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:-^^-^:
Bericht über die Leistungen in der Naturgeschichte
der Vögel während des Jahres 1847.
Von
Dr. G. Hartlaub.
Jijs hat sich im verflossenen Jahre eine vielseitige und leb-
hafte Theilnahme an der Förderung der Ornitliologie ausge-
sprochen. Von der noch immer grossen Anzahl neu entdeck-
ter Arten stammen melir als zwei Drittheile aus Amerika,
Afrika lieferte sehr wenige , gar keine Europa. Der so an-
ziehende biographische Theil der Naturgeschichte der Vögel
hat verschiedene talentvolle Bearbeiter gefunden, als Gosse für
westindische, Delegorgue für afrikanische und Verreaux für
australische Arten. Für Classification und Systematik haben
aber die fortgesetzten anatomischen Untersuchungen Johannes
Müller's über die typischen Verschiedenheiten der Stimmorgane
der Passerinen, so wie die in diesem Archiv von Cabanis mit-
getheilten Studien über die entscheidende Wichtigkeit der Lauf-
bekleidung und des numerischen Verhältnisses der Schwung-
und Schwanzfedern für eine naturgemässe Abgrenzung der
Ordnungen, Familien, Unterfamilien und Gattungen, wie zu
hoffen steht, in der Ornithologie eine neue Aera angebahnt.
Da diese „ornithologischen Notizen" ja ohne Zweifel allen
Lesern unseres Berichts zu Gesicht gekommen sein werden,
erscheint ein Eingehen auf die Einzelnh^iten derselben an die-
sem Orte überflüssig. Mit Recht verwahrt sich Cabanis gegen
jede einseitige Classification nach diesen Charakteren. Sein
Bemühen bei den Passerinen „nach constanten äussern Kenn-
zeichen zu suchen, aus welchen man mit Sicherheit auf das
Vorhandensein des inneren Singmuskel -Apparates schliessen
könnte*', verdient die dankbarste Anerkennung, und das um
so mehr, als es erfolgreich gewesen ist. Bei aller der grossen
Arrhiv f. Naturgesch. XIV. Jabrg. 2. ßd. A
2 Hartlaub: Bericht über die Leistungen in der
und durchgreifenden Wichtigkeit, welche wir in dieser Hin-
sicht anatomischen Kennzeichen zugestehen müssen und gern
zugestehen , bedarf es doch nach unserer festen Ueberzeugung
gerade in der Ornithologie nothwendig auch der Auffindung
und Anwendung guter äusserer Merkmale, w^enn nicht die-
ser so anziehende Theil der Thiergeschichte seine Popularität
einbüssen und eben dadurch in seiner fortschreitenden Ent-
vvickelung beeinträchtigt werden soll. Von diesem Gesichts-
punkte aus müssen wir denn auch den auf an und fiir sich
sehr verdienstliche und werthvolle anatomische Arbeiten ge-
stützten Vorschlag Cornay's, die Vögel nach der Verschieden-
heit des OS palatinum anterius zu classificiren, als unphiloso-
phisch und einseitig zurückweisen. Ebenso wenig können wir
es billigen, dass Thienemann in seinem schönen Werke über
die Fortpflanzung der Vögel die generische Gruppirung der-
selben nach den Eiern durchzuführen sucht, sind jedoch mit
ihm davon überzeugt, dass die Eier bei einer solchen weit
mehr berücksichtigt zu werden verdienen, als dies bisher ge-
schehen ist und bei unserer sehr unvollständigen Bekannt-
schaft mit der exotischen Oologie geschehen konnte. — In
der Manie neue Gattungen zu creiren scheint endlich ein er-
freulicher Nachlass eintreten zu wollen. Man gelangt von
vielen Seiten her zu der Einsicht, dass eine maassvolle Ein-
gränzung der Genera die richtigste und zweckmässigste sei,
im Gegensatz zu jener unmässigen Resfringirung derselben,
welche, wie schon mehrfach bemerkt wurde, allmählich dahin
führen müsste und würde, dass jede Species für sich allein
Gattungsrang beanspruchen könnte. Allerdings muss unser
ganzes Bestreben dahin gerichtet sein, die Charaktere einer
Gattung möglichst scharf zu fassen, möglichst bestimmt zu
formuliren, niemals aber wird dies in dem Grade vollständig
erreicht werden können, dass nicht in diesem oder jenem Ge-
nus neben den eigentlich typischen Arten auch weniger typi-
sche werden Platz finden müssen. Kaup sagt: ,,es will gefühlt
s&ifl, was zusammengehört" und daran ist etwas Wahres.
' G. H. Gray 's schönes Werk „The Genera of Birds" ist
bis zum 44sten Hefte vorgeschritten. Mit dem ÖOsten darf
Naturgesciiichte der Vögel während des Jahres 1847. 3
man den Schluss desselben erwarten. Die Specieslisten lassen
nach wie vor viel zu wünschen übrig, namentlich was Kritik
und synonymische Auseinandersetzung betrifft. Bei der Cha-
rakterisirung der Gattungen wird der ursprüngliche Plan fest-
gehalten, was wir, wenngleich inzwischen mehrere andere und
wichtige Gesichtspunkte für dieselbe gewonnen wurden, nicht
eben tadeln können. Die Abbildungen bleiben vortrefflich.
Auch Desmurs „Iconographie ornithologique" hat einen
regelmässigen Fortgang genommen. Dieses Werk nimmt so-
wohl der schönen treuen Abbildungen als auch des sie be-
gleitenden Textes wegen ein lebhaftes Interesse in Anspruch.
Desmurs ist namentlich in der Auswahl der abzubildenden
Gegenstände sehr glücklich.
Von Du Bus „Esquisses ornithologiques" liegen uns zwei
neue Hefte vor, deren innerer und äusserer Inhalt sich nicht
wesentlich von dem des ersten unterscheidet.
Die Mehrzahl der sehr hübsch abgebildeten Arten ist neu und
stammt aus Peru und Mexico. Die Brüsseler Sammlung gehört be-
kanntlich zu den reichsten und scheint den Plan einer derartigen wis-
senschaftlichen Nutzbarmachung durchaus zu rechtfertigen.
Von Fräs er 's „Zoologia typica'' sind zwei neue Liefe-
rungen erschienen.
Sie geben gute Abbildungen von Timalia Malcolmi^ Bucco suh-
snlphureus , Palaeornis modestus , Petrocincla pandoo^ Oriolus Kun-
doo und Psittacus Guildingu.
Cheval. Regley's „Histoire naturelle des Oiseaux", Li-
moges, 12mo, eines vermuthlich populär gehaltenen Werk-
chens, vermochten wir nicht ansichtig zu werden. Dasselbe
gilt von:
J. Rennie „Bird Miscellanies illustrative of the habits
and the faculties" 2 vol. in 18mo. Der Verfasser ist durch
frühere Arbeiten ähnlichen Inhalts vortheilhaft bekannt.
Von E. Stanley 's (Bischoff von Norwich) „Familiär
History of Birds, their nature, habits and instincts" 2 vol.
12mo ist die 4te Auflage erschienen.
Bei uns in Deutschland würde der Verleojer eines solchen Buches,
wie anziehend und unterhaltend dasselbe auch immerhin geschrieben
sein möchte, ganz sicher noch an der ersten Auflage würgen. Die
Vorliebe des englischen Publikums für dergleichen populär gehaltene
naturwissenschaftliche Werke ist eben so merkwürdig wie erfreulich-
A*
4 Hartlaub: Bericht über die Leistungen in der
Wir bedauern lebhaft, dass sich Lafrenaye von der Mit-
arbeiterschaft an d'Orbigny's Dictionaire d'histoire
naturelle, wie es scheint, gänzlich zurückgezogen hat. Nur
die ersten zwei oder drei Bände enthalten Beiträge von seiner
Hand, die ornithologischen Artikel der späteren stammen fast
sämmtlich von J. Gerbe her und sind, mit sehr wenigen
Ausnahmen , unkritische Compilationen ohne wissenschaftlichen
Werth.
Die neuste Arbeit Lesson's haben wir ungeachtet ihrer
sehr anspruchlosen Form als eines der wichtigeren unter den
ornithologischen Werken allgemeineren Inhalts, welche das
Jahr 1847 brachte, hervorzuheben. Dieselbe führt den Titel:
Description de Mammiferes et d'oiseaux recemment decouverts
precedee d'un tableau sur les races humaines" und bildet das
7te Bändchen des ornithologischen Theils der Leveque'schen
Ausgabe von Büffon's Werken. „Ce volume, heisst es in der
Vorrede, ne renferme que des descriptions faites sur na-
tu re soit d'animaux nouveaux soit d'animaux connus, mais
pour ces derniers , les details auront pour but de redresser
quelques erreurs de leur descriptions primitives". In Ueber-
einstimmung mit diesen Worten sind 183 Vögelarten mehr
oder weniger ausführlich beschrieben. Von vielen derselben
gab Lesson bereits Nachricht in der Revue zoologique, andere
Artikel sind fast wörtlich reproducirt aus dem bei uns sehr
wenig bekannten ,,Echo du Monde Savant". Ein grosser Theil
der beschriebenen Arten ist neu und wurde von des Verfassers
Bruder, dem Marinearzt Adolph Lesson, an den Ufern des
stillen Meeres, in Centralamerika, Guajaquil, auf den Mar-
quesas- und Gambierinseln gesammelt. Ungern vermisst man
in diesem Buche genaue Maassangaben der einzelnen Theile.
Ohne Fortsetzung blieb leider die von F. A. L. Thiene-
mann angefangene „Rhea", so wie dessen Fortpflan-
zungsgeschichte der gesammten Vögel.
Die Synonymen der europ. Vögel sind, alphabetisch ge-
ordnet, bearbeitet von Ant. Schembri unter dem Titel „Vo-
cabulario de' Sinonimi Classici dell' Ornithologia Europea pre-
sentato (i. MSS.) al Settimo Congresso dei Scienziati Italiani"
in den Nuov. Annal. d. Scienz. Nat. (di Bologn.) Ser. IL
Die bisher (1846 uad 1847) erschienenen Stücke dieser weitläuf-
Naturgeschichte der Vögel wahrend des Jahres 1847. 5
tigen Arbeit, Tom. V. S. 188. 292. 461, VI. S. 62. 127. 267. 335, VII. S.
34. 87. 344 reichen bis Fulmarius glacialis.
Job. Müller's hochwichtige Abhandlung über die bis-
her unbekannten typischen Verschiedenheiten der
Stimm Organe der Passerinen" erschien vollständig: 71
Seiten 4to und 6 Kupfertafeln.
Dr. J. E. Cornay in Rochefort hat in der Revue zoo-
logigue „Considerations generales sur la Classifica-
tion des oiseaux fondees sur la consideration de
Tos palatin anterieur" veröffentlicht. Letzteres sei ,,le
premier organe de Classification" der Vögel. Darnach kämen
denn z. B. die Kukuke neben die Mandelkrähe, die Kletter-
vögel sehr nahe den Cassicusarten zu stehen u. s. w. Wir
haben uns schon oben ^e^en jeden Classificationsversuch er-
klärt, welchem ein einzelner aus dem Zusammenhange heraus-
gerissener Theil, mag derselbe iiiunerhin „so variirt in der
Klasse der Vögel sein, wie es die Blumen bei den Pflanzen
sind" als Grundlage dient. Auch müssen wir wiederholt die
Nothwendigkeit der Anwendung äusserer Kennzeichen
urgiren, selbst auf die Gefahr hin als „Dry-skin Philosopher"
verschrien zu werden.
lieber den musikalischen Sinn der Vögel schreibt de Tar-
ragon: Rev. zool. p. 178 und p. 250. Der Ton musikalischer
Instrumente scheint auf einzelne Arten, so z, B. auf Loxia
atricapilla, cantans, fasciata, maja, die wunderbarste Wirkung
hervorzubringen.
Der ornithologischen Beiträge zu den Lokalfaunen
sind nicht ganz so viele wie im vorigen Jahre.
Von J. F. Naumann' s „Naturgeschichte der Vögel
Deutschlands" ist das zweite Heft des 13ten Bandes, Nach-
träge zu der Naturgeschichte der Raubvögel enthaltend, er-
schienen.
Von Susemi hl's „Vögel Europa's" kam uns die 34ste
Lieferung zu Gesicht.
Dr. E. W. Willibald „Die Vögel Teutschlands ', eine
genaue Beschreibung und Naturgeschichte aller in Teutschland
vorkommenden Vögel u. s. w. in systematischer Ordiunig für
die Jugend bearbeitet. 12mo.
jß Hartlaubj Bericht über die Leistungen in der
Von Z anderes „Naturgeschichte der Vögel Mecklen-
burgs", einer sehr gründlichen und guten Lokalornithologie,
erschien die 6te Lieferung.
H. Grafv. d. Mühle beleuchtet in der Isis S. 457 Schle-
gel's „kritische Uebersicht der europäischen Vögel". Man
liest seine Bemerkungen dazu mit dem grössten Interesse.
Schlegers Ansichten erfahren mehrfach Berichtigung. So besteht
V. d. Mühle z. B. auf die Artselbständigkeit der Motacilla melanoce-
"phala^ bestreitet dagegen die der Sylvia familiaris Men. , S. ochro-
genion Lind, sei nur nielanocephala, der gelbe Kinnfleck rühre vom
Genuss der Früchte des Cactus opuntia her u. s. w.
T. M. Bech stein 's Werk über die Stubenvögel
wurde von W. E. Shuckard ins Englische übersetzt und
erschien unter dem Titel: Bechstein's Chamber -Birds, their
natural history, management, habits, food, disease, treatment
and the method of catching them , etz to which are added ob-
servations compiled from the work^ of British naturalists"
384 S. mit Holzschnitten.
Von Th. Bevvick's „A history of British Birds" erschien
eine neue Ausgabe mit einem systematischen Catalog aller
britischen Vögel; 2 vol. 8.
T. W. Barlow's „A Chart of British Ornithology" giebt
auf möglichst kleinem Raum eine systematische Uebersicht der
Ordnungen, Familien und Gattungen der grossbritannischen
Vögel, nebst dem Charakter und den Arten einer jeden.
lieber die Singvögel Englands enthält W. J. Bro-
der ip 's hübsches Buch „Zoological Recreations" verschiedene
anziehende und lebensvolle Schilderungen. Das erste Kapitel
handelt von denselben.
M. E. de Chelaniat's „Catalogue des oiseaux qui ont
ete observes en Auvergne" 8 feuilles 8vo, konnten wir noch
, nicht zur Einsicht erhalten.
Im zweiten Bande des an die in Genua versammelten
italienischen Naturforscher vertheilten Werkes „Descrizione
di Genova e del Genovesato" Gen. 1846, 8vo, werden auf
Seite 151 die Vögel um Genua vom Marchese Durazzo auf-
gezählt.
Derselbe nennt 343 Arten und giebt die nicht colörirten Abbil-
dungen von Turdus solitarius , Emberiza rustica, E. schoeiiiculoides
und Fringilla incerta.
Naturgeschichte der Vögel während des Jahres 1817. 7
IL Rasch liefert im „Nyt Magazin for Naturvidenska-
berne" v. I. p. 33 Nachträge zu seinen friilieren umfassenden
Arbeiten über die Ornithologie Norwegens. Meln-ere inzwi-
schen von ihm als vorkommend constatirte Arten werden nam-
haft gemaclit, einzelne davon werden ausfiilu-lich und verglei-
chend beschrieben, und verscliiedene interessante IMittlieilungen
über Lebensweise und geograpliisclie Verbreitung erliöhen den
Werth dieser Arbeit,
Zu A. Mal h erbe's Catalogue raisonne d'oiseaux de
l'Algerie ist, ursprünglich in den Memoires de FAcademic
royale de Metz, eine 7 Seiten starke „Premiere suite" er-
schienen.
In derselben werden den früher namhaft gemachten Arten noch
verschiedene andere als in Algerien vorkommend hinzugefügt, und
eine neue, Chlor o-picus Vaillantiiy wird ausführlich beschrie-
ben. Zu den in der Provinz Bona häufig vorkommenden Arten ge-
hört auch Anas mersa Pall. und Motacilla citreola Pall.
Unter den bis jetzt erschienenen Lieferungen des Pracht-
werkes „Exploration scientifique de l'Algerie" befinden sich-
auch einige ornithologische Kupfertafeln von grosser Schön-
heit. Der Text dazu scheint noch zu fehlen. Der Bearbeiter
dieses Theils der Zoologie ist Levaillant.
Von A. Smith „Illustrations of the Zoology of South
Africa" erschienen zwei neue Hefte, das 25ste u. 26ste. Beide
enthalten nur wenig Ornithologisches.
Es ist uns in den letzten Lieferungen dieses schönen Werkes un-
angenehm aufgefallen, dass der Verfasser diese oder jene Art, welche
sich ihm, wie es scheint, nicht in frappanter Weise als zu dieser
oder jener modernen Gattung gehörig präsentirt, ohne Weiteres zum
Typus einer neuen erhebt.
A. Delegorgue's „Voyage dans l'Afrique australe",
2 vol. 8vo, ein sehr interessantes zoologisches Reisewerk, ent-
hält neben dem reichsten Material zur Naturgeschichte der
südafrikanischen Säugethiere auch mehrere sehr anziehend und
lebendig verfasste Schilderungen aus dem Leben der dortigen
Vögel. Wir werden darauf bei den einzelnen Arten zurück-
kommen.
Wir haben über zwei neue Lieferungen des ornithologi-
schen Theils der „Frtuna Japonica" zu berichten.
Sie enthalten die sehr schönen Abbildungen folgender Arten:
Lusciola cyajiura, Zo sterops japontcus n. sp., Motacilla lugens,
g Hartlaub: Bericht über die Leistungen in der
Turdus chry Solans^ Accentor ruhidus^ Parus varius^ Corvns
dauricus ad. et juv., Coccothraustes fer sonatus, Biophorus
paradisiacus^ Pitta nympha^ Anthus arboreus var., A. pra-
tensis ^SL^^omcws^ Turdus dauUaSy T. pallens, T. cardis (^ p u. juv.,
T. sibiricus ]\i\.y Pica cyatia , Gai'rulus glandarius ]2i^omcws. Der
Text ist noch zurück und schliesst auf S. 60 mit Mot. lugens.
Strickland veröffentlicht in den Ann. and Magaz. of
Nat. History „Bemerkungen über einige Vögelarten von Ma-
lacca", eine sehr nützliche etwa 40 Arten umfassende Arbeit,
welche zahlreiche synonymische Berichtigungen, Prioritätsre-
clamationen, Ergänzungen und Beschreibungen neuer Arten
enthält: 1. c. vol. 19, p. 129. Ein Paar der letzteren wurden
von Blyth, dem befähigten und wachsamen Censor indischer
Vögel , als nicht neu nachgewiesen.
Strickland's englische Uebersetzung von Sundevall's
,,Foglar fran Calcutta" ist zum Schluss gekonmien: Ann. and
Mag. vol. 19. p. 87 , 164 und 232. Einen sehr kenntnissreichen
und interessanten Commentar zu dieser Uebersetzung verdan-
ken wir aber Blyth: ibid. vol. 20, p. 382.
Man sieht recht, wenn man diese „Critical remarks" liest, wie
schwer es selbst dem gewissenhaftesten Reisenden werden mag, bei
sehr kurzem Aufenthalt in einer fernen fremden Gegend zu nur eini-
germassen richtigen Resultaten zu gelangen, wie misstrauisch man
den Bericht über solche Resultate eigentlich ^aufnehmen sollte. —
Blyth begreift nicht, wie S. den Gesang der indischen Vögel neben
den der schwedischen zu stellen wagt. „Der beste Singvogel in die-
sem Theile der Welt sei ohne allen Vergleich der „Schämah" {Kit-
tacincla macroura [Gm.]), der komme aber niemals vor auf dem
Flussallurium , welches allein von S. besucht sei, auch der dann fol-
gende, Miraffra cantülans Jerd., werde kaum jemals dort angetrof-
fen; der beste Sänger, welche S. gehört haben könne, sei Alauda
gulgula Fr., welche ungefähr w"ie unsere Feldlerche singe". Dann
werden noch einige indische Baumsänger mit nicht unangenehmen
Stimmen namhaft gemacht, als Copsychus saularis, Pycnonotus ben-
galensis, einige Drongo-Arten u. s. w., und endlich versichert Blyth,
das „tout ensemble" des indischen Vogelgesangs sei recht dürftig.
Von grösstem Interesse für die Freunde der exotischen
Ornithologie sind ferner desselben Verfassers „Kritische
Anmerkungen*' zu G. R. Gray's von uns im vorigen Jahres-
berichte besprochenen Cataloge der von B. H. Hodgson dem
britischen Museo zugekommenen Vögel Nepals und Thibets:
Ann. and Magaz. vol. 20. p. 313. Auf diese sehr wichtige Ar-
beit kann hier eben nur hingewiesen werden.
Naturgeschichte der Vögel wahrend des Jahres 1847. Q
Nachdem schon Ref. und nach ihm Strickland den ^'öss-
ten Theil der von Eyton als neu beschriebenen Älalacca-
vögel auf bereits bekannte Arten zu reduciren gewusst hat-
ten, mnsste diese scliwache Arbeit auch noch der scharfen kriti-
schen Geissei Blyth's anheimfallen : Journ. of tiic Asiat. Soc.
of Beng. XV. 10 u. 52. Eyton beschreibt gewiss keine Ma-
Jaccavögel wieder.
Der verstorbene Dr. Hoffme ister hat nach der Samm-
lung von A. Ilay in Simlah 216 Vögelarten des Himalajah
beschrieben: Briefe aus Indien, p. 36,9. Diese Arbeit ist, wenn-
gleich die Beschreibungen wenig ausführlich sind und von den
meisten Arten nur der Gattungsname aufgeführt ist, nicht
ohne Interesse, namentlich der Messungs- und Standortsanga-
ben wegen. Die in Gould's ,, Century of Himalaja Birds" ab-
gebildeten, so wie manche der von Hodgson bekannt gemach-
ten Arten sind übrigens auch mit dem Speciesnamen verseilen.
Sir William Ja rd ine's Ornithologie Tobago's ist zum
Schluss gekommen: Ann. and Mag. vol. 20. p. 328 und 370.
Ausser den weiter unten zu erwähnenden neuen Arten werden
von südamericanischen aufgeführt Galbula leptnra Sw., Ceryle ame-
ricana, Thryothorns striolatus Sw. , Troglodytes furva V., Trogon
collaris, Dendrodncla turdina^ Sclertirus albogularis ^w.-, von nord-
americanischen : Alcedo alcyon^ Sylvicola aestiva und Sylvicola pa~
rus. Die ganze Arbeit ist ein sehr werthvoller Beitrag zu unserer
Kenntniss der Vögel Westindiens.
P. H. Gosse's ,,The Birds of Jamaica" 1 vol. 8. möge
hier die ehrenvollste Erwähnung finden. Dieses Buch gehört
in die nicht zahlreiche Klasse derjenigen ornithologischen Werke,
welche neben dem erforderlichen aber nothwendig trocknen
Material an Beschreibungen, Messungen, Nomenclatur, so an-'
muthvolle und reizende Schilderungen aus dem Leben der
Vögel enthalten , dass man sich nur ungern von der Leetüre
derselben trennt, und sie zu den Lieblingen der Bibliothek
rechnet. Der Verfasser hielt sich zoologischer Forschungen
halber längere Zeit in Jamaica auf und wurde bei der Her-
ausgabe seines Buches aufs wirksamste unterstützt von einem
dort ansässigen Ornithologen, Richard Hill von Spanisch-Town.
Von den 185 Arten , welche als auf Jamaica vorkommend aufge-
führt werden, sind 23 neu und 55 werden, da Gosse sie nicht selbst
zu beobachten Gelegenheit hatte, nur namhaft gemacht. Von allen
übrigen sind genaue Maassangaben der einzelnen Theile, von der
10 Hartlaub: Bericht über die Leistungen in der
Mehrzahl derselben, zumal den neuen und den weniger vollständig
bekannten, auch Beschreibungen mitgetheilt. Bei bekannteren ist
oft nur die so vergängliche Färbung der von Federn entblössten
Theile angegeben. Die Bestimmung und Nomenclatur der Arten lässt
mitunter einiges zu wünschen übrig. Der interessanteste und
wichtigste Theil des Buches bleibt der biographische. Ueber so
manche Arten, von deren Lebensweise vorher so gut wie gar nichts
zu unserer Kunde gelangt war, als z. B. über Nyctibms jamaiceiisist
Todus viridis, Troclälus polytmus und hitmilis, Myiadestes a7'77Üllatns^
Corvus jamaicensis , Saurothera vetula, Rallus lo7igirostris , Sula
parva, Tityra leiiconotiis, giebt dasselbe in der anziehendsten Weise
Aufschluss. Wie sehr dürftig erscheint neben dieser Arbeit Gosse's
der biographische Theil von Ramon de Sagra's Werk über die Vö-
gel Cuba's!
„Einige Bemerkungen über die geographische Verbreitung
der Vögel in Westindien" publicirte William Denny: Ann.
and Mag. vol. 19. p. 464. Diese Arbeit beruht wie es scheint
hauptsächlich auf einer bei längerem Aufenthalt gewonnenen
Bekanntschaft mit den Vögeln Jamaica's, doch umfasst dieselbe
in gewisser Hinsicht auch noch Cuba, Mexico und die Ver-
einigten Staaten von Nordamerika.
Es werden nämlich folgende vergleichende Listen mitgetheilt:
1) Vögel, welche Jamaica, Cuba und den Vereinigten Staaten eigen
sind (45 Arten), 2) Vögel von Jamaica und Cuba, zwar auf dem
Festlande, aber nicht in Nordamerika beobachtet (7 A.), 3) Vögel,
Westindien eigenthümlich , oder doch nur höchst selten auf dem Fest-
lande oder in den Ver. Staaten angetroffen (60 Arten), 4) Wasser-
vögel, welche mit sehr wenigen Ausnahmen gleichmässig verbreitet
zu sein scheinen über die Vereinigten Staaten, Mexico, Jamaica und
Terra firma (71 Arten). Die Listen Nr. 3 und 4 enthalten manche
Unrichtigkeiten, und die ganze Arbeit laborirt in hohem Grade an
ünvollständigkeit. Unter den Arten, welche Cuba und Jamaica be-
wohnen sollen, wird auch die mexicanische Fipilo maculata Sw. ge-
nannt. Auch die mexicanischen Schwalben, Hirimdo mela7iogastra
Sw. und thalassi7ia S'Vi\ stehen unter Nr. 3 aufgeführt; letztere dürfte
leicht mit Gosse's H. euchrysea zusammenfallen.
Ref. hat in der Isis S. 604 „Ueber den gegenwärtigen
Zustand unserer Kenntniss von der Ornithologie Westindiens"
geschrieben.
Der ornithologische Theil von d'Orbigny's „Voyage
dans l'Amerique meridionale" ist, obgleich nur etwa bis zur
Hälfte vollendet, zum Schluss gekommen.
Unbearbeiiet blieben aus der Ordnung der Klettervögel die Psit-
taciden und Cuculiden, dann aber die ganzen Ordnungen der Co-
Naturgeschichte der Vögel während des Jahres 18-17. 1 1
lumbae, Gallinae, Grallae und Anseres. Das- wissenschaftliche Pu-
blikum ist, da der Verfasser lebt und ein Buch nach dem andern
schreibt, wohl berechtigt nach der Ursache einer so unbegreiflich
willkiihrlichen, den Werth und Nutzen des ganzen Werkes im hohen
Grade beeinträchtigenden Abscliliessung zu fragen. Wahrscheinlich
wurde der Verf. der übernommenen sehr umfangreichen Arbeit satt
und müde '); mag aber auch die Ursache sein, welche sie wolle, so
viel bleibt gewiss , die Käufer dieses überaus kostspieligen Werkes sind
geprellt, denn sie haben statt des erwarteten Ganzen eine Reihe will-
kührlich zugeschnittener Fragmente erhalten. — Die Anzahl der be-
schriebenen Arten beträgt 332; davon sind 130 abgeb. auf 66 Kupfertaf.,
zudem die Eier von 40 Arten. Text und Atlas schliessen mit Aula-
corhynchus caeruleocinctus. Alphabetisches u. synonymisches Register.
Band I. von Richard Schomburgk's „Reisen in Bri-
tish-Gujana" enthält verschiedene interessante Stellen die Le-
bensweise und V^erbreitnng der dortigen Vögel betrefiend.
So berichtet S. auf S. 430 über Chasmorhynchus carunculatus im
Canucugebirge, auf S. 432 u. 442 über die ebendaselbst von ihm be-
obachtete Ritpicola aurantia, von deren wunderbaren Tänzen oder
Pantomimen er, wie sein Bruder, Zeuge war.
In der zu Rio de Janeiro erscheinenden Zeitschrift Mi-
nerva sollen sich Beschreibungen brasilischer Vögel vpn
Silva Maja befinden. (Less. Mamniif. etOis. nee. decouv.p.lO).
T. Bridges theilt in den Proceed. of the zoolog. Soc.
auf p. 2 interessante Notizen über die Lebensweise und die
Wohnorte einiger von ihm in Chili und Bolivien beobach-
teten Vögel mit.
Dieselben betreffen folgende Arten i Tinamotis Pentlandä (14000'
hoch bei Tapaquilcha) ; T. elega?is d'Orb.^ (sehr weite Verbreitung);
Attagis Gayi bei Tapaquilcha; Diglossa carbonaria und sittoides
(8000 — 10,000' hoch um Cochabamba); D, mystacalis Lafr. Jungas
von La Paz; Colaptes rupico l a d^Orh. nur auf dem Boden im Grase
lebend, 12000 bis 14000' hoch; endlich Detidrocolaptes procurvus^ in
den offenen Palmhainen Boliviens, nie im dichten Walde.
W. Yarrell beschreibt die Eier von dreissig chilesi-
schen Vögelarten: Proceed. zool. Soc. p. 51. Er geht von
der Ansicht aus, das Ei eines Vogels sei „a stage or condi-
tion" im Leben des Thieres ; dass die Färbung und Zeichnung
der Aussenfläche der Schaale sehr beachtenswerthe Winke für
Classification an die Hand gebe, und dass die Eier congene-
') Oder der Regierung wurden die Koston der Herausgabe die-
ses sehr weitläuftig angelegten und saumselig ausgeführten Werkes
zu gross. Er.
J2 Hartlaub: Bericht über die Leistungen in der
rischer Arten einander an Färbung und Zeichnung ähnlich
seien, selbst bei der grössten Entfernung und Verschiedenheit
der geographischen Lokalität derselben. Einzelne seltene Aus-
nahmen kämen allerdings vor, und der grösste Betrag an Ab-
weichung werde bei den Laridae angetroffen.
William Gambel's „Bemerkungen über die in Ober-
kalifornien beobachteten Vögel" erschienen im dritten Bande
der „Proceedings of the Academy of Natural Sciences of Phi-
ladelphia". Diese „Bemerkungen" sind schon als die erste
umfassendere Arbeit über die Vogelfauna Kaliforniens von
grosser Wichtigkeit; man lernt aber auch in -dem Verfasser
derselben einen sehr tüchtigen Ornithologen kennen und liest
seine biographischen Nachrichten über manche Arten, z. B.
über Athene socialis , Caihartes caUfornianus , Calliphlox aniui,
die kalifornischen Meisen arten u. s. w. mit lebhaftem Inter-
esse. Wir werden auf diese Arbeit, von welcher uns erst ein
Theil zu Gesicht gekommen ist, im nächsten Jahresberichte
zurückkommen.
„Systematischer Index zu Don Felix de Azara's Apunta-
mientos etc." ist der Titel einer 30 Seiten starken Abhandlung
in 4to, welche Ref. veröffentlichte, in der Absicht den aus-
gezeichneten Verdiensten des spanischen Naturforschers seine
Anerkennung und Huldigung auszudrücken, und in der Hoff-
nung den Ornithologen die Benutzung eines der trefflichsten
Werke ihrer Wissenschaft dadurch erleichtern zu können.
Gould fährt fort in den ,, Proceedings" neue australi-
sche Vögel zu beschreiben: S. 1. 31. 50 und 93. Sein grosses
Werk ,,The Birds of Australia" ist bis zum 34sten Theil vor-
geschritten und wird mit dem 35sten beendigt sein. Es wird
somit nahe an 600 Kupfertafeln enthalten und, wie wir erfah-
ren, 7 Bände bilden. Das letzte Heft wird die Vorrede, Ein-
leitung und systematische Classification bringen.
Accipitres.
1. Tagraubvögel. Die wichtigste Arbeit, deren wir unter
dieser Rubrik zu gedenken haben, ist Kaup's „Monographien der
genera der Falconidae" mitgetheilt in den ersten fünf Heften der
Isis. Der Verf. will diese ziemlich ausführliche Arbeit nur als Vor-
läufer eines grössern Werks über die Falken betrachtet wissen, vor
dessen Veröffentlichung er jedoch erst alle bedeutenderen Museen
Naturgeschichte der Vögel während des Jahres 1847. 13
Europa's zu durchmustern gedenkt. Er kennt und benutzte bis jetzt
die von Leiden, London und Frankfurt. Nach Kaup zerfallen die
Falkoniden in 5 Subfamilien: Falconinae, Milvinae, Accipitrinae^
Aquilmae und Biiteoimiae. Jede dieser Subfamilien begreift 5 ge-
nera in sich, nämlich die Falconinae die genera: Hierax^ Thmun-
culus^ Harpagus^ Falco und Jeracldea; die Milvinae: Ictinia, Nau-
chrusy Circus, Elamis \xr\6. Milvus ; die Accipitrinae: Spi^^aetos^ Nisus,
Geranopns ^ Astur und Asturina; die Aquilinae: Aquila^ Helot arsus^
Circaetos , Paildion und Haliaetos , und die Buteoninae: Buteo^ Per.
nis^ Polyborus, Rostrhamus und Ibycter. Die Mehrzahl dieser gonera
-zerfällt (natürlich!) -wieder in 5 subgenera, und wo dies nicht der
Fall ist, wird auf noch zu erwartende Entdeckungen vertröstet. Die
genera werden durch eine kurze Diagnose und durch eine Beschrei-
bung charakterisirt, die subgenera nur durch eine Diagnose. Von
den 184 Arten, welche Kaup als gute kennt, wird, wenige ausge-
nommen, eine kurze Diagnose, eine ziemlich ausführliche Original-
bcschreibung und die sehr werthvolle Messung der einzelnen Theile
niitgetheilt. Synonymie, geographische Verbreitung und Lebensweise
werden nur kurz berührt. Zum Schluss giebt Kaup eine sehr nütz-
liche allgemeine üebersicht der von ihm untersuchten Falken nebst
der übersichtlichen Darstellung ihrer Verbreitung, ferner eine Üeber-
sicht der Linne'schen und Gmelin'schen Arten der ed. XIIL des Sy-
stema naturae, der von Vieillot in der Encyclopedie methodique auf-
gezählten und endlich eine sehr dankenswerthe Revision der Falken
Azara's. Zwei Kupfertafeln mit hübschen kleinen Figuren sollen des
Verfassers systematische Ansichten erläutern. — Für eine eigentliche
Kritik dieser verdienstvollen Arbeit Kaup's ist hier nicht der geeig-
nete Ort. Das „Quinary System" glaubten und hofften wir mit
Swainson für immer aus der Zoologie verbannt; wie voreilig diese
Hoffnung gewesen, davon belehrte uns die Kaup'sche Monographie
der Falkoniden. Von Vollständigkeit ist diese Arbeit weit entfernt;
wenn der Verfasser seinen Plan ausführt und die Pariser Sammlungen
besucht, wird er finden, dass Spizaetos Isidori, Tinnunculus gracilis
Less. , Haliaetos vociferoides von Madagascar, Herpethoteres naso,
Astur erythrofrons Less. u. s.w. gute Arten sind, welche seiner Liste
fehlen. Der diktatorische Ton, welchen derselbe dem bisher Gelei-
steten gegenüber annimmt, wird durch den Gehalt seiner eichenen
Arbeit keineswegs gerechtfertigt, und macht auf den Leser keinen
angenehmen Eindruck.
Desmurs bemüht sich die Specieswürde der bis jetzt mit Spiz-
aetos ornatus Daud. für identisch gehaltenen Harpyia braccata gel-
tend zu machen; er beschreibt den ausgefärbten Vogel, Spix kannte
nur den jüngeren: Rev. zool. p. 315. — Interessante biographische
Beiträge zur Naturgeschichte von Sarcorhamphus papa, Cathartes
aura und C. foetens giebt Richard Schomburgk: Reisen in Gu-
jana, L p.461. Niemals sah er die Cathartes- Arten lebende Thiere
J4 Hartlaub: Bericht über die Leistungen in der
angreifen. Ihm scheinen diese Vögel beim Auffinden des Aases
hauptsächlich durch die feinen Geruchsnerven geleitet zu werden.
(Sehr merkwürdige und schlagende Belege für diese Ansicht theilt
auch Gosse mit: Birds of Jamaica, p.2). Die 'v\amderbare Superio-
rität, welche dem S. papa über die Cathartes-Arten zugeschrieben
wird, fand er vollkommen bestätigt.
Neue Arten sind: Cymindis Wilsonii Cassin, von Cuba,
Proceed. Acad. nat. sc. of Philad. 111. p. 199 und Ann. and Mag. vol.
20. p. 356. — Falco punicus Levaill. aus Algerien, Explor. s.cien-
tif. de l'Alger. Ois. pl. 1; vielleicht doch nur Lokalvarietät von F.
peregrinus. — Chondrohierax erythro frons Less. von St.
Carlos in Centralamerika: Descript. de Mammif. et d'ois. recemm.
decouv. p. 172. — Nisus pacificus Less. ib. von Acapulko bis
Californien. — Tinnunculus phalaena Less. ib. von San Blas
und Acapulco.
Desmurs giebt eine schöne Abbildung des Tinnunculus gracilis
(Less,), Iconogr. pl. 25. Derselbe stammt von den Seychellen.
2. Nachtraubvögel. Neue Arten sind: Ephialtes grammi-
cus Gosse Birds of Jam. p. 19 und Strix fasciata Desm. Ico-
nogr. pl. 37, aus Chili. Letztere Art ist auffallend ähnlich der indi-
schen S. radiata Tickell. Desmurs bildet noch ab: Scops porto-
ricensis Less. pl. 26.
Passerinae.'
Corvinae» Das 35ste Heft von Gray's „Genera of Birds"
enthält die Gymnoderinae mit 4 Gattungen: Fyroderus 3 Arten,
Gymnocephalus 1 A., Cephalopterus 1 A. und Gymnoderus 1 A. Ab-
gebildet wird Pyroderus orenocensis Lafren.
Neue Arten sind: Biophorus paradisiacus Temm. aus
China, Fauna Japon. Voeg. t. B suppl. Wenn wir nicht irren, exi-
stirt kein Exemplar dieses prachtvollen Vogels in der Leidner Samm-
lung; wohl aber sah v. Siebold denselben in Japan gezähmt. — Cor-
vus lugubris Agassiz, aus Nordamerika, soll sich specifisch von
unserem C. corax unterscheiden: Ann. and Mag. 20, p. 142 (aus
Silliman's Journal). — Eine schöne Abbildung der Pica maurüanica
findet man: Explorat. scientif. de l'Algerie, Ois. pl. 8.
JLmpelitlae* Neue Arten j Pericrocotus modestus'&\x\Q\s\.
Malacca. Ann. and Mag. vol. 19. p. 131. — Jodopleura Isabellae
Parzudh. von Venezuela, Rev. zool. p. 186; ist der J. Laplacei sehr
ähnlich. — Hemipipo chlor ton Cabanis aus Cayenne und Xe-
nopipo atronitens Gab. aus Gujana: Ornith. Not. p. 234. 235.
Pipra coronaia Spix fand Delätre in Neugranada: Rev. zool.
pag. 70.
JFringillitlae» Neue Belege für die Fortpflanzung des Kreuz-
schnabels im Winter giebt Sundevall: Hornsch. Arch. II. p. 175.
Naturgeschichte der Vögel während des Jahres 1847. 15
Im 13ten Bande des Bullet, de l'Academ. de Brux. bespricht Selys
Longchamps die Kreuzschnäbel, namentlich Loxia leucoptera und
bifasciata. — Ueber Rhaniphocelus varians schreibt Lafrenaye:
es giebt in Neugranada drei Varietäten dieser Art, nämlich eine mit
hochrotheni, eine zweite mit orangefarbigem und eine dritte mit
schwefelgelbem Unterrücken, und es scheint die Intensität der Fär-
bung desselben mit der Höhe des Wohnorts im Verhältniss zu stehen.
R. Passerini ist eine verschiedene weit kleinere Art: Rev. zool. p.215.
— Derselbe Autor über Tanagra gyrola Gm. und gyroloides Lafr.
Letztere ist Swainson's peruviana. — Macronyx Ameliae Tar-
rag. wird in Delegorgues „Voyage dans TAfrique australe" unter dem
Namen Aiaiida hawgazy beschrieben, I. p. 328.
Neue Arten sind: Poephila leucotis Gould aus dem Innern
Neuhollands: Ann. and Mag. 19. p. 135. — Fringilla funerea
Tarr. von t*ort Natal; soll von der westafrikanischen nitens ver-
schieden sein: Rev. p. 180. — Coccot hraitstes personatus
Temm. aus Japan, Faun. Japon. Av. pl. 52. — Linaria analoides
Lafr. von Lima, Rev. p. 75. — L. inornata Lafr. ib. von Boli-
vien. — Coccoborus cy anoides Lafr. von Panama, ib. p. 74. —
Cardinalis granadensis Lafr. ib. — Saltator mactilipe-
ctus Lafr. von Neugranada, ib. p. 73. — S. Stria tipectus Lafr.
ib. — Arremo?t aurantiirostris von Panama, ib. p, 72. — Ta-
cliyplionus Delattrei Lafr. von St. Bonaventura, ib. p. 72. —
Aglaja Fanny Lafr. von Neugranada, ib. — Aglaja Wilsonii
Lafr. von Peru, ib. p. 71. — Tanagra palpebrosa Lafr. aus
Peru, ib. — Fyranga roseogtilaris Cabot ausYukatan: Sillim.
Amer. Journ. May 1847, p. 436 und Ann. and Mag. 20, p. 143. —
Calliste chrysotis Dub. Esq. orn. pl. 7 aus Peru. — C larvata
Dub. aus Mexico, ib. pl. 9. — Euphonia eleg antissima Bon.
ib. pl.8. — Tachyphonus lacrymosus Dub. ib. pl. 10 aus Peru.
Euphonia occipit alis Dub. ib. pl. 14 aus Mexico. — Saltator
icteropyga Dub. ib. pl. 13 aus Mexico. — Tiaris amissa Jard.
von Tobago: Ann. and Mag. 20, p. 332. — Coturniculus tixicrus
Gosse aus Jamaica: Birds of Jam. p. 242. — Spermophila ano-
xantha Gosse ib. p. 247. — S. adoxa Goss e ib. p. 253. — Mi-
raffra Horsf.ieldii Gould von Neuholland: Ann. and Mag. 19,
pag. 348.
Lafrenaye's Tanagra %enoides^ abgeb. in Desm. Iconogr.
pl. 40 muss nigricephala Jameson heissen und wurde von Jardine
unter dem Namen Spindalis bilineatus abgebildet. — Heft 25
von Smith Ulustr. of S. Afr. Zool. giebt die Abbildungen von Bra-
chonyx apiata Vieill. und B. pyrrhonota V.
Sturnidae» Heft 39 von Gray 's Genera of Birds giebt die
Paradiseinae mit 7 Arten; abgebildet wird: P. rubra. — Lesson
bildet für den südafrikanischen Pastor carunculatus Temm. die Gat-
tung Creatophora: Mammif. et Ois. rec. decouv. p. 308. Vieillot
16 Hartlaub: Bericht über die Leistungen in der
nannte denselben schon 1816 Dilophus. ~ Vollständige Nachricht
über seinen Cassicus uropygialis giebtL afrenaye: Rev. p.218. Unter-
scheidet sich namentlich durch den gekrümmten Schnabel von hae-
morhous. — Lanij)7'Otorms obscurns Dub. von Neuseeland ist abge-
bildet: Esquiss. orn. pl. 12.
Neue Art: Cassicus pyrohypogast er aus Neugranada, de
Tarragon, Rev. zool. p. 252.
Ißentirostres» Gray behandelt in Nr. 34 der Genera of
Birds die Querulinae: Qnerula mit 2 und Lipaugus mit 5 Arten;
abgebildet ist L. hypopy?-?- hus \iei\\.\ ferner die Laniinae: Tephro-
dornis 8, Lantus 34, Enneoctonns 6, Nüausl, Prionops 3, Telepho-
nus 7, Eurocephalus 1, Cyclarhis A, Falcunculus 4, Oreoica 1 und
Colluridncla 6 Arten; abgebildet ist Lanhis nigriceps Francl.; end-
lich in Nr. 40 die A lectrurinae : Taenioptera 10, Fluvicola 8, Li-
chenops 1, Arundinicola 2, Alectrurus 2, Guhernetes 1 und Copurus
2 Arten; abgebildet ist Fluvicola cyanirostris Vieill. — L afrenaye
schreibt über Ptilochloris arcuatus ; sein P. remigialis sei der alte
ausgefärbte Vogel: Rev. zool. p. 183.
Neue Arten: Myiagra pectoralis Hay Madr, Journ. 1846 und
Strickl. Ann. and Mag. 19, p. 131 von Malacca. — , Chloropeta
natalensis Smith lllustr. S. Afr. Zool. XXV. pl. 112. Scheint der
Gattung Cryptolopha zunächst zu stehen. — Conopophaga nae-
vioides Lafr. Rev. p. 69, aus Peru. — Artavius alhiventris
Gould aus Neusüdwalis, Ann. and Mag. p. 459. — Myiobius pal-
lidiis^ tristis und stolidus Gosse, alle drei ausJamaica: Birds
of Jam. p. 166, 167 und 168. — B at hmidurus major Gab an. aus
Mexico. — Cyclorhynchus brevirostris id. aus Mexico. —
Myiobius erythrurus Gab. aus Gujana, dies Arch. t. 5. fig. 1. —
Elaeiiia leucophrys Gab. von Venezuela. — Colopterus cri-
status Gab. aus Gujana, ib. fig. 2. 3. — C. pilaris (Licht.) aus
Neugranada. — Psaris exilis Less. Mammif. et Gis. rec. dec.
p. 316. — Tchitrea pretiosa l^QS%. ib. p. 324 von Nossibe auf
Madagascar.
Nr. 41 von Gray's Genera of Birds giebt die Abbildung von Ju-
hina pyrrhoura Hodgs. Der Text zu den Sylvicolinae fehlt noch.
^uhulirostres, Gray behandelt in Nr. 33 seiner „Genera
etc." dieParinae: Parus 50, Suthora 1, Paroides 5, Certhiparus 3,
Splieno Stoma 2, Parisoina 2 Arten; abgebildet ist Parus caeruleatus
Malh. von Algier; ferner die M otacillinae: Lesso?iia 1, Muscisaxi-
cola 7, Motacilla 16^ Enieu7'us 8, Grallina 1, Ephthianura 3 und
A?tthus 35 Arten; dann in Nr. 38 die Turdinae: Chaetops 1, Zoo-
thera % Turdus 114^ Bessonornis 10 und MVwm* 20 Arten; abgebildet
ist: Turdus castaneus Go\x\d\ endlich in Nr. 41 die Pycnonotinae:
Miscroscelis 7, Criniger 11, Andropadus 3, Pycnonotus 40, Hypsipetes
7, Sihia 3 und Phyllastrephus 3 Arten; abgebildet ist: Pycnonotus
Naturgeschichte der Vögel während des Jahres 1847. ;17
flavulus Hodgs. — MotaciUa citreola Pall. kommt häufig in Algerien
vor: Malh. Ois. Alger. Suite, p. 4. — Sylvia turdoides wurde in
England angetroffen: Hancock, Ann. and Mag. 20. p. 135. — Sehr
interessante Mittheilungen über die Lebensweise von Orthonyx spi-
nicauda Temm. macht Jules Verreaux: Rev. zool. p. 211. — In
Desmurs Iconographie werden abgebildet Pitta angolensis Vieill.
(P. puUh Fräser), Philepitt a sericea und Isidori, Grallaria monticola
Lafren, Rev. p. 68 von Pasto in Peru.
Neue Arten sind: Malacopteron olivaceum Strickl. Ann.
and Mag. 19. p. 132. — Petroica superciliosa Gould, ib. p. 135.
— Cisticola lineocephala G. aus Neuholland: ib. p. 348. —
Aniytis macrourus G. ib. p. 349. — Sericornis maculatus ,
osculans und Inevigaster G. ib. p. 349. — Acanthixa apica-
lis G. ib. p. 460. — Cysticola isura G. ib. und Chtonicola mi-
nima (G.) ib. p. 462; sämmtlich von Neuholland. — Enicurus in-
trepidus Hay: Hoffmeist. Briefe aus Ind. p.378. — Zosterops
japonicus Temm. F. Jap. Av» pl. 22. — Accentor rubidus T.
ib. pl. 32. — Parus varius T. ib. pl. 35. — Pitta nympha T.
von Corea, ib. pl. A. Suppl. (nördlichste Art dieser Gattung). •—
Turdus xanthoscelus Jard. von Tobago: Ann. 20. p. 329. —
Drymoica suhcinnamom,ea und D. fasciolata'^m\i\\ Illustr.
S. Afr. Zool. XXV. pl. 111. — Sylvia obscura Smith ib. pl. 112.
— Sylvicola eva, pannosa und pharetra Gosse aus Jamaica:
Birds of Jam. p. 158. 162 und 163. — Myrmonax lugubris Gab.
und M. leucophry s Gab. aus Gujana. — Pyriglena picea Gab.
ebendaher. — Hypocnemis poecilonota Gab. t. 4. f. 2. 3 aus Gu-
jana. — Dasycephala haematodes (Licht.) aus Brasilien. —
Formicivora intermedia Gab. aus Columbien und F. quadri-
vittata Licht, aus Gujana. — Thamnomanes glaucus Caban.
aus Cajenne. — Chamaea {Parus) fasciata Gambel Proceed.
Acad. nat. Sc. of Philad. II. p. 265 aus Oberkalifornien. — Parus
inornatus und montanus Gamb. ib. ebendaher. — Eine Varietät
von Cinclus leucocephalus Tschudi beschreibt Lafrenaye: Rev.
pag. 68.
Certhiaceae, Gray behandelt in Nr. 34 seiner „Genera of
birds" die Dendrocolaptinae: Dendrocolaptes 18, XipJiorhynchus
3, Picolaptea 13, Glyphorhynchus 1, Dendrocincla 5 und Sittasomus
2 Arten; in Nr. 35 die Menurinae: Menura 1, Hylactes 2, Rhino-
crypta 1, Pteroptochus 19, Cyphqrhi?ius 3, Tesia 4, Oligura 1, Rham-
phocaenus 4, Troglodytes 47 wxm Campylorhynchus 12 Arten; abge-
bildet sind: Rhamphocae7ius rußventris Bonap. und Tesia castaneo-
coronö/ö (Burt.) ; in Nr. 36 die Certhinae: Certhia 2, Caulodromus
1, Salpornis 1, Tichodroma 1 und Climacteris 6 Arten; abgebildet
sind Salpornis spilonota (Franclin) Gr. und Caulodromus
Gracei Gray, beide characterisirt und beschrieben: Ann. and Mag.
19. p. 352; ferner in Nr. 38 die Promeropinae: Drepanis 7, Moho
Arrhiv f. Naturgesch. XIV. .fahrg. 2. Bd. B
18 Hartlaub: Bericht über die Leistungen in der
i / Promerops 1, Nectarmea 100, Arach7iothera 9 und Dicaeum 27
Arten; und endlich in Nr. 31 die Upupinae: JJpupa 4, Irrisor 10
und Falculia 1 Art; abgebildet ist Irrisor melanorhynchus (Licht.).
_ Gould ist eifrig beschäftigt mit einem neuen Arrangement der
Trochiliden. Er characterisirt die Genera Petasophora (Trocht-
lus serrirostris Vieill. etc.), Oreotrochilus (Typus: T. estella
d'Orb.), Er i opus (Typus: T. vestitus), Met al Iura (Typus: T.
smaragdinicollls d'Orb. etc.), Doryfera (T. Loutsae), Cometes
(O. sapho Less.): Proceed. zooL Soc. p. 7. 16. 30 und 94.
Neue Arten sind: Dendrocolaptes lineatocephalus Gray,
Gen. 34. pl. — D. susurrans Jard. von Tobago: Ann. and Mag-
19. p, 81. — Dendroplex picirostris Lafr. von Neugranada:
Rev. p. 76. — Sit tasotnus griseus Jard. von Tobago: Ann. and
^Ag.Vd.\t.S2. — Synallaxis terrestris Jard. ib. p. 80. Tobago.
— Climacteris melanotis Gould von Neuholland, ib. p. 136 —
Sylviorthorhynchus maluroides Desm. Iconogr. pl. 45 aus
Chili ( = 5. Desmurii^ Claudio Gay Hist. fisic. y polit. de Chile). —
Geositta peruviana Lafr. Rev. p. 75. — Coereba nitida
Hartl. aus Peru: Rev. zool. p. 84. — Arachnothera uropygia-
lis Gray Gen. part38. — Campylorhynchus nuchalis Caban.
von Venezuela. — Cyphorhinus leucostictus (Licht.) aus Gu-
jana und Mexico. — Cinnyris aureus Less. Mammif. et Ois.
p.271. — Melithreptus chloropsis Gould von Westaustralien,
dem lunulatus rahestehend: Proceed. p. 220. — M. albogularis
Gould ib. von Nord- und Ostaustralien. — Trochilus Popelairii
Dub. Esq. orn. n. pl. 6. — Pet asophora jolot a Gould Proceed.
p. 9 von Bolivien. — Oreotrochilus leucopleurus G. von den
Andes Chili's, ib. p. 10. — O. melanogaster G. ib. — Calotho-
rax calliope G. ib. von Mexico. — Cometes phaon G. ib. p. 31
von Peru. — Doryfera violifrons G. ib. p. 95. — Lophornis
reginae G. ib. — Glaucis caeruleog aster G. ib. — Trochi-
lus Augusti Bourc. Annal. Soc. d'agric. de Lyon X. von Caraccas.
— T. Filippii Bourc, ib. Bolivien. — T. Luciani Bourc. ib.
Rev. zooL p. 401. — T. mirabilis (Lodd.) Bourc. Proceed. p. 42.
Peru. — T. aquila id. ib. Neugranada. — T. Millerii id. ib. 43.
Rio Negro. T. Schreibersii id. ib. Rio Negro. — T. Mathew-
sii id. ib. Peru. — T. Watertonii ib. p. 44. Essequibo. — T.
Evelinae, ib. Nassau, New Providence. — T. Johannae^ ib. 45.
Peru. — T. Conradii, ib. Caracas. — T. Yarrellii, ib. Monte-
video. — T. Spencei, ib. Meridal* — T. ßuckeri, ib. — T. Dou-
bledayi, ib. 46. Rio Negro. — T. Mitchellii, ib. 47. Zimapan. —
T. ISorrisii, ib. Guajaquil. Alle diese Art^n sind auch in der Re-
vue zool. beschrieben, S. 253.
Petrodroma mexicana Less. wird von diesem Autor zur Gßi-
tung Legriocinclus erhoben: Mammif. et Ois. rec. decouv. p. 278.
— Desmurs bildet noch ab Diglossa bnmneiventris Lafr. auf pl. 43
Naturgeschichte der Vögel während des Jahres 1847. 19
Dendroplex picirostris Lafr. auf pl. 51, und Dryocopus flavigaster
Sw. {D. eburneirostris Less.) auf pl. 52. — Der von Laperouse auf
pl. 47 seines Atlas abgebildete „Promerops de la Californie
septentrionale" wurde vom Gambel wieder aufgefunden und
Harpes rediviva getauft: Proceed. Acad. Philad. II. p. 264.
Kirundinaceae» Black wall spricht mit vielen Belegen
gegen die von Einigen behauptete Wintererstarrung der Schwalben:
Ann. and Mag. 19. p. 371.
Neue Arten sind: Tachoriiis phoenicobia Gosse Birds of
Jamaica, p. 58. Gosse giebt eine äusserst anziehende Schilderung
der Lebensweise dieser Art; die Gattung soll zwischen Collocalia
und Cypselus stehen. — Hiru7ido poeciloma Gosse ib. p. 64,
sehr ähnlich der fulva, V. — H. euchrysea Gosse, ib. p. 68; steht
der thalassina nahe.
Clamatores.
Caprimulginae* Gray giebt in Nr. 33 seiner „Genera etc."
die Caprimulginae: Caprimulgus 41, Nyctidromus 1, Eleothreptes
1, Chordeiles 6 und Enrostopodus 7 Arten; ferner in Nr. 42 die Po-
dagerinae: Scotornis 2, Macrodipteryx 2 und Podager 3 Arten. —
Capr. odonpterou Less. und exilis Less. werden ausführlich be-
schrieben: Mammif. et Ois. rec. decouv. p. 260. — Desmurs bildet
ab Nyctihius leucopterus Pr. Wied, Iconogr. pl. 49 u. 50.
Neue Arten: JS'yctibius pallidus Gosse Birds of Jamaica,
p. 49. — Podager Gouldii Gray Gen. part42.
JOotiitlae» Heft 33 von Gray 's „Genera of Birds" enthält die
Eurylaiminae: Eurylm'mtts 6, Cymbirhynchus 3 und Pe/^o/?* 1 Art.
Abgebildet ist E, rubropygius Hodgs.; Heft 36 die Todinae: Todus
mit 4 Arten; abgebildet ist T. subulatus Gould; dann Heft 40 die
Momotinae: Momotus mit 13 Arten; abgebildet ist: M, momotula
(Licht.). — Lafrenaye publicirt in der Rev. zool. p. 326 einen mo-
nographischen Versuch über die Gattung Todus Er nimmt 4 Arten
derselben an 1. T. viridis auct. Jamaica. 2. T. dominicensis Lafren.
PI. enl. 585. Vieill. Galer. II. pl. 124, Domingo und Martinique. 3. T.
portoricensis Less. {multicolor Gould), Portorico und Cnba. 4. T.
tnexicanus Less., Tampico. Den T. subulatus hält er für eine Va-
rietät des dominicensis. — Biographische Notizen über Prionites
bahamensis Sw. auf Tobago werden (nach Kirks Mittheilungen) von
Jardine bekannt gemacht: Ann. and Mag. p. 79. — Desmurs bil-
det ab Atelornis squamigera Iconogr. pl. 39 und Coracias caudata
L. ib. pl. 28.
Neue Art: Mo?notus subhutu Less. Mammif. et Ois. rec. de-
couv. p. 265, von Mexico.
B*
20 Hartlaub: Bericht über die Leistungen in der
JLipoglo9«ae, Gray giebt in Nr. 40 seiner „Genera" die
Alcedininae: Alcedo 19, Alcyone 6^ Ceryle 15 Arten. Abgebildet
ist Alcedo picta Bodd. — Ueber Buceros buccinator ^ Merops bul-
lochoides und M. nuhicoides macht interessante Mittheilungen Dele-
gorgue Voy. dans l'Afr. austr. I. p. HO, II. p. 364 und II. p. 504.
Letztere Art ist abgebildet in Desm. Iconogr. pl. 35. Ebendaselbst
pl. 34: Merops Lefeburü D. aus Abyssinien. — Buceros lugubris
Begbie ist nach Blyth nur das alte Männchen von B. sumatranus
Raffl.
Neue Art: Ceyx rufidorsa Strickl. Ann. and Mag. 19, p. 129
von Malacca. Wohl nur das Weibchen des C. tridactyla auct.
SEygodactyli.
Galhulidae» Diese werden von Gray in Nr. 38 der „Genera
of Birds" behandelt: Galbula \0, Jacamerops 2 Arten. Abgebildet
ist G. albiventris Sw.
Cuculinae* Heft 35 desselben Werkes enthält die Indio a-
torinae: Indicator mit 9 Arten; abgebildet ist /. maculatics Gr.
n. sp.; Heft 39 die Cuculinae: Cuculus 51, Oxylophus 4, Eudyna-
mis 11 Arten; {Chalcites ist mit grossem Unrecht, scheint uns, ein-
gezogen). Abgebildet ist C. malaymms Raffl. — Ueber Trogon xa-
lapensis Dub. schreibt Lafrenaye: Rev. zool. p. 180. — Derselbe
über Saurothera: Rev. p. 353. Unter S. vetula steckten drei Arten,
1. S. jamaicensis Lafr. {Cuc. vetula Gm.) beschrieben von Sloane;
2. S. dominicensts Lafr. PI. enl. 772 Domingo. (Auch der Her-
zog von Würtemberg unterscheidet diese Art als S. d omingensis).
3. S. vetula Vieill. Cuba? Eine 4te Art ist S. Merlini d'Orb. von
Cuba (S. havanensis, Pr. v. Würtemberg). — G. A. M'Call berich-
tet über die Lebensvreise von Geococcyx viaticus (Licht.): Proceed.
Acad. nat. Sc. Philad. III. p. 233j dieser Vogel frisst nicht nur Insec-
ten, sondern vorzugsweise Süsswasserconchylieu. Das erinnert leb-
haft an den Coua {Coccy%us Delalandi) auf Madagascar, welcher
nach Ackermann's Mittheiiung fast ausschliesslich von Achatinen lebt.
Neue Arten: Centropus rectunguis StrickL Ann. and Mag.
19. p. 134. Malacca. Ist nach Blyth C. Lathami (Shaw). — Chal-
cites osculans Gould, ib. 460. Neusüdwales. — Indicator ma-
culatus Gray Gen. 35.
Piaya cinnamomeiventris Lafr. ist Cuculus pluvialis auct.
Auch Gosse bespricht dieselbe unter dem Namen P. pluvialis: Birds
of Jamaica p. 277.
BucconiUaem Eine neue Art ist: Malacoptila pana-
mensis Lafren. Rev. zool. p. 79.
Naturgeschichte der Vögel während des Jahres 1847. 21
JPicinae» Strickland giebt eine genaue Beschreibung der
Tiga Rafflesü Vig. Ann. and Mag. 19. p. 133. — Lafrenaye be-
schreibt zuerst das Weibchen des Vicus callonotus Waterh. Rev.
p. 77. — Desmurs bildet ab: Picus H ernn'ti ieri Less. Iconogr. pl. 38.
Nur auf Guadaloupe; Dryocopns erythrops Cuv. ib. pl. 27.
Neue Arten sind: Picumnus graiiadensis Lafr. Rev. p. 78.
— Chlor opicus Vaillantii Malh. Catal. Ois. Alger. Suite p. 5-
Dem canus sehr nahe stehend. — Tiga labarum Less. von Su-
matra: Mammif. et Ois. rec. decouv. p. 199 (ist bestimmt identisch
mit T. Rafflesü). — Picus anais Less. ib. 203, dem Boiei
nahe stehend. — Picus similis Less. ib. 204 von San Carlos. —
P. subocularis Less. ib. 205 von Realejo.
JPsittacinae. Eine Beschreibung des merkwürdigen Nacht-
papageien Neuseelands (Kakapo, Strigops habroptilus Gr.) giebt
G. R. Gray Ann. and Mag. 20. p. 55 u. 66, und Proceed p. 60. Nach-
richten über seine Lebensweise theilt F. Strange mit, ib. p. 50.
Nach ihm bewohnt der Kakapo die Westseite der Mittelinsel, ver-
lässt die von ihm selbst gegrabene Höhle unter einer dicken Baum-
wurzel oder einem gewaltigen Felsblock bei Tage nie, und nährt
sich von Farrenkrautwurzeln. Eine sehr detaillirte Beschreibung
dieses Vogels, nach einem von der Stewartinsel stammenden Exem-
plar der Pariser Sammlung, verdanken wir Pucheran: Rev. zool.
p. 385. Die Nachrichten, welche Jules Verreaux über die Le-
bensart des Kakapo erhielt, stimmen mit denen von Strange über-
ein. Die Höhle soll eine Tiefe von 4 bis 5 Fuss haben; am Ende
derselben befindet sich das Nest. Man trifft gewöhnlich nur ein
Exemplar; mehr wie zwei werden nie bei einander gefunden. Pu-
cheran weist dieser Gattung ihre systematische Stellung neben Pe-
zoporus' an. In der Sitzung der Academie des Sciences vom 20. De-
cember theilt Pappenheim seine microscopische Untersuchung der
Federn des Strigops mit; dieselben zeigen viel Verwandtschaft zu
denen der Nachtraubvögel. — Desmurs bildet ab: Conurus acuti-
caudatus (Vieill.) Iconogr. pl. 31. — Lesson's als neu beschriebener
Stylorhynchus erythrofrons (Rev. p. 210 [1842] und: Mammif. et Ois.
rec. decouv. p.l86) ist nur Psittacara leptorhyncha King, ein
längst bekannter chilesischer V^ogel.
Neue Arten: Ära rubrogenys Lafr. von Bolivien: Rev. p. 65.
— Ära cast aneifron s Lafr. ib. p. 66. — Pioiius melanotis
Lafr. ib. p. 67, von Bolivien; alle drei von d'Orbigny mitgebracht.
B.atnphastid'ae» Von Sturm 's Ausgabe der Gould 'sehen
Monographie der R. erschien Heft 4. Darin sind abgebildet: R.
Swaitisonii^ Pteroglossus Beauharnaesii^ Azarae, Bailloni, piperivorus
und sulcatus. Den Schluss bilden anatomische Beobachtungen von
R. Owen und R. Wagner.
22 Hartlaub: Bericht über die Leistungen in der
C o 1 II iti f> i II a e.
Eine wichtige und ausführliche Arbeit über die Tauben des Hi-
malaja, des Industhals, Assams, Sylhets, Tipperahs, Arracans und
Ceylons veröffentlichte Blyth im Journ. of the Asiat. Soc. of Beng.
Nr. 169 u. s. w.
Zu einem Abdruck dieser Arbeit in den Ann. and Mag. 19. p. 41
U.S.W, hat Strick land Noten geliefert. Alle Arten werden genau
beschrieben und die Synonymie derselben wird festgestellt. Für die
Ornithologie Indiens leistet Blyth wirklich ausserordentliches.
Neue Arten sind: Treron viridifr ans Blyth von Tanasse-
rim, Ann. and Mag. p. 49. — T. apicauda Hodgs. ib. p. 50. —
T. chlor ojjtera Bl. ib. p. 48, von den Nicobaren. — Columba
pulchricollis Hodgs. ib. 106. — Wohl identisch mit C. Elphin-
stonii. — C. punicea Tickell, ib. 107. — Columba solitaria
M'Call, der oenas ähnlich, aus Mexico: Proceed. Ac. nat. Sc. of
Philad. JII. p. 233. — Chamaepelia inca Less. Mammif. et Ois.
rec. dec. p. 211. Mexico. — Col. Delegorgtiei von Port Natal:
Del. Voy. II. 615.
Gosse's Geotrygon sylvatica (Birds of Jam. p. 316) wurde
zuerst von Lafrenaye beschrieben als Columbigallina versico-
lor. Desmurs bildet diese prachtvolle Taube ab: Iconogr. pl. 47.
Cwallinaeeae.
Gray behandelt in Nr. 34 seiner „Genera" die Turnicinae:
Turnix 22, Pedionomus 1 und Ortyxelos 1 Art. Abgebildet wird:
T. jondera Hodgs.; und in Nr. 40 die Megapodinae: Megapodius
7, Leipoa 1 und Mesites 2 Arten; abgebildet wird Megapodius For-
steni Temm. — Den Bastard zwischen Birkhahn und Haushenne
beschreibt Sundevall in Hornsch. Arch. II. p. 168. In den. Testi-
keln fanden sich Spermatozoen. Nach ihm wäre Lyrurus derbyanus
Gould nichts als Gelthuhn vom L. tetrix. Der selb, theilte in den
Öfvers. af Kongl. Acad. Förhand. 1847. S. 201 über das Vorkommen
von Perdix coturnix in Schweden, und über Tetrao tetrix lagopides
Beobachtungen mit. — Dr. Morton berichtet über Bastarde zwi-
schen Haushahn und Perlhuhn, sowie zwischen Perlhuhn und
Truthahn: Proceed. Ac. nat. Sc. of Philad. III. p. 185 und Ann. and
Mag. 19. p. 210. Die Färbung ist ein Gemisch von beiden. — Ca-
banis behandelt in Ersch und Grub. Encycl. sect. III. vol. 22. p. 143.
die Phasianinae; sehr hübsch und ausführlich, aber es geht wie-
der nicht ohne neue Gattungsnamen abl Die P. werden nach der
Laufbekieidung in natürliche Gruppen gebracht. — Desmurs bildet
ab: Perdix Bonhami Fräser, Iconogr. pl. 29 und Ortyx leucopogon
Less. ib. pl. 31. Eine ausführliche Beschreibung dieser Art findet
man in Less. Mammif. et Ois. rec. dec. p. 217.
Naturgeschichte der Vögel während des Jahres 1847. 23
Neue Arten: Co turnix De leg orguet \on Fort Nsital: Deleg.
Voy. Afr. austr. 11. p. 615. Wer diese Art so benennt, erfährt man
nicht, „un savant dont les ouvrages sont encore inedits/' — Orta-
lida rufica%ida Jard. von Tobago: Ann. and Mag. 20. p. 374.
Cursoren.
Üeber die straussartigen Vögel in der Menagerie Lord Derby's
berichtet Yarrell: Ann. and Mag. vol. 19. p.350. — Goiild erhielt
von der Mittelinsel Neuseelands eine zweite Art Apteryx, welche er
A. Owenii nennt und die er beschreibt: Ann. and Mag. p. 282, und
Proceed. zool. Soc. p. 93. Diese Art ist von der Grösse des A.
australis, unterscheidet sich aber von diesem durch den kürzeren
gekrümmteren Schnabel, durch das noch baarähnlichere Gefieder,
die noch rudimentäreren Flügel und durch die unregelmässige Quer-
streifung des Colorits. Von einer dritten weit grösseren Art erhielt
F. Strange Kunde; dieselbe soll die Mittelinsel bewohnen und drei
Fuss hoch sein; die Robbenschläger, welche diese Küsten alljährlich
besuchen, kennen den Vogel und nennen ihn „Fireman" Proceed.
pag. 51.
Durch W. Man teil gelangten mit einer Sendung von über 800
Moaknochen auch Eierschalenfragmente des Dinornis nach Eng-
land: Ann. and Mag. 20. p.285.
e r a 1 1 a e.
A.iectorides. Parra cordifera Less. von Centralamerika
wird abgebildet von Desmurs: Iconogr. pl. 42.
Vulicariae» Dubus giebt die Abbildung seines Gallirallus
fuscus Esquiss. ornith pl. 11. — Neue Arten sind: Porzana leu-
cophrys Gould von Nordwestaustralien, Ann. and Mag. p 461. —
Ra litis coticolor Gosse Birds of Jamaica, p. 369.
JKrodii» Gray behandelt in Nr. 36 seiner „Genera of Birds"
die Tantalin ae: Tantalus 4, Ibis 5, Geronticus 18 Arten; abgebil-
det wnrd /. longirostris Wagl. — Von der Lebensweise des Ibis ha-
gedash erzählt Delegorgue: Voy. Afr. austr. I. p. 114. — Des-
murs bildet ab Ardea nigricollis WagL Iconogr. pl. 30. — Das gi
gantische Nest von Scopus umbretta beschreibt Delegorgue Voy-
L p. 516.
Neue Arten sind: Egretta nivea Gosse, Birds ofJam. p. 334
— E. ruficollis Gosse ib. p. 338. — Nycticorax oceanicus
Less. von den Marquesas-Inseln: Mammif. et Ois. rec. decouv. p.242
— Grus australasianus von Neuholland, wenig verschieden von
G. antigone; Gould Proceed. p. 230. — Herodias plumiferus
24 Hartlaub: Bericht über die Leistungen in der
G. ib. von Neusüdwales. — Herodius pa7i?iosus G. ib. ebendaher.
— Ardetta stagnatilis G. ib. von Port Essington,
Etitnicolae» Heft 35 der „Genera of Birds" enthält die Cha-
radrinae: Vanellus 5, Chettusa 13, Erythrogonys 1, Hoploptertis
13, Squatarola 2, Charadrius 46, Thinornis 3 und Vhegornis {Lepto-
pus Fräser) 1 Art; abgebildet ist Vanellus ptiloscelis Gr. n. v.; Heft
39 die Limosinae: Ibidorhynchus 1, Numenius 16 und Limosa 8
Arten; abgebildet ist N. tenuirostris V ', Heft 41 die Recurviro-
strinae: Recurvirostra 5, Cladorhynchus 1 und Himantopus 6 Ar-
ten; abgebildet ist R. occidentalisWg.; endlich Heft 42 die Haema-
topodinae: Haematopus mit 11 Arten; abgebildet H. m'ger Temm.
— Desmurs bildet ab Leptoscelis Müchelln (Phegornis Gr.) von
Chile: Iconogr. pl. 41.
Neue Arten: Tota?ius oceanicus Less. von Ualan: Mammif.
et Ois. rec. decouv. p. 244. — Actitis empusa Gould von Port
Essington: Proceed. zool. Soc. p. 222.
MdOngipenne** Larus ehurneus wurde abermals an der eng-
lischen Küste geschossen: Ann. and Mag. 19. p. 23. — Neue Arten
sind: Anous Herminieri Less. von den Antil>en: Ois. rec. de-
couv. p. 255. — Sternula antillarum Less. ib. 256. — Ster-
nula melanorhyncha Less. ebendaher; ib. p. 257. — Sterna
gracilis Gould von „Houtman's Abrolhos" Westaustralien: Pro-
ceed. p. 222. Steht der S. Dougallii nahe.
öPuhinares, Zwei neue Arten sind: Procellaria brevi-
rostris Lawrence, von Florida: Sillim. Journ. May 1847. — P.
larvata Less. vom Cap: Mammif. et Ois, rec. dec. p. 255.
WTnguirostres» Ein Verzeichniss der bis jetzt bekannten
Entenbastarde giebt Selys Longchamps; er nennt 25; davon sind
5 zweifelhaft, 15 sah er selbst: Bullet. Acad. de Brux. XIL p. 335.
— üeber eine zufällige rosenrothe Färbung bei wilden Enten
berichtet Tyzenhaus; er traf bei drei Exemplaren von A. crecca
Stirn, Backen und die ganze Unterseite des Körpers lebhaft rosen-
roth; die Ursache dieser auffallenden Erscheinung glaubt T. in einer
Verbindung des Salicin mit dem thierischen Schweiss zu finden.
(??) Die von Naumann solcher rothen Färbung zum Grunde gelegten
Blattläuse einiger Weidenarten vermochte er an dem Orte, wo jene
drei Enten erlegt waren, nfcht aufzufinden, w^ohl aber fand er die
Lagerstellen der Enten auf Wurzelfasern von Weiden roth gefärbt.
ü. s. w. Rev. zool. p. 273. — Eine anziehende Schilderung von der
Lebensweise des Phoe?ncopterus antiquorum in Südafrika entwirft
Delcgorgue Voy. Afr. aiistr. I. p. 53. — Erismatura mersa ist
häufig in einigen Gegenden Algeriens: Malherbc Catal. Suite p. 6.
Naturgeschichte der Vögel während des Jahres 1847. 25
— Er. maccoa Smith ist abgebildet: lllustr. of S. Afr. Zool. XXV.
pl. 108 und 109. — Üeber Anas glaucion sehe man Less. Mammif.
et Ois. rec. dec. p. 249. — Desmurs bildet ab: Merganetta armata
G. 2 Icon. pl. 48.
Neue Arten: Fuligiila ferinoides Bartl. Ann. and Mag. 19- -
p. 422. Das einzige Exemplar wurde bei Great Yarmouth in England
erlegt; es unterscheidet sich von F. ferina durch den weissen Spie-
gel, die kleinere Statur, die dunklere Färbung und die strohfarbenen
Augen, Ohne Zweifel ein Bastard. — Anas maxinia Gosse Birds
of Jam. p.3?9. Ob Bastard von boschas und moschata? — Cyano-
pterus inornatus Gosse ib. p. 402. — Erismatura orty-
goides Gosse ibid. p. 406. — Fuligula {Lampronetta) Fi-
scher i Brandt von der Steffensinsel in Nortonsund, nordwestl.
America. Die schöne und ausserordentlich seltene Ente wird von
Brandt in einem eigenen Werkchen beschrieben und abgebildet, wel-
ches den Titel führt: Lampronettam Fischeri, novam avium rossica-
rum speciem , praemissis observationibus ad Fuligularum generis
sectionem et subgenerum quorundam characteres et affinitates spe-
ctantibus descripsit J. F. Brandt. 4to. Petersb. — Aiiser nigri-
cans Lawrence von EggHarbour, Nordamerika: Ann. of the Lyc.
of Nat. Hist. of New-Jork. IV. 172. T. 12. Sillim. Journ. May. 1847.
Ann. and Mag. vol. 20. p. 211.
^teganopodes* üeber den ,,Fishing Cormorant" in
China Phalacrocorax sinensis auct. schreibt sehr interessant und
ausführlich Rob. Fortune, Wander. in the north. Provinc. of China,
p. 109. — Gray bildet ab Pliaeton candidus Br. Gen. of Birds, part
38. Eine neue Art ist Flatus 7iovae Hollandiae Gould Pro-
ceed. p 34. Südaustralien, \iehex Sula parva vergleiche man: Gosse
Birds of Jam. p. 418.
PygopoUes, üeber die antarctischen Aptenodytes- Arten (so
wie über Procellaria nivea) vergleiche man Sir J. Ross Voyage to
the antarctic pole, II. p. 158 u. s. w. — Nach den Beobachtungen und
Mittheilungen des Dr. Obeuf veröffentlicht Verreaux in der Rev.
zool. p. 241 sehr merkwürdige Nachrichten über die Lebensweise
dreier Pinguin-Arten, Aptenodytes patagonica^ Pygoscelis papua und
chrysocome auf den Crozets- und Possessions-Inseln. Letztere beide "
Arten bewohnen die nackten felsigen Abhänge der Berge , während
der „Pingouin royal" vorzugsweise die Ebenen liebt. Die Brutzeit
dieses- Vogels beginnt auf den Crozetinseln gegen Ende Oktobers.
Während aber A. papua und chrysocome ihr Ei in ein von Moos
und Kräutern auf den Felsenspitzen construirtes Nest legen, trägt
das Weibchen des A. patagonica dasselbe in einer Längsfalte der
Bauchhaut (poche incubatrice) zwischen den Schenkeln und trennt
sich niemals davon. Es kann damit 8 bis 10 Fuss weite Sprünge
ausführen. Wenn man das Ei aus dieser Hauttascb.e entfernt, ver-
26 Hartlaub: Ber. ü, d. Leist. i. d. Naturgesch. d. Vögel etc.
schwindet dieselbe alsbald vollständig. Lafrenaye benaerkt dazu
mit Recht, dass diese ganz ausserordentliche Brütart des „Pingouin
royal" dessen generische Isolirung reclitfertige, ja nothwendig mache,
aber mit Unrecht proklarairt er die Beobachtung derselben als neu.
Schon Wedell berichtet, wenngleich weniger ausführlich dieselbe
Thatsache vom Königspinguin auf Südgeorgien: Deutsch, üebersetz.
pag. 40 ').
Gray behandelt in Nr. 42 seiner „Genera of Birds" die Alci-
nae: Fratercula mit 4 und Alca mit 2 Arten; abgebildet wird P.
cornicidata Naum.
^) „Denn sie haben kein Nest und die Henne ist deshalb zwi-
schen Schenkeln und Schwanz mit einer Höhlung versehen, in welche
das Ei passt."
27
Bericht über die wissenschaftliclien LeistuDgen in
der Naturgeschichte der Iiisecten, Arachniden, Cru-
staceen ii. Entomostraceen während des Jahres 1847.
Vom
Herausgeber.
Ueber die systematischen Verhältnisse der Gliederthiere
hat Zaddach eine Arbeit geliefert, welche unter dem Titel
,,iiber die Eintheilung des Thierreichs in Kreise und Klassen"
in einer Gelegenheitsschrift erschienen ist und hier näher be-
trachtet zu werden um so mehr Anspruch machen darf, als
gerade fiir die Eintheilung der Gliederthiere der Verf. neue
Gesichtspunkte aufgestellt hat, welche aus einem sorgsamen
Studium von Rathke's werthvollen Untersuchungen über die
Entwickelungsgeschichte hervorgegangen sind. Ich zweifle
nicht, dass umfassende Forschungen über die Entwickelung
zu vollkommen sicheren Ergebnissen führen werden , nur müs-
sen sie von anderen einfacher gebauten Formen ausgehen als
vom Flusskrebs, der vom Urtypus der Körperbildung eines
Gliederthiers sich möglichst weit entfernt, und bei dem auch
dadurch, dass ihm die Verwandlung fehlt, die Entwickelung
im Ei nothwendig eine andere sein muss als bei der grossen
Mehrzahl der Gliederthiere, wo eine allmähliche Ausbildung
in späteren Lebensabschnitten vor sich geht. Auch sind die
vorliegenden Untersuchungen über embryonale Entwickelung,
so werthvoll sie an sich sind, noch ihrem Umfange nach viel
zu vereinzelt, um einer Eintheilung überhaupt eine Grundlage
zu bieten^. Und über Rathke's Beobachtungen ist der Verf.
nicht hinausgegangen.
Die vier Hauptabtheilungen oder Kreise des Thierreichs bestimmt
der Verf. nach dem Vorherrschen einer der vier Lebensverrichtungen,
für den nüchternen Verstand eine leere Spielerei; denn was soll man
dazu sagen, wenn dem Isten Thierkreise, den Strahl- oder Pflanzen-
28 Erich son: Bericht über die wissensch. Leistungen in der
thieren ,, vorherrschende Entwickelung der geschlechtlichen Verhält-
nisse" zugeschrieben wird, während in der That die geschlechtliche
Fortpflanzung einer der hier gerechneten Abtheilungen, den Infuso-
rien, ganz fremd ist, bei zwei andern, den Polypen und Quallen, die
Vermehrung durch Knospen und Theilung eine wenigstens eben so
grosse Rolle spielt als die geschlechtliche Fortpflanzung und nur die
beiden übrigen Abtheilungen , die Seesterne und Seeigel sich in Bezug
auf die letzte eben so verhalten als die übrigen Thiere. Es könnte
hier also viel eher von einem Zurücktreten als von einem Ueber-
wiegen der geschlechtlichen Verhältnisse die Rede sein. — Ebenso
wenig passt für den 3ten Thierkreis, die Brust- oder Gliederthiere,
da die Gliederwürmer mit eingeschlossen sind, die „vorwaltende Ent-
wickelung der Bewegungsorgane", denn selbst wo bei den Glieder-
würmern passive Bewegungsorgane vorkommen, sind sie für die Be-
wegung des Thiers nur .von untergeordneter Bedeutung. Zwar be-
trachtet der Verf. die Gliederwürmer als die unterste Abtheilung der
Gliederthiere, wo die Bewegungsorgane noch nicht ausgebildet sind,
aber abgesehen davon, dass es unlogisch ist, für eine Abtheilung
einen Charakter aufzustellen , der nur einem Theile derselben zu-
kommt, findet zwischen den Gliederwürmern und Gliederthieren (In-
secta L.) ein systematischer Zusammenhang nicht Statt, denn sie
sind nach einem verschiedenen Typus gebildet, und die Gliederung,
welche einem Theile der Gliederwürmer zukommt, hat eine andere
Bedeutung als die der Gliederthiere. Auch die Entwickelung ist bei
beiden verschieden. Wir haben uns also schon lange dafür entschie-
den, dass die Gliederthiere mit den Gliederwürmern nicht zu ver-
binden sind.
Gehen wir zu den Untersuchungen des Verf. über die Glieder-
thiere über, so finden wir hier eine ganz neue Auffassung der Glie-
derung des Körpers; sie scheint vorzugsweise aus dem Studium der
embryonalen Entwickelung des Flusskrebses und des Scorpions her-
vorgegangen zu sein, und daraus erklärt sich die Abweichung von
der bisherigen Betrachtungsweise, welche von einfacheren Verhält-
nissen ausging. „Körperabschnitte", sagt der Verf., „erscheinen im
Ganzen vier, und wie bei dem strahligen Typus des ersten Kreises
gewisse Zahlen sich wiederholen, so scheinen auch hier für die Glie-
derungen der einzelnen Abschnitte gewisse Zahlenverhältnisse aufzu<
treten. Der erste Abschnitt des Körpers ist der Kopf. Wo er am
vollständigsten ausgebildet ist, setzen vier Ringe denselben zusam-
men; aber diese verschmelzen nicht nur frühzeitig in der ersten Pe-
riode der Entwickelung, sondern sie verbinden sich auch stets noch
mit einigen Ringen des zweiten Körperabschnitts, so dass ein wirk-
lich gesonderter Kopf in der ganzen Reihe der Gliederthiere nirgends
hervortritt. Der zweite Abschnitt, die Brust, besteht allgemein aus
fünf Ringen, und hat bei den Krebsen eine sehr mannigfache Ent-
wickelung, gestaltet sich aber bei den Insecten und Spinnen, während
Naturgeschichte der Insecten während des Jahres 1847- 29
ein Ring oder zwei Ringe sich von den übrigen trennen und zum
Kopfe treten , in seinen hinteren Ringen zum Träger der Bewegungs-
organe um. Der dritte Abschnitt des Körpers, der Bauch, wird wie-
derum aus fünf Ringen gebildet, durchläuft in der Klasse der Krebse
ebenfalls sehr verschiedene Entwickelungsstadien, indem er bei vielen
die Function der noch wenig ausgebildeten Brust übernehmen muss,
und erreicht ebenfalls erst in den beiden oberen Klassen seine Be-
deutung als Sitz der vegetativen Organe des Körpers. Der letzte
Abschnitt des Körpers , der sich in seiner Gestalt stets von den vor-
hergehenden unterscheidet, kommt nur bei den Krebsen und einer
kleinen Abtheilung der Spinnen, den Scorpionen vor und besteht
gewöhnlich aus 6 oder 7 Ringen. Man hat ihm in neuerer Zeit den
Namen postabdomen gegeben, ich nenne ihn den Hinterleib '). —
An allen Ringen des Körpers können sich Gliedmassen ausbilden,
und dies geschieht auch bei den Krebsen fast allgemein, während
bei den Insecten und Spinnen am Bauchtheile sich niemals Glied-
massen entwickeln. Sonst aber treten diese in den mannigfachsten
Formen und sehr verschiedener Bedeutung, bald als Kiemen-,
Schwimm- oder Ruderfüsse, bald als Beine zum Gehen, bald als
Kiefer, ja endlich sogar als Sinnesorgane auf." Die Entwickelung
der Kopfgliedmassen ist beim Krebse beobachtet worden: „Bei den
Krebsen bilden sich im Ei am vordem Ende der zuerst entstandenen
Bauchseite drei oder vier Paare kleiner Platten, die in ihrer ersten
Erscheinung oder in dem nächsten Stadium ihrer Entwickelung sich
durchaus so verhalten wie die spater entstehenden Leisten, aus denen
sich die Brust- und Bauchgliedmassen entwickeln. Wir werden daher
auch- diejenigen Organe, die sich aus diesen Platten hervorbilden,
wenn wir die Belehrung, welche uns die Entwickelungsgeschichte
über die Deutung der Körpertheile gewährt, nicht gänzlich zurück-
weisen wollen, als eben so viele Gliedmassen bezeichnen müssen.
Es bildet sich aber von ihnen bei den Krebsen der höheren Ordnun-
gen im Laufe der Entwickelung das am meisten nach hinten liegende
Paar überall zu den Mandibeln, die beiden darauf folgenden Paare
zu den beiden Antennenpaaren und endlich das vorderste Paar, wo
es vorkommt, zu den Stielen der zusammengesetzten Augen aus.
Diese Organe sind also als vier Kopfgliedmassen zu betrachten, und
es ist durchaus nothwendig, dass man diese allgemeinste Bedeutung
derselben festhalte, um durch die verschiedenen Formen, in denen
sie auftreten, in ihrer Deutung nicht irre geleitet zu werden. In
') Diese Bezeichnung ist ganz unstatthaft, und muss nothwendig
zu Missverständnissen führen, weil sie von jeher als üebersetzung
von abdomen in Gebrauch ist. Ebenso unpassend sind die Benen-
nungen „Bauch" und „Brust" hier angewandt, denn es ist längst fest-
gestellt, dass Bauch (venter) die Unterseite des Hinterleibs, Brust
die des Mittelleibs bezeichnet.
30 Erichs on: Bericht über die wissensch. Leistungen in der
welcher Reihenfolge diese Theile entstehen und ob dieselbe bei allen
Gliederthieren dieselbe ist, lässt sich nach den vorhandenen Untersuchun-
gen über die einzelnen Arten nicht mit Bestimmtheit ersehen." Es
scheint mir sehr misslich, in dieser Beziehung vom Krebse auf an-
dere Gliederthiere schliessen zu w^ollen, weil beim Krebse ganz ab-
weichende Verhältnisse sich vorfinden. Die Fühler nämlich stehen
ebenso wie die Augen auf besonderen Stielen , welche die Sinnes-
organe enthalten. Will der Verf. die Sinnesorgane als Kopfglied-
massen betrachten, so mag das sein, man darf aber nicht vergessen,
dass die Sinnesorgane ihre Nerven aus dem oberen, die Mandibeln
mit den beiden anderen Kieferpaaren aus den unteren Kopfganglien
erhalten. Aus diesem Grunde will es mir auch nicht als richtig er-
scheinen, wenn der Verf. die vor dem Munde liegenden Klammer-
füsse der parasitischen Entomostraceen, welche ich als erstes Fuss-
paar gedeutet habe, als umgewandelte Antennen betrachtet wis-
sen will.
Die Gliedmassen der Brust stellt der Verf. auf folgende Weise
dar; „Auf den Kopf folgt als zweiter Abschnitt des Körpers, die Brust.
Sie besteht allgemein aus fünf Segmenten, von denen fast durchgängig
jedes Gliedmassen trägt." „Bei keinem Thiere indessen entMickeln
sich alle diese Gliedmassen zu Bewegungswerkzeugen, allgemein
schliessen sich einige derselben, zuweilen alle, dem Kopfe sehr ge-
nau an, und gestalten sich zu Hülfsorganen des Mundes um, die
dann den Namen der Kiefer oder Kieferfüsse erhalten. Allerdings ist
es, seit Savigny seine umfassende Untersuchungen über die Mund-
theile der Gliederthiere anstellte, bekannt, dass die Kiefer nichts
anderes als die umgewandelten Beine seien; aber es ist nöthig, dass
man sich es überall deutlich mache, dass diese Beine nicht dem
Kopfe, sondern der Brust angehören, wovon man sich leicht durch
einen Blick auf die Abbildungen, die Hr. Prof. Rathke in seiner Ent-
wickelungsgeschichte des Scorpions, des Flusskrebses und anderer
krebsartiger Thiere gegeben, überzeugen kann. Es entstehen hier
sämmtliche Brustgliedmassen, nachdem die Entwickelung der Kopf-
gliedmassen längst begonnen, und der Hinterleib sich bereits ausge-
bildet hat, dicht hinter einander, sind anfangs alle von gleicher Ge-
stalt, und nehmen erst später verschiedene Formen an, indem die
vorderen sich langsamer entwickeln als die hinteren. Daher ist denn
auch die Zahl derer, welche die Bedeutung von Bewegungsorganen
verlieren, und sich als Kieferfüsse dem Munde anschliessen, in den
verschiedenen Ordnungen sehr verschieden, alle fünf Brustgliedmas-
sen werden Kieferfüsse bei den Decapoden , vier bei den Schizopo-
den und Laemodipoden, drei bei allen Isopoden und Amphipoden,
zwei bei allen Insecten, ein Paar bei allen Spinnen. Die Segmente
dieser Kieferfüsse bilden sich nicht vollständig aus, sondern werden
vom Kopfschilde überdeckt und eingeschlossen, welcher sich bei
vielen Krebsen auch noch über einige oder alle Bauchsegmente hin-
Naturgeschichte der Insecten während des Jahres 1847. 31
überwölbt. Man pflegt daher bei diesen und den Spinnen von
einem Cephalothorax zu sprechen, indessen gebührt dieser Name
entweder den Spinnen allein, weil hier alle Ringe der Brust und
des Kopfes zu einem Stück verwachsen, oder er kommt auch den
Insecten zu, weil auch bei ihnen der Kopf mit zwei Brustsegmenten
innig verbunden ist. Das dritte Segment aber, welches bei allen
Krebsen in seiner Form und Stellung mehr den vorderen als den
dahinter liegenden ähnlich ist, zeigt diese Richtung auch noch sehr
häufig bei den Insecten, indem bei vielen der dritte Brustring, ge-
wöhnlich die Vorderbrust genannt, von den beiden auf ihn folgenden
getrennt bleibt, oder indem, wie bei andern Insecten die Gliedmas-
sen dieses Ringes durch Schwäche und Stellung an Kieferfüsse er-
innern." — Wenn beim Embryo des Flusskrebses und Scorpions die
zwei hinteren Kiefer und die drei Thoraxbeine (Kieferfüsse beim
Krebse) sich in einer Reihe und gleichmässig entwickeln, ist dies
leicht erklärlich, denn beiden fehlt ein abgesonderter Kopf, und die
genannten Gliedmassen liegen au^ beim ausgebildeten Thier in glei-
cher Reihe und sind von ziemlich gleicher Gestalt. Der Verf. geht
aber offenbar zu weit, hieraus beweisen zu wollen, dass auch bei
den eigentlichen Insecten mit abgesondertem Kopfe die beiden hinte-
ren Kieferpaare zum Thorax zu rechnen seien. Hätte er Köllikers
Observ. de prim. insect. genesi zu Rathe gezogen, würde er sich
auch von der ünhaltbarkeit dieser Ansicht überzeugen können.
„Der Bauchtheil", sagt der Verf. ferner, ,, entwickelt sich von
allen Körperabschnitten zuletzt und scheint allgemein, wie die Brust
aus fünf oder aus zweimal fünf Ringen zu bestehen. Bei den Crusta-
ceen ist die Zahl fünf constant, bei den Scorpionen ebenso, bei den
Phalangien sieht man deutlicTi auf der Rückenseite zehn, auf der
Bauchseite fünf Segmente, und auch für die Insectenlarven scheint
die Zahl zehn für die Bauchsegmente normal zu sein, obgleich hier
allgemein die Zahl neun als solche angegeben wird." Der Verf. be-
trachtet die Nachschieber der Insectenlarven als den zehnten Ring,
er bildet aber nur eine Fortsetzung der Unterseite des neunten Rin-
ges. Neun Ringe lassen sich auch bei vollkommenen Insecten nach-
weisen, nicht aber zehn.
Den Hinterleib (postabdomen) betrachtet der Verf. um so mehr
als einen vom Bauchstück wesentlich unterschiedenen Theil, als er
bei Embryo des Scorpions und Krebses auf eine von der Entstehung
des übrigen Körpers abweichende Weise gebildet wird; ,,hier zeigt
sich nämlich schon frühe und zugleich mit der ersteh Entwickelung
der Kopfgliedmassen am hinteren Ende des ürtheiles eine warzen-
förmige Ausstülpung der Keimhaut, die allmählich zu einem schlauch-
artigen Anhange auswächst, und bald eine ähnliche Gestalt annimmt,
wie der Hinterleib der ausgewachsenen Krebse zeigt; sodann bilden
sich durch Einschnürungen an ihm sieben Ringe aus, erst viel später
aberwachsen an der Bauchseite jeden Ringes die Gliedmassen hervor."
32 Erichson: Bericht über die wissensch. Leistungen in der
Heber den Blutumlauf der Insecten sind mehrere Abhand-
lungen erschienen. Die ausführlichste ist eine von der Kon.
Belgischen Academie gekrönte Preisschrift: Memoire en re-
ponse a la question suivante: eclairir par des observations
nouvelles le phenomene de la circulation dans les Insectes,
en recherchant si on peut la reconnaitre dans les larves des
differents ordres de ces animaux par M. Verloren Dr. en
sc. (Mem. cour. et raem. des sav. etr. tom. XIX.)
Eine lehrreiche und sehr sorgfältige durch schöne Abbildungen
erläuterte Arbeit, in welcher zunächst Leon Dufour's wunderliche
Behauptung, dass bei den Insecten kein Blutumlauf stattfinde und
das Rückengefäss ein blosser Strang ohne Höhlung sei, einer aus-
führlichen Widerlegung gewürdigt ist. Darauf sind Bau und Verrich-
tung des Rückengefässes sehr genau geschildert. An den Flügelmus-
keln des Rückengefässes konnte der Verf. bei den Larven von Chi-
ronomus plumosus, bei Vespa Crabro, bei der Raupe des Cossus
ligniperda keine Spur von Querstreifen entdecken , wohl aber bei den
Larven des Gastrus equi und beim Lucanus cervus. Die Fasern der
Befestigungsbänder dieser Flügelmuskel umgeben das Rückengefäss
gleichsam mit einer Scheide, während sie sich an verschiedenen
Stellen an die Wände des Gefässes inseriren. Die Membran , welche
nach den Angaben einiger Schriftsteller das Rückengefäss äusserlich
wie ein Sinus umgiebt, scheint dem Verf mit dieser Scheide über-
einzustimmen, welcher oft Fettkügelchen anhängen, und welche
eigentlich nur eine netzförmige Hülle ist, durch welche die im Nah-
rungsstoff enthaltenen Kügelchen, die häufig nichts Anderes als Fett-
kügelchen sind, bisweilen zurückgehalten werden, so dass man bei
einigen nur sehr wenige Kügelchen sich im Rückengefäss bewegen
sieht. Die Zahl der seitlichen Oeffnungen desselben stimmt nach der
Meinung des Verf. im Allgemeinen mit der Zahl der Hinterleibsringe
überein, es ist aber sehr schwierig, dies durch Beobachtung nach-
zuweisen, weil es nie gelingt, dasselbe in seiner ganzen Länge
wahrzunehmen, und auch bei der Section des Insects die Oeffnungen
in dem umgebenden Fett sich verstecken. Bei der Larve des Pom-
pilus viaticus sah der Verf. vom 9ten bis 12ten Ringe 4, bei der des
Syrphus Ribesii 3, bei der des Chironomus plumosus 2 Paar Oeff-
nungen, bei der eines Rüsselkäfers aus ülmenblättern 8. Die mi-
croscopische Untersuchung kleiner durchsichtiger Larven hat mehr
Werth für die Bestimmung der Lage dieser Oeffnungen als die Zer-
legung grosser Insecten, weil sie durch die Klappen, mit welchen
sie nach innen versehen sind, beim Pulsiren des Rückengefässes
leichter erkannt werden. Auf diese W^eise hat der Verf sie bei vie-
len Larven beobachtet und stets gefunden, dass in jedem Hinter-
leibsringe ein Paar vorhanden war. Bei der Raupe der Sphinx Li-
gustri entdeckte der Verf, jedoch am Anfange des Rückengefässes
Naturgeschichte der Insecten während des Jahres 1847. 33
im 12ten Ringe ein doppeltes Paar, das eine lag horizontal in dem
horizontalen Theile dieser Abtheilung des Rückengefässes , das andere
mehr vertical in dem Theile, der sich in einer verticalen Richtung
über dem horizontalen erhebt, \Venn man eine Einspritzung von
gefärbter Flüssigkeit in das Rückengefäss macht, läuft dieselbe in
der Mitte jeden Ringes auf beiden Seiten des Rückengefässes aus
und verbreitert sich im Fettgewebe, dies findet aber nur bis zum
4ten Ringe statt, wo der Aortentheil des Rückengefässes anfängt,
dem die Oeffnungen fehlen. Auch hierin sieht der Verf. einen Beweis
davon, dass es in der Mitte jeden Ringes ein Paar seitlicher Oeffnun-
gen giebt. Hinsichts der Function des Rückengefässes tritt der Verf.
der durch Strauss-Dürkheim verbreiteten Annahme entgegen, dass
die einzelnen Kammern abwechselnd sich ausdehnten und zusammen-
zögen, er weist vielmehr nach, dass Ausdehnung und Zusammenzie-
hung sich allmählich von vorn nach hinten fortpflanzen, in der Weise,
dass der hinterste Theil sich schon wieder zu erweitern anfängt,
wenn die Zusammenziehung noch nicht bis zum vordersten Theile
gelangt ist. Das zurückkehrende Blut fliesst in vier Hauptströmen:
einer unter dem Rückengefäss, einer längs der Ganglienkette, und
einer auf jeder Seite längs der grossen Luftröhrenstämme. Die Frage,
ob diese Strömungen in besonderen Gefässen stattfinden, verneint der
Verf., indem 1. er nie einen Ast aus dem Rückengefäss entspringen
gesehen; 2. sich auch unter dem Microscop keine Spur von Gefäss-
verzweigung erkennen liess; 3. wenn man einen kleinen Einschnitt in
das eine Körperende einer Larve macht und sie an dem anderen frei
aufhängt, fliesst das Blut aus dem Körper vollständig aus, was nicht
geschehen könnte, wenn dasselbe in Gefässen eingeschlossen sei; 4.
bei Einspritzungen gefärbter Flüssigkeiten in das Rückengefäss er-
giessen sich dieselben zwischen die inneren Theile, und färben diese
auf der ganzen Aussenseite, ohne sich in Gefässverzweigungen zu
vertheilen; 5. wenn man den Körper eines Insects, vvelches längere
Zeit in Weingeist gelegen, öffnet, findet man gewöhnlich das Blut zu
Flocken geronnen zwischen den Organen; 6. bei microscopischer Be-
obachtung sieht man die Blutströmungen häufig Stelle und Richtung
wechseln; endlich 7. die Vertheilung der Luftgefässe und auch die
Beschaffenheit der Muskeln, welche nicht durch Zellgewebe verbun-
den sind, sondern frei von der Ernährungsflüssigkeit bespült werden,
verbieten die Annahme von Gefässen. (Ich finde nicht, dass durch
diese Gründe das Vorhandensein besonderer Gefässe durchaus wider-
legt wird, denn wenn sie sehr dünnwandig sind, zerreissen sie beim
Einspritzen einer Flüssigkeit, schon gleich, wenn sie aus der derben
Aorta in die zarten Aeste am Schlünde übergehen. Ich habe Öfter
gesehen, dass die Aorta unter dem Gehirn sich in zwei oder drei
Aeste spaltet, welche sich nicht weit verfolgen lassen, habe auch
ein die Ganglienkette begleitendes Gefässrohr gesehen, so dass ich
für mein Theil sehr geneigt bin, Newport's Darstellung der Gefäss-
Archiv i. Naturpescli. XIV. Jahrg. 2, Bd. C
34 Erirlison: Bericht über die wissensch, Leistungen in der
verthoilung bei Insecten für genau zu halten, wenn auch dies System
nirgends ganz geschlossen und bei verschiedenen Insecten sehr ver-
schieden ausgebildet ist, und namentlich bei Larven, vorzüglich bei
jungen Larven noch kaum vorhanden sein mag).
In den Anhängen des Körpers, den Beinen, Fühlern, Flügeln
U.S.W, muss der Blutumlauf von anderen Mitteln abhängen, denn
die vom Rückengefäss abhängigen Blutströmungen im Körper können
auf dieselben nicht einwirken. Für die Beine bestättigt der Verf.
die Beobachtung von Behn , welcher in den Beinen einen besonderen
beschleunigten Kreislauf und im oberen Theil der Schiene ein eigenes
pulsirendes knotenförmiges Organ wahrnahm, welches wie ein Pum-
penstempel auf- und abstieg. Wenn es in Thätigkeit ist, verursacht
es eine lebhafte Strömung, welche in einem schmalen Raum an der
äusseren und vorderen Seite herabsteigt, und langsamer in einem
weiteren Raum an der inneren und hinteren Seite wieder aufsteigt.
Nur ein kleiner Blutstrom dringt in die Tarsen ein, welcher nur we-
nig Blutkügelchen enthält und daher schwer zu bemerken ist. Bei
einigen Aphis- Arten vollbrachte es gewiss mehr als hundert Pulsa-
tionen in der Minute. Diese Pulsationen finden namentlich statt,
wenn die Beine in Bewegung sind, und sie pflegen noch eine Zeitlang
fortzudauern, wenn die Beine wieder in Ruhe sind. Auch bef jungen
Cicaden beobachtete der Verf. das pulsirende Organ und zugleich
Blutkügelchen, und hier sah er auch die Circulation im Fusse, wenn
das Organ in Bewegung war, während sie beim Stillstande des Or-
gans stets fehlte. Bei anderen Insecten konnte er von solchen Or-
ganen nicht die geringste Spur entdecken, hält es aber für wohl
möglich, dass hier eine andere Einrichtung vorhanden ist. In den
Fühlern konnte der Verf. nur im ersten Gliede Blutströmung sehen.
In den Flügeln fand er sie auf ähnliche Weise, wie sie Carus be-
schrieben , nur bei Phryganea grandis zeigten sich zwei Ströme zu
beiden Seiten des Hauptnerven, ein ein- und ein ausströmender. Am
Grunde der Schwanzfäden der Larve von Ephemera diptera entdeckte
der Verf. ein eigenes Herz für diese Theile, welches einer Kammer
des Rückengefässes gleicht, demselben auch dicht anliegt, aber
schwerlich mit ihm in Zusammenhang steht, da seine Bewegungen
viel rascher sind , häufig auch aufhören , während das Rückengefäss
zu pulsiren fortfährt. Dieser Theil scheint mit einem einfachen Klap-
penapparat versehen zu sein , der in einer entgegengesetzten Richtung
angebracht ist als die Klappen des Rückengefässes, so dass bei den
Zusammenziehungen und Erweiterungen die Flüssigkeit in einer ent-
gegengesetzten Richtung bewegt werden muss als im Rückengefäss.
Die Schwanzfäden sind durch eine häutige Seheidewand der Länge
nach getheilt, in dem einen engeren Raum strömt das Blut ein, in
dem anderen weiteren fliesst es wieder zurück.
Eine etwas gedrängtere deutsche Bearbeitung dieser Abhandlung
hat der Verf. in den „Holländischen Beiträgen" J. S. 302 unter dem
Naturgeschichte der Insecten während des Jahres 1846. 35
Titel „Von den „Ernähriingsfiinctionen bei den Insecten" mitgetheilt.
(In einer früheren Abhandlung ebenda S. 251 hat der Verf. unsere
Kenntniss über die Circulation der Insecten bis auf den heutigen
Standpunkt geschichtlich entwickelt).
Zu einem anderen Ergebniss ist Blanchard (Compt.
rend. XXIV. S. 870. Schieid. u. Fror. Notiz. 111. S. 342. Ann.
nat. bist. XX. S. 112) in seinen Untersuchungen über den
Bhitumlauf der Insecten gelangt.
