Referent führt hier nur diejenigen dieser
Sätze auf, welche von den, gegenwärtig herrschenden Ansichten
abweichen, als:
1) Alles Holz muls in einem Parenchymgewebe gebildet wer-
den, welelies Gewebe durch die entstehende Holzmasse in zwei,
früher gleiche, später entgegengesetzte Theile getrennt wird,
deren inneren wir Mark, den äufseren 'aber Rinde nennen. _
2) Alles Holz besteht aus einer Vereinigung von Bast und Ge-
fälsen, welche dem lufterzeugenden Systeme angehören. Der Bast
ist das Skeletisystem, die Spiral- und punklirten Gefälse sind das
Trachealsystem der Pflanzenorganismen. 1
3) Der Bast wird immer früher als die Gefäfse gebildet.
16) Auch nahm man an und lehrte: das Holz der Zapfenbäume
72
bestehe in den älteren Jahrringen ganz aus Gefälsen; — jedocir
findet sich an jedem, auch dem ältesten Jahrringe eine sehr dünne
Bastschicht, und ihrer Dünne wegen wurden sie überschn.
19) Bast und Holz selbstständig, und diese Vereinigung haider
Theile in noch weichem Zustande nennt man Splint.
20) Auch entsteht mit jeder neuen Holzlage eine neue dünne
Parenchymschicht an der Aufsenfläche des neuen Bastes und der
innern Seite des alten, welche früher saftig ist, uud späler in
Korkgewebe übergeht, und der abgestorbenen Rinde die braune
Farbe ertheilt, wodurch wir aueh in der Rinde Schichten ge-
bildet finden, abwechselnd aus Bast und Kork bestehen, u.s.w.
Ueber das ununterbrochene und das unterbrochene Anwach-
sen des Holzes im Stamme, so wie über dies Wachsthum der
Blätter und der Wurzel haben wir von Hrn. Link !) eine Reihe
der vortrefflichsten Beobachtungen erhalten, an welche sich die
Darstellung der Anamorphosen des Stammes und der Wurzel
schliefsen, welche zu den ausgezeichnetesten Stellen in dieser
neuen Ausgabe der Philosophia botanica gehört; noch nie ist
dieser Gegenstand so speciell und mit solcher Sachkenntnils be-
arbeitet worden. Auch in einem schönen Werke von Hrn. G.
Meneghini 2) sind mehrere Arten des Monokotyledonen-Stam-
mes mit grolser Genauigkeit anatomisch charakterisirt und dureh
Abbildungen erläutert, doch mufs sich Ref. begnügen auf diese
Darstellungen nur aufmerksam zu machen, indem ihr Umfang für
Relationen an diesem Orte zu grols ist. Ref. führt hier nur die
Resultate aus jener Arbeit des Hrn. Meneghini ausführlich auf,
welche derselbe auf den Seiten 77 —86 selbst angegeben hat,
Zwei ausgemachte Thatsachen, sagt der Verf., in der Lebens-
thätigkeit der Monokotyledonen führlen mich bei der Untersu-
ehung ihres Baues, 1) dafs, wo bestimmte Ströme vou Nahrungs-
säften bestehen, sich dort auch Gefälsfasern bilden, und dafs 2)
den inneren Gefälsfasern, vermittelst der Verrückungen der An-
hangs-Organe, von welchen diese Fasern abhängen, bestimmte
Biegungen eingedrückt werden.
1) Elem. phil. bot. Ed. # p. 288 —299.
2) Ricerche sulla struttura del caule nelle piante monocotiledoni.
Padua 1836. fol. min.
$ 73
Folgende Probleme sind es, welche Hr. M. zur Auflösung
sich vorgesetzt hat:
1) Welches ist die Anordnung der Gefälsfasern, die allen
0 'Stammarten der Monokotyledonen gemeinschaftlich
ist.
. In jeder monokotyledonischen Pflanze lösen sich ‚von der
Basis eines jeden Blattes mehr oder weniger zahlreiche Geläls-
bündel ab, welche mit maunigfaltig schrägem: und verlängertem
Laufe sich bis nahe zu irgend einem Punkte der Achse begeben
und von da nach der horizontalen Seite auseinander läufend, mit
mannigfaltiger Biegung rechts oder links fortfahren hinabzustei-
gen, indem sie zur Peripherie beständig schräg zurückgehen. Sie
enden damit, dafs sie einen senkrechten Lauf annehmen, wel-
eher ihnen erlaubt, sich in einen peripherischen Gürtel. von ver-
schiedener Festigkeit und Dichtheit zu verdichten, in welchem
sich jedoch immer dieselbe Ordnung der Aufeinandersetzung er-
hält, wogegen die neuesten Bündel auf die anderen aufgesetzt
sind.
2) Welche unveränderliche Gesetze jene allgemeine An-
ordnung beherrschen.
Da jedes Blatt bei seiner Entstehung aus dem Stengel mit
eirkelförmiger Basis im Mittelpunkte der Knospe hervortritt, und
in seinem Wachsthume wie eine Spirallinie zu einem höheren
und peripherischen Orte geführt wird, indem es fortfährt, den
ganzen Unikreis des Stengels zu umfassen, und indeın es in der
Folge nur einen immer kleineren Bogen desselben nmfalst, so
geht daraus notlıwendig hervor, dals der untere Lauf jedes Ge-
fälsbündels die Stellung darstellt, welche sie hatte, während das
Blatt noch in der Kuospe verschlossen war, und die obere orga-
nisirte sich wach und nach, während der Vorrückung des Blattes
selbst, von deren Bedingungen, wie von einem unveränderlichen
Gesetze die Modificationen abhängen, welche bei jenem Gange
beobachtet werden.
| 3) Welchen besonderen Modificationen der allgemeine
| und beständige Typus dieser Organisation unter-
| worfen werden kann.
| Die Knospe, ‚welche den neuen Individuen den Ursprung
‚ giebt, hört auf sich zu entwickeln, wenn sie bis zu einer be-
74
stimmten "Grenze gelangt'ist, ‚oder setzt auf unbestimmte Weise
ihr fortschreitendes Abwickeln fort. Die Grenze der ersten wird
von der terminalen 'Stellung ‚der ‚Inflorescenz festgesetzt, welche
bei: derszweiten eine :axillare ist, — Der Blüthentheil‘des Sten-
gels wird ganz von den oberen Zügen der Gefälsfasern festge-
stellt und erfreut sich daher der ihnen inhärirenden 'Bedingun-
gen, welche die der Endogenität sind. Die’ Centripetal- oder
Centrifugalcharactere der Inflorescenz selbst bringt der Structur
des Blumentheiles nur eine leichte Modification, welche noch
weniger in dem unteren Theile des Stengels offenbar ist, und
sich auf die ‘Epoche der Entwickelung der axillaren Knospe be-
zieht, ‚woher die Blüthenzweige ihren Ursprung haben. Die Ver-
theilung und ‘Verschiebung der Blätter wird wie in einer einzi-
gen Spirallinie, oder in zweien bewirkt, welche gleichzeitig in
entgegengesetzter Richtung herumlaufen. Die grölsere oder ge-
zingere senkrechte Entfernung, und die gröfsere oder geringere
Seiten-Divergenz der Blätter, geschweige denn das Verhältnifs
der Basis mit dem Umfange des Stengels, beständig erhalten oder
‚allmölich ‚vermindert, und ‚die ‚beständige Ordnung ihrer Folge
um den Stengel sind Beschaffenheiten, weiche durch ihre Ver-
änderung jene'zwei allgemeine Fälle modificiren. Je größer die
senkrechte Entfernung der Blätter ist, desto geringer ist der
schräge Verlauf der Gefälsbündel. Wenn das Verhältnifs der
Basis ‚des Blattes zur'Peripherie des Stengels beigeblieben ist, so
ist nur die horizontale Schrägheit der Fasern einförmig und be-
ständig aller gleichzeitig mit der Versehiebung der Blätter selbst
eingedrückt, Wenn aber die Insertion auf einen einzigen Bogen
beschränkt ist, so wird jene Schrägheit, je mehr dieser geschmä-
lert wird, desto grölser, indem die Fasern abweichen müssen,
die einen rechis, die anderen links.-während sie mit den unte-
ren Zügen über’ die ganze Peripherie vertheilt bleiben. Je kür-
zer indessen die Insertion ist und je kleiner die vertikale Ent-
fernung, desto geringer wird die seitliche Divergenz der Blätter,
welehe sogar dahin gelangen, Quirle nachzuabmen und auch zu
bilden, Weun im:Gegentheile das ursprüngliche Verhältnils be-
wahrt wird, so hängt die seitliche Divergenz blofs von der senk-
rechten Entfernung ab und öfters bleibt hier die zweireihige An-
ordnung, welche in den Monokotyledonen die natürliche ist. So
75
„geschieht es in dem Falle der Aula Spirallinien, .und) die
"Veränderungen von dieser Beschaflenheit allein geben ‚Rechen-
schaft von der Verschiedenheit des Baues von dem continuirli-
‚ehen Stamme bis zum ‚gegliederten, yon dem fester! Halme bis
zum röhrenartigen.
r Welchen Antheil die Zweige an’ dem Baue ir dem
Wachsthume des Stengels nehmen.
Die Zweige, welche die axillare ‚Inflorescenz ausmachen,
welche zugleich mit den Blättern entstanden und gewachsen
sind, ‚haben auch ihre Gefälsbündel in. derselben Richtung. ‚und
tragen sehr wenig zum Wachsthume ‚des gemeinschaftlichen
Stengels ‚bei. Die dürftigen Data, welche die Wissenschaft über
die Verzweigungen des Pandanus besitzt, rechtfertigen die An-
‚nahme, dals sie denselben Ursprung als jene Efllorescenz besitzt.
Wenn indessen, wegen der terminalen Inflorescenz, ein neues
System dem ersteren folgt, sei ‚es, dals es hervorgehe aus einem
einzigen Zweige, oder aus mehreren Arten um dieselbe ‚horizon-
tale Fläche, so lehnt ‚es fich an das ‚alte an und bildet dort rings-
umher eine Schicht, welche sich mit der jährlichen Vegetation
in den Stämmen der Dikotyledonen yergleichen läfst.
Unabhängig hieryon können auf den schon gewachsenen
Theilen des Stammes Zweige entstehen, iu deren Beziehung zwei
verschiedene Beschaffenheiten zu bemerken sind. Denn es kann
sich ereignen, dafs die Vegetation der Hauptachse vollendet oder
unterbrochen wird, und die Hervorbriogungen dieser Zweige
. äufserlich dem faserigen Holzkörper des alten Stammes bleiben,
oder dafs dieser immer wächst und die neuen Productiönen sich
mit jenen der Zweige verflechten und verbinden. Es tragen also
- jene verschiedene Arten der Verzweigung zur Vergrößerung des
Stammes auf verschiedene Weise bei. Sie ist derselben gänzlich
h
|
>
"zuzuschreiben, wenn sie der schon vollendeten Vegetation der
_ Hauptachse folgen ; sie nehmen einen geringen Antheil daran,
wenn sie von der Inflorescenz zum Winkel der noch vorhande-
nen Blätter emporsleigen,
Analoge Unterschiede müssen in Beziehung auf die Wurzeln
\ festgesetzt werden, denn wenn sie von der Basis des Stammes
| herabhängen, so sind ihre Gefäfsbündel continuirlich, wenn sie
dagegen aus den Seitentheilen hervorbrechen, so treiben sie ihre
76
Bildungen von Gefäfsbündeln zwischen den Holzkörpern und der
‚äulseren Rindenschicht.
5) Welche neue Unterscheidungskennzeichen durch diese
organischen Beschaffenheiten zwischen den Stengeln
der beiden grolsen Classen phanerogamer Gelälspflan-
zen festgesetzt werden.
Ein parenchymatisches Zellengewebe, durch welches der
Länge nach Gefälsbündel laufen, macht die Organisation des
Stammes einer dikotyledonen Pflanze, so wie einer monokotyle-
donen in den ersten Perioden des Lebens aus. Der innere Bau
und die relative Anordnung jener Fasern müssen die Gegenstände
des Vergleichs sein. Was den Bau betrifft, so zeigte Mohl, dafs
sie in beiden Classen gleich sind. Sowohl in den Monokotyle-
donen als in den" Dikotyledonen findet sich an der innersten
Seite des Gefälsbündels, welches nach der Achse des Stammes
gerichtet ist, ein Strang von Gefälsen, welcher einen Theil des-
sen bildet, was Hull die Corona nannte, und die Neueren Mark-
scheide im Holze der Dikotyledonen. Die äulserste Seite jedes
Bündels wird dagegen von prosenchymalischen Zellen eingenom-
men, uud diese sind diejenigen, welche in den Dikotyledonen
den Bast ausmachen. Endlich ist zwischen den inneren Holz-
schichten und den äulseren Bastbündeln noch ein Bündel von
eigenen Gelälsen, welches in seiner Proportion veränderlich ist
und zuweilen in den Dikotyledonen auch fehlen kann. In die-
sen ist jedoch der angedentete Bau gleichmäßig in dem ganzen
Verlaufe der einzelnen Holzbündel, verschieden dagegen in den
verschiedenen Zügen seines Laufes, in dem Stengel der Mono-
kotyledonen.
Und auch die Richtung der Holzbündel ist bei diesen Pflan-
zen in den verschiedenen Punkten des Stengels verschieden, wäh-
rend sie in den Dikotyledonen perpendiculär und beständig pa-
rallel unter sich herabsteigen. Gröfsere Verschiedenheiten sind
jedoch bei dem Fortschreiten der Vegetation zu bemerken. In
den Monokotyledonen erlaubt die beständige Isolirung der Fasern
ihnen allen dieselbe umgekehrte Beschaffenheit durch jede Faser
in ihren beiden Zügen zu wiederholen, deren oberster, je neue-
rer er ist, desto näher ist er der Achse des Stammes gestellt,
und der unterste der Peripherie.
77
In der gröfseren Zahl der Dikotyledonen erhält sich dage-..
gen die Isolirung ‚der Gefälsbündel, und folglich die Integrität
der ursprünglichen Verhältnisse nur bis zu einer/gewissen Epoche.
Mehr oder weniger schnell, je nach den Gatlungen, enden ‚jene
Bündel damit, dafs sie sieh mit den Seiten aneinander, legen,
und jener Kreis von, Gefäßsbündeln_ wird nun, eine, feste Röh-
‚re, welche blofs von strahlenförmigen Plättchen. durchkreuzt
wird, die von Reihen horizontaler Zellen gebildet werden. Die,
neuen Bündel, welche fortfahren sich zu, organisiren, nachdem .,
jene Röhre geschlossen ist, schwellen dieselbe an, so lange als
die Vegetation des Jahres dauert. Wenn man daher die Spitze
eines jungen Keimes durchschneidet, so, sieht, man die Gefäls-
bündel, welche in die Blätler eindringen, beständig aus der in- _
nersten Holzschicht hervorkommen. Diese faserigen Gefäfsbil-
dangen wurden von Girou de Buzareingues unterschieden,
je nachdem sie den Blättern des jungen Keimes angehören, oder
den Knospen, welche sich in den Winkeln jener Blätter entwik-
keln. Er zeigte, dafs diese Knospen, trotz ihrer scheinbar inne-
ren Stellung zu jener der Blälter, sich aus dem Gipfel einer
markigen mehr hervorspringenden Production erheben, und dafs
ihre ‚Gefälsfasern,, indem sie jenen ‚der Blätter den Durchgang
lassen, auf die Aulsenseile jenes ersten fibrösen Körpers herab-
steigen. Jene. ‚beiden Gürtel werden daher durch mehrere con- y
eenirische kleine Schichten gebildet; jene des äufseren Ringes
sind immer so angeordnet, dals die am meisten peripherischen
‚den niedrigsten Koospen angehören, die innersten dagegen den
höchsten. So verhält es sich auch mit dem Centralgürtel bei
den ‚jährigen Pflanzen, bei den Spröfslingen der Rizocarpen, und _
grölstentheils auch mit den neuen Sprossen der Bäume; aber bei
einigen unter diesen letzteren ist die Ordnung gerade umgekehrt,
durel: welche die Fasern der oberen Blätter äufserlich über den
anderen sind, und die dem Mittelpunkte am nächsten von Allen
‚sind jene, welche den untersten Blättern angehören. Die Mark-
nimmt in diesem Falle eine umgekehrte conische Gestalt
‚an, während sie die eines geraden Kegels bei der ersten Beschaf-
‚fenheit hat. Moll unterscheidet diese zwei verschiedenen Fälle
nicht, eben so wenig 'als die beiden Gürtel als getrennte und
‚ausschlielsliche Produelionen der Blätter nnd der Knospen. Er
78°
giebt zu, dafs in der Spitze die neuesten Fasein sich’ im Innern
der ältesten 'organisiren, und er führt manche Thätsache an, um
die Erkläräng des Würzelfassens nach Alf.DeCandolle umzu-
stofsen, welcher allein deswegen den Monokotyledonen den Na.
men’Endogenen bewähren möchte. Aber in dem unteren Theile
fand er in "den Dikotyledohen eine so verschiedene Beschaäffen-
heit, dafs dieselbe als das bestiminteste Kennzeichen dienen
könne, um’ die Mönokotyledonen von ihnen zu unterscheiden.
Er'sah beständig, dafs die oberen Bündel zwischen den Gefäßs-
theil und den prösenchymatösen Theil der unteren 'hiheintreiben
und so den einen von dem’ andern isoliren. Jede neue Faser
nimmt’ auf’ diese'Weise’den Platz von einer der alten ein, um
später selbst demselben Schicksale zu unterliegen. So kommt es,
daß die proseuchymätischen Fasern, die unaufhörlich zur Peri-
phetie zurückgetrieben werden, den Bast ausmachen ; und die
Geläfsfäden, welche sich beständig äufserlich an 'die gleicharti- "
gen älteren anlegen, das Holz bilden; dies ist der Grund, warum
er jehe beiden Theile jedes Bündels Holz und Bast nannte, wel-
chd’immer ungetheilt und udveränderlich in den Monokotyledo-
nen bleiben, ‘wie sie zuerst gebildet wurden.
Die’schöne Beobachtung Dutrochet’s über die 'Mittelbil. "
dung der Holzbündel stimmen völlig mit der Entdeckung Mohl’s
überein.’ Er sah und bildete in der Clematis Vitalba Jeue Ent-
doppelüng jedes Bündels ab, welches, indem es sich von ‚seinen
Theilen trennt, dem darüber kommenden den Platz einräumt.
Und wenn er nicht anzeigte, welche von den E ementarlheilen ;
sich 'von der anderen beständig losmiaehten, so enlging es ihm
doch nicht, dafs die Veränderung von Anfang an in zwei Schich-
ten getheilt ist, welche sich gleichzeitig DIESER die inne-
ren in Holz, die äufseren in Bast.
Obgleich man nicht zwei getrennte Gürtel bei’ dan Schöfs-
“ lingen der Smilax-Arten unterscheiden kann, so ist es hier doch
ausgemacht, dafs die faserigen Bildungen der Blätter den Mile
punkt einnehmen, und die der Knospe die Peripherie, wie es
Girou de Buzareingues in den Dikotyledonen fand. Aber
in-diesen trägt der holzige Theil allein dazu bei, ee beiden
Systeme zu bilden, während der Basttheil zur Peripherie zurück-
getrieben wird; bei Smilax dagegen und bei den anderen Mono-
yhr
|
|
79
kotyledonen. erhalten‘\sieh) die,Fasern in ihrer vollkonimenen' In»
tegrität.. ‚Es ist: daher. zu, bemerken); ‚dafs die am meisten‘ ‚peri-
pherischen‘sich,, aus. blofsem, prosenchymatischem: Gewebe: erge-
ben, wie.es auch-Mirbel abbildete, ‚und wie ‚manıes:beir den‘:
Querschnitten von der Seite, welche kan der Knospe‘ ent-
gegengeselzt ist, ‚sehen, kann, ,
Jene Zerlegung jedes Bündels; welche ‚von Dakinchet ge-
geben ist, und von Mohl bei den Dikotyledonen: beschrieben,
dient zum gelegenen Kennzeichen; um. dadurch die zweifelhaften
Fälle ‚zusunterscheiden. So/ist'es z» B: in:den Stengel: bei Piper,
wo ‚einige Gelälsbündel mitten im Parenchym':beharren‘; wenn
sich, auch an der ‚Peripherie ein’ holziger Gürtel'organisirb, ‘wel-'
cher es umschlielst,..mit' Markstrahlen' versehen ‘ist; und: sieh all-
jährlich durch neue Schichten: vergröfsert. Jene’ Bündebvermech-
ren «sich «nieht an: Zahl; wenn man sie» aber: "in ‘verschiedener '!
Höhe untersucht, ‚so trifft; man sie. in: geringerer. /Zähl| am "der
Basis.und au der ‚Spitze an;) in grölseren / dagegen an den ‚mitt«-
leren: Theilen;: wiersauch Meyer bemerkte. ı Dieses ist leichter ‘
zu untersuchen.bei, denjenigen Pfefler-Arten, deren Stengel»kraut->
arlig und ıfaserig) ist, u.s. w.
Aus der-Zusammenfassung dieser Betrachtungen‘ergeben!sich )
die folgenden Sätze:
Die Enidoppelung ‚der Gefäßsbündelı durch die mittlere; Bils:
dung; nenen faseriger Gefälsbündel und die folgende Vergröfserung |
der $lämme \an-Breite,| gehört den. Dikotyledonen ausschließlich
an. ‚Die. Vergrößserung (dagegen an ‚Dicke, welche dureh die‘
- Daraufsetzung ‚neuer faseriger Schichten 'äulserlich, auf die''schon
vorhandenen gebiklet wird; ist-von den Markstrahlen "ganz -un-
abhängig und auch ‚den Monokotyledonen’ gemeinschaftlich.‘ In
den‘Dikotyledonen ‚hören ‚die Faser sogleich ’ auf, in Beziehung ı
zu den Blättern ‘zu stehen, welchen sie angehören und bleiben
) niemals mit ihren ‘Narben verbunden. : Jede ‘Faser: verliert gar
b re eigene Individualität, indem sie-sich’ in»ihre Elemente
me „ welehe dann einen Theil zweier: Systeme "ausmachen
u.s.w. In den Monokotyledonen dagegen bewahrt jede Faser
immerwährend und anveränderlich. ihre Individualität. Sie bleibt
‚ vom. Blatte unabhängig und folgt allen Verrückungen desselben,
‚#0 lange als sie Leben ‚hat. Wenn dieses zerstört ist, bleibt sie
/
«
so
von der Narbe, welche an der äufseren Oberfläche gelassen wird,
abhängig'und bleibt immerwährend mit derselben in Verbindung,
indem’ sie sich nach und nach quer durch die’neuen Productio-
nen» verlängert, welche PBSLABSERE die Dicke des Stammes ver-
mehren,
6) Was man zu den Sachen, welche von Mohl entdeckt
t wurden, hinsichtlich der Pflanzen- ANSEuRgE hinzu-
t fügen müsse,
Mohl'erforschte den Lauf der Holzbündel'in den verschie-
denen‘Palmenstämmen, indem. er ihre Abweichungen in der ver-
tikalen’ Richtung ‘bestimmte. Er‘ zeigte, dafs ‘alle Gefälsbündel,
welche ‚einem Wedel angehören, während er das äufserste Ende
einnimmt, an der äufseren Oberfläche des Stammes einen langen
Kegel:bilden, dessen Spitze’ sich bei der Entwickelung des neuen
Blattes öffnet, indem die Gefäfsbündel nun zur Peripherie aus-
einander laufen, von wo sie sich mit den neuesten durchkreu-
zen, u.sw. Um die Ursache der Erscheinung zu erforschen,
muls man die Blätter in ihren successiven Verrückungen verfol-
gen,'es auf die Verrückungen anwenden, welche sich den Fasern
selbst mittheilen, und das beständige Verhältnils der Vertheilung
der äußseren Organe zu denen ‚der inneren Gefälsbündel erken-
nen. Man muls vor Allem die Fälle unterscheiden, in welchen
die Blattstielscheide ihre ursprünglichen Beziehungen zu. der Pe-
ripherie des Stammes ‘bewahrt, von denen übertriebener An- '
schwellung dieses Letzteren, wodurch die Basis des Blattstieles
auf einen, mehr oder weniger beschränkten Bogen zurückgeführt
wird. Ursachen dieser Modification, wenn man sie wohl berech-
net, erklären alle Verschiedenheiten, welche man in dem Baue
der Stämme antreflen ‘kann, u.s.w. Um aber ihre Geschichte
zu vollenden, um die Grade der Aehnlichkeit zu bestimmen, wel-
che Mohl blos ‚anzeigte, muls man in jedem Stengel den Blü- "
thentheil von dem übrigen unterscheiden, welcher sehr häufig
auf die geringsten Dimensionen zurückgeführt wird. Blos ver-
mittelst dieser Unterscheidung kann man die Structur des Sten-
gels erklären, welchen Mohl rohrartig nannte, weil er den Pal-
men des Geschlechtes Calamus eigen ist, welche mit irgend ei-
ner anderen Pflanze jener Familie in Beziehung auf der inneren
Structur nicht verglichen werden könne, aulser an ihrem unte-
ren
s
ren Theile, welche zur gemeinschaftlichen Achse dient, von wel-
cher aus jene neuen Keime hervorgehen.
Mohl hat nichts über die Structur der perennirenden Schöfßs-
linge gesagt, in welchen Mirbel geglaubt hatte, eine doppelte
Vegetation zu bestimmen. In ihnen mufs man in der That die
faserigen Productionen der Blätter von denen der Knospen 'un-
terscheiden. Beide verhalten sich daher nach der Art der obe-
ren Züge der Gefäfßsbündel aller anderen monokotyledonischen
Stengel. Blols an der Basis der Hauptachse des Wurzelstocks
und der seeundären an den Blattwinkeln, finden sieh die unteren
Züge jener Fasern, und die beständige Vertheilung, welche solche
Züge unveränderlich umgekehrt zu den ersten bewahren. Blols
wenn die Blätter fortfahren den Stamm in seinem ganzen Um-
fange zu umfassen, oder wenn sie in mehr als einem Kreise zu-
sammengerollt sind, und wenn sie zu gleicher Zeit in einiger
Entfernung das eine von dem andern gebraclit werden, blols
dann kann es sich ereignen, dafs die Fasern bei der Einschie-
bung jenes Blattes peripherisch werden, obgleich sie alle nach
derselben Richtung gebogen sind, wie bei den Junceen, Cype-
raceen u.s.w. Diese Beschaffenheit ist noch deutlicher in den
Halmen wegen des Umstandes der doppelten Spirallinie, welche
die Bewegungen der Blätter regulirt. Moldenhawer hatte
schon gelehrt, dafs die Bündel der älteren Blätter tiefer in den’
faserigen Körper der Halme eindringen, aber der Bau und die
Ursache der Kuoten blieb verborgen. Gelührt von den oben an-
gedeuteten Betrachtungen gelangte ich durch die Auseinander-
setz! dieses Falles, welcher der schwerste von allem ist, dahin,
ee Erklärung dieses Priueips darzulegen, durch wel-
_ eles in den Monokotyledonen die Verrückungen der äufseren Or-
gane als Ursache der inneren Anordnung der Gefälsfasern Ange-
- sehen werden.
Zu den einflufsreichsten Erscheinungen des vergangenen Jah-
res gehört ein Werk des Herrn Link '), worin derselbe eine
grofse Reihe von phytotomischen Abbildungen zu pnblieiren be-
B) Ieones anatomico-botanicae ad illustranda elementa philosophiae
botanicae, Nase. I. cum tabulis lithographicis VIII. Berolini. 1837. fol.
Löteinisch und deutsch.
III, Jahrg. 2. Band 6
82
ginnt. In. der Vorrede zu diesem, Werke sagt Hr. L., dafs die
Anatomie des menschlichen Körpers die grofsen Fortschritie ge-
macht habe, seitdem die Gelehrten angefangen haben, dasjenige,
was sie sehen, durch geschickte. Künstler abbilden zu lassen.
Diesem Beispiele wird auch Hr. Link folgen, und somit wer-
den auch allen Denjenigen, welche nicht im Stande sind, eigene
mikroskopische Beobachlungen anzustellen, die Mittel an die
Hand gegeben, sich und Andere zu belehren, denn Abbildungen
sind zum Studium der Pflanzen- Physiologie eben so nöthig, wie
zum Studium der thierischen Anatomie. Die grolse Theilnahme,
welche dieses Werk, bei seinem außserordentlich geringen Preise,
gleich nach dem Erscheinen erfahren hat, beweist schon die
Zweckmälsigkeit desseiben. Aus der grolsen Anzahl schöner
und interessanter Abbildungen, heben wir nur einige hervor,
welche alle Aufmerksamkeit der Botaniker auf sich ziehen
müssen, als die sehr gelungenen Darstellungen von der Ver-
flechtung der Holzbündel in den Nodien der Monokotyledonen;
Tab. II. fig. 6. zeigt das Hineinwachsen und Verflechten der
Holzbündel, welche von einem Aste oder einer Knospe von Sac-
charum offieinarum herabsteigen. Die keimenden Pflänzchen
verschiedener Monokotyledonen, die Querschnilte aus verschie-
denen Anamorphosen des Monokotyledonen-Stammes, die Abbil-
dungen der verdiekten Zellenmassen aus der Borke der Birke
u.s.w. zeigen zugleich vieles Neue, was bis dahin noch nicht
publieirt war.
Auch hat Ref. noch eine Schrift anzuführen, welche er als
Beantwortung einer, von der Teyler’schen Societät zu Harlem
am I. Jan. 1834 aufgegebenen Preisfrage eingesendet hat, und am
Sehlusse des vergangenen Jahres zu Harlem, als der 22ste Theil
der Verhandelingen witgegeven door Teyler’s Tweede Genootschap
(Haarlem 1836. 4.) erschienen ist. Obgleich diese Arbeit zur
Publikation noch nicht eingerichtet war, so muls Ref. der Tey-
ler’schen Societät dennoch seinen Dank abtragen, indem dieselbe
bei dieser Gelegenheit eine grolse Menge seiner eigenen mikrosko-
pischen, meistens phytotomischen Abbildungen, welche dieser
Preisschrift auf 20 Quarttafeln beigegeben waren, herausgegeben
hat, was auf anderem Wege schwerlich so gut auszuführen ge-
wesen wäre. Man hat dieser Schrift den Titel: Ueber die neue-
83
sten Fortschritte der Anatomie und Physiologie der Gewächse,
gegeben; sie wurde aber schon 1834 geschrieben, und ein Theil
der Tafeln war schon 1833 ausgeführt. Ref. möchte von dieser
Schrift die Abbildungen zur Benutzung empfehlen, welche, ob-
gleich sie meistens noch nach einem alten englischen Mikroskope
angefertigt sind, dennoch zu den richtigsten gehören dürften,
welche bis jetzt für Pflanzen-Anatomie erschienen sind. Die
neuen Thatsachen, welche im Texte dieser Preisschrift enthalten
sind, werden ziemlich vollständig in dem Buche zu finden sein,
welches vor kurzer Zeit unter dem Titel: Neues System der Pflan-
zen-Physiologie, hier zu Berlin von dem Ref erschienen ist.
Zur Morphologie.
Ueber den knollenförmigen Stamm vor Tamus Elephantipes
L. haben wir durch Hrn. Mohl ') eine ergebnifsreiche Unter-
‚suchung erhalten; leider waren die Exemplare, welche hierzu
bestimmt wurden, schon dreijährig. Im ersten Jahre soll diese
merkwürdige Pflanze nur ein knolliges Stämmchen von der
Grölse einer Haselnuls entwickeln, ganz ohne Blätter-iragenden
Stengel. Bei der dreijährigen Pflanze hatte das Stämmchen die
Größe der Wallnuls erreicht, und zeigte bald eine längliche,
bald eine abgeplattete Form; das Würzelchen im Mittelpunkte
der Basis fehlte, dagegen war es durch einen Kranz von Faser-
würzelchen ersetzt. welche am Rande der Grundfläche salsen.
Die Entwickelung dieser Würzelchen findet hier wie bei so vie-
len andern knollenförmigen Monokotyledonen-Stämmcehen Statt;
die alten Würzelchen sterben nämlich ab und werden durch
neue ersetzt, welche weiter nach Aulsen am Rande der Grund-
fläche hervorbrechen; es entwickeln sich also diese Würzelchen
in concentrischen Kreisen, wovon der innerste zugleich der jüng-
ste ist, und zugleich beweist dieser Stamm von Tamus Elephan-
tipes, dals die Entstehung von Adventivwurzeln bei den Mono-
kotyledonen nicht nothwendigerweise an die Existenz und Lage
der Knoten gebunden ist. Achtjährige Stämmchen von 3 Zoll
Durchmesser wurden genau untersucht; auf dem senkrechten
1) Untersuchuugen über den Mittelstock von Tumus Elephantipes
L. (Als Insugural- Dissertation erschienen.) Tübingen 1836. 4.
6*
84
Durchschnitte derselben sah man, dafs die hauptsächlichste Masse
parenchymatös und weilsgelblich gefärbt ist. Die unregelmäfsi-
gen Hervorragungen auf der convexen Oberfläche bestehen aus
einer korkähnlichen Rindenmasse, und die Einrisse an derselben
gehen durch bis zu dem belebten Theile der Rinde, welche sich
hier durch (den Mangel von Bast auszeichnet. Die Holz- oder
Gefälsbündel am Parenchym des Stammes sind sehr zart und
weich; auch schwer zu verfolgen. Das Parenchym besteht aus
sehr dünnwandigen Zellen, welche in den äuiseren Lagen mehr
breit als lang sind und keine Amylum-Kügelchen enthalten, wel-
che im Inneren der Masse häufig vorkommen. Auf der Grund-
fläche des Starmmes laufen innere Substanz und Rinde mehr in
einander über. Auch wo Knospen sitzen, ist die Rinde nicht
so scharf von dem Mittelkörper getrennt, wie an dem übrigen
Umfange des Stammes. Die Holzbündel der beblätierten Sten-
gel gehen nicht unmittelbar aus den Gefälsbündeln des Stammes
hervor, soudern diese verzweigen sich erst an der Basis der
Kuospen. :
Bei der, gewöhnlichen Bildung des Caudex intermedius ent-
stehl der Blätter- und Blüthen-tragende Stengel einfach auf die
Weise, dafs die Endknospe, oder auch in manchen Fällen eine
Seitenknospe des Rhizoms zum oberirdischen Stengel auswächst
und dafs, wenn dieser Stengel abstirbt, im nächsten Jahre ein
oder mehrere Seitenverzweigungen des vorjährigen Rhizoms an
seiner Stelle einen Blüthenstengel treiben. Der knollenartige
Stamm von Tamus Elephantipes dagegen, weil er von einem
einzigen Internodium gebildet wird, hat keine Blätter und also
auch keine Achselknospen, und, wie Hr. M. sagt: Es bleibt nichts
übrig, als die Knospen für Adventivknospen zu erklären, welche
sich jedes Jahr zwischen dem Holzkörper und der Rinde des
knollenartigen Stammes neu bilden, eine unvollkommene Hülle
von zelligen mit der Rinde im Zusammenhange stehenden Schup-
pen besitzen, und ihre Gefäfsbündel unabhängig von denen des
vorjährigen Stengels mit der Holzmasse des knollenartigen Stam-
mes in Verbindung setzen.
Herr Mohl ') hat einige interessante Beobachtungen über
1) Beobachtungen über die Umwandelung von Antheren in Carpelle,
Tübingen 1836. (Als Inaugural-Dissertation erschienen.)
85
Umwandelung von Antheren in Carpelle bekannt gemacht, um
die Frage der Entscheidung näher zu rücken, ob man die Staub-
gefälse der Pflanzen als aus Metamorphose von Blättern hervor-
gegangen zu betrachten hat, oder ob sie, als mit einem Blait-
paare besetzte Aeste anzusehen sind. Für die erstere Meinung,
welche zuerst von Goethe ausgesprochen wurde, spricht. die
einfache Beobachtung an Blumen, welche sich allmälick füllen,
oder aus dem gefüllten Zustande wieder zum einfachen Typus
zurückkehren. Hr. M. macht darauf aufmerksam, wie bei den
Nymphaeen: ein allmälicher Uebergang zwischen den Blumen-
blättern und den Staubfäden stattfinde, während dieser Ueber-
gang gewöhnlich sprungweise erfolgt. Ss
Beobachtungen an milsgebildeten Blüthen von Chamaerops
humilis zeigten Hr. M. die Umwandelung der Carpelle in Antheren
sehr deutlich. Die Carpelle hatte ihr ausgebildetes Ovulum und
wich von ganz normalen Ovarien nur dadurch ab, dais zu bei-
den Seiten der Bauchnath eine gelbe Wulst der Länge nach ver-
lief, welche sieh auf dem Durehschnitte als ein durch die ge-
wöhnliche Scheidewand in zwei Loculamente getheiltes, mit
Pollen gefülltes Antherenfach erwies. Es wurde hierdurch er-
wiesen, dals der Pollen nicht in einer, durch Einrollung eines
Blattes entstandenen Höhlung, sondern im Inneren des Blattes
selbst, gebildet wurde. Hierauf sind verschiedene Fälle mit der
grölsten Genauigkeit beschrieben, wo die Antheren durch Pro-
duetion von Eiern und durch allmäliche Annäherung an die Form
.
des Ovariums in Carpelle übergehen. Bei Sempervivum tectorum,
wo diese Uebergäunge von Staubläden in Ovarien sehr häufig vor-
kommen, fand Hr. M. die Staubfäden des inneren Kreises bestän-
dig in Carpelle verwandelt, aber nur in selteneren Fällen waren
sämmtliche Staubfäden einer Blüthe in Carpelle übergegangen.
- Die Uebergangsstufen dieser Bildungen sind alle sehr ausführlich
beschrieben, doch müssen wir deshalb”auf das Original ver-
weisen. ’
Aehnliche Uebergänge der Antlıeren in Carpelle sah Herr
Mohl bei Papaver orientale; diese Uebergänge waren um so
vollständiger, je näher die Staubfäden den Ovarien standen. „Bei
den Antheren von Sempervivum, sagt Hr. M., sahen wir zuerst
die hinteren Loculamente verschwinden, während sie zugleich
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j
E
j
j
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durch starke Entwickelung des Connectivs auf der hinteren An-
therenfläche auseinander treten ; erst weit später verschwanden
die vorderen Loculamente. Etwas Aehnliches, jedoch nicht in
gleich hohem Grade ausgesprochen, kam bei Papaver vor. In-
dem nämlich die Placenta sich verdickte und die Antherenlocu-
lamente verdrängte, so zog sie sich zugleich gegen die vordere
Antherenfläche hin, wodurch der Rücken der nach dem Ver-
schwinden der Antherenloculamente grün gewordenen Anthere
gewölbt wurde.‘
Hr. Mohl schliefst sich in Folge seiner Untersuchungen der
Ansicht Cassini’s an, doch zugleich mehrere wichtige Modifi-
cationen derselben andeutend. Nach Cassini sind die Näthe
der Antheren als die Blattränder anzusehen ; die Scheidewände
zwischen den Loculamenten eines jeden Faches als Ueberreste
des Blattparenehyms und der Pollen als eine Modification des
Blattparenchyms. Wohl mit allem Rechte stellt Hr. M. die An-
sicht in Zweifel, dals die Näthe der Antheren den Blatträndern
entsprechen; bei halb in Antheren umgewandelten Blumenblät-
tern von Papaver beobachtete er, dals beide Antherenloculamente
auf der oberen Blattfläche entstehen und dafs der Rand der Blu-
menblätter, ohne eine Spur zu hinterlassen, in dem hinteren An-
therenloeulamente verschwindet.
Hr. B. Presl ') hat Beobachtungen über eine seltene Mon-
strosität an den Staubbeuteln einer gemeinen Tulpe bekannt ge-
macht, woraus er sehr abweichende Ansichten über die Pollen-
und Altherenbildung gefolgert hat. Die monströse Tulpe zeigte
fast vollständig grüne, Perigonialblätter;, das Conneetivum war
breit, flach, grün, über die Staubbeutelfächer beinahe zwei Li-
nien verlängert, und in zwei panzerförmige, zusammengeneigte
stumpfe blattartige, nach unten ein halbmal gerollte grünliche
Spitzen ausgehend. Die Fächerränder dick wie Papier, beinahe
wulstig, und der ganzen Länge nach mit einer hin und her un-
terbrochenen, oder theilweise doppelten Reihe gestielter keulen-
förmiger weilser durchscheinender, dicht neben einander stehen-
der Bläschen besetzt. Das Ovarium hatte in der einen Längs-
furche ein accessorisches, mit einem eigenen Narbenlappen ver-
1) Vermischte botanische Aufsätze. Mit einer Kupfertalel.
x
87
sehenes Ovariumfach, welches aber keine Eierchen enthielt. Die
weilsen Bläschen, welche die Rinde besetzt hielten, erklärt Hr.
P. für Pollenbläschen, obwohl dieselben keinen Pollen enthielten.
„Das Pollenbläschen und das Eibläschen haben eine analoge Or-
ganisation, aber eine verschiedene physiologische Bedeutung.“
Dieser Ausspruch ist wohl unhaltbar ; zwar hat ihn Hr. Mohl
aus_seiven Beobachtungen über den Bau des Pollens gezogen,
aber jene sind, in Bezug auf diesen Punkt, bei Anwendung bes-
serer Instrumente und stärkerer Vergrölserung als nicht richtig
zu erweisen.
Es wurde vorhin, bei der Relation über die Schrift des Hrn.
Mohl nachgewiesen, wie der Pollen nu: im Inneren der modi-
fieirten Blumenblattsubstanz gebildet wird, und eben die Rand-
stellung jener Bläschen, wie sie Hr. Presl bei den Antheren der
Tulpe beobachtet hat. spricht, meiner Meinung nach sehr deut-
lich, dafs diese Bläschen als Eierbläschen anzusehen sind. Hr. P.
sagt zwar: die Pollenbläschen entstehen so wie die Eierchen am
Rande des zum Geschlechtstheil qualitativ umgeänderten Blattes,
u. s. w.,‘“ doch diesem Ausspruche kann Ref. nicht beistimmen.
- Beobachtungen über die Umwandelung der Blumenblätter in An-
theren, sowohl bei Rosen als bei dem Mohne zeigen die Erschei-
nung ganz in der Art, wie sie in aller Kürze vorher dargestelll
wurde. :
Hr. P. widerlegt ferner in der genannten, höchst interes-
santen Abhandlung die Ansichten des Hrn. Agardh, dals die
Stanbgefäßse das Produkt einer axillären Knospe wären, so wie
auch die, dafs das Carpellarblatt die Placenta als eine Axillar-
knospe hervorbringe. Auch die Ansicht des Hrn. Endlicher,
dals die Bildung der Placenta aus der verlängerten Axe der
Blume entstehe, sucht Hr. P. zu widerlegen, gesteht aber zu,
dafs die verlängerte Blumenaxe zur Untersuchung der Placenta
beitragen könne; jedoch mülste erst erwiesen werden, ob das
Carpellarblalt das Mittelsäulchen nicht überzieht, wie es wahr-
scheinlich ist, folglich das Mittelsäulchen die Placenta selbst
nicht ausmachen kann.
Ur, G. A. Eisengrün ') hat ein grolsartiges Werk gelie-
I) Die Familie der Schmetterlingsblütigen oder Hülsengewächse,
E
88
fert, worin die Leguminosen in morphologischer Hinsicht sehr
speciell erörtert werden, und zugleich ihre nahe Verwandtschaft
mit einigen anderen Familien, die dem Habitus nach so weit
entfernt stehen, dargethan wird. Es würde nicht leicht mög-
lich sein, über den reichen Inhalt dieses so fleifsig gearbeiteten
Werkes auf einen kleinen Raum zu referiren, daher ich auf die
Schrift selbst verweisen muls.
Als ein Beitrag zur Beweisführung der Verwandtschaft, wel-
che zwischen den Leguminosen und Amygdaleen in dem vorhin
angeführten Werke des Hrn. Eisengrün so umständlich nach-
gewiesen, ist hier eine Beobachtung des Hrn. Presl !) aufzu-
führen. „Die Blätter, sagt Hr. P., die Rhachis der reichen Traube
der Hundskirsche, so wie die Blumenstielechen boten keinen Un-
terschied von der normalen Form dar.“ Der Kelch war in eine
zurückgeschlagene Scheibe verwandelt. Das Carpell grün, birn-
förmig zugespitzt und sich in dem ausdauernden Griffel entwe-
der gerade oder meistens schief endigend; das Carpellarblatt le-
derartig; ein einziges Fach, in dessen Spitze das hängende Ei,
sehr selten zwei Eichen, u.s.w. Die beigegebene Abbildung
zeigt ebenfalls, wie diese metamorphosirten Früchte, denen der
Crudya und andern Leguminosen ähnlich waren.
Hr. Eudes-Deslongehamps ?) beobachtete eine Milsbil-
dung bei. Papaver Rhoeas, wo der Kelch in 8 Theile gespalten
war, und ferner eine vollkommene Verdoppelung aller Theile
einer Blüthe von Agapanthus umbellatus; auch das Pistill war
doppelt. — Auch Hr. Wiegmann sen. beobachtete einige Mils-
bildungen in der Mohnkapsel ®), und Hr. Klinsmann *) hat
einige andere Beobachtungen über Monstrositäten bekannt ge-
mit besonderer Hinsicht auf Pflanzen-Physiologie und nach den Grund-
sätzen der physiologisch - systematischen Anordzung ihrer Gattungen
bearbeitet. Ein Beitrag zur comparativen Botanik. Stuttgart 1836. 295
Bogen.
1) Ueber die Metamorphose der Carpelle bei der Hundskirsche (Ce-
rasus Padus).
2) L’Institut de 1836. p. 314.
3) S. Flora v. 1836. p. 28.
4) Ueber zwei Pllanzen -Mopstrositäten. — Linnaea y. 1836. p. 604.
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ie
89
macht. Die Arbeiten der Herren J. S. Henslow '), Gardiner ?)
und A. Tausch ®) können wir leider nur anführen.
Der gelehrte Balsaminen -Streit, welcher schon seit mehre-
ren Jahren besteht, wurde auch im vergangenen Jahre von den
Herren Röper *) und Agardh °) fortgeführt, bis endlich Hr.
Presl °) zeigte, dafs keinem der Streitenden das Recht zukommt,
sondern dafs die Ansicht des Hın. Kunth ?) die richtige sei,
welche dieser Gelehrte schon früher über den fraglichen Gegen-
stand aufgestellt hat, wonach nämlich die Balsamine 4 Petala
und eigentlich einen 5-blätterigen Kelch besitzt, in dem die zwei
oberen Sepalen in ein Sepalum zusammengewachsen angenom-
men werden. Der Fan. welcher zwischen den Petalen
nach Oben bemerkt wird und zwei Staubfäden entspricht, deutet
Hr. K. als den Ort, wo eine Verkümmerung des 5ten Petalums
stattfindet. Diese Ansicht wird denn auch durch Hrn. Presl
sowohl durch zufällige Bildungen der Garten-Balsanıine, wie
hauptsächlich durch die Betrachtung des Baues anderer Balsami-
nengewächse erwiesen.
In den schon angeführten botanischen Aufsätzen hat Herr
Presl (p. 14.) eine Beobachtung über die theilweise Fül-
lung der Blumen bei der gemeinen Robinie (Robinia
Pseudacacia) bekannt gemacht, und in einem anderen kleinen
Aufsatze ®) kat Hr. P. nachgewiesen, dafs die Ansicht über die
folia ternata, welche Hr. De Candolle aufgestellt hat, dafs
dieselbe nämlich als folia pinnata unijuga cum impari anzusehen
1) On the structure of the flowers of Adoxa moschatellina. — Jar-
dine’s and Selhy's Magazine of Zool. and Botany. Nr. II. p. 359.
2) On the uses of the Nectary and Corolla in Plants. — Loudon,
- The Magazine ete. 1836. Jan. — Apr. p. 195.
3) Dissert. de inflorescentia. Pragae 1835.
4) Antwortschreiben auf das zweite Sendschreiben des Hrn, Agardh
über die Stellung und Deutung der Blüthentheile der Balsaminen. —
Flora von 1836. p. 241 — 245.
5) Ueber die Deutung der Blüthentheile und die Verwandtschaft der
Balssminen. — Flora von’ 1836. p 193 — 205. u. p. 209 — 221.
6) Bemerkungen über den Bau der Blumen der Balsaminen. Prag 1836.
7) Berichtigung. — Wiegmann’s Archiv v. 1836. I. p. 367.
8) Ueber die Metamorphosen der Blätter bei dem gemeinen Schnek-
kenklee.
90
ganz der Natur entsprechend wäre. Die Indigoferen zeigen die-
ses besonders deutlich; eine Art derselben zeigt am unteren
Theile des Stengels einfache, weiter hinauf gedreite und am obe-
ren Theile desselben gefiederte Blätter mit dem unpaarigen.
Von Hın. L. €. Treviranus !) haben wir einige morpho-
logische Beiträge erhalten, welche der Hauptsache nach schon
im Jahre 1835 in der Physiologie des Hrn. T. (p. 439 u. 535.)
publicirt sind. Sie betreffen erstlich dieBlasenbildung an denBlät-
tern der Aldrovanda. Hr. T. zeigt, dals dieses Organ, welches an
den Blättern dieser Pflanze sitzt und für eine Luft-absondernde
Blase angesehen wurde, einen ganz anderen Bau besitze. Es
ist an einem kurzen Stiele befestigt, der von dem Punkte aus-
läuft, wo die Theilung der Blätter beginnt, und besteht aus zwei
halbrunden bauchig aufgetriebenen Lamellen, welche in der Mitte
vereinigt sind. Diese Vereinigung ist indessen ohne wirkliche
Verwachsung, daher man sie sehr leicht trennen kann. So-
wohl die Oberfläche dieses Anhanges als der Blätter der Aldro-
vanda fand Hr. T. mit dunkeln Pünktchen besetzt. welche aus
Kügelchen zusammengesetzt waren und vielleicht den Drüsen
zuzurechnen wären. Dem Ref. scheinen diese Gebilde ähnlich
denjenigen, welche unter ganz ähnlichen Verhältnissen auf den
Blättern der Utricularia vorkommen. Aus diesen gegebenen Un-
tersuchungen schliefst Hr. T.. dafs diese Anhängsel bei Aldro-
vanda nicht den Blasen der Utrieularien gleichzustellen wären,
dagegen zeigten sie Aehnlichkeit mit den Blattanhängen der Dio-
naea Muscipula L. an.
Eine andere Beobachtung betrifft die prismatischen Blätter,
welche bei der Gattung Mesembryanthemum so häufig vorkom-
men. Hr. T. weist hierüber durch Beobachtungen und beige-
fügte Abbildungen nach. dafs diesen Blättern eigentlich die un-
tere Fläche fehlt, dafs sie anzusehen wären als solche, die sich
durch seitliches Umschlagen der oberen Blattfläche und Ver-
schwinden der Substanz der unteren Blattfläche gebildet hätten.
Die Vertheilung und der Lauf der Holzbündel, sowie die Stellung
1) De Aldrovandae vesiculosae et Mesembryanthemi foliorum stru-
ctura. — Abhandl. d. Königl. Akademie d. Wissensch. zu Berlin. Aus
dem Jahre 1334. Berlin 1836. p. 747 — 749. cum tab. aen. ‚ab
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der Zellen in diesen Blättern sind offenbar beweisend für die
scharfsinnige Ansicht des Hrn. T.
Eine sehr schätzenswerthe Arbeit haben wir von Herrn
Aime Henry !) über den Bau der Laubholzknospen erhalten,
welche mit den schönsten instructivsten Abbildungen von seiner
Meisterhand hegleitet sind, die alle eigenen Untersuchungen über
diesen, noch wenig oder gar nicht bearbeiteten Gegenstand er-
setzen. Die vorliegenden Untersuchungen sind hauptsächlich auf
die Form und Stellung der Knospenschuppen, so wie der darin
eingeschlossenen Blätter gerichtet, und es sind hier die Gattun-
gen Betula, Alnus, Ostrya, Carpinus, Corylus, Quercus, Fagus,
Platanus und Castanea in dieser Hinsicht bearbeitet.
Irritabilitäts- und Sensibilitäts- Erscheinungen.
Auch die Beobachtungen der Erscheinungen über Irritabili-
tät und Sensibilität der Pflanzen mehren sich von Jahr zu Jahr.
Hr. Presl ?) hat Beobachtungen über die Reizbarkeit der Staub-
fädenröhren bei einigen Arten des Schneckenklees ( Medicago)
bekannt gemacht, welche. veranlassen möchten, dafs man diesen
Gegenstand bei der ganzen Familie der Leguminosen verfolgt.
„Die Reizbarkeit der Staubfädenröhren bei Medicago arborea,
sativa und falcata besteht darin, dals, sobald man die Basis des
Schiflchens oder der Blume von den Seiten etwas drückt, oder
mit einer Nadel u.s. w. in die Oeflnung oder an die Basis des
Schiffchens sticht, die Genitalien sogleich und mit der gröfsten
Schnelligkeit das Schiffchen verlassen und an die vordere Fläche
der Falıne sich anlegen. Diese Reizbarkeit zeigt sich vom Mor-
gen bis zu den späten Nachmiltagsstunden; beim Sonnenuntergang
aber nicht so gut, oder gar nicht mehr, indem dann der Schlaf
dieser Pflanze eintritt. Oft war eine starke Erschütterung der
Pflanze hinlänglich um diese Bewegung der Staubläden zu be-
wirken, und diese Bewegung geschieht mit aufserordentlicher
Schnelligkeit. Kaum sticht man in die Blume, oder drückt sie
von den Seiten, so schnellen auch die Genitalien heraus.
Hr. P. macht zugleich auf die Reizbarkeit des Griffels bei
1) Beitrag zur Kenntnils der Laubknospen. — Acta Acad. ©. I, C.
Nat. Cur, Vol. XVIIL. P. 1. p. 525 — 540.
2) Vermischte botanische Aufsätze
92
der gemeinen Bohne aufmerksam, welche darin besteht, dafs sich
derselbe aus der Oeffnung des schneckenförmig gedrehten Schifl-
chens in der Länge von 2 Linien schnell herausschiebt und eben
so schnell wieder zurückzieht, oder stolsweise aber in geringe-
rer Länge sich hinaus- und wieder hineinzieht.
Eine höchst beachtenswerthe Arbeit über die Bewegung der
Blüthen bei Hedysarum gyrans und bei anderen Pflanzen haben
wir von Hrn. Dr. Dassen ') zu Hoogwun in Drenthe erhalten,
welche erst im vergangenen Jahre zu uns gekommen ist. Es ist
dieses Werk eine Beantwortung der Preisfrage, welche die hol-
ländische Gesellschaft der Wissenschaften zu Harlem zum Jahre
1834 über die Bewegungen bei Hedysarum gyrans aufgab ; sie
ist mit gröfster Umsicht und grölster Literatur-Kenntnils ge-
schrieben, und umfalst an 130 Seiten. Schr Vieles von dem In-
halte dieses Werkes ist von solchem Interesse, dals eine baldige
Uebersetzung desselben in eine gangbarere Sprache sehr erwünscht
sein würde, wozu vielleicht in den nächsten Heften dieses Ar-
chivs etwas Platz übrig bleiben möchte.
Herr Dutrochet ?) hat Beobachtungen an verschiedenen
Pflanzen angestellt, um die nächste Ursache über das Erwachen
und über den Schlaf der Blüthen nachzuweisen. Die Blüthen
der Gattungen Mirabilis u. Convolvulus haben das Eigene, dals sie
nur einmal erwachen, und zwar wenn sie sich öffnen, während
die Blüthen des Löwenzahns sich mehrere Tage hindurch öffnen
und wieder schlielsen. : Unter dem Oellnen und Schliefsen der
Blüthe versteht Hr. D. das Erwachen und Einschlafen derselben.
Bei der Blüthe von Mirabilis Jalapa und M. longiflora sind
die 5 Nerven, welche die häutige Zellenmasse der Blüthe aus-
spannen,- die einzigen Vermittler der Bewegungen; bei dem Er-
wachen der Blüthen krümmen sie sich nach Aulsen, bei dem
Schliefsen derselben nach Innen. Jene Nerven zeigten folgende
Struktur: An ihrer äulsern Seite liegt ein Zellengewebe, dessen
1) Natuurkundige Verhandelingen van de Hollandsche Maatschappij
der Wetenschappen te Harlem. Deel XXII. To Harlem 1835.
2) Du reveil et du sommeil des plantes. — Annal. des science. nat. II.
1836. p. 177 — 189. — Uebers. in Froriep’s Notizen v. 1837. No. 13 u. 14.
— Im vollständigen Auszuge in Z’Institut de 1836. p. 387. — Comptes
rendus hebdomaires 1836. Nr. 20 et 21.
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Zellen, in Längsreihen gestellt, von Innen nach Aufsen an Gröfse
abnahmen. Hierin glaubt Hr. D. die Ursache der Krümmung
nach Aufsen gefunden zu haben, indem dieselbe erfolgen mufs,
wenn diese Zellenmasse turgeseirt. Auf der inneren Seite zeig-
ten jene Nerven ein fibröses Gewebe, zusammengesetzt aus äus-
serst feinen Fibern und in Längsreihen gestellten Kügelchen (!).
Hr. D. trennte diese Schichten, welche äufserlich und innerlich
den Spivalröhren liegen, legte sie für sich allein in Wasser und
beobachtete an ihnen die entsprechenden Krümmungen; die äus-
serlich gelegene, die Zellenschieht nämlich, krümmte sich nach
Aufsen, die Faserschicht dagegen nach dem Inneren der Blüthe.
Wurde die Zellenschicht von der äufseren Fläche der Blüthe einer
Knospe abgetrennt und in Wasser gelegt, so krümmte sie sich
nach Aufsen, im Zuckersyrup dagegen krümmte sie sich nach
Innen. Andere Beobachtungen zeigten jeduch, dafs die Turges-
cenz der Zellen jener Schicht, welche die Blüthenrippen äufser-
lich bekleidet, durchaus nicht ausreichend ist, um das Ganze zu
erklären, denn es fand sich, dafs eine solche Zellenschicht, wel-
che sich nach dem Eintauchen in Wasser nach Aulsen gekrümmt
hatte, nach Verlauf von 6 Stunden ihre Krümmung änderte und
sich nach Innen zusammenzog.
Die Erklärung der Ursache von der Zusammenziehung der
Faserschicht nach Innen, wodurch das Schliefsen der Blüthe be-
wirkt wird, ist noch schwieriger, und es scheint dem Referenten,
dafs Hrn. D.’s Erklärung dieses Vorganges rein hypothetisch ist.
Es soll diese Krümmung nämlich durch Oxygexation vor sich
‘gehen. Interessant sind die Versuche, welche Hr. D. hierbei an-
führt ; wurde eine Rippe von der Mirabilis- Blume in luftleeres
Wasser getaucht, so krümmte sie sich nach Aufsen und blieb in
diesem Zustande. Eine geöffnete Blüthe der Mirabilis schliefst
sich in gewöhnlichem Wasser erst nach melıreren Stunden, in
luftleerem Wasser dagegen bleibt sie geöffnet.
Die Blüthen von Mirabilis öffnen sich Abends und schliefsen
' sich des Morgens; die Blüthen von Convolvulus purpureus L. öff-
‚nen sich um Mitternacht und schliefsen sich den Abend des fol-
genden Tages; der Unterschied soll dadurch erklärlich werden,
‚dals die Convolvulus-Blume weit langsamer den Sauerstofl auf-
nimmt, Die Blüthe des Löwenzahns dauert gewöhnlich zwei
94
und einen halben Tag und in dieser Zeit ist sie des Morgens ge-
schlossen und Abends geöffnet; am dritten Tage schliefst sie sich
gegen den Mittag. Auch hier glaubt Hr. D. nachgewiesen zu
haben, dafs das Oeflinen der Blume durch Endosmose, und das
Schliefsen derselben dnreh Oxygenation bewirkt werde, doch bei
der Wiederholung der Versuche des Hrn. D. wollte es Referenten
nicht innmer glücken; auch ist die Siruktur der Bandblümchen
des Löwenzahns offenbar eine ganz andere, als sie von Hrn. D.
angegeben wird; sie ist im höchsten Grade einfach, und Ref. fin-
det daselbst nichts, was auf einen Antagonismus deuten könnte.
Die zweite Abtheilung dieser Abhandlung des Hrn. Du-
trochet enthielt Beobachtungen und Ansichten über den Schlaf
und das Erwachen der Pflanzen. Hr. D., der schon früher sehr
viel über diesen Gegenstand gearbeitet, hat hier eine genauere
Untersuchung dieser Erscheinung an den Blättern der gemeinen
Bohne- gegeben. Die Blätter dieser Pflanze neigen Nachts ihre
Spitzen gegen die Erde, und bei Tage nehmen sie wieder die
horizontale Stellung ein. Die Anschwellung des Blattstieles der
Bohne enthält nun nach Hrn. Dutrochet’s Beobachtung die
beiden Arten von krümmungsfähigem Gewebe, von welchem im
Vorhergehenden bei der Betrachtung der Blumenblätter die Rede
war, nämlich ein durch Endosmose krümmungsfähiges Zellenge-
webe, und ein durch Oxygenation krümmungsfähiges Fasergewe-
be, und Versuche haben Hrn. D. gelehrt, dafs es bei den Blü-
then und bei den Blättern die Endosmose sei, welche durch
Krümmung des Zellengewebes den wachenden Zustand bewirkt,
und dafs das durch Oxygenation krümmungsfähige Gewebe die
alleinige Ursache des Schlafes sei. Schade, dals Hr. D. nicht auch
erklärt hat, wie und wodurch die Pflanze zur Oxygenation ihres
Gewebes getrieben wird, wenn sie schlafen will, und wie es
kommt, dafs sie das Zellengewebe durch Endosmose krümmt,
wenn sie z. B., wie es doch so häufig zu beobachten ist, zu
einer bestimmten Stunde erwacht.
Hr. D. zieht aus diesen Untersuchungen noch einige allge-
meine Schlüsse, welche wir hier noch aufführen: Die Pflanzen-
Irritabilität soll die Eigenthümlichkeit eines Fasergewebes sein,
welches, sich krümmend gegen Oxygenation reagirt; daher mülste,
man den Ausdruck: Krümmungslähigkeit für Irritabilität gebrau-
95
chen, hinzufügend, dafs die Krümmungsfähigkeit mit Exeitabili-
tät verbunden ist, oder dem Vermögen, die Einflüsse der Reiz-
mittel aufzunehmen, welche die Thätigkeit des krümmungsfähi-
gen Zellengewebes bedingt.
Während der Sonnenfinsternifs am 18. Mai v. J. beobachtete
Hr. Morren '), dafs mehrere Leguminosen, als Cassia sulfurea,
Tamarindus indica, Acacia speciosa, Mimosa sensitiva, M. pu-
dica, M. arborea halb in den Zustand des Schlafes verfielen.
Hr. M. setzt noch hinzu, dafs der Zustand, worin sich die Pflan-
zen befanden, ein ähnlicher als derjenige war, welcher bei die-
sen Gewächsen, oft mitten am schönsten Tage, durch einen hef-
tigen Sturm veranlafst wird. Als die Finsternils vorüber war,
hörte auch wieder der Schlaf der Pflanzen auf.
Hr. Morren 2) hat auch in einer anderen Arbeit über die
sogenaunte Catalepsie der Blumen Aufschlufs gegeben, welche
man bei Dracocephalum virginianum beobachtet haben wollte.
Hr. M. hat hierin gezeigt, dafs die Catalepsie bei den Blüthen
der Dracocephalum- Arten, nicht als eine Aeulserung der Sensi-
bilität oder der Irritabilität anzusehen sei, sondern dafs sie auf
mechanische Weise durch die Bracteen veranlalst werde, indem
sich diese gegen den vorspringenden Rand des Kelches dieser
Blumen stemmen und denselben zurückhalten, wenn die Blume
in horizontaler Richtung aus ihrer Stellung bewegt wird. Hr. M.
hat zugleich eine sehr genaue und ausführliche anatomische Un-
tersuchung des Stengels von Dracocephalum virginianum gegeben,
um die Frage wegen der Organe, wodurch die Catalepsie veran-
lafst werden könnte, gründlich zu entscheiden.
Lieht- und Wärme-Erzeugung.
Der Herzog von Buckingham ®) hat am 4. Sept. 1835
an der Oenothera macrocarpa ein brillantes phosphorisches Leuch-
ten beobachtet, welches von den Blättern und Blüthen der Pflanze
ausging und lange Zeit hindurch anhielt. Es war eine dunkele
Nacht mit Sturm und Ungewitter begleitet. Dr. Buckland *)
1). L’Institut de 1836. p. 416.
2) Sur la catalepsie du Dracocephalum virginianum, — Bulletin de
Acad, Roy. d. science. et helles lettres de Bruxelles 1836. p. 3412 — 357.
3) L’Institut de 1836, p. 172. — 4) D’Inst. etc. p. 173.
96
meint, dafs jenes Leuchten, schon wegen der langen Dauer mit
keiner elektrischen Erscheinung zu vergleichen sei, sondern dafs
sehr wahrscheinlich der Pflanze ein Vermögen zukomme, das
Licht einzusaugen und unter besonderen Verhältnissen wieder
auszustrahlen. Ref. wäre der Ansicht, dafs man solche Erschei-
nungen selbst gesehen und genau betrachtet haben muls, um
darüber urtheilen zu können.
Hr. Vallot ') hat einige kritische Bemerkungen über die
Angabe der Alten von dem Leuchten gewisser Pflanzen bekannt
gemacht, denen sich wohl Vieles entgegnen liefse.
Hr. Eudes-Deslongehamps ?) beobachtete ein pliospho-
risches Leuchten an Pfirsichen, welche anfingen zu verfaulen.
Ueber Wärme-Entwickelung in den Blüthentheilen von Arum
Dracunculus hat Hr. Göppert ?) abermals Versuche angestellt.
Es ging aus denselben hervor, dafs sich der Sitz aller Wärme-
Entwickelung in den Staubgefäfsen befinde, und dafs alle übrigen
Theile der Blüthe nur von hier aus die Wärme mitgetheilt er-
halten. Nachdem ein Kolben in 5 Theile zerschnitten worden,
zeigte sich, dafs in demjenigen, welcher die männlichen Organe
enthielt, der Wärmegrad 18"Stunden lang bestand.
Ueber Befruchtung und Fortpflanzung.
Hr. Gärtner in Calw *) hat seine schönen Untersuchungen
über die Bastardzeugung der Pflanzen fortgesetzt, vorzüglich um
die wichtige Frage zur Entscheidung zu bringen: ob es über-
haupt eine feste Art im Gewächsreiche gebe, oder ob sich der
Gewächskörper im Laufe der Zeiten und bei veränderten telluri-
schen
1) Critique zoologique et botanique. — Rectification des diverses
opinions emises par les anciens et les modernes en histoire naturelle. —
L’Institut de 1836. p. 219.
2) L’Institut de 1836. p. 314.
3) Froriep’s Notizen v. Juli 1836. p. 136. — Flora v. 1836. p. 497.
Es wäre zu wünschen, dafs Hr. Göppert die Differenzen in den Zahlen-
angaben berichtigen möchte, welche sich in diesen beiden Mittheilungen
befinden, indem dieselben künftig zu fehlerhaften Citaten Veranlassung
geben könnten.
4) Einige Bemerkungen über die Befruchtung der Gewächse und die
Bastard-Erzeugung im Pflanzenreich. — Flora v. 1836. p. 177 — 185.
97
schen und meteorologischen Verhältnissen und Umständen in an-
dere Formen und Gestalten, d.i. in andere Arten umwandele.
Hr. G. sprieht sich für die Selbstständigkeit der Arten aus; zwar
erleide dieselbe durch äufsere Einflüsse leichte Abänderung in
den Formen, doch die Natur des Gewächses d.i. die Art selbst,
werde’ dadurch nicht verändert.
Die Erfolge der Bastardzeugung richten sich nach denı Grade
der Verwandtschaft, welcher zwischen der weiblichen Unterlage
und den angewendeten befruchtenden Arten stattfindet; daher
zeigt jede Art, welche der Bastardzeugung fähig ist, ihre eigene
Reihe der sexuellen Affinität. Werden die Arten, welche als
weibliche Unterlage gedient halten, als männliche Potenzen, und
die vorher im Pollen angewendete Art als weibliche Unterlage
gebraucht, so erhält man aus dieser gewechselten Verbindung
Samen, welche ganz dieselben Pflanzenformen liefern, wie die
aus der ersten Verbindung! Die Bastarde in der zweiten und
den weiteren Generationen geben einen ferneren Beweis für die
von selbst erlolgende Rückkehr der Gewächsart zu ihrer origi-
nären Form, indem sich die Abköminlinge häufig zur Gestalt der
Mutter zurückwenden oder aber mit der aclıten oder uoch wei-
teren Generationen mit abnehmender Zeugungskraft endlich ganz
ausgehen.
Hr. v. Martius ') hat in der Sitzung der Akademie der
Wissenschaften zu München vom 19. Dec. 1835 eine Abhandlung
über die Befruchtung der Pflanzen vorgetragen, worin er die Re-
sultate der Forschungen dargestellt, welche in neuerer Zeit über
diesen Gegefistand veröffentlicht worden sind.
Hr. Fritzsche ?) hat abermals eine kleine, aber inhalts-
reiche Abhandlung über den Pollen bekannt gemacht, worin ge-
zeigt wird, „dals Hr. Mohl noch keineswegs alles geleistet habe,
1) Ueber das Befruchtungsgeschäft der Pflanzen. — Gelehrte Anzei-
‚ gen, herausgegeben von Mitgliedern der K. baier. Akad. d. Wissensch.
1836. p. 349 — 359.
2) Ueber den Pollen. — Im Bulletin scientifigue publie par V’ Acad.
dmp. des scienc. de St. Petersbourg. Nr. 21. Auch besonders abgedruckt
‚ inBvo. 8 Seiten. Aehnliche Darstellung desselben Gegenstandes in einem
' Schreiben un die Versamml. der Naturforscher und Aerzte zu Jena, in
der Flora v. 1836. p. 701 — 706.
II. Jahrg. 2. Band.
7
98
was sich mit unseren jetzigen Instrumenten erreichen läfst.“
Obgleich Ref. hierin beistimmen möchte, so kann er doch bei
dieser Gelegenheit die Bemerkung nicht unterdrücken, dafs der
Besitz der neueren vorirefflichen Mikroskope zu den zufälligen
Glücksgütern gehört, und dafs Hr. Mohl, dessen genaue Beob-
achtungen jedem Botaniker bekannt sind, die Struktur des Pol-
lens ebenfalls genauer erkannt haben würde, wäre er damals in
dem Besitze eines solchen guten Instrumentes gewesen. Zu den
Resultaten, welche in dieser Schrift des Hrn. F. enthalten sind,
möchte Ref. folgende aufführen. Zuerst erhalten wir von einer
genaueren Untersuchung der Charen-Antheren Nachricht. Inter-
essant ist hier die Bestätigung der von Hrn. G. W. Bischoff
(Chareen p. 13.) und Varlay (1834) gemachten, aber etwas
unvollkommen beschriebenen Entdeckung des eigenthümlichen
Baues und der Bewegung derKügelchen, welche die Glieder der
Fäden jener Charen- Antheren füllen. Die Pollen-Bläschen der
Asclepiadeen haben ebenfalls noch eine innere Haut. Die An-
sicht, dafs die äufsere Pollenhaut bei vielen Pflanzen aus Zellen
zusammengesetzt ist, welche Hr. Fritzsche noch in seiner leiz-
teren Abhandlung über den Pollen theilte, hat derselbe, nach
reiflicherer Untersuchung des Gegenstandes endlich ebenfalls ver-
lassen, und eifert gegenwärtig gegen Hrn. Molıl, der diese An-
sicht, wie es scheint, noch gegenwärtig vertheidigt, worüber in
diesen Jahresberichten schon mehrmals die Rede gewesen ist.
Diese Abhandlung des Hrn. F. ist nur der Vorläufer einer
ausführlicheren Arbeit, welche mit genauen Abbildungen beglei-
tet, nächstens erscheinen wird; wir können deshalb anch noch
über mehrere, der darin enthaltenen Gegenstände keine Relation
machen, indem dieselben in der ausführlicheren Arbeit auch. aus-
führlicher dargestellt sein werden. Daher nur noch über einige
der wichtigsten Punkte. Herr Fritzsche sucht zu beweisen,
dafs wahre Oeffnungen in der äulseren Haut des Pollen-Bläschen
vorkommen, „Der Grund, sagt Hr. F., aus welchem Mohl die
Oefinungen nicht richtig erkannt hat, liegt vielleicht in einer
sehr merkwürdigen Bildung, welche ich bei verschiedenen Pflan-
zen innerhalb der Oeffnungen entdeckt habe, die aber vielleicht
allgemeiner verbreitet, doch von Mohl nirgends gefunden wor-.
den ist. Es ist dies ein linsenförmiger Körper, je nach der Grölse
99
der Oeflnungen von grölserer oder geringerer Ausdehnung.“ Die-
ser linsenförmige Körper ist zwischen der inneren Haut und der
Oeffnung so gelegen, dafs die Oeflnung genau seinen Mittelpunkt
“einnimmt. Die Abbildungen, welche wir hierzu zu erwarten
haben, werden den Gegenstand wohl umständlich erweisen, dem
Ref. scheint es, als wenn hier von nichts Anderem die Rede ist,
als von den Deckelchen, womit diejenigen Stellen der Pollen-
bläschen verschlossen sind, welche nach dem Abwerfen des Dek-
kels die Oeffnungen darstellen. Diese Deckelchen haben im Mit-
telpunkte der äufseren Fläche ein Stielchen, oft von so aulseror-
dentlicher Feinheit, dafs selbst Hr. Fritzsche dasselbe in Fällen
übersehen hat, wo es in der That vorkommt; ja nicht selten
unterscheidet sich dieses Deckelchen auch durch etwas verschie-
dene Färbung von der übrigen Membran des Pollen -Bläschens.
Schon in Hrn. Lindley’s Introduction to Botany v. 1832 (Pl. IV.
fig. 20. p. 531.) finden wir die Abbildung solcher Deckel.
Hrn. Mohl’s Entdeckung einer dritten Pollenhaut bei den
Coniferen, hat Hr. F. noch vervollständigt, indem er besonders
den Pollen von Earix europaea speciell untersuchte. Ueber die-
sen Gegenstand ist überhaupt noch sehr Vieles zu publiciren, was
selbst den Beobachtungen des Hrn. F. entgangen ist, obgleich
sich derselbe hiermit sehr speciell beschäftigt hat; ganz beson-
ders merkwürdig ist der Bau des Pollens bei Pinus, und Alles
das, was Hr. F. bei Larix entdeckt hat, kommt auch bei Pinus
und daselbst oft noch viel merkwürdiger vor, worüber Ref. in
seiner Pflanzen-Physiologie die eigenen Beobachtungen vorlegen
wird, deren Resultate von denen des Hrn. F. sehr abweichend
sind. Hr. F. beschreibt das Auftreten einer Einsackung der mitt-
leren Haut des Pollen-Bläschen bei Zarir, die aufser der Anhef-
tungsfläche ringsum vom Inhalte des Pollens umgeben ist, ohne
welchen Umstand sie eine wahre vierte Haut vorstellen würde,
indessen diese Bildung ist von Hrn. F. noch lange nicht voll-
sländig erkännt, es gehören hierzu aber auch die vollkommen-
sten Instrumente, welche die gegenwärtige Zeit darbietet.
Schliefslich meint Hr. F. gezeigt zu haben, dafs die vielbe-
sprochenen Granula theils Oeltröpfchen, theils Amylum-Körnchen
wären, und so wären denn alle die Arbeiten fruchtlos ausgeführt,
welche über die Existenz der vegetabilischen Samenthierchen
7*
100
erschienen sind. Indessen dieser Gegenstand verhält sich wohl
ganz anders, ais Hr. F. erwiesen zu haben glaubt; man hätte
schon vermutben können, dafs man weder Oeltröpfchen noch
Amylum-Kügelchen für Samenthierchen angesehen hat, denn Ref.
sagte schon vor 10 Jahren, dafs die Samenthierchen der Pflanzen
durch Jodine braun gefärbt werden. Amylum-Kügelchen, und
zwar verhältnilsmälsig sehr grolse, kommen dagegen häufig im
Pollen der Pflanzen vor, doch ist ihr Auftreten darin nicht ganz
regelmälsig. Ref. sah Pollen von Pinus sylvestris, der sehr slark,
jedes Bläschen wohl mit einigen 20 Amylum-Kügelchen gefüllt
war, während in anderu Fällen keine Spur davon enthalten ist;
diese Amylum-Kügelchen färben sich mit Jodine blau, und sie
sind es eben, die Hr. F., für die besprochenen Samenthierchen
ansehend, beobachtet hat. - Gegenwärtig dürfte man es wohl
nicht mehr für eine blofse Ansicht halten, dafs die vegetabili-
schen Samenthierchen mit den Samenthierchen der Thiere zu
vergleichen sind, denn es ist dem Referenten geglückt, eine wirk-
liche Vermehrung durch Dehnung und nachheriger Theilung die-
ser Samenthierchen in dem Pollen der Kaempheria rotunda zu
beobachten, wo dieselben sehr grols sind und durch Jodine schön
gelbbräunlich gefärbt werden. Auch in mancher anderen Hin-
sicht zeigt der Pollen dieser Pflanze viel Schönes.
Eine ausgezeichnete Abhandlung haben wir von Hrn. Hor-
kel ) über die Pollenschläuche erhalten ; es werden darin zu-
erst die Vorstellungen früherer Botaniker erörtert, welche über
die Befruchtung der Pflanzen geäufsert sind, bis Amici die yiel-
besprochenen Pollenschläuche entdeckte. Auch von dieser Pe-
riode an, bis auf die neueste Zeit, werden die Beilräge der ver-
schiedenen Botaniker, welche über diesen Gegenstand neue Beob-
achtungen bekannt gemacht haben, fast vollständig aufgeführt.
Hr. H. macht auf die Extreme in der Länge dieser Pollenschläu-
che aufmerksam ; bei den Coniferen zeigen sie den kürzesten
Verlauf, während sie Hr. H. bei Colchicum autumnale 12 Zoll
lang fand, auch bestätigt derselbe, dafs diese Schläuche nicht
1) Historische Einleitung in die Lehre von den Pollenschläuchen. —
Auszug aus einer am 18. Aug. 1836 in der Königl. Akad. der Wissensch.
zu Berlin gehaltenen Vorlesung. in 8vo. Abgedr. in den Monatsberichten
der Königl. Akad. d. Wissensch. zu Berlin. 1.
101
durch Ausdehnung der inneren Pollenhaut, sondern durch ein
Wachsthuns-Phänomen zu erklären sind, was Ref. schon seit
. 1828 gezeigt hat. Zu den Schwierigkeiten, welche die Verfol-
gung des Verlaufes der Pollenschläuche erschweren, rechnet Hr. If!
mit Recht die sogenannten Schleimröhren, welche Hr.R. Brown
entdeckt hat, doch scheint Hr. H. das Vorkommen dieser Gebilde
nicht so allgemein anzunehnen, als dieselben in der Natur wirk-
lich vorkommen. Um dieselben aber ganz sicher zu beobachten,
mufs man den Stylus vor dem Aufspringen der Antheren unter-
sachen, und dann erstaunt man über die grofse Aehnlichkeit,
welche zwischen diesen Schleimröhren und den wahren Pollen-
schläuchen in manchen Fällen herrscht. Hr. H. giebt aber auch
die Charaktere an, durch welche man die Pollenschläuche von
den Schleimröhren unterscheiden kann; nach Ref. eigener An-
schauung kommen jedoch Fälle vor, besonders im Ovario, wo
eine solche Unterscheidung sehr schwer ist.
Hr. H. schliefst mit der Bemerkung, dafs er die Amici’-
sche Entdeckung, nachdem er wenigstens in fünfzig Familien
einzelne Beispiele von dem Herabsteigen der Pollenschläuche vom
Stigma bis ins Ovarium, und bei vielen auch den Uebergang in
die Ovula sah, für allgemein gültig halten mufs, indem darunter
gewils schon manche aus solchen Familien waren, bei denen
noch R. Brown (1833) auf eine, schwer mit den Amici’schen
Vorstellungen von der Befruchtung zu vereinigende Structur des
Stylus und Ovariums hindeutete.
Noch haben wir eine Abhandlung des Hrn. Savi !) zu Pisa
aufzuführen, welche schon 1835 erschienen, aber erst spät zu
uns gekommen ist. Hr. Savi zeigt in dieser Arbeit, dafs der
Beftuchtungs-Akt durch die Bildung und das Herabsteigen der
Pollenschläuche zum Eichen, bei Stapelia ganz in derselben Art
stattfindet, wie bei der Gattung Asclepias.
Auch machen wir auf eine Schrift von Jos. Pellegrinus ?)
aufmerksam, die uns aber noch nicht zu Gesicht gekommen ist.
I) Osservazioni sugli organi sessuali del genere Stapelia. — Me-
morie della Reale Accademia delle scienze di Torino. Tomo XXXVIII.
Torino 1835.
2) De plantarum amoribus atque nuptiis. Patavii 1836.
102
Hr..P. Keith ') hat in seinem Werke: System of Physio-
logical Botany von 1816 fünf Bedingungen. aufgestellt, welche
zur Keimung des Samens erforderlich wären. Als die allgemein-
ste dieser Bedingungen wäre die Reife des Samens anzusehen,
wogegen aber Hr. De Candolle in seiner Pflanzen-Physiologie,
sich stützend auf die Beobachtungen verschiedener Botaniker,
welche unreifen Samen keimen sahen (noch im Jahre 1835 sind
bei der Versammlung der Naturforscher zu Bonn ähnliche Beob-
achtungen zur Sprache gebracht), einige Einwendungen gemacht,
welche Hr. K. in dieser kleinen Abhandlung zu beseitigen sucht,
wobei derselbe bemerkt, dals er für Ackerbauer und Gärtner ge-
schrieben habe, und in diesem Falle hat auch Hr. K. oflenbar
ganz richtig gehandelt. Sicherlich wird man sich über diesen
Punkt nicht mehr streiten, wenn man die Erscheinung mit der
Fortdauer des Lebens eines thierischen Foetus vergleicht, der be-
kanntlich von einem gewissen Alter ziemlich unbeschadet aus
dem Mutterleibe genommen werden kann.
Auch die Ausschließsuug des Lichts führt Hr. K. als eine
Bedingung zur Keimung des Samens an, welche aber Hr. De
Candollie ebenfalls, und zwar mit allem Rechte, nicht gelten
lassen will. Dagegen meint Hr. K., dafs man den Satz, dafs
Feuchtigkeit zur Keimung des Samens unbedingt nöthig sei, eben
so wohl bestreiten könne, als die vorhergehenden Sätze, denn
er habe eine Eichel beobachtet, welche auf einem trockenen
Getreideboden lag und eine, mehrere Zoll lange Wurzel trieb.
Schlielslich zeigen wir noch die Abhandlung von Herrn Mal-
lert 2) an.
Referent hat: Beiträge zur Kenntnifs der Azollen ?) gelie-
fert, worin eine kurze anatomische Beschreibung derselben ge-
geben ist, dann die Blattstellung und die Stellung der Früchte
erörtert wird, und zuletzt über den Bau und die Deutung der
D
1) On the Conditions of Germination, in repley to M. De Candolle. —
The London and Edinburgh Philosophical Magazine and Journ. of Science.
Vol. VIII. London 1836. p. 491 — 495.
2) On the suddispersing apparatus of Erodium moschatum. —
Loudon, The Magazine etc. 1836. p. 22.
3) Acta Acad. C. L. C. Nat. Cur. Vol. XVII. p. 505 — 524.
% m %
103
Fructifieations-Organe die Rede ist. Ref. suchte zu zeigen, dafs
die von Hrn. Brown gegebene Deutung der Fructifications-Or-
gane der Azollen annehmbarer erscheine, als die, welche Herr
v. Martius neuerlichst aufgestellt hat, und dieses möchte wohl
noch deutlicher hervortreten, wenn man die Zusätze erwägt,
welche Ref. in Folge der Untersuchung der Azollen-Samen mit
neueren und vollkommeneren Mikroskopen an diesem Orte mit
vorträgt. Die linsenförmigen, am Rande mit Härchen besetzten
Körperchen der amerikanischen Azollen, welche Ref. für Samen
erklärte und von Hrn. v. Martius für Antheren gehalten wur-
den, sind in der That ebenfalls nur Samenbehälter ; mit einem
neueren Mikroskope kann man ganz gut sehen, dafs die einzel-
nen grölseren Zellen, welche diese Körper bilden, mit einem
etwas elliptisch geformten, gelblich gefärbten und im Inneren
etwas gekörnten Bläschen gefüllt sind, welches man offenbar für
den wirklichen Samen erklären muls, der dann auch grölsere
Analogie in seinem Baue wie in seinem Auftreten mit dem Sa-
men der Farın zeigt. Hr. v. M. hat schon diese gelbe Körper-
chen beobachtet und giebt an, dafs dieselben immer zu vier, re-
gelmäßsig kreuzweise gestellt in den gröfseren Zellen dieser Ge-
bilde auftreten, was ich jedoch für Axolla magellanica und A.
microphylla mit Bestimmtheit verneinen zu können glaube, da
meine Mikroskope mir gegenwärtig ganz klar zeigen, dafs jene
gelben Körper einzeln in den Zellen vorkommen. Nach Hrn. v. M.
sollen dieselben als Pollen -Bläschen angesehen werden, welche
die Höhle der Antheren füllen, indessen die Höhle fehlt dem
fraglichen Gebilde ganz sicher, und so vollkommen gebildete
Pollen-Bläschen sind wohl in keinem Falle zu finden, wo die
Fructifications-Organe noch so unvollkommen sind, dafs man
berechtigt ist, diese Pllänzchen zu den Cryptogamen zu bringen.
Auffallend ist es aber ebenfalls, dals die gelben Bläschen, wel-
che wir für die Azollen-Samen halten, in drei verschiedenen
Hüllen enthalten sind, und demnach muls in dieser Hinsicht die
von uns gegebene Diagnose für die Gattung Azolla und Rhi-
zosperma, wo nur zwei Indusien angegeben sind, umgeändert
werden. Auch in Hinsicht der Structur der feinen Härchen,
welche die Fruchtbehälter am Rande zeigen, haben wir durch
die Beobachtungen mit neueren Mikroskopen eine kleine Ver-
# ”
104
besserung anzugeben. Sowohl bei den gegliederten, als bei den
ungegliederten Härchen, welche in Fig. 27 und 28. der genann-
ten Abhandlung dargestellt sind, findet sich keine äulsere noch
umschliefsende feine Schleimmasse, sondern die Härchen werden
von einfachen Membranen gebildet, wie in c. Fig. 27 u. a. Fig. 28.
Das hutförmige Käppchen, welches die Spitze dirser Härchen
zeigt, ist äulserst zart und niedlich gebaut, und der untere Rand
desselben ist um Vieles schärfer, als es unsere, mit einem alten
Mikroskope gegebene Zeichnung zeigt; es möchte wohl zur An-
heftung dieser Sporen -Behälter dienen.
Die Herren Mirbel, Dutrochet und A. de Saint-Hi-
laire ') haben einen Bericht über eine Abhandlung des Herrn
E. Fabre gegeben, worin derselbe über die Zeugungs-Organe
einer neuen Marsilea-Art handelt; es ist dieser Gegenstand in
dem Berichte besonders geschichtlich behandelt, aber sehr in-
teressant.
Hr. Presl 2) hat in seinem neuesten Werke über die Farrn
sehr ausführlich über die männlichen Geschlechts-Organe dieser
Pflanzen gehandelt und dieselben durch Abbildungen erläutert.
Es werden als solche jene kleinen, neben den Stielen der Samen-
kapseln sitzenden, gestielten Behälter angesehen, welche zwar
schon von sehr vielen Botanikern beobachtet und abgebildet sind,
meistens aber für aborlirte, oder verkümmerte Kapseln erklärt
wurden. Hr. P. erklärt hier zum ersten Male ganz offen, dafs
die besagten Gebilde nichts Anders, als Antheren sind und mit
einem gekörnten Stoffe erfüllt werden. Ref. stimmt dieser An-
nahme vollkommen bei und macht nur die Bemerkung, dafs die-
selbe wicht nur im Kreise der Berliner Botaniker, sondern auch
bei Anderen, schon seit vielen Jahren die herrschende ist. Der
Inhalt, der Bau und die Stellung dieser kleinen kapselartigen
Organe, zeigen woll ganz deutlich, dafs sie von den Samenkap-
seln verschieden sind, u.s.w. Auch findet sich bei diesem Werke
1) Rapport fait a l'Academ. des scienc. sur un Mem. relatif a la
structure et en developpement des organes generateurs d'une espece de
Marsilea trouve par M. Esprit Fabre dans les environs d’ Agde. — Ann.
" des. science. nat. 1836. II. p. 105 etc.
2) Tentamen Pteridographiae seu genera filicacearum etc. Pragae
1836.
P M
105
des Hrn. Presl eine Tafel mit Abbildungen verschiedener Farrn-
Sporen, welche von Hrn. Corda sehr gut ausgeführt sind. Man
kaun schon aus diesen Darstellungen erkennen, dafs die äulsere
Haut der Farrn-Sporen ‚bei verschiedenen Farrn sehr verschieden
gebaut ist, und dafs diese Verschiedenheilen älınlich denjenigen
aind, welche die äulsere Haut der Pollenbläschen so häufig zeigt.
Ueber Keimung der Farrn-Sporen und über die Entwieke-
lung des jungen Farrn-Pflänzehen sind durch Hrn. J. Hender-
son !) sehr genaue Beobachtungen bekannt gemacht, und die
vortrefllichen begleitenden Abbildungen geben eine sehr voll-
ständige Darstellung dieses Gegenstandes, wie sie noch nicht
vorhanden war.
Die Kenntnifs der Moos - Sporen ist in einigen Punkten
durch die Herren Bruch und W. P. Schimper ?) erweitert;
diese genauen Mooskenner haben über diesen Gegenstand eine
Abhandlung in der naturforschenden Gesellschaft zu Strafsburg
vorgetragen, welche wir nächstens vollständig mitgetheilt zu
erhalten hoffen. Aufser dem fetten Oele, welches in den Moos-
Sporen, wie in den meisten übrigen Cryptogamen-Sporen vor-
kommt, fand man auch eine Spur von Amylum und Chlorophyll
im Inneren dieser Sporen.
Die ausgezeichnete Arbeit des Hrn. Agardh jun. über die
Foripflanzung der Meeres- Algen ist im vergangenen Jahre in den
Akten der Akademie der Wissenschaften zu Stockholm für das
Jahr 1835 vollständig erschienen, und einen Auszug davon hat
der Verfasser im October-Hefte der Annales des sciences naturel-
les von 1836 mitgetheilt. Die Arbeit ist überaus reich an Beob-
achtungen und nicht leicht einer kurzen Darstellung fähig. Es
sind meistens reine Beobachtungen, ohne viele Speculation, und
von der beliebten Metamorphose der Algen ist nicht viel die
Rede; ja Hr. Ag. spricht mit trefllichen Gründen gegen jene
Lehren, welche so vielen Beifall fanden, aber mit Unrecht zählt
er auch den Referenten zu den Anhängern derselben. Die Un-
wandelung der Priesleya botryoides in Ulva terrestris, worüber
1) Observations on the Germination of Ferns. — Jardine’s and Sel-
by's Magaz. of Zool. and Botany. London. 1836. I. p. 333.
2) Sporules des Mousses. — L’Institut de 1836. p. 353.
” “
106
Ref. und auch Hr. Unger Beobachtungen bekannt gemacht ha-
ben, ist in der That zu beobachten, bedeutet aber etwas ganz
Anderes, als was die Algen-Kenner unter der Metamorphose der
Algen verstanden. Die Bewegung der Algen-Sporen wird sehr
ausführlich besprochen, und Hr. Ag. theilt hierin fast ganz die
Ansichten mehrerer Deutschen, welche über diesen Gegenstand
Beobachtungen angestellt haben. Es ist eine Erscheinung des
Lebens der Pflanze, von keiner äufseren Ursache bedingt und
auch nicht als Beweis für ein thierisches Leben dieser Keime
niederer Pflanzen anzusehen ; es sei aber auch nicht mit der
Bewegung der Diatomeen zu vergleichen.
Statt der Eintheilung der Algen in gegliederte und unge-
gliederte, schlägt Hr. Ag. eine andere, mehr natürlichere vor,
nämlich in: Zoospermeae und in Fucoideae; zur ersten Abthei-
lung sollen die Nostochineen, Oscillatorien und Conferven, zur
Letzten die Ceramien und Fucoideen gehören; doch diese Ab-
theilungen möchten wohl weniger Beifall finden, da auch die
Sporen der Meeres- Algen zuweilen Bewegungen zeigen.
Herr Gilgenkrantz hat durch Herrn Bory de Saint-
Vincent ') eine Beobachtung über Entwickelung von Faden-
Pilzen (von der Gattung Leptomitus oder Hygrocrocis, welche
Hr. Agardh sen. bekanntlich zu den Algen zählt!) in einer So-
lution von Arsenik bekannt machen lassen. Wenn Ref. nicht
irrt, so ist ein solcher Fall auch in einem der ersten Bände der
Flora oder botanischen Zeitung beschrieben. Hr. Dutrochet
beobachtete die Entwickelung soicher Substanz in Goulardischem
Wasser, Andere sahen sie in Barytlösung, in Tinte u. s. w.
Herr F&e 2) hat in der naturforschenden Gesellschaft zu
Stralsburg einen Vortrag über die Erzeugung eines Pilzes gehal-
ten, und im Allgemeinen über die Verwandelung dieser Gebilde
durch den Einfluls des Lichtes und die Feuchtigkeit gesprochen.
Ueber die Eutwickelung der Botrytis Bassiana, eines Schim-
mels, welcher zuweilen die Seidenwürmer befällt und eine sehr
verheerende Krankheit anrichtet, die unter dem Namen der In-
krustirung (Calcino) bekannt ist, haben wir durch die Unter-
1) L’Institun de 1836. p. 425.
2) L’Institut de 1836. p. 149.
107
suchungen der Herren A. Bassi ') und Jos. Balsamo - Cri-
velli 2) einige nähere Kunde erhalten. Die genannte Krank-
heit der Seidenwürmer besteht nach Hrn. Bassi’s Ansicht in
der Entwickelung eines kryptogamischen Gewächses, welches
sich durch Samen, die von Aufsen hinzukommen, im Innern des
Insektes ausbildet, dasselbe endlich tödtet und durch die eigenen
gereiften Samen wiederum andere Insekten angreift. Diese Krank-
heit soll übrigens durch Uebertragung auf alle andere Insekten
überzuführen sein. Hr. Balsamo-Crivelli bestätigte es, dafs
die Inkrustirung der Seidenwürmer in der Entwickelung eines
kryptogamischen Gewächses bestehe, welches er zur Gattung
Botrytis bringt und B. Bassiana nennt. Die Entstehung dieses
Gewächses soll auf eine ähnliche Weise vor sich gehen, wie die
der Blatt-Pilze, nämlich durch gestörte Mischung des Fettkörpers
im Innern des Insektes; Jie entwickelten Pilzchen treten dann
durch die Löcher der Haut der Seidenraupe hervor und zwar
oft in Form ganzer Büschel.
Die mikroskopischen Untersuehungen, welche über die Um-
wandelung des Fettkörpers in das Keimlager des Pilzes angestellt
wurden, scheinen dem Referenten ungenügend, doch ist so et-
was auch vicht so leicht zu beobachten. Indessen die Fortpflan-
zung dieses Pflänzchen durch Samen wird sich wohl eben so
verhalten, wie die der kleinen Isarien, welche sich auf dem Kör-
| per der Hausfliegen entwickeln und dieselben tödten. An diesen
Pilzchen hat Ref. eine Fortpflanzung durch Sporen beobachten
können.
Hr. Dr. Ascherson ?) hat die Beobachtung gemacht, dafs
die Sporen der höheren Pilze frei stehend und nicht in Schläu-
chen eingeschlossen vorkommen ; sie sind gestielt, auf eylindri-
schen Fruchtträgern sitzend, und zwar bei der ganzen Familie
|
| 1) Del mal del segno, caleinaccio 0 moscardino, malattia che af-
| flügge i bachi da seta Lodi 1835.
| 2) Aufstellung von zwei neuen Arten Mucedineen, Botrytis Bassiana
| und Mucor radicans, und über die Eutwickelung der ersteren Art im
‚ Seidenwurme. Nach der Original-Handschrilt aus dem Ital. übers, von
VW. Cesati. — Linnaea v. 1836. p- 609.
3) Ueber die Fructificationsorgane der höheren Pilze. S. d. Arch.
‚ 2ten Jahrg. Ir Bd. p. 372,
108
Agaricinae immer zu vier auf einen Fruchiträger vorkommend.
