ARCHIV
fCr
NATURGESCHICHTE
GEGRÜNDET VON A. F. A. WZEGMANN.
IN VERBINDUNG MIT
PROF. DR. GRISEBACH IN GÖTTINGEN, PROF. von SIE-
BOLD IN ERLANGEN, DR. TROSCHEIi IN BERLIN, PROF.
A. WAGNER IN MÜNCHEN UND PROF. RüD. IV AGNER
IN GÖTTINGEN,
HERAUSGEGEBEN
vox
Dr. 17V. F. EHICHSON,
PROFESSOR AN DER FRIEDR1CH-\VII.HEI.?IS-U3f IVERSITÄT ZU BERLIN.
ACHTER JAHRGANG.
Winveitev Band.
ZOOLOGISCHE UND BOTANISCHE JAHRESBERICHTE.
BERLIN, 1842.
IN DER NICOLAI'SCHEN BUCHHANDLUNG.
Inhalt des zweiten Bandes.
Seitp
Pericht über die Leistungen in der Geschichte der Säugthiere
während des Jahres 1841. Vom Prof. A. Wagner in München 1
Bericht über die Leistungen in der Platurgeschichte der Vogel
während des Jahres 1841. Von Demselben 58
Jahresbericht über die Arbeiten für physiologische Botanik im
Jahre 1841 von H. F. Link 89
Bericht über die Leistungen in der Naturgeschichte der Amphibien
während des Jahres 1841. Von Dr. F. H. Troschel . . .168
Bericht über die Leistungen in der Naturgeschichte der Fische
während des Jahres 1841. Von Demselben . . . . • . 177
Bericht über die Leistungen in der Naturgeschichte der Insecten,
Arachniden, Crustaceen und Entomostraceen während des Jah-
res 1841. Vom Herausgeber 189
Bericht über die Leistungen in der Naturgeschichte der Annula-
ten während des Jahres 1841. Vom Prof. C. Th. v. Siebold
in Erlangen 331
Bericht über die Leistungen im Gebiete der Helminthologie wäh-
rend des Jahres 1841. Von Demselben 338
Bericht über die Leistungen in der Naturgeschichte der Mol-
lusken während des Jahres 1841. Von Dr. F. H. Troschel . 372
Bericht über die Forschungen in der Pflanzen-Geographie wäh-
rend des Jahres 1841. Vom Prof. Grisebach . 406
Der Jahresbericht über die Echinodermen, Medusen, Polypen und
Infusorien wird im nächsten Jahrgange nachgeliefert werden.
Bericlit über die Leistungen in der Naturgeschichte
der Säugthiere während des Jahres 1841.
Vom
Prof. Dr. A. Wagner in München.
Zahlreiche nnd wichtige Arbeiten im Gebiete der Therologie
sind nns seit unserem letzten Berichte zugekommen; darun-
ter einige, welche der Jahreszahl nach schon dem vorherge-
henden Bericlite angehört hätten, die aber nicht eher als jetzt
uns zugänglich geworden sind, und deshalb auch erst diesmal
zur Sprache gebracht werden können. Dagegen gehen uns
noch einige Schriften aus dem Jahre 1841 ab, welche daher
für den folgenden Bericht aufbehalten werden müssen. Bei
italienischen und transatlantischen Werken ist ohnedies
nicht daran zu denken, dafs man mit ihnen auf dem Laufen-
den sein kann, und so lange diese nicht an den Hauptstapel-
plätzen des Continental -Buchhandels, in Leipzig und Paris,
deponirt und von daher bezogen werden können, müssen ihre
Verfasser es sich selbst zuschreiben, wenn man von ihren
Leistungen nur sehr spät oder gar nicht Notiz zu nehmen
vermag. Mit Dank muss Ref. es rühmen, dafs die Königl. Hof-
und Staatsbibliothek dahier ihn in eben so grossartiger als
wohlwollender Weise mit dem nothwendigen literarischen Ap-
parate reichlich bedacht und dadurch die Fortsetzung dieses*
Jahresberichts ihm möglich gemacht hat.
Wir beginnen unser Referat wieder, wie das vorigemal,
mit den Werken allgemeineren Inhaltes.
Von Schreber's Säugthieren, fortgesetzt von A.Wag-
ner, ist vom Supplementbande die 2te Abiheilung , die Raub-
thiere enthaltend, und der Anfang der 3ten Abtheilung, die
Beutelthiere behandelnd, erschienen.
Archiv C Naturgeschichte. VIII. Jahrg. 2. Bd. A
Von Jard ine's the Naturalist's Library ist ans vom vo-
rigen Jahre her Vol. IX. (1839) und X. (1840), die Dogs
enthaltend, noch rückständig gewesen; im Jahre 1841 ist Band
XI, Beutelthiere, und Band XII, Einhufer, erschienen.
Temminck hat das 4te und 5te Heft des 2ten Bandes sei-
ner Monographies de Mammalogie ausgegeben und hiemit die-
sen Band geschlossen *). Enthalten ist in jenen beiden Hef-
ten die 14te Monographie, die Gattungen Tapho%ous, EmbaU
lonurciy Vrocryptus und Diclidmms behandelnd; 15te Mono-
graphie, Ärctictis und Parodoxurus; löte Monographie, Chi-
romeles und Zusätze zu den Grämlern; 17te Monographie,
Megaera und Zusätze zu Pte7^opus und Pachi/soma. Zuletzt
Schlufs der 12ten Monographie, den Orang-Utan betreffend.
Lardner hat in seiner Cabinet Cyclopaedia, Natural
History im Jahre 1841 zwar kein Bändchen aus der thero-
logischen Abtheilung erscheinen lassen, doch ist vom vorigen
her der Taxidermy, Bibliography and Biography, by W.
Svvainson, 1840, noch kurz zu gedenken.
Dieses Bändchea schliesst sich unmittelbar an den Prelimiaary
Discourse on the Study of Natural History (1839) an. Swainson
ist einer der geistvollsten Zoologen, und Ref. hat nicht blos die bei-
den eben angeführten Bändchen, sondern auch schon früher dessen
Treatise on the Geographj^ and Classification of animals mit wah-
rem Genüsse gelesen. Auch die descriptiven Arbeiten Swaiosons
empfehlen sich durch eine gewandte und fassliche Darstellung, ob-
schon freilich eine tiefere anatomische Begründung abgeht. Was
aber zunächst hier zur Sprache kommen soll, ist die merkwürdige
Unbekanntschaft mit der deutschen zoologischen Literatur, M'ie sie
in seiner Bibliography of Zoology sich ausspricht; ein Vorwurf, den
wir übrigens nicht auf Swainson allein haften lassen möchten, sondern
der ihn nicht mehr als einen grossen Theil der englischen Zoologen trifft.
Wie Jenyns in seinem Berichte über den gegenwärtigen Zustand
der Zoologie (Report of the Brit. Associat. 183.5) zugesteht, von
der deutschen Literatur nur eine sehr mangelhafte Kenntoiss zu ha-
ben, so bemerkt auch Swainson einigemal, dass deutsche Bücher in
England entweder nicht zu haben, oder der Sprache wiegen nicht
recht zugänglich seien. »Zum Belege unserer Behauptung nur fol-
gende Beispiele. Von Schreber's Säugthieren sagt er: „Wood
informs us that its continuation may be expected from Dr. Goldfüss
*) Beide Hefte führen die Jahreszahl 1840; indess habe ich von
ihnen erst Kenntniss, seitdem sie im Novemberheft der Revue Zool
von 1841 unter den neu erschienenen Werken angeführt sind.
of Erlang, but tliat its progress is slow and uncertain." Dies
war vor 20 Jaliren riclitigj aber nicht mehr 1840, da Ref. vom Jahre
1834 _ 1840 nicht w^eniger als S8 Hefte, und zwar im regelmässig-
sten Fortgange geliefert hat Des Prinzen von Neuwied Mächtige
Arbeiten kennt Swainson, der doch selbst die brasilische Ornitho-
logie bearbeitete, nur aus den Citaten von Cuvier. Alles was
von Meckel angegeben wird, sind: Materials for advanciug Com-
parative Anatoniy (in German). Leipzig 1&08." — Von der beiden
Naumann heisst es: Conjointl^' the authors of an „excellent work*^',
says Cuvier, on the Natural History of the Birds of Gerniany^ „the
plates of which, though small, are perfect. '' A second edition, in
8vo, was commenced at Leipsic in 1820. Diese 2te Ausgabe, und
nicht die Folio- Ausgabe, ist es aber gerade, von der Cuvier spricht.
Nitzsch, Ehrenberg, Rengger und Wiegmann sind weder
gekannt noch genannt, obgleich von ihnen nicht ganz gilt, was
Swainson von der Unmöglichkeit Oken's Schriften in England auf-
zutreiben sagt: „ ooe reason, perhaps, for this, originates in their
being written entirely in German." Wie gesagt, Ref. will den von
ihm wahrhaft hochgeschätzten englischen Schriftsteller keinen beson-
deren Vorwurf aus dieser geringen Kenntniss von unserer Literatur
machen, da viele seiner Landsleute ihm hierin nicht zuvor sind; er
wollte nur zeigen, wie leicht man selbst in England über die deut-
schen Arbeiten hinwegzusehen glaubt. Übrigens thut uns erwähnte
Bibliography vortreffliche Dienste zur vollständigeren Kenntniss der
neueren englischen Literatur im Gebiete der Zoologie.
Von Martin's Natural History of Ouadrupeds and other Mam-
miferous Animals ist uns nichts weiter als das 3te Heft (vom April
1840), und dieses erst zu Anfang des Jahres 1848 zugekommen. In
selbigem ist die allgemeine Einleitung noch nicht vollendet.
Fennell's, Natural History of Ouadrupeds, Lond. 1841. 8vo.
(1 1. 15) ist mir nur dem Titel nach bekannt.
Le Jardin des Plantes, description et moeiirs des Mam-
miferes de la Menagerie et du Museum d'histoire naturelle,
par M. Boitard. Paris 1841 chez Dubocliet. gr. 8.
Das angeführte Werk enthält eine Naturgeschichte der Säug-
thiere, mit Ausschluss der Walle. Diese ist nun grade nicht das,
was hauptsächlich empfehlungswerth wäre, da sie blosse Compila-
tion, und zwar nur nach französischen Autoritäten ist. Mit desto
besserem Rechte können wir dagegen die ausgezeichnet schönen und
getreuen Abbildungen der einzelnen Hauptpartieen des Jardin des
Plantes empfehlen. Da dieses Institut, wenn gleich in seiner Mena-
gerie jetzt von den englischen Thiergärteu übertroffen, doch in sei-
ner Universalität einzig in der Welt dasteht, und von der höchsten
Bedeutung für die ganze Entwickelung der Naturwissenschaften ge-
worden ist, so wird jeder Naturforscher mit Interesse diese Bilder
betrachten, und wer überdies diese grossartige Anstalt selbst gese-
hen hat, wird sich durch jene Darstellungen gerne alte Erinnerungen
zurückrufen, die um so lebhafter werden müssen, als in den Figu-
ren auch der Charakter der pariser Welt in all ihren Ständen auf
die sprechendste Weise ausgedrückt ist. Für die Menge und die
Schönheit der Abbildungen ist der Preis ausserordentlich massig.
Einen Rivalen hat gedachtes AVerk an einem andern erhalten,
dessen Titel ähnlich anfängt: Le Jardin des Plantes, description com-
plete, historique, scientifique et pittoresque du Museum d'Histoire
naturelle, de la Menagerie etc. Paris M.M. Bernard et Cou-
ailhac. Paris 1841. Diese Beschreibung ist mir nicht zu Gesicht
gekommen.
Essais de Zoologie generale , ou memoires et notices snr
la Zoologie generale, TAntliropologie et Thistoire de la science,
par. M. Is. Geoffroy St. Hilaire. Paris 1841.
Ausser Abhandlungen, die zunächst die allgemeine Zoologie be-
treffen, gehören folgende in den Bereich dieses Berichts: 1 ) de la
domestication des animaux, wo natürlich hauptsächlich von Säug-
thieren die Rede ist; 2) de la domestication des Solipedes restes
encore sauvages; 3) recherches zoologiques et phjsiologiques sur
les variations de la taille chez les animaux sauvages et domestiques
et dans les races huraaines. Ref. bemerkt hier nur, dass Is. Geof-
froy die Zahl der Hausthier- Arten mit neuen vermehren möchte.
Vorzüglichen Nutzen verspricht er sich von der Einführung des Vi-
gognes, in Bezug auf dessen Fleisch und Wolle, und meint, dass
es eins der vorzüglichsten Erwerbsmittel für die Bewohner der Al-
pen und Pjrenäen werden köone. Nicht mindere Vortheile erwar-
tet er vom Tapir als Schlacht- und Lastthier. Neben Pferd und Esel
glaubt er, dass man auch für gewisse Zwecke und Lokalitäten mit
grossem Erfolge die wilden Arten der Einhufer würde verwenden
können u. s. w. Geoffroy schlägt daher eine Naturalisations -Me-
nagerie im südlichen Frankreich vor, und hofft durch die Domesti-
kation wilder Arten für sein Vaterland neue Erwerbsquellen zu er-
öffnen. Ref. theilt diese Ansichten keineswegs, da selbst, wenn die
Zähmung dieser Thiere gelänge, sie im allergünstigsten Falle nur
als Ersatz für unsere altbenutzten Hausthiere eintreten könnten, mit
einem solchen Umtausch also im Ganzen nichts gewonnen wäre.
Überdies fragt es sich sehr, ob die Zucht der \ngognes bei uns mit
erheblichem Vortheil betrieben werden könnte; man weiss wenigstens
aus Erfahrung in Württemberg, dass die daselbst eingeführten Kaschmir-
ziegen sich nicht so rentirten, wie man es a priori erwartet hatte.
Zoologische Bruchstücke von Leuckart. 11. 1841.
Die hieher gehörigen Aufsätze betreffen: 1) die Bildung der Ge-
schlechtsorgane, besonders der äussern, einiger Affen. 2) Osteo-
graphische Beiträge, a) die Stosszähne des Naiwall, b) Asymmetrie
des Schädels verschiedener Cetaceeu , c) unsymmetrische Bildung an
den Geweihen des Rennthiers, d) Zwickelbeine und os epactale bei
Säugtliieren, e) Zahl und verschiedene Verschmelzuugsweise der
Halswirbel bei Cetaeeen. 3) Canis Cerdo und 4) eine Stelle des
Aristoteles über die Mäuse in Egypten, beide Aufsätze schon in der
Isis mitgetheilt, mit geringen Veränderungen.
Nomenciator zoologicus, continens nomina systeinatica
generuni aiümalium tarn viventiimi quam fossilium, secundum
ordiiiem aiphabet, disposita, adjectis aiictoribus, libris in qui-
bus reperiimtur, anno editionis , etymologia et familüs ad quas
pertinent, in variis classibus. Aiictore L. Agassiz. Fasel.
continens Mammalia , Echinodermata et Acalephas. Solothurn.
1842. 4.
Obwohl dieser Noinenclator zoologicus eigentlich erst im näch-
sten Jahresbericht zur Sprache gebracht werden sollte, so will Ref.
doch schon jetzt desselben kürzlich gedenken^ da ein solcher den
dringlichsten Bedürfnissen der Zoologen entgegenkommt und daher
seine Ankündigung nicht früh genug erscheinen kann. Da die Zahl
der in der Zoologie aufgestellten Gattungen über 17000 beträgt, die
bisher in keinem einzigen Werk zusammengereiht waren, so dür-
fen wir es Agassiz grossen Dank Missen , dass er ein eben so wich-
tiges als mühseliges Unternehmen auf sich genommen hat. Von un-
serer Abtheilung sind bereits die Säugthiere gedruckt, bei welcher
Klasse der Herausgeber von H. v. Meyer, Wateihouse und dem Ref.
unterstützt wurde. Die ornithologischen Gattungs-Namen sind im
Druck. Im nächsten Berichte werden wir auf diese wichtige Arbeit
ausführlicher zurückkommen. Ihre innere Einrichtung ist bereits aus
dem Titel ersichtlich.
Den innern Bau berücksichtigen folgende Werke.
Osteographie etc. par M. Ducrotay de Bl ai ]iv i 11 e.
Paris seit 1840.
Zu den von uns bereits angezeigten 7 ersten Heften sind 2 neue
hinzugekommen, die Abtheiluugen Ursus und Subursus behandelnd.
Tafeln zur vergleichenden Anatomie des Schädels. Mit
erläuterndem Texte von M. P. Erdl. München 1841. gross
fol. Lithograph. Verlag von Min sing er.
Während Blainville's Arbeit das ganze ekelet in Betrachtung
nimmt, beschränkt sich Erdl auf den am meisten charakteristischen
Theil desselben, und führt nur die Hauptformen des Schädels durch
die 4 Klassen der Wirbelthiere zur Anschauung vor, mit Beifügung
einer kurzen Erläuterung derselben. Der Unternehmer dieses Wer-
kes, JSeb. Minsiuger, den Naturforschern durch seine zahlreichen und
meisterhaften lithographischen Darstellungen schon seit längerer Zeit
rühmlichst bekannt, hatte die Steine mit den Abbildungen zur Ce-
phalogenesis vou Spix käuflich erworben und zur Herstellung dieses
6
Werkes bestimmt; es konnten jedoch nur 2 Tafeln fast unverändert
bleiben, alle andern Tafeln miissten neu gezeichnet werden, wobei
viele neue Figuren hinzugefügt wurden, unter denen die Abbildung
eines uralten Orang- Utan- Schädels vor allen andern namhaft zu
machen ist. In künstlerischer Vollendung und in Pracht der äussern
Ausstattung stehen sie keinem ähnlichen Unternehmen nach. Zur
übersichtlichen Anschauung der tj^pischen Schädelformen und zur ge-
nauen Kenntniss ihrer Deutung ist dieses Werk aufs Beste zu em-
pfehlen, dessen Preis überdies höchst billig gestellt ist.
Vergleichende Darstellung des inneren Baues der Haare
von Dr. M. Erdl. (Abh. der math. phys. Klasse der Königl.
Bayerisclien Akadem. d. Wissenscli. Bd. III. Abth. 2. München
1841. S. 413 — 453.)
Höchst genaue Schilderungen der innera Struktur der Haare bei
Menschen und Säugthieren, nach allen Ordnungen, soweit von sel-
bigen Objekte zur Beobachtung entnommen werden konnten. Einst-
weilen ist nur die Charakteristik der Haupttjpen des inneren Baues
der Haare gegeben^ späterhin sollen spezielle Darstellungen über
den Unterschied im Baue der Haare, nach Gattungen und Arten,
nachfolgen. Zu den 3 meisterhaft ausgeführten Stahltafeln hat der
Verfasser selbst die Originalzeichnungen geliefert.
Untersuchungen über den Bau der Zähne bei den Wir-
belthieren, insbesondere den Nagern, von Dr. M. Erdl (in
denselben Abhandl. S. 483 — 548).
An die schönen Untersuchungen von Purkinje, Retzius und J.
Müller über die innere Struktur der Zähne schliessen sich in ausge-
zeichneter Weise die vom Dr. Erdl an, welche zunächst auf die
Zähne der Säugthiere sich erstrecken. Zuerst betrachtet er im All-
gemeinen den mikroskopischen Bau der einzelnen Substanzen, aus
welchen die Zähne zusammengesetzt sind, wobei er eine Menge ei-
gener Beobachtungen vorzuführen Gelegenheit hat; dann wendet er
sich speziell an die Betrachtung des Baues der Zähne bei den Nage-
thieren, namentlich ihrer Backenzähne, an welchen fast alle Formen
und Strukturverhältnisse, wie sie nur immerhin an den Backenzähnen
bei den Säugüiieren auftreten, zu finden sind. Beigegeben sind die-
ser Abhandlung zwei vom Verfasser selbst gravirte Stahltafeln,
welche die Hauptforraen der innern Zahnstruktur darstellen und un-
streitig nicht blos die schönsten Abbildungen auf diesem Gebiete,
sondern auch die naturgetreuesten sind, selbst denen in Owen's
Odontograph3' noch vorzuziehen.
Icones zootomicae. Handatlas zur vergleichenden Anato-
mie nach fremden und eigenen Untersuchungen zusammenge-
stellt von Rudolph Wagner. Leipzig bei Voss. 1841.
Auf 35 Foliolafeln mit J039BMgurcn, wovon über die Hälfte neu
7-
nach der Natur gezeichnet sind, hat hier der Verfasser die Haupt-
typen der innern Organisation der Thierwelt zur Betrachtung vor-
gelegt und die nöthigen Deutungen beigefügt, so dass mit Hülfe die-
ses Handatlasses Jeder, der aus der Zoologie ein ernsteres Studium
machen will, leicht und gründlich mit dem inneren Baue der Thiere
sich bekannt machen kann. Die Tafeln sind mit grosser Sorgfalt
ausgewählt und ihre Ausführung eben so schön als genau, überhaupt
die ganze äussere Ausstattung des Atlasses von einer Eleganz, die
den besten Leistungen des Auslandes gleichkommt. Ein solcher At-
las, wie der vorliegende, ist ein längst gefühltes Bedürfniss gewe-
sen. Die warmblütigen Wirbelthiere, welche allein in den Bereich
unseres Referates fallen, sind als die wichtigsten mit 12 Tafeln be-
dacht, wobei die Zoologen es mit Dank anerkennen werden , dass
grade die Osteologie der Säugthiere eine besondere Berücksichtigung
gefunden hat.
Auf einen eigenthünilichen Bau des Gehörorgans bei eini-
gen Nagern hat Miram aufmerksam gemacht (Bullet, de Mos-
cou. 1840. p. 210).
Bei Castorfiher ^ Hypudaeus amplübius und Cuvla cobaya fand
er am Rande des knöchernen Gehörganges 2 besondere Knöchelchen,
die er os semilunatum inferius und superius nennt. Vom hintern Rande
des Unterkiefers entspringt ein kräftiger Muskel, den er den Namen
Musculus mylo -auricularis giebt, und der aufsteigend an den ge-
dachten Kuöchelchen sich befestigt. Vermittelst dieses Muskels be-
wirken die Bewegungen des Unterkiefers eine Bewegung der Knö-
chelchen, mit diesen aber zugleich eine Veränderung in der Rich-
tung der Ohrmuschel und zwar in der Art, dass die Oeffnung der
letzteren bei geschlossenem Munde nach vorn und innen sieht, wäh-
rend bei geöffneten Kiefern selbige sich nach hinten wendet. Der
Zweck dieser Vorrichtung mag sein, das Ohr nach Umständen so
zu wenden, dass es den Schall in jeder Richtung aufnehmen kann.
Zu einem Gegenstände genauer Untersuchungen wählte K. Die-
ter ich das Schläfenbein einiger schweizerischen Säugthiere (Mül-
ler's Archiv für Anat. 1841. 8. 55).
Descriptive and illustrative Catalogue of the physiologi-
cal Series of comparative Anatomy contained in the Museum
of the Royal College of Surgeons in London. 1833 — 1840.
Vol. I — V. 4.
Wir müssen dieses wichtigen Werkes hier gedenken, weil es
reich ist an Beiträgen zur Kenntniss des inneren Baues der warm-
blütigen Thiere. Mit dem 5ten Bande ist die Beschreibung der Prä-
parate über vergleichende Anatomie in der Sammlung des Kollegiums
der Wundärzte zu London geschlossen. Bekanntlich lieferte de»
Stock zu diesem Museum die berühmte Sammlung Hunter's, von dem
auch viele bisher uugedruckte Arbeiten hier nütgetheilt werden,
8
wozu noch Owen reiche Beifräge beifügte. Von ausgezeichneter
Schönheit sind die zu diesem Kataloge gehörigen Abbildungen, zu
welchen wir namentlich die dem letzten Bande beigegebenen 11 Ta-
feln zur Ent Wickelungsgeschichte der Vögel rechnen müssen.
The Cyclopaedia of Anatoiiiy and Physiology. Edited by
R. B. Todd. Vol. n. Dia -- Ins. Lond. 1839 (bis 1841). 8.
Diese Encjclopädie führen wir hier nur deshalb an, weil sie
auch zoologische Artikel enthält j im vorliegenden Bande Bell's ana-
tomische Schilderung der Edentaten und Insektivoren. Von
ersteren schliesst er Schnabelthiere und Ameisenigel aus; seine Be-
schreibung der Zahulücker ist kurz, am meisten sind noch ihre
osteologischen Verhältnisse berücksichtigt. Auch die Insektivoren
sind etwas kurz abgefertigt.
Pomp per, die Saugtliiere , Vögel und Amphibien nach
ihrer geographischen Verbreitung tabellarisch zusammenge-
stellt. Leipzig 1841. 4.
Eine tabellarische, nach Zonen geordnete Übersicht über die geo-
graphische Verbreitung der Arten aus den genannten Thierklassen,
,, zunächst für wissenschaftlich gebildete Lehrer höherer Bürgerschu-
len, Realschulen, Handlungsschulen und Schullehrerseminarien^' be-
stimmt, und für diesen Zweck wohl geeignet.
Über die Zusammenkünfte der Naturforscher sind Ref.
mehrere Berichte zugekommen, andere noch rückständig.
Report of the tenth Meeting of the British Associa-
tion for the Advancement of Science, held at Glasgow in
August 1840. Lond. 1841.
Die Versammlungen der britischen Naturforscher unterscheiden
sich wesentlich von allen andern dadurch, dass ihr Stock eine fest
constituirte Gesellschaft mit Vorständen und zahlenden Mitgliedern
ist, wodurch sie zur Förderung der Wissenschaft über ziemlich an-
sehnliche Geldmittel verfügen kann. So weiset die in der Glasgower
Versammlung übergebene Rechnungsablage eine Einnahme von et-
was über dreitausend Pfund Sterling nach, und für das nächste Jahr
sind 2591 Pfund 5 Schilling zur Unterstützung wissenschaftlicher Un-
tersuchungen ausgesetzt. Diese Reports machen immer dicke Bände
aus, da in ihnen die Abhandlungen, welche von der Association ver-
anlasst sind, vollständig abgedruckt werden; die mündlichen Ver-
handlungen werden nur kurz berührt. Im vorliegenden Bande ge-
hört in unsern Bereich Thompson's Report on the Fauna of Ire-
land: div. Vertebrata, wovon wir gleich nachher ausführlicher spre-
chen werden.
Der amtliche Bericht über die 18te Versammlung deutscher Na-
turforscher und Ärzte zu Erlangen im September 1840, erstat-
tet von den Geschäftsführern derselben Dr. Leupoldt und Stro-
9
mejer, enthält Diclits aus der Naturgeschichte der warmblütigen
*VVirbelthiere.
Über die Versammlung der italienischen Naturforscher zu Pisa
im Oktober 1839 hat Oken in der Isis 1841, Heft 7 u. 8 einen sehr
ausführlichen Bericht mitgetheilt. Über warmblütige Wirbelthiere ist
wenig vorgekommen. — Von der Versammlung in Turin 1840 sind
im Institut 1841. p. 290 kurze Notizen mitgetheilt, woraus ersicht-
lich ist, dass Mehreres, was in unsern Bereich gehört, vorgetragen
wurde.
Von den übrigen Versammlungen haben wir dahier keine Be-
richte erhalten. Sund e wall' s Arsberättelser om nyare Zoologiska
Arbeten och Upptäckter, tili K. Vetenskaps - Academien afgifue för
0
Aren 1837 — 1840, ist ebenfalls noch nicht eingesandt worden*).
Auch die Proceedings of the Zoological Society in London gehen
jetzt sehr verspätet ein, da die hiesige Akademie Part VIII. 1840.
erst zu Anfang des Jahres 1842 empfangen hat, und Part IX. nicht
weiter als bis zur Augustsitzung reicht.
Wir können nicht umhin, hier kurz noch zu erwähnen
der Reports of the Council and Auditors of the Zoological
Society of London, read at the annual geneml meeting April.
29, 1841.
Es ist dies die 14te Rechnungsablage von der Verwaltung der
Institute der zoologischen Gesellschaft in London. Die Zahl der
Mitglieder (Fellows) ist gegenwärtig 2849, von denen 1132 als jähr-
lichen Beitrag 3 Pfund und 1119 den von 2 Pfund Sterling entrichten.
In der Menagerie befinden sich nicht weniger als 894 Thiere, näm-
lich 352 Säugthiere, 524 Vögel und 18 Reptilien. Der Garten wurde
im Jahre 1840 von 141,009 Personen besucht, was eine Einnahme
von 4584 Pfund einbrachte. Das ganze Einkommen vom Jahre 1840
betrug 13062 Pfund. Welche herrliche Gelegenheit ist hiedurch den
englischen Zoologen gegeben, die merkwürdigsten Thierformen der
Obern Klassen aus Anschauung lebender Individuen , und nach dem
Ableben dieser ihren inuern Bau kennen zu lernen; wie armselig
*) Der freundschaftlichen Mittheilung des Verf. verdanke ich die-
sen Jahresbericht über ein Ouadrienniura schon seit längerer Zeit.
Er ist sehr umfassend, und wenn die Masse des vorliegenden Mate-
rials auch nicht eine besondere Critik aller speciellen Arbeiten ge-
stattete, und der Verf sich im Allgemeinen rein referirend gehalten
hat, hat er doch nicht überall seine eignen treffenden ürtheile zurück-
gehalten, und auch schon in der blossen Aufstellung der Referate
spricht sich in diesem Bericht dieselbe Gediegenheit aus, welche die
übrigen Arbeiten des Verf. in einem so hohen Grade auszeichnet.
H erausgeber.
10
und beschränkt an diesen Hülfsniittelu sind dagegen die deutschen
Zoologen daran!
An Faunen und Reisewerken mögen folgende hier ge-
nannt werden:
Report on the Fauna of Ireland: div. Vertebrata.
Drawn up, at the rcquest of the British Association by W.
Thompson. (Report of the Brit. Assoc. for 1840. p. 353.)
An Säugthieren zählt Thompson für Irland auf: 1) Fleder-
mäuse: Vesper tilio pipistrellus , Dauhentoni und auriUis, 3) In-
sektlvoren: Erinaceus etiropaeus; Sorex rusticus und tetragonu-
rus. 3) Fleischfresser: Meles Taxus , Lutra vulgaris , Mustela
vulgaris, erminea, foina und abietum, Vulpes vulgaris. 4) Nager:
Mus sylvaticus, ?nusculus^ rattusF, hibernicus und demimanus; Lepus
hibernicus und Cunicuhis. 5) Wiederkäuer: Cervus Elaphus. 6)
Robben: Phoca vitulina, Halichoerus Gryplius. 7) Walle: Del-
phijius Delphis; Phocaena communis ^ orca und melas , Hyperoodon
But%kopf^ Phy seter macrocephalus und tursio ; Balaena Mysticetus ;
Balaenoptera Boops. — Merkwürdig ist der Mangel gewisser Arten,
die doch in England vorkommen, so z. B. Maulwurf, Iltis, Wild-
katze, Wühlmäuse (Arvicola), Eichhorn, Haselmaus, gemeiner Hase,
Reh. Auch die Zahl der Fledermausarten ist sehr gering im Ver-
gleich zu den 18 englischen, doch werden in Irland mit der Zeit
wohl noch mehr entdeckt werden.
Notes on the Zoology of the Outcr Hebrides, by John
Mac Gillivray. (Ann. of nat. hist. VIII. p. 7.)
Der Fischotter ist längs den felsigen Küsten vertheilt und ge-
hört durchgängig zu der dunklen Abänderung, welche Ogilby als eigne
Art ansieht. Dass er, wie angegeben, kleiner sei als der gewöhn-
liche, ist nicht immer begründet, da ein Exemplar von 5 Fuss Länge
erlegt wuirde. Phoca vitulina ist ausserordentlich gemein; Phoca
groenlandica und Halichoerus griseus kommen ebenfalls vor. Mus
musculus ist gemein; die Wanderratte ebenfalls; das Kaninchen ist
auf Uist und Barray eingeführt und hat sich ausserordentlich ver-
mehrt. Der Edelhirsch ist viel kleiner als in Schottland. Verschie-
dene Walle kommen an die Küste, der Verf. sah jedoch nur Delphi"
nus phocaena und orca.
Von Bonapart e's Iconografia della fauna ilalica ist uns in die-
sem Jahre kein Heft zugekommen. Nur aus einer Anzeige ist uns
bekannt: Companj'o, catalogue descriptif des mammiferes qui ont
ete observes et qui vivent dans le departeraent des Pyrenees orien-
tales. Perpignan 1841. 8.
Ainworth's researohes in Assyria, Babylonia and Chaldaea,
forming pari of the labours of the Euphrates Expedition, Lond. 1838,
einen interessanten Bericht über die Säugtliiere und Vögel der Eu-
11
plirat- Länder enthahend ist in der Isis 1841. S. 807 im Auszüge
niitgetheilt.
Demidoff, voyage daiis la Russie meridioiiale. prem.
]ivrais. du voyage scientifique. 8. mit dem Isteii Heft des na-
tnrhist. Atl. fol.
Dieses Iste Heft eüthält A. v. Nordniann's Observations sur
la Faune pontique, mit den Säiigthieren beginnend, die fast absol-
virt sind, da ihre Aufzählung bereits am Anfange der Cetaceen steht.
Diese Fauna ist deshalb so interessant, weil sich hier die europäi-
sche und nordasiatische Thierwelt begegnen und miteinander vermen-
gen. Um hier an Raum zu sparen, gedenkt Ref. diese interessante
Arbeit in einem besonderen Artikel nachzutragen. Das erste Heft
des Atlasses enthält aus unserer Abtheilung die Abbildungen von
Spalax PaUasti und Sturnns ( Pastor) roseus *).
Verhandelingen over de naturlijke Geschiedenis der Ne-
derlandsche overzeesche Bezittingen. Door de Leden
der uatuurkmidige Commissie in Oost-Indie en andere Schrij-
vers. Zoologie. Leid. 1840 — 1841. N. 3, 4, 5.
Zur zoologischen Abtheilung dieses ausgezeichneten Werkes
sind seit unserem vorigen Berichte 3 neue Hefte hinzugekommen,
wovon das dritte ausschliesslich den Schmetterlingen, das 4te uud
5te aber hauptsächlich den Säugthieren gewidmet ist. Der Text
bringt den Schluss der Beschreibung des Orang-Utans, worauf die
Monographie der Schlankalfen vollständig mitgetheilt wird. Die Be-
arbeitung der Wirbelthiere haben S c biege 1 und S.Müller gemein-
schaftlich übernommen, und beide Naturforscher wissen ihre Aufgabe
*) Vom zoologischen Theil dieses umfassenden Reisewerkes sind
zur Zeit 15 Lieferungen Abbildungen in gr. fol. und 12 Lieferungen
Text erschienen. Die Naturgeschichte der Rückgratthiere ist ge-
schlossen. Unter den Vögeln ist keine neue Art vorgekommen, da-
gegen sind manche Bemerkungen über Vorkommen und Naturge-
schichte mitgetheilt; am Schluss eine ausführliche Beschreibung,
Anatomie, Lebensverhältnisse (habitudes und regime), Fortpflanzung
und Jagd der Rosendrossel. Die herpetologischen Mittheilungen be-
schränken sich auf Notizen über die Eidechsen und Schlangen der pon-
tischen Fauna. Der ichthyologische Theil des Werkes macht manche
interessante neue Arten bekannt, und ist mitRecherches sur la structure
intime des ecailles des poissons et des reptiles de la Faune pontique
bereichert (s. Jahresbericht für 1840). Ausserdem sind die (eben-
falls im Jahresbericht für 1840 schon erwähnten) Untersuchungen
über Tendra zostericola und Cellularia avicularia bereits veröffent-
licht. Der Atlas enthält noch Abbildungen von einigen Crustaceen
und zahlreichen Molluscen , zu welchen der Text noch erwartet wird.
Herausgeber.
12
aufs Ehrenvollste zu lösen, was von Schlegel , der durch bedeutende
Arbeiten seit längerer Zeit bekannt ist, ohnedies nicht anders zu er-
warten war. Der niederländischen Regierung gereicht die getroffene
Auswahl der Bearbeiter, wie die Solidität in der Ausführung dieses
Werkes zu nicht geringer Ehre. Mit grossem Danke ist es auch
anzuerkennen, dass jetzt die Einrichtung getroffen ist, den Text
allein beziehen zu können, was zur grössern Verbreitung wesent-
lich beitragen wird. — Nicht unerwähnt darf es gelassen werden,
dass auch die Land- en Volkenkunde dieser Verhandelingen bis zum
4ten Hefte vorgeschritten ist und viele wichtige Bemerkungen über
Säugthiere und Vögel enthält.
Illustrations of the Botany and other Brauches of the
Natural History of the Himalayan Mountains, by Forbes
Royle. Lond. Part. XI. 1840.
Dieses Schlussheft eines ausgezeichneten Werkes enthält ein Me-
moir on the Mammalogy of the Himalajas, bj-^ Ogilby (S. LVI bis
LXXIV), das eine schöne Übersicht über die bisher aus dem Hima-
laja bekannt gewordenen giäugthiere giebt. 1) Affen. Durch Ben-
galen und die nördlichen Provinzen vom brit. Indien scheinen nur.
S Arten verbreitet zu sein, Senuiopithecus entellus und Fapio rlie-
sus ; beide stellen regelmässige AVanderungen an, indem sie wäh-
rend der Sommerhitze die Höhen des Gebirgs bis zu 9000 u. 10,000
Fuss ersteigen, und beim Beginn der kalten Jahreszeit nach den Ebe-
nen zurückkehren. Hodgson's Angabe vom Vorkommen des Cerco-
■pitliecns radiatus in Nepal scheint auf einer Verwechselung mit Pa-
pio rhesus zu beruhen. 2) Handflügler sind noch sehr wenig
gekannt, scheinen aber häufig zu sein. Hodgson's Vteropus leuco-
cephalus ist identisch mit Pt. Edwardsii, dagegen scheint sein Ft.
jtyrivorus eine neue Art zu sein. Mc. Clelland's Ft. ruhicoUis ist
ebenfalls nichts anders als der Pt. Edwardsii. — 3) Insekti vo-
ran. Ermaceus spatangus , Grayi und coUaris könnten vielleicht
eine Art bilden. Spitzmäuse und Maulwürfe sind genannt, aber
Exemplare sind nicht eingesandt worden. — 4) Fleischfresser.
Nach verlässig scheinenden Angaben steigt der Ursus lahiatus nicht
über die untern Reihen der grossen Gebirgsketten hinan, wo er von
dem Reech oder Reek (£/. tibetanus) abgelöst wird, der die höhe-
ren Berge bis gegen die Schneelinie einnimmt, wo ihm denn der
Barji (V. isalellinus) folgt, der, so häutig er auch vorkommt, doch
nur sehr unsicher gekannt ist. Hodgson's Angabe vom Vorkommen
des TJ. malaynnus scheint auf Verwechslung mit U. tibetanus zu be-
ruhen. Ratelus 7nellivorns (JJrsitaxus iiiauritus) ist von afrikani-
schen Exemplaren nur durch die hellere Rückenfarbe verschieden.
Arciotiyx collaris ist ein ächter Dachs. Gulo nepalensis ist identisch
mit G. Orientalis. Ailurus fulgens kommt vor, aber nicht Arctictis
albifrons, was eine irrige Augabc ist. Der Tiger ist bckuuul^ vom
13
Lü%ven hörte Frazer auf seiner Reise an die Quellen des Ganges
und Dschumna oft sprechen. Der Cheetah^ Felis moormensis^ F. ben-
galensis oder iiejjulensis und F. viverriceps (F. viverrmus Betm.')
sind von Hodoson ang;egebeu. Seine F. erythrotus erkläit Ogilby
für identisch mit F. Chaus. Roller, Mangusten, Viverren und Mar-
der sind noch nicht genau bestimmt. Genannt sind Paradoxurus
Honda?' (P. /ursutus B.J , P. iiepalensis IL und P. larvatus (P. la-
m'gerus H.?), Herpestes griseus und Edwardsn (H. aiiropmictata H.'),
Viverra Rasse, indica und Zihetha, Mustela ßavigula, M. Kathiah
H. und M. lanigera H. Ganz ungevviss sind die 7 Arten Fischottern
von Hodgson. Ca7iis primaevus kommt nur in unteren Regionen
vorj Ogilby sieht ihn nicht für verschieden von C. sumatrensis an.
Der Kokree ( 6V/w/^ Corsac , indicus , hengalensiSy Kokree^ und der
C. pallipes besteigen nicht die Berge. Der Schackel geht bis in die
mittleren Regionen, weiter hinauf folgt der C. montanns ( C. Iiima-
laicus). Die gestreifte Hyäne kommt bisweilen bis Simla. — 5) Na-
ger; zahlreich, aber noch wenig untersucht. Von Hodgson aufge-
führt sind als Eichhörnchen: Sciurus palmarum,. Lokriah und Lo-
kroides, ferner Pteromys magnificus und alhoniger. Verschiedene
Arten von Mus und Arvicola sind nicht weiter bestimmt,- Eystrix
cristata var. lencurus ist von Sykes angegeben. Von Hodgson's 2
Hasen-Arten ist die eine wohl identisch mit Lepus nigricoUis , die
andere mit L. ruficaudatus. Der merkwürdigste ist der neue Pfeif-
hase, dem O. den Namen Lagomys RoylU giebt. — 6) Zahnlücker;
nur Manis macrura (M. auriius Hodgs.). — 7) Dickhäuter. In
den untern Regionen sind Elephanten und Nashörner sehr häufig;
ebenso in allen bewaldeten Theilen des Gebirgs die Wildschweine,
die von dem unsrigen nicht verschieden scheinen. Der Kiang (Eq?ius
hemmius?) wird in Tibet gefunden. — 8) Wiederkäuer. Hodg-
son's 3 Arten Bisamthiere scheinen blosse Farbenabänderungen von
Moschus mosciüferus zu sein. Über die Arten von Hirschen, Anti-
lopen, Ziegen und Schafen herrscht noch die grösste Ungewissheit,
der von Hodgson angegebene Cervus equinus kommt gewiss niclit
vor; sein C. Hippelaphus ist wahrscheinlich eins mit C. Aristotelis,
sein C. elaphoides ist identisch mit C. Duvaucelii, sein C. elaphus
wird wohl den C. Wallichii darstellen. Royle^s Cervus Dodur möchte
eine eigne Art anzeigen. Von der Muntjack-Gruppe kennt O. 3 Ar-
ten vom indischen Kontinent: C. melas, C. ratwa Hodgs. und C.
Muntjac, zu letzterem gehört Rojie's C. rutiva (tab. 5. fig. 2). Von
Antilopen führt er an: Antilope Ghoral, Thor , Hodgsonii, cer-
vicapra, quadricornis und picta , welch letzterer Ogilby den Namen
Hippelaphus beilegt, weil er sie für das von Aristoteles unter diesem
Namen beschriebene Thier ansieht; dem Cervus Hippelaphus giebt
er dagegen die Benennung C. Saumer. Ziegen-Arten führt er 2 an,
wovon er jedoch nur mit der einen, der Cupra jemhlaica. (Jharal,
Thar) bekannt ist. Wildschafe kennt er auch nur zwei: den Burrhal
14
{Ovis Nahoor) und den Banbhera, der entweder der Argali selbst
oder doch ihm ganz nahe verwandt ist. Der Büffel und Arni kom-
men in den Wäldern am Fasse des Gebirges vor. Bastarde von
Zebu und dem Yak sind sehr geschätzt und werden häufig für den
Ackerbau verwendet.
Classified Catalogiie of Mammals of Nepal, corrected to
end of 1840, first printed in 1832. By B. H. Hodgson.
Ist im Calcutta Journal of Natural Historj^, conducted by J. M.,
Clelland 18J1. p. 813 enthalten; die neuen Mittheilungen aus demsel-
ben werden gehörigen Orts erwähnt werden.
Über die geographische Verbreitung der Säugthiere in
Australien hat Gray bei der Versammlung der Naturforscher
in Plymouth einen interessanten Vortrag gehalten.
Derselbe ist mir zur Zeit blos aus dem Institut. 1841. p. 356
und aus Froriep's Notizen bekannt, worauf ich verweise und hier
einstweilen nur soviel bemerke, dass Gray 94 Arten australischer
Säugthiere aufführt, wovon er 70 den BeutelthieVen, 3 den Mono-
tremen, 8 den Handflüglern, 2 den Fleischfressern (Hund und See-
hund), und 11 den Mäusen zuweist.
A. Smith, lllustrations of the Zoology of South Africa
etc. Lond. seit 1838.
Zu den 13 bereits im vorigen Berichte angezeigten Lieferungen
sind seitdem 2 neue hinzugekommen.
Portraits of the Game and Wild Animals of Southern
Afrika. Delineated from life in their native haunts, during
a hunting expedition from the Cape Colony as far as the Tro-
pic of Gapricorn, in 1836 and 1837, with sketches of the
field Sports. By Capt. W. C. Harris. Lond. 1840 Part. I,
1841 Part. II, lU. Imp. fol.
Kapitän Harris, dessen Buch „the wild Sports of the Southern
Africa" schon im vorigen Jahresberichte angezeigt wurde, hat an-
gefangen in diesen Portraits, welche 5 Lieferungen ausmachen sol-
len, von denen 3 bereits erschienen sind, die naturhistorischen Re-
sultate seiner südafrikanischen Reise vorzulegen. Zwar sind es nur
die grossen jagdbaren Thiere, deren Abbildungen uns hier Harris
giebt, auch ist unter den bisher mitgetheilten keine neue Art, gleich-
wohl räumt Ref. diesem Prachtwerke einen hohen Werth ein, da
nicht blos von einem guten Theile der hier aufgeführten Thiere zum
erstenmal bildliche Darstellungen uns vorgelegt werden, sondern da
sie völlig naturgetreu, wirkliche, von dem Verf. an Ort und Stelle
aufgenommene Portraits sind. Einen ganz besondern Werth erlan-
gen sie überdies noch dadurch, dass die Landschaften eben so na-
turgetreu aufgenommen und jede Art in ihren eigenthümlichen gesel-
ligen Verhältnissen dargestellt ist, so dass man durch diese Abbil-
15
düngen von dem Charakter der südafrikaniscben Region mit ihrer
Thierwelt eine Anschaming erhält, welche durch keine Beschreibung
ersetzt werden kann. Ausser den grossen Landschaften mit ihren
Thieren, von denen ein Heft 6 Tafeln enthält, ist am Schlüsse je-
der Beschreibung der Kopf jeder Art in ansehnlicher Grösse abge-
bildet. Hiezu kommen nun noch vortreffliche Beobachtungen über
die portrairirten Thiere, wie sie von einem Manne zu erwarten sind,
der von Kindesbeinen an durch die Jagd die Sinne sich geschärft hat.
Die ganze Ausstattung ist prachtvoll. Part. I enthält: Tab. 1. Ca-
toblepas Gnu, 2. Equus Quagga^ 3. Ga%ella Euchore, 4. Catoblepas
Gorgon , 5. Equus Burchellü, 6. Boselaplius Oreas. — Part. II: 7.
Acro7iotus Caama, 8. A. lunatus, 9. Oj'yx capensis, 10, Struthio Ca-
melus, 11. Camelopardalis Giraffa, Vi. Hippopotamus. — Part. III:
13. Bubalus caffer ^ 14. Äegoceros ellipsiprymnus , 15. Antilope me-
lampus und Cephalophus mergens, 16. Rhinoceros africanus, 17. Ga-
zella pygarga und 18. Äegoceros equimis.
Reise in das Innere Nordamerikas in den Jahren 1832
bis 1834 von Maximilian Prinzen zu Wied. Coblenz
seit 1838.
Der 2te Band, womit diese Reise schliesst, wird bald vollendet
sein; der Atlas ist es bereits. Auch in diesem Bande sind, ausser
der genauen und umfassenden Schilderung der auf der Reise besuch-
ten Indianer-Stämme, zahlreiche und wichtige Beiträge zur Kennt-
niss der nordamerikanischen warmblütigen Wirbelthiere mitgetheilt.
Von seltener Schönheit ist der Atlas, dessen Tafeln von Bodmer,
dem Begleiter des Prinzen auf seiner Reise, mit meisterhafter Kunst
gezeichnet sind: mit gleicher Vollendung sind sie in Aqua tinta aus-
geführt. Höchst charakteristisch sind namentlich die Darstellungen
der Indianer, denen man es ansieht, dass sie nicht, wie in so vie-
len ähnlichen Werken, in Europa erst entworfen und zu Carrika-
turen verzerrt, oder gar zu griechischen Idealen metamorphosirt,
sondern getreu nach dem Leben gezeichnet und in der ganzen Ei-
genthümlichkeit des Volks - Charakters aufgefasst sind. Den besten
Leistungen des Auslandes steht dieses Reisewerk, das einzige, mit
dem Deutschland in den letzteren Jahren zur Concurrenz auf die-
sem Gebiete hervortrit, würdig an der Seite.
Von D' Orbigny, voj-age dans l'Amerique meridionale sind be-
reits 55 Lieferungen erschienen, ohne dass noch der Text zu den
Säugthieren und Vögeln begonnen hätte.
Von Darwin' s Zoology of the Voyage of H. M. S. Beagle sind
uns erst vor wenig Tagen 2 Hefte zugekommen, N. 14. von Part.
II, den Schluss der Säugthiere, und N. 3. von Part. I, die Fort-
setzung der „Fossil Mammalia" enthaltend; beide noch von 1939
datirt, bei uns also, wenn anders das Datum richtig ist, erst nach
langer Verspätung eingetroffen.
Aus Blainville's Bericht über die zoologische Partie der Reise
16
des Astrolabe und der Zelee geht hervor, dass die Ausbeute in
warmblütigen Thieren sehr unbedeutend war: 2 neue Arten Robben,
1 oder 2 Delphine, und an Vögeln eine Anzahl wahrscheinlich un-
edirter Arten (Revue zool. 1841. p. 318). Die Reise soll auf An-
ordnung der Regierung publizirt werden, wobei Ref. den Wunsch
Dicht unterdrücken kann, dass nicht mehr als das Xothwendige und
Neue mitgetheilt, und die meist unnützen manierirten Darstellungen
der coutumes und costumes, welche die Finanzen unserer Bibliothe-
ken zu Grunde zu richten drohen, ganz wegbleiben möchten.
In der philomatischen Gesellschaft zu Paris hat Gervais (In-
stitut. 1841. N. 13 u. 15) Bericht erstattet über die Sammlung von
Säugthieren, welche Eydoux und Soulejet während ihrer Weltum-
seglungsreise auf der Bonite, in Gemeinschaft mit Gaudichaud, ge-
macht haben und unter denen manches \eue vorkommt. Seitdem ist
auf Kosten der Regierung die Beschreibung selbst erschienen unter
dem Titel: Vojage autour du Monde execute pendant les annees
1836 et 1837 sur la Corvette la Bonite. Zoologie par M. M. Ey-
doux et Soulej'et, Medecins de PExpeditiou. Paris 1841. Vol. I,
8., die Säugthiere und Vögel behandelnd. Die Beschreibung der er-
steren rührt von P. Gervais her.
Über die Säugtliier - Fauna der Urwelt hat Kaup ein
neues ^yerk begonnen. Akten der Urwelt oder Osteologie
der urvveltlichen Säugthiere und Amphibien. Darmst. 1841.
Istes Heft mit 14 lith. Tafeln.
Ein zweckmässig angelegtes Unternehmen, dem ein guter Fort-
gang zu wünschen ist. In diesem Hefte sind enthalten: 1) Rhi7io-
ceros Merckii^ 2) Rhinoceros ( Aceratherium) Goldfussii, 3) Cyma-
totherium antiqunm, 4) Dinothen'um giganteum. Mit einer einzel-
nen Ausnahme sind blos Schädeltheile und Zähne beschrieben und in
guten Abbildungen dargestellt. Cymatotherium ist eine von Kaup
errichtete neue Gattung, auf eine verletzte Unterkiefer -Hälfte be-
gründet und von ihm den grasfressenden Wallen zugetheilt, in wel-
cher Deutung jedoch Kaup fehlgegriffen hat, da dieser Kiefer von
einem ganz jugendlichen Elephanten herrührt.
Das Erscheinen von Lund's ausführlicher, von 27 Tafeln be-
gleiteten Abhandlung über die antediluvianischen Säugthier-Überreste
Brasiliens (eingerückt in die akademischen Akten: Det K. Danske
Videnskabernes Selskabs naturvidenskabelige og mathematiske Af-
handlinger. Ottende Deel. Kjöbenh. 1841) ist schon im vorigen Be-
richte angezeigt worden. Über denselben Gegenstand hat nun auch
Claussen in den Bullet, de l'Acad. de Bruxell. 1841. p. 340 Notizen
eingeschickt.
Die Fährten -Abdrücke im bunten Sandsteine bei Jena.
Von Dr. Koch und Schmid. Jena 1841 mit 4 lith. Tafeln.
Im bunten Sandsteine von Jena sind neuerdings ebenfalls solche
17
seltsame Abdrücke wie bei Hildbiirgbaiisen gefunden worden. Die
Meisten sind geneigt, dieselben für Fäbrten von Sängthieren anzu-
nehmen, Koch dagegen für solche von Amphibien. Ref. kann indess,
wie er schon im vorigen Berichte erwähnte, diese Formen überhaupt
nicht für Fährten anerkennen, weder von Säugthieren, noch von
Amphibien, sondern leitet sie von urweltlichen Spongien her, deren
seltsame Bildungen aus der lebenden Welt noch jetzt nicht selten
an Hände und Füsse erinnern und daher den Namen Manus diaboli,
pes leonis, anatipes u. dergl. erhalten haben.
Schliesslich möchte Ref. noch auf den von C. G. Flügel bear-
beiteten Artikel „Pelzhandel'' in der Ersch und Gruberschen En-
cyklop, XV. S. 307 aufmerksam machen, als selbiger am geeignet-
sten sein dürfte, eine klare Einsicht in den yngeheuern Umfang die-
ses Theils des Welthandels zu gewähren.
In den nenen Fortsetzungen der Verhandelingen haben
Schlegel und S. Müller ilire Bijdragen tot de natuurlijke
historie van den O rang- Out an zu Ende gebracht.
Höchst interessant ist die Schilderung der Lebensweise des Orang-
Utans, die hier zum erstenraale nicht nach fabelhaften Sagen, son-
dern nach authentischen Berichten oder eignen Erfahrungen mitge-
theilt wird. Am Schlüsse folgt Sandifort's ausführliche anatomi-
sche Untersuchung, die erste, welche an alten, erwachsenen Indivi-
duen ausgeführt ward, während die bisherigen nur mit jungen, dazu
meist an Krankheiten gestorbenen vorgenommen wurden, daher der
holländische Anatom manche Verschiedenheiten von den früheren
Angaben fand. So z. B. sah Sandifort, dass das grosse Gehirn sich
über das kleine hinaus erstreckte, während nach Tiedemann dies
nicht der Fall ist; den Leerdarm fand er ununterbrochen mit valvu-
lac conniventes besetzt, die nach Camper uad Owen mangeln sol-
len; ferner entdeckte er am männlichen Gliede die Eichel und an den
Muttertrompeten die Franzen, was Beides Camper den Orang-Utans
abspricht. Mit ziemlicher Ausführlichkeit ist das Muskelsystem be-
handelt, wovon bisher nur Owen die Kopf- und Halsmuskeln, so
wie die der hintern Gliedraassen im Detail beschrieben hatte. Ref.
hebt nur einige Angaben hervor, die von charakteristischer Bedeu-
tung sind. Vom Musculus latissimus dorsi sagt Sandifort, dass er
in Allem mit dem gleichnamigen des Menschen übereinkomme. Hier-
aus folgt also, dass der Fortsatz, den Meckel, Burdach und Ref. au
andern Affen fanden , und der von der spina tuberculi minoris des
Oberarmbeins zum Ellenbogenknorren verläuft, beim Orang-Utan
nicht vorhanden ist. Der Mangel dieses Fortsatzes muss, nach mei-
nem Bedünken, wesentlich mit dazu beitragen, dass der Orang-Utan
mit den Vorderarmen sich nicht wie andere Affen bei eiligen Bewe-
gungen fortschleudern kann. Der extensor indicis ging an der rech-
Archiv f. Natuv^escliichte, VIJI, Jahrg. 2. Bd, B
18
ten Hand allein zum Mittelfinger, an der linken theilt er sich in
zwei Sehnen, wovon die eine zum ersten, die andere zum Mittel-
finger ging. Der Orang-Utan kann demnach, sowenig als jeder an-
dere Affe, seinen Zeigefinger unabhängig von den andern Fingern
ausstrecken, also nicht deuten, was als ein Akt der Zeichensprache
das Thier weder zu würdigen, noch auszuüben vermag. Der plan-
taris ist wie bei allen Affen beschaffen, nämlich dem palmaris lon-
gus der Hand entsprechend, und zeigt demnach eine erhebliche Dif-
ferenz vom menschlichen Typus, Wie vom ganzen Thiere, so sind
auch von den hauptsächlichsten Innern Organen schöne Abbildungen
beigefügt.
In einem Briefe an die zoologische Gesellschaft in London kün-
digte Brooke von Singapore die Absendung von 5 lebenden Orang-
Utans an, und gab Bemerkungen über ihre Lebensweise, indem er
zugleich die Festsetzung von 3 Arten zu begründen versuchte (Pro-
ceed. IX. p. 55). Da nach Ankunft dieser Thiere weitere Nachrichten
zu gewärtigen sind, so wird hierüber zweckmässiger im nächsten
Berichte referirt werden.
Temminck lieferte im 5ten Hefte des 2ten Bandes seiner Mo-
uograph. den Schluss der Abhandlung über den Orang-Utan. Er
spricht sich für eine einzige Art aus und schildert nach S. Müller's
Angaben die Lebensweise und Sitten dieses Thiers; beigegeben ist
eine Abbildung des alten Orang-Utans in gehender Stellung.
Im 5ten Hefte der Verhandelingen ist Schlegel und S.
Müll er' s Monographie der Schlank äffen enthalten, wozu
ihnen freilich ein Material vorlag, wie keinem der früheren
Bearbeiter dieser Gsttung, was sie aber auch zur kritischen
Sichtung der Arten vortrefflich benutzt haben.
Als Arten von der Gattung Semnopitkecus zählen die Verf. 16
auf, oder wenn man, wozu sie mehr geneigt scheinen, S. cristatus,
siamensis ^ flavimanus , sumatranus und cucullatus blos als klimati-»
sehe Abänderungen ansehen wollte, M^ürden sich nur 11 Arten er-
geben. Diese 16, oder wenn man will, diese 11 Arten sind folgende:
1. S» entellus, wozu die Verf. auch Sykes' S. albigula7^is zie-
hen, was jedoch nicht sein kann, da nach Owen's Untersuchung
(Proceed. IL 1832. p. 18) dieser ein ächter Cercopithecus ist; Ref.
(Schreber's Supplem. I. S. 129) sieht letztere blos für eine dunklere
Abänderung von C. mona an. — 2. S. leucoprymnus^ identisch mit
S. Nestor, — 3. (2. b). S. cucullatus, nach den Verf wohl nur
eine dem Festlande angehörige Varietät des vorigen. — 4. (3). S.
leuconiystax, neue, hier zum erstenmale erwähnte Art von Siam,
wahrscheinlich auch von Malakka. Ihr Schopf ist einfach und nicht
lielmartigj der Pelz seidenartig. Die Lippen sind von weissen Haa-
ren bedeckt, was sehr bezeichnend ist. Die Farbe ist glänzend
graubraun, mit schwachem Purpurschimraer, an den Hinterbeinen
19
lichter, am Schopf ins Gelbbraune übergehend, an den Händen dun-
kler braunschwarz. Die Verf. vermuthen, dass S. obscurus hieher
gehören könnte, doch sei die Beschreibung zu unvollständig, um
hierüber aburtheilen zu können. — Diesen S. obscurus erklärt neuer-
dings Gervais (Instit. 1841. p. 401) und in der Zoologie der Bonite
p. 4. für identisch mit Cercopithecus albocinereus Desm. ; aus sei-
ner Beschreibung geht wenigstens hervor, dass dieser letztere mit
S. leucomystax zu vereinigen ist. — Cuming bemerkt in den Pro-
ceed. VIII. p. 63, dass der S. obscurus, den er auf Malakka fand,
grossen Abänderungen in der Färbung unterworfen ist, ohne wei-
ter diese Abänderungen zu bezeichnen , weshalb seine Bemerkung
soviel wie nichts zur Aufklärung dieser obscuren Art hilft. — 5. (4).
S. mt'tratus, bekannte Art. — 6. (4. b). S. siametisis, als Stell-
vertreter des S. niitratus in Siam von den Verf. erklärt, und von
diesem durch graubraune (nicht grauschwarze) Färbung, durch dun-
kel braunschwarze (nicht graue) Hände, durch minder reine, etwas
ins Gelbliche fallende Unterseite, durch viel lichtem Vorderschopf
verschieden. — 7. (5). S. 77ielalophos , wohl bekannt. — 8. (5b).
S. flavimanus, von den Verf. ebenfalls eher für lokale Abände-
rung des vorigen, denn als eigne Art angesehen. — 9. (6). S, ru-
bicundus, von Müller schon früher beschrieben. — 10. (7). S.
chrysomelas, ebenso; hierzu auch S. auratus. — 11 (7b). S.su-
viatranus, als lokale Varietät des vorigen auf Sumatra erklärt,
vielleicht mit S. femoralis identisch, der jedoch nicht genau genug
charakterisirt ist. Gewöhnlich dunkel graubraun mit rothbraunem
Glänze, Beine und Oberseite des Schwanzes schwarz, Unterseite
des Schwanzes, Bauch, Brustraitte und ein Streif an der Innenseite
der Beine weisslich. — 12 (8). S, maurus, hierzu auch S. pyrrhus,
von Java. — 13 (8b) S. cristatus (S. pruinosus), als klimati-
sche Varietät des vorigen auf Borneo und Sumatra angesehen. —
14 (9). S. frontatus, von S. Müller schon früher charakterisirt. —
15(10). S. 9temaens, bekannt.— 16(11). S,nasicus, desgleichen.
Die neuen oder doch zweifelhaften Arten sind durch eben so
schöne als genaue Abbildungen, von denen nur einige noch rück-
ständig sind, erläutert, gewöhnlich auch die Schädel und Jungen ab-
gebildet, so dass die sundaischen Schlankaffen nun mit ausreichen-
der Vollständigkeit gekannt sind. Was den S. fascicularis von
Raffles betrifft, so sehen ihn die Verf., wahrscheinlich mit bestem
Rechte, für den sumatranischen Cercopithecus cynomolgus (Maca-
cus aureus Is. Geoffr.) an.
Zu diesen 16 (oder 11) Arten von Schlegel und Müller ist nun
noch 17 (12) der von Ref. (Schreb. Supplem. I. S. 305) aufge-
stellte S. jubatus zu rechnen, der von den übrigen scharf unterschie-
den ist. Ferner der neuerdings von Hodgsdn (Ann. of nat. bist.
VIII. p. 314) publizirte 18 (13) S. scldst accus ^ sonst von ihm nipa-
20
lensis benannt. „Habitus von S. maiirus. Oben dunkel schieferfar-
Jben; unten und am ganzen Kopf blassgelb ^ nur Hände und Füsse
etwas dunkler oder mit dem Oberleib gleichfarbig. Ein Pinsel schwar-
zer Haare aufwärts strahlend von den Augenbrauen, einfarbig;
Schwanz länger als der Leib und mehr oder weniger gequastet.
Haut schwarz, am Gesicht und an den letzten Gliedern der Vorder-
finger nackt. Haare am Scheitel kurz und strahlenartig, an den
Wangen lang, rückwärts gerichtet und die Ohren verdeckend. Haare
von einer Sorte, weder harsch noch weich, mehr oder weniger ge-
wellt, 3 — 5.^ Zoll lang am Leibe, dichter und kürzer am verschmäch-
tigten Schwänze. Länge 30-', Schwanz ohne Haare 36"; Hände 6^,
Füsse 8i. Weibchen kleiner, mit kürzern Eckzähnen. Bewohnt die
Tarai- Waldungen und die niedern Berge, selten auch Kachar."
Das Mittel in vielen Merkmalen zwischen Cercopithecus
sabaeus und pygerythrus hält O gilb y's Cer copitliecus Tan-
talus (Proceed. IX. p. 33):
„C. supra saturate flavo -viridis, in artus cinerescens, subtus
stramineus; facie subnigra, circa oculos livida; auriculis palmisque
fuscis; cauda fusca; apice caudae, mystacibus et perinaeo flavis;
taenia frontali alba". — Wurde in Liverpool acquirirt, unbekannter
Herkunft und wohl nur Abänderung von C. sabaeus.
Zusätze zu seinen früheren Beschreibungen von Cercopithecus
erythrotis und Marti7ii finden sich von Waterhouse in den Pro-
ceed. IX. p. 71.
Hodgson stellte a. a. O. S. 315 zwei neue Arten von
Makakos auf, und möchte auch der Gattung gern einen
neuen Namen Pithex aufbrijigen , was freilich ganz überflüs-
sig ist.
Die Isle Art nennt er P. oinofs, sonst nipalensis vou ihm be-
nannt: „Schwanz ohne Haare von halber Körperlänge; Ohren theil-
weise vorstehend, Hinterbacken nackt und gleich dem Gesichte
fleischroth. Pelz gesättigt bräunlich gelbroth oder tief rostfarben,
an den Vordertheilen ins Schiefergraue übergehend und innen pur-
pur -schieferfarben. Länge 22", Schwanz ohne Haare 10, Hände
4=^, Füsse 6". Pelz von einer Sorte wie bei S. schistaceus und von
gleicher Qualität, am Leibe 2~3i Zoll lang, kürzer am zugespitz-
ten und quastenlosen Schwanz, auf dem Scheitel nicht strahlenförmig.
Bewohnt das Tarai und niedere Berge.'' Der Kopf ist abgebildet.
Die 2te Art heisst P.pelops: „Struktur und Ansehen dem vo-
rigen ähnlich. Farben mehr schmutzig oder purpurn, schieferfarbig,
Äum Theil rostroth überlaufen; Hinterbacken, mit Ausnahme der
Schwielen, bekleidet; »Gesicht nackt und dunkel, flacher als bei letz-
terem. Länge 20", Schwanz ohne Haare 9^, Hände 4^, Füsse 5^.
21
Bewohnt die nördlichen Regionen der Berge ausschliesslich. Pelz
voller und wallender als bei oinops."
Meine im vorigen Jahresberichte erhobene Rüge über den von
Ogilby gegebenen Namen Papio ochreatus muss ich dahin berichti-
gen, dass er nicht von Ocker, sondern von ocrea abzuleiten ist,
daher ocreatus geschrieben werden muss,
Cuniing macht in den Proceed. VIII. p. 33 auf 2 Farbenabän-
derungen des Inuus cyfiomolgus aufmerksam^ die er auf den Philip-
pinen antraf: die eine war schwarz und weiss gescheckt, -die an-
dere hell kastanienfarben mit Weiss gescheckt. Nur ein Exemplar
von jeier Abänderung kam Cuming zu Gesichte, in beiden Fällen
in Gesellschaft mit gewöhnlich gefärbten Individuen. — Wahrschein-
lich ist auch der Macacus carboiian'us (M aureus Is, Geoffr.), von
dem neuerdings P. Gervais (Bonite. Zool. I. p. 6. tab. 3.) wieder
ein Exemplar beschrieb, nur eine Abänderung des I. cynomolgus mit
dunklem Gesichte.
Zur Kenntiiiss des iiiuern Baues des javanischen Loris
(Kukang) lieferte Schroeder van der Kolk in der Tijd-
schrift voor natuurl. gesch. 1841. p. 277, vortreffliche Beiträge.
Seine Untersuchungen betreffen das Gehirn, Herz und Gefäss-
system, Lungen, Ernährungsapparat und weibliche Geschlechtstheile.
Das Zerfallen der Arm- und Oberschenkel-Arterie in mehrere Zweige,
die sich wieder vereinigen, fand er wie andere Beobachter. Die
Lungen haben rechts 4, links 3 Lappen. Die zweite Zunge, welche
Fischer und Tiedemann bei Stenops gracilis unter der ersten be-
schreiben, fand Verf. bei dem Kukang nicht. Sehr merkwürdig ist
es, dass am Blinddarm ein vollkommener und sehr langer Wurmfort-
satz sich einstellt. Der Uterus ist zweihörnig, doch so tief getheilt,
dass man ihn fast für doppelt halten sollte, während er bei St. gra-
cilis nur zweilappig und keineswegs getheilt ist. Auf einer Tafel
sind die hauptsächlichsten Organe abgebildet.
An diese Abhandlimg reihte van der Hoeven einige
Bemerkungen über die zu Stenops gehörigen Arten (a.a.O.
S. 337).
Ref. hatte dieser Gattung in seineu Fortsetz, von Schreber 2 Ar-
ten zugezählt, die auch in der hiesigen Sammlung aufgestellt sind,
nämlich den St. gracilis und tardigradus^ unter letzterem, wie es
auch noch neuerdings S. Müller und Schlegel gethan haben, die In-
dividuen vom indischen Festlande und den suudaischen Inseln begrei-
fend. Van der Hoeven trennt nun aber, und wie es mir scheint
mit Recht, den javanischen Lori als Stenops javaiiicus von den an-
dern ab, welchen er den Namen St. tardigradus belässt und entwirft
folgende Diagnosen: 1) Stenops java?iicus; „St. cauda brevis-
sima, cinereo-flavus, Stria dorsali fusca, macula alba frontali, den-
tibus incisivis superioribiis diiobus tantum, rostro subacuto, clon-
22
gato." Von Java. — 3) Stenops. tardlgradus. „St. cauda bre-
vissima, ciuereo-flaviis, Stria dorsali fusca, fronte fusca, stria alba
inter ociilos angusta^ supra oculos evanescente, dentibus incisivis
superioribus 4, rostro obtiisiusculo." Von Sumatra, Bornco und In-
dien. — Demnach gehört das von mir (a. a. 0.) beschriebene Exem-
plar, als dessen Heiraath überdies Bengalen angegeben ist, zu vSt.
tardigradus im Sinne van der Hoeven's. Auf 2 schönen Tafeln ist
das Skelet, der Schädel, der Kopf, Hand und Fuss von St. javani-
cus, so wie Schädel und Kopf von St. tardigradus abgebildet.
Über die antediluvianischen Knochenüberreste von Affen hat Ref.
seitdem nichts weiter erfahren, als dass der Versammlung in Turin
1840 vom Domnando aus Athen eine Abhandlung über Affenknochen
vom östlichen Attika zugeschickt wurde (Instit. 1841. p. 258),
Chiroptera*
In der Microscopical Society las Quekett (Ann. of nat.
liist. VIII. p. 227) eine Abhandlung- über die feinere Struktur
der Fledermaus-Haare, und bemerkte, dass sie mit Schup-
pen besetzt seien, die sich abstreifen lassen.
Diese von Ouekett erwähnten Schuppen sind offenbar die Epi-
ihelialzellen, welche jedes Haar des Menschen und der Säugthierc
überkleiden, und die nicht blos bei Fledermäusen, sondern auch noch
bei manchen andern Thieren eine eigenthümliche Form und Anord-
nung in ihrer Stellung erkennen lassen. Die Beschreibung harmo-
nirt mit Erdl's Abbildungen in dessen Abhandlung über den innern
Bau der Haare (Fig. 13 und 14). Dass dieses Epitheliura sich vom
Haare wegschaben lässt, ist nichts Auffallendes; bei Haaren, die
man aus etwas alten Bälgen nimmt, steht der Epithelialüberzug
häufig und ohne dass man irgend eine Präparation anwendet, in
einzelnen Fetzen von der Oberfläche ab.
Einige Bemerkungen über britische Fledermäuse theiltc
Jenyns in den Ann. of nat. bist. VH. p. 263 mit. Exemplare des
Vespertilio jnpistreUus und iiiystacinus von Selys Longchamps kom-
men ganz mit den britischen überein. Der F. Danbcntonii ist frü-
her von ihm für V. emarginatus angesehen worden. Ferner bekennt
er sich jetzt ebenfalls zu der Meinung von Keyserling und Blasius,
dass sein F. aedilis nur eine Abartung von V. Daubentonii sei.
Gervais erklärt eine Fledermaus aus Peru für neu und giebt
ihr den Namen Vespertilio ifinoxius. Wie er sagt, gehört sie zur
Abtheilung der Serotinoides mit i Backenzähnen, ihre Grösse über-
trifft nicht die von V. pipistrellus, die Farbe ist schwärzlich braun.
(Bonite. Zool. I. p. 35. tab. 11).
Von drei südrussischen Fledermäusen gab Eversmanu
die Beschreibung (Bullet, de Moscou. 1840. p. 21).
23
Diese siud Vesper tiUo discolo)\ turcomanus und volgensis. Die
Beschrcibiiüg der ersten Art stimmt ganz mit unsern Exemplaren
von V, discolor; dagegen fehlen zur sichern Erkennung der bei-
den andern, als neu angekündigter Arten zwei Hauptpunkte in den
Angaben: es ist nämlich weder das Gebiss, noch die Anheftungs-
stelle der Flughaut notirt. Deshalb ist Ref. auch nicht im Stande
von F. turcomanus, in Ermangelung der Autopsie, zu bestimmen,
ob er wirklich neu ist wofür allerdings die Kürze des Schwanzes
und die Färbung des Pelzes zu sprechen scheinen. Die Diagnose von
diesem V. turcomanus lautet: „V. auricuiis mediocribus capite bre-
vioribus; trago lanceolato recto; vellere supra ferrugineo -cano,
subtus albo.'^ Ausserdem setzt E. hinzu: Ohren mehr als halbe
Kopflänge, fast so breit als lang, Vorderrand beinahe gerade, die
Spitze zugerundet. Klappe schmal lanzettförmig, gerade, ziemlich
lang und spitz. Pelz auf der Oberseite hell röthlich grau, auf der
Unterseite weisslich. Flughaut überall nackt, ohne Haare. Körper
2" 8'", Schwanz 9^", Ohr 51"', Klappe V^"'. Zwischen dem kas-
pischen und Aralsee. — Von der 3ten Art: V. volgensis heisst die
Diagnose: „V. auricuiis capite brevioribus, late triangulo-ovalibus,
trago anguste lanceolato recto^ vellere dorsi rufo, gastraei albido."
Noch ist weiter angegeben, dass das Gesicht behaart ist, die Klappe
klein, schmal lanzettförmig und behaart. Pelz des Kopfes und Rük-
kens gleichförmig röthliehbraun, der Bauchseite schmutzig weiss;
an dieser die Haare in der untern Hälfte schwärzlich, an der Spitze
weiss. Flughaut nackt, auf der Unterseite nahe dem Körper, unter
dem Oberarme mit einigem weissen Flaum .
In den Wäldern der kasanischeu und nischnigorodischen Gouver-
nements und am Uralgebirge. — Über diese Art kann Ref. weitere
Aufschlüsse geben, da er davon ein Exemplar besitzt. Backenzähne
sind f vorhanden, folglich gehört sie zur Untergattung Vespertilio
im Sinne von Keys, und Blas., und zwar zur Abtheilung der kurz-
(ihrigen. Die Klappe ist am Ausscnrande convex, am Innenrande
gerade. Die Flügelhaut scheint nicht ganz das untere Ende des
Schienbeins zu erreichen, auch scheint die Schenkelflughaut kaum
behaart zu sein. Die Eckzähne sind stark. Am nächsten steht diese
Art dem V. Capaccini (V. megapodius), aber die Rückenfarbe ist bei
ihr nicht blos dunkler als bei dieser, sondern auch nicht zweifarbig,
indem auf der Oberseite die Haare ihrer ganzen Länge nach einför-
24
mig' röthlich kastanienbraun sind, was gegen die Wurzel hin dunk«
1er wird.
Die iinifasseiulsteii Arbeiten über diese Ordnung lieferte
Temminck in seiner Monograpb. de Mammalog. II. Heft
4 und 5.
Zunächst stellte er 2 Gattungen auf: Chiromeles und Megaera.
Die Gattung Chiromeles, schon von Horsfield errichtet, ist da-
durch charakterisirt, dass der Hinterfuss handartig gebildet ist, je-
doch ist es hier die äussere Zehe, welche den übrigen wie ein Dau-
men sich entgegenstellt. Dem Cli. torquatus Horsf. fügt Temminck
eine neue Art zu: Ch. caudattis, der sich durch eine Tasche
auf der Brust, durch erheblichere Grösse und einen doppelt so lan-
gen Schwanz von jenem zu unterscheiden scheint. Heimath: Java,
Sumatra und Borneo.
Die Gattung Megaera begründet Temminck auf sein Pacht/-
soma ecaudatum und reiht sie zwischen Harpyia und Pachj'soma
ein. Vorderzähne sind nur % vorhanden j Schädelform wie bei Har-
pyia, aber die Nasenbeine sind läoger und am Ende rölirenartig auf-
getrieben.
Die schon früher in v. d, Hoeven's Tijdschriffc mitgetheilte Mono-
graphie der Gattungen Taphazoiis, Emhallonura, Lrocrijpttis und Z)/-
clidurus ist nun auch hier aufgenommen. Taphoxous ist mit einer
neuen Art T. melanopogon von Java bereichert worden^ Emhallo-
nura mit E. Uneata aus Surinam; letztere der kleinste aller Hand-
flügler.
Ausserdem lieferte Temminck ausführliche Beschreibungen von
Dysopes dilatatus Horsf. , Dysopes pumilus Rüpp. und Pachysoma
brachyotum Müll.; kürzere Bemerkungen über Dysopes Alecto und
al/rasus.
Mapiicin.
Insectivora» llber die britischen Spitzmäuse
legte Jenyns werthvolle Bemerkungen vor (Ann. ofnat, bist.
VII. p.263).
Durch Untersuchung vieler aus Irland erhaltenen Exemplare von
Sorex hibernicus hat er sich überzeugt, dass dieser mit S. rusticus
identisch ist; von S. tetragonurus hält er ihn aber noch immer spe-
zifisch verschieden, obschon der innere Bau und die Wirbelzahl von
beiden übereinstimmt. Die ganze Wirbelzahl beider ist 44, nämlich
Hals 7, Rücken 14, Lenden Ö, Kreuzbeine 2, Schwanz 15. Einmal
fand er bei S. tetragonurus 16 Schwanzwirbel; ein andermal bei S.
hibernicus nur 14. Ref. hat bei S. tetragonurus 2 Kreuzbein-Wirbel
und 17 Schwanz Wirbel gezählt. -— Von S. ciUatus bemerkt Jenyns,
dass er zwischen ihm und dem S. fodiens so viele Mittelglieder ge-
sehen habe, dass es ihm jetzt ausserordentlich zweifelhaft erscheine,
25
ob sie verschieden seien ^ eincAnsichi, die Ref. schon früher ausge-
sprochen hat.
Nach Steenstrup's Angaben (Isis 1841. S. 903) kommt Sorex
injgmaetis auch in Holstein und ganz Dänemark vor.
Über Macroscelides Roxeti lieferte Duvernoy einige Bemerkun-
gen (Instit. 1841. p. 400)^ wozu Ref. in diesen Blättern (Jahrg. 1841.
S. 213) Erläuterungen gab.
Der Wüchuchol ist neuerdings auch in der Nähe von Moskau
aufgefunden worden (Bullet, de Moscou. 1840. p. 382).
Den Maulwurf von Nepal betrachtet Hodgson jetzt in seinem
neuen Kataloge (Calcutt. journ. hy M'Clelland. 1841. p. 812) als
besondere Art, der er den Namen Talpa niicrui^us giebt, mit der
Diagnose; ,, sammtschwarz mit Silberschimmer beim Reiben gegen
den Strich, und irisirend (iridescent), wenn nass; nackte Schnautze,
Füsse und Schwanz fleischfarbig weiss; Schwanz sehr klein, rudi-
mentär; übrige Struktur typisch." Ohne genaue Vergleichung mit
unserem Maulwurf lässt sich über die Selbstständigkeit der neuen
Art mit keiner Sicherheit urtheileu.
Carnivora. Ref. hat seine Bearbeitung der Fleisch-
fresser vollendet, welche nun mit den Insektivoren zusammen
die 2te Abtheilung des Supplementbandes von Schreber's
Säugthieren ausmachen.
Die 2 neuesten Hefte von Blainville's Osteographie
enthalten seine beiden Gattungen Ursus und Subursus.
TJrsus nimmt er in der jetzt allgemein festgesetzten Umgren-
zung. An den Skeleten des schwarzen Bären von Europa, des
Bären von Norwegen, Polen, aus den Alpen, Pjrenäen und Astu-
rien hat Blainville keine Differenzen wahrgenommen, die nicht auf
Rechnung des Geschlechts, Alters oder äusserer Verhältnisse hätten
geschrieben werden können. Auch den Ursus ferox stellt er nach
einem auf Kalifornien erlegten Exemplare, dessen Skelet er abbil-
det, mit ü. arctos zu einer Art zusammen. Nach einem Schädel des
U. ferox, den Ref. durch die Güte Sr. Durchlaucht des Prinzen von
VVied zur Ansiclit erhielt, gehört dieser Bär allerdings zum Typus
des ü. arctos, und ich konnte an jenem Schädel keine andere Diffe-
renz von dem unseres gemeinen Bären auffinden, als dass der von
U. ferox verhältnissmässig kürzer und die Nasenbeine in der hintern
Hälfte nicht deprimirt, sondern ebenfalls gewölbt sind. Ob indess,
da ich blos ein junges Exemi>lar vor mir hatte, dieses Merkmal con-
stant bleibt, kann nur aus einer Reihe von Schädeln entnommen
werden. Der von Blainville abgebildete scheint allerdings ganz
mit dem des gemeinen Bären übereinzustimmen, doch muss bemerkt
werden, dass letzterer in Nordamerika ebenfalls vorkommt, und dass
man nicht versichert ist, dass das erwähnte kalifornische Exemplar
wirklich dem ächten U. ferox angehört.
26
Merkwürdig ist es, dass der Schädel des südamcrikamsclien U.
ornatus dem des jiialayischen so höchst ahulich ist. Ferner ist bei
jenein der innere Condylus des Oberarmbeins durchbohrt, was Blain-
ville bei allen andern Arten nicht gefunden hat, während Ref. scheu
in der Isis 1831. S. 555 darauf aufmerksam machte, dass an einem
Skelete des gemeinen Bären in der hiesigen zoologischen Sammlung
das rechte Oberarmbein ganz ist, das linke aber wie beim Löwen
durchbohrt sich zeigt.
Hinsichtlich der iirweltlicheu fossilen Bären kommt Blainville zu
einem Resultate^ das gewiss die Palaeontologen nicht wenig über-
raschen wird. „Nach Vergleichung der Knochen der lebenden Bä-
ren und der Höhlenbären,^' sagt er, „glaube ich, dass diese von ei-
ner und derselben Art herrühren, derselben, die noch heut zu Tage
in Europa lebt, aber eine fast riesenhafte Grösse erreichend imVer-
hältniss zu der Rasse, die in den abgelegensten Theilen der Alpen
und Pyrenäen zu existiren aufhört, und sehr wenig verschieden von
der des Bären aus dem nordwestlichen Amerika (U. ferox). Das
Männchen macht den TJ. giganteus , spelaeus major ^ Pitorril und ne-
scherseiisis j das Weibchen den U. urctoideus^ leodiensis in der Va-
rietät von erster Grösse aus, wie in der der zweiten das Männchen
durch den IJ. spelaeus minor und das Weibchen durch den U. pri'
scus repräsentirt wird." — Ref. hat hier den Raum nicht, vorste-
hende Behauptung einer speziellen Prüfung zu uuterwerfen, aber
nach seinen eignen, schon 1889 in der Isis (S. 969) niedergelegten
Erfahrungen, kann er nimmermehr zugeben, dass U. spelaeus, ar-
ctos und priscus eine einzige Art ausmachen sollen, während er da-
gegen vollkommen damit einverstanden ist, dass U. spelaeus, gi-
ganteus und Pitorrii zusammen gehören.
Ausser der erwähnten Art erkennt Blainville unter den fossilen
Bären in Europa nur noch den U. arverjiensis au, zu dem er muth-
maasslich den JJ. etriiscus rechnet. Er sieht in ihm den europäischen
Repräsentanten des ü. ornatus und malayanus.
Im 9ten Hefte behandelt Blainville die Osteologie seiner Gattung
Suhursus (Petitö-Ours), wozu er Meles, Myduus, Vrocyon^ Nasiia^
Cercoleptesy Arctictis und Ailurus rechnet. Es sind hier Thiere in
eine Gattung zusammengestellt, w^elche Ref. wohl mit besserem
Rechte sogar unter 8 Familien vertheilte. — Als fossile Gattungen
zählt Blainville hieher: a) Taxotherium, wie er eine zwischen
Dachs und Mydaus zwischenliegende Form nennt, die Cuvier als
verwandt mit den Coatis und Waschbären erklärt hatte; Blainville
sieht sie auch für verschieden von Cuvier's angeblichem Dasyurus an,
welch letzterem er den Namen Pterodon beilegt, b) Palaeocyon
oder Arctocyouj von ihm nach einigen Überresten bestimmt, c)
Amphicyou von Lartet, den Binturongs verwandt, aber von Bä-
rengrösse und darüber, und mit einem Gebisse, das dem des Hun-
des fast ähnlich ist. Hieher rechnet Blainville auch d) den Ursus
27
sivaknsis, aus dem er die Galtimg Atnphiarctos bildet; Ref. hat
jedoch schon im Jahre 1837 (MÜQCheu. gei. Auzeig. V. 8. 335) die
generische Verschiedenheit desselben von den Bären nachgewiesen
und auf dem U?\sus sivaletisis die Gattung Agriotherium begrün-
det. Auch von Hi/aenodou ist noch die Rede, doch verweist Blain«
ville deshalb auf das nächste Heft.
Unter den russisch-sibirischen Bären glaubt Eversmanu
in den Bullet, de Ja Sog. imp. des naturalistes de Moscou
1840. p. 8, zwei Arten unterscheiden zu dürfen.
Die grössere nennt er Ursus cadaverinus (synonym mit
U. arctos Linn,), die kleinere XJ rsus formicarius. Sowohl aus
der Abbildung der Schädel, als auch aus der ganzen Beschreibung
geht hervor j dass ersterer auf alte erwachsene Individuen, letzterer
auf jüngere und wohl grösstentheils weibliche Exemplare einer und
derselben Art begründet ist.
Nach glaubwürdigen Aussagen ist das Vorkommen von Bären
im Atlas verbürgt. Ein daselbst erlegtes Exemplar wird als bräun-
lich schwarz, unten orange rufous beschrieben (Proceed. IX, p. 65).
Über die Lebensgeschichte des Vrsns lahiatiis gab Lieut. Tickeil
in Calcutt.journ. I. p. 199 sehr interessante Aufschlüsse. Mit grosser
Kraft kann dieser Luft in den Mund einziehen und ausstossen. Amei-
sen- und Termiten-Nester kratzt er mit den Vorderkrallen auf, blässt
dann mit Gewalt den Schutt weg und zieht die Ameisen u. dgl. mit
solcher Heftigkeit ein, dass man das Einschlürfen ein Paar Hundert
Schritte weit hört. Auch Larven, besonders die grossen von Ateu-
chus sacer, holt er auf diese Weise tief aus der Erde. Dabei frisst
er Früchte und Vogeleier. Die Zunge weit hervorzustrecken, wie
es vom malayischen Bären angegeben wird, ist er nicht im Stande.
Dr. Cantor (Proceed. VIU. p. 46) berichtet, dass er ein Exem-
plar von Ursus syriacus oder isabellinus in der Gefangenschaft ge-
sehen habe, dass dieses Thier in Bengalen nicht bekannt, aber in
den Gebirgen von Kaschmir häufig sei und da den Namen Ä/^c)l- führe.
Die Länge des erwähnten Exemplares betrug 4' 2", die Höhe au
der Schulter 3', um Kreuz 3' 8".
Im Jahrb. für Mineralog. 1841. S. 684 wird erzählt, dass in ei-
nem Torfstiche im sächsischen Obergebirge Ueberreste eines Bären,
namentlich eine Masse von Haaren gefunden worden seien. Dass
diese Haare wirklich von einem Bären herrühren, würde am sicher-
sten aus der mikroskopischen Untersuchung erwiesen werden können.
Temminck lieferte eine ausführliche Monographie von Are fictts,
nebst Abbildungen des Schädels und ganzen Skeletes, wodurch ihre
Zusammenstellung mit den Bären gerechtfertigt wird (Mamm. IL N. 4).
Aus E van 's Anatomie des Arctonyx collaris ergiebt es sich,
dass derselbe nur eine Untergattung von Meles bilden könne, wozu
Waterhouse auch Mydaus stellt (Ann, of nat. hist, VI. p. 79).
28
Vom Schädel der Meles (Tuxided) lahradoria hat Waterhouse
in den Transact. of thc zool. Soc. II. 5. tab. 59 herrliche Abhildun-.
gen mitgetheilt.
Dass sein Visitaxus inaurltus mit Pennanl's und Hardwickc's
Indian badger identisch ist, hatHodgson jetzt selbst erkannt. Da-
gegen bestreitet er es, dass seine Gattung Urva, der er jetzt den
Namen Mesobema giebt, einerlei mit Helictis wäre; jene habe die
Zähne von flerpestes (also f Backenzähne), diese nur | Backenzähne.
Die englischen Zoologen streiten sich neuerdings darüber,
ob bei ihnen ausser dem Steinmarder (Mustela Foi/ia) auch
noch der Edelmarder (M. Maries) vorkomme, überhaupt, ob
beide verschiedene Arten wären.
Ben nett ist hierüber zweifelhaft, Bell hat beide Arten aner-
kannt, Macgillivray (Brit. Quadrup.) sie vereinigt, indem er die
gelbe Färbung des Vorderhalses nur für ein Zeichen der Jugend an-
sieht. Derselben Meinung ist Eyton (Ann. of nat. bist. VI. p. 290),
während Jenjns und Yarrell (ebenda. VII. p. 268) für 2 Arten
eind. Nach Allem bleibt Ref. ungewiss, ob in England der ächte
Edelmarder vorkommt, denn dass Edel- und Steinmarder wirklich
2 verschiedene Arten sind, darüber kann man in Deutschland nicht
zweifelhaft sein, die Zoologen so wenig als die Jäger und Kürsch-
ner, und wenn die Engländer sich etwas mehr um unsere Literatur
bekümmerten, so würden sie schon vom alten Schreber und Bech-
stein über die spezifische Verschiedenheit beider Marder hinreichend
belehrt worden sein. Am schärfsten haben neuerdings Keyserling
und Blasius ( Wirbelthiere Europa's S. 67) beide Arten unterschie-
den, wozu Ref. noch die Differenzen in den Schädeln beifügen will,
wie er sie au 4 Exemplaren von M. Martes und au 4 von M. Foina
gefunden hat.
Bei Foina vereinigen sich nämlich die Stirnlcisten in der Regel
erst sehr weit hinten, auch liegt der Orbitalstachel des Stirnbeins
gewöhnlich, aber nicht immer, mehr nach hinten gerückt. Das Haupt-
merkmal aber ist, dass der Schädel bei Foina minder gestreckt, viel
angeschwollener als bei Martes ist. Dies gilt selbst von dem Vor-
dertheil des Hirnkastens, so wie insbesondere von der Schnautze,
die nicht blos aufgetriebener, sondern auch kürzer ist, weshalb die
Nasenöffuung bei F. breiter, bei M. mehr in die Hohe gestreckt ist.
Die Nasenbeine setzen bei F. stark von der Stirne ab, was schon
an jungen Exemplaren auffallend ist , und senken sich nur wenig
vorwärts, während bei M. der Abfall der Stirnbeine ganz allmälig
in den der Nasenbeine übergeht. Der kurze mopsartige Schnautzcn-
theil am Schädel von Foina giebt dieser eine ganz andere Physio-
gnomie als der M. Martes. Ausserdem sind bei F. die Stirnbeine brei-
ter und mehr bauchig gewölbt, der Jochbogen enger gespannt, aber
sein Bogen mehr aufsteigend und convexer, während er bei M. zwar
29
länger gespannt ist, aber nicht so hoch aufsteigt und oben fast ho-
rizontal ist. — Noch bemerke ich zur Berichtigung englischer Anga-
ben, dass unser Edelmarder eher grösser als der Steinmarder ist.
Hodgson (Calcutta Journ. of nat. bist. 1841. p. 831) stellte eine
Mustela? Calotus auf: hell schieferblau, unbestimmt grau ge-
fleckt; die dicht behaarten Ohren, Schwanz und Gliedmaassen schwärz-
lich; Unterseite rein weiss. Körper 18 — 14", Schwanz mit Haaren
10 — 11, ohne Haare 8". Bewohnt den Himalaja und Tibet.
Üeber einige, auf der Reise der Bonite gesammelte Fleisch-
fresser theilte Gervais vorläufige Notizen im Instit. 1841.
p. 401 und ausführlichere Beschreibungen in der Zoologie
der Bonite mit.
Mephitis Feuilleiy die er als neue Art von M. suffocam
trennen möchte, ist nur ein altes Individuum von letzterer, wo die
weissen Streifen auf der Kruppe bereits verschwinden. — L%itra
pernviensis ist nur nach einem Schädelfragment als Art aufge-
stellt, daher noch sehr problematisch. — Die Untersuchung des Ske-
le(s und des Darmkanals von Bassaris astuta hat es bestätigt,
dass diese Gattung ein Mittelglied zwischen Mustelinen und Viver-
rineu bildet. Wie bei ersteren fehlt der Blinddarm, die gewöhnli-
chen Analsäcke sind vorhanden. Wirbel giebt es: 18 Rücken-, 6
Lenden-, 3 Kreuz- und 83 Schwanzwirbel. — Herpestes exi-
lis sieht er für eine neue Art aus Cochinchina an, am nächsten mit
H. javanicus verwandt, von dem sie dadurch unterschieden wird,
dass die rostrothe Farbe minder häufig ist. Von den Tarsen wird
gesagt, dass sie zum Theil kahl sind und eine schmale uackte Binde
sich bis zur Ferse verlängert (bei H. javanicus ist die hintere Hälfte
der Sohlen behaart. — Abgebildet ist Hemigahis Zebra (identisch mit
Paradoxurus Derbianus, Viverra Boiei Müll., Viverra Derbji Temm.).
Eben so Cynogale Bennettiy deren Milchgebiss beschrieben wird.
\o\\ Felis Pajeros ist der Schädel abgebildet; der erste obere Lücken-
zahn scheint mit dem Alter verloren zu gehen.
Über indisclie Viverren sind im Calcutta Journal of Na-
tural History, conducted by J. M'Clelland, mehrere Verhand-
lungen gepflogen worden.
Zuerst finden sich vom Herausgeber Vol. \. p. 56 : „remarks on
an undescribed species of Civet." M'Clelland hatte aus den Kasyah
Bergen ein Exemplar erhalten, das er von der ächten Viverra Zi-
betha hauptsächlich dadurch unterscheidet, dass der Schwanz von 6
breiten schwarzen Ringen umlegt ist, während bei letzterer die
Ringe zahlreicher und unvollständig sind.
Von demselben Thiere spricht auch Hogdsonin seinem Aufsatze :
„on theCivet of the continent of India, Viverra orientalis, ho-
die melanurus" (1. c. H. p. 47). Er bemerkt, dass er eine grös-
sere und kleinere Art aus dem Tarai und den Bergen von Nepal in
30
seinem Kataloge als Viverra orientalls und Viverrula hidica und
Rasse aufgeführt habe, wovon er die erstere mit der von M'CIel-
land gemeinten Art für identisch vermuthet und eine sehr ausführ-
liche Beschreibung von ihr entwirft. Wie er behauptet, bieten, bei
allen sonstigen Abänderungen dieser V. orientalis s. melanura die
Schwanzrioge einen beständigen Charakter dar, indem die Zahl 6
für diese constaut ist; sie sind nach der Spitze hin allniälig brei-
ter, hellfarbig auf schwarzem Grunde, unten breiter als oben, aber
immer schmäler als die dunklen Zwischenräume. Auf 1^ bis 3 Zoll
weit ist die Spitze stets schwarz. Oft ist der Körper ungefleckt und
selbst an Schultern und Schenkeln werden die Binden kaum bemerk-
bar. — Ob diese V. orientalis s. melanura wirklich von V. Zibetha
spezifisch abweicht, scheint Ref. keineswegs schon entschieden, da
letztere als theilweises Hausthier mancherlei Abänderungen, auch in
der Schwanzringelung, unterworfen ist. Gray's Viverra undulata
ist überdies nicht wesentlich von jener Hodgson'schen Art verschieden.
Hodgson erwähnt weiter, dass seine grössere Art in den Ber-
gen so häufig als in der Ebene sei, während die kleinere nur in der
Ebene gefunden werde. Die Zibethtasche fand er bei beiden gleich
stark entwickelt, ausserdem noch die gewöhnlichen 2 Analdrüsen.
Aus der kleinern Art errichtet er die Untergattung Viverrula^
weil die Drüsentasche nicht blos wie bei der Genette angedeutet,
sondern eben so vollständig als bei den grossen Zibethkatzen sei.
Da jedoch, wie Ref. bemerklich machen will, Cuvier keineswegs
Recht hatte, als er den Genetten blos eine seichte Tasche zuschrieb,
indem sie fast so vollständig als bei den Zibethkatzen entwickelt
ist, so fällt Hodgson's Hauptmerkmal für seine Viverrula weg.
In demselben Jonrnal (N. 5. April 1841. p. 57) be.sclu-eibt
Hodgson eine neue Viverre unter dem Namen Prionodon
Pardicato7\
Das Gebiss kommt ganz mit Horsfield's Formel von Prionodon
überein. Die Farbe ist orangefalb (orange buff) mit schwarzen
Flecken in 8 Quer- und 7 Längsreihen; Hals oben mit unregelmässi-
gen Linien. Unterseite ganz ungefleckt. Schwanz mit 8—9 voll-
ständigen Ringen. Körper über 16", Schwanz 13 — 14". In den
Vorbergen des Himalaya, Betragen katzenartig, klettert geschickt,
raubt kleine Säugthiere und Vögel.
In den niederl. Verhandelingen Zool. N. 5 ist auf Tab. 18 die Vi-
verra Boiei abgebildet worden.
Die Gattung Paradoxurus ist von Temminck in ei-
ner gründlichen Monographie bearbeitet worden (Mammal. II.
4. livrais. p. 312).
Von einer eignen grossen Sammlung, und ausserdem durch die
Beihülfe von Ogilby unterstützt, hat Temminck die Arten noch mehr
reduzirt, als es Ref. gethan hatte. Aus eigner Ansicht begründet er
31
7 Arten; 8 andere nimmt er auf Ogilby's Autorität an; eine 3te be-
ruht nur auf einer Zeichnung. Diese Arten sind: 1) P. typus^
wozu T. auch Viverra hermaphrodita und Platych'sta PaVasn zieht.
%)P.Mnsanga, von der er uns in 9 Varietäten eine viel grössere
Reihe von Abänderungen aufführt als bisher bekannt war, so dass
ich hierdurch veranlasst werde, meinen P. felinus als Art aufzuge-
ben, indem ich ihn in T. Var. E. erkenne. Zu P. Musanga rechnet
T. auch P, duhius^ Crossü, Pallasii und Gray's hermaphroditus. 3)
P. la?'vatus, wozu nach Ogilby auch P. lam'ger und Grayi gehören
soll, wogegen ich jedoch bemerken niuss, dass Bennett bei seinem
P. Grayi den Schwanz länger als den Körper angiebt, während er
bei larvatus und laniger nicht viel über die Hälfte ausmacht. 4) P.
Bondar, hiezu P. Pennantii. 5) P. trivirgatus. Q')P.leucomy'
stax. 7) P. binotat us (P. Hamütonü). Auf Ogilbj^'s Autorität ferner :
8)P. leucopus und 9)P. philippensis, wozu T. Jourdan's Amblio-
don dore und Gray's P. Jo?/r</«//2V rechnet. Endlich 10) P.prehensi-
lis^ nur nach einer Zeichnung bestimmt. — In einem Anhange erklärt
T. Jourdan's Hemigale %ehra für eine ächte Viverra. 3 Tafeln stellen
{Schädel und auch ein Skelet von Paradoxurus dar. Nicht aufgenom-
men ist in dieser Monographie Hodgson's P. m'palensis ^ der von ty-
pus spezifisch abzuweichen scheint; Ref. hat überdies noch einen P.
annulatus aufgestellt.
Hamilton Smith hat in der Naturalist's Library von
Jardine, Mammalia IX. u. X. eine Monographie der Hunde
geliefert.
Zu seiner Abtheilung der Canidae rechnet er auch noch Hyaena
und Proteles. Die Hunde vertheilt er in 5 Untergattungen: V)Chaon,
2) Canis^ 3) Vulpes, 4) Agriodus {Otocyoii), 5) Lycaon {Caiiis pi-
ctus)y die grössern wieder von diesen Untergattungen in Sektionen.
Diese Monographie ist reich an eignen Beobachtungen und mit gros-
sem Fleisse gearbeitet, doch sind der Abtheilungen und Arten zu
viel, und Diagnosen werden daher sehr vermisst. Diemeist gut ge-
zeichneten Abbildungen sind wie gewöhnlich in dieser Library ganz
ungenau colorirt, was freilich nicht dem Verf., sondern dem Heraus-
geber zur Last fällt.
Gegen einige in vorstehender Monographie von H. Smith ge-
machte Angaben hat Hodgson im Calcutt. journ. 1841. p. 205 Ein-
wendungen erhoben. Er negirt nämlich das Vorkommen wilder Pa-
riars-Hunde im Hiraala3^a, Vorhimalaya und den Saul- Wäldern , be-
zweifelt es auch für das übrige Indien. Eben so bestreitet er es,
dass in den erst genannten Gegenden Hj-änen und Wölfe überhaupt
sich aufhalten, was dagegen iu den Tiefebenen Indiens der Fall sei.
Auch läugnet er es, dass die Schakals eine andere Zahl von Zitzen
als Hund und Wolf besitzen, und berichtigt die Angaben über den
wahren wilden Hund von Indien (den Cani's pn'maeviis) dahin, dass
dieser einen wirklichen Fuchsgeruch und 14 Zitzen, also mehr als
32
die übrigeu Arten, besitze. Für letzteren hat Hodgson eine beson-
dere Gattung Cuon errichtet, was freilich nicht nothvvendig gewe-
sen wäre. — In demselben Journal (S. 209) lieferte Camp bell Noti-
zen über das Skelet des Buansu (Oanis priniaevus), des Pariah-
Hundes und Schakals.
Über die nordamerikanischen Hundearten finden sich in
des Prinzen von Wie d Reise in das innere Nordamerika vor-
treffliche Mittheilungen.
Zunächst unterscheidet er (II. S. 85 u. 95; I. S. 210) eine neue
Wolfsart als Canis variabilis von dem Wolf der östlichen Staa-
ten, der dem europäischen gleicht, „durch im Allgemeinen vielleicht
etwas geringere Grösse, kürzere dickere Schnautze, etwas kürzere
Ohren, durch den Mangel der bei C. Lupus an den Beinen hinablau-
fendeu dunklen Streifen und durch seine, von der gewöhnlichen
grauen Wolfsfarbe bis in das rein Weisse abändernde Färbung. In
einem jeden Trupp dieser Thiere sieht man gewöhnlich ganz weisse
und fahle, auch mehr grau gemischte und gänzlich graue Individuen."
Länge 3', Gemein am obern Missuri.
Vom Cayiis latrans lieferte der Prinz in seiner Reise II. S. 96
eine hübsche Abbildung des Kopfes und eine ausführliche Beschrei-
bung des Thieres.
Demselben verdanken wir auch die Berichtigung des Irrthumes,
als ob der Kit-Fox (^Canis veioa^ Sa,y)f wie es Richardson und
Ref. gemeint hatten, identisch mit dem C. cinereo-argenteus wäre.
Der Prinz weist genau nach , dass beide sehr verschiedene Arten
sind, und liefert uns die erste genaue Beschreibung des C. velox.
Dies ist der kleinste nordamerikanische Fuchs, auf der Oberseite
fahlröthlichgelb , die untern Theile weisslich , der Schwanz dem Kör-
per gleichfarbig, an der Spitze schwarz. Seine Heimath sind alle
Prairien des obern Missuri bis zu den Rocky Mountains.
Den C.fnlviis sieht der Prinz für besondere Art an. VonTown-
send's Angabe, dass der europäische Fuchs am Columbia vorkomme,
meint er, dass die Beobachtung nicht Stand halten werde (Reise II.
e. 86, 98).
In der Oversigt over det K. Danskc Videnskabernes Selkabs
Forhandlinger og dets Medlemmcrs Arbeider i Aaret 1840, ausgege-
ben 1841, bemerkt Lund, dass der von ihm sogenannte C. vehilus
mit C. Corsac und velox eine eigene Untergattung bilden könne.
Über die Verbreitung des Catüs lagopus hat E. v. Baer einen
eben so gründlichen als interessanten Aufsatz geschrieben (Bullet,
scient. public par l'Academ. de Petersb. Tom. IX. p. 89). Thienc-
mann's C. Isatis erkennt er so wenig als Ref. für verschieden von
C. lagopus an.
Über 2 russische Katzenarten gab Brandt ausführliche
Aufschlüsse (Bullet, de Petersb. Tom. IX. p. 34u. 37)»
33
Die eine hält er für Felis servaVna Jard., von der er 3 Felle
aus Orenbiirg bekam ^ welche viel Aehulichkeit mit der Wildkatze
zeigen, aber durch Färbung und kürzere Behaarung des Leibes und
Schwanzes leicht unterscheidbar sind. Die Ohren sind ziemlich lang,
und kurz gepinselt. Die Oberseite und die Aussenseite der Beine
ist schmutzig weiss, schwach bräunlich überlaufen , mit kleinen rund-
lichen oder länglichen Tupfen besetzt. Die Unterseite ist weiss.
Auf den Wangen zeigen sich 2 Querstreifen, am Nacken einige Längs-
streifen, am Vorderhalse 2 unbestimmte Ouerbinden; auf dem Rük-
ken kein Längsstreif. Die Füsse haben aussen Querbinden, die Soh-
len sind schwarz. Der Schwanz hat schwarze Ringe, die in der
untern Hälfte deutlicher sind. Am kleinsten Exemplare misst der
Körper 20", der Schwanz 10"; am grössten misst der Körper 26^";
Jardine's Exemplar nur 15", müsste also sehr jung sein, wenn es
hieher gehören sollte.
Nach einem aus dem Altai erhaltenen Exemplare von Felis Ma^
nul theilt Brandt ergänzende Bemerkungen zu Pallas' Beschreibung
mit. Die sehr kurzen Ohren sind wie abgestutzt und unter den lan-
gen Wangenhaaren fast ganz versteckt. Die Haare sind überhaupt
länger und starrer als an der Wildkatze. Dem Rücken fehlen die
schwarzen Flecken und der Längsstreif von diesem ganz und gar;
die Hinterseite der Tarsen ist beim Manul rostfarben, bei der Katze
bräunlich oder schwärzlich. Der kurzen Ohren wegen, meint Brandt,
könnte man den Manul zum Typus einer eignen Untergattung Oto-
CO lob US wählen, was uns nicht gerade so nothwendig scheint.
In der vorhin angeführten Übersicht über die Verhandl. der dä-
nischen Akademie weist Lund die Verschiedenheit der Felis mitis
sowohl von F. macrura als F. pardalis nach.
Auf die zahlreichen Messungen der Blutkügelchen bei den Raub-
thieren und Beutelthieren von Gr. Gul li ver kann hier nur aufmerk-
sam gemacht werden (Proceed. IX, p. 42 u. 49).
JPinnipedia. Nil s s o n ' s Abhandlung : „ Entwurf einer
systematischen Eintheilung und speciellen Beschreibung der
Phoken" ist von Dr. Peters übersetzt und in diesem Archiv
7. Jahrgang. I. Bd. S. 301. niitgetheilt worden.
Ausführliche Bemerkungen über den isländischen ütselur
von Hallgrimsson finden sich in Kr öy er 's Naturh. Tidsskrift
(Isis 1841. S. 287).
Der Verf. zeigt, dass der Utselur mit Halichoerus Grypus iden-
tisch sei, beschreibt dessen Schädel und theilt verlässige Nachrich-
ten über seine Lebensweise mit. Auch bemerkt er, dass Thiene-
mann's Phoca scopulicola keine neue Art sei, sondern wahrschein-
lich ein mit dem Knüttel erschlagenes Exemplar von Ph. variegata,
das durch Zerschmetterung des Kopfes unkenntlich geworden und
dessen dicke Lippen aus derselben Ursache entstanden.
Archiv f, NatuigeschichJe. VlIJ, Jahrg. 2. Bd, C
34
Marsupitilia»
Über diese Ordnung sind zwei monographische Bearbei-
tungen erschienen: 1) Marsupialia or Pouched Aniuials by
Waterhouse ( Naturalist's Library. Mammal. XI. 1841) und
2) des Ref. Monographie der Beutelthiere in Schreber's
Säugthieren (Heft 108 u. 109).
Waterhouse hatte den grossen Vortheil voraus, ein überaus rei-
ches Material untersuchen zu können. Nicht blos konnte er Alles
benutzen ; was in den öffentlichen Museen Londons aufgespeichert
war, sondern es stand ihm auch Gould's Sammlung mit ihren vielen
neuen Arten zu Gebote, und nicht blos hierauf sich beschränkend,
besuchte er zuletzt noch den Jardin des Plantes. Hierdurch wurde
seine Arbeit eine wahrhaft vergleichende, und auf diesem Wege
allein konnten die vielen Nominalarten auf ihren wahren Bestand zu-
rückgeführt werden. Aus einem grossen Theil der von Geoffroy
und Desmarest gegebenen Beschreibungen konnte man entweder gar
nicht oder doch nicht mit Sicherheit die Art wiedererkennen 5 noch
weniger war dies mit den kurzen Notizen der Fall, welche Gray
und Ogilby in den Proceedings und Annais of nat. hist, in die Welt
hinaus schleuderten. Wenn es nun selbst Fr. Cuvier begegnete, in
den von Desmarest beschriebenen Arten sich nicht zurecht zu finden,
wenn die Londner Zoologen Nominalarten anhäuften, obschon sie
den Vortheil der unmittelbaren Vergleichung hatten, wie sollte da
der deutsche Zoolog in diesem Wirwarr sich zurecht finden? Wa-
terhouse hat daher der Wissenschaft einen überaus wichtigen Dienst
erzeigt, dass er es über sich nahm, in dieser Confusion aufzuräu-
men. Ganz abgesehen von den vielen neuen Arten, mit denen er
uns bekannt macht, liegt das Hauptverdienst dieser Arbeit in der
auf Autopsie begründeten kritischen Sichtung der bisher publizirten
Arten, und in der klaren und vollstäudigen Darlegung der auf solche
Weise gewonnenen Resultate. Waterhouse's Monographie ist eine
der schätzbarsten Leistungen, mit welchen die Therologie im ver-
flossenen Jahre bereichert wurde. Auch die dazu gehörigen Abbil-=
düngen sind sorgfältiger kolorirt als in den frühern Bändchen.
Mit unverhältnissmässig geringeren Vorlagen musste Ref. im
Schreber'schen Werke an die Bearbeitung der Beutelthiere gehen.
Zur Benutzung hatte er nur die hiesige Sammlung und die vor Wa-
terhouse erschienene Literatur, deren unerquicklicher Zustand auf
diesem Gebiete so eben erwähnt wurde. Waterhouse's Bearbeitung
kam ihm leider erst zu, als der Druck der seioigen vollendet war
und konnte sie daher nicht mehr benutzt werden. Die reichlichen
Nachträge und Berichtigungen, die dadurch nothwendig geworden,
Wird Ref. am Schlüsse der 3ten Abtheiluug des Schreber'schen Siip-
plementbandes nachbringen.
35
Auf eine Familie der Beutelthiere beschränkt ist Gould's
Monograph of tlie Macropodidae. Lond. 1841. Part. I. Imp.
fol. Preis 3 Guineen.
Ein Prachtwerk in ähnlicher Weise wie die bisher von Goxild
gelieferten, an Schönheit und getreuer Auffassung keinem der übri-
gen nachstehend, sogar noch weiter ausgeführt, da es vollständige
Landschaften sind, in deren Vordergrunde sich die Thiere bewegen.
Die im vorliegenden Isten Hefte enthaltenen Arten sind folgende,
worunter die mit "^ bezeichneten von Gould erst entdeckt sind:
Tab. 1. Macropus f?iajor, 2. M, laniger, 3. M. fraenatus '^ ,
4. M. unguifer *, 5. M. robustus *.
Tab. 6. Petrogale brachyotis'f»
Tab. 7. Halmaturus Bennetti ^ 8. dorsalis, 9. manicatus'^j
10. Billardieri^ 11. Derbianus.
Tab. 12. Lagorchestes leporoides*.
Tab. 13. Bettongia rufescens , 14. penicillata.
Tab. 15. Hypsiprynmus Gilbertä^.
Von allen diesen Arten waren bisher nur Macropus major und lani-
ger abgebildet. Da Gould diese Thiere in ihrem Vaterlande beob-
achtete, kann er auch über ihre Lebensweise und Standorte Aus-
kunft geben. Sehr zu wünschen wäre es, dass die Beschreibungen
ausführlicher, nach dem Muster der von Daubenton und Pallas gege-
benen, behandelt würden, wozu Raum genug ist, indem die Charak-
teristik einer Art gewöhnlich nur mit einer Seite abgethan wird,
also die Rückseite eines Folioblattes ganz leer bleibt. Wie wenig
solche kurze Angaben, wie Gould sie hinstellt, trotz der Beigabe
der Abbildungen, für alle Fälle ausreichen, davon wird Ref. gleich
nachher ein Beispiel anführen. Eine genaue Beschreibung kann jede
Abbildung entbehrlich machen, nicht aber umgekehrt. Ein anderer
Wunsch ist der, dass am Schlüsse dieser Monographie die verschie-
denen Formen des Schädels und der Vorderzähne gehörige Berück-
sichtigung finden möchten, da von ihnen häufig bessere spezifische
Merkmale als von der wenig entschiedenen Färbung hergenommen
werden können.
Nach Anführung dieser beiden englischen Werke ist es
unnöthig, der neuen Arten Beutelthiere, welche Gould in den
Proceed. von 1840 und in den Annais of nat. bist. VII. und
VIII. publizirte, noch besonders zu gedenken, da sie alle von
Waterhouse bereits aufgenommen, zum Theil auch schon in
Gould's Monograph selbst reproduzirt sind. Erwähnt soll
nur die neugebildete Goiiimi^ Lagorchestes werden, welche
er erst in letztangeführtem Werke aufstellte.
Gould unterscheidet sie von Hypsiprymnus dadurch, dass ihr
Wohnort einen ixndern Charakter hat, die Muffel behaart, die Hände
C *
86
und Nägel kleiner, dünner und zarter als bei den andern Arten ge-
formt sind. Solche Merkmale berechtigen nach meinem Ermessen
höchstens zur Aufstellung einer Untergattung.
Über die Arten, welche Ref. in seiner Bearbeitung als
neu aufstellte — meist mit Zweifeln, da die vorliegenden Be-
schreibungen bei ihrer Mangelhaftigkeit nicht leicht eine hö-
here Entscheidung zuliessen — kann er jetzt, nachdem Wa~
terhouse's und Gould's Monographien ihm vorliegen, mit mehr
Bestimmtheit sich äussern.
Das von ihm bei Perameles nasuta beschriebene Exemplar aus
der hiesigen Sammlung gehört nicht dieser Art an, sondern zu P.
obesula. Die Aufführung von P. TucTceri fehlt bei Waterhouse, —
Eine neue Art von Perameles^ P. myosuros, hat Ref. seitdem er-
balten und in diesem Archiv VII. Jahrg. 1. Bd. S. 289 ausführlicher
beschrieben, zugleich weitere Bemerkungen über P. obesula mit-
getheilt.
Phalangista felina des Ref. scheint als Art sich zu bewäh-
ren, da sie nicht in die Reihe der Farbenabänderungen, welche Wa-
terhouse von Ph. vulpina aufführt, passt.
Ob sein Halmaturus leptojiyx mit H. Bennetti identisch ist,
darüber ist Ref. weder durch die neue Beschreibung Waterhouse's
von letzterer Art, noch durch ihre Abbildung bei Gould zur defini-
tiven Entscheidung gelangt, da Beide über die Form der Hinterkral-
len, die an H, leptonyx so auffallend ist, das hartnäckigste Still-
schweigen beobachten; ja trotz der Aehnlichkeit in der Färbung,
Grösse und Zahnbau muss Ref. jetzt mehr als vorher auf der spezi-
fischen Verschiedenheit beider Arten bestehen, da Waterhouse und
Gould zu ihrem H. Bennetti den H. fruticus ziehen, von dem Ogilby
es als etwas ganz Besonderes hervorhebt, dass die Kralle an der
grossen Hinterzehe „short, round und blunt" ist, also ganz das Ge-
gentheil von dem, was bei H. leptonyx statt hat. — Dagegen habe
ich mich jetzt aus den vervollständigten Beschreibungen von Wa-
terhouse überzeugt, dass mein H. brachytarsus , wie ich es auch
vermuthete, mit H. rufiventer Ogilb. identisch ist. — Eben so er-
sehe ich nun aus Waterhouse's detaiJlirter Beschreibung des H. Eu-
genii, dass mein H. nuchalis mit diesem übereinkommt; ob mit
dem vonDesmarest, ist eine andere Frage. Auch bin ich damit ein-
verstanden, dass Fr. Cuvier's H, Thetidis ebenfalls hieher gehört.
Noch ist einer allgemeinen Arbeit über diese Ordnung
zu gedenken; On the Osteology of the Marsupialia by R.
Owen (Transact. of the zool. Soc. II. 5. 1841. p. 379).
Der Text ist fast vollständig schon in den Proceed, 1838
(Part VI. p. 180) abgedruckt und gehört daher nicht mehr in den
Bereich dieses Berichtes. Neu sind die 4 Tafeln mit herrlichen Ab-
37
bildiiögen voü Schädeln und des Skelett vom Wombat. Eine vor-
(reffiiche Arbeit.
Seit den eben aufgeführten grössern Arbeiten ist nichts
von Belang erschienen, als Mac-Leay's Aufstellung einer
neuen Gattung Antechinus,
Er publizirte dieselbe in den Annais of nat. bist. VIII. p. 241
und fügte eine Abbildung bei, die von der Zeichnung, welche der
Wundarzt Stuart gefertigt hatte, kopirt war. Da Mac-Leay das
Thier selbst nicht untersuchen konnte, so stellte er die Charakte-
ristik seiner neuen Gattung nach den Notizen des erwähnten Chirur-
gen auf. Schon im nächsten Hefte der Ann. aber berichtigte er (S.
337) seine erste Angabe von der Zahl der Zähne, indem die Ansicht
des Skelets ihm ergab , dass sie die nämliche wie bei Phascogale
sei, von welcher Gattung die neue sich indess noch dadurch unter-
scheide, dass die 3 seitlichen Schneidezähne, wie auch wieder die
Lückenzähne, von gleicher Grösse wären. Die Art nennt er Ante-
chinus Stuartii^ und bezeichnet sie als „A. fulvus, abdomine ar-
tubusque subtus albescentibus^ cauda fere corporis longitudinem ae-
quante. Long. tot. usque ad apicem caudae 9^ unc." — Nach des
Ref. Meinung ist Antechinus mit Phascogale zu vereinigen, und
die neue Art A. Stiiarti wird wohl mit Phascogale flavipes
identisch sein, wenigstens giebt Waterhouse von letzterer Art an,
dass bei ihr der Unterschied zwischen den vordem und seitlichen
Schneidezähnen nicht so gross als bei Ph. penicillata sei, was zu
Antechinus stimmt.
Heron erwähnt in den Proceed. VIII. p. 59 eines Falles, wo
ein junges Känguru vor gehöriger Zeit den Beutel verlassen hatte
und nicht mehr zurückkonnte; es war nackt und unfähig sich zu be-
wegen. Es dauerte einige Stunden bis der Wärter kam, der das
halbtodte Junge mit sich nahm, ihm Milch gab und es zum Leben
brachte. Alsdann that er es wieder in den Beutel der Mutter, wo
es nach 5 Tagen vollkommen wohl sich befand und öfters die Nase
herausstreckte.
Von ihrer neuen Gattung Dendrolagus haben nur Schlegel
und Müller Abbildungen der Thiere, Schädel und Knochen der Ex-
tremitäten mitgetheilt, woraus ersichtlich ist, dass dieselbe der Ab-
theilung der Phalanger angehört.
Nachträglich ist noch der schönen Abbildungen von Beutelthieren
zu erwähnen, die im 4ten Hefte der Mammalia von Darwin's Zoo-
logy enthalten sind, nämlich von Didelphys crassicaudata, elegans
und brachyura,
Modentia»
' Die unerhörteste Entdeckung im Laufe dieses Jahrhun-
derts hat ein Herr Popelaire de Terloo gemacht.
38
In einem Berichte au die Akademie zu Brüssel (Insüt. 1841. p.
347 ) kündigt er die Zusendung zweier Skelete von weiblichen „Ron-
geurs-Castoriens" an, und bemerkt d.ibei, dass die Thiere die Ufer
der Gewässer von Chili bewohnen, die grösste Ähnlichkeit mit dem
Couia (Mjopotamus) haben, dass Kopf^ Pelz, Wickelschwanz,
schwimmhäutige Hinterfüsse und vollständige Schulterblätter sie eben
so sehr als ihr Aufenthalt im Wasser denselben annähern; aber
und hier müssen wir uns, um diplomatisch genau zu berichten, des
Verf. eigener Worte bedienen — „mais ils en different par la Posi-
tion des tetines, place es sur le dos, a six centimetres de la co-
lonne vertebrale, et par lapresence, d'une poche composee interieu-
rement de replis cutanes, qui se trouve situee entre la vulve et
Tanus, et communique avec la matrice par un canal qui peut se di-
later." Wesmael, der diese Nachricht mittheilt, will zwar die
ganze Verantwortlichkeit dieses Berichtes auf den Verf. desselben
belassen, berichtigt auch dessen Irrthum hinsichtlich des dem Myo-
potamus zugeschriebenen Rollschwanzes, gleichwohl aber kann er
die Gelegenheit zur Errichtuog einer neuen Gattung nicht unbenutzt
vorübergehen lassen, und beschenkt die unbenannten Thiere mit dem
Namen Mastonotus Popelarii, — Unsers Bedünkens ist man auf
solche W^eise bereits im besten Zuge, die einäugigen Cyclopen, die
Völker, welche die Augen auf der Brust tragen, wie sie schon in
Münster's Cosmographey abgebildet sind, und andere derartige Mon-
strositäten demnächst sammt und sonders aufzufinden.
^ciurina* Eine neue Art Eichliörnchen , Sciurus
Delessertii, ist von P. Gervais aufgestellt worden (Re-
vue zool. 1841. p. 208; Instit. 1841. p. 171).
Zur Unterabtheilung Funambulus gehörig, olivengrün, indem die
Haare an ihrer Wurzel braun, und in der andern Hälfte schwärzlich
und gelb fein geringelt sind. Unterseite schmutzig gelblich; auf der
Mitte des Rückens die Anzeige von 3 kleinen, durch Olivenfalb ge-
trennten, braunen Längsbinden. 4V' lang, Schwanz mit Haaren 5".
Von den Nil-Gherries.
Eine zweite Art, Sciurus stramineuSy von Omatope
in Peru machte Gervais in der Zoolog, der Bonite p. 37.
tab. 9 bekannt.
Der Pelz ist ziemlich kurz, auf der Oberseite schwärzlich^ mit
goldig strohgelben Enden; die Unterseite blass; die Füsse schwarz,
der Schwanz langhaarig, mehr buschig als zweizeilig, mit schwar-
zen, weisslich gelb geeudigten Haaren. Länge 10", des Schwanzes
11". Das Weibchen hat 4 Paar Zitzcu. Dieses Eichhorn erscheint
uns als der westliche Repräsentant des brasilischen Sc. Langsdorffii.
Ausserdem macht Gervais noch einige Bemerkungen ixhQX Sciurus
Tiippuris (von Malakka), Sc. Rafflesn (von Malakka), Sc. ßavifna-
7ms (von Cochinchina) und Sc. atireivetiter.
39
Über die zwischen dem Ural und der Wolga vorkommen-
den Arten von Arctomys (im alten Sinne) hat Eversmann
ausführlich gehandelt (Bullet, de la Soc. imp. des naturalist.
de Moscou. 1840. p. 26). Er unterscheidet 4 Arten, von de-
nen er sowohl ihre äussere Beschaffenheit als Lebensweise ge-
nau beschreibt.
1) A. Bobac, siipra fiiscus (Intens, pills apice nigris admnbra-
tiis), subtiis luteo-ferrugineus; cauda \ longitudinis corporis, apice
infuscafa.
2) A. fulvus (^et leptodactylus') Licht,; A. fulvescenti-flavus,
dorso pilis longioribus apice nigris adiimbratus; cauda \ corporis
loüge pilosa, ante apicem fascia lata nigra, summo apice albida. —
Dieser Ziesel (denn er, nebst den beiden folgenden , gehört zu Sper-
mophilus) niisst 14", der Schwanz mit Haaren überdies 4". Von
Pallas als Ciiillus maxiinus monstrosus beschrieben.
3) A. undulatus Fisch., A. ferrugineo-flavicans, notaeo fu-
scescenti alboque transversim undulato (pilis basi flavis, medio fusco-
ferrugineis, apice albis); capite supra cinereo, lateribus ferrugineo;
cauda | corporis mediocriter pilosa, supra colore dorsi, subtus fer-
ruginea, apice albida. — 10 — 11", Schwanz 3". Hiermit ist offenbar
der Spermophilus rufescens von Keyserling und Blasius identisch.
4) u4. mugosaricus Licht.; A. flavicans, supra fuscescenti
subundulatus (pilis basi albis, medio ferrugineo-bruneis, apice fla-
vicantibus); gula alba, capite supra lateribusque flavo-ferruginosis;
orbita niargineque auriculari albidis; cauda l corporis breviter pi-
losa, supra infraque ferruginosa, pilis longioribus albidis; plantis
denudatis albis. 6 — 8" lang, Schwanz mit Haaren 18 — 16"'. Von
Pallas als Var. pygmaea aufgeführt.
In den Bullet, de FAcad. de Petersb. IX. p. 43 stellte
Brandt 2 neue Arten Ziesel aus dem Altai auf, denen er
den Namen Spermophilus Eversmanni und erythrogenys gab.
a) Sj). Eversmanni; „cauda cum pilis fere \ corporis longi-
tudine, pilosissima, fasciculata, supra basi fusco-flavescens^ nigro»
mixta, in medio ferruginea, dein lateribus longitudinaliter nigro-fa-
sciata, pilis albo-terminatis. Aures vix paulo majores quam in Ci-
tillo. Colores, excepta cauda, ut inCitillo, sed corporis latera fer-
ruginea. Ungues longiores quam inCitillo." Körper 9" 3"'; Schwanz
mit Haaren 4" 5"', ohne Haare 3" 4"'. — b) Sp. erythrogenys:
„ capitis latera usque ad aures alba , excepta macula ferruginea triau-
gulari infra oculos late albo-cinctos et alia minori, pariter laete fer-
ruginea supra oculos conspicua. Mentum, gula et guttur fere ad
pectus usque, pedum interior facies tota alba. Podaria albida.
Rostrum supra nares macula nigro-fusca. Cauda Citilli, sed paulo
pilosior, infra ferruginea, albo-terminata, supra ferrugineo -mixta,
m
pilis albo-tcrminaüs." Körper 8" 10'". ~. Ref. hat hierbei zu be-
merken, dass er unter andern altaischen Bälgen auch einen mit der
Etikette: Arctomys Eversmanni Brandt erhielt, der in allen Stük-
ken mit No, a. übereinkommt, nur dass die Seiten nicht rostfarben,
sondern gleich den Hals- und Kopfseiten, nebst der ganzen Unter-
seite, den Beinen und dem Augenringe weiss sind. Roströthlich ist
nur ein kleiner Fleck unterhalb des Ohrs, ein noch kleinerer und
mehr verwischter vor demselben, und ein dritter am Hinterbauch;
an der Vorderseite der Arme und der Hinterseite des Unterschen-
kels findet sich ein roströthlicher Anflug. Oberhalb der Nasenspitze
kommt ein dunkler Fleck vor. Dieses Exemplar trägt demnach Merk-
male von beiden Arten an sich, so dass diese vielleicht spezifisch
nicht getrennt werden sollten, worüber uns hoffentlich Brandt bald
genügende Aufschlüsse zukommen lassen wird.
Im 5ten Hefte der Zoologie von den Verhandelingen haben Schle-
gel und S. Müller bereits die Abbildungen von Sciurus ephippmniy
7nodestus, melanotis^ laticaudatus und exilis, ferner von Pteromys
elegaiis geliefert.
Eversmann (a. a. O. S. 55) machte auf die Unterschiede zwi-
schen dem amerikanischen und sibirischen Backenhörnchen auf-
merksam.
Waring, the Sqirrels and other animals or illustr. of the ha-
bits and instincts of many of the smaller british Quadrupeds. Lond.
1841. 16. 3^ sh., ist mir nur dem Titel nach bekannt.
JXacropoda, über die russischen Springmäuse theilte
Eversmann (a. a. O. S. 40) seine Beobachtungen mit.
Zuerst beschreibt er eine neue Art tdsDipus vexillarttis mit
der Diagnose: D. supra pallide fulvus, subtus albus, lunula natium
alba; podariis 5-dactylis, auriculis longis; cauda gracili, corpore
longiore, apice floccosa: flocco lato disticho, dimidiam caudam oc-
cupante, candido, basi atro. Von den Hochebenen zwischen dem
caspischen Meere und dem Aralsee, in 16 Exemplaren erhalten, die
sich alle durch ausnehmend langen, dünnen Schwanz und eine sehr
breite Fahne, welche über die Hälfte der Länge desselben einnimmt,
auszeichnen. Dem D. decumanus ähnlich, sind sie im Durchschnitt um
2" kleiner; dem D. Spiculum sind sie an Grösse und schlankerer
Gestalt so ziemlich gleich, auch in der Breite der Fahne, die aber
ums Doppelte länger ist als bei letzterem. Sehr verschieden ist je-
doch an diesen Exemplaren die Länge der Ohren. An 9 sind sie so
lang oder länger als der Kopf, an 3 nur halb so lang als der Kopf,
oder selbst kürzer, die übrigen sind Mittelstufen Ref. besitzt ein
langöhriges Exemplar von diesem D. vexillarius, und findet solches
von D. decumanus wie aulacotis verschieden.
Eversmann hält es für wahrscheinlich, dass D. decumanus mit
D. jaciüus identisch sein möchte, da an der mittlem Wolga, und am
41
nördlichen Jaik oder üralfluss, Nvo Pallas das Vaterland dieser Art
angiebt, blos D. (decuinamis vorkommt. Doch lässt er es dahinge-
stellt, ob nicht der weiter westlich von der Wolga oder dem Don
vorfindliche verschieden ist, was allerdings nach des Ref. Meinung
der Fall zu sein scheint.
Von Dipiis Telum bemerkt Eversmann, dass er ihn nun auch
am östlichen Ufer des kaspischen Meeres und an der untern Wolga
gefunden hat.
Psamnioryctina, Ref. hat in diesen Blättern (1842.
S. 1) nachgewiesen, dass Ctenodactylus hiehergehöre, und
eine ausführliche Beschreibung von Ct. Massonii mitgetheilt.
Von Pictet sind Observations sur quelques rongeurs
epineux du Bresil (Mem. de la Soc. de Physique et d'Hist.
nat. IX. I. 1841. p. 143) erschienen.
In einer sehr gründlichen Abhandlung weist er nach, dass Echi-
mys setosus Geoffr.^ E. cayennensis Geoffr. und Loncheres myosu-
ros Licht, zu einer Art gehören, wovon die beiden ersteren jün-
gere Zustände, die letzte den erwachsenen Zustand bezeichnet. In
3 schönen lebensgrossen Abbildungen sind diese Nominalarten dar-
gestellt, ausserdem noch das Skelet mit einer Beschreibung desselben.
Derselbe gab eine ausführlichere Beschreibung als die bisher er-
schienenen von Echimys hispidus, zugleich mit einer weit genaueren
Abbildung als die von Is. Geoffroy.
Von Hahrocoma hat Ref. in dieses Archiv (1842. S. 5)
eine ausführliche Beschreibung nach einem von Dr. Rüppell
zur Ansicht erhaltenen Exemplar eingerückt, und dieses mit
dem provisorischen Namen H. helvina bezeichnet.
Ref. erkannte zwar dessen grosse Ähnlichkeit mit ü. Bennettii
an, wagte es indess nicht, wegen Waterhouse's Angabe von dieser:
„corpore supra griseo", beide zu identifiziren. Nachdem nun aber,
nach langer Verspätung, erst in diesen Tagen das 4teHeft derMam-
nialia von Darwin's Zoology eingetroffen ist, hat Ref. aus der hier
initgetheilten Abbildung und Beschreibung ersehen, dass bei H. Ben-
nettii der Ausdruck griseus in einer unrichtigen Bedeutung angewen-
det wurde, indem die Oberseite des Körpers nicht grau (griseus),
sondern „dusky brown" ist. Demnach ist meine H. helvina mit H.
Bennettii identisch, wodurch roeinc Beschreibung indess nicht über-
flüssig ist, als sie in mehreren Stücken die von Waterhouse ergänzt,
der von dieser Art weder Schädel noch Gebiss vor sich hatte.
Cunicularia. Nach langer Unterbrechung hat Water-
house seine lehrreichen Observations on the Rodentia wie-
der aufgenommen und seine 6te Familie: Bathyergidae^
geschildert (Ann. of nat. hist. VIII. p. 81).
42
Er theilt dieser Familie mir 2 Gatümgen zii: 1) Ba'thyergus
mit 3 Arten: B. capensis, B. coecutiens Licht, (welchen er für iden-
tisch mit B. hottentottiis und Ludwigii nimmt, was aber nicht rich-
tig ist), und B. damarensis ; 2) Orycterus maritinius. Ref.
muss jedoch hierbei au AViegmann's sehr begründete Bemerkung
in diesem Archive I. 3. S. 337 erinnern, dass nämlich jene Gattung,
zu welcher Mus capensis gehört, richtiger den Namen Georhychus
fuhrt, während der Mus maritinius als Bathyergus bezeichnet wird.
Auch hat schon Wiegmann nachgewiesen, und Ref. kann es nach
den hiesigen Schädeln bestätigen, dass beide Gattungen nicht, wie
es noch Waterhouse denkt, in der Zahl der Zähne verschieden sind.
Der Unterschied zwischen ihnen liegt lediglich in der Furchung der
Schneidezähne, in der Länge der Krallen und in der Form des Un-
terkiefers.
Da Asco7nys und Geomys im Zahubau und Schädelform ganz über-
einstimmen, schlägt Waterhouse in den Proceed. IX. p. 60 ihre
Vereinigung vor. Wie verhält es sich nun aber mit der Mündungs-
stelle der Backentaschen?
Unter den Tlüeren, welche sich Cuming während sei-
nes Aufenthaltes auf IMalakka verschaffte, war auch der Rhi-
%omijs sinensis (Proceed. VIII. p. 62).
Seine Länge betrug 15", des Schwanzes 6", der Umfang hinter
den Schultern 8". Das Thier lebt an den Bambuswurzeln, unter
welchen es gräbtj die Augen sind sehr klein und schwarz. — Eben-
falls von Malakka sind die Exemplare, nach welchen in der Zoolo-
gie der Bonite (S. 54. tab. 10 u, 11, fig. 1 — 3) die Darstellung die-
ser Art entworfen wurde.
Eine neue Art beschrieb Hodgson im Calcutt. journ. 1841. i>.
57 als Rhizomys hadius: „Pelz durchgängig aussen clear bright
bay, innen dunkel schieferfarben; Schnautzenkuppe, Ohren, Pfoten
und Genitalregion nackt und fleischfarbig weiss. Ohren kurz, abge-
stutzt und unter dem Pelz verborgen. Körper 8". Schwanz 2|,
Ohr I". Im nördlichen Nepal, in gleichen Strichen mit den Murmel-
thieren, gräbt nicht, sondern hält sich an der Oberfläche auf.
Vom Schädel des Bathyergus splendens gab Waterhouse a. a.
O. eine Abbildung, und bemerkt, dass er in den meisten Merkmalen mit
dem von Spalax übereinkomme u. diese Gattung mit Rhizomj^s verbinde.
Eine neue Art aus dieser Familie beschreibt Evers-
mann als Georhychus luteus (Bullet, de la vSoc. imp.
des Natural, de Mose. 1840. p. 25. tab. 2).
„G. totus lutescens, subtus pallidior, supra pilis apice fiiscis
obscurior; oculis magnis, auriculis vellere brevioribus, plantis cau-
daque brevissima dense pilosis." 5" 2'" lang, Schwanz 4'". Am
Aralsee.— Ist auf keinen Fall ein Georhychus, sondern wohl eher ein
Chtonoergusj leider ist das Gebiss nicht beschrieben.
43
Murina* Über den Bau des Magens bei den schwe-
dischen Wühlmäusen hat Retzius sehr genaue Untersuchun-
gen angestellt (Müller's Arch. für Anat. 1841. S. 403).
Der Magen vou Hypndaens amphibuis ist in 2 Hälften getlieilt,
wovon die grössere der Cardiasack ist. Der Pförtnertheil besteht
aus 3 kleineren Beuteln, von denen der grössere nicht Mos sehr
dickwandig, sondern auch innen mit einer eigenthümlichen Drüsen-
bildung versehen ist: mit dem Vergrösserungsglase sieht man die
innere Fläche von feinen Löchern besetzt, die unter dem Mikroskop
sich als kleine Gruben zeigen, in deren Grunde sich noch feinere
Löcher öffnen, die in feine, den Drüsenbau bildende Röhrchen füh-
ren. Solche, aber sehr kurze Folliculi linden sich auch in den bei-
den andern Säcken des Pförtnertheils. Die Speiseröhre bildet nach
innen am Cardiasack eine Rinne wie bei den Wiederkäuern. Das
Epithelium der Speiseröhre setzt sich bis in den Pförtnertheil fort.
Auch eine, der Haube der Wiederkäuer entsprechende Abtheilung ist
angedeutet. — Der Magen von Hypudaeits arvalis gleicht dem vori-
gen in der äussern Form sehrj im Innern kommt die Merkwürdig-
keit vor, dass das Epithelium der Speiseröhre, mit Ausnahme des
Drüsenbeutels, den grössten Theil des Pförtnersacks bis in den
Pförtner bekleidet. — Der Magen des Lemmings zeichnet sich durch
ausnehmende Dünne, einen kleinern Cardiasack, eine Tapezirung
von festem Epithelium, welche auf den Cardiasack beschränkt ist
und eine schwache Drüseubildung aus.
Der Gattung Mus ist eine neue europäische Art, Mus
leiicogaster genannt, von Pictet (Mem. de la Soc. de
Phys. et d'Hist. nat. IX. 1. 1841. p. 153) zAigefügt worden.
Der Grösse und Zahl der Schwanzringe nach kann sie nur zu
den Ratten gezählt werden, unterscheidet sich aber von den 3 an-
dern einheimischen, dem M. decumanus, rattus und tectorum gleich
dadurch auffallend, dass ihre Behaarung weich und gleichförmig und
nicht mit langen einfarbigen und starreren Haaren untermengt ist.
Die Ohren sind gross und nackt, oder nur mit kaum sichtlichen Här-
chen beflogen. Der Schwanz ist so lang als der Körper, aus 250
bis 260 Schuppenringen bestehend, oben mit kleinen schwarzen, un-
ten mit graulichen Härchen bekleidet; Schwanzwirbel sind 36 vor-
handen. Die Farbe der Oberseite ist falb mit Grau gemengt, indem
die einzelnen Haare an der Wurzel grau, im grössern Theil ihrer
Länge falb und schwarz zugespitzt sind. Die Unterseite ist abge-
schnitten und rein weiss. Körper 6", Schwanz 6" 3'", Ohren 10'".
Über die Form des Zwischenscheitelbeins, das bei den Ratten so
charakteristisch ist, ist nichts gesagt. Diese Maus findet sich in den
Waldungen am Mont Saleve und in der Commune des Eaux-Vives
bei Genf, wo sie auch in die Häuser und Keller dringt. Mit Farben-
abäuderungen vou M. rattus hat sie die meiste Ähnlichkeit.
44
über den iü Zaisenhausen vorgekommenen Rattenkönig, von
dem im 5tcn Jahresbericht des Mannheimer Vereins für Naturkunde
(1838) die Rede war, ist im 8ten Jahresberichte (1843) auch das
Zeugniss seines Besitzers, des Dr. Wilhelm in Eppingen beigebracht
worden. Derselbe attestirt, dass er „im Frühjahr 1837 von Herrn
Pfarrer Doli in Zaisenhausen einen Rattenkönig aus 13 mit den
Schwänzen bis an den Steiss verwickelten, beinahe ausgewachsenen
und wohlgenährten Ratten erhalten, und denselben an den nun
verstorbenen Geh. Rath Gmelin in Karlsruhe geschickt habe."
Mus minutiis ist von Steenstrup mit seinen Nestern auch in Jüt-
land gefunden worden (Isis 1841. S. 435).
Eine merkwürdige neue Gattung, Cricetomys , wurde
von Waterhouse (Proceed. VIII. p. 1 ; Ann. of nat. bist. VI.
p. 220) aufgestellt.
In der Zahl und Beschaffenheit der Zähne, so wie in der Schwanz-
form kommt sie mit den Ratten überein, hat aber innere Backenta-
schen wie der Hamster. Die Art heisst C. gambianus; der Kör-
per misst 16", der Schwanz 15". Vom Gambia -Flusse.
Eine neue Baummaus, De7idromys melanotis, be-
schrieb A. Smith (Illustr. of the Zool. of South Afr. n. 14.).
„D. supra cinereus rufo-tinctus, infra griseo- albus; linea lon-
gitudinali nigra, inter scapulas et basin caudae, in medio dorsi; ma-
cula parvula alba infra aurem, et una ante oculum nigra." Körper
3", Schwanz 31". Im Osten der Kapkolonie. Von dieser Art ist
zugleich mit D. typicus auf Tab. 34 die Abbildung gegeben. Von
letzterer Art, so wie von meinem D. pumilio habe ich ebenfalls eine
Abbildung in der Fortsetzung von Schreb. Tab. 206. A. mitgetheiit.
A. Smith unterscheidet eine Gattung Otoinys von der
gleichnamigen Fr. Cuviers, und beschreibt eine Art Otomys
alhicaudatus (Illustr. ii. 14. tab. 33).
Er bemerkt, dass er schon im South African Quart. Journ. 1834
eine Gattung Otomys aufgestellt habe , die ganz verschieden von der
gleichnamigen Fr. Cuvier's ist, welche letztere mit Euryotis sj'n-
onym ist. Aus der Beschreibung der Zähne ist mir nicht ganz klar
geworden, ob diese Smith'sche Gattung Otomys identisch mit der
von mir als Mystromys bezeichneten ist, doch scheint es nicht ganz
unwahrscheinlich zu sein. Wie dem auch sei, auf jeden Fall ist
Otomys albicaudatus von meinem Mystromys albipes, den ich nun in
der Schreb. Fortsetz. Tab. 176. A. abgebildet habe, spezifisch ver-
ßchieden. — Die Diagnose von diesem Otomys albicaudatus lautet:
5,0 supra bruneo- griseus, profunde bruneo -penicillatus, infra sor-
dide subcinereus, cauda ferrugineo-alba; pilis versus radicem schi-
stosis; oculis profunde bruneis, auribus magnis." Körper 5" 9 ",
Schwanz 2". Der generische Name Otomys ist der Zweideutigkeit
wegen auf jeden Fall zu beseitigen.
45
Lichtenstein hat der Gattung Euryotis 2 neue Arten zu-
gefügt; E. ohscura und lanuginoscu
Dieselben sind kurz charakterisirt im Verzeichniss einer Samml.
von Säugth. ii. Vögeln aus dem Kaffernlande. Berl. 1848. S, 10: 1)
Euryotis obscura; nigrofusca, abdomine griseo, cauda longitu-
dine trunci. Longit. corp. 5 poll., caud. 4. 2) Euryotis lanu-
ginosa; vellere raollissimo, canescenti- griseo, abdomine cano;
cauda quartam corporis partem aequans. Longit. corp. 6 poll,,
cauda 1^.
Die beiden Pallas'schen Arten Meriones tamaricinus und
meridianus sind neuerdings von Eversmann im Bullet, de
Mose. 1840. p. 48 wieder zur Sprache gebracht worden.
An 16 Exemplaren, welche Eversmann mit dem Pallas'schen M.
tamaricinus zu vergleichen Gelegenheit hatte , fand er erhebliche
Differenzen mit der Pallas'schen Beschreibung von M. tamaricinus^
so dass er ungewiss ist, ob er letzteren vor sich hat. Aus seiner
ganzen, sehr ausführlichen Schilderung, die nur der Backenzähne
nicht erwähnt, geht hervor, dass seine Exemplare zu meinem Rhom-
bomys pallidus gehören, von dem ich neuerdings ein zweites Exem-
plar erhalten habe, das mit dem ersten ganz übereinkommt.
Die von Brandt aufgestellte Gattung ^o/öc^/u*/«^^, welche
dieser blos nach der Beschaflfenheit der Oberlippe charakteri-
sirt, hat Ref. durch Erörterung des Zahnbaues im Archive
1842. S. 14 noch weiter begründet, und zugleich eine neue
Art, von ihm H, Sciureus benannt, beschrieben.
In dem 4ten Hefte der Mammalia von Darwin's Zoology
stellte Waterhouse die Gattung Hesperomys auf, wobei er
bemerkt, dass während alle altweltlichen Arten der Gattung
Mus das Gebiss von M. Rattus aufzuweisen haben, er dage-
gen unter den ursprünglich südamerikanischen Arten nur eine
einzige, den Mics ?nauruSy mit diesem Charakter gefunden
hätte. Auch von Nordamerika kennt er 7 Arten mit dem Ge-
biss der südamerikanischen Mäuse. Diese alle vereinigt er in
die Gattung Hesperomys, die in der Form des Schädels und
des Unterkiefers auch durch das Vorliandensein von Wurzeln
an den Backenzähnen mit den ächten Mäusen übereinkommt,
aber dui-ch die Form der Backenzähne sich unterscheidet.
Auffallend ist es Ref. hiebei gewesen, dass Waterhouse der von
ihm schon früher unter den südamerikanischen Mäusen errichteten 5
Gattungen (Scaptei'omys, Oxymycterus , Habrothrix, Calomys und
Phyllotis) gar nicht mehr gedenkt, hier so wenig als in der später
erschienenen Tabelle über die geographische Verbreitung der Nager^
46
in welcher er blos die GattiiDgen Mus, Hespero?fit/s , ReitJirodo7iy
Sigmodo7i und Neotofim unter den amerikanischen Muriden aufzählt.
Es scheint demnach, als ob Waterhouse die vorhin erwähnten Gat-
tungen ganz annullirt hätte, doch könnten einige, meines Bedünkens
nach, wohl als Untergattungen von Hesperomys belassen werden.
Dies gilt wenigstens von Calomys , hauptsächlich aber von Holochi-
lus, wo die Bildung der Oberlippe wie der Backenzähne gute, fast
generische Merkmale abgiebt. Zu Holochilus gehört dem Zahnbau
nach auch Waterhouse's Mus brasilieiisis ; aus diesem Umstände
schliesst Ref. wohl mit Recht auf gleiche Bildung der Oberlippe,
worüber der englische Zoolog keine Auskunft gegeben hat. Noch
erinnert Ref., dass die Zahl der ächten Mäuse in Südamerika grös-
ser ist als Waterhouse meint, da die hiesige Sammlung 3 unbe-
schriebene Arten von Mus aus Bahia besitzt.
Eine sehr ausführliche Beschreibung mit Abbildungen von Phloeo^
mys Cumingn findet sich in der Zoolog, der Bonite (p. 43. tab. 7.
n. 8.). Ebendaselbst (S. 51) bezeichnet Gervais einen Mus ru^
pestris, jedoch nur nach einem inBolivia gefundenen Schädel, dessen
Gebiss sich sehr dem von Waterhouse's Mus obscurus annähert.
Die Wühlmäuse (Hypudaeus s. Arvicola) sind Gegenstand
mehrerer Arbeiten geworden.
Von der Schermaus fH, terrestris) hat Ref. in diesen Blät-
tern (1842. S. 21) eine ausführliche Beschreibung mit Vergleichung
der gewöhnlichen Wasserratte geliefert, um zu zeigen, dass zwi-
schen beiden keine spezifischen Differenzen, sondern nur lokale Ver-
schiedenheiten obwalten. Wenige Tage, nachdem diese Beschreibung
zum Drucke abgeschickt war, traf dahier von den Mem. de l'Acad. de
St. Petersb. Tom. IV. 3e et 4e livr. 1841. ein, wo S. 333 zwei höchst gc=
naue Beobachter, GrafKe3^serling u. Prof.Blasius, sich über den
nämlichen Gegenstand aussprechen. Arvicola terrestris Bonap. er-
klären sie für einen jungen A. amphibius^ die beiden Arten von
Schinz haben sie nach Original -Exemplaren ganz identisch gefun-
denj die Trennung der Orbitalleisten des Stirnbeins bei A. terrestris
beweise nur die Jugend desselben, womit Ref. übereinstimmt. In
A. monticola und destructor sehen sie nur mehr oder weniger ge-
lungene Darstellungen von Mus amphibius.
Zugleich stellen dieselben Zoologen a. a. 0. S. 319 (früher schon
im Bullet, de PAcad. de Peterb. IX. p. 33) eine neue Art auf, Ar-
vicola ratticeps, von der sie zu Welikji-Ustjug im Gouverne-
ment Wologda ein lebendes Exemplar erhalten hatten. Als spez.
Charaktere heben sie folgende hervor: Oberseiten dunkelbraun, mit
einem Stich insRoströthliche; Unterseiten grauweiss, deutlich abge-
setzt. Schwanz zweifarbig, mehr als \ der Körperlänge. Füsse
und Zehen schwärzlichgrau. Ohr von halber Kopflänge, durch den
Ohrdeckcl fast ganz verschliessbar. Zwischenscheitelbein jederseits
in eine schräg nach hinten gerichtete, hinter der Mitte der Länge aus-
47
laufende Spitze ausgezogen. Im Unterkiefer der Iste Backenzahn
mit 7 Prismen, von denen die beiden ersten miteinander verschmol-
zen und nach aussen abgerundet sind; im Oberkiefer der letzte
Backenzahn mit 6 Prismen, von denen der letzte nach aussen und
innen eine scharfe Längsleiste zeigt. Körper 4" 9'", Schwanz 1"
10"', Ohr 6^'", Die Beschreibung ist ein Muster von Vollständigkeit
und Genauigkeit, zugleich auf alle verwandten Arten Rücksicht neh-
mend und schätzbare Bemerkungen über diese raittheilend.
Über die britischen Wühlmäuse legte Jenyns in den
Ann. of nat. hist. VII. p. 268 vortreffliche Beobachtungen vor.
Am Wichtigsten ist der Nachweis, dass Thompson's Arvicola
neglecta aus Schottland eine selbstständige, von A. arvalis wesent-
lich verschiedene Art ausmacht. Zur Unterscheidung beider Arten
stellt Jenyns folgende Diagnosen auf. l')A. arvalis^ „Körper 4",
Ohren aus dem Pelz vorragend; Farbe oben röthlichbraun , unten
graulichweiss, die Haare bisweilen an den Wurzeln dunkel.'^ — 2)
A. neglecta. Körper 5 oder 5^", Pelz lang, ganz die Ohren ver-
deckend; Farbe oben röthlichbraun, unten weisslich, mit einem gros-
sen Theil der Haare von der Wurzel an aufwärts dunkel." — Aus-
serdem kommen noch Bemerkungen über A. amphibius, arvalis und
rubidus vor.
Selys-Longchamps weist im Instit. 1841. p. 404 nach,
dass Linne's Mus agrestis von M. arvalis spezifisch verschie-
den und wahrscheinlich mit A. neglecta identisch ist.
Nach einem von Sundevall erhaltenen Exemplare scheint ihm Mus
agrestis das Mittel zwischen M. arvalis und rubidus zu halten. Von
ersterem unterscheidet er sich 1) durch viel beträchtlichere Grösse;
2) durch verhältnissmässig längern Schwanz, der wie bei A. rubi-
dus zweifarbig, aber nicht so lang als von letzterem ist; 3) durch
schwärzliche, mit langen röthlichen Haaren bekleidete und durch den
Pelz fast verdeckte Ohren; 4) durch graue, aber behaarte Füsse mit
längern Zehen; 5) durch die Farbe, die oben erdig dunkelbraun,
fast wie bei A. amphibius, und unten grau ist. Hieher rechnet S,
Longch. A. neglecta, dann den bei der Tnriner Versammlung be-
schriebenen A. Baillonii, ferner Mäuse aus der Pikardie und Holland.
In den Prairien am Missuri fand der Prinz von Wied (Reise
H. S. 99) eine Maus auf, der er den Namen Hyjjudaeus leuco-
gast er beilegte. Die Oberseite ist röthlichgrau (die Haare grau
und an der Spitze röthlich), wobei das Graue am Rücken, das Röth-
liche an den Seiten vorherrscht. Die ganze Unterseite mit den Füs-
sen schön rein weiss. Nasenkuppe und Sohlen fleischfarben; der
Schwanz oben dem Rücken gleichfarbig, unten weiss. Körper 4"
10'", Schwanz 13'", Ohrhöhe an der Scheitelseite 3^ Linien.
Von Dipus Mitchellii auf Neuholland hat es sich jetzt
ausgewiesen, dass er keineswegs zu den Springmäusen, son-
48
dem zu den eigentlichen Mäusen gehört, da Gebiss und Schä-
delform mehr mit diesen als mit jenen übereinkommt. VergL
Ogilby in den Proceed. VIII. p. 151.
Vielleicht schliesst sich hier an die von E. Gray neu
aufgestellte Gattung Dipodomys aus Mexiko, der zur Zeit
kein fixer Platz angewiesen werden kann, da die Beschaffen-
heit ihres Schädels und Gebisses unbekannt ist. Es ist eine
sehr merkwürdige Gattung, da sie mit der Gestalt und Fär-
bung der Springmäuse die auswärts geöffneten Backentaschen
der Goffer verbindet. (Ann. of nat. hist. VII. p. 521).
Die GattUDgsmerkinale sind nach Gray: „Körper mit weichen
Haaren bedeckt. Kopf massig mit grossen, äusserlich an den Wan-
genseiten geöffneten Backentaschen. Ohren und Augen ziemlich
gross. Vorderbeine kurz; hintere Tarsen lang und schlank; Hin-
terfüsse sehr lang; Sohlen mit Haaren besetzt; Zehen 5 — 4. Schwanz
viel länger als der Leib, mit kurzen Haaren besetzt, am Ende mit
einem ausgebreiteten Pinsel. Obere Schneidezähne vorn ausgehöhlt."
— Die Art heisst D. Phillipii; Körper 5", Schwanz 6t[", Hinter-
fuss 1^".
Castorina, Freih. v. Hogguer theilte in seiner in-
teressanten Reise nach Lappland und dem nördlichen Schwe-
den einige Bemerkungen über den Biber in den Lappmarken
mit (S. 194).
Ein Biberbau, den er untersuchte, hatte einen Durchmesser voa
18 und eine Höhe von 10 Fuss. Das erste Stockwerk, im Niveau
mit dem Wasser, hatte 3 förmliche Abtheilungen oder Zimmer; die
beiden anderen Stockwerke nur 2.
Aculenta, Zur Kenntniss der bisher ziemlich un-
sicher gebliebenen Hystrix macrura gab Gervais Beiträge
in der Zoologie der Bonite p. 60. tab. 11. fig. 4 — 6.
Er unterscheidet sie von Hjstrix fasciculata, zu welcher letz-
teren auch Fr. Cuvier's Acanthion Daubentonii und javanicura gehört.
Wirbel zählt er: 15 Rücken-, 5 Lenden-, 3 Kreuz- und 2%
Schwanz Wirbel.
jDuplicidentiita. Der Gatttung Lepus sind 2 neue
Arten aus Asien zugefügt worden.
Hodgson beschreibt im Journ. of the Asiat. Soc. of Bengal IX.
p. 153 (Ann. of nat. phil. VIII. p. 231) diese beiden Arten als Lejms
muci'otus und oiostolus. — Von L. macroius giebt er als spezifische
Merkmale an: „Ohren schwarz zugespitzt, länger als der Kopf.
Farbe satt zimmtrolh, oben mit Schwarz schattirt; Schwanz oben
mit den Keulen gleichfarbig; Kopf unten und Unterleib rein weiss.
49
Grösse geringer als von L. timidiis", Körper 18 — 20", Ohren 5".
Bewohnt die Ganges -Ebene und die Vorberge des Himalaya. Frü-
her nannte Hodgson diese Art L. indicus.
Der L. oi'ostohis (früher oemodiiis benannt) bewohnt nach
Hodgson die Schoeeregionen des Himalaja und Tibet. Neuerdings
hat Waterhouse (Ann. of nat. bist. VHI. p. 286) eine sehr genaue
Beschreibung dieses Hasen unter dem Namen L. tibet anus ge-
geben und als Diagnose aufgestellt: „L. cinereus, pilis flavescenti-
albo nigroque annulatis, abdomine albo; pedibus supra sordide albis,
subtus sordide flavescenti-fuscis, pilis densis indutis^ cauda mediocri,
alba, supra nigricante; auribus longis, ad apicem nigricantibus;
nucha sordide alba, indistincte fulvo-lavata.^' Körper 18", Schwanz
^y Ohr 4^".
Heretieu berichtete in der Rev. zool. 1841. p. 33 über einen
vom Melanismus befallenen gemeinen Hasen, der auf der Oberseite
tief schwarz war, was an der Unterseite, der Innenseite der Beine
und unter dem Schwänze allmälig ins Schwarzgraue überging,
Mtlentiita.
In seiner Monographie der Marsupialien stellte Waterhouse
die Sporenthiere (Tachj^glossus und Ornithorlo^nchus) mit den Beu-
telthieren zu einer Ordnung, was anatomisch allerdings zu billigen
ist; doch müsste alsdann dieser Ordnung ein anderer Name gege-
ben werden.
Owen beendigte im Sten Hefte von Part. I. der Darwinschen
Zoology (Abtheil.: Fossil Maramalia) die Beschreibung des Mylo-
don Darwinii und begann die des Scelidot herium leptoce-
phalum, einer dem Megatherium und Orycteropus verwandten Gat-
tung. Die Überreste dieser beiden Edentaten sind in herrlichen Ab-
bildungen (tab. 18 — 27) anschaulich gemacht.
Dass dem Orycteropus capeiisis die Schilddrüse nicht fehlt, wie
es in Jäger's Dissertation angegeben war, sondern sehr schmal,
wurmförmig, etwa 1 Zoll lang und ohne Isthmus ist, findet sich in
der unter Rapp's Präsidium erschienenen Inaugural- Dissertation
über die Schilddrüse von Bopp erwähnt.
Soli dungiil €i,
Col. Smith 's Natural History of Horses, den 12. Band
der Mammalia in der Naturalist's Library ausmachend, ist zwar
angezeigt, uns aber daliier noch nicht zugekommen.
Eversmann's Bemerkungen über den Wildesel, die ich
im vorigen Berichte nur kurz anführen konnte, vermag ich
jetzt, wo uns die Bullet, de Mose, von 1840 zugekommen,
ausführlicher mitzutheilen.
Aus der Hochsteppe zwischen dem kaspischen Meere und dem
Aralsee sind mehrere Exemplare des Kulans (Equns Asifius Onage?)
Archiv f. Naturgeschichte, VIII, Jahrg. 2. Ktl, D
50
nach Orenbiirg gebracht worden, von wo E. ein Fell znm Ausstopfen
erhielt. Der Querstreif über die Schulter fehlte allen j die Ohren sind
an seinem ausgestopften Exemplar nur wenig grösser als Pferde-
ohren. Für den Onager haben, wie E. bemerkt, die Kalmücken oder
mongolischen Stämme keine besondere Benennung, die Kirgisen oder
tatarischen Stämme keine für den Hemionus. Letzteren nennen die
Mongolen Dshiggetei (richtiger Tschikitei); die Kirgisen den Owa-
gei' Kulan. Zuletzt wirft E. die Frage auf, worin eigentlich der
spezifische Unterschied zwischen Hemionus und Onager bestehe,
Bef. kann hierauf nur mit den Worten von Pallas antworten: bei
ersterera ist der Schwanz noch kahler, die Ohren kürzer, der Ha-
bitus mehr pferdeartig, die Färbung anders und der Querstrich, der
gewöhnlich bei wilden Eselshengsten über der Schulter sich findet,
fehlt. Jedenfalls gehören die neuerdings von Is. Geoffroy und Sy-
kes als E. Hemionus beschriebenen Thiere nicht dieser Art, sondern
nach ihrer Färbung dem Onager an. Über beide Arten hat Ref. im
VI. Theile von Schreber's Säugthieren Alles zusammengestellt,
was in der Literatur über sie vorlag.
Vaehydermata*
Schlegel und S. Müller haben in den Verhandlingen n. 5 auf
tab. 32 vortreffliche Abbildungen von den Schädeln des Sns verruco-
sus und vittaUis mitgetheilt.
Aus dem Eocene Sand zu Kjsson in Suffolk, der die tberreste
von Affen, Fledermäusen und BeuteKhieren geliefert hatte, erhielt
R. Owen neuerdings mehrere Backenzähne von Hyracotherium Cu-
m'culus (Ann. of nat. bist. VIIT. p. 1.). Von Hyotherhnn unterschei-
det nun H. V. Meyer 3 Arten: H. Soemmerringit\ medium und Meiss-
7ieri (Zeitschrift f. Min. 1841. S. 104).
Über die Art und Weise, wie Flintenkugeln und andere fremde
Körper im Elfenbeine der Stosszähne des Elephanten eingelagert
sind, legte Goodsir seine Bemerkungen der K. Societät in Edin-
burg vor (lostit. 1841. p. 835).
Einen kurzen Bericht über die in Saint Louis aniMissuri aufbe-
wahrten Überreste von Mastodonten (^Missurium) und anderen Thic-
ren stattete Homer ab (Instit. 1841. p. 318).
M. V. Olfers in seiner Abhandlung über „die Überreste vor-
weltlicher Riesenthiere in Beziehung zu ostasiatischen Sagen und
chinesischen Schriften", handelt zuerst vom Mamuth (Mamont) und
zeigt dann, dass die älteren Werke der Chinesen bis zum Anfange
des 18ten Jahrhunderts von diesem nichts wissen, dass das Fen-
schü u. s. w. , welches diese altern Werke beschreiben, zunächst
den Maulwurf, sodann aber auch ein grosses Wühlthier bezeichnet,
das in den Gebirgsgegenden östlich vom Hoang-ho leben soll und
dem vielleicht ein noch lebendes Thier zum Grunde liegen könnte, dass
endlich der Name Fen-achü ii. s. w. auf den Mamuth übertragen wor-
51
den sei. -^ oifers glaubt aber auch in chinesischen Schiiflen Nach-
richten über einiitiiuische fossile Knochen zu finden.
Beiträge zur Keniitniss des Baues der Innern Weichiheile
des Lama ( Aiichenia Lama) von J. F. Brandt (]Mem. de
l'Acad. dePetersb. IV. 5elivrais. 1841. p. 1 — 78 mit 17 Taf.).
Im Lustschlosse Zarskoje -Sselo werden schon seit vielen Jah-
ren Lamas gehalten, die sich dort auch fortpflanzen. Von diesen
erhielt Brandt 4 Exemplare, die er zur Untersuchung des Innern
Baues benutzte, über welchen, auch nach der unter Rapp's Präsi-
dium erschieneneu vortrefflichen Dissertation von Christen, noch
viele Aufschlüsse zu geben waren. Mit grosser Ausführlichkeit sind
die Organe der Ernährung, Respiration, Absonderung und Fortpflan-
zung und das Gehirn beschrieben, und auf 17 gut ausgeführten Ta-
feln bildlich dargestellt. Die weiblichen Geschlechtsorgane sind hier
zum erstenmale geschildert. Der Euter hat 4 deutlich entwickelte
Zitzen. Während die Kameele keine Spur von Klauendrüsen zeigen,
sind sie dagegen bei dem Lama vorhanden. Man sieht nämlich bei
ihm sowohl an den vordem als hintern Füssen auf der Mitte der
Vorderfläche der zwischen den Zehen gelegenen Haut eine längliche
haarlose Stelle. Äusserlich bemerkt man auf dieser kahlen Stelle
eine dünne Lage einer hellbräunlichen, eigenthümlich riechenden
Masse, die im frischen Zustande etwas schmierig ist, bald aber er-
härtet. Entfernt man sie, so sieht man eine Menge kleiner Oeffnun-
gen , Mündungen von Drüschen. Nach innen unter jeder der erwähn-
ten kahlen Stellen zeigt sich eine ihnen an Gestalt ähnliche, aber
etwas schmälere und kürzere Lage von Drüsen, welche durch jene
Mündungen ihren Inhalt ausleeren.
In der Versammlung zu Glasgow theille Danson einige Bemer-
kungen über die Nutzbarkeit des Alpakas mit, und führte an, dass
im Jahre 1839 in England für eine, und 1840 für 3 Millionen Pfund
Wolle von diesem Thiere eiogefülirt worden sei (Report of the Brit.
Associat. 1841. 2. p. 131).
Nach Gräberg (Isis 1841. S, 644) ist der gegenwärtige Stand
der Kameele zu San Rossore bei Pisa 171. Das höchste Alter ist
31 Jahre.
Von einem neuCn Bisamthiere, Moschus aquaticus, gab
Ogilby in den Proceed. VIII. p. 35 und IX. p. 68 eine kurze Notiz.
In der Grösse steht es in der Mitte zwischen M. moschiferus und
meminna, was aber am merkwürdigsten ist, ist seine Heimath: Sierra
Leone, indem bisher alle ächten Moschusthiere aus Asien kamen. —
Die Lebensweise von M. Meminna erläuterte Lieut. Tick eil durch
einige Notizen (Calcutt. journ, I. 1840. p. 480).
Eine junge mäunliche Giraffe wurde am 27. Mai 1841 im Gar-
52
ten der Zoolog. Society geboren; Mutter und Junges -traten voll-
kommen woLI.
Nicht ohne Bedenklichkeit füsr*^- l^ervais (Zoolog. Bo-
nite p. 64. tab. 12) den «irschen eine neue Art zu, Cer-
vus Pseudaxis
Diese Art ist auf ein männliches Individuum begründet von un-
gewisser Herkunft und seit einigen Jahren in der pariser Menagerie
unterhalten. Form der Geweihe und Grösse wie bei C. Axis. Der
Unterhals, gewisse Partien der Gliedmaassen, der Augenkreis u. s. w.,
anstatt weiss wie beim Axis , sind von gräulicher oder Milch-Kaffee-
Farbe. Der Schwanz hat oben an der Basis schwarz, anstatt weiss;
die w^eissen Flecken an den Seiten sind minder gedrängt. Im Win-
ter verlängern sich die Haare und verwischen fast die Flecken; be-
sonders lang werden sie am Vorderhals. Mit einem Weibchen vom
gewöhnlichen Axis hat er zweimal Junge hervorgebracht. Wie Ger-
vais selbst vermuthet, könnte dieser C. Pseudaxis doch nur eine Ab-
änderung vom Axis sein.
Über das Rennthier gab E versmann einige interes-
sante Bemerkungen (Bullet, de Moscou. 1S40. p, 58).
In den Wäldern des kasanschen Gouvernements giebt es noch
sehr viele Rennthiere. Sie zeichnen sich durch besondere Grösse
aus; eines hatte eine Länge von 6' 7" paris. Maass. Nach der Be-
hauptung der Tscheremissen , die beständig Jagd auf diese Thiere
machen, haben die Weibchen der kasanschen Rennthiere niemals
Geweihe; wirklich waren auch die beiden Weibchen, welche Evers-
mann von ihnen erhielt, ohne Geweihe. Auch im orenburgschen Ural
sind noch immer wilde Rennthiere anzutreffen und gehen südwärts
bis 52° Breite.
Linne's Behauptung, dass das castrirte Rennthier sein Geweih
so gut als die andern abwerfe, wies Hogguer in seiner Reise nach
Lappland (S. 161) als unbegründet nach.
Sehr unnöthig war Ho dgson's Bemühen, die Hirsche mit 2 Gat-
tungen zu vermehren, Pseudocervus auf Cermis X^aUicliü^ und
Rucervus auf C. eUtphoides begründet (Calcutt. journ. 1841).
Werthvolle Bemerkungen über den Cervus canadensis finden sich
in des Prinzen von Wied Reise II. S. 24.
Ogilby entwickelte seine Ansichten über die Prinzipien,
nach welchen die hohlhörnigen Wiederkäuer in Gattungen zu
vertheilen wären (Proceed. VIII. p. 4).
Er geht von dem Grundsatze aus, dass keine andern generi-
schen Charaktere zugelassen werden dürften als solche, die auf noth-
wendigen Beziehungen zwischen der organischen Struktur und der
Lebensweise der Thiere beruhen. Das Vorhandensein oder der Man-
gel der Hörner ist, nach Ogilbj-, ein gutes generisches Kennzeichen,
indem es auf den Charakter und die Lebensweise einen wesentlichen
53
Elnfluss zeigen soll. Solche Arten mit ungehörnten Weibchen sol-
len furchtsam sein, entweder völlig monogam, oder doch nur in
kleinen abgesonderten Familien leben j dagegen sollen solche Wie-
derkäuer, bei denen auch die Weibchen gehörnt sind, kühn sein,
gewöhnlich in grossen Heerdea leben, Weiber- Gemeinschaft haben
lind selten sich an besondere Individuen attachiren. Die Form der
Hörner aber verwirft Ogilby, als sie auf die Sitten und Ökonomie
der Thiere keinen Einfluss ausübe. Von wichtiger Bedeutung schei-
nen ihm auch die Thränenfurcheu zu sein, als das Abreiben ihres
Inhaltes an Büsche und Steine den Thieren zur Orientirung auf ih-
ren Wanderungen dienen könne. Den Klauendrüsen gesteht er eben-
falls eine wichtige Beziehung zu den Sitten und der geographischen
Verbreitung der Thiere zu. Bei Gazella, Antilope, Bubalus und
Oryxy welche die heissen Sand wüsten bewohnen, seien sie unge-
mein gross, bei Ovis, Capricornis und Tragelaphus, welche auf of-
fenen grasigen Ebenen und Bergen von weniger dürrer Beschaffen-
heit leben, seien sie viel kleiner, während sie bei Bos^ Calliope
u. s. w., die meist Wälder und Sümpfe der tropischen Regionen,
oder grasige Plätze der gemässigten Klimate bewohnen, ganz fehl-
ten. Bei Berücksichtigung dieser Kennzeichen hofft Ogilby, dass
statt der bisherigen willkürlichen und künstlichen Eintheilung eine
logische, wissenschaftliche und natürliche Anordnung der Wieder-
käuer Platz greifen würde.
Mit diesen Prinzipien kann man denn doch nicht so unbedingt
eich einverstanden zeigen. Zunächst hat schon Owen (Pro ce ed. IV,
Lond. and Edinb. phil. mag. IX. p. 309) dargethan, dass zwischen
dem Vorkommen von Suborbital-, Maxillar-, Ohr- und Inguinaldrü-
sen und dem Aufenthaltsorte der Thiere und ihrer geselligen Ver-
hältnisse keinerlei Wechselbeziehung bestehe. Man kann dies aber
auch weiter auf die Klauendrüsen ausdehnen, da es leicht nachzu-
weisen ist, dass Thiere mit und ohne dieselben zusammen in den-
selben Lokalitäten vorkommen, manchen fehlen, die sie nach der
Theorie haben sollen, andere, denen sie nichts nützen, sie besitzen.
So zum Beispiel sollte man hei den Tylopoden erwarten, dass das
Kameel — das Schiff der Wüste — mit ungeheuren Klauendrüsen
versehen sein müsste, während es gar keine hatj umgekehrt sollte
man sie beim Lama überflüssig finden und doch sind sie da. Auch
die Behauptung von der Beziehung zwischen dem Vorkommen von
Hörnern und dem Muthe und der Geselligkeit der Thiere muss sehr
beschränkt werden, schon deshalb, weil Arten, bei denen die Weib-
chen in der Regel ungehörnt sind, öfters gehörnte weibliche Indivi-
duen aufzuweisen haben und umgekehrt. Ob die Thränengruben den
von Ogilby angegebenen Nutzen "haben, ist sehr zu bezweifeln, da
Thiere ohne solche auf ihren Wanderungen sich gleich gut orientiren.
Über die Antilopen haben wir zwei monographische
Arbeiten erhalten.
54
Die ciuc von Laurillard gehört dem DictiounHire universel
d'histoire naturelle, par Ch. D'Orbigny an (Tora. I. 1841. p. 612
bis 836), und giebt eine kurze, aber gute Beschreibung von den
hierher gehörigen Arten. Die zweite, von P. Gervais, findet sich
im Dictionnaire des sciences naturelles par plusieiirs Professeurs du
Jardin du Roi u. s. w. Supplement I. 1841. (p. 357 — 269); sie giebt
mehr eine Übersicht, charakterisirt gewöhnlich blos die Gruppen und
theilt diesen die Arten zu.
An neuen Arten haben die Antilopen keinen grossen Zu-
wachs bekommen.
Laurillard (a. a. 0. S. 683) stellt eine Antilope %in ctuosa
auf nach einem in der pariser Menagerie lebenden Exemplare aus
Senegambien, merkwürdig als der westafrikanische Repräsentant ei-
ner südafrikanischen Form. „Sie gleicht sehr der A. ellipsiprymna,
nur sind ihre Hörner fast gerade, sehr wenig nach vorn eingebo-
gen. Übrigens ist der Kopf gleichmässig kurz, die Haare lang und
gelblichbraun, das Ende der Schnauze w'eiss und die Nasenlöcher
schwarz. Ein weisser Fleck unter der Kehle, aber keine weisse
Binde an den Hinterbacken," — Die Benennung unctuosa ist nicht
gut gewählt, da die im Winter erfolgte Aussonderung einer Feuch-
tigkeit aus den Haaren doch nur krankhafter Art sein kann. — Der-
selbe sondert den von Fr. Cuvier in den Mammif. vol. III. dargestell-
ten Guevei von der eigentlichen A. pygmaea ab und giebt ihm den
Namen A. Frederici.
Ogilby charakterisirte in den Ann. of nat. bist. VI. p. 510 eine
neue Art als A. Cuvieri'y nach Vergleich des Ref. aber mit der A.
arabica, wovon die hiesige Sammlung ein durch Hofrath v. Schubert
aus Akaba mitgebrachtes Exemplar besitzt, ist sie mit letzterer
identisch.
Desto besser begründet ist A. Smith's (Illustrat. n. 13. tab. 33)
neue Art: Cephalophus (Antilope) natalensis, mit der Dia-
gnose: ,, C. rubro-aurantius, dorso natibusque externe bruneo-auran-
tio-umbratis; capitis cervicisque lateribus, gutture abdomineque
Bubochreis. Crista verticali rubro-aurantio nigro bruneoque colo-
rata; cornubus griseo-nigris." Körper 3' 3|", Schwanz 4". Von
Port Natal. — In demselben Heft tab. 31 ist auch noch Bubalus lu-
?iatus dargestellt.
Eine vortreffliche Abbildung vom Kopfe der A. furcifer lieferte
der Prinz von Wied in seiner Reise II. S. 84.
Die Gattung der Schafe ist von Blyth in seiner Amen-
ded List of the Species of tlie Genus Ovis (Proceed. Vlll.
p. 62, und mit Zusätzen und einer Tafel vermehrt in den
Ami. of nat. hist. VII. p. 195 u. 248) monographisch bear-
beitet worden.
Die Zahl der Arten von Wildschafen ist durch die neuern Rci-
55
seil derKugläüder sehr vermehrt und viele Exemplare sind nach Lon-
don gebracht worden. Diese Gelegenheit hatBJyth benutzt und nach
solchen Exemplaren und Berichten neue Arten aufgestellt. Wenn
nun auch gleich nicht alle fest begründet sind, indem nicht immer
eine Art aus einem oder dem andern Individuum erkannt werden
kann, zumal bei den gehörnten Gattungen, wo, abgesehen von in-
dividuellen Abweichungen, die Hörner von jungen und alten Thieren
oft beträchtlich in der Form differiren, so ist doch jedenfalls auf
eine grössere Mannigfaltigkeit von Formen in dieser Gattung als
bisher aufmerksam gemacht und einige der neuen Arten sind gewiss
standhaltig. Da Ref. aus Mangel an Autopsie kein sicheres Urtheil
hierüber sich gestatten kann, so theilt er nur kurz die Namen der
in dieser Liste aufgeführten Arten mit unter Beifügung ihrer Hei-
math. 1) O. Polii, Central- Asien; 3) 0. montana Desm., Nord-
amerika; '6)O.Anuiioii Pall., Altai; i)0.nivicola Esch., Kamt-
schatkaj 5) 0. californiana Dougl., Kalifornien; 6) 0. Na-
hoor Hodgs., Himalaj'a; 7) 0. Biirrhel, Hiraalaj'^a; 8) 0. cy-
lindricorniSi Kaukasus; 9) 0. Gmelini^ Armenien; 10) 0. VI-
gnet, Kleintibet; 11) O. Musimon Linn., Sardinien, Korsika; 18)
O. Ophioii, Cj'pern; 13) O. ^rze^ Linn.; l'^) O? Ixalus Proba-
ton Ogilb.; 15) 0,(^Ammotragus) Trag elaphus Jy^^m. Wo
kein Autor hinter dem Namen steht, ist dieser von Blyth gegeben.
Noch giebt Blyth mehrere Bemerkungen über indische
Ziegen.
Er beschreibt in den Proeeed. Vni. p. 80 einen neuen Stein-
bock, der in Klein -Tibet häufig ist und den Namen Skyn, oder
Skeen , Sakeen oder Sikeen führt. Er ist dem Schweizer Steinbock
sehr verwandt, ähnlich gefärbt und mit rudimentärem Barte, aber
seine Hörner sind viel länger und weit weniger convergirend. —
Dann erwähnt er einer Rasse der wilden gemeinen Ziege, Markbur
in Kabul, Rawacki in Klein -Tibet genannt, merkwürdig wegen ih-
rer ansehnlichen Grösse, und weil ihre Hörner mehr oder weniger
gewunden sind, und von der Krümmung der der Antilope strepsi-
ceros nur in einer entgegengesetzten Richtung abweichen zu der
straffen Spirale der kafferschen Impoofs Hörner. Eine Beschreibung
und Abbildung dieser Ziege hat Vigne in seiner Reise nach Kabul
mitgetheilt, die Ref. leider nicht zugänglich ist, so dass er keinen
bestimmten Begriff von diesem Thiere hat.