Er sagt: „ein einfaches Mittel, denselben zu verfolgen, geben Ein-
spritzungen gefärbter Flüssigkeiten. Mag man durch das Rückenge-
fäss einspritzen, oder durch die freien Räume (Lacunen), auf der
Stelle füllt sich das ganze Circulationssystem : alle Luftröhren werden
durch die Einspritzung gefärbt, aber nicht der kleinste Tropfen dringt
in das Innere derselben." Der Verf. folgert daraus, „dass das Blut
zwischen den beiden Häuten, zwischen denen der den Luftgefässen
eigenthümliche Spiralfaden liegt, sich bewege; dadurch käme es in
beständige Berührung mit der in den Luftröhren befindlichen Luft,
die Blutsveränderung ginge vor sich, wie bei den mit Lungen verse-
henen Thieren. Wenn die Luftgefässe blasig werden, wo der Spiral-
faden bekanntlich verschwinde, würden sie von äusserst feinen Ka-
nälen nach allen Richtungen hin durchzogen." Der Verf. sagt ferner:
„wenn man ein Insect durch das Rückengefäss einspritzt, so läuft
die Flüssigkeit, nachdem sie dasselbe in seiner ganzen Ausdehnung
durchschritten, in die freien Räume (Lacunen) des Kopfes und Mit-
telleibes aus und verbreitet sich alsdann in die des Hinterleibes. Sie
dringt alsdann durch die freien Räume, welche die Luftlöcher um-
geben, zwischen die beiden Häute, und wird endlich in das Rücken-
gefäss durch die Seitenkanäle zurückgeführt, welche sich auf dem
Rücken bis an den Ursprung der Luftröhrenbündel erstrecken. Dieser
zuführenden Kanäle sind also ebenso viel als Luftlöcher des Hinter-
leibs, ebenso gross ist auch die Zahl der Oeffnungen des Rückenge-
fässes, welche auch bei verschiedenen Insecten verschieden ist. Die
Luftröhren leiten mit der Luft auch das der Athmung unterworfene
Blut in alle Theile des Körpers; der Raum zwischen den Häuten der
Luftröhren scheint aber als ernährende Gefässe zu dienen." Der
Verf. hat mehrere Insecten verschiedener Ordnungen untersucht, und
bei allen dasselbe gefunden, auch bei den Larven zeigte sich kein
w^esentlicher Unterschied.
„Ueber die Bildung und den Nutzen der Luftsäcke und
erweiterten Tracheen bei den Insecten" hat Newport in der
Linneischen Gesellschaft zu London einen Vortrag gehalten
(Gard. Chron. n. 51. S. 38. Ann. of nat. bist. 2. Ser. I. S. 383).
„Die bekannten Luftsäcke der Insecten finden sich am zahlreich-
C*
']Q Erirhson: Bericht über die wissensch. Leistungen in der
sten und grössten bei den Hymenopteren , Lepidopteren und Dipteren.
Sie sind zahlreich und weit bei den Libellen, kleiner und spärlicher
bei den Ephemeren, Sialiden und Scorpionfliegen. -Unter den Coleo-
pteren kommen sie nur bei fliegenden Arten vor, und selbst in einer
Gruppe, z, B. den Caraben, werden sie nur bei den geflügelten, nicht
aber bei den ungeflügelten Arten gefunden. Bei allen Insecten, wo
sie vorkommen, sind sie am grossesten und zahlreichsten bei den
kräftigsten Individuen. Unter den Orthopteren werden sie nur bei
den wandernden Familien gefunden, während bei eigentlichen Sprin-
gern die Tracheen in einigen Theilen ihres Verlaufs erweitert sind,
aber nicht eig-ntlich als mit Säckchen besetzt, betrachtet werden
können. Und im Larvenzufetande werden bei keinem Insect Säcke
gefunden. Die Säcke werden durch Erweiterung der Tracheen wäh-
rend der Verwandlung gebildet, welche im Larvenzustande anfängt,
wenn das Insect aufhört zu fressen. Diese Erweiterung schreitet bei
solchen Arten, welche überwintern, nur in den ersten wenigen Tagen
vor, und fängt dann im Frühlinge wieder an, bei solchen, wo die Ver-
wandlung im Sommer Statt findet, schreitet sie ununterbrochen vor
— Die Längstracheen im dritten und vierten Körperringe der Larven
geflügelter Insecten geben an den Seiten jeden Ringes einen kleinen
Ast ab, welcher in zwei Theile gespalten, nach aussen geht und von
einer Falte der neuen Haut, welche sich unter der alten Larvenhaut
einige Tage vor der Häutung bildet, eingehüllt wird. Diese Haut-
falten, jede mit ihren Tracheen versehen, haben genau das Ansehen
der äusseren Hinterleibskiemen von im Wasser lebenden Neuropteren,
und werden später die wichtigsten Organe des ausgebildeten Insects,
die Flügel. Die Ausdehnung dieser Organe bei der Verwandlung
wird vorzüglich durch die Tracheen bewirkt, welche statt erweitert
zu werden, wie die im Innern des Körpers, sich verlängern '), und
so einen Strom Blutes in diese Hauttheile führen, welches ihre Aus-
dehnung zu Flügeln befördert. Diese Verlängerung so wohl als die
Erweiterung der Tracheen im Innern des Körpers ist die Folge star-
ker Athmungsanstrengungen des Insects. Ueber wirklichen Nutzen
der Luftsäcke findet der Verf. schwierig, eine genügende Erklärung
zu geben. Er nimmt indessen die von John Huhter aufgestellte An-
sicht an, dass die Blasen hauptsächlich dazu dienen, das Insect in Stand
zu setzen, das specifische Gewicht seines Körpers während des Flu-
ges nach Belieben zu ändern, und so die Muskelanstrengung zu min-
dern, welche während dieser Bewegung erfordert wird. Um diese
Ansicht zu stützen, musterte der Verf. die verschiedenen Klassen der
») Dies ist nicht allgemein richtig, denn bei vielen Insecten findet
auch im Innern des Körpers keine Blasenbildung an den Tracheen
Statt, bei anderen, wo Blasenbildung herrscht, kommt diese auch
an den Flügeln vor, wie man an den Flügeldecken des Rhizotrogus
solstialis leicht sehen kann. ^
Naturgeschichte der Insecten -während des Jahres 1847. 37
Wirbelthiere, und zeigte, dass obgleich die blasige Form der Ath-
mungswerkzeuge überall vorkomme, doch nur die Vögel in dieser
Hinsicht eine nähere üebereinstimmung mit den Insecten hätten, und
erinnerte daran, dass bei ungeflügelten Insecten sowohl als solchen
Vögeln, welche nicht flugfähig sind, die Athmungswerkzeuge weniger
ausgedehnt und weniger allgemein verbreitet seien. Diese Thatsache
gilt nicht allein für solche Insecten, bei denen beide Geschlechter
ungeflügelt sind , sondern wenn das eine Geschlecht geflügelt und
flugfertig, das andere ungeflügelt ist, fanden sich im Körper des er-
steren immer blasige Tracheen, während diese bei dem anderen un-
geflügelten sich einfach verzweigten: so bei beiden Geschlechtern
des Johanniswürmchen und bei Geometra brumaria. Diese That-
sachen, welche einen Schluss auf den Gebrauch der Blasen erlauben,
sind noch unterstützt durch eine Beobachtung, über die Art und
Weise, wie der gemeine Mistkäfer sich zum Fluge vorbereitet, in-
dem er rasch die Einathmung vermehrt, und seinen Körper in dem
Augenblick ausdehnt, ehe er seine Flügel entfaltet und versucht sich
auf ihnen zu erheben." — Mir ist es unbegreiflich, wie der Verf.
über den Nutzen der Luftblasen noch in Zweifel sein konnte; es ist
allgemein bekannt, wie die Maikäfer ihren Körper voll Luft pumpen,
um auffliegen zu können, dasselbe sieht man auch an den Sphinx-
Arten, welche eben aus der Puppe gekommen sind, und langer Zeit
bedürfen, ihre Luftblasen zu füllen, bevor sie auffliegen können;
es kann hier also von keinem Belieben (pleasure) des Insects die
Rede sein, mittelst der Blasen das specifische Gewicht zu ändern
und sich dadurch den Flug zu erleichtern, sondern es liegt auf der
Hand, dass bei den mit Blasen versehenen Insecten dieselben mit
Luft gefüllt sein müssen, ehe der Flug möglich ist. So allgemein
übrigens die Luftblasen bei den hautflügligen Insecten sind, so wenig
ist dies bei den Käfern der Fall, sicherlich nicht in dem Grade, wie
es aus den Angaben des Verf. hervorzugehen scheint. Hier finden
sie sich nur bei einzelnen Familien, z. B. den Scarabaeiden und Bu-
prestiden, bei den den letzteren nahe verwandten Elateriden aber
nicht. Wie der Verf. zu der Angabe gekommen , den geflügelten Ca-
rabicen mit Luftsäcken besetzte Tracheen znzuschreiben, ist mir
fremd, bisher sind nur einfach verästelte angegeben, und ich habe
sie auch nicht anders gesehen.
Ueber den Bau der einfachen Augen bei den Gliederthie-
ren hat Duj ardin seine Untersuchungen mitgetheilt (Compt.
rend. XXV. S. 711), seine Behauptungen sind aber alsbald
von Pappenheiü) (ebenda S. 809) widerlegt.
Dujardin will in seiner Abhandlung, der allgemein angenommenen
Ansicht entgegen, dass das Sehen bei allen Crustaceen, Arachniden
und Insecten wie bei den Wirbelthieren sich verhält, dass nämlich
Jedes einfache Auge, und jedes einzelne Auge in einem zusammen-
38 Erichson: Bericht über die wissensch. Leistungen in der
gesetzten aus einer Vorrichtung besteht, welche wie die Linse in
einer Camera obscura sich verhält, nur an dem Ende des Sehnerven
ein umgekehrtes Bild der äusseren Gegenstände zu bilden. Dies Auge
zeigt immer ein, entweder auf beiden, oder auf einer Seite convexes
stärker brechendes Mittel, welches als Linse wirkt, um die von
aussen einfallenden Lichtstrahlen zu sammeln. In der Form und Zu-
sammensetzung des stärker brechenden Mittels kommen aber ausser-
ordentliche Verschiedenheiten vor: bald planconvexe, bald biconvexe
Linsen, oft aus der Hornhaut allein gebildet, zuweilen auch durch
eine kleinere Linse verstärkt, welche der CrystalUinse der WirbeL
thiere entspricht; bei einigen ist es dagegen die Hornhaut; welche
überall von gleicher Dicke, durch ihre blosse, eine Flüssigkeit ein-
schliessende Wölbung das Licht hinreichend bricht, um ein Bild auf
dem Ende des Nerven hervorzubringen. Die verschiedenen Mittel,
das Auge zum deutlichen Sehen mehr oder weniger entfernter Gegen-
stände zu befähigen, bestehen 1. in der Krümmung des brechenden
Mittels allein, wenn die Länge der Augenkammer unveränderlich ist;
ist diese aber veränderlich, 2. in der Dehnbarkeit des Glaskörpers,
welchen man neuerlich i Unrecht Crystallinse genannt habe; oder
3. endlich in der Dehnbarkeit der Wände der Augenkammer, wenn
diese nur eine Flüssigkeit enthält, wie bei den Dipteren. In diesem
Fall wird auch der Sehnerv durch eine Vereinigung dehnbarer Stränge
gebildet, oder von dehnbaren Fasern begränzt, um das Ende des
Sehnerven auf eine Entfernung zu stellen. — Bei den Lepidopteren
ist die Hornhaut dünn, gewölbt und enthält eine brechende Flüssig-
keit, wie bei den Dipteren; bei den Coleopteren ist sie planconvex
oder doppelt gewölbt, und es folgt auf sie ein dehnbarer Glaskörper,
bei anderen, namentlich bei den Hymenopteren und auch bei den
einfachen Augen der Arachniden und Insecten, hat der Verf. eine
abweichende Bildung bemerkt, nämlich ihre Linse ist aus concen-
tjrischen Schichten zusammengesetzt, und der Verf. überzeugte sich,
dass diese Linsen so viele Brennweiten haben als Schichten vorhan-
den sind. (Dies würde aber auf die Gesichtsweite dieser Insecten von
kaum merklichem Einfluss sein.) Die durch diese Linsen hervorge-
brachten Bilder sind zwar deutlich, aber nicht so scharf wie die
von einer einfachen Linse. Auch giebt der Verf. an, dass die bre-
chenden Mittel der einfachen Augen vollkommen ohne Einwirkung
auf das polarisirte Licht sind und dass sie sich hierin von der Kry-
stallinse der Wirbelthiere unterscheiden.
Pappenheim dagegen fand in den von ihm untersuchten ein-
fachen Augen immer eine deutliche Hornhaut und eine biconvexe
Linse. Die letztere erscheint concentrisch gestreift, scheint eine
eigene Linsenkapsel zu haben und ist in frischem Zustande elliptisch.
— Die isolirte Linse einer Spinne zeigte sowohl beim Tages- als
auch beim Kerzenlicht sehr deutliche Einwirkung auf polarisirtes
Licht, und mit grösserer Stärke noch, wenn eine empfindliche Platte
zwischengefügt wurde. — Den dehnbaren Glaskörper der Coleopteren
Naturgeschichte der Insecten während des Jahres 1847. 39
konnte der Verf., ungeachtet zahlreicher Untersuchungen, nicht auf-
finden. — Ebenso wenig glückte es dem Verf., sich von der Dehn-
barkeit der Sehnerven zu überzeugen.
Alle UntersuchuDgen über die Bedeutung der Antennen bei
den Insecten haben wir in diesen Berichten mit besonderem In-
teresse verfolgt, ohne bisher ein genügendes Ergebniss zu erhal-
ten. Keine dieser Untersuchungen ist von einer genaueren Be-
trachtung der Antennen selbst ausgegangen. Ref. hat sich diese
Aufgabe in einer kleinen Schrift (Dissertatio de fabrica et usu
antennarum in insectis) gestellt, welche er bei Gelegenheit von
Klug's am 27. Nov. 1847 gefeiertem fünfzigjährigen Doctorjubi-
läum verfasste; da sie nicht in den Buchhandel gekommen ist,
theilt er hier den Inhalt derselben ausführlicher mit.
Die Hauptergebnisse der microscopischen Untersuchungen sind:
1. dass die Hornschale der Antennen bei den Insecten von vielen
feinen Löchern durchbohrt ist; — 2. dass diese Löcher von der
Innenseite mit einer feinen Haut geschlossen , und — 3. dass
diese Löcher bei verschiedenen Insecten auf den Antennen ver-
schieden vertheilt sind. — Die Wurzelglieder, namentlich das erste
und zweite Glied , sind immer undurchlöchert und nur mit einzelnen
abstehenden Haaren besetzt. Die durchlöcherten Antennenglieder
sind bei den meisten Insecten mit einer äusserst kurzen und feinen
Behaarung überzogen, welche den Zweck zu haben scheint, die Lö-
cher vor dem Eindringen von Staub und Feuchtigkeit zu bewahren.
Aus gleichem Grunde sind die Insecten auch so emsig im Putzen
ihrer Antennen , und zu diesem Behuf so oft mit besonderen Vorrich-
tungen versehen.
Die einfachste Fühlerform findet sich bei Hylotoma. Hier finden
sich nur drei Glieder vor, die beiden Wurzelglieder klein, kurz, mit
undurchlöcherter Hornschale; das dritte Glied (des Weibchens) stellt
eine lange sehr fein behaarte Keule dar, welche überall mit kleinen
aber weitläuftig gestellten Löchern durchbohrt ist, welche an der
Spitze etwas dichter stehen, nach der Wurzel hin weitläuftiger, und
nur an der äussersten Wurzel fehlen. — Aehnlich verhalten sich die
vielgliedrigen faden- oder borstenförmigen Fühler, und welche, so
weit sie mit Löchern versehen sind, mit dichterer oder dünnerer
Behaarung bekleidet sind. Ich habe eins der mittleren Glieder des
Fühlers einer Blatta americana abbilden lassen: hier finden sich nur
einzelne und sehr feine Löcher; ebenso fein aber zahlreicher sind
sie am Carabus-Fühler, vorzüglich an der Spitze. Bei vielen Hyme-
nopteren, den Bienen, Ameisen, Wespen, die gebrochene Antennen
haben, ist der Stiel glatt und undurchlöchert, die Geissei ist aber
vom zweiten Gliede an überaU dicht mit feinen Löchern durchbohrt,
welche bei der Dicke der Hornschale ziemlich' trichterförmig sind;
zugleich sind diese Glieder mit der feinen Behaarung überzogen. —
Die säge-, kämm-, wedeiförmigen und ästigen Fühler verhalten sich
40 Erichson: Bericht über die wissensch. Leistungen in der
ebenso, nur dass die Rhachis undurchlöchert und kahl und nur der
verlängerte Theil jeden Gliedes mit den Löchern und der Behaarung
versehen ist. Je stärker also ein Glied entwickelt ist, um so grös-
ser ist die Zahl der Löcher, zumal die Löcher hier dichter zu stehen
pflegen; bei Rhipicera marginata z. B. sind die einzelnen Aeste des
Fühlers so dicht durchlöchert wie ein Sieb. — Eine eigenthümliche
Bildung des Fühlers kommt an den sägeförmigen Fühlern einer Reihe
von Buprestiden vor. Bei Eurythyrea z. B. scheint nämlich der Füh-
ler der ganzen Länge nach kahl und undurchlöchert zu sein, unter-
sucht man aber die Hinterseite des Fühlers, so bemerkt man an der
Spitze jeden Gliedes, vom 4ten an, eine Grube, und gelingt es, den
diese Grube enthaltenden Theil der Fühlerschale durch einen Schnitt
zu sondern, so sieht man unter dem Microscop, dass der Grund
dieser Grube von einer mehr lederartigen, siebförmig durchlöcherten
Platte gebildet wird. Da sich diese Gruben vom 4ten Gliede- an
finden, hat jedes dieser Insecten sechszehn solcher Platten. — Bei
den geschuppten Fühlern des Prionus coriarius fand ich die erweiterte
Endfläche der einzelnen Glieder von zahlreichen feinen Löchern durch-
bohrt. — An den keulförmigen Fühlern sind nur die Glieder der
Keule mit Löchern und dem feinen Haarfilz versehen, oft mit Aus-
nahme des ersten Gliedes derselben, welches die eigentliche Keule
napfförmig umgiebt. Ich habe ein Stück vom letzten Fühlergliede
des Necrophorus vespillo abbilden lassen, der sich bekanntlich durch
einen sehr scharfen Geruch auszeichnet: hier ist die Hornschale von
dichten feinen Löchern siebförmig durchbohrt. — Aehnlich verhält
sich die Blätterkeule der Scarabaeiden, wo ich schon sowohl in den
Käf. Deutschi, das Vorkommen der Löcher an den Fühlerblättern,
als auch die in dieser Hinsicht bei den verschiedenen Gruppen vor-
kommenden Verschiedenheiten angegeben habe. Am leichtesten sieht
man die Löcher, wenn man ein Fühlerblatt von einem männlichen
Maikäfer imter das Microscop legt, man sieht aber zwei Lagen von
Löchern, indem jede der beiden Seitenwände von verhältnissmässig
grossen Löchern durchbrochen ist. Spaltet man aber mit einem
scharfen Messer ein Fühlerblatt auf die Weise, dass man eine ein-
zelne Schicht dieser Löcher erhält, sieht man die Bildung derselben
auf das Schönste; sie sind nämlich etwas trichterförmig, die äussere
Oeffnung weiter als die innere, auch erkennt man leicht, namentlich
am Schnittrande, die feinen Häute, mit denen die Löcher von innen
her verschlossen sind. Endlich sind noch die Fühler der Fliegen
untersucht , an denen die Hornschale des dritten Gliedes von dichten
feinen Löchern siebförmig durchbohrt ist, also trotz des auffallenden
Formunterschiedes von den andern Fühlern dieselbe wesentliche Bil-
dung derselben. — Ohne Zweifel sind die hier beschriebenen feinen
Löcher der Antennen sehr wesentliche Theile derselben, und da die
Antennen gewiss Sinneswerkzeuge der Insecten sind , kann es keinem
Bedenken unterliegen , dass diese Löcher , oder vielmehr die zarten
Naturgeschichte der Insecten während des Jahres 1847. 41
Häute am Grunde derselben, der Sitz eines Sinnes sei. ~ Dem Ge-
fühls- oder Tastsinne können sie indess nicht angehören, denn am
Grunde der oft ziemlich dicken Hornschale gelegen, und ausserdem
theils durch ihre Lage, theils durch ihre Behaarung geschützt, kom-
men sie nicht in Berührung mit tastbaren Körpern; wo die Antennen
der Insecten zum Fühlen und Tasten dienen, geschieht dies vielmehr
durch besondere Borsten, welche die Hornschale durchbohren, und
den Schnurrborsten der Nager und Raubthiere vergleichbar sind. Es
bleibt also nur die Frage, ob die Löcher der Antennen dem Geruch-
oder dem Gehörsinn angehören, denn so fein sie im Allgemeinen
sind, so dringt die Luft doch immer in sie hinein, und stehen durch
sie die empfindlichen Theile der Antennen mit der äusseren Luft in
Berührung, und das in so höherem Grade, je zahlreicher und dichter
sie sind.
Ich habe mich dafür entschieden, in den Antennen das Geruchs-
organ zu erkennen. Der früher gebrauchte Einwand gegen diese
Annahme, dass die Hornschale der Antenne für die Gerüche undurch-
dringlich sei, ist durch meine hier mitgetheilten microscopischen Un-
tersuchungen widerlegt. Ein anderes Bedenken, welches gleichfalls
gegen jene Ansicht aufgestellt ist, dass nämlich bei den übrigen
Thieren das Geruchorgan mit den Athemwegen verbunden und
also auch bei den Insecten am Eingange der Luftlöcher zu suchen
sei, kann ebenfalls nicht Stich halten und ist auch schon durch Ver-
suche widerlegt. Bei den Wirbelthieren, wo die Geruchhöhlen sich
im Schädel befinden, mussten sie wohl mit den Athemwegen in Ver-
bindung stehen, damit die Gerüche ihnen zugeführt würden; dies ist
aber auch schon bei den Fischen nicht mehr der Fall, wo die Nasen-
höhlen hinten geschlossen sind; ja bei einigen Formen von Tetrodon
sind nach Joh. Müller's Untersuchungen die Nasenlöcher ausgestülpt
und gleichen den Tentakeln der Molluscen u. s. w., w'elche den An-
tennen der Insecten völlig vergleichbar sind. Die Riechhaut bei den
Wirbelthieren ist eine Schleimhaut, bei den Insecten scheint etwas
ähnliches Statt zu finden, denn es geht aus mehreren Umständen her-
vor, dass die feinen Häute am Grunde der Löcher eine Feuchtigkeit
absondern. — Wollte man die feinen Löcher der Antennen als Sitz
des Gehörsinnes ansehen, so müsste man natürlich die Häute am Grunde
derselben als Trommelfelle betrachten, es scheint aber, als ob die
Antennen entweder ganz, oder einzelne Theile derselben, wie die
Blätter bei den Scarabaeiden, oder die Borste bei den Fliegen,, zum
Auffangen der Schallwellen geeigneter sein müssten als die microsco-
pisch kleinen am Grunde der Löcher ausgespannten Häutchen.
Erkennen wir in diesen also das Geruchorgan, wird uns die Be-
deutung der verschiedenen Fühlerbildungen klar, deren Benutzung
für die Systematik nicht mehr eine blosse Formenbetrachtung bleibt.
Zugleich giebt die verschiedene Vertheilung der Riechlöcher auf den
Antennen dem Systematiker noch treffliche Kennzeichen für manche
42 Erichs on: Bericht über die wissensch. Leistungen in der
Abtlieilungen in die Hand, welche allerdings eine microscopische
Untersuchung verlangen, im Allgemeinen durch die die Löcher meist
umgebende feine lilzartige Behaarung auch schwächeren Vergrösse-
rungen leicht erkennbar werden.
Ein von Badham nnter dem Titel „Insect Life" herausge-
gebenes Werk veranlasste J. W. Douglas zu einigen Bemer-
kyngen (Transact. of the Ent. Soc. of Lond. IV. S. 286).
Der vollständige Titel des genannten Werkes ist: Insect Life, by
David Badham M. D., late Radcliffe Travelling Fellow of the Uni-
versity of Oxford; F. R. C. S. London-, M. Ent. Soc. France. W.
Blackwood and Sons. Edinburdh and London 1845. — Douglas hebt
hier die Betrachtungen des Verf. über die Sinne der Insecten hervor,
welche der Verf. sämmtlich läugnet, obgleich er wenigstens bei den
Augen zugestehen muss, dass diese vollkommen zum Sehen einge-
richtet sind, „aber alle kleinen Hornhäute seien innen mit einem un-
durchsichtigen Firniss überzogen, welcher gar kein Licht durchlasse.*'
Auf diese Weise erklärt der Verf. alle Insecten für blind, auf ähn-
liche Weise disputirt er ihnen Gefühl, Geruch, Geschmack und Ge-
hör ab , um alle Erscheinungen des Insectenlebens auf den Instinct
zurückzuführen. Douglas nimmt sich in der angeführten Abhand-
lung die Mühe, die Widersprüche, in die der Verf. verfällt, nachzu-
weisen.
Westring hat seine Untersuchungen über die Lautorgane
bei den Gliederthieren fortgesetzt (Bidrag tili Historien om
Insekternes Stridulations Organer: Kröy. Waturhist. Tidsskr.
N. R. L S. 334).
Bei Elaphrus und Blethisa entdeckte der Verf eine Vorrichtung
zum Zirpen, welche aus einem Paare auf der Oberseite des letzten
Hinterleibsringes gelegener gekerbter Leisten besteht, deren jede
gegen ^ine auf der Unterseite der Flügeldecken befindliche, der Länge
nach fein gestreifte Erhöhung streicht. Diese Leisten finden sich
nach der Schilderung des Verf. auf jeder Seite des letzten Rücken-
halbringes, von dem weichhäutigen vorletzten Rückenhalbringe aus-
gehend und mit dem äusseren Ende nach den Vorderecken des letz-
ten Halbringes gerichtet (mir scheinen sie indess vom Hinterrande
des vorletzten Rückenhalbringes gebildet zu sein). Die kleinen auf-
rechten Riefen, durch welche die Leisten gekerbt erscheinen, stehen
bei Elaphr, uliginosus^ cuprcus und vielleicht auch lappotucus, nicht
sehr dicht beisammen, wodurch die Zwischenräume so breit oder
selbst breiter erscheinen als die Riefen selbst, deren Anzahl 10 — 12
nicht zu übersteigen scheint; bei Elaphr. riparius stehen die Riefen
dichter und sind wohl doppelt so zahlreich. Bei Blethisa multipun-
ctata sind die Leisten wieder mit sparsameren Riefen besetzt, wie
es bei E. uliginosus der Fall ist, — Bei der nahe verwandten Pelo-
phila borealis fehlt diese Vorrichtung, ebenso bei Nebria.
Naturgeschichte der Insecten während des -Jahres 1847. 43
Serica (Omaloplza) brimnea lässt zwischen den Fingern gehalten
einen schwachen knarrenden Laut hören. Bei genauerer Aufmerk-
samkeit glaubte der Verf. wahrzunehmen, dass er durch Reiben des
Halsschilds gegen den Hinterkörper entstände, und dies bestättigte
sich auch bei näherer Untersuchung. An der Innenseite des Proster.
num findet sich nämlich ein länglicher dunkler Fleck, welcher unter
Vergrösserung regelmässig quergestreift erscheint. Dies ist das active
Lautorgan; das passive besteht in einer scharfen Querleiste am Vor-
derrande des Metasternum, welche in ihrer natürlichen Lage von
dem hinter den Vorderhüften sich erstreckenden Theil des Proster-
num bedeckt wird.
Cent hör hyiichus pericarpms, inconspectus ^ litura^ quercus ^ viar-
giiiatus, Ericae u. a. sowie Cryptorhynchus Lapathi können einen
zirpenden Laut hervorbringen, indem sie den letzten Hinterleibsring
gegen die. Flügeldecken reiben. Dies ist gewiss auch bei den mei-
sten eigentlichen Ceuthorhynchen der Fall. Mit voller Gewissheit
konnte der Verf. nicht ermitteln, ob der Laut durch das Reiben des
rauhen Pygidium gegen die Flügeldecken entsteht, oder durch ein
besonderes über dem Pygidium gelegenes Organ. Bei Cryptork,
Lapathi bemerkt man auf dem gelbbraunen vorletzten Rückenhalb-
ringe an jeder Seite einen eirunden matten Fleck, ebenfalls von gelb-
brauner Farbe, welcher unter scharfer Vergrösserung chagrinirt er-
scheint. Bei Ceuthorhynchus pericarpius zeigt das Pygidium selbst
an seinem Vorderrande einen halbkreisförmigen Querfleck von glei-
cher Beschaffenheit, schwarz von Farbe, gleich der übrigen Bedek-
kung des Segments, aber durch seine matte Oberfläche ausgezeichnet.
Der Verf. vermuthet um so eher, dass dies das eigentliche active
Zirporgan sei, als sich eine gleiche Bildung bei den meisten Arten
der Gatt. Lema findet, wo der Verf. sich durch Beobachtung leben-
der Thiere davon überzeugte. Bei Lema ist aber der Fleck quer-
gestrichelt und nicht chagrinirt, wie bei den genannten Rüsselkäfern.
Der Fleck hat bei verschiedenen Lema-Arten eine verschiedene Form»
fehlt aber bei iL. . (Zeugophora) subspinosa und ßavicolä's.
In seiner früheren Abhandlung hatte der Verf. die Vermuthung
geäussert, dass das Weibchen des Thertdio?i (Asagena) serratipes
keinen Laut hervorbringen könne, dies hat sich auch durch spätere
Untersuchung bestättigt. Das Männchen des Theridium Apunctatum
F. dagegen zirpt auf gleiche Weise und durch dieselbe Vorrichtung
wie Th. serratipes. Auch das Männchen des Ther. guttatum Wid,
zeigt eine ähnUche Vorrichtung, bei der geringen Grösse dieser
Spinne kann ihr Laut aber nur sehr schwach sein. Bei Th. serrati-
pes und Apunctatum fand der Verf. übrigens bei weiterer Untersu-
chung unter dem gekerbten Bogen an der Wurzel des Hinterleibes
noch mehrere, niedrige, dicht stehende erhöhte Bogenlinien, welche
an dem Zirpen auf die Weise theilnehmen, dass der gröbere knar-
rende Laut durch die Reibung der grösseren gekerbten Leiste, einige
44 Er ich so 11: Bericht über die wissensch. Leistungen in der
schwächere Töne aber durch die Reibung der unteren Linien gegen
den Thorax hervorgebracht werden.
Am Schluss kommt der Verf. noch auf einige seiner frühern Beob-
achtungen zurück. Bei Trox sei es nach den Untersuchungen an
Lema und Cryptorhynchus Lapathi nicht unglaublich, dass durch
Einwirkung der Muskeln die weiche Rückenhaut in Stand gesetzt
werde, gegen die gestrichelte Kante zu streichen, welche sich in
einiger Entfernung von der Spitze an der inneren Seite der Flügel-
decken neben der Naht findet. (Mir scheint dies der zwischen lie-
genden Flügel wegen nicht möglich zu sein, der Verf. giebt aber
auch zu, dass es wohl glaublich sei, dass der Ton durch Reibung
der rauhen Seiten des Hinterleibsrandes gegen den Rand der Flügel-
decken erzeugt werde. — Auch bei Cychrus hat der Verf. eine an-
dere Vorrichtung als die früher beschriebene ermittelt: es findet sich
nämlich an der Innenseite der Leiste, welche dem Flügeldeckenrande
folgt, da wo sie sich unweit der Spitze nach innen biegt, eine Fläche,
deren Innenseite matt und unter Vergrösserung fein scabrÖs erscheint.
Die passive Reibung wird durch Heben und Senken des letzten Hin-
terleibsringes hervorgebracht, dessen umgeschlagener Rand, gelb-
braun von Farbe, ebenfalls matt und scabrÖs erscheint.
lieber den bisher noch vielfach bezweifelten Punkt, dass
bei manchen Insecten voy unbefruchteten VTeibchen fruchtbare
Eier gelegt werden, sind im vorigen Jahre zwei Beobachtun-
gen mitgetheilt worden, welche wohl geeignet sind, die etwa
noch vorhandenen Zweifel zu heben.
Diese Beobachtungen sind , gleich den meisten frühern, an Nacht-
schmetterlingen gemacht. Einen Fall theilte Boursier mit (Compt-
rend. XXV. S.442): Ein eben aus der Puppe gekommenes Weibchen
des Seidenschmetterlings setzte sich an eine Stelle, wo es dem Son-
nenschein etwa zwei Stunden lang ausgesetzt blieb , und das Ther-
mometer 26 — 27"^ R. zeigte. Darauf legte es an demselben und an
dem folgenden Tage gegen 40 Eier, welche der Verf. sorgfältig sam-
melte. Im weiteren Verlauf der Zeit Hessen sich im Innern dieser
Eier dieselben Veränderungen wahrnehmen wie in befruchteten Eiern
und wirklich lieferten jene unbefruchteten Eier Raupen, welche mit
anderen aus befruchteten Eiern frassen und aufwuchsen. Der Verf.
schreibt die Befruchtung dieses jungfräulichen Weibchens der Ein-
wirkung der Sonne zu!
Lehrreicher sind die Beobachtungen von A. Speyer an einer
Sackträgerschabe, Talaeporia lichenella Zell.: (Zur Naturgeschichte
der Talaeporia lichenella Zell., Ps. triquetrella Tr. : Ent. Zeit. S.18).
D<jr Verf. hatte schon vor mehreren Jahren gesehen, dass aus etwa
einem Dutzend Säcke, welche er zu Anfange des April an einem Gar-
tenzaun festgesponnen fand,. im Mai lauter Weibchen erschienen, von
Naturgeschichte der Inserten während des Jahres 1847 45
denen mehrere unter seinen Augen sich aus dem Sacke hervordräng-
ten, die Puppenhiilse sprengten, ausschlüpften » kurze Zeit still sassen,
und dann, ohne eine Begattung abzuwarten, ihre Eier mittelst der
Legeröhre in das Innere des Sackes absetzten. Aus diesen Eiern
entwickelten sich nach etwa 4 Wochen die Raupen sämmtlich. Der
Verf. glaubte sich damals von diesem Ergebniss über die zeugungslose
Fortpflanzung der Sackträgerschaben hinreichend belehrt: der spätere
Zweifel aber, ob nicht bereits innerhalb der Puppenhülse eine Be-
fruchtung der Weibchen durch Männchen stattgefunden habe, veran-
lasste einen weiteren Versuch.
Es wurden also im März wiederum eine Anzahl Lichenella-Säcke
eingesammelt, die z. Th. noch Raupen, z. Th. schon Puppen ent-
hielten. Die Schmetterlinge, lauter Weibchen, entwickelten sich dies-
mal schon in der zweiten Hälfte des April. Vier derselben, deren
Auskriechen und Eierlegen der Verf. selbst mit angesehen hatte, wur-
den zur ferneren genaueren Beobachtung in eine besondere Schachtel
gethan. In den ersten Tagen des Juni schlüpften die Räupchen aus
in solcher Menge, dass alle oder fast alle Eier zur Entwickelung
gekommen sein mussten. Ihre Erziehung machte wenig Schwierig-
keit, denn einige mit Flechten überzogene Stückchen Holz von alten
Zäunen und Baumrinde, die täglich besprengt, aber nicht erneuert
wurden, genügten Anfangs zu ihrer Ernährung; später machten todte
Schmetterlinge ihr Futter aus, von denen sie alle Theile bis auf die
allzu harten verzehrten. Hierbei wuchsen sie langsam, so dass sie
erst im Herbst ihre volle Grösse erreichten , im October zu fressen
aufhörten, und ohne sich festzuspinnen, für den Winter verkrochen.
Erst im März fingen sie wieder an sich zu regen , liefen einige Wo-
chen unruhig umher und spannen sich dann fest. Etwa hundert Rau-
pen gelangten zur Verpuppung. Diese gaben zur gewöhnlichen Zeit,
Ende April, wieder lauter Weibchen. Nur 6 Stück krochen nicht
aus. Der Verf. liess sie lange unberührt, in der Hoffnung Männchen
zu erhalten, als er aber endlich die Säcke öffnete, fand er nur ver-
trocknete Raupen oder weibliche Puppen. Die ausgekrochenen Weib-
chen legten wieder auf die bekannte Weise ihre Eier bald nach dem
Auskriechen, und einen Monat später wimmelte wieder die Schachtel
von junger Brut. „Es ist somit unwidersprechlich bewiesen", sagt
der Verf., „dass Lichenella sich ohne Begattung fortpflanzt, ja dass
es für zwei hinter einander folgende Jahresgenerationen keiner Männ-
chen bedarf."
Es wäre zu wünschen, dass der treffliche Verfasser seine Beob-
achtungen noch weiter fortführte. Hat er nachgewiesen, dass bei
diesen Insecten, ähnlich wie den Blattläusen, Generationen vorkom-
men, die nur aus Weibchen bestehen, so fragen wir zunächst, ob
hier auch der Generationswechsel so regelmässig ist, wie bei den
Blattläusen, denn es muss einmal eine Generation eintreten, welche
aus Männchen und Weibchen besteht, und in welcher durch Befruch-
46 Erich son: Bericht über die wissensch. Leistungen in der
tung der letzteren die Fortpflanzungskraft erneuert wird. Es ist hier
noch ein weites dunkles Feld aufzuklären, und da wir alle Ursache
zu der Vermuthung haben, dass die Erscheinung des Generations-
wechsels auch in andern Insectenordnungen ihre Rolle spiele (z. B.
bei den Gallwespen), werden diese Untersuchungen auch ein mehr
als specielles Interesse haben.
lieber die Wiedererzeugung verloren gegangener Glieder
bei den Gliederthieren schrieb Newport in (Ann. of nat. bist.
XIX. S. 145).
Die früheren, vorzugsweise an Myriapoden und den Raupen der
Vanessa Urticae angestellten Beobachtungen des Verf. sind aus un-
seren früheren Berichten bekannt, hier bildet er eine neuholländische
Panesthia (Blatta) ab, an welcher das eine Hinterbein viel kleiner
ist als die übrigen, etwa nur ein Drittel so gross als das der andern
Seite, aber alle wesentlichen Theile eines Beins, selbst Spuren von
Enddornen der Schienen enthält, der Fuss ist aber nur 3gliedrig.
Daneben ist das Mittelbein einer Vanessa Jo abgebildet, deren Raupe
am Ende der vierten Häutung das linke Mittelbein abgeschnitten
wurde, und welches wiedererzeugt beim Schmetterling dieselbe Stufe
der Ausbildung erreicht hat als das jener Panesthia. Der Verfasser
schliesst mit voller Wahrscheinlichkeit, dass das kleine Bein der
Panesthia ein wiedererzeugtes sei. Die Wiedererzeugung neuer Theile
hängt von vielen Umständen ab, namentlich sind zu ihrem Gelingen
ein angemessener Wärmegrad, ein angemessener Grad von Feuchtig-
keit und reichliches Futter nöthig. Nach früheren Versuchen des
Verf. an Schmetterlingen und Goodsir an Crustaceen konnte man
glauben, dass die Wiedererzeugung von einem kleinen erhabenen
Mittelpunkt unterhalb der Narbe ausging, ja Goodsir's Beobachtun-
gen schienen zu zeigen, dass schon in dieser frühen Periode das Bein
mit bestimmter Gliederung gebildet ist, neuere Versuche an Chilo-
poden und Forficulinen haben den Verf. indess überzeugt, dass dies
nicht der Fall ist, dass die neugebildeten Theile vielmehr ursprüng-
lich als kleine Höcker erscheinen, welche sich bis zu einem gewis-
sen Grade verlängern, und dass ihre Sonderung in Glieder erst in
späterer Zeit Statt hat.
Newport's Lehre findet indess Widerspruch. Westwood ver-
spricht in der Folge nachzuweisen, dass die ungewöhnliche Kleinheit
eines Beins bei Insecten mit fusslosen Larven nothwendig die Folge
einer verzögerten Entwickelung sei, ebenso die verringerte Grösse der
Flügel bei einigen Arten (ebenda S. 279). — Pictet erklärt es für
blossen Zufall, wenn Newport den Raupen einzelne Beine abschnitt,
und bei den aus diesen Raupen erzogenen Schmetterlingen die ent-
sprechenden Beine mehr oder weniger verkümmert waren, da nach
seinen Beobachtungen kein Uebergang der Beine der Larve in die
des Insects Statt finde, und die Glieder beider Zustände sich nur der
Naturgeschichte der Insecten während des Jahres 1847. 47
Lage nach entsprächen, dass also hier von einer eigentlichen Wie-
dererzeugung nicht die Rede sein könne (Bibl. univ. d. Genev. 15. Dec.
1846. Schieid. u. Fror. Notiz. I. S. 344). Es giebt gewiss keinen stär-
keren Beweis gegen diese Ansicht, als die Newport'schen Versuche.
Verschiedene Misbildiingen an Insecten sind theils von
Mehreren in dem Bull, der Annal. d. 1. Soc. Ent. d. Fr., theils
von Wahl b er g in Ofvers. Vet. Acad. Förhand. (S. 100) be-
kannt gemacht worden.
Die an ersterem O. aufgerührten Fälle betreffen Coleopteren und
Lepidopteren ; von ersteren ein Carabus nodulosus mit unregelmässi-
ger Wölbung und Höckerung der Flügeldecken (S. xxxix), ein Chlae~.
nius festivus mit verkürzter rechter Flügeldecke (S. xcviii), ein Co-
lymbetes bipustulatns mit missgebildetem rechten Fühler (S. lxiv)
und eine Meloloiitha fullo mit einer Wulst auf der Mitte der einen
Flügeldecke (S. xcviii) — von letzteren eine Thais Cassandra^ der
der rechte ünterflügel ganz fehlt, ohne dass der Schmetterling ver-
krüppelt wäre (S. cxi); eine Liparis dispar ^ welche eine Spur von
Zwitterbildung zeigt, indem bei sonst durchaus männlicher Bildung
der rechte Oberflügel stellenweise weibliche Färbung besitzt , wäh-
rend sie auf dem linken ganz die gewöhnliche ist (S. xcvm); und
eine Himera pennaria^ wo der eine Fühler über, der andere unter
dem linken Äuge eingelenkt ist (S. lxxxv).
Die von Wahlberg angeführten bemerk enswerthen Fälle bezie-
hen sich auf die Ordnung der Dipteren. Eine Scaeva clypeata zeigt
eine ungewöhnliche Zwitterbildung, indem der Hinterleib mit den
Geschlechtstheilen und die erweiterten Vorderbeine männlich, der
Kopf mit den kleineren Augen und der breiten Stirn weiblich sind;
eine Eristalis scutellatus deren eine Fühlerborste dreiästig, die an-
dere von der gewöhnlichen Bildung, und ein Männchen von Condy-
lura hircus, welche sich in diesem Geschlecht sonst durch ein ab-
weichendes FlügelgeäHer auszeichnet, mit dem Flügelgeäder des
Weibchens , d. h. dem gewöhnlichen.
Ueber die Einwirkung des Schwefeläthers auf die Glieder-
thiere theilte v. Heyden seine Erfahrungen in Schieid. u. Fror.
Notiz. II. S. 21 mit.
Der Verf. benutzt schon seit einer langen Reihe von Jahren den
Schwefeläther bei der Behandlung sog. Microlepidopteren , wo die
betäubende Wirkung schon nach 5 — 15 Secunden eintritt; wirkliche
Tödtung wird durch einen Einstich mit einer mit Vitriolöl getränk-
ten Nadelspitze bewirkt. Das Erwachen aus dem Scheintode erfolgt
je früher, je kürzere Zeit sich das Thier im Aetherdunste befunden,
doch finden hierin auch noch Verschiedenheiten nach der Individua-
lität Statt, indem gleichzeitig betäubte Thiere bald früher, bald spä-
48 Erichson: Bericht über die wissensch. Leistungen in der
ter erwachen, einzelne aber auch an diesem oder jenem Körpertheil
gelähmt bleiben, oder selbst gar nicht wieder erwachen. Werden
Scolopendern oder andere langgestreckte Thiere in Aetherdunst ge-
bracht, so verbreitet sich die Betäubung allmählich von vorn nach
hinten zu, und das Thier läuft noch umher, während der vordere
Theil schon völlig leblos erscheint. Bei geflügelten Insecten werden
öfter die Flügel eher wieder brauchbar als die Beine. Oft sind es die
Klauenglieder, welche beim Erwachen zuerst Bewegung zeigen. Sehr
zart gebaute Insecten, z. B. Ephemera, Chironomus, Coccus- Männ-
chen u. a. sind, nachdem sie in Betäubung verfallen, auch sehr bald
völlig todt. Gliederthiere mit sehr festem Hornscelet, wie viele Kä-
ferarten, die in Brantwein gelegt, und dann nach mehreren Stunden
wieder herausgenommen, wieder aufleben, bleiben, auch kurze Zeit
in Schwefeläther getaucht, völlig todt. Endlich zeigt der Verf. , dass
bei kleinen Thieren, wie Milben, welche ihrer beständigen Beweg-
lichkeit wegen unter dem Microscop nur schwierig zu beobachten
sind, das Betäuben mit Schwefeläther ebenfalls mit Vortheil ange-
wendet werden könne, indem sie beim Wiedererwachen ihre geglie-
derten Körpertheile anfangs nur schwach bewegen, und hierdurch
eine deutlichere Ansicht möglich machen.
Untersuchungen über die Uebertragung der Muscardine
durch Sporen auf gesunde Raupen von verschiedenem Alter
stellten Guerin Meneville und Eugene Robert an
(Compt. rend. XXV. S. 126, 671. — Schieid. u. Fror. Notiz.
IV. S. 188).
Guerin übertrug die nur 5^^^ Millim. messenden Sporen der
Muskardine auf gesunde Seidenraupen, und verfolgte die Entwicklung
der Pilze, indem er sie alle 2— 3 Stunden microscopisch untersuchte.
Er sah die Fäden des Pilzes in die Fettsubstanz der Raupen ein-
dringen, die im jungen Zustande nach 6, nach der letzten Häutung
nach 7 Tagen der Krankheit erlagen. Die Anwesenheit nicht fructi-
ficirender Muscardine hatte für gesunde Raupen keine nachtheilige
Folgen, nur durch die Sporen wurde das üebel ihnen mitgetheilt.
Erwachsene, durchaus gesunde Raupen wurden bald nach der vierten
Häutung in ein ganz neues Behältniss gebracht und mit Muscardine-
sporen bestäubt: nach Verlauf von 7 — 8 Tagen waren alle an der
Muscardine gestorben. Durch die Sporen war zugleich das Behält-
niss inficirt, so dass junge, erst aus den Eiern gekommene Raupen
in dasselbe gebracht, von der Krankheit heftig befallen wurden und
starben, während andere, von derselben Zucht, auf einen Baum ge-
setzt, vollkommen gesund blieben.
Naturgeschichte dor Insecten während des Jahres 1847. 49
Insecten«
Germar hat das 24ste Heft seiner ,, Fauna Insectorum
Europae" herausgegeben.
Abgebildet sind von Coleopteren: Tolyphus gra7iulatus, Efido-
phloeus exsculjitus^ Efidophl. sqnarroxus, Tarphtus gihhulus , Dio-
desma subterraneuni , Ischnodes acuticornis ^ Forthmidius {n.g.)J'ul~
vus, Anaspts phalerata n. sp., Tropideres bilineatus , Trop. undu-
latus ^ Meiagroicus occipita/ü i\. s^., Platytarsus «Mro^wf n. sp. , Leio-
pus punctulatus , Pachyta spadicea , Cassida Incida; — an Hemipte-
ren: Lygaens maculicollis n. sp., L-yg- ^erii n.sp., Pseudophloeus
Genei, Microphysa myrmecobia ; — an Dipteren: Chrysops pnrallelo-
grammus, Chrysotoxum vernale, Chrysot, elegavs^ Jdia speciosa,
Mycetaulus Hoffmeisteri.
Die specielleren Arbeiten beziehen sich fast alle auf die
Verbreitung der Insecten in verschiedenen Gebirgen.
Das Riesengebirge in entomologischer Beziehung ist von
V. Kiesenwetter in der Allg. Naturhist. Zeit, der Gesellsch.
Isis in Dresd. 2. Jahrg. S. 161 geschildert.
Die entomologische Fauna des Riesengebirges hat vieles mit den
mitteleuropäischen Alpen, vieles auch mit den Hochgebirgen Scan-
■ dinaviens und den arctischen Regionen gemein, indess lässt sich eine
grössere Uebereinstimmung in Betreff der Formen mit den Alpen
nicht verkennen, während wieder der geringere Artenreichthum an
die Armuth des nordischen Klima's erinnert. Aus einer Vergleichung
mit den Angaben Heer's über das Vorkommen der Käfer in Bezug
auf die Höhe mit den Beobachtungen des Verf. zeigte, dass die für
beide Localitäten gemeinen Arten auf dem Riesengebirge um 1500
bis 2000' niedriger vorkommen als auf den Schweizer Alpen , welches
auf eine um eben so viel niedrigere Schneegränze schliessen lässt.
An eigenthümlichen Lepidopterert ist das Riesengebirge nicht gerade
reich, namentlich fehlen ihm die zahlreichen Hipparchien der Alpen,
als H. Aello, Hiera u. s. w. , welche nur durch die den schlesischen
Gebirgen vorzugsweise eigene H. Euryale vertreten werden. In der
montanen Region ist Geom. caesiata im Fichtenwalde, häufig auch
G, elutata; auf freieren Plätzen mit üppiger Vegetation herrschen
Geom. alchemillata, montanata, Inctuata und auf höheren Puncten
Pyralis alpinalis vor. Auf dem Kamme sind wenig Schmetterlinge
beobachtet, ausser der Tortr. Sudetana Standf. nur einige Crambus-
Arten. — Viel zahlreicher treten die Dipteren auf und sitzen mitunter
^ in unglaublicher Menge auf Blumen und Schirmptianzen, vorzüglich
häufig zeigten sich Tipularten, Empis- und Syrphus- Arten. In ihrer
Gesellschaft finden sich ganze Schaaren von Hymenopteren , einige
Tryphonen^ Alomya ovator , mehrere Pteromalhien ., mehrere Nema-
Archiv f. Naturgesch. XIV. .lahrg. 2. Bd. D
50 Erirhson: Bericht über die wissensch. Leistungen in der
tus-Arten und besonders häufig Tetithredo olivacea. Unter den Käfern
sind Individuen aus einzelnen acht alpinen Gattungen der Brachelytren
in unglaublicher Menge vorhanden, namentlich die Anthophagen mit
einer Reihe z. Th. den Sudeten eigenthümlicher Arten und die An-
thobien. Die letzteren bedecken die ausserdem von kleinen Dipteren
und Hymenopteren wimmelnden Dolden fast schichtenweise. Ein An-
thophagus vsurde beim Verzehren einer kleinen Fliege beobachtet,
und daraus gefolgert, dass das Blumenfressen keineswegs Sache der
Anthophagen sei (dies folgt indess nicht, sondern dass die Nahrung
eine gemischte sein möge, aus Blüthenstaub und Raub, wie es bei
vielen Insecten der Fall ist). — Am Rande von Gewässern, am
schmelzenden Schnee und unter Steinen zeigt sich ein reges Leben
von grösseren und kleineren Caruhen , namentlich finden sich hier
Nebria Gyllenhalii^ ein neuer Trechus, so wie mehrere Staphylinen
von acht alpinem Character. Unter den Steinen auf dem Kamme des
Gebirgs finden sich allgemein Otiorhynchus mauriis Gyll. und O-
monticola Dej. Auch die Gewässer waren belebt, zeigten aber keine
alpinen oder hochnordischen, sondern nur die auch in der Ebene
gemeinen Arten. In einem ziemlich hoch gelegenen Bache fand sich
Elmis Maugetn.
Der genauere Bericht über die mit Märkel gemeinschaftlich un-
ternommene Excursion, auf welcher diese Beobachtungen gemacht
wurden, ist in der Entom. Zeit. S. 73 fortgesetzt.
Auch in der Arbeit der entomologisohon Section der schle-
sischen Gesellsch. f. vaterläiid. Kultur i. J. enthält, wie immer,
namhafte Beiträge zur Kenntniss der schlesischeu Fauna.
Letzner berichtete über zwei Ausflüge in das österreichisch-
schlesische Fürstenthum Teschen, wegen beschränkter Zeit konnte
nur ein Theil der Beskiden (irrthümlich auch Klokaczgebirg^ genannt),
welcher das obereWeichselthal einschliesst, untersucht werden. DerVerf.
fand, dass diese Gegend an Insectenreichthum dem Altvatergebirse bedeu-
tend nachsteht, wie auch der Pflanzenwuchs auf dem viel unfruchtbare
Erde liefernden Gestein, aus welchem die höheren Berge fast ganz
allein bestehen ( Grauwacke und Grauwackenschiefer) minder üppig
ist. Am wenigsten arm ist die Fauna an Carabicinen, und unter die-
sen sind wieder am zahlreichsten die Bembidien, welche an dem
breiten, theils nassen, theils trockenen, theilweise steinigen, an
manchen Stellen aber sandigen oder mehr schlammigen Weichselbett
angemessene Wohnstätten finden. — Vorläufig hat der Verf. a. a. O.
eine Uebersicht über die beobachteten Carabicinen gegeben, unter
denen 22 Arten von Bembidium.
„Ueber die entomologische Fauna der Umgebungen des
Glockners von v. Kiesen weiter". Allgem. Deut-^che natur-
bist. Zeit. 2. Jahre-. S. 420.
Naturgeschichte der Insecten während des Jahres 1847- 51
Der Verf. hatte seinen Aufenthalt im Dorfe Heiligenblut genom-
men, welches an der Südseite des Heiligenbluter Tauern im Möllthale
liegt, hier wird noch vollständiger Ackerbau getrieben, während auf
der anderen Seite des Tauern Wiesen mit ganz alpinem Charakter
liegen, und zwischen Lärchen und Fichten sich schon die Zwerg-
kiefer einmischt. Demgemäss ist die Fauna von Heiligenblut nur
eine montane Fauna und wenigstens im Juli ziemlich arm, während
sie auf der anderen Seite eine entschiedene subalpine ist, welche
bei etwas weiterem Ansteigen sich schnell in eine alpine verwandelt.
Hier finden sich auf verschiedenen Pflanzen Otiorhynch. gemmatus
und Chrysom. cacaliae^ nicht selten auch Pachyta interrogationis ;
auf Fichten Otiorh. niger , geniculatus , chrysocomus, lepidopterus
und mehrere Telephorus- Arten , von Hymenopteren einige Tenthrede?i,
Ichieumojien und einzelne Pteromalinen , überhaupt aber zeigten sich
Hymenopteren und Dipteren in dieser Jahreszeit nicht sehr zahlreich
und Orthopteren schienen noch ganz zu fehlen. Auf höheren Puncten
treten die Änthophagen in grosser Menge und auch in zahlreichen
Arten auf, und in ihrer Gesellschaft drei Arten von Anthobien. Eine
wesentlich alpine Fauna zeigen nur die höchsten Puncte des Heili-
genbluter Tauern, wo Carabus Hoppii, carinthiacus , Neesü ^ Nebria
Hellwigii und castanea^ Elater rugosus und melancholicus , Byrrhus
scabripennis sich unter Steinen, Bembidium glaciale und hipuncta-
tum nebst mehreren Staphyliniern an den Rändern der Schneefiecken^
Aphodiiis disciis in der vom schmelzenden Schnee feuchten Erde,
mehrere der alpinen Region eigenthümliche Wasserkäfer, namentlich
Uelophorus alpinus in ungeheurer Menge in den aus dem schmelzen-
den Schnee gebildeten Pfützen sich fanden. — Das 7000' hoch gele-
gene, mehr nach Süden gerichtete, durch schöne Alpenwiesen aus-
gezeichnete Pasterzenplateau ist reich an Lepidopteren und Hyme-
nopteren, namentlich an unächten Ichneumoniden, während grössere
Bienen und Wespen selten sind und von Hummeln nur einzelne Stücke
des Bombiis alpinus sich finden. Auch die Zahl der Käfer ist nicht
beträchtlich, namentlich wurden die Änthophagen und Anthobien fast
ganz vermisst, von Otiorhynchus kamen nur unter Steinen zwei Ar-
ten vor, ebenso fanden sich Chrysomela nivalis und monticola unter
Steinen. Aphod. gibbus fand sich auch noch bis 8000' Höhe sehr
gemein. Bei der noch höher gelegenen Gemsgrube aber fanden sich
ausser einem herumfliegenden schwarzen Dolerus nur einige Staphy-
linier unter Steinen.
Die naturgeschichtlichen Verhältnisse des Glarner Landes
sind von O. Heer geschildert. (Der Kanton Glarus, historisch-
geographisch-statistisch geschildert von den ältesten Zeiten bis
auf die Gegenwart, St. Gallen 1846. S. 121-218).
Der thätige Verf. hat es sich in diesem, für ein grösseres Pu-
blicum bestimmten Werke zum besonderen Zv\'eck gemacht, die üm-
D*
52 Erichson: Bericht über die wissensch. Leistungen in der
Wandlung, welche die organische Natur vom Thalboden bis zu ihren
oberen Gränzen hinauf erfahren hat, darzustellen, daher seine Arbeit
auch von besonderem wissenschaftlichen Werthe ist, um so mehr als
sie durchweg das Ergebniss langwieriger und sorgsamer Untersuchun-
gen ist. — In den unteren Kegionen des Glarner Landes finden sich
viel mehr Thier- als Pflanzenarten, etwa im Verhältniss wie 2^:\;
nach den Alpen hin nehmen sie aber viel rascher ab als die Pflan-
zen, schon in der oberen Alpenregion überwiegen die Pflanzen, die
sich zu den Thieren wie If : 1 verhalten, noch mehr ist dies in der
unteren Schneeregion der Fall, wo sich das Verhältniss wie 6:1
stellt, und in der Schneeregion wie 25 : 1. Bei 9000' ü.M. hört alles
thierische Leben auf, während einige Pflanzenarten bis auf die höch-
sten Alpenspitzen hinaufreichen. Von der Abnahme der Arten ist
indessen wohl die Abnahme der Individuenmassen nach den Alpen
hin zu unterscheiden, die erstere tritt viel früher ein und entwickelt
sich schneller als die Minderung der Individuenmenge. — Was das
Verhältniss der Fauna von Glarus zu der der übrigen Theile der
Schweiz betrifft, so theilt er im Allgemeinen den Character derselben
mit denen der übrigen Bergkantone der nördlichen Schweiz, dagegen
weicht sie von der der Centralalpen (Bünden, Oberuri und Wallis)
in sehr wesentlichen Puncten ab. Vom Flachlande der nördlichen
Schweiz unterscheidet sich das Glarner Land vorzüglich durch seine
Berg- und Alpenformen, so wie dadurch, dass eine grosse Zahl von
ebenen Thieren nicht bis in sein Gebiet, auch nicht in seine tief
•gelegenen, milden Theile vorgeschoben sind; von der Thierwelt der
Centralalpen unterscheidet sich die des Glarner Kantons theils durch
die Höhengränzen der Thiere, theils durch ein anderes Verhältniss
der Individuenmassen, theils durch manche Artunterschiede. Wie
die Pflanzen steigen auch die Thiere in Bünden höher in den Alpen
hinauf, und die Grenze des thierischen Lebens ist dort sogar bis
über 10,000' hinausgerückt. — Das andere Verhältniss in der Zusam-
mensetzung der Hauptthiermassen wird vorzüglich durch die Heu-
schrecken bedingt, welche in den Centralalpen in unendlich viel
grösserer Zahl auftreten als in der nördlichen Schweiz, und dadurch
^inen Uebergang zur italienischen Fauna bilden. In Bünden und im
Wallis wimmelt es im Sommer in den tieferen Thälern von unzäh-
ligen Heuschrecken, welche zeitenweise, namentlich im Wallis grosse
Verheerungen anrichten; während die Heuschrecken in Glarus schon
über der Baumgrenze nur noch in sehr geringer Zahl erscheinen,
bilden sie in Bünden und Wallis, wenn auch nicht durch grosse
Artenmenge, so durch Individuenzahl, noch ein wesentliches Moment
der Thierwelt bis zu 6000' ü. M., und eine Art, Gr. pedestrü, geht
sogar noch bis zu 8000' hinauf. — Durch die ganze Alpenkette von
Wallis^ Oberuri und Bünden sind eine ganze Zahl von Arten, z. B.
unter den Käfern Carabus depressiis , Bonelli'i, Cymindis punctata,
Pterostichus Jurineis HeJops alpinns , Otiorhynchus rhaeticm und
Naturgeschichte der Insecten während des Jahres 1847. 53
Elater rugosus, von Schmetterlingen Melitaea Cynthia, Zygaena
Ephialtes, von Heuschrecken Gryll. Sibiriens und G. italicus verbrei-
tet, welche dem Glarner Land fehlen, während dort sich Carabus
auronitens ^ Pterostichus Panxeri var., Pt. maurus var. , Cantharis
rubricollis Meg. u. a. finden, die jenen Gegenden nicht einheimisch
sind. Geht man von der nördlichen Schweiz nach Italien, so tritt
in den Centralalpen die erste Veränderung der Pflanzen- und Thier-
welt auf, welche den üebergang zum italischen oder vielmehr medi-
terranischen Naturcharacter vermittelt, der am Südabhange der Alpen
beginnt. — Dies heben wir aus den allgemeinen Betrachtungen des
Verf. hervor, ausserdem ist die Glarner Fauna noch im Einzelnen
nach Klassen und Ordnungen unter steter Berücksichtigung ihrer
Verbreitung in die verschiedenen Regionen übersichtlich gemustert.
lieber die entoniologischen Zonen der Pyrenäen theilte
Leon Dufour der Pariser Academie das Ergebniss seiner
Untersuchungen mit (Compt. rend. XXIV. S. 833).
Die Beobachtungen des Verf. beziehen sich auf die westlichen
Pyrenäen. Anfänglich wollte er sie in die Zone der Buche, Fichte
und Alpenrose eintheilen, er überzeugte sich aber, dass die beiden
ersten allmählich in einander übergehen, er unterscheidet also nur
subalpine und alpine Zone. Die erstere umfasst die Region der
Buche und Kiefer, einschliesslich der Wiesen und Schluchten, die
mit denselben in gleicher Ebene liegen, sie sondert sich aber doch
in zwei Regionen, welche in entomologischer Beziehung ganz ver-
schieden sind, in eine untere und eine obere Region. Die untere
Region umfasst die Vorberge und Thäler, deren sehr zahlreiche
Insecten über die Ebene des Adour und Gaves theils sich freiwillig
verbreiten, theils durch üeberschwemmungen herabgespült werden.
— Die Insecten der oberen Region sind wesentlicher Gebirgs-
insecten; sie leben theils unter den Steinen der Wiesen oder Berg-
ströme, theils auf Blättern und Blüthen, theils unter Baumrinden
oder im Holz der Buchen und Fichten. Ihre Zahl beläuft sich auf
170. — Die alpine Zone fängt über der Fichtenregion mit den Al-
penrosen an, dem einzigen geselligen Strauch der Pyrenäen, und
erstreckt sich von 1800 bis 2300m. Die Zahl der ihr angehÖrigen
Arten beschränkt sich auf 31 , die meisten gehören den Carabicen
an , alle sind ungeflügelt. Diese Insecten hören schon 2000™ unter
der höchsten Gränze der Pflanzen auf vorzukommen, weiter aufwärts
findet man höchstens eine einzelne Hummel, einen gemeinen Syrphus
oder einen abgeflogenen bräunen Satyrus.
A. Costa theilt in den ,, Annali dell' Accademia degli
Aspirant! naturalisti; seconda serie, VoJ. 1. (IV della colleotione)
Napoli 1847, ein Paar Abhandlungen mit, in denen eine An-
zahl neuer neapolitanischer Insecten beschrieben ist, nämlich:
54 Erichson: Bericht über die wissensch. Leistungen in der
„Specie nuove o rare dinsetti delle niontagne del Matese"
(S. 89) und ,,Descrizione di alcune coleotteri del regno di
Napoli (S. 134). Da diese Zeitschrift Wenigen zur Hand sein
wird, werde ich hier die Diagnosen der neuen Arten mit-
theilen.
lieber eine Reise Lefebvre's nach Abessynien theilte
Guerin (Rev. Zool. S. 49)*eine Nachricht mit.
Der entomologische Theil des Reisewerkes wird von Guerin
bearbeitet, da indess ein Werk von Ferret und Gaiinier über
eine ebenfalls nach Abessynien unternommene Reise erscheinen soll,
für welches Reiche die Insecten bearbeitet hat, hat Guerin dessen
Bearbeitung in der Handschrift benutzt, um nicht dieselben Arten
als neu zu beschreiben, und theilt a. a. O. die Diagnosen der in
jenem Werke nicht enthaltenen Arten mit. Dieselben erstrecken sich
aber in der vorliegenden Mittheilung nur über einen kleinen Theil
der Coleopteren.
Delegorgue's Reise in Südafrica (Voyage dans l'Afri-
que austräte, notament dans le territoire de Natal etc. 2 Vol.
Paris 1847.
Im Anhange Bd. II. S. 585 findet sich 1. ein sorgfältig, dem An-
scheine nach von Boisduval bearbeitetes Verzeichniss südafricanischer
Schmetterlinge, welches jedoch nur bis zu den Noctuen reicht, von
denen nur noch die grösseren Arten aufgenommen sind; — 2. ein
sehr flüchtig entworfenes Namens-V^erzeichniss südafpcanischer Käfer,
ohne wissenschaftlichen Werth; — 3. ein Namensverzeichniss von
37 neuen Dipteren, welche von Macquart in seinen Dipter. exotiq.
Suppl. beschrieben sind. — In der Reiseerzählung selbst nur einige
entomologische Beobachtungen.
Für die ostindische Fauna ist ein wichtiges Werk von
Westwood erschienen: The Cabinet of Oriental Entomology.
London. Will. Smith, 113 Fleet Street. 1847. 4to.
Ohne systematischen Plan, in bunter Mannigfaltigkeit, stellt der
Verf. eine Auswahl von seltenen und schönen ostindischen Insecten
dar, welche meist neu oder wenigstens noch nicht abgebildet waren:
er liefert also einen reichen Beitrag zur Kenntniss, namentlich der
ansehnlicheren Insectenformen Ostindiens , und das Werk darf in kei-
ner grösseren entomologischen Bibliothek fehlen. Es ist in Lieferun-
gen, jede mit 3 Tafeln, erschienen und mit der 14ten Lief, abge-
schlossen. Bei diesem Bericht haben mir die 7 ersten Lief, vorge-
legen, über die zweite Hälfte des Werks werde ich im nächsten
Jahre berichten.
Naturgeschichte der Insecten während des Jahres 1847- 55
Bemerkungen über einzelne ostindische Insecten wurden
in den Proceed. Ent. Soc. IV^ uiitgetheilt, namentlich von
Boy es (S. 117. 121. 127) und von Kantor (S. 118).
Einen wichtigen Blick in die Naturgeschichte Neuhollands
gewährt Leichhardt's Reise durch eine noch unbetretene
Strecke dieses Welttheils von Moreton-Bay nach Port Essing-
ton: „Journal of an Overland- Expedition in Australia from
Moreton Bay to Port Essington, a distance of upwards of
3000 Miles, during the years 1844—1845, by Dr. Ludwig
Leichhardt, London 1847.
Der Verf. hatte als Naturforscher auf dieser grossartigeu Reise
ein vorzügliches Augenmerk auf die Verbreitung der Arten gerichtet,
wobei allerdings zunächst die Pflanzen, demnächst die Vögel berück-
sichtigt sind, doch ist kein Theil der Naturgeschichte unbeachtet ge-
blieben. Die Bestimmung der Gränzen der einzelnen Arten hat indess
oft ihre Schwierigkeiten, denn „wenn bei abnehmender Breite", sagt
der Verf., „ein Vogel oder eine Pflanze verschwand", täuschte man
sich oft darin, wenn man dies jenem Umstände zuschrieb: Bäume
und krautartige Pflanzen verschwanden mit dem Wechsel des Bodens
und der Abnahme der Feuchtigkeit, und die Vögel halten sich an
einer bestimmten Vegetation; sobald wir also an ähnliche Stellen
kamen, erschienen die bekannten Formen der Pflanzen und Vögel
wieder. Fast alle Sträucher der Condamine und von Kents Lagune
waren noch am Burdekin zu sehen, und die vereinzelten Gewässer
neben Grasflächen wurden von Schwärmen kleiner Finken besucht,
welche Hr. Gilbert zu Port Essington beobachtet hatte, und welche
wahrscheinlich der ganzen ^\usdehnung des Landes zwischen dieser
Stelle und der Region der Tropen angehören. Diese geringe Ab-
wechselung der Vegetation, namentlich der Binnenland -Flora von
Süd nach Nord, steht ohne Zweifel im Zusammenhang mit der Ein-
förmigkeit des Bodens und Klima's, und die unendliche Verschieden-
heit, welche zwischen der östlichen und westlichen Küste stattfindet,
hat Männer von Wissenschaft und Beobachtung, nicht ohne guten
Grund zu dem Schlüsse bewogen, dass dies Festland ursprünglich in
zwei grosse Inseln oder in einen Archipel getheilt war, welche durch
allmähliche und vielleicht noch fortschreitende Erhebung vereinigt
wurden. Als eine Ausnahme von dieser Bemerkung wurde indessen
ein plötzlicher Wechsel der Flora bemerkt, als wir die östlichen
Gewässer verliessen und das Becken des Golf von Carpenteria be-
traten, obschon die Flora der Nordwestküste und Port Essington's
von der des Golf wenig verschieden war." (S. 219).
Als Probe der lebensvollen Naturschilderungen des V.erf mag
folgende Stelle dienen: „Wenn ein oberflächlicher Beobachter plötz-
lich von einem der Rohrseen Europa's nach diesem Wasserteich in
56 Erichson: Bericht über die wissensch. Leistungen in der
Suttor Creek versetzt würde, möchte er nicht im Stande sein die
Ortsveränderung zu entdecken, ausser durch die Anwesenheit der
Casuarinen und der weissen Stämme der majestätischen Eucalyptus
(flooded gum.). Rohre, ähnlich denen von Europa, und Polygonum,
der Art nach mit den europäischen fast übereinstimmend, umgeben
das Wasser, dessen Oberfläche mit den breiten Blättern der Villar-
sia, die denen der Nymphaea genau gleichen, und mit verschiedenen
Arten von Potamogeton bedeckt ist. Kleine graue Vogel, ähnlich
den Rohrsängern, schlüpfen von Stengel zu Stengel, Schaaren glän-
zender Gyrinen spielen auf dem Wasser, Notonecten und Käfer, den
Hydrophilus gleich, leben in demselben, bald aufsteigend, um zu
athmen, bald behende tauchend. Limnaeen, ähnlich denen Europa's,
kriechen längst der Oberfläche des Wassers, kleine Planorbis leben
an den Wasserpflanzen, an welchen auch Ancylus sitzen, Paludina
Cyclas und Unio furchen den schlammigen Grund. Die Täuschung
muss aber nicht durch den lärmenden Ruf der Dacelo gigantea, die
Schwärme weisser Kakadu's oder den hohlen Ton des durstigen Emu
gehoben werden. Die Breite dieser Stelle war 21» 23' S." (S. 175).
Des Verf. Bemerkungen über das Vorkommen von Insecten sind
nicht zahlreich. Ausser der gewöhnlichen Plage von Mücken (Mus-
kito's), Sandfliegen und gelegentlich von Fliegen und Viehbremsen
wurde das Vieh der Reisenden öfter von Hornissen scheu gemacht,
deren in den Buschdickigten aufgehängte Nester die Lastochsen auf
ihrem Wege oft mit den Hörnern beschädigten (S. 37).
Auch die Reisenden wurden gestochen, wenn sich solche Nester
an ihren Lagerstellen fanden, bis sie sie später durch ein untergeleg-
tes Strohfeuer zerstörten (S. 48). Auch an den Wasserpfützen wur-
den die Hornissen oft lästig (S. 54. 395). Eine Art Ameisen traf der
Verf. am unteren Theil des Lynd und später am Roper unter 16° 22'
und 14" 47' S. B. , welche in kleinen Gesellschaften in rohen Nestern
zwischen grünen Blättern schattiger Bäume zu leben schienen, und
die Vorüberziehenden, sobald sie die Nester berührten, auf der Stelle
bedeckten und sich durch schmerzhafte Bisse bemerklich machten.
(S. 294. 444). Auch andere Arten von Ameisen fielen oft lästig. —
Thurmförmige Termitenhaufen wurden oft beobachtet, entweder ein-
zelne scharfe Kegel bildend von 3 bis 5' Höhe und kaum 1' Breite
am Fusse, oder in eine oder mehrere einander berührende Reihen
vereinigt, und so merkwürdig aussehende Gebäude bildend. Die
Richtung dieser Reihen schien über weite Landstrecken dieselbe und
von der Richtung der herrschenden Winde bedingt zu sein (S. 314).
— Eine eigenthümliche Heuschrecke wurde am Süd -Alligator beob-
achtet, und vom Verf. S. 481 abgebildet, dieselbe ist jedoch auch
auf der Reise des Beagle gefunden und von White in Eyre's Reise
längs der Südküste Neuhollands als Petasida ephippigera beschrieben.
Naturgeschichte der Insecten während des Jahres 1847. 57
Die naturgeschichtlichen Verhältnisse der Niederlassung
zu Adelaide im Süden Neuhollands wurden von Dr. Behr
geschildert. (Ent. Zeit. S. 167).
Zwei Vegetationsformen nehmen den grössten Theil des Landes
ein. Die eine, auf schweren Boden herrschende ist ein sehr lichter
Wald von riesigen Eucalyptus, ohne Unterholz, aber gutem Gras-
wuchs, mit theils europäischen ähnlichen, theils Neuholland eigen-
thümlichen Formen von Kräutern Die andere, die Scrub-Formation,
den leichteren Boden einnehmend, besteht aus einer grossen Mannig-
faltigkeit von Sträuchern, mit Bäumen untermischt, aber kahlem
oder nur dünn mit Kräutern bewachsenem Boden. Auf dem etwa
2000' hohen Höhenzügen herrscht dieselbe Vegetation je nach der
Beschaffenheit des Bodens. In der Scrubformation zeigt die Thier-
welt gleich der Pflanzenwelt ein deutlicheres australisches Gepräge,
die Insecten sind aber hier, wenn auch reicher an Arten, doch desto
ärmer an Individuen. Eine eigenthümliche Vegetation findet sich
noch an den Flussufern und in den Betten der im Sommer ausge-
trockneten Bäche. Mehrere Bupresten sind hier auf blühenden Le-
ptospermen zu finden und auch die Agaristen schwärmen gern an
solchen Ufern. Grosse Mannigfaltigkeit zeigt die Fauna je nach der
Jahreszeit; im milden Winter ruht dielnsectenwelt, höchstens finden sich
einige Noctuenraupen. Der mit Ende August'sbeginnendeFrühling, durch
eine unermessliche Blüthenfülle ausgezeichnet, ist am ergiebigsten an
Lepidopteren , Dipteren und Hemipteren, der Sommer, mit dem Ende
des December eintretend, zeigt den Boden ausgedörrt, die Gräser
und Kräuter vertrocknet, oft auch noch durch Feuer abgesengt, die
Fauna im Verhältniss arm, doch findet sich eine grössere Verschie-
denheit unter den Coleopterön, Hymenopteren und Neuropteren, und
wo die Brände die Ueberbleibsel der Vegetation nicht verzehrt haben,
hausen zahllose Schwärme von Orthopteren. Um diese Zeit fliegen
auch die Arten von Agarista und der neuen mit Castnia verwandten
Gatt. Synemon. In den folgenden Monaten verschwinden auch die
letzten Repräsentanten der Fauna und Flora, und erst im März und
April, welche unserem Spätherbst entsprechen, zeigt sich wieder
Insectenleben, das erst mit den im Mai eintretenden Winterregen
gänzlich verschwindet.
Ueber die Insectenfauna von Neuseeland theilte Stephen-
son einige allgemeine Bemerkungen mit (Transact. Ent. Soc.
Lond. IV. S. 262).
Das Land ist heftigen und häufigen Stürmen ausgesetzt, welche
ansehnliche Bäume entwurzeln, meist von hartem Holz, wie es bei
den neuseeländischen Bäumen gewöhnlich der Fall ist. Diese ent-
wurzelten Bäume werden früher oder später von Insecten angegriffen,
meist von Käfern, deren Larven Stamm und Zweige durchbohren,
58 Erich son: Bericht über die wissensch. Leistungen in der
so dass die kleineren Arten mehr oberflächlich ina Splint arbeiten,
während die grösseren in das Holz selbst eindringen; das letztere
ist auch bei einigen Schmetterlingslarven der Fall. Eine grosse Art
von Cerambycinen kommt in Dacrydium excelsum in Menge vor, und
Larve und Puppe derselben werden von den Eingebornen gegessen.
Im Ganzen ist es schvt^ierig, in Neuseeland Insecten zu sammeln,
auch ist die Zahl der Individuen gering, so dass es bei dem üppigen
Pflanzenwuchs grosse Mühe und Ausdauer erfordert, um nur einige
w^enige aufzufinden.
Die Kenntniss der Nordamericaiiischen Fauna wurde
ausser durch einige monographische Arbeiten gefördert durch
Mel sheiujer's ,,Descriptions of new Species of Coleoptera
of the United States" Proceed. Acad. Phüadelph. III. S. 158
(Schluss der im vor. Bericht besprochenen Arbeit) und Hal-
deman's „Descriptions of several new species and one new
genus of Insects" ebenda S. 149.
Wanderungen von Insecten sind mehrfach beobachtet und
zur Sprache gebracht worden.
Eine Hauptrolle spielen dabei die Blattläuse. In verschiedenen
Theilen des westlichen England schwärmten vom 14 — 21. Juni unge-
heure Massen von Aphis Fabae (Proceed. Ent. Soc. Lond. S. xxi). In
Paris w^ar am 11. Juni um 7 Uhr Morgens die Luft mit einer solchen
Menge grüner Blattläuse erfüllt, dass die Fussgänger mit den Ta-
schentüchern schlagen mussten, um sich das Gesicht freizuhalten
(Ann. d. 1. Soc. Ent. d. Fr. Bull. S. l<xiv). In den Umgebungen
Dresdens zeigten sich, wie Reichenbach berichtet, an allen Obst-
bäumen die Blattläuse in auffallender Menge, namentlich waren die
Pflaumenbäume von Aphis pruni bedeckt, im Juni waren sie aber
verschwunden und nur die leeren Häute zurückgeblieben (Allgem.
deutsche naturhist. Zeit. 2. Jahrg. S. 188). Reichenb. nimmt an , dass
die Blattläuse von Coccinellen- und Syrphuslarven vertilgt seien,
ohne Zweifel sind sie aber flügge geworden und ausgewandert. —
Auch von Coccinellen erschienen in England während des August
grosse Schwärme (Ann. of nat. bist. XX. S. 212) und bei Dover am
Abend des 12. August ein Schwärm von Harpaliden.
Die Ursache dieser ungewöhnlichen Erscheinung wurde in der
Entom. Gesellsch. in Lond. (Proceed. XXI. XXIV) zu erörtern ver-
sucht. Westwood glaubte sie in einer schwülen und stark electri-
schen Beschaffenheit zu finden, und zeigte, dass vom 4—17. Juni die
Temperatur um nicht w^eniger als 18" gestiegen sei, worauf die Blatt-
' lausschwärme erfolgten, ebenso war zur Zeit der Coccinellenschwärme
das Barometer vom 6 — 14. Aug. allmählich, das Thermometer aber
plötzlich um 15» gestiegen, und der 12. Aug. war sehr kühl. Spence
Naturgeschichte der Insecten während des Jahres 1847. 59
trug eine Mittheilung von Thwaites vor, der die wolkengleichen
Blattlausschwärme beobachtet hatte und die Meinung aussprach, dass
weder atmosphärische Einflüsse noch Mangel an Nahrung, sondern
der Instinct die Schwärme zusammenbrächte.
Als hierher gehörig ist auch ein Fall zu betrachten, den N. De-
grolle (Ann. d. 1. Soc. Ent. d. Fr. Bull. S. xcvi) aus Brasilien mit-
theilt. Als er sich in den ersten Tagen des October 1846 in der
Prov. St. Catharina aufhielt, erfuhr er, dass das Meer grosse Massen
von Insecten auswürfe. In der Hoffnung auf einen reichen Fang be-
gab er sich an die Küste, und sah auf dem Sande in Gürtel vertheilt,
je nachdem die Wogen sie mehr oder weniger hoch angetrieben hat-
ten, solche Massen von Käfern liegen, dass man sie mit Schaufeln
aufnehmen und Böte damit hätte beladen können. Alle waren bis
auf wenige Ausnahmen todt. Die ganze Masse bestand aber nur aus
Carabicen, von denen eine Art die Hauptmasse ausmachte, und zwei
andere Arten unter derselben höchst spärlich vorkamen. Der Verf.
meint, dass durch die ausgetretenen Flüsse diese Insecten ins Meer
gespült seien, es liegt aber auf der Hand, da diese Massen fast aus
einer einzigen Art bestanden, dass Schwärme derselben im Meere
ihren Untergang gefunden. An unserer Ostseeküste habe ich vor
Jahren ähnliche Massen angespülter Coccinellen beobachtet. Auch
ist es bekannt, dass die Wanderheuschrecken gerne dem Meere zu-
ziehen und dort Raub der Wellen werden. Es scheint also ein dunk-
ler Trieb diese Thiere in das Element zu führen, welches sie in den
grössten Massen vernichtet.
Die Wanderheuschrecke, welche seit einem Jahrhunderte so
selten in Schweden sich zeigte, erschien in grösserer Zahl im süd-
lichen Schweden, namentlich in der Nähe von Lund (Bo-hpman
Öfvers. Acad. Förhandl. S. 250). — Die Verheerungen der Wander-
heuschrecken in Südafrica schilderte Delegorgue (Voy. I. S. 162).
— Ueber zwei verschiedene Arten verheerender Wanderheuschrecken
in den nordwestlichen Provinzen Ostindiens berichteten M 'Gregor
und Edward es der Entomol Gesellsch. zu Lond. (Proceed. Ent.
Soc. 1847. S. III).
Auffallende Schwärme von Weisslingen (Pontia) wurden an der
Ostseeküste bei Swinemünde bemerkt. (Entom. Zeit. S. 381).
Zur Kenntniss der früheren Stände und der Entwicke-
lungs'geschichte der Insecten wurden mehrfache Beiträge ge-
liefert:
Bouche theilte die Entwickelungsgeschichte einer grösseren An-
zahl von Insecten aus verschiedenen Ordnungen mit (Entomol. Zeit.
S. 142. 162).
Ref. lieferte die Beschreibungen einiger Käferlarven (dies Arch.
I. S. 275).
Low „Mittheilung über die Verwandlungsgeschichte einiger In-
ßO Erich son: Bericht über die wissensch. Leistungen in der
secten und ihren Haushalt auf Pflanzen." (Allg. Deutsch, naturhist.
Zeit. 2. Jahrg. S. 287) erläuterte die Naturgeschichte von Insecten,
welche auf Veronica Anagallis, Sonchus arvensis und Inula britanica
leben.
Goureau richtete sein Augenmerk auf die Insecten, welche den
Ulex europaeus bewohnen Diese ^Pflanze ist im Westen von Frank-
reich sehr gemein, vorzüglich an den Küsten der Bretagne und Nor-
mandie, wo sie alles wüste Land überzieht. Sie vermehrt sich un-
gemein leicht, und dies würde noch mehr der Fall sein, wenn nicht
der grösste Theil ihrer Samenkörner von Insecten verzehrt würde.
Bei Cherbourg fand der Verf. im J. 1845 zwei Drittel der Samenkör-
ner von Insecten zerstört. Diese Insecten sind zwei Schmetterlinge^
Grapholita succedana und vielleicht Dicrorhampa ulicana und ein
Käfer, Apion ulicis. Der letztere hat einen Parasiten, den der Verf.
mit dem Namen Semiotus apionis bezeichnet. (Note pour servir ä
I'histoire des Insectes qui vivent dans les gousses du genet epineux
Ulex europaeus. — Ann. d. 1. Soc. Ent. d. Fr. S. 245).
Die Kenntniss fossiler Insecten ist von Heer durch ein
ausgezeichnetes Werk auf namhafte Weise gefördert worden:
„Die Insectenfauna der Tertiärgebilde von Oeningen und von
Radoboj in Croatien , i. Th. Käfer. Leipzig, Verlag von W.
Engelmann. 1847."
Die Hauptmasse dieser Insecten stammt aus den an Versteine-
rungen so reichen Steinbrüchen von Oeningen. Im Vergleich zur
lebenden Fauna fällt das zahlreiche Auftreten der Buprestiden , unter
denen uns ein Paar Capnodis- Arten als sehr charakteristisch ent-
gegentreten, so wie das üeberwiegen der Hydrophilen über die Dy-
tisciden auf. Alle Arten sind von denen der Jetztwelt verschieden,
gleichwohl trägt die Fauna ganz den Charakter der des jetzigen mit-
telmeerischen Europa.
Eine lehrreiche Anzeige dieses Werkes theilte Germar mit (Ent.
Zeit. S. 349). — Vergl. ferner: Heer „üeber die vorweltlichen Käfer
von Oeningen (Mittheil, der naturf. Gesellsch. zu Zürich L S. 17) --
so wie einen interessanten, besonders abgedruckten Vortrag He er 's
„über die Physiognomie des fossilen Oeningen."
Hope (Transact. Ent. Soc. Lond. IV. S. 250. T. 19) bil-
dete 3 fossile Insecten von Aix in der Provence ab.
Coleoptera.
Vergleichende Anatomie und Physiologie der Insecten.
hl Monographieen bearbeitet von Friedr. Stein. Dr. ct. Erste
Monographie: Die weiblichen Geschlechtsorgane der Käfer.
Naturgeschichte der Insecten während des Jahres 1847. Gl
Mit 9 Kupfertafeln. Berlin. Verlag von Diincker und Hum-
blot. 1847.*'
Eine eben so schön ausgestattete, als fleissige und reichhaltige
Arbeit. Die Frucht mehrjähriger Forschungen. Der Verf. stellt im
ersten Abschnitte des Werkes ausführliche Untersuchungen über die
Gliederung des Hinterleibes an, um zu zeigen, dass derselbe überall,
wie bei den Larven aus 9 Ringen bestehe, und dass, wo diese Zahl,
wie allgemein, äusserlich nicht erkennbar sei, doch der üeberrest
im Innern nachweisbar sei. Abgesehen davon, dass die Larven in
mehreren Familien nur 8 Hinterleibsringe haben, ist in der Deutung
der äusserlich wahrnehmbaren Ringe ein Irrthum vorgefallen. Der
Verf. sagt S. 7: „Nur wo sieben Bauchsegmente äusserlich wahr-
nehmbar sind, sind diese wirklich das 1 — 7te Bauchsegment; wo
aber sechs vorhanden sind, da entsprechen sie mit Ausnahme der
Lauf- und Wasserkäfer, deren 6 Bauchsegmente wirklich das 1 — 6te
sind, dem 2 — 7ten Bauchsegment. Ebenso ist es bei allen Käfern
mit fünf sichtbaren Bauchsegmenten, die stets dem 2 — 7ten entspre-
chen." Es ist hier überall ein Bauchhalbring mehr eingegangen oder
versteckt, so, wo 7 Halbringe sichtbar sind, diese dem 2 — 8ten, wo
sechs, entweder, wo sich die Hinterleibsgliederung der Caraben findet,
diese dem 2 — 7ten, oder wie bei dem grösseren Theile der Scara-
baeiden, dem 3 — 8ten, endlich wo fünf sichtbar sind, diese dem
3— 7ten entsprechen. Der Verf. behauptet zwar (S. 11), dass „sämmt-
liche Bauchsegmente der Käfer bei den Käfern gegen die Rücken-
segmente mehr oder weniger weit nach hinten (müsste heissenj
nach vorn) verschoben sind" und giebt höchstens für die mittleren
zu, dass sie in ihrer natürlichen Lage gegen einander bleiben; allein,
wenn seine Zählung richtig wäre, wären auch diese alle überall um
eins nach vorn verrückt. Dass dies nicht der Fall ist, lehrt die
sorgfältige Vergleichung der Hinterleibsgliederung bei den verschie-
denen Formen der Käfer sowohl als auch unwiderlegbar die des
Uebergangs der Hinterleibsringe der Larve in die des Käfers während
des Puppenstandes.
Demnächst hat der Verf. sich der bisher noch ungelösten Auf-
gabe unterzogen, durch Untersuchung des Baues der Kloake bei
weiblichen Käfern und der äusseren Begattungsorgane die an der
Hinterleibsspitze eingezogenen Segmente nachzuweisen, und dadurch
ein leitendes Princip für die richtige Deutung der Hinterleibssegmente
überhaupt zu finden. In den allermeisten Fällen konnte der Verf
drei wesentliche Scelettheile unterscheiden: eine obere, den voraus-
gehenden Rückensegmenten gewöhnlich noch sehr ähnliche Horn-
platte, die der Verf. die Analplatte nennt; ferner zwei sehr ver-
schieden gestaltete, die Seiten des Scheidenmastdarmrohrs umfas-
sende, und daher als Seitenstücke bezeichnete Platten, und end-
lich zwei stets klauen- oder palpenförmige , gewöhnlich 2 oder 3glie-
drige, auf der unteren Seite des Scheidenmastdarmrohrs liegende, die
()2 Erichson: Bericht über die wissensch. Leistungen in der
Scheidenmündung umgebende Hornstücke, die der Verf. Vaginal-
palpen nennt. Wenn noch vor diesen oben und unten je ein Halb-
ring eingezogen ist, nennt der Verf. diese oberes und unteres
Kloaksegment. Es geht aus dem obigen hervor, dass auch hier
die Zahlangaben des Verf. über die unteren Halbringe berichtigt wer-
den müssen; das untere Kloaksegment ist nicht, wie der Verf. sagt,
der 7te, sondern der 8te Halbring und die Seitenstücke würden, wenn
man die Deutung des Verf. annimmt, den 9ten Halbring vorstellen;
ich habe mich aber durch den Vergleich der Leibesringe von Puppen
noch nicht von der Richtigkeit dieser Annahme überzeugen können.
Es ist vielmehr eine im Allgemeinen unstatthafte Voraussetzung, dass
die eingezogenen Leibesringe als Hornschienen oder Leisten wieder
auftreten, häufig sind sie höchstens durch Hautfalten angedeutet.
Was endlich die Vaginalpalpen betrifft, so gehören sie nicht den
Hinterleibsringen, sondern den Geschlechtstheilen an, und sie dienen
nicht sowohl dazu, um bei der Paarung den Penis des Männchens zu
umklammern, wie der Verf. es annimmt, als augenscheinlich in den
meisten Fällen, besonders da, w^o sie auch wde Taster gebildet sind,
ihrer ganzen Stellung und Form nach, als Tastorgane, um beim Eier-
legen die geeigneten Stellen zum Anbringen des Eies zu ermitteln.
Die folgenden Abschnitte des Werkes, in w^elchen der innere
Bau der weiblichen Geschlechtstheile geschildert ist, enthalten einen
Reichthum trefflicher Beobachtungen , von denen w^ir nur einzelne
hervorheben. Die Eierstöcke unterscheidet der Verf. ihrer Form
nach in solche mit unterständigem, centralem und seitlichem
Keimkelch, je nachdem die Eierstöcke 1. in das vordere Ende des
Eierkelchs, oder 2. von der äusseren und inneren Seite oder von
allen Seiten, oder 3. nur von einer Seite in denselben münden. —
Zur ersten Form gehören a. die büschligen Eierstöcke, die bei
den Käfern die gewöhnlichen sind; b. die gezweiten Eierstöcke
(o. geminata) die den Rüsselkäfern mit Einschluss der Borkenkäfer,
mit Ausschluss aber der Brüchen und Anthriben eigenthümlich sind;
c. die ästigen Eierstöcke, welche sieh hauptsächlich bei den Elateren
finden. — Die zweite Form enthält a. die trauben förmigen Eier-
stöcke, welche bei einigen Hydrophilinen und Cyphonen, sowie bei
den Lampyriden, Telephoriden und Meloiden vorkommen und b. die
zweizeiligen Eierstöcke (o. disticha), welche der Verf. bei Hy-
drobius fuscipes und Oedemera virescens beobachtete. Die dritte
Form enthält a. die kämm förmigen Eierstöcke, welche unter den
Staphyliniern bei den Steninen , Oxytelinen und Aleocharinen, ferner
bei einigen Silphalen und Hydrophilinen vorkommen, und b. den
unpaaren doppelt-kammfÖrmigen Eierstock aus einem ein-
zigen, in der Mittellinie des Hinterleibs gelegenen weiten, sackför-
migen Eierkelche bestehend , der auf beiden Seiten mit kammförmig
gestellten Eierröhren besetzt ist, und sich nach hinten in einen ge-
raden Schlauch fortsetzt j dessen vordere Abtheilung Eiergang und
Naturgeschichte der Insecten während des Jahres 1847. 63
dessen hintere muskulöse Abtheilung Scheide ist. Diese merkwürdige
Bildung eines unpaaren Eierstocks traf der Verf. bei einer Tricho-
pteryx, bei Homalota aterrima, bei Myrmedonia canaliculata und am
deutlichsten bei Dianous coerulescens. — In dem Capitel „von den
Verrichtungen der Begattungsorgane " beseitigt der Verf eine durch
Audouin begründete irrthümliche Meinung, dass nämlich der Penis
nach der Begattung abreisse und in der Begattungstasche zurück-
bleibe, indem er zeigt, dass die Hülle der als solcher beurtheilten,
Samenmasse enthaltenden Körper structurlos und nichts als die nach
kurzem Verweilen in der Begattungstasche erhärtete Corticalschicht
derdurch die Begattung eingebrachten Samenmasse sei. Es sind diese
Körper also Spermatophoren vergleichbar. — Zum Schluss hat der
Verf. eine üebersicht über die Formen der Befruchtungsorgane und
accessorischen Drüsen in den einzelnen Käferfamilien gegeben, und
dabei die Familien diesen Untersuchungen gemäss geordnet, welche
freilich für die natürliche Systematik manche Winke enthalten; es
würde aber keine Eintheilung künstlicher ausfallen, als die, welche
auf den Verschiedenheiten in der Bildung gerade dieser Theile beruhte.
Das Studium fossiler Coleopteren hat Heer in tiefere
Untersuchungen über den Aderverlauf der Flügel und die
Sculptur der Flügeldecken geführt, und es ist ihm gelungen,
die Hauptregel aufzufinden, nach welcher die Vertheilung der
Adern auf den Flügeln und der Streifen und Rippen auf den
Flügeldecken Statt findet. Der Verf. hat daher in seinem
oben erwähnten Werke ,,die Insecteufauna der Tertiärgebilde
von Oeningen und von Radoboj, 1 Tbl." (S. 75 — 94) diesen
Gegenstand ausführlicher erörtert, um sowohl zu einem Ver-
ständniss dieser Verhältnisse zu führen, als auch durch Be-
gründung einer schärferen Terminologie die Darstellung der-
selben zu erleichtern.
I. Adern der Flügel. Bei den Käfern finden sich normal
sechs Hauptadern (Rippen oder Nerven), welche vom Grunde des
Flügels entspringen. Beim Maikäfer z. B. liegen drei derselben am
Vorderrande, die erste bildet den Vorderrand selbst, die zweite ist
nur am Grunde etwas von der ersten entfernt, und vereinigt sich bald
mit ihr; die dritte entfernt sich anfangs etwas von der zweiten, läuft
aber bald im Bogen auf die Randrippe zu, und geht mit ihr vereinigt
bis zum Flügelmal, wo sie einen kurzen rücklaufenden Ast aussendet
und hinter dem Flügelgelenk sich von dem Rande entfernt, um vor
der Spitze gegen denselben auszulaufen. Die dritte und vierte Ader,
beide mehrfach verästelt, laufen durch die Mitte des Flügels, und
enden am Hinterrande desselben. Hinter der 5ten liegt noch eine
sechste Ader: sie ist kurz und entsendet vom Grunde zwei ganz.
54 Erichson: Bericht über die wissensch. Leistungen in der
schwache, sich bald verlierende Aestchen. Diese sechs Hauptadern
liegen nicht nur dem Flügelgeäder der Käfer, sondern auch der an-
dern Insecten zum Grunde, nur dass die zweite Ader häufig sich sehr
enge an die erste anschliesst oder auch ganz zu fehlen scheint. In
der Benennung dieser Adern ist der Verf. so weit als möglich Kirby
gefolgt, und bezeichnet die erste Ader: Vena marginalis (Rand-
ader), die zweite: Vena mediastina (Nebenrandader), die
dritte: Vena scapularis (Schulte.rader), weil sie auch in den
Fällen, wo sie nach der inneren Fläche der Flügel verläuft, wie bei
den Käferflügeldecken, von der Schulter entspringt, und die Ausdrücke
„postCosta" und „subcosta" für sie unpassend sind ; die vierte: Vena
externo-media (äussere Mittelader) , die fünfte: Venain-
terno-media (innere Mitte lad er), die sechste: Vena analis
(Hinterader). — Hiernach sind auch die Flügelfelder zu bestim-
men, deren im ganzen sieben sind, da ausserdem, dass je zwei Adern
ein Feld einschliessen, auch ausserhalb der Randader noch häufig
ein kleines Flügelstück und ganz allgemein ein solches ausserhalb
der Hinterader, oder zwischen dieser und einem Ast derselben sich
vorfindet. Das erste Feld zwischen der Randader und Nebenrandader
bildet die Area marginalis (Randfeld), und wenn ein solches
noch ausserhalb der Randader liegt, die Area extramarginalis;
das Feld zwischen der Vena mediastina und scapularis die Area
scapularis; das Feld zwischen V. scapularis und externo-media
die Area externo-media (äusseres Mittelfeld), dasjenige zwischen
der V. externo-media und interno-media die Area interno-media
(inneres Mittelfeld); das Feld zwischen der V. interno-media
und analis die Area analis (Hinterfeld) und wenn ein solches noch
ausserhalb der V. analis liegt, die Area extraanalis. W^enn die
Hinterader einen Ast aussendet, der zwischen der Hinterader und
der V. interno-media verläuft, nennt der Verf. das Feld zwischen
der Hinterader und dem Ast: Area interno-analis, das Feld
zwischen dem Ast und der V. interno-media: Area externo- ana-
lis. Die Eintheilung stimmt mit der bisher angenommenen in den
Hauptpunkten überein, nur dass die Area scapularis vom Randfelde
nicht unterschieden, und beide Mittelfelder zusammengenommen wur-
den. Da der Flügelabschnitt vor dem Flügelmal häufig anders gestal-
tete Felder besitzt, müsste auch hierauf Rücksicht genommen wer-
den. Der Verf. theilt demnach die Felder wieder in zwei Stücke,
von denen das eine vom Grunde des Flügels bis zum Flügelmal oder
den rücklaufenden Aesten, wenn dergleichen sich vorfinden, das an-
dere von da bis zur Spitze sich erstreckt; das letztere nennt der
Verf. Spitzenfeld, das erstere Schulterfeld*). So ist z.B. beim Mai-
*) Diese Bezeichnung „Schulterfeld" scheint mir deshalb ganz
unpassend, weil Area scapularis nicht wohl anders als Schulterfeld
übersetzt werden kann; man müsste im Gegensatz zum Spitzenfelde
Naturgeschichte der Insecten während des Jahres 1847. 55
käfer das Schulterfeld der Area srapularis sehr klein, das Spitzenfeld
dagegen ziemlich gross; das Schulterstück des äusseren Mittelfeldes
gross, das Spitzenstück kleiner und durch den Ast der Vena externo-
media in zwei Hälften getheilt.
Es hält nicht schwer die bezeichneten sechs Flügeladern bei
einer grossen Zahl von Käfern aufzufinden, obgleich in ihrem Verlauf
und ihrer Verästelung eine grosse Mannigfaltigkeit stattfindet, welche
mit der Art, wie die Flügel gefaltet werden, in Beziehung steht. Bei
den meisten Flügeln ist ein kleines Stück an der inneren Seite der
Flügelwurzel umgelegt, jedoch häufig nicht die ganze Area analis,
sondern nur ein kleines Stück derselben, die Area interno- analis.
Die übrigen Theile des Flügels sind anders gefaltet, je nachdem die
Faltung desselben eine querläufige oder gegenläufige ist. Beim
Maikäfer, wo die quer läufige Faltung in den einfachsten Verhält-
nissen vorkommt, bildet sich eine concave Falte längs des apicalen
auslaufenden Astes der V. externo- media und eine convexe Falte
vom Gelenke der V. externo-media nach dem Innenrande des Flügels.
Ferner verläuft eine concave Falte neben dem rücklaufenden Ast der
V» externo-media. Beim Zusammenlegen der Flügel wird nun die
V. externo-media der Randader genähert und dadurch eben diese
Längsfalte in der Area externo-media gebildet, wodurch dieses Feld
verschmälert wird; das Spitzenstück der Area externo-media wird
der ganzen Länge nach zusammengelegt, indem der Spitzentheil der
Randader sich am Gelenk stark nach innen krümmt, so stark, dass
dieser Theil der Ader nun einen spitzigen Winkel bildet mit dem
Wurzeltheil der Randader. Ueberdies ist aber auch dieser in der
Nähe des Gelenkes nach innen gekrümmt, welche Krümmung dadurch
möglich gemacht wird, dass die Randader dicht quer- gekerbt und
wie aus Ringen gebildet erscheint. Somit ist beim gefalteten Flügel
das äussere Stück der Area analis umgeschlagen, das äussere Mittel-
feld der Länge nach theilweise zusammengelegt und der Spitzentheil
des Mittelfeldes und des Scapularfeldes eingeschlagen, welche Ein-
faltung auch noch einen Theil des inneren Mittelfeldes in Anspruch
nimmt, indem sie bis zum abgekürzten Ast desselben reicht, welcher
hier dieser Einfaltung Gränzen setzt, während sonst Läufig die Ein-
faltung nur bis zum Spitzentheil der äusseren Mittelader geht, welche
den Zweck hat, die Faltung zu reguliren. Bei den Melolonthen neh-
men also der grösste Theil des inneren Mittelfeldes und die Area
externo-analis an diesen Faltungen keinen Theil. — Bei der Mehr-
zahl der querläufigen Flügel findet sich wohl diese Art der Faltung,
welche fast ausschliesslich das äussere Mittelfeld beschlägt. Darum
„Grund-" oder „W^urzelfeld" sagen. Da es auch Anstoss geben
möchte, wenn man vom Felde des Feldes spricht, scheint es mir
auch zweckmässiger, wenn man diese Abschnitte als Wurzeltheil
und Spitzentheil bezeichnet, — Ref.
Archiv f. Naiurgcsch. XIV. Jahrg. 2. ßd. E
CG Erichson: Bericht über die wissensch. Leistungen in der
laufen denn die Vena soapularis und V. externo -media am Grunde
zusammen, liegen da auf einander; darum haben sie Gelenkbildung
und dort rücklaufende Aeste, welche an der Stelle den Flügel ver-
stärken, wo der Spitzentheil eingefaltet werden soll, während den
weiter nach innen liegenden Adern Gelenkbildung und rücklaufende
Aeste fehlen. Bei den Flügeln, die doppelt und mehrfach gefaltet
sind, weicht der Aderverlauf bedeutend von dem angegebenen ab.
So finden sich bei Silpha, wo die Flügel doppelt gefaltet sind, zwei
ziemlich starke Randadern, die V. marginalis und scapularis, welche
etwas vor der Flügelmitte zwar ein Gelenk abef keinen rücklaufen-
den Ast hat; dieser Ast fehlt auch der V. externo -media, wogegen
sie sich in zwei nach dem Innenrande laufende Aeste gabelt; die V.
interno -media und analis sind ganz einfach und unverästelt. Beim
Zusammenlegen faltet sich das äussere Mittelfeld der Länge nach
ein, und der Flügel biegt sich in den Gelenken so stark nach innen
zu und bildet eine so grosse Falte, dass die beiden Aeste der V.
externo -media in die Tiefe der Falte zu liegen kommen, so dass
also auch das innere Mittelfeld an dieser Querfaltung Theil nimmt;
überdies ist dann noch die Flügelspitze umgebogen. Eine ähnliche
Faltung haben wir bei den Staphylinen: hier sind die V. marginalis
und scapularis zu einem Bändchen vereinigt, welches etwa bei ^ der
Flügellänge ein Gelenk, und weiter gegen die Flügelspitze, neben
dem Gelenk ein Flügelmal zeigt; die V. externo -media verhält sich
ganz wie bei den Sylphen, die V. interno -media dagegen ist nur
schwach angedeutet oder fehlt ganz. Die Silphen und Staphylinen,
welche auch sonst einander so nahe verwandt sind, stimmen also im
Aderverlauf der Flügel grossentheils, wie auch in der Fliigelfaltung
überein, w^as um so mehr zu berücksichtigen ist, als die Flügel der
Silphen nicht um abgekürzter Flügeldecken willen dreifach zusammen-
gelegt sind.
Unter den Käfern mit gegenläufiger Faltung, wo die Flügel zwei-
mal quergebrochen und in drei Stücke zerfallen, von denen das zweite
unter das erste und das dritte wieder unter das zweite gelegt ist,
findet sich bei manchen Gattungen keine Einfaltung ( Trichopteryx,
Catops, Scaphidium), bei anderen zeigt das zweite Stück eine solche;
namentlich bei den Rüsselkäfern. Hier (bei Calandra palmarum)
läuft eine concave Falte längs der Vena scapularis, eine convexe
Falte längs des äusseren Astes der V. externo -media bis vor die
Mitte desselben: von da gehen 3 Falten aus; eine convexe nach der
V. scapularis, und zwar nach der zweiten Bruchstelle derselben, die
zweite ebenfalls convexe fällt auf den inneren Rand, die dritte con-
cave läuft auch nach dem inneren Rande, aber in schiefer Richtung,
gegen die Flügelwurzel gewendet.
Eine dritte Klasse von Flügeln, die geradläufigen Flügel, —
welche nicht gebrochen und nicht mit Querfalten versehen sind, wo
also auch die .Adern keine Gelenke zeigen, und wenn Faltungen vor-
Naturgeschichte der Insecten Mährend des Jahres 1847. 67
kommen, es mit Ausnahme der Analfalte nur Längsfalten sind, —
ist an den Buprestiden erläutert. Hier findet sich, da die V. margi-
nalis und scapularis dicht an einander liegen, die V. mediastina aber
fehlt, kein Randfeld, ein verhaltnissmässig ziemlich schmales äusse-
res Mittelfeld, ein grosses inneres Mittelfeld, welches den grössten
Theil des Flügels einnimmt und daher noch Aeste von der Mittelader
enthält; ein verhaltnissmässig ziemlich ansehnliches Hinterfeld, das
durch einen Ast in zwei Parthien getrennt ist, von denen die äussere
aber ganz schmal ist. Im Ruhestande ist nun das innere Hinterfeld
umgeschlagen; das äussere Mittelfeld zeigt eine schwache concave
Längsfalte, so dass die äussere Mittelader sich dem Rande nähert,
tiefer ist die Falte in dem Spitzentheil des Mittelfeldes, daher der
Flügel bei den rücklaufenden Aesten sich etwas nach innen biegt,
um unter die dort sich verschmälernden Flügeldecken gebracht zu
werden. Es reicht diese Falte bis zum Spitzentheil der Vena externo-
media, welche diese Faltung regelt. Es ist also hier der Spitzentheil
der Randader, von dem rücklaufenden Ast an, im Ruhestande auch
etwas nach innen gebogen, aber bei M-eitem nicht so stark wie bei
den querläufigen Flügeln; und zwar wird diese stärkere Einbiegung
gehindert theils durch den Mangel der Gelenke an den Randrippen,
theils durch die Richtung des Spitzentheils der äusseren Mittelader,
an welcher die Flügelfalte sich bricht, und die nicht weit von der
Flügelspitze entfernt ausmündet. Das grosse innere Mittelfeld zeigt
keine Faltung, mit Ausnahme einer ganz kurzen, jedoch ziemlich
tiefen, concaven, am Grunde des Feldes.