Das Auftreten der freistehenden gestielten Sporen bei den voll-
kommeneren Pilzen, ist indessen schon durch Hrn. Klotzsch
vor vielen Jahren beobachtet und bei der Charakteristik von
Boletus publicirt, sowie auch Hr. Fries dasselbe für Thelephora
beschreibt, selbst Hr. Corda, der schon 1833 über eben den-
selben Gegenstand Beobachtungen bekannt machte, ist darauf
durch Hrn. Klotzsch’s Mittheilungen geführt worden. Die in-
teressante Angabe des Hın. Ascherson, dafs diese Sporen bei
den Agaricinen allgemein zu vieren auftreten, ist ebenfalls schon
von Hrn. Link und Nees v. Esenbeck beobachtet. Auch die
Sporen; sagt Hr. A., scheinen zusammengesetzter zu sein, als
man gemeinhin glaubt, doch auch in dieser Bezichung sind die
Beobachtungen der Herren Klotzsch und Corda anzuführen,
welche hierüber schon viel Schönes enthalten. Da Hr. Ascher-
son seine Beobachtungen über diesen Gegenstand fortsetzt, so ist
hierüber gewils manches Interessante zu erwarten, und vielleicht
wird auch Hr. Klotzsch dadurch angeregt, seine, schon seit so
vielen Jahren angestellten Beobachtungen über die Fortpflanzung
der höhern Pilze zur öffentlichen Kenntnifs zu bringen.
Zur Pflanzen - Geographie.
Die Pflanzen-Geographie hat im vergangenen Jahre viele
Bearbeiter gefunden und ist in allen ihren einzelnen Abschuitten
bereichert worden; zuerst die allgemeinen Arbeiten.
Referent schrieb einen Grundrifs der Pflanzen-Geo-
graphie mit ausführlichen Untersuchungen über das Vaterland,
den Anbau und den Nutzen der vorzüglichsten Culturpflanzen,
welche den Wohlstand der Völker begründen. Mit einer Tafel.
Berlin 1836. Es hat dieses Buch eine so grofse Theilnahme ge-
funden, dafs sich Ref. überhoben zu sein glaubt, über den Inhalt
desselben zu berichten, indem es sich vielleicht in.den Händen
der meisten der geneigten Leser dieses Berichtes befindet. Nur
für diejenigen, welche den Zweck dieses Buches verkannt haben,
möchte Folgendes geschrieben sein.
Die Wissenschaft, welche den Namen der Pflanzen -Geogra-
pbie führt, ist noch so neu und von so Wenigen bearbeitet, dafs
man im Allgemeinen noch gar nicht einig ist, in welcher Art
109
die einzelnen Theile derselben zu bearbeiten sind. Einige Ge-
lehrte haben die Pflanzen nur zu sehr, gleichsam als das Pro-
dukt des Klima’s angesehen; einige sagen, dafs die Pflanzen die
genauesten Wärmemesser wären, während man doch schon in
Erfahrung gebracht hat, dafs sieh das Vorkommen der Pflanzen
zwar nach dem Klima richtet, dafs dieses bei anderen aber
auch wiederum nicht der Fall ist. Andere theilen die Vegetation
der gesammten Erdoberfläche nach dem Vorherrschen einiger
Familien in bestimmte Reiche, welche oft mehr oder weniger
weit ausgedehnt und mehr oder weniger genau bezeichnet sind,
und die Ermittelung der Zahlen - Verhältnisse, worin die Arten-
Zahlen der verschiedenen Familien dieser Reiche stehen, wird
alsdann gleichsam als das Ziel der Forschung angesehen. Andere
suchen das Verhältnifs der Pflanzen zu gewissen Boden- Arten
durch die mühesamsten Berechnungen zu erforschen, deren Re-
sultate jedoch für verschiedene Gegenden durchaus ganz ver-
schieden sind.
Ich selbst habe überall bei der Bearbeitung meines Grund-
risses der Pflanzen-Geographie die Mitte zu halten gesucht und
bin, wie ich glaube, auf demselben Wege gegangen, welchen
uns Hr. Alexander v. Humboldt, als er die Pflanzen-Geo-
graphie schuf, vorgezeichnet hat, aber vor Allem habe ich ge-
sucht zu zeigen, dafs die Schilderung des Charakters der Vege-
tation, d. i. ihre Physiognomie, mit als das Wichtigste der Pflan-
| zen-Geographie zu betrachten ist. Die Statistik der Gewächse
| hat eine Gesetzmälsigkeit gelehrt, nach welcher wenigstens die
hauptsächlichsten grofsen Familien der Pflanzen über den Erd-
kreis verbreitet sind, oflenbar eine bewunderungswürdige That-
sache; um aber in diesem Zweige der Pllanzen-Geographie wei-
ter zu gelangen, mufs erst die Vegetation einer gröfseren Län-
dermasse genau bekannt sein, bis dahin möchten sich täglich
die Zahlenverhältnisse ändern, welche man durch die mühesam-
| sten Berechnungen so äußserst genau zu finden sucht, Wobei
‚ mau aber noch immer aufser Acht gelassen hat, dafs bei Erfor-
‚ schung solcher Verhältnisse nicht die Floren der verschiedensten
‚ Regionen eines Landes mit einander zusammenzuwerfen sind.
Ein bedeutender Uebelstand war es immer, dafs man sich
‚ über die Grundsätze, wonach Regionen und Zonen für die Ver-
ı
110
theilung der Vegetation auf der Erdoberfläche stattfinden sollten,
nicht geeinigt hat; ich habe in meinem Buche zu zeigen gesucht,
wie es zweckmäfsig wäre, wenn man die Zahl der Regionen in
der Vegetation eines Gebirgslandes, ganz entsprechend der Zahl
der Zonen bestimmen würde, welche den Charakter der Vege-
tation von dem Fufse des Gebirges bis zu den Polar-Grenzen
zeigt. Da man sich über die Zahl der Vegetations-Zonen schon
ziemlich allgemein geeinigt hat, indem man auf jeder Halbkugel
8 Zonen aufstellt, so ist hiermit auch die Zahl der Regionen für
die Vegetation der Gebirge unter dem Acquator bis zur Schnee-
grenze gegeben, und bei einer Arbeit über die Vertheilung der
Vegetation eines Landes hat man sich hiernach zu richten und
die Ursachen zu erforschen, welche hier und da mehr oder we-
niger bemerkbare Abweichungen von jener festgesetzten Norm
= verursachen.
In einem Anhange zu obigem Buche hat Ref. eine Geschichte
der hauptsächlichsten Cultur-Pflanzen gegeben, und dieser Gegen-
stand ist später auf eine ähnliche Art auch von Herrn Alfons
De Candolle ') bearbeitet.
Hr. H.C. Watson ?) hat ebenfalls einen Beitrag zur Pflan-
zen-Geographie im Allgemeinen gegeben.
In den zoologischen Bemerkungen, welche Hr. Richardson
als Anhang zu der Beschreibung von Capit. Back’s Reise durch
Nord-Amerika bis zur Mündung des grofsen Fischflusses und an
die Küsten des Polarmeeres in den Jahren 1833—1835 gegeben
hat, finden wir viele sehr interessante Angaben über den Einfluls
des Klima’s in hohen Breiten auf das Auftreten der Vegetation,
Welchen Einflufs, sagt Hr. R., ein sogenanntes Meer- oder Kü-
stenklima ausübt, kann man am deutlichsten in West-Ireland,
oder noch besser auf den Holmen-, den Shetland’s- und Orkney’s-
Inseln sehen. Hier, in 60—61° Breite, sind die Winter hin-
durch grün, und zahlreiche Schafheerden weiden auf den Feldern,
der Sommer ist aber nicht warm, und gerade hiernach richtet
1) Distrib. geographique des plantis alimentaires. — Biblioth. univ.
de Geneves. Apr. et Mai 1836. — Uebers. in Froriep’sNotizen. Aug. 1836.
2) On the Construction of Maps for illustrating the distribution of.
Plants. — London, The Magaz. of Nat. Hist. 1836. p. 17.
111
sich die Cultur des Getreide. An der Nordküste des Huron-
See’s, der mit dem Busen von Venedig unter gleicher Breite liegt,
ist das Land volle 6 Monate im Jabre mit Schnee bedeckt, und
dennoch zeigen die 3 Sommermonzste 70° Falır. Wärme, also
gleich dem Sommer zu Bordeaux.
Cumberland’shouse (54° Br.) liegt in gleicher Breite mit
York in: England, aber in der Isotherme von 0° R., welche in
Europa erst am Nord-Cap auftritt; doch ist die Sommerwärme
zu Cumberland’shouse höher als zu Paris. Daher ist es erklär-
lich, wenn nach Capt. Franklin’s Angabe daselbst Gersten-,
Weizen- und Mays-Felder vorkommen. Auch ist daraus Hrn.
Richardson’s Angabe, dafs um die Hudsonsbay die Getreide-
Erndte in 70 Tagen vollendet sei, zu begreifen.
Die eigenthümliche Erscheinung, dafs die Isothermen an der
Westküste der Hudsonsbay tiefer gehen, statt, wie auf den Ost-
küsten Europa’s der Fall ist, zu steigen, erklärt Hr. R. durch
die grolsen Eismassen, welche sich in die Buchten der Polar-
Küste hineinschieben, wo sich das Eis bis tief im Jahre erhält.
Der Boden im Norden von 56° Breite thaut im Sommer nur 3
Fufs tief auf und unter 64° Breite im Bärensee nur 20 Zoll tief,
‘und dennoch findet man in einiger Entfernung von der Küste
ausgedehnte Waldregionen, und der Sommer daselbst ruft eine
schöne Flora in das Leben. Die Gränze der Wälder zieht sich
dort um so höher, je weiter von der Hudsonsbay entfernt. An
der Küste ist sie bei 60°, aın grolsen Bärensee bei 65°. Die
weilse Pechtaune und die Canon-Birke (Betula glandulosa) stei-
gen am höchsten, noch bis 68°,
In Capt. Back’s Reisebericht finden wir auch ein Verzeich-
nifs der Pflanzen, welche von Hrn. R. King, dem Wundarzte,
auf jener Expedition gesammelt wurden, und durch Hrn. Hoo-
ker bestimmt sind. Es sind überall die Standorte genau ange-
geben. Am Regensee, wo die Zizania aqualica im sumpfigen
Boden in grolser Menge wächst, wird sie eingeemmdtet und im
Winter aufbewahrt. Daselbst (62° 45’ 35” Breite und 111° 19'
w. Länge) kommt auch eine stachliche Zwerg- Opuntia vor, ol-
fenbar der nördlichste Standort der Cactus-Gewächse. Gebüsche
bestehen aus Stachel- und Johannisbeeren und Rosen. Bei 63°
15’ Breite und 108° Länge traf man die ersten Zwergfiehten. Die
112
°
Kronen waren abgestorben ünd von Alter waren die Stämme
grau geworden. Noch bei Fort Chipewyan werden zuweilen
Kartoffen und Gerste gebauet.
Eine sehr specielle Erörterung über das Verhältnifs der Pflan-
zen zu ihrem Mutterboden haben wir durch Hrn. Unger !)er-
halten, welcher zugleich ein Verzeichnils der im Gebiele von
Kitzbühel (dem früheren Aufenthaltsorte des Hrn. U.) frei vor-
kommenden Gewächse beigegeben ist. Diese Flora von Kitzbühel
zeigt 1733 Pilanzen-Arten, worunter 818 Cryptogamen aufgeführt
sind. Besonders wichtig ist die Ablheilung der Staub-Pilze, wel-
che Hr. U. mit grofser Vorliebe bearbeitet, und eine Menge neuer
Arten bekannt gemacht und andere richtiger geordnet hat. Hr. U.
nennt diese Staub-Pilze auch in diesem Werke: die Exantheme
der Pflanzen und theilt sie in Entophyta und Exanthemata, ei-
nige derselben veranlassen die Cyanosis der Gewächse, andere
Impetigines. "Ref. glaubt, dafs man diese Gewächse mit allem
Rechte Entophyta nennen und sie mit den Entozoen in Vergleich
stellen kann, doch ist es durchaus nicht zu billigen, wenn man
die Gattung Uredo u.s. w. als Exantheme bezeichnet, diese Ge-
wächse also für etwas ganz Anderes erklärt als Ustilago und
Protomyces. Sie entstehen sämmtlich auf eine ähnliche Weise
im Innern des Pflanzeugewebes, aus und zwischen Zellen; ob
sie Tür immer in diesem Gewebe verborgen bleiben, oder ob sie
nach der Zerstörung der Epidermis an die Oberfläche treten,
kann kein Grund zu ganz verschiedenen Abtheilungen geben,
denn ganz ähnlich verhält es sich auch mit den Entozoen.
Das gesammte Verzeichnifs giebt: 683 Dikotyledonen, 232
Monokotyledonen und 818 Cryptogamen, worunter 23 Farrn, 6
Equiseten und 7 Lycopodien. Es verhalten sich demnach die
Cryptogamen zur ganzen Artenzahl = 1:2,11, die Monokotyle-
donen — 1: 7,42 und die Dikotyledonen = 1: 2,53. Die Höhen,
worin die einzelnen Pflanzen gefunden wurden, sind nicht an-
gegeben, doch hat Hr. U. die ganze Vegetation um Kitzbühel -
nach ihrer Höhen-Verbreitung in 5 Regionen getheilt. Das Thal
von
1) Ueber den Einflufs des Bodens auf die Vertheilung der Gewächse,
nachgewiesen in der Vegetation des nordöstlichen Tyrols. Mit 2 Karten
und 6 Tabellen. Wien 1836. 8.
113
von Kitzbühel liegt 2350 Par. Fuls über dem Meere. Diese Re-
gionen sind: 1) die Region des belaublen T,andes, welche von
der Thalfläche bis zur Wallnufsgrenze (2700 Par. F.) reicht ; 2)
die obere Bergregion; sie geht bis zur obern Grenze der Buche
(4000 F.). Strauchartig findet sich dieser Baum, noch bei 4800 F.;
3) die sabalpinische Region, bis zur Grenze der Fichte gehend,
d.i. bis 5200 F.; 4) die Region der Alpensträucher, von 5000—
7900 F., Pinus puwmilio bis 6300 F.; 5) die obere Alpenregion;
sie geht über 7000 F. hinaus, ohne die Schneegrenze zu errei-
chen! — Hr. Unger sagt: „Wenn wir die Eigenthümlichkeiten
der Vegetation einerseits, und den geognostischen Charakter bei-
der Hälften unseres Territoriums anderseits zu Gemüthe führen;
wenn wir überdies die Ausnahme von dem allgemeinen Verhal-
ten eben da eintreten sehen, wo auch die Bodenarten dem Wech-
sel unterworfen sind ; so läfst es sich des Urtheils nicht erweh-
ren, dafs die geognostische Unterlage den Grund des verschiede-
nen Charakters der genannten Floren ausmache.“ Diese Abhän-
gigkeit des Vegelations-Charakters von der geognostischen Un-
terlage sucht nuu Hr. U. zu erweisen. Es ist bekannt, wie ver-
schieden, ja wie ganz wiedersprechend die Ansichten der ver-
schiedenen Botaniker über diesen Gegenstand sind. Hr. Unger
beginnt seine Untersuchungen mit der Darstellung des Ernäh-
rungsprocesses der Pflanzen, wovon schon früher, die Rede
war. — Auf die Eigenthümlichkeit der Vegetalion der Haloph-
ylen wird zuerst aufmerksam gemacht, und hier ist auch oflen-
bar der Einfluls des Kochsalz-haltigen Bodens auf das Vorkom-
men der Pflanzen unverkennbar. Nächst den Alkalien scheint,
wie Hr. U. sagt, die Kaikerde am meisten auf die Gewächse zu
influiren, und es ist eine ziemlich allgemein ‚anerkannte That-
sache, dafs das Kalkgebirge eine ganz eigenthümliche Vegetation
ernähre und Gewächse erzeuge, welche auf anderem Boden durch-
aus nicht, oder nur sehr sparsam vorkommen. So zeigen auch
Kieselerde, Thonerde und Talkerde mehr oler weniger grolse
Nüancirungen in dem Charakter ihrer Vegetation. Ueberall wer-
den diejenigen Pllanzen, welche diesem oder jenem Boden be-
sonders eigen zu sein scheinen, aufgeführt, wozu Ref. die Bemer-
kung machen muls, dafs die meisten derselben auch, und zwar
oft eben so häufig, auf anderem Boden vorkommen.
HIT, Jahrg. 2. Band, 8
114
Auch über die Entwiekelungszeiten der Pflanzen um Kitz-
bühel findet sich in dem Werke des Hrn. U. eine grolse Reihe
specieller Beobachtungen.
Von Herrn Oswald Heer !) ist eine Ki umfangreiche
Arbeit unter dem Titel: Die Vegetationsverhältnisse des
südöstlichen Theils des Canton Glarus; ein Versuch,
die pflanzengeographischen Erscheinungen der Alpen
aus klimatologischen und Bodenverhältnissen abzu-
leiten, publieirt worden; dieselbe zerfällt in drei Abtheilun-
gen, wovon die beiden ersteren: Aeufsere Momente, welche
auf die V.getationsverhältnisse im Allgemeinen einwirken, und
die Vegetationsverhältnisse des südöstlichen Theiles des Canton |
Glarus vorliegen, wozu schliefslich ein Verzeichnils der phane-
rogamischen Pflanzen des südöstlichen Theiles dieses Cantons
gegeben ist. Diesem Verzeichnisse sind die Lokalitäten, worin
die Pflanzen vorkommen, so wie ihr Auftreten unter verschie-
denen beigegeben, und man sieht schon hieraus, welch eine ge-
naue Kenntnils des durchforschten Gebirgstheiles sich der Verf.
angeeignet hat.
Bei der Aufzählung der äufseren Momente, welche auf die
Vegelations -Verhältnisse einwirken, werden die Gestalt der
Berge und Thäler, die Gebirgsarten, die Temperatur der Atmo-
'sphäre und des Bodens, die Winde, wässerigen Niederschläge,
Jahreszeiten, Schneegrenze und Gletscher für die genannte Ge-
gend mit einer solchen Ausführlichkeit betrachtet, dafs sich ge-
wifs nur wenige Gegenden der Schweiz eine genauere Kenntnils
ihrer physikalischen Verhältnisse aufzuweisen haben. — In dem
zweiten Theile wird zuerst die Vegetation der verschiedenen Lo-
kalitäten geschildert, welche zum Theil mit einer eigenthünli-
chen Pilanzendecke bekleidet sind, und dann die Vegetation der
verschiedenen Höhen. Hier hat Hr. H. ebenfalls das Bedürfnifs
gefühlt, die verschiedenen Regionen nach anderen Principien
festzustellen, als dieses bisher der Fall war; er nimmt 5 Regionen
in den Gebirgen des Canton Glarus an, wovon die erste bei 2400
Fufs beginnt, und giebt die vertikale Ausdehnung der Regionen
1) Mittheilungen aus dem Gebiete der theoretischen Erdkunde. Her-
ausgegeben von J. Fröbel u. Osw. Heer. I. Zürich 1836. p. 279 — 468.
nn
115
zu 1500 Fuls an, was sich der vom Ref. vorgeschlagenen Ein-
_
theilung der Regionen, die auf ganz anderem Wege abgeleitet
wurde, sehr nähert. Sehr richtig heifst es: Wenden wir unsere
Blicke auf die Pflanzen, welche diese verschiedenen Regionen
begründen, so bemerken wir, dafs sie von der montanen bis
zur alpinen Region hinauf gröfstentheils eine zusammenhängende
Decke bilden. In dem obersten Theile der alpinen Region fängt
diese häufiger an zu zerreilsen, u.s.w. Die montane Region
zeigt 553 Pflanzen-Arten, die subalpine 359, die alpine 312, die
subnivale 216 und die niyale nur noch 12, die höheren Regionen
haben aber verhältnilsmälsig mannigfaltigere Formen. Die Ver-
hältnisse der Monokotyledonen und Dikotyledonen in den ver-
schiedenen Regionen sind: in den montanen —=100:372, in den
subalpinen = 100:392, in den alpinen — 100:457. in den sub-
nivalen —=100:575 und in der nivalen —=1:11. Dann werden
die Farben-Verhältnisse und die Gerüche der Pflanzen verschie-
dener Regionen erörtert; auch die Zahi der Pflanzen-Arten wird
angegeben, welche eine jede Region eigenthümlich besitzt, und
welche auch anderen Regionen angehören. Am mühesamsten
muls die Beobachtung desjenigen Abschnittes gewesen sein, wo-
rin die Vegetation der verschiedenen Regionen in Bezug auf ver-
schiedene Lokalität geschildert wird.
Eine kleine Abhandlung des Ref. ’) handelt specieller über
die Grenze der Vegetation in der peruanischen Cordillere, im
Vergleiche zu der Vegetationsgrenze im Himalaya, als dieses in
dessen Grundrifs der Pflanzen-Geographie geschehen durfte. Es
wird als wahrscheinlich nachgewiesen, dals die Vegetation, be-
sonders die grolsarlige, nicht nur niedriger auf dem Himalaya
auftritt, als auf der Cordillere von Süd-Peru, sondern auch, dafs
es hier einige Lokalitäten giebt, welche auf die ausgezeichnetste
Weise alle dergleichen Erseheinungen in Himalaya übertreilen.
Sehliefslich wird die Aehnlichkeit und die Verschiedenheit nach-
gewiesen, welche die Physiognomie der Vegetation in diesen so
edutfernt liegenden Höhen aufzuweisen hat. .
1) S. Meyen, Vergleichende Bemerkungen über die Verbreitung
- der Vegetation in den gröfsten Höhen des Himalaya und in Hoch-Peru.
— Dieses Archivs 2r Jahrg. I. p. 313 — 327.
g#
116
- Von Uerrn Link !) haben wir sehr interessante Beiträge
zur Kenntnifs der Physiognomik der Vegetation im südlichen
Europa erhalten, welche aus der reichsten Autopsie hervorgegan-
gen sind. Hr. Link lehrt die Verbreitung einiger Gewächse des
südlichen Europa’s, welche für die Physiognomie der Vegetation
jener Gegenden so charakteristisch sind, dafs sie dieselben gleich-
sam in drei kleine Zonen theilen. Der Lavendel ist die erste
dieser Pilanzen, welche sogleich auftritt, nachdem man die Alpen
verlassen hat; er zieht sich nach dem südlichen Frankreich und
Spanien, wo er noch in Aragonien häufig ist, doch Portugal be-
rührt er nieht. In Istrien findet sich an seiner Stelle die Salvei
(Salvia officinalis), welche in Italien aber nur in den hohen Ber-
gen der Abruzzen wächst. Dem Lavendel folgt gegen Süden die
Myrie; sie bedeckt in Portugal ganze Landstriche, geht durch das
mittlere und südliche Spanien, durch das südliche Frankreich.
Ueberall ist sie im Kirchenstaate, um Neapel, und nimmt ganz
Istrien ein, doch weiter gegen Süden wird sie seltener. Aus dem
Myrtenlande kommt man in das Land des Rosmarins, oder noch
besser, des Oleanders; fängt bei Merida in Spanien an, füllt die
Thäler von Algarvien. In Calabrien und Sieilien ist er in den
heilsen Thälern zu finden, und in Griechenland findet man lange
Wäldchen von Oleander mit einzelnen sich darüber erhebenden
Platanen.
Eben so interessante Mittheilungen giebt Hr. L. über die
Verbreitung einiger der wichtigsten Coniferen Europa’s. Pinus
sylvestris geht weder über den Rhein nach Westen, noch über
die Alpen gegen Süden; in Frankreich ist er angepflanzt. P. Pi-
naster Lam., P. maritima Deb. macht den grolsen Wald bei
Leiria in Portugal; dieser Baum erstreckt sich durch ganz Spa-
nien und das südliche Frankreich in der Nähe des Meeres bis
nach der Levante hin. P. halepensis gehört der Ebene Italiens
an, dagegen nimmt Pinus Lariceio die Gebirge daselbst ein.
Gegen Osten tritt die griechische Tanne (P. maritima) auf, die
Hr. L. aufser Griechenland nirgends wild fand, und ist im alten
Attika sehr häufig. In Morea ist der Baum nicht häufig, seiten
im Süden; die westliche Küste wird von P. halepensis berührt.
1) Beiträge zur botanischen Geograplye des südlichen Europa. —
Wiegmann’s Archiv für Naturgeschichte. 2te Jahrg. Ir Bd. p. 328 — 333.
j ‘ 117
Anderweitige, mehr oder weniger reichhaltige Schilderun-
gen über die Vegetation dieser südeuropäischen Gegenden, haben
“ wir durch Abhandlungen der Herren Herbich in Czernowitz !),
Grabowski in Oppeln ?2) und J. Gay °) über Duriaei iter
Asturicum botanicum anno 1835 susceplum.
Hr. Ehrenberg hat eine Abhandlung: Zur Charakteristik
der vegetabilischen Organismen in Nord-Afrika und West-Asien ®)
herausgegeben, worüber nur kurze Bemerkungen vorliegen. „Die
Vegetation zeigt im libyschen Afrika einen fünffachen Charakter.
Nieht Cahira bildet die botanische Grenze von Ober- Aegypten
und Unter-Aegypten, sonderu Sint mit seinen letzien Dumpal-
men. Von der ägyptischen und oberägyptischen Flor unlerschei-
det sich eine nubische Fior durch vorherrschende Capparideen-
und Cissus-Arten, und die Flor Aelhiopiens ist durch baumarlige
Euphorbiaceen charakterisirt.“ Arabien zeigt eine dreifache Flor,
eine mittelländische, eine Capparideen- u. eine Euphorbien-Flor.
Einige interessante Schilderungen über Griechenlands Vege-
talion haben wir durch Hrn. F. Seitz 5), Kunstgärtner in Na-
varin, erhalten. Bei Pyrgos ziehen sich schöne Wälder aus Pinus
maritima längs der Küste hin und steigen bis zu einer Höhe von
beiläufig 100 F., wo sich dann Pinus Pinew mit ihrer schirmför-
migen Krone darunter mischt, an welche höher hinauf Quercus
pubescens in gedrängtem Stande sich reiht, bis endlich die im-
ımergrünen Eichen die Bergspitzen bekrönen. Um Navarin uerum
ist Getreide vorherrschend, aulserdem wird Baumwolle, Taback
und etwas Kartoffeln gebaut. Die Gegend ist arn an Bäumen;
an feuchten Stellen sind Platanen, Oelbäume und Oleander zu
finden, aber auf den Bergen nieistens nur Gesträucher als: Myr-
ten, Phillyrenen, Granaten, Cistrosem, Ginsterarten und milun-
ter Erdbeerbäume, Pistazien und Manna- Eschen. Auch hier
1) Botanischer Ausflug in einem Theil der Hochgebirge der Buco-
a. — Flora von 1834 p. 625 — 653.
2) Bericht über eine Reise nach Istrien und in die süddeutschen
Alpen. — Flora von 1836. p. 449.
3) Ann. des sciene. nat. de 1836. II. p. 213 ete.
4) Bericht über die zur Bekanntmachung geeigneten Verhandlungen
der Königl. Akademie zu Berlin. I. p. 47.
5) Nachrichten über Griechenlands Feld- nnd Gartenbau. — Allg
Gartenzeitung von Otto und Dietrich. 1836, p. 301 etc
118
schon sind die Bäume wälrend der Sommermonate ihres Schmuk-
kes beraubt, nur die Kappernsträucher beleben dann die Schluch-
ten u.s. w. Bei Nisi Cypressen und Oeibäume, und der Weg von
Nisi nach Kalamata führt durch ununierbrochene Gartenanlagen,
Orangenbäume mit der Weinrebe überzogen, wechseln mit Fei-
gen und Mandeln, und Jasmin- und Granathecken begrenzen hin
und wieder die Gärten, aus denen auch häufig Dattelpalmen
herverragen. Weinberge von Agaven umgeben, Citronen- und
Pompelmufsbäume (40—50 F. hoch) von tief dunkelgrüner Farbe
u.8.w. Die Früchte dieses letztern Baumes erlangen daselbst
die Gröfse der Cocosnüsse und werden viel gegessen, aber nur
die dicke Schale derselben! Aper auch unsere Aepfel, Birnen,
Pflaumen, Aprikosen, Pfirsichen u.s. w. werden hier gezogen.
Von Gemüsen, deren dort viel gebauet wird, selbst zur Ausfuhr,
findet man aufser unseren bekannten Kohlarten, noch Artischok-
ken, Eierpflanzen (Solanum Melongena), Liebesäpfel, nnd beson-
ders beliebt sind-hier die Bamis (Hibiscus esculentus).
Von Hın. Philippi ') haben wir reiche Schilderungen der
Flora Siciliens erhalten, welche hauptsächlich in statistischer
Hinsicht, vergleichend mit andern Ländern bearbeitet ist. Herr
Ph. verglich die Flora Sieiliens mit derjenigen von Arabien,
Aegypten, Griechenland, Aragonien, Portugal, Mauritanien, Nea-
pel, Nord-Italien, Böhmen, Stettin, Upsala und Lappland, um
das Verhältnils der Artenzahl der einzelnen Familien zu erfor-
schen, und drückte hiebei die Artenzahl der Familien in Pro.
centen sämmtlicher Phanerogamen aus, wonach er eine Tabelle
erhielt, welche die regelmäfsige Abnahme und Zunahme der Fa-
milien von der kalten nach der heilsen Zone u. s.w. anschau-
lich macht, Diese Verhältnisse hat Hr. Philippi auch graphisch
in Gestalt von Curven dargestellt, wie es bisher noch nicht ge-
schehen ist. Die Abseissenlinie ‚stellt die geographische Breite
dar, die senkrechten Ordinatenlinien die verschiedenen Gegen-
den, worauf zugleich die Procente der Familien aufgetragen sind,
und diese gefundenen Punkte sind durch Linien verbunden, wel-
che sogleich ein Bild von dem Verhalten der Familie giebt. Sie-
benundachtzig Familien sind hierauf in ihrem verhältnifsmäfsigen
1) Ueber die Flora Sieiliens im Vergleiche zu den Floren anderer
Länder. — S. Wiegmann’s Archiv. 1836. I. p. 337 — 368.
119
Auftreten näher erörtert, wobei sich manche bis jetzt noch nicht
erkannte Thatsache ergeben hat. Schliefslich bemerkt Hr. Phi-
lippi, dafs eine naturgemälse Einiheilung nur auf dem Vorheır-
scheu der einen oder der anderen Familie von Gewächsen, dem
gänzlichen Verschwinden der einen, und dem Auftreten der an-
deren gegründet werden könne, wie es schon Hr. Schouw be-
hauptet hat, doch hierin stimmt Ref. dem Hrn. Verf. nicht bei,
denn er kann Fälle aufführen, welche auch nicht eine.Sper von
dem Charakter der Vegetation eines Landes geben, wenn man
die Flora desselben nach der vorherrschenden Arlen-Zahl einer
Familie charakterisiren will. Wie wahr dieser Ausspruch ist,
geht selbst aus der Abhandlung des Herrn Philippi hervor,
denn er kommt aus seinen statistischen Untersuchungen zu dem
Schlusse: dafs von Upsala bis Aegypten ein sehr allmälicher ‚Ue-
bergang in der Vertheilung der Pilanzenfamilien. stattfindet, ob-
gleich man wohl vermuthen könnte, dafs die hohen Gebirgsjoche
der Alpen, oder das mittelländische Meer ‚eine; scharfe Grenze
machen und sehr verschiedene Vegetationen von einander schei-
den würden.“ Wie verschieden jedoch der Chayakter der. Vege-
tation in Lappland, bei uns und im südlichen Italien ist, das
erzählen alle Reisende, und demnach möchte diejenige Methode
der Forschung die zweckmälsigste sein, welche diese, Verschie-
denheiten lehrt. Die statistischen Untersuchungen baben jedoch
ebenfalls sehr grolsen Wertli; derselbe zeigt sich. aber erst. dann,
wenn man die Floren ganzer Länder vollständig kennt, ‚was
doch nur von wenigen Ländern Europa’s zu sagen isl.
Hr. H. €. Watson '), dessen Arbeiten im Felde der Pflan-
zengeographie allgemein bekannt sind, hat eine statistische Be-
rechnung der Pflanzen-Arten nach ihren Familien, für die ver-
schiedenen Höhen -Regionen Englands gegeben; er hat die Ge-
birge Englands in 3 Regionen getheilt, was mit den, von mir
in der Pflanzengeographie auseimandergesetzten Grundsätzen über
diesen Gegenstand ganz übereinstimmend ist. Ref. macht auf
diese Arbeit um so lieber aufmerksam, indem er selbst in seinen
Grundrifs der Pflanzengeographie, unabhängig von Hrn. Watson’s
1) Numerical proportions of the natural orders of British plants
at different elevations., — Hooker’s Companion I. p. 196 — 197.
120
Ansichten die Flora Frankreichs auf eine ganz ähnliche Art in
Regionen getheilt, und die, in den verschiedenen Regionen vor-
kommenden Pflanzen in Hinsicht des Verhältnisses der: Arten-
Zahl verschiedener Familien berechnet hat ; wahrscheinlich ge-
sehahen beide Arbeiten gleichzeitig. Auch machen wir noch
auf eine andere Arbeit des H. C. Watson !) aufmerksam.
Hr. A. E. Lindblom ?) hat eine Schrift über Schweden
in 'pflanzengeographischer Hinsicht "herausgegeben, und Herr
Sehouw °) hat eine kleine Abhandlung über das nördliche
Afvika in physiographischer Hinsicht bekannt gemacht.
Sehr specielle Schilderungen über die kryptogamische Flor
des Riesengebirges haben wir durch die Herren Nees v. Esen-
beck und v. Flotow ®) erhalten, die um so erwünschter sind,
als sich wohl kein anderes Gebirge einer so genauen Untersu-
chung seiner kryptogamischen Schätze zu erfreuen hat, als eben
das schöne, pflanzenreiche Riesengebirge.
Auch aus den tropischen Gegenden haben wir im vergange-
nen Jahre viele und sehr schätzenswerthe Beiträge für das Stu-
diam der Pflanzen-Geographie erhalten. Der unglückliche Mer-
tens °) giebt uns in den wenigen, von ihm hinterlassenen Ar-
beiten über jene Reise, sehr interessante Schilderungen über die
Vegetation auf den Carolinen. Die Farrn bekleiden daselbst in
einer unglaublichen Zahl von Arten, sowohl die Felsen als die
Stämine und Aeste der Bäume, von welchen sie zuweilen in
Form von reizenden Guirlanden herabfallen, also ganz ähnlich
wie die Lygodien auf Manila auftreten. In den Wäldern der
Carolinen bilden die Farrn jedoch grolse Massen, deren Stämme
- 20—25 Fufls hoch, ganz ähnlich den Palmen erscheinen. Die
1) Comparison between the upper, or terminal lines of trees and
shrubs in Britain, and their geographic extension towards the arctic
regions. — Hooker’s Companion ete. I. p. 86 — 89.
2) In geographiam plantarum intra Sueciam distributionem adno-
tata. Lundae 1835.
3) Naturen i Nordafrika. — Kröyer Naturhistorisk Tidsskrift 1836.
1s Heft p. 1— 9.
4) Reisebericht über eine Excursion nach einem Theile des südöst-
" Jichen Riesengebirges. — Flora von 1836. Beiblätter p. 1.
5) Lutke Voyage autour du monde. III. p. 134.
ir
121
stammliche Nipa-Palıme auf den Carolinen falst die thonhaltigen
Ränder der Flüsse und des Meeres ein. Die Aroideen und Ba-
nanen geben hier, wie in den Tropen überhaupt, das entspre-
chendste Bild von der Fruchtbarkeit des tropischen Himmels.
Ficus religiosa kommt auf den Carolinen vor, uud die Ränder
derselben sind mit Tournefortien und den verschiedenen Arten
der Gattungen Scaevola, Barringtonia und Culophyllum beklei-
det, besonders die sogenannten niederen Carolinen, wo die Ve-
getalion kärglich ist und die Bewohner oftmals Hunger leiden,
aber dennoch gehen dieselben von diesen Inseln nicht fort, ob-
gleich auf den daneben liegenden Höhen die Vegetation sehr
üppig ist. Schr wichtig ist die Entdeckung, dafs der Brodbaum
auf den höheren Carolinen im kultivirten und im unkultivirten
Zustande verkommt (I. e. p. 139.), und sehr viele Varietäten
zeigt. Der wilde Brodbaum heilst Oness, und der kultivirte
‚Maifa; der erstere hat Samen in der Frucht; die kultivirten
Arten haben keinen Samen, und nach ihrer Gröfse und ihrer
Form, so wie nach der Güte des Geschmackes werden sie un-
ierschieden und verschieden benannt (p. 203.). Zur Bereitung
des Cocos-Oels auf den Carolinen raspelt man die Cocoskerne;
läfst dann die Masse in einem Gefälse 2 Tage lang der Luft frei
ausgeselzt stehen und prelst dann das Oel mit den Händen von
dem Samen ab. Schlechteres Oel erhält man durch starkes Aus-
pressen in den Blättern der Barringtonia u.s. w. (p. 215)
Aus der Tacca-Wurzel macht man eine Art Arrow-root;
man reibl die Wurzeln auf Madreporen-Corallen und legt die
geriebene Masse auf Aroideen-Blätter. Hierauf legt man des
Abends über eine Pirogue Matten und seihet das Amylum mit-
telst Seewasser durch, bis dals die ganze Pirogue mit Wasser
gefüllt ist. Während der Nacht setzt sich das Amylum ab und
am folgenden Morgen gielst man das Wasser ab, worauf die Fa-
rina herausgenommen und mit sülsem Wasser ausgewaschen wird,
doch läfst man die Farina noch 24 Stunden in diesem Wasser
stehen. Man kocht es in Gefälsen zwischen heilsen Steinen und
ifst es kalt oder warm mit Cocos-Oel u.s.w. Auch mit der
Coeos-Milch wird es zubereitet (p. 234.). Aufserdem werden
Arum macrorrhizon und A. sagittifolium auf den Carolinen ge-
bauct.
-.
122
Der unglückliche Obrist Hall, der in den Stralsen von
Quito ermordet wurde, hat noch einige Beiträge zur physischen
Geographie der Umgegend von Quito gegeben ?), und eine sehr
interessante Abhandlung über ähnliche Gegenstände haben wir
von Hrn. W. Jamison 2) zu Quito erhalten.
In Hrn. Hooker’s Companion etc. von 1836 finden wir noch
mehrere pflanzengeographische Berichte aus sehr interessanten
Gegenden, als die Abhandlungen der Herren R. Wight ?) und
Walker *), so wie ein sehr wichtiger Bericht über die Vege-
tation der Insel Timor °).
Verschiedene interessante Notizen über die Vegetation der
Insel Puertorico hat uns Hr. C. Moritz °) mitgetheilt.
Ein gewisser Hr. K. Ritter, der etwa im Jahre 1820 von
der K. Oester. Regierung nach Hayti geschickt wurde, um da-
selbst lebende Pflanzen und Thiere zu sammeln, hat im vergan-
genen Jahre ein Buch herausgegeben, dessen Titel: Naturhistori-
sche Reise nach der westindischen Insel Hayti (Stuttgart 1836.),
manchen Botaniker verführen könnte, dasselbe anzuschaflen, es
enthält jedoch eine höchst unvollkommene Schilderung der Ve-
getation von Hayti und ein Verzeichnifs der Pflanzen des Her-
bariums, welches Hr. R. daselbst gesammelt hat.
Die Herren Edwards und Colin ”) haben eine interes-
sante Arbeit bekannt gemacht, worin durch viele Beobachtun-
1) Exeursions in the neighbourhood of Quito, and towards the
summit of Chimborazo, in 1830. — Hooker's Compan. p. 26—29, 22—80.
2) Physical and geographical observations made in Columbia. —
Hooker’s Companion ete. I. p. 111 — 116.
3) Some account of a Botanical excursion, made in the neighbour-
hood of Court-Allam, and in the adjacent mountains. — Hooker’s Com-
panion etc. I. p.326 — 332.
4) Journal of an ascent to the summit of Adam’s Pec. — l.c.p.1-14.
5) Extract of a letter from M. Spanoghe, the dutch resident at
Coupang, relating to the natural history of the island of Timor ; with
some account of the upastree, discovered there by that gentleman. —
I. c. p. 308 — 317, 344 — 351.
6) Notizen zur Fauna der Insel Paertorico.. — In diesem Archive. 2
1836. I. p. 373 — 392. 3
7) Memoire de physiologie agricole sur la vegetation des Oercales
sous de hautes temperature. — ‘Ann. des sciene. nat. 1836. I. p. 5-23.
123
gen nachgewiesen wird, bei welchem Grade von Wärme die ver-
schiedenen Arten und Abarten der Getreide mehr oder weniger
gut gedeihen. Eine Temperatur über 50° C. können die Samen
dieser Pflanze nicht mehr ertragen, wenn auch alle übrigen Be-
dingungen vorhanden sind, welche das Keimen der Samen bedin-
gen. Die Herren E. und €. säeten die verschiedenen Getreide-
Arten'’zu Paris in den verschiedenen Sommermonaten, und beob-
achteten alsdaun den Erfolg, welcher nicht nur für die Land-
leute innerhalb der tropischen Gegenden, sondern auch für die
unseres mittleren Europa’s von höchsten Interesse sein müssen.
Gerste, Weizen und Roggen, welche im Juli gesäet waren, ent-
wickelten Blätter aber keine Halme, oflenbar in Folge der grofsen
Wärme welche im Mittel während dieses Monats 21,9° zeigte.
Etwas Achnliches ist in warmen Gegenden beobachtet. Im Mai
1834 war die mittlere Temperatur zu Paris 18,23°, und Winter-
weizen, der im Äufange des Monats gesäet war, kam nicht zur
vollkommenen Entwickelung. Durch verschiedene dergleichen
Versuche kamen die Herren E. und C. zu dem Schlusse, dafs
unsere Gelreide keine Samen bilden, wenn die mittlere Tempe-
ratur auf ungelähr 18° steigt, bei einigen Arten kann dieselbe
etwas höher steigen, doch höchstens auf 22° C. Die schönen
temperirten Gegenden, wo die mittlere Temperatur nicht über
18—19° C. steigt, sind die vortheilhaftesten für den Anbau un-
serer Oerealien.
Hr. De Candolle jun. ist in seiner genannten Schrift über
diesen Gegenstand in mancher Hinsicht noch specieller einge-
gangen, um es mit den Resultaten der Herren E. und C. in
Uebereinstimmung zu bringen, wie es zu erklären ist, dafs der
Weizen in manchen tropischen Gegenden gezogen wird, wo die
mittleren Temperaturen bedeutend höher sind. Auch Ref. hat
hierüber in Folge eigener Anschauung in seiner Pflanzen -Geogra-
phie gesprochen. In tropischen Gegenden werden nämlich die Ge-
wächse kälterer Zonen gerade in den kältesten Monaten gezogen,
welche dann auch mit unserem Sommerklima grolse Aehnlich-
keit haben.
Herr Boussingault ') gab eine sehr interessante Abhand-
J) Sur le Cacao. — Institut de 1836. p. 358.
124
lung über die Kultur des Cacaobaumes; es verlangt diese Pflanze
eine mittlere Temperatur von 24—27,5° C. Bei niederen Tem-
peraturen blüht die Pflanze wohl, doch bringt sie die Früchte
nieht zur Reife. Unter dem Aequator kommt die Cacao-Pflanze
ungefähr bis zur Höhe von 900 Meter. Aufser der Wärme sind
Feuchtigkeit und Schatten zum Gedeihen der Cacao -Pflanzungen
durchaus nöthig. Der Same keimt in 10 Tagen, und nach 30
Monaten beginnt der Baum Früchte zu tragen.
Ueber den Mays haben wir ein grofses Prachtwerk von
Hrn. M. Bonafous ') zu Turin erhalten, worin eine sehr aus-
führliche Abhandlung über das Vaterland des Mays enthalten ist.
Auch Hr. B., obgleich noch nicht die Ansicht des Hrn. v. Sie-
bold kennend, dals die Japaner schon im: 12. Jahrhundert Mays
gebauet hätten (was aber nach Klaproth’s Angabe auf einer
irrthümlichen Uebersetzung einer Japanischen Schrift beruht!),
kommt zu dem Resultat, dafs der Mays ein Getreide der alten
Welt sei, wenn gleich es auch ganz richtig ist, dafs der Mays
auch in Amerika ursprünglich zu Hause ist. Ref. hat die ganze
Abhandlung des Hrn. B. sehr genau gelesen, kann sieh aber,
selbst durch die mitgetheilte chinesische Abbildung einer Mays-
arligen Pflanze nicht überzeugen, dafs es die amerikanische Zea
Mays ist, wovon in allen den Schriften die Rede sein soll, wel-
che Hr. B. aufführt. Sehr wichtig ‚und offenbar vollkommen
beweisend wäre die Angabe, dafs man den Mays in dem Sarge
einer Mumie in den Gräbern von Theben gefunden habe. Doch
wodurch ist diese Angabe zu erweisen?
Hr. B. hat eine Menge der schönsten Mays-Varieläten, wel-
che hier in Europa gezogen werden, abbilden lassen, hat aber
auch aulser Zea Mays L. und Z. Curogua Mol. noch drei neue
Arten, nämlich Z. hirta, erythrolepis und Z. eryptosperum auf-
gestellt, welche Ref. ebenfalls für biofse Varietäten zu halten
sick berechtigt glaubt. Uebrigens ist die Zahl der Mays-Varie-
täten auf der Westküste in Süd-Amerika noch viel gröfser, als
wir dieselben iu diesem kostbaren Werke angegeben finden.
Herr Goeppert'?) hat in einer kleinen Abhandlung zu
1) Hist. naturelle, agricole et economique du Mais. Paris et Turin,
1336. fol. av. Pl. XIX.
2) Schlesische Provinzialblätter v. 1836. Juli p. 30.
125
zeigen gesucht, dafs der Calmus (Acorus Calamus L.) in Schlesien
nieht einheimisch, sondern von Podolien und der Wallachei ein-
geführt worden sei. e
Hr. Robert hat bei Gelegenheit der französischen Expedi-
tion nach Island bestätigt, dafs das Treibholz auf Island aus noch
gegenwärtig lebenden Bäumen gebildet werde, welche von bei-
den Welttheilen her angeschwemmt werden.
5
Bleu, ec bt
über die Leistungen im Gebiete der Zoologie
während des Jahres 1836
vom
. Herausgeber.
Aıs der Herausgeber vor 3 Jahren das mühsame Geschäft eines
- Berichtes über die zoologischen Arbeiten übernahm, und zwei
seiner hiesigen Freunde zu gleichen Versuchen über besondere
Zweige der Naturgeschichte veranlalste, hegte er die Hoflnung,
dafs die Naturforscher des In- und Auslandes einem an sich so
undankbaren Unternehmen auf das Bereitwilligste entgegen kom-
men würden, ja er träumte sogar von einem iunigeren Verkehr,
der durch seine Zeitschrift zwischen Deutschland und den Na-
turforschern des Auslandes vermittelt werden würde. Der Erfolg
hat indessen bisher diese sanguinischen Hoffnungen und glückli-
chen Träume nur schwach verwirklicht. Vielmehr sieht sich
Referent nach dreijährigen Bemühungen fast noch auf demselben
Punkte, wie beim ersten Beginne seines Unternehmens. Die kaum
angeknüpfle genauere Verbindung mit dem trefflichen Bennett,
dem Sekretär der zoologischen Gesellschaft in London, ist durch
dessen frühen Tod zu einer Zeit zerrissen, wo sie eben erst er-
*
126
folgreich für diese Zeitschrift zu werden versprach,‘ Verschie-
dene Versuche mit französischen Naturforschern in näherem Ver-
kehr zu treten, und Frankreichs Literatur sich zugänglicher zu
machen, sind erfolglos geblieben. Manche Gelehrte des Auslan-
des, die bei erster Mittheilung des Planes ihre’ ganze Mitwir-
kung verhiefsen, haben es bisher nur bei den ersten Verspre-
chungen bewenden lassen. Nur sehr wenige Naturforscher, de-
nen Ref. seinen herzlichsten Dank dafür abstattet, haben uns
durch Mittheilungen kleinerer Schrifien und besonderer Abdrücke
von Abhandlungen die Berücksichtigung ihrer Arbeiten erleich-
tert, die sonst vielleicht kaum in unsere Hände gelangt sein
würden. Im Ganzen genommen, blieben aber die Verf. fast allein
auf die literarischen Produkte beschränkt, welche der Buchhan-
del zuführte, oder die ihnen der literarische Apparat der hiesi-
gen Bibliothek, leider jetzt auch im kargeren Mafse, zur Benut-
zung darbot. Manche, vielleicht sehr wichtige Arbeiten des Aus-
landes, sind dem Ref. nur dem Titel nach bekannt geworden,
manche vielleicht ganz unbeachtet geblieben, da die sie enthal-
tenden Gesellschafts-Schriften nicht zu uns gelangen.. Wenn
also dieser Bericht noch immer nicht die Vollständigkeit erlangt
hat, welche‘ihm der Herausgeber zu geben wünschte, und auch
künftig mit allen Kräften zu erreichen sich bestreben wird, so
tröstet ihn dabei wenigstens das Bewulstsein, seinerseits soviel
zur Vervollständigung desselben gethan zu haben, als es seine
beschränkten Mittel nur irgend gestatteten. Yy
Erfreulicher ist das anscheinend zunehmende Interesse für
Naturkunde, welches, uns drei im verflossenen Jahre neu erstan-
dene Zeitschriften zu beweisen scheinen. Ganz besonders dürfte
dies von den Memoiren der von Agassiz geslifteten nalurfor-
schenden Gesellschaft zu Neuchatel gelten *), welche sich in
Eleganz der Ausstattung den Schriften der am meisten bemittel-
ten Vereine würdig zur Seite stellen. Wo sich unter Agassiz’s
Vorsitze so tüchlige Naturforscher zu gemeinsamen Arbeiten ver-
einen, kann deren innerer Gehalt dem stattlichen Aeulsern nur
entsprechen.
‚
*) Memöires de la Societe des Sciences naturelles de Neuchatel. ‚ Neu-
chatel, 1836. 1 Vol. 4.
a
x
127
In Grofsbritannien trat unter der Leitung von Jardine,
Selby und Johnston eine neue Zeitschrift *) für Zoologie und
Botanik ins Leben, deren Hefte seit dem Juni alle zwei Monat
sehr regelmäfsig erschienen sind. Sechs derselben machen einen
Band aus. Die Anlage des Journals ist, bis auf den Jahresbe-
rieht, ziemlich die unsrige. — In Dänemark begann Henryk
Kröyer ein ähnliches Unternehmen in der Naturhistorisk Tid-
skrift, von welcher dem Herausgeber dieser Blätter bisher vier
Hefte zugekommen sind. Beide letztgenannten Zeitschriften sind
um so willkommenere Erscheinungen im Gebiete der Naturge-
schichte, als sie sich vorzugsweise die Bearbeitung ihrer vater-
ländischen Natur zum Gegenstande machen, und es ist daher,
namentlich der letzteren, welcher die geringere Verbreitung der
dänischen Sprache nur einen kleineren Absatz sichern dürfte,
eine kräftige Unterstützung ihrer Landsleute zu wünschen, deren
reger Sinn für Naturgeschichte sich bereits so schön in Kopen-
hagens naturhistorischem Vereine zu erkennen giebt. Dieser,
unter der Leitung von Eschricht und Schouw gegründet,
scheint vor vielen andern Vereinen geeignet, Interesse für un-
sere Wissenschaft im grölseren Kreise zu erwecken und zu
nähren. Die Mitgliedschaft steht nach vorhergegangener Wahl
jedem unbescholtenen Mitbürger offen, der sie wünscht und
den gesetzlichen Beitrag entrichten will. Zu den öffentlichen
Vorträgen, welche von den leitenden Mitgliedern über allgemein
interessirende Gegenstände alle 14 Tage Sonntags gehalten wer-
den, haben selbst Damien, für welche dann ein besonderer Bei-
trag gezahlt wird, den Zutritt. Das Museum des Vereins ist wö-
ehientlich zweimal den Mitgliedern zum Besuche geöflnet, und
hat bereits durch die rege Theilnahme des Publikums in der
kurzen Zeit seines Bestehens einen ansehnlichen Reichthum er-
worben, wozu allerdings die dänischen Niederlassungen in Ost-
und Westlindien, in Grönland und Island die ergiebigsten Hülls-
quellen darbieten. Nur durch die möglichst allgemeine Theil-
nahme des Publikums können naturhistorische Institute der Art
ihre Zwecke gehörig erreichen, wofür uns im gröfsten Mafsstabe
”) Magazine of Zoology and Botany conduted by W. Jardine,
P. J. Selby and Dr. Johnston. Edinburgh, London and Dublin,
1836 — 1837. Vol. I. 8.
:
128
die zoologische Gesellschaft in London die erfreulichsten Beweise
liefert. Dagegen scheinen die Statuten der meisten naturhistori-
schen Vereine unseres Vaterlandes ihrem eigenen Gedeihen und
der grölseren Belebung des Interesses für unsere Wissenschaft
cher entgegen, als förderlich zu sein. Indem sie die Mitglied-
schaft als eine Ehrensache betrachten und nur auf solche Män-
ner übertragen wollen, welche bereits tiefer in die Wissenschaft
eingedrungen sind, oder gar sich einen bedeutenden Namen in
derselben erworben haben, berauben sie sich selbst der Hülfs-
mittel, welche ihnen eine gröfsere Anzahl zahlender Mitglieder
gewähren würde. Sie vermögen so weder eine ausreichende
Bibliothek, noch Sammlungeu anzuschaflen, sind außser Stande,
ihre Arbeiten dem Drucke zu übergeben, und, was mehr sagen
will, sie verlieren, indem sie sich mit einem gelehrten Nimbus
umgeben, ganz die Gelegenheit, den Sinn für Naturgeschichte im
grölseren Kreise zu wecken und zu beleben. Um so erfreulicher
war es dem Ref., aus dem dritten Jahresberichte desMan-
heimer Vereines für Naturkunde (Manheim 1836.) zu er-
sehen, dafs dieser gerade das Leiztere zu seiner Hauptaufgabe
macht und seine Bemühungen bereits von einem günstigen Er-
folge gekrönt sieht. Indem er „alle Theiinehmer im Orte und
seiner Umgebung, die sich zu thätiger Förderung seiner Zwecke
bereit finden,“ als ordentliche Mitglieder anerkennt, zählte er
im Jahre 1836 bereits 324 beitragende Mitglieder (darunter auch
13 Damen) und 60 auswärtige Ehrenmitglieder. In Folge dies
regen Theilnahme hatte er 2337 Fl. 48 Xr. für seine Zwecke T
verausgaben. Er besitzt seinen botanischen Garten, seine Biblio-
thek, seine Sammlungen, welches Alles den Vereinsmitgliedern
zur freien Benutzung jederzeit zugänglich ist. In den Versamm-
lursen seiner vier Seetionen befriedigt er die Ansprüche derjeni-
gen Mitglieder, welche sich mit Vorliebe einem der Fächer hin-
geben, und veranstaltet überdies allgemeine Versammlungen, in
welchen belehrende populäre Vorträge über gemeinnützige Gegen-
stände gehalten werden. Möchte sich einem so nützlichen In-
stitute die Theilnahme seiner Mitbürger erhalten und es zugleich
in unserm Vaterlande weitere Nachahmung finden! Den Walın,
dafs einzig und allein vom Staate aus Kunst und Wissensehaft
gefördert werden könne und müsse, hat die Erfahrung der neue-
ren
129
ren Zeit aufs entschiedenste widerlegt. Welche königliche Me-
nagerie kann sich mit der Menagerie der Londoner zoologischen
Gesellschaft messen? Wer hätte vor 10 Jahren geglaubt, dafs
die Kunst in unserem Vaterlande einen so bedeutenden Auf-
schwung nehmen würde, als sie durch das Auftreten der Kunst-
vereine, selbst in den Städten geringeren Umfangs, gewonnen hat?
Deutschlands politische Spaltung in mehrere Staaten ist eben
ganz vorzüglich geeignet, in den zahlreichen Hauptstädten der-
selben, und den Hauptstädten der Provinzen der grölsern Staaten
mehr oder minder bedeutsame Centralpunkte für Kunst und Wis-
senschaft zu bilden.
Unter den allgemeinen physiologischen Arbeiten, welche das
Interesse der Zoologie in Anspruch nehmen, sind die Untersu-
ehungen über die Samenthierehen der Thiere von der grölsten
Wichtigkeit. v. Siebold hat in zwei Abhandlungen die Sper-
matozoen der Krustaceen, Insekten, Arachniden, Annulaten, En-
tozoen und Mollusken beschrieben (Müller’s Archiv p. 13 und
p- 232.). R. Wagner gab über die Spermatezoen der Verte-
braten in diesem Archive (I, 1. p. 370 fg.) einige vorläufige Mit-
theilungen. Im Allgemeinen gleichen die Spermatozoen der wir-
bellosen Thiere einem Haare im eigentlichsten Sinne des Wortes.
Weder ein Kopfende, noch ein Leib, noch ein abgesetztes
Schwanzende ist an ihnen zu unterscheiden, auch kann bei
ihnen von keinem Querdurchmesser die Rede sein. Das eine
e des haarförmigen Körpers läuft in eine äufserst feine Spitze
aus, während das andere Ende etwas stärker ist und bei denen
der Gasteropoden mit einer leisen Anschwellung endigt. Bei den
Muschelthieren haben die Spermatozoen von Cyclas nach Wag-
ner und v. Siebold einen länglichen Leib mit langem faden-
förmigem Schwanzende, welches sonst im Allgemeinen der Typus
der Spermatozoen bei den Wirbelthieren ist (Wagner 1. c.) *).
*) Die ebendaselbst mitgetheilte Beobachtung von Flimmerorganen
an den Spermatozoen der Salamander ist jüngst von v. Siebold (Fror.
Not. II. Nr. 18. p. 281.) als eine optische Täuschung nachgewiesen. Das
äulserst feine und lange Ende schlägt sich nämlich, wo es aufzuhören
scheint, um, und rollt sich spiralförmig bis zum Anfange des dickeren
Körpertheiles um das vordere Schwanzende auf, Durch die schnelle
Undulation dieses spiralförmig aufgewundenen, kaum wahrnehmbaren
Endtheiles wird der Anschein von Flimmerorganen hervorgebracht.
HIT. Jahrg. 2. Band. 9
130
Vor der Begattung strotzen Hoden, Samenleiter und Samenblasen
der untern Thierklassen von einem weilsen Safte, der unter dem
Mikroskope betrachtet, fast ganz aus jenen haarförmigen Sper-
matozoen besteht. Sie liegen im Hoden entweder unordentlich,
kreuz- und queer verfilzt, durch einander, oder- bilden: mit dem
verdickten Ende zusammenhängend eine Art Haarschopf, oder
hängen wie bei einigen Insekten in Haufen zusammen, deren
jeder von einer sehr durchsichtigen Hülle umgeben ist und eine
bald birn-, bald kolben-, bald keulförmige Gestalt zeigt. Im
Samenleiter haben sich die Haarschöpfe und Büschel gewöhnlich
auseinander gegeben, und die einzelnen Individuen liegen der
Länge nach an- oder hintereinander. Bringt man einen Tropfen
der Samenflüssigkeit mit Wässer verdünnt unter das Mikroskop,
so zeigen sich sogleich die auffallendsten Bewegungen, nämlich
eine wellenförmige Bewegung der ganzen Samenmassey! bedingt
durch die Bewegung der einzelnen Spermatozoen und die letz-
tere, welche sich bald auf ein Schlängeln des haarförmigen Kör-
pers und ein perpendikelartiges Hin- und Herbeugen des einen
oder andern Endes beschränkt, bald in einem eigenthümlichen
Aufrollen, gleich dem Zusammendrillen eines Zwirnfadens, wobei
ihr Mitteltheil eine einfache oder doppelte Oehse bildet, wel-
che Erscheinung Verf. der Hygroskopicität der Spermatozoen zu-
schreibt, da er bei unverdünntem Samen der Gasteropoden die
Oehsen theils sehr sparsam, theils, im Samen einer im Wein-
geiste getödteten Succinea, gar nicht fand und die Erschein
mehrmals sogleich eintrat, wenn er Wasser unter dem Mikro-
skope hinzutreten liefs. Nach den Classen und Ordnungen zei-
gen die Spermatozoen der Evertebraten manche Verschiedenheit.
Unter den Krustaceen fand v. S. bei dem Flufskrebse nur ‘die
auch von Henle (Müll. Arch. 1835.) beschriebenen blasenförmigen
hinten mit fadenförmigen Anhängen besetzten Körper, denen vorn-
ein soliderer tönnchenförmiger Körper pfropfenähnlich eingesenkt
ist, da sich aber an ihnen keine Bewegung wahrnehmen lälst,
ist es wenig wahrscheinlich, dafs sie den Spermatozoen der übri-
gen Evertebraten gleich zu stellen sind. Die Hoden des @am-
marus pulex, der Kellerasseln, und eines kleinen Balanus zeig-
ten Spermatozoen von der gewöhnlichen haarförmigen Gestalt.
‚Rud. Wagner hat sich durch das Oehsenbilden des Vorder-
131
endes täuschen lassen, die Oehse als einen wahren Körper an-
zusehen. Auch in den Hoden der Insekten, selbst der Apteren,
fand Verf. nur haarförmige Spermatozoen, nie Volvox-ähnliche
Infasorien, wie Suecow, oder Cercarien-ähnliche, wie Bur-
meister angegeben. Spermatozoen derselben Form, aber, bei
Berührung mit Wasser keine Oehsen bildend, enthielten die Ho-
den der Skolependern. Dagegen schienen die Spermatozoen der
Kreuzspinne von der gewöhnlichen Form abzuweichen, und
durch Verdickung ihres einen Endes Czermaks Urvadeen nahe
zu kommen. Der Regenwurm und die Branchiobdella Astaci,
die einzigen Annulaten, welche Verf. untersuchte, besitzen haar-
förmige Spermatozoen, von denen die des ersteren das Schau-
spiel der Gesammtbewegung am schönsten zeigen, sich schlän-
gelnd bewegen, aber keine Oehsen bilden. Unter den Entozoen,
gelang es dem Verf. bisher nicht, bei den Nematoideen Sperma-
tozoen aufzufinden; ihre Hoden enthielten immer eine sehr fein-
körnige Masse, in welcher gewöhnlich mehrere Körner zu klei-
nen runden, zuweilen anscheinend von zarten Häuichen umge-
benen Körperchen zusammenhingen, dagegen konnte er aus den
sogenannten Lemniseis oder Cirren (den männlichen Ruthen) der
Bandwürmer eine Menge linearer, beweglicher Körper hervor-
drücken, und überzeugte sich von der Anwesenheit haarförmiger
Spermatozoen in den Hoden und Samengängen der Echinorhyu-
n und mehrerer Trematoden. Die sogenannten Samenbläs-
der ersteren enthalten sie nicht (p. 233.) und sind daher
ine Samenblasen. Am ergiebigsien für die Beobachtung der
Spermatozoen war die Klasse ‚der Mollusken, aus welcher der
Verf. die Gasteropoden ausführlicher untersuchte und die Sper-
matozoen sehr übereinstimmend von haarförmiger Gestalt fand;
nur bei Paludina vivipara finden sich 2 Arten von Spermato-
zoen, nämlich aulser den haarförmigen, deren eines dickeres Ende
schraubenförmig gewunden ist, noch grölsere wurmlörmige, de-
ren Hinterende spitz zuläuft, während aus dem Vorderende meh-
rere selbständig sich bewegende Häärchen, ausgehen. Die Samen-
fhierchen der Tellina fragilis fand v, S. (p. 248.) ganz so, wie,
sie R. Wagner aus Cyelas beschrieben. Des, Verf. Untersuchun-
gen hierüber sind von doppelter Wichtigkeit, einmal sofern die
rälhselhaften beweglichen Fäden, welche Needham undSwam-
I} ”
132
merdam von Schläuchen eingeschlossen, in den männlichen Ce.
phalopoden fanden, hierdurch als Spermatozoen erwiesen wer-
den, andrerseits, sofern sie über die Geschlechtstheile der Zwit-
terschnecken neues Licht verbreiten. Verf. fand nämlich in dem
an der Leber gelegenen Organ, welches von Cuvier und später
auch nach Carus und R. Wagner, weil es die Eierkeime ent-
hält, als Eierstock angesehen wird (s. dies. Archiv I.1.p.368.), wie
schon R. Wagner angab, die haarförmigen Spermatozoen in
ungeheuerer Menge. Wagner’s frühere Vermuthung, dafs sie
bei der Begaltung aus den männlichen Geschlechtstheilen eines
andern Individuums hinübergekommen, glaubt er deshalb bezwei-
feln zu müssen, weil er in dem Safte, welcher bei gestörter Be-
gattung zweier Schnecken aus dem Penis ausflols, keine Spur
von haarförmigen Spermatozoen vorfand. So viel also steht nach
des Verf. und R. Wagner’s späteren Untersuchungen (s. dies.
Archiv II, 1. p. 370.) fest, dafs in dem sogenannten Ovarium
der Zwitterschnecken Eierkeime und Spermatozoen in demselben
Blinddärmchen neben einander vorkommen. v.Siebold ist nicht
abgeneigt, Oken’s Beobachtung, dafs sich ein junger Limnaeus
auricularius isolirt fortpflanzte, hieraus zu erklären. Noch grös-
seres Gewicht erhalten diese Entdeckungen, welche für die Be-
fruchtungsweise der Zwitterthiere von höchster Wichtigkeit sind,
dadurch, dafs v. Siebold auch in den Windungen des Uterus
einiger Distomen zwischen und neben den Eiern lebende Sper-
matozoen auf das deutlichste erkannte. Sie gelängen nach sei-
nen Untersuchungen dahin durch ein drittes, bisher überschenes
vas deferens, welches in das hinterste Ende des Uterus einmün-
det, so dafs bei diesen Thieren die Befruchtung der Eier auf eine
unwillkürliche Weise vor sich geht, indem die Eier schon an
der Stelle, wo sie sich bilden, mit dem Samen in Berührung
kommen (Il. c. p. 234—240.). Bei den Weibchen der Paludina
vivipara fand derselbe (Il. c. p. 252.) beide bereits oben erwähn-
ten Formen der männlichen Samenthiere in einem hintern An-
hange oder Theile des Fruchthalters, den er Bursa seminis nennt,
schliefst hieraus, dafs die Befruchtung der Eier in dieser vor sich
gehe, und erklärt hieraus, dals das Weibchen der Paludina vi-
vipara eine geraume Zeit hindurch nach einmaliger Begattung
133
lebende Junge gebären kann *). Ueber ‚die Entstehung dieser
Samenthiere verbreiten besonders R. Wagner’s Untersuchungen
(Müller’s Archiv 1836. p. 225.) einiges Licht. Im Winter findet
man im Hoden der Singvögel nur kleine Kügelchen von granu-
lirtem Ansehn, keine Samenthierchen. Im Frühjahre zeigen sich
neben kleinen körnigen Kügelchen Blasen, welche eine ‚oder
mehrere Molekülen, oder mehrere körnige Kugeln oder endlich
körnige Massen enthalten, in deren Mitte man, bereits dunklere,
lineare Gruppirungen..der Körner wahrnimmt. Da nun die Sper-
matozoen dazwischen büschelförmig, in dünnhäutigen Blasen ein-
geschlossen, vorkommen, so. wird es wahrscheinlich, dafs jene
mit Molekülen oder körniger Masse erfüllten Blasen die erste
Bildungsstätte derselben sind: Aehnlich verhält es sich, bei
den Spermatozoen der Säugethiere. Abweichender schildert uns
v. Siebold die ‚Genesis der beiden Spermatozoen-Formen der
Paludina vivipara (ib. p. 249.). Die wurmförmigen scheinen sich
aus kleinen, einerszähen Masse anklebenden Bläschen zu ent-
wickeln, deren anfangs kürzerer Stiel sich immer mehr verlän-
gert, so dafs ihre Gestalt den freien wurmförmigen Spermatozoen
immer ähnlicher wird. Die haarförmigen Spermatozoen der Pa-
Judina schienen durch Längstheilung aus fadenförmigen, am Ende
verdickten Körpern zu entstehen, deren dickes Ende. durch Zer-
splitterung das haarförmige Ende jener bildete, während ihr fa-
‚denförmiger Theil sich, in das schraubenförmige Ende jener zu
lten schien. Die Frage über das eigentliche Wesen der Sper-
matozoen, ob sie als wesentliche Bestandtheile des männlichen
Samens, gleich den Blutkörperchen, oder als parasitische Bewoh-
ner desselben, und überhaupt, ob sie als wahre Thiere anzuneh-
men seien, läfst sich wohl vor der Hand nicht mit völliger Be-
stimmtheit entscheiden. Für die erstere Ansicht und für die
nothwendige Beziehung der Spermatozoen zum Begattungsakte
spricht ihr constantes Vorhandensein im männlichen Samen zur
N
*) Ein ähnliches Phänomen beobachtete v. Siebold nach mündli-
"cher Mittheilung auch bei pupiparen Dipteren (Hippobosca, Melopha-
gus ovinus), wo die Eier aus dem Ovarium durch eine blasenförmige
Erweiterung (Receptaculum seminis) hindurchgehen, bevor sie in den
Uterus gelangen. Jenes Receptaculum ist bei unbefruchteten Thieren
leer, und enthält bei befruchteten eine Menge lebhafter Spermatozoen.
134
Zeit der Brunst *). Gegen die letztere, dafs sich "bisher mit $i-
cherheit keine Organisation an ihnen entdecken lies, wobei wir
uns freilich nicht verhehlen können, dafs ein Gleiches auch von
Vibrio, Spirillum und andern Formen gilt, die als freilebende
Thiere den Infusorien zugezählt werden. Dals die hellere Stelle,
welche Henle und Schwann am Leibe‘der menschlichen Sa-
menthierchen beobachteten und als Sauggrube deuteten, ein sol-
ches Organ sei, wird von R. Wagner, der sie auch an denen
des Hundes wahrnahm, in Zweifel gezogen, und ist auch von
Benle aufgegeben. Die Beweglichkeit der Spermatozoen ist das
einzige, was für ihre thierische Natur zu Sprechen scheint, doch
ist die scheinbar willkürliche Bewegung der Algensporen nicht
aufser Acht zu lassen, auch erscheint die’ wellenförmig schlän-
gelnde oder oseillirende Bewegung der Spermatozoen bei den
Evertebraten von einer v währen, willkürlichen Ortsbewegung we-
sentlich verschieden. Wie sich als allgemeine und wesentliche Ei-
genschaft des zeugungsfähigen männlichen Samens die Anwesen-
heit der Spermatozoen herausstellt, so erwiesen die fortgesetzten
mikroskopischen Untersuchungen der weiblichen Teugungsorgane
sämmtlicher Thierklassen eine völlige Uebereinstimmung in’ den
wesentlichen Theilen des primitiven Eies. Immer enthalten sie
ein Keimbläschen und der inneren Wand des Bläschens an-
sitzend, den Keimfleck, letzterer bald einfach, bald mehrfach.
Rud. Wagner, welcher den Keimfleck entdeckte, hat in seinem
Prodromus historiae generalionis Lips. 1836. auf 2 Foliotafeln
die primitiven Eier aller Thierklassen dargestellt **). {
Ueber die Temperatur der Thiere hat uns das vergangene
Jahr einige interessante Beobachtungen gebracht, die sich an die
*) Wichtig sind in dieser-Hinsicht ‚auch ‚die neuesten Erfahrungen
von Donne (Instif., 1837. Nr. 211.). Nach ihm leben die menschlichen
Samentbierchen. sehr gut fort im Blute, im normalen Schleime der
Scheide und Gebärmutter, sterben aber schnell im Speichel, im Urin,
in zu sauerem Schleime der Scheide, und zu alkalischem Schleime der
Gebärmutter. Einer solchen Veränderung in den Sekreten der weibli-
chen Genitalien, glaubt Donne die Unfruchtbärkeit der Frauen zuschrei-
ben zu ınüssen.
**) Nachträge hierzu enthalten dessen „Beiträge zur Geschichte der
Zeugung und Katwirkelune. Erster Beitrag 1837,“ in den Abhandlan-
gen der mathemalisch- phys. Klasse der K. "Ballmehen Akademie etc.
135
im vorigen Jahresberichte nicht erwähnten wichtigen Versuche
Berthold’s (Neue Versuche über die Temperatur der kaltblüti-
gen Tliere. Göttingen 1835. 8.) anschliefsen. Indem Ref. die
Ueberzeugung hegt, dafs sich diese kleine Schrift in den Händen
der meisten Naturforscher befindet, erwähnt er nur, dals unter
den kaltblütigen Thierklassen allein die beschuppten Amphibien
2— 1° Wärme mehr als das umgebende Medium zeigten, wäh-
rend die übrigen kaltblütigen Thiere (Mollusken, Annulaten. Kru-
staceen) nur gleiche Temperatur mit dem umgebenden Medium
wahrnehmen liefsen, die nackten Amphibien (Frösche) und die
nackten Mollusken in der Luft wegen des Verdunstungsprocesses
sogar eine geringere. Wenn die ein. kaliblütiges Thier umge-
bende äufsere Temperatur allmählig erhöht ‘wird, so zeigt'eine
längere oder kürzere Zeit hindurch das Thier eine geringere Tem-
peratur, und umgekehrt ist die Temperatur der Thiere nach einer
kürzeren oder längeren Zeit höher, wenn die ‚äulsere Tempera-
tur allmählig verringert wird. Die Ausgleichung erfordert nicht
selten eine Zeit von mehreren Stunden. In der Nichtachtung
dieses Umstandes liegt nach dem: Verf. ‚der Hauptgrund der bis-
herigen abweichenden Angaben über die Temperatur der kalt-
blütigen Thiere. — Die Insekten sind die einzigen, welche nach
den Vögeln und Säugethieren am meisten das Vermögen, eine
selbstständige Wärme zu erzeugen, besitzen;sie macht sich aber
‚aur.im: Zusammenleben 'melırerer für das Thermometer wahrnehm-
ar. Dieser Satz würde durch später mitgetheilte:Beobachtun-
gen: vom Prof, Schulze (in: der Versammlung der Naturforscher
zu Bonn 1835. Isis 1836. Heft 9 u. 10. p..769.) eine Einschrän-
‚kung erleiden. Derselbe zeigte nämlich ‚dort .ein.. nach. seiner
Angabe von Greiner in Berlin geferligtes Thermometer vor,
init dem die Wärme der Insekten gemessen werden kann, Nach
seiner Beobachtung erzeugen besonders Schmetterlinge durch
Bewegung einen hohen Grad Wärme, bei 10°. Temperatur der
Luft 28 — 29° R., haben aber nicht die Fähigkeit, diese Wärme
im ruhenden Zustande festzuhalten, sondern kühlen sich bald
auf 1—2° über die Lufttemperatur ab. Hiermit übereinstimmen
würden die Beobachtungen von Mussehl über das Winterleben
der Stockbienen, welche nach diesem nicht erstarren, wenn bei
hoher Kälte die Temperatur im Stocke auf —° sinkt, aber dann
136
lebhafte Bewegungen machen (Isis 1836. s. unten im entomolo-
gischen Jahresb.). Für ‘die Beständigkeit der Temperatur warm-
blütiger Thiere unter hohen Kältegraden geben die Versuche von
King (in Capt. Back’s Narrative of the arctic land expelition.
‚London 1836. 8, p. 590.) neue Belege.
Ueber das im vorigen Jahresberichte erwähnte Phänomen
der Flimmerbewegung hat Valentin in seinem Repertorium für
Anatomie und Physiologie Bd. I. p. 148. neue Thatsachen bekannt
gemacht. Aufser der von Henle entdeckten Flimmerbewegung
an den schleifenförmigen Organen des Regenwurmes hat er das-
selbe Phänomen auch 'an der Oberfläche der Darmschleimhaut
beobachtet. Bei Nais entdeckte er schleifenförmige Flimmeror-
gane zu beiden Seiten des Darmes.
Für die geographische Verbreitung der Thierwelt erhielten
wir in Reisewerken, Faunen und kleineren Abhandlungen man-
chen werthvollen Beitrag.
Ueber die Wirbelthiere, welche während Capt. Back’s Land-
reise im hohen Norden von Amerika beobachtet wurden, hat
Richardson im Anhange zu Capt. Back’s bereits früher er-
wähnten Reise einige Notizen gegeben, in denen er sich meist
auf seine Fauna boreali-americana bezieht. Die Gliederthiere
hat J. G. Children bearbeitet.
Die meisten sind parasitische Insekten : Docophorus com-
munis Nitzsch auf dem Schneeammer, Pyrrhula enucleator, D.
platyrhynchus Nitzsch auf einem Habicht, D. auritus Childr. auf
Picus auratus, D. ocellatus Nitzsch auf Corvus corax, Nirmus
affinis Childr. auf Tetrao saliceti, und zwei andere Nirmi
(N. testudinarius und N. biseriatus), Lipeurus jejunus N.
auf Anser cinereus, Goniodes chelicornis Nitzsch auf Tetr&o
saliceti, Colpocephalum subaequale Nitzsch auf Corvus coraz,
Physostomum sulphureum Nitzsch auf dem Sehneeammer, und
Ph. marginatum Ch. Von vollkommnern Insekten nur 3: Bo-
strichus typographus, Acridium sulphureum, Formica herculana
L. — Unter den Spinnen zeigten sich 2: Dysdera erythrina und
Tetragnatha extensa den europäischen identisch, ein Theridion
(T. Backii) und zwei T’homisus- Arten (T. borealis u. 7. corona)
neu. Von den Fischen sind: Catostomus reticulatus, C. Forste-
rianus und ©: Sucurii abgebildet.
137
D’Orbigny’s Reisewerk hatte raschen Fortgang. Von Jac-
quemont’s Voyage aux Indes orientales sind mir nur zwei,
’1836 erschienene Lieferungen (11 u. 12) zu Gesichte gekommen.
Das Werk enthält in den 12 erschienenen Lieferungen noch kei-
nen zoologischen Text, nur einzelne Abbildungen, unter denen
nur zwei Arten der Gattung Ophiocephalus neu sind.
Von Rathke haben wir reiche Beiträge zur Fauna der Krym
erhalten. (Zur Fauna der Krym. Ein Beitrag von Dr. H. Rathke.
Aus den Memoiren der Kaiserl. Akademie d. Wissensch. Tom. III.
Petersburg 1836. 4. mit 10 Tafeln.) Sie dehnen sich über alle
Klassen, mit Ausnahme der Insekten und Conchylien aus, deren
Einsammeln des Verf. Reisegefährte, Prof. Kutorga: übernom-
men hatte, und in einem besondern Werke beschreiben wird,
aus; besonders ergiebig sind in des Verf. Beiträgen die Fische,
Krustaceen und Annulaten. Im Ganzen soll das schwarze Meer
an der Küste der Krym an wirbellosen Thieren auflallend arm
sein. Aulser einer Aclinie und zwei Escharen fand Verf. keine
Polypen, doch sollen nach Pallas einige Sertularien in der Bai
von Sevastopol vorkommen. Von Radiaten finden sich nur etwa
drei Arten von Scheibenquallen. Es giebt auch nur wenige
höhere Annulaten - Chetopoden. Am reichlichsten kommen im
schwarzen Meere Krustaceen ‘(Decapoden und Amphipoden) und
Mollusken vor, aber von letzteren nur kleinere Schalthiere aus
den Ordnungen der Gasteropoden und Acephalen. Nackte Gat-
turgen aus diesen Abtheilungen finden sich nicht, keine Doris,
keine Aseidie. Offenbar stimmt also das schwarze Meer in sei-
nem Verhalten als eingeschlossenes mit unserer Ostsee ziemlich
überein. Unter den wirbellosen Thieren des Landes und süfsen
Wassers kommen nur Coleopteren und Orthopteren in einiger
Fülle vor. Von Lepidopteren, Neuropteren, Hymenopteren und
Dipteren gibt es nur wenige Arten; Mücken sind wegen Mangel
stehender Gewässer Seltenheiten; dagegen Beitwanzen und Flöhe
sehr lästig; von letzteren scheint es zwei eigene Arten zu geben;
Prof. Kutorga fand einen gelb und schwarz gezeichneten Floh.
Von Myriapoden giebt es einige, darunter Julus sabulosus, Sco-
lopendra morsitans, Scutigera longipes. Unter den Arachniden
findet sich Scorpio oeitanicus häufig. Die Tarantel, häufig in der
Steppe von Odessa, ist in der Krym nicht gefunden. Dagegen
138
soll es eine kleine giftige Spinne geben, deren Bifs, nach Aus-
sage eines ausgezeichneten Arztes, heftige Entzündung des ver-
letzten Theiles, ja selbst den Tod nach sich ziehe (vgl. Jahrg. 1.1.
p:360.). Von Mollusken des Landes und sülsen Wassers giebt es,
(wie.bereits den Conchyliensammlern bekannt ist) auffallend viele
Arten, insbesondere Helices und Anodonten und viele Clausilien.
Eine Pupa findet sich in solcher Menge, dafs einzeln stehende |
Gesträuche in trockenen Gegenden von fern gesehen, durch ihre
Anzahl ganz weils erscheinen. Das Specielle bei den beireffen-
den Klassen. Minder wichtig sind die Bemerkungen von R. Ja-
meson über die Fauna ‚der Insel, Cerigo. (Jameson new philo- |
sophical journal. ‚Octob. 1836.) Den wirbellosen Thieren konnte
nicht die nöthige Mulse gewidmet werden. Nollusken sollen we-
nige vorhanden sein. Mehrere Seefische werden aufgeführt. Arm |
ist die Insel’ an Amphibien, von denen Lacerta agilis, Vipera
berus (?), Rana esculenta, Bufo vulgaris genannt sind. ‚Stand- |
wögel hat die Insel ‚wenig, aber ‘viel Durehzügler; sämmtlich eu- |
ropäische Formen (s. unten). Von Säugethieren kommen Canis
aureus, Vespertilio murinus, Rhinolophus ferrum equinum, Mu-
stela foina, Lepus timidus und. cunieulus, Mus ratius und M.
musculus: vor;
Barker Webb und Berthelot’s Histoire 'naturelle des
isles Canaries, ist bis jetzt noch. nicht ‚zum zoologischen Theile
fortgeschritten. Nur zwei Vögel, Fringilla ‚teydea n. sp. du.Q
in Livr. 4, und Fringilla canaria in Liyr. 6. wurden abgebildet.
Von Göld£fuls naturhistorischem Atlas erschien die 19te '
Lieferung.
7. C. Zeddel’s „Beiträge zur biblischen Zoologie. Quedlin- N
burg, 8.“ kenne ich nur aus dem Bücher-Cataloge.. Eben so:
J. ©. Zenker’s Naturgeschichte schädlieher Thiere. Leipzig
8. mit 16 illuminirten ‚Kupfertafeln in 4.
Vertebrata.
Wir beginnen diesmal mit der Abtheilung der Wirbelthiere,
deren Feld die meisten und wichtigsten Arbeiten aufzuweisen hat.
Als Beiträge allgemeinen Inhalts sind hier zunächst die Fau-
nen und Bemerkungen über die Thierwelt einzelner Erdgegenden |
zu erwähnen.
B 139
‘Von des Prinzen von Musignano trefflicher Iconografia
della Fauna italica ist mir aus dem Jahre 1836. nur eine Liefe-
rling, die löte, zu Gesichte gekommen. Sie enthält sehr gelun-
$ene" Abbildungen von: Cervus Dama, Porphyrio antiquorum,
Emys caspica, Lacerta ocellata-und agilis, Coluber Riccioli (me-
ridionalis Daud.) und austriacus (Olaevis Merr., der sich aber bei-
läufig gesagt, in ganz Europa von-Rumelien bis ins nördliche
Norwegen findet), und mehrere Fische; der beschreibende Text
fehlt. -
Eine Aufzählung der irischen Wirbelthiere. erhielten wir von
Lingwood in Loudon’s Mag. 1836. p. 128.
Ueber die Säugethiere und Vögel der Grafschaft Southerland
schrieb Selby in Jameson’s New philos. Journ. Jan. — April 1836.
Von Nilsson’s trefflichen Abbildungen zur scandinavischen
Fauna kam das 17te Heft heraus. Es enthält eine. Monographie
der scandinavischen Fledermäuse, die Abbildungeu von Vespertilio
proterus und discolor, und Ornithologisches, was unten an seinem
Orte näher angeführt ist. j
Von Pallas- Icones ad Zoographiam rosso- asiaticam ward
der 3te Fasc. ausgegeben.
Er enthält ‘die Abbildungen von Strix barbata Pall., Aquila pela-
gica Pall., Corvus dauricus Pall., Anser pietus Pall., Rana cachinnans,
Acipenser Huso L., A. Sturio Pall., A. Helops Pall.
Richardson, der rühmlichst bekannte Verf. der Fauna bo-
reali-americana, hat über das Verhältuilfs der Fauna Nordameri-
ka’s zur europäischen und südamerikanischen in der Brittish As-
sociation zu Bristol Bericht erstattet. Seine Bemerkungen, ‘in
denen der Westen von Nordamerika, mit Einschlufs von Neu-
Mexiko, und den Halbinseln Florida und Californien in Betracht
gezogen werden, beschränken sich indessen nur auf die Klassen
der Säugethiere und Vögel. Eine allgemeine Schilderung der
Boden- und Temperaturverhältnisse ist vorausgeschickt, aus wel-
eher wir hier nur einige zum Theil bekannte Data hervorheben.
Die Haupterhebung bilden die Rocky Mountains. Mehrere ihrer
Gipfel erheben sich über die Schneegränze. Ihre Seiten bilden
Gürtel von verschiedener Temperatur, welche, indem sich die
Temperatur in ihrer ganzen Ausdehnung wenig ändert, den Thie-
ren des Nordens einen Durchgang bis zum Plateau von Neu-
140
Mexiko bieten. Bedeutende Querthäler erleichtern ihre Wande-
rungen auch in querer Richtung. Auf der Ostseite finden sich
allmählig abfallende Steppen, und ein Landstrich, den man einem
langen Thale vergleichen kann, erstreckt sich vom Polarmeere
bis nach ‘Mexiko. ' Auch dies gewährt den Wanderungen von
Norden nach Süden große Leichtigkeit. Durch den: Mackenzie-
fluls können die Fische des. Polarmeeres 10 — 12 Breitengrade
weit nach Süden hinabgehen, andererseits können durch den
Missisippi dieFische des mexikanischen Busens ebensoweit nord-
wärts vordringen. Später, wenn die bereits projectirten Kanäle
zwischen den grolsen Binnenseen vollendet sein werden, wird
zwischen den Fischen weit getrennter Gewässer ein grolser Wech-
sel eintreten. Die. bedeutendste Kette im Osten des Missisippi
bilden die Alleghanies, die sich 100 Meilen breit, über einer
Basis von 1000— 1200 F. Höhe zu 2—3000 F. erheben. Der
Landstrich zwischen ihnen und der Küste ist.in den Carolinas
200 Meilen breit, in Georgien noch breiter, reicht an das Flufs-
gebiet des Missisippi. Neu-Foundland erscheint hinsichtlich einer
Fauna als eine Verlängerung. des atlantischen Küstenstrichs. Der
bedeutende Wasserreichthum bildet einen Haupizug im Charak-
ter des Nordosten, an dem man einen nördlichen öden und einen
südlichen bewaldeten Theil unterscheiden kann. Im Westen der
Rocky Mountains ähnelt der nördliche Theil dem entsprechenden
öden Theile des Ostens. Da die Ostküste eine niedrigere Mittel-
Temperatur‘ als die westliche hat, sind die Winter-Wanderungen
der Thiere ‘in ersterer allgemeiner als in Europa unter gleichen
Breiten. ı Die Gränze zwischen der Fauna Nord- und Südameri-
ka’s bildet nicht die Landenge von Panama, sondern der Wen-
dekreis des. Krebses. Die dann folgenden Angaben über den
Charakter der Fauna sind in den mir zu Gebote stehenden Aus-
zügen *):so ungenügend und so ganz ohne Belege, weichen dabei
in so viel Punkten von dem, was bisher für wahr gegolten, ab,
dafs man den Abdruck des vollständigen Berichtes abwarten muls,
*) Magazine of Zoology and Botany I, 3. p. 298. und „Verhand-
lungen der 6ten Versammlung der britischen Gesellschait für die Beför-
derung der Wissenschaften. Aus dem Engl. Berlin 1837, bei Gropius.
p- 49 und p. 181. (Die Uebersetzung ist in manchen Stellen unrichtig,
und scheint aus dem Athenäum angefertigt.)
141
um über Einzelnes volle Aufklärung zu erhalten. — Die Qua-
drumanen gehen nicht über die Landenge von Panama hinaus.
Die 16 Fledermäuse sind eigenthümlich. In den 10 insectivoren
Raubthieren zeigt sich die gröfste Verschiedenheit von der eu-
ropäischen‘ Fauna. Drei (?) Gattungen Europa’s fehlen, die drei
nordamerikanischen finden sich nicht in Südamerika. Die Spitz-
mäuse sind den europäischen sehr ähnlich. Es giebt nur drei
Beutelthiere, von denen zwei nicht höher als Mexiko hinaulrei-
chen; das virginische Beutelthier reicht von Paraguay (?) *) bis
zu den canadischen Seen. Wahre Carnivoren giebt es’40. Einige
derselben stimmen mit den europäischen überein, wenn nicht
spätere Untersuchungen ihre Differenz nachweisen. Mit Ausnah-
me einiger südamerikanischen sind wenigstens die Genera die-
selben wie in Europa. Von 4 Bären sind 2 der neuen Welt
eigen. Die Mustelae reichen nicht weiter nach Süden als bis zu
den nördlichen oder mittleren der vereinigten Staaten. Die Iden-
tität einiger mit den europäischen ist sehr ungewils. Es giebt 3
Öttern, eine derselben scheint identisch mit.der europäischen (?);
die Lutra brasiliensis, wenn identisch (?), findet sich in einem
grolsen Theile von Südamerika und in der Nähe des Eismecres.
Acht Arten von Canis und 8 Arten Katzen, 3 der letztern rei-
chen von Südamerika in die südlichen Staaten des Westens. Neun
Amphibiensäugthiere, welche meist (?) in den Meeren der alten
und neuen Welt sich finden. Die Ordnung der Nagethiere, äus-
serst charakteristisch für Nordamerika, enthält 70 — 80 Arten.
Die Eichhörnchen sind unvollständig bestimmt. Murmelthiere
sind häufig, nur eins derselben hat Amerika wahrscheinlich (?)
mit Europa gemein. Es giebt nur eine Art Mus, welche der
M. sylvestris sehr nahe steht. — Nur 3—4 lebende Edentaten
gehören Nordamerika an. — Lebende Pachydermen giebt es 3—4,
welche zugleich Südamerika angehören. Fossile Pferdeknochen
finden sich am Kotzebue-Sund; fossile Reste von Elephas und
Mastodon in den nördlichsten Regiouen. Von 13 Wiederkäuern
hat Amerika zwei mit Europa gemein. Die Hirsche sind sehr
unvollkommen gekannt. — Von etwa 500 beschriebenen Vögel-
Arten hat Nordamerika fast 4 mit Europa (nämlich 39 Landvö- |
*) Beruht wohl nur auf der frühern Verwechslung des D, Azarae
Teinin. init dem virginischen.
142
gel, 28 Wadvögel, 62 Wasservögel), etwa 4 mit Südamerika
gemein. Im Allgemeinen haben die Raubvögel die gröfste Aus-
breitung, fast die Hälfte derselben ist auch 'europäisch. Mit
Ausnahme der Raben, von denen 4 Europa gemein ist, sind die
übrigen nordamerikanischen Landvögel Amerika eigenthümlich.
Unter 62 Sylviaden finden sich nur 2 auclhı in Europa. Hinsicht-
lich der Wanderungen der Vögel bemerkt Verf., dals die physi-
kalische Beschaffenheit Nordamerika’s hiezu vorzugsweise drei
Stralsen bestimme (weiche?). Die Haupt-Zuglinien werden
hauptsächlich bedingt durch die gröfsere oder ‚geringere Leich-
tigkeit, sich Nahrung zu verschaffen, daher dehnen sich die
Wanderungen nach Süden und Norden öfter über sehr verschie-
dene Linien der Gegend aus, u. s. w. Wir sehen hieraus wenig-
stens, wie viel interessante Punkte der Bericht des Verf. be-
rührte, und erwarten ihn, um das Ungenügende. dieser Auszüge
später zu ergänzen.
l. Mammalia.
Schreber’s Säugethiere, wurde von A. Wagner in
gleicher Weise fortgesetzt. Der Text strebt nach möglichst voll-
ständiger Angabe alles dessen, was wir von jeder einzelnen Thier-
art wissen; Der Verf. hat diese Aufgabe, bei Benutzung eines
höchst reichhaltigen literarischen Apparates, mit; grolsem Fleilse
gelöst, und giebt überall glänzende Beweise einer grolsen Bele-
senheit und Sachkenntnifs. Die Abbildungen lassen zum Theil
noch Mänches zu wünschen übrig, während mehrere Original-
zeichnungen der früheren Hefte von A. Fleischmann als voll-
kommen gelungen gelten können. Es erschienen das 82—84ste
Heft. Vom Texte wurde der erste Band des 5ten Theiles vol-
lendet, und auch ‚die baldige Vollendung des zweiten Bandes, mit
dem die Naturgeschichte der Wiederkäuer abschlielst, steht näch-
stens bevor. Die gegebenen Originalzeichnungen sind folgende:
Heft 82. Simia trivirgata. — Herpestes penicillatus. — Antilope
rupicapra.
Heft 83 u. 84. Pithecia Israelita. — Herpestes Caffer. — H. leu-
curus Ehrb. — Mephitis mesoleuca Licht. — Dasyprocta Aguti
Il. — D. croconota Wagl. — Auchenia Guanaco.
Von H.T.L. Reichenbach’s Regnum animale wurde der
erste, die Raubthiere enthaltende Theil des ersten Bandes voll-
143
endet *). In 633 Figuren sind auf 78 Tafeln die unterschiede-
nen Arten und Varietäten so weit es bei so bedeutender Verklei-
nerung möglich war, meist kenntlich genug im Stahlstich darge-
stellt. Zum grofsen Theil sind Copien aus gröfseren Kupferwer-
ken gegeben, aber auch viele Originalzeichnungen. Der Text
enthält mit Bezug auf die Nummer der Figuren eine lateinische
Diagnose und die nöthigen Citate. Besonders dankenswerth ist
es. dals der Verf. überall angiebt, woher die copirten Abbildun-
gen entnommen sind. Dadurch wird das Buch auch für dieje-
nigen Naturforscher, denen die benutzten Originalwerke zu Ge-
bole stehen, ein bequemes Handbuch, obwohl es zunächst für
das Bedürfnils derer bestimmt ist, welchen jene kostbaren Hülfs-
mittel nicht zugänglich sind. Am Ende jeder Klasse soll eine
systematische Aufzählung der Genera mit Abbildungen, welche
deren Charaktere erläutern, gegeben werden, was die Brauch-
barkeit dieses verdienstlichen Unternehmens noch um Vieles er-
höhen wird.
Für die geographische Verbreitung der Säugethiere im Nord-
Osten Afrika’s enthält die 7te Lieferung von Rüppell’s „Wir-
beithieren zur Fauna Abyssiniens gehörig“ viele höchst
wichtige Beiträge, sowohl neue Arten, als Bemerkungen über das
Vorkommen bereits bekannter, namentlich aller vom Verf. in
Nord-Afrika beobachteter Wiederkäuer und vieler Raubthiere.
Näheres unten bei beiden Ordnungen.
In Rathke’s bereits erwähnten „Beiträgen zur Fauna
der Krym“ finden wir Notizen über einige dortige Säugethiere.
Vespertilio Barbastellus wurde an der Südküste der Krym ge-
fangen. — Sorex suaveolens Pall. wird p. 5. beschrieben. Verf.
vermuthete, dals er mit $. efruscus Savi identisch sei. $. unten:
Insectivora. — Arctomys Citillus ist am Eingange in die Krym
und in der Steppe zwischen Feodosia und Kertsch ziemlich häufig.
Adler lauern ihm am Eingange seiner Hölle sitzend auf. — Der
Edelhirsch soll noch jetzt in dem Gebirge der Krym an eini-
gen Stellen vorkommen. Die besten Krymschen Lämmerfelle
") Regnum animale iconibus aeneis specierum et characterihus ‚ge-
nerum illustratum. Compendium. cum commentario succincto editum
auctore H. T.L. Reichenbach. Vol. I. Mammalia, Pars I. Ferae
iconibus DOX XXIII repraesentatae. Lipsiae 1836. 8.
144
(Baranen) kommen von dem äufsersten Theile der östlichen Land-
zunge der Halbinsel, aus der Gegend von Jenikala und Kertsch,
desgleichen aus einem Landstriche zwischen Koslof? (Eupatoria)
und Perekop, also aus einem der westlicheren Theile der Krym.