Ferner giebt Blyth in den Ann. of nat. bist. VIL p. S58 eine Be-
schreibung von Kenias hylocrius Ogilb., und bemerkt, dass Ogilby
ganz richtig denselben mit Hodgson's Iharal (identisch mit Capra
Jemlaica') und dem Goral in eine Gruppe zusammengestellt habe.
K. hylocrius ist kleiner als der Iharal, mit kurzem, groben und et-
was krausen Pelze; die Hörner sind schwarz, mehr auswärts als
beim Iharal gebogen und durch zahlreiche O^ierfurchen gekerbt. Be-
wohnt die Chatgaon Berge, Malabar u. s, w.
56
Aus Capra Iharal, s. quadrimammis errichtete Hodgson im
Calcutt. journ. 1841 eine besondere Gattung Hemitragus: „allge-
meine Beschaffenheit j Geruch und Hörner von Capra, aber mit einer
kleinen feuchten Muffel und 4 Zitzen bei den Weibchen." Dabei
bemerkt er, dass Ogilbj diesen Typus „unwisely" mit Kemas con-
fundirt habe.
Werthvolle Bemerkungen über den amerikanischen Bison
finden sich in des Prinzen von Wied Reise II. S. 23, und über den
Yak in Wood's personal narrative of a journey to the source of
the river Oxus Lond. 1841. — Über nordafrikanische wilde Rinder
sind Aussagen in den Proceed. IX. p. 64 mitgetheilt.
C€tacea%
Abhaudlmigeii aus dem Gebiete der Zoologie und ver-
gleichenden Anatomie von H. Schlegel. Leiden 1S41. Istes
Heft. 4. mit 6 Tafeln.
Dieses erste Heft enthält: „Beiträge zur Charakteristik der Ce-
taceen", in welchen eine vollständige systematische Übersicht über
die ganze Ordnung in genauer Schilderung ihrer Familien, Gattun-
gen und Arten gegeben wird. Seit Rapp's schöner Arbeit über die
Cetaceen ist diese die bedeutendste, welche über die Walle erschie-
nen ist, reich an neuen Thatsachen, scharf und bestimmt in kriti-
scher Sichtung. Der Raum erlaubt uns nicht, ausführlicher auf diese
ausgezeichnete Abhandlung einzugehen, was auch grade nicht noth-
wendig, da denn doch jeder Zoolog sie selbst zu Rathe ziehen muss.
Narrative of a Whaling Voyage round the globe from
the year 1833 to 4836. By Fr. Debell Bennett. Lond.
1840. 2 Bde.
Zur Kenntniss der Walle in den südlichen Meeren von grossem
Nutzen. Besonders umständlich ist der Fang, die Lebensweise und
die Beschaffenheit des Pott fisch es abgehandelt und eine Menge
berichtigender oder neuer Thatsachen über ihn mitgetheilt. Ein ziem-
lich ausführlicher Auszug aus dieser lehrreichen Reise ist in den
Münchner gel. Anzeigen XHI. S. 545 enthalten, worauf Ref hinwei-
sen will, da der Raum es hier nicht erlaubt näher darauf einzugehen.
Esc bricht hat (in den Forhandlinger ved de scand. Naturf.
andet Mode der holdtes i Kjöbeuhavu. 1840. Kjöbenh. 1841. p. 83)
/sehr ausführliche und interessante Untersuchungen über die nordi-
schen Wallfische mitgetheilt, an welche wir hier nur erinnern kön-
nen, wegen des Weiteren auf Froriep's Notizen verweis^en, wo sie
im Jahrg. 1841 N. 411 — 413 enthalten sind.
Kröyer sucht in seiner Zeitschrift (daraus in der Isis 1841.
S. 429) zu erweisen, dass Balaena rostrata eine eigne Art sei und
nicht blos junge Individuen von B. boops. Als Diagnose stellt er für
jene auf: „Barten weiss und ihre beiden Reihen gerade bis zum
57
Ende des Oberkiefers verlaufend, wo sie zusaiiunengehen; Brust-
finnen gegen die Mitte weiss, sowohl an der obern als untern
Fläche."
Über eine bei Charinouth gestrandete Balaena rostrata theiltea
Yarrell (Proceed. VIII. p. 11) und Sweetin g (Ann, of nat, bist. VI.
p. 72) Bemerkungen mit.
Im achten Jahresbericht des Mannheimer Vereins für Naturkunde
stellt Kill an mit Recht es in Zweifel, ob die Wallfisch -Kinnlade,
die sonst im Kaufhause zu Mannheim aufbewahrt wurde und nun im
dortigen Naturalienkabinet sich befindet, wirklich fossil oder nur von
holländischen Schiffern mitgebracht worden ist. Dasselbe Bedenken
gilt auch für einen dort deponirten Wallfisch-Wirbel.
Über den Verlauf der Arterien hQ\ Delj)hinus phocaetia hat S tan -
nius sehr sorgfältige und spezielle Untersuchungen angestellt (Mül-
ler'sArch. f. Anat. 1841. S. 379). — Über Z). gangeticus hat M'Clel-
land im Calcutt. jouru. 1810. p. 425 einige Bemerkungen mitgetheilt.
Aus der Oversigt over Videnskab. Selskabs Forhandl. 1 1839 sind
in der Isis 1841. S. 704 Eschricht's anatomische Bemerkungen, die
sich hauptsächlich auf die Wundernetze beziehen, aufgenommen
worden.
Ein den Delphinen verwandtes antediluvianisches Meeres-
Säugthier aus der Molasse von Baltringen in Württemberg
hat H. von Meyer in den Jahrb. für Mineral. 1841. S. 315
als eigne Gattung, AiHonius servatus, aufgestellt.
Kopf dem Typus der Delphinartigen Thiere ähnlich, die Hinter-
hauptsfläche nach oben convex; Stirnfläche platt, horizontal und von
namhafter Breite; unmerklicher Übergang vom Schädel zur Schnautze;
der Zwischenkiefer in der Gegend des Spritzapparates erhaben;
weitklaffen der Nasenkanal längs der Schnautze; langschnautzig; der
Bachen mit vielen Zähnen, welche im Oberkiefer nicht früher aus-
fallen; die Zähne pyramidal, ihre Krone nach oben flacher werdend;
vorn und hinten mit scharfer Kante, sonst leicht gestreift, die Kan-
ten und Streifen nicht ausschliesslich der Schmelzbekleidung eigen.
Das vollständige Thier wird nicht unter 12' gemessen haben.
Der Squalodon, welchen Grateloup beschrieb und anfänglich
als ein Reptil ansah (Jahrb. für Min. 1841. S. 830), wird nun von
ihm als ein Wall aus der Familie der Delphine anerkannt (a. a. O.
S. 567), nachdem schon viel früher H. v. Meyer (ebendas. 1840. S.
587) nachgewiesen hatte, dass er ein fleischfressendes Cetaceum ist.
An der obern Hälfte eines Humerus aus der Molasse vonBaltrin-
gcn hat sich H. v. Meyer (Jahrb. für Min. 1842. S. 101) nun über-
zeugt, dass ISletaxytheriuvi wirklich eine von Halianassa verschie-
dene Gattung ist. Von ersterer Gattung sind in Frankreich immer
mehr Überreste gefunden worden, unter andern ein fast vollständiges
Skelet (Instit. n. 368, 371, 414).
58
Bericht über die Leistungen in der Naturgeschichte
der Vögel während des Jahres 1841.
Vom
Prof. Dr. A. Wagner.
Der grossem Zahl sowohl von Arten als von Sammlern ent-
sprechend, hat sich im verflossenen Jahre die Ornithologie
um weit mehr Arten bereichert als die Therologie. Um desto
fühlbarer stellt sich der Mangel einer dem gegenwärtigen
Stande angemessenen Synopsis oder Species avium heraus,
um desto dringlicher wird das ßedürfniss nach einer solchen
Bearbeitung, welche das weit und breit umher zerstreute Ma-
terial zusammenfassend und kritisch sichtend, die bewährten
Arten in übersichtlicher Ordnung aneinanderreihen würde.
Es wäre schon viel gewonnen, wenn nur wenigstens immer
mehr annähernde Schritte zur Ausführung einer solchen Syn-
opsis durch häufigere Bearbeitung von Monographien gethan
würde, allein auch in dieser Beziehung ist im vergangenen
Jahre wenig geleistet worden. ^Yir können nicht umhin, bei
dieser Gelegenheit noch zwei andere Wünsche auszuspreclien,
die wir zwar schon im vorigen Berichte angedeutet haben,
hier aber noch weiter motiviren wollen. Diese Wünsche be-
treffen die Reduktion der über alles Maass angehäuften Gat-
tungen, und den noch weit verderblicheren Luxus in den bild-
liclien Darstellungen.
In seiner neuen List of the Genera of Birds stellt Gray 1119
Gattungen auf, auf welche er die sänimtlichen generischen Namen,
an Zahl 1961, zurückführt. Wenn er nun gleich selbst der Mei-
nung ist, dass von diesen 1119 Gattungen nur ohngefähr 800 halt-
bar wären, so ist denn doch auch letztere Anzahl noch immer viel
zu gross, und wenn wir annehmen, dass wir gegenwärtig gegen
6000 vSpezies von Vögeln kennen, so kommen durchschnittlich auf
59
eine von diesen 800 Gattungen nicht mehr als 7.J Arten. Indess die
Zahl der generischen Gruppen niiiss noch weiter beschränkt werden,
und von diesen 800 Gattungen, welche Gray zu belassen gedenkt,
müssen wenigstens noch drei Viertel auf die Stelle verzichten, für
welche sie, nach des Ref. Ermessen, keinen gültigen Rechtstitel auf-
bringen können. Zu dieser enormen Vervielfältigung der Gattungen
ist man nur dadurch gelangt, dass man alle ünterabtheilungen auf einen
generischen Werth steigerte, ohne dass man ihnen hierdurch den
Adel einer Gattung aufprägen konnte. Vor Allen musste die Ordnung
der Singvögel mit ihren verschwimmenden Merkmalen zu dieser
Gattungsraacherei sich hergeben und bei den willkürlichen Abgren-
zungen, die der Eine so, der Andere anders vornahm und durch
selbstgeschaffene Namen zu bezeichnen suchte, musste denn in der
Synonymik der Gattungen eine Confusion sich ergeben, von welcher
die Therologie, auf ungleich haltbareren Prinzipien fussend, glück-
licher Weise sich frei gehalten hat. Wo artenreiche Gattungen vor-
kommen, wie Falco, Psittacus, Corvus, kann man ja ünterabthei-
lungen anbringen, die, wenn sie auf constanten Merkmalen beru-
hen, als Untergattungen mit eignen Namen bezeichnet werden können.
Eine ternäre Nomenklatur, wo der Name der Gattung, Untergattung
und Art zusammengestellt ist, ist in einem solchen Falle, trotz
ihrer Weitschweifigkeit, doch noch erspriesslicher als die maasslose
Zersplitterung der Gattungen, wo man endlich vor lauter Bäumen
den Wald nicht mehr sieht.
Weit verderblicher aber als dieser Überschwall von Gattungen,
deren man sich durch Ausmerzen leicht entledigen kann, wird für
die Wissenschaft der Luxus in den Bilderwerken , da sie hierdurch
auf einen Preis getrieben werden, der sie den Meisten unzugäng-
lich macht. Und diese Vertheurung ist völlig überflüssig, durch
unmässige Grösse des Formats, so wie durch den Übelstand herbei-
geführt, dass gewöhnlich jede Art eine eigne Foliotafel einnehmen
muss, der Vogel von der Grösse eines Strausses so gut als der von
der Kleinheit eines Zaunkönigs^ so dass man in der Regel weit mehr
weisses unbenutztes Papier, als farbiges oder bedrucktes zu kau-
fen genöthigt wird. Dazu kommt nun noch die grosse Unbequem-
lichkeit in der Benutzung dieser Folianten, zumal da auch der Text
gewöhnlich in diesem Formate ausgegeben wird. Und da man bei
einem Owellenstudiura noch anderweitige Werke zu Rathe ziehen
muss, so gehört ein schöner Raum dazu, um diesen Ai)parat aus-
breiten zu können. Soll Folio -Format einigermaassen bequem für
die Benutzung werden, so müssen auf einer Tafel so viel Figuren
gegeben sein, als es nur immerhin ohne Überladung geschehen kann;
für den Text aber sollte Octav- Format gewählt werden. Hierdurch
wird nicht blos die Anzahl der Folianten verringert und schon da-
durch die Benutzung bequemer gemacht, sondern es werden auch die
Kosten ausserordentlich herabgedrückt; das Werk selbst also eineji
60
grössern Auzahl Naturforscher ziigänglicli. Ani zweckniässigsten
jedoch ist auch für die Abbildungen die Wahl von Quart- oder gross
Oktav -Format. Zweidrittel aller Vögel -Arten können auf demsel-
ben entweder ganz in Lebeusgrösse oder doch nur in geringer Ver-
kleinerung abgebildet werden; aber auch für grössere Vögel reicht
zu ihrer geuauen Darstellung dieses Format vollkommen aus, wie
es die Abbildungen von Susemihl, Naumann und Swainson sattsam
beweisen. Hiermit ist dem wissenschaftlichen Bedürfniss völlig ent-
sprochen; was darüber ist, ist für wissenschaftliche Zwecke unnö-
thig, und wird zum Übel, wenn es die pekuniären Mittel verzehrt,
und den Ankauf anderer nothwendigen Werke unmöglich macht. Da
der Kreis des menschlichen Wissens immer weiter und die Literatur
daher immer zahlreicher wird, so ist die grösste Ökonomie in der
Ausstattung der Bilderwerke nötbig, sollen anders unsere Bibliothe-
ken noch im Stande sein, selbige in einiger Vollständigkeit fort zu
erhalten.
Wie im vorigen Berichte führt Ref. bei der nachfolgen-
den Aufzählung der Literatur diejenigen Werke, welche beide
Klassen der warmblütigen Wirbelthiere umfassen und deshalb
schon bei den Säugthieren bezeichnet wurden, hier, ohne be-
sondere Veranlassung , nicht nochmals auf.
A List of the Genera of Birds, with their Synonyma and
an Indication of the typical Species of each Genus. By
George Robert Gray. Second Edition, revised, augmen-
ted and accompanied with an Index. London 1841.
Von diesem Verzeichnisse ist schnell eine zweite Auflage noth-
wendig geworden. Die erste ist in unserem vorigen Jahresberichte
bereits angezeigt, mit dem Bemerken, dass dieses Verzeichniss vor-
treffliche Dienste zur Entwirrung der Synonymik leiste, dass aber
seine Brauchbarkeit durch den Mangel eines Registers sehr beein-
trächtigt werde. Diesem Übelstande ist nunmehr durch die Beigabe
eines solchen abgeholfen, sonst auch wesentliche Berich(igungen an-
gebracht und die deutsche Literatur mit Sorgfalt berücksichtigt. Wie
zur ersten Auflage hat Strickland (Ann. of na(. bist. VIII. p. 367) zu
dieser zweiten gute Bemerkungen mitgetheilt; namentlich stimmt Ref.
mit ihm darin überein, dass man hinsichtlich der Priorität der Gat-
tungsnamen nicht weiter rückwärts als auf Linne's letzte Ausgabe
des Systema naturae und auf Brisson zurückgehen solle.
The Birds of Australia. By J. Gould. Dedicated by
Permission to Her Majesty. London, 1840: Part. I, 1841:
Part. II, III, IV, V. Imp. Fol. Jedes Heft 3 Guineen.
Obschon von diesem kostspieligen Prachtwerke, das eine nicht
geringe Auzahl von Lieferungen erhalten wird. Alles gilt, was vor-
hin von Luxus werken älinlicher Art gesagt wurde, so kann Ref.
61
doch nicht nmhin zu gestehen — so incodseqiient dies auch erschei-
nen mag — dass er, da denn doch keine Regel ohne Ausnahme ist,
für dieses um Nachsicht und beifällige Aufnahme selbst ersuchen
muss, so sehr ist er in seinem ürtheile von der eminenten Schön-
heit dieser Abbildungen bestochen. AVas Swainson in seiner Biblio-
grapliy (Cabinet Encyclopaedia 1840) von andern Arbeiten Gould's
sagt: j,we thrust the author will hereafter reprint these expensive
volumes in such a form as that they may be accessible to natura-
lists; and thereby diffuse science, iastead of restricting it to
those only who are wealthj-" — wollen wir im Interesse der wis-
senschaftlichen Naturforscher ebenfalls wünschen , vornämlich aber
von allen andern ornithologischen Leistungen, die wir von Gould's
künstlerischen Leistungen sonst noch zu erwarten haben werden. —
Das vorliegende Werk hatte Gould eigentlich schon vor einigen Jah-
ren angefangen, unter dem Titel: The Birds of Australia and the
adjacent Islands. Lond. 1837 Part, l., 1838 Part. IL Es wurde aber
plötzlich unterbrochen, indem Gould und seine Gattin nach Neuhol-
land reisten, um dort aus eigner Anschauung die Gegenstände ihrer
künstlerischen Darstellungen in ihrem Leben und Weben kennen zu
lernen. Seit ihrer Rückkehr sind nun beide Gatten eifrigst mit der
Publikation ihrer neuen Arbeiten beschäftigt, und nicht mehr zufrie-
den mit den ersten beiden Lieferungen von 1837 u. 38, die blos nach
ausgestopften Exemplaren gefertigt waren, haben sie dieselben kas-
sirt und geben alle dort enthaltenen Tafeln jetzt neu wieder. For-
mat und äussere Ausstattung dieser neuen Hefte sind ganz wie in den
frühern, also prachtvoll; da aber die Abbildungen jetzt grösstentheils
nach lebenden Exemplaren gefertigt wurden, so ist der Habitus der
Thiere mit ungleich grösserer Treue aufgefasst. Überdies haben sie
dadurch bedeutend an Werth gewonnen, dass die Vögel in ihren ge-
wöhnlichen Umgebungen, auf den Pflanzen, auf welchen sie häufig
sich aufhalten, dargestellt sind, wodurch auch der Botaniker seinen
Antheil an diesem Werke erhält; ferner sind öfters die Weibchen
oder Jungen mit ihren Nestern beigegeben, und der Text liefert jetzt
vollständige Beschreibungen der äussern Gestaltung und, soweit
sie beobachtet werden konnte, auch der Lebensweise dieser Thiere,
so dass die neuen Lieferungen grosse Vorzüge von den früheren
voraushaben, und allen Anforderungen entsprechen, die nicht blos
der Dilettant, sondern auch der wissenschaftliche Ornitholog an ein
solches Prachtwerk zu stellen berechtigt ist. Schliesslich erwähnt
Ref noch, dass diese Birds of Australia alle Arten australischer Vö-
gel darstellen sollen ; die bereits abgebildeten wird er am gehörigen
Orte immer anführen.
Ornitholo^ical Drawings; the Birds of Brazil, by W.
Swainsoii. Lond. 1834 — 40. 6 parts, royal 8vo.
Ref. muss es sehr bedauern, dieses Werk übersehen zu haben.
Im Jahre 1834 erhielt er das erste Heft desselben; da er aber nichts
62
mehr von den Forfsefzungen hörfc, so glaubte er, dass dasselbe
nicht weiter fori geführt sei. Zu spät von dessen Fortgang und Be-
endigung in Kenntniss gesetzt, um für diesen Bericht noch benutzt
zu werden, kann er über diese Ornithological Drawings nur aus
Ansicht des ersten Heftes ein Urtheil abgeben; hiernach muss er
aber dieselben als ein Muster erklären, wie ornithologische Bilder-
werke, vom Standpunkte des wissenschaftlichen Zoologen aus be-
trachtet, eingerichtet werden sollen. An lebendiger naturgetreuer
Auffassung der Vögel, an eben so genauer als schöner Ausführung
des Kolorits stehen sie den Gould'schen Werken nicht nach, an Bil-
ligkeit des Preises, an Bequemlichkeit in der Benutzung (wegen des
Oktavformats) gehen sie ihnen weit voran. Swainson hat sich jetzt
nach Neuseeland übersiedelt, und wir hoffen, dass dieser geistreiche
Naturforscher, der unter den englischen Zoologen einen der ersten
Plätze einnimmt, unserer Wissenschaft auch dort noch seine Thätig-
keit nicht entziehen werde.
Noch ist nachträglich zu erwähnen: Audubon's Synopsis of
the Birds of North America. Lond. 1839. 8vo, als Schluss seiner Or-
nithological Biograph3^
Die Fortsetzungen von Susemihl, Naumann, Bekker, Berger,
Zander haben ihren Fortgang genommen. Das Unternehmen von
Susemihl verdient einer besondern Berücksichtigung, seitdem Schle-
gel in Leiden die Redaktion des Textes übernommen hat. Wir wer-
den hiermit eine europäische Ornithologie erlangen, die in der Schön-
heit und Treue der Abbildungen es mit dem Gould'schen Werke auf-
nehmen kann, an wissenschaftlichem Werthe aber durch genaue Be-
schreibungen und an Billigkeit des Preises demselben weit vorgeht.
Auch für die Benufzbarkeit hat es wegen bequemeren Formates
einen grossen Vorzug voraus.
Ausserdem hat Ref. noch angezeigt gefunden: H. L. Me3er's II-
lustrations of British Birds with (hcir Eggs. Lond. 1841. N. 1. — Ca-
talogue des oiseaux observes dans le departement de la Seine-Infe-
rieure. Caen 1841. — Macgillivray, History of British Land Birds,
indigenous and migratory, including their Organisation, Habits and
Relations, Remarks on Classification and Nomenclature, and the
principal Organs of Birds. Lond. 1841, in monatlichen Lieferungen.
An Abhaiidlniigen , welclie die Fauna einzelner Gegenden
behandeln, sind zu erwähnen:
Thompson's Verzeichniss der in Irland vorkommenden Vögel
(Report of the Brit. Associat. 1841. p. 364). Es finden sich daselbst
alle von ^elhy als in England einheimisch aufgeführten Vögel, mit
Ausnahme von Melizophilus proviucialis, Parus cristatus, Emberiza
Cirlus, Passer montanus, Picus viridis (der jedoch in einigen Ge-
genden sich aufhalten soll), Sitta europaea, Columba oenas, Lago-
pus mutus. — Derselbe hat seine Notizen über irische Vögel in den
Ann. of nat. hist. VIII. p. 873 fortgesetzt; sie betreffen die Familien
63
Fringillidac, Sturnidac, Corvidae, Picidae und Certhiadae. — Einige
seltene Vogel von Kent führte Miimmery ebenda S. 317 auf; am
Autfallendsten ist ein Oriolus Galhula, der am 18. Oktober erlegt
^viirdej sicherlich war er nur aus einem Käfige entwischt. —
Brehm's Schilderung mehrerer Ausflüge nach Brionis bei Delitzsch,
4 Stunden von Leipzig, in zoologischer, vorzüglich ornithologischer
Hinsicht (Isis 1841. S. 39, 121, 200), ist reich an guten Beobachtun-
gen, wie an Errichtung unnützer Arten; so z. B, werden aus dem
Grauammer {ß,mheri%a miliaria) jetzt nicht weniger als 8 Arten von
ihm gemacht. — - E. F. v. Homeyer gab einen Nachtrag zu seiner
Übersicht der pommerschen Vögel (Erster Nachtrag zur systemat.
Übersicht der Vögel Pommerns. Anclam. 1841). — Nachträglich ist
des Verzeichnisses der Vögel Galiziens von St. C. v. Siemus-
zowa-Pietruski zu erwähnen, indem bei Abfassung des vorjäh-
rigen Berichtes Ref. das Heft dieses Archivs (1840. I. S. 369), in
welchem jenes Verzeichniss abgedruckt ist, noch nicht zu Händen
hatte. — Series animalium, a defuncto Professore Joan. Krynicki in
itinere annis 1836 — 38 ad Caucasum et Tauridem suscepto colle-
ctorum etc., quam determinavit, recensuit et disposuit Dr. M. J. Ka-
leniczenko. Enthält 21 N. Säugthiere und 173 N. Vögel, meist
mit Diagnosen; neu ist unter letztern eine Art (Bullet, de Mose.
1839. S. 203). — Küster^s Beiträge zur Naturgeschichte der Insel
Sardinien (Isis 1841. S. 732) betreffen die Sumpf- und Wasservögel.
— Interessante Bemerkungen über die Zugvögel, welche auf einer
Seereise von Malta nach Morea im April gesehen wurden, theilt
Thompson in den Ann. of nat, bist. VIII. p. 125 mit. — Von einer
in Tanger geraachten Sammlung von Vögeln übergab Hay ein Ver-
zeichniss (Ann. of nat. bist. VIII. p. 557), welches in Bezug auf geo-
graphische Verbreitung beachtenswerth ist. — In gleicher Beziehung ist
auf das „Verzeichniss einer Sammlung von Säugthieren und Vögeln
aus demKaffernlande, Berlin 1842", aufmerksam zu machen, in wel-
chem überdies Lichtenstein viele neue Arten aufgestellt hat. —
Von einigen Vögeln, die Vigne in Tibet, Kaschmir ii. s. w. sam-
melte, sind in den Ann. of nat. bist. VlIL p. 224 die Namen angege-
ben. — Zur ornithologischen Fauna von Neu-Guinea hat Sal. Mül-
ler in den neuen Fortsetzungen der Land- en Volkenkunde wei-
tere Beiträge gegeben. — Über die um das Fort Clarke am Missuri
vorkommenden Vögel hat der Prinz von AVied in seiner Reise II.
S. 90 werthvolle Bemerkungen niedergelegt.—- Hombron und Jac-
quinot haben in den Ann. des scienc. nat. XVI. p. 312 eine Be-
schreibung mehrerer neuer oder wenig bekannter Vögel, von der
Weltumseglungs- Reise der Corvetten Astrolabe und Zelee herrüh-
rend, einrücken lassen. — Die ornithologische Parthie in dem Werke l
Voyage autour du monde sur la Bonite. Zoolog, par MM. Ey«
doux et Souleyet. Par. 1841, hat Letzterer mit Unterstützung
von Prevost, Gerbe und Blainville übernommen. — Ein Verzeich=
64
öiss der von Royle zu Sahaninpore und im Himal.iya gesaniniel-
ten Vögel fiudet sich in dessen lllustratioos of tlie Botany and other
branclies of the nat. hist. of the Hiuialayan Mountains. Part. XI. 1940.
p.LXXV. Auf tab. 8 sind solche Arten abgebildet, als Cardnelis ca^
m'ceps ^ Garru/us bispecularis und Turdus aUocinctus , die mit euro-
päischen Formen verwandt sind; während tab. 7 tropische Formen,
als Certhia goalpariensis, Pitta hrachyura und Eurylaimus Dalhou-
siae darstellt.
Zu Gunsten der von Hithcock und Andern gegebenen
Deutung, dass gewisse Eindrücke in Sandsteinen als Fuss-
tritte urweltlicher Vögel anzusehen seien, hat neuerdings in
Nordamerika ein Ausschuss von Naturforschern einen Be-
scheid gegeben (Ann. VIII. p. 235), der Ref. keineswegs zur
Änderung seiner Ansichten über diese „Ornithichnites" be-
stimmen konnte.
Is. Geoffroy's Considerations sur les caracteres employes
en Ornithologie pour la distinction des genres, des familles et des
ordres (Essais de Zool. generale. Paris 1841. p. 447), können hier
übergangen w^erden, als sie nur ein wiederholter Abdruck aus den
Nouv. annal. du. Mus. t. f. sind, mit Beigabe zweier Tafeln zur Er-
läuterung seiner Terminologie der Flügelformen.
Über die zusammengesetzte Magenform verschiedener Vögel han-
delte Leuckart in seinen zoologischen Bruchstücken und fügte 2
Tafeln zur Erläuterung der Formen der Vogelmägen bei.
A.ccipitres.
Der Kondur ist in der Zoolog, der Bonite p. 75. tab. 2 in seinem
Jugendkleide abgebildet und beschrieben worden.
Den Falken sind mehrere neue Arten zugegangen.
Aquila viorphiioldes Gould (Ann. of nat. hist. VIII. p. 68),
der A. pennata nahe verwandt, aber kräftiger. Von Neu -Südwal-
lis. — Buteo melanosternoii Gould (ebenda) aus denselben
Gegenden, dem südafrikanischen Buteo Jackal ähnlich; «iber durch
dunklere Färbung und längeren Schnabel verschieden. — Den
Ichthya'etos leucogaster (früher Haliaütos sphenurus benannt) bildete
Gould in den Birds of Austral. II. ab.
Von Edelfalken hat Gould in der 5ten Lieferung 3 Arten darge-
stellt: Falco hypoleucus, melanogemjs iinA frontaUis , alle 3 in den
Proceed. schon beschrieben. — Einen F. australis unterschieden
Hombron und Jacquinot in den Ann. des sc. nat. XVI. p. 312:
Scheitel schwarzbraun; Hals, Rücken u. obere Flügeldecken schwarz-
braun und braunroth (roux) gewellt, Schwungfedern braunschwarz
und gleich den Schwanzfedern mit weissen Ouerbinden. Unterseite
roth. Von Otago und den Auckland-Inseln in der Südsee. — Eine
65
sehr schöne Art machte Souleyet in der Zoolog, der Bonite p. 71,
tab. 1 bekannt^ den F. Gironnierii^ mit der Diagnose: „F. cor-
pore supra nigro-viridi nitente, subtus albo-sericeo.'' Von der In-
sel Liicon (Philippinen) 5 mit Ausnahme des F. coerulescens der
Ideinste Raubvogel.
Gould's Milvus isurns, schon früher von ihm publizirt, ist nuQ
in den Birds of Austr. Part. II. ausführlich geschildert. — Neue Art
von Lichtenstein im Berlin. Verz. 1842 S. 11 ist Falco {Ni-
stis) carbonarius; „F. totus fuliginoso-niger, unicolor, cera pe-
dibusque flavis^ rectricibus subtus fasciis 5 albis. Remiges albo ni-
groque obsolete fasciatae. Longit. 11 poll." Vom Kaffernland. —
Eine andere Sperberart ist von S. Müller in N. 4 der Land- en
Volkenkunde der niederl. Verhandelingen S. 110 als Falco hio^
gaster beschrieben: ^jsehr genau verwandt mit F. torquatus von
Timor, doch im erwachsenen Zustande leicht zu unterscheiden durch
seinen ganz einfarbig rostrothen Unterleib, ohne die mindeste Spur
von Ouerlinien; Kopf, Hinterhals und alle übrigen obern Theile sind
graulichblau. Iris dunkelroth, Augenlieder, Mundwinkel, Wachs-
haut und Füsse oraugegelb; Schnabel und Krallen schwarz.*^ Von
Araboina.
Von Circus maurus Temm. hat A. Smith in den Illustr. ». 12
tab. 58 den jungen Vogel abgebildet.
Im Calcutt. journ. of nat. hist. vol I. Oct. 1840. p. 307 hat B. W.
Jameson einen Aufsatz niedergelegt: „on the affinities of theFal-
conidae, being an attempt at a natural arrangement of this family.'*
Der Verfasser erklärt sich für das „Circular- arrangement", was in
Deutschland glücklicher Weise keinen Eingang gefunden hat und
selbst in England immer mehr an Kredit zu verlieren scheint.
Die Eulen sind durch Lichten stein mit 2 Arten ver-
mehrt worden im Berl. Verz. 1832. S. 11 u. 12.
a) Strix (^Brachy otus') helvola; „St. helvola (i. e. dilute
cano-fusca), facie alba, oculis nigro cinctis. Longit. 14 poll. Pen-
nae medii dorsi et pectoris unicolores, reliquae fasciolis crebris un-
dulatis marmoratae, abdomen sensim dilutius e numero et ambitii
macularum albarum crescente, crisso pedumque lanugine albis; re-
miges ferrugineo fuscoque fasciati, rectrices fasciis talibus quinque,
versus apicem sensim angustioribus.'' — b) Strix Licua; „habitu
(i. e. partium inter se ratione, praecipue remigum rectricumque lon-
gitudine mutua) et pictura similliraa Str. passerinae Linn. (py-
gmaeae Bechst.), sed major, Spollicaris, differt quoque rectricum
fasciis 6 albis latioribus vix linearibus, sed interruptis, e raacula
utrinque orbiculari conflatis, terminali nulla."
Eine dritte kapische Eulenart erhielt von A. Smith in den Il-
lustr. n. 14 tab. 67 den Namen Otus capefisis^ so dass nun 3 von
ihm aufgestellte Eulenarten, die er den Untergattungen Athene,
Archiv f. Naturgeschichte. VIII, JaJirg. 2. Bd, E
66
Strix und Otus anweist, denselben spezifischen Beinamen führen,
was sehr zu missbilligen ist.
Eine kleine Ohreule von Amboina wurde von S. Müller (Verband.
Land- en Volkenk. n. 4. p. 110) Strix magica benannt, in Farbe
lind Zeichnung wenig von St. noctula verschieden, aber um die
Hälfte grösser, beinahe wie St. passerina. Iris gelb, Schnabel und
Krallen braun.
IPasserinae*
Am reichlichsten ist der Zuwachs an neuen Arten in die-
ser grossen Ordnung; in ihr sind auch wieder die meisten
Gattungen errichtet worden.
Corvinae. Der Prinz von Wied (Reise JI. S. 21) er-
richtete aus einem blauen, den Hähern nahe verwandten Vo-
gel, der in der Schnabelbildung, Gestalt und Lebensart viel
Ähnlichkeit mit dem Tannenhäher (Nucifraga) hat, aber durch
nackte Nasenlöcher sich unterscheidet, die Gattung Gymno-
rhinus.
Die Art nennt er G. cyanocephaliis. Körper bleifarben, him-
melblau überlaufen, Obertheile des Kopfes iudigoblau. Länge 9"
10'", Schnabel 13"'. Vom obern Missuri. — Ref. hat zu bemerken,
dass gleichzeitig mit dem Prinzen G. R. Gray einer Art mit ähn-
licher Schnabelbildung {Coracias tibicen Lath.) den gleichen gene-
rischen Namen, nur mit weiblicher Endigung, nämlich Gyninorhina
beilegte.
Nach Eyton's Untersuchungen ist bei Cracticus {Coracias,
Gyni7iorhina W.S.W.) tibicen^ Luftröhre, Stiramrauskeln, Zunge und
Speiseröhre wie bei den Corvinen überhaupt, wovon auch Skelet
und weiche Theile nicht wesentlich abweichen (Ann. of nat. bist.
VIII. p. 47).
Ebenda VII. S. 553 charakterisirte Gray eine neue Art, Cra-
cticus argenteus von der Nordwestküste Neuhollands.
Kaleniczcnko giebt in Mose. Bull. 1839 S. 319 eine Art Mo-
nographie der Häher (Garrulus), und beschreibt als neue Spezies
Garrulus Krynichii cristatus, crista aterrima, atro-coerulescenti,
e plumis laxis ad cervicem usque attingentibus, rostrum nigrum me-
diocre, apice declive (subaduncum), toto corpore cinerascente fusco,
tectricibus alarum majoribus laetissime cyaneo-albis, regulariter
atro-thalassino fasciolatis, superciliis lorisque albidis, pedibus ni-
grescentibus. Verf. unterscheidet diese Art von Corvus glandarius
durch den an der Spitze abwärts gebogenen, nicht ausgerandeten
Oberschnabel, schwarze Holle, die nicht weisse Kehle, schwärz-
liche Füsse u. s. w. Im Kaukasus , Taurien und Ukraine. — Hat die
nächste Ähnlichkeit mit Gene's Garrulus melanocephalus (Corvus
stTidens Ehrenb.), den Verf. so wenig als Gould's Garrulus bispe-
67
cularis und lanceolatiis in seinem Verzeichnisse anführt, scheint aber
doch als eigne Art sich halten zu können.
Varadisidae» Vom Kaffernlande ist Lichtenstein's (Berl.
Verz. S. 17) Epiraachus unicolor; „E. supra coeruleo-, subtus
viridi-nitens, remigibus intus albo-fasciatis, rostro nigro. Longit.
10 poll. — Junioribus guttur fuliginosura, rectrices versus apicem
albo maculatae."
Eine der prachtvollsten Abbildungen, welche die Ornithologie
aufzuweisen hat, ist die, welche Gould auf einer Doppeltafel in
seinen Birds of Austral. Part. IV. vom Ptilonorhynchus holosericeus
giebt: das Nest, die alten Vögel und zwei junge Männchen, das
eine im grünen, das andere im Übergangskleide darstellend. — Ebenda
bildet Gould auf einer ähnlichen Doppeltafel die Chlamydera macu-
lata mit ihrem grossen laubenartigen Neste ab; auf einer gewöhn-
lichen einfachen Tafel die Chi. nuchalis.
JLfnpelidae. Von einem neuen Manakin, Pipra Candei,
Hess Parzudacki eine Diagnose in dieRev. zool. 1841. p. 306 ein-
rücken. Heimath Truxillo in der Hondurasbai.
Vanaffridfie» Zu Pachycejihala fügte Gould 2 australische
Arten zu: P. rufogularis und inornat a (Ann. of nat. bist. VIII.
p, 71); von P. yectoralis gab er in den Birds of Austr, Part. I V, eine
Abbildung.
Ebenda Part. I. von Pardalotus affinis und nroj^ygialis , 8 schon
früher von ihm charakterisirten Arten. — Aus Temmincks Pardalotus
jiercussus, thoracicus und maculatus bildete der feinen Zähnelung des
Schnabels wegen 8trickland in den Ann. of nat. bist. VIII. p. 528
die Gattung Prionochilus^ die nur als eine Sektion von Pipra
gelten kann.
Am Besten wird sich auch hieher Strickland' s neue
Gattung Aethiops reihen, mit fast konischem, schwach aus-
gerandetem, an der Basis erweitertem Schnabel. Die Flü-
gel sind raittelmässig, der Schwanz kurz, die Vorderseite
des Laufs geschildert, die Hinterseite ganz. Die einzige Art,
Aethiops canicapüluSy ist von der Insel Fernando Po (Ann. of
nat. hist. Vill. p. 523).
Hartlaub publizirte im lOten Hefte der Rev. zool. p. 305 eine
Tanagra iridina^ welche er von T. cyanomelas Neuw. (T.
multicolor Swains.) durch den Mangel des gelben Stirnflecks und
die schön blaue Farbe der Brust und Weichen unterschied. Im näch-
sten Hefte derselben Zeitschrift (S. 365) wies jedoch La Fres-
naye nach, dass Vieillot schon im Jahre 1819 die neue Art als T,
velia genau beschrieben habe; auch bemerkt er, dass die T. cyano-
melas von Brisson 1760 beschrieben und von Buffon abgebildet wor-
den sei und daher des Ersteren Name T. surinamensis führen müsse.
E*
68
ÜbrigeDs findet er es nicht unwahrscheinlich, dass beide nur Varie-
täten einer Art sein könnten. — Die schon im vorigen Jahresbe-
richte erwähnte T. Vassorii liess Boissonneau im Mag. de Zool.
n. 17 abbilden.
Aus Aqy Tanagra diademata Te mm. errichtete ohne trif-
tigen Grund Strickland (Ann. of nat. hist. VIII. p. 523)
eine besondere Gattung Step/ianop/iorzis wegen ihres kur-
zen, dicken Schnabels von gleicher Höhe und Länge.
Die schöne Spiza Leclancherii wurde im Magaz. de Zoolog.
1841. tab. 28 abgebildet. Ausser dieser Art zählt Lafresnaye zur
Gattung Spi%a {Fasser ina) noch die Tanagra cyanea Linn., Embe-
ri%a ciris Linn., Emberixa amoena Bouap. und Spiza versicolor.
Conirostres, Die Ammern erhielten 2 Arten: a) Embe-
ri%a bruniceps Brandt; „habitus et magnitudo E. melanoce-
phalae. Caput et guttur ad pectus usque castanea. Colli latera,
pectus et abdomen totum, nee non uropygium ranunculaceo - flava.
Nucha virescente flava. Dorsum fuscum, pennis flavo-marginatis.
Pennae alarura fuscae, albido marginatae. Cauda supra fusca, in-
fra cum alae inferiore facie albido -fusca. " Aus Turkestan (Bul-
let, de Petersb. IX. p. 12). — b) Emberixa capistrata Licht.
5,rufa, dorsi pennis medio nigris, capite atro lineis 7 albis capi-
strato, gutture atro. Longit. 5| poU. Kerniges et rectrices nigrae,
rufo-Iimbatae. Abdomen cinnamomeum." (Berlin. Verz. 1842. S. 16).
Das Dutzend Gattungen, in welche durch den übermässigen Ei-
fer der neueren Ornithologen die Lerchen sich mussten vertheilen
lassen, hat Lafresna3'e (im Dict. univ. d'hist. nat. par Cb. D'Or-
bigny I. 1841. p. 294) wieder in eine zusammengezogen, indem er
nachwies, dass die Form des Schnabels und der Füsse derniaassen
variire, dass es unmöglich ist, hiernach die Arten abzutheilen. Nach
der Form der Flügel und der Lebensweise bringt er sie in 2 na-
türliche Abtheilungen.
Von Fy reuest es frontalis Swains. gab A. Smith in den Illustr.
tab. 61 u. 62 Abbildungen des Männchens , Weibchens und Jungen.
Aus dem nördlichen Persien stammt Brandt's Coccothraustes
speculi'gerus; ,, Caput, Collum, pectoris et dorsi superior pars
nigra, subcinerascentia. Pectoris inferior pars, abdomen totum et
dorsi posterior pars cum uropygio flava. Remiges nigrae, tenuis-
sime albido-limbatae, secunda — septima in pogonii externi basi albae,
quare in alis complicatis speculum alare album. Cauda nigra, sub-
elongata. Rostrum nigricans. Longit. 8 poll." (Bullel. de Petersb.
IX. p. 11 ).
Als neue Finken -Arten vom Kaffernlande beschrieb Lichten-
stein imBerl. Verz. 1842. S. 16u. 17: Fringilla {Pyrgita) spa-
dicea-y „Fr. cano -cinerea, dorso medio alisquc complicatis extus
rufis, uropygio et pennis axillaribus ferrugineis, bis apice albis.
69
liongit. 6 poll. Giittur mediuni et abdomen albescenüa. Mandibula
flava, apice nigro. Cauda rotiindata." — Fringilla (Estrilda)
leindoi^tera', „Fr. cinerea, remigibus rectricibusque nigris, ele-
ga»tissirae albo -limbatis. LoDgit, 4 poll. Abdomen albescens, pen-
niilae frontls et verticis eadeni qua reiiilges pictiira. Macula ante
oculos et vitta utrinque collaris atra." — Fringilla (^Citri-
nella) uropygialis; „F. fusco- cinerea, dorso striato, uropygio
laete ranunculaceo. Longit. i\ poll. Abdomen medium argillaceum,
lateribus striatis; remiges secundariae et rectrices intermediae albido-
marginatae, reliquae apice albo." — Fringilla (^Pyrgita^ ein-
iiamo7nea', „ notaeo rufo, nigro striolato, gastraeo helvolo, tectri-
cibus alae et remigum secund. margine cinnamoraeis. Cauda pro-
funde eraarginata, rectricibus intermediis margine externo cinnamo-
meis. Longit. 5 poll."
Eine prachtvolle Art beschrieben Hombron und Jacquinot
(Ann. des sc. nat. XVI. p. 314) als Fringilla pha'eton, Kopf
dunkelblau, Nasenlöcher unter karminrothen Federn versteckt 5 Hin-
terhals grau; Bücken und Flügel ebenso, aber die Federspitzen kar-
minfarbig; obere Schwanzdecken rein karmin; mittlere Schwanzfedern
die andern um | überragend und lebhaft karminroth, die übrigen
bräunlich karminfarben, Unterseite prächtig karminroth.
Die Estrefda Bichenovii Vig. und annulosa Gould bildete die-
ser in den Birds of Austral. Part V. ab.
Von der Nordwestküste Neuhollands ist Gould s Ämadina
/?c c<ora//f (Ann. of nat. bist. VII. p. 554); aus Südafrika A. Smith' sf
Amadina er ythr acephala (Illustr. t. 69).
Passerini gab Notizen über die Fortpflanzung von Paroaria
cucuUata in Europa (Isis 1841. S. 642). — Vom Plocepasser Mahali gab
A. Smith in den Illustr. tab. 65 eine Abbildung. — Derselbe lieferte
Abbildungen von Ploceus spiloftotus Vig. und capensis auf tab. 66,
ferner von Textor erythrorhynchus auf tab. 64. — Lafresnaye's
Pyrrhula griseiventris ist unbekannter Herkunft (Rev. zool. p. 841).
— Ebenda (S. 146) beschrieb K. Bonaparte eine Fringilla spo-
diogenys aus dem nördlichen Afrika.
Die über den innern Bau von Phytotoma rara schon früher in
der zoologischen Partie von der Reise der Favorite publizirten Be-
merkungen sind in der Zoologie der Reise der Bonite S. 93 weiter
ausgeführt worden.
^turnidae» Als eine Untergattung von Cassicus trennte
Waterhouse (Ann. of nat. hist. VIII. p. 151) die von ihm be-
schriebene neue Art Cassicus popaymius ab und bildet daraus
das Subgenus Ocyalus {Ochyalus)-, „characteres ut in Cas-
sico , alae auteni longissimae et caudae apicem transeuntes. "
Zu Astrapia fügte SouIe3'^et (Bonite Zoolog, p. 83) eine neue
Art: A. carunctilata; „genarum cute nuda, instar carunculae
utrinque erecta." Von Neuguinea.
70
Ißentirostres* Zu den Würgern kam hinzu: Der Lanius
subcoronatus von A. Smith in den Illustr. tab. 68.
Aus desselben Zoologen Lanius mdanurus errichtet Lich-
tenstein im Berl. Verz. 1842. S. 12 eine eigne Gattung Ba-
sanist es, wegen des starken, kurzen, zugespitzten Schna-
bels, der starren, den Schnabel ringsum mit den Nasen-
löchern verdeckenden Borsten und wegen der sonderbaren
Schwanzform. Die Art hat er B. cissoides genannt.
In den Birds of Austral. Part. V wurden Falamculus frontatus
liath. und lencogaster Gould abgebildet. — Colluriociiicla brunea
und rufiventris Gould (Ann. of nat. bist. VIIT. p. 70), neue Arten
aus Neuholland.
Pie%orhynchus ist eine von Gould (Ann. VIII. p. 140)
unter den Muscicapiden errichtete Gattung, die er von den
andern durch ihren seitlich zusammengedrückten Schnabel un-
terscheidet. Die einzige Art: P. nitidus ist aus Neuholland.
Wegen der zwei verlängerten mittlem Steuerfedern hält
Strickland (Ann. VIII. p. 522) sich für berechtigt aus dem
Tlatyrhynchus filicaudus Spix eine eigne Gattung Copurus
zu stempeln, was füglicher unterblieben wäre.
Hombron und Jacquinot (Ann. des sc. nat XVI. p. 312) ga-
ben von ihrer Muscicapa rugensis eine Beschreibung.
Sehr überflüssig war Gould's (Ann. VIII. p. 141) Bemühen, aus
der Muscicapa (^Myiagra) macroptera eine besondere Gattung Mi-
cro eca zu errichten, der er noch eine 2te Art als M. assimilis von
Neuhülland zutheiit. — Eben daher ist seine Myiagra latirostris (a.
a. O. S. 142), so wie seine Rhipidura isura (ebenda S. 143) und Rh,
albescapa (Birds of Austral. Part.I).
Huhulirostres, Von Port Natal stammt A. Smlth's Cos-
sypha ym?ö/ew*«f (Illustr. lab. 60). — Lichtenstein beschreibt im
Berl. Verz. S. 14 einen Turdiis crassirostris; „T. dorso cine-
reo-canescente, abdomine albo, maculis (congenerum) obcordads
atris undique consperso. Longit. 8^ poll. Statura T. pilaris. Bostrum
validum, grypanium culmine carinato, raandibula basi flava, augulo
luentali prominulo. Teclrices alae infer. dilute ochraceae." VomKaf-
fernlande. — Von St. Fe de Bogota ist Fraser's Turdus gigs (Ann.
VII. p. 152). — Von Souleyet ist in der Zoolog, der Bonite p. 86
ein Ixos Fisqiietii auf gestellt: „I. fronte viridi-flava, nigricantc
gula, plumis uropygii Digris subflavo terminatis." Von Malabar.
Von der Pitta brachyura trennte Gould (Birds of Austral. Part. II)
eine P. Vigorsii ab wegen ihrer ansehnlichen Grösse und des hell-
grünen Streifens, der von den Nasenlöchern an über das Auge bis
zum Hinterhaupte verläuft. —• Eine andere Art beschrieb Souleyet
(Bonite. Zool. p. 78. tab. 3) und gab ihr zwar den Namen P. irena
71
T cm 111., wobei er jedoch uugewiss bleibt, ob sie dieser wirklich
angehört, oder mit P, siiperciliosa Cuv. identisch ist. Seine Dia-
gnose lautet: „P. antiis, siipcrciliis temporibusque flavis, iiiicha igni-
colora, urop3'gio exalbido."
Cinclosoma punctatumY\g. und C castanotis sind vonGould in
seinen Birds of Austral. Part. I. abgebildet worden.
Eine schöne neue Art ist Gould's Ocypterus personatus
von Neuholland (Ann. VII. p. 573). — Von Port Natal istA. Smith's
Trichophorus flaviventris (lllustr. tab. 59). — Hombron und
Jacquinot beschrieben das Weibchen von Crim'ger affinis (Ann.
des sc. nat. XVI. p. 313).
Aus der Motacüla africana Gm., die Swainson zu MaluruSy
Lichtenstein zu Sphenura rechnete, bildete Strickland wegen des
stark zusammengedrückten Schnabels und des keilförmigen Schwan-
zes die Gattung Sphenoeacus (Ann. VIII. p. 531).
In den Birds of Austral. Part. II. gab Gould die Abbildungen
von Malurus cyatieus^ longicaudus, melariotus, splendens^ leiicopterus^
Lamherti, elegcms^ melanocephalus und Brownii. — Vom Kaffern-
lande ist Lichtenstein's Malurus {Erythropygia?) tin-
niens; „M. pileo cerviceque fusco-rufis, vertice nigro striato, pen-
nls dorsi tectricibusque atris cinereo-limbatis, remigibus rectricibus-
que nigris rufo-marginatis, his apice albido, gastraeo toto cinereo
(Berlin Verz. S. 13). Wie Lichtenstein bemerkt, ist der abyssini-
sche M. ruticeps Temm. ähnlich, aber kleiner, ohne Scheitelstrei-
fen, alle Farben verwischter. — Im nämlichen Hefte hat Gould den
Stipiturus malachurus und Amytis textilis und striatus abgebildet;
im 5t en Hefte Dasyornis australis und longirostris.
IMit einer imnöthigeu Gattung mehr hat Gould in den
Ann. VIII. p. 139 die Saxicolinen bedacht und ^iq Drymodes
benannt.
„Rostrum rectum, ad latera apicem versus paulo compressum,
fere longitudine capitis, apice leviter denticulato, basi vibrissis parce
instructa. Alae mediocres, rotundatae, remigum primo brevissimo,
quinto longissimo. Cauda mediocrilcr elongata, paulo rotundata.
Tarsi longi, graciles, antice superficie integra. Digiti mediocres,
externus horum quam internus paulo longior, posticus cum ungue
quam digitus intermedius cum ungue brevior.'' — Die Art heisst D.
Iruneopygia von Neuholland.
Zwei nicht viel bessere neue australische Gattungen, die
füglich mit Acanthiza vereinigt werden könnten, sind von Gould
als Pyrrholaemus und Xerophila bezeichnet worden.
\oviPyrrholaemus heisst es in den Ann. VIII. p. 142: „rostrum
quam Caput brevius, ad latera paulo compressum, ad apicem denti-
culo vix notando, vibrissis parvulis ad basin, naribus linearibus et
operculo tectis. Alae breves, rotundatae, remigum primo perbrevi,
72
tertio longissimo. Caiida brevis, rotiindata, concava. Tarsi medio-
cres; digitus extermis quam internus longior." Als Art ist P. hrun-
Ileus beschrieben, — Die Diagnose der Gattung Xeropliila lautet:
,rostrum breve, semiconi instar, ad basin robustum, ad apicem haud
denticulatum , basi vibrissis antice ductis parce instructa; naribus ro-
tundatis et plumis minutis obtectis. Alae mediocres, remigura primo
l)revi tertio et quarto longissimis^ tertioriis latis et paulo elongatis.
Cauda niediocris, ad apicem quadrata et aliquanto concava. Tarsi
robusti; digitus posticus validus, digiti antici debiles, horum exter-
nus longissimus." Die neue Art heisst X. leticopsis.
Zu Acanthi%a fügte ferner Gould die neue Art: A. inornata
vom Scliwanenflusse bei (Ann. VIII. p. 141); Lafresnaye die ^. te-
niiirostris von Neuseeland (Rev. Zool. p. 242). — Ephthiatiura tri-
color von Gould (Ann. VIII. p. 66); von denselben S. 144 Psüopus
culicivorus von West -Neuholland.
K. Bonaparte beschrieb in der Rev. Zool. p. 145 einen Parus
ultramarimis aus Tunis. — Gould bildete in den Birds of Austral.
Part. III. sein Sphenostoma cristatum ab. — In den Ann. VIII. p. 71
charakterisirt er einen Zosterops cJiloronotus von Neuholland; ebenda
S. 140 eine Pratlcola campestris.
Vom Kafferland stammt Lichtenstein's Anthus Chloris;
„Long. 6| poll. Notaeo fusco, pennis nigris ferrugiueo marginatis,
gastraeo helvolo, raedio abdomine, flexura alae et remigum majorum
margine laete ranunculaceis" (Berl. Verz. S. 13).
Von Krynicki ist eine Motacilla (Budytes) Kalenicxen-
Teil aufgestellt und von Kaleniczenki in den Bull, de Mose. p. 289
beschrieben und auf tab. 20 abgebildet worden: (^ capite et collo
nigris, dorso iiropygioque olivaceis, subtus flavissima, cauda alisque
atro-bruneis, rectricibus externis binis oblique albis. Rostrum et pe-
des nigri. $ similis, capite dorso concolore, coloribus pallidioribus,
subtus laete flava vel albedine admixta. In Taurien auf trocknen
Feldern an den Wegen, an manchen Stellen in grosser Anzahl. Ref.
erinnert, dass die ganze Beschreibung vollständig auf die M. meia-
uocephala passt, wie wir sie aus Griechenland erhalten haben.
Certhiaceae. CUmacterh scandens, rufa^ ertjthrops und
picumnus wurden von Gould in den Birds of Austral. Part. IV. ab-
gebildet; Tropidorhynchtts corniculatus und argenticepS) so wie An-
thochaera melUvora ebenda Part. II.
Die Gattung Ptilotis vermehrte Gould in den Ann. VIII. p. 66
mit 2 australischen Arten: Ptilotis so?iorus und cratitius. In Abbil-
dungen stellte er in den Birds of Austral. Part. II. dar: Pt. ornatus
und plumulusy und Part. IV. Pt. fuscus. — Part. I. bildete er Meli-
p/iaga australasiana ab, und in der Ann. Vlll. p. 67 beschrieb er eine
neue Art: M. mysticalis^ zugleich mit Glyciphila alhifrons und My%-
untha obscura. Ferner S. 139 Myxomela pectoraUs und in den Birds
of Austral. Part. V. Myzomela pigra. — Von Entomyxa wurde in
73
letzterwähntem Werke Part. II. E. cyanotis abgebildet und in den
Ann. VIII. p. 139 E. albipennis als neue Art aufgestellt.
Von Psophodes crepitmis lieferte Eyton werthvolle Be-
merkungen über den innern Bau (Ann. VIII. p. 46).
Das Wichtigste ist, dass der untere Kehlkopf mit 5 Paar Sing-
muskeln versfhen, also die Gattung den ächten Singvögeln angehö-
rig ist. Die weichen Theile und die Zunge kommen der Menura
sehr nahe; auch in mehreren Stücken des Knochengerüstes finjdet
Übereinstimmung statt. — Eine Abbildung dieser Art ist inGould's
Birds of Austral. Part. III. enthalten.
Flectorhyncha lanceolata Gould ist ebenda Part. IV., und Di-
caeum Idrundinaceum Part. V., beide mit ihren Hängenestern ab-
gebildet.
Jtirundineae. Vom Kaffernlande machte Lichtenstein
(Berlin, Verz. S. 18) 2 Arten bekannt: Hirundo rufifrons; H.
fronte castanea, dorso chalybeo, subtus alba, fascia pectorali nigra;
cauda emarginata longitudine alarura, rectricibus pogonio interno
macula quadrangulari alba. Longit. 64 poll. Affinis H. ruficipiti nu-
bicae, sed major et fascia pectorali nigra." — H. fuligula; ,^H.
fuliginosa, nitoris expers, subtus rufescens, cauda vix emarginata,
rectricibus macula obliqua oblonga alba. Longit. 6 poll." — Eine
neuholländische Schwalbe beschrieb Gould in den Ann. VIII. p, 148
als H. leucosternus.
Menurinae. Über die anatomischen Verhältnisse wie
über die Lebensweise der Menura sind ausführliche Aufschlüsse
gegeben worden.
Die ersteren erläuterte Eyton in den Ann. VII. p. 49. Seine
Ansicht nach zeigt der Leiervogel die meiste Ähnlichkeit mit den
Insessores, unter welchen er mitPteroptochos und vielleicht — was
er jedoch nur mit grosser Bedenklichkeit ausspricht — mit Alecthe-
lia und Megapodius eine Familie bilden möchte, die in Verwandt-
schaft zu den Scansores stünde. Vom Muskelapparat am Kehlkopfe
sagt er: „Ausser den gewöhnlichen Stcrno-Tracheal-Muskeln finden
sich zwei andere Paare, welche beide ihren Anfang an den Luftröh-
renringen jeder Seite nehmen, da wo sie in die Brusthöhle eintritt.
Das vordere Paar setzt sich an der Vorragung am Ende des 4ten
Bronchusringes an; das hintere Paar an den 3 obersten Ringen und
dem hintern Ende des 5ten. Ausser diesen sehr starken Muskeln ist
dem Stück der Luftröhre, über welches sie sich ausspannen, eine
Unterstützung durch eine Sehne gegeben, die an dem nämlichen Punkt
als das letzterwähnte Paar von Muskeln entspringt, aber zwischen
ihnen und bis zum Uten, ISten und 13ten Bronchusring ausgestreckt,
an deren jedem sie theilweise sich anheftet." Ein Kropf ist nicht
vorhanden; die Blinddärme sind kaum mehr denn rudimentär. Das
Brustbein ist lang und schmal und kommt mit dem der Insessores
74
überein ; indem es nur 2 Ausschuitic am hintern Rande hat, unter-
scheidet sich aber wieder dadurch, dass es zwischen ihnen sehr weit
rückwärts verlängert und abgerundet ist. Die einzige Annäherung
zu dieser Form findet der Verf. bei einigen Papageien , nur dass bei
diesen, statt der Ausschnitte, Löcher vorkommen. — Wenn übri-
gens Ejton's Angaben vom Muskelapparat des untern Kehlkopfs voll-
kommen genau sind, so würde sich der Leiervogel von den ächten
Singvögeln sehr erheblich dadurch unterscheiden, dass er, statt fünf
Muskelpaare, deren nur zwei aufzuweisen hätte. In einem solchen
Falle könnte er auch nicht den Singvögeln zugezählt werden, son-
dern müsste unter den Wiedvögeln (Clamatores) seine Stelle erhal-
ten. Hierüber wird uns hoffentlich bald Owen einen definitiven Be-
scheid geben.
Nach den äussern Merkmalen hat Gould (Part. III.) den Leier-
vogel mit Pteroptochos und Scytalopus zu einer Familie verbunden.
Unter allen Vögeln hält er ihn für den scheuesten. Im Laufe ist er
ausserordentlich schnell, wobei er den Schweif horizontal trägt. Unter
mancher sonderbaren Gewohnheit dieses Vogels führt Gould auch die
an, dass das Männchen kleine runde Hügel bildet, auf denen es täglich
herum trappelt, wobei es den Schweif in der schönsten Weise auf-
richtet und zugleich seine Stimme hören lässt, die theils aus seinen
eigenthüralichen Tönen besteht, theils solchen, die andern Vögeln,
selbst dem Hundsgeheul, nachgeahmt sind.
Clamatores.
jnCacrochireSm Eine neue aus Cayenne erhaltene Chaetura
sieht Johnson für eine besondere Art an und giebt ihr den Namen
Ch. rußcollis (Ann. VII. p. 351).
Von der an neuen Arten Kolibri so reichen Gegend um St. Fe
de Bogota hat Gouje dcLonguemare eine Ornismija (!) Cla~
rme publizirt (Rev. zool. p. 306). Ebenda (S. 177) lieferte Bour-
cier nachträglich die Beschreibung von 0. BonaparteL
Caprifnulginae. Das Wichtigste ist die von J o h. M ii 1 -
ler mitgetheiite Beschreibung des iiinern Baues von Steatornis
(Bericht über die Verhandl. der Berl. Akad. 1841. S. 172).
Die Conformation des Schädels weicht von der der Ziegenmel-
ker und Segler bedeutend ab und bietet eine grosse Annäherung zu
den Raubvögeln dar, während in einigen andern Punkten sie sich
der der Ziegenmelker mehr als irgend einem andern Vogel annä-
hert. Das Brustbein hat nur einen äusserst schwachen Ausschnitt,
noch schwächer als bei den Ziegenmelkern. Eine Eigenthümlichkeit
ohne weiteres Beispiel liegt in der Bildung des untern Kehlkopfes.
Am untern Ende der Luftröhre befindet sich kein unterer Kehlkopf,
sondern sie theilt sich in 2 Bronchen, deren Ringe, gleich denen der
Luftröhre, vollständig sind. Der linke Bronchus hat 16, der rechte
11 Ringe bis zum Stimmorgan, welches ein Bronchus -Kehlkopf ist
75
und also doppelt vorkommt. Au der Slolle des Kohlkopfs ist der auf
die Bronchial -Ringe folgende nächste Bing dicker und nicht mehr
ganz; darauf kommt noch eiu dickerer Halbring, auf den derStiram-
inuskel wirkt. Die Muskeln sind: 1) der Seitenmuskel der Luft-
röhre, welcher bis zu deren Ende geht; 2) der Rumpf -Luftröhren-
muskel, welcher vom untern Ende der Luftröhre abgeht; 3) der ei-
gentliche Stimmmuskel; er liegt auf der Pars antilaryngea des Bronchus
auf, von dem Ende der Luftröhre bis zum Bronchus -Kehlkopf und
entspringt gerade, wo der Seitenmuskel der Luftröhre aufhört. Kropf
fehlt, der Drüsenmagen weiter als bei dem Ziegenmelker, der Ma-
gen wie bei diesem; die Carotiden beide vorhanden; die Biirzeldrüse
in eine Röhre verlängert. Die Ouerschienen am Lauf der Ziegen-
melker fehlen bei Steatornis ganz: dieser ist hier von einer unge-
theilten Haut überall bekleidet. Als Schlussresultat spricht der Verf.
aus, „dass Steatornis zwar auffallend genug von den Caprimulgus,
Aegotheles, Nyctornis und Podargus verschieden sei, jedoch mit ih-
nen und Cypselus zu derselben Familie der Caprimulginen zu rech-
nen sei."
Aegotheles Novae HoUandlae und Podargus hiimeralis bildete
Gould in den Birds of Austral. Part. I. ab; in den Ann. VIII. p. 69
beschrieb er eine, dem letzteren sehr ähnliche Art, Podargus bra-
chypterus oder macrorliynchus.
ÜCodidae* Vom Kaffernlande stammt Lichtenstein's Co-
racias natalensis} „tota statura C. abyssinicae; rectricibus ex-
timis elongatis; colores notaei omnes saturatiores, fronte gulaque
sordide albis, macula parotica castanea, jugulo pectoreque lilacinis,
albo-striolatis." (Berl. Verz. S. 16.)
Eine kurze Notiz vom Innern Baue des Merops mela?iurus lie-
ferte Eyton in den Ann. VII. p. 486; er macht auf die Ähnlichkeit
mit den Eisvögeln und Kolibris aufmerksam. — Hombron und Jac-
quinot beschrieben in den Ann. des sc. nat. XVI. p. 314 zwei neue
Bienenfresser: Merops subcorniculatus von Ceram, dessen
Schnabelfirste an der Stirne plötzlich vorspringt und hier eine Art
Kamm bildet; M. samoensis vom Samoa- Archipel, grösstentheils
umbra- und olivenfarben, an Kopf, Kinn und Kehle schwarz.
JLipoglossae» Zu den Nashornvögeln fügte Lichtenstein
(Berl. Verz. S. 16) aus dem Kaffernlande einen Biiceros leuco?iielas ;
„B. ater, abdomine caudaque apice albis, tectricibus albis nigro-
marginatis, rostro argute carinato, bisulcato, flavo, apice castaneo.
Longit. 17 poll. — Reraigum secundar. intermediae duae albae, pri-
luariae extus macula lineari alba notatae; rectrices albae, basi et
fascia media nigrae. Nares minutae ovales ad basin sulci inferioris.
Tomia dentata et apex rostri castanea. Huic affinis B. melanoleucos
Licht. Bechst. B. nasutus Var. ß. Lath., Senegambiae incola, rostri
forma et pictura facile distinguendus."
Buceros comatus ist in den Verhandelingen tab. 4 abgebildet.
76
La Fresnaye (Adü. VII. p.551) machte sich die vergebliche
Mühe, nach bloss äiisserlichen Merkmalen dem Wiedehopf seine Stel-
lung im Systeme bestimmen zu wollen. Er übersah, dass Nitzsch
schon längst nach äussern und innern Merkmalen zugleich diese
fixirt hatte.
Über Neomorpha erhielten wir durch Gould interessante
Aufschlüsse.
Derselbe hatte diese Gattung 1836 errichtet und ihr 3 Arten bei-
gelegt: N. acutirostris und crassirostris , die in allen Merkmalen völ-
lig übereinkamen, nur dass die Form und Länge des Schnabels bei
beiden total verschieden war. G. R. Gray hatte bereits vermuthet,
dass diese Differenzen Geschlechts-Verschiedenheiten anzeigen möch-
ten, was Dieffenbach nun bestätigt hat. Die Neuseeländer stellen
diesen Vögeln sehr nach, so dass ihre Ausrottung zu befürchten ist.
Gould hat in der 3ten Lieferung eine prächtige Abbildung von beiden
Geschlechtern gegeben.
An einem, zum Theil mit falschen Federn versehenen Exemplare
von einem Eisvogel, glaubte G. R. Gray (Ann. VI. p. 837) doch
noch so viel wahre Kennzeichen übrig zu haben, um eine neue Art,
Tmiysijttera 7iymj)ha, darnach zu bestimmen. — A. Smith' s Hal-
cyon senegaloides ist der südafrikanische Repräsentant von H. sene-
galensis (Illustr. tab. 63). — Abbildungen lieferte Gould von Hal-
cyon sanctus Vig. und pyrrhopygia (Part. I.), welch letztere Art
er kurz vorher in den Proceed. 1840. p, 113 beschrieben hatte. —
Dacelo Lindsayi \\%. wurde in der Zoologie der Bonite tab. 7 ab-
gebildet, auch dessen Jugendkleid beschrieben. — Dem Alcedo
diophthalmos Temm. in der Form des Schnabels ähnlich, sonst aber
in der Färbung sehr abweichend ist ein Eisvogel von den Tonga-
Inseln, dem Hombron und Jacquinot den entsetzlichen Namen
A. dioj)hthaljno - rvfo -vetitro gegeben haben (Ann. des sc. nat. XVI.
P 315).
Xygodactyli.
Cuculinae* Vom Coua {Cuculus madagascariensis Gm.} be-
richtet Ackermann in der Rev. zool. p. 209, dass er mit besonde-
rer Begierde das Thier von Achatina verzehre und deshalb dessen
Schale an einem Steine zerschmettere. — Während Souleyet mit
der Anfertigung der Abbildung seines Phoenicophaus Barrotii (Bo-
nite. Zoolog, p. 89 tab. 6) beschäftigt war, erfuhr er, dass I<'raser
ihn mittlerweile in den Ann. VII. p. 105 u. 112 als Ph. Cunüngi pu-
blizirt hatte. Souleyet's Exemplar ist gleichfalls von Luzon^ seine
Diagnose lautet: „Malcoha plumis cristae gutturisque laminis cor-
neis, nigris terminatis."
Jiucconidae» Unbekannter Herkunft und Geschlechtes ist
Bucco calvus Lafresnaye in der Rev. zool. p. 811.
77
jpicinae* Eine unnöthige Gattung mehr ist von Strick-
land (Ann. Vlll. p. 524) den Spechten aufgeladen und Bra-
chypternus benannt worden.
Er bemerkt, dass BrachylopJnis ia der Begrenzung von Swain-
son genommen 3 verschiedene Gruppen enthalte: 1) den Grünspecht,
der von Boie als Gecinus abgesondert worden wäre, 2) die karmio-
flügeligen Arten , miniatus ^ jiuniceus und mentalis^ welchen der Name
Brachylophus belassen werden solle, und endlich 3) die kurzdaumi-
gen Spechte, bei denen die hintere Zehe und Kralle sehr kurz, fast
obsolet ist, und die Strickland mit dem Namen Brachypternus
beehrt.
An neuen Arten ist zu erwähnen: Picus guttatus Lieh tau-
st ein^ „affinis P. nubico, sed aliquanto major, dorso nigro, fasciia
crebris albo-flavescentibus, pectore flavo maculis discretis orbicu-
laribus nigris; abdomine medio citrino. Maspileo toto, cervice vit«
taque malari coccineisj Fem. pileo nigro, maculis confertis rotun-
datis albis, vitta malari et gula nigra." Vom KafFernlande (Berl.
Verz. S. 18). — Piciis Karelini Brandt; „statura fere P. cani.,
Caput supra canum, pennarum apicibus coccineis, ante ipsum api-
cem nigro-fasciolatis, in fronte albo-terminatis. Genae, lora, colli
latera, gula, pectus et abdomen totura cum crisso albida, gulae in-
ferioris partis, pectoris et abdominis pennae nigricante-fusco fascio-
latae. A. rostri angulo versus colli latera Stria fusco- nigra, infra
albido- punctata, supra stria alba a naribus ad infra oculos extensa
terminata. Dorsi pennae fiiscae, albo fasciatae, apice flavo virides'*
etc. Vom nördlichen Persien (Bulletin de Petersbourg IX. p. 13). —
Picus elegans Fräser von St. Fe de Bogota, mit Colaptes cam-
pestris nahe verwandt (Ann. VII. p. 153). — Picus callonotus
Waterhouse, wahrscheinlich von derNordwestküste vonSüdamerika
(Ann. Vlll. p. 150). — Picus jubatus Lafresnaye (Rev. zool.
p. 312), unbekannter Heimath.
Mhamphastidae* Von G oul d ' s Monographie der Ram-
phastiden, übersetzt von Sturm, ist das 2te Heft erschienen.
Dasselbe enthält: Pteroglossus castanotis, torquatuSy pluricin-
ctus, Humboldtiy Langsdorffii^ Wagleri, albivitta, atrogularis, Lich^
tensteinii und haematopygus. Unter diesen sind Pt, atrogularis
und Lichtensteiiiii 2 neue, von Sturm zuerst publizirte Arten;
der Pt. Wagleri ist identisch mit Pt. pavoninus und die Namensän-
derung uunöthig. Es beruht nämlich die Kenntniss von dieser Art
bisher auf dem einzigen Exemplare in der hiesigen Sammlung, das
ich vom Herrn Baron von Karwinski aus Mexiko erhielt, und es mit
dem Namen Pt. pavotiinus bezeichnete. Schon im Jahre 1836 stellte
ich in den Münchn. gel. Anzeig. II. S. 1071 dessen Synonyme fest,
indem ich nachwies, dass Wagler's P^ pavoninus identisch mit Lieh»
teustein's Pt. prasinus sei, und dass der ächte pavonintis^ wie er
78
von Linn., Gmel., Latham und Vieillot auf Fernandez Autorität be-
gründet ist, in unserem Exemplare zu suchen ist. Der spanische
Schriftsteller sagt nämlich (Hlst. anini. nov. Hisp. p. 51): „rostrum
quaternas pene uncias longum, et luteo ac nigro varium colore'%
was weit mehr auf unser Exemplar als auf Pt. prasinus passt. Ich
schlug daher schon damals vor, den alten Namen pavoninns unserer
hiesigen Art, den von prasinus (pavoninus Wagler) aber der Lich-
tensteiü'schen zu belassen. — Sturm's Pt. atrogularis aus Peru
unterscheidet sich von den nächstverwandten Arten (Pt. Wagleri,
prasinus und albivitta) sogleich durch die kohlschwarze Kehle, die
breit abgeflachte Schnabelfirste und die unter derselben hinziehende
Binne. Pt. Lichtensteinii könnte nur mit haeraatopygus ver-
wechselt werden, ist aber durch die bedeutendere Grösse, die weisse
Kehle und den andersgefärbten Schnabel (bläulich bleifarben, an der
Spitze und denTomien gelblich hornfarben) leicht zu unterscheiden^
er ist ebenfalls aus Peru. — Man sieht, dass die Bearbeitung der
Gebrüder Sturm mehr als blosse Übersetzung ist, indem sie nicht
blos neue Arten beifügt, sondern höchst schätzbare Bemerkungen zu
den bereits bekannten liefert. Die künstlerische Ausstattung ist vor-
trefflich. Vom Isten Hefte her habe ich nachträglich zu bemerken,
dass Sturm's Pt. melanorhynclius mit Waterhouse's Pt. nigri-
rostris identisch ist.
Fräser sucht in den Ann. VII. p. 153 nachzuweisen, dass
Gould's Pteroglossus A^arae spezifisch von dem von Wagler ver-
schieden sei. Bei letzterem zeigt der Schnabel in jeder Altersstufe
(Fräser untersuchte ohngefähr 20 Exemplare) einen breiten dunkeln
Streifen längs des Oberkiefers, der schwarze Gurt ist sehr breit,
und die Scharlachbinde um den Bauch sehr schmal. Er schlägt vor,
den Gould'schen Vogel wegen der einförmigen Färbung seines Schna-
bels als Pt, ßavirostris zu bezeichnen.— Auch Sturm giebt in sei-
ner Monographie an dem von Poeppig ihm zugesandten Exemplare
dieselben Abweichungen wie Fräser an.
Vjsittacinae. Von vielen bisher un abgebildeten , zum
Theil erst von ihm ganz neuerdings bekannt gemachten Papa-
geien-Arten hat Gould in seinen Birds of Austral. wunder-
schöne Abbildungen geliefert.
Lathamus (I) discolor und Trkhoglossus porphi/rocephalus (Part.
I). -- Eiiphema chrysostoma (Part. I), splendida, elegmis, au-
raniia (Part. II), und Biirkii (Part. V). — Melopsittacus nndu-
latus (Part. I). — Platycercus ßaveolus y Adelaidiae (Part. IV) und
palliceps (Part. V ). — Nestor productus (Part. V).
Sehr ähnlich dem Ps. purpureus ist Fraser's Ps. chahopterus ,
aber durch seinen ganz gelben Schnabel verschieden. Von St. Fe de
Bogota(Ann. VII. p. 153). — Vom westlichen Neuholland ist Gould^s
Licmetis jtastinator (Ann. VIII. p. 144). — Hombron und Jacqui-
79
not bescbrieben in den Ann. des sc. nat. XVI. p. 317 das Weibchen
und eine Varietät von Lorius scintillatus Temm.; ilire Psütacula
diophthalma ist von Neuguinea, Psittaculus smaragdinus von den
Nuliiva-Inseln, Psittacus Geoffroyi lieterocUtMS (!) von den Salomo-
Inseln.
Die auf den Inseln des indischen Archipels vorkommen-
den Papageien-Arten sind im 4ten Hefte der Land- en Vol-
kenkunde von den niederländ. Verhandel. auf S. 107 in einer
Tabelle zusammengestellt und 4 neue Arten kurz beschrieben.
Von Java sind % Arten aufgeführt, von Sumatra 3, ebensoviel
und zwar die nämlichen von Borneo, 2 von Celebes, 4 von Buton,
15 von den Molukken, 6 von Timor, 13 von Neuguinea. Die java-
nischen Arten sind verschieden von denen auf Sumatra und Borneo j
die grossen sundaischen Inseln haben keine Art mit den Molukken
und Neuguinea gemein. Auf letzteren beiden kommen zugleich vor
Ps, capistratus^ Geoffroyi, magims iiuA gratidts , die beiden ersteren
sind auch auf Timor.
Die 4 neuen Arten sind: Ps. cynauchen', in der Färbung am
meisten mit Ps. lory übereinkommend, doch ist er grösser und die
Farbenvertheilung anders. Kopfseiten, Kinn, Kehle, Brust, Rücken
und obere Schwanzdecken scharlachrothj Oberkopf schwarz; Hinter-
hals und untere Flügeldecken berlinerblau (bei Ps. lory roth). Bauch,
Schenkel und untere Schwanzdecken dunkelblau; Schwanz oben blau,
unten gelblich; Flügel oben grün. Von den Molukken. — Ps. re-
ticulatus', Grösse und Form von Ps. ruber; Farbe zinnoberroth;
die sehr schmalen Federn, welche die Ohren bedecken, dunkelblau,
die am Hinterhals mit lasurblauen Spitzen. Rücken, Flügel und
Schenkel hier und da mit schwarzen Flecken; Schwanzfedern schwarz
mit rother innern Fahne. Schnabel wie bei Ps. riciniatus hellgelb,
ins Orange ziehend. Von den Molukken, — Ps, cyanicollis', in
Grösse und Form mit Ps. Geoffroyi übereinkommend; Farbe papa-
geigrün, Kopf und Kinn olivenbraun, doch der Oberkopf mit blauem
Anflug, Hinterkopf ins Lasurblaue ziehend. Untere Flügeldecken und
Leibesseiten schön lichtblau; die grossen Schwungfedern unten
schwarz; Schnabel und Füsse dunkel. Von Celebes. — Ps. Mül-
leri'j etwas kleiner als Ps. macrorhynchus, mit dem er sonst sehr
übereinkommt, auch ist der kirschrothe Schnabel minder stark und
die Flügel sind nicht so schön blau, schwarz und gelb gescheckt.
Kopf, Schwanz und Flügel sind grasgrün; obere Flügeldecken theils
bläulich, theils gelblich gesäumt; Rücken und Unterleib gelbgrün;
Unterseite des Schwanzes schmutzig gelb. Von der Insel Buton,
Weiter behaupten die Verf. der Verhandelingen, dass Wagler
die Synonymik von Ps. capistratns und haematodus sehr verwirrt
habe. Sein Trichoglossus sei, wie sie sagen, der eigentliche Ps.
haematodus, der nur Neuholland bewohne. Sein Tnch. cyanogram.'
80
mus weiche mir in der Farbe ein wenig von Ps. capistratus Bech-
stein ab. Wagler's Beschreibung von Trick, haefnatodus sei nach
dem capistratus entworfen, wie er sich beständig auf Timor findet,
während sein cyanogrammus auf diejenige Rasse von capistratus sich
beziehe, welche auf den Molukken und der Westküste von Neugui-
nea einheimisch wohne. — Waglcr's Falaeornis melanorliynchus er-
klären sie für den jungen Vogel von Ps. pondicerianus. Vs. verna-
lis und galgulus sei mit Unrecht von ihm für identisch erklärt worden.
Chr. L. Brehm's Monographie der Papageien, Istes Heft, ist
mir zur Zeit nur dem Titel nach bekannt.
Afnphibolae, Mit Recht bemerkt Job. Müller (Be-
richt über die Verh. der Berlin. Akad. 1841. S. 179), dass
Opisthocomiis zu den andern Gattungen dieser Gruppe gar
nicht passe. Von Colins erwähnt er, dass er bei ihm einen
sehr dicken Singmuskel, bei einem doppelten Ausschnitt am
Brustbein, und wie bei den eigentlichen Singvögeln nur eine
einzige (linke) Carotis gefunden habe. Corythaix hat keinen
Muskel am Kehlkopf, keine Blinddärme, schwach muskulösen
Magen, einfache Speiseröhre, 2 Carotiden.
Coltimhinae,
LesPigeons, par Madame K n i p , nee Pauline de Cour-
Celles, Tome second. Le texte par M. Florent Prevost.
Paris. 1 — 8 livrais. Gross Fol.
Mad. Knip ist seit langer Zeit den Ornithologen wohl bekannt
durch die prachtvollen Abbildungen, welche sie in der Hist. nat. des
pigeons exotiques von 1807 — 1811 lieferte und wozu Temminck den
Text anfertigte. Seit jener Zeit hat sich die Anzahl der Taubenar-
ten verdoppelt und Mad. Knip hat sich deshalb entschlossen, einen
2ten Band herauszugeben von 15 Lieferungen, jede mit 4 Tafeln im
Preis von 25 Fr. Bis jetzt haben wir 7 Lieferungen erhalten , de-
ren Abbildungen man das Zeugniss geben muss, dass sie mit grosser
Schönheit ausgeführt sind; den Text besorgt F. Prevost. In den bis-
herigen Lieferungen sind abgebildet: Columha puella Less., leucotis
T., Zoeae Less., porphyrea T. , humeralis T., cyanovirens Less.,
Keinwardtsi T., humiUs T., rußgaster Ouoy, Sieboldii T. , gularis
Ouoy, olax T., lophotcs T., puIcheUa T., Pinon Quoy , jatithiua T.,
viridis L. , deiiisea T. , dilophus T., Dussumieri T., perlata T., boli-
viana D'Orb., xanthura Cuv., oceanica Less., magnifica T., vennsta
T., gelastis T., leucomelas T., radiata Ouoy, oxyura T., modesta T.,
Aymara D'Orb.
Auch bei dieser Ordnung hatte Gould die Freude, eine
neue Gattung zu produziren, Petrophassa von ihm benannt
(Ann. Vm. p. 143).
81
„Characteres generici fcre ut in Pcristera. Alae aiitcm et ro-
tundatae siiut et admodiim breviores; deest etiam color mefallice ae-
neus. Caiida magis rotiindata." Auf solche Miüutien gründet man
jetzt Gattungen!! — Besser als die Gattung scheint die zu ihr ge-
zählte Art, P, alb/pe7mfs von Westaustralien, festzustehen.
Abgebildet hat Gould in den Birds of Austral. Part. IL Peristera
histrionica , in den Proceed. von 1841 von ihm schon charakterisirt^
ferner Part. V. Lopholaimtts antarctiais (Columba dilopha Temm.).
Hombron und Jacquinot beschreiben in den Ann. des sc. nat.
XVI. p. 315 eine Columha luteo-virens von den Viti- Inseln, ferner
C. Felicia von ebendaher, 8 Varietäten von C. Kurukurii Temm.,
wovon die eine C. Kurukuru jmrjmro-leucocephalis von Nuhiva, die
andere C. Ktiruhiru superha von den Viti-Inseln stammt. Eine neu-
seeländische Taube betrachten sie als Varietät von C. spadicea Latb.
und bezeichnen sie als C. spadicea leucophaea,
Qiillinaceae.
Gallinae* tjber die Lebensweise und die anatomisclien
Verhältnisse der höchst merkwürdigen Talegalla Lath. von
Neuholland haben wir sehr genaue Aufschlüsse erhalten.
Erstere hat Gould in den Ann. VII. p. 539 und in den Birds of
Austral. Part. I. geschildert, in welch letzteren auch die vortreffliche
Abbildung dieses sonderbaren Vogels enthalten ist. Das Merkwür-
digste an ihm ist, dass er seine Eier nicht selbst ausbrütet, sondern
dass er zu diesem Behufe ähnliche Mittel wie bei der künstlichen
Ausbrütung anwendet. Einige Wochen vor dem Legen trägt er eine
ungeheure Masse von vegetabilischen Stoffen zusammen, 2 — 4 Kar-
renladungen ausmachend, aus welchen er einen P3'ramidalen Haufen
errichtet. In diesen Haufen legt er seine Eier, bedeckt sie sorgfäl-
tig und überlässt sie zur Ausbrütung der Hitze, die durch Zersetzung
dieser Masse erzeugt wird. Die Haufen werden durch die Arbeit
mehrerer Paare aufgethürmt. Eier und Fleisch sind von gutem Ge-
schmack und der Vogel kann leicht an den Hausstand gewöhnt wer-
den. — Über die systematische Stelle, die dieser (bald zu den Hüh-
nern, bald zu den Geiern gezählten) Gattung anzuweisen ist, gab
Owen durch Darlegung ihrer anatomischen Verhältnisse eine defini-
tive Entscheidung. Das Skelet kommt in allen wesentlichen Punkten
mit dem der Hühner überein und weicht demnach entschieden von
dem der Geier ab. Ein anderes wichtiges Merkmal ist das Vorkom-
men der musculi broncho -tracheales, welche die Lauge und Span-
nung der Bronchien verändern, den seitlichen Durchmesser des un-
tern Kehlkopfs erweitern und auf seine Stellung einwirken; die Geier
sind aber gerade die Vögel, welche keine ächten Stimmmuskeln ha-
ben. Von allen ächten Raubvögeln differirt Talegalla wesentlich durch
den Magen und die verlängerten Blinddärme; jener hat alle Merk-
Aichiv f. Nai Urgeschichte, YJII. Jahrg, 2. ßd, F
82
male des Hülinertypus, diese kommen am meisten mit den gleichna-
migen Theilen bei Crax und Penelope überein.
Aus einem andern, mit Talegalla und IMegapodius ver-
wandten Vogel, der erst seit Gould's Reise bekannt wurde,
und gleichfalls Neuholland angehört, errichtete Gould eine
eigne Gattung Leipoa (Ann. of nat. hist. VII. p. 553).
GatluDgscharakter: „Rostrum fere tarn longiim quam caput, gra-
cile, ad basin tumescens, tomiis undulatis et ad basin incurvatis, na-
ribus amplis, oblongis, operculo tectis et in fovea centrali positis.
Caput subcristatiim. Alae amplae, rotundatae, concavae; e remigi-
bus primariis quinto longissirao; tertiariis quam remiges primarii fere
tarn lougis. Cauda rotundata, rectricibus 14. Tarsi mediocres, ro-
busti, antice scutis, postice squamis rotundatis haud aequalibus tecti.
Digiti siibbrevesj digitis lateralibus inter se fere aequalibus." — Der
Art gab Gould den Namen L. ocellata; sie bewohnt offene Sandflä-
chen, baut Haufen aus Sand, trocknen Blättern und Zweigen, in
welchen sie ihre Eier verbirgt und diese zum Ausbrüten lediglich der
Sonnenwärme und der durch Zersetzung hervorgebrachten Hitze über-
lässt. Auch Megapodius brütet seine Eier nicht selbst aus. In den
Birds of Austral. Part. I. ist diese L. ocellata abgebildet.
Einen neuen Fasan aus Arrakan benannte M'Clelland
Fhasianus fasciatus (Calcutt. journ. 1841. p. 146. tab. 3).
Vorderhals, Brust und Unterleib schwarz, Schopf (crest) schwarz
und an der Basis schwach rückgebogen j au den Brustseiten weisse
lanzettförmige Streifen. Leib oben grau, das Gefieder fein gewellt
durch weisse Zickzack -Linien, die vom Rande zu dem Schaft jeder
Feder verlaufen. An jeder Wange ein nackter rother Fleck, bis un-
ter den Mundwinkel reichend, Tarsen und Schnabel grau,
Stabskapitain Mots choulski beschrieb in den Bull, de
Mose. 1839. S. 94 ein Rothhuhn, in dem er nicht blos eine
neue Art, sondern auch eine neue Gattung zu erkennen glaubte,
und legte ihm den Namen Choui^tka alpina bei.
Das Weibchen ist 28 — 26" laug. Colore primario subflavo, su-
pra obscure cinereo-variegata, pectore ventreque rubro-testaceis,
plumarum medio nigro; gula abdomineque albis; pennis subflavis ni-
gro-variegatis, remigibus albis, apice eorum tectricibusque atris; ca-
pite griseo, malis ab oculis usque ad aures calvis, auribus plumis
longis cinereis obtectis; rostro atrovirente^ naribus cartilaginibus in-
flatis membranaceis fulvis ornatis; pedibus rubris. Das Männchen
ist grösser, fast von Gansgrösse. Im Winter wird das Gefieder dich-
ter, wo dann auch die Augenkreise befiedert sind. Nistet auf den
höchsten Felsengipfeln des Kaukasus und hält sich immer in der Nähe
der SchneeregioD. Unzertrennlich vom Steinbock, von dessen Mist
83
es sich, wie der Verf. angiebt, njiliren soll, was freilich ein Jäger-
mährchen ist, das verworfen werden raüsste, wenn auch der Kapi-
taiu M. nicht selbst bei Öffnung des Magens darin Sandkürnchen und
alle Arten Sämereien von Alpenpflanzen gefunden hätte. Das Männ-
chen ist übrigens am Laufe mit einem Höcker versehen. — Was die
neue Gattung anbetrifft, so sieht Ref. keinen Grund ein, warum sie
von Perdix (im Sinne von Keys. u. Blas.) abgetrennt werden sollte.
Als Art steht dieses Rothhuhn der Perdix altaica sehr nahe und ist
mit dieser genauer zu vergleichen.
Is. Geoffroy schrieb eine kleine Abhandlung über die weiblichen
Vögel, welche männliches Gefieder annehmen. Seine eignen Beob-
achtungen beziehen sich auf Phasianus colcliicus, nycthemeros und
torquatus; von den beiden letzteren liess er solche Weibchen abbil-
den, auch Bastarde vom gem. Fasan mit dem Gold- und Silberfasan
(Essais de Zoolog, generale, p. 493).
Crypturidae. Von Tinamus Soiii bemerkt Joh. Müller,
dass er keine Muskeln am uutern Kehlkopf und 2 Carotiden habe,
(Bericht über die Verband!, der Berliner Akad. 1841. S. 178).
Hefnipodins velox und pyirhothorax , 2 neue australische Arten
von Gould in den Proceed. 1840. p. 150 beschrieben und in den Birds
of Austral. Part. 11. auch abgebildet.
Opisthocominae. Mit Wiegmann (Arohiv IV. 2. S. 365)
ist Ref. der Meinung, dass Opisthocomus am Besten als
abweichende Form mit den Hühnervögeln zu verbinden ist.
Zu Lherminier's Angaben vom innern Bau fügt Joh. Mül-
ler (Berichte über die Verh. der Berl. Akad. 1841. S. 177)
die Bemerkung hinzu, dass eine grosse Hardersche Drüse,
keine Nasaldrüse, 2 Carotiden, keine Singmuskeln, kein knö-
chernes Siphonium, kein Penis vorhanden, die Bronchen kurz
und die Blinddärme weit, keulenförmig und 4 — 6 mal so lang
als breit seien.
Cursores,
Von Apteryx austrah's hat nun Gould in seineu Birds of Austral,
Part. II. eine Abbildung geliefert.
Hinsichtlich der geographischen Verbreitung des ostindischen Ka-
suars macht S. Müller in der Land- en Volkenk. n. 4. p. 109 be-
merklich, dass dieser zwar auch die grossen Waldungen von Ceram
und Neuguinea bewohnt, aber im indischen Archipel nicht westlich
von den Molukken gefunden wird.
Grallae»
Alectorides» Aus dem Innern Neuhollands machte uns Gould mit
einem neuen Trappen, Otts australasianus bekannt (Ann. VIII. p.l45).
84
Vulicarine. In Peru fand Souleyet (Bonite. Zoolog, p. 102
tab. 8) eia Blüssliulm auf, dem unserigen zwar sehr ähnlich, aber
lim die Hälfte grosser, und gab ihm den Namen Fulica gigantea,
mit der Diagnose: „F. rostro pedibusque rubris^ clypeo frontis flavo.'^
— Barthelemy macht in der Rev. zool. p. 307 darauf aufmerksam,
dass Fulica carunailata auch der europäischen B'auna angehört, in-
dem sie jährlich auf dem Albufera-See in Valencia erlegt werde, und
dass auch zu Anfang 1841 in der Nähe von Marseille ein Exemplar
geschossen worden wäre. — Von seinem Trihonyx Mortierü gab
nun Dubus in den Bull, de l'acad. de Bruxell. 1810. p. 812 eine Ab-
bildung. — Porphyrio hellus von Gould im westlichen Australien
entdeckt (Proceed. VIII. p. 176j Birds of Austral. V.). — Unbekann-
ter Herkunft ist Aer Rallus brachyptertis von Lafresnaye, auf den
er die Untergattung Gallirallus begründete.
JLimicolae, Ans einer lüeher gehörigen Trappen ähn-
lichen australischen Form errichtete Gould in den Ann. VII.
p. 542 die Gattung Pedionomus,
Gattungscharakter: „Rostrum tarn longum quam caput, apicem
versus compressum, fere rectum, naribus valde clongatis, in fovea
basali positis. Alae valde concavae, remigibus primo, secundo et
tertio iuter se fere aequalibus, remigibus tertiariis perlongis et pri-
marios trauseuntibus, Tibiae super suffraginem nudae. Tarsi medio-
criter elongati, scutis undique tecti, his, reticulis minutis, sejunctis.
Digiti quatuor; horum posticus debilis et apud partem intcrnam tarsi
sursum positus.'^ — Die Art heisst P. torquatns (Birds of Austral
Part. I).
Die Regenpfeifer theilte Strickland in den Ann. VIII.
p. 524 in die Gattungen Chamdrius, Squatarola, Endromias^
Hiaticula, PJdlomachus , Vanellus^ ^arciophorus und Lobiva-
nellus ab.
Beide letztere Gattungen sind von Strickland erst errichtet und
zeichnen sich aus durch die „membrana loris affixa, nuda, erecta,
in anticum protensa." Zu Saj'ciophorus rechnet er Ch. pileatus^
tricolor (pectoraUs) und hilohus. Zu LobivanelUis: Ch. gocnsiSy
gallinaceus, ladovicianns ^ senegalus, alhicapdlus^ macropterus , Bris-
so7m^ albiceps und cucidlatus.
Neue Art ist: Eudromias cmstralis Gould in den Ann. VIII. p.
143; abgebildet wurde in den Birds of Austral. Part. II. Erythrogo-
'iiys cinctus.
BlainvilJe hatte Gelegenheit, die Gattung C^A/o 72/ j nach
Weingeist -Exemplaren untersuchen zn können, und lieferte
darnach in dem zoologischen Theil der Reise der Bonite S. 107
85
ausführliche Bemerkungen über den äussern und innern Bau
des Scheidenvogels und über seine systematische Stellung.
Nach einer sehr umstündlichen BcschreibiiDg der äussern Theile
geht Blainvilic zur Schilderung des Skelets über. Das Brustbein hat
die Form eines Parallelograms mit fast geraden Rändern und ist et-
was schildförmig gebogen. Der Vorderrand ist mit einem mittlem,
wenig vorspringenden Fortsatze versehen 5 der Rippenrand ist lang,
schwach und ziemlich gleichförmig in seiner ganzen Ausdehnung aus-
gehöhlt, sein vorderer Rand sehr wenig vorspringend; der Abdominal-
rand ist ganz eingenommen von zwei Ausschnitten, die durch 3 vier-
eckig abgestutzte Fortsätze geschieden werden. Der äussere ist
grösser und tiefer als der innere, der Neigung zeigt, zu einem Loch
sich umzuwandeln. Die Aussenfläche des Brustbeins ist ziemlich gc-
wölbt; die Insertionsleiste des mittlem Brustmuskels dehnt sich schief
nach der ganzen Länge aus. Die mittlere Leiste ist sehr hoch; ihr
Rand ist vorn ziemlich tief ausgehöhlt, hinten abgerundet, ohne dass
der Winkel es ist. Vom Kropf ist keine Spur vorhanden. Der Ma-
gen klein und mittelmässig muskulös; ausser den beiden, gepaart;
stehenden, Blinddärmen ist noch ein dritter unpaariger vorhanden. —
Bei Ermittelung der systematischen Stelle dieses Vogels, die ihm
bald bei verschiedenen Sumpfvögeln, bald bei Schwimmvögeln, ja
selbst Hühnern und Tauben angewiesen wurde, schliesst die Form
des Brustbeins gleich die Tauben und Hühner aus; dasselbe gilt für
die erwähnten Weichtheile. Dagegen kommt der Scheidenvogel in
all diesen Stücken mit Ostralegus und Larus überein, zwischen wel-
chen nun zu wählen ist. Mit letzterem kommt er in der Kürze der
Tarsen und besonders in der geringen Ausdehnung der nackten Par-
tie am Unterschenkel, wenn sie anders vorhanden ist, überein;
Blaiuville schliesst ihn jedoch wegen der Niehtzusammendrückung der
Tarsen, des fast völligen Mangels der Schwimmhaut und der breiten
Form der Zehen an den Austernfischer au, welche Annäherung auch
noch durch einige andere Theile des Skelets bestätigt wird. Auf Tab. i)
ist Kopf, Brustbein und Blinddärme des Scheidenvogels abgebildet,
ausserdem noch das Brustbein des Austernfischers.
Eine zweite Art glaubt Hartlaub in der Rev. zool. p. 5 als
Chionis minoi\ wegen ihrer geringern Grösse, ganz schwarzen
Schnabels und vorzüglich wegen einer ungewöhnlichen Form der
Schnabelscheide unterscheiden zu dürfen. Seine Diagnose lautet:
„Ch. nivea, rostro nigerrimo, pedibus saturate fuscescentibus, spatio
supraoculari subrotundo, nudo, nigro; rostri vagina subconcava,
antrorsum ascendente, aperta (in Ch. alba plana, incum-
bente),^' — Da jedoch die Färbung des Schnabels und der Füsse in
den Beschreibungen sehr verschieden, und darunter auch als schwarz
angegeben wird, da ferner Blainville von der Scheide aussagt: sou-
levee ä son bord anterieur, auch dass sie bisweilen so weit vor-
rücke, um einen Theil der Nasenlöcher zu verbergen, zumal bei den
86
Männchen, also ihre Form, besonders beim Trocknen, veränderlich
ist, so sieht Ref. vor der Fland diese Chionis minor Mos für ein jün-
geres Individuum von Ch. alba an.
Gleichzeitig, ohne dass Einer vom Andern wusste, publizirten
Hombron und Jacquinot (Ann. des sc. nat. XVI. p. 320), so wie
Gould (Ann. VIII. p. 287) eine und dieselbe neue Art von Strand-
reutern aus Neuseeland. Erstere gaben ihr den Namen Himantopus
melas'f letzterer nannte ihn H. Novae Zeelcmdiae , bildete ihn auch
und den U. leucocephalus y so wie den Himantopus (Cladorhynchus)
pectorah's Dub. in den Birds of Austral. Part. IV. u. V. ab.
Zwei neuen neuholländischen Brachvögeln gab Gould in den
Ann. VIII. p. 145 den Namen Numenius uropygialis und minutus. —
S. Müller publizirte in der Land- en Volkenkunde n. IV. p. 110
einen N. minor von Amboina und Neuholland, doch passt die ganze
Beschreibung auf Gould's N. uropygialis, mit dem er daher identisch
sein wird.
Die Brüteplätze der Triiiga platyrrhyncha fandLogesen in Nor-
wegen auf, bei der Station Fogstuen auf einem grossen Moore. In
jedem Neste sind 3 — 3 Eier, die ziemlich gross sind und an Form
und Farbe denen der Tringa alpina gleichen (Isis 1841. S. 416).
JVatatores»
JDongipennes» Unbekannter Herkunft ist die von Lafres-
naye in der Rev. zool. p. 842 charakterisirte Sterna teretirostris.
ÜPuhinares. Gould's Thalassidroma N er eis aus der
Bassstrasse unterscheidet sich von den meisten Arten dieser Gruppe,
indem sie kein Weiss auf dem Rücken hat und rein weiss am Unter-
leib ist. — Von ebendaher ist Gojuld's Diomedea cauta^ nahe
verwandt D. melanophrjs, aber grösser (Ann. VIII. p. 147).
JInguirostres» Reinhardt (Isis 1841. S. 417) prüfte au 5
aus Island erhaltenen Schwanen-Skeleten die vom Verhältnisse zwi-
schen Luftröhre und Brustbein, so wie von der Länge des Laufs und
der Mittelzehe hergenommenen Merkmale, welche Naumann zur Un-
terscheidung des Cygnus islandicus vom C. musicus angegeben hatte^
Das Ergebniss seiner Vergleichungen ist, dass sie die Verschieden-
heit bedeutend vermindern, welche in den angegebenen Verhältnis-
sen und der Totalläuge zwischen einer nordöstlichen grösseren Art
(C. musicus) und einer nordwestlichen kleineren (C. islatidicus) statt-
finden sollte 5 es w^ürden wenigstens Individuen der auf Island sich
aufhaltenden Schwäne in einigen Rücksichten zur ersteren , in ande-
ren zur zweiten Art gerechnet werden können.
Vom Cygnus buccinator bemerkt der Prinz von Wied (Reise II.
S. 44), dass er die einzige Schwanenart ist, welche ihm am Missuri
vorgekommen sei.
Lafresnaye unterhielt ein Männchen von A7tser cygnoides und
ein Weibchen von A, canadensis^ die sich mit einander paarten. Da
87
unter den liierdiirch entstaadenen Jungen beide Geschlechter sind, so
will er deren weitere Fortpflanzung versuchen (Rev. Zool, p. 143%
Zu solchen Versuchen — mit der nöthigen Sorgfalt in Abhaltung
fremder Vermischung ausgeführt -— können wir nur aufmuntern, als
zur Zeit noch sehr wenige unzweideutige Thatsachen vorliegen, wie
weit die Fruchtbarkeit von Bastarden, die unter sich verpaart
wurden, reichen möge.
Von den Sandwichs-Inseln stammt der in der Zoologie der Reise
der Bonite S. 104 beschriebene und tab. 10 abgebildete Aiiser ha-
waiiensis; „A. capite, nucha auchenioque nigris, subflavo torque
alteroque fusco." Als etwas Besonderes wird es angemerkt, daag
der Oberkiefer kürzer und schmäler als der untere ist, >v^nn anders
dies nicht ein zufälliger Umstand ist.
Naumann ist mit der Bearbeitung der deutschen Gänse-
Arten zu Ende gekommen.
Als Arten zählt er auf; 1) Anser hyperboreus , 2) A. cinereus^
^) A. arvensis Brehm, i) A. segetum, 5) A. intermedius Naum., 6)
A. albifro7is, 1) A. minutus Naum., 8) A. leucopsis ^ 9) A. torquatus,
10) A. riificolUs , IV) A. aegyptiacus. — Selir ausführlich hat Naumann
die Verschiedenheiten zwischen A. arvensis und segetum beleuchtet
und ihre spezifische Trennung gerechtfertigt. Sein A. intermedius
ist identisch mit Brehm's A. Bruchii, welch letzterer indess blos auf
junge Vögel begründet war. Der A. minutus ist identisch mit Hecke!
und Brehm's A. brevirostris. A. ruficoUis und aegyptiacus sind bei
uns blos verirrte Flüchtlinge.
Aus dem Kaffernlande stammt Lichtenstein's .4w«j p«7ert/ö;
„A. tota statura Ouerquedulae; pileo nigro, vitta superciliari nulla,
gula genisque sordide albis, collo circuni undique maculato, dorso
squamato, abdomine dilute ferrugineo. Remiges secundariae atrae
apice albo, tectrices, aeneo - virides, inde speculum simplex album,
nigro utrinque argute marginatum." (Berlin. Verz. S. 20). — Auf
Neuholland heimisch ist Gould's Anas naevosa (Proceed. VIII, p.
177; Birds of Austral. Part. V). — Die Anatomie von Bizeura lobata
lieferte Eyton (Ann. VII. p. 177). — Den innern Bau einer monströ-
sen 4füssigen Ente beschrieb Bassow in den Bullet, de Moscou 1840.
p. 204.
Eine Sägerente von der Auckland-Insel machten Hombron und
Jacquinot in den Ann. des sc. nat. XVI. p. 320 als Mergus au-
stralis bekannt; oben dunkelbraun, fast schwarz, Halsröthlichbraun;
Kehle und Vorderhals röthlich, Brust schiefergrau, weiss gewellt, Bauch
weiss, grau gewellt, Spiegel weiss, von einer schmalen schwarzen
Binde durchschnitten.
Die Luftröhre von Anser gambetisis beschrieb Yarrell in den
Proceed. IX. p. 70.
88
Steqanopotles* Eine dankenswerthe Bereicherung der
Ornithologie ist Brandt's treffliches Tentamen monographiae
zoologicae generis Phaethon (iVIem. de Petersb. 1840. 111.
5 — 6 livrais. p. 239).
Nach ausführlicher Beschreibung der äussern Beschaffenheit der
Gattung, des Zungenbeins und Kehlkopfs, nebst mehreren anderen
anatomischen Notizen und der Schilderung der Lebensweise und
geographischen Verbreitung, werden die einzelnen Arten mit gröss-
ter Genauigkeit erörtert. Als sicher nimmt Brandt nur 3 Arten an:
1) Vli. phoenicunis Gm. , 8) Ph. aethereiis Linn. und 3) Vh. flaviro-
stri's Brandt, dem er nach dem Vorgange mehrerer Ornilhologen mit
Eecht als eigne Art absondert. Als Diagnose für ihn stellt Brandt
auf: „subflavescente subpallide aurantius (vel albus? )5 rostro flavo
basi longitudinaliter nigricante maculato; fascia transversa supra alas
et remigibus quatuor exterioribus in pogonio externo atris; rectrici-
bus caudae mediis elongatis, scapis supra usque ad apicem flavescen-
tera (vel album?) atris."
Von Neuholland ist Gould's Sula australis (Ann. VIII. p. 146);
Phalacrocorax j^unctatus Sparra. wurde von ihm in den Birds of Au-
stral. Part. V. abgebildet.
Für Ersch und Gruber's Encyklop.XV. S. 147 hat Bur-
m eist er die Gattung Pelecanus monographisch bearbeitet
und besonders ihre osteologischen Verhältnisse ausführlich ge-
schildert.
JPygopodes. Hombron und Jacquinot beschreiben 3 Ar-
ten von Catarrhactes in den Ann. des sc. nat. XVI. p. 320: C. anti-
jtodes; vScheitel strohgelb, Schäfte schwarz, hintere Hälfte des Auges
von einer gelben Binde umgeben, welche der Umfang des Kopfs
krönt; Hals, Rücken, Schwanz blaulichgrau, Schaft schwarz j weis-
ser Schulterfleck, Unterleib weiss. Grösse 80 Cent. Von den Auck-
lands- Inseln. C. Adeliac, oben schwarz, Federspitzen blau ge-
flammt; Unterseite weiss, Kinn, Kehle, Wangen schwarz. Grösse
75 Cent. Vom Adelien- Lande.
89
Jahresbericht über die Arbeiten für physiologische
Botanik im Jahre 1841.
Von
H. F. Link.
In der Einleitnng znm Jahresbericht für 1840 sagte ich. ein
solcher Bericht müsse nicht zu spät erscheinen, und es sei
immer besser, einzelne Sachen nachzuholen, als alles zu spät
zu liefern. Da ich erst einige Zeit nach Meyen's Tode mit
mir einig wurde, ob ich den Jahresbericht fortsetzen wollte,
so erschien er in dieser Rücksicht schnell genug, um nicht
etwas auszulassen. Ich habe es also in diesem Jahresbericht
nachgeholt und so mag auch jetzt manches übergangen sein,
was ich nicht gern übergehen wollte.
Viele meinen, dass ein blosser Auszug ohne alles Urtheil
in einem solchen Bericht am zweckmässigsten sein würde. Ich
bin nicht dieser Meinung. Der Auszug gestaltet sich nach dem
Urtheil, nicht selten selbst dem unbewusst, der den Auszug
macht. So wird der Leser getäuscht, und sogar mehr ge-
täuscht, als wenn er aus dem beigefügten Urtheile Argwohn
bekommt, wo etwas verschwiegen oder auch entstellt sein
möchte, lleberdies kann der Text oft Veranlassung geben zu
treflfenden Gedanken , die sich in dem Urtheile entwickeln lassen.
Man könnte es sonderbar finden, dass ich meine Anato-
misch-botanische Abbildungen gar zu oft angeführt habe. Aber
sie enthalten eine so kurze Erklärung — eine ausführliche
würde einen weitläuftigen Text erfordert haben — dass es
nicht zu verwundern ist, wenn man weniger darauf Rücksicht
nahm, als zu erwarten sein möchte. Ich habe daher nicht
allein ältere verglichen, sondern auch die für das Jahr 1840,
und jetzt für 1841 genau erklärt, da sie doch Arbeiten für
die physiologische Botanik waren. Uebrigens werde ich mit
dem in diesem Jahre erscheinenden vierten Hefte der Aus-
gewählten anatomisch - botanischen Abbildungen dieses Werk
schliessen, welches dann mit den Anatomisch-botanischen Ab--
90
bildungeu zur Erläuterung der Grundlehren der Kräuterkunde
aus 7 Heften bestehen wird,
Das Jahr 1841 hat viele grosse Werke für die physiolo-
gische Botanik geliefert, und weniger kleine Abhandlungen,
wenn mir auch hier einige entgangen sein sollten. Grosse
Werke können nur kurz behandelt werden, weil sie sich doch
nicht erschöpfen lassen und eigene Ansicht erfordern; kleine
Bemerkungen können vollständiger geliefert werden.
Innerer Bau der Gewächse überhaupt.
lieber die Genesis der S piralge fasse befindet sich
eine Abhandlung von H. Prof. Dr. Unger zu Grätz in der
Linnaea 15. B. (1841) S. 385. „Dass die Faserbildungen der
Gefässe, sagt der Verfasser, gleichsam einer zweiten, auf die
erste oder ursprüngliche Gefasshaut aufgelagerten Schicht,
gleichen oder ähnlichen Stoffes (Membranenstoff) angehören,
lässt sich durch unmittelbare Beobachtung und durch Verglei-
chung jüngerer Zustände mit alten nachweisen, ja sie zeigt
uns zugleich, auf welche Weise jene Verdickung vor sich geht.
Eben so ist es keinem Zweifel unterworfen, dass die Spiral-
gefässe keine wahren Elementarorgane sind, so wenig als die
Gefässe der Thiere, dass sie vielmehr aus einer Menge senk-
recht übereinander gestellter, mehr oder weniger cylindrischer
oder prismatischer Zellen bestehen, die erst in ihrer Vereini-
gung ein Ganzes ausmachen. Dies ist von morphologischer
Seite auch vielleicht das einzige charakteristische Merkmal,
wodurch sich die Gefässe von ähnlichen Zellen unterscheiden. '*
„Ich will nun versuchen, beides, die Gefässwand auf die ur-
sprüngliche homogene Zellhaut zurückzuführen, als auch den
Bau der Gefässe in der ersten Erscheinung als eine Gruppe
reihenweise verbundener Zellen nachzuweisen." Der Verf.
wählt dazu eine Faserwurzel (Wurzelzaser) des Zuckerrohrs,
welche er in den verschiedenen Zuständen des Wachsthums
betrachtet. Die Markzellen vergrössern sich nur nach allen
Dimensionen; die Rindenzellen erleiden aber noch eine an-
dere Veränderung, nämlich eine Verdickung ihrer Zellenwände.
Ueberdies dehnen sich die innere und äussere Schicht aus, in-
dem die mittlere ihre Grenzen erreicht hat, und da eine Ver-
grösserung des Durchmessers der Wurzel in der That erfolgt,
91
so muss die Integrität dieser Schicht leiden, und es müssen
Trennungen der Zellen geschehen. Die grössten Veränderun-
gen erleidet aber der Holzkörper. Dicht über der Wurzel-
spitze entdeckt man viele Gefässe, die unten in einem Bogen
von beiden Seiten zusammentreffen, und aus Zellen bestehen,
welche unten immer kleiner werden, auch da, wo sie zusam-
mentreffen, am kleinsten sind. Ihr Inhalt ist ein gleichförmi-
ger noch nicht gekörnter Schleim. In einer Linie Höhe von
der Spitze ist der Inhalt noch eine Schleimmasse, allein das
Organisationsstreben giebt sich schon dadurch zu erkennen,
dass sie in Bläschen zu gerinnen anfängt, was für das ge-
schärfte Auge wie ein Gefäss- oder Zellnetz erscheint. Erst
in der Länge von 4 Zoll über der Spitze erhalten die Wände
der grössern Gefässe einige Dicke und damit auch Andeutun-
gen von Poren, während die kleinen Gefässe schon in der
zweiten Linie von der Spitze an eine gefässartige Structur
offenbaren. Merkwürdig ist, dass diese Gefässe, die sich bald
als netzförmige Gefässe zeigen, in der Form der secundären
Schichten anfänglich durchaus nur eine spiralförmige Anord-
nung der Moleküle wahrnehmen lassen, und daher ganz den
Typus von einfachen Spiralgefässen darstellen. Die Metamor-
phose ist in diesem Falle sehr leicht durch theilweise Ausfül-
lung der zwischen den Spiralfasern leer gelassenen Räume zu
erklären. Fünf Zoll von der Spitze nimmt man endlich in
der Membran der grossen Gefässe auch eine Structur wahr,
allein hier erscheint zuerst keine Spirale, wie bei den kleinen
Gefässen, sondern die secundäre Gefässhaut ist dicht mit klei-
nen Poren besetzt und ertheilt dem Gefässe die Form eines
den porösen Gefässen der Dikotyledonen ähnlichen, netzför-
migen Gefässes. Diese Form ändert nun nicht mehr bis zum
Grunde der selbst fusslangen Wurzel, nur wechselt das An-
sehen, je nachdem Gefasswand an Gefässwand steht, oder ge-
streckte Zellen sie nach Aussen begrenzen.
Der Verfasser kommt hier auf Mirbels Abhandlung über
das Cambium, die aber, als 1839 angehörig, nicht mehr hie-
lier gehört.
Was die Beobachtungen des Verf. überhaupt betrifft, so ist
es mir ängstlich, ihm als einem so tüchtigen und genauen
Beobachter gerade zu widersprechen zu müssen. Die gekrümm-
92
teil Zellenreihen, welche sich nach unten verjüngen, und nach
dem Verf. die Anfänge von Gefässen sind, bleiben Zellen und
verwandeln sich niemals in Spiral- oder poröse Gefässe. Diese
letztern Gefässe steigen immer gerade nieder und waren nie-
mals solche Zellen, wie sie der Verf. abbildet. Man muss
bedenken, dass sich solche Untersuchungen nur mit feinen
und kurzen Schnitten machen lassen , und dass man den Ver-
folg eines und desselben Gefässes oder einer und derselben
Zellenreihe schwer wahrnehmen kann, und leiclit eines für das
andere nimmt. So ist es dem Verf. gewiss ergangen. Ich
habe von einer Zuckerrohrwurzel, wie der Verf., eine ganz
feine Zaserwurzel genommmen, habe sie blos zwischen zwei
Glasplatten gedrückt, um sie durchsichtiger zu machen und
kein Messer daran gebracht. Hier waren die porösen oder ge-
tüpfelten Gefässe in der Form, worin sie sich nachher zeigen,
schon deutlich zu sehen, und endigten sich gegen die Spitze
der Wurzel, die nur aus Zellgewebe besteht. Eines dieser
Gefässe war langer als die übrigen und endigte sich in eine
schief abgestumpfte Spitze. Andere Beobachtungen an feinen
Wurzelfasern haben mich gelehrt, dass die Spiral- und getüpfel-
ten Gefässe als solche fortwachsen, und keinesweges aus Zel-
len entstehen. Sie haben allerdings zuweilen, keineswegs aber
immer, Querwände, und ich möchte fragen, ob diese Wände
durchgehen und nicht blos im Umfange angedeutet sind, aber
diese Querwände bleiben im Alter, mehren sich sogar viel-
leicht und werden gewiss nicht absorbirt. Wo in den Wur-
zeln grössere Zweige abgehen, sieht man kurze zellenförmige
Spiral- oder poröse Gefässe in Menge (s. Ausgew. anat. bot.
Abbild. H. 1. T. 3. F. 9), und auch diese bleiben Zellen, nur
da, wo der Ast sich verlängert, wachsen sie in Gefässe aus.
Die Spiral -Zelle kann Gefäss werden, aber blos durch Ver-
längerung.
Ein wichtiges Werk über die Gefässbildung ist erschie-
nen: Die Cyklose des Lebenssaftes in denPflanzen,
von Dr. C. A. Schultz, welches den zweiten Supplemeiit-
band des achtzehnten Bandes der Verliandlungen der Kaiserl.
Leopoldinisch - Carolinischen Akad. der Naturf. einnimmt. Es
sind 33 lithographirte Tafeln beigefügt. Der Verf. schickt
allgemeine Betrachtungen voraus. Von Wurzel, Blatt und Sten-
93
gel sagt er, es sind nicht wahre Organe, sondern verschie-
dene äussere Glieder der Pflanze, deren jedes die Totalität
der Vegetation in sich enthält, welche sich im Fortgang des
Wachsthums ewig in dieser Gliederbildung wiederholt, und in
derselben Folge ihres Entstehens wieder abstirbt. Darin liegt,
sagt er ferner, das Wesen der Metamorphose der Pflanzen,
dass die innerlich gleich gebauten äussern Glieder, den Aussen-
verhältnissen entsprechend, so mancherlei Formen annehmen.
Die eigenthiimlichen Grundorgane im Holz und in der Rinde
sind nun die Gefässe ( Spiralgefässe im Holz, Lebenssaftge-
fasse in der Rinde); die vereinigende Bildung von beiden ist
das Zellgewebe, durch welches die Spiralgefässe zu einem
Holzsystem , die Lebenssaftgefässe zu einem Rindensystem ver-
bunden werden, wälirend das Zellgewebe selbst noch um die
Gefässe zu einem besondern Bildungssystem sich gestaltet»
Der Verf. kommt nun zu den frühern Ansichten über Circu-
lation und Saftbewegung in den Pflanzen, die er ausführlich,
angiebt. Dass man die Selbständigkeit in dem Leben der
Rinde, die Unabhängigkeit ihrer Productionen von dem Leben
des Holzes, so weit es die Beziehungen der innern Organe
überhaupt zulassen, bisher nicht naturgemäss erkannt habe,
meint der Verf., scheine den Grund aller Mängel in den frü-
heren Theorien der Saftbewegung zu enthalten. Der Verf.
erzählt nun die Schicksale seiner Entdeckung der Bewegung
des Lebenssafts in den Gefässen, und widerlegt, was man da-
gegen eingewendet hat. Von dem Lebenssafte redet er um-
ständlich, zeigt, dass die Farbe nicht wesentlich sei, und führt
viele Beobachtungen über die Kügelchcn in dem Lebenssaft
an. Die grössten fand er in der halbreifen Frucht von Musa
paradisiaca. Die Flüssigkeit, worin sie schwimmen, nennt er
Plasma. Die Stäbchen, welche in dem Milchsaft der Euphor-
bien schwimmen, werden zwar durch Jod blau gefärbt, aber
diese Farbe ändert sich bald in die braune, auch geschieht
dieses mit den Kügelchen in dem Milchsaft anderer Pflanzen,
z. B. von Asclepias syriaca. Das Gerinnen des Lebenssaftes
rührt vom Plasma her; die Kügelchen, vvelche darin schwim-
men, nehmen keinen directen Antheil daran. Die Farbe des
Lebenssaftes der Euphorbien und von Chelidonium hängt auch
Bicht von den Kügelchen , sondern vom Plasma ab ; umgekehrt
94
verhält es sich aber nut dem Safte von Miisa paradisiaca,
dessen Plasma ganz farblos ist. Die chemische Natur der Ge-
rinnsel lässt sich auf zwei Hanptarten zurückführen, auf das
Kautschuck-Gerinnsel, welches der Verf. Elatin nennt, und auf
das Klebharz-Gerinnsel, welches erViscin nennt. Das Viscin
scheine ein Gemenge von Elatin, Wachsfett und Gummi zu
sein. Hierauf folgen die chemischen Analysen des Lebenssaf-
tes, und auch eine Analyse der Milch des Kuhbaums vom
Verfasser selbst. Die diätetischen und medicinischen Wirkun-
gen des Lebenssaftes werden angeführt, auch von der Umbil-
dung des Holzstoffes in Lebenssaft gehandelt. Gummi und
Zucker in dem Serum der Lebenssäfte verhalten sich gerade
so, wie Zucker und Gummi in Holzsäften. Nun folgt die Be-
schreibung der Lebenssaftgefässe selbst, und zuerst wird das
Gefässnetz aus manchen Pflanzen dargestellt, dann redet der
Verf. von den Wandungen und von den Verzweigungen der-
selben. Die Altersverschiedenheiten zeigen sich zuerst in den
Contrahirten Lebenssaftgefässeu, deren Charakter darin besteht,
dass sie der ganzen Länge nach contrahirt sind , aber einzelne
expandirte Stellen zeigen, und dann in den expandirten Le-
benssaftgefässeu, die in ihrer ganzen Ausdehnung erweitert und
von Saft aufgeschwollen erscheinen, aber einzelne contrahirte
Stellen zeigen. Die letzten Entwickelungsstufen sind die arti-
culirten Lebenssaftgefässe. Es giebt aber manche Uebergänge
der Formen; so bemerkt man in manchen Pflanzen eine dop-
pelte Schicht von Lebenssaftgefässeu, und die innere Schicht
ist gewöhnlich die contrahirte, die äussere die expandirte Form.
Die verschiedene Grösse und Form des Querdurchschnittes
wird angegeben. Was die Lage betrifft, so sagt der Verf.,
es leide keinen Zweifel, dass in allen Gefässbündeln die Spi-
ralgefässe noch Lebensgefässe um sich haben, und dieser Aus-
spruch wird in den Monokotyledonen und den Farrn besonders
nachgewiesen. Es folgt nun die Entwickelungsgeschichte der
Lebensgefässe in den Rindenschichten der Bäume. Die Rinde
besteht aus zwei Systemen, dem Oberhaut -System und dem
eigentlichen Rinden- oder Gefässrinden- System. Zu jenem
gehören Mohls Epidermis und Periderma, die aber naturge-
mäss nicht leicht zu trennen sind, und eben so machen die
Lebenssaftgefässe mit den sie bedeckenden Bündeldecken oder
95
Schichtendecken und den das Ganze einschliessenden Zellen
(dem Rindenmark) ein natürlich untrennbares Ganze aus, wo-
durch die eigentliche Rinde (Gefässrinde) gebildet wird. Die
Lebenssaftgefässe bieten, sagt der Verf., im Ganzen betrach-
tet, weniger in ihren äussern Formen, als in der Entwicke-
lung und den lebendigen Eigenschaften, bildende Typen dar,
wodurch sie sich von den Spiralgefässen sehr unterscheiden.
Ihr wesentlicher Charakter liegt in dem Contractions- und
Expansionsvermögen, das den Centralpunkt bildet, um den
sich alle Formenentvvickelung bei ihnen dreht. Der Haupt-
charakter dieser Gefässe liegt daher nicht allein in Merkmalen
an den Formen, wie bei den Spiralgefässen, sondern in der
Entwickelungsgeschichte ihrer Thätigkeiten und sind weniger
anatomisch als physiologisch zu beschreiben. Der Verf. zeigt
nun, wie und an welchen Theilen man die Bewegung der
Säfte am besten beobachten könne, und wie sie sich in den
verschiedenen Theilen verhalte. Auf ähnliche Art, wie man
oben die aufsteigenden Ströme in absteigende übergehen sieht,
gehen nun unten wieder die absteigenden in aufsteigende zu-
rück, so dass hier ebenfalls die Ströme entweder ganz in
einander umkehren oder sich theilen. Auf diese Art entsteht
nun ein Netz von Kreisbewegungen, die sämmtlich unter ein-
ander verbunden sind, und in einander überfliessen können;
aber auch im Stande sind, sich gänzlich von einander auszu-
schliessen. Dieses Letztere geschieht dadurch, dass die Theilung
der Ströme in den Anastomosen aufhört und nunmehr der
aufsteigende Strom gänzlich in einen absteigenden übergeht
und umgekehrt. Nun kommt der Verf. zu den Bewegungen
in den Haaren einiger Pflanzen. Die Säftecyklose, sagt er,
in den Zellen besteht nicht in einer einfachen Drehung eines
ungetheilten Stromes um eine Axe, sondern dadurch, dafs die
anastomosirenden Ströme vielmehr ihre Einheit in den einzel-
nen Kreisen haben, welche die Maschen der Stromnetze, in
sich selbst zurückkehrend, bilden. Hierauf von der vorhan-
denen Schnelligkeit des Saftes unter verschiedenen Umständen.
Die bewegende Kraft sei vorzüglich in der Contraction der
Gefässe gegründet, dann habe auch der Lebenssaft selbst
grossen Antheil daran, und vorzüglich werde die Richtung
des Stromes dadurch bestimmt. Sie liege in dem organischen
Erregungsprocess des Saftplasma, wodurch er seine plastische
Natur erhält. Es sei also die durch innere Anziehung und
Abstossung erzeugte oscillatorische Bewegung des Plasma und
durch diese innere Bewegung werde das Saftplasma von den
Gefässwänden angezogen oder repellirt, und der Ernährungs-
process werde hierdurch vermittelt. Zusammenhang der Cy-
klose in allen Theilen der Pflanzen und Isolirung der Cyklose
in einzelnen Theilen. Zuletzt Betrachtungen über die Cyklose
im Allgemeinen.
Es war eine angenehme Erscheinung, als der Verf. die
Bewegung des Saftes ;in den eigenen Gefässen entdeckt hatte.
Man kannte bis dahin nur die Bewegung des Saftes in der
Chara, die ebenfalls lange unbeachtet blieb, dann aber in
ihrem wahren Werthe erkannt wurde. Hier sahen wir nun
eine entschiedene Saftbewegung, und zwar in Pflanzen von
sehr entwickelter Bildung. Kein Wunder, dass jedermann,
der sich von der Richtigkeit der Sache überzeugt hatte, sie
mit grosser Freude aufnahm. Der Verf. sagt mit Recht, dass
man ihm freundlich zur Seite stand. Nicht lange nachher kam
des Verf. Werk : Die Natur der lebendigen Pflanze, in 2 Theilen,
heraus, und die Theilnahme musste sich mindern, da man eine
grosse Anmassung in dem Werke fand, und eine so gering-
schätzende Beliandlung anderer, dass man dadurch beleidigt
wurde. Man fing an in Deutschland an der Richtigkeit der
Beobachtung zu zweifeln, und die, welche sie anerkannten,
iiberliessen es dem Verf., sie zu vertheidigen. Mit Recht
wandte er sich nun nach Paris, um die dortigen Botaniker zu
überzeugen, und dieses gelang ihm vollständig. Die Folge
davon war die Aussetzung eines Preises für eine Abhandlung
über diesen Gegenstand, welchen der Verf. gewann. Die
Preisschrift erschien aber erst 1839 unter dem Titel: Sur la
circulation et sur les vaisseaux laticiferes dans les plantes
p. 1. Dr. C. H. Schultz, und ist in dem Jahresbericht von
Meyen für 1839 angezeigt worden. In dem vorliegenden
Werke hat der Verf. den Gegenstand ausführlich behandelt.
Es ist recht viel Trefi'endes in diesem Werke ; die Darstellung
der eigenen Gefasse oder Milchgefässe, sofern sie zu dieser
allgemein anerkannten Klasse gehören, ist in den meisten Fäl-
len richtig, und besser als sonst irgendwo gegeben worden r
97
was er von dem Milchsaft selbst sagt, verdient die grösste
Aufinerksamkeit und Rücksicht von der Seite der Chemiker.
Der Verf. würde das Vorzügliche geleistet haben, wenn er
sich von der Natnr hätte ruhig leiten lassen, und nicht sich
selbst und die Natur gequält hätte, um seinen Lebenssaftge-
fässen eine grössere Bedeutung zu geben, als sie wirklich ha-
ben, ihre Gegenwart in allen Phanerogamen, auch in den
Farn zu erzwingen und alle Saftbewegung in den Pflanzen
auf die einzige in diesen Gefässen zurückzuführen, so dass
eine wahre Circulation in den Pflanzen, wenn auch ohne Herz
und ohne Unterschied von Arterien und Venen , herauskommt.
Dieses scheint mir viel zu weit gegangen. Gewiss fehlen die
eigenen Gefässe, oder Lebenssaftgefässe, wie der Verf. will, den
meisten unserer einheimischen Bäume, ich habe sie auch ver-
geblich in der Birke gesucht, wo sie der Verf., zwar nur in
einem Querschnitt, abbildet; sie fehlen in einer grossen Menge
anderer Gewächse, und man kann bestimmt sagen , dass kaum
ein Viertel von allen Phanerogamen damit versehen ist. Da
ich hier nicht im Stande bin, die Anatomie von solchen Pflan-
zen zu geben, worin sie sich befinden sollen, und doch feh-
len, so will ich mich nur damit begnügen, Bemerkungen über
eine höchst merkwürdige Pflanze zu machen, deren Lebens-
saftgefässe der Verf. beschreibt und abbildet. Es ist Comme-
lina coelestis. Hier stellt er Taf. 29 Fig. 1 zuerst bei a die
Spiralgefässformen vor, und bei h folgen die Lebenssaftgefäss-
bündel mit dem Heerde der Cyklose, wie der Verf. sagt, auch
gehen nach ihm die Ströme hier in auf- und absteigender
Richtung dicht neben einander, und die Anastomosen werden
durch Gabeltheilungen vermittelt, wie gewöhnlich in den Bün-
deln, nur dass die Gefässe sehr fein contrahirt sind. Ich
finde hier, mit einem vortrefflichen Plösselschen Mikroskop,
bei einer Vergrösserung von 600 im Durchmesser lange Zel-
len, aber Parenchymzellen mit deutlichen Querwänden und
durchaus keine Spur von irgend einer Verästelung. lu diesen
Zellen bemerkt man ein Kreisen der Körner, wie in den Zel-
len von Valisneria, und zwar ungemein deutlich uni schön*
Der Verf. äussert sich über diese Bewegung sehr wenig und
nebenher, er meint an einer Stelle, die Bewegung geschehe
zwischen den Wänden. Aber dieses ist nicht der Fall, die
Archiv f. Naturgeschichte. VlII, Jahrg. 2. ßcf, G
98
Körner drängen sich einander in ihren raschen Bewegungen,
lind werden dadurch in die Mitte der Zelle getrieben, wo sie
sogleich still liegen. Die bewegende Kraft liegt in den Wän-
den einerseits, andererseits aber in den Körnern, denn so
wie das Chlorophyllkorn einen Kern von Stärkmehl bekommt,
ist es todt. Icli habe darüber zu Florenz bei der Versamm-
lung der Naturforscher eine Abhandlung vorgelesen. Nun fol-
gen beim Verf. c die feinen Gefässnetze der einzelnen Zellen ,
welche aber durch Ramificationen vom Heerde aus (e) iliren
Ursprung nehmen. Die Ströme bilden weite Netze, sagt er,
und sind nicht auf einzelne Zellen beschränkt, sondern gehen
über deren Scheidewände hinaus, laufen aber häufig an den
Wänden grosse Strecken entlang, wodurch das Ansehn ent-
steht, als ob die Bewegung innerhalb der Zellen wäre. Zu-
weilen kommen mitten auf einer Zelle viele Ströme strahlen-
förmig in einen Punkt zusanunen, der das Ansehen eines
herzartigen Gefässknotens hat. »Diese Gefässe können aber
nicht von den Gefässbündeln h des Verf. auslaufen , da diese
nichts als lange Zellen und durchaus nicht ästig sind; auch
würde der grosse Unterschied im Durchmesser beider sonder-
bar genug sein. Danken wollen wir aber dem Verf., dass er
auf diese sonderbare Bewegung wiederum aufmerksam ge-
macht hat. Sie scheint beim ersten Blicke in feinen Ge-
fässen zu geschehen, die in jeder Zelle anders und sehr ver-
schieden gestaltet und verknüpft sind, die ich aber nie über
die Scheidewand der Zelle hinausgehen sah. Bald sind es
sehr feine Körner von dunkler Farbe, welche fortströmen,
bald mittlere, bald grosse von einer hellgrünen Farbe. Aber
oft sieht man, wie sie aufeinander stossen, sich drängen, und
um einander weggehen, wobei sie über die Grenzen des schein-
baren Gefässes hinausgehen. Sind diese letztern also Gefässe?
Ja noch mehr; wenn man die Gefässe eine Zeitlang betrach-
tet hat, so ändern sie sich ganz und gar, welches mich in der
Meinung bestärkt, dass es keine Gefässe, sondern nur ver-
änderliche Wege der Strömung sind , worin sich die an einan-
der reih^iden grünen oder dunklen Körner bewegen. So er-
scheint mir die Sache und auch meinem Zeichner Herrn
Schmidt. Aber wenn es auch Gefässe wären , so hätten sie
doch mit den eigenen Gefässen von einem immer weit grosse-
99
ren Durchmesser und von einem in dem Stamme und den
Aesten meistens einfachen Verlauf nichts gemein. Auch in
Rücksicht der deutlichen Milchgefässe kann ich nicht mit dem
Verf. einerlei Meinung sein. Er bildet diese seine Lebenssaft-
gefässe zuweilen im Stanun sehr verästelt ab, wo sie es nicht
sind, z.B. im Stamme von Papaver somniferum, wo sie zwar
neben einander hinlaufen , doch ohne Verbindung , bis oben in
Nähe der Kapseln, wo erst häufige, aber nur kurze Verbin-
dungen Statt finden. Ein netzförmiges Anastomosiren der Ge-
fässe habe ich seltener gesehen. Und doch müssten sie, auch
im Stamme, sehr verästelt sein, wenn sie zur Ernährung und
überhaupt zum Leben«bedeutend beitragen sollten. Der Verf.
sucht den wesentlichen Character seiner Lebenssaftgefässe in
dem Contractions - und Expansionsvermögen, und behauptet,
dass die Bewegung zum Theil durch Contraction geschehe,
aber beides ist gewiss nicht richtig. Ich habe die Bewegung
in weiten Gefässen gesehen, ohne die mindeste Contraction,
und wenn die Gefässe wechselnd zusammengezogen und er-
weitert sind, wie man sie allerdings zuweilen doch selten be-
merkt, so hört alle Bewegung in ihnen auf. Der wahre Cha-
racter besteht in der körnigen Masse, die sich in ihnen befin-
det, und in der wahren Verästelung, die sie in den flachen
Theilen annehmen, da sie hingegen in den langen geraden
Theilen oft einfach sind. Wenn man die Säftebewegung in den
Pflanzen mit der Circulation des Lebenssaftes oder des Bluts
in den niedern Thieren vergleicht, so habe ich nichts dage-
gen, nur frage ich, mit welchen niederen Thieren, denn be-
kanntlich ist die Circulation hier sehr verschieden , und oft
gar wenig klar. Was der Verf. gegen die Lehre sagt, dass
der Saft im Holze aufsteige und in der Rinde zurückkehre,
scheint mir leicht zu widerlegen. Er sagt nämlich: Wenn
wir im Winter und Frühling sich das Holz imserer Bäume
mit Saft füllen und in regster Thätigkeit begrifi"en sehen, er-
scheint das Rindeleben in Ruhe und Unthätigkeit, Das ist
sehr richtig, aber eben darum fliesst der Saft aus dem Holze
in Menge aus, weil er in die Rinde nicht dringen kann. Dass
die Bildungen aus der Rinde ganz ohne unmittelbare Wirkun-
gen des Holzes geschehen, bezweifele ich sehr. — Uebrigens ist
G*
100
die Darstellung dos Verf, weit ruhiger, als in seinen frühem
Schriften.
Das Verfahren des H. Boucherie, auf die Dauer und
Farbe des Holzes dadurch zu wirken, dass man Flüssigkeiten
von dem lebenden Stamme einsaugen lässt, wovon im vorigen
Jahresbericht die Rede war, ist nachher von demselben ver-
bessert und weiter getrieben worden. Nach seinem ersten Ver-
fahren musste das Einsaugen im Sommer geschehen, wo man
Holz nicht zu fällen pflegt, jetzt giebt er aber auch ein Ver-
fahren an, dieses im Winter zu thun. Die Holzstämme müs-
sen nur vor Kurzem abgehauen und in runde Stücke (bil-
les) geschnitten sein, dann stellt man sie gerade auf und be-
festigt an das obere Ende einen für Flüssigkeit undurchdring-
lichen Sack, in welchen man die Auflösungen sogleich giesst,
um sie einsaugen zu lassen. Wejin Luft in den Gefässen sich
befindet, so dringt diese zuerst aus und dann folgt der eigen-
thümliche Saft, welcher ausfliesst. Herr B. konnte auf diese
Weise aus 7 Baumstämmen in einem Tage 4850 Litres Saft
ziehen, wobei ilim nur zwei Menschen halfen. Man kann
auch vorher die Stänune mit W^asser imprägniren , um die ent-
haltenen Stofi"e aufzulösen, welche dann gleichsam als ein
künstlicher Saft ausgetrieben werden. Die Baumstämme neh-
men verschiedene Flüssigkeiten verschieden auf, und nicht im-
mer zieht das lockere Holz leichter ein, als das dichte; denn
die Pappel widersteht mehr als Buche, Hainbuche u. s.w.,
die Weide mehr als Birnbaum, Ahorn und Platane u. s. w.
(Comptes rendus p. 1841. T. 1. p. 337).
lieber diese Untersuchung macht nun Biot einige Be-
merkungen (Compt. rend. 1. c. p. 357). Nach einer kurzen
Geschichte der Versuche über das Aufsteigen von Flüssigkei-
ten in den Pflanzen redet er erstlich davon, dass Boucherie
sagt, seine Versuche gelängen nur, wenn der Baum in Saft
stehe. Er untersucht, was das heisse, in Saft stehen. Zweier-
lei findet er, den Ausfluss des Safts beim Anbohren und die
Lösung der Rinde vom Holz; das erste rühre von der Tur-
gescenz her, indem der Saft nicht verdunsten könne, das
zweite vom Cambium, das in den Blättern bereitet und von
dort zurückgeführt werde, denn nach den optischen Kennzei-
dien, die man an deui Saft des Sycomore (Acer Pseudo -Pia-
101
tanus) und der Birke aiiziistelleii Gelegenheit gehabt hat,
kommt der Zucker des Cambium mit dem in den Blättern
iiberein und nicht mit dem Zucker im aufsteigenden Saft. Dann
kommt Biot auf das letzte Verfahren von Boucherie, nämlich
den Saft niedersteigen zu lassen, und sagt, der Stamm, von
seiner Wurzel und seinen Ausdiinstungsvverkzeugen getrennt,
sei nur ein hygroskopisches Gewebe, es wirke Druck und
Capillar -Anziehung zugleich. Zuletzt einige Versuche. Biot
Hess am 16. Februar eine Birke einen Meter über dem Boden
abhauen. Der Stumpf, zwei Dccimeter über der Wurzel an-
gebohrt, gab anhaltend Saft, der Zucker enthielt, wie der ab-
gezapfte Birkensaft gewöluilich hat, bis zum 1. Mai. Doch
nahm der Zucker, zufolge optischer Prüfungen, nach und nach
ab. Nun überzog sic«li der Stumpf mit einer klebrigen Mate-
rie, es entstanden Adventivknospen, die sich schnell entwickel-
ten und aller Zufluss hörte auf; nur am 14. Mai zeigte er
sich wieder , ohne dass man eine Ursache finden konnte. In
einem andern Versuche liess B. eine Birke am 28. Februar
6 Meter über dem Boden anbohren ; sie gab keinen Saft.
Nun liess er eine dicke Wurzel entblössen und anbohren, sie
gab reichlich Saft, auch noch am 9. April , wo zugleich das
Loch, 6 Meter hoch, zu fliessen anfing. Die Dichtigkeit des
Saftes aus der Wurzel nahm bis zum 6. März zu, dann ab
bis zum 16.; war aber am 9. April noch viel specifisch schwe-
rer als der, welcher aus dem Loche 6 Meter hoch ausfloss.
Dann machte er vier Bohrlöcher in eine Birke den 11. Febr.
und ein fünftes den 14. März. Der Saft von allen enthielt
gährbaren Zucker; der aus dem zuletzt gebohrten Loche hatte
das grösste spezifische Gewicht, und was die zugleich gebohr-
ten betrifft, so stand das specifische Gewicht beinahe in gera-
dem Verhältnisse mit der Höhe über dem Boden. Diese Ver-
suche kommen im Ganzen, wie auch der Verf. erinnert, mit
denen überein, welche Knight am Nussbaum angestellt hat.
Er glaubt, dass der Saft beim Aufsteigen abgesetzten Zucker
in den Zellen getrofifen und aufgelöst habe.
Auf Boucherie's Versuche bezieht sich auch eine Note von
Gaudichaud (Compt. rend. 1. c. 369). Er spricht von seinen
eigenen Versuchen, ein Haar durch die Stämme sowohl der tropi-
schen als einheimischen Bäume und Sträucher zu führen, auch
102
aus dem Stamme in die v^ste', und aus dem Stamme in die Wurzel.
Die Gefässe ständen also in genauer Verbindung. Diese Verbin-
dung habe nun auch Boucherie durch seine Versuche dargethan.
In den Conjpt. rend. 1. c. p. 381 findet sich ein Schrei-
ben von Herrn Millet, worin er sagt, dass ihm die Erfin-
dung angehöre, und dass er ein brevet d'invention vom Mi-
nister des Handels habe, warum er schon am 23. Juni 1840
nachgesucht. Er wende das Verfahren nicht blos auf frisch
geschlagenes, sondern auch auf Holz an, was seit zwei Mo-
naten gefällt worden, es möge so trocken sein, als man will.
Eine anatomische Untersuchung solcher gefärbter Stännne
würde hier sehr zweckmässig, ja nöthig sein. Dann käme es
in wissenschaftlicher sowohl als technischer Rücksicht darauf
an, wie lange nach dem Fällen ein Stamm die Kraft behält,
Flüssigkeiten einzusaugen. Mit dem blossen hygroskopischen
Anziehen der Flüssigkeit ist die Sache nicht abgemacht. Aus
der Spitze eines mit einer Flüssigkeit getränkten Dochtes fliesst
nichts aus, wenn er auch unten in die Flüssigkeit versenkt
ist; ich sehe also nicht ein, wie aus einem Bohrloche der Saft
fliessen kann, der von der Wurzel aufgesogen wird. Solche
mechanische Erklärungen machen, dass man etwas zu wissen
glaubt und doch nichts weiss. Aber ihr macht es eben so,
erwiedert man , wenn ihr die Lebenskraft zur Erklärung zu
Hülfe ruft. Nicht ganz. Wir bringen den Gegenstand in eine
andere Reihe von Erscheinungen, die einer sehr genauen Be-
stimmung fähig sind. Und ist die Erklärung durch Capillari-
tät genau bekannt? Hat nicht Poisson nachgewiesen, dass La-
place etwas von Bedeutung bei diesen Erklärungen übersah?
und musste er nicht, um die Theorie einigermassen zu ret-
ten, Verdichtung einer tropfbaren Flüssigkeit annehmen, ein
sehr gewaltsames Mittel?
Ueber die Art zu athmen in den Blättern von
Nelumbium von Raffeneau-Delile (Annal. d. scienc. na-
turell. T. 16. p. 328. Wenn man einen Riss am Rande eines
Blattes von .Nelumbium macht, sagt Delile, und in den Blatt-'
stiel einbläst, so geht die Luft durch die Kanäle, die sich am
Risse endigen, hinaus. Aber wenn man Luft einbläst, ohne
eine Wunde gemacht zu haben , welche die Kanäle geöflfnet
hat, so geht sie durch die natürlichen Poren hinaus und wird
103
sichtbar, sobald man eine Wasscrscbicht darüber bringt. Ein
leichtes Einblasen bringt nur ein geringes oder gar kein sicht-
bares Hervordringen von Luft hervor, weil die Luft unter der
Wasserschicht zwischen den Papillen des Ueberzuges hin-
schleicht, denn eine Luftschicht befindet sich immer zwischen
der Epidermis und dem Wasser, welches den üeberzug be-
deckt. Der Verf. kam auf den Gedanken, durch die Blatt-
stiele zu blasen , weil er zu Kairo in seiner Jugend gesehen
hatte, dass sich Tabackraucher der langen Blütenstiele von
Nymphaea bedienten, indem sie den Grund der Blüte zerstör-
ten und ihn mit Taback füllten. ,,Das Einblasen zeigte mir,
fährt der Verf. fort, dass der mittlere Theil des Blattes von
Nelumbium mit Löchern durchbohrt ist, und ein wahres Sieb
von Stomaten und kleinen Oeffiunigen darstellt; ich nahm mir
also vor, aufmerksam zu beobachten, was mit den Blättern
vorginge, so lange sie noch an den Pflanzen waren. Ich sah
dann, dass, wenn das Wasser einige Zeit sich über der Mitte
des Blattes befand, viele Luftblasen von selbst durch das
Wasser aufstiegen, und ich erkannte bald, dass die Luft,
welche aus dem Mittelpunkt des Blattes hervorkam, sich von
allen umgebenden Theilen des Blattes, das heisst von der übri-
gen Oberfläche des Blattes dahin begiebt. Denn in der That,
wenn man die ganze Oberfläche mit Wasser bedeckt, so kommt
aus dem Mittelpunkt keine Luft mehr hervor, so wie man
aber einen Theil dieser Oberfläche vom Wasser befreit der
Luft aussetzt, so wird der Luftstrom wieder hergestellt, und
zeigt sich, wenn er stark genug ist, durch Blasan. Ich glaubte
im Anfiing, dass die ausgeathmete Luft zu den Stomaten durch
die Blattstiele käme, aber im Gegentheil, ich sah vielmehr,
dass der Luftstrom herabstieg, wie folgender Versuch bewies.
Ich schnitt ein halbes Meter unter Wasser ein schmales dün-
nes, zwei Centimeter langes Stückchen vom Blattstiel ab, wo-
durch die Luftkanälc in dieser Länge geöffnet wurden. Die
Luft trat in Blasen heraus, aber nur von dem oberen Theile
der Wunde, und so wie das Blatt mit Wasser bedeckt wurde,
trat keine Luft heraus, wohl aber, so wie das Blatt oder nur
ein Theil desselben vom Wasser befreit wurde. Verwundet
man hingegen den mit Stomaten durchbohrten mittlem Theil
des Blattes, so kommt ein Milchsaft, von Luftblasen heraus-
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gestossen, hervor," Die Versuche wurden von 2 — 3 Uhr iu
den Nachinittagsstunden in der Sonne angestellt, als die Hitze
20 — 25 '^^ war. Um Mitternacht und auch des Morgens, wenn
die Sonne noch nicht schien, fand keine Luftentvvickelung
Statt. Das entwickelte Gas fand der Verf. wenig von atmo-
sphärischer Luft verschieden. Er hält demnach für bewiesen,
dass der Ueberzug des Blattes (le veloute) die Luft absor-
birt, und die Stomaten wiederum sie aushauchen.
Gegen diese Mittheilung sagt Dutrochet (Ann. d. sc. 16.
330), er habe schon früher gefunden, dass die Blätter der
Nymphaea aus dem unten abgeschnittenen Theile des Blatt-
stieles Luft entwickeln, sie sei aber reich an Sauerstoff. Er
habe geschlossen, sie rühre von der bekannten Wirkung des
Lichts auf den grünen Theil der Blätter her, häufe sich in den
Luft- Organen an und gehe in den Luftkanälen des Blattstiels
zurück, auch habe er den Zusammenhang dieser Kanäle mit
dem Blatte gezeigt. Er wundert sich, dass Delile seiner Un-
tersuchungen nicht gedacht habe, da er ilmi doch die Samm-
lung seiner Werke geschenkt.
Delile erwiedert (Ann. d. sc. 16. 333), seine Versuche
wären verschieden; er habe Luft in die Blattstiele geblasen,
Dutrochet nicht; er habe die Versuche mit Blättern und Blatt-
stielen angestellt, die noch an der Pflanze befindlich waren,
Dutrochet nicht; er habe die Sonderbarkeit der Blätter von Ne-
lumbium angezeigt, dass sich nämlich die Stomatien auf der
Oberfläche des Blattes um den Mittelpunkt allein befinden. Du-
trochet sage, er habe ohne Beweis angenommen, dass die Luft,
welche das Blatt von Nelumbium aushaucht, aus der Atmo-
sphäre komme, der Beweis sei jedoch leicht, da das ganz un-
ter Wasser getauchte Blatt keine Luft entwickele. Zuletzt
behauptet er, auch wirklich des Nachts und bei dunkel m Wet-
ter Luftentwickelung zuweilen bemerkt zu haben.
Das Letzte greift Dutrochet an (Ann. d. sc. 16. 335),
indem er die Richtigkeit der Beobachtung in Zweifel zieht
und hinzusetzt, nicht bloss zuweilen müsse er es beobachtet
haben. Dann meint er, dass die Luft aus dem Blattstiel nur
dann sich entwickele, wenn die Oberfläche des Blattes mit
W^asser bedeckt sei, komme daher, weil dann die Luft aus
den Poren nicht entweichen könne und in den Blattstiel zu-
105
rücktrete, da sie hingegen bei unbedeckten Poren in die At-
mosphäre entweiche.
Durch diese Schriften veranlasst, hat H. Lamotte die
Blätter von Nyniphaea durch den Blattstiel mit Quecksil-
ber eingesprützt (Compt. rend. 1841. T. 2. p. 626, wo sich
auch die vorigen Abhandlungen p. 688, 807, 838, 877 finden).
Die metallische Flüssigkeit, sagt Herr Lamotte, geht im An-
fange in einer sehr langen Röhre den Blattstiel entlang und
kommt zu dem Parenchym des Blattes. Da verästelt sie sich,
indem sie einem der Nerven folgt und sich in einem der Po-
lygone verbreitet, die davon umschrieben werden. Ehe sie
jedoch in die Fläche (limbe) des Blattes gelangt, geht das
Quecksilber in einen der benachbarten Kanäle und kehrt zu-
rück , indem es eine grosse Anzahl von cylindrischen Röhren
des Blattstiels anfüllt; zu gleicher Zeit geht es weiter bis zum
äussersten Ende des Hauptblattnerven und tritt nach und nach
in das Parenchym der Blattfläche. Endlich zerstreut es sich
über die ganze Ausdehnung dieses Organs, indem es eine
Menge von kleinen labyrinthischen Kanälen durchdringt, die
so zahlreich sind, dass die Unterfläche davon ganz versilbert
erscheint.
Man hat schon öfter Einsprützungen der Pflanzengefässe
versucht, doch in der Regel ohne sichern Erfolg, weil die zar-
ten Membranen zu leicht zerreissen. In diesem Falle, wo im
Blattstiele und in den grossen Blattnerven lange Luftkanäle
ohne Zwischenwände sich befinden, war die Einsprützung
ganz zweckmässig. In den feinsten Theilen scheint das Queck-
silber allerdings die feinen Häute zerrissen und sich zerstreut
zu haben. Ein Gleiches möchte auch wohl geschehen , wenn
man zu stark in die Kanäle des Blattstiels bläst, und Delile's
Methode könnte auch irre führen. Uebrigens haben die Blät-
ter von Nelumbium, so wie von Nymphaea an der untern
Fläche, wo sie bei Nymphaea immer, bei Nelumbium in der
Jugend die Wasserfläche berühren, keine, auf der obern der
Atmosphäre zugekehrten hingegen sehr viele und sehr kleine
Spaltöff'nungen. Deutliche Luftgänge, welche zu den Spalt-
öfi'nungen führen, finde ich ebenfalls nicht. In der Mitte des
Blattes, da wo der Blattstiel eintritt, sieht man oben keine
Spaltöfi'nungen , wie sie denn gewöhnlich auf den Neryen sich
106
nicht befinden; anch bemerkt man, wenigstens in der Regel
nicht, keine wahren Löcher, und un veritable crible de sto-
mates ou petites bouches, wie Delile sagt, habe ich wenig-
stens nicht gesehen. Doch verdienen die Versuclie der bei-
den Botaniker grosse Aufmerksamkeit und Wiederholung. Sie
lassen sich nicht so leicht erklären, denn sonst entwickeln
alle grünen Theile der Pflanzen, im Sonnenlicht und zwar
unter dem Wasser, Sauerstoffgas, hier aber soll dann die Ent-
Wickelung von Gas aufhören.
lieber die Krystalle in den Zellen der Pflanzen
hat Herr Payen mikroskopische und chemische Untersuchun-
gen angestellt (Compt. rend. 1811. T. 2. p. 799), Zuerst ist
von den krystallischen Massen die Rede, welclie Meyen in
dem Feigenbaum entdeckt hat, und welche in einer grösseren
Zelle durch ein Band aufgehängt sind. Diese Massen beste-
hen nicht allein aus einer krystallisirten mineralischen Sub-
stanz, sondern auch aus einem organischen Gewebe, worin
jene Substanz aufgelöst abgesondert wird. Das Gewebe ist
vor den Krystallen schon vorhanden. Es befindet sich in einer
grossen Zelle und ist aus zwei Theilen zusammengesetzt, die
ihrer Structur und Function nach sehr verschieden sind.
Der eine ist aus einem dem umgebenden ganz gleichen Zell-
gewebe gebildet, und macht das zellige Band aus, welches
mit seinem obern Ende an der Innern Oberfläche der epider-
mischen Schicliten hängt. Der andere Theil besteht aus einem
feinen Gewebe von so kleinen Zellen, dass sie Punkten glei-
chen, und so zahlreich, dass aus ihrer Vereinigung eine Masse
von bedeutendem Volumen entsteht. Dieser Theil ist wie ein
Kronleuchter an dem Bande in der grossen Zelle aufgehängt.
Das Band verändert sich nicht durch die Vegetation, wohl
aber das feine Gewebe, worin der kohlensaure Kalk abgeson-
dert wird. Die leeren Stellen dieses Organs erfüllen sich nach
und nach mit einer Auflösung von kohlensaurem Kalk, der
bald krystallisirt. Man bemerkt daini auf der äussersten Zel-
lenlage Erhebungen (mammelons), zuweilen eckige, die Meyen,
da er das feine Gewebe nicht kannte, für eine Umhüllung der
nackten Krystalle hielt, die sich auf der Centralmasse von
Gunnni, an deren Gegenwart er glaubte, angelegt habe. Die
Blätter viriler Arten aus der Familie der Urticcen haben bald
107
auf der obeni , bald auf der uiitera Seite, bald auf beiden
ähnliche Apparate. Nicht in allen Pflanzen, worin sich Kry-
stalle befinden, verhält es sicli auf dieselbe Weise. Uie Kry-
stalle in Cannabis sativa und Broussonetia papyrifera sind an
der innern Wand der Zellen aufgehängt, woraus die Haare
bestehen. An einem grossen Blatte von Broussonetia papyri-
fera zählte er bis 134,000 absondernde Apparate von kohlen-
saurem Kalk. Alle mineralischen Substanzen in den Gewäch-
sen, wenn sie auch eine eckige polyedrische Form annehmen,
sind nicht isolirt oder zufällig zerstreut, sondern immer in
Zellen von einem organischen Gewebe abgesetzt, das sie um-
schliesst. Auch in der Chara wird der kohlensaure Kalk in
dem Zellgewebe an der Oberfläche abgesetzt, welches viel
Stickstofi" enthält, und die langen röhrenförmigen Zellen um
die beiden innern Höhlungen bedeckt. Oxalsaurer Kalk fin-
det sich in Haufen von kleinen spitzen Krystallen, die aus
einejn Mittelpunkte hervorkommen , in dem Parenchym und um
die Blattnerven vieler Pflanzen, auch kommt er in rhombo-
edrischen Krystallen in dem Parenchym der Blätter von Citrus,
Limonia und Juglans regia vor. In diesem letzten tritt das
absondernde Gewebe über die Krystalle deutlich heraus. In
den Cacteen zeigt sich der Oxalsäure Kalk in grossen sphä-
roidischen Massen, die aus Krystallen in spitzen Blättchen oder
in Prismen bestehen und bald mit Spitzen besetzt, bald glatt
sind. Sie ähneln sich in verwandten Arten. Die bekannten
Raphiden hat der Verf. ebenfalls beobachtet und gefunden,
dass jeder dieser nadeiförmigen Krystalle sich in kleinen Zel-
len erzeugt, die an einander gereiht sind. Sie bestehen aus
oxalsaurem Kalk. Als Payen die Organe, welche den Oxal-
säuren Kalk absondern, einäscherte, fand er auf einer Glas-
platte das kieselhaltige Skelet derselben ganz erhalten. Wenn
man Grashalme, Stämme von Equisetum, von Cactus, ferner
Blätter, Blumenblätter, Pollenkörner mit Säuren behandelt
und nachher einäschert, so bleiben ebenfalls deutliche Ske-
lete zurück. — Nach den Versuchen, welche Payen mit dem
Berichterstatter (Mirbel) angestellt hat, sind die absondernden
Organe der krystallinischen Materien kleine Massen von einem
kuglicht-zelligen C'ambium. Payen habe von Anfang an geur-
theilt, dass diese absondernden Organe aus einem Stickstoff-
Iü8
haltigen Zellstoff beständen. Dieses wäre gegen die Regel ,
denn der Zellstoff enthält keinen Stickstoff; aber P. hatte anch
gefunden, dass Cambium viel Stickstoff enthält; jene Organe
sind also Cambium. — Noch etwas über die flüssigen Secre-
tionen. Der ungefärbte und durdisichtige Saft in den grossen
Zellen auf der Oberfläche von Mesembrianthemum crystalli-
num macht die rothgefärbte Lakmuslinctur blau und giebt durch
Abdampfen oxalsaures Kali. Die Membranen, welche diesen
Saft absondern , enthalten auch Oxalsäuren Kalk im kuglicht-
zelligen Cambium. Es ist also deutlich, dass die ganze ober-
flächliche Schicht sich in einem Zustande von Alkalinität be-
findet. Nicht so ist es mit den darunter liegenden Schichten,
welche deutliche Zeichen von Säure geben.
Meyen sah wohl die Bläschen — so nennen die deut-
schen Botaniker jenes Gewebe — denn sie sind gar leicht zu
sehen, hielt sie aber nicht für die absondernden Organe der
Krystalle. Payens Beobachtungen und Versuche verdienen
grosse Aufmerksamkeit. In der Rhabarberwurzel sind die
Krystalle von oxalsaurem Kalk mit Amylum umgeben, wie die
Jodtinctur zeigt, und so sind überhaupt die Veränderungen
der Stoffe in den Zellen sehr mannigfaltig. Die angereihten
kleinen Zellen , welche den Raphiden vorangehen sollen, habe
ich noch nicht gesehen.
Hieher gehört auch Herrn Ch. Morren's Abhandlung
über die Symmetrie des Chlorophylls in den Pflanzen
(Bullet, de l'Acad. R. d. Sc. d. Bruxell. 1841 T. 2 p. 81). Der
Verf. theilt das Chlorophyll überhaupt in das. gallertartige und
das körnige, und giebt von dem ersten folgende Arten an:
1) Kugelförmiges (globiformo) Chi. Chaetophora endiviaefolia
hat ein solches grünes Endochrome (innere farbige Substanz)
in Kugeln zusammengehäuft, die den ganzen Durchmesser der
durchsichtigen und gallertartigen Röhren dieser Pflanze ein-
nehmen. 2) Axen-Chl. (axile). Ausser mehrern Conferven,
welche das Endochrome wie ein Stäbchen geformt , in der Axe
* ihrer Glieder haben, findet es sich auf eine ähnliche Weise in
den Zellen der Blätter von Polygonum tinctorium. Der un-
gefärbte gallertartige Stoff liegt hier zwischen der Axe der
Zellen, wo die grüne Substanz vorkommt, und den Wänden
derselben. 3) Ringförmiges Chi. (annulaire). Ausser der Con-
109
ferva zonala und der Draparnaldia plumosa, wo Mohl es
schon gesehen, zeigt es sich aucli sehr schön in der Drapar-
naldia tenuis, wo es in der Mitte der Zelle liegt. Draparnal-
dia glomerata und Dr. uniformis Agardh haben es auch, letztere
wenig regelmässig*. 4) Spindelförmiges Chi. (fusiforme). Sehr
schön zeigt es sich in der Tyndaridea pectinata, wo es im
Anfange zwei Kugeln bildet, aus denen sich die grüne Materie
sternförmig verbreitet, dann entstehen zwei Verlängerungen,
verbinden sidi mit einander, und gehen in einen spindelför-
migen Körper über, nachdem die sternförmige Masse absor-
birt worden, der sich in zwei Kegel endigt. Dieser Körper
enthält das Sporidium, oder ist es selbst. Die Vereinigung
zweier Fäden ist nicht immer nothwendig, um einen solchen
erzeugenden Körper hervorzubringen; sie geschieht übrigens
zwischen den beiden endochromischen Massen. 5) Doppelt-
cylindrisches Chi. (bilineaire). Zwei Cylinder liegen parallel
neben einander in einem Gliede der Draparnaldia plumosa.
6) Viereckiges Chi. (carree). Merkwürdig. Die grüne Materie
in Hydrodictyon utriculatum tritt aus ihren Zellen heraus und
formt sich in viereckige Massen, die sich nachher in vier Theile
theilen. 7) Sternförmiges Chi. (stellee). Die vorhandenen Ar-
ten von Tyndaridea liefern bekannte Beispiele. 8) Aestiges
Chi. (rameuse). Tritt ebenfalls aus den Zellen von Hydro-
dictyon utriculatum heraus, und bildet, wie das obige, Vierecke,
wie Aeste, die aus einem Mittelpunkt zu fünf, sechs, sieben
oder mehren hervorkommen. Zu gewissen Zeiten haben die
Körner in den Zellen von Hydrodictyon eine Bewegung und
dann tritt auch die grüne Materie heraus. — Der Verf. geht
nun zu dem körnigen Chlorophyll über, und redet zuerst von
den scheinbaren Stielchen, welche Raspail und Turpin woll-
ten gesehen haben. Die Körner berühren oft die Wand so
genau, wenn auch nur in einem Punkt, dass die Haut der
Zelle, zu dem Korn hingezogen, ein Stiel scheint. In andern
Fällen erscheint das Korn ordentlich gegen die Wand der Zelle
platt gedrückt. Die Arten des körnigen Chlorophylls sind:
9) Linienförmiges Chi. In Reihen gestellte Körner, die Kreis-
bogen machen, sind die generischen Kennzeichen der Gattung
Nostoc. 10) Axen-Chl. Die Körner bilden in der Axe der
Zellen einen Cylinder, in Conferva capillaris, quadrangula,
110
Zengnema compressum und littoreiim. Auch in Polytrichum
aloides, so lange es nocli in dem byssnsartigen Zustande ist.
Selbst in den Phaneroganien findet es sich auf diese Art,
z. B. in den Zweigen von Pinus Strobus und in den Blättern
von Polygonum tinctorium. 11) Ringförmiges Chi. Der Ring
findet sich in der Mitte der Zelle in vielen Algen, z. B. Con-
ferva vesicata Ag, C. dissiliens Dillvv., C. lanosa, C. lubrica,
C. nana, C. compacta, brachymelis Lyngb. 12) Polarisches Chi.
Es häuft sich an den beiden Enden der Zelle an, in den jun-
gen Blättern von Cycas revoluta und den einzelligen Haaren
in der Blume von Marica coerulea. 13) Viereckiges Chi.
Vier Körner von grüner oder anderer Farbe machen den Cha-
rakter mehrerer Algen, wie Ulva aureola^ Porphyra laciniata
(var. umbilicata), Tetraspora lubrica, Palmella terminalis. 14)
Kreisförmiges Chi. Tst eine sehr gewöhnliche Stellung. Oft
stehen sie um einen Kern (cytoblaste). Die Verhältnisse in
der Stellung zwischen dem Kern und den freien Körnern
scheinen auf eine Anziehung zu deuten, welche jener auf diese
ausübt. 15) Strahliges oder bogenförmiges Chi. In der Ju^
gend einer Zelle von Spirogyra nitida, sagt der Verf , findet
man an der Wand gegen die Mitte einen rundlichen, schein-
bar linsenförmigen (discoide) Körper, der meistens zwei Kreise
oder zwei Ellipsen darstellt, wovon der eine in den andern
eingeschrieben ist. — Die Windungen in dieser Alge, die an-
fangs sehr regelmässig sind , entstellen sich ; -einige werden
eckig und treiben ihre Ecken gegen den Körper, andere ver-
ändern ihre Stelle und ihre Enden krümmen sich gegen den
Körper. Bald zieht er alle die Fäden des Chlorophylls gleich-
sam an, so dass die sechs Spiralen in sechs Bogen verwandelt
werden, die sich an jenem Punkt endigen; die Bogen bilden
gleichsam Gewölbe, welche die Zelle zu stützen scheinen. Die
Bogen verändern endlich ihre Stellen dadurch, dass die En-
den, die sich an den gemeinschaftlichen Mittelpunkt schliessen,
absorbirt werden, und verwandeln sich in eben so viel Strah-
len, die von einem Centralkörper ausgehen. Dieses Centrum
ist dann eine Masse von grüner Materie, die bald die durch-
sichtige Umgebung der Z,elle vor sich hertreibt, um daraus
eine Röhre zur Verbindung zu bilden, bald aber in die Röhre
eindringt, um die erzeugenden Spiroiden darzustellen. Sehr
111
merkwürdig ist noch folgende Beobachtung des Verf. an dem
häutigen Endokarpon von Arum maculatum. Die Zellen sind
eiförmig und sehr durchsichtig. Ein grosser hemisphärischer
Kern (cytoblaste) ist an der Zelle zwischen ihren Wänden be-
festigt, von dem fünf bis sechs regelmässige Bogen eines kör-
nigen rothen Chlorophylls ausgehen, mit eiförmigen, sehr wohl
gebildeten Körnern, die sich ge^en die innere Wand der Zelle
biegen. Auch hier zeigt sich der Kern als ein Mittelpunkt
der Anziehung. Beobachtet man diese schöne Stellung im
Sommer bei warmer Witterung, so sieht man die Chlorophyll-
körner in einem Kreise sich um den Kern bewegen, und wie
es scheint in kleinen Gefässen innerhalb der Zellen, wie man
es in den Haaren vieler Pflanzen sieht, so wie in den eiför-
migen Zellen der Pflaume und den sphärischen von Symphoricar-
pos glomerata, auch in den reifen Pfirsichen. Was in Arum
maculatum geschieht, lässt glauben, dass die Stellung des Chlo-
rophylls in Bogen in vielen Fällen daher kommt, dass die
Kugeln, die sich früher in ihren Gefässen bewegten, jetzt in
Ruhe gekommen sind. 16) Chi. in Spiralen. In einer ein-
fachen Spirale sieht man es in Zeugnema quininum Agardh.
Aber der Verf. sah es auch in den langen und grossen Zellen
von Psilotum, wo es eine breite, platte und braune Bande
bildet; in dem Diachym von Selaginella decomposita Spreng.,
in den Blättern von Hypnum lucens, Sphagnum acutifolium,
Hydrodictyon utriculatum und endlicli auch in Crassula ciliata.
In einer doppelten Spirale allein in Algen, wie Zeugnema de-
ciminum, in einer dreifachen nur in Zeugnema nitiduai.
Wenn der Verf., dem wir diese trefi'liche Abhandlung zu
danken haben, von Cytoblast spricht, so meint er doch nicht,
wie es scheint, den Zellenerzeuger in Zellen. Auch Meyen
glaubt, dass die Chlorophyllkörner ihre Stellung von einer zur
Ruhe gekommenen Bewegung hätten, ja er behauptete, diese
Bewegung oft gesehen zu haben. Das ist mir ausser den be-
kannten Fällen nicht gelungen. Ueber die Gefässe in Zellen
ist schon oben geredet worden.
f Hiermit wollen wir sogleich die Nachricht von einer Ab-
handlung desselben Verf. über Efflorescenzen auf den
Pflanzen verbinden (Bullet, d. 1. Acad. d. Bruxell. T. I. p.345).
Zuerst über die krystallinischen Efflorescenzen. Laminaria sac-
112
charina setzt wirklich krystallischen Zucker auf der Oberfläche
ab, wie der Verf. beobachtete; es ist niclit blos Salz, wie Gre- •
ville meint. Vanilla aromatica. Die Früchte (auch die zu
Liittich gewonnenen) sind mit Krystallen von 13enzoesäure be-
streut, aber ausser dieser nocli mit einer organischen Sub-
stanz in länglichen, etwas spindelförmigen oder cylindrischen,
gefalteten, trocknen, braunen, gelben oder orange Zellen,
welche ein flüchtiges, braunes, wohlriechendes Oel ausschwitzen.
Sie treten aus der Placenta hervor. 2) Die kuglichten (globu-
linaires) sind organisirt; sie finden sich am häufigsten, und
der bläuliche Staub der Pflanzen entsteht meistens dadurch.
Sie sind gleich an Gestalt, aber nicht gleich an Grösse, im
reflectirten Licht weiss, milchfarben, im gebrochenen gelblich,
etwas beweglich, wenn man sie ins Wasser bringt, und sie be-
wegen sich dann wie die Brownschen Körper. Nach und nach
werden sie klebrig und vereinigen sich endlich in Haufen, oder
oberflächliche Platten. Der Verf. beschreibt nun die Efflo-
rescenzen von Mesembriantliemum deltoides, maximum, de-
cumbens, Cacalia repens, wobei erinnert wird, dass an einigen
Cacalien die Haare diesen Staub ersetzen, Kleinia sufi'ruticosa,
Calandrinia speciosa und zuletzt an den Pflaumen. Er ver-
glicli damit Wachs, und fand dieses im Aeussern ähnlich. Hiebei
macht er die Bemerkung, dass er im Honig bei mikroskopi-
scher Untersuchung noch die Pollenkörner gefunden habe,
woraus der Honig bereitet wurde, und empfiehlt eine mikro-
skopische Untersuchung zur Erkennung des Honigs. 3) Efflo-
rescenzen in Haufen. Sie finden sich auf dea Weinbeeren,
und zwar auf der Haut derselben in eiförmigen Haufen und
sehr grossen Kugeln. 4) Schlauchartige Efflorescenzen (utri-
culiformes). Sie erscheinen auf den bestäubten Aurikeln. Diese
merkwürdige Efflorescenz zeigt sich zuerst in besondern Schläu-
chen, welche nachher auseinander fliessen oder platzen und
ihren staubigen Inhalt ausstreuen. Jeder Schlauch besteht aus
einer feinen Haut, die leicht zerreisst und weiss ist. Im In-
nern finden sich trockne, weisse, matte Körner, ^^ö Millime-
ter gross, Platten (plaques) von verschiedner Gestalt, von
i^-Q Millim. und kurze Fäden von wenig zahlreichen Kügel-
chen. 5) Epitheliumartige (epithelimorphes) Efflorescenzen. Sie
machen den üebergang zu den Abschuppungen. Hieher gehört
113
der blaue Staub auf den Früchten von Thuya orientalis, wel-
chen der Verf. genau beschreibt. Sehr gute, deutliche Abbil-
dungen sind diesen Abhandlungen beigefügt.
Stamm. Knospen. Blätter.
Recherches generales sur l'Organographie, la
Physiologie et l'Organogenie des Vegetaux. Me-
moire par Ch. Gaudichaud. Par. 1841 mit 18 lithogra-
phirten Tafeln, setze ich hierher, da fürs erste nur von der
Bildung und dem Waohsthum der Pflanzen in Rücksicht auf
Stamm, Blätter und Knospen die Rede ist. lieber andere,
unter dem sehr allgemeinen Titel begriflfene, Gegenstände ver-
spricht der Verf. in der Folge seine Untersuchungen bekannt
zu machen. Er giebt zuerst eine ideale Darstellung einer
ganz einfachen Pflanze in folgenden Sätzen. Er nennt sie
erstens ein Cotyledonarblatt. Dieses Cotyledonarblatt besteht
zweitens, abgesehen von andern Geweben, aus einem Nerven-,
Holz- und Rindengefässsystem, welches man in ein oberes
und unteres theilen kann. Das obere System kann man in
drei Theile oder Glieder (merithalle) , in das Stai^m-, Blatt-
stiel- und Blattflächensystem (M. tigellaire, petiolaire et lim-
baire) eintheilen. Die Trennungslinien dieser drei Systeme
werden mesophyte, mesophylle genannt und eben so die Tren-
nungslinie zwischen dem obern und untern mesocauleorhize.
3) Der Verf. nennt die ursprünglichen Gefässe, welche den
Markkanal bilden, Nerven -Merithall- Gefässe; die des Holzes
Röhren- oder holzige Merithallgefässe ; die der Rinde Faser-
Merithallgefässe. Diese ursprünglichen Gefässe gehören ent-
weder zu einem aufsteigenden oder absteigenden System. 4)
Die Gefässe beider Systeme gehen von einem Punkt aus
und entwickeln sich in entgegengesetzter Richtung. 5) In ei-
nigen Fällen schlägt das Würzelchen und das Stämmchen
(tigelle) mehr oder weniger fehl (Crinum aus Brasilien), in
andern die Blattstiel« und. die Blattfläche (Cacteen). 6) In
den Monokotyledonen- Embryonen giebt es ursprünglich nur
ein umhüllendes Merithall -Gefäss- System. 7) In den Dikoty-
ledonen- oder Polykotyledonen-Embryonen giebt es aber zwei
oder mehrere. 8) Gefäss -System heisst das Ganze der ur-
sprünglichen Gefässe eines Blattes, als Pflanze betrachtet.
-4rchiv f Naturgeschichte, VIII. Jahrg. 2. Bd. H
114
Diese Gefässe bestehen aus verschiedenen Arten von Gewe-
ben, die durch ihre Vereinigung die verschiedenen Organe
bilden. In den Monokotyledonen bleiben diese Gewebe ver-
einigt und wachsen zusammen, in den Dikotyledonen trennen
sie sich gewöhnlich, um zum Theil den Markkanal zu bilden,
in dem sich besonders die Spiralgefässe befinden; zum Theil
aber gehen sie zur Rinde und machen die Fibern derselben
aus. 9) Die Kotyledonen verbinden sich mit einander in den
Dikotyledonen- und Polykotyledonen-Embryonen, wie sich die
Kelchblätter zu einem einblättrigen Kelch, die Blumenblätter
zu einer einblättrigen Blume verbinden u. dgl. m. 10) Von der
Zahl der Kotyledonen, später der Blätter, von der Stellung
dieser Theile und von der Anordnung der Gew^ebe entstehen
die beiden Hauptklassen der Vegetabilien. 11) Unabhängig
von der Endknospe (Axeuknospe, bourgeon axifere) kann je-
der Lebensknoten (mesocauleorhize, mesophyte und mesophylle)
Seitenknospen hervorbringen. 12) Der Norm nach giebt es
nur eine Knospe in dem Monokotyledonen-Embryon. 13) Es
giebt eine oder mehrere in dem Dikotyledonen-Embryon; einen
für jedes Blatt; sie schlagen oft fehl. 14) Die Endknospen
und Seitenknospen stellen Aeste in der Anlage vor. Sie be-
stehen aus einer bestimmten Anzahl von regelmässig gestell-
ten Blättern und nehmen, nachdem sie an der Luft, in der
Erde oder im Wasser sich befinden, verschiedene Gestalten
an, wie die Zwiebeln' der Lilien u. dgl. m. zeigen. 15) Der
ausdauernde Stamm einer Dikotyledone wird ursprünglich (ab-
gesehen von den andern Geweben) aus den Gefassen des un-
tern Merithalls eines jeden Blattes gebildet. Diese Gefässe
werden wieder nach und nach, ihrem respectiven Anwachsen
zufolge, ein jährlicher Trieb nach dem andern, ein Kreis
(verticille) nach dem andern, und zuweilen ein Merithalle nach
dem andern, von den Radikular- Verlängerungen des abstei-
genden Systems derselben Blätter bedeckt. Diese Verlän-
gerungen sind selbst eingehüllt und symmetrisch gesondert
durch das sogenannte epidermische, pulpose und markige Zell-
gewebe, nach der Stelle, die sie einnehmen, oder nach der
besondern Weise ihrer Entwickelung. Oder mit andern Wor-
ten: ein ausdauernder Stamm ist aus Blättern zusammenge-
setzt, die über einander liegen und eines dem andern ein-
115
geimpft ist, zwischen den rÖhrigen Nervgefässen des Holzes
und den fibrösen Gefässen der Rinde, und zwar durch die
Radikular- Verlängerung derselben Gefässe. — Nach diesen
vorausgeschickten Sätzen sucht nun der Verf. zuerst für
die Dikotyledonen seine Hauptsätze zu beweisen. Er nimmt
eine junge Radiespflanze (Raphanus sativus), die nur zwei Blät-
ter ausser den Kotyledonenblättern getrieben hat, und stellt
den Verlauf der Gefässbündel in Querschnitten und dann in
Längsschnitten dar. Man sieht, sagt er, dass die röhrigen
Gefässe der Prämordialblätter zwischen der Epidermis und
den röhrigen Gefässen der Kotyledonen herabsteigen und diese
letztern umgeben, ferner, dass sich in diesem Augenblicke
von dem Mittelpunkte bis zum Umfange Markstrahlen bil-
den, welche die Entwickelung der fasrigen Gewebe befördern,
und diese Gewebe in schmale excentrische Linien trennen. So
bilden sich also die ersten Markstrahlen. Aus dieser doppel-
ten Entwickelung des röhrigen Hinabsteigenden Gewebes der
Primordialblätter ausserhalb des hinaufsteigenden oder meri-
thallischen Gewebes der Kotyledonen und der Markstrahlen ent-
steht ein Zerreissen der Epidermis des ersten Kotyledon-Me~
rithalls in zwei Lappen , und die Bildung einer neuen Epi-
dermis. Dasselbe zeigt sich auch an vielen andern jungen
Pflanzen, und besonders an Brassica Rapa, welches der Verf.
ebenfalls darstellt. Hierauf kommt er zur Entwicklung der
Knospen des Kastanienbaums (Castanea edulis). Wenn man,
sagt er, im Frühjahr der Entwickelung einer solchen Knospe
folgt, so bemerkt man folgende Erscheinungen: Nachdem die
Rinde des jungen Astes weggenommen ist, sieht man, dass die
röhrigen Gefässe von einem Blattpaare der Spitze sich regel-
mässig mit dem des unmittelbar darunter liegenden Merithalls
zusammenfügen, mit ihnen wechseln und sich mit ihnen ver-
binden, die nun eben so zu den darunter liegenden sich ver-
halten. Aber indem diese Merithall- Gefässe sich von unten
nach oben entwickeln und sich nach mathematischen Gesetzen
anordnen, die man leicht für jedes Gewächs, für jede Gat-
tung, zuweilen für jede Familie bestimmen könnte, entwickeln
sich ihre Wurzel -Verlängerungen von oben nach unten, von
dem Gipfel des Stamm-Merithalls oder dem Mesophyte an,
so dass die Wurzel -Verlängerungen des zweiten Merithalls
H*
116
den ersten bedecken, die des dritten den zweiten und ersten,
und folglich auch die Wurzelgefasse des zweiten , die des drit-
ten den ersten, zweiten und dritten und die Wurzelverlänge-
rungen des dritten, die dann auch den zweiten und ersten
bedecken u. s. w.; so dass die Wurzel- Verlängerungen des
letzten obern Merithalls , sei er einfach oder zusammenge-
setzt, alle die untern bedecken, wohl verstanden, dass dieser
Merithalle einen Wirtel darstelle. Die röhrigen Wurzel- Gefässe
der Blätter, regelmässig in Strahlen gestellt durch die nach
aussen sich verbreitenden Zeil-Mark-Gewebe, bilden nun die
Jahresschichten und das holzige Skelet des Stammes der Di-
kotyledonen- Bäume, so dass auf der Basis eines Baumstam-
mes die röhrigen Unter- Merithall- oder wurzeltragenden Ge-
fässe der Blätter des Gipfels, sich auf der Oberfläche aller
Holzschichten befinden, indem die Merithall - Gefässe oder die
aufsteigenden der ganzen Pflanze regelmässig in der Mitte des
Stammes stehen, wo sie den Markkanal bilden, der sich ge-
nugsam durch seine centrale Lage, durch seine Spiralgefässe
U.S.W, auszeichnet, indem die röhrigen Gefässe nur durch
verlängertes, mit Spalten und Punkten bezeichnetes Zellgewebe
gebildet erscheinen. Nun kommt der Verf. zu den Beweisen
für seine Meinung, hergenommen von dem Anschwellen der
Rinde über einem um den Stamm angelegten Bande, und von
dem Anwachsen der Theile von oben nach unten, wenn die
Rinde um den Baum weggenommen worden, wovon viele Bei-
spiele angeführt und dargestellt werden. Hierauf redet der
Verf. aber nur vorläufig über manche andere Gegenstände
der Phytologie , indem er eine genauere Untersuchung ver-
spricht, und zwar von dem Ablösen der Theile in der Mitte
der Früchte von Anagallis, Lecythis und an den Kelchen von
Eucalyptus, Hyoscyamus, Datura u. s. w. , der Deckel an den
Samen von Canna, Commelinä und ähnlicher. Auch bestimmt
er die Gattungen Piper, Cubeba und Serronia nach ihren Kenn-
zeichen beiläufig. Ferner redet er vorläufig von der merkwür-
digen Bildung der Stämme einiger Sapindaceen, Bignoniaceen,
ferner von Bauhinia, Rhynchosia, Abrus, wovon auf der letz-
ten Tafel Abbildungen gegeben werden. Zuletzt noch etwas
über den Schaden, den ein unvorsichtiges Beschneiden der Bäume
hervorbringt. In dem zweiten Kapitel redet der Verf. zuerst
117
von den Monokotyledonen , und betrachtet darin, eben so wie
vorher, ein aufsteigendes und absteigendes Gefäss - System.