II. Sculptur der Flügeldecken. „Der Aderverlauf der häu-
tigen Flügel giebt uns den Schlüssel zur Auffindung der Gesetze, nach
welchen die Rippen, Streifen und Punktreihen auf den Flügeldecken
vertheilt sind. Untersuchen wir die Flügeldecken des Maikäfers,
oder eines Rhizotrogus oder des Nashornkäfers, so werden wir vier
Rippen bemerken, welche vom Grunde der Decke nach der Spitze
herablaufen, wir werden aber weiter eine Leiste längs der Näht und
ferner einen verstärkten Aussenrand finden. ^Vir bekommen darnach
sechs Rippen, eine am Nahtrande, eine am Aussenrande und vier
auf der Flügelfläche dazwischen. Weiter werden wir, wenn Mir die
Decke nach dem Lichte halten, uns leicht überzeugen, dass diese
Rippen von einem Kanal durchzogen sind , also Adern darstellen,
wie die Rippen auf den Hautflügeln, welche zur Blutbewegung die-
nen*). Wir bekommen somit auch bei den Flügeldecken, gerade
*) Untersucht man eine so durchsichtige Flügeldecke, M"ie die
des Rhizotrogus solstialis unter dem Microscop, so sieht man sehr
schön, dass jede Rippe nicht ein Blutgefäss, sondern ein Luftge-
fäss enthält, in der Rippe geschlängelt herabläuft, und überall kleine
Seitenäste abgiebt. Diese sind, gleich denen im Innern des Körpers,
mit blasigen Erweiterungen, die Tracheen selbst aber mit dem Spi-
E*
()8 Erichs on: Bericht über die -svissensch, Leistungen in der
wie bei den Hautflügehi, sechs Hauptadern, weiche vom Grunde der
Flügeldecke auslaufen. Den Aussenrand bildet also die Vena margi-
nalis, auf sie folgt eine Rippe, welche unmittelbar neben ihr inserirt
ist, und nahe neben ihr und mit ihr parallel gegen die Deckenspitze
hinabläuft, dies die Vena mediastina; an sie lehnt sich am Grunde
die dritte Rippe an, die sich dann bald von derselben entfernt, indem
sie sich stärker nach innen biegt, sich aber vor ihrem Auslaufe der-
selben wieder nähert; dies die Vena scapularis; die vierte Rippe ist
schon am Grunde von der dritten entfernt, verläuft aber mit ihr pa-
rallel (dies ist die V. externo- media) und ebenso die fünfte Rippe
(die V. interno-media). — Die Nahtrippe entspricht der Vena analis.
Danach haben wir also die Rippen zu bezeichnen als Costa margi-
iialis (Randrippe), C. mediastina (Nebenrandrippe), C. scapularis
(Schulterrippe), C. externo-media (äussere Mittelrippe), C. interno-
media (innere Mittelrippe) und Costa suturalis (Nahtrippe). Zwischen
diesen Rippen haben ^wir Felder, die auf dieselbe Weise zu bezeich-
nen sind wie die Felder der Hautflügel; wir erhalten somit eine Area
marginalis, A. scapularis, A. externo-media, A. interno-media und
A. suturalis. — Nicht selten haben wir noch eine kleine Rippe bei
der Schildchenecke, welche als Ast der Costa suturalis zu betrachten
ist und ein kleines Feldchen abgränzt, das wir Areola scutellaris
(Schildchenfeld) nennen wollen und die Rippe die es abgränzt, Costa
scutellaris. Bei den gerippten Flügeldecken haben wir sehr häufig
diese genannten 4, oder mit zwei Rippen, welche den inneren und
äusseren Rand einfassen, 6 Rippen, welche also den Adern entspre-
chen, die auf den Flügeldecken sich gleichmässiger vertheilen, weil
sie hier nicht so verschiedenartige Bestimmung erhalten haben, wie
bei den Hautflügeln, wo sie in so naher Beziehung zur Flügelfaltung
(und auch Flügelstellung) beim Fluge stehen. Doch verdient es sehr
der Beachtung, dass auch hier die V. marginalis, mediastina und
scapularis unmittelbar neben einander entspringen. Zwischen der V.
externo-media und dem Aussenrande haben wir am Grunde der Flü-
geldecke häufig eine beulenartige Auftreibung (bulla humeralis» Schul-
terbeule), und in ihrer Nähe, aber zwischen V. mediastina und mar-
ginalis eine kleinere, welche mit dem Phialum Kirby's in Verbindung
steht (bulla phialina, Säckchenbeule). Wir haben nämlich auf der
Innenfläche der Decken bei der Schulter ein kleines häutiges Säck-
chen, das sich zeitenweise mit Flüssigkeit anfüllt. Um diesem mehr
Raum zu geben, ist die Flügeldecke auch auf der Oberseite zuweilen
etwas aufgetrieben. — Bei vielen Käfern haben wir aber nur drei
Rippen auf der Fläche der Flügeldecke: hier ist die Costa media-
ralfaden versehen. Dies scheint bei den Luftgefässen in den Flügel-
decken allgemein der Fall zu sein, auch scheint es die Regel zu
sein, dass sechs Luftröhrenstämme in den Flügeldecken der Käfer
von der Wurzel gegen die Spitze hin verlaufen. Ref.
Naturgeschichte der Insecten während des Jahres 1847. 69
stina verwischt, z. B. bei Peltis; und nicht selten wird man auf der
^Oberseite, oder doch auf der Innenfläche der Decken noch Andeu-
tungen der Vena mediastina finden, so z. B. bei Carabus auratus;
bei andern scheint sie aber wirklich zu fehlen, wie. bei den eigent-
lichen Prionen. — Wo wir mehr als vier Kippen haben, sind es
Kanten, die den Mittelfeldern oder auch der Area scapularis ange-
hören, wovon man sich aus der Art ihres Verlaufes überzeugen kann."
Mit diesen Rippen auf den Decken stehen nun die Streifen und
Punktreihen in nächster Beziehung. Es sind nämlich die Rip-
pen in der Regel von solchen Streifen oder Punktreihen
eingefasst; sie begrenzen die Rippen gegen die Felder.
— Wir haben eine Punktreihe längs der Nahtrippe und eben eine
solche längs des Aussenrandes ; ferner 2 für jede Rippe, welche sie
einfassen. Im Ganzen erhalten wir somit 10 Punktreihen. Damit
haben wir dann den Grund gefunden, w^arum so häufig auf der Käfer-
tlügeldecke 10 Streifen oder Punktreihen vorkonmnen, welche Zahl
wir also als die normale anzunehmen haben.*) Acht entsprechen
somit den vier auf der Flügeldeckenfläche verlaufenden Adern, eine
der Randrippe, und eine der Nahtrippe. Diese können nur durch
einen Streifen begränzt werden, weil sie auf der anderen Seite frei
liegen. Da wir bei den nur punktirten oder gestreiften Flügeldecken
nicht wohl von Rippen reden können, müssen wir zur Bezeichnung
der denselben entsprechenden Regionen einen anderen Ausdruck wäh-
len. Ich nenne sie Striemen (plagae), wir erhalten somit eine
Plaga marginalis, scapularis, externo- und interno-media und PI. su-
tur^lis, und dazwischen die entsprechenden Felder mit denselben
Namen wie bei den Hautflügeln."
Da sich nicht bei allen gestreiften Flügeldecken 10 Streifen
finden, versucht der Verf. nachzuweisen, wie diese anderen Zahlen-
vcrhältnisse zu erklären sind. Es giebt häufig weniger als 10, es
giebt namentlich ganze Familien, bei denen vorherrschend Streifen
oder Punktreihen sich finden, als die Carabicen, Elateriden, Helopiden
u. a. Hier schliesst die Plaga mediastina sich so enge an die Rand-
ader, dass das Feld dazwischen fehlt, und nur eine Linie, ein Streif
sie trennt. — Sind nur acht Streifen da, so sind die beiden Streifen
*) Wie richtig der Verf. die Streifenbildung der Flügeldecken
aufgefasst hat, zeigen die Flügeldecken des Agriotes gilvellus Ziegl.,
den ich in dieser Beziehung untersuchte. Hier enthalten nämlich
die Zwischenräume der Streifen einer um den andern einen LuftrÖh-
renstamm, und zwar liegt einer an der Naht, je einer im 2teii , (zwi-
schen dem 2ten und 3ten Streif), 4ten, 6ten und 8ten Zwischenraum,
und einer am Aussenrande. Ebenso finde ich es bei den meisten
Käfern, deren durchsichtige Flügeldecken eine solche Untersuchung
erlauben. Die Luftröhrenstämme haben also bei einfach punktirt-
gestreiften Flügeldecken gleichen Verlauf wie bei den Melolonthen.
70 Erichs on: Bericht über die wissensch. Leistungen in der
der Plaga mediastina verwischt. — Seltener sind die Fälle, wo die
Zahl der Streifen grösser ist als 10. Hier wird die grössere Zahl
dadurch hervorgebracht, dass auf den Feldern oder Striemen oder
auf beiden zugleich Streifen oder Punktreihen stehen, entweder ein-
zelne oder mehrere. Der Verf. giebt zwei Mittel an, die wirklichen
Striemen und Felder heraus zu finden, nämlich die Untersuchung der
Innenfläche der Decken und die sorgfältige Beachtung des Auslaufes*).
So findet man beim Procrustes coriaceus, der auf der Oberfläche
keine Streifen zeigt, auf der Innenfläche die vier Adern; und beim
Calosoma, wo jede Flügeldecke 18 Streifen hat, erkennt man die
beiden Mittelfelder am Auslauf der Streifen. Auch ist noch zu be-
merken, dass der umgeschlagene Aussenrand der Flügeldecken nicht
immer von der Costa oder Plaga marginalis allein gebildet wird,
sondern, wie bei Scaurus, Onthophagus, Ateuchus, die Costa me-
diastina oder einige Streifen auf denselben zu stehen kommen.
üeber den Blutumlauf in den Flügeldecken der Käfer hat
Nico] et eine Beobachtung mitgetheilt (Note sur la circulation
du sang chez les Coleopteres; Ann. des scienc. nat. VII. S. 60.
Schieid. u. Fror. Notiz III. S. 323).
Die Beobachtung wurde an Coccinella bipunctata angestellt.
Wenn man eine Flügeldecke aufhebt, sieht man selbst unter schwacher
Vergrösserung eine Molecularbewegung, allerdings wenig bemerkbar,
wenn man aber mittelst eines Heliostaten helles Licht durchfallen
lässt, ganz deutlich. Die Bewegung ist nicht unbestimmt, wie die
Brown'sche Molecularbewegung, sondern gleichmässig und anhaltend.
Ist einmal die Aufmerksamkeit darauf gelenkt, so sieht man im In-
nern der Aussenrippe einen starken Strom von der Wurzel nach der
Spitze, anfangs zusammenhaltend, dann bald in kleinen Seitenströmen
sich ausbreitend, welche in zahlreichen Krümmungen über die ganze
Fläche der Flügeldecken verbreitet, an der Spitze sich in mehrere
Aeste theilt, welche sich an der Naht zu einem Längsstrom vereini-
gen, der das Blut in den Körper zurückführt.
Bach, Vollständiger Wegweiser zum Studium der Käfer,
erstes Bändchen, Allgemeine Käferkunde, Coblenz, 1847, ist
mir nicht zu Gesicht gekommen.
Von Faunen wurden fortgesetzt:
Küster's „Die Käfer Europa's, nach der Natur be-
schrieben" mit dem 8 — Uten Hefte.
*) Ein drittes und zwar das wichtigste Mittel wird die Berück-
sichtigung des Verlaufes, der Luftröhrenstämme bieten.
Naturgeschichte der Insecten während des Jahres 1847. 71
Sturm 's „Deutschlands Fauna in Abbildungen nacli der
Natur mit Beschreibungen, V^. Abth. Käfer", mit dem 19ten
Bändchen.
Des Ref. ,, Naturgeschichte der Insecten Deutschlands.
1. Abth. Coleoptera, mit der 4ten u. 5ten Lief, des 3ten Bandes.
Ein neues Unternehmen ist Ludw. Red tenbach er's
„Fauna Austriaca. Die Käfer nach der analytischen Methode
bearbeitet", von welcher im vorigen Jahre das erste Heft aus-
gegeben wurde. Dasselbe enthält die Tabellen zur Bestimmung
der Familien, der Gattungen und den Anfang der Tabellen zu
Bestimmung der Arten. Eine verdienstvolle Arbeit, welche
besonders Anfängern grosse Dienste zu leisten im Stande ist.
Eine Uebersicht über die Käfer Tyrols hat Rosenhauer
nach den Ergebnissen von vier Reisen , mit besonderer Be-
rücksichtigung des Vorkommens und der Verbreitung mitge-
theilt (Beitr. zur Insect.-Faun. Europ. 1. S. 67).
Diese Arbeit ist sowohl an sich, als durch die beigefügten Be-
merkungen von grossem Interesse. Es sind im Ganzen 2137 Arten
aufgeführt, unter denen die Carabici über den löten, die Rüsselkäfer
sogar den 7ten Theil ausmachen.
Eine lehrreiche Abhandlung über die Verbreitung der
Käfer in Piemont hat Ghi.liani geliefert (Memoire sur la
Station de quelques Coleopteres dans les differentes regions
du Piemont. Ann. d. 1. Soc. Ent. d. Fr. S. 83).
Das Gebiet von Piemont bietet durch seine Lage eine grosse
Mannigfaltigkeit des Klimas, der Bodenbeschaffenheit und der Vege-
tation dar, und dadurch ist ein grosser Reichthum in entomologi-
scher Hinsicht bedingt. Ziemlich in der Mitte von Piemont wird
durch die Erhebung des Tertiärbodens eine Gruppe von Hügeln ge-
bildet, welchen sich an der Nordwestseite die Stadt Turin anlegt.
Hier breitet sich in Hufeisenform eine grosse Ebene aus, welche
sich von Süd nach Nord erstreckt, und sich dann nach der Richtung:
des Laufes des Po nach Ost und Südost wendet, und gleich diesem
in die Lombardei ausgeht. Nur die Südseite des Mittelknotens,
welche grossentheils aus den Hügeln des Montferrat besteht, hängt
durch eine Hügelkette mit dem Ligurischen Apennin zusammen. Mit
dem genuesischen Apennin fängt die grosse Kette der piemontesischen
Gebirge an, welche einen gegen die Lombardei offenen Halbkreis
bilden. Vom Monte Schiavo, nördlich von der Stadt Albenga am
Mittelmeer, nach \Vest und Nordwest gerichtet erstrecken sich die
72 Erichson: Bericht über die \vissensch. Leistungen in der
Meeralpen bis zum Mont-Viso, von hier in nördlicher Richtung
fortgesetzt reichen die Cottinischen Alpen bis zum Mont Iseran;
die weitere Fortsetzung nach Norden bilden die Griechischen
Alpen bis zum Mont-Blanc, dann nach Osten gewandt bis zum
Monte-Rosa heissen sie die Penninischen Alpen, von da bis in
die Lombardei die Helvetischen Alpen. — Sämmtliche Alpen
theilt der Verf. in folgende vier Zonen: 1. Zone der Kastanien, von
350— 950m ü.M., 2. Buchenregion 950-1600^, 3. Region derConiferen,
1600— 2100m, 4, Region der Alpenweiden , von 2100— 2600'". Darüber
hinaus finden sich in der Mitte des Sommers zwar noch einzelne In-
secten, aber von denen der darunterliegenden Zone nicht verschieden.
Westliche Ebene (mittlere Höhe 250™. Während des ganzen
Jahres),
Cicindela lugdune7isis , Scarites arenarius Bon., Clivina bimacu-
lata Bon., Carahus italicus Dej., Epomis circumscripttis , Fristony-
chus vemistus, Abax oblongvs Dej., Gynandromorpims etruscus,
Emus brunnipeSy Capnodis tenebrionis ^ Cardiophorus bi'gut latus,
Colophotia pedemontana Bon , Cantharis femoralis Ziegl. , Ptinus
regalis, Georyssus striatus und sulcatus Dej., Oniticellus pallipes^
Omaloplia sericans Seh., Hoplia nuda^ Anthypna abdominalis , Lei-
chenum pictum^ Heterophaga chrysomelina ^ Änthicus basalis Villa,
Meloe cicatricosus Leach, Cerocoma Schreberi ^ Zonitis praeusta und
^punctata, Sitaris thoracica Dej., Jpoderes morio Bon., Brachyu-
rus lutosus Seh., Hylobius fatuus , Tychius centromacidatus Villa,
Baris analis Ol., Ceuthorhynchus mirabilis Villa, Deroplia Geriet
Chev., (Stefiosoma E^oudrasiMuls.), Leptura distig?na Chavp., Gram-
moptera varians Meg. , Ädimonia aptera Bon., Malacosoma liisita-
nica Ol., Timarcha italica Dej., Chrysomela Rossia^ Helodes mar.
ginella, Coccinella speculuris Y^ow. {z=impustulatayav.l)^ Chennium
bitubercidatum ^ Ctenistes palpalis.
Oestliche Ebene. (Mittlere Höhe 150™. — In der schönen
Jahreszeit).
Zuphium olens , Paederus melanurus Gene, Denops personatus,
Rhixotrogus ricinus Dej., Epicauta verticalis, Tliylacites frltillum
Panz. , Dasycerus echinatus Gene.
Nördlicher Theil des Hügellandes. (Mittlere Höhe 450™,
die Gipfel etwa 720™. Zu allen Jahreszeiten).
Lebia cyathigera^ Ditomus calydouius^ D. sulcatus, Cychrus
Italicus, Carabus Rossii, Emus fähiger, Acmaeodera pedemontana
Dej. {sexpustulata Gory), A, pilosellae Bon., Anthaxia Spinolae
Gory, Cerophytum elateroides, Homalisus sanguinipennis Dej.?,
Ochina sanguinicollis , Bubas bison, Hoplia praticola, Trichius gal-
licus Dej., abdominalis Dej., Acanthopus caraboides , Helops picipes
Bon., Molytes baiulus, Otiorhynchus armadillo , pulverulentus , Apate
hispinosa, Hamaticherus milesy CalUdium rufipes, humerale, thora-
cicum Dej., abdominale , Stenopterus cyaneus F. ( 9 Necyd. varia-
Naturgeschichte der Insecten während des Jahres 1847. 73
Ulis Bon.), Parmeiia unifasciata, Leptura rufa Dej., Homalopns
Loreyi Dej.
Südlicher Theil des Hügellandes. Mittlere Höhe 400i"-
In der schönen Jahreszeit.
Calosorna indagator ^ Tterostichus parumpunctatiis , Tillus uni-
fasciatusy EnopUuni serraticorne^ Attagenus trifasciatus ^ Ateuchus
pi'us mit laticollis, Rhipiphorus bimaculatus , Apalus binotatus? Dej.,
Otiorhynchus sulfurifer? ^ Cossojius cylindricus , Psoa italica Dej.,
Dorcadium italicum Dej., Vesperus strepens , Leptura uuipunctata^
Letna paracenthesis Ol. {Crioc. cruciata Bon.).
Ligurischer Apennin. 1. Zone 350— 950"!. Im Juni.
Cicindela flexuosa, Nebria tibialis Bon., Cantliaris nigricornis
Meg., Adimonia brevipennis.
2te Zone, 950— 1600™. A?'gutor apetininus Gene, Emus italicus
Gene, Smaragdina concolor ^ Cryptocephalus Gmacuiattis.
3te Zone 1600-— 2100°!. Carahus Solieri, Emus tricinctus Gene,
Cantharis italica Dej., Otiorhynchus caudatns , Chrysomela Genei
Dej., Oreina ignita Villa. (Die 4te Zone fehlt in diesem Theil des
nördl. Apennin.
Meeralpen. 1. Zone 350— 950^. Im Juni, Juli und September.
Carabus catenulatus, Geotrupes hypocrita^ Rhynchites praeustus
Peyr.
2te Zone 950—1600™. Aptitius alpinus Dej., Pterostichiis Du-
ratii Villa, bicolor Peyr., Stomis rostratus.
3te Zone 1600— 2100in- Cymindis homagrica^ Nebria Lafrenayi
(gagates Bon. Obs.), Platytms Peyrolerii Gene, Plerostichus dila-
tatus Villa, Helops laticollis Dej., Otiorhynchus fuscipes Ol. (pede-
mo7itanus Dej.), Oreina senecionis.
4te Zone 2100 — 2600^. Nebria laticollis Bon., Dytiscus lappo-
m'cus.
Cottinische Alpen. 1. Zone 350 — 950™. — Im Juni, Juli,
August und September.
Nogrus griseus j Colophotia lusitanica Charp., Lagria tristis
Bon. {glabrata Ol.), Hesperophanes holosericeus ^' Anaetia Mühlfel-
da Dej.
2. Zone 950 — 1600^1. Cymindis humer alis ^ Cychrus angustatus^
Carabus glabratus , monticola Dej., cyajieus, Nebria Jockischii St.,
Licinus oblongus Dej., Pristonychus oblongus Dej., Platynus ery-
throcephalus Bassi, Pterostichus truncatus Bon., impressicollis Veyr.^
impressus Peyr., Ludius apicalis Dej., Asida Jurinei Sol., Mylabris
flexuosa OL, Dryops fetnorata F., CaUidium insubricum Ziegl.,
Auchenia melafiocephala Bon., Timarcha metallica, Oreina speciosa.
3. Zone 1600 — 2100™. Cymindis cingulata Zgl., melanocephala
Dej., Carabus mofiilis, alpi?ius Bon., depressus Bon. ^ Nebria nivalis^
Pterostichus Honnoratii , vagepunc latus y externepufictatus^ Yvanii^
Amara monticola Zim., Cantharis abdominalis F. ^ Melolontha albida
74 Er ich so n: Bericht über die M'issensch. Leistungen in der
Dej., Otiorhynchus obscurtis ÜUr. , Oreina coeruleo-tineaia Duft.?,
venusta Dej. {tristis Ol.).
4. Zone 2100 — 2600iii. Cicindela chloris^ Cymindis punctata^
Nebria angusticoUis y Podabrus alpinuSy Aphodius sericatuSy Geotru-
pes alpinus Dahl., Lina happonica.
Griechische Alpen. 1. Zone 350 — 950™, Im Juni and Sep-
tember.
Dictyopterus affinis ^ Onialisits suturalis, Bromius vitis.
2. Zone 950— 1600^. Steropus concinnus, Vterostichus rutilansy
Harpalus satyrus , Ludius aulicus ^ Tetratoma variegata Dej.
3. Zone 1600 — 2100m. Carabus auronitens^ gemmatus ^ Ptero-
stichus femoratiis.
4. Zone 2100—2600™. Carabus arvensis. Biet hisa multipunct ata ^
Silpha alpina, Lina coUaris.
Penninische Alpen. 1. Zone 350— 950™. Im Juni und Juli.
Mordella angustata Dej., Pachycerus varius Hbt.
2. Zone. Carabus Bonellii St., Pterostichus pingiiis^ Ahax ex-
cavatuSy Dasytes ruficollis Bon. (ined.) , Steniira aiirulenta, Oreina
gloriosa^ Coccinella Wiiotata Ol.
3. Zone. Cymindis axillaris, Carabus hortensis, sylvestris, Pla-
tysma maura, Pterostichus Panzert, Ludius rugosus, Crypticus al-
pinus Gene, Serropalpus barhatus^ Callidium undatum, Astynomus
atomarius, Pachyta lamed, !Lmaculata^ interrogationis , trifasciatOy
clathrata, strigilata, Oreina tristis.
4. Zone 2100— 2600™. Carahus Latreillei, Platysma graia, Pte-
rostichus cribratuSy metallicus . Cryptohypnus rivularis, Lepturu
virens, Oreina senecionis.
Helvetische Alpen. 1. Zone 350 — 9b0^. Im Juni und Juli.
Carabus cancellatus JH., Pterostichus transversalis , Acmaeodera
Feisthamelii Gory.
2. Zone 950 — 1600«^. Pterostichus fasciato-punctatuSy Oreina
cacaliae Sehr., Coccinella alpina Villa.
3. Zone 1600 — 2100'ii. Cymindis coadunata Dej., Cychrus an-
gustatus Dej., Abax ovalis, Necrophilus subterraneus , Helops con-
vexus Lass., Molytes cribrum Meg.
4. Zone 2100 — 2600"i. Cychrus cordicollis Chaud. {glacialis
Crist.), ISebria fossulata Lass., Pterostichus multipunctatus , Oreina
melanocephala Meg. {Peirolsri Bassi).
In dieser Aufzählung sind hauptsächlich die minder Terbreiteten
und deshalb für die Verbreitung bezeichnenderen Arten genannt.
Einen besonderen Werth haben die Verzeichnisse des Verf. noch
durch zahlreiche Beobachtungen über Vorkommen und Lebensweise
der aufgeführten Arten erhalten.
Ein „Verzeichniss der Käfer Preussens" ist von v. Sie-
bold mitgetheilt worden (N. Preuss. Provinz. Blatt. 111. Bd.
S.203. 350. 419).
Naturgeschichte der Insecten während des Jahres 1847. 75
Eine interessante Arbeit , welche künftigen Forschungen über die
Preussische Fauna eine tüchtige Grundlage bietet. Es sind hier 1768
Arten als in Ost- und Westpreussen einheimisch festgestellt, während
durch Kugelann und Jlliger nur 650 bekannt gemacht waren. Von
einem grossen Theile der letzteren ist das Vorkommen in Preussen
durch den Verf. u. And. bestättigt worden, 150 der Kugelann'schen
Arten sind aber in der neueren Zeit noch nicht wieder aufgefunden
worden, und ausserdem 10, welche Jlliger z. Th. schon als zweifel-
haft aufführte, »überhaupt räthselhaft geblieben.
„Verzeichniss der im Kolywano-Woskresenskischen Hüt-
tenbezirke Süd-West-Sibiriens beobachteten Käfer, mit Bemer-
kungen und Beschreibungen von Dr. Fr. Gebier (Bull. Mose.
XX. Bd. I. S. 263. II. S. 391).
Eine sehr gediegene Arbeit, welche unter den verschiedenen Bei-
trägen zur Fauna des Russischen Reichs eine der würdigsten Stellen
einnimmt. Der vorliegende Theil der Arbeit reicht bis zum Schluss
der Heteromeren.
Ausserdem finden sich beschrieben: Einige (angeblich)
neue britische Käfer von Hardy (Ann. of nat. bist. XIX.
S. 379). — Fünf neue Arten aus Spanien von Graells (Ann.
d. 1. Soc. Ent. d. Fr. S. 305 — sehr unkennbar abgebildet und
eben so mangelhaft beschrieben). — Verschiedene neue Arten
aus Neuholland, namentlich aus Adelaide von Hope (Trans-
act. Ent. Soc. IV. S. 280). — Eine Decade neuer Arten aus
verschiedenen Gegenden von Guerin (Rev. Zool. S. 2). —
Eine Anzahl chinesischer und brasilischer Arten von All ibert
(ebenda S. 11).
Die in der letzten Abhandlung beschriebenen Arten sind in Le-
guminosen-Samen, welche theils von Hrn. Yvan, Arzte der französ.
Gesandtschaft in China, aus Canton mitgebracht, theils aus Brasilien
eingegangen waren, gesammelt, und scheinen bis auf eine Anzahl von-
Bruchtis solche zu sein, welche über die ganze Erde oder wenigstens
über einen grossen Theil derselben verbreitet sind. Dies gilt
auch von den vom Verfasser als neu betrachteten Arten. Es
sind im Ganzen: Anobium villosum^ Xyletinus serricornis, Felds
y^'a^^^Vn. sp., ein unbestimmter C«r/?o/)Äa^M^, Cryptophagus Guerinii
n. sp. (vermuthlich =Silvanus advena), TriboUum castaneum Hbt,
Bruchus scutellaris F., Araeocerus Coffeae F., Calandra Ory%ae F.,
Rhixopertha pusilla F., Mycetaea hirta, Lathridius crenulatus , Sil-
vanus 6dentatuSy Calyptobium Kun%ei Aub. , ein unbestimmter Lae-
mophloeus, Trogosita brevicornis (worunter offenbar mauritanica
verstanden ist).
76 Erich soji: Bericht über die wissensch. Leistungen in der
Bemerkungen über zweifelhafte Linneische Käfer nach
Linne's Sammlung theilte Schaum (Ent. Zeit. S. 276. 316) —
über Fabrici'sche Käfer nach Fabricius' Sammlung Ders_
(ebend. S. 39) und Suffriau (ebenda S. 98) mit. — Durch
Schaum's Bemerkungen wurde Ref. veranlasst, durch einige
Beispiele darauf aufmerksam zu machen, wie man die in der
Fabrici'schen Sammlung enthaltenen Bestimmungen nur mit
umsichtiger Kritik aufnehmen dürfe (ebenda S. 141).
CicindeletaCm Zwei in Spanien vorkommende Abänderungen
der Cicindela campestris sind von Graells beschrieben (Ann, d. 1.
Soc. Ent. d. Fr. S. 309). Die eine, C. camp. fareUensis ^es Verf.,
oben ganz kupferroth, findet sich auf dem Gipfel des Berges Farell
bei Barcelona, im Mai; die andere C. camp. guadarra?nejisis des
Verf., von Guadarrama, mit schwarzer Grundfarbe der Oberseite,
ist einerlei mit C. nigrita Dej.
Einige neue Arten sind von Guerin aufgestellt: C. Petita und
Rüppelii von Abessynien (Rev. Zool. S. 49), ferner C. J aponica
von Japan (ebenda S. 2) und C. Jatidica von Port Natal (S.4).
Die letzte nähert sich in der Form an Dromica; die vorletzte ist
der C. silvatica verwandt und nicht mit der gleichnamigen Thunberg-
schen Art (= C. chinensis F.) zu verwechseln.
Aus Peru stellte Ref. zwei neue Arten von Megacephala und
zwei von Cicind. subg. Phyllodroma auf (dies Arch. S. 67).
Megacephala euphratica ist von Graells auch in Spanien auf-
gefunden, am Ufer eines salzigen See's, wo sie bei Tage unter den
Algen versteckt sitzt, und nur beim Auf- und Untergange der Sonne
zum Vorschein kommt. Sie fliegt w^enig, aber läuft mit grosser Ge-
schwindigkeit. Dieselbe Art ist es auch, welche von Maj. Blan-
chard in Algier aufgefunden ist, vergl. vorig. Jahresb. S. 80 (Annal.
d. 1. Soc. Ent. d. Fr. Bull. cvi. cvm, Rev. Zool. S. 111. 382).
Carahici» „Nachträge zu der ersten Abtheilung des Verzeich-
nisses der Käfer des Harzes, von Hornung" (Bericht des natur-
wissensch. Vereins des Harzes f. d. J. 1846—47. S. 14) enthält Er-
gänzungen zu dem Verzeichniss der Carabicen und Dytisciden des
Harzes.
Gebier 's „Verzeichniss der im Kolywano-Woskresenskischen
Hüttenbezirk Süd-West-Sibiriens beobachteten Käfer" enthält in der
ersten Abtheilung (1. S. 263) die Uebersicht über die Cicindeleten und
Carabicen des bezeichneten Gebiets. Der Verf. hat überall seine
Bemerkungen über das Vorkommen und oft auch über die Unter-
Naturgeschichte der Insecten während des Jahres 1847. 77
Scheidung der Arten zugefügt. Neue Arten sind ausführlich beschrie-
ben, nämlich 3 von Carubns, 1 Leistus, 4 Nebria ^ 1 Anchomenns,
1 Jg-o/m/iiy 1 Omaseus und 3 Platysma.
Leconte's „A descriptive Catalogue of the Geodephagous Co-
leoptera inhabiting the United »States east of the Kocky Mountains'
ist in der 10. und 11. Nr. des 4. Bds. der Annais of the Lyceum of
Natural History of New York zu Ende geführt. Dieser Theil des
Verzeichnisses enthält die Licininen mit den Gatt. Badister 3 Ar-
ten, Rembus 5 A., Dicaelus 24 A., die Chlaeniinen mit Oodes
7 A., Dinodes 1 A., Chlaenius 29 A. , Atramis (s.u.) 1 A., die Pa-
nagaeinen mit Loricera 1 A. (pilicornis) , Panagaeus 2 A., die
Carabides mit ScapJmiotus 3 A., Cychrus 2A., Sphaeroderus 6A.,
Carabus 10 A., Calosoma 8 A., Nebria 1 A., Omojiliron 4 A., Ble-
thisa 1 A., Elaphrus 5 A., ISotiophilus 4 A., endlich die Bembidii-
des mit einer grossen Zahl neuer Arten.
Neue Gattungen sind :
Hiletns Schiödte (Toguineiske Karaber: Kröy. Nat. Tidskr.
N. R. II. S. 346. T. 3). Ein merkwürdiger Käfer, mit gebrochenen
Fühlern, sägeförmig gezähnelten, gewölbten Mandibeln, schwamm-
artig bekleideter Innenlade der Maxillen, 4theiligem Zahn in der
Ausrandung des Kinns; die Mittelbrust unten zur Aufnahme des Pro-
sternum ausgehöhlt; die Vorderschienen ohne Ausschnitt, dagegen
sind die Epimere der Hinterbrust sichtbar. H. versutus, von An-
sehn des Pterostichus lepidus, ist aus Guinea.
Ochyropus Desselb. (ebenda S. 350) eine grosse Scaritenform,
bei der das Endglied der Füsse länger ist als die übrigen Glieder
zusammen, und das zweite Glied der Lippentaster nach innen mes-
serfÖrmig erweitert ist. O. g-igas, ebenfalls aus Guinea.
Platynodes Westwood (Descriptions of two new Genera of
Carabideous Insects: Transact. Ent. Soc. Lond. IV. S. 278. T. 21. i. B)
steht Morio am nächsten, und ist durch flachere Form, abgestutzt
herzförmiges Halsschild u. s.w. unterschieden, ein wesentlicher Un-
terschied indess nicht angegeben. PL Westerma7ini aus Guinea.
Helluodes Desselb. (ebenda S. 279) scheint mit Helluo ver-
wandt zu sein , hat einen grossen Kopf mit kurzem stumpfen Zahn
in der Aüsrandung des Kinns und eine längliche, vorn gerundete
Zunge, ähnlich wie Anthia. H. Taprobanae von Ceylon.
Crasodactylus Guerin (Rev. Zool. S. 50) zu den Harpalinen
gehörend, zunächst mit Anisodactylus verwandt, und dadurch unter-
schieden, dass bei den Männchen das erste Glied der Mittelfüsse
eben so breit ist als die folgenden, während es an den Vorderfüssen,
wie bei Anisodactylus schmäler ist. Cr. punctatus n. sp. aus Abes-
synien.
Atra7ius Leconte (Ann. Lyc. N. YorkIV. S.438) den Chlae-
niinen einzureihen: das Kinn ohne Zahn in der Ausrandung; die
78 Erichson: Bericht über die wissensch. Leistungen in der
Taster lang und dünn, mit leicht spindelförmigem, an der Spitze
kaum abgestutzten Endgliede; an den Vorderfüssen des Männchens
die drei ersten Glieder erweitert, das erste um die Hälfte länger,
aber nicht breiter als die folgenden, dreieckig, das 2te und 3te nicht
länger als breit. Hierher A. pubesceiis^ {Anchomen, pubescens Dej.
Chlaen. obconicus Haldem).
Ders. (ebenda S. 451 — 473) hat auch Bemhidinm in mehrere
Gattungen zerlegt, welche auf folgende Weise festgestellt sind : Bem-
bidiuni: „Caput fronte utrinque striata; mentum dente bifido; elytra
Stria scutellari distincta, suturali postice non recurvata; tarsi antici
(^ articulo lo longitudine reliquis coniunctis aequante"; hierher B.
Impressum (F.), paludosum (Pz.) u. s. w. — Odontiumw. g. : „men-
tum dente longissimo, convexo, subobtuso; reliquis sicut in Bembi-
dio"; hierhin B. coxendix Say und B. nitidulum Dej. (letzteres von
Say mit dem ersteren vermengt). — Hydrium (Zimm.) n.g : „Caput
fronte utrinque striata; mentum dente valde distincto , bifido; elytra
striis postice abbreviatis, scutellari distincta; tarsi cT articulo lo
valde dilatato, reliquis tamen breviore"; hierhin B. laevigatum Say,
Dej. — Ochthedro?nus (Zimm.) n.g.: „Caput fronte utrinque striata
vel raro bistriata; mentum dente siraplici, apice rotundato plerisque;
thorax postice truncatus; elytra Stria suturali non incurvata, scu-
tellari distincta"; hierher die grössere Masse der bisherigen Bembi-
dien mit den Untergatt. JSotaphus, Pert/phus, Leia und Lopha, —
Ferner sind hier noch Tachys und Biemus als Gattungen angenom-
men, ohne durch Kennzeichen festgestellt zu sein.
Chaudoir (Bull. Mose. 1847. II. S.87) lieferte eine Aufzählung
der bisher bekannten Arten von Agra, 44 an der Zahl, denen er
folgende neue hinzufügte: A, metallescens aus Parä, A. pachy-
cnema aus Brasilien, A. vi ein a aus Brasilien, A. nigripes aus
Mexico, A. quadriceps aus Brasilien, A. lamproptera, angeb-
lich aus Peru, A. Goryi aus Brasilien, A. cupreola aus Brasilien,
A. pusilla aus Brasilien. Die Zahl der beschriebenen Arten ist
hierdurch auf 53 gestiegen.
Eine Uebersicht über die europäischen Arten von Trechiis theilte
Putzeys mit (Trechorum Europaeorum Conspectus, Ent. Zeit.
S. 302). Es sind 42 Arten, unter denen 12 neue; dieser Reichthum
an neuen Arten war es, was den Verf. zu einer Auseinandersetzung
aufforderte. Alle Arten sind durch Diagnosen bezeichnet.
Mehrere neue Arten von Carabus aus Spanien und Portugal
sind von De la Ferte-Senectere beschrieben (Description de
quelques Carabes nouveaux de l'Espagne et du Portugal: Ann. d. 1.
Soc. Ent. d. Fr. S. 445): Carab. Guadarramus, dem C. catenula-
tus sehr ähnlich, aus Neukastilien, C. Ghiliauii, dem C. Latreillei
am nächsten verwandt, C. Egesippii (sollte wohl Hegesippi heissen)
Naturgeschichte der Insecten -wahrend des Jahres 1847. 79
aus der Fam. des C. brevis, aber von länglicherer Form, aus dem
nördlichen Portugal; ausserdem ist noch das Männchen des C. brevis
beschrieben.
Zwei neue asiatische Arten von Carabus sind von Tatum (Ann.
nat. bist. XX. S. 14) bekannt gemacht; die eine, C. lithariophorus^
ist von Munsurie im Himalaja, die andere, C. monilifer^ vom Ar-
chipel von Korea.
Als neue Arten sind ferner aufgestellt:
von Rosenhauer (Beitr. S. 8. 9) Fterostichus placidus und
Amara antennata aus Tirol ;
von Küster (Käf. Europ.) Dromüts mont enegriniis (X. 8),
dem D. foveola zunächst stehend, aus Montenegro; Harpalus acu-
tipennis (IX. 7) aus Dalmatien; Eutroctes moestus (IX. 12) aus
Armenien; Bembidium maritimum (VIII. 41) am Strande bei Ra-
gusa unter dem Wasser lebend; B. speculare (IX. 22) aus Sardi-
nien; B. Genei (IX. 21) und B. callosum (IX. 23) ebendaher;
von A. Costa (Annal. delP Accad. degli Aspir. nat. 2. ser. I. S. 90)
Nehria violacea („supra obscure violacea, subtus cum pedibus
nigro picea, tarsis, palpis antennisque, harum basi excepta rufo
brunneis, palporum articuio ultimo subsecuriformi; pronoto angusto,
cordato, disco laevi convexiusculo, linea profunda impressa, basi
limboque transversim rugoso, marginibus lateralibus satis reflexis ;
elytris ovatis convexiusculis punctato-striatis, interstitio tertio qua-
dripunctato; long. 61.") von den Neapolitanischen Gebirgen; Percus
brunneipennis („niger, nitidus, elytris brunneo-castaneis , palpis
tarsisque piceis , supra planiusculus, elytris postice parum convexis,
pronoto laevi, obsolete transversim ruguloso, basi utrinque longitu-
dinaliter biimpresso, lineaque media conspicua; elytris minute et
parum profunde striato-punctatis, interstitiis planis, obtuse carinatis,
carinis alternis maioribus; long. 1\ — 81.") und Zabrus elongatus
(„niger, nitidus, tarsis piceis, pronoto transverso convexiusculo, basi
et lateribus fortiter punctato, marginibus lateralibus valde reflexis,
elytris elongatis, postice convexioribus, subtiliter striato-punctatis,
interstitiis planiusculis, laevibus; long. 6^ 1."), beide vom Gipfel des
Berges Mutria;
von Sturm (Deutschi. Fauna XIX. S. 111) Anophthalmus Bili-
mekii (Schmidt) aus der Sele'er Grotte in ünterkrain;
von Guerin (Rev. Zool. S. 50): Anthia striato-punctat a,
Lefebvrei^ Crasodactyluspunctatus(s,.o.), HypoUthus har-
paloides, Anchomenus fuscicornis^ alle aus Abessynien;
von Haldeman (Proceed. Acad. Philadelph. III. S. 149) Blethisa
quadricollis , vom Obern See (ist in Leconte^s Verz. aufgenommen);
von Ref. (dies Archiv S. 68) 2 Casnonia^ 3 Calleida, 1 Capto-
dera, 2 Tetragonoderus ^ 1 Scarites, 3 Anisodactylus ^ 1 Harpalus,
4 Stenolophus , 1 Dyscolus, 1 Chlaenius^ 1 Oodes^ 3 Bembidium.
gO Erichson: Bericht über die wissensch. Leistungen in der
V er- Hu eil hat die Verwandlung der Mormolyce phyllodes be-
schrieben (Ann. d. scienc. nat. VII. S. 344. Schieid. u. Fror. Notiz. IV.
S. 166). Sie wurde nehst der Puppe in den grossen Wäldern auf
Java im Polyporus fonnentarius an den Stämmen und Wurzeln hoch-
wüchsiger Bäume gefunden. Die Larve dieses merkwürdigen Käfers
scheint wenig ausgezeichnetes zu haben, es ist indess auch die Dar-
stellung nicht ganz genügend. Auch die Nymphe lässt noch kaum
die auffallende Form des Käfers erkennen.
Das Pflanzenfressen bei Caraben ist durch eine genaue Beob-
achtung Sundevall's bestättigt worden. Er sah eine Amara simi-
lata eine Pflanze, Thlapsi bursa pastoris, ersteigen und erst ein frisch
entwickeltes Blatt, dann eine Blüthe verzehren (Ofvers. Vet. Acad.
Förhand. S. 200).
JDytiscidae» „Revision of British Hydrocantharidae. By H.
Schaum" (Entomologist S. 188?). Eine sehr dankenswerthe Arbeit,
in welcher der Verf. die britischen Arten mustert und die in Eng-
land herrschenden Bestimmungen mit denen des Festlandes in Ein-
klang bringt. England eigenthümlich ist keine einzige Art der Hy-
drocantharen , die Synonymie ist aber etwas verworren und war der
Sichtung sehr bedürftig, da sowohl von den Engländern viele Arten
verkannt, als auch von den Schriftstellern des Festlandes manche
von den Engländern bereits aufgestellte Arten nicht erkannt waren.
„Nomenclature of Coleopterous Insects in the Collection of the
British Museum. Part II. Hydrocanthari. Printed by order of the
trustees. London 1847." Dieses Verzeichniss, welches von Ad.
White mit Hülfe des Dr. Schaum bearbeitet ist, enthält nicht nur
die im Britischen Museum befindlichen, sondern überhaupt die be-
schriebenen Arten mit ihrer Synonymie, in ziemlicher Vollständig-
keit; es haben sich aber im Druck mehrere Irrthümer und Verwech-
selungen eingeschlichen. Zwei von den Verff. errichtete neue Gat-
tungen sind hier nur namentlich aufgeführt, nämlich Oftychohydrus
mit einer Art von Neuseeland zwischen Hyderodes Hope und Dy-
tiscus und Batrachoma tns mit einer neuen Art aus Neuholland, zwi-
schen Matus Aub, und Coptotomus Say.
Zwei neue neapolitanische Arten sind von A. Costa (Ann. Ac-
cad. Aspir. 2. Ser. I.) bekannt gemacht: Colymhetes (Jgabns) abdo-
minalis.- „ovatus, niger, planiusculus, subtiliter longitudinaliter
strigosus, antennis, palpis, apice excepto, vertice punctis duobus
ventrisque basi ferrugineis; long. 5| 1.", A. bipustulatus hauptsächlich
durch rothe Hinterleibswurzel unterschieden (S. 134) — und By^hy-
drus minor: „ovatus, postice angustior, supra minus convexus,
confertissime punctulatus, testaceo-ferrugineus, pronoto flavescente,
margine postico nigro; elytris nigris, margine externo fasciisque
Naturgeschichte der Insecten während des Jahres lSi7. gj
diiabus acute dentatis suturam haud attingentibus flavo-lividis; long.
1^1."(S.97).
Neu aufgestellte Arten sind ferner: Eydaticus Galla und Coye-
latus Erichsonii Guerin (Rev. Zool. S.51), beide aus Abessynien.
Ref. (dies Arch. S. 73) stellte von Einiectus \m<\ Copelatus je 1 neue
Art aus Peru auf.
Gyrinites» üeber die Lebensweise des Orectochllus viUosus
theilte Rosenhauer Beobachtungen mit, welche Ahrens Vermu-
thung, dass er ein Nachtthier sei, bestättigen. Er fand nämlich in
einem Bache bei Erlangen, wenn er die Steine aus dem Wasser hob,
öfter einen Orectochilus daran sitzen, der dann immer herabfiel, auf
dem Wasser sich einigemal im Kreise herumdrehte, dann in dasselbe
schief hinabschoss und sich unter einen andern Stein verbarg. Er
besuchte nun bei Nacht mit der Laterne dieselbe Stelle, wo er be-
sonders neben Erlenstauden ganze Gesellschaften des Orectochilus
sich munter umher tummeln sah, so dass er öfter auf einen Strich
mit dem Hamen 20 derselben fing. Am Tage waren wieder alle ver-
steckt. (Ros. Beitrag, z. Ins. Faun. Eur. S. 83).
Aehnliche Erfahrungen machte auch Frauenfeld (Isis S. 772),
der den Käfer auch im Glase beobachtete, wo er sich Tags möglich
versteckt hielt. Nachts aber munter herumschwamm.
„Bemerkungen über einige Gyrinen, vom Grafen Mannerheim"
(Entom. Zeit. S. 208). G. mergus Ahr. ist der wahre G. natator Gyl-
lenhal's, Sahlberg's und Aube's (und nach Schaum Ent. Zeit. S, 278
auch Linne's). — G. distinctus Aube ist eine dunkle Abänd. von G.
colymhus Er., G. distitictus SuSr. aber eine andere im südl. Russland
und dem Caucasus einheimische Art, welche Steven G. ri'viilaris
nannte. — Dass G. dorsalis Gyll. eine Abänd. des G, marinus sei,
best^ttigt der Verf. — Endlich giebt der Verf. übet G. opacus Sahlb.
Aufschluss, welcher allerdings eine eigene Art bildet.
Gyrinus rivuiaris A. Costa, schon 1842 im Bull. Accad. Aspir.
Nat. S. 35 als eigene Art aufgestellt, jetzt in den Annal. dell Accad.
degli Aspir. Nat. 2 Ser. 1. S. 135 von Neuem beschrieben, und vom
G. urinator dadurch unterschieden, dass die ganze Unterseite rost-
roth sei, während der letztere eine schwarze Brust habe („dal quäle
principalemente differisce per aver tutta la inferior faccia del corpo
di colore ferruginoso mentre in quello il solo abdome ed il margine
ripiegato del torace e dell' elytre sono di tal colore, il petto essendo
nero") — ist jedenfalls der wahre G. urinator JIL, die Art aber, die
der Verf. als solche betrachten mag, mir unbekaijnt.
JBuprestides» Ueber den inneren Bau der Buprestiden hat
Schiödte werthvolle Untersuchungen mitgetheilt (Kröy. Nat. Tidsskr.
Archiv f. Naturfrcsrh. XIV. .lahr?. 2. Bd. F
32 Er ich soll: Bericht über die wissensch. Leistungen in der
N. R. II. S. 319), welche er in Italien an Capiiodis ienehrionis , Dicerca
pisana, Coroehus rubi^ Anthaxia Salicis^ umbeUatnrum , nitida und
nilidula^ Sphenoptera lineata und rauca ., Trachys minnta und nana
anzustellen Gelegenheit hatte. Die Buprestiden zeigen manche Eigen-
thümlichkeiten. Die Luftröhren sind mit ähnlichen Bläschen wie bei
den Scarabaeiden besetzt, was bereits Gäde und Leon Dufour be-
merkt hatten. Bei den im hellen Sonnenschein fliegenden Anthaxia,
Sphenoptera u. s. w. fiel dem Verf. die geringe Menge von Fett auf?
während b^ der langsameren, unter Baumrinden lebenden Capnodis
der FettkÖrper eine bedeutendere Ausdehnung erlangt. Speichelgefässe
finden sich zu jeder Seite des Schlundes, als kleine Büschel dünner
verästelter Gefässe, nicht über die Kopfhöhle hinausragend. Bei An-
thaxia entdeckte der Verf. einen eigenthümlichen Apparat an der
Speiseröhre, welcher in zwei Paaren seitenständiger gestielter Anhänge
bestand. Die Säcke des ersten Paars sind klein, entspringen vom hin-
tersten Theile des Schlundes und liegen an jeder Seite des Nackens;
die des zweiten Paares sind 4 — 5 mal grösser und liegen im vorder-
sten Theile der Vorderbrust. Diese Säckchen, welche gleich der
Speiseröhre und dem Magen mit Blüthenstaub erfüllt waren, erinnern
an eine ähnliche Vorrichtung, welche L. Dufour bei Oedemera coe-
rulea und Anoncodes ruficollis entdeckte und welche der Verf. auch
bei Stenostoma rostrata und anderen Oedemeriden auffand. Bei den
übrigen untersuchten Buprestiden zeigte sich nichts Aehnliches. —
Das Duodenum (Zottendarm) ist bei allen Buprestiden nach vorn in
zwei Zipfel verlängert, welche bei den verschiedenen Gattungen un-
gleiche Ausdehnung und Lage haben. Die kleinen halbkugligen Zotten
sind auf diesen Zipfeln am stärksten entwickelt, überhaupt übrigens
bei den grösseren Formen mehr als bei den kleineren, so dass sie
bei Trachys fast verschwinden. Malpighi'sche Gefässe, deren die
früheren Beobachter vier angeben, fand der Verf. bei allen imter-
suchten Formen sechs an der Zahl, auffallend lang und dünn, mit
den hinteren Enden der Mitte des Dickdarms angeheftet. Die Hoden
sind aus langen röhrenförmigen Bälgen zusammensetzt, deren Anzahl
bei den verschiedenen Formen verschieden ist, aber, so weit der Verf.
die Vergleichung anstellen konnte, mit der Anzahl der Eiröhren bei den
Weibchen derselben Art übereinstimmte. Die Männchen haben aus-
serdem noch zwei Paar Samenblasen, deren Verhältnisse ebenfalls
bei den verschiedenen Gattungen abändern. Bei den Weibchen be-
schreibt der Verf. eine sackförmige Samenkapsel und eine ebenfalls
sackförmige Anhangsdrüse (glandula appendicularis), deren Ausfüh-
rungsgang am Grunde des Halses der ersteren mündet. Eine Paa-
rungstasche (bursa copulatrix) schreibt der Verf. den Buprestiden
allgemein nicht zu. (Richtiger betrachtet indess Dr. Stein den vom
Verf. als Samenkapsel gedeuteten Theil als Paarungstasche, und die
Anhangsdrüse des Verf. als Samenkapsel). — Ueber die Vertheilung
der Nervenganglien ist bemerkenswerth, dass die der Mittel- und Hin-
Naturgeschichte der Insccten während des Jahres 1847. ^3
terbrust in ein grosses Ganglion zusammengeschmolzen sind, welches
an der Wurzel der Hinterbrust liegt. Von den 5 Hinterleibsganglien
liegen nur die drei letzten in der HinterleibshÖhle; das letzte der-
selben (Geschlechtsganglion) sendet 4 Paar Nervenstämme aus, jedes
der vier vorhergehenden nur ein Paar.
Saunders hat das Vorkommen der Larve der Diphucrania auri-
flua Hope beschrieben („On the Gall formed by Diphucrania auriflua
Hope, a Species of Buprestidae" Transact. Ent. Soc. Lond. V. S. 27.
T. 2. F. 5—9). Sie lebt in einer Holzgalle an den Zweigen der Pul-
tanea stipularis, welche sich gewöhnlich einzeln an den Zweigen
findet, selten mehrere zusammen. Die Larve hat Aehnlichkeit mit
den Agrilus-Larven und, wie diese, ein zweispitziges Hinterleibsende.
Die Larve des Coroebns aniethystinns ist von Durieu de Mai-
sonneuve in den Stengeln von Cirsium echinatum entdeckt worden,
wo sie alle Verwandlungsstufen durchmacht (Ann d. i. Soc. Ent. d.
Fr. Bull. S. ix).
Als neue Arten sind aufgestellt:
Anthaxia istriana von Rosenhauer (Beitr. S. 13) aus Istrien
(vielleicht nur eine kleine Abänd. der A. morio F.) — und Anthaxia
hasalis von Küster (Käf Europ. XI. 29) aus der Türkei.
Acmaeodera grandis und Chrysobothris -pant o chlor a von
Guerin (Rev. Zool. S. 51) aus Abessynien.
Chrysochroa assame?ists aus Assam und Chrysodema Tayan-
tti von den Marquesas, von Dems. (ebenda S.6).
Je eine Art von Chrysobothris und Brachys aus Peru, vom Ref.
(dies Archiv S. 74).
Stigmodera amaragdina^ xanthcpilosa (/), vegeta, co-
iorata^ media und delectabilis^ aus Neuholland , meist aus der
Gegend von Adelaide, von Hope (Transact. Ent. Soc. Lond. IV. S. 283).
Guerin (Rev. ZooL S. 5) bemerkte, dass Elater giganteus
Schaller ein bisher übersehenes Synonym der Chrysochroa bicolor
sei; die hiesige Sammlung besitzt den von Schaller beschriebenen
Käfer aus .Trankebar, welcher zwar eine der javanischen Chr. bicolor
nahe verwandte, aber, wie es scheint, hinreichend verschiedene Art
bildet.
l^ucnentides» Neue Arten sind Microrhagns lepidus Ro-
senhauer (Beitr. S. 14) aus Tirol, Eucnemis Feisthamelii
Graells (Ann. d. 1. Soc. Ent. d. Fr. S. 307. T.4. F. L5, — sehr we-
nig kenntlich) aus Katalonien, Dirhagus? ?iitidus A. Costa (Ann.
deir Accad. d. Aspir. 2. ser. L S. 101): ,,elongatus, convexus, punctu-
latus, pronoto modice gibbo, postice carinula media longitudinali
brevi, angulis complanatis acute productis; elytris obsolete lineatis
^4 Ericlisou: Bericht über die wissenscli. Leistungen in der
basi impressis, sutura elcvata, postice lineis invpressis; niger, niti-
dus, antennis obscure castaneis, femoribus piceis, tibiis tarsisque
testaceis; long. 2^1/', vom Matese- Gebirge im Neapolitanischen; ~
und Fornax morio des Ref. (dies Arch. S. 75) aus Peru.
Die Larve der Meiasis flabellicornis ist vonPerris ausführlicher
beschrieben (Ann. d. 1. See. Ent. d. Fr. S. 541. T. 9. F. 1).
Mlnterides» Eine neue Gattung Port hmidius errichtete
Ger mar (Faun. Ins. Europ. 24. T. 7) auf dem Amjiedus fulvus Red-
tenb. mit folgenden Kennzeichen: „Frons convexa, labrum superans.
Antennae filiformes, vix serratae, articulo secundo tertioque minori-
bus. Mucro pectoralis perpendiculariter deflexus. Laminae tectrices-
subito dilatatae. Tarsi subtetrameri, articulo tertio subtus appendi-
culato." — Den ebenfalls mit einem Hautläppchen am dritten Fuss-
gliede versehenen EL acuticorms Germ, vereinigte Ders. (ebenda
T. 6) mit der von ihm auf dem El. sanguinicollis begründeten Gattung
IscJinodes,
Als neue Arten sind beschrieben:
Ectinus xanthodon und iucundus aus der Sachs. Schweiz
und dem Riesengebirge von Märkel (Entom. Zeit. S. 79).
Pristilophus montanus aus Tirol und Athons mutilatus aus
der Gegend von Erlangen von Rosen hau er (Beitr. S. 15).
Ampedus Clialusii^ bei Colmar im faulen Holze alter Eichen-^
stücke gefunden, von Guerin (Rev. Zool. S. 7) später jedoch mit
Recht als El. 4signatus Schönh. erkannt (ebenda S. 110).
Diaca?ithus öifas etat us {Fuss) aus Siebenbürgen von Küster
(Käf. Europ. X. 38).
Athous Gebleri (Mann.), Cryptoliypus depres sus , gibbus,
rufescens Gebier (Bull. Mosq. 1847. II. S. 412 — 423) aus dem
^vestlichen Sibirien.
Cehrio neapolitanus („cT testaceus, fulvo-pubescens, capite
pronotoque fusco-nigris, punctatis, pube fulva adpressa tectis, an-
tennis nigris, nigro pilosis, articulis 3 primis palpisque rufo -piceis,
geniculis nigris; long. 6^ — 7 1. — $ testacea, unicolor, pronoto ca-
pite mandibulisque testaceo-rufescentibus, harum apice geniculisque
nigris; elytris abdomine parum brevioribus, sulcatis, interstitiis con-
vexiusculis, punctatis; long. 5|1.", vom C. gigas durch länglicheren
Bau, die nicht schwärzliche Brust u. s.w. unterschieden) und Cebrio
fuscatus ((^ brunneo fuscus, capite pronotoque fusco nigris, pube
fulvo- cinerea adpressa tectis, subtus fusco -testaceus, longius pube-
scens, femoribus livide testaceis; long. 71. ; $ latet."). Der erste von
Neapel, der zweite von Salent, von A. Costa (Annal. dell' Acad.
degli Aspir. 2 Ser. L vS. 137).
Cebrio Carrenii aus der Gegend von Madrid von Graells
(Ann. d. 1. Soc. Ent. d. Fr. S. 306. T. 4. F. I. 4).
Naturgeschichte der, Insecten wahrend dos Jahres 18i7. 85
Ferner sind Tetralobus subsufcatus, Hopei, rot undi frons
\ki\^ Cardio p ho j'us ackminat us und variabilis aus Ahessynicn
von Guerin (Rev. Zool. S. 52) und 3 Semiotus, 1 PyropJwriis , 3
Dicrepidius , 1 PomachiUus ^ 3 Monocrepidius ^ 1 Aphanob'uis und 1
Cardiophorus aus Peru vom Ref. (dies Archiv S. 75) als neue Arten
aufgestellt.
Eine eigenthümliche Gattung Chorea ist von Haldeman (Pro-
ceed. Acad. Philadelph. 111. S. 150) aufgestellt, deren systematische
Stellung zwar zweifelhaft geblieben ist, die indess doch einige Ueber-
einstimmung mit den Elateren zu haben scheint. Der Körper ist
kurz, kräftig, ziemlich hartschalig; der Kopf klein, untergebogen;
die Maxillartaster stark, vorragend, das grössere Endglied dreieckig;
die Fühler kurz, gesägt, nicht merklich dünner werdend, zwischen
den Augen in einiger Entfernung von denselben stehend, einander
genähert, auf jeder Seite einer schwachen Stirnerhöhung eingelenkt;
sie werden parallel über das Halsschild gebogen getragen, und reichen
etwas über das Schildchen hinaus. Das Halsschild kurz, aufgetrie-
ben, die Vorderecken stumpf gerundet, die Hinterecken in einen
schärfen Winkel vorgezogen; das Schildchen gerundet; die Flügel-
decken hartschalig, verlängert; Flügel unter denselben; der Hinterleib
aus 5 aufgetriebenen Ringen bestehend. Die Beine schlank, die Hin-
terhüften (es scheinen die Tr och anter en gemeint zu sein) sehr
lang, so lang als der Schenkel, dieser so verkürzt, dass das Bein
doch nur von gewöhnlicher Länge ist; die Füsse kurz behaart, aber
kaum gepolstert; das vorletzte Glied zweilappig. — Der Verf. fing
ein einzelnes Stück, welches sich durch ein scharfes Schnellen zu
befreien suchte, dieses wurde aber nicht durch das Halsschild, son-
dern durch die Vorderbeine hervorgebracht, die der Käfer der Länge
nach auf die Brust legte und dann plötzlich zog, so dass es sehört
und gefühlt werden konnte. Im Bau der Vol-derbeine konnte der
Verf. nichts bemerken, was diesen eigenthümlichen Gebrauch andeu-
tete. — Ch, pulsator ist schwarz, fein punctirt, schwach behaart,
die Taster hell schalgelb, die Schienen und Füsse dunkelroth; die
Flügeldecken haben neun mit grossen länglichen Puncten ausgefüllte
Streifen.
Cyphonides» Die Larve von Cyphoti hat Ref. beschrieben
(dies Arch. S. 281). Sie weicht auf eine sehr erhebliche Weise von
allen übrigen bekannten Käferlarven ab durch lange vielgliedrige
Fühler, freigegliederte Taster, gehäufte Augen u. s. w. Als Athmungs-
organ scheinen sieben an der Hinterleibsspitze in einen Halbkreis
gestellte Hautblättchen zu dienen. Diese Larven finden sich im Was-
ser, wo sie an Wasserpflanzen und Steinen herumkriechen.
Jtjampyrides» Colophotia mehadiensis (Dahl.) aus Ungarn
und JUyrica (Dej.) aus Dalmatien sind von Küster (Käf. Europ.
36 Erichson: Bericht über die wissensch. Leistungen in der
IX. 28. 29) beschrieben. — Gebier machte Lamjtyrh sibirica
(Mann.), aus dem westlichen Sibirien, bekannt (Bull. Mose. 1847. 11.
S. 429).
Vom Ref. sind 2 Phengodes, 3 Photimis , 1 Pyractomena, 1 Aspi-
soma^ 1 Photuris , 3 Char actus , 1 Emplectus n. g. und 2 Dictyopte-
rus, aus Peru als neue Arten aufgestellt (dies Arch. S. 79). — Py~
r actomena Dej. zeichnet sich unter den eigentlichen Lampyriden
durch gespaltene Klauen aus. — Die neue Gattung Emplectus ist
eine ungerüsselte Lyciden-Form mit zugespitztem Endgliede der
Taster, verlängerten Maxillartastern , sehr kleinem 2ten Fühlergliede
und gekieltem Halsschilde, die Kiellinie in der Mitte doppelt; in diese
Gattung gehören Lycus diaphanus , Umbatus^ pectinatus und flahel-
Ucornis F.
Die Lycus-Arten Abessyniens sind von Guerin (Rev. Zool. S.200)
gemustert und ihrer Sjmonymie nach erläutert, welche allerdings
etwas verwirrt war, um so mehr, als die Männchen vieler Arten in
der Form der Flügeldecken u. s. w. auffallende Verschiedenheiten
zeigen, welche leicht als Artverschiedenheiten gelten konnten, so
lange man sie nicht bei Untersuchung grosser Reihen durch üeber-
gänge vermittelt sah. Zugleich ergiebt sich die Thatsache, dass die
einzelnen Arten fast alle eine weitere Verbreitung haben, entweder
nach dem Senegal oder nach Südafrica, nach der Weihnachtsbai oder
selbst nach beiden Richtungen. 1. L. traheatus Guer. Icon. R. A,,
flavicans und africanus Lap., appendiculatus St., ferner L. umplis-
simus , scutellaris ^ dilatatus , di&tinctus , distinguendus Dej. — 2. L.
foliaceus Seh., senegalensis Lap., traheatus ^ oblitus ^ diversus ( cT)
und adustus (9) Dej. — 3. L. Bremei w. sp., dem L. latissimus L.
sehr ähnlich, von dem er sich durch das mehr dreieckige Halsschild,
die weniger hoch beginnende Erweiterung der Flügeldecken und das
Fehlen des Schwarz an der Wurzel derselben unterscheidet. (Hier
sind die dem L. latissimus verwandten Arten auf folgende Weise aus-
einandergesetzt: a. L. latissimus Ol. Latr. Lampyr. lat. Lin. — b. L.
Fabricii^ Pyrochr. latissima Fab. ^ ohne Schwarz auf dem Halsschilde,
vielleicht Abänd. des folgenden. — c. L. praetuorsus Seh. cf, latissi-
mus Seh. 9, melanurus Seh. 9 "^ar. — 4. L. elevatus n. sp, — 5.
L. hamatus n. sp. Die beiden letzten Arten finden sich auch an
der Weihnachtsbai.
Ref. (dies Arch. S. 279) beschrieb eine aus dem Innern Africa's
stammende Käferlarve, welche der Larve von Lygistopterus am näch-
sten verwandt, und durch eine Art passiver Bewegungsorgane, welche
sich sehr ausgebildet bei ihr vorfinden, ausgezeichnet ist, nämlich
schräg nach hinten gerichtete zapfenförmige, mit starken Haaren be-
setzte Fortsätze auf der. Unterseite des Hinterleibes.
Naturgeschichte der Insccten wahrend des Jahres 1847. 87
OlOelephorides» Als neue Arten sind von Rosenhauer
(Beitr. S. 17 — 20) beschrieben: Cantharis occipitalis aus Tirol,
C. hospes und pagana aus dem Banat, Podabrtis banaiicus
ebendaher, Malthinus dimidiaticollis von Bamberg.
V. Kiesenwetter bemerkte, dass Cantharis rufo-testaceahQizx\.
eine Abänd. der C. pi'losa sei (Ent. Zeit. S, 81).
Als neue Arten aus Peru stellte Ref. 5 Calllanthia und 2 Can-
tharis auf (dies Arch. S. 83).
JUelyrides» Fairmaire hat eine Monographie von Chalcas
bearbeitet, von welcher vorläufig die Diagnosen in der Rev. Zool.
S. 408 erschienen sind. Chalcas Dej. Blanch. ist eine erst in neue-
rer Zeit bekannt gewordene Dasytenform, welche dem Innern von
Südamerica eigenthümlich ist, und sich theils durch ihre Grösse,
tlieils durch die beim Männchen stark erweiterten Flügeldecken aus-
zeichnet. Sie ist durch folgende Merkmale bezeichnet: „Antennae
serratae, capite thoraceque breviores; maxillae corneae, ciliatae,
palpi maxillares Sarticulati, truncati; labiales biarticulati truncati
(das kleine Grundglied ist an beiden Tastern übersehen); elytra in
maribus dilatata; pedes validi, compressi, tarsorum unguiculi bifidi.
Die 9 hier aufgestellten Arten sind sämmtlich aus C.olumbien: 1. Ch.
cy««eM.sBuq. (Mas) niger, sat nitidus, nigro hirtus, elytris tenuiter
punctatis, fere deplanatis, violaceo-cyaneis, postice rotundatis et
externe plicatis; prothorace supra flavo-sericante, nigro lineato,
scutello flavo. — (Fem.) elytris inaequalibus, punctatissimis, callo po-
stico prominente, postice oblique truncatis. — 2. Ch. lineatocoUis
Buq. (M.) niger, griseo-pubescens, prothorace cinereo-sericante, ni-
grolineato: elytris flavescentibus, humeris et lateribus valde inflatis,
macula scutellari et maculis mediis nigris , apice nigro ; — F. mari
simillima, sed angustior. — 3. Ch. lateralisBuq. (M.) niger, nigro-
pilosus, prothorace atro, nitido, elytris subplanatis, ovalibus, atro-
coeruleis, nitidis, macula externa oblonga, interdum maxima, macula
subapicali et reflexa parte flavis; — F. mari simillima sed angustior,
dorso piloso, elytris utrinque ncdo subapicali instructis. — 4. Ch.
trabeatus Dej. (M.) niger, elytris rotundatis, postice declivibus,
rubris, vitta lata basali cum vitta dorsali per suturam coniuncta
nigra, apice nigro; — F. angustata, elytris lateribus fere rectis,
utrinque carinatis. — 5. Ch. Bremei (M.) niger, griseo-pubescens,
elytris fere rotundatis, postice declivibus, atro-coeruleis, utrinque 7
aurantiacis maculis ornatis. — 6. Ch, unicolor Dej. (M.) niger ni-
gro hirtus, elytris atro - cyaneis , tenuissime punctatis, parte suturali
elevata, utrinque foveola longitudinali impressis, postice angustatis
acutis; — F. nigra, nigrovillosa, angustata, elytrorum lateribus lon-
gitudinaliter impressis: utrinque carina flexuosa humero incipiente,
callo postico desinente; dorso longe piloso. — 7. Ch. humeralis
S8 Erichs on: Bericht über die wissehsch. Leistungen in der
KI. (M.) niger, griseo-sericans, elytris gibbosis, post humeros for-
titer impressis, flavis, nitidis, utrinque margine inferiori vitta lon-
gitudinali nigra ad humeros dilatata; — F. elytris non gibbosis,
utrinque compressis et longitudinaliter impressis: utrinque carina
acuta, nigra, ad humeros incipiente : dorso et humeris pilis nigris
instructis. — 8. Ch. obesus (^\.) niger, prothorace et scutello nigro,
elytris inflatis, rotundatis, flavis, iramaculatis. -- F. elytris nitidis,
angustatis, lateribus utrinque medio compressis, carinatis, postice
truncatis. — 9. Ch. ^plagiatus Buq. (F.) nigra, subtus griseo-
sericans, prothoracis lateribus griseis: elytris utrinque fere rectis,
carinatis, nigris, rubro-sexplagiatis.
Von A. Costa (Annal. dell' Acad. degli Aspirant. 2. ser. I. sind
folgende neue neapolitanische Arten beschrieben: Malachius bicornis
(S. 103. 130): „capite medio profunde impresso, postice utrinque
supra oculos prominulos corniculato , pronoto clypeiformi, postice
parum emarginato, margine reflexo-, cyaneus, capite, antennarum
basi tibiisque quatuor anticis flavo-testaceis, pronoto pallide rufo,
obsolete nigro trimaculato ; long. 1^1."; vomMatese-Gebirge. Gehört
nach dem Verf. zur Gatt. Hedybius des Ref. — Dmytes Cusanen-
Jf/*(S. 105): ,, pronoto brevi, capitis latitudine, minus cylindrico,
antice haud coarctato; niger, pube densa adpressa cinerea \el ob-
scure sulphurea vestitus, antennarum basi pedibusque testaceis; long,
1^ — 1^1.". Dem D. pallipes ähnlich. — Dasytes communimacula
(S. 142): oblongus, cylindricus, niger subaeneus, punctatus, pube-
scens, antennis nigris, tarsis obscure piceis, elytris macula postica
subapicali communi rotunda coccineo-ferruginea; long. 1^ — 1^1. —
Variat antennis pedibusque obscure piceis." — Dasytes calabrus
(S. I43)j „obscure viridi-aeneus, pilosus, antennis palpisque nigris,
pedibus brunneo nigris, capite pronotoque punctulalis, elytris irre-
gulariter punctulatis et subtiliter transversim rugulosis; long. 2 1."
In Calabrien.
Aus Peru wurden vom Ref. 1 Lemphus und 2 Melyris aufgestellt
(dies Arch. S. 84).
Guerin bemerkt, dass Vallot der Pariser Academie angezeigt
habe, dass er Malachius bipustulatus aus den Stengeln von Echium
vulgare erzogen habe: wahrscheinlich seien noch andere Larven darin
gewesen, von denen die des Malachius sich genährt habe (Ann. d. 1.
Sog. Ent. d. Fr. Bull. S. xxiii).
Clerii» Die Larve des Tillus unifasciatus ist von Perris be-
schrieben (Ann. d. L Soc. Ent. d. Fr. S. 32. T. 1. F. IlL 6 — 11). Sie
hat grosse üebereinstimmung mit der von Clerus, ist aber von weis-
, ser Körperfarbe und die Fühler sind deutlich 4gliedrig. Sie ist
schmal, 13 Millim. lang, der letzte Hiuterleibsring mit zwei aufge-
Naturgeschichte der Insecten während des Jahres 1847. 89
hogenen Hörnchen bewaffnet. Sie lebt in trockenen Weinreben vom
Raube der Larven der Anaspis maculata und Apate Gdentata. Sie
verpuppt sich in den Weinreben.
Als neue Arten aus Peru stellte Ref. 1 Talus subg. Tilloidea,
2 Clerus subg. Thanasimus und 3 Enoplium aus den üntergatt. Fe-
loiiium, Ichnea und Epiphloeus auf (dies Arch, S. 85).
Ptiniores, Rosenhauer (Beitr. S. 21) beschrieb Anobium
gentile aus Tirol, — Küster (Käf. Europ. IX. 42. 45) Ptilinus
imyressifrons von Montenegro und Fsoa Herbstii aus ünter-
Italien als neue Arten.
Aus Peru stellte Ref. 1 Pthins, 1 Xyletimis, 4 Bostrichus, 1
Xylo per tlia und 1 Lyctus auf.
Paussili» Mehrere neue Arten sind von W^estwood be-
schrieben (Transact. Ent. Soc. Lond. V. S. 22. 24. T. 2. F. 1 — 3). Es
sind Ceratoderns Bensoni, Faussus Baconis , N auceras, ploio-
phorus, Jerdani und Platyrhopalus int ermedius. — Die erste
Art bildet eine eigene üntergatt. Merismoderus, welche sich vom
eigentlichen Ceratoderns auf folgende Weise unterscheidet.
A. Cer atoderus: „Corpus supra glabrum, nitidum. Palpi maxil-
lares articulo secundo subovali, lateribus subparallelis. Protho-
rax cordato-truncatus. Tibiae apicibus externe angulatis."
B. Merismoderus: „Corpus supra opacum, plaga media elytro-
rum polita. Palpi maxillares articulo secundo fere rotundato,
depresso. Prothorax bipartitus, lateribus angulatis. Tibiae api-
cibus externe obtuse truncatis.
Eine muthraassliche Paussus-hdixye ist von Ref. beschrieben
(dies Arch. S. 277). Eine vom Dr. Peters aus dem Innern Africa's
mit einem Paussus eingesandte Larve zeigte in der Bildung der Füh-
ler und Maxilleu eine gewisse Uebereinstimmung mit Paussus, so
dass die Annahme, dass sie dem Paussus angehöre, bis auf die un-
mittelbare Beobachtung hinreichend begründet erschien. Die Ueber-
einstimmung in den Fühlern beschränkte sich darauf, dass b.ei der
Larve nur 2 Glieder ausgebildet, das 3te und 4te äusserst fein, und
gewissermassen im Verschwinden begriffen sind. Die Uebereinstim-
mung in der Bildung der Maxillen, namentlich in den Verhältnissen
der Tasterglieder, sehr gross. Ausserdem zeigt die Bildung des Mun-
des viel Aehnliches mit der bei den Larven der Caraben, Staphylinen,
Hister u. a. , und ist der Mund, wie bei diesen, anscheinend geschlos-
sen. An der Körperspitze hat die Larve ein Paar grosser, kegelför-
miger, mit langen Haaren besetzter, eingelenkter und nach hinten
gerichteter Anhänge, welche neben kleineren langbehaarten kegelför-
migen Fortsätzen jederseits auf der Bauchseite der einzelnen Hinter-
leibsringe als passive Bewegungsorgane zu dienen scheinen. Die
90 Erichson: Bericht über die ^vissenscll. Leistungen in der
Füsse haben eine einzelne Klaue; dies und die eingelenkten Fortsätze
an der Spitze des Hinterleibs bringen diese Larve in die Nähe derer
der Staphylininen, Silphalen und Histerinen, unter denen sie mit
den ersteren die meiste üebereinstimmung haben.
Staphylinii, Die in Finnland einheimischen Arten der Gat-
tung Mycetoporus hat Mäklin in seiner Inauguralschrift „Ad Cogni-
tionen! speciarum Fennicarum generis Mj^cetopori Symbolae. Helsing-
forsiae, 1847" gemustert. ^Vährend in meinen Gen. et Spec. Staphyl.
aus verschiedenen Gegenden Europa's und Nordamerica's nur 9 Arten
aufgeführt sind, hat der Verf. in Finnland deren 13 entdeckt, darun-
ter 7 neue, von denen er eine schon früher im Bull. Mose, beschrie-
ben hatte; er zieht hieraus den Schluss, dass in dieser Gattung, wie
bei den Omalinen, die Zahl der Arten nach dem Norden hin zunehme.
Diese 13 Arten sind: M. sjilendens^ 'punctus , longulus , lepidus,
piceus n. sp., pronus, ruficollis n. sp., crassicornis n. sp.,
bicolor n. sp. , elegans Mäkl. Bull. Mose, longicornis n. sp.,
splendidiis^ debilis n. sp. — Da diese kleine Schrift wahrscheinlich
bei uns nicht sehr verbreitet ist, theile ich hier die Diagnosen der
neuen Arten mit. 5. M. picetis: „Elongatus, linearis, piceus, ore,
antennarum basi, segmentorum abdominalium marginibus pedibusque
testaceis, prothorace disco iitrinque punctis duobus, elytris puncto-
rum Serie dorsali simplice. Long. 1| lin." Kleiner als M. lepidus,
noch schmäler, durch die Bildung der Fühler und etwas grössere
Länge und die Punctirung der Flügeldecken unterschieden. — 7. M.
ruficollis: „Oblongus, nigro-coerulescens, nitidus, ore, prothorace,
macula elytrorum humerali apiceque, segmentorum abdominalium
marginibus pedibusque rufis, antennis fuscis, basi testaceis, elytris
punctorum serie dorsali simplice. Long. \<^—\\ lin.". Vom M. pronus
durch die Färbung, die Länge der Fühler, deren vorletzte Glieder
etwas breiter als lang sind, und durch länglichere Form unterschie-
den. — 8. M. er assicornis: ,, Oblongus, rufo-testaceus, nitidus,
antennis fuscis, basi testaceis, peetore abdomineque nigricantibus,
hoc segmentis singulis margine postico rufo-testaceis, elytris protho-
race dimidio fere longioribus, punctorum serie dorsali simplice.
Long. \\ lin." Dem M. pronus durch die stärker verdickten Fühler,
die Färbung und Punctirung der Flügeldecken nahe stehend, unter-
schieden aber durch breiteres, nach vorn weniger verengtes Hals-
schild, längere Flügeldecken und die Stellung der Puncte auf dem
Halsschilde, deren am Vorder- und Hinterrande vier in einer Quer-
reihe stehen. — 9. M. bicolor: „Oblongus, niger, nitidus, ore, an-
tennarum basi apiceque, prothorace, elytris, segmentorum abdomi-
nalium marginibus pedibusque rufo-testaceis, elytris in medio , prope
seriem dorsalem punctorum, punctis duobus approximatis impressis.
Long. 1^— 1| lin." Dem M. crassicornis sehr ähnlich, etwas dicker,
ausserdem durch die Punctirung der Flügeldecken und den fast ganz
glatten Hinterleib unterschieden. — 11. M. longicornis: „Subelon-
Naturgeschichte der Insecten während des Jahres 1847. 91
gatus, rufo-testaceiis, nitidus, vertice articulisque antennarura inter-
mediis infuscatis, oculis, pectore, elytris basi prope scutellum ab-
domineque nigris, hoc tarnen apice segmentisque singulis margine
postico rufo-testaceis, elytris punctorum serie dorsali simplice. Long,
n — 2 lin. — 13. M. debilis: „Eiongatus, linearis, dilute rufo-testa-
ceus, nitidus, abdomine piceo, apice tarnen segmentorumque margi-
nibus rufo-testaceis, antennarum articulis 5 — 9 leviter transversis.
Long. 1 — 1^ lin." Dem M. splendidus am Nächsten verwandt, aber
etwas kleiner, die Fühler sind dünner, anders gebildet und der Hin-
terleib stärker punctirt.
üebergänge und Verwandtschaften unter den Arten der Gattung
Quedms, dargestellt von J, L, C. Gravenhorst (Entom. Zeit. S. 211.
226). — Der Verf. sagt am Schluss: „Womit lässt es sich rechtferti-
gen, wenn man dieselben Verschiedenheiten, die man bei einer Art
nur zur Bezeichnung von Abarten zulässt, bei andern zur Trennung
in zwei und mehr Arten anzuwenden sich erlaubt, selbst dann, wenn
in der That allmälige Veränderungen und Üebergänge stattfinden?
Bei den 21 hier näher betrachteten Quedienarten sind wir gerade in
diesem Falle: unter den 16 ersten Arten steht der Q. 7iitidus (Grav.)
allein den übrigen 15 Arten gegenüber; alle die Unterscheidungszei-
chen, die bei diesen fünfzehn in Anspruch genommen werden, um
die Arten zu unterscheiden, sollen bei dem nitidus nur als Unter-
scheidungskennzeichen von Abarten dienen. Wollen wir consequent
sein, so müssen wir, wenn wir die 15 Arten bestehen lassen, auch
die Abarten des nitidus als selbstständige Arten freigeben, oder wenn
wir letzteres nicht wollen, so müssen wir auch die 15 Arten nur als
Abarten einer Art gelten lassen, denn sie gehen eben so in einander
über, wie die Abarten des nitidus; und da einige von 15 Arten un-
mittelbar in den Q. 7iitidus übergehen, so würden sie selbst mit die-
sem in eine Art zusammenfallen. Nur die letzten 5 Arten {laeviga-
tus^ impressus, pediculus, capucinus , laevicollis) unterscheiden sich
von den übrigen beständig durch die gröbern und wenigem Puncto
auf den Deckflügeln, und könnten mit Ausnahme des laevicollis j der
nach Erichson ein Philonthus sein soll, wieder eine besondere Art
ausmachen."
Als neue Arten sind beschrieben
von v. Kiesen wetter (Küster Käf. Europ. 8.46) Ocalea co?i-
cnlor aus der Dresdener Gegend; ferner (Entom. Zeit. S. 74 — 78)
Homalota nivalis ^ Quediits unicolor ^ satyrus^ Lesteua monti-
cola, Aspedium troglodytes^ Anthobium longulum vom Riesen-
gebirge und Anthobium palligerum aus Steiermark;
von Rosenhauer (Beitr. S. 10) Homalota po Uta und Aleo-
chara monticola aus Tirol und Staphylinus meridionalis aus
Südfrankreich.
92 Erich son: Bericht über die wissensch. Leistungen in der
Aus Peru sind 1 Jgrodes (Sterculüt Lap.) , 3 Phiionthus, 1 Cri/-
ptobium und 1 Lithocharis als neue Arten vom Ref. aufgeführt (dies
Archiv S. 88).
SilpliaJes. Zwei neue Arten von Catops wurden von Rosen-
hauer (Beitr. S.22) beschrieben: C. abdominalis aus Tirol und
C. varicornis von Stettin.
Die Larven der Silpha opaca fressen Mangelwurzel und Beet
nach dem Journ. of the Roy. Agric. Soc. of Engl.
jAnisotomitlae» Die Larve des Liodes humeralis ist vom
Ref. beschrieben (dies Arch. S. 284). Es wird durch deren Unter-
suchung die Vermuthung bestättigt, welche ich über die nahe Ver-
wandtschaft der Silphalen und Anisotomiden geäussert habe. Die
wesentliche Uebereinstimmung der genannten Larve mit denen der
Silphalen ist sehr gross, es finden sich jedoch einige Abweichungen
im Vorhandensein der Zunge, in der Lage der Hinterleibsstigmen, in
der Zahl der Augen, und dem Vorhandensein einer Mahlfläche an
den Mandibeln, welche indess kaum ausreichen möchten, die üeber-
einstimmungen zu überwiegen.
läisteriidi. Von Rosenhauer (Beitr. S. 24) machte 3 neue Arten von
Saprinus bekannt, S. sabuleti und pullus aus der Erlanger Ge-
gend und .S*. cur t US aus Ungarn.
Ref. stellte 1 Omalodes , 2 JJister, 1 Saprinus und 1 Teretrius
aus Peru als neue Arten auf (dies Arch. S. 90).
Vrichopterygia» Eine Uebersicht über die bisherigen Lei-
stungen in dieser Familie hat Allibert mitgetheilt (Note historique
sur la famille des Trichopterygiens, avec le catalogue et la synony-
mie des especes publiees jusqu'en 1847: Rev. Zool. S. 187). Von
besonderem Interesse ist ein V^erzeichniss über sämmtliche Arten,
deren der Verf. im Ganzen 84 aufführt, nämlich 33 Trichopteryx,
33 Vtilium^ 15 Ptenidium, 3 Nossidium, 19 dieser Arten sind aber
solche, welche der Verf. nicht ermitteln konnte, meist Stephens'sche,
so dass noch 65 vom Verf. selbst untersuchte Arten übrig bleiben.
Nicht zu billigen ist, dass der Verf. die von ihm in einer früheren
flüchtigen Uebersicht gegebenen Namen den bereits wissenschaftlich
begründeten überordnet; durch Herausgabe seiner umfassenden Mo-
nographie, welche in Guerin's „Animaux articules" erscheinen soll,
wird er sich so grosses Verdienst erwerben, dass er sie durgh Auf-
stellung einiger Namen nicht zu vermehren braucht. Die in der vor-
liegenden Abhandlung mitgetheilte Uebersicht über die Literatur
scheint von Gillmeister mit so grosser Treue entlehnt zu sein, dass
auch hier das Erscheinen Marsham's Entomologia Britanica in das
Jahr 1822 (statt 1802) gesetzt wird. Die hier gegebene Schilderung
des Baues derTrichopterygier, namentlich ihrer Mundtlieile, ist sehr
?saturgesclüchte der Insecten "svahrend des Jahres 1847. 93
mangelhaft, und scheint ebenfalls hauptsächlich nach Gillmeistcr's
Abbildungen entworfen zu sein.
Redtenbacher (Faun. Austr. 1. S. 148) theilte seine Beobach-
tungen über die Mundtheile mit, die von den meinigen abweichen. Als
Mandibeln beschreibt er nur Bruchstücke derselben, denn es fehlt
die Mahlfläche, welche sehr schwer aus dem Kopfe zu erhalten ist,
übrigens auch von Schiödte beobachtet wurde. Auch die Lippentaster
sieht der Verf. anders als ich. — Es stand ihm eine besonders grosse
neue Art zu Gebot, Ptilium Ferrarii aus der Wiener Gegend.
Jüfltiilulariae» R/nzop/iagus cyanipe?inis Hardy (Ann.
n. bist. XIX. S. 379) in England aufgefunden, ist einerlei mit unserem
deutschen H. coeruleus Waltl.
Pellis Yv anii KWiheri (Rev. Zool. S.12) als neue Art aus
China und Brasilien aufgestellt, ist vermuthlich einerlei mit Peltis
pusilla Kl. (von Madagaskar und Brasilien).
Von Ref. (dies Arch. S. 92) wurden 1 Colastus , 1 Carpophilus,
1 Loliopa und 1 Trogosita aus Peru als neue Arten aufgeführt.
V. Kiesen vvcttcr machte darauf aufmerksam, dass Meligethes
aeiteiis sich mitunter in ungeheurer Menge auf dem blühenden Raps
zeige, und dass sie auch die Blüthenblätter anfresse, dass es aber
an sicheren Erfahrungen darüber fehle, ob sie wirklich für die Erndte
nachtheiliff werde. Bei den Landwirthen hatte sie Besorgniss erregt,
und die arg befallenen Felder waren theilweise umgeackert worden
\ (Allg. deutsch, naturhist. Zeit. 2. Jahrg. S. 165). Ref. bezweifelt, dass
der Käfer in solchem Falle schädlich werde, denn wenn er auch
eine grosse Menge von Blüthenstaub und Blumenblättern verzehrt,
wird er die Fruchtbildung beim Raps doch nicht beeinträchtigen,
und darauf kommt es eben an. Andere Arten von Meligethes, weiche
eben sich entwickelnde Triebe anfressen, wirken nachtheiliger auf
die von ihnen bewohnten Pflanzen ein, dies ist aber beim M. aeneus
nicht der Fall.
Colydii» Von Germar sind Eiidophloens exsculptus Friv.
aus Südrussland, E. squarrosus Friv. aus Macedonien, Tarphius
gibbulus Er. aus Sicilien und Diodesma subterranea Ziegl. aus
Oesterreich abgebildet und genauer beschrieben (Faun. Ins. Europ.
XXIV. 2-5).
A. Costa (Annal. dell' Accad. degli Aspir. 2. Ser. I. S. 150) hat
eine neue Gatt. Ceropachys aufgestellt, welche indess mit Corti-
cus einerlei ist; auch die bei Neapel im Winter unter Baumrinden
vorkommende Art, C. foveicollis, ist vermuthlich von C ort, cel-
tis nicht verschieden.
94 Erichson: Bericht über die wissensch. Leistungen in der
Ref. stellte eine neue Art von Ditoma aus Peru auf (dies Arch.
8. 94).
iJucuiipes» Die Larve des Prostomis mandibularis wurde
vom Ref. bekannt gemacht (dies Arch. S. 285). Sie stimmt im We-
sentlichen mit denen von Cucuius und Brontes überein, zeigt aber
mehrere Eigenthümlichkeitent Bei gleicher langer und platter Form
ist sie nämlich weichhäutig, und es fehlen ihr sowohl die Augen als
die eingelenkten Fortsätze zwischen den letzten Ringen. Sie wurde
mit dem Käfer in Gesellschaft einer Ameise (Form, brunnea) in fau-
len Eichenstöcken vom Hrn. Oberförster Wissmann entdeckt.
Cryptophagides» Von Allibert (Rev. Zool. S. 12) wurde
Cryptophagiis Guerinii als neue Art (mit Früchten aus China er-
halten) aufgestellt; sie möchte indess nichts anderes als Silvanus
advena sein.
IlEyc€tophagid,es* Die Larve des Mycetophagns {multipun-
ctatus) wurde von Ref. beschrieben (dies Arch. S. 283). Sie nähert
sich auf der einen Seite denen der Melyriden, Nitidularien , Colydier
und Cryptophagiden , auf der anderen Seite denen der Dermestiden
an, unterscheidet sich aber von allen, von den ersteren durch ihren
mehr gesenkten und runden Kopf, von den letzteren durch ihren fast
unbehaarten Körper.
Diese Familie ist von Dr. J. Sturm im 19ten Bändchen seiner
„Deutschi. Fauna" bearbeitet.
Aus Peru wurde eine neue Art von Litargus von Ref. aufgestellt
(dies Arch. S. 94).
Xfermejstini* Dr. J. Sturm behandelte diese Familie (mit
Ausnahme der schon früher bearbeiteten Anthrenus) im 19ten Bande
seiner „Deutschlands Fauna" und erläuterte vorzüglich die Dermestes-
Arten durch eine Reihe schöner Abbildungen.
Attagenus dalmatinus, Anthrenus nitidulus und apicalis
aus Dalmatien und Montenegro sind von Küster als neue Arten be-
kannt gemacht (Käf. Europ. X. 44. 47. 48).
Die Larve des Attagenus Seh aeff er i ist von Rosenhauer
(Ent. Zeit. S.325) beschrieben. Sie hat grosse Uebereinstimmung
mit der des A. pellio. Ihre Entwickelung geschah in 2 Jahren.
Syrrhii. Eine neue Art ist Byrrhus rutilans Gebier
(Bull. Mose. 1847. IL S.451), ein Hochgebirgskäfer Sibiriens, dem ß.
aeneus verwandt, also wohl ein Morychus.
GeoryssiU Eine neue Familie wurde aus der Gatt. Georyssus
vom Ref. (Deutschi. Ins. IIL S. 500) begründet, welche von den Byr-
Naturgeschichte der Insecten während des Jahres 1847- 95
rhiern und Parniden, denen sie sich am nächsten anschliesst, durch
häutiges Prosternum , zapfenförmig vorstehende Vorderhüften und
4gliedr. Füsse sich unterscheidet.
Parnidae» Diese Farn, ist vom Ref. (Deutschi. Ins. III. S. 505)
in zwei Gruppen getheilt I. Dryopini mit den Gatt. Lutrochus
(n. g. aus Brasilien), Peloiiomus {Drijops picipes Ol. und Parnus
h7'asilia7ius Kl.), Parmis , Parygrus (südamericanische Form),
Dryops {Parti, substriatus Müll., Dr. DumerilU Latr., ausgezeichnet
besonders dadurch, dass das Endglied der Maxillartaster zwei Tast-
tlächen hat) , Helichus {Elmis lithophila Germ.) und Potamophilus. —
II. El mini mit den Gatt. Limnius {L. tiiberctilatus Müll.), ElmiSy
Cylloepus {Lim. araneolus JH.), Stenelmis^ Macronychus und An-
cyronyx {Macronych. variegatus Germ. St.).
IKeteroceritlae» Ref. (Deutschi. Ins. III. S. 539) bemerkte
bei den Heterocerus-Arten eine vollständige Vorrichtung zum Zirpen,
welche in einer bogenförmigen, oft gekerbten Leiste auf jeder Seite
des ersten Hinterleibsringes gelegen ist, und über welche eine an
der Innenseite der Hinterschenkel befindliche Längsleiste streicht.
IKytlrophilii* Als neue Arten sind Elophorus frigidus
aus den kalten Gewässern der alpinen Region des Berges Pena Lara,
von Graells (Ann. d. 1. Soc. Ent. d. Fr. S.305. T. 4. F.L 4) — ferner
Ochthebius met alles ceiis aus der Erlanger Gegend, Hydraena in-
iermedia von Tirol und Hydr, Sieboldii aus der Umgegend von
Erlangen von Rosenhauer (Beitr. S. 27) beschrieben.
"Westwood theilte mit, dass Helophorus fenniciis auf Turneps-
Feldern beobachtet worden war, wo er Nachts die jungen Blätter
abfrass, wie es aber schien nur auf solchen Stellen, wo verschie-
dene Düngerarten einander kreuzten (Garden. Chron. S. 442. Proceed
Ent. Soc. S. xvii).
Scarahaeide*, Eine neue Eintheilung dieser Familie ist
vom Ref. (dies Arch. S. 95— 112 und Deutschi. Ins. S. 562) entworfen.
Dieselbe ist zunächst in 2 Reihen, Sc. pleurosticti und laparo-
sticti getheilt. Bei der ersten liegen das 2te — 6te Paar Luftlöcher
des Hinterleibes in dem umgeschlagenen Theil der Bauchhalbringe
desselben und das 7te ist frei, der vorletzte Rücken und Bauchhalb-
ring sind verwachsen; die Zunge ist mit dem Kinn verwachsen und
bei den Larven sind die beiden Laden der Maxillen verwachsen; bei
der zweiten Reihe liegen alle Luftlöcher des Hinterleibs in der Ver-
bindungshaut zwischen den Rücken- und Bauchhalbringen, und wer-
den alle von den Flügeldecken bedeckt; die Zunge ist vom Kinn ab-
gesetzt und bei den Larven sind die beiden Laden der Maxille ge-
trennt. — Die erste Reihe enthält die Gruppen der Dynastiden,
9G Erichson: Bericht über die \vissensch. Leistungen in der
Cetoniiden, Ruteliden (mit Einschliiss der Anoplognathiden und
Anomalarien, von den beiden vorigen durch die ungleichen Klauen,
von den Melolonthiden durch die Lage der Luftlöcher abweichend)
und Melolonthiden. In der zweiten Reihe finden wir eine grös-
sere Mannigfaltigkeit von Kennzeichen vor, indem der üebergang bis
zu den Lucaniden hin stufenweise vermittelt wird. Auf der ersten
Stufe bestehen die Unterschiede von der ersten Reihe und in solchen
Puncten, in denen sich die beiden Reihen iiberhaupt unterscheiden:
hier stehen die Glaphyriden (mit Ausschluss derer mit ungleichen
Klauen, die zu den Melolonthiden gehören), die Hyboso riden und
Geotrupinen. — Auf der zweiten Stufe finden sich die Epimeren
der Hinterbrust, die bei den vorigen frei waren, verdeckt, wie auch
bei allen folgenden; hierhin kommen die Copriden, Aphodiiden
und Orphniden. Bei den übrigen wird der dem 8ten Rückenhalb-
ringe gegenüberliegende (6te) Bauchhalbring vom vorhergehenden be-
deckt, und zwar ist dies der Fall bei den Trogiden, welche die
Fühlerkeule noch den vorhergehenden gleich gebildet haben, und
bei den Passalinen und Lucaninen, wo sie sich kammfÖrmig
gestaltet.
Von Burmeister's „Handbuch der Entomologie" ist der 5te Band
erschienen. Er enthält die Bearbeitung der Dynastiden und Lucaninen.
Dynastida e. Neue Gattungen sind:
Semanojiterus Hope (Transact. Ent. Soc. Lond. IV. S. 281)
Kopf vorn gerundet, in der Mitte gehörnt (oder vielmehr gehöckert).
Die Mandibeln stark, stumpf und liaarig (aussen gerundet). Die
Maxillen mit 3 scharfen Zähnen. Das Endglied der Maxillartaster
verlängert eiförmig. Das Kinn in der Mitte erweitert, vorn einge-
zogen und ausgerandet. Der Körper länglich, etwas niedergedrückt,
das Halsschild kaum breiter als die Flügeldecken. Die Beine kräf-
tig, die Vorderschienen mit 3 scharfen Zähnen. — Die Gattung ist
mit Phileurus verwandt, hat eine Längsfurche auf dem Halsschilde
und erhabene Rippen auf den Flügeldecken. — Drei Arten aus Neu-
holland: S. Adelaidae ^ S. subaegualis und S. depressus.
Tomarus des Ref. (dies Arch. S. 95). Die Mandibeln aussen
buchtig, an der Spitze in zwei stumpfe Zähne getheilt. Die Maxillen
mit 6 scharfen Zähnen. Kinn länglich, vorn verengt, an der Spitze
rundlich erweitert. Fühler lOgliedr. Vorderschienen Szähnig. Kopf
und Halsschild unbewehrt. Die Gattung ist vorzüglich dadurch aus-
gezeichnet, dass während die meisten Dynastiden mittelst des Hin-
terrandes der Flügeldecken, welcher über Riefen des vorletzten Hin-
terleibsringes streicht, zirpen, sich hier zu gleichem Zweck ein
kleines gerieftes ^eldchen auf der Unterseite der Flügeldecken neben
dem hinteren Theile des Seitenrandes findet, gegen welche eine ge-
genüberliegende Erhabenheit des Hinterleibes streicht. Diese Gattung
enthält eine Reihe americanischer Arten, darunter eine neue aus Peru.
Naturgeschichte der Irisecten während des Jahres 1847. 97
Ancognatha Des selb, (ebenda S.97) mit Cyclocephala ver-
M'aiidt. Das Kopfschild verschmälert, zugespitzt. Die Lefze mit einer
untergebogenen hornigen Spitze. Die Mandibeln schmal, zugespitzt,
aufwärts gebogen. Die Maxillarlade stumpf gezahnt. Das Kinn läng-
lich, nach vorn verschmälert und zugespitzt. Die Fühler bald 10-,
bald Ogliedr. — Drei Arten aus Peru, darunter Cycloceph. scara-
baeoides Dej.
Ausserdem wurden 1 Oryctes, 1 Fhileurus nnd 6 Cyclocephala
vom Ref. (a. a. O.) als neue Arten aus Peru aufgestellt.
Ferner wurde Fentodoii elatus von Küster (Käf. Europ. X. 60)
als neue Art beschrieben und
von Hope (Transact. Ent. Soc. Lond. IV. S. 280. T. 19. F. 7) das
Weibchen des Corynojthylhis Fortmimi, aus Adelaide, abgebildet.
Eine Abbildung des Dynastes Hardwickü (^ lieferte Westwo od
in Orient. Ent. T. 13. F. 4.
Cetoniidae. Ein Verzeichniss der Cetoniiden in der Sammlung
des Britischen Museums, mit Dr. Schaum's Beihülfe bestimmt, wurde
von Ad. White bearbeitet. (Nomenclature of Coleopterous Insects
in the Collection of the British Museum, Part I. Cetoniadae, Printed
by Order of the Trustees, Lond. 1847).
Bemerkungen zur Synonynvie der Cetoniiden theilte Ders. mit
(Ann. of nat. hist. XX. S. 264).
Melly zeigte an, dass er in Gemeinschaft mit Dr. Schaum eine
Reihe von mehr als 20 Individuen beider Geschlechter des Gollathus
giganteus^ Drurii, Cacicas, rcgius und yrinceps untersucht, und
alle möglichen üebergänge zwischen diesen vermeintlichen Arten ge-
funden habe, so dass sie nach seiner Meinung alle nur Eine Art aus-
machten, wie auch Mecynorhina Savagei nur eine Abänd. des M.
Polyphemus sei. „Abgesehen von der Färbung der Flügeldecken",
sagt der Verf., „ist Gol. giganteus nur ein G. Drurii, ich habe ein
G. Drurii 9 , wo die Flügeldecken blau sind wie bei G. Cacicus,
ich habe schwarze Cacicus und andere, wo nur die Wurzel der Flü-
geldecken so gefärbt ist, so dass ich es unmöglich finde zu bestim-
men, wo sich die eine Art von der anderen scheidet. Die Form der
Hörner und Eindrücke auf dem Schildchen , welche ich sonst für gute
Kennzeichen hielt, ändern bei allen Stücken ab. Wenn ich in der
Folge eine noch grössere Anzahl von Individuen untersucht haben
werde, werde ich sehen, ob sich meine gegenwärtige Ansicht bewährt
findet." (Ann. d. 1. Soc. Ent. de Fr. Bull.' S. lv).
Zwei neue Untergattungen der Goliath-ähnlichen Cetoniiden wur-
den von Westwood aufgestellt. (Descriptions of two new Goliath-
Beetles from Cape Pahuas, in the Collection of the Rev. F. W\ Hope:
Transact. of the Ent. Soc. of Lond. V. S. 18. T. 1): 1. Smicorhina,
Archiv f. IVaturgcsch. XIV. Jahrg. 2. Bd. G
98 Erichson: Bericht über die wissensch. Leistungen in der
Untergatt, von Mecynorhina: „Corpus oblongum, depressum, supra
velutinum, lateribus subparallelis , pedibus elongatis. Caput maris
mediocre, disco inter oculos in laminas duas parvas horizontales
porrectum, angulis ante oculos porrectis, acutis, clypeo antice in
cornu breve recurvum apice obconicum producto. Antennarum clava
minuta. Maxillarum lobus internus in mare in unguem curvatum
producfus. Prothorax lateribus pone medium fere rectis, margineque
postico fere recte transverso. Elytra elongata, depressa. Processus
Sternalis brevissimus, apice rotundato. Abdomen subtus in mare
canaliculatum. Pedes elongati. Tibiae anticae maris satis graciles,
extus tridentatae, dentibus parvis, intus pone medium serratis. Ti-
biae intermediae maris in medio 2dentatae-, tibiae posticae in medio
1-dentatae. Tarsi elongati, simplices." Eine neue Art Sm.Sayi. —
2. Megalorhina^ Untergatt, von Ceratorhina Westw. : „Corpus
oblongo- ovale, subdepressum, supra velutinum-, elytris postice an-
gustioribus. Caput maris mediocre, supra fere planum, dentibus
duobus minutis fere ad oculos positis, angulisque ante oculos acute
spinosis; clypeo in cornu valde elongatum, subrecurvum, apice longe
bifidum producto. Antennarum clava mediocris; maxillarum lobus
externus in mare in unguem corneum acutum productus. Prothorax
transversus, convexus, fere semicircularis, margine postico ante
scutellum parum emarginato. Elytra subconvexa, postice sensim
attenuata, maculis pallidis numerosis guttata. Processus sternalis
antice porrectus, apice subobtuso. Pedes antici elongati, tibiis an-
ticis curvatis, externe fere ad apicem emarginatis, interne serratis;
tarsis elongatis, simplicibus. Tibiae quatuor posticae in medio in-
ermes. Eine neue Art M. Harrisii; beide sind vom Palmenvorge-
birge, von der Küste von Guinea.
Eine neue Gatt. Bomhodes vom Himalaja -wurde von Dems.
(in d. Orient. Entomol. T. 17. F. 4) aufgestellt: ,,Pronotum parvum,
convexum, subheptagonum , postice supra scutellum parum extensum;
mesosternum simplex, inerme; tibiae anticae et intermediae extus
Sdentatae, posticae inermes; clypeus antice emarginatus. Vertex
subcarinatus. Elytra in medio costata. Corpus supra cum pedibus
valde pilosum. Affinis Taenioderae et Chromaptiliae. Eine neue Art
B. ursus, im Ansehn der letztgenannten Gattung nicht unähnlich.
Neue Arten sind: Helerorhina anthracina Desselb. (ebend,
F. 7) vom Himalaja (ausserdem sind dort noch Het. nigritarsis und
Jmnnos Ruckei'i abgebildet), — ferner Clinteria Hoff meistert
^Vhite (Ann. nat. bist. XX. S. 341) aus Ostindien und Diaphonia
Bassii Desselb. (ebenda S. 264) von Neuholland — und Gymnetis
ly,ncea dps Ref. (dies Arch. S. 104) aus Peru.
Rutelidae. Eine neue Gattung, Pe/jero7/o/ö, ist von West-
wood bekannt gemaclit (Description of a new Genus of Lamellicorn
Naturgeschichte der Insecten während des Jahres 18i7. 99
Beetles from India, belonging to the Family of Rutelidae: Transact.
of the Ent. Soc. of Lond. 1X^8.296. T. 22 und Orient. Ent. T.17. F.5).
Sie steht Parastasia nahe, hat aber keinen Brustfortsatz, dagegen
zeichnet sich das Männchen durch einen Fortsatz des Halsschildes
aus, der in ungewöhnlicher Richtung vom Hinterrande sich über das
Schildchen fort nach dem Kücken der Flügeldecken erstreckt. P.
Har ringt onii ist in Ostindien, in der Nähe des Himalaja ein-
heimisch.
Auch Parastasia rtifopicta W., von Sylhet und Assam, ist von
Westwood in der Orient. Ent, T. 17. F. 6 abgebildet.
Vom Ref. (dies Arch, S. 98) 1 Macraspis, 1 Pelidnota, 2 Ano~
mala, 3 Platycoelia, 1 Brachysternus , 1 Bolax, aus Peru, aufgestellt.
Melolonthidae. Diese Gruppe ist vom Ref. (Deutschi. Ins.
S. 653) in folgende neun Untergruppen getheilt:
1. Euchiridae Hope {Euchirus).
2. P achypodii Y,x. {Pachypus Latr. , Prochelyna n. g., Pachy-
cülus n. g. , Elapliocera Gene, Achelyna n. g., Clitopa n. g. , Achloa
Er., Leuretra Er. und vielleicht auch Metascelis Westw.).
3. Tanyproctini {Leo7itochaeta = Leocaeta Dej., JLagosternay
Holophylla n. g. , Macrophylla Hope = Aegostetha Dej., Onochaeta
n. g., Tanyproctus Fald. = Phlexis Er. = Dasysterna Dej., Tryssus
n. g., vielleicht auch Artia Ra-rab.).