Werden Schafe aus diesen Gegenden nach andern verselzt, so
sollen ihre Jungen ein weniger schönes Fell geben. Dies soll
schon der Fall sein, wenn jene Schafe von Jenikala nach Feo-
dosia versetzt werden. Delphine sind im schwarzen Meere sehr
häufig, werden besonders am Bosphorus in Menge gefangen; am
häufigsten scheint Delph. Phocaena, demnächst D. tursio, selte-
ner D. delphis.
Von allgemeinen anatomisch- physiologischen Arbeiten über
die Klasse der Säugethiere sind Gurli’s gründliche „Unter-
suchungen über die hornigen Gebilde des Menschen
und der Haussäugethiere‘“ zu erwähnen. S. Müller’s Archiv
1836. p. 262. Der Verf. handelt zuerst von den Nägeln des Men-
schen (p. 263.), dann von Krallen der Fleischfresser (p. 266.),
von den Hufen der Einhufer und den Klauen der Wiederkäuer
und des Schweines (p. 267.), von den Hörnern der Wiederkäuer
(p- 270.) und endlich von den Haaren (p. 272.). Eine Tafel Ab-
bildungen dient zur Erläuterung.
Einige Bemerkungen über die Handbilduug der Bimanen,
Quadrumanen und Pedimanen, trug Ogilby in der Sitzung der
zoologischen Gesellsch. vom 36. März vor. Proc. Z. S. p. 25 fg.,
hieraus in Loud. Edinb. Phil. Mag. Octob. p. 303. — Verf. hat
(1829.) bemerkt, dafs lebende Brüllaffen (Mycetes seniculus)
den Daumen der Vorderhände beim Greifen den übrigen Fingern
nicht entgegenstellen, und dafs jener mit diesen in gleicher Linie
entspringt. Fortgeseizte Beobachtung zeigte ihm, dals dies bei
allen Affen der neuen Welt der Fall sei, die man deshalb mit
Unrecht (!) zu den Quadrumanen stelle. (Man mufs sich wun-
dern, dafs im Jahre 1836, wo man natürliche Systematik im
Munde führt, dergleichen Sentenzen noch ausgesprochen werden
können.) Bei Mycetes, Lagathrix, Aotus (Nyctipithecus), Pi-
ihecia und Hapale stehen die Daumen der Vorderhände mit den
übrigen Fingern ganz in derselben Linie und lassen sich nicht
entgegensetzen. Die Vorderhände der Gattung Cebus und Calli-
thrix gleichen dagegen mehr den Händen des Menschen und der
Affen
5 145
f \
Aflen des alten Continents; der Daumen steht hier nicht in der-
selben Linie mit den andern Fingern, ist.aber weniger abgerückt
als beim Menschen, von eben so schlanker Gestalt wie die übrigen
Finger. Verf. will nun durch zahllose Beobachtungen sich über-
zeugt haben, dafs auch bei diesen letzteren der Daumen den
übrigen Fingern nicht entgegengesetzt werden könne, was Ref.
mindestens in Bezug auf Cebus in Zweifel ziehen muls, da er
es bei diesen wirklich sah, obwohl sie allerdings beim Ergrei-
fen eben so häufig den Daumen in derselben Richtang wie die
übrigen Finger bewegen. Der nicht entgegensetzbare Daumen
soll denn nun den entschiedensten Charakter zur Unterscheidung
der Affen beider Erdhälften abgeben, die der neuen Welt sollen
nieht Quadrumanen, sonderu Pedimanen sein, und wie diese den
Quadrumanen der alten Welt parallel sind, so sollen die pedi-
manen Marsupialien, welche Verf. nebst Chiromys mit den Qua-
drumanen in einer Ordnung, Chiropoda, vereinigt, den Lemu-
ren entgegenstehen. (!) Auch dem Menschen widerfährt wegen
seiner Vorderhände die Ehre, in dieser natürlichen (!) Ord-
nung einen Platz zu erhalten. Zwei Nagethiergattungen, Myoxus
und Pithecochirus F. Cuv., deren Verf. nicht gedenkt, zeigen
auch einen ziemlich freien Daumen an den Hinterfülsen, ohne
i einen Wickel- oder Greifschwanz zu haben, den er als Eigen-
thümlichkeit der meisten Pedimanen anführt. Dagegen haben
4 die greifschwänzigen Stachelschweine, Synetherus, die Verf.
nebst Myrmecophaga und Cercoleptes als ausnahmsweise nicht
pedimane Greifschwänzer nennt, wenigstens eine bewegliche,
beim Klettern sehr thätige Daumenwarze (Rengger
, Säugth. Parag. S. 242 u. 45.). Die Wahrheit ist also, dafs ein
abgesetzter Daumen an den Hinterfülsen als Eigenthümlichkeit
| kletternder Thiere in den verschiedensten Ordnungen vorkommt,
dals bei den Aflen der alten Welt der Daumen der Vorderhände
_ mehr abgerückt ist, hinsichtlich seiner relativen -Läi.ge aber
manche Verschiedenheit zeigt, und dafs von der vollkommenen
| H Vorderhand-Bildung bei den Allen der alten Welt bis zu der
bekannten Vorderpfoten-Bildung der Kralleuaffen (Hapale) ein
| allmäliger Uebergang statt findet. Eine vergleichende Anatomie
, dem Daumenmuskeln bei sämmtlichen Affengattungen ist sehr
wünschenswerth.
| II, Jahrg. 2. Band. 10
146
Das Naturell unserer Hausthiere hat Herr Allamand jun.
sehr anziehend und treffend geschildert. (Mem. de la Soc. des
Sc. nat. de Neuchatel. Tom. 1. p. 77 fg.)
A. Quadrumana
Die Orang-Arten sind von Blainville '), J. Müller 2)
und Owen ?) zum Gegenstande genauer Untersuchungen ge-
macht worden und wir dürfen wohl hoffen, bald über diesen
interessanten Theil der Naturgeschichte ins Klare zu kommen.
Soviel stellt sich schon jetzt heraus, dafs es mindestens 3, viel-
leicht sogar 4 Arten grolser langarmiger Affen ohne Schwanz,
Backentaschen und Gefäfsschwielen (Pithecus) giebt, deren Junge
vor Entwickelung der specifischen Schädeldifferenzen einander
sehr ähnlich sind und deshalb unter dem Namen Simia satyrus
zeither verwechselt wurden. Schon Owen hat in der (im vor.
Jahresb. II, 2. p. 277.) erwähnten Osteologie des Chimpanze und
Orang auf die Schädeldifferenz des Pongo oder Orangs von Bor-
neo und eines andern, welchen er für den Orang Sumatra’s hält
und tab. 53. im Profil abbildet, aufmerksam gemacht. ( Transact.
of the Zool. Soc. 1, 4, p. 377.) Sorgfältiger ist J. Müller in
seinem Jahresberichte in. die Unterscheidung der Arten einge-
gangen und hat mit überzeugenden Gründen nachgewiesen, dals
die 3 im hiesigen zootomischen Museum vorhandenen Gypsab-
güsse erwachsener Orangs-Schädel drei versehiedenen Arten an-
gehören. Der eine (Nr. 7196 des Catalogs, nach einem Schä-
del der Camper’schen Sammlung) zeichnet sich durch eine tiefe
Aushöhlung der Gesichtslinie zwischen der @labella und den:
Zwischenkiefer aus, und scheint mir mit dem von Owen £. 53.
abgebildeten übereinzustimmen. Auf ihn scheint mir auch zu
passen, was Blainville 2. c. über den Schädel eines grofsen
Orangs sagt, der dem Pariser Museum jüngst aus Sumatra zuge-
kommen ist, dafs er nämlich „alle wesentlichen Charaktere vom
1) Comptes rendues hebdom. Tom. II. p. 75. Ann. des Se. nat.
V. p. 60.
2) Im Archiv für Anatomie u. Phys. 1836. p. XLVI.
3) Lond. and Edinb. Phil. Mag. 10. p. 296. aus den Proc. of the
Zool. Soc. p. 91.
147
Schädel des jungen Orang beibehält, die schiefe, regelmäfsig ovale
Gestalt der Augenhöhlen und deren grofse Annäherung unter sich,
die Kleinheit, Schmalheit und sehr entfernte Lage (position tres
remontee) der Nasenknochen,” die bei unserm Gypsabgusse, wie
J. Müller bemerkt, einfach erscheinen; „dabei aber durch die
Verstärkung der Superciliar-, Sagittal- und Occipitalleisten und
in der Verlängerung der Kinnladen dem Pongo ähnlich wird.”
Der zweite Gypsabguls (Nr. 7197. des Catalogs), nach einem
Exemplare von Hendrikz, läfst, wenn er hinten aufliegt, we-
gen Vorragung der Calvaria die Protuberantia oceipitalis nicht
sehen, die Gesichtslinie zwischen @labella und dem Zwischen-
kiefer ist fast gerade, die Nasenbeine scheinen doppelt; der Joch-
fortsatz des Oberkiefers ist breiter als bei dem vorerwähnten und
dem folgenden. Dies letztere würde auf den von Blainville
erwähnten Wallich’schen Schädel passen, auch sind die Augen-
höhlen bei ihm fast rund, nur nicht verhältnifsmälsig grölser,
wie Blainville angiebt, sondern eher kleiner als bei den bei-
den andern. Die Schnauzenregion ist auch bei dieser Art min-
der vorragend und verhältnifsmälsig dicker als bei beiden andern.
Der 3te Gypsabgufs (Nr. 7328.) ist der von d’Alton und
Audebert abgebildete, mithin der des wahren von Wurmb
beschriebenen Pongo. Dieser zeigt unter allen dreien im Profile
die meiste Pavianähnlichkeit; unterscheidet sich überdies, wie
J.. Müller bemerkt, dadurch, dafs in der Vorderansicht die bei-
den Unterkieferäste am Winkel stark nach aulsen hervortreten,
Die Vergleichung der von Abel in den Asiatic researches
gegebenen Abbildung des Kopfes vom sumatrensischen Orang mit
dem Schädel und der Camper’schen Abbildung des Kopfes vom
jungen Orang (Simia satyrus) und dem Schädel des Pongo war
es besonders, was mich im Jahre 1831 zu der Ansicht bestimmte,
dafs der Orang-utan das Junge der ersteren Art sei, die bei stär-
kerer Entwickelung der Schnauze doch immer den Totalhabitus
vom Kopfe des jungen Orang beibehält. (Handb. der Zoologie,
p- 32.) Wenn ich aber dort den Pongo ein pavianähnliches
Thier nannte, wollte ich damit keinesweges sagen, dafs dieser
ein Pavian sei, wie dies von v. Krassow (Lehrb. d. Naturg. 1.
p- 38.) geschehen, noch überhaupt eine geuerische Differenz
damit aussprechen, wie dies jüngst noch Burmeister (Handb.
10*
148
der Naturgesch. 1837. p. 830.) gethan, der ihn fälschlich mit
dem schwarzen Pavian (Cyrocephalus niger) zu einer besondern
Gattung zusammenstellt. Herr v. Blainville mus Wurmb’s
Beschreibung nicht gelesen haben, wenn er (Z. c.) angiebt, dafs
bei dessen Pongo die Wangenlappen fehlten; ‚bekanntlich führt
dies Wurmb ausdrücklich an. Wir wissen aber auch, dals die
Wangenlappen in dieser Art nur Eigenthümlichkeit der Männ-
chen sind. Da mithin Herr v. Blainville diese Art in seiner
ersien meint, so fiele seine 4te Art, der Pongo, mit dieser zu-
sammen. Was es mit der Grölse der riesenmälsigen sumalren-
sischen Art für eine Bewandnifs habe, und ob nicht Schädel unit
Skelet, welche jüngst dem Pariser Museum zukamen, dieser an-
gehören, wie es Owen von dem Croßs’schen Schädel annimmt,
muls die Folgezeit lehren. Für 3 Arten spricht sich auch Geof-
froy St. Hilaire aus. (Compt. rend. Tom. II. p. 92.) Er
meint, dafs jede der 3 grolsen Sunda-Inseln ihren Orang habe.
Auf Borneo finde sich Wurmb’s Affe, dessen Skelet Aude-
bert darstelle; das Skelet des Abel’schen Orang von Sumatra
habe Owen abgebildet (was indessen nicht vom Skelet, son-
dern nur von dem tab. 53. dargestellten Schädel des Hrn. Crofs
gilt). Die 3te Art, der Wallich’sche Schädel, gehöre vielleicht
Java und den nahen Inseln an, wogegen v. Blainville glaubt,
dals sie vom indischen Continent stamme. Wie sich nun zu die-
sen Arten, namentlich zur leizten, der später von Owen be-
schriebene Schädel verhalte, nach welchem dieser eine neue,
ebenfalls auf Borneo lebende Art, Simiq morio, aufstellt (Pro-
cud. of the Zool. Soc. 1836. p. 91. u. Lond. and Edinb. Phil.
Mag. 10. p. 296 fg.) ist, da uns eine genauere Beschreibung des
Wallich’schen Schädels fehlt, nicht bestimmt zu ermitteln.
Durch seine Grölse und Gestalt erregt der Schädel des Simia
morio, wie der Wallich’sche, zuerst die Vermuthung, dafs er
ein mittlerer Alterszustand zwischen dem jungen Simia satyrus
und dem Pongo sei, was aber die nähere Prüfung des Gebisses‘
und Schädels widerlegt. Die bleibenden Backenzähne des 8.
morio, sowol die zweihöckrigen, als die eigentlichen Backen-
zähne, sind kleiner als die des Pongo, die Eckzähne viel klei-
ner, während die oberen Vorderzähne fast, die unteren völlig
die Grölse, wie beim Pongo haben. Der Cerebraltheil des Kopfes
149
gleicht in Größse dem des Pongo, während der Kiefertheil ver-
bältnilsmälsig kleiner ist. Es finden sich nur die Rudimente der
beim Pongo so charakteristischen Schädelleisten. Die vom äulse-
ren Winkel des Stirnbeines. beginnenden Leisten steigen ohne
zusammenzustolsen, nach hinten aufwärts, und erheben sich hin-
ter der Kronnath, wo sie nur durch eine rauhe Linie angedeu-
tet sind, nicht über der Ebene des Schädels. Das Hinterhaupts-
loch liegt weniger zurück als beim Pongo, die Ebene desselben
ist also weniger schief als bei diesem. Das Nasenbein ist ein
einzelner. schmaler, dreieckiger Knochen, schwach verbreitert
an seiner Spitze. Die Enge des Interorbitalraumes und die Ge-
stalt der Augenhöhlen wie beim S, satyrus, aber die letzteren
sind kleiner. In der Ebene der Augenhöhlen und dem geraden
Contur der Oberkinnlade gleicht er mehr dem Pongo als dem
sumairensischen Orang !). —
Ferner bleibt zu ermitteln, wie es sich mit dem Fehlen des
Daumennagels an den Hinterfülsen verhalte, ob dies ein sexuel-
ler oder specifischer Charakter ist. An dem der zoologischen
Gesellschaft zugekommenen Felle eines jungen sumatrensischen
Orangs fchlte er, wie bei dem alten Weibchen derselben Art
(s. Owen L. e.). Dafs auch unter den von Borneo stammen-
den Exemplaren einige diesen Nagel besitzen, andere nicht, wis-
sen wir aus Brayley’s Bemerkungen im Lond. and Edinb. Phil.
Mag. VII. p. 72.
Das Skelet des dreistreifigen Nachtaffen (Vyetipithecus tri-
virgatus) hal Joh. Gist! in einer kleinen Brochüre ?) beschrie-
1) Zwei Schädel erwachsener Orangs, welche das hiesige zooto-
mische Museum während des Druckes dieser Zeilen empfing, dienen
vorläufig nur dazu, die Sache noch schwieriger zu machen. Der eine
derselben stimmt in den meisten Punkten mit Nr. 7196. überein, zeigt
aber auch wieder manche individuelle (?) Verschiedenbeit, namentlich
ist die Divergenz der Unterkieferhälften am Winkel noch geringer, als
bei 7196. Der andere palst ziemlich auf die von Owen gegebene Be-
schreibung des $. morio, aber die Augenhöhlen sind bei ihm verhält-
nilsmälsig gröfser, als bei den übrigen. Nur durch Vergleichung von
- Gypsabgüssen oder geireuen Abbildungen der von den Autoren beschrie-
benen Exemplare wird man hier ins Reine kommen können.
2) Beschreibung des Skeletes des dreistreiligen Nacht-
üllers (Nyetipithecus trivirgatus), einer zur Ordnung der Acfler ge-
150
ben, in welcher er zu beweisen sucht, dafs der Nachtaffe, wie
schon Wagler behauptete (Natürl. Syst. d. Amphibien p. 40.),
ein Aeffer sei und im natürlichen Systeme zu diesen (den Halb-
affen oder Maki’s) gestellt werden müsse. Seine Abbildung und
Beschreibung beweist aber gerade Jas Gegentheil, nämlich, dafs
der Nachtaffe ein wahrer Affe ist mit der Skeletbildung. und
dem Gebisse der ächten amerikanischen Affen und dals er in
der Schädelbildung dem Saimiri (Callithrix s. Chrysothrix sciu-
rea) am nächsten steht, sonach sich zwischen diesem und den
Krallenaffen (Hapale) einreihen würde. Eine ferne Analogie
mit den Fauläffern (den Lori’s), auf welche bereits A. v. Hum-
boldt hindeutete, kann allerdings nicht in Abrede gestellt wer-
den. ‘Dies ist auch die Ansicht von J. A. Wagner, welcher
in seinen Beiträgen zur Kenntnis der warmblütigen
Wirbelthiere Amerika’s (Abhandlungen der physik. mathem.
Klasse der Akademie zu München, Bd. II.) eine vollständige Be-
schreibung und Abbildung des Skeletes gegeben hat und Folgen-
des als die wesentlichen Eigenschaften desselben am Schlusse
(p. 15.) hervorhebt:
1) Das Hinterhaupt springt stark über_das grofse Loch hervor, und
läuft, allmälig sich verengend, in ein stumpfes kolbiges Ende aus; 2) die
Augenhöhlen sind so ungemein erweitert, dals zwischen ihren äufseren
Rändern der grölste Queerdurchmesser des Kopfes liegt; 3) unter den
eigentlichen Affen besitzt er die meisten Lendenwirbel (8); 4) die
Schwanzwirbel sind lang, schmächtig und, zumal in der Mitte, sehr ver-
dünnt, und ermangeln der flügelarligen Ränder der Queerlortsätze;
5) alle Knochen der Gliedmalsen sind lang gestreckt und fein ausge-
prägt.
In derselben Schrift sind auch die Schädel von Lagothrix,
Pithecia, Callithrix und Chrysothrix (Callithrix sciurea)
vergleichend beschrieben und abgebildet, se wie überhaupt die
hörigen Gattung, von Joh. Gistl, Dr. der Philos. u. der Med. Bacca-
laureus, Redacteur der zoologisch - anatomischen Zeitschriften: „Faunus”,
„Aeis” und der „Gallerie denkwürdiger Naturforscher”, so wie Her-
ausgeber des „Systema inseetoram”, Inhaber der königl. preulsischen
goldenen Verdienst-Medaille, Eigenthümer des privil. Magazins für sämmt-
liche Producte der Natur, mehrerer naturforschenden, ökonomischen und
historischen Gesellschaften Mitglied. Mit einer Abbild. Leipzig, 1836.
uB 8.
151
Skeletbildung der amerikanischen Affen mit grolser Sorgfalt be-
handelt ist.
Nach Schomburg’s Mittheilungen in der Linnean Society
(Lond. Edinb. Phil. Journ. IX. p. 73.) findet sich die Pithecia
leucocephala in‘ beträchtlicher Anzahl im Innern des britischen
Guiana, Das alte Z ist glänzend schwarz, das @ von brauner
Farbe.
% B. Chiroptera.
Von den Fledermäusen Schwedens hat Nilsson im 17ieu
Hefte der Ilum. Figurer till Scandin. Fauma ausführliche Be-
schreibungen geliefert. Die beschriebenen Arten sind: Vesp.
proterus Kuhl, V. discolor Natt., V. Kuhlii Natt., V. pipistrel-
lus Daub., V. Daubentoni Leisl., V. mystacinus Leisl., V. Nat-
tereri Kuhl, V. auritus L., V. barbastellus Daub. \Abgebildet
sind in dieser Lieferung £. 33. Y. proterus und discolor. In den
früheren Lieferungen sind bereits Abbildungen von V. Dauben-
tonii (Heft 5.) und V. mystacinus (Heft 6.) gegeben. In Be-
zug auf letztere machte mich Herr Nathusius darauf aufmerk-
sam, dafs die weilse Färbung des Halses, welche hier wie bei
Nattereri bis unter das Ohr reichend dargestellt ist, bei unsern
deutschen Exemplaren nicht so vorkomme.
Aus den Beobachtungen von Sowerby an einem zahmen
Plecotus auritus (Lond. Edinb. Phil. Mag. Apr. 1836. u. Inst.
p- 216.) geht hervor, dafs diese Fledermaus beim Fange der In-
secten hauptsächlich dureh den Gehörsinn geleitet wird. Das
Individuum wurde 3 Wochen mit Fliegen gefüttert und sehr
zahm, so dals es die Fliegen aus der Hand nahm, aber nur,
wenn sie lebten und sich rührten. Sie regte sich nach ihuen
nicht, wenn sie kein Geräusch machten. Schaben, Coleopteren
und Raupen verschmähte sie. Ahmte Jemand das Gesumme ei-
nes Insectes mil dem Munde nach, so flog sie der Person nach
dem Gesichle. War sie eine Zeitlang umhergeflogen, so. setzte
sie sich auf eine Erhöhung, richtete die Ohren auf und wandte
horchend den Kopf nach allen Seiten; hörte sie das wirkliche
oder fingirte Gesumme einer Fliege, so schols sie sogleich nach
dem Orte, selbst nach den: entgegengesetzten Ende des Zimmers.
152
Zuweilen ergriff sie das Insect gleich‘ mit dem Maule, meist aber
umgarnte sie es gleichsam mit ihren Flügeln.
Ueber die Fledermäuse der mittleren Region von Nepal trug
Herr Hodgson seine Beobachtungen in der zoologischen Gesell-
schaft vor. (Proc. Z. S. p. 46.) Die von ihm aufgestellten
neuen Arten sind: Rhinolophus armiger, Rh. tragatus, Pteropus
leucocephalus, Pt. pyrivorus, Vespertilio formosa, V. fuliginosa,
V. labiata. Die Charakteristik derselben soll im Journal of the
Asiatic Soc. of Calcutta gegeben sein. welches mir nicht zu
Gebote steht.
Ueber den Pteropus Whitii handelt E. T. Bennett in
den Transact. of the Z. S. II. 1.
Es ist dieselbe Art, welche er früher Pf. epomophorus
benannt hatte. In dieser Abhandlung schlägt er den Namen
Epomophorus für die Gruppe vor, welche die in Rede stehende
Fledermaus mit Pt. gambianus und macrocephalus Og. bil-
det. (S. dies. Arch. Jahrg. II. 2. p. 279.) Die Arten stimmen
auch im Gebisse überein, indem sie 58 Backenzähne haben.
Es fehlen der sonst bei Pieropus jederseits vorhandene falsche
Backenzahn des Oberkiefers und der sonst jederseits vorhandene
kleine hintere Höckerzahn in beiden Kiefern. Die ovalen wei-
(sen Haarbüschel an der Schulter bestehen aus langen divergi-
renden Haaren. Bei P. macrocephalus fanden sie sich ebenfalls,
aber minder entwickelt. Aehnliche beschreibt Temminck beim
P. tittaecheilus. — Der Verf. handelt schliefslich von dem
mikroskopischen Baue der Fledermaus-Haare, den er dureh _
Abbildungen der Haare seines Pteropus erläutert. Sehr pas-
send vergleicht er ihr Ansehen mit dem eines Monocotyledonen-
stammes, an dem die Scheiden der abgestorbenen Blätter dicht
einander folgen. Die scheinbaren Scheiden stehen dichter in
der Mitte des Haares, weiter entfernt an den Spitzen, die Basis
erscheint mehr geringelt.
©. Carnivora.
a. Insectivora.
Ueber den Sorex alpinus Schinz, zuerst aufgestellt in Frö-
bel und Heer „Mittheilungen aus dem Gebiete der iheoreli-
153
schen Erdkunde” hat Duvernoy in der naiurforschenden Ge-
sellschaft‘ zu Strasburg einige Bemerkungen mitgetheilt. (Inst.
1836. Nr. 147. p. 71.)
Nach der Beschreibung von Schinz ist der Pelz einfarbig eisen-
grau, weich und lang; die Schwimmhaare fehlen, die Ohren sind im
Pelze versteckt, die weilsen Schneidezabne haben eine orangefarbige
Spitze. Körperlänge 5”, wovon der Schwanz 2" 3”. — Die Exem-
plare wurden in den am höchsten gelegenen Weiden im Urserenthale
gefunden. Lauth fand ein Exemplar am Oberalp-See, welches Du-
vernoy untersuchte. Es gehört ‘die Art nach ihm zu seiner Gruppe
Hydrosorexr. Die unteren Schneidezähne haben 3 stumpfe Zähnchen
hinter ihrer Spitze, die oberen sind zweizähnig. Kleine Lückenzähne
finden sich 5 und nehmen von dem Isten zum 5ten an Grölse ab, alle
haben rothe Spitzert diese rothe Färbung findet sich auch an der in-
neren Seite der oberen Backenzähne und an der äufseren Seite der un-
teren. In dem von Duvernoy untersuchten Exemplare ist das Ver-
hältmils des Schwanzes zum Körper grölser, als es von Schinz ange-
geben wurde.
Ratlıke hat in den „Beiträgen zur Fauna der Krym” p. 5.
den $S. suaveolens Pall. beschrieben und die Vermuthung aus-
gesprochen, dals er mit 8. etruscus Savi identisch sein möchte.
Here Nathusius, dessen Monographie der Spitzmäuse in’ einem
der nächsten Stücke dieser Zeitschrift erscheinen wird, schreibt
mir hierüber Folgendes:
„Die Vergleichung des Sorex swaveolens Pall. mit etrusceus
Sav. wird um so interessanter, ‘als das Vaterland der letzten sich
auch westlich weiter ausdehnt, indem ich denselben in diesen Ta-
gen aus Algier erhalten habe. Der Rüssel ist allerdings im Vergleich
mit einigen andern Arten nur kurz, keineswegs aber im Vergleich mit
dem ächten S. araneus Daub. u. Bechst., auffallend kurz dagegen
im Vergleich mit der gewöhnlich araneus benannten Art, welche 8.
_ vulgaris Linnaei = tetragonurus Herm. ist; noch auffallender
ist die Kürze des Rüssels im Vergleich mit $S. pygmaeus Laxm, Pall.
Was Ratlıke vom Ohr sagt, palst allerdings auf den etruseus, aber
dieselbe Bildung haben alle Arten der Gattung, nur liegt bei dieser Art
das ungewöhnlich grolse Ohr sehr frei. Die für suaveolens angege-
benen Dimensionen passen jedoch nicht auf etruscus, deren Schwanz
zwar auch 1” lang ist, dessen Körper aber von der Nasenspitze zum
After nicht mehr als 1” 8 bis 9” milst. Dies scheint bei einem so
kleinen Thiere eine bedeutende Differenz zu sein, Die andern Gröfsen-
angaben passen so ziemlich, nur ist die Ohrmuschel bei etruscus nicht
14”, sondern über 2” breit. Es scheint demnach doch, dals etruscus
nicht mit suaveolens zusammenfällt. Pallas selbst nennt diesen „,pyg-
maeo vix major”, da jener jener doch kleiner und besonders schmäch-
154
tiger und zierlicher ist. Was ist aber die „‚papill« subcaudalis didyma,
odorifera, utramque aperturam continens”? (Pall. Zoogr. 1. 134.)
Etwas Aehnliches zeigt weder etruscus, noch eine andere genauer
"bekannte Art der Gattung.”
Ueber die Anatomie des Wuychuchol (Myogale moschata)
hat Brandt in dieser Zeitschrift vergleichende Mittheilungen
gemacht, (2r Jahrg. Bd. 1. p. 178 fg.)
Derselbe hat in dem Bullet. scientif. de ’ Acad. de Pe-
tersb. p. 37. einen neuen Igel aus dem Lande der Turkoman-
nen, Erinaceus hypomelas, beschrieben.
E. longissime auritus, rostro, gula, pectorisque media parte Bi MN
antipedum apieibus albidis; auriculis, mento et stria ante auricularum
basin albis; aculeis basi nigricantibus, medio sordide albis; gastraeo,
cauda, aculeorum apieibus pedibusque nigris.
b. Carnivora.
Ueber den Unterschied in der Sohlenbehaarung bemerkt
Gray (Proc. Z. S. p. 87. Lond. Edinb. Phil. Mag. X. p. 293.)
sehr richtig, dafs er nicht hinreiche, um die Genera in grölsere
oder kleinere Gruppen zu trennen, obwohl er gute Charaktere
zur Üoterscheidung der Arten, zur Aufstellung von Seclionen
innerhalb einer Gattung und oft zur Charakteristik der Genera
darbiete. Zur Unterscheidung der Arten insbesondere bei Her-
pestes, Mephitis, Lutra. Die Mephitis-Arten lassen sich nach
der Form der Sohlen in 3 Sectionen theilen. — Zuweilen möge
die dichte Behaarung der Sohlen bei solchen Thieren, die ihre
ganze Sohle beim Gange aufsetzen, damit im Zusammenhange
stehen, dafs sie sich in schneebedeckten Regionen halten, so bei
der Wolverene, dem Panda, dem Eisbär; doch nicht allgemein,
indem. der Benturing in gleichem Aufenthalte kahle und war-
zige Sohlen habe.
Derselbe bemerkte auch, dafs die (obere Fleischzähne
des ersten (Milchzahn-) Gebisses aller von ihm untersuchten
Raubthiere den inneren Ansatz in der Mitte des Zahnes zei-
gen, während er an den Fleischzähnen des späteren Gebisses
immer am Vorderende befindlich ist. So sei es namentlich bei
dem Hunde, der Katze, dem Vison, den Stinkthieren, Viverra.
Von den beiden ersteren wissen wir es bereits durch Cuvier
(0Oss. foss.). Auch die an derselben Stelle von Gray mitge-
theilte Beobachtung, dafs die Höckerzähne der Mustelae oft bei
155
derselben Art beträchtlich in Gröfse variiren, dürfte für die spe-
cielle Zoologie von Wichtigkeit sein, indem man daraus leicht
auf specifische Verschiedenheit schlielsen könnte. r
Martin glaubt 2 Arten Cercoleptes, über deren Vater-
land ihm aber genauere Auskunft fehlt, unterscheiden zu müs-
sen, von denen er die eine C. megalotus, die andere C. brachyo-
tus nennt. (Proc. Z. S. IV. p. 83.)
C. megalotus. Ü. laete rufus, striga saturatiore, per totam lon-
gitudinem capitis, dorsi medii, caudaeque supra excurrente, lateribus
pallidioribus, abdomine gulaque rufis, striga castanea abdominali; auri-
eulis longis, angustis, rotundatis subpendulis, externe pilis pallide flavis
indatis, cauda gracili; vellere denso, brevi, rigido. Long. auric, 1” 3”,
latit. 7'”.
©. brachyotus. C. vellere denso, molli, longivsculo, griseo fla-
vescenli, at brunneo undato, hoc colore in capite, summoque dorso sa-
turatiore: abdomine et gula stramineis, aurieulis latis, mediocribus, ere-
etis, pilis rarioribus fuseis externe indutis. Long. aurie. 1”, latit. 1”.
Dieselbe Verschiedenheit zeigt sich auch bei den beiden aus
Brasilien stammenden Exemplaren des hiesigen Museums, von
denen jedoch das eine nieht gut genug conservirt ist, um sämmt-
liche vom Verf. angegebene Charaktere erkennen zu lassen. Die
Namen sind schlecht gewählt, indem hauptsächlich nur das Ver-
hältuifs der Breite zur Länge der Ohren den Unterschied giebt;
auch ist der dünne Schwanz auffallend. Weitere Untersuchun-
gen mehrerer Exemplare müssen über die specifische Verschie-
derheit entscheiden.
Einen neuen Iltis aus Nepal hat Hodgson im Asiat.
Journ. bekannt gemacht (daraus Inst. Nr. 189. p. 132.), der
wegen Verlilgung der Ratten und Mäuse sehr geschätzt ist und
leicht zahm wird. Er nennt ihn nach dem Volksnamen Mu-
stela Kathiah. Der reiche Pelz ist oberhalb dunkelbraun,
unterhalb goldgelb, am Kopfe weils, der cylindrisch-spitzige
Schwanz ist halb so lang, als der Körper, dessen Länge von der
Sehnauzenspitze zur Schwanzwurzel 10” beträgt.
Von demselben Naturforscher erhielten wir auch eine Be-
schreibung des Skeletes der Seeotter. (Proc. Zool. Soc. IV. p. 59.)
Der Verf. beschreibt das Gebils, wie wir. es bereits aus
Lichtenstein’s Beschreibung (Jahrg. II. 2. p. 282.) kennen.
Von den 5 Backenzähnen des Unterkiefers sind die 3 ersten fal-
156
x
sche Backenzähne, der hinterste Höckerzahn ist verhältnifsmälsig
klein. An dem 3 F. 2” langen Skelete mals der Schädel: 5”,
der Schwanz 10”. Der Schädel ist verhältnifsmäfsig breiter als
bei Zutra, seitlich am Parietaltheile mehr convex; Nasenbeine
bilden eine breite, nieht allmälig abfallende Ebene. Die Gegend
hinter den Augenhöhlen ist weniger zusammengeschnürt, als bei
der (erwachsenen) Zutra, der Raum zwischen den Keilbeinflü-
geln breiter. Den Brusikasten bilden 13 schräg rückwärts ge-
richtete Rippen, darunter sind 5 falsche. Lendenwirbel 6. Vor-
derextremitäten kurz. Schultergräte schwach. Oberarm gedrun-
gen, weniger zusammengedrückt als bei Zutra, Vorderfuls sehr
kurz, milst nur 21”, bei einer Lutra von gleicher Grölse 3”.
Becken länger wie bei Zutra, im Verhältnifs von 6:4. Hinter-
beine sehr entwickelt, reichen, wenn sie beim Schwimmen nach
hinten gestreckt werden, über den Schwanz hinaus. Oberschen-
kel kurz, sehr dick; das Ligamentum teres fehlt, wie bei deu
Seehunden, wälırend es bei Lutra vorhanden ist. Die Kuochen
des Unterschenkels übertreffen den Oberschenkel in Länge um
1”. Die Zehen der zu trelflichen Rudern umgestaltelen Hinter-
fülse nehmen ven innen nach aulsen an Länge zu. — Eine grolse
Annäherung an die Robben ist im Skelet nicht zu verkennen.
Sehr auffallend ist es, wie sich in den verschiedenen Thei-
len von Afrika dieselben Thierlormen mit geringen Verschieden-
heilen erselzend wiederholen. So lehrte uns Martin eine neue
Art der Gattung Cynictis Ogilby, C. melanura, von Sierra
Leone kennen (Proc. Z. S. IV. p. 55.), die sich der südafri-
kanischen €. Steedmanni als zweite Art zur Seite stellt.
C. melanura. C. saturate rufa, nigro punetulata, ad Jatera pal-
lidior; gula sordide flavescenti-brunnea; artubus interne abdomineque
sordide Hlavescenti-rufis; cauda apicem versus late nigra, ad apicem floc-
eosa. Long. corp. c. cap. 12”, caudae pilis inclusis 11, capit. zZ I
Das Exemplar hat noch nicht sein vollständiges Gebils; unterschei-
det sich überdies von dem €. Steedmanni durch verhältnilsmälsig kür-
zere Krallen und durch einen nackten Streif längs der Unterseite des
Tarsus bis zum Hacken, während dieser bei jenem ganz behaart ist,
durch einen weicheren, kürzeren und glänzenderen Pelz, minder buschi-
gen Schwanz, dunkle Färbung der Kehle, schwarze Schwanzspitze. (Auch
würde der Schwanz im Verhältnifs länger sein.) Vielleicht Bosman’s
Kockeboe?
157
Ein neues zwischen Paradoxrurus und Zetides mitien
inne stehendes Geschlecht, Cynogale, führt Gray in den Proc.
EB zs mw. p- 88. an. Es soll sich von beiden durch ein länge-
res Gesicht, durch die zusammengedrückle Gestalt der falschen
Backenzähne und die Kleinheit und trianguläre Gestalt des Fleisch-
zahnes unterscheiden.
Einen neuen Herpestes der indischen Inseln, H. brachyu-
rus, erwähnt Gray, ohne ihn näher zu beschreiben, ebenda-
selbst. Er soll dem schwarzen capschen Herpestes (also wohl
dem H. paludinosus Cuy.) nahe stehen, sich aber durch Färbung
und Kürze des Schwanzes unterscheiden.
Sehr interessante Formen derselben Gallung machte Rüp-
pell in seinen Wirbelthieren zur Fauna Abyssiniens-in Beschrei-
bungen und Abbildungen bekannt. Er beobachtete auf seinen
Reisen 6 Arten, den H. Pharaonis, sehr häufig in Unterägypten
(dort Nims), den HM. leucurus Ehrb., in Nubien, dort Abu
turban (bei manchen Iudividuen ist der Schwanz nicht weils,
sondern schwarz), und 4 bei weitem kleinere Arien, die sämmt-
lich im Süden des I6ten Breitegrades leben. Verf. vermuthet,
dals einige derselben mit den jüngst von Smith (im South. Afr.
quarterl. Journ. und African Zoology. Cape Town 1834.) aul-
gestellten Arten identisch sind und dann bis zur Südspilze Afri-
ka’s herabreichen würden. Die neuen Arten und ihre Schädel
sind abgebildet.
' 1. H. sangwineus Rüpp. t.8. f.1. H. madagascariensis Sm.?
H. capitis colore einereo nigro punctato, corpore ex isabellino rufo,
pilis annulis et apieibus umbrinis; gula, peciore et ventre albicante, pe-
dibus isabellinis; cauda corporis longitudinem paululum excedente, aequa-
“liter villosa, eolore isabellino et nigro variegato, parte apicali rubiginosa;
plantis nadis. — Körperlänge bis zur Schwanzwurzel 11” 6”, des
Schwanzes mit seinem Haarbüschel 12” 6”. In Kordofan; dort Abu
Wusie.
2. H. gratilis Rüpp. r. 8. f. 2.
H. toto corpore colore einereo Nlavicante, pilis annulis et apieibus
umbro-fuseis, parte postica caudae nigra, collo et ventre rufescente;
eauda elongata villosa lonzitudinem corporis quinta parte excedente;
planta seminuda. — Körperlänge 11” 7”, Schwanz 1’ 1”. Bei Mas-
sana ziemlich häufig; dort Sakie,
3. H. Mutgigella Rüpp. t. 9. f.1.
fl. colore dorsi et caudae umbrino nigrieante, pilis capilis, ventris
158
et pedum annulis rufescentibus variegatis; cauda aequaliter villosa cor-
poris longitudine decima parte minore, postice nigra; parte nuda plan-
tarum angusta. — Körperlänge 1’ 1” 6”, Schwanz mit der Quaste 11”
6”. In den abyssin. Provinzen Dembea und Simen; heilst_ Mutgigella.
4. H. zebra Rüpp. t. 9. f. 2. H. taenianotus Sm.? j
H. supra colore umbrino fusco, parte posteriori dorsi fasciis 13— 15
flavo umbrinis transversalibus, gula, pectore, ventre et parte interna pe-
dum ferruginea, linea media abdominali alba, extremitate pedum fusces-
cente; cauda corpore tertia parte minore, subeuneiformi, unguibus anti-
pedum majoribus. — Aehnlich der Mangouste @ bandes und H. taenia-
notus Sm. Körper 1’ 1” 3”, Schwanz 8” 9’. In den Niederungen
der Kulla und im Küstendistricte bei Massaua. Die Mangouste & bandes
stammt, wie Ogilby bemerkte (s. dieses Archiv Jahrg. II. 2. p. 282.)
nicht aus Indien, sondern aus dem westlichen Afrika, wodurch des Verf.
Vermuthung, dafs seine Art mit dieser identisch sein könne, noch wahr-
scheinlicher wird. Den von Ogilby erwähnten Margel des Lücken-
zahnes bei H. fasciatus und H. gambianus hält Herr R. für blos zufäl-
lig. Bei ganz alten Individuen finden sich zuweilen nur 4 Paar Backen-
zähne.
Von demselben Naturforscher ist a. a. O. eine neue Art der
Gattung Viverra, V. abyssinica, beschrieben und ab. 11. ab-
gebildet.
V. corpore et pedibus colore isabellino, linea mediana dorsi et 3
striis biarcuatis nigricantibus ad latera dorsi utringue, parte externa sce-
lidum et lateribus colli nonnullis maculis nigricantibus variegatis; cauda
villosa, annulis 18 nigris et isabellinis alternantibus; gula, labiis et re-
gione infraorbitali albidis, parte basali mastaeis nigricante, ventre eine-
rascente. Crista ossea in medio cranii aut juba dorsali null. — Kör-
per 1’ 5”, Schwanz 1’ 3” 8", Die Vertiefung der Zibethdrüsen hat
die Gestalt eines umgekehrten Y. Sie scheint kleiner zu bleiben, als
V. genetta; am Schädel des beschriebenen Individuums waren die Nä-
the beinahe obliterirt, es fehlte aber jede Spur der Knochenleiste längs
der Pfeilnath, die bei jener so entwickelt ist.
Viv. genetta ist nach ihm in Abyssinien häufiger, so wie in
Egypten, Nubien, Kordofan und Abyssinien. Verf. hat die Ueber-
zeugung, dafs @enetta pardina J. Geoflr., Viverra maculata Gray,
und die Genette de Barbarie u. du Senegal F. Cuv. nur Varie-
täten der gemeinen Genetie sind, und dafs diese aulser dem süd-
lichen Europa über ganz Afrika verbreitet wäre. In Abyssinien
ist die Farbenschattirung der @. pardina die gewöhnliche. Es
ist sehr wünschenswerth, dafs die Verschiedenheit der Genetten
genauer erörtert werden möge. Dafs die von den genannten
159
Autoren unterschiedenen Arten nur Varietäten einer Art sein
sollen, scheint mir noch nicht aufser allem Zweifel gesetzt. Fast
hat es den Anschein, als ob 2 neben einander vorkommende
Typen sich in den verschiedenen Theilen von Afrika wiederho-
len; bei dem einen scheint der Schwanz viel kürzer und mit
weichem dicht anliegenden Haar bekleidet zu sein, bei dem an-
deren fast gleiche Länge mit dem Körper (bis auf wenige Linien)
zu haben und seine Behaarung länger, straffler und lockerer zu
sein. Zum erstern Typus möchte in Nordafrika V. genetta, in
Ostafrika die von Herrn Rüppell beschriebene V. genetta, in
Südafrika die V. tigrina, in Westafrika Geoffroy’s V. pardina
gehören; zum zweiten Typus dagegen F. Cuvier’s Genette vom
Senegal, die capsche V. felina und eine durch Hemprich und
Ehrenberg aus Dongola mitgebrachte Genette, die zu Herrn
Rüppell’s Beschreibung passen würde, wenn nicht bei ihr der
Schwanz gleiche Länge mit dem Körper hätte. Ob nun diese
Formen specifisch verschieden sind, ist eine andere Frage. Exem-
plare der nordafrikanischen Genette fehlen unserer Sammlung;
die südafrikanischen haben einen etwas längeren Schwanz, als die
von Cuvier beschriebene Genette der Barbarei, auch nur 8 dun-
kelbraune Schwanzringel, stimmen in dieser Hinsicht, wie in den
Dimensionen, mit der von Daubenton gegebenen Beschrei-
bung. — Eine andere Verschiedenheit möchte die relative Länge
der Ohren geben, insbesondere ihr Verhältnifs zur Schnauze
(diese vom vorderen Augenwinkel gemessen); bei der capschen
Genette Haben sie die Länge der Schnauze, bei der Dongolani-
schen sind sie um etwas länger, bei der Viv. felina um 5” länger;
äuch möchte ihre Form Verschiedenheit zeigen; doch kann alles
dies kaum nach ausgestopften Exemplaren entschieden werden.
Zwei neue Arten von Viverra hat Reichenbach in sei-
nem Regnum animale I. p. 23. aufgestellt. Die erstere, V.
leptura (eine Genette), soll aus Südafrika stammen; von der
andern, V. melanura, ist das Vaterland unbekannt.
V. leptura R. V. griseo-lutescens, rostro, mandibula, stria me-
dia frontali, linea dorsali, maculis sparsis, fascia humerali arcuata cau-
daegue valde attenuatae annulis fuscis, genis, labio superiore striaque
ım
mandibulae media albis. Long. 154”, caudae 16”, pili caudae adpressi,
longissimi.
160 N
V. melanura R. V. einerea subtus fronteque pallidior, striis dor-
salibus, maculis sparsis caudaque nigris. Long. 1’ 8”, caudae 134”.
‚Gulo mellivorus wurde von Rüppell bei Ambukol in
Dongola gesammelt; er bewohnt Erdhöhlen, nährt sich von
Springmäusen, Hasen, selbst Schildkröten. Mustela Zorilla
findet sich ziemlich häufig in Nubien, Sennaar, Kordofan und
selbst zu Gondar. Beide Thiere haben also eine weite geogra-
phische Verbreitung. (Vergl. d. Arch. II. 2. p. 281.) Deles-
sert fand den Gulo mellivorus auch auf Java. (Instit. 1836.
p- 116.)
Eine kurze Beschreibung vom Gebisse der Gattung Oto-
eyon Licht. (0. caffer. Licht. — Canis megalotis Laland.) hat
Joh. Müller beiläufig in seinem Jahresberichte mitgetheilt (Ar-
chiv £. Phys. p. L.). Er hat oben und unten 3 falsche Backen-
zähne, oben und unten hinter einem wenig entwickelten Fleisch-
zahne 4 Höckerzähne, deren letzter sehr klein ist. Der obere
Reilszahn hat eine starke Zacke am inneren Theile der Krone;
er erhält dadurch eine dreieckige Gestalt. Der Schädel zeich-
net sich auch durch die ganz höckerig rauhe Beschaffenheit der
Schläfengegend aus, deren oberer Rand beiderseits zwei starke,
hinten convergirende Wülste bildet.
Herr Gebauer, königl. Oberförster in Warnicken, wider-
legt (Preufs. Provinzialbl. Bd. 15. p. 509.) die im Auslande gel-
tende Meinung, dals Preuisen noch jetzt ein ächtes Wolfsland
sei. Man hat in Ostpreufsen von Wölfen kaum so viel zu füreh-
ten, als in Frankreich die Bewohner der Ardennen. Seit 1817 sind
in den Pregelgegenden wenig Wölfe gespürt und erlegt worden;
in der Nähe von Fischhausen nur ein einziger, der im Winter
1829 über das zugefrorene Frische Hafl gekommen war. Indes-
sen begreift‘ sich jene im Auslande herrschende Meinung daraus,
dafs nach des Verf. Angabe von 1816 bis 1823 inel. 1168 Wölfe
in Westpreufsen getödtet wurden, nämlich 1816: 237, 1823 nur
noch 114, so dals auch dort wie in Ostpreulsen diese Raubthiere
im Abnehmen sind.
Ueber einen Fuchs, weleher die Wüste Sahara bewohnt und
sich selten in der Ebene Metidja, häufiger hinter der ersten Kette
des Atlas sehen läfst, hat Bodichon der Pariser Akademie Mil-
theilungen gemacht. (Ann. d. Sc. nat. Tom. VI. p. 156.)
Der
161
Der Schädel ist oberhalb verflacht, der Kopf verlängert, der Längs-
durchmesser ist viel größser als der Queerdurchmesser, die Ohren stehen
hoch, wie beim Schakal, und sind viel länger; der Hals ist lang und
dünn; der Hintertheil des Körpers höher als der Vordertheil; die Beine
sind höher und der Körper schlanker als beim Fuchs;, der Pelz ist rost-
rot (fauve) an seinen oberen und äulseren Theilen; Kehle, Lippen
und die Schwanzspitze sind rein weils. (Nach Instit. Nr. 208. befin-
den sich am oberen Drittheile des Schwanzes im Halbkreise stehende
schwärze Haare.) Er verbreitet keinen übeln Geruch, lebt in zahlrei-
chen Truppen von mehr als 50 Individuen, die gemeinschaftlich Gazel-
len, Hammel, Kälber u. s. w. jagen. In der Ebene sollen sie sich stär-
ker fühlen als die Schakal, diesen aber im Gebirge weichen.
Zwei Füchse von der Südküste Amerika’s, mitgebracht von
Cäpt. King, C. magellanieus und C. griseus, zeigte Gray der
zoologischen Gesellschaft vor (Proc. Z. S. p. 88.). Eine Be-
schreibung ist nicht mitgetheilt.
Den Fuchs des Himalaya hat Ogilby, unter dem Namen
€. Himalaicus, beschrieben. (Proc. Z. S. p. 103.)
Er findet sich mehr in den westlichen und höheren Theilen des
Gebirges.. Die Körperlänge beirägt 2 F. 6”, die des Schwanzes 1’ 6”,
der Ohren 4”. Schwarze Zeichnung an der Rückseite der Ohren und
an der Vorderseite der Vorder- und Hinterfüfse. Pelz reich, ungleich
brillanter als bei einer der amerikanischen Varietäten. Wollpelz und
der Grundtheil des langen seidenartigen Conturhaares rauchblau, letzte-
res hat dann einen breiten weilslich gelben Ring und endigt mit einer
tief kastanienbraunen Spitze. Kopf, Nacken, Rücken sind einfarbig. hell
kastanienbraun, die Seiten des Halses und Flanken weils, ins hell rauch-
graue fallend, die Beine weilslich grau, Kehle, Brust und Bauch rauch-
braun. Der dicke Schwanz hat die Farbe des Körpers und endigt mit
einer breiten weilsen Spitze. Dals wir es hier nur mit einer Varietät
des gemeinen Fuchses zu thun haben, leidet wohl kaum einen Zweifel.
Die 'Verbreitungssphäre des Löwen und Tigers in Asien,
ihre Verdrängung durch den Fortschritt der Civilisation und
ihre Denkmale in der Entwickelungsgeschichte der Völker hat
©. Ritter mit bekannter Gründlichkeit im Alten Bande (2. p. 688.)
seiner Geographie von Asien abgehandelt. Da dieser höchst
wichtige Beitrag zur geographischen Zoologie keines Auszugs
fähig ist, kann hier nur darauf verwiesen werden.
Von Reichenbach (Regn. anim, I. p. 11. f. 92.) wird ein
bengalischer Schakal unter dem Namen C. micrurus unler-
schieden:
©. latescens dorso lateribusque cinereis, capite colloque infra, auri-
III, Jahrg. 2. Band, 11
r _
162
L
culis pedibusque albis, cauda vix talos tangente. Long. 2’ 1”, caudae
7". — Allem Anscheine nach ist dies nur der wahre Schakal der Le-
vante (C. aureus).
Ebendaselbst p. 10. f. 72—73. ist die we und Ab- -
bildung eines nordamerikanischen Fuchses gegeben, der dem €.
Lagopus nahe steht, nach der Abbildung aber. viel Eigenthüm-
liches zeigt. r
C. microtus Reichenb. C. cinereus lateribus lutescens ‚subtus al-
bus, auriculis rostrum nigricans vix dimidium aequantibus. Longit. 1’
74”, caudae 10”. Hundisbay in America boreali. — Eine ausführliche
Beschreibung wäre wünschenswerth.
Derselbe Naturforscher hat eben dort p. 44. zwei von Ha-
milton Smith und Jardine abgebildete Katzen als besondere
Arten unterschieden. Die von ersterem als F. macrura dar-
gestellte Katze nennt er F. venusta; ob sie aber mehr als Va-
rietät der Neuwied’schen Art ist, kann wol aus der blolsen
Abbildung nicht entschieden werden. Die andere, von Jardine
(Felinae. Natur. Libr. Mamm. II. t. 20.) als F. bengalen-
sis abgebildet, nennt Herr Reichenbach angulifera. Sie
scheint mir Varietät der F. nepalensis Horsf. zu sein. End-
lich stellt er eine javanische Katze als F. leucogramma auf
(ibid. p. 45.). Das Vaterland und die Malse passen auf Tem-
mink’s F. minuta, zu welchen dieser nach eigener Ansicht
der Originalexemplare F. iavanensis Horsf. und sumatrana zieht,
obwohl deren Mafse zu den seinigen nicht stimmen.
Martin hat (Proc. Z. S. p. 107.) die von Jardine für
F. Diardi dargestellte Katze als eine verschiedene Art nach-
gewiesen und sie F. marmorata genannt. Die angegebenen Malse
zeigen sich allerdings von der bei Cuvier’s Felis Diardi ver-
schieden, während die Färbung ähnlich und das Vaterland Java
und Sumatra ist. e
F. Diardi Cuy. F. marmorata Mart.
Kopk re Au en BR 54",
Schwanzh. N. 0 We a 0 ut BAT 1F. 34”,
Körper... 2... 2E. ı F. 11".
Höhe an der Schulter . . 18” 104”.
Nach Robert (Ann. de Sc. nat. V. p. 227.) findet sich
die gefleckte Hyäne auch am Senegal.
a 163
D. Marsupialia
Ueber den Yapock (Chiromectes) trug Ogilby der zoolo-
gischen Gesellschaft einige Bemerkungen vor. (Proc. Z. S. IV.
p. 57. Inst. 37. Nr. 192. Lond. Edinb. Ph. Mag. Dec. 509.)
Das Gebiss ist von dem der Didelphys durchaus verschieden.
Vorder- und Eckzähne sind von gleicher Zahl und Form, die
beiden mittlern Vorderzähne der Oberkinnlade sind etwas län-
ger als die seitlichen, die unteren breiter und etwas getrennt.
Backenzähne 5 jederseits, darunter 2 falsche, oben wie unten.
Der erste falsche Backenzahn ist klein, berührt den Eckzahn,
oben und unten; der zweite ist halb so breit, beide dreieckig
mit 2 Wurzeln. Die eigentlichen Backenzähne wie bei .Didel-
phys. Der erste im Oberkiefer ist länger als breit, mit 4 schar-
fen Höckern mit einem uiedrigen rückwärts vortretenden Ab-
satz; der 2te von ähnlicher Form, aber grölser und breiter; der
3te ist klein, gleicht den Höckerzähnen der Raubthiere. Die
eigentlichen Backenzähne des Unterkiefers unterscheiden sich
nicht wesentlich in Gröfse, sind schmäler als die oberen, ihre
Höcker stehen in einfacher Längsreihe, ein einzelner grolser
Höcker in der Mitte, ein kleiner an jeder Seite. Der Yapock
hat sehr grolse Backentaschen, die sich weit hinten in den
Mund erstrecken, mit sehr sichtlicher Oeffnung. Der Verf. be-
merkt noch, dafs der Schwranz schuppig geringelt, mit borstigen
Di sparsam, besonders unterhalb, besetzt sei, was gegen die
gewöhnliche Ansicht, ihn für einen Greifschwanz zu halten,
spreche. Ein eigentlicher Greifschwanz findet sich indessen auch
‘bei Didelphys nicht, und wir wissen durch Rengger, dafs er
hier freilich immer eine halbe Windung nach unten macht, aber
beim Klettern selbst ihnen nur geringe Hülfe leistet. Da Chiro-
nectes vermöge seiner Fulsbildung ausschliefslich Wasserthier ist,
lälst es sich vermuthen, dals der Schwanz bei ihm noch weni-
ger Wickelschwanz ist.
Unter dem Namen Myrmecobius wurde von Water-
house ein neues Genus der carnivoren Beutelthiere aufgestellt.
(Proc. Z. S. p. 69. u. p. 131. Lond, Edinb. Phil. Mag. Dee.
1836. Suppl. p. 520. Fror. N. Not. I. p. 72.) Das Thier wurde
zuerst von Dale etwa 90 Meilen südöstlich von der Mündung
11 *
164
des Schwanenflusses in Neuholland gefunden. Beide Individuen,
welche Dale sah, zogen sich in Baumhöhlen zurück, Dals dies
Thier sich von Ameisen nähre, wird daraus gefolgert, dafs Dale
es in der Nähe von Ameisenhaufen fand, und dals es seine ;”
breite Zunge zwei Zoll weit über die Schnauzenspitze hervor-
streckte. Andere Individuen (p. 131.) sah man in Van- Die-
mensland an Baumwurzeln nach Inseeten scharren, besonders
wo die Port-Jackson- Weide in Menge wächst.
8 .. 0—0 5—5
Dentes incisores —, canini ‚ pseudomolares Rt mola-
6 ı-r’P 4
3 —_
771 By, Pedes antici 5-dactyli, digitis tribus intermediis longio-
ribus; postiei 4-dactyli, digitis duobus intermedüs internum superanti-
bus; externo brevissimo; unguibus acutis subfaleularibus. Scelides anti-
pedibus longiores. Caput. elongatum; rhinario producto; ‚auriculis me-
diocribus acutis. Corpus gracile. Cauda epligeriä. u.
M. fasciatus. Körperlänge 10”, Schwanz 64”; oberhalb röthlich
ochergelb, mit beigemischtem weilsen Haar. Die hintere Körperhälfte mit
diWechsöhiden schwarzen und weilsen (oder gelblichen) Queerbinden,
deren Zahl varüirt. Bauchseite gelblich weils. Der Pelz besteht aus
einem mälsig langen, etwas groben Conturbaar und einem kurzen spär-
lichen Wollhaar. Der Schwanz hat durchweg langes, aus schwarz, weils
und ochergelb gemischtes Haar. Die Sohle Ar Hinterfülse ist ganz kahl,
Eine neue Art der Gattung Perameles aus Van Diemens-
Land und dem westlichen Australien lernten wir durch Herrn
Reid kennen (Proc. Z..S. IV. p. 129.). Die Eingebornen nen-
nen sie Dalgheit, die Colonisten wegen ihrer Hasenähnlichkeit
Rabbit. Aus demselben Grunde wählte- Reid dafür den Namen
P. Lagotis.
P. griseus, capite, nucha et dorso castaneo lavatis; buccis, lateri-
bus colli, scapulis, lateribus, femoribus extus caudaque ad basin pallide
caslaneis; mento, gula, pectore, abdomine, extremitatibus intus antice-
que, antibrachiis postice, pedibusque supra albidis; antibrachüis externe
pallide griseis, femoribus extus posticeque saturate plumbeis; cauda pi-
lis longis albescentibus ad partem basalem induta, dein pilis nigris tecta,
parte apicali alba, pilis longis supra ornata; vellere longo molli. Cauda
pilis rudibus vestita; pilis pedum brevissimis; labio superiore_ buccisque
mystacibus longis sparsis; auriculis longis, ovatis, intus nudis, extus
pilis brevissimis brunneis, ad marginem albescentibus indulis; pilis ad
res
1) Ein später erhaltenes Exemplar hatte jederseits oben und unten ei-
nen Backenzahn mehr; :d. p. 131.
165
basin plumbeis, apieibus albis aut castaneis, illis in abdomine omnino
albis; marsupio ventrali magno mammis 9, quarum una centralis reliquis
eircumdata. Long. capitis 5” 3”’, corporis 13”, caudae 10”, auricu-
lae 3” 10”, latit. aurieulae 1” 9”. — Sie finden sich jenseit der Berge
des Swan-river im Districte York, sollen grofse Maggots und Baum-
wurzeln (?) fressen und in den Mais- und Kartoffelpflanzungen bedeuten-
den Schaden durch ihr Graben anrichten.
Das pinselschwänzige Känguruh (Macropus penicillatus Gray)
kam als Geschenk des Capitain Delvitte lebend nach Lon-
don, und so überzeugte man sich, dafs bei ihm wirklich der
Schwanz in keiner Weise die Foribewegung unterstützt (vergl.
Archiv II. 2. p. 283.). Es springt mit grofser Leichtigkeit vom
Boden auf eine dünne Leiste und hockt darauf eben so gut, als
wenn es seinen Schwanz hinter sich ausgestreckt hätte.
Vom Koala, Phascolarctus fuscus, erhielten wir eine
interessante Beschreibung seiner Anatomie durch Martin (Proc.
Z. S. p. 109. Lond. Edinb. Phil. Journ. Jun. 1837. p. 481.).
Für die systematische Stellung möchte zunächst die Beschreibung
des Verdauungsapparates wichtig sein. Der Magen ist durch
Einschnürung in zwei Hälften getheilt; der Cardialtheil ist weit
und fast kuglig, 2” breit, 24” lang; seine Wände sind dünner als
am Pförtnertheile, welcher bogenförmig abwärts gekrümmt, auf
der grölseren Krümmung 24” lang, mitten sackförmig erweitert
und schwach in die Quere gerunzelt ist. Vor dem Eintritte des
Oesophagus, zwischen diesem und der Eiuschnürung, an der klei-
nen Krümmung des Magens, liegt eine großse dicke Drüse, die
sich einer Menge von Oeflnungen mündet. An jeder Seite
der Drüse finden sich kleine Längsfalten, von welchen gröfsere
Falten an der inneren Wandung des Pförtnertheiles bis zum
Pförtner herablaufen. Die Portio cardiaca zeigt innen eine dünne
glatte Membran. Der Blinddarm hat eine enorme Gröfse, ist
seiner ganzen Länge nach in fast regelmäfsigen Abständen durch
ein Längsband von Muskelfasern leicht in Säckehen gerunzelt,
windet sich spiralförmig, um sich selbst und, sich allmälig ver-
engend, endet er mit einem 18 Zoll langen wurmförmigen Ende;
seine ganze Länge beträgt 4 F. 2 Zoll, seine Breite am Grunde
2
Von Owen ist ebendaselbst (S. 49.) die Anatomie des
Wombät gegeben. In einzelnen Punkten weicht der Verf. in
166
der Schilderung der Verdauungsorgane von Cuvier ab. Das
Colon zeigte sich mehr als doppelt so weit als das Ileum. Auch
spricht er von einem zweiten Coecum. Das erste und der wurm-
förmige Anhang slimmen mit Cuvier’s Beschreibung. _Das
zweite soll eiu pyramidaler 3” langer Sack sein, dünnere Wände
als der übrige Diekdarm haben, mit diesem frei communieiren
und unter dem Pförtnerende des Magens gelegen sein.
E 6lires.
Die Ordnung der Nagethiere ist theils durch neue Gattungen
vermehrt, theils sind ältere Genera genauer erörtert worden.
Die Bestimmung einiger Eichhörnchen haben A. Wagner
(Abhandl. d. mathem. physikal. Kl. der Akademie zu München,
Bd. I.) und Louis Coulon (Mem. de la Soc. d. Sc. nat. de
Neuchatel,. Tom. I. p. 122.) versucht. Ersterer hat zwei mexi-
kanische Formen als Arten getrennt, ‘deren eine er Sciurus al-
bipes, die andere Sc. socialis nennt. Erstere hatte er bereits
früher (1835) in Schreber’s Säugeth. t. 213. D. abgebildet.
Letztere hier abgebildete ist etwas kleiner. Beide schlielsen sich
an Sciurus hypopyrrhus Wagl. an. Unser Museum empfing alle
3 Formen in den verschiedensten Farbenabänderungen, auch ganz
schwarz; und ich muls gestehen, dals ich sie alle 3 nur für eine
Art halten kann, deren Varietäten, so sehr sie auch in der Kör-
perfarbe verschieden sind, doch darin übereinstimmen, dafs der
mitten auf der Unterseite gelblich graue oder schön rostrothe
Schwanz jederseits von einer schwarzen und weilsen Binde ge-
säumt ist. Wegen der Unbeständigkeit der Färbung verdiente es
mit Recht den Namen Se. variegatus, denn wahrscheinlich
sind alle jene Formen nur Varietäten dieser alten Art. Die Füße
sind bald schwarzgrau, bald weils, bald rostfarben. Nach Herrn
v. Karwinsky, durch welchen das Münchener Museum die
Arten erhielt, soll der Sciurus albipes vereinzelt in den höheren
Regionen der Cordilleren leben, wo Fichtenwaldungen stehen,
während Sc. socialis in grolsen Truppen zusammenleben und
nicht aus der Tierra caliente ins Gebirge übergehen soll.
Die Diagnosen beider Arten sind folgendermalsen gestellt:
1. Sc. albipes; pilis rigidis vestitus, auriculis sordide albidis, dorso
167
ex albo, nigro et ferrugineo mixto, gastraeo saturate ferrugineo, pedibus
niveis., — Körper 10”, Schwanz 10”.
2. Sec. socialis; minor, pilis mollibus vestitus, auriculis fulvis,
dorso ex albo, cinereo et flavescente mixto, gastraeo pallide flavo, pe-
dibus albidis — Körper 84” (bei unserm Exemplare 105").
Die von Herrn Coulon behandelten Arten gehören sämmt-
lich den Sunda-Inseln an. Alle beschriebenen sind auch abge-
bildet. Unter diesen ist eine, Sc. humeralis, als neue Art
aufgestellt. Ich kann sie nur für eine, Varietät des Sc. Aypo-
leucus Horsf. (Sc. Leschenaulti. var. A. Desm.) halten, wel-
che von Wagner in Schreber’s Säugethieren Heft 79. Suppl.
t. 216. A. als Sc. bicolor dargestellt ist. Wie sehr diese Art
variirt, wissen wir durch Horsfield. Ein Exemplar unseres
Museums zeigt den schwarzen Seitenstreif, aber nur von einer
ite ganz deutlich. Die als Sc. Rafflesii auf t. 9. dargestellte
Art würde ich für Sc. Prevosti Desm. halten. Der Sc. gri-
seiventer Geollr., auf 2 Tafeln dargestellt, könnte mit Sc. ni-
grovittatus Horsf. identisch sein.
Drei neue Arten indischer Flugeichhörnchen, Pteromys
melanotis, albiventer und Leachii erwähnt Gray Proc.
Z.S.p-88., ohne sie zu beschreiben, eben so auch einen neuen
Sciurus, Sc. Douglasii, aus dem WVesten von Nordamerika.
Von seinem Cricetus nigricans hat Brandt in dem
Bull. de T Acad. de St. Petersbourg folgende diagnostische Be-
schreibung gegeben:
strum et auriculae subpallide ferruginea vix nigricante irrorata.
Dorsum e pallide ferrugineo nigricans. Colli latera, nee non area pone
humeros e pallidissime ferrugineo-albida, pallide ferrugineo marginata,
Abdomen et nigricante et albido mixtum. Palpebrae, area flexuosa in
quovis colli latere ad humerum ducta, gula et pectus atra. Antipedes
et podaria albida. Cauda 4 linesrum longitudine pilis dorsalibus brevior
et ab iis inclusa. Long. corporis 53”.
Ein Aufsatz von Waterton über die braune Ralte (Mus
decumanus) in Loud. Mag. Vol. IX. p.1. ist nur reich an po-
litischen Ausfällen, wohin auch die vom Verf. angeführte (viel-
leicht selbst erfundene) Sage gehören mag, dals die ersten Rat-
ten dieser Art aus Deutschland mit demselben Schiffe gekom-
men seien, welches die neue Dynastie nach England brachte.
Bald nach 1688 soll sie in England erschienen sein. Sie hat
168
die einheimische schwarze Ratte (M. rattus) so vollständig ver-
tilgt, dafs dem Verf. bisher nur ein Exemplar von dieser zu
Gesicht gekommen ist. — Einem achtbaren Pächter soll Nachts
um 11 Uhr bei Mondschein eine ganze Schaar Wanderratten be-
gegnet sein, die von einem Fufssteige in die Landstralse einbog,
bei seinem Erscheinen ein allgemeines Geschrei erhob und aus-
einander sprengte.
Ueber das kleine amerikanische ereme (Pitero-
mys Volucella) hat ein Ungenannter (D. W. C.), der lebende
Exemplare besals, in Loudon’s Mag. IX. p. 569. interessante
Mittheilungen gemacht. Dals sie am Tage schlafen, Abends und
die ganze Nacht über in Bewegung sind, dafs sie leicht zahm
werden und nur von erhöhten Gegenständen abwärts ihren Sprung
machen, wissen wir durch frühere Beobachter. Eins der Exem-
plare bog bei einem Sprunge von 12 Fuls etwa einen Fuls seit-
wärts, um ein brennendes Licht zu meiden. Bevor sie springen,
bewegen sie den Kopf 3— 4mal auf und nieder. Ihr Fall be-
schreibt eine Curve. Futter, welches sie nicht gleich verzehren,
verstecken sie. Sie pflanzten sich in der Gefangenschaft fort.
Die Weibchen warfen im März oder April, aber nur 2 Junge,
@ie 3 Wochen blind waren und erst im nächsten Frühjahre
mannbar wurden. Die Zeit der Trächligkeit scheint einen Mo-
nat zu dauern. Nahm man die Jungen aus dem Neste, so schleppte
die Mutter sie zurück. Sie legte sie mit Vorderfülsen und Mund
unter ihrem Leibe so zusammen, dafs sie Hinterbein und Hals
derselben fassen konnte, und sprang dann mit gleicher Leichtig-
keit fort. Als sie größser geworden, warf sie die Jungen über
ihren Rücken, so dals die Vorderpfoten der Jungen um ihren
Hals geschlungen waren, während, sie, ihr Hinterbein im Maule
hielt.
Ueber die Wühlmäuse (Arvicola La C., Hypudaeus
Ill.) der Umgegend von Lüttich erschien eine Moin von
Edm. de Selys-Longehamps (Essai monographique sur les
campagnols des environs de Liege. Liege 1836. 8. u. im Aus-
zuge Instit. Nr. 184. p. 582.). Der Verf. unterscheidet in zwei
Sectionen 5 Arten, unter denen 2, Arvicola subterraneus
und A. rufescens, von ihm als neu aufgestellt werden. Die
beiden Sectionen gründet er auf die Beschaffenheit. der Ohren:
169
„Oreilles presque nulles cachees sous le poil” und ,„Oreilles ex-
ternes moyennes, bien developpees”. Zu ersterer gehört nach ihm:
A.'fulvus Desm. und 4. amphibius; zu letzterer: A. arva-
lis, subterraneus und rufescens. Letztere Art ist höchst
wahrscheinlich der H. hereynicus Mehlis, wie denn auch Verf.
- in ihm die deutsche von Gmelin aufgeführte Varietät des Mus
rutilus Pall. zu erkennen glaubt: Die Verschiedenheit des Ge-
bisses ist dem Verf. entgangen. Seine Beschreibung palst übri-
gens zum H. hercynicus.
Der A. subterraneus wird folgendermaßsen beschrieben:
Ohren mittelmäfsig, an der Basis von Haaren umgeben, die sie beim
lebenden Thiere versteckt'erscheinen lassen. Augen sehr’klein. Schwänz
4 der Körperlänge, zweifarbig, oben schwärzlich, unten weifslich. Fülse
schwärzlich grau. ‚Pelz oberhalb mehr oder weniger tief schwärzlich
EP unterhalb weifslich grau. Schneidezähne beim Alten tief gelb.
Körperlänge 2” 9", Schwanz 1” 2", 15 Schwanzwirbel, 13 Rippen-
paare. — Er steht dem A. arvalis nahe, unterscheidet sich durch den
zweilarbigen unterhalb weilsen Schwanz, durch eine mehr schwärzlich
graue, unterhalb blasse Färbung des Pelzes. Es liegt nahe, in dieser
Art die auch hier vorkommende schwärzliche Varietät des H. arvalis
zu vermuthen, doch palst auf diese nicht die vom Verf. erwähnte grö-
fsere Kleinheit der Augen. Der Unterschied, dals ein Schwanzwirbel
weniger vorhanden, möchte kaum erheblich sein. — Der A. arvalis soll
granivor, der A. subterraneus racemivor sein. Er soll sich nur in feuch-
ten Gemüsegärten aufhalten, immer unterirdisch in Gängen leben. Die
Gärtner unterscheiden ihn unter dem Namen „petite ratte” und ‚,‚petit
leu (loup) de terre”.
Unter dem Namen Plagiodonta hat F. Gislee eine neue
Nagethiergattung aufgestellt (Ann. des Sc. nat. Tom. VI. p. 347.),
Jie der Galtung Capromys sehr nahe steht und mit dieser in
dieselbe Familie gehört. Sie hat, wie Capromys, jederseits in
_ beiden Kiefern 4 Backenzähne ohne wahre Wurzeln; diese zeich-
nen sich aber durch eine sehr schiefe Richtung der Schmelzfal-
ten aus, deren die Aulsenseite der oberen Backenzähne nur eine
zeigt, während bei Capromys an dieser 2 Schmelzfalten vorhan-
den sind. Die Backenzähne des Oberkiefers nehmen ‚nach hin-
ten zu allmälig an Gröfse ab; auf ihrer Kaufläche sind 2 schr
schräge Falten, die äufsere von vorn nach hinten, die innere
von hinten nach vorn gerichtet. Die des Unterkiefers sind bis
auf den hintersten ziemlich von gleicher Gröfse, ibre Falten min-
170
der schief, zwei an der inneren, eine kleine an der äufseren
Seite. Die Vorderzähne sind. glatt und‘ gelb. Der: Schädelbau
ähnelt dem von 'Capromys. Die. Art, auf St. Domingo Rat-
Cayes (Hausratte); genannt, daher Pl. aedium, hat die Gröfse
eines Kaninchen, ist fulslang, ihr nackter, eylindrischer und schup-
piger Schwanz milst nur 5 Zoll. ‚Ohren klein. Lange Schnurr-
haare an der Schnauze und über wie unter dem Auge. Beine
kurz, 5-zehig; Daumen der Vorderfülse rudimentär mit flachem
Nagel. Pelz hellbraun, an der Unterseite blond. Sie leben paar-
weise, nähern sich zur Nachtzeit den Wohnungen; fressen Wur-
zeln, Früchte; werden gespeist. — Verf. zweifelt, dals Capro-
mys prehensilis, Poepp. und C. Poeyi Guer. zu Capromys
gehören.
Derselbe Naturforscher fand auch, dafs die nach der Bil-
dung der Hinterfülse unterschiedenen Gruppen der Springmäuse
im Gebisse weilere Verschiedenheit zeigen. (Ann. des Sc. nat.
VI. p. 152. im Auszuge.) Bei den fünfzehigen haben die wah-
ren Backenzähne viele unregelmäfsige Schmelzfalten, bei den drei-
zehigen zeigt sich nur eine Falte an jeder Seite des Zahnes.
Die dreizehigen zeichnen sich aus durch geräumigen Schädel und
eine grolse Breite des Kopfes, hauptsächlich durch enorme Ent-
wickelung der Paukenhöhle und grofse Breite des Jochbogens
veranlafst; bei den fünfzehigen ist die Capacität des Schädels
gering, die Parthie des Ohres ist von geringem Umfange, der
Jochbogen lineär. Cuvier will beide Formen deshalb generisch
trennen, die fünfzehigen Alactaga nennen, und den dreizehi-
gen den Namen ’Gerboises (Dipus) lassen. Sehr richtig bemerkt
Verf., dafs die Gattung Meriones nicht an Dipus, sondern an
die Ratten sich anschliefse, und dafs sie durch Zuziehung vieles
Fremdartigen entstellt sei. „Mit Recht gehören nach ihm nur 6
Arten hieher: Olivier’s Gerbille, identisch mit Ehrenberg’s
M. quadrimaculatus; 2) Geoffroy’s @erboise des Pyramides,
wahrscheinlich ‚M. robustus Rüpp.; 3) Gerbillus africanus Gray
= Meriones Schlegelii Smuts.; 4) Meriones pygargus F. Cuv.
— M. Gerbillus Rüpp.; 5) Meriones indicus Hardw. und 6) Me-
riones meridianus Pall. Aufserdem unterscheidet Verf. noch 3
neue Arten, deren Beschreibungen wir zu erwarten haben.
Von grolsem Interesse, sowol in geographischer Hinsicht,
171
wie als Uebergangsglied, ist eine von Rüppell in Abyssinien
entdeckte Form der Maulwurfsmäuse, welche sich eng an die
südafrikanische Blefsmolle (@eorychus Ill.) anschliefst und deren
Stelle im östlichen Afrika zu vertreten scheint. Die Gestalt des
Schädels, ‘die Form der Backenzähne, Fufs- und Nagelbildung, »
so wie der seidenweiche Pelz, sind ganz wie bei jenen, nur
findet sich hier ein kleines äulseres Ohr und der Schwanz
ist etwas länger. Das Verhältnifs der kurzen Krallen der Vor-
derfülse zu den längeren der Hinterfülse ist dasselbe, wie bei
jenen;. auch stimmt, was Verf. von der Skeleibildung; seines
Thieres sagt, mit der des Ble[smolls überein, höchstens scheint
der starke Fortsatz an der äufseren Seite des Unterkiefer -Gelenk-
höckers dem neuen Thiere eigenthümlich, denn der Processus
coronoideus ist auch bei jenem vorhanden und sichelförmig 'ge-
krümnıt. Die Zahl der Backenzähne würde eine andere sein,
- 3. ? 4 h
indem Verf. bei seinem Thiere deren 3 jederseits angiebt, die
Normalzahl bei: @eorychus Ill. ( Bathyergus F. Cuv.) aber z ist.
Indessen, wie ich schon früher (Jahrg. 1. 2. p. 337.) bemerkt,
tritt der hinterste Backenzahn bei Georychus spät durch, und
man findet häufig nur I: Man kann daher dem Verf. nur
beislimmen, wenn er das Thier einstweilen bei Bathyergus
(oder richtiger Georychus Ill., siehe Jahrg. 1. L. ce.) läfst.
B. splendens. Corporis colore ex rufo cinnamomeo splendore
rutilo Jueidissimo in vivo, post mortem evanescente; naso, gula, pectore,
ventre, cauda et extremitate pedum murino nigricante, auriculis exter-
nis breviusculis, dentibus incisoribus perlongis, antrorsum colore melleo,
cauda eylindrieca, apice aut erree aut albicante; plantarım unguibus
medioeribus albieantibus. Pullus toto corpore colore umbrino nigricante.
- — Körperlänge 9" 5", Schwanz 2” 5”. — Nähere Nachrichten über
Lebensweise und Aufenthalt haben wir in einer der folgenden Lieferun-
gen zu erwarten.
Eine genaue Beschreibung und vortreflliche Abbildungen
seines Octodon Cummingii (Dendroleius Degus Meyen) und
Ctenomys magellanicus gab E. T. Bennett in den Trans-
act. Z. S. II. 1. p. 75 fg. i
"Die Identität der ersteren von Bennett schon 1832 aufge-
stellten Gattung mit Meyen’s Dendroleius habe ich bereits
172 ;
früher in diesem Archive (I. 1. p. 397.) nachgewiesen. ' Des
Verf."Bemerkung, dals Octodon im Oberkiefer ‘die Backenzähne
von Cienomys, im Unterkiefer von Poöphagomys habe, ist! schon
im‘ vorjährigen Berichte angeführt (II. 2. p. 285.) Verf. ist
geneigt, alle 3 Genere als zu derselben Gruppe gehörig zu be-
"trachten und hält: dafür, dafs Octodon das Mittelglied bilde; was
mir. nicht einleuchtet,’ da das Gebils nicht ‚allein entscheiden
kann. ‚Meines Erachtens, wie ich dies schon früher ausge-
sprochen (Jahrb. für‘ wisschaftl. Kritik 1831. p. 830.), gehört
Ctenomys zu deu Wühlmäusen (Cunicularii Brants., Georychi
meines Handb.).. Dafür‘'spricht das verkümmerte äussere Ohr,
der«kurze Schwanz, die Fufsbildung und der ganze Habitus.
Obwohl der Verf. den Totalhabitus aller 3 Genera wegen des
gedrungenen Körperbaues, des kurzen, rundlichen Kopfes, der
mälsigen Länge der Beine mit Arvicola vergleicht, hebt er doch
selbst folgende Verschiedenheiten hervor. Der Schwanz bei
Octodon habe die halbe Körperlänge, während er bei Otenomys
kaum mehr alsı ein Drittheil, bei Poöphagomys ein Drittheil
messe. Bei beiden letzteren sei das äussere Ohr mittelmäfsig
lang,
don und Poöphagomys seien die Krallen eher lang, mälsig ge-
krümmt, spitzig, was eher einen Aufenthalt auf Bäumen ') an-
deute,, beis Otfenomys lang, fast gerade, dick, stumpf wie bei ei-
ı nem grabenden Thiere. Bei beiden ersteren sei die Kralle der
Innenzehe ‚au.den Vorderfülsen flach, nagelähnlich, bei Cfenomys
eine echte Kralle, nur kürzer und gekrümmter. Auch die Schä-
del von Octodon und Cfenomys zeigen in der Totalform Ver-
schiedenheit. Nach Martin, der (Proc. Z. S. IV. p. 70.) die
Anatomie des Octodon gegeben, ist der Blinddarm sehr grofs,
sackförmig, grölser als der Magen, der Darmkanal mal länger
als der Körper. Die beiden anderen Genera Octodon und
Poöphagomys scheinen mir zu derselben Familie mit Capro-
in Cfenomys rudimentär und im Pelze versteckt. Bei Octo-
1). Dies gilt keinesweges von dem letzteren. (S. Jahrg. I. 1. p. 252.)
Pöppig’s Name Psammoryctes ist vorzuziehen. (S. Jahrg, I. 1.
p. 252.) Soll die Priorität entscheiden, so wäre der Wagler’sche
Namen Spalacopus Poeppigüi anzunehmen. (S. die Anmerkung zu p. 252.
des I. Jahrg.)
173
mys, Loncheres, Plagiodonta zu gehören, und es möchte\ Oeto-
don in diesen ein Uebergangsglied zu den Seiurinis, Poephago-
mys F. Cuv. (Psammoryctes Poepp.) ein Uebergangsglied zu den
Wühlmäusen sein, sich zunächst an Cienomys anschliefsend. Die
Charakteristik beider Genera ist nach Bennett folgende:
Octodon. Dentes Primores 2, acutali, antice lJaeves, molares
utrinsecus 4 complicati, subaequales; superiores subtraunsversi. facie an-
ca lata, postica (ob incisuram externam profundam) duplo angustiore,
interna in medio uniplicata, plieis a primo ad postremum sensin mino-
ribus; inferiores obliqui, singula plica, externa internagae suboppositis
coronidem in areas duas oblique transversales, figuram 8 vel clepsydram
quodammodo, simulantes, subdispartientibus, plica externa in postremo
vix conspicus. Artus subaequales, omnes pentadactyli, digitis liberis;
unguibus falcularibus‘ subeurvis acutis; ungue pollicari Jamnari. Cauda
mehiochs, subannuläta, 'pilosa, ad apieem floccosa. (Amer. australis ir-
eolae, terrestres vel arborei, subsalientes.)
O0. Cummingii. 0. supra fusco-flavesrenti griseus nigrescente
intermixtus, infra et ad pedes pallidior, cauda supra et. ad apicem floc-
cosum nigra. (Denbrobius Degus Meyen.) Hab. in Chili.
3 2 2 1 Rp
Ctenomys Blainy._ Dentes primores 5 acutati, antice lawves, mo-
’ = 4 El) durchs
lares utringue utrinsecus 7’ postremo subobsoleto, ceteris similibus,
simpliciusculis, veluti e lamina simpliei subarcuata constantibus, in’ maxilla
superiore externe et postice, in inferiore interne et antice late exsculpta.
Artus subaequales, omnes pentadactyli, digitis liberis, unguibus faleulati-
bus, unguliformibus, subelongatis. Cauda breyiuscula, subannulata, pi-
losa. (Amer. australis incolae, fodientes.) j
ı 1. Ct. brasiliensis Blainv. Bull. Soc. Phil. Avr. 1826,
p- 62. IE 7
2. Ct. magellanicus Benn. s. d. Arch. II. 2. p. 285,
Eine dritte vom Verf. nicht gekannte Art bildet Lichten-
stein’s Cfenomys torquatus. (Licht. Darstell. neuer oder
wenig bekannter Säugeth. tab. 31. 1.) ih
Van der Hoeven (Tijdschr. voor: natuurl. Gesch. III.
p- 112.) bemerkte gegen Brandt, dafs der von diesem ange-
gebene Unterschied zwischen den Backenzähnen der Stachel-
schweine der alten und neuen Welt nicht Stich halte; indem
an den Backenzähnen jener die Wurzeln sich nur erst später
bilden. v. d. H. fand am ersten Backenzahne des Oberkiefers
174
von H. cristata 4, an dem des Unterkiefers 3 deutlich entwik-
kelte, kegelförmige, spitze, 7— 8 Millim. lange Wurzeln, die
folgenden Backenzähne zeigten nur Höcker, welche 'an der Spitze
offen waren (Rudimente der Wurzeln).
In derselben Zeitschrift (Bd. III. St. 1. p. 59.) findet sich
ein Auszug aus einem Schreiben des Hrn. Meyen, in welchem
gesagt wird, meine Angabe (Arch. 1. 2. p. 213.), dafs die Zähne
seiner Gattung Galea in Gestalt mit denen von Kerodon (Cu-
via rupestris Neuw.) übereinkämen, beruhe auf einem Irrthume
In jener Stelle ist aber nur ausgesprochen, dafs jeuer Schädel
einem der Cavia rupestris nahestehenden cavienartigen Thiere
angehöre, und für die Richtigkeit dieser Ansicht zeugt die Be-
schaflenheit des Schädels.
In Rücksicht auf das Vorkommen des Bibers in Preufsen
sind in den Preufs. Provinzialblättern einige Documente zur
Sprache gekommen, veranlalst durch eine eben dort erschienene
Abhandlung von Bujack „über die Zeit des Verschwindens der
Biber in Preufsen” (2. c. Bd. 16. p. 160. °)). In dieser finden
wir ein vom König Friedrich 1706 erlassenes Patent, welches
die Schonung der Biber und ihrer Bauten aufs strengste empfiehlt.
Gleichwohl nahm die Zahl der Bibel durch die fortschreitende
Landeskultur seit Anfang des 18ten Jahrhunderts bedeutend ab.
Im Jahre 1800 gab es noch 2 Biberbaue bei Liebemühl im
Rettlow-See und in den Gewässern von Inse standen ihre
Baue vor 20—30 Jahren so dicht, dals sie den Durchgang der
Kähne hinderten. In der Nähe von Kaymen,“ beim Dorfe Du-
nau, hatten sie in einem Bache Dämme aufgeführt, welche 1742
zerstört wurden (ebend. p. 590.). Jetzt zeigen sich nur selten
einzelne Biber (Bd. 16. p. 395. — Bd. 17. 1837. p. 58.).
1) Verf. hat dort die Etymologie von Castor fälschlich angegeben,
indem er Castor von castrare ableitet; gerade umgekehrt wird castrare
von x«orwg, castor, abgeleitet, da im Alterthume die Meinung herrschte,
dals sich der Biber entmanne, um den Nachstellungen der Jäger zu ent-
gehen (Aelian H. A. VI. 39.).
w
175
FE. Edentata.
Als im vorigen Jahresberichte ausgelassen ist der Titel einer
Schrift über das Megatherium nachzuholen, welche mir nur aus
den Anzeigen französischer Blätter bekannt geworden:
William Clift, Notice on the Megatherium brought from Buenos-
Ayres by Woodbine Parish. London 1835. 4.
Am einfachen Fruchthälter der Myrmecophaga didactyla fand
v.Bär einen doppelten Muttermund. (Müller’s Archiv p. 384.)
G. Pachydermata
Die Ordnung der Pachydermen ist im Sten Bande der Mam-
malia von Jardine’s Naturalists Library abgehandelt (Edin-
burgh 1836. 8. mit 32 Tafeln in Stahlstich und dem Portrait
und der Lebensbeschreibung von Hans Sloane). Die Abbil-
dungen von Stewart zeugen von einer glücklichen Auffassung
der lebenden Natur, wie sie überhaupt die neueren englischen
Thierbilder auszeichnet. #
Unter den Pachydermen der Jetztwelt war der Elephant
Gegenstand gelehrter Forschungen.
€. Ritter hat in seiner grolsartigen Geographie Asiens (Bd. 4.
p- 903.) der Verbreitungssphäre des indischen Elephanten und
seinem Einflusse auf das Leben des Orients einen eigenen Ab-
schnitt gewidmet, mit einer so reichen Darlegung der Details,
wie wir sie in zoologischen Schriften kaum erwarten dürfen.
Die Verbreitungssphäre des indischen Elephanten dehnt sich von
der Südspitze Ceylons bis zu den Himalaya - Vorbergen, von dem
obern Indus bis Dschittagong und durch ganz Hinterindien, Ara-
kan, Ava, Laos, Munipur, Pezu, Martaban, Cochinchina, Kam-
bodja und Siam aus. In Tunkin und im südlichen China giebt
es auch wilde Elephanten, die aber heller von Farbe und kleiner
von Gestalt sind. Auf Borneo finden sie sich nur in einer ein-
zigen Ecke der Insel, der dem Continente zugekehrien West-
seite. Nirgends, in keinem einzigen Insellande, ostwärts von
bier, wird der Elephant gefunden, selbst in Java nicht. Dage-
gegen ist Sumatra, gleichsam noch ein continentales Glied von
Malakka, in seinen Bergen und Wäldern mit Elephantenheerden
176
überfüllt. Die äufserste Nordgränze der Verbreitung des Elephan-
ten reicht jetzt nur bis gegen den 30sten Grad, bis zu dem
Waldsaume des Tarai, am Austritte des Sfedlesch, Yamuna
und Ganges aus dem Berglande; diese Region der Sumpfwaldun-
gen, die Zone der reichsten Elephantenheerden, zieht gegen Süd-
ost durch ganz Hindostan an den Vorthälern, von Nepal und
Bhutan bis nach Dschittagong zwischen den Culturebenen Hin-
dostans- mit den Reisfeldern und den Vorhimalaya-Höhen mit
den Zuckerrohr- und Bambuswaldungen und Laubholzwäldern,
welche den Lieblingsaufenthalt des Elephanten ausmachen. In
der trockenen Jahreszeit ziehen sie sich in diese Wildnisse zu-
rück, in der Regenzeit brechen sie daraus hervor und zerstören
Ernten und Pflanzuugen. Alle diese Elephanten der nördlichen
Sumpfwaldungen sind, von kleinerer und schlechterer Rage, die
zu Haridwara am Ganges sind selten über 7 F., die-in den Ne-
palthälern kaum über 6 F.; erst die in Asam, wo man jährlich
5— 600 einfängt, und die in BPEIBEBUER gehören zu: den grö-
fseren, brauchbareren.
Everset, welcher darzuthun $ucht, ‘dafs das Vorkommen
von fossilen Elephantenresten in der kälteren Zone eben keinen
Beweis für eine vorzeitige tropische Temperatur liefere, indem
der fossile siberische Elephant durch einen Haarpelz gegen Kälte
geschützt gewesen, und Heber an der Nordost- Gränze von Delhi
unter 29 und 30° Breite einen behaarten Elephanten gesehen,
führt an, dals der wilde Elephant nordwärts von Delhi auf das
Gebirge gehe, auf welchem Nahun 4000 F. über dem Meere in
31° n. Br. liege, dessen mittlere Temperatur etwa auf 14°,3 R.
angenommen werden ‘könne; dals Nahun aber ein excessives
Klima. mit sehr heilsem Sommer von 21°,9 und einen strengen
Winter von 5°,9 R. mittlerer Temperatur besitze. Auch könne
die derzeitige inselartige Zerstückelung von Europa schon allein
hinreichend gewesen sein, das Klima milder zu machen. (Bi-
blioth. univ. 1836. II. 153 — 59.) — Für das Vorkommen des
afrikanischen Elephanten in bedeutender Meereshöhe hat A. v.
Humboldt eine Beobachtung Rüppell’s mitgetheilt, nach wel-
chem die wilden Elephanten und Affen in Abyssinien über Pla.
teaux von 1,500 Meter (1,300 Toisen) hinwandern, also sich
unter dem '15ten Breitengrade in einer solchen Höhe Tempera-
tur-
1 177
turverhältnissen aussetzen, wie sie im flachen Lande unter viel
höheren Breitegraden bestehen. Herr v. Humboldt sieht darin
einen Beweis, dafs Thierarten, die sonst die Tropenzone kaum
überschreiten, in gewissen Fällen in weit aulser derselben gele-
gene Länder gelangen können, und bezieht hierauf das Vorkom-
men des Tigers im nördlichen Asien. ( Ann. d. Sc. nat. V. p. 58.)
Tatem jun. macht (Zoudon’s Mag. IX. p. 459.) darauf auf-
merksam, dafs die Bewegungsweise des Elephanten in den Ab-
ungen stets unrichtig dargestellt werde, indem derselbe nur
Pafsgänger sei, wobei er sich auf den Gang der Elephanten des
zoologischen Gartens und auf Bischof Heber beruft (s. Schre-
ber’s Säugeth. v. Wagner 6. p. 259.).
Herr v. d. Hoeven hat die Unterschiede angegeben, aus
denen man bei einem Elephantenzahne ersehen kann, in welcher
Kinnlade und auf welcher Seite er gesessen ( Tijdschr. v. naturl.
gesch. III. 1. p. 53.). Die Oberfläche der oberen Backenzähne
ist einigermalsen convex, die der unteren eher ausgehöhlt. Fer-
ner sind die Platten der oberen Backenzähne schief nach vorn,
die der unteren schief nach hinten geneigt; die der Oberkinn-
lade sind endlich an der Aufsehseite etwas convex, die des Un-
terkiefers dagegen an der Innenseite convex und etwas concav
an der Aulsenseite. Cuvier’s Worte: „elles sont convexes ü
leur face interne et un peu concave ü Vexterne”, gelten mithin
nur von den Backenzähnen des Unterkiefers. |
| Ueber den Rhinoceros unicornis s. Jacquemont’s Mitthei-
lungen im Auszuge in v. Froriep’s Not. 47. p. 40.
Eine der wichtigsten Entdeckungen im Felde der Paläon-
tologie ist die Auffindung des Kopfes vom Dinotherium gigan-
teum, dessen Gewinnung und Beschreibung wir den Herren von
Klippstein und Kaup verdanken. (Beschreibungen und Ab-
bildungen von dem in Rheinhessen aufgefundenen colossalen
Schädel des Dinotherii gigantei mit geognostischen Mittheilun-
‚gen über die knochenführenden Bildungen des mittelrheinischen
' Tertiärbeckens. Darmstadt 1836. 4. mit Atlas in Fol.) Hatte
\ schon Kaup’s Entdeckung, dafs die gewaltigen Stolszähne des
Unterkiefers bei diesem Thiere abwärts gerichtet waren, beden-
‚ fendes Aufsehen erregt, so mufs die Auflinduug des Schädels,
‚ dem jener Unterkiefer zugehörte, um so wichtiger werden, als
HIT. Jahrg. 2. Band. 12
N
178
er über die systematische Stellung des Thieres Auskunft geben
könnte. Die schönen Abbildungen, welche die Verf. auf 4 Ta-
feln geliefert haben, so wie die kurze Beschreibung, mit wel-
cher Herr Kaup sie begleitet, beweisen inzwischen, dafs das
Dinotherium keiner der bekannten Pachydermengattungen nahe
genug stand, als dafs man mit völliger Gewilsheit über seine
systematische Beziehung entscheiden könnte. Herr Kaup zeigt
sich in dieser Schrift geneigt, das Thier den Edentaten anzu-
reihen, wofür aber kein Grund vorhanden scheint. Später hat
er es dem Hippopotamus nahe stehend erklärt (Instit. 1837.
Nr. 204.). Allein auch diese Achnlichkeit liegt ziemlich fern.
Bei aller Unähnlichkeit zeigt es manche Vergleichungspunkte
mit dem Elephanten, wenn man sich die vertikale Erhebung des
Hinterkopfes und das durch die Stofszahn-Alveolen veranlalste
Aufsteigen des Zwischenkiefers bei jenem hinwegdenkt. Die
schwachen Jochbogen, die durch die Entwiekelung des Rüssels
veranlafste Kleinheit der Nasenbeine, welche mit dem Stirnbeine
verschmolzen sind (ein gänzlicher Mangel derselben kann nicht
stattfinden), die Gröfse des Infraorbitalloches zum Durchgang
der Rüsselnerven, die starke Vertiefung der Zwischenkicfer-
Oberfläche zum Ansatze der hinteren Rüsselmuskeln, die Kürze
der Stirnbeine sind Charaktere, in denen es sich dem Elephan-
ten 'annähert. Sehr abweichend ist aber die Bildung des Hin-
terkopfes, indem das Hinterhauptsbein, dessen Seitentheile sich
Nlügelförmig ausbreiten, mit den Scheitelbeinen eine sehr schräg
nach vorn geneigte vertiefte Fläche bildet, welche die enorme
Schläfengrube seitlich überdacht und mit den Stirnbeinen einen
sehr stumpfen Winkel macht. Dies, wie die queere Hinterhaupts-
gräte, giebt dem Hinterkopfe eine Achnlichkeit mit dem Schä-
del der Cetaceen. Backenzähne finden sich auch hier wie im
Unterkiefer jederseits 5 mit schmalen Queerhöckern. Bei aller
Aechnlichkeit mit den Pachydermen ist die Schädelbildung doch
sv abweichend, dafs man, wie mir scheint, im Dinotherium eine
eigene Gruppe vermuthen muls, ein Mittelglied, wie es zwischen
den Pachydermen und Cetaceen vermilst wird, nämlich ein Was-
serthier, einen phytophagen Pinnipeden, welcher sich zu den
Pachydermen so verhielte, wie die Robben ‚und insbesondere das
Wallrofs zu den Raubthieren. Die abwärts gerichteten Stols-
179
zähne, hier freilich dem Unterkiefer angehörig, würden die Ana-
logie vermehren, und für die Rüsselbildung möchte der See-
elephant (Phoca leonina L. Macrorhina F. Cuv.) einen Ver-
gleichungspunkt darbieten. Eine genauere Bekanntschaft mit
den Exiremitälen des seltsamen Thieres wird über die Zulässig-
keit einer solchen Hypothese enischeiden, zu welcher auch
Blainville sich hinzuneigen scheint (Anstit. 1837. Nr. 202.).