Nur, sagt der Verf., ist hier der Unterschied, dass die Ge-
fässbiindel auf Hindernisse an den Knoten der Basis der Zwie-
bel U.S.W, stossen, und sich hier auf mancherlei Weise ver-
wickeln. Er kommt hiebei auf einige Gegengründe gegen seine
Theorie. Man sagt, führt er an, die Gefasse, welche aus
dem Stamm in die Knospen gehen, weichen von ihren We-
gen, um in die Knospen zu gelangen. Aber, setzt er
^ hinzu, man sieht Spiralgefasse in den Knospen und diese
könnten doch nur aus den Gefassen des Markringes kommen,
wie nun aber, wenn das Mark des Stammes an vielen Bäu-
men zerstört ist, wie man an vielen Bäumen bemerkt? Aber
noch mehr, fährt der Verf. fort, man sieht gar oft, dass
Knospen, welche wahre Spiralgefasse haben, sich auf der
Wurzel entwickeln, worin dergleichen nicht vorhanden sind.
Nein, sagt er, nichts Fasriges, nichts Zelliges, nichts Festes
endlich, steigt aus dem Stamme oder den Aesten auf in die
Knospen, um sie zu bilden; Alles formirt sich dort von selbst
aus organisirbaren , und nicht aus organisirten Elementen, in-
dem im Gegentheil ausgebildete und zum Theil organisirte
Säfte (cambium) in dem flüssigen Gewebe sich noch bilden
und fest werden, indem sie aus diesen Knospen in die Aeste,
aus den Aesten in die Stämme und aus den Stämmen in die
Wurzeln übergehen, durch eine Art von Verlängerung, die
dem Fortwachsen der Wurzeln analog, wenn nicht gar mit
derselben einerlei ist.
Der Verf. gehört zu den geistvollen Männern, welche
Alles zu generalisiren streben , aber sich doch dabei von der
Natur nicht entfernen, sondern die Gegenstände mit einem
richtigen Blick auffassen. Es ist ursprünglich die Lehre von
Petit-Thouars, aber mit Scharfsinn und Kenntniss ausgeführt.
Gaudichaud hat, meiner Ansicht nach, völlig recht, wenn er
sagt, nichts Fasriges, nichts Zelliges, nichts Festes steige aus
dem Stamme oder den Aesten in die Knospen auf, um sie zu
bilden. Wie der Kern des Samens entsteht die Knospe für
sich, in den Winkeln der Blätter, in einer Erweiterung des
Stammes oder des Astes; ein Haufen von Zellgewebe macht
den Anfang, dann folgen die Spiralgefasse oder auch Spiroi-
118
den, die nach jedem Theile der Knospe gehen, und offenbar
nicht einzelne von den Bündeln des Stammes oder des Astes
gesonderte Gefasse sind. Ja es ist sogar schwer zu sagen,
ob sie in der jungen Knospe mit dem Stamme oder Aste in
irgend einer Verbindung stehen. Denn auch in der entwickel-
ten Knospe legen sich die Gefasse an einander, und selten
geht ein und dasselbe Gefäss ununterbrochen aus dem Stamme
oder Aste in die ganz entwickelte und angewachsene Knospe;
es kann also die V^erbindung erst später durch ein angelegtes
Gefäss zu Stande gekommen sein. Es scheint mir jedoch eben-
falls, dass aus der Knospe Holz in den Stamm oder Ast hin-
einwachse. Die an einander liegenden Gefasse keilen sich
nämlich nach unten zu oft aus, oder laufen spitz zu, gerade
so, wie es in den Wurzeln gegen die Spitze zu geschehen
pflegt. Auch sieht man zuweilen die an einander liegenden
Gefasse nach beiden Enden hin spitz zulaufen, so dass es
scheint, als ob sich das Gefäss nach beiden Enden hin ver-
längert habe. Wenn man ferner einen eben entwickelten Zweig
betrachtet, so sieht man schon mit blossen Augen ein frisches
Holz aus der Knospe in den Stamm oder Ast eintreten und
sich darin auskeilen, ja ich habe beobachtet und bekannt ge-
macht, dass ein Frost, der die eben entwickelte Knospe ge-
tödtet hatte , seine Wirkungen bis in den Ast hinein erstreckte,
und man sah, wie das Erfrorene sich nach unten zu verschmä-
lerte und aufhörte. Aber eben dieser Erscheinung wegen
scheint mir der Theil von der Theorie des Verf , worin er
die Jahresschichten aus diesem Herabwachsen der Gefasse,
aus den Knospen und Blättern in den Stamm und Ast ablei-
tet, nicht richtig zu sein. Das frische und hier erfrorene Holz
geht nämlich nicht weit in den Ast hinein , und die Gefasse
erstrecken sich ununterbrochen nicht weit, sondern setzen
sich nur dadurch fort, dass sie sich an einander legen. Wi-
derlegt wird diese Theorie auch durch die Masern im Holz
der Bäume, wo sich wahre Holzschichten gebildet haben, ohne
dass ein Ast mit Blättern hervorwuchs. Die Schichten ent-
stehen also hier unabhängig von Knospen- und Blattbildung.
Auch legen dicke Stämme in der Regel gleich dicke Jahres-
schichten oder Jahrringe an, ohne dass von allen Seiten gleich-
förmig Aeste umher stehen. Ferner sehe ich nicht ein, wie
119
sich ein ganzer Holzring um einen Ast oder gar um den gan-
zen Stamm von dem wenigen Holz bilden soll, welches aus
den Knospen herabwächst, ohne dass seitwärts Holz sich an-
setzt. Nimmt man aber dieses an, so kann man eben so gut
das Holz nach der gewöhnlichen Meinung seitwärts um den
letzten Jahrring herum anwachsen lassen; die Erscheinungen
sprechen nicht dagegen, sondern mehr dafür. So geschieht
also beides zugleich, das Holz wächst aus der Knospe in den
Stamm oder Ast, aber nicht weit hinein, und es setzt sich
Holz um den äussersten Jahrring an, einen neuen zu bilden.
Die Erweiterung des Stammes oder Astes, und das Eintreten
aus den Knospen in denselben, bis auf eine gewisse Grenze,
sieht man deutlich von Aussen unter den Knospen bei sehr
vielen Bäumen und Sträuchern angezeigt. Ich habe dieses in
meinen Grundlehren der Kräuterkunde wenigstens angedeutet.
Auch sieht man in den Anatomisch botanischen Abbildungen H. 1.
T. 7. F. 12 deutlich, wie sich die Spiralgefässe oder die Spi-
roiden an einander legen, und zwar eines mit dem spitzen Ende
nach oben, das andere mit demselben nach unten gekehrt.
lieber linsenförmigeLücken im Marke der Pflan-
zen (On Discoid piths) findet sich eine Abhandlung von Ch.
Morren in den Annais of natural History T. 4 (1840) p. 73.*)
Um den Ursprung dieser Lücken im Marke, die durch Quer-
wände von einander getrennt sind, zu erklären, hat der Verf.
folgende Untersuchungen angestellt, und zwar zuerst und be-
sonders an Begonia argyrostigma. Erste Periode. Das Mark
ist ununterbrochen, voll^ dicht, und besteht aus Zellen, die
sphärisch, aber durch Druck auf einander prismatisch gewor-
den sind. Die Zellen werden stufenweise länger in die Quer,
und bilden so horizontale Lagen. In dieser Periode sind die
Zellen voll Flüssigkeit und Stärkmehl; das Mark erscheint
grün, wie der keimende Kotyledon einer Pflanze. Zweite Pe-
riode. Das Mark hat sich durch die Entwickelung des Zwei-
ges mehr ausgedehnt; das Stärkmehl hat sich in Nahrungssaft
verwandelt; es verschwindet zuerst aus den Centralzellen des
Markes, wo sich Kerne (nuclei) bilden mit einigen Kugeln
*) Man erlaube mir, wichtige Abhandlungen nachzuholen, damit
man nicht glaube, sie wären absichtlich übergangen.
120
von Chlorophyll. Durch den Verlust dieser nährenden Sub-
stanz gehorchen die unorganischen Substanzen, z. B. Salze
den Kräften der unorganischen Welt und krystallisiren in den
Zellen. Die Flüssigkeit in den Zellen, oder die zubereitete
Flüssigkeit, die ihren Ursprung in dem herabsteigenden Saft
hat, und die zu dem Marke durch die Markstrahlen gekommen
ist, wird für die Knospen absorbirt. Die Verminderung,
welche durch diese Absorption entsteht, macht die Zellen
leer, wodurch sie sich in einer Horizontalfläche von einander
sondern. So entsteht die Spalte. Man könnte sagen, dass
die Kraft des Saugens von Seite der Knospen nach- der Rich-
tung der Axe geschehe , denn in dieser Richtung wird die
Spalte gebildet. Die Spalten sind zuerst in einer grossen
Entfernung von einander. Dritte Periode. Alles fährt fort,
wie es angefangen hat. Die Umgebung des Markes allein ent-
hält noch etwas Stärkmehl, aber aus dem übrigen Mark ist
diese nährende Substanz ganz verschwunden. Der zubereitete
Saft wird immer weniger; gegen die Knospe trocknet das Mark
mehr und mehr aus, die Spalten vermehren sich und werden
so breit, dass sie linsenförmige Lücken darstellen, welche
Markscheiben zwischen sich haben. Die letzten sind aus La-
gen von Zellen gebildet, die zierlich von einander gesondert
sind. Jetzt verliert das Mark seine grüne Farbe und wird
hellgelb, indem die Zellmembranen vertrocknen; es bilden
sich glänzende Punkte, zahlreiche Krystalle, die sich aus dem
Saft ausscheiden, worin sie aufgelöst waren. Dass dieses Al-
les auf die angegebene Weise vor sich gehe, sieht man auch
aus Folgendem. Weiui njan nämlich einen Stamm dieser
Pflanze, so lange sie noch frisch ist, und das Mark blos Spal-
ten hat, der Länge nach durchschneidet, so sieht man nach
zwei Tagen, dass die Spalten linsenförmige Lücken geworden
sind, und dass die Markscheiben sich gebildet haben, dass
die Zellen, indem die Flüssigkeit vertrocknete, gelb wurden,
und dass Krystalle erscheinen. Vierte Periode. Die Knospe
hat sich entwickelt und der Ast gebildet; das Mark ist nun
unnütz geworden. Allen Saft hat es verloren , das Zellgewebe
ist aufgetrocknet: die Trockniss hat alle Zellenlagen geson-
dert, und eine beträchtliche Menge von Querwänden haben
sich gebildet. Diese Wände sind leer und braun, und Salze
121
haben sich in mancherlei Gestalten krystallisirt. Dies ist die
Periode des Todes. Es folgen hierauf die Beobachtungen
an einem Wallnussbaume gemacht. Er nahm einen Ast von
einem Wallnussbaume, dessen junger Schuss sehr lang war.
Die Endknospe war von dem vorletzten Blatte durch einen
Zvvischenknoten von neun Centimeter in der Länge getrennt.
Dann kam ein Blatt in einer Entfernung von fünf Centimeter,
und ein anderes noch eiif Centimeter tiefer. An diesem Aste
war das Mark voll bis auf zwölf Centimeter unter der End-
knospe, aber da, wo jedes Blatt eine Knospe in dem Blatt-
winkel hatte, war das Mark mit einigen linsenförmigen Lücken
durchsetzt. Hier sah man deutlich, dass die Knospe das Mark
aussaugt; und ein besserer Beweis für die aussaugende Kraft
der Knospe kann nicht gegeben werden. — Der Verf. be-
merkt, dass sich ausser Krystallen eine harzige Substanz in
dem alten Mark absetzt, und er meint, dass auch das Mark
zum Absatz unnützer Stoffe dienen möge. Zuletzt Bemerkun-
gen über einige Arten von Jasminum, welche bestätigen, dass
Stärkmehl, als die nährende Substanz, beim Treiben der Knos-
pen in der Mitte des Markes vermindert und endlich ganz ver-
zehrt werde. Im Anfange dieser Schrift geht der Verf. die
Meinungen der Botaniker über die Verrichtungen des Markes
durch, und bleibt bei De CandoUe's Meinung stehen, welcher
das Mark für den nährenden Theil der Knospen hält, für den
Kotyledon der Knospen, womit allerdings die Beobachtungen
des Verf. übereinstimmen. Aber De Candolle nimmt auch an,
dass die Höhlungen von einer Zerreissung des Zellgewebes her-
rühren, und der Verf. zeigt, dass dieses durchaus nicht der
Fall sei, sondern dass sich die Lagen der in die Quer ver-
längerten Zellen von einander sondern, um die Lücken zu
bilden. Auch führt der Verf. im Anfange mehrere Beispiele
an, dass von verwandten Pflanzen gar oft die eine linsenför-
mige Lücken im Marke habe, die andere hingegen ein durch-
aus dichtes Mark, zu welchen Beispielen noch zuletzt Jasmi-
num kommt, indem J. azoricum ein dichtes Mark, und J. of-
ficinale ein Mark mit Lücken hat.— Es scheint, als ob durch
die gründlichen Untersuchungen des Verfassers der Gegenstand
fast erledigt sei.
Observationes phytophysiologicae auct. A. H. A. J. Munter,
122
Berol. 1841 , ist der Titel einer sehr guten und zweckmässi-
gen Inauguraldissertation, die auch in der Linnaea T. 15 p. 209
abgedruckt ist. Sie enthält Beobachtungen über das Anwach-
sen des Stammes und der Blätter. Nachdem der Verf.
das Geschichtliche angeführt, geht er zu den Beobachtungen
über. Er machte sie zuerst an Hyacinthen, indem er einen
Schaft von der Basis bis zur untersten Bliithe in 6 Theile,
jeden von 3'", theilte, und sie 10 Tage nach einander mass.
Der unterste hatte in 6 Tagen seine grösste Länge von 5'", 4
erreicht, der zweite ebenfalls in 6 Tagen von 5"', 7, der
dritte in 5 Tagen von 6", der vierte in 6 Tagen von 6'" , 6,
der fünfte in 6 Tagen von 7'", 4, der sechste in 7 Tagen von
8'", 7. Eine andere Reihe von Versuchen stimmte damit sehr
überein. Auch gaben die Beobachtungen über den Schaft von
Sagittaria sagittifolia, wie der Verf. sagt, dasselbe Resultat.
Hierauf stellte er Versuche über das Anwachsen des Stammes
von Phaseolus communis an. Der achte Zwischenknoten wurde
in zwei Theile von 3'" getheilt; der untere wuchs in 6 Tagen
von 3'" zu 21'", 3, der obere in derselben Zeit von 3'" zu
37'". Der fünfte Zwischenknoten wurde zu derselben Zeit in
vier Theile getheilt; der untere wuchs in 6 Tagen von 4'", 5
zu 12'", 5; der zweite von 4"', 5 zu 48'", 5; der dritte von
4'", 5 bis 36'", 8; der vierte von 0'",8 zu 5'", 5. Den zwei-
ten Zwischenknoten theilte er in fünf Theile. Der unterste
wuchs in 12 Tagen von 5'", 5 zu 8"',1; der zweite von 5'", 5
zu 13"', 5; der dritte von 5"', 5 zu 21'"; der vierte von 5"',5
zu 42'", 6; der fünfte wurde nach 8 Tagen in zwei Theile ge-
theilt, und es fand sich, dass der untere Theil nicht mehr
wuchs, wohl aber der obere. Aus diesen letzten Versuchen
zieht der Verf. folgende Schlüsse: 1) Jeder Zwischenknoten
wird im Anfange überall ausgedehnt und wächst. 2) Die Theile,
welche dem unteren Knoten am nächsten sind, hören 'zuerst
auf zu wachsen , hierauf folgen die höheren u. s. w. 3) Die
unterste Abtheilung bleibt die kleinste, wenn sie auch im An-
fange dieselbe Grösse, wie die übrigen, gehabt hat. Das
Wachsthum der Zwischenknoten nimmt nach oben zu. 4) Im
obern Theile des Zwischenknotens dauert das Wachsthum fort,
nachdem die Basis schon zur grössten Länge gekommen ist.
"Was von drei Zwischenknoten gesagt sei, meint der Verf.,
123
lasse sich auch wohl auf die übrigen ausdehnen und für gültig
halten. Nun werden Versuche über das Anwachsen der Blatt-
stiele gemacht, ein Gegenstand, der vorher noch nicht unter-
sucht worden. Der Blattstiel von Sagittaria sagittifolia wächst
im Anfange überall an, dann hören zuerst die mittlem Theile
auf zu wachsen, indem die Basis und das Ende fortfahren.
Ganz anders aber verhält sich der Blattstiel von Phaseolus
communis in dieser Rücksicht. Im Anfange verlängerten sich
alle Theile und zwar in wachsender Progression, dann wuch-
sen die untern Theile besonders an, hierauf die obern und
endlich die nächsten an den Blattplatten. Ueber das Anwach-
sen der jungen Zweige ^in die Dicke hat der Verfasser einige
Beobachtungen angestellt und gefunden, dass die Zwischenkno-
ten zuweilen in der Dicke abnehmen. Knospen von Aesculus
Hippocastanum sah er im Winter in vier Monaten weder an
Länge noch an Dicke zunehmen. Zuletzt Versuche über das
Anwachsen der Blätter und zwar zuerst der Monokotyledonen.
Er findet, dass im Anfange alle Theile zugleich ausgedehnt wer-
den. An Hyacinthus und Crocus wachsen die untern Theile
mehr an als die obern, an Sagittaria die Theile, wo der Blatt-
stiel sich einsenkt. Die obern Theile des Blattes hören zu-
erst auf zu wachsen , die untern nachher. Was die Blätter
der Dikotyledonen betrifft, so gesteht der Verf. selbst, dass seine
Versuche über das Anwachsen derselben noch unvollkommen
sind. — W^ir wünschen mehr solche Inauguraldissertationen.
In der Linneischen Gesellschaft las Prof. Don eine Ab-
handlung über die Drüsen von Nepenthes destilla-
toria (Annais of nat. History T. 7 p. 218). Diese Organe,
welche Don Clathrophoren nennt, sind von Treviranus, Meyen
und Korthals beschrieben. Ueber ihre Verrichtung ist man
noch immer in Zweifel, aber es scheint dem Verf., dass sie
entweder die Oeflfnungen sind, wodurch die Flüssigkeit in den
Schlauch fliesst, oder, dass sie mit der Respiration der Pflan-
zen in Verbindung stehen. Der Verf. glaubt mit Morren, dass
der Schlauch aus der Blattplatte entstanden sei, dessen Rän-
der sich schon früh vereinigten; den Deckel aber hält er für
ein Gebilde, wie etwa der Helm und die Blumenblätter von
Aconitum, welches von der Spitze des Blattes entstanden ist.
Der Schlauch von Sarracenia habe einen ähnlichen Bau. Den
124
Deckel von Cephalotus vorgleicht er mit dem labellum von
Cypripedium, indem sich das moditicirte Blatt zuerst zu einem
Sack umbildet, und der Deckel folgt, da liingegen an Nepen-
thes der Deckel zuerst sich bildet. Die obere Fläche des
ausgebreiteten Theiles des Blattstiels von Nepentlies ist ohne
Spaltöffnungen, wohl aber ist die untere damit versehen. Die
äussere Fläche des Schlauches hat auch keine Spaltöffnungen,
aber sie ist besonders in der Jugend mit langen, pfriemenför-
migen, oft gespaltenen, oft mit einem Sporn an der Basis
versehenen Haaren besetzt; die innere Fläche hat keine Spalt-
öffnungen, aber Clathrophoren und meistens einfache, bü-
schelförmige Haare. Die Oberfläche der Schläuche im Sarra-
cenia purpurea besteht aus Zellen mit wellenförmigen Wänden
und hat kleine Spaltöffnungen; die Faserbiindel bestehen ganz
aus langem Pleurenchym, das anliegende Parenchym aber aus
schönen Spiralfaserzellen. Die Haare der innern Fläche des
Deckels sind einfach, hohl, zuriickgebogen, pfriemenförmig und
längsgestreift; sie kommen aus einer etwas erhabenen Basis.
In den Schläuchen von Cephalotus sind die Spaltöffnungen
gross, oval und geschlossen.
Die Vergleichung des Deckels von Nepenthes destillatoria
mit solchen Gebilden, wie Helm und Blumenblätter von Aco-
nitum scheint mir sehr gezwungen. Ich halte den Deckel
noch jetzt für das Blatt, den Schlauch für den Blattstiel, weil
das Blatt immer vor dem Blattstiel erscheint, und so auch
hier der Deckel vor dem Schlauch. Morren hat zwar dage-
gen eingewendet, die Regel, dass vor dem Blattstiele das Blatt
erscheine, sei nicht allgemein, an den Wasserpflanzen ent-
wickele sich der Blattstiel vor dem Blatt. Aber dieses ist
wirklich nicht der Fall. Die Blätter der Wasserpflanzen, z. B.
von Nymphaea, erscheinen immer vor dem Blattstiel, nur sind
sie von der Seite so zusammengerollt, dass man sie für den
Blattstiel hält, können sich auch im Wasser nicht ausbreiten.
Dann wächst der Blattstiel rasch hervor, und wenn die Blät-
ter die Oberfläche des Wassers erreichen, breiten sie sich
schnell aus und sind sogleich in bedeutender Grösse da. Treibt
Nymphaea Blätter über dem Wasser, z.B. wenn das Wasser
im Sommer ausgetrocknet ist, so entstehen kleine runde aus-
gebreitete Blätter deutlich vor dem Blattstiel.
125
lieber die Stämme verschiedener Lianen, und
besonders aus der Familie der Malpighiaceen von
Adr. de Jussieii. Annal. des scienc. naturell. T. 15. p. 234.
Ist ein Auszug aus einer Monographie dieser Familie, und
also meistens beschreibend, so dass hier ein Auszug davon
nicht gegeben werden kann. Doch wollen wir etwas heraus-
heben. Es erhellt aus allen den gemachten Beobachtungen,
sagt der Verf., dass die Lianen aus der Familie der Malpi-
ghiaceen zuweilen auf die gew^öhnliclie Weise, wie die holzi-
gen Pflanzen, wachsen, aber dass sie sich auch noch öfter
davon entfernen. In diesem Falle bleiben die Holzbiindel
nicht einander genähert, und das Holz bildet keinen unzertheil-
ten Centralkörper, sondern die Holzbiindel streben sich mehr
oder weniger von einander zu entfernen, und das Rindenge-
webe, welches immer das Holz überzieht, schiebt sich nun
dazwischen ein. Dies geschieht auf eine verschiedene Art;
bald bildet dieses Rindengewebe ein Netz im Holz, welches
dadurch in sehr kleine unregelmässige Bündel getheilt wird ,
bald entwickelt sich der Holzkörper ungleichförmig, die Rinde
scheint von Aussen nach Innen zu dringen und das Holz nach
den Strahlen zu zertheilen, eine Theilung, die immer weiter
geht und endlich vollständig wird, so dass nun ein Ast aus-
sieht, als ob mehrere einander genähert oder gemeinschaftlich
gedreht wären. Ein Charakter, der dem Holze aller dieser
Stämme gemeinschaftlich ist, besteht in der Entwickelung der
getüpfelten Röhren, wie sie auch fast an den meisten klet-
ternden Pflanzen sich finden. Ein anderer Charakter an der
Rinde einiger Stämme, die zu derselben Gattung gehören, ist
die Abwesenheit des Bastes in allen Schichten, ausser in der
ersten, wo sich die Bastfasern zerstreut finden. — Der Verf.
kommt nun zu einigen andern Bildungen, die ähnliche For-
men zeigen , und zwar zu den Sapindaceen , den Lianen der
Asclepiadeen , einer Art von Celastrus, den Bauhiniaceen,
Bignoniaceen, Aristolochieen und einigen andern, deren Be-
schreibung hier keinen Auszug erlaubt. Gaudichaud hat in
dem oben angeführten Werke mehrere solcher Stämme abbil-
den lassen, aber noch keine Erklärung gegeben.
Gaudichaud hat mir Querschnitte von solchen merkwür-
digen Stämmen mitgetheilt. Es sind Malpighiaceen , welche
126
ganz mit der Beschreibung übereinkommen, welche Jussieu
davon giebt. Die Rinde, und zwar eine Korkrinde, wächst
von Aussen nach Innen in die Klüfte des Holzes hinein, un-
gefähr wie die Samenhülle in das Albumen der Kastanien.
Auch von Sapindaceen habe ich Holzstücke, w^o ein Stamm in
der Mitte von mehreren Stämmen im Umfange umgeben ist,
die, wie der mittlere, ganz rund sind und concentrische Ringe
haben, aber von derselben Rinde umgeben werden. Ich halte
dieses für eine Maserbildung, und zwar eine solche, w^o die
Zweige sich mehr entwickelt haben, als an unseren Masern.
Blüthe und Befruchtung,
lieber die gespornten Nectarien, und beson-
ders der Aquilegia vulgaris von Ch. Morren (Annais
of natural history. T. 7. p. 1). Nachdem der Verf. einige hi-
.storische Nachrichten über Acklei (Aquilegia vulgaris) gegeben
hat, kommt er auf Goethe's Metamorphose der Pflanzen, nach
dessen Lehre die Nectarien Mittelformen oder Uebergänge
von der Blume (corolla) zu den Staubfäden sind. Der Ueber-
gang aus den Staubfäden zu den gespornten Nectarien kann
nun auf eine doppelte Weise erklärt werden; entweder man
sieht den Sporn an als gebildet durch die eine Hälfte der An-
there, durch ein Antherenfach , oder der Sporn ist ein sack-
förmiges Connectivum und die beiden Lappen der Mündung
stellen die beiden Fächer der Anthere vor, die ursprünglich
durch ein Connectivum verbunden sind. Die letzte Annahme
ist die richtige, wie der Verf durch die Beschreibung und
Abbildung einer solchen Mittelform, die er in einer Acklei-
blüthe gefunden, deutlich zeigt. Er führt nun eine Bemer-
kung von Kurr (über Nectarien) an, dass nämlich in den ge-
spornten Blüthentheüen der Acklei ein süsser Saft nur so
lange abgesondert wird, als die Antheren ihre Function ver-
richten, und meint, dass durch eine organische Compensa-
tion in diesen veränderten Antheren, die Pollenbildung durch
eine Absonderung von Nectarsaft ersetzt werde. Der Verf.
betrachtete nun diese gespornten Blätter in einer sehr jungen
Blüthe von anderthalb Millimeter Länge , und fand sie jungen
Antheren sehr ähnlich, nämlich kleine kreisförmige Platten,
welche aus zwei Erhabenheiten bestanden, wie Anthereusäcke
127
mit einem sehr breiten Connectivum, und einem Rande, wo-
von auch an den Antheren sich die Spuren finden. Die ge-
spornten Nectarien der Acklei bringen also nicht Staubfäden
durch eine aufsteigende Metamorphose hervor, sondern sie
sind im Gegentheil modificirte Staubfäden, durch eine herab-
steigende Metamorphose. Es folgt die mikroskopische Unter-
suchung dieser Theile. Bildet, sagt er, das Connectivum den
Nectar haltenden Sporn, so führt uns dieses auch auf eine
Metamorphose der Faserzellen der Antheren in Parenchym,
und die Metamorphose greift eben so sehr die ganze Organi-
sation als das Gewebe an, woraus jene besteht. Zuletzt noch
über die Varietät der Acklei, welche man stellata nennt. Die
spornlosen Blumenblätter, folgert er aus seiner Untersuchung,
sind modificirte Antheren und nicht Träger (filaments), kön-
nen sich auch unter mancherlei Umständen in sporntragende
Nectarien verwandeln.
Der Verf. hat die Gestalt der gespornten Blumenblätter
von Aquilegia vulgaris auf eine sehr sinnreiche, und wie es
mir scheint, trefi"ende Weise erklärt. Eine Stelle des Verf.
erfordert einige Rücksicht von meiner Seite nicht allein, son-
dern überhaupt. Er sagt: Link sucht in dem Sporn nichts als
eine Verlängerung des Blumenblattes, charakterisirt durch die
Gegenwart einer Drüse an dem Ende der Höhlung, von Zel-
len, deren Wände dicker sind als gewöhnlich — eine Sache,
welche wir uns die Freiheit nehmen zu läugnen (of not admit-
ting). Aber da die Theile der Pflanze nach der Linneischen, so-
genannten Goetheschen Metamorphose der Pflanzen sich in
einander verwandeln können, so lassen sie sich nur durch
ihre Stellung gegen andere Theile und das Verhältniss ihrer
Entwickelung unterscheiden. Die gespornten Blätter von Aqui-
legia vulgaris sind also Blumenblätter und bleiben Blumenblät-
ter. In einem Lehrbuche der Botanik muss von ihnen bei den
Blumenblättern die Rede sein, in der beschreibenden Botanik
müssen sie Blumenblätter heissen, auch ist es zweckmässig,
dass in einem Lehrbuche die verschiedenen Formen derselben
augegeben werden. Der Verf. hat aber sehr Unrecht, wenn
er sagt, ich hätte sie durch die Drüse unten im Sporn cha-
rakterisirt und gesagt, die Wände der Zellen von der Acklei
wären verdickt. In der angeführten Stelle : Elem. Phil. bot. V. 2
128
p. 130 ist die Rede vom Sporji der Blumenblätter überhaupt,
und unter andern von Aquilegia. Dann wird von Delphiniuni
geredet, und nun heisst es erst: Oft wird im Sporn ein be-
sonderer, meistens süsser Saft abgesondert, und. eine Drüse
befindet sich dort, die aber nur aus Zellen besteht, deren
Wände dicker als gewöhnlich sind. Gewiss haben die abson-
dernden Zellen nicht allein in den Spornen, sondern in den
meisten Drüsen verdickte Wände, so dass ich es fast als ein
Kennzeichen dieser Zellen angeben möchte. Ein Anderes aber,
als Beschreibung und Charakteristik der Theile, ist die Deu-
tung derselben, und diese kann entweder in Rücksicht auf
ihre Form oder ihre Entwicklung, oder auch ihre Verrichtung
gemacht werden. Eine sinnreiche Deutung, in Rücksicht auf
die Gestalt, hat, wie ich meine, Morren gegeben, und er
kann es mir wahrlich nicht übel nehmen, dass ich von einer
solchen Deutung nichts gesagt hahe, da er nur die seinige vor-
getragen, weil er sie für neu hält, und sie auch, meines Wis-
sens , ganz neu ist. Auch wird dadurch die Deutung der
Nectarien von Aconitum sehr klar. Gewöhnlich sieht man die
Spornen für einen zweckmässigen Behälter an, den abgeson-
derten Saft zu fassen, aber man muss mit solchen Deutungen
bei den V^egetabilien sehr behutsam sein. Die Deutung der
Nectarien in Goethe's Schrift war damals neu und weit füh-
rend, so dass sie, obwohl weniger beachtet, unstreitig die
glänzendste Seite seines Buches ist. — Es ist die Sache,
welche mich bewogen hat, diese Bemerkung zu machen , nicht,
was . von mir gesagt ist , denn wer nur einen Blick in meine
Schriften geworfen hat, weiss, dass ich keinen hohen Werth
auf meine Meinungen lege, sondern sie leicht mit besseren
vertausche.
Ueber die Struktur und die V^orrichtungen des
Pollen von John Aldridge (Hooker's Journ, of Botany,
T.2 (1840) p. 428, T. 4 (1842) p. 86: Zuerst bemerkt der
Verf., dass vorzüglich Salpetersäure den Blüthenstaub zum
Aufspringen bringe. Dieses brachte ilui auf den Gedanken,
das Stigma chemisch zu prüfen, und nun fand er wirklich,
dass in einer gewissen Periode das Stigma eine Säure hielt.
Man findet dieses leicht, wenn man eine Blüthe mit einem
sehr fleischigen Stigma, z.B. von einem Martagon (Turks cap
129
lily) oder einer Grevillea zwischen Lakmuspapier trocknet.
So sind auch die Blumen von Myosotis, einigen Arten von
Symphytum, Borago, Anchusa, Polemonium u. s. w. roth vor
der Befruchtung, und werden nachher blau, während an einigen
Arten von Iris das Gegentheil Statt findet, denn die Blumen-
blatt ähnlichen Narben, welche vor dem Aufplatzen der An-
theren blau sind, werden nachher sogleich purpurfarben. In
diesen Fällen dient die natürliche Farbe der Blume als ein
Priifungsmittel auf Säure. Er fand, dass in vielen Fällen bei
Anwendung der Säure der Inhalt des Pollens in einem Schlauch
hervordringt, da hingegen in reinem Wasser derselbe sich
gleichförmig verbreitet, und erklärt dieses durch folgende Be-
merkung: Wenn man den durchsichtigen Pollen der Monoko-
tyledonen oder auch der Rosaceen, Leguminosen mit einer
Säure benetzt, so wird er sogleich undurchsichtiger, die Flüs-
sigkeit gerinnt also und es ist nun leicht einzusehen, warum
der Inhalt, mit Säure berührt, als Schlauch hervortritt, mit
Wasser aber gleichförmig sicli verbreitet. Der Pollen der
Leguminosen, Rosaceen, Crassulaceen , Saxifrageen, Hippoka-
staneen, Rutaceen und der Ranunculaceen mit Karyopsen ist
trocken -oval , mit einer dunkeln Centrallinie bezeichnet, in
Wasser verschwindet diese Linie und das Korn wird kugel-
förmig; bringt man es in eine Säure, so nimmt es eine drei-
eckige Gestalt an. Nun ist es sonderbar, dass Grevillea eben-
falls dreieckige Pollenkörner hat, ohne Zweifel, weil am Stigma
Säure sich befindet. Man muss hiervon wohl die dreieckigen
Pollenkörner von den Onagrarien und Circaea unterscheiden,
denn sie sind aus drei Körnern zusammengesetzt, und mit Säure
benetzt öffnet sich jedes Korn mit zwei Oefi'nungen. Eine
ähnliche Erscheinung, wie an Grevillea, bemerkt man an Fu-
maria; hier stehen nämlich die Antheren zwischen dem Stigma
und den sehr sauren Spitzen der innern Blumenblätter. Un-
ter diesen Umständen ist die natürliche Form der Pollenkör-
ner an Fumaria dieselbe , wie die Form der Pollenkörner von
Grevillea und Diclytra, wenn sie mit Säuren benetzt werden.
— In der zweiten Abhandlung antwortet der Verf. auf den
Vorwurf, seine Bemerkung sei nicht neu, sondern schon von
Frizsche und Mohl gemacht. Er zeigt, dass Fr. die Säure
des Stigma nicht gekannt, und giebt zugleich einen Auszug
Archiv f. Naturgeschichte. VIII. Jahrg. 2. Bd. J
130
von Frizsche's Abhandlung* mit einigen Bemerkungen. Er
meint nicht, dass der Pollenschlauch eine besondere Haut habe,
sondern er hänge nur vermöge seiner Klebrigkeit zusammen
Anatomische und physiologische Beobachtun-
gen über Phyteuma spicatum von Ch. Morren. (Bul-
let, de TAc. R. d. sc. d. Bruxell. T. 1. p. 391.) Die fünf li-
iiienförmigen Abtheilungen der Blume sind oben nur an ein-
ander geklebt und sondern sich von einander, wenn die Blume
verwelkt. Man kann auch die Abtheilungen , wenn die Blume
noch blüht, mit der Nadel von einander trennen, ohne sie zu
zerreissen. Sie hängen aber nicht bis am Ende zusammen,
sondern dieses ist frei und stellt einen mit Warzen bedeckten
Kegel dar, wo die Oberschichte von der freien Seite aus sphä-
rischen Zellen besteht. An der Stelle, wo die Ränder der
Abtheilungen geradlinig werden , nehmen die Zellen der Ober-
schicht am Rande eine andere Gestalt an. Hier vereinigen
sich immer die Zellen zu zwei, so dass die beiden vereinig-
ten einen völligen Kugelabschnitt darstellen. Man kann sie
dann hemisphärisch nennen mit einer Querwand in der Mitte.
In jeder Zelle liegt ein ungefärbter Kern an den Wänden in
dem blauen Saft. Die Blume hat einen unangenehmen Ge-
ruch, der aber nur so lange dauert, als die Abtheilungen der
Blume zusammenhängen. Untersucht man sie in diesem Zu-
stande, so findet man, dass die Convexität der vereinigten
Zellen an einem Rande der Concavität der Zellen am andern
Rande entspriclit und dass also die Zellen der Ränder in
einander greifen. Dieses ist aber nicht der einzige Grund des
Zusammenhängens, sondern die Zellen schwitzen einen klebri-
gen Saft aus, welcher es zugleich bewirkt. — ■ Hierauf kommt
der Verf. zu den Haaren des Griffels , durch welche nach eini-
gen die Befruchtung geschehen soll. Was Brongniart und Tre-
viranus eine Höhlung im Griffel nennen, in welche sich das
Haar hinabschieben soll, ist nach dem Verf. nichts als der
bulbus des Haares, das heisst die Fortsetzung der Zelle unter
der Oberschicht. Das Haar zieht sich also in seinen bulbus
hinein. Diese merkwürdige Erscheinung, dass sich nämlich
das Haar in sich selbst zurückzieht, wird von Brongniart nur
zweifelnd erklärt; er schreibt sie einer Resorbtion der Flüs-
sigkeit in dem Haar sowohl als in der Höhlung an der Basis
131
zu, Morreii glaubt, dass sich eine bessere Erklärung finden
lasse. Diese Haare zeigen nämlich in ihrem Innern Strömun-
gen, wie sie in den Haaren von Tradescantia und andern Haa-
ren bemerkt worden sind. Diese Strömungen scheinen hier
auch in Gefässen zu geschehen, wie man sie in andern Haa-
ren wirklich nachgewiesen hat. Nun, setzt er hinzu, diese
Gefässe hängen an der innern Wand der Membran, die das
Haar bildet. Man sieht also, dass wenn, während die Blü-
thentheile verwelken , der Saft (latex) sich vermindert und ge-
gen die Axe der Pflanze zurückkehrt, die reizbaren Gefässe,
die ihn entlialten, sich selbst zurückziehen oder sich verkür-
zen, und dass dann diejenigen, die an der Membran des Haa-
res hängen, diese Membran mit herabziehen. So geschieht
das Einziehen des Haares; es ist also eine Folge vom Zu-
rückkehren des Saftes, und von der Verminderung der Ge-
fässe in die Länge. — Zuletzt einige Bemerkungen über die
Rolle, welche die Haare des Grifi'els der Campanulaceen bei
der Befruchtung spielen. Nie treten die Pollenschläuche auf
diesen Haaren aus dem Pollen hervor, und die letztern kön-
nen also niclit dazu dienen, den Pollenschlauch in den Griffel
zu bringen. Aber Brongniart behauptet, dass durch die In-
vagination des Haars in sich selbst, das Pollenkorn durch die
Höhlung in das Zellgewebe des Griffels eintreten könne, die
zwischen der äussern und zurückgebogenen Wand des Haares
gelassen wird , und Treviranus glaubt , dass in die innere Höh-
lung des Haares das Pollenkorn wirklich eingehe. Was Phy-
teuma betrifft, so hält der Verf. diese Meinungen für unge-
gründet. Einmal habe er selbst geglaubt, es wären Pollen-
körner in das Haar eingedrungen , aber bald überzeugte er
sich, dass die Pollenkörner an dem Haar äusserlich anhingen,
und zwar auf der entgegengesetzten Seite des Auges, womit
man den Gegenstand betrachtete. Ich richtete ferner meine
Aufmerksamkeit, sagt er, auf die Grösse der Pollenkörner,
und ich fand, dass, verglichen mit dem Durchmesser des Haars,
das letztere die Pollenkörner äusserlich oder innerlich nur
dann fassen konnte, wenn es ausgedehnt war, und in diesem
Zustande habe ich es nie gesehen. Das Pollenkorn könnte
also nicht anders in das Haar kommen, als wenn dieses zer-
rissen würde, und das geschehe ebenfalls nicht, woraus der
132
Verf. denn schliesst, dass die Pollenkörner nie auf diese Art
in den Griffel treten.
Die Pflanze, woran jVlorren seine Beobachtungen ge-
macht hat, ist von Koch (Synops. fl. germ. p. 466) nach dem
Vorgange von Schmidt (fl. boh. 2. n. 189) unter dem Namen
Phyteuma nigrum von Ph. spicatum getrennt worden. Koch
macht bei Ph. spicatum mit weissen Blumen die Bemerkung,
es sei bis jetzt noch nicht in der Rheinpfalz gefunden wor-
den, wo Ph. nigrum häufig vorkomme. Auch in Belgien, um
Liittich, ist nach den Nachrichten des Verf. Ph. nigrum viel
häufiger als Ph. spicatum. In Niedersachsen ist Ph. spicatum
mit weissen Blumen gewöhnlich, seltener Ph. nigrum. Dieses
bestimmte Vorkommen deutet wohl auf eine besondere Art.
— Was nun das Einstülpen der Griffelhaare an den Campa-
iiulaceen betrifft, so vergleicht man es nicht richtig mit dem
Einziehen der Fiihlspitze der Schnecken, oder eines Fingers
vom Handschuh, denn in diesen Fällen rollt sich die Spitze
ein, an den Haaren der Glockenblume aber nicht. Vielmehr
sinkt die Spitze in den untern Theil des hohlen Haares ein,
und das kann gar leicht geschehen, wenn ein Mittelglied schwach
wird und dadurch dem Drucke des obern Theils an der Spitze
nicht widerstehen kann und nachgiebt. Man sieht dies deut-
lich an den eingesenkten Haaren. Auch sind die Haare nicht
einfach, sondern mit einem Schlauch angefüllt, der an man-
chen Stellen zusammenfällt, und vielleicht rührt das Einsinken
von einem solchen Zusammenfallen des Innenschlauclies her.
Hartig hat in der Neuen Theorie der Befruchtung der Pflan-
zen (Braunschweig 1842. 4. S. 15) diesen Innenschlauch sehr
wohl erkannt und dargestellt. Derselbe sah auch Pollenkör-
ner in den Kanal des eingestülpten Haares neben dem Innen-
schlauch eintreten, in der Regel nur 3 — 4, zuweilen sogar
10 — 11 Körner, die, weil der Durchmesser durch das Aus-
leeren des Enthaltenen kleiner geworden, sehr wohl darin
Platz hatten. Diese Beobachtung kann ich bestätigen ; ich habe
in einem Griffelhaare von Campanula Medium fünf Pollenku-
geln gesehen. Da die Schrift von Hartig zu 1842 gehört, so
verschiebe ich, was darüber zu sagen sein möchte. — Die
Bewegung in den Griffelhaaren von Campanula habe ich oft
beobachtet, und zwar besonders in den grossen Haaren von
133
Canipamila Medimri. Sie geschieht gewiss nicht in Gefässeii.
Man sieht nicht gar selten, wie die bewegten Körner auf ein-
ander stossen und seitwärts getrieben werden , wie sie zuwei-
Jen in einen grossen Haufen unregelmässig sich sammeln. Ich
glaube gesehen zu haben, wie dunkel gefärbte Körner sich
veränderten, grün wurden, die Bewegung verloren und dann
grüne Streifen machten, die man für Gefässe halten könnte.
Icli empfehle diesen Gegenstand zur genauem Beobachtung.
Aus Hartig's Lehrbuche der Pflanzenkunde in ihrer An-
wendung auf die Forstwirthschaft, wovon 3 Hefte Berlin 1841.
4. erschienen sind, theile ich hier etwas über die Befruch-
tung der Tannenbäume mit, welches aus der Erklärung
der Kupfertafeln zum dritten Heft genommen ist, und wel-
ches die grösste Aufmerksamkeit verdient. Bei Pinus sylve-
stris, sagt der Verf., ist es ziemlich regelmässig nur ein Pol-
lenkorn, welches sich genau in der Mitte dem Zellenkern (in
dem Innern Räume der Mikropyle) anheftet; bei andern Na-
delhölzern findet man deren mehrere, oft 5 — 6 Stück auf der
etwas ausgehöhlten Spitze des Nucleus festsitzen. Bei Pinus
sylvestris bleibt das Pollenkorn an dieser Stelle 3 — 4 Wochen
nach der Bestäubung unverändert sitzen. Erst gegen Ende Mai
platzt die innere Hülle und der Schlauch wächst ni das Zellgewebe
des Kerns hinein. Er endet hier schnell in einem Stärkemehl
führenden Zellgewebe. In Folge der Befruchtung hat sich im
Mittelpunkt des Eies durch Zellenresorbtion eine Lücke ge-
bildet, die mit einem schleimigen Saft erfüllt ist. Sieben
Wochen nach der Bestäubung, ungefähr drei Wochen nach
der Befruchtung, wenn man letztere mit der Entwickelung des
Pollenschlauchs gleichzeitig annimmt, haben sich in dem Safte
der Kernhöhle einzelne frei liegende Zellen erzeugt. Diese
Zellen, welche später das Samenweiss (albumen) der Mandel
darstellen, mehren und vergrössern sich mit vorschreitender
Entwickelung des Samens, und legen sich dicht an einander,
den ursprünglich zwischen gelagerten Bildungssaft verdrängend
und durch gegenseitigen Druck aus der abgerundeten Form
in die abgestutzte Dihexaedrische übergehend. Eine jede der
Zellen ist zuerst mit einem wässrigen Safte erfüllt, in welchem
sich weiterhin kleine Stärkmehlkörner ablagern, die sich zu
einem einzigen grossen körnigen Ballen vereinen. Gegen Ende
134
Juni zeigt sich in diesem Ballen ein heller Kern, welcher sich
auf Kosten der körnigen Masse vergrössert. Von einer das
Albumen umschliessenden Haut, wie sich solche später zeigt,
ist bis jetzt keine Spur vorhanden. Die grossen Zellen des
Samenweisses werden unmittelbar vom Zellgewebe der späte-
ren Samenhäute begrenzt. Bei den Nadelhölzern mit einjäh-
rigem Samen (Abies, Larix) ist die Entwickelung der bisher
geschilderten ganz gleich, geht aber viel rascher vor sich. Die
im Sommer und Herbste eintretenden Veränderungen bestehen
im Wesentlichen in der Ausdehnung des Samenweisses, um
welches sich eine ziemlich dickhäutige einfache, d. h. nicht
aus Zellen, sondern aus Molekülen zusammengesetzte Haut
gebildet hat. Nur am Grunde ist diese Haut mit dem Samen-
weiss innig verbunden, sonst liegt sie überall enge aber lose
dem Samenweiss an. Die verspätete Bildung und das Ver-
schmelzen der Haut mit dem Albumen am Grunde scheint an-
zudeuten, dass dies Organ nicht als Embryosack betrachtet
werden darf. Es findet sich noch am reifen Sameukorne.
Ausserdem haben sich im Innern des Samenweisses, am Grunde
desselben, drei eiförmige Höhlungen in regelmässiger Stellung
gebildet. Den Winter über sind diese Höhlen durchaus saft-
los. Im Mai des zweiten Jahres bildet die Hauptmasse des
Samenweisses ein unregelmässiges Zellgewebe, welches jetzt
noch mit Saft und Zellenkernen gefüllt ist, an deren Stelle
später das Stärkmehl tritt. Eine jede der drei Höhlungen ist
mit einer einfachen Schicht kleiner concentrisch geordneter
Zellen umgeben. Die mit Spiralgefässen durchzogene äusser-
ste Samenhaut (testa), die sich bei den Laubhölzern überall
findet, mangelt hier gänzlich, und von der Mutterpflanze geht
nicht eine Spiralfaser in das Samenkorn, auch nicht in die
Flügelhaut desselben. Anfang Juni des zweiten Jahres, also
13 Monate nach der Bestäubung, beginnt nun eine merkwür-
dige Veränderung im Innern des Samenkorns, deren Endre-
sultat das erste Auftreten des Embryo ist. Zuerst werden die
Zwischenwände der drei Höhlungen am Grunde des Samen-
korns resorbirt, auf welche Weise sich eine einzige gemein-
schaftliche Höhlung im Mittelpunkte des Samenweisses bildet.
Nur der unterste Theil eiiner jeden Höhlung mit dem ausfül-
lenden Zellgewebe bleibt fürs erste unzerstört, so dass die
135
gemeinschaftliche innere Höhle auf drei Zellennestern ruht.
Die obersten Zellen dieser Zellennester wachsen hierauf zu
langen Schläuchen empor, deren jeder an seiner Spitze einen
einfachen Zellenkern eingeschlossen trägt. Mit dem Empor-
wachsen der Schläuche erweitert sich die innere Höhlung nach
oben spitz -winkligt. Wahrscheinlich in Folge des Widerstan-
des, welchen die Schläuche bei ilu'em Emporwachsen im An-
fange finden, legen sie sich in schlangenförmige Windungen.
Jeder Schlauch trägt an seiner Spitze einen Zellenkern, um
den sich bald in gewöhnlicher W^eise mehrere Zellen bilden,
das Innere des Schlauches anfüllend und erweiternd. Die
dunkler gefärbte Spitze der Kernhaut, in der Natur von gelb-
licher Farbe, ist der von den Pollensclüäuchen durchzogene
Theil, und über diesem gelb gefärbten Zellgewebe findet sich
ein mit weissem Stärkmehl gefülltes Zellgewebe, in welches der
Pollenschlauch nicht mehr hineinragt. Nachdem nun der Em-
bryo auf der Spitze seines Trägers in der Entwickelung fort-
geschritten ist, zeigen sich die Kotyledonarblätter. Zur Zeit
der Befruchtung, schliesst der Verf., war also weder Embryo
noch der Träger, in dessen Spitze sich derselbe erzeugt, noch
das Zellgewebe, aus welchem der Träger hervorwuchs, es
war noch nicht die Höhlung, in welcher das den Träger er-
zeugende Zellgewebe entstand, auch nicht das Samenweiss, in
welchem sich die Samenhöhlen bildeten, selbst noch nicht die
Höhlung, in welcher Samenweiss entstand. Noch mehr, der
Zusammenhang des Samenweisses mit dem befruchteten Theile
des Samens ist bei Pinus sylvestris schon 32 W^ochen vor dem
Entstehen des Embryo vollständig aufgehoben, da vom Herbste
des ersten Jahres ab jede Verbindung zwischen Samenweiss
und Samenhüllen durch die zwischenlagernde Albumendecke auf-
gehalten wird. — Es ist noch nachzutragen, dass bis zur ersten
Entwickelungsstufe im Anfange Juni des zweiten Jahres nur
3 — 5 Schlauchspitzen gelangen; dann bis zur fernem Ent-
wickelung nur 1 — 2, zur weitern Entwickelung aber, mit Aus-
schluss der seltenen Zwillingsgeburten, stets nur eine Schlauch-
spitze. Bei Gelegenheit der Anatomie des Samens von Quer-
cus vergleicht er den Embryosack mit den schlauchförmigen
Trägern des Embryo in den Nadelhölzern. — Der Verf. hat
überhaupt den Beschreibungen und Abbildungen der verschie-
136
denen Bauniarten viele anatomische Ihitersuchungen beigefügt,
welche man hier nicht suchen möchte, und welche vielleicht
den nicht ganz passenden Titel eines Lehrbuches der Pflan-
zenkunde herbeigeführt haben. Um so mehr war es nöthig,
auf den interessanten anatomischen und physiologischen Inhalt
aufmerksam zu machen.
Note über Arachis hypogaea von Morren. (Bul-
let, de l'Acad. roy d. sc. d. Bruxell. 1841. T. 2. p. 332.) In
dem botanischen Garten zu Rom hatte der Verf. Gelegenheit,
dem Gange der Fructification dieser merkwürdigen Pflanze
zu folgen. Arachis hypogaea macht ihre Frucht entschieden
unter der Erde, das heisst, wenn die Befruchtung des Eichens
Statt findet, ein Umstand, den man von der Befruchtung des
Stigma unterscheiden muss, ist das Vehiculum des Eichens, die
Frucht unter der Erde. Der Verf. beobachtete die Befruch-
tung der Narbe; der Grifi'el ist lang und gekrümmt, endigt
sich mit Papillen, aber weiter unten hat er stigmatische Sei-
tenhaare. Die Papillen am Ende sind nicht das wahre Stigma,
denn der Verf. sah Pollenschläuche an den Seitenhaaren, und
nie oben auf dem Stigma. Diese Beobachtung bestätigt eine
allgemeine Thatsache, welche Rob. Brown zu Florenz dem
Verf. mittheilte, dass nämlich das Stigma bei solchen Pflanzen
niemals an der Spitze des Grifi'els sich befindet. Gewiss ist
es, dass die Pollenkörner der Arachis hypogaea sich auf dem
Pistill öffnen und es in der Blüthe befruchten. So lange der
Griffel bleibt, das heisst, so lange die Blume blüht, wird das
Eichen nicht befruchtet. Der Pollenschlauch kommt damit nicht
in Berührung. Nach der Blüthe wird der Blüthenstiel dick
und geht so in das Ovarium über, dass man ihn schwer da-
von unterscheiden kann ; beide Theile zusammen stellen einen
Ast dar, der sich in die Erde senkt. Nur, wenn man den
Blüthenstiel und das Ovarium entzwei schneidet, entdeckt man
am Ende zwei grüne mikroskopische Punkte, die beiden Ei-
chen. Der Griffel fällt ab, die Stelle vernarbt sich und das
Zellgewehe wird entblösst, auch zweifelt der Verf. nicht, dass
diese Stelle eine Spongiole darstellt, welche den weiblichen
Apparat zu einem Wurzel -Apparat macht, der in den ge-
wöhnlichen Fällen aufsteigend ist, in dem Hypokarpoganen aber
absteigend, aus demselben Grunde, aus welchem der Stamm
137
in die Höhe, die Wurzel in die Tiefe geht. Der Spongiolar-
Punkt ist an Arachis roth und sehr ausgezeichnet. Ist nun
der Blüthenstiel mit der Frucht beträchtlich dick geworden,
und haben beide die Spitze in die Erde versenkt, so endigt
sie sich unmerklich in ein kegelförmiges Ende, ohne eine Ver-
dickung, welche die weitere Ausbildung der Frucht andeuten
könnte. In diesem Zustande bemerkt man an feinen und ge-
schickt gemachten Schnitten, durch ein Mikroskop, zuerst,
dass die Oberschicht an der vernarbten Stelle des Griffels
aufhört, ferner dass nun die Befruchtung des Eichens geschieht,
indem die Mikropyle von dem Pollenschlauch ergriffen wird.
Das Ende des Kerns (nucelle) ist deutlich damit in Berüh-
rung, und man verfolgt mit grosser Leichtigkeit die Bildung
der Umhüllungen des Eichens und der Raphe. Ist nun die
Befruchtung geschehen, so werden die beiden Eichen dicker,
auch die Frucht, die zuerst einen kleinen Kegel darstellt, dann
ein Fässchen, dann einen Cylinder, bis sie endlich, noch im-
mer unter der Erde, die bekannte Erdmandel bildet. Der
Verf. meint, dass auch bei manchen andern Pflanzen die Zeit
der Befruchtung des Griffels und des Eichens verschieden
sein möge.
Ueber das Wesen der Fortpflanzung mit beson-
derem Bezüge auf das Pflanzenreich vomProfessor
Bernhardi. (Flora od. bot. Zeit. 1841. Th. 1. S. 385.) Nach-
dem der Verf. die verschiedenen Generationstheorien mit ih-
ren Gründen für und wider angeführt, kommt er zu der Copu-
lation der Conjugation und sagt: darf man nun das Wesen der
Fortpflanzung mittelst Verbindung zweierlei Geschlechts darin
suchen, dass bei ihr immer ein polarischer Unterschied zwisclien
den in Verbindung tretenden Individuen Statt findet, während
es bei der Vermehrung durch Keime keines solchen bedarf,
so dürfen wir auch diese Erscheinung an den Conjugaten als
eine Begattung betrachten. Daraus lässt sich Folgendes schlies-
sen: 1) Zwischen Fortpflanzung durch Zeugung und durch
blosse Trennung von Fortsätzen findet kein wesentlicher Un-
terschied Statt; beide dienen zur Erhaltung der Art und beide
bestehen in fortgesetztem Ernähren und Wachsen. Es ist da-
her sehr wohl möglich, dass eine Substanz, welche wegen
polarischer Verhältnisse mit einer andern sich verbindend einen
138
neuen Kreis liefert, auch ohne diesen Vorgang von selbst
einen ähnlichen bilden kann, der theils, insofern er in pola-
risch verschiedenen Organen liegt, ebenfalls als Spore, theils
aber, insofern diese Polarität blos von der Lage abhängt und
zwischen den Organen kein wesentlicher Unterschied sich vor-
findet, für Fortsatz gelten kann. 2) Es braucht ferner zwi-
schen den keiraliefernden Stoffen, die, in polarisch verschie-
den Organen liegend, als männliche und weibliche unter-
schieden werden, und die nicht in blosser Flüssigkeit zu be-
stehen brauchen, im Allgemeinen keine wesentlich verschiedene
Mischung Statt zu finden, und daher muss es auch für mög-
lich gehalten werden, dass unter günstigen Umständen sowohl
das, was für den männlichen, als das, was für den weiblichen
Zeugungsstoff erklärt wird, sich jeder allein ohne vorherge-
gangene Verbindung zu einem Embryo ausbilden könne. 3)
Wir dürfen ferner selbst nicht für unmöglich halten, dass die
männlichen Organe der Pflanzen in manchen Fällen neue In-
dividuen hervorzubringen vermögen, ohne dass sie, oder ihr
Gehalt, in die weiblichen eingedrungen seien. 4) Es ergiebt
sich ferner aus den Vorgängen bei der Fortpflanzung der Con-
jugaten, dass es auch hinsichtlich des Baues zwischen den Or-
ganen, worin sich die Zeugungsstoffe bilden, im Allgemeinen
keines wesentlichen Unterschiedes bedarf, und dass man da-
her, wenn die weiblichen Organe gewisser Pflanzen mehr den
männlichen Organen anderer gleichen, z. B. die Büchsen der
Moose den Antheren der Phanerogamen, wir deshalb noch
nicht zu dem Schlüsse berechtigt sind, dass man dieselben bis-
her verwechselt, und die Benennungen zu verändern habe.
5) Endlich löst auch der Vorgang bei der Conjugation jener
Algen die Aufgabe, warum in der Regel da, wo Pflanzen und
Thiere sich vorzüglich durch Knospen und Fortsätze vermeh-
ren, die Fortpflanzung durch Begattung und Embryonen um
so geringer und wohl gänzlich gehemmt ist und umgekehrt;
denn die Stoffe, welche besonders bei Zygnema und Spiro-
gyra zu Fortsätzen dienen, sind dieselben, welche auch die
Sporen liefern; wo also diese mittelst Begattung sich bilden,
muss es an jenen mangeln und umgekehrt. Besonders inter-
essant ist aber in dieser Hinsicht die Gattung Closterium, weil
bei ihr die Fortsätze ein anderes Ansehen bekommen als die
139
Sporen, aber sich wieder in Sporenmasse verwandeln, wenn
es zur Begattung kommt.
Wäre es nns um blosse Mögliclikeiten zu tliun, so wür-
den wir den Verf. gern hören. Aber Wahrheit, niclits als
Wahrheit! Ein grosser Unterschied liegt zwischen der Fort-
pflanzung durch Knospen und der Fortpflanzung durch Samen ;
jene pflanzt das Individuum fort, dieses die Art. Ein Pfropf-
reis von einem Borstofi'er Apfelbaum giebt mir wieder einen
Baum, der Borstofi'er Aepfel trägt; der Same von einem sol-
chen Apfel bringt aber ganz andere und verschiedene Spiel-
arten hervor. Der Ausdruck Polarität ist eine blosse Formel,
der von so vielen und verschiedenen Dingen gesagt werden
kann, dass er nichts mehr sagt, was der Mühe werth wäre
zu hören.
Besondere Ordnungen der Phanerogamen.
Miquel Monographia Melocacti. N. Acta Academ.
Caesar. Leopoldino-Carolinae Nat. Curios. Vol. 12. Suppl. 1.
Vratisl. et Bonnae 1841. Der Verf. fügt seinen schönen Mo-
nographien eine Anatomie bei, woraus hier einiges anzufüh-
ren ist. Der Stamm von Melocactus Lehmanni besteht ausser
der Rinde und dem grossen Mark aus Holzbündeln , die nicht
mit einander vereinigt und deren an der Zahl eben so viele
sind, als Kanten des Stammes. Jahrringe führt der Verfasser
nicht an. Die Haare des Schopfes hat R. Brown untersucht
und nach ihm Meyen. Nach des Verf. Beschreibung sind sie
an den verschiedenen Arten, so weit er sie untersucht hat,
von derselben Gestalt, und zwar durchsichtig, meistens flach
gedrückt, unregelmässig gedreht, und wie es scheint an den
Stellen, wo sie gedreht sind, gegliedert. Bei starker Ver-
grösserung sieht man an ihnen Spiralstreifen, und nach die-
sen Streifen löst sich die Röhre des Haares in spiralförmig
gedrehte Platten aus einander. Nie konnte er aber ein gan-
zes Haar auf diese Weise aus einander ziehen. Die Stacheln
sind besonders in der Jugend weich, weisslich, biegsam und
mit dünnen Nebenhaaren besetzt. Der Stachel selbst scheint
hohl und hat inwendig Längsröhren, die nicht mit einander
verwachsen sind. Auch die Nebenhaare scheinen hohl, andere
aber sind sehr flach gedrückt, fast blattartig hin- und herge-
140
bogen, und in einigen sieht man eine quer gestreifte Röhre ,
wie ein Spiralgefäss.
In demselben Theile der Nov. Act. Ac. Caes. Leopold.
Carol. p. 231 findet sich eine schätzbare Abhandlung von H.
R. Göppert über den Bau der Balanophoren, so wie
über das Vorkommen von Wachs in ihnen und in andern Ge-
wächsen. Voran geht eine Abhandlung über Javanische Bala-
nophoren von Dr. Fr. Junghuhn , worin vier Arten von Ba-
lanophoren und eine neue Gattung aus derselben Ordnung,
Rhopalocnemis, beschrieben sind. Wir müssen diese der be-
schreibenden Botanik überlassen. Hierauf folgt ein Nachtrag
von Nees von Esenbeck und nun als Zusatz die vorliegende
Abhandlung. Der Wurzelstock dieser Gewächse, oder soge-
nannte intermediäre Körper nach Blume und Unger, besteht
aus parenchymatösen Zellen und Gefässbündeln , welche letz-
tere theils dem Parasiten, theils der Mutterpflanze angehören.
Die Parenchymzellen desselben sind sehr gross, im Quer-
schnitt etwas in die Breite gezogen, sechseckig, die Seiten
meistens ungleich. Der grösste Theil derselben ist dicht mit
weissen durchsichtigen Massen erfüllt, jedoch sieht man auch
ganz leere Zellen, wo man deutlich die schwach gebräunten,
mit ovalen oder rundlichen Punkten oder Tüpfeln besetzten
W^andungen, so wie die dreieckigen Intercellularräume wahr-
nimmt. In den in Weingeist aufbewahrten Exemplaren liegt
das Wachs weniger dicht an den Wandungen, sondern in ei-
nem länglichen Haufen in der Mitte der Zellen, oder an einer
Seite derselben, was wegen der Anwesenheit desselben von
Unger wahrscheinlich übersehen ward. Gegen den Rand hin
werden die Zellen allmälig kleiner, bräunlicher, etwas dick-
rindiger , an W^achs leerer , und bilden so eine Art Rinde ,
der jedoch eine eigentliche Oberhaut und Hautporen oder Sto-
matien völlig abgehen. Zehn neben einander liegende Zellen, im
Querschnitt betrachtet, machen dieselbe aus. Stärkmehlkörner,
die nach Unger häufig in den Zellen anderer Rhizantheen,
wie bei Scybalium und Cynomorium vorkommen, konnte der
Verf. in keiner Art , und nur in Balanophora alutacea einfache
rhomboedrische und in Drüsen vereinigte Krystalle wahrneh-
men. Auch fand er in den Zellen aller Organe noch runde
Zellenkerne, die an irgend einer Wandung seitlich festsitzen,
141
und zwar gewöhnlich in jeder Zelle nur einen. Jener wachs-
artige Inhalt der Zellen, welchen Jiinghuhn sehr richtig als
klebrige, leicht entzündliche Masse bezeichnet, war bisher als
Bestandtheil der Balanophoren oder der Familie der Rhizan-
theen ganz unbekannt, indem man ihm vorzugsweise nur ad-
stringirendes Princip oder Gerbstoff zuschrieb. Als der Verf.
die Stengel der Pflanze mit absolutem Alkohol kochte, löste
sie sich auf, schied sich aber beim Erkalten in krystallischer,
durchsichtiger Beschaffenheit aus; Wasser nahm nichts davon
auf; mit Aether bildete sie eine klare Auflösung, und verhielt
sich somit ganz entschieden als Pflanzenwachs. Von dem ge-
wöhnlichen ^Yachs unterscheidet sich dasselbe durch seine
mein' klebrige Beschaffenheit, so wie durch geringere Schmelz-
barkeit, indem es erst bei 90 — 95° schmilzt, während das
gemeine Wachs bekanntlich schon bei 64 ^ flüssig wurd. Es
ist f^o viel Wachs in diesen Pflanzen, dass man, nach Jung-
huhn, die Knollen sammelt, sie zu einem Brei stösst und
dünne Bambusstäbchen damit bestreicht, die dann getrocknet
zu Kerzen dienen, und ruhig mit heller Flamme brennen,
ohne einen besondern Geruch zu verbreiten. Die Gefässbün-
del sind von doppelter Art und gehören theils der Mutter-
pflanze, theils dem Parasiten selbst an; die erstem bestehen
aus Gefässen und Prosenchymzellen , die letztern aus gestreif-
ten oder netzförmigen Gefässen und verlängerten Zellen, die
Zellenkerne enthalten. Die Gefässbündel des Parasiten ent-
springen sämmtlich aus dem Holzkörper der Wurzeln anderer
Pflanzen , oder sind vielmehr die Fortsetzung derselben. Man
sieht, dass die Wurzel an der Stelle, wo der Parasit ent-
springt, anschwillt und sie dadurch in ihrem regelmässigen
Wachsthum unterbrochen wird. Es bilden sich nun an der
angeschwollenen Stelle mehrere mit Rinde noch bekleidete
Verlängerungen des Holzkörpers, welche in unbestimmter Zahl
in das zellige Parenchym eindringen , und nun die Rolle eines
Gefässbündels übernehmen, welches allein nur für die vege-
tativen Theile bestimmt ist , während die Zwischenräume dieser
Holzbündel und alle durch diese Bildung entstandenen Uneben-
heiten durch das Parenchym des Parasiten angefüllt sind, so
dass derselbe äusserst fe*it an der Mutterpflanze ansitzt. Von
den eigenen Gefässbündeln des Parasiten ist hier noch nichts
142
zu sehen, da sie erst -§^ Zoll höher erscheinen, und aus einer
kleinen Anhäufung derselben vvurmförmig mitten im Zellge-
webe entspringen. Die mit Wachs angefüllten weisslichen Zel-
len des Parasiten liegen hier unmittelbar neben den, einen roth-
braunen adstringirenden Stoff enthaltenden , etwa um das Drit-
tel kleineren Zellen der Rinde des Mutterkörpers, ohne dass
man einen üebergang, sowohl der Form als des Inhalts, wahr-
zunehmen vermöchte. Die dem Parasiten eigenen Gefässe ent-
springen, wie erwähnt, mitten im Parenchym, und verlaufen
von hier aus, sich unter spitzen Winkeln in zarte aber nie-
mals anastomosirende Aestchen vertheilend, zum Theil mehr
in die Mitte der Aeste, und gehen allein in die Bliithenknos=
pen und Theile der Blüthe über. — An dem Samen entdeckte
der Verf. ebenfalls weder Testa noch Embryo. Zuletzt eine
Tollständige Uebersicht der verschiedenen Arten, wie Wachs
in den Pflanzen vorkommt.
De Coniferarum structura anatomica scripsit
H. R. Goeppert. Vratislav. 1841. 4. Der Verf. hat diese
Abhandlung vorzüglich mit Rücksicht auf die fossilen Ueber-
bleibsel der Coniferen geschrieben; daher redet er vorzüg-
lich nur von Stamm und Wurzel. Er führt zuerst an, was
er über den Bau der Coniferen bei den Schriftstellern gefun-
den hat und fügt dann seine eigenen Beobachtungen hinzu.
Zuerst vom Samen. Im Albumen fand er keine Spur von
Amylum. Er sah zwei keimende Embryonen in demselben Sa-
men. In einem Querschnitt des Embryo sah er vier Schich-
ten von Zellgewebe, welche den Markkanal, Holzkörper, in-
nere und äussere Rindenschicht darstellen. Im Längsschnitt
zeigten die Zellen, welche den Holzkörper bilden, weder Spi-
ralfäden noch Poren. Vom Keimen des Samens. Wenn das
Würzelchen länger geworden ist als der Samen, fängt so-
gleich die Bildung von zwei und drei Spiralgefässen um die
Wurzel an, und indem die Kerne und die körnigen Massen
in den Zellen verschwinden, erscheinen sehr zarte, etw^as
schiefe Streifen auf ihren Wänden. Diese Querstreifen wer-
den immer stärker und verbinden sich mit einander, so dass,
wenn das Würzelchen zweimal länger ist als der Same und
seine Bedeckungen, schon eine doppelte Reihe von Gefässen
vorlianden ist und das ganze Leben durch dauert. Die nächst
143
liegenden Zellen verwandeln sich in der Zeit, bis das Wür-
zelchen vier- oder fünfmal so lang wird, wie der Samen, auch
in Spiralgefässe, deren Fasern oder Windungen weiter von
einander entfernt sind, so dass in ihren Zwischenräumen auf
der Wand des Gefasses helle Stellen sich zeigen können,
welche endlich in die Gestalt eines inneren Kreises oder einer
Pore übergehen. Die Windungen verwachsen mit der Wand
des Gefasses und bilden den äussern Kreis der Pore, eine
Veränderung, die in dem oberen Theile des Gefasses schon
vollendet ist, wenn sie im untern Theile erst anfängt. Von
der Rinde. Die Faserzellen der Faserschicht hängen in den
Coniferen meistens nicht zusammen, sondern sind in derPar-
enchym-Substanz zerstreut. Die Harzgänge sind schon in der
keimenden Pflanze zu finden, zwischen der Kork- und Paren-
chymrinde, Sie haben dann eine eigene Haut. Diese reisst
aber, und der Saft schüttet sich zwischen den Zellen aus.
Vom Holz. Die porösen Gefässe oder Zellen stehen in der
keimenden Pflanze ohne Ordnung und sind Parenchymzellen ,
d. h. sie trefi'en mit den Wänden auf einander. Sind aber die
Kotyledonen entwickelt, und wächst der Keim fort, so be-
kommen die Zellen oder Gefässe dicke Wände, ziehen sich
mehr zusammen und ordnen sich in excentrische Längsreihen,
hierauf verwandelt sich die horizontale Lage der Querwände
durch wechselseitigen Druck in eine schiefe oder diagonale,
und die Parenchymzellen gehen nun durch viele Mittelformen
in Prosenchymzellen über. Zuletzt folgen Beschreibungen und
Abbildungen der verschiedenen Holzstructur nach den ver-
schiedenen Gattungen, die dann vorzüglich zur Vergleichung
mit fossilen Baumstämmen dienen können.
Derselbe Verfasser hat in der Linnaea T. 15 (1841)
p. 747 Bemerkungen über den anatomischen Bau
der Casuarinen gegeben. Die Beschreibungen , welche der
Verf. hier liefert, vermuthlich auch in Rücksicht auf fossile
Baumstämme, von denen er auch ein Stück abbildet, sind ge-
nau, erlauben aber keinen Auszug. Der Bau weicht vom
Baue der Coniferen sehr ab und nähert sich mehr dem Baue
der Amentaceen. Am Ende sagt der Verf Folgendes: «We-
der bei den Holzzellen, noch bei den Gefässen bemerkt man
rücksichtlich ihrer Beschaffenheit oder ihrer Anordnung irgend
144
etwas, was auf einen Absatz oder Begränzuug des jährlichen
Wachsthums bezogen werden könnte. Unwillkürlich wird
man daher veranlasst an jene, von mir mit dem Namen con-
centrische Markstrahlen bezeichneten Querstreifen zu denken,
die das Ansehen von Jahrringen besitzen. Jedoch zähle ich
auf dem grössern mir zu Gebote stehenden Stamm von Ca-
suarina equisetifolia im Durchmesser von drei Zoll nicht we-
niger als 130 solche Ringe, die also unmöglich auf Jahresla-
gen bezogen werden konnten, da die 1775 durch Forster
entdeckten Casuarinen sich überhaupt erst seit dem Ende des
vorigen Jahrhunderts in unsern Gärten befinden. Bei einer
im Jahr 1838 im hiesigen botanischen Garten aus Samen ge-
zogenen, also jetzt dreijährigen Casuarina torulosa fand ich
nicht weniger als 45. ^yiewohl nun die eine oder die andere
Lage etwas stärker erscheint, so lässt sich doch ein regel-
mässiger Absatz nicht wahrnehmen, und es scheint also in der
That, als ob die schon in so vieler Beziehung merkwürdige
Familie sich auch dadurch auszeichnete, dass hier keine Jah-
resringe vorhanden sind, was man mit Gewissheit, so viel ich
weiss, noch bei keinem Dikotyledonen -Holzstamme wahrge-
nommen hat. Bevor man aber einen für die gesammte Phy-
siologie der Gewächse so wichtigen Satz als wohlbegründet
annehmen kann, erscheint es dringend nothwendig, noch Exem-
plare e loco natali zu untersuchen, da sich bei diesen die
Sache wohl leicht noch anders verhalten dürfte, dergleiclien
ich mir aber bis jetzt noch nicht verschaffen konnte. «
Dass die Jahrringe der Bäume in unsern Gärten in Un-
ordnung kommen, habe ich in den Grandlehren der Botanik
Th. 1. S. 259 gezeigt; Stämme von Cactus setzen in den er-
sten Jahren keine Schichten an und Araucaria excelsa, we-
nigstens zehn Jahre alt, hatte nur drei Schichten. Man kann
das Anwachsen der Bäume eben so gut an den Aesten erfor-
schen, als an den Stämmen, und wir haben dafür, dass un-
sere Bäume jährlich einen Jahrring ansetzen, den sichersten
Beweis, wenn wir die Aeste vom jüngsten an betrachten. Ich
habe einen Zweig von Casuarina torulosa vor mir und finde
das Mark excentrisch und auf der einen Seite zwei Jahrringe,
auf der andern gar keinen. Die letzte Schicht ohne Jahrringe
ist von der einen Seite sehr gross und macht die Excentricität.
145
Der Verf. erwähnt hierbei einer Stelle über Casuarina aus
der Bibl. universelle de Geneve , und ich setze Folgendes aus
Jameson's Edinburgh N. philosophical Journal T. 31 P. 2. p. 388
hinzu: «Die Theorie leitet auf die Vermuthung, dass wir in
den Ländern, welche eine gleichförmige Wärme und Feuch-
tigkeit haben, das Alter der Bäume nicht auf dieselbe Weise
berechnen können, als in unsern gemässigten Klimaten, mit
andern Worten, dass es sich nicht durch die Schichten des
Stammes bestimmen lasse. In der That, die Anordnung des
Holzes unserer Waldbäume nach Schichten ist immer so be-
trachtet worden, als sei sie durch eine Unterbrechung in der
Bildung ihres Gewebes entstanden, eine Unterbrechung, die
der kalte Winter hervorbrachte. Es ist walirscheinlich , dass
die ausserordentliche Trockniss , welche das Abfallen der Blät-
ter von den Bäumen in einigen Gegenden bewirkt, z.B. im
Innern von Brasilien, am Senegal und in Aegypten, eine et-
was analoge Wirkung hervorbringt. Aber auf der andern
Seite miisste das Wachsthum der Bäume in den Wäldern der
tropischen Gegenden, wo Hitze und Feuchtigkeit unveränder-
lich herrschen , regelmässig durch das ganze Jahr sein. Man
bemerkt dieses an Caesalpinia und andern Farbehölzern. Es
ist zu wünschen, dass Personen, welche die Gelegenheit ha-
ben, Beobachtungen von dieser Art zu machen, sich die Mühe
gäben, das Factum an jeder Art von Bäumen besonders zu
berichtigen und zu untersuchen, ob eines vorhanden ist, wo
eine Unterbrechung des Wachsthums keine Jahrringe hervor-
bringt, ohne Rücksicht auf das Klima, wie doch in kalten
und trocknen Klimaten durch eine äussere Ursache geschieht.
Beobachtungen, welche von H. Leduc zu Galega gemacht und
an H. Decandolle zu Genf geschrieben sind, zeigen, dass
in Casuarina die Zahl der Schichten gar nicht mit der Zahl,
der Jahre des Baumes übereinstimmt, und dass in einem
Baumstamm von acht Jahren nicht weniger als 42 concentri-
sehe Schichten gezählt wurden. S. weiter Bibl. univ. de Ge-
neve n. 65. 1841. «Die Jahrringe entstehen allerdings durch
eine Unterbrechung im Wachsen, aber sie werden dadurch
nicht sichtbar. Bis Ende Juni konnte ich in der Regel nicht
erkennen, was in demselben Jahre angewachsen war, aber
im Anfange Juli erkannte man sogleich die Schicht vom vori-
Archiv 1', Naturgeschichte, VIII. Jahrg. 2. Bd. K
146
gen Jahre. Sie wurde mm sichtbar imd zwar dadurch, dass
sich die äussersten Zellen der vorjährigen Schicht der Länge
nach zusammengezogen hatten, wodurch sie der Breite nach
ausgedehnter wurden. Es kommt also auf diese Art der Zu-
sammenziehung an, dass ein Jahrring kenntlich wird, und es
kann sehr leicht geschehen, dass dieses Zusammenziehen nicht
gescliieht, wodurch dann der Jahrring nicht bemerkbar wird,
ungeachtet er sich gebildet hat. Das Beispiel, was ich von
einem Zweige von Casuarina torulosa angeführt habe, be-
weist dieses sehr deutlich. Auf der einen Seite hatten sich
die Schichten zusammengezogen, auf der andern nicht. Ueber-
haupt wundere ich mich, dass man die Zweige nicht mehr
untersucht, wodurch man auf den Stamm sicher schliesst. Dass
in unsern Bäumen jährlich ein Holzring anwächst, ist scliwer
zu beweisen, wenn man Stämme fällen will, leicht, wenn man
Zweige durchschneidet. Alles dieses habe ich längst und zu-
letzt in den Grundlehren der Kräuterkunde Th. 1. S. 257 — 275
aus einander gesetzt, aber man hat darauf nicht geachtet. —
Die kleinen Schichten in der Casuarina schreibe ich dem Um-
stände zu, dass in einem Jahre viele Glieder der Aeste an-
wachsen; doch will ich dieses nur als Vermuthung gelten lassen.
Farn (Filices).
Eine merkwürdige Beobachtung vom Prof. H. Göppert
finde ich in der Uebersicht der Arbeiten und Veränderungen
der Schlesischen Gesellschaft f. v. C. 1841. S. 9 über die
doppelte Beschaffenheit der Samen von einigen Ly-
kopodiaceen. Im November 1840, sagt Hr. G., bemerkte ich
auf einem in der Nähe von Lycopodium denticulatum stehen-
den Blumentopfe in dem warmen Hause des hiesigen botani-
schen Gartens keimende Pflänzchen, die bei näherer Unter-
suchung und in ihrer weitern Entwickelung sich als Lycopo-
dium denticulatum erkennen Hessen. Sie zeigten eine dop-
pelte Beschaffenheit: die einen, welche sich aus dem zarten
pulverförmigen Samen entwickelt hatten, waren von i Linie
Grösse, und schon von dem Würzelchen an mit alternirenden
Blättchen dicht besetzt, theilten sich aber auf die den Lyko-
podien eigentliümliche gabiige \yeise, erst nachdem sie bis zu
3 — 4 Linien Länge herangewachsen waren. Die andern wichen
147
in ihrem Aeiissern von diesen auffallend ab, und schienen die
grösste Aehnlichkeit mit einer keimenden dikotyledonischen
Pflanze zu besitzen. Die äussere Hülle der SjDore war an
dem Punkte, von welchem sich das 3 — 4 Linien lange Wiir-
zelchen nach unten erstreckte, noch vorhanden, so dass über
die Entwickelung aus derselben kein Zweifel übrig bleiben
konnte, und von jener Hülle setzte sich ein 2 — 3 Linien
langer, völlig nackter, über die Oberfläche der Erde hervor-
wachsender Stiel fort, der oberhalb die ersten Blättchen trug,
die aber nicht, wie Samenblätter der Dikotyledonen, einander
gegenüber, sondern abwechselnd standen, wie man freilich
erst bei genauer Betrachtung zu erkennen vermochte, und
darin liegt der Fehler der Abbildungen F. 2 , 4 u. 5 von Sa-
lisbury (Transact. of the Linnean Soc. Vol. 12. tab. 19), der
die Blättchen gegenüberständig darstellt. Oberhalb dieser Blätt-
chen theilte sich nun die Achse in zwei Aeste von gleicher
Entwickelung, so dass also die Dichotomie alsbald hervortrat,
welche bei jenen erst nach Entwickelung von 8 — 10 Blatt-
wirbeln zum Vorschein kam. Uebrigens waren bei dieser die
Blättchen noch 1 — 2 mal grösser, als bei jener. Dass Brotero
und Salisbury beide Arten von Sporen oder Sporangien, wie
der Verf. sagt, keimen sahen, finde ich nicht, sie sahen es
nur von den dreikörnigen Sporangien (sp. tricoccum). Die-
ses Keimen habe ich immer für einen Knospenauswuchs ge-
halten, das Keimen aber der feinen Körner aus dem zweiklap-
pigen Sporangium für ein wahres Keimen. Das letztere findet
wirklich Statt, wie man daraus sieht, dass man Lykopodien
aus Samen ziehen kann, welche nur zweiklappige Sporangien
besitzen. Was aber das Keimen des spor. tricoccum betrifft,
so gelingt es nicht so leicht als das vorige, und da es ganz
verschieden erscheint, wie die Beobachtungen von Salisbury
und von dem Verf. zeigen , so werde ich dadurch in der Mei-
nung bestärkt, dass sich das sporangium tricoccum, oder viel-
mehr dessen receptaculum knospenartig entwickelt hat. Der
innere Bau spricht nämlich dafür, dass letzteres kein wahres
sporangium, sondern ein antheridium ist.
In den Ausgewählten anatomisch - botanischen Abbildungen,
3. Heft (1841), habe ich auf der ersten Tafel die Anato-
mie von einem Knollstocke von Aspidium moUe
K*
148
gegebeil. Man sieht hier deutlich, dass dieser Körper eine
Zusammensetzung von verwachsenen Wedelstielen ist. Bedenkt
man, dass in dem Wedelstiele Blatt und Schaft zugleich ent-
halten sind — ich will nicht sagen verwachsen, sondern nur
enthalten, potentia nicht actu — so kann man sie als Knos-
pen (gemmae) betrachten, und ein solcher Knollstock ist also
eine zusammengesetzte Knospe, wie wir sie an manchen Pha-
nerogamen, z. B. an dem allgemein bekannten Knollen von
Selleri finden. Diese Ansicht der Sache scheint mir eine sehr
natürliche. Die baumartigen Farn sind nun wirklich nichts
weiter als eine langgezogene Knospe, wie es der Palmen-
stamm, nämlich von den kokosartigen Palmen, ist, nur mit
dem Unterschiede, dass Blätter und Bliithenstiele an den Pal-
men getrennt, an den Farn vereinigt sind. Auch finden sich
auf dieser Tafel Abbildungen von Wurzelzasern, die, wie ge-
wöhnlich bei den Phanerogamen, in der Mitte ein Holzbiindel
von Spiralen und Spiroiden, ohne Mark haben. Man muss
hiervon die auf der Oberfläche sitzenden Haare wohl unter-
scheiden; äusserlich sind sie einander sehr ähnlich. Die zer-
streuten Zellen im Stamm, gefüllt mit einer braunen oder
»schwarzen, dicken, trocknen Masse, kommen hin und wieder
in den Farn vor, in denen sich auch allein die braungefärb-
ten Zellenwände, und die letztern äusserst häufig, finden. —
Ein ähnlicher, aber grösserer Knollstock von Polypodiuin
molliculum ist auf der fünften Tafel des jetzt erscheinenden
vierten Heftes dieser Abbildungen vorgestellt, woraus die Zu-
sammensetzung aus Wedelstielen noch deutlicher hervorgeht.
Auf der zweiten Tafel desselben Heftes ist auch eine
Anatomie von dem Stamme und den Wedelstielen
von Polypodiuin (Chrysop teris) phymatodes gelie-
fert worden. Die Aspidien haben meistens einen Knollstock
— unsere einheimischen immer — die Polypodien und Chry-
sopteris-Arten hingegen sehr oft einen wahren Stamm, der aber
unter oder über der Erde kriecht, niemals, so viel ich weiss,
ganz aufrecht ist. Er hat im Ganzen genommen den Bau des
Monokotyledonen- Stammes; die Gefässbündel sind nämlich ge-
sondert, stehen aber nur in einem Kreise, und zwar in vor-
liegendem Falle fünfzehn von verschiedener Grösse, worunter
vier kleine, zwei und zwei einander gegenüber. Diese Ge-
149
fässbündel sind, wie gewöhnlicli in den Farn, mit einer braun-
gefärbten zelligen Haut umgeben und bestehen aus grossen,
meistens porösen Gefassen, welche in einem ungefärbten lang-
zelligen Gewebe liegen. Die Wedelstiele haben fast densel-
ben Bau, nur stehen weniger Gefässbündel , nämlich fünf, in
einem Kreise herum, ebenfalls von verschiedener Grösse, zwei
nämlich bedeutend grösser als die übrigen drei. Vielleicht
deuten die beiden grossen auf den Bliithenstiel, die drei klei-
nen auf das Blatt. Man könnte also diese Farn mit den Iri-
deen und andern Monokotyledonen vergleichen, welche ein
Rhizom unter der Erde haben und einzelne Stämme mit Blät-
tern hervortreiben. Die Wurzeln sind gebauet wie bei den
Aspidien und bei den Phanerogamen überhaupt.
Auf der dritten Tafel desselben Hefts befinden sich Ab-
bildungen von Antheridien oder antherenartigen
Theilen der Farn. Wenn irgend einige Theile der Farn
den Namen der Antheren verdienen, so sind es gewiss diese.
Zuerst sah sie Sprengel in den Fruchthaufen von Pteris cre-
tica und wollte sogar eine Bewegung gegen die Ovarien be-
merkt haben, auch giebt er eine schlechte Abbildung davon
in Hoffmanns phytographischen Blättern. Er fragt an, ob man
diese Theile nicht für Antheren halten könne? Aber in der
Anleitung zur Kenntniss der Gewächse, 2. Aufl. , verwirft er
diese Meinung und hält sie für Paraphysen. Lange nachher
sind sie von Blume wieder gefunden und in der Flora Javae
abgebildet worden. Nach ihm spricht Presl von diesen Thei-
len in seiner Pteridographie, sagt aber kein Wort von Blume
und liefert eine Abbildung von einer Authere, die aber nichts
als ein junges Sporangium ist. Es können also nur Blume's
und die hier gegebenen Abbildungen von diesen Theilen in
Betracht kommen. Abgebildet sind sie hier aus den Frucht-
haufen von Polypodium effusum, Adiantum Moritzianum, Ne-
phobolus pertusus, Pteris allosora und Pteris crenata. In der
dritten Abhandlung über den Bau der Farnkräuter, in den
Abhandl. der Berliner Akad. der Wiss. für 1840, habe ich auch
Abbildungen von diesen Körpern aus Cibotium Schiedei und
Woodwardia radicans geliefert. Sie gleichen allerdings den
Paraphysen der Moose gar sehr, haben auch Querwände, sind
aber mit einer körnigen Masse angefüllt, und zuweilen findet
150
sich in den äussdrsten, meistens kolbigen Gliedern eine dun-
kelgefärbte Masse, wie an Cibotium Schiedei und Polypodium
effusum; an dem letztern liegt die Masse sogar äusserlich auf.
Diese Theile sind von den jungen Sporangien gar leicht zu
unterscheiden, da sich an den letztern schon in der frühsten
Jugend der Ring zeigt. Ich bin keinesweges gesonnen, sie
für wirkliche Antheren zu halten, d. h. für solche Körper, wo-
durch die Befruchtung geschieht, sondern nur für den Antheren
analoge Körper, und so nenne ich sie Antheridien, mit einem,
dünkt mich, von mehren in ähnlicher Bedeutung gebrauchten
Ausdrucke, gewiss von Spring in seiner Bearbeitung der Ly-
kopodiaceen. — Auf derselben Tafel findet sich ein Indu-
sium und ein Fruchtboden, jenes von Diplazium ambiguum,
dieses von Polypodium aureum (Chrysopteris aurea) abgebil-
det. Das letztere besteht aus einem Haufen von Spiralfaser-
zellen, oder wurmförmigen Körpern, die in lange Spiralge-
fässe oder Spiroiden übergehen. Die verdickten Enden der
Nerven, welche man an den Blättern oder Wedeln der Farn
häufig sieht, sind eben so gebaut, und man kann sie daher
für Fruchtboden halten, wo die Frucht fehlgeschlagen.
Das Keimen der Samen oder Sporen von Farn-
kräutern ist zwar längst von dem verstorbenen Nees von
Esenbeck dargestellt worden, indessen habe ich es nicht für
überflüssig gehalten, dergleichen, aber in starken Vergrösse-
rungen, zu geben, und zwar zuerst ebenfalls von Pteris ser-
rulata, dann auch von Gymnogramma (Ceropteris) chryso-
phylla und Aspidium molle. Immer tritt zuerst aus der
Schale des Samens eine blattartige Ausbreitung hervor, welche
aus grossen Zellen mit Chlorophyllkörnern besteht, olme alle
Gefässe, und wo man deutlich sieht, wie eine Zelle sich an
die andere äusserlich anlegt. Diese blattartige Ausbreitung
habe ich prothallium genannt, um nicht den Namen Kotyledon
zu gebrauchen, mit dem dieser Theil zwar manches gemein
hat, in anderer Rücksicht aber verschieden ist. Er hat eine
grössere Selbständigkeit als der Kotyledon selbst der Mo-
nokotyledonen , er treibt für sich Wurzeln und wächst da-
durch weit fort, ehe die Wedel daraus hervorbrechen. Die
Schale des Samens spaltet sich zwar in zwei Theile, als ob
sie zweiklappig wäre, wie hier an Aspidium molle, aber sie
wird nicht abgeworfen, sondern sie bleibt sitzen und wird
grün, »-wäclist auch fort. Es ist ein Hauptkennzeichen aller
Kryptogamen, wie es scheint, dafs in den Samen keine beson-
dern Theile sichtbar sind, sondern dass der ganze Same zur
jungen Pflanze auswächst.
Die Wedel der Polypodiaceen tragen bekanntlich die
Früchte auf der Rückseite, und sind daher als eine Verbin-
dung von Fruchtstiel oder Schaft und Blatt anzusehen. Da-
her nannte sie auch Linne schon frondes und nicht folia; im
Deutschen hat man längst den Ausdruck Wedel dafür ange-
nommen. Durchschneidet man einen W^edelstiel ungefähr in
der Mitte, so sieht man zwei sehr verschieden geformte Holz-
bündel, wovon man einen dem Schaft, den andern dem Blatte
zuschreiben könnte. Gegen die Spitze des Wedels vereinigen
sich die beiden Holzbündel. So sind die Durchschnitte des
Wedelstieles von Aspidium molle Tafel 1. des gedachten Hef-
tes abgebildet. Zuweilen sieht man in der Basis mehr Holz-
bündel in einem Kreise gestellt; immer sind darunter aber
zwei grösser als die übrigen und die letztern sind verschwun-
den, wenn man einen Schnitt durch die Mitte oder gegen die
Spitze macht, wie Taf. 2. zu sehen ist. An dieser Bildung
des W^edelstiels ist also zu erkennen, ob ein Farn den Bau
der Polypodiaceen hat, nämlich einen Wedel, bestehend aus
einem Fruchtstiel oder Schaft, und einem Blatte, beide innig
vereinigt. An den Equisetaceen sind Blätter und Blüthen
ganz von einander getrennt; der Bau derselben würde also
den Gegensatz des Baues der Polypodiaceen machen. Der
Stamm der Equisetaceen besteht aus einer dicken Rinde, worin
sich acht Luftgänge befinden ; hierauf folgt der Holzkörper mit
acht von einander getrennten Holzbündeln und statt des Mar-
kes eine Höhlung, welche zwischen die Holzbündel tritt. Die-
sen stehen am nächsten die Ophioglosseae (s. Taf. 1 des eben
erscheinenden vierten Hefts). Sie haben in dem Stengel eine
in drei Busen auslaufende Höhlung, zwischen denen sich die
Holzbündel befinden. Diese Form steht den Equisetaceen
nahe und zeigt, dass ein wahrer Stamm hier vorhanden ist.
Nun folgt Botrychium Lunaria (H. 4 T. 1). In der Mitte des
Stengels eine völlig unregelmässige Höhlung; an beiden Seiten
derselben zwei halbmondförmige Holzbündel, die oben unter
152
dem Blatte sich in vier theilen. Die Gestalt hat mehr Aehii-
lichkeit mit einem Wedelstiele als mit einem Stamme, wo zwei
und noch dazu grosse gekrümmte Holzbündel ungewöhnlich
sein würden. Botrychium kann also nicht mit Ophioglossum
in einer natürlichen Ordnung stehen, wohin es gewöhnlich
und auch von mir in den Filices Horti R. Botanici Berolin.
(1841) ist gestellt worden. Osmunda (H. 4 T. 3) zeigt durch
die bogenförmigen, gekrümmten Holzbündel mit eingebogenen
Schenkeln deutlich den Wedelstiel. Damit kommt nun Anemia
(s. H. 3 T. 4) ziemlich überein; das gekrümmte Holzbündel
hat auf jeder Seite noch zwei kurze Bündel. Man v^ürde also
beide in eine Ordnung zusammenstellen können, aber die
Sporangien sind sehr verschieden, Anemia hat einen Scheitel-
ring am Sporangium, Osmunda eine Rose von Zellen an der-
selben Stelle. Aber sonderbar und ganz abweichend ist der
Bau des Stengels von Lygodium (s. H. 4 T. 2 F. 5). In der
Mitte desselben befindet sich ein Holzbündel, das gleichsam
in drei Lappen getheilt ist. Hierin kommt der Farn mit den
Lykopodiaceen überein, die sich von den übrigen Farn da-
durch unterscheiden, dass sie ein Holzbündel in der Mitte des
Stengels haben, und darin also vielen Wurzeln der Phanero-
gamen gleichen.
Moose.
Ueber den Bau einiger Laubmoose von L. C.
Treviranus. Linnaea T. 15 (1841) S. 300. Moldenhawer
hat gezeigt, dass die Blätter von Sphagnum aus zweierlei Zel-
len bestehen, aus grössern farblosen, mit Poren und Spiral-
fasern, und aus kleinen, grünen, welche jene in der Fläche
umgeben. Mohl hat dieselbe Bildung an Dicranum glaucum
und Octoblepharum albidum gefunden, Schieiden an Didymo-
don sphagnoides Hooker und der Verf. an Racopilmn ano-
nialum. Er giebt von den Blättern des letztern Mooses eine
Beschreibung, und einige Zusätze zu Mohls Beschreibung der
Blätter von Dicranum glaucum und Octoblepharum albidum.
Bei dem ersten Moose sah der Verf. die kreisförmigen Figu-
ren, deren Mohl erwähnt, nur an den senkrecht auf die Blatt-
fläche stehenden Zellenwänden; sie erschienen ihm nicht als
Löcher, sondern als areae. Bei dem zweiten waren diese
153
areae ebenfalls auf den vertikalen Zellenwänden; der farblo-
sen Zellenreihen sind drei bis sechs, der kleinen grünen aber
nur eine Schicht. Der Verf. beschreibt ferner die Lamellen
auf der obern Fläche der Blätter von vielen Polytrichum-Ar-
ten, welche Rob. Brown zuerst bemerkte. Sie fangen da, wo
der untere scheidenartige Theil des Blattes in den obern,
mehr ausgebreiteten übergeht, in geringer Zahl an, dann ver-
mehrt sich diese und nimmt gegen die Spitze wieder ab, so
dass die mittlem Lamellen die längsten sind, die seitlichen die
kürzern, und dass das Ganze, von oben betrachtet, eine
bauchige, oben und unten sich zuspitzende Figur bildet. Sie
befinden sich meistens auf den Nerven, doch wenn diese
schmal sind, auch daneben. Die Zahl derselben ist nach der
Breite des Nerven verschieden. In der Mitte des Nerven ste-
hen sie senkrecht, an den Seiten sind sie mehr geneigt, und
die äussersten liegen zuweilen flach auf. An Lyellia fand der
Verf. diesen Bau ebenfalls, und zwar viele, nämlich 24 La-
mellen. An Gymnostomum ovatum fand er keinesweges ein
mit körniger Materie erfülltes Säckchen auf jeder Seite, wie
einige behauptet haben, sondern nur vier der oben beschrie-
benen Lamellen. Der Verf. fragt an, ob diese Lamellen viel-
leicht dazu dienen mögen, die Feuchtigkeit länger zu erhalten
und ihre Einsaugung von aussen zu verstärken, gleich den
gegliederten Fäden, von denen sich dasselbe vermuthen Hesse.
Zuletzt über die Poren der Moose. Sie finden sich bei den
Laubmoosen nur an der Erweiterung, welche die äussere
Haut des Fruchtstiels macht, bevor sie sich über den Kapsel-
schlauch fortsetzt, um die vollständige Kapsel zu bilden. Der
Verf. zeigt nun, dass sie sich dem Baue nach von dem Bau
dieser Organe an den Phauerogamen nicht wesentlich unter-
scheiden, wenn man auch ihnen nicht dieselbe Verrichtung
zuschreiben könne.
Heber das Zellgewebe der Moose, besonders
von Hypnum lucens, von M. Ch. Morren. Bullet, d.
l'Acad. r. d. sc. d. Bruxell. 1841. T. 1. p. 68, Die Beobach-
tungen des Verf. sind für den Ursprung der Zellen im Pflan-
zenreiche wichtig. Er nahm einen jungen Trieb (innovatio)
von dem genannten Moose, und untersuchte ein Blatt, so jung
er es erhalten konnte, nämlich nur von 4 oder J Millimeter.
154
Es erschien wie eine einfache, fast cylindrische Zelle, ein we-
nig dicker in der Mitte, aber durchsichtig und ohne Zellen im
Innern; man sah dort nur gallertartiges Chlorophyll ohne Ku-
geln, welches die Axe einnahm, indem die Wände ganz klar
waren. Hierauf beobachtete er ein Blatt, welches seiner Grösse
und Entwickelung nach etwas, doch wenig älter war. Das
gallertartige Chlorophyll war noch nicht körnig, sondern nur
kriimlich (grumeux) geworden. Die Häufchen (grumeaux) zeich-
neten sich schon aus, standen regelmässig, waren nicht um-
schrieben (nuageux), aber gegen die Mitte dichter. Sie bil-
deten Reihen und zwischen ihnen waren helle Stellen, auch
um das ganze Blatt zeigte sich inwendig ein heller, durch-
sichtiger Streifen. Bald sah man, dass die Häufchen Zellen
waren, mit Chlorophyll gefüllt, die hellen Zwischenräume Zel-
lenwände, und dass der Rand aus Zellen bestand, die wenig
Chlorophyll enthielten. Noch war alles so weich, dass es
zwischen zwei Gläsern zu einem Brei gedrückt wurde. Der
Verf. findet zwischen diesen Beobachtungen und denen von
Mirbel über das Cambium viel Analogie. Er beobachtete nun
die Blätter weiter und fand, indem er auf die Grösse der Zel-
len sah, dass die Entwickelung in der Mitte des Blattes ener-
gischer war als gegen die Ränder. Was nun die Veränderung
des Chlorophylls betriflft, so verwandelt es sich aus dem gal-
lertartigen in das körnige. Die Körner sind im Anfange sel-
ten, dann werden sie häufiger. Sie befinden sich noch immer
an den Wänden der Zellen, können aber leicht davon ent-
fernt werden, wie ihm ein Zufall zeigte. Er fand nämlich, als
er ein solches Moos ins Wasser gelegt hatte, in den Zellen ein
Infusionsthierchen, Uvella virescens Ehrbg., welches die Körner
durch einander bewegte. Endlich sondern sich die Körner"
von den Wänden und ballen sich in der Mitte zusammen zu
einer gallertartigen Masse. Ehe sie sich sondern, enthält je-
des Korn einen Kern von Stärkmehl, nachher nicht mehr. —
Die Zellen in den Blättern von Hypnum lucens theilen sich
oft, indem in ihnen Scheidewände entstehen, und zwar thei-
len sie sich in zwei und zweimal zwei. Als der Verf. die
Pflanze ins Wasser legte, entstanden Würzelchen, und zwar
allein in den Zellen, die sich getheilt hatten, zwei und zwei-
155
mal zwei Wiirzelchen zusammen. So waren also diese Wür-
zelchen gleichsam in den Zellen präformirt.
Der Verf. führt meine Abbildungen von jungen Blättern
des Sempervivum arboreum (Ausgew. Abbild. H. 2. T. 6. F. 2)
an. Die Papille an der Spitze ist wirklich eine Papille, mit
einem Schlauch in der Mitte, worin sich eine trübe Flüssig-
keit befindet, wie man ihn oft in den Haaren antrifft. Nie
entstehen Zellen in der Papille, und nie wächst sie aus.
Untersuchungen über das Inenchyme von Spha-
gnum von Ch. Morren. (Bullet, de FAcad. d. Bruxell. 1841.
T. 1. p. 164. ) Nachdem der Verf. alle Meinungen über diese
merkwürdigen Zellen angegeben hat, geht er zu seinen eigenen
Forschungen über, die sich hier ohne Hülfe der Abbildungen
nur kurz angeben lassen. Er untersuchte ganz kleine Blätter
und sah zuerst nur runde Stellen, die später zu farblosen
oder Faserzellen wurden, und grüne Zwischenräume, welche
sich in Chlorophyllzellen veränderten. Weiter bilden sich die
runden Stellen netzförmig mit viereckigen Maschen aus, die
grüne Materie formt sich in Kugeln, die W'ände der Grünzel-
len entstehen, und vier solcher Zellen legen sich an einander,
die fünfte kleinste in der Mitte. Noch ist Alles regelmässig,
aber bald verliert sich diese Regelmässigkeit; die Faserzellen,
worin sich aber noch keine Faser zeigt, werden länger und
ziehen die Grünzellen mit sich fort, wodurch die Gestalt ent-
steht, worin sich die Zellen von Sphagnum gewöhnlich zei-
gen. Nicht alle Blätter enthalten , wie Mohl gezeigt hat , farb-
lose Zellen mit Spiralen und Poren. Nun bemerkte der Verf.,
dass sich in diesen farblosen Zellen, mögen sie Fasern bilden
oder nicht, Scheidewände erzeugen, welche die Zelle in zwei
oder drei Theile scheiden. Dann erst entstehen die Fasern,
die von Anfang an Ringe, Bogen oder Spiralen darstellen.
Die Ringe haben die Poren zu beiden Seiten, die Bogengänge
haben die Poren nur auf einer Seite, die Spiralen wech-
selnde Poren auf beiden Seiten. Auch giebt es gemischte
Fasern aus Ringen, Bogen und Spiralen, mit unordentlicher
Stellung der Poren. Dass diese Poren wirkliche Oeffnungen
sind, hat sich der Verf. überzeugt.
Hierher gehört noch die Abhandlung von demselben
Verf. über die Anatomie und Physiologie der Fon-
156
tinalis (Bullet, de l'Acad. d. Bruxell. T. 1. p. 222). Zuerst
wird von Hornscliuch's Hypothese gehandelt, dass die Confer-
venfäden die blattartigen Organe der Moose bilden. Er setzt
sogleich hinzu: «Link, der in den letzten Zeiten diesen Or-
ganen den Namen der Blätter gegeben hat, erklärt ihre Bil-
dung nach der Theorie von Hornschuch; an der Basis des
Stammes, sagt er, kommen Reihen von Zellen hervor und
bilden die ersten confervenartigen Primordialblätter, welche
also aus solchen Reihen von Zellen gebildet werden. Zwar
fügt er hinzu, dass er nie gesehen habe, dass solche Reihen
von Zellen, oder solche confervenartige Fäden in den Zu-
stand von Blättern übergegangen wären.« Ich sage: An der
Basis des Stammes der Moose treten Zellenreihen hervor und
laufen ohne Unterbrechung in die confervenartigen Erstlings-
blätter über, welche aus solchen Reihen von Zellen ganz be-
stehen. Hornschuch hat einen solchen Uebergang schon beob-
achtet, aber in die Blätter habe ich diese Zellenreihen oder
confervenartigen Fäden nie übergehen bemerkt. Es fiel mir
nicht ein, die Sache nach Hornschuclvs Theorie zu erklä-
ren, ich gab blos die Thatsache an. Hornschuch bildet aber
die Blätter von Moosen ab, als ob sie aus Confervenfäden zu-
sammengeflochten wären. Das habe ich nie gesehen; niemals
sah ich nämlich jene Fäden in die Blätter übergehen (trans-
ire). Der Verf. beschreibt nun diese confervenartigen Fäden.
An der Basis sind sie kurz, und in der Mitte der kurzen Glie-
der sieht man eine grüne Binde, die aus klebrig krümlichem
Chlorophyll gebildet ist. Sie schnürt sie endlich ein und bil-
det eine Scheidewand, wodurch neue Zellen entstehen. Er
geht nun weiter fort in der Untersuchung der Blätter, ob es
Phylloden sem könnten, wofür er aber den Begriff von Phyl-
lode genauer zu bestimmen sucht. Er fasst ihn zuerst auf,
wie ihn Decandolle und andere bestimmt haben, unterscheidet
schon davon die sogenannten Phylloden der Acacien, die er
Phyllome will genannt haben, und setzt hinzu: Aber Martius,
Hornschuch, Spring u. s. w. betrachten die Blätter der Lyko-
podiaceen und der Moose, als befänden sie sich in einem An-
fangszustande, wo der Vaginaltheil, der Blattstiel und die
Blattplatte noch nicht unterschieden sind, und wo bei der
Nicht- Polarisation der Theile der grüne flache Theil nur ein
157
Organ ist, welches einem Blatte gleicht, ohne ein wahres Blatt
zu sein, daher rathen sie, diese Blätter mit den Phylloden
zu vergleichen. Da nun auch der eben gegebene Begriflf sehr
verschieden ist von dem Begriffe eines Phyllodium, so schlägt
der Verf. vor, diese Blätter Phyllidien zu nennen. Er beschreibt
hierauf sehr genau die Veränderungen der Blätter an Fonti-
nalis, wie sie zuerst kleine, dicke, runde Platten sind, mit
einer gleichförmigen grünen Substanz erfüllt, ohne alle Spur
von Zellen. Dann sieht man grüne Körner in einer grünen
Gallerte , hierauf gegen die Spitze leere Stellen , welche nach-
her Zellen werden, die sich später deutlich zeigen. Es ist
merkwürdig, dass sich diese Zellen von der Spitze gegen die
Basis zu ausbilden, indem die Mitte und Basis ein grünes,
klebrig gallertartiges, körniges Chlorophyll enthalten. Das Or-
gan hat sich also äusserlich schon gebildet, ehe das Innere
seine Gestalt erreicht hat. Hierauf beschreibt er weiter die
Entwickelung der Zellen und des Chlorophylls. — Nun eine
Untersuchung der Wurzeln von Fontinalis. Er sah das Moos
auf festem Marmor wachsen, wo es eine Ausbreitung (epute-
ment) machte, die nichts als eine Zertheilung des Stammes in
sehr feine Zasern war. Diese Zasern pflanzen sich aber nicht
in den Stein selbst ein, sondern eine Schicht von Schleim um-
giebt sie und bildet einen Leim, wodurch die Befestigung ge-
schieht. Die Absorbtion des Nahrungssaftes geschieht durch
die freien Enden, die sich nicht an den Stein festgelegt ha-
ben, aber bald daran festlegen werden. Diese freien Enden
sind von Rosenfarbe. Sie endigen sich durch wahre einzellige
Spongiolen von weisser Farbe und sind durchsichtig, wo die
Wand sichtbar ist, woraus man sieht, dass dieses Endbläschen
geschlossen ist. Die röthliche Färbung fängt etwas höher
durch Kügelchen an, die nachher braun und endlich grün wer-
den. Die Kügelchen sind denen ganz ähnlich, die man auf
vielen Haaren sieht, und man kann sie als Glandeln betrach-
ten, welche den Schleim absondern. Uebrigens haben diese
Wurzeln Querwände, wie die Wurzeln von Hypnum. — Zu-
letzt vom Stamme. Der Centralkörper besteht aus einem Zell-
gewebe, worin einige cylindrische Zellen breiter als die übri-
gen sind. Um sie, wie um einen Mittelpunkt, stehen prisma-
tische längere Zellen. Der Centralkörper wird von einem Rin-
158
denkörper umgeben, dessen Zellen dickere Wände haben, braun,
enger und lang werden. Allerdings sieht man hier einen Ueber-
gang zu den Monokotyl edonen und zwar zu den Palmen.
Icli seile nicht den geringsten Grund, warum man die
Blätter der Trideen, der Amaryllideen u. s. w. den Blattstielen
analog stellen will. Die Blattstiele laufen in der Regel nicht
spitz zu, sondern breiten sich an der Spitze vielmehr aus.
Die Blätter der Irisarten sind zusammengelegt und die Seiten
verwachsen. Dass die Blätter der Gräser wahre Blätter sind,
zeigen Pharus und Olyra. Die Blätter der Acacien sind mit
Recht Phylloden zu nennen; der Blattstiel hat das Blatt ab-
sorbirt und ist dadurch dicker geworden. Eben so sind die
sogenannten Blätter von Phyllantlms und Ruscus Phylloden
oder Phyllome, eine Verbindung von Blatt- und BlüthenstieJ.
Eben so wenig kann ich einen Grund finden, warum ich die
Blätter der Moose nicht Blätter nennen soll. Das Wort Po-
larisation sagt gar nichts, darum fiel es mir auch gar nicht ein,
bei der Untersuchung der Moosblätter die Frage aufzuwerfen,
ob sie wohl wirkliche Blätter sein möchten.
Eichenen.
Memoires Lichenographiques p ar Mr. Fee. N.
ActaAcadem. Leopoldino-Carolinae T. XVIII. Suppl. 1. Diese
Abhandlung, zur beschreibenden Botanik gehörig, führe ich
nur an, weil man darin überall die Sporenschläuche beschrie-
ben und gezeichnet findet.
Recherches sur la structure du nucleus des
genres Sphaerophoron de la famille des Lichens et
Lichina de celle deByssacees par CamilleMontagna.
Annal. d. scienc. natur. T. 15. p. 146. Der Verf. beschreibt
zuerst sehr genau und giebt eine Abbildung von den Schläu-
chen und den Sporidien. Zugleich aber wird auch des schwar-
zen Pulvers erwähnt, welches von den Sporidien ganz ver-
schieden ist, und dessen Ursprung der Verf. nicht zu kennen
gesteht. Die Thecae der Gattung Lichina, zu den Algen ge-
hörig, sind ebenfalls gut beschrieben und abgebildet.
In den Ausgewählten anatomisch-botanischen Abbildungen,
drittes Heft, sind drei Tafeln den Eichenen gewidmet,
und es ist die Anatomie von folgenden Eichenen, dem Thal-
159
Jus und dem Sporaugium, oder dem Sporaiigium allein, gege-
ben: Tab. 5. Cetraria islandica, Euernia fraxinea, Parmelia
parietina, Parmelia saxatilis, Euernia villosa, Euernia ciliaris,
Lobaria pulnionaria. Tab. 6. Collema fasciculare, Collema
saturninum, Roccella tinctoria, Sphaerophorus coralloides, Us-
nea florida. Tab. 7. Pertusaria communis, Verrucaria atrovi-
rens, Lecidea granulosa, Lecidea luteola, sanguinolenta, lu-
cida, tartarea, Verrucaria gemmata, maura, Opegrapha notha,
rimalis, atra, Conioloma coccineum. Die äussere Schicht des
Thallus, er mag blattartig oder krustenförmig sein, besteht
aus einem häutig zelligen Gewebe. Die Intercellularsubstanz,
wie sie Mohl nennt, tritt hier nicht allein hervor, sondern sie
nimmt auch gar oft den grössten Theil des Gewebes ein. Auf
diese äussere Schicht folgt eine zweite, aus Röhren beste-
hend, die durch Jod oft gefärbt werden. Diese Röhren sind
meistens weit, selten (an Lobaria) zart, und noch seltener
(an Cetraria) in einer äussern Schicht zart, in einer Innern
weit. Immer sind diese Röhren gar sehr verwickelt, zuwei-
len auch ästig. In den Soredien tritt diese Schicht äusserlich
hervor. Von diesen Röhren schnüren sich, wie es scheint,
Ringe ab, deren Form mir nicht ganz deutlich ist, indem der
Ring einen Kern von einer körnigen Substanz umschliesst,
die an einigen, z. B. Sphaerophorus, kohlenschwarz ist. Diese
Ringe sind noch nicht beschrieben und abgebildet, ausser von
Montagne in der vorhin erwäluiten Abhandlung. Er fand sie
noch blau. An den krustenförmigen Lichenen fehlt diese
Schicht, an den blattartigen ist sie meistens vorhanden. Die
Ringe möchte ich für ein Analogon des Pollen ansehen. Die
Schläuche (thecae) sind von sehr verschiedener Grösse, auch
die darin enthaltenen Sporen, in denen man deutlich eine fein-
körnige gefärbte Masse sieht. Oft findet man junge und äl-
tere Thecae zusammen in einem Sporangium; erstere enthal-
ten nur eine gleichförmige Masse, ohne ausgebildete Sporen.
Oft, nicht immer, sind Paraphysen, aber ungegliederte, vor-
handen.
Algen.
Ueber drei verschiedene Systeme der Tangge-
wächse von Dr. Kützing. Linnaea T. 15 p. 546. Die
160
grösseren Conferveii bestehen aus einer äussern continuirli-
chen farblosen Röhre, in welcher 2) fadenförmig verwachsene,
dickwandige Zellen von derselben Substanz, welche einzeln
3) wieder andere Zellen beherbergen, die von zarterer, dün-
nerer Substanz sind, und endlich 4) mehr oder weniger grün-
gefärbte Kügelchen, die an der innern Wandung der zarten
Zelle festgewachsen sind. Diesen Bau hat schon Treviranus
erkannt und der Verf. knüpft nun seine Bemerkungen daran.
Die äussere dickwandige Zelle ist im unveränderten Zustande
stets farblos, sie wird nicht von Jod gefärbt, schwache Säu-
ren und verdünnter \yeingeist lassen sie unverändert, und ge-
trocknet zieht sie sicli zwar zusammen, weicht sich aber im
Wasser wieder vollkommen auf. Sie wird nicht durch Kali-
lauge in Amylumsubstanz umgewandelt. Der Verf. nennt sie
die Gelin zelle. Die innere dünnwandige Zelle ist entweder
farblos oder gefärbt, sie wird von Jod meist braun gefärbt,
schwache Säure und Weingeist bewirken plötzlich Contraction,
welche auch 4meh blosses Trocknen hervorgerufen wird, und
in keinem Falle durch Einweichen im Wasser wieder aufge-
hoben werden kann, Sie wird durch Kalilauge in Amylum-
substanz umgewandelt. Der Verf. nennt sie Amylidzelle. —
Der kugelige oder körnige Inhalt der Amylidzelle besteht ent-
weder aus Stärkekügelchen oder Gummikügelchen, er wird
durch Jod blau, violet oder braun gefärbt. Der Verf. be-
zeichnet ihn mit dem Namen Zellenkerne oder Gonidien. Ist
nur ein einziger Zellenkern vorhanden, so nennt er die Zelle
eine monogonimische, und mehrere eine polygonimische. Dies
sind die drei Grundgestalten, die Elementargebilde des Tang-
gewebes und die Mannichfaltigkeit ihrer Form, ihrer Verbin-
dung unter einander und der Grad ihrer Entwickelung be-
dingt die zahllosen Formen des zusammengesetzten Tangge-
webes. Die nur zu kurze Beschreibung dieser Gewebe, so
wie, was der Verf. von den Sporangien sagt, sind keines
Auszugs fähig.
Eine Anatomie von Fucus canaliculatus ist auf
der achten Tafel des dritten Hefts der Ausgewählten anatomisch-
botanischen Abbildungen F. 1. 2. gegeben. Den Tang brachte
ich noch ziemlich frisch in einer Büchse von Irland nach
Berlin. Zu äusserst findet sich eine doppelte Schicht von
161
Zellen mit grossen Körnern gefüllt. Das Innere ist ganz und
gar mit verwickelten Röhren angefüllt, wie es in den Liclienen
der Fall ist, nur sind hier die Röhren öfter kolbig, und an
den kolbigen Spitzen mit Körnern gefüllt, auch haben sie eine
gallertartige Consistenz. In den Warzen, wo die Sporangien
sich befinden, treten diese Röhren in die Höhlung hinein und
bilden die Sporenschläuche, wie es scheint. In andern Tang-
arten ist aber der Bau verwickelter.
Pilze.
Um mit dem Vorigen fortzufahren, setze ich die Anato-
mie einiger Pilze hierher, wie sie auf der achten Tafel
dfes dritten Hefts der anat. -botan. Abbildungen geliefert ist.
Zuerst Daedalea quercina. Der ganze Pilz besteht aus einem
Gewebe von sehr feinen Röhren, wie das Innere der Lichenen,
ohne jenen Ueberzug, welchen die Lichenen in der Regel ha-
ben. Zwischen diesen Röhren finden sich kleine Körner, die
aus zusammengeschnürten und zerfallenden Fasern zu entste-
hen scheinen, wie in den Lichenen. Sie sind keine Amylum-
körner. Am Rande der Falten sieht man Röhren mit Quer-
wänden, deren äusserste Glieder endlich abfallen und Sporen
darstellen. Dann die Anatomie von Ca ntharellu s cibarius.
Der Strunk besteht aus langen, meistens einfachen aber ge-
gliederten Röhren. Das Innere der Lamellen, so wie des gan-
zen Hutes enthält oft ästig verwickelte Röhren ; in dem Rande
der Lamellen bilden diese Röhren parallele Schläuche, die
sich deutlich in Sporen abschnüren. Zwischen diesen erheben
sich andere Schläuche mit kleinern gestielten Körnern auf der
Spitze. Diese gestielten Körner, welche sich auch an Agari-
cus finden, sind nicht die Sporen, wofür man sie wohl ange-
sehen hat, denn diese enstehen aus Abschnürung der letzten
Glieder an den Schläuchen , wie hier aus Fig. 9 deutlich er-
hellt, sondern es sind davon ganz verschiedene Körper, die
ich Antheridien nennen möchte. Eine ähnliche Bildung zeigt
sich auch an den Agar icus- Arten, wovon hier A. campestris
und A. alliaceus vorgestellt sind. Das Innere der Lamellen
besteht aus den verwickelten oft ästigen Röhren, wie sie die
Lichenen haben, doch nehmen sie zuweilen eine besondere bläs-
chenartige Form an, die aber durch das Zerfallen der grössern
Archiv f. Naturgeschichte. VIII, Jahrg. 2, Bd. L
162
Röhren zu entstehen sclieint, eben so wie in den Lichenen die
ringförmigen Körper aus dem Abschnüren der Röhren entste-
hen. Am Rande der Lamellen drängen sich die Röhren zu-
sammen, werden parallel und erhalten mehr oder weniger deut-
liche Querwände, welche endlich Glieder bilden, die an den
Enden als Sporen abfallen. So habe ich es an einigen be-
merkt, und Fig. 13 zeigt es auch deutlich genug. Zwischen
diesen wachsen nun einige Schläuche hervor, auf denen sich
jene Körner zeigen, die ich Antheridien genannt habe. Sie
sind meistens gestielt, kugelförmig oder länglich, oft klein, oft
gross, aber Zwischenformen habe ich nicht gefunden, mei-
stens zu zwei zusammen, doch finden sich auch mehrere zu-
sammen und dann gewöhnlich klein und ungestielt. Dass sie
abfallen, sieht man an den leeren Stielen, welche gar nicht
selten vorkommen.
Der Fenster-Fadenpilz, Torula feuestralis, von
S. H. Schwabe. Linnaea T. 15 p. 279. „Der Fenster-Faden-
pilz, sagt der Verf., wird nun von den meisten Schriftstellern
zu Sporotrichum gezogen, oder von andern zu einem eigenen
Genus, Byssocladium , allein beide Annahmen scheinen auf
einer Täuschung zu beruhen, der auch ich unterlag, indem
ich die getrennten Glieder der Fäden für Sporen hielt.
Nach diesen Beobachtungen nun kann der Fenster -Fadenpilz
nicht zu Sporotrichum gezogen werden, weil dieses sehr feine,
zarte, schlaffe und verfilzte Fäden, die wirkliche Sporen her-
vorbringen ; auch finde ich unnöthig ein eigenes Genus aufzu-
stellen, da alle Merkmale sehr gut zu Torula passen, und die
kugelförmigen Glieder von T. alta T. herbarum Lk. unter gün-
stigen Umständen eben so zu einem ungefärbten, ungeglieder-
ten Faden auswachsen, wie es bei T. fenestralis geschieht."
In der Fortsetzung von Willdenow's Species plantarum
steht folgende Anmerkung unter Sporotrichum p. 1 ; Sporidia
e cellulis thalli constrictis et delapsis orta vidit Nees. in Sp. laxo.
Eodemmodoet in reliquis oriri videntur. Ferner p. 19; Flocci
expansi Byssocladium und Nota Regulari floccorum expansione
saepe centrifuga dignoscuntur. Der Pilz wurde zuerst von
Roth als Conferva fenestralis beschrieben, dann nannte ich
ihn Byssocladium fenestrale, worin Nees und Martins folgten.
Da man mir aber vorwarf, dass ich zu viel Genera mache,
163
so brachte ich Byssocladium zu Sporotrichum. Mit Torula
hat der Pilz wenig Aehnlichkeit, die feste, dichte, mir durch-
scheinende schwarze Torula, die in verwickelter Masse wächst,
viele Jahre aushält, kann mit Byssocladium, diesem leichten,
zarten, flüchtigen Gewebe nicht in einer Gattung stehen.
lieber Conferva Orthotrichi Dillw. von Karl
Müller. Flora 1841. Th. 1. S. 161. Unter C. O., sagt der
Verf. , zu der noch die Synonyme C. muscicola Sm. und Pro-
tonema O. Agdh. gehören, begreifen die Algologen dieselben
Gebilde, welche Bruch und Schimper in ihrer Monographie
der Orthotrichen für Würzelchen (radiculae), Bridel u. a. für
Drüsen halten. Diese confervenartigen Auswüchse bestehen
aus cylindrischen Röhren, welche in ihrem Innern immer fä-
cherförmig abgetheilt sind (mit Querwänden versehen). Ihre
röhrige Form ist sehr mannich faltig, so dass wir sie bald
gleichmässig dick, bald keulenförmig finden. Einfach und fast
immer in vorhergenannter Form besitzt sie O. phyllanthum,
■ mannichfaltiger hingegen O. Lyellii. Hier sind sie bald ein-
fach, bald so sehr verästelt, dass es unnütz wäre, ihre man-
nichfaltigen Formen hier aufzuzählen. Ihre Fächerform ändert
auch häufig ab, und zwar so, dass sie immer der Dicke der
Röhren proportional bleibt, aber nur in der Länge sehr va-
riirt. Sehr zerstreut sind sie bei O. Lyellii, äusserst regel-
mässig hingegen an den Blattspitzen des O. phyllanthum, die
sie fast sternartig umgeben, und mit ihrer braunen Farbe
äusserst lieblich auf dem zarten Blattgrün abstechen. Noch
finden sie sich auf O. gymnostomum Bridel und O. obtusifo-
lium Schrad., jedoch in geringer Anzahl. Was die Metamor-
phose dieser Gebilde bei O. phyllanthum betrifft, so sagt der
Verf. davon Folgendes: Untersucht man diejenigen jungen
Gipfeltriebe, die noch zart sich im Frühlinge oder Herbste
entwickeln, und durch eine hellgrünere Farbe vor den an-
dern Blättern auszeichnen, so findet man in ihrem innersten
Gipfel, d. h. da, wo die künftigen Blätter noch zart sind und
kaum angefangen haben, sich aus dem massenartig zusammen-
gehäuften Zellgewebe des Stammes zu entwickeln, eine Menge
zarter hyaliner, runder oder länglicher Kügelchen, die sich
durch Aufschwellung des Zellgewebes jener jungen Blättchen
gebildet haben, diese sind die künftigen sogenannten Conferven
L*
164
der Blattspitze. Mit der grossem Ausbildung der jungen Blät-
ter, d. h. nachdem diese angefangen, sich aus dem innersten
Gipfel zu erheben, werden auch sie mit der Blattspitze em-
porgehoben, wo sie sich bald sehr verlängern, und bei dem
Heraustritt an die atmosphärische Luft und das Licht braun
färben. Mit dem Eintritte dieser Farbe bilden sie Fächer.
Der Verf. giebt nun diesem Exanthem, wie er sagt, den Na-
men Phragmidiolum, weil er es mit dem Phragmidium ver-
gleicht, und macht daraus zwei Arten, Phr. simplex und Phr.
ramosum. Da es mit Phragmidium doch nur eine entfernte
Ähnlichkeit hat, so schlage ich den Namen Phaeocoma (Braun-
haar) vor.
Im Jahre 1841 sind schon mehrere Nachrichten von Pil-
zen, auch Algen, vorgekommen, die auf thierischen Körpern
wachsen. Da nun aber in diesem Jahre sehr viele Untersu-
chungen darüber bereits erschienen sind, und an noch andern
gearbeitet wird, so möchte es vielleicht zweckmässig sein,
jene Anfänge vorläufig zu übergehen.
Morphologie. Varietät. Monstrosität.
lieber die Morphologie der Pflanzen ist ein wichtiges
Werk erschienen: Legons de Botanique comprenant principa-
lement la Morphologie vegetale , la Terminologie etc. par Au-
guste St. Hilaire. Par. 1841. 8. Die Aufgabe der neuern Mor-
phologie ist, die mannichfaltigen Verschiedenheiten, unter wel-
chen die Pflanze sich darstellt, auf eine Grundform zurück
zu führen , oder sie vielmehr davon abzuleiten. Es ist ein
Verfahren in der Botanik, wie es der Krystallograph in der
Mineralogie anwendet, indem er von mehr oder weniger ge-
nau bestimmten Grundgestalten die verschiedenen Nebengestal-
ten ableitet, welche in der Natur vorkommen. Die Pflanzen
haben aber statt der Krystallflächen wirkliche Glieder, woraus
zuerst die Axentheile bestehen, und auf welchen die Seiten-
theile (appendiculaires) als Glieder sich befinden. Die Mittel,
deren man sich bedient, um jene Ableitung hervorzubringen,
sind nun, dass man die Theile in Gedanken sich vergrössern,
verringern und ganz fehlen (avorter) lässt, ferner sich zusam-
menziehen und ausdehnen, entfernen und nähern, verwachsen
und sondern , zarter und gröber werden u. s. w., wie man sie
165
in der Natur nach Beobachtungen gefunden hat. Besonders
hat man gefunden, dass sich die Seitentheile in einander ver-
wandeln, und dass man die Blätter als die Grundform anse-
hen kann, woraus alle andern Seitentheile bis zu den Umhül-
lungen des Embryo. Dieses ist die Metamorphose der Pflan-
zen, die man jetzt in Frankreich, einer neuen Mode zufolge,
die Goethesche nennt, wie man sie auch zuweilen in Deutsch-
land genannt hat. Sie sollte eigentlich die Linneische genannt
werden, da sie Linne schon vollständig vortrug. Aber die
Anwendung, welche besonders die französichen Schriftsteller
machen, liegt fern von Goethe, der sich darauf beschränkte,
an einer Pflanze diesen Uebergang aus dem Gröbern in das
Feinere, aus dem Irdischen in das Geistige darzustellen, und
sich nicht darauf einliess, die Mannichfaltigkeit der Pflanzen
daraus zu erklären. Die Morphologie erwartet noch immer
eine philosophische Bestimmung, aber ohne jene Formeln von
Polarität, und wie sie weiter heissen mögen, wodurch Alles
und Nichts erklärt wird. Dass von einem Buche wie dieses
kein Auszug kann gegeben werden, versteht sich von selbst;
es ist reich an einer Menge von sinnreichen und treffenden
Bemerkungen.
Elements de Teratologie vegetale par A. Mo quin- Tand on.
Par. 1841, ist ein ähnliches, vortreffliches Werk, welches kei-
nen genauen Auszug erlaubt. Im Ganzen hat der Verf. die-
selben Grundsätze, welche in dem vorigen Werke herrschen,
und er wendet sie nicht allein auf die Monstrositäten, sondern
auch auf die Varietäten an, und in dieser Rücksicht ist das
Werk neu und merkwürdig. Die Varietäten theilt er in drei
Klassen nach der Coloration, villosite, consistance und taille.
Hieraus folgen nun die Ordnungen: Albinisme, chromisme, al-
terations, glabrisme, pilosisme, ramolissement, induration, na-
nisme, geantisme. Eben so werden auch die Monstrositäten
in vier Klassen getheilt: Volume, forme, disposition, nombre,
und daraus folgen die Ordnungen: Atrophies, hypertrophies ,
deformations, pelories, metamorphoses, soudures, disjonctions,
deplacements, avortements, multiplications. Mit grossem Fleiss
hat der Verf. gesammelt und selbst beobachtet, nur ist zu be-
dauern, dass er ausser den französischen Schriftstellern keine
andern kennt. Das liegt aber an dem Buchhandel in Frank-
166
reich, denn der Verf. liest deutsch, und würde sich auch sonst
deutsche Werke anschaffen können.
Monstruosites vegetales. 1. Fascicule, par A. P. et
Alph. de Candolle in den Neuen Denkschriften der AUgem.
Schweizerischen Gesellschaft für d. ges. Naturwissenschaft B. 5.
Neuchatel 1841. Folgende Monstrositäten sind hier beschrie-
ben: 1) Viola odorata, monstrosa dicta Bruneau. Die Mon-
strosität bestätigt die Theorie, sagen die Verf., in einer dop-
pelten Rücksicht, nämlich die Existenz von einer zweiten Reihe
von Blumenblättern und von fünf Karpellen statt dreier. 2)
Monstrositäten durch Aufreissen des Perikarpiums an Solanum
esculentum und an einer cultivirten Melastomacee, deren Na-
men der Verf. nicht angeben konnte. 3) Primula Auricula.
Die Blume w^ar kelchartig. Die allgemeine Centralplacenta ist
aus mehreren genau verbundenen Nabelsträngen im regelmässi-
gen Zustande zusammengesetzt, die sich im monströsen mehr
oder weniger trennen, auch wohl in Blätter ausw^achsen, 4)
Primula sinensis. Im Ovarium eine kleine Blume statt der
placenta und der Eier. 5) Lepidium sativum mit 4 — Sfächriger
Schote oder Kapsel. 6) Cheiranthus Cheiri. Die Monstrosi-
täten zeigen, dass die Schote eine Kapsel ist mit Samenträ-
gern an den Wänden und falschen Scheidewänden, die mehr
oder weniger über den innern Rand der verwachsenen Kar-
pelle hervorragen. 7) Valeriana montona. Sonderbare Ab-
änderung eines gebänderteu Stammes. 8) Maxiilaria Deppei
triandra. Merkwürdig.
Ueber einige interessante Miss- und Umbildun-
gen von Pflanzen, vom Prof. Kirschleger. 1) Miss-
bildungen an W^eiden. Weibliche und männliche BUithen in
einem Amentum kommt oft vor. Aeste, die sich in ein Amen-
tum endigten, eine merkwürdige Missbildung. 2) Missbilduii-
gen bei Compositae, Tragopogon pratensis. Das Anthodium
(Peranthodium) war glockenförmig, fast kugelig, das Ovarium
glatt, cylindrisch eckig, an der Spitze abgestumpft und ohne
Saum; die Haarkrone fünfblättrig, und die Centralblume fast
röhrig. Hypochaeris radicata. Der Blüthenkopf war in eine
Umbelle umgewandelt, die Blüthen-Internodien waren auseinan-
der getreten und hatten sich verlängert.
Remarks on an anomalous form of the plum ob-
167
served in the Gardens of New Brunswick, N. America by
Jani. Robb. Hooker Journ. of Botan. T. 3. p. 91. Der Verf.
vergleicht zuerst die Frucht überhaupt mit einem Blatt, denn
Goethe's Vergleichung einer Blattknospe mit einer Blutenknospe
sei doch sehr zweckmässig , und so vergleicht er die untere
Seite des Blattes, oder das hypophyllum mit dem exocarpium,
das Mittel desselben oder das mesophyllum mit dem meso-
carpium, und die obere Seite des Blattes oder das epiphyl-
lum mit dem endocarpium. In dem monströsen Falle war
nun das exocarpium der Pflaume gelb nnd runzlicht, das
mesocarpium war nicht mehr entwickelt als der mittlere Theil
eines Blattes zu sein pflegt, das endocarpium, so gross wie
eine Kaffeebohne, war häutig und voll Gefässbündel auf der
innern Fläche , auch w^ar es durch Gefässbündel an das meso-
carpium befestigt. Zuweilen befand es sich da, wo der Grif-
fel abgefallen war, zuweilen zwischen diesem Punkt und dem
Fruchtstiel. Zuweilen war es leer, zuweilen waren zwei un-
vollkommene Eichen daran, die zum Theil aus drei Hüllen
über einander bestanden und in der Mitte eine Flüssigkeit hatten.
Beispiel einer Antholyse der Blüthen von Tri-
folium repens von F. Schmitz. Linnaea T. 15. p. 267.
Der Blüthenkopf war in eine Doldentraube (corymbus) ver-
wandelt, die Kelchabtheilungen in wahre Blätter, Blumenkrone
und Staubfäden hatten wenige Veränderungen erlitten. Am
merkwürdigsten war das Auswachsen des Pistills in ein Blatt,
welches in vielen Fällen an der Basis (im Blattwinkel) eine Knospe
hatte, die zuweilen in ein zweites Pistill verwandelt war.
Missbildung an einer Rosa chinensis, beschrie-
ben von D. F. L. V. Schi echten dal. Linnaea T. 15. p. 408.
Der regelmässige Kelch bestand aus fünf Blättern. Aus die-
sen ging eine Röhre hervor, welche sich in mehre Theile
spaltete, die äusserlich mit kleinen Blüthenblättern besetzt waren,
auch mit Griffeln , innerlich aber mit grünen Blättern , wie
Kelchblätter. Eine Abbildung ist nicht beigefügt, und so war
mir die Beschreibung etwas undeutlich.
Ein kurzer Nachtrag über die Arbeiten in dem Theile der
physiologischen Botanik, welcher Ernährung der Pflanzen, ihre
Farben, eigenthümliche Bewegungen u. dgl. betrifft, wird noch
nachgeliefert werden.
168
Bericht über die Leistungen in der Naturgeschichte
der Amphibien während des Jahres 1841.
Von
Dr. F. H. Troschel»
In der herpetologischeii Literatur ist im verflossenen Jahre
eben nicht viel Neues erschienen; indessen haben wir doch
über manches Interessante zu berichten. Ausser einzelnen No-
tizen in Journalen sind besonders als wichtig zu nennen: die Er-
petologie generale von Dum er il undBibron, Vol. VllI, welche
einen Theil der Lurche behandelt und eine Arbeit von Gray
über neuholländische Amphibien. Ich hole hier, da der Raum
es gestattet, ein bereits früher erschienenes Werk nach, und
muss es bedauern, dass wiederum zwei amerikanische Werke,
obgleich schon vom Jahre 1839, mir noch nicht zugänglich
geworden sind.
lieber den ersten Band von Holbrook's »North Ame-
rican Herpetology etc.,« welcher 1836 erschien, isi vom seli-
gen Wiegmann in diesem Archiv 1837. 2. p. 221. sq. berichtet
worden. Im Jahre 1838 sind von demselben Werke der zweite
und dritte Band erschienen, aber in dem Jahresberichte im
Jahrgange 1839 übersehen. Auch mir ist es im vorigen Be-
richte wegen der älteren Jahreszahl entgangen. Es scheint
mir jedoch zweckmässig, dergleichen lieber etwas spät nach-
zuholen, als ganz zu übergehen; zumal da diese beiden Bände
in dem 8. Bande 1841 von Dumeril's und Bibron's Herpeto-
logie generale noch nicht benutzt sind. Was die allgemeine
Einrichtung des Werkes betrifft, so gilt auch über den 2. und
3. Band das, was Wiegmann 1. c. über den ersten gesagt hat.
Es würde schwer sein, nach den Beschreibungen und Abbil-
dungen, ohne die Thiere selbst vergleichen zu können, die
Arten auf die von Dumeril und Bibron zurückzuführen. Wie
169
ich höre, ist auch 1840 bereits der vierte Band, und wahr-
scheinlich 1841 schon der fünfte Band dieses Werkes erschie-
nen. Leider ist von ihnen aber in Berlin noch nichts ange-
kommen. Ich darf daher erst hoffen, in einem der späteren
Berichte darüber zu referiren.
Die Iconografia della fauna italica des Prinzen C. Bo-
naparte ist nun beendigt, und bildet ein Prachtwerk in drei
Bänden, dessen zweiter die Amphibien enthält. Die Unbequem-
lichkeit, welche bei dem Gebrauche eines jeden Buches, welches,
wie das vorliegende, nicht paginirt ist, entsteht, Hess sich bei
der Art des Erscheinens nicht vermeiden. Es ist nun vorn ein
Verzeichniss der Tafeln gegeben, welche eine systematische
Ordnung erhalten haben, und zwischen sie ist der entspre-
chende Text eingeschaltet. Offenbar kann nur nach der Num-
mer der Tafeln citirt werden. Im Ganzen finden sich nach
diesem Werke in Italien 62 Amphibien, von denen 6 Schild-
kröten, 18 Eidechsen, 18 Schlangen und 18 Batrachier. In
der 30. Lieferung ist nur noch eine Tafel mit Amphibien ent-
halten, auf der Notopholis nigropunctata , Podarcis taurica,
oxycephala, Fsammodroimis cinereus, Lacerta viridis (var. stri-
gata) und Ophiomorus miliaris abgebildet sind.
Die Arbeit von J. E. Gray über Neuholländische Amphi-
bien erschien in einem Werke ^ Journals of two expedi-
tions of discovery in Nordwest and Western Australia, du-
ring the Years 1837, 38 and 39 etc. by George Grey«,
bildet p. 422 des zweiten Bandes einen Theil des naturgeschicht-
lichen Anhanges, und hat den Titel A Catalogue of the Spe-
cies of Reptiles and Amphibia hitherto described as inhabiting
Australia, with a description of some New Species from We-
stern Australia, and some remarks on their geographical distri-
bution. In dem Verzeichnisse werden 107 Arten aufgezählt,
unter denen 63 Saurer, 20 Ophidier, 7 Chelonier und 17 Ba-
trachier. Daran schliesst sich eine Beschreibung der neuen
oder weniger bekannten Gattungen und Arten, deren auch
einige {Ronia catenulata, Aprasia pulchella, Delma Fraseri,
Lialis Burtonii, Soridia lineata, Moloch horridus, Elaps GouU
dii, Elaps coronatus Schi., Calamaria diadema Schi., Hydra-
spis australis, Chelodina ohlonga, Hyla hioculata, Hyla Adelai-
densisj Breviceps Heliogahali, Heleiporus alboguttatus) auf 8
J70
Steindrucktafelii abgebildet sind. Diese Beschreibung der neuen
Amphibien ist bereits vorher in den Aunals of nat. bist. MI.
p. 86 mitgetheilt (Description of some new Species and four
new Genera of Reptiles from Western Australia, discovered
by John Gould. Leider vermisst man bei dieser Arbeit zu-
weilen die nöthige Sorgfalt und Genauigkeit. Ein Frosch ist
z. B. abgebildet, von dem im Texte kein Wort gesagt ist.
Reports on the Fishes, Reptiles and Birds of Massachu-
setts. Publies par les ordres de la legislature etc. par MM.
Humphreys Storer et William B. O. Peabody. 1 Vol. 8. fig. Boston
1839. Dieses Werk ist mir nur durch eine Anzeige in der Re-
vue zoologique 1841. p. 319 bekannt geworden. Die Abthei-
lung über Amphibien und Fische ist von Storer bearbeitet,
nimmt 253 Arten ein , und ist von 3 lithographirten Tafeln be-
gleitet, auf der einige neue oder wenig gekannte Arten abge-
bildet sind. Verf. giebt die Charaktere aller Gattungen, und
beschreibt die Arten mehr oder weniger ausführlich, je nach-
dem sie mehr oder weniger bekannt sind. Auch die Synony-
mie ist berücksichtigt und Bemerkungen über ihre Lebensweise
und ihren Nutzen sind eingefügt.
Eine Arbeit über Amerikanische Amphibien von Abm. Sa-
ger (Silliman American Journal Vol. 36. p. 320— 324. 4839)
ist mir ebenfalls nur aus einer kurzen Anzeige in der Revue
zoologique bekannt geworden. Leider kommen die Amerika-
nischen Schriften immer erst sehr spät oder gar nicht nach Ber-
lin. Ausser einigen Beobachtungen über Salamander werden
zwei neue Arten Salamandra agilis und Inrida beschrieben;
darauf folgt die Beschreibung einer Varietät des Scincus late-
ralis Say.
An J. MüUer's Beobachtung einer Bewaffnung des Zwi-
schenkiefers der Embryonen der Schlangen und Eidechsen
(vergl. dies Archiv. VII. 2. p. 115) schliesst sich eine Angabe
von Mayer, nach welcher bei Krokodilen und Schildkröten auf
dem Oberkiefer zahnartige Bildungen sich finden, die einer
ähnlichen Erscheinung bei den Vögeln entsprechen. Derselbe
glaubt, es besitzen die beschuppten Amphibien, welche häu-
tige Eier legen, den von J. Müller entdeckten Zwischenkiefer-
zahn, um die Eihaut zu spalten; diejenigen aber, welche kalk-
schalige Eier legen, wie die Krokodile und Schildkröten,
171
Oberschnabelzähne, um die Eischale durchzureiben. Bei Tejus
monitor ist der Zwischenkieferzahn vorhanden. (Froriep's Neue
Notizen, XX. p. 69.)
Chelonii*
Hier haben wir nur dreier neuer Arten Erwähnung zu
thun, von denen die beiden erstem von Gray als neuhollän-
disch, die dritte vonHollbrook als amerikanisch am ange-
führten Orte beschrieben werden.
Ht/draspis australis Gray ist zu unvollständig besclirieben,
als dass man mit Sicherheit danach bestimmen könnte, nach der Ab-
bildung scheint sie zur Gattung Platemys zu gehören.
Chelodina oblong a Gray soll sich von Ch. longicollis be-
sonders dadurch unterscheiden, dass das Brustschild jederseits gekielt
und einfarbig röthlich ist, ohne dunkle Ränder der Platten.
Cistudo Blandingii HoWhv. Kopf ziemlich breit, Oberkie-
fer vorn ausgerandet, Unterkiefer mit einem kleinen Haken 5 Schild
rundlich, länglich, glatt, ohne Kiel, mit ganzem Bande, Brustschild
vorn ganz, hinten tief ausgerandet. 8". Illinois.
Gegen die Bemerkung Mandl's, dass die Blutkügelchen der Kro-
kodile sehr lang sind (vergl. dies Archiv. 1841. 3. p. 115) giebt Gul-
liver an, dass das bei anderen Arten dieser Familie, z. B. bei Cr,
acutus und Champsa ßssipes nicht der Fall sei, so dass also in einer
Familie Verschiedenheiten in dieser Beziehung sich fänden, wovon
auch bei den Vögeln Beispiele vorkommen (Annais VII. p. 556.).
Liizenberg giebt aus Neu- Orleans Nachricht über die
Art, wie die Alligatoren dortiger Gegend ihre Eier ausbrüten.
(Aus den Bulletins de l'Acad. de St. Petersbourg. Febr. 1841
in Froriep's Neuen Notizen. XVII. p. 280.)
Diese Thiere bereiten ein Nest von Kräutern, indem sie so viel
davon zusammenbringen, dass ein Kegel von 3 Fuss Höhe und 3 Fuss
Durchmesser am Grunde entsteht. Auf diesen Kegel legen sie ihre
Eier und bedecken sie wieder mit Kräutern. Da der Boden der Prai-
rie, in welcher sich diese Nester finden, gewöhnlich einige Zoll hoch
mit Wasser bedeckt ist, so zieht sich dasselbe in den Kräutern und
Gräsern in die Höhe, wodurch das Nest beständig feucht erhalten
wird, etwa wie ein Misthaufen und in einem Zustande langsamer
Gährung sich befindet. Das Weibchen soll das Nest muthig vertheidigen.
Gray beschreibt 1. c. als neu Gr ammatophora cristata^
und vergleicht die Art mit G. Gaimardii und Decresii, welche eben-
falls, als aus Australien kommend, beschrieben werden.
Derselbe beschreibt ebenda auch eine neue Gattung aus
der Familie der Agamen, welche er Mo lock nennt. Körper
172
niedergedrückt, bedeckt mit unregelmässigen , ungleichen, klei-
nen, körnigen Schildern, jedes in der Mitte mit einem Dorn,
und mit einer Reihe breiter, konischer, convexer, spitzer Dor-
nen; Kopf und Beine mit ähnlichen Schuppen und Dornen be-
deckt. Kopf klein mit sehr breiten Dornen über jedem Auge.
Schwanz mit unregelmässigen Ringen breiter spitzer Dornen;
keine Schenkelporen ; Zähne klein, fast gleich. 5 kurze Zehen
an allen Beinen, oben und unten mit gekielten Schuppen be-
deckt; Nägel lang, spitz. Eine Art M. horridus. Allerdings
ein höchst merkwürdiges Thier, welches auch das hiesige zoo-
logische Museum jüngst durch Herrn Preiss aus Neuholland
erhielt.
Auch in der Familie der Scincoiden stellt derselbe eine
neue Gattung Ronia auf: Kopf etwas abschüssig, mit einem
queren Frontalschilde und zwei breiten Vertebralschildern, das
hintere das grösste, die Rostralschilder breit, mit zwei unglei-
chen Superciliarschildern. Das Nasalschild dreieckig, zwi-
schen dem Rostralschilde und Frontalschilde, die Nasenlöcher
in der Mitte; zwei viereckige Zügelschilder, Lippenschilder
breit. Nur ein undeutlicher vertiefter Punkt statt des Ohres.
Körper cylindrisch Schwanz konisch, spitz. Schuppen glatt,
eiförmig, dachziegelförmig, am Bauche sechsseitig. Vorder-
gliedmaassen klein, rudimentär, ungetheilt; Hintergliedmaassen
massig entwickelt, in zwei sehr ungleiche Zehen endigend, mit
deutlichen Nägeln. Eine Art R. catenulata. Auch diese
erhielten wir durch Herrn Preiss.
OpTiidii,
Valenciennes beobachtete das ununterbrochene Brüten
einer weiblichen Schlange (Python hivittata) während zweier
Monate, wodurch sich eine ähnliche in Indien gemachte Beob-
achtung von Lamare Picquot bestätigt (Institut 1841. p. 245. 255.)
Nach mehrmaliger Begattung im Januar und Februar, und nach
einer Häutung am 4. April, legte das Weibchen am 6. Mai 15 Eier,
und zwar im Verlauf von 3^ Stunden. Dieselben waren alle getrennt,
schwollen an der Luft etwas an, und waren länglich, nicht hart und
schön weiss. Die Mutter sammelte alle in einen Haufen, legte dea
hintern Theil des Körpers um denselben, und rollte sich spiralförmig
so auf, dass ihre AViudungen einen Kegel bildeten, in dessen Spitze
sich der Kopf befand. Dadurch wurden die Eier vollkommen einge-
hüllt. Die Wärme blieb während der ganzen Zeit des Brütens 13 bis
173
14 0 höher als die des Zimmers, in welchem sie sich befand. Nach
56 Tagen begannen die Jungen, von denen sich jedoch nur 8 ent-
wickelten, auszuliriechen. Die Sclilauge frass während dieser Zeit
nicht, trank aber mehrmals begierig Wasser. Am 3. Juli, am Tage
des Auskriechens der Jungen, verschlang sie 5 — 6 Pfund Rindfleisch,
jedoch noch die Eier umfassend. Bald nachher jedoch verliess sie
dieselben, und zeigte nicht die geringste Theilnahme mehr für die
Jungen. Diese häuteten sich nach 10 — 14 Tagen, und frassen dann
erst junge Sperlinge.
Holbroo kstellt zwei neue Arten auf. Coluber taxispilotus^
Kopf oval, verlängert, oben mit breiten Schildern bedeckt, Körper
hell chokolatenbraun , mit dreifacher Reihe fast viereckiger Flecken.
35". Süd - Carolina. C. elapsoides ^ Kopf klein; Körper röth-
lich mit schwarzen Ringen, in deren Mitte wieder ein schmalerer
weisser Ring. 11". Süd - Carolina.
Einige neue Schlangen finden sich auch bei Gray I. c.
Tropidonotus Mairii, olivenfarbig, unterhalb blasser, Rük-
ken- und Seitenschuppen gekielt, in Längsreihen.
Trimesurus olivaceus, olivengrün, Kopf dunkel, jederseits
mit einem schwarzen Streifen.
Calamaria annulata^ weiss mit 28 schwarzen Ringen.
Elaps Gouldiiy gelblich, die Rückenschuppen mit dunklem Vor-
derrande. — E. Lewisiiy olivengrün, Rand der Schuppen schwärz-
lich, Bauch grünlich weiss.
Schlegel beschreibt eine neue Art Trigonocephalus aus
Columbien. T. Lansbergii in Guerin's Mag. d. zool. pl. 1. Die
Färbung ist gelbbraun mit 82 — 24 breiten dunklern schwarz einge-
fassten Binden, der Schwanz ist kurz und ist unterhalb mit ganzen
Platten bekleidet.
Satrachii,
Van der Hoeven giebt an, die Blutkügelchen des Cnj-
ptohranchus japonicus seien ^\ Linien lang, -gV Linien breit.
(Annales des sciences. nat. 2. ser. XV. p. 251.)
In einer Höhlung eines grossen Stückes Steinkohle wurde zu
Lancaster beim Zerschlagen ein munterer Frosch (ohne Angabe der
Art) gefunden. Das Aussehen der Höhlung in der Kohle soll bewei-
sen, dass sie die Behausung des Thieres seit der Bildung des Koh-
lenlagers abgegeben. (Lancaster Guardian; Froriep's Neue Notizen.
XVH. p. 266.)
Thompson führt Lissotriton palmipes Bell, als zur Fauna von
Irland gehörig an (Annais VII. p. 478).
Von Dumeril und Bibron Erpetologie generale ist im
Jahre 1841 der achte Band erschienen, welcher die Batrachier,
mit Ausnahme der geschwänzten (Urodeles) enthält. -Diese wer-
174
den im letzten Bande nebst einer Charakteristik aller Gattun-
gen und Arten folgen , nachdem zuvor die Bände 6 und 7 ge-
liefert sein werden, welche die Naturgeschichte der Schlangen
enthalten sollen. Die Batrachier werden folgendermaassen ein-
getheilt:
1. Unterordnung. Peromeles. Keine Gliedmaassen, Kör-
per schlangenförmig.
1. Familie. Caeciloides.
2. Unterordnung, Anoures. Vier Gliedmaasseu. Kein
Schwanz.
a) Phaneroglosses mit einer Zunge.
2. Familie. Raniformes, Zähne im Oberkiefer, die
Finger am Ende nicht breit.
3. Familie. Hylaeformes. Zähne im Oberkiefer, die
Finger am Ende sehr breit.
4. Familie. Bufoniformes. Keine Zähne im Oberkiefer.
h) Phrynaglosses. Keine Zunge.
5. Familie. Pipae/ormes.
S.Unterordnung. Urodeles, Vier oder zwei Gliedmaasseu,
ein Schwanz.
a) Atretoderes. Hals ohne Kiemenlöcher oder Kiemen.
6. Familie. Salamcmdrides.
h) Trematoderes, Am Halse deutliche Kiemenspalten
oder Köcher.
7. Familie. Amphiumides. Ganz ohne Kiemen,
8. Familie. Proteides. Mit sichtbaren bleibenden Kiemen.
Die Zahl der neuen Gattungen und Arten ist nicht sehr gross.
In der Familie der Caecüoideii findet sich eine neue Gat-
tung Phinatremay welche sich von allen Andern durch das
Fehlen der Gruben an der Schnauze unterscheidet; dahin ge-
hört Caecilia livittata Cuv. — Unter den Rcmifotmes ist eben-
falls nur eine neue Gattung Leiuperus mit zahnlosem Gau-
men und ovaler Zunge. — In der Familie der Hijlaefoimes
sind es deren drei. Aciis. Fiisse mit Schwimmhäuten, Zähne
am Gaumen, Zunge herzförmig {Rana gnjllus und tügritahQ-
conte). Crossodactylus. Zehen ohne Schwimmhäute, aber
an beiden Seiten mit Haut gesäumt; eine neue Art 6V Gaudi-
chaudii von Brasilien. Phyllohates. Zehen ohne Schwimm- j
häute, ohne Hautsäume, Gaumen zahnlos. P. licolor Bibr.
175
In der Familie Bufoniformes sind mehrere neue Gattungen
aufgestellt: Rhinoderma mit verstecktem Paukenfell und
einer häutigen Verlängerung an der Schnauze; eine neue Art
RluDarioinii ^owOivXx. Atelopus. Paukenfell versteckt, die
vier Zehen der Hinterfiisse mit Schwimmhäuten, Kopf verhält-
nissmässig; eine \\q\xq kxi Atelopus ßavesceiis aus Süd-Amerika.
PlectropuSf die fünfzehigen Hinterfüsse mit Schwimmhäuten,
Gaumen ohne Zähne; eine Art P, pictus. Upe7'odo7if die
fünfzehigen Hinterfüsse mit Schwimmhäuten, Zähne am Gau-
men {Engy Stoma marmoratum Cuv.). Rhiiiophrynus, die
vierzehigen Hinterfüsse mit Schwimmhäuten, Kopf sehr klein ;
eine neue Art R. dorsalis aus Mexiko. — Unter den Pipae-
formes findet sich keine neue Gattung.
John Hogg macht in seinem System der nackten Am-
phibien (vergl. dies Archiv 1841. 2. p. 123) einige Veränderun-
gen. Er vereinigt seine beiden Ordnungen Äbrmichia und
Caducibranchia in eine, der er den letzteren Namen erhält,
und unterscheidet diese beiden Abtheilungen nur als Tribus,
die er Celatihranchia mit verborgenen Kiemenfranzen und
Prolatihra7ichia mit äusseren Kiemenbüscheln nennt. Sei-
nen Mmie^itibranchien fügt er eine zweite Tribus Fim-
hrihranchia hinzu, die durch die Gattung Lepidosiren ge-
bildet wird. Diesen Namen will er in Amphihichthys umän-
dern. (Annais etc. VH. p, 353.)
Neue Gattungen und Arten von Batrachier finden sich bei Gray
und Holbrook aufgestellt. Beim ersteren zwei neue Gattungen.
Uperoleia, Kopf breit, Gaumen zahnlos; Oberkiefer mit klei-
nen dichtstehenden Zähnen; Paukenfell unter der Haut verborgen;
Zehen an Vorder- und Hinterbeinen verlängert, schlank, frei; der
Knöchel mit einem rundlichen äusseren und einem kleinen kegelförmigen
inneren Tuberkel; Zunge klein, länglich, abgerundet, hinten ganz.
Von Leiuperus Dum. Bibr. durch das verborgene Paukenfell verschie-
den. U, marmor at a. — Heleioporus, Kopf kurz, dick; Augen
breit, convex; Gaumenzähne in einer geraden unterbrochenen Binde
zwischen den inneren Nasenlöchern; Zähne sehr klein; Körper dick;
Haut am Rücken fein granulirt, am Bauche glatt, Beine ziemlich
kurz; vorn 4, hinten 5 Zehen, kurz, unten warzig, ohne Schwimm-
häute; das innere Handgelenk mit einem breiten, länglichen, zusam-
mengedrückten, Innern Tuberkel; die Basis des inneren Fingers mit
einer kegelförmigen Warze, die in einen kleinen, spitzen Knochen-
fortsatz endet; Zunge breit, hinten ganz. H. alöoputictatus^
verwandt mit Cystignathus.
176
Derselbe stellt eine neue Art der Gattung Cystignathus auf. C.
dorsaliSy graubraun mit dunklen Flecken und mit einem weissen
Mittelstreifen von der Stirn auf den Rücken.
Ferner zwei Arten der Gattung Hyla: H. adelaidensts und
hioculata. Beide könnten leicht Varietäten einer Art sein; die
Hinterseite der Hintersclienkel ist röthlich braun mit weissen Flecken
bei ersterer Art, gelben bei letzterer.
Brevicejis GotildtiGruy I.e. ist glatt, mit einigen zerstreu-
ten, niedrigen Tuberkeln, graubraun, unten gelblich.
Endlich folgen noch die neuen Arten von Holbrook.
Bufo erythronotus. Kopf kurz, ziemlich spitz; Körper ober-
halb rothbraun, unterhalb gelblichweiss, granulirt. 1^". Süd -Carolina.
Rana horiconensis. Schnauze ziemlich spitz, Körper dunkel
olivenfarbig mit unregelmässigen schwarzen Flecken und jederseits
mit einer Hautfalte. 3^". Am See George.
Hylodes ocularis. Schnauze spitz, eine schwarze Binde ver-
läuft über den Oberkiefer, durch das Auge, über die Schulter bis zu
den Seiten des rothbraunen Körpers. 11". Süd-Carolina u. Georgien.
Salamandra guttolineata. Kopf dick, kurz, stumpf; ober-
halb strohgelb, mit einer schwarzen Scheitellinie, die sich hinter dem
Hinterhaupt gabelt; seitlich eine schwarze Binde, in welcher eine
Reihe weisser Flecken. Carolina. — S. aurictilata, Kopf klein, mit
röthlich braunen Flecken am Ohr, Körper und Schwanz cylindrisch,
jederseits mit einer Reihe kleiner röthlichbrauner Flecke. 5". Geor-
gien.— S.talpoidea. Kopf sehr breit; Körper kurz, dick; Schwanz
kurz, zusammengedrückt; schwarzbraun. 3", Inseln an den Küsten
von Süd-Carolina. — Dazu kommt noch eine Art, welche dem Verf.
im Manuscript von Storer mitgetheilt worden. S. salmonea. Kopf
breit, flach, Schnauze stumpf, mit einer lachsfarbigen Linie jederseits
zu den Augen; Körper und Schwanz oben gelblichbraun, an den Sei-
ten lachsfarbig. 6^". Massachusetts.
i77
Bericht über die Leistungen im Gebiete der Natur-
geschichte der Fische Avährend des Jahres 184].
Von
Dr. F. H. Troschel.
Wie bereits in dem Berichte über Auiphibien erwähnt wurde,
ist jetzt die Iconografia della fauna Italica vom Prinzen Bo-
naparte vollendet, und der dritte Band enthält die Abthei-
lung der Fische. Die ganze Anzahl der in Italien vorkom-
menden Arten beläuft sich auf 470, unter denen 66 im
süssen Wasser leben. Sie sind auf 160 und einigen Tafeln
abgebildet. In den letzten Lieferungen 28 bis 30 sind ausser
vielen bereits früher bekannten Arten auch zwei neue abgebil-
det, deren Diagnosen unten mitgetheilt werden sollen.
In den Transactions of the zool. soc. of Londoji. V^ol. IL
p. 349 erschien ein Aufsatz von Sykes: On the Fishes of the
Dukhun. Diese Arbeit wurde bereits am 27. November 1838
der Zool. Soc. mitgetheilt, und ein Auszug von ihr findet sich
in den Proceedings ct. 1838. p. 157, der jedoch wegen des
gewöhnlich sehr späten Eintreffens der Proceedings in Berlin
in dem Bericht von 183.9 übergangen ist. Jetzt ist die voll-
ständige Abhandlung, begleitet von 8 illuminirten Tafeln, in
Kupferstich erschienen. Leider sehen wir hier ein Beispiel
von dem ungünstigen Verhältniss, welches durch das späte Er-
scheinen der Gesellschaftsschriften entsteht. Im Jahr 1838 zu-
erst vorgelegt, ist die Arbeit zum Theil schon bei ihrem Er-
scheinen (3 Jahre später) veraltet, weil die inzwischen publi-
cirten Werke nicht mehr benutzt sind. Die Beschreibungen
genügen den neueren Anforderungen nicht ganz, und es hält
schwer nach ihnen zu entscheiden, in wie weit die Arten mit
den seitdem an andern Orten aufgestellten übereinstimmen.
W^äre z. B. die Cuvier-Valenciennessche Histoire des poissons
benutzt, so hätten unmöglich mehrere Missgriffe über die der
Familie der Siluroiden angehörigen Arten gemacht werden
können. Der Zahnbau ist hier gar nicht berücksichtigt, luid
Archiv f, Natmgesfhirhte. VI II. Jahrg^. 2. Bd. M
178
man kann daher oft über die Gattung, der die Arten angehö-
ren, nicht klar werden. Anderentheils sind wieder Gattungen
durch Arten bereichert (z. B. Phractocephalus) , die ihnen ge-
wiss nicht angehören, da ihnen die wesentlichen Charaktere
fehlen. Ueber Einzelnheiten werde ich unten einige Bemer-
kungen hinzufügen.
Von William Yarr eil s: A history of British Fishes er-
schien eine zweite Ausgabe, welche ich jedoch noch nicht aus
eigener Ansicht kenne.
Im Jahre 1840 erschien ein Werk, dessen wir schon im
vorigen Jahresberichte Erwähnung gethan haben, das uns je-
doch damals nur aus einigen Notizen in andern Zeitschriften
bekannt war. Es ist B e n n e tt' s Narrative of a Whaling Voyage
round the globe ct. Der zweite Band enthält in einem An-
hange Illustrations of the natural history of the tuscan's Voyage,
und p. 255 die Notizen über Fische, deren einige in Holz-
schnitten in den Text gedruckt sind. Einige neue Arten wer-
den aufgeführt, über die ich mich jedoch jeder Kritik enthal-
ten muss. Deshalb hier nur die Namen.-
Sqiiahis fidgeiis, Lophius Scuidwiceiisis , Bah'stes Oire vou den
Gesellschaftsinseln, Ostracio?i pe/ifacorfiis im stillen Ocean, Pegasus
n. sp.? , Leptocephaliis sp. , Coryphaena sociulis im stillen Ocean,
Achims pelincidus ebenda, Acantlmrus suharmatus von den Gesell-
scliaftsinseln , Elagatis bipinmilatus im stillen und indischen Ocean,
Exocoetus nf'^ricans im atlantischen und stillen Ocean und Scopelus
steUatiis im sülleu Ocean.
Ein neuer Band von «The Naturalist's Library, conducted
by William Jardine^> enthält Ichthyology Vol. 111. Fishes of
Guiana Part. I. by Robert Schomburgk. In der Einleitung
wird manches über die Fischerei Guiana's beigebracht. Dann
werden die einzelnen Arten beschrieben, und auf 30 Tafeln
mit lebhaften Farben abgebildet. Der vorliegende Band ent-
hält nur Weichtlosser. Die Stachelflosser und Knorpelfische
sind einem andern Bande aufgespart. Viele neue Arten wer-
den beschrieben, von denen hier nur die Namen Platz finden
können.
Hypostoma squaUnum^ Doras castaneo-ventris, Artus oncina^
Pimelodus arekaima, t'fisigtii'Sj 7iotatus, Hypophthalmiis dawalla, Osteo-
glossum arowana, Clialceus rotundatus ^ labrosus , iiigrotaeniatus,
Anodus notatus, Serrasalmo punctatus, niger , Salmo emarginatus ,
Myletes pacu, Tetrngonopterus latus, Schomburgküy X?'phostoma ocel-
179
laiitm, Hydrocyon microlepis ^ armatus^ Prochilodtis rubro-taeniatusy
hinotatus, insignis.
Francis k. Mackenzie theilt in einem Aufsätze (Brief
and Practical Instructions for the Breeding of Salmon and
otlier Fish artificially, Annais VIII. p. 166) seine Versuche über
die Entwicklung des Laichs in einem mit einem Bache in Ver-
bindung stehenden Bassin mit.
lieber die zellige Schwimmblase des Lepisosteus finden
wir eine Notiz von Van der Hoeven in MüIIer's Archiv etc.
1841. p. 221. — Daran knüpft J. Müller ib. p. 223 Bemer-
kungen über Lungen und Schwimmblasen, und setzt die Ver-
schiedenheit derselben hauptsächlich in das Blut, welches die
Luftsacke erhalten; ist es dunkelroth, so sind sie Lungen,
sonst nicht.
Thompson führt Scomber maculatus Couch und Silurus glanis
L. als zur Fauna von Irland gehörig an. (Annais VII. p. 479.)
A-canthopterygii.
Die vonSykesl. c. aufgestellte Art der G?).ii\ivig Anib assis, A.
Barlovi soll sich von A. Comniersonii besonders durch die Zahl der
Flossenstrahleo unterscheiden: D. 22. A. 18. P. 10. V. 6. C. 27 (anders
in der Abbildung); gelblich silberfarbig, sehr zusammengedrückt.
Thompson macht eine Mittheilung über die irländischen Stich-
liDge. On the species of Stickleback (^Gasterosteus Lion.) found in
Ireland, Annals etc. VII. p. 95,
Richard son beschreibt einen Clieilodacty lus: Ch, gibbo-
sus: Capite brevi, ore parvulo^ dentibus brevibus setaceis; dorso
gibbo, Spina quarta longissimai radiis pinnae dorsalis articulatis ra-
dios spinosos numero plus duplo excedentibus. P. 8. VI; D. 17. 36;
V.l. 5; A, 3. 8. Van Diemensland. Gray fand ihn übereinstimmend
mit einer Zeichnung von Parkinson nach einem Exemplar aus dem
Endeavour River, von Cook's zweiter Reise. Banks Icon. ined. t. 23.
(Anuals VIII. p. 464; Proc. 1841. p. 21).
Opliicephalus leucopunctatus Sykes I. c. unterscheidet
sich von 0. Marulius Hamilt. Buch, dadurch, dass er 2 Strahlen we-
niger in den Brustflossen und keine Augenflecke in den senkrechten
Flossen hat, sondern zahlreiche weisse Punkte, die auch auf dem
Körper vorhanden sind.
E.Moore spricht von einem Pilotfisch {Naucrates'ductof); wel-
cher im süssen Wasser gefangen wurde (Torybach, ein Arm des
Plj-m). Der Rücken war an frischen Fischen purpurschwarz, die
Binden reichten knapp über die Seitenlinie, die Iris war dunkelbraun,
und die äussersten Spitzen der Brust-, Bauch- und Schwanzflossen
weiss und diirchsichtig. Nach einigen Tagen wurde das schöne me-
180
tallische Blau fles Bauches matt eisengrau, die Binden wurden rundum
deutlich, und die braune Iris zog sich zusammen und Hess einen
glänzenden gelben Kreis übrig. (Annais VIII. p. 316.)
Ein neuer Gobi'us, G, Ktirpah Sykes I.e. unterscheidet sich
besonders durch die Zahl der Flossenstrahlen. D. 7. 11. P. 19. A. 10.
Bonaparte stellt in seiner Iconografia einen neuen Blennius
lupulus auf: Fusco-olivaceus, atro-maculatus; longitudine altitudi-
nem vix quinquies superante, capite oblique truncato, subbreriore
altitudine corporis^ cirro superciliari vix nullo; ano a pinna anali
longinquo; cauda rotundata. D. 29. P. 13. V. 3. A. 18. C. 14.
JtEalacoptery gii.
Die bereits im vorigen Jahresberichte erwähnten Unter-
suchungen über das elektrische Organ des Malapterurus
electricus von Valenciennes sind nun ausführlicher mit-
getheilt in den Archives du Museum. Tome II. p. 43.
Mehrere Siluroiden werden bei Sykes in den Fishes
of the Dukhun als neu abgebildet und beschrieben:
Schübe Boalis Sykes (Silurus Boalis Buchan.) ist ein echter
Silurus, und bei Cuvier-Valenciennes als Silurus Vallagoo Rüssel
beschrieben.
Ob HypopJithalmus Goongwaree und Taakree Sykes wirk-
lich dieser Gattung angehören, ergiebt die Beschreibung nicht^ da der
Mangel der Zähne nicht angegeben ist; der Verf. hat offenbar darauf
nicht geachtet, da er die Noth wendigkeit der Trennung dieser Gat-
tuog von Schübe für zweifelhaft hält, obgleich schon das Vorhanden-
sein einer kJeloen Fettflosse dafür spricht.
Bagrus YarrelU Sykes, besonders durch fadenartige Ver-
längerungen der ersten Stacheln in Rücken- und Brustflossen, und
der Spitzen der Schwanzflossen auffallend, scheint wohl ein Bagrus
oder Arius zu sein^ er hat 8 Bartfäden und ist olivenbraun mit schwar-
zen Flecken. B. Lonah Sykes ist nicht abgebildet, ebenfalls 8
Bartfäden, röthlichbraun mit schwarzen Flecken.
Platystoma Seenghala Sykes scheint, wenn man einige
kleine Unrichtigkeiten in der Abbildung zugiebt, Bagrus Lamarii
Val. zu sein.
Phractocephalus Kuturnee, Itchkeea Uüd Gogra Sykes
gehören bestimmt nicht der Gattung Phractocephalus Agass. an, da
ihnen die eigenthümlichen oberen Knochenstücke der Fettflosse feh-
len; zu welcher Gattung sie gezählt werden müssen, lässt sich nicht
entscheiden.
Pimelodus Seengtee Sykes mag wohl ein Pimelodus sein,
über den Zahnbau ist jedoch nichts angegeben.
Ageneiosus Childreni Sykes soll gar keine Bartfäden ha-
ben, könnte also nur allenfalls Silundia gangetica Val. (Piro, silundia
181
BuchaD.) sein, bei der die sehr kleinen oberen Bartfäden übersehen
wären. Die Beschreibung passt ziemlich, aber doch nicht ganz; es
kann leicht ein anderer Fisch sein, dem die Bartfäden verloren gingen
Auch aus der Familie der Cyprinoiden bildet Sykes
mehrere neue Arten ab; leider sind die Schlundzähne nirgends
beschrieben; Verf. beschränkt sich ganz auf äussere Charaktere.
Cyprinus ab ramioides^ ohne Bartfäden, mit gekörnter Nase.
D. 80. A. 8. P. 18. — CPotall, ohne Bartfäden. D. 13. P. 14. A. 9.
— C. Nu1cta\ mit zwei kurzen Hörnern zwischen den Augen, wohl
nur Monstrosität von C. auratus. Diebeiden letzteren nicht abgebildet.
Varicorhinus Bohree^ mit gekörnter Nase, ohne Bartfäden.
D. 17. A. 8.
Barbus Muscullah, mit 4 kurzen Fäden und gekörnter Nase
D. 18. A. 8. P. 16. Wird 48 Pfund schwer. — B. Khudree, mit 4
Fäden, blutroth gefleckten Flossen. D.H. A. 7. P. 14. Ist nicht ab-
gebildet. — B. Kolus, D.13. A. 8. V. 10. Schwielige Tuberkeln am
Kopfe, 8 Fäden, ist wohl ein Gobio.
Chondrostoma Kawrus, ohne Seitenlinie und ohne Fäden.
D.18. A.8. P.16. — Ch, Fulungee, D. 10. A. 6. P. 10. Nicht abge-
bildet. — Ch. Boggut, D.18. A. 8. P. 15. Ebenfalls nicht abgebil-
det. — Ch, Mullya, D.H. P. 14 — 16. A. 8. — Ch. Wattanah,
D.H. P.14— 15. V. 9 — 10. A.8. 4| Zoll lang.
Chela Balookee, D. 8. A.14. P. 18. — Ch. Oweni, D. 11.
P. 18. A. 19. Schuppen äusserst klein. Rückenlinie fast gerade, wie
bei Pelecus cultratus. — Ch. Jorah, D. 10. P. 18. A. 8. — Ch. Te-
kanee, DAd. V.i2. \.\i. — Ch- Alkotee, D. 8. V. 7. A. 10. Nur
Ch. Oweni ist abgebildet.
Leuciscus Morar (Cypr. Morar Buchan). — L. San'dkhol,
mit fast cylindrischera Körper; D. 13. P.14. V. 10. A. 8. — L. Chi-
tul, D. 14. P.14 A. 8. Röthlichgrau.
Rohtee nov. Gen. Körper rautenförmig, Rücken- und After
flösse ziemlich lang, erstere an dem Winkel des Rückens, der erste
Strahl der Rückenflosse hinten gesägt; Schuppen klein: R. Ogil-
biiy D.18. V. 9. A. 17 — R. Vigorsii, D.H. V. 10. A. 88. — R.
Pangut, D.18. P. 14—15. A. 8; die 3 — 4 ersten Strahlen der
Rückenflosse schwarz am Ende.— R. Ticto (Cypr. Ticto Buchan).
Die drei letztern nicht abgebildet.
Von den drei Arten der Gattung Cobitis gehört C. Moor eh
zur Gattung Cobitis s. str. wegen der keilförmigen Schwanzflosse
und des fehlenden Augenstachels. D.13. A.7. — C. Maya hat eine
keilförmige Schwanzflosse und Augenstachel, ist also eine Acantho-
psis Agass. D. 9. A. 7. — C. Ruppelli endlich hat eine gabelförmige
Schwanzflosse und keinen Augendorn, gehört also zur Gattung Schi-
stura M'Clelland. D. 13. P. 13. V. 8. A. 8. Grünlichgelb mit kurzen
braunen Ouerflecken au der Seitenlinie, Schwanzflosse mit braunen
Hakenbiuden.
482
Ein Aufsatz über indische Cyprinen, von M' Clelland, aus
den Asiatic Researches Vol. XIX. part. 11. p. 217, welcher der
Asiatic Society of Bengal am 5. Sept. 1838 übergeben wurde,
findet sich abgedruckt in den Annais of nat. hist. Vol. VIII.
p. 35, 108, 192.
Heckel stellte (Aunals VII. p. 522) eine neue Gattung
der Cyprinoiden nach einem in Dalmatien aufgefundenen Fisch
auf, die er Aulopijge nennt.
Diese Gattung zeichnet sich durch einen fleischigen Kanal aus,
welcher der Länge nach mit dem ersten Strahl der Afterflosse zu-
sammenhängt, und einen äusseren röhrenförmigen Anhang des Afters
darstellt, wodurch der After an der Spitze der Afterflosse sich öif-
netj sonst hat der Fisch Ähnlichkeit mit Barbus, ist jedoch ganz
schuppenlos. Die Art heisst A. Hügelü.
Aus der Familie der Salmonoiden findet sich mir eine neue
Art, und zwar von Bonaparte in der Iconografia ct.:
Chlorophthalmus Agassixi altitudine longitudinis sextum
aeqante; capite dimidium trunci fere excedente, oculo amplissimo,
smaragdino. D. 12. 5. P. 19. V. 10. A. 9. C. 20.
In der Familie der Cliipeaceen ist ebenfalls nur eine Art von
Sykes 1. c. aufgestellt, nämlich aus der Gattung Mystus Buchan.