4. Melolonthini {Polyphylla^ Anoxia Lap. = Catalasis Dej.,
Melolontha, Rhopaea n. g. , Enthora n. g. , — Lachnodera n. g., Leu-
cophoUs Dej., Coniopholis n. g., Empecta n. g. , — Encya Dej., fjy~
jjopholis n. g., Pegylis n. g. , Enaria n. g., Diplotaxis Kirby, Apogo-
nia Kirby, Liparetrus MacL. , — Rhi%otrogus Latr. , Tricheslhes
n. g , Lasiopsis n. g., Mo7iotropiis n. g. , Anofietus n. g. , ApUdia Kirby,
Ancylonycha Dej., Pliytalus n, g. , Trematodes Fald., Schi%onycha Dej.
5. Macrodactylidae Kirby (auf America beschränkt, aber
reich an Formen, unter denen die Gatt. Rhinaspis, Plectris , Dasyus,
Eiogenys :=. Ampliicrania Dej., Dichelonycha = A^aeretüs Dej., ho-
mjchus, Macrodactylus , Ancistrosoma = Sciuropvs Dej. und Ceraspis
die bekannteren und genauer begränzten sind.
, ß. Phaenomer ini (Phaenomeris).
(,\.ß, Sericoideae Er. (reich an neuholländischen Gattungen, als
Stethaspis Hope, Pyroiiota Boisd., Diphyllocera White, Colpochila,
Silopa, Scitala, Nepytis, Telura Er., Pachytrichia Hope und als
etwas abweichende Form Ma-echidius MacL,, — von der Westseite
Südamerica's sind Sericoides Guer. und Diaphylla Er., — aus Süd-
europa: Chnsmatopterus Latr.).
8. Sericidae Kirby {Camenta Dej., Ablabera Da]., — Pleo-
\phylla n. g., Emphania n, g., Trochalus Lap., Serica MacL., Homa-
Yopliu = Omaloplia Steph. ~ Brachyphylla Muls., Triodonta Muls.,
if)0 Erichson: Bericht über die \Yissensch. Leistungen in der
fjywe7iojiUa Escli., — Astaena Er., Symmela Er,, Athlia Er., —
Phiillotocus Fisch. = Macrot hops MacL., — Diphncephala Dej.
9. Hoplides Latr. {Hoplia, ferner Monoclielus ^W., Pachyciiema
Enc, Anisonyx Latr., Lepttrix, Eriesthis Dej., Cliasme Enc. u. s. w.)
Eine Anzahl früher mit den Glaphyriden verbundener Gatt, als
Anisonyx u. a. ist hier mit den Hopliden verbunden, mit denen sie
im Bau des Hinterleibes und der Lage der Luftlöcher übereinstimmt;
sie zeichnen sich durch einen häutigen Zungentheil der Unterlippe
und pinselförmig behaarte Maxillarlade aus: eine gleiche Bildung
dieser Mundtheile findet sich aber auch bei einzelnen Gattungen an-
derer Untergruppen, nämlich bei Pachytrichia unter den Sericoideen
imd bei Phyllotocus unter den Sericiden, es kann also die Verbin-
dung jener früheren Glaphyriden mit den Hopliden um so weniger
einem Bedenken erliegen, als in der Bildung der Mundtheile durch
Monochelus ein stufenweiser Uebergang vermittelt wird.
Von den neuen Gattungen sind drei vom Ref. im Arch. S. 100—
102 aufgestellt: Leuretra, zu den Pachypodinen gehörend, die
Fühler 9gliedr. , mit verlängertem dritten Gliede und Sblättr. Keule;
die Lefze klein, gerundet, untergebogen, die Unterlippe gewölbt; die
Beine 'Ziemlich kurz, mit in der Mitte gezahnten Klauen. — Ast aena,
zu den Sericiden gehörend; Fühler 9gliedr., das 5te verlängert, die
Keule Sblättr. , die Lippentaster auf der äusseren Fläche der Unter-
lippe eingelenkt; die Hinterhüften nur den ersten Bauchring des Hin-
terleibs bedeckend, die Vorderschienen Szähnig; die Klauen an der
vSpitze gespalten. — Diaphylla, zu den Sericoideen gehörend, hat
eine un<yetheilte gerade vorgestreckte Lefze, scharf gezahnte Maxil-
len, lOgliedr. Fühler, mit ßblättr. Keule, 2zähnige Vorderschienen,
kräftige an der Wurzel gezahnte, an der Spitze gespaltene Klauen.
Als neue Arten sind vom Ref. (ebenda) 1 Leuretra, 2 Ancylo-
7\ycha, 1 Astaena, 1 Symmela j 1 Diaphyllay 4 IsonycJms , 1 Anci-
stroso'ma und 1 Philochloem'a, aus Peru, aufgestellt.
Ausserdem ist Chasmatopterus hispidulus vonGraells (Ann.
d 1 Soc Ent. d. Fr. S.307. T. 4. F. L3) als neue Art von Guadar-
rama bekannt gemacht.
Neue Abbildungen von beiden Geschlechtern des Euchirus (Chi-
rotonits) Mac Leaii Hope und Dupontianus Burm. {iUneatus Waterh.)
lieferte Westwood in der Orient. Ent. T. 1 u. 13.
'■.)'■
Glaphyiidae. Die Arten von Amphicoma sind von Truqui
(Rev. Zool. S. 161.352) einer Durchsicht unterworfen, und zugleich
in zwei Gattungen Amphicoma und Eulasia getheilt: Die Kennzeichen
yon Amphicoma sind: Mandibulae edentatac; labiuni mento externe
concavo, segmentis sequentibus exsertis, ligula paragiossis brevibus;
thorax latitudine haud brevior; tarsi antici in maribus pectinati. Die
Naturgeschichte der Insectcn ^vährelul des Jahres 1847. 101
hierher gehörigen Arten, J. meles (F.) und J. ciliaia Men. {mtistela
Waltl) sind von gestreckter, zusammengedriicivter Form, mit stumpf
dreizähnigen Vorderschienen; die Hinterfiisse sind beim Männchen
viel länger als beim Weibchen. — Die übrigen Arten bilden die neue
Gatt. Eulasia („Mandibulae dentatae; labium mento convexo, cari-
nato, segmentis sequentibus exsertis, ligulae paraglossis elongatis.
Thorax latitudine brevior; tarsi in maribus pectinati") ist von flache-
rer Form, und die drei Zähne der Vorderschienen sind meist scharf.
Zwei ünterabtheilungen : A. Die Mandibeln mit einem scharfen Zahn
an der Aussenseite, an der Innenseite zweizähnig: 1. vittata F., 2.
j>apavGris St.; 3. Goudotü Casteln., aus dem südlichen Spanien und
Tanger. Die Mandibeln aussen gerundet, ohne Spur eines Zahns,
a. Die Mandibeln innen zweizähnig. «. Die äussere Lade der Maxille
pinselförmig stark verlängert; die Maxillartaster kürzer als dieser
Pinsel. 4. Lasse? rei Parr. Ahr.; 5. bombyliusY., ß. die äussere Lade
der Maxille kurz pinselförmig; die Maxillartaster länger als der Pin-
sel; 6. Gen ei n. sp. (viridi-aurata, elytris testaceis, parce nigro-
griseoque hirsuta) von Jerusalem; 7. pretiosa n. sp. (purpureo-
cuprea, parce nigro -hirta, subtus aenea, flavo-pilosa, tibiarum po-
sticarum mucronibus procul ab apice sitis) aus dem Syrischen Kü-
stenlande. — b. Die Mandibeln an der Innenseite dreizähnig. «.
Schildchen kurz, gerundet: 8. arctos (Pall.); 9. bombyliformis Fall.;
10: Ä/co/or Friv. Waltl; IL hyraxvi. sp. (aeneo-nigra; fusco, griseo,
fulvoque hirta, elytris fulvis, breviter nigro-pubescentibus, margine
intenio et externo nigro, apice concolore, prothorace sat fortiter
punctato) aus Syrien. — ß. Schildchen verlängert dreieckig: 12. vul-
pes F., womit der Verf. mit Recht J. hirsuta, distincta und vulpe-
cula auet. verbindet; 13. Syriaca L. („violacea vel viridi-aenea , ely-
tris colore vario, angulo suturali in femina mucronato ; prothorace
rugulose minus distincte punctato, vix transverso , angulis posticis
distinetis") aus Syrien.
*' Eine neue Gatt. Dasychaeta ist voiii Ref. (dies Arch. S. 104)
aufgestellt; sie ist zunächst mit Lichnia verwandt, unterscheidet sich
dadurch, dass die Augen nur halb durchsetzt und die borstenförmige
Maxillarlade nur kurz ist, und enthält eine neue Art aus Peru.
Geotrupini. Eine sehr ausführliche Beschreibung des Geotrn-
pes siculits Dahl. hat A. Costa geliefert, indess ohne Angabe der
verschiedenen Synonyme (lllustrazione al Geotrupes siculus Dahl.;
Annal. dell' Accad. degli Asp. nat. 2. Ser. 1. S. 81).
Hybosoridae. Diese Gruppe ist vom Ref. (dies Arch. S. 104)
aufgestellt. Sie hat 6 Bauchringe des Hinterleibs, welche, bis auf
das letzte, verwachsen sind, und lOgliedr. Fühler. Es gehören dahin
Hybosorus M. Leay, Phaeochrous Lap. {Siiphodes Westw.), Coehdes
Westw. , Dicraeodoji Er., Hapalonychus Westw. (Tn'chops Dej.). —
102 Erichson: Bericht über die wissensch. Leistungen in der
Die neue Gatt. Dicraeodon zeichnet sich durch aussen zweizäh-
nige Mandibeln aus und \%i ?i\XQ\i, Qhaeto(lon? basalis Westw.
Coprides. Westwood (Characters of various Croups and
Species amongst the Coprophagous Lamellicorn Beetles: Transact.
Ent. Soc. Lond. IV. S. 225. T. 16. 17) hat eine Reihe neuer Gattungen
beschrieben, die nach den Proceed. Eist. Soc. schon in früheren Be-
richten zur Sprache gekommen sind: Sebasteos, südafricanische Form
von Ateuchus, E/jilissus , Araclmodes ^ Nanos, die beiden letzten auf
Kosten von Epilissus Dej. aus einzelnen Arten aus Madagaskar ge-
bildet, 3Iac?'oderes auf Onlhoph. Greenü Kirby gegründet, Vroxys
nur eine abweichende Form von Chaeridium, mit ein?r neuen Art
aus Columbien. , Onthocharis (früher irrthümlich für Scatonomus ge-
halten) und Anofiiiopus, beide mit zwei Arten aus Südamerica, als
Gattungen nicht wesentlich unterschieden. .,
Ref. (dies Arch. S. 107) hat mehrere neüö Gätt^iiigen aus den
americanischen Arten von Copris gebildet; sie haben eine ganz be-
haarte, durchblätterte Fühlerkeule und 7 Streifen auf den Flügel-
decken: Ontherus (z. B. Cojpr. sulcator F.), Lippentaster schmal,
das Blatt der Mandibeln häutig, in der Mitte mit einem hornigen
Streif; die hinteren Schienen ungezahnt, auf der Aussenkante säge-
förmig gekerbt; die Bauchseite des Hinterleibes sehr kurz, die Nähte
der mittleren Ringe oft undeutlich. — Pinotus, Fühler 8 — Ogliedr.,
das erste Glied der Lippentaster sehr gross, erweitert, das Blatt
der Mandibeln hornig mit häutiger Spitze. Die hinteren Schienen
mit fein gekerbter Aussenkante und erweiterter Spitze; die hinteren
Füsse erweitert, mit allmählich schmäleren Gliedern. Hierhin gehört
der grössere Theil der americanischen Copris - kxiQX\ (z. B, C. Caro-
lina), für deren einzelne Formen schon die Namen Holocephalus und
Dichotomius Hope, Chalco- und Selenocopris Burm., wie auch Bra-
chycopris Haldem. aufgestellt sind, welche jedoch für die ganze Gat-
tung unpassend erscheinen. — Cant hidium^ die Lippentaster schmal^
das erste Glied das grösste; das Blatt der Mandibeln häutig, aussen
mit einem Hornstreif; die Beine ziemlich lang, die hinteren Schienen
mit schwach gekerbter Aussenkante und erweiterter Spitze, die Hin-
terschienen schmal, unten kammförmig gewimpert, mit verlängertem
ersten Gliede, in der Körperform Canthon (Coprobius Latr.) glei-
chend, bisher verwechselt mit Chaeridium Enc. , bei welchen der
zurückgezogene Kopf von den Vorderbeinen gedeckt wird, die Vor-
derschienen eine meisselfÖrmige Spitze haben, und die hintern Füsse
kurz, an der Wurzel erweitert, nach der Spitze hin stufenweise
schmäler sind. — Scatimus endlich hat mit Chaeridium die grösste
üebereinstimmung und weicht vorzüglich dadurch ab, dass die hin-
teren Schienen auf der Aussenseite zwei Querleisten haben.
Einige andere neue Gattungen stellte Ref. in der Naturgesch. d.
Ins. Deutschi, auf: Delopleurus (S. 761), ein kleiner südafricani-
Naturgeschichte der Iiisecten Mahreud des Jahres 1617. 103
scher Käfer, von Coptorhina durch schmale Hinterfüsse unterschie-
den, und Sarophorus (ebenda) aui Pedaria tuberculata Lap. er-
richtet; ferner (S. 763) Chalcoderes {Ateuch. maculatus F.) durch
langes schmales Kinn, Monapus (n. sp. aus Neuholland) und Psi-
lax {Onthoph. pronus Er.) durch tiefgespaltenes Kinn, und PÄ«-
lops {Copr. ciconia F. u.a.) durch vollständig getheilte Augen von
Onthophagus abvveichend.
Als neue Arten sind 5 Canthon, 2 Onthophagus^ 4 Phanaeus,
2 Ontherus , 2 Pinoius^ 2 Canthidium, 1 Scatimus^ aus Peru vom
Ref. (dies Arch. S. 105) aufgestellt.
Hope (Transact. Ent. Soc. Lond. IV. S. 282) beschrieb zwei neu-
holländische Arten von Onthophagus, O. cereus und Jdelatdae,
von denen der erste einerlei mit O. auritus Latr. Er.
Aphodiidae. Einige aussereuropäische Formen dieser Gruppe
wurden von Westwood erläutert (Descriptions of some Exotic
Insects belonging to the Family Aphodiidae: Transact. Ent, Soc.
Lond. IV. S.239. T. 17) 1. Euparia Enc, erläutert durch die Ab-
bildung zweier Arten, E. castanea Enc. und E. nigricans n. sp.
die erste angeblich aus Nordamerica, die zweite unbekannten Vater-
landes. — 2. Rypariis Dej. Cat., auf folgende Weise beschrieben:
„Caput magnum, supra fere planum, angulis lateralibus ante oculos
parura prominentibus; antennae 9-articulatae; maxillae utinAphodio
formatae; mentum transverso-quadratura, antice valde setosum; labium
e lobis duobus membranaceis constans; palpi labiales breves, late-
rales, et, ut videtur triarticulati; prothorax fere quadratus, capite
parum latior, lateribus versus angulos anticos sinuatis, disco longi-
tudinaliter costato; prosternum ante pedes anticos porrectum; pedes
antici breves, femoribus crassis, tibiis extus edentatis tarsisque bre-
vibus; elytra prothorace paulo latiora, ante medium parum dilatata,
disco costata, costis ante apicem terminatis; scutellum minimum,
fere inconspicuum; pedes 4postici graciles, breves, tibiis haud den-
ticulatis; abdomen segmento anali subtus rotundato, granuloso."
Eine Art 71. Desjardinsii von der Insel Mauritius; (eine zweite
Art kommt im südöstlichen Africa vor). ~ Chaetopistes hat mit
Corythoderus Kl. (Symb. Phys.) sehr grosse üebereinstimmung und
ist schwerlich verschieden: ,, Corpus oblongum, glabrum, dorso valde
sulcato; Caput antice deflexum, fronte semicirculari marginata, mar-
gine parum reflcxo, acumine subangulato, clj'peo infra parum con-
vexo, cavitate ovali os includente; maxillae corneae extus valde se-
tosae, lobo apicali corneo, in unguem acutissimum curvato, subtus
setis rectis corneis armato; mentum ovale basi truncatum; (die übri-
gen Mundtheile sind nicht beobachtet). Antennae 9articulatae, arti-
culo 2. tribus sequentibus aequali, 6. intus acute producto, tribus
ultimis clavam articulis liberis formantibus •, prothorax fere rotunda-
tus, antice truncatus, convexus, glaberrimus, medio profunde sul-
104 Erichson: Bericht über die wissensch. Leistungen in der
catus; metasternum subtriangiilare; elytra glabra, apicibus setosis,
singulo 4-sulcato, sulcis aequi-distantibus; pedes lati, compressi ;
tibiae iiec spinosae nee serratae, angulis externis apicalibus acutis,
oblique truncatis." Die Art CIt. fulvus, 1^'" lang, ist in Ostindien
einheimisch.
Ref. (dies Arch. S. 110) bestimmte die Gatt. Ewparia genauer,
durch gewölbten Kopf, bei eingezogenem Kopfe verdeckte Augen,
einfache hintere Schienen, ohne Querleisten, aber am Ende aussen
io eine Spitze ausgezogen; sehr kleine Klauen. Unter dieser Bestim-
mung begreift Euparia eine grosse Zahl von sämmtlich americani-
schen Arten unter sich, unter denen Aph. stercorator F. als der be-
kannteste zu bezeichnen ist.
Kriechbaum er (Ent. Zeit. S. 21) theilte ,, Bemerkungen über
Aphod. luridus und ni^ripes'*'' mit. Die von ihm als A. nigripes be-
zeichnete Art ist allerdings von der ganz schwarzen Abänd. sowohl
des A. luridus (dem ächten A. nigripes) als des A. depressus ver-
schieden und von mir als A. atramentarius bezeichnet.
Als neue Arten sind aufgestellt:
von Rosenhauer (Beitr. S. 29) Aph. tyrolensis aus Tirol und
A. nigrolineatus aus Sardinien. (Die erste ist eine gute Art, die
zweite ist Aph. lineolatus Jllig.).
von Hardy (Ann. nat. bist. XIX. S. 380 u. 382) Aph. suhalpintis
und uliginosus^ aus den gebirgigen Theilen von England, beide
noch näherer Prüfung bedürftig.
von Graells (Ann. d. 1. Soc. Ent. d. Fr. S. 306. T. 4. F. 1. 3) Aph.
Carpet anus aus Spanien.
von Allibert (Rev. Zool. S. 18) Aph. elegan.^ aus China und
Japan (einerlei mit Aph. bisignatus De Haan).
von Hope (Transact. Ent. Soc. Lond. IV. S. 284) Aph. Adelai-
dae., cincticulus, sculptus, Tasf/tantae, Howitti, aus Neu-
holland. (Der erste ist Aph. granarius L., der zweite Aph. livi-
dus Ol.).
von Ref (dies Arch. S. HO) 2 Euparia aus Peru.
Orphnidae. Diese Gruppe, von Ref. in dies. Arch. S. 111 auf-
gestellt, von den Aphodiiden vorzüglich durch lOgliedr. Fühler ab-
weichend, enthält die Gatt. Orphfius Mac L., Triodontus Westw.,
Aegidium Dej., Hybalus Dej. und Ochodacus Meg. — Die letzte Gatt,
bereicherte Ref. (ebenda) mit einer neuen Art aus Peru.
Trogidae. Ref. (dies Arch. S. 111) stellte eine neue Gattung
Omorgus auf, welche von Trox durch vorragende hornige Zunge,
längeres erstes Glied der Lippentaster und ungewimpertes Halsschild
sich unterscheidet. Es gehören dahin Trox suberosus F. und eine
Naturgeschichte der Insecten während des Jahres 1847. 105
grosse Zahl anderer bekannter Arten. Eine neue aus Peru Nvurde
vom Ref. (ebenda) hinzugefügt.
Passalidae. Vier neue Arten aus Peru wurden vom Ref.
(ebenda) aufgestellt.
Lucanini. Westwood (On the Sectional Characters of the
Genus Lucanus, with Descriptions of some new Species of Lucani-
dae: Transact. Ent. Soc. Lond. IV. S. 271. T.20) bemerkte, dass die
Dornen an der Aussenseite der Mittel- und Hinterschienen einen vor-
züglichen Anhalt zur Gruppirung der Arten von Lucanus gewährten,
und die Zahl der Fühlerblätter als diesem Merkmal untergeordnet
zu betrachten sei. Es werde dadurch die Gattung Lucanus in drei
grosse Gruppen getheilt: 1. solche mit 2 oder 3 Dornen an der
Aussenseite der hinteren Schienen, wie bei unserem Hirschkäfer. —
2. mit nur 1 Dorn in der Mitte der hinteren Schienen bei beiden
Geschlechtern, wohin sowohl die riesigen Dorcus Ostindiens, als
die kleinen Dorcus der gemässigten Klimate, und die Aegus M. Leay's
gehören, welche letzteren sich von den übrigen Lucanen nicht wohl
absondern Hessen; — 3. ohne Dornen an den vier hinteren Schienen,
(z. B. L. metnlUfer Boisd., L. Biirmeisteri Hope, L. hicolor F., L.
Delessertii Guer. , L. Smmdersii Hope, L. Baladeva Hope, L. gla-
bratus De Haan), oder nur beim Weibchen mit einem kleinen Dorn
in der Mitte dieser Schienen (z. B. L. Dow?iesfi Hope, L. chmamo-
7neus Guer. , L. dorsalis).
Als neue Arten sind von Dems. (ebenda) beschrieben und abge-
bildet Luc. faunicolor Hope von Java? L. Rafflesü'Uope von
Java (=L. cinnamomeus $); L. sericeusEope, ebendaher; L. re.
ticulatus Buq. von Neuseeland; L. Dorcus capitatus von Ma-
lacca, aequalis Hope aus Ostindien, malaharicus Hope von
Malabar, distinctus Hope aus Ostindien, und Platycerus Ore-
gonensis Westw. vom Oregon.
Ders. bildete in der Orient. Ent. T. 8 u. 10 eine Reihe ostindU
scher Lucanus -Arten ab: L. dux Westw. (Ann. 1811) von Manila
L. flatycephalus Hope (Ann. XII.) von Assam; L. muliidentaUis w!
(dem L. tarandus Thunb. verwandt) aus Ostindien, L. inqmnatus\\.
desgl., L. strigiceps Westw. (ebenfalls dem L. tarandus Thunb. ver-
wandt) vom Himalaja. — L. Mearsii Hope Ann. (ob lama Ol.) von
Sylhet; L. rangifer Seh. von Borneo (== tarandus Thunb.); L. Jen-
kinsü Westw. von Assam; L, occipitalis Hope von Manila; L. casta-
nopterus Hope (ZooL Mise.) von Nepal; L. aeratus Hope (Zoo).
Transact.) von der Insel Penang.
Tenehrionites. A. Costa (Annal. dell' Accad. degli Aspir.
2. Ser. L S. 146) hat eine neue Gatt. Cnemeplatia aufgestellt: „An-
tennae graciles, articulis subnodosis tribus ultimis paulum maioribus,
106 Erichsoll: Bericht über die wissensch. Leistungen in der
aequalibus, clavam oblongam formantibus; tibiae anticae ad apicem
maxime dilatatae, trianguläres, angulo apicali externo obtuse pro-
ducto, interno bispinoso; reliqua fere ut in Coxelis." Die Art C.
atropos: „corpore oblongo, subrectangulo, depressiusculo, capite
pronotoque punctatis, hoc postice angustiore, linea media foveaque
utrinque impressis, elytris longitudinaliter costulatis, interstitiis for-
titer biseriatim punctato-striatis , catenulatis, fuscus vel fusco cinna-
momeus, unicolor; long. i\ Vj bei Neapel an Baumwurzeln und unter
Moos. — Ferner folgende neue Arten: Paiidarus strigosus
(S. 144): „oblongo -ovatus, depressiusculus, fortiter punctatus, pro-
thorace supra lateribus subtusque impresso, longitudinaliter profunde
strigoso, angulis posticis triangulariter productis; elj^tris grossius
punctato-striatis, interstitiis confertim punctatis; niger, nitidus, an-
tennis apice tarsisque piceis; long. 3| — 441.", bei Neapel in sandigen
Gegenden. — Omophlus dispar (S. 154): „capite pronotique longi-
tudine latioris lateribus confertim, huius disco laevi subtilius et par-
cius punctatis, elytris confertim et irregulariter punctatis; niger,
nitidus, elytris testaceis, antennaium articulo tertio $, secundo et
tertio tibiisque anticis cT pallide testaceis; long. 4 — 4^1." — Omo-
phltis tibiah's (SAbQ): ,, capite pronotoque subquadrato minutissime
et confertissime punctatis, elytris striato-punctatis; niger, brevissime
cinereo-pubescens, capite pronotoque longius parceque nigro-pilosis,
elytris, antennarum basi, palpis, apice excepto, tibiis tarsisque pal-
lide testaceis; long. 3^ — 3^ 1.", beide von Neapel.
Als neue Arten sind ferner aufgestellt:
von Rosenhauer (Beitr. S.31) Opatrutn pedestre aus Tirol
und Hypophloens 7-iifulus aus verschiedenen Gegenden Deutschlands^
von Parry (Proceed. Ent. Soc. Lond. S. 126) Trictenotonia
aenea vom Himalajah.
vom Ref. (dies Arch. S. 113) 3 Evaniosomus , l Hylithus, 1 Gy-
riosomus^ 1 Praocis ^ 1 Scotobius, 1 P/iysogaster , 2 Blaptiiius, ^Epi-
tragus, 1 Achanius n. g. , 1 Zophobas^ 1 Goniadera, 1 Adelina,
1 Flatydema^ 1 Nilio , 1 Spheniscus , 5 Stenochia, ^Allecula, i P?'o-
steiius, aus Peru.
Die neue Gattung Achanius gehört zur Gruppe der Epitragier,
hat das Kopfschild vorn rundlich erweitert, die Lefze verdeckt, das
Endglied der Maxillartaster eiförmig mit abgestutzter Spitze, Vor-
der- und Mittelbrust ohne Vorragung, die Füsse unten mit sehr kur-
zen BÖrstchen dünn besetzt.
WLelaitdrytttlae» Orchesia sepicola^ grandicollis und
Dircaea tenuis Rosenhauer (Beitr. S. 32) sind neue Arten, alle
in Tirol, die erste und letzte auch bei Erlangen gefunden.
JOagriiiriue» Eine neue Art von Statira^ aus Peru, ist vom
Ref. (dies Arch. S. 122) aufgestellt.
Naturgeschichte der Insecteii während des Jahres 1847. 107
JXordelloniie» Neue Arten sind Mordella humerosa und
Anaspis badia Rosenhauer (Beitr. S. 38) aus Ungarn, ferner
Anasp. phalerata Germar (Faun. Ins. Europ. 24.8) aus Hessen,
endlich sind 1 RhipipJiorns und 1 Mordella aus Peru vom Ref. (dies
Arch. S. 123) bekannt gemacht.
Die Verwandlungsgeschichte der Anaspis maculata Fourc. {oh-
sciira Gyll., bipunctata Bon.) ist von Perris (Ann. d. 1. Soc. Ent.
d. Fr. S. 29. T. 1. F. II. 1—5) beschrieben. Die Larve ist linienförmig,
schmal und lang, in der Jugend niedergedrückt und erst kurz vor
der Verpuppung Malzenförmig; der Körper ist röthlich weiss mit
ziemlich lederartiger Haut} der Kopf vorgestreckt, flach, elliptisch,
die Fühler 4gliedr. , an der Spitze mit einer langen Borste; dieMan-
dibeln kurz und kräftig, innen zweizähnig; die IVlaxillen mit sehr
kleiner haariger Lade; Lippentaster 2-, Maxillartaster 3gliedr., Augen
fand der Verf. nicht; Beine sehr kurz; jeder Körperring hat an den
Seiten 2 Hornhöcker, deren jeder ein langes abstehendes Haar trägt-
der letzte Hinterleibsring geht nach hinten in 4 hornige Spitzen aus
von denen die äusseren länger und mehr nach aussen gerichtet sind-
auf der Unterseite eine einziehbare Warze, die als Nachschieber
dient. Die Larve lebt in abgestorbenen Weinreben, in deren Holze
sie unregelmässige Gänge frisst. In diesen Gängen findet auch die
Verwandlung statt. Am Ende des März findet man die Gänge von
W^urmmehl und Larven, Puppen und Käfer darin, im Mai sind die
Käfer alle hervorgekommen und schwärmen auf Dolden und anderen
Blüthen.
Oeüenteritiie» „Ueber einige russische Oedemeriden" von
Dr. Kolenati (Bull. Mose. S. 132). Der Verf. zählt die von ihm in
Russland beobachteten Arten auf, unter denen eine neue Oedemera
caucasica, aus Transkaukasien. — Von besonderem Interesse sind
die Mittheilungen über das Vorkommen des Dityhis laevis bei Pe-
tersburg, und die Beschreibung und Abbildung der Larve desselben
welche in Pfählen von Fichtenholz lebt.
Eine neue Art von Nacerdes aus Peru stellte Ref. auf (dies
Arch. S. 124).
JLnthicides. Neue Arten sind: Ajitkicus Schmidtii und
Genistae Rosenhauer (Beitr. S. 35) aus Tirol und Oclühenomus
melanoceplialus Küster (Käf. Europ. IX. S.57) aus Dalmatien,
so wie Mo7ioceros binotatus (Dej.) Gebier (Bull. , Mose. 1847. IL
S. 488) aus dem westlichen Sibirien.
Jfteloides» Zwei neue Arten von Meloe, aus Peru stellte
Ref. auf (dies Arch. S. 123).
108 Erichson: Bericht über die wissensch. Leistungen in der
^alpingitles» Die Larve des Rhinosimus roboris ist
vom Ref. beschrieben (dies Arch. S. 287). Aus ihrer Untersuchung
geht hervor, dass die Salpingiden weder den Oedemeriden einge-
schlossen, noch den Curculionen eingereiht -werden können.
Drei neue Arten aus dem Königreich Neapel sind von A. Costa
in den Annal. dell* x\ccad. d. Aspirant. 2. ser. I.) aufgestellt worden:
R/u?iosimus Ge?i et (S. 107) „punctatus, nitidus, capite, pronoto, an-
tennarum basi pedibusquo testaceo-rufescentibus, his pallidioribus,
elytris obscare viridibus; corpore subtus nigro, ano obscurc ferru-
gineo; long. l?jl." Auf dem Mutia, unter Buchenrinde (scheint von
Rh. ruficollis nicht verschieden). — Rhmosfm. Spinolae (S.109):
„angustatus, punctulatus, aeneus, rostro et antennarum basi testa-
ceis, pectore abdomineque piceis, pedibus pallide testaceis; long,
ly'ö 1." Auf dem Matese, unter Buchenrinde (scheint vom Rh. plani-
rostris nicht verschieden). — Salpingus lituratus (S. 158): ,, capite
pronotoque subtiliter punctatis, hoc lateribus inflexis antice dilatatis,
elytris fortiter punctato-striatis; supra sum antennis pedibusque
testaceis, elytris flavescentibus, basi interna, margine externo, litura
discoidali aliaque media communi antice posticeque abbreviatis nigris;
subtus niger; long. 1 1." Bei Neapel in vertrocknetem Gesträuch.
CurciilioniAes» Nachdem Schönherr in seinem grossen
Werke bereits über 650 Gattungen der Rüsselkäfer aufgestellt hatte,
ist ihm kurze Zeit nach dem Schlüsse desselben, vorzüglich durch
die reichhaltigen Entdeckungen Wahlberg's im Südosten Africa's, be-
reits eine so grosse Zahl neuer Formen zugegangen, dass er in einem
neuen Nachtrage wieder nahe an 50 neuer Gattungen beschreiben
konnte. Dieser Nachtrag ist unter dem Titel „Mantissa secunda Fa-
miliae Curculionidum seu descriptiones novorum quorundam generum
Curculionidum a C. J. Schönherr, Holmiae, 1847" erschienen. Die
meisten Gattungen sind auf neue Arten gegründet, welche, grössten-
theils den Wahlberg'schen Sammlungen angehörend, von Boheman
werden beschrieben werden. Die neuen Gattungen vertheilen sich
auf folgende Weise in den Familien und zwischen den älteren Gat-
tungen :
Anthribides: 13-— 14, Ectato tarsus, von Ansehn des Xyli-
nades, aber durch die Bildung der Fühler und Füsse unterschieden;
die letzteren sind sehr verlängert. S.-O.-Africa. — 35—36, Exeche-
sops, dem Tropideres ähnlich, aber mit anders gebildeten Fühlern
und grossen gestielten Augen; S.-O.-Africa.
Tanaonides: 61—62, ApleiiOTuus und Mecole7ius, beide
von Apionenform und aus S.-O.-Africa.
Brenthides: 66 — 67, Symmorphocerus, den Amorphocerus
ähnlich, aus S.-O.-Africa. — 67 — 68, Cordtis, vom Ansehn eines
Cerobates, unbekannten Vaterlandes (Neuholland).
Naturgeschichte der Insecten während des Jahres 1847. ;109
Entimides: 104 — 5, Mythites, einem Hipporhinus ähnlich,
aber mit nur llgliedr. Fiihlerschniir und mit nach vorn vorragenden
Schultern; aus Vandiemensland.
Pachyrhynchides: 105 — 6, Misetes^ aus S.-O.-Africa. —
123—4, Microstylus, ebendaher, in der Form einem Camaratus
ähnlich »vielleicht einer eigenen Abtheilung zuzuweisen.
Brachy derides: 126—7, Aedojihorus^ einem Strophosomus
ähnlieh, aus S.-O.-Africa. — 126—7, Mimaulus, einem Trachy-
phloeus ähnlich, ebendaher. — 126—7, Ectatops, von der Gestalt
des Strophosomus, aber Fühler, Rüssel und Halsschild sind anders
gebaut; ebendaher. — 131 — 2, Dactylotus, einem Blosyrus ähn-
lich, aber der Rüssel oben fast flach und glatt, und die Schienen an
der Spitze in einen Winkel erweitert; aus Daurien. — 133 — 4, Mi-
met es, mit Sciaphilus verwandt, aus Californien. — 142, Viaxo-
mias Seh. bedurfte einer etwas veränderten Beschreibung, da diese
Gjattung mit einer Anzahl neuer Arten bereichert ist, welche theils
aus dem Steppenlande Mittelasiens, theils aus den Gebirgen Indiens
(Brachyasp/'sfes Perrotetä, jirasinus und acutipe7im's Seh. ct.), theils
aus S.-O.-Africa stammen. — 142 — 3, Aspidiotes, der vor. Gatt,
ähnlich, aus dem südl. Spanien. — 142 — 3, Pterotropis, einem
Naupactus ähnlich, aus Columbien. — 144 — 5, V haenofrnathus^
einem Piazomias ähnlich, mit kräftigeren Fühlern, kantigem, oben
dreifiirchigem Rüssel und breiten vorragenden Mandibeln; aus Grie-
chenland. — 144 — 5, SyTiimuthet es, mit Piazomus zunächst ver-
wandt, auch einem Epicerus ähnlich, aus Brasilien. — 144—5, Ta~
phr orhynchus , mit Geotragus zunächst verwandt, aus Assam. —
154—5, Mimographus , einem Naupactus der 5. Gr. ähnlich, aber
mit anders gebildeten Fühlern; Naup. decolor Seh. VI. und mehrere
andere südamericanische Arten. — 158 — 9, Cimbus^ mit Hypomeces
zunächst verwandt, aus S.-O.-Africa. — 170—1, Podionops, einem
Sitones ähnlich, ebendaher.
Cleonides: 230—1, P uracaerius^ aus Südafrica. — 235—6,
Synthlibonotus, einem Otiorhynchus und Barynotus ähnlich, aus
Columbien. — 240 — 1, Heter oschoenus^ einem Peritelus ähnlich,
nur das erste Glied der Fühlerschnur ist lang, das zweite gleich den
übrigen kurz: hierauf bezieht sich der Gattungsname. S.-O.-Africa.
M o 1 y t i d e s : 262—3 , Limobius , den Cnrc. disshnilis Hbst. ent-
haltend, der' durch 6gliedr. Fühlerschnur von Phytonomus (Hypera)
abweicht. — 262 — 3, Eugnomus^ vom Ansehn einer Hypera, aus
Neuseeland.
Byrsopides: 266 — 7, Hoplitotr achelus, aus S.-O.-Africa
— 269—70, Aula'rhinus, einem Listroderus ähnlich, ebendaher. —
274—5, Pteropleclus , aus Neuseeland.
Cyclomides: Euomus, auf Kosten von Amycterus gebildet,
den A. iiisculptus, nodipennis , muthmasslich auch A. scorpio Boisd.,
collaris Hope, fiasalis Dej., D'esfwoodii Seh. und Stephensii Hope
110 Erichsoii: Bericht über die wissensch. Leistungen in der
enthaltend. — 288, Jmijcterus auf A. miriis , mirahilis^ mirabundus,
?norosuSy exasperatus ^ Sckönherri^ BoisduvaUi^ pastillarius ^ Man-
glesi'i, bucephalus, bubalus beschränkt. — 288—9, Acant holophus
MacL., aus der ersten Gruppe von Jmycterus Seh. VII. (Marshami
u. f.) gebildet. — 310 — 11, Aprepes, vom Ansehn eines Liophloeus,
aus Sibirien. — 330 — 1, Ascepa?'nuSy aus Neuholland. — 331 — 2,
Brachytrachelus, aus S.-O.-Africa. — 331 — 2, Glyptosomus,
ebendaher.
Erirhinides: 353—4, Cenior, einem Cryptorhynchus ähnlich,
aus Brasilien. — 357—8, Strongylorhinus, einem Aleides ähnlich,
aus Vandiemensland. — 357 — 8, P hacellopterus, einem Pissodes
ähnlich, aus S.-O.-Africa. — 373 — 4, Lamyrus^ einem Coptorus
ähnlich, ebendaher. — 389—90, Vaep alesomus^ einem Lixus eini
germassen ähnlichj aus Manila. — 399—400, Aitip hib olocorynus,
einem Anthonomus ähnlich, aus S.-O.-Africa. — 407 — 8, Phace-
tnastiXy einigen grösseren Arten von Baridius etwas ähnlich, eben-
daher. — 432 — 3, P ansmicrus , ebendaher. — 448 — 9, Aossote-
rns, von der Gestalt und dem Ansehn eines Tanyrhynchus, aber in
den Fühlern und dem Rüssel verschieden; ebendaher. — 449 — 50,
St efiocep ha Ins/ einem Myovhmns sehr ähnlich, aber durch den
hinter den Augen verlängerten, walzigen Kopf, längere und dünnere
Fühler u. s. w. verschieden; ebendaher.
Cryptorhynchides: 519 — 20, Sy7ithliborhynchtis, mit
Macrocorynus zunächst verwandt, aber durch den an der Wurzel
aufgetriebenen und zusammengedrückten Rüssel unterschieden; aus
S.-O.-Africa. — 529 — 30, Rkadüiocerus, einem Lobotrachelus
gleichend, die Brustrinne aber länger, deutlich begränzt, und das
Schildchen deutlich; ebendaher. — 549—50, Sclerocardzus, eben-
daher, ist ohne Zweifel mit Heteropus Seh. IV. einerlei. — 557 — 8,
Elathoceriis , einem Baridius ähnlich, aber die Fühler sind anders
gebildet und das Halsschild hat eine deutliche Brustrinne; ebendaher.
Schönherr's Eintheilung der Rüsselkäfer ist von Suffrian
einer mehrseitigen Prüfung unterworfen worden (Bemerkungen über
deutsche Rüsselkäfer, mit besonderer Beziehung auf Schönherr's G.
et Sp. Curculionidum: Ent. Zeit. S. 157, 165, 202,290). Zuerst sind
die Gruppen der Attelabiden und Rhinomaceriden in Unter-
suchung gezogen, welche dem Verf. das Ergebniss liefert, dass ent-
weder beide Gruppen zu vereinigen oder Rhy7icJtites zu den Rhino-
maceriden zu verweisen sei. Mir scheint es aber, dass Rhinomacer
attelaboides als Männchen des Diodyrhynchus austriacus mit diesem
den Attelabiden anzureihen, Rhinomacer lepturoides aber von dieser
Gruppe ausgeschlossen werden müsse. — Demnächst sind die Kenn-
zeichen der Erirhiniden geprüft; der Verf. macht namentlich auf
die Verschiedenheiten im Bau der Krallen aufmerksam, welche, ab-
gesehen von der bereits bekannten Abweichung bei Anoplus, bei
einigen die regelmässige Form zrigen, wie hei En'rhmus , bei andern
Naturgeschichte der Insecten während des Jahres 1847. Hl
bis zur Hälfte verwachsen erscheinen, wie bei Lixus ^ bei noch an-
deren endlich ist jede Kralle zweitheilig, wie bei Änthonomus, Ba-
laninus u. a, Bemerkenswerth ist der Umstand, dass die Fühler bei
abnorm gebauten Krallen fast durchgängig 12gliedr. sind, während
sie bei den echten Erirhiniden nicht von der gewöhnlichen Eilfzahl
abweichen. In Rücksicht hierauf bildet der Verf. folgende Gruppen.
a. Fühler 12gliedr. , Klauen bis zur Mitte verwachsen: Lixus^
Larinus ^ RhinocylUis und Mkronyx, welche letzte Gattung der Verf.
als mit Lixus nahe verwandt beurtheilt. (Der so nahen Verwandt-
schaft zwischen Lixus und Cleonus ist ebenfalls, aber an einer frü-
heren Stelle gedacht, wo der Verf. das ScliMankende der Unter-
scheidung zwischen Lang- und Kurzrüssler beleuchtet).
h. Fühler llgliedr., Klauen normal: Pissodes, Magdaltims, Eri~
rhimis (mit Einschluss von Tychius sparsutus Ol.), Grypidius^ Hy-
dronomns, Brachonyx, Corryssomerus^ endlich auch Anoplus.
c. Fühler 12gliedr., Schienen gespornt, die Klauen gesondert und
jede gespalten: Ellescus mit Lignyodes , Bradybates^ Anthonomus^
Balaninus.
d. Fühler llgliedr., Schienen spornlos, Klauen vereinigt, jede
gespalten: Amalus.
c. Fühler llgliedr.. Schienen kurz gespornt, Klauen zweitheilig:
Tychius^ Sibylles.
f. Fühler llgliedr.. Schienen ungespornt, die Klauen gesondert,
normal: Acalyptus , wohin der Verf. auch Tychius squamosus Dej.
rechnet.
g. Fühler llgliedr., vordere Schienen gespornt, Hinterbeine zum
Springen, Klauen gesondert und gespalten: Orchestes,
Phytobius konnte der Verf. in keine dieser Abtheilungen unter-
bringen, er findet vielmehr, dass sie noch in höherem Grade wie
Tychius mehrere mit einander unverträgliche Elemente enthält und
wenigstens zu vier verschiedenen Gattungen Stoff bietet, nämlich
1. velatus ; 2. myrio'phyUi ; 3. comuri und ^tuberculatus , und 4. no-
tttla, ^nodosus, Aco7-iiis. Mir scheint, dass diese Gattung im Zusam-
menhange mit ihren nächsten Verw^andten , Ceuthorhynchus und Rhi-
noncus geprüft werden müsse, denn die Brustrinne ist kein so we-
sentliches Merkmal, dass die Gruppe der Cryptorhynchiden dadurch
natürlich abgegränzt sei.
In der Erörterung der Ap ostasimerid en Schönherr's lenkt der
Verf. zunächst die Aufmerksamkeit auf einen eigenthümlichen Bau
der Schienen, den Schönherr bei Coeliodes und Scleropterus ange-
deutet hat, ohne das Wesentliche zu erkennen. Es sind nämlich die
Schienen am unteren Ende von oben und aussen nach unten und
innen abgeschrägt, zuweilen auch ausgerandet und auch zur Aufnahme
des ersten Fussgliedes öfter rinnenförmig vertieft ^ oft ist der abge-
schrägte Theil auch mit Wimpern besetzt. Dieselbe Bildung kommt
auch bei vielen Ceuthoj'hynchus-Aricn vor, aber in so verschiedener
\\2 Erichson: Bericht über die wissensch. Leistungen in der
Ausbildung, dass er für die Eintheilung nicht von Bedeutung ist.
Eine andere eigenthümliche Form der Schienen zeigt Coeliodes epi-
lo6ü\ wo sie mit ihrer Aussenkante dicht unter dem Knie einen
stumpfen Winkel bilden. Spornen an den Schienen finden sich bei
den meisten, bei den Ceuthorhynchus-artigen Käfern sind sie kürzer,
oder fehlen bei einigen ganz, was auch bei Poophagus , den nath-
fleckigen Cioiius und Nanodes der Fall ist. Bei den Ceuthorhynchus-
artigen Käfern treten die Spornen nur bei dem einen Geschlecht auf,
meist bei den Weibchen, und auch hier nicht an allen Schienen;
nur bei C. epüobii sind die Schienen des rf gespornt, des 9 unge-
spornt. Die Klauen zeigen ähnliche Verschiedenheiten wie bei den
Erirhiniden: eine einzige ungetheilte Klaue findet sich nicht blos bei
Mononydms^ sondern auch bei Cionus fraxini. Bei den übrigen
Ciomis, ferner bei Meciiius , Nanodes und den meisten Gymnetron
sind sie an der Wurzel vereinigt, und nur an der Spitze etwas aus-
einander stehend. Einfach und gesondert sind sie bei Baridius , Cum-
ptorhi'mts, Cryptorhynchus , Gastrocercus ^ Acalles , Acentus , Bagous^
einigen Ceuthorhynchus , Poophagus, Lyprus und einem Theil von
Gymnetron {graminis u. a.); gespaltene Klauen finden sich bei Coelio-
des, Oi'obitis, den meisten Ceuthorhynchus, Rhinoncus, Tapinotus,
Rhytidosomus und Scleropterus,
„Enumeration der Rüsselkäfer, welche vom Baron Maximilian
von Chaudoir und vom Baron A. von Gotsch auf ihren Reisen im
Kaukasus und in Transkaukasien im Jahre 1845 gesammelt wurden,
nebst Beschreibung der neuentdeckten Arten von Joh. Heinr. Hoch-
huth." (Bull. Mose. S.448). — Es sind 236 Arten gesammelt, wäh-
rend in Faldermann's Fauna Transcaucasica nur 156 Rüsselkäfer auf-
gezählt werden, von denen nur 52 von den Reisenden aufgefunden
wurden; ausserdem führt Schönherr noch 72 Arten aus dem Kauka-
sus auf, so dass sich die Gesammtzahl der aus den Kaukasusländern
bekannt gewordenen Rüsselkäfer auf 412 beläuft. Unter den hier
aufgeführten sind 59 Arten neu, und zwar aus den Gattungen: Bru~
chus , Api'on^ Homalorhinus (Men.), SciaphiluSy Chlorophanns, Poly-
drosus^ Cleonus y Pachycerus , Alophus , Minyops, Phytonomus, Phyl-
lobius, Omias, Peritelus ^ Otiorhynchiis, Lixus, Brachypus (Seh.),
JLarinus^ Tychius , Smicronyx, Baridius, Coeliodes , Acalles , Bagous,
Ceuthorhynchus , Sitophilus , Rhyncolus. Ausserdem drei neue Gat-
tungen: Oxyophthalmus: ein kleines Käferchen vom Ansehn des
Ptochus porcellus, aber näher mit Phyllobius verwandt, zwischen
dieser Gattung und Chloebius Seh. in der Mitte stehend, von der
letzteren durch die länger gestreckten Glieder der Fühlerschnur, die
Form des Halsschildes und die Stellung der Augen unterschieden;
die letzteren erscheinen nach oben zugerundet, nach unten spitz; die
Art ist O. St e venu benannt.— Micro larinus ist mit Rhinocyllus
zunächst verwandt und unterscheidet sich durch die fast runden etwas
Naturgeschichte der Insecten während des Jahres 1847. j[13
gewölbten Augen, durch den ungelappten Vorderrand des Halsschilds,
und anders geformte Fühler: diese sind nämlich sehr kurz, etwas
dick, kaum gebrochen, der Stiel ziemlich kurz, nach aussen sehr
verdickt, die Schnur 7 gl., die Glieder alle kurz, an einander ge-
drängt, das erste wenig dicker als das 2te, die folgenden allmählig
breiter, die Keule fast eiförmig, kurz zugespitzt; eine Art: M.rhino-
cylloides. — Ephimeropus von der Form des Bagous lutosus, aber
ohne Rinne auf der Unterseite des Halsschilds und mit dicht zusam-
menliegenden Vorderhüften , also mit Hydronomus zunächst verwandt,
von dem er sich durch die Bildung der Fühler und der Beine unter-
scheidet. Die Fühler sind ziemlich kurz und dünn, die Schnur 7 gl.,
das 2te Glied derselben doppelt so lang als das erste, die folgenden
kurz und dicht an einander schliessend. Die Beine sind lang und
dünn, die Schienen lang, gegen die Spitze gebogen, an der Spitze
mit einem Häkchen bewaffnet; die Füsse lang und schmal, das vor-
letzte und letzte Glied länger. Eine Art E. geniculatus.
Suffrian (Ent. Zeit. S. 87) setzte seine Untersuchungen über die
Geschlechtsunterschiede der Ceut hör ht/nchus - Arten fort.
Wal ton hat seine lehrreichen kritischen Untersuchungen über
die britischen Rüsselkäfer in den Ann. of. nat. hist. XIX. fortgeführt,
und zwar die britischen Arten der Gattungen Trachypliloeus (S. 217),
Omias (S. 314) und Otiorhynchus (S. 445) gemustert. Eine neue Art
\9,i Otiorhynch. fissirostris Schönh. i. litt. (S. 452).
Als neue Arten sind beschrieben:
von Rosenhauer (Beitr. S. 39— 57) Sciaphihis bellus^ Sitones
tenuis, Plintus mucronatus^ Otiorhynchus fortts^ eremicola,
distiticticornis^ hypocrita^ angusttor ^ suhquadratus ,
pauscillus^ glabellus , desertus, prolixus; alle aus Tirol, fer-
ner Bagous vah'dus, Gymnetron haemorrhous und fuligino-
sus aus Ungarn, Nanophyes lateralis von Erlangen;
von Küster (Käf. Europ.) Sitones intermedius (IX. 66) von
Ragusa und Larinus lynx (XI. 92) aus Sardinien;
von Ger mar (Faun. Ins. Europ. XXIV. 11 — 12) Mesagroims
occipitalis aus Dalmatien und Flatytarsus a uro sus aus Sicilien;
von Suffrian (Entom. Zeit. S. 89) Ceut hör hynchus barbareae
vom Ruhrufer bei Arensberg;
Von A. Costa ( Annal. dell Acad. degli Aspir. nat. 2. ser. I.
S. 157) Acalles plagiato fasciatus: ,,oblongus, niger, dense
silaceo squamosus, antennis ferrugineis, rostro confertim punctato,
medio obsolete carinato, basi tantum vestito; prothorace antice
subito angustato, constricto, dorso medio impresso, tuberculis 4 anti-
cis fasciculatis aliisque duobus oblongis utrinque posticis; elytris
punctato-striatis, interstitiis elevatis tuberculis parvis fasciculatis
instructis, fascia lata media fusca et plaga communi pone eam albida
Archiv f. Naturgesch. XIV. Jahrg. 2. Bd. H
114 Erich son: Bericht über die ■wissensch. Leistungen in der
decoratis; long \^—\\ 1."; auf Disteln am Ufer von Bajae bei Neapel;
zwischen dem A. dromedarius aus Portugal und A. fasciculatus aus
Sicilien in der Mitte stehend;
von Allibert (Rev. Zool. S. 14 — 16) Bruchus obliquuSy
Jeckeliiy g lab er und nig rosignatns aus China.
von Westwood (Orient. Ent. T. 15) Arrheiiodes Xiphias von
der Prinz-Wales-Insel (Pinang), Diurus forciyatus ebendaher^ Tapho-
deres Whitei von den Philippinen. (Auf derselben Tafel sind noch
Teramocerus erythroderus Seh. und Calodromus Mellii Guer. ab-
gebildet).
von Guerin (Rev. Zool. S. 9) Prepodes pictus, elegans und
13 maculatus aus Cuba;
vom Ref. (dies Arch. S. 124) 4 Bruchus, 2 Stenocerus, i Jpion,
1 Arrhenodes, 1 Ephebocerus , 2 Brenthus ^ 1 Taphroderes , 1 Eriti-
mus, 1 Afuitrus, A Naupactus, 1 Listroderus , 1 Megalometi's , 2Eusty-
lusy 1 lleomus, 6 Beilipus , 3 Ambates , 1 Toxeutes , 1 Ckolus, 1 Ceti-
trinus , 1 Cylmdrocertis , 2 Cryptorhynchusy 1 Macromerus y 1 Coelo-
sternuSy 1 Cylindrocorynus , 1 Conotrachelus , 3 Zygops, 2 PiazuruSy
2 Copturus y 2 Sipalus, 1 Rhynckophorus , 4 Sphenophorns ^ 2 Cosso-
nuSy 1 HylesiiiuSy 1 Piatypus.
Sitophilus linearis (Hbt.) Seh. wurde von Suffrian (Ent. Zeit.
S. 91) erläutert.
Die Naturgeschichte des Apio?t ulicis hi von Goureaü beschrie-
ben (Ann. d. 1. Soc. Ent. d. Fr. S. 250). Die Larve lebt in den Scho-
ten des Ulex europaeus in solcher Zahl, dass der grösste Theil der
Samen durch sie vernichtet w^ird. — Bouche (Ent. Zeit. S. 164) be-
obachtete die Larve des Apion radrolus; sie lebt in den Stengeln der
Malva, Althaea, Lavatera.
Ders. (ebend. S. 165) beobachtete auch die Larve des Polidrosus
cerviiius. Sie lebt im August in den Spitzen der Eichenzweige, wo
sie die Blätter abschneidet und in Quasten einrollt. Die Entwicke-
lung geht im Herbst oder folgenden Frühling vor sich.
Nach Paul Gervais Bemerkung (Ann. d. 1. Soc. Ent, d. Fr.
Bull. S. xciv) lebt die Larve des Nanodes Tamurisci in den Frucht-
knoten der Tamarix, und kann dieselben, nachdem sie abgefallen
sind, springen machen, bis zu einer Höhe von 2 — 3 Centim. Das
Springen dieser kleinen Kugeln wiederholt sich in sehr kurzen
Zwischenräumen.
Die Entwickelung des Gynmetron villosus in vergrÖsserten Früch-
ten der Veronica Anagallis wurde von Loew beobachtet und be-
schrieben (Allg. deutsch, natur-hist. Zeit. 2. Jahrg. S. 290).
Die Verwandlungsgeschichte der Lixus iuncii beobachtete Ro-
senhauer (Beitr. S. 133) in Tirol, auf Beta cicla. Im Juni fanden
sich ausgewachsene Larven, Puppen und frisch entwickelte Käfer zu
gleicher Zeit in den 3-^4" hohen fruchttragenden Stengeln vom Wur-
Naturgeschichte der Insecten während des Jahres 1847. 115
zelstock an bis in die Zweige. In kleinen Stengeln lebten nur ein-
zelne, in grossen, dicken wohl 80 Larven bunt durch einander, im
Zellgewebe fressend, so dass manche Stengel vom Wind umgeworfen
wurden. Waren die Käfer ausgefärbt, so gingen sie aus den runden
Löchern heraus, liefen an den Stengeln auf und ab, und bewegten
sie. Die 6"' lange Larve hat grosse Aehnlichkeit mit der des Lix.
gemellatus.
Fischer (Entom, Zeit. S. 6) theilte die Bemerkung mit, dass
Periteles griseus den Rosenstöcken sehr nachtheilig wird, indem er
die noch unentwickelten Augen derselben, und mit sicherer AusMahl
die Knospen der edlen (harzreicheren) Rosen aufzufinden weiss, wäh-
rend er die an den Zweigen des Wildstammes unberührt lässt. Er
vereitelt auf diese Weise oft den Erfolg des Oculirens.
Enteles Vigorsü Seh. ist in Paris aus den Stämmen der Zaraia
spiralis erzogen worden (Ann. d. 1. Soc. Ent. d. Fr. Bull. S. 13).
Guerin hat in einem Mandelbaum einen Eccoptogaster gefun-
den, den er für neu hält und E. Amygdali nennt; er soll sich durch
einen Bauch ohne Vorragung und einen stark sägeförmig gezähnelten
Hinterrand der Flügeldecken auszeichnen. (Ebend. S. xuv.)
; Ceramhyeini. Eine üebersicht über die Cerambycinen Nord-
america's ist von Haldeman geliefert (Materials towards a historv
of the Longicornia of the United States: Transact. Amer. Philos.
Soc. Vol. X. S. 27—66). In Massachusetts kommen etwa 100, in Pen-
sylvanien 132, in den Vereinigten Staaten überhaupt 270 Ceram-
bycinen vor, während in Frankreich 180, in England nur 64 Arten
sich finden. Fünf Arten hat Nordamerica mit Europa geraein: Crioce-
phaltfs rusticus, Hylotrttpes baiulus, Phymatodes variahilis , Calli-
dium sanguineiim , Clytus ga%ella, Motiohammus siitor, Pachyta
^maculata, überhaupt hat die Cerambycinen -Fauna Nordamerica's
grössere üebereinstimmung mit Europa als mit Südamerica, und die
Gattungen Prionns , Oherea, Rhagiiim, Pachyta^ Stratigalia, Lep-
ttira u. a. m. mit Europa, mit Südamerica aber Mallodon, Calli-
chroma, Eburia, Ämniscus^ Oncideres , Hippopsis, Amphiotiycha und
Distenia gemein , während ElapJiidium, Desmocerus, Tetraopes, Dor-
caschema u. a. als Nordamerica eigenthümlich erscheinen. In der
Anordnung ist der Verf. dem Dejeanschen Catalog gefolgt, nicht aber
Id den Bestimmungen, in welchen er dem älteren Melsheimerschen
Catalog den Vorrang eingeräumt hat. üeberdies war eine grosse
Zahl der von Dejean benannten Arten schon von Say unter anderen,
meist Knoch- Melsheimerschen Arten beschrieben.
i
■ Die Larven einiger Cerambycinen sind von Perris beschrieben.
(Observations sur les larves du Clytus arietis, de la Saperda punctata
e* de la Grammoptera ruficornis, pour servir ä Thistoire des Lon-
gicornes: Annal. d. 1. Soc. Ent. d. Fr. 8.547. T. 9.).
116 Erichson: Bericht über die wissensch. Leistungen in der
Prionii. Als neue Arten sind von Haldem an (a. a. O.) i Mal-
lodon aus Nordamerica, von Ref. (dies Arch. S. 138) 1 Mallodon
1 Psalidognathus und 2 Pyrodes aus Peru aufgestellt.
Cer. genuini. Neue Gattungen sind:
Anojtlium Haldeman (a. a. O. S. 34) stimmt mit Elaphidium
überein, nur dass Fühler und Flügeldecken unbewehrt sind und die
Behaarung gleichmässig ist; zwei Arten: A. pubescens {Stenoc. pul/.
Melsh.) und A. unicolor (ßap. unicol. u. Sap. scutellata Melsh.)
Tylonotus De&SQ\h. (S. 37). Eine Abzweigung von Mallocera.
Der Körper gewölbt, mit kleinen Rauhigkeiten, die Fühler leicht
haarig, stark, plötzlich verdünnt, wenigstens solang als der Körper,
zusammengedrückt, mit einer Rinne auf der Vorderkante des dritten
Gliedes, welches das längste ist, länger als das erste und zweite zu-
sammen; Halsschild ziemlich kuglig, mit geglätteten Höckern; Flügel-
decken unbewehrt; Schenkel verdickt. Eine neue Art, T. bimacula-
tus^ aus einer abgestorbenen Esche.
SmodicufJi (Dej.) Desselb. S. 38). Der Körper schlank, sehr
flach, geglättet und fein punctirt; Kopf und Mandibeln vorgestreckt,
Augen vorragend; Fühler fast fadenförmig, kürzer als der Körper;
Halsschild flach, länger als breit, mit gerundeten Seiten; Prosternum
vorn auf jeder Seite mit einer grossen nierenförmigen Aushöhlung.
Flügeldecken gleich breit; Schenkel verdickt. Eine Art: S. cucuii-
forme, Callid. cucuiif. Say, S. melanocephalum Dej.
Phy socnenium Desselb. (S.38). Halsschild ziemlich kuglig,
hinten verschmälert, filzhaarig, eine Rückenlinie und zwei Höcker
hinter der Mitte der Oberseite ausgenommen; Taster leicht beii-
förmig; Fühler 11 gliedr., beim cT länger als der Körper und borsten-
förmig, beim $ von Körperlänge und fast fadenförmig; Flügeldecken
oben flach, rauh punctirt, mit glatten erhabenen Rippen von blasser
Farbe; die Wurzel fast rechteckig mit vorragenden Ecken, die Sei-
ten gegen die Mitte hin zusammengedrückt, die Spitzen klaffend und
einzeln stumpf gerundet; Sckenkel keulförmig. Eine Art, P. brevi-
lineum, Callid. brevil. Say., Call, antiquum Dej.
Stenosphenus (Dej.) Dess. (S. 39). Kopf klein, Fühler borsten-
förmig, bei den Weibchen kürzer, bei den Männchen länger als der
Körper, die meisten Glieder an der Spitze gedornt; Halsschild glatt,
ziemlich kuglig, unbewehrt; Schildchen halbkreisförmig; Flügeldecken
verschmächtigt, an der Spitze zweidornig; die Schenkel leicht ver-
dickt. Eine nordamericanische Art, S. fiotatus (Ol.) S. discicollis Dej.
Dioxodes Desselb. (S. 42), Körper länglich, niedergedrückt,
glänzend; Kopf vorgestreckt, das Endglied der Max. -Taster walzen-
förmig, an der Spitze abgestutzt; xAugen vorragend; Fühler llgl, fast
fadenförmig, sehr dünn, das Wurzelglied ziemlich lang und nach aussen
erweitert, das 2. Gl. kurz, das 3. Gl. kürzer als das erste, das 4. Gl.
ein wenig länger als das dritte, das 5te das längste, die folgenden
bis zur Spitze allmälich an Länge abnehmend; Halsschild mit einer
Naturgeschichte der Insecten während des Jahres 1847. 117
Querrinne an jedem Endo, niedercedriickt, länger als der Kopf, hin-
ten stark eingeschnürt, die Seiten vor der Mitte in einen grossen
Höcker vorragend; Flügeldecken mit Haartragenden Puncten, hinten
breiter werdend, an der Spitze gemeinschaftlich gerundet; Schenkel
keulförmig; der erste und zweite Hinterleibsring ganz verschmolzen.
Eine Art: D. pullida, Callid. pall. Say, Rhag. nitidum Melsh. Cat.,
Obrium lepidum Dej.
Nothrus Desselb. (S. 43). Körper schlank; Fühler borsten-
förmig, länger als der Körper, unten mit einer Reihe feiner Haare
gewimpert, das Grundglied an der Spitze plötzlich erweitert, das
2. Glied ^ so lang als das dritte, dieses mit dem 4ten gleich lang, das
5te das längste, das Ute kürzer als das vorletzte; Halsschild ver-
längert, die Seiten dem Kopf sich anschliessend, schwach gerundet,
hinten plötzlich verjüngt; ein breiter Eindruck längs der Rückenlinie;
Schildchen an der Spitze gerundet; Flügeldecken gleichbreit, oben
flachgedrückt, an der Spitze gemeinschaftlich gerundet; die Beine
schlank, die Schenkel keulförmig. Ansehn von Ancylocera. Eine
neue Art N. fuscus von 2^'" Länge.
Neue Arten sind Hatnaticherus marmoratus Westwood
(Orient. Ent. T. 5. F. 1 ) vom Himalaja, Clytus arabicus Küster
(Käf. Europ. X. 95) aus der Türkei, CaUidium barbipes (Dahl.)
Desselb. (ebend. Vlll. 87) aus der Lombardei, Ulyrien, Ungarn und
Siebenbürgen.
Ferner sind von Halde man (a. a. O.) 1 Pvpuricenus , 1 Cera-
sphorus , 6 Elaphidinm , 2 Änoplium, 4 Asemuni, 2 CaUidium, 1 Ty-
lonotus ^ lEriphus, 8 Clytus, 1 Nothrus, i Beterachthes , i Stizocera^
1 Necydalis und 1 Molorchus als neue nordamerikanische Arten be-
schrieben, denen Ders. (Proceed. Acad. Phiiad. IIL S. 150) noch
Eburia distincta und Enaphalodes simplicicoUis aus Georgien
hinzufügte.
Endlich stellte Ref. (Dies Arch. S. 139) 1 Ancylosternus , 1 Xestia,
2 Eburia, 3 Mallocera, 1 Ibidion , 1 Malacopterus ^ 1 Achrysum,
1 Chrysoprasis als neue Arten aus Peru auf.
Sturm bestättigte es, dass der von ihm abgebildete Purpuricenus
Dalmatinus in Dalmatien einheimisch sei (Entom. Zeit. S. 57).
Die Larve des Clylus arietis beschrieb Parris ( a. a. O.) sie
wird 15 Millim. lang und ist ganz fusslos (?). Der Verf. fand sie
in abgestorbenen Zweigen des Maulbeerbaums, der Sycomore und
der Traubenkirsche.
Lamiariae. Neue Gattungen sind:
Hyperplatys Haldeman (a. a. O. S. 49). Von Liopus abge-
zweigt, wovon sie durch die oben flachen, an der Spitze einzeln aus-
gerandeten Flügeldecken abweicht. Das Schildchen dreieckig an der
Spitze gerundet; hierher drei Arten, unter denen H. maculata {Cer-
118 Erich son: Bericht über die ^vissensch. Leistungen in der
punctatits u. maculatus ISlelsh. Leiop. figrnnis? Dej.) und H. aspersa
(Lam. aspersa Say, Leiop. jmellus? Dej.).
Hetoemis \ye?,s>e\h. (S. 54). Körper schlank, Kopf vorgezo-
gen, etwas breiter als das Halsschild ; Augen vorragend; Fühler dünn
borstenförinig, doppelt so lang als der Körper, das 3te Glied das
längste und doppelt so lang als das 4te, das 5te etwas länger als
das 4te, die folgenden allmählich an Länge zunehmend; Taster schlank,
zugespitzt; Halsschild schmäler als Kopf und Flügeldecken, walzen-
förmig, länger als breit, vorn und hinten mit einer Querrinne; Flü-
geldecken an der Wurzel rechteckig, oben gewölbt, mit herabgebo-
genen Seiten, fast gleichbreit, hinten verschmälert und in eine Dorn-
spitze vorgezogen; Beine massig lang, die Vorderbeine die längsten;
die Schenkel kräftig. Eine Art: H. juglandis , {Sap. jugl. Knoch,
Hetoem. einer ascens Dej.)
^?/m?« Desselb. (S. 56). Körper kräftig, theilweise mit kurzen
anliegenden Haaren bekleidet; Kopf klein, nickend; Augen vorragend,
tief ausgerandet, das Halsschild überragend; Fühler fast fadenförmig,
von % der Körperlänge (9), das Iste Gl. stark, das 2te fast halb so
lang als das 3te, das 5te das längste, die folgenden fast gezahnt, all-
mählich kürzer, das Ute spindelförmig, zugespitzt; Halsschild breiter
als lang, an den Seiten gerundet, nach vorn plötzlich verengt; Schild-
chen an der Spitze gerundet; Flügeldecken oben gewölbt, hinten
verschmälert, an der Spitze abgeschnitten; Beine kurz, schwach;
Schenkel leicht keulförmig. Eine neue Art: A. tristis aus Pen-
sylvanien.
Ataxia Desselb. (S.56). Körper ziemlich schlank; Fühler
borstenförmig, so lang als der Körper oder etwas kürzer; das 4te
Glied das längste; Halsschild fast cylindrisch, so lang als breit, an
den Seiten mit einem kurzen Dorn; Schildchen dreieckig; Flügel-
decken oben gerundet, nach der Spitze allmählich verschmächtigt,
diese abgestutzt; Beine schlank, Schenkel leicht keulförmig. — Gleicht
Urocalymma Westw. in der Bewaffnung des Haldsschilds und der
Körperform, die Flügeldeckenspitze ist aber nicht verlängert. Eine
neue Art, A. sordida aus Alabama.
Erphaea des Ref. (Dies Arch. S. 144) mit Acanthoderes nahe
verwandt, unterschieden indess durch vorragende Mittelbrust, und
gleich schmales, dreikantiges erstes Fühlerglied. Das Halsschild halb
so breit als die Flügeldecken, höckrig, an den Seiten gezahnt; die
Flügeldecken uneben; die Beine kurz mit stark keulförmigen Schen-
keln. Eine neue Art aus Peru.
Cebelura Desselb. (ebend. S. 149) mit Colobothea verwandt,
indess durch flachern Körper und. vorragende Mittelbrust unterschie-
den. Die Beine sind mittellang, die Schenkel leicht verdickt. Das
Weibchen hat eine kegelförmige LegerÖhre. Eine neue Art aus Peru.
Naturgeschichte dnr Insecten \vährend des Jahres 1847. 119
Als neue Arten sind beschrieben:
von Rosenhauer (Beitr. S. 49) Deroplia oblique iruncata
aus Ungarn;
von Küster (Käf. Europ.) folgende Dorcadion: parallelum
Sturm (VIII. 79) aus der Türkei; italicum Dej. (X. 99) aus
Italien; caucasicnm St. (X. 98) vom Kaukasus; lemiiis catum
St. (VIII. 89) von Triest und Istrien; axillare Küst. (VIII. 88) vom
Balkan; sulcipenne Küst. (VIII. 87) vom Kaukasus und der Türkei;
albolineatiim St. (VIII. 86) von Constantinopel; Mine a turn St.
(VIII. 82) aus Spanien; MurrayiKoW. (VIII. 84) aus Ungarn; pu-
sillum Besser (VIII. 90) aus Podolien und Griechenland;
von Westwood (Orient. Ent. T. 5. F. 2— 5): Phryneta mar-
garitifera von Nepal. Gnoma? plumigera von Java, Mono-
Jiammus punctulat us und Westwoodii (Melly) vom Himalaja;
von Guerin (Rev. Zool. S. 8) Xylorhi%a spumans von der
W'eihnachtsbai;
von Haldeman (a. a. O.) 1 Acanthoderes , 1 Aegomorphus,
10 Amniscus, 2 Hyperplatys , 1 Liopus^ 1 Exoceiitrus ^ 1 Pogonoce-
?'us, 1 Desmiphora , ^ Monohanumis , 1 Tetraopes, 1 Hebestola, 1 He-
toemis, 1 Saper da , 1 Polyopsia , 1 Atimia, 1 Ataxia, 6 Oberea,
2 Phytoeria;
vom Ref. (Dies Arch. S. 142) 20reodera, d Acanthoderes, i Er-
phaea, ILagochirus, i Eutrypatius , 3 Leptoscelis, i\ Liopus , i Des-
miphora, 1 Oncideres , 1 Trachysomus , 2 Hypselomus ^ 4 Colobothea^
1 Cobelura.
Liopus punctulatus (Payk) wurde von Germar (Faun. Ins.
Europ. 24. 13) abgebildet und als Vaterland „Schweden, Kurland und
Frankreich" bezeichnet; der Käfer findet sich aber auch in Deutsch-
land, namentlich in der Gegend von Berlin, auf Espen.
Die Synonymie des Xyloteles griseus wurde von Guerin (Rev.
Zool. S. 169) kritisch untersucht und auf folgende Weise festgestellt:
1 X. griseus White, Saperda grisea F., Lam, heteromorpha Boisd.,
Xylot. letitus Newm., Xyl. griseus W'estw. Are. ie^ai. — 2 X. West-
woodii Guer, Xyl. griseus Westw. Taf. — Da der Unterschied nur
in der Färbung beruht, W'estwood aber von der grünen Färbung
seines Käfers nichts sagt, so fragt es sich, ob dieselbe nicht durch
eine Nachlässigkeit im Ausmalen entstanden sei.
Die Larve des Pogonocerus pilosus ist von Bouche beobachtet.
(Ent. Zeit. S. 165 ). Sie lebt im Holze todter Apfelbäume, worin sie
verticale Gänge frist; die Entwickelung findet im Juni statt. — Fair-
maire (Ann. d. 1. Soc. Ent. d. Fr. Bull. S. XVII) fand die Larve des-
selben Käfers in der Mistel der Acacia, wenigstens fand sich ein
todter Käfer dieser Art in demselben Stamme mit der Larve.
120 Erich son: Bericht über die wissensch. Leistungen in der
Die Larve der Saperda punctata ist von Perris (a. a. O.) be
schrieben; sie ist 20 — 22 Millim. lang, fusslos und sehr weich. Sie
lebt in Ulmen. In ihrer Jugend frisst sie unter der Rinde, später
bohrt sie sich zu einer Tiefe von 2—5 Centim. in das Holz ein, und
macht dort einen im Durchschnitt elliptischen Gang. Nach der Mei-
nung des Verf. frisst sie nicht länger als 1 Jahr.
Als ein in einigen Gegenden Frankreichs dem Getreide nachthei-
liges Insect macht Guerin die Saperda gracilis bemerkbar. Die
Larve lebt im Innern des Halmes. Wenn sich das Getreide der Reife
nähert, brechen alle Aehren der von der Larve bewohnten Halmen
ab, so dass die kahlen Halmen stehen bleiben. Der Käfer erscheint
im Juni, wenn das Getreide schon in Bliithe steht, bohrt ein kleines
Loch neben der Aehre und legt ein Ei hinein. Die junge Larve frisst
den Halm neben der Aehre ringförmig bis auf die Epidermis durch,
steigt dann in den Halm herab, indem sie einen Knoten nach dem
andern durchbohrt, und schlägtihrenWohnsitzö— SCentm.über der Erde
auf, wo sie auch überwintert. Sie ist zur Erndtezeit schon ausge-
wachsen. Im Anfange des Juni im nächsten Jahre verpuppt sie sich
und nach wenigen Tagen erscheint schon der Käfer. Zur Vertilgung schlägt
der Verf. vor, entweder das Getreide unmittelbar über der Erde zu
schneiden oder die Stoppeln abzubrennen. (Compt. rend. XXIV.
S. 268; Rev. ZooL S. 57; Ann. d. 1. Soc. Ent. d. Fr. Bull. S. XVIL)
Vergl. die Geschichte der Agapanthia marginella im Ber. f. 1845.
Lepturetae. Als neue Arten wurden von Haldeman (a. a.
O.) 7 Toxotus^ 8 Pachyta^ 5 Strangalin , 9 Stenitra, und 5 Leptura
beschrieben, denen Ders. (Proceed. Acad. Philad. 111. S. 151) noch
eine neue Art, Stenura? cyanea^ vom Oberen See, zufügte.
Die Larve der Grammoptera ruficornis ist von Perris (a. a.
O.) beschrieben. Eine weisse Larve von 9 Millim. Länge, und von
der Form der Rhagien- Larven, welche in abgestorbenen Stengeln
des Hibiscus Syriacus (Althaea) lebt. Später fand der Verf. sie auch
im Epheu.
Chrysomelinae, Criocerides: Major Blanchard be-
obachtete die Verwandlungsgeschichte der Donacia Nymphaeae. Die
Eier werden auf die Blätter der Nymphaea alba gelegt, 30 — 40 an
der Zahl. Sie schlüpfen in der Mitte des Juli aus. Die Larven hiel»
ten sich bald über, bald unter dem Wasser auf, und waren Ende
Augusts ausgewachsen. Dann Hessen sie sich zu Boden fallen oder
stiegen am Blattstiel herab, um an geeigneten Stellen ihr Tönnchen
zu bilden. (Rev. ZooL S. 384.)
Als neue Arten sind Donacia cuprea, in die a^ biimpressa^
aurichalcea^ rutila^ nana und Orsodacne tricolor, aus Nord-
amerika, von Meisheim er (Proceed. Acad. Philadelph. IIL S. 160),
Naturgeschichte der Insecten Mährend des Jahres 1847. 121
ferner 1 Lema aus Peru von Ref. (Dies Archiv S. 150) auf-
gestellt.
Megalopides. Eine neue Art ist Mastostethus inototus des
Ref. (ebend.), ebendaher.
Cassidariae. Einen zweiten Beitrag „zur Entwickelungs- und
Ernährungsgeschichte einiger Schildkäfer- Arten" lieferte Cornelius
(Entom. Zeit. S. 346). — Dass die grünen Cassida Murraea die erste
Färbungsstufe dieser Art ausmachen, ist vonPflümer (ebend. S. 71)
und von Hornung (Bericht des naturwissensch. Vereins des Harzes
f. d. J. 1846 — 7) nachgewiesen. — Die Naturgeschichte derselben Art
{C. maculata) beschrieb Leon Dufour (Ann. d. sc. nat. VII. S. 14.)
— Ueber die Au«färbung der Cassa lucida schrieb Hornung (Ber.
d. nat. Vereins d. Harzes f. d. J. 1847 — 8). Eine Abbildung dieser
Art lieferte Germar (Faun. Ins. Europ. 24. 15).
Als neue Arten sind von Melsheimer (Proceed. Acad. Philad.
III. S. 161 ) Microrhopala porcata aus Nordamerica, vom Ref.
(Dies Arch. S. 150) 2 Anoplitis , 1 Cephaloleia , 1 CalyptocephalUy
1 Polychalca, 1 Caiustra , 7 Ci/rtojiota, 1 Cyphomorpha, 1 Omapsi-
des, 1 Acromis und 10 Cassida aus Peru aufgestellt.
Unter Cassida hat Ref. Deloyala, Coptocycla und Cassida Dej.
vereinigt. Es kommen hier Arten vor mit an der Wurzel gezahnten,
kammförmig gezahnten und einfachen Klauen, — Die neue Gattung
Canis tra weicht von Discomorpha Chevr. nur durch die Bildung
der Fühler ab, deren Glieder vom 2ten an gleich lang sind oder an
Länge allmählich zunehmen, und von denen die 6 letzten dicht und
fein behaart sind (bei Discomorpha nur 5).
Chrysomelariae. Als neue Arten sind folgende aufgestellt:
von Rosen hauer (Beitr. S. 63) Crysomela relucens aus
Tirol;
von Leon Dufour (Ann. d. 1. Soc. Ent. d. Fr. Bull. S. 104)
Cyrtonus Dufoiirii (Dej.) aus den Gebirgen von Spanien und Süd-
frankreich, wo sie unter Steinen im Februar, wenn noch Schnee
liegt, vorkommt und schon im März verschwindet-,
von Melsheimer (Proceed. Acad. Philadelph. S. 175) GastrO'
physa aeiiea, cyanea und Phaedon viridis, aus Nordamerica;
vom Ref. (Dies Arch. S. 155) 12 Doryphora, 1 Proseicela,
2 Deuterocampta, 2 Desmogramma, 1 Cosmogramma , 1 Calli-
grapha^ 5 P/agiodera, 1 Stetiomela aus Peru.
Die neuen Gattungen Desmogramma und Cosmogramma
sind auf Kosten von Zygogramma Chevr. gebildet, deren Arten zwar
in der Zeichnung Uebereinstimmung zeigen, aber in der Bildung der
Taster und Klauen sehr abweichen. Bei Zygogramma ist das End-
^22 Erichson: Bericht über die ^vissenscb. Leistungen in der
glied der Max-Taster grosser als das vorige, abgestutzt, das Klauen-
glied unten einzähnig, die Klauen dicht an einander schliessend. Bei
Desmogramma ist das dritte Glied der M. -Taster etwas verdickt,
das Endglied sehr kurz ; das Klauenglied unten an der Spitze schwach
gezahnt, die Klauen einfach, auseinanderstehend. Bei Cosmogramma
ist das Endglied der Max.-Taster verdickt, das Klauenglied unten
zweizähnig, die Klauen einfach, etwas genähert. — Stenornela ist
eine eigenthümliche Gatt, von so stark verlängerter Form, dass sie
auf den ersten Anblick einer Stenochia gleicht. An den Tastern ist
das Endglied frei, länglich eiförmig. Die Klauen sind einfach.
Eumolpides. Als neue Arten sind aufgestellt:
von Meisheim er (Proceed. Acad. Philad. 111. S. 168) Meta-
chroma thoracica, melanura, Eumolpus longipes, villosii-
liis, pubescens, curtipeii7iis aus Nordamerica;
vom Ref. (Dies Arch. S. 159) 8 Colaspis, 1 Prionodera, 7 Chal-
cophana, 1 Fleuraulaca, 2 Chalcoplacis , 2 Habrophora^ 1 Typopho-
ruSy 1 Eutiiolpus und 1 Myochrous aus Peru.
Die neue Gatt. Habrophora steht zwischen Fidia und Hersilia
Dej. in der Mitte: von der ersteren weicht sie durch ausgerandete
Augen, von der letzteren durch dünne Fühler ab.
Cryptocephalides. Revision der europäischen Arten der
Gattung Cryptocephalus von Suffrian (Linnaea Ent. IL S. 1). Eine
umfassende Arbeit, von welcher hier nur die erste Hälfte vorliegt.
Der VerL theilt die europäischen Cryptocephalen in drei Gattungen.
1. Schiidchen deutlich, a. Mittelbrust flach: Cryptocephalus. — b.
Mittelbrust längsrinnig: Pachybrachys. — 2. Schildchen nicht sicht-
bar: Stylosofuus n. g. (P. mmutissif/ius De}.). Die Hauptmasse der
Arten (150 im Ganzen) enthält Cryptocephalus, welche Gattung aber
in eine grössere Reihe von Unterabtheilungen gegliedert ist, und zwar,
so weit die Bearbeitung reicht, auf folgende Weise:
A. 1. Cr. Cynarae Friv. n. sp. von der Span. Halbins. — 2. Cr.
curvilinea Ol. {ßptinctattts Seh., ornatus Herr. Schaff., Dahin De^).
B. 1. 3. Cr. Qmaculatus Ol. — 4. tristigma Charp. — 5. hirti-
c Ollis Parr. n. sp. aus Calabr. u. Sicil. — 6. ilicis Ol.
IL 7. baeticus n. sp. aus Spanien. — 8. rugicollis Ol. — 9.
virgatus Gene. — 10. laetus F.
IIL 11. Cr. imperiaUs F. — 12. pexicollis n. sp. im südwestl.
Europ. — 13. coronatiis Kunz. n. sp. von Sarepta. — 14. alboli-
neatus n. sp. aus Tirol.
IV. a. 15. Cr. bimaculatus F. — IV. b. ufidatus n. sp. aus Ar-
menien.
V. 16. Cr. Loreyi SoL — 17. informis n. sp. aus Piemont. —
18. florentinus Ol. — 19. cordiger (L.). — 20. distinguendus Sehn.
— 21. variegatus F. — 22. variabilis Sehn. — 23. Gpunctatus (L.)
Naturgeschichte der Insecten während des Jahres 1847. 123
— 24. interruptus Meg. — 25. cribratus n. sp. von Constantinopel.
— 26. laevicollis Gehl, auch aus der Türkei. — 27. Ipiinctatus Ol. —
2S. fasciatus Dej. Herr. Schaff. — 29. lusitanicus Mus. Ber. n. sp.
aus Portugal. — 30. coryli (L.).
VI. 31. Cr. coloratns F. — 32. halophüus Gebl. — 33. nigri-
tarsis n. sp. von Sarepta. — di. ßexuosus Parr. Herr. Schaff. — 35.
Ypsilon Parr. {ga?nma Herr. Schaff. , macuUpes Zoubk.). — 36. rubi
Men. (Cat. rais. 238. 1134). — 37. Böhmii Jll. Germ.
VII. 38. Cr. elongatus Zgl. Grm. — 39. violaceus F. — 40. vi-
reiis n. sp , dem vorigen täuschend ähnlich, aus Volhynien. — 41.
dup licatus n. sp. vom Caucasus. — 42. concolor Suff., nm'color
Fald. ebendaher. — 43. sericeus (L.). — 44. aureolus n. sp. dem
vorigen täuschend ähnlich, aus dem siidl., westl. und mittleren Europ.
— 45. hypochaeridis (L.) vielleicht nur kleinere Abänd. des Cr. seri-
ceus. — 46. globicollis n. sp. aus Südeuropa.
VIII. 47. Cr. lobatus F. (9 haemorrhoidalisY^. — 48. cyanipes
Dej. n. sp. aus Piemont und Oesterreich. — 49. villosulus Meg
n. sp. aus Oesterreich.
IX. 50. Cr. \2punctatus F. — 51. stramineus n. sp. aus Süd-
russland. — 52. sidfureus Ol. — 53. laevigatus n. sp. aus Südruss-
land. — 54. piiii (L.). — 55. abietis Kn. n. sp. aus Deutschi. u. s. w-
X. 56. Cr. nitens (L.). — 57. nitidulus Gyll. — 58. marginellus
Ol. — 59. flavipes F. — 60. Apustulatiis Gyll. — 61. igiittatus Koy,
Germ. — 62. creticus n.sp. von Kreta. — Q"^. ßavoguttatus Ol. —
64. Ramb uri'i Dej. n.sp. aus Andalusien. — 65. 3Ioraei (L.). —
66. signatus Ol. — 67. ^^signatus Dej. n.sp. aus Südfrankreich.
Saunders hat seine Bearbeitung der neuholländischen Crypto-
cephalen fortgesetzt und drei neue Untergattungen beschrieben:
1. Pleomorphn S.268: (Transact. Ent. Soc. Lond. IV. S. 268 u.
293. T. 15. F. 4— 6). Die Fühler kaum von halber Körperlänge, die
5 letzten Glieder eine sägeförmige Keule bildend; der Körper kuglig,
das Halsschild hinten über das Schildchen verlängert und dasselbe
grösstentheils bedeckend; die Vorderfüsse etwas verlängert: Pl.Dar-
ivinii von Adelaide, ruficollis von Vandiemensland, rufipes
ebendaher, concolor aus Neuholland, atra aus dem westl. Neu-
holland. (Kommt Ditropidus Chev. sehr nahe, und die letzten Arten
gehören vielleicht wirklich dahin).
2. Chlor opisma (S.293) kommt Idiocephala am nächsten und
unterscheidet sich durch die längere und weniger walzenförmige Ge-
stalt und das Verhältniss der Fühlerglieder: das 2te Glied ist kug-
lig, das 3te, 4te und 5te dünn, das 4te das kürzeste und etwa nur
halb so lang als das 5te. — Eine neue Art CA. viridis aus Neusüd-
w^allis.
3. Lachnab ot hra (S. 294) gleicht Onchosoma; die Fühler sind
etwa halb so lang als der Körper, fadenförmig; das Halsschild sehr
gewölbt, am Hinterrande etwas vorgezogen, auf der Oberfläche mit
J24 Erich soni Bericht über die wissensch. Leistungen In der
kleinen unregelmässigen Gruben, flaumig behaart. Das Sfhildchen
ziemlich gross, viereckig, nach hinten etwas erhaben. Eine neue
Art, L. Hopei, von Neusüdwallis.
Als neue Arten sind bekannt gemacht:
von Rosenhauer (Beitr. S. 63) Labidostomis distinguenda
aus Tirol;
von Küster (Käf. Europ.lX. \00) Coptocephala melanocephala
(Dahl.) aus Dalmatien;
von Melsheimer (Proceed. Acad. Philadelph. 111. S. 170— 174)
Cryptocephalus M. nigrum, atomarius, trinotatus, castuSy
aesculi, pectoralis , hepattcns^ tridens , flavicornis , In-
teipennis, mut abilis, clathratus, sulphnreipennis , for -
niosusy hamatus, pretiosus und Monachus viridis aus Nord-
america;
vom Ref. (dies Arch. S. 164) 1 Pachybrachis aus Peru.
Galerucariae. Zur Naturgeschichte der Galeruca tanaceti lie-
ferte Hornung (Bericht des naturwissensch. Vereins des Harzes f.
d. J. 1847 — 48) einen Reitrag. Gegen Anfang des Mai bemerkte er
auf Achillea millefolium eine grosse Menge einer schwarzen Larve,
welche ausgewachsen gegen 5 Lin. lang war. Sie verschwanden im
Juni immer mehr und mehr, während die Käfer sich zu Tausenden
vermehrten. Als sie die Schafgarbe verzehrt hatten , begannen sie
eine Wanderung nach Osten, obgleich nach Westen, nur durch einen
Weg getrennt, die Achillea iu Menge wuchs. Auf ihrer Wanderung
wurden namentlich Georginen, ferner Campanula rapunculoides, Cen-
taurea scabiosa und Jacea, Dianthus barbatus, Gypsophila glauca,
Stachys intermedia , Tanacetum balsamita und vulgare von ihnen stark
befressen, während Dianthus plumarius, mehrere Salvien, Hieracien,
Thymus, Hyssopus, einige Schirmpflanzen, Fumaria, Nepeten, Poten-
tillen, Alcea, Stachys lanata und recta verschont blieben. An den
Sträuchern hatten sie nicht nur nicht gefressen, sondern sie meist ganz
umgangen. Die Larve schien sich strenger an .Achillea millefolium zu
halten, doch hatte sie auch einen Aster hyssopifolius ganz entblättert;
an Tanacetum vulgare bemerkte der Verf. dagegen keine.
Als neue Arten wurden von Küster (Käf. Europ. IX. 81) Adi-
monia pallidipennis aus der Türkei; von Melsheimer (Proceed.
Acad. Philadelph. 111. S. 161) Galeruca femoralis und Calomicrus
thoracicus aus Nordamerica; vom Ref. (dies Arch. S. 165) 1 Coe-
lomeray 5 Galeruca^ 23 Diabrotica, 3 Ceratoma und 2 Luperus aus
Peru aufgestellt.
Malticae, Bouche (Ent. Zeit. S. 165) beobachtete die Larve
der tialtica Erucae im Juli auf Eichenblättern; sie weicht von der
H. olecacea etwas ab, und der Verf. glaubt daraus mit Recht auf
die Artverschiedenheit der Käfer schliessen zu können.
Naturgeschichte der Insecten während des Jahres 1847. 125
Als neue Arten sind bekannt gemacht:
■von Märkel (Ent. Zeit. S.86) Balatiomorpha caricis aus der
Sachs. Schweiz, dem Riesengebirge und Krain;
von Rosenhauer (Beitr. S. 60) Aphtliona lacertosa und Tei-
nodactyla ob literata aus Ungarn und Plectrascelis angustata
aus Tirol;
von Küster (Käf. Europ. IX. 86) Crepidodera semirufa aus
Sardinien;
von IMelsheimer (Proceed. Acad. Philad. 111. S. 163): Oediony-
ch's fallax, limbalis, scalaris; Fachyonychus paradoxus;
Disonycha abbreviata; Graptodera Kalmiae; Systena blanda;
Crepidodera violacea, erythropus, fu scoaenea, hirtipenn is,
atriventris; Psylliodes ptmct ulata; Jphthofia rubicunda;
Thyamis mela?iura, testacea; DiboUa aerea; Chaetocnema
min Uta, semichalce a, pulicaria', Sphaeroderma? insolita
aus Nordamerica;
vom Ref. (dies Arch. S. 171) 1 Palopoda, 7 Oedionychis , 3 Ho-
mophoeta, 1 Lactica, 2 Graptodera ^ 2 Diphaulaca, 2 Cacoscelis
und 2 Ocnoscelis aus Peru.
Die neue Gatt. Palopoda des Ref. gehört zu den Halt. Oedi-
podes JH.; das Endglied der Taster ziemlich lang und dünn, zuge-
spitzt, das vorletzte der Maxillartaster etwas verdickt; die Zunge
hornig, vorgestreckt; die Klauen an der Wurzel gezahnt; das Hals-
schild halb so breit als die Flügeldecken, ohne Eindruck. — Unter
Homophoeta sind Ptefia und Omophoita Chev. vereinigt; die Gatt,
unterscheidet sich von Oedionychis dadurch, dass die Hinterschenkel
nicht so stark verdickt sind und dass das Klauenglied der Hinterfüsse
keulfÖrmig, nicht kuglig verdickt ist. ~ Unter Lactica sind Mono-
tnacra, Strabala und Lacpatica Chev. vereinigt; das Endglied ist an
den Maxillartastern kleiner, kegelförmig, an den Lippentastern dünn,
nadeiförmig; die Hinterschenkel sind schwach verdickt; die Klauen
an der Wurzel gezahnt; das Halsschild an der Wurzel mit einer tie-
fen Querfurche, welche auf jeder Seite abgekürzt und von einer
kleinen Längsfurche begränzt ist. — Die neue Gatt. Ocnoscelis
endlich ist mit Oedionychis und Homophoeta verwandt, die Hinter-
schenkel sind aber nur schwach verdickt, und das Klauenglied der
Hinterfüsse einfach; von anderen verwandten Galtungen unterscheidet
sie sich durch auseinander stehende Beine, sehr lange Fühler und
flache Form.
Colohoderidejf. Diese Farn, ist vom Ref. (dies Arch. S. 174)
begründet, Sie hat ögliedr. Füsse, das 4te Glied sehr klein, das
dritte unten mit einem häutigen Heftlappen; die Fühler faden- oder
kammföimig. Die früheren Stände stimmen mit denen der Chryso-
melinen und Erotylenen überein, namentlich mit denen der letzteren.
Hierhin gehören die Gattungen: 1. Chelonarium F., 2. Ptilodaclyla
126 Erichson: Bericht über die -wissensch. Leistungen in der
Dej., 3. Colohodera Kl., 4. Brithycera des Ref. — Diese neue Gat-
tung zeichnet sich durch eine längliche, Lycus- ähnliche Form und
verdickte, zusammengedrückte, haarige Fühler aus. Der Kopf ist
frei. Das Endglied der Maxillartaster ist eiförmig, das der Lippen-
taster beilfÖrmig; die Mittelbrust einfach; das 3te Fussglied klein,
mit rundlichem Heftlappen, das 4te sehr klein und versteckt; die
Klauen einfach. Eine neue Art aus Peru. — Ebendaher sind auch
2 neue Arten von Ptilodactyla (ebenda).
Erotylenae. Ref. (ebenda S. 175) theilte diese Farn, in drei
Gruppen: Er. genninae, Triplacitiae und Engidae, Bei der letzten,
zu welcher auch Languria gebort, sind die Epimeren der Hinter-
brust bedeckt, bei den anderen beiden, die sich durch die Bewaff-
nung der Maxillen unterscheiden, sind sie frei. — Eine neue Gatt.
Prepophariis ist aus Lacordaire's div. 2 u. 3 von Scuphidomo7'phus
gebildet, welche sich durch eine lange, dreieckige, zugespitzte Zunge,
schmale, dieselbe nicht überragende Nebenzungen und 2 lange dünne
Haken an der inneren Maxillarlade auszeichnet. Als neue Arten aus
Peru sind a. a. O. 8 Eroiylus, 1 Bads ^ 1 Homoeotelus (Omoiotelus),
1 Prwtelus, 2 Frepopharus, 8 Bi'uchysphetius., 2 Jegä/tus, 1 Cocci-
morphus , 1 Cyclomorphus, 1 Lybas, 3 hchyrus ^ 1 Pselaphacus und
1 Languria aufgeführt.
Tritoma basalts und fasciata sind von M elsheimer (Pro-
ceed. Acad. Philad. HL S. 175 als neue nordamericanische Arten be-
schrieben.
Coccinellidae, Als neue Arten sind bekannt gemacht:
von Rosen hau er (Beitr. S. 64) Coccinella agnata aus Ungarn
und Istrien;
von Melsheimer (Proceed. Acad. Philadelph. S. 177) Coccinella
seriata, concinnata, ve7iusta, modesta; Brachiacantha
l^punctata, fu Ivopustulat a^ b asa lis ; Hyperaspis macu li -
fera, lOpustulata, lencopsis, finib riolat a; Exochotnus
praeustus; Chilocorus verrucatus; Scymnns collaris, pun-
ctatuSy flavifrons aus Nordamerica;
vom Ref. (dies Arch. S. 182) 4 Cuccinella^ 1 Pristonema n. g.,
1 Hyperaspis , 12 Epilachna, 1 Exoplectra und 1 Scymnns aus Peru.
Die neue Gatt. Prist onema (vielleicht = Macaria Dej.) zeich-
net sich dadurch aus, dass das 3te— Bte Fühlerglied sägeförmig ge-
zähnt sind.
Die Larve des Scymnns minitnus ist von Bouche (Ent. Zeit.
S. 164) beschrieben. Sie nährt sich von Pflanzenmilben.
Kndoinychiiles» Als neue Arten sind aufgestellt:
von Cantor (Proceed. Ent. Soc. Lond. S. 118) Trochoideus am-
phora von der Prinz-Wales-Insel (Penang);
Naturgeschichte der Insecten während des Jahres 1847. 127
von Melsheimer (Proeeed. Acad. Philad. III. S. 176) Lycoper-
dina ^guttata, lutea^ pilosa, c7'assicornis , apicalis aus
Nordamerica;
vom Ref. (dies Arch. S. 181 ) 1 Corynomalus und 1 Epoptenis
aus Peru.
Geschichtliche Bemerkungen über Holoparamecus theilte West-
wood mit: Notes on the Genera Holoparamecus Curt., Amphibolo-
narzon Porro , Latrinus Waltl and Calyptobium Villa (Transact. Ent.
See. Lond. IV. S. 234).
C»#. Die bisherigen Cis wurden von Mellie einer näheren
Bearbeitung unterworfen, und das Ergebniss der bisherigen Unter-
suchung ist in der Rev. Zool. S. 108 mitgetheilt. Sie werden in 6
Gattungen zerlegt,
1. Endecatomus^ n. g., mit 11 deutlichen Fiihlergliedern, ent-
hält Anob. reticnlatum F.
2. Xylographus Dej. hat 10 Fühlerglieder, sehr breite, an
der ganzen Aussenseite gezähnte Schienen, und 4gliedrige, verhält-
nissmässig kleine Füsse: X. hypocritns Dup., corpiilentus Kunz.,
Richardn , contractus^ Bostr. puiictatns Chevr. Dej. Cat. , Cis bostri-
chot'des Leon Duf.
3. Ropalodontus n. g. hat lOgliedr. Fühler, und erweiterte
nur an der Spitze gezahnte Schienen ; Cis perforntus Gyll.
4. Cis hat ebenfalls lOgliedr. Fühler, die Schienen sind aber
weder erweitert noch gezähnt. Zwei Abtheilungen nach der Form
des Halsschildes. A. Halsschild uneben, gekielt, mit erweitertem
Seitenrande: Die als Cis holet i bekannte Art ist in mehrere zu zer-
fallen, nämlich C. rüg iilosus Mann., caucusiais Men.; pyr?'hocephalus
Marsh.; substriatiis; ciliatus. ß. Halsschild eben mit schmalem Sei-
tenrande und stumpfen oder abgerundeten Vorderecken. Flügeldecken
punctirt: ahn Gyll.; oblongns SchÖnh. ined.; punctulatus Gyll.; qua-
dridens Chevr. ined.; affinis GyW. \ Jronticornis Gy\\.\ festivus Gyll.;
hypocastaneus, laricis Reichenb. ined ; — Flügeldecken mit Punct-
reihen: hispidus, comptus , pubescens , elougatus Gyll.; — Halsschild
quer mit spitz vortretenden Vorderecken: C. granaritis , grossus,
fulvipes j obesus, /ucatus, bidentatus Gyll., dentatns, quadricoritis
Kl., Vilnius Mannerh., nitidus Gyll., glabratus Dej.
5. En7ieart hj'0 7i n. g. , mit 9gliedr. Fühlern, enthält die noch
unbeschriebenen Arten Cis nmltipunctatns Chevr., cucullutus Dej.,
Olivieri , diadematus Reich., hastifer und tabellifer Kunz.
6. Octotemnus n. g. , mit Sgliedr. Fühlern, enthält C. mandi-
bularis Gyll., Salleiy cornifer Chevr., castaneipennis Dej., militaris
Dej., variabilis Chevr., furcifer Kunz., glabriculus Gyll.
Eine neue Art ist Cis bidentulus Rosenhauer (Beitr. S. 58)
aus Tirol.
128 Erichson: Bericht über die wissensch. Leistungen in der
Orthoptera.
Vorjiculariae, Lucas (Ann. d. ]. Soc. Ent. d. Fr. Bull.
S. Lxxxiv) beschrieb eine neue Art, Forficesila annulipes, welche
sich lebend im Pflanzengarten zu Paris fand, und vermuthlich mit
fremden Gewächsen eingeführt ist; sie ist ganz ungeflügelt, d. h. ohne
Decken und Unterflügel.
Mlattariae* A. Costa (Annal. Accad. Aspir. Nat. 2. Ser. L
S. 111) stellte eine neue neapolitanische Art, Blatta vittiventris
auf: „fulvo testacea , antennis pedibusque pallidioribus, pronoti late-
ribus elytrisque immaculatis diaphanis, alis intus infuscatis, ventre
fusco-vittato; long. 4 1.", von den Hügeln von Cusano.
Spectra» Drei neue ostindische Arten wurden von West-
wood (Orient. Ent. T. 7) bekannt gemacht: Acanthodera semiar-
mata und bi'coronata vom Himalaja und Enryacantha graciosa
von der Prinz-Wales-Insel (Pinang).
läocustariae» Neue Arten sind: Phatieroptera perlaria
und Vseudophyllus quadrituherculatus W e s t w o o d (Orient.
Ent. T. 16) von der Prinz-Wales-Insel, und Ephippitytha maculata
Evans (Transact. Ent. Soc. Lond. IV. S. 300. T. 21. F. c.) von Neu-
Südwallis.
JLcriüii» Brisout de Barneville zeigte an, dass er Acri-
dium smilacenm Fisch, v. W. im Walde von St. Germain gefunden
habe (Ann. d. 1. Soc. Ent. d. Fr. Bull. S. lxxxvi) und beschrieb es
genauer in Hev. Zool. S. 285.
Ueber Petasida ephippigera, neuerdings auch von Leichhardt
gefunden, schrieb White (Ann. nat. bist. XX. S. 409).
Boys bemerkt, dass Tetrix harpago Serv. ein wahrer Schwim-
mer sei. Er fand dergleichen häufig an den Wasserfällen zu Mhow in
Malvva, und sah sie unter Wasser schwimmen, von einem Ufer zum
andern, wobei sie sich Öfter an Steine ebenfalls unter Wasser fest-
setzten. Sie führten dabei eine Luftblase zu jeder Seite des Thorax
und zuweilen eine dritte an der Spitze des Hinterleibes.
Verlariae» Die in Schlesien einheimischen Arten dieser Fa-
milie wurden von Dr. Schneider in den Arb. d. Schles. Gesellsch.
f. vaterl. Cult. i. J. 1847 gemustert. Perla bicolor und vitripennis
Burm. vereinigte der Verf. als Männchen und Weibchen einer Art,
WAbellulinae* Eine „Uebersicht der im Canton Bern und
namentlich in der Umgegend von Burgdorf vorkommenden Arten der
Libellen" lieferte L. K. Meyer in den Mittheil. d. Naturforsch. Ge-
Naturgeschichte der Insecten \vahrend des Jahres 1847. 129
sellsch. in Bern a. d. J. 1846 (Nr. 81. 82. S. 193). In dem ungewöhn-
lich warmen Sommer von 1846 zeigten sich die Libellulinen in gros-
ser Zahl und Mannigfaltigkeit, -wodurch der Verf. veranlasst wurde,
dieser Familie eine besondere Aufmerksamkeit zuzuwenden. Es ge-
lang ihm in dem einen Sommer 43 Arten zu beobachten , also nur
17 weniger als Charpentier in seinem Werk über die Europäischen
Libellen aufführt. Die Höhenverschiedenheit scheint auf die Libellu-
linen wenig Einfluss zu haben, wenigstens fand er 6000' ii. M. ein
gleiches Gewimmel und darunter keine anderen Arten, als er vorher
und nachher in der Tiefe angetroiTen. Die vom Verf. beobachteten
Arten erschienen nach und nach im Verlauf von etwa 6 Wochen, die
Dauer der Flugzeit war aber nach den einzelnen Arten so verschie-
den, dass sie bei einigen kaum 14 Tage, bei anderen fast drei Mo-
nate unausgesetzt anhielt. Zuerst um den 2. oder 3. Juni bemerkte
der Verf. Üb eil. depressa , dann coerulescens , Agrion miniiim und
furcatum, dann folgten Lib. ^maculata, nigra, hmulata; auf einmal
um den 25. Juni Äeschna juncea und beide Calopteryx-kxiew, dann
Lib. flaveola nebst den anderen rothleibigen Arten, gleichzeitig auch
Aeschna a%urea^ hierauf grandis , picta u. s. w. Dann nahm die
Masse Art für Art mit jedem Tage wieder ab , bis Mitte Octobers
nur noch Agrion phallatum und Lib. vulgata auf Heiden und an
Waldrändern herumflogen, doch am 31. Oct. , wo keine andere Li-
belle mehr wahrzunehmen war, erschien erst noch 6\e Aeschna vi-
rens Charp. Von der Mitte Juli an bis um Mitte Augusts schien
dem Verf. indess der Zeitraum gewesen zu sein, wo die Entwicke-
lung der allergrössten Zahl von Libellulinen stattgefunden.
liepismenae. Diese Familie ist von Nie ölet (Ann. d. 1.
Soc. Ent. d. Fr. S. 341) als eine Abtheilung der Thysanuren bearbei-
tet: Die Gattungen und einige neue Arten sind genauer beschrieben,
die übrigen bisher bekannt gewordenen Arten nur aufgeführt, nämlich
Machilis mit 16 Arten, darunter M. fasciola aus Frankreich und
der Schweiz neu; Leidsina mit 25 Arten, darunter L. Parisiensis
aus Paris, wo sie in Häusern vorkommt, neu; Nicoletia Gerv. mit
2 Arten; Campodea Westw., ebenfalls mit 2 Arten, von denen C.
succinea, von Paris, neu,
Lucas (Ann. d. 1. Soc. Ent. Bull. S. xliv) bemerkte, dass die
von ihm in Algier entdeckte Lepisma mijrmecopliUa von Nicolet auch
bei Paris in den Nestern der Formica rufa aufgefunden sei. (Sie ist
auch schon in Deutschland gefunden , s. Märkel in Germ. Zeitschr-
V. S. 270).
Neuroptera.
JM-emerohini, Nemoptera üuttii wurde von West wo od
als neue Art aus dem westlichen Neuholland aufgestellt (Proceed
Ent. Soc. Lond, V. S. xxvii).
Archiv f. Naturiresch. XIV. Jahrg. 2. Bd. I
^30 Erlchson: Bericht aber die wissensch. Leistungen in der
Evans beschrieb die Eier und eben ausgeschlüpften Larven von
Stalls lutarla (Transact. Ent. Soc. Lond. IV. S. 261). Dass Rösel
schon die Naturgeschichte dieses Insects beobachtete, war dem Verf.
unbekannt.
Phryganitles« Drei neue neapolitanische Arten sind von
A. Costa (Ann. Accad. Aspir. Nat. 2. Ser. L S. 114) beschrieben:
Phryganea viaculata: „brunneo-cinerea, antennis, pedibus et ca-
pite fulvo -testaceis, hoc macula in vertice nigra, alis vitreis, supe-
rioribus hie inde fusco-maculatis, parcc brevitcrque in nervis maio-
ribus pilosis; occipite, prothorace et vittis metathoracis longius
fulvo-pilosis; long. corp. 5,^, cum alis 8 lin." — Plij-yganea fuligl-
nosa: „fulvo-testacea, antennis fulvis, capite et mesothorace supra
brunneis fulvo longe pilosis, alis superis elongatis apice rotundatis,
fulvo -fuliginosis, breviter pilosis, postice fimbriatis, nervis fuscis;
inferis hyalinis, margine fimbriatis; long. corp. 31;, cum alis 4^1."