H Ruminantia. ’
Der 4te Band der Mammalia in Jardine’s Naturalist’s
Library enthält den zweiten Theil der Ruminantia, die hohl-
hörnigen Wiederkäuer (Edinburgh 1836. 8. mit 33 Stahlstichen,
dem Portrait und der Lebensbeschreibung von Jahn Hunter).
Unter den meist trefllichen Abbildungen sind wieder viele Ori-
ginale; unter diesen einige Schaaf- und Rindsragen:
Das Leicester Schaaf, — das schwarzköpfige Schaaf der Hocilände,
— das persische Schaaf, — der schottische weilse Urstier, von dem
jetzt etwa 60 Stück in Hamilton gehegt werden, über deren Naturge-
schichte einige interessante Mittheilungen gegeben sind, — die kurzhör-
nige britische Rindsrage und die Kyloerace der schottischen Hochlande.
Eine Systematik der Wiederkäuer mit Diagnostik der Ge-
nera, deren er viele aufstellt, gab Ogilby in den Proc. Z. S.
IV. p. 132g. Ich behalte mir eine Mittheilung derselben vor.
Besonders reichhaltig an Erfahrungen über die geographi-
sche Verbreitung der Wiederkäuer im nordöstlichen Theile von
Afrika ist E. Rüppell’s 7te Lieferung der neuen Wirbeltbiere
zur Fauna von Abyssinien (p. 24 fg.). Verf. giebt hier eine
Uebersicht aller auf seinen Reisen beobachteten Wiederkäuer:
1) Camelus Dromedarius, verwildert in den Steppen von Kor-
dofan, in Abyssinien nur in den flachen Thälern längs der Meeresküste.
2) Camelopardalis Giraffa, die süd- und nordafrikanischen sind
nicht speeifisch verschieden. Häulig in kleinen Familien von 4 — 6 Stück
in den buschbewachsenen Steppen vom 17° Br., nie in den. hergigeu
Gegenden von Abyssinien. 3) Antilope Dorcas L. Häufig in klei-
nen Familien in den Sandflächen von Aegypten, dem peträischen Ara-
bien, Nabien. Kordofan, Sennaar, längs der abyssinischen Küste. A. ara-
biea Ehrb. findet sich auch in Persien und Indien. A. Cora Ham. Sm.
und A. Bennettii Syk. sind nur Synonyıma dieser. 4) A. Dama Pall.
in zahlreichen Heerden in den Steppen von Nubien, Sennaar und Kor-
12 *
180
dofan und durch ganz Afrika unterm 20° Br. bis an den atlantischen
Ocean. Die am Senegal vorkommende Rage (A. Nanguer Benn.) und
die marokkanische (A. Mhorr. Benn.) sei nicht specilisch verschieden.
5) A. Soemmeringii Rüpp., nur in den buschigen Theilen der abyssi-
nischen Küste, — in kleinen Familien, wandert zuweilen in grofsen
Heerden. 6) A. montana Rüpp., paarweise in grasreichen Triften in
Sennaar, auf den Hochebenen von Woggera, in der Umgegend von Gon-
dar und in den Thälern der Kulla; nur das 9° hat Hörner; 2 Inguinal-
nalgruben bei g‘ und 2; beim 2 4 Saugwarzen; beim jungen 9° fin-
den sich im vordern Winkel des Oberkielers kleine Eck-
zähne, wie bei Moschus, die aber später ausfallen. 6) A. Ma-
doqua Bruce; liebt mehr “die bergigen Gegenden, als vorige. 7) A.
OMrragu. Forst., paarweise in den felsigen Berggegenden Abyssi-
niens (heilst Sassa, bei Massaua Goptu). 8) A. Hemprichii Ehr.
(4A. Saltiana Licht. Kretzsch.), paarweise im niederen Gebüsch der
Küste von Abyssinien (Atro). 9) A. redunca Pall., auf den grasrei-
chen Hochebenen von Abyssinien durch ganz Nordafrika bis zum Sene-
gal. 10) A. Defassa Rüpp. (A. Koba Büll.?), s. weiter unten p. 197.
11) A. Decula Rüpp., s. d. Arch. 1.1. p. 286. 12) 4. 4ddax Licht,
in zahlreichen Heerden, in den Sandsteppen von Nubien und vermuth-
lich im ganzen nördlichen Afrika. (A. nasomaculata Blainv., A. my-
tilopus Ham. Sm., A. suturosa Olto und A. gibbosa Savi sind
nur Synonyma.) 14) A. strepsiceros. Verl. überzeugte sich durch
Vergleichung von Exemplaren aus Guinea und der Caplandschaft von
der Identität; lebt in kleinen Familien von 4— 6 Stück auf beholzten
felsigen Bergzügen, sowol an der Seeküste bei Massaua, als bei Gondar
und auf den Bergen der Kulla. 14) A. Algazella L. (F. Cuv.
Mammif. Vol. I. t. 106. im Winterkleide), heerdenweis in den Step-
pen Nubiens und selbst in Aegypten bis in die Nachbarschaft des Fa-
joum, von Lichtenstein mit A. Zeucoryx Pall. verwechselt. A Tao
Ham. Sm. 15) A. Beisa Rüpp., s. d. Arch. I. 1. p. 286. 16) Ca-
pra arabica Mus. Vind., €. nubica F. Cuy., C. sinaitica Ehrb.
(Sehr passend wählt A. Wagner in Schreber’s Säugeth. den spe-
cifischen Namen Beden (Aegoceros beden). Familienweise in felsigen
Gebirgsgegenden von Mittelägypten, im peträischen Arabien und in Hed-
jas, nie südlich vom 24° Br. 17) Capra Walie Rüpp., nur in den
Schneeregionen von Abyssinien, fälschlich von Wagner a. a. O. auf
vorige bezogen. 18) Ovis tragelaphus L., in kleinen Familien in
ganz Nordafrika bis zum 18° Br., auf felsigen Hügelzügen. 19) O.
steatopygos Pall., als Zuchtschaäf in Arabien, Nubien und am abys-
sinischen Küstenstriche, sei eine durch künstliche Verdrehung der
Schwanzwirbel hervorgebrachte Varietät.. 20) Bos caffer, in grofsen
Heerden in den sumpfigen Niederungen nördlich von Abyssinien, auch
in Kordofan und vermathlich im ganzen Sudan. 21) B. bubalus, fast
verwildert in den sumpfigen Niederungen des ägyptischen Delta’s; kommt
VE
181
als Hausthier südlich von Aegypten nicht vor. In Abyssinien und Kor-
dolan sind Buckelochsen Hausthiere. Der grofshörnige Ochse in den
südlichen Provinzen Abyssiniens ist von dem grolshörnigen Rindvieh
Italiens nicht verschieden. — Capra Iaela Ham. Smith, die nach die-
sem in Abyssinien vorkommen soll, konnte Verf. dort nicht anffinden.
Die sogenannten Thränen- oder Infraorbitalgruben
der Wiederkäuer sind Gegenstand der Untersuchungen von
Arthur Jacob (James. Edinb. New. phil. Journ. IX. p. 74.,
Fror. Not. 47. p. 292.) und E. T. Bennett (Proc. Zı S. IV.
p- 34. !)) gewesen.
Der erstere macht darauf aufmerksam, dafs nur bei einigen
Wiederkäuern eine durch Hautfalten gebildete Rinne vom Auge
zu diesen Säcken führe, und glaubt, dals in diesem Falle ein
Uebergang der Thränenfeuchtigkeit in dieselbe unvermeidlich sei:
Im Uebrigen vergleicht er diese Organe den Hautdrüsen anderer
Säugethiere, durch welche eine eigenthümliche riechende Mate-
rie abgesondert wird. — Hinsichtlich der Angaben von White
und Ham. Smith, dafs, wenn ein Hirsch trinke, Luft aus den
Infraorbitalsäecken hervorgetrieben werde, und sich an der vor-
gehaltenen Hand und einem brennenden Lichte merkbar mache,
bemerkt er, dafs, da diese Höhlen gegen die Nase vollkom-
men geschlossen sind, die austretende Luft nicht aus ihnen, son-
dern durch den Thränenkanal komme, der so weit sei, dals er
das Ende eines Rabenfederkieles zulasse.. Brachte er in der
Nase eine Röhre in seine Ausmündung, so konnte er ohne Schwie-
rigkeit einen Luft- oder”Wasserstrom hindurch treiben. — Er
vermuthet, dafs die Infraorbitalsäcke bei allen (?) Wiederkäuern,
wenn auch im rudimentären Zustande, vorkommen, und zu dem
allgemeinen Typus gehören. Bei einem Cervus canadensis fand
er in einem der Infraorbitalsäcke ein erhärtetes'Secret. gleich
ER. Daubenton beschriebenen Hirschbezoar. Eine che-
mische Analyse desselben ist von Geoghegan gegeben, doch
giebt sie über die Natur des Secrets keine erhebliche Aufklärung.
Beunett wurde besonders durch Beobachtung der indischen
Antilopen (A. esrvicapra) auf diese Organe aufmerksam gemacht
und vermuthet, dals sie mit der Sexualität in Beziehung stehen,
*) Hieraus in Lond. Edinb. Phil. Mag. Oct. p. 306. Fror. N.
Not. I. p. 52.
182
weil sie beim alten 5 am meisten entwickelt sind und ihre
Entwickelung mit der Intensität der Färbung und der Grölse
des Gehörnes Schritt hält. . (Eine Beziehung zur Sexualität
scheint hier indessen nur insofern statt zu haben, als überhaupt
beim männlichen Geschlechte die Thäligkeit des Hautsystemes
in Production seiner Gebilde und Secrete größser ist, als im
weiblichen.) Bei einem alten Antilopen-Männchen, bei wel-
chem die Körperfarbe fast schwarz und das Gehörn völlig ent-
wickelt ist, zeigen sich die Iufraorbitalsäcke so vortretend, dafs
sie der Physiognomie des Thieres ein eigenes Ansehen geben;
sie erscheinen nie als ein einfacher Schlitz, sondern ihre dicken
Ränder klaflen so weit, dafs sie immer theilweis heräusgekehrt
sind und ist das Thier aufgeregt, so findet eine völlige Ausstül-
pung ‘des Sackes statt, wobei es die nackte Auskleidung des
Sackes gegen ihm dargebotene Gegenstände zu reiben sucht, die
bald mit dem urinösen Geruche des dunkellarbigen ceruminösen
Secretes behaftet sind. Bei dem zweiten jüngeren, wenngleich
mannbaren Exemplare, erreicht die Ausstülpung des Sackes nicht
einen so kohen Grad, und die minder verdickten Ränder erlau-
ben im ruhigen Zustande ein vollkommenes Schlielsen. Beim
ganz jungen g','dessen Färbung, hellbraun wie beim 2 ist, und
dessen Hörner an der Basis dem Anfang der Ringelung zeigen,
sind die Ränder der Säcke klein, vo!lkommen geschlossen und
werden, wenn es aufgeregt ist, nur eben bewegt. Bei einem
entmannten völlig erwachsenen g' verhalten sie sich ganz eben
so, aber die Lefzen zeigen durchaus keine Bewegung, da das
Thier theiltahmlos ist. Wahrscheinlich wurde dies Individuum
im Alter des jungen g' entmannt, denn es hat, obwohl es das
alte Z in :Gröfse übertrifft, die Färbung des Jugendalters beibe-
balten, und sein Gehörn hat weder die Stärke, noch die in-
gelung und die spiralförmige Drehung wie beim erwachsenen J.
Herr Owen, welcher es für möglich hielt, dafs das Secret die-
ser Drüsensäcke, an Gegenständen abgerieben, dazu dienen könnte,
die verschiedenen Individuen derselben Art zu einander zu lei-
ten, hat eine tabellarische Zusammenstellung der Antilopen nach
ihren Suborbital-, Maxillar- und Inguinalsäcken entworfen, um
darin deren Beziehung in ihrem geselligen Leben nachzuweisen;
er gesteht aber selbst, dafs sich keine solche Beziehung daraus
183
ergebe. Die Tabelle ist in den angeführten Zeitschriften abge-
druckt. aber ohne Belang.
Brandt hat eine neue Hautdrüse beim Moschusthiere auf-
gefunden. (Bull. de !’ Acad. de St. Petersb. I. p. 174.)
Auf ein sehr problematisches Thier, welches sich unter den
Schätzen der zoologischen Gesellschaft fand und von Richard-
son mit Antilope furcifera aus Nordamerika eingesandt wurde,
bat Ogilby aufmerksam gemacht (Proc. Z. S. p. 119.). Es ist
hellrothbraun, hal etwa die Grölse eines Damhirsches, ist männ-
lichen Geschlechts und, obwohl alt, da die Zähne stark abge-
nutzt sind, hat es doch keine Hörner, sondern statt ihrer zwei
kleine kahle, flache Platten (scales); die Nasenspitze ist be-
haart, wie bei Capra; aber beträchtlich grolse Thränengruben,
Inguinalporen und 2 Zitzen sind vorhanden; es ist also auch
keine Ziege, eben so wenig ein Hirsch, der sein Geweih abge-
worfen, da die hervortretenden Stirnzapfen (Rosenstöcke) feh-
len. Es ınuls demnach, wenn es nicht eine der A. cervicapra
ähnliche Antilope mit abortivem Horn ist, eine eigene Galtung
bilden, für welche Ogilby den Namen Ixalus vorschlägt. Fürs
erste muls aber der I. probaton Og. ein sehr zweifelhaftes Thier
bleiben.
Die Gattung Moschus hat Gray in den Proc. of'the Zool.
Soe. IV. p. 63. genauer erörtert. Er unterscheidet 3 Gruppen.
1) Moschus s. sir., nur den M. moschiferus bezeichnend; Hin-
ter- und Aufsenseile des Metatarsus mit dichistehendem aufrech-
tem Haar bekleidet; das Haar brüchig; Kehle ganz behaart;
d haben einen Moschusbeulel; Junge gefleckt. 2) Meminna,
nur eine Art, M. meminna L., Winterkante des Metalarsus
mit Haar bekleidet, aber an dessen Aulsenseile, etwas unter dem
Hacken, eine ziemlich grolse nackte, im Leben fleischfarbige Er-
_ habenheit; Haarpelz weich, anliegend, mit Weils gefleckt, wel-
ches bei älteren Individuen minder sichtbar ist, aber sich nicht
völlig zu verlieren scheint; Kehle ganz behaart; kein Moschus-
beutel. Alterhufen deutlich (gegen Linne’s und Buffon’s An-
gabe). 3) Tragulus Gr. Hinterkante des Metatarsus fast kahl
und etwas schwielig; Haar weich, anliegend, nicht einmal in
der Jugend gelleckt; Kehle mit einer etwas nackten, conca-
ven, callösen Stelle zwischen den Aesten des Unterkiefers, von
184
welcher sich 'ein Streif zum Vordertheile des Kinnes erstreckt;
kein Moschusbeutel; Afterhufen; nach dem Alter kaum Verschie-
denheit in der Färbung. Hieher 4 Arten, deren Synonymie sehr
verwickelt ist.
1) Moschus Javanieus. M. ferrugineus nigro variegatus; collo
saturate brunneo griseo nebulato; menti margine, strigis pectoralibus 3
postice latioribus, pectore, abdomine, femoribus interne, caudaque sub-
tus albis; pedibus, capitis lateribus, prymnaque nitide fulvis; occipite
nigrescente. Long. corp. capitisque 24”, metatarsi 43”.
M. javanicus Gmel. $. N. I. p. 174. Raffl. Linn. Trans. XIII.
p. 261. Benn. Zool. Gard. p. 41. — Tragulus jav. Pall. Sp. Zool.
XII. p. 18. not. — M. indicus Gm. S. N. I. p. 172. — Cervus ja-
vanicus Osbeck. Iter. p. 273. — M. Napu F. Cuv. — Hab. in'insu-
lis Java et Sumatra.
2) M. Kanchil. M. fulvus, nigrescenti variegatus; nucha striga
lata nigra longitudinali; gula, colli corporisque lateribus pallide flaves-
centibus, pilis nigro apieulatis, antipedibus nitide fulvis; menti margini-
bus, strigis tribus pectoralibus, pectore, abdomine, femoribus postice
(antice?) caudaque subtns albis; pectore abdomineque striga longitudinali,
in illo saturatiore, in hoc pallidiore. Long. capitis corporisque 20”,
metatarsi 34”.
Moschus Kanchil Rafil. Linn. Trans. XIII. p. 262. — Chevro-
tain adulte Buff. Hist. nat. tom. XII. p. 344. — Chevrot. de Java
Buff. Suppl. tom. VI. p. 219. — Hab. in Java.
3) M. fulviventer. M. folvegrencente variegatus, nucha striga
longitudinali lata nigra; gula, colli lateribus, antipedibusque rufescenti-
fulvis; lateribus subtusque flavescenti-[ulvus; menti marginibus,, strigis
3 pectoralibus, striga lJata utrinque in pectore abdomineque, femoribus
interne anticeque, caudaque subtus albis.
Le jeune Chevrotain Buff. Hist. nat. XIF. p. 342. t. 42. 43. —
Hab. iu insulis Malaieis et in peninsula Indiae orientalis?
Die wenige Wochen alten Jungen unterscheiden sich in der Fär-
bung nicht von den Alten. Vielleicht der Pelandoe des Hrn. Rafiles.
4) M. Stanleyanus. M. rufescenti-fulvus, pilis nigro apieulatis, _
subtus minus nitidus; collo pectoreque nitide fulvis; menti marginibus,
strigis 3 pectoralibus, pectore femoribus interne anticeque, caudagqne
subtus albis; syncipite, pedibusque a genubus inde saturatioribus; rhina-
rio, striga utringue oculos ambiente, aurieulisque extus et ad margi-
nes nigris.
Var. menti marginibus minus albis; strigis peetoralibus interruptis
minus conspieuis; gulagae paulo saturatiore. Hab.?
Der Pelandoc, abgebildet in Marsden’s Sumatra, und der M.
pygmaeus in Griffith (M. Griffithis Fisch.) ist nicht zu deuten,
|
\ 155
Moschus pygmaeus L. ist irgend eine Antilope, M. americanus,
delicatululus nnd leverianus sind Hirschkälber.
Ueber seinen bereits in der Aufzählung der Thiere von Ne-
pal angeführten Bahraiya-Hirsch hat Hodgson der Zoologi-
schen Gesellschaft eine Abhandlung vorgelragen, welche auch
im Journ. of ihe Asiatic Society of Caleutta erselienen sein
soll. Er betrachtet diesen Hirsch als ein Mitlelglied zwischen
der Rusan- und der Edelbirschgruppe, insofern er mit der letz-
teren in den zahlreichen Enden, in welche sein Geweih sich
oben theilt, übereinkommt, mit der ersteren den Mangel eines
mitten vom Stamme abgehenden Zackeus und die einzige Au-
geusprosse gemein hat. In Haltung und Ansehen steht er zwi-
schen €. Hippelaphus Cuy. und €. elaphus, und wird deshalb
von Hodgson €. elaphoides genannt.
Die bürstenförmigen Haarbüschel, welche sich an den Hin-
ierbeinen der Hirscharten zeigen, wurden von Gray (Proc. Z.
S. p. 66.) als ein Charakter der Gattung Cervus hervorgehoben
und zur Eintheilung derselben in Sectionen benutzl. Sie linden
sich entweder an der Innenseite oder an der Aulsenseile, oder
an beiden Seiten der Hinterbeine aller von Gray untersuchten
Hirsche, mit Ausnahme des Muntjac. Frei lebende Hirsche zei-
gen sie in grölserer Eniwickelung, als solehe, die in Menage-
rien gehalten werden. Sie finden sich in beiden Geschlechtern
und geben daher ein wichtiges Merkmal zur Unterscheidung der
weiblichen Hirsche sowol unter sich, wie von Antilopen, bei
denen woll Kniebüschel, aber nicht jene Bürsten vorkomnien.
Es sei möglieh, dals sich an dieser Stelle ein Drüsenapparal
finde, da diese Haarbüschel bei lebenden Hirschen gewöhnlich
eine conische Form annehmen, als wären sie mit einer fettigen
Secrefion getränkt. Gray unterscheidet nach ihnen 3 Gruppen:
1) ein Maarpinsel hinten an der Aufsenseite des Metatarsus,
elwa 4 vom Abstande des Hackens vom Hufe: C. elaphus, ca-
wadensis, Axis, porcinus, Hippelaphus, Dama, niger, C. Tunjue
Wig. Worsl. (den Gray für einen Hirsch der Rusangruppe mil
verslümmeltem Geweih hält). [So finde ich es auch beim Relı
ce. capreolus).| 2) 2 Haarbüschel, einer an der Aulsenseite
des Metalarsus, etwa 3 des Abstandes zwischen Hacken und
Huf, der andere an der Innenseite des Hackens. So bei C. vir-
186
ginianus, C. mexicanus, welchen Verf. als dessen Varietät an-
sieht. 3) Ein sehr deutlicher Haarbüschel an der Innenseite des
Hackens, keiner an der Aufsenseite des Metatarsus; so bei €.
rufus.- (Auch bei Cervus simplieicornis Il.) — Beim Renn-
thiere sind innere Büschel vorhanden, keine äulsere, der ganze
Hinterrand des Metatarsus ist mit einem einlörmigen sehr dicken
Haarüberzuge bedeckt. Das Elen scheint eine 4te Gruppe zu
bilden, nämlich sehr deutliche Büschel an der Innenseite des
Hacken und andere an der Aulsenseite des Metatarsus, etwa 4
von dessen Länge vom Hacken ab, wie bei der ersten Gruppe,
zu besitzen. (An unserem Exemplare ist dieser äufsere Büschel
nicht wahrzunehmen. Rennthier und Eleu gehören mithin zur
3ten Gruppe. Eben so auch €. gymnotis m. (aufgestellt in Bür-
de’s Abbild. merkw. Säugeth. II. p. 88. Isis 1833, der übrigens
dem €. virginianus sehr nahe steht; ferner finde ich es so bei Cer-
vus campestris Ill., bei C. paludosus Desm., bei welchem innen
am Hackengelenke nur ein sehr kleiner Pinsel steifer Haare sich
findet. Es ergiebt sich hieraus, dafs die unähnlichsten Hirsch-
arten in Hinsicht der Haarbüschel übereinstimmen, mithin die-
ser Charakter zur Aufstellung natürlicher Gruppen nicht taugt,
aber für die Charakteristik der Arten von Wichtigkeit ist.)
Die Geschichte des Auers (B. urus L.) in Preulsen hat
Bujack (Preufs. Provinzialbl. Bd. 15. p. 425.) aus Urkunden
und historischen Schriften beleuchtet. Fürsten und Herren wand-
ten sich an Preufsens Herrscher, um Auer für ihre Thiergärten
zu erhalten. Im 16ten Jahrhundert nennt Lucas David das
Land Schalauen als ihren Wohnsitz, später als ein Jahrhundert
führt Hartknoch Samland unweit Tlapack als solchen an, wo
ihnen im Winter Heu gereicht werde, während sie sich im
Sommer in den Mooren am curischen Haff herumtummelten. :
Nach Helwing gab es auch bei Angerburg viele Auer. Im
Anfange des 17ten Jahrhunderts sind sie schon auf den Baum-
wald zwischen Labiau und Tilsit eingeschränkt. Im 18ten Jahr-
hundert tritt eine gröfsere Abnahme unter ihnen ein. Von 1729
bis 1742 wurden 42 Auer eingefangen oder getödtet. Der letzie
wilde Auer Preulsens wurde 1755 von Wilddieben erlegt. Den
letzten der im ehemaligen Hetzgarten zu Königsberg gehegten
Auer liels Friedrich II. bei seinem Regierungsantritle erschie-
187
fsen. — Aufser einer Beschreibung und Naturgesehichte des Auers
wird auch die Frage, ob die fossilen Auerschädel speeilisch ver-
schieden und ob der dem Hausochsen ähnliche Stier, dessen
Schädel im aufgeschwemmten Lande und Torfmooren gefunden
werden, zu historischen Zeiten gelebt habe, berührt, ohne dass
sie zu bestimmter Entscheidung gebracht wird. In genauere
Untersuchung dieser schwierigen Frage ist neuerlich Pusch (in
Polens Paläontologie. Stuttgart 1837. 4.) mit grolser Gründlich-
keit eingegangen, indem er zu beweisen sucht, dals die vorhan-
denen Zeugnisse für die Existenz zweier wilden Ochsen unzu-
verlässig seien und in Wahrheit nur eine, der Auer, Zubr
oder Wisent existirt habe. Eine nähere Beleuchtung dieser
wichligen Abhandlung mufs dem folgenden Jahrgange aufge-
spart bleiben.
Ogilby macht in den Proc. Z. S. p. 102. die Anzeige, dafs
ein Pärchen von Buffon’s Koba-Antilope in dem Londoner
zoologischen Garten lebend vorhanden sei und verspricht ihre
Beschreibung. Wahrscheinlich war es das Weibchen dieser Art,
welches Herr Rüppell in London sah, und für seine A. De-
fassa erkannte, zu welcher er schon muthmafslich Buffon’s
Koba zieht (Tte Lief. p. 25.).
Auch über einige andere Antilopen haben wir von Ogilby
(ebend. p. 120.) Mittheilungen erhalten. Er unterscheidet eine
A. euryceros, vermulblich aus Westafrika stammend, aber nur
vach einem Kopfe und Hörnern bekannt. Die Länge der letz-
teren beträgt in gerader Linie 2 F. 12”, auf der Krümmung
2F. 74”, Umfang an der Basis 10”, Entfernung der Spitzen 11”.
Sie nen Queerrunzeln und eine Längsleiste, wie die der A. stre-
psiceros, beschreiben aber nur eine Spiralwindung, statt zweier,
und ihre Richtung liegt genau in der Ebene des Vorderkopfes,
wälrend sie bei jener einen Winkel von etwa 100° bilden.
Das Tliier hat eine breite Muffel,, besitzt keine Thränengruben,
hat eine weilse Queerbinde unmittelbar unter deu Augen und
2 weilse Flecke auf jeder Wange. — Minder begründet ist die
Aufstellung einer zweiten neuen Art, A. Philantomba, aus Sierra
Leone, ähnlich der A. pygmaea, aber durch längeren Schwanz,
längere Ohren, Hörner beim 9, dunkle Mäusefarbe des Körpers
‚ umd gleiche, obschon hellere Färbung der Beine verschieden,
185
vielleicht mit A. Maxwellii Ham. Sm. identisch. — Derselbe
berichligt die Angaben von Desmarest, F. Cuvier und Smith
dahin, dals A. sumatrensis Ogilby wohl Thränengruben, aber
keinen Drüsenstreif am Oberkiefer habe, und dafs das @ vier
Zitzen und Hörner besitze, wie A. Thar (s. d. Archiv I. 2.
p- 327.).
In der 7ten Lieferung seiner „Wirbelthiere zur Fauna von
Abyssinien gab Herr Rüppell die Beschreibung seiner Capra
Wallie und Beschreibung und Abbildungen der A. redunca
und Madogua.
#
©. Wallie, von A. Wagner in Schreber’s Säugethieren irrig
auf Capra Beden (C. nubiana Cuy.) bezogen, unterscheidet sich von
allen Arten durch ihr stark convexes Gesichisproßl und einen länglich-
konischen Höcker des Stirnbeins zwischen der Basis der Hörner; der
Körper ähnelt dem des gemeinen Steinbocks; der Bart ist kurz, fehlt
dem 9, welches kürzere, dünnere, rundliche Hörner besitzt; die des
ähneln denen des europäischen Steinbocks, sind aber bei weitem dicker.
Farbe der Oberseite des Körpers castanienbraun, Vorder- und Hinter-
läufe weils, mit einem schwarzen Stieife an der Vorderseite. Ein gro-
[ser schwarzer Fleck über der Fulsbeuge. Bewohnt die höchsten Fel-
sengebirge Abyssiniens, welche wenigstens für einen Theil des Jahres
mit Schnee bedeckt sind. Zwei Vertiefungen zwischen Alter und Schwanz
sondern eine stark riechende Pomade ab.
A. redunca. Verf. überzeugte sich durch Ansicht der dem Pa-
riser Museum vom Senegal zugekommenen Exemplare des Nagor’s (4.
redunca aut.), dals sie von den abyssinischen nicht verschieden sind:
Eine Vergleichuug mit der von Lichteustein als A. eleotragus be-
schriebenen Antılope macht es mir wahrscheinlich, dafs auch diese und
A. fulvo-rufula Afz. nicht von des Verf. redunca verschieden ist. So
hätten wir denn in A. redunca eine Antilopenart, die durch Ost-, Süd-
und Westafrika vorkäme. In Abyssinien’ findet sie sich in der wellen-
förmigen Hochebene der Provinz Woggera und den grasreichen Niede-
rungen um den Dembea-See (6 — 8000 F. über dem Meere). [A. isa-
bellina "Alz. Licht., welche Fischer als Varielät zu A. eleotragus
stellt, ist eine gut unterschiedene, ungleich grölsere Art, welcher der
schwärzliche kahle Wangenfleck der redunca fehlt. W.]
A. Madogua Bruce. Der capschen A. mergens Blainv. sehr
ähnlich; dasselbe Tbier, nach dessen Kopfe Blainville seine A. Sal-
tiana aulstellte, die wegen mangelhafter Beschreibung von Lichten-
stein und Kretschmar fälschlich auf eine andere kleine Antilope
Abyssiniens (A. Hemprichii Ehrb.) bezogen wurde.
Für die fossilen Reste vorweltlicher Wiederkäuer war das
189
verflossene Jahr überaus wiehig. Durand entdeckte in einer
Art Sandstein am südlichen Abhange des Himalaya den Sehä-
del eines fossilen Kameeles (s. Blainville’s Anzeige in der
Pariser Akademie, Ann. de Sc. nat. VI. Norvbr. p. 318.). In
Bezug hierauf bemerkt Marcel de Serres (Inst. Nr. 190.
p- 443.), dals das Oberschenkelfragment, welches er früher für
das eines Kameeles angesehen, einem Auerochsen angehöre, er-
innert aber daran, dafs man in den Breceien von Nizza einen
dem Lama nahestehenuden Wiederkäuer gefunden.
Wichtiger noch ist die Entdeckung des Schädels eines rie-
senhaften Wiederkäuers, Sivalherium giganteum, welches eben-
falls am Himalaya von Hugh Falconer und Cautley gefun-
den wurde. (Aus dem Journal of the Asiat. Soc. of Bengal
in den Ann. de Sc. nat. V. p. 348. mit Abbildungen.) Schade,
dals die Verf. bei Abfassung ihrer gründlichen Abhandlung nieht
den Schädel einer Giralle vergleichen konnten, sonst würde ih-
nen die grolse Verwandtschaft ihrer Gattung mit Cameloparda-
lis nicht entgangen sein. Sie scheint ein Zwischenglied zwi-
schen dieser und den hohllörnigen Wiederkäuern zu bilden,
während die Verf. mehr eine Verwandtschaft zu den Pachyder-
men hervorheben. Der Schädel scheint die Grölse eines Ele-
phantenschädels zu haben, ist aber am Sehnauzentheile ver-
‚stümmelt, so dals über Vorderzähne und Eckzähne nichts zu
ermitteln ist. Backenzähne sind jederseils 6 in ununterbroche-
ner Reihe, breit im Verhältnils zu ihrer Länge, die hintersten
4 stehen in gerader Linie und parallel mit denen der anderen
Seite, die beiden vordersten wenden sich plötzlich nach ein-
wärts, sonst haben sie ziemlich die bei den Wiederkäuern ge-
wöhnliche Bildung. Die Schädelregion hinter den kleinen ,
Augenhöhlen ist lang; oben am Scheitel an beiden Enden der
Stirnleiste ist der Schädel leider beschädigt, so dafs nicht zu
ermitteln, ob auch bier Hörner standen; zwischen und etwas
hinter den Augenhöhlen entspringen dagegen kurze, konische
Hornzapfen, wie bei manchen Antilopen. Auf die ‚hochgewölb-
ten Nasenbeine und deren Gestalt basiren die Verf. die Iypo-
ihese, dals das Thier einen Rüssel gehabt habe. Die Aehnlich-
keit mit den Nasenbeinen des Tapirs möchte aber nur eine
scheinbare sein. und der freie, schnabelartig gewölbte Theil nur
190
der mittlere Theil beider Nasenbeine sein, der auch bei Came-
lopardalis durch eine weit hinaufreichende Ineisur von dem mit
dem Ober- und Zwischenkiefer verbundenen Seitentheile abge-
setzt und schwach abwärts gekrümmt ist. Da die Näthe obli-
terirt waren, so haben die Verf. wahrscheinlich den Seitentheil
als zum Oberkiefer gehörig angesprochen; überdies ist auch der
Schädel hier verstüämmelt. Jedenfalls ist es gewagt, hieraus auf
das Vorhandensein eines Rüssels zu schliefsen. Vielmehr scheint
sich” das Sivatherium in Hinsicht der Nasenbeine zur Girafle zu
verhalten, wie das Elen zu den übrigen Hirschen, und man darf
wohl nur auf eine sehr entwickelte Muffel schlielsen, wozu die
Grölse des Foramen infraorbitale ebenfalls passen würde. Die
zellige Bildung zwischen den "beiden Platten der Schädelknochen
findet sich auch bei der Giraffe. Auch ein Fragment eines Un-
terkiefers, wahrscheinlich dem Sivatherium angehörig, wurde auf-
gefunden, welches in seinen Dimensionen sich doppelt so gras,
als beim Büflel auswies.
J. Pinnipedia
Ein Robbe, Phoca vitulina, den man vom nördlichen Scholt-
land nach Holyhead brachte, nahm, nach Eyton’s Mittheilung
(im Magaz. of Zool. and Bot. I. p. 103.), auf 14lägiger Fahrt
keine andere Nahrung als Milch zu sich. Später, in einen War
serkübel geselzt, fing er Fische mit grofser Leichtigkeit, ver-
schlang sie aber nicht sogleich, sondern bils und zerkauete sie
eine Zeit lang und spielte mit ihnen. Im Wasser zeigte er
keine Furcht, aber aufser dem Wasser eilte er bei plötzlichem
Geräusche gleich in dasselbe zurück. Er schlief unter Tags, war
gegen Abend sehr munter, frals nie Fische, die er nicht selbst
getödtet, auch nicht, wenn er am Lande war.
Dr. Riley fand im Magen eines Seehundes, den Prof.
Nilsson für seine P. annellata erkannte, zwischen 30 — 40
Kieselsteine (ib. I. 3. p. 302.).
Nach Ball’s Mittheilung in der Royal Irish Acad. Dee.
1836. (.Lond. Edinb. Philos. Mag. Vol. X. p. 487.) ist eine Art
von Halichoerus, welche Prof. Nilsson für seinen H. gri-
seus erkannte, Ball aber für verschieden hielt, die gemeinste
191
an den irischen Küsten. Auch Ph. barbata scheint nach Ball
dort vorzukommen.
Deslongehamps fand bei einem wenigstens erwachsenen
Wallrosse noch 4 ober rderzähne und aufser den 6 Backen-
zähnen des Oberkiefers voch 2 rudimentäre. Die Abhandlungen
von Rapp und Mulder scheinen ihm nicht bekannt gewesen
zu sein, da er über die verschiedenen Angaben der Schriftstel-
ler.hinsiehtlich der Zahl der Zähne in Zweifel ist. Eine Ab-
handlung, welche ich vor mehreren Jahren in der hiesigen na-
turforschenden Gesellschaft, über diesen Gegenstand vortrug, werde
ich im folgenden Jahrgange abdrucken lassen.
K. Cetacea.
Ueber die gesammte Ordnung erschien ein reichhaltiges, mit
Kritik und Sachkenntnils verfalstes Werk von F. Cuvier, zu
der bei Roret erscheinenden Suite a Buffon gehörig:
De l’Histoire naturelle des Cetaces ou recueil et examen des faits
dont se compose l’histoire naturelle de ces animaux. Paris 1836.
8. Mit 24 Kupfertafeln.
a. Herbivora.
Dr. Riley zeigte in der Brit. Assoc. den Schädel eines
Manatus americanus vor, um zu beweisen, dals dieser nicht 32
Backenzähne, wie G. Cuvier angiebt, sondern 36 habe, oder
doch so viel Alveolen zeige. Die vorderen Backenzähne seien
immer bereits ausgefallen, wenn die hinteren hervorgebrochen.
Auch F. Cuvier erwähnt (I. e.) dieses Umstandes und weist
auf die Uebereinstimmung mit mehreren Pachydermen bin.
Einige Bemerkungen über das Skelet des Manatus senega-
lensis haben wir von Robert erhalten. Es zeigt 7 Halswirbel,
von denen 2 (der 2te und 3te) verwachsen sind, 16 Rücken-
und 25 Lenden- und Schwanzwirbel, keine Spur von Becken-
knochen. (Ann. de Sc. nat. V. p. 227.)
Beschreibung und Abbildung des Rumpftheiles vom Skelet
eines dem Dugong und Manati verwandten fossilen Cetaceen
aus der Umgegend von Rödersdorf am Rhein hat Duvernoy
'in den Mem. de la Soc. d’Hist. natur. de Strasbourg. Tom. II.
Livr. 2. gegeben.
192
b. Carnivora.
Debel Benneit’s Beobachtungen über den Pottwal (Proe.
Z. S. p. 127.) beireflen die Geschlechtsverschiedenheit, das Ge-
bifs, das Auge und den Fötus. Die Männchen des Südsee-Pott-
wals haben an 60 F., während die Weibehen 28— 35 F. mes-
sen. Hat das junge S eine Länge von 34 F. erreicht, so sind
seine Zähne vollkommen ausgebildet, aber nicht sichtbar, bevor
es über 28 F. lang ist. Im Oberkiefer finden sich Zähne, zu-
weilen im Grunde der Vertiefungen, in welche die Unterkiefer-
zähne eingreifen, gewöhnlich aber zwischen je zweien der
Vertiefungen. Sie sind dem Oberkiefer nur lose angefügt, an
3” lang, ragen aber nur + Zoll über das Zahnfleisch hervor.
Zweimal fand Bennett jederseits 8. Sie finden sich bei er-
wachsenen Thieren beider Geschlechter, bei den Jungen sind
sie aufsen nieht sichtbar. Das Auge ist klein, die Augenspalte
nicht länger als 2”; die Lider haben keine Wimpern und Tar-
salknorpel. Der Augapfel, dessen innere Theile weiter beschrie-
ben werden, übertrifft den eines Oehsen nicht viel in Gröfse.
Die vollkommen kugelige Krystalllinse ist nicht gröfser als die
menschliche. Ein anscheinend ausgetragener, aus dem Mutter-
leibe genommener Fötus hatte 14 F. Länge.
Eine Abhandlung von Ravin über die Barten der Wall-
fische, nach einer an der Küste des Dep. de Somme gestrande-
ten B. rostrata, erschien in den Ann. de Sc. nat. V. p. 266.;
daraus in v. Froriep’s N. Not. I. 3. Sie enthält, aufser sorg-
fältigen Messungen des Thieres, eben keine wesentlichen Zu-
sätze zu dem, was wir aus Rosenthal’s bekannter Abhand-
lung wissen.
v. Bär begründet‘ seine frühere Behauptung (Isis 1826. ),
dafs die wahren Cetaceen nicht das durch den’Mund eingenom-
mene Wasser durch den Nasenkanal ausspritzen, durch das Zeug-
nils von Lütke, Postels, Kittlitz, Reinicke, Klebni-
koff, deren keiner sie Wasser aussptitzen sah, und beruft sich
auf die übereinstimmende Bezeichnung in den Sprachen der auf
Wallfischfang ausgehenden Nationen (blasen — blow — souf-
fer), die da zeigen, dafs man das angebliche Wasserauswerfen
für das genommen hat, was es ist, für ein Ausathmen. (Bullet.
de !’ Acad. de St. Peiersb. p. 37.)
Von
193
Von demselben wurden Bemerkungen zur Anatomie des
Delphinus Phocaena (ebend. p. 26.) mitgetheilt, Schädel, Bek-
ken, Magen, Nieren und Milchdrüsen betreffend. . Aufser den
bekannten Beckenknochen, die Sitzbeine sind, findet sich ein
fibröses Becken, welches jene einhüllt.
Nachtrag
«
Die bei der Expedition der „Favorite” beobachteten Säuge-
thiere beschrieben Fort. Eydoux und Paul Gervais in Guer.
Mag. de Zoologie. 1836: Livr. 6.
1) Semnopithecus nemaeus. 2) Vespertilio (Nyeti-
ceus) Alecto Eyd. Gery. V. corpore nigro-brunneo, ad 'gu-
lam diluliore, capite crasso, depresso, longitud. corp. c. capit.
1” 5”; caudae 6”; antibrachii 1” 8”; alarum ampl. 10”.6”.
Ins. Lucon. 3) Rh. luctus Temm. var. rufa. Manilla. 4) Vi-
verra indica Geoflr., abgebildet £. 19. 5) V. ZibethaL. —
6) Ueber die Gattung Poöphagomys F. Cuv. und einige andere
nahe stehende Nager. Von P. ater Cuy. ist eine colorirte Ab-
bildung auf tab. 20. gegeben. Die verschiedenartigsten Gattun-
gen sehen wir in dieser Abhandlung in 2 Generibus, Orycto-
mys Blainv. und Callomys Is. Geoflr. u. d’Orb., zusammen-
gestellt; im ersteren Diplostoma Raf., Saccophorus Kuhl, Sacco-
mys F. Cuv., Poöphagomys F. Cuv. und Cienomys Bl.! im zwei-
ten Octodon Benn., Chinchilla Benn., Lagotis Benn. und La-
gostomus Brook., was für das genaue Studium dieser Genera,
dessen die Verf. sich rühmen, eben kein vortheilhaftes Zeugnils
ablegt. Am Schlusse erhalten wir die Beschreibung eines neuen
Erdgräbers, Oryctomys (Saccophorus) Bottae, ausgezeichnet vor
den Taschenmäusen (Saccophorus Kuhl., Ascomys Lieht.), durch
die glatte, d. h. furchenlose Vorderseite. der oberen. Vorder-
zähne und eine kleine Verschiedenheit in den oberen Bäcken-
zähnen, von denen der 2te und 3te nicht eine ovale Fläche ha-
ben, wie bei Ascomys, sondern fast die eines mit der Spitze
nach aulsen gewandten Herzens; auch der hinterste Backenzahn
hat diese Gestalt, nur ist die äufsere Spitze abgerundet. Die
Färbung des Pelzes ist gelbröthlich, heller an der Gurgel und
den Backentaschen, die 4 Fülse schmutzig weils; ganze Länge 8”,
HI, Jahrg. 2. Band, 13
194
davon der Schwanz 2”. Californien. Da die Verf. nichts von
der Krallenbildung sagen, so muls man annehmen, dafs diese wie
'bei Ascomys Licht. sei. ‘Wahrscheinlich gehört also diese ‚Art
mit Diplostoma? bulbivorum Richards, Faun. bor. I. p- 206., bei
dem auch die oberen Vorderzähne ohne Furche sind, zu einer
Galtung. Wenn ich nicht irre, so haben wir nach mündlichen
Mitiheilungen Sr. Durchlaucht des Prinzen von Neuwied von
diesem erlauchten Reisenden die Bekanntmachung einer analo-
gen Form mit kurzen Krallen der Vorderfülse zu erwarten, wo-
durch’ der von mir angedeutete Parallelismus der Formen dieser
‚Familie auch für die Taschenmäuse bestätigt sein würde. Schliels-
lich erlaube ‘ich mir noch die Bemerkung, dals,' wie wir oben
p- 173. sahen, Poöphagomys und eben so wenig Saccomys F.'Cuv.
in, die Familie der Erdgräber gehören. — 7) Hydromys chry-
sogaster, 8) Cervus moluccensis, dessen Junges ungelleckt ist.
ER
2 Auf very
' Beiträge zur geographischen Verbreitung der Vögel erhiel-
ten wir in einzelnen Aufsätzen.
Uuter diesen ist eine Abhandlung‘ vom Selby über die Vö-
gel der Grafschaft Sutherland, des nördlichsten Theiles von Schott-
land, für die britische Fauna von Interssse. (James. Edinb. new
phil. Journ. XX. p. 287.) : Aus den Beobachtungen über 94 Ar-
ten heben wir nur Einzelnes heraus. Falco islandicus erscheint
nur gelegentlich; Falco chrysaetos ist ein ziemlich häufiger Be-
wohner der Gebirge; F. haliaetos sehr häufig an der Westküste,
hauptsächlich den Lachsarten' nachstellend; F. albicilla; F. pe-
regrinus, tinnunculus, buteo, cyaneus. — Von Eulen nur Str:
brachyotus. Turdus musicus überwintert an den Rändern des
Fıith 'of Tongue und an andern niedern Plätzen, wo der Schnee
selten liegt. 7. torquatus, ‘sehr häufig während des Sommers
auf allen felsigen Gebirgen, fängt gleich nach seiner Ankunft‘ im
April an’zu brüten. — Corvus cornix ist die gewöhnliche Krähe,
corone ganz unbekannt oder doch eine seltene Erscheinung. —
Columba livia findet sich längs der ganzen Nordküste von Su-
therland, auf felsigen Abhängen von mehreren Hundert Fuls. —
14
|
j
195
Lagopus scoticus ‚und LE. mutus werden»als«zwei'Arten aufge-
führt. Jener im Binnenlande (midland district) der Grafschaft
häufig, nicht so zahlreich an. der Westküste, die zu felsig und
steril ist und selten einen ausgedehnten-Heidestrich. zeigt. Letz-
terer- zählreich- auf allen Gebirgen, deren felsige Gipfel ihm: zu-
sagen. Ein kleineres;; mehrsrothbraun gezeichneles Schneehuhn
erkannte Dr. Richardson für seinen Lagopus rapestris.. To-
tanus glottisswurde,an mehrereniStellen-brütend an-
getroffen, hauptsächlich in :morastigenNlarsehgegenden oder
an den: Ufern der zahlreichen Seen und Diürnpel. ' Er.ist sehr
scheu, aulser wenn 'er'kleine Junge hat, wo er, ‚aufgeschreckt,
sehr nahe kommt und. dem! Ruhestörer nach ‚dem Köpfe fliegt
(making a rapid stoop): ‚Scolopax Gallinüla brütet nach ‘Aus-
sage des dorligen Wildhegers jedes Jahr dort und.ist- im Win-
ter zahlreich an deh tief gelegenen Quellen. ‚Auch Tringa va-
riabilis, Charadrius pluvialis, Anser segelum, . Änas penelope, St.
marila, Mergus serralor, Colymbus arclicus (w abrscheinlich. auch
C. glacialis, von welchem ein Paar gesehen. wurde), c. septem-
trionalis, Uria tröile, Phalacrocorax (Halieus) eristatus, Sterna
arctica, Larus ridibundus (zwischen dem Schilfe der Teiche),
canus, fuscus brülen dort. Auch andere nordische Vögel, von
denen nicht ausdrücklich das Brüten erwähnt ‚wird, werden. als
häufig aufgeführt, so: Uria grylie, Alca torda, "Fratercula (Mor-
mon) arctica. Aulserdem wurde Sterna Boysii und Cataractes
Richardsonii beobachtet.
Hieran schlielsen sich Bemerkungen yon, E. Blyth über die
Vögel der Umgegend von Tooting in Surrey.(Loud. Mag.. IX.
p- 622.), — von Williamsonvüber seltene Vögel der Unge-
gend von Scarborough (Proc. Z. S: IV. 'p.76.), — über die
"Zeit der Ankunft der Zugvögel in Cumberland (Loud. Mag. IX.
p- 185.) und in Norfolk (ib, p. 520.), — - und Eyton’s Cata-
logue of British Birds. 8, —
Robert Jameson, Militairarzt in Corfu, gab ein Verzeich-
nils von den Vögeln der Insel Cerigo und überhaupt’der ioni-
schen Inseln (James. Edinb! new phil. Journ. XXTI. p. 65.).
Standvögel hat Cerigo wenige, aber viele Zugvögel finden sich
zu einem kürzeren oder längeren Aufenthalte im Frühlinge und
Herbste ein. Im Winter zeigen sich: Turdus merula, musicus,
13 *
196
pilaris, Saxicola rubicola‘, rubetra,oenanthe, »stapazina, einige
Currucae und Reguli;; Motacilla flava, Alaudu cristata, Parus
maior, coeruleus, Emberiza miliaria,; Fringilla coelebs, carduelis,
cannabina, spinus, chloris, Picus medius, ‚Ardea nycticorax, un-
-sere. Schnepfen, Larus ridibundus,; melanocephalus, Pelecanus
onocrotalus und mehrere Lamellirostres und‘ Raubvögel. Per-
dix rufa bleibt das ganze Jahr. Wenn der ‘Winter kaum been-
digt, kommen schontdie io England zeitig erscheinenden Vögel
‚hier an, die Sommervögel Englands sieht man gegen Ende des
Frühlings. Um die Mitte des Herbstes ziehen die Sommergäste,
„sehön gefiederte Vögel, fort und minder lebhaft gefärbte ‘des Nor-
dens treffen an ihrer Stelle ein; die mit. den mattesten Farben
kommen: bei Eintritt.,des Winters und ziehen am frühesten im
Frühjahre fort.
I
Striekland giebt von den Vögeln Kleinasiens in der Um-
gegend von Smyrna, die er im Winter 1835 und Frühling 1836
beobachtete, in den Proc. Z. S. p. 97. ein ausführliches Ver-
zeichnifs. Ich iheile es mit, da es für die geographische Ver-
breitung von einigem Belang ist; doch ist dabei zu berücksich-
tigen, dafs der Winter ungewöhnlich streng war, indem um
Weihnachten starker. Nordwind, Schneestürme und ein 3wöchent-
licher Frost eintraten. Im April waren bereits viele Sommer-
vögel angelangt, von mehr exotischem Ansehen, als die inn Win-
ter beobachteten. hf Rei
Falco aesalon, tinnuneulus selten, F. tinnunculoides sehr häufig
im Frühlinge, F. nisus, Buteo, pygargus, rufus, Strix brachyotus, stri-
dula (aluco), Bubo, noctua (nudipes Nills.) sehr gemein in der Le-
-vante; Lanius minor, rufus, collurio im April; Turdus merula, solita-
rius; T. viscivorus, pilaris, musicus, äliacus während des Winters;
Cinclus aquaticus (?), Oriolus galbula im April; Saxicola rubicola
und rubetra im Winter; $. aurita, oenanthe im April; Sylvia suecica ;
S. tithys, gemein an kahlen Felsen, wo sie überwintert; $. Zuscinia,
zuerst am 5. April gehört; $. phragmitis, melanocephala im. Winter;
S. rufa, brevirostris Strickl. im Winter; Accentor modularis im Win-
ter; R.ignicapillus, Troglodytes parvulus gemein; Motacilla alba und
boarula; Anthus pratensis, aquaticus; Hirundo rustica; Alauda eri-
stata, arborea; Alauda arvensis, calandra erschienen bei dem strengen
Winter, erstere in ungeheuern ‘Schaaren vom Norden kommend; Parus
maior, coeruleus, lugubris Natter.; Emberiza miliaria; E. cia auf fel-
sigen Hügeln; E. eirlus in der Nähe von Strömen; E. palustris Sav.,
197
gleicht in Sitten genau dem Rohrsperling, der Schnabel weniger aufge-
trieben, als bei dalmatischen Exemplaren; E. caesia Kretschm., häufig
in Griechenland und den ionischen Inseln; _E. hortulana, E. cinerea
Strickl., im April; Fringilla domestica, in der Levante der gemeine
Haussperling; von F'. hispaniolensis nur ein Exemplar im April; F. can-
nabina, carduelis, gemein; F. coelebs, sehr gemein; F. montifringilla
und serinus, im Winter; F'. chloris, gemein; Sturnus vulgaris, Corvus
corax, cornix, monedula, pica, gemein; Garrulus melanocephalus Bon.
(Corvus iliceti Ehrb.), gemein bei Smyrna, Ruf und Sitten wie beim
europäischen Heher; Sitta syriaca Ehrb , an den freien Hügeln bei
Smyrna, klettert an Felsmassen, nie an Bäumen; $. europaea, bewohnt
die Höhlen alter Olivenbäume, kleiner als die britische, sonst nicht ver-
schieden; Upupa epops ; Alcedo ispida, gemein; A. rudis, häufig in den
Salzwasser-Morästen westlich von Smyrna, scheint nie stromaulwärts
zu gehen, sondern sich nur an der Küste zu halten, schwebt oft einige
Minuten in etwa 10 F. Höhe über dem Wasser und schielst dann senk-
recht auf ihre Beute; Picus maior, Cuculus canorus; Phasianus colchi-
cus, gemein bei Constantinopel, an beiden Seiten des Bosphorus; Per-
dix francolinus, in den Brüchen-von Hermus und Cayster; P. saxatilis,
häufig auf den Hügeln um Smyrna; Coturnix dactylisonans überwintert;
Columba palumbus, oenas, turtur; C. cambayensis, auf den türkischen
Kirchhöfen zu Smyrna und Constantinopel in dichtem Cypressen-Gehölz,
vielleicht ursprünglich eingeführt; Otis tarda, tetrax, Oedicnemus cre-
pitans; WVanellus eristatus, erschien in ungeheueren Schaaren bei An-
fang der Kälte; Grus cinerea; Ardea egretta, auf den Seewasser-Brü-
chen; A. stellaris; Ciconia alba; Numenius arquata; Scolopax rusti-
cola, bei der strengen Kälte so häufig, dafs mehrere in kleinen Gärten
mitten in der Stadt geschossen wurden; Sc. Gallinago, Gallinula; Tringa
variabilis; Tringa Temminckii und Totanus Glottis, im Winter; T.
calidris, gemein in den Brüchen; T. ochropus, an der Küste; Recurvi-
rostra Avocetta, selten; Rallus aquaticus; ÜCrex pratensis, porzana,
Gallinula chloropus, Fulica atra, im Winter; Podiceps eristatus; Puf:
finus Anglorum, Schwärme von ihm ziehen beständig den Bosphorus
auf und ab; Larus ridibundus, argentatus; Pelecanus Onocrotalus, über-
wintert; Halieus Carbo, pygmaeus. Wie der letztere erscheinen im
Winter: Cygnus olor, Anas clangula, ferina, fuligula, c/ypeata, ta-
dorna, acuta, Boschas, Penelope, rutila, crecca, Mergus albellus.
Einige Bemerkungen über Vögel aus dem nördlichen Indien
hat Jameson in der Sitzung der Werner’schen Gesellschaft
mitgetheilt (Edinb. New Phil. Journ. XX1. p. 161.). Den Mil-
vus Gowinda hält er für den Jungen des F. cheela. Der @y-
paötos barbatus des nördlichen Indiens ist von dem europäischen
nicht verschieden, durchläuft dieselben Altersabänderungen. —
198 ö
Von den Vögeln Grofsbritanniens findel sich mehr als ein Drit-
theil im nördliehen Indien, entweder ganz identisch, oder’ doch .
nur mit geringen Abänderungen in Farbe und Gröfse. Falco
cherrug Gray sei das @ vom Falco islandicus, Circus pallidus
Syk. das junge,S‘ vom F. cyaneus; der C. variegatus sei F. ru-
‚JFus. Cinclus Pallasii sei nicht»identisch mit.C. americanus, wie
Bonaparte angenommen. Ersterer sei um 4 größser, "und letz-
terer erhalte nicht die brillante Farbe des ersteren. Sazxicola
rubicola und Sturnus "vulgaris sind identisch. Silta europaea
von dort zeigt nur ein mehr. bräunliches Gelieder. Eine andere
dort vorkommende Art nennt Verf. S. vifficauda, sie steht der
vorigen nalie, unterscheidet sich aber durch die Schwanzbinde.
Endlich kommt’ auch MHorsfield’s Sitta ‚frontalis im Norden
Indiens vor.
Von grolsem Interesse für die Verbreitung der Vögel im
vordöstlichen Afrika ist die Ste Lieferung von Rüppell’s „Wir-
belthieren zur FaunavAbyssiniens”, insofern sie zeigt, wie dort
neben eigenthümlichen Arten manche südafrikanische Formen
vorkommen. Das Nähere s. bei den Abtheilungen.
Ueber einige nordamerikanische Vögel: Scolopax pygmaea L.?,
Phalaropus hyperboreus, Corvus canadensis, Emberiza (Molothrus)
pecoris, gab Fox in Sillim. Journ. XXIX. p. 291. Nachricht.
Nachträge zu seiner im vorigen Berichte erwähnten Ueber-
sicht der Vögel 'des nordöstlichen Alleghany-Gebirgen gab rt
lor Loud. Mag. I: p- 72.
Ueber: die Wanderungen der nordamerikanichen Vögel, iu
besonderer ‚Beziehung auf Carolina, hat J. Bachmann (in Sil-
lim.‘ Americ. Journ. of Sc. and Arts. Vol. XXX. p. 81.) eine
ausführliche Abhandlung mitgetheilt, welche, neben manchem
bereits Bekannten, viele dem Ornilhologen wichtige Thatsachen
enthält. Der Raum gestaltet hier nur Einzelnes herauszuheben.
Es giebt nur sehr wenige Vögel, die nicht wandern. Dals meh-
rere hochnordische Vögel, welche nie die *temperirte Zone be-
rühren, im Winter mehrere hundert Meilen südlich ziehen, wis-
sen wir durch Richardson, der im Winter nur ein Paar Ra-
ben 'auf‘ Melville’s Insel sah. Einige Vögel: wandern nur‘ von
dem einen Ende der Unions-Staaten zum andern; so. bringen
viele der im Norden brütenden Finken den Winter zu Tausen-
199
den. in Carolina hin,.so auch Anthus spinoletta, Sturnus ludovi-
cianus, Turdus migratorius, Bombycilla americana, Sazxicola Sia-
lis; Sylvia coronata ist unter 50 Sylvien die einzige, welche im
Winter bleibt, lebt dann, von den Früchten der Myrica cerifera,
so auch Muscicapa fusca, die dann von den Früchten der Siyl-
lingia cerifera zelırt. Während nördliche Vögel einwandern und
in Carolina überwintern, ziehen die in den südlichen Staaten
brütenden südwärts. Mehrere der nördlichen Vögel, Fringilla
iliaca, F. Pinus, F. purpurea, Scolopax minor, kommen nur
durch die Kälte gedrängt, und bleiben nur so lange, als es eben
die Nolhwendigkeit erfordert. Wenn die Wintervögel der süd-
lichen Staaten zu ihren nördlichen Brutplätzen heimkehren, tref-
fen analoge Arten aus der Tropenzone zum Brüten ein, beson-
ders in den Küstengegenden. Von den vielen nördliehen Raub-
vögeln bleibt nur Falco lineatus den Sommer über, dafür wan-
dern F. furcalus, plumbeus, dispar ein. Wenn die Gannets
(Sula) nordwärts fortzichen, 1reflen Pelec. onocrotalus (?), P.
Juscus und Tantalus Loculator ein, und den Rullus virginianus
ersetzt Gallinula martinica. Bei einigen Arten bildet Carolina
die nördlichste Gränze ihres Winteraufenthalts, sie erscheinen
nur in kleiver Anzahl während eines oder zwei warmer Win-
tertage, so: Turdus felivox, Muscicapa Cantabris, Hirundo bi-
color, sind aber häufig in Florida und Mexiko; desgleichen über-
winlert Jie ganze Kranich- und Reiherfamilie südlich von Ca-
rolina, mit Ausnahme einiger Abstreifer. Andere Vögel machen
wegen Mangel der Nahrung nur gelegentliche und partielle Wan-
derungen, so Perdix virginiana, welche dann über Flüsse, z. B.
den Delaware, Susquehanna und Hudson, hinfliegt, dabei meist
ermüdet hinein füllt und hinüber schwimmt; dasselbe gilt vom
wilden Puter, Die Wandertaube wird nicht durch die Kälte
des Nordens nach Carolina geführt, sie erscheint hier zuweilen
in kalten, häufiger aber in milden Wintern, wenn in den Wäl-
dern des Westens ihr Futter misrathen ist. Verf. beobachtete
sie in Canada im kältesten Winter, als es dort Buchennüsse und
Buchweizen reichlieh gab und der Boden von Schnee frei war.
Viele Vögel des Südens und Westens, welche früher nicht ge-
sehen wurden, sind ohne Zweifel durch die Culturfortschritte
herbeigezogen. Troglodytes Ludovicianus, Sylvia Pinus, jetzt
200
gemein in den nördlichen Staaten, waren dort zu Wilson’s
Zeiten unbekannt. Die mexikanische Hirundo lunifrons Say
wurde 1815 zuerst am Ohio gesehen; alljährlich nahm ihre Zahl
zu und sie schritt immer weiter ostwärts vor, jetzt bis Canada
und Maine. Muscicapa Cooperi hat sich erst neuerlich in den
nördlichen Staaten eingefunden. Muscicapa savana Bon. aus
dem tropischen Guiana erscheint seit einigen Jahren jährlich in
den mittleren Staaten u.s.w. Eine Eigenthümlichkeit in der
Wanderung der amerikanischen Vögel ist noch dunkel. Eine
grofse Menge nordischer Sylvien und Fliegenschnäpper zieht
nämlich bei ihren südlichen Wanderungen nicht über die nie-
deren Gegenden Carolina’s. Es ist möglich, dafs sie auf zwei
Wegen südlich ziehen, theils über Cap Hatteras oder ein ande-
res der Vorgebirge und über den mexikanischen Meerbusen nach
Westindien, wo sie den Winter in ungeheurer Anzahl zubrin-
gen, denn man sieht sie öfter in See auf dem Takelwerke der
Schiffe ausruhen, — theils und gewöhnlicher ziehen sie längs
der Alleghany-Kette durch die Staaten Luisiana, Missisippi und
Arkansas. Einige bleiben in Mexiko, andere selbst in der Tro-
penzone. Einige, zugleich europäische, Vögel der Polarzone wan-
dern längs den Rocky-Mountains zuweilen bis Mexiko, so Cor-
vus Pica, Bombyeilla garrula. Andere Amerika eigenthümliche
Vögel besuchen nie die eultivirten Distriete der vereinigten Staa-
ten, sondern nehmen denselben Curs in ihren jährlichen Wan-
derungen (Cinclus Pallasii Temm., Fringilla Cooperi, Corvus
columbarius, Turdus naevius, Erythaca arctica Swains., Embe-
riza piefa Swains., Icterus xanthocephalus Bon.). Es fragt sich
noch, ob nicht einzelne Arten den Wendekreis überschreiten bis
zu gleichen Breiten der südlichen Hemisphäre. und hier zum
zweiten Male brüten. So brütet Hirundo purpurea, welche sich
Sommers in Nordamerika bis zum 60° n. Br. zeigt, während
der Winterzeit in Südamerika. Audubon fand den Falco leu-
cocephalus und F. haliaetos mit flüggen Jungen im November
in Florida. Strix flammea legt oft im November zu Charleston
(Carolina) ihre Eier in verlassene Gebäude, und Verf. erhielt
am 3. Deeember ein Junges der Strix virginiana aus der Um-
gegend derselben Stadt. Wegen des plötzlichen Erscheinens und
Verschwindens der Rallen und wegen ihres schwerfälligen Fluges
201
hat man fälschlich angenommen, dafs sie sich in Uferhöhlen oder
im Schlamme versteckten. Sie ziehen bei Nacht; erscheinen,
nachdem sie während des ganzen Sommers abwesend waren,
plötzlich in den mittleren Staaten früh im August, bleiben bis
Mitte Octobers und verschwinden plötzlich. Dann erscheinen
sie in den Reisfeldern und Sümpfen von Carolina, halten sich
hier kurze Zeit und wandern noch südlicher, um im Frühjahre
wieder zu erscheinen, wo sie zu ihren Brutplätzen an den nörd-
lichen Seen zurückkehren.
Nach Kittlitz zeigt unter der beträchtlichen Anzahl von
Vogelarten, welche Kamschatka mit Deutschland gemein hat, ein
Theil gar keine Verschiedenheit im Gefieder, ein anderer eine
sehr auffallende, mehr weilse Färbung des Gefieders. Die siberi-
schen Vögel der nämlichen Arten halten zwischen beiden Exire-
men genau die Mitte, indem sie mehr Weils als die europäischen,
weniger als die kamschatkischen zeigen. Mit Recht macht v.K.
den Einflußs der östlichen Lage geltend und führt zum Vergleiche
eine ähnliche Erscheinung von Nordamerika an, die sich in eben
den Fa:ilien, unter den Spechten, Sperlingen, Hühnern, finde.
Dieselbe Arten, die in den östlichen vereinigten Staaten ein
viel mit Weils gemischtes Gefieder haben, zeigen diese Mischung
im westlichen Theile des Festlandes, im russischen Amerika, in
viel geringerem Grade und überhaupt einen weit dunklern Far-
benton. (Isis. IX. p. 768.)
Fr. Stein hat in der Isis mehrere Beispiele von grofser
Eierzahl mitgetheilt, zu deren Legen man Vögel durch Weg-
nahme der vorhandenen Eier bringt. Von Junzx torquilla erhielt
er aus einem Neste 17 Eier auf diese Weise, von Picus maior
20; von einem Sperlinge, der, als seltene Anomalie, fünf ganz
rein weilse Eier gelegt hatte, erhielt er allmälig 25 Stück.
(Isis. VII.)
G. Ord (Loud. Mag. IX. p. 60.) erzählt einige Beispiele,
dafs brütende Vögel längere Zeit, fast den ganzen Tag und län-
ger, von ihren Eiern ohne Nachtheil derselben entfernt waren.
Eine Bruthenne war einen ganzen Tag und eine Nacht abwe-
send. und doch kamen die Eier aus.
Ungeachtet ihres reichhaltigen Inhalts können die anatomi-
schen Arbeiten von Duvernoy über den Bau der Zunge (Mem.
202
de la Soc. d’hist. nat. de Strasbourg. Livr. II. 2.), mit vortreff-
licher Abbildungen vieler Vogelzungen, und R. Wagner’s Bei-
träge zur Anatomie der Vögel nur beiläufig erwähnt werden.
Letztere (Abhandl. der phys. ımath. KL. d. Akad. zu München.
Bd. II.) handeln von der Duplieität des Eierstocks (am häufig-
sten bei Raubvögeln, nie bei den Singvögeln, aufser zuweilen
bei Corvus corone, nie bei Hühner-, Sumpf- und Wasservögeln),
über das Vorkommen eines rechten Eierleiterrudiments (bei @y-
pogeranus, bei dem die beiden Eierstöcke fast gleich ‚groß sind),
über asymmelrische Entwickelung des linken Hoden zur Paa-
rungszeit, über das Divertikel am Darmkanal, Verschmelzung der
Nieren, seitliche Asymmetrie der Blinddärme und die Zahl der
Fächerfalten .des Auges (die wenigsten bei den Eulen und Ca-
primulgus).
L’Herminier über die Ossifiecation im: Brusibein der Vö-
gel, Ann. de Sc. nat. VI. p. 55. u. 105.
Jacquemin über die Pneumaticität der Kopfknochen, Compt.
rend. hebd. II. p. 311.
Derselbe über die Ordnung, in welcher die Federn bei den
Vögeln gestellt sind, Ann. de Sc. nat. Avril. p. 227.
Derselbe über die Luftsäcke, id. p. 93.
Vieles Aufsehen nmiachten mit Recht die von Hitchcock
an den Ufern des Connecticut in Massachusett in einem neue-
ren bunten Sandstein entdeckten Vogelfährten (Sillim. Journ.
of Sc. and Arts. Tom. XXIX. p. 307. u. Ann. de Sc. nat. 1836.
V. p. 155. u. 206.). Daran, dafs man es wirklich mit Vogel-
fußs-Spuren zu ihun habe, ist nicht zu zweifeln. Verf. unter-
scheidet unter dem Namen Ornithichnites mehrere Arten,
sehr richtig bemerkend, dals sie in zoologischer Hinsicht ver-
schiedenen Gattungen angehören. Diese Art der Bezeichnung
ist, da man das Thier selbst nicht kennt, jedenfalls passen-
der, als die von Kaup bei den Hildburghäuser Thierfährten
angewendele. Die beschriebenen Fulsspuren rühren olıne Zwei-
fel alle von Wadvögeln her und zwar sind die dreizehigen die
zahlreicheren. Die eine dreizehige Spur, O. giganteus, hal
15” Länge ohne und 16 — 17" mit dem Nagel, die Schrittweite
beträgt A4—6F.; O.ingens hat etwa 12” Länge und 32— 35"
Schrittweite. Beide übertrafen also den Strauls bedeutend an
203
Gröfse, dessen Schrittweite aufıl F. 10” angenommen wird.
Sehr räthselhaft ist bei ©. ingens und diversus ein hinterer
büschelförmiger Anhang, 'als ob sich’ hier' an der- Einlenkungs-
stelle. .der Hinterzehe ein 'Büschel 'steifer“ Borsten abgedrückt
hätte. Unter dem O. tetradactylus scheinen Spuren verschie-
dener Genera begriffen zu sein. Die abgebildeten scheinen. mir!
einem storchartigen Vogel angehört zu haben. Die als 'O. pal-
matus abgebildeten Spuren sind so-paradox, dafs man sie kaum
für die eines Vogels ansehen möchte; alle 4 Zehen sind nach
vorn gewandt, wie unter den Wasservögeln bei’ Aptenodytes, die
4te.Zehe sehr kurz, die Sohle breit; die sehr dünnen Zehen
stehen gleichsam paarig, die beiden inneren und. die beiden
äulseren am nächsten zusammen.
Die auf der Expedition der Corvetie „‚Favorite” beobach-
teten Vögel beschreiben Eydoux und Gervais in @uer. Mag.
de Zool. 1836.
H. €. Küster’s ornitholog. Atlas der aufsereuropäischen
Vögel. Hft. 8. Nürnberg in 8. mit 8 Tafeln. Nectarinoiden —
kenne ich nur aus dem Büchercataloge. Eben so:
Nerv. Wood: the Ornithologist’s Textbook. London:1836. 12. Nach
Jard. Mag. III. p. 281. oberflächliche Literarnotizen, Darstel-
lung verschiedener Systeme u. dgl. enthaltend.
Eyton's History of the rarer British Birds. 8.
W. Swainson: Natural History and Classification of Birds (zu
Lardner’s Cabinet Cyclopaedia).
A. Raptatores
Die schwer verfolgten Raubvögel hat Herr Löffler, Pre-
diger zu Gerdauen, in einem lesenswerthen Aufsatze in kräfti-
gen Schutz genommen (Preuls. Provinzialbl. Bd. 16. p. 66.).
Ob er nicht zuweilen, z.B. beim Stein- und Seeadler, zu weit
geht, mögen die praktischen Ornithologen entscheiden, denen
Gelegenheit genug wird, den Haushalt dieser Vögel in der freien
Natur zu beobachten. Nach Hrn. L. sind die Angaben von der
grolsen Schädlichkeit der Raubvögel sehr übertrieben, und un-
sere gröfsten Arten, denen man Hirsch- und Rehkälber zur Nah-
rung anweist, sollen sich nach ihm gröfstentheils mit Land-
fröschen und Mäusen begnügen. Mehrere der ziehenden Raub-
204
vögel sollen nur von ihrer Ankunft im Frühlinge bis zu Ende
ihrer Brützeit um Johannis zu Nahrungsmitteln ihre Zuflucht neh-
men, welche sie bis zu ihrem Abzuge nicht mehr begehren. Der
Steinadler sei, als überall selten, schon deshalb nicht sehr schäd-
lich. Der Verf. zieht in Zweifel, ob er den Hasen Abbruch thun
könne, da er schon früh Abends den Wald suche, mithin ruhe,
wenn der Hase in Thätigkeit sei. ‘Da Herr L. indessen nie Gele-
genheit hatte, diesen Vogel genau selbst zu beobachten, so müssen
wir wohl hier Augenzeugen mehr Glauben beimessen. Der See-
adler (F. albicilla) soll sich nach der Brützeit von Feldmäu-
sen und Landfröschen nähren. Den Schreiadler (F. naevius)
nennt Verf. einen der nützlichsten Raubvögel, da seine Nahrung
allein in Landfröschen und Feldmäusen bestehe. Gegen den
Herbst, etwa einen Monat lang, setzt er sich gewöhnlich Abends
in das Schilf der Seen, um darin wärmer zu übernachten, wo-
bei aber die Wasservögel sich nicht im mindesten um ‚seine
Nähe kümmern, und dadurch zeigen, dafs sie nichts von ihm
zu fürchten haben. Bei einer grofsen Anzahl von Exemplaren
fand Verf. Kropf und Magen im Frühling und Sommer meistens
mit Landfröschen,; weniger mit Mäusen angefüllt, im Herbste
dagegen nur allein mit Feldmäusen. Im Früblinge sieht man
ihn in Preufsen nicht selten auf Wiesen in der Nähe von Seen,
wo er Frösche, aber keine Vögel sucht, die er zu jagen durch-
aus nicht geschickt ist; im Sommer trifft man ihn nur in Fel-
dern und Wiesen; gegen den Herbst sitzt er häufig auf Feld-
zäunen und kleinen Erhöhungen, um Mäuse zu fangen, welches
Geschäft er bis spät Abends fortsetzt. Ein einziges Mal fand
Verf. bei einem brütenden Weibchen neben einer starken Por-
tion von Landfröschen einen mittlern Flügelknochen, der etwa
einem Heher gehört haben könnte. Auch der rothe Milan (F.
milvus) wird zu den nützlichen Raubvögeln gezählt, da der
Schaden, den er durch Abfangen eines jungen Gänschen u. dgl.
anrichtet, gegen den Nutzen, den er durch Vertilgung der Mäuse
stiftet, nicht in Anschlag zu bringen sei. Eben so die Bussarde
und Weihen, und es bleiben mithin von den Tagraubvögeln
nur der Habicht, Sperber und Wanderfalk als solche übrig, die
als dem Geflügel schädlich zu verfolgen sind. Unter den höchst
205
‘
ztichen Eulen, ist nur der Uhu als schädlich zu verfolgen,
und unter allen Raubvögeln durch Vertilgung der Waldhühner
und Hasen der schädlichste.
Die durch mehrere Hefte fortlaufende Abhandlung ist über-
dies reich an interessanten Beobachtungen und verdient die Auf-
merksamkeit der Ornithologen. Insbesondere, was Verf. vom
Schreiadler mittheilt, den er 14 Jahre lang im Freien zu beob-
achten Gelegenheit hatte. Sein Flug ist hoch und majestätisch,
er fliegt oft lange und sehr hoch in weiten Kreisen, wobei seine
langen, bis fast zur Spitze gleich breit erscheinenden Flügel mit
dem kurzen zugerundeten Schwanze von jeder Seite einen rech-
ten Winkel bilden. Er bauet sein grolses Nest auf starken
Aesten von Eichen und andern Waldbäumen, immer nicht sehr
weit vom Rande des Waldes. Seine 2—3 Eier sind von der
Grölse zwischen einem Hühner- und Gänseei. Für Preufsens
Fauna hebe ich noch Folgendes heraus:
Die Tageulen, S. nyctea, uralensis, nisoria und passerina L.,
erscheinen nur als Zugvögel in Preulsen im Frühlinge und Herbst.
Nur von der letzten ist es ausgemacht, dafs sie in Preulsen brütet.
Ein Seeadler (F. albicille), den man 16 Jahr lang in Ge-
fangenschaft gehalten, legte ein ganz ‘weilses Ei, welches nicht
ganz so grols als ein Gänseei war. (Proc. Z. S. IV. p. 49.)
3 neue Eulen-Arten Australiens, St. castanops, eyclops und
delicatula, unterschied Gould in den Proc. Z. S. IV. p. 140.
B. Insessores.
Sylvia fithys und atricapilla überwintern zuweilen in
England. (Jard. Mag. of Zool. etc. I. p. 104.) Letztere
würde bei Bristol während des ganzen Winters gesehen, selbst
bei strengem Frost und Schnee.
Herr Löffler erklärte in dem oben angehen
über den Schaden der Raubvögel (Preufs. Prov. Bl. 16. p:/292.),
dafs mehrere in der Fauna Preufsens aufgeführte Vögel gar nicht
dort vorkommen, so die Rabenkrähe, Larus ruficeps, Sylvia
‚ luseinia, S. tithys, Motacilla sulphurea. Dagegen brütet Musci-
" capa luctuosa in verschiedenen Gegenden Ostpreufsens, z. B.
206
äufserst häufig bei Gerdauen im Walde Damerau und mitunter
in Gärten in Baumlöchern (i. p: 178.).
Von dem Nutzen und Schaden der rabenartigen Vögel (Cor-
vu8'L.) handelt derselbe Naturforscher ebendort (p. 386 fg.).
Der Kolkrabe und die Nebelkrähe sind für junge Hasen und
Geflügel 'schädlicher, als die meisten Raubvögel. Ein ‘Hase’ ver-
theidigte gegen 2 Nebelkrälien sein halberwachsenes, bereits am
Kopfe verwundetes Junge. — Ein ganz gesunder Hase wurde
im Winter von einer ganzen Schaar Krähen und 2 Raben ver-
folgt» und gebissen. — Dals Nebel- und Rabenkrähe' Bastarde
zeugen, bezweifelt Verf. ohne Grund. In den Proe. Z. 8. IV.
p. 76. erzählt wieder Williamson, dafs bei Hacknefs ein Ne-
"belkrähen-Weibehen mit einem Rabenkrähen-Männchen gepaart
'nistete und, als letzteres geschossen war, 'im- folgenden Jahre
mit einem Gatten derselben Art zurückkehrte. “Die Jungen va-
rürten, einige glichen mehr der Nebel-, andere 'mehr''der-Ra-
benkrähe.» Man’ vergleiche übrigens Naumann’s Naturgesch. d.
Vögel Deutschl. II. p. 63., der'hienach geneigt ist, "beide für
Varietäten einer Art anzusehen.
Beobachtungen, dafs Singvögel im’ Freien den Gesang ande-
rer Arten nachähmten, finden: wir in Loud. Mag.'IX. p. 378.
mitgetheilt, S. Taylor hörte in seinem Garten eine Schwarz-
drossel .die Weise ‚einer Nachtigall nachahmen; eine ändere
Schwarzdrossel krähte: wie ein Hausbahn. Auch eine‘Mönchs-
grasmücke (S. atricapilla-blackcap) hörte man im Freien die
Stimme einer Nachtigall täuschend nachahmen.
Al. v. Humboldt’s Angaben über die Nahrungsweise des
Guacharo (Steatornis earipensis), welche man ohne, gehöri-
gen Grund ‘in Zweifel zog. (s. Archiv 1. 2. p. 304.), haben sich
neuerdings vollkommen bestätigt. (Ann. d. ‚Sc. nat. VI. p.'61.)
L’Herminier fand in den Magen der Exemplare, welche 'er
sich später verschaffen konnte, nur Fruchtkerne, nie die gering-
ste Spur von Insecten. Auch die Angabe v. Humboldt’s,
dafs sich die den Alten im Gefieder gleichenden Jungen: bei al-
ler Sorgfalt nicht aufziehen lassen, hat sich als vollkommen be-
gründet erwiesen. Ihr Betragen wird umständlich geschildert.
Die Früchte, von denen der Guacharo sich nährt,;sollen haupt-
sächlich der Mataca angehören. Er findet sich aufser der Höhle
207
Caripe auch in andern Höhlen; nach Roulin (Ann. d. Sc.
nat. VI. p. 115.) auch an mehreren Orten in der Provinz Bo-
'gola. Nach Angabe der Bewohner von Pandi ziehen sie Abends
in grofser Anzahl aus ihrem Schlupfwinkel in einen nahen Wald,
um Früchte zu suchen.
Ueber die Lebensweise des Hehers schrieb Wateston
Loud. Mag. IX. p. 187.
Ebendaselbst p. 57. hat G. Ord genaue Beobachtungen’ über
den Cow bunting- (Fringilla pecoris Lath. Molothrus pecoris)
mitgetheilt, aus denen sich ergiebt, dals dieser Vogel, welcher
bekanntlich seine Eier andern Vögeln unterschiebt, zuweilen sein
Ei in das Nest eines ihn an Grölse übertreflenden Vogels legt,
2. B. eines Turdus melodus W., und dals seine Eier nicht eine
kürzere Brutzeit erfordern, als die der Pflegeältern, ‚deren Eier
nie aus dem Neste geworfen, sondern gewöhnlich ausgebrütet
werden. Sind zwei Eier des Viehvogels (vielleicht von 2 In-
dividuen) in das Nest eines kleineren Vogels gelegt, so werden
die Jungen der Pflegeältern aus Mangel an Raum entweder im
Neste erdrückt oder hinausgestofsen. ‚Ist nur ein Ei des Kuh-
vogels in dem Neste eines kleineren Vogels ausgebrütet, so wer-
den sein Junges und die Jungen der Pflegeältern mit gleicher
Sorgfalt aufgezogen und leben in Einigkeit. Legt der Kuhvogel
sein Ei in das Nest eines gröfseren Vogels, so wirft dieser nicht
das Ei heraus, sondern bebrütet es und zieht das Junge wie
sein eigenes auf. Endlich legt der Kuhvogel sein Ei auch, in
Nester, die bereits mehr als ein Ei enthalten. Verf. bemerkt
gegen Wilson und Nuttal, dafs der Kuhvogel noch. im. Juli
in‘ Pensylvanien gemein ist, und erzählt, dafs einer noch Ende
Juli ein Ei in.das Nest eines Blauvogels (indigo bird) legte,
Da, wo sich 2 Eier des Kulıvogels in demselben Nestle finden,
bleibt es zweifelhaft, ob sie nicht, von 2 Individuen -herrühren.
Fox (Sillim. Journ. XXIX. p. 291.) fand das Junge des Kuh-
vogels im ‚Neste der Fringilla socialis.
Motacilla neglecta Gould. ist in England und Schott-
land vorgekommen. (Jard, Mag. U. p. 111. Loud. Mag. IX.
p- 352.)
Von einiger Wichtigkeit ist die Entdeckung einer Pipra
in Indien am Himalaya (s. E. Burton, Proc. Z. S. IV. p. 113.)
208
P. squalida. Capite et cervice supra brunneis, interscapulio,
dorso alis et cauda viridescenti-brunneis; hac ad regionem subapiealem
brunnea saturatiori sed apice externo albo graciliter fimbriata; alarm
caudaeque pogoniis externis olivaceo leviter tinetis, corpore infra ubi-
que albido. — Mandibula sup. fusca, inferior albida apice fusco. Pedes
nigri. Long. 33”. Alae caudam aequantes.
Zur geographischen Verbreitung der rabenarligen Vögel giebt
Rüppell’s Werk (Neue Wirbelth.) einige schätzbare Beiträge.
Zwei neue Arten, südafrikanischen Formen genau entsprechend,
werden beschrieben. Die eine, ©. crassirostris R., ist der
ostafrikanische Repräsentant des C. albicollis Daud., hat den-
selben dicken, zusammengedrückten, auf der Firste bogenförmig
gekrümmten, weilsspitzigen Schnabel, aber’ statt des weilsen,
halbmondförmigen Schulterkragens findet sich in dieser Art ein
weilser, bis zum Hinterkopfe hinaufreichender, birnförmiger Fleck.
Sie bewohnt mit C. capensis Le Väill. das abyssinische Hoch-
land. Die andere Art ist ein Repräsentant des C. Corone und
C. capensis, von derselben Gröfse, unterscheidet sich durch eine
von der Spitze bogenförmig gekrümmte Schnabelfirste, durch die
aufsteigende Richtung der hintern Nasendeckfedern, durch die
den Schwanz weit überragenden Flügelspitzen, und von erste-
rer noch dureh die gablich ausgeschnittenen Kehlfedern, in de-
ren Bildung sie mit C. capensis übereinkommt. Diese letztere
Art ist, wie, bemerkt, vom Verf. auch in Abyssinien gefunden,
aber in den höher gelegenen Provinzen, während der ©. affi-
nis mit C. scapulatus Daud. (Südafrika’s) in allen niedern
Gegenden südlich vom 18ten Breitengrade einheimisch ist. Letz-
teren fanden auch Hemprich und Ehrenberg in Abyssinien.
Corvus cornix L. kommt im: Winter zwischen Cairo und Suez
ziemlich häufig vor, auch im peträischen Arabien. C. monedula
und rugilegus sind ungemein häufig in Unterägypten und dem
peträischen Arabien. Auch die Elster (Pica vulgaris Cuv.) ist
im Winter in Unterägypten häufig; P. senegalensis findet sich
nach dem Verf. häufig in Kordofan.. Pyrrhocorax graculus Temm.
lebt, in nichts von der europäischen verschieden, auf den höch-
sten Schneegebirgen Abyssiniens (14,000 F.), auch auf dem Si-
nai findet sich eine Steinkrähe, über deren Identität Verf. nicht
entscheiden kann. Vielleicht Corvus pyrrhocorax L. (Pyrrh.
alpi-
4
‚*
209
.
alpinus K.), der von Hemprich und Ehrenberg ans Bischerra
eingesandt wurde.
Aulserdem enthält die Lieferung Beschreibungen und Abbil-
dungen von:
Ptilorhynchus albicollis R., Lamprotornis rufiuentris ( Turdus chry-
sogaster Latl.), L. chalybaeus, ferner Prionopß eristatus Rüpp., eine
neue, dem P. plumatus (Lanius plumatus Shaw) ungemein ähnliche,
aber bestimmt verschiedene Art und Oriolus moloxita Bufl., dem O.
larvatus und melanocephalus nahestehend.
Mit Aufstellung neuer Genera hat uns J. Gould (Proc.
Z. S.) reichlich bedacht. Viele derselben sind auch in seiner
1837 im Januar erschienenen Synopsis of the Birds of Austra-
lia and the adiacent islands enthalten, einem Werke, welches
meist nur die Köpfe mit grolser Sorgfalt abbildet,, höchstens noch
den Uimriss des Körpers hinzufügt.
Scytalopus Gould. (Proc. Z. S. p. 89.) »
Rosfrum capite brevius, compressum, obtusum, leviter recurvum:/ Na-
res basales, membrana tectae, Alae concavae, breves, rotundatae, re-
mige prima abbreviata, 3, 4, 5 et 6 aequalibus. Cauda brevis, ro-
tundata (pennis externis brevissimis) laxa. Tarsi elongati, robusti,
antrorsum seutellati, posterius faseiis angustis eineti, squamis serpen-
tum abdominalibus haud dissimilibus; halluce elongato, robusto; ungue
elongato; digitorum anteriorum medio elongato, gracili.
1. Se. fuscus. $. corpore toto fuliginoso-nigro; capitis plumis
nonnunguam argenlato -griseis; 'rostro nigro; pedibus ‚brunneis. Long.
tot, 2%”, rostri 4”, alae 14”, caudae 14”, tarsi Z”. Hab.in freto Ma-
gellanico, Chili. n;
2. Sc. albogularis. S. capite coeruleo-nigro; corpore supe-
riore ferrugineo-brunneo, Jinea transversali nigra; cauda pallide rufo-
brunnea; gula, peetore, sbdomineque medio albis; lateribus et crisso
pallide ferrugineis, linea transversali nigra; mandibula'superiore nigro
brannea; pedibus brunneis. Long. 37”, rostri $", alae 14”, caudae 14”,
tarsi 4”. Brasilia. vi
Actinodura Gould. (Proc. 2.18. IV. p. 17.) ' -
Rostrum subeompressum, subareuatum, ad apicem subemarginatum.
Nares basales, lineares, operculo magno tectae. _ Alae molles,' bre-
viuseulae, eoneavae remige 1 brevissima, 4 et 5 longivribus. - Cauda
mollis, elongats, gradata. Tarsi elongati. Pedes maiusculi, halluce
ungueque postico longiusenlis. Ptilosis mollis, -laxa. - Alae: caudaque
transverse lasciatae.
A. Egertoni. A, cristata; supra nitide rulo-brunnea olivacen
Yinsta, subtus pallide rufo-brunnea, ‚erista, oceipite genisque brunnescenti-
einereis; remigibus ad basin rufis, pogoniis nigro flavoque fascialis, se-
TIL. Jahrg. 2. Band. 14
210
eundariis nigro brunneoque fasciatis; rectrieibus sordide rufo-brunneis,
lineis. sataratioribus transversim En alboque apiculatis. Long. tot.
84”, alae 32”, caudae 4%”, tarsi 13”, rostri 1. Rostrum pedesque
brunnej. Nepalia.
Aplonis Gould. Proc. Z. S. p. 73.
Rostrum capite paullo brevius, robustum, subeompressum; mandibula
arcuata, ad apicem emarginata. Nares basales, ovales, patulae. Alae
breves, remigibus 2 et 3 longissimis, 1 et 4 aequalibus. Cauda bre-
vis lata, quadrata vel subbifurca. Tarsi robusti, digitis magnis; un-
guibus magnis curvatis, hallueis praeeipue valido.
Plumae pilei lanceolatae. Ptilosis notaei imprimis in capite et cer-
vice nitore levi insignis.
A. marginata Gould. Freundschaftsinseln, — und A. fusca 6.
ib. Neuholland.
Kittacincla Gould. Proc. Z. S. ır. Din de
Rostrum caput longitudine aequans, ad apicem emarginatum, rectiuseu-
lum, compressiusculum. Nares basales, plumis brevibus utplurimum
tectae. Alae mediocres, rotundatae; remige 1 brevissima, 4, 5 sub-
aequalibus longioribus. Cauda elongata, gradata. Tarsi digitigue lon-
giusculi, tenues,
Maribus ‚color supra utplurimum niger, subtus brunneus vel albus.
Typus: Turdus macrourus Lath.
Paradoxornis Gould. (Proc. Z. $. IV. p. 17. u. Jard. Mag.
I. p. 64. e. icone.)
Rostrum altitudine longitudinem superans, basi vibrissis instruclum;
mandibula superiore valde compressa eulmine aeuto, valde arcuato;
tomio edentulo, apieem versus valde incurvo, ad 'basin producto; man-
dibula inferiore ad basin lata, robusta; tomio emarginato. Nares par-
vae rotundatae, pone rostrum silae. Alae breves, rotundatae; remi-
gibus dta, 5ta et 6ta longioribus. Cauda medioeris, gradata. Tarsi
vobusti, laeves, Pedes magni, subtas lati: digitis magnis; hallace un-
gueque postico maximis. Ptilosis ampla, laxa.
P. flawirostris. P. arenaceo-brunneus, subtus pallidior, capite
nuchaque rufo-brunneis: auribus partim aterrimis; faeie gutlureque albis
nigro varlis; pectore nigro. Long. tot. 8”, alae 34”, caudae 44”, tarsi
ur, hallucis 3”. Rostrum splendide aurantiaco - Hlavum; pedes coeru
iz: Hab. Nepalia.
Calodera Gould. (Proe. Z. S. p. 145. 106 et Syn. Birds Austr. 1.)
Rostrum validum, arcuatum, capite brevius, naribus basalibus rotunda-
tis, fere apertis, mandibula superiore apice leviter dentata, marginibus
sulcatis; margine mandib. inferioris in sulcum superioris recepto; alae
mediocres, remige prima brevissima; tarsi validi, antrorsum scutellati,
polliee eum digito interno coniuncto, hoc eiusque ungue validis et
medio digito ungueque brevioribus; ungues incuryi, acuti; canda mie-
diveris, penitus aequalis. —
211
Tur
Australische Vögel; Typus: Ptilonorkynchus nuchalis-Jard. und eine
neue Art, ©. maculata.
Struthidea Gould. Proc. Z. S. IV. p. 143. Syn. Austr. Birds. 1.
Rostrum validum, robastum, tamidum, supra areuatum, altitadine la-
tiludinem excedente; gonyde angulata; naribus rotundatis opertis (aper-
tis?), mandibula inferiore ad basin inerassata, in genas producta; alae
mediocres, rotundatae; remige prima brevi, 4 et ta longissimis, re-
migibus secundariis elongatis, latis; tarsi mediocri longitudine robusti,
‚antice scutellati, postice plani; digitis subvalidis; pollice medio digito
“ breviore et validiore. ENEM
Str. cinerea G. in Nova Cambria australi.
Haematops Gould. Proc. Z. S.W. p. 144. HR!
Rostrum capite brevius, leviter arcuatum, acutum, apice edentulum;
compressiuscnlum; naribus longitudinalibus, operculo tectis, vibrissis
nullis ad rietum, alae mediocres, remige I brevi, 3 et 4 fere aequa-
libus, et longissimis; cauda mediocri aequali vel leviter forficata; Larsi
mediocres, subvalidi, halluce cum ungue digitum medium cum ungue
aequantibas; digitis externis longitudine aequalibus ; naevi sänguino-
lenti supra 'oculo. \ ‘
Australische Vögel, zu den Meliphageen gehörig. Typus ist Cer-
thia lunulata Shaw. (Meliph. atricapilla Temm.) Aufserdem ‘2 neue,
H. gularis u. validirostris. Alle drei haben den schwärzen Kopf
und die weilse halbmondförmige Nackenbinde.. Abgeb. Syn. Austr. Birds.
fase. I. van
Neomorpha Gould. Proc. Z. S. IV. p. 144. Syn. Austr. Birds 1.
Rostrum capite multo longius, compressum arcuatum, cornenm, soli-
dum, acutum, apice dentieulatum; nares opertae, in 'sulco basali; ca-
rina mandibulae superioris in pontem (frontem?) tendente, lingua
dura, gracilis, apice setosa, anguli oris carunculis carneis pendentibus
instrueti, alae —; pedes —; cauda corpus longitudine aequans.
N. acutirostris und N. crassirostris. Beide aus Neuseeland.
Zu den Meliphageen?
Falculia Isid. Geoflroy, aufgestellt in Gu&r, Mag. Zool.
6 annee. Livr. I. 2. tab. 49. 50.
Der Schnabel sehr lang, siehellörmig gekrümmt, klingenförmig zu-
sammengedrückt, mit fast parallelen Seitenflächen. Die Nasenlöcher
seitlich an der Basis, oval, fast an die vorderen Stirnfedetn gränzend.
Flügel stumpf, bis zur Mitte der Schwanzfedern reichend, die erste
Schwinge sehr kurz, die dte und 5te die längsten, Pedes ambulatorii.
Tarsen kurz, aber sehr kräftig, Zehen long, besonders Mittel- und Hin-
terzehe, stark, mit langen, sehr gekrümmten Nägeln. Jede Zehe, be-
sonders die hintere, unterhalb mit einer Art Sohle, die ihre Basis be-
trächtlich verbreitert. Schwanz gerade (carrde), aus 12 Federn. Der
Verf, weiset nach, dafs die Gattung zur Familie der Epopiden gehört,
14*
212
unterläfst es aber, anzugeben, ob auch bier wie bei Upupa uud Epi-
machus s. str. die Kiefer solide sind. Die Art F. palliata Geoflr.
stammt: aus Madagaskar, wo sie nach Goudot, am Uler der Gewässer
Wasserinsecten und animalische Stoffe im Schlamme suchen soll. Sie
ist etwas grölser als der, Wiedehopf, auf Rücken, Flügeln und Schwanz
dunkel metallgrün mit Reflex, übrigens weils.
Eben daselbst II. giebt de la Fresnaye eine kurze Mo-
nographie der Gattung Orthotomus mit Abbildung des O. se-
pium Horsf. (£. 51.) und ©. Bennettii Sykes (t. 52.), und weist
nach, dafs Lesson in dem Traite d’Orn. jenen, in der Cent.
Zool. diesen als Edela ruficeps beschrieben habe. Das in dies.
Archiv I. 2. p..305. erwähnte Nest des letzteren wird t. 53.
abgebildet und zugleich auf die Verwandtschaft dieser Vögel mit
unsern Schilfsängern hingewiesen.
Neue Arten: ö
Zosterops albogularis Gould. Proc. Z. S. IV. p. 75. — Z.
tenuirostris Gould. ib. p. 66. (neuholländische Sylvien, abgeb. in ‚Syn.
Austr. Birds. I.)