(non Cuv.j Notopterus Lacep.) und M. Badgee genannt. D. 7 — 8.
A. 105, Keine Bauchflossen.
Einen neuen Hornhecht beschreibt Sykes 1. c. unter dem Namen
Betone Graii. Schwanzflosse abgerundet und ausgerandet; Unterkie-
fer länger als der Oberkiefer. D. 16. A. 16.
C. J. Sundevall nimmt zwei Arten der Gattung Le-
pidoleprus Risso, der er den älteren Namen Bloch's Ma-
crourus erhält, als an der norwegischen Küste vorkommend,
an. [Om de tvä Nordiska arterna af fisklägtet Macrourus (Le-
pidoleprus Risso) och bädos förekommande vid Norrige. K.
Vetensk. Acad. Handl. 1840]. Nach emer vorausgeschickten
historischen Einleitung werden beide ausführlich beschrieben.
Kl
Macrourus Fahrt cii Sund, (Coryphaena rupestris Fabr.;
Macr. rupestris Bl., Reinh. ) squamis valde serrato -cariuatis^ radio
dorsali autico submutico; piuna dorsi secuuda ante auum incipiente.
MacrourusStroe?nliReiuh. (Berglax Ström., Coryphaenoides ru-
pestris Guun., Coryphaena rupestris Müll., Lepidolfrprus norvegicus
Miss., Macrourus Stroemii Reinhardt^ squamis planis , crebre spinu-
loso-hirtis^ radio dorsali antico valde jserrato^ piuna dorsi secuuda
longius poue auum incipiente.
Trevolyan erzählt von Aalen, welche während 10 Jah
reu in einem Teiche gehalten wurden.
183
Im Winter bleiben sie in Erstarrung und nehmen keine Nahrung
zu sich; Ende April's nehmen sie Würmer, welche man ihnen reicht,
später werden sie sehr gefrässig:, so dass sie selbst bei fehlender
Nahrung einander verschlingen können. Sie sollen sehr zahm seinj
Ende August's werden sie unruhig und sollen in der Richtung des 4
Meilen entfernten Meeres zu entschlüpfen suchen. Über ihre Fort-
pflanzung ist nichts beobachtet (Institut, p. 331).
Wi ddrin g ton glaubt die Thatsache, dass der Aal sich nur in
dem oberen Theile der Donau bis Ulm herab finde, und weiter unten
fehle, aus der Beschaffenheit des Wassers erklären zu können. Er
giebt an, das Wasser der Donau sei dort oben, so weit es vom
Schwarz wald stamme, reich an Nahrung, die sich für Aale eigne,
wogegen es unterhalb Ulm, wo sich Alpenströme in dasselbe ergies-
sen, seinen Charakter verändere, und für die Ernährung der Aale
nicht mehr geeignet sei, weniger wegen der Kälte, als vielmehr we-
gen des Mangels an Nahrung, und wegen der schnellen Strömung.
Denselben Alpencharakter hat das Wasser des Rheins bis zum Ein-
fluss der Mosel und anderer Nebenflüsse der linken Seite; und Verf.
fragt, ob die Aale des Main wandern, oder während des Winters in
den oberen Gegenden bleiben. Die Elbe erhält gar keinen eigent-
lichen Alpenzufluss, und es fragt sich, ob die Aale in Böhmen blei-
ben, oder ob sie die Küste. der Nordsee besuchen (Annais and Maga-
zine of nat. bist. Vol. VIII. p. 207.
Thompson berichtet, dass am 7 — 9. Febr. 1841 bei einer star-
ken Kälte viele Aale {Anguüla acutirostris Yarr.) in demLaganfluss
bei Belfast gestorben und an der Oberfläche geschwommen seien.
Es wehte ein durchdringender Westwind. Vorher fand grössere
Kälte bei Südwind statt, ohne dass die Aale gestorben wären (An-
nals of nat. bist. VII. p. 75).
Richardson beschrieb einen neuen Aal von Vandiemensland:
Anguilla australis maxilla inferiore longiore, pinna dorsi supra
anum incipiente, rictu magno (Annais VIII. p. 465).
Sykes bildet 1. c. einen Aal von Dukhun ab: Aiiguilla El-
phinstonei. Unterkiefer vorstehend, dunkelgrün mit schwarzen
Flecken.
Jardine kommt auf die Struktur und die Lebensweise
des Lepidosiren annectens zurück (Annais ct. VII. p. 21).
Er fügt die Bemerkung hinzu, dass dieses Thier 18 Zoll tief im
Boden gefunden sei, welcher während 9 Monaten des Jahres völlig
trocken und hart sei, die übrigen 3 Monate liege er unter Wasser;
wenn der Fisch hervorgeholt und in Wasser gelegt werde, schwimme
er sogleich.
Owen fügt den Gründen für die Fischnatur des Lepidosiren
annectens noch die mikroskopische Beschafl'enheit der Zähne hinzu
(Anuals VII. p. 311).
184
IPectognuthi
In der dritten Fortsetzung der Anatomie der Myxinoiden
von J. Müller, Berlin 1841, theilte derselbe p. 78 in einer
Anmerkung die Gattung Tetrodon in vier Untergattungen.
Die eine derselben, Fhy sogaster , hat in der Nasengrube eine
hohle Papille mit Nasenlöchern, die nicht in ein Röhrchen verlängert
sind, und einen Hautkiel am Seitenrand des Bauches von der Kehle
bis auf den Schwanz, diesem Kiel entspricht ein zweiter weiter obeo
gelegener Kiel an der Seite des Schwanzes, Dahin T. obloiigtis,
lunarh. Andere, Chclonodon^ haben keine Spur von Nasenlöchern,
und an (tieser Stelle einen hautartigen trichterförmigen Tentakel. Noch
andere, Cheilichthijs , haben eine mehr oder weniger lange Nasen-
röhre, mit 2 Nasenlöchern au derselben und keinen Kiel am Bauche.
Endlich noch andere, Arothron, haben statt der Nasen jederseits
ganz solide Tentakeln, in w^elche der starke Geruchsnerv gehtj
diese baten auch einen Riugmuskel um das Auge und eine Art Au-
genlider; dahin T. testiidinarms.
Eine anatoinisclie Arbeit über Orthragarisciis mola, welche
sich hauptsächlich auf die Osteologie bezieht, lieferte als In-
auguraldissertation Wellenbergh (Observationes anatomicae
de Orthragorisco iMola. Lugduni Batavorum 1840.
Die Beschreibung des Thiers, welche vorangeht, sagt nich(s über
die der Gattung Ozodura Ranz, eigenthümlichen Knochen am Rande
der Schwanzflosse, indessen scheinen dieselben in der Abbildung des
Skeletts angedeutet zu sein, und das Thier wäre dann Ozodura
Orsini Ranz.
Richards on stellte eine neue Art Ostracion auf; O. lenticula-
ris, inermis, ovali-compressus, dorso ventreque carinatis. P. 18.
D. 10. A. 10. C. 11. Vandiemenslaud. (Annais VIII. p. 465.)
Cyclostoiini.
Über einen höchst merkwürdigen Fisch ( Branchio Stoma
luhricum Costa, Ämphioxus lanceolatus Yarrell) erhielten wir
von mehreren Beobachtern reichhaltige Aufklärungen. Zu-
erst von Rathke: Bemerkungen über den Bau des Ämphioxus
lanceolatus, eines Fisches aus der Ordnung der Cyclostomen.
Mit einer Kupfertafel. Königsberg 1841 ; dann vonGoodsir
in den Annais of nat. hist. VII. p. 346: On the Anatomy of
Ampliioxus lanceolatus of Yarrell; endlich von Joh. Müller
im IMonatsbericht der Akademie der Wissenschaften zu Berlin ;
December 1841.
H. Rathke stellte seine Untersuchungen an Exemplaren an,
welche er auf einer Reise nach Norwegen erhielt, mit denen einige
185
'^rtiittelmeerische vollkommen übereiostimmteii. Die grössteu waren
1" 8'" lang. Der längliche mit Kränzen umgebene Mund liegt vorn
und unterhalb j der After weit nach hinten, hinter der Mündung der
Leibeshöhle. Weit vor dem After ist eine dritte Öffnung, welche iu
den freien Raum der Leibeshöhle führt. Kiemenöffnungen fand Verf.
nicht, eben so wenig Organe für Gesicht, Gehör und Geruch. Eine
zusammenhängende Flosse zieht sich vom vorderen Rande des Mun-
des über den ganzen Rücken, um den Schwanz, unten rechts am
After vorbei, bis zur Mündung der Leibeshöhle; sie wird auf dem
Rücken durch einfache tafelartige Strahlen gestützt, unterhalb nur
vor dem After durch Strahlen, welche aus zwei gleichen Seitenhälf-
ten bestehen. Brust- und Bauchflossen fehlen. Die Haut ist glatt,
ohne Schleim, und von rosenrother Farbe, bei einem Exemplare war
der Kopf schwarz. Von Innern Theilen spricht Verf. diesem Fische
das Herz, die Leber, die Nieren, ein durch eine besondere Gestalt
sich auszeichnendes Gehirn, die Hirnschale, die Gehörwerkzeuge, die
Nasenhöhle und den Gaumen ab. Die vorhandenen Innern Organe
weichen meist auch sehr von denen der andern Cyclostomen ab.
Eine Rückensaite reicht vom vordem bis zum hintern Ende des
Körpers; die sie umgebende Hülle bildet, durch eine Scheidewand
getrennt, über ihr zwei Längshöhlen, deren untere das Rückenmark,
die obere eine mit etwas Fett getränkte Masse von Zellstoff enthält.
Aus der Mundhöhle, die keine Spur von Zähnen hat, geht ein Kanal
geradesweges zum After; die vordere Hälfte desselben ist Athmungs-
organ, die hintere Verdauungsorgan. Ersteres ist ein durch Knorpel-
leistchen gestützter Schlauch, der mit der Rückenseite der Leibes-
höhle verwachsen ist, und an der Verf. nur eine vordere und hintere
Öffnung bemerkte; letzteres ist anfangs dünn, wird dann weit, ist
am Rücken der Leibeshöhle angewachsen, und sondert nach vorn
einen Blindsack ab, den Verf. als Magen ansieht. Eine Reihe von
oblongen Körpern jederseits im Innern der Leibeshöhle sieht Verf.
als Geschlechtsorgane (Hoden oder Eierstöcke) an, denen jedoch
Eierleiter und Samenleiter fehlen. Vom Gefässsystem sah Verf. nur
zwei von hinten nach vorn verlaufende Gefässe in der untern Wan-
dung des Kiemenschlauchs, die sich vorn vereinigen, und so ein drit-
tes Gefäss, dass dicht unter der Rückensaite nach hinten verläuft,
bilden. Zu beiden Seiten desselben befinden sich zwei andere Ge-
fässe (Cardinalvenen). Ausserdem wurden einige feinere Gefässe
beobachtet. Endlich werden noch zwei Kanäle erwähnt, die sich
vorn an der Lippe und hinten neben der Öffnung der Leibeshöhle
öffnen, ohne dass eine bestimmte Deutung über sie gegeben würde.
— Was die Stellung im Systeme betrifft, so sieht Verf. dieses Thier
als den Typus einer neuen Familie {Cyclostomata ahyperoota) an,
mit folgendem Charakter: Gaumen und Nase fehlen, die Rückensaite
reicht bis an das vordere Ende des Körpers, das Athmungswerkzeug
ist ein zwischen Mundhöhle und Darrakaual iu der Mitte gelegener
186
Kieinenschlauch ohne seitliche Öffnungen und ohne umgürtenden
Knorpel unter der Hautbedeckung, aber mit Knorpeln in seiner eig-
nen Wandung.
Goodsir erhielt seine Exemplare aus dem irischen Meere. Er
unterscheidet ein Nervenskelett (die Rückensaite) und ein Eiuge-
weideskelett, das aus 70 — 80 elastischen fadenförmigen Rippen be-
steht (offenbar das Athmungsorgan). Das Gefässsystem besteht nach
dem Verf. aus einem Bauchgefäss, das als Kiemenarterie oder Herz
beti-achtet wird, und welches durch feine Gefässe mit einem Rücken-
gefäss, der Aorta, communicirt. Der vordere durch Rippen gestützte
Theil des Darmkanals wird auch vom Verf. als Athmungsorgan an-
gesehen, indem die innere Oberfläche Gefässverzweiguugen enthal-
ten, und beim lebenden Thier gewimpert sein soll. Kiemenspalten
wurden nicht beobachtet Wegen des Mangels der Kiemen will Verf.
den Fisch von Petromyzon und Mjxine trennen und zur eigenen
Ordnung erheben.
In der Abhandlung von J. Müller (Mikroskopische Untersuchun-
gen über den Bau und die Lebenserscheinungen des Branchiostoma
luhricum Costa (^Amphioxus lanceolatus Yarrell) finden sich munche
Berichtigungen der eben erwähnten Arbeiten. Die Beobachtungen
wurden in Gemeinschaft mit Retzius an frischen Exemplaren an-
gestellt. Einen schwarzen kleinen Pigmentfleck am vordem Hirn-
ende sieht Verf. als rudimentäres Auge an; von Geruchs- oder Ge-
hörorgan fand derselbe eben so wie Rathke keine Spur. Die Kie-
menhöhle ist nicht, wie die früheren Beobachter angeben, geschlos-
sen, sondern es findet sich zwischen je zwei Knorpelstäbchen an
den Kiemenwänden eine Spalte, so dass bei erwachsenen Individuen
bis 100 und mehr Kiemenspalten in der Seitenwand des Kiemenge-
rüstes liegen, welche durch die Wimpern^ mit denen die Schleimhaut
bedeckt ist, sehr eng werden. Das Wasser strömt beständig durch
diese Spalten in die Leibeshöhle, und aus der Öffnung derselben (po-
rus abdominalis) fort, diese ist also Respiralionsöffuung zum Aus-
fluss des Wassers, und die Höhle, in der die Kiemen und der vor-
dere Theil des Darms liegen, ist also Atheuihöhle. Zugleich aber ist
sie auch Bauchhöhle. — Eine Wimperbewegung, welche in den Kiemen
statt findet, setzt sich auch in den Darmkanal fort. Der enge Kanal
hinter der innern Kiemenhöhle wird wie von Rathke als Speise-
röhre angesehen, der weitere Theil des Darms und der Blindsack
ist immer grün gefärbt, was von einer grünen drüsigen Schicht (Le-
ber) herrührt; weiterhin ist der Darm hell gefärbt. In diesem Theil
beginnt die Excrementbildung; auch findet sich hier ein Strang brau-
ner, also von Galle gefärbter Materie. Die Beobachtungen über das
Gefässsystem wurden besonders wichtig. Es wurden mehrere Her-
zen entdeckt, die alle röhrenförmig sind: ein Arterienherz unter der
ganzen Länge des Kiementhorax, von dem seitlich kleine Bulbillen,
die Anfänge der Kiemenarterien zwischen den Knorpelstreifen des
187
Kiementliorax abgehen, und von dem ausserdem das Blut jederseits
durch eiuen grossen pulsirenden Aortenbogen zur Rückenseite in die
Aorte geht; ein Pfortaderherz, das an der Bauchseite des ganzen
Darms verläuft, und sich auf den Blinddarm begiebt; ein Hohlvenen-
herz an der Rückseite des Blinddarms. Das Blut ist völlig farblos.
Am hintern Theile der respiratorischen Bauchhöhle wurden auch ganz
in der Nähe des Porus abdominalis mehrere drüsige Körper (Nie-
ren) beobachtet.
IPlagiost omi.
Von J. Müller erschien eine Abhandlung in den Schrif-
ten der Akademie der Wissenschaften zu Berlin vom Jahre
1840 zwar erst im Jahre 1842 , da jedoch dieselbe schon in
den Jahren 1839 und 1840 in der Akademie gelesen wurde,
auch bereits in den Monatsberichten der Akademie darüber
Mittheilungen gemacht sind, so nehme ich sie in diesen Be-
richt auf. Sie handelt über den glatten Hai des Aristoteles
und über die Verschiedenheiten unter den Haifischen und
Rochen in der Entwickelung des Eies, und ist von 6 Kupfer-
tafeln begleitet.
Besonders beschäftigt sich diese Abhandlung mit der verschiede-
nen Art der Entwicklung der Eier der Haien und Rochen. In diesen
Familien kommen nicht nur eierlegende und lebendig gebärende Thiere
vor, wie es bereits bekannt war, sondern es finden sich auch unter
ihnen lebendig gebärende mit einer Verbindung des Eies mit den
Wänden der Gebärmutter (Vivipara cotylephora) uud lebendig ge-
bärende ohne eine solche (Vivipara acotyledona) ; ja sogar findet
sich diese Verschiedenheit bei zweien Arten einer und derselben Gat-
tung, Mustelus, was den Verf. darauf führte, die Verschiedenheit
beider Arten, wie es sich denn auch in anderen zoologischen Kenn-
zeichen bewährte, anzuerkennen. Diese beiden Arten sind bereits
in einem Nachtrage zu der systematischen Beschreibung der Plagio-
stomen von Müller une Heule p. 190 angegeben, und uls Muste-
lus vulgaris und laevis beschrieben. Den Mustelus laevis, bei
welchem das Ei mit der Gebärmutter zusammenhängt, ist der Verf.
geneigt für den yaltög XtTog des Aristoteles zu halten j jedenfalls ist
es der von Stenonis beobachtete Haifisch. Der Zusammenhang des
Eies mit dem Uterus ist ausser dem eben angeführten Mustelus laevis
nur noch bei den Carcharias beobachtet. — Bei den Haifischen
ohne Verbindung des Eies mit der Gebärmutter lindet sich ausser
dem äusseren Dottersack noch ein innerer, ebenso bei allen Rochen;
den Cotj'lephoren scheint der innere Dottersack jedoch immer zu
fehlen. Das Vorhandensein des Innern Dottersacks oder sein Fehlen
kann also Aufschluss über die Art der Entwicklung der Jungen geben
188
Hieran schliesst sich eine Übersicht der Entwicklung bei den
Haien und Rochen.
A. Vivipara acotyledona. Als solche sind bekannt:
a. Haifische: Sphyrna Tiburo, Galeus canis, Galeocerdo tigrinus,
Thalassorhinus vulpecula, Mustelus vulgaris (die andere Art M.
laevis gehört zu den Vivipara cotylephora), Lamna cornubica, Oxy-
rhina gomphodon, Carcharodon Rondeletii, Selache maxima, Alopias
vulpes, Hexanchus griseus, Heptanchus cinereus, Acanthias vulgaris,
Spinax niger, Centrina, Scymnus licbia, Scymnus (Laemargus) gla-
cialis, Squatina fimbriata, Squatina vulgaris.
b. Rochen: Alle, mit Ausnahme der Raja und Platyrhina, welche
eierlegend sind, scheinen hierher zu gehören. Beobachtet sind die
Gattungen Prisds, Rhinobatus, Torpedo, Trygon, Myliobatis, Ce-
phaloptera, Ceratoptera.
B. Ovipara.
a. Haifische: Die ganze Familie der Scyllien. Beobachtet sind die
Gattungen Scyllium, Pristiurus, Chiloscyllium, Ginglymostoma.
b. Rochen: Die Gattungen Raja und Platyrhina.
An jüngeren Embryonen der Gattung Raja wurde eine eigenthüm-
liche Stellung der beiden Rückenflossen auf der Mitte des Schwan-
zes, wie sie Monro abbildet, beobachtet. Bei Fötus von Haifischen,
die später ohne Spritzlöcher sind, wurden Spuren derselben beob-
achtet, namentlich bei Carcharias in den Untergattungen Prionodon
und Scoliodon, bei Carcharias glaucus und melanopterus. Diese wie
die äusseren Kiemenfäden bei vielen Fötus können als Larveuzustand
angesehen werden. — In einem Nachtrage endlich spricht Verf. noch
über die Kiemenfäden an den Spritzlöchern, die Verlängerungen der
Blätter der Pseudobranchien sind, und über den unpaaren Eierstock,
der bei den Scyllien und bei Mustelus, Galeus, Carcharias und Sphyrna
vorkommt.
Auf der letzten Tafel ist eine Eischale abgebildet, von der es in
der Erklärung der Tafeln zweifelhaft gelassen ist, ob sie der Gat-
tung Callorhynchus oder Chimaera angehört.
Nach Davis ist eine Zygaena Malleus Val. in dem Busen von
Tenby gefangen worden; sie war 10 Fuss lang und enthielt eine
beträchtliche Anzahl Junge von 18 Zoll Länge. (Annais VII. p. 834.)
Richardson, der bereits in einem frühern Bande der zool. Pro-
ceed. 1840. p. 89 einer Narciiie Tasmaniensis von Vandiemensland er-
wähnt, giebt diesen Fisch nun als von allen Henleschen Arten ver-
schieden an, und unterscheidet ihn durch folgende Diagnose: dorso
dipterygio, corpore late obovato; valvula nasali obtuse trilobata in-
tegerrima; pinna ventrali disco pectorali approximata. (Annais of
nat. bist. Vlll. p. 466j Proc. 1841. p. 88.)
Die unter dem Namen Hieroptera von Fleming aufgestellte
neue Rochengattung ist nichts anders als eine öfters beobachtete Mon-
strosität einer Raja, bei der sich die Brustflossen nach vorn in zwe
189
lange Spitzen ausdehnen, wodurch allerdings dem Thier ein eigen-
thürollches Ansehu entsteht. (The Edinburgh new philosophical Jour-
nal. Vol. XXXT. p. 236.)
Bericht über die Leistungen in der Naturgescliiclite
der Insecten, Aracliniden, Crustaceen und Ento-
mostraceen während des Jahres 1841.
Vom
Herausgeber.
LJeber die Stellung der von Linne unter der Benennung In-
secten bezeichneten Abtheilung- in dem Gebiete des Thierreichs
hat Ref. in diesem Archiv (VII. Jahrg. I. Bd. S. 1) eine neue
Ansicht ausgesprochen. Man verbindet nämlich seit Cuvier
mit ihnen die gegliederten Würmer zu einer Abtheilung: Glie-
derthiere, welche man durch gegliederten oder geringelten Kör-
per und durch die Form des Nervensystems characterisirt.
Es besteht aber zwischen den Klassen, welche aus den Linnei-
schen Insecten hervorgegangen sind, und deren innige Bezie-
hungen zu einander Ref. an anderm Orte (Entomographien)
nachgewiesen hatte, und den gegliederten Würmern eine solche
Kluft, dass ihre Verbindung nur künstlich erscheint. Die Form
des Nervensystems, welche eine scheinbare Übereinstimmung
darbietet, ist durch den gegliederten Körperbau bedingt, und
ist in der Natur keineswegs ein so durchgreifender Character,
als er uns von den Systematikern gegeben wird; die Gliede-
rung des Körpers ist eine wesentlich andere, endlich ist auch
die übrige Organisation durchgreifend verschieden. Ref. hat
nun für die Eintheilung der wirbellosen Thiere einen andern
Gesichtspunct aufgestellt. Wir unterscheiden naturgemäss das
Thierreich vom Pflanzenreich durch die dem ersteren zukommende
willkürliche Bewegung. Auf der ersten Stufe des Thierreichs
finden wir zwar eigene Organe für die vegetativen Functionen,
für die Ernährung und Fortpflanzung, die Fortbewegung aber
geschieht wesentlich durch die Thätigkeit der muskulösen Kör-
perhüllen. Das ganze Thier ist eigentlich nur Abdomen. —
1.90
Auf der zweiten Stufe tritt ein System von Bewegmigsorganen
hinzu, zugleich gliedert sich der Körper in verschiedene Haupt-
abschnitte: die Organe für die vegetative Thätigkeit sondern
sich in Abdomen ab, der Thorax und Kopf scheiden sich hier,
ersterer für die Bewegungsorgane, der zweite für die Sinnes-
organe. Am vollständigsten treten die Gegensätze der Kör-
perabschnitte bei den eigentlichen Insecten hervor, bei den
Arachniden hört der zwischen Kopf und Thorax auf, aber der
zwischen Vorderleib und Hinterleib bleibt. Bei den Crustaceen
erhält im Verlauf der Entwickelung der Hinterleib das Über-
gewicht, aber es vermehrt sich zugleich die Zahl der Bewe-
gungsorgane zum Ersatz für die Einschränkung des Vorder-
leibes, des eigentlichen Sitzes der animalen Lebensfunctionen.
— Wenn ich daher zu der Linneischen Eintheilung der wir-
bellosen Thiere in Insecten und Würmer zurückkehre, geschieht
es weder in Rücksicht auf ein einzelnes Kennzeichen, noch
des äusseren Baues, noch der Form eines einzelnen Organs
künstlicher Weise, sondern in Rücksicht auf die allgemeinsten
Lebens- und Organisationsverhältnisse.
Eine, die ganze Entomologie umfassende Bearbeitung ent-
hält der Cours complet d'histoire naturelle. Libr. Dumenil.
t. XHI. — XVI., unter dem Titel Hist. nat. des animaux arti-
cules, bearbeitet von Lucas, Brülle, Laporte und Bla fl-
eh ard.
Der erste Band ist von Lucas, und enthält die Anneliden, Cru-
staceen, Arachniden, Mjriapoden, Monomorphen (d. h. ungeflügelte
Insecten ohne Verwandlung, Lepismen und Podurcn), und die An-
opluren oder Parasiten (Läuse), die Bearbeitung ist gründlich, mit
umsichtiger Benutzung der Vorarbeiten. Von Brülle ist eine Ein-
leitung in die Naturgeschichte der Insecten, den äusseren und inne-
ren Bau, das Physiologische, die Verwandlungsgeschichte umfassend.
Nichts Neues und Eigenes. Laporte hat in der zweiten Hälfte des
2. und im 3. Bande die Coleoptera bearbeitet. Er hat viel Neues,
neue Gattungen, viele neue Arten, und dürfte so am meisten das In-
teresse der Entomologen in Anspruch nehmen; dabei ist aber die
Bearbeitung von allen die leichtfertigste und flüchtigste. Die übrigen
Insectenordnungen sind im 4. Bande von Blanchard abgehandelt,
treu den vorhandenen Vorarbeiten folgend. Zur Erläuterung sind eine
Menge von lithographirten Tafeln beigegeben, welche z. Th., nament-
lich bei den Schnjetterlingen, recht hübsch sind. Hj-menopteren und
Dipteren sind durch unnatürliche Haltung der Beine entstellt. Viele
Abbildungen wären besser weggeblieben, z. B. die eines Midas ohne
191
Fühler, und die Copien mehrerer grosser Scarabaeen ans Driiry u. s. w.,
u. a. die eines Hercules- Weibchen mit Hirschkäfertarsen. Man hätte
dafür lieber die neu aufgestellten oder weniger bekannten Gattungen
abbilden sollen. Jedenfalls muss das "Werk als eine Buchhändler-
speculation, nicht als eine wissenschaftliche Unternehmung beurtheilt
werden.
Ein ebenfalls allgemein 3S \Yerkchen : Oii tlie history and
natural arrangement of Insects, by ^Yill. Svvainson and
W. E. Shuckard, London 1841, bildet einen Tlieil der Ca-
binet-Cyclopedia cond. by Rev. D. Lardner.
Die systematische Eintheilung rührt von ersterem Verf. her; sie
ist eigenthümlich, zuweilen selbst wunderlich, wenn u. a. die Dipte-
ren als ungeflügelte Insecten behandelt werden, sie ist aber voll
geistreicher Ansichten, denen man gern manches Verfehlte und Will-
kürliche, besonders in dem mit vorzüglichen Eifer verfolgten Auf-
stellen der Analogien zu Gute hält. Die speciellere Ausführung,
grösseren Theils von Shuckard, ist ungleich, Arachniden und Cru-
staceen sind nur flüchtig berührt, andere Abtheilungen, z. B. Hyrae-
nopteren, sind mit Vorliebe bearbeitet, im ganzen ist die Darstellung
zwar nicht tief eindringend, aber reich an Material und voll Geist,
so dass man das Werkchen nicht ohne vielfache Belehrung und An-
regung liest.
Insecten.
Zwei neue periodische Schriften über diese Klasse sind
in London eröflfnet worden. Die eine ist
Arcana Entomologica, or lllustrations of new, rare and
interesting exotic Insects. By J. O. W' est wo od Esq. Lond.
Will. Smith. 8to.
Die Arcana erscheinen in Heften von 4 Tafeln mit dem nöthigen
Texte und enthalten gewissermassen kleine Monographien, in denen
sich Abbildungen und Beschreibungen gegenseitig erläutern. In der
Auswahl der Gegenstände der Bearbeitung zeigt sich ein sehr feiner
Tact, und es ist in der That keine Abtheilung der insecten unbe-
rücksichtigt geblieben. So erölTnet der Verf. uns die reichen Ouellen
zur Kenntniss der exotischen Insecten, welche in disn Englischen
Sammlungen enthalten sind, auf eine umfangreiche Weise, und so
wohl durch die Fülle des Materials, als die Gediegenheit der Bear-
beitung, erhält dies Werk einen klassischen Werth.
Die andere ist:
The Entomologist, conducted by Edward Newman,
Lond. John Van Voorst. 8to. Es ist dies ein Journal, wel-
ches seit dem November 1840 regelmässig in kleinen monat-
lichen Lieferungen erscheint.
192
Es enthält grosseutheils Auszüge ans andern englischen periodi-
schen Schriften, Reisewerken u. s. w., auch literarische Anzeigen
und Recensionen, theils auch Originalmittheilungen von verschiedenen
Seiten, namentlich auch in Bezug auf die britische Fauna, und kleine
Abhandlungen. Eine vorzügliche Rolle spielen in den ersten Heften
die „Entomological-Notes" des Herausgebers ^ kurze Beschreibungen
einzelner neuer Arten oder Gattungen, letztere oft ohne Bestimmung
ihrer natürlichen Verwandtschaft, in der Regel sehr oberflächlich
beschrieben, zuweilen durch eingedruckte Holzschnitte erläutert.
Eine angenehme Zugabe sind Kupfertafeln zur Erläuterung der in
verschiedenen Zeitschriften zerstreuten Monographie der Pteromali-
nen von Walker.
A familiär Introduction to the History of Insects being a
new and greatly improved edition of the Grammar of Eiito-
mology. By Edward Newman. Lond. 1841, ist mir nur
aus Anzeigen bekannt.
Nach den Proben, welche der Verf. selbst von seiner Termino-
logie giebt (er bezeichnet z. B. die Mittelbeine mit dem Ausdruck
Mesopedes, die Hinterschenkel, Hinterflügel mit Metafemora, meta-
lae u. s. w.) dürfen wir kein besonderes Vertrauen zu dem wissen-
schaftlichen Geist in diesem Lehrbuche hegen.
Ein Paar grössere die Insectenkunde im allgemeinen be-
treffende Artikel, „Entomologie" und „Insect" hat Bur mei-
st er in der Allgemeinen Encyclopädie von Ersch und Gruber
geliefert.*)
Todd's Cyclopedia of Anatomy and Physiology enthält
einen wichtigen Artikel „Insecta" von Newport. Es wird
hier ausführlich die Körperstructur des Insects, grösstentheils
nach den eigenen sorgfältigen und feinen Untersuchungen des
Verf., theils nach den Untersucluuigen Anderer geschildert. In
letzteren ist der Verf. zuweilen irre geleitet worden. Jeden-
falls enthält diese Abhandlung nicht bloss für jetzt die voll-
ständigste und am Tiefsten eindringende Darstellung der In-
secten-Anatomie, die der Verf. um so mehr geben konnte, als
er auf diesem Felde schon Wichtiges geleistet hat, sondern
fördert dieselbe auch durch viele neue Untersuchungen weiter.
*) Die speciellen entomologischen Artikel dieser Encjxl. berühre
ich in diesem Bericht nicht weiter, in so fern sie nichts für die Wis-
senschaft Neues enthalten.
i
193
Leon Diifoiir (Ann. d. sc. nat. n. Ser. XVI. S. 5) hat
die Circulation bei den Insecten einer Prüfung unterwor-
fen, nnd ist zu dem sehr auffallenden Resultat gelangt, dass
sie keine besitzen. Sie brauchen sie nicht, sagt er, da die
Lnft überall zur Säfteniasse dringt. (Als ob die Circulation
des Blutes nur der Respiration wegen bestände!) Er läugnet
die von Strauss Dürkheiiii so schön dargestellten halbinond-
fönuigen seitlichen Oeffnungen, die Kammern, endlich die vor-
dere Mündung des Rückengefässes, es sei an beiden Eiaden und
überall geschlossen, oft selbst ohne Lumen, die Angabe von
Pulsationen beruhten auf Tauschnng, das ganze Organ könne
man höchstens als die Spur eines obliterirten Herzens betrach-
ten, vielleicht habe es aber auch einen andern Zweck, indem
es mit der Bildung und Ernährung der äussern Bedeckungen
in Beziehung stehen möge.
Andererseits werden die bisher vorzüglich in Deutschland
gemachten Erfcdirungen über die Blutcirculation bei den In-
secten von Newport (Todd Cyclop. of Anat. and Phys. IL
S.916) noch erweitert. Er ist nändich der Ansicht, dass die
Bkitinasse nicht frei in den Höhlen des Körpers kreist, son-
dern von eigenen Gefässen eingeschlossen sei. Bei Sphinx
und bei Vanessa Urticae sah er die Aorten-Spitze sich seitlich
in 2 grosse Aeste spalten, jeden über ^ der Aorta stark, w^el-
che jederseits in den Kopf eindringen, und sich jeder in drei,
rückwärts gerichtete Aeste theilen. Sie waren aber äusserst
zart und Hessen sich nicht weiter verfolgen. Ebenso entdeckte
er bei Schmetterlingen auf der Oberseite des Hinterleibtheils
der Ganglienkette einen bestimmten Gefässkanal, der zwar schon
von Lyonet gesehen, aber nicht als Gefäss erkannt w^ar. Er
glaubt, dass dies Gefäss dazu diene, um den Strom des Blutes
zum Rückengefäss zurück zu führen. Bowerbank hatte auch
schon bemerkt, dass die Blutströme an den Seiten des Kör-
pers der Insecten von eigenen Gefässen eingeschlossen seien,
wovon sich auch Newport mit Bowerbank's starkem Microscop
überzeugte. Auch den von J. Müller entdeckten Zusammen-
hang der Ovarien mit dem Rückengefäss ist Newport geneigt
für eine Gefässverbindung anzusehen. Diese directen Beobach-
tungen, welche ein neues Licht auf den Blutumlauf der Insecten
werfen, verdienen sehr, weiter geprüft und verfolgt zu werden.
Archiv f. Naturgeschichte. VIII. Jahrg. 2. Bd. N
194
Newports Untersiicluingen über die Function der An-
tennen derlnsecten sind jetzt in den Transact. of the Entomol.
Sac. of Lond. 11. S. 229 bekannt gemacht.
Die Resultate derselben stiinmen mit der Ansicht überein, welche
ich im Jahresbericht für 1838 (V. Jahrg. 2. Bd. d. Archiv S. 285)^ auf-
stellte, dass nämlich die Antennen ebenso für den Ta.st- als den Ge-
hörsinn bestimmt sind. In Bezug auf letztere Function hat N. sich,
wie es sich von einem so tief eindringenden Physiologen auch nicht
anders erwarten Hess, von der Ansicht freigemacht, welche die An-
tennen mit dem äussern Ohr der Säugthiere identificirt, indess scheint
mir sein Vergleich derselben mit dem Stethoskop (einem Instrument,
welches in der Medicin jetzt gebraucht wird, um Athemgeräusch
u. s. w. zu prüfen) auch nicht ganz passend, in so fern dies nicht
blos als leitender Körper, sondern auch als Hörrohr wirkt. Mit Recht
weist Newport auf die grosse Verschiedenheit in der Antennenbildung
der Insecten hin, welche bald den einen bald den andern Sinn be-
günstige. Borsten- und fadenförmige Antennen sind nach seiner
Ansicht vorzugsweise zum Tasten bestimmt, während die Blätter-
keule der Lamellicornen, die kurzen Antennen der Cicaden, Libellen,
Fliegen u. s. w. kaum für diesen Sinn dienen könnten, was auch
von den kammförmigen Antennen der Spinner gilt. Dass die Anten-
nen überall mit dem Gehörsinn in genauer Beziehung stehen, lässt
sich kaum bezweifeln, es ist indess fast zu erwarten, dass noch ein
inneres Organ mit denselben verbunden sei, wie es Brandt's feine Unter-
suchungen bei den Crnstaceen aufgedeckt haben. In Bezug auf den
Tastsinn ist das Verhalten der Antennen aber ein anderes, und zwar
ein sehr verschiedenes bei verschiedenen Insecten, und offenbar ist
hier die Mannigfaltigkeit grösser, als Newport angedeutet hat. Das
eigentliche Tasten, d. h. die Untersuchung der Beschaffenheit eines
Körpers ist Geschäft der Palpen; die Antennen mögen bei sehr vie-
len Insecten nur das Vorhandensein eines Körpers empfinden. So
scheint es auch nach mehreren von Newport angestellten Beobach-
tungen zu sein. Viel mehr aber liegt in den knieförmigen Antennen
der Bienen und Ameisen, welche durch Berührungen mit denselben
eine Art Sprache führen; ebenso scheinen mir die keulförmigen An-
tennen mancher Insecten so gebildet zu sein, dass ihre Spitze wohl
der Sitz eines feineren Tastsinns sein könnte. Die verschiedene Be-
kleidung der Antennen, der stets dichte und feine Haarüberzug der
Keule sowohl als die einzelnen Borsten sind ohne Frage in enger
Beziehung zu dieser Function. Auch ist das Verhältniss zu den Pal-
pen wohl zu berücksichtigen. Bei Hjdrophilus sind die Antennen,
da sie viel kürzer als die Palpen sind, schwerlich Organe des Tast-
sinns. Ebenso wenig sind sie es bei den Fliegen, welche in der
aus den verwachsenen Lippenpalpen gebildeten Rüsselspitze ein sehr
»eines Tastorgan besitzen. Bei den Schmetterlingen, wo die Anten-
nen oft sehr wenig Fühler sind, scheint auch im Allgemeinen die
195
Bedeutung der Palpen als Taster sehr untergeordnet zu sein. Bei
den Libellen, wo die Antennen zu klein sind, um als Tastorgane
gebraucht zu werden, fehlen auch die Palpen ganz. Wenn unter den
Hemipteren, denen die Palpen mangeln, die Heteroptera in den An-
tennen noch Fühlorgane haben mögen, so sind diese bei den Ho-
mopteren auch ähnlich verändert wie bei Fliegen, Libellen und Ephe-
meren , so dass diese abtheilung wieder aller Tastorgane gänzlich
zu entbehren scheint. Man sieht hieraus, dass das Verhalten der
Antennen der Insecten als Tastorgan ein sehr verschiedenes ist. Dass
sie Gehörorgane seien, ist eine blosse Annahme, und durch die
Anatomie noch nicht nachgewiesen; das eigentliche Gehörorgan der
Insecten kann möglicher Weise noch einen anderen Sitz haben,
wie es bei den Arachniden sicher der Fall ist, da ihnen die Antennen
gänzlich abgehen. Dass die Fühler Sitz des Geruchorgans seien, wie
es früher von Mehreren, namentlich auch von Latreille, angenommen
war, und wovon sich neuerlich noch Lefebvre durch unmittelbare
Versuche überzeugt haben wollte (vergl. Jahresb. f. 1839. VI. Jahrg.
2. Bd. d. Arch. S. 218) ist von Newport nach seinen Untersuchungen
des innern Baues der Antennen sowohl als in Folge mehrfacher ge-
nauer eigner Beobachtungen gänzlich zurückgewiesen worden. Er
nimmt vielmehr mit Kirby an, dass dieser Sinn im vordem Theil des
Kopfes seinen Sitz in einem noch unbekannten Organ habe.
In der eiitomol. Societät zu Paris hat die Abhandlung
Newports zu mehreren Erörterungen Veranlassung gegeben.
(Ann. d. 1. Soc, X. S. x,) Beachtenswerth sind besonders die
Bemerkungen von Goureau.
Er betrachtet den Fühler als äusseres Ohr, aus zwei Portionen
bestehend. Stiel und Geissei. Die letztere, mag sie nun aus einer
blossen Borste oder einer geringeren oder grösseren Zahl von Glie-
dern bestehen, entspreche dem Trommelfell (in so fern sie nämlich
die Sehallschwingungen empfängt), der Stiel mit dem Wendegliede
einer leitenden Kette. Dass sich auch Tastverniögen mit dem Fühler
verbunden fände, sei natürlich, denn das Hören sei auch ein Tasten,
nämlich ein „immaterielles." Das Riechen sei auf dieselbe Weise ein
„immaterielles" Schmecken. Wenn man nun Tast- und Gehörorgaue
bei den Insecten verbunden fände, dürfe man das Geruchorgan nur bei
Geschmacksorganen suchen. So scharfsinnig diese Verhältnisse auf-
gefasst sind, lässt sich doch noch manches gegen ihre allgemeine
Gültigkeit einwenden. Bei den Fischen steht das Geruchorgan in
keiner Verbindung mit der Mundhöhle, ist also von den Geschmacks-
organen abgesondert. Das äussere Ohr hat bei den Säugthieren nie-
mals eigentlich Tastvermögen , welches bei ihnen dagegen selbst in
der Schwanzspitze sich finden kann, und auch bei den Insecten dür-
fen wir nicht die Antennen, sondern die Palpen, welche doch Theile
des Mundes sind, als die hauptsächlichen Tastorgane betrachten
N*
196
lieber die Cornea der zusammengesetzten Insecten-Augen
hat Ashton (Transact. of the Ent. Soc. of Lond. II. S. 253)
interessante Beobachtungen mitgetheilt.
Bei nianclien Insecten giebt es grössere und kleinere Facetten^
deren Anordoiing bei verschiedenen verschieden ist. Bei den Libellen
(L. vulgata) besteht die obere Hälfte des Auges aus Facetten, welche
5inal grösser sind als die der unteren. Bei einem Sj-rphus ist ein
Baum , der von oben zungenförmig über die Mitte herabsteigt, bei
Asilus crabroniformis ein schmaler Streif am Vorderrande von den
grösseren Facetten eingenommen. Zwischen den grösseren und klei-
neren Facetten findet kein allmäliger Übergang statt, sondern sie
sind durch eine scharfe Gränze von einander getrennt, daher denn
auch die Facetten auf der Gränze oft eine unregelmässige Form an-
zunehmen genöthigt sind. Diese doppelte Art von Facetten finden
sich nur bei Insecten mit sehr grossen vorragenden, einem intensiven
Lichte ausgesetzten Augen^ und nimmt der Raum mit grösseren Fa-
cetten immer den Theil des Auges ein, auf welchen das helle Licht
vorzugsweise fällt.
Wesmael (Bull, de l'Acad. d. sc. et bell. lett. de Brux.
1841. 11. S. 34) theilte eine Beobachtung mit, aus welcher er
ableitet, dass die geistigen Fähigkeiten der Insecten nicht auf
den Instinct einzuschränken seien. Der Fall gehört zu denen,
welclie auf Ueberlegung (raisonnement) zu beziehen sind.
Ein Odynerns parietura fand ein von einem Bla(twickler aufge-
rolltes Blatt auf, untersuchte die beiden offenen Enden der Röhre mit
seinen Fühlern, lief dann bis zur iMitte und zwickte die Rolle hier
mit seinen Mandibelu zusammen, eilte dann wieder nach beiden Enden,
untersuchte sie von neuem^ und wiederholte das Zwicken und Nach-
sehen, bis das Räupchen sich aus der Mitte an die Oeffnung seiner
Röhre begab, wo es von der Wespe sofort gefangen wurde.
Für die geographische Verbreitung der Insecten sind von
Interesse die IMittheilungen über die Fauna Helgolands
von Banse (Ent. Zeit. S. 77). Sie ist arm, hat einige Cara-
bicinen, Staphylinen, Palpicornen, meist Fleischfresser. Pflan-
zenfresser fehlen oder sind sehr dürftig, wie auch die Vege-
tation der Felseninsel überhaupt nur 20 -—25 Phanorogamen,
und keine Bäume enthält. Auffallend war das Vorkommen des
Dasytes nobilis, welcher sonst nur in Südeuropa einheimisch ist.
Nachricht über die Seefelder bei Reinerz in
entomologisch er Beziehung von Zell er (ebendas. S. 171
und 178.) Eine sehr anziehende und lebendige Schilderung.
Auf die Verbreitung der Insecten in England beziehen
197
sich manche Mittheiluiigen in Newman's Entoinologist, von
denen indess keine ein allgemeines Interesse in Anspruch nimmt.
Die Fauna Neapels ist seit einer Reihe von Jahren durch
0,'ronzio Gabriele Costa unter dem Titel „Fauna del Regno
di Napoli, ossia enumerazione di tutti gli animali, che abitano
le diverse regione di q^uesto regno et le acque che le bagnano,
contenente la descrizione de ruovi o poco esattamente cono-
sciuti , con figure ricavante da originali viventi et dipinte al
naturale bearbeitet worden. V^on Insecten sind die Schmetter-
linge (1832 — 36) vollendet, von anderen Ordnungen die Or-
thoptera und Hemiptera seit 1836 angefangen, und seitdem
durch einzelne Kupfertafeln und Textbogen vermehrt. Das
Werk ist erst jetzt bekannter geworden.
Schilderungen des Vorkommens und Lebens der Insecten
von Niedercanada enthält ,,The Canadian Naturalist a series
of Conversations on the Natural -History of Lower Canada,
B. P. H. Gosse, Lond. Van Voorst." (Newman Entomologist
S. 81, wo zugleich Proben mitgetheilt sind.)
Ueber die Insectenfauna von Feuerland hat Darwin in
seinen Journ. and Remarks mad. dur. the Exploratory expedit.
of the Adventure and Beagle, Lond. 1839, Mittheilungen im
Allgemeinen gemacht, welche im Edinb. new. philosoph. Journ.
1841 und Frorieps N. Notiz. 1841. n. 385 ausgezogen sind.
Die Fauna ist an Coleopteren arm, trotz der nianoigfaclien Ab-
wechselung des Bodens und der dichten Vegetation, w^ahrscheinlich
in Folge des Klima, indem auch im Sommer die Temperatur dnrch-
gehends niedrig bleibt (in der wärmsten Zeit auf 10" R. kommt und
allerhöchstens auf 18° R. steigt). Die meisten Arten fanden sich über
der Waldregion unter Steinen, vorzüglich kleinere Caraben (8 bis
9 Arten) und Heteromeren (4 — 5 Arten), tiefer Hessen sich nur ein-
zelne Rüsselkäfer (6 — 7 Arten) antreffen. Die sonst in Südamerica
in so hohem Maas vorherrschenden Chrysomelen fehlen fast ganz;
D. fand nur eine alpine Haltica. Ausserdem sind die Fam. der Sta-
phylinen, Elateren, Cebrionen und Melolonthen namhaft gemacht, wel-
che je 1 Art lieferten. Wasserkäfer kamen in den Teichen einige vor.
Hymenopteren, Lepidopteren, Dipteren fanden sich sehr wenige,
Orthopteren gar keine. Von der Patagonischen Insectenfauna ist die
von Feuerland im Character sehr verschieden. Je ärmer das Land
an Insecten, nicht allein an Arten, sondern auch noch mehr an Indi-
viduen ist, desto reicher ist die Küste von Feuerland an Crustaceen,
vorzugsweise aus der Fam. Cymo(hoaden.
Für die neuholländische Insectenfauna bemerkenswerth ist
198
„Journals of two expeditions of discovery in North West and
Western Australia during the years 1837 — 39, by George
Grey, Lond. 1841. 2 Vol."
Unter den naturhistorischen Anhängen findet sieh eine Bearbei-
tung der entomologischen Ausbeute durch Ad. White. Das Material
ist noch zu beschränkt, um einen Blick über das Verhältniss der
Fauna Westaustraliens zu gewähren. Die Mehrzahl der Arten scheint
dem Westen eigenthümlich zu sein, wenn auch die Mehrzahl der
Gattungen, denen sie angehören, sich über ganz Neuholland verbreitet.
Ausnahmen finden sich jedoch einzelne, z. B. ist Staph. erytlxrocepha-
liis mit Neusüd Wallis, Silpha lacrymosa auch mit Vandiemensland
gemein. In andern Fällen dieser Art ist die Bestimmung noch zwei-
felhaft z. B. bei Saprinu$ laetus und Bittacus australls , wenigstens
erhielt unsere Sammlung den genannten höchst ähnliche, aber ver-
schiedene Arten von Westaustralien Auf der andern Seite finden
sich mehrere neue Gattungen aufgestellt, welche wenigstens z. Th.
der Westseite eigenthümlich sein mögen. Die hier beschriebenen
Insecten sind hauptsächlich (vielleicht auch ohne Ausnahme) vom
König Georgs -Sund. (Die Beschreibungen der neuen Gattungen und
Arten finden sich im Eutomolegist. 1842. Aug. S. 346 abgedruckt.)
Eine Uebersicht der Fälle gelegentlichen Vorkommens von
Insecten und lnsectenlar\'en im menschlichen Körper hat Hop e
(Transact. of the Ent. Soc. of Lond. II. S. 256) mitgetheilt.
Eine für die Forstcultur wichtige Schrift ist: ,,Die AYaldver-
derber und ihre Feinde, oder Beschreibung und Abbildung der
schädlichsten Forstinsecten und der übrigen schädlichen Wald-
thiere, nebst Anweisung zu ihrer Vertilgung und zur Schonung-
ihrer Feinde, ein Handbuch für Forstmänner, Oeconomen, Gärt-
ner und alle mit Waldbäumen Beschäftigte, von J. T. C. Ratz e-
burg, mit Stahlstichen, Lithographien, Holzschnitten u. s. w.
Der Name des Verf. spricht hinreichend für den grossen pra-
ctischen Werth dieses kleinen Werkes, welches bereits in einer
zweiten vermehrten Auflage, und unter dem Titel: Les Hylo-
phthires et leurs Ennemies, in einer französischen Uebersetzun§^
vom Comte de Corberon erschienen ist.
Coleoiitera*
The Coleopterist's Manual, by the Rev. W. F. Hope,
3. Prt. Lond. 1840, ist, wie. die früheren Bände, bestimmt, über
die von Linne und Fabricius aufgeführten Arten Auskunft zu
geben, und enthält die Fortsetzung der Erläuterungen über
199
Liiineische und Fabricische Arten, von ersteren über sämmt-
liche, von letzteren über die noch nicht abgehandelten Gatt,
des i. Bandes des Syst. Eleuth, den Nachweis ihrer gegen-
wärtigen systematischen Stellung, mit Bemerkungen über ein-
zelne Arten. Angehängt sind Beschreibung uud sehr sorgfäl
tige und detaillirte Abbildung neuer Gattungen und Arten,
welche der Wissenschaft eine interessante Bereicherung gewähren.
Ein wichtiges Werk für die europäische Coleopterenfauna
ist The British Coleoptera delineated, consisting of figures of
all the genera of Britisch Beetles, drawn in outline by W. Spry ,
edited by W. E. Shuckard. Es enthält auf 94 Tafeln die
Abbildungen der Typen sämmtliclier in der britischen Fauna
vorkommenden Gattungen, in Umrissen, die Sculptur und Be
haarung leicht angedeutet, so dass der Habitus deutlich her-
vortritt. Dem Anfänger wird hierdurch das Studium unendlich
erleichtert, auch auf dem Continent wird dies Werk wesentliche
Dienste zur Bekanntschaft mit der von den Englanderii zahl-
reich und zum Theil mit Glück aufgestellten Gattungen ge-
währen, und im Stande sein manche Zweifel zu lösen, welche
durch Stephens' zum Theil unvollständige, zum Theil unrich-
tige Beschreibungen bedingt wurden. Es muss dies Unterneh-
men bei uns um so mehr Interesse finden, als man auf dem
Festlande jetzt anfängt die Arbeiten der Engländer möglichst
zu benutzen.
Von Schiödte's Genera og Species af Danmarks Eleu
therata ist die zweite Hälfte des ersten Bandes, die Dytiscen
und Gyrinen enthaltend, erschienen. Ein klassisches Werk,
welches zwar den meisten Entomologen des Dänischen wegen,
in welchem es geschrieben ist, weniger zugänglich, welches aber
doch auch sie ihrerseits am Ende nöthigen wird, sich mit die=
ser neu aufstrebenden Sprache bekannt zu machen.
Auch von Heer 's Fauna Coleopterorum Helvetica ist eine
dritte Lieferung erschienen, welche den 1. Band schliesst. Sie
enthält die Clavicornen , Lamellicornen und einen Anhang,
welcher Nachträge und Berichtigungen zum ersten Theile liefert.
Steiermark's Coleopteren, mit 106 neu beschriebenen Spe-
cies, von K. H. B. Grimmer, Grätz 1841, giebt nicht das,
was der Titel verspricht, eine Übersicht der in Steiermark
vorkommenden Arten, sondern ein Verzeichniss der Dubletten
20()
des Verf. Die angeblich neuen Arten lassen sich zum Theil
mit leichter Mühe auf bekannte zurückführen, zum Theil sind
sie zu dürftig characterisirt, als dass man sie erkennen könnte.
Eine Reihe von Curtis (Ann. of nat. hist. V. S. 274)
als neu aufgestellter englischer Arten ist unten im Einzelnen
b cur th eilt worden.
Ein genaues Verzeichniss der in der Umgegend Stock-
holms vorkommenden Colcopteren hat Nyblaeus in den K.
Vet-Acad. Handl. för r 1840 mitgetheilt.
Die Kenntniss der Sibirisclien Käferfauna bereicherte
V. Gebier (Bull. d. 1. Soc. Imp. des Nat. d. Moscou 1841
S. 544) durch Nachträge zu den „Bemerkungen über die In-
secten Sibiriens, vorzüglich des Altai/' welche einen Anhang
zu Ledebour's Reise in das Altaigebirge u. s. w. bilden.
Käfer von Manila uurden von Chevrolat (Rev Zool.
S.221) Waterhouse (Ann. of nat. hist. Vlll. S. 218, 221)
u. A. , von den Moluccen und verschiedenen Inseln der Süd-
see von Guerin (Rev. Zool. 120, 186), beschrieben.
Auf eine schon 1839 fii Breslau erschienene, bisher von
jnir übersehene Dissertation von IMatzek „Necrophororum
Monographiae particula prima" kann ich nicht unterlassen auf-
merksam zu machen. Sie beschäftigt sich hauptsächlich mit
der Anatomie, namentlich der äussern Theile, und ist in dieser
Hinsicht von mehr allgemeinem Interesse. Sie enthält manches
Eigenthümliche und Gute, manches ist aber auch verfehlt,
z. B. der Versuch, die Theile der Beine der Inseeten mit denen
der Rückgraththiere zu identificiren, wonach Hüfte hier Schen-
kel, Trochanter hier Kniescheibe, Schenkel hier Schiene, Schiene
hier Tarse, Tarse hier Metatarsus geworden sind. Die Inseeten
sind nach einem ganz anderen Typus gebaut als die "Wirbel-
thiere, und so können wir unsere Benennungen der einzelnen
Theile höchstens auf einer Analogie, nicht aber auf einer
Identität begründen. Aufmerksamkeit verdient der V^ersuch,
den Bau der Unterflügel in nähere Betrachtung zu nehmen,
und die einzelnen Nerven und Zellen genauer zu bestimmen,
indess ist auch hier wieder in dem Vergleich mit Armknochen
und Fingern zu weit gegangen. Eine weniger gezwungene
Termijiologie, wie wir für die Vorderflügel hautflügliger In-
seeten besitzen, würde sich wohl Eingang verschafft haben.
201
Burnieister macht in einer Abhandlung über die natür-
lichen Verwandtschaften der Pausiden (Gner. Mag. de Zool.
Ins. p. 176) auf die grosse Wichtigkeit der Berücksichtigung
des Geäders der Unterflügel der Käfer für die systematische
ßestinuiiung aufnierksani, und behauptet zugleich, dass es bis-
her ganz unberücksichtigt geblieben sei. Guerin weist iudess
in einer Note darauf hin, dass er es in den von ihm und Per-
cheron herausgegebenen „Genera Insectorum" beständig abge-
bildet habe, in Deutschland ist es auch nicht ganz vergessen,
Sturm hat es in seinen allbekannten ,, Deutschlands Insecten"
beständig dargestellt, und es findet sich im ersten Bande von
Jlligers Magazin eine Abhandlung von Preyssler, welche ledig-
lich zum Zweck hat, die Berücksichtigung des Geäders der
Unterflügel zu empfehlen. Zw^ei Umstände sind aber vorhan-
den, durch welche das Flügelgeäder eine nur untergeordnete Be-
deutung erhält, nämlich, dass die häutigen Flügeln hei den Kä-
fern nach Individuen, Geschlecht, Arten, Gattungen, ja ganzen
Gruppen und Familien fehlen können, und dass die Mehrzahl
der kleinen Formen, sie mögen Familien angehören, welchen
sie wollen, ungeaderte Flügel haben. Nichts desto weniger
sind die Verschiedenheiten, welche das Geäder der TJnterflügel
bei den Käfern darbietet, einer grösseren Beachtung wertb,
als sie bisher erhalten haben, vorzüglich auch in Bezug auf
das verschiedene Einschlagen unter den Flügeldecken.
Ueber die Larven der Coleopteren ])at Ref. (in diesem
Archiv 7. Jahrg. 1. Bd. S. 60) seine Untersuchungen mitzu-
theilen angefangen.
Im Allgemeinen ergiebt sich, dass die Larven in natürlichen Ab-
theiluugen wesentlich übereinstimmen, aber nicht immer verwandte
systematische Abtheilungen ähnlich gebildete Larven haben, so wie
von ähnlichen Larven nicht immer auf Verwandtschaft der Käfer zu
schliessen ist. Wichtig ist besonders die Betrachtung der Mundtheile
und des Mundes überhaupt. Bei den Larven mehrerer F'amilien ist
der Mund scheinbar geschlossen und die Mundtheile stehen frei am
Kopfe. Bei genauerer Untersuchung findet sich eine kleine quere
spaltförmige Mundöffnung in der Fuge zwischen dem Stirnrande (die
Oberlippe fehlt allen diesen Larven) und der unteren Kopfschale.
Dies ist der Fall bei den Cicindelen- , Carahen-^ vermuthlich auch
Gyriiien-, Staphylinen-, Lampyren-, Lycus-, Histeren- und Hydro-
philen-l,^x\ew. Bei den Dyfüce?i -Larven ist der Mund ebenfalls
geschlossen, diese haben aber Saugöffnungen an den Mandibeln. Auch
202
in der Bildung der Miioddicile kouiinen grosse Verscliiedenheiten vor.
Auffallend ist das Verschwiüden der Lippenfaster bei den Bupresteu-,
der Maxilleo imd Lippentaster zugleich bei den 37e/«m-Larven. Auch
in der Richtung des Kopfes zeigt sich ein wichtiger Unterschied. Bei
den meisten nämlich ist der Kopf horizontal vorgestreckt^ mehr oder
weniger flach, bei anderen ist er wie bei den Schmetterlingsraupen
rund, mit nach unten gerichtetem Munde. Manche Larven sind blind,
andere haben auf jeder Seite des Kopfes 1 — 6 einfache Augen, wel-
che in Gestalt und Stellung Verschiedenheiten zeigen. Ausserdem
ist noch die Lage der SUgmen von Wichtigkeit. Man findet immer
9 Paar, von denen das erste entweder dem Pro- oder Mesothorax-
segment angehört, oder in der Fuge zwischen beiden liegt; die an-
dern auf den ersten 8 Hinterleibssegmen(en, auf jedem ein Paar, ihre
Stelle haben. Hinterleibssegmente sind gewöhnlich 9 vorhanden, nur
bei den im Wasser lebenden Larven, welche mit dem letzten Hin-
terleibssligmenpaar von der Oberfläche des Wassers inspiriren, bei
welchen dieses also an der äussersten Spitze des Hinterleibes ange-
bracht ist, fehlt das 9. Segment. (Bei diesen Larven — Dytiscen,
Hydrophilen, — scheinen die übrigen Stigmen zum Ausathmen zu
dienen, denn sie sind sowohl offen als in Verbindung mit den Haupt-
tracheenstämmen). Dagegen haben viele Larven ein scheinbar zehn-
tes Hinterleibssegment. Es ist dies der ausgestülpte After, wel-
cher bei vielen Larven röhren- oder zapfenförmig ist, und als Nach-
schieber dient. Eigenthümliche gegliederte Anhänge neben dem After
zeigen die Larven der Staphylinen ^ Hlsteren und Silphen. Im Ein-
zelnen sind dann hier die bekannt gewordenen Larven, als Typen
natürlicher Familien, nach der Reihenfolge des Latreilleschen Systems
characterisirt. Die Cicindelen, Caraben^ Dytiscen^ Gyrinetty welche sich
auch als Käfer von den übrigen so scharf absondern, entfernen sich
von den übrigen darin, dass sie zwei Klauen am Fussende haben.
Die Staphylinen - Larven zeigen zwar einige Uebereinstimmung mit
denen der Caraben, schliessen sich aber doch näher denen der Sil-
phen und Histeren an. Die Larven der Bupresteu und Melasis ähneln
denen der Ceramby einen , haben aber die oben erwähnte Eigenthüm-
lichkeit^ die der Elateren schliessen sich ihnen nicht an, sondern
gleichen denen der Tenebriouen, von denen sie sich durch flachen
Kopf ohne Oberlippe unterscheiden , und ausserdem in der Form der
unteren Mundtheile ein sicheres Kennzeichen besitzen. Die Larve
von Atopa ist eigenthümlich, an die Lamellicornen erinnernd.*) Die
Larven von Lampyris, Lycus und Cant/iaris kommen darin überein,
. *) Die Larven von Cyphon weichen durch ihre langen und viel-
gliedrigen Fühler von denen der übrigen Käfer auf eine sehr auf-
fallende Weise ab. Vermuthlich ist es eine solche, welcher West-
wood (Ann. of nat. bist. VII. S. 150) als einer inuthmasslichcn neuen
Myriapoden-Gattung erwähnt.
203
dass sie nur 1 Paar Krallen haben, unterscheiden sich aber im Bau
des Mundes. Bei denen von Lampyris wird der Kopf ganz in den
Prothorax zurückgezogen. Die Larven der Clerier scheinen grosse
Übereinstimmung mit denen der Nitidulen zu haben, welche letztere
indess noch nicht recht untersucht sind. Die der Anobien (mit Ein-
schluss der Apate und Lymexyloti) stehen in der Mitte zwischen
denen der Lamellicornen und Rüsselkäfer. Von Clavicornen sind hier
noch die Larven der Histeren^ Silphen, Byrrhen, Elmis und Hydro-
philen beschrieben.
Cicindeletae* Zwei neue mexicanische Arten von Mega-
cephala machte Chevrolat (Guer. Mag. d. Zool. 1841. pl. 55. 56)
bekannt: M. angustata, der M. mexicana ähnlich, aber von der
gestreckten Form der M. Lebasii, und M. impressa^ der M. Brasi-
liensis verwandt.
Aus der Gatt. Cicindela stellte Chevrolat (ebend. pl. 57 — 59)
C. radialis, aerea tenuilineata^ humer alis, Cristoforii
als neue Arten ebendaher auf: die erste ist der C. Vasseletii auffal-
lend ähnlich, aber vom Verf. scharf unterschieden^ bei der zweiten
{aerea') ist die Angabe des Vaterlandes nicht richtig: sie ist aus
Vorderasien und auch nicht neu, sondern C. concolor Dej , Rouxii
Barthel. — - Der Marquis de la Ferte-Senectere beschrieb (Rev.
zool. S. 37) vier neue Arten aus Texas, C. zj^wmj?«^ circumpicta,
togata, severa., und setzte (ebendas. S. 193) die Unterschiede sei-
ner C. circumpicta von der nahe verwandten nordamerlcanischen C.
marginipennis umständlicher aus einander, vereinigte aber (ebendas.
S. 96) C. venusta mit C. Saucj^i Guer. — Guerin beschrieb (ebend.
S 180) C. Guilloui als neue Art von Borneo. — Westwood
(Ann. of nat. bist. VIII. S. 203) führte zwei neue Arten von J. Mau-
ritius auf, C. cupreola^ welche der C. funesta F. ungemein ähnlich
sein muss, und C. vigilans, aus welcher letzteren er eine Unter-
gattung Megalomma bildete: Kopf gross, Augen sehr vortretend,
Lefze mit ungezähntem Vorderrande, zweites Glied der Lippentaster
aufgeschwollen, Fühler und Beine sehr lang; beim Männchen die
3 erweiterten Glieder der Vorderfüsse mit keulförmigen Borsten be-
setzt. C. viridula Ouens. soll diesem Insect sehr nahe stehen, und
sich vorzüglich durch ganz gelbe Beine unterscheiden; ob er sie zu
derselben Untergattung rechnet, giebt der Verf. nicht an: sie hat
zw^ar die Lefze, wie angegeben, aber das 3. Gl. der Lippentaster ist
nur massig verdickt, andere wie C. Adonis Lap., haben es zwar sehr
stark verdickt, aber die Lefze vorn gezähnt, so dass die Untergatt,
sich kaum recht natürlich abgrenzen mögte.
Zwei neue Arten von Tricondyla^ die eine Tr. punctipen-
w/^, der T. aptera sehr ähnlich, von Manila, die andere Tr. coriacea
von Ceylan, sind von Chevrolat (Rev. Zool. S. 281) aufgestellt.
C€irahicL Haliday (Entomologist S. 185) machte darauf
aufmerksam, dass man behufs der Eintheilung dieser Familie in
Hauptabtheilungen statt der Einlenkung der Enddornen der Vorder-
204
schienen, die Verschiedenheiten in der Bildung des Sternum zum Grunde
legen könne. Der Verf. hat nur die britischen Caraben untersucht,
doch dürfte die Vergleichuug der exotischen Formen keine Aende-
rung im Resultat hervorbringen. Es kommen nämlich dreierlei Ver-
schiedenheiten vor, welche eben so viel Abtheilungen geben.
1. A7tij>hihii. Prosternum erweitert und abgestutzt, eine fort-
laufende Fläche mit dem Metasternum (im Text steht irrthümlich Me-
sosternum) bildend: Omophroji.
2. Abdomina f es. Prosternum in eine Furche des Mesosternum
eingreifend, wodurch die Beweglichkeit des ersteren beschränkt, und
die Verbindung beider fester wird. Cychrtis, Carahus, Nebria., Lei-
stuSj Notiophihis.
3. Pedestres. Prosternumspi<ze nicht verlängert, und also vom
Mesosternum abstehend: ganz freie Gelenkverbindung. Die Ilarpa-
liden (im weiteren Sinne) Scaritiden und Brachiniden.
Die erste Abtheilung stimmt im fraglichen Puucte mit den Ha-
liplen überein, die zweite erinnert an die Djtiscen, die dritte gleicht
hierin den Cicindelen. Die Abtheilungen würden übrigens mit denen
nach der Insertion der Enddornen der Vorderschienen harmoniren,
wenn v\z\\i^\QFAaphrinen sich in alle 3 vertheilten, indem £/^/>Ä^«^
selbst zur 3., Notiophihis zur 2. gehört und Omophron die erste bildet.
Es ist indess noch ein anderer Umstand mit der Insertion der
beiden Enddornen an der Spitze der Vorderschienen oder des einen
höher herauf, verbunden, auf den ich schon in meinen Käf. der Mark
Brandenb. aufmerksam gemacht habe: ersteren habe ich ,,Parapleurae
simplices," den letzteren „Parapleurae appendiculatae" zugeschrieben.
Die Parapleurae sind bekanntlich nach Audouins zweckmässigerer
Benennung die Episterna des Metathorax, die sog. Appendices sind
die Epimera, die bei der ersteren Hauptabtheilung der Caraben zwar
ebenfalls vorhanden, aber von mehr lederartiger Beschaffenheit und
von den Episternen ganz bedeckt sind, während sie bei der zweiten
vollkommen hornig und frei neben den Episternen daliegend, als ein
Anhang derselben erscheinen. Dies nun in Übereinstimmung mit der
Bildung der Vorderschienen (heilt die ganze Caraben-Familie in zwei
Abtheilungen, welche durch die vom Verf. zur Sprache gebrachte
Verschiedenheit in der Bildung des Sternum noch ein drittes Merkmal
erhalten; denn alle C. mit ausgeschnittenen Vorderschienen und freien
Epimeren des Metathorax haben das freie Gelenk zwischen Pro- und
Mesothorax, alle übrigen C. mit einfachen Vorderschienen und ver-
steckten Hinter -Epimeren haben ein in das Mesosternum eingreifen-
des Prosternum, bis auf die kleine Gruppe der Elaphrinen, welche
sich die Freiheit gelassen hat, eben so viel verschiedene Sternum-
bildungen als natürliche Gattungen aufzuweisen.
Mehrere theils nachträglich aufgefundene, theils neu entdeckte
Arten der Schweiz sind von Heer im Anhange zum I.Bande der
Faun. Goleopt. Helv. aufgeführt worden.
2(i:)
Eine merkwürdige Monstrosität des Carabus lotharhtgns bildele
Duponchel (Ann. d. 1. Soc. Ent d. Fr X. T.A. II. S. 199) ah, wo
nämlich die beiden seitlichen Hälften des Prothorax so aus einander
getrieben sind, dass sie sich nur noch in einem Puncte berühren.
(Eine ganz entsprechende Monstrosität besitzt unsre Sanimlnug vom
Nashornkäfer.)
Waterhouse hat zwei neue Gattungen aufgestellt, welche mit
Carabus zunächst verwandt sein sollen. Aplothorax (Ann. of nat.
bist. VII. S. 145) unterscheidet sich von Carabus dadurch, dass das
Halsschild glatt, ohne aufgeworfenen Rand und ohne Eindrücke an
den Hinterecken istj die Fühler sind in der Mitte verdickt, das 3. Gl.
lang; der Kopf gross, fast so breit als das Halsschild, die Flügel-
decken flach, die Vorderfüsse beim Männchen nicht erweitert. Ä Bnr-
chellii, von St. Helena. — D isphericus (Ann. of nat. bist. VIII.
?5. 298) ausgezeichnet durch die fast sphärische Form des Halsscliil-
des und Hinterkörpers. Vorderschienen innen ausgerandet, Vorder-
schenkel verdickt. Wird von Waterhouse als Verbindunglied zwi-
schen Cjxhrus und Potamophilus (?) betrachtet. D. Gamhiauu s ,
aus dem tropischen Africa. Wenn beide, über welche bis jetzt mir
die flüchtigen Notizen in den Proceedings der Ent. Soc. vorliegen, erst
durch ausführliche Beschreibungen und Abbildungen erläutert sein
werden, wird sich ihre Stellung eher beurtheilen lassen.
Aus der Brac hinin eu- Gruppe sind mehrere neue Arten auf-
gestellt: Brachinus Deyrolii aus Texas von La Ferte Se-
nectere (Rev. Zool. S. 42.) Lebia civica, lutosa, plana aus
Neuholland (Adelaide) L. russata und V locht onus amandus
aus Ostflorida; Drominus crudelis und tridens aus Neuholland
(Känguru-Ins.) von Newman (Entomol. S. 31). — Die neuholländi-
schen angebl. Lebien möchten wohl, wenigstens z. Th. zu der kurz
gedrungenen, platten Cymindis-Form gehören, welche Neuholland
eigenthümlich ist, aber kaum Charactere zur Aufstellung einer neuen
Gattung darbietet.
Über die Gatt. Careniim bemerkt White (Grey Journ etc. II.
S. 456), dass Eutoma Newm. identisch damit, aber verschieden von
Arnidms Leach sei, lässt jedoch die Unterschiede unerörtert (West-
wood hat später gezeigt, dass diejenigen Recht hatten, welche Ar-
nidius mit Carenum zusammenfallen Hessen). White beschreibt a. a. O.
eine neue Art C. perplexum vom König Georgs-Sund, eine an-
dere, C. Spencii stellte West wo od (Ann. of nat, hist. VIII. S. 123)
auf, welche auf jeder Flügeldecke drei Reihen runder Gruben hat.
Vaterland nicht genauer als Neuholland angegeben.
Von der Ga.tt. Promecode?'us gab Guerin (Rev, Zool. S. 186)
eine monographische Zusammenstellung der Arten, deren er 7 meist
neuer auffährt, nämlich 1 (P. brunnicornis Dej.) von der Känguru-
Ins., 3 von Vandiemensland, 2 vom Schwanenfluss und 1 (^Lottini
Brull.) von Neuseeland. Einer, P. degener ^ von Hobarttown weicht
206
von den übrigen dadurch ab^ dass der Zahn im Kinn fehlt und die
Färbung nicht metallisch ist. Eine andere dem P. brunnicornis sehr
nahe verwandte Art von Hobarttown, P. gibbosiis^ ist der von Gray
im Anim. Kingd. als ein africanisches Insect abgebildete Cneniacan-
thus gibbosus. Es folgt daraus, dass Cnemacanthus Gray mit Pro-
mecoderus Dej. synonym ist, und Hr. Guerin spricht sich ferner
darüber aus, dass der Name Cnemacanthus der von Brülle 1834 als
solche abgebildeten chilesichen Gattung verbleiben müsse, die später
von Curtis Odontoscelis benannt sei, welchem Namen Waterhouse
in seiner Bearbeitung der Darwinschen Carabicinen mit Unrecht den
Vorzug gegeben. Waterhouse (Ann. of nat. bist. VIII. S. 805)
bemerkt dagegen allerdings sehr richtig, dass die Brullesche Bestim-
mung, als auf einem solchen Missgriff, der Arten von verschiedenen
Hauptabtheilungen der Caraben in eine Gattung vereinige, begründet,
auf Autorität nicht Anspruch machen könne. Da indess der Curtis-
sche Name Odontoscelis nicht mehr vacant sei, schlägt er einen neuen
Scaritidea für jene Chilesische Gatt. vor. Dieser Name ist indess
auch nicht zu brauchen, da er die Scariten- Gruppe bezeichnet, es
möchte also wohl am Rathsamsten sein, sich doch zur Beibehaltung
des vacanten Namens Cwe»i«cawM?u^ unter Brulle's Autorität, zu ver-
einigen.
Eine ausgezeichnete neue Gattung der Harpalen - Gruppe stellte
Guerin (Rev. Zool. S. 213) unter dem Namen Heterodactylus
auf. Körperform im hohen Grade die einer Nebria. Mandibeln nach
aussen erweitert, ähnlich wie bei Plochionus. Taster fadenförmig.
Kinn mit einem abgerundeten Vorsprung in der Ausbuchtung. Beine
schlank, viertes Fussglied zweilappig, der äussere Lappen länger.
Die vier ersten Glieder der vier vorderen Füsse beim Männchen
schwach erweitert, unten mit Filzbekleidung. H. nebri'oides von den
Aucklands-Inseln. Den Namen hat bereits eine Eidechsen -Gattung
in Besitz.
Eine andere neue Gatt, dieser Gruppe errichtete der Marq. de
la Ferte Senectere (Ann. d. 1. Soc. Ent. de Fr. X. S. 201) unter
dem Namen Gynandrotarsus. Die grösste Übereinstimmung ist
mit Harpalus, — denn obschon keine Spur eines Zahns im Kinn vor-
handen ist, den Dejean der Gatt. Harpalus ertheilt, haben doch viele
seiner Arten eben so wenig eine Spur desselben — und das Männ-
chen zeigt auch keinen Unterschied von einem wahren Harpalus;
beim Weibchen aber ist an den Vorderfüssen das erste Glied so stark
erweitert wie bei G3^nandropus und Gynandroniorphus Dej., zugleich
unten mit einer Sohle, welche das zweite Glied von unten her völlig
verdeckt. Hierdurch, und durch das weniger kurze und tiefer aus-
geschnittene Kinn, unterscheidet sich die neue Gatt, von den beiden
letztgenannten. G. harpaloides ist eine neue Art aus Texas.
Harpalus dulcicollis La Ferte Senectere von Texas
207
und Amblygnathus Philippensis ChevroJ.it von Manila sind
in der Rev. Zool. S, 44 und 221 beschriebene neue Arten.
Waterhouse hat fortgefahren, die von Darwin in Südamerica
gesammelten Caraben zu bearbeiten, und hat Ann. of nat. bist. VII.
S. 120 die Arten von Feronia gemustert. Neu sind F. Dejeanii
von Montevideo und F. submetallica von Maldonado in La Plata,
beide gewissermaassen zwischen V. corinthia und cordicollis Dej. in
der Mitte stehend, F. {PterosticJms') BoneUii von verschiedenen
Puncten der Südvvxstküste, der F. oblongopunctata nahe stehend,
F. {ßterofus) marginata von Chile, von mir bereils in Meyen's
Reise (und den Act. Leopold.) als F. blanda beschrieben, F. {Poecilus)
Gtierinii von Patagonien?, F. (^Poec.^ depressa von Montevideo
ist P. plauodiscus Pertj-, F. {^Argutor^ F ata g onica von Monte-
video ist unbedenklich A. ßonariensis Dej., F. (^Arg.') Audoninii
von Buenos Ayres scheint mir nicht verschieden von F. confusa Dej.,
F. A. Brullei ebendaher und F. A. apicalis von La Plata neu.
Eine neue sibirische, der F. oblongopunctata ähnliche Art
beschrieb Gebier (Bull. Mose. 1841. S. 581) als Platysma fo-
veolatum.
Rjlands (Entomologist S. 216) hat mehrere neue Englische
^4///ar«-Arten aufgeführt, welche aber nicht in solcher Weise cha-
racterisirt sind, dass sich über ihre Rechte urtheilen Hesse. Dasselbe
gilt auch von Amara septe7itrionatis Curtis (Ann. of nat. bist.
V. 8.275), während desselben Bradytiis mar ginatus (ebendas.)
unbedenklich für Am. patricia Creutz. anzunehmen ist.
Neu aufgestellte Arten sind ferner :
Drimostoma Mexicanum Chevrolat (Guer. Mag. de Zool.
1841, Ins. pl. 64) aus Mexico.
Antarctia lata Guerin (Rev. Zool. S, 190) von Port Fa-
raine in der Maghellanstrasse.
Dicaelus opacus La Ferte Senectere (Rev. Zool. 8. 42)
von Texas.
Chlaenius Greyianus White (in Grey's Reise II. S. 458)
vom König Georgs -Sund, sich unserem Chi. 4-sulcatus nahe an-
schliessend.
Calathus Sibiriens Gebier (Bull, Mose. 1841. S. 578) aus
dem Kusnezk-Geb. in Sibirien.
Die Trechen -Gruppe wurde vou Guerin (Rev." Zool. S. 123)
mit einer neuen Gatt. Oopterus bereichert, welche er \on Trechus
hauptsächlich in der Form der Vorderfüsse der Männchen unterschei-
det, indem die auf die beiden ersten stark erweiterten folgenden
Glieder nicht plötzlich, sondern allmälig an Breite abnehmen. Körper-
form an Dyschirius erinnernd. O. clivinoides von den Aucklands-
Inselo.
Einige neue Bembidien aus Texas beschrieb der Marq. de laFerte
Senectere (Rev. Zool. S. 45): Tachys pulchellus^ ?nise.llus und
208
Notaphtts viridicollis. Der erste steht in sehr naher Verwand tschaft
mit B. ephippiatum Say, welches vielleicht mit B. elegantulum KI.
von Portorico identisch ist, und diesen scliliesst sich auch B* con-
cinnum KI. aus Columbien, welche beiden letzteren, so wie der
dem N. viridicollis nahestehende Notaph. fastidiosus Dej. aus West-
indien, als noch unbeschriebene Arten hier ebenfalls characterisirt sind.
— Bemh. Cumatile Schiödte (Danm. Coleopt. I. S. 585) ist eine
in Dänemark neu aufgefundene, dem B tibiale Duft, verwandte Art,
aber durch die eiüfachen Gruben des Halsschilds (ohne Striche und
Puncte) und die nicht punctirten Streifen der Flügeldecken unter-
schieden. — Tachys minimus Curtis(Ann. of nat, bist. V. S. 275)
aus England ist nichts als ß. bistriatum Duft.
nytisci* Eine höchst gründliche, musterhafte Leistung ist die
Bearbeitung dieser Familie von Schiödte in Danmarks Eleutherata.
Das Allgemein -naturgeschichtliche derselben, die Verwaudlungs-
geschichte, den inneren Bau, hat der Verf. nach sehr umfassenden
eigenen Untersuchungen dargestellt, und manche Irrihümer, welche
in meiner Dissertation, Genera Dyticeorum, sich fanden, verbessert.
Hinsichts der Larven stimmt meine spätere Darstellung mit der des
Verf. überein. Die dänische Fauna ist sowohl im Umfang als im
Inhalt mit der unsrigen ziemlich gleich. Neue Arten hat der Verf.
drei: Agabus nebulosiis, dem conspersus Marsh, (subnebulosus
Aube nee Steph.) täuschend ähnlich, doch dadurch unterschieden, dass
beim Männchen die Vorderklauen ungleich sind (unsere englischen
Ex. des conspersus verhalten sich hierin ganz wie bipunctatus), vom
bipunctatus ausserdem noch durch ungeflecktes Halsschild sich ent-
fernend; der Name kommt indess in Collision mit dem nebulosus Forst.,
der bei den Engländern für bipunctatus F. in Gebrauch ist. — Aga-
bus frigidiiSj vom guttatus durch mehr Wölbung und kürzere
Klauen des Weibchen unterschieden, vielleicht dem biguttatus Ol.
näher kommend, der Indess weniger deutlich als guttatus netzförmig
gestrichelt ist und dem südlichen Europa angehört. — llybius
Q-de7itatus, dem 4-guttatus zunächst verwandt, doch mehr von
der Form des fenestratus^ und vorzüglich noch dadurch unterschie-
den, dass beim Männchen ausser allen Vorderklauen auch die äussere
Mittelklaue gezähnt ist.
ßabington (Transact. of the Ent. Soc. of Lond. III. S. 1) hat
die von Darwin auf seiner Reise um die Erde gesammelten Dytiscen
beschrieben.' Die Abhandlung ist schon 183S vorgelegt, also gleich-
zeitig mit Aube's Werk vollendet, daher der Verf. auf letzteres kei-
nen Bezug nehmen konnte.
Cybister biungulatas von Maldonado mit zwei gleichen
Klauen an den Hinterfüssen. Der Verf. bemerkt hierbei, dass von
Curtis, Stephens und mir bei Cybister eine einzige Klaue an den
Hinterfüssen augegeben sei; indessen habe ich in meinen Käf. der
M. Brand. S. 164 nicht blos hierauf, sondern auch darauf aufmerksam
209
gemacht, dass bei denselben Arten (als gijsanteus und costalis Aube),
der eine Enddorn der Hinterschienen gabiig gespalten sei. Dies ist
vom Verf. und auch von Aube übersehen worden. Ersterer hebt
ausserdem noch einige Abweichungen in den Verhältnissen der Ta-
sterglieder und der Form der Mandibeln hervor; seine fernere An-
gabe, dass das Weibchen sich durch grubige Flügeldecken auszeichne,
bedarf einer Berichtigung: dergleichen grubige Flügeldecken sind eine
nur zufällige Bildung, welche auch bei verwandten Arten und bei
beiden Geschlechtern mitunter vorkommt. Die obige Art könnte leicht
C. puncticollis Brüll. Aube sein, vorausgesetzt, dass unter gelbem
Rande der Flügeldecken die Längsbinde neben demselben verstanden
ist. — Colymbetes r eticulatus von Chile, nigrorematus von
Patagonien, Chiliensis (ist nigriceps Er. Aube) und suttiralis
sind solche, deren Flügeldecken an der Spitze abgestutzt sind; an-
gusticollis von Port St. Julians, rotundicollis von den Feuer-
ländischen Alpen, signatus (einerlei mit C. trilineatus Aube) von
Montevideo und Feuerland (auch Chile), D arwinii, haben die Flü-
geldecken ganz. Col. llybius Saulcyi von Callao ist Agabus Pe-
ruvianus Lap. Aube, aber weder ein llybius noch Agabus, sondern
ein Copelatus mit ungestreiften Flügeldecken. Col. punctum von
Valparaiso ist Ag. Gaudichaudii Lap. Aube. Col. Magellanicus
von Feuerland ist ausgezeichnet durch leicht erhabene Längstreifen.
Copelatus elegatis von Rio Janeiro, Hyphydrus maculatus
von St. Jago, Hy droporus D arwinii vom König Georgs-Sund
(Neuholland), W-lineatus von Feuerland, ohscurus und nitidus
von Rio Janeiro. Die beiden letzten kleinen Arten wären anders zu
benennen gewesen, da ein Paar deutsche Arten von Sturm (1835) so
genannt sind. Hy droporomorpha par allela von Rio Janeiro;
Die Gattung ist identisch mit Celina Aube, die Art aber von den drei
Aubeschen verschieden. — Anodocheilus maculat us von Rio
Janeiro (auch in Nordamerica) ist Hydroporus exiguus Aube. Die
Gatt, ist durch den Mangel des Zahns im Kinn und die besondere
Grösse des letzten Maxillartastergliedes characterisirt. — Desmo-
pachria nitida^ ebenfalls von Rio Janeiro (und auch in Nord-
america). Gehört zu den Hj'droporen mit gcrandeter Stirn, und zeich-
net sich durch aufgetriebenes letztes Maxillartasterglied und die Füh-
ler mit dickem 2., sehr kurzem 4., pfriemförmig zugespitztem letzten
Gliede aus. Soll die Gatt, angenommen werden, muss Hydrop. cu-
spidatus und am Ende auch H. decoratus mit hinein.
Mexicanische Dytiscen sind von Chevrolat (Guer. Mag. de
Zool. 1841) aufgeführt und (Ins. pl. 65) Dyt. hahilis Say abgebildet.
Curtis (Ann. of nat. bist. V. S. 276) beschrieb einen kleinen
englischen Wasserkäfer unter dem Namen Hygrotus hisulcatus
als neue Art, welche aber nichts als Hydrop. unistriatus sein wird.
Gyrivii. Die Naturgeschichte der Gyrinen ist von Schiödte in
Danmark's Eleutherata sehr umfassend und gründlich dargestellt
Archiv f. Naturgeschichte. VI 11. Jahrg. 2, Bd. O
210
worden. Im innern Bau haben sie mit den Dytiscen vieles gemein,
sie weichen aber namentlich durch die Vertheiluug der Ganglien und
in den Geschlechtstheilen ab. Das Athmen geschieht keineswegs, wie
ich es angegeben hatte, durch Athemröhrchen, sondern durch die
Stigmen, indem die athmosphärische Luft auf ähnliche Weise wie bei
den Dytiscen unter die Flügeldecken dringt. In der Bestimmung der
Arten ist mehreres zu bemerken, da das Aubesche Werk dem Verf.
nicht zugänglich war.
Der Verf. unterscheidet zwei Arten mit metallischem Unterrande
des Halsschildes und der Flügeldecken, G. lembus und marinus,
der erstere ist der G. marinus Aube und auch wohl der von Gyl-
lenhal, da dieser die starken IPunctstreifen besonders hervorhebt,
der zweite, wo die Punctstreifen der Flügeldecken gegen die Naht
hin schwächer werden, ist G. aeneus Steph. Aube. — G. cercu-
rus des Verf. ist G. natator Ahr. St., der G. tiatator des Verf.
ist G. mergus Ahr.: man sollte den Namen natator ganz unter-
drücken, wenn sich nicht sicher herausstellt, welche der neuerlich
genauer unterschiedenen Arten Linne vor sich gehabt hat. In Fa-
bricius' Sammlung findet sich als solcher G. marinus. — G. celox^
dem G. bicolor täuschend ähnlich, aber mit rothbrauner Brust, und
an der Spitze mehr gerade abgeschnittenen Flügeldecken. Er kommt
auch in Deutschland vor und ich finde keinen Unterschied zwischen
ihm und dem G. Caspius Men. Aube aus dem Caspischen Meer.
Staphyiin*. Einen bedeutenden Nachtrag von schweizer
Staph\iinen, darunter eine grosse Anzahl neuer Arten hat Heer am
Schlüsse des ersten Bandes seiner Faun. Coleopt. Helvet. gegeben,
Westwood (Ann. of nat. bist. VII. S. 149) hat die Staphylinen
der Linneischen Sammlung geprüft. Unter St. niaxillosus finden sich
unser St. maxiilosus und O. olens, unter erythi'opterus der caesa-
reus Cederh., da indess Linne's Beschreibung offenbar den St. casta-
nopterus Gr. bezeichnet, ist zu vermuthen, dass hier, wie so häufig, eine
spätere Verwechselung stattgefunden hat. Unter St. politus finden
sich nach W's, Angabe mehrere Arten verwechselt, dass typische
Ex. wäre aber St. aeneus Gr. Gyll. Staph. lutuilatus ist Boletobius
atricapillus (Staph. atr. Fab.). Staph. lignorum ist ein Tachinus von
der Grösse des T. subterraneus. St. sangumeus ist eine Aleochara,
der A. fuscipes ähnlich. Staph. ßavipes ist Tachyporus hypnorum
(Oxyp. hypn. Fab.). St. fuscipes ist Xantholinus lentus. St. boleti
ist nach Westvvoods Bestimmung meine Gyrophaena minima, wahr-
scheinlich aber doch wohl die nahe verwandte AI. Boleti Payk. Gyll.
— St. ßavescens, bipustulatusj canthareUus fehlen in der Linneischen
Sammlung.
Ueber die Naturgeschichte der in Ameisennestern lebenden Sta-
phylinen hat Märkel (Germ. Zeitschr. III. S. 203) höchst interessante
Beobachtungen mitgetheilt, und auch die Zahl der als solcher bekann-
ten vermehrt. Dies gilt xon Aleochara angiüuta uaA Quedius brevis;
211
auch fanden sich Homalota circellaris, fimgi var.'i Conuriis pube-
scens, Tachyporus sagi/iatus, Hetemps praevms, Suniits filiforinis^ die
aber nicht ausschliesslich in Gesellschaft der Ameisen leben. Auch
hat der unermüdet thätige Verf. mehrere neue Arten in den Ameisen-
haufen entdeckt und a. a. O. Oxypoda formiceticola und myr-
mecophila , und Leptacinus formicetorum beschrieben. Der
letzte ist von mir mit L. batychrus verwechselt, und ich muss ge-
stehen, dass, obschon ich wenig Zweifel gegen ihre Verschiedenheit
habe, mir noch jetzt ihre wesentlichen Unterschiede nicht ganz klar sind.
Haliday (Entomologist S. 186) theilte Notes on Staphylinidae
mit. Er bemerkt, dass meine Unterabtheilungen Staphylitiim \mA Oxy-
porini nicht genügend unterschieden wären, und dass streng genom-
men St. nebulosus und raurinus zu den Oxyporinen gehörten. Er
hat darin Recht, und es wird wohl am besten sein, die beiden Unter-
abtheilungen zu vereinigen. Dazu wird aber das Fehlen oder Vor-
handensein des dreieckigen Läppchens hinter den Vorderhüften noch
dienen können, um die Gatt. Philonthus und Ouedius zn sondern.
Bei Philonthus bin ich in diesem Puncte sehr aufmerksam gewesen
und ich glaube nicht, dass dort Arten mit jenem Läppchen sich finden.
— Von Boreaphi'lus hat der Verf. die Charactere vervollständigt:
die Gattung gehört in die Gruppe, der Omalinen, hat sehr deutliche
Ocellen, kommt im Habitus Anthophagus und Lesteua nahe; als
Diagnose stellt er auf: palpi subulati, mandibulae elongatae, falcatae,
tibiae muticae, tarsi articulis 4 primis subaequalibus. Ausser dem B.
heimingianus führt er eine zweite Art aus dem Norden von Irland, B.
brevicollis ^ auf, bei welchem er frRgw eise Cor yplu'um aiigusticolle
Steph. citirt. An der von mir als möglich angedeuteten Identität von
Boreaphilus und Coryphium zweifelt er nicht, aus seiner Angabe geht
auch deutlich hervor, dass Stephens die Maxillartaster, welche mein
Bedenken veranlassten, unrichtig beschrieben hat. Arpedium be-
reichert er mit einer neuen Art, ^. /^zyo/?*, der die Ocellen fehlen; er
vermuthet, dass mein A, humile vielleicht dasselbe sei, was leicht möglich
ist, denn bei diesem sind die Ocellen auch kaum zu bemerken. End-
lich stellt er eine neue Art von Othius, O. %-pnnctatus auf,
welche sonst mit O. raelanocephalus übereinkommt, nur dass sie jeder-
seits auf dem Halsschilde 3 Puncte hat.
Ein Paar englischer Arten werden auch von Curtis (Ann. of
nat. bist. V. S. 877) aufgestellt, die eine, Stenus basalis, ist der
von mir beschriebene St. contractus, die andere, Suiiius unicolor,
ist mir zweifelhaft.
Ref. (Germ. Zeitschr. III. S. 407) gab eine Beschreibung des
Staph. {Creophilus^ cüiaris Steph., einer ausgezeichneten Art aus
Schottland , welche er früher nach Stephens' Beschreibung für den
brasilischen St. (Creoph.) variegatus Mann, annehmen zu müssen ge-
glaubt hatte.
212
Tae?todema chictaWestwood (Ann. of nat. hist. VIII. S. 205)
ist eine ausgezeichDete neue Art aus Brasilien.
Buprestidae* Die letzten Hefte der Histoire naturelle et
Iconographie des Insectes Coleopteres von De Laporte und Gory
enthalten Supplemente zu den Gatt. Agrilus, Amorphosoma, Eume-
rus, Choraebus, Änthaxia, Euagora, Sphenoptera, Sponsor, Brachys,
Trachys, Jphanisticus. Zu Agrilus sind nicht weniger als 68 Arten
hinzugekommen, so dass die Zahl der dargestellten Arten überhaupt
sich auf 168 beläuft; zu bemerken habe ich nur, dass mir A. auroll-
neatus des Verf. {flavolineatus Dej.) nicht verschieden zu sein
scheint von dem früher mit irriger Vaterlandsangabe (Brasilien) ab-
gebildeten A. flavolineatus, und jedenfalls Bup. bilineata Web. ist —
ferner dass A- cupricollis einerlei sein wird mit B. lateralis ^B.y,
endlich dass A.purpiireocolh's aus Montevideo identisch ist mit A,
versicolor Chevr. — Amorphosoma hat 3 neue Arten erhalten. — Zu
Eumerus ist E. chaly beus hinzugefügt, welcher indess nurb laue
Var. von E. longipes des Verf. oder Rhaeboscelis purpureus Chevr,
ist (der Name Rhaeboscelis ist jedenfalls vorzuziehen, da Eumerus
als Gattungsname bei den Dipteren bereits lange in Gebrauch ist). —
Choraebus^ 6 neue Arten. — Zu Anthaxia sind 16 Arten •hin-
zugekommen, von denen A. cyanipennis Dej. aus Dalmatien kaum
hinreichend von A. laeta verschieden sein möchte, A. optata aus
Lima unter dem Namen A. concinna Dej. bekannt, A. hilaris Dej.
vom Cap die Bup. marginata Thunb., A. triangularis Dej. vom Cap
verrauthlich einerlei mit A. Thunbergii Gory ist. Bei A. lucidiceps
ist Südrussland als Vaterland bemerkt, das Käferchen ist aber in
Buchara einheimisch, also im Innern von Asien. — Euag ora,2 neue
Arten, von denen indess die Capensische E. sulcipennis von De-
jean richtiger als eine Anthaxia betrachtet ist. Das Männchen hat
verdickte Schenkel wie A. cyanicornis. — Sphenoptera ist mit
17 neuen Arten vermehrt worden, indess ist5/;A. CeltibericaGory
(Carduorum Chevr.) aus Portugal sicher B. geminata JH., und Smyr-
neensrs aus Kleinasien ganz unbedenklich eben dieselbe in den mei-
sten Küstenländern des Mittelmeers verbreitete Art (zugleich B. rauca
Fab.). Sph. ifitermedia Dej. vom Cap ist schwerlich verschieden
von der früher abgebildeten Sph. Capensis Gory; Spb. Zoubkoffit
aus Turkestan ist eine alte Pallas'sche Art, und zwar Bup. orich<aIcea
desselben, welchen Namen sie behalten muss. Endlich Sph. ango-
lensis Kl. (soll Dongalensis heissen) aus Dongala ist von der in
den Symb. phys. von Klug abgebildeten B. Dongalensis verschieden.
— Die 7 neuen Arten von Sponsor {Oomorpha Dej.) hatte Hr. Guerin
aus Prioritäts-Rücksichten schon früher publicirt (S. Jahresber. für
1840. S. 164). — Brachys ist mit 30, Trachys mit 3, Aphani-
sticus mit 1 Art vermehrt worden.
Hiermit ist dies VTerk vor der Hand geschlossen, es bildet 4 Bde.,
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von welchem der 2. und 3. die Monographie der Bupresten, der 4. die
Nachträge dazu enthalten.
Einige kritische Bemerkungen theilte Spinola (Rev, Zool. S. 98)
zu den in der eben besprochenen Monographie abgebildeten Arten
von Acmaeodera mit.
Ausserdem sind als neue Arten aufgestellt: Strigoptera ob-
soleta und inornata Chevrolat (Rev. Zool. S. 281) aus Manila,
Anthaxia quadrata Buquet (ebendas S. 194) von St. Domingo,
Anth. praticola La Ferte Senectere (ebendas. S. 49) aus
Frankreich, einerlei mit A. umbellatarum der Goryschen Monographie,
aber nicht B. umbellatarum F., auch bei uns nicht selten vorkommend, von
A. 4>punctata durch das Fehlen der 4 eingedrückten Puncte auf dem
Halsschilde unterschieden. Agrilus Ltttlei Curtis (Ann. of nat.
hist. V. S. 365) aus England.
Low (Entomol. Zeit. S. 34) gab eine Abbildung und anatomische
Darstellung des Nahrungskanals der Larve der Bupr. Mariana. Der
Nahrungskanal ist bis auf eine einfache Schlinge, welche der Dünn-
darm bildet, ganz gerade. Der Zottendarm ist besonders lang, und
die beiden kurzen Gallengefässe münden in seinem vorderen Ende.
Der sog. Kaumagen hat innen vorspringende Falten, aber keine
Hornleisten.
Ulateridae» Ger mar und Ref. haben ihre Musterung der
Elateren in der Zeitschrift des Ersteren fortgesetzt.
Germar hat eine umfassende Bearbeitung den Leucht-Ela-
teren, der Gatt. Pyrophorus gewidmet, welche, obschon auf
America beschränkt, einen sehr grossen Reichthura von Arten auf-
zuweisen hat. Die Bestimmung der Arten ist bei der grossen Ein-
förmigkeit derselben schwierig, daher besonders wichtig, sie hier auf
eine natürliche Weise in ünterabtheilungen gebracht zu finden. Die
erste Familie bilden solche, wo die Fühler kürzer als das Halsschild,
das 3. Glied derselben grösser als das 2. und kleiner als das 4. ist.
Hierher P. iioctüucus L., mit 8 mehr oder weniger nahe verwandten
Arten. Die zweite grössere Familie umfasst solche, deren Fühler
so lang oder länger sind als das Halsschild, vom 4. Gliede an gesägt.
Bei der einen Unterabtheilung sind das 2. und 3. Gl. gleich (P. igni-
tus und 8 andere Arten), bei der andern ist das 3. länger (P. lumi-
nosus Jll. u. a., zusammen 16 Arten, unter denen eine, P. formosus
aus Brasilien, in ihrer Färbung, welche die der Seraiotus ist, vor den
übrigen sich auszeichnet). In der 3. Familie sind die Fühler ebenfalls
länger als das Halsschild, aber schon vom 3. Gliede an gesägt;
hierher 5 neue Arten aus Brasilien. Die 4. Familie enthält Arten,
deren Fühler von der Länge des Halsschildes, dünn und schwach ge-
sägt sind. Bei den ersten 1 6 Arten, z. B. Janus Hbt., phosphoreus L.
u. s. w. ist der Kopf viel schmäler als das Halsschild, bei den näch-
sten 9 (jpecidator^lucidulus und lucernula Jll. u. s. w.) ist er grösser
und fast von der Breite des Halsschildes^ die letzten 4 Arten (bu-
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phthalmus, raninus Esch.) erhalten durch ihren vortretenden Kopf und
die grossen vorragenden Augen einen eigenthümlichen Habitus, ohne
indessen einen genügenden und durchgreifenden Unterschied von den
übrigen Pyrophoren darzubieten. Im Ganzen sind 69 Arten, und unter
diesen die grössere Hälfte hier zuerst beschrieben. Schliesslich sind noch
10 z. Th. mehr oder weniger zweifelhafte Arten verschiedener Aueto-
ren aufgeführt, so dass man die Zahl der zur Zeit bekannten Leucht-
Elateren auf einige 70 schätzen kann. Die Hauptmasse der Arten
findet sich auf der Ostseite Südamerica's, namentlich in Brasilien^
wo über 50 Arten einheimisch sind. 6 Arten verbreiten sich nach
Guiana, in andern Theilen der Ostseite von Südamerica finden sich nur
2 Arten, auf der Westseite ebenfalls nur 2. Auf den verschiedenen
Inseln Westindiens kommen 7 vor, und 2, welche mit dem Continent
von Südamerica (Brasilien^ gemeinschaftlich sind (?). Nordamerica
hat nur eine Art, aus Mexico sind 4 bekannt, von denen eine mit
Südamerica gemeinschaftlich ist.
Ref. setzte (Ebendas. S. 77) die Arten der Gatt. Chalcolepi-
dius aus einander, eine Aufgabe, welche trotz der ansehnlichen Sta-
tur der Arten doch ihre Schwierigkeit darin findet, dass bei einzelnen
Sculptur und Bekleidung abändern. Die Flügeldecken ändern nämlich
darin ab, dass die Zwischenräume der Punctstreifen entweder alle
gleich hoch, oder abwechselnd z. Th. oder ganz vertieft sind; die
Bekleidung auf den erhabenen Zwischenräumen besteht in Schuppen,
die sich in Härchen verändern, so bald diese Zwischenräume vertieft
sind. Auch die Färbung ändert oft sehr bedeutend ab. Auf diese Weise
lässt sich durch allmälige Übergänge nachweisen, dass E. porcatiish.
und E. vireiis F. und E. striatus L. {porcatus F.) nur Abänderungen
einer und derselben Art sind. Zu Ch. Umbatus Esch. {E. porcatus
Ol.) gehört ebenso E. striatus F. und zu Ch. zoiiatus Esch. in ahn-'
lieber Weise Ch. smaragdulus Esch. als Abart. Der E, sulcatus Hbt.
ist vom gleichnamigen von Fabricius unter dem Namen Ch. Herb-
stii unterschieden worden. Dann sind noch 7 neue Arten beschrie-
ben, von denen eine, Ch. procerus aus Mexico, durch schwächere
Fühler und vorn abgerundetes Schildchen, zwei andere C h. prasi-
71 US aus Brasilien und Ch. attennatus aus Mexico durch längere,
schärfer gesägte Fühler mit kürzerem dritten Gliede, von den übri-^
gen abweichen. Bei der letztgenannten Art ist das Schildcben auch
vorn abgerundet, während es bei der vorletzten vorn, wie gewöhn-
lich 2spitzig ist. Im Ganzen sind 18 Arten aufgeführt.
Ref. hat (Ebendas. S. 88) auch als Elateren mit kämm för-
mig gezähnten Krallen die Gattungen Cratonychus , Verothops
und Adrastus monographisch bearbeitet. Ausser der Form der Kral-
len haben sie nichts gemein. Cratonychus {Melanotus Esch. Fe-
riniecus DilLw. Ki by) sonst vollkommen den eigentlichen Elateren
in allen wesentlichen Merkmalen sich anschliessend, zählt hier 40 A.,
von deuen 7 auf Mittel- und West-Europa, 10 auf den Orient (mit Ein-
215
schluss von Osteuropa), 9 auf das tropische Asien, 1 auf das tropi-
sche Africa, 1 auf Isle de France, 11 auf Nordamerica, 1 auf Mexico
kommen. EioeArt, Cr. fulvipes, ist Europa mit Nordamerica gemein.
Den nordaraericanischen Cr. communis {Ef. Simplex G.) erhielt Ger-
mar auch aus 8üdbrasilien, vielleicht ist er mit Holz dahin gebracht,
einheimisch möchte er dort schwerlich sein. — Perothops stimmt
zwar in dem beilförmigen Eodgliede der Taster mit den eigentlichen
Elateren überein, entfernt sich aber durch genäherte Fühler, erwei-
tertes, die Lefze überdeckendes Kopfschild, schmale, zwei spitze
Läppchen bildende Zunge, und starke einfach zugespitzte Mandibeln,
wodurch die Annäherung an Cebrio sehr bedeutend wird. Einzige
Art ist der nordamericauische El. ftmcidus Kn. Schönh. — Ändra-
stus zeichnet sich unter allen eigentlichen Elateren sehr durch seine
zugespitzten Taster aus. Es kommen hier Arten vor mit einem klei-
nen Hautläppchen am 4. Fussgliede (vermuthlich Esthesopus Esch.)
und solche mit ganz einfachen Füssen. Zur ersten Abtheilung ge-
hören 2 südeuropäische (E. terminatus Dahl und E. rutilipennis JH.)
und 5 americanische A., zur zweiten 8 mitteleuropäische, bisher z. Th.
mit E, limhatus und pusillusF. verwechselte Arten, die hier genauer
unterschieden sind.
Hope hat der Entomologischen Gesellschaft von London eine
Monographie der Gatt. Camp so s fern us vorgelegt, von welcher in
den Proceedings derselben (Ann. of Nat. bist. VIII. S. 453) eine Notiz
gegeben ist. Es sind 14 Arten aufgeführt, sämmtlich aus verschie-
denen Gegenden des tropischen Asien, nämlich E. fulgens F. aus
China, sumptuosusy Proteus und Es chscholtxii von den Phi-
lippinen, rosicolor von Java, aureolus und Leachii von Sin-
ghapur, Latreillii \oü Cochinchina, Cant ort \on Assam, Wt'l-
sont, smaragdinuf, Delesserti von Coromandel (Madras und den
Nila Giri's), Duponti von Malabar, Stephensii von Nepal. Hinzu-
zufügen wäre noch E. splendidus Herbst von Trankebar.
Einzeln beschriebene Arten sind: Campsost ernus ruiilans
Chevrolat (Rev. Zool. VII. S. 282) von Manila, identisch mit C. sum-
ptuosus H. — Ämpedus per pul eher Westwood (Ann. nat. bist.
VIII. S. 205. n. 10) aus dem tropischen Africa, gelbroth mit blauen
Schildchen und Flügeldecken, das 2. und 3. Fussglied gelappt, also
kein eigentlicher Ampedus, vermuthlich einer mit Physorhinus sehr
nahe verwandten oder identischen Gattung angehörend, deren afri-
canische Arten nicht den gelben (vielleicht leuchtenden) Kopf der
americanischen haben. — Aplo t arsus QLtmo?n'us) maritimusj an
der englischen Küste vorkommend, und Cardiophorus formosus,
von dem in England ein einzelnes Ind. an Selleriwurzeln gefunden
wurde, von Curtis (Ann. of nat. bist. V. S. 278) beschrieben, sind
mir zweifelhaft geblieben. — Endlich Cryptohypnus canalicu-
latus Gebier (Bull Mose. 1841 S. 583) vom Altai-Gebirge.
Zwei neue schweizer Arten vouThroscuSy Thr.elateroides
216
und pusilhts, wurden von Heer (Faun. Col. Helv. I. S. 443) be-
schrieben Der Verf. rechnet diese Gatt, zu den Byrrhen.
JLampyritiae, üeber das Leuchten der Lamjtyris ita-
lica hat Peters (Müllers Archiv 1841 S. 229) seine in Nizza an-
gestellten Untersuchungen mitgetheilt. Das Leuchtorgan, auf den
beiden vorletzten Bauchsegmenten liegend, besteht, unter der Lupe
gesehen, aus dicht gedrängten runden Körperchen, unter dem zu-
sammengesetzten Microscop findet man es aus regelmässig gelager-
ten Kügelchen bestehend, in die je ein Tracheenstämmchen eintritt
und sich darin verzweigt. Nerven konnte P. nicht in dies Organ
verfolgen, schon der Hauptnervenstamm ist sehr fein. Ein Zu-
sammenhang mit den Geschlechtsorganen liess sich auch nicht wahr-
nehmen, auf den man daraus schiessen könnte, dass die Leuchtflecken
bei Männchen und Weibchen oft verschiedene Form und Ausdehnung
haben; indess ist auch dieEotwickelung der Leuchtorgane mit der der
Geschlechtstheiie nicht verbunden, da bekanntlich schon die Larven
leuchten. Die leuchtenden Theile leuchten auch ausserhalb des In-
sects so lange sie feucht sind, und durch Anfeuchten kann man sie
wieder zum kurzen Aufleuchten bringen, nachdem sie schon ange-
trocknet waren und ihr Licht verloren hatten. Bei Vivisection dauert
das Leuchten des Thieres fort, wenn man auch alle über dem Leucht-
organe liegenden Eingeweide entfernt hat, hört aber augenblicklich
auf, sobald man den Kopf vom Rumpfe trennt. Hieraus scheint za
folgen, dass das Leuchten vom Willen des Thieres abhängig ist.
OPeiephoridae. Zwei neue englische Arten von Canthari$
sind von Curtis (Ann. of nat. bist. V. S. 279) aufgestellt: die eine
C. aethiops scheint auf C. paludosa Gjll. zurückzuführen zu sein,
die andere, C. unicolor ^ würde man für C. pilosa Pajk. annehmen
können, doch meint der Verf., sie sei davon verschieden, aber seine
Beschreibung ist zu kurz, um darüber ausser Zweifel zu setzen.
Clerii» 8pinola (Revue Zool. S. 70) hat eine monographische
Bearbeitung dieser Familie angekündigt, und zugleich eine üebersicht
über die Gattungs-Eintheilung gegeben. Da inzwischen Klug's Mo-
nographie in den Schriften der Berliner Academie erscheint, mögte
sie bei der weiteren Bearbeitung vielleicht einige Modificationen
erleiden. Die Anordnungen der Gattungen geschieht nicht, wie bei
Klug, nach der Entwickelung der Fussgiieder, sondern nach der Ge-
stalt der Augen. Diese sind entweder ausgerandet oder nicht. Im
ersteren Falle befindet sich die Ausrandung entweder an der Unter-
oder an der Innenseite der Augen. Die ersteren, mit unten ausge-
randeten Augen, theilen sich in zwei Gruppen, Till oide s mit 5,
^ otoxoides mit 4 deutlichen Gliedern der Hinterfüsse. Erstere
enthalten Cylidrus, Tillus, Pfiocera, Axina u. a., im Ganzen 13 Gatt.,
letztere die verschiedenen auf Kosten von CleruSy ISotoxuSy Tri-
chodes und Corynetes und z. Th. von EnopUum gebildeten, im Gan-
217
zen 27 Gatt.; die 3. Gruppe, Ichnoides, mit innen ansgeraodeteo
Allgen enthält vier Gatt., welche wie Ichnea Lap. sonst mit den
Enoplien übereinstimmen ^ die 4. Gruppe endlich, Cl. hybrides, mit
runden oder elliptischen, nicht ausgerandeten Augen, näher sonst
mit Clerus verwandt, besteht aus 3 Gatt., wie Hydnocera Newm.,
Evenus Lap.
Hope (Coleopt. Manual III. S. 139.) hat den Trichodes Ammios
wegen seiner verdickten Hinterschenkel als eigene Gatt. Pachyscelis
abgesondert: da sie aber bei den übrigen Trichodes -Arten ebenfalls
bald stärker, bald schwächer verdickt sind, wo ist der Unterschied?
Newm an (Entomologist. S. 15) beschrieb 8 ncubolländische
Clerus -Arten, nämlich CL instabilts, carus, splendidus, Sim-
plex, obscurus, pule her von Adelaide, crassus von Sydney,
honestus von der Känguru-Insel. In Bezug auf ihre systematische
Stellung werden alle noch einer Revision bedürfen^ denn die erste
Art ist ein Trichodes (Zenithicola Spin.), die letzte, nach der nahen
Verwandtschaft mit fasciculatus zu urtheilen, ein Opilus (Trogoden-^
dron Spin.). — Später (ebend. S. 35) fügte er 4 neue Arten von
Vandicmensland hinzu: CL? Jatuus, dem der Verf. schon einen eige-
nen Gattungsnamen Py/2^fgiebt, ohne indessdieCharactere aufzustellen.
— Ele ale^ neue Gatt, mit fadenförmigen Maxillar-, beilförmigem End-
gliede der Lippentaster, 1 lgl.,keulförm. Fühlern, horizontal vorgestreck-
tem Kopf mit langvorgestreckter Lefze; Verhältnisse der Fussglieder
nicht angegeben. E. asper a. — Hydnocera 7iitetis, durch die
Eühlerbildung, die vom Verf. übersehen ist, von den americanischen
Hydnocera abweichend, der Gatt. Lemidia Spin, entsprechend.
Hydnocera Malthinus , vielleicht sich ebenso verhaltend.
Vtiniores. Apate sexdendata wird nach Passerini den
Maulbeerbäumen schädlich, greift jedoch keine gesunden Bäume an,
sondern solche, welche durch Krankheit bereits geschwächt sind
(Rev. Zool. S. 354.).
JSienotnorpJuie (Gistl). Eine ganz naturgetreue Abbildung
des merkwürdigen Hypocephalus armatus Desm. {Mesoclastus
paradoxus G'i^tV) mit zerlegten Mundtheilen hat Westwood (Arcana
Ent. T. 10. S. 35) gegeben, welche um so dankenswerther ist, als
die bisherigen Abbildungen ungenügend waren, das lusect selbst aber
nur in wenigen Sammlungen (in Deutschland vielleicht nur in der
hiesigen) zu finden ist. Auch theilt W. hier einen Aufsatz von
Burmeister über die systematische Stellung dieses anomalen Insects
mit, über welche zu gleicher Zeit Guerin (Rev. Zool. S. 217.) seine
Ansicht publicirt hat. Beide stimmen darin überein, dass der Hypo-
cephalus ein Bockkäfer sei. Guerin beruft sich darauf, dass die Mund-
theile übereinstimmend mit Cyrtognathus u. ähnl., die Fühler mit
Spondylis gebildet wären, und die einfa(-hen Füsse sich auch schon
bei Amallopodes fänden. Indessen liegt ein sehr wesentlicher Unter-
218
schied in der Tarsenbildung noch darin, dass bei Hvpocephalus das
4. Gl. den vorhergehenden gleich gebildet ist, was bei keinem einzi-
gen Bockkäfer und auch bei Amallopodes nicht der Fall ist, welche
alle nur mit 3 Fussgliedern auftreten, indem das 4. Glied sich dem
Klauengliede näher anschliesst. — Burnieister verfolgt die Überein-
stimmungen zwischen Hypocephalus und den Bockkäfern noch weiter,
zeigt, dass nicht nur Mandibeln mit denen von Dorysthenes, sondern
auch die Maxillen mit denen der Prionen überhaupt übereinkommen,
vergleicht ferner die Fühler mit denen von Spondylis, die gezähnten
Vorderschienen mit denen von Cantharocnemus, weist durch das Bei-
spiel von Gnoma nach, dass die Länge des Halsschildes und die damit
in Bezug stehende verhäitnissuiässige Kürze der Flügeldecken der
Annahme nicht entgegen sei, und behauptet endlich, dass eine blosse
Flügeldecke hinreiche, um an der Sculptur zu erkennen, dass
man es mit eiüem Käfer aus der Prionengruppe zu thun habe. — Ein
Anderer könnte ganz mit denselben Gründen, und vielleicht noch bes-
sern beweisen, dass Hypocephalus zu der Farn. Cebrionites Latr. ge-
höre — die Fussglieder können hier kein Bedenken veranlassen — „die
Fühler sind wie bei Phjsodactylus, die eigenthümliche Einsetzung des
Kopfes wie bei Ptilodactyla, die gezähnten Yorderschienen sind genau
ebenso wie bei den mexicanischen Cebrio, Maxillen und Unterlippe voll-
kommen wie bei Rhipicera. Die Form der Mandibelu erinnert aller-
dings an üorystheues und die damit verwandten Gatt., allein dasselbe
Verhältniss hat auch zwischen Bhipicera und Spondylis Statt, es ist
dies eine der mehrfachen Analogien, welche sich zwischen Cebrionen
und Bockkäfern überhaupt findeu, und ein Beweis gegen die Affinität. Das
Verhältniss der Halsschildbildung zwischen Hypocephalus und den Cebri-
onen ist dasselbe wie zwischen Cephalotes und Amara, welche beide na-
türlich in einer Gruppe stehen, und hier wie dort durch die Verschie-
denheiten des Aufenthalts unter und über der Erde bedingt. Denn
alle unterirdischen Insecten(Scarites, Bledius, Heterocerus, Gryllotalpa)
haben einen grossen und abgesetzten Prothorax. Endlich braucht ein
einigermassen bewanderter Entomolog nur ein Stück von einer Flügel-
decke des Hypocephalus zu sehen, um in deren Sculptur auf der Stelle
die nahe Verwandtschaft mit Sandalus zu erkennen!" Ein Dritter
könnte wieder mit denselben Gründen beweisen, dass Hypocephalus
ein Rüsselkäfer sey, die dicken Hinterbeine von Bruchus, die gezähn-
ten Vorderschienen von Acanthocnemus u. s. w. Wer hat nun Recht?
Keiner. Die ganze Beweisführung ist verkehrt, ein blindes Umher-
tappen, bei allem Prunken mit Philosophie. Das logische Verfahren
ist in solchen Fällen ganz einfach das, die Charactere der fraglichen
Familie zu prüfen und zu zeigen, dass die fragliche Gattung diesel-
ben besitze. In ähnlicher Weise hat sich auch Spinola gegen West-
wood geäussert. (S. dessen Arcan. Ent. S. 111.)
Laporte (Hist. nat.d.lns.Col.Il.S.3) und Hop e (Coleopt. Manual
111. S. 149.) stellen Hypocephalus neben die Necrophoren, vielleicht auf
219
Gruud der Angabe, dass man diesen Käfer am Aase gefunden habe;
dieser Aufenthalt kann aber nur zufällig gewesen sein, die Aaskäfer,
welche ihre Nahrung in weiter Entfernung aufsuchen müssen, können
nicht ungeflügelt sein, wie Hypoceijhalus es ist. Ausserdem entfer-
nen ihn systematische Charactere aus jener Familie.
^ilph€iles, Hope (Coleopterisl's Manual III. S. 149; betrach-
tet die Gattung Necrophorus F. als eine eigne Familie, Necrop ho-
ridae, mit den Gatt. Necrophorus ^ Hypocephahis Desm. CyrtosceltSy
Diamesus. Über die Stellung von Hypocephalus ist eben die Rede
gewesen. Cyrtoscelis {Necroph.vespillo) ist seiner krummen Hin-
terschienen halber allzu künstlich von JNecrophorus getrennt, Dia-
mesus {N. osculaiis Vigors) verbindet sich weit natürlicher mit
Necrodes. Auch die eigentlichen Silphen sind (ebend. S. 150) als
besondere Fam. Silphoidea behandelt, und mit 2 neuen Gattungen,
Ptomapliila {S. lacrytnosa Schreib) und Necrobora {S. Ame-
n'cana F. ) vermehrt, deren Charactere aber nicht angegeben sind
und hinsichts deren Beurtheilung ich auf meine Käf. der M. Brandenb.
I. S. 826 zurückverweise. Peltis F. und Sphaerites Duft., welche
Hope hier unterbringt, lassen sich auf keine Weise an Silpha an-
schliessen.
Über die Gatt. Silpha hat Rob. Schmidt eine Inaugural- Dis-
sertation: Silpharum monographiae particula prima. Vratisl. 1841. ge-
schrieben. Sie enthält sehr ausführlich die Geschichte der Gattung,
und Beschreibung der Arten, letztere jedoch in minderer Vollstän-
digkeit. Neue Arten sind nicht aufgestellt. (Einer 1839 in Breslau
erschienenen Diss. über die Gatt. Necrophorus von Matzek ist
oben (S. 200) gedacht worden.
Heer (Faun. Col. Helv. S. 388) bereicherte Necrophorus mit
einer neuen Art, N. sepulchr alis, welche auf dem St. Bernhard
gefunden ist. Sie stimmt in der Behaarung des Halsschildes und der
Krümmung der Hinterschienen mit X. vespillo überein, hat aber einen
schwarzen Fühlerknopf, vorn weniger eingedrücktes Halsschild und
feiner punctirte Flügeldecken.
Derselbe (ebendas. 381.382) stellt auch 2 neue Catops- Ktievk
auf, C. niontivagusy vom C. tristis nur durch schmäleres, längeres
Halsschild verschieden, C. ambig uus^ mit dem C. fumatus bis auf kür-
zere Gestalt und schwächere Fühlerkeule übereinstimmend.
Haliday (Entomologist S. 190) führt unter den irischen Arten
von Colon, eine neue, C. spinipes, auf, welche sonst mit C. den-
tlpes übereinzustimmen scheint, nur dass die Hinterschenkel am Un-
terraude nicht gekerbt sind.
Dr. Schaum hat in seiner Inauguraldissertation (in seinen Ana-
lecta Entomologica Hai. 1841 enthalten) die Gattung Scydmae-
nus monographisch bearbeitet, und dabei ein bedeutendes Mate-
rial benutzt. Die von mir aufgestellten Gruppen sind der Eintheilung
zum Grunde gelegt. A. ist meine 1. Gr., und enthält ausser Sc. Go-
220
darti, scuteUaris, collaris und pusiilits, den Sc Chev rieri, eine von
Heer (Col. Helv. S. 368) aufgestellte, dem pusilliis nahe stehende
schweizer Art, und 2 neue, Sc. Helferi aus Sicilieu und Sc. per-
foratus aus Pensylvanien; ferner sind als muthmaasslich hierhin
gehörend aufgeführt Gjilenhal's Sc. Dalmanni und Sc. gibb osus^
neue Art aus Madagaskar. — Bf meine 2. Gr., enthält ausser angu-
latus und elongatulus , den Sc. Sparshalli Denny., rubicundus
Kunze, und Sc. Wighami Dennj'. (Sc. rubicundus ist eine gute
neue Art, dem elongatulus zunächst verwandt j der Verf. hat damit
den Sc. Sparshalli verwechselt, von welchem sich ein einst von
mir bei Halle gefangenes Exemplar in der hiesigen Sammlung findet,
dieser ist noch kleiner, und hat an der Wurzel des Halsschildes
einen rinnenförmigen Ouereindruck, wie Denny es verlangt, ohne
Gruben und ohne mittTeres Fältchen. Denny's Angabe von Punctirung
auf dem Halsschilde und den Flügeldecken muss auf einer durch die
Pubescenz veranlassten Täuschung beruhen.) Unter C. ist eine eigene
Gruppe errichtet, mit den vorigen in der Form des Halsschildes und
den Flügeldecken, mit den folg. in der des Kopfes und dem stark
gekielten Mesosternum übereinstimmend: Sc. Kmizei Gene, pubicoUis
Kunze, oblongus St. — /)., meine 3. Gr., enthält Arten mit 4gl. Füh-
lerkeule: Sc. Motschouhkii St., denticornis ^ ruficornis Denny, bicolor
F., clavipes Say, brevicorms Say, rutilipeniiis , hlrticollis , claviger
und folg. neue: test aceus aus Westindien, ein n am o mens aus
Bengalen, castaneus aus Brasilien, validicornis aus Columbien,
deflexicoliis aus Madagascar. Ferner mit 5gl. Keule: Sc. c?'as-
sicornis aus Columbien, und mit Sgl. Keule: Wetterhalu (quadratus
Müll.), exi'lis (welcher aber von dem Sc. exilis in den Käf d. M. Br.
verschieden und anders zu benennen ist). — E.y meine 6. Gr., Sc. Hel-
wigiij rufus^ aniidutus, und eine neue, Sc.Zimmcrmanni ausPen-
sylvanien. — i^., meine 5. Gr., enthält Sc. tarsatus mit vier neuen
Arten aus Columbien. ~ Eine besondere Gruppe G. mit sehr breitem
Halsschilde, stark gekieltem Mesosternum und einfachen Füssen bil-
det Sc. thoraciciis\ endlich H. ist meine 4. Gr., mit den beiden von
mir aufgeführten Arten.
Anisotontitlae, Eine gründliche Revision der deut-
schen Anisotomen hat Dr. Schmidt in Stettin in Germars Zeit-
schr. f. d. Ent. HI. 130 mitgetheilt, welche in diese kleine vernach-
lässigte Abtheilung viel Licht gebracht hat. Man hat sie bisher als
den Heteromeren angehörend und als mit Diaperis nahe verwandt
betrachtet, sie isolirten sich aber unter allen Heteromeren dadurch,
dass bei b Bauchsegmenten des Hinterleibes die Vorderhüften aus
den Gelenkpfannen vorragen. Der Verf. hat nun die wichtige Ent-
deckung gemacht, dass die Anisotomen durchaus nicht alle hetero-
merisch sind, sondern dass die Zahlenverhältnisse der Fussglieder
theils nach Gattung, zuweilen auch nach Geschlecht verschieden sind.
Das Verhältniss der Agatliidieu zu den Anisotomen ist nicht berührt.
221
Es ist iodess keioe Frage, dass beide in der nächsten Verwandtschaft
stehen, wenn auch nicht alle Arten, welche bei den Auetoren unter
Agathidiuin aufgeführt sind, dort an ihrer natürlichen Stelle stehen.
Der Verf. hat die Anisotomen in fünf Gattungen getheilt. Lei-
odes hat beim Männchen die Fussgliederzahl 5. 5. 4., beim Weib-
chen entweder 5, 4. 4. (L. glabra, humeralis, axillaris) oder 4. 4. 4.
{L. casta7iea, orbicnlaris, setninulum. — Des Verf. L. orhicularis ist
mir unbekannt, seine Citate gehören zur folgenden, welche schwer-
lich A. seminuhim F. ist. — Änisotoma'*^ mit der Fussgliederzahl
5. 5. 4. in beiden Geschlechtern, die grösste Zahl der Arten enthal-
tend , deren der Verfasser 29 aufzählt. Einige der kleineren Arten
(^A. niinuta Ahr. , A. subtestacea GjH., A. pauxilla und fenioratu
des Verf., welche letzte von A. minuta nicht durchgreifend verschie-
den ist) weichen von den übrigen darin ab, dass das Mesosteruuni
bei ihnen nicht gekielt ist. Ähnlicher Weise stimmt A. dentipes (und
aciculata) mit den übrigen nicht in der Fussgliederzahl überein,
welche bei beiden Geschlechtern 5.4. 4. ist^ beide schienen dem Ref.
auch noch nach anderen Characteren von Anisotoma als Gattungen
abzusondern zu sein, und wird im nächsten Bande der Käfer der M.
Brandenb, die erstere als C^^rtusa, die zweite als Colenis näher
beschrieben. Die Arten der eigentlichen Anisotomen sind ungemein
schwierig festzustellen, hauptsächlich wegen der grossen individuellen
Abweichungen, welche bei den einzelnen in der Grösse und im Zu-
sammenhang damit in der eigenthümlichen Form der Hinterbeine der
Männchen vorkommen. Der Verf. hat bei dem ihm zu Gebote ge-
standenen grossen Material diese Verhältnisse fast überall mit gros-
ser Umsicht berücksichtigt; nur in einigen Fällen haben mich die
noch reicheren Mittel unserer Sammlung zu anderen Ansichten ge-
führt, welche in meinen Käf. d. M. Brand, näher aus einander ge-
setzt werden sollen. — Die dritte Gatt, des Verf. ist Ag arico-
phagus, mit der Fussgliederzahl 4. 3. 3. in beiden Geschlechtern;
auf einer neuen Art, A. cephalotes errichtet. — Die beiden letzten
Gatt, zeigen 5 Glieder an allen Füssen; 4. Hy dnobius hat die
Aglied. unterbrochene Fühlerkeule der Anisotomen, und enthält A.
punctatum St. {spinipes Gjll.), A. tarsale Riehl (schon früher als
Leiod. punctatissima von Stephens beschrieben) und eine neue Art;
5. Triarthron zeichnet sich durch seine nur Sgliedr. Fühlerkeule
*) Wollte der Verf. die beiden vorhandenen \amen Leiodes und
Anisotoma benutzen, so wäre wohl eher Grund gewesen, die
Bestimmung umzukehren, da Latreille wenigtens in den Gen. Cr. et
Ins. sich in seiner Beschreibung von Leiodes auf A. picea bezieht,
Fabricius aber L. humeralis zum Gattungstypus von Anisotoma
nimmt. Es würde indess nur neue Verwirrung herbeiführen, wenn
jemand so rigoros sein wollte die Bestimmungen unseres Verf. wie-
der umzukehren.
222
sehr ans, die einzige Art Tr. Märkeln ist eine ausgezeichnete Ent-
deckung des Hrn. Märkel und von ihm schon früher (Ent. Zeit.
1840. S. 140) Nachricht davon gegeben.
Zwei neue englische Arten, Leiodes vittata und latifronSy
sind noch von Curtis (Ann. of. nat. hist. V. S. 276) beschrieben,
weiche ich aber nicht zu beurtheilen wage,
ScapIiitliteS' In dieser Familie fasst Heer (Col. Helv. I.
S. 371) Scaphidium^ Scaphisomay Leptinus und Trichopteryx (Ptilium
Schlipp.) zusammen. Die letzte Gatt, ist mit mehreren neuen Arten
bereichert worden. T. testacea ist Ptilium apterura Guer, (S, Jah-
resb. f. 1839. VI. Jahrg. 8 Bd, d. Arch. S. 229, — Das Om. microsco-
picum Waltl ist eine zwar nahe verwandte, aber verschiedene Art
mit weit kürzeren Flügeldecken.)
JVititli€lariae» Heer (ebendas.) hat in dieser Familie die
Gattungen Nitidula, Cychramus , Cryptarcha (nicht Cryptarchus )
CatereteSy Ips, aufgenommen, ohne die Missgriffe zu verbessern, welche
sich in der Stellung einzelner Arten, z. B. der Ips i-notata, abbre-
viata geltend gemacht haben. Die Gatt. Carpophiliis ist ihm unbe-
kannt geblieben, die Arten derselben sind theils unter Cateretes —
C. pictiis und dimidiatuSy letzterer nur Abänderung des C. hemipterus
(flexuosus) — theils unter Ips — /. bt'pustiilatus j rubripennis — un-
tergebracht worden. Sodann sind noch angeschlossen Telniato-
philus (neue Gatt, für Cryptoph. Typhae , Caricis und Sparganif\
Byturus und Trinodes, die letzte Gatt, wohl durch ein Versehen,
was um so mehr zu vermuthen ist, als die Bemerkung über Vor-
kommen und Schädlickkeit zu Byturus gehört.
Als Fam. Engida stellt Heer (ebend. S. 419) die Gatt. Peltis^.
Thyfnalus, Colobicus^ Sphaei'ites, Engt's, Antherophagusj Cryptophagus,
Atomaria zusammen. Engis entfernt sich aus dieser Abtheilung
und schliesst sich näher den Erot3^1en an. Dann fügt er noch als
neue Gattungen hinzu: Psychidium Müll. (^Cryptoph. brunnipes
und globulns G>;11. ), und Pithophilus {Cryptoph. atomus Gyll. ).
Erstere ist Ephistemus Westw. , welche von den Engländern sehr
unzweckmässig zu den Byrrhen gestellt wird: sie schliesst sich ganz
genau an Atomaria. Pithophilus ist einerlei mit Orthuperus Steph.,
gehört zur Fam. der Coccinellen und reiht sich ganz natürlich ebenso
♦ an Corylophus (Clypeaster) als dieses wieder an Scymnus.
Hermestin Zwei neue Gattungen sind von Hope (Co-
leopterist's Manual III.) in Vorschlag gebracht. Macroprion (S. 109)
soll Anth serraticornis F, und verwandte Arten in sich begreifen;
ich weiss diese nicht von Trogoderma zu unterscheiden, deren Männ-
chen eine mehr oder weniger lange sägeförmige Fühlerkeule be-
sitzen. — Pristoderus^ Körper oben rauh, Fühler durchblättert,
Halsschild fast halbkreisförmig, Vorderwinkel spitz und vorragend,
Hinterwinkel gerundet und gesägt. Hierhin Dermestes scaber F. aus
223
\eiiholIand, mir nnbekanot. — Eine neue Art stellte Heer (Faun.
Col. Helv. l. S. 438) als At tagenus sordidus von Genf, Gebier
(Bull. Mose. 1841. 585) eine andere, Att. fuscns (genauer bestimmt
eine Megatoma) aus Sibirien auf. — Douglas (Entomologist S.104)
fand die Larve Tiresias serra in Eichenholz.
JByrrhii. Heer (a. a. O. S. 447. 448) beschrieb zwei neue
schweizer Arten von Byrr hus , B. g labratus und pule hellus.
JKisteroiiiejf* Heer (a. a. O.) stellte als neue schweizer
Arten auf: Hister aethiops (S. 454), welcher mir die ungefleckte
Abäud. des H. 4maculatus (gagates Jll.) zu sein scheint — der Verf.
scheint den schrägen Schulterstreif als äussern Randstreif gezählt
zu haben. — H. puncticollis (S. 457) erinnert sehr an Platysoma
frontale, es soll aber bei ihm Pro- und Mesothorax geradlinig gegen
einander treffen, während bei PI. frontale die abgerundete Spitze des
Prosternum in eine Ausrandung des Mesosternum eingreift. — H.
distinctus des Verf. könnte vielleicht kleinere Abänderung von H. ca-
daverinus sein; der von mir in Klug's Jahrb. beschriebene H. di-
stinctus Meg. hat sich als ein Nordamericaner ausgewiesen.
JStacroiiactyla. Heer (a. a. O. S. 466.) beschrieb als in der
Schweiz vorkommende neue Arten: Parnus striato-punc latus
Dej., Vienueusis Dahl, nivetis, nitiduluSy Geory ssus sub-
striatus Chevrier. Georyssus will er von den Elmis entfernt wis-
sen, und stellt sie, meines Bedüukens auch nicht passend, zu den
Hydrophilen.
JPalpicornia, Letzner (Arbeit, u. Veränd. d. schles. Ge-
sellsch. für vaterl. Kult. i. J 1840. Ent. Sect. S. 3) theilt Bemerkungen über
die Unterschiede des Uydrophilus piceus und morio (aterrimus) und
die Beschreibung einer auf dem Altvater entdeckten neuen Art, [iy-
drobius punct ato ' striatus, welche dem H. limbatus und pun-
ctulatus St. verwandt, sich durch vorn verschwindende Punctreihen
der Flügeldecken kenntlich macht. — Heer (a. a. 0.) beschrieb als neue
schweizer Arten: Helophorus alpinus, dem H. nubilus verwandt,
— Hydraena pusilla^ wohl nicht versch. von H. nigrita Müll. —
H. margipallens^ bereits von Curtis (Br. Ent. VII. T. 307) unter
dem Namen H. testacea sehr schön abgebildet. — Laccobius glo-
bosus, vorzüglich wegen stärkerer Punctirung von L. minutus un-
terschieden. — Hydrobius nitidus, noch kleiner als H. margi-
nellus, kürzer, gewölbter, und der Nahtstreif der Naht sehr genähert.
— Sphaeridium striolatum, dem S. scarabaeoides ähnlich, aber
gewölbter und die Flügeldecken neben der Naht gestrichelt. —
Sph. testaceum, klein, gelb, mit einem Nahtstreif auf den Flügel-
decken. — Cercyon castaneum und pulchellum.
IfjameXlicovnitt. Reiche (Rev. Zool. S. 811) hat eine syn-
optische Tabelle über die Gattungen der Ateuchen-Q>n\^^Q mit-
224
getheilt. Interessant ist dfe BemerkuD/^, dass mehrere ungeflügelt
sind, von diesen haben Aulacium Dej. (mit gerade abgeschnittenem
an den Seiten tief ausgebuchetem Hinterrande und spitzen Hinterecken
des Halsschildes) und Coproecus (mit leicht zu gerundeten Hinter-
rande und stumpfen Hinterecken des Halsschildes) Tarsen an allen
Beinen, bei den übrigen fehlen die Vordertarsen. Zwei Enddornen
an den Mittelschienen haben Cir cellium Latr. (mit Klauen an den
Füssen) und Eucranium Dej. und Glyphiderus Westw. ) mit
klauenlosen Füssen) einen Enddorn an denselben haben Pachysonia
Kirb. und Mnematium M. L. —Die übrigen sind geflügelt. Bei den
einen ist die Brust vorn aufgetrieben, und die Mittelbeinc sind wenig
aus einander gerückt bei Ateuchus mit 1, Sceliages Westw. mit
2 Enddornen der Mittelschienen, beide ohne Vorderfüsse, und bei
Gymnopleurus mit Vorderfüssen. Bei den andern ist die Brust
flach und die Mittelbeine stehen weit auseinander. Die Flügeldecken
liegen entweder nur dem Hinterleibe auf, wie bei Sisyphiis un'd
Sten odactylus Brüll, (einerlei mit Eudinopus Burm., Scar.
dytiscoides Schreib.) oder sie umfassen auch die Seiten desselben.
Bei Hyboma (americanisch, mit 8- oder 4zähnigem Kopfschilde) und
Chalcotiotus Dej. (africanisch, mit einfach ausgerandetem Kopf-
schilde) fehlen die Vordertarsen, die sich bei den übrigen finden.
Epilissus {Canth.yrasinus Kl. von Madagascar) hat den Hinterleib von
den Flügeldecken ganz bedeckt, während bei den übrigen das letzte
Segment frei bleibt. Bei Coprobitis sind die hinteren Schienen einfach
gewimpert, während sie bei den folgenden dornig sind. Bei Megu-
thopa Esch. ist das Schildchen sichtbar, nicht bei Epirhinus Dej.
und Coeloscelis Reiche (americanisch mit einer weiten Ausran-
dung an der Aussenseite der hinteren Schienen, die bei dem africa-
nischen Epirhinus fehlt. — Der Name Stenodactylus ist schon seit
längerer Zeit bei den Amphibien verwendet, auch gehen Delto-
chilum Esch. für Hyboma und Canthon Jll. für Coprobius als
ältere M^ohl begründete Namen vor. Die Unterscheidung von Epi-
lissus beruht auf einem Irrthum, denn das letzte Hinterleibssegmeut
ist ebenfalls frei, nur kleiner und die Flügeldecken sind hinten mehr
abgerundet als bei den americanischen Canthon. Die neu aufgestell-
ten Gatt. Coproecus (hemisphaericus Latr.) und Coeloscelis sind mir
nicht mit Sicherheit bekannt.
Klug begründete (Bericht über d. Verhandl. der Acad. d. Wissen-
sch. zu Berlin a. d, J. 1841 S. 809) die von ihm in der hies. Sammlung
getroffene Eintheilung der Gatt. Phanaeus in 13 Gruppen. Die vier
ersten haben ein weit ausgerandetes, zweizähniges Kopfschild und
vierzähnige Vorderschienen, in den beiden ersten haben die Weib-
chen Vordertarsen, in den beiden andern fehlen sie beiden Geschlech-
tern. In der 1. Gr. (PA. lancifer) sind beide Geschlechter gleich, in
der 2. {bellicosus Ol.) ungleich gehörnt, in der 3. {Jasius Ol.; finden
sich am Hiuterrande des Halsschilds ein Paar Gruben, welche der 4.
225
(saphtrinus St.) fehlen. Bei den übrigen ist das Kopfschild vorn nicht
ausgebuchtet. Dagegen finden sich in der Mitte zwei Zähne mehr
oder weniger deutlich. Bei 5. — 12. haben die Weibchen Vordertar-
sen, in der 5.-7 Gr. sind beide Geschlechter gehörnt, in der 5.
(Faimus) haben die Vorderschienen noch 4, in der 6. {ßeehebiib?)
mit einem Paar, und der 7. {Jmstifer^ dessen Weibchen Ph. Columbi
M. Leay ist) ohne Grübchen am Hinterrande des Halsschildes, nur
3 Zähne. Bei den andern sind die Weibchen ungehörnt. In der 8.
{KirhyiWgOTs) mit zweizähnigen und der 9. (^Menalcas Dej.y Neptu-
nus Chevr.) mit ungezähntem Kopfschilde sind die Vorderschienen 4-,
in der 10. {carnifex, splendidulus u. s. w ) wieder 3zähnig. Bei der
f, 11. (einer neue Art) mit 4zähnigen und der 18. {conspicillatus^ festi-
vus) mit Szähnigen Vorderschienen verlängert sich der sonst nur
stumpfspitzig vortretende Brusthöcker in einen starken Dorn. In
der 13. Gr. endlich {M/mas) sind wieder beide Geschlechter ohne
Vordertarsen, wie in der 3. und 4. Gr. — An Phanaeus schliessen
sich noch 3 Gattungen, bei denen die Fussgiiederzahl abnimmt, die
eine derselben, mit 4gl. Füssen, Copris sich annähernd, ist neu, die
andere, E nicotarsus Laporte, Dendropaemon Perty, Onihoecus Dej.,
hat nur noch 3 Glieder, und auch das dritte gewöhnlich verkümmert.
Von Aphodius beschrieb Gebier (Bull. Mose. 1841. S. 587)
zwei neue Arten, A. maiirus, vom Saisansee, und A. sexpustu-
latus von Irtysch. Auch Heer (Faun Col, Helv. S. 514) stellte
eine neue Art aus der Schweiz, A. Schmidt i£ auf, dem A. rubens
und dilatatus Schm. verwandt.
Derselbe (ebendas. S. 531) begründete eine neue Gatt. Psam-
mobius für A. sulcicollis und vulneratus. Der Name nur ist nicht
statthaft, theils seiner Ähnlichkeit mit Psammodius wegen, theils \veil
er schon sonst gebraucht ist. Den Namen Psammodius überträgt
der V. mit Recht auf den A. sabuleti, auf welchem Gyllenhal diese
Galt, gründete, die der Verf. mit zu den Trogiden stellt, sie hat
hornige Mandibeln und schliesst sich zunächst an Aegialia.
Westwood (Ann. of nat. bist. VIII. S. 457) hat mehrere neue
Gattungen der Trogiden - Gruppe aufgestellt, Cryptogenius ist
eine merkwürdige Form, welche sehr an Cremastocheilus erinnert.
Das Kopfschild ist nach unten gebogen, die Lefze so gross, dass sie
bei eingezogenem Kopfe die übrigen Mundtheile ganz verdeckt Füh-
ler lOgl., Körper oben flach, runzlich und borstig, die Beine lang,
mit sägeförmig gekerbten Schienen. Cr. Miersianus aus Südame-
rica (unsere Sammlung erhielt ihn aus Brasilien). — Anaides eben-
falls flachrückig, sonst näher an Trox stehend, hauptsächlich dadurch
unterschieden, dass die mit der scharfen Spitze hakenförmig einwärts
gekrümmten Mandibeln vorragen. Äussere Maxillarlade lang, borstig.
Fühler lOgl. Halsschild in der Mitte der Länge nach eingedrückt,
hinten breiter werdend. Beine ziemlich lang, sägeförmig gekerbt.
A. fos SU latus aus Südaraerica (die hiesige Sammlung besitzt eine
Archiv f. Naturgeschichte. VIII. Jahrg. ?, Bd. P
226
andere Art aus Para). — Die dritte Gatt. Silphodes steht ia der
nächsten Verwandtschaft mit H^bosorus, und unterscheidet sich vor-
züglich durch die ungleichen und unregelmässigen Klauen. Auch
sind die Beine lang und schlank, die Mandibeln sind an der Spitze
zvveizähnig, die Lefze ist ausgerandet. S. Sumatreiisis von Su-
matra, Phili ppinensis von den Philippinen, G amhiensis aus
Senegambien^ wahrscheinlich ist die Gattung einerlei mit Acallus Dej.
und die erste Art vielleicht mit Sc. eniarginatus Wied; hier sind aber
die Klauen gleich lang, an der Basis stark* gekrümmt und gezahnt.
Burmeister hat in der 7. Lief, seiner Genera Insectorum die
Gruppe der Djnastiden einer umfassenden Prüfung unterworfen.
Er unterscheidet sie von der Abth. der Xylophila Latr. durch die
verlängerten Vorderbeine der Männchen, bei denen auch Kopf und
Halsschild immer gehörnt sind. Hierhin die Gatt. Chalcosomu Hope,
Meg asoma Kirby'^)y Xylotrupes Hope, Golq/aUope, Aitgosoma Biiria.y
Dynastes Mac Leay. unter Chalcosomu sind die vier bekannten Ar-
ten, Caucasits, Hesperus^ Atlas und Chiro7i aufgeführt, und das Weib-
chen von Atlas abgebildet, bei dem unrichtig Sc. Melampns Ol. citirt
wird; dieser ist das Weibchen von A. Centaurus Unter Megasomn
zählt der Verf. die 4 Art. Actaeon, Elephas, Typhon und Gyas Jabl.
auf. Unter dem letzten versteht er den Amcbis Somm., Hector Gory,
indem er annimmt, dass in den Abbildungen von Voet und Jablonski
das Halsschildhorn in der Verkürzung gezeichnet sei, und deshalb
schmal erscheine. Dies ist nicht der Fall, jene Abbildungen sind
ganz richtig, und es giebt wirklich einen Käfer mit dem schmalen
Halsschildhorn des Typhon und dem breiten Kopfhorn des Anubis,
der auch sonst so iu der Mitte steht zwischen diesen beiden, dass
ich früher gar nicht gezweifelt habe, dass Typhon und Anubis durch
unmerkliche Übergänge in einander verbunden wären (S. im Jahresber.
für 1836 in dies. Archiv 3. Jahrg. 2. Bd. S. 295). Inzwischen scheinen
doch Typhon und Anubis zwei wohl verschiedene Arten zu sein.
Von der ersten habe ich eine grosse Anzahl von Exemplaren gesehen,
welche keine Übergänge zu Anubis zeigten, eben so ist Anubis be-
ständig in seinen Characteren, was auch M. C. Sommer, durch des-
sen Hände alle von Beske eingesandten Exemplare gingen, bestättigt.
Auch sind die Weibchen von beiden constant verschieden. Dann ist
aber Cya* Jabl., laniger Voet, eine besondere dritte Art, welche von
Neuem wieder aufgefunden werden muss, und von welcher auch
unsere Sammlung nureiu Ex. aus älterer Zeit besitzt. Unter Xylo-
trupes hat der Verf. nur Dichoiomus und Gideon unterschieden, es
*) Der Verf. will diesen Namen nach den Regeln der Grammatik
in Megalosoma verändert wissen, da indess die alten Griechen selbst
Wörter wie (.if-yaOffiog gebildet haben, werden wir uns auch mit
Megasoma zufrieden geben können. Nach den grammaticalischen
Regeln müsste das Wort übrigens Megalosomus heissen.
227
giebt aber io den verschiedenen Gegenden Südasiens verschiedene,
wenn auch dem Gideon nahe verwandte Arten. Augosoma unter-
scheidet sich von den übrigen namentlich durch das verlängerte erste
Fussglied. Die einzige bekannte Art ist Cenlaurus F., von der Je-
phtha und Gatii/medes F. nur Abänderungen des Männchen sind. Das
Weibchen ist, wie oben bemerkt, Sc. inelampus Ol.
Hope (Ann. of nat. hist. VFI. S. 147) hat den Dyiiastes Jupiter
(Vergl. Jahresb. f. 1840. S. 172) von Bogota als neue Art aufgestellt.
Ein Exemplar dieses Käfers, welches der hiesigen Sammlung kürz-
lich zugekommen, stimmt in der Gestalt des Halsschildes ganz mit
dem Sc, Xeptunus Schönh. überein, und es scheint, als ob dieser
aus dem Sc. Jupiter und Hercules zusammengesetzt sei. Von Dy-
nastes weicht der Jupiter Übrigeos in mehreren Stücken ab, so dass
er in diese Gatt, nicht eingeschlossen werden kann.
Waterhouse (ebendas. S. 539) führt einen Xylotrupes pu-
bescens aus Manila auf; derselbe ist dem Gideon und Oromedon
verwandt, vom Phoibanta Ol. aber wohl kaum verschieden.
Westwood (Ann. of nat. hist. VIII. S. 454) hielt in der ento-
mologischen Gesellschaft einen Vortrag über einige Gattungen der
Dj'nastiden, welche mit Crj-ptodus in nahen Beziehungen stehen
sollen: Rhi%opIatus (Uutergatt. von F/u7eurus) hat ein grosses
die Unterlippe und die beiden ersten Glieder der Lippentaster bedek-
kendes Kinn, 3zähnige Maxillarlade, die Klauen der Vorderfüsse un-
gleich, das erste Glied der Hiuterfüsse in einen Dorn auslaufend.
R/k cribarhiSj vermuthl. vom Senegal. Wenn in dieser Gattung,
welche ich in einer zweiten, grösseren Art von Guinea vor mir zu
haben glaube, eine Annäherung an Cr3'ptodus gegeben sein soll,
kann sich diess nur auf die Form des Kinns beziehen, diese ist bei
den Dynastiden nicht characteristisch, wohl aber die Form des Kopf-
schildes und der Mandibeln, und hierin entfernt sich Rhizoplatus nicht
im Geringsten. — Actino bolus: Kopfschild vorn in 5 abgerundete
Lappen getheüt; Kinn gross, Lippe und Lippeutaster bedeckend, Man-
dibeln hornig, gekrümmt, spitz. A. radiuna aus Brasilien. Mir
unbekannt, da aber ausserdem noch von einem labrum transversum
diö Rede ist, ist es mir zweifelhaft, ob das Insect ein Dynastide sein
kann. — Le ptogn athus findet der Verf. im Bau des Mundes sehr
abweichend von den Djnastiden^ das Kopfschild endet mit zwei vor-
springenden aufgebogenen Lappen, die Mandibeln sind wie bei den
Cetonien, die Maxille hat zwei sehr kleine häutige Laden; das Kinn
ist gross, die kleine Mundöffnung ganz bedeckend; L. Latreillia-
nus vom Senegal. — Dieser Käfer ist der Crjptodon Senegaleusis
des Dejeanschen Catalog, wo er gleichfalls den Dynastiden angeschlossen
ist. Auch in der hiesigen Sammlung war er dort eingeordnet worden.
Hält man aber streng an den systematischen Characteren, so ergiebt
sich eine andere Stellung. Die Gattung gehört nämlich zu den Melito-
228
philen, nicht nur der Miindbildung nach, sondern auch nach den vom
Schulterrande der Flügeldecken unbedeckten Epimeren des Mesotho-
rax, ein durchgreifender Character der Melitophilen, auf den ich
schon im Jahresbericht für 1839 (6. Jahrg. 2. Bd. d. Archiv S. 845 )
aufmerksam gemacht habe. Leptognathus würde sich hier noch an
Piatygeuia anschliessen, und in manchem Betracht sich Genuchus und
den verwandten Formen gegenüberstellen. Der Name Leptognathus
ist indess nicht mehr vacant, Cryptodon collidirt mit Crjptodus,
Klug hatte diese Gatt, schon vor 15 Jahren mit dem Namen Anodus
in der hiesigen Sammlung bezeichnet, jetzt ist aber auch dieser
Name schon anderweitig vergeben.
Von der Gatt. Cryptodus wurden 2 neue Arten aufgestellt,
eine Cr. Tasinannianus aus Vandiemensland von Westwood
(Ann. of nat. bist. Vlll. S. 303), die andere Cr. variolosus vom
König Georgs -Sund durch White in Grey's Reise II. S. 459. Die
erstere hat 10-, die zweite 9gliedrige Fühler.
Cheirotonus Mac Leayi (S. Jahresb. f. 1840, 7 Jahrg. 2. Bd.
S. 173) ist von Hope in den Linn. Transact. XVIII. t. 40. f. 3 jetzt
abgebildet worden. Es ist ein Weibchen, welches sich von dem des
Euchirus longimaous in keinem wesentlichen Piincte unterscheidet,
daher die Gattung Cheirotonus wieder eingehen muss, und die von
Hope aufgestellten Charactere als blosse Sexuskennzeichen zu beurthei-
lensiud. — Wa terho use stellte einen Euchirus qua driliiieatus
von den Philippinen auf (Ann. of nat bist. VII. S. 539), mit welchem
der gleichzeitig publicirte Euch. Dupontianus Burm. (Germ.
Zeitschr. III. S. 227) vermuthlich einerlei ist.
Aus der Rutele n -Gruppe hat Westwood (Ann. of nat. hist.
VIII. S. 204 u. 303) eine neue Gatt. Parastasia aufgestellt, die
erste, welche in der indischen Fauna bekannt geworden ist. Der
Körper ist kurz, dick und hoch gewölbt, das Kopfschild zweispitzig,
die Mandibeln mit der Spitze nach aussen gebogen, der Aussenwin-
kel in einen vorspringenden Zahn ausgezogen. Äussere Maxillarlade
Szähnig. Fühler lOgl. Beine kurz, Klauen ungleich, die eine ge-
spalten. Die Arten sind auf den indischen Archipel beschränkt, und
zwar sind P. canaliculat a^ hipunctata^ discolor ^ nigri-
ceps, covfluens von den Philippinen (Entdeckungen Cuming's),
Westwoodii ^Siiexh. von Sumatra, hinotat a^ Horsfieldii^ hi-
color von Java aufgeführt. — Drei neue mexicanische Arten von
Pelidnota^ P. Victorina, Adelaida, auripes sind von Hope
(Ann. of nat, hist. VII. S. 147) mit etwas undeutlichen Diagnosen be-
kannt gemacht.
Aus der An oplognathen - Gruppe hat White im Anhang zu
Greys Reise (II. S. 460) ein neues prachtvolles Insect von der West-
küste Neuhollands unter dem Namen Brachysternus lamprimo-
ides beschrieben. Nicht glücklich ist es mit der durchaus verschie-
denen südaraericanischeu Gattung Brachysternus verbunden, näher
229
acliIJesst es sich an Anoplosteruiis Gaer., weicht aber auch hiervon
in mehreren Puncten ab, namentlich in den Klauen, von denen die
der vordem Füsse alle einfach, vom hintersten Paar aber die eine
an der Spitze^gespalten ist. Es wird also der vom Verf. schon in
Bereitschaft gehaltene Gattungsname Epichry sus nicht überflüs-
sig sein
Die A nom a 1 en -Gruppe hat Hope (Transact. of. the Ent. Soc,
of. Lond. III. S. 65) mit Mimela princeps aus 8iam, decipieiis^
pyroscelis, glahra aus Assam, Chevrolat (Rev. Zool VII.
S. 322) mit Euchlor a corruscans von Manila bereichert. — Von
New man ist in der Transact. of. the Ent. Soc. of. Lond. III. eine
Arbeit über die Gatt. Popillia erschienen. Sie enthält 30 Arten,
welche nach der Sculptur der Flügeldecken, geflecktem oder unge-
flecktera Pygidium u. s. w. in 7 Gruppen getheilt sind. Die ersten
5 Gruppen sind aber durchaus nicht scharf gesondert, die beiden letz-
ten, welche mexicanische Arten enthalten, können mit den übrigen,
theils africanischen, theils ostindischen nicht verbunden bleiben, und
entfernen sich in mehreren Stücken, namentlich auch darin, dass bei
beiden Geschlechtern die grosse Klaue der Mittelfüsse gespalten ist,
während bei den eigentlichen Popillien sie beim Männchen einfach
ist. In der sechsten Gruppe stehen die Arten sticti'colh's, vidua, se-
jmruf a , von denen die zweite das Männchen der ersten (beide sind
Anomala dispar Chevr. Dej. Cat. ), die dritte vermuthlich nur Abän-
derung ist. Die beiden Arten der 7. Gruppe, P. Castor und Pollux
scheinen sich unmittelbar an Mel pygmaea F., eine rein americani-
sche Form, anzuschliessen. So bleibt die Gattung Popillia auf Africa
und Asien beschränkt. Unter den hier aufgeführten sind 6 Arten aus
Africa, 19 aus Ostindien. Seit der Abfassung dieser Arbeit, deren
schon im Jahresber. f. 1838 (V. Jahrg. 2. Bd. d. Arch. S. 335) vor-
läufige Erwähnung geschehen ist, sind noch mehrere neue Arten hin-
zugekommen *), und auch im vorigen wieder 3 neue Arten von den
Philippinen, P. scalpta, aemula, atrata von Newman (Ento-
mologist, S. 222) beschrieben worden. Hope (Transact. of the Linn.
Soc. XVllI. S. 587 t. 40. f. 4.) gab eine Abbildung der Popillia gernma
von Assam, und (ebendas. f. 5) von der an Popillia sich anschlies-
senden Paracrusis cyatiipes eben daher.
Von eigentl. Melolonthi d en beschrieb Hope (Transact. of the
Ent. Soc. of Lond. III. S. 62) Eucirrus Griffithii, einen gros-
sen der M. stigma F. in der Färbung ähnlichen Käfer aus Assam,
und Chevrolat (Rev. Zool. S.222) Leiicopholis irroratu^ von
*) Ältere Arten sind noch Rutela obliterata Schönh. (Syn. III.
App.) und deren var./9, welche eine eigene Art, P.interpunctata der
hies. Samml. ausmacht^ ferner P.femoralis Kl. in Ermans Reise, eine
von den vorigen gut unterschiedene Art, mvlA Rut. histeroidea Schönh,
a. a. 0.
23(1
der M. rorida F. uur durch stärker ansgebiichtetes Kopfschild unter-
schieden.
Dann sind noch 2 neue Gattungen aufgestellt.
Bi]>hyllocera White im entomol. Anhange im Grey's Reise
(II. S. 461): Fühler 9gl. mit öblätt. Keule, die Blätter beim Männchen
lang, an der einen Seite gefiedert (pinnated ), Vorderschienen
Szähnig^ Klauen der Hinterfüsse (auch der vorderen Füsse) gleich,
einfach. (Die höchst merkwürdige, zusammengesetzte Fühlerbildung
wird aus der Beschreibung des Verf. und auch aus der beigegebenen
Abbildung nicht klar, es sind auch nicht 5, sondern 6 Fühlerblätter
vorhanden; jedes derselben, statt solid zu sein, ist nach hinten in
eine Reihe von Kammstrahlen aufgelöst, welche bald einfach, bald
höher oder tiefer gabelästig getheilt sind. Der Vorderrand jeder
Lamelle ist ganz einfach.) B. Kirhyana ist von Kön. Georgs-Sund.
Pachytricha Hope (Ann. of nat. bist. VIII. S. 303): Fühler
lOgl., Lefze vorgestreckt, zweitheiiig, Maxillen an der Spitze mit
einem Haarpinsel, Mandibeln gerade, mit stumpfer Spitze, Kinn tief
ausgerander, Klauen mit 2 Zähnen. Soll in der Mitte stehen zwi-
schen Glaphyrus und Chasmatopterus. (Ich finde bei dem Ex. unsrer
Sammlung die Mandibeln klein, schuppenförmig, die Spitze haken-
förmig einwärts gebogen. Die vorgestreckte Lefze und die Form
der Mandibeln en?fernt diese Gattung von den Melolonthen, und
schliesst sie vielleicht näher an Euchirus.) P. cast anea aus \eu-
holland, ein 15'" langer, dicker, gewölbter Käfer mit stark zugespitz-
tem Kopfe und vorn am Halsschilde mit einem Dorn auf jeder Seite.
Über Maikäfer-Flugperioden bemerkte Heer (Ent. Zeit. S, 142),
dass sie einen 3jährigen Cyclus hätten, so dass alle 3 Jahre die Mai-
käfer in überwiegender Menge erschienen. Er schliesst daraus, dass
die Entwickelung der Maikäfer vom Ei zum Käfer 3 Jahre dauere.
Die Flugjahre sind in verschiedenen Gegenden verschieden.
In Bezug auf die Melitophilen machte Westwood (Ann. of
nat. bist. Vlll. S. 338) die interessante Bemerkung, dass die innere
Maxillarlade mitunter nach dem Sexus verschieden gebildet sei. Zu-
weilen ist sie beim Männchen einfach, während sie beim Weibchen
einen scharfen Haken hat, wie u. a. bei Jumnos Royln\ Eudicellus
und Rliomborhina der Fall ist. In anderen Fällen spitzt sie sich
beim Weibchen nur mehr zu.
Kritische Notizen zur Sjnonj'mie der Cetonien theilte Schaum
(Anal. Ent. p. 34) mit. Sie beziehen sich hauptsächlich auf die Gorj^-
sche Monographie, welclie allerdings vielfacher Berichtigungen in
diesem Puucte sehr bedarf.
Aus der Trichieu - Gruppe stellte Hope (Ann. of nat. bist. VIII.
S, 302) Valgui; argillu ceus als neue Art aus Ostindien auf. —
Burmeister (Genera Ins. 7. Lief.) gab eine schöne Abbildung der
Platijgeuia harbata {Zairica) nach beiden Geschlechtern und mit
allen Details. — Dass Westwoods Gatt. Leptognat/ius hierher zu
rechnen sei, ist oben (S. 227) bemerkt worden.
231
Die Cr e iiia stoch eilen - Gruppe ist von Biirmeister und
Schaum (Germ. Zeitschr. 111. S. 243) monographisch bearbeitet wor-
den. Hier wird die Gruppe dadurch charakterisirt, dass der hornige
Theil der Mandibeln mit einer erweiterten und gewöhnlich haken-
förmigen Spitze den häutigen überragt. Später fügte Schaum (Anal.
KntomoI.S. 33) hinzu, dass derBriiststachel hier vomMetasternum allein
gebildet wird, während bei den Goliathen und eigeutl. Cetonien das
Mesosternum an seiner Bildung Theil nimmt. Die Eintheilung der
Griippe in Gattungen ist folgende: I. Mit sehr breitem Kinn, welches
den Mund von unten gänzlich schliesst, und trichterförmig bei Cre~
mastocheilüs Kn. (4 A., darunter Cr. mexicanus aus Mexico neu)
und CycUdius Mac-L., fast zapfenförmig ist bei Scajitobius (neue
Gatt., aus dem Cr. Capensis Gory, und einer neuen Art, Cr. Caf-
fee, die erstere mit 4, die letztere mit 5 Fussgliedern, vielleicht nur
Geschlechtsverschiedenheiten von einander) und Hoplostomus M' L,
— JI, Mit länglichem Kinn, neben welchem dieMaxilleu sichtbar sindj
einen langgestreckten Körper haben Genuckus Kirby {cruentvs mit
den Abänd. sanguinolentus M' L. und hottentotta F., elongatulus Gory,
und laevis Govy^ y Centrogftat hus Guer., und Coenochilus, neue
Gatt, durch schmales, rinnenförmig ausgehöhltes Kinn, zweizähnige
Maxillarladen, zweizähnige Schienen und längere Füsse von Genu-
chus unterschieden, enthaltend Cr. Paulus Gory, C. sulcatus (Cr.
maurus Gory), Cet. ventricosa Schönh. (Cr. Bron Gory), Cr. Sene-
galeitsis Gory, Cet. muura F., Cet. lugubris F. — Einen länglichen
Körper haben Pty chophorus (Cj^mophorus Kirby mit Cr. spini-
venter Gory, C. undatus Kirby, Cr. Brahma und Cr. cribrosus Gory
und einer neuen Art, Vt. leucostictus aus Südafrica) und iV/öcrowa
G. P. mit 7 A., darunter zwei neue, M. cognata'vom Cap, bisher
vermuthlich mit M. scutellata verwechselt (S. Jahresber. f. 1839.
VI. Jahrg. 2. Bd. S. 250 d. Arch.) und M. nigripennis aus China.
Unter gleichen Artnamen stellte Hope (Transact. of the Ent.
Soc.Ill. S. 62) eine Art aus Assam auf, welche nach seiner Beschrei-
bung der chinesischen zwar ähnlich, aber verschieden ist. Er nennt
die Gattung Campsiuray weil die Kirbysche Macroma eine andere
sei, da indess dieKirbj'sche Benennung i. litt, geblieben ist, Gor^' und
Percii. aber ihre Gatt, wissenschaftlich begründet haben, wird der
von ihnen gebrauchte Xame M'ohl verbleiben müssen. Sonst würde
der Faldermannsche Estenomenus den Vorzug haben.
Nach einer Notiz in Guerin's Rev. Zool. (S. 393) ist Goliathus
princeps Hope das Weibchen zu G. Cacicus. Nach den Exemplaren
der hiesigen Sammlung kann ich diese Angabe bestättigen und hinzu-
fügen, dass, nachdem jetzt beide Geschlechter vorhanden sind, es
sich auch ausgewiesen hat, dass G. regius Kl. das Weibchen des
G. giganteus Lam. {Cet. GoUataV.OX.^ ist, so dass mit dem G.Dru-
rii Westw. zur Zeit drei Arten, zwei nach beiden Geschlechtern
bekannt sind.
232
VoD einigen ostindisclien Goliathen - Formen hat Westwood
(Arcana Ent. I. T. 1.) vortreffliche Darstellungen gegeben, und zu-
nächst von den im männlichen Geschlecht stark gehörnten Gattungen
Mycleristes Lap. (^Philistina M'L.) und Dicronocephalus Hope. Die
erstere Gatt, enthält den javanischen G. rhinophylhis Wd. , von
welchem hier eine sehr kenntliche Abbildung des Männchens mit ge-
nauer Darstellung der Mundtheile gegeben ist. Eine zweite Art von
den Philippinen, Melche unter dem Namen M. Cumingii von Wä-
torhouse (Ann. of nat. bist. VIII. S. 221) zugleich bekannt ge-
macht, und hier nach beiden Geschlechtern und ebenfalls mit den
Mundtheilen abgebildet ist, bildet eine eigene Untergatt. Phaedi-
mus, indem bei sonst grosser ÜbereinstimmuDg die Vorderschienen
beim Männchen ungezähnt sind, welche bei rhinophyllus aussen 3
Zähne haben. Endlich eine schöne Abbildung des seltenen Dicro?io~
cephalus Walltchä^ mit allen Details und ein Umriss des D. (^Nary-
ci'us^ opalus Dup.
Neue Arten sind in nicht unbedeutender Zahl aufgestellt: Di-
cr anorhina Nirens von Schaum (Anal. Ent. S. 40 T. f. A. B.),
eine Eudicella, ferner GoL {Eudiceiins) ignitus, auratus,
frontalis von West wo od (Ann. of nat. bist. VIII. S. 804)
alle von Guinea, Rhomhorhina Jap onica von Japan,
hyacinthina^ distinct a (nach Westwood, Are. Ent. p. 118
nicht versch. von Mellii Gory), Cantori (vermuthlich ein Trigono-
phorus, s. Westw. a. a. 0. S. 121), Corypha iucunda (da der
Name nicht mehr vacant ist, von Westwood a. a. O. S. 135 in pun-
ctatissima umgeändert), amoena^ alle aus Assam von Hope (Trans-
act. of the Ent. Soc. of Lond. III. S.62.). — Dicheros ornatus
von Mysore, Coelor hina concolor von Sierra Leona, Gnatho-
cera Natale?isis von der Weihnachtsbai durch dens. (Ann. of nat.
bist. VIII. S.203), Giiothacera trivittata aus Südafrica von
£:>chaum (Anal. Ent. S. 41.), Agestrata Withillii von Bombaj',
A. gagates von Travancur, Macroiiota vittigera von Mysore
durch Hope (Ann. of nat. bist. VIII. S. 303), M. Philippensis und
nigrocoerulea^ Lomaptera cupripes und nigro-aenea von
den Philippinen durch Waterhouse (Ann. of nat. bist. VIII. S.22I.),
Gymnetis atropurpurea aus Brasilien von Schaum (a. a. O.
S. 48), Schi%orhina Thoreyi aus Guinea von dems. (S. 42.)
Seh. succinea aus Neuholland von Hope (Ann. of nat. bist. VIII.
S. 302), lehne Stoma Raeuperi Schaum (a. a. O. S. 48).
Aus der Gatt. Cetonia haben Chevrolat im Juli - Heft der Revue
Zool. (S, 223) und Newman im September -Heft des Entomologist
(S. 169) sich beeilt die von Cuming mitgebrachten Arten von Manila
zu beschreiben, und damit zu doppelten Benennungen Veranlassung
gegeben. C. Lifenestratix Chevr. ist nämlich einerlei mit C. ge-
rne IIa Nevvm., und wahrscheinlich ist C. Indra Hope (Ann. of
nat. bist. VIII. S. 303) nur eine Abänderung dieser in der Zeichnung
233
veräoderlicheu Art; C, anovittata Chevr. ist einerlei wit Chloris
Newm., C. Manillarum Chevr. vielleicht mit C. suh viridis
i\e\vm.; C sybaritica Newm. ist C. ferriiginea Esch. G. P. , C.
ambigua Chevr., germana iirfd querula^eyym. kenne ich nicht.
— Schaum (a.a.O.) beschreibt ferner aus dieser Gatt. C. specta-
bilis von Java, C. Stählini aus Abessynien, iridescens von
Guatimala, vulnerata von Java, thoracica aus Arabien. —
Heer (Coleopt. Helvet. S. 552) stellte als eine neue schweizer Art
C. vale\siaca auf, welche aber nur eine schwarzblaue Abänderung
der nach Klima und Standort ziemlich veränderlichen C, aurata ist
Auch bei den Lucaniden nahm Westwood (Ann. of nat.
bist. VIII. S. 121) eine ähnliche Unterscheidung der Geschlechter wie
bei den Melitophilen in der Bewaffnung der Maxillen wahr, indem sie
bei den Weibchen zuweilen mit einem Haken versehen sind, der den
Männchen fehlt. Dies findet statt bei den Gattungen Pholidotus^ Scor-
tixus (Lucan. maculatus Kl., Pholidot. irroratus Hope) und Lamprima",
bei Chiasognathus , Sphenognathus , Lepidodus , Ryssoiiotiis , Cerato-
gnathus, Syndesus, Ceruchiis und Platycerus fehlt der Haken beiden
Geschlechtern, dagegen findet er sich bei beiden Geschlechtern von
Nigidius und auch zeigten ihn alle Ind. von Figulus und Cardanus.
Hope hat bei Gelegenheit der näheren Bekanntmachung von
10 neuen Arten aus Assam (Linn. Transact. XVIII. S. 592 ) einige
vortreffliche Bemerkungen über mehrfache Verschiedenheiten inner-
halb der Gattung Lucanus gemacht. Er giebt Arten mit 4, mit 3 und
auch mit 5 Fühlerblältern. Dann ändern die Schienen in ihrer Be-
waffnung ab. Verf. besitzt einen L. aus dem tropischen Africa, mit
gänzlich unbewehrten Schienen, bei andern sind die 4 hinteren Schie-
nen unbewehrt, bei noch andern die hintersten, w^ährend die Mittel-
schienen einen einzelnen Dorn haben j endlich findet es sich, dass die
4 hinteren Schienen mit einem einzelnen Dörnchen bewaffnet sind
und noch andere Fälle. (Es scheinen die Verschiedenheiten in der
Bewaffnung der Schienen nicht ohne Bedeutung zu sein. Die oben
näher angegebenen Fälle passen auf die tropischen, vorzugsweise
indischen Arten, während bei denen der gemässigten Zone, d. h. denen
der europäischen und uordamericanischen Fauna die Schienen viel-
dornig sind. Arten mit fünfblättriger Fühlerkeule kommen unter bei-
den vor, z. B. L. Rhinoceros Ol. unter denen der indischen, L. Bar-
barossa F. unter denen der europäischen Fauna, solche mit drei-
blättriger Fühlerkeule jedoch unter denen der gemässigten nicht. Ob
diese Verschiedenheiten Werth genug haben, um eigene Gattungen
darauf zu gründen, wie Hope es wenigstens in Betreff der Fühler-
blätterzahl andeutet, scheint mir doch noch näher zu überlegen
zu sein.)
Verfehlt ist aber, was Hope über die Stellung äussert, welche
dieLucanen in derOeconoraie der Natur einnehmen. Er sagt: „Da schon
bei uns die Hirschkäfer viel Schaden anrichten, indem sie hartes Holz
234
nach alJen RicIiliiDgen liiu durchbohren, um wie viel mehr müssen es
nicht die indischen (hun, da sie so zahlreich an Arten sind und oft
in Staunenswerther Zahl der Individuen erscheinen. Auch ist zu
beachten, dass die indischen Arten .meist s(ark bewaffnet sind. Im
Regenmonsun dringt der Regen in die Gänge ein, welche die Luca-
nen in das Teak- und anderes hartes Holz gegraben haben, und macht
es faulen, und da die Termiten und andere Insecten das Werk der
Zerstörung fortsetzen, fallt der stolzeste Baum bald in Staub zu-
sammen. So erscheinen die Lucaneu bestimmt, die üeppigkeit tro-
pischer Vegetation in Schranken zu halten." Bei uns bohren die
Hirschkäfer und ihre Larven sicherlich weder in hartem Holze noch in
lebenden Stämmen, die grossen Mandibeln der Männchen haben auch
durchaus nicht die Form, dass damit geschrotet werden könnte, auch
sind die Hirschkäfer keine Holzfresser. Es liegt die Frage sehr nahe,
wozu Hirsch- und Nashornkäfer ihre Waffen haben? Zum Einbohren
schwerlich, dazu würden sie eher hinderslich als förderlich sein. Auch
sind die Weibchen, welche, um die Eier abzulegen, in Holz oder Holz-
erde einzudringen haben, unbewehrt, und dafür mit tüchtigen Grabbei-
nen versehen. Es scheint eher, dass jene anscheinend mächtigen Waf-
fen der Männchen blosser Putz sind, daher können sie auch in
Grösse und öfter auch in Form unendlich abändern, ohne dass das
Thier in seinen Verrichtungen dabei betheiligt wird.
Von den 10 beschriebenen assaraesischen Arten haben der T. 40
F. 1 abgebildete L.Forste?'!, in Grösse und Mandibelform an unse-
ren L Cervus erinnernd, und L serricollis eine ."ibl. Fühlerkeule.
Der erste und h. curvi dens haben die Hinterschienen unbewehrt,
h. Spenciij buldosiis, ast acoides ^ foveatus , serricollis, puii-
ctiger und vermuthlich auch L. Rafflesii, der mit dem L. nepa-
lensis H. (Chevrolatii Chenu), die grösste Uebereinstiramung zeigen
soll, haben an den 4 hinteren Schienen einen einzelnen Dorn, L.
Qfnissus, der mit dem L. castancus die nächste Verwandtschaft haben
soll, s'immt auch vermuthlich mit diesem darin überein, dass die hin-
teren Schienen ganz unbewaffnet sind.
Andere Arten von Lucauus sind ausserdem aufgestellt: L.Bur-
meisteri von Hope (Ann. of nat. bist. VIII. S. 302) von Mysore,
L. dux, dem L. alces nahe stehend, von Manila und L. De ilaanii
von Borneo, durch Westwood (ebendas. S. 124). Alle 3 haben die
4 hinteren Schienen unbewehrt, die letzte Art auch die Vorderschie-
neu nur mit einem einzelnen Zahn in der Mitte versehen.
West wo od (a. a. O.) stellte eine neue X^Vii^xgdLÜ. Lepidodus
auf. Mandibeln vorragend, dick, innen und an der Spitze gezähnt.
Augen von der Stirnkante ganz durchsetzt. Fühlerkeule 3blättrig.
Vorderschienen özähnig, hintere Schienen unbewehrt. Körper punctirt,
mit Schüppchen in den Puncten. L. r otundicollis aus Neuholland.
— Dieser Käfer scheint in naher Beziehung mit Cacostomus squa-
mosus Newra. (Ann. of nat. bist. IV. S. 364) zu stehen.
235
XonDorcus beschrieb Ohevrolat (Rev. Zool. S. 283) D.cri-
hriceps von Manila, H o pe (Ann. of nat bist. VIII. S. 302) Z>. Dar-
ivinii aus Chile. Von Nigidius derselbe (ebendas.) N. grandis
von Sierra Leone und (Ann. ofnat. bist. VII. S. 147) von Hexaphyl-
liim H. Westivoodi von Bogota. Letzteres ist wohl einerlei mit
H. aequinoctiale Biiq.
Uuqiiet (Ann. d. 1. Soc. Ent. d. Fr. X. p. XXI.J hat einen Pho-
lidotiis unter dem Namen Ph. Dejeaiiii beschrieben, welcher aber
schon als Chalcimon Spixü in dem Reisewerk von Spix und Martius
von Perty beschrieben und abgebildet, und unter dem Namen Phol.
^pixii bei uns bekannt ist.
Reiche (Rev. Zool. S. 50) beschrieb eine neue Lamprima
vom Schwanenfluss als L. Micardi. Er stellte zugleich die Be-
iiuiiptung auf, dass alle übrigen bekannt gewordenen Arten, wo beim
-Männchen der eine Enddorn der Vorderschienen breit beilförmig ist, nur
Abänderungen seien. Ich habe inzwischen in diesem Archiv 8. Jahr-
gang l.Bd. S. 108 die Arten näher aus einander gesetzt, worauf ich
hier verweise. Mit L. Micardis welche jetzt auch der hiesigen
.Sammlung zugegangen ist, besitzt dieselbe jetzt 6 wohl unter-
schiedene Arten, von denen 4 den beilförmigen Enddorn der männ-
liclien Vorderschienen der L. aenea, 2 den zugespitzten der L. Mi-
cardi haben.
Percheron hat in Gueriu's Magasin de Zoologie ein Supple-
ment zu seiner Monographie von Passalus gegeben, welcher die
Diagnosen der in dieser beschriebenen Arten mittheilt, und zugleich
einen Nachtrag von neuen Arten liefert. Von diesen gehören P. xVee/-
g her?'/' ensis Guer. vom Nila Giri, australasiciis P. aus Neuhol-
Jaad, lat ipennis Dup. aus Java zu solchen mit Gblättriger Fühler-
keule. Bei den übrigen ist letztere 3blättrig, und zwar mit längeren
Lamellen bei P, hostllis unbekannten Vaterlandes, approximatusKl.,
7/10? billosus Kl. von Madagascar, Ti??io?-te/ts is P. von Timor, agtio-
scen dui-Gory von Mexico mit gezähntem Kopfschildrande und kah-
len Schultern. — P. plain'cepsEäch. von Guinea, incertus Buq. aus Colum-
bien, mit ungezahntem Kopfschildrande u. behaarten Schultern — P. spi-
nifer unbekannten Vaterlandes, Maillei üej. aus Columbien, la~
tifrons P. aus Guiana, contractus P. aus Mexico, lo/igJilusP.
unbekannten Vaterlandes, mit kahlen Schultern — endlich mit kurzen
Lamellen bei P. teres P. aus Neuholland, cyJindraceus Perty von
den Molukken (der P. cjlindraceus der Monogr. ist jetzt als P. eden-
tulus M'Leay aufgeführt), bicant hat us Gner. vot, Malacca. — Kopf
und Halsschild von allen diesen Arten sind auf den Taf. 77 — 79 Ins.
dargestellt. Noch eine neue Art, P. fronticornis^ aus Thibet,
wurde von AVestwood (Ann. ofnat. hist. XVIII. S. 124) aufgestellt.