— Hydropsyche PI et etil', „brunnea, antennis palpis pedibusque
fulvo- testaceis, alis fuliginosis, fimbriatis nervis fuscis, superioribus
nervis duobus transversis instructis, pube brevi adpressa tectis,
fulvo-cinnamomeo maculatis; long. corp. 3^, cum alis 6 1."
Hymen optera.
Venthreiiinetae» Eine neue Gattung Athlophorus ist
von Burmeister in einer besonderen kleinen Schrift (Athlophorus
Klugii, eine neue Gatt. d. Blattwespen, zur Jubelfeier d. H. G. O.M.K.
ür. Fr. Klug; mit einer Abbild. Halle, 1847) aufgestellt. Es ist eine
Emphytenform, ausgezeichnet durch den kolbigen, an der Wurzel
eingeschnürten Hinterleib, von Emphytus (Hart.) ausserdem durch
die Bildung der Lefze und Taster unterschieden, wie auch in der
Form der Enddornen der Vorderschienen und der Klauen abweichend,
worin sie mehr mit Tenthredo übereinkommt. Die Art, A. Klugii.
„fusco-niger, pallide variegatus, antennarum tibiarumque basi nee
non annulis abdominis Septem: quatuor basalibus tribus apicalibus,
albidis. Long. 6""* ist auf den Gebirgen von Java in einer Höhe
von 3000-4000' ü. M. einheimisch.
„Einiges über die Blattwespen im Allgemeinen nebst einer üeber-
sicht der Gattungs-Charactere und die bis hiezu in Liv- und Cur-
land beobachteten Arten, mit einigen Bemerkungen dazu", von B. A.
Gimmerthal (Arbeit, des Naturforsch. Vereins in Riga. 1. Bd. 1. Hft.
S. 23). Eine fleissige Arbeit, in welcher im Ganzen 150 Arten auf-
geführt sind. Als neu sind aufgestellt: Tenthr. {Blennocampa)
Waldhelmii^ der T. nana zunächst verwandt, T. {Macrophya)
flavilahriSy und T. (Macr.) curvipes, die letztere der T. 4macu-
lata und 12punctata sehr nahe stehend, aber durch gekrümmte Hin-
terschienen abweichend.
Naturgeschichte der Insecten während des Jahres 1847. 13j[
Die Blatt- und Holzwespen des Faunengebiets zwischen der
Wolga und dem üralgebirge hat Eversmann bearbeitet (Faun, hy-
menopterolog. Volgo. üralens. etc. Bull. Mose. S. 3). Eine reich-
haltige Arbeit, welche im Ganzen fast 200 Arten aufzählt, unter
meist über ganz oder einen grösseren Theil von Europa verbreiteten
Arten viele neue und z. Th. eigenthümliche: Nematus caudalis^
breviusculits , quietns^ frnticum^ continuus^ diaphanus
contractus^ umhri'pennis^ squalidus ^ — Dineura flaveola
— Dolerus magnicornis^ tenebrosus ^ — Emphytus Jenes tra-
tus^ caligatus, pai^allelus^ infuscatus; — Tenthredo (Selati-
drid) dolosa; T. (Allantus) luteocüict a, Sareptana^ T. (Ma-
crophya) liciata, corallipes, dolens; T. (Tent/wedo) ano-
mala, opaco-maculata, subiecta, caligator^ hybrida,
poecila^ ischiadica , anniiligera^ caucasica^ luteipennis
ruhecula. — Lyda iucunda, hilaris. — CepJius cruentatus^
m aior , xanthostoma^ filt'fo r mis , fum ip e n n is.
Ueber die Dolerus-Arten Schlesiens hat Scholtz eine Uebersicht
geliefert in d. Arbeit, d. Schles. Gesellsch. f. vaterländ. Cult. im J.
1847. Es sind 30 Arten, unter denen D. Hartigii des Verf. aus der
Vereinigung von D. Cenchris Hart. {(J) und D. ßssus Hart. (9) ge-
bildet ist, und 3 neu sind, D. Kliigii, lacteus und carinatus.
West wood (Gardener's Chronicl. N. 42. S. 684. — Ann. nat. bist.
XX. S. 437) hat die Larve der Lyda inanita beobachtet. Sie lebt
auf Rosen und hüllt sich auf eine eigenthümliche Weise ein, indem
sie den Rand des Blattes, von welchem sie frisst, ausspart, und
denselben schraubenförmig aufrollt, so dass die Windungen einander
decken. Auf diese Weise entsteht ein walzenförmiges Gehäuse, in
welchem die Larve enthalten ist, welches mit dem Blatte, von wel-
chem sie frisst, im Zusammenhange steht, und welchem sie eine
solche Lage giebt, dass es von dem noch übrigen Theil des Blattes
von obenher gedeckt Mird. Die Windungen sind mit feinen Seiden-
fäden befestigt. Wenn ein Blatt verzehrt ist, wird der Rand eines
neuen Blattes abgebissen und aussen an den oberen Theil des Ge-
häuses angeheftet. Das Gehäuse einer vollwüchsigen Larve ist 2 Zoll
lang und besteht immer aus den Randstreifen mehrerer Blätter. Die
Larve frisst von Ende Juni bis zum Ausgang des Juli auf verschie-
denen Rosenarten.
Ders. (Garden. Chron. N. 52. S. 851) hat auch die Larve der
Tenthr, (Jll.) festudmea Kl. beobachtet. Sie ist bleich und schmut-
zig, buff coloured, mit rothbraunem Kopfe, 20füssig (3 Paar Brust-,
6 Paar Bauchfüsse und 1 Paar Nachschieber). Berührt lässt sie aus
den Poren des Körpers eine kleine Menge Safts vortreten, welcher
wie BettM^anzen riecht. Sie lebt im Juni und Juli in jungen Aepfeln,
welche, wenn sie die Grösse einer Wallnuss erreicht haben, abfallen.
132 Erich so n: Bericht über die wissensch. Leistungen in der
Die Larve, dann volhvüchsig, bohrt sich aus den abgefallenen Aepfcln
durch, und geht zur Verwandlung in die Erde.
Leon Dufour hat die Naturgeschichte zweier AVwm/«f -Arten
beschrieben (Etudes pour servir ä Thistoire du Nematus ribis: Ann.
d. 1. Soc. Ent. d. Fr. S. 571, und Dissertation sur le Nematus De-
geeri, ebenda S. 583). Beide Arten sind in Deutschland auch ihrer
Naturgeschichte nach bekannt, die erste, des Verf. Ne?natiis ribis
Leduc. Mem. d. 1. Soc. d. sc. nat. de Seine et Oise IL T. L F. 5. T. 2.
F. 1. 2, A'. 3maculatt(s Lepell. Mon. p. 69 $, N. uffinis Lep. ibid. ^
ist einerlei mit N. ventricosus (Kl.) Bouche Naturgesch. S. 140;
Hartig Aderfl. S. 196; und trotz der Zweifel des Verf. auch mit A.
grossulariae Dahlb. Die ausführlichere Darstellung des Verf. berei-
chert unsere Kenntniss der Naturgeschichte dieses Insects noch mit
manchen Einzelnheiten, unter denen der Umstand, dass die Larve
nach der letzten Häutung die schwarzen haartragenden Puncte ver-
liert, und der, dass sie sich sowohl in der Erde als auch zwischen
den Blättern verpuppt, hervorgehoben werden mag. Es ist also auch
A\ grossulariatus Dahlb., der sich zwischen den Blättern einspinnt,
nichts anderes als N. ventricosus. — Die zweite Art, Aeni. De^
geeri des Verf. scheint mit Nem. viminalis (Gyn. vimin. L.), N.
gallarum Hartig Aderfl. S. 220 übereinzukommen.
Die Larve der Teulh. (Nematus) Capreae wurde von Bouche
beschrieben. Sie findet sich im August auf den verschiedenen Wei-
denarten, deren Blattränder sie mondförmig ausnagt, geht zur Ver-
wandlung in die Erde und erscheint im künftigen Sommer als Wespe.
(Entom. Zeit. S. 164).
Auch Dahlb om hat mehrere schätzbare Beobachtungen über
Blattwespenlarven mitgetheilt. (Forhandl. ved de skand. Naturf. fjerd.
Möd. Christian. 1847, übers, von Creplin Entom. Zeit. 1848. S. 174).
— 1. Die Larve des F.mi>hyt. succinclns findet man im Herbste auf
Birken und Palmweiden: sie stimmt so genau mit der von Degeer
beobachteten Larve der T. rufocincta überein, dass man glauben
könnte, hier wäre eine Verwechselung vorgegangen. Die Larven des
Emph. succinctus krochen zum Winter in die Erde, verwandelten
sich aber erst im Mai des folgenden Jahres in eine grasgrüne Puppe,
in welcher erst nach dem 12ten Tage die schwarze Körperfarbe der
W^espe anfing sichtbar zu werden. — 2. Nematus Ribesü Scop. und
N. coniugatus Dahlb. werden häufig verwechselt. Das W^eibchen des
ersteren befestigt seine Eier mittelst klebrigen Schleims an der Unterseite
der Ribes-Blätter, ohne dieselben mit der Säge zu verletzen, das des
N. coniugatus legt die Eier in Weiden- und Pappelblätter, indem es
mit der Säge den äusseren Rand des Blatts öffnet. Die Larven sind
bei beiden blaugrau, bei der der ersteren aber nur der Prothorax
und der vorletzte Hinterleibsring, bei der der zweiten alle drei Tho-
Naturgeschichte der Insecten während des Jahres 1847. 133
rax- und die 2 oder 3 letzten Hinterleibsringe gelb. Die Verwand-
lungsgeschichte der ersten Art ist von Reaunuir, die der zweiten vom
Verf. (Isis 1839) ausführlicher beschrieben. — 3. Setzt der Verf. die
Verschiedenheiten zwischen Linne's und Degeer's Tenthr. Salicis aus-
einander. Der Artname muss der Linncischen Art, als der älteren
bleiben, die von Degeer beschriebene nennt der \eri. ]Se?n. De Geeri.
— 4. Tenlhr. crassa Fall., wozu I^em. sulcipes und coeruleocarpus
Hart, als Synonym gehören, lebt auf Weiden. Die Larve ist gras-
grün, mit zwei schwarzen Rückenstreifen und thongelbem Kopf mit
3 braunen Längsstreifen, sitzt meist am Blattrande, und drückt, um
fester zu sitzen, oft den Schwanz fest an die Unterseite des Blattes
Es finden sich zwei Generationen. — 5. Bestättigt der Verf., dass
die Blattwcspen gelegentlich räuberisch und fleischfressend sind: es
geschieht dies aber nicht, wie der Verf. vermuthet, aus Hungersnoth,
sondern weil sie überhaupt auf gemischte Nahrung angewiesen sind.
— Von Blattwespen erzeugter Gallen sind vier Arten bekannt: a.
Nem. viminaUs {Cynips vini. L., T. intercus Pz., Nem. Gallarum
Hart)j b. N. Amerinae {Cyn. ÄmerinaeY..^ Cryptocamp. poituU)\2xi^\
c. N. Cnpreac {Cyn. Capreae Lin., ISem. Valisnierü Hart.); d. Nem,
intercus Gm., von welcher Art die Wespe noch unbekannt ist.
Ichneuntonitles» Eine Aufzählung der in der Gegend von
Aix vorkommenden Ichneumonen hat Boyer de Fonscolombe
geliefert (Ichncumonologue Provengale on Catalogue des Ichneumo-
nides, qui se trouvent aux environs d'Aix, et description des especes
inedites: Annal, d. 1. Soc. Eut. d. Fr. S. 51, 39 T). Die Aufzählung
umfasst 69 Arten von Ichneuniou ,, 1 von Crypturus und 1 von
Stilpnus. Unter denen von Ichneumon ist eine Anzahl (16) neuer
enthalten, ausserdem viele, bei denen die Bestimmung zweifelhaft
blieb, und welche daher eine nähere Bezeichnung erhalten haben.
Ueber einige parasitische Hymenopteren des Harzes, von Dr.
Th. Hartig" (Bericht des naturwiss. Vereins des Harzes f. d. J.
1846—7. S. 15). Aus den Puppen des Pissodes hercyniae erzog der
Verf. Echthriis hercynianus n. sp., eine andere von Saxesen im
Harz gefangene Art ist E. crassipes n. sp.; als wesentlichen Character
dieser Gattung bezeichnet der Verf. die wurstförmige Verdickung der
V^orderschienen. — Mesoleptus teredo n. sp. aus einer Bockkäfer^»
larve. — Sigalphus Cujculionum n. sp. scheint der Hauptfeind des
Pissod. hercyniae zu sein; Sig. Tenthr edinum n. sp. aus einer
Lyden-Larve erzogen; — Sig. Complanellae n. sp. aus der Raupe
der Tin. complanella. Ausserdem stellt der Verfasser zwei neue Gat-
tungen auf, deren Namen indess schon früher vergeben waren.
Closteroceros, von der Form der Ephialtes , die Fühler spin-
delförmig, das 11— 22ste Gl. verdickt und zusammengedrückt, wie
bei Euceros; der Hinterleib sitzend, der 1 — 6te Ring länger als
breit; der 2— 6te Ring glatt, mit eingedrückten schrägen Seitenlinien.
134 Erichson: Bericht über die wissensch. Leistungen in der
Die Flügelzelle wie beim Ephialtes manifestator. Cl. sertceus, ist
aus Erlenholz erzogen.
Op hiodes, in der Form zwischen Ephialtes, Lissonota und
Xorides. „Mand. apice angustatae fissae. Labium rotundatum, appen-
dicula occulta. Palpi max. 5-art., setacei, palp. lab. 3-art. — An-
tennae tenues, filiformes, thorace duplo (;/ longiores; caput transver-
sum, thorace latius; thorax elongatus, angustus, subcylindricus, im-
primis metathorace elongato subconico , abdomen thorace duplo lon-
gius, gracile, cylindricum ; $ segmentis 1—5 latitudine duplo et plus
duplo longioribus, aculeo (longe) exerto , valvula ventrali parva;
cf segmentis 2 — 4 longitudine \\ longioribus. Segmentum 1 $ lati-
tudine plus triplo, cf plus duplo longius, basin versus sensim an-
gustatum, tuberculis lateralibus ante medium sitis. Pedes graciles.
Areola irregulariter rhomboidea, petiolata." Oph, montanus^ vom
Harze.
„Ichneumonologisches vom Prof. Ratzeburg*' (Entom. Zeit.
S. 58). Bemerkungen über verschiedene Ichneumonen, welche aus
bestimmten Schmetterlingspuppen gezogen sind.
Beliier de la Chavignerie theilte seine bei Gelegenheit von
Kaupenzucht gesammelten Erfahrungen über Ichneumonen mit, wobei
er zur Sprache brachte, dass in mehreren Fällen Raupen, obgleich
von Ichneumonen bewohnt, sich in Schmetterlinge verwandelten, diese
zeigten aber durch geringere Entwickelung und mindere Äusfärbung
die Spuren ihres Leidens im früheren Zustande. (Annal. d. 1. Soc.
Ent. de. Fr. Bull. S. xxiii.) — Bruand bemerkte, dass öfter auch
Raupen von Ichneumonen gestochen wurden, ohne dass sich Ichneu-
monenlarven bei ihnen entwickelten; in diesem Falle Mären die Ich-
neumoneneier nicht befruchtet gewesen (ebend. S. lv.).
Ueber die Larven von Ephialtes mediator und Lissonota culi-
ciformis gab. Bouche Nachricht (Entom. Zeit. S. 164). Die erstere
fand er in mürbem Weidenholz neben todten Larven vom Cerambyx
moschatus, die letztere lebt in den Raupen verschiedener Wickler,
als Tortr. laevigana, ribeana, ocellana u. a., auch in denen von Py-
ralis rostralis.
Proctrotrupii* „Ueber die Familie der Mymariden, von
A. Förster in Aachen" (Linnaea Ent. II. S. 195). Eine vollständige
Uebersicht über die Gattungen und Arten dieser Gruppe; unter den
42 Arten sind 23 vom Verf. entdeckt, ausserdem sind drei neue Gat-
tungen aufgestellt, welche aber, da dem Verf. die im vor. Berichte
angezeigte neuere Arbeit Haliday's über diese Gruppe nicht bekannt
war, zum Theil als Synonymen der dort aufgestellten einzuziehen
sind. Der vom Verf. bearbeitete Inhalt dieser Gruppe ist folgender:
Naturgeschichte der Insecten während des Jahres 1847. 135
I. Mit 5 Fii SS gliedern, a. Mit gestieltem Hinterleibe.
1. Ootonus Hal.j 6 Arten, darunter drei neue.
h. Der Hinterleib sitzend.
2. Rachistes Fö. (die Fühler 11 gl., die Radicula sehr deut-
lich, der Knopf nicht geringelt; beim cT sind die Fühler 13gl. Die
Flügel haben einen kurzen, die Mitte des Flügels nicht erreichenden
Unterrandnerven); 5 Arten, darunter zwei neue.
3. Litus Hai. 2 Arten.
4. Leim a eis n. g, (Fühler des 9 Sgl., der Knopf einfach, des
cf 13 gl.; die Flügel haben einen fast die Mitte des Vorderrandes
erreichenden Unterrandnerven). Eine neue Art.
5. Gonatoceriis Nees. Eine Art.
II. Mit 4 Fussgliedern. a. Der Hinterleib sitzend.
6. Anaphes Hai, 5 Arten , darunter 2 neue.
7. Anagi'us Hai. 7 Arten, darunter vier neue.
l). Der Hinterleib gestielt.
8. Polyiiema Hai. 12 Arten, darunter 6 neue.
9. Myma?' Hai. 1 Art.
10. Eustochus Hai. 1 Art.
11. Doriclytus n. g. (Die Fühler des $ lOgl., der Knopf
2gl., die vier hinteren Schienen etwas kürzer als die Füsse. Der
Hinterleib kurz gestielt, der Bohrer länger als der Hinterleib, der
Nerv, ulnaris der Flügel sehr kurz, fast unscheinbar.) Eine neue Art.
„Zur Verw'andlungsgeschichte der Mymariden, vom Prof. L. JLoew
in Posen." (Ent. Zeit. S. 339.) In den Gallen der Cecidomyia Urticae
Perr. von den Blättern der Urtica dioica fand der Verf. ausser der
nackten Cecidomyia-Larve die langhaarige spindelförmige Larve eines
Pteroraalinen, welche die erstere angreift, tödtet und ausgewachsen
jener an Grösse gleich kommt; und die sehr kleinen Mymariden-
Larven, welche er in der Regel einzeln oder zu mehreren auf den
Pteromalinen-Larven, welche von ihnen getödtet werden, doch auch
einige Male auf der Larve der Cecidomyia antraf; einmal be-
obachtete er eine muntere Pteromalinen-Larve auf der hinsterbenden
Larve der Cecidomyia, und auf der Pteromalinen-Larve wieder die
Mymariden- Larve. Diese ist weiss, nur der grosse Kopf ist in der
Gegend der sehr entwickelten Kiefern bräunlich; der Körper ist nach
hinten allmählich zugespitzt und hat ohne den Kopf 13 Ringe; er ist
überall mit ganz kurzen aber steifen und dicken Börstchen dicht be-
setzt; ausserdem findet sich auf jedem Hinge ein Paar dicker, stei-
fer, langer Borsten, die so geordnet sind, dass sie auf dem Körper
ebenso viel Längsreihen bilden; sie sind bis zu ihrem Ende gleich
stark, auf den hinteren Ringen allmählich etwas kürzer, auf den
letzten fehlen sie. — Aus den diese Larven enthaltenden Gallen erzog
der Verf. ausser einer Anzahl der Cecidomyia Urticae, eine nicht
unerhebliche Anzahl eines Torymus und einen Schwärm von Myma-
;136 Erichson: Bericht über die wissensch. Leistungen in der
riden, der Gatt. Anaphes und einer dem A. pratensis Forst nahe ver-
wandten und vielleicht nicht verschiedenen Art angehörig. — Auch aus
den von Gymnetron villosulus erzeugten Fruchtgallen der Veronica
Anagallis , in welchen ähnliche Larven vorkamen , erzog der Verf.
Mymariden aus den Gattungen Polynema und Rachistus, so dass
die bisherige Annahme, nach welcher die Mymariden auf die Eier
von Insecten angewiesen sein sollten durchaus keine allgemeine
Gültigkeit haben kann.
Chalcidiae» Walker hat wieder in den Ann. of nat. bist,
ein Paar Abhandlungen über diese Farn, geliefert: „Notes on some
Chaicidites and Cynipites in the CoUection of the Rev. F. \V. Hope."
(XIX. S. 22?). Meist Bemerkungen über Synonymie; als neu sind
beschrieben 1 Siphonura, 5 Encyrtus, 1 Pterofnulus, 1 EulophuSy
alle aus Oesterreich. — „Characters of undescribed Chaicidites col-
lected in North America by E. Doubleday, Esq. and now in the
British Museum (XIX. S. 392. XX. S. 19). Die neuen Arten gehören
zu den Gatt. Vteromalus, 16 A., Eupehnus, 3 A., Encyrtus , 4 A.,
Closterocerus , 1 A., Entedon, 3 A., Eulophus , 6 A., Elachestus , 1 A.,
Cirrospilus, 1 A., Tetrastichus , 3 A., und Acrias , 1 A. — Die letzte
Gatt, ist neu: sie hat rothe Augen, an den Fühlern das 3., 4. und 5te
Glied mittelgross, und gleich gross, die Keule länglich kugelförmig,
zugespitzt, viel länger als das 5te Glied, der Hinterleib pfeilförmig,
zusammengedrückt, oben flach, unten gekielt, nach hinten verschmä-
lert und zugespitzt, viel länger und schmäler als der Mittelleib.
Schembri hat die Beschreibung einer auf Malta einheimischen
Leucospis, L. Costae Schemb. mitgetheilt (Ann. d. 1. Soc. Ent. d.
Fr. Bull. S. Lxxxvi.) Dieselbe mögte indess von L. rufonotata Wcstw.
(aus Sicilien) nicht verschieden sein.
Leon Dufour (Ann. d. 1. Soc. Ent. d. Fr. S. 441) lieferte von
dem Misocampiis stigfjiatizans {[cJmeiun. stig Fab.) eine genaue Be-
schreibung nach beiden Geschlechtern. Er erzog sie aus einer kug-
ligen Holzgalle von Eichenzweigen. — Diese Art gehört übrigens zur
Gatt. Megasti'grnus Dalm., und ist auch schon von Nees v. Esenbeck
neben Dipl dorsalis F. an seiner richtigen Stelle aufgeführt worden.
Westwood's ausführliche Monographie von Palmon ist in den
Transact. of the Ent. Soc. of Lond. S. 256 erschienen: „On the Eco-
nomy of the Genus Palmon of Dalman, with Descriptions of several
Species belonging thereby to." Ich verweise auf den nach den
Proceed. abgestatteten Bericht über 1845. (Dies Arch. 12. Jahrg.
2. Bd. S. 268.)
Semiotus apionis hat Goureau aus Apion ulicis erzogen und
als neue Art beschrieben. (Ann. d. 1. Soc. Ent. d. Fr. S. 252.)
Naturgeschichte der Insecten während des Jahres 1847. 137
Chrysidides» Ueber die Lebensweise der Chrysis machte
Lucas in der Entom. Gesellsch. zu Paris einige Mittheilungen-
Chrysis ignita ist als Parasit des Odynerus spinipes beobachtet wor-
den. Der Verf. selbst beobachtete in Algier Chrys. barbara Luc.
wie sie ihre Eier in die Nester von Osmia ferruginea und coerule-
scens legte, welche in leere Schneckenhäuser bauen, vorzüglich von
Bulimus decollatus, Helix caespitum, coriosula und hieroglyphi-
cula. Die Chrysis legt je ein Ei in ein Nest, und zwar in Abwesen-
heit der Osmien. (Ann. d. 1. Soc. Ent. de Bull. S. 90.)
Jftutillariae, Drewsen (Ent. Zeit. S. 210) bestätigte die
alte Beobachtung Christ's, dass die früheren Stände der Mutilla
europaea in den Nestern der Hummeln leben, freilich nicht in den
freundlichen Beziehungen wie Christ glaubte, sondern als Parasiten,
welche auf Kosten der Hummelsbrut leben. Der Yerf. erhielt aus
einem Neste des Bombus Scrimshiranus Kirb. von etwa 100 Zellen,
welche fast alle verschlossen oder zugesponnen waren, nur zwei
Hummeln, dagegen 76 Mutillen. Dass die Mutillen sich aus den ge-
schlossenen Zellen entwickeln, beweist, dass ihre Larven sich nicht
von den gesammelten Vorräthen der Plummeln, sondern von den aus-
gebildeten Hummellarven nähren, denn nur diese verschliessen ihre
Zellen mit ihrem Gespinnst. Nach der Begattung, welche nur einige
Minuten dauert, starben sämmtliche Männchen, die Weibchen aber
gruben sich in die Erde, wo sie in zusammengerollter Stellung über-
wintern, um im künftigen Sommer ihre Brut in den Hummelnestern
abzusetzen. — Dahlbom (a. a. O.) theilte ebenfalls ein Paar Be-
obachtungen darüber mit, dass Mut. europaea in Hummelnestern lebe.
^pTtegitnae» Eine neue Gatt. Stet horectus stellte Smith
auf. (Ann. of nat. bist. XX. S. 394. T. 23.) Sie steht zunächst an
Podium F. Der Verf. unterscheidet sie aber dadurch, dass die zweite
Cubitalzelle beide rücklaufende Nerven aufnimmt. — Die 2" 2 — 4'"
lange Art, St. ingens wurde in Pernambuco in Brasilien gefangen.
Dahlbom (a. a. A. ) zählt diejenigen Sphex artigen Hymenopte-
ren auf, die ihre Wohnung im Sande und in der Erde anlegen, fer-
ner diejenigen, welche sich in Holz einnisten, und endlich diejeni-
gen, welche gewiss oder vermuthlich eine parasitische Lebensweise
bei andern führen.
Xtarratae, Eine Aufzählung der in Schlesien beobachteten
Arten von Oxybeliis \\\Q\\ie Schilling (Arb. d. Schles. Gesellsch. f.
vaterl. Cult. i. J. 1847) mit: es sind vier bekannte und zwei neue
Arten, nämlich O. bicolor: „Schwarz, fein punctirt, Fühler nach
aussen braunroth, Zapfen scharf zugespitzt, Hinterleib am Grunde
(das erste und 2te Glied) schwarz, die übrigen roth, beiderseits mit
zwei weissen Flecken; Beine schwarz, Schienen und Fussglieder
138 Erlchson: Bericht über die wissensch. Leistungen in der
braunroth;" und O. laevi gatus: „Hinterleib glänzend schwarz,
ohne merkliche Punctirung.
Crahronites* Dahlbom (a. a. O.) beobachtete in Norwegen
auf sehr sandigem Acker Diodontus tristis und Alyson Ratxeburgii.
Die ersteren hatten zahlreiche Nester im Sande, in welche sie Aphis
ülmi eintrugen, welche sie von einem nahen Erlengebüsch holten.
Die Alyson flogen indess spielend auf den Getreidehalmen umher,
und da sie sich nur in der Nähe der Nester der Diodontus aufhiel-
ten, vermuthet der Verf., dass sie Parasiten derselben sein mögten,
obgleich er sie nicht in die Gänge derselben einschlüpfen sah. Da-
gegen ereignete es sich nicht selten, dass Ameisen (Form, fusca)
in die Nester der Diodontus krochen und die eingetragenen Blatt-
lause raubten.
Vespariae» Schinz bemerkte, dass die Grösse der Wespen-
nester von der "Witterung abhänge und je länger der Sommer sei,
desto grösser die Nester würden. Aus dem warmen und langen Som-
mer erhielt er ein Hornissnest, welches nicht weniger als 2', im
Durchmesser hatte (Mittheil. d. naturforsch.- G eselisch, in Zürich
1. S. 37).
j^piariae» Die Naturgeschichte des Anthldiiim manicatum
ist von Westwood in Garden -Chronicl. n. 16. S. 252 geschildert.
Das Nest besteht aus 12 — 15 Gehäusen, welche äusserlich mit weisser
Wolle bekleidet, besteht innen aber aus dichterem Stoffe und enthält
eine ovale Zelle.
Ghiliani berichtet, dass die Meliponen am Abend den Eingang
zu ihrem Stock, der etwa 1" im Durchmesser hält, mit einem netz-
förmigen Gitter aus Wachs verschliessen, so dass kein Feind ein-
dringen kann, der Luft aber und nächtlichen Kühle der Zutritt bleibt
(Ann. d. 1. Soc. Ent. d. Franc. Bull. S. xxxviii.).
In einem Neste des ßombus Sci'i7iishiranns Kirb. beobachtete
Drewsen folgende Parasiten und Gäste ausser der Mutilla europacax
1. Volucella plumata nebst V. bombylans; die grosse weissgraue
fucose Larve brach aus einer verschlossenen Zelle hervor, verpuppte
sich nicht wie die Mutillen in den Zellen. — 2 Änthomyia {Ariciii)
Jricice-ps Zett.; — eine andere Änthomyia ^ der A. obelisca Mg. nahe
stehend, deren Larve in Menge vorhanden war. — 4. Eine Larve
von einem Molohrus^ welche nicht zur Verwandlung kam. — 5 An-
ihei^ophagus j)allens. — 6 Epiiraea aestiva. (Entom. Zeit. S. 211.)
De Beauvoys hat einen „Guide de l'apiculteur, 2e ed. in 12"",
herausgegeben. Derselbe hat auch einige seiner Erfahrungen aus
der Bienengeschichte der Entomolog. Gesellsch. zu Paris mitgetheilt.
Naturgeschichte der Insccten während des Jahres 1847. 139
z. B. dass es zweierlei Arbeitsbienen gebe, und dass die Honig und
Wachs eintragenden Bienen zum Bau des Stockes völlig untüchtig
seien. Die Propolis gewinnen die Bienen nach des Verf. Erfahrung
aus noch nicht aufgesprungenen Antheren. (Ann. d. 1. Soc. Ent. d.
France, Bull. S. 114)
Nach Gordon's Mittheilung gebraucht man in den Vereinigten
Staaten die Bienen als Arzneimittel, und zwar einen Bienenthee.
Man zerreibt 40 — 60 Stück Bienen mit ein wenig Wasser zu Brei, giesst
^ Litr. kochendes Wasser darauf und bedeckt das Gefäss sorgfältig.
Nach 20 Minuten des Ausziehens seiht man durch und lässt die klare
Flüssigkeit sogleich einnehmen. So lange der Thee warm ist, hat
er den Geruch, den gereizte Bienen verbreiten. Beim Erkalten,
namentlich wenn das Gefäss offen bleibt, verschwindet dieser Ge-
ruch und zugleich die Wirksamkeit des Thees. Das Mittel wird gegen
Strangurie angewendet, die es nach 2—5 Minuten mit dem grÖssten
Erfolge hebt. (Journ. de Chim. med. 3 Ser. T. 3. — Pharm. Centralbl.
1847. n. 55. Archiv d. Pharmac. 2. R. LIII. Bd. S. 332.)
Vormicariae* üeber die Lebensweise der „Treiber-Ameise"
Westafrica's sind von S avage ausführliche Nachrichten mitgetheilt
(On the Habits of the „Drivers" or Visiting Ants of W^est-Africa,
Transact. of the Ent. Soc. ofLond, V. S. 1.). Diese Ameisen, welche
der Verf. am Palmencap beobachtete, haben keine festen Wohnsitze
und künstlichen Baue, suchen aber in flachen Höhlungen unter Baum-
wurzeln, überhängenden Felsen u. dergl., wo sie Schatten finden, ihr
Unterkommen. Unmittelbar den senkrechten Sonnenstrahlen, beson-
ders wenn die Wirkung derselben durch Reflexion vermehrt ist, aus-
gesetzt zu sein, ist ihnen tödtlich, sie ziehen daher nur an trüben
Tagen und bei Nacht aus. W^enn sie auf ihren Zügen z. B. durch
reichliche Beute u. a. bis zum späteren Morgen zurückgehalten werden,
überbauen sie ihren Pfad mit einem Gewölbe aus Schmutz, den sie
mit ihrem Speichel zusammenkleben, wo sie nicht in hohem Grase
oder auf andre Weise beschattet werden. Sonst bilden die grössten
und streitbaren Geschlechtslosen ein Gewölbe über den Pfad zum
Schutz der Arbeiter. Ihre Nahrung besteht vorzüglich in Fleisch,
und sie tödten bald das grösste Thier, selbst die Riesenschlange
(Python natalensis) ist ihren Anfällen ausgesetzt. Ihren ersten An-
griff richten sie auf die Augen des Thiers, welches sie, wenn es von
ihnen überrascht wird , durch ihre ungeheure Zahl überwältigen. Die
Säfte scheinen von den Ameisen selbst genossen zu werden, während
die festeren Theile des Fleisches in ihre Höhle geschleppt werden.
Sie dringen häufig bei Nacht in die Häuser ein, wo eine allgemeine
Flucht der Ratten, Mäuse, Eidechsen, Schwaben und anderen Un-
geziefers ihre Ankunft anzeigt, und man ist genöthigt, aus dem
Bette ins Freie vor ihnen zu flüchten. Der Verf. erzählt noch manche
Züge aus der Lebensweise dieser Ameise, welche die Angaben frühe-
140 Er Ich so 11: Ber. ü, d. Leist. i. d. Naturg. d. Inscct. etc.
rer Reisenden bestättigcn; z. B. wenn, wie es in der Regenzeit öfter
vorkommt, ihre Wohnsitze überscliwemmt werden, bilden sie eine
runde Masse, die Brut und die schwächeren nach innen, die stärke-
ren nach aussen, und so schwimmen sie umher, bis sie aufs Trockne
gorathcn. Wenn ein nicht zu breites Gewässer ihnen in den Weg
kommt, bilden sie, eine sich an der anderen befestigend, eine Kette
über das Wasser, über welche die übrigen, wie über eine Brücke
gehen. Auch von den Zweigen der Bäume bilden sie Öfter ähnliche
Ketten bis zur Erde herab.
Diese Treib er -Ameise ist nach Westwood's Untersuchung
(Description of the ,,Driver" Ants, described in the preceding Ar-
ticle, ebend. S. 16) eine Art der Gatt. Anomma. Shuck. und vom
Verf. A. arcens genannt worden. Es sind bisher nur die Arbeiter be-
kannt geworden, deren Grösse von 13^—5'" abändert; bei den kleine-
ren sind Kopf und Mandibeln kleiner und die letzteren stärker ge-
zahnt, diese scheinen die Rolle der Arbeiter zu spielen, während
die grösseren die der Soldaten übernehmen, eine bestimmte Gränze
zwischen beiden Formen giebt es aber nicht.
Boy er theilte über Doi'ylus folgendes mit: „in einem Hause,
welches er zu Gorruckpore bewohnte, befand sich ein Nest dersel-
ben, und an einem Abend schwärmten sie in solcher Menge, dass
sie eine vollkommne Plage wurden. IVIan entdeckte unter dem Ess-
tisch eine kleine Oeffnung am Fussboden, aus welcher Hunderte her-
vorkamen. Die geflügelten flogen nach wenigen Secunden auf, die
ungeflügelten, welche nicht grösser als eine Stubenfliege, oder auch
kleiner sind, und wahre Ameisen zu sein schienen, liefen hin und
her und aus und ein, ebenso wie Ameisen an einem sonnigen Tage.
Dies war aber bei Nacht. (Proceed. Ent. Soc. of Lond. S. 127.)
Eine neue Art von Aenictus^ Ae. inconspicuus, aus Südafrica,
wurde von Westwood (Transact. Ent. Soc. Lond. IV. S. 237. T. 14.
F. 4) bekannt gemacht.
Der Bericht über die noch fehlenden Insectonordnungen wird
in dem nächsten Jahrgange nachgeliefert werden.
141
Beriebt über die Leisiinigen in der Natiirgescbiebie
der Säiigtbiere wäbreiid des Jabres 1847.
Von
Prof. Andr. Wagner
in Münchon.
Waterliouse hat im verflossenen Jahre den zweiten
Band seiner Natural Ilistory of the Mainnialia begonnen und
ist damit im lieurigen zu Ende gekommen.
Es ist die Ordnung der Nager, mit welcher Water house in
diesem Bande den Anfang gemacht hat und zwar hat er darin seine
beiden Familien der Leporidae und Hj^stricidae (letztere nach
ihren 6 Unter-Familien: Hystiiciiia, Dasyproctina^ Echimyina\ Octo-
dontina , Chinchilliiia, Caviina) behandelt. Wir werden am gehö-
rigen Orte auf das Einzelne naher eingehen.
Von Schinz ,, Monographien der Säugthiere, mit Abbildungen
nach der Natur und den vorzüglichsten naturwissenschaftlichen Wer-
ken gezeichnet von J. Kuli" ist mir nur das 18te Heft zugekommen,
das noch Antilopen und die Abbildungen von Sus leucomystax und
jiem'cHlaius enthält.
Zur Literaturkunde dient die „Quellenkunde der verglei-
chenden Anatomie, als Vorläufer einer pragmatischen Ge-
schichte der Zootoniie, für Naturforscher und Anatomen bear-
beitet von Dr. F. W. Assmann." Braunschw. 319 S. 8. '
Sie ist mit grossem Fleisse angefertigt und dem üebelstande,
dass die Schriften nicht in alphabetischer Reihe aufgeführt sind, hilft
am Ende ein alphabetisch geordnetes Sach- und Autorenregister ab.
Die einzelnen Rubriken sind folgende: Geschichte und Literatur,
Sammlungen und vermischte Schriften; Monographien der Säugthiere,
Vögel, Reptilien, Fische; vermischte Schriften über wirbellose
Thiere, Monographien der Mollusken, Anneliden, Crustaceen, Arach-
niden, Insekten, Echinodermen, Entozoen, Akalephen, Korallenthiere
und Infusorien. — Schriften über einzelne Systeme und Organe:
Skelet, Muskeln, Haut (Haare, Nägel, Federn etc.), Gefässsystem,
Nervensystem, Gehörorgan, Auge, Geruchsorgan, Geschmacksorgan,
Stimmwerkzeuge und Respirationsorgane, Verdauungsorgane etc..
142 Andr. Wagner: Bericht über die Leistungen in der
Geschlechtsorgane, Entwickehingsgeschichte, Milchdrüsen, thierlsche
Phosphorescenz, Winterschlaf, Flimmerbewegung.
Die schwedische Akademie hat abermals einen zoologi-
Fchen Jahresbericht erscheinen lassen unter dem Titel: Ars-
berättelse om Zoologiens framsteg under ären 1843 och 1844.
Tile Kongl. Vetenskaps- Akademien afgifven af Zoologiae In-
tendenterna vid Rikets naturhistoriska Museum. Första Delen
(Anim. vertebrata) af C. J. Sundevall. Stockh. 222 S. 8.
Ein sehr gründlicher, kenntnissreicher, von Sundevall verfass-
ter Bericht, der sich über die Leistungen in der Anthropologie und
der Naturgeschichte der Wirbelthiere aus den Jahren 1843 und 1844
erstreckt.
Nicht unerwähnt möchten wir hier die Biographie eines
der verdienstvollsten Veteranen unserer Wissenschaft lassen.
Sie führt den Titel: Vie, travaux et doctrine scientifique
d'Etienne Geoffroy Saint-Hilaire par son fils M. Isidorc
Geoffroy Saint -Ililaire. 479 S. 12.
Der Sohn hat in dieser Schrift dem Vater mit grosser Beschei-
denheit ein wohl verdientes Ehrendenkmal gesetzt, und man wird
sich freuen hier einen der vorzüglichsten Begründer der neuern fran-
zösischen naturwissenschaftlichen Schule nicht blos nach seinen wis-
senschaftlichen Leistungen, sondern auch in der ganzen Liebenswür-
digkeit seines persönlichen Charakters kennen zu lernen.
Zu einer angenehmen Leetüre für das grössere Publikum sind
Broderip's Zoological Recreations geeignet. Von Säugthieren sind
darin behandelt: Hunde, Katzen, Affen und Elephanten.
Die wichtige Frage von der Bastardzeugung hat Duver-
noy (in D'Orbigny, Dict. univ. d'hist. nat. X. p. 545 unter
dem Artikel propagation) und G. Morton (in Silliman's Ame-
rican Journ. 1847. p. 39 u. 203) besprochen.
Duvernoy stellt es als Erfahrungssatz auf, dass den Bastarden
das Vermögen abgehe, eine Reihenfolge fruchtbarer Generationen zu
Stande zu bringen, das Gegentheil davon behauptet Morton; seine
Belege sind jedoch, wie dies Ref. in den Münchner gel. Anzeig. XXV.
S. 361 nachgewiesen hat, keineswegs von hinreichender Evidenz.
Owen hat in einer umfangreiclien Abhandlung: Report
on the Archetype and Homologies of the Vertebrate Skeleton
(im Report of the sixteenth Meeting of the British Association.
Naturgeschichte der Säiigthiere wahrend des Jahres 1847. 143
Lond. 1847. p. 169 — 340) seine höchst interessanten Deutun-
gen des Wirbeltliier-Skelets niitgetheilt.
Mit gerechtem Zorn hat sich Oken in der Isis S. 557 gegen die
freche, in der neuen Ausgabe von HegeFs Schriften erhobene An-
schuldigung vertheidigt, als habe er seine Idee der Schädehvirbel
von Goethe entlehnt. Jeder Zoolog und Anatom , der nur einiger-
massen mit der Geschichte dieser Theorie bekannt ist, muss Oken
das Zeugniss geben, dass ihm, und nicht Goethe, der Ruhm der
Entdeckung gebührt.
C. Eckard hat in Müller's Arch. f. Anatom. S. 38 eine sehr
umfassende Schilderung des Zungenbeins nach den verschiedenen
Ordnungen geliefert. — Ebendaselbst S. 414 hat auch G.Jäger einige
Beobachtungen über die am Schädel mehrerer Wirbelthiere (z. B. des
Wallrosses) im Verlaufe der Entwicklung bemerkbaren Veränderun-
gen zur Mittheilung gebracht.
Bemerkungen über die Unterscheidung der Hals- und Kücken.
Wirbel bei den Säugthieren hat H. N. Turner bekannt gemacht
(Ann. of nat. bist. XX. p. 429).
Von Blainville's Osteographie ist seitdem nicht mehr als ein
Heft erschienen, nämlich das 22ste, in welchem die Gattungen Hip-
popotamus und Sus abgehandelt sind.
Das grosse Reisewerk von D'Orbigny, voyage dans
l'Ameriqiie meridionale, dessen erste Lieferungen bereits im
Jahre 1834 erschienen sind , ist endlich einmal zum Abschlüsse
gekommen.
Der 4te Band enthalt in seiner 2ten Abtheilung auf S. 1— -32 die
sehr kurze, im Verein mit P. Gervais gefertigte Bearbeitung des
Textes von den Säugthieren, wovon die Abbildungen schon viel frü-
her erschienen sind.
Vom Texte der zoologischen Abtheilung von Petit-Thouars Vo-
yage sur la Fregatte Venus ist uns bisher noch keine Äbtheilung
zugekommen, obwohl im vorhin angeführten Werke bereits die Be-
schreibungen der Säugthiere citirt werden.
Beobachtungen über die Lebensweise der Thiere zweier
in Stuttgart überwinternden Menagerien wurden von G. von
Märten s (Württemb. naturw. Jahreshefte HL S. 87) mitgetheilt.
Diese interessanten Beobachtungen betreffen aus der Klasse der
Säugthiere einen Maki, Coati, Makako, Jinius sini'cus y Cercopi't/iectis
griseoviridis und pyrrhonotus, 3 Cynocephalus Hamadryas, 2 fett-
schwänzige Schafe, 2 Antilope Dorcas, eine prächtige Giraffe, die
dann leider beim Transport nach Mannheim zu Grunde ging, einen
Eisbären, 2 Antilope Addax., Cercopithecus sahaeusy Cynocephalus
J44 Andr. Wagnor: Bericht über die Leistuiif^en in der
Mortiion, einen Parder, 2 gestreifte Hyänen, einen schwarzen Parder,
eine gefleckte Hyäne, 2 algierische Löwen, 2 Felis Fardalis^ Felis
Serval^ eine Genettkatze und ein Zebra.
Zur Keiintniss der Lokalfaunon sind folgende Beiträge
erschienen.
Die Säugthiere der Ostsee hat E. Boll im Archiv des
Vereins dem Freunde der Naturgesch, in Meklenburg I. S. 70
geschildert. ;'
Er führt nur 4 Arten als ständige Bewohner der Ostsee an:
Phoca vituUna^ Phoca grypus {Halichoerus gi^iseus)^ Phoca annellata
und Delphinns Phocaena; zuweilen verirren sich noch dahin Delphi-
nus Delphis, Delphinus Orca und Balaena rostrata. Ueber den
Robbenfang sind ausführliche Aufschlüsse gegeben.
Graf Tysenhaus, als eifriger Ornitholog wohl bekannt,
hat drucken lassen einen Catalogus avium et niammalium, quae
habitant in regionibus Europae, positis inter gradum 46 — 57^
latitudinis septentrionalis et 35 — 55^ longitudinis a Ferro.
Es sind folgende Säugthiere aufgezählt:
Rhinolophus ferrum equinum? — Vespertilio murinus,
Dauhentonii, discolor, mystacinus , barhastellus , nociula, serolinus,
j)ipistrellus, Leisleri?, Bechsteini^ Schreihersiil , Ktihlii , miritus^
Talpa etiropaea. — Sorex aranens, fodiens, pygmaeus ^ tetra-
gonurus. — Erin accus europaeus.
U r s u s arctos ( Lithauen ). — M e 1 e s taxus. — - G u 1 o arcticus
(Lith. pridem.).
Canis lupus , lycaon, vulpes.
Felis catus, horealis et cervaria (Lith.).
Mustelaybz'w«, martes^ puto?'ius^ sar?7iaiica (Vodo\.)j vulgaris^
crminea. — Lutra vulgaris, lutreola (Lith.),
Ca stör fiber (Lith.). — Cricetus frumentarius (Polen,
PodoL).
}^y^Vi^z.Q\\% amphibius , ierrestris, arvalis , oeconomus. — Spa-
lax typhlus (Podol.). — Mus rattus, decutnanus , musculus, sylva^
ticiis, agrarius, ?nimitus , betulinus (Lith.).
Myoxus glis , nitela, avellauarius, — Sciurus vulgaris. —
Pteromys volans (Lith., Curon.).
Arctomys bobac (Podol., Galic), »za/v/io//^« (Karpath.?), citil-
lits. — Lepus timidus, variabilis , niger , cunicnlns (Karp.?).
Bos nrus (Lith.). — Capra Ihex (Karp.?). — Antilope rvpi-
capra (Karp.), sa/ga (Podol). — Cervus elaplms (Polon.), alces
(Lith.), dama, caprcolus,
S u s scrofa.
Naturgeschichte der Säugthiere wahrend des Jahres 1847, 145
Ein Verzeichniss der Säugthiere im Sohler Comitate hat
J. Gri Ileus (die Versammlungen ungarischer Aerzte und Na-
turforscher. Neusohl 1846. S. 210) geliefert.
Unter den bemerkenswertheren Thieren sind zu erwähnen : Canis
htpuSy ürsiis arctoSy Myoxus glis ^ Arctomys alpiniis ^ Cervus elaphvs
und capreolus.^ und als Hausthier der Büffel.
Während seines Aufenthaltes in Montpellier erhielt Ger-
vais folgende seltene Thiere aus dem südlichen Frankreich
(Instit. p. 196):
1. Die Viverra genetta^ die nicht selten um Montpellier ist, auch
bei Avignon und einigen anderen südlichen Städten vorkommt; bei
Perpignan scheint sie häufiger als anderwärts zu seyn. 2. Den
Khone-Biber, von dem zuweilen Exemplare in der Rhone, gegen
die Einmündung der Durance und des Gordon bei Tarascon oder
Beaucaire, sowie in der kleinen Rhone gefangen werden. 3. Den
Muflon von Corsika, der sich im Süden sowohl mit seines Glei-
chen als mit den Hausschafen leicht fortpflanzt. 4. Den Sorex etrxi-
scuSf der bei Nimes gefangen wurde.
In der, von der k. Gesellschaft der Naturforscher zu
Moskau herausgegebenen Jubelschrift (unter dem Titel : Jubi-
laeum semisaeculare Doctoris med. et phil. Gotthelf Fischer
de Waldheim celebrant sodales societatis caes. naturae scru-
tatorum mosquensis) findet sich ein Auszug aus dem Tage-
buche einer in der Djungarei oder Sungarei von G. Kareini
im Jahre 1841 unternommenen Reise, worin auch die von
ihm im südöstlichen Theile der altaischen Alpen und auf der
nordwestlichen Grenze von China beobachteten Säugthiere
zur Sprache kommen.
Bemerkenswerth sind darunter Lupus atpinus^ Felis Irbis und
Manul, Lepus Tolai, Lagostomus Ogotona^ Tamias striata, Sper-
mophilus Eversmanni^ Spalax talpinus , Cervus pygargus, Moschus
moschiferus ^ Ovis Ammon, Capra altaica. Von den Hörnern des
Hirsches wird berichtet, dass sie, so lange sie weich sind, einen
der lucrativsten Handelsgegenstände der Grenz-Kosaken und der Land-
leute, die den Tribut in Pelzwaaren zahlen, ausmachen, indem die
Chinesen für ein Paar dieser präparirten Hörner, je nach der Grösse,
80 bis 600 Zolotniks in Silber zahlen.
Die beiden im vorigen Jahre von A. Smith 's illustrations of
the Zoology of South Africa erschienenen Hefte Nr. 25 und 26 ent-
halten 4 Tafeln mit Abbildungen von Mäusen und Fledermäusen.
A. Delegorgue voy. dans l'Afrique australe notamment
dans le territoire deNatal, dans celui des Cafres Amazoulous
et Makatisses et jusqu'au tropique du Capricorne. Vol. I. u. H.
Archiv f. Naturgescb. XIY. Jahrg. 2. Bd. K
14G Andr. Wagner: Bericht über die Leistungen in der
Der Verf. hat nicht als wissenschaftlicher Forscher , sondern als
Jäger und Sammler 6 Jahr hindurch grosse Streifzüge in Südafrika
unternommen und beträchtliche Sammlungen zusammen gebracht.
Neues ist aus unserer Abtheilung nichts von ihm aufgeführt. Inter-
essant ist seine Jagdkarte, auf der er von 48 Arten Säugthiere die
Standorte angiebt. Auf 3 Tafeln ist abgebildet: Tab. 1. Fötus des
Flusspferdes nebst Kopf der A. Lala?idii und 7iatal€tisis; Tab. 2. Kopf
des Emgalo und des geM'öhnlichen afrikanischen Nashorns; Tab. 3.
Atitilope melampns.
The viviparoiis Quadrupeds of North America. By John
James Audiibon and John Bachman. Lond. 1. 383 S.
Von diesem wichtigen Werke liegt uns nunmehr der erste Band
vollendet vor, der die Beschreibung von 48 Arten, jedoch ohne irgend
eine systematische Ordnung enthält. Es sind darin nachstehende
Arten aufgeführt, die wir in generischer Reihenfolge zusammengestellt
haben :
Scalops aquaticus.
Meles lahradoria. — Mephitis Chiiiga. — Mustela canaden-
gis^ — Putorius vi'sofi. — Gulo Luscus. — Vulpes fulva und vir-
giniana (s. cinereo-argentea). — Lynx rufus \md canadensis.
Sciurus Rieft ardso7u'i\ caroUnensis ^ hudsoniiis ^ einer eus ^ mol-
llpilosus, lanuginosus ^ lanigerus , 7iiger, migratorius ^ ferruginiven-
tris^ leporinus und Douglasü. — Pteromys oregonus und volueella.
— Arctomys monax. — Tamias Lysteri^ Townsendii und qua-
driviltaUis. — Spermophilus Varryi, Veline atus , Douglasü und
Richardsonii. > • > ! f. : : : s ;
noiPseudo Stoma bursarius. — Mus rattus und leucopus. — Sig-
modon hispidum. — N eotoma ßoridana nnd Drummondii. — Fi-
ber zibetliieus. — Arvieola pennsylvmiicus.
Castor fiber. — Hystrix dorsal a. — Lepus Townsendiiy
amerieanus , palustris^ sylvaticus , glaeialis und aquaticus»
Dicotyles torquatus.
Die Beschreibung der äussern Beschaffenheit der Thiere ist sehr
umständlich und genau; ebenso sind über ihre Lebensweise und ihre
Verbreituiigsverhältnisse höchst sorgfältige Untersuchungen angestellt;
die Beschaffenheit des Schädels und Gebisses hätte jedoch besser
berücksichtigt werden dürfen, zumal bei denjenigen Arten, die bisher
für identisch mit europäischen angesehen wurden. Es würden dann
auch Miis rattus und leucopus nicht in einer und derselben Gattung
beisammen gelassen worden sein, indem letztere Art dem Schädel
und Gebisse nach gar nicht zu Mus^ sondern zu Hesperonyys gehört.
Ref. hat von seinen Beiträgen zur Kenntniss der Säug-
tliiere Amerika's die 2te und 3te Abtheiinng (in den Abhandl.
der mathem.-physik. Klasse der k. bayer. Akadem. der Wis-
sensch. V. 2te AbtheiJ.) erscheinen lassen.
Naturgeschichte der Säugthiere wahrend des Jahres 1847. 147
Die 2te Abtheilung dieser Beiträge ist der Ordnung der Nager,
die 3te der der Affen gewidmet. Nur über erstere soll in der Folge
referirt werden, da der Druck derselben noch im Laufe des vorigen
Jahres vollendet wurde.
Auf dem paläontologischen Gebiete hat Dr. Giebel eine
Fauna der Vorvvelt begonnen und bereits „die Säugthiere der
Vorwelt mit steter Berücksichtigung der lebenden Säugthiere"
monographisch dargestellt.
Es ist dies eine fleissige Compilation, die zwar auf keiner um-
fassenden Autopsie beruht, auch die auswärtige Literatur zum gros-
sen Theile nur aus zweiter Hand benutzen kann oder selbst keinen
Zugang zu ihr hat, wie dies z. B. mit dem Catal. of the fossil organ.
remains cont. in the Mus. of the R. C. of Surgeons der Fall ist, die
aber dem Anfänger zur Uebersicht gute Dienste leisten wird.
üeber die bei Günzburg an der Donau, sowie in Oesterreich
und in einer Hohle bei Verona vorkommenden fossilen Säugthier-
knochen sind von H. von Meyer im Jahrb. f. Min, S. 192 und 578
weitere Mittheilungen erschienen.
Ueber ein reiches Knochenlager zu llford an der Themse
gab R. Payne Cotton in den Ann. of nat. bist. XX. p. 164
Aufschluss. Er erhielt von da sehr vollständige Ueberreste
von Ursus, Elephas primigen ins, Rhinoceros lepto-
rhinus, Equus, Bos priraigeuius und priscus, Cer-
vus Elaphus, Castor europaeus, Megaceros hiber-
nicus, Schaf, Ziege.
Die Skelete scheinen oft ganz vollständig zu sein und mit ihnen
kommt zugleich in grosser Menge eine Art von Helix und Cyrena
vor, von denen jene von H. nemoralis nicht unterschieden werden
kann, diese für identisch mit einer im Nil lebenden erklärt wird
Nicht ungewöhnlich sind ünio und Planorbis, auch sind Ancylus.
Succinea, Valvata, Lymnaea, Cyclas und Paludina entdeckt worden.
A. von Nordmann hat Bericht erstattet über die Ent-
deckung reichhaltiger Lagerstätten von fossilen Knochen in
Südrusslaud (in der vorhin angeführten Jubiläumsschrift der
k. Gesellsch. der Naturf. zu Moskau so wie in einer kleinen
Flugschrift: Decouverte de gites riches en ossemens fossiles,
faite en 1846 a Odessa).
In und um Odessa hat Nordmann ausserordentlich reiche Lager
von fossilen Säugthierknochen entdeckt, die von Mammuth, Ma-
stodon, Rhinoceros, Lophiodon?, Pferd, verschiedenen
Wiederkäuern, Hyänen, Hunden, darunter von der Grösse des
Wolfes, Bären in ungeheurer Menge, Nagern und einigen Vögeln
K*
148 And r. Wagner: Bericht über die Leistungen in der
herrühren. In einer altern Ablagerung hat er ausserdem noch üeber-
reste von M angusten?, Robben, Wallrossen und delphinar-
tigen Thieren gefunden. Umständlichere Nachrichten hierüber
wird Nordmann bald erscheinen lassen.
Die schon im vorigen Jahresberichte erwähnten, ihm zugekom-
menen urweltlichen Säugthierüberreste aus Griechenland hat jetzt
Ref. ausführlich beschrieben (Abh. der Münchn. Akad. V. 2. S. 333).
Sie stammen von Equus primigenius, 2 Arten Rhinoceros^
Dinotherium, mehreren W^iederkäuern, darunter Antilopen,
einem Nager (Lamprodon primigenius, einer Katze (Felis gigantea)
und von M esopithecus pentelicus. Ausführlichere Mittheilun-
gen sind dem nächsten Jahresbericht vorbehalten.
Von seinen Beobachtungen über die urweltlichen Säugthiere des
südlichen Frankreichs hat P. Gervais die 2te Abtheilung in den
Ann. des sc. nat. 111. ser. 8. p.203 folgen lassen; von ihrem Inhalte
wird gehörigen Orts besondere Erwähnung gethan. — Ueber Po-
mel's Untersuchungen kann erst im nächsten Jahresbericht speziell
referirt werden.
Eine neue Sendung urweltlicher Wirbelthiernberreste au.s
Südamerika hat Owen abermals Gelegenheit gegeben Beiträge
zur Kenntniss dieser merkwürdigen Thiere vorzulegen (Instit.
p. 183).
S 1 m i a e.
Simiae catarrJtinae» Somme legte der Akademie zu
Brüssel einige anatomische Notizen über einen im zoologischen
Garten zu Antwerpen verstorbenen jungen Orang-Utan (Si-
mia Satyrus) vor (Instit. p. 178; Bullet, de I'Acad. de Bruxell.
I. p.315).
Derselbe war von der Westküste Sumatra'« nach Antwerpen ge-
bracht worden, woselbst er schon drei Wochen nach seiner Ankunft
starb. Er hatte erst 22 Zähne und seine Höhe vom Scheitel bis zur
Ferse betrug nur 80 Centim. Die anatomischen Notizen betreffen
hauptsächlich die Stimm- und Athmungsorgane, bieten indess wenig
Neues dar.
J. E. Gray wurde durch Savage, der sich mehrere Jahre am
Cap Palmas in Ober- Guinea aufgehalten hatte, benachrichtigt, dass
er eine neue Art Orang-Utan am Gabun-Flusse erhalten habe;
er besitze mehrere Schädel und Theile des Skelets. Eine Beschrei-
bung dieser Art nebst Bemerkungen über seine Lebensweise soll
demnächst im Journal of the Boston Society of Natural History er-
scheinen (Ann. of nat. bist. XX. p. 286).
Ed. Blyth suchte (in den Ann. of nat. bist. XX. p. 313)
einige Bestimmungen von Affen zu berichtigen, die sich in
Naturgeschichte der Säugthiere während des Jahres 1847. 149
Gray 's Catalogue of the vSpecies of Mamnialia and Birds pre-
sented by B. H. llodg-son finden.
Er bemerkt, dass Presbytis schistaceus Hodgs. irrig mit
dem bengalischen Pr. entellus vereinigt worden sei. Pr. hypoleu-
cos Blyth, von Martin für eine Varietät von Pr. lohnii angesehen,
sei eine angenfäilig verschiedene, Malabar und Travancore eigen-
thümliche Art. Auch Pr. Anchises Ell. sei verschieden, sowie Pr.
Priamus von der Küste von Malabar, Coromandel und Ceylon. Der
echte Pr. entellus sei keinen Abänderungen unterworfen.
Von 2 alten männlichen Exemplaren des Colobus Guereza
theilte M. de Tarragon eine kurze Beschreibung mit (Uev. Zool.
p. 177).
^ifniae platyrrhinae» Die 3te Abtheiiung von des
Ref. Beiträgen zur Kenntniss der Säugthiere Anierika's (Abh.
der mathem.-physik. Klasse der k. Akadem. in München, V.
2te Abth. S. 405) befasst sich mit der Auseinandersetzung der
brasilischen Affenarten.
Da diese Abhandlung erst im heurigen Jahre gedruckt worden
ist, so erlaubt sich Ref. einstweilen nur auf sie aufmerksam zu ma-
chen, zur näheren Besprechung kann sie aber erst im nächsten Be-
richte kommen.
In der zu D'Orbigny's voy. dans PAinerique meridio-
nale gehörigen Abtheilung Mamraiferes sind von folgenden
südamerikanischen Affen kurze Notizen gegeben.
Stentor stramineus bewohnt den Mitteltheil des südlichen
Continents, hauptsächlich die Provinzen Santa-Cruz, Chiquitos und
Moxos in Bolivia. — Cebus fulvus var. (tab. 3) wurde in den
grossen Waldungen, welche in der Nähe der Stadt Santa-Cruz de
la Sierra in Bolivien vorkommen, gefunden. — Saimiris entomo-
phagus wurde in den Provinzen Chiquitos, Moxos und Santa-Cruz
angetroffen, wo er in grossen Truppen umherzieht und sich haupt-
sächlich von Orthopteren und Spinnen ernährt. Die ganze Beschrei-
bung desselben reducirt sich (S. 10) auf Folgendes: „Eine dem Cebus
sciureus Auct. verwandte, aber doch sehr leicht zu unterscheidende Art.
Sie ist im Allgemeinen falb , mit grünlichem Anfluge auf dem Rücken,
die Kehle weisslich, die Lippen, Kopfplatte und Schwanzspitze
schwarz. Ihre Formen sind schmächtig und zierlich, wie die des
Saimiri, aber ihr Schwanz ist etwas länger-, die Haare sind auf einem
grossen Theil des Körpers falb und schwärzlich geringelt; die Vor-
derarme, Hände und Füsse sind goldig falb." Eine ausführlichere
Beschreibung hat Ref. in den Abhandl. der Münchn. Akademie mit-
getheilt. — Callithrix dojiacophilus d'Orb. ist von d'Orbigny in
den Gehölzen und Gesträuchen, welche die Flüsse der bolivischen
Provinz Moxos einsäumen, gefunden worden, gewöhnlich nur paar-
150 Andr. Wagner: Bericht über die Leistungen in der
weise, „Das Gesicht ist nackt, schwärzlich, der ganze Körper roth-
grau (gris-roux), auf dem Kopf und Bauch dunkler. Die Haare des
Körpers sind schwarz, weiss und roth geringelt, die des Schwanzes
haben nur einen Ton. Ausführlichere Beschreibungen von den beiden
letzten Arten scheinen von Is. Geoffroy gegeben zu werden, da we-
nigstens dessen Bearbeitung Voy. de la Venus, raamm. p. 99 citirt
wird.
Der Abtheiiung der kurzschwänzigeii Schweifaflfen (Bra-
chyurus) hat Is. Geoffroy eine neue Art, Brachyurus calvus,
beigefügt (Rev. zool. p. 137).
Er unterscheidet sich gleich von Pithecia melanocejthala und
Brachyurus otialcary^ dass ein Theil seines Kopfes kahl ist. „Die
Haare sind selten und äusserst kurz auf dem Vordertheil des Schä-
dels und der Stirne, deren Seitentheile fast ganz nackt sind; zahl-
reicher, aber noch sehr kurz, sind sie auf den oberen und hinteren
Theilen des Kopfes; sehr lang unter dem Kopf, auf dem Körper
(6 — 7 centim.), den Gliedmassen und dem Schwänze. Kehle dunkel
braunroth (roux mordore), Vorderhals, Innenseite der Arme gegen
die Achsel und der Schenkel roth; die sehr wenig zahlreichen Haare
des Unterleibs ebenfalls roth; das üebrige der Gliedmassen und des
Schwanzes gelblichfalb, und die obern Theile graulichfalb, was von
der Beimengung einiger schwarzer Haare unter die falben Haare
herrührt. Körper 40 Cent., Schwanz 15 Centim." Stammt wahr-
scheinlich aus Brasilien.
Vrosimii* Schuermans hat eine neue Art Makis
Lemur chrij sampyx, aufgestellt.
Der kurzen Ankündigung in den Bulletins de l'Acad. de Bruxell.
1. p. 78 folgte bald eine ausführlichere Beschreibung in den Mem.
couronnes et mem. des savants etrang. publies par l'Acad. de Belgi-
que XXII. p. 1—6 mit Abbildung des Thiers und Schädels. Die Dia-
gnose lautet: L. supra cano-nigrescens, tergo rufescente tincto, sub-
tus albidus; fascia frontali utrinque superciliiformi, aureo-rufa; cauda
gracili nigro-canescente. Körper 0^,39, Schwanz 0,40. Heimath un-
bekannt. Mit L. coronatus nahe verwandt, wenn nicht sogar zu
dessen Abänderungen gehörig.
Clftiroptera«
Vrugivora» A. Smith hat im 26sten Heft seiner lUu-
strations of the Zoology of South Africa den von ihm schon
früher als eigne Art unterschiedenen Pteropus Leachii aus-
führlich beschrieben und auf Tab. 48 abgebildet.
IstiopJioriu In DOrbignys Mammiferps wurden aus
dieser Familie folgende Arten charakterisirt.
Naturgeschichte der Säiigthiero während des Jahres 1847. 151
1) Lophosto7na sylvicola (tab. 6), zunächst verwandt mit Phyl-
lostoma spectrum u. vampirus. Backenzäline sind jederseits | vor-
handen; das Nasenblatt ist einfach lanzettförmig, die Ohren gross,
die Klappe am innern Grunde ausgerandet, der Schwanz weit kürzer
als die Schenkelflughaut, die bis bis zum Niveau der Nägel hinab-
reicht, die Sporen stark, aber von geringer Länge. Die Behaarung
ist oben braun, mäusegrau, unten grau mit etwas hellerer Hals-
gegend; die Haare im Gesicht kurz und braun.
Leib . . . ,j^.. ,, 0,090 | Sporen 0,017
Schwanz ."'...'. 0,013 l Vorderarm. . .0,055
Schenkelflughaut . 0,040 | Flugweite . , . 0,350
Aus den grossen Waldungen am Ostfusse der bolivischen Cor-
dilleren; attakirt oft die in freier Luft schlafenden Personen. —
2) Edostoma cinereum (tab, 8) wird nunmehr für identisch mit
Desmodus rufus und 3) Stenoderma p erspicillatum (tab. 9.
fig. 7—9) für gleichbedeutend mitPhyllostoraa perspicillatum erklärt.
J. E. Gray hat diese Familie mit nicht weniger als 6 Gat-
tungen vermehrt (Ann. of nat. bist. XIX. p. 406).
Zur Abtheilung der Phyllostomata gehören davon 4 Gattungen:
1 Mim 071 mit den 2 Arten Fhyllostoma Bennettii und Phyllophora
megalotis; 2) Trachops mit T. fuligmosus ^ von dem Gray ver-
muthet, er möchte mit Vanipyrus cirrhosus Spix identisch sein;
2) Ametrida^ auf eine neue Art, A. centurio von Para begründet;
4) Nicon mit der Art Glossophaga caudifer Geoffr. = Monophyllus
Leachii Gray. — Der Abtheilung der Kammnasen fallen die beiden
andern Gattungen zu, nämlich 5) Aquias mit Temmincks Rhinolo-
phus liictiis u. trifoliatus; 6) Rinonycteris , auf den von Gray in
Eyre's Central Australia I. p. 405. tab. 1. fig, 1 beschriebenen Rhmo-
lophus au?'antius von Port Essington begründet. — Der Mittheilung
der generischen Merkmale glaubt Ref. sich entschlagen zu dürfen^
da er alle 6 Gattungen für überflüssig ansieht, dagegen will er die
Beschreibung von Gray's Rhinolophus {Rhinonycteris) aurantius
aus dem angef. Werke vonEyre mittheilen. „Ohren massig, nackt,
am Ende ziemlich zugespitzt; Nasenblatt gross, Mittelfortsatz klein,
kaum gelappt, an der Spitze stumpf. Pelz lang, weich, hell orange
(fast wie bei Rupicola) , die Rückenhaare mit kurzen braunen Spitzen,
die der Unterseite viel blasser, im Gesichte dunkler. Weibchen blass-
gelb, auf der Oberseite mit braunen Haarspitzen. Die Flughäute
braun und fast nackt, der Schwanz merklich über die Schenkel-
flughaut verlängert, die Füsse ganz frei von den Schwingen. Kör-
per 1.10, Vorderarm 1.11, Schienbein 0.8.
Unter dem Namen Arctihius (?) Floresii kündigte der Fürst
von Canino eine neue Art an: „graubraun, unten blasser, mit lich-
ten Haarspitzen-, 2 breite Striche im Gesicht und ein schmaler längs
des Rückens weiss. Vorderarm stark gesäumt, 1"4"' lang; Sporen
sehr kurz, zweites Daumengelenk gestreckt, schmächtig; Nasenblatt
J52 Andr. Wagner: Bericht über die Leistungen in der
mit deutlicher Mittelrippe." Aus der Provinz Ecuador gegen die
brasil. Grenze. Die Grösse ist nicht angegeben.
Gyfnnorhina* In D'Orbigny's Mammiferes sind nach-
stehende Arten verzeichnet.
1) JSoctilio rtifipes D'Orb. wird nunmehr für identisch mit N.
leporinus erklärt (tab. 9. fig. 1— 4). — 2) Noctilio affinis (tab. 10.
fig. 1 — 2) für einerlei mit N. dorsatus angesehen. — 3) Molossus
moxensis (tab. 11. fig. 1—4) ist jetzt als identisch mit M. velox
Temm.; und Molossus rugosus (tab. 10. fig. 3— 5) als identisch mit
M. nasutus Spix erkannt. — Von der Gattung Verpertitio werden
beschrieben 1) V. furinalis (F. euryotis Temm.), 2) V. ruber
Geoffr. (tab. 11. fig. 5-6), 3) F. hypothrix, 4) F. Isidori und
5) Plecotus ve latus.
A. Smith hat in seinen lllustr. of the Zoology of South
Africa n. 26. 2 neue Arten aufgestellt.
1) Dysopes 7iatalensis (tab. 49), „corpore superne inferneque
sordide brunneo - rubro ; alis membranaque interfemorali pallide
brunneo-rubris; facie parce pilis rigidis brevibus tecta." Körper 2",
Schwanz 1^". Von Port Natal. — 2) Vespertilio latiosus (tab. 50),
„corporis colore superne flavo- brunneo pilis argenteis variegato,
inferne rubro -albo, pilis ad basin nigro brunneis; auribus externe
emarginatis; membrana interfemorali postice ciliata; pilis lanosis
subcirrhatis." Körper 2" 3"', Schwanz 1" 6"'. An der Küste ohnge-
fähr 200 engl. Meilen von der Kapstadt.
Ueber die Lebensweise von Noctilio mastivus auf Jamaika
theilte Gosse seine Beobachtungen mit (Ann. of nat. bist. XX.
p. 424), — Nach Nilsson soll Vespertilio Nathusii in Schweden ge-
funden worden seyn (Skandinav. Arch. IL S. 177).
Inseetl^ora.
Peters hat abermals eine neue Gattung aus Mozambique
unter dem Namen Ry^ichocyon aufgestellt (Monatsberichte der
Berl. Akad. S. 36).
Schneidezähne 3^ , Eckzähne 7^ , Backenzähne gTg. Schnautze
in einen langen Rüssel ausgezogen, Augen gross, Ohren mittelmässig;
Vorder- und Hinterfüsse 4 zehig, erstere viel kürzer als letztere,
Nägel lang, comprimirt; Körperhaare steif, Schwanz kurz behaart,
geringelt. Der Habitus hat nichts mit den mäuseartigen Macrosceli-
des und Petrodromus gemein. — Art.: Rh. Cirnei, rostbraun oder
rehfarben und schwarz melirt. Ohren nebst Hinterhauptsgegend
glänzend rostfarben, längs des Rückens 2 Reihen schön kastanien-
brauner grosser Flecken und jederseits unter denselben noch 2 kleinere
dergleichen. Ganze Länge 1' 7^'-
Naturgeschichte der Säugthiere während des Jahres 1847. 153
Carnivora.
JUrsina. Nach D'Orbigny's Angabe bewohnt der Ursus
or7iatus, in Bolivien Ujumari genannt, hauptsächlich die Gipfel
der bewaldeten Berge, die sich nur bis zur Meereshöhe von 3500 Me-
tres erheben (Voy. dans l'Amer. merid. mamm. p. 18).
Wie Blyth in den Ann. of nat. bist. XX. p. 314 bemerklich
macht, bewohnt der Ursus 7Jialayamis Assam, Arrakan und Tenas-
serim wie die malayische Halbinsel.
Von Nasua versicherte D'Orbigny (a. a. O.), dass sie sich
in verschiedene Arten scheide, die sich auch in besonderen Truppen
zusammen hielten. So z. B. gehe N. rufa nicht aus den tropischen
Kegionen heraus, während N. fusca^ obschon die heissen Regionen
bewohnend, doch bis zum 30** s. Breite sich verbreite und zugleich
auch viel hoher in den Gebirgen aufsteige; niemals hätte er beide
Arten vermischt beisammen gesehen, womit er freilich im Wider-
spruche steht mit andern Augenzeugen.
JBEustelina» Eine neue Art von Taxidea kündigte
Hodgson als T. leucurus an (Ann. of nat. bist. XX.
p. 435 ).
„Kopf seitwärts und oben weisslich, von einer schwärzlichen
Linie durch das Auge getheilt. Leib oben und seitlich gelblich grau,
gegen die Seiten blasser; ganze Unterseite und Gliedmassen schwarz;
Schwanz ungemischt gelblich weiss; Ohren unten schwarz, oben
weiss." Körper 27", Schwanz 10". Bewohnt die Ebenen von Tibet.
— üeber die Beschaffenheit des Schädels und Gebisses ist nichts
gesagt, während ihre Angabe wichtig gewesen wäre, um sich selbst
von der richtigen Zuweisung an Taxidea zu überzeugen.
Das von D'Orbigny auf Taf. 12 abgebildete Stinkthier, welches
von ihm früher für Gray's Mephitis Humboldtii gehalten wurde,
sieht er jetzt für eine neue Art an, der er den Namen Mephitis
caslaneus giebt und sie durch ihre geringere Grösse und den mehr
südlichen Aufenthalt von jener nördlicheren Art unterscheidet.
Dem auf tab. 13 fig. 3 abgebildeten Schädel von Mustela bra-
siliensis Sevast. wurde zur Erläuterung nichts weiter beigefügt
als die Phrase: „wir haben den Schädel dieser Art abbilden lassen,
um zu zeigen, dass die Zahnbildung ihn unter die Iltisse stellt."
Es ist zu bedauern, dass D'Orbigny den Fundort seines Exemplares
nicht angegeben hat, da Brasilien als Heimath sehr zweifelhaft er-
scheint, indem weder Spix, noch der Prinz von Neuwied, noch
Natterer daselbst Thiere aus der Gattung Mustela getroffen haben.
Seine Mustela (Lyncodon) patagonica hat D'Orbigny am Rio
Negro in Patagonien angetroffen, doch kennt er nur den Schädel,
der in der Grösse das Mittel zwischen dem des Iltisses und des
Hermelins hält und nur \ Backenzähne besitzt.
Von der Lutra platensis erwähnte er, dass sie den ganzen
154 And r, Wagner: Bericht über die Leistungen in der
Rio Parana von Buenos Ayres an bis über Corrientes hinaus be-
wohnt.
lieber die Fortpflanzung des Fischotters in der Gefangen-
schaft theilte der Oberaufseher des zoologischen Gartens in London
seine Erfahrungen mit (Ann. of nat. bist. XIX, p. 418).
Viverrina, Nach einem in dem Tertiärkalk von Mombach
aufgefundenen Unterkiefer stellte H. v. Meyer ein neues viverren-
artiges Raubthier unter dem Namen Stepha7iodo7i ?nofndachefisis auf
(Jahrsb. d. Min. S. 183).
Canina, Blyth zeigte sich damit einverstanden, dass der
von ihm für Canis Corsac angesehene Hund von Gray für Ca7ih-
be?}galensis erklärt wurde. (Ann. of nat. bist. XX. p. 314.) —
Ca7Üs jubatiis wurde von d'Orbigny südwärts bis zum 4P Breite
gefunden.
Owen wies nach, dass der in den Oeninger Schichten aufge-
fundene Fuchs nicht mit unserem gewöhnlichen Fuchse identisch ist,
sondern in manchen Beziehungen an die Familie der Viverrinen er-
innert. Er errichtet für ihn unter den Hunden die eigne Untergat-
tung Galeci7ius oe7nngensis (Quat. Journ. of the Geolog. Soc.
p.55).
Feiina» In D'Orbigny's angef. Werke wurde von Felis
Geofroyi die Abbildung tab. 14 und tab. 13 fig. 1 , zugleich mit
einer ausführlichen Beschreibung vorgelegt. — Gray's Felis Charl-
t07ii wurde von Blyth nur für eine zufällige Spielart von Leopar-
dus Ellioti erklärt (Ann. of nat. bist. XX. p. 313).
An einem von Buenos Ayres eingeschickten fossilen Schädel
konnte Owen keine spezifischen Unterschiede von Hyaena neogaea
oder Smilodon Lund's ausfindig machen und gab daher demselben
den Namen Machairodus neogaeus (Instit. p. 183).
^'^'^^ Ifl a r s u p i a 1 i a.
Das Vorkommen eines ächten corpus callosum bei den Beutel-
thieren behauptete neuerdings Pappen heim im Gegensatze zu Owen
(Compt. rend. n. 6).
Interessante Beobachtungen über das Trächtigseyn und die Ent-
wicklungen der Jungen yow Didelphys virgi7iia7ia theilte Meigs mit, be-
gleitet von einigen Bemerkungen Owen's (Ann. of nat. bist. XX.
p.324).
Als eine neue Art wurde von M. de Tarragon Phas-
io{lo)gale Virginiae angekündigt (Rev. zool. p 177).
'■ Pelz grau, auf dem Rücken dunkler, an den Seiten röthlich ge-
A*»ässert; von der Schnautze verläuft gegen den Scheitel eine schwarze
Binde und eine andere zum Auge und umgiebt dasselbe; Rand der
Oberlippe, Kinn, Kehle und Unterleib weiss; Tarsen und Finger
Naturgeschichte der Säugthiere während des Jahres 1847. 155
graulich. Ohren innen weisslich, aussen grau behaart. Schwanz
fein behaart, oben von der Farbe des Rückens, unten blasser.
Korper 10 Cantim., Schwanz fast ebenso.
R o d e 11 1 i »•
^ciurina. Von den neuen brasilianischen Eichhorn-
Arten, die Ref. früher nur durch eine kurze Diagnose charak-
terisirt hatte, hat er nunmehr in den Abh. d. Münchn. Akad.
d. Wissensch. V. 2. S. 272 ausführliche Beschreibungen publizirt.
Es sind diess Sciiirus Longsdorfii , igniventris ^ injrrhonotus , tri-
color und gilvigularis. Sc. ig7iiventris wird jetzt auch von D'Orbigny
(S. 24) als Bewohner der Provinz Chiquitos aufgeführt.
Vom grossen Eichhorn des indischen Festlandes unterschied
Blyth 3 Rassen: 1) Sciurus macruroides Hodgs. (Sc. giganteus
M'Clell.), von der gewöhnlich dunklen Färbung, zu derer aber auch
eine lichte Abänderung (Sc. aureiventris?) zählt; 2) Sc. purpureus
der indischen Halbinsel, und 3) Sc. macrurus von Travancore und
Ceylon (Ann. of nat. bist. XX. p. 314).
Ueber den Winterschlaf unsers Eichhörnchens legte Grill seine
Beobachtungen vor (Ärch. skand. Beitr. II. S. 164).
,^ Eine nachträgliche Beschreibung des grossen indischen Murmel-
thiers erschien von Jameson, der ihm den Namen Arctomys tata-
ricus beilegte (Inst. p. 384).
JXyoaoina» Sundevall führte 4 Fälle an, in denen Myoxiis
avellanarius im südlichen Schweden gefunden wurde (Arch. skand.
Beitr. II. S. 177).
JDipotlit', Vom Skelet des Macrocolus haltkus hat Ref. in
den Abh. der Münch. Akad. V. 2. auf Tab. 5 eine Abbildung mit-
getheilt.
Chinchillituim Diese Familie ist von Waterhouse in sei-
ner nat. bist, of Mamm. II. p. 208 bearbeitet worden. Er erkennt
mit uns die beiden Arten von Eriomys an.
Orycterina, Die dieser Familie angehörigen neuen
brasilianischen, nebst etlichen andern Arten hat Ref. in den Abh.
der Münchn. Akad. V. 2. S. 286 u. f. ausführlich beschrieben.
I)! Sie heissen Isothrix pagurus , histriatus und crasslccmdus. —
Mesomys ecaudatus. — Loncheres graiidis, nigrispina^ unicoloi\
maa'tira und artnata. — Dactylomys typus und amblyonix. — Fer-
ner wurde a. a. O. S.320 eine Vergleichung des Skelets von Psam-
moryctes mit dem von Octodon^ Habrocoma und Loncheres vorge-
J56 Andr. Wagner: Bericht über die Leistungen in der
nommen und Bemerliungen über die systematische Stellung von
Schi%odoti^ Ctenomys und Myopotatmis beigefügt.
Eine vortreffliche Schilderung dieser Familie ist von Water-
house a. a. O. geliefert worden.
Die Gattung Ctenomys vermehrte derselbe Naturforscher mit
2 neuen Arten: Ct. bolivieiisis und leucodon (a. a. O. S. 278. u.
281). Davon ist die erstere Art identisch mit dem von mir in
diesem Archiv 1848. S. 72 beschriebenen Ct, Nattereri, den ich
für einerlei mit Ct. brasiliensis Blainv. ansehe. Dagegen ist Ct. leu-
codon ähnlich meinem a. a. O. geschilderten Ct. opimus in der
Form der obern Schneidezähne, aber nicht in deren Färbung. Eine
Lücke ist es in der Beschreibung von Waterhouse, dass nichts über
die Beschaffenheit des Pelzes gesagt ist, daher wohl anzunehmen,
dass er sich v\ie bei Ct. Nattereri verhält. Ein weiterer Unterschied
liegt darin, dass bei Ct. leucodon die Leiste auf der Unterseite der
Vorderkrallen sich nur wenig über die Basis hinaus erstreckt, wäh-
rend sie bei Ct. Nattereri bis nahe zur Spitze reicht; überdies hat
letzterer keine Scheitelleiste, auch ist die Färbung verschieden.
Cunicularia» Den Skeletbau der Gattung Ascomys hat
Ref. in den Abh. der Münchn. Akad. V. 2. S. 326 tab. 6 erörtert.
Mtirina* Mus vellerosus wurde von Gray als neue
Art unterschieden (Ann. of nat. bist. XIX. p. 351).
Sie kommt auf Neuholland zwischen dem Murray- und Glenelg-
Flusse vor, ist ähnlich dem M. fuscipes, aber viel grösser und der
Pelz weit länger und blasser.
Von 3 Arten südafrikanischer Mäuse wurden von A. Smith in
seinen Illustrations of the Zoology of South Africa No. 25. tab. 47
Abbildungen geliefert, nämlich von Mus Lehocla^ M. natalensis
und M. colonus. Von ersterer Art ist auch die Beschreibung bei-
gefügt mit der Diagnose: „ M. superne pallide rufus subnigro peni-
cillatus, inferne rufo-albus; auribus magnis, expansis, fere nudis,
margine externo semicirculari; pilis rigidis; cauda longa subnuda."
Körper 4" 9'", Schwanz 5". Um Lataku.
Mus ülandicus wurde von Sundevall für nichts weiter als
die in ganz Schweden gemeine Varietät von M. musculus erkannt,
welche nach unten zu weiss ist, gewöhnlich mit gelblicher Grenze
zwischen dem Bauch und der Farbe der Seiten, und einem gelben
Fleck auf der Brust. Derselbe erklärte ferner, dass Hypudaeiis
medms aus Lappland vollkommen mit Blasius und des Ref. Be-
schreibung von H. ratticeps übereinstimme; indess erscheint es
ihm noch zweifelhaft, dass dieses Thier aus dem südlichen Russland
mit H. medius aus Lappland identisch sein sollte (Arch. skand.
Beitr. IL S. 180).
Ueber die geographische Verbreitung der Arten von Hypu-
daeus {Arvicola) in Europa publizirte E. d. Selys Longchamps
Naturgeschichte der Säugthiere während des Jahres 1847. 157
einen kleinen Aufsatz in der Rev. zool. p. 305. Unter den 22 Arten,
die er Europa zutheilt, sieht er wenigstens 16 für constatirt an.
Auch legte er die ihm von J. Ray zugeschickte Beschreibung einer
Feldmaus vor, die letzterer in der Champagne gefunden hat, und
unter dem Namen Armcola mnicularius von A. arvalis unterschei-
den will, ohne dass Ref. zur Ueberzeugung von ihrer spezifischen
Verschiedenheit gelangt ist.
Ausführliche Mittheilungen über die Lebensweise seines A7'vi-
cola nivalis sind von Martins in den Ann. des sc. nat. III. ser. 8.
p. 193 geliefert worden.
Durch Ref. wurden 9 brasilianische Arten von Hespe-
romys und eine nordamerikanische ausführlich beschrieben
(Abh. d. Münch. Akad. V. 2. S. 306).
Die 9 brasilischen Arten heissen: H. leucogaster ^ eliiirus ^ pyg-
maeus, leucodactylus , concolor, russatiis^ brachyurus. fuliginosus
und caiiiventris. Die nordamerikanische Art führt den Namen H.
manimdatus und stammt aus Labrador. — Ebenso wurde Drymo-
mys musculus beschrieben.
Castorina, Bachman bekanntein seinen Quadrup. of North
America, dass er keinen spezifischen Unterschied zwischen dem ame-
rikanischen und altweltlichen Biber habe auffinden können. — Buckley
bemerkte gegen De Kay, dass die südlichste Grenze des Bibers in
den Vereinigten Staaten nicht der nördliche Theil des Staates Neu-
York sey, sondern dass er noch in den Gebirgsgegenden von Nord-
Carolina wahrgenommen werde (Ann. of nat. bist. XX. p, 357).
Eine schöne Abbildung nebst ausführlicher Beschreibung des
Schädels von Trogontherium Cuvieri wurde in der mehrerwähn-
ten Jubelschrift der Moskauer Gesellschaft mitgetheilt.
Aculeata, Drei monographische Bearbeitungen sind
über diese Familie erschienen; 2 davon, nämlich die von E.
Desmarest in D'Orbigny's dict. d'hist. nat. X. p. 426 und die
von Waterhouse in seiner Nat. bist, of Mammal. betreffen
die ganze Familie, während die von J. E. Gray in den Ann.
of nat. bist. XX. p. 349 sich blos auf die Arten der alten
Welt beschränkt.
Von diesen Bearbeitungen ist die von Desmarest nicht über
das, was Fr. Cuvier und Is. Geoffroy hierüber gesagt haben, hinaus-
gekommen; alle andere Publikationen existiren für ihn nicht, so dass
auch wir die seinige vollständig ignoriren dürfen. — Gray hat in
die Bestimmung der Arten schon dadurch eine arge Verwirrung hin-
eingebracht, dass er, aus Nichtbeachtung der älteren Literatur,
Linne's Hystrix cristata in der H. hirsutirostris finden wollte. Diese
und andere Verstösse hat Waterhouse in seiner gründlichen Mo-
158 Andr. Wagner: Bericht über die Leistungen in der
nographie bereits Avieder zurecht gebracht, so dass wir hier nur auf
dessen Arbeit zu verweisen brauchen; auch hat er gezeigt, dass
Gray's neue Art Acanlhion Flemingi blos ein Bastard von H.
cristata und H. javanica ist.
^uhunguliita» D'Orbigny hat in seinem Reisewerke,
mammif. p. 26. tab. 18 Beschreibungen und Abbildungen von Cavia
auslralis und C. ßavidens mitgetheilt.
Ißuplicitientata» Auch von dieser Familie ist bereits die'
vortreffliche Bearbeitung von Waterhouse im 2ten Bande seiner
Nat. bist, of Mammalia erschienen.
£d eilt ata. ., ,i,^„,.,^
Is. Geoffroy zeigte, dass der von Seba und Andern abge
bildete und beschriebene Dasypus tricinctns auf einem künstlich
zusammengesetzten Exemplare beruhe (Rev. zool. p. 135). Dasselbe
befindet sich im pariser Museum und ist in der obern Hälfte acht,
in der untern aber ist es durch einen Cachicame ersetzt, daher auch
die Uebereinstimmung in der Bildung der Zehen, die sich in der
Natur nicht findet. Der Verf. weist ferner nach, dass der brasili-
sche Dasypus (Tolypeutes) tricinctus spezifisch verschieden ist von
Azara's Tatou Mataco, dem er den Namen Tolypeutes conurus
giebt. 'ttofn'xl
Unter den riesenhaften fossilen Armadillen Südamerika's hat
Ow'en seinem Glyptodon davipes noch 4 andere Arten, nämlich G,
reticulatuSy ornatus ^ tuberculatus und clavicaudatus zugefügt
(Instit. p. 183).
Mit dem Namen Psejihophorus bezeichnete H. Meyer die im
Wiener Becken gefundenen Hautknochen und ein Panzerfragment,
von denen er vermuthet, dass sie von Dasypodiden abstammen möch-
ten (Jahrb. f. Min. S.579).
S o 1 i d 11 11 g u 1 a, ' ,j
J. deChristol stellte eine neue fossile Pferdegattung
unter dem Namen Hipparitherium auf (Compt. rend. p. 374;
Instit. p. ^^^.
Er behauptete, dass Palaeotherium hippoides mit Unrecht vo^v
Blainville mit P. aurelianense vereinigt worden sei, indem sein
Knochenbau dem der Einhufer gleiche, dass jedoch die Vorderfüsse
wie bei H-ipparion dreizehig wären, und dass die Backenzähne an
Hyrax, Palaeotherium und Rhinoceros erinnerten. Man muss die
ausführlichere Beschreibung abwarten, bevor man über die Stellung
dieses Thieres ein sicheres Urtheil fällen kann.
Nach fossilen Backenzähnen unterscheidet J. Leidy in
Nordamerika 2 urweltliche Pferdearten: Egtms curvidens
'•'■■■ Naturgeschichte der Säugthiere wahrend des Jahres 1847. 159
Ow. lind eine voii ihm aufgestellte, Equus americanm
(Proceed. of the Acad. of Philadelph. p. 262).
Die Zähne der ersteren Art sind in dem berühmten Knochen-
lager in Kentucky, zugleich mit Ueberresten von Megalonyx, Masto-
don etc. gefunden worden. Leydy gesteht, dass er keine festen Merk-
male an ihnen hat erkennen können und dass er sie dem Equus cur-
videns nur deshalb zugetheilt habe, weil sie in Amerika gefunden
und demselben sich mehr als einer andern Art annähern. — Die 2te
Art ist in einer Diluvialablagerung in der Nähe von Natchez am
Mississippi gefunden worden. Diese Zähne sind grösser als die einer
lebenden oder fossilen Art. Die Schmelzfalten sind um ^ dicker als
am lebenden Pferd und die isolirten Schmelzfalten der obern Backen-
zähne sind mehr gefaltet, in dieser Hinsicht mehr dem Equus plici-
dens gleichend. Auf tab. 2 sind diese Zähne abgebildet. — Nach
späterer Mittheilung (S. 328. % 6) will Leydy nach einem einzelnen
Backenzahn mit feineren und häufigeren Falten sogar noch eine
dritte Art unterscheiden.
P a cH y d e r 111 a t a.
Owen hat von einer neuen Sendung urweltlicher Pachy^
dermenreste aus Südamerika eine vorläufige Notiz gegeben
(Instit. p. 193),
An einem vollständigen Unterkiefer mit dem Zwischenkieferstück
der Oberkinnlade hat er eine 2te Art von Toxodon erkannt, der er
den Namen Toxodon angustidens giebt und die an Grosse dem T.
platensis nicht nachstand. — Von Mastodon andiuni ist ein fast
vollständiger Schädel eingeliefert worden; ebenso hat sich von Ma-
crauchem'a neuer Zuwachs gefunden.
Unter dem Namen Nesodon hat Owen eine neue Gattung auf-
gestellt, die der vorigen nahe steht, aber dem Palaeotherium durch
den Mangel eines Zwischenraumes in der Zahnreihe und in der glei-
chen Höhe der Eck- und Schneidezähne gleicht. Begründet wurde
diese Gattung auf den Vordertheil des Unterkiefers und zwei obere
Backenzähne, die durch den Capitain SuUivan in den Tertiärablage-
rungen der patagonischen Küste aufgefunden wurden. Die Schneide-,
Eck- und Lückenzähne des Unterkiefers sind nicht allein in Contakt,
sondern legen sich auch ziegel- oder fischschuppenartig übereinander,
und die obern wie die untern Backenzähne sind durch Schmelzinseln
charakterisirt. Schneidezähne sind 6 vorhanden. Da auch bei Toxo-
don die grossen Schneidezähne ziegelartig sich decken, so wird durch
diese neue Gattung die Lücke zwischen jenem und Macrauchenia
einigermassen ausgefüllt. Die Art bezeichnet Owen dils Nesodon
imbricatus und vermuthet, dass sie die Grösse des Lamas gehabt
haben dürfte. — Eine zweite Art benannte er später Nesodon
\QQ And r. Wagner: Bericht über die Leist. in der Naturgeschichte
Sulhvani, nach etlichen Zahnen des Unterkiefers aus denselben
Fundstätten; ihre Grösse mochte die des Zebras gewesen sein.
Uober die Berechtigung, den sumatranischen Elephanten
als eine selbstständige Art {Elephas sumatra7ius) anzusehen,
hat Temminck einige nähere Aufschlüsse beigebracht.
Sie finden sich in dem Coup-d'oeil sur les possessions Neerlan-
dajses dans l'lnde archip. II. p. 91 und lauten folgendermassen. Der
Elephäs sumatranus gleicht in der Schädelform dem Elephanten des
asiatischen Festlandes, aber der freie Theil der Zwischenkiefer ist
viel kürzer und schmaler, die Nasenhöhlen sind viel weniger breit,
der Raum zwischen den Augenhöhlen ist schmäler, dagegen der Hin-
tertheil des Schädels breiter. Die Backenzähne nähern sich in der
Form ihrer Krone mehr der asiatischen als der afrikanischen Art,
d. h. ihre Krone zeigt gewellte und nicht rautenförmige Bänder; diese
aber sind so breit als beim afrikanischen Elephanten und daher
nicht so zahlreich als beim asiatischen. Die Dimensionen dieser
Bänder in der Richtung von vorne nach hinten, verglichen mit den
in der queren und seitlichen Richtung genommenen, sind im Verhält-
niss von 3 oder 4 zu 1 , während sie beim Elephanten des Kontinents
wie 4 oder 6 zu 1 sind. Die ganze Länge von 6 solchen Bändern
ist bei der sumatranischen wie bei der afrikanischen Art ohngefähr
12 Centim., während sie bei der asiatischen Art 8—10 beträgt. Die
übrigen Verhältnisse des Skelets sind fast dieselben bei den 3 Arten,
aber in der Zahl der Wirbel giebt es Verschiedenheiten, wie nach-
stehende Tabelle ausweist.
E. E. E.
africanus. Indiens, sumatranus.
Halswirbel 7 7 7
Rückenwirbel .... 21 19 20
Lendenwirbel .... 3 3 3
Kreuz Wirbel 4 5 4
Schwanzwirbel ... 26 34 34
Wahre Rippenpaare .6 6 6
Falsche „ .15 13 14
Diese Merkmale wurden für die neue Art an 3 Skeleten con-
statirt: einem alten und jungen Männchen und einem alten Weibchen.
Die Haut konnte sich Temminck noch nicht verschaffen.
G. Gulliver untersuchte die Sameathierchen des indischen
Elephanten, ohne an ihnen etwas besonderes, weder in der Grösse
noch Form zu finden (Ann. of nat. bist. XX, p. 424).
Die von J. Smith zur Anzeige gebrachte Auffindung eines Stück
Backenzahns von J. Elephas primigenius auf der kleinen Insel Gozzo
bei Malta, ist insofern beachtenswerth, als dieses Vorkommen ver-
muthen lässt, dass diess kleine Eiland einst im Zusammenhange mit
dem Kontinente stand (Quat. Journ. of the Geolog. Soc. p. 52).
A. Gray untersuchte die erdige, mit fein zerbrochenen Stückchen
Naturgeschichte der Säugthiere während des Jahres 1847. Ißj
von Baumz^yeigen angefüllte Masse, welche bei einem ausgegrabenen
Mastodon-Skelet in der Nähe des Magens gefunden sein sollte. Nach
dem äussern Anschein, so wie nach der mikroskopischen Untersu-
chung rührten diese Stücke von Coniferen her, und zwar eher von
der Föhre als Fichte (Sillim. Journ. p. 436).
H. v. Meyer unterwarf Jäger's Angabe vom Vorkommen des
Lophiodon in den Bohrerzgruben von Melchingen, Salmendingen,
Heuberg, Neuhausen und der Molasse von Baltringen einer genauem
Prüfung und fand, dass diese üeberreste nicht von Lophiodon her-
rühren, sondern dem Rhinoceros und Tapir angehören.« (Jahrb. f. Min.
S. 187). — üeber Blainville's Arbeit über die fossilen Rhinoceros-
Arten sprach sich derselbe Naturforscher (a. a. O. S. 195) dahin aus,
dass durch sie die bestehende Verwirrung und Irrthümer eher ver-
mehrt als beseitigt worden seien.
Hinsichtlich der Frucht des Flusspferdes machte Peters be-
merklich, dass das Chorion zottig ist wie beim Schwein und Pferd,
ohne besondere Piacenta, und die Nabelschnur mit kleinen runden
oder eiförmigen Platten , soliden eiweissartigen Körperchen besetzt
(Monatsberichte der Berlin. Akad. S. 37).
Während Pomel eine neue lirweltliche, mit den Fluss-
pferden verwandte Gattung Elotherium ankündigte, wurden
von Owen 2 ausgestorbene Gattungen dieser Ordnung auf-
gestellt: Dichodon mit Hippopotamus und Paloplothe-
rium mit Palarotherium verwandt (Quat. Journ. of the Geo-
log. Sog. 13. S. 17).
Eine neue Gattung unter den Paarzehern stellte Hodg-
son unter dem Namen Porcula auf (Ann. of nat. bist. XX.
p. 434).
Zähne -77 • r-h • tt-^ = 40. Eckzähne klein, gerade, scharf-
6 1 . 1 b . 0 » D
schneidig, aber nicht über die Lippen vorragend. Vierte Zehe an
allen Füssen klein und ungleich; Schwanz sehr kurz, aber deutlich.
— Die Art bezeichnet Hodgson als P. salvania, ein Zwergschwein
von braunschwarzer Farbe, schwach und unregelmässig mit schmutzig
Ambra untermischt; Iris haselnussfarbig, nackte Haut schmutzig
fleischfarben. Länge 18 — 20", Höhe 8 — 10", Kopf 6", Schwanz |",
Gewicht 8— 10, selten 12 Pfd. Bewohnt die Saul-Waldungen, ist sehr
selten, von- vortrefflichem Geschmack und gleicht in seiner Lebens-
weise im Allgemeinen dem Schwein, doch mit einigen erheblichen
Abweichungen.
Vom Unterkiefer des Harlanus americanus hat Owen im
Journ. of the Acad. of Philadelph. new series I. p. 19. tab. 6 die aus-
führliche Beschreibung nebst Abbildung zur Vorlage gebracht. Gegen
die Namensgebung ist zu erinnern, dass man darnach denken sollte,
als sei von dem amerikanischen Dr. Harlan die Rede, während es
Archiv f. Naturgesch. XIV. Jahrg. 2. Bd. L
^52 An dr. Wagner: Bericht über die Leistungen in der
sich doch nur um die üeberreste eines Thieres handelt, von dem
Dr. Harlan zuerst Notiz gab.
In dem älteren Süsswasserkalke Württembergs wurde von Dr.
Schmidt ein Unterkiefer von Anoplotherium commune aufge-
funden (Württemb. naturw. Jahresheft III. S. 261).
Runiinaiiiia.
Unter dem Titel: Methodische Uebersicht der wiederkäuenden
Thiere, Linne's Pecora, von C. Sundevall; aus dem Schwedischen
übersetzt von C. Fr. Hornschuch. Greifsw. 1848, ist von Letzte-
rem für eine grössere Verbreitung der trefflichen Arbeit von Sunde-
vall gesorgt worden, da nun die in's Archiv skand. Beiträge einge-
rückte Uebersetzung in dem Buchhandel separat zu beziehen ist.
Tylopoda» Ueber die „geographische Verbreitung von Kä-
me el und Dattelpalme, in ihren Beziehungen zum primitiven Völker-
leben des Nomadisirens wie der Festsiedlung" hielt Ritter in der
Berliner Akademie einen interessanten Vortrag (Monatsbericht der
Berl. Akad. S.8).
Ueber die Zucht der Lamas, Alpacas und Vicunias, die
im Haag betrieben wird, hat Bonafous seine Beobachtungen mit-
getheilt (Rev. zooL p. 402).
Cervina» Gulliver zeigte, dass die Blutkügelchen bei Mo-
schus Meminna ebenso auffallend klein sind als bei M. Napu und
M. Stanleyanus.
Cervus antisiensis ist nun in D'Orbigny's Reise-
werk S. 28. tab. 20 ausführlich beschrieben worden.
Man trifft diesen Hirsch in den höchsten Regionen der Östlichen
Cordilleren von Bolivia, namentlich in den Umgebungen von la Paz,
Cochabamba und Chuquisaca; er steigt aber selten unter das Niveau
von 3500 Metres herab.
Vom amerikanischen Elennthier und Rennthier machte Agassiz
bemerklich, dass sie von den europäischen Arten differiren und gab
jenem den Namen Cervus lobatus, diesem den Namen Cervus
hastalis (Sillim. Journ. p.436; Ann. of nat. hist. XX. p. 142). Wei-
tere Auskunft ist zu gewärtigen, nur so viel kann Ref. hierüber
sagen, dass er ebenfalls Unterschiede zwischen dem europäischen
und amerikanischen Rennthier am Schädel aufgefunden hat, worüber
er demnächst spezielle Nachweise vorlegen wird.
Unter den Elennthieren will Rouillier 3 Arten unter-
scheiden, nämlich Alces antiquorum (Cervus AIces Linn.),
A. resupinatus Rouill. und A. sabinus Fisch., wovon die
beiden letztem blos den Diluvialgebilden angehören.
Seine Abhandlung findet sich in der von der k. Gesellschaft der
Naturgeschichte der Säugthiere während des Jahres 1847. 163
Naturforscher zu Moskau herausgegebenen Jubelschrift auf Fischer
und ist von schönen Abbildungen begleitet. A. resupinatus beruht
auf einem Schädel, der in einem See des Gouvernements Kostroma,
und A. sabinus auf einem Schädel, der 60 Werst von Moskau gefun-
den wurde. Letztere Art übertriift an Grösse Alles, was man vom
lebenden Elenn kennt, denn während bei dem grÖssten Individuum,
das von diesem letztern bekannt ist, die Enden der Geweihe 34"
engl, abstehen, beträgt bei der fossilen Art dieselbe Distanz C4".
Einer neuen Species von Palaeomeryx legte H. v. Meyer den
Namen P, eminens bei (Jahrb. f. Min. S. 183); sie wurde bei Oenin-
gen gefunden. — Weitere Auskunft hat derselbe über das Dorcathe-
rium guntianum gegeben (a. a. O. S. 193).
Mit einer merkwürdigen , dem Dorcatherium nahe ver-
wandten ausgestorbenen Gattung machte uns J. Leidy in sei-
nem Poebroth erium Wilsoni bekannt (Proeeed. of the
Acad. of Philadelph. Ui. p. 322. tab. 1).
Die Gattung beruht auf einem Schädel und einem Bruchstück
vom untern Ende des Oberarms und dem obern des Vorderarms,
die in Nordamerika gefunden wurden. Sowohl im Ober- als Unter-
kiefer finden sich jederseits 7 Backenzähne, wovon die vordersten
zusammengedrückt und die untern auf der Aussenseite ohne die klei-
nen kegelförmigen Höcker zwischen den Pfeilern sind.
Cavicornia. Eine neue westafrikanische Antilopen-Art
bezeichnete J. E. Gray als Boselaphus Derbianus (Ann.
of nat. bist. XX. p. 286).
Whitfield brachte kürzlich vom Gambia einige Hörner einer sehr
grossen, von den Eingebornen Gingi-ganga genannten Antilope zu-
rück, die denen der südafrikanischen Elenn -Antilope sehr ähnlich,
aber länger und stärker sind. Später erhielt er noch den oberen
Theil des Schädels und die Hörner eines Männchens und die Haut
(jedoch ohne Kopf und Füsse) eines erwachsenen Männchens und
Weibchens, wodurch es sich zeigte, dass die neue Art von der Elenn,
Antilope dadurch unterschieden ist, dass Hals, Vordertheil der Un-
terseite, die Rückenlinie und ein grosser Fleck an der Vorder- und
Hinterseite des Obertheils der Vorderbeine schwarz ist, dass ferner
die Seiten mit 14 bis 15 schmalen, senkrechten weissen Linien ge-
ziert und der untere Theil des Halses mit einem weissen Halbkragen
versehen ist.
P. Gervais legte in den Ann. des sc. nat. III. ser. 8. p.221 eine
Notiz vor über das Vorkommen des Steinbocks im fossilen Zu-
stande in den Cevennen. Die Knochen wurden, zugleich mit denen
von Ueberresten von Ursus spelaeus, von einer Katze in der Grösse
des Panthers, vom Wolfe, der Hyaena spelaea und einigen anderen
Thieren, in der Höhle von Mialet gefunden. Er giebt dieser Art
164 Andr. Wagner: Bericht über die Leistungen in der
den Namen Ibex Cehennarum. — Zugleich wies er S.226 nach, dass
die Antilope Cordieri Christ. (A. recticornis M. de Serv. ) an ihren
obern und untern Backenzähnen ähnliche cylindrische Höcker wie
die meisten Hirsche aufzuzeigen hat. Ferner zeigte er (S. 222), dass
das angebliche Schaf aus den tertiären Ablagerungen bei Cucuron
ebenfalls eine Antilope ist und legte ihr den Namen Antilope deper-
dita bei.
Ein Beispiel von frühzeitiger Zeugungsreife einer Ziege wurde
von John Davy angeführt (Ann. of nat. bist. p. 192). — Ebenda-
selbst p. 314 protestirte Blyth gegen Gray's Vereinigung der Ovis
Vig7iei mit Ovis ammonoides. Dagegen ist er mit ihm einverstanden,
dass der Gaur und Gayal wirklich 2 verschiedene Arten sind.
Jäger hielt einen „Vortrag über die Identität und Un-
terscheidung des Auerochsen, Bos urus und des Bisons,
Bos bison" (Wiirttemb. naturw. Jahresh. III. S. 176).