Syloia brevirostris Strickland. x. p. 98. Kleinasien. Steht
der $. trochilus nahe, unterscheidet sich durch schwarze‘ Beine und
einen kürzeren Schnabel (von 4” Länge). Ganze Länge 4%”, Schwanz
22”, Tarsus 3”.
S. Komadori Temm. pl. col. 96. t. 570. Korea. und $. Aka-
hige Temm, :b. £. 571. Japan.
Sylvia miniata La Fresn. Guer. Mag. Zool. t. 54. Mexiko.
Troglodytes magellanicus Gould. Proc. Z. $. IV. p. 83. u.
Tr. leucogaster. id. ib. p. 89. Mexiko.
Thryothorus guttatus Gould. ib. p 89, Mexiko,
Petroica phoenicea Gould. ib. p. 105. Neuholland. (Musei-
capa.)
Trichophorus flaveolus Gould. :b. p. 6. Himalaya.
Edolius grandis, rangunensis, Crishna, viridescens Gould. ib. p. 6.
Lanius melanoleucus Smith. Guer. Mag. Zool. II. t. 61.
Vanga cinerea (Vandiemensland), Y. nigrogularis Gould.
Neu-Süd-Wales. und Ocypterus superciliosus Gould. Neu-Süd-
Wales. Proc. Z. $. IV. p. 142. >
Ixos leucotis Gould. ib. p. 6. .Ostindien. j
Turdus cinnamomeiventris. ZJ und Q aus Südafrika. de la
Fresnaye in Gu&r. Mag. Zool. £. 55 u. 56.
Orpheus modulator Gould. Proc. Z. S. IV. p. 6. ‚ Magellan-
Stralse.
Geocichla rubecula Gould. ib. p. 7. Java. i
Colluricincla fusca Gould. :b. p. 6. Neuseeland. &
213
Eupetes Aiax Temm. pl. col. 97. £. 573. u. E. coerwlescens
Temm. ib. t, 574. Neu-Guinea.
Meliphaga penicillata Gould und M. sericea Gould. Beide
aus Neu-Süd-Wales. Proc. Z. 8. p. 143.
Tropidorhynchus citreogularis Gould. ib. p. 143.
Amadina modesta, castanotis, cincta, ruficauda ‚Gould. Neu-
holland. zb. p. 105. Abgeb. Syn. Austr. Birds. I.
Cracticeus hypoleucus Gould. ib. p. 106. dem Cr, tibicen ver-
wandt. Or. fuliginosus Gould. ib. Später in der Syn. Aust. Birds. I.
als Coronica fuliginosa mit Coronica strepera (Barita strepera Temm.)
abgebildet.
Barita gymnocephala Temm. pl. col. !. 97. t. 572. Borneo.
Calyptorhynchus Naso Gould. Neuhollaud. Proc. Z. 8. p. 106.
Corvus Beecheii Vig. Abgebildet Gu@r. Mag. Zool. II. t. 72.
Kitta buccoides Temm. pl. col. 97. t. 575. Neu-Guinea.
Emberiza cinerea Strickl. Proc. Z. 8. p. 99. Kleinasien.
Ember. personata Temm. pl. col. lior. 98. t. 580. Japan. —
E. elegans Temm. ib. t. 583. f. 1. und E. variabilis Temm.
1.583. f. 2. Beide ebendaher.
Emb. luetuosa Eyd. et Gery. Chili. Guer. Mag. Zool. II. 71.
Passerina guttata La Fresn. Chili. = Emberiza guttata Meyen.
ib. t. 70.
Fringilla diuca Mol. Chili. zb.
Alauda (Certhialauda) albofasciata La Fresn. ib. t. 58.
— rufopalliata La Fresn. zb. t. 59., nebst Angabe zweier
dünnschnäbligen Lereheu Südamerika’s, A. nigrofasciata und tenui-
rostris d’Orb. et Lalr.
Prionites eoeruliceps Gould. Proc. Z. S. p. 18.
Alcedo vintsioides Eyd. u. Gerv. Der A, cristata nahe stehend,
aus Madagaskar. Guer. Mag. Zool. II. t. 74.
C. Scansores.
W.H. White erzählt in Loud. Mag. IX. p. 347., dals
ein 1836 verstorbener Papagei sich 82 Jahre im Besitze dersel-
ben Familie befunden, und dafs noch jetzt einer in London lebe,
der gegen 100 Jahre Eigenthum einer Familie sei. aber’ bereits
- einen hohen Grad von Schwäche zeige.
.
W.Swainson’s Abhandlung über die Naturgeschichte und
natürlichen Verwandtschaften der Cueuliden, Jard. Mag. of
Zool, and Botan. I. 3. p. 213. ist keines Auszugs fähig.
214
Neue Arten:
Vigors unterschied 2 neue Papageien: Psitr. augustus (Süd-
amerika) und P. Guildingii (St. Vincent), Proc. Z. S. p. 80.;
Temminck in d. Pl. col. livr. 96. 3 Arten: P. iris, £. 567. (Ti-
mor), P. euteles, ib. t. 568. (Timor), P. scintillatus, t. 569.
(Neu-Guinea);
Gould einen neuen Plectolophus, P. produetus, dem P. Ne-
stor nahe stehend, aber durch eine sehr lang gezogene Oberkiefer-
spitze ausgezeichnet. In der Syn. Austr. Birds. I. bildet er aus bei-
den eine eigene Gruppe: Nestor.
Derselbe unterschied Proc. Z. S. p. 80. eine neue Tamatias, T.
bieineta,
und zb. p. 12. seinen Trogon resplendens vom Tr. pavoninus Sp.
Einen neuen Bartvogel aus der Gruppe Micropogon Temm.
stellt La Fresnaye in Gu&r. Mag. Zool. 1836. II. t. 60. auf
(M. sulphuratus, Südafrika) und giebt zugleich eine Uebersicht
der bis jetzt bekannten Arten.
D. Gallinacei.
Ueber die Ganga’s (Pterocles) und besonders über den
Ganga-Cata der Provence hat Herr Verdot der französischen
Akademie, eine Monographie mit lithographischen Abbildungen
eingesandt (Monographie des Gangas specialement du Ganga-
Cata de Provence), Compt. rend. hebd. II. p. 393.
Ueber die Holztauben erschien ein Aufsatz vom Prediger
Löffler in den preufs. Provinzialbl. Bd. 5. p. 617.
Vigors stellte eine neue Gatlung der Hühnerrögel auf,
welche er als Zwischenglied zwischen Crypturus und Otis be-
trachlet, und Tinamotis nennt. Die einzige Art, T. Pent-
landii, wurde von Pentlaud in bedeutender Höhe auf den
Anden gefunden. (Proc. Z. S. IV. p. 79.)
Rostrum forte, subreetum, Otidis rostro ‚peratualle, culmine plane. Alae
mediocres, rotundatae; remigibus 1 et 7 fere aequalibus, brevissimis,
3 et 4 longissimis. Pedes tridaetyli, tarsis sublongis fortibus; acro-
tarsiis reticulatis squamis inferioribus grandibus; digitie longitudine
medioeribus, medio ceteris subaequalibus longiore, omnibus memhrana
ulrinque marginalis; acropodüs seutellatis, squamis maximis; unguibus
grandibus, planis, expansis. Cauda brevis, subrotundata.
T. Pentlandii corpore cinereo-brunneo sordideque fulvo fasciato,
215
eapite colloque similiter strialis; erisso femoribusque rufis; mento al-
bescente. j
Long. corp. 15", älae 10”, rostri ad rietum 13”, tarsi 2”.
Ueber das Skelet von Crypturus s. A. Wagner in den
Abhandl. d. Akad. zu München. Bd. II.
Sykes hat in deu Transact. of the Zoolog. Society. Vol. II.
p- 1. eine Monographie der indischen Wachteln und Hemipodien
gegeben.
In dem allgemeinen Theile geht der Verf. die Charactere der Gat-
tungen durch. Der zugespitzte Flügel, der beim g' schwielenlose Tar-
sus seien nicht unterscheidende Charactere, das 9° seiner Cot. Argoon-
dah und Cot. Pentah haben deutliche Schwielen. Zwei der beschrie-
benen Wachteln haben die zugerundeten Flügel und Schwielen der Reb-
hühner, aber einen viel höheren Schnabel, die 3te unterscheidet sich
von Coturnix allein im zugerundeten Flügel, und doch würde jeder
Jäger alle 3 für Wachteln ansprechen. Keine dieser Arten ist Zugvo-
gel. Die Coturnix dactylisonans aus Indien, China und vom Cap der
guten Hoffnung ist von der europäischen durchaus nicht wesentlich ver-
schieden, sie ist Standvogel in Indien und wahrscheinlich auch in China,
wie nach Temminck auf der Roben-Insel am Cap. Die vom Verf.
beschriebenen Arten halten sich truppweise zusammen und sind poly-
gam. (Bekanntlich gilt auch unsere Wachtel bei den deutschen Ornitho-
logen als polygam.) Die indischen Arten gehören also zu Perdix oder
bilden ein Zwischenglied zwischen beilen Gruppen. Hinsichtlich der
Gattung Hemipodius bemerkt Verf‘, dafs sie sich in ihrer Form und
ihren Sitten an Otis anzuschlielsen und zur Familie der Struthioniden
zu gehören scheine. (In meinem Handb. d. Zoologie habe ich sie mit
Orypturus zusammengestellt und halte diese Stellung auch jetzt noch
für richtig.) Hemip. pugnax und Taigoor halten sich auf bebaueten
Feldern, H. Dussumieri in dichten Grasflächen mit Otis fulva und
in Feldern. Die beiden ersteren halten sich einzeln oder paarweise,
die letztere einzeln; Verf. schliefst daraus, dafs sie nicht polygam seien.
Schwarze Ameisen, kleine Coleopteren und Grassamen finden sich im
Magen der beiden ersteren, kleine Inseeten und Samen von Panicum
ätalicum bei letzterem. Diese zieht es vor, sich zu verbergen, H. pu-
gnax und Taigoor fliegen fort, aber nicht schr eilig. Die Zungen,
Blinddärme, Sehnäbel u. s. w. von den Coturnix- und Hemipodius-
Arten, so wie von Tauben und Prerocles, sind tabellarisch abgebildet.
Genauer beschrieben werden Cot. dactylisonans, ©. textilis Temm, €.
erythrorhyneha Syk., ©. Argoondah S., C. Pentah Syk., Hemipodius
pugnax Vemm., H. Taigoor Syk., H. Dussumieri Temm. Die neuen
Arten sind abgebildet,
# Ueber die gemeine Wachtel, welche im Frühlinge und Herb-
216
ste in (jetzt minder zahlreichen) Schaaren auf Cerigo erscheint,
giebt R. Jameson einige Bemerkungen (Edinb. New Phil. Journ.
XXTII. p. 67.). Man sucht sie mit Hunden auf und fängt sie
mit Handnetzen. Bei ihrer Ankunft sind sie oft so ermüdet,
dafs man sie mit Händen greifen kann; im Frühlinge mager, im
Herbste fett. Eine grofse Menge bewahrt und mästet man, aber
bei der gröfsten Sorglalt sterben sie doch bald, noch vor Beginn
des kalten Wetters.
Neue Arten:
Einen neuen Ortyx, O. ocellatus, beschreibt Gould, Proc. Z.
S. p. ©5.
©. nigro-brunneus, dorso punctis rufo-brunneis adsperso, lateri-
bus ocellis albiflavidis notatis, femoribus nigris.
Long. corp. 64”, alae 44”, tarsi 14”. Vaterland nicht angegeben.
Columba Mülleri Temm. Planch. col. livr. 96. t. 566. (Neu-
Guinea.) — Col. rosacea Temm. Pl. col. 1. 98. t. 578. (Timor.)
— Col. Kittlitzii Temm. P!. col. 1.98. ohne Abbild. (Insel Bonin,
Japan.) — ©. boliviana d’Orb. Guer. Mag. 1836. t. 75.
E. Cursores
Ueber die männliche Ruthe der straufsarligen Vögel hat
Joh. Müller Untersuchungen angestellt, deren Resultate die
Familienverschiedenbeit der zwei- und dreizehigen Straufse ver-
grölsern, Bei den Areizehigen ist die Ruthe wie bei den Enien
und Gänsen gebildet, bei den zweizehigen dagegen eigenthüm-
licher Art. Das Nähere s. in dem Berichte der Akad. d. Wis-
senschaften zu Berlin, November 1836, und in Müller’s Archiv,
1837. Jahresber. p. LXI.
Nach Riley (Jard. Mag. of Zool. and Bot. I. p. 306.)
soll der zweizchige Strauls ein Rudiment der 3ten Zehe haben.
Es soll aus 2 Phalangen bestehen und an einem deutlichen Ge-
lenkhöcker artieuliren.
F.. G@rallae.
Von Naumann’s Naturgeschichte der Vögel Deutschlands
erschien der Ste Band. Er behandelt mit bekannter Gründlich-
keit die Genera: Actitis, Totanus, Hypsibates Nitzsch (Himan-
EEE
217
topus aut.), Recurvirostra, Phalaropus, Limicola, Scolopax, Li-.
mosa, Numenius, Ibis. Wie zu den früheren Bänden, hat auch
zu diesem der verewigte Nitzsch die Anatomie der beschrie-
benen Genera bearbeitet. Für die folgenden Bände hat Prof.
Rud. Wagner die anatomischen Beiträge übernommen.
Intetessant für die Systematik sind die Mittheilungen von
Martin und A. Wagner über die Anatomie des Qariama (Di-
cholophus cristatus Ill.). Letzterer gab in seinen Beiträgen zur
. Kennto. d. warmbl. Wirbelth. Amerik. (Abhandl. der physikal.
matlıcmat. Kl. d. Akad. zu München, Bd. II.) die Beschreibung
eines defeeten Skelets mit Abbild.; ersterer beschrieb aufserdem
noch die Weichtheile (Proc. Z. 8. IV. p. 29.). Die Bildung
des Skelelis documentirt ihn als eine Alectoride., Interessant
ist Wagner’s Bemerkung, dals der Fortsatz des Thränenbeines
mit einem kleinen Supereiliarbeine versehen ist, was an die
Tagraubvögel erinnert, so wie die Bemerkung Martin’s, dass
das Auge einen festen consolidirten Kuochenring besitzt. Die
Weichtheile gleichen im Allgemeinen denen der Kraniche, aber
die Muskelhaut des Magens ist viel dünner; die Länge des Darm-
kanals belrägt 3 F. 51”, die der Blinddärme 74”. Nach Mar-
tin sind 13 Hals-, 7 Brust-, 12 Kreuz- und 8 Schwauzwirbel
vorhanden. Rippen finden sich ;7 jederseiis, die beiden vordern
sind falsche (Wagner giebt 6 wahre Rippen an).
Den Skeleibau der Psophia hat A. Wagner ebeudaselbst
* beschrieben.
v.Blainville theilte seine Untersuchurgen über die syste-
matische Stellung der Gattung Chionis Forst. mit, da ibm der
Rumpftheil des Skeleis und anatomische Notizen von Botta zu
Gebote standen (Ann. des Sc. nat. VI. p. 99.). Nach einer Be-
schreibung der äufseren Theile folgt eine Beschreibung des Ske-
lets und der Verdauungsorgane. Nach Botta hat die Zunge die
Länge des Schnabels, ist pfeilförmig und ziemlich spitz, der Ma-
gen klein, Leber und Gallenblase grofs; der Darmkanal hat
aufser den beiden 5” langen Blinddärmen ein kleines Diverlikel
von 6”. In der Zahl der Wirbel (15 Hals-, 6 Rücken-, 14
Krenz- und 8 Schwanzwirbel) und Ribben, in Gestalt des Brust-
beivs (mil 4 hinteren Ausschnilten), in den Verdauungsorganen,
im I2fedrigen Schwanze, in den spitzen Flügeln, den kurzen,
218
wenig nackten Beinen, im wenig zusammengedrückten Tarsus
mit netzförmiger Bedeckung, in den breiten, seitlich gerandeten,
wenig gehefteten Zehen, in der Lebens- und Nahrungsweise
(Muschelthieren) findet Herr Bl. die meiste Vebereinstimmung
mit Haematopus, welche Ansicht gewils die richtige ist.
Charadrius Morinellus brütet in Cumberland. (Jard. Mag.
T.1. p. 105.). Scolopax rusticola brütet jetzt häufiger in Schott-
land, als früher (Jard. Mag. I.1. p. 105.). Es wird die Frage
aufgeworfen, ob dies.climatischen Veränderungen oder der grolsen
Zunahme von Anpflanzungen zuzuschreiben. Wahrscheinlich
dem lelzteren. — Von Tringa pectoralis der vereinigten Staa-
ten Nordamerika’s wurde ein weibliches Exemplar bei Yarmouth
geschossen (ib. I. 2. p. 200.), desgleichen eine @lareola pra-
tincola in Cambridgeshire, das 5le Exemplar, was überhaupt
in England beobachtet wurde. \
Ueber die Schnepfen Nepal’s gab Hodgson in der Zoolog.
Society Nachricht (Proc. Z. 8. IV. p. 7.) Se. ru8ticola ist in
Gestalt und Farbe der europäischen ganz gleich und ein Zug-
vogel, dessen Ankunft und Abzug in dieselbe Zeit, wie in Eng-
land fällt. Zwei andere sind vielleicht auf Se. Gallinago als
Varietäten zu beziehen. Die eine hat 14 — 16 Schwanzfedern
von gleicher Gestalt, die andere hat 22 — 28, von denen die
6— 10 äufseren schmal und zugespitzt sind. Verf. hält letztere
für eine besondere Art, @. heterura. Offenbar dieselbe Schnepfe,
welche nach Exemplaren des hiesigen Museums Naumann (Na-
turgesch. der Vögel Deutschl. 8. p. 316. u. 343.) und Brehm
\beschrieben und die letzterer bereits 1835 für eine besondere
Art (Telmatias platyura, Isis 1835.) erklärte, was, da diese
Schwanzbildung schwerlich blofse Anomalie ist, annehmbar sein
möchte. Zwei andere Schnepfen, Gall. solitaria Hodgs. und €.
nemoricola Hodgs.. werden so charakterisirt:
Erstere hat auffallend lange Flügel, die Oberseite besonders auf
den Flügeln ist fein gefleckt, gebändert und gestrichelt mit weils,
gelb und braun; der Bauch weils, an den Seiten braun gebändert.
Letztere hat eine dunkle Färbung, kurze Flügel, Bauch und die ganze
Unterseite dicht mit braunen Binden aul weilsem Grunde, 16, 18 oder
selten 20 Schwanzledern.
Eine australische @allinula vom Schwanenflusse, @. ventralis,
beschreibt Gould, Proc. Z. 8. p. #5.
u -
oe PP
219
Ebenderselbe stellt eine neue Art der Gattung Cursor auf (ib.
p. 81.), €. rufus, von den Inseln des indischen Oceans.
Otis melanogaster Rüpp. und Vigorsii Smith in Rüpp. N.
Wirbelth. V. Lieferung. Otis scolopacea Temm., Pl. col. livr. 97.,
aus dem Innern von Alrika. Herr Rüppell erklärt sie in seiner 1837
poblicirten Monographie der Gattung Otis identisch mit O. Vigorsii
Sm. und den hier von Temminck als junges Z des O. Denhamii
(0. caffra Licht.) beschriebenen Vogel für das @ seiner Z. e. aufgestell-
ten O. Ludwigii. (Mus. Senckenb. I. p. 221. In der Synony-
mik der ©. caffra bei Rüppell vermisse ich O. ruficollis Wagl.. Isis
1831. p. 520, welche auch hieher zu gehören scheint.)
Ibis Tamellicollis de la Fresnaye (Gu£r. Mag. Zool. II. t. 57.)
ist identisch mit J. spinicollis James., s. Jahrg. 1836. II. p. 273.
Nyceticorax limophilax Temm., Pl. col. I. 98. t. 581. (Java)
und N. Goisagi Temm., ib. t. 582. (Japan).
Nach Bachmann, ,Sillim. Journ. XXX. p. 91. not., sind Tringa
Audubonii und Tr. Douglasii Richards. Swains. nur Tr. himantopus
Bon. in verschiedenen Kleidern.
Nach demselben, ib. p. 89. not. (über die in Carolina brütenden
Reiher) sind die Jungen der Ardea everulea bis zum zweiten Jahre
weils. 4. Pealii Bon. ist, wie Audubon angegeben, das Junge von
4. rufescens Buff. Die Flaumfedern der Nestvögel sind braun, dann
werden die Vögel weils, bis zum zweiten Jahre, wo sie die roströth-
liche Färbung annehmen. Die Grus canadensis Temm. ist das Junge
der @. americana, deren Gelieder es im 2ten oder 3ten Jahre be-
kommt.
G. Natatores.
Der erste Faseikel von F. Brandt’s Descriptiones et ico-
nes animalium Rossicorum novorum vel minus recte cognitorum.
Aves. Petripoli 1836. 4. hat nur Vögel dieser Ordnung zum
Gegenstande. Die 6 dem Hefte beigegebenen Abbildungen sind
gelungen und sehr sorgfältig colorirt. Aufser den beiden ab-
gebildeten Pelekanen, P. onocrotalus und crispus, deren Na-
turgeschichte und Synonymie wir hier, wie bereits im vori-
gen Berichte bemerkt wurde, gründlich erörtert finden, sind
es entenartige, schon von Pallas beschriebene Vögel, deren ge-
nauere Beschreibung in diesem Hefte gegeben ist. Eine syste-
matische Uebersicht der Genera und Subgenera, mit anatomi-
schen Bemerkungen und gelungener Charakteristik der äufßseren
Formen geht der Artbeschreibung voraus. Verf. unterscheidet
220
als Genera: Anser, Anas; Cygnus, Fuligula, Mergus. 1. An-
ser Bechst., mit den Subgeneribus: Anser, Bernicla, Cygnopsis
(Anser eygnoides), Nettapus (Anas madagascariensis), indem
er ungewils bleibt, ob nicht Anas iubata Latlı. eine besondere
Gruppe (Chenonetta) bilden, und ob Cereopsis uud Plectropte-
rus Leach (Anus gambensis Auct,) den Gänsen als Untergattun-
gen einzureihen seien. Beschrieben und abgebildet werden Ans.
canagicus Br. (A. pictus Pall. Z R. A.) und A. leucopa-
reius Br. (Ans. canadensis Pall. Z. R. A.). — Für die Gat-
tung Anas s. str. (mit ungesäumter Hinterzehe) gelten als Un-
tergattungen: Anas, Tadorna, Cairina Flemm. (A. moschata)
und Rhynchaspis. Beschricben und abgebildet werden 4. fal-
cata und glocitans Pall. Ueberall sind die natürlichen Verwandt-
schaften der Gruppen sehr treffend hervorgehoben, leider aber
gestattet der Raum nicht, hier ins Einzelne einzugehen. Auf
gleiche Weise ist auch die Familie der Pelekaniden nach ihren
übereinstimmeiden Charakteren und verwandtschaftlichen Be-
ziehungen abgehandelt.
Eigeuthümliche Schädelknochen zweierlei Art hat Brandt
in der Familie der Steganopoden eutdeckt, Bei Plotus und Ha-
lieus, bei ersteren stärker entwickelt, findet sich jederseits über
deni oberen Rande des vorderen Jochbein-Theiles vor dem Thrä-
nenbeine ein kleiner linearer Knochen. Er nennt sie Ossa su-
prajugalia. Bei Pelecanus, Tachypetes und Phaöton kommen
sie nicht vor. Bei Zachypetes findet sich die zweite Art, ein
hakenförmiger Knochen nahe dem unteren Theile des unteren
Randes vom Tliränenbein, dem es durch eine Bänder-Masse an-
gefügt ist. (Bullet. de U!’ Acad. de St. Petersb. I.)
Die Brutplätze des Colymbus areficus im Norden von Schott-
land (Sutherland) beschreibt Selby, Jam. Edinb. New Ph.
Journ. AX. p. 293., ziemlich so, wie wir sie durch Faber vom
€. glacialis kennen. Das Weibchen halte, indem es. mit den
Fülsen nachschiebend, auf dem Bauche rutscht, einen sichtlichen
Steg vem Wasser zu den auf dem blolsen Grunde liegenden
Eiern gebahnt, und brütete in horizontaler Stellung.
Von der Märzente (Anas boschas) erzählt Löffler, Preuls.
Prov. Bl. Bd. 16. p. 293., dafs. sie in Preulsen ilır Nest nur auf
die Erde an Scen und in Brüchern baue, und dals einer seiner
ve.
R 221
Jugendbekannten einst ein Nest derselben mit 8 Eiern tief im
Walde auf einem hohen Berge, hoch oben in einer hohen Fichte,
gut eine Viertelmeile vom Wasser entfernt, gelunden habe.
Neue Arten:
Eine australische Ente, Oxyura australis, unterschied Gould
(Proc. Z. S. p. 85.).
Mase. capite toto eolloque nigris, pectore dorso lateribusque nilide
eastaneis; remigibus -teetrieibusque caudae nigrescentibus, uropygio
uigricante brunneo inornato; abdomine erissoque brunneo, einereis
brunneo transversim obseure striatis, rostro pedibusque plumbeis.
Fem, dilfert toto corpore nigricante, lineis ebsenris guttisque casta-
neis notato; partibus inferioribus pallidioribus.
Long. tot. 15”, rostri 2”, alae 6”, caudae 3”, tarsi 14”.
Zwei neue Podiceps, P. gularis und nestor, beschrieb
derselbe Proc. Z. S.p 145. und in der Syn. of Birds of Austral.
I. mit Abbild., und
Temminck eine Urie ans Corea und Japan, U. Wumizu-
sume, Pl. col. I. 98. t. 579.
“
u
"3. Amphibia
Minder grols als bei den vorigen Klassen ist die Zahl der
über diese Klasse erschienenen Arbeiten, aber die Resultate der-
selben für die Wissenschait sind zum Theil selır erheblich. Na-
mentlich zilt dies von Dumeril u. Bibron’s treillicher Erpe-
tologie generale, von welcher der 3te, 1826. erschienene, Band
einen Theil der Saurer behandelt. $. unten.
Zur geographischen Verbreitung der Amphibien erhielten
wir Beiträge von Holbrook, Rathke und Gervais. — Jolın
Edw. Holbrook. Professor der Anatomie an dem medieini-
schen Collegium von Südearolina, hat ein umfassendes Werk
über die nordamerikanischen Amphibien begonneu (North Ame-
rican Herpetology or a description of the Reptiles inhabitiing the
united States. Vol. I. Philadelphia 1836. 4.). Der erschienene
erste Band liefert Beschreibungen und Abbildungen mehrerer be-
reits bekannten und einiger neuen Arien aus allen 4 Ordnun-
gen. Die Beschreibungen sind umständlich, gehen indels nicht
immer auf die feineren Unterschiede ein, deren wir heutiges
222
Tages zur Feststellung der verwandten Arten bedürfen. Auch
die Abbildungen lassen noch Manches im Dunkeln. Ueberall
ist der geographischen Verbreitung und Lebensweise der Arten
ein eigener Abschnitt gewidmet, der manche wichtige Notizen
giebt. Das Nähere bei den Ordnungen.
Rathke hat in seinen Beiträgen zur Fauna der Krym
p- 8 fg. über ‚einige dortige Amphibien Nachrichten gegeben.
Sie betreffen Bufo variabilis, dessen g', wenn es lockt, die Kehle
zu einem fast kugellörmigen Sacke aufbläht, mit-einem Tone, wie wenn
man Luft durch eine Röhre in Wasser bläst; Testudo orbieularis Pall.
= Emys europaea, Lacerta viridis, LDacerta taurica Pall., eine der
unter«Lac. muralis gehörigen Formen und, wie mir scheint, identisch
mit Podarcis Merremüi Fitz des Wiener Museums; Dacerta grammica
Licht.; zu welcher aber nicht die eitirte Abbildung (Zac. scutellata Aud. )
der Descript. de l’Egypte gehört; Pseudopus Pallasii Cuv. (Lacerta
apoda Pall.), Coluber Hydrus Pall. (die nach 2 Exemplaren angegebene
Zahl der hinteren Augenschilder, 4, habe auch ich für die Art charak-
teristisch gefunden), Col. trabalis Pall.
Eine Aufzählung mehrerer aus Marokko und Algier einge-
sandten Amphibien theilte Gervais (Ann. des Sc. nat. VI.
p- 308.) mit, welche, wie zu erwarten stand, eine grolse Ueber-
einstimmung dieser Fauna mit der des bekannten Küstenlan-
des am Mittelmeere, namentlich mit dem südlichen Spanien,
Italien und Morea, nachweist. Die erwähnten- Arten sind fol-
gende:
1. Testudo marginata Schoepl; Algier. 2. T. ibera Pall. ( T. pu-
silla Shaw, T. mauritanica Dum. Bibr.); Algier. 3. Emys leprosa
Schweigg. (E. Sigris Dum. Bibr.); Algier. 4. Platydactylus faseicu-
laris; Algier, Tanger, 5. Hemidactylus verruculatus Cuy. 6. Gymno-
dactylus mauritanicus Dum. Bibr.; Algier. 7. Chamaeleo vulgaris L.,
Tanger, Algier. 8. Uromastix acanthinurus Bell; Algier. 9. Dacerta
viridis L.; Algier. 10. L. agilis L.; Algier. 11.\Algira barbarica,
Lac. algira L.; Algier. 12. Lerista Dumerilii Coct.; Algier, 13. Scin-
ceus ocellatus; Tanger, Algier. Eine Varietät von Tanger ist ungelleckt
und hat eine rothbraune Seitenbinde. 14. Scineus eyprius Cuv.; Algier.
(Wegen seiner weiteren geographischen Verbreitung ist Merrem’s Name
Se. rufescens vorzuziehen.) 15. Seps tridactylus, in 3 Varietäten: .«. 8-
lineatus; Algier, Spanien, südl. Fränkreich, Italien. 3. 6-Iineatus ; Al-
gier. y. 4-lineatus; Italien. 16. Anguis fragilis L.; Algier. 17. A.
punctatissimus Bibr. Exp. Mor.; Algier; von welcher weitere Unter-
schieda angegeben werden. 18. Pseudopus serpentinus Merr.; wenig-
stens wurde der Ps. Durvillii in Algier gefunden, den Verf. mit
a
225
Recht, so wie Men&trie’s Ps. Fischeri, als das Junge dieser Art an-
sieht. 19. Amphisbaena cinerea Vandelli, Blanus. Wazl. 20. Amphisb.
elezans Geryais (ist Trogonophis Wiegmanni Kaup. s. unten p. 230.).
21. Coluber Agassizüi, Rhinechis Agassizü Michaell. (Sie findet sich auch
bei Montpellier und ist, wie ich im vor. Jahresberichte bemerkt, iden-
tisch mit Col. scalaris Schinz.) 22. Col. hippocrepis L.; Tanger, Al-
gier. 23. Coluber austriacus L.; Algier, Tanger. (Hat sich Verf. auch
bestimmt überzeugt, ob diese Schlange nicht Col. meridionalis Daud.
war?) 24. Col. viperinus L., Var. aurolineatus; Algier, Bona, Tan-
ger, bekanntlich auch im südlichen Frankreich, 25. Coluber Aesculapii
Lac. 26. Bufo arabicus Cretschm. 27. Triton Poiretii Gerv.; s. unten.
Herr Gay (Schreiben an Herrn v. Blainville, Compt.
rend. hebd. II. p. 322.) macht die Bemerkung, dafs die Mehr-
zahl der Amphibien des südlichen Chile lebendig gebärend sind.
Nicht allein die giftlose Natter von Valdivia (unsere Coronella
Chamissonis?), sondern auch kleine Iguaniden, die Verf. Chry-
sosaurus nennt (wahrscheinlich Liolaemus-Arten). Selbst Ar-
ten, die zu St. Jago Eier legen, sollen hier lebendige Junge ge-
bären. Auch unter den Fröschen sind einige vivipar, z. B. von
einer der Rhinella Fitz nahe stehenden Galiung zeigten mehrere
schön gefärbte Arten diese Eigenthümlichkeit. Das Merkwür-
digste dabei wäre, dals nach dem Verf. „‚alle diese Beispiele sich
in einem Bezirke von nur 2—3 Lieues vereinigt finden.” (!)
Duvernoy’s gründliche Untersuchungen über die Zunge
der Amphibien (Mem. de la Soc. d’Hist. nat. de Strasbourg,
tom. II. livr. 2., mit Abbild.) haben insbesondere den Zungen-
mechanismus des Chamäleons (s. d. vor. Jahrg.) und der Cro-
kodile zum Gegenstande. Hinsichtlich des speciellen Inhalts mufs
auf die Abhandlung verwiesen werden.
A. Chelonmii.
Eine Systemalik der Chelonier, mit kurzer Diagnostik der
Genera, erhielten wir von Ch. L. Bonaparte, Prinzen von
Musignano. Ich hofle, sie in einem späteren Stücke dieser Zeit-
schrift mittheilen zu können.
Drei neue Emyden aus dem Westen Nordamerika’, Emys
hieroglyphica, megacephala u. Troostii, wurden von Ho!brook
in 8. Americ. Erp. beschrieben und abgebildet.
224
B. 'Sauri.
Die Ordnung der Eidechsen hat im 3ten Bande von Du-
meril und Bibron’s Erpetologie generale viele wichtige Be-
reicherungen erhalten, welche sich hier nicht im Einzelnen auf-
führen lassen, um so mehr, als zu erwarten steht, dafs ein je-
der Zoolog, welcher das Studium dieser Klasse nicht ganz ver-
nachlässigt, ein so umfassendes Werk nicht unbenutzt lassen
wird. Bei dem grolsen Fleilse, welcher dieses Buch überall,
sowol in den sorgfältigen Beschreibungen, wie in der Benutzung
der Literatur, auszeichnel, ist es wahrhaft betrübend, auf eine
Schattenseite zu stolsen, die seit Wagler’s Vorgange in der
Herpetologie zum Verderben der Wissenschaft immer mehr um
sich greift, und Jeden von ihrem Studium zurückschrecken muls.
Ich meine die Gewissenlosigkeit in der Namengebung. Obwohl
nirgend die Verwirrung in der Synonymik gröfser ist, so scheint
es doch, als strebten die Verf. dahin, diese auf den Culminations-
punkt zu bringen. Es ist freilich in der Zoologie Mode gewor-
den, dafs Jeder (schriebe er auch nur ein Handbuch) sich be-
rechtigt glaubt. Namen der Ordnungen und Familien beliebig zu
ändern, als ob es etwas so Grolses sei, für alte bekannte Dinge
neue, etwas besser bezeichnende Namen zu erfinden. Und doch
kann man dies immer noch entschuldigen, da in der Regel bei
einer eiwas abgeänderten Systematik andere Gesichlspunkte her-
vortreten und diesen gemäls audere Namen nöthig erscheinen,
obwohl sie gewöhnlich sehr unnöthig sind. Auf Genera und
Species darf man aber diese Willkür nicht ausdehnen. Hier
darf nicht ein Name deshalb, weil er bezeichnender scheint,
substituirt werden, sondern hier mufs der einmal übliche gelten °
und das Recht der Priorität streng gehandhabt werden, es sei
denn, dafs ein angewandter Name bereits anderweitig vergeben
ist. Die Verf. nehmen aber nicht allein öfter auf Priorität gar
keine Rücksicht, sondern glauben sich auch dann zur Abände-
rung eines gut gebildeten Namenıs berechligt, wenn er eine von
ihnen besonders hervorgehobene Eigenschaft nicht bezeichnet ?).
Doch
1) So änderten sie Trionyx in Gymnopus, und Emyda Gray
(Trionyx granosus Schw.) in Cryptopus, weil letztere ihre Fülse
225
Doch sehen wir lieber auf den Inhalt des 3len im Jahre 1836
erschienenen Bandes, die genauere Analyse des dten dem künf-
tigen Berichte versparend.
Er begreift die Familie der Crocodili (Sauriens aspidiotes), die
Chamäleouten (S. chelopodes), die Askalaboten und die Varanen mit
Einschluls von Heloderma (sehr unpassend Sauriens platynotes benannt).
Die Krokodile sind nach einem ungemein reichhaltigen Materiale bear-
beitet. Die Verf. konnten 150 Exemplare vergleichen! In der Litera-
tur blieb eine Abhandlung von mir (Isis. 1829. p. 619.) unbeachtet,
welche, insofern sie die von Schneider benutzten Exemplare betrifft,
zu berücksichtigen sein möchte. Hiedurch ist auch Schneider’s Cror.
oopholis unbeachtet geblieben, so wie Croc. biscutatus Cuy. von den
Verf. übergangen wird. Die verschiedenen unter Cr. sclerops verwech-
selten Arten, auf deren Differenz zuerst Spix vergeblich aufmerksam
machte, und welche Cuvier erst später anerkannte, finden wir hier zu-
erst gründlich unterschieden. Der Name Cr. sclerops, wird für den Jacare
noir von Spix beibehalten, weil Cuvier diesen zuerst als Cr. sele-
rops beschrieben. Eigentlich müfste aber Schneider’s Originalexem-
plar den Ausschlag geben, worüber sich indels nichts ermitteln läfst.
Dem Champse fissipes Wagl. wird der Name Allig. cynocephalus bei-
gelegt, es ist dies die vom Prinzen von Neuwied als Cr. sclerops be-
schriebene und abgebildete Art, copirt von Schinz. Von Cr. rhombi-
fer wird erwähnt, dafs ein junges lebendes Exemplar von Cuba einge-
sandt sei, und vermuthet, dafs er auch in Mexiko einheimisch sei.
Es ist den Verf. also entgangen, dafs ich bereits 1828 in der Isis
Mexiko als das Vaterland dieser Art angegeben und sie nach einem
\
—
hinter Verlängerungen des Brustschildes verbergen kann. So nennen
sie im Atem Bande die Gruppe der Gattung Tropidurus, für welche ich
den Namen Liolaemus vorschlug, Proctotretus, weil sie, aber
nur beim männlichen Geschlechte, kleine Drüsenöffnungen am
After gefunden haben. Den Namen Tropidurus Neuw. verbannen
sie gänzlich, weil Cuvier später auf Tr. torquatus Neuw. irrthümlich
den Namen Eephymotes Fitz. bezogen hatte, welchen sie annehmen.
Eben so wird, obwohl Cuvier meine Gattung Sceloporus später Tro-
pidolepis benannt hat, dieser Name beibehalten, weil die Verf. ihn schon
im Eingange des Bandes, bevor sie meine Priorität erkannten, gebrauclit
hatten. Ferner wird für Leiocephalus Gray der neue Name Ho-
N lotropis beibehalten, weil ihn die Verf. bereits auf ihren Kupfertafeln
gebraucht hatten. Die Gruppe der Hemidactylen, welche ich Peropus
benannt hatte, nennen sie Dactyloperus u.s.w. Eben so willkürlich
werden auch die Trivialnamen abgeändert, so Platydactylus muralis
ohne Grund für P. fascieularis, Pl. Milbertüi für P. americanus Gray,
Varanus arenarius für V. Scincus Merr. u. dgl. mehr.
III. Jahrg. 2. Band. 15
226 > } '
trockenen Exemplare in meiner Herps mexicana beschrieben habe. Der
zackige Saum der Hinterbeine findet sich an diesem ziemlich entwik-
kelt, während die Verf. in der Beschreibung sagen, dafs 3— 4 stark-
zusammengedrückte Schuppen dessen Stelle vertreten, und den Mangel
des zackigen Saumes in der Diagnose gar als Charakter aufstellen. — Bei
den Chamäleonten vermissen wir den Ch. cristatus Stutchb., dessen
Diagnose bereits 1834 in englischen Journalen mitgetheilt war. In den
Trans. of the Lin. Soc. XVII. 3. p. 361. ist nun auch die Abbildung
und nähere Beschreibung dieser Art erschienen. Sie ist unter den Cha-
mäleonten, was die Basilisken unter den Baumaganen sind. Der Rük-
kenkamm ist durch 16, der Kamm auf der Schwanzwurzel durch 8 ver-
längerte Dornfortsätze gestützt. Er wurde im westlichen Afrika am
Gabunflusse gefunden. Stutchbury stellt seine Diagnose folgender-
malsen:
€. superciliari occipitalique carina elevata et crenulata, caudae ante-
riori parte dorsique apophysibus elongalis cristam dorsalem consti-
tuentibus; squamis fere rotundis subaequalibus-
Ch. niger Lels., welchen ich im Jahresb. 1835 II. p. 292. irrig auf
C. planiceps bezog, wird richtiger von den Verf. zu C. pardalis Cu.
gestellt.
Die Familie der Geckonen hat durch die Verf. manche Aufklärung
und Bereicherung erhalten. Ersteres insofern, als sie durch Benutzung
der von Cuvier beschriebenen Exemplare einige von diesem veran-
lafste Irrthümer berichtigen konnten; so sagen sie über den von Cu-
vier im Regne animal abgebildeten @. inunguis, dals er mit @. ocel-
Iatus identisch und der Daumen zu kurz dargestellt sei. Diese fehler-
hafte Abbildung hatte mich verleitet, meinen Pachydaetylus Bergü für
different zu halten, wesbalb dessen Name in P. ocellatus abzuändern
ist, Mit Platydactylus läfst sich diese von mir unterschiedene Gattung
nicht wohl vereinigen. Denn die Haftorgane der Geckonen müssen, so-
fern sie verschieden sind; die Bestimmung der Gedera beeingen, wäh-
rend andere accessorische Verschiedenheiten, z. B. die Hautverbindung
zwischen den Zehen, Säumung des Schwanzes un. dgl., da sie sich in-
nerhalb der nach jenen aufgestellten Genera wiederholen, nicht wohl
als generische Unterschiede gelten können. Die Verf. sind dieser von
mir in Meyen’s Beitr. z. Zool, (Act. Acad. Leop. XVII. 1. p. 236.)
ausgesprochenen Ansicht beigetreten und haben demnach Ptychozoon
Kuhl. mit Platydactylus, Crossurus Wagl. mit Hemidactylus,
Pristiurus Rüpp. und Phyllurus Cuv. mit Gymnodactylus,
Rhacoessa Wagl. mit Ptyodactylus vereinigt. Wagler’s Be-
schreibung der letzteren in den Icon. Amph. fasc. III., von den Verf.
nicht gekannt, hatte mich verleitet, bei ihr ähnliche Haftorgane wie bei
Thecodactylus vorauszusetzen. Uebrigens halten die Haftorgane dieser
Geckonen zwischen denen von Thecodactylus und Ptyodactylus fast die
Mitte. Thecodactylus Cuv. wird von den Verf. mit Platydactylus Cuv.
|
'
> 227
>
vereinigt, und es möchte diese Ansicht darin. eine Bestätigang finden,
«dafs auch bei einem Hemidactylus.(H. oualensis Dum. Bibr.) sich
nicht-eingeschnittene Zehen-Lamellen finden. '\‚Offenbar ist aber dieser
Hewidactylus Gray’s Gehyra. (s. d. Arch, I. 2. p. 291.), und ich
vermuthe, dals Gray’s-@, pacifiea (von den Verf. übersehen) selbst
specie identisch ist, was sich aber nach Gray’s ‚unvollständiger Be-
schreibung, wie gewöhnlich, nicht sicher ermitteln jläfstt, — Die Verf.
erklären, dals Cuvier dem. Henid. marginatus ‚die Bindehäute der
Zehen irrig abgesprochen, somit fallen meine Zweifel, über die Identi-
tät von H. marginatus Cuv. und dem Gecko platyurus Schn., weg;
auch finde ich ‚die genaue Beschreibung, welche die Verf, von jenem
gegeben, mit dem Originalexemplare Schneider’s völlig übereinstim-
miend, — Bei Phyliodactylus porphyreus ist, es den ‚Verf. entgangen,
dafs ich, bereits früher dieser Art ihre, richtige systematische Stellung
angewiesen (Nov. Act. Acad. Leop. Vol. XVII: I..p. 242.). Sie irren
ferner, wenn sie Gray's Diplodactylus mit Phyllodactylus: ver-
einigen. Diplodactylus hat unter den Zehenspitzen nicht);2 Blätter,
sondern eine doppelte Pelotte; man könnte sagen, es, seien Sphae-
riodactyli mit gespaltener Pelotte. Bei Sphaeriodactylus sind 2 Arten
(S. cinereus und elegans M. Leay. Transact. of the Z.S. I. 2. p. 193.)
„ ausgelassen. Verf. vereinigen Goniodactylus Kuhl mit Gymno-
dactylus Spix. Wiegm., unterscheiden aber’ aulserdem’nöch Steno-
dactylus. Bei @ymnodactylus sollen die Zehen ‘nicht am Rande
mit: Schüppchen gefranzt und unterhalb mit ‘queeren Schildchen (lames
transversales) bekleidet sein, während bei Stenodactylus die Zehen am
Rande durch spitzige, Schuppen gezähnelt und unterhalb mit körnigen
Schuppen bekleidet sein sollen. Allein bei der von Lichtenstein in
Eversm. Reise als Ascalabotes pipiens beschriebenen Art, sind die
Zehen noch viel auflallender als bei Stenodactylus guttatus durch lange
spitzige Schuppen gelranzt, und gleichwohl unterhalb mit schmalen. quee-
ren Schildchen bekleidet. In meiner Herp. mexic. (p. 19. nota 28.) habe
ich die Verschiedenheit dieser von den Verf. überselienen Art von La-
certa pipiens Pall, nachgewiesen und sie Gymnodactylus Eversmanni
benannt, vorausgesetzt, dafs sie nicht mit Gymnod. caspius identisch
sei. Indessen ist es wahrscheinlicher, dafs letzterer mit @. scaber Rüpp.,
der sich nun auch in Morea gefunden, zusammenfällt. Bei @. pipiens m.
(Lacerta pipiens Pall.) finden sich auch queere Schildchen, aber die
seitlichen Schuppen ragen zu wenig vor, um als Zähnelung zu erschei-
nen. Unter diesen Umständen wird sich, wie ich bereits. in meiner
Herp. mexic. bemerkt, keine feste Gränze zwischen Gymnodaetylus und
Stenodactylus ziehen lassen und beide Genera sind: in einem zu’ verbin-
den. Der Name @ymnodactylus muls als der ältere für dieses beibe-
halten werden, und darf wegen der Franzen an, den Zehen bei einzel-
nen Arten keinen Anstofs machen, da er nur den Mangel eines lamel-
lösen Haftapparats bezeichnen soll.
15 *
228
Die Varanen oder Monitoren werden, ungeachtet der' Verschieden-
heit in Zehen- und Schädelbildung, wieder in einer Gattung Varanus
vereinigt. Die Verf. halten den Nilvaran (Dae. nilotica Hasselg.) und
den südafrikanischen (Lac. capensis Sparm. Stellio saurus Laur.) iden-
tisch, allein beide sind bestimmt verschiedene Arten. Bei Polydaeda-
lus niloticus Wagl. sind die Krallen der Vorderfülse viel länger und
spitziger, als die der Hinterlülse,, während sie: bei P. saurus dieselbe
Länge, wie die der Hinterfüfse haben. Die bunte Jugendzeichnung ist
bei niloticus weniger lebhaft und hält sich auch weniger lange. Ferner
zeigen auch beide in der Schädelbildung, namentlich in der Bildung des
Zwischenkiefers, der Nasenmuscheln u. s. w. nicht unerhebliche Ver-
schiedenheiten, welche an der specifischen Differenz beider keinen Zwei-
fel lassen. Varanus Picquotii Dum. u. Bibr. ist ohne Zweifel mit Mo-
nitor flavescens Gray. identisch, und der letztere Name beizubehalten.
Abgebildet sind drei neue Genera der Crassilingues: Leiolepis (L.
guttata), Holotropis (H. Herminieri, Leiocephalus carinatus Gray.),
Tiaris (T. dilopha).
Andrew Smith hat in Jard. Mag. of Zool. etc. 1836.
Nr. 2. p. 141. eine Saurergattung: Pleurotuchus (soll heilsen:
Pleuroptychus) als neu aufgestellt; es ist aber meine Gattung
Gerrhosaurus (Cicigna Gray.). Von 3 unterschiedenen ‚Arten
ist nur Pl. typicus Sm. neu, und könnte @. Smithii benamnt
werden; sein Pl. Desjardinii ist wahrscheinlich @. ocella-
tus Coct. (Guer. Meg. 1833.), die dritte Pl. a ed
Sm. ist mein Gerrh. flavigularis, von welchem Herr Cocteau
(l. c.), ohne meine Abbildung und Beschreibung in. Wagler’s
Ie. amph. III. zu kennen, ‚fälschlich glaubt, dafs sie nach einem
Exemplare ohne Epidermis aufgestellt sei. Die prachtvoll dot-
tergelbe Färbung der Kehle verschwindet bei Einwirkung des
Lichtes leider sehr bald.
Hr. Cocteau hat eine Monographie der Scincoiden !.) be-
gonnen, von welcher die erste Lieferung erschien. Dies gründ-
liche und höchst willkommene Werk ist auf 20— 25 (!) Lieferun-
gen berechnet, von denen 12—15 die Beschreibung der Arten,
8S— 10 die Geschichte und Anatomie enthalten sollen. Die Be-
schreibungen sind sehr vollständig, die Abbildungen zuverlässig
und vollkommen gelungen. Leider aber haben wir, nach dem
bereits bekannt‘ gemachten Prospectus zu urtheilen, wiederum
viele unnöthige Namenänderungen zu befürchten. Die erschie-
1) Etudes sur les Seincoides. 1. livr. Paris 1836. 4. '
: 229
nene ersle Lieferung handelt vur von den Seincoides ophiophthal-
mes (also meinen ‚Gymnophthalmi), Ablepharus Fitz., vom
Verf. ohne Grund in Ablepharis abgeändert, und @ymno-
phthalmus Merr. Bei ersteren nimmt er meine Unterabtheilung,
Cryptoblepharus, an, und beschreibt eine neue Art, A. (Cr.)
Peronii. Ich kann hier nur vorläufig bemerken, dals sie mit
meinem A. poecilopleurus, nicht, ‚identisch ‚scheint. Einige
Bemerkungen über diese Gattung mufs ich mir inzwischen: vor-
behalten.
Burton stellte eine neue Art von Euprepes unter dem Na-
men Tiliqua Fernandi auf. (Proc. Z. S. p. 62. Lond. Edinb.
Phil. Mag. Dec. Suppl. p. 514.)
In Holbrook’s Americ. Herp. finden wir von Eidechsen
Ameiva sexlineata, Anolis carolinensis und Scincus lateralis Harl
beschrieben und abgebildet. Wie sich die erstgenanute zu mei-
ner Am. Deppii verhalte, geht. aus der Beschreibung nicht her-
vor, doch unterscheiden sie die kurzen Krallen der Vorderfülse.
Tschudi hat (Isis. 1836.) gezeigt, dafs sich Lacerta ocel-
lata in welreren Punkten von Lacerta agilis und viridis unter-
scheidet und will aus ihr eine eigene Untergallung, Timon,
bilden. Fitzinger hat sie ebenfalls im Wiener Museum als
eigenes Genus unterschieden; allein ich sehe nicht wohl ein,
dafs damit viel gewonnen wird. Uebrigens hat sie nicht die
Stellung der Bauchschilder, wie die von mir in der Herp. mexic.
unter # verzeichneten Arten; denn obwohl sie mit schrägen Sei-
ten zusammenstolsen, bilden sie doch wahre Längsbinden.
Cocteau stellte eine neue Gattung Acantholis auf (In-
stit. p. 286 fg. u. Ann. des Sc. nat. VI. p. 125.), die sich vor
den übrigen Anolis- Arten durch. eingestreuete pyramidal-trie-
drische Rücken-Schuppen auszeichnet. Allerdings eine Achn-
lichkeit mehr zwischen Anolis und den Geckonen, aber zur ge-
nerischen Trennung kann dergleichen keine Veranlassung geben.
Was soll aus der Herpetologie werden, wenn man nach so un-
wesentlichen Merkmalen ins Unendliche trennt? Aus gleichem
Grunde würde man fast aus jeder Gattung der Geckonen zwei
bilden müssen. Dumeril und Bibron haben die Art A. Loy-
siana im Alen Bande richtig zu Anolis gestellt.
Veber den Mechanismus der Chamäleon-Zunge haben Du-
230
meril und Bibron Erp. gener. III. p. 176. ihre Ausicht mit-
getheilt, die Duvernoy Ann. des Sc. nat. V. p. 224. kritisch
beleuchtet hat.
Bischof hat die Struktur ‘des Krokodilheraeh beschrieben.
(Müller’s-Archiv. 1836. p. 1.) |
Eudes-Deslongehamp beschrieb die‘ Kuochenreste eines
gigantischen Saurers, mulhmafßslich von 25 — 30 F. Länge, deu
man bei Caen gefunden. (Inst. p: 311.) Verf. bildet daraus die
Gatiung Poöcilopleuron, welche Einiges mit den Krokodilen,
Anderes mit den Eidechsen gemein hat. Der Name deutet auf
die Verschiedenheit der Rippen, von denen die einen cylin-
drisch, andere fast dreiseitig, andere flachgedrückt sind, so wie
auf den sehr complieirten Bauchrippenapparat. \
Zwei Amphisbänen aus der Gegend von Algier wurden von
Gervais beschrieben (Ann. des Sc. nat. VI. p. 311.) Die eine
ist Blanus cinereus Wagl., hat Afterporen, die andere eine
neue Art, 4. elegans Gervais. Letztere zeigt genau die Kopf-
besebildung‘ wie lie Amphisbänen der neuen Welt; aber einen
spitzen Schwanz 'und 'keine‘‚Afterporen. Da dies auf’Kaup’s
Trogonophis Wiegmanni pafst, der nach diesem aus der Umge-
gend Von’ Algier stammen und 'danibrettartig schwarz gefleckt
sein söll (Thierreich 3. p. 55.), so ist wohl kaum zu ARENER
dals es ‚dieselbe Art sei ').
®-: »C.. Ophidiü y
Die Osteologie der ‘Gattung Python und Boa bearbeitete
d’Alton (E. d’Alton de Pythonis ac Boarum ossibus’commen-
Latio. acc. tab. ueneae 3. Amaj. Halae Sax.).
1) In einer später, 1837, in Guer. Mag. publicirten Beschreibung
mit Abbild: giebt dies Verf. zu und nannte die Art Amph. Wiegmanni,
will aber bei ihr dieselben Zähne, wie bei den Amphisbänen ‘gefunden
haben. Indessen geht aus des Verf. Worten hervor, dafs er nicht wulste,
warum es sich hier handelt. Es kommt nämlich nicht sowol auf die
Form, als auf die Insertion der Zähne an, ob sie der Innenseite der
Kiefer angefügt sind, vie bei den amerikanischen Amphisbänen, oder
dem oberen Rande der Kiefer eingewachsen sind, wie es nach Kaup
- 231
Von dem Lymphherzen der Gattung Python haben wir
von Valentin in dessen Repert. p. 294. eine genauere Beschrei-
bung erhalten.
Die Angabe Woodruff’s vom Lebendiggebären einer Was-
serschlange (Tropidonotus?) in Sillim. Journ. XXIX. p. 304.
ist, als von einem Laien herrührend, mindestens sehr verdäch-
tig. Seiner Beschreibung nach war das Organ, in welchem er
die Jungen (über 80) fand, die Lunge, und die vermeintlichen
Jungen waren Strongyli.
Mehrere nordamerikanische Schlangen finden wir in Hol-
brook’s Herpet. beschrieben und abgebildet; nämlich:
Drei zu Coluber s. str. gehörige Arten: €. flagelliformis Catesb ,
€. alleghanensis Holbr., C. quadrivittatus Holbr. (Chicken-snake Bartr.).: _
Ferner Cul. erythrogammus Daud. (Helicops Wagl.) und Col. abacu-
rus Holbr. (mit €. Thalia Daud. zu Hydrops Wagl. gehörig.) Beide
sind nach des Verf. ausdrücklicher Bemerkung Landschlangen.
Andrew Smith beschreibt zwei Schlangen (Jard. Mag.
I. No. 2. p. 144.) als zu Chrysopelea H. Boie gehörig, die
eine als Chr. Boiei Sm. aus Ceylon, die andere, C. capensis,
vom Cap. Eıstere gehört aber, allem Anscheine nach, zur Gat-
tung Dendrophis H. B., letztere vielleicht zu Chrysopelea,
von welcher bis jetzt nur indische Arten bekannt waren. Bei
den unvollständigen Beschreibungen ist hierüber niehts Sicheres
zu ermitteln.
E. Rousseau hat einmal wieder die Entdeckung gemacht,
dafs bei den giftigen Schlangen die Pupille vertikal, bei den
giftlosen rundlich sei. (v. Fror. Not. Bd. 50. p. 136.) Hätte
Hr. R. das Auge von Naia und Bungarus angesehen, so würde
er bei zwei der gefährlichsten Giftschlaugen, wie bei andern
derselben Gruppe, eine rundliche Pupille gefunden haben. Eine
vertikale Pupille ist Eigenthümlichkeit der Viperinen und Cro-
talinen. (S. mein Handb. d. Zool. von 1832 (!) p. 195 — 97.)
Es ist auffallend, dafs jene vermeintliche Entdeckung sich noch
so oft wiederholt, und dals sie noch in einer deutschen Zeit-
schrift Eingang finden kann.
G. Ord nimmt die Blacksnake (Col. constrictor) als die
bei Trogonophis der Fall ist, deren Zähne nach Kaup’s Abbild. (1. e.)
im höchsten Grade stumpf sind.
232
(durch Mäusefangen) nützlichste aller nordamerikanischen Schlan-
gen gegen Taylor in Schutz. (Loud. Mag. IX. p. 417.) Ob-
wohl er Hunderte von Exemplaren im Naturzustande beobach-
tete, sah er sie nie einen Menschen angreifen; auch widerspricht
er den Fabeln von Bezauberung und dem Ansaugen der Kühe.
D. Batrachiüi
«. Caudata.
Zur feineren Anatomie des Proteus anguinus erhielten wir
von Valentin (dessen Repertor. I. p. 282.) Beiträge.
Fitzinger gab (Fror. Notiz. 50. p. 90.) über eine neue,
von Natterer im Amazonen-Strome entdeckte, Gattung der
Proteiden, Lepidosiren, vorläufige Notiz. Das Thier ist von
grolsem Interesse, nicht nür als das erste dieser Gruppe, wel-
ches sich in der Südhälfte Amerika’s fand, sondern auch wegen
der grölseren Entwickelung einer Schuppenbekleidung, von der
uns die Coecilien nur die erste Spur zeigen.
Nach F. macht es im Habitus der Muraena den Uebergang der
Reptilien zu den Fischen und steht dem Amphiuma nahe. Die Rippen
sind kurz, jedoch länger als bei Amphiuma, die Nasenlöcher an der
Unterseite der Oberlippe, der Kehlkopf häutig, von einer wahrschein-
lich tief gehenden Lunge fand sich nur ein Rest. Die Eingeweide
beider Exemplare fehlten. Der Leib ist etwa 2 Fuls lang, und hat
eine Schwanzflosse ohne Knochenstrahlen; neben dem runden After fin-
den sich Fulsrudimente ohne Knochen, zwei flache häutige Vorderfülse
neben der Kiemenöffnung, grolse Zähne. Die Schuppen sind mit sechs-
eckigen Feldern bezeichnet. Einige derselben, welche Hr. F. an Hrn. .
Lichtenstein mittheilte, zeigen sich mit denen der Amph. squamata
sehr übereinstimmend, und haben eine abgerundet rhombische Gestalt.
Einen neuen Triton aus Algier, Tr. Poireti, beschrieb Ger-
vais Ann. des Sc. nat. VI. p. 313.
Tr. capite depresso, lato, corpore undique verrucoso, caudae lon-
gitudinem aequante; pedibus congenerum; colore supra brunneo satu-
vatiore maculalo, infra exalbido vel saepius ferrugineo fuscoque va-
riegato.
Die Rippen sind weniger lang, als bei der von Michahelles
als Pleurodeles beschriebenen Art, aber länger, als bei den gewöhn-
lichen Tritonen.
x
233
p.. Anura.
Die Bemerkungen von Duvernog über Bufe fuscus (Pe-
lobates Wagl.) und von Lereboullet über Bombinator igneus
(Inst. p. 345.) sind in Deutschland bereits lange erledigt. Dafs
beide weder Frosch noch Kröte sind. sondern einer eigenen, durch
Mangel der Paukenhöhle ausgezeichneten Familie angehören, und
dafs ersterer nicht Rana cultripes Cuv. ist, wissen wir durch
Joh. Müller (Isis 1832. p. 538.); s. auch meine Bemerkun-
gen (Nov. Act. Acad. Leopold. XVII. I. p. 261.). Sehr in-
teressant ist es nun, dafs wir in Holbrook’s Amer. Herpet.
(I. p- 85. t. 12.) eine neue Bestätigung des dort von mir (a. a. 0.
und in d. Arch. I. 2. p. 277.) angedeuteten Parallelismus erhal-
ten, nämlich ein den Gattungen Culiripes Müll. und Pelo-
bates Wagl. entsprechendes Genus mit Paukenhöhle, denn Verf.
erwähnt einer Membrana tympani ausdrücklich (the tympanum
is small, yellowish green): Scaphiopus Holbr.
Körper kurz, dick, aufgetrieben; Kopf kurz; kleine Zähne im Ober-
kiefer und Vomer; eine kleine Drüsenwarze hinter den Ohren, aus wel-
cher man eine wässrige Feuchtigkeit drücken kann; Hinterbeine kurz,
kräftig, Unterschenkel kürzer als der Oberschenkel (Zehen der Vorder-
lülse ungeheftet, Hinterfülse mit ganzen Schwimmhäuten), ein spaden-
förmiger, horniger Fortsatz am Metatarsus, mit dem er sich sehr ge-
schickt kleine, 6” tiefe Höhlen gräbt, welche er nur Abends und nach
dauerndem Regen verläfst. Nach der Abbildung ist die Pupille wie bei
Pelobates vertikal. Die Zunge wird leider nicht beschrieben. Die ein-
zige Art, Se. solitarius Holbr., in Carolina, Georgien und Tenessee.
Sonst sind ebendort beschrieben und abgebildet:
Bufo americanus Leeont. (B. musicus Harl.); B. elamosus.
Schneid., wahrscheinlich mein B. cristatus aus Mexiko (Isis 1833.
p- 660.). B.clamosus Schn. stammt aus Surinam, und ist deshalb ohne
Zweifel eine andere Art.
Engystoma carolinense Holbr., ein Systoma, von mir seit
längerer Zeit im hiesigen Museum S. nigricans benannt, welcher Name
dem Holbrook’schen vorzuziehen sein möchte, da wir dieselbe Art aus
Carolina und Luisiana (New Orleans) emplingen. Ich bemerke hiebei,
dals Systoma eine Paukenhöhle besitzt, über welche die Körperhaut bin-
geht (daher sagt der Verf. richtig tympanum concealed); da der Gat-
tung, wie Verf. ebenfalls riehtig bemerkt, die Zähne im Oberkiefer und
Vomer fehlen, schiefst sie sich an Bufo, mit dem sie eine Familie
bildet.
Die vom Verl. beschriebenen Frösche: R. halecina Kalın, (der
234
Name R. agquatica Uatesb. sollte, um alle Verwechslung zu vermeiden,
beibehalten werden), R. palustris Lec., R. sylvatica Lec., sind bekannt,
bis auf eine neue Art, R. ornata‘Holbr. aus Südcarolina. Ebenso die
Laubfrösche: Hyla versicolor Lec., H. squirella Daud. Die Ab-
bildungen sind zur Verständigung erwünscht, könnten aber genauer sein.
W. T. Bree erzählt in Loud. Mag. IX. p. 316. einen
Fall, wo eine Kröte in einem soliden Sandsteine eingeschlossen
gefunden wurde.
Er sah die Kröte noch lebend; der Fels selbst war solide, bis auf
die Höhle, in welcher die Kröte gefunden wurde. Auf andere Beispiele
wird vom Verf. verwiesen und erzählt, dafs man vor 60 Jahren bei Auf-
führung einer Mauer zu Bamborough einen Stem ausgehöhlt und eine
Kröte mit Mörtel eingemauert habe; nach 38 Jahren wäre die Mauer
abgebrochen, und die Kröte soll noch alle Spur von Leben gezeigt haben.
7. B. apoda.
Stutchbury beschrieb eine Coecilia (C. sgualostoma)
vom Flusse Gaboon in Westafrika. (Trans. Lin. Soc. XVII.
3. p- 362.)
Ara uns Ener
Aufser dem Ilten Bande von Cuvier u. Valenciennes
Hist. nat. des Poissons sind es besonders Beiträge zur genauern
Kenntnils einzelner Faunen, deren sich die Ichthyologie im ver-
wichenen Jahre zu erfreuen hatte.
Yarrell’s treflliche History of British “Fishes (London
1835, 36. 2 Vol. 8.), die im vergangenen Jahre vollendet wurde,
ist bereits im vorigen Berichte erwähnt. Einige Bemerkungen
dazu s. in Jard. Mag. I. 4. p. 384 fg.
Einige dort als selten aufgeführte Fische sind inzwischen
mehr beobachtet, so Zeus aper bei Devonshire (Proc. Z. 8.
p- 54.), Sparus auratus an der Mündung des Tweed (Jard.
Mag. I. p. 294.), Raniceps trifurcatus (ib. I. 4. p. 344. und
I. 2. p. 201 u. 209.)
Das schöne Bilderwerk über die scandinavischen Fische von
Fries, Eckström und Wright (Scandinaviens Fiskar. Stock-
holm 1836. 4.) lieferte im ersten Hefte Abbildungen und Be-
schreibungen von: +
235
Perca fluviatilis, Acerina vulgaris, Labrus maculatus, Trachinus
Draco 1, Trigla Gurnardus L., Gasterosteus aculeatus L. (Cu-
vier’s beide Arten sind nur Varietäten und Uebergangsformen nicht
selten), pungitius L., spinachia, Cottus scorpius L:. J et Q, C. bu-
balis Jet Q.
Fische aus der Nähe von Madera beschrieb Lowe in den
Trans. of the Cambr. Phil. Soc. V1. P. I. p. 195., mit schö-
nen Abbildungen von Young. Die meisten sind bereits früher
in den Proc. Z. S. 1833. aulgestellt. Ein neues Genus: Poly-
mixia, s. unten.
Railike’s Beiträge zur Fauna der Krym handeln über
viele Fische und sind insofern wichtig, als sie über mehrere von
Pallas aufgestellte Arten näheren Aufschluls geben, Auch wer-
den einige neue Arten aufgestellt.
Von Koorpelfischen sind: Trygon pastinaca, Raia pontica (clavata),
Spinax acanthias aufgeführt. — Die Kiemen der Syrgnathi nennt man
‘sehr unpassend büschelförmig; ihre oxydirenden Theile sind wie bei
andern Grätenfischen gestaltet, nur im Verhältnisse zu ihrer Länge dik-
ker und von geringerer Zahl. Alle vom Verf. beobachteten Syngnathi
des schwarzen Meeres besitzen Brust-, Rücken-, Schwanz- und Alter-
Dlosse. S. tennirostris n. sp. — S. variegatus Pall. kommt nach brief-
lichen Mittheilungen des Verf. auch bei Neapel vor, dach palst keine
der von Risso und Cuvier gegebenen Diagnosen auf ihn. — 8. ar-
gentatus Pall. ist nach des Verf. brieflichen Angaben wahrscheinlich
mit $. Rondeletii Delar. identisch und der Rüssel von diesem vielleicht
nieht ganz richtig dargestellt. — 8. buceulentus R. n. sp. Die Ar-
ten sind abgebildet. — Scyphicus teres R. n. sp. — Cottus anostomus
Pall. ist nicht Urangscopus scaber, wie Cuvier meint, sondern ein
wahrer Cottus; — Callionymus festivus Pall. wahrscheinlich €. admi-
rahilis Risso. — Aufser Gobius chilo, virescens und fluviatilis wurden
alle von Pallas aufgeführten Arten beobachtet, deren keine mit den von
Risso beschriebenen des Mittelmeers übereinstimmt. Gob. marmora-
tus Pall. ist von G. marmoratus Risso verschieden. %,. ophiocepha-
Zus scheint, nach einem Briefe des Hrn. Verf., nur die "ine von Cuv.
u. Val. aufgeführte Varietät des G. niger zu sein und stimmte mit
Exemplaren des Mittelmeeres bis auf einige Verschiednheiten in der
Zahl der Flossenstrahlen überein. — Blennius lepidus Pall. ist nach des
Verf. brieflichen Mittheilungen wohl nur Varietät des BI. pavo Cuv.
Verf. zählte 35 Strahlen in der Rückenflosse, von denen der I2te der
erste gegliederte ist, und der Theil der Rückenflosse, welcher die ein-
fachen Strahlen enthält, ist um ein Merkliches niedriger, und Blennius
sanguinolentus Pall. stimmt ganz mit Bl. palmieornis Cuv. — Blennius
minutus R. n. sp. — Bl. ventrosus R. n. sp. — Gadus iubatus Pall.
236
gehört, wenn nicht eine eigene Gattung, zu Lota Cuy. — Scomber tra-
churus Pall. ist der Fisch, den Cuvier als kleinere Varietät des Cx-
ranx trachurus genommen. — Sc. ponticus, nicht beobachtet, Pelamys.
— Se. glauciseus ist Se. scombrus. — Mugi Atherina Pall. ist Athe-
rina Hepsetus Cuv. — Sciaena gymnodon Pall, ist Smaris vulgaris. —
Se. melanura = Sargus annularis Cuv. — Coracinus Chaleis Pall.
= Corvina nigra Cuv. — Labrus rufus R. n. sp. — L. polychrous
Pall. = Crenilabrus lapina Cuy. — L. aeruginosus Pall. ist ein Cre-
nilabrus, ebenso L. perspicillatus Pall. und L. fuscus Pall. Von L.
capistratus und frenatus glaubt Verf, dafs sie mit dem letztgenannten
zu einer Art gehören, und dals alle 3 vielleicht mit Crenil. cinereus R.
identisch seien. L. cinereusPall. sah Verf. nicht. L. simus und pras-
sostictus sind Crenilabri. — Eine zu Sevastopol auf dem Markte ange-
troffene Art schien mit Cyprinus Persa Pall. identisch zu sein und ge-
hört, wie C©. chrysoprasius Pall., zu Leueiseus. Pleuronectes nasutus
ist der Solea Lascaris Risso verwandt; Pl. Zuseus Pall. eine Platessa
Cuv., Pl. Maeoticus Pall. ein Rhombus. Aulserdem 3 neue Arten, Rhom-
bus torosus, Rh. Rhombitis, Platessa glabra. Lepadogaster bieiliatus
Risso ist häufig. ni
Beiträge zur Fischfauna Grönlands erhielten wir von J.
Reinhardt. Sie sind im laufenden Jahrgange dieser Zeitschrift
Bd. I. p. 235. u. 263. mitgetheill. Nach dem überaus reichen
Materiale, welches diesem gründlichen Forscher im königl. Mu-
seum zu. Copenhagen zu Gebote steht, haben wir noch manche
wichlige Aufklärung über die Fische der hochnordischen Fauna
von ihm zu erwarten.
Derselbe Fisch, aus welchem Prof. Reinhard die Gattung
Stichaeus bildete (s. d. Archiv I. p. 265.), wurde von Kröyer
(Naturhist. Tidsfkr. I. p. 25.) unter dem Namen Chirus prae-
eisus beschrieben.
Herr Kröyer gab in derselben Zeitschrift p. 32 fg. eine
umständliche Beschreibung des isländischen Blennius Tumpenus
(Blennius lampetraeformis Walb.).
Seit Mohr’s Beschreibung bat dieser gewöhnlich für identisch
mit dem norwegischen Blennius lumpenus Ström. und Bl. lumpenus
Fabr. Faun. Grünl. gegolten. Reinhard hatte den letzteren bereits
als verschieden erkannt, da er ihn in seinen Arbeiten als eigene Art
betrachtet und Lumpenus Fabricii nennt. Herrn Kröyer’s Abhand-
lung weist nun auch den isländischen als verschieden nach und nennt
ihn Blennius Mohri. Ob diese Art zur Gruppe Lumpenus Reinh. ge-
hört, erhellt aus Kr.’s Beschreibung nicht mit Bestimmtheit, da er der
237
Vomerzähbne und der Abwesenheit der Schleimöffnungen auf der Seiten-
linie nicht gedenkt. /
In der Tids/kr. p. 371. giebt ferner Herr Kröyer einige
Bemerkungen über die in Cuvier u. Valenc. Hist des Poiss.
Tom. XI. enthaltenen nordischen Fische.
Für Blennius Yarrelii (Bl. palmicornis Yarr., Bl. Gale-
rita Ström., Ascan., Nilfs.) sei bereits früher der Name Bl. Ascanii
von Reinhard vorgeschlagen. — Blennius gunnellus der Faun. Grönl.
ist nach Reinhard eine eigene Art, identisch mit @unellus fasciatäs
Bl., der also nicht aus Tranquebar, sondern aus Grönland ist. Eine Ver-
gleichung zweier Exemplare, welche mir Herr R. gütigst mittheilte, mit
Bloch’s Originalen hat mich von der Richtigkeit dieser interessanten
Berichtigung überzeugt.
Der 1836 erschienene 3te Band von Richardson’s Fauna
boreali-americana, welcher die hochnordischen Fische beschreibt,
befindet sich leider noch nicht in der Berliner Bibliothek und
konnte noch nicht benutzt werden.
Ueberaus reichhallig für die Fischfauna des rothen Meeres
ist die 6te Lieferung von Rüppell’s Wirbelthieren zur Fauna
Abyssiniens.
Beschrieben werden folgende neue Arten: Chaetodon austriacus R.,
Holacanthus lineatus R. (eine dem H. maculosus Forsk. und H. mo-
khella Ehr. sehr verwandte Art, so dass Verf. alle 3 für Varietäten der-
selben Art nehmen möchte), H. striatus R., Scomber chrysozonius R.,
Sc. mierolepidotus R., Thynnus bilineatus R., Th. (Pelamys) unico-
lor R., Caranz micropterus R., C. affinis (dem C. xanthurus K. et
v. H. nahe stehend), C. bixanthopterus. — Unter dem, bereits bei den
Schlangen vergebenen, Namen Xenodon wird ein neues Genus aufge-
stellt, welches die Balisten begreift, bei welchen die Zähne des zwei-_
tenPaares im Oberkiefer konisch und länger als die übrigen meilselför-
migen sind. — Ueberdies finden sich sehr viele kritische Bemerkungen
zu Cuvier’s Hist. nat, des Poiss., besonders zu den Scomberoiden
(Chorinemus, Trachynotus, Caranx u. s. w.), welche die Berücksichti-
"gung der Systematiker verdienen. Zu der im vorigen Berichte erwähnten
Gattung Gazza zieht Verf. Scomber minutus Bl. und Equula dentex Cuv.
Hieran schlielst sich eine Abhandlung von Lienard über
Fische von Mauritius. (Inst. 1836, p. 240.) Sie betrifft Arten
der Gattungen Callionymus, Saurus, Lepidoleprus? (Grenadier‘),
Ophisurus, Ophidium, Scymnus, Chaelodon.
Beiträge zur Anatomie der Fische erhielten wir von Rathke
238
(Müll. Arch. 1836. p. 170 fg.). Sie enthalten die Resultate der
Untersuchungen, welche derselbe wälrend seines Aufenthalts
am schwarzen Meere an 36 Arten verschiedener Genera und
Abtheilungen anstellte. Die erste Abtheilung betriflt die Ge-
schlechtsorgane.
Hier (p. 181.). wie in den Beiträgen zur Fauna der Krym (p. 23.),
wird Eckström’s Angabe über das Brüten der männlichen Syngna-
then in Zweifel gezogen. Die Bruthöhle der Syngnathen wird dadurch
gebildet, dafs unten an der vorderen Hälfte des Schwanzes 2 Hautfalten
entstehen, die, an Breite immer mehr zunehmend, einander enigegen-
wachsen, bis sie sich zuletzt berühren. Zugleich mit den Eiern gelangt
eine von den Eierstöcken abgesonderte dickliche Flüssigkeit in das Brut-
organ, welche iu Berührung mit dem Wasser gerinnt und die Eier un-
tereinander und mit ihrer Umgebung verklebt. Nach dem Brüten wer-
den beide Falten wieder gänzlich resorbirt. Männliche Exemplare kom-
men nach Herrn R. nur sehr selten vor und er vermuthet, dafs von
Eckström, Retzius u. A. die unlängst entleerten, sehr zusammenge-
zogenen und nur noch mit jüngst entsprossenen Eierchen versehenen
Ovarien für Hoden genommen seien. Indels war dem Verf. während
seines Aufenthalts am schwarzen Meere jene Entdeckung unbekannt und
er gesteht, den Gegenstand nicht mit der Sorgfalt untersucht zu haben,
welchen er erheischte.
Auf Rusoni’s in derselben Zeitschrift p. 278. mitgetheilte
Beobachtungen der Melamorphosen des Fischeies vor der Bil.
dung des Embryo’s kann nur verwiesen werden.
A. Cartilaginei.
Ueber die Electrieität der Zitterrochen wurden zahlreiche Ver-
suche angestellt von St. Linari, Matteucei und Colladon.
Den beiden ersteren gelang es, mittelst einer Spirale von Kupfer-
draht einen Funken bei der Entladung zu erhalten. (Sitzung der Pariser
Akademie vam 11. Jul. Fror. Not. 50, 30.) Nach den neuesten 'Er-
fahrungen von Matteucci bedarf es gar nicht eines so complieirten Ap-'
parates, sondern man erhält den Funken sogleich, wenn man den Ro-
chen zwischen zwei durch Goldblättchen communicirende Metallplatten
legt. Ueberdies findet nach Matteueci (Sitzung vom 3. Oct. Ann..d.
Sc. nat. VI. p. 254. Fror. Not. !. c. p. 154.) eine Entladung ‚statt,
wenn auch die Haut des electrischen Organes hinweggenommen und
Stücke des Apparates abgeschnitten sind. Bei der Entladung findet
man den elettrischen Strom beständig vom Rücken zum Bauche gerich-
tel. Berübrt man den hinteren Lappen des Gehirnes leicht, so sind die
«
239
Entladungen in jener Richtung besonders heftig; verwundet man aber
das Gehirn schonungslos, so erneuern sich freilich die Entladungen schr
stark, aber ohne dieselbe Beständigkeit der Richtung zu zeigen. Es
folgt freilich hieraus, dals die Richtung des electrischen Stromes vom
Einflusse des Gehirnes abhängt, aber es geht noch nicht daraus hervor,
wie es Herrn Matteucei scheint, dafs die Eleetricität nicht im electri-
schen Organe hervorgebracht, sondern nur wie in einer Leydener Fla-
sche eondensirt werde, und dals, wenn sich bei andern Thieren keine
Spuren der Electrieität zeigen, dies nur dem Mangel condensirender
Organe zuzuschreiben sei. (Vergl. die neuesten Versuche von Mai-
teucci im 1sten Bande des folgenden Jahrganges.)
Colladon’s Versuche (Ann. des Sc. nat. VI. p. 255. Fror. N.
Not. I. p. 198.) betreffen die Verschiedenheit der Eleetricität an ver-
schielenen Stellen des Thieres und die Frequenz der Entladungen.
Alle Punkte des Rückens sind positiv, wenn man sie mit einem
beliebigen Punkte des Bauches in Verbindung bringt, und der Roche
einen Schlag ertheil. Zwei asyınmetrische Punkte des Rückens oder
Bauches sind fast immer verschieden electrisch und gaben einen Strom
am Galvanometer. Der dem electrischen Organe zunächstliegende Punkt
giebt eine positive oder negative Electrieität, jenachdem man am Rücken
oder Bauche operirt. Berührt man zwei symmetrische Punkte des Rük-
kens oder Bauches, so zeigt sich keine Deviation am Galvanometer.
Hinsichtlich der Frequenz der Schläge beobachtete Herr C. als das Mi-
nimum des Zeitraumes zwischen zwei Schlägen ein Drittheil einer Se-
kunde. Von einem kleinen Rochen von 11 Centimeter Durchmesser
erhielt er 78 Schläge in regelmäfsig wachsenden Intervallen, in der er-
sten halben Minute 24, in der zweiten 22, in der dritten 19, in der
vierten 13, in den 20 folgenden Sekunden nur 3 schwache; dann folgte
nach 15 Sekunden auf heftigen Druck ein heftiger Schlag, worauf un-
mittelbar bei starkem Reiz kein Schlag weiter folgte, sondern erst nach
einer Ruhe von mehreren Minuten gewann der Fisch in lauem Wasser
wieder etwas Kraft.
Von Fitzinger und Heckel ist im Isten Bande der so
reichhaltigen Annalen des Wiener Museums eine ausgezeich-
nete Monographie der Gattung Acipenser erschienen. Es ist un-
möglich, hier die zahlreichen Aufschlüsse und Berichtigungen
namhaft zu machen, mit welchen sie die Wissenschaft berei-
chert. Im Ganzen werden 17 Arten aufgeführt, von denen 11
der alten, 6 der neuen Welt angehören; von mehreren Arten
wird der ganze Fisch und der Kopf von der Ober- und Unter-
seite abgebildet. Die Verf. unterscheiden 6 Unterabtheilungen:
A. Rückenschilder nur nach vorn zu abgedacht, hinten am höch-
sten, in einen Haken endigend und bis zum Haken hinauf offen.
240
a. Die Haut mit kleinen kammförmigen Knochenschüppchen bedeckt;
die Bartfäden gefranzt.
«. Unterlippe vollkommen zusammenhängend, Lionisci. 1. A.
glaber Heckel. (A. Marsiglüü Brandt. A. Schipa und nudi-
ventris Lowetzk.)
#. Unterlippe getrennt, nur als Rudiment zu beiden Seiten der
Mundwinkel, Acipenseres s. str. — 2. A. sinensis Gray. —
3. A. Gmelini Fitz (Kostera Gm. Reise.) — 4. A. ruthe-
nus L. — 5. A. aleutensis Fitz. (A. rutheno af. Pall.) —
6. A. maculosus Les. — 7. A. oxyrhynchus Mitch.
b. Haut mit gröfseren und kleineren kammförmigen Knochenschüpp-
chen und grölseren sternförmigen Kuochenschildchen bedeckt. Bart-
fäden einfach. — Unterlippe getrennt, als Rudiment an beiden Sei-
ten der Mundwinkel. Helopes. 8. A. stellatus. (A. Ratzeburgüi
Br. Variet.)
B. Rückenschilder nach beiden Seiten abgedacht, in der Mitte am
höchsten, in einen Haken endigend.
a. Haut mit kleineren und gröfseren sternförmigen Knochenschildchen.
Bartfäden einfach. Unterlippe getrennt, als Rudiment zu beiden
Seiten der Mundwinkel. Antacei. 9. A. Schypa Güld. (A. Gül-
denstädtit Br. glatte Varietät. — 10. A. Güldenstädtii Br. mit Aus-
schluls der glatten Var.
b. Haut chagrinartig, mit stumpfeckigen Knochenschüppchen gekörnt.
Bartfäden einfach. Unterlippe wie bei vor. Sturiones. 11. A.
Heckelii Fitz. 12. A. Sturio L. (Monstros. mit besonders stark
entwickelten Haken. A. Lichtensteinii Schn.)
c. Haut durch spitze Knochenschüppehen rauh punktirt. Bartfäden
plattgedrückt, bandförmig, mit einer Fahne versehen. Unterlippe
wie bei yor. Husones. 13. 4A. brevirostris Les. — 14. A. ru-
bieundus Les. — 15. A:-macrostomus Raf. — 16. A. dauricus
Georg. (A. orientalis Pall. — A. Schypa Br., mit Ausnahme des
als das junge Thier hieher citirten A. Schypa. — A. husoniformis
Lowetzk.) — 17. A. Huso L.
B. Malacopterysgii.
R. Parnell hat ausführliche Beschreibungen der Clupea:
alba Yarr., Cl. sprattus und Cl. Harengus mit Abbildungen ge-
geben und ihre Unterschiede auseinandergesetzt. (Jard. Mag.
of Zool. and Bot. I. p. 50.)
Verf. erklärt sich für eine doppelte Laichzeit des Herings, die eine
im Anfang März, die andere gegen Ende Octobers. Ebenso stimmt er
nicht für entfernte Wanderungen, sondern glaubt, dals sie sich gegen
die
241.
die Laichzeit den Küsten nähern und nach derselben in die hohe See
zurückgehen. An der Westseite von Schottland fängt man den Häring
“mit der Angel, indem man eine ;weilse (Möwen-) Feder am Haken
befestigt.
“ui Beweise, dals der Track nicht mit kleinen Crustaceen vor-
lieb nimmt, sondern auch Fische frilst, sind ebendas. I. p- 200.
gegeben. Bei einem fanden sich 13 Spratten im Magen. Dals
der Pur (Salmo salmulus Ray.) nur ein junger Lachs sei, sucht
John. Shaw. (Edinb. new. Phil. Journ, XAT.;p.,99.) zu bewei-
sen. Eine Beschreibung des Pollan (Corregonus Pollan Thomps.)
giebt Thompson in Jard. Mag. I. p. 247.
Einige neue Karpfen - Arten des Nenenburger See’s hat
Agassiz im I. Bd. der Mem. de la Soc, des Sc. nat. de Neu-
chatel p. 33: f. beschrieben und abgebildet. Zugleich ist ‚eine
Charakteristik der Genera »der Karpfenfamilie. gegeben, wovon
bereits iin vor. Jahrg. (p. 2.) Einiges mitgetheilt'ist. Ein aus-
führlicher Auszug aus. dieser wichtigen Abhandlung, für welchen
es bisher an Raum fehlte, erscheint im ersten Bande des fol-
genden Jahrganges dieser Zeitschrift. Die beschriebenen 3 neuen
Arten sind: *
Leuciscus rodens A. — L. majalis A. — L. prasinus A.
Hieran reiht sich Heckel’s ‚Beschreibung einiger europäi-
schen Cyprinus- Arten. (Annalen des Wiener Museums, Bd. I.
p-. 221:
Zar Unterscheidung der ‚oft sehr ähnlichen Arten wird vom, Verf.
ein neues Merkmal in Anwendung. gebracht, die Lage des Auges ‚in
Rücksicht auf die Mundöflnung. Er zieht vom Anfange der Mundspälte
- eine gerade Linie durch die Mitte des Schwanzes, welche bald den obe-
ren, bald den unteren Augenrand trifft, bald das Auge gar nicht be-
- rührt. — Die Arten der Karpfenfamilie sind sehr sinnreich in Kreis-
form geordnet, eine Methode, welche auch in andern Familien die na-
türlichen Verwangdschalten. am besten hervorbeben würde» Hinsichtlich
der sorgfältigen Beschreibungen der neuen Arten muls auf die Abhand-
- Jung verwiesen werden. Es sind Cyprinus hungarieus H., C. Kollarii
(Neusiedler-See), Aspius Mento Ag. (Oesterreich, Baiern), Abramis
Sehreibersii I. (Donau), A. Leuckartii I. (Donau), A. vetula H.
(Neusiedler-See). Phozinus laevis Bel. Ag., Ph. Marsilii H. (in kla-
ren Bächen bei Wien).
Beobachtungen über die ersten Jugendzuslände und Wan-
derungen der jungen Aale haben Chr. Drewsen und Kröyer
III, Jahrg. 2. Band, 16
242
mitgetheilt. (Naturhistorisk Tidsskrift: 1836 I. p. 21. u. IV.
p- 412.) x
Ersterer beobachtete die Wanderimgen' der jungen Aale aus dem
Sunde durch die Aae in den Fuur-See. Sie beginnen Anfangs Mai
und dauern gewöhnlich 14 Tage bis 3 Wochen. Die Aelchen sind 3 bis
4 Zoll lang, von der Dicke eines Bindfadens und so durchsichtig, dafs
man Rückgrat und Blutgefälse in ihnen sieht; sie wandern bei Tage zu
mehreren Tausenden. Kröyer sah sie im Eingange des Grenaa-Ha-
fens zu mehreren Millionen, indem sie so dicht zusammengingen, dafs
das Wasser an einigen Stellen eine schmutzig-milchweilse Farbe davon
hatte. Sie waren von vielen Knurrhähnen ( Trigla Gurnardus) beglei-
tet. Dafs die jungen Aale im Stromaufwärtsgehen Wasserfälle und
Dämme übersteigen, leidet nach Drewsen’s Beobachtungen keinen
Zweifel. Jede noch so unbedeutende Uneberheit reicht für sie hin,
um sich daran so festzuklammern, dals sie der Kraft des Wassers Wi-
derstand leisten. Kröyer fand im Anfang Mai junge Aale von 2 bis
3 Zoll Länge im Sande eines ins Meer flielsenden Baches verborgen,
in jeder aufgenommenen Hand voll Sand zeigten sich einige. Das Wet-
ter war ungewöhnlich kalt, das seichte Wasser des Baches durch fau-
lende Fischreste verunreinigt.
C. Acanthopterygiü
Beschreibung und Abbildung des’ Zutjanus (Crenilabrus)
rupestris gab P. J. Selby in Jard. Mag. II. p. 167.
Eine Abbildung des Histiophorus immaculatus Rüpp. er-
schien aulser in seinen Wirbelth. auch in den Trans. of the Z.
S. I. 1. — Neue Arten der Gattung Ophiocephalus, ©. Theo-
phrasti und O. marginatus sind in Jacquemont’s Reise Livr.
11. abgebildet. — Dals Scomber pelamys L. im Frith of Clyde
gefangen, bestätigt John Scouler in Loud, Mag. IX. p. 327.
Ein neues Genus Polymizia stellt Lowe (Transact of
the Cambridge phil. Soc. VI. p. 198.) auf. Von der Art. P.
nobilis ist Taf. IV. eine schöne Abbildung gegeben.
Corpus elliptico-oblongum, compressum; squamis asperrimis sat
magnis. Caput parvum, declive, nuchaque squamosum epunctatum. Ro-
stram brevissimum, obtusum, nudum, maxilla inferiore squamosa, eirris-
que geminis longis symphysi subtus affıxis.. Ossa intermaxillaria, om-
nia palati dentaria, linguaque dentibus minutis creberrimis scabra. Oper-
culum inerme, rotundatum, squamosum. Praeopereulum squamosum
limbo inferiore anguloque nudo striato, margine eroso-denticulato. In-
243
teropereulam Inudum minutissime dentieulatum. Pinna dorsalis (soli-
taria) analisqgue nudae, antice elevatae spinis debilibus inconspicuis, bre-
vibus, paueis; basi. in sulco sita, squamisque marginalibus sulei elevatis
utrinque celata. Pinnae ventrales septem radiatae, radio primo sim-
pliei, molli, articulato. Cauda furcata. Membrana branchiost. radiis 4.
Verf. bildet aus dieser Gattung, seinem Deiurus und Brama,
eine Familie (Bramidae). Indels wenn auch beide letztern zusammen-
gehören, scheint doch Polymixia richtiger den Percoiden zu verbinden
und zunächst dem Genus Mullus verwandt, wie denn auch die Bewoh-
ner von Madera den Fisch ,„Salmoneta do alto,“ d. i. den Mullus des
hohen Meeres nennen.
N ch tt a8
Im vorigen Jahresberichte sind Nilsson?’s Odservationes ich-
thyologicae, Particula I., Lundae 1835. 8. unerwähnt geblieben
und auch jetzt mir nur aus einer Anzeige in Kröyer’s Naturh.
Tidsskr. Heft 4. p. 384. bekannt. Sie enthallen unter andern
die Bemerkung, dals Salmo Silus Ascan. zur Galtung Argentina
gehört! Scopelus borealis kommt auch im nördlichen Catlegat
vor, und eine Vergleichung mit dem von Yarrell aufgeführten
Sc. Humboldtii ist demnach wünschenswerth. Die Identität von
Pleuronectes nigromanus Nills. und Pl. saxicola wird vom Verf.
anerkannt.
Articulata
Eine Aufzählung der irischen Crustaceen, Arachniden und
Myriapoden gab Templeton in Loud. Mag. IX. p. 9. — Be-
sonders reichhaltig für diese Abtheilungen des Thierreichs, vor-
züglich für Crustaceen und Annulaten, sind Rathke’s Beilr.
zue Fauna der Krym.
%
5. Crustacea.
Von anatomischen Arbeiten über diese Klasse erwähnen wir:
Valentin, über die Organisation des Hautskeleis der Crusta-
ceen in seinem Repert. I. p. 122. Duvernoy, über die Leber
16*
244
der Crustaceen im Vergleich 'mit den übrigen skeletlosen Thie-
ren, Ann. des Sc. nat. VI. p. 243. (Beschreibung der Leber
von Squilla, wie wir sie bereits durch Joh. Müller kennen.)
a. Decapoda.
Jon. Couch beschrieb. den Häutungsprozefs des Hummers
und Cancer pagurus Jard. Mag. I.2. p. 171. und I.4. p.
341. S. den ersten Band des 4ten Jahrg. unsers Archivs. Meh-
rere Crustaceen aus Chile beschrieb Pöppig in diesem ‚Archiv
II. 1. p. 133., desgleichen Ref. einige Macrouren aus Mexiko und
Brasilien, ibid. 62?
Die von Hrn. Pöppig aufgestellten Arten bedürfen zum Theil ei-
ner Revision hinsichtlich der‘ geherticheh Bestimmung, insofern nicht
völlig der heutige Stand der Wissenschaft dabei berücksichtigt ist. So
ist der Hepatus perlatus kein ‚Hepatus, die Leucosia pacifica keine
Leucosia, sondern eine den Pinnotheren nahe Gattung. Obne Ansicht
der Exemplare dürfte es indessen schwer sein, ihnen Er richtige Stel-
lung anzuweisen.
Bell gab Beschreibungen und Abbildungen mehrerer Krab-
ben aus der Tribus der Oxyrhnychi in den Transact. of the Z.
S. II. 1. p. 40 fg. Die neuen Genera sind bereits im vorigen
Berichte namentlich aufgeführt. Eine Aufzählung der im Kat-
tegat vorkommenden Brachyuren gab Kröyer. (Naturhist.
Tidsskr. I. p. 13.)
Derselbe stellte ibid. I. p. 15. vach einer im Kattegat vor-
kommenden Krabbe ein neues Genus: Geryon auf, welches sich
sehr eng am Eriphia anschlielst.
Scutum cephalicum longius quam latius, antice arcuatum, postice
truncatum, longitudinaliter valde convexum; frons latior, declivis, sed
parum areuata; margines laterales anteriores nomnihil recurvati, denti-
bus validis praediti. Regio branchialis expressior apparet minus vero
regio hepatica ; pedunculi oculorum crassi, breves; margo orbitae infe-
rior a fronte disjuncta, orbitagae igilur a fossula antennarum minime
seclusa; margo orbitae superior inferiori prominenlior, Articulus anten-
narum extern. basilaris liber mobilisque; artieulus seeundus canto oculi
interno exceptus ad fronlem non prominet; tigellus terminalis longior,
arliculis 3 prioribus plus duplo. Articulus caudalis tertius quartusque
maris duobus prioribus latiores. Par pedum tertium quartumque prae
ceteris longiora, inter se fere aequalia sunt. Die Art @. tridens ist
abgebildet. Ich sah sie auch im Christiania-Fjord.
Ratlıke beschreibt mehrere Brachyuren in seinen Beiträ-
245
gen. Portunus dubius, ein Platyonichus, dem P. latipes
nahe stehend, Port. longipes, schwerlich identisch mit P. Ion-
gipes Riss. Aufserdem finden wir 3 Flulskrebse der Krym:
Astacus leptodactylus Eschsch., A. angulosus R. und A. pachy-
pus R., ferner Crangon maculosus R., Palaemon adspersus und
elegans R. beschrieben.
Ueber Pagurus erschien eine ausführliche Monographie
von Milne Edward’s Ann. d. Sc. nat. VI. p. 257 fg. mit
Abbildungen.
Verf. beschränkt die Abtheilang der Paguren auf die Genera: Pa-
gurus, Cenobites, Birgus und ein von ihm neu aufgestelltes Ge-
nus Cancellus, welches sich von Pagurus durch Gleichheit der
Scheerenfülse und einen nicht aufgerollten, symmetrischen kurzen Hin-
terleib unterscheidet, an dessen vorletztem Gliede die Anhänge von glei-
cher Grölse sind. Nach der Bildung des Hinterleibes zu schlielsen scheint
er sich nicht in gewundenen Schueckengehäusen anzusiedeln. ‘
Für die Metamorphose der Macrouren hat Thompson in
Jameson’s New Edinb. Phil. Journ. XX. p. 221. Beweise vor-
gebracht, die aber zu unsicher sind, um den direkten Beobach-
tungen von Rathke (Müller’s Archiv 1836. p. 188.) entge-
gengesetzt werden zu können.