JUKelusoma, Gebier (Bull. d. 1. Soc. Imp. des Nat, de Mose.
1841 S. 589) hat mehrere neue sibirische Arten entdeckt, nämlich Ades-
mia Dejeanii vom Saisansee aus der Pimelieu- und aus der
236
Tentyrien-Griippe: Anatolica dent iculata und snlciceps
vom Tschuja-Fiuss.
Die Nyctelien -Gruppe erhielt eiue höchst ansehnliche Berei-
cherung durch Waterhouse's (Proceed. of the Zool. Soc. 1841
S. 105) Beschreibung der von Hrn. Bridges und Darwin gesammelten
Arten. Von ersteren ist die Localilät leider nicht genau bekannt,
vermuthlich ist es aber die Umgegend von Petorca, wo sie gesam-
melt sind ^ letztere sind von verschiedenen Puncten des Südendes von
America. Aus der Gatt. ISyctelia lieferten erstere 2, letztere nicht
weniger als 15 Arten, von Patagonien, Port Desire, Cap Negro, Bahia
Bianca und St. Blasius, Mendoza und St, Cruz. — Epipe donot a
ist mit 4 neuen Arten vermehrt, 2 von Petorca, von .Montevideo und
Bahia Bianca, 1 von Port Desire, Cerostena endlich mit 1 neuen
Art von St. Cruz.
Guerin (Rev. Zool. S. 815) machte ^co^oi/wf oi'yefMj aus der
Tagen iten-, und Praocis depressa aus der Praociten-Gruppe,
beide von Port Famine an der Maghellan -Strasse, als neue Arten
bekannt.
Die Gruppe der Zopherites hat Soli er (Ann. d. I. Soc. Ent.
d. Fr. X. p. 29 pl. 2) gründlich bearbeitet. Sie zeichnet sich durch
längliche Gestalt, Dicke der Horuschale des Körpers, eiförmiges oder
■wenigstens nicht merklich beilförmiges Tasterglied und verschwin-
dendes letztes Fühlerglied unter den Collapteriden mit vortreten-
der Zunge aus. Sie hat ihren Hauptsitz in Mittelamerica und ent-
hält nur 3 Gattungen. Noso derma Dej. hat freie anscheinend 9gl.
Fühler, indem die beiden letzten in das 9. aufgenommen sind. Fünf Arten,
von denen N. Duponchelii aus Cuba, als N. echinatum sich schon
in Guer. Rev. Zool. 1838 p. 279 aufgestellt findet, die übrigen aus
Mexico, von denen N. morb illosum und vicjuum nur Abänderun-
gen von einander sind. Vermisst werden das nordamericanische N.
inaequale Dej., ferner eine brasilische und eine columbische Art, die
letzteren beiden durch ein ebenes, nur vorn durch ein Paar von
Büschelhöckern bezeichnetes Halsschild ausgezeichnet. Zopherus
Griff, mit Rinnen zur Aufnahme der ebenfalls anscheinend 9gl. Fühler.
Vier Arten Z. nervosus , nodulosus, mexicajnis, laevicollis —
letztere nicht wie der V. angiebt, rein schwarz, sondern ebenfalls mit
weissem Überzuge zwischen den Erhöhungen wie die übrigen — sind
sehr gut unterschieden. Die hiesige Sammlung besitzt noch 2 Arten,
Z. chilensis Griff, nicht chilesisch, sondern ebenfalls m exicanis che,
und eine diesem verwandte neue Art aus Columbien. — Dicero-
deres, die Fühler schlanker, anscheinend lOgl., indem das 9. und 10.,
beide etwas dicker als die übrigen, deutlich abgesetzt sind, das Hals-
schild mit zwei grossen nach vorn gerichteten Hörnern. Eine neue
Art, ü. mexic unus.
Die Gruppe der Sepidien hat Hope (Col. Manual HI. S. 116)
mit zwei neuen Gatt, bereichert. Tr achelaeum schliesst sich an
237
Oxiira und Trachyüotus, unterscheidet sich aber durch das nicht
sechseckige, sondern viereckij2;e Halsschild, dessen Vorderecken ab-
gerundet sind. Die Flügeldecken haben die Naht und 3 Rippen vor-
springend, die eingeschlagenen Seiten gefurcht. Eine neue Art, Tr.
laticoUe vom Cap ist nur genannt. Somaticus {S. rvgosum F.)
unterscheidet der Verf. von Trachynotus (S. reticulatum F.) eben-
falls nur durch einige habituelle Merkmale, namentlich durch breitere
Flügeldecken und gewölbte Oberseite derselben wie des Halsschildes.
Abweichungen im Habitus fallen allerdings in die Augen, doch bleibt es
weitereu Untersuchungen vorbehalten solche Gattungen zu begründen.
Die Gruppe der Blapticien vermehrte Gebier (^BuU. Mose.
1941 »S. 593) mit einer neu entdeckten Art, Blaps Karelini, von
Saisansee. Sie hat ganz den Habitus von Nyctipates, aber gerandete
Flügeldecken.
Auch in der 0 patriden -Gruppe hat Hope (Coleop. Manual HF.
S. 110) einige neue Gattungen aufgestellt, welche indess z. Th. schon
von Dejean vorgezeichuet waren, und auch von dem englischen En-
tomologen sehr oberflächlich characterisirt sind. Celeron {ßcleruin
Dej.) enthält eine Reihe africanischer und ostiudischer Arten (z. B.
O. Orientale F ) mit länglichem Körper und breiten dreieckigen Vor-
derschienen. Tr IC ho ton (^Epilasi'um Dej.) eine südamericanische
Form, mit eirundem, gewölbtem, oben und unten behaartem Körper,
und gebogenen, unten (postice!) erweiterten vorderen, geraden Hin-
terschienen. Das von Hope nur namhaft gemachte T. Cayennense
\\'ird wohl einerlei mit Ep. rotundatum Dej. sein Isopteroti Hope,
eine neuholländische Form mit gestrecktem Körper, ausgerandetem
Kopfschilde, fast halbkreisförmigem, an den Hinterwinkeln aussen
stark eingeschnittenem Halsschilde, grossem Schildchen, gezähnten
Vorder-, verlängerten und unbewehrten Hinterschienen, ist mir nicht
bekannt.
Tenehriones, Die Charactere von Chiroscelis sind von
Hope (Coleopterist's Manual HI. T. 3 F. 3) durch treffliche Abbildun-
gen erläutert. Alsdann sind ebend. mehrere neue Gattungen aufge-
stellt. Prioscelis (S. 128), mit schnurförmigen Fühlern, deren
5 letzte Glieder an Dicke zunehmen, verdickten und ungezähnelten
Vorder- und Hinterschenkeln, stark gekrümmten Vorder- und Hin-
terschienen, letztere innen dicht gesägt. T. serratus F. und eine
neue grössere Art, P. Fabricii von Sierra Leona. — Pachylo-
cerus (S. 186) hat dicke, bis zu den beiden vorletzten Gliedern
schnurförmige Fühler, einen undeutlichen Zahn an den Vorderschen-
keln und Mittelschienen, einen deutlichem an den Vorderschienen,
die Hintersclüenen fast gerade. Körperfarbe metallisch. Mit dem-
selben Namen hatte unser Verf. schon vor einigen Jahren sehr tref-
fend eine ausgezeichnete Cerambycinengattung bezeichnet, da die
Dejeansche Benennung für dieselbe Gattung Iphicerus durchaus nicht
angenommen werden soll, ist der Name später (S. Ann. of nat. bist.
238
IX. S. 65) in Pycnocerus umgeändert worden. Die Art, P. Weste?' -
manni Hope, ist unbedenklich Ten. serratus Fab. — Taurocerus
(S. 130) entspricht Dejean's Bucerns, ein Name, der zweckmässiij;
geändert ist. Hope erinnert, dass die Art schon als T. conmtus bei
Fabricius vorkomme.
Neue Arten sind:
Catapiestus me<f«ocr?*6u eriu(Rev.Zool. S. 124) von Bornen.
Uloma insularis Gueri n (ebendas. S. 190) von der Insel Vavao.
Tetratoma ynllida Curtis (Aon. of nat. bist. V. S. 226) aus
England — vermuthlich blosse Abänderung des T. fungorum.
Helaeus echidna^ eine merkwürdige Art mit drei SStachel-
reihen auf jeder Flügeldecke, und Emcephahis {Cilibe) trico-
stellus White in Grey's Reise (II. S. 464), beide vom König
Georgs-Sund.
Welopii» Vier neue neuholländische Gattungen sind von
Westwood (Arcana Ent, pl 12 S. 43) aufgestellt und durch schöne
Abbildungen erläutert worden. Die ersten drei stimmen darin über-
ein, dass die innere Maxillarlade in einen hornigen Haken ausläuft.
Cyplialeus , länglich eiförmig, mit gewölbten, runzligen, gleich brei-
ten Flügeldecken, Fühler nach der Spitze hin wenig verdickt, Hals-
schild mit abgerundeten Vorder- und scharfen Hinterecken; C. for-
mosns, iopterus^ neue Arten und C. rugosiis {Helops? rugosus^
aterrimus Gray.) — Chart opt er y x .^ eiförmig, Flügeldecken nach
hinten allmälig breiter werdend mit scharfer Spitze. Halsschild mit
scharfen Vorderecken. Fühler nach der Spitze hin nicht verdickt,
die vorletzten Glieder nicht länger als dick. Cli. Childrenii, ein
ansehnlicher Käfer, mit durch glatte Felder und Haarlinien landkar-
tenartig gezeichneten Flügeldecken. — Hertiicy cliis halbkugelförniig,
doch den vorigen, und nicht den metallischen Diaperiden sith an-
reihend, Halsschild mondfömiig, die 5 Endglieder der Fühler kürzer
3ber nicht merklich verdickt. Zwei neue Arten, H. grnndis und me-
tallicus. — Lepispilus hat den hornigen Haken an der inneren
Maxillarlade nicht, und ist Pachjcoelia Boisd., und der hier abgebil-
dete L. siilcicoUis identisch mit P. snlcicollis und dem mit grosser
Ausführlichkeit beschriebenen Helops sulcicollis Boisd. in der Fn. de
l'Oceanie. Einen characteristischen Einschnitt der Zunge, welchen
diese Gatt mit Adelium gemein hat, ist vom Verf. übersehen. Es
wäre auch interessant zu erfahren, ob die drei anderen Gatt, jenen
Einschnitt haben.
Eine mit Adelium nahe verwandte neuholländische Gatt, stellte
Hope (Col. Manual III. S. 189 T. 3 F. 5) unter dem Namen Thora-
cophorus auf. Sie hat eine andere Gestalt, der Körper ist gestreck-
ter, flacher, das Halsschild mehr scheibenförmig, vorn tief ausge-
randet, seitlich gerandet, von den stark gestreiften Flügeldecken
abgerückt. Der Verf. besitzt 5 Arten, von den Th. Walkenaerii
abgebildet ist (die hiesige Sammlung hat ebenfalls 5 Arten aus dieser
239
sehr markirtCD Gattung, welche jedoch anders benannt werden muss,
nicht sowohl weil der Name schon gebraucht ist, sondern auch, weil
er sich mit den Regeln der Namengebung nicht verträgt. S.Jahres-
bericht für 1837. IV. Jahrg. 2 Bd. d. Arch. S. 208).
Eine 6. Gatt, dieser Familie stellte Guerin (Rev. Zool. S. 124)
unter dem Namen Fseudhelops auf, welche er zwischen Adelium
und Helops in die Mitte stellt, und von beiden durch die abgesetzt
dickeren 4 Endglieder der kurzen Fühler unterscheidet. Ps. tuber-
culatus, von den Aucklands-Inseln.
IJugriarifie» Eine neue Art ist Lagria pruinosa Che-
vrolat (Rev. Zool. S. 224) von Manila.
^nfliicides* Auch hier ist eine neue Art beschrieben wor-
den, An t hie US humer alis Dej. von Gebier (Bull. Mose. 1841
S. 596), bei Loktewsk in Sibirien vorkommend.
Vesicantia» West wo od (Guer. Mag. d. Zool. Ins. pl. 85)
errichtete eine neue Gatt. Tmesidera. Sie stimmt im Wesentlichen
mit Zonitis überein, und weicht besonders nur darin ab, dass die
Endglieder der Taster abgestutzt und etwas beilförmig sind. Indess
scheint dieser Unterschied nicht viel zu bedeuten, denn eine andere
Art der hiesigen Sammlung kommt sehr mit der Tmesidera
rufipe7inis des Verf. überein, hat aber die zugespitzten Palpen
der eigentlichen Zonitis. Das Insect ist aus Neuholland.
Eine neue Mylabris ist von Gebier (Bull. Mose. 1841 S. 598)
unter dem Namen M. smar agdina beschrieben. Sie ist smaragd-
grün mit gelbem Spitzenfleck der Flügeldecken, von M Pallasii durch
stärker gerunzelte Sculptur unterschieden. Einmal am Irtysch gefangen.
Bemerkungen über die Larven der Meloiden von v. Siebold
finden sich in der Ent. Zeit. S. 130. Der Verf. fordert vorzüglich
die Entomologen auf, der weiteren Entwickelung der jetzt nur be-
kannten eben aus dem Ei gekommenen Larven nachzuspüren.
AI. BuTn machte der Etit. Soc. in London die Mittheilung, dass
in Guzerate (Ostindien) zwei neue Arten als Pflasterkäfer gebraucht
werden. Die eine, Lytta gigas, erscheint im August und September,
fliegt selten, kriecht meist auf der Erde und nährt sich von Gras-
schösslingen. Die andere, Mylahris jmstulata Billb., fliegt das ganze
Jahr hindurch und nährt sich von allen essbaren Cucurbitaceen, Hi-
biscus esculentus und cannabinus, und wird dem Gartenbau sehr
nachtheilig.
Lytta verticalis zeigt sich nach Passerini in Italien mitunter
schädlich, indem sie das Kartoff"elkraut abfrisst. (Rev. Zool. S. 354.)
Oedenterites. Leon Dufour (Ann. d. I. Soc. Ent. d. F'r. V.
S. 5) hat die Larve einer Oedemera genauer beschrieben, welche
er in faulendem Eichenholze fand; er erzog ömr'dus Oe. seladottia als
Männchen und rufcollis F. als Weibchen, und vereingt beide als
Oe. dispar. Es verhalten sich indess sehr viele Oederaeren auf
240
äholiche Weise in ihren Geschlechtsdiffereozen, und ausserdem ist
eine andere Art unter demselben Nameo, wenn auch nicht beschrie-
ben, doch in den Sammlungen sehr verbreitet. Die Beschreibung und
Darstellung der Larve ist sehr gelungen.
Erfahrungen über Nothus clavipes Meg., bipunctati/s JUig., prae-
ustus Ol. hat Banse (Ent. Zeit. S. 163) mitgetheilt. Sie sind einerlei
und nur Geschlechtsverschiedenheiten. In der FärbuDg ändern beide
Geschlechter sehr ab. Die Männchen haben zuweilen verdickte Hin-
terscheokel, aber nicht immer und lassen sich in letzterem Falle
stets noch durch schwarzes Hulsschild, helleren Hinterleib mit durch-
scheinendem Penis und nach hinten verschmälerten Körper uoter-
schciden.
Jthynchostoma. Curtis (Ann. of nat. bist, V. S. 261) be-
merkt, dass die Gatt. Lissodema mit Sphaeriestes in der nächsten
Verwandtschaft stände und sich vorzüglich dadurch unterscheide,
dass die Fühlerkeule nur Sgliedrig sei. Somit würde Lissodema La-
treille's Salpingus (dentatus, Cursor) entsprechen.
Curculiones. Über die in Schlesien von ihm gesammelten
Rüsselkäfer machte Schilling (Arbeit, und Veränd. der schles. Ge-
sellsch. für vaterl. Kultur i. J. 1840) Mittheilungen, die Gattungen
Bruchus^ Anlhrihns^ Apoderus, Ättelabus und Rhytichites betreffend.
Von den „Gattungen der Rüsselkäfer" von Labram und Inihoff
sind das 8. und 9. Heft erschienen, in welchen die Verf. fortfahren,
nicht nur diese schwierige Familie zu erläutern, sondern auch sie
mit neuen Gattungen und Arten zu bereichern.
Von Anthriben sind TJterosomus {verrucosus Ol.), Vlatyrhinus
(Jatirostris F.), Analotes (d/'scoi'deus) und eine neue Gatt. Discote-
nes dargestellt. Charactere der letzten sind runde Augen, in einer
Grube an den Seiten des Rüssels eingelenkte Fühler, das 3 — 7 Gl.
langgestreckt und dünn, die 4 letzten eine breite, zusammengedrückte,
dicht gegliederte Keule bildend. D. coe/ebs, eine kleine Art aus Bra-
silien. — Von Brenthen s'iuA Aj'rhenodes corfi/ger var., Trachelizus
adustus und clavicornis Seh., Ceocepkalus R i'isti, neue Art aus Guinea,
und Taphroderes striolatus als neue Art aus Brasilien abgebildet;
die letzte stimmt mit Taphr. brevipes Seh., bis auf die Zeichnung,
welche bei diesem erloschen ist, überein, und ist vielleicht nur eine
Abänderung desselben. — Aus der Gruppe der Attelabiden simi
vorgestellt: Camarotns marginalis^ eine neue südamericanische
Art, Pterocolus ovatus (als Vaterland sind hier Carolina und Mexico
angegeben, wir erhielten aber aus Mexico eine von der nordameri-
canischen verschiedene Art), Ättelabus bfspi?iosus, melatiocoryphus \?iT,
scutellatus, Apoderus languiduswuA hystrix, Cybebus rußpenui's Schönh.
Goureau (Ann. d. 1. Soc. Ent. d. Fr. X. S. 21) schilderte das
Verfahren des Ättelabus curcuUonoides beim Einrollen der Eichen-
IJätter, in welche er bekanntlich seine Eier legt. Er beisst das Blatt
241
an der Mittelrippe auf, macht die ganze einzurollende Flache durch
Einbisse weich, und rollt dann mit den hinteren Beinen unter Bei-
hülfe der Mandibeln und Vorderbeine den zubereiteten Blattzipfel so
auf; dass das zu Anfange der Operation an das Blatteiyle gelegte Ei
in das Innere der Tüte kommt.
White (Entoniologist S. 181) machte eine sehr merkwürdige
Form von Attelabus bekannt, welche er als eine eigene Untergatt.
Lage noderus aufstellt. Der Käfer gleicht auf dem ersten Anblick
einem sehr langhalsigen Apoderiis, es ist hier aber weniger der Hin-
terkopf als das Halsschild verlängert, welches letztere allein länger
als der Hinterkörper, cylindrisch und stark quergerunzelt ist. Füh-
lerkeule 5gl., Vorderscheukel verdickt^ unten gezähnt. L. gnomoi.
des aus Madagascar.
Chevrolat (Rev. Zool. S. 224) stellte Rhynchites Philip-
pensis von Manila als neue Art auf, dieser Riese in seiner Gattung
ist aber nach ü^chönherrs eigener Bestimmung dessen Rh. coelestinus.
Curtis (Ann. of nat. bist, V. S. 281) beschreibt ein Apion als
das ächte A. Curtisii Kirby, unter welchem Namen Stephens eine
Var. einer gewöhnlichen Art aufgeführt habe. Es ist am nächsten
mit A. pubescens verwandt, unterscheidet sich aber durch rostrothe
Fühlerwurzel; kuglige Glieder der Fühlergeissel und glatten Rüssel.
Von Norfolk.
Auch von Gonatoceren beschrieb derselbe (ebendas. S. 280) einige
englische Arten, welche er als neu betrachtet. Afit hotiof/tus bruti-
nipenjiisy mit dem Rüssel nur 1'" lang, ockerbraun mit bellern
Flügeldecken, kenne ich nicht, Pissodes'^ pygmaeus ist ein viel-
leicht neuer Mj^cronjx, Hyperafumipes ist dissimilis Hbst., vv^elche
ebenfalls die 6gl, Fühlergeissel besitzt, die der Verf. an seinem Käfer
bemerkte.
Vi'aterhouse (ebendas. S. 329) beschrieb die von Darwin ge-
sammelten Arten von Lophotns: L. vitulus {Cure, vitulus F.) und
lungipes, als neue Art beschrieben, sind von Feuerland, nodipeunis
Hopc und Eschscholtxii SSchönh. von Chile. Die erste Art ist ent-
weder sehr nahe verwandt oder einerlei mit C. leprosus Ol., die
zweite ist ohne Zweifel C sfrumosus Ol., was dem Verf. wohl ent-
gehen konnte, da Olivier, wie beim G. leprosus, irrthümlich Mada-
gascar als V^aterlaod angiebt.
Ders. (Proceed. of the Zool. !öoc. 1841 S. 121) bearbeitete die von
Darwin und Bridges in Südamerica gesammelten Arten von Listro-
deres Seh., deren 4 neue, von Petorca, Coquiinbo und Montevideo
beschrieben sind. Als eine GX^ene G^^i. Adi ort st us trennt der Verf.
solche ab, welche lang gestreckte Fühler mit langer deutlich ge-
gliederter Keule, Haarbekleiduug statt der Schuppen, und keine Beule
hinten auf den Flügeldecken haben (es scheint indess an Mittelformen
nicht ganz zu fehlen, indem z. ß. C. immunis Esch. in den beiden letzten
Puncten mit Adioristus übereinkommt, und dabei die kurzen Fühler
Archiv f. Naturgcschidile. VIII. .lahrg. Bd. 2. Q
242
von Listroderes hat.) Hierher 5 neue Arten, eine von Mendoza, die
andern aus den Thälern von Petorca. — Eine neue Art von Cyli-
drorhinus, C. angulatus aus der Maghellanstrasse, beschrieb
Guerin (Rev. Zool. S. 217).
Die Gatf^iog Fachyrhynchus ist durch Cuuiing- mit einer
grossen Anzahl von meist prächtigen Arten bereichert worden.
Sie sind von Waterhouse (Ann. of nat. bist. VIII. S. 218) und
von Chevrolat (Rev Zool. S. 224) durch Diagnosen bekannt ge-
macht. Waterh. führt 20, Chevr. 10 Arten auf, welche, wie es
scheint, mit zwei Ausnahmen nicht zusammenfallen. Nämlich P,rho-
dopterus Ch. ist W's. P. iugifer, P. maiidar iiitis Chevr. ist
einerlei mit chlor olineatus Wat., zugleich der eigentliche san-
ctus JH., den Schönherr mit Unrecht zum P. moniliferus zieht. Wei-
ter sind mir die Waterhouseschen Arten nicht bekannt, von den
Chevrolatschen mögten noch P. pretiosus und scintillans y eben
so afdens und glohulipennis zusammenfallen, endlich sind P.
circuliferus und alboguttatus nur abgeriebene Ind. von P.
fimbriatus. — Guerin (Rev. Zool. 1841 S. 216 — Mag. d. Zool.
1842. ins. pl. 95) vermehrt diese Gatt, noch mit einer neuen Art, P.
biplagiatus von den Salomons-Inseln.
Chevrolat (a. a. O.) beschrieb noch einige andere neue Rüs-
selkäfer von den Philippinen: Ap ocy rtus Er ichsoniiy Hypome-
ces suturalis , Otiorhynchus fusco-fenioratus, Copto-
rhynchusQ^ setipennis^ cyanipes.
Guerin machte in Rev. Zool. mehrere neue Arten von ver-
schiedenen Puncten Polynesiens bekannt. Geoneinus insignis ,
von Ternate, Le Guilloni von den Salomons-Inseln (S. 125) und
Eiipholus Petita von Neuguinea (S. 216). Für die übrigen sind
neue Gattungen errichtet:
Elytrogo7ius{S.i26) zunächst mit, Sphaeromus Schönh. ver-
wandt, aber die Fühler sind kürzer, namentlich ist der Stiel kaum
von der Länge des Kopfes, der Rüssel nicht durch eine Furche vom
Kopf getrennt, die Schiilterecken der breiten Flügeldecken einen nach
vorn vorspringenden Winkel bildend. E. griseus aus Neuguinea.
Copt or hy nchus (S. 191) mit Otiorhynchus verwandt, der
Rüssel aber nach oben zu einer Leiste erhaben, an der Spitze schräg
nach unten abgeschnitten. Hierhin gehört Otiorh. ostentatus Schönh.,
und die neuen: C. Ternatensis^ elegans von Ternate, Bomby-
lius aus Neuguinea, auch C. luctuosus (^Otiorh. luct. Boisd.) eben-
daher, der von den übrigen darin abweicht, dass der Fühlerstiel
schon von der Wurzel an breit ist (darin kommt mit ihm der oben
genannte C. setipennis Chevr. überein).
Sphaerorhinus (S. 127) mit Psomeles ganz nahe verwandt,
durch die Fühler mit deutlicher Keule und den Rüssel oben mit einer
kugligen Verdickung am Ende, unterschieden. Sph. villosulus von
der Iqsel Vavao
243
Triff 0 71 ops (S. 188) der vorigen Gatfimg nahe stehend, von
mehr kiigliger Form, der Rüssel oben mit einer kugelförmigen Vor-
ragung, von der Stirn durch einen Eindrnck getrennt, vory.üglich
dnrch die in Kegelform stark vorspringenden Augen ausgezeichnet.
Tr. rugosus von den iSalomons-Inseln. (Hierhin scheint mir der
oben aufgeführte Coptorh. cyanipcs Chevr. mit ein paar verwandten
Arten von den Philippinen zu rechnen zu sein.)
Von Borkenkäfern findet sich von Curtis (Ann. of nat. hist.
V. S. 879) Bostrichus Waringii als neue englische Art besQlirie-
ben, er ist aber nichts als ein Männchen des B. (Xyloterus) linea-
tus Ol. Gyll.
X^ylopJuuga* Curtis (Ann. of nat.. hist. V. S. 377) bildete
aus dem Lyctus nitidusV-dyk. eine eigene Gatt. Ter edosQma, wel-
che indess auch unter dem \amen Teredus Dej. bekannt und von
Shuckard in den Coleop. Delin. gleichzeitig abgebildet ist.
IPaussidae. West wo od (Ann. of nat. hist. VII. S. 538) gab
eine Übersicht über den zeitigen Inhalt der Familie, und fügte neuere
Bereicherungen ein. Gattungen mit gewissermaassen 3gliedrigen Füh-
lern sind Paiissus, Platyrhopalus , Hylotorus , mit 6gl.: Pentuphitar-
thrus, Lebioderus, CeratoderuSy mit lOgl.: Cerapterus. — Puiissus ist
am reichsten an Arten, die jetzige Aufzählung enthält 25, darunter neu:
P. fnlvus aus Ostindien und tibialis aus Bengalen, beide aus der
Abtheilung mit durch eine Einschnürung getheiltem Halsschilde und
hinten ausgerandeter Fühlerkeule, P. cognatiis aus Bengalen, und
P. 8aunder Sil aus Ostindien, beide aus der Abth. mit ungetheiltem
Halsschilde. Die Gatt. Ceratoderus ist hier aus dem P. bifascia-
ttis Koll. neu gebildet. Die Fühler erscheinen als aus 6 Gliedern
zusammengesetzt, die 4 mittleren platt, das letzte halbkreisförmig.
Das abgestutzt-herzförmige Halsschild unterscheidet sie von Penta-
platarthrus und Lebioderus. Die Füsse sind deutlich 5gliedrig.
Die Gatt. Cerapterus hat ders. (Transact. of the Liau. Soc.
XVIII. S. 581) in einer neuen Übersicht mit einer neuen Art, und
2 neuen Untergatt, bereichert, C. ^-ntaciilatus von Java gehört
jils 3. Art zur typischen Form der Gattung. Homopterus ist eine
neue Untergattung: der Kopf breiter als das Halsschild, die Füh-
ler ziemlich flach mit schwach sägeförmigem Vorder- und geradem
Hinterrande, das Halsschild abgestutzt herzförmig, die Flügeldecken
schmal, die Schenkel und Schienen sehr breit, die letzti;ren ohne End-
dornen, aber an der Spitze ausgehöhlt zur Aufnahme der sehr kur-
zen Füsse. C. H. Brasiliensis^ bei Rio Janeiro entdeckt, die
erste Art, welche aus dieser Familie aus America bekannt wird.
P/ewro/y^er«*, Untergatt., wo derKopf halb so breit ist als das Hals-
schild , die Fühler lang, ziemlich flach, das 8. Glied aussen in einen
spitzen Winkel vorgezogen, das Halsschild von der Breite der Flü-
geldecken, mit hinten buchtigem und jederseits ohrförmig vorgezoge-
nem Seitenrande, die Flügeldecken au der Wurzel mit 8 erhabenen
244
Rippen, die Beine lang und schlank, die Fiisse breit. C. PI. We-
sternianni^ von Java.
Burmeister (Giier. Mag. deZool. 1841, lOe Livr. Ins. pl. 76) hat
die systematische Stellung dieser Familie in Betrachtung gezogen,
und ist dabei zu dem unerwarteten Resultat gekommen, dass sie
zunächst den Caraben sich auschliesse und in die Abtheilung der
Raubkäfer (carnassiers) gehöre. Eine Analogie zwischen Ozaena
und Paussusf sowohl in der Lebensweise als der Körperform, nament-
lich fler eigenthömlichen Beule an der Aussenecke der Flügeldecken-
spitze, ist bisher nicht übersehen worden, und man hat es, wie West-
wood, als ein Yerhältniss der Analogie der Gattung Ozaena zu
der Fam. der Paussideo beurtheilt. Der Verf. findet aber darin eine
nähere, verwandtschaftliche Beziehung, um so mehr, als beiden die
Fähigkeit zu bombardiren gemeinschaftlich sei, und vergleicht alle
Körpertheile der Paussen mit denen der Caraben, um durch Nach-
weis ihrer Übereinstimmung die oben angeführte Ansicht zu begrün-
den. Ich kann diese Übereinstimmung nicht finden. Was die Mund-
theile betrifft, so glaube ich, dass, wenn man die der Paussus als
modificirte R*iubkäfer-Mundtheile betrachtet, es kaum eine Käfer-
familie geben wird, wo man nicht dasselbe mit eben dem Rechte
thun könne. Ferner hebt der Verf. gleiche Einfügung der Beine bei
den Paussen und Caraben hervor, obgleich sie bei beiden wesent-
lich verschieden ist, bei den Caraben sind nämlich die vorderen
Hüften kugelförmig und von den Gelenkpfannen ganz umschlossen,
bei den Paussen sind sie zapfenförmig und stehen frei hervor. Dann
werden die Trochanteren stützend bei den Paussen genannt, was sie
aber bei ihnen nicht mehr sind als bei anderen Käfern, wo sie es
nicht sind. Ferner wird auf die gleiche Bildung des Baues des
Hinterleibes Bezug genommen, indem bei den Caraben (z. B. Cjxhrus)
sowohl als bei den Paussen 6 Bauchsegmente vorhanden seien, aber
anscheinend nur 4, indem die beiden ersten und die beiden letzten
mit einander verwachsen wären. Mir ist kein einziger Fall bekannt, wo
sich zwei letzte Hinterleibssegmente mit einander verwachsen fänden.
Bei allen Raubkäfern (Cicindelen, Caraben, Dytiscen und Gyrinen) sind
aber die drei ersten Bauchsegmente mit einander verwachsen, so dass
man an den Seiten wenigstens noch deutlich die Nähte sieht, und die
übrigen drei sind frei. Bei allen von mir untersuchten Paussen finden sich
nur 4 Bauchsegmente, von denen das erste eine kaum merkliche An-
deutung zeigt, dass es aus zwei, aber gewiss nicht drei verwachsenen
Segmenten entstanden ist. Endlich ist ausser Betrachtung geblieben,
dass bei den 4 Familien der Raubkäfer der Prothorax seine Episterna
und Epimera hat, was bei allen übrigen Coleopteren nicht der Fall
ist. Bei den Paussen sind diese Theile nicht nur nicht vorhanden,
sondern selbst das Sternum ist nicht einmal abgesondert. Auf diese
Weise ist eine Verbindung der Paussen mit den Caraben durchaus
nicht möglich, welche auch Marq. de Breme (Rev Zool. 1843 S. 61)
245
gezwungen findet, ohne indess die Oberflächlichkeit der Untersuchung
zu pr fn.
Idongicornes» Die Prionen -Gruppe hat einen Zuwachs*
von mehreren neuen Gattungen erhalten. Baladeva Water-
house (Transact. of the Ent. Soc. of Lond. II. S. 225) gehört zu
der kleinen Abtheilung des Dorysthenes mit Jangen abwärts ge-
krümmten Mandibeln, verlängerten Tastern u. s. w. , wird aber von
jener durch einfache Brust unterschieden; näher kommt sie an Cyr-
tognathus , und weicht hiervon nur dadurch ab, dass die letzten
Tasterglieder nicht so beilförmig, die Halsschildsdornen dagegen stark
ausgeprägt sind, auch ist B. Walk er t, aus Ostindien, eine Riesen-
form im Vergleich mit den verwandten.
Die andern Gattungen sind von Newman (Ann. of nat. hist. V.
N. 14) und sämmtlich neuholländisch:
Sceleocanthtty Halsschild mit einem krummen Seitendorn,
dann halbkreisförmig ausgeschnitten, hinten zweibuchtig. Schienen
aussen bedornt. S. glabricollis^ neue Art aus Vandiemenslund,
und Fr. pilosicollis Hope vom Schwanenfluss.
ToxeuteSy Halsschild mit zwei spitzen zurückgekrümmten Dor-
nen, Schienen unbewaffnet. P. arcuatus ¥. (Ich habe, da ich diese
Abhandlung von Newman übersehen hatte, dieselbe Gatt, unter dem
Namen Oncinotus id. Arch, VIII. Jahrg. 1. Bd. S. 219 beschrieben.)
Dorx, Ansehn eines Dorcus, Mandibeln kräftig, gebogen, mit
Szähniger Spitze. Taster lang, mit verdicktem Endgliede. Fühler
von mehr als halber Körperlänge, das 2. Glied klein, die übrigen
gleich lang, zusammengedrückt. Halsschild vorn breiter mit etwas
buchtigen Seiten. Flügeldecken etwas schmäler als das Halsschild,
an der Spitze gerundet. Schienen kantig, mit zwei scharfen End-
dornen und stumpfen Halteren (?) an der Spitze. Das 4. Fussglied
besonders deutlich. D. pentamera, Neuholland.
PithanoteSy Ansehn eines Prionus. Mandibeln kräftig mit sehr
scharfer Spitze und innen mit 2 kleinen Zähnen. Taster kurz, mit
cylindrischem Endgliede, Fühler von mehr als halber Körperlänge,
das 3. Glied so lang als das 4 und 5. zusammen. Halsschild kurz,
rechtwinklig, mit einem scharfen Seitendorn in der Mitte. Schienen
wie bei Dorx. P, falsus.
Neue Arten sind noch Mal lodoii stigmosum Newman (eben-
das.) aus Neuholland, und So lenoptera Tastet Buq. (Ann. d. 1.
Soc. Ent. d. Fr. X. S. XXXIX.) aus Luisiana.
Zu der Trachy deriden-Gruppe gehört Callona Water-
house (Transact. of the Ent. Soc. of Lond. II. S. 228) und ist unbe-
denklich eine Stenaspis. C. tricolor W. von Caracas? ist eine
schöne neue Art, welche unserer Sammlung von Hrn. M. C. Sommer
als ein niexicanisches Insect mitgetheilt wurde. — Newman (Ento-
mologist S. 11) hat seinen Trachy deres venustus, einen Phaedinus
(^Dcbauvei s. vor. Jahresb. S. 187) noch einmal beschrieben.
246
Die GRtt.Pteroplatus (S. vor. Jahresber. S. 188) ist von Buqiiet
mit 4 Arten vermehrt , so dass die Zahl der von ihm beschriebenen
auf 9 gestiegen ist. Auch die neuen sind aus Columbien, (Ann. d. 1.
Soc. Ent. d. Fr. X. S. 151.)
West wo od (Ano. of nat bist. VIII. S. 124) kündigte eine neue
Gatt. Pff?isteniia an Sie ist mit Lophonocerus verwandt, hat
kurze, dicke Fühler, kleinen Kopf, einen stumpfen Seitendorn am
Halsschilde und die F'lügeldecken seitlich rundlich-erweitert. P.pla-
ty2)tera aus dem tropischen Africa.
Neue Cerambicinen - Arten sind: Callichroma semiignit a
Chevrolat (Rev. Zool S. 227) von Manila, Niraeus equestris
Newman (Entomologist S. 79) unbekannten Vaterlandes, Xysto-
cera virescevs Newman (Ann. of nat. bist. V. S. 19) aus Neu-
holland. M alias oma füll oi7ieu7u desselben (Entomologist S. 7)
aus Brasilien ist eine Abäuderung des M. elegans Serv. ohne Binde
uuf den F'lügeldecken.
Buquet (Ann. d. 1. Soc. Ent. d. Fr. X. S. 325) bemerkte zum
Pnrjmrice7ius Lorcyf, welchen Duponchel in ders. Zeitsch.VI. S. 309
beschrieben hatte, dasi er der Gatt. Eburia angehören müsse, und
sich zunächst der E. veousta anschlösse.
Eine neue Gattung B ardist us (Newman Entomologist S. 80,
White in Grey's Reise, II. S. 465) hat das Ansehn einer Aromia,
das 5. Fühlerglied besonders lang, die Schenkel aufgetrieben und zu-
sammengedrückt, und zeichnet sich besonders durch die dreilappigen
Augen aus, an denen der eine Lappen nach dem Scheitel, der andere
nach dem Munde, der dritte nach der Kehle gerichtet ist. B. ciha-
rius ist matt gelb mit weichen Flügeldecken, lebt am König Georgs-
Sund im Grasbaum (Xanthorrhoea) und wird sowohl als Larve wie
als Käfer von den Eingebornen gespeist.
Ausserdem hat Newman theils in den Ann. of nat. hist., tbeils
besonders in seinem Entomologist viele Beiträge zur Kenntniss der
Cerambicinen gegeben, aber meist so aphoristisch und durch ein-
ander geworfen, dass es schwer hält, sie zu übersehen.
Besondere Berücksichtigung haben die früher unter StenocorusF.
vereinigten Bockkäfer erfahren. Von Americanern findet sich (Ento-
mologist S. 24) eine Aufzählung der Arten der Gatt. Elaphidion
Serv., welche unter 18 elf neue enthalten, und S. 110 noch mit sechs
vermehrt worden sind, ürei derselben, E. deflen dum (welches schon
von Olivicr als Call, notatum abgebildet ist), so b riu tn aus Nordamerica
und amabile aus Mexico würden zur Gatt. Stenosphenus Dej. gehören.
— Mallocera Serv. erhielt 2 neue Arten, M. sericata (Ent. S. 5)
und M. opulenta (Ent. S. 94) beide von Rio Janeiro. Die zweite
weicht darin vom Gattungst3'pus ab, dass die Flügeldeckenspitze
unbewehrt, dagegen die hinteren Schenkel an der Spitze mit einem
Stachel versehen sind. — Trichophorus Serv. erhielt einen Zu-
wachs von 2 Arten: Tr. distinctus (Ent. S. 6) mit Tr. lippus nahe
247
verwandt, — die Beschreibung passt ganz auf Tr. flavosiguatus Dej.
(lippus !?!erv,) nur dass die Farbe der Zeichnungen weiss angegeben ist
— . und Tr. var latus aus Brasilien. Dann ist noch eine neue Gatt.
Nephalius (Ent. S. 93) aufgestellt, von Trichophorus dadurch unter-
schieden, dass die Schenkel einfach sind, und den Fühlern die Haar-
beklcidung fehlt. Körper von eintöniger Färbung, mit feinem Filz
und aufrechten Borstenhaaren. Vier neue Arten von Rio Janeiro:
N. amictusy serius, eicuttis, cassus, denen (S. 118) eine 5te
bunter gefärbte, ebenfalls brasilianische, A^. blandus hinzugefügt
wird, — Endlich belegt N. den Steiiocorus garganicus F. mit dem
Gattungsnamen Chion, {Ceraspkorus 2. Div. Serv.) und schliesst als
zweite Art Ste?i.rusticusV. (ebenfalls aus Nordamerica und nicht aus
Ostindien, wie F. angiebt) an, indess ist er wohl nur Abänderung
des ersteren.
Den typischen neubolländischen Stenocorus, so wie die Gatt,
unter diesem Namen jetzt aufgenommen ist, ertheilte \ewman (Ann. of
Dat. bist. V. S. 19) den Gattungsnamen Pkoraca?itha, und beschrieb
(Ent. S?. 8) eine Reihe von Arten derselben, von denen hamata
Abänderung von longipennis Hope, allapsa mit St. assimilis Hope,
senio mit Coptocercus Bmaculatus Hope identisch, tricuspis , qut-
iiaria, recurva, aberrans neu zu sein scheinen. Als Charactere
der Gatt, hat der Verf. gedornte Fühler, mehr oder weniger eindor-
Dige Halsschildsseiten, und mehr oder weniger dornige Flügeldecken-
spitze aufgestellt. So wie aber die Dornen an den Halsschildsseiten
und der Flügeldeckenspitze verschwinden, so scheint dies auch in
dieser Gattung mit den Dornen der Fühlerglieder der Fall sein zu
können. Von solchen führt Newman (Ent. S. 9) als „iV. G. Calli-
dio affine'''' 2 Arten, piceum und signiferum auf, von denen
das erstere als Call, scutellare mit der irrigen Vaterlandsangabe Am-
boina sich bei Fabricius beschrieben findet. — Mit Stenocorus ver-
wandte Gatt, sind in den Ann. of nat. bist. V. S. 80 drei beschrieben,
die aber gleichzeitig von Hope unter anderen Namen bekannt gemacht
wurden (s. d. vor. Jahresb. S. 189) und so fallen Didym ocantha
obliqua Newm, mit Strongylurus varicornis Hope, Phlyctaeno-
des pustulosa N. mit Trachelorachys furaicolor Hope und Tessar-
omma undaturn Newm. mit Meropachys Mac Leayi Hope zusam-
men. In der letzten Gattung hat der Newman'sche Name jedenfalls
den Vorzug, da der Hopesche schon bei den Heraipteren in Gebrauch
ist. Mit Stenocorus (Phoracantha) wieder näher verwandt, scheint
die neue Gatt. Amphirhoe (Entomologist S. 84) zu 'sein: die Füh-
ler haben das 3. — 5. Gl. bedornt, das Halsschild ist gewölbt, an den
Seiten gerundet, ohne Dorn, die Flügeldeckenspitze abgestuzt, die
Beine lang, die Schenkel an der Spitze plötzlich keulförniig verdickt.
A. decora von Vandiemensland.
Andere Gattungen schliessen sich mehr an Callidium an. Cyl-
lene (Ent. S. 7) gleicht einem Clytus, aber das 3.-6. Fühlerglied
248
sind bedorot, die HalsschildseiteD haben hinten einen Zahn, die Flü-
geldeckenspitze ist eindoruig, die Schenkel sind einfach. C. spini-
fera von Siidamerica (Buenos Ayres). — Phacodes (ebend. S. 7)
steht in ähnlichem Verhältniss zu Callidium, hat nämlich das 3. — d. 61.
freilich in sehr geringem Grade bedornt, die Flügeldeckenspitze ab-
gestutzt und aussen eindornig. Ph, lentiginosus aus Neubolland
ist Callid. obscurum F. Ol, — Unter dem Gattungsnamen Ca/Z/ä^/z/m
beschrieb N. C. faber (Ann. of uat. bist. V. S. 18) und C. intor-
tum und C. vile (Ent. S. 823) aus \euholland, bemerkt aber von den
beiden letzteren , dass sie vom Gattungstypus sich sehr entfernen.
Cur ins (Ent. S. 17): Kleine Käfer von GesJalt eines Obrium,
durch die stark verdickten und gezahnten Schenkel sehr kenntlich
C. deiitatus hat das 3. Fühlerglied lang gestreckt, das 4. mit glei-
cher Länge von den folgenden; eine zweite Art, C. scamhus {ehend.
S. 79) hat das 4. Glied merklich kürzer, und auch das 3. noch kür-
zer als das 5. Beide aus Nordamerica. (Dies letzte Verhältniss der
Fuhierglieder haben auch ein Paar Arten von St. Domingo in unse-
rer Sammlung. Auch Call, dentipes Ol. scheint in diese Gattung zu
gehören.)
Thla (ebendas. S. 18) scheint ebenfalls mit Obrium verwandt:
Augen sehr gross, auf dem Scheitel fast zusammenstossend, Fühler
sehr dünn, von doppelter Körperlänge, rauh, lOgliedrig, das gewöhn-
liche kurze 2. Glied wird vermisst; Halsschild fast cyliudrisch, Flü-
geldecken etwas kürzer als der Hinterleib, Beine einfach, Schenkel
nicht verdickt. Th. pusillUy aus Nordamerica (Ostflorida).
Unter der Bezeichnung „iV. G. Callidio affine'^ limum wird
(ebendas.) noch eine kleine nordamericanische Art aufgeführt, mit
IJgl. Fühlern von fast Körperlänge, das Halsschild an den Seiten vor
der Mitte mit einer Beule, hinten stark eingeschnürt; Schenkel ein
wenig verdickt. Phyton wird als Gattungsname vorgeschlagen.
Heterac ht hes (ebendas. S. 9) steht Ibidion sehr nahe, die Füh-
lerglieder sind vom 3. an lang, das 3. — 6. zugleich verdickt (indess
nur beim Männchen) //. ebenns aus Nordamerica.
Eine Reihe anderer neuer Gattungen sind in Betreff ihrer Stel-
lung nicht näher bestimmt.
Brachytria (Ann. of nat. bist. V. S. 16) Kopf ins Halsscbild
eingezogen, 2. 3. 4. Fühlerglied sehr kurz, Halsschild gerundet, an
den Hinterecken ausgebuchtet. Schildchen schmal, Flügeldecken gleich
breit, an der Spitze gerundet, mit flachem Rücken. Beine kurz,
Schenkel allmälig verdickt. B. gulosa aus Vandiemensland. Eine
zweite Art, B. latebrosa, von der Känguru-lnsel, ist später (Ent.
S. 95) hinzugefügt.
Coptomnia (Ann. of nat. bist. V. S. 18) Kopf bis an die tief ein-
gebuchteten, fast getheilten Augen ins Halsschild eingesenkt. Fühler
beim Männchen viel, beim Weibchen wenig länger als der Körper,
vom 4. Gliede an zusammengedrückt. Flügeldecken nach der ab-
249
genindeteo Spitze hin verschmälert, beim Weibchen den Hinterleib
nicht bedeckend. Hinterschenkel allinälig verdickt. C. virgatiim
und textorium von Neuholland.
Ischnotes (ebendas.) Kopf bis an die grossen, kugligen, kaum
aiisgerandeten Augen ins Halsschild eingesenkt. F'iihler doppelt so
lang als das Halsschild, das I.Glied dick, das 3. klein, die übrigen
laug und dünn. Halsschild cjlindrisch, dmal so lang als der Kopf,
hinten die sehr kurzen Vorderbeine. Flügeldecken linienförmig, län-
ger als das Halsschild, hinten gerundet. Beine einfach. /. cylin-
draceus aus Neuholland.
Oemona (Ent. S. 8) Ansehn eines Clytus. Kopf vorn verlängert,
bis an die Augen ins Halsschild eingesenkt. Fühler von Körperlänge,
das 3. und 4. Glied etwas kürzer als die folgenden. Halsschild läng-
lich, gleich breit, auf dem Bücken querrunzlig. Flügeldecken nach
der abgerundeten Spitze hin allmälig verschmälert. Beine etwas lang
mit einfachen Schenkeln. Oe. humilis aus Neuseeland.
Oevie (ebendas.) Kopf frei, quer, Fühler kürzer als der Körper,
dünn, haarig und mit kleinen Stacheln. Halsschild fast kugelförmig.
Flügeldecken lang, gleich breit, an der Spitze abgerundet. Beine ein-
fach mit etwas zusammengedrückten Schenkeln. Oe.indecora aus
Nordamerica.
Fetalodes (ebendas. S. 9) Fühler vom 3. Gliede an jedes einen
langen Strahl ausschickend. Augen sehr gross unten erweitert und
fast zusammenstossend, Halsschild und Flügeldeckenspitze unbewehrt.
P. lamtnosus aus Neuholland.
UephaestTon (ebendas. S. 10) Kopf frei. Fühler kürzer als
der Körper, nach der Spitze hin etwas verdickt. Halsschild mit 4 Dor-
nen in einer Ouerreihe; Flügeldeckenspitze unbewehrt. Beine ein-
fach, dünn, Hinterbeine etwas zusammengedrückt. H. oc?'eatus und
macer von Chiloe.
Eine Übersicht über den Inhalt der N eci/ da lide7i -Gruppe (Ne-
cydalidae) hat Newman im Entoraologist S. 19 gegeben. Sie hat
mehr oder weniger abgekürzte Flügeldecken, welche die Flügel
nicht bedecken. Die hierunter aufgeführten z. Tb. neuen Gattungen
sind folgende:
Glaphy?'a (a. a. O.), Kopf gesenkt, Fühler kaum von mehr als
halber Körperlänge, die Gl. vom 6. an kürzer und dicker. Halsschild
flach, unbewehrt. Flügeldecken stark abgekürzt, an der Spitze ge-
rundet, Hinterflügel unbedeckt. Beine mittellang. Schenkel allmälig
verdickt. Schienen etwas verdickt, rauh. Gl. se?tiiust a, ein klei-
ner nordamericanischer Käfer. — Der Gattungsname kann neben
Glaphyrus nicht wohl bestehen.
Heliomanes (Ann. of. nat. bist. V. S. 17. Ent. S.80), Fühler
dünn, das 4. Gl. nicht merklich kürzer als die folg. Flügeldecken
länglich, an der Spitze gerundet. Schenkel an der Spitze plötzlich
keulförmig verdickt. Füssc einfach Hierhin iV. minor L., umbella^
250
larmn F., bimaculaUis Say und eine neue Art H, Sidus aus Neii-
hüllaad.
Nec'^dai/s (a. a. O.) das 4. Fühlerglied merklich kürzer als
die folg. Die Schenkel allmälig verdickt, Hinterfüsse breit. A. maior
L. und eine neue Art N. auricomus aus \euholIand (Adelaide).
Hestesis (a. a. O.) Kopf bis an die Augen eingesenkt, Fühler
beim Männchen länger als der Körper, 12gliedrig, beim Weibchen
kürzer, llgl. , nach der Spitze hin etwas verdickt, das 4. Gl. kaum
kürzer als die folg., Halsschild breit und gewölbt, Flügeldecken sehr
kurz, viereckig, Schenkel kaum verdickt, Vorderfüsse etwas erwei-
tert, hintere nicht. Hierhin Mol. variegatiis¥., M. ferrugmeusBoisd.,
M. cingulatus Kirbj , und eiue neue A., M. bixonatnsy sämmilich
neuholländisch.
Totnopierus Serv.
Charts (Knt. S. 21) der vor. Gatt, zunächst verwandt, aber die
Hinterscheokel keulförmig, die Hinterschienen rauh, die Flügeldecken
zugespitzt, aber noch so kurz, dass sie den Metathorax nicht überra-
gen. Ch. Euphrosy7ie, Erato, Aglala und später (S. 90) Ch.
Mnerne, Aaede, Melete sämmtlich neue Arten aus Brasilien.
(Auch N. barbicrus Kirbj- würde hierhin gehören.)
Sphecomorpha Newm. (Ent. Mag. V. S. 397).
Odontocera Serv. beschränkt auf O. vitrea und cyllndrlca Serv.
und Stetiopt. gracilisKl. Später (S. 91) sind als neue Arten O.Dice^
Eirene, Eunojjtia, Mala, sämmtlich aus Brasilien, zugefügt.
(Die letzte weicht durch ihre langen, durchaus ungezähnten Fühler
ab, und unterscheidet sich kaum von Stenopt. varicornis Kl )
Stenopterus Jll.
Acyphoderes Serv. (^Stenopt. aurulentiis Dalm. u. St. crinitus Kl.
Callisphyrus Newm. (Ent. S. 1.) Einfache Fühler, ziemlich klei-
ner Kopf, Halsschild an den Seiten mit einem stumpfen Zahn, Flü-
geldecken sehr abgekürzt, in der Mitte eingezogen, und von da
ab sehr schmal. Vorderbeine kurz, einfach, Hinterbeine verlängert,
rauh. C. macropus, ein stattlicher Käfer von der Grösse des Mol.
abbreviatus, aus Chiloe. (Unsere Sammlung besitzt noch eine zweite
kleinere Art ebendaher, bei der die Hinterbeine bei weitem nicht so
zottig sind.)
Colohus Serv. {Stetioc. hemipterus F.)
Die Lamien- Gruppe erhielt nicht so bedeutende Bereicherungen.
Von den prächtigen Arten aus Assam, Lamia Sivainsom'i und Motio-
hammus beryllinus (S. vor. Jahresb. S. 190) gab Hope (Linn. Trans-
act. XVIII. T. 40. Fig. 6. 7.) schöne Abbildungen. Neue Arten sind
Dorcadion Brandtii Gebier (Bull. Mose. 1841, S. 610), dem
D. ornatum Fald. ähnlich, an den Flüssen Bekun und Kurtschum in
der Nähe des Saisansees vorkommend, — Monohariimus ambi-
guus Chevrolat (Rev. Zool. S. 228) von Manila, — Sternoto-
mis amoena Westwood (Ann. of. nat. hist. VHI. S. 123) der
L. lactator F. sicli anschliessend, aus dem tropischen Africa.
251
Taeniotes Btiquetii Tasle (Revue Zool. S. 14) aus Mexiko
scheint im Wesentlichen mit L. vittata F. Ol. überein zu kommen
Hud Lamia ahenea Newraan (Ent. S. 11) vom Cap ist nichts als
L. ferruffator F.
New man stellte (ebendas.) noch ein Paar neue Gattungen auf;
Microcieptes. Gesiebt breit, dreieckig Fühler länger als der
Körper, 11 gl. Halsschild stark gewölbt, die Seiten gerade mit einem
scharfen Dorn. Flügeldecken sehr gewölbt, die Schultern mit einem
Dorn. Schenkel verdickt, Hinterschenkel die Flügeldecken überra-
gend. Eine kleine, spinnenähnliche Art, M. aranea aus Chile.
Xyloteles. Fühler lang und dünn. Halsschild fast cylindrisch.
Flügeldecken an den Seiten gerundet, mit scharfer Spitze. Schenkel
verdickt. X. lentus aus Neuseeland.
Sehr ausgezeichnet ist eine neue Gattung Doliops, welche
Waterhouse (Ann. of. nat. bist. S. 221) aufstellte und West wo od
(Arcana Ent. T. 15. F. 1. S. 57) näher erläuterte. Körperform täu-
schend die eines Pachyrhynchus, auch die Beine von ähnlichem Ver-
hältniss. Die Fühler ziemlich kurz, das 3. Gl. sehr lang, an der
Spitze verdickt. D. Curculiojioides, metallisch dunkelgrün, mit
11 weissen Flecken auf den Flügeldecken. Mauila.
Urocalymma Westwood (Are. Ent. T. 15. F. 3. S.58) ist
eine ausgezeichnete neue Gattung, welche mit Tmesisternus in eini-
ger Verwandtschaft zu stehen scheint, mit langem, schmalem, etwas
flach gedrücktem Körper, einem kleinen Dorn in den Halsschildseiten,
Flügeldecken beim Männchen in einen langen Schwanz verlängert,
beim Weibchen zugespitzt, klaffend. Beine dünn, die hinteren ziem-
lich kurz, die Vorderbeine beim Männchen sehr, beim Weitchen
ziemlich laug. U. longimana von Manila. — Zum Vergleich hat der
Verf. den neuholländischen Enicodes Fichtelii, wo das Männchen
ebenfalls geschwänzte Flügeldecken hat, mit dem bisher noch nicht
bekannten Weibchen abgebildet.
Durch Abbildungen in den Linn. Transact. XVIII. T. 40. F. 8. ist
die Gatt. Stibara Hope (s. vor. Jahresb. S. 191) ins Klare gebracht
worden. Es ist eine Saperden-Form, die grösseren Arten von Sphen-
ura Dej. umfassend, durch robuste Gliedmaassen, höckrige Hals-
schildseiten, flache, an den Seiten mit einer Kante abgesetzte, an der
Spitze abgestutzte Flügeldecken im Habitus von den kleineren un-
terschieden. Typus ist LatH. nigricornis F. ( mit Sap. morbillosa
nahe verwandt oder einerlei), der sich ausser mehreren noch unbe-
schriebenen Arten aus anderen Theilen Ostindiens, die assamesischen
St. tetraspilota und trüineata des Verf. anreihen.
Noch eine neue Gattung hat Newman (Entomologist S. 13)
unter dem Namen Phaea aufgestellt. Vier Augen, lOgl. Fühler.
Ph. Sap er da aus Mexico, scheint mit Tetraopes verwandt zu
sein. Neue Arten sind Colobothea leucospilota West-
wood rArcan. Ent. T. 15. F. 8. S. 57) von Manila, Sap er da
252
{Oberea') seinini^ru Chevrolat (Rev. Zool. S. 228) ebenda-
her, SajK carissirna VVestvvood (Ano. of. nat. hist. Vlll. S. 124)
aus dem tropischen Africa, und von Newnian (Knt. S. 12) S. cana
aus Nordaiiierica, cinerea und laeta ans Mexico, Jlammata
(von S. niargioata K. kaum verschieden) aus Nordaraerica, iuncea
aus Brasilien, Megacera parvula von Bahia. - Callia axil-
laris liebend. JS. 14) ist als Lam. axillaris schon von Dalraau und
Germar beschrieben gewesen.
Von Lepturen beschrieb Gebier (Bull. Mose. 1841. S. 642) drei
sibirische Arten, Le/>/. erythropus durch die Gestalt derL.maculicor-
nis von L. rufipes verschieden, L. extensa, der L. sanguinosa Gyll.
verwandt, aber die Flügeldecken länger und schwarz, L. macu-
lata, der L. rufiventris ähnlich, aber anders gefärbt. — \ewman
(Entomologist S. 68) machte eine ansehnliche Zahl nordamericanischer
Arten bekannt, unter denen Toxotns dives von cylindricollis Say
nicht verschieden, Stran^alia emaciata vermuthlich nur Abän-
derung von L. acuminata Ol., L. interrupta Abänderung von L.
vittata Ol. ist. — Pachyta Jone (ebendaselbst S. 30) ist P. Ser-
villei Serv.
Die neuholländischen Lepturen sonderte Newman (Ent. S. 34)
als eine eigene Gruppe Rhagio morp hidae ab, auf Grund ihres
langen, oft gekrümmten ersten Fühlergliedes, des in eine Schnauze
ausgezogeneu Kopfes, der häufig gekielten Flügeldecken, mit gegit-
terten oder stark punctirten Zwischenräumen. Einige haben mehr
die nierenförmigen Augen der Cerambyces. Dahin gehört Rhagio-
morpha Xewm. (Ann. of. nat. hist. V. S. 21), auf Stenoc. lepturoides
Boisd., Stenoder. concolor MacL. und einer neuen Art Rh. sordida
errichtet, und Tropis (Ent. S. 34), durch die deutlich gekielten und
gegitterten Flügeldecken sich den folgenden anschliessend, aus Rha-
giomorpha oculifera Newm. (Ann. of. n. h. V. S.21) gebildet. — Die
andern haben die runden Augen der Lepturen. Hierhin StenoderuSy
ausser dem bekannten Stenor. suturalis, mit einer neuen Art Ste-
nod. gr ammicus Xewm. (Ann. of. nat. hist. V. S. 21) von Adelaide,
der später (Ent. S. 95) noch zwei verwandte, St. rectus und deu-
stus, zugefügt wurden; und Macrones (Ent. S. 33) durch die sehr
schmalen linienförmigen Flügeldecken von Stenoderus unterschieden,
mit einer neuen A., M. exilis aus Vandiemensland.
Ausserdem hat Newman (Ent. S. 14) noch eine neuhoUändischc
neue Gatt. Pytheus, welche nach ihm in die Abth. der Lepturen gehört,
was indess wohl sehr zweifelhaft ist. Der Kopf kaum aus dem
Halsschilde hervorsehend, die Augen fast rund, Fühler nur von hal-
ber Körperlänge, Halsschild unbewehrt, vorn und hinten eingeschnürt,
Flügeldecken flach, gekielt, gleichbreit, mit unbewehrter Spitze. Beine
kurz, Schenkel an der Spitze verdickt. ' P. iugosus, V **"S>
schwarz, Hinterleib und Flügeldecken rostroth, letztere mit einem
253
g;enieinscliaf(1ichen schwarzen Fleck auf dem Rücken und einem an-
dern an der Spitze
JEtipodii. Eine sehr gründliche Monographie der deutschen
Leffia- Arten ist von Suffrian (in der Entoniol. Zeitung S. 38, 66,
97) mitgetheilt worden. Sie enthält 13 Arten, unter denen 3 neu,
oder wenigstens zuerst beschrieben sind: L. dodecastigma7Aeg\,
uur im südlichsten Deutschland vorkommend, aber auch in der Schweiz,
Italien und Ungarn einheimisch, von der L. 12 -punctata durch ganz
schwarze Beine u. s. w. unterschieden. L. flavipes Meg. , eine
ausgezeichnete kleine blaue Art, mit lebhaft gelben Beinen, und L.
Erichsonii des Verf., der L. cjanella ungemein ähnlich, aber
durch länglichere Gestalt und auch in der Punctirung von ihr ab-
weichend.
Zwei neue mit Sagra in der nächsten Verwandtschaft stehende
Gattungen sind von Hope in seinem Coleopterist's Manual III. auf-
gestellt worden. Ametalla (S. 179. T. 2. F 5) hat die Statur einer
Douacia, die Hinterschenkel sind aber stark verdickt, mit einem Zahn
bewaffnet, die Hinterschienen sehr gekrümmt. Das Halsschild ist
breiter als lang. Die Flügeldecken enden mit einer Spitze. Die
Fühler sind fadenförmig. Die Färbung ist nicht metallisch (hierauf
bezieht sich der Name) die Unterseite aber mit einem ähnlichen fei-
nen Seideutilz wie bei Donacia überzogen. Ä. Spinolae aus Neu-
holland. (Ein Paar andere Arten entdeckte Hr. Preiss am Schwanen-
fluss.) — Mecynodera (S. 181. T. 2. F. 6) der vorigen Gatt, sehr
nahe stehend, sich aber in Grösse und Form mehr an Sagra an-
schliessend, von der sie sich vorzüglich durch borstenförmige Fühler
unterscheidet, auch durch nicbtmetallische Färbung abweicht. Unter-
seite mit ähnlichem Haarüberzuge wie bei der vorigen Gatt. Das
Halsschild ist lang und schmal. M. picta, rothbraun mit schwarzen
Zeichnungen ist ebenfalls aus Neuholland (die Ex. der hiesigen Samm-
lung stammen aus dem Innern von Neusüdwallis).
Eine neue Art der Gattung Megalopus hat Hope (ebendas.
S. 178. T.2. F. 4) unter dem Namen Poecilomorpha Passer inii
bekannt gemacht, indem er darin eine neue Gatt, der Cl^thren-Gruppe
zu erkennen glaubte. Der Käfer ist von der Sierra Leone, die erste
Art dieser Gattung, welche aus den» tropischen Africa beschrieben
ist. (Mehrere noch unbeschriebene aus Guinea befinden sich in We-
stermanns herrlicher Sammlung)
Cyclicii» Von Hispa (im engern Sinne) hat Guerin in sei-
ner Revue Zool. S. 6 dreizehn neue Arten aus verschiedenen Gegenden
beschrieben. //. hellicosa, Petitii und suösphiosa, sämmtlich
vom Senegal, gehören zu den Arten, deren Fühler am Grunde meh-
rere oder einen einzigen Dorn haben, die übrigen haben unbewehrte
Fühler und zwar IJ. vantcorensis von Vaaicoro, H.cludophora
von Java, armata und iiigrilula vom Senegal, Perroietii vom
254
Nila Giri mit Gabeldornen auf dem Vorderrücken des Halsschildes,
H. algeriana von Algier, H. fallescens von Poudicherjj H.pal-
lida vom Senegal, H. numida von Algier, und wie es scheint auch
H. viridi-aenea vom Senegal mit ungedorntem Halsschildriicken.
Von einigen neuen nordamericanischen Hispen, augenscheinlich
der Gatt. Anoplires Kirby angehörend, theilte New man (Entomolo-
gist S. 73 — 78) kurze Beschreibungen mir. Es sind H. Bacchus^
Ariadney Erebus aus Ostflorida, H. Pluto von den Trenton Falls,
Hecate aus Xordcarolina. H, Ereöus scheint H. excavata Ol. zu
sein. Der Verf. theilt auch Dr. Harris Beobachtung über die frü-
heren Stände der H. quadrata, suturalis und vittata F. mit. Die
Larven miniren in Blättern, die der //. quadrata in den Blättern der
Weisseiche, die der H. suturalis in den Blättern der Robinia pseud-
acacia, die der H. vittata in den Blättern der Solidago laevigata.
Die ursprüngliche Mittheilung von Harris über diesen Gegenstand
findet sich im Boston Journal of nat. history Vol. I. p. 141 (1935),
und da zu seiner Zeit derselben in diesen Jahresberichten nicht ge-
dacht worden ist, mache ich noch nachträglich auf diese interessante
Abhandlung aufmerksam.
Hope (Col. Manual III. p. 174. T. 8. F. 1) stellte eine neue Hi-
spen-Gattung Estigmena auf. Sie ist mit Alurniis nahe verwandt,
und entspricht der Dejeanschen Gatt. Anisodera. Die Angabe eines
häutigen Labium (worunter offenbar ligula zu verstehen ist) muss
auf einem Irrthum beruhen, da ein solcher häutiger Theil sich an
der Unterlippe gar nicht findet. Der Typus E. Chili ensis ist
aus China, andere Arten finden sich in verschiedenen Theilen
Ostindiens.
Alur7ius casstdeus Westwood (Ann. of nat. bist. VlII. p. 204)
ist eine neue ausgezeichnete Art aus .Mexico.
Hope stellte im dritten Bande seines Coleopterist's .Manual auch
mehrere Gattungen der Gruppen der Imatidien und Cassiden auf. Zur
ersteren rechnet er Prioptera^ Calopeyla , Hoplioiiota und
Porphyr aspis. Die erste Gatt, ist (S. 176) genauer characterisirt
und (T. 2. F. 2) mit den Analysen der Mundtheile abgebildet Sie
entspricht der Dejeanschen Gatt. Basiprionota, ist eine der markir-
testen Formen, welche zwischen Hispen und Cassiden in der .Vlitte
stehen, rein ostindisch, und auf Cass. ^-punctata F. gegründet Die
hier als solche abgebildete ist indess verschieden durch ungeflecktes
Halsschild u. s. w., und offenbar eine neue Art. — Die übrigen hat
der Verf. S. .52 in so flüchtigen Umrissen hingestellt, dass sie nur
durch die Angabe der dahin gehörigen Arten kenntlich werden,
und genau genommen nicht weiter begründet sind als die Gattungen
von Dejean. Xach der Ansicht des Ref. hätte der Verf. sich ein
grösseres Verdienst erworben, wenn er statt eine Anzahl neu«r
Namen hinzuwerfen, dieselbeu Gattungen unter den bereits sehr all-
gemein gebräuchlichen Benennungen durch Aufstellung ihrer wescnt-
255
liehen Characterc wisscüschaftlich begründet hätte. Calopepla Hope
{Cass. Leyana Ol.) ist Dejean's Craspedonta, Hoplioiiota Hope
(Cassi'd. echinata F.) entspricht Dejeans Notosacantha, Forphyrusjns
Hope (C erythrocera Germ.) ist Heiuispbaerota Dej.
Genauer sind wieder die Cassiden - Gattungen Call aspidea
und O 0.1/ fi oder a charac(erisirt. Die erste gründet sich auf C. grossa
F. und entspricht der Dejeanschen Gatt. Eugeujsa Chevr., die zweite
ist einerlei mit Discomorpha Chevr, und enthält C. palUata F., siTi^
gata Hffg. u. a. Ich habe bisher geglaubt, dass die früher von Hope
(S. Jahresb. f. 1839. S. 261) unter dem \anien üolichotonia aufge-
stellte Form der letzteren entspräche, jetzt bin ich in Zweifel, wie
sie sich unterscheiden , da der Verf. versäumt hat, sie mit einander
zu vergleichen. Nach den mir vorliegenden Abbildungen sind bei
Dolichotoma die 5 letzten Fühlerglieder etwas gestreckter, doch
kann dies unmöglich einen Gattungsunterschied begründen. Omo-
plata (S. 159) ist wenigstens dem Habitus nach genau geschildert:
sie gründet sich auf C. marginata Lt. und entspricht Echoma Chevr.
Dej. Einige andere Gattungen Poecilaspis H, = Botanochara Dej.,
Asp idoniorp ha H., den ostindischen Arten von Deloyala Dej. (C.
?jiiUarIs ¥.) entsprechend, Thyreaspis H. = Coptocycla Chevr.
Dej. sind nur mit Angabe der typischen Arten den Mamen nach auf-
geführt. Die Bildung der Klauen darf bei Begründung von Cassiden-
Gattungen nicht unberücksichtigt bleiben. Aspidomorpha z. B. wäre
mit der Angabe, dass bei ihr die Klauen kamniformig gesägt sind,
schon hinreichend characterisirt.
Neu aufgestellte einzelne Arten sind Cassida {Callaspidea)
Alurna West wo od (Ann. of. nat. bist. VUI. S. 305; aus Mexico,
und C. li-notata Gebier (Bull. d. I. Sog. imp. d. nat. d. Mose.
1S41. 615. 14.) aus der Umgegend des Saisan-Sees in Sibirien.
Chrysomelinae* Die eigentlichen Chrysomelen hat Hope
in seinem Coleopterist's Manual IIl auf gleiche Weise wie die Cassi-
den mit einer Anzahl neuer Gattungsnamen beschenkt. Acasta,
auf einer neuen ostindischen Art, A. formosa Hope gegründet, ist
zwar S. 177 mit einer ausführlichen Gattungsbeschreibung und T. 2.
F. 3. nebst Analysen sehr schön abgebildet, indess bin ich nicht im
Stande die wesentlichen Unterschiede von Chrysomela, und noch
weniger die von Melasoma (Lina Meg.) anzugeben, weil sie hier
nicht hervorgehoben sind, und ich sie am Thiere noch nicht habe
auffinden können. Die übrigen Gattungen sind nach den unwesent-
lichsten habituellen Merkmalen in sehr unbestimmter Weise geschil-
dert, so dass man eigentlich nur aus den angeführten Arten ersieht,
was gemeint ist. Aufgestellt sind: Folysticta iüv Chr. guttata F.,
Gastroeidea für Chr. Polygoiii, Chrysochloa für Ch. tristis F.,
Polyspila iixT Ch. rhiladelphka, Calomela für Chr. Cur tisü Kirby.
Chrysoehloa (Oreina Chevr. Dej.) ist eine durchaus verunglückte
Gattung, denn es ist unmöglich irgend eine Gränze zwischen ihr
256
iiDd Chrysomela abzustecken. Chevrolat hat sie vermiithlich in
Riicksicht auf die verschiedene Form des letzten Maxillartastergliedes
abgesondert, denn bei den meisten von ihm aufgeführten Arten ist
es weniger dick und mehr zugespitzt, während es bei den eigentli-
chen Chrysomelen dicker und fast beilförniig abgestutzt ist. Allein
auch in diesem Puncte findet hier ein allmäliger Übergang statt.
Hope verwirft die von Dejean benutzten Gattungsnamen, weil ihnen
keine Charactere beigefügt sind. Indess hat Dejean über seine Gattungen
durch Angabe ihres ganzen Umfanges und durch die Übersicht über
das Ganze doch weniger rathlos gelassen, sobald nur nicht von lau-
ter unbekannten Arten die Rede ist.
Ein Paar neue sibirische Arten hat Gebier (Bull. Mose. 1841.
S. 620) beschrieben: Chrysomela rugulosa aus dem Altai, und
Spartophila Menetriesii aus den Kusnezk -Gebirge.
Chrysomela Sparshalli Curtis (Ann. of nat. bist. V. 282.
S. 22.) angeblich in England gefangen, ist einerlei mit der in den Samm-
lungen unter dem Namen Chr. mclanostigma Koll. oder Chr. sicula
Dej. verbreiteten sicilischen Art.
Wohlfromm (Preuss. Prov. Blatt. 1841. S. 566) machte auf
Verschiedenheiten aufmerksam, welche bei der Chrysomela collaris L.
vorkommen, und ist geneigt, Chr. Salicis F. als eine besondere Art zu
betrachten. Ich habe Exemplare mit verschiedenen Färbungen der
Flügeldecken, mit schwarzen und mit gelben Beinen untet einander
gefangen; die beiden eingedrückten Puncte, welche Fabricius bei Chr.
Salicis beschreibt und auf welche der Verf. Werth legt, sind zufällige
Eindrücke. Mir scheinen die zwei B'ormen, welche der Verf. beschreibt,
nur Abänderungen der Ch. collaris zu sein. Chr. alpina Zett. ist von
einer gleich gefärbten Abänderung der Chr. collaris zu unterscheiden.
Letzner (Arbeit, u. Veränd. der schles. Gesellsch. f. vaterl.
Kult. i. J. 1841. Ent. Sect. S. 4) theilte seine Beobachtungen über
die Abänderungen der Chrys, cerealis L. mit, deren sich zwei Über-
gangsreihen zu Chr. alternans Panz. hin zeigten, welche der Verf.
daher mit vollem Recht als eine Var. der ersteren betrachtet. —
Etend.S. 7 beschreibt er die Verwandlungsgeschicbte der Chr./ulgith.
Unter den Eumolpen hat Hope ( Coleopterist's Manual 111.
S. 162) eine neue Gatt. Corynodes eingeführt, welche mit Dejeans
Platycor^^nus identisch ist. Aus derselben hat Chevrolat (Guer.
Rev. Zool. S. 228) eine neue Art, Platycorynus iiidigaceus aus
Manila bekannt gemacht. — Curtis (Ann. nat. bist. V. S. 281) hat eine
angeblich englische Art als Eumolpus Uobsoni beschrieben; die
Angabe des Vaterlandes beruht aber auf einem Irrthum , der Käfer
ist in Nordamerica zu Hause, und ist Colaspis lOnotata Say.
Unter den Galerucen hat Hope (Coleopterist's Manual III.
S. 169) zwei Formen als besondere Gattungen aufgestellt. Clado-
cera, mit kammförmigen Fühlern: Clythra pectinicornis Ol. Der
xN'ame ist aber nicht mehr vacant, weshalb wir uns vor der Hand an
257
dem Dejeanschen (Polyclada Chevr.) zu halten haben. Agetocera
mit 13gl. Fühlern^ das 3. Gl. sehr kurz, das 4.* verlängert und er-
weitert, das 4,-7. fast gleich, das 8. verlängert und aufgetrieben,
das 9, difform, so lang als die beiden folgenden, das letzte kürzer.
A. mirahilis Hope von Nepal. In Gray's Miscellany war die Gatt,
früher durch Druckfehler als Agelocerus aufgeführt gewesen.
Pearson hat im Journ. of the Agricult. See. of India ein ost-
indisches Turnips - Insect, Haltica nigro -fusca, beschrieben.
Sie ist etwa 1'" lang, oval, schwarz mit bläulichem Glänze, das
Halsschild dicht und fein, die Flügeldecken fein in Reihen punctirt;
Fühler, Schienen und Füsse braun. Sie lebt auf dem Himalajah auf
versch. Kohl- und Rübenarten, denen sie sehr nachtheilig wird. Sie
soll vorzugsweise die beiden Samenblätter angreifen. Auch auf In-
digo war sie bemerkt worden (Calcutta Journ. of nat. hist. I. S. 399)
•
Cryptocejthalus ochraceus^ als eine neue englische Art von
Curtis (Ann. of nat. hist. V. 281. 30) beschrieben, ist nichts als.
Cr. minutus F., welcher früher mit mehreren andern Arten (S. Schönb.
Syn. II. S. 370) verwechselt wurde. Cr. minutus F. lebt auf dürren
Grasplätzen, wie es auch Curtis von seinem Cr. ochraceus angiebt,
Cr. pusillus F. auf Elsen, Cr. gracilis F. auf Weiden. — Neue Arten
von Crypt ocejihalus sind Cr. bigiittulatus Gebier (Bull.
Mose. 1841. S. 618) aus Westsibirien, Cr. hinomiiiis, qiiadrifo-
ris, quadruplem, lateritius und sparsus Newraan (Entomo-
logist 1841. S. 78) aus Nordamerica.
Die der Clythra 4punctata L. zunächst verwandten Arten sind
von Dr. Schmidt in Stettin (Ent. Zeit. S. 146) genauer aus ein-
ander gesetzt worden. CL laeviusculalRsitzehiirgj welche in Deutsch-
land neben der CI. 4punctata allgemein verbreitet ist — doch so,
dass beide nicht auf gleichen Stellen vorkommen, — in Scandinavien
aber fehlt, hat ein ganz glattes Halsschild und der hintere Fleck ist
mehr nach der Mitte der Flügeldecken hin gerückt. Cl. tetrastigma
(der Name ist von Germar an eine brasilische Art vergeben) neue Art
aus Ungarn, ist doppelt so gross, das Halsschild gelb gerandet und
die Flügeldecken sind äusserst dicht punctirt. Cl. ^punctata, welche im
Norden und Osten von Europa die Cl. laeviuscula ersetzt, hat das
Halsschild an den Rändern dicht punctirt, und den hintern Fleck der
Flügeldecken mehr nach hinten gerückt. Cl. Asignata Märkel
kommt der letzten sehr nahe, ist aber noch etwas stärker punctirt,
und durch braune Grundfarbe der Flügeldecken verschieden. Sie ist
von Märkel in der sächsichen Schweiz, wo ihre Larve in Ameisen-
nestern sich findet, entdeckt, und von ihm auch in Germar's Zeit-
schrift III. S. 223 beschrieben.
Coptocephala Gebiert De^., eine neue, der Clythr. 4macu-
lataF.nahe verwandte Art vomSaisanseeist von Gebier (Bull. Mose
1841 S. 617) beschrieben.
Westwoo,d (Ann. of nat. hist. VIII. S. 397) legte in der Lond.
Archiv f. Nalurgeschichte, VIII, J.^hig. 2, Bd. R
258
Ent. Soc. das wunderlich gebaute gleichsam dopiielte Gehäuse einer
brasilischen Chlamj'slarve vor, in welchem diese auch ihre Verwand-
lung besteht. Erzeigte auch die Gehäuse vonLamprosomen-Larven,
welche sich an Baumrinden finden, «nd täuschend einer abgestorbe-
nen Knospe gleichen. Diese verwandeln sich ebenfalls darin.
Mrotylenae. Hope (Rev. Zool. S.109) hat die Erotylen in
eine Reihe von Gattungen zerlegt, Guerin (ebendas. S.114undl53)
hat eine Anzahl von Arten beschrieben. Diese Publicationen sind aber
ohue Bedeutung und Interesse, da sie aus blossen Prioritäts-Rück-
sichten Lacordaire's Monographie vorausgeschickt wurden, welche
bereits erschienen ist und über welches gediegene Werk im nächsten
Jahre Bericht erstattet werden soll.
Westwood (Ann, of nat. hist. VIII. S. 123) beschrieb eine neue
Art von Triplatoma, Tr. apicalis^ aus dem tropischen Africa,
welche mit Elater coecus F. in der nächsten Verwandtschaft steht.
Die Gatt. Ä^e/o?«, welche bisher nur eine Art aufzuweisen hatte,
ist mit mehreren bereichert worden, nämlich durch Hope'(Col. Ma-
nuallll. S. 197) mit //. Servillei von Puna und Guerinii von
Travancur und durch West wo od (Ann, of nat. hist. S. 123) mit B,
TTiihetana aus Tübet.
Hope (Coleopt. Manual III. S. 190 T. 3 F. 6) bildete aus Langu-
ria longicornis Wied. eine neue Gatt. Macromelea^ benannte die
erwälmte Art M Wiedemafuii neu, und bemerkt, dass L. nigripen-
nis Wied. in dieselbe Gattung gehöre. Sie scheint selbst als Weib-
chen zu der ersten Art zu gehören.
Coccinellae* Junker (Entomol. Zeit. S. 2) berichtet, das.s
Philipp! Cynegetis globosa samt der Larve sich von den Blättern
des Seifenkrauts (Saponaria officinalis) nährend beobachtet habe. Er
selbst machte dieselbe Erfahrung an Epilackiia chrysomeUna., welche
sowohl als Käfer wie als Larve von den Blättern der Bryonia dioica
zehrt. Die Larve ist dick, strohgelb, mit 6 Reihen schwarzer ästiger
Dornen auf dem Rücken, unten und an den Seiten mit schwarzen
Puncten. Obgleich die Verwandlung vom Auskriechen aus dem Ei
bis zum Erscheinen des Käfers in 22 Tagen vor sich geht, scheint
doch nur eine Generation im Jahre stattzufinden. Boie (ebendas.
S. 79) bestättigt die Erfahrungen an Cynegetis globosa, welche er auf
Lychnis dioica und Cucubalus beben antraf. — Dass Epilachna glo-
bosa sich von den Blättern der Zaunrübe nähre, ist auch schon von
Westwood (Introduct. I. S. 397) aus Audouins Erfahrungen mitgetheilt.
Eine ähnliche Beobachtung, dass Coccinella hieroglyphica Heidekraut
fresse, hatte Reich schon vor Langem veröffentlicht. Bei so vielen
Erfahrungen ist es keinem Zweifel mehr unterlegen, dass die Familie
der Coccinellen nicht durchweg Blatt- und Schildlausfressend sei.
Hope (Coleopterist's Manual III. S. 157) hat mehrere neue Gat-
tungen der Coccinellen namhaft gemacht, für welche indess im
Dejeanschen Catalog schon auf älinliche Weise gesorgt war. Sele-
259
711 s Hope {C. lunata F., also Cheilomenes Chevr.) mögi^ sich kaum
durchgreifend von Coccinella unterscheiden lassen. Der für C.gloöosaJll.
(also Ct/negetts Chevr.) in Vorschlag gebrachte Gattungsname Lasia
ist schon anderweitig und mehrfach in Anspruch genommen.
Wungicoli. Gebier (Bull. Mose. 1841 S. 623) hat zur Gatt.
Lycoperdina eine neue Art, L. pallida aus Sibirien, hinzugefügt.
Wjathridih Curtis (Ann. of nat. bist. V. S. 277) beschrieb
als neue englische Art Monotoma gracilis, welche indess einer-
lei mit M. longicollis Gyll. ist.
Opt8ftOfiAei*a.
Einige Bemerkungen, die Orthopteren betreffend, beson-
der.s in Bezug auf Burmeister's und Serville's Schriften über
diese Insectenordnung, von T. v. Charpentier (Germ. Zeitechr.
f. d. Entomologie IV. S. 283) sind für die Kritik der Arten von
Wichtigkeit.
Orthoptera descripta et depicta a T. de Charpentier,
Lips., Leop, Voss. 1841, ist ein treffliches Werk, zur Erläute-
rung dieser Ordnung (im alten Umfange) bestimmt, durch
sehr sorgfältige und genau« Abbildungen und Beschreibungen
theils minder bekannte, theils auch neue Arten und Gattungen
vorzuführen. Der Inhalt der drei ersten im vorigen Jahre er-
schienenen Lieferungen ist unten im Einzelnen angegeben.
Le Guillou (Rev. Zool. S. 292) hat die auf seiner Reise
nach der Siidsee gesannnelten Orthoptera durch kurze Diagno-
sen vorläufig bekannt gemacht. Sie sind im Folgenden einzeln
namhaft gemacht.
Worjiculariae, Einige neue Arten publicirte LeGuillou (Rev.
Zool. S. 292) vorläufig, nämlich: Forficesila oceanica von Nu-
kahl va u. s. w., F. australica, aus Nordaustralien, Forficula.
Blanchardi vermuthlich vpn den Südseeinscln. Die erste Art ist
schwerlich etwas anderes als Forf. morio F. und gehört zur Gatt.
Lobophora Serv.
Mlattariae* Auch hier hat LeGuillou (ebendas.) ein Paar
neuer Arten, nämlich Blattei Keraudrenii von Neuguinea, und
Perisphaera laevis von Nnkahiva. — Blatta suhverrucosa
White (Grej's Reise II. S. 467), eine grosse ungeflügclte Schabe,
scheint eine Larve, vielleicht selbst einer ungeflügelten Art zu sein.
Muntidae* We st wo od hat in seinen Arcan. Ent, (T. 9 S. 33)
eine ausgezeichnete Darstellung der Gatt. Dei'oplatys gewidmet.
Diese hat Kopf und Fühler von Mantis, gelappte Hinterleibsseitcn
R*
260
und Schenkel, den Hals z, TIi. zu abentheiierlichen Formen erwei-
tert, und die Flügel trocknen Blättern ähnelnd. Hierhin 4 Arten:
D. desicQOta Westw. von Malacca, lohata (Choeradodis) Guer., D.
aiigustata AV. von Java und D. arida W. von Sumatra, die
letzten beiden neu.
V. Charpentier hat in seinen Orthopt. (T. 2) zunächst Empusa
hyalina {Mantis h. Fab., M. foUata Licht., M. splihtgicorjus und sub-
foliata Stoll, Vates cnemidotus Burra., Theoclytcs foUata Serv.), fer-
ner T. 3 Metalle^itica violacea (yitripemiis und violacea Biirm.y Matit.
chalj/beaServ,') und T. 16 Maiitis oratortah, nach beiden Geschlech-
tern abgebildet und die Synonyme mit sicherer Hand festgestellt.
(Dem Männchen der letzten ist noch M. minima v. Charp. Burm. hin-
zuzufügen.) — Endlich bereichert er die Familie mit einer neuen
Gatt. Chir opacha (T. 15). Sie hat einen plumpen Kopf, kurzen,
fast gleich breiten Hals, beim Weibchen mit 2 spitzen Höckern auf
der Mitte, sehr dicke Vorderschenkel und auffallend kurze Hinterbeine.
Beim Männchen sind Decken und Flügel so lang als der Leib, beim
Weibchen sind beide so verkürzt, dass sie nur bis auf das 8. Hinter-
leibssegment reichen. Ch. gilva aus Aegypten.
Zwei angeblich neue Mantis-Arten aus Vandiemensland führt
Le Guillou(Rev. Zool. S. 293) auf: M. Hohsoni ist Orthodera pra-
sina Burm., und zugleich eine alte Fabricische Art, nämlich dessen
M, ministralis (sie findet sich vortrefflich im Syst. Ent. S. 277 be-
schrieben, später in der Mant. und der Ent. Syst. ist die Beschreibung
durch Schreibfehler entstellt). M. Gunnii ist nicht zu erkennen.
Pliasmidae. v. Charpentier (Orthopt.) bildet aus dieser
Familie ab: T. 1 Cyphocra^iia herculeanu (yerslnibra Serv.)
aus Java und nicht aus Brasilien, wie Serv. angiebt, T. 10. 11 P/»«,?/««
4guttatu?7i und bisbiguttatum Burm. u. T. 6 Bacteria SayL — L e G u i 1 -
lou (Rev. Zool. S. 293) stellt als neu auf Bacillus Ci'ouanii von
Hamoa und Cladoxerus Davidis von den Salomonsinseln. —
Westwood (Arcan. Ent. T. 8 S. 25) errichtete eine neue Gattung
Craspedonta, von Diapherodes Gray dadurch unterschieden, dass
der Scheidendeckel nicht vor der Hinterleibsspitze vortritt, auch sind
die hinteren Schienen an der Innenseite stachlig. Der Verf. bemerkt
Spuren von Decken und« Flügeln, welche ich an unserem Exemplar
kaum dafür ansprechen mögte, auch giebt er die Vorderfüsse 4gl. an,
was mir zweifelhaft scheint, da bei verwandten Formen das 4. Glied
undeutlich, aber vorhanden ist. Die abgebildete Art ist mit Unrecht
als Diapherodes gibbosa Burm. bezeichnet, und danach Brasilien als
Vaterland angegeben. Es ist ein africanisches Insect, von dem ähn-
lich gebildeten americanischen generisch durch die oben bemerkten
Charactere verschieden.
Achetae» v. Charpentier (Orthopt.*T. 18) bildete beide Ge-
schlechter des Gryllus leucostictus Burnt (elegaiis Guer. Serv.), ab.
Le Guillou(Rcv.Zool. S. 293) stellte Gr.Oceanicus von Tai'ti und
261
\ukahiwa auf, eine Art rnil iingeflügeltem Männchen, während das
Weibchen Unterflügel besitzt, und White (Grej's Reise 11. S. 467)
beschrieb Acheta? margini'pennis vom König Georgs-Sund mit
kurzen Unterflügeln und sehr laugen Hinterbeinen.
Jjocustariae. Derselbe (ebend. S. 468) stellte eine eigene
Gatt. Tym}ia7io])hora auf, welche indess unvollständig und z. Th.
ungenau beschrieben ist. Der Verf. giebt Verwandtschaft mit Oecan-
thus an, mir scheint der beigefügle Holzschnitt eine Locuste darzu-
stellen. Die Art, T. pellucida, ist vom Kön. Georgs-Sund. Eben-
daher ist auch Saga dentlcu lata White (ebendas. S. 469) eine
Form mit Flügelrudimenten beim Männchen. LeGuillou (Rev. Zool.
S. 893) führt eine ganze Reihe als neu betrachteter Arten auf: Gry II-
acris oceanica. von Hamoa, G. dubia von Viti, Phyllophora
Habasqui von Neuguinea, Ph. Quoyi von Guaham, Ph. Gai-
mardi von Neuguinea, Xiphidion maculatum von Mancassar,
A'. oce anicnni von Hamoa, Coiiocephalus Roberti ebendaher,
C. Troudeti aus Nordaustralien und Süd -Neuguinea. — v. Char-
pentier (Orthopt.) bildete ab: T. 7, 8 Brndyporus Oniscus, Dasy-
pus, T. 9 Mfgalodon eiisifer , T. 13 Leptodera ornatipennis , T. 17
Hetrodes spinulosus {GryU. spinulasus L., Het. horridus Burm.)
Jtcrydites, Diese Farn, ist mit zwei neuen Gatt, bereichert:
Astroma v. Charpentier (Orthopt. T. 4) steht in der genauesten
Verwandtschaft mit Proscopia, hat ganz dieselbe Körperbildung, aber
bei fehlenden Decken, sehr kleine, nur 1'" lange, ungemein zierlich
gefaltete, metallisch glänzende Flügelchen, und unterscheidet sich
ausserdem von Proscopia durch fehlenden Pulvillus zwischen den
Klauen. A. chlor opterum von Chile hat grüne Flügel (ein Paar
Arten unserer Sammlung ebendaher haben stahlblaue Flügelchen).
Trigonopteryx v. Charpentier (Orthopt. T. 5), Sy Stella
Westwood (Arcan. Ent. T. 4 S. 11) nahe mit Truxalis verwandt,
der Scheitel ebenfalls thurmförmig, aber die Augen nicht an der Spitze
desselben; die Fühler ebenfalls schwerdtförmig. Die Hinterschienen
ebenfalls fein gezähnelt, die Decken an der breiten Spitze schräg
abgeschnitten. Hierhin S. Rafflesii Westw. von den Philippinen,
S. HopeiW. von China, und T. punct ata v. Charp., muthmaasslich
von Ceylon, aber, wie es scheint einerlei mit S. Hopei Westw.
V. Charpentier (Orthopt.) bildete ausserdem T. 13 Pamphagm
marmoratus Burm. ab, und T. 14 als neue Art Opsomala fas el-
eu lata aus Sicilien, welche indess schon von Marschall in den Ann.
d. Wien. Mus. Bd. I. als Gryll. cylindricus beschrieben ist. — White
(Grey's Reise II. S. 470) beschrieb Call tptamus b runneus , eine
neue A. vom König Georgs-Sund, und LeGuillou (Rev. Zool. S. 395)
fuhrt als neu auf: Acrydiuni Go hieri \on Amboina, Oedipoda
liturata von Viti, Oe. maculata von Mankassar, Oe. Pella-
rm i aus Nordaustralien.
262
Verlites. Diese Familie hat Pictet zum Gegenstande einer
umfassenden Monographie: ,,Histoire naturelle gen. et part. des In-
sectes Neiiropteres, prem. Monogr., Fam. des Perlides, Genev. et Pa-
ris, 1841" gemacht, von welcher die grössere Hälfte bereits erschie-
nen ist, über welche jedoch erst Bericht abgestattet werden kann,
wenn das Ganze vollendet vorliegt.
Jjibellulidae* Neue südeuropäische Libellen hat de Selys
Longchamps (Rev. Zool. S. 243) bekannt gemacht: Lihellula
nitidinervis aus Sicilien, h. rnbrinervis ebendaher, auch vom
Senegal, Xordafrica und Syrien, L. trinacria aus Sicilien, L. de-
pressiiiscula aus Italien und Südfrankreich, L. meridionalis aus
Sardinien und Sicilien, L. 7nacrocep hala von Sicilien, Gomphii s
Genei ebendaher, Platyc7iemis acutipennis aus Südfrankreich.
Eversmann (Bull. Mose. 1841 S. 35t T. 5) stellte als neue
Arten auf Libellula He llma?i?ii und fallax. Die letztere ist
L. caudalis Charp., die erstere die von Charpentier erwähnte Abän-
derung. Eversmann traf die erstere im Juni 1840 sehr häufig am
Glubokoje-See unweit Kasan, doch fast nur Männchen, die letztere
flog mit darunter, aber viel seltener, das Weibchen zwar auch we-
niger zahlreich als das Männchen, aber lange nicht in dem Missver-
hältniss wie bei der ersteren. (Charpentier hat seine Exemplare aus
Schlesien und von der ersteren nur Weibchen, unsere Sammlung be-
sitzt ein Männchen derselben aus der hiesigen Gegend.) — Äeschna
spectabilis (ebendas. S. 356 T. 6 F. 1, 2) scheint mir von Gomphus
serpentinus Charp. nicht verschieden zu sein.
Libellula Pedemontana ist von Wo hl fromm (Preuss. Prov.-
81. S. 564) auch in Preussen entdeckt worden.
Über das Eierlegen d^x Agrion forcipula hat v. Siebold in die-
sem Archiv (7. Jahrg. 1. Bd. S. 805) seine höchst interessanten Beobach-
tungen mitgetheilt.
]¥eMrofi»tera.
JEetnerohii. Eversmann (Bull. Mose. 1841 S. 358) hat zwei
Ml/r m e leon- Arten beschrieben, M. flavo?jiaculatus^ vom Cau-
casus und der unteren Wolga und M. tahidus von den Ilekzschen
Salzwerken. Der erste ist ohne Zweifel M. tetragramniicus F., der
zweite vielleicht nicht verschieden von M. murinus Kl., welcher sich von
Österreich bis Syrien und zum Vorgebirge der G. Hoffnung verbreitet.
Über die he\g\%Q\\en Herne robien hat We s mael (Bull. d. l'Acad
d. scienc. et bell, lettr. VIll. I. S.803) eine vortreffliche Arbeit mitge-
theilt. Hinsichts der heutigen Gattungen bemerkt der Verf., dass
Sysira und Drepanopteryx durchaus nicht bestimmt genug durch die
Zahl der Sectoren von Hemerobms verschieden seien, wo sie sehr
unbeständig ist (hier bei Berlin kommt ein kleiner Hemerob. vor, welcher
nur zwei Sectoren hat, bei andern Arten werden diese ziemlich so
zahlreich wie bei Drepanopteryx') -f der Verf. zeigt nun, dass Sysira
263
durch die Kürze des vorletzten Tastergliedes, DrepanojHeryx da-
durch von Eemerolius verschieden ist, dass die PJantuIa in einem
Paar Zähne endigt. Osmylus zeichnet sich auch durch mehrzähuige
Klauen aus. — \onChrysopa sind 9 Arten aufgeführt, welche nach
dem Flügelgeäder in zwei Abtheilungen gebracht sind. In der ersten,
nur C. perla enthaltend (es gehören aber noch mehrere exotische
Arten dahin), trifft der Theilungsnerv der dritten Cubitalzelle nicht
auf die nächstfolgende Zelle der vorliegenden Reihe, welches bei der
S. Abtheilung der Fall ist; zu dieser gehören Chr, canceUata, abbre-
viata Curt., und eine neue Chr. phyllochroma als solche, wo das
8. Fühlerglied schwarz ist, bei Ch?\ adspersa und 1 -punctata, zwei
neuen Arten, ist es blass, der Kopf hat aber schwarze Zeichnungen,
bei Chr. vittata^albaOl.Pz.Bnrm.?) und ciliata(prusinaB\irm.?)
ist auch er ungefleckt, endlich bei Chr. capitata (Hern. cap. Fab.)
sind die Fühler bis auf das Wurzelglied schwarzbraun. (Die Ein-
theilung ist sehr übersichtlich und es lassen sich auch die exotischen
Arten gut einreihen; eine 3. Abtheilung bilden noch solche, wo der
Theilungsnerv der 3. Cubitalzelle sich zwei divergirende Aeste spal-
tet und sie in 3 kleinere Zellen theilt: z. B. Chrysopa italica.') —
Auch Hemer ob ius ist in Abtheilungen und Unterabtheilungen ge-
bracht, welche die oft schwierige Bestimmung der Arten erleichtern:
l.Abth. Vorderflügel vorn an der Wurzel ausgebuchtet, zwei Stu-
fenreihen von Oueradern, letztes Tasterglied allmälig zugespitzt:
H, variegatusY. mit 3, H. intricatus neue Art, mit 4 Sectoren.
3. Abth., Vorderflügel vorn an der Basis gerundet, letztes Taster-
glied mit abgesetzter Spitze: 1 Unterabth., 8 Queraderu zwischen
dem ersten Sector und dem unterliegenden Ast des Cubitus: «.zwei
vollständige Zellen unter der Postcosta (7 Oueradern in der zwei-
ten Stufenreihe): H. humuU, und zwei neue Arten, H. maculatus
und limbortus^ haben 6 Oueradern in der ersten Stufenreihe, H.
uffinis, eine neue Art hat 7 in derselben, stimmt sonst mit Humuli
überein und ist vielleicht nur Abänderung; — b. nur eine vollständige
Zelle unter der Postcosta: H. inicaiis 0\. (JutescensV.) hat die zweite
Stufenreihe aus 7, H. ochraceus neue Art, nur aus 5 Oueradern
bestehend. — 2. Unterabth., 3 Oueradern zwischen dem ersten Sector
und dem darunter gelegenen Ast des Cubitus: H. nervosus hat 3 Se-
ctoren und 3 Oueradern zwischen dem ersten und zweiten Sector,
H. cylindrijies (Jdrtus Burm.) hat 4 Sectoren und 3 Queradern
zwischen dem 1. und 3. Sector, auch sämmtliche Schienen cylindrisch,
— 3. Abth., Vorderflügel vorn an der Wurzel in starkem Bogen vor-
tretend, 3 Stufenreihen von Queradern, 5 und mehr Sectoren: H.hir-
tus h. F. — Von Sysira ist S. fuscata, und eine neue Art, S. ni-
gripennis aufgeführt, welche durch braune, etwas kürzere und
weniger behaarte Flügel von der ersteren unterschieden wird. Von
Drepanopteryx und Osmylus die bekannten Arten.
Eine Monographie der Gatt. Nemoptera wurde von West-
264
wo od (Ann. of nat. hist. VIII. S. 376) der Ent. Soc. vorgelegt. Er
theilt sie auf ähnliche Weise als Burmeister in AJjtheilungen und Uu-
terabtheilungen. — 1. Abth., Vorderflügel sehr breite gefärbt, mit
doppelter oder dreifacher Zellenreihe im Analfelde. N. Petlveri
(Coa h. F., sinuata Ol. Kl.), Coquebertii (Coa Coq. Ol, Kl. Lusi^
tanica Bamb), bipennis Jllig. (Jusitunica Leach.). 3, Abth., Vorder-
flügel schmäler, mit einfacher Zellenreihe im Analfelde, a. Hinterflügel
gegen das Ende hin plötzlich erweitert: A'. externa Ol., dilatataVil.,
Foi'skalii {kalter ata Forsk.), harhara Kl., palUda Ol. — h. Hin-
terflügel ohne Erweiterung, entweder mit (iV. hacillaris KL, latipen-
nis Burni., angulata Westw., costalis AVestw., Olivieri {kalter ata
Ol» costata Kl.) — oder ohne Binde: N. setacea Kl., cajnllaris Kl,
aristata Kl., alba OL, fiUpennis, neue Art aus Ostindien. — Der Verf.
schreibt Nematoptera, mir scheinen dergleichen Verbesserungen nicht
glücklich zu sein, und man sollte sie nicht aufnehmen.
Panorpatae. Auch von dieser Familie hat West wo od der
Ent. Soc. eine Abhandlung übergeben (Ann. of nat, bist. A^III. S. 298),
die die Gatt. Panorpa speciell behandelt, von welcher 19 Arten
aufgeführt sind, 3 europäische {communis, germanica, und rufo^
Stigma, neue Art aus Albanien), 6 africanische, unter denen L,
appendiciilata vonMadras, Javanica von Java, angustipen-
nis von Java oder Tennasserim, und 10 americanische, unter denen
P. nehulos a^ venosa, confxisa ^ debilis und suhfurcattty
sämmtlich aus Nordamerica, neu sind. Hierauf folgt eine neue Gatt.
Euphania\ Kopf nicht versteckt, in einen massig langen Rüssel
ausgezogen. Fühler von Flügellänge. Flügel lang- eiförmig, die Vor-
derflügel mit erweiterter Costa ohne Zellen, die Längsnerven fast
wie bei Panorpa, die Klauen nur an der Basis sägeförmig gekerbt,
mit grossem Polster zwischen ihnen. E. luteola unbekannten \b.-
tevlanAes. — 3Ierope fMÄerNewm, erwähnt. — Endlich vier neue Arten
von Bit i actis: affinis aus Brasilien, punctiger aus Georgien
in Nordamerica, pallidipennis unbekannten Vaterlandes, pilicor-
nis aus Nordamerica.
II ^ 111 e 11 o |i t e r a.
Im Allgemeinen sind nur zu erwähnen die Bearbeitung
der auf seiner Reise in die Siidsee von Le Guillou (Ann. d.
1. Soc. Ent. d. Fr. X. S. 311) gesammelten Hymenopteren, im
Ganzen 30 Arten, und der Fortsetzung der Beschreibung
Cayennescher Hymenopteren voll Spinola (ebendas. S. 85).
Von den neuen Arten wird unten im Einzelnen Nachricht ge-
geben werden.
VentJiredinetae» West wo od hat in seinen Arcan. Entom.
F. 7 S, 83 interessante Beiträge zur Keantniss exotischer Tenthreden
265
geliefert. Er giebt eine Abbildung der Perga Lewisit aus Vandic-
ineDsIand, dann von einer neuen australischen Hylotoma, H. Schi-
zocera australis^ welche darin eine Unterabtheilung der Unter-
gattung ausmacht, dass, wie bei den typischen Hylotomen, eine cell,
marginal, appendiculata, und an den Hinterschienen Mitteldornen sich
finden. Endlich errichtet er noch zwei neue Gattungen:
Vachylota, von kurzer^ dicker Form, mit grossem, viereckigem,
plattem Kopfe. Fühler und Flügelgeäder wie bei Hylotoma, aber die
Beine dick, die Schienen ohne Mittel- und Enddornen, die Füsse
breit; die Maxillartaster nur 4gliedrig. P. Audoutnii, vermuthlich
aus dem tropischen Africa.
Dictynna (der Name ist schon an eine Spinnengattung ver-
geben), Flügelgeäder und metallische Färbung von Hylotoma, 2. und
3. Cubitalzelle nehmen jede einen rücklaufenden Nerven auf, dabei
9gl. Fühler und nur Enddornen an den Schienen, D. laeta aus
Vandiemensland.
Von New man (Entomologist S. 90) wurde unter dem Namen
Eurys eine Gattung aufgestellt, welche einerlei mit Dictynna W. ist,
wenn ich anders des Verf. Latein recht verstehe, "f) Die Axt, E.aera^
tus von Adelaide, ist von der Westwoodschen indess verschieden.
Ebendaher ist auch Perga bella Newman (Ebendas. S. 89.)
Die Naturgeschichte von ISetnatus grossulariae hat Rusticus
von Goldalming (Entomologist S. 148) ausführlich geschildert.
Ichneiunoniilae. Bei den Ichneumoniden ist für die Bestim-
mung der Arten, namentlich in Betreff der Geschlechtsverhältnisse,
von der Kenntniss der Lebensweise und Entwickelungsgeschichte
noch viel Aufschluss zu erwarten, daher haben alle hierauf sich be-
ziehenden Beobachtungen ein doppeltes Interesse. Boye (Kröyer's
Naturhist. Tidsskrift, III. S. 318) hat interessante Erfahrungen über
diesen Gegenstand bekannt gemacht. /. multiguttatus Gr. zog er
aus Puppen, welche der Noct. psi anzugehören schienen, das 9 war
I. centummaculatus Christ. — Tragus ulboguttatus Gr. erschien aus
den überwinternden Puppen der B. pudibunda im Juni, es zeigte sich
u. a. auch eine bemerkenswerthc Abänderung. — Eine verwandte
neue Art, Tr. affinis B. erhielt der Verf. aus einer nicht ermittel-
ten Puppe 5 wegen der blauen Farbe und der dreieckigen Mittelzelle der
Flügel, schlägt der Verf. eine besondere Gruppe Goedartia für
diese beiden und die verwandten Arten vor. — lehn, arctiventrisy
in Noct. Airae lebend, wird hier nach cf und 2 beschrieben. — /. mo-
*) Die Beschreibung der Fühler ist klar und stiramtmit der West-
woodschen, dann heisst es: „corpus brevis latus obesus; proalarum
radi-areola J, cubitareolae 4, quarum 2us et 3us nervuram recur-
rcutem emittent.'^ Ob die Radialzelle eine appendicea sei, darüber
fehlt die Angabe.
266
tatorius Gr. wurde cbcufalls aus N. Airac erhalten, aber auf 50 9
öur t zweifehafte cf. — /. stetiogaster, neue Art, auf blühen-
den Umbellaten sich findend. — Pimpla ste?'corator bestättigt sieh
als Q von P. flavipes Gr. — Mesoleptus testaceus Gr. entwickelte
sich aus Puppen von Tenthr. scalaris. — Anomalon ruficorne aus den
Puppen von Bomb. Coryli, ohne besondere eigene Puppenhülle.
Wesmael (Bull. dePAcad. roy. d. sc. de Bruxell. 1841 I. S, 360)
(heilt die BemerkuDg mit, dass Tryphon jiruinosus (^ Grav. das Weib-
chen zu seinem Euceros crassicoi^nis sei; er hat nicht die verdickten
Fühler, welche mithin nur Eigenthümlichkeit des Männchens sind.
Diese Euceros zeichnen sich vor den meisten übrigen Tryphonen
dadurch aus, dass sie kammförmig gezähnte Klauen haben. — Der
Verf. führt noch mehrere Fälle an, wo Gravenhorst die Geschlechter
Einer Art in verschiedenen Gattungen untergebracht hat: lehn, mon-
ticola ist ein Cryptus cT- lehn, lanius Gr. ist ein Ph3gadenon (^^
Ischnus porrectorius ist (/ von Crypt. assertoriiis^ Lissonota murina
Gr. ist identisch mit Exetastes albitarsus Gr. — Die Puppenhülle der
letztgenannten Art fand der Verf. aus fünf verschiedenen Schichten
zusammengesetzt.
Eine neuelchneumonen-Gattung, Osprynchot^tSy ist vonSpi-
nola (Guer. Mag. d. Zool. Ins. pl. 7-5) errichtet. Sie hat den Bau
und namentlich die Hinterleibsbildung von Ophionen, aber eine fünf-
eckige Mittelzelle im Vorderflügel, und zeichnet sich ausserdem durch
ein rüsselförmig verlängertes Gesicht aus. Der Legestachel der
Weibchen ist weit vortretend, von der Länge des Hinterleibes. 0.
capensis ist nicht selten am Vorgebirge der guten Hoffnung.
LeGuillou (Ann. d. 1. Soc. Ent. d. Fr. X, p. 302) stellt Pünplco
excavata als eine neue Art von Vandiemensland auf, sie ist aber
von Fabricius schon als Crjptus intricatorius beschrieben.
JBraconidae. Aus einem Boletus fuscus Pers. erzog Boye
(Kröjxr Nat. Tidsskr. IH. S. 315) unter einer grossen Anzahl von
Orchesia micans eine Ali/sta, welche er als Parasiten der Larve
jenes Käfers betrachtet, und als A. orchesiae beschrieben hat.
„Hymeuoptcra Britannica: Al^sia, auctore A. H. Haliday, 8. Fase.
Lond. 1841" ist mir noch nicht zugekommen. Nach Westwoods An-
zeige (Rev. Zool. S. 834) enthält es die Beschreibung von 40 Arten,
in die Untergatt. Acnone, Dacnusa^ Chorebus ^ Choenusa und (Joeli-
nbis vertheilt.
Xvaniales» Shuckard (Entomologist S. 45) hat diese Fa-
milie einer sorgfältigen systematischen Prüfung unterworfen, und
verschiedene, hierunter vereinigte Formen daraus entfernt. Er be-
schränkt die Farn. Eva7iiadae auf solche, wo die Einlenkuag des
zusammengedrückten und vom Hinterrücken abgesetzten Hinterleibes
bis dicht ans Schildchen hinaufgerückt ist. Hierhin Evania mit voll-
ständigem Flügelgeäder, — Brachygaster Leach, nur mit Basalzellen,
und diese vollständig geschlossen, mit E. minuia Ol. und einer neuen
267
Art, Br. x an t hops aus Brasilicu. — Hyptia JJI. (nicht Hyptiani)^
auch die Basalzellen nicht vollständig geschlossen, mit E. petiolata
Fab., und zwei neuen Arten, H. thoracica aus Nordcarolina, ru-
ficeps aus Brasilien. — Foenus.
Unter ^ex¥?ai\\\\t Aula cid ae, wo der Hinterleib einer die Hin-
terhüften überragenden Verlängerung des Metathorax angefügt ist,
vereinigt der Verf. Aulacus, Trigonalys und eine neue Gatt. Lyco-
gaster; letztere unterscheidet sich von Trigonalys darin, dass das
2. Bauchsegment des Hinterleibes nach hinten vorspringt, der haken-
förmig untergekrünimten Hinterleibsspitze entgegen stehend, mit
einer neuen Art, L. pullatus, aus Nordcarolina. Auch Trigonalys
ist mit einer britischen Art, T.Angllcana bereichert, welche aber von
der Tr. Hahnii Sp. nicht verschieden ist. Aulacus ist mit 4 Arten
vermehrt: A. niger aus Nordamerica, A. sig flatus von Ceylon^
A, lateritiiis und A. variegatus von vSydney in Neuholland.
Eine dritte, hier sich anreihende Familie Megalyridae bildet
die Gatt. Megalyru. Sie erinnert in mehreren Rücksichten au Orys-
sus, hat den Hinterleib dicht über den Gelenkpfannen der Hinter-
hüften eingelenkt, einen einzigen Enddorn an allen Schienen und einen
einzigen rücklaufenden Nerven.
Westwood legte derEnt. Sog. in London eine Arbeit über die-
selbe Familie und einige derselben verwandte Gattungen vor, von
welcher in den Proceedings derselben (Ann. of nat. bist. VII. S. 535)
eine vorläufige Nachricht gegeben ist. Sie verspricht eine grosse Berei-
cherung unserer Kenntniss. Es werden aufgeführt die Gatt. Evania
(mit Einschluss von Brachygaster und Hyptia, 24 A. enthaltend, dar-
unter 5 neue: E, princeps aus Neuholland, Ahyssinica (einerlei
mit E. dimidiata Spin.), E. Tasmanica aus Vandiemensland, E.
Javanica von Java, E. {Brachyg.^ bicolor, unbekannten Vater-
landes. — Pelecinus. — Monomachus Kl. (s. u. die Fam. Pro-
ctotrupii). — Foenus, mit 7 neuen Arten: F. Esenb eckii aus
Dcu(schland, Guildingii aus Westindien, ri^o;\va//f unbekannten
Vaterlandes, terminaUs^ unguiculatiis ^ D arwinii,rufus aus
Ncuholland. — Aulacus mit 10 neuen Arten: A.obscuripennis aus
Polen, Erichsonii aus der Berliner Gegend, thoracicus vom Cap,
stephanoides aus Brasilien, hyalinij)ennis von Mexico, ater,
Abbotii aus Nordamerica, rufus, ein gulatus, apicalis aus
Ncuholland. — Megalyra. — Trigonalys^ mit 2 neuen Arten Tr.
obscura aus Surinam (ist Sphex depressa Degeer) und Tr. Ser-
villei, ohne Angabe des Vaterlandes. — - Endlich Stephanus mit
2 neuen Arten, St. bicolor aus Georgien und St. Indiens von Ma-
labar. — Lycogaster Shuck. hält Westwood für das Männchen einer
Trigonalys-Art, und sicher mit Recht, ich zweifle aber, dass wir
überhaupt schon Weibchen kennen. Die Bildung des Hinterleibs ist
nach den Arten verschieden: eine unbeschriebene Art unserer Samm-
lung hat die Bildung von Lycogaster, indem das 2. Bauchsegment
268
nach hinten vorgezogen ist, bei einer anderen tritt das 3. Bauch*
segraent nach hinten vor, bei den übrigen hier vorhandenen Arten ist
der Bauch einfach. Was die Verbindung der Gatt, mit Aulacus be-
trifft, so stimmt dieselbe mit meiner Ansicht über die systematische
Stellung dieser etwas abnormen Gattung nicht überein, ich glaube,
dass sich eher eine Beziehung zu den Oxyuren nachweisen lassen
«lögte.
Le Guillou (Ann. d. 1. Sog. Ent. d. Fr. X. S. 311) beschrieb
Evania affinis als neue Art von den Schifferinseln (Hamoa).
Cynipsera* Zur Kenntniss der Gallwespen hat Hartig
(Germ. Zeitschr. S. 324) einen neuen Beitrag zur Vervollständigung
des ersten (S. Jahresber. f. 1839 d. Arch. VI. Jahrg. 2. Bd. S. 278)
gegeben. Er führt zuerst die früher schon angedeutete Ansicht wei-
ter aus, dass die echten Gallwespen z. Th. androgj-nisch seien, und
sucht sie auf anatomischem Wege zu begründen. Es ist indess gegen
Darstellung und Deutung des Verf. manches zu erinnern. Die Eier
werden dargestellt als lose in derHinterleibshöhle, ohne Verbindung mit
dem Eierstock liegend: das ist nicht der Fall, sie sind, wie bei allen
andern Insecten, in Eiröhren eingeschlossen, welche in den Eileiter
münden. Der Verf. stellt ferner einen keulenförmigen Eierstock dar, an
der Spitze mit fadenförmigen Fortsätzen, nach seiner Deutung die
sich bildenden Eier: es ist dies Organ der kurze keulenförmige Darm
mit den Gallengefässen, von der zarten Speiseröhre getrennt. End-
lich bildet der Verf. einen im Grunde des Hinterleibs gelegenen zwei-
theiligen Beutel ab, welcher eine körnige Flüssigkeit enthielt, und
in diesem glaubt er die männlichen Geschlechtstheile zu finden: mir
ist dies Organ zweifelhaft, und jedenfalls felilt der Beweis, dass die
darin enthaltene Flüssigkeit Samen gewesen sei, da die Anwesenheit
der Spermatozoen nicht nachgewiesen ist. Durchaus naturgetreu ist
aber die Darstellung der Eier, deren merkwürdige Bildung zu den
interessantesten Erscheinungen in der Physiologie der Insecten gehört.
Interessant und wichtig wäre es, diese Untersuchung fortzusetzen,
und zu erfahren, ob diese Form der Eier nur bei den Gallerzeugern
vorkäme, wie sich die Inquilinen in dieser Beziehung verhalten, und
wie endlich die Parasiten. Der treffliche Verf. hat sich in diesem Puncte
ein grosses Verdienst erworben, zu den reichhaltigsten Forschungen
ein weites Feld eröffnet zu haben.
Im systematischen Theil seiner Bearbeitung hat bei vermehrter
Artenkenntniss die frühere Gattungseintheilung sich vollkommen ausrei-
chend gezeigt, der Verf. sucht also hier sie noch fester zu begrün-
den, namentlich auch in Rücksicht auf das Flügeläder, von welchem
hier verschiedene Formen durch Abbildung erläutert sind. Die Zahl
der Arten ist theils durch eine Anzahl neu bekannt gewordener be-
trächtlich vermehrt, theils sind die Charactere der schon früher auf-
geführten vervollständigt worden, endlich ist die Übersicht über die
269
Arten umfangreicher Gattungen durch synoptische Darstellung ihrer
Merkmale ungemein erleichtert worden,
Chalcididae* Eine wichtige Schrift für die Kenntniss dieser
umfangreichen Abtheilung der Hjraenopteren ist Arn. Förster's
„Beiträge zur Monographie der Pteromalinen, 1. Hft. Aachen 1841.''
Das Studium der unbedingt interessantesten Insectenordnungj der
Hymenopteren, würde bei uns weit mehr Aufnahme finden, wenn der
Anfänger durch iustructive Werke hineingeleitet würde. Wenn eine
so umfassende Bearbeitung, wie wir sie durch Meigen für die Dipte-
ren besitzen, für die Hymenopteren nicht vorhanden ist, so ist es um
so wichtiger, dass einzelne Parthien in besonderen Monographien er-
läutert werden. Der Verf. hat sich eine der schwierigsten gewählt.
Eine besondere Erleichterung des Studiums gewährt diese Arbeit da-
durch, dass sie die von Nees v. Esenbeck aufgestellten Gattungen durch
Abbildungen kenntlich macht. Sonst enthält sie Nachträge zu Nees
V. Es. Werke über die Ichneum. adsc, nämlich nicht weniger als 264 neue
Arten vonPteromalus, deren Auffinden durch eine vorangestellte Tabelle
möglich gemacht ist, 8 A. von Eurytotna, 25 von Torymus, 1 von Etipelmus,
11 \oiiCleonymus, eine neue Gatt. Ft er o?ico?na, welche indess mit
Platynocheilus Westw. identisch ist, und von Walker mit unter Ste-
nocera begriffen wird, mit 1 neuen Art, Tetracampe, ebenfalls
neue Gatt., mit 2 Arten, ferner 4 Arten von Phacostomus , %^ von
Chrysolampiis ^ Dicormus, Sp haeripaipus,zwei neue Gatt, mit je
lArt, 16 Arten von Elachestus, eine neue Gatt. Stenophrtis, mit
1 Art, 35 Arten von EulophnSj 11 von Myitia, 5 von Gonatoce?'us^
1 von Aneure, 3 von Eutriche, 1 von Ceraphrony 1 von Hadro ce-
rus (so nennt der Verf. Callicerus Nees v. E., um die Collision mit
Callicera zu beseitigen), eine neue Gatt.. Lugynodes mit 1 Art,
endlich je 1 Art von Teleas., Frosacantha., und Flatygaster. Schade
dass dem Verf. die Arbeiten der Engländer über diese Hymenopte-
ren-Abtheilung, namentlich die leider sehr zerstreute Monographie
von Walker noch nicht bekannt waren, ohne Zweifel wird uns
der Verf. in der Fortsetzung seines Werkes gründliche Beurtheilun-
gen der britischen Arbeiten geben.
Die Verwandlung von Chulcis ist von Leon Dufour CAnn.
d. 1. Soc. Ent. d. Fr. X. p. 11 pl. 1 f. II.) erläutert worden. Latreille
bemerkte schon, dass die Arten mit ungestieltem Hinterleibe (Bra-
chymeria Westw.) sich gern auf E«cremente setzen, der Verf. er-
zog Ch. Fonscolomhei aus den Puppen der Sarcophaga haemorrhoi-
dalis. Dadurch aufmerksam gemacht, besetzte er Fleisch mit eben
aus dem Mutterleibe genommenen Maden derselben, es kam auch noch
eine Lucilia hinzu, welche ihre Eier auf dasselbe Fleisch ablegte,
«nd als dieses recht stinkend geworden, fanden sich viele der ge-
nannten Chalcis und Ch. minuta ein, welche deutlich ihre Eier in die
Fliegenmaden legten. Bei Öffnung der Fliegenpuppen fand der Verf.
die Chalcis in ihren früheren Ständen. Die Larve ist fusslos, rundlich
270
eiförmig, mifc 13 stark gesouderten Segmenten ausser dem Kopfe,
porzelan -weiss, glänzend, glatt, gekrümmt; der Kopf ist in das
1. Segment eingesenkt und zeigt ein Paar äusserst feiner Mandibeln.
In jeder Fliegenpuppe befindet sich nur immer eine Chalcis-Larve.
Ausgewachsen bleibt die Larve gegen 9 Monate unverändert im le-
thargischen Zustande, und wird erst im folgenden Sommer zur Nymphe.
Diese bleibt 15 Tage weiss, dann färbt sie sich in 5 Tagen, legt die
Nymphenhaut ab, und bleibt noch 3 Tage unbeweglich, ehe sie zum
Vorschein kommt. Die oben erwähnte Ch. Fonscolombei ist die
von Rossi und Bo3'er de Fonscolombe als Ch. podagriciC F. aufge-
führte Art, welche von der ostindischen und zugleich über einen
grossen Theil von Africa verbreiteten Ch. podagricaF. bei genauerer
Vergleichung einige Unterschiede, namentlich in den Fülilern zeigt.
Walker (Entomologist S. 133, 817) hat eine Anzahl exotischer
Arten beschrieben: Mai'res ist eine neue Gattung, mit Leucospis in
der Form der Beine und dem Flügelgeäder übereinstimmend, mit 14 Zäh-
nen an den Hinterschenkeln: M. Dlcomas vom Gambia; iexnex Leu-
cospis atra F. aus Africa, Smiei'a maculata F. {C/ialc.) aus Nord-
america, SfJi.Accila, Enyo^Masus aus Brasilien, ChalcisTeuta
aus Vandiemensland, Ch. Polyctor vom Cap, Ch. Lasus von Cal-
cutta, Ch. Mnestor und Augurus aus Brasilien; Phasgono-
jihora Silicat a Westw. (An. Kingd.) aus Georgien in Nordamerica
und PÄ. CondaluSy neue Art aus Brasilien.
Eine zweite Art der Gatt. Lycisca Spin. (S. vorigen Jahres-
bericht S. 803) bildete Westwood (Guerin. Mag. d. Zool. 1841. Ins.
pl, 48) als L. Romandi ab. Es ist ein für diese Familie ansehnli-
ches Insect aus Cajenne und Brasilien.
IProctotrupü' Eine monographische Bearbeitung der Galt:
Pelecinus hat Klug in Germars Zeitschr. f. d. Ent. (III. S. 377 T. 3)
gegeben. Der lange bekannten, fast über ganz America verbreiteten
Art, P. Polyturator (Ichji. jiolyt. Drury, P. imlycerator Fab.), von
welcher drei Abänderungen, mit pnnctirtem und glattem Schildchen
(erstere in Nordamerica und Mexico, letztere in Brasilien) und mit
braunen Beinen (in Columbien) unterschieden werden, reihen sich P,
dichrousVexiyy und drei neue, P.rufus aus Brasilien, thoracicus
ausMexipo, annulatiis von Montevideo an. — Den P. clavato?' der
Encycl. verbindet Kl. als Männchen mit P. polyturator, Latreille's
P. clavator ist aber nach Spino-la) Rev. Zool. 1841 S. 196, Mag.de
Zool. 1S48. Ins. pl. 93) ein anderer und zwar das Männchen des P.
dichrous Perty, von dem Spinola noch a. a. 0 das Weibchen unter
dem Namen P. clavator beschreibt und abbildet. Von einer 6. Art
P. Guerhiti Rom. aus Columbien, giebt ders. (ebeudas.) Beschrei-
bung und Abbildung des noch unbekannten Männchen. — Diesen hat
De Romand (Rev. Zool. 1841 S. 195, Mag. d. Zool. 1842. Ins. pl. 86)
zwei neue Arten hinzugefügt: P. Dirponchelii, aus Columbien,
wahrscheinlich einerlei mit P. polj^turator var. c. Kl. und P. Spi-
271
nolae ebendaher, ein einzelnes Männchen, vom vorigen da-
durch unterschieden, dass der Hinterleibsstiel vor der Mitte nicht
verdickt ist.
Die Verbindung zwischen Pelecinus und Proctotrupes vermittelt
die Qf2iit. Monom ac hu s K\.y von welcher West wo od (Ann. of uat.
hist. VII. S. 536) Nachricht gegeben hat. Der Hinterleib ist beim cf
keulförmig, beim 2 lang und gebogen, in der Mitte etwas aufgetrie-
ben, Fühler beim (^ 14-, beim 9 15gl., Vorderflügel mit 1 Rand- und
2 Unterrandzellen. Hierhin gehört Pelec. fuscator Perty und 3 von
Westwood characterisirte Arten aus Brasilien, M. Klugü, la-
teralis^ segrnentator.
€rahronitla€. Spinola (Ann. d. 1. Soc. Ent. d. Fr. X. S.115
— 180) beschreibt folgende neue Arten aus Caj^enne: Hoplistis
scutellariü, cayeiinensis^Cerceris binodis^dilatata, cri-
brosa, Philant lius petiolatus. Hinsichts des letzten berichtigt
der Verf. noch (ebendas, S. 309), dass er identisch sei mit Trachy-
pus GomesüKl., und meint, dass Klug wohl leichtes Spiel gehabt
hätte, Tracb3'pus von Mellinus zu unterscheiden, dass sich aber von
Philanthus schwerlich Unterschiede finden mögten. Mir scheint die
Gatt. Tracliypus sehr natürlich, und sie hat ein ausgezeichnetes Merk-
mal darin, dass der Enddorn der Vorderschienen gabelförmig ist. Die
hiesige Sammlung besitzt zur Zeit 14 Arten. Dass die Spinola'sche
Art zu Trachj'pus gehöre, leidet keinen Zweifel, dagegen habe ich
Bedenken, sie mit Tr. Gomesii zu vereinigen.
Leon Dufour (Ann. d. scienc. nat. XV. S. 353) macht uns mit
der Üconomie einer neuen, der C. ornala verwandten Art von Ce?'-
ceris bekannt. Er nennt sie C. hwpresticida, weil sie aus-
schliesslich Bupresten einträgt. Sie baut auf einem festen Boden
einen Gang von 7 — 8", der im Anfange eine Biegung macht, um
später senkrecht abzusteigen. Er ist immer weiter als der Körper
der Wespe. Am Ende legt sie 5 besondere Zellen für die Brut an,
jede gross genug, um drei Bupresten aufzunehmen. Die Bupresten
waren B.Sguttata, bifasciata, p?^imz) tarda, b/gutt ata, micans^ ßavo-
maculata^ chrysostigma , ^maciilata. Die Käfer waren von vorzüg-
licher Frische, und noch vollkommen weich, durch anatomische Unter-
suchung überzeugte sich auch der Verf., dass sie erst eben aus der Puppe
gekommen waren. Er spricht die Vermuthung aus, dass die Wespe den
Moment abpasse, wo die frisch ausschlüpfende Buprestis eben sich
hervorbohrt, um sie durch einen Stich in die Kehlhaut zu tödten.
Dies scheint um so wahrscheinlicher, als sich oft der Kopf wie luxirt
zeigte. Vielleicht geschieht das Tödten auch durch einen Bias. Dann
fliegt die Wespe mit der vollkommen leblosen Buprestis, welche viel
grösser als sie selbst ist, zu Neste. Der Verf. verschaffte sich durch
Ausgraben der Nester zahlreiche und schön erhaltene Exemplare der
seltensten Arten, wie Agril. bifasciatus und pruni. Er führte einen
Grashalm in den Gang des Baues ein, grub das Nest aus, und Hess
272
sich dann von dem Halm an die die Käfer enthaltenden Zellen der Brut
leiten. Die oben genannte Art ist nach allen Ständen beschrieben.
Ijarridae, Spinola (a. a. O. S. 111— 114) beschreibt die
Cayennischen Arten: Lyrops Leprienri, chi-ysopyga^ Larra
distinguenda, ISysson margiiiatus, Oxybelus america-
nus. — Le Guillou (ebendas. S. 380) bereicherte Ptso?i mit einer
neuen Art P. Lepelletieri aus Nord-Australien.
V. Siebold hat in einer kleinen Gelegenheitsschrift (Observ^a-
tiones quaedam entomologicae de Oxvbelo uniglumi atque Milto-
gramma conica, Erlang. 1841) eine höchst anziehende Schilderung
der Lebensweise des Oxybelus unighwiä, namentlich in Bezug auf
seine Fortpflanzung gegeben. Die Nester werden in der Erde, an
sandigen, sonnigen Stellen angelegt und zwar dauert die Beschäfti-
gung damit vom Mai bis zum Ausgang des Sommers, woraus der
Verf. auf mehrere Generationen im Jahre schliesst. Mit dem Nester-
bau beschäftigen sich nur Weibchen, und zwar befruchtete, denn
bei allen solchen fand sich die Samentasche voll von lebendigen Sper-
matozoen.*) Die Nester bestehen in 2 — 3" langen Gängen, jeder für
eine Larve. Sie werden mit den Yorderfüssen gegraben, während
die hinteren Beine den Körper stützen j wenn sie tiefer eindringen,
wird der Sand mit dem Hinterleibe herausgeschoben. Die Zahl der
Nester, welche jedes Individuum gräbt, ist noch unbekannt, viele kön-
nen es aber nicht sein, weil die Zahl der Eier gering ist, denn jeder
Eierstock hat nur 3 Eiröhren, und jede derselben enthält nur 1,
höchstens 2 entwickelte Eier. Zur Nahrung für die Larve werden
verschiedene Fliegen, seltener Dolichopoden eingetragen, und, wie
man es auch bei andern Wespen als Regel findet, in jedes Nest
immer nur Individuen einer Art, ja was noch mehr ist, nur Männ-
chen. Der Verf. fand Anthomyia dentipes, lepida, platura, ciliata,
leucostoma, Ephydra riparia, Lonchaea Chorea, und Dolichopus ungu-
'') Der Verf. bemerkt, dass bei der Mehrzahl der Hymenopteren
die Samentasche ein kleiner Behälter ist, welcher mit einem kleineu
Gange an der hinteren Seite des gemeinschaftlichen Eierleiters mün-
det, häufig sehr klein, und immer so von Fett umgeben, dass sie
leicht übersehen werden kann. Abweichungen bei verschiedenen
Hymenopteren betreffen meist die Anhangsdrüse der Samentasche,
welche, in der Regel paarig, mit einem gemeinschaftlichen Ausfüh-
rungsgange sich in den Gang der Sameutasche öflnet. Beim Odyne-
rus quadratus mündet er in die Samentasche selbst, beim Nj^sson
trimaculatus ist die Anhangsdrüse einfach. — Ganz abweichend ist
die Bildung bei den Tenthreden, wo sich an der Scheide ein Paar
blinddarmähnlicher Anhänge finden, welche nach der Begattung mit
Spermatozoen angefüllt sind, und welche an den Bau bei den Libel-
len erinnern.
273
latus in verschiedenen Nestern vor. Nur zweimal traf er ein Nest
mifc verschiedenen Arten von Fliegen, und unter diesen auch weib-
liche Individuen. Die Fliegen fängt der Oxybelus durch Überfall,
wendet sie auf den Rücken, sticht seinen Stachel in den Hals, und
fliegt so mit der Fliege davon, der die Flügel auf der Stelle gelähmt
sind und die mit den nach oben gekehrten Beinen sich nicht wider-
setzen kann. So wird die Fliege nicht zwischen den Hinterbeinen,
sondern auf dem Stachel gespiesst zu Neste getragen, der vorsich-
tiger Weise verschüttete Eingang desselben geöffnet, die Beute ab-
gelegt und Jagd fortgesetzt. Wie es unter die Bienen sogenannte
Räuber giebt, so auch unter denOxybelen: diese Räuber passen den
eintragenden Weibchen auf, entreissen ihnen die Beute in dem Augen-
blick, wo sie sie in ihr Nest ziehen, und ehe die Beraubte sich aus
dem über sie geschütteten Sande hervorgearbeitet hat, ist die Räube-
rin verschwunden, und hat die geraubte Beute in ihr eigenes Nest
getragen. Über die Nachstellungen der Miltogrammen s. u.
^phegidae» Westwood (Ann. ofnat. hist. VH. S. 152) machte
ein Paar neue Gattungen aus dieser Familie bekannt:
Trirogma, mit Dolichurus verwandt, Männchen mit faden-
förmigen Fülllern fast von Körperlänge, einem Stirnhöcker, dreiring-
ligem Hinterleibe, gespaltenen Klauen: T. caerulea aus Nordindien.
Aphelotoma, mit Ampulex verwandt, mit breitem Kopfe, vorn
und hinten sehr verschmächtigtem Mittelleibe, kurzen Flügeln, mit
1 einfachen Marginal- und 4 Submarginalzellen, von denen die erste
appendiculirt ist, und mit unbewehrten Beinen: A. Tasmanica von
Vandiemensland.
Ders. (ebendas. S. 435) bemerkte, dass die Namen Chlorion und
Ampulex völlig synonym seien, indem Latreille zwar Chi. lobatum
als Gattungstypus aufgeführt, die Charactere aber vom Chi. covi-
presmm entnommen habe, welches Jurine später \miev Ampulex
begriffen. Von dieser Gattung sind zwei neue Arten beschrieben,
Chi. (^Amp.) cyanipes Westwood (a. a. O. S. 152) vom Vor-
gebirge der guten Hoffnung, und Arny. angusticollis Spinola
(Ann. d. 1. Soc. Ent. d. Fr. X. S. 108) von Cayenne, bis jetzt die
einzige aus der neuen Welt bekannte Art.
Saunders (Transact. of the Ent. Soc. of Lond. HI. S. 58 T. 5
F. 1) hat eine prachtvolle Art aus Vorderindien unter den Namea
Pronaeus Campbelli abgebildet: rothbraun mit blauem Hinter-
leibe, lichtbraunen Flügeln mit dunkler Spitze; es ist richtiger ein
Chlorion F. (typ. Chi. lobatum F.)
Templeton's (ebendas. S. 5Q)Sphe'x aurocapillus^ aus Bra-
silien ist Sph. auriflua Perty. — Neu ist noch Sphex coeruleacens
Le Guillou (Ann. d. la Soc. Ent. d. Fr. X. S. 330) von Borneo.
Ammophila TydeitiQ Guillou (a. a. 0. S.3I9) von Tene-
riffa ist auch über das ganze südliche Europa verbreitet, war von
Hoffmannsegg A. psammodes benannt,
Archiv i". Naturgeschichte, VIU. Jahrj», ßd. 2, S
274
Sinith (Ann. of nat. hist. VII. S. 148) zeigle iu der Londoner
Ent. Soc. Individuen von Miscus canipestris xmA Affunophiia vulgaris,
welche er in Copula gefangen hatte, und betrachtet auf diesen Grund
die ersten als Abänderung der letzteren, jedoch schwerlich mit
Recht.
Pepst's vermehrte Le Guillou (a. a. 0. S. 349) mit P. fulvi-
jiennis aus Chile, Spiuola (a. a. O. S. 104) mit P. v iridis et osa
aus Cayenne.
Pamjiilus bereicherte Spinola (a. a. 0. S. 106) mit P. bitu-
berculattiSt varicornis , compressus ebenfalls aus Cayenne.
Über P. femoratus F. bemerkt er, dass die ihm vorliegenden cayenni-
schen Exemplare von dem Typus, wie er in Brasilien vorkommt, darin ab-
weichen, dass auch Schienen und Füsse roth sind (ob auch wirklich die-
selbe Art?). Zugleich macht er darauf aufmerksam, dass dem P. feraora-
tus die Borstenreihe an den Vorderfüssen fehlt, wie bei Ceropales, und
da daraus erhelle, dass das Thier nicht gräbt, hält der Verf. es für
Böthig, ihm eine eigene Gatt. Awplopus anzuweisen. Schiödte hat
für diese Pompili ohne Borsten an den Vorderschienen und ohne Dor-
nen an den Hinterschienen schon die Gatt. Agenia errichtet (ß. Jah-
resber. f. 1837, dieses Arch. IV. Jahrg. II. Bd. S. 244). Die Erfahrung
bestättigt indess nicht, dass durch diesen Mangel eine wesentliche
Abweichung in der Lebensweise bedingt werde (S. Westwood. In-
trod. II. S. 187).
^colietae» Passerini fvergl. Rev. Zool. 1841 S. 239, 356,
1842 S. 225) hat seine Beobachtungen über die Entwickelungsgeschichte
der Scolia ßavifrons (vergl. Jahresb. f. 1839, d. Arch. G. Jahrg. 2. Bd.
S. 280) fortgesetzt und zuletzt die Sacke ziemlich ins Reine gebracht.
Die Scolia legt ihr Ei an eine erwachsene Nashornkäferlarve, die
junge Scolienlarve zehrt sie aussen ansitzend und nur mit dem Vor-
derende des Körpers eindringend aus, wächst in wenigen Tagen her-
an, und spinnt sich dann einen Cocon neben der ausgezehrten Larve.
Der Verf. hat die Scolie in allen Zuständen, als Ei, in allen Larven-
altern u. s. w. beobachtet. Die Nashornkäferlavve war immer paral^sirt.
Über die Gatt. Tiphia theilte Spinola (a. a. O. 8.98) bei der
Beschreibung einer neuen Art, T. Cayennensis^ aus Cayenne, und
zweier, T. fla v ip e n n is und nihil ah ris aus Californien, einige all-
gemeine Bemerkungen mit, besonders über die Geschlechtsdifferenzen.
Er zeigte namentlich, dass beim Männchen der Metathorax kürzer sei,
und fi\nd Schwierigkeit die Thatsache zu erklären. Mir scheint die
Sache so anzusehen zu sein: Das Volumen der Thoraxsegmente ist
durch die in ihnen enthaltene Muskelmasse bedingt: bei den weib-
lichen Tiphien sind die Hinterschienen kräftiger und zum Graben
eingerichtet, sie haben also auch stärkere Muskeln, diese liegen im
Metathorax, daher dessen grössere Ausdehnung.
Vhynniil-ae» In dieser Familie sind zwei neue Gattungen
errichtet. Oncorhimis Shuckard (in Grey's Reise H.) unterscheidet
275
sich von dem eigentlichen Thynnus kaum anders als durch grösseren
Kopf und längere, dickere Fühler: 0. xanthosinlos ^ ein stattliches
Insect vom König Georgs-Sund.
Jtnblysoma Westwood (Guer. Mag. d. Zool. 1841 Ins. pl. 80)
nahe an Scotaena stehend, aber der Hinterleib kurz, eiförmig, kleiner
als der Thorax, an der Spitze unbewehrt, Flügelschuppen gross,
Beine lang, Klauen vor der Spitze mit einem Zahn. Mandibeln vorder
Spitze mit einem sehr grossen, abgeschnittenen Zahn. Die übrigen
Mundtheile nicht beobachtet. A. Latreillei^ aus Brasilien.
Von der schon 1835 in den Proceed. zool. Soc. aufgestellten
Gatt. A?iodo?it?/ra gab Westwood (ebendas. pl. 81) eine sehr schöne
Darstellung. Mit Scotaena zunächst verwandt, aber gedrungener,
mit kürzeren Fühlern, nicht abgesetzten Hiuterleibssegmenten, unbe-
wehrter Hinterleibsspitze, zwischen den Mandibeln vortretendem
Kopfschilde, auch sind die Verhältnisse der Maxillartasterglieder ab-
weichend, indem hier die drei ersten Glieder kurz und nur die drei
letzten gestreckt sind. Die einzige bis jetzt bekannte Art ist A. trU
color Westw. aus Cliile.
JSEutillariae» Eine Reihe neuer cayennischer Arten von Mu-
tilla beschrieb Spinola (a. a, O, S. 85): M. argyra.) melana,
%onata^ hitaeniata , rectanguluyn, incerta, singularis.
Die erste ist jedenfalls M. sphegea F. Das Bedenken, welches der
Verf. darin findet, dass F. diese mit seiner M. collaris vergleicht,
welche eine Scolia sei, scheint auf einer Verwechselung mit Tiphia
collaris F. zu beruhen, welche eine Scolia ist; Mutilla coli. F. ist
eine männliche Mutilla. Der Verf. macht bei dieser Gelegenheit auf
die Verschiedenheiten aufmerksam, welche bei den Mutillen-Männchen
im Flügelgeäder vorkommen: 1) Bei der Mehrzahl sind 1 oder 2 Ra-
dial-, 4 Cubitalzellen, von denen die 2. und 3. jede einen rücklau-
fenden Nerven aufnimmt. So M. europaea, italicay und viele andere
aus allen Localitäten. — 2) Bei andern noch 4 Cubitalzellen, aber
nur ein rücklaufender Nerv, von der 2. aufgenommen. Selten 2 Ra-
dialzellen. Dritte Discoidalzelle oft otfen: M.orjiatu, notata, vestita
Kl. — 3) Nur 3 Cubitalzellen, die 2. den rücklaufenden Nerven auf-
nehmend: M. trlareolata, neue Art aus Sicilien. — 4) Eine schmale,
lange, bis zur Flügelspitze reichende Radialzelle, 2 Cubitalzellen, die
1. klein, viereckig, die 2. sehr lang, schmal, unvollständig, die beiden
rücklaufenden Nerven aufnehmend: M. scutellaris KI.
Vortnicuriae» Le Guillou (a. a. O. S. 313) stellte eine
Reihe neuer Ameisen auf: Formica arm ata von den Philippinen
(scheint F. carinata F. zu sein), grisea von Neuguinea, affinis
von Borneo', Amyotl von Nordaustralien, arcuata ebendaher und
von Borneo, rubigiiiosa won Borneo, j>allens von den Freund-
schafts-Iuseln (Vavao); Ponera araneoides von den Salomons-
Inseln, P. bispuiosa von den Molukken (Tcrnate), P. rngosa von
Borneo,
276
Saunders (Transact. of the Eot Soc. of Loud. III. S. 57 T. 5
F. 2) stellte eine neue Gatt. Myrmecaria auf. Es ist das Manu-
ellen einer Atten-Form (mit Sknotigem Hinterleibsstiel und — wie die
Abbildung zeigt — ohne Enddornen an den Schienen), von den eigent-
lichen americanischen Atta-Männchen dadurch verschieden, dass das
erste Fühlerglied nicht stark verlängert und stielförmig, sondern nur
von der Länge des 3. Gliedes ist. Die Vorderflügel haben ein deut-
liches Stigma, 1 Radial-, 2 Cubital- und 1 Discoidalzelle. M. hrun-
neu, neue Art aus dem nördlichen Indien.
Von grossem Interesse sind Märkel's „Beiträge zur Kenntniss
der unter Ameisen lebenden lusecten" in Germ. Zeitschr. III. S.203.
Man ist in neuern Zeiten mit einer Anzahl von Insecten bekannt
geworden, welche sich z. Th. beständig in den Ameisennestern auf-
halten, und von den sonst so unduldsamen Ameisen gelitten werden.
Ausser Claviger und Pselaphen der Gatt. Batrisus sind es haupt-
sächlich Staphjlinen, namentlich Aleocharen, einige Hister, Monotoma,
und die Gatt. Myrraechixenus u. s. w. , welche man als beständige
Bewohner der Ameisennester angetroffen hat. Der Verf. richtete eine
besondere Aufmerksamkeit auf die Gäste der Ameisen, und der Schwie-
rigkeit, sie aufzufinden, da sie sich beim Nachsuchen leicht in den
Labyrinthen des Ameisenbaues verbergen, wusste er dadurch zu be-
gegnen, dass er Sandsteine mit rauher ünterfläche auf den Ameisen-
haufen legte, welche, namentlich nach sanftem Regen und bei bedeck-
tem Himmel jenen Insecten zum Versammlungsort dienten, und
gestatteten, sich ihrer in grösserer Zahl zu bemächtigen, ohne die
Ameisencolonie zu zerstören. Die vorliegenden Beobachtungen be-
ziehen sich auf die Gäste der Form. rufa. Diese werden in drei Klas-
sen getheilt: 1) solche, welche nur ihre früheren Zustände in Amei-
sennestern verleben {Cetonia mir ata, Clythra \signatci) — 2) sol-
che, welche nicht ausschliesslich in den Nestern wohnen, aber von
den Ameisen geduldet werden (die o. S. 211 schon genannten Sta-
phyUnen und Oniias mollicomus) — 3) solche, welche ausschliesslich in
den Ameisennestern wohnen und deren Existenz von der der Ameisen
abzuhängen scheint. Solche sind: Myrmedotüa Umhata, humeralis,
ftmesta, higens^ fulgida, Homalota ßavipes, anceps, Oxypoda formi-
ceticola, myrrnecophila, AleocJiara ungtdata, Dinarda dentata, Lome-
chnsa striitnosay paradoxa, emurginata^ Leptaciitus formicetorum,
Quedius hrevis, Stenus aterrimus, Cryptophagus glaher GyW. Hetae-
?ius quadratus, Dendrophilus pygmaeus^ Saprmus piceus, Mojioto??ia
conicicollis Aube. Ausser diesen Coleopteren bemerkte der Verf. ver-
schiedene Dipteren, überhaupt in Insecten anderer Ordnungen, und selbst
eine Art von Spinnen, welche sich beständig in den Gängen der
Ameisen finden, und über welche der Verf. weitere Mittheilungen
verspricht. Dass die genannten Insecten auch ihre Verwandlung im
Ameisenhaufen bestehen, geht schon daraus hervor, dass sich öfter
frisch entwickelte Individuen fanden. B^s ist zu vermuthen, dass sich
277
eiüc älmliche Reihe, bei den ciuheimischeu z. Tli. wohl von densel-
ben Gästen, in den Colonien anderer Ameisen findet. — Es ist ein
wunderbarer Blick, weichen wir hier in die Natur thun. Wir sehen,
dass der Haushalt der Ameisen, welcher an sich schon zu den in-
teressantesten Erscheinungen des thierischen Lebens gehört, noch
dadurch eine besondere Bedeutung erhält, dass an ihn das Dasein
zahlreicher anderer Geschöpfe gebunden ist. Es kann nicht fehlen^
dass fortgesetzte aufmerksame Beobachtungen uns bald auch über
die Rolle Aufklärung geben, welche jene Gäste im Staate der Amei-
sen spielen.
Vespariae, George Newman (Entomologist S. 106) be-
schreibt das Nest einer Vespa britannica, welches in seiner Constru-
ction nichts abweichendes von andern Wespennestern darbietet.
l der Zellen waren bereits leer, nur die Randzellen waren noch mit
einem Deckel geschlossen und enthielten ausschliesslich Männchen.
Die Jahreszeit, in welcher dies Nest untersucht wurde, ist nicht
bemerkt.
Den honigsammelnden Wespen hat White (Ann. of nat. bist. VII.
S. 315 T. 4) eine Abhandlung gewidmet. Azara berichtet schon von
Honigwespen, man hat anfangs eine Verwechselung mit Meliponen
vorausgesetzt, doch bestättigte Aug. St. Hilaire Azara's Angabe und
Latreille beschrieb die Wespe, deren giftiger Honig von St. Hilaire
gekostet war, als Polistes Lecheguana, welche zur Untergatt. Bra-
chygastra Perty gehören würde. Der Verf erhielt ein Wespennest
aus Südamerica, auf welches Azara's Beschreibung des Nestes seiner
Chiguana darin zutrifft, dass es aussen mit conischen Vorragungen
besetzt ist, und welches der Verf deshalb der Honigwespe desselben zu-
schreibt. Die innere Architectur des Nestes ist von andern Wespen-
nestern abweichend. Es hat nämlich oben eine kuglige Masse zum
Mittelpunct, um welche sich die Waben concentrisch legen. Die bei-
den nächsten sind noch vollständige Kugeln, die übrigen unteren
bilden von den Nestwänden begränzte Kugelabschnitte. Auch sind
die Waben nicht durch eine mittlere Säule mit einander verbunden, son-
dern an der Seiten wand des Nestes befestigt, so dass nur einzelne
Lücken als Durchgänge bleiben. Die Mündung der Zellen ist, wie
in den Wespennestern überhaupt, uach unten gerichtet. Für die in
diesem Neste gefundene Wespe errichtet der Verf eine eigene Gatt,
Myrapetra, welche wohl am meisten mit Epipone Lepell. (nicht
Latr.) übereinkommt, und nennt die Art M. scutellaris, — In einer
Anmerkung ist eine Wespe von verwandter Form als ^«^ Are we«W«
coronata beschrieben: es ist dies Pol. pubescensF., V. mutillata JH.,
Sumatrae Web. von Sumatra.
Spinola (a. a. O. S. 123) hat bei Gelegenheit der Beschreibung
neuer Arten aus Cayenne die Gatt. Brachygastra Perty einer
neuen Prüfung unterworfen. Perty hatte die Zunge als 5theilig an-
gegeben, Spinola fand sie, wie gewöhnlich, dreitheilig, den mittleren
278
breiten, Iicrztormigen Theil mit 2, die schniHlcu seitlichen Thcile jeden
mit einem hornigen Piinct an der Spitze. Dies hat die Gatt, mit Po-
listes gemein, mit Odj'nerus dagegen die verlängerten Maxillen, Ta-
ster und Mandibeln. Characteristisch ist für die Gatt, die Bildung des
Hinterrückens. Dieser fällt nämlich steil ab, und wird, wie das
Postscutellum, vom Schildchen von oben her bedeckt. Der Verf. be-
reichert die Gatt, mit 2 Arten, B. hilineolata und velutina aus
Cayenne, und beschreibt eben daher: Odyneriis Lejirietiriy
Eumenes? nigriceps, Zethus g/'gas, didymogaster^ pyri-
formis, higlumis^ glohulicollis,
Le Guillou (a. a. O. S. 331) gab Beschreibungen von 3 neuen
Polistes-Aiteiiy P. Bernardii imd Ro?na7idi aus Nordaustralien,
P. Lefebvrei von Neuguinea.
jäpiariae* Neue Bienen -Arten von Oayenne hat Spinola
(a. a, 0. S. 137 — 149) beschrieben: HaJictus nigro-margina-
tus^ Leprieui'i, Cer ati7ia laeta^ chalceuy punctulata^ An-
thidium costatum, hilineolatum.) Megacliile luctifera^
nigripennis, conica^ Coelioxys Caye7inensis, Mesocheira
ornata, Hejiiisia Leprieiiri, laticincta^ VV^^PVo^t ^om-
hiformis.
Le Guillou (a.a.O. S. 323) stellte eine neue Honigbiene, Apis
Gr 0710V li, von Timor auf.
Fr. Smith (Ann. of nat. bist. VII. S. 145) hat die BeoÜTachtung
gemacht, dass Andrena armata und Clerkella Kirb, Männchen der
A.fulva sind.
Über dieStructur des Mundes bei Wespen und Bienen hatBrauts
(Tijdschrift voor Naturl. Gesch. en Physiolog. VIII. S. 71) sehr ver-
dienstliche Untersuchungen angestellt, die um so wichtiger sind, als
die Ansicht, welche besonders bei den Bienen die lange Zunge als
eine Saugröhre betrachtete, ziemlich allgemein war. Der Verf. prüft
AVespen und Bienen. Ein wesentlicher Unterschied zwischen beiden
besteht darin, dass bei den Bienen die Lefze (labrum) frei vortritt,
■während sie bei den Wespen vom Kopfschildc überragt und bedeckt
wird. Hinter der Lefze folgt der Epiphar3'ux und zwischen diesem
und dem Hjpopharynx ist der Eingang in die Speiseröhre. Unter
diesem entdeckte der Verf. bei den Wespen einen eigenen Behälter,
welcher von einer Einsackung der Haut des Mundes gebildet und
vom Hj^popharynx wie von einer Klappe geschlossen wird. Er nennt
ihn Leimhöhle. Die Mündung der Speichelgefässe fand der Verf.
vor derselben am Grunde der Zunge. Bei vorgestreckten Mundthei-
len ergiesst sich der Speichel in die Leinihöhle, bei zurückgezogenen
scheint er durch eine eigene Rinne auf der Oberseite der Unterlippe
hineingeleitet zu werden. Der Zweck dieses Behälters, zeigte sich,
ist der, dass darin die Masse bereitet wird, aus welcher die Wespen
ihre Nester bauen. Der Verf. fand im Inhalt desselben feine Holz-
theilchenj einmal sogar bei einer in seinem Zimmer gefangenen Hornisa
279
Abschabsei vom Katdin der Tapcleuborte des Zimmers. Bei andern
Hymenopteren, Crabro, Pimpla, ist weder Leimbeliälter noch Hjpo-
pharynx, bei Apis fehlt auch der letztere, aber es findet sich die An-
deutiiog eines rudimentären Leimbehälters, bei Eucera giebt Strauss
Dürkheim den Hj'popharynx an, und da dieser die Bedeutung eines
Deckels des Leimbehälters zu haben scheint, kann man daraus auf
die Anwesenheit des letzteren schliessen.
Die folgenden Untersuchungen betreffen die Structur der Unter-
lippe und Zunge. Latreille giebt den Eingang des Schlundes als am
Grunde der Zunge gelegen an, er hat die Mündung des Speichelgan-
ges dafür genommen, welcher, mit einem Innern Spiralfaden ver-
sehen, die Unterlippe durchbohrt und sich am Grunde der Zunge
öffnet. (Aus dieser Lage kann man schliessen, dass der Speichel vor-
zugsweise dazu dient, die häutige Zunge feucht zu erhalten.) Die
Zunge der Wespen ist ohne Canal, und wird, wie man bei lebenden
Thieren sieht, zum Auflecken von Flüssigkeiten gebraucht. Die ein-
zelnen Abtheilungen der Zunge und die Nebenzungen haben an der
Spitze auf der Unterseite Horupuncte (von Latreille als Drüsenpuncte
erwähnt), welche durchaus undurchbohrt sind, und nach Reaumur's
Ansicht dazu dienen, beim Nesterbau den Mörtel glatt zu streichen.
Zur Stütze wird die häutige Zunge auf der Unterseite von feinen
Horngräten durchzogen; bei Odjnerus ist es eine einfache Linie,
welche von der Wurzel aus durch jede Abtheilung der Zunge bis
zu dem erwähnten Hornpuncte hinläuft, bei der Horniss ist jede die-
ser Linien baumartig verzweigt. — Bei Honigbienen und Hummeln
findet sich an der Rüsselspitze ein ähnliches Hornplättchen, und unter
demselben der Eingang zu einer durch Vereinigung ihrer Ränder
geschlossenen Rinne, welche auf der Unterseite des Rüssels bis zum
Grunde desselben hinabläuft, und welche man ziemlich allgemein
als den Canal betrachtet hat, durch welchen der Honig eingesogen
wird. Er ist nach den Untersuchungen des Verf. am Grunde ge-
schlossen, und führt nicht in die Nahrungswege. Die Leisten, von
denen er gebildet wird, scheinen den beiden Horngräten zu ent-
sprechen, welche die Wespenzunge stützen, so dass es auch hier
den Anschein hat, als diente er nur zur Stütze der sonst häutigen
Zunge. Wie aber bei den Bienen mit ihrer langen Zunge das Auf-
saugen des Honigs geschieht, bleibt noch räthselhaft,
Rltipiptera.
Thwaites (Transact of the Ent. Soc. of Lond. HL S. 67) hat
eine Art von Sti/lops im Freien beobachtet. Er sah (in der ersten
Hälfte des Mai) mindestens zwanzig in einem Garten fliegend, aber
so hoch über der Erde, dass er nur wenige erhaschen konnte. Sic
flogen sehr zierlich, in langen Strichen, als ob sie von einem leichten
Winde getragen würden. Hierdurch und bei ihrer eigenthümlichen
Flügelspannung ist ihr Anschn von dem anderer fliegender Insectcn
280
sehr verschieden. Gefangen sind sie äusserst beweglich, im Glase
auf und niederlaufend und hastig mit Fühlern und Flügeln schlagend.
Ihre Lebensdauer scheint sehr beschränkt zu sein, keine der gefan-
genen lebte über 5 Stunden, und eine, welche am Nachmittage aus
einer Biene ausgelöst wurde, war am andern Morgen todt.
Eine neue Art von Xenos ist von Templeton entdeckt und
(ebendas. S. 51 T. 4) ausführlich unter dem Namen X. Weittvodii
beschrieben. Sie ist aus der brasilischen Sphex auriflua Pertj.
(S. 0. S. S73.)
Iie|iiflo|itei*fi.
Die Schmetterliiigsfaimen von Europa sind vermehrt ^vor-
den durch:
von Kornatzki und Neustadt, Abbildung und Be-
schreibung der Schmetterlinge Deutschlands in systematischer
Ordnung, Breslau 1841.
British Butterflies, by J. O. \yestwood, With 42 co-
loured plates. Lond. 1841. 4.
Manuel entomologique pour la Classification des Lepi-
dopteres de France. Par l'Abbe Laianne. 3me edition revue
et augmentee par M. J. R ohmer. Paris et Lyon 1840. 8.
Das Verzeichniss der preussischen Schmetterlinge ist von
V. Siebold (Preuss. Prov. Bl. S. 413) zum Schluss gebracht
worden. Es enthält die Zünsler, Wickler, Schaben, Geistchen
und Nachrichten über neue Entdeckungen.
Beiträge zur Schmetterlingskunde Pommerns theilt He-
ring (Ent. Zeit. S. 14, 27) mit.
„Lepidopterologische Nachrichten und Bemerkungen aus
dem Jahre 1840" veröfiTentlichte Freyer (ebend. S. 52, 90, 107.)
Von vielem Interesse für die Kenntniss der Naturge-
schichte exotischer vSchmetterlinge ist das 7. Bändchen derNa-
turalist's Library cond. by Sir W. Jardine, Entomology, ent-
haltend, Exotic Moths, bearbeitet von James Duncan. Es
sind nur wenig neue Arten beschrieben, zuweilen neue Gattun-
gen errichtet, die Charactere derselben aber mehr angedeutet
als festgestellt, dagegen ist die möglichste Rücksicht auf die
früheren Stände genommen, mit Benutzung der vom Smith
Abbot, Stoll, Lewin u. A. vorhandenen Materialien.
Ratzeburg hat in den Act. Acad. Caes. Leop. Carol.
Nat. Car. Vol. XIX. P. II. S, 391 eine Abhandlung „Zur Cha-
281
racteristik der früheren Zustände und der Verwandlung der
Lepidopteren, besonders der Microlepidopteren" bekannt ge-
macht, welche viel Wichtiges enthält.
Der Verf. macht besonders auf die Wichtigkeit der durch Falten
begränzten Wülste der Körpersegmente und der Beschaffenheit der
Behaarung aufmerksam. Für jene Wülste stellt der Yerf. eine be-
sondere Terminologie fest (S. 398). Bei den Puppen kommt es auf
die Lagerung und relativen Grössenverhältnisse der Glieder an, vor-
züglich characteristisch ist aber auch die Endigung der Hinterleibs-
spitze, welche nicht allein selbst bei den ver\vandtesten Arten con-
stante Merkmale, sondern sogar auch Sexusunterschiede zeigt. Nach des
Verf. Beobachtungen nämlich ist bei den männlichen Puppen die After-
öffnung auf den letzten, die Geschlechtsöffnung auf dem vorletzten
Segment durch je eine wulstige Grube angedeutet; beim Weibchen
dehnt sich die letztere auf das drittletzte Segment aus, und die bei-
den vorletzten Segmente sind an dieser Stelle so zusammengezogen,
dass sie fast in einander überzugehen scheinen. Bei den Puppen von
Cossus ligniperda und Sesia apiformis haben die männlichen Ind. auf
den beiden letzten, die weiblichen auf den drei letzten Segmenten
Stachelreihen.
Zur Behandlung der Microlepidopteren hat Sodoffsky
(Bull. Mose. 1841 S. 529) Anleitung gegeben. Es ist das Verfah-
ren des Senators v. Heyden, welches er zur weiteren Kennt-
niss bringt.
JPapiiiiMie*, Westwood (Arcana Ent.) bildete drei neue
Arten von Papilio aus Assam ab: T. 11 P. Gyas^ dem P. Peran-
thus nahe stehend, und P. Cloanthus, dem P. Sarpedon nahe ver-
wandt^ aber geschwänzt, und T. 16: P. Rlietenor , dem P. Prote-
nor sehr ähnlich. Ebendaselbst giebt er auch eine Abbildung des P.
Agestor Gray Boisd., als dessen Vaterland Gray Sumatra bezeichnet,
den aber Saunders in Vorderindien erhalten.
Bemerkungen über das Vorkommen der nordamericanischen Arten
von Papilio theilteDoubleday (ebendas. S. 60) mit. P. Jia.v kommt
hauptsächlich in den südlichen Staaten vor, fliegt rasch (nicht segelnd)
und niedrig, und lässt sich öfter auf die Blüthen von Annona gran-
diflora nieder, von welcher und A. pygraaea sich vcrmuthlich die Raupe
nährt, — P, MarceUus Boisd., in verschiedenen Staaten, von graciö-
serem Flug, sich auf morastigen Stellen niederlassend, was P. Aiax
nicht thutj bei beiden ist die Farbe im Leben schön hellgrün. Die
Raupe des letzteren lebtauf Uvaria triloba, — P. Astejias,\ on Mexico
bis nach Canada und Neufundland verbreitet, überall häufig, im Flug
unserni P. Machaon gleich. Die Raupe auf Doldenpflanzen. — Über
die Raupe des Pap.Philenor hat Harris (Entomologist S. 60) Nach-
richt gegeben. Die junge Raupe hat Form und Höcker mit der der
Ornithoptera Heliacon, später wird sie gestreckter und das erste
282
Hückerpaar länger. 8ie lebt auf Aristolochia Sipho, in den mittlereu
und südlichen Staaten auf A. serpentaria, gesellschaftlicli; und spinnt
Zickzackfäden wo sie kriecht, scheint auch ohne dieselben sich nicht auf
dem Blatt festhalten zu können. P. Asterias, Turnus, Troilus leben
einzeln, der erstere spinnt nicht, die beiden letzteren bespinnen das
ganze Blatt.
Rob, Schomburgk (Ann. of nat. bist, VIII. S. 151) erzählt,
dass mehrere Arten von Callidryas sich oft in unglaublicher Zahl auf
nassen Sandufern niederlassen. Am 10. Oct. 1838 sah er eine Wan-
derung dieser Schmetterlinge von S. W. nach N. O.^ der Zug muss
aus vielen Myriaden bestanden haben, denn der Verf. sah ihn den
Essequibofluss, den er hinauf fuhr, von 8 Uhr Morgens ^bis 41 Uhr
Nachmittags, in ununterbrochener Reihe kreuzen. Die Raupen wer-
den von den Indianern gegessen.
P. Feronia macht nach Darwins Beobachtung (Entomologist
S. 186) im Fluge ein knarrendes Geräusch.
Über Stellung und Einreihung der P. Lucina im System hat
Frey er (Ent. Zeit. S. 50) sich ausgesprochen. Es sind indess nur
die europäischen Schmetterlinge berücksichtigt, und da die genannte
Art der einzige Repräsentant in unserm Welttheil von einer sehr
umfangreichen Abtheilung der Tagschmetterlinge ist, darf man sich
nicht wundern, wenn ihre Stellung verkannt wird. Der Verf. will
sie als eigene Gatt. Hamearis Hü. zwischen Hecaerge und Hespcria
gestellt wissen, sie ist auch unter den Namen Nemeobius Steph. bekannt
und gehört zu der fast auschliesslich in Südamerica einheimischen
Gruppe der Eryciniden, welche sich den Ljcaeniden eng anschliesst.
Doubleday (Entomologist S. 209) beschrieb eine neue nord-
americanische Lycaena xmter den Namen Polyomm. Lygdamus.
Sie ist mit L. Acis und Damoelas verwandt. — E versmann (Bull.
Mose. 1841 S. 18 T. 3) macht ein Paar russische Arten derselben
Gattung bekannt. L. Damone schliesst sich an L. Dämon, Rippertii
und Donzelii, stimmt unter diesen am meisten mit L. Rippertii über-
cin, unterscheidet sich aber von demselben darin auffallend, dass das
Männchen eine blaue Oberseite hat, von Dämon darin, dass der Strahl
auf der Unterseite der Hinterflügel nicht so deutlich ist. L. Cyane^
dessen Weibchen der Verf. schon 1837 beschrieben hatte, ist hier in
beiden Geschlechtern abgebildet.
Hesperi'a cribrelluin desselben (ebendas. S. 25) aus ver-
schiedenen Gegenden des östlichen Russland ist der H. tessellum
äusserst nahe verwandt.
Unter der Benennung Hesperi'a? Sophia hat White in Grey's
Reise (II. S. 474) einen Schmetterling vom König Georgs -Sund be-
schrieben, der im Flügelschnitt und Färbung sehr einer Castnia gleicht
und vielleicht auch in die folgende Familie gehört.
Castniatlae. Derselbe (ebendas. S. 475) hat HecatesiaThy-
ridion Feisth. in beiden Geschlechtern im Holzschnitt dargestellt und.
283
ausführlicher beschriebeo. üas Weibchen hat den Glasfleck am Vor-
derrande der Vorderflügel nicht^ den das Männchen hat.
Eusetnia niaculatrix Duncan (Ent. Libr. VII. S. 88 T. 8
F. 3) ist eine neue Art aus Assani, der E. lectrix (Bomb. 1. Lin. Cr.)
verwandt.
Cheloniilae. Duncan (ebendas. S. 93 T. 3 F. 3) gab eine
neue AbbilduDg von Amesia scmgutßua {Vhal. sanguiß. Drury), wel-
che sowohl den eigenthümlichen Aderverlauf der Flügel darstellt, als
auch einen richtigen Begriff von dem Schmetterling giebt. Auch ist
Drury's Vaterlands-Angabe ,jSuriüam" nicht richtig, der Schmetterling
ist aus Ostindien. Die Gattung stimmt mit Campylotus darin übereiu,
dass die Flügeluerven an der Spitze wunderlich gekrümmt sind, mit
Eterusia darin, dass der einzelne einfache Nerv fehlt, welcher von
der Spitze der zwischen dem Postcostal- und grossen Mittelnerven
gelegenen Zelle zur Flügelspitze geht.
Mit Limacodes verbindet ders. (ebendas. S. 179) Fhal. Micilia
und Coelestina Cram,. auf Gnind der von StoU abgebildeten Raupen.
Diese haben allerdings viel Übereinstimmung mit den Raupen von
Limacodes, die Schmetterlinge schliessen sich aber näher an Glauc-
opis. Von Limacodes trennt der Verf. (S. 181 T. 3 F. 5) Bomb, vul-
nerans Lewin unter dem Gattungsnamen Doratifera. Die Larve ist
ebenfalls eine schneckenförmige Giftraupe, der Schmetterling scheint
aber zu den eigentlichen Spinnern zu gehören.
Neue neuholländische Arten sind Aglages {Lept osomaBoisd.)
amicus White in Grey's Reise (IL S. 483) vom Schwanenfluss,
Ha%is Tasnianiae und Chelonia Glatlguyi Le Guillou
(Rev. Zool. S. 857) von Hobart Town.
Eine ausgezeichnete Abänderung der Euprepria villica wurde
von Krause (Arb. und Veränd. der schles. Gesellsch. f. vaterl, Kult»
1840. Entomol. Sect. S.14) beschrieben.
JBonthyces. Duncan (a. a. O. S. 183) zeichnet einige Gat-
tungseintheilungen für grössere Spinnerformen vor. Den Namen
Hyalophora (holl. Spiegeldrager) schlägt er für die Atlas-Form
{Atlasy Hesperus, Cynthia, Cecropna u. a.) vor, Saturn ia bleiben
die mit Augeuflecken statt der Fenster, Arse7iura (^B. Erythrmac
F.) hat beim Männchen, Lome Ha {B. Epimethea F.) in beiden Ge-
schlechtern einen winkligen Vorsprung an den Hinterflügeln. Die mit
geschwänzten Hinterflügeln bilden drei Gattungen Arctias Leach,
(B. Luna L. F.) mit fast sichelförmigen, Eustera {B. Argus F.)
mit gerundetem Aussenrande, Copiopteryx (B. Semiramis F.) mit
gerade abgeschnittener Spitze der Vorderflügel, die letzteren beiden
mit sehr langen an der vSpitze erweiterten Schwänzen.
Bomb. regalisF. wird (ebendas. S. 161) zum Typus einer eige-
nen Gatt. Dorycampa erhoben: die Raupe hat auf den Körper-
segmenten einzelne borstige Dornen, auf den drei Thoraxsegmenten
sind diese Dornen sehr lang, und nach hinten übergebogen. Bei der
284
zunächsi verwandten Gatt. Ccratocawpa Harr. Cerocanipa Kirb. (B.
imperialis F.) haben nur das 2. und 3. Segment zwei kurze Hörnchen,
die übrigen einzelne scharfe Spitzen mit Borstenbüscheln.
Von Oilceticus wird als eigene Gait.Cri/ptothelea 6er Oi. Mac
Leayi Landsd. Guild. abgesondert; während Oi. Kirbii L. Guild. sich
an Hepialus zu schliessen scheint , zeigt dieser mehr Annäherung an
Psyche: die Fühler sind der ganzen Länge nach gekrümmt, die
Flügel am Hinterrande gerundet, der Hinterleib die Flügel nicht
überragend.
Über nordamericanische Spinner hat Doubl eday (Entomologist)
Mittheilungen gemacht. Die erste (S. 55) bezieht sich auf drei neue
Gattungen aus der Gruppe der Notodontiden: 1) He teroca?iipa,
mit sehr kurzen, feinen Maxillen, kurzen 3gl. Lippentastern, beim (/
über § der Länge stark gekämmten, beim 9 einfachen Fühlern,
ganzrandigen Flügeln, einem langen hornigen Lappen an den Vor-
derschienen bei den Männchen, 4dornigen Hinterschienen, kurzem
Afterbüschel, die Raupe mit 2 Hörnchen hinter dem Kopfe, sonst der
von Cerura (vinula) gleichend, der Schmetterling aber hiervon durch
Fühler, von Stauropus durch die 4dornigen hinteren Schienen, 3glie-
drige Taster und längere Maxillen abweichend: H. Ast arte neue
nordamericanische Art, — 8) Lochmaeus y der vorigen sehr ähn-
lich, aber die Maxillen von der Länge des Thorax, das zweite Ta-
sterglied verhältnissmässig länger, die Fühler beim J^ nicht so stark
gekämmt; besonders aber durch die Raupe verschieden, der nament-
lich die Hörnchen hinter dem Kopfe fehlen: L. Maiiteo in Xord-
america, Georgien, auf Pinkneya pubens lebend. Noch 7 — 8 andere
Arten wurden vom Verf. gesammelt. — 3) Schizura^ mit Noto-
donta zunächst verwandt, aber die Fühler beim cT "^er j der Länge
doppelt gekämmt, beim $ borstenförmig, die Vorderschienen bei bei-
den Geschlechtern mit einer langen Hornplatte, der After beim cT mit
zweitheiligem, beim $ ohne Büschel: Seh. Ipomeae, in Nordamerica,
die Raupe auf Ipom. coccinea lebend.
Die zweite Mifrtheilung (S. 97) betrifft nordamericanische Sack-
träger: Eine Sackträgerraupe fand sich in Charlestovvn auf Cupressus
Thyoides in grosser Menge, sie war ohne Afterfüsse, aber die eigent-
lichen Füsse waren sehr stark entwickelt, Kopf und die drei Thorax-
segmentc hornig; sie gehörte der Gatt. Thyridojiteryx Steph. an,
auch hält der Verf. die Art für identisch mit derStephensschen, Atx Sphinx
ephemer aeformis^^'AVf .^ welche wohl mitUnrechtals ein englisches Insect
betrachtet ist (Stephens hält es selbst für identisch mit Psyche plu-
mifera O., welche aber nicht einmal in die Gattung Th^ridopteryx
gehört). — Die nächste Verwandtschaft hat Thyridopteryx mit Oike-
ticus, welches der Verf. durch Mittheilung einer noch nicht publicirt
gewesenen Abbotschen Zeichnung aller Stände eines dem Oi. Kirbyi
nahe verwandten, auf der Originalzeichnung (fälschlich) P. B. para-
doxa F. benannten Art anschaulich macht. — Über eine dritte Form,
285
Saccofhora Mehheimeri Harris sind die Beobachtungen von
Harris mitgetlieilt. Der Schmetterling erinnert im Flügelschnitt an
den Seidenschmetterling j auch sind beide Geschlechter geflügelt, die
Raupe ist ausgezeichnet dadurch, dass der Kopf auf jeder Seite einen
langen, fühlerförmigen aber unbeweglichen Fortsatz hat; die Maxil-
lartaster sind ungewöhnlich lang; und das erste Thoraxsegment ist
hornig; die eigentlichen Füsse sind lang, die Afterfüsse klein; diese
Raupe lebt auf Eichen, und frisst deren Blätter.
Frey er (Neue Beiträge 57. Hft.) gab eine Abbildung von 6?«-
stropacha Primi,, mit der Raupe.
Neue Spinner- Arten sind Cossodes Lyonetii, Odonestis
Eli%abetha, Trichetra {Arcturus Curt.) Isahella White
(Gre3''s Reise IF. S. 477) von König Georgs-Sund, Cossus per^
soiia Le Guillou (Rev. Zool. S. 257) von Samarang, und Lasio-
campa Guerinii dess. (ebendas.) aus Vandiemensland.
Über den letzten Raupenfrass der Nonnen in vielen Gegendeü
Deutschlands haben Ratzeburg (Preuss.. Prov. Bl. S. 231) und
Brehm (Isis S. 348) interessante Mittheilungen gemacht. Ratze -
burg's Bericht enthält manche beachtenswerthe Thatsachen und
Winke. Die Nonne hatte sich seit 1838 in mehreren Gegenden Deutsch-
lands auf eine höchst bedenkliche Weise vermehrt, und die Wälder
waren von ihr erfüllt. Bei gleicher Stärke des Angriffs litten die
Rothtannnen mehr als die Kiefern. Im Winter 1839 — 40 wurden in
den Neustädter Forsten zehn Centner Eier — 20,000 Eier gehen
auf 1 Loth — gesammelt, ausserdem im Frühlinge 1840 die eben
auskommenden Räupchen getödtet. Die übrigen wurden meist Beute
der Raubkäfer, Ichneumonen und Tachinen. Auffallend war dem Verf.,
dass die wenigen Schmetterlinge, welche sich in diesem Jahre zeig-
ten, grösstentheils Männchen waren. Im nächsten Winter fanden
sich wenige und sehr dürftige Eierhaufen^ und auch diese grössten-
theils zerstört, es wies sich aus, dass Spinnen, Raphidienlarven, ver-
schiedene Käferlarven und Tausendfüsse sie verzehrten.
Brehm's Beobachtungen beziehen sich auf die Reviere vonKlo-
steriaussnitz und Saas bei Eisenberg. Die Nonne war bis zum Jahr
1838 selten. Im folgenden Jahre fanden sich in den genannten Re-
vieren schon 500 Acker Holz angegriffen. Auf Vorschlag des Verf.
wurden Raupen, Puppen und Schmetterlinge gesammelt, wofür nahe
an 1000 Thlr. verausgabt wurden, und wodurch anschläglich an 20 Mil-
lionen Nonnen vertilgt wurden. Nichts desto weniger vermehrte der
Schmetterling sich so, dass im Anfange des nächsten Sommers (1840)
noch über 1000 Acker Kieferwald verwüstet wurden. Inzwischen
endete die Plage plötzlich, indem ein Sterben unter die Raupen kam.
Die wenigen Schmetterlinge, welche sich entwickelten, waren unfruch-
bar. Beachtenswerth ist die Bemerkung von Brehm, dass Vögel diese
Raupen nicht vertilgen, höchstens mögte es der Kukkuk thun; die
Eier werden von Mäusen, Kleibern, Goldhähnchen u. s. w. verzehrt.
286
Folgende Punete hebt der Verf. noch besonders unter seinen Wahr-
nehmungen hervor: 1) nur gewisse Striche werden heimgesucht, vor-
züglich solche, wo der Boden sehr sandig oder sehr nass ist. — S)
Fichten litten mehr als Kiefern. — 3) Grosse Bäume sind dem Frass
der Nonne mehr ausgesetzt als die Dickigte, der Verf. vermuthet,
weil die Nadeln der hohen Bäume nicht so harzig seien. — 4) Heide-
kraut blieb «icht verschont. — 5) Auch Laubholz, namentlich Eichen
und Birken, wurde angegriffen.
Bemerkenswerth ist in beiden Fällen das plötzliche Aufliörcn der
Nonnenplage: Ratzeburg bemerkt, dass nach seinen Nachrichten das-
selbe in sehr verschiedenen Gegenden Deutschlands der Fall gewesen
sei. Es wäre interessant und wichtig, die Verhältnisse des [Ver-
schwindens in verschiedenen Gegenden treu und umsichtig geschildert
und zusammengestellt zu sehen, um die Frage erwägen zu können, ob
das Eingreifen der Menschenhand, wie es in den Neustädter Revieren
durch das Vertilgen der Eier auf eine so belangreiche Weise ge-
schehen ist, von wesentlichem Einfluss gewesen sei, oder ob die
Natur überall durch eigene Hülfe das gestörte Gleichgewicht her-
gestellt habe, wie es in den von Brehm beobachteten Revieren sich
gezeigt hat.
JVoctuae* Guenee hat seine Untersuchungen über die Classi-
fication der europäischen Noctuen zu Ende geführt. (Ann. d, 1. See.
Ent. d. Fr. X. p. 55, 217). Die 11. Gruppe bilden die Heliothiden,
welche sich durch die in beiden Geschlechtern ganz einfachen Füh-
ler und die mit einer mehr oder weniger bemerklichen schwarzen
Binde bezeichneten ünterflügel kenntlich machen. Sie enthält die Gatt.