Die Vergleichung zweier Schädel des nordamerikanischen Bisons
mit dem Schädel eines aus Wilna erhaltenen Skelets des Wisents
ergab ihm ,,eine solche Uebereinstimmung der Verhältnisse, der
Form und selbst auch der Grösse der Species, dass an der Identität
kaum gezweifelt werden kann." Die grössere Breite des Unterkie-
fers der nordamerikanischen Bisonkuh, gegenüber der des Unterkie-
fers des Wisents, dürfte, wie er zufügt, erst dann als constanter
Unterschied aufzustellen sein, wenn er sich allgemeiner auch bei
andern Exemplaren bestätigte. — Hinsichtlich der Rippenzahl bemerkt
er, dass dem erwähnten Wisent- Skelet nur 13 Rippenpaare, aber
6 Lendenwirbel zukommen.
Pinnipedia.
D'Orbigny führte in seinem Reisewerke Mammif. p. 17 an,
dass ein von ihm an der peruanischen Küste gefundener Schädel
eine von Otaria jubata verschiedene Art oder doch wenigstens eine
sehr markirte Varietät anzeige. Er ist der Meinung, dass dieser
Schädel zur nämlichen Art als Phoca porcina Mol. oder Otaria
ülloae Tschud. gehören könne.
Dass Phoca leopardina Jam. identisch ist mit Leptonyx Wed-
delii, wurde von Gray bemerklich gemacht (Ann. of nat. bist. XX.
p. 437).
An einem fossilen obern Schneidezahn, der in der Meeressand-
Ablagerung bei Montpellier gefunden wurde, erkannte P. Gervais
eine Robbe, der er den Namen Phoca occitana beilegte (Ann. des
sc. nat. III. ser. 8. p.225).
Naturgeschichte der Säugthiere während des Jahres 1817. 165
C e t a c e a.
Den neuholläiidischen üujong unterschied Owen als selbst-
ständige Art mit dem Namen Halicore australis (Jukes
narrative of the surveying voy. of H. M. S. Fly. II. p. 323).
Die Knochen, welche Owen zur Untersuchung erhielt, waren
von Jukes an der neuholländischen Küste in der Endeavourstrasse
gesammelt worden. Als Hauptdifferenz zwischen dem neuholländi-
schen und indischen Dujong erklärt Owen, dass sich bei jenem 24
Backenzähne, bei letzterem nur 20 entwickeln, obwohl die 24 Bak-
kenzähne der neuholländischen Art zuletzt sich wie bei der indischen
auf 8, d. h. auf 2 jeder Seite des Ober- und Unterkiefers, reduziren.
Es findet sich nämlich bei Jüngern Individuen von H. australis in bei-
den Kiefern vor den 5 Backenzähnen, wie sie bei H. indica vorkom-
men, noch ein besonderer kleiner Zahn, der letzterer Art in allen
Altersstufen abgeht. Ferner bildet die obere Zahnreihe bei der neu-
holländischen Art einen stärkern Bogen als bei der indischen , der
herabgekrümmte Theil des Oberkiefers ist bei jener im Verhältniss
zur Breite länger, was auch von der abwärts gebogenen Symphyse
des Unterkiefers gilt. Endlich ist das Schulterblatt bei der neuhol-
ländischen Art weit schmäler als bei der indischen, was hauptsäch-
lich davon herrührt, dass bei jener der Vorderrand mehr gerade
verläuft, während er bei dieser einen starken Bogen bildet.
Ergänzende Beiträge zur Kenntniss des innern Baues des Dujongs
lieferte Th. L. W. Bisch off (Arch. f. Anatom. SA).
Auf neue Materialien gestützt suchte P. Gervais nachzuweisen,
dass die Gattung Halitherium s. Halianassa zu den sirenenartigen
Cetaceen gestellt werden müsse und dass diesen auch noch der Ta-
xodon beizuzählen sei (Ann. des sc. nat. 111. ser. 8. p. 203), womit
freilich Owen nicht einverstanden ist.
Kurze Bemerkungen über die Cetaceen der britischen
Inseln wurden von J. E. Gray niitgetheilt (Ann. of nat. bist.
XX. p. 436).
Sie beziehen sich auf die von Knox gefertigten Präparate, die
nunmehr der anatomischen Sammlung der Edinburgher Universität
angehören. Darunter ist das Skelet eines 78' langen Finnfisches, das
Gray zwar sehr ähnlich dem seines Physalus antiquorum findet, von
dem er aber doch nach einigen Differenzen in der Bildung der Hals-
wirbel vermuthet, es möchte eine besondere Art darstellen; für die
er den Namen Physalus borealis vorschlägt. Ref. meint, dass die
angegebenen Differenzen keineswegs zur Errichtung einer eignen Art
ausreichend sind. — Ein als Delphinus Tursio bezeichnetes Skelet
erkannte Gray für den Delphinus leucopleurus von Rasch. — Die
Balaena minor borealis von Knox fand er identisch mit seiner Ba-
laenoptera rostrata. — Daselbst sah er auch die in Weingeist auf-
jßß And r. Wagner: Bericht über die Leistungen in der
bewahrten Zähne des Fötus von Balaena Mysttcetus ^ nebst dessen
Skelet und der ausgestopften Haut.
Der Wallfischfang und seine Beförderung in Deutschland,
als vaterländische Zeitfrage in volkswirthschaftlicher, seemän-
nischer und staatlicher Beziehung, von C. W. L. Gloger.
Berlin 107 S. 8.
Ist eine recht interessante, praktische Schrift, die unter andern
auch zeigt, wie Deutschland durch Beförderung des Wallfischfanges
am ersten taugliche Seeleute für eine Marine heranbilden kann.
J. E. Gray legte eine neue Anordnung der Finnfische
vor, von denen er jetzt 4 Arten annimmt, unter denen eine
neue (Ann. of nat. hist. XX. p. 277).
Er vertheilt diese 4 Arten unter 2 Gattungen in folgender Weise :
1. Balae7ioptera\ Brustfinne ^ und Rückenfinne % der Körperlänge
vom Ende der Nase. 2ter und 3ter Halswirbel durch die Dornfort-
sätze vereinigt; Seitenfortsätze des 2ten Halswirbels sehr ausgebrei-
tet, vereinigt, flügelartig. Wirbel 46 — 48. Brustfinne massig, unge-
fähr \ der Körperlänge. Rückenflosse hinter der Geschlechtsöffnung.
Unterleib mit Längsfalten. Art: B. rostrata Auct.
U. Phy Salus \ Brustfinne ^, Rückenfinne \ der Körperlänge vom
Ende der Nase. Halswirbel alle getrennt. Wirbel 54 — 64. Brust-
finne massig, ungefähr i der Körperlänge; Rückenflosse hinter der
Geschlechtsöffnung. Unterleib mit Längsfalten. — «. Querfort-
sätze der Halswirbel sehr ausgebreitet, vom 2ten bis
zum 6ten einen Ring bildend (Physalus): 1. Ph. antiquorum
(Rorqual de la Mediterranee Cuv.). — ß, Querfortsätze der
Halswirbel kurz, des 3ten, 4ten, 5ten und Cten getrennt (Ror-
qualus): 2. Ph.Boops; Querfortsätze des 2ten Halswirbels dick, kurz,
convergirend, aber am Ende getrennt; die der übrigen Halswirbel
schmächtig, merklich länger, weit getrennt. Oberer Fortsatz der
6ten herabgebogen, unterer dicker, kürzer, aufwärts gebogen. — 3.
Ph. Sibbaldä-, Querfortsätze des 2ten Halsw'irbels sehr verlängert,
vereinigt, nur eine kleine fast mittelständige üefl'nung lassend; die
der andern Halswirbel schmächtiger, kürzer und weit getrennt, fast
gerade, seitlich auswärts gerichtet. Diese Art ist auf ein Exemplar
begründet, dessen Skelet 50' misst und von einem Thiere herrührt»
das im Humber gefangen wurde.
In D'Orbigny's Reisevverke Mammif. p. 30 sind nun-
mehr folgende Delphine zur Sprache gekommen:
1. Inia hoUviensis tab. 21, von dem jetzt die Verf. ebenfalls ver-
muthen, dass er mit Delphinus Geoffroyi identisch sein dürfte, von
dem sie aber immer noch nicht wissen, dass er schon lange vor
ihnen in der Reise von Spix und Martius als Delphinus amaxo^
ntcus aufgestellt worden ist. — 2. Delphinus Blainvillei tab. 23 von
P Gervais nach einem von Freminville bei Montevideo erhaltenen
Naturgeschichte der Säugthiere während des Jahres 18-17. 167
Schädel aufgestellt, woraus er eine Untergattung Stenodelphis bilden
will. Fig. 5 derselben Tafel beruht auf einer Zeichnung von D'Or-
bigny. — 3. D. cruciger tab. 23. fig. 1—4. — 5. D. Peronü tsh. 21. fig.5-
Dass Delphinvs Sowerbyi nicht, wie Gray will, zu Ziphius ge-
stellt werden dürfe, sondern als das Männchen von Delphinus mi-
cropterus zu betrachten sei, haben Melville und Owen gezeigt
(Instit. p.312).
Die Iste Abtheilung des V. Bandes der Natuurkundige
Verhandelingen van de Hollandsche Maatschappij der Weten-
schappen te Haarlera ist ausschliesslich erfüllt mitW. Vro-
lik's Untersuchungen des Hyperoodon.
Eine überaus genaue, höchst lehrreiche Untersuchung des am
24. Juli bei Zandvoort an der holländischen Küste gestrandeten Dög-
lings, der mit vollem Recht die goldene Medaille als Preis zuerkannt
worden ist. Sie verbreitet sich über folgende Punkte: 1. äussere
Beschaffenheit, 2. Knochengerüste, 3. Athmungsorgane, 4. Verdauungs-
werkzeuge, 5. Gefässsystem, 6. weibliche Geschlechtsorgane, 7. Auge,
8. Hautbeschaffenheit. Dazu gehören 15 lithographirte Tafeln von
ausgezeichneter Schönheit. Wir können von dieser meisterhaften
Arbeit hier nur Weniges in der Kürze berühren. — Das Thier hatte
eine Länge von 7,639 Metres. Die sogenannten Gaumenzähne, auf
denen der Name Hyperoodon beruht, erschienen ihm nur als ge-
wöhnliche, etwas harte Schleimhaut -Warzen. Wirbel sind 45 vor-
handen, nämlich 7 Halsw. , 9 Rückenw. , 10 Lendenw. und 19 Schwanz-
wirbel. Im Vordertheil des Unterkiefers fanden sich 2 grosse wur-
zellose Zähne von 0,041 Länge; ausserdem noch im vordem Theil
der linken Unterkieferhälfte 6 kleine Zähnchen von 0,002 bis 0,004
Länge. Die verschiedenen Angaben der Schriftsteller über die Ma-
genbeschaffenheit des Döglings berichtigt der Verf. in folgender Weise.
Zur linken Seite der Speiseröhre bildet der Magenmundtheil des Ma-
gens einen blinden Sack. Damit ist die Milz verbunden durch ein
Ligamentum splenicogastricum und an der grossen Curvatur befestigt
sich das Omentum gastro-colicum. Da wo auf der rechten Seite der
Magenmundtheil in den Pförtnertheil übergeht, entsteht eine Ein-
schnürung, auf welche noch 5 andere folgen, wodurch der Pförtner-
theil in 6 Fächer abgetheilt erscheint, die an die Zellen des Grimm-
darms erinnern. Das 6te Fach geht in den Zwölffingerdarm über und
bildet eine Art von rechtem Blindsack.
Das riesenhafte fossile Skelet, welches Koch unter dem
Namen Hy d rar ch OS in Deutschland vorzeigte und das jetzt
für Berlin angekauft wurde, hat Veranlassung zur Publication
dreier Abhandlungen gegeben.
1. C. G. Carus, Resultate geolog., anatom. und zoolog. Unter-
suchungen über das unter dem Namen Hydrarchos von Dr. Koch
nach Europa gebrachte und in Dresden aufgestellte fossile Skelet,
158 Andr. Wagner: Ber. ü. d. Leist. in d. Naturg. d. Säugthiere.
in Verbindung mit Geinitz, Günther und Reichenbach. 2. Bur-
meister Bemerkungen über Zeuglodon cetoides. 3. J. Müller Un-
tersuchungen über den Hydrarchos in den Monatsberichten der Ber-
lin. Akad. S. 103, 160 ii. 185 und im Arch. f. Anatom. 8.363. — Ca-
rus erklärte sich dahin, dass bei dem Hydrarchos, mit Ausnahme
der Zähne, der entschiedene Amphibien- und namentlich Saurier-
Charakter vorwalte. Burmeister dagegen und noch ausführlicher
J. Müller wiesen ihn den Säugthieren zu als einen ächten Zeuglodon.
Von J. Müller haben wir auch demnächst eine umständliche, mit
Abbildungen versehene Beschreibung zu erwarten. Er sieht die Fa-
milie, wozu die Zeuglodon gehören, für eben so eigenthümlich als
die der Manatis neben den ächten Wallen an, weshalb er die Ord-
nung der Cetaceen in 3 Familien: die Manatis, die Zeuglodonten und
die Cetaceen im engeren Sinne theilt und dabei bemerklich macht,
dass die Zeuglodonten mitten zwischen Seehunden und ächten Ceta-
ceen, aber innerhalb der Ordnung der Cetaceen im weiteren Sinne
ständen.
Auch H. V. Meyer sprach sich im Jahrb. f. Min. S. 669 dafür
aus, dass es wohl keinem Zweifel unterliegen dürfte, dass der Zeu-
glodon ein Cetaceum war und mit dem Squalodon zu einer erlosche-
nen Familie, zu der der Zeuglodonten gehöre, welche in tertiärer
Zeit in Europa und Nordamerika gelebt hat.
Wichtige Beiträge zur Kenntniss der nämlichen Gattung
wurden von R. W. Gibbes und Tuomey mitgetheilt.
Ihre Abhandlungen finden sich im Journ. of the Acad. of nat. sc.
of Philadelph. new series I. 1. Des Ersteren Arbeit führt den Titel:
on the Fossil genus Basilosaurus Harl. (Zeuglodon Ow.) with a no-
tice of Specimens from the Eocene Green Sand of South Carolina,
mit 4 Tafeln Abbildungen. Er unterscheidet in dieser Gattung 2 Ar-
ten: Basilosaurus cetoides und B. serratus, — Das wichtigste Stück
brachte Tuomey zur Vorlage, nämlich den Schädel, wodurch die
Säugthier- Natur des Zeuglodon ausser allem Zweifel gesetzt wird.
Auf Tab. 5 ist von diesem Schädel die Abbildung gegeben.
169
Bericht über die Leistungen in der systematischen
Botanik während des Jahres 1846.
Von
A. Grisebach.
Lindley Hess eine neue, sehr bereicherte und durch
Zeichnungen erläuterte Ausgabe seines Natural System of Bo-
tany erscheinen, ein Werk, welches sich durch die Fülle ge-
wählter Thatsachen auszeichnet und zu den werthvollsten
Hülfsmitteln bei systematischen Untersuchungen gehört (The
vegetable Kingdom, or the structure , Classification and uses
of plants; with upwards of 500 lUustrations. London, 1846.
8. 982 pag.). — Von Schnitzlein erschien das 4te Heft sei-
ner iconographischen Darstellung der Pflanzenfamilien, die
sich beim Studium der systematischen Botanik empfiehlt (Ico-
nographia familiarum naturalium. Bonn, 1846. Fase. IV. 4.).
Das systematische Werk über die phanerogamischen Ge-
wächse von Spach ist mit dem 12ten und 13ten Bande ge-
schlossen (Suites a Bufi'on. Histoire naturelle des vegetaux.
Phanerogames. T. 12. 13. Paris, 1846. 8. — Atlas — Tab.
172. 8.) : die letzten monokotyledonischen Familien und Nach-
träge enthaltend. In diesem Werke sind ausführliche Fami-
liencharaktere und die Beschreibungen charakteristischer Gat-
tungen gegeben, auch zuweilen monographische Bearbeitungen
eingestreut. — Von Walpers Repertorium (s. vor. Jahresb.)
erschien der 6te Band mit den Nachträgen zu den Monope-
talen (Lips. 1846—47).
Von De Lessert wurde der fünfte Band seiner Icones
selectae plantarum (Paris, 1846. 4.) herausgegeben und damit
dieses schöne Kupferwerk beschlossen: die letzte Centurie
welche gleich den früheren zur Erläuterung von im De Can-
dolle'scheu Prodromus beschriebeneu Gewächsen dient, begreift
monopetalische Familien und einzelne Nachträge. — Sir W.
170 Grisebach: Bericht über die Leistungen in der
Hook er publicirte die 16te Lieferung seiner Icones plantarum
(Vol. 8. P. 2. Nr. 751—800. London, 1845. 8.). — Endlicher
begann ein neues Kupferwerk, welches in prachtvoller Aus-
stattung seltene Gewächse der Wiener Gärten darstellt (Para-
disus Vindobonensis. Hft. 1 — 15. Wien, 1845 — 47 fol.): jedes
Heft enthält 4 Tafeln.
Auf meine in diesem Archiv mitgetheilten Bemerkungen
zur Systematik habe ich hier nur zu verweisen.
Leguminosen. Bentham beschliesst seine monographische
Arbeit über die Mimoseen mit der Gattung Affonsea und liefert zahl-
reiche Nachträge von neuen Arten zu denselben (Lond. Journ. of
Bot. 1846. p. 75 — 108). Affonsea ist eine der merkwürdigsten Legu-
minosen, von welcher Aug. St. Hilaire eine einzige Art im brasilia-
nischen Diamanten -Distrikt entdeckte: auf seiner Analyse, welche
derselben 6 freie Carpelle zuschreibt, beruhte die bisherige Kennt-
niss dieses Typus, der durch den angeführten Charakter sich näher,
als irgend eine andere Leguminose, an die Rosaceen anzuschliessen
scheint. B. weist nach, dass die Gattung in Brasilien allgemeiner
verbreitet ist, indem sie wegen ihrer habituellen Aehnlichkeit und
wegen der Uebereinstimmung der Blüthenbildung mit Inga verwech-
selt wurde. Er beschreibt 3 neue Arten der Gattung, welche eine
veränderliche Anzahl von freien Ovarien besitzen, unter denen jedoch
nur einmal die Zahl 6 vorkam: die gewöhnlichen Zahlen sind 3,5,2.
Zum Legumen scheint sich indessen nur ein Carpell auszubilden>
während die übrigen fehlschlagen. In den Nachträgen sind die neuen
Arten von Mimosa, Acacia und Calliandra zahlreich. — Basiner
publicirt eine Monographie der Gattung Hedysarum (Enumeratio mo-
nographica specierum generis Hedysari. Petropoli, 1846. 4. 53 pag.
und 2 tab.). — Neue Gattungen von Mimoseen: Tetracheilos
Lehm. (PI. Preiss. 2. p. 368) = Acacia tetragonocarpa Meisn.; Chi-
tkonant hus Lehm. (ib.) = Acacia restiacea Benth.: beide vom
Schwanenfluss. Von Caesalpinieen: Piliostigma Höchst. (Re-
gensb. Flora 1846. 8. 598) = Bauhinia pyrrhocarpa Höchst. (B. iner-
mis Steud. nee Forsk., B. abyssinica Rieh.), von letzterer Gattung
durch diöcische Blüthen und die hutfÖrmige Gestalt der Narbe unter-
schieden, dazu wahrscheinlich noch andere Bauhinien gehörig, na-
mentlich B. reticulata DC. aus Senegambien und Nubien (B. tama-
rindacea Kotsch), welche mit jener als Art verwechselt wurde;
Belairia Rieh, (in Sagra Cub. Bot. p. 511): dorniger Strauch aus
Cuba vom Ansehen einer Acacie, auch durch eine zurückgeschlagene
Radicula bei übrigens sj-mmetrischer Embryobildung den Mimoseen
sich annähernd , aber nach den Charakteren kaum von den Caesalpi-
nieen zu trennen; Leucomphalos^eriih.. (Hook. ic. plant. 8. t. 784),
strauchartige Swartziee von der Insel Fernando Po; Balsamocar-
;)on Cl. Gay (Fl. chilen. 2. p.226. t.20), ein dorniger Strauch aus
systematischen Botanik wahrend des Jahres 1846. 17 J
der Prov. Coquimbo, der, mit Poinciana verwandt, sich durch ein
zu einer harzigen Masse verdicktes Pericarpium auszeichnet („cuyo
entero pericarpo estä trasformado en una materia resinosa muy
araarga y astringente"); Cinclidocarpos Zolling. (in Naturk. Ar-
chief V. Neerlands Indie 3. p. 74): Liane aus Java, vom Habitus der
Caesalpinia. — Dalbergieen: Cyanobotrys Zuccar. (PI. novar.
Fase. 5. in Abhandl. der bair. Akad. 4. Abth. 4. S. 28. t. 5), aus Me-
xico; Drehbelia Zolling. (I.e. 3. p. 66): Liane aus Java. — He-
dysareen: Macromiscus Turczanin. (Gen. nov. dec. IL in Bullet.
Mose. 1846. 2. p.507) aus Brasilien, soll sich von Aeschynomene
durch ^- adelphische Staubgefässe und ungetheilte untere Kelchlippe
unterscheiden. — Vicieen: Todaro bildet aus Ervum monanthos L.
die Gattung Coppoleria (Atti deir accad. di Palermo. Nuov. Ser.
1. p. 14. 1845): sie wird durch „stamina non dilatata, Stigma glabrum,
corolla exserta, stipulae difformes" charakterisirt, aber die Behaa-
rung des Griffels macht diesen Charakter zweifelhaft. — Astragaleen ;
Hochstetter erhebt die abyssinischen Arten von Astragalus zur
Gattung Diplotheca (a. a. O. S. 595), begründet auf eine gestielte
zusammengedrückte zweifächerige Hülse: aber, wiewohl die Astra-
galeen wahrscheinlich in der Folge in mehrere Typen werden getheilt
werden, so ist seine Charakteristik doch nicht anzuerkennen, da sie
theils in anderen Gruppen von Astragalus sich wiederholt, theils
nicht auf alle Arten zu passen scheint (,,legumina subinflata in A.
venoso Höchst." = D. venosa et tigrensis ej. nach Rieh.). — Gale-
geen: Berrebera Höchst, (a. a. O. S. 597) = Sesbania ej., wird
vom Verf. zu den Dalbergieen gezogen, ist jedoch nach Rieh, eine
selbstständige, abyssinische Gattung der Galegeen; Eilemanthus
Höchst, (das. S. 593) = Indigofera strobilifera ej., jährige Pflanze
aus Nubien; Toxotropis Turczan. (a. a. O. p. 506), Holzgewächs
von Otaheite, Caragana ähnlich und von Corynella durch eine sichel-
förmig geschnabelte Carina unterschieden. — Trifolieen: Loxosper-
mum Höchst, (a. a. O. S. 594), auf drei grossblumige abyssinische
Trifolien gegründet, die sich vorzüglich durch die zweik lappige
Hülse von dieser Gattung unterscheiden, dennoch wegen der Verbin-
dung mit andern Formen von Richard nicht anerkannt. — Genisteen:
Tel ine Medic. reform. Wb. (Phytogr. canar. 2. p.34) = Genista
candicans, linifolia etc., durch Semina carunculata von Syspone ab-
weichend; Spartocytisus Wb. (ib. p. 49) = Spartium nubigenum,
Cytisus sessilifolius, albus etc., Genista purgans: durch einen Calyx
campanulatus (nee tubulosus) nicht hinlänglich von Cytisus unter-
schieden. Podalyrieen: Cryptosema Meisn. (PI. Preiss. 2. p.206):
ein mit Brachysema verwandter Strauch vom Schwanenfluss, mit
vierblumigem, terminalem Köpfchen; Lepto cytisus Meisn. (ib.
p.211) = Burtonia tenella Meisn.; Latrobea Meisn. (ib. p. 219)
= Pultenaeae sp. Benth.
Rosaceen. Spach publicirt eine monographische Bearbeitung
172 Grisebach: erieht über die Leistungen in der
von Poterium (Ann. sc. nat. 111. 5. p. 31 — 44). Die typischen Arten
(Sect. Pimpinelloides Sp.) haben netzaderige Früchte mit gleich
grossen Kanten und (ausgenommen F. Durieui Sp. aus Algier) eine
centrifugale Inflorescenz. Die vier Fruchtflächen sind entweder run-
zelig und ohne Gruben (P, Jaubertii Sp. aus Anatolien und P. San-
guisorba L. partim. Kch. = P. dictyocarpum Sp., durch Centraleuropa
in 2 Formen verbreitet, »ämlich a. virescens mit schwachen und ß.
glaucescens Rchb. (guestphalicum Boenn.) mit starken Netz-Runzeln);
oder mit Quergruben (P. garganicum Ten. = P. eriocarpum Sp., P.
polygamum Kit. = muricatum Sp., P. Magnolii Sp. = P. mauritani-
cum ß. Boiss. , P. alveolosum Sp. von Constantine) ; oder mit dichten
Warzen bedeckt (P. verrucosum Ehrenb. = P. mauritanicum a. Boiss.
nee Desf.). Abweichende Arten sind: P. agrimonioides L. fructus
nervis longitudinalibus, P. Fontanesii Sp. (Sanguis. mauritanica Desf.)
anguliä fructus 2 latioribus und P. ancistroides Desf. fructu in stipi-
tem attenuato. Ausgeschlossen und als neue Gattungstypen betrach-
tet sind: Foteridium Sp. (1. c. p. 43 = Sanguisorba annua Torr.
Gr.): floribus omnibus hermaphroditis tetrandris, filamentis strictis
brevibus; Bencomia Wb. (Phytogr. canar. 2. p. 9 = P. caudatum
Alt.) und Sarcoyoterium Sp. (1. c. p. 43 = P. spinosum L.):
fructu globoso, laevi subbaccato et a Bencomia floribus monoecis
conformibus.
Myrtaceen. Bemerkungen über den Blüthenstand dieser Fa-
milie, der von der Cyma axillaris abzuleiten sei, publicirt von
Schlechtendal (Bot. Zeit. 1846. S. 721). — Richard (Fl. cub.
p. 582) vereinigt die Gattungen Myrcia und Jambosa wieder mit
Eugenia. — Wichtig sind desselben Forschers Untersuchungen über
Mouriria und die Memecyleen (das. p. 572u. f. ). Das Ovarium von
Mouriria hat 5 (—2) Fächer, jedes mit 3—5 Eiern; die Frucht wird
einfächerig und hat meist nur einen (seltener 2) Samen, dessen Em-
bryo zwei fleischige, gerade, nicht wie bei Memecylon sich umfas-
sende Kotyledonen besitzt. Nach R.'s Ansicht sind die Memecyleen
zu den Myrtaceen und nicht zu den Melastomaceen zu bringen, wie
es dem Habitus allerdings gemäss ist: hiernach beschränkt sich der
distinctive Charakter beider Familien darauf, dass die Carpelle der
Myrtaceen wenige und grosse Samen erzeugen , w ährend bei den
Melastomaceen die Samen sehr klein und indefinit sind.
Melastomaceen. Decaisne (Ann. sc. nat. 111. 5. p. 312— 318)
sondert von den Chariantheen oder den Melastomaceen mit Rimade-
hiscenz der Antheren die auf dem indischen Archipel einheimischen
Astronieen ab (Astronia, Kibessia, Ewyckia): dieselben zeichnen
sich durch parietale Placentation aus und ihr Frucht bau stimmt mit
dem von Mesembrianthemum überein. Sie bilden eine üebergangs-
gruppe zwischen den eigentlichen Melastomaceen und den Memecy-
leen, zu welchen letzteren auch Spathandra Guill. gehört. — Neue
Gattungen: VacJiyanthus^\<:\i. (Cub. p. 559)? Miconiee aus Cuba ;
systematischen Botanik während des Jahres 1846. 173
N audinia Rieh. (ib. p. 561): aus Cuba, neben Diplochiton; Pß-
racelsia Zolling. (a. a. O. 2. p. 18) aus Java, neben Sonerila.
Lythrarieen. Von Lagerstroemia unterscheidet Turczani-
now (Bullet. Mose. 19. 2. p. 508) Pterocalymna aus Manilla durch
einen geflügelten Kelch.
Combretaceen. Die neue Gattung Chicharr onia Rieh.
(Cub. p. 529) aus Cuba verbindet die Charaktere der Blüthe von
Terminalia mit der Frucht von Combretum: die Frucht hat indessen
nur zwei Flügel.
Balsamineen. Edgeworth bringt einen entscheidenden Be-
weis zu Gunsten von Roeper's Theorie der Balsamineenblüthe (Lin-
nean Transact. 20. p. 37), indem er zwei neue Impatiens-Arten vom
Himalayah (I. amplexicaulis und moschata) beschreibt, bei denen
die zwei äusseren Kelchblätter, die man bei den gefüllten Balsaminen
bemerkt hat, ausserhalb des unpaaren Blumenblatts regelmässig zur
Entwickelung gelangen. Die Zahlenverhältnisse der beiden äusseren
1-4-2-4-2
Wirtel sind daher hier: ^ .^ ^ ^ T" ^ ^ . Berücksichtigt man^ dass
die beiden äusseren Kelchblätter gewöhnlich auch nicht einmal rudi-
mentär vorhanden sind, so liefert diese Beobachtung einen trefflichen
Beleg für den Satz, dass Organe, die dem Plane einer Blüthe ange-
hören, fehlen können, ohne dass die gesammte Bildung sinnlich nach-
zuweisen ist (idealer Abort). Aehnlich verhält es sich mit den bei-
den fehlenden Blumenblättern von Polygala, die ich bei P. myrti-
folia monströs sich entwickeln sah.
Zygophylleen. Cl. Gay beschreibt aus Chile die beiden
neuen Typen Bulnesia (Fl. Chil. p.474) und Pintoa (das. p. 479).
Biebersteinien. Den ausführlichen Charakter nebst Diagnose
der Arten geben Gr. Jaubert und Spach (Ann« sc. nat. III. 6.
p. 137-142).
Rutaceen. Ruta pinnata L. bildet bei Webb (Phytogr. canar.
1. p. 14) die Gattung Desmophyllum: calyce persistente, ovariis
ad apicem coalitis, fructu non dehiscente, coccis abortu 1 — 2 spermis.
Diosmeen. Neue Gattung: Ef/ipleiirosmaBartL (PI. Preiss.
2. p. 228): durch Octandrie von Empleurum abweichend, nur die
männliche Blüthe ist bekannt.
Simarubeen. Wir verdanken Planchon eine durch scharfe
Charakteristik ausgezeichnete Monographie dieser Pflanzengruppe
(Lond, Journ. of Bot. 5. p. 560-584), die er in einem viel weiteren
Sinne als bisher aufgefasst hat, indem er von den Ochnaceen Castela,
von den zweifelhaften Terebinthaceen Picramnia, von den Zanthoxy-
leen Spathelia und Dictyoloma, von den Connaraceen Eurycoma
herbeizieht und ausserdem die im vor. Jahresb. schon bezeichneten
Aenderungen ausführt. Hierbei gehen allerdings mehrere der haupt-
sächlichsten Familiencharaktere, wie die Schuppen an den Staub-
gefässen, die Zahl der Eier (nun 1 — 5), die Steinfrüchte, selbst die
Semina exalbuminosa (Alburaen copiosum bei Spathelia) in ihrer
174 Grisebach: Bericht über die Leistungen in der
allgemeinen Bedeutung verloren und es bleibt zur Unterscheidung
der Diosmeen, mit denen P. die Zanthoxyleen vereinigt, vorzüglich
der Bitterstoff übrig, der in allen Gattungen vorhanden sein soll
und bei dessen Gegenwart das ätherische Oel der Diosmeen fehlt.
Indessen wird man sich mit diesen allgemeinen Reformen nicht so-
gleich befreunden, so wird doch das Verdienst, die engeren Ver-
wandtschaftskreise gefunden zu haben, bestehen bleiben. Diese sind
folgende: 1. Simarubeen: die alten Gattungen der Familie nebst Ca-
stela und dem neuen Typus Hannoa PI. (p. 566) = Simaba undu-
lata Fl. senegamb.; 2. Harrisonieen, durch den gekrümmten Embryo
und schwaches Perisperm unterschieden: Harrisonia und Lasiolepis;
3. Ailantheen mit nackten Staubgefässen, 1—2 Eiern etc.: Ailanthus,
Picrasma Bl. (Nima Ham.), Brucea, Soulamea, Picramnia, Picro-
dendron n. gen. (p.579) = Rhus arborea DC. ; 4. Spathelieen mit
pentandrischen Blüthen und Schuppen an den Staubgefässen. Dass
diese letzteren bei einer Art (Spathelia glabrescens) fehlen, spricht
am entschiedensten für die Richtigkeit von Planchon's Ansichten über
die Familie. Hieher gehören Spathelia, Dictyotoma und Eurycoma.
Ochnaceen. Auch diese Familie wird von Planchon durch-
aus neu begrenzt, indem er verschiedene Gattungen, die theils zu
den Sauvagesien, theils zu den Ternstroemiaceen gerechnet wurden,
mit derselben verbindet (Lond. Journ. of Bot. 5. p. 584— 600. , 644 —
656. u. 6. p. 1 — 31). Dadurch fallen die gemeinsamen Charaktere
der Frucht und des Samens weg und es bleiben vorzüglich folgende
übrig: imbricative Sepalen, Staubgefässe einem kurzen Gynophorum
inserirt, grosse Antheren mit Porodehiscenz und auf dem Filament
gegliedert, abwechselnde glänzende Blätter mit liniirten Gefässbün-
deln, scariöse Nebenblätter, harzreiches Holz, gegliederte Blüthen-
stiele, grosse, meist gelbe Blumen. Hiernach würden sich die Och-
naceen von den Ternstroemiaceen und Guttiferen durch das Gyno-
phorum und die Stipulen, von ersteren durch die Porodehiscenz,
von letzteren durch abwechselnde Blätter unterscheiden. Diesen Fa-
milien hält P. die Ochnaceen nahe verwandt, indem er die Analogie
ihres Fruchtbaues mit den Simarubeen nach dem Vorgange St. Hi-
laire's leugnet. Die gynobaseose Bildung sei nicht charakteristisch,
so wie sie ja auch bei den Malvaceen bald auftrete bald verschwinde.
Allein die Nebenblätter dürften vielleicht die Idee, die Ochnaceen
mit den Guttiferen in dieselbe Verwandtschaftsreihe zu bringen, wi-
derlegen. Ferner zählt P. zu den nächsten Verwandtschaften der
Ochnaceen die Erythroxyleen und Malpighiaceen, die neue Gruppe
der Ixionantheen (Ixionanthes Jk. = Emmenanthus Arn. und Och-
thocosraus Benth.), die Gattung Lophira von Sierra Leone, die Sau-
vagesieen, Suriana und die neue, zwischen den Ochnaceen und Con-
naraceen stehende Gattung Rigiostachys PI. (p. 29) aus Mexico.
Uebersicht der Ochnaceen nach Planchon's Ansicht: Trib. 1. Luxem-
burgieae. Stamina, antheris secundis. Stigma sessile. Capsula
systematischen Botanik wahrend des Jahres 1846. 175
septicida, 3 — 5 locularis, seminibus minutis numerosis anatropis,
embryone axili recto. Sämmtlich südamerikanisch. Hieher: Luxem-
burgia, Godoya R. P., B last emanthus n. gen. (p. 644) = Godoya
gemmiflora Mart, Cespedesia Goud. Trib. 2. Euthemideae. Sta-
mina 5 fertilia, 5 sterilia, antheris subsessilibus. Ovarium 5 locu-
lare, ovulis geminis suspcnsis. Bacca 5 pyrena, pyrenis monosper-
mis, seminibus albuminosis. Euthemis Jk. Trib. 3. Gomphieae.
Ovarium 5 — 10 loculare, loculis uniovulatis, stylo basilari, carpidiis
discretis, seminibus exalbuminosis. Elvasia mit dem Subgenus Host-
mannia, Ochna, Gomphia. — Die merkwürdige Aestivation von Gom-
phia beschreibt Richard (Fl. Cub. p. 353): petala contorta, mar-
gine interiori cujusque introflexo et ultra staniinum angustias circa
stylum convoluto.
Burseraceen. Richard (a. a. O. p. 385) erklärt Hedwigia
Sw. für identisch mit Icica Aubl.
Terebinthaceen. Neue Gattung: Swintonia Griff. (Linn^
Transactions. Febr. 1846) : aus Tenasserim.
Euphorbiaceen. Neue Gattungen: Linostachys Kl. (Lin-
naea 19. p. 235): aus Mexico, durch Calyx 9 5 fidus von Acalypha
verschieden; Alector octonum Schlecht, (ib. p. 252) = Euphorbia
cotinifolia et affin.; Chrysostemon Kl. (PL Preiss. 2. p.232): von
Swan River, nur die männliche Pflanze bekannt.
Rhamneen. Die ächten Arten von Ceanothus haben nach
Richard einen Stylus tripartitus, nicht trifidus: die Arten, bei
denen die letztere Bildung vorkommt, vrerden zu Colubrina gezogen
(Fl. Cub. p. 357). — Neue Gattung: Wichiiraea Nees (PI. Preiss.
2. p. 290) = Cryptandra arbutiflora Fzl,
Celastrineen. Richard (a. a. O. p. 351) verbindet Hex wie-
der mit dieser Familie: viele Arten seien polypetalisch und die Mo-
nopetalie der übrigen nur scheinbar und durch Adhärenz der Staub-
gefässe hervorgebracht. Maytenus erklärt er für identisch mit Ce-
lastrus (das. g. 350): zwei Eier im Fach sind allgemein und der Irr-
thum, als besitze C. scandens nur ein einziges, rührt nur daher,
dass das andere nicht reift. — Orixa Thunb. (pl. incert. sed. bei
Endl.) ist nach Zuccarini (Abh. bair. Akad. 4.) eine japanische Art
von Celastrus. -- Neue Gattung: Monteverdia Rieh. (das. p. 346):
Strauch aus Cuba, durch einen Fructus coriaceus indehiscens von
Celastrus unterschieden.
Sapindaceen. Natalia Höchst, ist nach Bernhard! mit Rha-
ganus luridus Mey. in pl. Drege. identisch und gehört, wie auch die
verwandte Gattung Bersama (gen. dub. Ampelid. bei Endl.) zu den
Sapindaceen (Allg. thüring. Gartenzeit. 1846. Nr. 2).
Aurantiaceen. Eine aus den literarischen Quellen geschöpfte
üebersicht dieser und der verwandten Familien nach analytischer
Methode publicirte M. J. Römer (Familiarum naturalium synopses
raonographicae. Fase. 1. Weimar, 1846. 151 pag. 8.). Mehrere Gat-
176 Grisebach: Bericht über die Leistungen in der
tiingssectionen sind vom Verfasser als Gattungen betrachtet, nament-
lich: Hesperet husa (p. 38) = Limoniae sp., Myxospermum
(p. 40) = Glycosmis chylocarpa Arn., Lampetia (p. 42), Heize
(ib.) und Merope (p. 44) = Sclerostylis sp. , Gallesioa und Dio-
xippe (p. 45) = Cookiae sp., Sicklera (p. 49) = Murraya longi-
folia Bl., Laureola (p. 74) = Limonia Laureola DC. — Zucca-
rini (Abh. der bair. Akad. 4.) untersuchte die Bildung des Frucht-
fleisches von Citrus (t. 6). Dasselbe besteht aus saftreichen, isolirten
Zellen, welche auf der Wand des Endocarpiums wie Haare befestigt
sind und durch ihr Auswachsen die Samen überkleiden, ohne mit
einander zu verwachsen. Mit Recht nennt Z. die Pulpa hier eine
fleischige Pubescenz, analog den Saftbläschen auf den Blättern von
Mesembrianthemum einerseits, andererseits den Wollhaaren des En-
docarps bei den Bombaceen. Das ganze Pericarp mit den Septen
bleibt unverändert von lederartigem Gefüge.
Meliaceen. Gattungen von Römer: Ginnania (p. 90) =
Quivisiae sp., Rutaea (p. 93) = Turraeae sp. african., Scypho-
Stigma (p.94) = Turraeae sp., Prasoxylon (p. 101) = Dysoxy-
lon alliaceum El., Camhania (p. 102) = Hartighsea Fraseriana A.
Juss., Odontosiphon (p. 106) = Moschoxyli sp., Surivala (p. 108)
= Walsura robusta Roxb., Elutheria (p. 122) = Guarea micro-
phylla Hook., Racapa und Touloucouna (p. 123) = Carapae sp.,
Selbya (p. 126) = Milnea montana Jk.
Ixionantheen. Römer's Gattung: Brewstera (p. 141) = lxio-
nanthes icosandra Jk.
Olacineen. Zuccarini (a. a. O.) zieht hierher nach Bent-
ham's Vorgange die gewöhnlich zu den Loranthaceen gerechnete
Gattung Schoepfia Schreb.
Ternstroemiaceen, Neue Gattung: Erythrochiton Griff.
(Proceed. Linn. Society 1846. Febr.): aus Ostindien.
Tiliaceen. Turczaninow beschreibt die Elaeocarpeen aus
Cuming's und Zollinger's Sammlungen (Bullet. Mose. 19. 2. p. 489 —
496). — Neue Gattungen: G lyphaea Hook. (Ic. plant, t. 760): mit
Grewia verwandt, aus dem W'esten des tropischen Afrika's; Ade-
nodiscus Turcz. (a. a. O. 19. 2. p. 504): aus Mexico; Hexagono^
theca Turcz. (p. 505): von den Philippinen; Jnt herotriche
Turcz. (p. 505) : ebendaher, eine sehr ausgezeichnete (antherae lo-
culo altero majori in filum setaceum producto) und vom Typus der
Familie durch getrennte Griffel abweichende Form. — Wydler be-
arbeitete die Blattstellung und Knospenbildung von Tilia (Regensb.
Flora, 1846. S. 369-382).
By ttneriaceen. Neue Gattungen: Rhynchostemon Steetz
(PI. Preiss. 2. p. 333) = Thomasiae sp. LindL; Ditomostrophe
Turcz. (a. a. O. 19. 2, p. 498): gleichfalls neuholländische Lasiope-
talee aus Drummond's Sammlung. — Hierher hat Turczaninow
auch seine neue Gattung Lachnostylis (das. p. 503) gezogen, jedoch
systematischen Botanik während des Jahres 1846. I77
mit Unrecht, da sie wegen des quincinicialen Kelchs nicht zu den
Columniferen gehört. Sie ist Yom Cap und in Ecklon's Sammlung
enthalten : nach der Beschreibung gleicht sie Macarthuria (dub. sedis
bei Endl.) und diese scheint mir mit Reaumuria zunächst verwandt
zu sein. Die Frucht von Lachnostylis ist noch nicht bekannt.
Malvaceen. Von Lavatera sondert ^Vebb zwei Gattungen ab:
Savzm'ona (Phyto^r. canar. 1. p. 30) = L. acerifolia Cav. und Na-
vaea (das. p. 32) = L. phoenicea Vent.
Caryophylleen. Zwei ähnliche, höchst ausgezeichnete, in
dicht beblätterten Rasen wachsende, neue Gattungen von Alsineen
sind Pycnophyllum Remy (Ann. sc. nat. III. 6. p.355) von Po-
tosi und Lyallia Hook. fil. (Antarct. Voy. 2. p. 548) von Kergue-
lens Land. Letztere bringt der Entdecker provisorisch zu den Por-
tulaceen: allein habituell scheint sie eine Alsinee, wiewohl die Blät-
ter abwechseln und die Frucht ein ütriculus ist: die Blüthen sind
noch unbekannt. — Eine neue Paronychiee ist Dicherant IiusY^h.
(Ann. sc. nat. III. 5. p. 28): ein Strauch von Gomera im canarischen
Archipel, mit Pteranthus verwandt.
Portulaceen. Neue Gattung: Pleui'opet alum Hook. {i\.
(Lond. Journ. of Bot. 5. p. 1G8. t. 2): vom Galopagos- Archipel. —
Die unvollständig bekannte Lewisia rediviva Pursh. wurde von
Geyer ausführlich beschrieben (das. p. 306).
Cacteen. Von Pfeiffer 's Abbildungen blühender Cacteen er-
schien die zweite Lieferung des zweiten Bandes (Cassel, 1846. 4.).
Neue Arten beschreiben A. Dietrich und F. Mü hlenpford t (Berl.
Gartenzeitung 1846. Nr. 39 u. 47). — Wichtiger ist eine Beobachtung
von Zuccarini (a. a. O.). Zwei neue Arten von Echinocactus aus
Mexico (E. Asterias und myriostigma Zucc.) unterscheiden sich da-
durch von ihren Gattungsgenossen, dass Radicula und Kotyledonar-
Ende des Embryo vom Hilum gleich. weit entfernt liegen und von
diesem durch eine Höhlung des mützenförmigen Samens getrennt
sind, während sonst die Radicula am Hilum liegt. Mit Mamillaria
vereinigt Z. sowohl Anhalonium als Pelecyphora.
Cucurbitaceen. Stocks stellt eine sonderbare Meinung über
die Symmetrie der Cucurbitaceenblüthe auf (Ann. nat. hist. 18.
p. HO — 113). Der dreilappige Discus, welcher allgemein in dieser
Familie vorkommt, sei als ein innerer Kreis von drei Staubgefässen
zu betrachten, weil dessen Lappen bei Citrullus zuweilen Anthereu
entwickeln: auch bei Momordica Charantia soll mitunter Pollen am
Rande des Discus entstehen. Die Symmetrie fordere daher, auch
für den äusseren Staubgefässwirtel drei Organe anzunehmen und
hiernach sei die Theorie der Triadelphie zu verwerfen. Diese Ar-
gumentation ist so w'enig entscheidend, wie sie bei der Blüthe von
Polygonum sein würde. Die doppelten Staubgefässei erklärt St. da-
durch, dass die Lamina sich nicht entwickeln und die Antheren den
beiden Nebenblättern entsprechen, von denen am fünften Staubgefäss
Archiv f. Natiirgcsch, XI V, Jabrg. 2. Bd. M
j7B Grisebach: Bericht über die Leistungen in der
wie an der vegetativen Axe nur eins zur Entwickelung gelange. Ich
habe gezeigt, dass die Ranken der Cucurbitaceen keine Nebenblät-
ter, sondern metamorphisirte Blätter sind, und zu demselben Resul-
Ut gelangt auf anderem Wege S alter (Report of British Associa-
tion 1846. Botany. p. 88), indem er eine monströse Gurke beobach-
tete, an welcher die Ranken zu selbstständigen Blättern ausgewach-
sen waren. — Structur des Ovariums. Stocks erklärt sich für die
Theorie von Walker- Arnott und Endlicher (Carpophylla involuta)
und gegen die Ansichten von Lindley (Carpophylla valvata, septis
spuriis), Wight (Carpophylla reduplicativa) und Schieiden (Carpo-
phylla induplicativa, septis placentaribus ex axi oriundis). Seine
Gründe sind folgende: 1. Auf analoge Weise ist in vielen Cucurbita-
ceen die Corollenaestivation involutiv (d. h. zweimal am Rande ein-
gerollt). 2. Bei Luffa, wo die Gefässbündel der Frucht verholzen,
kann man den involutiven Verlauf derselben zu den Placenten ver-
folgen, z. B. bei Luffa pentandra. Ebenso kann bei Citrullus Colo-
cynthis der Verlauf der Carpellblätter im Innern der Frucht nach-
gewiesen werden, wenn die äusserste Lage der letzteren entfernt ist.
— Neue Gattung: Triceratia Rieh. (Fl. cubens. p. 614) : verwandt
mit Sicyos, durch drei abgesonderte Griffel ausgezeichnet, so wie
durch kugelförmige, einfächrige Antheren und einen in 5 Segmente
getheilten, epigynen Discus (vergl. oben).
Das zweite Heft von M. J. Römer's Werk (s. o.) begreift die
Cucurbitaceen und verwandte Familien (222 pag.). Unterschieden
werden als Gattungen: luchia (p. 48) = Bryonia hastata Lour. und
Tripodanthera (das.) = Bryon. cochinchinensis Lour. Allago-
sperma (p. 68) ist Alternasemina Endl.
Loaseen. Neue Gattungen: Eucnide Zucc. (Bair. Abh. 4.
p. 3. 1. 1): verwandt mit Bartonia, aus Mexico; Huidobria Gay
(Fl. chil. 2. p. 438) : aus Chile.
Passifloreen. Gattungen von Römer: Anthactinia (2.p. 190)
= Passiflorae indicae; Erythrocarpus (p. 204) = Modecca populi-
folia Bl.
Homalineen. Die Gattung Trimeria Harv. führt Bernhardi
gegen die Ansichten von Nees und Hochstetter zu den Homalineen
zurück und erklärt Monospora Höchst, mit derselben für identisch
(Allg. thüring. Gartenzeitung 1846. Nr. 42).
Samydeen. Diese Pflanzengruppe muss nach den Untersuchun-
gen von Richard (Fl. cubens. p. 365) mit den Bixineen vereinigt
werden. Die zu den letzteren gezählten Gattungen Laetia und Zue-
lania sind die vermittelnden Glieder und besitzen sogar die durch-
sichtigen Linien, welche das Samydeenblatt auszeichnen. Die zur
Unterscheidung dienenden Merkmale sind für die Samydeen: perigy-
nische, monadelphische, weniger zahlreiche Staubgefässe. Aber die
Monadelphie findet sich nicht allgemein: bei allen Arten von Casea-
ria, welche R. untersuchte, waren die Staubgefässe frei. Zuelania
systematischen Botanik während des Jahres 1846. I79
hat 30 Staubgefässe, bei einigen Casearien (z. B. C. javitensis) kom-
men neben 15 fruchtbaren ebenso viel sterile Staubgefässe vor. Auch
die Insertion bietet hier nur einen relativen Charakter dar, indem
die Perigynie bei manchen Casearien sehr unbedeutend wird. Die
Samydeen sind daher nicht einmal als besondere Tribus unter den
Bixineen zu betrachten.
Frankeniaceen. Sehr ausgezeichnet im Habitus ist die neue
Gattung Hypericopsis Boiss. (Diagnos. or. 6. p. 25) = Frankenia
persica Kotschy von Schiras, durch die Zahlen: 5—6, 6 — 7, 20—24,
4 und durch Verwachsung des mittleren Theils der Staubgefässe
charakterisirt.
Cruciferen. Krause (Bot. Zeit. 1846. S. 137— 150) betrachtet
das vordere und hintere Kelchblatt der Cruciferen -Blüthe als ein
System vonBracteen, den Kelch selbst als zweigliedrig, wie beiden
Papaveraceen. Zu dieser Annahme glaubt er sich genöthigt, weil er
Schleiden's Behauptung, dass die Bracteen der Traube durch Abort
verloren gehen, verwirft. Allein wenn sich auch dieser Abort nicht
überall nachweisen Hesse, so würde doch K.'s Theorie durch solche
Cruciferen widerlegt werden, bei denen wirkliche Bracteen am Grunde
des Pedicellus zur Entwickelung gelangen. Kann ihm indessen in
seiner Ansicht selbst nicht beigestimmt werden, so sind doch meh-
rere wichtige Thatsachen, die er zu ihrer Unterstützung anführt,
von dem Verf. zuerst aufgefunden. Dahin gehört, dass alle Blätter
der Cruciferen zwei rudimentäre Nebenblätter besitzen, die indessen
nach meiner Begriffsbestimmung nicht als ächte Stipulen, sondern
als Auriculae anzusehen sein würden, wie sie auch bei einigen Ra-
nunculaceen vorkommen. Nun hat das vordere Kelchblatt gleichfalls
diese Oehrchen, die hier zuweilen als Glandulae stipitatae pedicelli
aufgefasst sind , die übrigen Kelchblätter nicht. Ferner entwickelt
sich das vordere Kelchblatt zuerst, hierauf folgt das hintere und
endlich die beiden seitlichen, bei denen ausschliesslich die sackför-
mige Erweiterung am Grunde vorkommt, beide gleichzeitig. Ebenso
bilden sich gleichzeitig der Reihe nach von aussen nach innen die
vier Blumenblätter, dann die beiden kurzen, zuletzt die vier langen
Staubgefässe. Dass in der Folge das vordere Kelchblatt, welches
nach K. als Bractee der Hauptaxe angehört, während das hintere
als Bracteola zum Blüthenstiel gehören würde, durch den letzteren
vom ursprünglichen Insertionspunkt entfernt steht, sucht K. durch
Verwachsung mit dem Blüthenstiel zu erklären und führt zu Gunsten
dieser Ansicht ähnliche Organisationsverhältnisse bei Thesium ebra-
cteatum und Samolus an. Auch die Resedaceen besitzen Nebenblät-
ter und eine ähnliche Bildung der Bracteen.
Sonder publicirt eine Revision der Heliophileen (Abhandlungen
von dem naturwissensch. Verein in Hamburg. Bd. 1. 1846. S. 173—279.
tab. 17 — 29). Heliophila enthält in sechs Sectionen 62 Arten, von
denen der dritte Theil neu: 13 Arten sind abgebildet. Als eigene
IgO Grisebach: Bericht über die Leistungen in der
Gattung wird abgesondert: Carponema (p. 178. t.l7) = H. filifor-
mis L., charakterisirt durch eine Siliqua indehiscens, stylo conico
apiculata, loculo altero minori inani, valvis duriusculis inermibus.
Chamira -wird von den Heliophileen ausgeschlossen und bildet die
neue Gruppe Chamireen = Orthoploceae diplecolobeae. Die Faltung
der Kotyledonen (cot. longitudinaliter biplicatae) bildet den Ueber-
gang von den Notorrhizeen zu den Orthophoceen (tab. 19: —
Schizopetalon wird von Barn eoud (Ann. sc. nat. III. 5. p. 77
—83. t. 3) als ächte Crucifere dargestellt (s. vor. Jahresb.S. 378)= ^^
die vier Kotyledonen sollen gleichzeitig entstehen. — Pugio- O
nium wird von v. Ledebour als wirkliche Crucifere gegen Bunge's
Vermuthung, es sei eine Chenopodee, nach einem in einer Würtem-
bergschen Sammlung aufgefundenen, von Gmelin's Reise herrühren-
den, Frucht tragenden Original-Exemplar wieder hergestellt, Frucht
und Samen ausführlich beschrieben (Abhandl. der bair. Akad. Bd. 4-
Abth. 3. S. 115 — 121. 1. 1): dass die Pflanze nicht wieder gefunden,
rührt daher, dass sie nach v. Ledebour's Untersuchung nicht in der
russischen, sondern in der mongolischen Steppe einheimisch ist. —
Neue Gattungen: Decaptera Turcz. (Bullet. Moscou 1846. 2.
p. 497): aus Chile; Descurainia Wb. (Phytogr. canar. 1. p. 72) -
Sisymbrium Irio et afffn.; Pachypodiutn Wb. (ib. p. 74) = Sisymbr.
rigidulum Lag.; Cynocardanum Wb. (ib. p. 96) = Lepidium vir-
ginicum L. — Dichroanthus Wb. (ib. p. 65) = Cheiranthi sepalis na-
vicularibus wird vom Verf. späterhin (p. 220) wieder reducirt.
Resedaceen. Von Reseda sondert Webb generisch ab: Lu-
teola (ib. p. 104) = R. Luteola L. und Resedella (p. 106) = R.
subulata Del., durch fehlenden Discus staminiger ausgezeichnet.
Papaveraceen. G. Krause (a. a. O. S. 121— 124) giebt eine
neue Theorie der Fumariaceenblüthe nach ihren Entwickelungsmo-
menten. Die beiden äusseren Blattorgane der Blüthe (Calyx Auct.)
entstehen später als die inneren, petalinischen Organe und werden
deshalb, mit einem undeutlichen Ausdrucke als accessorische Blatt-
gebilde (vielleicht Bracteen) bezeichnet, vom System der Blüthe aus-
geschlossen. Zuerst entstehen zwei laterale Blätter, die später durch
eine Drehung des Blüthenstiels um 90" zu einem vorderen und hin-
teren werden und dann den Sporn treiben (Petalum anticum et po-
sticum Auct.): diese beiden Organe betrachtet K. als den Kelch.
Hierauf folgt die zweiblätterige Blumenkrone (Petala lateralia Auct),
ferner erscheinen selbstständig ein äusserer zweigliederiger und zu-
letzt der innere viergliederige Wirtel von Staubgefässen , deren An-
theren einfächerig bleiben. — J. G. Koch bearbeitete die deutschen
Arten von Fumaria monographisch (Regensb. Flora 1846. S. 65 — 71
U.81--85).
Ranunculaceen. Neue Gattungen: Anemonopsis Zucc.
Sieb. (Abh. bair. Akad. Bd. 4. Abth. 2. p. 181. t. \. A.)' Helleboree
mit regelmässigen Blüthen aus Japan; Glatt et dz um Zucc. Sieb.
systematischen Botanik während des Jahres 1846. 131
(das. p. 184. 1. 1.^.): ebendaher, neben Paeonia gestellt, jedoch in
Bezug auf einige Structurverhäitnisse noch unvollständig bekannt.
M agnoliac een. Neue Gattung: Bürgeria Zucc. Sieh. {das.
p. 186. t.2.J.): aus Japan, in mehreren Arten aufgefunden; Früchte
in den fleischigen Torus eingesenkt.
Crassulaceen. Neue Gattungen vonWebb: Aitliales (Phy-
togr. canar. 1. p. 178) = Sedum rubens L. , daher Synonym meiner
Gattung Procrassula, durch Verwachsung der 5 Carpelle von Webb
charakterisirt; Aichryson (p. 180) = Sempervivi sp. calyce 5—12-
fido; Aeonium (p. 184) = Sempervivi sp. carpidiis receptaculo im-
mersis indehiscentibus; Greenovia (p. 198) = Sempervivi sp, ca-
lyce 28— 32fido, carpidiis valva dehiscentibus; Petrophyes (p. 201)
= Monanthes Haw.
Umbelliferen. Falconer beschreibt die ächte Asafoetida
Kämpfer's (Linn. Transact. 20. p. 285—291). Sie bildet die neue Peu-
cedaneen-Gattung Narlhex Falc. (das.) = Ferula Asa foetida L.
und wurde von F. in der Nähe des oberen Indus bei Boosthon jen-
seits Kaschmir gesammelt: eine Mannshohe Staude, die an sonnigen
Orten zwischen dem Gestein wächst. Neue Gattungen von Edge-
worth (a. a. O.): Petr osciadium (p.51): Amminee von der al-
pinen Region des Himalayah; Acronema Falc. (ib.) = Heloscia-
dium tenerum DO.; Oreocovie (p. 54) : Angeliceen vom oberen Hi-
malayah; Psammogeton (p.57): Cauoalinee aus Nordindien; Sca-
p liespermum (p. 58): Coelospermee vom Himalayah. Von Zol-
linger: Murrithia (1. c. 2. p. 576) und Heterachaena (p. 577)
= Anisometros Hassk., beide aus der Gebirgsregion Java's. Von
Pariatore: Todaroa (Phytogr. canar. 2. p. 155) = Peucedanum
aureum Sol.; Tiiiguarra (p. 156) = Athamanta cervariaefolia DC.
Ericeen. Planchon (Lond. Journ. of Botany 1846. p. 250 —
256) wirft, wie bei den Ochnaceen, so auch hier einen allgemeinen
Blick auf die Verwandtschaften der Ericeen mit polypetalischer
Blüthe, welche nach ihm in die parallelen Gruppen der Pyroleen
(mit Einschluss von Monotropa), der Sarracenien und der Cyrilleen
zerfallen. Diese letzteren, welche er ausführlicher behandelt, wer-
den durch Antherae inappendiculatae und Fructus indehiscens, loculis
monospermis charakterisirt und begreifen Cyrilla, Cliftonia, Pnr-
diaea n. gen. aus Neu -Granada (p. 256) und EUiottia. Stachyurus
steht diesen Gattungen sehr nahe, hat jedoch vielsanüge Fruchtfächer.
Sarracenia grenzt an Pyrola und zeigt die Verwandtschaft der Eri-
ceen mit den Droseraceen; Saurauja scheint dem Verf. einerseits
mit Clethra, andererseits mit Dillenia und auch, wohin sie bisher
gerechnet worden ist, mit den Ternstroemiaceen verwandt. Klotzsch
spricht sich gleichfalls für die Vereinigung der Pyroleen mit Mono-
tropa aus, deren Embryo dieselbe Lage habe (Regensb. Flora 1847.
S. 12). Auch die Stellung der Cyrilleen in der Klasse Bicornes er-
kennt er mit Asa Gray als richtig an (Bot. Zeit. 1847. S. 512). Die
\ß2 Grisebach: Bericht über die Leistungen in der
Beschreibung des Embryos von Monotropa, welche Duchartre ge-
geben (Ann. sc. nat. III. 6. p.40), stimmt wesentlich mit der Be-
schaffenheit desselben bei Pyrola überein. — INeue Gattungen: Pur-
diaea PI. (s. o.); Meisteria Sieb. Zucc. (a. a. O. 2. p. 127. t. 3.
f. 1): neben Andromeda, aus Japan. Bei Andromeda erwähnt Zuc-
carini eine bisher übersehene Corona hypogyna, die auch bei den
beiden deutschen Arten vorkommt.
Epacrideen. J. D. Hooker bemerkt, dass Lebetanthus (Al-
lodape Endl. gen.), der einzige Repräsentant dieser Familie im ant-
arktischen Amerika, zweifächerige Antheren besitzt (Fl. antarct. 2-
p. 327). Es wird daher angemessen sein, diese Gattung zu den Eri-
ceen zu bringen.
Orobancheen. Neue Gattung: P hacellanthus Sieh. Zucc.
(a. a. O. 2. p. 141): aus Japan, mit fast regelmässiger, tubulöser Co-
rolle in einem zweiblätterigen, asymmetrischen Kelch.
Gesneriaceen. Bentham bemerkt, dass seit der Bearbeitung
derselben im De Candolle'schen Prodromus durch zahlreiche Ent-
deckungen die Charaktere der Gattungen schwankend geworden,
durch R. Brown die Absonderung der Cyrtandraceen widerlegt sei
und die Familie einer neuen Revision bedürfe (Lond. Journ. of Bot.
1846. p. 357). Er setzt sodann die amerikanischen Gattungen ausein-
ander und beschreibt neue Typen. Drei Tribus werden angenommen
(Gesnerieen ovario adnato ; Beslerieen ovario libero, seminibus al-
buminosis; Cyrtandreen ovario libero, seminibus exalbuminosis).
Neue Gattungen: Diastema (p. 358) = Trevirana Popp.; Centro-
solenia (p.362): aus Guiana. Tussacia Rchb. wird von Alloplectus
getrennt und ist eine Cyrtandree, ebenso Episcia und Napeanthus.
— Visiani sondert von Achimenes Meneg hinia (Congress. di
Genoa in Regensb. Flora 1847. p.551) = A. alba, Colla Salnx%ia
(das.) = A. longiflora. — Decaisne publicirt eine Monographie von
Pentaraphia und stellt die Gattung Duchartrea aus Cuba auf
(Ann. sc. nat. lll. 6. p. 96-110).
Acanthaceen. Die Stellung und Entwickelung der Knospen
stellt Wichura dar (Regensb. Flora 1846. S. 232 — 238). — Neue
Gattungen: Sclerocaly x N.E. (Bot. of Sulphur p. 145): von Aca-
pulco; Tetrameriuni N.E. (ib. p. 147): Justiciae sp.; Henry a
N.E. (ib. p. 148): aus Südamerika; Trichacant kus Zoll. (a.a.O.
2. p. 572) und Odontostigma Zoll. (das. p. 573), beide aus Java.
Scrophularineen. Neue Gattung: Digomphla Benth.
(Lond. Journ. of Bot. 1846. p.364): Cheloniee aus Guiana; Callia-
nassa Wb. (Phytogr. canar. 3. p. 143) = Digitalis canariensis L.
Solaneen. Einen bedeutenden Beitrag zur Kenntniss der süd-
amerikanischen Solaneen bietet Sendtner's Arbeit in der Flora
brasiliensis (Fase. 6. p. 1—228. 1. 1— 19). Die Cestrineen werden als
besondere Familie, Cestrum und Metternichia begreifend, durch fol-
gende Charaktere unterschieden: Ovula hemianatropa aut anatropa
systematischen Botanik während des Jahres 1846. 183
(nee campylotropa); Embryo axilis rectus, cotyledonibus foliaceis
(bei den Solaneen E. arcuatus, subperiphericus, in Nicotiana sub-
axilis rectiusculus; cotyledonibus semicylindricis); Corolla opistho-
dromica = (:':) (bei den Solaneen (:.:)); Inflorescentia racemosa
(bei den Solaneen Cyma). — Zu abweichenden Ergebnissen gelangt
Miers in seinen Forschungen über die südamerikanischen Solaneen
(Lond. Journ. of Bot. 1846. p. 144 — 190 und lUustrations of South
American Plauts. Parti. 1846. 8 tab.), wie sich aus folgendem Aus-
zuge seiner üebersicht der Familie ergiebt:
Subordo I. Rect embryeae. Embryo fere rectus. Stigma
subbilamellatum. Ovarium plerumque stipitatum.
Tribus I. Met ternichieae. Embryo elongatus, rectus, coty-
ledonibus teretibus. Capsula bilocularis, valvis semifissis. (Metter-
nichia und Sessea).
Trib. 11. Cestrineae. Embryo fere rectus, cotyledonibus
ovatis compressis. Bacca bilocularis. (Cestrum).
Trib. 111. Fabiaiieae. Embryo fere rectus, cotyledonibus
compressis. Capsula bilocularis, valvis a septo demum solutis.
(Nierembergia, Fabiana).
Trib. IV. N icotianeae, Embryo fere rectus vel levissime
arcuatus, cotyledonibus brevibus subclavatis. Capsula ut in Fabia-
neis. — Ovarium sessile. Stigma capitato-bilobum. (Vestia, Petunia,
Nicotiana, Lehmannia, Sairanthus).
Subordo II. Curvembryeae. Embryo curvatus. Ovarium
sessile. Stigma capitato-bilobum, rarissime 5divisum.
Trib. V. Datureae. Fructus pseudo 41ocularis. (Datura, Di-
ctyocalyx, Solandra).
Trib. VI. Hyoscyameae. Capsula circumscissa. (Hyoscyamus,
Anisodus, Scopolia).
Trib. VII. Solaneae. Bacca bilocularis.
Neue Gattungen: Athenaea Sendtn. (1. c. p. 133) = Witherin-
giae sp. Mart.; Aureliana Sendtn. (p. 138) = Solani sp. Moric;
Pallavicinia Notar. (Congresso di Genoa 1. c. p.567); Dictyo-
calyx Hook. fil. (Fl. Galopag. in Linn. Transact. 20. p. 202);
Sichler a Sendtn. (Regensb. Flora 1846. p, 193): aus Guatemala,
neben Lycium.
Desfontaineen. J. D. Hooker und Planchon finden Des-
fontainea am nächsten mit Diapensia und Galax verwandt (Antarct.
Fl. p.332). Galax steht wegen der hypogynen Insertion den Ericeen
näher, als die beiden anderen Gattungen, die wegen ihrer epipeta-
lischen Insertion meiner Ansicht zufolge von diesem Verwandtschafts-
kreise getrennt werden müssen.
Hydrophylleen. Neue Gattung: Whitlavia Harv. (Lond.
Journ. of Bot. 1846. p.311): aus Californien.
Convolvulaceen. Dicranostyles Benth. (Lond. Journ. of
Bot. 1846. p.355) und Lysiostyles Benth. (p. 356) sind zwei neue
184 Grisebach: Bericht über die Leistungen in der
Gattungen aus Guiana, die zwischen Erycibe und Maripa stehen;
aber nach Bentham sind A. De Candolle's Erj'cibeen (s. Jahresber. f.
1843) wieder mit den Convolvulaceen zu vereinigen. Der einzige,
wesentliche Unterschied bestehe darin, dass bei den Erycibeen die
Faltung des Corollentubus fehle und die Aestivation daher nur indu-
plicirte Lappen zeige; 5 Narben seien nicht vorhanden, sondern nur
5 Furchen, die von dem Eindrucke der äusseren Blüthenwirtel auf
das Pistill während der Knospenzeit herrühren, vielmehr die Narbe
zweitheilig; die Kürze des Griffels finde sich auch bei Cuscuta; die
Dissepimente des Ovariums werden auch bei den Convolvulaceen
oft unvollständig und stehen nicht in Beziehung zur Placentation. —
Webb trennt von Convolvulus Rhodorrhi%a (Phytogr. canar. 3.
p. 28) = Conv. scoparius et äff. und stellt die neue Gattung Legeii-
drea (das. p. 26) von dem canarischen Archipel auf, — Derselbe
bemerkt gegen Gärtner die Uebereinstimmung von Cuscuta mit den
Convolvulaceen in der Insertion der Eier und der Bildung des Em-
bryo, der sich nicht um ein fleischiges Eiweiss spiralförmig windet,
sondern im Perisperm eingebettet liegen soll (das. p. 35). — Engel-
mann's monographische Uebersicht der Cuscuta-Arten (32 Arten)
wurde von A. Braun mitgetheilt (Bot. Zeit. 1846. S. 273—281).
Boragin een. Moris schlägt folgende Eintheilung der Bora-
gineen im engeren Sinne vor, wohin er auch die Heliotropeen zieht,
weil ihr Griffel nicht terminal, sondern lateral sei (Congresso di
Genoa a. a. O. S. 553): 1. Cynoglosseen (mit Einschluss der Helio-
tropeen und Myosotis): Torus conicus, fructibus oblique insertis,
stylo laterali. 2. Lithospermeen: Torus planus, fructibus basi planis.
3. Anchuseen: Torus planus, fructibus basi excavatis circumscissis,
stylo basilari. — Neue Gattung: Galapagea J. D. Hook. {¥\.
galapag. in Linn. Transact. 20. p. 196): Ehretiaceen der Galopagos-
Inseln, verwandt mit Coldenia.
Myoporineen. Neue Gattung: P ent aco elium Sieb. Zucc.
(a. a. O. 3. p. 151. t. 3. f. 2): aus Japan.
Avicennieen. Die im Jahresber. f. 1845. erwähnte Arbeit von
Griffith ist jetzt vollständig erschienen und die Entwickelung des
Eies von Avicennia bildlich dargestellt (Linn. Transact. 20. p. 1 — 7.
tab. 1).
Labiaten. Die Gattung Anthocoma Zoll. (a. a. O. 2. p. 569)
ist später von Bentham reducirt worden; ebenso Leucophae und Po-
liodendron Wb. (Phytogr. canar. 3. p. 99 u. 106).
Gentianeen. Asa Gray will übolaria wieder mit dieser Fa-
milie verbinden, wiewohl sie durch Aestivatio imbricativa abweiche
(Chloris bor. americ. t. 3).
Asclepiadeen. Neue Gattungen: Irmischia Schlechtd.
(Linnaea 19. p. 738): Liane aus Mexico; Trichosacme '/A\iCQa.v.
(a. a. O. IV. 2. p. 11): aus Mexico.
Rubiaceen. v. Schlechtendal (Linnaea 19. p. 747) emendirt
systematischen Botanik während des Jahres 1846. 185
den Charakter von Deppea, die zu den Hedyotideen gehört. Neue
Gattungen: Macrostphon Miq. (das. p. 442): Cinchonee aus Brasi-
lien; Guttetibergia Zoll. (a. a. O. 2. pl): Morindee aus Java.
Campanulaceen. Die zu den Polemoniaceen nach irriger
Auffassung der Insertion gestellte Gattung Cyananthus vom Hima-
layah ist nach Bentham eine neben Wahlenbergia zu stellende
Campanulacee, von denen sie nur durch das freie Ovarium abweicht,
ebenso w-ie Lobelia xalapensis von L. Cliffortiana sich unterscheidet
(Linn. Transact. 20. p. 82. in not).
Synanther een. Neue Gattungen: Aschenbornia Schauer
(Linnaea 19. p.716): Ageratee aus Mexico; Trichogonia Gardn.
(Lond. Journ. of Bot. 1846. p. 459) = Kuhniae sect. Trichogonia;
Pterochaete Boiss. (Diagn. or. 6. p.76): neben Pulicaria, einhei-
misch in Persien und Arabien; Grantia Boiss. (ib. p 79): Inu-
lee aus Südpersien; Odoiit ospermum Neck, restit. C.H.Schultz
(Phytogr. can. 2. p. 231) = Asteriscus aquaticus DG. et affin.; Des?noce-
phalum J. D. Hook. (FL galapag. 1. c. p. 208): annuelle Melam-
podinee vom Galopagos- Archipel, verwandt mit Elvira; Micro-
coecia J. D. Hook. (1. c. p.209): ebenfalls verwandt mit Elvira
und Milleria, von demselben Archipel; Macraea J. D. Hook.
(1. c. p. 209): ebendaher, ein Strauch, zwischen den Melampodineen
und Heliopsideen stehend; Tetr achyron ^ch.\e cht A. (Linnaea 19.
p,744): Helianthee aus Mexico; G lossopappiis Kz. (PI. Willkomm,
in Regensb. Flora 1846. S. 748): Chrysanthemee aus Südspanien,
neben Proiongoa; Kremeria Durieu (Revue bot. nach Bot. Zeit.
1846. p. 503): Chrysanthemee aus Algier; Myconia Neck, restit.
C. H. Schultz (I. c. 2. p. 245) =: Chrysanthemum Myconis L.;
Preauxia ej. (p.250), abgesondert von Chrysanthemum; Mono-
ptera ej. (p.253): unvollständig bekannte Chrysanthemee vom ca-
narischen Archipel; Stigmata t heca ej. (p. 255) = Chrysanthemum
pinnatifidum L. aus Madera; Argyranthemum Wb. (das. p. 258)
= Chrysanthemum frutescens L. et affin.; Co i<rr«w ^/a C.H.Schultz
(das. p. 276) = Matricaria pyrethroides DC; Scleroleima J. D.
Hook. (Lond. Journ. of Bot. 1846. p. 444. 1. 13. 14): Hippiee vom
Gipfel des Wellington auf Tasmania, mit Abrotanella, Trineuron
und Ceratilla eine besondere Gruppe bildend; Ä«o«//a J. D. Ho ok.
(Raoul choix de plantes p. 20. 1. 15): Helichrysee von Neu-Seeland,
mit Ozothamnus nahe verwandt; Erythrochaete Sieb. Zucc.
(a. a. O. p. 188) = Ligularia japonica Less.; Claotrachelus ZolL
(a. a. O. 2. p.267): neben Bedfordia, aus Java; Melalema J. D.
Hook. (Fl. antarct. p. 311): neben Senecio, vom Feuerland; Myo-
pordon Boiss. (Diagn. or. 6. p. 107): aus Persien, neben Onopor-
don; Stictophyllum Edgew. (Linn. Transact. 20. p. 78): Serratu-
lee aus Nordindien; Jurinella Jaub. Sp. (lUustr. pl. or. 1. 183):
aus Armenien, neben Jurinea; Aegopordon Boiss. (Diagn. or. 6.
p. 112): aus Südpersien, verwandt mit Jurinea; Phaeopappus
lg() Grisebach: Bericht über die Leistungen in der
Boiss. (ib. p. 122) = Amberboa phaeopappa DC, spectabilis DC.
etc.; Triaiit hus J. D. Hook. (FI. antarct. p. 320): Nassauviacee
aus Patagonien, neben Panargyrum; Macr ach aenium ej. (das.
p. 321): Nassauviacee von der Magellans-Strasse, neben Lasiorrhiza;
Thlipsocarpus Kz. (PI. Willliomm. 1. c. p. 695): Hyoseridee aus
Siidspanien. — Bemerkungen zu den Cynareen publicirt C. H. Schultz
(Linnaea 19. p. 321— 336) und entwirft folgende Disposition dieser
Gruppe: Subtrib. I. Acharacopappeen. Achenia cj^lindraceo- penta-
gona, clavata, immediatim in pappura abeuntia, areola basilari.
Divis. 1. Echinopsideae = Echinops. Divis. 2. Xeranthemeae =
Xeranthemum, Chardinia, Siebera. Divis. 3. Carlineae = Cardopa-
tium, Carlina, Atractylis, Chamaeleon Cass. — Subtrib. II. Characo-
pappeen. Achenia compressiuscula, apice margine prominulo munita
pappum circumvallante. Divis. 1. Centaurineae. Areola lateralis =
Centaurea (mit Einschluss von Amberboa), Carthamus, Crupina.
Divis. 2. Serratuleae. Achenia margine prominulo acuto munita.
Alveoli receptaculi margine fimbrilliferi = Serratula (mit Rhaponti-
cum), Arctium, Jurinea, Stachelina, Acroptilon, Lappa, Cousinia,
Onopordon, Myopordon, Leuzea, Saussurea (mit Aplotaxis). Divis.
3. Carduineae. Achenia margine prominulo rotundato instructa,
pappo basi conferruminato cum achenio articulato = Carduus (mit
Einschluss der davon abgesonderten Gattungen, die reducirt werden),
Cirsium (mit Echenais), Chamaepeuce, Notobasis, Galactites, Cynara,
Silybum. — Von Cardopatium liefert Sp ach eine Monographie (Ann.
sc. nat. HI. 5. p. 233— 247): das in Laconien gefundene C. ßoryi Sp.
(C. corymbosum ex parte) unterscheidet sich von dem italienischen
= C. apulum Sp. und griechisch-anatolischen = C. Orientale Sp. durch
einen Pappus duplex und einen ästigen Stamm, wonach jene Art
eben nach der Flora graeca als C. corymbosum zu bezeichnen sein
würde.
Valerianeen. Die Stellungs- Verhältnisse der Blüthenorgane
behandelt Wichura (Regensb. Flora 1846. S. 241— 247).
Plumbagineen. Durch scharfe Charaktere sondert Boissier
Acantliolimon von Statice (Diagn. or. 7. p. 69) = Subgenus Ar-
meriastrum J. Sp.
Balanophoreen. Aus Griffith's Nachlass erschien die sy-
stematische Ausführung seiner im Jahresb. f. 1845 erwähnten Arbeit
über die indischen Balanophoreen, erläutert durch sehr instructive
Kupfertafeln. (Linn. Transact. 20. p. 93—108. t. 3—6).
Penaeaceen. Adr. Jussieu bearbeitete diese kleine Gruppe
monographisch (Ann. sc. nat. III. 6. p. 15—29. tab. 1—4). Der bisher
unbekannt gebliebene Bau des Samens ist folgender: Semina adscen-
dentia, integumento duplici exalbuminosa, funiculo brevissimo ad
hilum incrassato, raphe lineari extrorsa, radicula maxima infera,
cotyledonibus minutissimis. Bei zwei x\rten verdoppelt sich die Zahl
der Eier in jedem der vier Fächer bis auf vier, von denen die obern
systematischen Botanik während des Jahres 1846. 1§7
herabhängen. Jussieu unterscheidet drei neue Gattungen: Styla-
ptertis (p. 23) = Penaea fruticulosa L. et äff., Brachysiphon
(p. 24) = P. acuta Thunb. et äff. und Endone?na (p.26) = P. late-
riflora Thunb. — Geissoloma behält seine Stellung als abnorme Gat-
tung am Ende der Gruppe: durch tiefe Theilung des Perigonium,
convolutive Aestivation (bei den P. valvirt oder reduplicativ, 8 Staub-
gefässe mit langen Filamenten und Antheren ohne Connectiv, Alter-
nanz der Carpell- und Kelchblätter weiter von den übrigen abstehend,
als diese unter sich. Von den Thymelaeen scheinen diese Gewächse
nur durch die höhere Entwickelung des Pistills abzuweichen.
Thymelaeen. Von Pimelea trennt C. A. Meyer: Gymno-
cocca (Ind. sem. Petropal. 1845) = P. arenaria Cunn. et äff. und
Heterolaena (ib.) = P. spectabilis Lindl.
Loranthaceen. J. D. Hook er hat sich mit der Organisation
von Myzodendron beschäftigt (Antarct. Fl. p. 289 u. f.). Das blattlose
M. punctulatum Bks. unterscheidet sich nicht bloss durch Biandrie
und bracteirte Blüthen von den belaubten Arten, die nackte, trian-
drische Blüthen besitzen, sondern auch durch eine eigenthümliche
Bildung des Holzkörpers. Innerhalb des Bastes folgt zuerst eine
Parenchymschicht (Cambialgewebe?), hierauf der Holzkörper, der,
ähnlich wie bei den Coniferen gebildet, nur aus punktirten oder mit
Fasern bekleideten Prosenchymzellen besteht (tab. 107. f. 10. c), end-
lich das aus stark verholzten Prosenchymzellen zusammengesetzte
Mark. Der festeste Theil des Stamms liegt daher in der Axe und
dies scheint mit der Sprödigkeit des Holzes in Verbindung zu stehen.
Bei M. brachystachyon und den übrigen Arten ist das Mark aus Pa-
renchym gebildet: indessen ist auch deren Holzkörper durch sehr
breite Markstrahlen und dadurch ausgezeichnet, dass er aus zwei
concentrischen Cylindern besteht, welche durch eine Lage Paren-
chyms von einander getrennt werden: der äussere Cylinder ist der
primäre, der innere entsteht durch die Entwickelung der Nebenaxen
des folgenden Jahres und später wachsen beide selbstständig in die
Dicke. Wie bei den Menispermaceen selbstständige Holzkörper sich
an der Rindenseite des ursprünglichen erzeugen, so hier an der
Markseite. — Der ungetheilte Embryo von Myzodendron zeigt im
Innern des Cotyledonarendes eine Höhlung und in derselben die
zweiblätterige Plumula: die Pxadicula ist zur Zeit der Keimung von
einer merkwürdigen Scheide umgeben, womit sie sich an der Rinde
der antarktischen Buchen befestigt, während die Radicula selbst
diese Rinde perforirt (tab. 106). — Neue Gattungen: Euhrachion
J. D. Hook. (1. c. p.291) = Viscum ambiguum Hook. Arn.; Lepi-
doceras J. D. Hook. (ib. p. 293), von Chiloe und Peru, verwandt
mit Tupeia.
Nyctagineen. Neue Gattung: Senlcenbergia Schauer
(Linnaea 19. p. 711): Salpianthus zunächst stehend, aus Mexico.
Polygoneen. Neue Gattungen: Campderia 'Renih. (Botany
188 Grisebacli: Bericht über die Leistungen in der
of Siilpli. p. 159): neben Coccoloba, von Fonseca; Gonostegia
Turczan. (Bullet. Mose. 1846. 2. p.509): der Bau des Samens noch
unbekannt, von Lugon. — Webb sondert generisch von Polygonum
Persicaria T. (Phytogr. canar. 3. p.219) und Tiniaria (ib.
p.221) = P. Convolvulus L. et aif.
Chenopodeen. Eine besondere Subtribus dieser Familie bil-
det bei Webb Bosea, die in der Structur des Samens mit derselben
übereinkommt (Phytogr. canar. 3. p. 267).
Urticeen. Neue Gattungen: Morocarpus Sieb. Zucc. (a. a.
O. 3. p.218): neben Boehmeria, aus Japan; Myriocarpa Benth.
(Voy. of Sulph. p. 168): einheimisch in Mexico und Peru. — Als be-
sondere Familie betrachtet Webb die Dorstenieen (Phytogr. canar.
3. p. 257): Ficus und Dorstenia begreifend.
Amentaceen. Neue Gattung: D ist ego carpus Sieb. Zucc.
(a. a. O. 3. p. 226. t. 3. f. 3): Cupulifere aus Japan. — Von Myrica
sondert Webb generisch Faya (Phytogr. canar. 3. p. 272) = M.
Faya Ait.
Podostemeen. Gardner bearbeitete die indischen Arten
dieser Familie, zehn an der Zahl, welche zu Tristicha und Podoste-
mon gehören (Calcutta Journ. of Nat. History nach Lond. Journ. of
Bot. 6. p. 60), Nach seiner Ansicht ist die nächste Verwandtschaft
der Podostemeen mit Nepenthes, welche nur durch Perisperm und
verbundene Staubgefässe abweiche. Nach Lindley (Nat. syst. p. 483)
stehen sie den Elatineen zunächst.
Piperaceen. Miquel publicirt 92 Kupfertafeln zu seiner Mo-
nographie (Nov. Act. Caes. 21. Supplementband). Ferner liefert er
einen neuen Nachtrag nach den Materialien der Walker-Arnott'schen
Sammlung (Lond. Journ. of Bot. 1846. p. 548—559).
Coniferen. Die mir unbekannten Abbildungen von Coniferen
von F. Antoine sind bis zum zehnten Hefte gediehen (Wien, 1846.
48 tab. in fol.).
Gnetaceen. C. A. Meyer's Monographie von Ephedra ist
erschienen (Petersb. 1846 besonderer Abdruck aus den Mem. de
l'acad. Sc. natur. T.5. 108 pag. und Stab, in 4.). Sein Charakter
der Blüthe ist folgender: cf Columna antherifera, fundo vaginulae
bifidae inserta, antheris bilocularibus, loculis apice rimula dehiscen-
tibus. $ Involucrum 1— 2florum, floribus in fundo vaginae intimae
sessilibus, involucello ventricoso-tubuloso apice poro pertuso semen
nudum includente. Gnetum unterscheidet sich durch ein einfaches
Staubgefäss. Zwei Sectionen von Ephedra werden gebildet: 1, Pla-
giostoma. Ovuli tubillus (i. e. processus integumenti exterioris) apice
oblique abscissus, limbo ligulato; vaginae amenti 2 2 — 4. Mit 14
Arten. 2. Discostoma. Ovuli tubillus apice truncatus, discoideus;
vaginae amenti foemin. 5 — 6. Mit den beiden amerikanischen Arten
E. americana Kth. und E. Tweediana F. M. aus Buenos Ayres.
Cycadeen. Link sucht seine im Jahresb. für 1845 beurtheilte
Ansicht von der Stellung der Cycadeen unter den Monokotyledonen
systematischen Botanik während des Jahres 1846. 189
durch den Verlauf der Gefässbündel im Stamm und durch die Kei-
muiis: weiter zu begründen (Monatsberichte der Berliner Akad. 1846.
S.36S — 371). — Vrolik beschäftigt sich gleichfalls mit dem Cyca-
deenstamm (Nieuw. Verhandelingen der erste Klasse d. h. Instit. te
Amsterdam. 1846). — Neue systematische Beiträge zur Familie der
Cycadeen verdanken wir Miquel, der sich zugleich gegen Link's
Ansichten erklärt (Linnaea 19. p. 411 — 430); de Vriese beschreibt
nach lebenden Exem}3laren Zamia muricata und Encephalartos Alten-
steinii (Nederl. Kruidk. Archief 1. p. 162— 180); Zuccarini sondert
von Zamia eine mexicanische Art generisch als Flatyzamia ab
(a. a. O. 1845. Bd. 4. Abth.2. Hft. 5. p. 23. t. 4), woraus Lindley be-
reits seine Gattung Dion gebildet halte; Brongniart findet, dass
Zamia muricata, die zweite mexicanische Art, eine zweite neue
Gattung bildet, die er Ceratoxamia nennt (Ann. sc. nat. 1846. 5.
p.5 — 9. tab. 1 ). Auch erklärt derselbe die fossile Gattung Noegge-
rathia, die man zu den Palmen zu stellen pflegte, für eine Cycadee
(das. p. 50).
Cer cidiphyllum Sieb. Zucc. (a. a. O. IV. 3. p. 228) ist eine
nur nach Fruchtexemplaren beschriebene, dikotyledonische Pflanze
aus Japan, von unbekannter Verwandtschaft.
Palmen, v. Martins* Bearbeitung der von Orbigny gesam-
melten Palmen wurde vollendet (Palmetum Orbignyanum in Orbigny's
Reisewerk. 1843 — 46). — Von demselben wurde die Bildung des
Fruchtpanzers bei den Lepidocaryinen untersucht (Münch. gel. Anz.
1846. Nr. 251-253).
Aroideen. Griffith beschäftigte sich mit dem Bau von Crj'^-
ptocoryne ciliata Fisch. (Ambrosinia Roxb.) (Linn. Transact. 20.
p. 263— 276. 1. 10— 12). Das atrope Ei, von einem einzigen Integu-
ment umhüllt, entwickelt kein Albumen und Anfangs hat der Embryo
die normale Lage und Gestalt: aber bald wächst die Radicula aus
dem Nucleus hervor, dessen Spitze sie nebst der Testa perforirt,
die Plumula erreicht eine unverhältnissmässige Entwickelung und
wird zu einem vielblätterigen, schräg gegen die Placenta gerichteten
Blattschopf, während der Kotyledon selbst im Inneren des Nucleus
zurückbleibt und, zur Zeit der Dehiscenz abreissend, mit den Sa-
menhüllen verloren geht, so dass die Frucht nackte Embryonen ent-
leert, die nur aus Radicula und Plumula bestehen. — Bentham
spricht sich gegen Schieiden's Pistia- Arten aus und erkennt wegen
der Veränderlichkeit der Charaktere nur eine einzige an (Voy. of
Sulphur p. 170).
Orchideen. Die von Linden in Columbien und Cuba gesam-
melten Orchideen bearbeitete Lindley (Orchideaceae Lindenianae.
London, 1846. 28 pag. 8.); die von Eckion und Zeyher am Cap ge-
sammelten Sonder (Linnaea 19. p. 71 — 112); 15 neue tropische Ar-
ten G. Reichenbach (das. p. 369 — 379); über seltenere und neue
Arten schrieb Mutel (Mem. de Strassbourg. Vol. 3. Livr. 1. 28 pag.).
190 Grisebach: Bericht über die Leistungen in der
Die Arten von Vanilla setzte Klotzsch auseinander (Bot. Zeit. 1846.
S. 561 — 567); von den Spielarten der Vanille des Handels spricht
Desvaux, jedoch ohne zu wissen, dass die ächte Vanille V. lati-
folia sei, wie Klotzsch nachgewiesen (Ann. sc. nat. III. 6. p. 117 — 123).
— Epipactis wird von Irmisch in Bezug auf die Constanz der Art-
kennzeichen untersucht (Linnaea 19. p. 113 — 124): die Gattung zer-
fällt in die beiden Sectionen Arthrochilium = E. palustris : hypo-
chilio biäuriculato, nectario lineari, anthera ovata; und Euepipactis:
hypochilio integro, nectario orbiculato, anthera cordata. — Neue
Gattungen: Schizochiius Sond. (1. c. p. 79) : Ophrydee vom Cap;
Gamoplexis Falcon. (Linn. Transact. 20. p. 293. 1. 13): Gastro-
diee vom Himalayah.
Irideen. Spach hat eine Revision der Gattung Iris publicirt
(Ann. sc. nat. III. 5. p. 89 — 111). Er stellt 15 Sectionen auf, nach
einigen Hauptarten bezeichnet folgende: Hermodactylus (Iristuberosa),
Hermodactyloides (I. reticulata MB.), Scorpiris (I. scorpioides Desf.,
caucasica MB.), Xiphium (I. Xiphium, xiphioides), Xyridion (1. spu-
ria), Graminiris (I. graminea), Spathula (I. foetidissima), Eremiris
(I. triflora Balb.), Joniris (I. humilis MB), Limniris (I. sibirica,
pseudacorus), Phaeiris (I. fuiva Ker.), Pogoniris (I. pumila, bohe-
mica Schm. = nudicaulis Lam. , variegata, sambucina, germanica,
florentina), Psaramiris (I. arenaria Kit.), Susiana (I. susiana), Cros-
siris (I. fimbriata Vent. ). — I. paradoxa Stev. und I. iberica Stev.
sondert Siemssen generisch von Iris als Oncocyclus (Bot. Zeit.
1846. p. 705— 710): die Charaktere entsprechen Spach's Sectionscha-
rakteren. — Neue Gattung: Laiisbergia Vries. (Nederl. Kruid-
kundig Archief 1. p. 140— 143) aus Caracas, mit Cypella verwandt.
Smilaceen. J. D. Hooker (Antarct. Fl. p. 355) bemerkt, dass
die Philesieen sich nur durch parietale Placentation von den Smila-
ceen unterscheiden und dass sie, da auch die Lage der Placenten
bei den Liliaceen und anderen monokotyledonischen Familien unbe-
ständig sei, neben Callixene dieser Familie angereiht werden müssen.
Durch die genannten Gattungen scheinen Hooker die Smilaceen mit
den Asparageen unlösbar verbunden zu sein. Zugleich zeigt er gegen
Lindley, dass der Bau des Stamms bei den Smilaceen sich nicht
wesentlich von dem anderer Monokotyledonen unterscheide und dass
nur die äusseren Gefässbündel dichter gestellt sind und daher ring-
förmig verbunden erscheinen. — Von Ruscus trennt Webb generisch
Danae (Phjtogr. canar. 3. p. 319) = R. androgynus L. und stellt
Hylonome auf (ib. p. 320) = Rusc. reticulatus Thunb.
Liliaceen. Neue Gattungen: Diphalanginm Schau. (Lin-
naea 19. p.702): aus Mexico, zwischen Millea und Tristagma unter
die Agapantheen gestellt; Acanthocarfus Lehm. (PI. Preiss. 2.
p. 274): aus Perth, neben Thysanotus.— Statt üropetalum restituirt
Webb Dipcadi Med. (Phytogr. canar. 3. p. 340).
systematischen Botanik während des Jahres 1846. 191
Aphyllantheen. Neue Gattung: J r^iocrin um EmU. Lehm,
(PI. Preiss. 2. p. 41) : von Swan River.
Juncagineen. Für die Verwandtschaft dieser Gruppe mit den
Junceen spricht folgende Bemerkung von J. D. Hook er (Antarct.
Fl. p.359). Tetroncium hat zwar den Habitus von Narthecium, in-
dessen fast alle Charaktere von Triglochin, nur nicht die exalbumi-
nösen Samen, indem diese Pflanze durch das mehlige Perisperm von
dem Verwandtschaftskreise der Alismaceen sich ebenso sehr entfernt,
wie die Structur des Samens sie den Junceen nähert: Ovarium in-
complete 4Ioculare, stylis 4distinctis, loculis uniovulatis, ovulis
erectis anatropis; fructus indehiscens; senien testa tenuissima, albu-
miue farinaceo, embryone exili, longitudine albuminis (tab. 128).
Commelineen. Neue Gattung: Strept olirion Edgew. (Linn.
Transact. 20. p. 90. t. 2): vom Himalayah, Schlinggewächs.
Restiaceen. Neue Gattungen: Desmocladus N. E. (PI.
Preiss. 2. p.56) = Restio fasciculatus Br. und Lepidobolus N. E.
(ib. p. 66): von Swan River.
Cyperaceen. Mit der Systematik der Carices beschäftigt sich
Boott (Lond. Journ. of Bot. 1846. p.67— 74 und Linn. Transact. 20.
p. 115 — 147): die erste Abhandlung enthält ausgeführte Beschreibun-
gen von 6, die zweite von 51 Arten. — Pariatore erklärt Schre-
nus mucronatus L. für eine eigene Gattung, die er Galilea nennt
( Congresso di Genoa 1. c. p. 550). — Neue Gattungen: Tricostii-
laria N. E. (PI. Preiss. p. 83) und Mesomelaena N. E. (ib. p. 88),
beide von Swan River.
Gramineen. Neue Gattungen: Aulonemia Goudot (Ann.
sc. nat. 111. 5. p. 75): Bambusee aus Neu-Granada; Äcroelytr um
Steud. (Regensb. Fl. 1846. p. 20): Bambusee aus Japan; Lasio-
lytrum Steud. (das. p. 18) = Phalaris hispida Thunb.; Gamely-
trum N. E. (PI. Preiss. 2. p. 101) = Amphipogon turbinatus Br.
Rhizokarpeen. Ueber Mettenius', so wie über Nägeli's
Untersuchungen vergl. den physiologischen Jahresbericht (Mettenius
zur Kenntniss der Rhizokarpeen. Frankf., 1846. 4. und Nägeli in
seiner Zeitschrift 4. p. 188 — 206). Die Systematik kann diese Ar-
beiten für die Stellung der räthselhaften Familien noch nicht unmit-
telbar verwenden, da die phanerogamische Befruchtung noch zwei-
felhaft bleibt und Nägeli's Entdeckung von Phytozoen eine nähere
Verwandtschaft mit den Farnen andeutet. Lässt man die Befruch-
tung zur Seite liegen und unterscheidet man Phanerogamen und
Kryptogamen, je nachdem ein Embryo oder nur eine Primärzelle
der Progenies innerhalb des mütterlichen Organismus sich ausbildet,
so werden die Rhizokarpeen immer bei den Kryptogamen bleiben.
Lykopodiaceen. K. Müller publicirt eine Abhandlung über
die Entwickelungsgeschichte der Lykopodiaceen (Bot. Zeit. 1846.
S. 521 u. f. tab. 3 — 5): gegen v. Mohl und Schieiden auftretend, er-
klärt er beiderlei Früchte für Axenorgane, die Oophoridien für me-
192 Grisebach: Bericht über die Leistungen in der
tamorphosirte Terminal-, die Antheridien für Axillar- Knospen. —
Drei nordameriiianische Isoetes-Arten beschreibt A. Braun (Re-
gensb. Flora 1846. S. 177— 180).
Farne. Von Kunze's Kupferwerk über Farne erschien die
9te Lieferung (Leipz. 1846. 4.): tab. 81— 90.
Moose. Von Bruch, Schimper und Gümbel's Bryologia
europaea erschienen Heft 29 — 40. (Stuttgart, 1846 — 47): darin die
Gattungen Bartramidnla n. g. = Bartr. Wilson! , Hedwigia =
Schistidium ciliatum, Hedwigidium — kväi:i?iX\^\\ya\ imberbe Hook.,
Braunia — Hedwigia sciuroides Not., Anoectangium , Didymodon,
Distichium — Didymod. capillaceus und inclinatus, Discelium,
Ceratodon, Trematodon, Cam-pylostelium = Gx\mm\2i saxicola,
Brachyodus, Anodus = Gymnostomum Donianum, Seligeria =
Weissiac sp., Blindia — Weissia acuta, Stylost egiuni — Schi-
stidium caespitosum, Hymenostomum, Weissia, Rhabdoweissia
— Weissiae sp., Eucladium = Weissia verticillata, Angstroe-
mia = W. longipes Sommerf., .^rc/ o« = Dicrani sp., Cynodontium
= Didymodon obscurus, Dicranum und Supplemente zu den frühern
Heften. — Neue Moosgattungen Ton Taylor: Bra chymitrion
(Lond. Journ. of Bot. 1846. p. 44) aus Quito und von Wilson Go-
niomitrion (ib. p. 142) von Swan River.
Lebermoose. Eine grosse Zahl neuer exotischer Formen be-
schreibt Taylor (London Journ. of Bot. 1846. p. 258 — 284 u. 365—
417). Neue Gattungen: Podanthe Tayl. (ib. p. 413): Ricciee von
Swan River; Steet%ia Lehm. (PI. Preiss. 2. p. 129) = ßlyttia Endl.;
JSothotilus Sullivant (Musci Alleghan. nach Bot. Zeit. 1846.
p. 810) = Carpobolus Schwein.
Lichenen* Montagne giebt eine Darstellung der Morpholo-
gie der Lichenen (Apercu morphologique de la famille des Lichens
in Dictionnaire univ. de Thistoire naturelle. Paris, 1846. 8. 12pag. ).
— Buhse untersucht den Bau des Apothecium (Bullet. Mose. 1846.
2. p. 319 — 358): die Paraphysen erscheinen, mit Salzsäure und Jod
behandelt, in braune, zellenähnliche Segmente gegliedert; einfache
und zusammengesetzte Sporen in den Asken stellen verschiedene
Entwickelungsstufen desselben Bildungsganges dar und den letzteren
will der Verf. die physiologische Bedeutung einer einzigen Sporn
vindiciren, weil sie sich so bei der Keimung zu verhalten scheinen,
wie dies auch bei mehrzelligen Sporen von Pilzen der Fall sei. —
Montagne erklärt sich für die von Fries vorgeschlagene Absonde-
rung der CoUemaceen von den Lichenen, weil die Chlorophyll -füh-
renden Zellen keine besondere Schicht bilden: dieselben als Tribus
der Algen betrachtend, verwirft er die Bezeichnung Byssaceen und
nennt sie Aerophyceen (Exploration de l'Algerie. Cryptog. p. 198). —
Neue Gattungen: Coscinocladium Kz. (PL Willkomm, in Regensb.
FL 1846. S. 768): zweifelhafte Endocarpee, an Steinen bei Cadix
wachsend; Thysanothecium Mont. u. Berkel. (Lond. Journ. of
systematischen Botanik während des Jahres 1846. 193
Bot. 5. p. 257): Erdflechte von Swan River, verwandt mit Ramalina;
Myxopuntia Mont. (a. a. O. p. 211): Collemacee von Algier.
Algen. Kupferwerke werden ausser der im pflanzengeographi-
schen Berichte schon erwähnten Phycologia britannica herausgege-
ben von Kützing (Tabulae phycologicae. Lief. 1.2., jede von 10
Tafeln in 8. Nordhausen, 1846): bis jetzt besonders Protococcen und
Palmelleen enthaltend; und von C. A. Agardh (Icones Algarum in-
editae. Lundae, 1846. 4. 20 tab.): neue Ausgabe der schon 1821 er-
schienenen Tafeln mit zeitgemässer Erneuerung des Textes. — Te-
trasporen weist Thwaites bei Hassall'scheu Formen von Mesocar-
pus, Tyndaridea, Staurocarpus nach und beschreibt die Sporenbil-
dung von Vesiculifera (Ann. nat. bist. 17. p. 262. 333). — Die Anthe-
ridien der Fucoideen behandelt T hur et (Bull. Bruxelles 13. 2.
p. 356); die Stellung der Diatomeen Meneghini (sulla animalitä
delle Diatomee. Venezia, 1845. 4. 196 pag.), Eckhard (d. Arch.
Hft. 3) und Hart ig (Bot. Zeit. 1846. p. 199); der Letztere theilt auch
einzelne Beobachtungen über Conjugation, so wie über den Bau von
Tremella meteorica und die Entwickelung von Hydrodictyon mit
(das. S. 193). — Montagne beschreibt einen das atlantische Meer
unweit der Tagus-Mündung roth färbenden Protococcus: P. atlanticus
(Ann. sc. nat. 1846. 6. p. 262). — Neue Gattungen. Florideen:
Fanchea Mont. u. Bory (Explor. de TAlgerie. Cryptog. p. 64) =
Sphaerococcus repens Ag.; Olivia Mont. nee Bertol. (ib. p. 127) =
Gelidium ustulatum J. Ag, Confervacee: Compsopogon Mont.
(ib. p. 154) = Conferva coerulea Ag., zu den Ulveen zu ziehen; Di-
plonema Notar. (Prospetto della flora ligustica, vergl. Bot. Zeit.
1847. S. 653) = Conferva aerea et affin.; Sorodiscus Allman (Re-
port of Brit. Assoc. 1846. 2. p. 89): aus Gebirgswässern in Irland,
von Coleochaete durch fehlende Borsten unterschieden; Anadema
J. G. Ag. (Stockholm Vetensk. Akad. Handling. 1846. p. 1): aus Ost-
indien; Lychaete Ag. (ib. p. 11) = Conferva aerea et äff., scheint
jedoch in weiterem Sinne genommen, als Diplonema; Äcrolipho-
nia (ib. p. 12) = Conf. lauosa et äff.; Acant honenia (ib. p. 13) =
Conf. aculeata Mont.
Pilze. Neue, meist exotische Formen sind in beträchtlicher
Anzahl von Leveille (Ann. sc. nat. 1846. 5. p. 111— 167 u. 249-304)
und einzelne von Berkeley beschrieben ( Linn. Transact. 19. p. 109—
113 u. Lond. Journ. of Bot. 1846. p. 1 — 6 u. 534). — R. u. C. Tu-
lasne haben die Beobachtungen über die unterirdischen Pilze fort-
gesetzt (Comptes rendus 1845. Dec.)t die Adern des Trüffelgewebes
w^erden als ein System von Luftkanälen gedeutet. — Neu unterschie-
dene Gattungen, sämmtlich von Leveille: Byrne nochaete (a. a. O.
p. 150) = Thelephorae hj'menio infero setulis obsito; Erio cladus
(p. 158) = Merismata ramis tomentosis; Mitrophora (p. 249) =r
Morchellae receptaculo a stipite semidiscreto; Acroscyphus (p.262),
Sphaeriacee; Polycystis (p.269) = üredo pompholygodes; Diiie-
194 Grisebach: ßer. ii. d. Leist. in d. System. Botanik etc.
viasporium (p. 274) = Peziza strigosa Fr.; Polynema (ib.) = Ex-
cipula ornata Not.; Melasrnia (p. 276): Cjtisporee, allgemein ver-
breitet auf den Blättern von Acer pseudoplatanus und bisher mit
Rhytisma punctatum verwechselt; Micropera (p. 283) = Sphaeria
dubia Pers., soll den Cytisporeen näher verwandt sein; Ypsilonia
(p. 284), Sphaeropsidee aus Manila; P«rmw/ar?a (p. 286), aus der-
selben Gruppe, von Brasilien; Scopulina (p. 287) = Sphaeria bar-
bata Pers.
Druckfehler in dem pflanzengeographischen Jahresbericht
für 1846. Jahrg. 13.
S. 409. Z. 4. V. u. statt Arix lies Aria.
„ 412. „ 4. V. 0. „ birstet 1. berstet.
415. „ 19. V. o. „ L. 1. T.
420. „ 17. V. o. „ Parsanger 1. Porsanger.
428. „ 26. V. o. „ Nauthecium 1. Narthecium.
430. „ 6. V. u. „ Alyseum 1. Alyssum.
431. „ 3. V. o. „ Desmagieres 1. Desmazieres.
432. „ 3. V. 0. „ des Landes 1. der Landes.
432. „ 3. V. u. „ Bartoloni 1. Bertoloni.
„ 438. „ 2. V. u. „ Thian-Schan-Petul. Thian-Schan-Pelu
„ 444. „ 12. V. u. „ Podecarpus 1. Podocarpus.
„ 445. „ 16. V. o. „ Carssien 1. Cassien.
„ 446. „ 14. V. u. „ Mittelwärme 1. Mittelwärmen.
„ 452. „ 11. V. o. „ Duris 1. Durio.
„ 455. „ 3. V. II. „ Bunburg 1. Bunbur3%
„ 468. „ 19. V. 0. „ Maiden 1. Madden.
„ 469. „ 7. V. 0. „ vermischt 1. verwischt.
195
Bericht über die Leistungen in der Herpetologie
während des Jahres 1847.
Von
Dr. F. H. Troschel.
Ein Verzeichniss der Reptilien Württembergs machte
Plieninger in den Jahresheften des Vereins für vaterländi-
sche Naturkunde in Württemberg 3. Jahrgang 1847. p. 194
bekannt. Schildkröten fehlen ganz; von Eidechsen sind 4,
von Schlangen ebenfalls 4 , von Batrachiern 13 Arten gefun-
den worden, also im Ganzen 21 Arten von Amphibien.
Im ersten Bande der ,, Descrizione di Genova e del Ge-
novaseto*'. Genova 1846. p. 149 sind die Amphibien der Ge-
gend von Genua durch Sassi bearbeitet. Es kommen dort
2 Schildkröten, 6 Eidechsen, 7 Schlangen, 7 Batrachier vor,
unter letzteren sind 4 ungeschwUnzte.
Von Andrew Smith ,,IIlustrations of the Zoology of
South Africa'^ erschien im December 1846 wieder eine Lie-
ferung Nr. XXIV., in der 5 Tafeln mit zum Theil neuen Am-
phibien enthalten sind. Die Diagnosen sind unten aufge-
nommen.