Während nämlich jener ähnliche (ob wirk’ich beobachtete?) Thier-
formen blolßs wegen ihrer entfernten Aehnlichg it als verschiedene Ent-
wickelungsstufen derselben Art betrachtet, 4, Rathke die Entwick-
lungszeschichte von 14 Crustaceen verschiedener Ordnungen verfulgt und
gefunden, dafs die jungen Dekopoden, wenn sie das Ei verlassen, eben
so viele und aus eben so vielen Stücken bestehende äufsere Organe be-
sitzen, als die erwachsenen, und dafs nur allein die Proportionen der-
selben Verschiedenheit zeigen. Nur in den un*eren Ordnungen der Cru-
staceen findet eine Metamorphose stalt;. alle Isopoden kommen mit ei-
ner geringern Fulszahl zur Welt. Bopyrus squillarum sogar mit 3 Paa-
ren weniger, — Eben so wenig begründet sind Thompson’s Angaben
über die Entwickelungsstulen einiger Krabben, Macropodia phalangium,
Gecarceinus, Eriphia (deren Entwickelung ebenfalls von Rathke er-
forscht ist) und Thelphusa, welche er im Eintomol. Mag. Nro. XIV, p.
370, mittheilt, Sind aber die, als vermuthliche Larven roh genug ab-
gebildeten Thiere wirklich von Hrn. T. beobachtet, so zeigen sie, welche
grolse Männiglaltigkeit von niederen Orustaceen-Formen noch der Be-
schreibung gründlicher Beobachter harrt.
b. Stomalopoda.
Mysis flewuosa ist nach Kröyer im Kallegat und Sund
häufig, er hält sie identisch mit M. spinulosa Leach. (Nat.
246
Tidsskr. p. 105.) Wahrscheinlich ist cs dieselbe Art, welche
v. Siebold bei Danzig beobachtete.
c. Hedrivphthalma Leach.
Den Jugendzustand der Astacilla longicornis beschreibt
Johnston in Loud. Mag. 9. p. 81. selır ungenau.
Rathke hat (Beitr. zur Fauna der Krym p. 81 fg.) einige
neue Galtungen und Arten von Ampbipoden und Isopoden auf-
gestellt.
Von Amphipoden die Genera: Amathia (A. carinata), Hyale (H.
pontica), erstere stimmt sehr mit G@ammarus, letztere mit Amphitoe
überein, nur sind die unteren Antennen länger als die oberen; da in-
dessen nach Milne Edwards in beiden die relative Länge der Anten-
ven variivt, möchte sich kaum eine generische Trennung rechtfertigen
lassen. Als neue Art: Amphitoe picta; seinen Gammarus gracilis
hält Verf. nach brieflichen Mittheilungen mit Gammarus Olivii M. E.
identisch.
Von Isopoden: Leptosoma capito, Ligia Brandtü, Janira Nord-
manni, Campecopea bicolor und versicolor. Genauere Angaben über Bo-
pyrus Squillarum. ‚Von Frefswerkzeugen will Verf. nur eine fast kreis-
förmige Unterlippe gefunden haben, und glaubt, dafs man die beiden un-
ter den Seiten des Kopfes ganz versteckten Antennenpaare als Kiefer
gedeutet. Sollte aber .&dht das Mikroskop auch Rudimente der Kiefer
nachweisen? Im jünger Lebensalter besitzen auch die @ Augen.
Gucrin bildet il! Magas. d. Zool. Cl. VI. t. 19. ein selt-
sames Genus der Amphipoden, Phlias, ab, welches der Gat-
tung Lysianassa zunächst steht, besonders aber durch seinen
zum Theil im vordern Brustgliede versteckten Kopf ausgezeich-
net ist; der Stiel der obern Antennen auch hier dreigliedrig,
kurz und dick, aber ohne accessorisches Geifselrudiment; sämmt-
liche Fulspaare Gangbeine.
Derselbe stellte ebendaselbst p. 1. drei neue Amphipoden-
Genera aus der Familie der Hyperineen auf: Primno,
Hieraconyx und Pronoe.
Die erste schliefst sich an Phronima, unterscheidet sich durch
pfriemenförmige Antennen, platte Hüftglieder der 3 letzten Fulspaare,
sehr langes, mit langer Kralle versehenes Tarsalglied des 5ten Fufspaars,
welches wie bei Phronima Greiffülse sind, einfache, blattförmige An-
hänge der letzten Hinterleibssegmente. (P. maeropa G. Chili.) Hie-
raconyx steht bei Themisto Guer., aber aulser dem ‚ten und 4ten
Fulspaare sind auch die des öten Paares Fanglülse, sehr lang, mit brei-
r 247
tem, am Vorderrande gezähneltem: drittletztem Gliede, an den drei letz-
ten Hinterleibssegmenten einfache, blattförmige Anhänge. (H. abbre-
viatus Maluinen.) Pronoe, ähnlich der Typhis, aber die oberen
Antenuen platt, dreigliedrig; die beiden vorderen Fulspaare nicht Schee-
renfülse; das Hüfiglied der 3 letzten Fulspaare breit, platt, das letzte
nur aus dem Hüftgliede und einem kleinen Höcker, als Rudimente der
übrigen Fulsglieder bestehend. Anhänge der 3 letzten Hinterleibsseg-
mente wie bei Typhis. (Pr. capito Chili.) Aufserdem Abbildung und
Beschgeibung eines neuen Oxycephalus piscatorius und einer
Phronima atlantica mit 2% Seiten- und einem facettirten Stirn-
ange (?).
Derselbe beschrieb eben dort eine neue Gattung der Isopo-
den Deto (1836. t. 14.). Zunächst der Gattung Tylos ver-
wandt und im Sinne Brandt’s mit dieser eine eigene Familie
bildend.
Antennen 9gliedrig, die vier letzten Glieder bilden eine Geilsel, die
viel kürzer als das vorhergehende Glied ist. Der Körper kann sich nur
unvollkommen einkugeln. Die hinteren Anhänge treten über das letzte
Segment hervor. Die Art, D. echinata, ward von Olivier im Orient
gelunden. Eine andre ebendaselbst t, 20. abgebildete Gattung Pterelas
steht der Gattung Oega zunächst.
d. Entomostraca.
Ucber die brittischen Entomostraca erschien eine ausführ-
liche Abhandlung von Will. Baird in Jard. Mag. I. p. 35.
und IV. p. 309. Drei neue marine Cyclops- Arten werden be-
schrieben: C. Stromii, C. furcatus und C. depressus p.
330 folg.
Das gegliederte Herz (Rückengefäls) von Apus beschrieb
Krohn (Fror. Notiz. Bd. 49. No. 20.) Duplieität des Ge-
schlechis bei Cypris fand R. Wagner (dies. Arch. II. 1. p. 369.)
Ueber die kleinen Cruslaceen, welche das schon sehr con-
densirle Wasser der Salzlaken bevölkern, haben wir gleichzei-
tig von Payen und Audouin (Ann. d. Sc. nat. VI. p. 219.)
und Rathke (Beitr. z. Fauna d. Kr. p. 105.) Nachricht erhal-
ten. Nach der von Audouin mitgetheilten Beschreibung
Schlosser’s von Artemis salina wird es mir zweifelhaft, ob
das von Ratlıke beschriebene Thier mit ihr identisch sei.
Eine zweite nordamerikanische Art der Gattung Argulus
(A. catastomi) wurde von J. D. Dana und E. ©. Herrick
218
an’ den Kiemen eines Cafastomus entdeckt und in Sillimann’s
Journ. Bl. 30. p. 388. angezeigt.
Eine reichhaltige Abhandlung von Kröyer über Schma-
rotzerkrebse (Naturhistorisk Tidsskr. I. 2. .p. 112. u. 3, p. 252.)
soll in diesem Archive. nächstens übersetzt erscheinen. Bemer-
kungen zu Dichelestium und Beschreibung einer neuen Lernaeo-
poda (L. stellata) siehe in Ratlıke’s Krym. 111.
Einen Chondracantkus Lophii beschreibt G. Johmston
Loud. Mag. IX. p. 81.
Besondere Aufmerksamkeit der Naturforscher unserer Küsten
verdient ein von Thompson am Hinterleibe des Careinus
(Cancer) Maenas entleckier Schmarotzer Sacculina. (Entom.
Magaz. XV. p. 452.)
Wie ein zweilappiger Ledersack hängt er mittelst eines halsförmi-
gen Vorsprunges zwischen den häutigen Interstitien des Krabbenschwan-
zes. Aus der untern Oellnung will der Verf. eine körnige Substanz her-
vorgedrückt haben, die sich unter dem Mikroskope als Larven, ähnlich
denen Wer Lernaeocer@ auswies. Hier würden also die Bier im Kör-
per der Mutter auskommen, was einer weiteren Bestätigung bedürlte.
Eben so problematisch bleibt mir noch Leuckart’s My-
zostoma, welches derselbe bereits Isis 1830. Heft 5. aufge-
stellt und neuerdings (Fror Notiz. 50. No. 9.) folgenderma-
[sen charaktevisirt hat. N
Corpore molli diseiformi, supra glabro,, infra organis motoriis tam
acetabulis suctoriis in utroque latere 4 — 5, quam hamulis duriusculus
instructo, ore anteriore simplici, prominenle, retractili. Auf Comatulen.
Er zieht dahin aufser den beiden bereits früher von ihm aufgestellten
Arten noch den neuerlich von Thompson in James Edinb. new phil.
journ. XX. tab. II. abgebildeten Parasiten.
Von Cirripeden fand Kröyer Lepas cygnea Spengl. in zahl-
loser Menge an der Nordwestküste von Jütland (Naturh. Tidsskr.
I. p. 408.); Cantraine, eine G@ymnolepas (@. Palinuri) auf
den Kiemen von Palinurus, und eine Pentalepas (P. Schle-
gelii) an denen der Maja squwinado. Guer. Bull. 1.2. p.139.
Eine Monographie der britlischen Pyenogoniden, welche er
nach Savigny’s und Milne Edwards Vorgange zu den Cru-
staceen stellt und Cr. haustellata nennt, hat G. Johnston
in Jard. Mag. I. 4. p.'368. gegeben. Die vom Verf. unter-
suchten Arten sind Tab. XII. abgebildet. Zwei neue Genera:
Orythia (bekanntlich‘ bereits von Fabricius bei den Brachy-
uren vergeben) und Pallene werden aufgetellt.
249
Orithya, Rüssel sitzend (rostrum sessile), ein Paar scheerenför-
miger Mandibeln; keine Palpen; dünne, 'einklauige Beine, an denen das
ersle Tarsenglied klein. ist; eiertragende Fülse ögliedrig, mit, klauenar-
tigen End; nliede.
Patlene! Rüssel auf einem halsförmigen Vörsprunge, nit schee-
renförmigen Mandibeln; keine Palpeu; Inge einklauige Beine, mit Hülfs-
klauen fdreiklamig)} das erste Darseiplikl klein; feiöräsdende Fülse,
10gliedrig, die (3) Endglieder sägelörmig ‚eingeschnitten. ‘(Der Gattung
Nymphon zunächst verwandt, hauptsächlich durch den fehlenden Taster
verschieden.) P. brevirostris J., zwischen Corallinen. (Pyen. spi-
nipes Fabr.?) ö
6. Arachnidae.
Hahn’s Arachniden wurden nach des Verf. Tode vom
Kreisforstratli G. L. Koch fortgesetzt. Es erschienen im Laufe
des. Jahres 1836 lünf Hefte des 3ten Bandes. Sie enthalten die
Beschreibungen mehrerer neuen Arten. Besonders dankenswerth
t, dals sehr oft beide Geschlechter abgebildet werden. Die
Beschreibungen sind viel ausführlicher und sorgfälliger als die
Hahbn’schen.
1) Meta Schuchii (Griechenland), — Mieryphantes camelinus,
d. 9. — M. punctulatus, — Opilio tridens und rufipes (säumtlich
aus Süddeutschland).
2) Eresus ctenizoides und luridus, — Palpimanus haematinus, —
Lycosa praegrandis und hellenica (sämmtlich aus Griechenland), — L,
silvicultrix, — Dictyna variabilis (südl. Deutschland), — Opilio lu-
corum (Deutschland).
3) Androctonus peloponnensis, — Mygale adusta und hirtipes (Brasi-
lien), — Cteniza graia (Griechenland), — Ocypete ferruginea (Bra-
silien), — Singa hamata (Aranea tubulosa Walck.), — $. melanoce-
- phala, (Triest), — Mieryphantes eueullatus, fusceipalpus, tibialis,, — _
Opilio terricola, eryptarum (sämmtlich aus Baiern),
4) u Vaejovis mexicanus und Telegonus versicolor ( Bra-
silien), 7 amerik. Aerosomen, — Theridium simile, pallidum, vit-
fatum, — Hichypkankeh rufipelpus, flacvomaculatus, PRATER (sämmtl.
bei Regensburg).
5) Buthus megacephalus und cyaneus (Java), — 3 brasil. Acro-
somen, — Linyphia phrygiana, — Micryphantes rurestris, erythroce-
Phalus, tessellatus (sänmlich bei Regensburg).
Ueber die Spinnen erschien eine, hier keines Auszugs fähige
Abliandlung von Duges; (Ann. des Se. nat. VI. p. 159., 193.
et 358.)
250
Von Lucäs erschien eine Abhandlung über Pachylosce-
lis (Guer. Mag. Zool. 1836. 8. t. 14. Livr. 4. et 5.) und'
Hersilia (ibid. t. 12. et 13.) mit Beschreibung neuer Ar-
ten. —. Attus venalor Lucas n. sp aus der Umgegend von
Paris (ibid. ‚t. 15.).
Nach brieflichen Mittheilungen von Rathke ist der von
ihm in den Beiträgen zur Fauna der Krym aufgeführte Skorpion
identisch mit Koch’s Se. tauricus. °
F. W. Hope stellte in den Transact. of the Linn. Soc.
XVII. p. 361. ein neues Genus der Phalangien, Dolichoscelis,
auf, welches zwischen @onyleptes und Phalangium steht. Die
Art D. Haworthii, aus Brasilien, ist abgebildet.
Mandibulae chelatae. Palpi unguieulati, spinosi. Pedes inaequales,
poslici longissimi, a praecedentibus haud remoti. Das enorme Paar der
Hinterbeine dreimal so lang als das vorletzte; Augen aulsen am Grunde
zweier hornähnlicher Vorragungen des Scheitels.
Nach Beobachtungen von Lucas legen die Zecken (Ixo-
des) ihre Eier nicht, wie Latreille nach Chabrier angege-
ben, durch den Mund, sondern es findet sich bei ihnen am Vor-
derlheile des Bauches, nahe bei der Scheide der Mundtheile, ein
winkelförmiger Kanal, der sich an seinem Vordertheile ganz nalıe
dem Munde spitz endigt, hinten sich verbreitert und endlich mit
dem Bauche verschmilzt. Durch diesen Kanal treten die Eier
aus, heften sich gleich nach ihrem Austritte an den Bauch und
bilden beträchtliche Massen, welche ihrer Schwere wegen nicht
am Leibe der Mutter haften bleiben können, sondern sich ablö-
sen und fremden Körpern, auf welche sie fallen, sich anhängen.
(Ann. de la Soc. entomol. de France 1836. Instit. 1837. No. 207.)
Von James Dama und Jam. Whelpey erhielten wir Be-
schreibung und Abbildung zweier nordamerikanischen Hydrach-
nen: Hydr. formosa und H. pyriformis. (Sillim. Amer.
Journ. Bd. 30. S. 354.)
Herr A. Gros hat der Pariser Akademie über die Krätz-
milbe des Menschen einige Mittheilungen gemacht. (Ann. d.
Sc. nat. VI. p. 122.)
Sie findet sich allgemein bei allen Krätzigen vor Anfang der Be-
handlung, vorzugsweise unter der Epidermis der Hände, seltener an den
Füfsen, an den Achseln und am Scrotum; nie bei andern Hautkranken;
durch Einreibung von Schwelelkalisalbe. werden alle Milben vernichtet,
251
ohne dafs deshalb ‘die Krätze geheilt ist, welche in einiger Zeit wieder
ausbrechen kann. Individuen, die man einem Gesunden ‚angesetzt, ver-
mehren sich auf dessen Haut, und bald zeigt sich der Ausbruch der
Krätze. Durch Einimpfung der aus den Krätzpusteln genommenen Lymphe
läfst sich keine Krätze hervorbringen, nur durch Uebertragung der Milbe
und deren Eier. Die Zahl der Milben steht mit der Ausdehnung und:
Intensität der Krätze in keiner Beziehung. Zuweilen finden sich bei
der sorglältigsten Nachsuchung nur 5 — 6 Milben bei Personen, die mit
Pusteln bedeckt sind. Gewöhnlich ist ihre Zahl gering; zuweilen konnte
Verf. gegen hundert Milben an den Händen einer Person auffinden, und
doch zeigten solche Kranke kaum einige Pusteln.
Acarus Basteri, beschrieben von Johnston (Loud.
Mag. IX. p. 253.). Zur Familie der Hydrachnen gehörig, mit
rüsselförmig verlängertem, spitzigen Vorderende, drei(?)gliedri-
gen, mit; beweglicher Klaue bewaffneten Tastern, dürfte viel-
leicht eine generische Gruppe neben Hydrachna bilden.
7. Vermes.
A. Annulata.
Ueber die Gliederwürmer des schwarzen Meeres erhielten
wir in Ratlıke’s Beilrägen ‚zur Fauna der Krym schätzbare
Mittheilungen. Unter den 7 vom Verf. genauer beschriebenen
sind 4 neu, so Spirorbis pusilla, Polyno& granrulosa, Spio laevi-
cornis, Amphitrite taurica, 3 andere zeigten sich mit Lycoris
lobulata, pulsaforia, Dumerilii mehr oder minder übereinstim-
mend. Von Hirudineen fand Verf. in der Krym Hirudo medi-
cinalis, Nephelis vulgaris und Clepsine complanata. Hinsicht-
lich der Fortpllanzungsorgane fand Verf. bei Lycoris, dals die
Eier in sehr kleinen Schläuchen und zwar in jedem nor eins
erzeugt, und in die durch bäutige Qucerwände in Kammern ge-
theilte Leibeshöhle entleert werden, sich hier auhäufen und zwi-
schen den beiden Aesten der Kiemen hervortreten. Kleinere,
den Eierstöcken gegenüberliegende, immer nur mit dicklichem
Safte erfüllte Organe schienen Hoden (p. 120.). Aehnliche Or-
gaue fand der Verf. bei Spio (p. 136.) Hinsichtlich der Repro-
duklion verloren gegangener hinterer Körperglieder fand Verf.,
252
dafs das’ hinterste sammt seinen fadenförmigen — Faeieg
ae andern Erer neu gebildet werden.
' Abbildungen und Beschreibungen der bereits im vorigen
Berichte aufgeführten en Anisomelus und Pira-
tesa Templeton’s sind. von diesem in ‚den Transact. of the
Zool. Soc. II. 1. tab. 5. p. 30. gegeben. Derselbe theilt in
Löud. Mag. 9. p. 233. ein Verzeichnifs der irischen Annula-
ten mit.
Ehrenberg beschrieb (in den Mitiheilungen der Gesell-
schaft naturf. Freunde zu Berlin, p. 2. u. 4.) einen kleinen selt-
samen Röhrenwurm der Nordsee, Amphicora Sabella, mit
2 Augen am Vorder- und Hinterende, und ebenso 2 Paar herzen-
arliger Erweiterungen, von denen ein Paar, an der Basis der
Kiemen, das: andere dicht neben der Afteröffnung liegt.
Forına Serpulae aff. sed ocellata, tubum membranaceum tenuem fa-
brieans, sed extra tubum libere et inverso corpore repens. Caput al-
ticam, distinetum, ocellis duobus, tentaculis et branchiis lolidem instru-
etum. Branchiae in partes 24 simplieiter divisae, in formam infundibuli
expandendae longae, repentis animalis candam multiparlitam relernnt.
Tentacula 2 erassa brevia auteriora. Os anticam obliguum. Mandibulae o.
Corporis artieuli 12, primus (caput) et ultimus pedibus carent. Ulti-
mus compressus, rolundatus, nudus, duos ocellos alteros gerens. Pe-
dum aequalium brevissimorum paria 10. Cirri pedum nulli, festucae
singulorum 4 subulatae, Uneini dorsales brevissimi in quovis articulo
utringue 8 — 10. Intestinum simplex, ventrieulo articulum nonum at-
tingente, dein attenuatum. Vasa duo sanguinifera intestini latera con-
comitantur et ramis transversis eonlluunt, Corda ‘4, duo antica in bran-
ebiarum basi, du» poslica rima anali proxima. Testieuli duo ‚antici,
Ovaria duo per totum corpus expansa ovis ovalibus numerosissimis te-
pleta. Sub quovis ocello ganglion glanduliforme nerveum.
Unter dem Namen Psammathe beschreibt &. Johnston
in Loud. Mag. 9. p. 14. einen kleinen im Umrisse dargestell-
ten Gliederwurm mil folgenden Charakteren als neues Genus:
Körper scolopendrenähnlich; Kopf klein; 4 paarige Augen; 4 kurze
Fühler auf der Stirn; Rüssel kurz, kielerlos, mit einer Doppelreihe War-
zen umgeben; 4 Paar ungleiche eirri tentaculares; Fulsstummel je eins,
an’ der Spitze sweitheilig! Rückeneirren lang, gegliedert, Baucheirren
kurz; am, Schwanzende 2 Fäden,
Gay berichtete 4 Compt.' rend. hebd. II. p. 322.), dals alle
chilensischen ‚Hirudineen. (mit Ausnahme zweier kleinen Bran-
chiobdellae, deren eine er in der Lungenhöhle der Auricula Dom-
= -
253
beyi, die ändere an den Kiemen der Krebse fand), nieht im Wasser
vorkomnien,” sondern auf Pflanzen und fern von
Pfützen und Sümpfen umherkriechen.
Duvernoy (Instit. No. 181. p. 354.) bemerkte, dafs bei
einigen Exemplaren ‚unseres sogenannten Pferdeegels (Aulaco-
stoma Mogq. Tand.) die Kiefer. entwickelt und: wie:bei Haemopis -
gebildet sind, während sie andern‘ fehlen, "indem sie verloren
zu gehen scheinen, und dann nur ein glaltes, durch eine Längs-
furche gelheiltes Tuberkel sich. findet, und dafs sie bei jungen
radimentlär seien... Auch ich habe Verschiedenheit in der Ent-
wiekelung der Kiefer seit mehreren Jahren ‚beobachtet, auch,in
meinem Handbuche bereits die Identität von Pseudobdella Blainv.
und Aulacostoma Mög. Tand. ‚ausgesprochen. Dafs aber nu.
mopis Say., Mogq. Tand. mit Pseudobdella zusammenfälle, wie
Verf. will, läßt die Organisalionsverschiedenheit beider Genera
nicht zu.
Be Anarthra
Ueber die Plauarien erschien eine -fleilsige ‚Inauguralschrift
von Franz ‚Ferd. Schnlze: de ‚Planariarum vivendi ratione
et structura ner: nonnulla.. Berol. 1836. 8.
Die Beschreibung des auch von Ehrenberg erkannten Nervensy-
stems dürfte unter 4 zalilreichen Beobachtungen Erwähnung verdie-
nen. Verf. verfolgte bei P. torva zwei sehr dolle Fäden von den Au-
gen abwärts, salı sie gegen den Darın in zwei einander genäherten Gang-
lien anschwellen, dann in gleicher Richtung herablaufend 2 neue Gang-
lien bilden, und von dort zu beiden Seiten des Darmes gegen die Mund-
ölfnung diese ohne ganglienartige Anschwellung umgeben. Unterhalb
des Mundes; gelegene Theile der Ganglienkette, konnte, er nicht ent-
decken. — Selbsitheilung wurde nie beobachtet. Auch bemerkt Eh-
renberg (Akalephen, p. 68: not.);; dafs diese nur bei den Tubellariis
rhabdocoelis vorkomme. i
Die innere Organisation und Lebenserscheinungen einer r pro-
blematischen, Plauarie, Pl. Ehrenbergii, schildert Focke
(Annal. des Wiener Mas. T, p. 193.).
Das Thier hat, bald nachdem es das Ei verlassen, eine stielrunde
Gestalt, später ist es platt, breit, yorn Verse hmälert, hinten zugespitzt;
später vierkantig (Planaria tetragona Müll.), daher verschiedene Be-
nennungen sich auf dies Thier zu beziehen scheinen. : (Derostoma gros-
254
sum, rostratum, megalops, fusiforne Dug.) Vom Saugnapfe geht ein
unveräslelter Darm auf- und abwärts in der Mittellinie des Körpers. Ein
Alter liefs sich bei der schärfsten Beobachtung nicht wahrnehmen. . Da-
gegen jederseits zwei neben dem Darme verlaufende gleichweite Gefäfse,
die vom, Saugnapfe entspringen und vom Verf. für Speicheldrüsen ge-
deutet werden. 6 zweireihig neben dem Darme gelegene traubenförmig
gehäufte Bläschengruppen scheinen drüsige Absonderungsorgane. Aulser
den, Muskeln des Saugnapfes wurden im Vorder- und Hinterende des
Körpers deutliche Muskelstreifen erkannt; aber kein Gefäßs- und Ner-
vensystem gefunden. Sehr entwickelt sind die Geschlechtsorgane; 2 je-
derseits nahe dem Rande gelegene Hoden, Saamenblasen, Penis, 2 zwi-
schen Hoden und Darm gelegene Eierstöcke. Im Frühling und im An-
fange des Sommers finden sich bis dreifsig farblose Eier, die lebende
Junge enthälten. Im Sommer und Herbste findet manı größsere Eier
mit brauner Schaale, welche den Eierkapseln der übrigen, Planarien ana-
log zu sein und mehr als ein Junges zu enthalten scheinen.
„Manche ‚werthvolle Mitteilungen über diese. Thiergruppe
finden sich in Ehrenberg’s „Akalephen des rothen Meeres, *
p- 56., 52. u. 64. fg., wo Verf. seine Ansichten über die Syste-
matik des Thierreiches ausführlich entwickelt hat. Verf. trennt
nämlich seine Strudelwürmer jetzt in zwei Klassen, behält für
die Rhabdocoela den Namen Turbellaria bei, und nennt die
Dendrocoela: Complanata, Plattwürmer.
Ebendort p. 57. bemerkt Hr. Ehrenberg schr richtig, dafs
das von Corda in Weitenweber’s Beiträgen zur Natur- und
Heilwissensch. I. aufgestellte Genus Copopferoma wahrscheinlich
mit Bär’s Chaetogaster identisch sei.
C..Entoxz oc.
(Bearbeitet von Dr. v. Siebold.)
a. Nematoidea.
Filarienartige Schmarotzer wurden von Beaumont in der
Leibeshöhle von Blaps mortisaga (VInstitut. no. 139. p. 3.)
und von Hammerschmidt in den Raupen der Liparis Chry-
sorrhoea (Amtlicher Bericht über die Versammlung der Natur-
forscher zu Jena 1836. p. 139.) aufgefunden. Die Filaria aus
Blaps lebte bereits zwei Monate in reinem Wasser fort (Fro-
riep’s Notizen no. 1024. p. 183.); Leblond bemerkt hierzu,
255
dafs er in demselben Käfer einen ähnlichen Wurm gefunden
habe, und dafs die Organisation desselben der des Gordius ähn-
lich sei.. Ich mufs dieser Meinung beipflichten, indem es mir
längsManfgefallen ist, dafs die langen, fadenförmigen Schmarotzer,
welche sich in der Leibeshöhle verschiedener Insekten, Maden
und Raupen vorfinden, in ihrem Baue von dem der Nematoi-
deen gänzlich abweichen; so fand ich auch kürzlich in der Lei-
beshöhle einer Suceinea amphibia einen 44 Zoll rh. langen
und dünnen Fadenwurm, der sich mehrere Wochen: lang ‘im
Brunnenwasser munter erhielt und eher einem Gordius als einer
Filaria glich. Ref. entdeckte (Müller’s Archiv 1836. p. 33.)
im Cavum abdominis des Aphodius fimetarius einen Rundwurm,
den er einstweilen Filaria rigida nannte, und der zu 3, 6, 10 |
und einmal zu 30. Individuen beisammen angetroffen wurde.
Es äußerte dieser 14 Linie lange Wurm nie eine Bewegung,
weder ein Maul, ein After, noch ein Darmkanal war in ih Ü
erkennen, wohl aber fand sich an dem dünneren Ende dessel-
ben eine Yulva, welche zu einem einfachen, lebende Junge ent-
haltenden weiblichen Geschlechtsapparate führte. - Ueber Filaria
papillosa giebt Leblond Bemerkungen (Institut. no. 139. p. 4.
et no. 184. p. 381.*), Froriep’s Not. no. 1024. p. 183. und
Fror. Nene Not. no. 6. p. 85.), welche für uns Deutsche nur
längst bekanntes enthalten; dals nach demselben der Zeugungs-
Apparat des Männchens dieser Filaria auf eine analoge Weise,
wie der des Weibehens (neben der Mundöffnung) nach Aufsen
münden soll, ist überdies ein arges Versehen.
Arthur Farre beschreibt (Fror. Not. no. 1035. p. 5. he,
4— 7.) die von Owen im Menschen entdeckte Trichina spi-
ralis, von welcher derselbe zuweilen zwei Exemplare, einmal
sogar drei in einem Balge angetroffen hat. Den Darmkanal die-
ses Wurms scheint derselbe richtig erkannt zu haben, ob aber
die von ihm für Ovarien gehaltenen runden Körner mit den
Geschlechtsorganen etwas gemein haben, ist sehr zweifelhaft.
*) Mit französischer Leichtfertigkeit werden hier in der Einleitung
die drei Namen Otto Friedrich Müller als drei besondere Autoren
aufgeführt, Bremser wird Bresmer und Goeze gar Goöth genannt;
sollten dies wirklich nur Druckfehler sein?
256
Curling hat in zwei Fällen die Trichina spiralis in‘den Kehl-
kopfs- und, Nackenmuskeln aufgefunden (Lond. med. Gazette.. Zeit-
schrift für ‚die gesammte Mediein: von Dieffenbach, Fricke
und Oppenlieim, 1836. Bd. 2. Heft 1.). Harrison betätligt
ebenfalls. ‚noch. die Entdeckung «Owen’s und fügt noch "hinzu
(P’Institut. no. 142. p. 30.), dals er die Trichina spiralis immer
nur in.den willkührlichen. Muskeln, niemals aber im Herzen an-
getroffen habe,\ einmal ‚fand er diesen Schmarotzer in «der Um-
gegend des Zwerchfells und in, anderen gemischten Muskeln, und
zwar ‚in grölsererer Menge als, in den willkürlichen Muskeln,
derselbe ‘beobachtete auch, dafs sich die Bälge mit diesen Wür-
mern mehr an der. vorderen der Haut zugekelurten Fläche der
Muskeln als,an der hinteren Fläche derselben, und häufiger in
dem Zwischenzellgewebe ‚der Muskelbügdel als in. den.einzelnen
Muskelbündeln ‚selbst vorfinden. Nach‘ Hodgkin kömmt diese
Trichina ebenfalls nur in den willkührlichen Muskeln und in den
dazugehörigen Selinen vor, derselbe fand in einem Falle alle will-
kührlichen Muskeln, selbst die Musculi lumbricales des Fulses
davon, besetzt, während weder im Oesophagus, noch in allen
unwillkührlichen Muskeln ein Wurm dieser Art zu entdecken
war. (Thomas Hodgkin, Lectures on the morbid of the se-
rous and mucous membranes. London. 1836.) Derselbe giebt
in der siebenten Vorlesung eine, Abhandlung, über die Schma-
rotzerthiere des Menschen, welche aufser dem oben Erwähnten
wenig Neues enthält, jedoch nur im Auszuge aus The ‚medico-
chirurgical review, new series. no. 52. April. 1837. p. 325. von
mir gekannt ist. .,
Ref. hat einen Schmaroizer, der früher für ein Distomum
gehalten ‚wurde, aber nichts anderes ist, als ein in der Begat-
tung begriffenes Strongylus-Pärchen, als eine besondere Galtung
unter dem, Namen Syngamus trachealus beschrieben (dieses Ar-
chiv 1836. .p. 105.); Nathusius machte jedoch auf diesen Irr-
thum aufmerksam, welchen Referent auch einsah und alsbald be-
richtigte (dieses Archiv 1837. p. 52. u. p. 66.).
Bei Strongylus armatus will Leblond bemerkt haben, dals
in der Nähe des Ursprungs der ‚weibliche Zeugungsapparal,
wo er sich an, die Fulva auschließt. durch gegliederte knorpe-
liche Röhren überzogen ist, und dals diese Röhren überhaupt je
nach
257
nach: den Arten von Strongylus abändern (Institut. no. 139.
p- 4. et no. 184. p. 381., Froriep’s Not. no. 1024. p. 184. und
Fror. N. Not. no. 6. p. 84.). Ich weils nicht, was derselbe
damit meint, und kann nur glauben, dafs er die dickwandige,
muskulöse, bald kürzere, bald längere Vagina darunter verstanden
hat. Aus T’he medical and physical Research. by Harlan (Phila-
delphia 1835. p. 553.) ist der Fall anzuführen, wo sich bei der
Section eines rasch gefallenen Pferdes ein Aneurisma der Aorta
am Ursprunge der Arteria mesenterica von Strongylus armatus
durchbohrt fand. Einen Fall, wo gegen 200 Spulwürmer Ursache
einer in Brand übergegangenen Darmkolik gewesen, wird von
Petrenz erzählt (Clarus und Radius, Beiträge zur prakti-
schen Heilkunde, Bd. 3. Heft 2. p. 147... Warren will in
den Drüsen der Speiseröhre toller Hunde auf Malta (nach einem
Berichte von 1819) runde, 2— 3 Zoll lange und sehr dünne
Würmerlefunden haben (Fror. Not. no. 1069. p- 208.).
Wagner hat in den Eiern der Ascariden (Prodrom. hist.
gener. p. 6.) das Keimbläschen mit dem Keimflecke nachgewie-
sen und in fig. IV. schöne Abbildungen darüber aus Ascaris de-
pressa gegeben. Ich kann diese Beobachtung bestätligen, indem
auch ich das Keimbläschen nebst seinem Keimflecke in den
Eiern von Ascaris labiata, aucta, brevicaudala, ensicaudala, in-
flexa, lumbricoides, osculata, semileres, vesicularis und von einer
Ascaris ex intestino Gruis cinereae deutlich erkannt habe, auch
kann ich hinzufügen, dals ich in den Eiern von Filaria atte-
nuala, von Filaria e cavo pectoris Ardeae cinereae, Filaria e tu-
berculis pulmonum Delphini Phocaenae, von Trichosoma Laro-
rum, von Strongylus auricularis, inflexus, Strongylus ex inte-
stino Myoxi gliris, Spiroptera conlorta, crassicauda (Crepl.),
‚Jfallax (mihi) e proventriculo Strigis. flammeae, Trichocephalus
unguiculalus,: von Cucullanus elegans und Cucullanus Emydis
lutariae ebenfalls das Keimbläsehen, so wie den Keimlleck beob-
achtet habe. Gewöhnlich waren diese Theile der Eier immer
deutlicher zu erkennen, wenn die Eier selbst sich noch in den
Övarien befanden und noch nicht gehörig ausgebildete Dolter
besalsen.
%
| HT, Jahrg. 2. Band, 17
ı
258
b. Acanthocephala.
Duvernoy wiederholt die Meinung, als besälse Echinorhyn-
chus gigas an seinem vordersien Ende eine Mundöflnung, welche
mit den beiden sogenannten Lemniscen in Verbindung slehen
soll (Institut. no. 174. p. 298.). Burow giebt in einer aka-
demischen Gelegenheitsschrift (Echinorchynchi strumosi analome,
Dissertatio zootomica, Regiomont. 1836.) eine ziemlich vollstän-*
dige Beschreibung des Echinorhymchus strumosus, von der fol-
gendes herauszuheben wäre.
Verf. nennt die muskulöse Höhle, in welche sich der Rüssel des
Thieres zurückzieht, „Intestinum, mit welchem Rechte, ist nicht abzuse-
sehen. Derselbe ist ferner geneigt, zwei Muskeln, welche am unteren
Ende jenes Rüsselbehälters entspringen und sich an die innere Fläche
der allgemeinen Leibeshöhle festsetzen, für Kanäle zu halten, welche an _
den letztgenannten beiden Insertionsstellen zwei After bie sollen,
Ich muls dieser Annahme auf das bestimmteste widersprechen, indem
ich weder an Echinorhynchus strumosus, noch an irgend einem anderen
Kratzer eine Maul- oder After-Oeffnung habe entdecken können. Die
beiden unter der Epidermis liegenden und das hier befindliche körnige
Parenchym durchfurchenden Lärgskanäle, welche durch Querkanäle häufig
miteinander anastomosiren, beschreibt Burow als Systema vasorum;
dals die beiden sogenannten Lemniscen mit diesem Gefälssystem in Ver-
bindung stehen, was bei allen Echinorhynchus-Arten der Fall ist, wird
nicht erwähnt. Einen zarten Faden, welchen Burow auf der unteren
Seite des Leibes bei drei Individuen vom Kopfende nach der Geschlechts-
öffnung hin sich hat erstrecken sehen, und welcher von 4 — 5 Knöt-
chen unterbrochen wurde, glaubt derselbe für ein Nervensystem halten
zu müssen. Den männlichen Thieren dieses Echinorhynchus schreibt
Burow mit Unrecht vier Paar Hoden zu, indem er die unteren drei
Paar blasenartigen, langgestielten Anhänge des Geschlechtsapparats eben-
falls za den Hoden zählt; Ref. hat nachgewiesen, dals diese Körper bei
Echinorhynchus acus, angusticollis und proteus nie Spermalozoen ent-
halten (Müller’s Archiv 1836. p. 233.), was er jetzt auch von Echi-
norhynchus strumosus und vielen anderen Kratzern bestättigen kann.
Wenn Burow den unteren Rand der männlichen Schwanzblase ausge-
franzt angiebt, so ist dies dahin zu berichtigen, dafs der untere Rand
ein Margo integer ist, und dafs das Parenehym‘ des Wurms sich fim-
brienartig in die durchsichtige Blase hineinerstreckt, wie dies auch in
der gespaltenen Schwanzblase der männlichen Strongylus-Arten der
Fall ist, in welchen das Parenchym fast immer fingerartige Fortsätze
bildet, während der Rand nur wenig oder gar nicht ausgeschnitten ist.
Von den Spermatozxoen wird nichts erwähnt, ich fand sie im Echinorh.
259
strumosus von haariger Beschaffenheit, wie bei Echinorh. acus, angu-
status und proteus (Müller’s Arch. 1836. p. 232.).. "An den weibli-
chen Thieren hat Burow den Ausführungsgang- der Eier, über welchen
viel gestritten worden ist, richtig erkannt, er beschreibt ein eigenthüm-
liches glockenförmiges Organ, mit welchem: das obereEnde des von der
Vulva gerade in die Höhe steigenden Ovidukts frei’ in die, die Eier
enthaltende Leibeshöhle hineinragt; dieses Organ ist an’ seinem unte-
ren schmalen Ende (seinem Grunde) mit zwei Divertikeln versehen und
wird durch ein dünnes Ligament, welches von dem unteren Ende des
Rüsselbehälters entspringt, in seiner Lage unterstützt. Da Burow so-
wohl in dem Eiergange, als auch in beiden Divertikeln und dem glocken-
förmigen Organe, welches er Uterus nennt, Eier gesehen hat, so nimmt
er an, dafs die Bier von dem letzteren Organe aafseee werden,
von da in den Ovidukt übergehen und so nach Aalsen entleert wer-
den. Ich kann dies vollkommen bestätligen, ‘indem ich bei keinem der
bis jetzt von mir untersuchten Echinorhynchus- Arten, als Ech. acus,
angustatus, fusiformis, gibbosus, gigas, haeruca, hystrix, polymorphus,
Droteus, strumosus ete. (Echinorhynchus claviceps ausgenommen) die-
ses glockenförmige Organ vermilst habe, und muls mich wundern , wie
den Helminthologen dasselbe so lange hat verborgen bleiben können.
Ich habe dieses glockenförmige Organ und seine Funktion bereits in ei-
ner Abhandlung. die Entwickelungsgeschichte der Heiminthen betreffend,
ausführlicher beschrieben. (Es wurde diese Abhandlung auf Veranlas-
sung des Herrn Hofralh Burdach für dessen Physiologie, Bd. 2., zweite
Auflage, welche nächstens erscheinen soll, schon im vorigen Jahre aus-
gearbeitet.) Der Umstand, dafs es mir glückte, ‘bei Echinorhynchus
proteus die Bewegungen des glockenförmigen Organs unter dem Mi-
kroskope zu beobachten, überzeugte mich vollkommen, dafs dieses Or-
gan bei dem Legen der Eier eine sehr wichtige Rolle spielt. Ehe ich
den Hergang des Eierlegens hier kurz beschreibe, mufs ich noch eines
halbmondförmigen Schlitzes erwähnen, welchen dieses Organ in seinem
Grunde neben der Oeflnung des Ovidukts besitzt und von Burow
übersehen worden ist. Die Glocke ist der lebhaltesten peristältischen
Bewegung fähig, durch welche sie mit ihrem freien Rande die in der
Leibeshöhle frei umhertreibenden Eier gleichsam verschluckt und in’ den
Oriductus hineindrängt; ist dieser mit Eiern angefüllt, so beginnt auch
in ihm die peristaltische Bewegung, welche mit ziemlicher Heftigkeit
die Eier aus der an dem Hinterleibsende des Thieres angebrachten Ge-
schlechtsöffnung herauspressen; inzwischen hört jedoch die Glocke nicht
auf, Eier zu verschlucken, die sich, da der Ovidukt sie nicht aufnimmt,
dureh die erwähnte halbmondlörmige Spalte sämmtlich wieder. in die
Leibeshöhle zurückbe ezeben, nur die freien Eierstöcke, von welchen nach-
her die Rede sein wird, sind zu grols für die im Grande der Glocke
befindlichen beiden Oeffnungen, und werden, wenn sie zufällig mit ver-
sckluckt worden sind, durch die weite Randöffnung der Glocke nach
17°
260
oben wieder herausgedrängt, Noch ist zu bemerken, dafs der Ovidukt
bei der Aufnahme der Eier selbstständig thätig ist, und es allein von
seiner Willkühr abhängt, durch seine obere Oeffnung Eier aus der Glocke
hereinzulassen, daher man denselben oft längere Zeit leer sieht, wäh-
rend die Glocke rastlos bemüht ist, Eier zu verschlucken, welche auch
in diesem Falle an der halbmondförmigen Spalte eine Hinterthüre fin-
den, durch welche sie wieder entschlüpfen können. Merkwürdig ist es
auch, dafs die lebhaften Bewegungen der Glocke gleich aufhören, so
wie die Leibeshöhle geöffnet wird; wollte ich daher ihre Bewegungen
recht lange und genau beobachten, so zog ich die Epidermis des leben-
den Thieres ohne Verletzung des Muskelsackes ab, pinselte das äulser-
lich anklebende Parenchym von letzterem hinweg und prelste dann das
ganze Thier sanft zwischen zwei Glasplatten. Die Eier werden von
Burow nicht vollständig beschrieben, so wie die Eierstöcke des Thiers
ganz von ihm übergangen sind. Letztere bilden nämlich im Echino-
rhynchus strumosus und in allen übrigen Echinorhynchen freie ovale
oder runde, aber immer plattgedrückte Körper, welche bei auffallendem
Lichte eine weilse Farbe zeigen und im Verhältnils zu den Eiern selbst
stets eine ansehnliche Gröfse besitzen, sie sind von den früheren Hel-
minthelogen gewöhnlich für die reiferen Eier ‚gehalten worden. Diese
Körper bestehen ‚aus einer körnigen, scharf abgegränzten Masse, in wel-
cher grölsere und kleinere Bläschen eingegraben liegen, in vielen die-
ser Eierstöcke bemerkt man auch. gröfsere länglich-ovale Körperchen,
welche ihrer Gestalt, Gröfse und ihrem Inhalte nach ganz mit den in
der Leibeshöhle umhertreibenden kleinsten Eiern übereinstimmen. In
diesen kleinsten Eiern, welche von einer festen Hülle umgeben sind,
konnte ich nie die Keimbläschen bemerken, ihr Inhalt bestand immer
nur aus einzelnen zerstreuten Bläschen und Körnchen, welche wahr-
scheinlich von einer wasserhellen Feuchtigkeit umgeben sind. Bei dem
weiteren Wachsthume der freien Eier findet sich bald eine zweite und
zuletzt eine dritte Eihülle ein, von denen die mittelste bei den meisten
Echinorhynehen, und auch bei Ech. strumosus an ihren beiden Enden
eine Eiuschnürung darbieten, welche man jedoch in Burow’s Abbildung
fig. 4. vermilst. Sehr sonderbar finde ich überdies noch an der äulser-
sten Eihülle bei Echinorh. strumosus, hystrix, angustatus und proteus
die Eigenschaft, dals sie beim Zermalmen zwischen zwei Glasscheiben
in aufserordentlich feine und elastische Haarfaden vollständig zerfasert,
während die beiden innersten Eihüllen unversehrt bleiben.
ce. Trematoda.
Diese Ordnung ist durch Diesing sehr bereichert worden.
Es liegen mir drei Arbeiten dieses fleilsigen Wiener Helmintho-
logen vor, von denen die eine eine Monographie der Gat-
iung Tristoma betrillt, die andere unter dem Titel: helmin-
261
thologische Beiträge, eine von ihm neu aufgestellte Gat-
tung Heteracanthus und das Tristoma papillosum, als neue Art
behandelt (beide Abhandlungen abgedruckt in „Act. Acad. Caes.
Leop. Carol. Nat. Cur. Vol. XVIII. P.I., mit 2 Kupfertafeln),
die dritte Arbeit enthält eine schöne Monopraphie der Gattung
Amphistoma und Diplodiscus (Annalen des Wiener Museums der
Naturgeschichte, Bd. IT. Abth. II. 1836., mit drei Tafeln Abbil-
dungen). Es ist nur zu bedauern, dafs Diesing die meisten
Untersuchungen an Exemplaren vornimmt, welche bereits län-
gere Zeit in Weingeist aufbewahrt worden sind, wodurch er
die innere Struktur der Würmer häufig so verändert finden muls,
dafs eine genaue und von aller Täuschung freie Untersuchung
derselben nicht immer möglich wird. Der Reichthum des Wie-
ner Museums mag freilich zu solchen Untersuchungen verführen.
In der erstgenannten Monographie beschreibt Diesing aufser den
drei bisber allein gekannten Arten Tristoma maculatum, coccineum und
elongatum Nitzsch (Nitzschia elegans Bär) noch eine vierte neue Art
Trist. tubiporum Dies., auf den Kiemen der Trigla Hirundo von Kol-
lar gefunden, und vermehrt in der zweiten Abhandlung diese Gattung
noch um eine fünfte Art, indem er Trist. papillosum Dies., auf den
Kiemen eines jungen Xiphias gladius gelunden, als neu beschreibt.
Zur Erforschung des inneren Baues von Tristoma hat Diesing das
T. eoceineum benutzt. Er fand den Blind-Darmkanal nach Art des
Dist. hepaticum vielfach verästelt, unterhalb der Mundöffnung tritt an
der Bauchfläche die Rulbe aus einem keillörmigen Cirrusbeutel hervor,
in diesem bemerkte Diesing zwei aneinander liegende, fast eilörmige
Körper, welche derselbe als Hoden betrachtet, aber wohl nichts anders
sind, als die im Cirrusbeutel aller Trematoden sich vorlindende vesi-
eula seminalis; ein vielfach in sich selbst gewundenes Gefäfs dagegen,
welches die Mitte der Bauchfläche ausfüllt und in den Grund des Cir-
rusbeutels einmündet, nimmt derselbe als vesicula seminalis, es ist aber
wahrscheinlich Hode. Neben der Ruthe liegt die Ausmündung des Eier-
leiters, der gegen die Rückenfläche hinverläuft, wo sich der vielfältig
verzweigte Eierstock ausbreitet. Von Nerven war keine Spur zu finden.
In der zweiten Abhandlung erwirbt sich Diesing das Verdienst,
die bisher wenig gekannte Axine Bellones einer genaueren Untersuchung
unterwerfen. Da der Name Axina schon anderweitig vergeben ist,
so wird dafür der Gattungsname Heteracanthus gewählt und dieser Gat-
tung im Systeme ihre Stelle in der Nähe von Tristoma angewiesen,
mit folgendem Charakter: Corptis eompressum, elongatum, antice atte-
nuslum apice emarginatum, ore granuloso. Bothria duo antica in ulro-
que ecorpis latere. Limbus candalis hamolis dimorphis stipatus. — Es
262
werden zwei Arten beschrieben: 1) Het. pedatus Dies. (Axine Bello-
nes Abildgaard), aul den Kiemen von Esox Bellone lebend: Corpore
lanceolato flexuoso, postice pedato, pede antice attenuato, retro calca-
rato obtusato; bothriis orbieularibus parallelis, longitudinaliter fissis.
2) Het. sagittatus Dies., mit der vorigen Art gleichen Wohnort thei-
lend: Corpore lanceolato, postice sagiltato; bothriis orbieularibus paral-
lelis, longitudinaliter fissis. Der Saum des fulsförmigen Schwanzendes
dieser Schmarolzer ist von beiden Seiten, wie auch an den Rändern,
mit Haken von zweierlei Form besetzt. Die Form und Stellung der
Sauggruben, wie auch die Ausrandung am vorderen Ende, endlich der
Bau und die Vertbeilung der Stacheln und Häkchen am Saume des
Schwanzendes, stimmen in beiden Species vollkommen miteinander über-
ein. Der innere Bau dieser kleinen Thiere ist nur fragmentarisch be-
schrieben. Ich kann mich von der specifischen Verschiedenheit beider
Arten nicht recht überzeugen, da die verschiedene Gestalt der Hinter-
leibsenden, auf welche die Aufstellung der zwei Arten gegründet ist,
vielleicht nar von der verschiedenen Zusammenziehung der Thiere in
Weingeist 'herrührt.
In der dritten der Gattung Amphistoma gewidmeten Abhandlung
trennt»Diesing die Arten Amphist. subelavatum und unguieulatum
von den übrigen Amphistomen als besondere Gattung Diplodiseus. Es
werden aulser den vier bekannten Arten Amph. conicum, subtriquetrum,
truncatum und unciforme noch acht neue Arten beschrieben und abge-
bildet: 1) A. giganteum aus dem Blinddarme des Dicotyles albirostris
Nlig. und Dieotyles torguatus Cuv. 2) A. Hirudo, aus dem Blinddarme
der Palamedea cornuta L. Gm. 3) 4. cylindricum, aus dem Darm-
kanale des Cataphractus Murica Natt. 4) A. Ferrum equinum, aus
dem Darmkanale des Cataphractus Murica Natt. und Cataphr. Corome
Natt. 5) 4. megacotyle, aus dem Darme des Silurus Palmito Natt.
6) A. Tunatum, aus dem Blinddarme des Cervus dichotomus und höchst
sonderbarer Weise ebenfalls aus dem Blinddarme von Anas melanotus
Latlı., Anas Ipeeutiri Vieill. und Himantopus Wilsonüi Tem. 7) 4.
oxycephalum, aus dem Darme von Salmo auratus, Pacu, Pacupeba
Natt. und Silurus megacephalus Natt. 8) A. attenuatum, aus dem
Darmkanale des Salmo Pacu Natt. Alle diese Amphistomen sind von
Natterer in Südamerika aufgefunden worden. Diesing beschreibt
neben dem Verdauungssysteme auch das Gefälssystem der Amphisto-
men und bestreitet die Anwesenheit eines Exeretionsorganes bei den
Trematoden überhaupt. Derselbe glaubt, dafs die Entleerung aus dem
vermeintlichen Exeretionsorgane nicht willkürlich geschehe, sondern nur
in Folge einer durch Anschwellung unter Wasser oder durch Druck
hervorgebrachten Zerreilsung der Epidermis; er nimmt die am Rücken
oder Schwanzende der Trematoden befindliche bald warzenlörmige, bald
porusähnliche Stelle mit jenen den Leib der Pentastomen umgebenden
Erhöhungen für gleichbedeutend, die von Nordmann und ihm für
263
Athemlöcher ( Stigmata) gehalten werden. Mich haben meine an frischen
lebenden Tematoden vorgenommenen Untersuchungen dagegen belehrt,
dals man hier zwei Gelälssysteme unterscheiden müsse, von welchen
das eine wirklich Gefälssystem und geschlossen ist, während das andere
sich durch ein Foramen caudale oder dorsale nach Aulsen mündet und
sich wie ein Auswurfsorgan verhält. (S. dieses Archiv 1835. p. 56.)
Das eigentliche Gefälssystem ist stets sehr verästelt, das Auswaurfsorgan
bald einfach schlauchförmig, bald mehr oder weniger verzweigt. Beide
Systeme fallen nicht immer gleich deutlich in einer und derselben Tre-
matoden-Art in die Augen; gleich deutlich und nicht miteinander zu
verwechseln sind beide Systeme in Distom. tereticolle und Aspidogaster
conchicola. Das Nervensystem wurde im Amph. giganteum von Die-
sing deutlich erkannt und stimmte im Allgemeinen mit dem Nerven-
systeme überein, welches Bojanus aus A. subtriquetrum und Laurer
aus A. conieum beschrieben hat. Die neu aufgestellte Gattung Diplo-
discus gründet Diesing auf das von der Geschlechtsöffnung angeblich
durchbohrte Acetabulum suetorium terminale. Ich habe mich bis jetzt
nicht überzeugen können, dafs die im Grunde des hinteren Saugnapfs
befindliche Hervorragung bei A. subelavatum und unguieulatum eine
Geschlechtsöffnung ist, sie ähnelt vielmehr einem kleineren Saugnapfe;
ich habe öfters bei A. subelavatum an der Stelle, wo bei den übrigen
Awpbistomen sieh die Geschlechtsöffnungen befinden, eine Hervorragung
gesehen, die ich weit eher für Geschlechtsöffnung- zu halten geneigt bin.
Rudolphi sowohl (Synopsis entoz. p. 359.) als Diesing (siehe diese
Monographie p. 254.) berufen sich auf Zeder, als habe dieser aus der
im hinteren Saugnapfe verborgenen Geschlechtsöffnung lebendige Junge
herauskommen sehen, was ich jedoch aus Zeder’s Worten nicht ent-
nehmen kann, derselbe erzählt nämlich: „Dieses keulförmige Doppelloch
gebiert wirk lebendige Junge, denn in einem den 15ien August 1797
in dem Frosche gefundenen keullörmigen Doppelloch sah ich die leben-
digen Jungen sich recht munter in dem breiteren Theile bewegen, und
eben so lebhaft bewegten sich die unter meinen Augen. gebornen Jungen
in dem kalten Wasser.“ (Erster Nachtrag zur Naturg. d. Eing. p. 187.)
Es müssen daher noch bestimmtere Erfahrungen über diesen Gegen-
stand entscheiden.
Ueber den Bau der Geschlechtstheile von Distom. hepati-
cum, terelicolle, nodulosum und globiporum, über den inneren
Zusammenhang der männlichen und weiblichen “eschlechtsor-
gane dieser Tliiere, so wie über die haarlörmigen Spermatozoen
derselben theilte Ref. seine Beobachtungen mit (dieses Archiv
1836. p. 217.; Müller’s Archiv 1836. p. 233.). Ich habe diese
Untersuchungen an vielen anderen Trematoden wiederholt und
gefunden, dafs diese Thiere, nämlich Aspidogaster conchicola,
-
264
? .
Distoma echinatum, eirrigerum, laureatum, variegatum, Poly-
stoma ocellatum und zwei Monostoma-Arten aus dem Darme
der Chelonia esculenta, mit geringen Abweichungen ähnlich or-
ganisirt sind.
In dem Gefälssystem des Diplozoon paradorum hat Ref.
die Anwesenheit von Flimmerorganen erkannt (dieses Archiv
1836. p. 105.), ebenso sah derselbe in zwei sehr kleinen Höh-
len zu beiden Seiten des Halses bei Distom. globiporum und no-
dulosum Flimmerbewegungen (Müller’s Arch. 1836. p. 238.).
Ich habe ferner in dem Gefälssysteme des Aspidogaster conchi-
cola dasselbe Phänomen beobachtet, und es stellen hier die Flim-
merorgane sehr deutliche Längs-Lappen dar, deren langen freien
Ränder man wellenförmig schwingen sieht, wodurch man leicht
in Versuchung geräth, zu glauben, es schlängelten sich faden-
förmige Würmer in den Gefälsen.
d. Cestoidea.
Ueber Tetrarhynchus attenuatus iheilte Müller (dessen Ar-
chiv 1836. p. CVI.) folgendes mit. In dem 1; Zoll langen Hin-
tertheile dieses Wurms konnte derselbe keine eigentlichen Or-
gane finden, dagegen enthielt der Kopftheil 4 feste bohnenför-
mige platte Körper, von denen vier dünne Fäden ausgehen,
welche sich an dickere, von den 4 Rüsseln herkommende Röh-
ren befestigen, Müller meint, dafs diese Organe wahrscheinlich
den Verdauungs-Apparat bilden; in der Mitte zwiäßhen den Aus-
gangsstellen der 4 Rüssel liegt eine kleine platte Anschwellung,
von welcher Fäden zu den Rüsseln und den Röhren gehen, wahr-
scheinlich Nervensystem nach Müller.
Leblond fand im Peritonaeum der Muraena conger einen
kleinen, von einer durchsichtigen elastischen Hülle gebildeten
Balg (VInstitut. no. 153. p. 116.: Annales des sc. nat. 1836. p.
290.), in welchem ein Eniozoon eingeschlossen war. Dieser
Binnenwurm bestand aus einem grölseren abgerundeten Körper
und einem langen dünnen Anhange, der an seinem Ursprunge
aus dem Körper eine Einschnürung besafs; der Körper hatte an
der Seite einen Saugnapf und am Ende des Anhangs eine Ver-
tiefung gleich einer Oeflnung. Der Wurm zeigte nur leise Be: \
wegungen, und wurde von Leblond Amphistoma ropaloides
i 265
genannt. Nach Zerreifsung desselben kam ein Tetrarhynchus
zum Vorschein, dessen Körper mit einem gerunzelten trichter-
förmigen Anhang endet, weshalb Leblond dem Thiere den Na-
men T. opistocotyle beilegte. Dasselbe lebte nur kurze Zeit im
Wasser. Ich‘ habe vor einiger Zeit an dem Peritonaeum eines
Esox Bellone 4 ganz ähnliche Bälge gefunden, welche einen Kör-
per enthielten, der mit dem oben erwähnten Amphistoma ro-
paloides vollkommen übereinslimmte, ich konnnte aber an ihm
nichts bemerken, woraus eine Aehnlichkeit mit einem Amphi-
stomum, Holostomum oder irgend einer anderen Trematoden- Art
zu entnehmen gewesen wäre. Der Inhalt der von mir unter-
suchten Körper bestand in einer blasig-körnigen weilsen Masse,
welche leicht auseinander flols; ich vermuthe cher, dafs dieser
Binnenwurm ein Keimschlauch ist, in welchem sich Tetrarhyn-
chen ausbilden, und dafs meine Keimschläuche nur den noch
nicht ausgebildeten Keimstoff derselben enthielten.
Leblond beschreibt ferner (Ann. d. sc. nat. a. a. O.) die
Struktur der vier Rüssel des Bothriocephalus corollatus. Es ste-
hen die vier Rüssel durch eben su viele Fäden mit vier cylin
drischen Körpern in Verbindung, durch welchen Apparat das
Ein- und Ausziehen der Rüssel bewirkt werden soll. nach der
Beschreibung und Abbildung dieses Apparats erkennt man hier
die Organisation wieder, welche Müller von dem Kopfende
des Tetrarh. altenuatus angegeben hat. Unter dem Namen Pro-
dieoelia ditrema beschreibt Leblond (ebendas. p. 299.) einen
bandwurmförmigen Schmarotlzer aus dem Darmkanale der Boa
scyfale L., und weist nach, dals Blainville’s Bothridium Py-
thonis (also auch Retziu’s Bothriocephalus Pythonis, Isis
1831. p. 1347.) und Duvernoy’s Bothridium Pythonis (l Instit.
1835. p. 298.) mit diesem Wurme identisch ist. Die Beschrei-
bung selbst giebl nur bereits bekanntes, von der inneren Orga-
nisation wird nichts erwähnt.
In Taenia inflata hat Ref. die Eier mit aulserordentlich
langen seitlichen Fortsätzen besetzt gesehen, auch hat derselbe
in dieser Taenia, so wie in einer noch unbeschriebenen Art aus
Cypselus apus, welche Taenia depressa genannt wurde, haarför-
inige Spermatozoen erkannt (Müller’s Archiv 1836. p. 51.).
Ich habe seitdem auch in Taenia pectinata und Bolhriocepha-
+
266
lus latus haarige Spermatozoen gesehen. Meine Beobachtung,
dafs die Embryonen vieler Cestoideen mit drei Paar Häkchen
bewaflnet sind (s. dieses Archiv 1835. p. 83.) wird durch Bu-
row bestätligt (a. a. O.p.24.). Ausführlicheres darüber findet
man in meiner Entwicklungsgeschichte der Helminthen.
e. Cystica.
Der Cysticereus tenuicollis wurde zu verschiedenen Gröfsen
in Kapseln des Peritonaeums eines kranken Cervus Azis gefun-
den und von Houston beschrieben (Fror. Not. no. 1035. p. 7.;
U’Instit. no. 142. p. 29.)
Echinococcus hominis ist von Müller genauer untersucht
worden (dessen Archiv 1836. p. CVII.; Mittheilungen aus den
Verhandl. d. Ges. naturf. Freunde in Berlin, 1836. p. 17.) Die
Mutterblasen dieses Echinococcus sind mit dem Urin entleert wor-
den; diejenigen Blasen, weiche Echinococcen enthielten, glichen
den leeren Blasen vollkommen. Die Würmer waren theils frei
in der Flüssigkeit der Blasen enthalten, iheils fesisitzend, theils
in kleinen Bläschen eingeschlossen, die in den grelsen Blasen
enthalten waren; ob sie im Innern dieser Bläschen befestigt wa-
ren, konnte nicht ermittelt werden. Bei einigen wenigen der
neuen Echinococcus- Würmehen bemerkte man am hinteren stum-
pfen Ende des Körpers die Spur eines häutigen Stranges, der
wie abgerissen erschien. Es bildeten zuweilen 5, 6, 8 und mehr
Echinocoecen einzelne Aggregate, auf der Oberfläche eines sehr
kleinen Bläschens mittelst des oben erwähnten häutigen Stran-
ges aufsitzend. Nachdem mir mein Freund, Dr. Baum, die
Gelegenheit verschafft hat, eine grolse mit Echinocoecen gefüllte
Mutterblase, welche derselbe in der Lebersubstanz einer verstor-
benen alten Frau gefunden hatte, frisch zu untersuchen, und ich
diesen Blasenwurm mit Echinococcus veterinorum und einem
Echinococcus aus den Lungen einer Meleagris gallopavo ver-
glichen habe, so kann ich obige Beobachtungen noch dahin er-
gänzen: dals die Höhle der Mutterblase von einer zarten Haut
ausgekleidet ist, derselben, welche Müller in den Hydatiden
bereits macerirt und losgetrennt gesehen hatte. Diese Haut löst
sich sehr leicht los und ist auf ihrer convexen Fläche mit vie-
len glashellen, meist oblongen und festen Körperchen bestreut,
r
267
welche den in dem Halse der Cysticerceen und des Coenurus
cerebralis vergrabenen glashellen Körperchen ganz analog sind.
Diese Körperchen haben die Eigenschaft: in coneentrirter Sal-
petersäure sich unter Aufbrausen aufzulösen, dieselbe Eigenschaft
iheilen die glashellen Körnchen mit ihnen, welche man in den
Echinococcus-Würmehen hier und da eingestreut findet, und
welche von einigen Naturforschern als Keimkörner angesprochen
worden sind. Aus der concaven Fläche jener zarten Haut spros-
sen allmählig Bläschen hervor, in welchen sich die Echinococcus-
Würmchen ausbilden. Diese Bläschen mögen zuweilen von ih-
rem Boden losreilsen und dapn in die Flüssigkeit der Mutter-
biase gerathen. Sind die Würmchen gehörig ausgebildet, so zer-
reilst das Bläschen, stülpt sich und seinen Inhalt nach Aufsen
um und schrumpft zu einem kleinen Körper zusammen, um wel-
chen, wie um einen Mittelpunkt, die Echinocoecen mit den von
Müller erwähnten Strängen noch einige Zeit fest verbunden
bleiben. Ich habe öfters durch eine absichtliche Verletzung der
Bläschen dieses Umstülpen, was sogleich nach der geringsten
Verlelzung erfolgt, veranlafst und unter dem Mikroskope beob-
achlet ?).
ss Mollausco.
Von Werken allgemeinen Inhalts erschienen:
Lamarck, Histoire nat. des anim. s. vert. II. edit. par Deshayes,
Bd. 7., den Schluls der Conchileren, die Pteropoden und La-
marck’s Gasteropoden enthaltend. Zahlreiche Zusätze und Ver-
besserungen machen diese neue Ausgabe unentbehrlich,
E. A. Rofsmäfsler, Iconographie der Land- und Sülswasser-Mol-
lusken mit Berücksichtigung der europäischen, noch nicht abge-
bildeten Arten, Heft IV., Dresden u. Leipzig 1836. 8. (Abbildun-
gen und Beschreibungen treflich, wie früher; betreffen. Arten der
Gattungen Helix, Clausilia und Anodonta.)
1) Verf. hat auch für die folgenden Jahrgänge dieser Zeitschrilt
einen Bericht über die Entozoen zu liefern versprochen. Ueber die Gat-
tung Gnathostoma Owen, welche dem Verf. bei Einsendung des Be-
riehts noch unbekannt war, siehe den im Isten Bande des A4ten Jahr-
ganges gegebenen Auszug. Herausg,
s
268
Ueber einzelne Faunen handeln folgende Werke und\Ab-
handlungen:
Held, Aufzählung der baierischen Mollusken mit Aufstellung neuer
Arten. Isis IV. p. 271.
Philippi, Aufzählung der um Helgoland vorkommenden Mollusken,
Dieses Arch. I. 1. p. 233.
Bouchard Chantereau, Catalogue des Mollusques marins et des
Crustaces du Boulonnais. Boulogne 1835. 2 Hefte. 8.
Bouillet, Catalogue des especes et varietes de Mollusques terrestres
et fluviatiles de ’Auvergne. Chermont Ferrand 1836. 8.
R. A. Philippi, Enumeratio Molluscorum Sieiliae cum viventium
tum in tellure tertiaria fossilium. Berolini 1836. 4. c. tab.
Von grofser Wichtigkeit für die Mollusken- Fauna des Nittelmeers,
und doppelt interessant durch Nachweisung der Indentität vieler
fossilen Arten der Tertiärformation mit den noch lebenden. Viele
neue Arten sind beschrieben und abgebildet, die hier wegen Man-
gel an Raum nicht aufgeführt sind.
Cantraine, Diagnoses ou descriptions de quelques mouvelles especes
de Mollusques etc. (Bullet. de Acad. des Sc. de Bruxelles 1835.
Decemb.) — Instit. 1836. no. 145. — Gue£r. Bullet. Zool. 1835.
Livr. 7 et 8. Sect. II. p. 129. Gegen 80 Arten, von denen manche
so weit die kurzen Diagnosen ein Urtheil gestatten, mit von Phi-
lippi beschriebenen zusammenfallen. Vorläufer eines grölseren
Werkes über die Mollusken- Fauna des Mittelmeeres.
a. Cephalopoda.
Viele Cephalopoden finden wir in Aleid. d’Orbigny’s Vo-
gage dans !_Amerique meridiomale beschrieben und abgebildet, aus
den Gruppen Octopus, Onychotheutis, Ommatostrephes
d’Orb, Loligo. Die Diagnosen der neuen Arten finden sich
ausgezogen in Guer. Bullet. 7 et 8. Sect. II. Verf. giebt einen
neuen Beweis für die Eigenthümlichkeit der Argonautenschale.
Bei sehr jungen Exemplaren der Arg. hians fand er nämlich die
Schale noch nicht verkalkt, sondern hornarlig und biegsam; sie
bildete einen kleinen, etwas schiefen Becher, der blofs das Ende
des Sackes in sich aufnahm. Dagegen hat Gray in den Pro-
ceed. of ihe Zool. Soc. IV. p. 122. meist bekannte Gründe ge-
gen das Eigenthumsrecht des inwohnenden Cephalopoden vorge-
bracht. Owen, welcher (ib. p. 23.) Bemerkungen über die
Anatomie der Arg. hians giebt (ib. p. 23.), Iritt der entge-
gengesetzten Ansicht bei, besonders auf die specif. Differenz der
»
269
Inwohner speeifisch verschiedener Schalen fufsend, wobei er
eine neue Art des indischen Meeres, A rufa, erwähnt. Das
Thier der A. hians stimmt nicht, wie Leach angegeben, in der
inneren Organisation mit Octopus überein, sondern nähert sich,
wie das Thier der Arg. Argo, in dem fleischigen Anhange der
Kiemenherzen, in der Lage des Dintensackes, der nicht in die
Lebersubstanz versenkt ist u. s. w., den Dekapoden. An dem-
selben Orte beschreibt Owen Cranchia scabra, einen klei-
nen Loligo, L. laticeps und Octopus semipalmatus (p. 19 fg.).
Bei Cranchia adhärirt der Mantel oberhalb dem Hintertheile des
Kopfes, was Owen als einen wesentlichen Charakter der Gattung an-
sieht und deshalb zweifelt, ob Cr. cardioptera und Bonelliana wirklich
hierher gehören. Die Gestalt der Flossen allein gebe keinen generi-
schen Charakter. Die Eingeweidemasse bei Cranchia ist sehr klein
und füllt nur den Vordertheil des schlaffen Mantelsackes, die Klappe im
Trichter fehlt, ebenso die Artikulationsknorpel, durch welche sich bei
den Dekapoden der Mantelrand der Basis des Trichters fest anschlielst.
Einige Beobachtungen an lebenden Cephalopoden theilte
Lichtenstein in diesem Arch. I. 1. p. 120. mit.
Sehr unvollkommene Notizen über das Thier der Spirula
nach beschädigten Exemplaren erhielten wir von Robert (In-
stit. no. 153.; Compl. rend. hebd. II. p. 362.; Ann. d. Sc. nat.
V. p. 226.). Sie geben nicht einmal über die Form des Thie-
res gehörige Aufklärung.
bl. Gasteropoda.
Die Mundfheile mehrerer einheimischen Schnecken wurden
von E. H. Troschel höchst sorgfältig nach mikroskopischen
Untersuchungen beschrieben (dies. Archiv II. 1. p. 257.).
e. Gymnobranchia.
Cantraine stellte Z. c. einige neue Arten auf:
Doris elegansy, pulcherrima, tricolor, ramosa; Trito-
nia decaphylla; Cavolinia rubra.
In einem langen Berichte schilderte G. Bennett die Le-
benserscheinungen des Glaucus hexapterygius (Proc. Z.
8. IV. p. 113.)
Das Wichtigste ist die durch direkte Beobachtung begründete An-
gabe, dafs sie die Randfüden und sonstigen weichen Theile der Porpi-
tae, mit denen sie meist zusammen vorkommen, mittelst ihrer Kiefern
e
270
zuweilen bis auf die Knorpelscheibe abnagen. - Das Uebrige betrifft die
Bewegungen, die Farbenprscht und überhaupt das Aeulsere. des Thie-
res, und ist im Wesentlichen ‚bekannt Die hinter der ersten Fiosse
gelegene Oeffnung, die einzige, deren Verf. gedenkt, nennt er Afteröff-
nung, glaubt 2 dafs sie auch Geschlechtsöffnung sei, indem er ein-
mal Eier, und bei einem andern Exemplar eine ET Flüssigkeit
aus derselben hervortreten sah. Bekanntlich aber ist diese Oeffnung von
Cavier, Rang u. A. als Geschlechtsöfinung erkannt, und eine etwas
weiter hinten liegende für. die Afteröffaung erklärt. Ferner giebt Verf.
jene Oefinung lirkerseits an, wäbrend sie nach Cuvier, Rang u. A
rechts liest. Der Widerspruch fällt weg, wenn man berücksichtigt, dafs
die Thiere beim Schwimmen die Bauchseite aufwärts kehren. Sonach
möchte die strömende Bewegung, welche der Verf in doppelter Rich-
tanz an der Rückenseite nahe unter der Oberfläche beobachtete, sich auf
dieselbe Erscheinung beziehen, welche man am Fulse der Schnecken
wahrnimmt. ! -
8%. Pomatobranchia (Teetibranches Cuv.).
Mehrere. neue Arten wurden aufgestellt:
Aplysia depressa und 4. Dumortieri von Cantraine l.c.
Aplys. Brugnatellii und 4. Webbii von Robb und Vanbene-
den in Guer. Mag. Zool. 6., 5. 2.77. Elisia marmorata (Li-
vorne) von Cantraine 1. e.
7» Pulmonata.
Von Parre wurde in Guer. Mag. d. Zool. FI, 5. dab, 71:
ein neues Genus: Drepanostoma aufgestellt.
Das Thier wie bei Helix, das Gehäuse scheibenförmig, wie Pla-
norbis, mit sichellörmige Seitenrande etwas niedergedrückter Mün-
dung. Die Art Dr. nauti is, braun, haarig, 3 Millim. lang, 44-Millim.
breit, findet sich in der Provinz Como.
Vanbeneden hat ein hornartiges. wurmförmiges Stylet
aus den Geschlechtstheilen der Parmacella beschrieben und äb-
gebildet. (Bullet. de FAcad. de Brux. III. p. 92.)
Es findet sich in dem sogenannten Purpurbeutel aulser dem. darin
enthaltenen Schleime, ist aufgerollt, hohl, braun, einer Filarie nicht un-
ähnlich, oft finden sich zwei zusammen, dann war das eine fast ganz
von einer pulpösen Masse umgeben. Bei Individuen, welche in der
Begattung gefangen waren,«yvar das dünne Ende aus der Blase in deren
Ausführuhgsgang getreten. Beschreibung und Anatomie der Parmarella
WValenciennii von Webb und Vanbeneden erschien in Guer Mag.
Zoel. 6., 5. t. 75., 76. u
Derselbe hat ö. p. 418. die Geschlechtstheile von Helix
-
271
adspersa beschrieben und abgebildet. Er fand noch einen lan-
gen, dünnen Gang, welcher aus dem von Cuvier für Hoden
genommenen Organe zur Scheide führt, nachdem er kurz vor
seinem Eintritie in letztere noch den Ausführungsgang der lang-
gestielten Blase aufgenommen. Denselben Bau will Verf, auch
bei H. vermicularis gefunden haben.
Cantraine unterscheidet ebend. p. 109. eine grofse illy-
rische Helix unter dem Namen HM. Varronis, als die, welche von
den alten Römern gegessen wurde. Seine Vermuthung, dals
diese Schnecke mit H. gravosaensis Mühlf. oder H. montene-
grina Ziegl. identisch sei, ist vollkommen gegründet.
Eine Abhandlung von Krynicki:
Helices proprie sic dietae imperii Rossici im Bullet. de la Soc.
Imp. des Natur. de Moscow. 1836. kenne ich nicht.
Neue Arten wurden aufgestellt:
Helix Poyeii Petit. Guer. Mag. 6., 5. t. 74. Bulimus
Crichtonii, inflatus, pusio von Broderip in den Proc. Z, 8.
p. 44. B. pupaeformis Cantraine I. c. Spalatro. Clausilia
elongata (Zara), olivacea (Dalmatien), deenia (Dalmatien), re-
flexilabris (Ragusa), macrosoma (Malta), acicula (Ragusa),
brevis (Umbla) von Cantraine I. c. Auricula dubia id. ibid,
Dalmatien.
6. Otenobranchia.
Ueber die Gattung Truncatella erschien eine ausführ-
liche Abhandlung von Cantraine. (Bullet. de Acad. de Bru-
xelles p. 87.)
Das Tbier hat eine rüssellörmige, retractile Schnauze, an deren
Ende zwischen 2 Lippen der vertikale Mund. Die beiden Fühler kurz,
konisch-cylindrisch‘, an der Basis sehr dick, hier innen und hinten das
halbmondförmige Auge. Fufs klein, rund, gerandet, Deckel hornartig, —
Fidelis Risso ist nach dem Jugendzustände der Truncatella costulata
aufgestellt.
Ueber die Gattung Lacuna siehe Philippi (dieses Arch.
II. 1. p. 230.).
Neue Arten:
Paludina unicarinata, Eulima intermedia, Trochus
semigranularis loss. und Tr. Bornii, Turbo carinatus, pe-
loritanus, Turritella potamoides, Scalaria suhdecussata
Cantraine I. ce. Conus Adansonii Broderip in Proc. Z. 8. p. 44.
Cypraeca castanea \Änderson (Inst. p. 193.). Testa ovato-ventri-
272 - 2
cosa, castaneo-fusca, fasciis 2 latis obscuris saturalioribus, marginibus
incrassatis, albis, fusco punctatis, aperturae extremitatibus intus roseo-
rubris. Long. 14”, Lat. $. Neu-Seeland. Ovula virginea Cantr.
I. c. (an O.adriatica Sow?). Voluta Beckii, concinna Broderip
in Proc. Z. 8. p. 43. Marginella Cleryi Petit in Gu£r. Mag. 6.,
5.1.73. Mitra olivoidea Cantraine Z. c. (Mittelmeer, adriat. Meer).
Cerithium Kieneri, sardoum, peloritanum Cantraine Il. e.
Purpura Gravesii Broderip in Proe. Z. S. p. 44. Murex bi-
color, Bronchii, Fusus moniliger, F. costulatus und F.
semicostatus, Pleurotoma costulatum, Strombus pusillus,
Sigaretus Audouini Cantraine l. e.
&. Aspidobranchia.
Parmophorus patelloideus Cantraine I. c. (bei Sardinien).
t. Hypobranchia.
Diphyllidia verrucosa Cantr. I. c. (Golf v. Genua). — Pleu-
robranchus elongatus Cantr. I.c. — Pl. testudinarius Cantr.
= P. mamillatus Schultz b. Philippi.
Vermetus spiratus Phil. (dies. Arch. II. 1. p. 224.).
ce. Pteropoda
Reiche Beiträge für diese Abtheilung enthält d’Orbigny’s
Reise. Eine neue Gattung Hyalea, H. vaginellina (Messina)
beschrieb Cantraine l. c.
d. Acephala.
Cantraine erwähnt Z. c. unter den Namen Cycladina
ein neues Cyclas ähnliches Genus.
Die kleine Art C. Adansonii findet sich im Mittelmeere auf Stei-
nen und wird von ihm für den von Adanson beschriebenen Peron
gehalten. Sie ist kuglig, fast kreisrund, hat 2 seitliche Schlofszähne,
der vordere stark, flachgedrückt, der hintere etwas kleiner, keinen Zahn
oder Ausschnitt im Wirbel, einen sehr zarten, kaum sichtbaren Byssus,
ist innen und aufsen purpurbraun. Würde nicht das Schlofs verschie-
den angegeben. sollte man sie für Bornia seminulum Phil. halten.
Dals die Gattung Scaphula Benson (dies. Arch. II. 2.
p- 210.) nur eine junge Cucullaea sei, hat Gray nachgewiesen.
Eine
273
-
Eine Beschreibung des Nervensystems von Mya und My-
tilus gab Cantraine Bull. de l’.Acad. de Bruzelles 1836. p.
242 et 246.
Neue Arten.
Von Cantraine /. e.: Pecten subelavatus (foss.), P. pullus (le-
bend und foss.), P. solea (foss.), Arca modioloides (foss.), Limopsis
Reinwardtii, Mytilus crispus, Modiolus barbatellus, M. subpietus, M.
agglutinans, Astarte affinis, erispata.
Von Broderip: Spondylus albidus in Proe. Z. $. IV. p. 43.
- Von Philippi: Tellina sulcata, Corbula aequivalvis, Diplodonta
semiaspera, Chama cancellata, Venus calophylla in diesem Archiv I. 1.
p- 225 fg.
9. Echinodermata.
Agassiz hat in den Mem. de la Soc. de Sc. nat. de Neu-
chatel Tom. I. p. 168. seinen schon früher angekündigten Pro-
dromus einer Monographie der Echinodermen publieirt.
Aulser allgemeinen Betrachtungen über die Organisation der Klasse
ist eine Systematik derselben mit kurzer Charakteristik der Genera ge-
geben. Verf. schliefst die nicht radiären fulslosen Formen (Sipunculus,
Thalassema), als nicht zur Klasse gehörig aus, und verweist sie zu den
Würmern; allein ihre Verwandtschaft mit den fufslosen Holothurien
streitet dagegen, und die zahlreichen Abweichungen vom strahligen Ty-
pus möchten dafür sprechen, dals wir weder hier, noch bei den Qual-
len und Polypen (Bryozoen) das Wesen der Klasse allein in den strahligen
Typus zu setzen haben. Des Verfassers sinnreiche Nachweisungen der
Symmetrie bei den Echinen und Asterien sind schon theilweise aus
dem Isten Jahrg. (Bd. 1. p. 36 f2.) dieses Archivs bekannt. Sie wer-
den bier weiter ausgeführt. Weshalb die sogenannten Fülschen der
Eehinen nicht Bewegungsorgane sein sollen, leuchtet mir nicht ein, In-
teressant ist ferner, dals Verf. die Gattung @Ienotremites Goldf. und
Ganymeda Gray (letztere nach eigener Ansicht des beschriebenen Exem-
plars) our für die Scheibe eines Crinoiden erkennen will.
Eine Aufzählung und Beschreibung der irischen Strahlthiere
gab Templeton in Loud. Mag. IX. p. 236., auch wurden
ebendaselbst mehrere englische Seesterne von Johnston be-
schrieben (p. 231., 298., 472.). Ehrenberg stellte eine Aste-
rias helgolandica auf (Akalephen p. 34.). Charles Desmou-
lin’s Prodrome: d’une nowvelle classification des Echinides (Act
III. Jahrg, 2. Band, 18
274
’
de la Soc. Linn. an Bordeaux t. VIII.) ist mir nur aus der
Anzeige in den Ann. d. Sc. nat. V. p. 233. bekannt.
Das Nervensystem der Seeigel besteht nach Vanbeneden
(Inst. 153.) in einem Schlundringe, gleich dem der Seesterne.
v. Siebold hat gezeigt, dafs der sogenannte Steinkanal der
Seeigel kein mit formloser Masse erfüllter Kanal, sondern ein
S-förmig gekrümmtes, aus 50 — 60 Kalkstücken zusammenge-
setztes Säulchen ist. Die einzelnen Glieder der Ringe bestehen
jedes aus 2 Stücken, deren eins sich einwärts in 2 Lamellen auf-
rollt, und bilden so einen im Innern des Säulchens befindlichen
Kanal, der mit körnigem Gewebe gefüllt ist. Eben daselbst be
schreibt er auch eigenthümliche Fäden im Innern der Tentakeln
und deren Bläschen (Müll. Archiv p. 291.).
Thompson hat seinen Ausspruch, dafs sein Pentacrinus
europaeus nur der Jugendzustand einer Comatula sei, weiter be-
gründet (James. Edinb. new phil. Journ. XX. p. 295.), aber
nicht aufser allem Zweifel gesetzt.
Pentacrinen im mehr vorgeschrittenen Alter gewinnen durch Bil-
dung der ersten Fiedern nahe dem Ende der Strahlen das Ansehen,
als ob diese an der Spitze gablich werden wollten. Sie Haben dann
eine schwefelgelbe Farbe. Ganz junge Comatulen, welche Verf. fand,
hatten ebenfalls eine schwefelgelbe Farbe, und gegen das Ende der Arme
3 — 4 Paar Fiedern, näher der Basis kleine vereinzelte, eben hervor-
wachsende; statt der 5 Rückencirren des Pentacrinus fanden Sich 9.
Bei etwas älteren waren die Fiedern vollzählig; die Arme nur oberhalb
schwefelgelb, unten rotlı, wie bei den älteren Comatulae. Im Mai und
Juni ist bei den ausgewachsenen Comatulen die membranöse Innenseite
der Fiedern zu einem Eierbehälter erweitert. Im Juli treten die Eier
aus einer runden Ocfinung hervor, bleiben aber kugelförmig zusammen-
geballt an den Fiedern halten; dals sie sich zu einem Pentacrinus ent-
wickeln, ist nicht direkt beobachtet. Dafür spricht jedoch, dafs
die Pentacrinen zu einer Zeit vorkommen, wo die Eier der Comatulen
verstreuet werden, und im September fehlen, wo man junge Comatulen
trifft. Verf. schweigt von einem erheblichen Unterschiede; der Penta-
erinus hat nämlich wie sein fossiler Verwandter ein fünftheiliges Becken
am Ursprung der Cirri, die Comatel nur eine convexe Scheibe. Wie
reimt sich das?
) 275
10. Acalephae.
Ehsenbergis Entdeckungen über die Organisation der
Quallen, welche nach ilırem Hauptinhalte bereits im 1sten Jalırg,
dieses Archives (Bd. 1. p. 31.) mitgetheilt wurden, sind nun
umständlich und durch viele Abbildungen erläutert, erschienen.
(Die Akalephen des rolhen Meeres und der Organismus der Me-
dusen der Ostsee ete. Mil 8 colorirten Tafeln. Berlin 1836. fol.
Aus den Schriften der Berliner Akad. besonders abgedruckt.)
Eine interessante Zugabe bilden die bildlich dargestellten Abän-
derungen im Zahlenverhällnisse der Medusa aurita.
Wie von Bär fand Verf., dafs mit der Zahl der Ovarien auch die
Zahl der Fangarıne und Darmradien variirt. Individuen, welche einen
scheinbar einfachen, aber aus 3 oder 4 verschmolzenen Eierstock be-
salsen, zeigten so viele Fangarme u. s. w., als Oeffnungen für die Eier-
höhblen da waren. Bei 4 Eierstöcken sind als Regel 4 Fangarme an
einem viereckigen Munde, 8 Randkörperehen, $ Atteröffnungen und 16
Haupträdien des Darımes. Bei drei Fangarmen ist der Mund dreieckig,
es finden sich 3 Eierstöcke mit 3 Oeffnungen, 6 Randkörperchen, 6 Af-
teröffnungen und 12 Hauptradien des Darmes, Bei 8 Fangarmen ist
der Mund achteckig, es finden sich 8 Eierstöcke mit 8 Oeffnungen, 16
Randkörperchen, 16 Afteröffoungen und 32 Darmradien u. s. w. Die
Abweichungen von der regelmälsigen Vierzahl sind indessen gering, un-
ter 100 Ex. zeigen eiwa 10 dergleichen Anomalien.
v. Siebold hat bei der Medusa aurita Duplieität des Ge-
schlechts entdeckt, und über die erste Entwickelung der Eier
näheren Aufschlußs gegeben. (Fror. Not. 50. 3.)
Dieselben Organe, welche beim 2 Ovarien sind, sind bei den Z
Hoden. Die 4 Fangarme der 2 sind bei weitem stärker entwickelt als
die der Z, weil an ihnen herab neben den Fühlfiden noch die Beutel
angebracht sind, in denen sich die vom Eierstocke losgetrennten Eier
weiter entwickeln. Diese Säcke fehlen den Z, daher man früher glaubte,
dals sie periodisch vorhanden seien und fehlten. Die Hoden haben ge-
wöhnlich eine braungelbe Farbe, enthalten ovale Behälter, welche mit
einem Gewimmel von Spermatozoen gleich denen der Unionen und Ano-
donten erfüllt sind. In der feinblasigen Dottermasse der aus dem Bo-
den des Eierstockes hervorsprossenden kugligen violetten Eier findet
man das Purkinje’sche Bläschen und den Keimfleck. Mit dem Ver-
schwinden des Keimbläschens treten Furchungen der Dotterkugel auf,
daher die brombeerarlige Gestalt dieser Eier. Dann entsteht im Innern
eine Höhle und aufsen Wimperbewegung, wobei die Eier eine ovale
Form und braungelbe Farbe erhalten; die innere Höhle geht, dem äufse-
ren Umrisse folgend, vom ovalen ins eylindrische über, und gewils ist
15*
276
diese cylindrische Form mit stark entwickelten Wimpern die erste Ent-
wickelungsstufe der Quallen. In dieser Oylindergestalt haben sie immer
ein diekeres und ein schmäleres Ende und schwimmen mit dem dicke-
ren Ende, an welchem eine runde Grube (Mund) bemerkbar ist, stets
voran, wobei sich der Fire um seine Längsaxe dreht. Ueber die
weitere Entwickelung vergl. Sars Mittheilung in diesem Jahrg. Bd. 1.
p- 406. Wenn ich auch noch in Zweifel ziehen möchte, ob das von
Sars als Strobila beschriebene Wesen (s. Jahrg. 2. Bd. 2. p. 197.)
gerade ein Junges der Medusa aurita sei, so zweifle ich keinesweges,
dals es der Jugendzustand einer Qualle sei. Bei meinem vorjährigen
Aufenthalte an der Südküste Norwegens hatte ich Gelegenheit, dies
kleine Geschöpf in seinem ersten Entwickelungsstadium (Scyphistoma
Sars) zu beobachten, sah aber leider nicht seine Theilung, indessen
kann ich mit Bestimmtheit versichern, dafs es keine Lucernaria ist, wie
Herr Ehrenberg (die Akalephen p. 52. Note) vermuthet.
Eine Aufzählung der irischen Akalephen gab Templeton
in Loud. Mag. 9. p. 301. Medusa aurita und Oceania Blu-
menbachii fand Rathke im schwarzen Meere (Fauna der Krym);
eine mit der erstern wahrscheinlich identische Qualle Ehren-
berg im rothen Meere.
Ueber die Beroiden (Ctenophorae Eschsch.) erschien eine
systematische Arbeit von Lesson. (Ann. d. Sc. nat. V. p. 235.)
Patterson hat in James. Edinb. new phil. Journ. IX.
p- 26. eine Bero& (Cydippe Eschsch.) der Ostküste Irlands be-
schrieben (s. Fror. Not. 48. No. 2.).
Die Wimperreihen sind jede mitten durch eine Längsleiste in zwei
Hälften getheilt. Die Tentakeln treten näher dem Hinterende hervor.
Ein Individuum ertrug den Verlust eines bedeutenden Theiles seiner
Körpermasse, ohne dadurch an seiner Lebendigkeit zu verlieren. Auch
an ganz kleinen Fragmenten dauert das Schwingen der Cilien fort, an
einigen noch nach 33 Stunden, was um so merkwürdiger ist, da an-
drerseits, wie schon Eschscholtz angiebt, die beiden einzelnen Wim-
perreihen, ja die beiden Hälften derselben Reihe eine nicht gleichzeitige
Bewegung zeigen, so dals einzelne ganz in Ruhe sind, oder langsamer
schwingen, wenn die andern schnelle Bewegung zeigen; was nicht auf
die Categorie der Wimperbewegung palst. Nie waren die Wimpern
länger als eine oder zwei Sekunden in Ruhe. Verf. traf zu den ver-
schiedensten Jahreszeiten bei allen Individuen keine Eier, auch beob-
achtete er nie ein Leuchten. Die Thiere stiegen bald, wie ein Ballon,
im Glase langsam auf und nieder; bald wälzten sie sich , ohne zu stei-
gen oder zu fallen, um ihre Quer- oder Längsaxe u. s. w.
Eine Abbildung der Bero& pileus giebt Ehrenberg (Aka-
—
.
277
lephen ete. tab. VIII. p. 8 — 10.). Ebendaselbst sind auch aus
der Abtheilung der Scheibenquailen Oceania pileata und Meli-
certum campanulatum abgebildet.
Brandt hat in dem Bullet. scientif. de Acad. de St. Pe-
tersb. I. No. 24. p. 185. eivige Modifikationen seines früher !)
gegebenen Systemes der Scheibenquallen mitgetheilt.
Die Eintheilung in Phanerocarpae und Cryptocarpae ist mit Recht
aulgegeben, und dafür die Ordnung in Monostomae (Oceaniden,
Aequoriden und Medusiden), Polystomae (Geryoniden, Rhizostomen )
und Astomae (Bereniciden) getheilt. Letztere bleiben immer proble-
matisch; und ob Berenice globosa Faber (Histiodactyla Br.) in diese
Gruppe gehört, bezweifle ich. Sollte sie nicht in der Nähe von Mam-
maria stehen und der eingezogene Rüssel übersehen sein?
Suriray hat (Guer. Mag. de Zool. VI. Livr. 2. X. t.
l et 2.) seine Beobachtungen über die Noctiluca miliaris
(scintillans) als die Ursache des Meeresleuchtens mitgetheilt.
Seine Beobachtungsmethode, so wie seine Beschreibung und Ab-
bildung des Thieres, stimmen fast gänzlich mit dem überein, was Eh-
renberg darüber in seiner Schrift über das Leuchten des Meeres pu-
blieirt hat (s. dies. Arch. II. 2. p. 201.). Verf. hatte diese Abhand-
lang bereits 1810 der Pariser Akademie mitgetheilt, welche sie aber
nicht publieirte. Nur Lamarck hatte des Verl. Gattung Noctiluca
in seinem Syst. des Anim. s. vert. aufgenommen, wonach sie auch von
Ehrenberg in dessen genannter Schrift (p. 72.) aufgeführt ist. Mit-
telst einer Lovpe unterschied Verf. am Tbiere ein kreisförmiges schwa-
ches, fast permanentes Licht und ein lebhafteres, centrales, vergängliches.
71; Poly pei
Während in den vorigen Jahren fast nur Ehrenberg’s
Anthozoen Gegenstand der Beobachtungen waren, hat man sich
im Jahre 1836 auch auf die Untersuchung der Bryozoen hinge-
wandt. Ueber die gesammte Klasse der Polypen erstreckt sich
der zweite Band der neuen Ausgabe von Lamarck’s Hist. nat.
des anim. s. vert., so weit es möglich war, nach dem Stand-
punkte der heuligen Wissenschaft verbessert, aber, da.die ver-
altele Systematik blieb, wenig brauchbar. Ferner Johnston’s
1) (Prodrom. descript. animalium ab Henr. Mertensio — obser-
vat, 1835.)
278°
Abhandlung: The natural history of British Zoophytes in Jard.
Mag. of Zool. and Botany. Der erste Theil p. 64 fg. enthält
nur eine unvollständige Geschichte der Zoophytologie. Auch die
Fortsetzung (p. 225.) giebt nur Bekanntes.
Dalyell’s fernere Beobachtungen über die Fortpflanzung
der schottischen Zoophylten (Edinb. new philos. Journ. XXL,
p: 88., daraus in v. Froriep’s Not. 50. No.'6.) enthalten so
viel Räthselhaftes, dals sie nothwendig von andern Nalurforscheru
wiederholt und gedeutet werden müssen.
Däls die Jungen und die gewimperten rothen Körper (Eier oder
Keime) im Innern einer Aetinia equina in die hohlen Tentakeln tre-
ten, halte der Verf. bereits früher angegeben. Hier ist nun auch die
weitere Entwickelung jener gewimperten, sich bewegenden Keime, die
nicht hohl, sondern von bedeutender specifischer Schwere, bald abge-
plattet rund, bald länglich sind, geschildert. Einige, fast kugellörmig,
scheinen aus zwei oder drei ungleichen Kugeln zu bestehen ( Dotter-
furchung?). Nach acht Tagen ward ihre Gestalt verändert, vorn abge-
stutzt, hinten convex, wie die abgeschnittene Spitze eines Zuckerhutes,
ihre Bewegung liels nach, die Wimpern verschwanden, und die Körper-
chen hefteten sich fest; am elften Tage zeigten sich bei einem die Ru-
dimente der Tentakeln, bei einen waren am 19ten bereits 9 Tentakeln
sichtbar; bei andern entwickelten sie sich später. — Was Verf. unter
seinen Aleyonien versteht, ist nicht ganz klar; nach der Wimperbewe-
gung an den Fühlern des eben entwickelten Jungen beobachtete Verf.
keine eigentliche Aleyonien, sondern Bryozoen. Was Verl. an seiner
Hydra tuba beobachtete, scheint die Entwiekelungsgeschichte einer Me-
dusenbrut, ähnlich der, welche Sars bei seiner Strobila schilderte.
Es heftet sich nämlich zuweilen an die Mundscheibe der Hydra im Fe-
braar und März ein umgekehrt kegellörmiger Fortsatz an, der herabhän-
gend, die Tentakeln ganz unsichtbar macht, sich bis auf 2 — 3 Linien
ausdehnt, und in 20 — 30 übereinander liegende Schichten spaltet, die,
nachdem ihr Rand in 5 — 12 am Ende gegabelte Strahlen ausgewachsen,
sich einzeln lostrennen und als Medusenartige Thiere umherschwimm:
ähnlich denen, welche Sars als Strobila octoradiata abbildete. D.
kliugellörmige Thierchen, welches aus den Blasen (weiblichen Zellen)
der Sertularia hervorschlüpfte, läfst keine Deutung zu. Sehr unver-
ständlich ist auch, was der Verf. von Tubularia angiebt.