Heliothis O., Trupana) als neue Gattung, deren Larven in den Blu-
mentöpfen der Cichoraceen versteckt leben und deren Weibchen einen
Legestachel haben^ aufgestellt, später gegen Anthoecia Boisd. zu-
rückgezogen, Cardiii Hübn., cogiiata Tr.) Anarta 0. und He Kodes
(neue Gatt., von Anarta durch die Kleinheit des Körpers, Breite der
Flügel und in Fühlern und Tastern abweichend^ auch sitzen sie in
der Ruhe nicht wie Anarta mit übereinander gelegten, sondern mit
ausgebreiteten Flügeln: rup/'cola Tr.^ aröutiF.) ~ Eine 12. hinläng-
lich umschriebene Gruppe sind die Plusideii, mit den Gatt. Plus/a
(Plusia und Chrysoptera Lat.) und Abrostola. Hieran schliesst der
Verf. als 13. Gruppe die Calpiden. Sie haben zwar IGfüssige Rau-
pen, werden aber durch exotische Mittelglieder mit den vorigen ver-
bunden^ in Europa werden sie durch eine einzige Art, Calpe Tha~
//c?n repräsentirt. — Die 14. Gr. Ophiusiden haben wieder meh-
rere Afterfüsse der Raupen verkürzt, sind sehr reich an exotischen
Formen, und weichen von den Catocaliden, mit denen sie Boisduval
verbindet, durch glatte Raupen ab: Cerocala Boisd. (scapulosal^xihn.^
Ophtu.sa, auf algii-a, punctularis, Imeolaris, iieometrica., stolida, Cai-
Uno Lef., ilbinaris beschränkt) Toxocuiwpa (neue Gattung durch
grossköpfjge, auf Leguminosen lebende Raupen unterschieden: craccae
287
vkiae, limosay reciangularls, lusorta,2^astüinm, hulicra), Ophiodes
(ebenfalls neue Gattung, durch die auf der Unterseite flachen und
schwarzgefleckten Raui)en der folg. Gruppe sich anschliessend: lu-
naris^ iyrrliaecC). ~ Die 15. Gruppe sind die Catocalideuy auf die
Gatt. Catephi'a und Catocala beschränkt, deren Raupen mehr oder
weniger ungleiche Afterfüsse und an den Seiten einen Besatz von
langen Haaren haben. — Die 16. Gruppe P/^a /«e wo/«??, sowohl durch
spannende Raupen (die vier Mittelbeine sind verkürzt), als durch
grosse Flügelbreite, verkümmerte Taster u. s. w. an die Spanner
erinnernd, enthält die einzige Gatt. Brephos, — Die 17. Gruppe, Acon-
tidi, hat Raupen mit nur 4 Afterfüssen, und besteht ebenfalls nur
aus einer Gatt. Acontia. In der 18. und letzten Gruppe fehlen den
Raupen ebenfalls 1 oder 2 Paar Afterfüsse, die Schmetterlinge nähern
sich aber mehr den Zünslern an: Euclidia 0., Antliophila 0. auf
Vespertina Tr. , Kindermamii Bo'isA.^ ßavida O. beschränkt, Micra^
neue Gatt., welche sich durch gedrungene Form und die trapezoidi-
schen Vorragungen der ISbeinigen Raupen von den vorigen unter-
scheidet, bestehend niis /ju?yuri?iaV.y rosina Hü., ostiina Uü.y parva
Hü., concinnula Boisd., minuta Hü., v/'ridula Giien., Efi/c/iri/si Bamb.j
jmula Hü'.j — Leptosia, ebenfalls neue Gatt., durch die über die
Stirn hinaufsteigenden Taster zünslerartig, da die Raupen aber noch
nicht bekannt sind, in ihrer systematischen Stellung zweifelhaft, aus
mendicularis Tr., velox Hü., Dardouini Boisd. und polygramma An-
derr. bestehend; Erastria O. auf parvula Ramb., venustida Hübn.,
numerica Boisd., ca?ididula Borkh,, atratula Borkh. , Juscnla Borkh.
beschränkt, Hydrelia, neue Gattung, von der vorigen dadurch
unterschieden, dass bei den 14füssigen Raupen das erste Paar der
Afterfüsse verkürzt und dass beim Schmetterlinge der Leib glatt ist, aus
argentula und iinca gebildet j Jgropldla Boisd. auf sulpimrea einge-
schränkt; Phytometra Steph. (aenea Bork, und Sa7icti Flo?'e?itis Boisd.);
Haemerosia Boisd. (^scitula Ramb. albicans Ramb., renalis Hü.), wo-
von als eine neue Gattung Oratoscelis (commiinimacula F.) wegen
der matten Flügel, breiten Franzen, abgesondert wird; Glaphyra
(der Name collidirt mit Glaphyrus) eine für parallela Boisd., j^ura
Hübn., glareu Tr., liisitanica Boisd., amoena Hü., obliterata R. neu
errichtete Gattung, endlich Micraphysa Boisd. — Den Schluss macht
eine Übersicht über die ganze Eintheilung.
Donzel (Ann. d. 1. Soc. Ent. d. Fr. X. S. 211) hat Noctua iaspi-
dea De Vill. von N. (^Miselia) oleagina unterschieden. Die Fühler
sind bei der letzteren beim c^ stärker, beim 2 schwächer kammför-
mig, bei der ersteren beim J* nur gezähnt, beim 9 ganz fadenför-
mig. Die Nierenmakel ist bei oleag-, oval und reinweiss, bei iasp.
viereckig, in der Mitte bräunlich; die Raupe der iasp. hat keine Spur
von dem gelben Halsband, welches die der oleag: hat. Beide leben
auf Schlehdorn, die oleag: gehört Deutschland an, die iasp. kommt
in der Umgegend von Ljon vor.
288
Hering- (Ent. Zeit. S. 165) gab von einer neuen bei Berlin ent-
deckten Eule Nachricht. Sie ist eine Xy lin a und steht in der Mitte
zwischen X. conformis und Zinkenii. — Die grüne, mit gelben Rük-
kenstrichen gezeichnete Raupe lebt auf moorigen Wiesen im Mai
und Juni, macht ein leichtes Gewebe im nassen Moose, in welchem
sie zwei Monate schlafend zubringt. Nach dieser Eigenthümlichkeit
ist die schöne Eule Xyl. somniculosa benannt worden.
Treischke's Angabe über die Raupe von Diphthera ludifica wird
von Richter (Ent. Zeit. S. 59) dahin berichtigt, dass sie im Septem-
ber und Oktober auf dem Vogelbeerbaum (Sorb. aucup.) lebt und
sich später unter Steinen verpuppt; der Schmetterling erscheint dann
im künftigen Mai und Juni.
Frey er (Neue Beitr. 57. Hft.) hat folgende drei Arten mit den
Raupen abgebildet und ihre früheren Stände ausführlicher beschrieben:
Jgrotis multangulumy auf verschiedenen Arten von Galium, Orthosia
miniosa und 0. cruda auf Eichen.
Drei neue russisclie Eulen beschrieb Eversmann (Bull. Mose.
1841. S. 87) Agrotis exclamans^ der A. exclamationis ähnlich,
aber etwas kleiner und der Punct unter dem Ausrufungsstrich nicht
durch die verdunkelte Nierenmakel, sondern durch das schwärze Feld
zwischen den beiden Makeln gebildet, — Hadena cana^ der H.
convergens ähnlich (vielleicht von H. distans Hübn. nicht verschieden),
und Plusia EugefiiUy der PI. consona verwandt. Alle drei von
den westlichen Vorbergen des Ural.
Eine neue neuholländische Art ist N. (^Hadena) padockitia
Le Guillou (Rev. Zool. S. 257) von Hobart Town.
JTranides. Eine sehr ausgezeichnete neue Gattung, welche
vermuthlich dieser Familie angehört, wurde von West wo od (Arcan.
Ent. T. 5 S. 17) bekannt gemacht unter der Benennung Epicopeia.
Taster klein, 3gl., Mandibeln klein, Maxillen fehlend (Fühler abge-
brochen, über Ocellen nichts angegeben). Vorderschienen innen mit
breitem Dorn, an der Spitze unbedornt. Mittelschienen an der Spitze,
Hinterschienen über der Spitze und an der Spitze selbst je zwei-
dornig. Hinterflügel ohne Haken; Flügelschnitt und Färbung wie bei
mehreren ostindischen Rittern, denen diese Schmetterlinge an Grösse
und überhaupt im Habitus wunderbar gleichen. E. Polydora und
Philenora, sind zwei Arten aus Assam, die erste mit Pap. Polj^-
dorus, die zweite mit Pap. Philenor im Verhältniss der Analogie
stehend, welches der Verf. sinnreich in die Namen legte.
Geometrae. Duncan (Nat. Libr. Ent. VII. S. 209) macht
eine neue exotische Spannergattung, Asthenia Westw., bekannt.
Sie gleicht in Gestalt und den geschwänzten Hinterflügeln der Ura-
pteryx sanibucaria, die Fühler sind aber kurz und stark doppelt-
gekämmt. Ausser einer neuen hier abgebildeten Art, A. podali-
r/aria Westw. aus Brasilien, gehören dahin G. ?nachaonar/a Giier.
Iconogr. R. A., gemim'a Cram. aus Ostindien und latucma Gram.
289
aus Surloam (und Brasilien). Ferner (S. 813) ist für Ph. netrix Cram.
eine Gattung Mac?'Otes vorgeschlagen, ausgezeichnet durch lange
Fühler und Beine und gestreckten Hinterleib, und für Pk. Rosalia Cram.
eine eigene Gatt. Eumelea, ebenfalls mit langen Fühlern und Bei-
nen und ziemlich langem Spiralrüssel.
Hierhin scheint mir auch die Gatt. Dichroma Westw. (ebend.
S. 834 T. 30) zu rechnen zu sein , welche der Verf. als ein Verbin-
dungsglied zwischen den Lithosien und Tineen betrachtet Die Flü-
gel sind im Ruhezustande den Seiten des Körpers angelegt, und die
Vorderflügel haben eine Menge von silberweissen Streifen und Flek-
ken. Die drei verwandten Arten, D. equestralis, histrionalis, arcua-
lis sind sämmtlich vom Cap (die zweite ist Geom. Trofonia Cram.)
Le Guillou (Rev. Zool. S. 857) hat folgende .neue Arten von
Hobart Town (Vandiemensland): G. Banksiaria (soll eine neue
Gatt, verwandt mit Chimerina und Ligia bilden), G. (JBoarniid) hi-
taeniaria, G. Boisduvalaria (soll mit einigen Javanern eine
neue Gatt, neben Hemithea bilden).
Vyralides, Fischer v. Rössl er stamm (Abbild, z. Bericht,
und Ergänz, der Schmetterlingskunde. 19. Hft.) hat folgende Arten
dargestellt: Scopula elutalisW.Yz., von Treischke u. A. mit S. pru-
nalis verwechselt; Sc, umbrosalis, neue Art aus der Umgegend
von Constantinopel, Sc, murinalis^ neue A. aus der Schweiz,
Asopia combustalis (^A. lucidalis Tr. nee Hübn., A. riihidaUs Du-
ponch. exe. syn.), Pyrausta phoe?iicealis , neue A. aus Sj^rmien
und Kärnthen, ISymphula Ramburialis (^Hydrocampa RamburiaLDM^
ponch.) aus der Wiener Gegend.
Duncan (a. a. 0. S. 820 T. 88 F. 1) stellte unter der Benennung
Epidesmia trtcolorWestw. einen Schmetterling aus Neusüdwal-
lis vor, welcher zu den grössten Formen in dieser Familie gehört,
und sich als Gattung theils durch Breite der Flügel, theils durch das
Flügelgeäder unterscheidet.
Tortrices, Fischer v Rösslerstamm (a. a. O. T.91)hat
eine Abbildung der Aspi's Uddmanma?ia (Ph. Tort. Uddm. Lin.) ge-
geben, und zugleich die früheren Stände dieses sonst vielfach ver-
wechselten Wicklers dargestellt.
Frey er (Neue Beitr. 57. Heft) bildete die mehrfach verwechsel-
ten Tortr. acutana \v^^ Hartmanniana mit den Raupen ab; die erste
lebt auf dei* gewöhnlichen, die andere auf der Bach-Weide,
Vineae. Fischer v. Rösslerstamm (a. a. 0. T. 94, 95)
bildete Anarsi'a Uneatella Zell, mit der auf verschiedenen Prunus-
Arten, als Apricasen, Pflaumen, Schlehen lebenden, besonders aber
auch den Pfirsichen nachtheiligen, im Mark der jungen Triebe boh-
renden Raupe, — An, Spartiella (Tin. Sp. Schrank) — und Hypsolo-
phiis lemniscelbis Zell. ab.
Stephens (Entomologist S. 808) gab von einer neuen Schaben-
Archiv f. Naturgeschichte. VJll, Jahrg. 2, Bd. T
290
gattuDg Paramesia Nachricht: die in England gefangene neue Art,
P. transversella hat viel Ähnlichkeit mit Oecophora sulphurella,
aber sie zeigt Gattlingsunterschiede, indem die Taster nicht gebogen,
sondern gerade sind, die Fühler an der Wurzel verdickt und behaart,
nach der Spitze hin allmälig dünner werdend.
Duncan (a. a. O. S. 282 T. 28 F. 2) bildete einen javanischen
Schmetterling Scopelodes «f w/co/or Westw. ab, welcher viel Aus-
gezeichnetes an sich hat, und eine Rieseuform in dieser Familie zu
sein scheint. Die divergirenden Taster sind dick und büschlig be-
haart, der Spiralrüssel ist verkümmert, die Fühler kurz und dünn,
die Hinterflügel haben keinen Borstenhaken an der Basis, die Beine,
auch die Füsse sind ungewöhnlich dick und plump, wollig, die
Schiendornen der Hinterfüsse fast versteckt. Die Farbe ist einförmig
gelbbraun, die Grösse des Schmetterlings der einer Odon. pota-
toria gleich.
JPterophoridae» Über diese Familie hat Zell er (Isis S. 755,
827 T. 4) eine sehr umfassende wichtige Arbeit geliefert. Die Farn,
theilt sich in zwei Gruppen, eigentl. Pterophorideii (Geistchen),
mit zweispaltigen unAAlucit inen (Fächerfalter) mit sechstheiligen
Vorderflügeln. Letztere enthält die einzige Gatt. Alucita^ erstere
theilt sich in die Gatt. Adactyla {A^distis Hii.) mit mir angedeute-
ter Spalte der Vorderflügel und ungetheilten Hinterflügeln, und Pte-
rophorusy mit einer deutlichen Längspalte der Vorderflügel und
fast dreitheiligen Hiuterflügeln. Die letzte umfangreiche Gattung ist
aber in mehrere Gruppen oder Untergattungen getheilt: 1) Platy-
ptilns {PlatyptiUa Hü.) Die Zipfel der Vorderfl. kaum | der Flü-
gellänge betragend, breit, der hintere fast beilförmig; die dritte Fe-
der der Hinterfl. am Hinterwinkel auf den Franzen schwarzschuppig.
— 2) Oxyptilus {AmhJyptilia Hü.) die Zipfel der Vorderfl. mehr
als \ der Flügellänge betragend, schmal, der vordere ohne Hinter-
winkel j die dritte Feder der Hinterflügel linienförmig, vor oder
an der Spitze auf den Franzen schwarzscliuppig. Raupe in den durch
Seidenfäden zusammengezogeneu Herztrieben der Pflanzen lebend
und sie auszehrend. Puppe borstig, oben mit dornigen Höckerreihen.
— 3) Pterophorus {Ste7ioptiiia Uü..^ die Zipfel der Vorderfl. J der
Flügellänge betragend, ziemlich schmal, der hintere lanzettlich mit
erkennbarem Hinterwinkel j die Federn der Hinterfl. schmal, die mitt-
lere vor der Spitze etwas löff"elartig erweitert, die dritte ohne Schup-
penreihe auf den Franzen. Raupen und Puppen nach den Arten verschie-
den. — 4) Aciptihis {Aciptüa Hü.) die Zipfel der Vorderfl. über
^ — \ der Flügellänge betragend, schmal, linienförmig, die Federn der
Hinterfl. sehr lang, dünn, von der. Basis aus verschmälert. Die Rau-
pen lang und dicht behaart, stelzenfüssig, die Puppen mit Reiben
von sternborstigen Höckern und mit kurzborstigen Flügelscheiden.
Die sorgfältig beschriebenen Arten vertheUen sich auf folgende
Weise :
291
Adactylax 1 A.^ A. Hübneri Curt. {AI. adactyla Hü.) in ver-
schiedenen Gegenden Deutschlands.
Pterophorus Platyphilus: rhododactylusW.YZi. — capiio-
dactylus F. R., neue Art aus dem Banat., — ochrodactylus Hü. —
Zetter stedtii Zell, (tessar adactyla Zeit., var. gonodactyla W.
\z.y megadactyla^xi.^ aus verschiedenen Gegenden von Europa, i^2'-
scheri aus Böhmen, Schlesien, Met%tieri aus Ungarn, neue Arten,
acanthodactyla Hü. (var. cosmodactyla Hü.).
Pt. 0 xyptilus: tristis Zell. (Isis 1839), pilos ellae^ ohscn-
rus, Hieracii, neue, z. Th. in Europa weit verbreitete Arten, trU
chodactyliis Hü.
Pt. Pterophorus: Ehrenbergta?ius, neue A. aus Syrien,
phaeodactylus Hü. — fiiiantodactylus F. R. neue A. aus dem Ba-
nat, — mt'crodactylus W.Yz.f graphodactylus Tr., fuscus Retz.(pti~
lodactylus Hü. Tr.), — litJiodactylus (und septodactylus) Tr. — pte-
rodactyliis L. — scarodactylus Hü. (Jcarodact. Tr.) — tephradacty-
lus^ii., osteodactyius Zell. (ya.r.microdactylus Zett.) auch in Deutsch-
land, ca?'phodactylus Hü., microdactylus Hü., brachydactylus Tr.
P^. Aciptilus: galactodactylus Hü. — xanthodactylus Tr.
— obsoletus aus Sicilien, xerodactylus aus Ungarn, balloda-
ctylus aus Österreich, drei neue Arten, tetradactyhis L, Tr. (Jeuco-
dactylns Hü. — ischnodactyhis Tr. — pentadactylus L. — pallidum
Zell. (Isis 1839).
Aluctta: grammodactylaZell. {hexadactylaUü..'?), hexada-
ctyla L., polydactyla Hü., dodecadactyla Hü.
Eine Beurtheilung sämratlicher früher beschriebener Arten macht
den Schluss.
Hier ist noch eines in der Gegend von Constantine gefundenen Insects
zu gedenken, welches als ein Insect unbestimmter Ordnung von Car-
reno (Ann. d. Soc.Ent. d. Fr. X. S, 305) mit grosser Sorgfalt beschrie-
ben und (T. 5 F. 1) abgebildet ist. Das Ansehn ist das eines Schmet-
terlings mit verkümmerten Flügeln. Der Körper mit dichter zuweilen
schuppenförmiger Behaarung. Der Kopf klein, in den Prothorax ein-
gesenkt, mit grossen seitlichen Augen und zwei Ocellen, zwischen
diesen die Eiolenkung der borstenförmigen, vielgliedrigen Fühler.
Die Mundtheile bestehen in einem verkümmerten Spiralrüssel, welcher
von einem Paar zweigliedriger dicht behaarter Taster scheidena'rtig
umgeben ist. Prothorax gross, den Kopf z. Th. bedeckend. Vier
rudimentäre Flügel, lederartig, mit Schüppchen bedeckt. Die Patagien
(Pterygodes) wenig entwickelt, sich nicht über die Flügel erstreckend.
Vorderbeine kürzer und stärker als die andern, die Schenkel platt,
sich unter ihre Hüfte einschlagend, die Schienen besonders kurz, an
der Spitze mit drei zahnförmigen Hornblättchen bewaffnet, die hin-
teren Schienen mit je einem Paar Enddornen. Die Füsse 5gliedrig.
Der Verf. prüft zuletzt die Charactere, verkennt zwar den Werth
T *
292
der Übereinstimmungen mit den Schmetterlingen nicht, findet aber
Bedenken in der Form des Prothorax und der Bewaffnung der Yor-
derschienen. Was den Prothorax betrifft, so finden wir allgemein
eine Beziehung seiner Ausdehnung zu den Vorderflügeln, auf welche
ich schon öfter aufmerksam gemacht habe, dass nämlich da, wo die
Vorderflügel zum Fliegen gebraucht werden, der Prothorax kragen-
förniig, und wo sie nur Decken sind, der Prothorax halssehildförmig
ist. Wenn die Flügel verkümmern, kann zweierlei statt finden, ent-
weder der Prothorax bleibt kragenförmig, wie bei den weiblichen
Mutillen, oder er wird breiter und nähert sich der Halsschildform an,
wie bei den Arbeitern der Ameisen. Unter diesen Umständen scheint
die grössere Ausdehnung des Prothorax, wenn sie auch sonst bei
ungeflügelten Schmetterlingen nicht gewöhnlich ist,, um so weniger
gegen die Schmetterlings-Natur des fraglichen Insects zu sprechen, als
wir bei den Hymenoptereu analoge Verhältnisse antreffen. Der
zweite Punct, die ungewöhnliche Bewaffnung der Vorderschienen,
ist ebenfalls dem Character der Schmetterlinge durchaus nicht ent-
gegen, auch finden sich zuweilen ähnliche Bildungen bei andern
Schmetterlingen, z. B. Asterocopus Cassiniae und nubeculosa. Wenn
nun die Stellung des fraglichen Insects zu Schmetterlingen keinem Be-
denken zu unterliegen scheint, finden sich mehr Schwierigkeiten, ihm
in dieser Ordnung einen passenden Ort anzuweisen. Von Spinnern
und Spannern entfernen es die vorhandenen Ocellen, von den Eulen
die Verkümmerung der Spiralzunge und der Taster; am besten rech-
net man es vielleicht zu den Cheloniern.
Diptera.
Über den Bau der inneren Gescblechtstheile der Dipteren
hat Loew musterhafte und reichhaltige Untersuchungen an-
gestellt, und diese in seinen Horae Anatomicae, Posen 1841,
theilweise auch in Germar's Zeitschr. f. d. Ent. III. S. 386 und
Ent. Zeit. S. 75 niitgetheilt.
Die inneren männlichen Genitalien sind von sehr ver-
schiedenem Bau bei den beiden Hauptabtheilungen der Ordnung. Bei
den mit w^eniggliedrigen Fühlern bestehen sie überhaupt aus den
meist roth gefärbten Hoden, den beiden Samenleitern (vasa de-
fercntia), dem Samengange (duct. eiaculatorius) und den paarigen
sogenannten S chleimgefässen. Der Hode ist aus einer Menge
kleiner birnförmiger Säckchen zusammengesetzt, in denen die Samen-
feuchtigkeit gebildet wird. In der Gestaltung der einzelnen Theile und
ihren Verhältnissen zu einander hat der Verf. vielfache Verschieden-
heiten beobachtet: sehr langgestreckt und schraubenförmig aufgerollt
sind die Hoden bei Leptogaster cylindricus, Asilus germaniciis. Da-
sypogon cinctus, bei den beiden ersteren sind zugleich Hoden und
Samenleiter undeutlich von einander abgesetzt, eine Abweichung,
I
293
welche sich im extremen Grade bei Myopa huccata findet. Mit blind-
darmförniigen Anhängen sind die Hoden bei Tachina jmparum ver-
sehen. In der Form der Samenleiter weicht Dasypogon cinctus durch
blasenförraige Erweiterung ab, eine Schleife bilden sie bei Beris da-
vipes, stärker verlängert und zu einem nebenhodenförmigen Knäuel
aufgewunden finden sie sich bei Strati'ofnys tfgrma; nicht neben den
Schleimgefässen, sondern in dieselben münden si« bei Asilus germa-
7ÜCUS. Die zahlreichsten Formverschiedenheiten zeigen die sogenann-
ten paarigen Schleimgefässe. Fehlen und Vertretung derselben durch
die Samenleiter beobachtete der Verf. bei Leptis scolopacea (maa
kann den Fall vielleicht auch so ansehen, als ob der Samenleiter in
die Spitze des schlauchförmigen Schleimgefässes sich einsenkte), von
besonderer Grösse sind sie bei Beris clavipes^ Dasypogon cinctus^
Leptogaster cylindricus ^ DoUchopus patellipes ^ Asilus germanicus,
in geringerem oder höherem Grade verästelt bei Psila rosae und
Trypeta signata. Zuweilen findet sich neben diesen noch ein Paar
entsprechender Organe, welche muthmaasslich eine gleiche Function
haben. Bei Asilus germanicus finden sie sich durch eine blasenför-
raige Erweiterung, bei Sepsis cynipsea durch einen blasenförmi-
gen Anhang angedeutet, vollständig vorhanden sind sie bei Psila
rosae und Trypeta signata; sehr zusammengesetzt sind sie bei Em^
pis opaca, endlich findet sich ihr Vorbandensein mit dem Verschwin-
den der gewöhnlichen Schleimgefässe verbunden bei Hilara gallica,
Cyrtoma atra^ Porphyrops diaphanus.
Viel zusammengesetzter ist der Bau bei den Dipteren mit viel-
gliedrigen Fühlern, den der Verf. durch die Anatomie von Scatopse
notata erläutert hat. Die inneren männlichen Genitalien bestehen
hier aus den Hoden, in denen lange, durch einander geschlungene
Spermatozoenbündel durchschimmern, den Samenleitern, anderen
Vereinigungsstelle der Verf. ein eigenes Anhangsgefäss zu beob-
achten glaubte, welches ihm aber selbst zweifelhaft blieb, und in
welchem v. Siebold (Ent. Zeit. S. 170) eine Windung der hodenför-
migen Drüsen erkannte. Hoden und Samenleiter bis zu ihrer Vereini-
gungsstelle sind von einer musculösen Haut, dem Hodenbeutel
knapp umschlossen, und erscheinen so als ein einfaches Organ, in
welchem man leicht die Hoden verkennt, und welches auch schon als
ein Schleimgefäss gedeutet worden ist Hierauf folgt der gemein-
schaftliche Samenleiter, welcher bei Scatopse länger als ge-
wöhnlich ist, und welcher in einen kugligen hornartigen Behälter
mündet, den der Verf als Samenblase bezeichnet. Von dieser
führt der Samengang zur Ruthe. Unter den paarigen Anhangs-
gefässen machen sich ausser den gewöhnlichen paarigen Schleim-
gefässen, welche nichts besonderes zeigen, zwei durch ihre Grösse
sehr bemerkbar j sie sind von drüsigem Bau, ähneln in ihrer Gestalt
auffallend den Hoden mancher Dipteren, — sie sind auch öfter für
die wahren Hoden gehalten worden — da ihre Function noch räth-
294
selhaft ist, nennt der Verf. sie die hodenförmigen Drüsen. An
ihrer Spitze haben sie einen Anhang, der bei Scatopse klein ist, in
andern Fällen aber der eigentlichen Drüse selbst an Grösse gleich-
kommt, überhaupt die Neigung hat, die Form der eigentlichen Drüse
zu wiederholen. Die Ausführungsgänge dieser Drüse führen in den
Sameugang. Der Verf. fand sie von vier äusserst zarten, vielfach
durcheinander gewirrten Gefässen, den accessorischen 6e-
fässen der hodenartigen Drüsen umschlungen, deren Mündung
in den Samengang nicht deutlich war. v. Siebold (a. a. 0.) ermit-
telte indess, dass diese Gefässe nichts als Theile des ausserordentlich
langen, und vielfach verschlungenen Ausführungsganges der hoden-
artigen Drüsen selbst sind.
In die Kenntniss der weiblichen Innern Genitalien haben
erst V. Siebold's Entdeckungen angefangen Licht zu bringen, welches
die Mangelhaftigkeit und die Missdeutungen älterer Beobachtungen auf-
deckte und zu sorgfältigeren, ausgedehnteren Untersuchungen dieser
Theile aufforderte. Solche hat der Verf. mit grosser Sorgfalt an-
gestellt, und die Resultate derselben theils in seinen Hör. Anat.,
theils in Germar's Zeitschrift (a. a. O.) raitgetheilt. Als wesentliche
'Jheile der Innern weiblichen Geschlechtsorgane kommen in Betracht:
die Ovarien^ die Eierleiter, der Eigang, die Anhänge dessel-
ben, und zwar der meist dreitheilige Samenbehälter, und die
paarigen, tiefer mündenden Schleim- oder Leimgefässe. Die
Ovarien sind ihrer Form nach sehr häufig büschelförmig (Ephydra
riparia, Cordylura pubera, Tachina puparutn) oder ährenförraig,
entweder zweizeilig {Laphria^ Thereua a7Ülis) oder vierzeilig (See-
nopinus senilis^ Piophila Casei) oder sie sind traubenförmig, indem ent-
weder die Eiröhren ringsumstehen {Dasypogon cinctus) oder nur nach
einer Seite hingewendet sind {Dioctria rufipes)^ oder sie sind ein-
fach oder doppelt dachförmig (letzteres bei EristaUs aeneus) oder sie
sind endlich schlauchförmig, indem die einzelnen Eiröhren eng mit ein-
ander verbunden sind, so dass erst Zerreissung die Zusammensetzung
aus einzelnen Eiröhren erkennen lässt (^Bibio liortulanus ^ Beris cla-
■vipes). — Eine besondere Form der Eierstöcke habe ich bei Oestrus
pecorum gefunden und darüber in der hies. naturf. Gesellsch. eine
Mittheilung gemacht. Die Eileiter theilen sich an ihrer Spitze in eine
grosse Menge besonderer Eileiter von zarterem Bau, und fest zu-
sammengewoben, eine weite elliptische Höhlung umschliessend, ganz
wie bei den schlauchförmigen Eistöcken. Aussen ist jeder dieser
besonderen Eileiter ziegeiförmig mit kurzen Eiröhrchen dicht besetzt,
in deren jedem sich ein einzelnes Ei entwickelt. So erscheint das
Ovariura, w^elches man dachförmig- schlauchförmig nennen könnte, —
denn es ist eine Combination dieser beiden Formen — als ein grosser,
auswendig mit Eiern dicht besetzter Schlauch, wie bei Meloe, die
einzelnen Eiröhrchen münden aber nicht in die grosse Höhle des
Ovarium, sondern in die besonderen Eileiter. Es ist dies die Form
295
des Ovarium, in welcher die gleichzeitige Entvvickelung der gross-
ten Menge von Eiern stattfiodet.
Wichtige Verschiedenheiten zeigt der Ei er gang bei Eier legen-
den und lebendig gebärenden Dipteren. Bei den ersteren ist es meist
ein einfacher Gang, nur bei solchen, welche bei hoher Wärme leb-
haft genug sind, um dem Geschäft des Eierlegens nachzugehen, Try-
peta, Scenopimts , findet sich eine Erweiterung über dem Samenbe-
hälter, in welchem die legbaren Eier unbefruchtet bis zu einer pas-
senden Zeit verweilen können. Zuweilen kommen auf der Rücken-
seite kleine Blinddarm-ähnliche Anhänge vor {Piophila casei^ Dexia
canina, Meromyxa saltatrix, Psila bicoior'), welche einer Begattungs-
tasche gleichen, für die sie anzunehmen die Lage des Samenbehälters
auf der Bauchseite entgegenzustehen scheint. — Bei den viviparen
Dipteren hat bei den Museiden , der Eiergang unter der Einmündung
des Samenbehälters einen sackförmigen Anhang, in welchen die be-
fruchteten Eier eintreten, und welcher dann sich so ausdehnt, dass
er fast den grössten Theil der Unterleibshöhle ausfüllt; bei den vivi-
paren Tachinerien ist es der untere Theil des Eiergangs selbst, wel-
cher starker Ausdehnung fähig ist, und einen sackförmigen Uterus
bildet, in welchem nach der Befruchtung die Entwickelung der Eier
erfolgt. Die Eier finden sich darin in Spiralen geschichtet, die unteren
in der Entwickelung vorgeschritten, die untersten oft schon ausge-
schlüpft. Die Eihüllen scheinen im Uterus zurückzubleiben.
Der Samenbehälter (receptaculum serainis), dessen Bedeutung
durch V. Siebold zuerst erkannt worden ist, zeigt eine sehr grosse
Mannigfaltigkeit. Er ist meist dreifach, und jeder Theil besteht in
einem kapseiförmigen Behälter und einem Ausführungsgange. Die
Kapseln sind meist gefärbt, schwarzroth oder schwarz, seltener hell-
roth u. s. w. Folgende sind die vom Verf. beobachteten Hauptfor-
men dieser Organe, 1) Der Samenbehälter ist einfach {Empis opaca,
Psihpus nervosuSy Porphi/rops diaphcmus , DoUchopus ungulatus ^ Hi-
lara galUcd). — 8) er ist doppelt {Opomy%a comhinata , Borborus
equinusj Stomoxys calcitrans , Piophila caseij Meromyxa saltatrix^
bei welcher letzteren die Ausführungsgänge sehr lang und vielfach
gewunden sind, Madi%a glabra, wo sie die grösste Länge erreichen,
indem sie 14 Mal so lang als das Thier selbst, zugleich sehr fein
sind und eine 36 — 40 Mal gewundene Schlinge bilden, Psila bicölor,
wo an der Stelle der Kapsel der obere Theil des Ausführungsganges
von einer dicken, mit punctförmigen Drüsen besetzten Muskelschicht
umgeben ist. — 3) Drei Kapseln, von denen zwei einen gemein-
schaftlichen Ausführungsgang haben; diese Form scheint für die Z,«w-
xaniden characteristisch (^Lonchaea chorea, Lauxania aenea^ litpu-
liiiu). — 4) Drei Theile, von denen der mittlere eine andere Gestalt
hat, die bei den einen durch geringere Modificationen bedingt wird
{Anthomyia bicolor, Laphria atra)^ bei anderen aber einen so wesent-
lich anderen Bau hat, dass man an einer gleichen Function dieser
296
Theile zweifeln mögie {Scenojmms senilis, Thereua anilis). — 5) Drei
gleiche Theile, deren besondere Ausführungsgänge sich zu einem ge-
Mieinschaftlichen vereinigen, eine Form, welche bei einzelnen Tipii-
larien vorkommt {Tipula ochraceä). — 6) Drei gleiche Theile mit
gesonderten Ausführungsgängen, die gewöhnlichste und am weitesten
verbreitete Form, welche aber vielfache Modificationen zeigt, die an
einer grossen Reihe von Beispielen erläutert sind (^Leptts scolopacea,
wo die Kapseln fehlen, Bibio hortiüatius, Anthomyia leucosticta^ Ta-
china (Nemorea) pupanwi, Cordylura pubera, Sepsis cytiipsea, Ulidia
demandata , Trypeta signata^ Chrysopilus bicolor, Pyrellia, Tipula
(JPachyrhina) oleracea, Musca {Cyrtoneurd) stabtilans , Ascia poda-
grica, Eristalis aeneus, Beris clavipes, Stratiomys chamaeleoiiy letz-
tere beide mit knieformiger Biegung der Ausführungsgänge, Chrysops
coecutieiis^ Tabanus bromius, Asilus germanicus mit hakenförmig um-
gebogener Spitze der Kapseln, Asilus trigonus, wo in den geräumi-
gen Samenkapseln die Sperraatozoen nicht frei, sondern in kleinen,
unter sich durch Kanäle verbundenen Kügelchen enthalten sind, Da-
sypogon cinctiis, wo die Kapseln jede in ein spiralig aufgerolltes Hörn
auslaufen, Dioctria fuscipennis , mit ähnlicher Endung der Kapseln,
aber die Hörner sehr stark verlängert, und eine aus 7 Spiralwindun-
gen zusammengesetzte Schleife bildend). — 7) Vier Kapseln, die bei-
den mittleren mit gemeinschaftlichem Ausführungsgange {Dexia ca-
rinifrons), —
Die Schleimgefässe finden sich bei allen Dipteren, und scheinen
dazu bestimmt, den Eiern einen klebrigen, wasserdichten Überzug
zu geben. Bei den Yiviparen sind sie weniger entwickelt als bei
den Eierlegenden, Sie sind paarige, meist einfache oder keulförmige
Gefässe, zuweilen verästelt (Eristalis aeneus'), zuweilen mit einer
blasenförmigen Anschwellung an der Spitze {Trypeta signata^ Lau-
xania aenea, Porphyrops diaphanus) oder in der Mitte (^Asilus ger-
manicus').
In der Anheftung der Organe in der Körperhöhle mittelst der
Tracheen stimmen männliche und weibliche Genitalien darin überein,
dass die Theile, deren Lage und Ausdehnung sich nicht verändert,
sowohl durch von vorn, als durch von hinten herantretende Luft-
gefässe befestigt sind. Die Theile, welche Grössen-, Form- und
Lagenveränderung erleiden, wie Hoden und Ovarien, erhalten ihre
Tracheen nur von vorn her, und unter sehr spitzen Winkeln, so dass
diese Organe dadurch nicht behindert sind, bei zunehmendem Umfange
in der Körperhöhle vorzurücken, und doch immer durch die heran-
tretenden Tracheen in ihrer Lage gesichert bleiben.
In der Ent. Zeit. (a. a. 0.) macht der Verf. auf eine eigenthüm-
liche Nervenverbindung aufmerksam, welche zwischen den äussern
und Innern Genitalien stattfindet, und welche darauf hinleitet, die
äusseren hornigen Theile, welche aus dem letzten Hinterleibsganglion
einen grossen Nervenreichthum erhalten, nicht allein alis blosse Lege*-
297
und Haltapparate, sondern zugleich als empfindliche Reizorgane zu
deuten. Die erwähnte Nervenverbindung fand der Verf. bei Asilus
trigonus $, wo von den starken IVervenstäramen, welche aus dem
letzten Ganglion zur hornigen Legeröhre gehen, ein Ast zurückläuft,
welcher sich an das Ovarium verbreitet.
OTipulariae* Dale (Ann. of nat. hist. VIII. S. 430) hat zwei
vermuthlich neue eüglische Ltnifi ob ten, L. (Dicranomya?)fla-
volivihata und L. {Idiocera?) ^guttata, beschrieben.
Qlillicolae, Ratzeburg hat in diesem Arch. (7. Jahrg. 1. Bd.
S 333 T. 10) die Naturgeschichte der auf der Kiefer lebenden, mehr-
fach mit einander verwechselten Gallmücken^ Cecidomyia Pini und
brachyntera erläutert. Die Larve der ersteren lebt äusserlich an
den Kiefernadeln von einem Harzcocon eingeschlossen, und hat auf
dem Rücken und den Seiten des Hinterleibes kegelförmige Fortsätze,
welche wahrscheinlich eine Beziehung zur Bildung des Harzcocons
haben. Stigmen 9 Paare, das erste auf dem Prothorax, das letzte
auf einem eigenthümlichen Anhange der Hinterleibsspitze. Die Larve
der C. brachyntera lebt an der Wurzel der Kiefernadeln innerhalb
der Vaginula, macht die Nadeln verkümmern, und verpuppt sich zum
Winter an der Erde in der Streu. Sie hat die blasenartigen Fort-
sätze nicht, und die Stigmen, deren Zahl dieselbe ist, unterscheiden
sich in der Anordnung von der der vorigen dadurch, dass das 9. Paar
auf dem 8. Hinterleibssegment selbst gelegen ist.
Die Metamorphosen von zwei andern Cec?Vfowy/ew hat Leon Du-
four (Ann. d. scienc. nat. XVI. S. 857) beschrieben. Die Larve von
C. Pini mariti?nae L. D. hat eine grosse Übereinstimmung mit der
der C. Pini, nur hat der Verf. die Oberseite für die Unterseite ge-
nommen und die Fortsätze des Rückens als Afterfüsse betrachtet.
Lebensweise und Coconbildung ganz wie bei C. Pini. — Die Larve
der anderen, C. Populi lebt in faulenden Bastschichten abgestorbe-
ner Pappeln, und hat die Eigenthümlichkeit, ebenso zu springen wie
Käsemaden. Sie ist glatt, das letzte Segment endet mit einem Paar
hakenförmiger Spitzen, welche, wenn sie sich zum Springen krümmt,
in den Vorderkörper eingreifen. Die Zahl der Stigmen giebt der
Verf. auf 11 Paar an, also zwei mehr als Regel sind, indem hier auch
das 2. und 3. Thoraxsegment jedes seine Stigmen hat. Bemerkens-
werth ist, dass Bouche bei der sehr nahe verwandten Cecidomyia Sali-
cis eben so die Stigmen abbildet (Naturgesch. d. Ins. T. 2 F. 16) und
es käme wohl darauf an, dass durch weitere zuverlässige Beobach-
tungen die beiden übereinstimmenden Angaben dieser abnormen Stig-
menzahl bestättigt oder berichtigt würden.
Vahanidae. Saunders (Transact. of theEnt. Soc. ofLond.
lll. S. 59 T. 5 F. 4) stellte eine neue Tabanen-Gattung Gastr Oxi-
des auf. Sie steht dem eigentlichen Tabanus am Nächsten, hat aber
Ocellen. Am 3. Fühlergliede ist der Zahn weit vortretend und spitz,
298
Der Hinterleib eiförmig-conisch , zugespitzt. G. ater, schwarz, ia
den schwarzen Flügeln mit einem hellen Fleck in der Mitte und einem
andern gegen die Spitze; in Mittel-Indien.
A-Silici» Shuckard (Entomologist S. 141) gab von einerneuen
englischen Art, Dioctria 3/e?'g"ew2/^ Nachricht. Sie hat die Grösse
der D. oelandica, ist schwarz mit rothen Puncten an den Schultern
und vor dem Schildchen, rothgelber Spitze des 3., 4. 5. Hinterleibs-
segments, rothgelben Beinen mit braunen Füssen und Schienenspitzen,
wasserhellen Flügeln mit gelblicher Wurzel.
midfisU. West wo od (Arcan. Ent. S. 49 T, 13, 14) hat eine
monographische Übersicht über diese Fam. gegeben, und sie mit einer
Menge von neuen Arten bereichert. Die G^it, Midas zählt 39 Arten,
darunter M. dives und annulicornis aus Südamerica, senilis
und basalis aus Mexico, er assipes^ j^achyg astei' wviA. parvu-
lus aus Nordamerica, auripeniiis ^ viduatus und stenogaster
aus Neuholland, rufipes aus Sicilien? neu. Cephalocera enthält.
7 von Wiedemann und Macquart beschriebene Arten vom Cap, und
eine neue C. maculipennis aus Westaustralien. (Mid. lusitanicus
Meig. gehört eigentlich auch in diese Gatt.) Endlich Apiocera,
eine neuholländische Form, hauptsächlich durch die Fühler abwei-
chend, welche, kürzer als der Kopf, das erste Gl. dick, das 8. klein,
das 3. birnförmig, das 4. klein , stielförmig haben. Drei, nicht ganz
sicher unterschiedene Arten.
JKJeptides» Beobachtungen über Xylophagus maculatus hat
Sahlberg (Act. Sog. Scienc. Fenn. 1. fasc.) mitgetheilt.
Loew (Ent. Zeit. S. 86) bemerkte, dass Leptis nuhecula Fall,
einerlei mit h. bicolor Meig., dass L. anricollis und oculata Meig.
Abänderung derselben Art seien, zu welcher auch L. luteola Zett.
gehört, und dass L, nuhecula Meig. von den beiden vorigen unter-
schieden sei.
nomhylarii, Newman (Entomologist 1841 S. 280) behauptet,
dass die neuholländischen Anthrax-Arten sich weder unsern von An-
thrax noch unsern von Lomatia (Stygia) anschlössen. Er unterschei-
det 3 Formen, von welchen die evsie, Anth\ bombyliformis Mac Leay
in Capt. Kings Reise, mit dem Namen Ligyra bezeichnet wird, die
zweite, Neiiria^ sich durch die auffallend gekrümmten Flügeladern
bemerkbar macht, die dritte zu Lomatia verwiesen wird. Diesen
Bemerkungen muss ich widersprechen. Es giebt in Neuholland Arten
sowohl von eigentlichen Anthrax, welche unsern europäischen zu-
weilen sehr nahe stehen, als auch solche von der Form Exoprosopa
Macq. , und selbst die Neuria des Verf. ist Xeuholland weder eigen-
thümlich, indem die südamericauischen A. abbreviata, Pegasus Wd.
u. A. nicht davon zu trennen sein würden, noch scharf begränzt, in-
dem Übergänge zu der typischen Form des P'Iügelgeäders vorkommen.
Der Verf. führt von Neuria 10 Arten auf, von denen sich N. nigre-
299
scens von Sydney, occllata von Vandiemensland, partita vom
Schwancnfluss, atherix von Adelaide von den oben genannten süd-
americanischen Arten kaum als besondere Gruppe absondern lassen,
N. lateralis von Sydney, murina von Adelaide, maculosa und
corculum vom Schwanenfluss sich dadurch auszeichnen, dass die
zweite Subcostalzelle durch einen Quernerven getheilt ist.
Saunders (Transact. of the Ent. Soc. of. Lond. III. S. 59 T. 5
F. 5) beschrieb als neue Art Anthrax ruficollis aus Central-
Indien. Sie ist indess einerlei mit A. collaris Wied. Wiedemann hat
irrig das Vorgebirge der guten Hoffnung als Vaterland angegeben,
und S. hat den oft undeutlichen hellen Fleck im Schwarz am Fiügel-
grunde übersehen.
Loew (Ent. Zeit. S. 26) h^ix2i^\iiti Anthrax ßavm, circumdatus^
venustus, cingulatus, concinnns, leucostomus Meig. und A. bimacula-
tus Macq. als specifisch nicht verschieden.
Zwei neue neuhoUäudische Arten von Nemestrina hat New-
man (a. a. O.) unter den Namen Rhynchocephalus gigas und
ales beschrieben.
^tratiomydae» Von Schummel (Arbeit, und Veränd. der
schles. Gesellsch. f. vaterl. Kult. i. J. 1840. Ent. S. 15) ist das Männ-
chen seiner (1836 beschriebenen) Stratiomys paludosa entdeckt wor-
den, welches von dem der St. argentata Meig. durch rothgelben Bauch
mit zwei braunen Ouerflecken, gelbe Schenkelspitzen und Fehlen des
braunen Puncts im Flügel unterschieden wird. (Der braune Punct im
Flügel ist bei St. argentata bald deutlich, bald erloschen, die übrigen
Differenzen beruhen in der Mangelhaftigkeit der Meigenschen Be-
schreibung.)
Dale (Ann. of nat. bist.) gab eine Übersicht der britischen Arten
von Oxycera, unter denen eine neue, O. longicornis Haliday.
Leon Dufour (Ann. d. scienc. nat. XVI. S. 864 T. 14 F. 17— 19)
hat die Larve von einem Pachygaster beschrieben und abgebildet,
den er als eine neue Art, P. meromelas, betrachtet, welcher aber
schwerlich von P. ater verschieden sein mögte. Die Beschreibung
der Larve stimmt mit der von Macquart gegebenen, nur dass hier
13 Körpersegmente angenommen sind, indem das letzte kleioe als
eigenes gezählt wird. Die Mundtheile bestehen aus einer längeren
vorgestreckten Lefze, einem Paar hakenförmiger Mandibeln, welche
eine sehr beschränkte Bewegung baben, und einer elliptischen Unter-
lippe. Von Tastern und Fühlern keine Spur.
^yrphici. Eine neue Art von Ceria hat Saunders (Trans-
act. of the Ent. Soc. of Lond. III. S. 60 T. 5 F. 6) als C. eucne^
mioides beschrieben. Sie ist aus Nord-Indien.
Loew (Ent. Zeit. S. 136. 155) hat die Arten der Gatt. Chry^
sotoxum einer Prüfung unterworfen, und den bis dahin bekannt
gewordenen 10 Arten — unter denen Chr. intermedium ^ sylvarum^
und costale dem Verf. zweifelhaft geblieben sind, — zwei neue hin-
300
zugefügt: Chr. e leg ans aus Österreich, vom Chr. arcuatum durch
ungefleckte Flügel und Zeichuuog des Hinterleibes constant ver-
schieden, und Chr. vernale^ ebenfalls dem Chr. arcuatum zunächst
verwandt, aber kleiner, und durch kürzere Fühler mehr abweichend;
diese scheint im östlichen Deutschland häufig vorzukommen und ist
auch bei Berlin nicht selten.
Schummel (Arb. und Veränd. der schles. Gesellsch. f. vaterl.
Kult, 1841. Ent, Sect. S. 18) hat die schlesischen Arten von Chry-
sotoxum gemustert und darunter eine newe, C hr.monticola ent-
deckt, welche sich vorzüglich durch die Verhältnisse der Fühlerglie-
der auszeichnen mögte, von denen das 1. und 2. kurz, und unter ein-
ander gleich, das 3. länger als beide zusammengenommen ist. Die
als Chr. fasciolatum bekannte Art führt der Verf. als Chr. sylvarum
Meig. auf, und nicht mit Unrecht, denn ich glaube, dass Chr. fascio-
latum und sylvarum Meig. identisch sind, ebenso wie Chr. margina-
tum und costale Meig.
Auch über die Gatt. CalUcera, Ceria und Microdon erstreckt sich
die Bearbeitung desselben Verf. (a. a. 0. S. 14.) Von CalUcera
ist eine neue Art bei Breslau entdeckt worden, C. rufa, welche
durch rothe Behaarung, ganz rothgelbe Beine, und die Verhältnisse
der Fühlerglieder — das 2. Gl. ist etwa halb so lang als das erste —
von C. aenea sich unterscheidet. Von Microdon sind zwei neue
Arten aufgeführt, M. fuscitarsis, durch dunkelbraune Füsse von den
übrigen Arten abweichend, und M. scutellatus, mit rothgelben Schild-
chen, ohne Frage M. mutabilis Lin. (Meigens M. mutabilis scheint nur
9 seines M. apiformis zu sein.)
Loew (Ent. Zeit. S. 85) vereinigte Merodon constans ^ ferrugi-
neus, flavicans Meig. und rufus Macq. als Abänderungen mit M. ]Sar-
cissi Meig. — Ferner beurtheilt er Helophüus camporum Meig. und
Didea fasciata Meig. als abweichende Individuen von H. pulchri-
ceps Meig.
Derselbe (ebendas. S. 6) stellte eine neue Art, Syrphus dis-
par^ aus der Grafschaft Glatz, auf, welche sich durch die winklich
getogenen Hinterschienen des Männchens auszeichnet. Sie hat einige
Übereinstimmung mit S. tropicus und funeralis Meig., w^elche von
Meigen zur Gatt. Cheilosia gerechnet werden, während die neue Art
ein ächter Syrphus ist; dies steht indess ihrer nahen Verwandtschaft
nicht entgegen, denn, wie der Verf. bemerkt, reichen die zur Zeit
aufgestellten Charactere zur Trennung der beiden genannten Gat-
tungen nicht aus.
Conopii. Eine neue Art, Conops aurosa, aus Neuholland,
ist von Newman (Entomologist S. 223) beschrieben.
jnCuscariae* Über die Naturgeschichte der Miltogramma co-
nica hat v. Siebold (Observ. quaed. entomolog.) interessante Beob-
achtungen gemacht. Diese kleine Fliege ist der schlimmste Feind
des Oxybelus uniglumis. Sie hält sich an den Stellen auf, wo die
301
Oxj'belen ihre Nester haben. Sobald ein Oxybelus mit seiner Beute
heimkehrt und sich vor seinem Neste niedersetzt, erhebt sich die
Miltogramma, und schwebt unbeweglich über demselben. Dieser, der
seinen Feind gewahrt, sucht desselben los zu werden, und fliegt,
um ihn von der Spur abzulocken, mit seiner Beute hin und her. Die
Miltogramma verfolgt ihn, setzt sich, so Vtie der Oxybelus längere
Zeit still sitzt, auf einen erhöhten Gegenstand, stets ihr Opfer im
Auge behaltend. Selten gelingt es dem Oxybelus die Miltogramma
von der Verfolgung abzulenken, öfter ermüdet er selbst, öffnet sein
Nest und schleppt seine Beute hinein. Sobald er darin ist, stürzt die
Miltogramma ihm nach, erscheint aber gleich wieder vom Oxybelus
hinausgejagt. Die verfolgenden Miltogrammen sind Weibchen; sie
gehören zu den lebendig gebärenden Tachinarien, der Zweck ihrer
Nachstellungen ist kein anderer, als ihre Brut in das Nest des Oxy-
belus zu bringen, wo die Larve parasitisch aufKostsn der Oxybelus-
Larve lebt. Die andern Miltogrammen-Arten scheinen eine entspre-
chende Lebensweise zu führen, so beobachtete der Verf., dass M.
punctata auf ähnliche Weise der Ammophila hirsuta nachstellt.
J. J. Smitt (Vetensk. Acad. Handl. f. ar 1840 S. 63) theilt
einen Fall mit, wo sich eine Fliegenlarve unter der Haut auf der
Stirn bei einem Kinde gefunden. Die, der einer Tachina ähnliche
Larve ist von Sundevall genau beschrieben.
Robineau Desvoidy (Ann. d. I. Soc. Ent. d. Fr. X. S. 274)
bemerkt, dass er Fhasia crassipennis zum zweiten Mal mit Ph. ana-
lis in Copula gefangen habe, erstere $, letztere ^f sei. Das grössere
Weibchen nimmt das Männchen zwischen die Beine^ fliegt mit ihm
davon, hat beim Copulationsact allein eine thätige Rolle, und das
Männchen verhält sich ganz passiv.
Die Larve der Änthomyia Rumicis Bouch. wurde von Boye
(Kröyer Nat. Tidssk. III. S. 324) in den Blättern von Rumex aceto-
sella minirend gefunden, und Bouche's Beobachtung bestättigt.
Robineau Desvoidy CAnn. d. 1. Soc. Ent. d. Fr. X. S. 269)
stellte eine neue Gatt. Fucellia auf, welche mit Scatophaga zu-
nächst verwandt, sich dadurch unterscheidet, dass das Weibchen an
der Spi(ze der Unterseite der Hinterschenkel eine Ausrandung hat,
und dass die Fühler ein wenig kürzer sind, mit nackter Borste.
F. arenaria, findet sich an der Küste bei Havre, wo die Larve
von den vegetabilischen und animalischen Auswürfen der See, Ex-
crementen u. s. w. sich nährt.
Saunders (Transact. of the Ent. Soc. of Loud.III. S. 60 T. 5
F. 3) stellte eine neue Gatt. Dasyneura auf, welche aber mitDa-
cus identisch ist. Die Art, D. %onata aus Ostindien ist mit D. fer-
rugineus F. verwandt.
Trypeta alter7iata Fall, erzog Boye (Kröyer Naturh. Tidsskr. IIL
S. 324) aus den Beeren der Berberizen,
Die Gatt. Saltella hat Loew (Ent. Zeit. S, 182) einer gründ-
302
liehen Prüfung unterworfen. Sie war vonRobineau Desvoidj^ auf Grund
der kürzeren unbewehrteoBeine, der kürzeren Flügel, des längeren
Schildchens und ungestielten flachen Hinterleibes von Sepsis abgeson-
dert. Das erstere Merkmal passt aber nur auf die Weibchen. Dagegen
findet sich ein anderer Character im Flügelgeäder, indem die obere der
beiden kleinen Wurzelzellen fehlt, und die erste Längsader von der
Hülfsader deutlich gesondert ist, was bei den übrigen Sepsideen nicht
der Fall ist. Die einzige, mit Sicherheit bekannte Art ist Piophila
scutellarls Fall., wozu Aiüsophysa scutellaris Macq., Saltella nigripes
Bob. Desv. Walk. Macq. Meig., JSemopoda ferruginea Rob. Desv.
Macq. Meig., JSemopoda scutellata Macq. Meig., Nemopoda ruficoxa
Macq. Meig. als sichere Synonj-me gehören. Eine zweite Art ist in
Anisophysa albipennis Macq. zu vermuthen.
Ger mar (Ent. Zeit. S. 127) theilte einen Fall mit, wo die Larven
von Piophila casei im Kochsalze vorkamen, und sich von demsel-
ben zu nähren schienen.
Thyreophila cynophila wurde von Robineau Desvoidy (Ann.
d. 1. Soc. Ent. d. Fr. X. S. 275) auf Cadavern von Pferden und Eseln
angetroffen, und zwar im Winter, unmittelbar nach dem Schmelzen
des Schnees.
Ders. (ebendas. S. 263) beschrieb eine neue in Frankreich auf-
gefundene Art seiner Gattung Herb in a als H. liliorum, und
nahm Gelegenheit, auf diese und einige verwandte, von Macquart u. A.
unberücksichtigt gebliebene Gattungen aufmerksam zu machen, wel-
che er zu einer eigenen Gruppe, Palomydes, rechnet, welche in der
Afterbildung der Männchen mit den Condyluren, in übrigen Beziehun-
gen mit den Sciomyzen übereinkommen.
Ders. (ebendas. S. 251) machte drei neue Arten seiner Familie
Malacomydes bekannt. Dieser Familie schreibt er einen besonders
weichen Körper zu, und eine Anzahl der dahin gehörigen Arten be-
wohnt die Höhlen unterirdischer Thiere. Meigen und Macquart haben
mehrere Arten zu Helomjza und Blephariptera gerechnet. Die hier
beschriebenen Arten sind: Leria melina^ welche im Dachsbau, und
zwar in der Kammer lebt, wo der Mist abgelegt wird, Leria niu-
stelintty am Eingange der Höhle eines Wiesels aufgefunden, The-
lida vespertilionea, in den Höhlen von Arcy-sur-Eüre auf Fle-
dermausmist gefunden.
Loew (Ent. Zeit. S. 26) hat kritische Bemerkungen über einige
Fliegenarten {Coenosia Qnotata, Anthomyia posticata, leucostorna^
Opomy%a venusta Meig., Melaiiophora rubesceus Macq., Milichia ornatay
Musca borealis Zett.) mitgetheilt.
Heiiiiiitera.
Die Artenkenntniss der H. Heteroptera ist in gewohnter Weise
durch „Die wanzenartigen Insecten (Fortsetzung des Hahns-
303
chen Werkes) von Dr. Herrich-Schäffer (Vl.Bd.S— 6.Hft.)"
bedeutend gefördert worden. Mehrere neapolitanische und sici-
lianische Hemipteren beschrieb Ach. Costa (Ann. d. 1. Soc.
Ent. d. Fr.X. S. 279), und LeGuillou (Rev. Zool. S. 261)
machte die auf einer Reise nach der Südsee entdeckten Arten
vorläufig bekannt.
IPentatotnidae» Costa (a. a. 0.) gab eine Abbildung der
Coeloglossa lyncea, der Pachycoris hirta, wie er (S. 306) P. ma-
culiventris Germ, genannt wissen will, weil die Bauchflecke nicht
constant sind, und einer neuaufgestellten Art, Podops siculus
(S. 301) — unsere Sammlung besitzt Exemplare davon vom Senegal,
und sie kann leicht T. tangira F. sein. — Le Guillou (a.a.O.)
stellte als neue Arten Podops cinereus von Samarang, und Call-
idea vulcanica von Banda auf: der erstere könnte indess wohl
mit P. luridus Burm. (in Meyen's Reise) zusammenfallen. — Plata-
spis bucephalus White (Entomologist S. 136) ist eine durch den
vorn weit ausgerandeten Kopf ausgezeichnete neue Art von Accra.
As opus Genei Costa (a. a. 0.) ist eine bei Neapel entdeckte
neue Art. — A. conformis Friv. bei Herrich-Schäffer, aus der
Türkei, scheint mir von nigridens F. nicht verschieden.
Von Cimex hat Herrich-Schäffer eine Reihe von Arten ab-
gebildet: C. dehellator ^ pugillato?' y albicoUis F., icterlcus L. und ty-
phoeus Wolf; C. sordidus und pyrrhocerus (hier fehlen in der
Abbildung die Maasse, auch scheinen mir die Halsschildecken zu scharf
dargestellt zu sein), aus Nordamerica, halte ich für Abänderungen
von C. ictericus L.; C. haematicus aus Brasilien ist Abänderung
oder entfärbtes Ex. von C. albicollis F.; neu sind C. trisignatus Hag.
von Java^ dimidiatus Hag. aus Brasilien, transversalis unbe-
stimmten Vaterlandes (unsere Ex. sind aus Mittelamerica, nämlich
Mexico, verschiedenen Puncten Westindiens u. s. w. — bei diesen
beiden letzten Arten sind die Abbildungen verwechselt), depressus^
unbekannten Vaterlandes, virgatus Kl. (eine AeliaF.) aus der Tür-
kei, deplanatus aus Brasilien, aereus ebendaher, ornatulus
aus Ägypten, convergens aus Brasilien, apicalis vom Cap, tri-
angulator, unbestimmten Vaterlandes (aus Brasilien!)
Le Guillou a. a. 0. führt noch auf: Pentatoma Petiti von
Banda, Le Reddi von Neuguinea, Strachia Chamberti, eben-
daher, Rhaphigaster Carrenoi von Zamboagan, mit (Edess)
punctum F. äusserst nahe verwandt, und vielleicht nur Abänderung,
Acant ho soma lutea von den Freundschaftsinseln; Megymenum
Meratii von Timor, crenatum von Neuguinea.
Eine neue Gattung ist ChoerocydniLsV^\\.\iQ (Grey's Reise II.
S. 472). Es ist ein Cydnus ohne ünterflügel und ohne Membran der
Halbdecken, den man unbedenklich als eine ungeflügelte Cydnus-Art
betrachten könnte, wenn nicht auch die Ocellen fehlten. Es steht
304
indess das Verschwinden derNebenaugen mit dem des Fliigvermögens
in naher Beziehung. Ch. foveotatus ist von König Georgs-Sund.
Coreidae, Hier hat Herrich-Schäffer besonders viele
Arten abgebildet:
Spartoceriis lujiatus, l ati com f s Bwxm.y hicolor, eine neue Art
aus Brasilien, und unter dem Namen geniculatus Kl. ebenfalls eine
neue Art ebendaher, denn die von Burmeister beschriebene Art der
hiesigen Sammlung ist einerlei mit dem vom Verf. auch schon abge-
bildeten H. serrulatus Perty.
Physomerus calcar F.
Cerbus umhrinus^ phyllocnemus B.^ tragiis F., tenebrosus F. 9?
umbiUcatus F. 9; tumidipes Y.Boerhavii F., und eine neue Art, Ph.
crucifer, unbestimmten Vaterlandes (sie ist neuholländisch).
Nematopus meleagris L., rußcrus Perty 9, und eine neue
Art, iV. an gu Status aus Brasilien.
Diactor, zwei neue Arten, die eine als D, alatus Burm. aua
Mexico, von dem sie aber verschieden ist, die andere als D. con-
color aus Ca3'enne.
Meropachy s gi^anosus neue Art aus Brasilien.
Archimerus, drei Arten sind als neu aufgestellt: A. ncutan-
gulus aus Brasilien ist aber Pachymeria armata Lap., trianguUim
Spin., A. muticus aus Mexico ist alternatus Say, squalus Burm.,
und A. rubiginosus aus Nordamerica scheint diesem sehr nahe
verwandt zu sein.
Crinocerus , drei neue Arten: Cr, triguttattis aus Mexico,
fulvicornis von Demarar^^ devotus aus Columbien (unsere Ex.
sind von St. Domingo.
Actorus Jossularuniy mit Darstellung der Gattungscharactere.
Cor BUS graciUcornis Herr.-Schäff. cT. Der Verf. bemerkt, dasa
diese Wanze in keine der Gatt. Coreus, Corizus und Pseudophloeus
genau passe.
Gonoceriis? ab br evi'atus ERgenh. von Java, ist Lyg. abbre-
viatus Fab., und ein Homoeocerus, G. versicolor ^ welchen der Verf.
für exotisch hält, scheint mir eine Abänderung des G. Juniperi Dahl.
Le Guillou (a. a. O.) stellte zwei neue Arten auf: Gonoce-
rus variegatus von den Freundschaftsinseln und Syromastes
tasma7iicus von Vandiemensland.
Der abentheuerlich gestalteten Gatt. PÄy//o7wo/'/>Äa hatWest-
wood die zweite Tafel seiner Are. Ent. gewidmet. Er führt 8 Arten
auf: Pk.paradoxa^ vom Cap, von welcher er Ph. paradoxa Guer.
Burro. als zweite Art, unter der Benennung Ph. capicola unter-
scheidet — ich muss bekennen, dass ich mich an unseren Exemplaren
von Wesentlichkeit der Unterschiede nicht überzeugen kann — Ph.
Latreillei Guer. vom Senegal, und P h. Persica, neue Art aus Per-
sien sind solche, wo das Halsschild hinten abgeschnitten ist; bei den
übrigen ist der Hinterrand des Halsschildes in ein Paar Lappen vor-
305
gezogen: Ph. laciniata de VilL, facerata Herr.-Sclmff. , Algirica
Guer. und eine unbenannte Art vom Balkan, welche Herrich-Sch äf-
fer jetzt als Fh. erinaceus (a. a. O.) al);ü:ebildet hat.
Hauptm. M ey er (Ent. Zeit. S, 88) stellte eine neue Art von Be-
rytiis als B. montivagus auf, weklie sich von B. clavipes be-
sonders durch die nicht zugespitzte, sondern abgerundete, mit meh-
reren Randflecken bezeichnete Membran der Halbdecken unterschei-
det. Sie findet sich auch bei uns in \orddeutschland, sowie in Schwe-
den, und scheint bisher nur mit B. clavipes verwechselt zu sein.
X^ygaeidae. Herrich- Seh äffer (a. a. O.) bildete ab Ly-
gaeus auticnsF. aus Nordamerica, Largns Sficci'tictusV. (^Li/g.) eben-
daher y Tyrrhocorü Coqueberti F. aus Ostindien, und als neue Arten
Pyrrhoc. suturellus aus Nordamerica^ und Pachymerus ener-
vis (europäisch.)
Costa (a. a. 0.) beschrieb Pachymerus parallelus, wel-
cher vielleicht Ind. mit vollständig entwickelten Halbdecken von Mi-
cropus Genei Spin, sein könnte, oder wenigstens als nahe verwandte
Art in die Gattung gehört, von Neapel und Sicilien, P. suhery-
thropus von Sicilien, als neue Arten, und stellte zwei neue Gat-
tungen auf: Jjthaiiosom a, einem Aphanus Sp. (Pachym. sfaphyli-
nus) in der Körperbildung gleichend, aber ohne Ocellen: A. Itali-
cum aus den Abruzzen.
Tritomacer a mit Pachymerus übereinkommend, bis auf die
Fühler, welche 3gl. sind, das 3. Gl. so lang als das zweite, mit einer
löffeiförmigen Vertiefung und bis auf die stark zusammengedrückten
Mittel- und die etwas gebogenen Hinterschenkel: T. ajihanoides
bei Palermo entdeckt.
Vapsidae* Hauptm. Mej'er (Ent. Zeit. S. 82) theilte seine
Erfahrungen über mehrere Arten mit. Er unterschied Cajisiis ambi-
guus Fall, von koloser/ceifs Huhny welchen Herr.-Schäff. mit C.varia-
hllis Fall, verbindet, und stellte mehrere neue Arten, C. Ävella-
Qiae, dem C. Coryli höchst nahe verwandt, C. vai'tans ^ Syinolae
fasciatus, Pyri, Phytocoris diver gens ^ bisher mit Ph. Ulmi
verwechselt, auf. Einige derselben, C avellanae ^ ambigniis Fall.,
varians, fasciatus sind auch von Herrich- Schäffer (a. a. O.) dar-
gestellt, welcher ausserdem noch C. m'grita Fall., roseus F. (mit wel-
chem er variabilis Hahn und signatipes seines Nomencl. vereinigt),
rußpemiis Fall, und als neue Arten C. salicellus, propinquus^
cervinus, birnaculatus Hoff., bidentulus, annulipes, letz-
tere drei aus Südeuropa, Lopus carinatus von Uanzig, abbildet.
Sahlberg (Act. Soc. Scienc. Fenn. 1. 2. fasc.) beschrieb Phyto-
coris Jlavosparsus als neue Art aus Finnland, auf Cheuopodium album
lebend.
Costa(a. a. O.) stellt Capsus Aetneus vom Ätna, Phytocoris
flavo-mar g inatus und Passerinii von den Abruzzen als neue
Arten und eine neue Gattung Pachyt oma auf, welche in der Füh-
Archiv 1. Naturgeschichte. Vlll. Jahrg. 2. Bd. U
3()6
lerbildiing von IlaKiciis abweicht: es ist nämlich das 2. Gl. beson-
ders gegen die ^!pi(ze hin verdickt und das 3. und 4. Glied sind sehr
dünn. Er rechnet Capsus saltator Hahn hierher und eine neue Art,
P. minor, aus der Umgegend von Neapel.
lELeAtivini. Costa (a. a. O.) gab eine Abbildung einer nejien,
in den Esercitazioni Accaderniche degli Aspiranti Naturalisti 2. Vol.
2. prt. (1839) aufgestellten Gattung Acan tliot kor ax. Sie hat die
schmale Form und das bedornte Halsschild und Schildchen von Zelus,
hat aber einfache Klauen und stellt sich neben Holotrichus. Ac. si-
culus findet sich bei Palermo auf Binsen. (Unsere Exemplare sind
von Sardinien und dem Senegal.) — Als neue Arten beschrieb ders.
H nlütrichus? dcnndatus aus dem \eapolitanischen, vermuthlich
im Larvenzustande, und Holotr. Cyrilli, ebendaher. — LeGuil-
lou (a. a. O ) führt Peirates S ervillet ohne Angabe des Vater-
Lindes auf. — Herrich-Schäffer (a.a.O.) ProstemmaBuesii,
als neue Art aus der westlichen Schweiz, welche indess mit Pr. bi-
color Ramb. übereinkommt,^?////* a m oenns Gntr. von Java, ^. *^r«-
miiieus, neue A. unbekannten Vaterlandes, Äpiomerus morbillosusV.
aus Peru, Umnniatocerus mjctliemerus Biirm. aus Georgien in Nord-
america, Pirat es fulvoguttatus, neue Art aus Spanien, endlich
unterschied er Harpactor griseus (^Rediiv. gris.l^ossi) aus Südeuropa
und H. aegyptins {Red. cieg. Fab.) aus Ägypten und stellte ein voll-
ständig geflügeltes Individuum von Nabis subapterus dar.
Vhymatites- Westwood (Transact. of the Ent. Soc. of
London 111. S. 18 T. 2) hat eine Monographie der Gatt Macroce-
p ha Ins Swed. gegeben. Die typische Form hat das Schildchen so
lang als den Hinterleib, an der Spitze abgerundet, und ist durchaus
americanisch. Von 11 Arten sind 3, M. cimicoides Swed. {ß. wani-
cata F.), prehensilis F. und paJlidus W. aus dem wärmern Nord-
araerica, 3, M.pulchellus Kl, leucographus Kl., crassimaiiusF.
von Westindien, die übrigen aus Südamerica, und zwar M. nota-
tus und m adle 71 1 US aus Columbien, tuberosus Kl. (eigentlich
suberosus) und affinis Guer. aus Brasilien, M. ohscurus ohne
genauere Heimathsangabe. Hieran schliessen sich zwei neue Unter-
gattungen: Ambly thyrens hat das Schildchen ebenfalls an der
Spitze abgerundet, aber nur bis zur Mitte des Hinterleibes reichend;
3 neue Alten, von denen M ^. quadratus ais Ostindien, M.rhoin-
biventris und angustatus unbekannten Vaterlandes sind. Viel-
leicht ist diese ganze Form ostindisch. Oxythyreus hat das Schild-
chen ebenfalls nur bis zur Mitte des Hinterleibes reichend, aber spitz
dreieckig: eine neue Art M. O. cylindricornis unbekannten Va-
terlandes. — Von Phymata {ßyrtis F.) unterscheiden sich alle 3 For-
men darin, dass auf der Unterseite des Halsschildes keine Gruben
zum Einlegen der Fühler sind. Auch von dieser Gatt, hat der Verf.
eine neue Art, Ph. integra, unbekannter Heimath, beschrieben, die
durch langgestrecktes, fast geradseitiges Halsschild, gerundete Hin-
307
terleibsseiten , und einfach zngespifzfen (nicht zweispitzigen) Kopf
von den Gattlingsverwandten abweicht.
y^cantliitlae. Herrich- ISchäffer (a. a. 0.) bildet Salda
littoralis L. var.^ S. 'paUipes F. und zwei ne(ie Arten, S. In t ei p es
und eiltet a, beide aus Österreich, ab, ferner unter dem N:inien
Acanthia intrusa ein kleines merkwürdiges Inscct, von der Kör-
perform einer Salda, auch mit Ocellen , aber mit der Halbdeckenbil-
dung der Capsiden. Es ist europäisch und scheint auf die Rechte
einer besonderen Gattung Anspruch zu haben.
E versmann (Bull. Mose. 1841 S. 359 T 6 F. 6) macht eine Art
von Acanthia, A. ciliata^ bekannt, welche sich in verschie-
denen Häusern von Kasan gezeigt hat, viel kleiner als die Bettwanze
ist, nichts desto weniger schmerzhafte Beulen sticht. Sie mögte in-
dess kaum etwas anderes als die Schwalbenwanze, A. hirundinum
V. Sieb., hirundinis Jenyns, sein.
l^loteres» Herrich -Schaf fer (a. a. O.) stellte Hydroessa pul-
che/iaWesiw. und Hebrus pusillus Fall, mit Analyse ihrer Gattungscha-
ractere dar. In Bezug auf die letztere bemerkt Costa (a.a.O.), dass
man sie mit der Hydrometra stagnorum auf der Insel Ischia an einer
Stelle auf der durch microscopische Cryptogamen gebildeten gelati-
nösen Masse finde, auf welcher die heissen Mineralwasser fllessen.
JVotonectidae. Le Guillou (a.a.O.) führte eine neue Arty
Corixa maculata von Chile auf.
JFulgorellae. Eine neue Gattung ist von Carreno Ann. d.
1. Soc. Ent. d. Fr. X. S. 275 T. 5 unter der Benennung O^ow/o/;/ er«
errichtet worden. Sie ist mitFulgora nahe verwandt, hat eine grosse
pyramidale Kopfvorragung, und an den Decken die Wurzelhälfte
längsadrig, die Spitzenhälfte klein genetzt. O. syectahilis mit
zahnförmig ausgezogenem Innenwinkel der Hinterflügel ist ein an-
sehnliches, bisher noch unbeschriebenes Insect, dessen Vaterland der
Verf. nicht mit Unrecht in America vermuthet. Die Exemplare unse-
rer Sammlung sind aus Brasilien.
Als neue Arten sind von Le Guillou (a. a. 0.) aufgestellt:
Etiryhr achys maciilipennis und Ricafiia cyatiesee?ts, beide
von Nordaustralien.
JfJletnbr^scitlae, Ein Paar sehr abentheuerlich geformter neuer
Arten hat Westwood in Guerin's Mag. de Zool. Ins. pl. 82, 83 ab-
gebildet: C entrotus horrificus und Smilia bifoliata. Sie
ähneln americanischen Formen, sind aber ostindisch, nämlich Theil
der reichen Erndte Cuming's auf den Philippinen.
Cicadellae. Von Le Guillou (a. a. 0.) als neu aufgestellte
Arten sind Cercopis Boisduv alii ohne Angabe des Fundortes
308
und Aphrophora capvt ranae. — Sahlberg (Act. Soc. Scienc,
Feno. I.) beschrieb drei neue finuische Arten als Cicada lutea, pictu-
rata, adumbratn, und Biirmeisler (Genera Ins,) gab eine Darstel-
lung der Gatt. Typhlocyba mit den Analysen und Aufstellung einer
neuen Art, T. stellulata.
Cicadiee» Eine neue Art, Cicada micr acephala, von
Neuguinea ist von Le Guillou (a. a. O.) aufgeführt.
Psylliilne und ALpliitles. Hartig (Germ. Zeitschrift IIL
S. 359) hat den Versuch einer Eintheilung der Pflanzenläuse nach der
Flügelbildung mitgetheilt, welcher zur besseren Unterscheidung und
Bestimmung in dieser schwierigen lusectenfamilie viel beitragen wird,
um so mehr als die Betrachtung sich nicht auf die Flügel beschränkt.
Die ganze Abth. wird in drei Fam. getheilt: Erdläuse {Hypome-
neutes)^ stets uugeflügelt, ohne Honigdrüsen und Honigröhreu, mit
nur aus 3 Facetten zusammengesetzten Augen, an Pflanzenwurzeln
lebend. — Blattläuse (^Aphidi iia^ 4 Flügel mit nicht geäder-
tem Rande: eine Unterrandader vom Flügelmaal begränzt, schickt
3 schräge Adern zum Hinterrande des F'lügels, von welchen die letzte
(cubitus) zuweilen sich dichotomisch theilt. Ein vom Stigma zur
Flügelspitze verlaufender Radius bildet bei den meisten eine Radial-
zelle. — {Springläuse (Psyllodes'), 4, von einer Randader um-
zogene Flügel.
Die erste Fam. gründet sich auf die Gatt. Rhi%obhis Burm., der
der Verf. eine zweite, Rhizoterus, mit 5gl. Fühlern hinzufügt, aus
einer neuen Art, Rh. vacca, gebildet^ M'elche von Saxesen in den
Nestern der F. rufa entdeckt ist.
Die zweite Fam. enthält 7 Gatt., von denen 3 vom Verf. neu an-
gestellt sind: Phylloxera Boy d. F. (Que?'cus) ohne Radialzelle, Un-
terflügel ohne Schrägader, F'ühler Sgl. — Chermes {Ch. Abietis L.,
Laricis Hart.) ohne Radialzelle, Unterflügel mit einer Schrägader,
Fühler 5gl.^ Tetraneura n. G. mit 1 Radialzelle, Cubitus einfach,
Unterfl. mit 1 Schrägader, Fühler 6gl., keine Honigdrüsen, leben in
Gallen: T.UlmiL. — Pefnphtgus , n. G. mit Radialz. und einfachem
Cubitus, 8 Schrägadern im Unterfl., 6gl. Fühlern, meist in Gallen (^A.
hursa?'ius wxxA PopiiU L.), andere auf Blättern (P. lojiicerae, n.A.)
oder auf Trieben (L. pedu?iculi, n.A. auf Eichentrieben) lebend. —
Schixonenra, mit Radialz., einfach gabelf. Cubitus, 6gl. Fühlern:
Seh. lamiginosa., n. A. in grossen beutelförmigcn Gallen der Ulme,
Seh. laniger a höchst schädlich auf Äpfelbäumen, costatus, n. A.
auf der Rothtanne, Corni, n.A. auf C. sanguinea. — Lachmis JW. mit
linienförm. Randmaal, kleiner Radialz., 3ästigem Cubitus, 6gl. Füh-
lern, kurzen Honigdrüsen: L. fagi L., pini L., pmetiF,, padi, n. A.
auf Prun. Padus, prui?iosus, n. A. und Roboris L. ? — Aphis , mit
spindelf Randmaal, grosser Radialz., 3ästigeni Cubitus, 6gl. Fühlern,
deutl. Honigdrüsen. Zahlreiche Arten, denen der Verf. 14 neue, auf
Holzpflanzen beobachtete iiinzufügt.
3(19
Die 3. Fain. beschränkt sich auf die Gaii. Jhi/rodcs mit 2-, Psylla
und Livia mit -Jästiger Gabelader (cubitus) der Vorderflügel, bei der
letzten von Nebenadero begleitet. Psylla ist nach Verschiedenheit
der Kopf- und Flügelbildung in 5 Sectionen getheilt. Bei den 3 ersten
hat der Kopf vorn zwei kegelförmige Spitzen, zwischen welchen ein
einziges grosses Nebenauge liegt (zwei andere liegen hinten auf dem
Scheitel), bei der 1. ist ein Flügelmaal, der Cubitus ist stammadrig
(d. h., da die erste Gabeltheilung nicht unmittelbar an seiner Wurzel
geschieht, haben seine 4 Aeste einen gemeinschaftlichen Mamm.) Fs.
Pyri L. und zwei neue Arten — bei der 3. {Ps. Urticae L. und drei
neuen A.) ist der Cubitus stiellos (d. h. die erste Gabeltheilung ge-
schieht unmittelbar an der Wurzel) und die Unterrandader endigt ohne
Flügelmaal — bei der 3. (^Ps. Spartii^ neue A.) ist ebenfalls kein
Flügelmaal, aber der Cubitus ist wieder stammadrig — Den übrigen
spricht der Verf. das Nebenauge ab (ich finde aber alle 3, das vor-
dere nur mehr nach unten gerückt, daher von oben nicht sichtbar),
in der 4. Sect. (P. purj)urascejis, neue A.) sind Stirnkegel noch
angedeutet, auf der Unterseite des Kopfes liegt ein von der Brust
entspringender Zapfen, den der Verf für die Rüsselscheide zu halten
Anstand nimmt (und das mit vollem Recht, denn der Rüssel tritt an
der gewöhnlichen SteHe hinter den Vorderbeinen vor), in der 5. end-
lich (l^s. Abietis) ist die S(irn vorn scharf geraudet, bei beiden Sect.
haben die Vorderfl. ein breites Maal und einen stammadrigen Cubitus.
Boyer de Fonscolombe (Ann. d. 1. Soc. Ent. d. Fr. X. S. 157)
hat die in der Umgegend von Aix beobachteten Blattläuse beschrie-
ben, und damit einen nicht unwichtigen Beitrag zurKenutuiss dieser
von den Entomologen bisher so wenig beachteten Insecten geliefert.
Er führt 36 Arten von Apliis auf, in drei Abth., von denen die 1. mit
einem Paar hörnerartigen Fortsätzen gegen das Hinterleibsende der
Gatt. Aphis im Sinne von Hartig entspricht. Sie enthält 25 Arten,
unter denen A. Artemisiae^ Isatidis (vom Waid), Lonicerae
(vom Geisblatt), Tulipue (unter der äussern Haut von Tulpenzwie-
beln beobachtet und als Larve beurtheilt; sie hat sehr kurze Honig-
röhren, sonst würde man hierin eine Erdlaus vermuthen), Onobry-
chis (vom span. Klee), Persicae (von Pfirschenblättern), Primi
Mahaleb, KUamiii (von Rh. alpinus), aurantil (auf Orangen-
bäumen in Kübeln), Nerii (vom Oleander), tuberosae (von Tube-
rosen), hibernaculoriun (in einer Orangerie auf Daphne indica),
Verbasci (unter den Blättern von V, nigrum) als neu aufgeführt
sind. — Die 2. Abth. mit einem Paar Höcker gegen das Hinterleibs-
ende, entspricht ziemlich Lachnus Jll. und enthält unter 7 Arten A.
viminalis (von W^eiden), Populi albae, Filaginis (im Filz
von Filago germanica) als neu. — Die 3. Abth. ohne Röhren und
Höcker auf dem Hinterleibe, umfasst A. Ulmi^ Pistaciae, bursaria,
faiii und als neue A. radicum, an Graswurzelu, ohne Frage eine
Erdlaus Von Phylloxera unterscheidet der Verf. zwei Arten,
310
seine Ph. Quercus (auf Eiclienblättern) und Pli. longirostris
(Aph. quercus F. in Rissen der Eichenrinde, auch unter derselben).
Mac Clelland (Calcutta Journ. ofnat. hist. 1. p. 424) hat Nach-
richt über eine Aphis gegeben, welche im Jessore-District dem Indigo
schädlich wird.
Coccidae, Der Gattung Monophlebus hat Westwood in
seinen Arcan. Ent T. 6 S. 81 eine ausgezeichnete monographische
DarstellriDg gewidmet, welche 8 Arten aufführt. Die beiden ersten
M. Fahricii W. (Chiron, dubius F.) und M. atripeimis M.B., Burm.
sind einerlei, und der Verf. ist nur durch Burmeister's sehr oberfläch-
liche Beschreibung und ungenaue Vaterlandsangabe (Java) zu der Tren-
nung veranlasst worden. Unsere Exemplare sind gar nicht von Java,
sondern von Sumatra, von Daldorf, rühren also aus gleicher Quelle
mit dem Fabricischen Insect her. Sie haben die grösste Übereinstim-
mung mit der S.Art, M. Leaclüi Wesw. von Malabar. M. Burniei-
steri W. ist unbekannten Vaterlandes, M. Saun der sii wieder
ostiudisch, M. Raddoni W. von der Goldküste, M. Jlligeri von
Vandiemensland, Den Schluss macht der hiesige M. fiiscfpenm's. Die
hiesige Sammlung besitzt auch mehrere americanische Arten, so dass
sich die Gattung als überall verbreitet zeigt.
Eine riesenhafte Form von SchildJäusen stellte Guerin (Rev.
Zool. S. 129) unter dem Gattungsnamen Callipappus auf. Sie
schliesst sich am nächsten an Dorthesia, die Männchen haben ähn-
liche Borstenbüschel, bei den Weibchen sind die Beine ebenso ent-
wickelt, sie sind aber nackt. Die Fühler beim ^T Hgl«? länger als
der Körper, beim 2 lOgl , kurz. Füsse Igl. mit einer einzelnen Klaue.
Flügel des (/ mit einem einzigen Ouernerven durch die Mitte. C.
Westwoodii aus Neuholland, von Schvvanenfluss.
Tliysasiiira.
über die Poduren hat Nie ölet eine sehr werthvolle und
wichtige Arbeit (Recherches pour serv. a l'hist. des Podurelles,
Neuchatel 1841, aus den Nouv. Mem. d. 1. Soc. helvetiq. des
scienc. nat. 6 Vol. 1842, besonders abgedruckt) veröffentlicht,
welche sowohl die Kenntniss der Arten bereichert, die Gat-
tungen genauer scheidet und feststellt, als auch die innere
Organisation und die Naturgeschichte dieser bisher wenig
beachteten Thierclien erläutert.
Aus den umfangreichen Untersuchungen des Verf. hebe ich hier
nur Einiges hervor.
Die Poduren bedürfen zu ihrer Existenz eines gewissen Grades
von Feuchtigkeit, eine massige Hitze tödtet sie schon, dagegen be-
finden sie sich in der Kälte wohl, manche Arten finden sich nur auf
dem Gletschereise und dem Schnee, bei höheren Kältegraden frieren
311
sie wolil ein, kehren aber aufgetliaiH zur völligen Munterkeit zurück. —
Die Eier sind zalilreich — der Verf. zählte 1360 bei einem Ind. —
meist microscopisch klein, oval, lautlich oder kugelrund, meist glatt,
zuweilen durch lange Haare rauh, oder durch fadenförmige Fortsätze
anscheinend stachlig. Zuerst zeigen sich bei der Entwickelung die
Augen, welche zuweilen wie Tuberkeln nach aussen vortreten. Um
diese Zeit zerreisst auch die äusserste Eihaut, und bleibt mützen-
förmig an beiden gegenüberstehenden Seiten aufsitzen. Dann ändert
sich die Form des Dotters, er wird seitlich zusammengedrückt, unten
erscheinen Ouerfalten, die erste Andeutung der Gliederung des In-
sects. Bald ist die ganze Form des Embryo zu erkennen, zusammen-
gekrümmt, auf dem Rücken den Dotter, der sich vom Afterende bis
zum unförmlich grossen Kopfe hin erstreckt. Beine und Fühler er-
scheinen anfangs als blosse Säcke ohne Gliederung, und zwischen
den Hinterbeinen zeigt sich ein Organ, welches Latreille für das
Geschlechtsorgan angesprochen hat, aber 3 — 4mal so gross als beim
ausgebildeten Insect. Schon vor dem Verschwinden des Dotters zei-
gen die Gliedmaassen zuckende Bewegungen, welche um so häufiger
und stärker werden, je mehr der Dotter allmälig verzehrt wird.
Später breitet sich die Bewegung auch auf die Innern Organe aus,
so dass in der letzten Epoche der Embryo in fast ununterbrochener
Bewegung ist. Die Zeit vom Legen bis zur Reife des Embryo dauert
etwa 12 Tage. Die Jungen sind von microscopischer Kleinheit, haben
einen verhältniss nässig grossen Kopf und kurzen Hinterleib. Bei
den nächsten Häutungen hält der Körper seine bleibende Form. Die
Häutungen sind zahlreich und finden etwa alle 12 — 15 Tage statt.
Die bekleidenden Schuppen und Haare werden jedesmal mit abgelegt.
Die Muudtheile der Poduren bestehen in einer grossen Lefze,
scharf gezähnten Mandibeln, am Grunde mit einer gerieften Kaufläche,
kleinen Maxillen mit einer scharf 5 — 6zähnigen Lade, ohne Taster.
Die Unterlippe ist gross, hornig, an der Basis mit einem dreieckigen
Kinn, zu jeder Seite desselben ein aus zwei Reihen 10 kleiner drei-
eckiger, jedes in eine Borste auslaufender Blätter zusammengesetzter
Körper, von häutiger Consistenz, weisser Farbe und beständiger Be-
wegung, in welchem der Verf. das Analogon der Lippentaster zu
erkennen glaubt. — Abweichend ist die Mundbildung bei den Acho-
ruten: es finden sich weder Maxillen noch Mandibeln, sondern ein
kleiner zapfenförmiger Rüssel, welcher unter der vorragenden Stirn
verborgen liegt.
Das Nervensystem liess sich bei den schmalen Formen nicht
beobachten, bei den kugligen (Sminthurus) fand der Verf. zwei Kopf-
ganglien (das sog. Gehirn und den unter dem Schlünde gelegenen
Knoten, ein einziges Thoraxganglion mitten im Thorax, und ein
einziges Hiuterleibsganglion, im Grunde des Hinterleibes gelegen.
Von diesem gehen drei starke Äste in den Hinterlei!), einer in der
Mitte, einer zu jeder Seite. Der Nahrungskaual ist gerade, ohne
312
Windung, besteht in einer haarfeinen Speiseröhre, einem birn-
förinig erweiterten Schlund, sehr ausgedehntem, geräumigem Chylus-
magen, welcher den grössten Theil des Verdauungsapparates aus-
macht, einem sehr kurzen trichterförmigen Dünn- und einem eben-
falls ziemlich kurzen birnförmigen Dickdarm. Gallengefässe glaubt
der Verf. sechs ziemlich kurze mit freien £nden beobachtet zu haben.
— Die Stigmen fand der Verf , acht an der Zahl, an den Seiten der
vier ersten Hinterleibssegmente gelegen. Ein Haupt-Tracheenstamm
ist an jeder Seite des Körpers gelegen, nach der Krümmung der
Segmente Bogen bildend, auf dem 2 — 7 Körpersegment von längli-
chen Luftsäckeu begleitet, welche gewissermaassen Schleifen mit ihm
bilden. — Das Rückengefäss zeigt 9 Kammern, deren Seitenöffnungen
sich nicht unmittelbar erkennen liessen, deren Anwesenheit sich doch
durch Strömungen des Blutes dahin kund gab.
Den Bliitumlauf betreffend, zeigte sich an jeder Seite des Kör-
pers ein Hauptstrom, vom Kopfe zur Hinterleibsspitze gerichtet, mit
dem zahlreiche \ebenströnie in Verbindung standen. Pulsationen
machen sich auf die Weise bemerkbar, dass die Blutwelle in Ver-
hältniss von 1 zu 3 zurück und vorwärts geht. Diese Pulsationen
stimmen mit den Bewegungen des 9kanimerigen Rückengefässes über-
ein. Die Zahl der re^jelmässigen Pulsationen schätzt der Verf. bei
erwachsenen Ind. auf 60 — 80 in der Minute, bei jungen Ind. ist sie
beträchtlicher, auch kann sie bei Anstrengung auf 160 steigen. Mit-
unter hört der Blutumlauf auf längere Zeit, selbst auf mehrere Stun-
den auf, vermuthlich bei gänzlicher Ruhe des Thieres.
Die Poduren theüen sich in solche mit linienförmigen, und solche
mit kugligem Körper. Eine 1. ünterabth. der ersteren bilden solche
ohne Springapparat (4 Fühlergl.), dahin 1) j4c hör utes Temiil. mit
4 Ocellen jederseits, und einem Saugmund: A.tuberculatus, neue Art;
— und 2) A?iur ophorus, neue Gatt, mit 13 — 20 Augen auf jeder
Seite, und mit Mandibeln und Maxillen : A. fimetarius {F. fim. Lin.)
und A. laricis^ neue Art unter Lärchenrinde. — Die 2. ünterabth. hat
den Springapparat: 3) Po dura behaart, 4gl. Fühler, 8 Ocellen auf
jeder Seite, kurze, untergeschlagene Springgabel; das Prothorax-
segment den übrigen Segmenten gleich: F. aquaticaDeg. und 5 neue
Arten. — 4) Z)e^orz'«Ag., Körper langhaarig, das Prothoraxsegment
wie bei allen folgenden Gatt, sehr kurz, Fühler 4gl., Ocellen 7 auf
jeder Seite. Springgabel lang, gerade: D.glacialis (^D. saltans \g2ks-
siz) auf dem Gletschereise lebend, und 11 andere Arten, unter denen
P. viatica L. und P. aunulata V. — 5) Cyphoderus (nicht Cjpho-
deirus): Körper beschuppt, .Mesothorax nach vorn vorragend, oft über
den Kopf verlängert, das 4. Hinterleibssegment sehr lang, Fühler 4gl.,
Augen jederseits 8, Spriuggabel lang: 8 Arten, darunter P. lignorum
F. und P. pusilla L. — 6) Toinocerus^ Körper beschuppt und be-
haart, das 3. Hinterleibssegment sehr lang; Fühler sehr lang, 4gl.,
Ocellen 7 auf jeder Seite; Springgabel lang, dahin P. plumbeah. und
313
eine neue Art. — 7) Degeeria: beschuppt oder mir behaart, die
Haare aber immer keulförmig. Fühler ziemlich lang, 4gl., Ocellen
Sauf jeder Seite. Sprioggabel lang: P. nivalis L. und 10 neue Arten.
— 8) Orchestella Tempi.: Fühler 6gl., gebrochen: P. villosa L.
und 5 neue A. — Die zweite Abth. mit kugligem Körper beschränkt
sich auf 9) S?nint hurus Latr., mit Sm. signatus^ viridis ^ fuscus^
und 3 neuen Arten.
Aracltiiiden«
jAraneae»
Die Kenntniss der Arten, sowohl exotischer als einheimi-
scher, wurde durch Koch 's „Arachniden" (8. Bd. 3 — 6 Hft.
9. Bd. 1. 2. Hft.) in bekannter gründlicher Weise gefördert.
Englisclie Arachniden wurden von Blackwall (Transact. Lin.
Soc. XVIII. S. 601), eini2:e exotische von White (Ann. ofnat.
I.ist. VIII. S. 471) beschrieben.
Black wall (a. a. O.) hat seine Ansicht, dass die Haupt-
abtheilungen der Spinnen durch die Zahl der Augen zu be-
stiminen, weiter entwickelt. Es entstehen so die Abtheilungen
Octonoculina, Senocultna, Binoculina. Letztere ent-
hält nur die Gatt. Nops, welche, die Augen abgerechnet, mit
Dysdera in einer so nahen Verwandtschaft steht, dass beide
nur künstlich in verschiedene Abtheilungen gebracht werden
können. Die sechsäugigen Spinnen, welche bereits Koch als eine
eigene Familie, Zelleuspinnen, zusammenfasste , haben nach
Duges' Untersuchungen Tracheen neben den Lungensäcken,
und sie schienen sich dadurch von den übrigen Spinnen zu
entfernen, bis kürzlich Grube (Müll. Arch. f. Anat. 1842 S. 296)
dieselbe Bildung auch bei der Säugigen Argyroneta aquatica
wahrnahm.
Mpeirides^ Blackwall (a. a. O. S. 668) beschrieb als neue
Art Epeira celata. White (a. a. O. S. 474) Epeira (Singa)
leucogramma von Rio Janeiro, und Tetragnatlia hicolor von
Vandiemensland.
Vheridides* Koch hat im 4.-6. Hefte des 8. Bandes der
Arachuiden eine grosse Anzahl meist deutscher Arten dieser Familie
abgebildet: Bolypliantes ^litieatus (^r. 3//w. Lio.) ^T und die neuen
Axiew, B.alpestris, auf den süddeutschen Alpen in der Alpenregion.
B. straminetis bei Regensburg.— Theridium Sisyphus^wxxii. (^ ^
Th. Iu7iatum Siinö. {Th. Sisi/ph. Walk.) ^, Th. tepidariornm, neue
Art, in den Glashäusern des ßotau. Gartens zu Erlangen vorkommend,
314
Th. simileK. ^^ Th. tenelluin, neue A. aus Griechenland, Th. gnl-
tatutii Wider J* 9, Th. triste Hahn cf $, Th. cor nein um, neue
A. bei Regenshurg, Th. braccatum neue Art, bei Karlsbad häufig.
— Ert'gotie dentipalpis (Therid. defit/p.Wid.— ist schon früher als
E. atra von Blackwall beschrieben) ^f $, und zwei neue A ., E, lon-
gimana (/ 2, serotina cf 9? bei Regensburg, im Herbste mit
ausgebildeten Genitalien, und den ganzen Winter durch zu finden.
Die Gattung Erigone Sav. stimmt in der Augenstellung ziemlich mit
Linjphia überein, und characterisirt sich vorzüglich durch das sehr
verlängerte 8. und ebenfalls lange, verkehrt kegelförmige 3. Gl, der
mäonl. Taster und die kleinhöckerigen Genitalien. — Micryphan-
tes ovatusK. (Ther. sulc?yrons\\"id.) (^ 9? ^^- erythrocephalus^
neue A in verschiedenen Gegenden Deutschlands, in Nadelwäldern
unter Steinen und feuchtem Moose vorkommend; M. aequalis, neue
Art aus Baiern, M. inae qualis^ neue Art von Regensburg, M. cae-
spitumK.^A. rnfipesh., Th. hicorne Wid.) J* 9? ^i- tihialis K.(Ther.
unticum Wid.) c( , M. isabellinus^ neue Art von Kissingen. —
Meta fnsca (A. ßisca Deg.), 3/. Merlanae {Ara?i. Mer. Scop ), M.
ceUiüana (^Aran. cell. Clerck), und eine neue Art, M. inuraria von
Regensburg.
Eine ebenfalls beträchdiche Anzahl britischer Arten bescl^rieb
Black wall (a. a. O.), ohne sie jedoch durch Abbildungen zu erläu-
tern: Theridhim fnscum^ albens^ callens, — Walkenaera
(einerlei mit Micryphantes Koch, und mehrere Jahre früher aufge-
*ycsteUt)puticfata, turgt'da^ atra, hiemalis , hifrons, parva.,
humilis, apicata, pnviilu^ plciiia, iiemoralis — Neriene
munda, errans, sylvatica,viaria, pulla^ gracilis , parva^
rubella, abnormis ., v arieg ata., duhia^ gihhosa., tuberosa
— Linyphia cauta, vivax., sylvatica., rubea, insignis ,
fnrva, Clay toniae , obscura., gracilis — Manduculus li-
matus.
White (a. a. O.) beschrieb Lzw^/>/u'« argyrobapta und leu-
costernon von Rio Janeiro.
Ißra.ssides» Koch (a. a. O. 8. Bd. 6. Hft) bildete ab Latro-
dectus mactans Walk. {Aran. mact. F.), L. dotatns {Aran. dot. F.
L. %orille Walk.) aus Pensylvanien, und L. geometricus Mus.
Berol. aus Columbien.
Blackwall beschrieb als neue Arten C/mä/ow<« brevipes und
fucata, und errichtete eine eigene Farn. Cinifloidae: mit 8 Spinn-
warzen, die beiden untersten ungegliedert und bis an die Spitzen
verwachsen, der 31elatarsus der hinteren Beine mit einem Kamm
aus zwei parallelen Reihen kleiner dichtsteheuder Dornen. Das letzte
Merkmal scheint dem Verf. von grosser Wichtigkeit, da es mit der
Öcouomie, und zwar in der Anfertigung der Gewebe in naher Be-
ziehung stehe. Dahin die Gattungen C/w«y/o, aus Club, atrox hsitr.f
3i5
gebildet (Ämaiirobiiis atrox Koch) und Ergatis Walk. (Dictj'oa
iSundev. Koch.)
White (a. a. O. S. 477) beschrieb eine neue Art \onP holen s,
P h. geniculatus , von Rio Janeiro.
A^geleniües, Koch (a. a. O. 8. Bd. 3. Hft.) bildete ab: Tex-
trlx lycosina {Jgelen. lyc. Sund.), T. montana K. und drei neue
Arten, T. torpida aus den bergigen Theilen Süddeutschlands, T.
ferruginea und T. vestita aus Nauplia. — Philoica notata
{Ara?i. 7iot.L., Club, dornest. Wid.) und Ph. advena, neue Art von
Laibach, — Ageleiia Orient alis von Nauplla und A, gracilis
von Regeosburg, beide neue Arten, — Argyroneta aquatica cT —
endlich eine neue Gatt. Hahnia^ in ihren Characteren mit Agelena
verwandt, die vordere Augenreihe aber gerader, die Augen der hin-
teren Reihe mehr auseinander stehend, die Spinnwarzen verhältniss-
mässig etwas länger, weiter auseinander stehend und von anderem
Längenverhältniss der einzelnen Glieder; die männlichen Genitalien
einfach knotig, nicht gedreht. Die Lebensweise dieser kleinen Spin-
nen noch unbekannt: zwei neue Arten H. pusilla und pratensis.
Blackwall (a. a. 0. S. 614) beschrieb als neue Arten Agelena
elegans^ prompt a, montana^ nava^ Celans und fügte dieser
Farn, eine neue Gattung Coelotes (früher Cavator genannt.) hinzu,
welche auf dem Drass. saxat. des Verf , Amaurobius terrestris Koch
gegründet ist.
Ijycositles. Von Lycosa wurden von Blackwall (a.a.O.
S. 609) als neue Arten beschrieben: L. rapax, obscura^ latitans^
Cambrica.
^ttides. Blackwall (a. a. O. S. 616) beschrieb als neue
englische Art Salticus distinctus. — White (a. a. 0. S. 476)
bildete aus einer neuen Art von Sierra Leona, ,S'. pustulatus, eine
eigene Uutergatt. Homalattus, welche sich durch flachen queren
Vorderleib vorzüglich auszuzeichnen scheint. — Westwo od (Guer.
Mag. d. Zool. 1841. Arachn. pl. 1) gab die Beschreibung und Abbildung
einer ausgezeichneten neuen Art, S«//^/c?<.y manducator aus Nord-
indien, welche der weit vortretenden Mandibeln und der Augenstel-
lung nach sich der Gatt. Pjrophorus Hahn einreihen würde.
Koch (a. a. 0. 9. Bd. 1. Hft.) I ildete Myrmecia veriebrata
Walk., M. nigra Pertj, und eine neue Art, M. xanthopiis, ab,
sämmtlich aus Brasilien, und errichtete eine neue Gatt. Corinna,
mit Mjrmecia nahe verwandt, aber der hintere Theil des Cephalo-
thorax weder verengt, noch knotig, auch der Hinterleib ohne ver-
längerten Stiel; auf seinem Grunde aber, wie bei Myrmecia, ein
glänzender, horniger Schildfleck. Die Taster sind im Wesentlichen
die nämlichen. Die Augenstellung ist im Ganzen wie bei Melano-
phora, die vier Mittelaugen stehen bei den beiden ersten der sechs
aus der hiesigen Sammlung abgebildeten Arten, M. rubripes aus
316
Brasilien, und M. nigricans aus Mexico, in Quadrat, bei den übri-
gen M, meinnonia aus Columbien, M. amoena aus Carolina, M.
cingulata und tricolor aus Pensylvanien, im Trapez. Diese bei-
den Gatt. Myrmecia und Corinna sind den Hüpfspinnen wesentlich
fremd, und werden vom Verf, künftig als eine 'eigene Familie Myr-
mecides abgesondert werden.
jfEygaliile«» Diese Familie hat Koch (a. a. O. 9. Bd. 2. und
3. Hft.) mit einer grossen Reihe neuer Arten bereichert nämlich JYy-
gale Klugii^ fusca^ bru7inipes, seladonia, geniculata^
fimbriata^ rufidens^ scojiaria^ leporina aus Brasilien,
Erichsonii von St. Domingo, macrura von der westindischen In-
sel St. Jean, coracina vom Vorgebirge der G.Hoffnung, olivacea
aus Ägypten, aniiulipes aus Vandiemensland, Reichii waA testa-
cea unbekannten Vaterlandes. Ausserdem wurden M. fasciata Walk.
aus Ostindien, Walkenaeri und ochracea Perty aus Brasilien abgebildet.
^oliftigae»
Scorpionides. Koch (a.a.O.) hat die Abbildungen von fol-
genden meist neuen Scorpionen geliefert: Scorpius Bannaticus
aus dem Banat, Nicaeensis von Nizza — Buthus setosus, im-
perialis unbekannten Vaterlandes, B engalensis aus Bengalen,
Caesar aus Ostindien, Ceylom'cns {Scorp. Ceylon. Hbt.) — Opisto-
phthalmus latimanus vom Vorgeb. der guten Hoffnung, Bro-
theas angiistus aus Südrussland _, A?idroctonus bicolor Ehrenb.
{australis Sav.; aus Syrien und A. bstriatus Ehrenb. aus Ägypten.
A^c arim
Über einige Milben theilte Gervais (Ann. d. sc. nat. XV. S. 5
T. 2) seine Beobachtungen mit:
ßdellittes* Diese Familie ist von v. Heyden nach der Zahl
der Augen in die drei Gattungen Cunaxa {Scirus Dug. — 2 Augen)
Cytta (3 Augen) und Bdella 4 Augen) eingetheilt worden, der Verf.
ist aber der Ansicht, dass die Anzahl der Augen hier nur Artchara-
cter ist, er vereinigt also jene drei Gatt, wieder unter Scirus und
fügt noch zwei neue Arten hinzu, Sc. obisium, ohne Augen, und
Sc. longicornis^ mit sechs Augen.
Gatnusiiles* Dermanyssus Pipistrellae entdeckte der
Verf. auf der Flügelhaut des Vespertil. pipistrellus, wo er nach Art
der Pteroptes sich verbreitet.
Acarides, Eine neue Art von Glycophagus, welche sich
in den Federn eines in der Menagerie abgestandenen Uhu fand, ist
unter der Benennung Gl. ciirsor abgebildet. Auch an Sceleten
beobachtete der Verf. sehr ähnliche Milben, welche vielleicht nicht
einmal als Art verschieden sind.
317
Die Krätz- und RäudemilbeD sonderte der Verf. in zwei Gatttun-
gen: Psoroptes, mit Saiignäpfen und Borstenträgern an den hinteren
Beinen, und mit den Arten Vs. eqiii, ci/notis, ovis, cati, — und Sar-
coptes mit rudimentären hinteren Beinen, mit S. hominis, riqncaprae^
denen der Verf. eine dritte Art, S. dromedarii^ aus dem Räude-
grind des Dromedar, hinzufügt.
Cr 11 s t a c e e 11«
Von der Fauna Japonica, auctore Ph. Fr. de Siebold,
Ornstacca, elaborante W. De Haan, Lugd. Bat., fol., ist bereits
die 5. Decas erschienen. In den ersten Jahresberichten hat
Wiegniann nur im Allgemeinen auf dies, namentlich für die
systematische Kenntniss der Crnstaceen höchst wichtige Werk
aufmerksam gemacht, der späteren Lieferungen*) ist nicht mehr
gedacht w^orden, auch Milne Edwards hat diese Arbeit in seiner
Hist. nat. d, Crust. leider unberücksichtigt gelassen, daher die
Resultate der sehr umfangreichen und gründlichen Untersu-
chungen des Verf. noch wenig zur allgemeinen Kenntniss ge-
kommen sind. Der Raum gestattet hier nicht, den Inhalt der
früheren üecaden näher zu erörtern, so wünschenswerth es
auch sein mögte, die Eintheiliuig des Verf. und die von Milne
Edwards auf einander zurückzuführen. Ich gehe also unmit-
telbar auf den Inhalt der vorliegenden 5. Decas ein.
Brachyura.
Die Errichtung einer eigenen Abtheilung, Änomoura, wie sie M.
Edwards in Ausführung gebracht, verwirft der Verf., und erkennt nur
die Abtheilungen Brachyura und Macroura an. Die Brachjura theilt
er in zwei Hauptabtheilungen, ^r«c/fy^««^Ärt wnAOxy st Ofjiat a,
drei Familien der ersteren, Cancroidea, Maiacea und Dromiacea sind
in den früheren Lieferungen abgehandelt, hier wird noch eine vierte
Familie Tric hidea aufgestellt, welche nur eine einzige Gatt. Tr?*-
chia enthält, die sich nicht füglich mit einer andern verbinden lässt.
Der Habitus ist etwa der einer Droniia, und mit den Dromiaceen sind
die Übereinstimmungen auch am bedeutendsten, aber die Hinterbeine
sind nicht auf den Rücken gerückt, und sie haben ausserdem noch
neun Kiemen und die Lage der weiblichen Geschlechtsöffsiungen \m
sog. Sternum,der männlichen in den Hinterhüften mit den Cancroideen
und Maiaceen gemein. Trichia dromiaefortnis zeichnet sich durch
*) Die Iste erschien 1833, die 3te 1835, die 3te 1837, die 4le 1839.
v;^vt
318
einen langen und dichten Haarpelz aus, welcher den ganzen Körper
und die Beine einhüllt.
Die zweite Hauptabtheilung, die ^tx Brachyura Oxystomata
wird als eine eigene Abtheilung begründet, und in fünf Familien Do-
rippidea, Calappidea, Matutoidea^ Leucosidea, Raninoiäea getheilt.
Bei den drei ersten sind die Regiones pterjgostomiae an der Basis
vom sog. Sternum abgesetzt, bei den beiden letzten sind sie mit
demselben verschmolzen; auch ist bei diesen die Mundöffnung vom
5. Kieferpaar vollständig verschlossen. Die D orippideen haben das
4. und 5. Fusspaar auf dem Rücken eingelenkt. In der japanischen
See kommen drei Arten, Dorippe quadridens F., und zwei neue, D.
Japonica und D. granulata (sima Edw. auf der Tafel) vor.
Die Calappideen waren schon früher (3. und 4. Dec.) abge-
handelt worden. Die daselbst aufgestellte Gatt. Cycloes ist später
von Brülle als Cryptostoma (s. Jahresb. f. 1840, d. Arch. 7. Jahrg.
2. Bd. S. 251) von neuem bekannt gemacht, und auch die Art, von
den canarischen Inseln, Cr. cristata Br., scheint von der japanischen,
C. granulosa De H., nicht zu unterscheiden zu sein.
Die Familie der Matutoideen ist vom Verf. neu errichtet.
Sie stimmt sonst mit der vorigen überein, mit der sie bisher verbun-
den wurde, hat aber die vom 5. Kieferpaar geschlossene Mundöffnung
und das Fehlen des Flagellum an denselben Kiefern mit der folgen-
den Familie gemein. Hierher die beiden Gatt Hepatus und Matuta.
In der letzten Gatt, unterscheidet der Verf. nur eine Art, M. victor
F., aber mit mehreren constanten Abänderungen.
Die Leucosideen bilden eine sehr genau umschriebene Familie,
welche der Verf. mit 7 Arten, Philyra pisum, platycheir, Leu-
rosia long ifrons, obtvsifrons, uni dent at a, rhonihoida-
lis , Jrcania llspt?iosa bereichert. Auch ist Myra fugax F. ab-
gebildet. •
Die Raninoideen schliessen sich in der Bildung des Mundes
der vorigen Familie an, haben aber bekanntlich das 5. Fusspar auf dem
Rücken eingelenkt. Von Ranina sondert ^\Q\\^otopus dadurch ab,
dass die inneren Fühler nur bis zum (ungelapp(en) 2. Gliede der
ziemlich langen äusseren Fühler reichen, dass der Panzer zwar vorn
eben so breit aber nicht gelappt, sondern mehr einfach gezähnt ist
u. s. w., Lyreidus dadurch, dass der Panzer nach vorn hin verschmä-
lert wird, und dass das 5. Beinpaar fadenförmig und beträchtlich schwä-
cher ist als die übrigen. An den japanischen Küsten kommen vor
dentata Ranina Latr. (^Älbunea scabra F.)? Notopus dorsipes De H.
{Älbun. dorsipes F.) und Lyreidus tridentatus De H.
Macroura.
Die systematischen Verhältnisse dieser Abtheilung sind von De
Haan (a. a. O.) mit grosser Umsicht erörtert. Es ist wieder die
Bildung des Mundes zur Bestimmuug der Unterabtheilungen benutzt
319
worden. Bei den Einen {Jstarma) sind dieRcgiones pterygostomiac
mit dem Epistoma versciimolzen , bei den andern (Car/des) sind sie
getrennt; in einem dritten Fall sind sie sowohl vom Epistoma als
vom Panzeurücken durch eine Naht gesondert: diese entsprechen den
jinoTiiala Latr,, nur dass die Palinuren mit den Asfacinen verbunden,
dagegen die Galatheen wieder an sie abgegeben werden.
A^stdcina. Die Astacinen enthalten die Fam. der Eryonidea
(die fossile Gatt. Eryoii)^ die Scyllaroidea, PaUmtroidea, Astacoidea
und Me^alopidea.
Die Scj'llaroideen haben eine Bereicherung von 3 neuen Arten,
Sc. Sieboldi De H., Haanii v. Sieb., ciliatus v. Sieb, erhalten,
eine vierte bei Japan vorkommende Art ist Sc. antarcticus F. Der
Verf. erkennt nur eine Gatt. Scjllarus, an, welche er aber in 5 Un-
tergattungen zerlegt. 1. (^Scyllams §§ Edw.) die Augen mehr nach
innen gerückt, die Mandibulartaster Sgl. u. s. w. — //. (^Ihacus ant~
arcticuSyParrae)y die Augen in der Mitte zwischen dem Aussen winkel
und den äusseren Fühlern; Mandibulartaster 2gl. u. s. w. — /// (^Iha-
cus Peronii Leach, ciliatus v. Sieb.), die Augen den Fühlern mehr
genähertj die Mandibulartaster Igl. u. s. w. — Bei diesen drei Unter-
gatt, sind 21 Kiemen, und die Taster der 4. und 5. Kiefer haben ein
langes Flagellum. — IV. (The/nis Leach.) 31 Kiemen, die Taster der
3. 4. 5. Kiefer ohne Flagellum. — F. {Scyl/arus § Edw.) 19 Kiemen,
die Taster der 3. 4. und 5. Kiefer ohne Flagellum. Hierhin gehören
Sc. Sieboldi und Haanii.
Die Palinurideen enthalten die einzige Gattung P«///^^/r//.y, mit
welcher der Verf. auch die fossile Gatt. Palinuri?ia Münst. vereinigt.
In der japanischen See kommen vor P. trigonus v. Sieb, aus der
Gruppe der P. commun. Edw. und P. Japonicus v. Sieb., Bürgert
de H., fasciatus F. aus der Gruppe der longicorn. Edw.
Mit den Astacoideen verbindet der Verf. die Thalassinien Edw.,
indem das Vorhandensein einer beweglichen Schuppe über den äussern
Fühlern, nach welchen M. Edwards die Astacier absondert, keine
scharfe üntersclieidung zulässt, denn bei Homarus ist diese Schuppe
sehr schmal und doruförmig, bei Axia, wo sie fehlen sollte, ist eine
kurze vorhanden und hinsichts des Vorkommens von Kiemen über
dem fünften Fusspaar vermi(teln die Flusskrebse den Übergang zwi-
schen beiden, indem Ast, fluviatilis in dem Vorhandensein einer ein-
zelnen Kieme über den 5. Beinen mit den Hummern, A. Bartonii und
affinis in dem Fehlen derselben mit den Thalassinien Edw. überein-
kommen. Hier ist als eine neue Art noch Astacns Japonicus
beschrieben, der zwar grosse Übereinstimmung mit A. Dauricns Pall.
hat, aber hinreichend von ihm unterschieden ist. — Die genauere Be-
schreibung einer neuen mit Thalassina zunächst verwandten Gatt.
Laomedia ist in der nächsten Lief, dieses Werkes zu erwarten.
Audouin und Milne Edwards (Archives du Mus. d'hist. nat. II.
S. 35 T. 3) haben eine Beschreibung und Abbildung des Astacns
320
Madagascariensis gegeben, der in Grösse und der Breite des
Vorderkörpers sich südriissischen Arten annähert, in der geringern
AiisbildiiDg der Fühlerschuppe an den Hummer erinnert. Es war schon
früher von dem Verf. eine Diagnose von ihm gegeben worden (vgl.
Jahresb. f. 1839 d. Arch. 6. Jahrg. 3. Bd. S. 331), es ist aber unerwähnt
geblieben, dass auch Hr. Guerin in demselben Jahre denselben Krebs
als Astacoides Goudotii publicirt hatte (S. dens. Jahresb. S. 333;.
Über die geographische Verbreitung der Arten der Gatt. Astacus
Averden sowohl von diesen Verf als von De Haan Betrachtungen
angestellt, doch ist das benutzte Material noch sehr dürftig, indem
weder die verschiedenen wohl unterschiedenen mittel- und ost-
europäischen Arten gehörig gewürdigt, noch Arten aus Mittel-Araerica
ihnen überhaupt bekannt geworden sind. Auch Neuholland ist rei-
cher an Arten.
Cariiles. Duvernoy (Ann. d. sc. nat. XV. S. 10t T. 4. 5)
hat eine neue Gatt. Aristeus aufgestellt, welche namentlich in der
Form der Kiemen abweicht, die nicht, wie bei den übrigen bisher
untersuchten Cariden, blättrig und gefiedert, sondern verzweigt
sind. Jede Kieme besteht aus einem Hauptstamm, von denen nach
jeder Seite Äste abgehen, welche bis auf die nahe an beiden Enden
gelegenen bogenförmig gekrümmt sind, mit ihren Enden sich an ein-
ander legen, und so eine Röhre bilden. Auf der äusseren Seite sind
alle Äste mit kleinen Büscheln fein zertheilter Ästchen besetzt. Im
übrigen würde die neue Gatt, sich an Peneus reihen, wovon sie sich
auch durch die Innern Fühler, von denen die eine Geissei sehr lang,
die andere sehr kurz ist, unterscheidet. Auch haben die Beinean ihrer
Basis keinen tasterförmigen Anhang. Gegründet ist die Gattung auf
dem bisher räthselhaften Peneus antennatus Risso, welcher im Mit-
telmeer ing rossen Tiefen vorkommt.
Isopoüa.
Duvernoy und LereboulJet (Ann. d. scienc. nat. XV.
S. 177 T. 6) haben eine Arbeit über die Respirationsorg-ane
der Isopoden mitgetheilt, welche eine beträchtliche Erweiterung
ihrer früheren Untersuchungen (Vergl. Jahresb. für 1839 des
Arch. 6 Jahrg. 2. Bd. S. 334) enthält.
Allgemein sind die Respirationsorgane der Isopoden Kiemen, wel-
che vollständig entwickelt sich in 5 Paaren symmetrisch auf der
Unterseite der 5 ersten Segmente der zweiten Hinterleibsportion an-
geheftet linden, und von denen jede aus einem Stiel und zwei Blät-
tern, einem meist consistenteren deckenden, und einem zarteren ge-
deckten besteht, in welchem letzten die Respiration vor sich geht,
und welches auch zu einer Blase aufschwellen kann. Dazu kommen
noch äussere Klappen (welche in den niehrsten Fällen als die um-
gestalteten Beine der entsprechenden Segmente zu beurtheilen sind.
321
ßei den Idoteiden sind die Rcspiranonsorgane von einem Paar
Klappen bedeckt, welche wie Fliigelthüreu an einander scliliessen,
und welche jede aus zwei Stücken zusammengesetzt sind, von denen
das erste grössere mit den Seiten des Hinterleibes in Gelenkverbin-
dung steht, das zweite kleinere den freien Rand bildet. In der Fuge
zwischen diesem zweiten Stück der Klappe und dem Hiuterleibe findet
sich ein kleines gefiedertes Stielchen, vermuthlich dazu bestimmt,
das Eindringen fremder Körper in die Respirationsorgane zu verhin-
dern. Diese bestehen aus 5 Paar Kiemen, jede aus einem vierecki-
gen Sfiel und zwei Platten von gleicher Consistenz zusammengesetzt.
(Untersucht sind Idotea tricusjndata, linearis, Iiectica.)
Der Kiemenapparat der A sei loten zeigt eine sehr benierkeus-
werthe Modification der typischen Bildung. Es sind nämlich nicht
umgestaltete Füsse, welche die äusseren Klappen bilden, soudern
die Deckblätter des dritten Kienienpaares, welche sich so weit aus-
dehnen, dass sie die ganze hinterliegende Parthie des Hinterleibes
zudecken. Ihrem Grunde ansitzend findet sich unter ihnen das ge-
deckte Blatt in Form eines Bläschens, und dahinter noch zwei Kie-
menpaare, das innere, und häufig auch das deckende Blatt in Gestalt
eines Bläschens. Die beiden ersten Kiemenpaare sind zu Anhängen
der Geschlechtsorgane umgestaltet, und finden sich bei den Männchen
beide Paare, beim Weibchen ist ein Paar ganz verschwunden. (Die
Untersuchungen sind an Asellus vulgaris gemacht.)
Die Respirationsorgane derOniscideu sind in dieser Abtheilung
deshalb besonders beachtenswerth, weil hier Kiemen zur Luftath-
mung verwendet werden. Alle haben an den beiden ersten Kiemen-
paaren nur das Deckblatt, das innere Blatt fehlt, dies ist bei den
Männchen zu einem griffeiförmigen Copulationsorgan umgestaltet.
Die drei hinteren Paare haben Kiemenblasen unter den Deckblättern.
Bei Porcellio und Armadillo finden sich auf den Deckblättern der beiden
ersten, zuweilen auf allen Paaren zwei weisse oder gelbe baumartig
verzweigte Körper, von schwammigem oder gefässartigem Ausehen.
Bei Vhiloscia und Otiisciis sind sie nicht vorhanden. Ihre Bedeutung
ist bisher räthselhaft geblieben j mit den Geschlechtsorganen stehen
sie in keiner Beziehung, denn sie verhalten sich bei beiden Geschlech-
tern gleich. Die Verf. vermuthen, dass sie den Zweck haben, Was-
ser aus der feuchten Luft, in welcher dieThiere leben, zu absorbiren,
und damit die Kiemen zu benetzen. Früher schon hatten sie am
Rande der Deckblätter, an welchen sich diese sog. weissen Körper
befinden, eine Spalte wahrgenon)men, welche sich abwechselnd öffnet
und schliesst, und aus welcher eine wässrige Feuchtigkeit zum Vor-
schein kommt, jetzt haben sie auch Puncte im Grunde jener Spalte
aufgefunden, welche sie für die Öffnungen der Ausführungsgänge jener
weissen Körper halten. Diese erschienen ihnen als nach innen gerich-
tete Falten der inneren häutigen Platte des Deckblatts. Gefässe Hessen
sich in den Deckblättern nicht wahrnehmen, sondern das Blut ergoss
j\rihiv f. Natuigescliichte. VIII. Jahrg. Bd. 2, X
322
sich aiigenscheiDlicIi unmittelbar in die Huhlung zwischen der zarte-
reren häutigen innern und der cousistenteren äussern Platte des Deck-
blatts. Die Beweglichkeit der Deckblätter ist sehr beschränkt, so
dass sie dem um die Kiemen angesammelten Wasser nicht zu ent-
weichen gestatten, und die Respiiafionsorgane immer angefeuchtet
bleiben. Eine Wasserathmung ist es nicht, denn die Versuche der
Verf. lehren, dass die Land-Onisciden im Wasser selbst nicht respi-
riren können. Ebenso sterben sie schnell in trockner Luft. Auch
die Entfernung der sog. weissen Körper hatte den Tod in höchstens
18 — 20 Stunden zur Folge.
Die Sphaeromiden haben zwar die gewöhnliche Zahl der
Respirationsorgane von 5 Paaren, allein nur an den beiden letzJen
Paaren gestaltet sich das gedeckte Blatt zur Kieraenblase, die übrigen
sind nur Deckblätter.
Bei den Cjmothoaden linden sich sehr allgemein die 5 Paare
der Respirationsorgane, jedes derselben aus einer Kiemenblase und
einem Deckblatt bestehend. Bei den Parasiten sind die ersten Deck-
blätter so gross, dass sie alle anderen bedecken, was bei den C. er-
rantes nicht der Fall ist.
Die Epic ariden (Isop. sedentarii) haben freie Kiemenblätter
ohne Deckblätter, die zum Schutze der Kiemen auch überflüssig sind,
da die Thiere unter den Schalen der Krebse, an denen sie wohnen,
vor allen äusseren Einflüssen gesichert sind.
Cyvnothoadae* Audouin und Milne Edwards (Archives
du Mus. d'hist, nat, II. S. 7 T. 1, 2) haben eine ausführliche Mono-
graphie der Gatt. Se?'oh's gegeben. Die Arten sind dieselben, welche
in der Hist. nat. d. Crust. aufgeführt sind, aber genauer beschrieben,
und alle a'bgebildet.
JEpicarUles. Duvernoy (Ann. d. sc. nat. XV. S. 110) hat
diese Familie mit einer neuen Gattung Cepon bereichert, welche
zwischen den beiden bisher bekannten, Bopyrus und Jone, in der
Mitte steht. Sie hat 14 Paar Klammerfüsse an den Thoraxringen
(richtiger an den Segmenten des Thorax und der vorderen Hinter-
leibsportion) 3 6 Hinterleibssegmente (richtiger Segmente der hinteren
Hinterleibsportion) mit Kiemenlappeu j vier Fühler, von denen die
inneren rudimentär sind; keine Augen, wenigstens bei den Weibchen;
ßrutplatten bei den Weibchen auf der Brust; viel kleinere Männchen.
Alle Segmente, namentlich die des Vorderkörpers sind deutlich ab-
gesetzt, bei den Weibchen so gut wie bei den Männchen. Die äussern
Fühler sind beim Weibchen 4gl., die innern nur 2gl. Die Mundtheile
bestehen aus einer Lefze, kleinen Mandibeln, einer Unterlippe, Maxil-
len und einem Paar Kieferfüsse, welches den ganzen Mund bedeckt.
Die Hüften der vier ersten Fusspaare tragen auf einem kurzen Stiel
eine halbkugelförmige, mit Papillen besetzte Pelotte, und auch die
Füsse enden nicht mit einer Klaue, sondern mit einer Art von Haft-
lappen. Die Kiemen bestehen in sechs Paaren blattartiger Anhänge,
323
welche frei an den Seiten der Sejsimcnte der hinteren Hinterleihspor-
tion stehen. Das Indisidiium, welches der Verf. als Männchen be-
trachtet, ist nur halb so gross, die Kiemen sind stärker entwickelt,
die Innern Kieferfüsse haben eine etwas andere Form, die innern Fühler
sind länger, und es linden sich Spuren von Augen. Ks könnte dies aber
möglicher Weise auch ein weniger entwickeltes weibliches Ind. sein.
Mit Jone stimmt diese Gattung in der Zahl und Stellung der Hinter-
leibsanhänge, mit Bop^rus in der blattartigen Form derselben, indess
ist durch eine Einkerbung des Handes hier schon die baumförmige
Gestalt angedeutet, welche diese Organe bei Jone haben. — Die Art,
C. t j/ p u s , erhielt der Verf. mit andern Crustaceen von derlnselMau-
ritius, ihr Vorkommen und Wohnthier sind nicht näher bestimmt.
JfJCyriapoda.
Über die Genitalien der Myriapoden ist eine Di.ssertation
„De Myriapodum partibus genitalibus, nova generationis theoria
atque introdnctione systematica adiectis" von Fr. Stein er-
schienen. Da der wesentliche Inhalt der Abhandlung in J. Miil-
ler's Archiv für Anat. , Physiol. und wiss. Medic. (Jahrg. 1842
S.238T. 12— 14) aufgenommen ist, kann ich hier darauf verweisen,
DenTheil der Abhandlung über die systematische Stellung der
Myriapoden hat der Verf. zurückgenommen, und ich will da-
her auch nicht auf ihn eingehen, um so weniger als er keine
neuen Thatsachen enthält. Das Verdienstliche der Arbeit beruht
in sehr fleissigen Untersuchungen über die Geschlechtsorgane
der Chilopoden und Chilognathen; die Beurtheilung der Zeu-
gungstheorie des Verf. gehört nicht in das Gebiet dieses Be-
richtes, dieselbe ist auch wenig geeignet beachtet zu werden,
da die Untersuchungen des Verf. über die Samenflüssigkeit, auf
deren Resultate jene Theorie sich stützt, noch vieler Berich-
tigungen bedürfen.
Über die Reproductiousorgane und die Entwickelung der
Myriapoden hat Newport der Londoner Royal Society eine
Abhandlung vorgelegt, aus welcher die Hauptresultate in den
Ann. of nat. hist. (VIII. S. 389) vorläufig mitgetheilt sind. Von
vorzüglichem Interesse sind die Beobachtungen über die Ent-
wickelung von Julus. Die Eischale platzt schon ehe das Junge
entwickelt ist, der Embryo erscheint also fusslos, noch vom
Amnion umgeben, und mit dem Nabelstrang, der sich auf dem
Rücken des vorletzten Segments einsenkt. — Bei dem späte-
324
ren Wachsthum des Thieres vermehrt sich bekanntlich die Zahl
der Körperringe. Diese Vermehrung findet vor dem vorletzten
Segment statt, wo sich eine Keimhaut befindet, in welcher die
neuen Ringe gebildet werden.
Beobachtungen betrefi'end die Zunahme der Fusspaare mit
dem Alter bei Lithohius forficatus wurden von Westwood
der Londoner Ent. Gesellschaft vorgelegt (Ann. of nat. hist.
VIL S. 150).
£iitoitiostraceeii.
Ein grösserer Artikel über die Entomostraca von Bur-
meister ist in der Encyclopädie von Ersch und Gruber er-
schienen.
Vöecilopoüa*
Über einige Puncte der Organisation von Limulus,
namentlich den Bau der Kiemen, hat Duvernoy (Ann. d. sc.
nat. XV. S. 10 T. .3) seine Untersnchnngen mitgetheilt.
Die Abhandlung war vor dem Erscheinen der schönen Monogra-
phie von Van der Hoeven geschrieben, daher sie jetzt kaum noch
etwas neues enthält. Ihre Hauptaufgabe ist zu zeigen, dass die Kiemen
nicht büschlig sind, sondern aus häutigen Blättern bestehen, deren
Zahl der Verf. auf 150 für jedes der plattenartigen Hinterbeine schätzt.
Van der Hoeven (Tijdschr. voor naturl. Gesch. en Phys. VUf.
S, 873) hat über die Synonymie der Ltmulus-Arten mehrere Be-
richtigungen gegeben , hauptächlich in Bezug auf Arten von Leach,
von Avelchen der Verf. die Original-Exemplare untersucht hatte. Die
Synonj-mie ist folgende:
1) Z/. moluccaiius Latr., Polyp liefiins gigas Itum. Lim. Iietero-
dactylus Latr. (cT, gen. Tachyplens Leach.)
I) L. longispina v. d. Hoev., L. tridentutus Leach. (jüngere
Individuen).
3) L. r otundi cauda Latr., vermuthlich L. Latr eil lei Leach.
4) L. Polyp he?niis Latr. Monoc. Polyph. Lin. (excl. J^yn.), L.
americanus Leach, L. Sowerbä Leach, L. Mac Leayi Leach (junge.s
Ind.), L, australls Say, Leach.
IPhyllopoda»
Über die Anatomie und Entwickelung des Apus cancri-
formis ist eine musterhafte Abhandlung von Zaddach (De
Apodis cancriformis anatome et historia evolutionis , tab. 4 li-
thogr. Bonn. 1841) erschienen, welche den Gegenstand sehr
325
mnfasseiid und gründlicli behandelt, und einen Reichtbum von
Details enthält, von den ich hier nur einzelne hervorheben kann.
Die Miiskelo siod selir weich, so dass sie nur im Weingeist er-
härtet sich untersuchen lassen j sie haben das EisenUiümliche , dass
nicht nur die einzelnen Fasern sehr eng an einander hängen, sondern
auch die ganzen Muskeln sowohl enger mit einander verbunden sind,
indem einzelne Fasern von einem Muskel in den andern übergehen, als
auch noch besondere Muskelbüodel immer je zwei Muskeln mit ein-
ander verbinden. Ein äusserst kräftiger, in der Mitte sehniger Mus-
kel geht von einer Mandibel zum andern, und dient verschiedenen
andern Muskeln zur Anlage, namentlich den Muskeln der Maxillen,
des Ösophagus, auch gehen von ihm ein Paar breite bandartige Bauch-
muskeln aus, welche bis zum 11.. Segmente sich in je vier Stränge getheilt
halten, von da ab näher verbunden bis zum Körperende sich erstrek-
ken. Seiten und Rücken sind dicht mit kleinen Längsmuskeln besezt,
welche von einem Segment zum andern gehen, und auf den ersten
6 Segmenten noch durch Schrägmuskeln bedeckt werden. Ouermuskel-
bündel linden sich nur im vordem Theile des Körpers. Die Muskeln für
die Beine haben ihren Ansatz an der Bauchseite. ~ Der Nahrungs-
canal ist sehr einfach und verläuft ganz gerade vom Munde bis zur
Spitze des Körpers. Vorn am vordem Ende des Cephalothorax liegt
eine grosse Speicheldrüse, in welche sich mehrere vom Magen aus-
gehende Canäle hinein erstrecken, und die ästigen Ausführungs-
gänge der Drüse aufnehmen. Andere Absonderungsorgane kommen
nicht vor. — Respirationsorgane sind das grosse Rückenschild und
die mit den Beinen verbundenen Kiemen. Nicht ganz mit Recht
scheint mir der Verf. auch das Rückenschild als Kieme zu bezeich-
nen, es ist Theil der Körperbedeckungen, und wohl die Mehrzahl der
Entomostraceen athraet lediglich durch dieselben. Das Herz erstreckt
sich durch den ganzen Vorderkörper vom 11. Hinterleibssegment an-
fangend, ist durch obere Einschnürungen in 11 Segmente getheilt,
welche den Hinterleibssegraenten entsprechen, in denen sie liegen;
Klappen zwischen einzelnen Segmenten des Herzens, wie sie bei
den Insecten vorkommen, sind nicht vorhanden, aber die seitlichen
SpaltötTnungen finden sich, und zwar seitlich in den oberen Ein-
schnürungen. Unter dem Herzen ist eine Membran ausgespannt,
welche die Leibeshöhle in zwei vollständig geschiedene Räume ab-
sondert, unterhalb welcher Nahrungscanal und Ovarien gelegen sind.
Nach hinten gehen keine Gefässe vom Herzen ab, nach vorn dringt
ein arterieller Kanal in den Cephalothorax, erweitert sich nach vorn
trichterförmig und hat vorn eine offene Mündung. Gefässe finden
sich weiter nicht, sondern das Blut circulirt nach den Beobachtungen
des Verf. frei in den Räumen. Mehrere Kanäle dringen in das Rük-
kenschild ein, wo sie verschiedene Windungen machen, aber auch sie
zeigen keine eigenen Wandungen. Die Scheidewand, welche den Raum,
in dem das Herz liegt, von der übrigen Körperhöhle absondert, dient
;32(>
vorzüglich dazu, das arterielle Blut von den venösen Strömen ab-
zusonderu. Die Zusammeuziehung des Herzens ist eine gleichzeitige
fürs ganze Herz, nicht eine abwechselnde der einzelnen Kammern.
— Der Hanp(stamm des \ervensjstems besteht aus dem Gehirn und
der Ganglicnkette, das erste zeigt keine Spur einer Theiluug in zwei
seitliche Fäalflen, die zweite hat das Eigeuthümliche, dass wenigstens
vorn die beiden Nervenstränge aus einander stehen, so dass die ent-
sprechenden Anschwellungen beider nicht, wie es sonst der Fall ist,
mit einander verschmolzen, sondern nur durch Oueräste mit einander
verbunden sind. Je mehr nach hinten, um so mehr nähern sich die
beiden Nervenstämme, und um so mehr schmelzen ihre Ganglien
zusammen. Auf den Cephalothorax kommen zwei Ganglienpaare, auf
den Hinterleib eben so viel als Fusspaare vorhanden sind, also bei
erwachsenen Ind. 60 Paare. Aus dem 24. und 85, Hinterleibsgangliou
geht ein auffallend langer starker Ast an die Hinterleibsspilze, haupt-
sächlich wie es scheint, an die muthmasslichen männlichen Genera-
tionsorgane. Das Eingeweidenerven-System verbreitet sich nur an
den Schlund, nicht an den Magen, das unpaare und paare System sind
weniger von einander gesondert, sonst ist die Verbreitung derselben
sehr ähnlich wie beim Flusskrebs. — Das Organ, welches man als
ein einfaches Auge gedeutet hat, ist dem Verf. räthselhaft geblieben,
Glaskörper und Linse Hessen sich nicht finden. — Die Eierstöcke sind
bekannt; sie münden in das 11. Paar der Hinterleibsfüsse. Männliche
Individuen sind bisher noch nicht aufgefunden gewesen. Der Verf.
glaubt die Spuren männlicher Geschlechtstheile entdeckt zu haben^
welche äusserlich in einem auf dem Rücken des letzten Segments
gelegenen, zurückziehbaren Penis, innen in einem maschig verzweig-
ten Gewebe besteben, welches an den Seiten des Nahrungskanals fast
bis zur Mitte des Hinterleibes aufsteigt. Die Begründung dieser
Ansicht durch Nachweis der Samenbildung konnte der Verf. nicht
liefern, und muss sie weiteren Forschungen anheimgegeben werden.
Das Hineintreten der beiden oben beschriebenen starken Nervenäste
spricht allerdings zu Gunsten der Deutung des Verf. Dann würden
diese Thiere Hermaphroditen sein, indem sich bei denselben Ind. auch
Eierstöcke finden. Bekanntlich pflanzen sich die Kiemenfüsse auch
ohneZuthun eines zweiten Ind. fort, so dass vielleicht Selbstbefruch-
tung stattfindet, oder, wie derVerf annehmen mögte, eine Begattung
für mehrere Generationen ausreicht.
Die Entwickelung dieser Thiere ist im Allgemeinen schon durch
Schäffer's treffliche Untersuchungen bekannt, und von unserem Verf.
auch mit grosser Gründlichkeit verfolgt worden. Sie ist nicht nur
an sich von grossem Interesse, sondern auch für die Deutung- der
Theile des ausgewachsenen Thiers belehrend. Der Verf. hat gezeigt,
dass sämmtliche Paare von Kiemenfüssen Hinterleibsbeine sind, dass
ich also mit Unrecht das erste Paar derselben als das hinterste Paar
der Thoraxbeine gedeutet habe, welches am Cephalothorax zu suchen
»32 /
sei. Er glaubt, dass der von Savigii^-^ und mir als Zunge gedeufete
Tlieil diesem Fusspaar entspreche. Meine frühere Ansicht gehe ich
gerne auf, doch kann ich die des Verf. nicht theilen. Ich glaube
viehnehr das fragliche dritte Fusspaar in einem Theil zu erkennen,
welcher im Lauf der Metamorphose erscheint und wieder verschwin-
det, in einem Theil, welcher in genauer Verbindung mit den Mandi-
belü steht, und welchen der Verf. als deren Processus laciniatus
bezeichnet hat. Bei den Parasiten linden sich die den Hinterbeinen
der Insecten entsprechenden Organe in ähnlicher Lage und ähnlicher
Verbindung mit den Mandibeln, welche aber, wie ich glaube, nur
durch den Zusammenhang ihrer Muskeln bedingt ist.
Sip 7i onostom a,
Thompson (Ann, of nat. bist. V. S. 231) theilte einige Aufzeich-
nungen über einen lebend heohachteten Argulus Jvh'acens mit, dessen
Färbung und Bewegungen betreffend.
Cirripeeiin.
\Yichtige Untersuchungen über die Schalenbildiing der
Balanidee7i theilte v. Rapp in diesem Archiv 7. Jahrgang,
1. Bd. S. 168 mit.
Hink's (Ann. of nat. hist. V. S. 333) hat Baianns chelytry-
j)€tes als eine neue Art bekannt gemacht. Sie findet sich auf dem
Panzer der gewöhnlichen Seeschildkröte und durchbohrt denselben
mit der Zeit.
Vorweltliche Insecten und Crustaceen.
Es sind in den letzten Jahren werthvolle Entdeckungen
aus dem noch sehr beschränkten Gebiet der vorweltlichcn In-
secten und Crustaceen bekannt gemacht worden, auf welche
einzugehen in den letzten Berichten der Raum nicht er-
laubte, und welche ich auch in diesem Jahre nur in der
Kürze berühren kann.
Eine vortreffliche Übersicht dessen, was bisher über vor-
weltliche Insecten bekannt gemacht worden, gab H. v. Meyer in
der Encyclopädie von Ersch und Gruber (Art.: Insecten, fossile).
Die versteinerten Insecten Solnhofens sind von Ger mar
(Nov. Act. Leop. Carol. XIX. S. 187) beschrieben und ab-
gebildet worden.
Die Arten sind Scarabaeidcs depcrditus (undeutlich, aber
durch die ziemlich vorlicgcudeu Hinterbeine, oameutlich die sehr genau
328
ausgedrückte Form der Hüften, als ein scarabäenartiges Insect zu
erkennen), Cer amby cinus dubius (eine kurze Lamienform mit
unbedornlcm HalsscIiiJde), C hresmoda ohscura (der Verf. ver-
muthet eiucMantisform mit Springbeinen, mir scheint das Insect eine
Truxalis gewesen zu sein), Z,ocM*f« speciosa, prisca, Äeschna
Müiist ert\''^ gig antea, Libellula longialata, Agrion La-
treillei, antiqua^ Apiaria antiqua (scheint ein Bombus ge-
wesen zu sein), Ricania hospes, Ditornoptera dubia (ein
merkwürdiges Fossil, augenscheinlich eine Cicade, aber ausgezeich-
net durch die Jangen Hinterflügel und die viel kürzeren Decken), ^e-
lost omuiiL elo ng utuni., Nepa primordialis^ Vygolampis
gig antea , Sciara pr isca, Mnsca lithophila.
Die Libelluliten kommen im Solnhofer Kalkschiefer verhältuiss-
mässig häufig vor. Mit Aeschna gigantea kommen eine fossile Aeschna,
welche Leop. v. Buch im ,,Jura in Deutschland", und eine andere,
welche v. Charpentier in seinem Werk über die europäischen Li-
bellen abbildete, überein, nur dass die Germarschen breitere Hinter-
flügel haben. An den Exemplaren von Leop. von Buch und v. Char-
pentier sind auch die Geschlechtsunterschiede deutlich ausgedrückt,
und ist ersteres weiblich, letzteres männlich, v. Charpentier hat
ausserdem noch die Abdrücke von kleinen Agrionen mitgetheilt.
Sehr bemerkenswerth ist die Nachricht, welche Strickland
(Ann. of nat. bist. IV. S. 301) vom Vorkommen eines Libelluliten im
Lias von Warwickshire, und zwar in einem Lager, welches ausser
dep gewöhnlichen Ammoniten u. s. vv., Ichthyosauren, Plesiosauren,
einige Fischarten, Crustaceen und einige Farn enthält. Es ist der
Abdruck eines Vorderflügels, dem Flügelgeäder nach einer Aeschna^
doch mit merklicher Annäherung an Libellula. Die Art, Ae. lias ifia
ist um ein Drittheil grösser als Ae. grandis.
Saporta legte der Ent. Gesellsch zu Paris einen fossilen Schmet-
terling vor, von welchem sich der vollkommen schöne Abdruck, wel-
cher nicht nur den Flügelschnitt, sondern selbst noch die Zeichnun-
gen erkennen lässt, in einem Mergellager gefunden hatte, welches
reich an fossilen Insectcu ist, alle von lebenden verschieden. Der
vorliegende Schmetterling wird von Boisduval (Ann. d. 1. vSoc.Ent.
d. Fr. IX. S.373 T. 8) zur Tagfaltergattung Ci/llo gerechnet, ist C.
sepulta benannt, und stellt sich C. Rohria, Caumas u. a. zur Seite.
Ein fossiler Krebs aus der Abth. der Brachyuren ist von Lucas
(Ann. d. 1. Soc. Ent. d. Fr. VlII. S. 567 T. 20) bekannt gemacht. Er
gehört zu der lebenden Gatt. Macropht hahnus ^ ist M. Desma-
*) Der Verf. spricht bei dieser und bei den übrigen Libellen von
breiten seitenständigen Fühlern, diese sind aber schwerlich vorhanden
gewesen; bei der ersten Art scheint das Auge zerdrückt und aus-
geflossen, bei den andern scheinen die vorgestreckten Vorderbeine
mit im Spiel zu sein.
329
restii benannt worden, und zeichnet sich durch seine langen und
kräftigen Beiue aus. Er ist in einem festen Kalkstein enthalten, und
soll aus der Strasse von Malacca herrühren.
Einen vorzüglichen Beitrag- zur Kenntniss fossiler Cru-
staceen entliält die Schrift: ,,Neue Gattungen fossiler Krebse
aus den Gebilden vom bunten Sandstein bis in die Kreide;
gezeichnet und beschrieben von H. v. Meyer. Stuttg. 1840.
Der Verf. bemerkt im Allgemeinen, dass die Macrouren am frühe-
sten auftreten und zwar im bunten Sandstein, Anomuren zeigen sich
zuerst in den Oolithgebilden, Brachyuren erst mit der Kreide. Die
neue Glitt. Fe fup hia: hat grosse Übereinstimmung mit Palinurus, und
wurde seither mit dieser Gatt, verbunden, weicht aber durch eigen-
thümliche blasenartige Form der Kegionen des Panzers, kürzere und
schwächere Geissei der äussern Fühler u. s. w. ab; ein sehr deut-
liches Unterscheidungsmerkmal mögte auch noch in der Form der
äusseren Schwanzflosse liegen, welche die Gränze zwischen dem
festen und häutigen Theil nicht nahe der Basis, sondern nahe der
Spitze hat. Hierhin P. Suenrli {Palin. Suer. Desm., Macronrites gibbo-
sus Schübl.) aus dem Muschelkalk (Kalkstein von Friedrichshall), und
V, Albert ii^ neue Art aus dem Wellenkalk von Borgen am Schwarz-
walde. — Glyphea^ ebenfalls mit Palinurus nahe verwandt, aber
durch die Sculpturen des Panzers sich entfernend, vom Verf. schon
früher als eigene Gattung aufgestellt: G. Regleyana {Falhi. Regl.
Desm. GL vulgaris v. Mejer), G, Mi'msteri {Palm. Münst. Voltz, Gl.
speciosa v. Meyer, Astac. ?'ostratus Phillips, Glyph. rostr. Brona.),
Gl. 11 dressiert, neue Art, im Agile a Chaille aus der Gegend von
Besancon, auch im Coralrag von Derneburg, G. pustulosa neue Art
aus dem Coralrag von Derneburg, Gl. liasina, neue Art aus dem
Liasschiefer von Menzigen, G. grandis , Fragment aus dem Lias
von Frittlingeu. Die Gattung Glyphea ist für die Oolithgebilde cha-
racteristisch. Die Glypheen des Gr. Münster aus dem Solnhofer Kalk-
schiefer gehören zu einer anderen Gatt., Eryma von Meyer. — Kly -
tia: Panzer wie bei Glyphea durch Ouereindrücke in drei Abschnitte
getheilt, diese aber ohne Längsvertiefungen: Kl. ventrosa und Kl.
Maudelslohii, beide früher unter Glyphia begriffen, mit welcher sie
auch das geognostische Vorkommen theilen. — Prosopofi, vielleicht
eine Anomurenform, dem Oolith angehörend. P. tuberosum, viel-
leicht in die Kreide übergehend, P. heb es, P. simpleXy P. ro-
strat um. Schliesslich giebt der Verf. noch vorläufige Nachricht
von den Resten langschwänziger Decapoden im bunten Sandstein,
von denen der eine an Gebia, der andere an Galathea erinnert.
Die „Beiträge zur Petrefacten-Kunde, von Herni. v. Meyer
und Georg Grafen zu Münster, herausgegeben von Georg
Grafen zu Münster, Baireuth 1840, enthalten mehrere
Abhandlungen des Herausgebers über fossile Crustaceen.
;330
1) über einige Isopoden in den Kalkschiefern von
Bayern. Es sind hier vierneueGatiuugen, Scul da, AI vi s, Urda,
ISorna dargestellt, ich habe indess manche Bedenken, ob sie nicht
den langschwänzigen Decapoden angehören, namentlich hat die erste
Gatt, eine grosse Übereinstimmung selbst mit Aslacus, vorausgesetzt,
dass die Theile, welche der Verf. als breite Fühler deutete, die
weniger ausgedrückten Scheeren, und dass die Schwanzflossen unter-
geschlagen sind.
2) Über ein neuesBrach3uren-Genus in den tertiären
Formationen des nordwestlichen Deutschlands. Es wurde
in Mergelgruben bei Bunde gefunden, hat eine überraschende Über-
einstimmung mit Ranina, und zeigt nur den Unterschied, dass die
Schwanzportion des Hinterleibes untergeschlagen ist. Aus diesem
Grunde bildet der Verf. für diesen Krebs eine eigene Gatt. Heia,
und nennt eine Art, welche der Ranina dentata sehr ähnlich ist, //.
speciosa^ eine zweite kleinere //. ob long a.
3) Über die fossilen Arten von Limuhts. Sie unter-
scheiden sich von den lebenden darin, dass der Schwanzstachel nicht
dreikantig und mit einer Stachelkante auf der Oberseite, sondern auf
der Obern sowohl als untern Seite gefurcht sind. Die früher bekann-
ten fossilen Arten standen den lebenden an Grösse bedeutend nach,
später ist eine neue Art, L. gigaiiteus , im Solnhofer Kalkschiefer
aufgefunden, welche doppelte Grösse der lebenden gehabt bat.
4) Über die ßalanen in den j ün gern' tertiären Meer-
wassergebilden von Deutschland.
Auf mehrere Arbeiten über Trilobiten kann ich bei dem beschränk-
ten Raum dieses Berichts nicht eingehen.
331
Bericlit über tlie Leistiiiigeii in der Naturgeschichte
der Anmilateii während des Jahres 1841.
Von
Prof. C. Th. V. Siebold in Erlangen.
Eine allgemeine Übersicht über den inneren Bau der An-
niilaten hat Rudolph Wagner auf der siebenundzvvanzigsten
Tafel seiner Icones zootomicae geliefert;*) derselbe ver-
gleicht das Blut der wirbellosen Thiere mit dem Chylus der
Wirbelthiere und erklärt die rothe Farbe des Chylussaftes der
Annulaten nur als eine scheinbare Analogie mit dem wahren
Blute,**) da die Färbung hier nicht, wie bei den Wirbelthie-
ren an die Blutkörperchen, sondern an die Flüssigkeit gebun-
den ist; die Körperchen, welche im Blute der Annulaten vor-
kommen, sind ungefärbt und ganz wie bei den übrigen wirbel-
losen Thieren gebildet. Es giebt ganze Familien unter den
Annulaten, z. B. die Aphroditen, welche kein rothes Blut haben,
Wagner beruft sich zugleich als Beleg für die Ansicht, dass
das Blut der wirbellosen Thiere nur Chylus sei, auf die That-
sache, dass es bis jetzt Niemandem gelungen ist, besondere
Lymph- oder Chylusgefasse in denselben aufzufinden.
Costa hat mehrere neue, im mittelländischen Meere ent-
deckte Annulaten beschrieben und abgebildet, unter welchen
sich zwei neue Gattungen befinden.***)
Eine 4 Zoll lange und 4 Lin. dicke Hesione nannte er Hes.
Savigiiii', ihr rosenfarbeuer Leib, welcher aus 18 Segmenten bestand,
besass parallele Längsreiheo von dunkleren Flecken oder Streifen,
der blaugefärbte Kopf war ganz wie bei Hes. splendida Sav. gebildet.
Die Leibessegmentc mit Ausnahme des letzten waren mit blassgelben
Fussstummeln versehen, jeder dieser Fusssturanieln trug ein Bün-
del schwarzer Borsten, und dunkelrothe Girren. — Eine mit Sigalion
*) Wagner: Icones zootomicae oder Handatlas zur vergleichen-
den Anatomie 1841, Tab. XXVIF.
♦*) Wagner: Lehrbuch der Physiologie, zweite Abthl. S, 180.
***) Anuales des sciences naturelles. T. XVI. 1841 p. 867. Costa:
dcscription de quelques Aunclides uouvelles du golfe de Naplcs.
332
Mathilde And. et Edw. verwandte Art, welche sich durch einen sehr
langen rüsselförmigen P'orts.atz und einen fadenförmigen iSchwanx-
anhang auszeichnet, nannte Costa Sigal. Blainvillii, Die Fuss-
stummeln der ersten Segmente dieser Annulate umgeben die mit
sechs Tentakeln versehene Mundoffnung in Form eines Fächers. —
Einen mit Euphrosine verwandten Wurm erhob Costa zu der neuen
Gattung L 07? Aowo/^tt,*) welche sich von Euphrosine durch den Man-
gel der Kopfkarunkel und der Tentakeln unterscheidet. Lophonota
Audouinii Cost. ist 8 Lin, lang und besilzt einen zinnoberrothcn,
abgeplatteten, aus 38 Gliedern zusammengesetzten Leib, welchen das
Thier wie ein Chiton zusammenkugeln kann. Am augenlosen Kopf
ragt ein dicker kurzer Rüssel hervor, zwischen den einfachen Fuss-
stumnieln stehen auf dem Rücken der Segmente gefranzte Cirren in
halbmondförmigen Reihen.
Eine zu der Abtheilung der Terebellae phjzeliae gehörige Te-
rehella (rennte Costa unter dem Namen Tereb. misenensis
von den übrigen Arten wegen ihrer vielen Rücken- und Schwanz-
Segmente Costa konnte die Blutcirkulation nicht allein in dem
schön hellroth gefärbten Leibe, sondern auch in den gelben Tentakeln
dieses Wurmes unterscheiden, in welchen deutlich ein auf- und ein
absteigender Blutstrom zu erkennen war. Diese Tentakeln sind in
die Quere vielfach eingeschürt, wodurch eine Menge Lappen gebildet
werden, welche nach Costa gleichsam wie Saugnäpfe benutzt wer-
den können. Die scharlachrothen verästelten Kiemen finden sich nur
auf dem zweiten und dritten Segmente vor. Zu der von Otto be-
reits gegebenen Beschreibung des Siphostoma diplochaiios fügte
Costa Ergänzungen hinzu. Derselbe fand am Kopf nicht zweiMuud-
öflfnungen, wie Otto behauptete, sondern nur eine. Zwischen den
beiden Häuten, welche die allgemeine Leibesbedeckung bilden, be-
merkte Costa ein ei weissartiges von zarten Fäden netzförmig durch-
zogenes Gewebe, in welchem eine Menge Drüsenbälge mit langen,
oft vielfältig gewundenen Stielen (Ausführungsgängen?) verborgen
lagen.— Lophio ccph ala stellte Costa als neue Gattung auf, wel-
che der Gattung Trophonia Aud. et Edw. am nächsten steht **) Der
Kopf der einzigen Art, Lophioceph. 'Edwardsii^ ist vom übrigen
Körper, welcher aus 6-t Segmenten besteht, abgeschnürt und trägt
einen pinselförmigen Kiemenapparat^ zwischen welchem der Rüssel
mit der MundöiTuung versteckt ist. Zwischen den Kiemen, welche
nie ganz eingezogen werden können, ragen zwei grosse dunkel-
violette Tentakeln hervor, welche auf ihrer unteren Seite mit einer
zickzackförmigen Feilte besetzt sind; an der Basis derselben ent-
springen ausserdem noch drei kürzere weisse Tentakeln. Der ganze
*) Comptes reudus hebdomadaires. T. Xlll. 1841 p. 532 und l'iu-
stitut. I. Sect. 1841 p. 301.
*'*^ Comptes reudus Iiebd., uud riustitut a. u. O.
333
Körper des Wurms war mit Poren dicht besetzt, aus welchen ein
^^chIeim schwit/.te, der das ganze Thier einhüllte. Alle vier und
sechs/Jg Segmente mit Ausnahme der beiden ersten, welche vier sehr
lange Borstenbündel tragen, sind zu beiden Seiten nur mit einem
kürzeren Borstenbündel versehen. Das Blut hat sowohl bei Lopliio-
cephala als auch bei Siphoatoi/ia eine grüne Färbung, und Costa
sah den Blulstrom vom Bauchgefässe in die Kiemen der Lojihiocephala
strömen und von da in das Kiemengefäss zurückkehren. Costa hat
auch von Siphostoma und Lophiocephala eine Beschreibung derVer-
dauungs- und Geschlechts-Werkzeuge geliefert und dieselbe durch
hübsche kolorirte Abbildungen zu erläutern gesucht, allein da der-
selbe bei der Deutung der einzelnen Organe ganz willkürlich zu
Werke gegangen zu sein scheint und da er den Zusammenhang der
einzelnen Theile dieser Sjsteme weder io der Beschreibung noch in
den Abbildungen, an welchen überdies die Biichs(abenbezeichnung
nicht mit der im Texte übereinstimmt, deutlich darstellt, so trägt
diese Arbeit wenig dazu bei, uns den gewiss sehr interessanten in-
nern Bau dieser beiden Thiere klar zu machen.
Nach Eicliwald's Untersuchungen ist das caspische Meer
solir arm an Annulaten. *)
Von Nereiden findet sich nur Nereis noctilttca Pall. dort, von
welcher in Sommernächten das Phosphoresciren der See ausgehen
soll. Von der Gattung 5/>«ro;-6/.v entdeckte Eichwald zwei neue
Arten; Spiro r bis serpulij or viis Eichw. fand er in Tertiär-
kalk des Vorgebirgs Tükkaragani, Spirorbis ponticus Eichw.
dagegen traf er auf Fucus- Arten und anderen Gewächsen des schwar-
zen Meeres an. Eichwald stellte für diese Spirorbis- Art folgende
Diagnose fest: tubulus huc illuc irregulariter coutortus, raro regula-
ris, subangulatus, sensim attenuatus, laeviusculus, transversim tenuis-
sime striatus; tubuli ex cinereo-albidi, | lin. lati. Dass nach Gme-
lin's Angabe iS'er/»w/<« Iriquetra und conglonierata im kaspischen
Meere vorkommen sollten, hält Eich wald für ungegründet, da er
nirgends lebende Serpulen dort angetroffen habe.
Forbes beschrieb eine Annulate aus dem ageischen
Meerbusen,**) welche 3 bis 4 Fuss tief unter dem Wasser
im Sande lebt, und ihre Anwesenheit durch röhrenförmige Lö-
cher verräth. Wenn das Thier seine Kiemenfäden ausbreitet,
so glaubt man einen Seeigel auf dem Meeresboden zu sehen;
bei der Berührung fährt das Thier sclinell in den Sand zu-
rück. Die Hülle, in welcher das Thier lebt, ist gelatinös und
wird von ihm selbst abgesondert, das hinterste Ende derselben
*) Eichwald: Fauna Caspio-Caucasia. Petropoli 1841 S. 828.
»0 Annais of natural history T. VIII. 1841 S. 344.
334
läuft spitz zu lind erscheint massiv gebildet. Der Wurm selbst
besteht aus 140 Segmenten, seine Farbe ist rotlibrann mit
zwei schmalen, blassen Querlinien an jedem Einschnitt. Jedes
Segment wird an der Seite von einem kleinen Borstenbiischel
eingefasst. Der nicht scharf vom übrigen Körper abgesonderte
Kopf trägt weder Augen noch Tentakeln, wird aber von zwei
Kiemenbiischeln kranzförmig umgeben. Jeder Kiemenbiischel
besteht aus 28 laugen Fäden, welche an ihrer Basis durch eine
Membran unter einander verbunden sind. Auf der inneren
Seite dieser Fäden stehen feinere flimmernde Fäden, welche
durch ihre Bewegungen ein Auf- und Abströmen des Wassers
veranlassen. Diese flimmernden Fäden sind sehr beweglich
und winden sich, selbst abgetrennt, noch wurmförmig hin und
her. Einen Namen hat Forbes diesem Thiere noch nicht
geben wollen.
Audouin, welcher früher über das Phosphoresciren ge-
wisser Laimbrici zweifelte, überzeugte sich später, dass diese
Würmer in der That Phosphorlicht ausstrahlen können.*)
Demselben fiel es dabei auf, dass die Lumhici, wie die Sco-
lopendren, die Fähigkeit einen phosphorischen Schein zu ver-
breiten, besonders zur Zeit ihrer Reproduktion besitzen. Die
Regenwürmer, an welchen die Erscheinung des Leuchtens
beobachtet wurde, waren 40 — 50 Millimeter lang, ihr Licht
glich demjenigen des weissglühenden Eisens. Bei dem Zer-
treten der Würmer verbreitete sich das Licht über den Boden.
Die Thiere zeigten einen ziemlich entwickelten Sattel, was
beweist, dass dieselben erwachsen und brünstig waren. IMo-
quin-Tandon beobachtete, dass das Licht von dem eben
erwähnten Sattel der Wlirmer ausging und sich nach erfolgter
Begattung verlor.
Von Vogt wurde ein in der Mantelhöhle von Ancylus
aufgefundener Parasit für eine neue Annulaten- Gattung an-
gesehen und von Agassiz mit dem '^SiVHQW Mut zia hetero-
dactyla belegt.**)
*) Aonales des sc. nat. T. XV. S. 253, und Froriep's Nene Noli-
zen \r. 408 S. 181.
**) Müller's Archiv für Anatomie und Plij'siologie. 1841 .S. 3«.
Vogt: Zur Anatomie der Parasiten.
335
Ich erkenne in diesem Wurme den auf fast allen unseren Süd-
wasser-Schnecken sehr verbreitefen Schmarotzer, welcher vonBaer
(Nov. Act. Caes. L. C. \at. Cur. Vol. XIII. P. II. S. 614 Tab. XXIX.
Fig. 23) als Chuetogaster Limnaei beschrieben wurde, und dessen
Nerven- und Blutsystem Gruithuisen (Nov. Act. Caes. etc. Vol. XIV.
P. I. S. 407: Über die JS'ais dia/'/ia na) sehr ausführlich dargestellt hat.
Der Xame Mutzi'a wird also wieder eingehen müssen, auch der Art-
name heterodactyla scheint mir unpassend gewählt, da die einzelnen
Hornspitzen, welche in gepaarten Haufen beisammenstehend bei den
Naiden den Maugel der Füsse ersetzen, bei dem Aus- und Einziehen
häutig abreissen und verloren gehen, aber auch bald wieder nach-
wachsen und reproducirt werden, so dass man bei keinem Chaeio-
iXdster, bei keiner Suis kaum zwei Individuen findet, welche in der
Zahl ihrer Hornspitzen sich einander gleich wären.
Forbes und Goodsir lieferten zur Naturgeschichte der
Thalassemaceen einen Beitrag, indem sie Tlialassena Ne^
pluni und Echiurus vulgaris einer genaueren Untersuchung
unterwarfen. *)
Thalassema Nepttmi hält sich an den Küsten von England an
Klippen unter Wasser auf. Dasselbe Thier ist von Pallas als Lum-
brt'cui thalassema ganz gut beschrieben worden, und es ist nur hin-
zuzufügen, dass das Thier einen kurzen, zurückziehbaren Rüssel und
ein Mundanhängsel besitzt. Echiurus vulgaris besitzt ebenfalls einen
zurückziehbaren Rüssel, aber ausserdem noch einen nicht zurück-
ziehbaren Anhang, welcher von vielen Naturforschern mit dem Rüs-
sel verwechselt worden ist. Am Anfang des Leibes bemerkt man
bei Echiurus zwei gelbe knorpelige und gekrümmte Borsten, welche
die zurückziehbaren ßegattungshaken sind. Der am hintern Ende
auf einer etwas abgeplatteten Scheibe befindliche After ist von zwei
Kreisen horniger Borsten umgeben. Echiurus schwimmt ungemein
lebhaft, ganz nach Art einer Anuulate. Die trichterförmige Mund-
öffnung setzt sich als ein weiter, und in Form der Ziffer 8 gewun-
dener Pharynx fort, der in einen sehr muskulösen aber engen Öso-
phagus übergeht^ dieser erweitert sich plötzlich wieder zu einem
sehr zarten Darmkanal, der sich spiralförmig bis zum hinteren Lei-
besende hinabzieht, dann umkehrt und in ähnlichen Windungen bis
zu zwei Dritteln der Körperlänge hinansteigt und endlich, als eine
gerade und ziemlich enge Röhre in die Kloake einmündet. Der Darm-
kanal hängt mittelst zahlreicher zarter und mit winzigen Blutgefässen
vermischter Muskelfassern mit den Körperwandungen zusammen. Von
einer Leber war keine Spur zu finden. Zwei sehr contractile Athem-
säcke öffnen sich zu beiden Seiten des Mastdarms in die Kloake.
Durch die auf denselben vertheilten zahlreichen Blutgefässe haben
») Froriep's Neue Notizen Nr. 393 S. 373, und l'iustitiU 1841 S. 333.
336
diese Atliemorgane eine lebhaft rothe Farbe. Auf der äusseren Ober-
fläche der Athemsäcke sitzen eigenthümliche, gewimperte Trichter
auf, welchen auf der inneren Fläche der Säcke bewimperte Erha-
benheiten entsprechen, in welche sich die Trichter zurückziehen
können. Das Gefässsystem besteht aus zwei Hauptgefässstämraen,
aus einem Bauchgefässe und einem Gefässe des Darmkanals. Das
Nervensjstem wird von einem, den Pharynx umschliessenden Ring
gebildet, der einen Bauchnervenstraag bis zum hinteren Leibesende
hinsendet. Von diesem gehen zahlreiche Seitenzweige ohne Symmetrie
;ib. Dicht hinter den beiden Begattungshaken und 1 Zoll weiter nach
hinten öffnen sich an der Bauchoberfläche zwei Paar coutraktiler
Säcke, welche bei brünstigen Männchen von einer weissen Flüssig-
keit strotzen. Diese Flüssigkeit wimmelt von lebhaften Spermatozoen,
welche als kugelrunde Körperchen abgebildet werden, ich vermuthe,
dass ein zarter haarförmiger Anhang diese Bewegungen der Kügel-
chen veranlasst. Die weiblichen Geschlechts -Säcke waren nie in
dem Grade, wie die männlichen, angeschwollen gesehen worden.
Die innere Struktur von Thalussema Neptimi verhielt sich ganz wie
die von Echitints, nur dass der Nahrungsschlanch nicht in dem Grade
gewunden war. Aus dieser Struktur ergiebt sich übrigens, dass diese
beiden Gattungen Thalussema und Echiurus eben so gut mit den
Echinodermen als mit den Annulaten verwandt sind.
Nach Guyon's Beobachtungen spielt die Haemopis
vorax, welche in den Gewässern von Algerien sehr häufig
ist und bei .dem Tränken des Vieh's sehr leicht in die Ver-
dauungs- und Respirations-Wege desselben gelangt, bei den
Krankheiten der Hausthiere in Algerien eine grosse Rolle.*)
Die grösseren Thiere, bei denen sich dergleichen Blutegel
vorfanden, waren immer durch die Qualen, welche sie dadurch
erduldet hatten, sehr leidend und abgemagert gewesen. Der
Wurm kömmt sogar auch im Larynx und der Trachea des INIen-
chen vor.
In Bezug auf das Reproduktionsvermögen der Blutegel,
welches von Bosc früher gerühmt worden war, hat Grandoni
zu Brescia direkte Versuche angestellt und das Resultat er-
langt, dass die Blutegel dieses Vermögen, verloren gegangene
Theile wieder zu ersetzen, nicht besitzen.**) In Ostindien
wird nach den Nachrichten von Gibson die Blutegelbrütung
schon lange mit vielem Erfolge betrieben, und es werden dort,
*) Comptcsrendushebd. T. XIH. 1841 S. 7S5, Hnstitut 1841 S. 346
und S. 433 und Froriep's \eue Notizen Nr. 438 S. 31*.
**) Froriep's Neue Nodzon Nr. 434 S. 850.
337
was man recht beherzigen sollte, sogar die an Thieren und
Menschen gefütterten Egel zur Fortpflanzung benutzt.*)
Von Kröyer wurde auf Caligus curtus eine grosse
Menge einer Egelart angetroffen-,**) welche 1 — 2 Lin. lang
waren, eine weisse Farbe besassen, und mit Hirudo Hippo-
glossi Müll, verwandt zu sein schienen.
Als Nachträge zur Fauna von Irland wurden von Thomp-
son noch folgende Annulaten aufgeführt:***)
Nemertes gracilis Jolinst., N. lactifera Johnst., Hirudo Hippo-
glossi Müll. (Phylline Hippoglossi Lam.), Carinella trüineata Johnst.,
Gordius annulatus MoDt., Glossipora tuber culala Jofinst.
Nach Fischer von Wal dheim's Aussage lebt der Gor-
dius, der allgemein vom Volke zu Moskau gefürchtet wird,
in den Gewässern der dortigen Gegend sehr häufig. -j-)
Über die merkwürdigen selbstständigen Bewegungen der
Dotterzellen von Pla7iarien hat Ref. einige Mittheilungen
gemacht, f-)-)
Die Eier, welche die Tlanarien legeü, enthalten eine unzählige
Menge Dotterkügelchen oder Dotterzellen, und keine Spur von Keim-
bläschen. Die einzelnen Dotterzellen bestehen aus einer scharf ab-
gegrenzten blasigen Masse mit feinen Molekularkörnern vermischt,
und aus einem eigenthümlichen grösseren runden Körperchen. Diese
Dotterkugeln bewegen ihren Inhalt peristaltisch hin und her, blähen
sich aber in Wasser auf, erstarren und bersten, wobei ihr Inhalt ins
Wasser geräth. Durch das Verschmelzen vieler solcher Dotterkugeln
entstehen die Embryonen der Planarien, an welchen sehr bald ein
kontraktiler Schlundkopf erkannt wird.
Einen zu der merkwürdigen Epizoen-Gattung Mysostmnum
Leuck. gehörigen Schmarotzer hat Müller Cyclocirra Thomp-
sonii genannt und beschrieben, ff f)
Derselbe traf ihn häufig auf der Scheibe und an den Armen von
Comatula europaea an. Das Thier läuft sehr schnell ohne Kontraktion
*) Froriep's Neue Notizen Nr. 366 S. 216.
*'^) Isis 1841 S. 196.
"**) Annais of natural history. T. VII. 1841 S. 482.
f) Bulletin de la societe imperiale des naturalistes de Moscou.
1840 Nr. II. S. 142.
ff) Bericht über die zur Bekanntmachung geeigneten Verhandlun-
gen der Königl. Pr. Akademie der Wissenschaften in Berlin, 1841
S. 83, Froriep's neue Notizen Nr. 380 S. 86, und l'institut 1841 S. 213.
fff) Bericht über die Verhandlungen der Berliner Akademie a. a. O.
S. 188, und dieses Archiv 1841 I. S. 147.
Archiv f. Naturgeschichte. YIII, Jahrg. 2. Bd. V
338
des Körpers und scheint einigermassen mit den Tardigraden verwandt
zu sein. Es besitzt einen sclieibenförmigen Leib mit gefranztem
Bande, einen von der Bauchseite ausgehenden Rüssel und einen ver-,
ästelten Darm. Zehn mit drei langen Haken versehene Fussstummeln
an der Bauchseite unterscheiden diesen Parasiten auffallend von den
epizootischen Helminthen, zu welchen Leu ckart diese Schmarotzer
gerechnet wissen will.
Bericht über die Leistungen im Gebiete der Hel-
minthologie während des Jahres 1841
von
Prof. C. Th. V. Siebold in Erlangen.
Über die Entstehung der Eingeweidewürmer hat sich
E schriebt in einem sehr ausgedehnten Aufsatze ausgespro-
chen;*) derselbe zeigte in einer historischen Einleitung, dass
man früher die Eingeweidewürmer mit den gewöhnlichen Wür-
mern für identisch betrachtet und die Theorie der generatio
aequivoca in Bezug auf Entozoen als richtig anerkannt habe,
und dass man seit den von Ehrenberg an den Infusorien
gemachten grossartigen Entdeckungen die generatio aequivoca
auch bei den Entozoen ganz läugnen wolle. Escliricht
meint nun, dass, wenn es wirklich noch eine generatio aequi-
voca gebe, diese doch sehr eingeschränkt werden müsse, und
bekämpft hierauf mit vieler Umsicht die in einem zu ausge-
dehnten Massstabe auf die Entozoen angewandte Theorie der
generatio aequivoca, wobei derselbe auf die gewaltige Ent-
wickelung des Zeugungsapparates der Entozoen grosses Ge-
wicht legt, und sich auf seine friiheren an Ascaris lumbricoi-
des, Bothriocephalus latus und punctatus angestellten Unter-
suchungen (s. den Jahresbericht für 1840) beruft. Die Ein-
geweidewürmer sollen nach E schriebt in allen Fällen die
Nachkommen anderer Eingeweidewürmer sein, w^obei die
!
*) Proriep's neue Notizen Nr. 430, 431, 432, 433 und 434. Esch-
richt: Untersuchungen über die Entstehung der Eingeweidewürmer.
339
die Verbreitung der Helmintliiasis sich durch die Fortpflanzung
der Tliiere sehr einfach erklären lasst. Diesen Satz will
Eschricht am Coenurus cerebralis erläutern, wo sind
hier aber, frage ich, die ungeheuren Massen von Eiern, da
Coenurus gleich den übrigen Cystieis geschlechtslos ist und
niemals Eier hervorbringt? Vortreffliche Bemerkungen, das
Problem der Erzeugung der Eingewneidewürmer betreflfend, hat
Valentin in seinen Jahresbericht eingestreut.*)
Mit viel geringeren Beweismitteln ausgestattet, eiferte
Drummond gegen die Annahme einer generatio aequivoca
bei den Helminthen.**) Mit diesen im Widerspruche räumte
Creplin der generatio aequivoca vielleicht ein zu grosses
Feld ein,***) wenn er bei der Definition der Eingeweide-
würmer den Umstand hervorhob : dass sie in anderen Thieren,
zu einem sehr geringen Theile ganz aussen von ihnen, nicht
allein leben, sondern selbst in diesen, ursprünglich immer
ohne Eltern, also durch generatio aequivoca erzeugt werden."
Creplin berief sich auf das Vorkommen von Eingeweide-
würmern in den geschlossensten Höhlen des thierischen Kör-
pers, in denen des Gehirns, im Auge, aussen an den Organen
der Brust- und Bauchhöhle, in und am Bauchfelle ^ tief zwi-
chen den Muskeln, in Knochen u. s. w., wohin sie durch das
Blutgefässsystem nicht gelangen können, da es erwiesen ist,
dass kein Ei eines bekannten Eingeweidewurms von der Fein-
heit ist, dass es durch die feinsten Kapillargefässe des thieri-
schen Körpers durchkommen könnte; am schwierigsten wird
von den Anhängern des omne vivum ex ovo Creplin's Ein-
wand zu beseitigen sein: wie sollen die Cystica entstehen,
welche keine Geschlechtstheile besitzen, und keine Eier er-
zeugen? und sollen sie etwa aus Eiern von gewissen anderen
^Helminthen entspringen, wie kommen diese Eier an jene ver-
borgenen, nach aussen abgeschlossene Orte? Diesen Betrach-
tungen hat Creplin ausserdem noch eine gedrängte geschicht-
*) Valentin: Repertoriiini für Anatomie und Physiologie VI. 1841
S. 50 u. d. f.
**) Annais of the natural history. Vol. VI. 1841 S. 101. Thoughts
of the aequivocal generation of entozoa.
) ***) Allgem. Encyclopädie von Ersch und Gruber. 35. Theil, 1841,
Artikel: Enthelmiuthologie.
340
liehe Übersicht der Entvvickelung und Förderung der Helmin-
thologie, sowie eine ziemlich vollständige Zusammenstellung
der neueren auf Helminthologie sich beziehenden Litteratur bei-
gefügt. Den Anhängern der generatio ex ovo und generatio
aequivoca stellt sich Stiebel gleichsam als Vermittler ent-
gegen,*) indem er aus seinen mikroskopischen Untersuchungen
folgende Schlüsse ziehen zu dürfen glaubt: „es giebt überall
verbreitete lebendige Moleküle oder Keimpünktchen , die sich
jeder organisirbaren Materie zeugend einbilden können, und
welche vielleicht auch den Erklärungsgrund der Entstehung
der Eingeweidewürmer geben.
Duj ardin machte von neuem auf die von ihm entdeckte
und mit dem Namen Sarcode belegte Substanz aufmerk-
sam,**) welche nicht allein in den Infusorien, sondern auch
in den Entozoen, besonders in den Taenien undDistomen
enthalten ist und die Eigenschaft besitzt, Aushöhlungen in sich
zu bilden (de se creuser spontan ement de vacuoles).
Von Rymer Jones wurde in seinem neuen Handbuche
für vergleichende Anatomie den Helminthen ein ansehnliches
Kapitel gewidmet, ***) in welchem der innere Bau dieser
Schmarotzer unter Benutzung der neusten Litteratur sehr über-
sichtlich dargestellt und mit schönen eingedruckten Abbildun-
gen erläutert worden ist; letztere sind meist dieselben Kopien,
\yie sie sich in der Cyclopaedia of anatomy and phy-
siology vorfinden. Rymer Jones befolgte dabei jene
systematische Anordnung, welche durch M'Leay und Owen
in England eingeführt worden ist. Die Helminthen werden
hiernach in die beiden Ordnungen Sterelmintha und Co e/-
elmiiitha geschieden, welche ganz den 'beiden von Cuvier
aufgestellten Ordnungen des intestinaux parenchymateux et
cavitaires entsprechen, aber von einander getrennt in zwei
verschiedene Klassen gestellt werden ; so enthält nämlich die
*) stiebel: die Grundformen der Infusorien in den Heilquellen.
1841 S. 80.
'''^) Duj ardin: histoire naturelle des Zoophytes, Infusoires, coni-
prenant la Physiologie et la Classification de ces animaux. Paris.
1841 S. 37.
***) Rymer Jones: a general outline of the animal kingdora and
manual of comparative anatomj. London 1841 ^. 79 und 99.
341
Klasse Acrita (M'Leay), welche der Klasse Cryptoneura (Ru-
dolph!) analog gebildet ist, die Ordnungen der Spongiae,
Pohjpi, Poli/gastrica^ Acalephcte und als letzte Ordnung die
Sterelmintha , während ^lOi YAsi^i^Q Ne7natoneura (Owen) mit
der Ordnung der Coelelmintha beginnt, worauf dann die Bryo-
%oa y ^Rotifera , Ephoa und Echinodermata folgen. Auf der
28. Tafel der Icojies zootomicae hat Wagner eine Reihe
von Copien aus bekannten helminthologischen Schriften zusam^
mengestellt. *)
]¥eiiiatoiilea.
Über den Guinea-Wurm hat Mc. Clelland eine Abhand-
lung geliefert,**) welche zwar grossentheils Bekanntes ent-
hält, jedoch auch einige eigene Wahrnehmungen mittheilt, von
welchen folgende, auf die Fortpflanzung bezügliche in der
Hauptsache eine Bestättigung schon bekannter Thatsachen sind.