Cantor giebt im Journal of the Asiatic society of Ben-
gal Vol. XVI. Part. 11. 1847. p.€07, 897 und 1026 ein Ver-
zeichniss von Reptilien, die die IMalayische Halbinsel und
Inseln bewohnen. Es sind 12 Schildkröten, worunter eine
neue; 25 Eidechsen, worunter eine neue; 61 Schlangen, un-
ter denen 5 neue, und 8 Frösche, von denen einer neu. Die
neuen Arten sind unten näher bezeichnet; Dilophyrus grandis
Gray ist abgebildet.
Schur ig berichtet in einer Schilderung der Batu-lnseln,
westlich von Sumatra, dass dieselben arm an Reptilien seien.
Es finden sich dort eine Süsswasserschildkröte (Emys Speng-
leri), und zwei Arten von Schlangen und' Eidechsen; ferner
Archiv f. Ka'.urfrcscJj. XIV. Jahr?. 2. Bd. N
lüß Troschel: Bericht über die Leistungen in der
an den Küsten Chelonia Mydas und imbricata. (Sachse natur-
historische Zeitung. Jahrgang 1. 1816. p. 329).
In der so plötzlich im Jahr 1847 beendigten „Voyage
dans l'Ameriqne nieridionale" von d'Orbigny sind die Am-
phibien sehr kurz behandelt. Verf. sammelte 8 Schildkröten,
32 Saurier, 51 Schlangen, 24 Batrachier. Eine eigentliche
Beschreibung der auf den Tafeln abgebildeten Arten ist nicht
gegeben, sondern nur Noten, um die Tafeln nicht ganz ohne
Text erscheinen zu lassen. Die Ursache davon ist der Tod
Bibron's, der die Bearbeitung übernommen hatte.
In dem Atlas de Zoologie zur ,,Voyage autour du monde
sur Ja fregate la Venus par Abel du Petit Thouars",
der 1846 erschienen ist, sind von Amphibien Proctotretus
f/«7^«m Dum. Bibr. in zwei Varietäten, Pr. c^anogaste?^ D.B.,
nigromaculatus D. B. und Wiegmanni D. B. abgebildet. Sie
erfülleii 3 Tafeln und sind illuminirt. Ein Text ist, so viel
mir bekannt, nicht erschienen.
Unter dem Titel „Aphorismen aus der Amphibienkunde''
giebt Tauberth Nachricht von einer Anzahl Amphibien, die
er in der Gefangenschaft hält. Ein Feuersalamander wiril
näher beschrieben. (Sachse naturhistor. Zeitung. Jahrgang 1.
1846. p. 341).
In den Annales des sciences naturelles, troisieme serieV'Il.
p. 377 findet sich eine kurze Anzeige von Mauro Rusco-
nis' Reflexions sur le Systeme lymphatique des Reptiles ct.
Pavia 1845, mitgetheilt von Duvernoy.
LerebouUet theilte der Gesellschaft für Naturgeschichte
die Resultate seiner Untersuchungen über die Geschlechtstheile
der Wirbelthiere mit, sie beziehen sich von Amphibien auf
die Eidechse und die Frösche (Institut 1847. p. 299. 308).
C li e 1 o II i ■•
Völcker schrieb eine Dissertation über die chemische
Untersuchung des Schildpatts. Göttingen 1847. 8.
Osservazioni anatomico-fisiologiche sul cuore della Tes-
tuggine caretta et delle Chelonie in Generale e nuove Ricerche
sulla Struttura e sulla Funzioni aut. Cuore de' Rettili, aut.
A. Olivieri. Venezia 1846. 8. (Atti d. Istituto). Mit fünf
Tafeln.
Herpetologie während des Jahres 1847. 197
Sundeval zeigte der Schwedischen Akademie eine bei Calmar
gefangene Landschildkröte, Testudo graeca, vor. (K. Vetenskaps-
Akadenniens Förhandlingar 1846. p. 219).
Dermatemys nov. gen. Gray (Proc. zool. soc. 1847. p. 55;
Annais XX. p.59). Testa ovalis, gibba, acarinata, in lateribus ro-
tundata, margine posteriore expanso, paulo reflexo, scutellis mem-
branaceis tenuissimis defenso. Scutellae marginales posteriores latae.
Sternum planum anterius rotundatum, posterius emarginatum, Squa-
mae gulares parvae, trianguläres, testae superiori per longum sym-
physin affixae. Sutura sterno-costalis squamis magnis quatuor de-
fensa, postremis duabus maximis squamis, minima anteriore. Scu-
tellae axillares et inguinales nullae. Testa vix ad aperturam con-
tracta. Die Art D. Mavü kommt von Süd -Amerika. Die Gattung
unterscheidet sich von allen bekannten Emyden durch die dünnhäu-
tigen Schilder und durch das breite sternum mit vier breiten Schil-
dern über der Sterno-costal-Nath.
Tetraonyx affinis Cantor I.e. Panzer kreisförmig, breiter als
lang, Rücken scharf längsgekielt, schwach gewölbt, an den Seiten
niedergedrückt, Rückenschilder mit einem höckerigen Nucleus am
hintern Rande; graulich olivengrün, fein braun gefleckt; Rand scharf
gezähnt, hell grüngelb; Brustschild vorn abgestutzt, hinten winklig
gezackt, schmal, seitlich gekielt, hellgelblichgrün. Pinang
S a 11 r i.
Bagge hatte Gelegenheit einen 2\ Fuss langen Psammosaurns
griseus in Frankfurt a. M. zwei Jahre lang lebend zu beobachten.
Am wohlsten und muntersten war diese Eidechse bei grösserer Hitze;
Kälte machte sie träge und fast erstarren. Im Winter Hess sie sich
durch fortgesetztes Reizen zu lebhaften Bewegungen bringen. Im
Sommer lief sie im Garten umher, und legte sich gern in die warme
Sonne, wo sie sich dann möglichst flach machte, um recht kräftig
Geschienen zu werden. Angegriffen schlug sie mit dem Schwänze
oder biss auch, so dass die Wunde heftig blutete, aber einfach und
schnell heilte. Ihre Bewegung ist sehr schnell, wie bei unserer
Eidechse. Ihre Nahrung besteht vorzüglich in Schlangen und Eidech-
sen, deren Kopf sie zuerst verschluckt. Sie legt sich eine Höhlung
in der Erde an, in der sie Nachts liegt, am Tage liegt sie vor der-
selben. (Schieiden und Froriep Notizen III p. 193).
Platydactylus stentor Cantor 1. c. oben hell blaugrau mit un-
regelmässigen schwärzlichen Flecken, die am Scheitel einen V för-
migen Winkel bilden, und am Nacken kurze schiefe Seitenbinden;
unten perlenfarbig; am Rücken und an den Seiten 10 Längsreihen
von grossen entfernten Schuppen, sechs solche am Schwanz; letz-
terer unten mit Schildchen. Pinang.
Tareniola Bibronii Smith 1. c. pallide flavo-brunnea, dorso fa-
sciis lunatis nigro-brunneis, et cauda superne fasciis rectis ejusdem
jQö Troschel: Bericht über die Leistungen in der
coloris notatis; partium superiorum squamis partim magnis, trian-
gularibus prominentibus et carinatis, partim minutis subcircularibus
et tenuibus; capite magno triangulari; digitis brevibus, sine iingui-
bus; pupilla verticali-, cauda semicylindracea. — T. ca/je?isis Smith
ib. superne griseo-purpurea carneo-tincta et parce maculis parvis
nigris albisque variegata; squamis partim parvis tenuibusque, partim
magnis ovatis, et convexis; capite ovato; pupilla verticali; digitis
sine unguibus, cauda cylindracea.
Gray beschrieb eine neue Art der Gattung Argalia von Vene-
zuela: J. oh'vacea olivengrün, unten hellbraun^ Seiten des Halses
und Körpers gelb gefleckt. Schwanz etwas länger als Körper und
Kopf, an der Basis dick. Fusssohlen hellgelb. (Proc. zool. soc.
p. 96; Annais XX. p. 212).
S c 1* p e u t e s.
In dem Correspoiidcnz Blatt des naturforschenden Vereins
zu Riga. 1846 ist p. 115 ein Anfsatz über die Schlangen der
Ostsee-Provinzen enthalten. Pelias herns, chersea, Tropido-
notns natrix, austriacus, Anguis fragilis.
Taub er th beobachtete bei Schlangen zwei Krankheits-
formen: Blattern (V^iriolae verae) und Darrsucht (Atrophia).
(Sachse Naturhist. Zeitung. Jahrgang 2. 1847. p. 226).
Calamaria lovgiceps Cantor 1. c. stark schillernd russfarbig,
unten ein wenig heller, die Schilder und Schildchen weiss gerandet;
Augen und Zunge schwarz. 131 Schilder und 26 Schildchen. Pinang.
Poelman hatte Gelegenheit, ein grosses Exemplar von
Pijthofi hivittatus von 15 Fuss Länge in Amsterdam zu unter-
suchen. Er machte seine Beobachtungen in den Memoires
couronnes et Memoires des savants etrangers publies par
l'Academie Royale de Belgique Tome XXII. Bruxelles 1848
bekannt: „Note sur l'organisation de quelques parties de l'ap-
pareil digestif du Python bivittatus." Ernährungskanal, Gal-
lenblase und Pancreas sind auf zwei Tafeln abgebildet.
Der Schlund ist von dem Magen durch eine Einschnürung deut-
lich abgesetzt; der Magen besteht aus zwei Theilen, deren vorderer
muskulös -häutig, der hintere stark muskulös. Hinter dem Pylorus
münden die Pankreatischen und Gallengänge in den Darm. Der Dünn-
darm zeigt Einschnürungen; am Anfange des Dickdarms liegt ein
kleiner Blinddarm; gegen Ende des Darmes findet sich eine cirkel-
förmige Falte und eine sichelförmige Falte trennt das Rectum von
der Kloake.
L. Martin in Bunzlau hielt eine glatte Natter in einem
Kasten mit Glasdeckel. Frösche und junge Mäuse wollte sie
Herpetologie während des Jahres 1847. 199
nicht fressen, schlürfte jedoch Wassertropfen, und verschlang
eine 8 Zoll lange Eidechse, die dicker war als sie selbst,
nachdem sie sich gehäutet hatte. (Sachse Naturhist. Zeitschrift
Jahrgang 2. 1847. p. 386).
Coluber hexagonatus C ant o r I. c. Kopf und Rücken dunkelbraun^
an den Seiten in hell lederbraun übergehend; Rumpf mit vielen en-,
gen schwarzen Querbinden, jede mit einigen weissen Flecken an
der Unterseite, sie werden undeutlich nach hinten, wo denn die
Farbe einförmig dunkelbraun ist; LippenschiJder gelb, schwarz ge-
randet; unten gelblich weiss, die Schildchen mit braunen Rändern;
die mittlere Reihe der Rückenschilder sechsseitig. 191 Schilder und
148 Schildchen. Pinang.
Troptdoiiotus jimceus Cantor 1. c. Kopf oben glänzend hell-
braun, Lippen und Kehle gummiguttfarbig; von den Mundwinkeln
eine schiefe gummiguttfarbige Binde, beide vereinigen sich am
Nacken; Rumpf und Schwanz grau olivenfarbig, mit einer Reihe
entfernter runder weisslicher Flecke jederseits; jedes Schild und
Schildchen mit einem kleinen schwarzen Fleck an den Seiten, welche
wie die vorderen Ränder fein braun gefleckt sind. 157 Schilder und
88 Schildchen.
Lycodon effraenis Cantor 1. c. oben glänzend blauschwarz
mit w^enigen kleinen weissen Flecken, Kehle, Lippen und eine Binde
an den Seiten des Kopfes lederfarbig, fein schwarz marmorirt, unten
stark schillernd hell blauschwarz, die Schilder mit weisslichen Rän-
dern; der Körper von 11 lederfarbigen Ringen, die oben gezähnte
Ränder haben, umgeben; Augen schwarz, Pupille elliptisch, Zunge
weisslich. 128 Schilder und 72 Schildchen. Pinang.
Homalopsis hydrina Cantor I.e. oben aschfarbig mit einigen
zerstreuten schwarzen Flecken am Nacken; Rücken und Schwanz mit
vielen schwarzen Querbinden; Lippen, Seiten und Bauch einfarbig
perlfarbig. 161 Schilder und 34 Schildchen. Pinang und die Malayi-
sche Halbinsel.
Bei Smith 1. c. sind Stenosloma fu'gricans Dum. Bibr. und
Onychocephalus Deiaicmdn Dum. Bihr. abgebildet und beschrieben,
und ausserdem drei neue Arten der letzteren Gattung: O. Bibronii
superne pallide aurantio-brunneus, maculis subalbis parvis in lineis
longitudinalibus variegatis; nasi apice subcuneato ; scuto rostrali
magno latoque; oculo partim in scuto praeoculari partim in oculari
et partim in supraoculari; scuto praeoculari subovato; cauda brevi,
curvata et aculeata. — 0. capensis superne inferneque pallide auran-
tio-brunneus; cauda aculeata; scuto oculari subangusto, superne in-
ferneque acuto; labii superioris scuto ultimo magno subtriangulari,
— O. verticalis viridi-flavus; scuto rostrali postice dilatato, margine
posteriori curvato ; scuto praeoculari angusto; labio superiore scutis
quatuor; cauda brevi, apice aculeata.
200 Tr ose hei: Bericht über die Leistungen in der
Bei Smith 1. c. ist Viper a atropos Latr. (V. montana Smith
Ed. Phil. Journ.) abgebildet und beschrieben, ebenso eine neue Art
Yipera atropoides capite, dorso lateribusque purpureo-griseis; capite
strigis duabus longitudinalibus variatis; dorso maculis nigro- brun-
neis in seriebus duabus notatis; lateribus maculis, lineis nigro-brun-
neis maculisque albis variegatis; abdomine nigro -viridi, flavo-sparso;
capite depresso subovato; naribus prope oculos.
C. A. Geyer trug der Isis zu Meissen Beobachtungen
über die gemeine Klapperschlange Nordamerika's vor. Ausser
manchem Bekannten enthält diese Schilderung interessante
Mittheilungen über Aufenthalt, Versammlungen, Wachsthuni
und Alter der Klapperschlangen. (Sachse Naturhist. Zeitschrift
2. Jahrgang. 1847. p. 373).
Batrncliia*
lieber die Lebensdauer bei Fröschen im Herbst und Win-
ter, nachdem ihnen Theile des Gehirns oder des Rückenmarks
genommen sind, stellte Brown-Sequard Versuche an. (In-
stitut 1847. p. 100).
Pouch et theilte der Pariser Academie eine „Note sur
les differences que le sexe imprime au squelette des grenouil-
les mit. (Comptes rendus XXV. p. 761).
Er sagt von Rana esculenta^ dass beim Männchen das Brustbein
kürzer aber kräftiger als beim Weibchen sei; namentlich aber sei
der Humerus ausgezeichnet, indem er beim Männchen länger und
■viel stärker, und mit einer unteren und hinteren Leiste versehen sei,
die stark hervorspringe und beim Weibchen fehle. Alles dies giebt
dem Männchen in den Vordergliedmassen mehr Kraft beim Umfassen
des Weibchens während der Begattung.
W. V. Rapp: lieber die Stimmblasen der Batrachier.
(Jahreshefte des Vereins für vaterländische Naturkunde in
Württemberg 2. Jahrgang. Stuttgart 1847. p. 185).
Verf. bringt die vorkommenden Verschiedenheiten in zwei Ab-
theilungen. Entweder liegt an der Kehle ein unpaarer grosser Sack,
in den eine Längsspalte jederseits neben der Zunge führt, so bei
Hyla arborea, rubra, Phyllomedusa bicolor, Hylodes, Eucnemis,
. Pseudis Merianae und einigen Cystignathus, ferner unter den Kröten
bei Breviceps, Engystoma, Bufo strumosus und agua. Bufo pan-
therinus hat auch eine Stimmblase, die sich von der Kehle bis gegen
das Schultergelenk erstreckt, aber nur rechts eine Eingangsspalte
hat. Bufo variabilis hat bald eine doppelte, bald eine einfache Mün-
dung der Stimmblase. — In anderen Fällen finden sich zwei Stimm-
blasen, eine jederseits am Kopfe. Bei einigen kommen sie als eine
Herpetologie während des Jahres 1817. 201
kugelförmige Blase hervor, bei anderen treten sie nicht merklich
hervor, sie sind innerlich. Die seitlichen Blasen kommen vor bei
Rana esculenta, Hyla variegata. Bei Rana fuscigula treten sie nicht
wie gewöhnlich hinter dem Trommelfell, sondern am Rande des Un-
terkiefers vor dem Mundwinkel; unter der Zunge hängen sie mit
einander zusammen. — Innere seitliche Sciiwimmblasen kommen bei
Rana temporaria und mugiens vor. Vielen Batrachiern fehlen sie
ganz, so bei Bufo vulgaris, japonicus, Bombinator igneus, Pipa und
Ceratophrys. Sie finden sich überhaupt nur bei den Männchen , die
auch allein ihre Stimme erschallen lassen können. An den Stimm-
blasen erkennt man deutlich eine Muskelhaut, die innere Oberfläche
ist von einer Schleimhaut mit Flimmerepithelium ausgekleidet.
Hylaedactylns bivittatus Cantor I.e. obere und äussere Theile
der Gliedmassen bräunlich olivenfarbig mit entfernten schwarzen
Flecken; Kopf von der Schnauze bis zur Mitte des Auges weiss;
eine breite weisse schwarzgerandete Binde verläuft vom hinteren
Augenwinkel längs jeder Seite zu den Schenkeln,- eine kurze schiefe
Binde vom hinteren Augenwinkel darunter, braun vermiculirt. Kehle
des Männchen schwarz. Malayische Halbinsel.
Jemförande aiiatomisk Beskrifning öfver Muskelsystemet
hos Paddaii (Bufo cinereus Schneid.) af Evert. Jul. Bons-
dorff. Helsingfors 1847. 4.
Haldeman beweist, dass Salamandra erythronota und S. ci-
nerea Green 's nicht die verschiedenen Geschlechter einer Art sein
können, da er von beiden beide Geschlechter untersucht habe, auch
keine Uebergänge in der Zeichnung kenne (Proc. of the Acad. of
nat. Sciences of Philadelphia III. 1847. p. 315).
Higginbotlom sprach in der Royal society über die
Zahl der Arten, und die Entwickelung der Tritonen Gross-
britaniens.
Es finden sich nur zwei Arten , nämlich Tr. verrucosus und pim-
ctatus. Das Thier braucht 3 Jahre, bis es fortpflanzungsfähig ist,
und 4 Jahre, bis es seine völlige Entwickelung erhalten hat. Im Lar-
venzustande bleibt es ini Wasser, bis die Beine stark genug sind,
um das Thier auf der Erde zu tragen. Während das Thier auf dem
Lande lebt, ist es sehr lebendig, namentlich im Sommer, den Win-
ter verbringt es im Winterschlaf, aber nicht unter Wasser, wie man
geglaubt hat. Grosse Trockenheit und grosse Feuchtigkeit sind un-
verträglich mit der Erhaltung des Lebens während des Winterschlafs.
Am Ende des dritten Jahres begiebt sich der Triton im Frühlinge
wieder ins Wasser, um sich fortzupflanzen und verlässt es im An-
fang des Herbstes. Die Befruchtung geschieht nicht durch Mirkliche
Begattung. Wachsthum und Entwickelung stehen unter dem Einfluss
der Temperatur, wenig unter dem des Lichtes. Reproductionsfähig-
keit verlorener Glieder kommt diesen Thieren nur bei einer Tempe-
202 Troschel: Bericht über die Leistungen in der Herpetologie.
ratur von 58 bis 75° F. zu; sie verlieren dieselbe bei kälterer Wit-
terung und im Winter (Institut 1847. p. 253. Annais XX. p. 70). —
Auf welche Species sich diese Angaben beziehen, ist nicht gesagt.
Es kommen Verschiedenheiten bei den verschiedenen Arten vor.
In der GÖttinger Gesellschaft der Wissenschaften sprach Ber-
thold über einen neuen Triton, den Moritz Wagner bei Tiphlis
gefunden hat, und charakterisirte ihn so: Triton ophrytictis pedibus
fissis; crista dorsali nulla; corpore verrucoso , supra brunneo, infra
luteo immaculato, fascia laterali longitudinali nigra ihstructo; capite
macula supraorbitali rotunda lutea notato; cauda ancipite corpore
breviore (Institut 1847. p. 119).
Zur Geschichte der Entdeckung des Proteus machte
Frey er Mittheilungen. (Sachse's Naturhist. Zeitung. 2. Jahrg.
1847. p. 38).
203
Bericht über die Leistungen in der Ichthyologie
während des Jahres 1847.
Von
Dr. F. H. TroscheJ.
Den Fischen sind in dem Atlas de Zoologie zur Voyage
autour du monde sur la fregate la Venus par Abel du
Petit- Thouars. Fol. 1846. Paris, zehn Tafeln gewidmet,
auf welchen in schönen Farben folgende Arten abgebildet
sind: Serranus psittacinus und colonus, Diacope viridis, Ry-
pticus bicolor, Cirrhites rivulatus, Myripristis leiognathus,
Scorpaena fucata, Chrysophrys cyanopteron, Doidyxodon
Freminvillii, Holacanthus passer, Caranx scombrinus, Naseus
laticlavius, Labrus aper, Cossyphus Eclancheri, Passer Mar-
chionessarum , Muraenophis marmoreus, Cestracion panthe-
rinus, sämmtlich unter der Autorität Valenciennes. Ein
Text ist nicht vorhanden.
Von „The Zoology of the Voyage of H. M. S. Erebus and
Terror under the Command of Captain Sir James Clark Ross
during the Years 1839 — 1843 edited by J. Richardson and
J. E. Gray" erschien im Jahre 1847 wieder ein Heft mit
Fischen. Part VI. Dieses Heft enthält ausser der Beschrei-
bung einiger Fische auch eine Uebersicht und Eintheilung der
Gattung Muraena.
Ein „Verzeichniss der Fische der Ostsee" lieferte E. Boll
im Archiv des Vereins der Freunde der Naturgeschichte in
Mecklenburg. 1 Heft. Neubrandenburg 1847. p. 78.
Es besteht aus 100 Arten, von denen Verf. 43 als eigentliche
Meeresspecies , 16 als Wanderfische, welche zu bestimmten Jahres-
zeiten ihren Aufenthaltsort wechseln, und meist zur Laichzeit in die
Flüsse steigen, bezeichnet. Zu diesem Stamme kommen 22 Süss-
wasserfische, von denen die meisten vorzugsweise an den Flussmün-
dungen vorkommen, und endlich 19 fremde Gäste aus dem atlanti-
schen Ocean und der Nordsee, welche nur selten sich in die Ostsee
204 Troschel: Bericht über die Leistungen in der
verirren. Geordnet ist das Verzeichniss nach dem Cuvier'schen Sy-
stem, und hiernach vertheilen sich die Fische der Ostsee so, dass
29 Acanthopterygier, 33 Malacopterygii abdominales, 19 Malacopte-
rygii subbrachii, 4 Malacopterygii apodes, 4 Lophobrauchii, 3 Störe,
8 Plagiostomi aufgezählt sind.
Thompson erhielt einen Scopelus borealis, der bei
Dublin gefangen war. Ein Acipenser huso wurde zu Carri-
geen bei Curriglass gefangen, in dem FIuss Bride (Annais
XX. p. 171).
Der Fischplatz zu Triest oder Beschreibung der demsel-
ben zugeführten Fische und anderen essbaren Meerprodukte
nebst Andeutungen ihrer Zubereitung als Speise von Dr.
Ernst Plucar. Triest. 1848. 8. In diesem mir nicht zur
Ansicht gekommenen Werkchen sind 125 Fische kurz be-
schrieben.
Ittiologia della Provincia e Diocesi di Como pr. Monti.
Como 1846. 8. Ist mir nur aus der Anzeige in der Isis 1847.
p. 694 bekannt geworden. Es werden 48 Arten aufgeführt,
von denen natürlich die meisten Cyprinoiden sind.
In dem 24. Heft der „lllustrations of the zoology of
South Africa" von Andrew Smith, welches im December
1846 erschien, sind zwei Tafeln der Gattung Mugil bestimmt.
M. Constantiae Cuv. Val. und M. capensis Cuv. Val. sind ab-
gebildet und beschrieben, ebenso vier neue Arten, deren Dia-
gnosen s. unten.
Von D. H. Storer ist eine „Synopsis of the North Ame-
rican fishes" in den JMemoirs of the American Academy of
Nat. Sc. of Philadelphia. Dieselbe ist mir jedoch nicht zu
Gesicht gekommen, auch kann ich nicht den Band, in wel-
chem sie sich findet, angeben.
In d'Orbigny's „Voyage dans l'Amerique meridionale''
ist von den vom Verf. gesammelten Fischen nur ein Catalog
gegeben, um die Abbildungen zu erläutern.
Guichenot gab in der Rev. zool. 1847. p. 333 ein
„Apercu geographique sur les Poissons du Chili", in welchem
er als eigenthümliche Formen dieses Landes die Gattungen
Aplodactylus, Myxodes, Malapterus, Bovichthys, Trichomycte-
res nennt und ausserdem einige von ihm aufgestellte Gattun-
gen, die mir jedoch unbekannt sind.'
Ichthyologie während des Jahres 1847. 205
So Boxaodon, die sich von Box durch den völligen Mangel
der Kieferzähne unterscheidet; Mendoso7na, die sich durch zwei
oder eine tiefeingeschnittene Rückenflosse, konische Zähne nur am
Ende des Oberkiefers und spitze Schuppen an den Seiten und zwi-
schen den Bauchflossen von Maena (Mandole) unterscheiden soll;
Sei'iolella, kleine Scomberoiden, die sich an Seriola anschliessen.
Sollten sie hier zuerst aufgestellt sein, denn hätte Verf. das doch
mehr hervorheben sollen.
Owen 's „Lectures on the comparative Anatomy and
Physiology of the vertebrate Animals I. Fishes. 1S46. 8." ist
als ein Werk von grosser Wichtigkeit für die vergleichende
Anatomie der Fische zu bezeichnen. Das System, welches
hier befolgt wird, schliesst sich eng an das Müller'sche an,
es besteht ans folgenden 11 Ordnungen:
1. Dermopteri (I.eptocardii Müll, und Cyclostomi Cuv.).
2. Malacopteri (Physostomi Müll.).
3. Pharyngognathi Müll.
4. Änacanthini Müll.
5. Acanthopteri Müll.
6. Plectognathi Cuv.
7. Lophohranchii Cuv.
8. Ganoidei Agass. Müll.
9. Protopteri (Dipnoi Müll.).
10. Holocephali.
11. PlagiostomL
In Jamesons „the Edinburgh new philosophical Journal
Vol.XLlI. p. 216. 1847 ist aus Owen's Lectures on Com-
parative Anatomy Vol. 11. p. 145 abgedruckt: „Teleology of
the skeleton of fishes".
Anatomie und Physiologie des Fisch -Nervensystems von
Girgensohn. Petersburg 1846 ist mir nicht bekannt ge-
worden.
Ueber die Brustflossen der Fische schrieb Mettenheim er
eine Dissertation: Disquisitiones anatomico-comparativae de
membro piscium pectorali. Berolini 1847. 4.
Auf zwei Tafeln sind die Vordergliedmassen von Lophius, Poly-
pterus, Fistularia, Osteoglossum, Silurus, Synodontis, Distichodus,
Acipenser, Torpedo, ümbrina, Cyclopterus abgebildet.
Osservationi anatomiche comparative suIl' intima Struttura
delle Cartilagini dei Condrotterigi, aut. Dr. G. D. Nardo.
Venezia 1845. 4. (Memorie del Istituto Veneto IL).
206 Tr ose hei: Bericht über die Leistungen in der
De Filippi machte Beobachtungen über die Eiitwicke-
lungsgeschichte der Fische bekannt, die sich auf die Clupea
finta und Gobius fluviatilis beziehen, und die sich an einen
früheren Aufsatz (vergl. Giornale del Istituto lombardo XII.
November 1845, und Froriep's Notizen Nr. 815, 816. April
1846) anschliessen. (Annales des sciences naturelles troisienie
Serie VII. p. 65).
Cornay fand, dass die nicht seltene Monstrosität des
Kopfes bei Fischen, namentlich Karpfen und Lachsforellen,
wo der Oberkiefer verkürzt ist, dadurch entstehe, dass das
Pflugschaarbein fehle, und das Keilbein verkürzt sei; Verf.
erklärt diese Erscheinung dadurch, dass in der Jugend eine
Verletzung stattgefunden habe. (Comptes rendus XXV. p. 116,
Schieiden und Froriep Notizen IV. p. 168).
]> i p II o i.
Bei der Britischen Versammlung for the advancement of
science im Jahre 1847 kam A. G. Melville noch einmal
auf die Amphibien-Natur des Lepidosiren annecteus zurück.
Er sprach sich für dieselbe aus, wegen der osteologisehen Ver-
hältnisse des Schädels, wegen der doppelten Nasenlöcher, wegen
der doppelten Vorkammer, Scheidewand der Herzkammer, wegen
des halbspiralen Bulbus arteriosus und wegen der Vertheilung der
Gefässe an die äusseren und inneren Kiemen und an die Lungen. Er
hat auch eine rechte Lungenarterie gefunden, die wie die linke von
Peters aufgefundene vom Arterienstiel entspringt. Ferner stützt er
seine Ansicht auf das Vorhandensein äusserer häutiger Kiemen beim
erwachsenen Fisch, was bei keinem Fisch vorkäme, und die nicht
mit den abfallenden Fäden der Haye und Rochen verglichen werden
könnten; und auf die Co-Existenz äusserer und innerer Kiemen mit
Lungen ct. — Der Prinz von Canino und Owen erklärten sich da-
gegen. Der Letztere hob besonders hervor, dass die Schuppen die
eines Fisches seien; dass die Athem- und Circulationsorgane sich
nicht ganz von den Fischen entfernten. Die Grösse der Blutkügel-
chen und der Knochenzellen hielt er nicht für entscheidend, ebenso
wenig das Herz oder Gehirn. Die Spiralklappe des Darms sei da-
gegen eine gute Unterscheidung wenigstens von den lebenden Repti-
lien; und er zweifelt, dass die Gestalt der Koprolithen des Ichthyo-
saurus von dieser Bildung abhängig sei. Die osteologisehen Charak-
tere des Kopfes sprechen für die Fischnatur. (The Athenaeum. 1847.
Nr. 1027. p.716; Institut 1847. p. 319. Report of the 17 Meeting of
the British Association for the advancement of science held at Ox-
ford in June 1847. London 1847. p. 78).
Ichthyologie wahrend des Jahres 1847. 207
Teleostei.
Acanthopteri,
llrisout de Barneville zerfällte die Gattung Centro-
pristes Ciiv. Val. nach dem Zahnbau in mehrere Gattungen.
(Rev. zool. 1847. p. 130), nämlich:
1. Ceiitropristes, grössere konische Zähne zwischen den sam-
metartigen in den Kiefern; die Zähne am Vomer bilden eine dach-
förmige Binde. C. atrarius (nigricans), tabacarius, atrobranchus,
hirundinaceus und eine neue Art hrasiliensis ^ deren Deckel hinten in
einer stumpfen, platten, häutigen Spitze endet.
2. Centrojirisles auroruhens wird als Typus einer eigenen Gat-
tung angesehen, ohne ihr einen Namen zu geben. Die Zähne der
Kiefer wie bei den echten Centropristes; die des Vomer bilden eine
Längsbinde, die vorn am erweiterten Ende drei Spitzen hat.
3. Homodon. Zähne in den Kiefern hecheiförmig-, die Zahne
des Vomer bilden eine oval- dreieckige Gruppe. Der Körper ist län-
ger als bei den vorigen, und die Brustflossen sind verhältnissmässig
viel kürzer. Dahin C. truttaceus und georgianus.
4. Myriodon. Alle Kieferzähne gleich, sammetartig. Die Vo-
merzähne bilden eine dachförmige Binde (en chevron). Dahin C,
scorpaenoides.
Guichenot stellte eine neue Gattung in der Nähe von
Centrarchus, Poniotis und Bryttus auf:
PoTiiajiotis corpus altum, ovale, compressum, squamis ciliatis
magnis tectum. Rostrum breve, obtusum at conicum. Os mediocre,
Dentes maxillarum conferti, conici et acuti; exteriores majores cur-
vatiusculi: in vomere et' palato velutini. Praeoperculum, interoper-
culum, infraoperculum angulis serrulata. Lingua laevis. Operculum
spinosum, appendice membranaceo haud productum. Pinna dorsalis
unica. Ventrales thoracicae. Membrana branchiostega sex radiis.
P. ru6esce?is D. 14. 14; A. 3. 9. Aus süssem Wasser der Gegend von
Alipey.
Robin fand ein eigenthümliches Organ bei Sciaena umbra
C. (soll doch wohl LImbrina vulgaris Cuv. gemeint sein?), ein
Organ , welches zwischen dem letzten Kiemenbogen und dem
Schulterknochen liegt, wenige Gefasse besitzt, und aus Win-
dungen einer ringförmigen Röhre besteht. Es fehlt bald auf
einer Seite, bald ganz. (Institut 1847. p. 41).
Miigil viacrolepis Smith I.e. superne pallide purpureo-griseus;
dorso capiteque superne flavo- viridi-tinctis; lateribus inferne abdo-
mineque flavo-albis, purpureo-tinctis; pinna anali versus corpus car-
nosa, squamis tecta, postice fere recta; corporis squamis magnis,
duris, in scriebus longitudinalibus undecim dispositis; naribus du-
208 Troschcl: Bericht über die Leistungen in der
plicibus approximatis. 15 Zoll. D. 4— 6(7); A. 9. Im süssen Wasser,
— M. Ricliardso7iH Smith ib. superne subochreus flavo-viridi tin-
ctus, inferno subochreus pallide purpureo-nebulatus; squamis sub-
ocularibus in seriebus longitudinalibus quatuor dispositis; corporis
squamis in seriebns longitudinalibus sexdecim; naribus duplicibus
approximatis; capitis squamis inter nares parvis. 12 Zoll. D.4— 7;
A. 9. Im Meere an den Ost- und Westküsten Südafrika's. — M.
euronotus Smith ib. capite superne dorsoque viridi-brunneis; late-
ribus griseo-albis, pallide violaceo-nebulatis; corporis squamis serie-
bus longitudinalibus tredecim dispositis; squamis capitis inter nares
parvis; naribus duplicibus approximatis. 10 Zoll. D. 4 — 7;A. 10.
Im Meere. — M. multilineatns Smith ib. capite superne dorsoque
pallide griseo-purpureis; lateribus abdomineque purpureo-albis, late-
ribus lineis duodecim longitudinalibus pallide brunneo-rubris signatis;
corporis squamis in seriebus duodecim dispositis; naribus duplicibus
approximatis. Vl\ Zoll. D. 4— 7; A. 9. Im Meere.
Atherina 7iigrica7is Richardson Erebus et Terror. D. 7 — 1. 13;
A. 1. 15 von den Falklands-Inseln.
Änacanthini.
Hjelt. In sjstema nervornm sympathiciim Gadi lotae
L. observationes. Diss. Helsingfors 1847. 8.
Pharyngognathi,
Guichenot beschreibt in der Rev. zool. 1847. p. 282
zwei neue Arten Cossyphus:
C. opercuJaris corpore elongato, toto flavo, etiam omnibus pin-
nis; macula ad angulum operculorum nigra; caninis validis, recurvis,
quatuor in utraque maxilla, horum intermediis minoribus; praeoper-
culo rotundato; operculo emarginato. Madagascar oder Isle deBour-
bon. — C. unilineatus corpore brevi , oblongo, compressiusculo,
omnino fusco; linea flavicante versus latera; caninis parvis, aduncis,
duobus in. utraque maxilla; praeoperculi margine posteriore recto;
operculp emarginato. Guam.
Physostomi.
Von Cuvier und Valencia nn es „Histoire naturelle
des poissons" erschien im Jahre 1847 der 20. Band, welcher
die Heringe enthält. Valenciennes beschränkt diese Fami-
lie auf diejenigen Heringe, welche einen gesägten Bauch,
grosse leicht abfallende Schuppen, keine Stacheln in den
Flossen, eine Rückenflosse besitzen, deren Oberkiefer zur
Ichthj'ologie wahrend des Jahres 1847. 209
Bildung des Mundes beitragen und aus drei Stücken zusam-
mengesetzt sind. Die verscliiedene Bezahnung der Knochen
des Rlundes gab Veranlassung zur Aufstellung einiger neuen
Gattungen :
1. Clupea^ die eigentlichen Heringe. Kleine Zähne im Zwi-
schenkiefer, und an der S3'mphyse des Unterkiefers, sehr feine Rau-
higkeiten am Oberkiefer, eine Längsbinde grösserer Zähne am Vo-
mer, eine ähnliche auf der Zung«, 2 oder 3 kleine leicht abfallende
Zähne am äussern Rande des Gaumens. 9 Arten.
2. Sardinella. Keine Zähne in den Kiefern und am Vomer,
Zähne am Gaumen, an den Pterygoidbeinen und auf der Zunge. 7
Arten.
3. H arengula. Zähne an den Kiefern, der Zunge, den Gau-
men und den Pterygoidbeinen, keine am Vomer. 10 Arten.
4. P eil 071 a. Zähne wie bei der vorigen Gattung, die Bauch-
flossen stehen vor der Rückenflosse, die Afterflosse ist lang. 16 Arten.
5. PJ'üti'gaster. Wie die vorige Gattung, doch fehlen die
Bauchflossen ganz. 4 Arten.
6. Rogenia, Zähne am Vomer, den Gaumenbeinen, den Pte-
rygoidbeinen und der Zunge. 1 Art.
7. Clujteonia. Zähne auf der Zunge und den Pterygoidbeinen,
keine Zähne an Gaumen, Vomer und Kiefern. 5 Arten.
8. Syratella. Zähne an den Gaumenbeinen und auf der Zunge,
die übrigen Knochen zahnlos. 2 Arten.
9. Koioala. Kleine Zähne an den Kiefern und den Pterygoid-
beinen, die übrigen Knochen ohne Zähne. 2 Arten.
10. Meletta. Eine Binde von Rauhigkeiten auf der Zunge, alle
übrigen Knochen des Mundes ohne Zähne. 10 Arten.
11. Alans a. Kleine und hinfällige Zähne an den Kiefern, keine
^ähne an Vomer, Gaumenbeinen, Pterygoidbeinen und Zunge. 22 Arten.
In einem Anhange sind 9 zweifelhafte Arten beschrieben.
Schliesslich wird noch eine neue Gattung aufgestellt, die sieh
zu denen gesellt, welche Verf. schon im 19. Bande des in Rede
stehenden Werkes von den echten Clupeen abgetrennt hat, und die
zwischen Butyrinus und Elops eingereiht wird:
Dussumieria. Zähne an den Kiefern, an den Gaumenbeinen,
an den Pterygoidbeinen und auf der Zunge; der Vomer ist glatt;
Bauch glatt, ohne Zähnelung. Eine Art D, acuta.
Jedenfalls wirft dieser Band ein helles Licht auf die bisher sehr
unvollkommene Kenntniss der Heringe, und wird die Bestimmung
der Arten möglich machen. Der Naturgeschichte des Herings (Cl.
harengus) und seinem Fange ist ein sehr langer Abschnitt p. 30—242
gewidmet.
Galaxias brocchus Richards. Erebus et Terror D. 11; A. 14.
Auckland-Inseln. — G. reticulatus ib. D. 12; A. 15. Auckland-Inseln.
OIQ T rose hei; Bericht über die Leistungen in der
Occybelus Pxichardson nov. Gen. Erebus et Terror. Piscis
apodus, squamis carens. Corpus compressum, pugioniforme, cauda
acutissima. Cutis politus auro argentoque hie illic renitens. Anus
gularis. Oculus majusculus. Rictus oris satis amphis pon oculum
fissus, terminalis, ex intermaxillis maxillaque inferiori constructus.
Dentes intermaxillarum, maxillae inferioris ossiumque palati acerosi,
conferti; nonnulli canini. Dentes vomeris majores. Lingua laevis.
Membrana branchiostega aperturam amplam tegens, radiis 7 susten-
tata. Pinnae \entris caudaeve nullae. Pinnae dorsi anique in apicem
acutissimam caudae coalitae, radiis tenuissimis, setaceis flexilibus
sustentatae. Operculum osseum stellatim tripartitum, uno ramo
erecto, altero descendente, tertio postico, longiore subulato, sub-
spinoso, in pisce recente celato. Cranium fornicatum , laeve, sine
carinis vel cristis. Vertebrae circiter centum, quarum 19 abdomi-
nales. Ventriculus magnus, coecatus. Intestinum bis prope oeso-
phagum flexum; coecis pyloricis nullis. Vesicula aeris ampla, longa
post anum extensa. Die Art O. Homei lebt in der Südsee und bei
der Insel Timor.
Von den Arten der Gsiiiww^ Muraena giebt Ricliardson
Erebus und Terror folgende Uebersicht:
A. Zähne spitz, pfriemförmig, stilettförmig. Mundspalte weit.
a. Gaumenzähne einreihig.
1. Einreihige Zähne an allen zahntragenden Knochen.
M. helena, nubila, sagenodeta, reticulata, ocellata, punctata,
similis.
2. Zweireihige Zähne vorn am Unterkiefer, einreihig an den
Seiten des Unterkiefers, und au den übrigen Knochen.
M. pratbernon, tenebrosa.
3. Zweireihige Zähne vorn am Unterkiefer und am hinteren
Theil des Vomer, einreihige Zähne an den übrigen Knochen.
M. lita.
4. Zweireihige Zähne am Nasalknochen (?) vorn am Unter-
kiefer und am Vomer.
M. sidera.
b. Gaumenzähne zweireihig.
1. Einreihige Nasal-, Mandibular- und Vomerzähne.
M. isinglena, buUata, stellifer, cancellata, tessellata, co-
lubrina, moringua.
2. Vordere Mandibularzähm; zweireihig, Vomer- und Nasal-
zähne einreihig.
M. griseo-badia, pavonina.
3. Nasalzähne mehrreihig, Vomer- und Mandibularzähne ein-
reihig.
M. guttata.
4. Zähne vorn am Unterkiefer und am Vomer zweireihig, am
Nasalbein und den Seiten des Unterkiefers einreihig.
M. thyrsoidea, sathete.
Ichthyologie während des Jahres 1847. 211
5. Zweireihige Zähne an allen Knochen, mit Ausnahme der
Seiten des Unterkiefers.
M. gracilis, vermiculata, meleagris, viridis.
B. Mundspalte massig. Zähne konisch, spitz oder abgerundet.
a. Gaumenzähne einreihig, spitz. __
M. ophis, variegata.
b. Gaumenzähne zweireihig, stumpf.
M. polyzona, catenata.
Von den im Vorhergehenden genannten Arten sind folgende neu:
M. imhila aus der Südsee und von Mauritius. — M. sagenodeta von
Mauritius. — M. Uta von den Molukken. — M, siderea D.306;A.192
von den West- und Nordküsten Australiens und von Neu-Guinea.
M. bullata von Borneo. — M. stelUfer von Madagascar. M. can-
cellata B. 10; D. 345; A. 236 von der Westküste Australiens. — M.
lineopinnis von Puerto Cabello. — M, griseo-badia von den Tanga-
Inseln. — M. gracilis von Indien. — M. vermiculata von Indien.
M. prasina von Australien.
Brisout de Barneville stellte eine neue Gattung von Aalen
auf, die mit Apterichthys durch den Mangel aller Flossen und die
Beschaffenheit der Kiemenspalten übereinstimmt, sich aber durch die
Gegenwart von Augen von ihr unterscheidet: Ichthyapus, Keine
Flossen, Haut nackt, schuppenlos, Nasenlöcher unter der Schnauze,
einfach, unter der Kehle zwei genäherte Kiemenöffnungen, konische
Zähne in den Kiefern, eine Längsbinde ähnlicher Zähne am Vomer,
eine Seitenlinie, Mund unter der Schnauze. Die Art i. acutirostris
stammt aus der hohen See des Aequinoctial- Meeres. (Rev. zdol.
1847. p. 219).
ErdI glaubt bei Gymnarchiis niloticus eine Lunge ge-
funden zu haben, die an der Stelle der Schwimmblase liegt,
sich mit weiter Oeffnung in den Schlund mündet, aus einer
zarten zelligen Wandung besteht und der Lunge des Lepi-
dosiren sehr ähnlich ist. Der Kiemenapparat ist wie gewöhn-
lich vorhanden. Sollte dies nicht eine zellige Schwimmblase
sein, wie sie auch sonst wohl vorkommt? (Münchener gelehrte
Anzeigen 1846. Nr. 202; Annales d. sc. nat. VII. p. 381;
Schieiden und Froriep Notizen 1. p. 38).
Ganoidei.
Franque schrieb eine Dissertation über Amia calva
„Afferuntur nonnulla ad Amiam calvam L. accuratius cogno-
scendam" Berlin 1847. fol. mit einer Kupfertafel.
Die Abhandlung bezieht sich besonders auf die Anatomie dieses
Fisches, wodurch er von Neuem als Ganoid nachgewiesen wird,
wenngleich nunmehr einige bisher den Ganoiden zugesprochene Merk-
male fortfallen müssen. Bei Amia sind die unteren Apophysen durch
.Archiv f. Naturgesch. XIV. Jahrg. 2. Bd. O
212 Troschel: Bericht über die Leistungen in der Ichthyologie.
Knorpel von den Wirb ehi getrennt; die Kiomendeckelkieme fehlt, so
wie der Ast der ersten Kiemenarterie, welcher Venenblut zum Deckel
führt; dagegen sind die Choroidaldrüse, die Fissura retinae und der
Processus falciformis vorhanden.
^ e 1 s^ e Ift i s.
R. Wagner: lieber den feineren Bau des electrischen
Organs im Zitterrochen (Abhandlungen der König). Gesell-
schaft der Wissenschaften zu Göttingen. Band 111. 1847. p. 141.
Disposition des fibres nerveuses dans l'organe electrique
de la torpille (Extrait d'une lettre de M.Wagner a M. Fl eu-
re iis. Comptes rendus XXIV. p. 856).
Robin veröffentlichte in den Annales des sciences natu-
relles, troisieme serie VII. p. 193 in einer langen Abhandlung
seine Beobachtungen über einen Apparat bei den Rochen (Raja
Cuv.), der die anatomischen Charaktere der electrischen Or-
gane darbietet. Der Apparat liegt im Schwanz der Rochen,"
und ist schon im vorjährigen Bericht p. 366 erwähnt. Der
Aufsatz ist von zwei Tafeln mit Abbildungen begleitet.
Matteucci hat an den Rochen, welchen Robin ein
electrisches Organ zuschreibt, keine Spur von Electricität
finden können , er erklärt das in Rede stehende Organ für
muskulös. (Comptes rendus hebdom. XXiV. p. 302).
Hieran knüpfte Dumeril (ib. p. 303) einige Betrachtun-
gen. Er meint, es sei diesen Thieren ein Mittel nothwendig,
ihre Beule zu betäuben, und es möchte vielleicht die schlei-
mige Materie, welche durch die zahlreichen Hautporen abge-
sondert würd, wie eine Art Gift wirken, etwa wie der Biss
der Schlangen und Spinnen.
Robin las in der societe philomatique de Paris eine
Abhandlung: sur l'anatomie d'une nouvelle espece de glande
vasculaire chez les Plagiostomes et sur la structure de leur
glande thyroide. (Institut 1847. p. 47).
Iies»tocarflli.
Gray legte der zoologischen Gesellschaft in London eine neue
Art von Amphioxus vor, die er Ä.Belcheri nannte, weil sie Capt.
Belcher bei Borneo gesammelt hatte. Dieser Fisch ist dicker als
die Europäische Art und der Rücken erscheint hoher. Leider geht
aus der Beschreibung keine wirkliche Verschiedenheit der Art her-
vor, die sich jedoch aus der grossen geographischen Entfernung
beider Arten wohl vermuthen lässt. (Annais XIX. p. 463).
213
Bericht über die Leistungen in der Naturgeschichte
der Mollusken während des Jahres 1847.
Von
Dr. F. H. TroscheJ.
Herrmail Ilsen 's ,,Iiidicis generum malacozoorum pri-
mordia", deren beide erste Hefte schon im vorigen Jahres-
berichte p. 369 erwähnt sind, ist im Jahre 1847 nach dem
ursprünglichen Plane vollendet. Es besteht nunmehr ans zwei
Bänden in 11 Lieferungen. Die versprochenen Supplemente
scheinen noch nicht erschienen zu sein.
J. E. Gray veröffentlichte in den Proc. zool. Soc. 1847.
p. 129 ein Verzeichniss der Molluskengattungen „A list of the
genera of recent Mollusca, their Synonyma and types", wel-
ches 810 Gattungen enthält. Jedem Gattungsnamen ist der
Autor und die Jahreszahl hinzugefügt, die Synonyme sind
chronologisch geordnet. Ein Hauptverdienst hat sich diese
mühevolle Arbeit dadurch erworben, dass darin eine Menge
vergessener oder halbvergessener Namen wieder in Erinnerung
gebracht wird. Dies Verzeichniss wird auch dadurch neben
dem so eben erwähnten Werke von Herrmannsen nützlich,
dass es systematisch geordnet ist, und so oft einen Nachweis
liefert, den man bei der alphabetischen Aufzählung von Herr-
mannsen übersehen könnte.
Gray theilte in den Annais XX. p. 267 die Classification
der Britischen Mollusken von Leach mit.
Conchylien-Buch oder allgemeine und besondere Natur-
geschichte der Schnecken und Muscheln ^ebst der Anweisung,
sie zu sammeln, zuzubereiten und aufzubewahren von F. Berge.
Stuttgart 1847 mit illuminirten Abbildungen. Ist, wie schon
der Titel es zeigt, ein populäres Buch.
Vqn G. B. Sowerby's „A conchological manual", wo«
von im Jahre 1839 die erste Ausgabe erschien (vergl. dies
Archiv i841. H. p. 260) brachte uns das Jahr 1846 eine dritte
214 Trosrhel: Bericht über die Leistungen in der
Ausgabe, welche den Beweis giebt, dass das Buch viel ge-
kauft worden ist. Diese Ausgabe ist vermehrt , und auf den
Kupfertafeln sind nunmehr 564 Conchylien als Gattungstypen
abgebrldet. Gegen die erste Ausgabe ist die vorliegende um
6 Tafeln, gegen die zweite um 3 Tafeln vermehrt worden.
Von Philippi's Abbildungen und Beschreibungen neuer
oder wenig gekannter Conchylien erschienen im Jahre 1847
fünf Lieferungen , nämlich die 6., 7. und 8. des zweiten, und
die 1. und 2. des dritten Bandes. In ihnen finden wir Tafeln
mit folgenden Gattungen: IL 6, Bulimus, Haliotis, Litorina,
Melania, Cytherea; IL 7, Helix, Purpura, Fusus, Litorina,
Lucina, Area; IL 8, Achatina (und Cylindrella), Haliotis, Li-
torina, Cytherea; IB. 1, Helix, Cylindrella, Litorina, Modiola,
Cytherea, Area; HL 2, Bulimus, Dolium, Murex, Solen, Unio.
Die Ausstattung wie früher. Der Lieferung IL 8. ist Titel
und Register zum zweiten Bande beigegeben.
Von Küster's neuer Ausgabe des Systematischen Con-
chylien-Kabinets von Martini und Chemnitz in Verbin-
dung mit Philippi, Pfeiffer und Dunker erschienen im
Jahre 1847 zehn Lieferungen (63 — 72), deren Inhalt sich auf
die Gattungen Rostellaria, Chenopus, Cyclostonia, Turbo,
Helix, Clausula, Pupa bezieht. Die meisten Tafeln aus diesen
Heften sind neu, nur einige mit Kreiseln und Flügelschnecken
stammen aus der ersten Ausgabe her. Die Gattungen Rostel-
laria, Chenopus und Turbo sind beendet, nur von letzterer
sind einige neue Arten von Philippi aufgestellt. Die übri-
gen Gattungen sind noch fortzusetzen, Cyclostoma von Pfeif-
fer bearbeitet, ist bis auf 50 Arten fortgeführt, Helix von
Demselben, dem Verfasser der Monographie der Heliceen,
bearbeitet, umfasst in den Heften dieses Jahrganges 88 Arten,
unter denen keine neue, die Gattungen Clausilia bis zur 22.
Art und Pupa von Species 87 bis 96 sind von Küster bear-
beitet; erstere enthält 2, die letztere 1 neue Art. Die Gat-
tung Trochus endlich ist von Philippi von der 8. Art bis
zur 32. fortgeführt.
Von Kiener's ,, Species general" erschienen 1847 die
Lieferungen 117 — 123 ganz nach der früheren Einrichtung.
Sie enthalten den Text für einen Theil der Gattung Conus
und Abbildungen aus den Gattungen Phasianella und Turbo.
i
Naturgeschichte der Mollusken während des Jahres 1847. 215
Von Chenu lllustrations conchyliologiques ou descrip-
tioii et fis^ures de toutes les coquilles connues Vivantes et
fossiles classees siiivant le Systeme de Lamarck, sind itn Jahre
1847 die Lieferungen 67 bis 75 erschienen. Sie enthalten
Abbildungen aus den Gattungen Placuna, Cytherea (8 Tafeln),
Ilelix, Venus, Leptoxis (4 Tafeln), Fissurella, Conus, Cy-
clostoma, Patella, Monodonta, Ostrea, Melania, Nautilus und
12 Tafeln mit Ammoniten. Kein Text.
Von So wer by 's Thesaurus Conchyliorum or figures
and descriptions of recent Shells erschien im Jahr 1847 Part
VIII. , mit welchem der erste Band beschlossen ist. Dieses
Heft enthält die Gattung Cymba mit 9 Species in 24 Abbil-
dungen, die Gattung Melo mit 10 Species in 27 Abbildungen
und die Gattung Spondylus in 65 Abbildungen.
Der Atlas de Zoologie, welcher im Jahre 1846 zu Paris
in gross Folio als zu Abel du Petit Thouars Voyage autour
du monde sur la fregate la Venus gehörig erschien, enthält
26 Tafeln mit schönen Abbildungen von Conchylien und eini-
gen Muschelthieren. Ein Text steht wohl noch zu erwarten.
In Ermangelung eines solchen muss ich mich darauf beschrän-
ken, hier die Arten , welche abgebildet sind, anzugeben. Den
Text wird wohl Valenciennes liefern, da die neuen Namen
unter seiner Autorität genannt sind.
Es sind folgende: Helix nemorivaga Val. , vincta Val., arboreto-
rum Val., infundibulum Val., Lucina Jamaicensis Lam , columba Val.,
lactea Val., tigerina Desh., fimbriata Val., Trochus Chemnitzii Val.,
amictus Val., brevispinosus Val., balaenarum Val,, diadematus Val.,
rubiginosus Val., pellucidus Val., hysginus Val., grandineus Val.,
Fusus Thouarsii Kien., bulbosus Val., Pleurotoma turris Val., Buc-
cinum Janelii Val., mutabile Yal., Prevostii Val., Purpura venosa
Val., rapa Val., marginata Val., bufonides Val., hiulca Val , haema-
tura Val., saxicoJa Val., rupestris Val., truncata Duclos, Grayii
Kien., Murex aciculiger Val., oxyacanthos Brod., tortuus Brod.,
Vermetus centiquadrus Val., margaritarum Val., Peronii Rouss.,
Siphonaria gigas Sow. , Calyptraea rugosa, tubifera Lesson, lignaria
Brod., gemmacea Val., Crepidula radians Val. (Trochus radians Lam.),
amygdalum Val., Venus Thouarsii Val., perdix Val., pectunculoides
Val., Cardium elatum Reeve, subelongatum Reeve, Pecten medius
Lam., comatus Val., excavatus Val., electrum Val., pomatia Val.,
rastellinum Val., Pectunculus giganteus Reeve, multicostatus Sow.,
tessellatus Sow., Ostrea gailus Val., Cardita arcella Val., turgida
Lam., modulosa Lam., sublaevigata Lam., Michelini Val., Nucula
216 Troscliel: Bericht über die Leistungen in der
aeolica Val., laternaria Val. (von beiden auch das Thier), obliqua
Lam., divaricata Lam., elongata Sow. , amygdalea Val. , Ctenoconcha
navicula Val., nuculoides Bl., Penitella ConradiVal., xylophaga Val.,
tubigera Val., Pholas rostrata Val., Ungulina luticola Val., Corbula
luticola Val., Bornia luticola Val., Saxicava clava Val., Calyptraea
perforans Val.
In Beete Jukes ,,Narrative of the surveying Voyage of
H. M. S. Fly coinuianded hy Capt. T>lackvvood in Torres strat,
New Guinea and other Islands of the eastern Archipelago du-
ring the Years i842 — 1846, together with an excursion into
the interior of the eastern part of Java. Vol. H. London 1847''
ist p. 355 eine Beschreibung einiger neuen Arten von See-
Conchylien von J. E. Gray enthalten. Alle sind abgebildet,
sie werden unten genannt.
,, Osservazioni postume di Zoologia adriatica del profes-
sore Stephano Andrea Renier, niembro effettivo dell'
Istituto Italiano , publicate per cura dell' J. R. Istituto Veneto
(li scienze, lettere ed arti a studio del membro effettivo Prof.
G. Meneghini. Venezia 1847. fol." In diesem reich ausge-
statteten Werke sind zwei Abschnitte hier zu erwähnen : über
Aglaja und über Polycitor. Das Nähere unten am entspre-
chenden Orte.
Nachträge zu den Aufsätzen über Tiedemaunia, Octopo-
doteuthis und Alciopa gab Krohn in diesem Archiv 1847.
pag. 36.
Beschreibung zweier neuer Conchyliengeschiechter , Di-
haphus und Ainphichaena, nebst einigen Bemerkungen
über Cyamium, Ervilia und Entodesma von Philipp i. Dies
Archiv 1847. [. p. 61.
Ueber den gegenwärtigen Zustand der Naturgeschichte der
europäischen Land- und Süsswasser-MoUusken und der Lite-
ratur derselben von E. A. Rossmässler (Sachse Naturhist.
Zeitung. Jahrgang 1. 1846. p. 341).
Verf. giebt hier eine Uebersicht der Leistungen und der Leisten-
den im Gebiete der Europäischen Süsswasser- und Land-Mollusken,
in der namentlich interessante Notizen über Ziegler und Megerle
V. Mühlfeldt vorkommen. Er beklagt sich, dass an seine eigenen
Arbeiten keine hinreichende Kritik gelegt sei, die er namentlich in
Menke's und Pfeiffer's Zeitschrift erwartet hat. Er will vom wissen-
schaftlichen Publikum eine solche Kritik erzwingen, um dadurch
eine neue Epoche seiner Wissensthaft, die Epoche des durch Kritik
Naturgeschichte der Mollusken während des Jahres 1847. 217
geläuterten und befestigten Studiums, zu ermöglichen. — Eine neue
Epoche lässt sich aber nicht durch Anspornen der Zeitgenossen ge-
winnen, und wird nicht vorher oder gleichzeitig erkannt, sondern
erst dann, wenn die Früchte der Arbeit zur Keife gediehen sind.
Loven legte der Schwedischen Academie Beirierkiingeii
über die geographische Verbreitung der Skandinavischen Mol-
lusken vor, in denen Verf. zeigt, dass die Skandinavische
Molluskenfauna zwei natürliche Faunen unifasst: die Germa-
nische und die arktische ; im mittlem Norwegen mischen sich
beide (Ofversigt af Kongl. Vetenskaps- Akademiens Forhand-
lingar 1846. p. 252; vergl. auch Zeitschr. für Malacoz. p. 24).
E. Boll zählt nur 15 Mollusken als in der Ostsee vor-
kommend auf. Zwölf Arten der Nordsee gehen in die Ostsee
über, ausserdem beherbergt sie einige Süsswasser-Mollusken,
die aus den Flüssen ins Meer kommen. Hervorgehoben wird
die Kleinheit und Dünnschaligkeit sämmtlicher Individuen, so
dass es schwer hält, die eigentliche Stammart in ihnen wieder
zu erkennen. Von Flussmuscheln sind in der Ostsee gefun-
den : Limjiaeus auricularius und ovatus, Neritina fluviatilis;
von Meeres- Conchylien: Paludina muriatica Lam. , Littorina
littorea, Buccinum undatum, reticulatum , Purpura lapillus; —
Mytilus edulis, Cardium rusticum, Tellina solidula , Mactra
solida, Lutraria compressa, Mya arenaria , Mya truncata. Von
Unio, Anodonta und Cyclas sollen im livländischen Busen
auch Arten vorkommen, die aber Verf. nicht namhaft machen
kann (Archiv des Vereins der Freunde der Naturgeschichte
in Mecklenburg. 1. Heft. Herausgegeben von Ernst Boll. Neu-
brandenburg 1847. 8. p. 89).
Die Verhandlungen des naturhistorischen Vereins der
preussischen Rheinlande, welche seit dem Jahr 1844 erschie-
nen sind, sind im Buciihandel bisher wenig verbreitet gewe-
sen, da sie hauptsächlich zur Vertheihmg an die Mitglieder
bestimmt waren. Daher sind sie bisher in diesen I^erichten
übersehen worden. Ich trage hier einige Arbeiten aus dem
Bereiche der Mollusken nach, dandt sie nicht ganz übergangen
werden möchten. Der erste Jahrgang 1844 enthält ein ,, Sy-
stematisches Verzeichniss der bis jetzt bei Boppard, Trier
und einigen andern Orten der preussischen RheinJande auf-
gefundenen Mollusken" von~M. Bach p. 13. In diesem Ver-
218 Troschel: Bericht über die Leistungen in der
zeichnisse, das nur Namen enthält, ist eine ebenfalls über-
sehene Arbeit von Schnur ,,Ueber die Mollusken der Um-
gebung von Trier" in einem Schulprogramm des Schuljahres
1840 — 41 benutzt worden. — Ein Nachtrag zu diesem Ver-
zeichnisse findet sich ebenda p. 82 von O. Goldfuss. — Be-
merkungen über Helicophanta brevipes von Bach und Seu-
bert s. unten.
Grafv. Seckendorf hat die lebenden Land- und Süss-
wasser. Mollusken Württembergs zusammengestellt (Jahreshefte
des Vereins für vaterländische Naturkunde in Württemberg.
2. Jahrgang. Stuttgart 1847. p. 3). Gattungen und Arten sind
in lateinischen Diagnosen bezeichnet, dann ist eine Abbildung
von Rossmässler oder Pfeiffer citirt, darauf von jeder Art die
Farbe und einige Maasse angegeben ; zuletzt folgt eine An-
gabe über das Vorkommen. Das Verzeichniss ist nach Menke's
Synopsis geordnet.
Hiernach leben in Württemberg 113 Arten, die 24 Gattungen an-
gehören. Unter ihnen sind 2 Ancylus, 8 Limaceen, 60 Heliceen,
2 Auriculaceen, 21 Limnaeaceen, 3 Paludina, 2 Valvata, 1 Neritina,
6 Anodonta, 4 Unio, 2 Pisidium, 2 Cyclas. Als Anhang wird eine
Tabelle gegeben, in welcher 15 als Laubschnecken, 32 als Erd-
schnecken, 23 als Steinschnecken, 32 als Teichschalthiere , 11 als
Flussschalthiere angegeben werden, bei den Landschnecken mit der
Bemerkung, ob sie auf dem Alluvium, auf Sandstein oder Kalk vor-
kommen. Nach Flussgebieten geordnet, ergiebt sich folgendes Re-
sultat. Von den 15 Laubsohnecken leben 13 im Gebiet des Neckar,
12 im Donaugebiet, 4 im Taubergebiet und 3 im Bodenseegebiet;
von den 32 Erdschnecken 32 im Neckar-, 20 im Donau-, 8 im Tau-
ber-, 4 im Bodenseegebiet; von den 23 Steinschnecken 21 im Neckar-,
15 im Donau-, 4 im Tauber- und 2 im Bodenseegebiet; von den 32
Teichschalthieren 29 im Neckar-, 21 im Donau-, 11 im Tauber- und
19 im Bodenseegebiet; endlich von den 11 Flussschalthieren 9 im
Neckar-, 4 im Donau-, 7 im Tauber- und 5 im Bodenseegebiet, so
dass das Neckargebiet, welches den grössten Umfang, die grösste
Mannigfaltigkeit der Gebirgsarten und die höchste Temperatur hat,
auch das reichste an Mollusken ist.
Fauna elvetica della conchiglie terrestri e fluviatili, da
G. Stabile. Lugano. 1845. 8. Dies Werkchen, welches 68
Seiten und eine Tafel mit 51 Abbildungen enthält, ist mir
nicht zur Hand gekommen.
Histoire naturelle des Mollusques terrestres et d'eau
douce, qui vivent en France par l'Abbe D. Dupuy avec
Naturgeschichte der Mollusken während des Jahres 1847. 219
planches. Auch 1847. 4. Unter diesem Titel erschien die
erste Lieferung eines Werkes, das die Mollusken Frankreichs
behandelt. Dieselbe enthält ausser einer kurzen Einleitung
über die Organisation der Mollusken eine Uebersicht der Gat-
tungen, luid den Anfang des speciellen Theils, in welchem
die Limacinen und ein Theil der Heliceen behandelt sind.
Sämmtliche Arten sind, zum Theil mit dem Thier, recht gut
abgebildet. Neue Arten sind nicht beschrieben.
Essai sur les Mollusques terrestres et fluviatiles des Vos-
ges, par M. C. Puton. Epinal , 1847. Ist mir nicht zugäng-
lich geworden.
In den Atti della Accademia di Palermo. Nuovo Serie I.
Palermo 1845 findet sich: Esposizione dei Molluschi terrestri
e fluviatili dei diutorni di Palermo di Pietro Calcara. Die
Arten sind mit Diagnosen versehen.
Diese Fauna enthält 1 Ancylus, 3 Limax, l Testacella, 1 Vitrina,
45 Helix, 9 Pupa, 3 Clausilia, 9 Bulimus, 1 Succinea, 1 Helico-
phanta, 3 Cyclostoma, 1 Pupula, 2P]anorbis, 1 Physa, 5 Limnaeus,
1 Valvata, 3 Paludina, 1 Nerita, 3 Cyclas, 1 Cyrena.
Ein als Anhang zum vorigen Aufsatz gegebenes Verzeich-
niss: „Molluschi terrestri e fluviatili che si rinvergono in altri
siti della Sicilia" enthält 91 Arten mit einer Tafel.
Auf dieser Tafel sind abgebildet: Helix Calcarae, Brocchi, Des-
hayesii, Schwerzenbachii, Cupani, Dibenedicti, Assorinensis, Nor-
toni, üsticensis, Pupa contorta, Bulimus cylindraceus, Mandralisci,
Limnaeus minimus, Valvata ßocconi, Paludina Mussonii, Porri, Sa-
linasii, die meist von Calcara aufgestellt, aber schon früher an-
derwärts beschrieben, auch schon in Philippi Enum. Siciliae auf-
geführt sind.
Catalogo de los Moluscos terrestres y de agua duice ob-
servados en Espaiia, por el doctor M. P. Graells; Madrid
1846. 12. mit einer lithographirten Tafel ist mir nicht zu Hän-
den gekommen. Die unten angeführten neuen Arten (Helix,
Planorbis, Neritina) sind der Rev. zool. 1847. p. 173 ent-
nommen.
Alder und Hancock machten in der British Association
1847 (Report of the 17 Meeting ct. held at Oxfort p.73; Athe-
naeum 1847. Nr. 1028. p. 718) einige Britische Mollusken be-
kannt, die seit der vorigen Versammlung entdeckt wurden.
Es sind dies Proctonotus (?) splendidus, Scyllaea pelagica, Tri-
tonia lineata, Eolis Peachii, Eolis exigua (vielleicht Tergipes laci-
220 Troschel: Bericht über die Leistungen in der
nulatus Loven), Chalidis nigricans, Acteonia corrugata, und eine
neue Gattung Ictis (s. unten).
Gwyii Jeffreys luachte ein Verzeichniss von Mollus-
ken bekannt, die durch George Barlee an der Westküste von
Schottland gesammelt wurden. Darunter befinden sich einige
neue. (Annais XIX. p. 309). — Derselbe fügte (ib. XX.
p. 16) ein anderes Verzeichniss neuer oder interessanter bri-
tischer Mollusken hinzu, unter denen ebenfalls mehrere neue,
auch eine neue Gattung Clausina.
Thompson fügt einige Mollusken der Fauna von Irland
hinzu, unter denen auch mehrere Foraminiferen. Annais XX.
pag. 173.
V. Siemaschko lieferte in den Bulletins des Naturalistes
de Moscou Tom. XX. 1847. p. 93 f. einen ,, Beitrag zur Kennt-
niss der Conchylien Russlands, den er als Prodromus einer
später nachfolgenden grösseren Arbeit betrachtet. Unter den
aufgezählten Arten finden sich einige neue beschrieben und
abgebildet; die Diagnosen derselben sind unten mitgetheilt.
Eine „Uebersicht der durch Herrn Edm. Boissier von
einer Reise nach Palästina mit zurückgebrachten Conchylien-
Arten" gab v. Charpentier in der Zeitschr. für Molakozoo-
logie p. 129.
Es sind 12 Arten Helix, 5 Bulimus, 4 Clausula, 1 Cyclostoma,
1 Melania, 1 Melanopsis. üeber mehrere Arten sind vom Verf. Be-
merkungen gemacht, andere als neu beschrieben worden. Die letz-
teren sind unten genannt.
Sc hur ig giebt die Zahl der Mollusken -Arten auf den
Batu-Inseln, westlich von Sumatra, auf 130 an. Tridacna gigas
wird theils roh, wie sie aus der See kommt, theils in Strei-
fen geschnitten und getrocknet gegessen. (Sachse Naturhist.
Zeitung. Jahrgang 1. 1846. p. 329).
Durch ein ,, V^erzeichniss einer Sendung von Conchylien
von Mazatlan, mit einigen kritischen Bemerkungen" gab Menke
(Zeitschrift für Malacoz. p. 177) einen Beitrag zur Mollusken-
Fauna (Verf. sagt Mollusken-Tethys) jener Gegend. Es sind
59 Arten von Melchers gesammelt, darunter einige neue.
Der Winterschlaf nach seinen Erscheinungen im Thierreich,
dargestellt von Barkow. Berlin 1846. 8. In diesem Werke,
in welchem zahlreiche Beobachtungen verschiedener Autoren
aus allen Zeiten mit i?rosser Sorgfalt zusammengetragen sind,
Naturgeschichte der Mollusken während des Jahres 1847. 221
sind vom Verf. auch viele eigene Beobachtungen über den
Winterschlaf der Schnecken, und was mit ihm zusammenhängt,
niedergelegt, und durch Abbildungen erläutert.
Ein Winterschlaf kommt bei allen Europäischen Schnecken vor,
bei den Wasserschnecken weniger tief. Die Dauer des Winterschlafs
ist nach den Species verschieden. Die Landschnecken suchen sich
versteckte Orte auf, oder graben sich in die Erde ein; die Wasser-
schnecken verstecken sich theils im Schlamm , theils ziehen sie sich
in tiefere Stellen zurück. Besondere Aufmerksamkeit hat Verf auf
die Bildung der sogenannten falschen Deckel bei den Landschnecken
gewendet, und den Bau derselben nach Zeit, Umständen, Structur
und chemischer Beschaffenheit genau erforscht. Auf den dickeren
Kalkdeckel folgen meist mehrere (2 —5) zarte Hautdeckel. Der Kalk-
deckel ist zuweilen mit dem ersten Hautdeckel in der Mitte durch
ein braunes Säulchen verbunden, welches aus getrockneter Galle
besteht, die das Thier ausbricht. Die Versuche des Verf. bestätigen
es, dass eine gefrorene Landschnecke nicht wieder ins Leben zurück-
kehren kann. Die Temperatur der Landschnecken ist zwar im All-
gemeinen w^enig höher als die umgebende Luft, kann aber doch um
6" höher sein, wie eine H. pomatia am 15. April zeigte, die bei
einer Lufttemperatur von 10" eine eigene Wärme von 16" zeigte;
sie war noch durch den Kalkdeckel geschlossen. Auch ist die Tem-
peratur nicht in allen Theilen bei diesen Thieren gleich, indem am
22. April die Temperatur auf dem Luftloch hoher erschien, als auf
der Fusssohle. Gefrorene W^asserschnecken werden nach dem Auf-
thauen häufig wieder lebendig, wie es an Limnaeus und Planorbis
beobachtet wurde; ihre Temperatur war im Mai etwas hoher als
die des umgebenden Wassers, und stieg noch, wenn sie aus dem
Wasser genommen wurden, oft um 2°, woraus Verf. schliesst, dass
die Temperatur dieser kleinen Thiere (Planorbis corneus) an der
Oberfläche des Körpers durch die Einwirkung des Wassers um etwas
vermindert, aber die Entwickelung der Wärme doch so bedeutend
war, dass die Temperatur des Wassers durch sie erhöht wurde (von
10" auf 11°). Die Luftmenge, welche die Thiere während des Win-
terschlafs in der Lunge haben, ist verschieden, indem manche, wenn
man sie ins Wasser legt, untersinken, andere schwimmen. Die
Oeffnung des Lungensackes ist während des Winterschlafs geschlos-
sen, und es findet keine Respiration statt. Im Lungensacke findet
bei den Schnecken eine Blutsecretion statt, so dass er mehr oder
weniger mit Blut erfüllt ist, sowohl während des Sommers, als wäh-
rend des Winterschlafs. Die Flüssigkeit, welche Verf. durch Knei-
pen mit der Pincette aus der Lungenöffnung iliessen sah, hält er
schlechtweg für Blut, nennt sie aber in dem Abschnitt des in Rede
stehenden Werkes, wo er vom Blut handelt, zur Unterscheidung
Liquor pulmonalis. (Sollte diese Flüssigkeit nicht ein Sekret aus der
Niere sein, welche an der Wand der Lungenhöhle liegt?) Die Pul-
222 Troschel: Bericht über die Leistungen in der
sationen des Herzens hören während des Winterschlafs nicht ganz
auf, treten aber in verminderter Zahl und unregelmässig ein. Die
Sensibilität war bei den vom Verf. untersuchten Landschnecken wah-
rend des Winterschlafs nach dem höhern oder niedern Grade des-
selben, und nach individuellen Verschiedenheiten mehr oder minder
herabgestimmt, aber erlöscht nicht ganz. Auch über das Sehver-
mögen stellte Verf. Versuche an, und zeigte durch Abschneiden der
Fühler, dass die Schnecken in ihren Augen unzweifelhaft Licht-
empfindung besitzen, deren sie bedürfen, um beim Eingehen in den
Winterschlaf die Dunkelheit, beim Erwachen das Licht finden zu
können. Aus den Beobachtungen über die Verdauung zieht Verf.
folgende Resultate: Der Magensaft reagirt während der Chymification
im Magen sauer. Während die Speisen im Magen sind, tritt Galle
entweder gar nicht oder nur ausnahmsweise in den Magen. Die
Galle wirkt wahrscheinlich erst im Magen auf die durch den Magen-
saft ausgelösten Stoffe, und gelangt erst, nachdem die Speisen in
den Darm gelangt sind, auf diese folgend in den Darm selbst. Wäh-
rend der Verdauung findet vorzüglich die Ergiessung der Galle in
den Magen statt, während der Magenverdauung ist die Galle aus
dem Magen bereits entleert. Im Magen geschieht nicht allein die
Chymification, sondern der wichtigere Theil der Chylificatiou und
die Resorption des grössten Theiles des Chylus. Der Magen der
Schnecken entspricht in Beziehung auf seine Function dem Magen,
dem Duodenum und Jejunum und der Gallenblase des Menschen.
Während des Winterschlafs ist der Magen vorzugsweise Gallenblase,
mit Galle strotzend gefüllt. — Eine Rückbildung der Genitalien tritt
bei den Schnecken während des Winterschlafs nicht ein, auch der
Liebespfeil wurde vollständig gefunden. — Auch über die Sterblich-
keit und das Zerfallen der Leichen sind viele Beobachtungen ver-
zeichnet. Die Abbildungen stellen die Lage der Gehäuse und der
darin enthaltenen Thiere, die Beschaffenheit der Deckel, des Schleims,
der Harnkörper, Harnzellen und Harnkörperzellen, Crystalle aus
dem Blut u. s. w . dar.
Arthur Adams giebt Notizen, die sich auf die äussere
Erscheinung beziehen, über die Thiere von verschiedenen
Mollusken; namentlich wird die Beschaffenheit der Fühler, die
Lage der Augen, die Farbe und dergl. angegeben. Diese An-
gaben würden mehr Interesse haben, wenn überall die Species
angegeben wäre, an der die Beobachtungen gemacht worden
sind. (Proc. zool. soc. p. 19. Annais XIX. p. 411).
Milne Edwards veröffentlichte in einer ausführlicheren
Abhandlung seine bereits im vorjäiirigen Berichte p. 377 be-
sprochenen Beobachtungen über die Circulation bei den Mol-
lusken, namentlich in Bezug auf die Gattungen Haliotis und
Naturgeschichte der Mollusken während des Jahres 1847. 223
Patella. Daran schliessen sich die Beschreibungen des Cir-
culations-Apparates von Loligo, Aplysia, Tethys, Helix, Tri-
ton und Pinna. Die Abhandlung ist durch schöne Abbildun-
gen von Haliotis , Patella, Tethys und Pinna geziert. (Anna-
les des sciences nat. Vlll. p. 37).
Loven theilte der Schwedischen Academie seine Unter-
suchungen über die Mundtheile der Schnecken mit (Öfversigt
af Kongl. Vetensk-Acadeniiens Förhandlingar 1847. p. 175),
und bereicherte so das Material für die Kenntniss des so
wichtigen Kauapparates sehr bedeutend. Wälirend bisher nur
vereinzelte Untersuchungen über diesen Gegenstand veröffent-
licht waren , sind hier gegen hundert Arten hinzugefügt, so
dass nunmehr aus den meisten Gruppen der Schnecken die
Mundtheile einzelner Arten bekannt sind. Es erhellt aus die-
ser Arbeit von Neuem , wie die verwandten Formen in dem
Bau der Mundtheile ähnlich sind, und der Verf. tritt der An-
sicht des Ref., dass diese Theile für die Systematik von äus-
serster Wichtigkeit sind, vollkommen bei. Verf. hält es auch
für möglich, von den fossilen Arten diese weniger leicht zer-
störbaren Theile aufzufinden, und so einen Aufschluss über
die Verwandtschaft mit den noch lebenden Arten zu gewinnen.
In der vorliegenden Abhandlung ist Verf. auf die Kiefer nicht
eingegangen, er beschränkt sich auf die Beschreibung der sogenann-
ten Zunge, und bildet dieselbe von 91 Arten auf sechs Steindruck-
tafeln vortrefflich ab, indem er von jeder Zunge nur eine Querreihe
von Zähnen darstellt. Dies reicht .auch völlig aus, indem die hinter-
einander liegenden Querreihen fast überall völlig übereinstimmen.
Nur ein Beispiel wird angegeben, Eledone cirrhosa, v;o die abwech-
selnden Querreihen übereinstimmen, aber zwei einander folgende
einander etwas unähnlich sind. Verf. führt eine neue Terminologie
ein: Jede Reihe ist nach der Länge der Zunge durch eine mehr oder
weniger deutliche Mittellinie getheilt, welche eine Rhachis zwischen
den beiden übereinstimmenden Seiten (pleurae) bildet. Die Rhachis
trägt meist einen oder mehrere Zähne (dentes), aber sie ist zuweilen
ganz unbewaffnet und trennt als eine nackte Stelle die pleurae, welche
selten unbewaffnet sind, sondern fast immer jederseits mit einem
oder mehreren, oder sehr vielen Haken (uncini) bewaffnet sind.
Diese Haken beugen sich nach der Rhachis hin oder von derselben
ab. Ausserhalb der pleurae liegt zuweilen auf jeder Seite ein limbus,
am gewöhnlichsten nackt, zuweilen mit Platten belegt. Die Zähne
und Haken sind gewöhnlich durchsichtig, mit einiger Färbung von
Braun oder Gelb, nur Patella und Chiton machen hiervon eine Aus-
224 Troschel: Bericht über die Leistungen in der
nähme, indem die Hakenköpfe von undurchsichtigem Stoff sin und
sich leicht von den Grundtheilen ablösen. Nur selten zeigt sich in
der Anordnung der Zähne eine Schiefheit, wie bei Triopa lacer, Di-
phyllidia lineata, Emarginula crassa, Dentalium entalis. (Ref. kann
diesen noch Fissurella hinzufügen). Bei der folgenden kurzen Be-
schreibung der einzelnen Zungen in lateinischer Sprache, hat der
Verf. zwar die ähnlichen Formen zusammengebracht, und nach ge-
wissen Grundsätzen geordnet, hat jedoch noch nicht diese Organe
zur Aufstellung eines eigentlichen Systems benutzt. Auch hat er die
übrigen Organe des Thieres nicht mit in die Betrachtung gezogen.
Dem Ref. ist jedoch diese Arbeit bei der Aufstellung seines Systems
der Schnecken , wie es in der dritten Ausgabe von Wiegmann's Hand-
buch der Zoologie enthalten ist, von wesentlichem Nutzen gewesen.
V. Baer spricht sich in einem Briefe (Schieiden undFro-
riep Notizen I. p. 129) über Steenstrup's Werk über den Her-
maphroditismus aus. Die künstlerische Anlage des Werkes
wird sehr anerkannt, dasselbe auch nützlich gefunden; nur
dem Resultat kann v. Baer nicht beistimmen.
Bei dieser Gelegenheit wird erwähnt, dass Verf. aus dem Zeu-
gungsorgan von Doris nach Belieben nur Sperma oder Eier entnom-
men habe. Dieses Organ zeigt nämlich an seiner Oberfläche ein
gelbliches Netz, das durchsichtige Maschen umschliesst. Stach Verf.
mit feinen Nadeln diese hellen Räume auf, so drang nur Sperma,
nie ein Ei hervor; dagegen fand Verf. , dass die mit Sperma erfüllten
cylindrischen Räume von Scheiden umgeben werden, die an der
Oberfläche als ein Netz erschienen und die Eier enthielten. Kurz,
das zeugende Organ dieser Doris erschien so gebaut, als wenn das
in gesonderte Gänge zerfallene Zeugungsorgan der Landschnecken
sich in eine Masse vereinigt hätte.
Sehn et zier hält die gestielte Blase der Lungenschnecken
nicht für eine Samentasche, sondern für ein Secretionsorgan,
in welches nur zufällig Samen geriethe. Er schliesst dies
daraus, vveil bei Limax und Testacella die Insertion des Aus-
führungsganges der Blase gegen das Eindringen des Samens
sprechen, ebenso bei Testacella, wo der Ausführungsgang in
den Ausführungsgang des Hoden in der Nähe seiner Mündung
sich begiebt. (Supplement ä lä bibliotheque universelle de Ge-
neve; Archives des sciences physiques et naturelles par de
la Rive, Marignac et Pictet 1847. IV. p. 323).
W. Carp enter gab in dem Report of the 17 Meeting
of the British Association for the advancement of science held
at Oxford in June 1847. London 1847 einen zweiten Theil
Naturgeschichte der Mollusken während des Jahres 1847. 225
seiner Untersuchungen über die mikroskopische Striiotnr der
Musclielschalen , der sich an die Untersuchungen vom Jahre
1844 anschliesst. (Vergl. dies Archiv 1844. II. p. 350). Es
werden zunächst einige Nachträge zu dem früheren Theil ge-
geben. Die folgenden Abschnitte beziehen sicli auf die Mu-
schelfamilien der Mytilaceen, Tridacnaceen , Chamaceen, Tri-
gonaceen , Arcaceen, Cardiaceen, Conchaceen, Nymphaceen,
Mactraceen , Myaceen, Solenaceen, Tubicolen; ferner auf die
Gasteropoden und Cephalopoden. Hierzu gehören 20 Tafeln
mit Abbildungen.
C. F. Naumann unterwarf die Gehäuse der Gasteropo-
den und Cephalopoden einer mathematischen Untersuchung in
einem Aufsatze: Ueber die Spiralen der Conchylien (Abhand-
lungen bei Begründung der Königl. Säclisischen Gesellschaft
der Wissenschaften am Tage der zweihundertjahrigen Geburts-
feier Leibnizens, herausgegeben von der fürstlich Jablonows-
kischen Gesellschaft. Leipzig 1846. 8. p. 151). Es wird zuerst
die Theorie der Conchospirale, sowohl der einfachen als der
zusammengesetzten, entwickelt; darauf in einem zweiten Ab-
schnitt die Nachweisung der Conchospirale in der Natur an
Gasteropoden und Cephalopoden geführt. Als Beispiele sind
gewählt: Helix nemoralis, Solarium perspectivum, Natica glau-
cina, Natica aperta, Turritella terebellata, imbricataria und
carinata, Cerithium lignitarum, Pleurotomaria conoidea, und
mehrere Ammoniten.
Am 27. Februar 1847 las in der Sächsischen Gesellschaft
der Wissenschaften derselbe Verf. eine Abhandlung über
die cyclocentrische Conchospirale, und über das Windungs-
gesetz von Planorbis corneus (Berichte über die Verhandlun-
gen der Königl. Sächsischen Gesellschaft der W'issenschaften
zu Leipzig. Erster Band. Leipzig 1848. p. 164).
Cepiialopoda.
L. Reeve sprach in der Versammlung Englischer Natur-
forscher über die Verschiedenheit der Schalenabsonderung bei
den Cephalopoden ; bekanntlich hat allerdings die Schale von
Sepia, Nautilus, Argonauta und Spirula, sehr verschieden
gebaut und von verschiedenen Organen des Körpers abgeson-
226 Troschel: Bericht über die Leistungen in der
dert, auch eine sehr verschiedene Lage. (Athenaeum Nr. 989;
Schieiden und Froriep Notizen L p. 88).
Heber die Nieren der Sepia oder die sogenannten Venen-
anhänge schrieb Emil Harless in diesem Archiv 1847. p. 1.
lieber die männliclien Geschlechtstheile der Sepiola vul-
garis von Rud. Leuckart ebenda p. 23.
,,Nogle nye Cephalopoder, beskrevne og anatomisk un-
dersögte af Victor Pro seh". Aus den Schriften der Däni-
schen wissenschaftlichen Gesellschaft. 5. Folge. 1. Band. Ko-
penhagen 1847. Dieser Aufsatz enthält die Aufstellung und
Beschreibung eines neuen Octopus arcticus, und einer neuen
Cranchia (Owenia) megalops. Von ersterem sind die männ-
lichen Geschlechtstheile, von letzterem das ganze Thier ab-
gebildet.
Octopus arcticus corpore ovato-cordato , superne granulationibus
regulariter aggregatis ornato; cirrhis super oculis singulis, brachiis
brevibus, acuminatis, contortis, inaequalibus; acetabulis parvis, ele-
vatis, Serie duplici alternantibus. Ordo longitudinis brachiorum 1.
2. 3. 4.
Von der Gattung Cranchia , die Verf. in zwei Untergattungen
zerfällt, wird folgendes Schema gegeben:
Genus Cranchia (Leach). Corpus flaccidum; pinnae terminales
minimae; caput parvura; brachia brevia intra tentacula posita. Testa
interna filiformis, longitudine ipsius sacci. Saccus cum tubo conti-
nuitate integumentorum conjunctus
Subgenus Cranchia Leach: Saccus et coUum continuitate cutis
juncta
C. scabra Leach. Corpus scabrum; brachia sex superiora
membrana natatoria juncta. Pinnae rotundatae. Longitudo
parium brachiorum 3. 2. 4. 1.
C. maculata Leach. Corpus laeve, maculis ovalibus sparsis
ornatum.
Subgenus Owenia Presch. Saccus cum collo pseudo-articula-
tione junctus.
O. megalops Frosch. Brachia perbrevia; tentacula per totam
longitudinem cotylis praedita. Pinnae lunatae. Oculi permagni.
Longitudo parium brachiorum 3. 2. 4. \.
Van der Hoeven machte in der British Association am
28. Juni 1847 eine Bemerkun^g über den Nautilus Pompilius,
nach der es sich besonders herausstellt, dass die Zahl der
Tentakel nicht eine constante sei. (Report of the 17 Meeting
1847. p.77; The Athenaeum Nr. 1028. p. 747; Schieiden und
Froriep Notizen IV. p. 33).
Naturgeschichte der Mollusken während des Jahres 1847. 227
Oasteropoda.
Heteropoda.
J. Müller erwähnt (Müller's Archiv ct. 1847. p. 157) der Arbeit
von Wilms über Sagitta, erklärt die Art für neu, und giebt ihr
den Namen 5. setosa.
Pulmonata operculata.
Referent stellte innerhalb der grossen Gattung Cyclo-
stoina mehrere neue Gattungen auf (Zeilschr. für Malacoz.
1847. p. 42). Es sind folgende:
1. Cyclostoma s. str. (C. elegans ct.). 2. Poniatias Studer. 3.
Aulopoma mit wunderbarem einer Planorbis ähnlichem Deckel,
und abgelöstem Mundsaum. A. Hofmeisteri n. sp. 4. Aperostoma
Deckel mit vielen Windungen, Schale kreisförmig, flach (C. Volvulus).
5. Tropidophora Schale mit lamellenartigen Kielen umgeben (C.
Cuvierianum). 6. Farcimen Deckel mit vielen Windungen, Ge-
häuse walzenförmig. 1.' Myxo Stoma Deckel mit vielen Windungen,
dick, lamellös; Schale flach; Mundsaum doppelt, der äussere mit
einem dillenartigen Vorsprung (C. Petiverianum). 8. Pterocyclos
Benson (Steganotoma Trosch.).
An den eben erwähnten kleinen Aufsatz anschliessend bemerkt
Pfeiffer ib. p. 45, dass er die Gattung Aperostoma auf die Arten mit
kalkigem Deckel beschränken zu müssen glaubt, denen mit dünnem
hornartigen Deckel giebt er den Namen Cyclophorus; freilich
möchten sie ohne den Deckel schwer zu unterscheiden sein. Ausser-
dem fügt er noch drei Gattungen hinzu: Leptopoma Deckel haut-
artig dünn, Mundsaum einfach, nicht zusammenhängend (C. immacu-
latum). Choanopoma Deckel kalkartig, dünn, aussen mit einer
scharfen Spiralen Lamelle, Mundsaum doppelt, der äussere umge-
schlagen (C. Lincinum). Craspedopoma Deckel fest, eng gewun-
den, innen concav, grösser als die Mündung, und mit einer ringför-
migen Leiste auf die Mündung passend ; Schale kreiseiförmig (C. lu-
cidum Lowe). Zugleich macht Verf. Bemerkungen über Arten der
Gattung Aulopoma Trosch., und vermuthet, dass in diese Gattung
drei Arten gehören, deren Synonymie er angiebt. Daran schliessen
sich Bemerkungen über einige Arten aus der Cuming'schen Samm-
lung, und endlich die Beschreibung dreier neuer Arten: C. campa-
nulatum, Hanleyi und Sowerbyi, alle ohne Angabe des Vaterlandes.
Die beiden ersteren gehören zu Tropidophora, die letzte zu Cyclo-
phorus Montf.
In derselben Zeitschrift veröffentlichte Pfeiffer eine
„Uebersicht aller bekannten Arten von Cyclostomaceen".
In derselben werden 260 Arten den zum Theil neuerlichst auf-
Arrhiv f. Naturgescb. XIV. Jahrg. 2. ßcl. P
228 Tr ose hei: Bericht über die Leistunj^en in der
gestellten Gattungen, die mit Diagnosen versehen sind, zugewiesen.
Es sind folgende: Aperostoma Tr. mit 23 Arten, Cyclostoma Lam.
emend. mit 79, Tropidophora Tr. mit 15, Choanopoma Pfr. mit 12,
Cyclophorus Montf. mit 39, Leptopoma Pfr. 21, Chondropoma Pfr.
mit 6, Megalomastoma Guild. (zu der Farcimen Tr. als ünterabthei-
lung gebracht wird) mit 11, Pupina Vign. mit 10, Callia Gray mit 1,
Pomatias Studer mit 9, Aulopoma Tr. mit 4, Craspedopoma Pfr.
mit 1, Myxostoma Tr. mit 1, Pterocyclos Benson mit 5, Acicula
Hartm. mit 2, ? Geomelania Pfr. mit 1, ? Truncatella Risso mit 14,
?Hydrocena Parr. mit 6 Arten. Ausserdem bleiben dem Verf. 9 un-
gewisse Arten übrig.
Cyclostoma speciosufii und Mettkeänum Philippi ib. p.l23. —
C. (Chondropoma) guadeloupense Pfr. ib. p. 124. — C. a?ifiulatum
Troschel ib. p, 150. — Pterocyclos Alber si Pfr. ib. p. 151.
Cyclostoma It/eri Giierin Rev. zool. 1847. p. 1 ist jedenfalls ein
Aulopoma, und vielleicht, da es auch von Ceylon stammt, identisch
mit A. Hofmeisteri Trosch.
Helicina Bronniana und pisum von den Sandwich-Inseln, Horn-
beckii von St. Thomas, crassilabris von den Sandwich-Inseln, Men-
keatia, columbiana von Columbien Philippi Zeitschr. für Malacoz.
p. 124. — H. nicobarica Phil. ib. p. 149 von den Nicobarischen In-
seln. — H. lirata Pfr. von Mexico, Tilei Pfr. von Brasilien ib.
p. 150. — H. constellata Morel et von der Insel Pinos, südwestlich
von Cuba. Rev. zool. 1847. p. 144.
Pfeiffer giebt „Aphorismen zur Geschichte der Helici-
naceen*' Bemerkungen über einige Untergattungen und Arten
dieser Familie, ib. p. 151..
Cfenobranchia.
Paludiua decollata Siemaschko I.e. testa subcylindrica, co-
noidea, subpellucida, crassiuscula, lutea, anfractibus quinis subven-
tricosis, spira obtusa; sutura subprofunda. 3-|"'- Im Gouvernement
Petersburg unweit Jamburg.
Die .der Gattung Melania bestimmte Tafel im 6ten Heft des zwei-
ten Bandes bei Philippi Abb. stellt dar: M. brasiliensis (Melano-
psis Moricand), Gruneri Jonas, obesa Ph. von Neuholland, helena
Meder von Java, inhonesta v. d. Busch von Java, riviilaris Ph. von
Java, turgidula von China, semicostata von Java, scabrella von
Java, pyramis v. d. Busch, saturalls Ph., porcata Jonas, subnodosa
Ph. von Central- Amerika, coarctata Lam., crenocarina (Melanopsis
Moric), vnriabills (Melanopsis) v. d. Busch von Persien, Kotschyi
(Melanopsis) v. d. Busch ebendaher, Parrey^m (Melanopsis) Mühlf.
aus Ungarn. Ref. kann der Ansicht des Verf. nicht beitreten, der
vor der Hand die Gattungen Melania und Melanopsis, keine scharfe
Grenze findend, vereinigt.
Naturgeschichte der Mollusken während des Jahres 1847. 229
Litorina tab. 111. bei Philippi Abb. Heft 6 enthält folgende
Arten: L. trochoides Gray, tiotaletisis Krauss verwandt mit nodulosa
L-, miliaris Q. et G., nodosa Gray, suhnodosa Ph. aus dem rothen
Meer, brevicula Ph., leucoslicta Ph., Orbignyana Ph., ziczac (Tro-
chus Chemn.), lineata d'Orb., carinata d'Orb., piisilla Ph. schwarz
mit zerfressener Spitze, mauritiana (Phasianella Lam), syriaca Ph.
von den Küsten Syriens, zebra (Turbo Wood, Phasianella peruviana
Lam.), neritoides (Turbo Linn.) , paytensis Ph. von Peru, picta Ph.
von den Sandwich-Inseln. — Tab. IV. ib. Heft 7 stellt folgende Arten
dar: L. diemensis Q. et G. antipoduni Ph. von Neu-Seeland, denol-
lata Kraus s von Natal, kitysnaensis Kraus s vom Cap, araucana
d'Orb., minima Gray, guttataPh. (Phas. punctata Pfr.), pulchella
Dkr. , punctata Desli. , africana Krauss vom Cap, reticulata Anton,
striata King, aspera Ph. von Sitcha, conspersa Ph. Stille Ocean bei
Central-Amerika, puncticulata Ph. ebendaher, planaxis Nuttall, flava
Brod., cincta Q. et G., cingulifera Dkr., pintado (Turbo Wood). —
Auf Tab. V. Hefts sind folgende Arten darsestellt : L. fasciata Gray,
scabra (Helix L.) mit 7 Varietäten, intermedia Ph., angulifera (Pha-
sianella Lam.) mit 5 V^arietäten , melanostoma Gray, undulata Gra}',
nebulosa (Phasianella Lam.), columellaris d'Orb., tigrina d'Orb., tessel-
lata Ph. (undulata d'Orb.), carinifera (Phasianella Menke). — Auf Tab.
VI. H. 1 des dritten Bandes : L. conica Ph. , Sieboldii Ph, , pallescens Ph.,
laevis Ph., debilis Ph., aberrans Ph., cingulata Ph., Sayi Ph., mo-
desta Ph., sitchanaPh. , porcata Ph., colum?ia Jonas, lemniscata Ph.,
malaccana Ph., ventricosa Ph., beide von Pulo Pinang, mespilum
(Helix V. Mühlf.), flammea Ph., sifiefist's Ph., beide von China, spi-
tinlosa Ph. von Manila, Cumingii Ph , tenuis Ph., sulculosa Ph.
Rissoa Barleei Jeffreys Annais XIX. p. 310. — il. striatiila id.
ib. XX. p. 16.
Rissoina grandis von den Philippinen, cancellata von Cuba
Philippi Zeitschr. für Malacoz. p. 127.
Odostomia eulimoides Jeffreys Annais XX. p. 16.
EuUmella gracilis Jeffreys ib. XIX. p. 311.
Crepidula uncata Menke Zeitschr. für Malacoz. p. 184.
Natica iostoma Menke ib. p. 178.
Dibaphus nov. gen. Philippi, dies Archiv 1847. I. p. 61.
Lovell Reeve las in der Linnean Society einen Auf-
satz „On the calcifying fonctions of the Cowry and the Olive,
two genera of Pectinibranchiate Mollusks." Verf. macht dar-
auf aufmerksam , dass bei Cypraea der Mantel fast ganz um
die Schale geschlagen ist, und daher die äusserste Schicht
der Schale erst abgesondert wird, wenn dieselbe ausgewachsen
ist, wogegen Oliva in allen Grössen dasselbe Ansehn hat, da
die Kalkabsonderung nur an der Aussenlippe geschieht. (An-
nais XIX. p. 198).
[ZI \ L I ?j f
230 Troschel: Bericht über die Leistungen in ^er
Redfield hält Cypraea reticiilata Martyn und C. histrio Meu-
schen für specifisch verschieden (Annais of New York Lyceum of
nat. hist. Vol. IV. July 1847), nachdem sie von den verschiedenen
Schriftstellern confundirt worden waren, und giebt von ihnen Abbil-
dungen und folgende Diagnosen:
C. reticulata Martyn tcsta ovata, supra convexa, castanea,
albido ocellata, linea dorsali subcentrali, subsinuosa; lateribus al-
bido-lividis, aut plumbeis , incrassatis, nigro maculatis: basi sub-
plana, albido-livida, labio sinistro macula nigra magna notato; rima
subcurva, dentibus castaneis, extus subproductis. Aus dem stillen
Ocean.
C. histrio Meu sehen testa ovata, ad extremitates subattenuata,
supra convexa, interdum turgida , castanea, ocellis albidis rotundatis
aut polygonis; macula nigra juxta spiram; linea dorsali recta, pro-
piore latus sinistrum, lateribus albido -fulvis, nigro sparsim macu-
latis; basi subconvexa, albido -fulva aut violascente; rimä subrecta,
dentibus castaneis, extus non productis. Aus dem Indischen Ocean.
Cypraea venusta Sowerby von Adelaide in Süd-Australien An-
nais XIX. p. 346. — C Comptonü Gray bei Beete Jukes 1. c.
Graubraun, mit drei dunkleren Binden von Port Essington.
Erato columbella Menke Zeitschr. für Malac. p. 183.
Ancillaria tricolor Gray I.e. bei Beete Jukes purpurbraun,
an der Basis mit einer breiten hell orange braunen Binde. Cap York
im Sande. — A. elongata ib. weiss, glatt. Dupeeck's Insel.
Pleurotoma scabrum Jeffreys Annais XIX. p. 311. | Zoll.
Valuta Sophia Gray ist bei Beete Jukes 1. c. abgebildet.
^ Bei Philippi .Abb. sind folgende Arten der Gattung Murex III. 2.
abgebildet: M. Beckii Ph. , angularis Lam., craticulatus Fabr. , lamel-
latus (Buccinum Gm.).
Bei Gelegenheit der Aufzählung eines Molluskenfanges an der
Küste von Durham (Notes on a dredging excursion of the coast of
Durham with descriptions of the Ova-capsules of Fitsiis Norvegicus
and F. Ttirtoni) bildet Richard Howse die beiden genannten Ar-
ten nebst den Deckeln, den Eihülsen und den Embryonen ab. F.
norvegicus hat Eihülsen von 1 Zoll Durchmesser, und enthält 2 — 3
Embryonen von ^ bis ^ Zoll; F. Turtoni enthält 6 Embryonen von
^ bis y Zoll in einer Hülse von ^^ Zoll; F. antiquus hat 2 — 4 Em-
bryonen von ^ Zoll in Hülsen von ^ Zoll; Buccinum undatum da-
gegen legt Hülsen von ^ Zoll, in denen 24 Embryonen von y'^^ Zoll
enthalten sind. (Annais ct. XIX. p. 160). — Bei Philippi Abb. sind
Heft? Fusus Philippii Jonas, Dunkeri Jonas, Winteri D unk er von
Java, altertiatus Ph., inßatus Dkr. von Java, costularis (Murex
Lam.), purpuroides d'Orb. abgebildet.
Pyrula idoleum Jonas. Proc. zool. soc. December 1846.
Albany Hancock beschreibt (Annais ct. XIX. p. 150) drei Va-
rietäten von Buccinum undatum. Zur ersten werden B. anglicanum
Naturgeschichte der Mollusken während des Jahres 1847. 231
Brown, B. striatum Penn, und B. carinatum Turt. gezogen; zur
zweiten B. %etlandicum Forb. und B. acumhiatuni Brod. — 16 neue
Arten Buccinum beschreibt Duiiker Zeitschr. für Malacoz. p. 59. —
B. gilvum Menke ib. p. 180.
Bei Philippi Abb. Heft 7 sind Purpura bimaculata Jonas, gra-
data Jonas, floridana Conrad und muricata Brod. abgebildet.
Bei Philippi Abb. 111. 2 sind Dolium crenulatum Ph., varie-
gatum Lam., und Kietieri Ph. (D. variegatum Kiener t. 2. f. 3) abge-
bildet.
Scalaria striata Gray bei Beete Jukes I.e. weiss mit vielen
engen, schwachen Lamellen. Port Essington.
In den iMemorie di matematica e di fisica della Societä italiana
deile scienze residente in Modena. Tomo XXlIl. Modena 1844. 4.
p. 312 findet sich: Descrizione e notomia della Jantina e del suo
mollusco scritta dal professore Stefano Delle Chiaie. Die Gat-
tung Janthina soll eine besondere Familie der Ossistoma von Blain-
ville bilden, die Verf. Jantinica nennt. Das Thier wird zuerst zoo-
logisch, dann anatomisch beschrieben. Keine Abbildung.
(Wegen des Zweifels, den ich über die systematische Stellung
der Gattungen Scalaria und Janthina hege, ordne ich sie hier am
Ende der Kammkiemer ein).
Rhipidoglossa.
Versuch einer systematischen Eintheilung des Geschlechtes
Trochus von Philippi (Zeitschr. für Malacozoologie 1847,
p. 3 und 17). In dieser Arbeit, die ich für eine sehr ver-
dienstliche halte, besonders weil der Verf. die Mühe nicht
gescheut hat, die alten Namen von Gattungen und Untergat-
tungen zu prüfen und zu sichten , wird die Familie der Tro-
choideen sehr weit gefasst, indem auch Haüotis und Verwandte
herangezogen werden, die wohl verwandt, aber doch der Fa-
milie nach zu trennen sind. Solarium ist jedenfalls aus dieser
Familie zu entfernen. Hier lässt sich Verf. nur auf eine Ein-
theilung der alten Gattungen Trochus und Monodonta Lam.
ein. Er kommt zu dem Resultat, folgende Gattungen für
begründet zu halten.
1. Calcnr Montf. mit kalkigem Deckel (einschliesslich Bolma
Risse = Tubicanthus Swains., und Imperator Montf. = Canthorbis
Swains.). Alle übrigen haben hornige Deckel.
2. Xenophorus Fischer (Phorus Montf., Onustus Swains.)
dünnschalig, flach, klebt fremde Körper an, gehört vielleicht nicht
hierher, sondern in die Nähe von Litorina.
3. Monodonta Swains. mit scharfem Zahn an der Basis der
232 Troschel: Bericht über die Leistungen in der
Columella ( M. tectum, modulus» carchedonius). Gehört vielleicht
auch in die Nähe von Litorina.
4. Pyramis Seh um. (Pyramidea Swains. ) kegelförnnig, unge-
iiabelt, ein Ausschnitt unten an der kurzen gedrehten Spindel.
5. Polydotita Schum. kegelförmig, mit falschem Nabel, rau-
tenförmiger Mundöffnung. (Infundibulum Montf. , Carinidea Swains.
werden nicht getrennt).
6. Clanculus Montf. (Otavia Risso, Monodonta Bronn, Fra-
gella Swains.) konoidisch, mit falschem Nabel, verschiedene Zähne
an den Mundrändern.
7. Trochus Risso mit Tr. conulus als Muster, aber nicht
scharf zu charakterisiren , weil sie einen sehr weiten Umfang erhält.
8. Oxystele Phil. nov. Gen. undurchbohrt, mit schräger schnei-
dender, unmittelbar in den äussern Rand der Aussenlippe übergehen-
der Spindel, eine breite nicht schwielig verdickte Ablagerung von
porcellanartiger Kalkmasse bedeckt die Nabelgegend, und verläuft
sich in die Innenlippe. Alle in Südafrika.
9. Diloma^hW. nov. Gen. Unterscheidet sich von voriger Gat-
tung dadurch, dass der Spindelrand nicht in den äussersten Rand
des Labrum's übergeht, sondern einen erhabenen Saum innerhalb
desselben und mit ihm parallel, bildet. Im südlichen Theil des
stillen Oceans.
10. L a bi 0 OkGW (Trochidon Swains.) hat wie vorige einen
doppelten Mundsaum, aber die Spindel ist schwielig verdickt und
mit einem vorspringenden Zahn versehen.
11. Osilinus Phil. nov. Gen. Anstatt des Zahns der vorigen
nur ein stumpfer Höcker, kein porcellanartiger innerer Saum.
12. Euchelus Phil. nov. Gen. kreisförmige Mundöffnung, ein
kleines Zähnchen am Ende der Spindel, eine einfache verdickte,
innen vielfach gekerbte Aussenlippe und zahlreiche körnige Quer-
gürtel.
13. Margarita Leach mit sehr dünnem Gehäuse, stark ge-
rundeten Windungen, fast kreisrunder Mündung mit beinahe zusam-
menhängendem Mundsaum und dünner schneidender gebogener Spindel.