Templeton’s Aulßählung der irischen Polypen in Loud.
Mag. 9. p. 303., 417., 466. kann den heutigen Ansprüchen nicht
genügen. Actinia monile T. ist das Junge irgend einer Art, vielleicht
von A. senilis, A. margaritifera scheint A. mesembryanthemum.
Duges hat die bekannte Cridrina palliata Ehrb. (Actinia
a 2 2
279
careiniopados Olto) als neue Art A. paräasita beschrieben und
ihr Verhalten zur Conehylie und den sie bewohnenden Krebs
geschildert. (Ann. d. Sc. nat. VI. p. 93.)
Aus den purpurnen Löchern treten purpurfarbige Fäden hervor,
dieselben, welche man in den Fächern der Körperhöhle aufgerollt an-
trifft. Verf. fand in den Fächern durchsichtige Körperchen (Eier?),
nicht in den wurmförmigen Fäden. A. zonata Ratlıke (Krym p. 40.)
wird vom Verf. selbst (in litt.) für eine Varietät der A. mesembryan-
themum gehalten, der sie mindestens sehr nahe steht. °
Xenia Desjardiniana, welche ich nach der Beschrei-
bung für X. umbellata hielt (Jahrg. II. 2. p. 196.). ist nun in
den Trans. Z. S. II. 1. £. 5. abgebildet und beschrieben. Es
ist keine Xenia, sondern eine Anthelia Sav. oder vielleicht
eine Rhizoxenia Ehr. .
Ehrenberg hat die Armpolypen (Hydra) einer genaue-
ren Untersuchung unterworfen. (Mittheil. aus den Verhandl.
der Ges. nalarf. Freunde zu Berlin, p. 27.)
Die Arme sind hohl, stehen, wie es auch Trembley schon: salı,
mit der Leibeshöhle in Communieation, zeigen im Innern eine Chylus-
bewegung, keine Blutbewegung (wolür sie Gruithuisen genommen).
Verf. legt ihnen daher die Function der Blinddärme bei. Von beson-
derem Interesse ist die Organisation der feinen, schon von Trembley
u. A. gesehenen Fäden, die aus den Warzen der Arme hervortreten.
Am Ende vieler, nicht aller dieser Fäden erkennt man einen äufserst
durchsichtigen keulen- oder birnförmigen Kristallkörper,. welcher mit
seinem dünnen Ende am Faden hängt, und an der Insertionsstella/drei
starke Widerhaken hat, deren sich der Polyp zum Erfüssen seiner Beute
bedient und diese damit zum Arme anzieht. Die Fäden werden belie-
big ganz in die Wärzchen zurückgezogen, wo man sie dann spirallör-
mig zusammengeknäuelt erkennen kann. Die grofsen Blasen der Arm-
oberfläche schienen nur Fangfäden olıne Angelhaken zu besitzen.
Derselbe hat ebendaselbst p. 4. eine neue Syncoryne, 8.
multicornis aus der Nordsee aufgestellt.
Derselbe bestätigte an zu Berlin gehaltenen Sertularien die
bereits von Cavolini gemachte Beobachtung, dafs periodisch
die einzelnen Polypen absterben, abfallen und die Stämmehen,
welche im Innern der Röhre einen Theil des abgestorbenen Thie-
res behalten, neue Knospen treiben. (Bericht über die Verhdlg.
der Akad. der Wissensch., p. 33.) Reproduktion der abgefalle-
nen Polypen nach Verlauf von 2 Tagen beobachtete auch Har-
vey an einer Tubularia, die er T. graeilis nennt. Dals
‚280
den eben gebildeten Polypen noch die kleinen rothen Papillen
(die sogen. Ovarien, weiblichen Knospen) fehlten, kann nicht
auffallen. (Proc. Z. S. IV. p. 54.)
Ueber die Aleyonellen (.Alcyonella stagnorum) schrieben
Teale (Jard. Mag. 1. 3. p. 293.) und Dumortier (Instit.
p- 183.; Fror. Not. 49. No. 4.).
Die Abhandlung des ersteren enthält nur Bekanntes. Dumor-
tier ist in Beschreibung des Muskelsystems schr ausführlich, will auch
zwei perlmutterfarbige Ganglien über der Speiseröhre beobachtet haben;
beschreibt eine Circulation in der Leibeshöhle, zwischen Haut und Darm-
kanal, offenbar Flimmerbewegung der inneren Körperhaut, die wirklich
vorhanden und offenbar dasselbe Phänomen ist, dessen schon Nord-
mann (Mikogr. Beitr. II. p. 75.) gedenkt. — Von grofsem Interesse sind
endlich ‚Milne Edward’s Recherches anatomiques, physiologiques et
zoologiques sur les Eschares (Ann. d. S:. nat. VI. p.5 fg.). S. den
4ten Jahrg. Bd. 1.
12. Infusoria
Ehrenberg’s Entdeekungen über die fossilen Infusions-
thiere sind zum Theil in diesem Archive bereits mitgetheilt.
Theils erschienen sie in dem Berichte der Akademie, p. 83., 114.
und in den Mittheilungen der Gesellsch. naturf. Freunde zu Ber-
lin, p. 47., 50.
Nicht nur gaben die Polirschiefer reiche Ausbeute, sondern auch
die Biliner Saugschiefer und Halbopale (in letzteren Gailonella distans,
ferruginea, varians) und die Feuersteine der Kreide. In den Feuer-
steinen fanden sich Pyxidicula operculata (?), Peridinium- und Xan-
thidium- Arten neben Arten der Gattungen Flustra und Eschara und
wohlerhaltenen Fucoiden, ja zuweilen neben Abdrücken von Seeigeln
und Crinoiden. Die Arten der Xanthidien schienen von jetzt leben-
den nicht specifisch verschieden. Auch die Synedra capitata, welche
den Hauptbestandtheil des Bergmehls von Santafiora bildet (d. Arch.
II. 1. p. 335.), fand Ehrenberg später bei Berlin in Menge lebend
(Mittheil der Ges. naturf. Fr. p. 50.).
In Ehrenberg’s Zusätzen zur Erkenntnils grofser Organisation
im kleinen Raume, Berlin 1836. 4to., mit einer Tafel, wird Duplieität
der Geschlechtsorgane bei allen Infusorien nachgewiesen. — Abhandlungen
von Dujardin: Ann. d. Se. nat. V. p. 193. Instit. No. 161., 163. —
Peltier: Inst. p. 158. — Morren: Closterien. Ann. d. Sc. nat. Bot.
Tom, V. p. 257., 321. — Focke: Isis IX. p. 786.
Bericht-
über die Leistungen in der Entomologie wäh-
rend des Jahres 1836
< von
Dr. Erichson.
Bei aem Abgange des Prof. Burmeister von Berlin habe ich
auf die Aufforderung des Herausgebers für dies Jahr die Abfas-
sung des die Entomologie betreflenden Theiles vom: Jahresbe-
richte übernommen. Wenn in. demselben vielleicht manche
Erscheinung im Felde der entomologischen düitteratur unberück-
- sichtigt bleiben sollte, darf ich, unvorbereitet wie ich für diege
Arbeit war, und bei der kurzen Zeit, in der dieselbe vollendet
werden mufste, wohl auf einige Nachsicht von Seiten des Le-
sers hoflen. Dagegen habe ich meine Stellung am hiesigen Kö-
niglichen Museum möglichst benutzt, um die systematischen Auf-
sätze wenigstens genauer zu prüfen, damit die -hieraus hervor-
gehenden Berichtigungen dieser Zusammenstellung einiges Inter-
esse geben möchten.
Bei dem grofsen Umfange der Entomologie, und bei der
grolsen Menge der diesem weiten Gebiete angehörenden Schrif-
ten und Abhandlungen, welche letztere in den verschiedensten
Gesellschafts- und Zeitschriften zerstreut und zum Theil ver-
steckt sind, ist längst das Bedürfnifs gefühlt worden, in einem
besonderen Werke die ganze entomologische Literatur zweck-
mäßsig und übersichtlich geordnet beisammen zu finden. Das
vorige Jahr hat uns zwei Bücher, die diesen Zweck erfüllen
sollen, gebracht. Das eine:
Mn Um I u
Bibliographie entomologique, comprenant par or-
dre alphabetique des noms des auteurs; lo. l’indication des
ouprages entomologiques publids en I'rance et a l’etran-
ger,depuisles temps les plusrecules jusques et ycompris
III. Jahrg. 2. Band, 19
282
\
Uannde 1834; 20. des monographies et memoires conte-
nues dans les receuils, journaux et collections acade-
miques, frangaises et etrangeres, accompagnee de no-
tices sur les ouvrages periodiques, les dictionnaires et
les memoires des sociefes savuntesz suivie d’une table me-
thodique et chronologique des matieres; par M. A. Per-
cheron, Paris, 1836, 2vol.,,
ist, wie aus dem Titel hervorgeht, nach den Namen der Auto-
ren alphabetisch geordnet, wodurch in einer Hinsicht das Auf-
suchen sehr erleichtert wird. Das andere:
Geschichte, Systematik und Litteratur der Insekten-
kunde, von den ältesten Zeiten bis auf die Gegenwart,
als Handbuch für den Jünger und als Repertorium für
den Meister der Entomologie bearbeitet von M. Dr. Joh.
Nep. Eiselt, Leipzig, 1836, '
ordnet die in der Litteratur aufgeführten Schriften systematisch
nach ‘dem Inhalte, bei welcher Einrichtung indefs: in: diesem
Werkchen um so melır ein alphabetisches Register vermilst wer-
den muls, als der Verf. ia der Entomologie ziemlich fremd zu
‚sein scheint.
Von der Entomologie ausschliefslich gewidmeten Zeitschrif-
ten lieferten drei Fortsetzungen, nämlich die Annales de la
Societe Entomologigue de France (Tome V.), die
Transactions of the Entomological Society of Lon-
don (Vol. I. part. III.) und das ebenfalls in London erschei-
nende Entomological Magazine von .Walker (No. 14:
und 15. zum .drilten und No. 16. und 17. zum: vierten Bande
gehörend).
Von systematischen Arbeiten, die sich über die ganze En-
tomologie verbreiten, wäre in diesem Jahresberichte nur ‚die
Genera des Insectes, ou exposition de tous les caracteres
propres & chacun des genres de cette classe d’animaux, par M.
M. E. Guerin et A. Percheron, Livr. 4., 5. zu nennen.
Es ist des Anfanges dieses Werkes, welches mit der fünften Lie-
ferung aufgehört zu haben scheint, im vorigen Jahresberichte
erwähnt worden. Das vierte Heft enthält:
Cassida nitidula Perch. aus Südameriea (nichts als Cass. Ja-
maicensis uud St. Orueis F.), Heilipus loricatus Perch. aus Bra-
silien; Trogosita metallica Perch. aus Mexico, der Tr. virescens
v
%
|
283
nabe verwandt, doch anders zu benennen, da im Fabricius schon
eine Tr. dieses Namens vorkommt; Cucuius depressus F.; Ster-
notomis aper Perch. vom. Senegal Pselaphacus nigropuneta-
tus ‚Perch., eine neue auf Kosten von Erotylus gebildete Gattung,
zu der Perch. noch die Arten 80. und 86. der Duponchel’schen
Monographie zählt, und die sich von Erotylus und Aegithus durch die
Gröfse des ersten Fühlergliedes, durch die bedeutende Länge des ersten
Gliedes der Maxillartaster, und die linsenfürmige Gestalt des letzten
‚Gliedes der Lippentaster auszeichnet... Das Vaterland der Art ist nicht
angegeben. — Scaphura denuda Perch: aus, Brasilien, eine Art mit
ganz einfachen Fühlern; Psylla Genistae Latr. bei, Paris auf Gin-
ster; Olostomis Daurica (Phryganea Daurica Fisch.) aus Schwe-
den (in Lefebvre’s Sammlung). Zur Gattung Olostomis rechnet
Perch. noch Phryg. grandis F. varia Pictet und einige andere, die
in Mundtheilen und Flügeladern von den eigentlichen Phryganeen. ab-
weichen sollen. — Sarcophaga nigripennis Macg. aus Brasilien,
niehts weniger als eine Sarcophaga, vielmehr eine Dexia. — (Dals
Heilipus loricatus der H. trachypterus Germ., und. Sternotomis aper
die Lamia ducalis Klug sei, ist schon von Burmeister bemerkt wor-
den.) — Das fünfte Heft enthält folgende Gattungsrepräsentanten darge-
stellt: Coceinella versicolor F. — Endomychus bivittatus
vom Senegal (eine Lycoperdina). — Bacteria rosaria Perch., muth-
malslich aus Südamerica. — Poecilocera polymita Perch. (Decti-
eus hieroglyphicus Klug aus Nubien). — Lepisma saccharinaL. —
Podura variegata Perch. von Paris, — Ceratophyllus hirundi-
nis Samouelle: ein auf Schwalben lebender Floh. — Crocisa viridi-
aenea aus Brasilien (eher eine Melecta, aber gewils keine Crocisa.) —
Xenos vesparum Rossi. — Docophorus (Nitsch) eicatricosus
Perch. vom Adler.
In der Anatomie der Insecten gab Brandt eine sehr ge-
naue Uebersicht der bisherigen Beobachtungen über die Mund-
Magen- oder Eingeweidenerven der Insecten, die er durch
eigene neuere Untersuchungen vervollständigt und berichtigt.
Allen Insecten ohne Ausnahme kommt ein unpaures oder paares
System zu. Das erstere entspringt stets aus einem vor dem
Hirn gelegenen Knötchen, dem bei den Lepidopteren (bei den
Raupen sowohl als bei den Schmetterlingen selbst) noch ein
Kuoten vorliergeht, wovon bei Käfern sich auch schon eine An-
deufung zeigt, und welches dann unter dem Gehirn und der
Arterie auf dem Schlunde und Magen verläuft, und am Grunde
des Magens oft noch ein Ganglion bildet. Das paare System
besteht aus zwei, dicht hinter dem Hirn, jederseits an dem
19*
284 -
Schlunde. gelegenen Nervenknoten, die ihre kurzen; Aesichen an
‚denselben ‚abgeben. (Ref. fand: das hintere dieser beiden Gan-
glien immer in sehr genauer Verbindung mit dem freien Ende
der Arterie.) Bei Käfern, Schmetterlingen, Neuröpteren und Hy-
menopteren ist das unpaare Nervensystem vorzugsweise entwik-
kelt, so auch bei den Hemipteren, wo aber die Eingeweidener-
ven überhaupt noch sehr zurücktreten; unter den Orthopteren
dagegen findet sich das paäre System überwiegend ausgebildet,
bei @ryllotalpa und @ryllus (vielleicht allgemein bei den Sprin-
genden), wo lange ihm angehörende Nervenfäden den Nahrungs-
canal begleiten, und am Ende ein oder zwei Ganglien bilden.
Bei Blatta und Phasma aber findet zwischen beiden Systemen
.dasselbe Verhältnils und dieselbe Form wie bei den übrigen In-
seeten statt, und ist von Br. bei ihnen auch sowolil der Stirn-
Knoten des unpaaren, als das ganze paare Systeın nachgewiesen.
Neu ist auch die Darstellung eines langen, dünnen, einfachen,
zurücklaufenden Zweiges, der bei Blalta von den Magen-Gan-
glien. des unpaaren Eingeweidenerven an die Speichelgefälse sich
begiebt. (Schriften der Acad. der Wiss. zu St. Petersburg und
Annal. des Scienc. nat.)
In Bezug auf die Geographie der Insecten sind die Notizen
zu nennen, welche Moritz über die Fauna der Insel Puerto-
Rico in diesem Archiv mitgelheilt hat. Herr M. verweilte vier
Monate auf dieser Insel, und untersuchte dieselbe in allen ihren
verschiedenen Localitäten, wobei auf die Entomologie seine be-
sondere Aufinerksamkeit gerichtet war. Ausführlichen Schilde-
rungen seiner Beobachtungen, mit genauer Bestimmung der die-
selben betreffenden Gallungen und Arten, die an Ort und Stelle
natürlich nicht möglich. war, dürfen wir von dem gegenwärtig
zurückgekehrien Reisenden entgegensehen.
Einige Bemerkungan über Insekten der Jonischen Iuseln
machte Jonicus im Ent. Mag. III. (n. 14.) p. 376.
* Von Interesse für die Oeconomie im Allgemeinen sind be-
sonders die gelehrten Untersuchungen des Baron Walkenaer
über die schädlichen Insecten des Weinstocks bei den
Alten, welche er in den Annal. d. I. Soc. Ent. de France mit-
getheilt hat, und_.deren speciellen Theil der gegenwärtige Jahr-
gang»enthält. Folgendes sind die Arten, die bei den Alten er-
285
wähnt werden, und ‘deren Entzifferung der Verf. unternimmt:
1) Spondyle oder Sphondyle sind Engerlinge, Melolonihen-
larven, bei welcher Gelegenheit sich der Verf. über die Scara-
bäen der Älten verbreitet, und nachweist, dafs die erste Art bei
Plinius und Horus Apollo auf verschiedene Arten von Ateu-
chus, die zweite Art auf Copris Midas (oder vielmehr Isidis)
und die dritte (Fullo der Alteo)\ auf Cefonia aurala zu deuten
seien. — 2) Joulus oder Julus sind unsere Julus, namentlich
terrestis, von den Alten mit Unrecht als Schaden bringend be-
trachtet. — 3)’ Biurus, in einer Stelle von Cicero bei Pli-
nius erwähnt, wird für @ryllotalpa gehalten. — 4) Gaza,
von den Prophelen Joel und Amos genannt, wird auf unge-
flügelte Locusten, als L. ephippiger, aptera und pupa gedeutet. _
5) Cantharis (der Landleute), für welchen Rihymchites Bacchus
und Betuleti angesehen werden. — 6) Ips," Iks, Volucra,
Volvox, alles Eumolpus vitis. — 7) Involvulus, Convol-
vulus, wo Pyralis Dunticana Walk. (Pyr. vitis Bosc., vitana
F.), Procris vitis oder Ampelophaga, Tortrix Hyperana und
Cochylis Roserana in Betracht kommen, — 8) Kampe, Eruca,
worunter die Raupen von Sphina Elpenor und Porcellus und
von Bombyx purpurea verstanden werden sollen, — und end-
lich 9) Phtheiras, Tholea oder T’holaath, welches auf
Coccus vitis und Coccus adonidum bezogen wird. Der letzte
Abschnitt dieser Abhandlung ist der Synonymie der dem Weine
nachtheiligen Insecten gewidmet.
Von Schmidtbergers Beiträge zur Obstbaumzucht
und zur Naturgeschichte der den Obstbäumen schäd-
lichen Insecten, Linz, ist 1836 das Schlufsheft ausgegeben
worden. ir
Coleopterca.
Eine ziemlich vollständige Uebersicht über den Inhalt und
Umfang dieser von den Entomologen mit besonderem Interesse
behandelten Ordnung giebt der Catalogue des Coldoptöres
de la collection de M. le comte Dejean, von welchem im
verllossenen Jalıre die letzte Lieferung erschien, und von dem
2
286
durch einen besonderen Unglücksfall schon eine neue Ausgabe
nöthig geworden ist, in die der Verf. die. ihm; indefs zugekom-
menen Bereicherungen nachgetragen hat. ‚ Beschränkt sich gleich
dieses Verzeichnils ‚auf die Sammlung, des Grafen, so ist dieselbe.
doch. so reich und vollständig, dafs ‚es kaum eine: wesentliche,
Lücke linden lälst, und mit. ‚einer nicht gewöhnlichen ‚Sorgfalt
bestimmt, dals es überall willkommen sein muls, dem Liebhaber,
als eine Anleitung, seine Sammlungen zu ordneb, und auch dem
wissenschafllichen Entomologen ist, es mindestens zur Unter-,
stützung . des ‚Namensgedächtnisses unentbehrlich., .Die Anord-
nung des Ganzen ist die Latreille’sche, es ist aber, eine grolse
Menge neuer Gattungen eingeführt, nur, seheint es nicht, dafs einer
grolsen Zahl derselben mehr zum Grunde läge, als der, erste Ein-
druck, den ein etwas abweichender Habitus macht. So ist, um.
wenigstens ein Beispiel anzuführen, ‚Ref. nicht im Stande, einen,
Unterschied unter Adimonia und Galleruca aufzufinden, während
die unter die ersteren gestellten Gall. nigrolineata, Absinthü und,
rufa, so wie ‚Gall. sublineata und Pensylvanica von den übpi«
gen, Arten, zwischen denen sie stehen, und deren Habitus voll-
kommen der ihre ist, sehr auffallend durch einfache Klauen ab-
weichen, Gehören bei der grolsen Anzalıl der neu vorgeschla-,
genen Gattungen (welche indels, solange sie nicht, durch ‚Cha-
ractere begründet sind, auch der Wissenschaft, noch nicht ange-
hören dürfen, soll ‚die, Entomologie nicht zur ‚blolsen Tradition
ausarten), die für dieselben gewählten oder aufgenommenen Na-
men nicht alle. zu. denen, an deren Gebrauch man sich nicht
erst, zu gewöhnen ‚hälle, so kommen auch einzelne vor, ‚mit de-,
nen man sich schwerlich je wird befveunden können, z. B. ‚Eva,
Bathseba, Acis (da wir schon Akis haben), Australica, @uya-,
nica u. a. Dafs die Artbenennungen des Verf. oft denen, unter
welchen dieselben Arten von Anderen beschrieben sind, unter-
geordnet werden, macht einen unangenehmen Eindruck.
Die im verllossenen' Jähre erschienenen Lieferungen der Hi-
stoire naturelle et iconographie des insectes Coleop-
teres,,par M..M. le comte de Castelneau et Gory ent-
halten Fortselzungen der Mouographie der Bupresten.
Von der Iconographie et histoire naturelle.des Co-
leopteres ‚de l’Europe, par M. le comte Dejean et M.
287
4A.'Boisduval ist: die Ilte Lieferung des‘ vierlen Bandes aus-
gegeben, welche den Schlufs der. Caraben enthält. Bis hierher
ist das Werk nur ein Auszug aus den Species general des Co-
leopteres des Grafen Dejean. Die. treffliche Fortsetzung dieses
Werkes durch Aube ist erst 1837 publicirt worden,
Erfreulich ist das gegenwärtig raschere Fortschreiten der
Inseeten Deutschlands von Jacob Sturm, und wenn
auch die neueren Bändchen an Umfang den älteren merklich
nachstehen, bietet doch die immer wachsende Kritik des Inhalts
wohl hinreichenden Ersatz für die geringere Bogenzahl.
Das im vorigen Jahre erschienene Bändchen bringt die den Hydro-
philen verwandten Gattungen zu Ende, und zwar enthält es: Hydro-
bius mit 14 Arten, von denen H. punctulatus schon in Germar
Spee. Ins. als H. aeneus sich beschriehen findet, Berosus mit 3 Ar-
ten, von denen signaticollis früher von Curtis als -B. aericeps ab-
gebildet, Elophorus mit 6 Arten, von denen E. nanus neu, Hydro-
chus mit 3'Arten, von denen H. erenatus in Germar Spee. Ins. als
H. angustatus. zu finden, und diesen Namen behalten muls, da Eloph,
erenatus. Fab. nichts als Latridius porcatus ist — und unter denen die
vierte, deutsche Art H. earinatus Germ. vom Verf. sowohl mit H.
elongatus als mit H. breris verwechselt zu sein scheint, Ochthebius
mit 8 Arten, von denen suleicollis neu, margipalleus den schon
von Paykul gegebenen Artnaımen marinus. behalten muls, Hydraena
mit 6 Arten, unter denen angustata und flavipes neu, Gyrinus mit
6 Arten und Oreetochilus (@. villosus F.) mit einer Art. Die im
Anhange besehriebenen, von Suffrian in Deutschland entdeckten @y-
rinus anthracinus Sullr. und dorsalis Gyll. schienen beide wohl),
von. .@. marinus wicht bestimmt genug unterschieden zu sein. . Einige
kleine Versehen in den Gattungs- Analysen hat Ref. in seinen „Käfern
der Mark Brandenburg‘ zu berichtigen gesucht. .
Von einigen neuen Türkischen Käfern hat 'Menetries im’
Bull. scienlif. de Acad. de St. Petersbourg, I. No. 19. vor-
läufig die Diagnosen mitgetheilt, die gegenwärtig wohl um so
weniger wäher zu erörtern sind, als der thätige Verf, sich vor-
behalten bat, mit den ausführlicheren Beschreibungen einige Be-
riehtigungen seiner früheren Bestimmungen folgen zu lassen.
Im ersten Bande der Annalen des Wiener Museums
der Naturgeschichte beschreibt Kollar 18 Käferarten der
Kaiserl. Sammlung.
Unter diesen. ist eine mit Cychrus nahe verwandte, durch Grüfse,
Eleganz der Gestalt und Seltenheit sehr ausgezeichnete Form der Cara-
288
ben,:Damaster blaptoides aus Japan, welche unbedingt die vorzüg-
liehste Berücksichtigung verdient. Mit Cychrus hat diese neue Gattung die
einfachen Vorderfülse in beiden Geschlechtern gemein, ebenso sind die
Mundtheile sehr übereinstimmend, und nur dario abweichend, dals die
Lelze nicht so lang gestreckt und so tief zweitheilig, die äufsere Maxil-
larlade (der innere Maxillartaster) nicht messerförmig, sondern beide,
diese sowohl als die Lefze ebenso wie bei Carabus gebildet sind. Der
Körper ist im Umvils dem der Oxura setosa: nicht unäbnlich, im Ver-
hältnifs ebenso schlank, das Halsschild nach vorn leicht verengt, die
Flügeldecken hinten ebenso in eine klaffende Spitze ausgezogen, die
Beine sind aber länger und kräftiger. Das (kleine) Exemplar des Wie-
ner Mus. ist 1 Zoll 9 Lin. lang, und an der Schulter 3 Lin, breit, oben
matt'blauschwarz, unten etwas glänzender und blauer. — Von den übri-
gen hier beschriebenen Käfern gehören 11 der Gattung Cieindela an,
und ‘von diesen scheinen n. 1. €. cupricollis, der.C. nitidicollis Dej.
verwandt, n. 2. C. rugipennis, derselben Abtheilung angehörend,
n. 9, ©. chlorostieta und n. 10. C. cyanitarsis, beide der C.
obseurella Dej. sehr ähnlich, alle vier aus der Provinz Ypamene in
Brasilien, und n. 4. C..triramosa von Madras, mit C. sinuata F. ver-
glichen, neu zu sein, hingegen ist wohl n. 3. C. tenebricosa' aus Bra-
silien Abänderung von €. ventralis Dej., n. 5. C. unita aus Nordame-
riea nicht verschieden von ‘C. albo-hirta Dej, n. 6. C. arcwata einer-
leirmit ©. sumatrensis Hbt., n. 7. ©. venosa, angeblich aus Georgien
in Pa die €. nitida Wied. Dej. aus Bengalen, n. 8. €! acu-
minata, die C. minuta F. Ol., Baltimorensis Hbt., pumila Dej. und n. 11.,
C. superba, endlich, wie es scheint, die C\. elegans Dej., versicolor M. Leay.
Von den auf den Damaster folgenden drei ausgezeichneten Panagaeen
wurde n. 14. P. quadridentatus schon früher von Laporte unter
dem Namen ‘Panag. armatus (Annal. d. I. Soc. Ent. I. p. 391.) be-
schrieben und von Brull& zu einer eigenen Gattung Coptia (Hist. nat.
des Ins. p. 433.) erhoben, die beiden- anderen Arten aber, n. 13. P.
denticollis, blauschwarz mit kupfergrünen Flügeldecken, rothen Bei-
nen; und; einem auf jeder ‘Seite in einen scharfen Zahn ausgezogenen
Halsschilde, 45 Lin. lang, und n. 15. P. chlorocephalus,. schwarz
mit erzgrünem Kopfe, spitzen Hinterecken des Halsschildes, zwei gel-
ben Flecken auf jeder Flügeldecke, blafsgelben Fühlern ‘und Beinen,
25 Lin. lang, beide unbekannten Vaterlandes, noch nirgends erwähnt
worden. n. 16. Oryetes Siceulus aus Sicilien, von der kurzen Form
des O. Silenus, das Halsschild aber im Verhältnifs zur Breite der Flü-
geldecken schmäler und von anderer Bildung, nämlich der des O. Gry-
pus, anscheinend für einen regelmälsig ausgebildeten Oryctes zu klein,
daher man der Vermuthung, dafs dieser O. Siculus nur eine Verkrüp-
pelung des O. Grypus sei, welcher bekanntlich in Sicilien unseren O.
nasicornis ersetzt, so Jange wird Raum geben müssen, bis zu dem ein-
zigen Exemplar mehrere übereinslimmende hinzugelunden ‚worden. sind.
289-
n. 17. Hexodon Hopei von Isle de France, dem H. unicolor , wie es
scheint, sehr ‘nahe verwandt. — n. 18. Paussus bifaciatus aus
Ostindien; dem P. thoracicus Meg. Don. ähnlich, aber kleiner und von
anderer Bildung und Färbung der Fühler.
Einige neue exotische Käferarten aus der Sammlung des
Sir Patrick Walker finden sich in Jardine’s Magazine of
Zoology and Botany p. 251 — 57. von Westwood beschri@
ben und auf der Tafel 7. abgebildet.
n. 1. Eine neue Gattang Distipsidera aus der Familie der Ci-,
eindelen. Die Lefze ähnlich wie bei Therates, ebenso kein Zahn im:
der Ausrandung des Kinnes, aber die sogenannten innern Maxillartaster
sind vollkommen entwickelt, das zweite Glied der Lippentaster ist auf-
getrieben, wie bei Dromica und Euprosopus, und das vorletzte Fuls-
glied ist einfach. Die Körperform erinnert sehr an Iresia, ebenso ist
die Sculptur der Flügeldecken vollkommen wie bei der letztgenannten
Gattung. Die Färbung und Zeichnung der Flügeldecken erinnert an
Cicindela. Die einzige Art, D. undulata, nämlich ist schwärzlich - kupfer-
farben, mit einem langen weilsen Mondfleck an der Schulter, einer abge-
kürzten zackigen Binde in der Mitte, und einem einfachen ‘Fleck an der
Spitze der Flügeldecken. Die Lelze ist gelb, an den Seiten schwarz.
Körperlänge 75 Lin. Vaterland vermuthlich Neuholland. —.n. 2. Bu-
prestis decipiens, eine ausgezeichnete Art von rother Farbe, und
der Iycusarligen Form der Bupr. rufipennis Kirby, Boisd., aber viel grö-
Iser, aus Neuholland. — n 3. Cladotoma ovalis aus Brasilien, 6 Lin.
lang, braun mit gelbgerandeten Flügeldecken. Diese neue Gattung gehört
zur Familie der Cebrionen, und zwar ist sie aufs Nächste mit Ptilo-
dactyla Dej, (nicht I/lig.) verwandt, hat aber einfache Klauen. In den
Mundtheilen zeichnen sich die in lange schmale häutige Lappen zerschlis-
senen Maxillarladen und Zunge aus. — n. 4. Hyboma carinata aus
Südanerica, 7 Lin. lang, mattschwarz, mit in der Mitte sehr erhabenem
zweikieligem Halsschilde und höckrigen Flügeldecken, — n. 5. Geotru-
pes lethroides, 9% Lin. lang, von der Be, halbkugligen Gestalt des
@. latus Sturm, ebenso schwarz und glatt, aber mit je Aushöhlung,
auf dem Halsschilde, und mit einem kurzen aufrechten Horne auf a
Kopfe. Als Vaterland ist Südameriea angegeben: wenn es- nicht: die,
Westküste Südamerica’s wäre, möchte man doch eher in Alrica die
Heimath des Tbieres vermuthen.
Ebenso beschreibt Saunders in den Transact. of the En-
tomol. Soc. of Lond. p. 149. folgende Käferarten aus Montevi-
deo (Südbrasilien):
Languria latipes, Pterotarsus bimaculatus (von La-
porte schon früher unter demselben Namen in Silbermann’s7Revue
290
Entomol. III..16. p. 174. beschrieben), Callirkipis Hoodii, Ly-
stronychus pulchellus, Prostenus laticornis. (zwischen, Ly-
stronychus und Prostenus existirt nicht der geringste Unterschied), und
Platypus (Tesserocerus) iusignis. Leizterer zeichnet | sich in
dem einen Geschlechte durch einen bogenförmigen, nach innen gerich-
teten Fortzatz am Ende des ersten Fühlergliedes sehr aus, und weicht
von Platypus, dem er sonst im Habitus vollkommen gleicht, in den
Mundtheilen, namentlich durch deutlich viergliedrige Maxillartaster und
durch das Vorhandensein zweier Maxillarladen so wesentlich ab,. dafs
man die Untergattung T'esserocerus, die vom S. für dies merkwür-
dige Thier gebildet worden} wohl zu einer eigentlichen Gattung ee
ben könnte. .
- Aus der Familie der Caraben beschreibt Solier (Anmal.
de la Soc. Ent. de France V. p. 589 ) einige Gattungen, .die,
da Brulle, seine Abhandlung schon im’ Mspt. benutzend, ihm
mit der Bekanntmachung zuvorgekonımen, zwar nicht mehr ganz
neu, aber bei der genaueren Darstellung der Charactere noch
immer zu beächten sind.
1) Stenockeila, schon von Laporte in Guerin Magaz. cl. IX,
pl. 12. bekannt gemacht, die hier gegebene Zergliederung aber um so
dankenswerther, als das Thier zu den seltensten gehören möchte. In
d orm einer Drypta ähnlich, die Mandibeln und Maxillen ebenso
gestreckt, (dafs die äufsere Maxillarlade ungegliedert angegeben ist, be-
ruht‘ wohl auf einer Täuschung,) die Nebenzungen sind eben so lang
und schmal, aber die Zunge selbst ist vorn gerade abgeschnitlen; die
Taster sind alle fadenförmig, das letzte Glied’ zugespitzt; das Kinn ohne
Zahn; die Fülse und Klauen einfach; das lange eylindrische Halsschild
an den Seiten mit einem Zähnchen. Eine Art von Bahia. — 2) Ega
anthicoides, die Gattung gleichfalls schon von Läporte (Etud. Ent
p. 93.), die Art von Brull& (Hist. nat.. des Ins. V. p. 172.) beschrie-
ben. Solier rechnet sie mit Unrecht zu den Truncatipennen, sie ist
nur eine der vielen Formen der Gattung Bembidium, und zwar eine
der zierlichsten, an Casnoniz erinnernd. — 3) Catapiesis ist schon
vielfach beschriebeu und abgebildet, zuerst von Gray im Animal Kingd.
als Axinophorus, dann gleichzeitig mit Brull& (Catapiesis) von West-
wood als’ Basoleia, und zuletzt noch ist die Solier- Brull&’sche
Art C. nitida (die Gray-Westwood’sche Brasiliensis ist eine
zweite,) von Mannerheim (Bull. Soc. Imp: Nat. Mose. 1837. II. p.
43.) als Hololissus Iucanoides beschrieben. In der Nähe von. Morio,
wohin Sol. diese Gattung bringen möchte, steht sie wohl nicht so na-
türlich, als in der von Helluo und Ozaena. — 4) Trachelizus ru-
Ffus: ist eine, auffallende Form der Gattung Ozaena, von Klug als O.
testudinea. in den Jahrbüchern der’Insectenkunde beschrieben. Es ist
291
schwer zu begreifen, wie Sol. bei den so deutlich ausgeschnittenen
Vorderschienen den Käfer an. Nehria anreihen konnte.
Sehr ausgezeichnet scheint eine neue Gatlung, die in die
Nähe von Catascopus und Helluo gehören möchte, zu sein, wel-
cher Newman im: Entomol. Magaz. vol. III. p. 499. unter dem
Namen Aenigma gedenkt. Die Lefze ist verlängert, am Eude
gerundet, und bedeckt die Mandibeln; diese sind lang, spitz und
einzähnig; das Kinn ist tief ausgebuchtet; die Ligula einfach,
gerundet; die Endglieder der Taster sind abgestutzt; das Hals-
schild ist herzförmig; die Flügeldecken sind etwas abgestutzt,
am Hinterraude mit einer durchsichtigen Haut eingefalst; ‚die
Beine kurz; die Fülse einfach. Die einzige Art A. Iris, 1 Zoll
lang, behaart, violet, mit schwarzen Fühlern, Beinen und Munde,
punklirtem Kopfe und Halsschilde, 8 Streifen auf jeder Flügel-
decke, und zwei Punktreihen in jedem Zwischenraum, ist in
Neu-Holland zu: Hause.
Ucber die Galtungen Brachinus und Ditomus wird So-
lier durch die Anfechtungen Brull&@’s ‚gegen die von ihm früher
als eigene Gatiungen gelrennten Formen der obengenannten Gat-
tungen veranlafst, in den Annal. d. l. Soc. Ent. de. Fr. Wr.
691. einige Bemerkungen zu machen, aus denen hervorgeht, dafs
er jelzt selbst, nachdem er melırere Arten untersucht, die frü-
her aufgestellten Uuterschiede nicht mehr so sicher findet, und
wenigstens Brull& nieht Unrecht giebt, wenn er die zuerst ge-
nannten Gattungen, so wie er es gethan, bestehen lälst.
Eine Monographie der Gattung Pamborus giebt Gory in
Gu£rin’s Magaz. d. Zool, Cl. IX. pl. 166. 167.
Es waren bisher nur drei Arten bekannt, P. alternans Latr.,
P. morbiltosus Boisduv. (Cuninghami Laporte) und Guerini Gory;
es werden hier noch zwei neue Arten, P. viridis und P. elonga-
tus beschrieben, beide dem P. alternans an Grölse nicht nachstehend,
dürch die Form des Halsschildes und durch die gar nicht oder weniger
unterbrochenen Rippen der Flügeldecken unterschieden. Alle Arten sind
von Neubolland, und finden sich in der ausgezeichnelen Sammlung des
Verf. beisammen. P. G@uerini weicht von den übrigen Arten zwar
etwas in der Gestalt der Taster (bei Gory’s Exemplar waren diesel-
ben verstümmelt), namentlich in minder beilförmiger Gestalt des letz»
ten Gliedes ab, indels doch nicht so wesentlich, um nach Hope’s
Vorgange ihn als eigene Gattung, abzusondern,
292
" Die Dänischen Amaren hat Schiödte in Kröger’s Na-
lurhistorisk Tidskrift monographisch bearbeitet, und im Ganzen
28 Arten aufgeführt, nämlich:
1) aulica, 2) convexiuscula (diese Art ist dem Salzboden eigen-
thümlich, kommt ia Deutschland am Mannsfelder Sälzsee vor, ist aber
vom‘ Ref. auch am Pommerschen Seeufer gelunden, wahrcheinlich wird
sie, in Dänemark auch nur, am Strande zu linden sein), 3) ‚fulva,
4) ingenua, 5) lata (consularis — denn Carab. latus FE. ist einerlei
mit A. apicaria), 6) patricia, 7) nobilis, 8) apricaria, 9) eanvezila-
bris, 10) melancholica, Il) bifrons, 12) maritima, 13) trivialis, 14) gra-
naria, 15) lucida, Car. lucidus Duft., 16) familiaris, 17) lenticularis,
18) communis, 19) formosa, 20) lunicollis, 20) limbata, 22) vulgaris,
23) trivialis, 24) plebeia, -25) eylindrica, 26) obsoleta, 27) similata,
28), acuminata. Von den angeblich neuen Arten soll convexilabris zur
Abtheilung Bradytus, melancholica und maritima zu Celia, Ientieularis,
ormosa, lunicollis, limbata und cylindricollis zu den Amaren im enge-
ren Sinne gehören. Da dem Ref. die dänisch abgelalsten Beschreibun-
gen nicht hinreichend verständlich sind, mufs 'er sich auch bei diesen
oft fein unterschiedenen Arten alles Urtheils über ; dieselben enthalten,
kann es indessen doch nicht unterlassen zu bezweifeln, dafs n. 7. A.
nobilis, die auf den österreichischen Gebirgen einheimisch, schwerlich
in Dänemark vorkommen möchte, richtig bestimmt sei. Die in einer
Anmerkung zu A. vulgaris beschriebene A. septentrionalis aus Lapp-
land ist A. erratica Sturm, Carab. erraticus Dult., Am. punctulata Dej.
“ Von Beschreibungen einzelner Arten sind zu bemerken:
'1) Graphipterus trivittatus Gory (Annal. de la Soc. Ent. V.
p. 209. pl. 5. 4.) vom Cap, dem @. trilineatus sehr ähnlich, haupt-
sächlich aber durch den‘ einfachen schwarzen Natlıstreif unterschieden,
2) Anthia costata Gory, ebendas., gleichfalls vom Cap, ‚scheint mit
der A. limbata Dej. identisch zu sein. 3) Carabıs basilicus Chevr.
(Gu£rin Magaz. d. Zool. Cl. pl. 169.) von Puerto Rico, eine sehr
schöne Art, dem C..splendens F. zu vergleichen, ähnlich und eben so
schön gelirbt, die Flügeldecken. haben aber einige. schwärzliche Längs-
linien, und. der ganze Körper ist weniger schlank. Fabricius giebt
bei seinem C. splendens Jamaica als, Vaterland an. Chevrolat wirft
also die Frage auf, ob der bekannte Käfer von den Pyrenäen auch wirk-
lich der Fabriei’sche C. splendens und dieser nicht vielmehr eine
wirklich auf den Antillen einheimische Art sc. Da Fabrieius seinen
C. splendens aus der Bosc’schen Sammlung beschrieben hat, hätten
wir aus Paris eher die Lösung dieser Frage als die Frage selbst erwar-
ten sollen.
In Bezug auf die Entdeckung Audouin’s, dafs Aöpus fulve-
scens von einer Luftblase umgeben unter dem Meereswasser lebe,
293
bemerkt Spence‘in.den Transact.\of the. Ent. Soc. of Lond. I
p- 179., dafs dasselbe von mehreren englischen Pogonen (Burellii,
chalceus und aeruginosus) gelte, welche anıganz ähnlichen Stellen
leben, und besonders an solchen Orten vorkommen, welche 'den
ganzen Winter und einen grolsen Theil des Sommers vom See-
wasser;überfluthet sind. Es ist aber noch nicht’nachgewiesen,
dafs diese Thiere sich während der ganzen Zeit des hohen Was-
sers wirklich unter dem Wasser befinden, ‚und. die Art, wie sie
sich dann hinsichtlich ihrer Respiration verhalten, bleibt in Frage
gestellt. Bledius und Hesperophilus, welche unter dem Uferstande
ihr Wesen treiben, gleichfalls zu submarinen Thieren zu rechnen,
wenn der von ihnen bewohnte Sand vom Meere überspült wird,
scheint kaum statthaft zu sein, wenigstens müssen die Verhält-
nisse ihrer Respiralion ganz andere sein, als die, welche Au-
douin beim Aöpus ‚fulvescens dargestellt hat.
Von dem inneren Bau der Carabenlarven haben durch ‘die
Zergliederuug der Larve des Calosoma Sycophanta, die viel-
leicht als Repräsentant in dieser Familie gelten kann, durch Bur-
meister eine sehr sorgfältige Darstellung, ‚erhalten. ( Transact.
of Ihe Ent. Soc. of Lond. 1. p. 235. pl. 23. 24.) '
Aus der Familie der Dytiscen beschreibt Babington in
den Transact. of the Ent. Soc. of Lond. I. p. 175. fünf Arten
der Gattung Haliplus, Jie bisher mit, H. ferrugineus verwechselt
wurden, die gegenwärlig.aber auch fast sämmilich wohl unter-
schieden sind:
H. ferrugineus ist der wahre Dyt. impressus Fab. und Hal.
flavicollis Sturm, H. subnubilus ist H. variegatus Sturm, H. ful-
vous Dyt. fulcus F., H. parallelus ist H. badius Aub£ und H. ru-
bieundus scheint bis aul etwas geringere Gröfse mit dem H. gutta-
tus Aub& übereinzukommen. Wichtig und interessant ist die Bemerkung
des Verf., dafs Dyt. inans Lin., der von so vielen Ankoren
für einen Haliplus gehalten worden, nach dem von Linn& eigenhändig
bezettelten Exemplar seiner Sammlung einerlei mit Hyphydrus ovalis ist.
Die Larve und Nymphe von Staphylinus olens ist von
in Blanchard in Gu6rin’s Mag. d. Zool. abgebildet, doch
ist die Zeichnung nicht ganz gelreu, namentlich erscheinen bei
der Larve die Beine zu lang, und bei der Nymphe ist der Kranz
von langen Haaren im Nacken übersehen.
294
Aus der"Familie' der Elateren beschreibt 'Gory in den
Annal. d. 1. Soc. Ent. V. p. 513. pl. 14. f. 1. eine neue Art
der Gattuung Tetralobuws aus Neuholland, T. Australasiae,
viel kleiner als der bekannte 7‘, flabellicornis, mehr von der
-Grölse und Gestalt des ebenfalls zu Tetralobus zu rechnenden
Elater gigas F., 16 Lin. lang, einfarbig braun, mit 8 Blättern
an den Fühlern.
Ueber das Leuchten der Lampyren bemerkt Carrara,
Hals bei Lampyris Italica das Licht lebhalter, blauer und unglei-
cher sei, als bei L. noctiluca und splendidula. Er hält das Leuchten
für Phosphoreszenz und hat bei L. Italica einen zelligen Luft-
gang vom Munde bis zum Hinterleibsende sich erstreckend auf-
gefunden. Der Zutritt der auf diesem Wege dem Leuchtkörper
willkürlich zugeführten Luft soll eine mehr oder minder lebhafte
Verbrennung des Phosphor veranlassen (!), Lamp. noctiluca
und splendidula haben den luftführenden Apparat nicht, daher
das schwächere Licht. bei ihnen. (Z’Institut p. 424.)
Einen Beitrag zur Naturgeschichte der Gattung Cantharis
( Telephorus) giebt Blanchard in Gucrin’s Mag. de Zool.
Cl. IX. p. 165., wo er die Larven von €. fusca und livida ab-
gebildet.
Die Larve von ©. livida unterscheidet sich von der der €. fusca, die
wohl überall hinreichend bekannt ist, durch nichts als durch eine mehr
braune Farbe. Auch des bekannten Hervorkommens der Larve der C.
fusca auf dem Schnee erwähnt B., gegen seine Erklärung dieser Er-
scheinung aber, dals nämlich die Larven unter der dichten Schneedecke
Gefahr liefen zu ersticken, möchte sich wohl noch Mehreres einwen-
den lassen. F
Aus der Familie der Ptinen hat Robineau Desvoidy
in den Bruchstücken verschiedener Bienennester einen Ptinus
gefunden, den er für neu hält, und fricarinatus nennt, Er
soll sich dadurch von allen anderen Arten seiner Gattung unter-
scheiden, dals er ungeflügell ist. Die sehr dürflige Beschreibung
(Ulnstitut p. 335.) enthält nichts, was nicht auf den so sehr
verbreiteten Pt. latro palste, dessen Weibehen mit den Weib-
chen fast aller andern Ptinus-Arten in dem Punkte überein-
sliimmt, den R. D. als besondere Eigenthümlichkeit seiner neuen
Art hervorhebt. — Ueber Ptinus fur berichtet Audouin,
295
dafs er in ‘den Mehlmagazinen zu Versailles in großser Menge
vorgekommen sei. (Z’Institut p. 426.)
Ueber die Familie der Dermesten theilte Audouin die
interessante Entdeckung Brull&’s mit, dafs Anthrenus und
alle ihm verwandte Gattungen mit Einschlufs von Attagenüs
und Megatoma ein einziges, aber sehr deutliches Nebenauge mit-
ten auf der Stirn haben, — der einzige Fall von einem einzigen
Nebenauge. (Isis.)
Die Familie der Lamellicornen betreffend, hat Herr
Beske in Brasilien eine Form des @eotrupes T'yphon F.,
wo das Horn des Kopfes sowohl als das des Halsschildes an der
Spitze erweilerl, und ersteres gespalten ist, iu Mehrzahl aufge-
funden und sach Europa gesandt. Eine Reihe von Exemplaren
des. @. Typhon in unserer Sammlung weist jedoch nach, wie
die extremen Formen der Hörner bei dieser Art nach und nach
sich ausbilden. Von den durch Beske gesammelten Exempla-
ren sind wahrscheinlich auch einige nach Paris. gesendet, denn
wir finden .die oben bezeichnete Abart gleichzeitig an zwei Or-
ten nach beiden Geschlechtern beschrieben und abgebildet, näm-
lich durch Gory in den’ Annal. d. l: Soc. Ent. V. p. 514. pl.
14. f. 2.3. unter dem Namen Scarabaeus Hector, und durch
Chevrolat in Gu&rin’s Magaz. de Zool. Cl. IX. pl. 139., 140.
unter dem; wo wir nicht irren, ihr von Beske zugedachten
Namen Scarabaeus Anubis.
Von Diphucephala hat Waterhouse in den Transact.
of the Ent. Soc. of Lond. I. p. 215. eine vortreflliche Mono-
graphie gegeben.
Die Gatlung ist bekanntlich sehr ausgezeichnet, und ausschliefslich
in Neuhalland zu Hause. W. führt 16 sehr sorgfältig und genau unter-
schiedene Arten auf, von denen D. sericea schon früher von Kirby,
splendens von M. Leay beschrieben, furcata von Gu&@rin abge-
bildet waren, die übrigen, Childrenii, Hopei, affinis, Edward-
sii, pulchella, pilistriata, castanoptera, aurulenta, par-
vula, Spencei, rufipes, pusilla und pygmaea als neu beschrie-
ben werden, die drei letzten aus M. Leay’s Sammlung, der kürzlich
nach Europa zurückgekehrt ist. Uebersehen hat der Verf., dafs auch
schon D. aurulenta von Kirby in den Linn. Transact. XII. p. 400.
n. 6. beschrieben ist. Dafs W. die mit einer zu grolsen Leichtigkeit
verlalste Paune Entomol, de ’Oceanie von Boisduval unberücksich-
TA
296
tigt gelassen hat, wird ihm Niemand zum Tadel‘ anrechnen, und aufser
D. lineata, die mit der D. pilistriata W. einerlei ist, und der
D. foveolata, die als Synonym zu D. aurulenta gehört, ist auch
dem Ref.'nicht geglückt, eine der Boisduval’schen Arten zu ermit-
teln. Die ‚abweichende Färbung der D. furcata, nach der Abbildung
in Gu&rin’s. Iconographie du Regne animal, macht Herrn W.; zwei-
felhaft, ob diese Art wirklich zur Gattung gehöre. Ref. hat nicht Gele-
genheit, ein colorirtes Exemplar dieses Werkes nachzusehen, es fällt
ihm aber auf, dals das von W. angegebene Colorit das des neben der
Diphucephala stehenden Brasilischen Macrodactylus ist, während bei
der Diphucephala nichts von einer bunten Färbung angedeutet ist.
Die Monographie des Cetoines et genres voisines
formant, dans les familles de Latreille, la division
des Scarabes Metitophiles, par M. M. H. Gory et A,
Percheron ist mit dem Erscheinen der Lieferungen 10 —15
vollendet worden. Die Verf. haben ein sehr reichhaltiges Material
beisammen gehabt, so dafs sie ohngefähr drittehalb hundert Arten
beschreiben und abbilden konnten, von denen allein 186 Arten der
Galtung Cetonia, und somit ist dies Werk ein sehr wichtiger Bei-
trag zur Kenntnils dieser Abtheilung. Arten, die ihnen nicht
in natura zu Gebote standen, haben die Verf. nirgend aufgeführt,
so dafs bei der Beschreibung des im Pariser Museum befindlichen
Goliathus Cacicus selbst nicht der beiden von Drury abgebilde-
ten verwandten, aber. augenscheinlich versehiedenen ‚Arten Er-
wälınung geschehen ist. Das eigenthümliche Verfahren, wonach
die Verf. die Entomologen zu Ehren benannten Arten nicht mit
dem üblichen Genitiv, sondern dem Nominativ der Namen der
Beehrten (z. B. Goliath Wellech) bezeichnen, möchte bei
manchen anderen Gattungen nicht Vielen mit ihren Namen an-
genehm sein.
Einige neue der Gruppe der Cetonien angehörende Arten be-
schreibt Luc. Buquet in den Annal. d. l. Soc. Ent. V. p. 201.
pl. 5. B., und zwar:
Goliathus Grallii, von der Form des @ micans, aber bedeu-
tend kleiner, grün, mit gelbem Aufsenrande der Flügeldecken, und ei-
nem schlanken ankerförmigen Fortsatze auf dem Kopfschilde, wahrschein-
lich von der Westseite Africa's; @ol. Rhinophyllus Wied., das Weib,
ungleich seltener als das Männchen, mit einfachem Kopfschilde; Ma-
ceronota Luzerei, der M. (Ceton.) regia F. in der Gestalt ähnlich,
von Java, Gnathocera guttata (Ceton. guttata Ol.), mit einem
auf-
. 297
aufrechten gewundenen Horn an jeder Ecke desKopfschildes und einem drit-
ten auf der Mitte der Stirn, Gnathocera Petelii (Dicheros decorus der
Gory’schen Monogr.) von Java und Macroma bilineata vom Senegal.
Im fünften Bande der Annal. de la Soc. Ent. de France
fährt Solier fort, die erste Abtheilung der Heteromeren grup-
penweise durehzunehmen. In den früheren Jahrgängen waren
die Erodites, die Tentyrites und die Macropodites bearbeitet
worden. Die vorliegenden vier Hefte enthalten die vier Grup-
pen Pimelites, Nyctelites, Asidites und Akisites.
Die Pimelites zerfallen in 13 Gattungen, von denen n. 1. Pla-
tyope sich durch die länglichen, auf der Oberfläche des Kopfes gele-
genen Augen und die zweilappige Zunge von den übrigen besti und
auffallend entfernt, die in den in querer Richtung an den Seiten des
Kopfes liegenden Augen und der vorn gerade abgesehkfittänert Ligula
übereinstimmen, unter sich aber grölstentheils dürdir ziemlich feine Merk-
male geschieden sind. Bei n. 2. Diesia ist das letzte Fühlerglied grö-
Iser als sonst. (Es ist nicht so eigentlich gröfser als vorhergehende,
wie der Verf. es ausdrückt, sondern nur etwas mehr entwickelt als bei
den übrigen Pimelien, und auch bei D. sexdendata Fisch. schon weni-
ger als bei der vom Verf. untersuchten D. 4-dendata, bei beiden wohl
etwas länger, aber immer dünner als das vorletzte Glied, und vom all-
gemeinen Typus der Fühlerbildung nicht abweichend.) Bei n. 12. Pol-
pogenia und 13. Pimelia sind die hinteren Schienen kantig, bei den
Gattungen 3 — 11. rundlich, zuweilen etwas zusammengedrückt. Unter
diesen bildet das Kinn einen Winkel an den Seiten bei n. 11., Pod-
homala, bei den übrigen ist es an beiden Seiten gerade. n. 3. Tri-
gonoscelis zeichnet sich unter ihnen durch stark zusammengedrückte,
oben und unten mit langen Haaren gefranzte Hinterfülse aus, bei den
übrigen verengert sich das Epistoma (der vordere Theil des Kopfschil-
des) entweder plötzlich oder unmerklich. Ersteres ist der Fall bei
n. 4. Lasiostola, n.5. Trachyderma, n. 6. Prionotheca und
n. 7. Pterocoma, unter denen die erste sich wieder durch zusam-
mengedrückte Fühler und Fülse auszeichnet, bei der letzten ist das zehnte
Fühlerglied kürzer, bei den beiden andern länger als dick, und zwar
weicht Prionotheca aulser der eigenthümlichen Bildung der Flügeldecken
durch dickere Hinterfülse und mehr dreieckige Gestalt des ersten Glie-
des derselben von Trachyderma ab. Die zweite Form des Epistoma
findet sich bei n. 8. Thriptera mit rundlichen schmalen, n. 9, Pa-
chyscelis und n. 10. Pterolasia mit nach der Spitze hin erweiter-
ten Vorderschienen, erstere der beiden letztzenannten Gattungen mit
dicken, fast schnurlörmigen, letztere mit dünnen, gestreckt-kegellörmi-
gen mittleren Fühlergliedern. Von den beiden Gattungen mit kantigen
Hinterschienen sind die Vorderschienen bei Polpogenia wie bei Thri-
ptera, bei Pimelia dagegen sind sie dreieekig, die äulsere Spitze in
HT, Jahrg. 2. Band. 20
298
einen Zahn verlängert. — Von Platyope führt Solier 4 Arten auf,
P. lineata (nicht Akis lineata, sondern leucographa Fab.), — P. Bas-
sü, leucogramma Esch. (die eigentliche Akis lineata F.), — P. uni-
color — und P. granulata Fisch.; von Diesia: D. 4-dendata Fisch., —
von Trigonoscelis: T. nodosa Fisch. — und T. deplanata Zoubk., —
von Lasiostola: L. pubescens ( Teneb. p. Pall.) — und L. hirta (Pi-
mel. h. Fisch.), von Trachyderma: Tr. hispida (Pim. h. Fab.), —
T. Latreillei (nach Dejean Abänderung der vorigen), — T. angu-
stata, — T. Genei (vielleicht auch nicht verschieden von T. angustata),
— unter Prionotheca: P. coronata (Pim. cor. Ol.), — unter Pte-
rocoma: P. piligera (Pim. p. Gebl.), — P. Sarpae (Pim. S. Fisch.), —
P. gracilicornis (das Männchen von Sarpae), unter Thriptera zehn
Arten, meistens aus dem Orient, unter denen Pim. granulosa Latr.
und Pim. crinita Klug als bereits bekannte zu nennen, — unter Pte-
‚rolasia; P. squalida und P. distincta vom Senegal, beide wohl nur
dem Geschlechte nach verschieden, — unter Polpogenia: P. asidioi-
des, ebenfalls vom Senegal, unter Podhomala: P. suturalis (Pim, sut.
Fisch.), — unter Pimelia endlich nicht weniger als 83 Arten, Es
ist indessen bei manchen Arten der letzteren die Sculptur der Flügel-
decken so veränderlich, dafs die verschiedenen Formen nicht leicht für
Abäuderungen erkannt werden, und es einer sorgfältigen Prüfung gro-
[ser Massen von Individuen bedarf, um darüber ins Reine zu gelangen.
Eine in deu verschiedenen Gegenden Italiens vorkommende Art, P. ru-
gulosa Germ., ist reich an solchen Formen, und die n. 52 — 61. von
unserm Verf. beschriebenen: P. sublaevigata, rugulosa, bifurcata, Payr-
raudü, rugata, subscabra, undulata, Goryi, angusticollis und Sardea
sind nach des Ref. Ansicht nur stärkere oder geringere Abweichungen
dieser Art. Aehnlich verhalten ‘sich vermuthlich auch die darauf folgen-
den 6 spanischen Arten des Verl.; P. incerta, Hesperica, lineata,
Gadium, Boetica und distincta. Eben so möchten n. 3—5.: P. La-
treillei, denticulata und sericea von der P. sericea Ol. nicht zu unter-
scheiden sein. Zu bemerken ist aulserdem noch, dals P. angulosa Ol.
nicht die unter (n. 2.) beschriebene Art vom Senegal, sondern einerlei
mit der ägyptischen P. angulata F. (n. 1.), — dals P. barbara (n. 14.)
die P. inflata Hbt., — dals P. obesa (n. 82.) die P. fornicata Hbt,, —
dals P. depilata (u. 31.) die P. canescens Klug — und dafs unter dem
Namen P. arabica (n. 29.) schon früher von Klug eine u Art in
den Symbol. Phys. beschrieben worden ist.
Die Nyetelites zerfallen in 8 Gattungen, die nach den Angaben
des Verf. sich auf folgende Weise unterscheiden: Entomoderes ist
die einzige Gattung, bei der das Halsschild einen Einschnitt am Hinter-
winkel hat, und wo die Zunge an der Spitze hornig und beständig vor-
tretend ist. Bei den übrigen allen ist die ganz häutige Zunge in der
Regel unter das Kinn zurückgezogen. Nyctelia zeichnet sich durch
Vorderschienen, die an der Spitze in einen langen Zahn auslaufen, wie
299
durch lange Vorderfülse (länger als ihre Schienen) aus. Die Hinter-
schienen sind beim Männchen an der Spitze verdickt und innen behaart
bei Pleetrascelis und Cerostena, erstere mit kegellörnigem, letz-
tere mit schmälerem, fast eylindrischem 9ten und 10ten Fühlerzliede,
beide mit dünnen Lippentastern, mit langem, schmalem letztem Gliede
derselben, während bei den folgenden Gattungen die Lippentaster dicker,
mit kurzem, aufgetriebenen Endgliede, und die Hinterschienen bei bei-
den Geschlechtern einfach sind. Bei diesen ist entweder die hintere
Spitze des Prosternum fvei, wie bei Mitrogenius (Kinn-fast so lang
als breit, vorn tief ausgeschnitten) und bei Auladera (Kinn viel brei-
ter als lang, vorn flach ausgerandei) — oder sie ist vom Mesosternum
aufgenommen, wie bei Callyntra (Halsschild nach hinten stark ver-
engt, letztes Fühlerglied grölser als das vorhergehende) und b pi-
pedonota (Halsschild nach hinten nicht verengt, letztes Fühlerglied
kleiner als das vorhergehende). — Ref. hat sieh indefs nicht überzeu-
gen können, dals bei Plectrascelis die beiden vorletzten Fühlerglie-
der wesentlich anders wären als bei Cerostena, noch dafs das letzte
Fühlerglied bei Callyntra grölser wäre als bei Epipedonota, noch
dafs das Kinn bei Mitrogenius merklich länger und wesentlich an-
ders gebildet wäre als bei Auladera, nicht einmal, dafs bei dem ei-
nen Geschlechte von Nyetelia die Vorderfülse länger wären als: ihre
Schienen. Eben so wenig ist es von durchgehender Gültigkeit, dafs
diese bei allen Gattungen, aulser Nycetelia, nicht in einen Zahn anslie-
fen: sehr deutlich, wenn auch schwächer, findet Ref. den Zahn bei 3 Arten
von Epipedonota (welche überhaupt an Nyetelia sich zunächst an-
schlielsen) u. a., z. B. Plectrascelis glahbrata. Auch scheint in
der Form des Halsschildes zwischen Callyntra und Epipedonota
darch einige dem Verf. unbekannte Arten, Z. B. Nyetelia macrocosta
Gu£r., der Uebergang vermittelt zu werden, wie auch die Bildung des
Pro- und Mesosternum bei verschiedenen Arten verschiedentlich ‚ab-
weicht. Was die Bildung der Hinterschienen bei Freeware und
Cerostena betrillt, so möchte Ref. lieber hierin Eigenthümlichkeit der
Art erblicken: sind ja doch beim Männchen von Plectascelis glahrata
die Hinterbeine ebenso gekrümmt wie bei P. pilipes, aber an der Spitze
darchaus nieht verdickt. Bel. möchte daher vorschlagen, alle diese Gat-
tungen unter Nyetelia wieder za vereinigen, und soweit dies nicht
durch Ars nteetende Mittelformen gehindert wird, sie als Gruppen
innerhalb der Gattung oder als Untergattungen zu unterscheiden. Nur En-
tomoderes unterscheidet sich von den eben besprochenen Formen
eben so wesentlich durch seine hornige, zu Tage liegende, herzförmige
Zunge, als es in diesem Merkmal mit @yriosomus Gu£rin überein-
stimmt, mit welcher Gattung es auch in allen wesentlichen Charakteren
ur ra möchte, — Von Nyetelia beschreibt Solier eine
Art: N, nodosa Latr., Zophosis nodosa Germ., wohin N. brunipes Latr.
mit Recht als Abart gerechnet wird, — von Pleetrascelis 7 Arten:
20°
300
P. pilipes (N. pilipes Gu£r.), drevis, Guerini (letztere beide schwer-
lich etwas ‘anderes als Abänderungen Jer ersten), subdepressus, disci-
collis, gläbratus (vom Ref. früher in den Act. Leopold. XVI. Suppl.
p. 245. n. 31. 1. 48. f- 3. unter dem Namen Nyetelia laevigata be-
schrieben), mapulloneus Lacord., — von Cerostena deplanata La-
cord. und vestäta Lacord., — von Mitragenius Dejeani Lacord., —
von Auladera crenicosta (Nyet. er. Guer.) und andicola Lacord., —
von Callyntra multicosta (Nyct. m. Guer.), vicina, rufipes, Servil-
lei, — von Epipedonota ebenina Lacord. und erythropus Lacord., —
von Entomoderes Erebi Lacord. Alle Arten sind auf der Westseite
Südamerica’s einheimisch, und nur Nyctelia nodosa verbreitet sich auch
nach Buenos Ayres.
"Die Asidites zerfallen in zwei Abtheilungen, jenachdem das Kinn
die Mundöffnung von unten ganz: bedeckt, oder an den Seiten desselben
ein breiter Spalt frei bleibt. Unter den zur ersten gehörenden Gattun-
gen läfst bei Asida und Pelecyphorus das Kinn an den Seiten im
Grunde noch einen schmalen Spalt offen, und das vorletzte Fühlerglied
ist nicht ausgerandet, indefs sich Pelecyphorus von Asida durch breite-
res und mehr unregelmälsig dreieckiges Endglied der Maxillartaster und
durch sehr kurze mittlere Glieder der Hinterfülse unterscheidet. Bei
Microschatia schlielst das Kinn die Mundöffnung nicht nur aufs Voll-
kommenste, sondern überragt sogar mit seinen Rändern dieselbe, und
das vorletzte Fühlerglied ist. deutlich ausgerandet. Machla zeichnet
sich auf der Unterseite des Halsschildes durch. eine weite Rinne neben
dem Seitenrande, zur Aufnahme der Fühler, aus, und Stenosides weicht
durch seinen an den Seiten nicht winkligen, weniger tief in das Hals-
schild eingesenkten Kopf und mehr vorragende Augen ab. In der
zweiten Abtheilung ist bei Stenomorpha das Kinn an der Basis nur
mälsig eingezogen, und das Endglied der Lippentaster aufgetrieben, ei-
förmigz bei Cardigenius und Scotinus ist das Kinn an der Basis
stark verengt, das letzte Glied der Lippentaster fast eylindrisch, bei er-
sterem die Vorderschienen dreieckig, bei letzterem schmal, nach der
Spitze nicht erweitert, das erste Glied der hinteren Fülse bei ersterem
stark zusammengedrückt. Heteroscelis endlich zeichnet sich durch
seine in der Mitte scharf gezahnten Vorderschienen aus, und erinnert
durch sein tief eingeschnittenes Kopfschild, so wie durch sein ganzes
Aeulsere schon sehr an die Pedinen. — Die schwierige Gattung Asida
enthält beim Verf. 42 Arten, die er nach der Sculptur der Flügeldecken
zweckmälsig eintheilt. Die Arten mit unregelmäfsigen unterbrochenen
-rippenförmigen Ranzeln auf denselben zerfallen wieder in solche, wo die
Hinterecken des Halsschildes wenig, und solche, wo sie sehr merklich
hervortreten. Zu den ersten rechnet der Verf. die im südlichen Eu-
ropa häufige Art, die er für Opatrum grisenm F. hält, die aber
richtiger der Platynotus morbillosus F. ist, und also A. morbillosa hätte
genannt werden sollen. In wiefern die von Sol. beschriebenen 4. vi-
301
cina, Helvetica, reticulata, Dejeani, ruficornis und lutosa von dieser
Art verschieden sind oder nicht, darüber möchte Ref. gegenwärtig keine
Meinung äulsern, wie ihm überhaupt die Artunterschiede noch nicht
überall, namentlich bei den mit A. laevigata verwandten Arten klar ge-
worden sind. Die Süd-Russische Asida, zu der des Verf. A. Tutosa
gehören möchte, läfst sich von 4. morbillosa nicht unterscheiden, Die
eigentliche A. grisea (Opatr. griseum Rossi, Fab.) mit mehrfach ein-
gedrücktem Halsschilde, und zu den Arten mit längeren, 'schärferen
Hinterecken des letzten gehörend, scheint dem Verf. nieht bekannt ge-
wesen zu sein. Hinsichtlich Fabricischer Arten möchte ferner noch
zu bemerken sein, dals Opatrum porcatum F., in welchem Sl.
eine Asida zu erkennen glaubt, eine eigentliches Opatrum ist, dafs
dagegen Platynotus variolosus und rugosus, so wie Opatrum fuscum
und obseurum Fab. noch zu Asida gehören. Die vom Verf. unterschie-
denen A. Jurinei und sericea möchten bei aller Verschiedenheit der
Gestalt wohl als die beiden Geschlechter derselben Art und die sicili-
schen A. grossa und Sicula auf dieselbe Weise zusammengehören.
Von Pelecyphorus beschreibt Solier 3 Arten: P. Mexicanus, Asi-
dioides und foveolatus aus Mexico (die zweite, angeblich von Chile, er-
hielten wir gleichfalls aus Mexico) und eine A. Capensis vom Cap; —
von Microschatia eine Art: M. punctata aus Mexico; — von Ma-
chla 4 Arten: M. rauca, serrata (Platynotus s. Fab.), Duponti (ge-
wils nicht als Art von der vorigen verschieden) und »villosa Hbt. (der
Beschreibung nach von der Herbst’schen hinreichend verschieden), alle
vom Cap; — von Stenosides eine Art: St. graciliformis aus Mexico; —
von Stenomorpha #3 Arten: St. costata, subpilosa und Blapsoides
aus Mexico; — yon Cardigenius 2 Arten: C. cicatricosus aus Chile
und ©. /atieollis aus America (unser Museum besitzt von dieser ausge-
zeichneten Gattung zwei andere Arten aus Brasilien); von Scotinus
3 bekannte Arten: Se. crenicollis Kirby, Brasiliensis Gory, dricol-
lis Esch. aus Brasilien; — von Heteroscelis endlich 2 Ar va-
riolosus (giganteus Klug, denn Platynotus variolosus F., für den der
Verf. diese Art hält, ist eine Nordafricanische Asida, wie oben bemerkt
worden) und H. parallelus (H, dentipes zu nennen, denn er ist Platy-
notus dentipes Fab.).
Die vierte der im gegenwärtigen Jahrgange von Solier abgehan-
delten Gruppen sind die Akisites. Gattungen mit kugligem Halsschilde
sind Cacicus und Elenophorus. Die letztere (bekanntlich Akis
eollaris F.) hat ein mondförmiges Kinn, während bei Cacieus derselbe
Theil fast so lang als breit, nach vorn nicht verengt, an der Spitze leicht
ausgebuchtet ist, Cacieus enthält ebenfalls nur eine Art, welche von
Lacordaire in Tucuman entdeckt, und nach der Abbildung in Gu6-
1 lconographie du Regne animal in der Form dem Elenophorus
eollaris ähnlich ist. Ein gerandetes Halsschild mit scharfen Ecken ha-
ben Morica mit kurzen, dicken, Akis mit langen, schlanken Vorder-
302
sebienen, beide 'ein ‚ebenes Kinn, ein unebenes C’yphogenia. Von
der letzten kannte der Verf. nur C. aurita ( Tenebr. aur. Pall.); von
Morica werden 3 Arten: M. planata (Akis planata F.) und M. ob-
tusa aus Spanien, und M. costata aus Aegypten beschrieben. In der
Unterscheidung der 21 Arten von Akis scheint der Verf. zuweilen zu
weit gegangen zu sein, namentlich werden die bekanuten A. spinosa
und aeuminata durch die unmerklichsten Uebergänge vereinigt, wie denn
nueh A. granulifera Salılb. Abänderung derselben ist, und auch die
hier als neu ‚beschriebenen A. Hispanica, Genei, Bayardi und Lusita-
nica auf dieselben zurückzuführen sein möchten. Dagegen ist wohl mit
dieser, ‚besonders in der Sculptur der Flügeldecken vielfach abändern-
den, wie es scheint, der Spanischen Halbinsel eigenthümlichen Art, die
verwandte.in Italien. und der Türkei einheimische Form, Akis trili-
meata Hbt.,. durch ‚ihre schlankere Gestalt, durch! weniger lange Hin-
terecken des Halsschildes beim Männchen, und stärkere beim Weibchen
zu beständig, unterschieden, um mit ihr vereinigt werden zu dürfen.
Uebrigens scheinen dem Ref. die Charaktere, welche Morica, Akis und
Cyphoglossa ‚trennen, zu Gattungskennzeichen nicht auszureichen. End-
lich wird dieser Gruppe noch eine abweichende Gattung Cryptoglossa
angereiht,-die in der Form mehr an Zopherus und Nosoderma erinnert,
und in dieser Abtheilung sich. durch ein einfach zugerandetes (nicht aus-
gebuchtetes) Kopfschild auszeichnet. Die einzige Art, C. bicostata aus
Mexico, ist nach einem sehr verstümmelten Exemplar aus Dupont’s
Sammlung beschrieben.
Wesmael beschreibt in den Bull. de Vacad. royal. des |
seienc. ‚et belles leltres de Bruxell. tom. III. p. 112. pl. 4. JS. a.
b. c. einen neuen, dem B. cornutus (Trox curnutus F., Diape-
ris horrida Ol.) nahe verwandten Boletophagus, B. gibbi-
fer von Java. Braun, Halsschild und Flügeldecken uneben und
höckrig, der Rand erweitert, gekerbt, der Kopf mit zwei langen
keulförmigen Hörnern (dem Weibchen fehlen die Hörner).
Audouin macht eine neue, sehr hübsche Art der Gattung
Meloe bekannt, die der M. Hlugii des Ref. sehr passend ver-
glichen wird. Die weiche Haut des Hinterlerleibes ist gelbroth,
die kurzen Flügeldecken haben an der Basis zwei gelbe Flecken
und eine gelbrothe Spitze. Aufserdem ist der Körper schwarz.
Diese Art wurde von Boussignault eine Tagereise von Quito
auf den Cordilleren in einer Höhe von 3,161 Metres gefunden.
Die Einwohner nennen sie dort in Anspielung auf die Tracht der
dortigen Collegial-Schüler Collegial, daher Audouin ihr den
Namen M. collegialis ertheilt. (Gudrin’s Magaz. de Zool.)
-
303
In der Familie der Rüsselkäfer ist das weitläuftige und
umfassende Werk Schönherr’s: G@ener@ et Species Cureulio-
nidum wieder um einen Band vorgeschritten, welcher, die Lang-
rülsler beginnend, bis zum Ende der Abiheilung der Baridier
reicht, und im Ganzen 114 Genera abhandelt. In einem Anhänge
beschreibt der Verf. die beiden, noch den Orthoceren angehö-
renden, zwischen Brenthus und Cylas einzureihenden Gattungen
Antliarhinus und Platymerus, von denen beiden ihm aufser
dem schon in vielen älteren Werken vorkommenden A. Zamiae
durch die Reisenden Ecklon und Zeiher mehrere Arten zu-
gekommen waren, die sämmtlich am Cap in Zamien leben.
Äuch ist der Antliarhinus Zamiae von Wesmael in den
Bull. de Vacad. royal. de science. et bell. lettr. de Brusell. t. III.
p-. 163. beschrieben und pl. 6. f. 2. abgebildet unter den neuen
Gattungs- und Artnamen Mitorhynchus brunneus.
Ueber den Kornwurm (Calandra granaria) theilt Hope
(Transact. of the Ent. Soc. of Lond. I. p. 241.) einige Beob-
achiungen des Herrn Will. Mills mit. Die erste bezieht sich
auf das Eierlegen, wo Herr M. sich von der Richtigkeit der An-
gabe Shaws, dafs die Mutter das Ei in eine mit dem Rüssel
in das Korn gemachte Oeflnung lege, nicht überzeugen konnte,
indem er mit der Lupe keine Oeflnung selbst in solchen Getrei-
dekörnern finden konnte, welche offenbar Nymphen beherberg-
ten. Er nimmt daher an, dafs die Eier vom Käfer in die Blüthe
gelegt würden und so in das Getreidekorn hineinwüchsen. (Ref.
möchte indes nur zu bedenken geben, dafs sich die Käfer zwar
zu Millionen in Getreide-Magazinen finden, bisher aber nicht
ein einziger auf blühendem Getreide bemerkt worden ist.) Wich-
tiger scheint die Bemerkuug zu sein, dafs eine Hitze von 130
bis 160° Fahr. alle Larven und Nymphen des Kornwurms tödte,
ohne im mindesten die Tauglichkeit des Getreides zum Verbackt-
werden zu beeinträchtigen, oder selbst nur die Keimfähigkeit zu
zerstören.
Ref. hat in einem Aufsatze dieses Archivs den Versuch ge-
macht, die Gattungen der Borkenkäfer fester zu begründen.
Die hauptsächlichsten Unterschiede liefern die Mundtheile, die
Fühler und zum Theil auch die Beine. Die gesammten Bo-
strichen zerfallen nach der Gestalt und Einfügung des Kopfes
304
in drei Gruppen. Die erste derselben entspricht den Hylesinen
Latreille’s und characterisirt sich durch einen freien, in einen
kurzen Rüssel verlängerten Kopf, zu dessen Aufnahme sich vor
der Einlenkung der Vorderbeine eine mehr oder weniger be-
trächtliche Vertiefung befindet. — Die zweite Gruppe, die ei-
gentlichen Bostrichen, sind durch einen in das kapuzenförmige
Halsschild zurückgezogenen Kopf charakterisirt. — In der letz-
ten Gruppe ist die einzige Gattung Platypus aufgeführt, durch
den freien, weder zurückgezogenen, noch gesenkten Kopf von
den übrigen abweichend. Die Maxillartaster sind blatiartig zu-
sammengedrückt, anscheinend zweigliedrig, doch scheint das
zweite Glied noch ein drittes einzuschliefsen. Die Charakteri-
stik der Genera s. im 1sten Bande des 2ten Jahrg. p. 45 fg.
In Frankreich hat sich Scolytus (Eccoptogaster) py-
gmaeus Gyll. im Forste von Vincennes so nachtheilig gezeigt,
dals 50.000 Stämme 25 — 30jähriger Eichen gefällt werden muls-
ten. Der weibliche Käfer bohrt sich in einem Risse unter die
Rinde des Stammes, frifst unter derselben einen Quergang, und
legt seine Eier zu beiden Seiten desselben ab, so dafs die Gänge
der Brut nach oben und nach unten gehend so nahe an einan-
der liegen, dafs die Zwischenwände nur sehr dünn bleiben,
ohne dals jedoch je eine derselben durchbrochen würde. (Feist-
hamel in den Annal. d. I. Soc. Ent. V. p. XI., Audouin
ebendas. p. XV. und Z’Institut. p. 157.)
Asmuss in Dorpat theilt in den Ann. de la Soc. Ent. V.
p: 625. eine interessante Beobachtung mit, wonach Apate
elongata und substriata Gyli. wohl als Männchen und Weib-
chen zusammengehören möchten. Er fing nämlich diese selte-
nen Thierchen gleichzeitig an Mehrzahl im Fluge, und ist ge-
neigt, A. substriata für das Weibchen, A. elongata für das Männ-
chen zu halten. (Auf die grolse Verschiedenheit der Geschlech-
ter bei den 'gröfsten Arten dieser Gattung hat Klug in dem
naturhistorischen Atlas zu Erman’s Reise aufmerksam gemacht,
und A. muricata und monacha, so wie A. francisca und car-
melita als die beiden Geschlechter zweier Arten betrachtet.
Eine bemerkenswerthe Abweichung in den Stigmen der
Bockkäfer ist von F. J. Pictet beobachtet worden. Sie be-
trifft die Stigmen des Meso- und Metholhorax, und besteht darin,
305
dafs, während sonst das Stigma durch eine ausgespannte Haut
geschlossen ist, oder einen häutigen Sack bildet, welche von 5
bis 20 Tracheen durchbohrt werdep, oder die Trachea sich ein-
fach und ungetheilt im Stigma endigt, bei mehreren Arten der
genannten Familie, namentlich Hamaticherus heros, cerdo, Ce-
rambyx moschatus und Trachyderes suceinctus, die Stigmen der
erwähnten Thoraxabschnitte hornige, elastische Kapseln bilden,
in welche sich eine grofse Menge von Tracheenästen münden,
deren Anzahl P. auf 150 schätzt; die meisten von sehr gerin-
gem Durchmesser münden in die vordere Hälfte, in die hintere
nur einige wenige, diese aber von beträchtlichem Umfange. Bei
Prionus scabricornis findet sich diese eigenthümliche Einrichtung
des Stigma nicht, eben so nicht bei der Larve des Ham. heros.
Auch die Hinterleibsstigmen sind bei den obengenannten Arten
vollkommen von der gewöhnlichen Bildung. (Mem. d. 1. Soc.
de Physig. et d’hist. nat. de Genöve, tom. VIII. p. 393 — 98.)
Der Jahrgang 1836 von Gu&rin’s Magazin de Zoologie
enthält die erste Hälfte einer Monographie der Trachyderi-
des von Dupont. Unter dieser Gruppe begreift der Verf. eine
Reihe von 14 Gattungen, die größstentheils aus Serville’s Ar-
beit über die Gattungen der Bockkäfer bekannt sind.
1. Megaderus stigma und eine neue Art, M. bifasciatus aus
Mexico. — 2. Lissonotus, aulser den bekannten Arten L. eruciatus
aus Cayenne, flavocinetus und corallinus aus Columbien, multifascia-
tus aus Mexico, abdominalis und bisignatus aus Brasilien, im Ganzen
10 Arten, die letztgenannte aber wohl nur Abänderung des L, abdo-
minalis. 3. Rachidion nigritum Serv. 4. Nosophlaeus cocei-
neus, von Serville unter dem Namen Cryptobias coccineus beschrie-
ben. 5. Desmocerus variabilis, wie die beiden folgenden. 6. Phae-
dinus trieolor und 7. Charinotus fasciatus, schon bei Serville
vorkommend. 8. Dendrobias 4-maculatus, mandibularis, nur geringe,
testaceus, bedeutendere Abänderung (in der Färbung) derselben mexica-
nischen Art, und mazillosus von Martinique. 9. Dieranoderus
(durch vorragende Mändibeln beim Männchen von Trachyderes, durch
zwei Seitenzähne des Halsschildes von Dendrobias unterschieden) an-
nulatus, eine neue Art aus Brasilien, schwarz, mit weilsen, schwarz ge-
ringelten Fühlern. 10. Trachyderes, 1) elegans aus Mexico, 2) Rei-
chii aus Parä (ein Weibchen unserer Sammlung stimmt sonst in je-
der Hinsicht mit dem beschriebenen Männchen zusammen, nur sind die
Fühler nicht geringelt, sondern schwarz mit gelbem letztem Gliede),
3) succinctus, womit Ref, nach sorgfältiger Vergleichung vieler ab-
306
weichender Exemplare die folgenden ‘6 Arten: 4) Cayennensis, 5) trans-
versalis, 6) intermedius, 7) rubripes, 8) subfasciatus, 9) interruptus
als geringere oder stärkere Abänderungen rechnen möchte, unter denen
die T. subfasciatus zu den merkwürdigsten gehören würde, wo näm-
lich die gelbe Binde der Flügeldecken ganz verschwunden und nur noch
die schwärzliche Binde zu bemerken ist, welche sonst die gelbe einzu-
schliefsen pflegt, 10) thoracicus, 11) Germari, 12) strigatus (von
Thunberg unter dem Namen Ceramb. 8-lineatus in den Act. Petrop.
beschrieben), 13) proximus, 14) striatus, 15) lineolatus, die drei letz-
ten wieder nur Abänderungen einer Art, nämlich des Fabricischen
striatus, wie auch 16) iaeniatus, 17) scapularis, 18) dimidiatus, 19) con-
formis, 20) notatus mit geringerer oder stärkerer Ausbreitung des Schwarz
auf den Flügeldecken als Abänderungen, zwischen der älle möglichen
Zwischenstufen vorkommen, zum Fabrieischen dimidiatus gehören,
21) bicolor, So weit der Inhalt der hier zu] berücksichtigenden Lie-
ferungen.
Eine ausgezeichnet schöne neue Lamia, L. Norrisii von
Sierra Leone beschreibt Westwood in den Transact. of the
Entom. Soc. of Lond. I. p. 148. pl. 15. f. A. Sie gehört zur
Gruppe der L. regalis (Sternotomis Percheron), ist 12 Zoll
lang, schwarz, die Flügeldecken am Rande hinter der Mitte breit
gelb, der Rücken des Hinterleibes und die Unterseite der beiden
ersten Ringe desselben ebenfalls gelb, die Beine und die Unter-
seite der Fühler mit grünlichem Filze überzogen. |
Ein neuer Cryptocephalus, Cr. Loreyi Dej., in Pie-
mont vom Dr. Lorey entdeckt, noch gröfser als Cr. imperialis,
schwarz, das 2te bis 4te Fühlerglied gelb, die Flügeldecken roth,
die Nath und drei aufsen erweiterte und abgekürzte Binden auf
denselben schwarz, findet sich von Solier in den Annal. d. 1.
Soc. Ent. V. p. 687. pl. 20. f. A. beschrieben und abgebildet.
Leon Dufour macht darauf aufmerksam, dafs die Larve
der Colaspis Barbara im Süden Europas dem Feldbau sehr
nachtheilig sei, und dafs sie namentlich die Felder von Medi-
cago saliva bis auf die Stiele zu verheeren im Stande sei. Sie
ist wie die übrigen Chrysomelen-Larven gestaltet, 6fülsig, 3 Lin.
lang und etwa 1 Lin. diek, schwarz und glatt. Die Landleute
im Königreich Valencia nennen sie Cuc, und wissen sie nicht
anders zu verlilgen, als durch Einsammeln mittelst eines hamen-
artigen Instruments. Der Käfer findet sich auch auf derselben
Pflanze, aber an Zahl zur Larve nur im Verhältnils wie 1 zu 20.
307
Ueber die Pselaphen der Umgegend von Prag ist in Prag
eine Inauguraldissertation von Herm. Max. Schmidt cer-
schienen
Es finden sich dort 23 Arten, nämlich 1 Claviger (foveolatus),
3 Euplectus (ambiguus, signatus, suleicollis), 1 T’rimium (bre-
vicorne), 1 Tychus (niger), 11 Bythinus (punctieollis, elavicornis,
glabricollis (2 von bulbifer), Chevrolati (von puncticollis), bulbifer,
securiger, Burrelli, luniger, Curtisii, Sternbergi und regularis), 5 Bry-
azxis (Juncorum, xanthoptera, fossulata, sanguinea, longieornis: g‘ der
vorigen: dals diese in dieser Hinsicht vom Verf. mit B. fossulata ver-
glichen wird, ist wohl nur ein Versehen), 1 Pselaphus (Heisei).
Neu sind unter diesen Bythinus Sternbergi und regularis, er-
sterer ein Männchen, von der Grölse des B. securiger, und diesem in
der Gestalt der Fühler nahe stehend, durch reihenweis behaarte Flügel-
deeken und zwei Querstriche an der Basis des Halsschildes ausgezeichnet
(dem Ref. nicht bekannt); letzterer anscheinend das Weibchen einer
kleineren Art, vielleicht des B. Burrellii. Aufserdem: beschreibt der
Verf. noch drei Sicilische Arten aus der Sammlung des Dr. Helfer,
nämlich Tychus dichrous, schwarz mit rothen Flügeldecken und
rothgelben Beinen, Bryaxis Opuntiae, pechschwarz mit rothen Flü-
geldecken und blassen Fülsen, glattem Kopfe, 3 Gruben auf dem Hals-
schilde, von denen die mittelste die kleinste, und Bryazis Helferi,
welche mit Br. xanthoptera Aub&, die von dem Ps. xanthopterus Rei-
chenb. verschieden ist, übereinkommen möchte. Im Anhange theilt der
Verf. Einiges über die Anatomie des Bythinus regularis mit. Die
Facetten der Augen stehen nicht wie gewöhnlich, dicht gedrängt, son-
dern die einzelnen Hornhäute treten als isolirte Halskugeln vor. Der
Magen ist eylindrisch, verengt sich am Grunde plötzlich, und geht in
den Darm über, an welcher Stelle sich die 4 frei und blind endenden
Gallengefälse einmünden, worauf sich der Darmkanal bald wieder er-
weitert, einige Biegungen macht, und vor der Aftermündung noch-
mals eingeengt ist. In der innersten Haut der Gallengefälse glaubte
der Verf. Drüsenkörner zu bemerken. Neben dem Darm münden in
den Alter ein Paar grofse eilörmige, mit einer weilsen Nockig-körnigen
Masse ausgelüllte Schläuche, die der Verf, vorläufig für Hoden hält, wolür
sie aber, wenn die Darstellung richtig ist, wonach jeder für-sich mit einem
eigenen Auslührungsgang in die Kloake mündet, also mit einem Penis
in gar keinem Zusammenhange steht, nicht wohl gelten können. Die
Stigmen bestehen aus einfachen Längsspalten in der Verbindungshaut
. der oberen und unteren Platten der einzelnen Hinterleibsringe,
Vietor von M. beschreibt in Gu@rin’s Mag. d. Zool. Cl.
IX. pl. 171. neben der Bryazis sanguinea und longicor-
nis eine dritte, diesen verwandte Art, die, wie es scheint, überall
häufig mit den beiden anderen genannten vorkommt, unter dem
*
308
ihm von Ref., der sie früher auch für eigene Art bielt, mitge-
theilten Namen, B. laminata (nicht laminatum).
Später hat Ref. sie als Abänderung des Männchen von B. sangui-
nea angesehen (Käfer der Mark Brandenb. I. p. 268.), indem der blech-
artige Fortsatz aul der Brust, auf welchem der Name hindeutet, der
einzige Unterschied von der anderen Form des Männchen mit einfacher
Brust (B. longicornis Leach.) ist.
Endlich ist noch eine kleine Abhandlung (Ueber eine
Familie, Sippe und Gattung aus der Ordnung der
Käfer) zu erwähnen, in welcher Gistl einen sehr merkwür-
digen Käfer beschreibt, der vom Prinzen Max von, Neuwied in
Brasilien aufgefunden ist.
Ein bedeutend grofser (2 Zoll langer) kastanienbrauner Käfer, mit
kurzen, perlschnurförmigen Fühlern, grolsem, birnförmigen Halsschilde,
verwachsenen, hinten zugespitzten Flügeldecken, stark verdickten und
gezähnten Hinterschenkeln, Lucanenartigen Schienen und einfachen fünf-
‘gliedrigen Fülsen an allen Beinen, der eich indefs sthan in zweiten Jake
gange von Gu£rin’s Magaz. de Zoolog. (1862.) Cl. IX. pl. 24. un-
ter dem Namen Hypocephalus armatus Desmarest abgebildet fin-
det. Ueber die Bildung der Mundtheile dieses räthselhaften Thieres er-
halten wir durch die neuere Beschreibung keine weiteren Aufschlüsse,
daher auch seine systematische ‚Stellung vor der Hand durchaus zwei-
felhaft bleiben muls. Nach Gistl scheint ein Enddorn der Hinterschie-
nen zu einer scheibenartigen porösen Platte umgebildet za sein, die mit
dem Teller der Vorderfülse bei Dytiscus und Crabro verglichen vrird.
(Einer mündlichen Mittheilung nach fand der Prinz diesen Käfer im
Innern Brasiliens auf einer Sandfläche laufend. Eine genaue Untersu-
chung desselben wäre gewils im Interesse der Wissenschaft.)
Orthoptera.
Eine Decade neuer Orthopteren beschreibt in den N
des Wiener Museums p- 207. der Graf Marschall.
Es enthält dieselbe 1 Locusta (Viennensis) aus der Wiener Ge-
gend, 1 Scaphura (chalybea) aus Brasilien, mit der Se. Vigorsü
Kirby sehr übereinkommend, und, wie es scheint, nur hauptsächlich
durch die Fühler unterschieden, die schon vom zweiten Gliede an roth
sein sollen, — und 8 Gryllus, und zwar: Gr. eylindricus aus Si-
cilien, G. fusco-vittatus aus Ostindien oder vom Cap, @. frena-
tus und @. squalidus aus Brasilien, @. vitripennis aus Georgien
in Nordamerica, und @. xanthochlorus, @. euceros und @. buce-
phalus aus Brasilien.
%
309
Eine Monographie der von Serville gegründeten, der Fa-
milie der Acrydien. (Eryllus F.) angehörenden- Gattung Om-
mexecha von Blanchard findet sich in den Annal. de la Soc.
ent. de France V. p. 603.
Der Verf. theilt die Gattung in zwei Familien, nämlich Arten mit
längeren zusammengedrückten Fühlern bei ungefleckter Unterseite, und
solche mit kürzeren runden Fühlern und mit punktförmigen schwärzli-
chen Flecken auf der Unterseite, eine Eintheilung, die um so natürli-
cher zu sein scheint, als die Arten der ersten Familie ausschliefslich in
Südamerica, die der zweiten im Nordosten Africa’s, in Ostindien und
‚Nenholland zu Hause sind. Die erste Familie enthält 5 Arten aus Bra-
silien und Buenos Ayres, unter ihnen den Typus der Gattung, O. vi-
rens Serville, die zweite 7 Arten, davon 1 aus Aegypten, 1 von Se-
naar, 3 von Bombay, 1 von Malabar und 1 aus Neuholland. Aufserdem
finden sich noch drei Arten in Savigny’s Exped. d’Egypt. abgebildet,
von denen indels nichts als die uncolorirte Abbildung vorhanden ist.
Ueber die äufsere Anatomie der Ohrwürmer theilt West-
wood in einem Aufsatze: On the earwig (Transact. of the ent.
soc. of Lond. p. 157. sehr interessante Beobachtungen mit.
Der Hinterleib besteht beim Männchen aus 9, beim Weib-
chen anscheinend nur aus 7 Segmenten, es lassen sich aber die
Rudimente der beiden verschwundenen Segmente auch bei die-
sem Geschlechte, und zwar als die vorletzten nachweisen. Die
Stigmen sind alle sehr klein und schwer zu entdecken, auch
Leon Dufour waren die des Meso- und Metathorax entgangen,
es sind aber die typischen 10 Paare vorhanden. Die Stigmen
des Prothorax liegen zwischen der Basis der Vorderbeine und
dem Hinterwinkel der Rückenplatte des Prothorax hinter den
Epimeren; die Stigmen des Mesolhorax haben eine ganz analoge
Lage, die des Metathorax aber liegen auf dem Rücken des Lei-
bes, und werden von dem verlängerten Hinterwinkel der Un-
terllügel verdeckt. Die 7 Paare der Hinterleibsstigmen liegen
an der Basjs der ersten 7 Hinterleibsringe in einem Winkel, der
zwischen den Rücken- und Bauchsegmenten frei bleibt, in der
Bauchhaut, von den Hornschildern verdeckt, nur bei ganz aus-
gedehntem Hinterleibe sichtbar. Die beiden letzten Ringe haben
keine Sligmen.
E7
310
Neuroptera.
Einige neue exotische Neuropteren beschreibt F. J. Pietet
in. den Mem. de la Soc. physig. et d’hist. nat. de Geneve VII.
p- 399.
Darunter eine, zur Familie der nich gehörende neue Gat-
tung Macronema, mit dem Habitus von Mystacides, fünfgliedrigen
Masillartastern, deren Endglied, viermal so lang als die übrigen Glieder
zusammengenommen , einem aufgerollten Faden gleicht, mit dreigliedri-
gen Lippentastern, deren Endglied gleichfalls dünn und verlängert ist.
Die beschriebene Art M. lineatum ist bräunlich-gelb, mit einer hel-.
len Querliuie vor dem Ende der Vorderflügel. Die zweite Art, gleich-
falls zu den Phryganeen gehörend, Hydropsyche hyalina, kommt
häufig aus Brasilien, und hat daher nicht, wie angegeben, Ostindien
zum- Vaterlande. Die dritte Art ist ein schöner und seltener Bitta-
cus mit bunten Flügeln, B. Blancheti, aus Brasilien.
Bei Gelegenheit einer Abhandlung über die Gattung Sia-
lis (Annal. des science. nat. Sec. Serie V. p. 69.) spricht Pic-
tet seine Ansichten über die Klassifikation der Neuropteren aus.
Er will dieselben mit Rücksicht auf die Organisation der ausgebil-
deten Insekten sowohl als die Verwandlung in folgende sechs natürliche
Familien getheilt wissen;
1) Subulicornes, so wie Latreille sie feststellte (Ephemera,
‚Libellula, Aeschna, Agrion).
2) Planipennes, die Hemerobien und Myrmeleonen, mit dach-
förmigen, gegitterten Flügelo, deutlichen Nerven und zahlreichen Quer-
nerven, nicht gelalteten, det Oberflügeln gleichenden Unterflügeln, voll-
kommener Verwandlung, (Mit 6 Tastern und keulförmigen Fühlern:
Myrmeleon, Ascalaphus; mit 4 Tasjern und fadenförmigen Fühlern:
Hemerobius, Osmylus, N; ympha, Corydalıs, Chauliodes, Sialis, Raphi-
dia, Mantispa?)