Bei der Durchschneidung eines Wurras, 3" von der Körperspitze,
floss eine bläulich weisse, milchige Flüssigkeit aus, welche bei Ver-
grösserung eine Menge von Jungen enthielt, die durchaus der
Mutter ähnlich waren, nur dass sie eine viel höhere Lebendigkeit
zeigten. Die Zahl der in einem Tropfen der Flüssigkeit enthaltenen
Jungen mochte mindestens tausend sein. In Wasser gethan lebten
die Thierchen so lange, als sie sich noch in ihrer schleimigen Um-
gebung befanden, und starben bald, wenn sie unmittelbar ins Wasser
geriethen. Ein Tropfen der schleimigen Flüssigkeit mit den Jungen
war auf einer Glasplatte eingetrocknet, sie wurde nach 24 Stunden
mit warmem- A^^asser befeuchtet, und die Thierchen erhielten ihre
Lebendigkeit wieder, ehe das ganze aufgeweicht war, und bewegten
sich mit dem einem Körperende sehr lebhaft, während das andere
angetrocknet war; als sie, um sie vollends zu befreien, über Wasser-
dampf gehalten wurden, starben sie durch die Hitze. Mc. Clelland
meint, dass der Guinea-Wurm seine Brut nicht in dem Ind. absetze,
welches er selbst bewohnt, — dieses müsste bei der ungeheuren
Zahl der in einer Mutter vorhandenen Jungen in Kurzem zu Grunde
gehen, — sondern dass er, um seine Brut abzusetzen, sich an die
Oberhaut begebe, hier durch seinen Reiz einen Abscess veranlasse,
durch welchen die Jungen nach aussen abgesetzt würden. Hier hatte
auch Dr. Duncan diese Jungen gefunden, doch in einem torpiden Zu-
stande. Da die Jungen eintrocknen können, ohne dadurch die Lebens-
*) Rud. Wagner: Icones zootomicae 1841.
^*) Remarks on Dracunculus, The Calciitta Journal of Nat. Hist.
cond. hy J. M'Clelland. Vol. I. S. 359.
342
fähigkeit zu verlieren, könnten sie leicht von einem Ind. aufs andere
gelangen; sie wären nicht grösser als Sonnenstäubchen, deren
Tausende mit jedem Athemzuge in die Lunge gelangen, und es be-
dürfe nichts als der Berührung mit einer feuchten Haut, um ihre Lebens-
thätigkeit zu erwecken: „It appears to [me to be great folly to
dispute as to whether such rainute particles can enter the human body
hy the stomach or by the skin" setzt McClelland hinzu. Die Ver-
muthung, dass der Wurm hermaphroditisch sei, ist nicht begründet; »)
eben so wenig möchte die Voraussetzung, dass es mehrere Arten dieses
Wurmes gebe, dass namentlich der in Westindien vorkommende von
den in Indien und Afrika einheimischen specifisch verschieden sei,
die Wahrscheinlichkeit für sich haben, da durch den Sclavenhandel
die Übertragung des Wurms von Afrika nach Amerika sehr erklär-
lich ist»
Valentin fand in dem Mesenterium von Cyprinus tinca
bei mikroskopischer Untersuchung zahlreiche grössere und
kleinere Chrysaliden,**) welche innerhalb einer doppelten Hülle
zwei rundliche, durch einen gewundenen Strang verbundene
Gebilde enthielten ; neben diesen regungslosen ChrySaliden
existirten zahlreiche, sich lebhaft bewegende Filarien. Ähn-
liche puppenartige Körper und kleine Filarien sah Valentin
auch zwischen der 3Iuskel- und Schleimheit des Magens und
Darmkanals von Rana esculenta, wobei die Würmer sich theils
ausserhalb theils innerlialb der Puppenhiilsen befanden.
Von Mayer haben wir eine ausführliche Arbeit über 2>/-
chocephalus erhalten,***) welche derselbe mit recht liübschen
Abbildungen begleitet hat. ^
Wenn Mayer von THchoccph. di'spar angiebt, dass der Darm-
kanal bis zur ersten Abschnürung, welchen Abschnitt ich als Öso-
phagus betrachte, aus einem geraden mittleren Kanäle und einem
seitlich mit ihm verbundenen, Säcke bildenden Organe bestehe, so
kann dies nur auf einer Täuschung beriihen, der äusserst lange Ösopha-
gus ist nämlich mit einer unzähligen Menge von' dicht auf einander
folgenden Einschnürungen versehen, welche demselben nach vorne
hin einen sägeförmigen und nach hinten hin einen wellenförmigen
*) T. X. F. 1 ist die Körperspitze des Männchens mit vorragendem
Penis, F. 2 die etwas eingerollte Körperspitze des Weibchens abge-
bildet. Die Figuren sind alle sehr roh.
**) Valentin: Repertoriura S. 53.
^'^*) Majer: Beiträge zur Anatomie der Entozoen. Bonn 1841 8.4
Tab. I. und II. und Froriep's Neue Notizen Nr. 396 S. 345. Penis von
Trichocephalus dispar. Fig. 3 und 4 auf der Tafel Nr. 39«.
343
Umriss geben; die Höhle des Ösophagus wird von diesen Kiuschnü-
rungen nicht getroffen und läuft von der Mundöffnung bis zum Ein-
tritt in den Darm (Magen) gerade und uuabgetheilt fort. Mayer
hat auf einer Hälfte des vorderen Theiles des Wurmes der Länge
nach eine feinkörnige Drüse und an der Stelle, wo der Ösophagus
in den Magen übergeht, zwei ovale gelbliche Körper bemerkt, von
welchen Organen er das erstere als grosse Speicheldrüse und die
beiden letzteren als Leber ansehen möchte. Der Hoden beginnt im
unteren Ende des Leibes und läuft als ein schmächtiger darmförmiger
Kanal unter vielen wellenförmigen Windungen bis zu der Stelle des
Körpers herauf, an welcher sich der letztere peitschenschnurförmig'
verdünnt, hier biegt der Hode sich um und erweitert sich zu einem
weiten Schlauche, der sich bis zum hinteren Viertel des Körpers
herab erstreckt und durch zwei Einschnürungen in drei längliche
Abschnitte geschieden wird, welche als drei Samenblasen angesehen
werden können, die unterste Samenblase geht in einen engeren Aus-
führungsgang über, der in den Scheidenkanal des Penis einmündet.
Der ungemein lange einfache Penis ist an seiner Wurzel mit einer
starken Muskelmasse, dem retractor et sustentator penis versehen,
und zunächst von einer zarten häutigen Scheide umgeben, welche
vor der Spitze des Penis eine feine Öffnung besitzen soll, woran
Ref. jedoch zweifelt. Diese Scheide schlägt sich an der Wurzel des
Penis nach vorne um, wird viel weiter, und geht dann in eine der-
bere Haut über, welche den Penis als dritte Scheide einhüllt. Diese
letztere ist mit konischen, nach hinten gerichteten Stacheln reihen-
weise dicht besetzt; diese Theile hat Mayer sowohl von Trichoceph.
äfßm's als auch von Tn'choceph. dispar abgebildet, diese äussere
Scheide hat Ref auch bei Trichoceph. nnguiculatns ähnlich gebildet
gefunden, nur standen hier die Stacheln nicht so dicht beisammen»
Ganz unrichtig ist von Mayer der Verlauf des Darras am Hinter-
leibe der männlichen Trichocephalen aufgefasst und abgebildet wor-
den. Der Darm läuft keineswegs, wie Mayer angiebt, in ein kur-
zes verengertes Ende aus, welches schief gegen die Spitze des Kör-
perendes hingehend, daselbst neben der Geschlechtsöffnung mit der
Afteröffnung nach aussen münden soll. Mehlis hat den Verlauf des
Darms ganz anders beschrieben (Isis 1831 S. 86), der Mastdarm ver-
bindet sich nämlich nach Mehlis Beobachtung zunächst mit einem
aus der untersten Samenblasc hervortretenden muskulösen Kanäle,
der als ductus ejaculatorius betrachtet werden kann, dieser Kanal
mündet weiterhin wiederum in die Muskelscheide des Penis ein, und
diese letztere setzt sich allein bis zum hinteren Leibesende fort, wo
sie mit gemeinschaftlicher Öffnung für Darm und Geschlechtsorgan
endigt. Creplin hat sich von der Richtigkeit dieser Angabe bei
Trichoceph. dispar überzeugt,*) und Ref. kann dasselbe nicht allein
*) Encyclopädie von Ersch und Gruber a. a. 0. S. 81.
344
von Trichoceph, dispar , sondern auch von THchoceph. ungumilatus
bestättigen. Auch Busk lieferte Bemerkungen über den anatomischen
Bau von Trichoceph. dispar,'^^ ohne aber viel Neues gegeben zu
haben. Dass die weiblichen Trichocephalen keine geraeioschaftliche
Öffnung für Geschlechts- und Verdauungswerkzeuge, sondern eine
besondere, vom After weit entfernte Vulva besitzen, lehrt Busk
uns nicht als etwas Neues, da Creplin schon längst den hier von
älteren Helminthologen ausgegangenen Irrthum berichtigt hat (s. des-
sen observationes de entozois 1825 S, 8). Die weiblichen Greschlechts-
werkzeuge der Trichocephalen hat May er sehr ausführlich beschrie-
ben und schön abgebildet.**) Das einfache Ovarium beginnt im hin-
teren Ende des Körpers mit einem Knöpfchen, welches in einen ganz
kurzen geraden Kanal übergeht, der sich bald stark erweitert und
sich wellenförmig bis zur Vulva herauf erstreckt, hier beugt er sich
als dünner Kanal wieder um und verläuft dann gerade gestreckt nach
dem entgegengesetzten Ende des Körpers hin,, wo er von neuem
sich umwendet und sehr stark erweitert; diesen Theil, der anfangs
ohne Windung nach vorne verläuft, sich nachher verengert und als-
dann wellenförmig gewunden sich mit der Vulva verbindet, nannte
Mayer Eierleiter, mir scheint es passender, den geraden und wei-
ten Abschoitt dieses Schlauchs als Uterus und den engen gewunde-
nen und dickwandigen als Eierleiter oder Vagina zu betrachten; die
innere Fläche dieser Scheide sah Maj'er, wie die äussere Scheide
des Penis mit rückwärts gerichteten Stacheln besetzt. Die in dem
Ovarium enthaltenen Eier haben eine rundliche oder ovale, zuweilen
unregelmässige Gestalt, das Keimbläschen konnte Mayer in ihnen
nur selten deutlich erkennen, auch ich konnte bei Trichoceph. dispmr
dasselbe schwer auffinden, während mir es bei den unregelmässig
gestalteten Eiern aus dem Eierstocke von Trichoceph. iinguiculatns
sehr leicht in die Augen fiel. Die Eier des Eierleiters (Uterus),
dessen Wände Mayer aus kleinen ovalen Zellchen bestehend er-
kannte, hatten eine eiförmige Gestalt und Hessen an beiden Polen
ein kleines Knöpfchen bemerken, die Dottersubstanz nebst dem Keim-
bläschen war im Inneren des Eies von einer besonderen Haut um-
schlossen. Durch diese Beschreibung, so wie durch die von Mayer iS
gelieferte Abbildung auf Tab. II. Fig. 8 m m bekömmt man noch kei-
nen deutlichen Begriff von dem Verhalten der Eihüllen bei Tricho-
cephalus', mir hat es sowohl bei Trichoceph. dispar als bei Tricho-
ceph. unguiculatus geschienen, als wäre die dickwandige äussere
EihüUe (Chorion) an beiden Enden abgestutzt und als ragte aus den
beiden abgestutzten Stellen die innere Eihülle (Amnion) hervor und
bildete so die beiden vorhin erwähnten Knöpfe oder Zipfel; die von
*) Annais of the natural history. Vol. VII. 1841 S. n%. On the
anatomy of Trichocephalus dispar.
>n-
) Mayer: Beiträge S. 9 Tab. II.
34^
Mayer auf Tab. II. Fig. 8 m und n abgebildeten Eier lassen sich
mit dieser Ansicht recht gut in Einklang bringen, nur dass hier die
an beiden Enden der Eier hervorragenden Zipfel isolirt dargestellt
sind und nicht als Fortsetzung des Amnion's erscheinen. Die Leibes-
wände von Trichocephalus bestehen nach Maj'er aus sechsseitigen
Zellen mit eingeschlossenen Bläschen (Zellenkernen), Mayer sah
also ein auf den Anfangsstufen der Ausbildung stehen gebliebenes,
thierisches Gewebe, liess sich aber verleiten, obgleich er sowohl bei
den männlichen als auch bei den weiblichen Individuen diese Struktur
wird angetroffen haben, jene Bläschen (Zellenkerne) für Keimbläs-
chen anzusehen und zu vermuthen (S. 9), das eigentliche Ovarium
läge hier in der Masse des ganzen Körpers zerstreut. Wenn Busk
behauptet, '') dass bei Trichocephalus sich die Eier erst kurz vor der
weiblichen Geschlechtsöffnung vollkommen ausbilden (become per-
fectly formed), weil sie hier von der Samenflüssigkeit erreicht wer-
den können, so ist dies gewiss unrichtig. Ob die beiden feinen rothen
Kanäle, welche nach Mayer in der Nähe des Magens bei den Tri-
chocephalen beginnen, am Leibe herablaufen und seitlich am After
auszumünden scheinen, wirklich Gefässe sind und Blut enthalten,**)
möchte ich noch, bis genauere Untersuchungen darüber angestellt
worden sind, in Zweifel ziehen. Vom Nervensysteme fand Mayer
keine Spur Derselbe traf den Trichocephalus dispar auch bei Ne-
gern sehr häufig an, wo er sonderbarer Weise schwärzlich gefärbt
war.***) Im Blinddarme von Simia SatjTus entdeckte Mayer eben-
falls Peitschenwürmer, f) deren Männchen gerade gestreckt waren
und nur eine ganz geringe hakenförmige Krümmung am Hinterende
besassen, so dass, da auch am Penis einige Abweichungen zu be-
merken waren, diese leicht einer besonderen Species angehören
dürften.
Von Oxijuris amhigua hat Mayer ein Männchen und das
Schwanzende eines Weibchens abgebildet, an welchem er zu jeder
Seite eine Reihe von kleinen ovalen Bläschen oder Körnern in einem
Saum der Haut eingeschlossen fand. ff) An den Eiern dieses Pfrie-
menwurms, welche länglich oval und öfter halbmondförmig eingebo-
gen waren, konnte Mayer zwei Häute und innerhalb des Dotters
ein Keimbläschen erkennen.
D.ujardiu erklärt die zur Gatt. Anguillula Ehrb. ge-
gehörigen Thiercheii mit Recht für Nematoideen, f f f ) und stellt
*) Annais of the nat. bist. Vol. VIII. S. S12.
**) Mayer: Beiträge S. 11.
***) Ebenda. S.U.
f) Ebenda. S, 18.
ff) Ebenda. S. 14 und 16.
•fff) Dujardin: Infusoires a. a. 0. S. 675.
346
die ihnen zug-eschriebene Eigenschaft, vertrocknet und ange-
feuchtet wieder aufzuleben, nicht, (wie Ehrenberg,) in
Abrede.
Dass Creplin diese Gattiiug Auguillula, welche iu ihrem
inneren Bau mit den Neniato Ideen so sehr übereinstimmt, von den
Helminthen ausgeschlossen haben will,*) dem wird man um so weni-
ger beistimmen, daCreplin selbst die Ähnlichkeit zwischen An guil -
lula und den Nematoideen noch ganz besonders darthut, indem
er auf eine grosse feingeringelte, | bis 1 Lin. lange Anguillula
aufmerksam macht, welche in dem Schmutze einer Dachrinne gefun-
den wurde;''*) sie besass drei grosse Kopfkuotcn, die Männchen
trugen, wie die Männchen der Strongjli, eine mit starken Rippen
versehene bursa caudalis an sich, während bei den Weibchen die
Vulva an der hinteren Körperhälfte weit vom Schwänzende ent-
fernt lag.
Von Hermann in Wien wurden bei einem Pferde zwi-
schen den krankhaft aufgelockerten Häuten der grossen Schien-
beinarterie eine JMenge Würmer gefunden, welche nach Die-
sing's genauerer Untersuchung eine neue Gattung von Ne-
matoideen bilden.***)
Die von Hartman n beigefügte sehr mittelmässige Abbildung
ist nicht geeignet, einen Begriff von der Beschatfenheit dieser Wür-
mer zu geben, und mau muss sich daher lediglich an die Beschrei-
bung halten, welche Diesing in folgender Art von diesen Schma-
rotzern gegeben hat: Onchocerca Dies. Entozoon ex ordine Ne-
matoideorum. Corpus teres elasticum, utraque extreniitate attenua-
tum, feminae spirale, maris magis extensum, gracilius. Caput rotun-
datum, ore centrali minimo. Cauda feminae attenuata, maris exca-
vata, spiculo (duplici?) lobulis duobus verticalibus excepto; lobulis
singulis supra papilla infra uncinulo parvo. O. reticulata. Longi-
tudü fcminarum 18 linearum et ultra, crassities | lineae circiter. Cor-
pus maris (semel fantum reperti) pollicem et dimidium lougum, | li-
neae crassum. Feminae corpus annulis validioribus hinc inde dicho-
tomis et reticulatim conflucntibus.
Valentin emjDfiehlt die Trichinct splralis als recht geeig-
^) Kncyclopädie von Ersch und Gruber a. a. O. S. 76.
**) Ebenda. S. 83.
''**) Österreichische medicinische Wochenschrift Nr. 9 1841 S. 199,
Trichina, bei einem Pferde gefunden. VonHermann. (Diese Über-
schrift muss auffallen, da Diesing, wie er mir brieflich mitgetheilt,
diesen Würmern den Namen Trichina reticulata nur provisorisch
beigelegt und dieselben (S. 200) in der Note als besondere Gattung
unter dem Namen Onchocerca bezeichnet hat.)
347
net, den Vererdungsprocess der Eiitozoen und Entozoen-
hüllen zu zeigen,*) da offenbar die zwischen der äusse-
ren und der inneren Hülle ihrer Cysten gelegene Körner-
masse, welche an unorganischen falzen reich ist, als der
erste Anfang dazu betrachtet werden kann. Demselben scheint
es (wie auch dem Referenten, s. dies. Archiv 1837 II. S.255)
.ebenfalls sehr zweifelliaft, ob das in der Trichina von mehre-
ren Forschern beschriebene körnige Organ als. Eierstock rich-
tig gedentet sei.
Über die m den Respirationswerkzeugen und dem Blut-
gefässsysteme des Delphinus Phocaena schmarotzenden Nema-
toid'een haben Quekett und Es chricht Beobachtungen mit-
g^theilt.
Von Oueketfc werden die üntersuchimgen Kuhn's (Memoires
du Museum d'hist. iiatur. T. XVIII. 1829 S. 357) bestättigt **) und
ebenfalls drei in den Lungen des gemeinen Delphins beisammen
lebende Arten von Strovgylus, nämlich Stroiig. Inßexus Rud., Strojig.
mino?' K. und St7'07ig. cojivolutus K. angenommen; auch Es chricht
erkannte die zwischen den grossen Exemplaren des Strong-. inßexus
vorkommenden kleineren Individuen als besondere Art,'^*'^) da sie
nicht allein eine verschiedene Gestalt haben , sondern auch stärker
entwickelte Zeugungsorgane, und einen anders gestalteten Penis
besitzen. Den von E schriebt für diese Art vorgeschlagenen Na-
men, Sfrong. vagunSy wird man wohl wieder fallen lassen müssen, in-
dem diese kleinen Strongjli höchst wahrscheinlich zu Strong. minor
gehören. Nach Eschrichtf) bilden h^\ Strong. inflexus zwei dunkle
S-förmige Körper den Penis; über die Bedeutung zweier runden
augenähnlichen Körper dieses Wurms konnte dieser Forscher nichts
ermitteln; derselbe schreibt die schwarze Färbung des Darms der
zwischen den Wandungen des Nahrungsschlauchs der ganzen Länge
nach verbreiteten und als Leber zu betrachtenden Substanz zu. Die
innere Struktur der weiblichen Geschlechtstheile dieses viviparen
Strongylus soll nach Eschricht genau dieselbe sein wie' bei Äscaris
liunhricoides y womit er zu verstehen geben will, dass die Eier die-
ses Wurms in den Ovarien eine keilförmige Gestalt haben und mit
ihren zugespitzten Enden um eine Axe herumsitzen (s. dieses Archiv
*) Valentin: Repertorium a.a.O. S. 194.
^*) Annais of nat. bist. Vol. VIII. 1843 (Novemb. 1841) S. 151.
Ouekett: on four species of the genus Strougjlus from the common
porpoise.
***) Froriep's Neue Notizen Nr. 433 S. 231,
Y) Ebenda. Nr. 433 S. 314 und Isis 1841 S. 704.
348
1841 II. S. 292). Eschri<Jlit sowohl als Oiiekett haben in tuber-
kelartigen Cysten ,der Lunge des gemeinen Delphins kugelförmig zu-
sammengeknäulte kleine Würmer gefunden, welche Es ehr ich t für
junge Strongyli erklären wollte. "^3 Ouekett traf fünf bis sechs
Individuen in einer Cyste an, *») auch ich sah stets mehrere (drei bis
vier) Individuen in einer und derselben Cyste eingeschlossen, unter
welchen ich fast immer ein Männchen vorfand. Ouekett beschreibt
diese Schmarotzer, an welchen er ebenfalls die viel kürzeren Männ-
chen von den längeren Weibchen unterscheiden konnte, nicht ge-
nauer, legt ihnen aber den Namen Strongylus vaginatus bei^ ich
kann versichern, dass diese Nematoideen ^weder junge Individuen
von einer der vorhin erwähnten drei Strongylus-Arten, noch über-
haupt Strongyli sind. Ihre Geschlechtsorgane habe ich immer voll-
ständig ausgebildet gefunden, bei den viviparen Weibchen sah ich
die Vulva des doppelten Uterus, wie bei der Gattung Filaria, dicht
neben der einfachen Mundoffnung angebracht, weshalb ich diese
Thiere in meinem Tagebuche (ini Oktober 1837) ^Xs.Filaria inßexo-
caudata und nicht als Strongylus verzeichnet habe, den Männchen
fehlt durchaus die bursa caudalis, welche die Gattung Strongylus
characterisirt, auf der anderen Seite besitzen aber jene Schmarotzer
einen doppelten kurzen Penis, was wieder gegen die Gattung
Filaria spricht.
Es ist auffallend, dass der Strang-, inßexus in den Luftwegen
von Delphinus Phocaena fast allgemein und in ungeheuerer Menge
vorkommt, während Holböll und E schriebt weder die grönlän-
dischen Wallflsche noch den Delphinus albicans von diesem Wurm
geplagt fanden. *'''')
Yonatt,-}-) welcher von einem Liebhaber der Federviehzucht
wiegen einer Krankheit, durch welche er seit einer Reihe von Jah-
ren viele seiner jungen Hühner verloren, um Rath gefragt wurde,
fand bei der Sektion Würmer in der Luftröhre der Hühner und er-
innerte sich einer ähnlichen von Blavette beobachteten Krankheit;
die Würmer sind nicht näher beschrieben worden, mögen aber in
beiden Fällen zu Stro?igyius traclieaUs gehört haben.
Unter des Ref. Leitung hat Bagge lielmiDthologisclie Un-
tersuchungen angestellt, ff) welche hauptsächlich auf die Eut-
wickelungsgeschichte der N e ni a t o i d e e n gerichtet waren ;
*) Froriep's Neue Notizen Nr. 433 S. 231.
^*) Annais of nat. bist. Vol. VIII. a a. O.
^**) Froriep's Neue Notizen Nr. 411 S. 233.
•J-) The Veterinarian. Octob. 1840 und Magazin für die gesammte
Thierheilkunde 1841 S. 500.
-i-f) Bagge: dissertatio inauguralis de evolutione Strongyli auricu-
laris et Ascaridis acuminatae. Erlangae 1841.
349
wir verdanken dem Zeichentalente desselben eine seiner Arbeit
beigegebene ausgezeichnet schöne Kupfertafel, auf welcher der
Durchfurchungs-Prozess, welchen Ref. schon früher (Burdach's
Physiologie Bd. II. 1837 S. 211) an den Dottern der befruch-
teten Nematoideen-Eier nachgewiesen hatte, an den Eiern von
Strongylus miricularis und Äscaris acuminata dargestellt ist.
Zuerst giebt Bagge's Dissertation über die allmälige Ausbil-
dung des Neniatoideeu-Eies Auskunft: in den äussersten Enden der
Ovarien sind von den Eiern die Keimbläschen mit ihrem Keimflecke
zuerst erkennbar, um diese lagern sich bei dem weiteren Fortrücken
in der Eierstocks -Röhre Dötterkörner nach und nach herum; es
grenzen sich später die Dotterhaufen von einander ab, und in die
verengerte tuba Fallopii eingetreten, erhalten sie, in einer einfachen
Reihe hinter einander liegend und weiter vorrückend, eine oben und
unten abgeplattete Gestalt. Im oberen Ende des Eierleiters haben
die Eier alsdann (bei Strang, auricularis) seitlich betrachtet ein
queroblonges, im mittleren Theile desselben ein quadratisches An-
sehen und erscheinen im unteren Ende wieder als Oblonge, stecken
aber hier der Länge nach in der Röhre des Eierstocks-Leiters. So
wie sie aus den Tuben in den fundus uteri hinüberschlüpfen, nehmen
sie sogleich eine ovale Gestalt an. In allen diesen Formen der Eier
leuchtet das Keimbläschen deutlich aus dem Dotter hervor. Diejeni-
gen Eier, welche im Uterus etwas weiter vorgerückt sind, und also
schon einige Zeit länger dort verweilt haben müssen, verlieren den hel-
len Fleck (das Keimbläschen) in ihrer Mitte, noch füllt indess der Dotter
den ganzen inneren Raum der Eihülle aus; nach dem Verschwinden
des Keimbläschens scheinen sich die Dotterkörner dichter in sich zu-
sammen zu drängen, indem die Dottermasse nicht mehr wie früher
die Höhle der Eihülle ganz ausfällt, sondern an beiden Polen des
Eies einen leeren Raum übrig lässt, ausserdem erscheint jetzt der
ganze Dotterkörper durchaus scharf abgegrenzt, gleich als wenn er
sich mit einer besonderen Hülle umgeben hätte. Von jetzt ab geht
die Durchfurchung des Dotters in bekannter Weise vor sich, und
man sieht bei den Nematoideen deutlich, dass hier die ganze Dot-
termasse nach und nach in den Embryo selbst sich umwandelt. Es
bleiben, wenn der Embryo schon längst gebildet ist, in demselben
noch Dotterkörner übrig, welche zwischen Cutis und Darmkanal in
der Leibeshöhle frei verbreitet liegen. Bei allen erwachsenen weib-
lichen Individuen von Stroiig-. auricularis und Asc. acuminata, welche
Brut bei sich hatten, konnten wir im fundus uteri eine Menge klei-
ner, unbeweglicher und mit einem Kerne versehener Bläschen wahr-
nehmen, durch welche sich die Eier, wenn sie aus den Eierstocks-
Leitern hervortraten, hindurchdrängen mussten. Da sich in jungen
Weibchen diese Körperchen nicht vorfanden, so drängte sich die
Vermuthung auf, ob diese Körperchen nicht Spermatozoen seien,
350
welche nach der Begattung an jenen Ort gelaugt sein könnten. Es
konnten die Spermatozoen nur aus den Männchen von Strongylus
auricularis zur Vergleicliung benutzt werden, sie stellten kleine
birnförmige, ebenfalls unbewegliche Körperchen dar, an deren stum-
pfem Ende ein Bläschen mit einem Kerne zu erkennen war, welches
in Grösse und Form mit den in dem fundus uteri der Weibchen vor-
gefundenen Bläschen übereinstimmte. Wenn auch nicht ganz fest-
gestellt ist, dass jene Körperchen wirklich aus den Männchen in den
Uterus der Weibchen gelangt sind, so ist doch hiemit eine Anregung
gegeben, auch die Samenmasse der Nematoideen einer genaueren
mikroskopischen Untersuchung zu unterwerfen. Die Untersuchungen,
welche ich bisher über diesen Gegenstand angestellt habe, haben mit
das merkwürdige Resultat geliefert, dass die Spermatozoen der Ne-
matoideen in Form und Wesen auffallend von den haarförmigen
und sehr beweglichen Spermatozoen-Fäden der Acanthocephalen,
Trematoden und Cestoideen abweichen, indem sie bei ihrer Ent-
wickelung meist auf der Stufe einer mehr oder weniger deutlichen
Zellenform stehen bleiben und niemals Bewegungen äussern.
Ausserdem hat Bagge noch ein eigenthümliches Organ von
Ascaris ucuminata abgebildet, welches Ref. bei beiden Geschlechtern
von Asc. aciwiinata und Strotig. auricularis aufgefunden hat. Es
besteht dieses Organ aus zwei (blinddarm-ähnlichen?) Röhren, wel-
che am Darme heraufsteigen und unterhalb der Stelle, wo der Darm
mit dem Bulbus des Ösophagus zusammenhängt, sieh von beiden Sei-
ten her vereinigen und mit einer gemeinschaftlichen, von einem mus-
kulösen Wulste umgebenen Querspalte nach aussen münden. Der
Inhalt dieses Organs schien mir von einer homogenen Flüssigkeit
gebildet zu werden, deren Bestimmung mir bis jetzt noch nicht klar
geworden ist, vielleicht besitzt sie eine ätzende Eigenschaft, und
veranlasst durch ihren Reiz in dem Darme der Frösche eine stärkere
Absonderung von Schleim.
Van Beneden bestättigte die Beobachtungen des Ref.
und erkannte ebenfalls,*) dass die ganze Oberfläche des Dot-
ters bei der Entwicklung der Nematoideen zur Oberfläche
des Embryo sich umbildet.
E schriebt bemerkte bei Ascaris lumbricoides in
den Hoden eine Längsaxe, um welche Körperchen von ziem-
lich regelmässiger Gestalt herumliegen.**) Sie enthalten ein
der vesicula Purkinjii analoges Bläschen, im weiteren unteren
'^') Memoires de l'Academie royale des sciences et belles-lettres
de Bruxelles. Tom. XIV. 1841. Van Beneden: sur Fembryogenie des
Sepioles p. 5.
*») Froriep's Nene Notizen Nr. 434 S. 245.
351
Ende der männlichen Organe zeigten sich kugelförmige Kör-
per, welche mit winzigen Körnchen bestreut waren. Esch- *
rieht warf die Frage auf, ob diese Körperchen Samenthier-
chen-Säcke seien? ob sie den Eiern der^yeibchen analog seien?
Ich sah ebenfalls zellenförmige, eine feinkörnige Masse ent-
haltende Spermatozoen bei dem Spulwurme und berufe mich
auf das vorhin über die Spermatozoen der Nematoideen
Gesagte. Nach Ginge*) zeigte sich der Eileiter von Ascaris
lu7nhricoides aus zwei Membranen zusammen gesetzt, deren
äusserste muskidös ist und merkwürdig genug aus querge-
streiften sehr zarten Muskelbündeln bestehen soll.
Mayer lieferte einige Bemerkungen über den Verlauf des
Verdauungskanals und der Geschlechtswerkzeuge von Ascaris
acuminata und h^evicaudata.^'^)
Derselbe möchte -<4fc. nigrovenosa für nichts anderes als iiixAsc.
acuminata halten, welche zufällig durch Eiasaugung schwarzer
Pigmentraasse in den Darnikanal schwarz gefärbt ist, w^as durchaus von
der Hand gewiesen w^erden nmss. Beide haben fast nicht die ge-
ringste Ähnlichkeit mit einander, Asc. nigrovenosa besitzt einen ziem-
lich einfachen, nach unten nur etwas angeschwollenen Ösophagus,
während letzterer bei Asc. acuminata ganz die Gestalt einer Mör-
serkeule besitzt, was Mayer übersehen zu haben scheint. Die Epi-
dermis von Asc. nigrovenosa ist äusserst charakteristisch und eigen-
thümlich gebildet, sie steht überall von dem Leibe des Wurms w^eit
ab, besitzt nicht die bekannten Ouerringeln, sondern bildet eine Menge
langer Ouerfalten, welche bei dem Pressen der Epidermis zwischen
Glasplatten sich aus einander ziehen und verlieren. Diese Ouerfalten
geben dem Wurme, wenn man ihn längs den Seiten herab betrachtet,
ein gefranztes Ansehen. Gluge hat sich hierdurch täuschen lassen,
indem er diese Ouerfalten für paarweise gestellte Fäden hielt, die
er sich bewegen sah.***) Derselbe bemerkte bei dieser Ascaride zu
beiden Seiten des Vorderendes des Leibes eine Reihe heller Kügel-
chen, deren Bestimmung ihm unbekannt geblieben ist. Nach Gluge
soll^^cam nigrovenosa ihren Beinamen nicht von der dunklen Farbe
des Darmes, welcher mit blossem Auge nicht sichtbar sei, erhalten
haben, sondern der Eierstock, welcher da, wo die Eier am gehäufte-
sten sind, einen schwarzen Fleck bildet, habe dem Thiere den Namen
*) Gluge: anatomisch-mikroskopische Untersuchungen zur allge-
meinen und speciellen Pathologie. Jena 1841 S. 199. Desselben Ab-
handlungen zur Physiologie und Pathologie ist dasselbe Buch.
**) Mayer: Beiträge a. a. 0. S. 17.
^ ***) Gluge: a.a.O. S. 300.
352
gegeben; es ist nicht zu begreifen, wie Ginge zu dieser Ansicht
gekommen ist, aber auch kaum der Mühe werth, sie zu widerlegen.
Es war mir interessant, bei Asc. nigi'ovenosa deutlich zu erkennen,
dass dieser Schmarotzer wirklich Blut in seinen Darm aufnimmt. Es
enthält nämlich der letztere in seinem vorderen Theile eine hellrothe
Flüssigkeit, welche allmälig, nach dem Hinterende des Darmes zu,
eine dunkelbraune Färbung annimmt. In dieser Flüssigkeit schwe-
ben nach vorne eine Menge kleiner länglicher Körperchen, welche
nach hinten nach und nach verschwinden und an deren Stelle eine
dunkle Molekülen -Masse tritt. Diese länglichen Körperchen sind
nichts anderes als die Kerne der Batrachier- Blutscheiben, welche
noch von den zerknitterten und entfärbten Hüllen umgeben werden.
Lässt man diese länglichen Körperchen einige Zeit mit Wasser in
Berührung, so blähen sich die zerknitterten Hüllen wieder auf, und
man überzeugt sich jetzt, mit Wasser behandelte Blutkörperchen von
Fröschen vor sich zu haben, welche ihre rothe Farbe an die Flüs-
sigkeit, in welcher sie schweben, abgegeben haben. Gluge ver-
suchte bei Fröschen die Inokulation dieser Thiere, aber ohne Erfolg;
derselbe hat nicht ein einziges Männchen dieser Schmarotzer ange-
troffen, auch ich suchte bisher vergebens nach einem solchen. Den
Durchfurchungsprozess der Eidotter von Ascaris nigrovenosa hat
Mayer beobachtet und abgebildet,*) wozu auch Bagge einige
Beobachtungen geliefert hat. ** )
Nach Fischer v. Waldheim***) soll hei Ascaris tum-
hricoides zu beiden Seiten der Seitenlinie eine Reihe von vier-
eckigen mit einer zarten netzartigen Haut verschlosseneu Off-
nungen herablaufen, welche er für Athemorgane halten möchte,
wenn Gefässe an diese Organe heranträten.
Über die angeblichen jungen Aale, welche nichts anderes
als grosse Exemplare von Ascaris lahiata waren, hat Creplin
einige Bemerkungen mitgetheilt. f)
Über das Durchboliren und Verändern des Aufenthalts-
ortes wurden von Nematoideen verschiedene Beispiele auf^
geführt.
Valentin erwähnt eines Stroiigyhis armatus,W) welcher in
*) Mayer: Beiträge S. 37. ,
^'f) Bagge: Dissertatio S. 10.
>f**) Bulletin de la societe imperiale des naturalistes de Moscou.
1840 Nr. II. S. 139. Notata quaedam de enthelminthis una cum recen-
sione specierum, duarumque novarum, aMiram museo academico do-
natarum, auctore Fischer de Waldheim.
t) Dieses Archiv 1841. I. S. 830.
-J-f) Valentin: Reifertorium 1841 S.51.
J
353
dem Blute der sclieinbar unverletzten Pfortader eines Pferdes gefun-
den wurde und wahrscheinlich vermittelst seiner Bewaffnung das
Gefäss durchdrungen hat, wo er dann mit dem Blute mehr oder min-
der fortbewegt wurde. Borggreve behandelte ein Kind von fünf
Jahren,'') welches seit vierzehn Tagen über Schmerzen in der Na-
belgegend geklagt hatte; nach einiger Zeit entdeckte er in der Mitte
des geschlossenen Lumen des Nabels, der seit einigen Tagen wund
geworden war, dasBüsselchen eines Spulwurms, welches stets roti-
rende Bewegungen machte. Er zog, den Rüssel mit der Pinzette
fassend, einen acht Zoll langen Spulwurm hervor, und sah nach An-
thelminthicis noch 21 grosse Spulwürmer durch den Nabel, und nur
fünf Stück durch den After abgehen. Die im Nabel entstandene
Öffnung schloss sich später wieder ganz von selbst. Bei der Natur-
forscher-Versammlung in Braunscliweig kam die Frage zur Spra-
che,'''^) ob der Darmkanal von Würmern durchbohrt werden könnte,
und wurde von Sachse aus Schwerin bejahend beantwortet, indem
er behauptete, die Bohrversuche der Würmer seien nichts anderes
als Saugversuche. Derselbe erwähnt eines Falles, wo ein 6 Zoll
langer Spulwurm den Nabel einer Frau durchbohrt habe, nachdem
sich vorher ein furunkelartiger Abscess an dieser Stelle ausgebildet
hat. Die Wunde hatte eine S-förmige Gestalt und bildete eine chro-
nische Fistelöffnung, aus welcher mit jenem Wurme eine chylusähn-
liche Feuchtigkeit getreten war. Einen ähnlichen Fall erzählte Oppen-
heim,***) wobei sich aus einer zwischen Nabel und Symphysis oss.
pubis befindlichen Geschwulst eine Menge lymphartiger Materie und
zuletzt ein acht Zoll langer Spulwurm entleerte, ohne dass nachher
die dadurch entstandene Fistel heilte. Ammon aus Dresden fand in
beiden Fällen einen bestimmten Beweis für die von Spulwürmern
bewirkte Perforation der Gedärme. f) Nach Rokitansky waren in
einem Falle von Wanderungen der Spulwürmer nach den Gallen-
gefässen zwei davon in den Speichelgang des Pankreas gekrochen.ff)
William Thomson spricht die Meinung aus,-|"j-J-) dass zwei
Gründe die Entozoen verhinderten, sich aus dem Darmkanale nach
den Gallenwegen zu begeben, nämlich 1. weil die Galle ein Element
sei, in welchem kein Entozoon leben könnte, und 2. weil die irrita-
beln Gallengänge und deren Mündung gegen das Eindringen von
1') Medizinische Vereinszeitung. Berlin 1841 S. 117.
''*) Amtlicher Bericht über die Versammlung der Naturforscher
und Ärzte zu Braunschweig im September 1841 S. 97.
*) Ebenda. S. 98.
f) Ebenda.
•J-f) Rokitansky: Handbuch der pathologischen Anatomie B. III,
1841 S. 399.
•J-J-f) William Thomson : a practical treatise on tlxe diseases of tho
liver and biliary passages. Edinburgh 1841 S. 65,
Archiv 1", Naturgeschichte, VI iL Jahrj^, ßd. 2, Z
354
Schmarotzern reagiren würden, das letztere geschehe daher erst
nach dem Tode. Der erste angeführte Grund ist aber nicht haltbar,
wie dies Distomiwi hepaticum und lanceolatum beweisen, ausserdem
besitze ich in meiner Sammlung drei neue Arten von Distomen, von
denen ich die eine Art in der Gallenblase von Cypselus ai)us, die
zweite Art in der Gallenblase von Mergus Serrator und Colymbus
septemtrionalis und die dritte Art in den erweiterten Gallengäogen
desDelphinusPhocoena angetroffen habe 5 und ebenso kann ich gegen
den zweiten Grund anführen, dass' man bei der Hausmaus nicht sel-
ten eine Taenia mit ihrem Kopfende vom Darme aus, durch den du-
ctus choledochus hindurch, in die Gallenblase hineinragend antrifft.
Einen sehr sonderbaren, auf das Wandern der Helminthen sich
beziehenden Fall hatBöhmi aus der Schweiz mitgetheilt: *) es haben
nämlich bei einem halbjährigen Knaben nach Erbrechen von Spul-
würmern, unter Fieberbewegungen und Kongestionen nach dem Kopfe,
sich alle Erscheinungen von Hydrocephalus acutus entwickelt, am
zehnten Tage wurde von dem Kinde ein vier Zoll langer Spulwurm,
der aus dem linken Gehorgange heraushing, mit nachfolgendem Eiter-
ausfluss und augenblicklicher Erleichterung für den Kranken entfernt.
Durch den ausgespritzten Gehörgang will Böhmi das durchbohrte
Trommelfell des Kindes, welches jetzt genas, gesehen haben. In der
medizinisch-chirurgischen Gesellschaft, welcher dieser Fall vorge-
tragen wurde, nahm man allgemein an, dass dem Kinde in der Nacht
ein lebender Spulwurm aus dem Munde gekrochen und dann wieder
durch den äusseren Gehörgang eingedrungen sei, während ein Ent-
zündungsprozess mit Übergang in Eiterung im linken Ohre Statt
gefunden und sich mit Entfernung des fremden Körpers entleert habe.
Stilling fand bei mehreren Fröschen auf den Exsuda-
ten von Wunden sehr lebhafte, denAscariden ähnliche Wür-
mer von der Länge einer Par. Lin.,**) an welchen er deutlicli
Muskelsystem, Darmkanal u. s. w. unterscheiden konnte, auch
in dem thierischen Stoffe, der sich in dem Gefässe zu Boden
setzte, in welchem z. B. ein Frosch mit amputirtem Schenkel
aufbewahrt wurde, fand Stilling dieselben Tliierchen. Wahr-
scheinlich gehörten sie zur Gattung Anguillula oder sind,
wie Hannover vermuthet, aus dem Darmkanale der Frösche
als junge Entozoen entleert worden.***)
Zu dem früher (s. d. Archiv 1839 II. S. 158) mitgetheil-
ten Falle, wo eine junge Negerin von zwei unter der Kon-
*) Schweizerische Zeitschrift für Natur- und Heilkunde. Nach
Pommer'sTode herausgegeb. Nachtrag. Neue Folge, B.HI. 1841 S. 156.
**) MÜIler's Archiv 1841 S. 314.
***) Ebenda. 1842 S.76.
355
junktiva befindlichen Würmern gequält wurde, hat Dr. Blot
noch folgendes hinzugefügt:*)
Das Negerniädchen hätte behauptet, dass diese Würmer von
einem Auge zum anderen gelangten, was sie an dem starken Prik-
keln in den Theilen zwischen den Augen und auf der Nasenv/urzel
bemerkte, wirklich sah auch Blot anfangs in jedem Auge einen
Wurm, fand aber nachher, als er zum Extrahiren derselbeir geschrit-
ten, beide Würmer im linken Auge.
Nach einem von Schwab herausgegebenen Verzeichnisse'''^)
befindet sich in der Entozoen-Saramlung der Münchner Thierarznei-
Schule ein Stroiigylus FUaria aus den Bronchien eines Pferdes (!)
und aus der Luftröhre und den Bronchien eines mit schleimiger Lun-
gensucht behaftet gewesenen dreijährigen Schweines (!), letzterer
Schmarotzer ist vermuthlich der von Mehlis beschriebene Strong.
paradoxus.
YoüAscari's Inmhricoides equi besitzt dieselbe Sammlung 344 Stüke,
von welchen 18 im Magen, 25 im Zwölffingerdarm, 295 im Leerdarm,
9 im Hüftdarm und 3 im Blinddarm eines fünfjährigen Weidepferdes
gefunden worden waren. Schwab fügt hinzu, dass noch weit
grössere Mengen dieses Schmarotzers vorkämen, und dass er einmal
bei einem kachektischen, an Abzehrung leidenden Pferde mehrere
tausend Stücke dieses Spulwurms angetroffen habe.
Ein iüber Äscaris lumbricoides von Scortegagna her-
ausgegebenes Werkchen ist mir bis jetzt noch nicht zu Ge-
sicht gekommen. ***)
Acaiitlioceiiliala«
Ein in der Schweiz geschossenes Exemplar von Otis
houbara besass eine ausserordentliche Menge von Kratzern, f)
welche viel Ähnlichkeit mit Echinorrkynchus monilifortnis hat-
ten, aber nach Miescher's Untersuchung eine neue Species
bilden. Bei Cyprinus tinca fand Valentin äusserlich am Darme
zahlreiche grössere und kleinere Exemplare von Echinorrh,
*) Froriep's Neue Notizen Nr. 377 S. 48.
**) Schwab: Verzeichniss der anatomisch-pathologischen Präpa-
rate, welche sich in dem Museum der K. B. Central-Veterinär-Schule
zu München befinden. München 1841 S. 82. ,
***) Scortegagna: interna la facotta della reproduzione vivipara
degli Ascaridi lombricoidi. Pavia 1841,
f) Verhandlungen der schweizerischen naturforschendea Gesell-
schaft bei ihrer Versammlung zu Zürich, 1841 S, 76.
Z*
356
nodulosus in verscliiedener Grösse,*) von denen ein Theil freier
lag, ein Theil in der Richtung von aussen nach innen in die
Darmhäute mehr oder weniger eingebohrt war. Im Innern
des Darmes war keine Spur eines EcJdnorrhy?ichus wahrzu-
nehmen. Grosse Verwunderung musste übrigens der Vor-
schlag May er 's erregen, die Gattung Ecldnöri^hynchus ein-
gehen zu lassen und dieselbe als eine Unterabtheilung der
Gattung Monostomum einzuverleiben.**)
Treiuatoila.
Mayer beschrieb den Verdauungsapparat und die Ge-
schlechtswerkzeuge von Distomum appendiculatum.'^^^)
Letztere sind von Mayer diircbaus verkannt worden. Der aus
mehreren an einander gedrängten schneeweissen Kugeln gebildete
Körper, welchen Maj er als Hoden genommen hat, ist das die Ei-
dotter absondernde Organ, aus welchem ein sich vielfach im Leibe
des Wurmes hin und her windender, ziemlich weiter Eierleiter ent-
springt, dieser enthält anfangs farbelose und weiterhin braungelbe
Eier. Den Anfang dieses Eierleiters (Uterus) hat Mayer als vas
deferens betrachtet, während er das vordere, die reiferen Eier ent-
haltende Ende desselben im hinteren Theile des Körper mit einem
stumpfen Kolben entspringen lässt, den er Ovarium nennt, und der
Michts anderes als eine verkannte Umbeugnng des Eierleiters ist. Die
eigentlichen Hoden sah ich als zwei halbdurchsichtige kugelförmige
Körper hinter dem porus posticus liegen, einen ähnlichen Körper er-
blickte ich dicht über dem die Eidotter absondernden Organe, den
ich als das die Keimbläschen enthaltende Organ, welches ich bei den
meisten Trematoden bis jetzt angetroffen, zu betrachten mich veran-
lasst sah. Das am Schwanzende des Distomum appendiculatum aus-
mündende Absouderungsorgan ist von Mayer, wie es scheint, ganz
übersehen worden. Dasselbe steigt von seiner Mündung als ein
ziemlich enges Gefäss sanft wellenförmig bis zum porus posticus
hinauf, hier theilt es sich in zwei Äste, welche am hinteren Saug-
napf vorbei seitlich in die Höhe laufen und sich dicht hinter dem po-
rus anticus bogenförmig wieder vereinigen. Bei der Beschreibung
des Distoin. cylindraceiim hat Mayer abermals eine Schlinge des
Eierleiters für einen dicken kolbigen Theil gehalten und Ovarium
genannt, f) Die eigentlichen Eierstöcke erstrecken sich hier nach
*) Valentin: Repertorium S. 53.
'**') Mayer's Beiträge a. a. O. S. 4.
***) Ebenda. S. 17.
t) Ebenda. S. 18.
357
des Ref. Untersuchiiog zu beiden Seiten des Leibes herab und be-
stehen aus einer Menge schneeweisser vielfach verästelter Blindsäck-
cken; zwischen den beiden Blinddarm-Ästen liegen zwei grössere
und zwei kleinere rundliche Körper, von denen die beiden ersterea
als die Hoden und die beiden letzteren als das Keimbläschenorgan
und als die vesicula seminalis poster. vom Ref. erkannt worden sind.
Miram hat ein im Blinddarme und Mastdarme junger
Hühner zu Wilna aufgefundenes Distomujii für neu gehalten
und als Distom. dilatatum mit folgender Diagnose aus-
gestattet:*)
Dist. planum, collo angustato, corpore dilatato, postice obtuso.
Diese Diagnose mit der übrigen Beschreibung des Wurmes zusammen-
gehalten, lässt vermuthen, dass der Schmarotzer nichts anders als
Dist. e China tum gewesen ist, welches Ref. ebenfalls in Hühnern
nicht selten angetroffen hat.
Von Mayer ist die Entvvickelung der infusorienartigen
Jungen des Distonnim cylindraceiirn verfolgt und abgebildet
worden.**) Wenn derselbe gesehen haben will, dass das aus-
geschlüpfte junge Distomum in der Eihaut das Keimbläschen
zurückgelassen habe, so spräche dies gegen alle Grundsätze
der Entwickelungsgeschichte. Bei demselben Distomum hat
Mayer fadige Spermatozoen gesehen, welche er aber mit einem
unverhältnissmässig grossen runden Anhang abbildete, der ge-
wiss nichts anderes als eine Öse gewesen ist.***)
Eine grosse Menge von mikroskopischen Distomen fand
Valentin im Darme der Rana esculenta, f) eine ebenfalls sehr
grosse Zahl kleiner Parasiten, welche vielleicht als Mittelbil-
dungen zwischen den infusoriellen und den späteren mehr ent-
wickelten Thieren anzusehen sind, sah derselbe Naturforscher
in der Harnblase des Frosches, ff) Sie schienen sich mit
einem schüsseiförmigen Mundnapfe an die Harnblasenschleim-
haut angesogen zu haben; hinter diesem Napfe fand sich au
der Aussenfläche des Körpers ein Kranz von Flimmerorganen,
die innere Organisation war nicht klar zu erkennen; es sind
*) Bulletin de la societe imperiale des naturalistes de Moscou
a.a.O. S.158.
**) Mayer: Beiträge S. 26.
*^») Ebenda. S. 34.
•i") Valentin: Repertorium vS. 54.
ff) Ebenda. S. 192.
358
diese Parasiten, wie schon Valentin vermuthete, wahrschein-
lich junge Exemplare von Distom. cygiioides gewesen, von
welchen Valentin noch ein Exemplar am Bauchfelle in der
Lebergegend, also vielleicht auf der Wanderung begriffen,
gesehen hat.*)
Eine genauere Beschreibung von Octobothrhmi lanceola-
tum, als wir sie bisher gehabt, hat Mayer geliefert.**)
Der Schmarotzer häogt mit seineo beiden vorderen kleinen Saiig-
uäpfen an den Kiemenblättchen der Clupea Älosa; hinter der unter-
halb des zugespitzten Kopfendes gelegenen kleinen^Mundöffnung be-
findet sich der fleischige flaschenförmige Schlundkopf, von welchem
jöwei schwarzgefärbte Blinddärme seitlich bis in die Schwanzspitze
herablaufen. Beide Kanäle sind in ihrem ganzen Verlaufe mit einer
Menge kurzer Blindsäckchen versehen. Nicht weit hinter dem Schlund-
kopfe erkannte Mayer eine Öffnung, welche in einen muskulösen
Sack führt, der zehn^ den Häkchen der Cestoideen ähnliche Zähne
enthält. Da mit diesem Organe die Geschlechtswerkzeiige in Ver-
bindung stehen, so verdient dasselbe wohl nicht eigentlich den von
Mayer gewählten Namen porus ventralis. Einen ganz ähnlichen
muskulösen napfförmigen Körper sah ich an derselben Stelle hinter
der Geschlechtsöffnung von Vohjstomum integerrimum und oceUaturiiy
bei ersterem Schmarotzer verbarg jener Napf acht in einen Kranz
gestellte Häkchen von hornartiger Substanz, während derselbe Kör-
per bei Polyst. ocellatum einen Kranz von 40 Häkchen einschloss.
Den Bau und die Anordnung der Geschlechtstheile hat Mayer von
Octobothrium bestimmt unrichtig aufgefasst. Die Körper, welche
Mayer als Eierchen in Ovarien betrachtet, sind die Dotterhaufen,
welche in den die Eidotter absondernden Organen enthalten sind,
letztere, welche der Kürze halber Dotterstöcke genannt werden
könnten, füllen, wie bei Octobothrium , so auch bei Polystomuni
einen grossen Theil des Leibes aus. Der aus diesem Organe ent-
springende Kanal, von Mayer Oviduct genannt, mündet gewiss nicht
in den porus ventralis ein, sondern wendet sich hier wieder um, und
verbindet sich als Dotterstocks-Kanal mit dem Keimbläschen-Organe,
w^enigstens sah ich es so bei Folystonmm, wo dieses Organ ausser-
ordentlich grosse und deutliche Keimbläschen enthält. Mayer bildet
dieselben Keimbläschen als mehr entwickelte Eier ab (Tab. Hl. F. 9 k)
und erklärt das Organ, in welchem sie sich befinden, für den vor-
deren Theil des Eierstocks. Der Gang, welchen Maj er Samengang
nennt (Fig. 9 g), ist die Vagina des Wiirms und die gelben ovalen
Körper, welche Mayer in diesem Gange vorfand (Tab. III. Fig. 9 n.
und Fig. 10 a b) und mit den Needhamschen Samenschläuchen der
I
*) Valentin: Repertorium S. 51.
**) Mayer: Beiträge S. 19,
359
Ceplialopoden vergleicht/) sind nichts anderes als die Eier des Thiers,
welche sowohl bei Octohothrium als auch bei Polystonium , wo sie
Mayer ebenfalls für Samenschläuche angesehen hat/*) unverhält-
nissmässig gross sind. Mayer erwähnt übrigens selbst, dass diese
Sanienschläuche den Keimbläschen vergleichbare Bläschen enthielten
und mit einem Deckel dehiscirten, daher es um so auffallender ist,
wie dieser Anatom das eigentliche Wesen dieser Körper so durch-
aus verkennen konnte. Bei Volystomum läuft neben der Scheide der
die haarförmigen Spermatozoen enthaltende ductus ejaculatorius her-
auf, ähnlich wird es sich in dieser Hinsicht wohl auch mit Octobo^
thrtum verhalten. Die acht Saugnäpfe dieses Parasiten sind nach
Mayer's Untersuchungen ganz wie die Näpfe] des Folystomum ge-
bildet j auch der zwischen den sechs Näpfen von Folystomum vor-
handene Haken-Apparat fehlt nicht bei Octohothrium., wo er aus zwei
grossen äusseren und zwei kleinen inneren Haken besteht.
Nord mann hat in einem an den Kiemen von Acipenser
stellatus schmarotzenden Diclyhothrium Leuck. die Spermato-
zoen gesehen, ihre Gestalt aber night genauer angegeben.***)
Vogt und Agassiz glaubten unter einer Menge von an
Abramis Blicca, Leuciscus prasinus und Gobio fluviatilis ge-
fundenen Diplozoen drei verschiedene Arten unterscheiden
zu können, f)
Von diesen stimmen die von Blicca mit dem Dipl ozoon para-
doxum des Brachsen übereio, während die andere Art von Leuci-
scus prasinus bei weitem grösser ist, einen breiteren lanzettförmigen
Vorderleib und einen verhältnissmässig längeren Hinterleib besitzt,
und die dritte Art von Gobio fluviatilis viel kleiner und schlanker
erscheint. Vogt gewahrte bei eiwem Diplo%oo7i paradoxum den von
Nordmann als Hoden betrachteten Körper vollständig hervorgetre-
ten und mit seinem ungeheuer langen Spiralfaden um den Leib des
Thieres geschlungen; derselbe Beobachter sah diesen Körper mit
körnigen Kugeln gefüllt, die hervorgepresst im Wasser platzten und
zitternde Körner ins Wasser fahren Hessen. Obgleich Vogt durch
das Aussehen jener körnigen Kugeln an Dotterkugeln erinnert wurde,
so Hess er sich dennoch durch Nord mann' s Deutung verleiten^ diese
mit Molekular-Bewegung zitternden Körner für kuglige Spermatozoon
zu halten. Der gelbe, ovale und mit einem langen Spiralfaden ver-
sehene Körper ist aber in der That das Ei und nicht der Hode von
Diplo%oon paradoxum', auch nicht mit einem Samenschlauch, wie es
*) Mayer: Beiträge S. 25.
*») Ebenda. S. 34.
***) Nordmann: Observations sur la Faune Pontique 1840 S, 64,
f) MüUer's Archiv 1841 S. 33. Vogt: Zur Anatomie der Parasiten.
360
Mayer gethan hat,*) ist dieser Körper zu vergleichen, da sein In-
halt ganz für ein Ei spricht, und die gelbe feste Hülle desselben in
Farbe und Oonsistenz sich ganz wie die Eischalen der übrigen Tre-
niatoden verhält. In Bezug auf die unverhältnissmässige Grösse die-
ses Eies sahen wir bei Octobothrhim und PolystOTiium bereits etwas
ähnliches Statt finden. Der lange Spiralfaden nützt dem Diplozoen-
Ei gewiss dazu, dasselbe nach dem Legen an die Kiemen oder an
den Wurm selbst zu befestigen, da es sonst durch die Athembewe-
gungen der Fische leicht fortgespült würde. Herr Dr. Vogt hatte
die Güte, mir mehrere Diplozoen von Leuciscus prasinus und Gobio
fluviatilis zu übersenden, an welchen ich, nachdem ich sie mit Dipl.
paradoxuni verglichen, sogleich die von ihm angegebenen spezifischen
Unterschiede herausfand, zu gleicher Zeit zeigte sich mir auch das
mit einem langen Spiralfaden versehene Ei der kleineren Species
von den Eiern der beiden anderen Arten sehr verschieden gestaltet,
iu<?cm es keine ovale, sondern eine oblonge Form besass. Die von
Vogt im Uterus der Diplozoen vorgefundenen Eier, an denen er,
wie er selbst gesteht, die Dotterkörner vermisste, sind wiederum
die in dem Keimbläschen- Organe eingeschlossenen Keimbläschen,
Vogt's Abbildung derselben stimmt ganz mit den von Mayer aus
Ocbjbothriiini als Eier dargestellten Keimbläschen überein. Wenn
Nord mann das Legen der von ihm ebenfalls für Eier gehaltenen
Keimbläschc« gesehen haben will \ind abbildete (Micrographische Bei-
träge I. S. 75 Tab. VI.), so scheint dieses Heraustreten der Keim-
bläschen durch Quetschen gewaltsam veranlasst worden zu sein,
zumal da Nordmann neuerlichst über die eigentliche Stelle der
Geschlechtsöffnungen \i^\ ßiploxoon wirklich zweifelhaft geworden ist
(Lamarck: hist. nat. des animaux sacs vertebres T. III. 1840 S. 597).
Die von Nord mann als Ovarien betrachteten verästelten Organe
sind die Dotterstöcke, daher Vogt weder Eier noch Eikeime dariil
■wahrnehmen konnte; so lange man nicht auf den Unterschied zwi-
schen Keimbläschen-Organ und Dotterstock bei den Trematoden ach-
tet, auf welchen ich vor einigen Jahren (s. dieses Archiv 1836 I.
S. 217, und Müller's Archiv 1836 S. 833) aufmerksam gemacht habe,
und welcher sich, wie mich spätere Untersuchungen gelehrt haben,
fast bei :iUen Trematoden vorfindet, eben so lange wird mau in der
Deutung der Geschlechtswerkzeuge dieser Parasiten Täuschungen
unterwerfen bleiben. Mayer sah bei Dijiloxoon paradoxum sehr
schöne lebhafte Flimmerbewegungen, ''^) läugnet aber mit Unrecht die
Anwesenheit von Kanälen, in welchen diese Bewegungen nach unse-
ren und Vogt's Beobachtungen vor sich gehen.''''*)
Die aus eigenthünilicheii Schläuchen in Wasserschnecken
'^) Mayer: Beiträge S. 34.
*^) Ebenda. S. 3.
''**) Müller's Archiv 1841 S. 35,
361
entspringenden Cercarien will Creplin von den Entozoen
ausgeschlossen wissen,*) w-as in keiner Beziehung gerechtfer-
tigt werden kann, meine Gründe darüber werde ich an einem
anderen Orte besonders aussprechen.
Von Müller sind im vierten Gehirnventrikel des Petro-
myzou fluviatilis eine Menge sehr kleiner den Diplostomen
ähnliche Entozoen entdeckt worden.**)
Rymer Jones nimmt bei Linguatula taeniodes , deren
Vereinigung mit den Nematoideen mir so wenig wie mit den
Trematoden passend erscheinen will, getrennte Geschlechter
an und betrachtet die kleineren Individuen als die Männ-
chen.***) Derselbe benutzte die Owen sehen Abbildungen zur
Erklärung des inneren Baues dieser merkwürdigen Schma-
rotzergattung, folgte aber bei der Deutung der einzelnen
Organe Diesing's Ansichten.
Eine neue Art der Gattung Gymnorrhynchus hat Good-
sir als Gymnorrli. horridus beschrieben, f)
Es wuirden mehrere Individuen dieses Parasiten theils auf der
Oberfläche der Leber theils in der Lebersubstanz des Zeus faber in
langen, vielfach versxhlungenen Bälgen angetroffen; die Kopfenden
der Schmarotzer befanden sich stets dicht unter dem Peritonäum.
Die Bälge waren an einem Ende kolbenfcJrmig verdickt^ am anderen
Ende fadenförmig verdünnt. Jeder Balg bestand aus einer äusseren
rauhen und flockigen, und aus einer inneren glatten und dünnen
Hülle. Die in ihnen eingeschlossenen Würmer lebten noch, obwohl
der Fisch seit einigen Wochen todt war. Der Körper derselben war
weitläuftig, aber doch deutlich gegliedert, ihr Kopfende lag in dem
kolbenförmigen Theile des Balgs, das Schwanzende hingegen er-
streckte sich nicht bis in das fadenförmige Ende des Balgs hinein.
Di§ vier Tentakeln der Thiere w^aren mit grossen rückwärtsgerich-
teten Haken besetzt, was eher auf einen Tetrarrhynchus schliessen
liesse. Der Kopf konnte sich mit den Rüsseln in eine Erweiterung
des Halses zurückziehen, die 4 Rüssel wurden von vier besonderen
Muskeln eingezogen! Goodslr konnte in keinem Gliede etwas von
einem Nahrungsschlauche oder von Geschlechts^heilen wahrnehmen.
*) Encyclopädie von Ersch und Gruber a. a. O. S, 76.
*») Müller: Vergleichende Neurologie der Myxinoiden. 1840 S. 30.
***) Rymer Jones: comparative anatomy a. a. O. S. 99.
t) Froriep's Neue Notizen Nr. 429 S. 168 und rinstUut. L Sect,
1841 S.333.
362
Voigt behauptete bei einer allgemeinen Charakteristik
der Bandwürmer,*) dass die Eierstöcke in jedem Gliede der-
selben durcli Platzen die Eier entleeren, was so allgemein aus-
gesprochen sehr gewagt erscheint.
Bei BotJiridium Pytlionis, welcher Schmarotzer im hinte-
ren Theile des Darmes einer Boa Python in Menge gefunden
worden war,**) ist es Bazin gelungen ein Seitengefäss durch
17 Glieder hindurch mit Quecksilber zu injiciren, bei einem
zweiten Versuche glückte die Injektion des Seitengefässes so-
wohl auf der rechten als linken Seite, wobei ausserdem noch
die Querkanäle mit Quecksilber gefüllt wurden; dass sich da-
bei auch der mittlere Raum der Glieder mit Injektions-Masse
anfüllte, scheint durch Extravasat veranlasst worden zu sein.
Bazin möchte die Anwesenheit von Valveln in jenen Kanälen
vermuthen und sie deshalb mit einem lymphatischen Gefass-
Systeme vergleichen. Über die Geschlechtsorgane dieses Band-
wurmes giebt er ausserdem einen sehr ungenügenden Auf-
schluss. Valentin fand an mit dem Doppelmesser erhaltenen
feinen Querschnitten des Bothriocephalus latus die Zahl und
Beschaffenheit der verschiedenen von E seh rieht aufgefunde-
nen Schichten in den Gliedern bestättigt.***) Derselbe sah
durch Einwirkung von Salzsäure die harte Schale der Bothrio-
cephalen-Eier heller werden und schloss hieraus auf eine
unorganische Hülle dieser Eier. Nach Valentin's Unter-
suchungen scheinen bei Bothr. latus die Hautdrüschen des
Praeputium's vollkommene Folliculi compositi zu sein, da er bei
stärkerer Vergrösserung an einzelnen Stellen derselben Röh-
ren bemerkte, an denen dunkle Körpergebilde, gleichsam Träub-
chen hafteten; auch in den hinteren weissen Hautfalten jedes
Gliedes erkannte Valentin ähnliche Folliculi compositi. Die
von E seh rieht erwähnten, sich kreuzenden Muskelfasern des
Bothriocephalus hat Valentin ebenfalls beobachtet und sich
gabelig theilen sehen. Derselbe traf in der Nähe der Bauch-
öffnungen von Bothriocephalus starke breite Fasern an, die
sich zu Längssträngen sannnelten und an Nervenfasern erinner-
*) Voigt: Lehrbuch der Zoologie B.VI. 1840 S. 21.
**) Coniptes rendus hebdomadaires T. XIII. 1841 S. 738 und 831 .
***) Valentin: Repertorium a.a.O. S. 184 bis 187,
i
363
teu. Nach Valentin' s Aussage*) herrscht an vielen Orten
der Schweiz der Glaube, dass einzelne bestimmte Quellen oder
Brunnen den Bandwurm erzeugen und selbst ganze Landschaf-
ten und Städte damit anstecken können.
*M^yer sah in den Gliedern von Taenia dispar neben
blasigen Organen kleine gegliederte und bewegliche Körper,**)
welche derselbe für Spermatozoen halten möchte, aber gewiss
etwas anderes gewesen sind.
Von Mir am wurde ein neuer Bandwurm aus dem Dünn-
därme des Cygnus olor als Taenia microscopica mit folgender
Diagnose beschrieben:***)
Tuen, capite tetragono maximo, rostello acuto inermi, collo lon-
gissimo, articulis anterioribus brevissirais, vix conspicuis, margine
crenads, posterioribus subquadratis, sensim decrescentibus. Vermcs
vix duas lineas loDgi.
Levacher hat mehrere einem dreizehnjährigen Mädchen
abgegangene Fragmente 'einer monströsen Tae?iia erhalten, f)
welche, ähnlich jenen von Bremser (Lebende AYiirmer im
lebenden Menschen Tab. 111. Fig. 12, 13, 14) abgebildeten Mon-
strositäten, drei freie Ränder besassen, indem aus der IMitte
der Glieder der ganzen Länge nach ein zweiter gegliederter
Leib hervorragte. Levacher bestimmte das Alter des Band-
wurms, welchem die 13 Fuss und 4 Zoll langen Fragmente
angehörten, auf 12^ Jahr, da mit dem sechsten Monate des
Mädchens zum ersten Male Bandwurmglieder von ihm abge-
gangen waren.
Wawruch hat in Wien unter 3864 Patienten 206 Band-
wurm-Kranke beobachtet, ff )
VoD diesen hatten nur drei den Bothriocephalus latus bei sich
gehabt, nämlich ein Llevländer, ein Russe und ein Baier, der lange
in Dorpat gelebt hatte. Unter diesen Kranken waren 71 männlichen
und 135 weiblichen Geschlechts, der älteste Mann zählte 54 Jahre, das
*) Valentin: Repertorium S. 56.
**) Majer: Beiträge S. 34.
***) Bulletin de la societe imp. des natur. des Moscou a. a. O. N 160.
f ) Comptes rendus hebd. T. XIII. 1841 S. 661 und l'institut 1841
S. 339.
ff) Medizinische Jahrbücher des österreichischen Staates 1841
S. 142. Wawruch: allgemeiner Überblick der aus 206 klinischen Band-
wurmfällen resultirenden Ergebnisse.
364
jüngste Mädchen 3^ Jahre. Von diesen Kranken hatten 22 ein
Alter unter 15 Jahren, die meisten aber befanden sich zwischen 15 und
40 Jahren. Nebst einem Koche wurden 53 Köchinnen, mehrere Fleisch-
hacker und 11 starke Fleischesser am Bandwurme behandelt. Nach
Wawruch's Erfahrung leiden besonders Wurstmacher und Metzger
häufig am Bandwurme. Die meisten Kranken stammten aus dem
Stromgebiete der Donau von Württemberg bis zum Bannat, andere
Personen, welche nicht aus dieser Gegend gebürtig waren, bekamen
erst den Bandwurm, nachdem sie längere Zeit in der genannten Ge-
gend gelebt. Viele dieser Patienten hatten feuchte, dumpfe und tief
unter der Erde gelegene Wohnungen inne. Wawruch beschul-
digte schlechtes Trinkwasser mit als Ursache des Bandwurms. Nur
zwei Fälle waren darunter, wo Mutter und Tochter, Vater und Sohn
am Bandwurm litten. Die Dauer der Wurmkrankheit währte 10, 12,
15, 20 bis 25, einmal sogar bis 35 Jahre, bald nur einige Monate.
Unter den 206 Kranken, bei denen sich nur in 26 Fällen der Band-
wurm regenerirte, befanden sich nur 3 Jüdinnen. Ein Genfer Gold-
schmied, welcher in seiner Heimath am Bothriocephalus gelitten, und
lange Jahre davon befreit geblieben war, machte sich in Wien sess-
haft und bekam nachher die Taenia solium. Wawruch sah einmal
einen langen Bandwurm bei einer Sektion an der Wand der Gedärme
mit den Randoffnungen so fest angesogen, dass er mit Mülie abge-
löst werden konnte (S. 154). Einige Exemplare von Taenia, welche
an einigen Stellen sehr breit, an anderen streckenweise sehr dünne
waren, bestättigten die Vermuthung, dass das Nachwachsen des
Wurms nicht nur durch die Verlängerung der Runzeltheile am Halse,
sondern auch durch das Ansetzen neuer schmächtiger Glieder am
Schwanzende erfolgen müsse (S. 155.)
Über Cestoideen sind noch die Schriften von Randel,*)
Buch**) und K ramerenko w***) erschienen,
Nach Debell Bennett's Aussage kommen im Speck
von Balaena mysticetus viele Blasen von Cysticercus vor. f)
In Bezug auf geographische Verbreitung der Blasenwiirmer ist
• — ' >
*) Randel: der Bandwurm. 1841. Enthält in naturhistorischer Hin-
sicht nichts Originelles.
**) Lud. Theod. Buch: de Taenia Solio. Kiliae 1841. Eine Disser-
tation von rein medizinischem Inhalte.
**'') J. Kramarenkow: nonnulla de Bothriocephalo lato ejusque
expellendi quibusdam methodis. Dorpati 1841. Ist mir noch nicht zu
Gesicht gekommen.
+) Isis 1841 S. 918.
365
zu erwähnen, dass Nordmann auch im südlichen Russland
das Fleisch des Schweins zuweilen von Cysticercus cellulosae
wimmeln sah.*)
Schwab erwähnt des Vorkommens von Cysticercus te7iui-
collis am Magen, an der Milz, der Leber und dem Netze eines
Hasen, wobei wahrscheinlich eine Verwechselung mit Cysticer-
cus pisiformis vorgegangen ist.**)
Fournier beobachtete im Nacken eines sechsjährigen
Kindes eine hiihnereigrosse, konische, fluktuirende, rothe, heisse
und schmerzhafte Geschwulst, welche sich erst seit vier Tagen
bemerklich gemacht.***) An. der Basis der Geschwulst be-
fand sich eine kleine Öffnung, aus welcher ein kleiner Blasen-
wurm hervorgepresst wurde, durch einen Einschnitt in die
Geschwulst wurden noch 7 bis 8 Blasenwiirmer ausgeleert, wel-
che sich deutlich bewegten und als Cysticercen erkannt wurden.
Eine steinige Metamorphose des Cysticercus cellulosae er-
klärt Pappenheim mehrmals beobachtet zu haben. f)
Schwab untersuchte den Schädel eines drehkranken Rin-
des, ff) dessen linker Gehirnventrikel einen Coenurus cerehra-
lis von der Grösse eines Gänse-Eies enthielt; obgleich dieser
Blasenwurm stark gegen die Hirnschale drückte, so war diese
nicht nur nicht durchlöchert, sondern im Gegentheil um das
dreifache dicker als auf der entgegengesetzten Seite, Schwab
warf deshalb die Frage auf, ob diese Verdickung der Hirn-
schale bei einem drehkranken Rinde Regel sei? Nach Lud er's
Erfahrung begünstigt eine im Übermasse erweichende Ernäh-
rung der Schafmütter während der Trächtigkeit und Säugung
die spätere Ausbildung der Traber-Krankheit,fff) so wie um-
gekehrt eine adstringirende Ernährung der Mütter zu derselben
Zeit bei den Säuglingen Anfälle von Gehirnentzündung und in
Folge dieser die spätere Entwickelung der Hydatiden-Krank-
heit befördert.
*) Nordmann: Observation sur la Faune Pontique a. a. 0. S. 64.
**) Schwab; Verzeichniss a.a.O. S. 84.^
***) Froriep's Neue Notizen Nr. 426 S. 128.
^) Neue Zeitschrift für Geburtskunde 1841 Hft. 2 S. 302.
ff) Schwab: Verzeichniss a. a. 0. S. 2.
fff) Bericht über die Versammlung der Naturforscher in Braun-
schweig a. a. O. S. 189.
366
Vher £!c/tmocpccus hominis sind im vergangenen Jalire viele
Beobachtungen bekannt gemacht worden. Da aber in Bezug
auf Hydatiden- Bildungen noch immer eine grosse Verwirrung
unter den Ärzten und Naturforschern herrscht, so ist es sehr
schwer über ihre IMittheilungen zu berichten, indem man darin
Echinococcus -'^\q>.?>q\). und einfache mit lymphatischer Flüssig-
keit gefüllte Höhlen mit einander verwechselt, und Echino-
coccen, Acephalocysten, Hydatiden, Cysten u. s.w.
durcheinander geworfen findet. '
Hasse spricht in einem Kapitel über Cystenbildung in den Re-
spirationsorganen vom Echinococcus hominis, ohne diesen Namen zu
nennen.*) Derselbe sagt: „wenn die Cysten (in den Lungen) eine
gewisse Grösse erreicht haben, reizen sie das umgebende Gewebe
und werden durch Entzündung und Eiterung losgestossen. Unter
den Erscheinungen einer heftigen und wiederholten Haemoptysis ge-
langen sie in die Bronchien und werden ausgeworfen. Nicht immer
jedoch kommen dergleichen Bälge aus den Lungen, sondern in meh-
reren Fällen hatten sie sich offenbar aus der Leber einen Weg in
die Bronchien gebahnt." Es können nur Echinoco ccus-Blasen auf
diese Weise ausgeworfen werden, nicht aber die Cysten, die Bälge,
in deren Höhle sie liegen und welche mit dem Organe, in welchen
sie sich befinden, in einem innigen organischen Zusaraenhange stehen,
wie dies Hasse (S. 508) ganz richtig beschreibt, dabei aber den
Balg nicht von dem Echinococcus unterscheidet. Derselbe nimmt zwei
Schichten der Wandungen des Balges an, die erstere äussere Schicht
gehöre dem Organe an, in welchem der Balg sich befindet, die zweite
innere Schicht werde von einer dünnen, durchscheinenden Membran
gebildet, welche den serösen Häuten ähnlich ist; zwischen derselben
und der äusseren Membran entständen auch sekundäre Hydatiden.
Diese zweite Schicht ist offenbar nichts anderes als die Echinococcus -
Blase. Bei weitem klarer handelt Rokitansky den Echinococcus
hominis unter dem Namen Acephalocyst ab,"^*) derselbe unter-
scheidet ganz bestimmt den Balg, in welchem die Echinococcus-^\^se\x
frei liegen, von den letzteren. Nach ihm ist der Acephalocysten-
Balg (in der Leber) anfangs ein seröser Balg, der sich, indem er
bald eine ausgezeichnete äussere fibröse Verstärkungsschicht erhält,
zu einem serös -fibrösen Balge umwandelt. Am häufigsten kommen
nach Rokitansky's Beobachtungen im rechten Leberlappen Bälge
mit EchiTiococcus -B\asen vor. Ein solcher Balg kann seinen Inhalt,
die Echinococcus-BliLseüf nach verschiedenen Richtungen hin entleeren,
*) Hasse: Specielle pathologische Anatomie B. I. 1841 S. 507.
**) Rokitansky: Handbuch der pathologischen Anatomie B. HI. 1841
S.118 und 349.
367
entweder in den rechten Pleurasack, in einen liUngenabscess, oder
in die Höhle des Darmkanals, in die Höhle der Gallenwege, selten
in die Höhle eines benachbarten Blutgefässes. Die Echiiiococcns-
Blasen können in unveränderter Form, aber auch in einem macerir-
Zustande entweder als sulzähnliche Lappen oder völlig aufgelöst
entleert werden. Als besondere ätiologische Momente führt Roki-
tansky mechanische Beleidigungen der Leber und intermittirende
Fieber an, welche in einigen F'ällen der Entstehung von Echinococce?i
vorausgegangen seien, auch scheint der Echinococcus vor den Puber-
tätsjahren beim Menschen nicht vorzukommen. In der Milz ist der
Echinococcus selten, ebenso in den Nieren, von hier aus kann er
durch den Dickdarm, oder durch das Nierenbecken und die Urinblase
ausgeleert werden, es können die Echinococcen aber nicht bloss
aus den Nieren, sondern auch aus anderen mit den Harnwegen in
eine Adhäsion gerathenen Eingeweiden, z. B. aus der Leber, in die
Urinblase gerathen. Im Uterus hat Rokitansky nur ein einziges
Mal einen Echinococcus -Balg beobachtet. Max Simon beklagt es
ebenfalls, dass die meisten Beobachter die Acephalo Cysten {Echi-
?iococcefi) mit den einfachen Cysten verwechselten und dass des-
halb die meisten Beobachtungen unbrauchbar wären.*) Derselbe er-
zählte einen Fall, in welchem eine Frau an Schling- und Athem-
Beschwerden gelitten und schnell an Erstickungszufällen gestorben
ist, bei deren Sektion sich zwischen beiden Lungen ein ungeheurer
Balg mit einer grossen Zahl von Echnococcus -Blasen gefunden hat;
in diesem so wie in einem anderen Falle, welchen Simon noch an-
führt, waren Stücke von aufgerollten Häuten (geborstene Echmo,-
coccjff-BIasen) während der Krankheit mit Erleichterung ausgeworfen
worden. Ejnen ähnlichen von Laferiere beobachteten Fall theilte
Cruveilhier mit. '^*)
Von Curling wurde bei der Leiche eines 7Jjährigen Mannes
eine 2| Zoll grosse Cj^ste gefunden,***) welche mit dem linken Le-
berlappen in Verbindung stand und den Pylorus nebst dem Anfang
des Duodenum bedeckte. Diese Cyste, deren Wände eine verschie-
dene Dicke hatten und eine fibrös-kartilaginöse Strucktur besassen,
wurde von einer weichen, losen und eiweissartigen Membran aus-
gekleidet, welche eine grosse Anzahl Blasen von Erbsen- bis Kirschen-
Grösse einschloss. Curling erkannte in einigen dieser Blasen ganz
deutlich Echijiococcus -Köt^Ig y von welchen mehrere in Haufen bei-
sammen lagen und in zarten durchsichtigen Bläschen eingeschlossen
*) The medico-chirurgical review, Nr. 69 Jul. 1841 S. 194 und in
Schmidt's Jahrbücher der in- und ausländischen Medizin 1843 Nr. I.
S. 40. Ursprünglich im Journal de conaiss. med.-chir. Novbr. 1840.
**) Froriep's Neue Notizen Nr. 371 S. %%9.
***) The medico-chirurgical review. Nr, 68 April 1841 S. 336 und
Archives generales de medecine T. X. 1841 S, 889.
368
waren. Curling fügte der Beschreibung der Echinococcus-Köpfclien
hinzu, dass er nichts habe entdecken können, was ihm über die Ent-
wickelung derselben hätte Aufschluss geben können, obgleich er
offenbar ähnliche Entwickelungsstufen der Echmococcus -Köpfchen
vor sich hatte, wie ich sie in ßurdach's Physiologie (B. II, 1837
S. 184) beschrieben habe. Die eiweissartige Membran, welche nach
Curling's Bericht die Cyste auskleidete, kann ich übrigens auch
nur für die Wand einer Echmococcus -Blase halten, welche höchst
wahrscheinlich die Stammmutter, oder die ürblase der übrigen Echi-
710C0CCUS -liXaseii gewesen ist. Von einem ungeheuren hydatischen
Leberabscesse, welcher mehrere Echinococcus -Blasevk von verschie-
dener Grösse enthielt und mit günstigem Erfolge durch den Schnitt
geöfifnet wurde, theilte Portal zu Palermo einen Fall mit.*)
William Thomson unterscheidet die mit Echinococcus-Blüsen
gefüllten Bälge der Leber ganz gut von den serösen Cysten, **) bezeich-
net sie aber mit dem Namen Hydatid Cj^sts oder Acephalocyst
Cysts, von denen besonders der erstere leicht zu Verwechslungen
Anlass geben kann. Aus Annesley's Beschreibung geht hervor, dass
in Indien nicht bloss seröse Cysten, sondern auch Echinococcen die
Leber des Menschen heimsuchen. ^**) Ein Fall von Vorkommen der
£'c7^^V^ococcew in den Nieren einer 50jährigen Frau, welche eine grosse
Geschwulst zwischen der letzten falschen Rippe nnd der crista ossis
Ilii erzeugten und durch einen Einschnitt in diese entleert wurden,
wurde in dem university Colleges hospital beobachtet, f) Ebenda
wurde eine ein Hühnerei grosse Geschwulst aus der linken Brust
einer 43jährigen Frau exstirpirt, -J-f) welche zum Theil aus einer
Cyste bestand, in der mehrere kleine Hydatiden (wahrscheinlich
Echinococcus -BlVisevi) eingeschlossen waren. Barbier hat 44 Fälle
vonLeberhydatiden gesammelt, ff f) worunter sich gewiss auch Fälle
von Echinococcen befinden. Derselbe sprach sich zugleich über ein
eigenthümliches Symptom des Übels, über das H^^datiden-Geräusch aus.
Michea machte zwei Fälle bekannt,*-)-) wo ein öOjährigerMann
an Hemiplegie, Bewusstlosigkeit und epileptischen Zufällen gelitten
und ein 23jähriger Mann mit chronischem Gehirnleiden, Abnahme des
Gedächtnisses und des Sehvermögens behaftet gewesen. In beiden
*) Froriep's Neue Notizen Nr. 366 S. 224,
**) W, Thomson: on the diseases of the liver a. a. 0, S. 52.
''**) Annesley: rechearches into the causes, nature and treatment
of the more prevalent diseases of India. London 1841 S. 304.
f) The Lancet, Vol. IL 1840 — 41 Nr. 83 S. 793.
•}••{•) Ebenda, S. 793.
ttf) Barbier: De la tumeur hydatique du foie. Paris 1840 und Fro-
riep's Neue Notizen Nr. 363 S. 176.
*-[-) Archives generales de medecine T. X. 1841 S. 341 und Schmidt's
Jahrbücher 1841 Nr. X. S. 44,
369
Fällen will Michea AcephalocysteD in den Furchen des Gehirns
und in der Substanz der Sehnerven gefunden haben; derselbe be-
schrieb diese Blasen so undeutlich, dass man nicht recht weiss, ob
es Echmococcus-BlstseTip Cysticercen oder einfache seröse Cysten ge-
wesen sind. Zwei andere ebenso unvollkommen beschriebene Fälle
von Acephalocysten im Gehirne eines Apoplektischen und eines
Epileptischen hat Martin Solon mitgetheilt. *) lieber in Bromberg
beschrieb einen Fall von Echinococcus Jiofjiinis in der vierten Gehirn-
höhle, **) wagte aber die Blase nicht so zu nennen, da er glaubte,
es käme im Gehirne des Menschen kein Echinococcus vor.
Einen sehr ausführlichen und mit vieler Litteratur ausgestatteten
Aufsatz über Blasenwürmer im Gehirne des Menschen hat Aran
geliefert,*''*) wobei derselbe aber mehr die Interessen des Arztes
als des Zoologen berücksichtiget hat. Derselbe unterschied ganz rich-
tig die serösen Cysten von denjenigen Cysten, welche Blasenwürmer
{Echinococcen und Cysticercen) einschliessen. Es wurden 47 ältere
und neue Fälle von Blasenwürniern im menschlichen Gehirne von
ihm aufgeführt und folgende Resultate aus ihnen entnommen. Von
47 Individuen, welche Blasenwürmer im Gehirne besessen, waren
31 männlichen und 16 weiblichen Geschlechts, 3 waren 5 — 10 Jahre
alt, 6 waren 10 — 12 Jahre, 2 waren 20 — 30 Jahre, 5 waren 30 — 40,
6 waren 40 — 50, 6 waren 50 — 60, 4 waren 60 — 70 und 3 waren
70 Jahre alt^ woraus hervorg^t, dass das jugendliche und männliche
Alter am meisten zu Blasenwürmer-Bildung im Gehirne neigt. Zwei-
mal fanden vor der Entwickelüng von Blasenwürmern Kopfkontusionen,
zweimal Kummer und zweimal Unterdrückung von Gicht und Spei-
chelfluss Statt. Die Existenz von Blasenwürmern in Leber und Lunge
prädisponiren zu Blasenwürmer-Bildung im Gehirne, Es können lange
im Gehirüe Blasenwürmer vorhanden sein, ohne Sjmptome zu erregen.
Gluge hat über Echinococcus hominis einige Untersuchungen
angestellt, -|-) aus denen hervorgeht, dass die Echi?iococcus -BlRseUy
welche Echinococcns-Küpfchen enthalten (und alsdann als wirkliche
Echinococcen augesehen werden) und diejenigen EchiTiococcus-Blasen^
welche keine Köpfe enthalten (und dann Acephalocysten genannt
werden), sich in ihrer Bildung ganz gleich verhalten und dass beide
Arten aus derselben Menge von zarten concentrischen Hautschichten
zusammengesetzt sin'd. In den Echi7iococcus -Köj^fchen finden sich
*) Gazette medicale de Paris. Nov. 1840 und british and foreign
medical review, April 1841 S. 524.
**) Medizinische Vereins-Zeitung. Berlin 1841 S. 103.
***) Archives generales. T. XII. 1841 S. 76. Aran: memoire sur les
hydatides ou vers vesiculaires de l'encephale. Und Schmidt's Jahr-
bücher 1842 Nr. II. S.194.
f) Gluge: anatomisch -mikroskopische Untersuchungen a.a.O.
' S, 195.
Archiv f. Naturgeschichte, VIH. Jahrg, 2, Bd. Aa
370
eigenthümliche Körper vor, welche ein concentrisch riogförmiges
Gefüge besitzen und sich nach meinen Erfahrungen in Säuren unter
Aufbrausen auflösen, es sind dies gewiss keine Eier; ähnliche Körper
sah ich auch unter dem zarten Epithelium sitzen, welches die Innen-
fläche der Echinococcus-Blasen auskleiden, Gluge scheint dieselben
Körperchen in den Wänden der Echinococcus-Hlastn gesehen zu
haben (vgl. dessen Abbild. Tab. V. Fig.. 8 und 9). Die Abbildung, welche
Gluge von den Häkchen der Echinococcus 'Kö\i^c\\evi gegeben hat
(Tab. V. Fig. 7), ist ungemein schlecht; auch die Krystallblättchen,
welche ich ebenfalki in Eclmiococcus-WAlgexi , aber auch in anderen
Balggeschwülsten häufig angetroffen habe, hat Gluge ganz falsch
dargestellt, sie bilden keine rechtwinkligen, sondern immer rhomboe-
drische Tafeln und rühren von Cholestearin her; eine ganz voll-
kommen richtige Abbildung dieses krystallisirten Gallenfettes hat
Vogel kürzlich geliefert.*)
Ilelaniutlies geueris tlubii.
Van Beneden bat in mehreren Alcyonellen ziemlich
grosse Eingeweidewürmer gefunden,**) welclie um den Nah-
rungsschlauch der Polypen herumsassen und vom Entdecker
später beschrieben werden sollen. DievonForbes im Magen
vieler Cydippen vorgefundenen zungenförmigen Körper sind
nach seiner und Goodsir's genaueren Untersuchungen als
Parasiten erkannt und mit dem Namen Tetrastoma Play-
fairiiy zu Ehren des ersten Finders dieses Wurms, belegt
worden. ***) Dieser Parasit saugt sich mit vier Saugnäpfen
an die Wände des Magens oder der Gefasse an und unter-
bricht die Circulation des Nahrungssaftes.
Einen sehr merkwürdigen Schmarotzer fand Valentin
im Blute eines Salmo Fario in reichlicher Menge, f) nur ein
Exemplar dagegen im vierten Gehirn -Ventrikel desselben Fi-
sches. Das Thierchen gehört wahrscheinlich zur alten Gattung
Proteus oder zu Ämoela Ehrb. Von einer inneren Organisation
konnte Valentin durchaus nichts wahrnehmen; dasselbe
*) Vogel: Beiträge zur Kenntniss der Säfte und Excrete des
menschlichen Körpers. B.I. 1841 S. 294 Taf. III. Fig. 3.
**) Froriep's Neue Notizen Nr. 366 8.315 und Annales des scienc.
naturelles T. XIV. 1840 S. 283.
***) L'institut 1840 S. 117.
t) MüUer's Archiv 1841 S. 435 und Annales des sc. nat. T. XVI.^
1841 S. 303.
371
bewegte sich sehr lebhaft, meistens mit Hülfe dreier seitlichen
Fortsätze, welche von dem Thierchen abwechselnd ausgestülpt
wurden.
Pseiedo -MelmijBitlies.
Von Voigt werden die Spermatozoen als Thiere betrach-
tet und in die Klasse der Helminthen gestellt,*) ebenso spricht
sie Mayer als Thiere an,**) und auch Creplin scheint sie
für wirkliche Thiere zu halten.***) E seh rieht erklärt da-
gegen,!) dass die Spermatozoen keine Thiere sind, und ver-
gleicht die Beweglichkeit ihrer fadenförmigen Anhänge mit
schwingenden Bewegungen der Wimperhaare auf den Epithe-
liumzellen, denselben Vergleich stellt auch Duj ardin an. ff)
Es ehr ich t beruft sich, um zu beweisen, welche Vorliebe
gewisse Schmarotzer für gewisse Lokalitäten zeigen, auf die
Needhamia expulsoria des Carus;fff) dieses Beispiel wird
E schriebt nun fallen lassen müssen, da wir jetzt wissen, dass
diese Needham'schen Körper die Samenschläuche (Spermato-
phoren) der Cephalopoden sind.
Costa hat den eigentlichen Körper, welcher von Delle
Chiaje unter dem Namen Trichocephalus acetahularis un^ von
Cuvier unter den Namen Hectocotijlus Argo7iautae als Schma-
rotzer betrachtet wurde, untersucht *f) und ist dabei zu der
Überzeugung gekommen, dass dieser Körper kein selbstständi-
ges Wesen sei, da an demselben kein einziges zu einem selbst-
ständigen Leben nothwendiges Organ aufgefunden werden
konnte. Costa hegte daher die Vermuthung, dass dieser Kör-
per, den er überhaupt nur dreimal, aber immer an eierlegen-
den Argonauten-Weibchen angetroffen, vielleicht den Spermar
tophoren der übrigen Cephalopoden analog sei.
*) Voigt: Zoologie a. a. 0. B. VI. S. 16.
''*) Maj'er: Beiträge a.a.O. S. 6.
'''''^) Encj'^clopädie von Erscli und Gruber a. a. O. S. 76,
f) Froriep's Neue Notizen Nr. 334 S. 245.
ff) Dujardin: Infusoria a.a.O. S. 677.
fff) Froriep's Neue Notizen Nr. 434 S. 244.
H) Annales des sc. nat. T.XVI. 1841 S.184. Costa: sur le pre-
tendu parasite de l'Argonauta Argo. PI. 13 Fig. 2, 2«, %b %c, und
rinstitut 1841 S. 302.
Aa*
372
Grosses Aufsehen machte im vorigen Jahre eine Mitthei-
lung, in welcher der längst vergessene Pseudohelminth , näm-
lich S u 1 1 z e r ' s Ditrachyceros rudis durch E s c 1) r i c h t von
neuem als Schmarotzer an's Tageslicht gezogen wurde. *) Wir
erfuhren bei dieser Gelegenheit durch Lereboullet,**) dass
schon im Jahre 4818 Le Sauvage zu Caen den Sultz er-
sehen Wurm wieder gefunden habe, dass aber dessen Schrift
darüber den meisten Helminthologen unbekannt geblieben sei.
Bremser hatte schon vor 23 Jahren diesen Pseudohelminthen
fiir Samenkörner erklärt, und auch Die sing konnte ihn für
nichts -anderes halten.***) Ein von Eschricht eingesendetes
Exemplar des Ditrachyceros Hess Die sing von den Botanikern
Endlicher, Unger und Fenzl einer mikroskopischen Un-
tersuchung unterwerfen, wobei sich der fragliche Wurm ganz
deutlich als der Same von Morus nigra L. auswies. Die Rich-
tigkeit dieser Angabe erkannte Eschricht auch sogleich an.f)
\
Bericht über|die Leistungen in der Naturgeschichte
der Mollusken während des Jahres 1841
von
Dr. F. H. Troschel.
Ausserordentlich zahlreich sind in diesem Jahre die Ar-
beiten über Mollusken, und es ist erfreulich zu sehen, wie das
Material für diesen Zweig der Wissenschaft sich häuft, und
wie dadurch mit raschen Schritten der tieferen Einsicht in den
inneren Zusammenhang dieser interessanten Abtheilung von
Thieren entgegen gearbeitet wird. Freilich beziehen sich die
*) Müller's Archiv 1841 S. 437. Eschricht: über Diceras, und
Annales des sc. nat. T. XVI. 1841 S. 354.
**) Gazette medlcale de Strassbourg 1841 Nr. 23 S. 384.
*''*) Österreichische medizinische Wochenschrift 1841 Nr. 50 S. 1177.
Diesing: Ditrachyceros rudis Sultz., ein Pseudohelminth,
f ) Müller's Archiv 1842 S. 84.
373
meisten Bereicherungen, über welche hier berichtet wird, auf
Aufstellung neuer, und Berichtigung der Synonyme sowie Ver-
vollständigung der Kenntniss bereits beschriebener Arten; in-
dessen es muss die Kenntniss möglichst vieler verschiedener
Formen unbedingt vorangehen, um darauf ein naturgemässes
System gründen, und dadurch ein Erkennen der Organisation
der Thiere der Klasse im Ganzen gewinnen zu können. Es
ist, wenn meine Ansicht keine falsche ist, jetzt an der Zeit,
Monographien zu bearbeiten, wodurch das in der Literatur so
sehr zerstreute Material zusammengebracht und durch kritische
Ve'rgleichung vereinfacht wird. Hoffentlich geben diese Be-
richte zu diesem Zweck eine angenehme Erleichterung
Zunächst gebe ich vier Arbeiten über Mollusken an, die
mir leider noch nicht zugänglich geworden sind, die aber
Pfeiffer bereits in seinen Symbolae ad hist. Heliceorum zum'
Theil benutzt hat: »
Grateloup in den Actes de la Societe Linneeune de
Bordeaux (6 Livr. Nov. 1840) XI. 1841.
Lea in Proceeding's of the American phil. Soc. 1841 IL
Lea in Transactions of the American phil. Soc. of Phil-
adelphia Vol. VII. New. Ser. 1841.
Villa, A. et J. O. Dispositio' systematica Conchyliorum
terrestrium et fluviatilium ct. Mediolani 1841.
Unter dem Titel: Kritisches Register zu Martini und
Chemnitz's systematischem Konchylien- Kabinet, Kassel 1840,
hat L. Pfeiffer bereits im vorigen Jahre ein kleines Buch
herausgegeben. Es enthält die neueren, namentlich von La-
marck und Gmelin eingeführten Namen der Abbildungen des
genannten Werkes, nach der Reihenfolge der Tafeln, und er-
leichtert daher sehr die Bestimmung der dort abgebildeten
Arten. Vorangeschickt sind die Diagnosen von 8 wenig ge-
kannten Arten:
Murex Martiniarms Pfr. (Mart. IIL 1036, 37). — Buccinum vi-
treum Pfr. (Mart. IV. 1177?). — Pleurotoma lyratum Pfr. (Mart. IV.
1231^ 22; Buccinum lyratum Gm. 109). — Cerithium Martinianum
Pfr. (Mart. IV. 1480). — Trochus tranquebaricus Pfr. (Chemn. V.
1595, 96). — Natica Chemnitxii Pfr. (Chemn. V. 1905, 6). — Strom-
bus Chenmitxii Pfr.) Chemn. X. 1485, 86). — Cassis tessellata Pfr.
(Chemn. XI. 1792, 93).
Bemerkungen über Linnesche Conchylien-Arten , welche
374
von spätem Conclüologeii verkannt sind, erhielten wir von
Philippi in diesem Archive 1841 I. p. 258.
Die im Jahre 1841 erschienenen Lieferungen (59 — 71)
von Kien er' s Species General enthalten den Text zu den
Gattungen Turhinella, Cancellaria, Columhella, und
den Anfang von Cerithium. Die Abbildungen stellen die
Gattungen Ranella, Cerithium, Columhella und Can-
cellaria dar. Ausserdem finden sich Text und Abbildungen
als Nachtrag zu den Gattungen ^wc<?/^w;;2 \x\\^ Margi7iella,
Ein ausserordentlich dankenswerthes Unternehmen ist ein
Werk, an welchem ausser der vorzüglich schönen Ausführung
der Abbildungen noch die schnelle und ununterbrochene Voll-
endung zu rühmen ist. Benj. Delessert gab nämlich Re-
cueil de Coquilles decrites par Lamarck dans son histoire
naturelle des animaux sans vertebres et non encore figurees
heraus.
Es erschien in 4 Lieferungen, alle im Jahre 1841 vollendet, und
enthält auf 40 Tafeln die vortrefflichsten Abbildungen von nahe an
300 Lamarckschen Arten. Der Verf. war als Besitzer der Lamarck-
schen Conchylien - Sammlung derjenige, von welchem einzig dieses
längst entbehrte Werk hervorgehen konnte, und man muss es ihm
Dank wissen , dass er es so würdig ausstattete. Wie schwierig es
war, nach den kurzen Lamarckschen Diagnosen zu bestimmen, ist
allgemein genug bekannt, unmöglich war es, wenigstens wo man es
mit Sicherheit wollte, bei den Arten, bei welchen nicht einmal eine
Abbildung citirt war; und gerade für diese ist durch das in Rede
stehende Werk alles geschehen, was man nur wünschen konnte.
Freilich sind als Text nur die Diagnosen Lamarck's abgedruckt, in-
dessen bei der Treue der Abbildungen kann man >vohl eine Beschrei-
bung entbehren. Wünschenswerth wäre es gewesen, wenn zugleich
auf die seit Lamarck zuweilen veränderte Namengebung Rücksicht
genommen wäre, und wenn die neuen Namen, welche durch Ver-
kennen Lamarckscher Arten seitdem entstanden, bei dieser Gelegen-
heit reducirt wären. Während der Herausgabe des Werkes, welches
einmal auf 40 Tafeln berechnet war, wurden einige der für dasselbe
bestimmten Arten in dem Species general von Kiener abgebildet, und
um eine doppelte Darstellung zu vermeiden, \Dhne die Zahl der Ta-
feln zu verringern, Hess der Herausgeber lieber an dem freigewor-
denen Platze einige ausgezeichnete, namentlich von Cuming auf den
Philippinen gesammelte Arten, die jetzt die Zierden der Sammlungen
bilden, einschieben.
Von Lowell Reeve erschien das erste und zweite Heft
375
einer Conchologia systematica or complete System of Coiioho-
logy ct. London 1841.
Sie enthalteü ausser den Cirripedien die Gattungen As pergil-
lum, Ciavagella, Fistulana, G astrochaena, Teredo, Xy^
lophaga, Pholas, Soieii, Solecurtus, Panopaea,Glycime-
ris, Solemya, Solenella, Glauconome, Pholadomya, Mya,
Anatina, Thracia, Corbula^ Pandora, Anatinella, Myo-
chama, Cleidot liaerus, Lutr aria, Mactra, Gnathodon^
Crassätella, Mesodesma, U7iguli?ia, Amphidesma, Cu-
miiigia, Saxicava. Jede dieser GattiiDgen ist von einer Tafel
recht hübscher Abbildungen begleitet, auf der sich eine oder einige
Arten finden, die auch ganz kurz als Beispiele für die Galtung im
Texte erwähnt sind, jedoch ohne Beschreibung. Eine Anzeige die-
ses Werkes nebst einer Übersicht des Systems findet sich in den
Proceedings ct. 1841 p. 72.
Hartmann gab das 3. und 4. Heft seiner Erd- und Süss-
vvassergasteropoden, St. Gallen 1841, jedes mit 12 Tafeln sehr
sorgfältiger Abbildungen heraus. Vorherrschend sind in die-
sen ^iQ Li7nnaeacee7i, von denen er Varietäten und Monstro-
sitäten in Menge darstellt und scrupulös beschreibt. Schade
dass nicht die Varietäten einer Art wenigstens beisammen
stehen, man verliert gar zu sehr die Übersicht. Von Wich-
tigkeit scheint zu sein, dass Verf. sich von den verschiedenen
Beschreiben! Originalexemplare verschafft hat, wodurch ihm
eine directe Vergleichung möglich geworden ist.
Unter den Zeitschriften zeichnen sich besonders die An-
nais of natural history und Revue zoologique par
la societe Cuvierienne durch ihren Reichthum an Auf-
sätzen aus, welche die Kenntniss der Mollusken fördern. Von
ersterem, welches in mehreren Exemplaren in Berlin gehalten
wird, war es mir während der Bearbeitung des vorjährigen
Berichtes nicht möglich den 5. Band zu benutzen, dessen Hefte
sehr unregelmässig eingegangen zu sein schienen, während mir der
6. Band zugänglich war. Es sind dadurch manche interessante
Aufsätze übergangen, welche nachzuholen ich jetzt nicht ver-
fehle. In letzterem werden namentlich viele neue Arten von
Conchylien beschrieben, leider nicht abgebildet, und es ist oft
unmöglich über die Gültigkeit der Art zu entscheiden.
Die Proceedings of the zoological society of London ent-
halten viele Diagnosen neuer Conchylienarten von G. B. So-
werby und Broderip, meist von Cuming auf den Philippi^
376
nen gesammelt. Es würde zu weit fuhren, wollten wir alle
diese Diagnosen hier mittheilen, und wir glauben uns um so
mehr davon entbinden zu können, da doch die Proceeding's
allgemein zugänglich sind. Bei der Bearbeitung des vorjähri-
gen Berichtes war in Berlin diese Zeitschrift erst bis zum
October 1840 angekommen, wir müssen also die Stücke vom
October, November und December 1840 jetzt nachträglich
berücksichtigen.
Der Jahrgang 1841 von diesem Archive verdient hier
wegen der Menge Aufsätze genannt zu werden, welche für die
Naturgeschichte der Mollusken interessant und wichtig sindl'
Ausser den übrigen Aufsätzen dieses Jahrganges, auf wel-
che an ihrem systematischen Orte aufmerksam gemacht wird,
erwähne ich hier der Aufsätze Philippi's, welche die Gat-
tungen Fossarus, Eulima, Truncatella, Tornatella,
Pandorina betreffen (p. 42); ferner einige Berichtigungen
über die Gattungen Pandorina^ Paludinellay Sigaretus
und Lameilaria.
Von Ramon de la Sagra's Histoire naturelle de Tlsle
de Cuba erschien ein Theil des Abschnittes über Mollusken,
von d'Orbigny bearbeitet, und zwar die Cephalopoden, Ptero-
poden und von den Gasteropoden die Heteropoden, Nudi-
branchien, Tectibranchien und P<ulmonaten.
Es sind hier auch die Mollusken der übrigen Antillen aufgenom-
itten. Es finden sich viele neue Arten, deren unten Erwähnung
gethan werden soll, und deren viele mit solchen Arten überein-
stimmen, welche Pfeiffer bereits im Jahre 1839 und 1810 in diesem
Archive V. l. p. 346 und \l. I. p. 250 publicirt hat. Da die Abbildun-
gen nur zum Theil erschienen sind, so lassen sich die Arten nicht
immer mit Sicherheit auf die Pfeifferschen zurückführen. Zu den
Heliceen ist von Pfeiffer selbst in seinen Sj-rabolae ct. (s. unten) die
Synonymie berichtigt. Ausserdem werden alle bereits früher be-
kannten Arten mit derselben Ausführlichkeit beschrieben, und es
finden sich manche interessante Bemerkungen eingestreut. Besonders
interessant ist das Werk für die geographische Verbreitung, wenn-
gleich die Aufzählung der Arten keine vollständige genannt werden
darf, da sich viele bei Pfeiffer finden, die in dem in Rede stehenden
Werke fehlen. Von Cephalopoden kommen an den Antillen im
Ganzen 16 Arten vor, von denen 3 den Antillen eigenthümlich sind;
keine neuen Arten. Yon Pteropoden leben an den Antillen 17 Arten,
alle dem atlantischen Ocean in weiterer Ausdehnung angehörig. Auch
aus dieser Ordnung werden keine neuen Arten beschrieben, da die
377
meisten bereits in des Verf. Voyage dans TAmerique meridionnle
aufgestellt sind. — Aus der Ordnung der Gasteropoden sind im
Jahre 1841 nur die Heteropoden {Nucleohranchiata Blainv. d'Orb.),
die Nudibra7icJüe7i^ die Tectihranclüen und die Vuhnonaten erschie-
nen. Aus der Abtheilung der Heteropoden sind von Cuba nur 6 Arten,
der Familie der Atlantiden angehörig, bekannt, die auch in den war-
men Gegenden des grossen und atlantischen Oceans vorkommen;
unter ihnen eine neue Art. — Von Nacktkiemern ist aus Cuba nur
eine Art Glaucus radiatus d'Orb. bekannt. — Unter den 18 Arten der
Dachkieraer sind 13 Cuba und den Antillen eigenthümlich. Eine neue
Bullaea und 10 neue Arten ^er Gattung Bulla. — Von Pulmonaten
leben 57. Arten auf Cuba, von denen 51 der Insel eigenthümlich sind;
von den übrigen kommen 3 im südlichen, 8 im nördlichen Amerika
vor, eine Art {Physa acuta) findet sich auch in Europa. Im zoolo-
gischen Museum zu Berlin befinden sich Exerapljye dieser Art von
Lamare Picquot aus dem Ganges. Mir schien diese Angabe immer
zweifelhaft; es wäre eine merkwürdig weite Verbreitung. Pfeiffer
trennt die Cubanische als eigene Art Fhysa cubensis (Dies Archiv
1839 I. p.354); die Gangetische ist von der acuta bestimmt nicht
verschieden.
Auch in den Lieferungen", vvelclie von d'Orbigny's
Voyage dans l'Amerique meridionale im Jahre 1841 erschienen,
findet sich der 52. bis 61. Bogen des Textes über Mollusken.
Sie enthalten die Fortsetzung der Familie Trochidae und die
Familien Janthmidae, Cypraeadae, Olividae, Strombidae, Volutidae,
Bnccinidae, Cassidaey Muricidae^ Vermetidae^ Crepidulidae, Siphona-
ridae, Ealiotidae^ ■FissurelUdaej Patellidae und den Anfang der Clii-
tonidae.
Beiträge zur Molluskenfauna Deuschlands, inbesondere
der österreichischen Staaten gab L. Pfeiffer in diesem Archiv
1841 T. p. 215.
Eine ausführliche Arbeit über die Mollusken des Mittel-
meeres lieferte Contraine in den Nouveaux Memoires de
l'Academie Royale de Bruxelles Vol. XIII. 1841: Malacologie
mediterraneenne et littorale ct. Premiere partie.
Ausser ausführlichen Diagnosen und Beschreibungen enthält die-
selbe interessante Mittheilungen über die Lebensweise und die Ana-
tomie mancher Thiere. Auch die fossilen sind berücksichtigt. Sehr
hübsche Abbildungen auf 5 Kupfertafeln zieren den Aufsatz. Eine
sechste Tafel, auf welche im Text noch nicht Rücksicht genommen
ist, ist zugleich erschienen. Um so mehr dürfen wir hoffen, bald
eine zweite Abtheilung folgen zu sehen.
Von Eichvvald's Fauna Ca.spio-Caucasia. Petropoli 1841
mit 40 Tafeln, ist p. 195 bis 227 und tab. 38, 39 und 40 den
378
Mollusken gewidmet. Ich begnüge mich, hier an das zu er-
innern, was ich bereits über den Prodromus zu diesem Werke
(dies Archiv 1839 2. p. 205 sq.) gesagt habe. Die Diagnosen
der Arten der Jetztwelt sind dort abgedruckt.
Unter dem Titel „Additions to the Fauna of Ireland' lie-
fert Thompson ein langes Verzeichniss von Mollusken. (An-
nais of nat. hist. V. p. 10 und VII. p. 480.) Derselbe machte
(ib. p. 84) einen Aufsatz bekannt: Contributions towards a
knowledge of the IMollusca Nudibranchia and Mollusca tunicata
of Ireland, with Descriptions of some apparently new Species
of Invertebra(a. Er enthält Bemerkungen über Verwandtschaf-
ten, Fundort u. s. w. Unten sollen die neu aufgestellten Arten
herausgehoben >verden.
Auch Forbes beschreibt in derselben Zeitschrift V. p. 102
einige neue Arten britischer Mollusken (On some new and
rare British Mollusca). Die beiden letztern Aufsätze sind
von einer gemeinsamen Tafel mit Abbildungen begleitet.
Gwyn Jeffreys führt 21 Arten von Land- und See-
conchylien von den Shetland Inseln auf, welche in Fleming's
History of British Animals nicht angegeben sind. Einige neue
Arten werden genannt, aber nicht beschrieben. (Annais VIII.
pag. 165.)
Von Moricand erschienen zwei Supplemente zu seiner
Abhandlung über die Land- und Süsswasserconchylien der
Provinz Bahia in den Memoires de la Societe de Geneve; das
erstere im 8. Bande p. 139, das zweite im 9. Bande p. 57.
Jedes ist von einer Tafel mit Abbildungen begleitet. Beide
enthalten theils Bemerkungen über bereits bekannte, theils Be-
schreibungen neu aufgestellter Arten.
Über das Gehörorgan der Mollusken siehe v. Siebpld's
Abhandlung in diesem Archive. 1841 L p. 148.
In der britischen Versanimliing zur Förderung der Wissenschaf-
ten, welche zu Plymouth im Juli und August 1841 gehalten wurde,
sprach Walker über die Veränderungen, welche die Sa.v/cava ru-
gosa im Hafen von Plymouth durch Durchlöcherung der Felsen her-
vorgebracht hat. Dies veranlasste eine Discussion über die Art und
AVeise, wie das Durchbohren geschehe. Delabeche glaubt, es sei
nicht bloss die Saxicava rugosccy sondern auch andere Mollusken;
deren Verwüstungen an Kalkfelsen ihm um so gefährlicher scheinen,
da sie anderen Einflüssen, namentlich der Kohlensäure, eine um so
379
grössere Oberfläche darböten. — Bucklaud meint, auch der Helüv
aspersa müsse ein Theil der Zerstörungen zugeschrieben werden. Er
schreibt das Eindringen der Mollusken in den Stein der Absonderung von
sauren Flüssigkeiten zu, durch welche der Felsen erweicht wird, so
dass es nun leicht wird mit der Schale durch Schaben einzubohren.
Owen spricht sich gegen das Eindringen der Mollusken durch
auflösende Säuren aus, und ist der Meinung, die Höhlungen werden
durch einen beständigen Wasserstrom um die "Schale in Folge von
Wimperbewegung hervorgebracht. — Phillip ps sieht die Regel-
mässigkeit der Pholadenlöcher als einen Beweis an, dass dieselben
durch die Schale hervorgebracht werden, nicht durch einen Wasser-
strom. — DelaBeche bemerkt, dass freie Kohlensäure den Kalk
in bicarbonate, der in Wasser löslich ist, umwandle, und dass das
l'hier sehr wohl die Kohlensäure, welche es ausathmet, anwenden
kann, um den Felsen aufzulösen. — Buckland fügt hinzu, die Durch-
bohrungen ^er Pholaden zu Lyme-Regis seien im Innern mit kreis-
förmigen Streifen versehen, was auf das mechanische Abfeilen mit
der Schale hinweist^ die den Helix zugeschriebenen Durchbohrungen
seien jedoch rein chemischer Natur. — Austen endlich spricht gegen
den Einfluss einer Säure-Absonderung, weil auch andere als Kalk-
felsen angebohrt Averden. Er hegt auch, wie es scheint sehr ge-
rechte Zweifel dagegen, dass den Helixarteu Durchbohrungen zuge-
schrieben werden können, da diese nur zu gewissen,Zeiten an einem
Orte festsitzen, und dann mit einem falschen Deckel ihre Mündung
verschliessen. — Im Ganzen wird also durch diese Discussion kein
neues Resultat gewonnen. Dieser interessante Gegenstand bedarf
noch neuer Thatsachen und directer Beobachtungen, bevor er einer
Entscheidung entgegen sehen kann (Institut 1841 p. 350).
Ce|)I&alo£iocla»
Costa hält einen Körper, welcher sich oft zwischen dem
Mantel und der Schale» der Argo?iauta findet, und den Delle
Chiaje für einen Eingeweidewurm (7>7<?//,öc^/?/if<f/w.y) nimmt, viel-
mehr für einen Befruchtungsap'parat, entsprechend den Need-
hamschen Körpern bei andern Cephalopoden. Diese Meinung
bedarf jedoch noch der Begründung durch microscopische
Untersuchung (Inst. p. 302).
Über die merkwürdige Bewegung der Farbenzellen (Chro-
niatophoren) der Cephalopoden und eine muthmasslich neue
Reihe von Bewegungsphänomenen in der organischen Natur
schrieb R. Wagner in diesem Archiv 1841 I. p. 35.
Von der Histoire naturelle generale et particuliere des
Cephalopodes acetabuliferes vivants et fossiles ct. commencee
380
par MM. de Ferussac et Aleide d'Orbigny et contiimee par
Aleide d'Orbigny erschienen im Jahre 183.9 die zwölfte,
im Jahre 1840 die 13. bis 18. Lieferung. Weitere Lieferungen
sind mir nicht bekannt geworden.
Die genannten enthalten in einer Einleitung das allgemein zoo-
logische und anatomische dieser Klasse, sowue Bemerkungen über
die geographische Verbreitung und die Lebensverhältnisse der hier-
her gehörigen Thiere. Die Ausstattung des Textes, wie der Abbil-
dungen ist sehr schön. Die erschienenen Lieferungen enthalten nur
die Ociopidae und den Anfang der Sepidae (Gattungen Cran-
chia mit 2, und Sepiola mit 5 Arten, worunter eine neue). Die
Octopidae bestehen aus den Gattungen Octopus mit 30 Arten, worunter
2 neue, denen 13 ungewisse Arten angehängt werden, Eledone mit
2 Arten, PhUonexis mit 7 Arten, Argonaut a mit 3 Arten, Bellerophon
mit 49 fossilen Arten.
In diesem Werke werden einige neue Arten aufgestellt: Octo-
pus t7idic2isBa,\)\} Ms. Corpore laevigato, bursiformi, absque tuber-
culis super oculos^ brachiis subelongatis, inaequalibus; ordo longi-
tudinis parium brachiorum 1, 2, 3, 4; membrana umbellae maxima,
orificiis aquiferis circum buccam atque inter brachiura quodque dispo-
sitis. 560 Millini, Celebes. — O. tetracirrhus Delle Chiaje MS.
corpore flaccido^ ovali, granulato, lutescente. Neapel.
Sepiola Oweniana d'Orb. verwandt mit Rondeletii aber län-
ger, eiförmig, mit kleineren Flossen, längerem Kopfe j die längeren
Arme länger als der Körper, Fundort unbekannt. 108 Millim.
Vanbeneden machte seine Beobachtungen über die Eut-
wickelung der Sepiokfi bekannt (Recherches sur Tembryologie
des Sepioles. Nouveaux Memoires de FAcad. de Bruxelles.
Tome XIV. 1841.)
Die wichtigsten Resultate daraus sind: das Herz und die Kiemen
liegen anfangs äusserlich, und der Kiemensack bildet sich erst später
durch eine Hautfalte, W(?lcbe sich von bieten nach vorn entwickelt.
Die Flossen liegen anfangs vorn, später am hintern Ende des Kör-
pers, der Körper scheint sich also um sich selbst zu falten. Das
ganze Athmungs- und Circulationssystera bildet sich durch Verviel-
fältigung der Buchten und Schlingen zweier Gefässe; jede Kieme
beginnt mit einer Schlinge.*
Valencienues gab in einer ausgedehnten Abhandlung
seine Untersuchungen über das Tlüer des Nautilus Pompi-
lius Lam. heraus (Archives du museum d'histoire naturelle.
Tome IL p. 257 mit 4 Tafeln). In dem Monatsbericht der Aca-
demie der Wissenschaften zu Berlin, Januar 1841, ist bereits
eine Nachricht über diese Untersuchungen niitgetheilt worden.
J. Müller macht ebenda einige Bemerkungen dazu.
381
Die vielen Arme,, welche Owen bei diesem Thiere beschreibt,
werden von Val. nicht als solche angesehen, sondern als Röhren,
welche den Saugnäpfeu der andern Cephalopoden entsprechen, so
dass dem Thier nur 8 Arme zukommen. Eine Röhre, in deren In-
nern sich eine gefaltete Haut befindet, nimmt Val. wegen der Ähn-
lichkeit mit dem Geruchsorgan der Fische für Geruclisorgan. Das
Gehörsorgan findet er in einer Furche an den beiden Hörnern des
Knorpels, welcher die Valven des Trichters stützt. Das Pericardium
ist auf solche Art gefaltet, dass es sechs Taschen bildet, deren jeder
sich an der Basis der Kiemen öffnet. Der Sipho hat so viele Ein-
schnürungen, wie er Scheidewände der Kammern durchläuft, und hat
keine Verbindung mit dem Äussern, Die Kiefern sind ganz hornig
und am Rande nicht crenulirt, wie es bei dem Owenschen Exemplar
der Fall war; deshalb besonders ist Verf. geneigt, das Thier für eine
andere Species zu halten. Die sogenannte Zunge ist wunderbar ge-
bildet, und weicht ganz von der der übrigen Cephalopoden ab.
Ptei*o|iocla.
Durch eine Arbeit von Vanbeneden über die Lima-
cina arctica Cuv. erhielten wir eine noch sehr vermisste
Kenntniss dieses Thieres. (Nouveaux Memoires de l'Acad. de
Bruxelles. Tome XIV. 1841.)
Die beiden kleinen Fühler sitzen am freien Vorderrande der Flü-
gel. Zwischen den Flügeln in der Mitte liegt vorn ein kleiner Tu-
berkel, neben ihm öffnet sich das Organe excitateur. Im Nacken
etwas rechts liegt die Geschlechtsöffnung. Der After liegt in der
Kiemenhöhle, rechts, nahe dem freien Rande. Das Nervensystem
besteht aus 4 unteren Ganglien, die oben einfach verbunden sind,
an den vorderen zeigt sich das Rudiment des Ohres in Form zweier
schwarzen Punkte^ nach vorn liegen noch zwei kleine Ganglien.
Die Flügel bestehen aus 3 Muskelschichten, die beiden äusseren sind
Quermuskeln, die mittleren Längsmuskeln. Im Munde sollen zwei
Reihen kleiner Häkchen stehn, jedoch nicht auf einer hornigen Piattej
Speicheldrüsen fehlen, der Darm schlägt sich um die Leber, und sein
letztes Ende ist frei. Die Kiemenhöhle liegt offen am Rücken wie
bei den Kammkiemern, die Kiemen sollen netzartig in der Wandung
der Höhle liegen. Der Eierstock liegt hinter der Leber und nimmt
ganz die ersten Windungen ein. Der Eierleiter schwillt zu einem
länglichen Organe an, 'welches Verf. für den Hoden ansieht, der Aus-
führungsgang dieses" führt in einen Sack am Nacken hinter dem Organe
excitateur. Im Innern dieses Sackes, sagt Verf., entdeckt man zwei
Beutel, welche auch ihren Inhalt in diesen gemeinsamen Sack er-
giessen; der obere entspricht der Purpurblase der Gasteropoden, und
die untere wird von denen, welche unsere Deutung nicht billigen,
für den Hoden genommen werden. Das Organe excitateur^ unabhän-
382
gig vom Geschlechtsapparat, ist hinten aogeschwolleD,. und hängt vorn
an der Haut. Im Grunde dieses Organs ündet man einen rundlichen
Körper, der an seinem Gipfel in einen leicht gedrehten Faden ausläuft.
Von Müller ist die Lebensweise Aev Limacina, nach eigenen
Beobachtungen des lebenden Thieres in Grönland gegeben (Kroyer'g
naturhistorisk Tijdskrift 111. p. 481, und daraus Isis 1841 p. 895). Die
Art des Schwimmens unterscheidet sich wesentlich von der der Clione,
indem die Flügel wie die eines Vogels gebraucht werden, das Thier
kann sich in die Schale zurückziehen, indem es die Flügel so zu-
sammen faltet, dass sich ihre untern Theile decken. Die Flügel sind
dünn und in der Mitte fast in einen rechten Winkel gebogen; der
innere Rand des untern Schenkels ist crenulirt und mit einer kleinen
hakenförmigen Vorragung versehen, von der Verf. vermuthet, sie
möchte dem Thiere zum Festhalten dienen. Verf. unterscheidet zwei
Arten folgendermassen: L. arctica testa subglobosa, anfr. 6; spira
parum exserta, apiceobtuso; labio leviter reflexo; umbilico ampliore;
alis raajoribus, basi et parte exteriore ejusdem latitudinis. Höhe 1,4'",
Durchm. 1,7'". — L. Balea Moll. n. sp. testa turrita, anfr. 7, ultimo
ventricoso; spira exserta, apice acuto, labio reflexo, umbilico angusto,
alis minoribus, basi angustiore. Höhe 2,0'"; Durchm. 1,0'".
Ileteropoda.
D'Orbignj' beschreibt (Cub.) eine neue Art seiner Gattung J^e-
licophlegma. H. Candei testa cartilaginosa, suborbiculari, tenui,
diaphana, alba lateraliter carinato-crenulata^ dorso bicarinato, carinis
crenulatis; umbilico perforato; apertura lata, angulosa, lateraliter
sinuosa. 3 Millim. Da Verf. das Thier nicht kennt, so zweifelt er,
ob es nicht, wie die seitlichen Buchten des Mundes anzudeuten schei-
nen, mit zwei Flügeln versehen sein möchte; in diesem Fall wäre
es eine neue Gattung der Pteropoden, welcher er dann den Namen
Broivnia geben würde. Weitere Beobachtungen müssen erwartet
werden.
Cantraine bildet CMal. medit. p. 37) aus der Atlanta Ke~
raudrenii Less. eine neue Gattung, welche er Ladas nennt. Sie
hat eine hornig knorplige, sehr biegsame, spirale, an beiden Seiten
genabelte Schale, mit sehr convexen, in einer Ebene aufgerollten
Windungen, deren letzte allein eine Leiste trägt. Deckel glasig.
Das Thier trägt sehr dicke Augen; die Cornea convex, vor ihr eine
Hautfalte statt des Fühlers. Die Gattung unterscheidet sich also von
Atlanta durch die knorplige Schale, durch die Augen und durch die
Fühler. Nur die eine Art.
Pulnioiiata.
Von Vanbeneden und Windischmann erschien in
Müller's Archiv 1841 p. 176 eine Abhandlung über die Ent-
383
wickelungegeschichte des Limax griseus: Recherches sur
rEmbryogenie des Limaces. Von den Verf. sind bereits früher
(Bull, de l'Acad. de Bruxelles 1838 und Annales des sciences
nat. IX. Zool. p. 366) Mittheilungen gemacht worden, die in
vorliegendem Aufsatze, auf den ich verweise, durch erneuerte
Beobachtungen erweitert sind.
L. Pfeiffer gab unter dem Titel Symbolae ad historiam
Heliceorum. Cassel 1841 und 1842 zwei Hefte heraus.
Das erste enthält Aphorismen über die Eintheilung der Familie;
ein Verzeichniss der Arten der Pfeifferschen Sammlung; die Diagno-
sen von 71 neuen oder minder bekannten Arten; die Synonymie der
Gattungen Helix und Bulhnus. Das zweite enthält wiederum
Aphorismen über die Eintheilung der Familie, ein Verzeichniss der
zur Pfeifferschen Sammlung hinzugekommenen Arten; die Diagnosen
neuer und wenig gekannter Arten \r. 72 bis 280, und die Synonymie
sämmtlicher Gattungen der Heliceen. Das zweite Heft ist also eine
Ergänzung des ersten. Das Material, welches Verf. zusammenge-
bracht hat, ist ein sehr bedeutendes, und die Arbeit namentlich über
die Synonj^mie ein sehr grosse und dankenswerthe. Es wäre Schade,
wenn das Versprechen des Verf., eine vollständige Monographie die-
ser so überaus schwierigen Familie herauszugeben, nicht bald in Er-
füllung ginge, sie würde sich [gewiss der Theilnahme des zoologi-
schen Publiöums zu erfreuen haben. Die Menge der neuen Arten
hier auch nur dem Namen nach anzuführen, ist unmöglich, und ich
verweise deshalb auf das Werkchen selbst.
Succiiiea lialiotidea Mittre Rev. zool. p. 65. Gelblich^ mit
äusserst grosser Mündung und fast ohne Spira; Thier orange mit
schwarzen Augen und Fühlern, Martinique an warmen Quellen. —
S. Sagra d'Orbigny testa oblongo-ovata, ventricosa, tenui, dia-
phana, succinea; spira brevi, anfractibus tribus convexis; apertura
ovali. 11 Millim. Cuba.
Vitrina sig ai'etiiia l^kclws'Rew. zool. p. 70 testa auriformi,
convexo-depressa, supra planulata, longitudinaliter striis tenuissimis
remotis impressa, pellucida, luteo- viridescente; anfractibus tribus,
linea plana discretis, spira retusissima^ radiatim tenui-plicata; aper-
tura maxima, labio interiore excavato, acute, spiram internam atten-
dente. 18 Mill. An den Ufern des Cazamanca im Innern Africa's.
Helix Boivinii Petit de la Saussaye, Rev. zool. p. 184,
kreiseiförmig, w^eisslich mit schwarzbraunen Binden; verwandt mit
H. pileus, aber niedriger und unten rothbraun. 21 Mill. Salomons-
inseln. — In H. (Cochlostyld) sarchiosa Fer. will Broderip ob-
gleich zweifelnd, eine von Cuming in vielen Varietäten gesammelte
Art erkennen, ihr bleibt der Name (Proc. 1840 p. 121.), gehört zu
Bulimus. — H. iurhinoides Brod. ib. ist eine grosse, schöne Art
384
von 2|", eine Zierde der Sammlungen. — H. Harfordii id. ib.
2i Zoll. — H. {CochlosiyUC) Ticaonica id. ib. p. 155 mit vielen Va-
rietätenS f", ist ein Bulimiis. — H. cryptica id. 1841 p. 82, kiiglig,
mit 3 Windungen, purpurbraun, 2^". — H. latitans wohl nur Va-
rietät der vorigen, 2y". — H. cretata kuglig, mit schwärzlichen
Binden und Linien, mit kreideartiger Epidermis. -- H. pan kuglig^
4 Windungen, Spindel weisslich, Mündung rundlich, bläulich weiss,
1-L" — H, Reevii id. ib. p, 34 eiförmig pyramidal, mit 5 bauchigen
Windungen und bläulichweisser Mündung. Gehört zu Bulimus. —
H. annulata Sowerby (Proc. 1840 p. 135) oval, gelb mit braunen
Binden 1".' — H, balteata id. kuglig, Mundrand aussen schwarz 1".
— H. fenestruta id. braun mit zwei weisslichen Binden, an der
Nath fensterartig, jdurch Anreiben der Epidermis. — H. monticula
id. ib. p. 167 kreisförmig, konisch, unterhalb grün, Mundsaum und
Spindel weiss — H. coccomelos kuglig I-3". — H. intorta kreis-
förmig, niedrig, blassgelb, mit drei kastanienbraunen Binden li". —
H. mono ehr oa id. Proc. 1841 p. 1, kreisförmig, braun mit zwei
dunklern und zwei hellem Binden. — H. chlor 0 ehr oa id. ib. hell-
braun mit einer weisslichen Binde, ohne Nabel, sonst wie vorige 2".
— H. sphaerion verwandt mit H. coccomelos If". — H. deci-
piens desselben Verf. wird ib. p. 3 als mit H. mirabilis Fer. (H. ga-
lactites Lam.) identisch berichtigt. — //. f tilgen s w^eisslich mit
kastanienbraunen und schwarzen Binden li". — H. chrysocheilus
kuglig, ungenabelt, Mundsaum verdickt, orange. — H. metaformis
Fer. bereichert durch einige Varietäten ib. p. 17. — H. cincinni^
formis eiförmig verlängert 1|" ist nach Pfeiffer eine Achatina. —
H. leiicophaea eiförmig verlängert (also Bulimus), braun 2". —
H. columbaria kreisförmig, zuweilen innen am .Mundsaum ein
Zahn X' . — t^- concinna länglich pj-ramidal, mit brauner, weiss
marmorirter Epidermis. Gehört zu Achatina IJ" — H. curia länglich,
braun li"; ebenfalls zu Achatina. — H.meretrix kreisförmig, gelb-
lich mit braunen Binden und weisslich marmorirtlf'. — H. matruelis
id. ib. p. 24 gedrückt kuglig, Mündung trapezoidal, innen an der.Spin-
del mit einer Bucht 1|" . — H. s et ig er kreisförmig, braun, regel-
mässig mit Borsten besetzt Ij". — H, vetulina kreisförmig, hell-
braun, mit samnietartigen Haaren 1|". Pfeiffer nennt sie xanthotricha
und zieht sie fraglich zu Nanina Symb. II. p. 21. — H, brevidens
hellbraun, mit einer braunen Linie, ein kurzer Zahn am Grunde des
Spindelrandes, zahlreiche sehr kleine Härchen |". — H. gunimata
unten glatt, oben gestreift und wie mit Firniss überzogen 1^".- —
H, sphaerica kuglig, gelb mit einer schwarzbraunen Linie, Mün-
dung mit schwarzem Rande 1". — H. modestaAd. ib. p. 39, spitz-
oval, weisslich mit drei Binden 1"; nach Pfeiffer Achatina? — H. py-
ramidalis länglich pyramidal, braun. L. 1|", Br. f, Achatina? —
H. acuminata spitz pyramidal, braunschwarz. L. 1^" Br. |" ist
ein Bulimus. — H. oblong u länglich, cylindrisch, braun, runzlig.
\
385
6 Windungen. i\". Ist ein Biilimus. — H. fragih's kuglig, grün mit
2 weissen Binden, 3 Windungen. 1". — //. hrunnea braun mit
weissen und schwarzen Binden If, nach Pfeiffer Sj^mb. = ^. mela-
nocheila Val. Grateloup in den Acten der Linneschen Gesell-
schaft zu Bordeaux XI. IS41.
Auch in der Descr. de Cuba MoIIusques von d'Orbigny finden
sich mehrere neue Arten der Gattung Helix. H. Ramonis scheint
n. tichostoma Pfeiffer zu sein; d'Orbigny giebt sie als einzige cuba-
nische Art mit Zähnen in der Mündung an, die Pfeiffersche H. palu-
dosa gehört jedoch auch in diese Abtheilung.— H. Petitiana ver-
wandt mit H. auricoma aber mit stark umgeschlagenem und scharfen
Mundsaum. — H. Sagraiana quer gefurcht, genabelt. — H. Par-
raiana ebenfalls quergefurcht, aber ohne Nabel, fast gekielt. Beide
sind durch die Ouerfurchen verwandt mit H. circumtexta Per., eben-
falls von Cuba. — Die H. marginata Fer. Hist. des Moll. terr. ct.
pl. 63 trennt Verf. in 2 Arten; Fig. 3, 4 nennt er H. marginelloi-
des, l^'ig. 5,6, 9, 10 H. marginatoides. — H. pisanoides unter-
scheidet sich von pisana dadurch, dass sie auch im ausgewachsenen
Zustande gekielt ist, und durch die innere Verdickung der Mündung. —
//. pyramidatoides ist tiirbiniformis Pfr. — H. Auberii mit
voriger verwandt. — //. Lanier i an a ist cubensis Pfr. — H. ni-
tensoides = H. Ottom'sPfT.^ — H. Lavalleana kreisförmig, weit
genabelt, glatt. 2| Mill. — H. mauriniana=iH.saxicola Pfr.
Die kleinere Varietät von H. perspectiva Wagn. stellt Mori-
cand 1. c. als eigene Art H. Coffreana auf.
Ferner sind als neu aufgestellt: Helix Griesbreghtii Nyst
(Bull, de Bruxelles VIII. I. p. 343 Fig.) testa orbiculato-convexa,
subdepressa, late umbilicata, rufo-zonata; anfractibus irregulariter
striatis, ultimo rotundato, apertura labro intus albo, reflexo. Mexico.
63 Mill. — H. Car«e C an tr.IVIalac. mediterr. p. 103 testa orbiculato-
convexa depressiuscula imperforta glabra lutescente vermiculata ma-
culisque fuscis serialibus angularis picta; spira prominula aut sub-
plana; apertura ovato-lunata alba macula rosea umbilicali insignita;
labro raargine reflexo. Anfr. 5. 11'". Sardinien. — H. Magnettii id.
ib. testa orbiculato-convexa, depressiuscula imperforata glabra alba
zonis fuscis quinque interruptis ornata; spira prominula; apertura
lunato-oblonga, alba vel subrosacea, labro margine reflexo. Anfr. 5. 9 j'".
Sardinien. — H. Petit i id. ib. testa convexo lenticulari, subtus con-
vexiori, subperforata, acute carinata striata irregulariterque granu-
lata, luteo-fulva, fusco superne inferneque unifasciata; apertura
angustata, sublineari, obliqua, lactea intus marginata; labio dente vel
callo munito; peristomate simplici. Z^'". Anfr. 6. Palermo. — Der-
selbe citirt Carocolla limbata Phil. {Helix amanda Rossm.) fraglich
zu H. polymorpha Lowe; letztere ist gekörnt und hat keine Ähn-
lichkeit damit (Philippi).
Petit de la Saussaye bemerkt in der Revue zool. p. 98, dass
Archiv f. Naturgeschichte. Vill. Jahrg. 2. Bd. Bb
38Ö
5 Olli eye t Gelegenheit gehabt habe, das Thier einer neuen Art der
Gattung StreptaxisGrny '/■n beobachten und zu zeichneu; in den
äussern Characteren habe sich nichts gefunden, welches diese Gat-
tung von Helix trenne. Es folgen dann mehrere neue dahin gehörige
Arten: Helix Reclusiana Rev. zool. p. 99 testa oblique ovata,
seraiglobosa, virescente, vix perforata, superne tenuitur striata, in-
ferne sublaeviuscula; anfractibus 6 — 7, supernis convexis, aliis de-
pressis, spira convexo-obtusa; apertura semi-lunari, labro reflexo.
17 Mill. Inseln an der Küste von Guinea. — H. Souleyetiana
testa ovata, convexo-depressa, virescente; spira obtusa, anfractibus
6 — 7, longitudinaliter et oblique striatis, ultimo subtus laeviuscuio,
perforato, canali late prolongato; apertura subrotundata, peristoniate
subcontinuo; columella versus medium dente lamelloso btevi in-
structa; labro albido subreflexo. 13 Mill. Sejxhellen — H. Peroteti
testa subglobosa, albida, nitida, substriata, umbilicata; spira promi-
nula; anfr. 6, semiconvexiusculis; apertura personata, labro poste-
rius coarctato, superne emarginato, anterius subtruncato, intus tri-
dentato; columella bilamellata. 8 Mill. Ostindien. — H. Troberti
testa subglobosa, albida, polita, lucida, perforata; spira obtusa, an-
fractibus senis; apertura posterius coarctata; columella lamina alba
intus decurrente insculpta; labro subquadrato, albo, reflexo, basi
dentibus binis parvnlis geminatis instructo. GMill. Guinea. — H.aber-
rata Souleyet ib. testa ovato-globosa, albido-virescente, tenuiter
striata, umbilicata, spira convexo-obtusa, anfractibus 6 — 7 convexi-
usculis; apertura subquadrata, anterius rotundata, ringente; columella
dente lamelloso crasso et recurvo instructa, labro reflexo, intus 5 den-
tato, extus reflexo, basi triplicato. 10 Mill. Cochinchina.
Broderip stellte eine Reihe von Cuming auf den Philippinen
gesammelter neuer Arten der Gattung Carocolla auf. (Proceedings
1841 p. 36, 44. Annais Vlll. p. 536,) ich gebe hier nur die Na-
men: C. Reginae, papyracea^ Dryope, Listeri, parmula^
siquijore7isis, Thersites, virgo, dealbata ist wegen des be-
reits von Lowe vergebenen Namens von Pfeiff'er Broderipii ge-
nannt, puelia^ rota, zebuensis mit mehreren Farbenvarietäten.
— Sowerby beschreibt eine Art derselben Gattung ebenfalls von
Cuming gesammelt als C. semigranosa (ib. p. 26).
Achatina cubiniana d'Orb. Cub. p. 166 glatt mit braunen
Längslinien, gehört in die Gattung Glandina (Polyphemus). — A.ory-
sacea d'Orb. ist Glandina suhulata Pfr. — A. subulat oides ist
A. exilis Pfr. — A. consohrina d'Orb. glatt, weiss, pupaförmig,
ist eine Glandina. — A. Michail diana d'Orb. weiss, längsgestreift,
sonst verwandt mit A. octona. — A. pahidinoides d'Orb. 3 Mill
ist eine Glandina.
Btilimus acut ico Status d'Orb. Cub. braun, scharf längs-
gerippt, mit 2 Querrippen, gefurcht. 12MilI. — B. striaticost atus
xBi Achatina gracillimaVfr. — B. octonoides ist ß.{A.) suöula Pfr.
387
Bnlimiis {llelix^ auris fnuri's Moric. I.e. ist sehr verwandt
mit B. (Anricula) auris leporis. — ß. {Helix) Manoelii id. ib. testa
conic.i, perforata, ]aevi, lucida, minutissime striata, alba e violaceo
vel roseo nebiilosa, ultimo aofractu zoois biois coerulescenfibus no-
(ato, spira elevata obtusa, apertura ovato rotuodata, peristomate albo
subreflexo. — B. (Helix) cinnainomeo-lineat a id. ib. testa co-
nica, perforata, septemgyrata, laevi, lucida, minutissime striata, alba,
striftis lougitudiualibus rectis cinnamomeis virgata, spira elevata ob-
tusa, apertura ovato -rotuodata peristomate reflexo albo.
W. J. Broderip stellt in den Proceediogs auch mehrere Arten
der Gattung Bulimus auf: B. Fulg etrum (Proceediogs 1840 p. 119)
mit vielen Farbenvarietäten. 2". — B. Pictor mit braunen Länfj-s-
streifen, Mündung bläulich weiss. 8^". — B. nimbosus 3". B.
Guimarasensis (ib. p. 156) verwaodt mit B. citrious aber ohoe
Querstreifen 2i". — B. cameloyardalis weisslich gelb mit brau-
nen Längslinien. 3"; ist nach Pfeiffer Symb. eine Achatina. — B. Diana
hellgelb mit weisslichen Streifen. 2{". — B. Calista 1|" ist eine
Achatina. — B. Calypso 1^". — B, Dactylus braun mit grauer
Epidermis 2|" — B. Boholensis 1|" ist eine Achatina. — B. Bul-
lula mit milch weisser Linie an den Käthen. — B. maculiferus
(Proc. 1841 p. 14) ist nach Pfeiffer Symb. II. p. 117 B. inversus Brug.
Lam. — B, evanescens 1|". — B, velatus gelblich, an den Näthen
rothbraun gefleckt, in der Mitte der letzten Windung eine dunkle
Binde 1|". ~ B. Onyx (ib. p. 34) die 4 ersten Windungen schmutzig
weiss, die /i. und 6. kastanienbraun, die 7. ebenso mit weisser Basis
Spindel schwarz, Mündung weiss. — B. Alberti an der Spitze roth-
braun, an der Basis grün, Spindel schwärzlich, Mündung weiss.
Bulimus Menkei und Angostui'ensis von Grüner. (Dies Ar-
chiv 1841 I. p.377.)
Pupa decollata Nyst. (Bull, de Bruxelles VIII. I. p. 344 Fig.)
testa crassa, cinereo-pallida, (urriculato-cylindracea, apice truncata,
basi subumbilicata, anfractibus convexiusculis, striatis^ apertura sub-
orbicularij columella uniplicata , labro reflexo. Mexico. 75 Mill.
P. sardoa Cantr. 1. c. p. 142 testa parva, ovato -cyliudrica, sub-
umbilicata, costulato- striata, corneo -fusca; anfractibus convexis;
apertura semiovata, quinqueplicataj plica una in columella sicut et
in pariete, tribus in labro, quarum infera majori, peristomate re-
flexiusculo. 2'". Anfr. 7. Sardinien. -- P. Philippii Cantr. ib. ist
P. caprearum Phil, bei Rossmässler nach Mittheilung meines Freun-
des Philippi. Derselbe erklärt es für einen Irrthum, wenn Verf.
den Bulimus rupestris Phil, für das Junge davon hält. — P. Par-
raiana d'Orb. Cub. testa oblongo-ovata, subcylindrica, perforata,
fusca, laevigata; spira elongata, apice acuminato obtusa, anfractibus
sex convexis; apertura ovali; labro margine lato, reflexo, albo.
Die übrigen von d' Orbig ny aufgestellten Arten dieser Gattung
P. Petitiana, brevis {Cyl. brevisVtr. Symb. I. 47), oviedoiana.
388
lavelleana, auberiana und Poeyana gehören in die Gatfung
Cylindrella Pfr.
Über die von L. Pfeiffer in diesem Archiv (1840 I. p. 38) auf-
gestellte Gattung Cylindrella macht Gray einige Bemerkungen.
Zunächst verwirft er den Namen, weil die Gattung bereits von Guil-
ding zuerst ßrachypus^ später, weil der ebengenannte Name bereits
vergeben war, Sip honostoma genannt sei. Dann macht er auf
einen wesentlichen Charakter aufmerksam, nämlich auf eine Rinne
vorn in der Mündung, wodurch aussen eine Art Kiel entsteht. Fer-
ner will er diese Gattung nicht als mehr unterschieden ansehen, als
die andern von Pfeiffer nicht anerkannten Gruppen: Anostoma, Acha-
tina, Pupa ct. Die Gattung vermehrt er durch zwei Arten: Pupa
purpurea auct. angl. und Helix Maugerae Wood, {llelix ignifera
Fer.). Endlich spricht er sich dagegen aus, das Clausilium, wie es
Pfeiffer will, als analog einem Deckel anzusehn. Die Gründe hier-
für sind, dass es nicht an das Thier, sondern nur an die Schale an-
geheftet ist, dass es erst bei vollständiger Entwickeliing des Thiers
gebildet wird, und drittens, weil die Gattung Clausilia zu einer
völlig deckellosen Gruppe von Thieren gehört. In dem letzten Punkte
hat Verf. gewiss recht. (Annais ct. V. p. 243.)
Bei einigen Clausilien macht Cantr. 1. c. seine früheren Na-
men gegen Rossmässler geltend. So Cl. elongata=zfimbriata
(Ziegl.) Rossm. — CL Deenia=.Ch gibhula (Ziegl.) Rossm.; hier-
her zieht er Cl. sericina Rossm. und als Varietät Cl lamellata Rossm,
— Cl. breviszss Cl. formosa (Ziegl.) Rossm. einschliesslich Cl. Schu-
cÄiV (Voith) Rossm. — Cl. elegans :=zCl. sulcosa (Meg.) Rossm. mit
Cl. strigillata (Meg.) Rossm. — Cl. acicula z=z Cl. irregularis (Ziegl.)
Rossm. — Cl. macrostomaz=Cl. syracusana Phil. Rossm. — Eine
neue Art: Cl. trist is testa fusiformi elongata striata, vix rimata,
sordide fuscaj anfractibus convexis sutura simplici disjuuctis; cer-
vice plicatulo; apertura subrotunda aut ovali fuscescente, quinque-
plicata; plica parietali columellarique compressis, subcolumellari
minima, basilari conspicua sicut et suturali; peristomate soluto. 5^"'.
Anfr. 10. Triest.
Auricula Micheli Mittre Rev. zool. p. 66. Durchscheinend,
weisslichgelb, 7 Windungen, 2 Falten an der Spindel. 8 Mill. Toulon.
— A.uniplicata id. ib. fest, weissgelb, fein längsgestreift, 5 Win-
dungen, Spindel am Grunde weiss, mit einer Falte. Senegal. —
A. Jaumei id. ib. glatt, gelblich hornfarbig, Spindel am Grunde mit
zwei weissen Zähnen, Mundrand scharf, innen gezähnt und ge-
furcht. 4'". Virginien. — A. atigulifera Petit delaSaussaye
ib. p. 101 helmförmig, röthlich, kaum genabelt; 8 Windungen, die
letzte oben winklig und mit einer weissen Binde am Winkel; Mün-
dungfleischfarbig, Spindel dreifaltig; Mundrand aussen verdickt, innen
breit gerandet und gekerbt, in der Mitte gedrückt. Neuholland. — A.
oliva d'Orb. Cub. scheint nicht mit cingulata Pfr. übereinzustimmen.
389
Physa ludoviciana Mittre Rev. zool. p. 68, ihurniförniig,
schwach genabelt, 5 WinduDgen, die letzte länger als die Spira; am
Grunde der Spindel eine Falte (?), grünlich, Mundrand mit einer
dunkelrothen Linie begrenzt.« 8'". St. Louis am Senegal. — Ph.Gueriiii
id. bauchig, d Windungen, Mündung gross mit stark gebogenem Rande;
bellgrün 5". Levante. — Die Art von Cuba, welche Pfeiffer dies
Archiv 1839 I. p. 354 als Ph. cubensis beschreibt, betrachtet d'Or-
bigny als Ph. acuta Drap. — Ph. striata d'Orb. ausgezeichnet
durch Ouerstreifung, die Windungen sind sehr convex, die Spira sehr
stumpf 6 Millim. Martinique, Cuba.
Von den \\ev Plan or bis -XrieHy welche d' Orbig ny Cub. auf-
stellt, stimmt keine so recht mit den vier von Pfeiffer beschriebe-
nen cubanischeu Arten überein. PL Te?'verianu s d'Orb. könnte
jedoch leicht havanensis Pfr. und Lanierianus d'Orb. könnte luci-
dus Pfr. sein. PL caribaeus kommt zugleich in Mexico vor; PI.
cultratus durch die äusserst flache, stark gekielte Schale ausge-
zeichnet, wird vom Verf. nur mit Zweifel als cubanisch aufgeführt.
Ferner stellte Moricand 1. c. zwei neue Arten dieser Gattung
auf: PL cimexiesiA depressissima, utrinque leviter concava, 6-volva,
ultimo anfractu subtus piano, supra serai-roiundato. — PL depres-
sissimus testa depressissima subtus plana, supra leviter concava,
5-volva, ultimo anfractu in medio acute carinato. Beide in Bahia.
Thompson beschreibt die Amphiplepea involuta (Limneus
involutus) Harvey Ms. (Annais ct. V. p. 22). Die Spira ist ganz
von der letzten Windung umhüllt, die sehr breite Mündung reicht
bis zum Apex. Diese Art tindet sich in einem kleinen Bergsee im
Cromaylaun-Gebirge, in der Nähe der Seen von Killarney.
Hieran schliessen sich (ebenda) einige anatomische Bemerkungen
über dieses Thier vonGoodsir, die sich auf das Nervensystem und
die Geschlechtsorgane beziehen. Im ersteren findet Verf. Ähnlichkeit
mit dem von A. glutinosa, wie es Vanbeneden beschreibt. Jederseits
von der Mundmasse liegt ein spindelförmiges Ganglion. Beide sind
oberhalb durch einen Nervenfaden, unterhalb durch eine Reihe von
6 Ganglien verbunden; die vier seitlichen von diesen sind klein, die
beiden mittlem gross. Von diesen sind die beiden spindelförmigen
Ganglien noch durch zwei grosse Ganglien verbunden, die in keiner
Verbindung mit den sechs hintern Ganglien stehn. Ganz vorn end-
lich entsenden die spindelförmigen Ganglien noch zwei Fäden, welche
nach vorn unter der Mundmasse verlaufen und in kleinen Ganglien
enden, die wieder durch einen Faden verbunden sind. Von diesen
und allen grösseren Ganglien werden Nerven entsendet. Bei den
Geschlechtsorganen wird das in der Leber liegende als Hoden an-
gesehen. Er entsendet einen schmalen Samengang, der kleine seit-
liche Fortsätze hat, an den Eierstock, und öffnet sich dann in die
Spitze eines langen Sacks, der am weiten Eiergange anliegt. Von
ihm geht der zweite Theil des Samengauges au die Muskeln u. s. w.
390
In dem Delessertschen Werke sind auch zwei Lamarcksche
Arten der Gattung Limnaeus abgebildet, wodurch die Identität der-
selben mit zweien vom Referenten (dies Archiv 1837 1. p. 167) auf-
gestellten erwiesen wird. L. sulcattdus m. nämlich ist L. luteola
Lam., und L. amygdalum m. ist L. acuminata Lara.
Über die Anatomie Aes Aiicylus fluviutilis erhielten wir von Vogt
eine Arbeit in Müller's Archiv 1841 p. 25. Ich habe mich nie recht
überzeugen können, dass diese Gattung zu den Limnaeaceen zu
stellen sei, leider bleibt auch Verfasser hierüber in Zweifel. Vieles
in der anatomischen Beschaffenheit des Thieres scheint dafür zu spre-
chdn, auch macht Verf Versuche bekannt, nach denen diese Tbiere
in der That Luft einzuathmen scheinen. Vom Oberkiefer wird ge-
sagt, er sei weiss, fest, und aus zwei Stücken zusammengesetzt.
Das stimmt wenig mit meinen Beobachtungen (dies Archiv 1836 I.
p. 277) überein, welche freilich an einer andern Art A. lacustris ge-
macht wurden.
Onchidium nanu in Phil. s. dies Archiv 1841 I. p. 56.
Cyclostoma Cuvieriana Petit de la Saussaye Rev. zool.
p. 184 kreisförmig, weit genabelt, auf der letzten Windung zwei
Jamellenartige Kiele, Mündung rundlich, Mundrand umgebogen, vorn
mit 2 Furchen. 65MiIl. Madagascar.
Von Sowerby dem Jüngeren erhielten wir in den Proc. zool.
Sog. 1841 p. 101 die Beschreibung von neun Arten der Gattung Pu-
pina Vignard. Alle sind bereits Sowerby's Thesaurus Conchyliorum
part. 1, der im Mai 1842 erschien, abgebildet. Leider ist mir dieses
Werk nur dem Titel nach bekannt. «) Mit schiefer Axe: P.
Nune%ii (Moulinsia Nunezii Grateloup, Ann. Soc. Linn. Bordeaux,
1840) kuglich schief, mit grosser Mündung und stark umgeschlage-
nem gelblichem Mundrande; Einschnitt dreieckig; Spindel concav. ^" .
Philippinen. — P. pelhicida fast kuglig, durchsichtig, Spindel con-
vex. J '. Philippinen. — /5) Mit fast geradem Gewinde: P. lu-
brica cylindrisch, am Grunde der Spindel kaum ausgerandet. \" . Phi-
lippinen. — P. vitrea etwas verlängert, gerade, Windungen rundlich,
mit deutlichem Einschnitt, gelbbraun. :^". Philippinen. — P.similis wie
vorige aber mit sehr tiefem Einschnitt, so dass man ihn auf dem Rücken
der Schale sieht. 4". Lu9on. — P. exigua klein, durchsichtig, weiss,
cylindrisch, mit tiefem Einschnitt. — y^ Gewinde gerade, Mün-
dung mit zwei Rinnen: P. humilis Jaquenot die Zähne am
hintern Theil der Innen- und Aussenlippe bilden einen Kanal, der
Kanal zeigt sich am Rücken kanalartig, hellgelb, f". Vaterland unbe-
kannt. — P. Ker andre nii Vignard, Annales d. sc. 1829. Manilla.
— P.hicanaliculata oval, weiss, Innenlippe hinten gefaltet, bau-
chiger als die vorige {". Philippinen.
391
Peetliiihraiicliia.
Mittre weist in der Revue zool. p. 69 uach, dass die Paludina
Desnoyersii Payr, nur der Jugeridzustand von Trimcatella trunca-
tula Risso sei, wie bereits Lowe und Deshayes vermutheten.
RissoaHarveyi Tliomps. Ann. V. p. 97 soll sich von R. ex-
cavata Phil, durch die grössere Anzahl (84) der Längsrippen und die
schmalere Mündung unterscheiden. 2'". — R tristriata id. ib. conisch,
5^ gerundete glatte Windungen, mit spiralen Reihen schwarzgelber
Flecke, drei Streifen au jeder Windung, dicht an der Nath. 1^"'. —
R. Ballt ae id. ib. länglich, weiss, 5 Windungen, mit tiefen Längs-
streifen, die Basis der letzten Windung spiral gestreift. — R. rupe-
stris Forbes ib. p. 107 länglich, weiss, 7 flache Windungen, die
letzte an der Basis gestreift, Näthe gerandet. 2'". Insel Man.
Litt orina dilatata d'Orb. Cub. unterscheidet sich von tu-
berculata durch den erweiterten Mund und durch die breite%usge-
höhlte, oft genabelte Spindel. — h. carinata d'Orb. gestreift, auf
der letzten Windung gekielt, Mündung eng, schwarz. — L. tigrina
d'Orb. ungekielt, Spindel gerade, violett. — L. imdulata d'Orb.
Windungen unten gerandet, Mündung innen braun ^^-efleckt. Martini-
que. — h. naticoides d'Orb. ist L. fusca Pfr. —
Ettlima bifasciat a d'Orb. ib. t. elongatissiraa, aciculata, po-
lita, alba; spira elongatissima, acutissima; anfractibus undecim pla-
nis, coadnatis, lineis duobus fulvis transversis ornatis, apertura oblonga,
angustata; labro recto, simplici. Guadeloupe, St. Thomas. — E. sub-
carinata testa elongato-conica, alba, polita; spira elongata, co-
nica, apice acuto; anfractibus octonis, planis linea fulva ornatis, ul-
timo subcarinato; apertura ovali, labro tenui. Guadeloupe. — E.in-
certa testa elongata, laevigata, polita, conica, albescente, maculis
albis transversim cincta; spira conica, anfractibus octonis, antice
gradatim scalaribus, ultimo anguloso, antice transversim striato;
apertura subrhomboidali; labro tenui. Jamaica.
Chemnitxia pulchella d'Orb. Cub. sehr lang, weiss, längs
gerippt, 12 Windungen, die letzte am Grunde glatt. Antillen. — Ch. '
oriiata schmal, weiss, schwach längs gefurcht, quergestreift. Ebenda.
— Ch. modesta schwach längs gefurcht, 6 Windungen. Jamaica. —
Ch. e leg ans längs gerippt, neun treppenförraige Windungen, Nath
gekörnt. Guadeloupe — Ch. Simplex quergestreift, Windungen
unten gerandet, Jamaica. — Ch. pupoides dick, längs gerippt, La-
brum innen verdickt.
Melanopsis brasiliensis Moric. VIII. p. 144 testa elongata,
conico turrita, apice acuta, tranversim multisulcata, anfractibus 8 — 9
piano convexis; epidermide olivaceo liueolis fuscis iuterruptis saepe
ornato; apertura ovali. Brasilien. — M. creno-carina id. IX. p. 61
testa conoidea, solida, costulis transversis numerosis scalariformibus
longitudinalibus raris, anfractibus superue angulato planis, margine
carinato crenulato, epidermide brunneo demum nigresccnte. Bahia,
392
Recluz beschreibt in der Revue zool. 1841 p. 102, 147
und 178 neue Arten der Gattung Nerita unter denen mehrere
auf ältere Abbildungen bezogen werden, mehrere ganz neu
sein sollen. Abbildungen sind nicht gegeben. Bei der grossen
Anzahl der hier aufgestellten neuen Arten, kann ich einige
Zweifel über die Gültigkeit derselben nicht unterdrücken.
N. semirugosa (Argenville Concli. t. 7 fig. S; Favanne Conch.
t. X. f. E; Geve Conch. t. 22 f. 218 a, b) verwandt mit A'. undata. —
N. C he mni t zz'i {Chemn. Couch. 5 t.l91 f. 1960, 1961) verwandt mit
iV. Histrio und mit ihr verwechselt, soll durch die Farbe und durch
zwei Zähne am Labrum unterschieden sein. — A. Des hayesii von
Californien scheint N.ornata von Gray zu sein. — N, chry so Stoma
von den Philippinen scheint kaum verschieden von A. undata. —
A^ paftuana von Neu-Guinea und von den Philippinen soll sich von
A. undata durch die ganz schwarze Farbe, die rundliche Mündung, und
einige kleine Verschiedenheiten in den Zähnen der Mündung unter-
scheiden. — N. antiquata verwandt mit N. politu aber längsge-
furcht, und mit Furchen auf der Spindelschwiele; Philippinen. Wohl
nur Varietät von genannter Art. — N.Mauritiae von Isle de France
schwarz mit weissen vertieften Flecken, Spindelrand mit 2 Zähnen,
runzlig und schwielig. — A'. atrofurpurea von Neuholland j das
erweiterte Labruni umgiebt in einem Halbcirkel den Gipfel der Spira.
— N. Or bignyana glänzend, fein längsgestreift; Spindelrand zwei-
zähnig, Labruni innen nicht gestreift; rothes Meer. — A. Rumphii ,
(N polita Oceani australis Chemn. 5 f 2013, 2014; Rumph. Mus. t. 22
f. 7; Petiver amb. t. 11 f. 23) soll sich von A. polita durch gitter-
artige Längs- und Querstreifen unterscheiden, ist aber wohl nicht
eigene Art. — A. Forskaelii (Nerita Cornea Forsk. Verm. p. 128.)
— A. patula quergestreift, Labium schwarz gefleckt, granulirt, La-
brum innen gestreift, zahnlos. Fundort unbekannt. — A. Dombeyi
von Bombay soll sich von hieroglyphica Chemn, durch die kleineren
Streifen und durch die Mündung unterscheiden, Labium hinten runz-
lig, mitten granulirt, Hand fast zahnlos. — A. radiata scheint nicht
von versicolor verschieden, soll sich durch die glatte, ebene Spindel
und die Ungleichheit der Zähne des Spindelrandes von derselben
unterscheiden. — N.Argus von Brasilien, klein quergestreift, |bräun-
lich schwarz, mit gelblichen Punkten iu Längsreihen, die durchschei-
nend sind, wenn man die Schale gegen das Licht hält. 15 Mill. —
A. Yoldi't schwarz mit vertieften weissen Zickzackflecken; scheint
mir mit A. eccarata Pfr. von Cuba übereinzustimmen. — A. picea
schwarz, glänzend, quergestreift, Spindel glatt, am Rande zweizäh-
uig, innen am Labrum ein gespaltener Zahn. Sandwichiuseln. —
I^.insculpta breit quergefurcht, dicht längsgestreift. Timor. 15 Mill.
— A. Listeri^LxsiQr conch. t. 576 f. 6.) Stiller Ocean. — A. ory-
xarum glatt, olivcufarbig mit weissen Flecken, Labium granulirt,
393
hinten runzelig. Bombay.— IS. Georgina, schwach gefurcht, weiss-
lich grau mit drei Binden schwarzer Flecke, Labium glatt, am Rande
dreizähoig, Lubrum ganz. Neuholland. — N. flanimulata schwach
gefurcht, weisslich grau mit schwarzen Flammen, Labium runzlig,
gelb, Labrum crenulirt, innen gestreift^ wohl Varietät von undulataGm.
Südsee-Inselu. — iV. Ilanet i schwarz, glänzend, Mündung rund-
lich, orange, Labium in der Mitte mit 3 Zähnen, Labrum innen und
aussen ganz. Marquesas-Inseln.
Daran schliesst sich ein zweiter Abschnitt des vorigen
Aufsatzes in derselben Zeitschrift p. 273, 310 und von dem-
selben Verfasser, welcher ^\q Neritinen behandelt. Es wer-
den darin 24 neue Arten aufgestellt.
1. Subhemisphaericae Spindel eben, mit Querstreifen.
iV. Petita glatt, grünbraun, 8 Windungen ohne Leiste, Mün-
dung zimmtfarbig. St. Domingo. — N. Knorri (Knorr Vergn. 6
pl. 13 f. 3. Madagascar. — M.Bruguierei(ßucyc\.Yi\Abbfi^Aab'^).
— N. Beckii schwarz, gegen das Licht einfarbig rothbraun, Spindel
schwarzblau, Gewinde mit einer schmalen Linie umgeben. Woher?
2. Aiiriculatae (^Neripteron Lesson).
N. Nuttalli schwarz mit gelblichen Dreiecksflecken. Sandwich-
Inseln. —
3. Spinosae {Clithon Montf.).
N. diadema mit 3 — 4 Windungen, und mit schwarzeingefass-
ten Flecken, auf gelblichem Grunde. Südsee. — N. ruginosa mit
einem kurzen Kiel an der Basis. Sandvvich-Inseln. — N. Lessonii
klein, eine Windung. Sicilien. — N. rarispina mit 1 — 3 Dornen
auf der letzten Windung. Sicilien. — A^. Leachii (ohne Dornen?)
Neuholland. — N. longispina (N. Corona Müll. Lam. non Llnn.).
4. Serratae (columella margiue crenata).
' N. Adansoniana, Senegal. — A. Guerini, Sumatra. — N.
liturata, Philippinen? — N.Michaudi ohne Angabe des Fundorts.
— A. miliacea, Sicilien. — A. guttata, Neuguinea. — A. Fe-
rottetiana aus den Flüssen der Neelgheries-Berge. — A^. strio.
lata, Antillen? — A. Roissiana.Newgame^t,. — A. cuvieriana^
Guadeloupe, Otahiti. — A. Kangiana (Rang. Bull. d. sc. de Ferus-
sac 1. 10 p. 418.) Madagascar. — A. numidica (N. Prevostiana Ter-
ver non Partsch und Fer.) Nordafrica. — A. anatolica, Smyrna.
— A. succinea, Madagascar, Guadeloupe.
Hieran schliesst sich wiederum ebenda p. 343 die Be-
schreibung von 14 neuen Arten von Neriten von Guillou.
iV. trifasciata Neu- Guinea, verwandt mit chrysostoma Recl.;
squamulata verwandt mit Patula Recl.; Quoyi verwandt mit
yoldU^Gcl.', ocellata verwandt rait^r^w*, Sandal-bayj olivaria^
Mindanao; maculifera'y Reclu%iana^ Taitij cardinalis^ Ar-
rou-Inselo; Tritonensis, Triton-Bay; iSTeraw^/rew«?, Noukahiva;
394
elliptica^ Noukabiva^ parvula, Lebniika (Viti)^ iniiiima, Nou-
kahiva^ N avic ellin a^ Hamoa.
Den Prodromus einer Monographie der i^aXiww^^Navicella
machte Recluz bekannt. Revue zool. 1841 p. 369.
Es werden im Ganzen 15 Arten unterschieden unter denen 10 neue
N. 7nacr acephala Le Guillou^ Lebouka (Fidji)^ Botig ahivillei
Recl. ebendaher; Suffreni desgl.; Luzonica Souleyet, Lucon;
Freycineti, Macassar; «/?/«f a Le Guiilou, Tidji-Inseln; Janelli,
Guam; Urvillei; Kntrecastauxi, Neuholland.
Natica reclusiana Deshayes Guerin Mag. de Zool. pl. 37
gross, dick, grau mit weisser Basis, brauner Binde an der Nath, Na-
belschwiele durch eine Furche ungleich getheilt. Californien. — N,
ianthostoma id. ib. pl. 45 kuglig, rothraun, Nabel geschlossen,
Mündung innen violet. Kamtschatka. 50 Mill. — N. sanguinolent a
ib. ib. pl. 46 kuglig, grau, Nabel geschlossen, Schwiele roth, Mündung
innen dunkelviolet, am Rande roth. 30 Mill. — N.fuiva Thomson
Ann. V. p. 99 schwarzgelb, Nabel durch eine spirale Leiste getheilt.
Länge 12 ", Breite 9". Youghal.
Tornatella pufictata d'Orb. Cub. am Grunde quergestreift
punktirt, oben glatt.
Trochus luctuosus d'Orb. Voy. schwarz, genabelt, .die ersten
Windungen dreigefurcht, gekielt, die letzte glatt, Spindel mit einem
Zahne. 33 Mill. Chili.— T. microsto?nus id. ib. conisch, schwärz-
lich, glatt, ungenabelt, Mündung eng mit gezähntem Rande, Spindel
mit drei Zähnen, 80 Mill. Chili. — T. araucanus id. ib. kuglig,
schwach gestreift, ungenabelt, schwarz oder roth, Mündung rund,,
weiss, Spindel verdickt, glatt. 21 Mill. Chili. — T. malvinus id. ib.
conisch, dünn, genabelt, gestreift, weiss, letzte Windung winklig,
Näthe vertieft, Spindel scharf. 3 Mill. Malwinen.
Turbo digitatus Deshayes Guerin Mag. p. 36 kreiseiförmig,
die Basis der Windungen mit vorstehenden stumpfen Höckern um-
geben, Nabelschwiele durch eine weisse Rippe getheilt. Acapulco.
Turrit ella fulvocincta Thompson Ann. V. p. 98 etwa
11 Windungen, quergerippt, spiralgestreift, weisslich mit einer ein-
zelnen gelben Binde Z\"' . Dublin.
Janthina umbilicata d'Orb. Voy. eiförmig conisch, glatt,
genabelt. 5 Mill. Atlantischer Ocean.
Marginella Delessertiana Recluz Rev. zool. p. 183 Spira
sehr kurz, 4 horizontale Zähne auf der Spindel, Labrum fein ge-
kerbt. 7 Mill. Isle de France. — M. puncttilata Petit de la
Saussaye ib. p. 185 hellfleischfarbig mit milchweissen Fleckchen,
Labrum weiss, aussen gelblich, schwach gekerbt, Spindel mit 4 Fal-
ten. 15 Millim. Senegal. — M. Cumingiana id. ib. Sehr kleine
schwarze Punkte bilden <}uer- und Längsreihen, Labrum dick, ge-
landet, innen weiss, stark gekerbt; 4 Falten auf der Spindel. 84 Mill.
Westküste Afrika's.
395
Zur GsiUiing Mar g ine IIa gehörig beschreibt Kien er I.e. nach-
träglich ceue Arten: M. fest Iva^ fulminata von Bahia, lahiata
Val. Ind. Ocean, amyqdala !!!enegal, conoidalis Antillen, dia-
■phana ist pelliicidaPfr., ^ow ff^«, lactea, LargilUeri von Bahia.
D'Orbiguy Hieilt io seiner Voyage die Gattung Oliva in drei
Untergattungen, die jedoch mit den von Gray gemachten Abtheilun-
gen nicht in Übereinstimmung gebracht werden können: 1. Oliv in a
(Olives ancilloides Duclos Monogr.). Ein Deckel, Thier wenig volu-
minös; Fuss kurz, hinten abgestutzt. Schale mit einem Kanal am
Gewinde; Mündung hinten schwielig, vorn erweitert. — 8. Oliva
(Olives cylindroides et Olives glanduliformes üucl.). Kein Deckel,
Thier voluminös; Fuss lang, hinten zugespitzt. Schale mit einem
Kanal auf dem Gewinde; Mündung hinten wenig schwielig, vorn
wenig erweitert {Oliva ■peruviana Lam.). — 3. Olivancillaria
(Olives volutelies Ducl.), Kein Deckel; Thier voluminös; Fuss hin-
ten abgestutzt; ein breiter hinterer Anhang am Mantel, Schale belegt
(encroutee) durch einen Absatz aus dem Mantellappen, ohne Kanal
am Gewinde {Oliva brasiliana und aiiriadaria Lam.). Die beiden
folgenden neuen Arten gehören der ersten Abtheilung an.
Olivina pnelchana braunviolett, vorn und hinten mit weisser
Binde, Spira verlängert conisch, Spindel glatt, vorn mit 3 Falten.
13 Mill. Patagonien. — 0, tehuelchana schmal < länglich, weiss-
lich], Spira verlängert, Mündung dreieckig; Spindel glatt, vorn mit
einer Falte. 8 Mill. Patagonien.
Die Gattung Voluta theilt d'Orbigny Voy. in zwei Unter-
gattungen. Bei der einen, Volut ella , ist der Mantel an der linken
Seite so erweitert, dass er die ganze Schale bedeckt, weshalb diese
stets glatt, und wie Cypraea mit einer Ablagerung des Mantels be-
deckt ist {Valuta augulata Swains.); bei der andern bedeckt der
Mantel nicht die Schale (F. ö/'a*2Vmwa Soland., V.magellatiica Chemn.^
V. ancilla Soland., F. festiva Lam., F. tuberculata Wood.). -
Voluta Largilliertiana d'Orb. Rev. zool. p. 310 hell weiss-
lich gelb, mit gelben gekrümmten Linien genetzt und mit zwei Rei-
hen gelber Viereckflecken umgeben, 4 Falten auf der weissen Spin-
del. 54 Mill. Indischer Ocean. Verwandt mit F. pallida Gray.
Lovell Reeve beschreibt eine Mitra unter dem Namen M.
Stainforthii von den Philippinen. Sie ist längsgerippt, mit vier-
eckigen rothen Flecken auf den Rippen 3i". (Proc. 1841 p. 93). —
M. inca d'Orbigny Voy. schwarz, granulirt in Längs- und Ower-
reihen, drei Falten an der Spindel. 37 Mill. Peru.
In der Gattung Columbella hat Kien er 53 Arten, nachdem
er die Lamarckschen Arten bi%onalis, hebraica, unifasciata -lu Mitra
und die xonalis zu Purpura gestellt. Die Abbildungen der Mono-
graphie dieser Gattung von Duclos sind bereits benutzt, obgleich
noch kein Text zu derselben erschienen ist. Leider sind mir noch
396
keine der vielfach geriihmten Monographien Duclos's bekannt gewor-
den. An neuen Arten finden sich bei Kiener C. spotigiarum
Diicl. vom Senegal, C. amhigua^ luteola, cornea, nucleus,
festiva, a%ora Ducl. von den Sechellen, xiphttella Diicl.,
striata Ducl., fastigata von den Antillen, modesta woher?,
Peleei von Martinique, ligula Ducl., und ata Ducl., lugubris
aus dem indischen Ocean, lacteaDwcX. von den Sechellen, alhina^
jiynipha von den Sechellen, %eliiia Ducl.^ epamella Ducl. Ma-
nila, bicolor, Boivini^ arenosa aus dem indischen Ocean, ro~
salia Ducl. ebendaher, coronata von China, citharula Ducl.,
lineolata von Chili. Die meisten sind, wie man sieht, von unbe-
kanntem Vaterlande.
Columbella sordida d'Orbigny Voj. länglich eiförmig,
braun, vorn schwach gestreift, Spindel mit vier Falten, weiss. llMill.
Peru. — C. sertularium id. ib. länglich, glatt, braun gefleckt, vorn
schwach gestreift, Mündung eng, Spindel gefaltet. 13 Millim. Pa-
tagonien.
Die Gattung Buccinum im weiteren Sinne theilt d'Orbigny
in 3 Untergattungen: Buccinum Linne, Nassa Lara, und Buc-
cinanops d'Orb. Letztere unterscheidet sich von den beiden
ersteren durch den stark entwickelten Fuss, durch die langen Fühler
ohne Augen, durch den ovalen Deckel mit seitlichen Ansatzstreifen,
durch die glatte Schale mit einfachem Rande und ohne Zähne an der
Mündung. Zu ihr werden B. cochh'dtum Chemn. und B. globu-
losum Kiener gezogen. Sie entspricht offenbar der von Gray vor-
geschlagenen Gattung BuUia. (Vergl. dies Archiv 1840 II. p. 811.)
Buccinum Triton Lesson Rev. zool. p. 37. Weiss, bauchig,
quergestreift, Windungen in der Mitte winklig und mit konischen
Tuberkeln umgeben; hat das Ansehn von B. tindositm. Neu-Seeland.
Kien er 1. c. hat folgende neue Arten: Buccinum, obscurum
von Chili, obliquum vom Senegal, decussatum von der africani»
sehen Küste des atlantischen Oceans, luteostoma vom Senegal,
tiarula von Madagascar.
Nassa Isabellei d'Orbigny Voy. länglich, längsgefurcht,
quergestreift, weiss, letzte Windung in der Mitte fast glatt. 5 Mill.
Patagonien. — N. Fontainei glatt, blaubraun, mit einer weissen
Binde, Windungen längsgefurcht, hinten knotig, Labrum glatt zwei-
zähnig. 15 Mill. Peru.
Terebra patagonica d'Orb. Voy. schwach längsgerippt, an
der Nath zwei durch eine Furche getrennte Reihen Knoten, weiss,
die hintere Knotenreihe rothbraun. 55 Mill. Patagonien.
Purpura Delessertiana d'Orb. Voy. quergestreift, mit zwei
Reihen stumpfer rotber Knoten, Mündung weiss mit gelbem Rande.
26 Mill. Peru.
Rousseau beobachtete auf seinen Reisen in den africanischen
und asiatischen Meeren, dass das Thier von Pyrula be%oar sich
397
sehr der Gtittuüg Pupura nähere; dass dagegen Pyrula ficus kei-
nen Deckel besitze, und generisch von der vorigen Art zu trennen
sei. (Inst. p. 301.)
Pleurotoma guarani d'Orb. Voy. spindelförmig, schwach
quergestreift, längsgerippt, braun, mit weissen ungleichen Binden,
Windungen hinten winklig, Nath crenulirt. 5 Mill. Brasilien. — PL
patagonica id. ib. thurmförmig, glatt, vorn quergestreift, weisslich,
Windungen hinten etwas winklig. 9 Mill. Patagonien. — PL Smi-
t hiiForhes Ann.V. p. 107 testa fusiformi-turrita, sub lepte tenuis-
sime striata, anfractibus 8 convexiusculis, costatis, costis 12; aper-
tura oblonge -lanceolata, spira multo breviore, cauda brevi 0,4".
Lamlash Bay. — PL coarctata id. ib. testa anguste fusiformi,
striata, anfractibus 7 convexiusculis, costatis, costis 7, apertura an-
guste lanceolata, cauda mediocri 0,4". Lamlash Bay.
Fusüs Font ainei d'Orb. Voy. länglich bauchig, quergestreift
und gerippt; mit violetten Rippen umgeben, querwellig knotig, La-
brum innen gestreift, gezähnt mit violetten Linien. 70 Miil. Peru. —
Die Purpura fusifornüs Blainv. bringt d'Orbigny ib. zu Fusus unter
dem Namen F. purpuroides.
Die Gattung Turbinella theilt Kien er in vier Äbtheilungen,
indem er den drei von Blainville vorgeschlagenen eine vierte (bucci-
niformes ou purpuriformes) hinzufügt. In diese setzt er auch La-
niarck's Monoceros cingulatum als T. cingulata. Einige neue
Arten T. ovoidea von Bahia, T. cassiformis VaL ebendaher,
T. creiiulata^ T. clathrata VaL, T. CaroUnae^ alle drei von
unbekanntem Vaterlande.
Turbinella brasiliana d'Orb. Voy. verwandt mit T. cin-
gulifera aber ungekielt, mit geringen Knoten und ohne die weisse
Linie; bräunlich, Mündung gelblich. 43Mill. Brasilien.
Cancellaria multiplicata Lesson Rev. zool. p. 37. Zahl-
reiche quergefurchte Längsrippen; Spindel mit vielen Falten. SOMill.
Südliche Meere. — Kien er hat 1. c. drei neue Arten dieser Gattung:"
C, textilis von den Molukken, C. Verreauxii und C. purpuri-
formis von unbekanntem Vaterlande.
J. B. Sowerby beschreibt in denProc. 1841 p. 51, Annais VIII.
p. 538 acht neue Arten der Gattung Ranella, welche bereits in
des Verfassers Illustrations of conchology abgebildet sind. Alle be-
finden sich in der Sammlung des Herrn Cuming. R. vexillum von
Chiloe, cruentata^nana^ albo-fasciata, rhodostoma von
den Philippinen, subgranosa von Manilla, neglecta von Ceylon,
und rugosa mit unbekanntem Vaterlande. — Triton ranelliformis
King wird von d'Orbigny Voy. zu Ranella als Ä. Kingii ge-
zogen.
Murex macropterus Dcshayes Guerin Mag. pl. 38. Varices
in drei flügeiförmigen Reihen , an der letzten Windung^ vierlappig,
unterhalb schuppig, Kanal geschlossen, lang. 43 Mill. — J. B. So-
398
werby giebt ausführlicbe Diagnosen von 36 neuen Arten Miirex,
welche sämnitlich bereits in seinen Conchological Iliustrations abge-
bildet sind. (Proc. 1840 i>. 137.) — M.pat agonieus d'Orb. V03 . soll
sich von M. magellanicns durch das B'ehlen der Ouerstreifen nnter-
scheiden. 50 Mill Patagonien. — M varians id. ib. ist ebenfalls
vielleicht nur Varietät von M. ?nageUaniciis, hat aber eine sehr dicke
Schale, einen weiten Nabel und keine Längslamellen. 80 Mill. Pata-
gonien. — Purpura Si'ra t Adans. zieht d'Orbigny Yoy. 2.11 Murea:
als M. Sirat'y diese Art lebt an den Küsten Brasiliens uud Africas.
M. monoceros d'Orb. Voy, zeichnet sich durch einen Zahn am
Labrum aus, und verhält sich also zu Murex wie Monoceros zu Pur-
pura', daher gehört sie in die von Conrad aufgestellte Untergattung
Cerastoma, der eine Art von Californien C. Nutalli beschreibt; sie
ist vielleicht mit dieser identisch. (Vgl. dies Archiv 1838 II. p. 881.)
33 Mill. Peru. — M, Inca d'Orb. Voy. spindelförmig, quergerippt,
mit vielen Varices, Labrum innen gefurcht. 80 Mill. Peru.
Cerit hium Montagnei d'Orb. V03'. braun mit weisslichen
Binden, längsgerippt, vorn quergefurcht, Mündung rund. 38 Millim.
Guayaquil. — C. peruvianum id. ib. thurmförmig, braun, mit drei
Reihen Granula umgeben, Spindel mit einer Falte. 7 Mill. Peru. —
C. guaranianum kurz, braun, mit vier Reihen Granula, Mündung
oval. 3 Mill. Brasilien.
Thompson bildet eine Varietät von Cerithmm reticulatum mit
einem sehr erhabenen Kiel ab, für welche er, falls es eine eigene
Art sein sollte, den Namen carinat um vorschlägt.
V ermetus varians d'Orb. Voy. t. irregulariter involuta, lon-
gitudinaliter rugoso costata, vel laevigata, violaceo-fusca. Brasilien.
— V. irr egularis d'Orb. Cub. testa fusco nigra, irregulariter
contorta, transversim rugoso-plicata vel longitudinaliter sulcata, glo-
merata. Cuba, Martinique. — V. corrodens id. ib. testa irregulari-
ter contorta, transversim lamellata, longitudinaliter carinata. Cuba,
Martinique.
Pileopsis ungaricoißes d'Orb. Voy. unterscheidet sich von
ungarica durch die unter der Epidermis glatte Schale und durch die
weisslich rosenrothe Farbe mit rothen strahligen Binden. 15 Mill. Peru.
Calyptraea {Trochatella^ intermedia d'Orb. Voy. niedrig,
durchscheinend, weiss, längsgerippt, innere Platte doppelt, die obere
eben, die untere halb spiral. 18 Mill. Peru. — C. (jrrochatella) pi-
leolus id. ib. mit spiraler, längsgerippter Spitze, innere Platte spi-
ral, in der Mitte ausgebuchtet, wie genabelt. 13 Mill. Malwinen,
Patagonien.
Crepidula pat agonica d'Orb. \oy. unterscheidet sich von
C. dilatata Lam. durch die niedrigere mehr gerundete Gestalt, durch
die run/Jige Oberfläche und durch die seitlich sehr buchtige Platte;
das Thier hat an den Seiten und hinten breite rothe Flecken. 88 Mill.
Patagonien. — C. protea id. ib. niedrig, oval, weisslich glatt, zart,
399
mit seitlicher Spitze, Platte gross, nicht eingebogen. 30 Mill. Pata-
gonien, Brasilien^ Antillen.
Tecti brnncliia.
Bullaea Candeana d'Orb. Descr. de Ciiba testa ovata, te-
nuissima, depressa, transversim substriata^ spira externe obtusissima^
anfractibus duobus; columella intus dilatata, acuta; apertura amplis-
sima, superne dilatata, patula. Mill.
In der Gattung Bulla stellt d'Orbignj' 11 auf den Antillen
gesammelte neue Arten auf:
«) Mit verstecktem Gewinde.
B. Sagra testa oblonga, pellucida, laxe convoluta, depressa,
transversim catenato-striata, alba, antice subtruncata; spira nonum-
bilicata; labro tenui crenulato. 3 Mill. Martinique. — B. antilla-
r%im testa ovata, laevigata, albida, postice imperforata; apertura
elongata, arcuata, antice dilatata. 7 Mill. St. Thoraas. — B. biden-
tata testa ovato oblonga, subcylindracea, crassa, alba, tenuiter
transversim striata; spira umbilicata; apertura angustata, antice su-
bito dilatata; labro subcrasso; columella biplicata 2| Mill. — B.acut a
testa oblonga, antice posticeque attenuata, tenui, alba^ laevigata,
antice transversim striata, postice acuta, non perforata, transversim
longitudinaliterque striata; apertura angustata, siuuosa, antice subito
dilatata; columella subacuta. 2 Mill. — B. caribaea testa ovato-
ohlonga, tenui, laevigata, alba, antice posticeque transversim striata;
spira subumbilicata, apertura angustata, semilunari; columella acuta.
5 Mill. — B. Äuherii testa ovato-cylindrica, tenui, pellucida, alba,
antice tenuiter striata; spira subumbilicata; apertura angustata, recta,
antice dilatata. 3 Mill. Cuba.
Ä) Mit sichtbarem Gewinde.
B, Candei ist B. pusilla Pfeitfer. — B. sulcata testa cylin-
drica^ antice dilatata, tenui, pellucida, alba, longitudinaliter sulcata,
postice truncata, concava; spira manifesta; apertura lineari, antice
subito dilatata. 2 Mill. St. Thomas, Guadeloupe. — B. Petitt'i testa,
ovato-ventricosa, tenui, pellucida, virescente, laevigata, postice dila-
tata; spira nulla, imperforata; apertura lata, antice dilatata; colu-
mella simplici. 9 Mill. Cuba. — B. recta testa oblonga, cylindrica,
recta, tenui, alba, lucida, tenuiter transversaliterque substriata; spira
brevi, canaliculata; apertura lineari, recta, antice subito dilatata;
columella edentata. 3 Mill. St. Thomas^ Guadeloupe. — B. cana-
liculata testa oblongo -elongata, cylindrica, crassa, alba, trans-
versim minute striata, antice posticeque obtusa; spira convexinscula,
anfractibus quinis angustatis, canaliculatis; apertura angustata, antice
dilatata; columella crassa, uniplicata. 9 Mill. Cuba.
Eine neue Art dieser Gattung findet sich auch bei Caniraine
1. c: B. globosa testa ovato -globosa tenuissima laevi hyalina
400
siiperne triincata, sutura siibmarginata, basi umbilicaCa^ apertura
luagaa. 2'". Golf von C'agliari.
JVtidibraiicItia.
Leuckart macht Prioritäts- Ansprüche auf seinen mit Euploca-
mus identischen Namen Idalia. (Dies Archiv 1841 I. p. 345.)
Cantraine zieht 1. c. die Gattungen Euplocamus, Polycera und
Doris zusammen und unterscheidet sie nur als Unterabtheilungen.
Zwei Arten Philippi's bezieht er auf früher von ihm selbst in den
Bulletin's der Brüsseler Akademie aufgestellte, er nennt nämlich
Euplocamus croceus Phil. Doris rainosa, Doris picta (Schulz)
Phil. D. e leg aus. Zwei neue Arten werden aufgestellt: D. Va-
leiiciennesii corpore quadrilatero, laevi, coeruleo, super ne luteo
irregulariter macuJato^ lateribus imraaculatis^ pede luteo-virescente
longissimo; radiis branchialibus violaceis immaculatis septem pinna-
tis. 9". Sicilien. — D. pustulosa corpore ovali oblongo convexiu-
sculo^ superne tuberculis longitudinaliter compressis aut ovalibus
subaequalibus ornato^ luteo viride marmorato^ pallio limbo lato, ten-
taculis clavatis, ad apicem viridesceutibus; branchiis magnis octo
ramosis luteis nigro punctatis. 7i"'. Neapel.
Euplocamus laciniosus Phil. Dies Archiv 1841 I. p. 57.
Unter den Nudibrancbien sind auch einige neue britische Arten
von Thompson und Forbes in den Annais ct. aufgestellt.
Doris affinis Thomps. Ann. V. p. 85. Länglich, an beiden
Enden gleichmäsÄig abgerundet, niedrig, oben eng mit starken ver-
längerten Tuberkeln besetzt, Tentakelöffnungen ohne Scheide; Kie-
men kurz, zahlreich, gefiedert. — D.sublaevis id. ib. convex, breit
oval, glatt, Scheiden am Grunde der Tentakeln, Fuss breit, 8 lange,
feingefiederte Kiemen, weiss. 7" lang, i\"' breit. — D. Maura
Forbes ib. p. 103. Länglich, Rücken schwarz blaugefleckt, mit Tu-
berkeln bedeckt, die Fühler tragen am Grunde Tuberkeln, Kiemen
und Füss weiss. 1|".
Goniodoris Forbes Nov. Gen, Körper prismatisch, Mantel
seitlich umgebogen, hinten verkürzt, Mundlappen fast wie zwei Füh-
ler; Hinterende spitz, schwanzförmig, Kiemen frei auf dem Rücken.
Dahin werden gezogen: Doris Barvicensis Johns t., Doris pallens
und gracilis Rapp. Ausserdem eine neue Art: G. emarginat a
ovata, pallio poslice emarginato, dorso laevi, sustentaculis ovatis,
acutis. 2^'". — G. elon g ata Thomps. Ann. V. p.88, verlängert,
schmal, eine Reihe Papillen jederseits am Rücken, etwa 10 gefiederte
Kiemen.
Tritonia lactea Johnst. Ann. V. p. 88, milchweiss^ jederseits
mit sechs gabiigen und verästelten Kiemenauhängen; Mantel vorn io
4 ästige Fortsätze endend. 8'" .
Euplocamus piumosus Johnst. ib. p. 90 sehr verwandt mit
E. clavigera, hat aber nur drei gefiederte Kiemen.
401
Polycera typica Johnst. ib. p. 92^ mit vier Stirnanliäogen,
I Fühler blättrig^ Kiemenanhänge sehr entwickelt 5'".
Montagua viridis Forbes Ann. V. p. 106, elongata, alba,
branchiis elongafis viridibus apicibiis albis, in seriebus qiiinque di-
gestis, tentaculis superioribiis longioribus i".
Iiiferobraiicliia.
Zur Gattung Flenrobra7ichus, von der Cantraine 1. c,
p. 88 sq. fünf Arten aufzählt, theilte mir Hr. Philippi folgende Be->
merkung mit: PL de Haaiiii Cantr. n. sp. ist genau PL tubercu-
latus Meckel; Delle Chiaje's Art dieses Namens verdient nicht
einmal als Varietät von dessen PL Forskah'i, den Cantraine mit
Recht mit einem neuen Namen P/. testudinarius ^ belegt, getrennt
zu werden. PL aurantiacus ist nicht die Rissosche Art dieses
Namens, denn Risso giebt die Schale von PL aurantiacus als ganz
klein an, während sie Cantraine sehr gross, dick und fest nennt;
eher ist Cantraine's PL oblong us der aurantiacus Risso.
ISciitibraiicIiia.
Scissurella conica d'Orb. Yoy. t. orbiculato-conica, globu-'
losa, pellucida, transversim lamelloso-costata; spira elevata; carina
lata; apertura rotundata; umbilico magno. 2 Mill. Malwinen.
Rimula conica d'Orb. Voy. t. ovali, conica, albida, longitu-
dinaliter costata; costis inaequalibus; vertice curvo. 4Mill. Malwinen.
Die Gattung jF'2.s^Mre//a theilt d'Orbigny Voy. in zwei Unter-
gattungen nach dem Verhältniss der Schale zurGrö.sse desThiers. Bei der
ersten {Fissurella s. str.) ist die Schale so gross, dass sich das
Thier unter dieselbe zurückziehen kann, bei der zweiten {Fissu-
rellidea d'Orb. ist die Schale sehr klein, und liegt am Rücken des
Thiers als Rudiment.
Zu der ersten Abtheilung gehören die bisher bekannten Fissu-^
rellen und zwei neue: F. patagonica mit feinem Gitter und wenig
geneigtem Apex, die innere Wulst an der Spalte ist hinten abge-
stutzt, gabiig. 38 Mill. — F. Fontainiana mit erhabenen scharfen
Längs- und Querrippen, und grosser Spalte. 20 Mill. Peru. Beide
Arten sind verwandt mit jP. graeca^ von der Verf. noch die F. ne-
glecta Desh. und F. Listeri d'Orb., letztere von den Antillen, unter-
scheidet.
Zur zweiten Abtheilung gehört F. megatrema d'Orb. oval,
niedrig, fast glatt, weisslich mit violetten Strahlen, Spalte oval, gross,
innen breit gerandet. i^ Mill. Patagonien.
In die Familie der Fissurelliden stellt d'0rbign3^ Yoy. vor-
läufig die Gattung Acmaea Eschsch. (Patelloidea Ouoy; Lottia
Gray). Auch hier findet sich eine neue Art: A.subrugosa streifig
gerippt, hellgrün mit braunen Strahlen, am Rande gekerbt. 18 Mill
Brasilien.
Archiv f, Naturgeschiclile, Vlll. Jahrf^, ßtl. 2. Cc
402
Josh. Alder sucht zu erweisen, dass die Lottia j)ulchella
Forbes der Jugendzustand von Patella Virginia Müll, sei; er nennt
demnach die Art Lottia virginea, (Annais VIII. p. 406.)
Cycloliraiicliia.
Pate IIa Pretrei d' OrbignyVoy. kreisförmig konisch, 17rip-
pig, weisslich mit braunschwarzen Strahlen. 64 Mill. Chili.— P. pa-
rasitica id. ib. eiförmig, niedrig, schwach gestreift, mit grüobrau-
jien Strahlen, innen weisslich braun gefleckt, Rand schwarz gefleckt.
28 Mill. Chili. — P. arauc an a id. ib. eiförmig, niedrig, gerippt,
Rand crenulirt, bräunlich. 30 Mill. Chili. — P. maxima id. ib. oval,
vorn schmal, oben weisslich, innen glatt mit einem braunen ovalen
Fleck. 173 Mill. Peru. — P. Ceciliana id. ib. mit 13 — 16 erhabenen
Rippen, Apex ganz vorn, innen weiss, schwarz gefleckt, Hand cre-
nulirt. 16 Mill. Malwinen. — P.ancyloides Forbes (Apn.V. p.l08)
testa tenuissima, pellucida, rotundata, gibba, alba, sub lente reticu-
lata, vertice versus marginem inflexo 2'". Lamlash Bay, Arran.
Siphonaria scutellu?n Deshayes (Guerin Mag. pl. 35) ka-
stanienbraun, strahlig gerippt, Muskeleindruck rechts, zweitheilig.
35 Mill. Insel Chatam. — ^S". picta d'Orb. Voy. mit ungleichen strah-
ligen Rippen, Apex subcentral, braun, innen braun, am Rande mit
weissen Flecken. 17 Mill. BrasiÜen, Antillen. — S. lineolata d'Orb.
Cub. testa ovato-conica, supra striata, apice elevato, subcentrali,
intus fuscescenle, marginibus iutegris, lineolis nigris, radiantibus
ornata. Cuba.
Von Sowerby findet sich in den Proc. 1841 p. 61 die Beschrei-
bung einiger neuen Chitonen^ welche durch Cuming in den Phi-
lippinen gesammelt wurden.
Ch. spiniger mit zwei neuen Varietäten. — Ch. alatus grau-
grün mit braungrünen Flecken, Rand schuppig -granulirt, — Ch.
/r^f7^ca?w* Hinterschale hinten abgestuzt, Rand glatt ^", — Ch. in-
cisus Hinterschale hinten mit einem dreieckigen Einschnitt, Rand
breit mit vielen kleinen Büscheln, hinten mit einem Einschnitt 2^". —
Ch. CO ar etat US Schalen nierenförmig, gekielt, rauh, Rand glatt. 1"
Derselbe beschreibt aus derselben Gattung ib. p.l03 vier neue
von Cuming in den Philippinen gesammelte Arten: Ch. pulcherri-
mus grünlich, mit zwei rothen Rückenbinden, Mittelfelder längsge-
furcht, Seitenfelder mit drei granulirten Rippen, Rand schuppig. 1". —
Ch, laqueatus die erste Schale mit fünf Rippen verziert, die mitt-
leren mit einer Rippe, an den Seiten viereckig :j". — Ch. floccatus
hellgelb, schwarz, braun, grün und rosenfarbig gefleckt, die mittlern
Felder längs gefurcht, die seitlichen granulirt, am Rande gesägt;
Rand roth oder braun, mit weissen Flecken und Punkten, f". —
Ch. luxonicus strohgelb mit grünen Längsstreifen, die Mittelfelder
scharf längsgefurcht i".
Chiton Inca d'Orb. Voy. Rand fein schuppig, länglich, weiss-
403
lieh, fast gekielt, gleichmässig fein granulirt. 9MilI. Peru. — Ch.bi-
c OS tat US id. ib. weisslich, erste und letzte Schale strahlig gerippt^
die übrigen seitlich mit zwei Rippen, mitten punktirt; Rand feia
schuppig. 7 Mill. Chili. — Ch. tehuelchus id. ib. gekielt, braun mifc
zwei Längsbinden, die Seitenfelder der Schalen strahlig gefurcht,
gabiig , die mittleren längspunktirt gefurcht. 27 Mill. Patagonien. —
C h. Isabellei id. ib. braun gekielt, Seitenfelder der Schalen straU-
lig granulirt, Mittelfelder längs körniggestreift. 33 Mill.
Brachiopocla.
Nach einigen einleitenden anatomischen und historischen
Bemerkungen stellt Lovell Reeve drei neue Arten der Gat-
tung Lingula auf, so dass mit L, afiatina, hians Swains.,
Audebardii Brod. und semen Brod. nun 7 Arten bekannt sind.
(Proc. zool. Soc. 1841 p. 97.)
L. ovalis testa angusta, elongato-ovali, glabra quasi polita,
olivaceo-viridi; apice acuminato; valvis utrinque clausis IjV'* ^*~
terland unbekannt. — L. tumidula testa Cornea, tenuissima, rubro-
olivacea, subquadrata, versus apicem parum attenuata, umbonibus vix
prominulis^ valvis tumidulis, marginibus irregulariter reflexis äyV'.
Neuholland. — L. compressa testa Cornea, tenuissima, valde com-
pressa, fusco-olivacea, subquadrato-ovali, versus apicem attenuata,
umbonibus depressis, iudistinctis; valvis utrinque clausis lyV' Pbi~
lippinen.
Coucliifera*
Valenciennes legte der Pariser Academie seine Beob-
achtungen über die grünen Austern vor. Die grüne Farbe
findet sich nur in den Kiemen und im Darmkanal bis zum
Magen. Chemische Untersuchungen ergeben diese Färbung als
eine animale Materie, die von allen bisher bekannten verschie-
den erscheint. (Comptes rendus etc. 1841 I. p. 345.)
In einer vorläufigen Anzeige (Isis 1841 p. 218) macht
Neuwyler das Resultat seiner Untersuchungen über die Ge-
schlechtsverhältnisse der Unionen und Änodonten, welche man
neuerlich vielfach als getrennten Geschlechts angesehen hat,
bekannt. Er hält diese Thiere für Zwitter, indem er die braune
Drüse, welche Poli als ein den Kalk zur Bildung der Schalen
absonderndes Organ beschrieb, die von Mery und Bojanus als
Lunge, von Oken und den Neueren dagegen als Niere ange-
sehen wurde, für den Hoden nimmt. In den Röhrchen dieser
Drüse entdeckte Verf. die Spermatozoen; aus ihren zwei ÖflF-
Cc*
404
nungen fliesst, während die Eier durch die Ovidiicte austre-
ten, ein Schleim, der dieselben nun einhüllt.
Unio (JSio7ioco7idylea) Franciscana Moric. I. c. subtriangu-
lari-rotundata^ inflata, crassiusciila;, creberrime striata, limbo poste-
riori dilatato, niargine conipressiusculo, siilcis diiobus elevatis inunito,
fasciis tribiis viridi-nigrescentibus signato, anteriori rotundato, epi-
dermide olivaceo, natibiis obtusis decorticatis, dente crasso obtuso,
luDuIa nulla, margarita intus rosea. Brasilien. — TJ. Delphinus
Grüner s. dies Archiv 1841, F. p. 876.
Duvernoy las in der Pariser Acaderaie eine Abhandlung über
das Thier der Vngulinu rubra Daud. Nach der Bildung des Man-
tels, dem die beiden Röhren fehlen, darf das Thier nicht wie bisher
in der Nähe der Gattung Lucina stehen, ebensowenig in der Familie
der Chamaceen, welche drei Mantelöffnungen haben, sondern Verf.
will es in die Y vcmiW^ Atx Mytilaceen reihen, deren Mantel vorn offen
und hinten mit einer einzigen Öffnung für den After versehen ist.
Der Fuss ist keulenförmig. (Institut 1841 p. 381j Comptea rendus ct.
1841 2. p. 914.)
CardiumCaliforniense Deshay es GuerinMag. pl. 47, quer-
oval mit vielen knotigen Rippen. 70 Mill. Californien.
Teilina mexicana Petit de la Saussaye Rev. zool. p. 183
testa elongata, depressa, transversim striata, postice recta, angulato-
rostrata, lutescente, pallide nebulosa, radiis fulvis interruptis saepe
ornata. 43 Mill. Verwandt mit T. maculosa. Mexico.
Lovell Reeve stellte Proc. 1841 p. 85 eine neue Corbis auf:
C. Sowerbii mit erhabenen Quer- Lamellen, zwischen denen zahl-
reiche Längsstreifen 1|". Philippinen.
Erycina Fontenayi Mittre Rev. zool. p. 65 testa parvula,
tenui, pellucida, transversa, subaequilatera, rufescente, inflata, trans-
versim teuuissime striata 3". Toulon.
Tiiuicata.
Thompson fuhrt die ihm bekannt gewordenen britischen
Arten der Mollusca tunicata, 18 an der Zahl, auf (Ann. V. p. 93.)
Die Abhandlung von Milne Edwards Observations sur
lesAscidies composees des cotes de la Manche. 4. Paris 1841,
wovon bereits in den Ann. des sc. nat. XIII. p. 76 eine Anzeige
gemacht war (vergl. dies Archiv 1841 2. p. 280) ist nunmehr
erschienen. Sie ist von 8 Tafeln mit Abbildungen begleitet.
Alle hierhergehörigen Thiere haben ein schlauchförmiges Herz,
von welchem ein Gefäss zu dem gitterartigen Netz der Kiemenhöhle
führt. In dem Herzen wird das Blut durch peristaltische Bewegun-
gen während einiger Minuten zu den Kiemen getrieben, bis sich diese
Bewegung in die entgegengesetzte verwandelt, wodurch das Blut
405
von den Kiemen auf demselben Wege zum Herzen zurückkehrt»
Durch diese Art der Circulation entfernen sich die Tunicaten von den
eigentlichen Mollusken, und schliessen sich näher an die Zoophyten
an. — Die vordere Öffnung des Körpers bildet den Eingang zu dem
Kiemensack und ist zugleich Mund; während des Lebens der Thiere
steht sie meist offen und trägt am Innern Rande grössere und klei-
nere Tentakeln, welche den Zweck haben, wie ein Sieb das Eindrin-
gen grösserer Körper zu verhindern; die längsten derselben stossen
in der Mitte der Öffnung zusammen. Der Kiemensack besteht aus
Ouergefässen, welche mit dem Gefässe längs des Kiemensacks an
der Bauchseite (entgegengesetzt dem After), das abwechselnd als
Kiemenarterie und Kiemenvene fungirt, in Verbindung stehen; sie
sind durch viele Längsgefässe gitterartig verbunden. Dadurch ent-
stehen viele Maschen, welche mit Wimpern besetzt sind, und durch
sie tritt das Wasser in die Leibeshöhle, welche den Kiemensack um-
giebt, von wo es durch den After wieder ausfliesst. — Die Geschlechts -
theile bestehen aus Hoden und Eierstock, welche dicht neben einan-
der liegen; im ersteren fand Verf. Spermatozoen, aus dem letztern
sah er Eier sich entwickeln. Ausser der Fortpflanzung durch Eier
beobachtete derselbe aber auch die Vermehrung durch Knospen, so
dass demnach diese Thiere in der Jugend einfach, im Alter zusam-
mengesetzt wären. — Wegen dieser letztern Eigenschaft, und wegen
der eigenthümlichen Circulation des Blutes will Verf. die Tunicata
von den Mollusken trennen , und sie zwischen den zweischaligen
Mollusken und Polypen eine eigene Klasse bilden lassen.
Die Eintheilung in einfache und zusammengesetzte Ascidien ver-
ändert Verf. in der Weise, dass er eine dritte, zwischen beide einen
Übergang bildende, Abtheilung macht {As ddt'ae sociales) y die sich von
den A. compositae dadurch unterscheiden, dass die einzelnen Thiere
zwar durch Knospen sich vermehren, aber nicht mehr in organi-
schem Zusammenhange stehen. In die Abtheilung der Ascidiae socia-
les gehört nur die Gattung Clavelina Sav. mit sechs Arten: C. le-
padiformis Sav.; C. Rissoana Edw. mit milchweissen Linien
des Thorax und Magens, C. Savigniana Edw. mit sehr verlänger-
tem Hinterleibe, 3 — 4mal so lang wie der Thorax; C. producta
Edw. noch mehr verlängert, Thorax so lang wie breit, nur drei
Querreihen von Kiemenmaschen enthaltend; C. pumilio Edw. sehr
klein, nur 3 Reihen Kiemenmaschen, die vom Rücken nach dem
Bauche an Grösse abnehmen; C. borealis Cuv.
In der Abtheilung der Ascidiae compositae werden drei Familien
unterschieden.
1. Polycliniens. Der Körper ist deutlich in drei Theile Tho-
rax, Abdomen und Postabdomen geschieden. Herz und Geschlechts-
theile liegen in Letzterem. Hierher die Savignyschen Gattungen Si~
gellina, Polyclinum (eine neue Art P. aurantium Edw.),
Apliditim^ Sidnium, Synoicufii und eine neue Gattung Arno-
406
roucium Edw., bei denen der After in eine vielen Thieren ge-
meinsame Kloake mündet wie bei Polycliiium, und bei denen das
Postabdomen nicht seitlich an das Abdomen befestigt ist^ sondern
eine Fortsetzung desselben bildet wie bei AmpUdium. A. i)rolife-
rum Edw., albicans Edw., IS ordinanni Edw., Argus Edw.
8. Didemniens. Der Körper ist deutlich in zwei Theile, Tho-
rax und Abdomen getheilt; Herz und Geschlechtstheile liegen neben
dem Darm. Hierher die Gattungen Savigny's Distomum und Dia-
gonurriy Didemnum (mit einer neuen Art: D, g e l at in o s umEAw.)
und Eucoelium und die neue Gattung LeptoclinumKdw., wel-
che der Gattung Amoroucium bei den Polyclinien entspricht, indem
sich ihr After in eine gemeinschaftliche Kloake mündet. Mehrere
neue Arten L. maculosum^ asperuniy durum, fulgens , gela-
tinosum, Listerianum (Lister in Philos. trans. 1834 II. p. 388
pl.13 f.l).
3. Botrylliens. Ohne Abtheilungen des Körpers, die Einge-
weide liegen vorn neben dem Kiemensack. Hierher die Gattung jBo-
try litis. Verf. bildet daraus zwei Gattungen. Bei der einen {Bo-
tryllus') sind die Thiere um eine einfache Kloake geordnet, der
Körper liegt fast horizontal, bei der andern {Botrylloides) setzt
sich die Kloake in innere Kanäle fort, an deren Seiten die Individuen
in linienförmigen Reihen sich befinden. Botrylloides rotifera,
rubrum und albicans Edw., B. Leachii und rosaceus Sav.
In die Gattung Bot ryllus gehören: B. gemmeus Sav., viola-
ceus Edw., smaragdus Edw. und bivittatus Edw.
Bericht über die Forschungen in der Pflanzen-
Geographie während des Jahres 1841.
Vom
Prof. Grisebach.
Über den Einfluss des Clima's auf die Entwicke
lungszeiten der Vegetation machte A. de Saint-Hi-
laire einige Beobachtungen auf dem Wege von Orleans nach j
Trondjem (Nouv. Ann. des voyages. 1841 Dec. p. 288). Er
fand die Bevölkerung bei Orleans am 10. August mit der
Hafererndte beschäftigt, zwischen Beauvais und St. Omer den
23. August, zwischen Hamburg und Lübeck 31. August, zu
Christiania am 6. September und auf dem Wege von Christiania
407
und Trondjem in der Mitte dieses Monats. Als er hierauf
durch Hedemarken nach der Hauptstadt des Landes zurück-
reiste, liess er auch hier, wiewohl er nun nach Süden ging-,
die Erndtenden hinter sich zurück^ er war den 22. September
noch auf dem Dovrefjeld und doch lag Getraide auf den Fel-
dern, bis er in Christiania wieder anlangte. Diese wider-
sprechende Erscheinung bezieht der Verf. auf das feuchte
Clima von Hedemarken, ^vorübe^ genauere Beobachtungen nicht
vorliegen. Allein es ist gewiss, dass wegen der Kürze des
Sommers, die alle Feldarbeiten des norwegischen Landmanns
auf wenige Monate zusammendrängt, und wegen der Veränder-
lichkeit des Wetters, die zu stetem Wechsel seiner Beschäfti-
gung zwingt, auch die zur Erndte bestimmte Zeit sich viel
mehr ausdehnt, als bei uns. Länger als vier Wochen hätte
Saint-Hilaire auf demselben Gaard dieselben Bauern ihren Ha-
fer einfahren sehen können , wie es auch in andern Gebirgs ■
gegenden schon wegen der verschiedenen Lage der Felder
geschieht. Wäre er hingegen nach Bergen's Stift gekommen,
so hätte er hier in einzelnen Bezirken die Haferäcker ebenso
früh als in Orleans leer gesehen, ja in einem günstigen Jahre
am Hardanger Fjord noch früher, schon in den ersten Tagen
des August. Bei so complicirten Phänomenen, die von so
verschiedenartigen Ursachen abhängig sein können, vernach-
lässigt er diese gegen einander abzuwägen. Dasselbe Urtheil
muss man fällen, wenn er weiterhin allgemeinere Behauptun-
gen wagt, wie die, dass in der Region der Zwergbirke bei
Roeraas die Vegetation am 14. September denselben Anblick
gewährt habe, wie in Frankreich zu Anfang November: die
Zw ergbirke, welche jene Region characterisirt, wächst in Frank-
reich nicht.
In meiner Reise durch Rumelien und nach Brussa (Göt-
tingen 1841. 8) habe ich verschiedene die pflanzengeographi-
sche Theorie betreffende Beobachtungen mitgetheilt. Die Ver-
schiebung der Entwickelungszeiten der Vegetation durch clima-
tische Einflüsse ist auch in Rumelien sehr auffallend. Die
Ulme, die in Neapel schon zu Anfang Februar ausschlägt, war
in Constantinopel noch am 20. April ohne Laub. Die Eichen
und Wallnussbäume entfalteten an der Küste von Bithynien ihre
Blätter erst am Ende der ersten W^oche des Mai. So grosse
408
Anomalien, die sich nicht durcli ein ungewöhnlich verspätetes
Frühjahr erklären lassen (I. S. 32), sind um so auffallender,
als die immergrüne Vegetation an den Ufern des Bosporus
mit der Küstenflora des südlichen Italien in den Grundzügen
übereinstimmt. Ich habe die Vermuthung geäussert, dass die
Ursache in der Jahrescurve der Temperatur liegen möge, je-
docli diese Ansicht aus Mangel an meteorologischen Beobach-
tungen nicht weiter begründen können. Seitdem sind mir
Turner's und Delmars Wärmemessungen in Constantinopel
bekannt geworden, die für jene Meinung sprechen. Die Jah-
reswärme beträgt hiernach 13*^, 8 C, entspricht daher der von
Verona, einer Stadt, die beinahe 4^ Grade nördlicher liegt,
während Neappl fast unter gleicher Polhöhe eine mittlere Tem-
peratur von 16*^, 7 C. besitzt. Aber diese grosse Abnahme der
Wärme nach Osten findet fast nur während des Winters statt;
denn die Sommerwärme ist in Neapel 23^, 9 C, in Constan-
tinopel 22«, IC; die Winterwärme in Neapel ,9", 9 C, in
Constantinopel nur 5*^, 2 C. Wenn nun die Ulme in Paris
zu einer Zeit ausschlägt, wo die tägliche Wärme auf 7*^ steigt
(20. März), so wird es begreiflich, dass sich in der Entwicke-
lung dieses Baumes eine so ungemeine Versclüedenheit zwi-
schen Constantinopel und Neapel zeigt: denn schon in Rom
ist die Temperatur des kältesten Monats 7^, 3 C, also hinrei-
chend den Saft der Ulme in Bewegung zu setzen. Anderer-
seits hängt das Vorkommen immergrüner Holzgewächse, wie
der Coccuseiche, die sich von der Provence bis nach Bithy-
nien verbreitet, von ganz andern climatischen Bedingungen ab,
z. B. von dem Maximum der Winterkälte, und so können bei
der unendlichen Mannigfaltigkeit der Jahrescurven die Erzeug-
nisse verschiedener Climate an demselben Puncto der Erde
vereinigt werden. — Eine andere, nicht näher erklärte Ver-
schiebung der Entwickelungszeiten beobachtete ich am Scar-
dus, dem albanisch-macedonischen Grenzgebirge. Hier blühte
Castanea vesca, wodurch die unterste Waldregion bei Calcan-
dele gebildet wird, in der Mitte des Julius, nachdem ich die-
sen Baum an der Küste von Thracien, z. B. auf dem Cher-
sones bei Migalgara schon zwei Monate früher blühend ge-
sehen hatte.
Was den Einfluss des Climas auf die Socialität der Ge-
409
wachse betrifft, so habe ich in dem Wachsthum der süd-
europäischen Gramineen eine Eigenthiinilichkeit nach-
gewiesen, die, ohne näher erörtert zu sein, früher Einige zu
der Ansicht geführt hatte, dass in dem Becken des Mittelmeers
die Wiesenformation bereits ganz fehle. Natürlich ist hiebet
nur die Küstenregion im Bereich der immergrünen Gesträuche
gemeint, da bekanntlich die Gebirge den Cyclus der nordi-
schen Formationen vereinigen. Auf der Reise durch Thracien
und Macedonien traf ich in der Region der Coccuseiche
(0' — 1200') socielle Gramineen in drei verschiedenen Forma-
tionen. 1) Am häufigsten war die Formation der jähri-
gen Gräser. Diese bilden, entweder aus Individuen einer
Art oder aus verschiedenen Arten zusammengesetzt, weite
Grasflächen, die, weil die Rasenbildung ihnen ganz fehlt, phy-
siognomisch mit Wiesen gar niclit zu vergleichen sind. Solche
Anhäufungen von Fhleiim tenue bedecken einen Theil des Var-
darbeckens, im Chersones bei Enos sah ich diese Formation
aus Arten von Stipa, Aegilops, Phleum u. a. zusammengesetzt.
Hiebei habe ich nachgewiesen , dass die Küsten des Mittel-
meers überhaupt viel reicher an annuellen Gramineen sind,
als IMitteleuropa ; von 85 Arten, die durch ganz Südeuropa
verbreitet sind und diesseits der Alpen fehlen, sind 53 mono-
carpisch, 32 perejuiirend, während Deutschland unter 171 Gra-
mineen nur 49 monorcarpische und 122 perennirende besitzt.
2) Kräuterwiesen habe ich die an den südeuropäischen
Küsten gleichfalls sehr verbreitete Formation genannt, wo der
physiognomische Character der Wiesen durch Zunahme von
dicotyledonischen Kräutern verdeckt wird, die nicht bloss in
der Zahl der Arten, sondern auch in der IVIasse der Individuen
die Gräser übertreffen. Der hiedurch bedingte Gegensatz fällt
sehr in die Augen, wenn man die Hochebene von Chalcidice
besucht. Hier sieht man am Meere Kräuterwiesen, die beson-
ders an Leguminosen reich sind, nach wenigen Stunden er-
reicht man die ausgedehnten Bergwiesen, wo die Gräser sich
ebenso üppig entwickeln wie in Nordeuropa. 3) Endlich findet
man in wasserreichen Niederungen auch wirkliche Wiesen an
an der Küste, wo perennirende Gräser, meist mit kriechen-
dem, Rasen treibenden Rhizom die Hauptmasse der Vegeta-
tion bilden. Eine solche Wiese, aus südeuropäischen Grami-
410
iieeii und Cyperaceen zusammengesetzt, sah ich am Ufer des
Meers auf Tassos bei Casavi. Von dieser BeschaflFenheit sind
auch die berühmten Wiesen nn Thalgrunde der süssen Wasser
bei Constantinopel. In grösserm Umfange breiten sie sich an
der Mündung der Maritza aus und hier enthalten sie zum
Theil gemeine Wiesengräser des Nordens, wie Poa pratensis
und Dactylis glomerata.
Man schreibt dem Inselclima allgemein einen Einfluss
auf die Vermehrung der Farn- Arten zu. Ich habe dar-
auf aufmerksam gemacht, dass die Ins-eln des Archipel hievon
eine Ausnahme machen. Ihr trockener, waldloser Felsboden
erfüllt die Bedingungen der Farn - Vegetation nicht. Unter
26 Arten seiner Flora graeca erwähnt Sibthorp keiner ein-
zigen, die im Archipel heimisch wäre. Bemerkenswerther ist,
dass auch auf der Halbinsel des Hajion-Oros nur 7 Farn-Arten
aufgefunden sind, da diese, durch Feuchtigkeit und Bewaldung
den Inseln des Archipel entgegengesetzt, die Verbreitung der
Farne auf das Höchste begünstigen müsste, wenn diese wirk-
lich in allen Breiten durch ein Inselclima angezogen würden.
Der Einfluss des Bodens auf die Vegetation ist
seit der Begründung der pflanzengeographischen Forschungen
vielfach untersucht, die Resultate sind entgegengesetzt, so dass
De Candolle jeden Zusammenhang zwischen dem geognosti-
schen Substrat und der Verbreitung der Gewächse leugnete,
während Unger Verzeichnisse von Pflanzen zusammenstellte,
welche nur in Kalk- oder Schiefer-Alpen vorkommen. E. Meyer
hat in dieser Beziehung auf die Umgegend von Göttingen von
Neuem aufmerksam gemacht (Regensb. Flora 1841 S. 495),
ein Gebiet, auf dem der Muschelkalk und bunte Sandstein
sich vielfältig gegen einander abgrenzen und entschieden auf
das Vorkommen der Gewächse einwirken. So wurde auch
gerade hier zuerst, schon vor länger als fünfzig Jahren, durch
Link auf jene Frage der wissenschaftliche Blick gerichtet und
namentlich auf die Abhängigkeit der Steinflechten von der
Beschaffenheit ihres Substrats trefifend hingewiesen. E. Meyer
führt an , dass in der Göttinger Gegend z. B. Turgenia lati-
/olici, Orlaya grandiflora, Linum te7iuifolium. fast nur auf
Kalk, andere dagegen wie Herniaria glahra, Nardus stricta,
Sanguisorla officinalis auf Sandstein vorkommen. Aus einer
411
grossen Reihe von Gewächsen, die hier ihrer Gebirgsart treu
bleiben, sind vom Verf. nur wenige Beispiele herausgehoben,
Link hatte schon die wichtigsten Thatsachen gesammelt. So
sehr nun, fährt E. Meyer fort, IMuschelkalk und bunter Sand-
stein durch ihre Vegetation getrennt erscheinen, so wenig ist
dies der Fall mit dem Basalt, der, von Thonboden bedeckt,
einzelne Berge dieser Gegend zusammensetzt. Dieser ernährt,
wo er verwittert ist, zwar eine üppige, aber keine eigenthüm-
liche Vegetation. Da nun der Thonboden sich so wesentlich
in seinen physikalischen Eigenschaften von andern Bodenarten
unterscheidet, so schliesst der Verf. hieraus, dass der Einfluss
des Bodens auf die Verbreitung der Pflanzen nicht auf seinem
Aggregatzustande, auf seiner Feuchtigkeit und ähnlichen Ver-
hältnissen, sondern auf seiner chemischen Qualität beruhe.
Solche Schlüsse müssen durch ein grösseres Gewicht von
Thatsachen begründet werden. Die Gegend um Göttingen for-
dert zu solchen Beobachtungen besonders auf, allein es würde
mich zu weit abfülu-en, wenn ich diesen Gegenstand hier wei-
ter erörtern wollte und ich bemerke nur, dass die Vegetation
unserer Basaltberge, mir, wenn nicht reich an seltenen For-
men, doch eigenthnmlich und deutlich gegen benachbarte und
mit einer verschiedenen Erdkrume bedeckte Höhen characte-
risirt erscheint. Allein das Terrain des Sandsteins wird auch
sehr häufig von einer thonreichen Erdkrume bedeckt und dann
werden freilich für die Phanerogamen die Bedingungen gleich,
während am anstehenden Gestein die Eichenen entweder ihrer
Gebirgsart folgen oder mit der Änderung des Substrats eine
verschiedene Form annehmen. Dieser Gesichtspunct war es,
den ich im Delta der Maritza durch specielle Beobachtungen
näher zu begiHinden versucht habe. Das Plateau des Tekir-
dagh unweit der Dardanellen besteht aus Sandsteinen, aus Kalk
und aus Mergelschiefern. Eine sehr einförmige Vegetation
bekleidet den grössten Theil desselben, allein fast überall wird
das Gestein durch einen schweren, rothen Thonboden von den
Pflanzen getrennt. Erreicht man zuletzt die kleine Stadt Rusköi,
wo der Thon in einen sandigen Lehmboden übergeht, ohne
dass das geognostische Substrat sich ändert, so scheint es, als
beträte man einen botanischen Garten: ein solcher Reichthum
von bisher nie bemerkten Kräutern stellt sich plötzlich dem
412
Auge dar. Es ist klar, dass die Bodeiibeschaffenheit nicht
allein vom geognostischen Substrat, sondern auch von den
Niveauverliältnissen wesentlich bedingt wird. Bei Enos fand
ich ein wüstes Terrain in der Nähe der Maritzamündung, wo
in Folge der Bewässerung und der Berührung mehrerer geogno-
stischer Formationen eine ganze Reihe verschiedener Boden-
arten, deren Fläche mit Kräutern und Gräsern bewachsen war,
sich gegenseitig scharf begrenzte. Diesen Grenzen entsprachen
mit gleicher Schärfe gewisse Änderungen der Vegetation. Der
sandige Kiesboden trug annuelle Gräser; hierauf folgte ein
humoser Lehmboden, dicht mit kleinen Trifolien von vielerlei
Formen bekleidet ( Tr. recUnatum, lappaceum, striatum^ Cher-
leri, nidificiitn) ; die Vegetation eines kiesreichen Lehmbodens
bestand vorzüglich aus Anthemidecn ; zuletzt bedeckten wieder
annuelle Gräser eine Fläche, die aus humosem Thonboden
bestand, aber diese Gräser waren von denen des sandigen
Kiesbodens durchaus verschieden. Die Grenzen der Vegeta-
tion stinnnen nicht mit den Grenzen des Porphyrs, eines san-
digen Comglomerats und des Alluviums überein, welche theils
das feste Substrat der Erdkrume bilden, theils durch ihre Nähe
und weitere Entwickelung auf die BeschaflFenheit derselben ein-
wirken. Aus diesen Beobachtungen zog ich den Schluss, dass
der Botaniker nicht mit der geognostischen Charte in der
Hand Beobachtungen über die Verbreitung der Gewächse an-
stellen, sondern von der Hypothese ausgehen müsse, dass jede
Bodenart eine gewisse Zahl eigenthümlicher Pflanzen besitzt.
Als ich später die macedonischen Gebirge bereiste, hatte ich
Gelegenheit zahlreiche Beobachtungen über die verschiedene
Vegetation von benachbarten Kalk- und Granitbergen zu machen.
So liegen der Nidge und Peristeri sich gerade gegenüber,
jener besteht grösstentheils aus Marmor, dieser aus Granit.
Es ist bekannt, dass die geognostischen Formationen oft schon
an der äussern Gestalt der Berge, die von ihrer Bildungsweise
abhängt, eigenthümlich ausgeprägt sind. Hierdurch werden
wieder die Bewässerung, der Process der Verwitterung, die
Anhäufung der Erdkrume und manche andere Vorgänge be-
dingt. Man darf daher, wenn man die Pflanzenverzeichnisse
von Kalk- und Granitbergen vergleicht, hieraus nicht sogleich
auf den Einfluss dieser Gebirgsarten vermöge ihrer chemischen
413
Qualität, ihrer stützenden und ernährenden Wirksamkeit Schlüsse
bauen. Die Vegetation des Nidge ist sehr verschieden von
der des Peristeri, allein jener Berg ist bis zur alpinen Region
bewaldet, dieser ist nackt: dieser Gegensatz rührt vielleicht
von historischen Ereignissen her, aber er ist wichtiger für die
Verbreitung der Gewächse, als die Verschiedenheit des geogno-
stischen Substrats. Im nördlichen Scardus wiederholten sich
diese Erscheinungen. Nur ein geringer Theil der alpinen Ge-
wächse, welche die baumlose Region bewohnen, kommt zu-
gleich auf der Ljubatrin und Kobelitza vor, zwei Bergen, die,
beide über 7000^ hoch, wenige Stunden von einander entfernt
liegen. Jener besteht aus Kalk, dieser aus Glimmerschiefer,
aber dem Schiefer ist an einigen Orten Kalk nesterförmig ein-
gelagert: dennoch fehlen der Kobelitza Drijas octopetala und
eine Paronychia, die durch socielles Wachsthum breite Gürtel
an der Ljubatrin characterisiren , und von den beiden Bergen
gemeinsamen Alpenpflanzen wachsen an der Kobelitza ebenso
viele auf Schieferboden, als auf Kalk. Hiebei bemerke ich,
dass die botanischen Eigenheiten einzelner Gebirgsgipfel , wie
sie fast jede Alpe mit ihren Nachbarn verglichen darbietet,
bisher in der pflanzengeographischen Theorie ganz unerklärt
gebliebene Phänomene einschliessen.
Martins hat sich mit der allgemeinen Untersuchung der
europäischen Gebirgsregionen beschäftigt. (La delimi-
tation des regions vegetales sur les montagnes du continent
europeen. Paris 1840. 14 pag. 8.) Man soll die Grenzen der
Regionen nicht climatisch bestimmen, weil die climatischen
Factoren nicht genau bekannt sind. Man soll socielle Ge-
wächse zur Characteristik der Regionen anwenden und auch
diese nach gewissen Cautelen ausw^ählen. Es wären hiebei die
Culturpflanzen auszuschliessen, weil ihre verticale Verbreitung
oft durch zufällige Umstände bedingt ist; man soll vorzugs-
weise Gewächse zu diesem Zweck benutzen, deren Tempera-
tursphäre gering ist. Nach diesen richtigen Grundsätzen fällt
es einigermassen auf, dass die Liste von Pflanzen, deren Ni-
veaugrenzen hiernach zunächst zu berücksichtigen wären, von
dem Verf. ziemlich willkürlich entworfen ist und jedenfalls
sehr unvollständig erscheint. Martins schlägt nämlich folgende
Pflanzen zu solchen Vergleichungen vor: Phoenix, Nerium,
414
Pinus Pinea, halepensls, Olea, Lavanfhdd, Thymus vulgaris,
Casta7iea und Juglans für die warme Region der europäischen
Flora ; Fagus, Pimis sylvestris, Älies, Picea, uncinata^ Cemlra,
Rhododendron, Betula alba, nana, Alnus viridis, A%alea pro^
cumhens, Ranunculus pyrenaeus und einige andere alpine Pflan-
zen für die obern Vegetationsgürtel. — Ich habe für das süd-
liche Europa drei Regionen angenommen, die nicht bloss durch
einzelne, socielle Gewächse, sondern auch "durch den physio-
gnomischen Character der ganzen Vegetation begrenzt sind
und die dem Zweck einer solchen Eintheilung, nämlich zur
Vergleichung verschiedener Gebirge zu dienen, wegen ihrer
Allgemeinheit entsprechen. Übrigens müssen in jedem beson-
dern Falle die örtlichen Einflüsse auf die Niveaugrenzen die-
ser Regionen, die so grossen Änderungen, unterworfen sind,
erforscht werden: dies habe ich speciell auf die Erscheinung
angewendet, dass in Südenropa die Baumgrenze überall weit
tiefer liegt, als das Clima erwarten lässt (Bd. 1 S. 354 — 361).
— Die Küstenregion wird durch die verticale Verbreitung
immergrüner Holzgewächse bestimmt, die Waldregion enthält
die mitteleuropäischen Formen, die alpine Region liegt zwi-
schen der Baum- und Schneegrenze. Von diesem Gesichts-
puncte bin- ich bei der Beschreibung der macedonischen Ge-
birgsflora ausgegangen. Freilich zerfällt die mitteleuropäische
Region auf bewaldeten Bergen noch in mehrere Pflanzengür-
tel, die so scharf getrennt sind, dass bei Weitem die Mehr-
zahl aller Gewächse an deren Grenzen gebunden ist. So
folgen sich am Athos die Wälder von Quercus pedunculata,
Pinus Laricio und Pinus Picea, am Nidge Quercus Cerris,
Fagus und Pinus uncinata. Die Änderung des Baumschlags
bewirkt hier einen Wechsel in allen Schattenpflanzen, der es
gestattet eine grössere Reihe von Regionen durch deren Flora
zu unterscheiden und auf das Speciellste zu characterisiren.
Aber der Zweck der Eintheilung wüirde hiedurch nicht geför-
dert werden: auf unbewaldeten Bergen, wie am Peristeri,
treffen wir diese Gliederung der mitteleuropäischen Region
nicht wieder. Hier finden nur allmählige Übergänge in der Ve-
getation statt, es fehlen jene Scheidepuncte, die sowohl auf
die Hauptmasse der Gewächse, auf den Wald, als auch auf
alle übrigen characteristischen Formen ihre Wirkungen äussern.
415
Auf unbewaldeten Bergen kann man für viele einzelne Pflan-
zenarten die climatische Skale ihrer Verbreitung beobachten,
in bewaldeten Gebirgen nur die der wenigen Waldbäume, die
auf die übrigen Gewächse einen zu grossen Einfluss äussern,
als dass dadurch deren Niveaugrenzen nicht enger zusammen-
gedrängt werden könnten, als die natürliche Folge desClima's sein
würde. — Wenn dasselbe Gewächs, frei nach seiner climati-
schen Sphäre verbreitet, auf entlegenen Gebirgen zugleich vor-
kommt, so ergeben sich aus dessen Grenzen climatologische
Schlüsse von Wichtigkeit. Ich habe gefunden, dass der Athos
ungefähr in der Mitte steht zwischen dem Ätna und dem Süd-
abhang der Alpen: dieselbe Pflanze kann 700' höher am Athos
ansteigen, als auf den Alpen, 700' tiefer bleibt sie unter dem
Niveau zurück, das sie am Ätna erreicht. Für Macedonien
habe ich zu diesem Zweck das Niveau folgender Gewächse
angegeben, die sich zu Vergleichungen besonders eignen:
Quercus coccifera 0' — 1200', Qu. Esculus 850' — 1350', Ca-
staneavesca 1200' — 3000' (0' — 3000': nur zufällig nicht unter
1200' beobachtet), Tilia argentea 1200'-— 1500', Quercus pe-
dunculata und apennina 1200' — 4670', Qu. Cerris 1250' — 2650',
Fagus sylvatica 1200' — 5540', Pinus Picea 1700' — 5250', P,
Laricio 3500' — 4500', P. uncinata 3400' — 5540'?, P.Cemhra
2400' — 6100', Juniperus Oxycedrus 0' — 4600', /. communis
4400' — 5540', Berheris cretica 4500' — 5250', Pteris aquilina
0' — 4600'.
I. Arktische Zone.
Die Sammlungen von Vahl und Martins auf Spitzber-
gen haben zu einer vollständigem Kenntniss der Vegetation
jener hochuordischen Insel geführt. Wegen eines besondern
Umstandes, der neuerlich zu Irrungen Anlass gab, ist zu be-
merken, dass die beiden genannten Pflanzenforscher zusammen
reisten und dieselbe Ausbeute besitzen. Ein von Vahl bear-
beitetes, systematisches Verzeichniss derselben ward von Lind-
blom zu einer umfassendem Übersicht benutzt und bei dieser
Gelegenheit vollständig publicirt (Botaniska Notiser 1840 nr. 9
s. vor. Jahresb.). Martins besass dieses Verzeichniss gleich-
falls, traf in den Bestimmungen der Phanerogamen mehrere
Veränderungen und Hess es dann bei der Herausgabe seiner
416
Gletscherbeobachtnilgen niitabdrncken. Durch diese verschie-
dene Bestimmung gleicher Pflanzenarten ist die spitzbergische
Flora scheinbar um mehrere Arten reicher geworden, als dort
bisher gefunden sind. Da nun Beilschmied bereits aus den
beiden genannten Quellen eine Enumeratio locupletior zu-
sammengestellt hat (Regensburger Flora 1842 p. 481), so ist
diese hiernach zu berichtigen. Spitzbergen besitzt nur siebzig
Phanerogamen. Von diesen sind nach Beilschmied 33 auch
auf der amerikanischen Melville-Insel einheimisch, von welcher
R. Brown 67 Phanerogamen bestimmte. Die Vegetation Spitz-
bergens begreift folgende Familien: 4 Ranunculaceen {Ranun-
culus)\ 13 Cruciferen (darunter Q Drabae)\ 10 Caryophylleen ;
4 Dryadeen; 11 Saxifrageen; 2 Synanthereen; 3 Polygoneen;
3 Saliceen ; 3Junceen; 12 Gramineen; einzelne Repräsentanten
aus den Papaveraceen, Ericeen, Scrophularineen , Empetreen
und Cyperaceen. Nur sehr wenige unter diesen Gew^ächsen
sind der Insel eigenthümlich , die meisten sind auch auf den
arctischen Continenten beobachtet. Von den alpinen Pflanzen
des mittlem Europa kommen folgende Arten in Spitzbergen
vor : Ranunculus glacialis, Cardamine hellidifolitty Silene acau-
lis, Spergtda sagmoides, Cerastium alpijiumy Dryas octopetalUy
Potentüla nivea, Saxi/raga oppositifolia, caespitosa, ?iivalis,
hieracifolia Kit., ahoides, cernua, Polygonum niviparum, Oxy-
ria reniformis Hook., 8alix reticulata, hey^hacea, Eriophorum
capitatum Host., Aira suhspicatd. Aus der Flora der mittel-
europäischen Ebene verbreiten sich nur folgende Gewächse
nach Spitzbergen: Cardamine pratensis, ' Cochlearia officinalis,
danica, Cerastium vulgatum , Chrysosplenium alterni/olium,
Saxifraga Hirculus, Empetrum nigrum, Calamagrostis striata
P. B., Poa alpina, pratensis, Festuca oüina, imhra. — Unter
150 von Lindblom aufgezählten Cryptogamen sind: 1 Lycopo-
diaceen, 2 Equisetaceen, 50 Laubmoose, 7 Lebermoose, 62 Flech-
ten, 19 Algen und .9 Pilze.
Die arktischen Carices wurden von dem verstorbenen
Drejer bearbeitet (Kroyer's naturh. Tidskrift 3. S. 423— 480).
iL Europa und Nordasien.
v. Ledebour hat begonnen die Flora des ganzen russi-
schen Reichs synoptisch zu bearbeiten (Flora rossica sive
4
417
Ennmeratio plantarum in totiiis imperii rossici observatarum.
Vol.I. Fasel. Stiittgartiae 1841. Fase. II. 1842.) Der Verf.
theilt dieses grosse Ländergebiet in pflanzengeographischer Be-
ziehung in 16 Provinzen, von denen 6 diesseits, 10 jenseits
des Ural liegen. Die Grenzen dieser Provinzen sind folgende:
1. Arctisches Russland bis zum Polarkreise.
2. Nördliches Russland von da bis zur Nordgrenze der
Eiche.
3. Mittleres Russland bis zur Nordgrenze des Weinstocks.
4. Südliches Russland bis zur Südgrenze des Reichs, mit
Ausschluss der Krim und der caucasischen Länder.
5. Krim.
6. Caucasus südlich vom 45° N. Br. und von den Mün-
dungen des Kuban und Kuma.
7. Uralisches Sibirien vom Ural bis zum Ob und unterm
Irtisch.
8. Altaisches Sibirien bis zum 115** O.L. von Ferro oder
bis zur Wasserscheide zwischen Jenisei und Angara.
9. Baikalisches Sibirien im Norden bis zur Lena, im Sü-
den bis über den Baikal hinaus.
10. Davurien, das südöstlich vom vorigen gelegene Gebiet.
11. Östliches Sibirien bis zur Westgrenze des folgenden
Gebiets und Kamtschatka.
12. Land der Tschuktschen.
13. Arctisches Sibirien jenseits des Polarkreises.
14. Kamtschatka.
15. Inseln zwischen Sibirien und America.
16. Americanisches Russland.
Die statistischen Verhältnisse der bisher abgehandelten Fa-
milien, bei deren Begrenzung und Anordnung der Verf. meist
dem De Candolle'schen Systeme folgt, sind: Ranunculaceen
228 Arten, am zahlreichsten im Altai und Caucasus; Meni-
spermeen, nur M. davuricum von Davurien bis zum obern
Jenisei; Berberideen 9 Arten, vorzüglich am Caucasus und im
südlichen Russland ; Nelumboneen : N. speciosum var. caspicum,
von Carelin auch im Aral gefunden; Nymphaeaceen 7; Papa-
veraceen 20, von denen 18 am Caucasus; Fumariaceen 32;
Cruciferen 393, von diesen 187 am Caucasus, 162 in Süd-
russland, 125 am Altai, 91 im mittlem Russland, -90 in der
Archiv f. Natgrgeschichte, VJll. Jahrg. 2. Bd. D d
418
Krim, abnehmend nach Osten und Norden; Capparideen 4 Ar-
ten, alle am Caucasus; Resedaceen 6; Datisceenl; Cistineen 10,
jenseits des Ural nur Helianthemum soongoricmn ; Violarieen 39,
am zaldreichsten am Altai und Baikal; Droseraceen 9, unter
diesen die in Litthauen vorkommende Aldrovcmda vesiculosa\
Frankeniaceen 8; Polygaleen 8; Sileneen 147; Alsineen 124;
ElatineenS; Lineenl9; Malvaceen 28, von denen 24 am Cau-
casus ; Tiliaceen 6, bis zum Altai verbreitet, unter diesen auch
die in Podolien und Cherson vorkommende Tilia argentea^
Hypericineen 24; Acerineen 8, nur vom mittlem Russland zum
Caucasus und bis in das uralische Sibirien verbreitet; Hippo-
castaneen: Aesculus Hippocastcmum nach Eichwald in Imere-
tien einheimisch; Ampelideen: Vitis vinifera in der Krim und
den caucasischen Ländern ; Geraniaceen 53 Arten.
Die von v. Ledebour vorgeschlagene und auf die Areale
vieler endemischer Pflanzen begründete Eintheilung des russi-
schen Reichs in phytogeographische Provinzen, findet eine in-
teressante Beleuchtung in der wichtigen Abhandlung des Gr.
V. C an er in über Russlands climatische Verhältnisse, die von
Erman übersetzt worden ist. (Dessen Archiv für wissenschaft-
liche Kunde von Russland 1841 S. 702.) Der Verf. entwirft
nach der Verschiedenheit des Clima's und der Bodencultur
eine Eintheilung des Reichs in acht Zonen/ Diese sind fol-
gende :
1. Die Zone des Eisclima's begreift die nördlichsten Theile
von Sibirien und Nowaja-Semlja, die unbewohnt sind und nur
zum Zweck der Robbenjagd und Fischerei besucht werden.
Deren Südgrenze liegt nach Erman unter 74°, 5.
2. Doch geht sie allmählig in die Zone der Rennthier-
moose über. Die von Eichenen über gefrorenem Boden be-
wachsenen Tundry's characterisiren diese Region, das Renn-
thier macht sie bewohnbar. Fischerei und Jagd auf Polar-
thiere ergänzen den Mangel an Nahrungsmitteln. Die Südgrenze^
durch das Auftreten der Coniferenwälder bezeichnet, scheint
mit einiger Schärfe nicht angegeben werden zu können, weil
der Übergang von den Tundry's zu den arktischen Gesträu-
chen, zum Krummholz und weiter zu den Lärchen- und ^yeiss-
tannen-Wälderii allmählig eintritt.
3. Zone der Wälder und Viehzucht. Im nördlichen Theil
419
ist die Jagd in ungeheuren Nadelwäldern die Hauptbeschäfti-
gung des Menschen, die Häufigkeit der Eichhörnchen entschei-
det oft über den Werth von einzelnen Gegenden. Südwärts
herrscht die Viehzucht, von der z. B. die meisten Bewohner
des Innern von Finnland leben, im Verhältniss zum Reich-
thum an fruchtbaren Grasflächen vor, bis allmählig der Acker-
bau versucht wird.
4. Die Zone der Gerste reicht südwärts ungefähr bis zum
63®, z.B. bis Jarensk im Gouv. Wologda. Die Physiognomie
der Natur, durch ausgedehnte Wälder, grosse Flüsse und herr-
liche Wiesen ausgedrückt, entspricht der vorigen Zone. Auch
reicht der beginnende Getraidebau noch nicht zur Ernährung
der Bewohner aus.
5. Zone des Roggen und Lein. Sie erstreckt sich unge-
fähr bis zum 51^. Freilich ist dieses grosse Gebiet rücksicht-
lich seiner Erzeugnisse weder gleichartig noch auf die ange-
gebenen beschränkt, aber die Modificationen des Clima's, wel-
che diese Verschiedenheiten zur Folge haben, sind nicht be-
deutend genug, um den allgemeinen Character der natürlichen
Hülfsquellen zu verändern. Auch sind sie in einem so ebenen
Lande weniger local, als von geographischen Verhältnissen
abhängig, wie die Gegensätze der Jahreszeiten, die mit dem
Abstände von der Ostsee sich steigern.
6. Die Zone des Weizens und der Baumfrüchte erhält
diesen Namen wie die vorige nach den beiden wichtigsten Er-
zeugnissen, ohne dass diese auf das Gebiet allein beschränkt
wären. Gr. Cancrin nennt diese Zone die Kornkammer des
Reichs. Zugleich schliesst sie aber auch die grossen Steppen
ein, denn die climatischen Gegensätze sind hier weit grösser
als in der vorigen Zone. Die Ursachen des Holzmangels der
Steppen erblickt der Verf. in der ungemeinen Cohäsion der
Erdkrume, deren häufigem Salzgehalt und der Dürre des Cli-
ma's, die, wie sich nachweisen lässt, auch hier von der Aus-
rottung ehemaliger Wälder mitbedingt ist. Man unterscheidet
sandige, salzige und grasige Steppen. Der physiognomische
Character der letztern wird an einem andern Orte in Erman's
Journal (S. 693) auf folgende Weise bezeichnet. Von den
Ufern des Dnjepr bis dicht an die Gärten von Sympheropol
findet man nirgends grünenden Rasen von einiger Ausdehnung.
Dd*
420
Die Gräser wachsen nur fleckweise nnd nur auf einem Dritt-
theile der gesammten Oberfläche. Das Übrige bedeckt sich
nur im Friihlinge mit zarten Kräutern^ die bald versengt einen
todten Boden zurücklassen.
7. Die Zone des Mais und der Reben umschliesst Bessa-
rabien, Neurussland, das Land der Doniscl>en Kosaken, Astra-
chan und das Caucasische Gebiet. Ein grosser Theil dieser
Länder besteht gleichfalls aus Steppen. Die Südkiiste der Krim
gehört zur folgenden Zone.
8. Die Zone des Ölbaums, der Seide und des Zucker-
rohrs begreift das transcaucasische Russland. Das Zuckerrohr
hat man erst wieder angefangen an der Mündung des Kur
zu bauen.
Aus dieser Zusammenstellung lässt sich entnehmen, in
wie fern pflanzengeographische Eintheilungen eines Länder-
gebiets, von verschiedenem Standpuncte unternommen, den-
noch in den Hauptresultaten zusammentrefi'en können.
Um die Vermehrung climatologischer Daten über das rus-
sische Reich haben sich Kupffer und Koppen verdient ge-
macht. Kupffer liess meist aus langjährigen Beobachtungen
die mittlem Werthe für die Temperatur verschiedener Punkte
des europäischen Russland berechnen (Memoires de l'acad. de
St. Petersbourg 1841 p. 215), Koppen mass viele Quellen-
temperaturen in der Krim (daselbst p. 383). Hiebei wird auch
beiläufig erwähnt, dass die Baumgrenze in der Krim nach En-
gelhardt's und Parret's Messung bei 4050' liegt, wodurch die
Resultate meiner Untersuchung über die Baumgrenze in Süd-
Europa bestätigt werden.
Über die Flora der russisch-chinesischen Grenzländer er-
schienen im verflossenen Jahre wiederum wichtige Arbeiten
Der Catalog der auf Carelin's im vorigen Berichte erwähn-
ten Reise im Altai gesammelten Pflanzen ist bereits publicirt
und enthält 959 Arten (Enumeratio plantarum a. 1840 in regio-
nibus Altaicis et confinibus collectarum. Auetoribus Gr. Ka-
relin et Joh. Kirilow: im Bulletin de la Societe imperiale de
Moscou 1841 p. 369 — 459, 703 — 870). Die in diesem Ver-
zeichnisse enthaltenen neuen Beiträge konnte v. Ledebour erst
bei dem zweiten Hefte seiner russischen Flora zu benutzen
anfangen. In dem ersten Hefte sind hieraus folgende Novitäten
421
einzuschalten: Thalictrum 7nicropodu7n und agreste; Adonis
u'olgensis in der Soongarei ; Aquilegia lactiflora, Berheris sphae-
rocarpa, Ni/rnphaea punctata, Conjdalis Ledehouriana; Älyssum
micranthum F. M. am Tabargatai; Sysimhrium tenuissimuni
und ßavissimum, Isatis frutescens, Stroganmvia {Velleä) hra-
chi/ota und sagittata. Die meisten dieser neuen Arten sind
vom Tabargatai.
Die im vorigen Jahresberichte schon erwähnte Abhandlung
über die Vegetation der Gegend des obern Irtisch und Saisang-
Nor von Bongard und L. A. Meyer ist jetzt ebenfalls er-
schienen (Memoires de l'academie imperiale de St. Petersbourg.
Sc. natur. 1841 p. 157 — 246). Sie gründet sich auf 331 von
Politoff gesammelte Pflanzen. Die neuen Arten, nicht mehr
als 19, sind beschrieben und fast sämmtlich abgebildet. Die
Gegenden, wo der Sammler den Sommer 1838 verweilte,
sind: die beiden Ufer des Irtisch, unterhalb und hierauf ober-
halb des Saisang, den jener Fluss durchströmt, ausserdem
das Land zwischen demselben und dem Tabargatei. Kraut-
artige Pflanzen mit ausdauernder Wurzel (Stauden) sind in
diesen Gegenden vorherrschend. Unter 290 Dicötyledonen
sind 40 kleine oder nur massig hohe Sträucher. Bäume sind
selten. Die meisten Gewächse kommen zugleich am Altai oder
in der Kirgisensteppe vor. Am zahlreichsten sind die Synan-
thereen (45), unter diesen sind 8 Arten endemisch. Hierauf
folgen die Leguminosen (32), bei Weitem der Mehrzahl nach
(25) Astragaleen, und unter diesen noch 5 neue Formen, wie-
wohl die Hälfte der übrigen erst in der Flora altaica publicirt
worden war. So reich ist Centralasien an Astragalen, ebenso
wie die Caucasusläuder und Anatolien, wo jedoch die strauch-
artigen Tragacanthen vorherrschen, die in der Soongarei ganz
fehlen. Die Cruciferen (29) und Chenopodeen (26) zeigen
meistentheils den Salzboden der Steppe an. Unter den erstem
ist ein grosser Theil monocarp, nur 3 sind endemisch; auch
unter den letztern ist mehr als die Hälfte einjährig, und wie-
wohl sich die meisten bis zu den caspischen Steppen verbrei-
ten, so fehlen doch in der Soongarei die Salsoleensträucher,
die dort mit ihnen vereinigt sind, fast gänzlich. Die übrigen
artenreichern Familien sind: Borragineen (15), Labiaten (J4),
Polygoneen (11), grossentheils endemisch und strauchartig,
422
Rosaceen (12), Umbelliferen (10), Liliaceen (12), darunter
9 Arten von Alliiim und nicht eine Tulipacea. Manche sonst
in der altaischen Flora reiche Familien sind hier kaum ver-
treten, wie die Rubiaceen, Gentianeen, Saliceen, Irideen u. s. w.
In denselben Gegenden machte im Jahre 1840 im Auf-
trage der russischen Regierung Schrenk eine botanische Reise,
die sich indessen viel weiter ausdehnte und eine reichere Aus-
beute lieferte. Der Reisende ging von Semipalatinsk nach
Süden zum See Balchasch, drang in die chinesische Provinz
lli zum Alatau vor, wo er zwei der höchsten Spitzen dieses
über 12000' hohen Gebirgs bestieg, wendete sich von da zum
See Alakul, wo er die Nichtvulcanität des bekannten Aral-tube
späterhin nachwies, endlich untersuchte er die Vegetation des
Tabargatai. Die ganze Pflanzensammlung Schrenk's enthält
gegen 900 Arten, sie wurde von Fischer und C. A. Meyer
bereits systematisch bearbeitet und es ergaben sich nicht weni-
ger als 75 neue Formen, die dieselben vollständig beschrieben
haben (Enumeratio plantarum novarum a Schrenk lectarum a
Fischer et Meyer. Petropoli 1841. 1 Heft von 113 Octavsei-
ten). Im Allgemeinen herrschen auf dem bezeichneten Gebiete
in den Steppen die Pflanzen der Umgebungen des Saisang-
Nor, in den Gebirgen die des Altai vor. Es treten aber auch
ausser so vielen endemischen noch Formen auf, die auf eine
Verwandtschaft der Flora mit entfernten Ländern von Asien
hinweisen. In dieser Rücksicht heben die Verf. folgende Er-
scheinungen hervor. Gemeinsam mit der Flora der caspischen
und Wolga- Steppen sind: Apocyttum sibiricum, PterococcuSy
Calliphysa, Eremosparton {ßpartkmi) aphyllum, Nitraria^ Del-
phinium camptocarpum , Heliotropiuni dasycarpum , Euclidium
tataricum, Salsola Arhuscula, Scahiosa Olivieri, Orohcmche cu-
mana, Passer Ina vesiculosUy Rumex Marschallümus, Karelinia ;
andere neue Arten erinnern an ähnliche, die jener Flora an-
gehören, w^e Calophaia Hove7iii , Älhagi Kirghisorum u. s. w.
Ähnliche Beziehungen lassen sich zur Flora des Caucasus und
Persiens nachweisen: Beispiele gemeinsamen Vorkommen sind
hactuca undulata, Centaurea iherica u. a., Scandix pinnatifida,
Rosa herherifolia , Lepyrodiclis stellarioides , Verhascum Orien-
tale, Diantims crinitus, Elymus criiiitus, Tunica st riet a, Al-
lium saxatile, Ge?itiana umhellata, Polygonum alpestre, Lotus.
423
strictus^ Cerastium inßatum. Einige neue Gewächse sind For-
men des Hiinalajah ähnlich, wie Myricaria alopecuroides, Wa/i-
lenbergia clematülea, Corydalis Gortschakovii, Echenais Slever-
sii, Pedicularis rldnanthoides , Aplotaxis sorocephala, Lepto-
r habdos mici'antha, ScoMosa songarica. Zugleich in Japan wächst
Plem'oplüis Langsdorffiana\ — Die neuen, in das erste Heft
von Ledebour's Flora rossica noch nicht eingetragenen Arten
sind: Odontwrhena hirta, Chorispoixi BungeanUy Physolepidion
repens (^Lepidica), Lepidium so7igaricum, L, desertorum, Cory^
dalis Goi'tscliokovii, Berheris heterojmda, Ranunculus /raternus,
Bunge hat mehrere neue Arten von Jurinea beschrieben,
die in den Steppen zwischen der Wolga und Soongarei ein-
heimisch sind (Regensb. Flora 1841 S. 153).
Die schon im vorigen Jahresberichte erwähnte Arbeit von
Seh renk iiber's Hochland ist erst jetzt in den auf Veranlas-
sung der Petersburger Academie von v. Baer und Helmer-
sen herausgegebenen Beiträgen zur Kenntniss des russischen
Reichs publicirt (Petersb. 1841. 4). Ich habe indessen dieses
Werk noch nicht erhalten.
Wichtige Hiilfsmittel zur Kenntniss der skandinavischen
Flora bieten die Sammlungen getrockneter Gewächse dar, wel-
che Fries besorgt, und wovon bis zum Schlüsse des Jahrs
schon 7 Centurien herausgegeben sind. (Herbarium normale
Sueciae. Fase. VH. üpsaliae 1841.) Ebenso hat Arese houg
3 Hefte getrockneter Algen publicirt, welche 84 Arten ent-
halten. (Algae Scandinaviae exsiccatae. Fase. HI. Gothen-
burg 1841.)
Blytt beschrieb seihe im Jahre 1837 in das südöstliche
Norwegen, besonders in das Thal des Glommen unternommene
botanische Reise (Magazin for Naturvidenskaberne. Ohne An-
gabe des Jahrgangs. S. 241 — 276). Vergleicht man die Ve-
getation dieser sandigen, grossentheils von Fichten und Tan-
nenwäldern bedeckten Gegenden mit der am Christiania-Fjord,
so bemerkt man einen in die Augen fallenden Unterschied, der
keinesweges von der ungleichen Erhebung des Landes, son-
dern allein von dem Unterschiede der geognostischen Forma-
tion herrührt. Im Thal des Glommen oberhalb Kongsvinger
fehlen alle weichlichem Laubhölzer zugleich mit vielen der
auf dem Thonboden des Schiefergebirgs und auf dem Über-
424
gangskalk vorkommenden Gewächse. Dagegen treten wenige
von der dortigen Vegetation verschiedene Arten hier zuerst
auf, nur einige Carices {C. aquatilis und livida), Juncits sty-
gius und Malaxis. Die ganze Anzahl der Phanerogamen in
Aggerhuus-Stift beläuft sich auf ungefähr 1000 Arten. Unter
diesen sind etwa 60 Litoralpflanzen , 120 alpine Gewächse,
allein auch von den übrigen fehlen in der Flora von Oudalen
und Solöer (Gebiet des Glommen) nicht weniger als 470. So
enthält das vollständig mitgetheilte Verzeichniss der zwischen
Kongsvinger und Nygaard vorkommenden Phanerogamen nur
350 Arten. Hiemit steht auch der Reichthum an Cryptogamen
im Verhältniss, es fehlen die Laubmoose der Laubwälder, die
Lichenen des anstehenden Gesteins, wie die Algen des Meers.
B. spricht allgemein den Grundsatz aus, dass, wo die phane-
rogamische Flora arm sei, auch die Cryptogamen abnehmen:
allein dies ist gerade im Norden von Skandinavien durchaus
nicht der Fall, wie sich z. B. aus der trefflichen Abhandlung
Sommerfeldt's über den Bezirk von Saltdalen ergiebt. — Die vor-
herrschenden Gräser der Sandformation am Glommen sind wie
in Deutschland: Agrostis spica venu, canina, vulgaris, stoloni-
fercif Agropyrimi repens var. , mehrere Cala7?iagrostis - Arien,
Festuca ovina u. s. w. , vereinigt mit Erigeron acre. Die
häufigsten Sumpfgewächse sind: Carex chordorrhi%a , leporirui,
acuta, glohularis, Scirpus caespitosus, Baeothryoii, Eriophora,
Juncus acutißorus, rarißorus, hufonius, uliginosus, Scheuchze-
ria, Gym7iadenia conopsea, Betula nana, Calla, Alisma, Pota-
mageton, Nyniphaea u. s, w. — Beobachtete Pflanzengrenzen
sind: Carex glohularis südlichster Standort bei Skydmoe etwa
300' hoch; Ruhus arcticus, eine in Norwegen äusserst seltene
Pflanze, findet sich bei 900' unweit Leuften auf dem Wege
nach Eidsvold, dann erst wieder, so viel ich weiss, in Gul-
brandsdalen; Convallaria multi/lora verbreitet sich nord-
wärts bis Braanaas, Galium trifidmn südwärts bis Christiania.
— Die interessantesten Pflanzen, die Blytt auf dieser Reise
beobachtete, sind: Coleanthus subtilis auf überschwemmtem
Thonboden am Ufer der Nittedalselv in der Ebene (während
die sehr ähnliche Phippsia algida ähnliche Standorte auf dem
alpinen Plateau von Hardanger bewohnt); Carex Blyttii Fr.
(C. Loliacea var. te?iella Bl.) und Glyceria remota Fr. in
425
Aamodt; ebenda auch in Gesellschaft von Milium die neue
Blijttia suaveoletis Fr. {Cinna pendula Trin.), welche zuerst in
Gulbrandsdalen im Jahre 1836 endeckt ward und mit einer
von Bunge am Baikal und von Mertens auf Sitcha gefunde-
nen Cinna für identisch erklärt worden ist. '
Lindblom setzte seine früher in der Linnaea publicirten
Untersuchungen über die skandinavischen Draben fort (Bidrag
til kännedomen af de Skandinaviska arterna af Slagtet Draba.
Stockh. 1840).
Drejer publicirte Beiträge zur Kenntniss der dänischen,
insbesondere auch der jütischen Flora (Nogle Bidrag til den
danske Flora in Kroyer's naturhist. Tidskrift 3. S. 409 — 422.
Ferner: Endnu et Par Bidrag til den danske Flora: daselbst
S. 496). In dem Kroyer'schen Journal wurden auch Fundörter
seltener dänischer Gewächse von einer ungenannten Gesell-
schaft mitgetheilt (daselbst S. 395 — 408).
Über die Flora der Shetlaudsinseln erhielten wir einen
Catalog von Edmonston, der 236 meist durch ganz Mittel-
europa verbreitete Phanerogamen enthält (Annais of natural
history V. 7. p. 287). Ausserdem werden Fbius Picea und
Conjlus als ausgerottet angeführt. Die Inseln scheinen jetzt
fast baumlos zu sein, indem nur die Birke und Eberesche
vorkommt. Characteristische Gewächse sind: Pulrnonaria ma-
ritima, Anagallis tenella, Ligusticum scoticum, Scilla verna
überall häufig, Erica ci?iej'ea, Silene maritima, Draba incana,
Arahis petraea, Pisum maritimum, Carex hinervis. Die arkti-
sche Vegetation besteht aus folgenden Arten : JlchemiUa alpina,
A%alea procumhens, Juncus trifidus und triglmnis, Arbutus al~
pina, Saxifraga oppositifolia , Silefie acaulis , Arenaria no?ve~
gica, Cherleria sedoides, Cerastium lati/olium, Thalictrum al-
pinum, Saussurea alpina, Carex recurva, Salix herbacea, Rko-'
diola rosea.
Balfour und Babington berichteten über die Resultate
einer botanischen Reise nach den Hebriden in der Edinburgher
bot. Gesellschaft (Annais of nat. bist. V. 8. p. 541). Sie unter-
suchten vorzüglich North Uist, Harris und Lewis, wo sie 290
Phanerogamen und 21 vaskuläre Cryptogamen fanden. Die
Gebirge des Forest of Harris erheben sich wenigstens zu 3000'
und besitzen doch nur sehr wenige alpine ' Gewächse. Als
426
characteristische Erzeugnisse dieser Inseln werden erwähnt:
Pinguicula lusitanica, Thalictrum alpinum , Salix lierhacea,
Aira alpinciy Samsurea alpiiia, Lu%ula spicata, Arcibis petraea,
Silene acaulis, Juncus halticus und Hymenophyllum Wilsoni
auf der Jiöchsten Felsspitze der Inseln. Auffallend ist die
Menge der Farne, von denen 14 Arten vorkommen. Nur halb
so viel wachsen nach Edmonston auf den Shetlands-Inseln.
Von der zweiten Ausgabe von Sowerby's English Bo-
tany waren 1840 bereits 332 und vom Supplement sind jetzt
52 Nummern erschienen. — Im Auftrage der botanischen Ge-
sellschaft in Edinburgh wurde ein durch alle neuen Entdek-
kungen vervollständigter Catalog der britischen Flora von
Balfour, Babington und Campbell herausgegeben (Cata-
logue of British plants 1841). Derselbe enthält 1594 Phane-
rogamen und 55 Farne.
Woodward lieferte ein Verzeichniss von Nachträgen zu
Mann's Catalog der Flora von Norwich (Annais of nat. hist.
V. 7 p. 201— 206); Munford einen 722 Phanerogamen zäh-
lenden Catalog des Districts Marshland im westlichen Norfolk
(daselbst V. 8 p. 171 — 191); Babington einige neue Bei-
träge zur irländischen Flora (daselbst V. 6 p. 328).
Einzelne Abtheilungen der britischen Flora wurden in fol-
genden Schriften abgehandelt:
Wilson, Notes and Notices in reference to British Mu-
scology (Hookers Journal of Botany V. 3 p. 374 — 387).
Harvey, a Manual of the British Algae. London 1841, 8.
Die Form dieses Handbuchs ist der von Smith's English Flora
ähnlich. Dasselbe enthält 30 neue Arten. Der Verf. hat die
Algen nicht bloss in Grossbritanien, sondern auch in der war-
men Zone selbst beobachtet und verbreitet sich auch über
Gegenstände, die seinem W^erke ein allgemeineres Interesse
verleihen. Unter Anderm spricht er seine Meinung über die
auch in diesem Archiv öfter behandelte Frage nach dem Ur-
sprünge der Sargasso-See aus. Er fand das im offenen Meere
fluthende Sargasso nicht in dichten Massen, sondern streifen-
artig in grosser Länge über den Ocean verbreitet. Ein sol-
cher Streifen war 10 — 20 Yards breit. Nie habe die Pflanze
zu Sargassum vulgare gehört, ^vie alle frühern Beobachter
behaupten, sondern stets zu *S'. bacciferum. Die erstgenannte
427
Art wird freilich in vielen tropischen Gegenden an felsigen
Küsten gefunden, die andern hingegen hat man niemals befe-
stigt gesehen, nur schwimmend auf hohem Meer. Über den
Ursprung derselben weiss man noch immer nichts Bestimmtes,
es ist zwar wahrscheinlich, dass sie losgerissen wird, aber
keine der an den Küsten vorkommenden Formen, von denen
H. so viele systematisch untersucht hat, entspricht dem Sar-
gasso genau. Dass es auf hohem Meere indessen vegitirt und
Äste bildet, ist gewiss: zerreissen diese durch die Bewegung
des Meers, so kann die Zahl der Individuen dadurch unend-
lich vermehrt werden, aber Früchte tragen sie niemals. End-
lich stellt H. die Hypothese auf, dass S. lacciferum vielleicht
nur eine oceanische und unfruchtbare Varietät von S, vulgare
sein möchte; denn ganz ebenso verhielten sich die britischen,
auch nur im sch^vimmenden und sterilen Zustande gefundenen
Fucus Mackai/i und F. halticus zu ihren Stammeltern : F. no-
doses und F, vesiculosus. — \\\ einer Recension des Harvey-
schen Werks theilt Sir W. Hooker die interessante Notiz mit,
dass die Naturforscher der letzten Südpolarexpedition die Kü-
sten des neuen Continents in jener hohen Breite völlig von
Algen entblösst fanden.
Berkeley setzte seine Beiträge zur britischen Mykologia
fort (Annais of nat. hist. V. 6 p. 355—365 und p. 430—439).
Watson las in der Edinburgher botanischen Gesellschaft
über die geographische Verbreitung der britischen Farne (Ann.
of nat. hist. V. 7 p. 213). Er nimmt an, dass ihre Zahl sich
zu der der Phanerogamen wie 1 : 35 verhält. Dasselbe Ver-
hältniss ergebe sich aus den britischen Localfloren. Dagegen
schwanke es auf benachbarten Inseln und Continentcn zwischen
1:25 und 1:67.
Von systematischen Arbeiten über die niederländische
Flora sind zu erwähnen:
Van Hall, nieuve Bydragen tot de Nederlandsche Flora
(in v. d. Hoeven's Tijdschrift 1841 S. 203). Enthält Nach-
träge zfi des Verf. Flora Belgii septentrionalis.
Von Miquel's Flora batava, einem Kupferwerke nach
dem Muster der English Botany, erschien die 125. Aflevering.
Die Lieferung enthält 5 Kupferplatten.
Van den Bosch, Enumeratio plantarum Zeelandiae
428
Belgicae iiidigeiiaruin (in v. d. Hoeveii's Tijdschrift 1841.
S. 1 — 55).
Dozy Bydragen tot de Flora leideiisis (daselbst S. 260).
Aufzählung der Laub- und Leber-Moose.
Für das Gebiet der deutsclien Flora sind zuerst wieder
als die thätigsten Förderer von deren Systematik Koch und
Reichenbach zu bezeichnen. Koch setzte seine Nachträge
zur Synopsis Florae germanicae auch im verflossenen Jahre
fort (Regensburger Flora 1841 S. 417, 513). Von Reichen-
bach's Icones Florae germanicae erschien die fünfte Cen-
turie, welche die Callitricheen, Euphorbiaceen, Empetreen, Ru-
taceen, Zygophylleen, foriaceen, Hippocastaneen, Staphylea-
ceen, Acerineen, Malvaceen, Geraniaceen und den grössten
Theil der Alsineen enthält. Von der bei Hofmeister unter
Reichenbach 's Aufsicht herauskommenden Flora Germaniae
exsiccata war im Jahre 1840 die achzehnte Centurie vollendet.
Ein die norddeutsche Flora grösstentheils umfassendes Kupfer-
werk ist die Flora borussica von A. Dietrich, von welcher
bis jetzt 9 Bände mit 648 Kupfertafeln erschienen sind.
Lang mann publicirte eine Flora der beiden Grossher-
zogthümer Mecklenburg (Neustrelitz 1841. 8). In der Einlei-
tung behandelt Brückner einige pflanzengeographische Ver-
hältnisse; er unterscheidet in Mecklenburg 5 Vegetationsgebiete
rücksichtlich des Bodeneinflusses, indem er characteristische
Gewächse für den Haide-, Sand- und den Weizen tragenden
Boden, so wie für die Eibufer und die Küste der Ostsee
aufzählt.
Von A. Dietrich ist die erste Hälft« einer Flora mar-
chica herausgegeben (Berlin 1841. 8), doch soll nach v. Schlech-
tendaFs Zeugniss die Vegetation der Mark Brandenburg noch
keineswegs genau untersucht sein.
Göppert lieferte einen 750 Phanerogamen enthaltenden
Catalog der bei Altwasser unweit Schweidnitz gefundenen
Pflanzen (in Wendt's Beschreibung der Heilquellen zu Alt-
wasser 1841. 8). Die von G. für das Riesengebirge angenom-
menen Pflanzenregionen weichen von denen, die Wimmer fest-
stellte (s. vor. Jahresbericht), bedeutend ab. G. hat zuerst
eine Region der Ebene bis 1000'; diese begrenzt W. erst bei
1500', indem er die Verbreitung der Eiche und Kiefer dabei
429
zu Grunde legt. Die Region des Vorgebirgs bei G. entspricht
riicksiclitlich der obern durch das Ai^ftreten des Krummholzes
bestimmten Grenze dem mittlem Pflanzengiirtel W.'s. Den obern
Gürtel desselben theilt G. mit Recht in die Region des Krumm-
holzes (3600^ — 4400') und in die baumlose, subalpine Region
oberhalb 4400'. Bei der Willkiihrlichkeit solcher Bestimmun-
gen erscheint es zweckmässiger, von den Verbreitungsbezirken
einzelner Characterpflanzen auszugehen und aus diesem Grunde
dürfte W.'s Eintheilung für die untern Regionen Schlesiens den
Vorzug verdienen.
Die Flora des Bieuitz von Petermann (Leipzig :I841 16)
ist der Pflanzencatalog eines kleinen Waldes in der Gegend
von Leipzig, der wegen seines coupirten Terrains durch Man-
nigfaltigkeit der Vegetation sich auszeichnet, indem daselbst
784 Phanerogamen gefunden sind.
Hampe lieferte einige Nachträge zu seinem Catalog der
Harzflora (Linnaea 1841 S. 377); Böckeier schrieb über
einige im Oldenburgschen vorkommende Gewächse (Regens-
burger Flora 1841 S. 210); Arendt publicirte einen zweiten
Nachtrag seiner Scholia Osnabrugensia, worin zu Meyer's
Chloris hanoverana Standorte Osnabrück'scher Pflanzen hin-
zugefügt werden.
Müller gab eine Flora Waldeccensis et Itterensis heraus
(Brilon 1841 8). Deren Gebiet umfasst namentlich die höhern
Erhebungen des Westerwaids, dessen Vegetation bisher wenig
untersucht war und bei einer mittlem Höhe von mehr als
2000' manches Eigenthümliche erwarten lies. Einige seltenere
Pflanzen dieser Gegend sind: Ällium strictum bei Wildungen,
Lilium hulbiferum, Thesium alpinum, Lonicera nigra, Valeri-
ana samhucifolia , Thlaspi montanuni (wahrscheinlich ist es
Thl. alpestre), Aconitum Napellus. — Strehler gab eine
Übersicht der um Ingolstadt wildwachsenden phanerogamischen
Pflanzen (Ingolstadt 1841).
Von Localbeobachtungen im Rheingebiete wurde im vori-
gen Jahre Mehreres publicirt: eine Flora bonnensis von
Schmitz und Regel (Bonn 1841 8) nebst einer Einleitung
über die topographischen Verhältnisse der Umgegend von Bonn
und einer Vergleichung der Vegetation mit der von Breslau;
eine Flora des Regierungsbezirks Coblenz von Wirtgen
430
(Coblenz 1841); die schon im vorigen Jahresberichte erwähn-
ten Beiträge zur Characteristik der Flora des Nahethals von
Bogenhard (Regensb. Flora 1841 S. 145), wo etwa 1800'
hohe Gebirgskiippen auf dem kahlen Gipfel nicht selten mit
einer dicliten Vegetation von Digitalis lutea y grandißora und
purpurettf aucli mit hybriden Formen untermischt, bekleidet
sind; Bemerkungen über einige seltenere Pflanzen des Mittel-
rheins von Bach (Regensb. Flora 1841 S. 715); ein Catalog
der in der Rheinpfalz gefundenen Phanerogamen von König
(der botanische Führer durch die Rheinpfalz. Mannheim 1841, 8).
Reissek schrieb Beiträge zur Flora Mähren's (Regensb.
Flora 1841 S. 673). Beobachtete Pflanzengrenzen sind: Cle-
matis integrifolia aus Ungarn und Österreich auf den March-
wiesen bis Hradisch ; Cimicifuga foetida im mährischen Mittel-
gebirge bei Slaup ; Dentaria glandulosa aus dem nördlichen
Ungarn durch die schlesischen Carpaten bis zu den Gebirgen
des Prerauer Kreises im nördlichen Mähren und von da west-
lich bis zum Gesenke; Trinia Kitaihelii aus Ungarn bis zur
Bojanowitzer Haide zwischen Göding und Mutenitz in der
Nähe der March ; Co7iioselinuni Fischeri auf den Felsen des
Carlsdorfer Hochfalls ; Eryngiuni planum auf den Marchwie-
sen; Erythraea linariifolia aus Ungarn an der Älarch und
Thaia bis Nikelsburg und Muschau; Ew^otia ceratoidesQ. k.M.
bei Znaim. — Auf einzelne Localitäten beschränkte Selten-
heiten der mährischen Flora sind: Ceratocephalus beide Arten
bei Selowitz; Aconitum Anthora bei Znaim; XantUum spino-
sum, Verhascum ruhiginosum, Orohanche coerulescens und pro-
cera, Thesium divaricatum, Gagea pusilla.
Von S aller ist eine Flora Oberösterreichs (Linz 1840, 8)
herausgegeben, bei deren Benutzung die critischen Bemerkun-
gen von Brittinger (Regensb. Flora 1842 Litt. S. 12) nicht
zu übersehen sind. Sauler lieferte Beiträge zur Kenntniss
der Pilze des Oberpinzgaues im Salzburgschen (Regensburger
Flora 1841 S. 305). Von localem Interesse sind die botani-
schen Wanderungen durch die steierischen Alpen von v. Wei-
den (daselbst S. 241).
Das Gebiet der Schweizer-Flora behandeln:
Lagger, neue Entdeckungen im Canton Tessin (Regens-
burger Flora 4841 S. 129).
431
Nägeli die Cirsien der Schweiz (Neue Denkschriften der
Schweiz. Gesellschaft für Naturwissenschaft Bd. 5). Diese
scharfsinnige Abhandlung enthält einen besondern Artikel über
die geographische Verbeitung der Cirsien, allein da der Verf.
von eigenthümlichen Ansichten über den SpeciesbegrifF ausgeht
und namentlich verschiedene Arten nicht selten schon deshalb
für Varietäten hält, weil sie nicht auf gleichem Standorte oder
neben einander gefunden werden, so lassen sich seine Resul-
tate nicht wohl mit den hergebrachten Begriffen vereinigen.
Über die französische Flora sind uns im vorigen Jahre
keine besondern Publikationen bekannt geworden. Desma-
zieres fuhr fort die neuerlich in Frankreich aufgefundenen
Cryptogamen abzuhandeln (Ann. sc. natur. V. 15 p. 129 — 146).
Von Schultz Flora Galliae et Gerraaniae exsiccata waren
schon im Jahre 1840 vier Centurien ausgegeben.
Von Boissier's Kupferwerk über die Flora von Gra-
nada (s. vor. Jahresbericht) sind jetzt 20 Lieferungen erschie-
nen). Der Catalog reicht damit schon bis zur Mitte der Gra-
mineen und enthält 1743 Nummern. jLeider ist der interessante
Reisebericht, von dem viele pflanzengeographische Resultate zu
erwarten sind, noch nicht weiter fortgesetzt. Die Ergebnisse
der systematischen Abtheilung -werden wir erst nach der Voll-
endung derselben zusammenstellen.
Von Bertoloni's Flora italica ist der vierte Band
vollendet (Bologna, 8.), der bis zum Schlüsse der zehnten Classe
des Sexualsystems reicht. Seitdem ist auch das erste Heft
des fünften Bandes herausgekommen.
Schouw legte der dänischen Gesellschaft der Wissen-
schaften eine Abhandlung über die Verbreitung der italieni-
schen Coniferen vor (Oversigt over det-Selskabs Forhandlinger
i Aaret 1841). Nach den Regionen vertheilen die Species sich
folgendermassen : 1) Immergrüne Region: Phviis Pinea, Pifia-
ste?^, halepensis ; Ju?üperus Oxycedrus , phoenicea-, Ctipi'essus
sempervirens. An der Grenze dieser Waldregion P. hrutia
Ten. Mit den obern Regionen gemeinsam Jun. cominunisy
und Oxycedrus. 2) Waldregion: P. Laricio, sylvestris^ Äbies,
Picea, Larix, Cembra; Juniperus Sabina, Taxus laccata.
3) Subalpine Region; Pitius Pumilio und Juniperus nana.
432
Pariatore publlcirte Bemerkungen über einzelne italieni-
sche Pflanzen (Ann. sc. natur, V. 15 p. 294).
Die Moose der römischen Flora wurden von der Gräfin
Fiorini-Mazzanti untersucht (Specimen Bryologiae roma-
nae. Romae 1841 8); die Lebermoose Toscana's von Raddi
(Jungermanniographia etrusca. Bonnae 1841).
Bertoloni beschrieb eine botanische Reise nach den
nördlichen Apenninen (Iter in Apenninum bononiensem. Bonon.
1841 4). Ich kenne diese Schrift nur aus der Recension in
der Linnaea. Hier wird angegeben, dass Bertolini in diesem
Gebirge, wo der Corno alle Scale sich zu 5963' erhebt, drei
Regionen unterscheidet, die der Castanie, der Buche und die
baumlose Region, an deren Nordabhang sich der Schnee oft
bis in den Sommer erhält. In dieser alpinen Region findet
man gegen 200 Pflanzenarten : allgemein verbreitet sind daselbst
Nardus stricta und Vciccinium Myrtillus.
In der zweiten Ausgabe von des Grafen Marmor a Werk
über Sardinien (Voyage en Sardaigne. 2 Vol. 8. Turin 1839.
1840) ist eine pflanzengeographische Characteristik diesel Insel
enthalten.
Von Biasoletto ward eine Beschreibung der Reise des
Königs von Sachsen in Dalmatien herausgegeben, der ein Ca-
talog der gesammelten Pflanzen angehängt ist (Relazione del
Viaggio fatto nella primavera delF anno 1838 dalla Maestä
del Re Frederico Augusto di Sassonia nell' Istria, Dalmazia
e Montenegro. Trieste 1841 8). Da im gegenwärtigen Jahre
der erste Band der Flora dalmatica von Visiani herausgekom-
men ist, so scheint es angemessen den Bericht über unsere
gegenwärtigen Kenntnisse von der Dalmatischen Flora noch
aufzuschieben.
Die in Griechenland gebauten Culturgewächse sind aus-
führlich, jedoch ohne systematische Specialuntersuchung, von
Fiedler dargestellt (Reise durch Griechenland, Leipzig 1840,
1841 2 Bde. 8). Hier werden auch die griechischen Holzge-
wächse aufgezählt, doch ohne strenge Sonderung der einhei-
mischen und acclimatisirten. Diese Arbeit scheint die Nach-
richten von Sibthorp und von der französischen Commission
nicht wesentlich zu erweitern.
Von S i b th o r p s Flora graeca war unter L i n d I e y ' s
433
Redaction 1840 der zehnte Band erschienen, den ich indessen
noch nicht, gesehen habe. Hiemit ist dieses Werk, welches die
grösste Zierde der botanischen Tconographie bildet, ohne Zwei-
fel ganz vollendet, da jeder Band 100 Tafeln enthält und nach
den Citaten des Prodronius florae graecae die letzte Tafel die
966ste ist, welche Cheilanthes suaveoletis darstellt.
Auf dem Vegetationsgebiete des südöstlichen Europa habe
ich meine eignen Arbeiten zu erwähnen, die in der rumelischen
Reisebeschreibung enthalten sind. Durch die Verbreitung der
immergrünen Vegetation zerfällt die Flora der europäischen
Türkei in zwei climatische Provinzen, deren Grenzen ich mög-
lichst genau zu bestimmen versucht habe. Bosnien, Serbien
und die bulgarisch-wallachische Ebene, die zwischen den Car-
pathen und dem Balkan zum schwarzen Meere sich ausdehnt,
besitzen keine immergrünen Formen und bilden daher die mit-
teleuropäische Provinz der rumelischen Flora. Südeuropäische
Gewächse zeigen sich am schwarzen Meere zuerst bei Varna
am östlichen Abhänge des Balkan. Von hier aus bildet eine
immergrüne Region überall den Küstensaum des Landes, die
mit ihren südlichen Culturgewächsen nur an wenigen Puucten
tief in das Innere von Rumelien einschneidet, weil die Gebirge
und Hochebenen der weitern Verbreitung solcher Gewächse
entgegenstehen. In Thracien und Macedonien reicht oft schon
eine Meereshöhe von 1200' hin, um die Cultur des Ölbaums,
um die inunergrünen Eichen von den vegetabilischen Erzeug-
nissen des Bodens auszuschliessen. Die Thäler der Maritza
in Thracien und des Värdar in Macedonien sind tief gelegene
Einschnitte in dieses gebirgige Land, in denen die Reiscultur
bis zum 42" N. Br. reicht. Aber am obern Vardar findet man
in dieser Breite die immergrünen Sträucher der Küste nicht
mehr, wiewohl das Becken von Ueskueb nur 5 — 600' über
dem ägäischen Meere liegt. Hier drückt die Kälte des Win-
ters der Vegetation auch in der Ebene das Gepräge höherer
Breiten auf. Ahnliche Verhältnisse zeigen sich auch noch an
der Westseite des Scardus im nördlichen Albanien, wo das
tief gelegene Becken des weissen Drin zwischen dem Scardus
und Bartiscus (den Alpen von Ipek) die Formen der heissen
Region von Dalmatien nicht mehr besitzt, die doch an der
nordalbanischen Küste gegen 1500' zu einem ungefähr doppelt
Archiv f. Naturgeschichte. VIII. .Tahrg^. Bd. 2. Eg
434
so hohen Niveau ansteigen. Denn in dem Drinbecken liegt
Prisdren nur 700' über dem adriatischen Meere. Für die süd-
lichen Provinzen von Rumelien , die ich nicht selbst bereist
habe, suchte ich die Verbreitung der immergrünen Sträucher
und der Olivencultur nach literarischen Quellen zu bestimmen
(Bd. 2 S. 369 — 373), in Thracien, Macedonien und Nordalba-
nien habe ich diese Grenze meistentheils selbst zu beobacliten
Gelegenheit gehabt.
Während der Flussschifffahrt auf der untern Donau fielen
mir einige hervorstechende Eigenthümlichkeiten der dortigen
Flora auf, über die wir fast nur den Catalog von Czihak
als allgemeinern Anhaltspunct besitzen. Dahin gehört die
grosse Verbreitung von Eichensträuchern mit abfallendem
Laube, die schon an den Donauufern im Bannat und Serbien
zu bemerken ist und die für die ganze Flora von Rumelien
eine grosse Bedeutung hat. Die auf diese Weise sociell über
weite Strecken vereinigten Arten sind verschieden, aber ihr
physiognomischer Typus ist derselbe: Albanien besitzt Quer-
cus puhescens, IMacedonien und Thracien Q. Esculus und Q.
apennina, Bithynien Q. in/ectoria, überall finden sich auch
Formen von Q. pedunculata. An der Donaumündung werden
die zahlreichen Inseln des Delta oft durchaus von Arundo
Thragmites bedeckt, einer Grasart, die schon in Ungarn ein
viel grösseres W^achsthum zeigt, als im westlichen Europa.
Es ist auffallend, dass dieselbe Formation auch am caspischen
Meere, namentlich im Delta der Wolga, in ähnlichen grossen
Vegetationsmassen auftritt, worüber Er man einige Nachrich-
ten mittheilte (Archiv für Russland 1841 S. 109) und es zu-
gleich wahrscheinlich machte, dass diese Schilfwälder auch dort
aus Arundo PJiragmites gebildet werden, ich mache hier auf
einen historischen Irrthum aufmerksam , der leicht falsche Be-
griffe über die Flora der untern Donauländer hervorrufen
könnte. Bekanntlich hat Willdenow viele neue und seitdem
meist wenig bekannter gewordene Pflanzen von Sestini publi-
cirt und mit dem Vaterland Galatia bezeichnet. Dies sind
entschieden südlich orientalische Formen. Sprengel behauptete,
diese Pflanzen seien bei Galacz an der untern Donau gesam-
melt. Der Catalog der Moldaupflanzen von Czihak enthält
keine derselben und trägt überhaupt das Gepräge der mittel-
435
europäischen Flora. In den Quellen nachforschend erhielt ich
die Gewissheit, dass Sprengel sich geirrt hat und dass jene Pflanzen
ungefähr im Centrum von Kleinasien au/ der Reise nach Bas-
sora von Sestini gesammelt sind: hier nennt er das Gebirge
Aladagh ausdrücklich den Olympus Galatiae. Hiernach ist das
Väterland Maesia in Sprengel's Systema Vegetabilium überall
zu berichtigen. Die beiden für Pflanzengeographie wichtigen
Reisebeschreibungen Sestini's, die eine aus. dem Jahre 1781
von Constantinopel nach Bassora, die andere aus dem Jahre
1779 von Constantinopel nach Bukarest scheinen wenig be-
kannt geworden zu sein.
In Albanien habe ich den nördlichen Theil von der mace-
donischen Grenze bis Scutari und von da nach der Küste von
Dalmatien durchreist und den botanischen Character dieses
Landstrichs beschrieben. Die Küste stimmt im Allgemeinen
ganz mit Süd -Dalmatien überein, sie wird durch denselben
nackten, harten, wild zerrissenen Kalkstein der Kreideformation
gebildet, der eine sehr mannigfaltige Vegetation von im Spät-
sommer verdorrten Felspflanzen ernährt. Die feuchtern Loca-
litäten sind bei Antivari mit Myrtus communis y die dürrsten
Steingefilde mit der sociellen Phlomis fruticosa bewachsen.
Meistentheils erhebt das Land sich rasch nach Osten und so
reicht auch diese Vegetation nicht weit. Im nördlichsten Theile
Albaniens ist es der über 8000' hohe Bertiscus, der die Kü-
stenflora, die im Becken von Scutari noch sich ausbreitet, be-
grenzt; die Vegetation jenes weitläuftigen Alpengebiets ward
nicht von mir untersucht, doch ist sie nach den Sammlungen
V. Friedrichsthal's mit der des Scardus sehr übereinstimniend.
Südwärts vom Drin wird Nordalbanien von einem grossen
Mittelgebirge ausgefüllt, das bei den Alten Candavien hiess
und 2— 3000' hoch ist. Dies Gebirge durchreiste ich vom
Fusse des Scardus bis zur Küste, also in der ganzen Breite
von Albanien, und fand es beinahe durchaus von Eichenwäl-
dern bedeckt {Quercus pedunculata var. hrutia, Cerris, einzeln
auch Q. Aegilops , Acer tutaricum): diese Wälder sind an
der Küste durch eine scharfe Niveaulinie von der immergrü-
nen Region getrennt, wo Quercus suber und pubescens vor-
kommen. Nur die höchsten Erhebungen Candaviens besitzen
über dem Eichenwalde noch eine aus Pinus hrutia gebildete
Ee *
436
Coniferenregion , in welcher Gesträuche von Rhaninus alpina
auftreten.
An der Grenze von Albanien und Macedonien habe ich
der botanischen Untersuchung des Scardus mehrere Reisen
gewidmet. Die untere Region dieses alpinen Gebirgszuges ist
unter dem 42*^ N. Br. über einer Basis von 7 — 900' bis "^u
einer Höhe von 2800' grossentheils von Eichensträucliern mit
abfallendem Laube bewachsen {Quermis Esculus , apennina
nebst Corylus Ävellana und Ostrya). Isohypsil sind die Ca-
stanienwaldungen, die nördlich von Calcandele den Ostabhang
des Scardus bedecken. Die zweite Region (2800' — 4500')
ist gewöhnlich bewaldet und reicht bis zur Baumgrenze, die
hier in Ermangelung des Nadelholzes ungemein tief liegt. Die
Wälder bestehen aus Eichen {Quercus pedunculata var, hrutia
Ten.) oder Buchen {Fagus sylvaticci). Die alpine Region ist
durch Mangel an Sträuchern ausgezeichnet, sie ist gewöhnlich
mit einer kurzen, trocknen Grasnarbe und mit Alpenkräutern
bewachsen, die ziemlich mannigfaltig sind und manche endemi-
sche Formen enthalten. Das Substrat ist abwechselnd Glim-
merschiefer und Kalkstein. Mitunter kann man nach vorherr-
schenden Bestandtheilen der alpinen Flora mehrere Pflanzen-
giirtel in derselben unterscheiden: so an der Ljubatrin, dem
nördlichsten Vorgebirge des Scardus, wo der untere Gürtel
durch ParonycJiia serpyllifolia characterisirt von 4360' bis
6200', der mittlere mit Dryas octopetala bekleidet bis 7300'
reicht und der oberste ( — 7900') reich an Saxifragen ist. In
der Nähe der Baumgrenze halten sich einige Pflanzen, die den
Anfang der alpinen Formen bezeichnen, namentlich Veratrum
und BruckentJialia. Am südlichen Scardus habe ich den 7237'
hohen Peristeri bei Bitolia bestiegen. Dieser Berg ist fast
ganz unbewaldet und zeigt deshalb viele Eigenthümlichkeiten
in seiner Pflanzenbedeckung. Die mitteleuropäische Region
erstreckt sich von der 1400' hohen Basis bis 5200'. Grosse
Flächen sind in dieser Region dicht mit Pteris aquilina be-
wachsen, der übrige Raum ist theils durch Wiesen und Acker,
theils durch Gesträuche von Juniperus Oxycedrus und Pinus
Cemhra fruticosa, im obersten Theile auch von Juntperus com-
munis und Vncciniu?n Myrtillus ausgefüllt. Nur die Forma-
tion des Oxycedrus ist pflanzenreich zu nennen ; ausser neuen,
437
eiideniischeii Arten wachsen hier z. B. Hypericum barbatum,
Älsbie verna, Trifolium alpesfre, Potentilla Tommasii, Sedum
saxatile^ Betonica Alopecuros , Achillea pubescens und odorata,
Phyteuma limonifolium , Lasiagrostis Calamagrostis. Bei 5200'
beginnen Alpenwiesen mit zahlreichen Repräsentanten alpiner
Pflanzengruppen , niedrige Gesträuche von Bruckenthalia und
Juniperus nana, aber auch einzelne Stämme von Pinus Cem-
bra, die bei 5800' wieder aufhören. Nach dem Gipfel zu ver-
schwinden allmälig die üppigen, feuchten, humusreichen Wie-
sen, eine dürftige, rupestre Formation bekleidet den Granit,
von welcher auf der höchsten Kuppe nur noch Juniperus
nana, Luzula spicata und Scleranthus perennis übrig bleiben.
Die westmacedonischen, ringförmig von hohen Gebirgs-
niauern umschlossenen Ebenen, die den grössten Theil des
Landes vom Scardus bis zum Vardar einnehmen, sind fast
durchaus cultivirt und ergeben daher für pflanzengeographische
Untersuchung wenig entschiedene Thatsachen. Sie besitzen
keine immergrüne Sträucher, ihre Physiognomie ist auch bei
Bitolia mitteleuropäisch. Selbst die Platane, die im östlichen
Rumelien überall die Wohnungen des Menschen begleitet, ver-
breitet sich nur bis zum Vardar und hat bei Köprili ihre West-
grenze: von da treten Weiden und Pappeln an ihre Stelle.
Die vorzüglichsten Getraidearten in diesen grossen Cultur-
ebenen sind Weizen, Roggen, Mais und an geeigneten Orten
Reis, im Süden auch Baumwolle.
Im Südosten der Czernaebene oder des alten Pelagonien
habe ich den alpinen Gebirgsstock des Nidge untersucht. Die-
ser gegen 6000' hohe Berg ist bis zur Baumgrenze (4400')
bewaldet und zeigt daher schärfer abgesonderte Piianzengürtel,
als der gegenüberliegende, nur durch das erwähnte Tiefland
davon getrennte Peristeri. Der untere Waldgürtel des Nidge
wird durch Quercus Cerris gebildet (1245' — 2650'), hierauf
folgt eine schmale, äusserst pflanzenreiche Gesträuchregion
(2650' — 3000'), wo Juniperus Oxycedrus an den sonnigen
Abhängen zerstreut oder auch in dichtem Gruppen vorkommt
in Gesellschaft von Dapime glandulosa. Sodann folgt die
obere Waldregion, aus Fagus gebildet (3000' — 4400'), in wel-
cher die Marmorblöcke schon mit Saxifragen bewachsen sind.
Isohypsil mit der Buche ist am Westabhange des Bergs Pinus
438
uncinata der Waldbaiim. Die alpine Region, die ich bis 5540'
untersucht habe, stimmt mehr mit der des Peristeri iiberein.
Verschieden von den westmacedonischen Ebenen ist die
Vegetation im Delta des Vardar, wo der Boden salinische
'Ö
Theile enthält und die Litoralebene an einigen Orten beinahe
Steppencharacter annimmt. Hier sind wüste Strecken mit Ta-
marix gallica oder mit annuellen Gräsern bewachsen. Ahn-
lich, jedoch nicht salinisch, verhält sich ein grosser Theil des
Ihracischen Küstenlandes am Marmormeer. Namentlich wird
Constantinopel selbst von einer Steppe umschlossen, die das
socielle Poterium spinosum bekleidet, eine Vegetation, die den
auffallendsten Gegensatz gegen die Gärten und reich bebauten
Hügelabhänge am Bosporus bildet.
Mittelländische Küstenflora, reicher an Arten als Indivi-
duen, gedeiht an den nackten Glimmerschieferhügeln, die von
Chalcidice aus gegen die Bai von Salonichi abfallen. Immer-
grüne Gesträuche dieser Region bestehen aus Quercus cocci-
fera oder Cistus monspeliensis ^ Berggehänge sind nicht selten
mit Pteris aquilina bewachsen, wüste Gefilde mit Peganum
Harmala oA^v Marrulium peregrinum, bei 1200' liegt in Chal-
cidice die obere Grenze der Coccuseiche. Dann beginnen die
Wiesen der Hochebene, die Buchen- und Eichenwälder (^Quer-
cus pedunculata var. hrutia), die den Cholomonda, den Ge-
birgsknoten dieses Landes bedecken. Der Athos, das Vorge-
birge der Landzunge Hajion-Oros, erhebt sich zu höhern Re-
gionen, indem er selbst den Nidge an Höhe übertrifft (6438').
Dieser Berg ist nach dem gegenwärtigen Standpuncte der
Kenntniss bei Weitem die reichste Fundgrube für den Bota-
niker in ganz Rumelien, seine Lage ist eigenthümlich und so
scheint er sogar endemische Pflanzen zu besitzen, viele hat
man wenigstens bisher sonst nirgendwo angetroffen. Hajion-
Oros hat eine äusserst üppige immergrüne Gesträuchregion,
die bis auf schmale Saumpfade die ganze Halbinsel bis zu
einer Höhe von 1200' dicht bedeckt. Verschiedene Sträucher
sind hier gemischt, die ungewöhnlich hoch bis zu 15' empor-
wachsen: die häufigsten sind Ärhutus Unedo, Quercus Hex,
Cistus salvi/oUus, C. villosus, Erica arhorea, Spartium junceum,
Cahjcotome villosa und Anthyllis Hermanniae. Ungeachtet des
dichten Wachsthums dieser Gesträuche sind die vegetabilischen
439
Erzeugnisse dieser Region höchst mannigfaltig. Hypericum
olympicum ist eine gewöhnliche Pflanze auf steinigem Boden;
an den Abhängen des Athos, wo durch das Gerolle dieser
steilen Marmorpyramide die Ilumusbildung beschränkt wird,
tritt an die Stelle des immergrünen Dickichts eine Formation
von Euphorbiasträuchern {E, spinosa und Chnracias^. Der
zweite Pflanzengürtel (1200' — 2000') gehört zur Waldregion,
aber er enthält hier noch viele immergrüne Formen, indem
namentlich Quercus Hex und Q. coccifera hier höher in das
Gebirge als anderswo in Rumelien ansteigen. Dieser untere
Waldgürtel hat keinen einfachen Baumschlag, es ist ein Misch-
wald aus Castanea, Pinus Picea, Quercus pedunculata und Hex.
Er enthält auch Hex Aquifolium, an Gesträuchen Ruscus aculea-
tus und Hijpoglossum , auch zeichnet er sich durch schöne
Lianen aus (Tamus cretica, Smilax nigra). Der folgende Wald-
gürtel am Athos (3000'— 3500'), isohypsil mit der Buche in
andern Gegenden der Halbinsel, wird dadurch gebildet, dass
Quercus pedunculata sich von den übrigen Baumarten ausson-
dert und jetzt den Wald allein zusammensetzt. Darüber ver-
breiten sich die Coniferen, wiederum in zwei gesonderten
Waldgürteln. Der untere (3500' — 4500') besteht aus Pinus
Laricio, der obere (4500' — 5250' aus P. Picea, die hier den
höchsten Wald bis zur Baumgrenze bildet, nachdem sie von
3000' — 4500' ganz verschwunden war. An der Grenze beider
Coniferengürtel liegt die pflanzenreiche Felsplatte von Panajia,
deren vorherrschende Pflanzen Berheris cretica, Astragalus
angustifolius und Äsphodeline lutea sind. Über der Baum-
grenze bietet der Athos ein Chaos von Marmorblöcken an dem
steilen Abhänge dar: unter den alpinen Gewächsen dieser Re-
gion bemerkt man vorzüglich Saxifragen, Cruciferen und
Euphorbien , unter den wenigen in Felsritzen verborgenen
Sträuchern: Prunus prostrata, eine Rose und eine Daphne noch
auf dem höchsten Gipfel des Bergs.
Auf der dem Athos gegenüberliegenden Insel Tassos und
an den thracischen Küsten am ägäischen Meer ist zwar auch
eine reiche Ausbeute zu erndten, aber dem Hajion-Oros steht
deren immergrüne Region doch an Mannigfaltigkeit bei Wei-
tem nach. Das häufigste Gesträuch ist hier Quercus cocciferay
oft mit Paliurus oder mit Cistus villosus vereinigt. Nur eine
440
Reihe von Küstenpiincten habe ich untersucht. Eine reiche
Erndte an eigentliiiiiilichen Pflanzen verschaflfte mir auch das
niedrige Plateau des Chersones oder der Tekirdagh. Hier
treten die immergrünen Sträucher anf einem grossen Räume,
der von der Mündung der Maritza bis zum Bosporus reicht,
ganz zurück. Diese Erscheinung ist schwierig zu erklären,
indem an beiden Endpuncten dieser Kiistenlinie, in Bithynien
und am Litoral der Rhodope die immergrüne Formation fast
ans denselben liestandtheilen gebildet wird. Dies ist doch
wahrscheinlich die Wirkung einer sterilen, quellenarmen Thon-
schieferformation , die das ganze Nordgestade des Marmor-
meers bis zu den Ausläufern des Balkan zusammensetzt. Die-
ser Mangel an den characteristischen Formen der mittelländi-
schen Flora giebt dem ganzen östlichen Thracien eine nörd-
lichere Physiognomie, die, wie die bithynische Flora beweist,
von climatischen Einflüssen unabhängig ist. So bestehen die
Gesträuche bei Rusköi aus Eichen mit abfallendem Laube, aus
Ostrya und Juniperus Oxycedrus\ eine sehr verbreitete For-
mation wird durch einen geselligen Traganth-Astragalus {A.
thracicus m.) gebildet; Gehölze bei Rodosto enthalten Quercus
pedunculatcif Acer campestre, Cornus mascula, Populus nigra,
Pyrns salidfolia, Fraxi?ius Oinus^ verschlungen mit südlichen
Lianen Smilnx asper a^ Tamus conuminis und Vitis viniferai
deiHi ider ist der Weinstock einheimiscli wie in Griechenland
und in der Krim. Den grössten Raum des Landes aber neh-
men baumlose Ebenen ein, die, spärlich beackert, nur als
Weideland mit wenig Erfolg genutzt werden: denn es fehlt
die dichte Grasnarbe, Malva, Anthemis und 8inapis enthalten
socielle Arten , die auf der Fläche von Heraclea sehr ver-
breitet sind.
Auff'allend ist die Üppigkeit der bithynischen Flora im
Gegensatz zu den thraoischen Einöden. Grosse Lahdstrecken
sind mit immergrünen Sträuchern bekleidet: Erica arhorea,
Arhubis Unedo und Andrachne, Laurus nohili'^^ Phillyrea lati-
folia, Quercus coccifera und in/ectoria, Cisfus villosus und sal-
vifolius, denen sich in den nicomedischen Wäldern erst Rho-
dodendron po7iticum anreiht. Grosse Niederinigen bei Brussa
und am Meerbusen von Modania sind mit Oliven oder Maul-
beer-Däumen bepflanzt. Am Olymp , der sich zu einer Höhe
441
von 6920' erhebt, besteht der untere Waldgürtel aus Castanea,
mit immergrünen Gesträuchformen; die mittlere Region 2500'
bis 4600) ist gleichfalls bewaldet von Pinus Laricio und Picea,
Isohypsil mit diesen Coniferen tritt in Bithynien auch die
Buche auf.
Der im vorigen Jahresberichte geäusserte Wunsch , dass
die Sammlungen orientalischer Pflanzen von Aucher-Eloy
zusammenhängend bearbeitet werden möchten, ist nun schon
auf zwiefache Weise in Erfüllung gegangen. Nicht bloss, dass
Graf Jaubert sich mit Spach verbunden hat, ein Kupfer-
werk nach diesen und andern Materialien herauszugeben, son-
dern auch Boissier, der vorzügliche Kenner der Gewächse
des mittelländischen Beckens, hat selbstständig begonnen, die
sämmtlichen Eloy'schen Pflanzen synoptisch zu bearbeiten. Die
bisher erschienenen Theile dieser Arbeit setzen durch die
Menge der neuen Entdeckungen in das grösste Erstaunen,
besonders rücksichtlich der Cruciferen, die jedoch erst in die-
sem Jahre erschienen sind. In den Annales des sciences natu-
relles für 1841 finden sich jedoch schon die Charactere von
nicht weniger als 11 neuen Gattungen aus dieser so genau
studirten Familie; der grösste Theil derselben ist sehr natür-
lich, nur einige sind aus den allgemein angenommenen Grund-
sätzen über die Gliederung der Cruciferen hervorgegangen
und würden, wenn man diese aufgäbe, nicht bestehen. Über-
sicht der 1841 daselbst aufgezählten und beschriebenen Arten:
93 Ranunculaceen. Merkwürdige Formen : Tlialictrmn isopy-
roides C. A. M. von Akdagh, Th. Orientale B. {Isopi/ru?n aqui-
legioides Bory nee. L.) vom Taurus, Ranunculus Jnjhridus vom
Thessalischen Olymp, IL dissectus MB. (7?, nivalis Fl. graec.)
vom Bithynischen Olymp, mehrere neue Arten von Ran.. Hel-
lehorus vesicarius Auch, aus Syrien, mehrere neue Nigellae
und Delphinia: die letztere Gattung enthält über 20 Arten,
während Acofiitum fehlt. — 2 Menispermen aus Ägypten. —
6 Berberideen. — 25 Papaveraceen : neue Arten von Papaver,
Glaucium und Roemeria. — 6 Fumariaceen.
Fellow sammelte auf seinen Reisen in Lycien und Carien
eine Anzahl von Pflanzen, die von D. Don bestimmt wurden
(Ann. of nat. history V. 7 p. 454). Der Catalog enthält nur
213 Arten. Neu sind darunter nur folgende: Veronica cunei-
442
folia, Ver. grandißora, Phlomis lycia und Pinus ccuica. Diese
Fichte ist indessen vielleicht nur eine Varietät von P. ha-
lepenns,
C. Koch begann einen Catalog der von ihm am Cauca-
sus, in Georgien und Armenien gesammelten Pflanzen zu pu-
bliciren (Linnaea 1841 S. 243 — 258 und 705 — 723). Die
neu aufgestellten Arten sind nur mit kurzen Diagnosen ver-
sehen, bedürfen daher einer genauem Auseinandersetzung.
Diese Sammlung enthält 40 Ranunculaceen (4 neue A.), 1 Ber-
beridee, 9 Papaveraceen, 1 Cistinee, 8 Violaceen (1 neue A.),
5 Fumariaceen (1 neue Corydalis) , 2 Capparideen, .91 Crucife-
ren (4 neue A.), 3 Resedaceen (1 neue A.), 2 Tamariscineen,
3 Polygaleen, 62 Caryophylleen (8 neue A.), 2 Oxalideen,
6 Lineen (1 neue A.), 6 Hypericeen, 1 Ampelidee, 4 Acerineen,
1 Tiliacee, 81Malvaceen, 13 Geraniaceen (1 neueA.), 2 Zygo-
phylleen, 1 Rutacee, 2 Celastrineen, 4 Rhamneen, 2 Terebin-
thaceen, 78 Leguminosen (4 neue A.).
Von einem ungenannten Correspondenten Sir W. Hoo-
ker's wurden einige interessante Bemerkungen über die Flora
von Khorasan mitgetheilt (Journ. of Botany 3 p. 280). Die
Gebirge sind ganz nackt, selbst die Abhänge des Hindukusch
vollkommen baumlos. Gering ist die Verschiedenheit der Ve-
getation zu beiden Seiten dieses Hochgebirgs: nur nehmen
nach der Tatarei die Chenopodeen wegen des salinischen Bo-
dens zu, während die Arten und Individuen im Allgemeinen
sich vermindern. Üppig grünende Stellen sind nur an den
Flussufern zu finden : wo diese nicht cultivirt sind, bilden sich
Dickichte von Hippophae , Berherisy Tamarix und Rosa. Die
durchaus europäische Vegetation, welche den tiefern Gegen-
den angehört, steht anscheinend im Widerspruch mit den über
die Wirkungen der Wärme aufgestellten Hypothesen: denn
das Clima von Khorasan ist eins der heissesten der Erde und
die europäischen Formen sind hier keineswegs, wie im Nor-
den von Indien, nur annuelle, im Winter blühende Gewächse.
Der Hindukusch wurde von dem Reisenden auf 13000' hohen
Pässen überschritten , die noch 2000' unter der Linie des
ewigen Schnee's liegen mochten. In solchen Höhen sind die
Gebirge mit kugeligen Büschen von stechenden Staticen, mit
einigen Disteln und Artemisien bedeckt. Nur in feuchten
443
Schluchten wird die Vegetation etwas mannigfaltiger : hier ge-
deihen die Gattungen Carex , Juncus, Euphrasia, Primula,
Swertia, Gentiima, Pedicularis, Ranu?iculus, Silene, Ästragalus.
Die auffallendste Erscheinung ist überhaupt die Menge stechen-
der Astragalen und Staticen. Die artenreichsten Familien sind
die Synanthereen, besonders Carduaceen-, die Leguminosen,
Labiaten, Boragineen, Umbelliferen, Cruciferen, Sileneen, Che-
nopodeen, Gramineen.
Von V. Siebold's und Zuccarini's Flora japonica ist
die Herausgabe des zweiten Bandes begonnen.
IIL Tropisches Asien.
Unter den allgemeinern Werken über die Flora von Ost-
indien, die im vorigen Berichte erwähnt wurden, ist Jacqe-
mont's Voyage dans l'Inde bis zur 41sten Lieferung fortge-
schritten, bis zur Vollendung wird daher wahrscheinlich noch
eine geraume Zeit verfliessen.
In England erschienen mehrere monographische Arbeiten
über einzelne Familien der indischen Flora. Im Februar 1841
wurde in der Linnean Society Nees v. Esenbeck's Ab-
handlung über die in Royle's indischem Herbarium enthaltenen
Gramineen und Cyperaceen vorgelesen. Viele neue Arten sind
darin beschrieben; die Charactere der 6 neuen Gattungen, die
der Verf. aufstellte, wurden bereits in den Annais of natural
history V. 7 p. 219 — 222 mitgetheilt. In dem achtzehnten
Bande der Transactions of the Linnean Society, welcher 1841
herauskam, sind die -schon früher gelesenen, aber erst jetzt
publicirten Arbeiten des kürzlich verstorbenen Professor D. D on
über die Junceen und die Iris-Arten der Royle'schen Samm-
lung enthalten. Es ist auffallend, dass monocotyledonische
Pflanzen sich häufiger über das Areal mehrerer verschiedener
Floren verbreiten, als Dicotyledonen. Unter 8 Junceen, die
Royle am Himalajah sammelte, sind nur 4 endemische: die
übrigen sind Juncus acutißorus^ bufonius, glaucus und Lu%ula
spicata, indessen weichen die beiden letztern von der europäi-
schen Form in einigen Puncten ab. Von Iris fand R. nur
4 Arten, die sämmtlich endemisch zu sein scheinen. Babing-
ton bearbeitete die Polygona der Royle'schen Sammlung
(Linnean transact. 18 p. 93 — 119), die uocli einen Nachtrag
444
von 10 neuen Arten zu Meissner's itn dritten Bande von Wal-
lich's Plantae Asiaticae rariores enthaltenen Publication lieferte.
Unter 37 am Hinialajah von R. gesammelten Arten sind nur
zwei europäische Formen und von beiden ist die Identität
zweifelhaft: P. Convolvulus var., P. aviculare"^
Meissner publicirte eine Monographie der ostindischen
Thymelaeen (Regensb. Denkschriften 3 S. 273 — 294). In Wal-
lich's Sammlung fanden sich nur 12 Species, darunter die neue
Gattung Edgetvorthia.
In Bombay gaben Graham und Nimmo eine Local-
flora heraus, welche mit Ausschluss der Zellenpflanzen über
1800 enthält; es ist ein Catalog nach De Candolle'scher Anord-
nung mit Beschreibung neuer Formen (A catalogue of the
plants growing in Bombay and its vicinity, spontaneous, cul-
tivated, or introduced. By John Graham, 1839).
Richard beschrieb die von Perrottet auf den Nielgher-
ries gesammelten Orchideen monographisch (Ann. sc. nat. 15
p. 1 — 20 und 65 — 82). In der Einleitung wird der botani-
sche Character jener Gebirge, in denen R. eine Sammlung von
14 — 1500, wahrscheinlich zum vierten Theil neuer Pflanzen -
arten zusammenbrachte, trefi'end geschildert. Das Terrain die-
ser Forschungen war klein, es liegt zwischen 11^ 10' und
110 32' N. Br., zwischen 76« 59' und 77*^ 31 O. L. von Green-
wich. Das Plateau der Nielgherries ist wellenförmig gebaut,
aufgesetzte Hügel erreichen eine absolute Höhe von mehr
als 8000'. Diese Hügel sind meistentheils baumlos, eine zarte,
gesellige Krautvegetation von blassem Grün, nur einzeln von
niedrigen Baumgruppen unterbrochen, bedeckt sie. Nur in
den Schluchten und Thälern des zerrissenen Randgebirgs sieht
man kräftige Waldungen. Der Übergang ist plötzlich:
sobald der Reisende, der von der Hochebene kommt, in eins
dieser Thäler eintritt, so lässt er jede| Spur alpiner Vegetation
zurück, plötzlich umgeben ihn hochstämmige Laurineen, Mi-
chelien, Gordonien oder baumartige Andromedeen, auf denen
Lianen und parasitische Orchideen wurzeln. Die Vegetation
des Plateaus ist alpin ; europäische Gattungen , die der indi-
schen Ebene beinahe so fremd sind wie die Arten selbst, tre-
ten hier mit gleichen physiognomischen Characterzügen wieder
auf z. B. Rmiunculus, Anemone, Viola, Malva^ Hypericum,
445
Fumaria, Potentilla, Gentiayia, Rhododendron ; aber die S p e -
cies sind durchaus verschieden: für die Alpenrosen der
Schweiz tritt hier Rhododendron arloreum an die Stelle, das,
wie am Himalajah, hoch in die alpine Region ansteigt und das
einzige Gesträuch auf den höchsten Gipfeln der Plateauhügel
bildet. Richard theilt das Vegetationsgebiet der Nielgherries
in vier Regionen:
1) Die unterste Region (0' — 2000', zuweilen bis 3000')
zeigt den ganzen Reichthum der tropischen Waldregion, die
Dichtigkeit der indischen Bambusen-Jungles neben dem eigent-
lichen Urwalde, dessen allgemeiner Character in allen feuchten
Ländern der heissen Zone wiederkehrt.
2) Die Region der Anogeissus-Wälder ( — 4000'). Cha-
racteristische Gewächse, die sich nicht über das Niveau jener
Gattung verbreiten: G7nelhia arhorea , Cochlospermum Gossy-
pium, Acacia, Sapindus, kletternde Arten von Celastrus, Pte-
rocarpus marsupium , Greivia, Dahlhergia, Spathodea und an-
dere Bignoniaceen.
3) Region niedrigerer Baumformen (4 — 5000') z. B. Dom-
heya, Helicteres, Vateria indica, Trichilia, Sterculia, Ptei^ocar-
pus, Ficus, Croton, Artocarpus incisa. Der Verf. hat hier
mehr Regionen unterschieden, als zum Behuf der Verglei-
chung mit andern Gebirgen zweckmässig ist. Er gesteht selbst,
dass diese 3 Regionen den tropischen Character tragen: in-
dessen ist es nicht minder wichtig zu wissen, wie die tropi-
schen Waldformationen sich mit der Höhe ändern.
4) Alpine Region (5 — 8000'). Die Holzgewächse des
Plateaus sind; Myrtus tomentosa, Cotoneaster a/ßnis, eine
wahrscheinlich unbeschriebene Acanthacee mit blauen Blüthen,
welche zuweilen ungeheure Landstrecken heidenartig bedeckt,
Rhododendron arhoreum.
Perrottet hat von den Nielgherries 38 Orchideen mitge-
bracht, die 16 Gattungen bilden und von denen nicht weniger
als 32 neu sind. Sie sind meistentheils den europäischen For-
men ähnlich und gehören zu zwei Drittel zu den Ophrydeen
und Neottieen. Eben diese sind es, welche auf dem Plateau
wachsen und daselbst zum Theil ausserordentlich häufig ver-
breitet sind. So erscheinen bei Otacamund alle Hügel vom
Juli bis September durch das socielle Satyrium Perrotetianum
446
Rieh, roth gefärbt. Die übrigen Gattungen, die zu den Ma-
laxideen und Vandeeu gehören, wachsen in der tropischen
Region. Der Verf. macht auf eine auffallende Analogie in den
Orchideenformen zwischen den Nielgherries und den Inseln
Bourbon und Mauritius aufmerksam. — Verzeichniss der Gat-
tungen: 2 Oheronia, 2 Coelogyne, 2 Liparis ^ 1 Bolhophyllum,
1 Dendrobium, 2 Eria, 1 Aendes, 1 Bircliea nov. gen., 1 Oeoniay
1 Calanthe. Diese wachsen in der tropischen Region. Auf
dem Plateau dagegen: VLiparis^ ^ Peristylus , \{S Habenaria,
4 Satyrium, 3 Spi?'anthes, 2 Goodyera, 1 Dryopeia.
Über die Physiognomie der Vegetation am See bei Kandy
auf Ceylon schrieb Champion (Journ. of Bot. 3 p. 282).
Seine Mittheilungen haben zur Aufklärung über die heilige
Banyane Anlass gegeben, die bisher mit Ficus religiosa ver-
wechselt worden war. Nur Fictis indica oder -die Banyane
treibt Luftwurzeln aus den Zweigen; sie ist den Brahmaneu,
nicht aber den Buddaisten heilig; in Poona existirt ein Baum
mit 68 Nebenstämmen, der bei senkrechtem Stande der Sonne
einer Armee von 20000 Mann Raum und Schatten gewähren
würde. F, religiosa dagegen oder der Bo-Baum der Cinga-
lesen, wird von den Buddaisten in Ceylon so heilig gehalten,
dass man zu profanem Gebrauch nicht einmal die Form der
Blätter nachbilden darf. Dies rührt nicht, wie bei der Banyane,
von der Idee einer segnenden Fruchtbarkeit her, die der An-
blick einer solchen Fülle des vegetativen Lebens hervorruft,
sondern nur von der Legende, dass Gantama unter einem Bo-
Baume meditirte, als das Gefühl seiner Sendung in ihm erwachte.
über die Theepflanzungen in Assam berichtete neuerlich
wieder Bruce (Journ. of Botany 3 p. 137).
Neue Arten und Gattungen aus der Flora von Java pu-
blicirte Junghuhn (v. d. Hoeven Tijdschrift 1840 p. 285).
Eine botanische Reise desselben in das Innere von Java's Ge_
birgsgegenden ward von de Vriese herausgegeben (daselbst 1841
p. 349 — 412). Über dem Amentaceenwalde am Berge Mala-
bar, der vorzüglich aus Castanea Tungurrut besteht, folgen
wieder andere Urwälder, die bis auf den 7900' hohen Gipfel
reichen. Die characteristischen Bäume dieser obern Region
sind: 2 Coniferen (JPodocarpus, bis zu 100' hoch), 2 Tern-
stroemiaceen 40 — 60' {Schima Noronhae und Dicalyx sessili-
447
foUus), 1 Melastomacee {Asfronia spectahilis), 1 Myrtacee {Jam-
hosa lineata), 1 Laiirinee und 4 Farrnbäume, unter denen Chnoo-
phora lanuginosa, durch einen einfachen Kranz von Blättern
ausgezeichnet, sich 40 — 50' hoch erhebt. Das Unterholz die-
ses Waldes wird gebildet durch Arten von Rubus, Gaultheria,
Thihaudia, Viburnum, Myrica javanica und Laurineen. Schat-
tenkräuter sind z. B. Sanicula, Viola, Rantinculus, aber auch
Ver7ionia, Plectranthus. Der Boden wird ausserdem durch eine
dichte, feuchte Lage von Gräsern, Moosen, Lycopodien und
Farrn bedeckt. Alle Baumstämme sind gleichfalls dicht mit
Moos bekleidet und Usneen hängen von den Zweigen, beson-
ders des Podocarpus, herab.
In einem tiefer gelegenen Urwalde (unterhalb 5000') auf
dem Wege vom Malabar zum V^ulcan Wayang waren die cha-
racteristischen Bestandtheile wegen der Masse der Lianen und
Parasiten nicht so leicht zu übersehen. Namentlich entzogen
sich die höhern Stämme der Untersuchung, wie es den bra-
silianischen Reisenden auch so oft begegnet ist. Denn diese
Bäume, deren 60 — 100' über dem Erdboden sich ausbreitende
Laubdecke dicht vereinigt die mindern Gewächse in ewige
Nacht hüllt, verzweigen sich nur in ihrer Krone und blühen
ohnehin spärlich, so dass man die Schmarotzer der tropischen
Urwälder überall genauer kennen gelernt hat, als die Haupt-
masse der Vegetation selbst. Es ist sehr auffallend, dass diese
Formation, die in der neuen Welt reich an Leguminosen ist
und sich durch die Vermischung vieler Familien auszeichnet
(vergl. vor. Jahresb. S. 462), hier hingegen besonders aus
Amentaceen besteht {Quercus moluccana, costata \m^ pruinosa,
Castanea javanica). Freilich sind mit diesen auch hochstäm-
mige Bäume aus tropischen Familien vereinigt, von denen der
Verf. Cedrela febrifuga, einen Ficus und zwei Ternstroemiaceen
{ßchima Noronkae und Saurauja rosea J.) nennt. Allein tro-
pische Formen fehlen, wie oben angeführt ward, selbst dem
obern Walde nicht, in dem die Podocarpen auftreten. Hin-
gegen sind die Bestandtheile der in dem Schatten des Amen-
taceenwaldes vegetirenden Formation durchaus im Verhältniss
einer feuchten Aquatorialzone: Farrnbäume {Cyathea oligocarpa
J., Chnoophora lanuginosa J. , Alsophila extensa, Ängiopteris,
erecta), Scitamineen {Elettarid)^ Musaceen {Musa paradisiaca),
448
Palmen {Jreca Pinangd), Pandanus, Acanthaceen {ßtrobilan-
thes), zahlreiche Riibiaceen und Myrtaceen, Aralien, parasiti-
sche FragTctea-l^Aume, endlich die Paliiilianen {Calcmms), deren
Stränge in verschiedenen Richtungen überall zwischen den
Bäumen sichtbar sind. Dass einer solchen Vegetation die
Amentaceen gleichsam zur Stütze dienen, halte ich deshalb
für sehr auffallend, weil es ein der javanischen Flora ganz
eigenthüniliches Verhältniss zu sein scheint Die Darstellung
Junghuhn's', woraus diese Thatsache sich ergiebt, verhält sich
zu verwandten Beobachtungen ungefähr auf folgende Weise.
Blume bestritt es überhaupt, dass auf dem javanischen Gebirge
sich scharf gesonderte Pflanzenregionen unterscheiden lassen,
er stellte nur einen allmäligen Übergang der Bestandtheile
des Waldes von der Küste bis zu entschieden alpinen Formen
der höchsten Bergspitzen dar. Schouw glaubte die untere
Grenze der alpinen Region zu 5000' annehmen zu dürfen.
Hiemit stimmen J.'s Beobachtungen genau überein. Hier liegt
die obere Grenze der Amentaceen, die untere des Podocarpus.
Überhaupt scheint in allen tropischen Gebirgen gerade bei
5000' eine schärfe Vegetationsscheide zu liegen, die von unbe-
kannten Ursachen abhängt. Dies ist die untere Grenze der
Cinchonen in den Cordilleren, von Pinus canariensis auf Te-
neriffa's Nordabhang, dies ist die Linie, welche nach Royle's
Untersuchungen im Himalajah die tropischen Holzgewächse
nicht überschreiten , wo die Amentaceenwälder beginnen und
über welcher aus den der heissen Zone eignen Familien nur
jährige Kräuter während der Regenzeit erscheinen. Ebenso
liegt in demselben Niveau, wie wir eben sahen, die überaus
scharfe Grenze zwischen den beiden Regionen der Nielgherries.
Aber bei einer so merkwürdigen Übereinstimmung sind die
Gegensätze, welche eine Vergleichung der drei erwähnten in-
dischen Hochgebirge hervortreten lässt, fast noch schwieriger
zu erklären. Die Amentaceen, die ein gemässigtes Clima be-
wohnen, sollte man jenseits des Wendekreises in einem tiefern
Niveau erwarten, als am Äquator: aber auf dem Himalajah
beginnen sie erst bei 5000', in einer Höhe, in der sie in
Java aufhören und Coniferen Platz machen; an den Niel-
gherries fehlen sie ganz, aber das isohypsile Rhodode7idron
arhoreum wächst hier in gleichem Niveau mit den Eichen-
449
Wäldern von Massuri. Während die Anientaceen von Java
eine tropische Vegetation bescJiatten, sind die Verhältnisse
ihrer Socialität im nördlichen Hindostan ganz entgegengesetzt.
Ja sogar weit über dem Niveau von 5000' wachsen in Java
nocli Farrnbäume, die Puspa {ßchima Noronhae) gedeiht so gut
mit den Eichen wie mit den Podocarpus-Arten, tropische Holz-
gewächse begleiten eine Vegetation von europäischen Pflanzen-
gattiingen bis auf die höchsten Bergspitzen von Java. Ein
solches Phänonien ist, so viel ich weiss, sonst noch nirgends
auf der Erde beobachtet: es ist eine Eigenthümlichkeit der
javanischen Flora, die Blume's Ansicht, dieselbe besässe keine
getrennte Regionen, sehr erklärlich macht. Selbst der Pisang
wächst hier auf feuchtem Boden noch in einer Höhe von 6000'
allgemein und in grösster Üppigkeit, und zwar ist dies die-
selbe Species {Musa paradisiaca L), welche zugleich in den
heissen Kiistengebirgen, z. B. zwischen 500' und 1000' sehr
verbreitet ist. Dies sind lehrreiche Thatsachen, um die ver-
schiedenen Bedingungen des Pflanzenlebens in einem bestän-
dig feuchten Äquatorialgebirge und in den Passatfloren des
indischen Continents zu begreifen, aber Vieles bleibt hier ge-
nauer zu erforschen und durch climatische Verhältnisse zu
beleuchten übrig.
Die von Korthals herausgegebenen Monographieen zur
Erläuterung der Flora des indischen Archipels beziehen sich
in den bis jetzt erschienenen 5 Lieferungen auf Nepenthes, die
Dipterocarpeen, die Ternströmiaceen und einige Gattungen aus
der Verwandtschaft von Bcmhmia und Nauclea. Diese aus-
führlichen und durch trefi"liche Kupfertafeln erläuterten Unter-
suchungen bilden die botanische Abtheilung der Verhandelin-
gen over de natuurlijke Geschiedenis der Nederlandsche over-
zeesche Bezittingen. Leiden 1840 — 42. Folio.
Die Farne der Philippinen wurden von Smith nach Cu-
ming's Sammlungen bearbeitet (Journ. of Botany V. 3 p. 392
bis 422). Von etwa 300 Arten sind 100 neu, die indessen
vorläufig nur benannt und noch nicht beschrieben sind. Einige
der artenreichsten Gattungen sind folgende: unter 68 Polypo-
dieen Polypodium (10 sp.), Niphoholus (5 sp.), Drynaria (2 sp.);
25 Acrosticheen Polyhotrya (4 sp.), Oyrtogonium (4 sp.), Gym-
nopteris (7 sp.); 35 Pterideen Pteris (16 sp.), Blechnum (4 sp.);
Archiv f. Naturgeschichte. VUI. Jahrg. 2. Bd. Ff
450
39 Asplenieen Dipla%ium (10 sp.), Asplenium (18 sp.), Calli-
pferis (6 sp.); 47 Aspidieen Aspidium (7 sp.), Nephrodium
(12 sp.), Lastrea (11 sp.), Nephrolepis (5 sp.); 55 Dicksonieen
Lindsaea (7 sp.) , Microlepis (5 sp.) , Davallia (6 sp.) , Tricho-
manes (14 sp.), Hymenophyllum (5 sp.); 7 Cyatheen Alsophila
(4 sp.); 6 Gleichenieen ; 6 Osmiindeen; 3 Marattieen und
3 Opliioglosseen. Hier zuerst neu aufgestellte Gattungen sind:
Dryostachmm und Dihlemma unter den Polypodieen, Lomo-
gramma, eine Acrostichee und die Dicksonieen Isoloma, Sy-
naphlebium, Odontoloma.
IV. Africa.
Das Werk über die canarischen Inseln von Webb und
Berthelot ist in diesem Jahre nicht viel weiter fortgeschrit-
ten, indem nur 6 neue Lieferungen erschienen sind. Die ganze
Zahl der Hefte belauft sich daher nunmehr auf 64.
Unter den von Kotschy in Nubien gesammelten Pflan-
zen , die der Wiirtembergische Reiseverein unter seine Actio-
naire vertheilt hat, finden sich neue Formen, die bereits be-
nannt und beschrieben worden sind, z. B. die neue Liliacee
Eratobotrys aus Kordofan, von Fenzel aufgestellt, die Buto-
macee Tenagocharis, die Euphorbiacee Cephalocroton, die Ver-
benacee Holochiloma, die Scrofularineen Chilostigma und Ma-
crosiphon und die Acanthaceen Monechma und Polyechma,
sämmtlich von Hochstetter (Regensb. Flora 1841 S. 368).
Mit der Bearbeitung von Seh im per 's Sammlungen in
Abyssinien haben sich A. Braun und Hochstetter beschäf-
tigt. Der Erstere hat zunächst die abyssinischen Culturge-
wächse besonders nach den eingesandten Sämereien beschrie-
ben (Regensb. Flora 1841 S. 257). Verzeichniss der unter
diesen bestimmbaren Arten, die sämmtlich bei Adoa gebaut
werden, nebst den abyssinischen Namen: Triticum sativum^
Tr, Spelta, Hordeum distichon (Konzebe), Poa ahyssinica (Taf,
Tef, Tief), Eleusi7ie Tocusso (Daguscha), Sorghum sp., Zea
Mays (Marchilla Bahari), Guizotia oleifera (Nuck), Carthamus
tinctorius (Schuf), Nicotüma macrophylla (Ferr as mai), Ca-
psicum annuum (Berberi gaije), C pubescens nov. sp., Ocimum
graveolens nov. sp. (Sessak), Lepidium sativum (Schimpfa),
Simipis nigra var. (Senafitsch), Linum usitatissimum (Telba),
451
Coriandrum sativum (Zageda), Tiigonella foenum graecum
(Abacha), Ervum Lens (Bersen, Mesur)^ Lathyrus sativus
(Sebberi), Pisum ahysnnicum iiov. sp. (Ein-Ater), Vicia Faha,
Cicer arietinum (Ater, Schimbera), Phascohus vulgaris (Ada-
goiina). Ausserdem publicirte A. Braun systematische Be-
merkungen über einige der bei Adoa gesammelten und an die
Actionaire des Wiirtembergischen Reisevereins vertheilten Ge-
wächse (Ebenda S. 705). Hochstetter beschrieb daselbst
die neuen abyssinischen Gattungen lUiyacophila (Lythrariee),
THgonotheca (Hippocrateacee), Uehelinia (Caryophyllee), Stre-
ptopetalum (Turneracee), Raphidophyllum (Scrofularinee), Cra-
terostigma (Cyrtandracee), Nathusia (Oleinee).
IJber die Capflora ist ein sehr wichtiges Werk von Nees
vonEsenbeck begonnen worden (Florae Africae australioris
illustrationes monographicae. V. I. Gramineae. Glogau 1841 8).
In pflanzengeographischer Rücksicht ist dieser vollständigen
Monographie der südafricanischen Gramineen die von Drege
herrührende und in E. Meyer's Commentarien publicirte Ein-
theilung der Colonie in botanische Terrassen und Districte zu
Grunde gelegt. Hiernach sind von Beilschmied genaue
Tabellen über die geographische Verbreitung der Gräser aus-
gearbeitet. Die zweite Tafel ist besonders geeignet, einen
Überblick über diese statistischen Verhältnisse zu gewähren.
Im Ganzen werden von Nees von Esenbeck 359 Gramineen
ausführlich beschrieben. Diese vertheilen sich nach den Re-
gionen auf folgende Weise:
500' 1000' 2000' 3000' über
0-500 -1000'-2000'--3000'-4000'-4000'
452
500' 1000' 2000' 3000' über
0-500'-1000'-'2000'-3000'-4000'-4000'
Aruiidineen 4sp. 3 1 — 2 — —
Triticeen 5 sp. 2 3 — 3 2 2
Festuceen 67 sp. 43 31 30 26 33 26
Banibiiseeu 2sp. 1? — — — — 1__
Summa 359 sp. 188 172 166 138 127 92
ijber Centra der Verbreitung stellt der Verf. folgende
Hauptresultate seiner Untersuchungen zusanniien. Die Paniceen
nehmen gegen Südosten z.B. im DistrictUitenhagen an Menge
zu, die Stipeen gegen Süden, die Aveneen sind am zahlreich-
sten in der untern Bergregion der westlichen Landestheile,
auch die Saccharineen werden hier häufiger, bis sie an der
Westküste ihr Maximum erreichen Je häufiger die Paniceen
in der Küstenregion werden, desto mehr nehmen hier die Fe-
stuceen ab. Von diesem Gesetze ist nur Eragrostis ausge-
nommen, die aber auch mit den Paniceen und Saccharineen
im Monat Januar blüht, während die übrigen Capischen
Festuceen ihre Blüthen im November entfalten. Die Chlori-
deen sind von der Südküste fast ganz ausgeschlossen, sie neh-
men in den mittlem Regionen verhältnissmässig an Menge zu,
überhaupt sind die Gebirge aber auch reicher an Gräsern, als
die Ebenen am Meer. Die Oryzeen bewohnen besonders die
mittlem Regionen, die Agrostideen sind gleichförmig durch das
Land vertheilt. Neue Gattungen sind: Chondrolaena, Chaeto-
hromus, Tetrachne, Urochlaena.
Ferner bearbeitete Nees von Esenbock die Acantha-
ceen der Capflora besonders nach Ecklon's Sanmilung (Lin-
naea 1841 S. 351 — 376). Dies sind 36 Arten, die zu 14 ver-
schiedenen Gattungen gehören und von denen ungefähr die
Hälfte neu ist: die Genera waren sämmtlich schon früher
publicirt.
Walker Arnott sthrieb eine für Systematik wichtige
Abhandlung über einzelne Gewächse der Capflora (Journ. of
Botany 3 p. 147, 251), die besonders den Zweck hat die irri-
gen Bestimmungen in der Drege'schen Sammlung zu berich-
tigen. Seine Untersuchungen beziehen sich vorzüglich auf fol-
gende Pflanzengruppen: Olacineen, Zanthoxyleen, Bixineen,
Anacardiaceen, Sapindaceen, die zweifelhafte Euphorbiacee
453
Dovi/alis, die Rhainneen, die sehr iiiigeiiau bestimmt waren,
die Celastriiieen, Bruniaceeii, Gnibbiaceen , Crucifereii, die
zweifelhafte Auiii^Q^mQQ Moldenhauera und verschiedene andere
bisher wenig bekannt gewesene Gattungen.
Ans dem von Krauss in der neuen Colonie Natal gesam-
melten Herbarium hat H ochste tt er folgende neue Gattungen
beschrieben: Fodiopetalum und Bracteolaria (Leguminosen),
Monospora (Euphorbiacee) , Natalia (Sapindacee) , Äniiularia
(Apocynee) (Regensb. Flora a. a. O.). Die von Krauss gesam-
melten Algen wurden von Hering publicirt (Ann. nat. hist. 8
p. 90). Dies sind 11 neue Arten, unter diesen die neue Gat-
tung- Martensia.
V. America.
Von besonderer Wichtigkeit fiir die ßeurtheilung der
pflanzengeographischen Verhältnisse der Nordwestkiiste von
America sind die meteorologischen Beobachtungen, welche
Tschernych 4 Jahre hindurch zu Ross in Californien an-
stellte und deren ungemeine Anomalie A. Erman entwickelte
(Archiv fiir Russl. 1841 S. 562). Ross liegt an der Küste
unter 38'' 34' N. Br. Die mittlere Wärme beträgt nur 9*^ 27 R.
Die mittlem Temperaturen für die einzelnen Monate sind:
Jan. = 7«,05 R. Juli = 11«,52 R.
Febr. = %\^Q — Aug. = 11«,65 —
März = 7^46 — Sept. = 11 «,11 —
April = 8«,43 — Oct. = 10^06 —
Mai = 9^64 — Nov. = 8«,82 —
Juni = 10«,78 — Dec. = 7",73 —
Oder für je drei Monate beträgt die
Mitteltemperatur des Winters = 7^,25 R.
— — Frühlings = 8«,5l —
— ^ — Sommers = 11^,31 —
«. _ Herbstes = 10^00 —
Endlich betrug die Temperatur des kältesten Tages (4. Febr.)
= 6^92, die des wärmsten (5. Aug.) = 11^,68.
Bis jetzt, bemerkt Erman, ist keine Gegend der Erde
bekannt, in welcher unter gleicher Breite eine so niedrige
Jahrestemperatur herrschte, als in Ross, selbst nicht in den
Meridianen, die in höhern Breiten die kältesten sind. Denn
454
die Isotherme von Ross liegt im östlichen Asien unter 40*^,41',
an der Ostküste von America unter 40**, 45, im Innern dieses
Continents hebt sie sich auf 41^,16, während sie im westlichen
Europa erst unter 47^,82 N. Br. eintritt. Demzufolge verhält
sich das Clima der Nordvvestküste von America hier entgegen-
gesetzt als in höhern Breiten, die wärmer sind, als die be-
nachbarten Continente. Aber von weit grösserm Einflüsse auf
die Vegetation, als die ungewöhnlich langsame Wärmezunahme
bei abnehmender Breite, muss der geringe Umfang der Tem-
peraturskale von Ross sein, der nur mit Aquatorialzone ver-
glichen werden kann. Die Unterschiede des kältesten und
wärmsten Monats betragen auf der Isotherme von Ross im
westlichen Europa 16** R., im Innern von Nordamerica (263'^
O. L. von Paris) 23^- in Ross (233^66 O. L.) betragen sie
nur 4^,5. Von diesen enormen climatischen Gegensätzen, die
das Land zu beiden Seiten der Rocky Mountains trennen,
scheint fiir jetzt noch keine weitere Anwendung auf die Pflan-
zengeographie gemacht werden zu können, weil wir zwar viele
Pflanzenarten aus Californien, aber nicht deren Lebensgeschichte
kennen: inzwischen wird es schon jetzt begreiflich, dass die
californische Flora grösstentheils nur endemische Pflanzen be-
sitzt, deren Organisation im Allgemeinen in einem höhern
Grade von den Bestandtheilen der nordamericanischen Flora
abweicht, als diese von der europäisch sibirischen. Die Nach-
richten über die californische Flora sind fragmentarisch, aber
die hervorstechende Entwickelung einer Familie, wie der Pole-
moniaceen, ist eine Erscheinung, fiir die es von der Nord-
westküste Europa's bis zum östlichen Asien, ja vielleicht bis
nach Canada kaum ein Analogon giebt. Genauere Nachrichten
dürfen wir von Nuttall erwarten, der bereits die auf seiner
Reise nach den Sandwichsinseln gesammelten Synanthereen
publicirt hat (Description of new Compositae collected in a tour
across the continent to the Pacific, a residence in Oregon and
a visit to the Sandwich Islands and Upper California: in den
Transactions of the American Philosophical Society 1841
p. 283).
Zu den von D r u m m o n d in Nordamerica gesammelten
Moosen wurden berichtigende Bemerkungen von Wilson pu-
blicirt (Journ. of Botany V. 3 p. 433 — 441).
455
V. Schlechtendal setzte seine Untersuchung der mexi-
canischen Celastrineen und Rhamneen fort (Linnaea 1841 S.458).
Bertoloni publicirte in den Commentationen der Aca-
demie von Bologna eine FJorula Guatimalensis, die Bearbeitung
einer kleinen Sammlung, die er von Velasquez empfing. Sie
enthält nur 79 Arten, unter denen 59 neu sind. Dies sind die
Primitien einer Flora, die bis jetzt ganz unbekannt geblieben
war und deren Untersuchung eine um so fühlbarere Lücke
ausfüllen würde, weil Guatimala in der Mitte zwischen zwei
so verschiedenartigen Vegetationsbezirken Hegt, wie Mexico
und Columbien erscheinen. Die geringe Zahl der von Berto-
loni beschriebenen Pflanzen gestattet keine Schlüsse auf den
Natur-Character dieses Landes: hoffentlich werden von Wien
aus die vom Herrn v. Friedrichsthal herrührenden Pflanzeu-
sammlungen aus Guatimala bald einen Bearbeiter finden.
Von R. de la Sagra's Werke über Cuba sind nun schon
39 Lieferungen erschienen. Da die systematisch botanische
Abtheilung hiemit gerade einen gewissen Abschluss erreicht
hat, so werden einige Bemerkungen über den Umfang des bis-
her Geleisteten hier an ihrem Orte sein. Von den Crypto-
gamen ist nämlich der erste Band vollendet, der sämmtliche
cellulöse Pflanzen umfasst. Sie sind mit grosser Ausführlich-
keit von Montagne bearbeitet und durch treffliche Kupfer-
tafeln in Farben erläutert. Das Werk beginnt mit den Algen,
die jedoch nicht mit besonderer Vorliebe gesammelt zu sein
scheinen. Der tropische Character dieser Familie erscheint
dadurch ausgedrückt, dass die Fucoideen gegen die Florideen
zurücktreten. Von den eigentlichen Tangen sind nur 6 For-
men beobachtet, die ohne Ausnahme zur Gattung Sargassum
gehören. Dagegen wurden von den Florideen 15, von den
Ceramieen 7 , von den Dictyoteen 8 Arten gesammelt. Auf
die Algen folgen die Byssaceen {Collema^ Leptagium)^ die nach
Fries als besondere Gruppe zusammengestellt sind. Von Li-
chenen enthält diese Flora 64 Arten, die durch das Überwie-
gen geschlossener Sporangien meistentheils zu andern Gattun-
gen gehören, als die Hauptformen, die der gemässigten und
kalten Zone aus dieser Familie eigen sind. Freilich ist hiebei
auch von Einfluss , dass in der Nachbarschaft von Havanna,
wo der grösste Theil des ganzen Sagra'schen naturhistorischen
456
Materials zusammengebracht ist, anstehendes Gestein selten ist
und daher fast nur Rindenflechten erwähnt werden. So ent-
hält die Gattung Lecidea nur 2 Arten, Parmelia 17. Die Zahl
der beobachteten Pilze beläuft sich ungefähr auf 120 Arten
und, so gering diese Ausbeute ist, zeigt sie doch auch schon
eine characteristische Eigenthümlichkeit, so fern andere Gat-
tungen in Cuba artenreich sind, als bei uns. Von der Gat-
tung Agaricus wird nämlich nur eine einzige Art aufgeführt,
von Polyporus 29; oder hat dies nur seinen Grund in der
grössern Leichtigkeit, die Arten der letztern Gattung aufzu-
bewahren. Dieser Zweifel ist wenigstens bei Sphaeria nicht
zulässig, welche gleichfalls nur mit einer Art aufgeführt wird,
während von Hypoxylon 14 Species beschrieben sind. Die
Lebermoose entwickeln sich ohne Zweifel sehr üppig in den
tropischen Wäldern der Insel: bis jetzt sind indessen nicht
mehr als 31 Formen beobachtet, unter denen Lejeuma die mei-
sten Arten (13) zählt. Auch von Laubmoosen Cuba's ist ge-
wiss erst der geringste Theil beschrieben, indem die Flora
aus dieser Familie nur 27 Arten aus 12 Gattungen enthält.
Inzwischen können wir aus den bisher herausgekommenen
Phanerogamen gewiss mit Reclit den Schluss ziehen, dass Cuba
gar nicht eine solche IMannigfaltigkeit in den vegetabilischen
Erzeugnissen besitzt, wie der americanische Continent. Die
Flora wird auf das Ausführlichste und Gründlichste von Ri-
chard bearbeitet. In De Candolle'scher Anordnung ist das
Werk bis zum Schluss der Thalamifloren gediehen. Die ab-
gehandelten Familien, die in andern tropischen Floren zum
Theil zu den formenreichsten gehören , enthalten nicht mehr
als 200 Arten. Dieses Resultat kann nicht allein durch die
UnVollständigkeit der Herbarien erklärt werden. Ein grosser
Theil der beschriebenen Pflanzen ist gar nicht einmal ende-
misch; von den hieher verbreiteten Gewächsen des Festlandes
ist eine bedeutende Zahl in der Sagra'schen Sammlung ent-
halten. Auch die frühern Untersuchungen Cuba's lehren, dass
diese Insel keine reiche Flora besitzt. Die v. Humboldt'sche
Sammlung aus Havanna, die Kunth^ beschrieben hat, enthielt
juir 156 Phanerogamen. V^on jener Zeit bis auf Sagra hat
nur Pöppjo- Herbarien auf Cuba gesammelt. Freilich ist der
östliche Theil der Insel mit Ausnahme der Umgegend von
457
Baracoa noch ganz unbekannt, das Innere enthält undurch-
dringliche Gebirgswäder, allein eine Ausbeute, wie in Java,
ist hier nach den bisherigen Erfahrungen doch nicht zu er-
warten. Verzeichniss der abgehandelten Familien nebst Anzahl
der Arten: 4 Raimncuhceen (Clema/is), 4 Dilleniaceen, 12 Ano-
naceen (3 davon cultivirt), 1 Menisperniee, 1 Nymphaea, 2 Pa-
paveraceen, 2 Cruciferen (eingewandert), 4 Capparideen, 5 Bixi-
neen, 1 Violariee, 1 Drosera, 6 Polygaleen, 1 Sauvagesia, 2 Ca-
ryophylleen, 45 Malvaceen, 7 ßonibaceen, lOßiittneriaceen, 9 Ti-
liaceen, 3Ternströiiiiaceen, 1 Olacinee, 2 Aurantiaceen, Sllyperi-
cineen, 3 Guttiferen, 1 Canella, 1 Marcgraavia, 1 Hippocratea,
7 Erythroxyleen, 15 Malpighiaceen, 7 Meliaceen, 4 Ampelideen,
3 0xalideen, 4 Zygophylleen , 2 Diosmeen, 8 Zanthoxyleen,
1 Simaruba.
Bentham hat die im vorigen Jahresberichte erwähnte
Bearbeitung der von Schomburgk im britischen Guiana ge-
sammelten Pflanzen fortgesetzt (Journ. of Botany 1841 V. 3
p. 212 V. 4 p. 99). Die daselbst bearbeiteten Familien sind:
Rubiaceen (87 sp.) , Loganiaceen mit Einschluss der Strych-
neen und Spigeliaceen (7), Apocyneen (35), Capparideen (4),
Polygaleen (17), Droseraceen (1), Violarieen (14), Samydeen
(9), Bixineen (13), Homalineen (1), Turneraceen (8) , Malva-
ceen (23), Biittneriaceen (19), Tiliaceen (8). — Von Klotz seh
sind bearbeitet die Proteaceen (4) und die Piperaceen (8 sp.).
Über einige Gattungen der Flora von Guiana hat Bentham
eine Abhandlung in den Linnean transactions publicirt (V. 18
p. 225), namentlich über S^mplocos, Segmera, Ant/todiscus. —
Splitgerber bearbeitete die Farne und Lycopodiaceen,
welche er in Surinam gesammelt hatte (v. d. Hoeven Tijd-
schrift 1840 S. 391).
Klotz seh beschrieb die americanischen Proteaceen des
Berliner Museums (Linnaea 1841 S. 51). Die Zall der Re-
präsentanten dieser Familie in America ist bekanntlich seh;
gering, die Vertheilung der Gattungen richtet sich nach den
natürlichen Floren. Chile besitzt Giievinia (1 sp.) und Ijo-
matia (2 sp.) ; von Antuco bis zur Magellans-Strasse verbreitet
sich Embothium (2sp.); in den peruanischen Anden ist Oreo-
callis (1 sp.) einheimisch. Die grösseren , baumförmigen Gat-
458
tungen bewohnen die Urwälder Süd-America's auf der Ostseite
der Anden von Brasilien und Peru bis Guiana: Adenostepha-
nus Kl. (2 sp.), Ändripetalmn (3 sp.) und Rhopala (15 sp.) —
Einige neue brasilianische Pflanzen, 15 Arten aus verschiede-
nen Familien, wurden in einem Vortrage an die Linnean
Society von Bunbury beschrieben (Ann. nat. hist. V. 7 p. 5.31).
Von Orbigny's Voyage dans l'Amerique meridionale
sind jetzt 61 Lieferungen ausgegeben worden.
Von der Flora brasiliensis von Endlicher und v. Mar-
tins erschien 1841 der zweite F^ascikel, dem in diesem Jahre
die drei folgenden sich anschlössen. Wir setzen zunächst
unsern Bericht über die Landschaftstafeln fort. Der Urwald
in der Serra do Mar (Taf. 6) in der Provinz Rio de Ja-
neiro gehört bekanntlich zu den pflanzenreichsten Formationen
Brasiliens und ist auch am häufigsten von Reisenden besucht
worden, v. Martins, der hier zuerst die Üppigkeit der bra-
silianischen Vegetation kennen lernte, schildert mit ergreifen-
der Lebendigkeit deren mannigfaltige Gewächsformen, er ver-
weilt bei der Harmonie, mit der sie geordnet, bei der Lebens-
fiille, von der sie beherrscht werden. Übersicht der vorwal-
tenden Familien: die höhern Baumstämme gehören vorzüglich
zu den Leguminosen, Lecythideen, Myrtaceen, Melastomaceen,
Laurineen, Sapoteen, Myrsineen, Diosmeen und Rubiaceen;
deren Parasiten und Epiphyten sind Aroideen, Orchideen,
Bromeliaceen und Farne, wie in dem äquatorialen Brasilien;
die Lianen bestehen aus Dilleniaceen {üavild), Ranunculaceen
{Clematis), Euphorbiaceen {Anabaena) , Malpighiaceen , Bigno-
niaceen und tauartig ausgespannten Asclepiadeen ; das dichte
Gesträuch wird gebildet aus Piperaceen, Leguminosen {Caulo-
tretus, Machaerium) , Rubiaceen {Tetratnerium , Pst/chotna),
Euphorbiaceen {Croton, Excoecaria) , Verbenaceen {Lantana,
Aegiphilii), Vernonien, Diosmeen {Pilocarpus), Monimieen (C/-
trosma)^ Hippocrateaceen {ßalacia, Touteled), Trigoiiien und
Melastomaceen; endlich die Schattenkräuter, ausgezeichnet
durch grosse, saftreiche Blätter und prachtvolle Blumen, sind
Formen aus dem Scitamineen, Amaryllideen , Begoniaceen,
Gesneriaceen und Acanthaceen, denen sich dann Cyperaceen
{Cyperus^ Scleria) und Gramineen {Panicuni) anschliessen. Ein
Wald von solchen Bestandtheilen bedeckt die Küstenkette in
459
der Nähe des Wendekreises : eine hohe Temperatur mit gerin-
gen Schwankungen und eine stetige Circulation beträchtlicher
Wassermengen sind die climatischen Bedingungen jedes tropi-
schen Waldes dieser Art. Die Jahreswärme ist in Rio höher
(23®,1 C.) als in Lima, das mehr als 10 Breitengrade nörd-
licher liegt und wegen seiner Lage und seines trocknen Cli-
ma's keine Urwälder besitzt; die Temperaturskale in Rio vom
kältesten zum wärmsten Monat beträgt etwa 7** C. Die Feuch-
tigkeit wird dem ürwalde der Serra do Mar durch den schwe-
ren, rothen Thonboden erhalten, in welchem derselbe wurzelt,
über granitischen und syenitischen Gesteinen, die eine solche
Bildung der Erdkrume begünstigen. Wie aber das dichte,
ungeheure Laubdach des Waldes hiebei wesentlich sich selbst
gegen die trocknenden Stralden der Sonne beschütze, lehrt
die Erfahrung, dass, wo Bäume nicht gedeihen, der Boden
hart und trocken ist und nur unansehnliche, socielle Farne,
w^e Pteris caudata und Mertensien ernährt. Noch anschau-
licher sind aber in dieser Rücksicht die Verhältnisse, welche
in gesetzlicher Folge nach einer örtlichen Zerstörung des
Waldes eintreten. Diese Änderungen der Vegetation werden
in der Sprache der Tupinambo-Indianer mit besondern Aus-
drücken bezeichnet. Der Urwald selbst heisst Laa-ete oder
auch Mato-virgem d. h. jungfräulicher Wald; brennt derselbe
nieder, so verwandelt sich die Anfangs wüste, dann etwa
20 Jahre lang mit Gesträuch bewachsene Fläche, indem all-
mälig Bäume anderer Art hervorsprossen, in die Formation
des Capoeira d. h. gefüllter Wald. v. Martins rechnet, dass
ungefähr nach einem Jahrhundert der Wald sein ursprüng-
liches Ansehen wiedererlangt, indem die Gesträuche und nie-
dern Stämme allmälig immer mehr durch die hohen Wald-
bäume verdrängt werden, so dass man aus der Menge des
Unterholzes auf das jüngere Alter eines Urwaldes schliessen
kann. Die Bestandtheile des Capoeira gehören namentlich zu
den Urticeen {Celtis , Urtica), Verbenaceen {Lantana, Aegi-
phild) , Synanthereen {Coni/%a, Abatinia, Vernonia), Solaneen
(^Acnistus, Solanum^ Physalis), Laurineen (^Oreodaphne, Nectan-
dra, Cryptocarya) , Malpighiaceen {ßtigmaphylion^ Barästerid);
ferner werden genannt die Gattungen Cordia, Croton, Schirms,
Gouania, Xanthoxylon, Sloanea, Schmidelia, — Weitere Zu-
460
gaben zur Characteristik der brasilianischen Urwälder liefern
die Taf. 8 und 9, von denen die letztere, eine Darstellung
uralter Bäume aai Amazonas, ein physiologisches Interesse
erregt, die erste aber den Unterschied bildlich zu erläutern
bestinimt ist, den der Waldcharacter zeigt, so bald man über
den Wendekreis hinaus, die Provinz S. Paulo betreten hat.
Allmälig verlieren sich die Lianen, die Formen werden einför-
miger, eine grosse Menge von F'arrnkräuter vegetirt im Schat-
ten der Bäume.
Die im vorigen Jahresberichte bezeichnete Vegetation der
Camp OS wird auf Taf. 7 durch ein zweites Bild dieser For-
njation aus der Provinz S. Paulo erläutert, dessen Erklärung
vorzüglich die Stauden berücksichtigt, die zwischen den Gra-
mineen gedeihen. Unter diesen sird folgende Formen als
characteristisch hervorgehoben: Amarantaceen {Gomphrenä),
Apocyneen {Echites), Gentianeen {Lisicmthus, Dejanira, Schueh-
Ä?r/«), Asclepiadeen {Oxi/petalum, Ditassci), Synanthereen {We-
delia, Kuhnia, Eupatorium, Mikania, Stevia, Vernonid), Rubia-
ceen {Declieuxid) , Melastomaceen {Microlicia, Cambessedesia,
Lasiandra, Marcetid), die Knollen tragende Malpighiacee Ca-
marea; endlich kleine Sträucher aus den Euphorbiaceen {Cne-
midostachys) und Anonaceen {Änonci).
Der systematische Theil des zweiten Heftes der Flora
brasiliensis enthält die Anonaceen von v. Martins.
Eine Fortsetzung von Hooker's und Arnott's Contri-
butions towards a Flora of South America and the Island's
of the Pacific erschien in des Erstem Journal (V^ol. III.) und
enthält die Synanthereen. Diese Arbeit, die bereits bis Nr. 2067
reicht, beschäftigt sich vorzüglich mit der Flora der südlich
vom Wendekreis gelegenen Theile Süd-America's und gründet
sich auf die Sammlungen von Tweedie, Gillies, Bridges, Cu-
ming, Beechey, Mathews, Darwin u. A.
VI. Australien.
Lindley's Diagnosen zu 76 neuen Arten aus dem Innern
von Neuholland, die in Mitchell's Three expeditions into
the interior of Eastern Australia (Lond. 1839) vorkommen,
sind in den Annales des sciences V. 56 abgedruckt.
461
Vom Swan River, über dessen Flora die Samminngen von
Preiss ein grösseres Licht verbreiten werden, sind auch neue
Nachrichten von Drummond bekannt gemacht (Journ. of
Botany v. H. p. 79). Dieser thätige Botaniker berichtet über
eine Reise nach King George Sound, wo die Vegetation schon
einen ganz verschiedenen Character besitzt, und doch nicht
weniger reich zu sein scheint, als in Perth und York. Ein
solcher Wechsel auf kurzen Entfernungen, die hier nur drei
Breitengrade betragen, ist mit den Verhältnissen der Capflora
zu vergleichen. Dr. nimmt an, dass in King George Sound
auf einer morastigen Fläche gegen 1000 Arten wachsen, die
am Swan River nicht vorkommen. Eine entschiedene Vegeta-
tionsgrenze bildet der Fluss Dale, der etwa 80 e. Meilen süd-
östlich von Freemantle erreicht wurde. Denn von hier aus
verschwinden grösstentheils die Xanthorrhoeen , die den phy-
siognoniischen Character der Gegenden am Swan River be-
dingen (s. vorigen Jahresbericht). Von der daselbst erwähn-
ten V^ergiftung der Heerden hat sich jetzt herausgestellt, dass
nicht die beschuldigte Lobeliacee, sondern eine Leguminose,
wahrscheinlich ein Gomp/iolohium die Ursache dieser Calami-
tät ist).
Endlicher hat zu der früher begonnenen Bearbeitung
der V. Hügelschen Swan River Pflanzen in den Annalen des
Wiener Museums noch einen Nachtrag geliefert, worin 30 neue
Arten beschrieben sind.
Nachrichten über Neu -Guinea, welche von Zippelius
herrühren, sind in der ideographischen Abtheiliing der oben
erwähnten Abhandlungen über die niederländischen Colonieen
enthalten. Es waren jedoch erst 4 Lieferungen davon er-
schienen. W'ir finden in den Angaben über die Zusammen-
setzung jener dichten Waldungen, welche die ganze Südwest-
küste von Neu-Guinea bedecken , einige schätzbare Anhalts-
puncte, wodurch die Verwandtschaft der Flora der Sundainseln
mit der des tropischen Australien aufs Neue bestätigt wird.
Fast alle Pflanzengattungen, die hier erwähnt sind, kommen
auch im indischen Archipel vor. Einige derselben, wie Casua-
rina, Carissa, Älyssia, Olax, sind auch in Neu-Holland ein-
heimisch , wenige scheinen endemisch. Mehrfach treten die
Euphorbiaceen, ürticeen, Apocyneen, Rubiaceen und Acan-
462
thaceen auf. Die Mangrove - Wälder bestehen aus den ost-
indischen Gattungen. Aus allen Mittheilungen geht hervor,
dass Neuguinea nicht zu den Inseln mit einer eigenthümlichen
vegetabilischen Schöpfung, sondern zu denen gehört, deren
Flora durch ihre geographische Lage bestimmt ist. Dies Re-
sultat erscheint viel auffallender, wenn man den Character der
Thierwelt mit dem der Pflanzen vergleicht: denn an endemi-
schen Thieren ist Neuguinea reich. Die Schöpfungsheerde
beider Naturreiche scheinen daher nicht überall geographisch
zusammenzufallen.
Zum Schluss ist endlich noch das Reisewerk über die
Weltumsegelung der Bonite zu erwähnen, worin die Pflan-
zen von Gaudichaud bearbeitet sind. Die Tafeln stellen
unter Anderm viele Pandaneen dar. Die Localitäten, wo ge-
sammelt wurde, sind mannigfaltig: namentlich Hinterindien,
Philippinen, China, Sandwichsinseln, verschiedene Küstenpuncte
America's, besonders am stillen Meere.
Gedruckt r»ei Gebr. IJnger.
In iinserm Verlage ist erschienen und in allen Buchhand-
lungen zu haben:
leoiies plaiitariini rarioriim
horti Regii botanici Berolinensis.
Alibilduugcn
Herausgegeben von
Jl. V, JLinle. JPr, l^lotxsch, Tr. Otto,
Zweiter Jahrgang. Erstes und zweites Heft.
(4 Bogen Text und 12 colorirte Abbildungen.)
Preis eines jeden Heftes i\ Thlr.
Das obige Werk soll nur neue oder seltene durch Schönheit aus-
gezeichnete, bisher noch nicht oder unkenntlich dargestellte Gewächse
abhandeln, und für jede Abhandlung so viel Analyse enthalten, dass
man, ohne erst im Texte nachsehen zu müssen, aus ihr die Familie,
die Klasse und Ordnung des Linneischen Sexual-Systems, die Gattung
und Art leicht erkennen kann; ausserdem wird der Text in lateini-
scher und deutscher Sprache die wesentlichen Kennzeichen der Fa-
milie, der Gattung und Art, so wie deren Verwandtschaften und von
der letzteren eine vollständige Beschreibung aufnehmen, die geeignetste
Methode, wie die abgehandelten Pflanzen zu ziehen sind, nachweisen,
und mit der Angabe des Vaterlandes und des Entdeckers auch das
Geschichtliche und sonst Merkwürdige der Pflanze verbinden.
JC^* Das dritte Heft wird in Kurzem ausgegeben.
B e r i e li t
der Entomologie
während des Jahres 1841,
von
Dr. IT. V. JErichson,
(Aas dem Archiv für Naturgeschichte, Jahrg. 1842 besonders abgedruckt.)
Preis geheftet 1 Thlr.
Die Berichte von den Jahren 1838, 1839 und 1840 sind ebenfalls
in Separatabdrücken ä 25 Sgr. zu haben.
Ferner ist bei uns ersohieneii:
tfaliresliericilt
über die Arbeiten
für
physiologische Botanik
im Jahre 1841
von
Dr. jff. F. JjinJc,
Director des Königl. botanischen Gartens bei Berlin.
(Aus dem Arthiv Tür Naturgeschichte, Jahrg. 1842 besonders abgedruckt.)
Preis geheftet 25 Sgr.
Der Jahresbericht von 1840 kostet ebenfalls 25 Sgr.
Forstiiatiirwlssenisehaftliclie Kellen
durch
verschiedene Gegenden Deutschlands.
Ein
Rathg'eber und Begleiter auf Reisen
und beim
natur- und forstwissenschaftlichen Unterricht,
von
Dr. ^, JP. C, üataeburg,
Professor der Naturwissenschaften an der Königl. Preussischen höhern
Forst-Lehranstalt etc.
Mit 4 lithographirten Tafeln und mehreren Holzschnitten.
Sauber geheftet. Preis 2f Thlr.