3) Panorpatae, mit schnabelförmigem Munde, horizontalen Flü-
geln, den Oberflügein gleichenden, nicht gelalteten Unterflügeln, wenig
zahlreichen Quernerven, mit unbekannter (muthmalslich vollkommener)
Verwandlung. (Nemoptera (nur scheinbar hierher gehörend), Bitta-
cus, Panorpa, Boreus).
4) Termitini, mit höchstens 4 Fufsgliedern, mit wenigen Quer-
nerven in den Flügeln, einem den Orthoptoren ähnlichen Baue des Mun-
des und unvollkommener Verwandlung ( Termes, Psocus).
5) Perlidae, mit kleinen Mondibeln, horizontalen Flügeln, seh.
teten Unterflügeln, einem den Orthopteren ähnlichen Bau des Mundes '
und eollsländiser Verwandlung (Perla, Nemoura).
6) Phryganidae, ohne Mandibeln, mit dachförmigen Flügeln und
vollkommener Verwandlung.
sıl
Der Verf. ist ferner der Ansicht, dafs die drei Familien mit un-
vollkommener Verwandlung voranstehen mülsten, so dals Termes den
Uebergang zu den Orthopteren macht, und die Libellen sich an die He-
merobien, namentlich an die Myrmeleonen anschlielsen, so dafs die 6 Fa-
milien dieser Ordnung auf einander folgen: Termitini, Perlidae, Subu-
licornes, Planipennes, Panorpatae, Phryganidae.
Bei Sialis findet der Verf. in den Verwandlungsstufen eine grofse
Analogie mit Raphidia, nur dafs die Larve von Sialis im Wasser lebt,
daher auch der den Respirationsorganen angehörende fadenförmige An-
hang zu jeder Seite jedes Hinterleibssegmentes. Die Verwandlung zum
vollkommnen Insekt geschieht auf dem Trocknen, in der Erde. Die
bei Genf vorkommenden Sialis scheinen dem Verf. zwei Arten anzu-
gehören:
1) S. Zutarius. Schwarz, Kopf und Halsschild hellgelb gefleckt,
Flügel matt hellbraun mit schwarzen Nerven. Larve deutlich gefleckt.
2) S. fuliginosus n. sp. Schwarz, Kopf und Halsschild dun-
kelgelb gefleckt, Flügel dunkelbraun, fast schwarz, mit schwarzen Nerven,
Larve wenig gefleckt.
Aufserdem unterscheiden sie sich beständig durch eine helle Zeich-
nung auf der Unterseite des Kopfes, die beim ersteren ein Paar Striche,
bei letzterem mehr ein längliches Herz bildet. Die letztere Art erscheint
mindestens einen halben Monat später.
In den Mem. de la Soc. de physig. et d’hist. nat. de Ge-
neve t. VII. p. 173. beschreibt Pictet die im Bassin des Le-
man in den Thälern von Chablais und Faucigny einheimischen
Arten der Gattung Nemour.a.
Der Verf. macht dabei die Bemerkung, dals die Nemouren sich
nur in den Thälern finden, dals die in den Gebirgsthälern vorkommen-
den von denen der Ebene verschieden, wie auch im Allgemeinen die
Arten, je höher sie vorkommen, desto kleiner ausfallen. Von 18 hier
abgehandelten Arten, die sich hauptsächlich in Umrifs, Färbung und
Seulptur des Halsschildes unterscheiden, sind fünf bereits aus der Eneyel.
meth. bekannt, nämlich n. 1. N. nebulosa, n. 3. cinerea, n. 4,
variegata, n. 17. cylindrica, n. 18. nigra, eine, n. 2. trifa-
sciata, ist von Pictet in den Annal. des science. nat. von 1832
aufgeführt, die übrigen neuen sind hier ausführlicher beschrieben: n. 5.
nitida. (Kopf glänzend schwarz, Beine gelb, Schenkel an der Spitze
braun. Halsschild gläuzend schwarz, mit einem bischen Gelb am Sei-
tenrande, viereckig, ein weniges breiter als lang, hinten in der Mitte mit
erhabenen runden Pünktchen. Länge 10 — 11 Centim.) n. 6. late-
ralis, (Schwarz, gelbgelleckt, Flügel durchsichtig, Nerven hell. Beine
gelb, die Knie der Hinterbeine schwarz, Halsschild mit geradlinigen Rän-
dern, nach hinten verengt, an den Seiten breit gelb-gerandet, mit zwei
312
erhabenen Punkten in der Mitte, einer Reihe kleinerer vorn, und vier
Längsreihen sehr kleiner Punkte hinter den vorigen. Länge 11 Centim.)
n. 7. marginata. (Braun, schwarz-gefleckt, Beine gelb mit braunen
Fülsen, Flügel durchsichtig, mit mäßsig starken braunen Nerven, Hals-
schild glänzend, fast eben so lang als breit, nach hinten verengt, an den
Seiten und vorn hellbraun gerandet, mit zwei erhabenen, zu einem Y
vereinigten Linien und zwei länglichen Punkten. Länge 9 — 11 Centim.)
n. 8. nigritarsis. (Schwarz, Beine gelb, Knie der Hinterschenkel
und Fülse schwarz, Flügel durchsichtig, mit schwachen braunen Nerven.
Halsschild schwärzlich-braun, mit erhabenen, ein Y bildenden Linien
und kleinen runden und länglichen Punkten. Länge 7 — 10 Centim,)
n. 9. wervosa. (Braun, Beine gelb, mit braunen Gelenken, Flügel
greis, mit sehr starken braunen Nerven. Halsschild schwarz, in der
Mitte mit 4 schuppenartigen und auf beiden Seiten mit einer grofsen
Menge kleinerer Punkte. Länge 9 Centim.) n. 10. angusticollis.
(Kopf braun. Beine hellbraun mit dunkleren Gelenken. Flügel ziem-
lich walzenförmig zusammengeschlagen, mit deutlichen braunen Nerven.
Halsschild schmal, watt, mit 2 erhabenen Punkten, und vor diesen mit
4 kleineren. Länge 10 Centim.) n. 11. kumeralis. (Bräunlich-
schwarz, Beine gelbbraun, Flügel farbenspielend, an der Schulter-mit
einem gelben Fleck. Halsschild mit 4 erhabenen Punkten, die von klei-
nen Punkten umgeben sind. Länge 7 Centim.) n. 12. inconspieua.
(Bräunlich-gelb, Flügel durchsichtig, mit schwachen Nerven. Halsschild
mit 4 grolsen erhabenen Punkten, aufserdem leicht gerunzelt. Länge
7 Centim.) n. 13. macrophthalma (Kopf und Halsschild hellbraun,
Beine gelb, Flügel durchsichtig, mit hellbraunen Nerven, Halsschild runz-
lig, bräunlich, in seiner Mitte mit zwei dicht zusammenstehenden, schr
kleinen Punkten. Länge 8 Centim.) n. 14. picea. (Kopf schwarz,
Fühler braun, Beine schwärzlich, Flügel mit braunen Nerven. Halsschild
glänzend, kurz, runzlig.. Länge 8 Centim.) n. 15. brevicollis.
(Schwarz, Beine gelb, Flügel farbenspielend, mit mälsig,starken Nerven.
Halsschild kurz, schwarz und glänzend. Länge 8 Centim.) n. 16. fla-
vicornis. (Schmal, Kopf und Halsschild klein, bräunlich, Beine und
Fühler hell, Flügel ein wenig untergeschlagen, farbenspielend. Hals-
schild in der Mitte mit erhabener Längslinie, zu jeder Seite derselben
mit Punkten. Länge 9 Centim.)
Eine neue Neuropteren-Gattung beschreibt Wesmael im
Bull. de U’ Acad. des Scienc. et belles lettres de Bruxelles t. III.
p- 166. pl. 6. f. 2. unter dem Namen Malacomyza. Die ein-
zige M. lactea genannte Art ist aber nicht neu, sondern von
Fabricius als Phryganea alba aufgeführt, von de Vil-
liers u. A. richtiger unter Hemerobius gestellt.
Eine neue Galiung Chloroperla bildet Ed. Newman
aus
s 313
- aus der Semblis viridis F., die durch die Bildung der Rlügel
charakterisirt wird.
Es sind dieselben nämlich bei beiden Geschlechtern gleich lang, die
Costal- und Subcostalnerven laufen parallel bis zur Spitze des Flügels
aus, und zwischen diesen beiden Längsnerven sind nur 3 — 6 Querner-
ven. Eine neue Art, C'hl. apicalis, 3 Lin. lang, von zartem Gelb-
grün, mit tielschwarzen Augen und Fühlerspitzen, ist häufg in Here-
fordshire auf Elsen an Flufsufern. (Ent. Mag. N. 15. p. 500.)
Ueber die Gattung Embia und ein Paar verwandter Formen
hat J. ©. Westwood eine sehr unterrichtende Abhandlung ge-
liefert. (Transact. of the Linn. Soc. XVII. p. 369. t. 11.)
Eimbia ist den Termiten zunächst verwandt, stimmt mit diesen in
der Bildung der Flügel und besonders auch im Bau des Mundes überein,
unterscheidet sich aber durch eine gestrecktere Form, breitgedrückte
Beine und stark erweitertes erstes Glied der Vorderfülse. Latreille
gründete die Gattung auf eine Art, die in der Description d’Egypte ab-
gebildet ist, wozu aber keine Beschreibung erschienen, und die West-
wood auch nur nach dieser Abbildung bekannt ist. Es werden von
ihm also auch nur die genauen Zeichnungen Savigny’s benutzt, um
die Gattung Embia zu charakterisiren, und von den beiden verwand-
ten Formen Oligotoma und Olyntha zu unterscheiden. Bei den
beiden ersten sind die Maxillartaster 5-, bei Olyntha Agliedrig, bei Ol-
gotoma sind die Fühler I1gliedrig, bei Embia nach Savigny’s Zeich-
nung l5gliedrig (es scheint aber dieser Fühler nicht vollständig gewe-
sen zu sein, denn an einem unverletzten Fühler zählt Ref. deutlich 17
Glieder, und bemerkt am letzten Gliede auch die kleine Hervorragung
an der Spitze, die W. bei Oligotoma hervorhebt). Aufser der Zahl
der Fühlerglieder, und dem Mangel der Quernerven zwischen dem 3ten
und 4ten Längsnerv der Flügel bei Oligotoma findet sich zwischen bei-
den Gattungen kein wesentlicher Unterschied. Beide haben nur eine
Art aufzuweisen.
Embia Sarignyi Westw. aus Aegypten ist in der erwähnten
Abbildung nicht colorirt, daher über ihre Färbung nichts gesagt werden
konnte. (Sie ist gelb, mit braunen Flügeln.) Oligotoma Saun-
dersii Westw. aus Bengalen ist bräunlichgelb, mit lichteren Hinter-
leibseinschnitten und braunen Flügeln. Letztere haben bei beiden zwi-
schen den Längsnerven weißsliche Längslinien. Mehr weicht die dritte,
schon in Griffith Anim, Kingd. von Gray abgebildete Amerikanische
Form Olyntha Brasiliensis durch 4gliedrige Maxillartaster und
lange vielgliedrige Fühler ab, Ueber die Lebensweise ist bei keiner
von diesen Arten etwas bekannt geworden, sie sind aber auch noch
Seltenheiten in den Sammlungen.
Den Blutverlauf in den Flügeln von Hemerobius beobach-
III. Jahrg. 2. Band, 21
314
tete Bowerbank (Ent. Mag. N. 17. p. 179.). Das Blut
verbreitele sich dureh die Längsnerven im Flügel nach der Spitze
zu, von wo es, dem Nerven des Hinterrands folgend, in raschem
Strome wieder zum Körper zurückfloßs. Welche Richtung der
Strom längst des Nerven des Vorderrands hatte, konnte B. nicht
mit Sicherheit unterscheiden, mochte ihn aber in Rüchsicht auf
seine Langsamkeit eher für einen aus- als zurückführenden halten.
»
Hymenoptera.
Die Terminologie der Nerven und Zellen des Vorderflügels
der Hymenopteren hat Shukard festzustellen versucht. ( Trans-
act. of the Entomol. Soc. of Lond. I. p. 208.)
Nerven erster Ordnung am Grunde des Flügels sind: der
N. costalis, der den Vorderrand des Plügels einnimmt, der
N. postcostalis, der in geringer Entfernung mit diesem ziem-
lich parallel läuft, beide durch das Stigma begrenzt: zwischen
beiden die Costal-Zelle; dann der N. externo-medialis,
im Winkel gebogen, mit dem vorigen die dreieckige Externo-
Medial-Zelle bildend; der N. transverso-medialis, vom
Winkel des vorigen herablaufend zum vierten Längsnerven des
Flügels (und mit beiden die ebenfalls dreieckige Interno-
Medial-Zelle bildend), dem N. analis, der .den hinteren
Rand des Flügels als Anal-Zelle abschneidet. Dann folgen
nach ihrem Range der N. marginalis, die bekannte Radial-
Zelle bildend, der N. discoidalis, vom transverso-medialis
ausgehend, und im Winkel zu dem Ende des N. analis herab-
gebogen, die Iste Discoidal-Zelle begränzend, der N. re-
currens I., der N. cubitalis, mit den drei N. iransverso-
cubitalibus die vier Cubital-Zellen bildend, der N. sub-
discoidalis, und aus diesem entspringend der N. recur-
rens II. Durch den N. subdiscoidalis und die beiden MN. re-
currentes werden die 2te und 3te Discoidal-Zelle und
die lIste und 2te Apical-Zelle gebildet. Die untere Di-
scoidal-Zelle nimmt Shuckard gegen Lepelletier’s Bestim-
mung als die erste an, weil die Entstehung der rücklaufenden
Nerven, und somit die der oberen Discoidal- Zellen von ihr ab-
hängt. Das Flügelgeider des Gorytes mystaceus ist als Norm
315
zum Grunde gelegt, auf welche das äller übrigen Hymenopteren
sich zurückführen lälst.
Eine Aufzählung der vom Capitain King am Südende Süd-
ameriea’s (und zwar an den Punkten St. Catharina und St.
Paul in Brasilien, am Cap Horn und in Chile) gesammelten Hy-
menopteren hat A. Haliday in den Transact. of the Linn. Soc.
p- 315. gegeben.
Es sind 55 Arten, darunter als neu beschrieben: 3 Ichneumon,
1 Phygadeuon, 1 Trachysphyrus (neue Untergattung von Cryptus, von
Phygadeuon durch längere Beine und bedornte Schienen und Fülse un-
terschieden), 1 Oryptus, 1 Pimpla, 1 Campoplex, 2 Megachile, 1 Coe-
lioxys, 1 Ancylosceles, 1 Bombus, 1 Halictus, 1 Andrena, 1 Colletes,
4 Polistes, 3 Odynerus, 1 Discoelius, 3 Pompilus, 1 Chirodayıus (neue
Gattung zwischen Pompilus und Planiceps, Beine wie bei letzteren,
Flügel und Mittelleib wie bei ersteren), 1 Scolia, 1 Myrmecodes, 1 Myr-
mosa (keine rechte Myrmosa, sondern ein Männchen der vorigen Gattung),
1 Atta, 1 Myrmica, 1 Formica. Bemerkenswerih ist das Vorkommen
des Ophion luteus L. bei Port Famine an der Magellans-Strafse.
Ueber die Schwedischen Tenthreden hat G. Dahlbom
eine umfassende Arbeit unter dem Titel: Prodromus Hyme-
nopterologiae Scandinaviae begonnen. !
Die bisjetzt erschienene erste Lieferung enthält aulser einer aus-
führlichen, hauptsächlich geschichtlichen Einleitung in das Studium der
Tenthreden die Gattungen Cimbex mit 5 Untergattungen und 8 Arten,
Athalia mit 4 Arten, Hylotoma mit 10 Arten, Cyphona (Schi-
xzocerus Latr.) mit 2 Arten, Lophyrus mit 9 Arten, Monoctenus
(Lophyr. Juniperi Kl.) mit 1 Art, Cladius mit 3 Arten, unter denen
eine, auch in Deutschland einheimische, Cl. luteiventris, neu.
Ueber eine neue Art der Gattung Perga hat Lewis in
den Transact. of the Entomol. Soc. of Lond. I. p. 232. sehr
hübsche Beobachtungen mitgetheilt.
Er fand die Weibchen derselben in Neuholland auf den Blättern
einer Eucalyptus-Ärt im April. Sie legen ihre blafsgelben, länglichen,
2 Lin. langen und % Lin. dicken Eier in zwei Reihen in einen Ein-
schnitt längst der Mittelrippe des Blattes. Die Larven erscheinen in
wenigen Tagen, sind dunkelgrün mit glänzend schwarzen Köpfen, und
fressen gesellschaftlich (anscheinend Nachts). Das Mutterinsekt verläfst
seine Brut nicht, und sitzt schützend sowohl über den Eiern als über
den jungen Larven so fest, dafs es nur mit der äufsersten Gewalt ent-
fernt werden kann. Die so beobachtete Art ist 8 Lin. lang, ochergelb,
eine Seitenlinie des Kopfes und Mittelleibes, die Spitze der Schienen
21°
316 3 N
und die Spitzen der einzelnen Glieder der Hinterfülse sind schwarz.
Westwood hat sie Perga Lewisii benannt.
In England hat sich Athalia spinarum (Centifoliae Panz.) den
Feldern von Turnips (einer Rübenart) sehr nachtheilig gezeigt (Ent.
Mag. N. 14. p. 839.). Eine ausführliche Schilderung der Naturgeschichte
dieses Insekts findet sich von Yarell in den Transact. of the Zool.
Soc. Vol. II. p. I. p. 67. Die Larve ist 5 Zoll lang, schwarz mit
grauer Seitenlinie, mit 6 eigentlichen und 8 accessorischen Fülsen.
Beobachtungen über die Oeconomie verschiedener Ichneu-
monen theilten Chr. Drewsen und Fr. Boie mit in Krö-
gers Tidskrift in dänischer und in diesem Archiv in
deutscher Sprache. Ein grolser, sehr schöner, schwarz und gelb-
bunter Ophion, der zu Kiel aus den Puppen von Gastropacha
Trifolii gezogen wird, ward von den Verf. als der Typus einer
. neuen Untergattung @ravenhorstia beschrieben, die indefs von
Anomalon nicht leicht genügend zu unterscheiden sein möchte.
Boudier giebt in den 'Annal. de la Soc. Ent. de France
V. p. 357. von einem Cryptus, dessen Larve in der Raupe
von Gastropacha Quercus lebt, Nachricht. Aus einer Raupe, die
noch das äufsere Gespinnst zum Schutz ihrer Einwohner, verfer-
tigte, kamen 14 Exemplare, 4 Weibchen und 10 Männchen.
Der Cryptus ist als neue Species unter dem Namen €. Bomby-
cis beschrieben.
Wesmael beobachtete einen Ichneumon, den er für ei-
nen Zwitter von I. extensorius und I. luctatorius (beide
nämlich die Geschlechter einer Art) ansieht. Der ganze Vor-
derleib ist vom I. extensorius und weiblich gebildet, der Hin-
terleib männlich und vom J. luctatorius. Die Fühler zeigen
zwar zuweilen auch beim /uctatorius (d‘) eine weilse Mitte,
allein in der Abbildung haben sie sowohl als die Beine die kür-
zere plumpere Gestalt der weiblichen Fühler und Beine, und
letztere haben auch die rothe Farbe des I. extensorius, nicht die
gelbe des I. luctatorius. (Bull. de !’Acad. roy. de science. et
des bell. lettr. de Brux. III. p. 337.)
Als Fortsetzung seiner Arbeit über die parasitischen Hyme-
nopteren giebt Haliday im Ent. Mag. N. 16. p. 38. eine Aus-
einandersetzung der Nees’schen Gattung Rogas, die er als
eine Gruppe betrachtet, welcher auch noch Spathius und Hor-
mius angehören, und die er in folgende Untergattungen theilt:
317
1) Spathius, mit den beiden von Nees aufgeführten Arten. 2) Do-
ryctes, mit dem Typus Bracon oblitteratus Nees, auch Bracon fu-
scatus Nees gehört nach der Meinung des Verf. hierher, und eine dritte
Art von St. Vincent ist in einer Anmerkung beschrieben. 3) He-
terospilus, Bracon striatellus Nees, 2 neue englische und ebenfalls
in einer Note eine vierte Art von S1, Vincent. 4) Hecabus, sulcatus
Curt. (bei den beiden letzten Untergattungen hat das Männchen ein
Stigma im Hinterflügel). 5) Pambolus, Vorderflügel mit zwei Cu-
bital-Zellen, sonst bis auf die Mundtheile wie Leiophron. Eine neue
Art P. biglumis aus Frankreich. 6) Chremylus, aus Hormius rubi-
ginosus Nees gebildet. 7) Hormius, moniliatus Nees. 8) Rhys-
salus, 9) Colastes,' 10) Clinocentris, alle drei schon früher im
Ent. Mag. beschrieben, kleine Arten enthaltend, unter denen Colastes
lanceolator die einzige von Nees als Bracon lanceolator beschriebene
Art, 11) Rogas, rugulosus Nees ete., 12) Ademon, Rogas deere-
scens Nees.
Mit seiner Arbeit über die Chaleiditae Englands hat
Walker in Ent. Mag. fortgelahren, und zunächst die Gattung
Pteromalus (Spee. 105 — 171.) zu Ende gebracht, dann die
Gatlungen Cheiropachus \Wesiw. (Diplolep. quadrum F.) mit
2 Arten, Trigonoderus Westw. mit 15 Arten beschrieben,
und endlich zu früher abgehandelten Gattungen 3 Arten zu Iso-
soma, 1 zu Eurytoma, 3 zu Decatoma und 2 zu Calli-
mone nachgelragen.
Derselbe lieferte im Ent. Mag. N. 14. p. 341. eine Mo-
nographie von Teleas.
Teleas bildet hier eine Gruppe, die in 8 Gattungen zerfällt.
1) Baeus, kein Schildehen (auch keine Flügel); I Art: B. pumilio
Haliday. — Bei den Uebrigen ist das Schildehen deutlich vorhanden.
Bei den nächsten 5 haben die Flügel einen Costalnerven. 2) G@ryon
Haliday, Cubitalnerv in der Mitte des Flügels, Hinterleib ansitzend, mit
gleich grofsen Segmenten; 4 Arten. 3) Telenomus Haliday, Flügel
wie beim Gryon, Winterleib ebenfalls ansitzend, das zweite Segment
breiter als die übrigen; 26 Arten, bei zweien die Fühler 10-, bei den
übrigen beim 5 12-, beim Weibchen I1-gliedrig. 4) Thoron Hali-
day, Flügel wie bei den vorigen, Hinterleib gestielt; 1 Art: Teleas me-
tallicus Hal. bei Curtis, Teleas fornicatus Nees das 5, T. solidus Nees
das 9. 5) Xenomerus Walk., der Cubitalnerv nahe der Flügelspitze,
die Fühler beim / wie bei den Z von Psilus; 1 neue Art. 6) Te-
leas Latr., Flügel wie bei der vorigen Gattung, Fühler beim 5 ein-
fach; 30 Arten. (Die unter dem Namen T. varicornis Latr. beschrie-
bene Art fand Ref. in Fabricius Sammlung als Pemphredon va-
ricornis.) Einen Subeostalnerven im Flügel haben die beiden letz-
318
ten Gattungen: Scelöo mit kurzen und Sparasion mit langen Maxil-
lartastern; von jeder ist nur die eine bekannte Art aufgeführt.
Dieselbe Zeitschrift enthält in ihrer N. 17. p. 156. eine Mono-
graphie der Englischen Chrysiden von Shukard. Die Einthei-
lung der Familie in die 5 Gattungen Cleptes, Chrysis, Euchroeus,
Hedychrum und Elampus berücksichtigt besonders die äufsere Form,
die hier sehr leicht irre führen kann, und auch den Verf. nicht
überall richtig geleitet hat, namentlich möchte als Charakler von
Elampus das in der Spitze ausgezogene Schildehen um so weniger
hervorgehoben werden können, als theils eine ähnliche Vorra-
gung manchen eigentlichen Chrysis zukommt, theils die aller-
meisten Arten von Elampus selbst dieselbe nicht haben. Die
wesentlichen Charaktere dieser Gattungen liegen in den Mund-
theilen, die der Verf. ganz unberücksichtigt liefs, daher auch
Hedychrum und Elampus nicht richtig sondern konnte. Die
Vernachlässigung der Mundtheile ist nirgend ein Gewinn für die
Kenntnils der Insekten.
Folgende Arten werden vom Verf. als Englische aufgeführt: Cle-
ptes: semiaurata und nitidula; Chrysis: 1) ignita in 6 Varietäten,
2) Ruddii, von C. ignita durch einen feiner punktirten Hinterleib un-
terschieden, 2) fulgida, 4) Stoudera, 5) analis (nicht analis Spin.,
sondern splendidala Rossi, rutilans Enc.: bei analis Spin. ist das 3te
Hinterleibssegment nur hinter den eingestochenen Punkten am Hinter-
rande schwarz), 6) bidentata, 7) succincta, 8) cyanea, 9) coerulipes,
10) Leachii (von Klug unter dem Namen Chr. nitidula in Germar’s
Reise nach Dalmatien beschrieben), 11) Austriaca (vielleicht die Fa-
bricische, aber nicht die von Pelletier, sondern dessen Chr. flam-
mea und Chr. refulgens Spin.), 12) neglecta (eine neue Art, von der
Färbung der vorigen, durch offene Randzelle ausgezeichnet, auch in
‘Schweden und bei Berlin einheimisch); Euchroeus: quadratus (ei-
gentlich von Klug benannt, und von ihm an Leach mitgetheilt, so dals
das auf Leach’s Auctorität aufgenommene Exemplar wohl ein Berli-
ner ist, und die Art der Englischen Fauna nicht angehören möchte);
Hedychrum: 1) regium (Abänderung des folgenden), 2) Iucidulum,
3) coerulescens (im hiesigen Museum H. coeruleum, denn coerulescens
Lepell. ist ein Elampus), 4) ardens, 5) fervidum (Chrysis fervida F.
ist ein kleiner Elampus, die hier beschriebene Art ist von Megerle
H. rutilans benannt), 6) roseum, 7) auratum, 8) bidentatum (hier sind
wohl mehrere Arten mit einander vermengt); Elampus Panzeri. (Zu
Elampus gehören den Mundtheilen nach auch die drei letzten Arten
von Hedychrum. Bei Elampus nämlich sind die Mundiheile sehr ähn-
lich wie bei Chrysis, die Ligula kurz, viel kürzer als die Lippentaster,
319
die Maxillarladen kurz und rundlich. Bei Hedychrum ist die Ligula
sehr lang ausgezogen, und\wie die ebenfalls gestreckten Maxillarladen
linienförmig, reichlich so lang als die Taster.
Ueber die Lebensweise mancher Hymenopteren, besonders
aus der Abtheilung der Fossores, hat J. ©. Westwood ver-
schiedene interessante Züge mitgelheilt, namentlich widerlegt er
durch mehrere Beobachtungen die Annahme Lepelletier’s de
St. Fargeau, dals diejenigen Grabwespen, deren Vorderfülse nicht
mit Dornen besetzt sind, nicht selbst graben könnten, und des-
halb Parasiten anderer sein mülsten. W. sah einen Pompilus
petiolatus eine Spinne ins Nest tragen, und belauschte eine die-
sem verwandte Pompilus- Art und einen Miscophus bicolor, beide
ohne Dornen an den Vorderfülsen, bei ihrer Arbeit, als sie Gru-
ben im Sande machten. (Annal. d. l. Soc. Ent. de France V.
p- 297.) Ammophila hirsuta beobachtete derselbe, wie sie
für jede gefangene Raupe, und also für jedes zu legende Ei ein
Nest grub. (Wir haben sehr vollständige Beobachinngen über
die Naturgeschichte der Ammophila sabulosa, die für ihre Nach-
kommenschaft eben so sorgt. Frisch erklärt uns auch eben
so einfach als wahrscheinlich, weshalb diese Wespen nur Spin-
nen oder Raupen von Nachtschmetterlingen für ihre Brut ein-
tragen.) Bemerkenswerth ist indels die Beobachtung W.’s, dals
die Ammophilen ihre Beute mit den Vorderbeinen schleppen,
während nach Shuckard’s Angabe Oxybelus dieselbe zwischen
den Hinterbeinen trägt. Bei Cerceris laeta überzeugte sich W.,
dafs sie ihre Beute (einen Rüsselkäfer der Gattung Strophoso-
mus) mit den Vorderbeinen festhält, und die Hiuterbeine frei
hat. Sapyga punctata sah er in die Gänge von Osmia coeru-
lescens eiuschlüpfen, und giebt also der Meinung Raum, dafs sie
Schmarotzer dieser Bienen-Art sei. Auch Foenus iaculator sah
er den Nestern der Osmia bicornis nachstellen, und ist deshalb
geneigt anzunehmen, dals seine Larven wie die von Kuckuckg-
bienen lebten (was bei der Annährung der Foenus an Ichneumon
wohl weniger anzunehmen ist, als dafs sie nach Art der letz-
teren sich verhalten.) Von Trypowylon figulus bestätigt W.
die Liun£ische Angabe über seine Oeconomie, wie er die von
anderen Insekten in Holz gemachten Gänge mit Sand auskleide,
und sein Nest darin einrichte und für jedes Ei eine Spinne ein-
”
320
trage, so dals also Lepelletier’s Annahme, Linn&’s Sphex
Jigulus sei Pompilus petiolatus, völlig ohne Grund sei. Auch
bemerkt W., dafs die von Lepelletier aus Crabro tibialis ge-
bildete Galtung Corynopus auf einer falschen Beobachtung von
12 Fühlergliedern beim Männchen beruhe, dafs deutlich 13 vor-
handen seien, dals sie also mit Physoscelus Lepell. (Crab. ru-
‚fiventris Panz.) zusammenfalle, und dafs beide in England un-
ter dem Gattungsnamen Rhopalum Kirby schon früher zusam-
mengestellt gewesen wären. (Transact. of the Ent. Soc. of
Lond. I. p.198.) Sapyga punctata beobachtete Robineau
Desvoidy in den Nestern zweier Osmien, deren unten Erwäh-
nung geschehen wird, und eine andere Art, die $. Chelostomae
genannt werden soll, fand er in den Nestern von Chelostoma.
Da also Sapyga als Parasit nachgewiesen ist, will Herr R. D.
sie aus der Familie der Fossores entfernt wissen (!) (I Institut.).
Newport theilt eine Beobachtung über die gewöhnliche
Wespe (Vespa vulgeris) mit, die eine frühere Mittheilung
Dr. Darwin’s weiter bestätigt, dafs dieselbe die Insekten, die
ihre Beute geworden, zu Boden zieht, ihnen Kopf, Beine und
Flügel abreilst und mit dem Rumpf davonfliest. N. sah aber
so häufig dasselbe Maneuvre ohne Abweichung ausgeführt, dals
er Darwin darin nicht beipflichten kann, wenn derselbe eine
Art Ueberlegung bei den Wespen darin erkennen will. Es war
an einer Stelle, die dieht mit blühenden Disteln besetzt war,
im September, in der Mittagswärme, wo N. die Angriffe der
Wespen auf die dort saugenden Schmetterlinge, vor allen auf
Weilslinge und unter diesen vorzüglich auf P. Rapae zu beob-
achten Gelegenheit hatte. Ehe die Wespe mit einem überfalle-
nen und auf die oben angegebene Art verstümmelten Schmet-
terlinge zu ihrem Neste flog, setzte sie sich auf einen nahen
Baum und zerkauete erst den Leib. Auch Dipteren, z. B. Eri-
stalis, griff sie an und verfuhr mit ihnen ebenso wie mit den
Schmetterlingen, ohne sie jedoch zur Erde zu reilsen. ( Transact.
of the Ent. Soc. of Lond. I. p. 228.)
Aus der Gattung Odynerus beschreibt Wesmael in den
Bull. de U’Acad. royal. des scienc. et belles lettr. de Bruxelles
tom. III. p. 44. zwei Arten, die er früher mit ©. parielum ver-
wechselt hatte.
“
321
(Seine O. parietum ist Vespa parietina Lin.) Die eine Art, O.
ovirentris, unterscheidet sich von dieser, dals der Stiel des Hinter-
leibes nicht darch-einen scharfen erhabenen Rand begränzt wird, und
dafs die erste Binde des Hinterleibes einfach ist, die zweite, O tri-
faseiatus, durch schlankere Gestalt des Hinterleibes und durch das
Verhältnifs des ersten Ringes, dessen hintere Portion nur 1}; so breit
als lang ist. (Letzterer, der von Vespa trifasciata F. wohl unterschie-
den ist, ist in unserer Sammlung ©. civicus benannt.)
Aus der Familie der Bienen entdeckte Waterhouse das
bisher noch unbekannte Männchen der Megachile circum-
cineta. Es ist dem der M. Willughbiella sehr ähnlich. Coe-
lioxys conica fand W. an der Stelle häufig, wo die genann-
ten Bienen bauten, und er zog dieselben auch wirklich aus den
Nestern der M. eircumeineta, ist indels der Meinung, dafs sie
nicht blos auf diese Art, sondern auch *auf andere, namentlich
M. Willughbiella angewiesen seien. (Ent. Mag. N. 15.p. 496.)
Robineau Desvoidy beobachtete, dals zwei Osmia-
Arten in den leeren Schneckenhäusern von Helix adspersa und
nemoralis bauen, nämlich ©. bicolor Latr., und eine, welche er
für neu hält, und für die er den Namen Aelicicola bestimmt hat.
Eulophus kamen als Feinde der Larven vor. (UInstitut.)
Ueber die Lebensdauer der Honigbienen, einen Punkt,
der noch der Ermittelung bedürftig war, hat uns Ed. Bevan
Aufschluls gegeben. Die Alten nahmen 7 — 10 Jahre für das
etwanige zu erreichende Alter einer Arbeitsbiene an, neuere
Schriftsteller beschränkten dasselbe auf 1 Jahr, doch war auch
dieses nichts als eine Annahme. B. weist durch Rechnung so-
wohl als Beobachlung nach, dafs es nur auf 6 oder 7 Monate
komme. Nämlich 3000 Stück bilden den Stock im Februar,
17000 werden im Frühling, 6000 im Sommer und Herbst aus
den Eiern entwickelt, 23000 sterben zwischen Februar und De-
eember, es bleiben für den Winter die alte Zahl von 3000 Stück.
(Die Verminderung durch Schwärmen fehlt in diesem Exempel.)
Die unmittelbare Beobachtung bestätigste dies Resultat. Im An-
fange Juli, als die Königin mitten im Legen der Drohneneier
begriffen, und der Stock mit Honig, Eiern und Brut in allen
Altersstufen wohl versehen war, entfernte B. die Königin. Die
Ordnung des Stockes wurde dadurch nicht gestört. Es ergab
sich, dafs die Arbeitsbienen ihre Verwandlung in 3 Wochen,
322
die Drohnen in 24 Tagen vollendeten. In der Mitte Novem-
bers waren alle Drohnen todt, und am letzten December die
letzten Arbeiter. Ein ähnliches Resultat hatte auch Reaumur
erhalten, der im April 500 Bienen mit rother Farbe zeichnete,
und im November alle diese ausgegangen sah. Das Leben einer
Königin dauert nach Huber u. A. 2, vielleicht auch 4 oder
5 Jahre.
Rhipiptera.
Unsere Kenntnils von der Oeconomie dieser Abtheilung hat
im vorigen Jahre einige wichtige Schritte gewonnen. Ueber die
Frage, wann und wo das Ablegen der Eier dieser Insekten statt-
fände, giebt eine Beobachtung Pickering’s' (in dem Transaet.
of the Ent. Soc. of Lond. I. p. 63.) in soweit einigen Auf-
schlufs, als aus ihr erhellt, dafs die Eier der Rhipipteren nicht
auf die vollkommen entwickelten Individuen der von ihnen be-
wohnten Hymenopteren abgelegt werden können. P, grub näm-
lich im Winter Andrenen aus, und fand bei Andrena tibialis in
Anschwellungen der Hinterleibssegwente vollkommen entwickelte
Stylops. Da die Andrena frisch entwickelt und ihre Zelle, in
der sie gefunden wurde, und in der schon Puppe und Larve
eingeschlossen gewesen, vollkommen unverletzt war, liegt der
Schlufs sehr nahe, dals die Eier der Stylops an das Ei der An-
drena gelegt sein müssen. Die bei der Andrena tibialis gelun-
dene Stylops- Art ist neu, zeichnet sich durch Grölse, dunkelge-
färbte, von schwarzen Nerven durchzogene Flügel, schräg vor-
gezogene Spitze des ersten Fühlergliedes u. s. w. aus, und ist
Stylops Spencei benannt worden.
Die von Pickering aufgefundene weibliche Andrena be-
herbergte drei Individuen des Stylops, eins vollkommen ent-
wickelt, und ein zweiles im Larvenzustande war von P. selber,
entfernt worden: die Andrena mit dem dritien Exemplar, gleich-
falls einer Larve, theille P. zur näheren anatomischen Unter-
suchung an Westwood mit, die diesem eben so unterrichteten
als feinen Beobachter folgende werthvolle Resultate gab. Der
Körper der Siylops-Larve steckt im Innern des Hinterleibes der
Biene, und nur der flachgedrückte hornige Kopf tritt vor, und
323
liegt zwischen zwei Hinterleibsringen. Zwischen dem Kopfe
und Körper der Stylops-Larve wird durch eine Einschnürung
eine Art Hals gebildet, und an dies®r Stelle befestigt ein fei-
ner Faden die Schmarotzerlarye mit dem Hinterleibe der Biene.
Zur Verwandlung streift die Nymphe die Larvenhaut nicht ab,
daher aulser Jurine Niemand die eigentliche Puppe beobachtet
hat. Die Eingeweide des Hinterleibes fand W. bei der unter-
suchten Biene, die drei Stylops genährt halte, bedeutend ge-
ringer als bei anderen Individuen, und die Eierstöcke voll-
kommen atrophisch. (Wobei aber in Betracht zu nehmen ist,
dals die Biene ganz frisch entwickelt war, und dafs namentlich
die Eierstöcke in diesem Zustande noch sehr zurücktreten, wes-
halb Ref, darauf aufmerksam machen möchte, dafs man aus die-
ser Beobachtung den Schlufs noch nicht ziehen darf, dafs Be-
haftetsein mit Rhipipteren bei den Hyınenopteren Verkümme-
rung der Geschlechtsorgane zur Folge hätte.) Hinsichtlich der
Ernährung der Stylops-Larve theilt Westwood nach diesen
Beobachtungen die Ansicht Kirby’s, dafs sie durch Hauteinsau-
gung stattfinde. (Wäre der hornige vorragende Theil wirklich
der Kopf, könnte es nicht anders sein, aber das ist noch nicht
festgestellt.) Die systematische Stellung der Rhipipteren betref-
fend, weist Westwood den Versuch Newman’s, sie bei den
Dipteren unterzubringen, als in jeder Hinsicht unstatihaft und
verfehlt nach, und glaubt eher einige Annäherung an die Lepi-
doptera, namentlich im Bau des Mundes zu bemerken. ( Trans-
act. of the Ent. Soc. of Lond. I. p. 169.)
Eine andere neue Art dieser Abtheilung, der Gattung Elen-
chus angehörend, beschreibt Westwood unter dem Namen
E. Templetonii. Sie wurde von Templeton auf der Insel
Mauritius gesammelt und zwar in der Nähe zweier Wespen-
(Polistes-) Arten, einer gelben und einer schwarzen, auf Disteln
und niedrigen Kräutern schwärmend.
Lepidoptera.
Als Fortsetzungen früher angefangener Schriften über diese
Familie im Allgemeinen sind zu erwähnen:
324
In Deutschland:
€. F. Freyer, Neue Beiträge zur Schmetterlingskunde, mit Abbil-
dungen nach der Natur. Heft 28 — 34.
Fischer, Edler v. Röslerstamm, Abbildungen zur Berichtigung und
Ergänzung der Schmetterlingskunde, bes. der Microlepidopterolo-
gie, als Supplement zu, Treitschk. und Hübn. Europ. Schmet-
terlingen. Heft 5, 6.
In Frankreich:
Histoire naturelle des Lepidopteres ou papillons de France par Go-
dart, continuee par Duponchel, tom. 9., 10. Nocturn. tom. 6.,
livr. 12 — 15., tom. 7., ior. 1— 7.
Supplement a hist. nat. des Lepidopteres ou Papillons de France
par M. Duponchel, tom. 2., livr. 4 — 6., tum. 3., lior. 1—3.
lconographie des Chenilles, pour faire suite a l’ouvrage intitule: Hi-
sioire des Lepidopteres ou Papillons de France, par M. Du-
2 ponchel, tom. 1l., livr. 16 — 21.
Wichtige Nachrichten über die Schmetterlinge Andalusiens
gaben A. Graslin und Dr. Rambur, der letztere bereits durch
seine Untersuchungen über die Korsische Schmetterlings- Fauna
auf das Vortheilhafteste bekannt. (Annal. de la Soc. Ent. de
France V. trim. 4.) ’
Graslin folgte dem Dr. Rambur 1835 nach dem Süden Spa-
niens, betrat dasselbe in Malaga, wo er in der letzten Hälfte des April
Thais Rumina, Pieris Glauce, Belemia, Daplidice, Eupheme
beobachtete ; die letzte war jedoch so wild und flüchtig, dafs er keines
einzigen Exemplares habhaft werden konnte; ferner Polyom. Ballus,
Boeticus, Satyr. Pasipha& und Ino, Euclidia monogramma
und Erastria Ostrina. Dann wurde in Gemeinschaft mit R. das Thal
von Granada untersucht, welches aber, sorgfältig angebaut, und bei dem
üblichen Abbrennen der Stoppeln und Ueberschwemmen der Felder
gleich nach der Erndte, arm an Insekten sich ergab, daher die Excur-
sionen hauptsächlich nach den einschlielsenden Höhenzügen, besonders
nach der höchsten Kette derselben, der Sierra Nevada, gerichtet wur-
den. Unter den auf diesem Alpen-gleichen Gebirge vorgekommenen
Schmetterlingen sind besonders bemerkenswerth Safryrus Hippo-
lite und Orgyia dubia welche, wie die oben erwähnte Pieris Eu-
pheme, bisher als im südl. Rulsland einleimisch bekannt waren. Sie
kommen auf $ der Höhe der Sierra Nevada vor, die Raupe der Orgyia
auf einem stachligen Giuster, die der Hippolite auf niedrigen Pflanzen
unter dichtem krüppelhaftem Gesträuch; letztere liegt vom October bis
zum Juni unter dem Schnee, und im August fliegt der Schmetter-
ling unter den herrschenden heftigen Stürmen. In derselben Höhe fan-
den sich Argus Dorylas, Corydon, und zwei neue, dem Arta-
325
xzerxes und dem Agestis verwandt; tiefer ein rieuer Satyrus, Boab-
dil Ramb., höher Parnass. Apollo, aber seiten, und Noctua Cata-
leuca Boisd.; auf den höchsten Punkten von 1500, Toisen nur noch
Vanessa Urticae. Unter den von ihın gesammelten Schmetterlingen
beschreibt Graslin folgende: Thanaos Cervantes, vom Due
angebl. durch etwas Hallentenllere Grölse, gestrecktere Flügel, stumpfere
Hinterwinkel derselben und dunklere Färbung unterschieden. (Die ge-
gebene Abbildung des Cervantes zeigt in diesen Punkten keinen merk-
lichen Unterschied von dem Portugisischen Tages unserer Sammlung.) —
Chelonia Zoraida, mit greisfleischlarbigen, schwarzgefleckten Flü-
geln. Die Ranpe war der der eivica ähnlich, und wurde auf der Sierra
Nevada und anderen Gebirgen in Anzalıl gefunden, die eingesammelten
Exemplare gingen jedoch alle vor der Verwandlung zu Grunde, bis auf
eine, die den beschriebenen Schmetterling lieferte — Orgyia du-
bia. — Ophiusa nubilaris, eine neue Art, die am Uler des Xenil
an Hecken flog. — Cleophana Cyclopea, ebenlalls eine nene Art,
von der nur 2 Exemplare um Lippenblumen schwärmend gefangen
wurden.
Dr. Rambur fand auf Sinapis incana und einer Raphanus- Art die
'Ranpe von Pieris Eupheme Esp. (Erothoe Ev. Menestho Menetr.), die
sich von den übrigen Pieriden-Raupen, mit denen sie sonst übereinkam,
durch ihre kurze dicke Form unterschied. Die Puppe, kurz und ge-
drungen, wie die eines Satyrus, am Schwanze aufzehängt, aber doch
noch durch einen äufserst feinen Faden um den Leib gehalten, mit ei-
nem Netze umgeben. Diese Verhältnisse, die die Eupheme nahe an
Parnassius und Thais stellen, wie sie sie von den Pieriden entfernen,
veranlassen R. eine eigene Gattung Zegris für den genaunten Schmet-
terling zu errichten, der im vollkommenen Zustande noch besonders
durch den kurz und dick behaarten Kopf und die kurzen Taster sich
unterscheiden lälst. Eben so ist die Naturgeschichte eines kleinen Nacht-
schmetterlings von grolsem Interesse, die R. Anlangs in nicht geringe
Zweifel setzte. Er land im Juli auf den Vorbergen der Sierra von An-
tequera aul einer Art Ginster eine Raupe, die denen von Procris sehr
glich, und von der er mehrere Individuen sammelte, die aber alle star-
ben, bis auf eine, die sich ein Gespinnst machte, und in demselben eine
Art Verwandlung zu untergehen schien, nach Kurzem aber wieder zum
Vorschein kam, der früheren Raupe ganz gleich, nur olıne alle äufseren
Organe. Im nächsten Jahre versäumte er nicht, feruere Beobachtungen
anzustellen, woraus sich dann Folgendes ergab. Die Raupen leben in
einer Höhe von mehr als 2000 Metres auf einem Ginster frei, halten
sich an den Spitzen der Zweige aul, und spinnen sich dort auch ein. Die
weibliche Puppe zeigt keine Spur äufserer Organe, wie auch das entwik-
kelte Weibchen ganz das Aeufsere der Raupe behält, und durch seine fast
unmerklichen Rudimente von Beinen und seinen verkümmerten Kopf noch
unvollkommener, und, wie R. sich ausdrückt, nur als ein auf Kosten
E
326
aller übrigen Organe ungewöhnlich entwickelter Eierstock erscheint.
Das Weibchen verläfst sein Gespinnst nicht, sondern wird vom Männ-
chen in demselben aufgesucht, und befruchtet, legt seine Eier in demsel-
ben und stirbt. Hält man das Männchen vom Gespinnst des Weibchen
ab, so kommt das letztere daraus hervor, und kriecht mit Slörmig ge-
krümmten Leibe umher. Ein Vergleich mit Psyche liegt sehr nahe,
eben so nahe auch der Unterschied, da die Raupen von Psyche Sackträ-
ger sind. Die Männchen haben auch in den halbdurchsichtigen Flügeln
eine Analogie mit Psyche, sonst gleichen sie den Proeris, und zeichnen
sich sehr aus durch ein ein einzelnes Dornenpaar an den hinteren Schie-
nen. (Sie könnten auch wohl mit Litkosia verglichen werden, denen
auch eine Anzahl Americanischer Species ohne Dornen in der Mitte
der hinteren Schienen sich anreiht.) R. nannte diese neue Gattung,
deren Kennzeichen aus dem Obigen hervorgehen, Heterogynis. Er
brachte davon zwei Arten mit, beide etwa von der Gestalt der Procris
Globulariae, aber zarter gebaut, mit blalsrothbraunen, fast glasartigen,
dünn behaarten Flügeln, die eine H. paradoxa mit längeren, die an-
dere H. affinis mit kürzeren Fühlern, die letztere aulserdem noch
durch gestrecktere, dichter behaarte Flügel unterschieden. Dieser H.
affinis gleicht eine ‚Heterogynis von Barcelona (H. Hispanica),
und ist vielleicht dieselbe, nur scheinen die Fühler etwas länger zu sein.
Eine vierte Art endlich, die in den Alpengegenden des südlichen Frank-
reich einheimisch ist, findet sich im Hübner als Tinea penella (n. 447.)
abgebildet. — Von der in seinem ebenfalls in den Schriften der französi-
schen entomologischen Gesellschaft niedergelegten Bericht über die Cor-
sische Schmetterlings- Fauna gegründeten Gattung Trichosoma' (einen
Namen Trichiosoma hat Leach bekanntlich an eine aus dem Cimbex
lucorum gebildeten Gattung verwendet) beschreibt R. eine neue Art
Tr. Boeticum, der C'helonia Plantaginis in der Färbung, besonders
der Vorderflügel nicht unähnlich, aber nicht ganz so grols. Zu Gat-
tungscharakteren von Trichosoma waren früher die fehlenden oder nur
als Stummel vorhandenen Flügel bei dem Weibchen benutzt worden, in
Rücksicht jedoch darauf, wie in manchen Gattungen anderer Ordnungen,
und selbst bei den Schmetterlingen unter Orgyia, bei verschiedenen Ar-
ten die Flügel bald fehlten, bald mehr oder weniger entwickelt wären,
nimmt R. diesen Charakter zurück und stellt dagegen zwei andere auf,
die die Gattung ohne Zweifel fester begründen, nämlich die trichter-
förmige Gestalt der Vorderschienen und das Fehlen des zweiten Dor-
nenpaares an den hinteren Schienen.
Ueber einige Raupen des Südamerikanischen Festlandes
theilte Hr. Geh. Rath Klug aus einem Briefe des Hrn. Moritz
einige Notizen mit, die dann von noch grölserem Interesse sein
werden, wenn die Schwetterlinge, denen sie angehören, bestimmt
sein werden. $. dieses Archiv Jahrg. II. p. 303.
327
Bei den Männchen mehrerer Colias-Arten hat Boisdu-
val am Vorderrande der Hinterflügel eine Art Tasche entdeckt,
die sich bei verschiedenen Arten verschieden verhält: sehr deut-
lich ist sie z. B. bei Edusa, klein und linsenförmig bei Myr-
midone, bei Hyale und Chrysostheme fehlt sie. (Annal. de la
Soc. Ent. de France V. p. X.) '
Eine neue Art dieser Gattung beschreibt Lefebvre ebend.
p- 383. pl. 9. Sie ist der Edusa ähnlich, die Oberseite ist aber
mehr grünlich angeflogen, die Unterseite hat nur einen einzigen
kleinen weilsen Fleck in einem länglichen rothen Wisch auf
der Mitte der Unterflügel; der Saum der Flügel ist so roth wie
bei Palaeno. Sie ist auf Island einheimisch (auch in Labrador).
Auf derselben Tafel findet sich noch ein Schmetterling ab- +
gebildet, den Pierret unter dem Namen Anthocharis Douzi
vom Eupheno unterscheidet. P, hatte ein Dutzend Exemplare
dieses Nordafrikanischen Schmetterlings vor sich, die in folgen-
den Merkmalen übereinstimmtien. 1) Die schwarze Binde inner-
halb des rothen Fleckes auf den Vorderflügeln beim. Männchen
ist nicht so gerade wie bei Eupheno, und am Innenwinkel nicht
unterbrochen. 2) Der Grund der Unterseite der Hinterflügel
ist rein gelb, die Flecke darauf rostgelb und nicht zusammen-
hängend. 3) Der Halskragen ist röthlich.
Eine neue, sehr merkwürdige Gattung, die zu den Spinnern
in die Nähe von Lithosia gestellt werden soll, beschreibt Wes-
mael unter dem Namen Himantopterus, welcher auf die
besondere Gestalt der Hinterflügel, die sehr lang und schmal,
linienförmig, wie bei einer Nemoptera, sind. Die Fühler sind
fadenförmig, einfach gesägt. Spiralzuuge und Taster scheinen
zu fehlen. Die einzige Art, H. fuscinervis aus Java, ist rölh-
lich, die Vorderflügel sind bräunlichgelb, die Nerven und die
Hinterflügel braun; die Flügelspannung beträgt 15 Lin. (Bullet.
de l’ Acad. royal. des sciene. et belles lettres de Bruxelles. t. III.
p- 166. pl. 6. f. 3.)
Einige Nachtschmetterlinge aus hochnordischen Gegenden
sind von Lefebvre (Annal. de la Soc. Ent. de France V. p.
389. pl. 10.) beschrieben und abgebildet, nämlich 5 Eulen,
1 Spanner und I Zünsler aus den Gattungen Hadena, Anarta,
Larentia und Eudorea: H. Sommeri aus Grönland, H. exulis
328
aus Labrador, H. gelata eben daher, H. implicata aus Grönland,
A. algida (auch eine Hadena) und A. amissa aus Lappland,
letztere auch in Grönland einheimisch, L. Brullei aus dem ar-
etischen Amerika, E. borealis aus Grönland.
Beobachtungen über die Verwandlung der Tinea Harri-
sella (chenille du hamac) theilte P. Huber in den Mem. de
la Soc. de physig. et d’hist. nat. de Geneve, t. VII. p. 121.
pl. 1. 2. mit. Die Raupe lebt im August und September als
Minirraupe, vorzüglich in Kirschen-, seltener in Aepfel- oder
Birnbaumblättern, kommt zur Verwandlung aus ihrem Gange
heraus und sucht sich ein Blatt auf, welches schon eine Krüm-
mung hat, spinnt mehrere Ordnungen von Querfäden, um diese
zu sichern, und an der Stelle, wo sie ihren Kokon anbringen
will, überwebt sie zunächst den Grund, spannt zwei starke pa-
rallele Querfäden darüber, und befestigt dann ihren frei schwe-
benden Kokon (daher er mit einer Hangematte verglichen wird)
zwischen denselben so, -dals er mit einem schrägen Faden an
jedem Ende an jedem der beiden oberen starken Querfäden auf-
gehängt, und durch vier auf gleiche Weise nach dem Grunde
hingeführte Fäden in seiner Lage festgehalten wird.
Di ap eure:
Die Beschreibung der vom Capt. King auf den Küsten des
Südendes von Amerika, von Südbrasilien an bis Chile gesam-
melten Zweiflügler ist von Fr. Walker in den Transact. of
the Linn. Soc. XVII. p. 331 — 59. gegeben worden.
Es sind 78 Arten, unter denen neu: 2 C’hironomus, 2 Gonomyia?,
2 Tipula, 1 Sciophila, 1 Leia, 1 Platyura?, 1 Plecia, 1 Bibio, 1 Pan-
gonia, 3 Tabanus, 1 Xylophagus, 3 Asilus, 2 Empis, 1 Cyphomyia,
1 Paragus?, 1 Baccha, 3 Pipiza, 1 Helophilus, 6 Syrphus, 1 Erista-
lis, 1 Medeterus, 1 Stomoxys, 8 Tachina, 4 Sarcophaga, 3 Musva,
3 Anthomyia, 1 Lonchaea, 3 Tephritis, 2 Sciomyza, 1 Tetanocera,
1 Gymnopa.
Mit einer Aufzählung und Beschreibung der brittischen Di-
pteren hat Duncan in Jardine’s Magaz. of Zool. and Botan.
den Anfang gemacht. Im zweiten Hefte des Jahrganges 1836
ist die Familie Stratyomydae abgehandelt, aus der folgende
Arten in England vorkommen. an
Stra-
[
329
Stratyomys Chamaeleon, potamida, furcata, riparia, strigata;
Odontomyia argentata, ornata, felina, hydropota, hydroleon, vir:-
dula, trigina; Clitellaria ephippiufi; Oxycera pulchella, trili-
neata, muscaria, formosa, terminata, analis; Nemotelus uliginosus,
pantherinus, nigrinus, brevirostris; Sargus cuprarius, infuscatus, ni-
tidus, flavipes, Reaumuri; Chloromyia (Sargus sp. Meig.) formosa,
polita, flavicornis; Pachygaster ater, Leachii Curt. (mit Ausnahme
der letzten alle anderen unter obigen Namen von Meigen beschrieben.)
Das vierte Heft enthält den Anfang der Familie Tabani-
dae, von der aus der Gattung Tabanus folgende, sämmtlich
unter den angeführten Namen bei Meigen vorkommende Arten
in England einheimisch sind:
T. bovinus, autumnalis, micans, vittatus, tarandinus, bromius,
montanus, luridus, solstitialis, tropicus, rusticus, fulvus. — T. taran-
dinus ist aufgenommen, weil er in den Verzeichnissen brittischer Insek-
ten aufgeführt wird, ohne dafs jedoch über sein Vorkommen etwas Ge-
naueres angegeben wäre. Der Verf. hält es indels für nicht unmöglich,
dafs er im Norden Schottlands gefunden werden könne.
Eine neue Gattung Euthyneura aus der Familie der Hy-
botiden ist von Macquard aufgestellt, die sich von den ver-
wandten Gattungen durch einfache Hinterbeine, durch ein zu-
gespitztes, an der Spitze mit einer kurzen Borste besetztes End-
glied der Fühler, und besonders noch durch eine an der Wurzel
von einem geraden (nicht schrägen) Quernerven begränzte Di-
scoidal-Zelle der Flügel unterschieden wird. Die einzige Art,
E. Myrtilli, das Männchen 1, das Weibchen % Lin. lang,
grünlich-schwaärz, mit gelben Beinen, braunen Fühlern und gelb-
lich wasserhellen Flügeln findet sich im Mai häufig in der Blü-
then der Preilselbeeren. (Annal. de la Soc. Ent. de Franc. V.
p- 517. pl. 15. A.)
Von der Gattung Paramesia Maeq. (s. Suites a Buffon
£. 11. Suppl.) beschreibt Robert eine zweite in Belgien ein-
heimische Art, P. riparia, 2 Lin. lang, olivengrün, der Kör-
per unten und an den Seiten mit äufserst feiner, anliegender,
bläulich -silbergrauer Pubescenz, das Untergesiellt silberweils. Bei
Lüttich auf Bächen, über deren Oberfläche sie im Fluge sich Ed
$ .
wenig erhebt, dafs sie nur darüber hinzulaufen scheint. (Ann
de la Soc. Ent. de Franc. V. p. 537.) ©
Die in England vorkommenden Arten der Gruppe Sphae-
roceridae sind von Haliday genauer unterschieden. ( Entomol.
IH, Jahrg. 2. Band. 22
[3
330
Mag. N. 14.p. 315.) Die Gruppe entspricht der Meigen’schen
Gattung Borborus, die von Maequard in 8 Gattungen zer-
fällt ist, von denen 5 in England gefunden werden, nämlich:
Sphaerocera (Borb. subsultans Meig.) mit 5 Arten, unter de-
nen 2 neue; Borborus (z. B. B. nitidus Meig.) mit 9 Arten,
von denen ebenfalls 2 neue; Apterina, 1 Art (B. pedestris
Meig.); Limosina (z. B. B. limosus Meig.), 22 Arten, zur
Hälfte neu; und Heteroptera, 1 Art (B. pusillus Meig.).
Bemerkungen über verschiedene Brittische Zweiflügler theilte
derselbe ebendas. N. 17. p. 147. mit.
Hemipt eur «a.
Von dem Hahn’schen Werke über diese Ordnung: die
Wanzenartigen Insekten, erschien vom dritten Bande das
zweite, und von Heinrich Schäffer herausgegeben, das dritte,
vierte und fünfte Heft.
Die von Behn gemachte Beobachtung einer pulsirenden
Säftebewegung in den Beinen der jungen Larven von Noto-
necta (s. Jahresbericht von 1835. p. 298.) wurde von Wes-
mael wiederholt. Er sah sie mit einfacher und mit zusam-
mengesetzter Vergrölserung, es schien ihm aber mehr ein blo-
fses Auf- und Abströmen des Saftes zu sein, unabhängig von
Zusammenziehung von Klappen. Bei einer nochmaligen Beob-
achtung sah er keine Bewegung des Blutes, die er später wie-
der, wie das erste Mal, fand. Es hatte die Beobachtung der
mangelnden Thätigkeit in der Circulation bei kalter Witterung
statt. Auch Leon Dufour konnte die Bewegung des Blu-
tes nicht wahrnehmen — vielleicht unter ähnlichen Verhält-
nissen, (Bullet. de l’acad. royal. des sciences et belles lettres de
Bruxelles, t. III. p. 158.)
Eine neue Art der Gattung Halobates ist auf dem Atlan-
tischen Ocean zwischen Afrika und Amerika, 20° unterhalb des
Aequator gefunden, xon R. Tempeton beschrieben und nach
ihrem Entdecker H. Streatfieldana genannt worden. (Trans-
act. of ihe Ent. Soc. of Lond. I. p. 230. pl. 22. f. 4.)
In Lesson’s Illustrations de Zoologie finden sich einige
t
331
Hemipteren ‚abgebildet, namentlich 'in.-der 18ten Lieferung auf
der 53sten Tafel Ploiaria vagabunda Latr. aus dem südli-
chen Frankreich, die von dem nordenropäischen Cimex' vaga-
bundus Lin. sehr verschieden ist, und im 19ten Hefte auf der
55 — 57sten Tafel ‚eine Anzahl ‘Brasilischer Cicaden aus der
Familie der Membraciden, grölstentheils bekannte Arten unter
neuen Namen, wie Laporte in den’ Annalen der Französischen
Eutomologischen Gesellschaft V..p. VII. nachzuweisen versucht hat,
dessen Bemerkungen abeı noch 'einige Berichtigungen zulassen.
So ist Bocydium tintinnabuliferum Less. (pl. 55. 1. 1.) eine
dem B. globulare. (Centrot» glob. Fab.), :wolür Laporte ibn erklärt,
zwar verwandte, aber binreichend und ‚beständig verschiedene Art;
Darnis scutelligera Less. (pl. 55. f. 2.), wie, Laporte tichlig
bemerkt, Centrotus ER. Fab., zur Gattung Hemiptycha Germ. ge-
hörend; Bocydium galeritum Less. (pl. 56. f. 1.), wohl neu, aber
kein Bocydium, sonderu ein Centrotus, dem.C. ancora.Germ. verwandt;
Tragopa Satanas Less. (pl. 56. £..2.), dem Jel. unbekannt, nach
Laporte seine Pterygia Maquarti, nach einer nahe verwandten Art
zu schlielsen eine Form der Gattung Membracis, wolür sie auch ‚Ger-
mar erklärte; Ranatra, eine neue Gattung (an Ranatra Fab. scheint
der Verf. nicht gedacht zu haben), die indels 'mitHeteromotus La-
porte zusammenfällt, von der zwei Arten abgebildet\sind: R.'becornis
(pl. 57. f. 1.) und R. glandifera (f. 2.). Beide leben zusammen bei
Rio Janeiro auf Bäumen und sind nach: der Ansicht, des Ref. die bei-
den Geschlechter einer Art, so dals R. glandifera das Männchen und
R. bicornis das Weibchen wäre, wenigstens geben die untersuchten
4 Ex. der ersteren und die 6 Ex. der letzteren dies Resultat; ein ähn-
liches Verhalten bat bei Hi inermis Lap. und flavolinentus Lap. statt,
nur sind die Formen der beiden Geschleehter weniger entwickelt und
daher auch weniger unterschieden. Dals Laporte’s Angabe, dafs R,
bicornis Less. einerlei mit seinem Het. flavolineatus wäre, nicht rich-
tig sei, geht schon aus dem oben Bemerkten hervor; eben so wenig
kann Membraeis horrida Fab, die Lesson als Synonym aufführt, wel-
cher Bestimmung Laporte seinen Beifall schenkt, nach Fabricius
Beschreibung, die mehr auf eine dem Het. spinosus verwandte Art hin-
deutet, hierher gehören. Dagegen ist das Weibchen von Burmeister
als das Weibchen von H. reticulatus in Silbermann’s Revue be-
schrieben, das von Burmeister als Männchen angenommene (verstüm-
melte) Ex. unseres Museums gehört offenbar einer anderen Art an.
Das Männchen (R. glandifera) ist Heteronotus nigricans Laporte.
.
22%
#
332
Die Linneische Gatiung T'hrips, von Latreille'zn den
Hemipteren gerechnet, ihm ‚aber hier des Baues des Mundes we-
gen anstölsig, von Straufs der Mundtheile wegen den: Or-
thopteren angeschlossen, wird von Haliday (Entomol. Mag.
III. p. 439.) zu einer Ordnung T’hysanoptera erhoben. Un-
vollständige Verwandlung, vier gleiche, ungenetzte, ungefaltete,
lang mit Haaren gefranzte Flügel, ein kurzer fleischiger Saug-
rüssel mit zweiborstiger Saugröhre und vier Tastern, blasige,
klauenlose Fülse sind die Charaktere. — Die Mandibeln sind
borstenförmig und legen sich an der Spitze zusammen, um die
zweiklappige Saugröhre zu bilden. Die Maxillen sind platt, vier-
eckig, ohne Theilung oder Gliederung mit dem Mentum ver-
wachsen. Die Unterlippe zeigt deutlich eine gesonderte Ligula.
Unterlippe sowohl als Maxillen haben jede ihre Taster. — Die
hierher gehörenden Arten sind ‘nicht so übereinstimmend gebil-
det, als man bisher angenommen. Der Verf. theilt sie in zwei
Abtheilungen, drei Familien und sechs Gattungen.
l. A. Tubulifera: Weibchen ohne Legeröhre.
1) Phlaeothrips.
U. Terebrantia: Weibchen mit vierklappiger Legeröhre.
B. Stenelytra: Legeröhre abwärts gekrümmt.
2) Heliothrips (Körper genetzt), 3) Sericothrips
(Hinterleib behaart), 4) Thrips (Körper ganz glatt).
€. Coleoptrata: Legeröhre aufwärts gebogen.
5) Melanthrips (Fühler 9gliedrig), 6) Aeolothrips
(4 letzte Glieder nicht gesondert.) (Die Benennungen
der Gattüngen sind gegen Linn. Phil. Bot. $. 225.)
Aufgezählt werden als in England vorkommend von Phlaeothrips
7 Arten, darunter TAr. alculeata und Ulmi F.; von Heliothrips
1 Art, H. Adonidum, in Treibbäusern gemein und schädlich (schon
‚ früher von Bouch& als Thr. haemorrhoidalis beschrieben); von Se-
ricothrips 1 Art, S. Staphylinus, häufig in der Blüthe von Ulex Eu-
ropaeus; Thrips wird in 5 Untergatiungen getheilt: Aptinothrips,
ohne Nebenaugen und‘ Flügel; Chirothrips, Thorax vorn verengt, bei
den folgenden gleich breit; Limothrips, letztes Hinterleibssegment
beim Weibchen auf dem Rücken mit zwei Dornen; Belothrips, Füh-
lerstiel länger als das letzte Glied; Thrips, Fühlerstiel kürzer als das
letzte Glied. Die Arten sind folgendermalsen vertheilt: .Chirothrips,
1 Art, manicata; Limothrips, 2 Arten, denticornis und cerealium
(Thrips physapus Kirby); Aptinothrips, 1 Art, rufa Gleichen;
”
_
333
Thrips, 22 Arten, darunter Thr. vulgatissima (physapus De Geer) und
physapus Lin.; Belothrips, 1 Art, acuminata. Die Gattung Me-
lanthrips enthält nur 1 Art, obesa; , deolothrips spaltet Rich wie-
der in die Untergattungen Coleotkrips, mit breitem Halsschilde und
vollständigen Flögeln, oe Thr. fasciata L. und vittata gehören, und
Aelotkrips; mit eingeschnürtem Halsschilde und ee Flügel-
_ansälzen: A. albicincta.
In einem Nachtrage (ebend. IV. p.:145.) beschreibt H. TERN zwei
neue Arten von Phlaeothrips: P. Ulmi und Pini.
Insekten, in Bernstein.
Eine Uebersicht aller bekannt gewordenen in Bernstein und
Anime eingeschlossenen Insekten ist von F. W. Hope in den
Transact! of the Ent. Soc. of Lond. I. p. 133. gegeben worden.
Im Allgemeinen läfst sich aus dieser verdienstlichen Arbeit nur
das Resultat herausheben, dafs ‚die Arten von den jetzt leben-
den specifisch verschieden sind und auch die in Bernstein sich
mehr den exotischen als einheimischen annähern. Die tabella-
rische Aufzählung der eingeschlossenen Insekten nach den Gat-
tungen in der Reihenfolge des Systems ist sehr übersichtlich.
Die geringere Zahl der aufgezählten. Stücke ist in Bernstein, die
grölsere in Anime eingeschlossen.
Ueber in Bernstein eingeschlossene Blatten hat Berendt
in den Annal. de la Soc. Ent. de France, V. p. 539. pl. 16.
seine Untersuchungen mitgelheilt. Die Mehrzalıl der Individuen,
nämlich 17 von 22, sind in früheren Zuständen, und von den
auf der angeführten Tafel abgebildeten 7 Stücken sind nur
2 geflügelte Individuen, eines eine vom Bernstein ausgefüllte
Nymphenhaut. Das kleinste Stück, eine eine Larve, hat die
Größse eines Hanfkorns, das grölste 1 Zoll Länge. Die Figu-
ren scheinen sehr genau und doch. nicht, zu bestimmt gezeich-
net zu sein, doch ist es wohl eine Täuschung, wenn der: Verf.
bei der erwähnten hanfkorngrofsen Larve 6 Fufsglieder gesehen,
eben so beschränken sich die vom Verf. beobachteten Läppchen
an den Fülsen der einen vollkommen gellügelten Art auf die
Fufsglieder, wenigstens kommen bei den heutigen Blatten an
der Spitze der Schienen keine dergleichen vor.
4
*
334
Nachtrüglich..ist: noch »aufser ru im: en BaaB erschiene-
nen Fottsetzungen von . u
Germar, Fauna Insect. „Eitopae (Fase., rt
und
Panzer, Bentarklackki, ıIngekt., fortgesetzt von Heinrich
Schäffer (Hit. 137 — 139.), :
vorzüglich 'einesgröfseren Werkes: sn
Histoire natürelt!'des Inseetes, par Audouin et Brulle.
von dem während des Druckes dieses Jahresberichts die drei
1836 erschienenen Lieferungen eingegangen sind, zu gedenken.
Von dem allgemeinen Theile, dessen Bearbeitung Audouin über-
nommen,’ist hoch immer nichts erschienen, von den zuletzt her-
ausgekommienen-Lieferungen enthält ’die eine die Fortsetzung der
Colkopteres,die anderem, ‚beiden die: rad und a
re rn
"Die Yinkteyaklaien erste‘Hälfte des 6ten Bandes des 'ganzen Werkes,
des 3tem der ‚Käfer, ‚entbält, den «Schlufs «der im vorigen Bande ange-
fangenen Abtheilung ‚der Clayicornen, ‚und zwar zunächst ‚die (Ste)
Familie der Silphen mit den Gattungen Necrophorus, Silpha,
worunter der Verf. Necrodes, De und Phosphuga vereinigt,
dann Necrophilus, Agyktes und Siphaerites als Untergattungen
von’ Silpha'(Sphiaerites gewils mit Unrecht, um so mehr, als der Verf,
selbst Gyllenhall’s Meinung, dafs er näher. mit Nitidule | verwandt
sei, ‚beipfliehtet.) ‚Die, Tte;Fam., Scaphidien mit Scaphidium und
Choleva (wo es wohl nicht anlers. als auf einem Versehen beruhen
kann, wenn Chol. oblonga als Typus von Myloechus Latr. beschrieben
wird). ‘Die Ste Fam., Plelsphen mit Mastigus Scydmaenus,
Pselaphus, letztere alle: ‘Gattungen der A ub@”schen Monographie um-
fassend,..mit Ausnahme von -Claviger‘ und Artieerws. Die folgende
Tribus, Brachelytr« ist hauptsächlich nach.Mannerheim’s Anord-
nung bearbeitet,, und theilt sich in die folgenden Familien. 1) Sta-
phylinen, eine Gattung gleichen Namens mit den Untergatt. Astra-
paeus, Oxyporus, Hachälodes; Velleius, Platyprosopus, Xantholinus
(wohin' der Verf. mit Recht‘ den Eulissws 'chalybeus Mann. rechnet),
Sterculia, Oryptobium,‘Datrobium, Pityophilus (Pinophilus: Grav., —
eine unglückliche Emendation des Verf,, der ‘mit wohlgemeinten, Eifer
ein hybrides Wort ausmerzen wollte, ao dem das griechische Wort zıvag
fremd geblieben sein muls). — 2) Stenen, Gatlongen Paederus mit
Paederus und Shlicus (Rugilus [Diese sind die eigentlichen Stilieus,
die Lithocharis rechnete Lätr. zu Lathrobium, Astenus zu Paederus],
Lithvcharis und Astenus) als Untergatt., und Stenus mit den Unter-
gattungen Stenus, Dianous (hier wird ein zweilappiges vorletztes Fuls-
335
glied als Charakter aufgeführt, welches wohl bei einer grofsen Anzahl
der eigentlichen Stenus, bei dem D. coeruleseens aber nicht zu finden
ist) und Euaesthetus. — 3) Oxytelen, Gatt. Piestus mit den Un-
tergatt. Osorius, Leptochirus, Piestus, Prognatha, Coprophilus und
Oxytelus (worunter die so natürlichen Mannerheim’schen Galtungen
Bledius u. s. w. nieht weiter unterschieden werden). — 4) Omalien,
die Gattungen Omalium und Protinus, erstere mit den Untergalt.
Lestera und Omalium, die zweite durch Phlaeobium Dej. erweitert. —
5) Tachinen, die beiden Gattungen Tachinus und Tachypo-
rus, so wie Gyllenhall sie von Gravenhorst angenommen hat. —
6) Aleocharen, nur die einzige gleichnamige 'Gattang,, 'mit den Un-
tergaltungen Gymnusa, Trichophiya und Callicerus.
Die 5te Tribus, Serrieornen enthält die’ Fam.: 1) Lymexy-
len, Gatt. Atractocerus, Lymexylon mit den Untergatt. Hyle-
coetus, Cupes. — 2) Ptinen, Gatt. Ptinus mit den Untergatt. Gib-
bium, Ptinus und Hedobia; Anobium mit den Untergatt, Prilinus,
Xyletinus, Dorcatoma und Anobium. — 3) Cleren, Gatt. Clerus,
ÜUntergatt. Cylidrus, Tillus (womit auch Thanasimus Late. und Prio-
cera Kirb. vereinigt werden), Clerus, Necrobia, Opilo, Enoplium, Eu-
rypus (hätte Kirby’s Ex. Hinterbeine gehabt, würde dieser Käfer nie
in diese Familie gerathen sein, denn er gehört zu den Heteromeren ). —
4) Malachien, Gatt. Dasytes mit den Untergait, Dulichosoma (Das.
linearis), Prionocerus, Pelecophora, Laius (von Gu&rin in der Reise
von Duperrey beschrieben, wie es scheint Malachien mit verdiekten
ersten Fühlergliedern, die Westwood mit dem Namen Megadeute-
rus bezeichnete) und Diglobicera (dem Verf. nur nach der kurzen No-
tiz von Latreille bekannt); Malachius und Telephorus mit den
Unterzatt. Tylocerus, Telephorus, Chauliognathus und Malthinus. —
5) Lampyren, Gatt. Drilus mit Malacogaster Bassi; Lampyris
mit den Untergatt, Phengodes und Amydetes; Lycus mit der Unter-
allung Omalisus. — 6) Rhipiceren, Gatt. Seirtes (nicht Scyrtes)
it der Untergatt. Elodes; Nycteus mit der Untergatt. Eubria (diese
Zusammenstellung ist wohl wenig natürlich); Prölodactyla Latr.;
Rhipicera; Ptyocerus (Microrhipis Guer., Eurhipis und Megarhi-
pis Latr., also nicht Ptyocerus Latr.); Callirhipis Latr.; Daseil-
dus; Cebrio. D)
Im Ganzen scheint der Verf. mehr als in den früheren, namentlich
den ersten Lieferungen, sich darauf zu beschränken, in der Familie die
Hauptformen, die bekanntesten und hanptsächlichsten Gattungen hervor-
zuheben, und darin, wie er diesen die übrigen, zum Theil wohl begrün-
deten, unterordnet oder ganz mit ihnen vereinigt, oft zu weit zu gehen.
Die Gründe dieses Verfahrens sind nie dargelegt, und überhaupt sind
die Charaktere der Gattungen und selbst der Familien nur durch ein-
zelne Merkmale sehr leicht angedeutet. Die in jeder Familie gegebene
tabellarische Uebersicht über die Unterschiede der Gattungen sind sehr
336
übersichtlich, aber oft nicht ganz richtig (z. B. sollen bei Dasytes die
Klauen ohne häutigen Anhang sein, welches bei einer Reihe von Arten
nicht zutrifft, so werden bei Dorcatoma die Fühler als 9-gliedrig an-
gegeben u. s. w.). Etwas genauere Untersuchungen und tielferes Ein-
dringen in die zu behandelnde Materie mulsten aber auch ganz von der
Hand gewiesen werden, wern das Unternehmen so rasch, als es ge-
schehen, vorschreiten sollte.
Auslührlicher wieder und mit sorgfältiger Benutzung der neueren
Arbeiten über diese Ordnung sind. von Brull& die Orthopteren
bearbeitet, die mil den Hemipteris heteropteris den 9ten Band des gan-
zen Werkes ausmachen. Bei den Orthopteren sind die sechs von La-
treille aufgestellten Familien um eine vermehrt, indem die Phasmen
von den Mantiden getrennt sind.
1) Forfieulen, der Verf. verwirft alle von Sarrülle aufgestell-
ten Gattungen, daher die einzige Gatt. For ficula, in der nur For-
fieesila und Forficula als Alice nieht einmal als Untergattungen
geschieden werden.
2) Blatten, ebenfalls die einzige Gatt. Blatta, aber mit den
Untergatt. Blatta (mit den Abtheil. Blaberus, Blatta, Panestia, Ka-
kerlac Serv.), Pseudomops Serv. (dieser gegen alle Etymologie zusam-
mengeselzte Name wäre wohl zu ändern gewesen), Polyphaga Brull.
(Blatta Aegyptica L., von Br. wegen des schräg abgeschnittenen End-
gliedes der Taster abgesondert, sonst auch in mehrerer Hinsicht sehr
ausgezeichnet; die von unserm Verf. als Larven angesprochenen Ind.
sind Weibchen); Corydia Serv. und Phoraspis Serv.
3) Mantiden, wiederum die einzige Gatt. Mantis mit den Un-
tergattungen Heteronytarsus, Eremiaphila Lelebyr. und Mantis, in wel-
cher letzteren der Verf. keine einzige der Serville’schen Gattungen
gelten läfst, und selhst Empusa nur als Abtheilung aunimmt.
4) Phasmen, Gatt. Phasma, Untergatt. Cyphocrana Sery. ( Pla-
tycrana, Acrophylla, Ctenomorpha, Acanthoderus, Diapherodes, Phiba-
losoma Gray), — Aplopus Gray, — Bacteria Latr. (Cladomorphus,
Prisomera, Bacteria Gray, womit Br. vorläufig auch noch Diaphero-
mera, Anisomorpha, Lonchodes und. Heteronemi« Gray vereinigen
möchte), — Cladoxerus Serv., — Bacillus Latr. (vielleicht Linocerus
Gray), — Pachymorpha Gray, — Eurycantha Boisd. (vielleicht Hete-
ropteryx Gray), — Tropidoderus Gray (wozu Podacanthus, Ectato-
soma, vielleicht auch Xeroderus Gray), — Phyllium Il., — Prisopus
Serv. (vielleicht Platytelus Gray), — Xerosoma Serv. (vielleicht Di-
nelytron Gray), — Phasma Latr., — Perlamorphus Gray.
5) Locusten, Gatt. Locusta, Untergatt. Prochilus Brull. (mit
länglich-viereckigem Halsschild, sehr vorgestreckter Lelze, der ganzen
Länge nach behaarten Fühlern, wenig verdickten Hinterschenkeln; in
mancher Beziehung den Uebergang zu den Phasmen bildend, wovon eine
Art, P. Australis, aus Neuholland); — Pterochroza Serv., — Pseudo-
337
phyllus Serv., — Acanthodis Serv. (wozu noch Meroneidius Serv.), —
Platyphyllum Serv., — Polyancistrus Serv., — Mecopoda Scıv., —
Phyliophora Thunb. (wozu noch Hyperomala Serv., — Aspidonotus
Brull. (das Halsschild bedeckt den ganzen Hinterleib, davon eine Art
aus Madagaskar), — Phaneroptera Serv. (mit Einschluls von Steirodon
und Phyllioptera Serv.), — Scaphura Kirby, — Gymnocera Brull. ( wie
Scaphura, nur die Fühler an der Basis nackt, wovon die beschriebene
Art @. Lefeberei leicht mit Scaphura denuda Percheron (s. 0.) einer-
lei sein mag), — Xiphidion Serv., — Locusta (Locusta, Hexacentrus,
Copiphora, Agraecia, Exocephalus Serv., Anisoptera Latr., Conocepha-
Tus Thunb.), — Decticus Sery., — Meconema Sery., — Acripeza
Gu£r., — Bradyporus Charp., — Barbitistes Charp., — Megalodon
Brull. (die Fühler auf der Oberseite des Kopfes eingelenkt: M. ensifer
n. sp. aus Ostindien), — Saga Charp., — Listroscelis Serv. ( Cerbe-
rodon Perty), Gryllacris Serv., — Schizodaetylus Brull. (Gryl. mon-
strosus Drury).
6) Gryllen, Gattungen @ryllus mit den Untergatt. Oecanthus
Sery., — Phalangopsis Serv., — Platydactylus Brull. (Gryli. Surina-
mensis Degeer mit stark erweitertem zweiten Fulsgliede), — Gryllus
(Acheta F.), — Sphaerium Charp. — Gryllotalpa mit der Unter-
gattung Cylindrodes Gray. — Tridactylus .Latr. mit der Untergatt.
Ripipteryx Newman (durch 2gliedrige Fülse und Mangel der 4 Anhänge
am Hinterleibe unterschieden).
7) Acridien, Gatt. Proscopia und Acridium, letztere mit
den Untergatt. Truxalis (mit Einschluls von Mesops und Opsomala
Seryv.), — Pamphagus Thunb. (mit Akicera, Porthetis, Xiphicera,
Tropinotus Sery.), — Trybliophorus Serv., — Dictyophorus Thunb.
(wozu Phymateus Thunb., Poecilocerus Serv. ( Decticus Klug), Petasia,
Romalea Serv ), — Pneumora Thunb., — Teratodes Brull. (Gryll.
monticollis Gray), — Monachidium Seryv., — Acridium (Gryllus F.,
Oedipoda, Podisma, Gomphocerus Latr., Calliptamus, Oxya Serv.), —
Phlocerus Fisch., — Ommezxecha Serv., — Tetrix Latr.
Bei der Bearbeitung der Hemipteren folgt Brull& gleichfalls den
neueren Arbeiten, namentlich denen von Laporte und Burmeister,
und zwar hat er von letzterem die Familieneintheilung aufgenommen,
ersterem aber schreibt er mehr Pakt in der Feststellung der Gattungen
zu. Auch hier ist überall das Bestreben deutlich, die vielfach geworde-
nen Spaltungen möglichst wieder zu vereinen, daher wieder vielfaches
Zusammenziehen von Gattungen, zuweilen mit Glück, ölter auch gewalt-
sam, In der Anordnung der Familien ist der Verf. von seinen Vorgän-
gern abgewichen, wobei ihm die Idee zum Grunde gelegen zu haben
scheint, die Wasserwanzen nicht zwischen die Landwanzen und Cica-
den zu stellen, zu denen sie sonst durch die Notonecten in der Form
und besonders auch in der Bildung des Kopfes einen so natürlichen
338
Uebergang zu machen scheinen. Die sämmtlichen Heteropteren bilden
11 Familien. !
1) Notonecten, Gatt. Corixa, Notonecta mit der ÜUntergat-
tung Ploa.
2) Nepen, Gatt. Ranatra, Nepa, Belostoma (mit Einschlufs
von Diplonychus Lap.), Naucoris.
3) Galgulen, Gatt. Galgulus (mit Mononyx), Pelegonus.
4) Leptopoden, Gatt. Aranthia, Leptopus.
5) Velien, Gatt. Yelia mit den Untergatt. Mierovelia (Hydro-
essa Burm‘) und Hebrus Westvw.. Gerris (Hydrometra Burm., mit
Einschluls von Halobates Esch.), Hydrometra (Limnobates Burm.).
6) Reduvien, Gatt. Ploiaria mit Emesa; — Reduvius mit
den Untergatt. Zelus (Harpaector, Prionotus Laporte, Myocoris, Eva-
goras, Notoeyrtus, Arilus Burm.), Apiomerus, — Reduvius (Platyme-
ris, Macrophthalmus, Hammatocerus, Tapinus, Prostemma Laporte,
Spiniger, Tiarodes Burm., Opsicoetus, Pachynomus Klug, Eetrichodia
Lepell., Nabis Latr.), — Stenopoda Laporte (Pygolampis Germ., On-
cocephalus Klug.), — Petalochirus, — Conorhinus, — Cimhus, —
Holotrichius Burm., — Lophocephala Lap., — Holoptilus. Lepell.
7) Araden, Gatt, Cimex, Aradus mit der Untergatt, Brachy-
rhynchus,(mit Dysodius und Areurus); — Tingis mit den Untergatt.
Tingis (wohin Monanthia Lepell., Piesma Lap., Dietyonota Curtis., —
bei Piesma geben Laporte und auch Burmeister ein unbedecktes
Seutellum an, Brull& bemerkt aber ganz richtig, dals beide den das
Schildchen bedeckenden Fortsatz des Halsschildes, durch seine gelbe Fär-
bung getänscht, für das Schildchen angesehen haben müssen), — Eu-
rycera Lap., — Piesma Lepell. (Zosmenus Lap, Zosmerus Burm.); —
Phloea Lepell. (Phloeocoris Burm.); — Phymata (Syrtis F.) mit
der Unterzatt. Macrocephalus.
8) Coreen, Gatt. Neides (Berytus), Coreus mit den ÜUhter-
gattungen Merocoris Perty (Harmostes Burm.), — Corizus Fall. (Rho-
palus Schill., Leptocoris Burm.), — Pseudophloeus Burm. (Atractus
Laporte), — Coreus ( Syromastes, Gonocerus Latr., Phyllomorpha, Chon-
drocera, Chariesterus Laporte, Merocoris, Oriterus Hahn, Homoeocerus
Burm.), — Coreocoris Hahn (Menenotus, Spartocera Laporte, Spar-
tocerus, vielleicht Discogaster und zum Theil auch Orinocerus Burm.); —
Anisoscelis mit den Untergatt. Mictis Leach. (Crinocerus Burm.,
Acanthocerus Beauv., Hymenophora Laporte), — Pachylis Lepell., —
Anssoscelis (wohin Acanthocephalus Laporte oder Diactor Burm., Pa-
ryphes Burm., Nemotopus und Leptocorisa Latr., Myodochus und Co-
lobathristes Burm., endlich Alydus Fab. und Hypselopus Burm.), —
Copius Thunb. (Holymenia Latr.), — Hypselonotus Hahn, — Steno-
cepkalus Latw. (nebst Mierelytra Lap., Actorus Burm.), — Meropachys
Laporte (Pachymeria Lap., Archimerus Burm.).
9) Lygaeen, Untergatt, Astemma, — Acinocoris Hahn, — Zy-
339
gaeus, — Cymus Hahn, — Salda F., — Aphanus Lap. (Pachymerus
Lepell., Platygaster und Heterogaster Schill., Microtoma Lap., viel-
leicht auch Blissus Burm, auch noch Leptomeris und Pedeticus Laporte,
Hylophila Steph., Nylocoris Dufour u. s. w.), Myodocha Latr.
10) Sceutelleren, Untergatt. Tessaratoma Lepell. (Oncomerus,
Eusthenus, Dinidor Laporte, Dinocoris, Amaurus Burm., Agapophyta
Guer., Atelocera Laporte), — Pentatoma Latr. (wohin Edessa, Ha-
Iys F., Acanthosoma Curtis w s. w.), — Sciocoris (mit Discocephala,
Dryptocephalus Lap., Storthia Periy), — Cydnus (mit Cephalocteus
und Scaptocoris), — Stiretrus Laporte (mit Discocera Laporte), —
Scutellera Latr. ( Tetyra und Aelia F. u. s.. w., — dals Aelia acumi-
nata sich hier anreihe, ist auch die Ansicht des Ref., wie Tetyra ni-
grolineata und semipunctata F. sich näher den Pentatomen anschlie-
Isen möchten), — Odontoscelis Lap., — Peltophora Burm., — Augo-
eoris Burm., — Platycephala Laporte (Thyreocoris Burm. und Co-
ptosoma Lapotte).
11) Miriden, Untergatt. Heterotoma Lätr., — Miris F. (mit Phy-
tocoris Fall. und Capsus Fab.), — Eurycephala Laporte (Halticus,
Altus Hahn, Labops Burm., Astemma Latr.).
Verzeichnils
der
im Jahresberichte erwähnten Natarforscher.
A.
Agardh 89.
Agardh jun. 101.
Agassız 241. 273.
d’Alton 230.
Ascherson 107,
Asmus 304.
Audouin 247. 302. 304.
B.
Babington 293.
Bachmann 198.
Back 110. 136.
v. Bär 175. 192. 193.
Baird 247.
Ball 190.
Bassı 107.
Bell 244.
Bennett, Debel 192.
Bennett, E. T. 152. 171.
181.
Bennett, G. 269.
Berendt 333.
Berthelot 138.
Berthold 135.
Bevan 321.
Bibron 221. 224.
Blainville 147.
Blanchard 293. 294.
Blyth 195,
Boie 316.
Bodichon -160.
Boisduval 287. 327.
Bonafons 124.
Bonaparte, Ch. 139. 223.
Boudier 316.
Bouillet 268.
Boussingault 123,
Bowerbank 314.
Brandt 154. 167. 183.
277. 283.
Brebisson 25.
Bree 234.
Broderip 271. 272. 273.
Bruck 105.
Brulle 291. 295. 334.
Buckingham 95.
Buckland 95.
Bujack 174. 186.
Buquet 296.
Burmeister 293.
Burow 258.
Burton 207. 229.
Buzareignes, Girou de
43. 69.
C.
Cantraine 248. 268. 269.
270. 271. 272.
Carrara 294.
Castelneau 286.
Cautley 189.
Chantereau 268.
Chevrolat 295.
Children 136.
Clift 175.
Cocteau 228. 229.
Colin 122.
Colladon 238.
Corda 69. 254.
Couch 244.
Coulon 166.
Creuzberg 37.
Crivelli 107.
Curling 256.
Cuvier 169. 170. 191.
D.
Dahlbom 315.
Dalyell 278.
Dana 247. 250.
Dassen 92.
Decandolle jun. 110.
Deshayes 267.
Deslongchamp 191.
Diesing 260.
Drewsen 241. 316.
Dufour, Leon 306.
Duges 249. 278.
Dujardin 280.
Dumeril 221. 224.
Dumortier 280.
Duncan 328.
Duponchel 324,
Dupont 305.
Durand 189.
Dutrochet 56. 59. 68. 92.
Duvernoy 153. 191. 201.
223. 230. 233. 244.
253. 258. .
E.
Eckström 234,
Edward 122.
Ehrenberg 23. 117. 252.
251. 275. 276. 279.
280, ‘
Eiselt 282,
Eisengrün 87.
Erichson 303. 308.
Eydoux 193, 203.
Eydoux - Deslongchamps
67. 68.
Eyton 190. 195. 203.
Everset 176.
F.
Falconer, Hugh. 189.
Farre 255.
Fee 106.
Feisthamel 304.
Fischer v. Röslerstamm
324.
Fitzinger 232. 239.
Flotow 120.
Focke 253. 280.
Fox 198.
de la Fresnayes 2. 12.
Freyer 324.
Fries 19.
Fries 234.
Fritsche 97.
€.
Gärtner 96.
Gaudichaud 42.
Gardener 89.
Gay 223. 252.
Gebauer 160.
Geoffroy, Isid. 211.
Germar 334.
Gervais 193. 203. 222.
230. 232.
Gilgenkranz 106.
Gistl 149. 308.
Goeppert 124.
Goldfuls 138.
Gory 286. 291. 294.295.
2%. »
Gould 205. 209. 212.
Gras 250.
Graslin 324.
Gray 154. 157. 161, 167.
183. 185. 268. 272.
Griesselich 49.
Gu£rin 246. 247. 282.
Gurlt 144.
u.
Haliday 315. 316. 329.
332.
Harmmerschmidt 254.
Harrison 256,
Heckel 239. 241.
Heer 114.
Held 268.
Henderson 105.
Henry 91.
Henslow 68. 89.
L’Herminier 202, 206.
Herrich - Schäffer 330.
334.
Herrick 247.
Hitschcock 202.
Hodyson 152. 155. 185.
Hodgkin 256.
van der Hoeven 173. 177.
Holbrook 221. 229. 231.
233.
Hope 35.
Hope,F.VV.250.303.333.
Houston 266,
Huber 328.
v. Humboldt 176.
Hünefeld 36.
J.
Jablonsky 51.
Jacob 181.
Jacquemin 202.
Jacquemont 137. 177.
242.
Jamison 122.
Jameson 197.
Jameson, Rob. 195.
Jardine 179.
Johnston 246. 248. 251.
252.
Jonicus 284,
K.
Kaup 177.
Keith 102,
v. Kittlitz 201.
v. Klippstein 177.
Klug 326.
Knight 54.
Koch 249.
Kollar 287.
Kröyer 236. 241.
245. 248.
Krohn 247.
Krynicky 271.
Küster 203.
Kunth 89,
L.
Laporte 331.
Leblond 254. 255.
264. 265.
244.
256.
341
Lefebure 327.
Lerebouillet 233,
Lesson 276.
Leuckart 248.
Lewis 315.
Lichtenstein 269.
Lienard 237.
Linari 238.
Lindblom 120.
Link 18. 33. 46. 81. 116.
Lingwood 139.
Löffler 203. 205.
Lorey 306.
Loudon 48,
Love 235. 242.
Lucas 250.
v. M. 307.
Maequard 329.
Mallert 102,
Marschall, Graf 308.
Martin 155. 156. 162.
165.
Martius 97.
Matteucci 238.
Meneghini 172.
Menetries 287.
Mertens 120.
Meyen 82. 102. 109.
115. 174.
Milne-Edwards 245.280.
Mohl 13. 20. 23. 27. 58.
63. 83. 84.
Moritz 122. 284, 326.
Morney 49.
Morren 21. 57. 95. 280.
Müller, J. 146. 160. 264.
266.
Mussehl 135.
N.
Nathusius 256,
Nees von Esenbeck 120,
Newman 291. 312.
Newport 320,
Nilsson 139, 151. 243,
0.
Ogilby 144. 161. 163,
179. 183. 187.
d’Orbigny 137. 268.
Ord 201. 207. 231.
Owen 146. 165. 269,
342
P.
Parnell 240.
Patterson 276.
Payen 247.
Pellegrinus 101.
Peltier 280.
Petit 271. 272. 273.
Percheron 282, 296.
Petrenz 257.
Philippi 118. 244.
Pictet 304. 310. 311.
Pickering 322.
Porro 270.
Presl 86. 89. 91. 104.
RB.
Rambur 324. 325.
Rathke 137. 143.
245. 246. 247.
270. 279.
Ravin! 192.
Reichenbach
161. 162,
Reid 164.
Reinhardt 236, 237.
Richardson 106. 136.
- 139. 237.
Riley 190.
Ritter 122. 161. 175.
Robb 270.
Robert 191. 269.
143,
Robineau-Desvoidy 294.
321.
Röper 84.
Rolsmäfsler 267.
Roulin 207.
Rousseau 231.
Rüppell 143. 157. 158.
160. 171. 179. 188.
208. 237.
Rusconi 238,
153.
222. 235. 237. 244.
257.
159.
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Saunders 289.
Schimper 105. _
Schjöte 292.
Schmidt, H. M. 307.
Schomburg 151.
Schouw , 120.
Schulze 135.
Schulze, Fr. FE. 36. 253.
Shukard 314. 318.
Seitz 117.
Selby 139. 194. 242.
Selys-Longchamp 168.
Serres, Marcel de 189.
Serville 309,
Shaw 241.
v. Siebold 129. 255. 256.
263. - 264. 265. 274.
279.
Smith, Andr. 228. 231.
Solier 290. 297. 306.
Sowerby 151.
Spence 293.
Stein 201.
Strickland 196. 212.
Stutchbury 226. 234.
Sturm, J 287.
Suriray 277.
Swainson 203.
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Tatem 177.
Taylor 198. 206.
Teale 280.
Temminck 221.
Templeton 243.252. 273.
276. 277. 278. 330.
Thompson 245.248. 274.
Towers 52.
Treviranus 93.
Troschel 269.
Tschudi 229.
Turpin 38.
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Unger 27. 40. 65. 112.
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Valentin 17. 30. 31. 136.
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Wagner, A. 142. 150.
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Webb, Barker 138. _
Wesmail 302. 303.312.
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Westwood 289. 306.309.
313. 319. 322. 323.
Whelpey 250.
Wickström 17.
Wiegmann sen. 37.
Williamson 105. 206.
Wood 203.
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