14. Cittarinm Phil. (Meleagris Montf. schon bei den Vögeln
vergeben) genabelt, ein Theil der Innenlippe bildet einen, einen
Theil des Nabels umfassenden Callus, welcher mit einer Leiste in
den Nabel hineingeht; Spindel ungezähnt. Turbo pica.
15. Omphalius Phil. nov. Gen. besitzt einen deutlichen Nabel,
einen denselben zum Theil ringförmig umgebenden Callus, eine aus-
geschnittene Columella.
16. Chlorostonia Swains. ungenabelt, mit einer Nabelschwiele
und Zähnen am Ende der Columella, von Omphalius durch das Feh-
len des Nabels unterschieden.
17. Gib btila Wi^so (mit Einschluss von Phorcus) mit weitem
Nabel und einer geraden, ziemlich schneidenden, zahnlosen Spindel,
Naturgeschichte der Mollusken wahrend des Jahres 1847. 233
welche sich unmittelbar, ohne Einschnitt, in die Innenlippe fortsetzt
(Tr. magus).
18. Craspedotus P hil. nov. Gen. zeichnet sich vor allen Tro-
choideen durch den wulstartigen Saum aus, der aussen vor dem
Rande des Nabels steht, wie bei Tritonium (Monodonta limbataPh.).
Ausserdem nennt Verf. noch einige Arten, die er nicht wohl
unterzubringen weiss: Tr. virgatus, limbatus, triumphans und callo-
sus. — Tr. calliferus Lam. ist von Swainson zur Gattung Moni-
lea erhoben, die Verf. zweifelhaft lässt.
Imperalor 7iobiIis Gray 1. c. bei Beete Jukes die Windungen
unten mit einem breit ausgebreiteten gefalteten Rande. Darnley-
Insel.
Mnrgarita pusilhi Jeffreys Annais XX. p. 17 kuglig, glänzend,
glatt, Nabel eng.
Die Gattu. g Turbo, von Philippi in Kiister's neuer Ausgabe
des Conchylien-Cabinets bearbeitet, ist in der 65 Lieferung beendet,
und enthält im Ganzen 60 Arten. Mehrere Arten sind nicht eigent-
lich neu, aber doch hier zum erstenmal abgebildet, andere sind
auch hier zum erstenmal aufgestellt. T. mollucceiisis Ph. mit kuglig
kegelförmiger Mündung, wenig erhabenen Rippen, fast kreisrunder
Mündung. Amboina. — T. concmnus Ph. langstreckiger als vorige,
sonst ihr ähnlich. -- T. Gruneri von Adelaide, gerippt, fleischfarbig
mit dunklen Flecken. — T. modestus P h. grau mit dunkelgrünen
Punkten , verwand.t mit T. coronatus. — T. elegans P h. mit glatten
Querrippen, gewölbten Windungen. — T, exilis Ph. sehr klein, roth,
verwandt mit T. sanguineus. — T. squamosus Gray I.e. bei Jukes
ist grünbraun , genabelt. Port Essington.
Eine Monographie der Gattung Nerita kündigte Pouch et an
(Comptes rendus XXV. p. 808).
Nerita multijugis Menke Zeitschr. für Malac. p. 179.
ISeritina Velascoi und Valentiiia Graells 1. c. aus der Provinz
Valencia in Spanien.
Auf Tafel 5 und 6 der Gattung Haliotis bei Philippi Abbild.
Heft 6 des zweiten Bandes sind H. nodosa und sulcosa Ph., beido
schon 1845 in Zeitschr. für Malac. aufgestellt, abgebildet. Einige
Bemerkungen über andere Arten sind ib. angefügt. — Ebenda Heft 8
finden sich die Tafeln 7 und 8 der Gattung Haliotis gewidmet. Sie
enthalten H. fulgens Ph. und kamtschatkana Jonas.
Fissurella solida Philippi Zeitschrift für Malacozoologie p. 120.
— F. chlorotrema ^ humilis ^ gemmata Menke ib. p. 186.
Stoviaiella elegans Gray 1. c. bei Jukes länglich, niedrig,
weiss, schwarz getleckt, eng spiral gestreift. Raine's Insel. — St.
rufescens ib. fast kreisförmig, braun, ebendaher.
Cyclobranchia.
Acmaea mitella Menke Zeitschr. für Malac. p. 187.
234 Troschel: Bericht über die Leistungen in der
Reeve machte Bemerkungen über die abweichende Lebensweise
der Gattungen Chiton und Chitonellus. Während die Chitonen ange-
heftet an Steinen oder Museheistücken im tiefen Wasser leben, oder
häufiger unter Steinmassen und an offenen Felsen an der Grenze des
niedrigen Wasserstandes, bewohnen die Chitonellus Höhlungen und
Löcher, die entweder natürlich, oder von andern Mollusken gebohrt
sind, in die sie sich drängen, indem sie ihren Körper auffallend ver-
schmälern, oder sich im rechten Winkel umbiegen. Die, welche
nur zum Theil in die Höhlungen eingedrungen waren, zerrissen, wenn
man sie herausziehen wollte. So wurde es von Cum in g und Capt.
Belcher beobachtet. (Annais XIX. p. 455).
J. E. Gray theilte die Familie der Chitonen in 15 Gat-
tungen (Proc. zool. SOG. 1847. p. 63; Annais XX. p. 67) und
giebt von ihnen folgende Uebersicht:
I. Mantel einfach, ohne Poren oder Dornenbüschel an den Seiten.
Ä. Die Insertionsplatte der vordem und hintern Schale in einige
und die der mittlem Schalen in zwei Lappen getheilt.
a. Die Schalen frei, breit, mit regelmässigem, gleichen begrenz-
ten Insertionsrande, der in zwei mehr oder weniger gezähnte Lappen
getheilt ist. Die hintere Schale mit einem oberen, subcentralen
Apex.
1. Chiton Linn. Guild. Swains. Die hintere Schale ganz-
randig, Rand mit regelmässig gestellten dachziegelartigen Schuppen
bedeckt.
2. Tonicia Gray. Hintere Schale ganzrandig; Rand nackt.
3. Acant hopleura Guild. Hintere Schale ganzrandig, Rand
dornig oder borstig.
4. Schixochiton Gray. Hintere Schale mit einem tiefen Ein-
schnitt in der Mitte des hintern Randes; Mantel hinten geschlitzt.
b. Die Schalen frei, breit, die hintere Schale mit einer schwach
erhabenen (raised) glatten oder schwach gekerbten Insertionsplatte
(nicht an den Seiten in Lappen getheilt) und mit subterminalem Apex.
5. Corej)hiuin Gray. Die hintere Schale mit einem etwas er-
habenen Apex, und die Insertionsplatte gekerbt, mit einem kleinen
mittlem Spalt.
6. Plaxiphora Gray. Die hintere Schale mit einem vorge-
zogenen hintern Apex, und die Insertionsplatte ganzrandig, glatt,
rund; Schalen dünn, Mantel mit Borstenbüscheln.
7. Onitkochiton Gra.y. Die hintere Schale mit vorgezogenem
terminalen Apex; Insertionsplatte ganzrandig, abgerundet; Schalen
dick; Mantel bedeckt mit Dornen, Borsten oder spreuartigen
Schuppen.
8. Enoplochiton Gray. Die hintere Schale mit vorgezogenem
terminalen Apex; Insertionsplatte ganzrandig, abgerundet; Schalen
dick; Mantel bedeckt mit länglichen ungleichen Schuppen.
ß. Die Insertionsplatte aller Schalen mit einem einzigen Ein-
Naturgeschichte der Mollusken während des Jahres 1847. 235
schnitt an jeder Seite. Die Schalen mehr oder weniger bedeckt;
die hintere Schale mit ausgebreiteten Insertionsplatten (wie an den
mittleren Schalen) mit einem einzigen Einschnitt an jeder Seite, un-
terhalb mit einer concaven Ausbiegung.
9. Mopalia Gray. Der freie Tbeil der Schalen quer, breit;
Insertionsplatten massig, Mantel dornig, Vorderrand zuweilen aus-
gebreitet.
10. Katharina Gray. Der freie Theil der Schalen klein,
herzförmig, so lang wie breit; Mantel glatt.
11. Cryptochtton Gray. Schalen ganz verborgen; Mantel mit
Dornenbüscheln bedeckt.
11. Mantel mit einer Porenreihe (jeder mit einem Büschel von
Dornen versehen) jederseits. Die Insertionsplatten aller Schalen mit
einem einzigen zuweilen rudimentären Einschnitt an jeder Seite.
12. Cryptoconchns Blainv. Der freie Theil der Schalen
sehr klein, linienförmig, viel länger als breit; Mantel glatt.
13. Amicula Gray. Der freie Theil der Schalen klein, fast
herzförmig, so breit wie lang; Mantel borstig.
14. Acanthochites Leach. Der freie Theil der Schalen mas-
sig, breit, herzförmig, so lang wie breit, Mantel dornig.
15. Chitonellus Lam. Der freie Theil der Schalen linear-
lanzettförmig, länglich; Körper wurmförmig, Mantel dornig.
Bei jeder Gattung sind die dahingehörigen Arten angegeben (An-
nals XX. p. 131).
Später fügte derselbe Verf. noch vier Gattungen hinzu (Proc.
zool. soc. 1847. p. 126; Annais 2 Ser. I. p. 228), von denen drei auf
Kosten der Gattung Chiton des ersten Aufsatzes gebildet sind, indem
Chiton auf die Arten beschränkt wird, welche einen einzigen Ein-
schnitt an der Insertionsplatte der mittlem Schalen haben, und den
Rand der Insertionsplatte gelappt. Die 3 neuen Gattungen sind fol-
gende:
1. Radsia Gray. Die hintere Schale ganzrandig, Rand mit
regelmässig gestellten dachziegelartigen glatten Schuppen bedeckt;
Insertionsrand der mittlem Schuppen kammartig getheilt, und jeder
mit zwei Kerben versehen.
2. Callochiton Gray. Die Schalen gekielt, die hintere ganz-
randig; die Insertionsplatten etwas kurz, dick, die der Endschalen
in mehrere, die der mittleren in 4 zweitheilige Lappen getheilt.
Rand mit dachziegelartigen Schuppen.
3. IschnochitOH Gray. Schalen dünn, die hintere ganzrandig;
die Insertionsplatten sehr dünn, glattrandig, die der mittlem Schalen
mit einfachem Einschnitt. Rand mit sehr kleinen dachziegelartigen
Schuppen bedeckt.
4. Leptochiton Gray. Die Schalen abgerundet, dünn, die
hintere Schale ganzrandig; die Insertionsplatten rudimentär, ohne
Einschnitte, weder an den mittlem noch an den Endschalen. Mantel
mit granulaartigen Schuppen bedeckt.
236 Troschel: Bericht über die Leistungen in der
Beiträge zu einer Malacozoologia Rossica voiiDr. A. Th.
V. Midd endorff (Aus den Memoires sciences naturelles
Tome VI. de l'Academie Imperiale des Sciences de St. Peters-
bourg) 1847. 4. Hiervon enthält die erste Nummer die „Be-
schreibung und Anatomie ganz neuer, oder für Russland
neuer Chitonen , nebst kritischer Sichtung der schon bekann-
ten Russischen Arten", begleitet von 14 Steindrucktafeln.
In dieser für die Kenntniss der Chitonen im Allgemeinen und
der Kussischen insbesondere sehr wichtigen, gründlichen Arbeit geht
Verf. zunächst diejenigen Theile^des Thiers durch, welche ihm für
die Unterscheidung der Arten wichtig scheinen: 1. das ganze Schild,^
2. die Schalen, 3. der Mantelrand, 4. die Kiemen, 5. die Zunge, für
die hier die Bezeichnung Reibplatte angewendet wird. Namentlich
für die drei ersteren führt Verf. eine sehr bestimmte Terminologie
ein, die alle Berücksichtigung verdient. — Verf. sieht bei der syste-
matischen Eintheilung sämmtliche Chitonen als ein einziges Genus
an, das er folgendermassen eintheilt.
Subgenus Cryptochiton M. testa interna i. e. valvis, teg-
mento nullo, plane latentibus quaquaversum inclusis pallio, corpus
supra semicapsulae ad instar, obtegente; (?umbo incrementi valva-
rum omnium centralis, branchiae ambientes). Ch. Stelleri M., ? Ch.
amiculatus Fall.
Subgenus Fhaenochiton M. testa subinterna aut externa,
i. e. valvis ex parte solummodo, lateribus imprimis, latentibus sub
pallio, et in dorsi linea mediana saltem tegmentum valvae, pallio
liberum, externe in conspectum venit; (umbo incrementi valvarum,
excepta sola ultima, posticus).
1. Sectio: Dichachiton testa subinterna interrupta; pallii
pontibus transversis contiguitatem valvarum externe occultantibus
(branchiae posticae).
1. Subsectio : SytnmetrogephyT^us testa externe vix conspicitur,
pallii pontibus regularibus 7 interrupta.
A. Poriferi: Pallium serie regulari pororum setigerorum cin-
ctum (pororum paribus 9). Ch. monticularis Q. et G.
B. Apori: Pallium poris setigeris nullis. Ch. vestitus Sow.,
Ch. Pallasii M. , ? Ch. amiculatus Pall.
2. Subsectio: Ametrogeithyras (Gen. Chltonellus Lam. e. p.) testa
valvae 3 aut 4 anticae continuae, caeterae singulae externe pal-
lii pontibus interruptae.
A. Poriferi: Pallium serie regulari pororum setigerorum cin-
ctuni; (pororum paribus 9 ad 10). Ch. fasciatus Q. et G.,
Ch. larvaeformis Blainv.
B. Apori: Pallium poris setigeris nullis. Ch. laevis Lam.
2. Sectio: Harn achi ton testa subinterna aut externa conti-
Naturgeschichte der Mollusken während des Jahres 1847. 237
nua; pallium, limbus fit, testam annuli ad instar cingens (branchiae
ambientes aut mediae).
1. Subsectio: Flatysemus limbo lato.
A. Poriferi (Gen. Chitonellus Blainv.): Pallium serie regulari
pororum setigerorum cinctum. a. Pori uniseriales. «. Po-
rorum paria 9. Ch. zelandicus Q. et G., Ch. violaceus Q.
et G., ? Ch. echinatus Tiles. ß. Pororum paria 10. Ch.
fascicularis L. b. Pori biseriales. Ch. Emersonii Couth.,
Ch. biramosus Q. et G.
B. Apori: Pallium poris setigeris nullis. a. Limbo oculo nudo
inspecto, laeviusculo aut vix pubescente. «. Areae laterales
sculptura indistinctae. Ch. submarmoreus M., Ch. tunicatus
Wood. ß. areae laterales sculptura distinctae. Ch. alatus
Sow. , Ch. incisus Sow. h. Limbo oculo nudo inspecto,
piloso. Ch. Wosnesenskii M.
2. Subsectio : Stenosetjius limbo mediocri et an^usto.
,A. Limbo piloso; oculo nudo inspecto piloso vel laevi, sub
microscopio saltem pubescente, caeterum laevi. a. Limbo
oculo nudo inspecto laeviusculo, aut vix pubescente. «.
areae laterales sculptura indistinctae. Ch. marmoreus Fabr.,
Ch. lineatus Wood., Ch. Sitchensis M., Ch. Brandtii M.
ß. areae laterales sculptura distinctae. Ch. Eschscholtzii M.
b. Limbo oculo nudo inspecto piloso. Ch. Merckii M.
B. Limbo squamoso; oculo nudo inspecto squamoso, vel lae-
viusculo , sub microscopio semper saltem squamuloso. a.
areae laterales sculptura indistinctae. Ch. ruber L., Ch.
albus L. , Ch. cinereus L. b. areae laterales sculptura di-
stinctae. Ch. lividus M.
C. Limbo scutato; oculo nudo inspecto scutato vel laeviusculo,
sub microscopio semper saltem scutulato. Ch. Mertensii
M., Ch. scrobicuktus M., ?Ch. giganteus Tiles, ? Ch. mu-
ricatus Tiles.
Auf dieses Schema über die Russischen Arten folgt nun (p. 37)
eine sehr genaue Anatomie des riesengrossen Ch. Stelleri M. Den
Beschluss machen die Diagnosen und Beschreibungen der Kussischen
Arten, deren Verf. 21 aufführt (p. 93). — In einem Rückblick auf
den Inhalt hebt Verf. im zootomischen Theile der Abhandlung als
neu hervor: 1. die Entdeckung von Schlundsäcken, ein drüsiges,
allen Chitonen zukommendes Organ, das sich in die Schlund-
hohle mündet. 2. Die Entdeckung von Bewegungsblasen, ähnlich
wie bei den Echinodermen, zur Bewegung der Zunge, 3. den eigen-
thümlichen Bau der Oberhaut, dass in ihr sich Borsten entwickeln,
welche vereinzelt oder haufenweise in ihr eingebettet liegen, ohne
irgendwo nach aussen durchzubrechen, 4. wurde ein neues Prinzip
des Drüsenbaues an den Eierstöcken nachgewiesen-, es hängen näm-
lich die Eierstockarterien frei in die Höhlung des Eiersackes hinein,
238 Troschel: Bericht über die Leistungen in der
verästeln sich vielfach in Büschelform, und fassen dann schliesslich,
mit immer je zweien ihrer capillaren Endäste eine der in die Höh-
lung des Eiersackes frei hineinragenden Zotten zwischen sich, so
dass sie gleichsam die Aufhängebänder der Zotten bilden. 5. Als
Nieren werden zwei drüsige Organe angesehen, die dem blossen
Auge als ein sehr breiter sammetartiger üeberzug auf der glänzenden
Sehnenmasse der Bauchmuskeln erscheinen. 6. Ein papillenartiges,
durch eine senkrechte Medianfurche zweigespitztes Organ, hinten
im Grunde des blinden Sackes der Mundhöhle nennt Verf. Zunge,
7. die Textur und Kallusbildung der Schalen. — Ferner sind Spei-
cheldrüsen nachgewiesen, der Magen wird als complicirt und stark
entwickelt geschildert. Weil beim lebenden Thiere, wenn der Eilei-
ter am Ursprünge zerriss, eine milchige Flüssigkeit mit Spermazoi-
den hervorquoll (p. 91), so erklärt Verf. die Chitonen für Zwitter,
und er scheint den Eierstock als vereinigtes Geschlechtsorgan wie
bei den Zwitterschnecken zu betrachten. Dadurch wird von Neuem
ein Zweifel angeregt, der schon erledigt schien. Bis auf weiteren
Nachweis muss ich jedoch die Chitonen, wie alle Kreiskiemer, für
getrennten Geschlechts halten. Die Untersuchungen des Gefässsy-
stems weisen Meckel's und Feider's Angabe der Durchbohrung des
Herzens durch den Mastdarm zurück, und geben ausführliche Auf-
schlüsse in diesem bei den Chitonen bisher kaum gekannten Gebiete.
Es wird hierdurch das für die Mollusken durch Milne Edwards und
Valonciennes allgemein ausgesprochene Gesetz : der Bildung schwam-
miger Lückenräume und des directen Ergusses von Blut in die Peri-
tonäalhöhle und wieder zurück, vollkommen bestätigt, gleichzeitig
aber auch die Annahme van Beneden's, dass unmittelbare Vermi-
schung des Blutes mit dem Meerwasser stattfinde, höchst unwahr-
scheinlich gemacht.
Von den 21 russischen Chitonen waren 4 Arten (Ch. amiculatus,
giganteus, setosus und muricatus) schon früher als russisch bekannt,
von ihnen sind jedoch die 3 Tilesius'schen Arten fraglich, so dass
mit Sicherheit nur 18 Arten für die russische Fauna übrig bleiben.
Von diesen sind 11 neu, die zwar schon vom Verf. in den Bulletins
der Petersburger Academie von 1846 Tome VL publicirt, doch in
dem entsprechenden Jahresbericht übersehen waren. Es sind fol-
gende:
Ch. {Cryptochiton) Stelleri (amiculatus Sow., Sitkensis Reeve),
Ch. {Symmetrogephynis) Pallasn, Ch. {Plutysemus) suhmarmoreus
beide vom Tugurbusen, am Südufer des Ochotzkischen Meeres, Ch.
(Platysemus) Wosnessenskü Nordkalifornien, Aleuten, Sitcha, Ch.
{Stenosemus) Sitchefisü von Sitcha, Ch. {Stenosemus) Eschscholt%ü
von Sitcha, Ch. {Stenosemus) Merckü von Sitcha, Ch. {^Stenosemus)
lividus von Sitcha, Ch. {Stenosemus) Mertensii von Californien, Ko-
lonie Ross. , Ch. {Stenosomus) scrobiculatus ebendaher, Ch. {Sieno-
somus) Brandtii von der Südküste des Ochotzkischen Meeres.
Naturgeschichte der Mollusken während des Jahres 1847. 239
Lovell Reeve beschreibt 5 neue Arten Chiton, welche Capt.
Bei eher und Adams sammelten. Proc. zool. soc. 1847. p.24.
Pulmonat a.
Parmacella Cmningi Pfeiffer Proc. zool. soc. December 1846
von Juan Fernandez.
,,Monographia Heliceorum viventium sistens descriptiones
systematicas et criticas oninium hujus familiae generum et
specierum hodie cognitaruni. Auctore Ludovico Pfeiffer.
Lip.siae 1847. 8." Dies Werk, von welchem während des
Jahres 1847 zwei Lieferungen erschienen sind, die die Gat-
tungen Anostonia mit 3 Arten , Tomigerus mit 2 Arten, Stre-
ptaxis mit 23 Arten, Odontostoma mit 6 Arten und den An-
fang von Helix mit 836 Arten enthalten, hat den Zweck alle
bis jelzt bekannten Heliceen, deren Zahl vom Verf. auf mehr
als 2100 geschätzt wird, durch ausführliche Diagnosen kennt-
lich zu machen. Es erfüllt diesen Zweck vortrefflich, da die
Diagnosen musterhaft sind. Die herrliche Heliceen-Sanimlung
des Verf. und die Benutzung der reichen Sammlungen in
London machten eine grosse Vollständigkeit möglich, und so
hilft dieses Werk einem wahren Bedürfniss ab, und jeder
Conchyliolog wird es willkommen heissen. Die grosse Gat-
tung Helix mit Einschluss von Nanina ist nach künstlichen
Charakteren in Gruppen gebracht. Wenngleich Ref. der Mei-
nung ist, dass diese Art von System von einer naturgemässen
Eintheilung, wie sie nur aus anatomischer Untersuchung her-
vorgehen kann, weit entfernt ist, so muss er doch dieselbe
für zweckmässig und nützlich erklären, sobald es nur darauf
ankommt, das Bestimmen der Arten zu erleichtern.
Vitrina birmanica Philippi Zeitschr. für Malacoz. p. 65 von
Mergui. — V. fumosa Pfr. ib. p. 146.
Bach beschrieb schon im Jahr 1844 in den Verhandl. des Ver-
eins der preuss. Rheiniande p, 49 das Thier von Helicophanta hre-
vipes Drap., welche seltene Schnecke er bei Boppard fand. Es ist
oberhalb blaifschwarz , unten gelblich weiss, und hat vier Längsfur-
chen. Das Gehäuse trägt es ganz hinten, und ist wenig munter. Es
lebt auf trockenen Bergen. — Seubert fand sie in der Gegend von
Bonn bei Poppeisdorf, bei Kessenich und im Siebengebirge (ib. p. 64).
Succitiea palliday semiglobosa und tahüensis Pfeiffer Proc.
zool. soc. December 1846. — S. pinguis Pfr. von der Insel Masa-
fuera an der Chilesischen Küste. Zeitschr. für Malacoz. p. 65. — S.
appendiculata Pfr. von Guadeloupe ib. p. 146.
240 Troschel: Bericht über die Leistungen in der
Beobachtungen über die verschiedenen Abänderungen der Helix
nemoralis und Helix hortensis L. machte Bach in den Verhandl. des
Vereins der Preuss. Rheinlande 1844. p. 70 bekannt.
12 Arten Helix stellt Pfeiffer Proc. zool. soc. Decbr. 1846 auf.
— Helix annulata Gase unterscheidet sich von H. pulchella durch
eine eiförmige Mündung mit einfachem Lippenrand (Silliman Ameri-
can Journal Jan. 1847. p. 101 mit Holzschnitt-Abbildung; Annais XIX.
p. 358). — H. Kurri und GardeneriV{Q\Uev Proc. zool. soc. Decbr.
1847, letztere von Ceylon 8000 Fuss über dem Wleere. — 6 neue Ar-
ten Helix von Pfeiffer Zeitschr. p. 12. — H. cj/panss/as F arr. und
jiachyloma Menke ib. p. 32. — H. Osheckii Y\\'\\. von China ib.
p. 65. — H. Besckei und Tamsiana D unk er und //. leucodon Pfr.
ib. p. 81. — H. cremnophila Boiss., rhytiphora Charp. , oxygyra
B o i s s. , sabaea B o i s s., Boisneri C h a r p. ib. p. 130. — H. Chenni und
coriaria Pfr. von Ceylon und H. japonica P fr. von Japan ib. p. 145. —
Rossmässler macht ib. p. 161 eine kritische Bemerkung über H. li-
gataMüll. (H. varians Z., H. decussata v. Mhlf.), von der er die Fig. 289
seiner Iconogr&phie trennt, und dieselbe H. secernenda nennt. —
Eine Bemerkung dazu macht Pfeiffer ib. p. 164. — H. Grateloupi
Graells 1. c. von Majorca.
Das 7. Heft bei Philippi Abb. enthält eine Tafel mit folgenden
Helix-Arten: omphalodes Ffr., Buffoniana Pfr., tristis Pfr., areolata
Sow., Najas Pfr., scrobiculata Pfr., Schroeteriana Pfr., tridentina
Fer. — Ebenso das 1. Heft des dritten Bandes: crassilabris Pfr.,
Ovum reguli Lea, Lindoni Pfr., refuga Gould , procumbens Gould,
dictyodes Pfr., glauca Bens., Incei Pfr. Var., Sphaerion Sow. Var.
Die Geschlechtsorgane von Helix algira sind nach Dumas
(Comptes rendus XXV. p. 113) durch den Mangel des Geissei, des
Liebespfeils, der vesicules multifides und der Blase von den übrigen
Helix-Arten abweichend, auch durch die Gegenwart horniger Papillen
und gekrümmter Haken auf der ganzen Schleimoberfläche des Penis,
welche den Widerstand bewirken, wenn man zvv^ei in der Begattung
begriffene Individuen trennt. Somit hält Dumas die H. algira nebst
verwandten für ein eigenes Genus, dem er den Namen Helicodes
beilegt. — Die Commission der Academie hält in einer Note diese
Charaktere nicht für stichhaltig, da nach ihnen die in Rede stehende
Art zu Bulimus gehören würde. Bef. ist der Ansicht, dass es sich
hier zunächst nur um eine Unterscheidung von den übrigen Helix han-
deln kann, da ja andere Unterschiede von Bulimus in diesem Falle
leicht in die Augen fallen. Jedenfalls wird man doch nicht die H.
algira in dieselbe Gattung mit Arten, die die obigen ihr fehlenden
Organe besitzen, setzen wollen.
Streptaxls Funcki Pfeiffer Proc. zool. soc. Decbr. 1847 von
Merida. — St. rimata Pfr. Zeitschr. für Malacoz. p. 48.
Gihbus Antonio ix. Zeitschr. für Malakoz. p. 149 von Isle de
France. Verf. erklärt bei dieser Gelegenheit, die Gattung Gibbus
Naturgeschichte der Mollusken während des Jahres 1847. 241
Montf, (Helix lyonetiana) annehmen zu müssen, seit er diese zweite
Art kennen lernte.
Eine kleine Broschüre: ,, Essai sur le ßulime tracque.
Observations prises depiiis raccouplement jusqu'a l'etat adulte;
par M. G. B. Gassi es. Bordeaux 1847 mit zwei Tafeln" ist
mir nur aus der Anzeige in der Rev. zool. 1848. p. 118 be-
kannt geworden.
Verf. hat gesehen, dass das Thier Rauhigkeiten aufsucht, lim
durch schnelles Drehen um sich selbst, daran die Schale abzureiben,
imd so die letzten Windungen abzuwerfen. Der junge Bulimus, wel-
cher aus dem Ei schlüpfend drei Windungen hat, und zu denen
sich bis 10 andere während der Entwickelung hinzubilden, brach
auf diese Weise zuerst 3, dann 2, und hierauf noch dreimal je eine
Windung ab. Verf. giebt ferner an, dass die Bulimus nach dem
Eierlegen zwei Wochen auf ihren Eiern verharren.
Bei Philippi sind auf Bulimus Taf. VI. im 6ten Heft des zwei-
ten Bandes folgende Arten abgebildet: B. balanoides Jonas, aplo-
morphus Jonas, luzonicus Sow. , effusus Pfr. , paradoxus Pfr. , pem-
phigodes Jonas, leptocochlias Jonas. — Ebenda Taf. VII. im 2. Heft
des dritten Bandes: B. ventricosus Brug. , luzonicus Sow\ mit 4 Va-
rietäten, eu7'y%07ius Pfr. von Luzon, stabilis Pfr., breviculus Pfr.
16 Arten Bulimus wurden von Pfeiffer Proc. zool. soc. De-
cember 1846 aufgestellt. — Desgleichen 12 Arten ib. Decbr. 1847. —
B. Olivieri und chrysalis Pfeiffer Zeitschr. für Malac. p. 14. — B.
Bronni ib. p. 31. — B. Moritxiaiius und neglectus ib. p. 66. — B.
gonochilus y Reclu^ia?iuSj amoenus Vir. und m?^ew* Dunker ib.p.82.
— B. Jordani Boissier ib. p.l41. — B. euryxonus Pfr., harpa
Say?, ßammitlatus Pfr., connivens Pfr. ib. p. 147. — B. athensis
Friv. vom Berge Athos, Frivaldskyi Vir. bei Brussa in Natolien,
varnensis Friv. bei Varna in Bulgarien, bicallosus Friv. bei Szlivno
ib. p. 191.
Eine neue Art beschrieb Referent Zeitschr. für Malac. p. 49.
Er sieht sie als den Typus einer neuen Gattung an, für die er den
Namen Bostryx vorschlägt. Sie ist namentlich dadurch ausgezeich-
net, dass die beiden letzten Windungen abgelöst sind. Die Art Bu-
limus {Bostryx) solutus stammt aus Peru.
Eine methodische Anordnung der bekannten Arten von Pupa gab
Pfeiffer Zeitschr. für Malac. p. 26. Verf. trennt Vertigo nicht,
rechnet aber Chondrus Cuv. zu Bulimus.
Pupa elegantula Pfeiffer Proc. zool. soc. December 1846. —
P. Antonü Küster Conchylien-Cabinet genabelt, gestreift, rosig-
weiss, 9 Windungen, Mündung zweifaltig. Berbice. — P. grandis
Pfr. ist bei Philippi Abb. auf der Bulimus -Tafel 6 abgebildet. —
P. Gnmeriy sagraiana und dimidiata Pfr. Zeitschr. p. 15. — P. cal-
carea, marmorata Pfr. ib. p. 83. — P. Shuttlexoorthiana Charp. ib.
p. 148.
242 Troschel: Bericht über die Leistungen in der
Balea Sarsii Phil, von Norwegen. Zeitschr. für Malacoz. p.84.
Cylindrella Sowerbyana Pfeiffer von Cuba. Proc. zool. soc.
December 1846. Auf derselben Tafel mit Achatina sind bei Phi-
lippi Abb. II. 8 auch Cylindrella Sowerbyana Pfr., perplicata Fer,,
und Gossei Pfr. abgebildet. — Ebenda III. 1. sind abgebildet C. Lieb-
manni Pfr., Pilocerei Pfr., teres Menke, Pfeifferi Menke, Goldfussi
Menke, leucopleura Menke, Hanleyana Pfr. (Zeitschr. 1847. p. 16),
Gossei Pfr., Maugeri (Helix Wood.), Sowerbyana Pfr. Var., Hum-
boldtiana Pfr. Var. — Die vier eben genannten Arten von Menke
sind in der Zeitschr. für Malacozoologie 1847. p. 1 aufgestellt. — C.
tricolor Pfr. ib. p. 67.
Die Gattung Clausilia ist in Küster's neuem Conchylien-Cabi-
net von dem Herausgeber selbst bearbeitet. Verf. stellt hier
zwei neue Arten auf: Cl. epistomium angeblich aus Mittelamerika,
ahrupta aus Dalmatien, alle übrigen sind schon in Pfeif fer 's Sym-
bolae III. enthalten. — Cl. Eichwaldi Siemaschko 1. c. testa me-
diocri, vix rimata, fusiforrai, ventricosa, rufescente, eleganter co--
stulata, apertura pentagona, rotundata; peristomate soluto , subpa-
tulo; lamella inferiori magna, subbifida, angulato-furcata; plicis pa-
latalibus subquinque, quarum duae inferiores breviores et elevatae;
plica columellari emersa. 11 Millim. Aus dem südlichen Russland.
— Cl. Koleratü ib. testa parva, subtiliter striata, fusiformi, ventri-
cosa, subperforata, luteo-fusca, apice et suturis coerulescentibus;
apertura rotundato-bi-aut triangulari; peristomate reflexo, subpatulo;
lamellis duabus inferioribus simplicibus subparallelis; plicis palata.
libus quinque; plica columellari valde emersa. Im Kaukasus und in
Somchetien, auch im armenischen Gebirge. — Cl. "peruana Trosch.
Zeitschr. für Malacozoologie p. 51 von allen übrigen Arten durch
die erweiterte Mündung und die gegitterte Oberfläche unterschieden.
Peru. — 8 Arten dieser Gattung stellt Pfeiffer ib. p. 68 auf. — CL
Boissieri und bigibbosa Charp. ib. p. 142.
Achatina Lamar Chiana von Madagascar, Rangiana von Mexico,
buUmoides von Juan Fernandez wurden von Pfeiffer beschrieben.
Proc. zool. soc. December 1846. — A. magnißca von Quito und A.
Fun cH \on Merida wurden ebenda Decbr. 1847 von Pfeiffer auf-
gestellt. — A. pyg-maea P fr. Zeitschr. für Malac. p. 148 — A. mi.
nima Siemaschko I.e. testa minuta, subcylindrica, obtusa, tenui,
diaphana, nitida. 1^'". Riga. — Bei Philippi Abb. sind II. 8 Acha-
tina semidecussata Menke, Pfeifferi Dunker, ceylanica Pfeiffer, splen-
dida Anton, anoraala Pfr., Phillipsii Adams, bacilliformis Jonas,
Fraseri Pfr., striatella (Helix) Rang, und vivipara Sow. zur Abbil-
dung gekommen.
Glandina Lindoni Pfeiffer von Cuba Proc. zool. soc. Decem-
ber 1846.
Achatinella Mighehtana Pfeiffer Proc. zool. soc. Decbr. 1847
von den Sandwichs-Inseln.
Naiurgeschichte der Mollusken während des Jahres 1847. 243
TornatelUna Petitiuna Pfr. Zeitschr. für Malac. p. 149.
Anton machte „einige Bemerkungen zu Herrn Prof. Küster 's
Ohrschnecken , in denen er theils auf die Gattungen der Auriculaceen
theils auf die Synonymik der Arten eingeht. Zeitschr. für Maiacoz.
pag. 165.
Scarahus CeciUli Philippi Zeitschr. für Malac. p. 122 von China.
Planorbis multivolvis Gase mit 7 Windungen, verwandt mit
campanulatus. (Silliman American Journ. Jan. 1847. p. 101 mit Abbil-
dung; Annais XIX. p.358). — PI. Dufoiirü Graells 1. c. aus Spanien.
Limnaeus Karpinsliü Siemaschko I.e. testa rimata, ventri-
cosa, crassiore, ultimo anfractu regulari, semicirculari, spira bre-
viore quam diameter aperturae; columella glabra, recta; labrum
acutum, arcuato-rotundatum; labium rectum, glabrum, reflexum;
plica columellari rotundato-crassa, aportura semicirculari. 10'". Bei
Jamburg.
Stephane Delle Ghiaje gab in den M€morie di Matematica
e di fisica della Societa italiana delle scienze residente in Modena
Tomo XXllI. Modena 1844. 4. p. 211 eine zoologische und anato-
mische Beschreibung von Onchidium, {Peronia Parthenopeia) ,,De-
scrizione zoologico-anotomica dell' Onchidio partenopeo."
]S o tohra^ichia.
Doris put eolana Macri corpore ovali, integerrimo, antice an-
gusto, postice latiore, rubro obscuro, papillis majoribus minoribus-
que dilute rubescentibus, punctisque eodem colore, vel albidiusculis
in centro, vel ad latera confluentibus. Hab. in mari puteolano non
longo a Neside insula. Ist abgebildet. (Rendiconto delle Adunanze
e de' lavori deli' Accademia delle scienze sezione della Societa reale
borbonica di Napoli. Tomo V. Napoli 1846. p. 274).
Hancock und Enibleton gaben in der British Asso
ciation 1847 eine Notiz über die Anatomie von ScylJaea.
(Report of ihe 17 Meeting p, 77. Athenaeuni 1847. Nr. 102S.
p. 748; Institut 1848. p. 80). Es heisst daselbst:
Der innere Bau stimmt mit den Angaben Cuvier's überein, doch
sind einige Beziehungen des Verdauungs- Apparates übersehen. Die
Gegenwart einer Drüse am Anfang des Schlundes, der kleine Magen,
welcher grosse Gallengiinge empfängt, der weite und lange Darm
nähern das Thier den Dorideen; aber der Magcu mit einem Innern
Zahnapparat scheint abweichend. Das System von Röhren, welches
sich in die Haut und die Kiemenbüschel verzweigt, zeigt eine Be-
ziehung zu den Eolidien, aber die Vertheilung einiger Stämme am
Umfange der massigen Leber, mit deren \Mndungen sie communici-
ren einerseits, und der üebergang anderer in den Darm andererseits,
sind Eigenthümlichkeiten, welche in beiden vorher erwähnten Fami-
lien nicht gefunden werden.
.•irdiiv f. Naiurpesch. XIV. Jahrg. 2. ßd. Q
244 Troschel: Bericht über die Leistungen in der
Frey und Leuckart geben in den „Beiträgen zur
Kenntniss wirbelloser Thiere mit besonderer Berücksichtigung
der Fanna des norddeutschen Meeres. Brannschvveig 1847. 4.
p. 54" eine Anatomie von Eolidia.
Die Untersuchungen beziehen sich auf Eolidia papulosa L. Der
Schlundring enthält nur 3 Paare oberer Ganglien, an denen denn
auch die Augen und Gehörorgane liegen, eine einfache Brücke ver-
bindet die Ganglien unterhalb des Schlundes. Die Gehörorgane be-
sitzen 30 — 40 kleine Otolithen. Dem verästelten Darmkanal von
Quatrefages, den Souleyet als Leber ansieht, geben die Verf. eine
neue Deutung, nach ihnen sind die Divertikel im Innern der Kiemen
die Leberfollikel, die queren Kanäle, in welche sie münden, die Le-
bergänge, und der mittlere Stamm des ganzen Apparates ein blinder
Anhang des Magens. Die Fortsätze des Rückens v\"erden für Kiemen
erklärt, wobei jedoch der gesammten Hautoberfläche und den Ten-
takeln ein Antheil am Athmungsprozesse zugeschrieben wird. Die
aus den Enden der Kiemenanhänge hervortretenden Organe werden
als Nesselorgane gedeutet. Was den Geschlechtsapparat betrifft, so
haben die Verf. eine Zwitterdrüse wie bei den andern Zwitterschnek-
ken gefunden, die Quatrefages übersehen, und deren Follikel Nord-
manff bald für Eierstöcke, bald für Samentaschen gehalten hatte.
Der gemeinschaftliche Ausführungsgang führt zu einer glandula ute-
rina, nimmt hier den Stiel einer rundlichen Saamenblase auf; beim
Austritt aus der Mutterdrüse trennt er sich in Vas deferens und
Oviduct.
Hieran schliessen sich ib. p. 66 Beobachtungen über den Bau
von Polycera von denselben Verf.
Kölliker stellte im Giornale dell' Istituto Lonibardo XVL
Milano 1847. 8. p. 239 eine neue Gattung unter folgenden
Charakteren auf:
Rhodope nov. gen. Körper gewimpert, wurmförmig, ohne Man-
tel, ohne Schale, ohne Kiemen, ohne Tentakeln oder andere An-
hänge; oben etwas convex, unten flach. Rh. Veranii. Verlängert,
elliptisch, 1 bis 1^ Lin. lang, ^ Lin. breit; weiss mit einer zinnober-
rothen Binde auf dem Kücken zwischen dem ersten und zweiten
Drittel des Körpers. Nicht selten bei Messina auf Algen. Eine Ta-
fel mit Abbildungen stellt die Theile des Thieres dar. Der Magen
hat einen nach vorn gehenden Blindsack, und reicht bis ans hintere
Ende des Thieres, an ihm finden sich viele gestielte Bläschen, die
als Leberbläschen angesehen werden. Der Darm ist kurz und endet
rechts in den After. Das Geschlechtsorgan besteht aus mehreren
rundlichen Schläuchen, die traubenartig aneinanderhängen; die vor-
deren sind Eierstöcke, die hinteren Hoden. Oeffnung der Ausfüh-
rungsgänge rechts. Eine Glandula uterina, eine Glandula pyriformis
und ein Penis sind vorhanden.
Naturgeschichte der Mollusken während des Jahres 1847. 245
Bei dieser Gelegenheit spricht Verf. seine Ansicht über
die Eintheilung der Mollusken aus, um die Stellung der neuen
Gattung festzusetzen. Die Mollusken zerfallen in 3 Abthei-
lungen: Cephalopoda, Liuiaces und Conchifera. Die Limaces
enthalten wieder 3 Ordnungen: Pteropoda, Heteropoda, Ga-
steropoda. Letztere werden getheilt in Apneusta ohne Re-
spirationsorgane und Pneumatodocha mit Respirationsorganen,
Die Apneusta entsprechen den Phlebenteraten Quatrefages.
Diese werden nun in folgendes Schema gebracht:
Gasteropoda apneusta.
A. Angiophora. Mit einem Herzen und rudimentärem Gefässsystem :
Eolis, Eolidina, Calliopaea, Cavolinia.?, Glaucus?
B. Anangia. Ohne Herz und Gefässe.
a. Die Leber besteht aus einer compacten Masse.
Lissosoma?, Pelta?, Ghalis?
b. Die Leber besteht aus zahlreichen nicht zu einer Masse ver-
einigten Schläuchen.
Flabellina, Zephyrina, Amphorina, Acteon, Acteonia, Rhodope.
Eine neue Gattung Ictis (später in Cenia umgeändert) von
Alder und Hancock (Report of the 17 Meet. ct. p. 73; Athenaeum
1847. Nr. 1028. p.748; Institut 1848. p.81) hat folgende Charaktere:
Sie ist verwandt mit Acteonia, unterscheidet sich aber von ihr durch
Rückententakeln, und durch das Fehlen der Grube und der Winkel
an den Seiten des Kopfes. Das Thier ist limaxähnlich. Der Kopf
ist schwach winklig, und trägt zwei linienförmige Tentakeln auf sei-
ner Rückenseite, hinter ihnen nach aussen die Augen. Die einzige
Art /. Cocksii yow Falmouth. — Die Verf. vereinigen die Gattungen
Elysia, Placobranchus, Acteonia, Chalidis, Limapontia und Ictis
(Cenia) zu einer neuen Ordnung Pellibranchiata^ die durch die
Abwesenheit besonderer Athmungsorgane oder anderer Rückenanhänge
charakterisirt wird'.
Krohn beschreibt zwei neue Gattungen von Gasteropo-
den des Mittelmeers, aus denen er eine eigene Familie in der
Nähe der Aplysien zu bilden geneigt ist. Die aus einer Reihe
von Haken bestehende Zunge weist ihnen ihre Stellung in der
Nähe der Aeolidien (Phlebenterata Quatrefages) an, von denen
sie jedoch durch die Beschaffenheit der Kiemen und durch
das Vorhandensein einer Schale abweichen. (Annales des sc.
nat. troisieme serie VIL p. 52).
1. Lohiger nov. gen. hat einen langstreckigen Körper, zwei
zusammengerollte Fühler, jederseits zwei grosse flossenförmige An-
hänge, am Rücken eine dünne zerbrechliche Schale, die nur eine
Windung und eine sehr weite Mündung enthält. Unter derselben
Q*
9A6 Troschel: Bericht über die Leistungen in der
liegt die aus freien in einer Linie liegenden Blättchen bestehende
Kieme in einer Höhlung. Die weibliche Geschlechtsöffnung liegt
rechts vor der Kiemenspalte, die männliche am Grunde des rechten
Fühlers ; der After öffnet sich in die Kiemenhöhle. — L. Philipiiii
von citronengelber Farbe.
2. Lophocerctcs nov. gen. ebenfalls mit langstreckigem hinten
zugespitzten Körper, ahnlichen Fühlern ; am Kücken liegt eine Schale,
die Aehnlichkeit mit der von Bullaea aperta hat, und über welche
sich zwei flügelartige Ränder des Mantels umschlagen, sie zum Theil
bedeckend. Kieme und Lage der Geschlechtsöffnungen ganz wie bei
der vorigen. — L. Sieboldii grün mit gelber Fusssohle.
Bulla media von den Antillen, Adansonii (Gosson Adans. , B.
striata auctorum e. p.) von Senegambien, B. perfornta von Manila,
pemphis aus dem rothen Meere sind von Philippi Zeitschr. für
Malacoz. p. 121 aufgestellt.
Die Gattung Jglaja (im Jahr 1804 von Renier aufgestellt)
wird in dem oben erwähnten Werke von Renier so charakterisirt :
Körper gestreift, weich, cylindrisch, grossentheils bedeckt von drei
flügeiförmigen Häuten von verschiedener Farbe. Keine Tentakeln.
Bauch glatt, nicht gerandet, von dunklerer Farbe. Kiemen gefäss-
reich, vereinigt, frei, äusserlich, rechts am hintern untern Theile
des Körpers. After hinten in der Mitte. Die Synonymie ist reich:
Doridium Meck. 1808, Bullidium Meck. 1813, Akera Cuv. 1810, Acera
Lam. 1822, Triptera Q. et G. 1824, Lobaria Blainville 1825, Eidothea
Risso 1826, Posterobranchaea d'Orb. 1837. Als Arten werden be-
schrieben 1. A. depicta Renier Prosp. della Classe dei Vermi
p.XlV. 1804 (Eidothea marmorata Risso, Doridium aplysiaeforme
Delle Chiaie), 2. A. tricolorata Renier ib. (Doridium membrana-
ceum Meck., Doridium Meckelii Delle Chiaie. Beide Arten sind mit
anatomischen Einzelnheiten abgebildet.
Mo 7iopleurohranc h ia.
Hypobranchiaea Adams nov. gen. Branchiis ano circum-
datis subpcsteriore pallii margine positis. Pallio lato, ultra pedem
extenso; duobus tentaculis claviforraibus; corpore depresso. Die
Art H.ftisca ist über 6 Zoll lang, 2^ breit. Diese Gattung kann
nach der Lage der Kiemen nicht in die Nahe von Doris gestellt
werden, sondern scheint vielmehr, soweit die kurze Beschreibung
eine Beurtheilung zulässt, eine eigene Familie der Einseitskiemer
(Monopleurobranchia Blainv.) bilden zu müssen. (Proc. zool. soc.
1847. p. 24; Annais XIX. p. 415).
Aeepliala*
JB r a c h i 0 p 0 d a.
d'Orbigny las in der Academie zu Paris eine Abband-
Naturgeschichte der Mollusken während des Jahres 1847. 247
lüiig über die Brachiopoden (Observations zoologiques et geo-
logiques sur les Brachiopodes), welche in drei Abschnitte
zerfällt: J. allgemeine zoologische Betrachtungen über die Or-
gane der lebenden und fossilen Arten, 2. Classification der
Arten nach dein relativen Werth der Organe und der geolo-
gischen Charaktere, 3. Vertheilung der Gattungen in den
Schiciiten der Erdrinde. Der erste dieser Abschnitte findet
sich in den Annales des sciences nat. troisieme serie VIII.
p. 241; vergl. auch Coniptes rendus XXV. p. 193.
In diesem Abschnitt wird von den Armen, vom Mantel, von der
Textur der Schale, von den Rändern -des Mantels und von den Mus-
keln gehandelt. Bei Lingula und Terebratula (Hemithiris) psittacea
sind die Arme fr^i und in ihrer ganzen Länge ausdehnbar; — bei
Orbicula und Terebratula (Terebratella) Chilensis sind sie nicht
ausdehnbar; — bei Spirifcr sind sie durch eine spirale Kalklamelle
gestützt und ebenfalls nicht ausdehnbar, ähnlich bei Spiriferina,
Spirigera und Spirigerina; — bei Thecidea und Terebratula (Mega-
thiris) detruncata fehlen die Arme ganz. — Die Schale ist hornig
bei Lingula und Orbicula; fibrös bei Hemithiris (T. psittacea), scha-
lig und durchlöchert (de contexture perforee) bei Terebratula, Te-
rebratella, Terebratulina, Thecidea und Megathiris. Eine Tafel mit
Abbildungen erläutert den Text.
In den Comptes rendus XXV. p. 267 ist dann eine Clas-
sification, welclie d'Orb. vorschlägt, abgedruckt, in welcher
folgende 14 Familien angenommen werden:
Erste Abtheilung. Brachiopoda. Mit Armen , die Mantelrän-
der wenig entwickelt; Schale immer symmetrisch.
A. Arme in ihrer ganzen Länge frei, und sehr ausdehnbar, mit
ziemlich kurzen Cilien.
a. Die fleischigen Arme um sich selbst aufgerollt und nicht durch
eine innere Apophyse der kleinen Schale gestützt. . •
-{- Kein Schloss an der Schale.
1. Fam. LinguUdae. Ein Stiel tritt zwischen beiden Schalen
hervor; Schale hornig; Thicr festsitzend. Lingula Brug , Obolus
Eichw.
-J-f Ein Schloss an der Schale.
2. Fam. CalceoUdae. Kein Stiel; Thier und Schale frei.
Calceola Lani.
3. Fam. Productidae. Keine Oeffnung für einen Muskel;
Thier und Schale frei ; Schale röhrenförmig oder durchbohrt. Pro-
duetus Sow. , Chonetes Fisch., Leptagonia M'Coy, Leptaena Dalm,
4. Fam. Orthisidae. Eine Oeffnung für einen Muskel; Thicr
festsitzend. Schale immer fibrös. Strophomena Kaf , Orthisina d'Orb ,
Orthis Dalm,
248 Troschel: Bericht über die Leistungen in der
b. Arme fleischig, frei, seitlich aufgerollt und durch innere Apo-
physen der Schale gestützt; Schale von fibröser Beschaffenheit.
5. Farn. Rhynchonellidae. Eine Oeffnung für den Durchtritt
eines äusseren Muskels; Thier festsitzend. Hemithiris d'Orb., Rhyn-
chonella Fisch., Strigocephalus Defr. , Porambonites Pand.
6. Farn. Uncitidae. Keine Oeffnung für den Durchtritt eines
Muskels, Thier frei. Uncites Defr., Atrypa Dalm., Pentamerus Sow.
B. Arme fleischig oder durch einen kalkigen Balken gestützt,
immer fest, nicht ausdehnbar, mit langen Cilien.
«. Arme fest, durch einen kalkigen Balken gestützt; Schale Te-
rebratula- förmig mit einem Schloss. Schale kreidrig durchbohrt
oder fibrös.
f Arme spiral an einem knochigen Balken.
7. Fam. Spiriferidae. Keine Oeffnung für den Durchtritt
eines Muskels an der Schale; Thier frei. Cyrthia Dalm., Spirifer
Sow., Spiriferina d'Orb., Spirigerina d'Orb., Spirigera d'Orb.
•J-J- Arme gebogen, mit schlingenförmigem Knochengerüst;
8. Fam. Magasidae. Oeffnung am Schloss; kein Deltidium.
Magas Sow., Terebratulina d'Orb.
9. Fam. Terebratulidae. Oeffnung an der Spitze des Wir-
bels; ein Deltidium. Terebratula Lwyd., Terebratella d'Orb., Tere-
brirostra d'Orb., Fissirostra d'Orb.
b. Arme fest, fleischig, spiral, gegen einander gebogen, ohne
Balkenstütze, Schale konisch, ohne Schloss oder Deltidium.
10. Fam. Orbiculidae. Ein äusserer Muskel tritt durch die
untere Schale; Schale frei. Siphonotreta Vern., Orbicella d'Orb ,
Orbiculoidea d'Orb., Orbicula Lam.
11. Fam. Cranidae. Kein äusserer Muskel, Schale fest. Cra-
nia Retz.
Zweite Abtheilung. Abrachiopoda. Keine Arme, die Man-
telränder sehr entwickelt und ciliirt; Schale selten symmetrisch.
Ä. Schale und Thier regelmässig, aus paarigen Theilen gebildet;
Scjjale durchbohrt, nie canaliculirt.
12. Fam. Thecidae. Thier oder Schale fest; innere Apophy-
sen. Megathiris d'Orb., Thecidea Defr.
B, Schale und Thier unregelmässig, ohne paarige Theile; Schale
oft canaliculirt.
13. Fam. Capritiidae, Innere Kanäle in der Schale. Hippu-
rites Lam., Caprina d'Orb., Caprinula d'Orb., Caprinella d'Orb.
14. Fam. Kadiolidae. Keine inneren Kanäle in der Schale.
Radiolites Lam., Caprotina d'Orb.
Lamellihranchia.
E. Forbes theilte der British Association for the ad-
vancement of science 1847. eine Eintheiliing der Britischen
Naturgeschichte der Mollusken Mährend des Jahres 1817. 249
Muscheln in Familien mit, für die die Beschaffenheit des Man-
tels, der Röhren und des Fusses als Grundlage genommen
ist. Ich lasse die Familien mit den Charakteren hier folgen,
nuiss aber bemerken, dass ich die Charaktere keineswegs für
gut halte, da die genannten Organe innerhalb einer und der-
selben Familie stark variiren , und daher für Familiencharak-
tere niciit hinreichen. (The Athenaeum 1847. Nr. 1028. p. 747;
L'Institiit 1848. p. 75 ; Report of the 17 Meeting of the Bri-
tish Association for the advancement of science 1847. p. 75).
A. Dimyaria.
1. P ho ladidae — wohin Teredo, Pholas und Gastrochaena als
Typen vonTribus, die letzte verbunden mit Saxicava und Venerupis,
und verniuthlich Neaera, Poromya und Sphenia. Der Mantel vorn
geschlossen, mit einer schmalen vordem Oeffnung für den Durchtritt
des abgestutzten oder fingerförmigen Fusses. Die Rohren bis fast
ans Ende verwachsen, und mit Cirrhen an den Oeffnungen.
2. Myadae — mit Mya, Panopaea, Lutraria, und vielleicht
Corbula. Mantel geschlossen, nur vorn ist er offen für den Durch-
tritt eines dicken, fingerförmigen, aber nicht grossen Fusses. Die
Röhren lang, bis ans schwach gefranzte Ende verwachsen, in eine
häutige Scheide eingeschlossen.
3. Solenidae — wohin von Britischen Muscheln nur Solen ge-
hört Mantel geschlossen, nur vorn offen für den Durchtritt eines
grossen, dicken, schief abgestutzten Fusses. Wo die Ränder des
Mantels frei sind, sind sie zum Theil gefranzt. Röhren kurz, ver-
wachsen, ungleich, mit gefranzten Rändern.
4. Solecurtidae. iVlantel vorn offen für den grossen, dicken,
zugespitzten Fuss. Röhren mit einer breiten vereinigten Basis , am
Ende getrennt, und mit gefranzten Oeffnungen. Solecurtus.
5. Vandoridae. Mantel offen für einen sichelförmigen Fuss.
Röhren ungleich, zum Theil vereinigt und divergirend, mit gefranz-
ten Oeffnungen. Pandora, Lyonsia.
6. Tellinidae. Mantel offen und an den Rändern gefranzt.
Fuss fingerförmig oder dreieckig. Röhren lang, getrennt, oft fast
gleich, mit glatten Oeffnungen. Thracia (?), Scrobicularia, Abra
und Montacuta (.?) bilden eine Abtheilung dieser Familie; Teilina
und Psammobia die andere und mehr typische.
7. Donacidae. Mantel offen, am Rande gefranzt. Fuss breit
dreieckig. Röhren ungleich, getrennt und am Rande gefranzt. Do-
nax und Mesodesma, und vermuthlich auch Diodonta.
8. Veneridae. Mantel offen, am Rande gefranzt. Röhren bis
fast zu ihrem stark gefranzten Ende vereinigt. Fuss dreieckig.
Mactra verbindet diese Familie mit der vorigen. Venus und ihre
Subgenera sind typisch.
9. Cyprinadae, Mantel offen, gefranzt. Röhren sehr kurz,
250 Troschel; Bericht über die Leistungen in der
mehr oder weniger vereinigt; eine mit gefranzter Oeffnung, die an-
dere glatt. Cyprina, Astarte,- Circe.
10. Cardin dae. Mantel offen, gefranzt. Fiiss hakenförmig und
fingerförmig. Röhren sehr kurz, bis fast an ihre Enden verwachsen
Eine Oeffnung glatt, die andere gefranzt. Cardium.
11. Chamadae. Mantel geschlossen bis auf eine kleine Oeff-
nung für den Fuss und zwei gefranzte Siphonalöffnungen. Fuss ha-
kenförmig. Isocardia.
12. Lucina dae. Mantel grossentheils verwachsen, vorn mit
einer Oeffnung für den dünnen , fingerförmigen Fuss. Röhren oft
sehr ungleich, die eine oft fast verschwindend, beide Oeffnungen
glatt. Lucina. Cyclas (?).
13. Kelliadae. Mantel geschlossen bis auf eine kleine Oeff-
nung für den Fuss und zwei fast sitzende, glatte Siphonalöffnungen.
Kellia, Galeomma, Lepton (?).
14. Uniontdae. Mantel offen. Röhren sehr kurz, gefranzt;
zuweilen eine verschwindend. Fuss sehr gross. Unio, Anodonta.
15. Dreissenadae. Mantel zum grossen Theil geschlossen.
Röhren sehr kurz, gefranzt, Fuss fingerförmig. Dreissena.
16. Mytilidae. Mantel offen und nicht geschlossen, oder nur
zum Theil geschlossen, um die Röhren zu bilden. Fuss sehr klein.
Mytilus, und in einer nahestehenden Gruppe Pinna und Avicula.
17. Arcadae. Mantel offen. Röhren sehr kurz, oder beträcht-
lich entwickelt und dann verwachsen. Fuss scheibenförmig. Area,
Pectunculus, Leda, Nucula.
B. Monomyaria.
18. Pectinidae. Mantel völlig offen, gefranzt und Augen tra-
gend. Fuss wohl entwickelt. Pecten. Lima. (Bekanntlich haben
viele Muscheln Augen, dies darf also als Familiencharakter nicht
benutzt werden).
19. Ostreadaei Mantel ganz offen. Fuss verkümmert. Ostrea.
Anomiä.
Wenngleich sich nicht leugnen lässt, dass die im vorigen be-
nutzten Charaktere nicht ohne Wichtigkeit sind, so sind sie doch
ungeeignet, um Familien danach zu gründen. Die Mundlappen, die
Kiemen, ja selbst die Schale liefern Charaktere, die nicht übergan-
gen werden dürfen, wenn man natürliche Familien bilden will. Re-
ferent hat in diesem Archiv 1847. I. p. 257 auf die Brauchbarkeit
der Mundlappen und Kiemen zur Familienunterscheidung der Mu-
scheln aufmerksam gemacht, auf welchen Aufsatz hier wohl kurz
hingewiesen werden darf.
Jtiomia naviformis Jonas Proc. zool. soc. December 1846. —
A. australis Gray 1. c. bei Jukes von Port Essington.
G. B. Sowerby stellte 8 neue Arten von Spondylus auf. (Proc.
zool. soc. 1847. p.86} Annais XX. p. 207).
Naturgeschichte der Mollusken während des Jahres 1847. 251
LovellReeve beschreibt 19 Arten der Gattung Chama von
verschiedenen Fundorten. Proc. zool. soc. December 1846.
Cardita excisa Phil. Zeitschr. für Ma*lacoz p. 91 von den Sand-
wich Inseln.
Bei Philippi Abb, Heft 7 sind Area unter Jonas, navicularis
Brug. , suhquadrangula Dunker (an navicularis Reeve?), und ventrr-
cosa Lam. bildlich dargestellt. — Ib. III. Heft 1: A. Noae L., arahica
Mus. Francof. aus dem rothen Meere, umbonata Lam., occiden-
talis Ph. von Cuba. — A, granulata von den Sandwich-Inseln, ele-
gans von Yukatan sind von Philippi, A. jiaraUelogramma von
v. d. Busch aufgestellt. Zeitschr. für Malacoz. p. 93.
Leda chuva Graj^ 1. c. bei Jukes länglich, hell olivenfarbig
mit concentrischen Streifen, vorn abgerundet, hinten ausgezogen und
aufwärts gebogen, hinten mit einer deutlichen Grube, die die con-
centrischen Furchen unterbricht. Vandiemensland.
Moldia (soll heissen Yoldia) MüUeri Gx&yl. c. bei Jukes läng-
lich, fast viereckig, glatt, dunkel olivenbraun, mit einer helleren
Randbinde, um die Hälfte länger als hoch, rund an beiden Enden.
1" 3'". Port Essington.
Trigonia uniophora Gray 1. c. bei Jukes röthlich braun, mit
22 oder 23 hohen etwas zusammengedrückten, engen, divergirenden
Rippen, der obere Theil der Mitte und der ganze hintere Theil mit
engen regelmässigen Querplatten. Cap York.
lieber die Familie der Najaden S(;hrieb Referent in
diesem Archiv 1847. J. p.257.
Rossmässler macht in Sachse's Naturhist. Zeitung. 2, Jahr-
gang 1847. p. 16 auf die Farbenveränderung bei alten Unionen auf-
merksam, die er durch Behandlung mit Salzsäure auf die ursprüng-
liche Jugendfarbe zurückgeführt hat. Er mahnt zur Vorsicht bei
Anwendung der Farben als Species- Charakter. (Praktischer Beitrag
zu der Lehre von der Brauchbarkeit der Farben bei der speciellen
Unterscheidung).
Der Gattung Unio sind bei Philippi Abb. III. 2 die Tafeln 3
und 4 gewidmet. Auf ihnen sind dargestellt: U. Osbeckii Ph., tere-
tiusculus Ph. aus dem weissen Nil, multidentatus Parreyss, ful-
mineus Parreyss und ambiguus Parreyss, alle drei aus Neuhol-
land; ferner U. auratus (Niaea) Swainson, chilensis Gray, arauca-
nus Phil., Moiinae Phil, beide letzteren aus den südlichen Provin-
zen Chile's. — U. cyrenoides vom Nicaragua -See, Largillierti von
Yukatan (gehört zur Gattung Dipsas), A%teconim von Mexico, fne-
xicana ebendaher, Liehmanni ebendaher und siibtrape%ius sind von
Philippi Zeitschrift für Malacoz. p. 93 aufgestellt.
Mytilus albus Siemaschko 1. c. testa minore, elongata, recta,
laevigata, carina submedia, intus et extus alba. Bug. — M. Menkea-
71US , siiösiri'atus, exaratus^ exilis Philippi Zeitschr. für Malacoz.
pag. 118.
252 Troschel: Bericht über die Leistungen in der
Bei Philipp i Abb. III. 1 sind abgebildet: Modiola gracilis Ph.
von China, obesa Ph. von China, ferruginea Ph., antillarum Ph ,
carihaeaV\\. von den Antillen, malayanaV\\. von China, opifex Say,
divaricata Ph. Die Philippi'schen Arten sind bereits in der Zeit-
schrift für Malacozoologie 1847. p. 115 aufgestellt, und gehören zur
Gattung Lithophagus, die Verf. von Modiola nicht trennt. — In der-
selben Zeitschrift p. 113 sind ausserdem als neu aufgestellt: M. cali-
forniensis Eschsch. von Californien, Cecillei Ph. von China, Rum-
phn Ph. von Ostindien, triangulum Koch von China, trislis Koch
aus dem stillen Ocean.
Cardium ßechei Lovell Reeve Proc. zool. soc. 1847. p. 25.
Scoloo Seas und Korean Archipelago.
Bei Philipp! Abb. sind Heft 7 aus der Gattung Lucina abgebil-
det: L. edentula (Venus L.), chrysostoma Ph. (L. edentula Lam,),
vertust a Ph. , dentifera Jonas aus dem rothen Meere. — L. bullata
Ph. Zeitschr. für Malacoz. p. 76.
Venus ylagia Jeffreys Ännals XIX. p. 313 verwandt mit V.
pullastra. — V. Largillierii , rimosa^ semirugata , sulcosa^ euglypia^
eximia^ amahilis , araneosa Phil. Zeitschr. für Malacoz. p. 87.
Bei Philippi Abb. sind auf einer Tafel des sechsten Heftes
zweiten Bandes Cytherea effossa Hanley, trimaculata Lam., stulto-
rum Gray, florida Lam., impar Lam., rosea Brod und Sow. darge-
stellt. — Ib. im 8. Heft finden sich auf zwei Tafeln C. angulosaVh.,
scabriuscula Ph., Orbignyi Dunker, livida Ph., rubicunda Ph., gi-
gantea Sow., die sämmtlich zur Gattung Artemis gehören. — Das-
selbe gilt von den Arten, welche ib. III. 1 abgebildet sind: C. aiius
Ph., Cno/cnPh., pubescejisFh., exasperataVh,, Isocardia Dunker.
— In Zeitschr. für Malacoz. p. 85 sind C. callipyga (Venus Born),
Pfeiffer i Vh., telUnaeformis Vh. aufgestellt. Ebenso Verms {Arte-
mis) Kroyeri Ph. — C. semifulva und chionaea Menke ib. p. 190.
Recluz beschreibt (Rev. zool. 1847. p. 338) das Thier einer
neuen Art: Arthemis Poliana, die das Ansehn einer Petricola hat,
aber vom Verf. wegen des Schlosses, wegen der Gestalt desFusses,
der Siphonen und der Mantelbucht zu Arthemis gezogen wird. Dem-
nächst theilt Verf. die Gattung in drei Sectionen: 1. Cytereides lin-
senförmig, vier Schlosszähne (Cyth. exoleta, lincta Lam.). 2. Vene-
reides scheibenförmig, drei Schlosszähne (Lucina reticulata, undata
Lam.). 3. Venerupeides fast kuglig, quer, drei Schlosszähne (A.
Poliana Recl).
Anton publicirte eine „Anordnung der Gattung Tellina, worin
nur die Arten seiner eignen Sammlung berücksichtigt sind, und die
besonders auf dem Fehlen oder Vorhandensein der Seitenzähne, der
Falte, und auf der allgemeinen Gestalt gegründet ist. Diese Anord-
nung soll das Bestimmen der Arten erleichtern. (Zeitschr. für Mala-
cozoologie p.97).
Teilina Jonasi von den Philippinen, lima von China und stri-
Naturgeschichte der Mollusken wahrend des Jahres 1847. 253
glUata Philippi Zeitschr. fürMalac. p.74. — T. areolata Menke
ib. p. 188. Anm.
Donax sulcata, lunularis und texasiana Phil. ib. p. 76. — D.
Hanleyi Phil. ib. p. 84.
Amphichaena nov. Gen. Philippi. Dies Archiv 1847» Lp. 63.
H. Nyst lieferte nach der Beschreibung zweier fossiler Arten
CrassateUa eine tabellarische üebersicht dieser Gattung, in welcher
71 Arten mit Angabe der Jahreszahl der Aufstellung, der Autoren,
der Titel der Bücher, in denen sie beschrieben oder abgebildet wor-
den, ob lebend oder in welcher Formation die fossilen gefunden,
und des Fundorts. Hinzugefügt sind kurze kritische Bemerkungen.
Von diesen 71 Arten sind 19 noch jetzt lebendi Diese gehören
sämmtlich den tropischen Meeren an, und keine von ihnen ist auch
im fossilen Zustande aufgefunden. (Bulletin de Tacademie royale des
Sciences et belles-lettres de Bruxelles. T, XIV. part. 2. p. 116).
Recluz beschrieb das Thier von Mesodesma ChemnitxU Desh.
(Rev. zool. 1847. p. 336). Der Mantel ist nur am vorderen Rande
offen; die oberen Mundlappen dreieckig, sehr dünn, die unteren
schmaler, fleischig, die Kiemen nach vorn verlängert, (Verf. ist der
Meinung, diese vordem Lappen seien besonders zur Aufnahme der
Eier bestimmt), Fuss oval, nach vorn spitz, nach hinten etwas aus-
gezogen, schneidend; Mantelröhren sehr kurz, getrennt, mit gekerb-
ten Oeffnungen. .
Periploma angtdiferum Phil, von Texas. Zeitschr. für Mala-
cozoologie p. 73.
Mittre giebt Kenntniss von einer kleinen Muschel Galeomma
Tnrtoni (Hiatella Polii Costa), die er bei Toulon beobachtete, wo
sie in grosser Menge am Tang gefunden wird. Das Thier ist eiför-
mig, in einen dicken imd am Rande umgeschlagenen Mantel gehüllt;
die Mantelränder sind ganz vereinigt bis auf After- und Athemöffnung
und einen Schlitz für den Byssus-tragenden durchbohrten Fuss. Die
Kiemenblätter sind hinter dem Fuss vereinigt; vier schmale spitze
Mundlappen. Sie gebären lebendige Junge. — Die Schale quer,
gleichschalig, fast gleichseitig, unterer Rand weit klaffend; Schloss
ohne Zähne, schwielig, unter dem Wirbel ein löffelartiger Vorsprung
mit einer Furche für ein inneres Ligament; keine Mantelbucht, zwei
ungleiche Muskeleindrücke , der hintere vom Schlossrande entfernt.
(Annales des sciences naturelles. Troisieme serie VIL p. 169). Abbil-
dungen erläutern den Text.
Poronia scalaris ^ Parreyssii^ purpurata stellt Philippi Zeitschr.
für Malacoz. p. 72 auf; sie sind sämmtlich von Neuholland.
Clausina nov. Gen. Jeffreys Annais XX. p. 18. Testa pyg-
maea, orbicularis aut longitudinaliter rotundato-ovata, globosa, sub-
aequilateralis, aequivalvis, utrinque clausa, plerumque tegumine fer-
ruginoso vestita. Cardo in utraque valvula tuberculo et lamella
laterali munitus. Apices subcentrales. Lunula nulla. Ligamentum
254 Troschel: Bericht über die Leistungen in der
externuni. Musculares impressiones ut in Cyprina. Profundum ma-
ris incolit. Unterscheidet sich von Kellia und Poronia dadurch, dass
nur ein Schlosszahn in jeder Schale vorhanden ist, und dass das
Ligament ein äusseres ist. Dahin werden gezogen Kellia ferruginosa
Forbes, Kellia abyssicola Forbes und eine neue Art Cl. CrouHnensis
testa longitudinaliter j-otundato-ovata, convexiuscula, tenuis, pellu-
cida, nitida, glabra, alba, ad apicem purpurascens, lateribus ferru-
ginosis, antice subangulata, postice rotundata. ümbones prominuli,
recti, fere contigui, Denticulus cardinalis obtusus et valde indistin-
ctus. ^V Zoll* Croulin Insel, Grossbritanien.
Ueber das Thier von Lepton squamosum Turt. machte Aid er
in der British Association 1847. (Athenaeum 1847. Nr. 1028. p. 748;
Institut 1848. p. 81 ; Report of the 17 Meeting of the British Asso-
ciation for the advancement of science held at Oxford in June 1847.
London 1848. p. 73) folgende Angabe: Der Mantel ist sehr gross,
dehnt sich weit über die Schale hinaus aus, ist mit Fäden gefranzt,
unter denen einer viel länger ist, als die übrigen. Der Mantel ist
offen, nur hinten bildet er eine kurze Röhre mit einfacher Oeffnung.
Der Fuss ist sehr gross, dick, sich verschmälernd, und hat eine
Scheibe wie der Fuss von Nucula. Er bildet einen feinen Byssus.
An jeder Seite liegen zwei Kiemenblätter. Das Thier lebt in Cornwall.
Solen Beckli Phil., versicolor Ph. , corneus Lam., tehuelcha
d'Orb. und cylindraceus Hanley sind bei Philippi Abb. 111. 2 auf
einer Tafel abgebildet. — S. gracills Phil. Zeitschrift für Malacoz.
pag. 72.
In Agassiz: Etudes critiques sur les Mollusques fossiles. Mo-
nographie des Myes. Neuchatel 1845 sind p. 45 und 48 zwei neue
lebende Arten beschrieben : Pholadomya caspica und crispa aus dem
kaspischen Meere, an der Mündung des Taliche, die ich mich um
so mehr gedrungen fühle hier nachzutragen, als die Malacozoologen
sie a. a. O. gleich mir leicht übersehen möchten.
Das Thier von Pholas subtruncata Sow. ist (Rev. zool. p. 342)
von Recluz beschrieben.
Pholas antipodum von Neuseeland und manilensis von Manila
stellte Philippi Zeitschr. für Malacoz. p. 71 auf.
Thompson „Note on the Teredo norvegica (T. navalis Turt.
not Linn.), Xylophaga dorsalis, Limnoria terebrans and Chelura
terebrans, combined in destroying the submerged wood-work at the
harbour of Ardrossan on the coast of Ayrshire." (Annais XX. p. 157).
Tereäo und Xylophaga vereinen sich mit beiden genannten Crusta-
ceien, um dieselben Holzwerke im Meere zu zerstören. Alle Exem-
plare von Toredo, die Verf. von britischen Küsten besitzt, sind alle
T» norvegica Spglr. (T. navalis Turt.) und verschieden von T. nava-
lis Linn.
In den Beiträgen zur Kenntniss der wirbellosen Thiere
mit besonderer Berücksichtigung der Fauna A^i: Norddeutschen
Naturgeschichte der Mollusken während des Jahres 1847. 255
Meeres von Frey iinJ Leuckart Braunsehweig 1847. 4. ist
p. 46 ein Aufsatz: die Anatomie des Pfahhvurnies, Teredo
navalis, enthalten.
Die langen Mantellappen sind völlig verwachsen, selbst die Oeff-
ming zum Durchtritt des Fasses ist verschwunden, da dieser sehr
rudimentär ist. Die Kiemenhöhle umschliesst nicht die Eingeweide-
höhle, sondern liegt hinter ihr. Zwei Ganglienpaare, das des Fusses
und das der Kiemen sind aufgefunden, das Dasein des Schlundgan-
glions wird vermuthet. Das Ganglienpaar des Fusses ist verschmol-
zen. Das Knorpelgebilde im Innern der Mundhöhle wissen die Verf.
nicht zu deuten. Das Vorhandensein einer Speicheldrüse wird be-
stätigt. Der Magen besteht aus mehreren Theilen, einem langen
Blindsack, einem rundlichen Blindsack, der von der Leber umhüllt
ist, und einer länglich ovalen Höhle, die den Anfang des Darms
bildet, und die den sogenannten Krystallstiel umschliesst. Der Darm
ist überall gleich weit, verläuft bis an das Ende des ersten blinden
Magens, wendet sich dann nach vorn, umfasst den grossen Schalen-
muskel, geht an der Rückenseite des Thiers zurück und reicht nicht
einmal bis zur Mitte des eigentlichen Körpers, wo er in einer klei-
nen platten keulenförmigen Erweiterung endet. Der Ventrikel des
Herzens ist nicht vom Mastdarm durchbohrt, erscheint als ein spin-
delförmiges Gefäss, welches hinten zwei lange spindelförmige Vor-
höfe, die von den Kiemen kommen, aufnimmt, und nach vorn sich
in eine Aorta auszieht. Die Nieren oder Bojanusschen Körper
fehlen, dagegen glauben die Verf. die Nieren in dem schwärzlichen
Belag der Vorhöfe erkannt zu haben. Die Kiemen bilden vier lange
dicke Wülste, die in der Medianlinie der ganzen Länge nach mit
einander verbunden sind. Der Eierstock ist eine ansehnliche Drüse,
die bis zu den Kiemen reicht; hinten findet sich ein langer band-
förmiger, nach vorn sich erstreckender Anhang, über dessen Natur
die Verf. nicht klar geworden sind. Es fand sich darin nie eine
Spur von Spermatozoen, so dass es also wohl nicht ein Hoden ist.
Die Verf. erklären das Thier für getrennten Geschlechts, haben
aber nur weibliche Exemplare untersucht.
T u ni c a t a.
Baer befruchtete im August die Eier von Ascidien, und
beobachtete, dass sie in wenigen Stunden die Theilung des
Dotters zaigten, und dass die Eujbrj'onen in weniger als 24
Stunden in der Gestalt colossaler Cercarien mit deutlichen
Augenflecken ausschlüpften, und sich mit grosser Lebhaftigkeit
bewegten. (Institut 1847. p. 173),
256 Troschel: Ber. ü. d. Leist. i. d. Naturgesch. d. Mollusken.
Jii dem oben angeführten Werke vonRenier findet sich
ein Aljschnitt über die Gattung Pollij citor Ren. Dieser
Autor hatte in seinem Prospetto della CJasse de' Vermi 1804.
p. XVII die Gattung PoIIycitor aufgestellt, deren Arten theils
zu Amoroucium conicum, theils zu Aplidium crystallinum zu
ziehen sind. Beide sind abgebildet.
257
Bericht über die Leistungen in der geographischen
und systematischen Botanik während des
Jahres 1847.
Von
Dr. A. Grisebach.
A.» Pflanzen^eograpliie.
Schieide 11 's populäre Vorträge aus dem Gebiete der
Botanik (Die Pflanze und ihr Leben. F^eipzig. 329 pag. 8.)
enthalten auch des Verf. Ansichten über die Aufgabe der
Pflanzengeographie. Er bestimmt dieselbe dahin, dass der
Einfluss der klimatischen und anderer, noch jetzt wirkender
Kräfte auf die Verbreitung der Pflanzen nachzuweisen sei,
sondert hingegen die Frage des Endemismus ab und will sie
der Geschichte der Pflanzenwelt zuweisen. Formell hat er
hierin Recht , aber die Untersuchungen über die aktuellen
und über die ursprünglichen oder geologischen Ursachen der
pflanzengeographischen Phänomene sind praktisch so eng ver-
bunden, dass sie zu trennen, zweckwidrig sein würde.
Mit den Ursachen, welche die Grenzen der Pflanzenarten
im Norden von Europa und analogen Ländern bestimmen,
beschäftigte sich A. deCandolle (Comptes rendus. Vol. 25.
p. 895 — 898). — Denselben Gegenstand behandelt meine Ab-
liandlung über die Vegetationslinien des nordwest-
lichen Deutschlands (Göttingen, 4847. 8. 104 pag. Beson-
derer Abdruck aus den Göttinger Studien f. 1847).
Trägt man die natürlichen Areale der Pflanzen auf eine Karte
graphisch ein, so entsteht die Aufgabe, die übereinstimmende Lage
irgend welcher klimatischer Linien mit den verschiedenen Areal-
grenzen, welche ich Vegetationslinien genannt habe, nachzuweisen:
denn in dieser Uebereinstimmung ist der Zusammenhang zwischen
dem Klima und der geographischen Verbreitung einer Pflanze aus-
gedrückt. DeCandolle fand, als er die Polargrenzen von 36 euro-
258 Grisebach: Bericht über die Leistungen in dcr
päischen Pflanzen genauer bestimmt hatte, dass dieselben wederden
Isothermen noch den durch gleiche Temperatur eines Jahresabschnit-
tes bestimmten Linien entsprechen. Der letztere Punkt findet schon
darin seine Erklärung, dass dieselbe Pflanze sich an verschiedenen
Orten zu ungleichen Zeiten entwickelt, der erstere ist schon früher
von mir aus der ungleichen Empfänglichkeit der Vegetationsphasen
gegen die Wärme abgeleitet, wodurch dieselbe Pflanze, die ein be-
stimmtes Maass Wärme während ihrer Vegetationszeit fordert, so-
wohl gegen einen milden als rauhen Winter sich indifferent verhält.
De Candolle sucht hiernach mit Recht die klimatische Ursache der
Polargrenzen in dem Typus der Temperaturkurve während der Ve-
getationszeit jeder einzelnen Pflanze: aber in der Art und W'eise,
wie er diesen klimatischen Charakter auszudrücken strebt, kann ich
ihm nicht beistimmen. Nach dem von seinem Vater angedeuteten
und von Boussingault bestimmter entwickelten Grundsatze, dass die
Wärmesumme, welche eine Pflanze während ihres Wachsthums em-
pfängt, das bestimmende klimatische Moment für ihre Verbreitung
sei, berechnet A. De Candolle das Produkt der mittleren Wärme
der Vegetationszeit irgend einer Pflanze mit der Zahl der Tage, die
während derselben verflossen sind und glaubt in der hierdurch be-
stimmten Zahl einen festen Werth zu erhalten, der für alle Orte an
der Polargrenze der der Rechnung zu Grunde gelegten Pflanze der-
selbe sei. Die Richtigkeit dieser Methode vorausgesetzt, würde ihre
Anwendung schwer überwindliche Schw ierigkeiten in der Bestimmung
der Anfangs- und Endpunkte der Vegetationszeit, so wie in dem
Mangel ausreichender, meteorologischer Daten finden. Man würde,
wie es bei den Rechnungen des Verf der Fall ist, nur angenäherte
W'erthe erhalten, bei deren Vergleichung man sich nicht von hypo-
thetischen Voraussetzungen frei halten könnte. Aber die physiolo-
gische Grundlage der Methode selbst ist keinesweges zuzugeben.
Denn ob eine Pflanze in einem bestimmten Klima gedeiht oder nicht,
hängt nicht bloss von der mittleren Wärme ihrer Vegetationszeit ab,
in sofern man diese als ein Ganzes zusammenfasst: sondern ebenso
sehr von der Wärme, welche ihre einzelnen Vegetationsphasen er-
fordern. Namentlich kommen in den De Candolle'schen Werthen
weder die Temperatur- Maxima in Rechnung, welche z. B. zur Ent-
wickelung der Blüthe und Fruchtreife nöthig sind, noch die Tempe-
ratur-Minima, die, wiewohl sie während des Winterschlafs die Pflan-
zen treffen, doch ihre Arealgrenzen häufig bestimmen. So giebt
denn auch De C. selbst Ausnahmen von seinem Gesetze zu, bei
deren Erklärung er theils die Winterkälte, theils die Feuchtigkeit
des Klima's in Betracht zieht: es würde indessen zu weit führen,
hier nachzuweisen , weshalb die Feuchtigkeit im nördlichen Europa
nur eine sekundäre Rolle spielt. Hätte De C. eine grössere Anzahl
von Vegetationslinien im nördlichen Europa verglichen, als er gethan
hat, so würde er bemerkt haben, dass sMne Ausnalimen, die zu
Pflanzengeographie während des Jahres 1847. 259
östlichen und westlichen Arealgrenzen führen, einen ebenso grossen
Anspruch auf Allgemeinheit haben , als die Polargrenzen.
Meine Untersuchungen beziehen sich auf 236 Pflanzen , welche
im nordwestlichen Deutschland irgend eine ihrer Arealgrenzen (Ve-
getationslinien) erreichen. Hierunter sind nur 91 Polargrenzen, von
denen ein grosser Theil (41 Arten) innerhalb dieses Gebiets auch
noch eine andere Grenzlinie besitzt; 136 Arten und mit Einschluss
jener 41 überhaupt 177 sp. haben ihre Grenze entweder gegen Nord-
west oder Südost, und nur 9 sp. treffen daselbst ihre Südgrenze.
Für die reinen Polargrenzen also war hier dieselbe Aufgabe zu lösen,
mit welcher sich DeC. gleichzeitig beschäftigte. Wenn ich auch in
dem allgemeinen Satze mit ihm übereinstimme, dass die Minderung
der Wärme die Ursache dieser nördlichen Vegetationslinien sei, so
komme ich doch bei der näheren Bestimmung dieses klimatischen
Werths zu einem abweichenden Ergebniss. DeC. bemerkte, dass
die Polargrenzen der von ihm verglichenen Pflanzen sich in mannig-
faltigen Richtungen durchkreuzen und daher zum Theil nicht reine
Nordgrenzen sind. Dies rührt daher, dass nicht ein einziger, son-
dern verschiedenartige klimatische Einflüsse ihre Richtung bestimmen.
Mehrere von mir ausgewählte Polargrenzen dagegen zeigen die be-
merk enswerthe Eigenthümlichkeit, dass sie Parallelkreisen des Aequa-
tors durch die ganze Breite des europäischen Kontinents entsprechen,
dass demnach dieselben Pflanzenarten in der Nähe des atlantischen
Meers und im Innern von Russland bis zu demselben Breitegrade
nach Norden vorrücken. Es ist klar, dass es keine, durch das Ther-
niometer messbare klimatische Werthe giebt, die eine solche Rich-
tung erklären. Nehmen wir dagegen an, dass die Vegetationsphasen
nicht sowohl von der durch das Thermometer messbaren Wärme
der Luft oder des Bodens, sondern vielmehr von dem Verhältniss
der Wärmecapacität eines Gewächses zu der direkten Wärme der
Sonnenstrahlen bedingt sind und dass diese Wirkungen an die Höhe
der Sonne über dem Horizont und an die Tageslänge geknüpft sind,
so erhalten wir hierdurch zwei Werthe, welche genau von der geo-
graphischen Breite abhängen und daher für die angegebene Richtung
einer rein nördlichen Vegetationslinie als das bestimmende Moment
angenommen werden können. Auf dieselbe Weise habe ich auch
die rein südlichen Vegetationslinien, sofern sie Parallelkreisen des
Aequators entsprechen, von der Verkürzung der Tageslänge abge-
leitet.
Für die übrigen, weit zahlreicheren Vegetationslinien, welche
die Parallelkreise des Aequators unter irgend einem Winkel schnei-
den, sind nach meinen Untersuchungen nicht mittlere Wärmewerthe,
welcher Art sie auch sein mögen, als klimatisch massgebend anzu-
erkennen, sondern die Temperaturextreme, welche, wenn sie einen
gewissen Grad erreichen, für irgend eine Vegetationsphase ein ab-
solutes Hinderniss darbieten. Schon der allgemeine Verlauf solcher
Archiv f. Naturgesch. XIV. Jahrg. 2. Bd. R
260 .Grisebach: Bericht über die Leistungen in der
Vegetationslinien, welcher im nördlichen Deutschland an einen be-
stinnmten Abstand von der Meeresküste gebunden ist und demnach
einem bestimmten Entwickelungsgrade des See- oder Kontinental-
klimas entspricht, lässt dieses Verhältniss erkennen. Genauer er-
giebt es sich sodann daraus, dass in der That die klimatischen Li-
nien gleicher Temperatur-Maxima und Minima mit den entsprechen-
den Vegetationslinien zusammenfallen. Wenn auch auf dem gegen-
wärtigen Standpunkte der Meteorologie jene klimatischen Linien
nicht mit derselben Genauigkeit bekannt sind, wie die Vegetations-
linien der meisten deutschen Pflanzen: so erscheint doch das vor-
handene Material zu jener Beweisführung ausreichend und ist in ein-
zelnen Fällen so überzeugend, dass oftmals die sporadischen Fund
orte seltener Pflanzenarten einen Rückschluss gestatten auf klima
tische Eigenthümlichkeiten von Oertlichkeiten, deren meteorologi-
sche Werthe noch nicht gemessen worden sind. — Hiernach sind
die südöstlichen Vegetationslinien Norddeutschlands die Wirkungen
zunehmender Winterkälte, die nordwestlichen werden durch die Ab-
nahme der Sommerwärme bedingt. Die ersteren werden je nach
der unregelmässigen Vertheilung der Winterkälte zuweilen zu Öst-
lichen und nordöstlichen Grenzen. Seltener kommen endlich süd-
westliche Vegetationslinien bei einigen nordischen Pflanzen vor, deren
Vegetation einen kurzen und warmen Sommer erheischt.
In entfernterer Beziehung zur allgemeinen Pflanzengeo
graphie steht die Schrift von Fr aas über die Veränderungen
des Vegetationscharakters der Länder am Mitteltneer in histo-
rischer Zeit (Klima und Pflanzenwelt in der Zeit. Landshut,
1837. 8. 137 pag.). Ich muss indessen die Methode des Verf.
für völlig ungeeignet halten, zu festen Ergebnissen zuführen.
I. E u r o p a.
Von V. Ledebour's Flora rossica (s. Jahresb. f. 1841,
1843 u. 1845) erschienen 1847 das achte und 1849 das neunte
Heft (VoL III. P. 1).
Die statistischen Verhältnisse der darin abgehandelten Familien
sind folgende : Lentibularieen 10 sp. : davon 4 Pinguiculae auf Ost-
sibirien und die Aleuten beschränkt; Primulaceen 47 sp., grossen-
theils dem arktischen und alpinen Gebiet angehörig, Dodecatheon
(2 sp ) dem russischen Amerika eigenthümlich; Hex 1 sp., nur in
Kaukasien; Diospyros 1 sp., ih der Krim und Kaukasien; Oleaceen
Bsp., darunter Fraximus oxyphylla bis zum Don, Olea in der Krim
und Kaukasien, jenseits des Ural kein Repräsentant der Familie;
Jasmineen 2sp., in der Krim (1 sp.) und Kaukasien (2sp.); Apocy-
neen 5 sp.; Asclepiadeen 7sp., darunter Cynoctonum sibirisch; Gen-
tianeen 62 sp , mit 43 sp. von Gentiana, von denen fast \ Sibirien
Pflanzengeographie wahrend des Jahres 1847. 261
eigenthümlich , ebenso die Gattungen Anagallidium , Stellera und die
russischen Arten von Ophelia und Halenia; Polemoniaceen 3 sp.,
wovon Phlox (Isp.) auf Sibirien beschränkt ist; Diapensia 1 sp.;
Convolvulaceen 21 sp., darunter sibirisch Ipomoea (1 sp.), 4 Arten
von Convolvulus, 2 von Calystegia, 3 andere Convolvuli auf die
Steppe, 2 auf die Krim beschränkt, 3 und Cressa kaukasisch; Cus-
cuteen sind übergangen; Borragineen 190 sp.: darunter die artenreich-
sten Gattungen Echinospermum (24), Nonnea (14), Eritrichium (13),
Myosotis (12), Mertensia (12), Onosma (12), Heliotropium (11),
endemisch für Sibirien 11 Mertensien, 2 Arnebien, 7 Eritrichien,
Stenosolenium , Anoplocaryum, Diploloma, Craniospermum, dem
Kaukasus eigenthümlich 8 Noneen, Ptilostemon, Moltkia, Mattia,
Caccinia und einzelne Arten anderer Gattungen, für die Steppe cha-
rakteristisch Tournefortia, Heliotropium, Onosma, Echinospermum
und endemisch die Gattungen Rindera, Solenanthus, Suchtelenia,
Heterocaryon; Hydroleaceen 2 sp. von Romanzoffia von den Aleuten
und Sitcha; Solaneen 21 sp. , wovon Atropa auf die Krim und Kau-
kasien, Scopolia auf Westrussland und Illuxt in Curland beschränkt
sind; Scrophularineen 224 sp., darunter die reichsten Gattungen Pe-
dicularis (60), Veronica (55), Verbascum (23), Linaria (22), Scro-
phularia (21), auf das russische Amerika beschränkt Mimulus (2),
auf Sibirien Pentstemon (1) und Leptorhabdos (2), auf die Steppen
Dodartia (1), auf den Kaukasus Bungea (1), ausserdem auf Sibirien
z.B. 34 Arten von Pedicularis, 11 von Veronica, 1 Cymbaria, auf
Kaukasien 7 Verbasken, 6 Scrophularien, 14 Veroniken und 7 Pedi-
cularis-Arten , so wie Trixago und Rhynchocorys; Orobancheen
44 sp., darunter Boschniakia (1) vom Altai bis Sitcha, Anoplanthus
(1) von der Krim durch Kaukasien verbreitet; Verbenaceen 4 sp.;
Selagineen 5 sp. von Gymnandra, wovon 2 durch das ganze arkti-
sche Gebiet bis zum europäischen Samojeden-Lande vorkommen und
eine ne\ie Art von C. Koch am Kaukasus entdeckt ward; Labiaten
226 sp., darunter die grössten Gattungen Salvia (23), Nepeta (21),
Stachys und Dracocephalum (18), Marrubium (16), die Mehrzahl
der Arten kaukasisch, auf Sibirien beschränkt Perovskia, Lophan-
thus, Amethystea, Chamaesphacos mit je 1 sp., Lagochilos (7), auf
die Steppe von Astrachan Wiedemannia (1), auf Westrussland und
Polen Melittis, ferner auf Sibirien 12 Arten von Dracocephalum,
4 von Phlomis, 6 von Eremostachys, auf Kaukasien 10 Nepeten, 10
Salvien, 8 Marrubien u. a. ; Globularia 2 sp.; Plumbagineen 37 sp. ;
Plantagineen 28 sp. , wovon Litorella auf Lithauen eingeschränkt ist.
Von Trautvetter's Kupfervverk erschien das achte Heft
mit Taf. 36 — 40 (PJantarum imagines FJoram rossicam illu-
strantes. Monachii, 1847. 4. s. vor. Jahresb.)
Buhse giebt einen Nachtrag von 52 sp. zu Fleischer's
Flora der Ostseeprovinzen, in denen bis jetzt 957 Phanero-
R*
262 Grisebach: Bericht über die Leistungen in der
ganien beobachtet worden sind (Arbeiten des naturforscli.
Vereins in Riga. Bd. 1. S. 1— 7. Rudolstadt, 1847).
Stenhainniar lieferte eine Arbeit über die Lichenen
der Insel Gottland (Öfversigt af K, Vetensk. Akadem. För-
handl. 4. 1847); sowohl einige Formen der Alpen und Pyre-
näen als arktische Kalk- Flechten hat er daselbst nachgewiesen.
Im Sommer 1846 verweilte Babington zwei Wochen
anf Island und hat ein Verzeichniss seiner botanischen Aus-
beute mitgetheilt (Ann. nat. hist. 20. p. 30—34).
Die mit Gerollen bedeckten Hügel um Reikiavik besitzen nur
wenige arktische Arten, z.B. Dryas, Lychnis alpina, Arenaria nor-
vegica, Cerastium latifolium. Die Sümpfe umher, welche das ebene
Uferland bedecken, sind von einigen Cyperaceen bewachsen (Carex
und Scirpus). Sparsam eingestreute Wiesengründe bestehen aus
Festuca ovina und Poa pratensis, zwischen deren Rasen Geranium
sylvatirum , Orchis latifolia, Habenaria hyperborea und viridis zahl-
reich erscheinen. (Die Orchis ist nach den von Bergmann mitge-
brachten Exemplaren meine O. elodes und gehört demnach nicht zu
O. latifolia). — Auf den Lavaströmen von Thingvalla traf B. eine
üppigere Vegetation von niedrigem, höchstens 6' hohem Gesträuch
von Birken und Weiden (Betula glutinosa, intermedia und nana, Sa-
lix lanata und phylicifolia). Am Hval- Fjord bestieg er einen gegen
2500' hohen, steilen Abhang, der eine ziemlich reichhaltige Ausbeute
gewährte. Folgende Arten seines Verzeichnisses sind neue Beiträge
zu der von Vahl besorgten, isländischen Flor in Gaimard's Werk:
Epilobium virgatum , Galium pusillum , Hieracium caesium Fr,, H.
Lawsoai, Myosotis versicolor, Salix phylicifolia, S. pyrenaica var.
norvegica, Juncus balticus, Potamogeton lanceolatus Sm. (P. nigre-
scens Fr.),* P. filiformis, Scirpus uniglumis , Carex chordorrhiza,
C. cryptocarpa Mey. (C. filipendula Drej.), C. hyperborea Dr.,
Arundo stricta, Poa Balfourii Parn. , Equisetum umbrosum. Ich
füge diesen aus Bergmannes Sammlung noch Viola lactea Sm. bei.
Ein wichtiger Beitrag zur nordischen Pflanzengeographie
ist die Darstellung der Vegetation der Faer-Oeer von Mar-
tins (Essai sur la Vegetation de l'archipel des Feroe, com-
paree a celle des Shetland et de l'Islande nieridionale: beson-
derer Abdruck aus den Voyages en Scandinavie etc. de la
Recherche, Geogr. physique 2. p. 353 — 450. Paris, 1847).
Von Felsgestaden umschlossen, steigen die Faer-Oeer, 21 Inseln
an der Zahl, zu 2—3000' hohen Trappgebirgen schroff empor. Die
Berge, deren Erdkrume schwach und vergänglich ist, werden durch
enge, gegen das Meer geöffnete Thalschluchten gesondert, die zwi-
schen dem nackten Gestein in unvergleichlich frischem Grün prangen.
Pflanzengeographie während des Jahres 1847.
263
Auf den nordlichen Insehi bemerkt man hier und da einzelne Ger-
stenfelder an den Gehängen, auf den südlichen werden diese häufiger
und hier erinnert die Lage verschiedener Dörfer an die bebauten
Fjord-Ufer Norwegens.
Das Klima des Archipels gehört wie das der Shetlands -Inseln
und Orkaden zu denen, wo die Gegensätze der Jahreszeiten unge-
mein gemildert sind. Die Unterschiede der Winter- und Sommer-
Temperatur betragen auf diesen drei Archipelen weniger als 9" C.
und sind gewiss an keinem Punkte Europa's so gering wie hier:
allein M. irrt, wenn er behauptet (p. 382), dass eine grössere Gleich-
mässigkeit der Wärme nirgends auch der nördlichen (gemässigten)
Hemisphäre beobachtet sei, da das Seeklinia in Ross an der Nord
Westküste von Amerika noch weit stärker ausgesprochen ist (vergl.
Jahresb. f. 1841. S.453).
Die von M. corrigirten Temperaturkurven der drei genannten
Archipele enthalten folgende Werthe, nach den vorhandenen Messun-
gen zu Thorshavn (Faer-Oeer), Belmont auf Unst (Shetlands) und
zu Sandwick (Orkaden).
Mittlere Wärme. C.
Faer. Shetl. Ork.
Jahrestemp. Faer. = 7o,31 C; Shetl. =7o,07C.; Ork. =7o,78C
Der Unterschied zwischen Sommer und Winter beträgt demnach
auf den Faer-Oeern nur 8o,6 C. , zwischen dem wärmsten und kälte-
sten Monat 10", 1. Diese Gleichmässigkeit der Temperatur erklärt
M. aus dem geringen Umfang der Inseln, die vom Golfstrom getroffen
werden, und aus den überaus häufigen Nebeln und Wolken, welche
die Strahlung der Wärme im Winter, wie die Erhitzung des Bodens
durch die vSommersonne verhindern. Durch diese Verhältnisse wird
sowohl die Baumvegetation unterdrückt, als der Ackerbau einge-
schränkt. Der einzige Baum, der jetzt noch, vor dem Seewinde
264 Grisebach: Bericht über die Leistungen in der
geschützt, in die Hohe gebracht werden kann, ist Sorbus aucuparia :
im Garten des Gouverneurs finden sich einige, vom Boden aus ver-
zweigte Individuen von etwa 12' Höhe. Früher gab es, nach den
Ueberresten im Torf zu schliessen, Birken auf den Faer-Oeern, wie
auf Island, wo sie im Innern noch jetzt einzeln vorhanden sind
(p. 362). Ausser der unzulänglichen Sommerwärme führt M. noch
andere Ursachen an, weshalb die Faer-Oeer keinen Wald erzeugen
können: die Unregelmässigkeit der Jahreszeiten, wodurch oft, wenn
ein milder Winter den Saftumtrieb zu frühzeitig einleitet, der nach-
folgende Frost die Stämme zum Absterben bringt, ferner die Ver-
breitung der Schafe und Katzen, die Laub und Rinde an den jungen
Pflanzen zerstören, sodann die geringe Mächtigkeit der Erdkrume,
die Feuchtigkeit des Bodens, so dass die Wurzeln sich weder gegen
den Wind behaupten noch der Fäulniss widerstehen können. — Der
Ackerbau beschränkt sich auf den sechzigsten Theil der Oberfläche:
Fischfang und Schafzucht bilden den Haupterwerb. Die Kulturge-
wächse sind Hordeum hexastichon, Kartoffeln und Turnips. An dem
Südabhang von Suderöe, der südlichsten Insel, reicht die Gersten-
kultur bis zum Niveau von 300', an der Nordseite bis 180'. Die
Saatzeit fällt in den April, die Erndte in die Mitte des September
oder Anfang Oktober. Kartoffeln kommen lokal bis gegen 750' Mee-
reshÖhe fort. Aus dem Verzeichnisse der Faer-Oeer-Flora von Tre-
velyan (1837) ergiebt sich in Verbindung mit den von M. gefundenen
Arten eine Gesammtzahl von 294 Gefässpflanzen. Unter diesen ist
ebenso wie in der Flora der Nachbararchipele keine einzige ende-
mische Art. Nach einer richtigen Methode, welche auf dem gegen-
wärtigen Standpunkte der Pflanzengeographie vor Allem die Fest-
stellung der Schöpfungscentren fordert, beschäftigt sich der Verf.
daher mit der Untersuchung, woher die Faer-Oeer- Pflanzen einge-
wandert sein können. Er betrachtet die Inselreihe vom Kanal bis
Island als ein Ganzes, als das einzige Verbindungsglied zwischen
den Floren von Europa und Nordamerika; er verallgemeinert den
nicht-endemischen Charakter der Faer-Oeer-Vegetation auf die ganze
Gruppe und zeigt, dass alle Gewächse Grossbritanniens und Islands,
gleich denen der diese Endpunkte verbindenden Archipele, auch auf
den benachbarten Kontinenten verbreitet sind. Weil aber der grös-
sere Theil europäisch und nicht -amerikanisch ist, und weil keine
amerikanische Form vorkomme, die nicht auch in Europa wüchse,
so schliesst M., dass von Europa aus eine beträchtlichere Pflanzen-
einwanderung erfolgt sei, als in umgekehrter Richtung. Allein un-
zulässig ist seine weitere Annahme, dass die arktischen Formen
nicht von Europa, sondern von Amerika abstammen. Vielmehr hätte
der Verf. mit gleichem Rechte behaupten können, dass alle Gewächse
dieser Inselreihe ursprünglich europäisch sind und dass diejenigen,
welche zugleich in Amerika wachsen, sich dorthin ebenfalls vom
alten Kontinent aus verbreitet haben können. Denn nach meinen
Pflanzengeographie wahrend des Jahres 1847. 265
Untersuchungen giebt es in jenen Inselfloren kaum eine einzige sicher
bestimmte Art, die nicht in Europa einen weiten Verbreitungsbezirk
besässe. An eine Einwanderung von Grönland nach Island kann
schon deshalb nicht gedacht werden, weil Grönlands Ostküste von
Eis umschlossen und vielleicht ganz pflanzenlos ist, die uns allein
bekannte Gegend der dänischen Niederlassungen dagegen durch ihre
Binnenlage an der Davis-Strasse zum natürlichen Austausch ihrer
Produkte mit Island ungeeignet erscheint und in der That ihre cha-
rakteristischen, endemischen Pflanzenformen nicht mit Island gemein
hat. Die nächste amerikanische Küste, von welcher eine üebersie-
delung'von Gewächsen mittelst des Golfstroms erwartet werden
könnte, ist die von Labrador: aber dieses Land ist weiter entfernt
von Island, als Norwegen und der Charakter der arktischen Ge-
wächse Islands ist nicht labradorisch, sondern norwegisch und ent-
spricht der Vegetation der Fjelde von Bergen's Stift, d. h. dem
nächstgelegenen Theile des Kontinents. Ebenso verhalten sich die
Faer-Oeer und die schottischen Hochlande. M. Stellt späterhin
(p. 442) selbst die Möglichkeit hin, dass bei genauerer Kenntniss der
Flora von Bergen seine grönländische Hypothese sich nicht bewäh-
ren möge, aber er hätte sich die zu der Lösung dieser F'rage erfor-
derlichen Thatsachen bereits grösstentheils aus Hornemann's Schrif-
ten verschaffen können. Seine Gründe, womit er sich gegen die
Abstammung der arktischen Pflanzen aus Norwegen erklärt, sind
folgende:
1. Die nordatlantischen Archipele (Shetlands bis Island) besitzen
nach M. eine Anzahl von arktischen Arten, die im südlichen Nor-
wegen noch nicht beobachtet wären. Allein dieser Satz ist nicht
haltbar. Von säramtlichen Faer-Oeer-Pflanzen wachsen nur 10 Arten
im südlichen Norwegen nicht: von diesen stammt mehr als die Hälfte
aus andern Gegenden des europäischen Westens und kommt zum
Theil auch noch in Südschw-eden und Dänemark vor (Nasturtium
officinale, Alchemilla argenteaDon, Saxifraga hypnoidis, Pyrethrum
maritimum, Atriplex laciniata, Scirpus fluitans)-, drei Arten sind
zweifelhaft (Ranunculus montanus Mart. = an R. acris alpinus Fr.?,
Lepidium alpinum TreveL = an Hutchinsia calycina DC. ?, Plantago
alpina Mart. = an P. maritima L.?); und so bleibt nur Saxifraga
tricuspidata Retz. als grönländische Form übrig. Doch auch diese
Pflanze bezeichnet INI. selbst als skandinavisch, wiewohl meines Er-
achtens irrthümlich. — unter den arktischen Pflanzen, welche Island
vor den Faer-Oeern voraus hat (p. 427) und deren Anzahl nach M.
30 beträgt, befinden sich ebenfalls nur 3 nicht-skandinavische: Stel-
laria Edwardsii Br., Pleurogyne rotata m., Peristylus hyperboreus
= Orchis L. Wir können es demnach dahin gestellt sein lassen, ob
diese wenigen Formen späterhin in Norwegen werden gefunden wer-
den, oder ob sie die einzigen sind, welche von Amerika aus nach
Island einwanderten. — Wie irrig die entgegenstehenden Angaben
266 Grisebach: Bericht über die Leistungen in der
M.'s über das Areal der arktischen Pflanzen der Faer-Oeer und
Islands sind, dafür mögen folgende Beispiele genügen: 4 Saxifragen
sollen in Norwegen erst jenseits 68" N. Br. auftreten (p. 403), die ich
sämmtlith bei üllensvang in Bergen's Stift (GO'^N.Br.) verbreitet fand,
nämlich S. nivalis, rivularis, caespitosa und stellaris, erstere auf dem
Hauglefjeld, die übrigen auf dem Hardangerfjeld und Folgefonden;
Papaver nudicaule, nur in Spitzbergen (p. 411), wächst auch auf
Dovrefjeld; Ranunculus nivalis, nur im nördlichen Lappland, eben-
falls auf Do vre u. s. w.
2. Island sei dreimal weiter entfernt von Norwegen als von
Grönland (s o.).
3. In Bergen's Stift fänden sich arktische Pflanzen nur sparsam
und in beträchtlicher Meereshöhe verbreitet; von doit wäre ihnen
auf der Wanderung nach Island der Golfstrom entgegen gewesen.
Aber der grösste Theil der ganzen Oberfläche des südwestlichen
Norwegens ist ausschliesslich mit diesen arktischen Gewächsen be-
kleidet: von der Hochfläche werden ihre Samen beständig an den
steilen Fjordufern mit Felsstürzen in's Meer geschwemmt. Der Golf-
strom war überhaupt der Pflanzenwandeiung von Europa nach Island
entgegen und doch nimmt M. selbst an, dass der grösste Theil der
isländischen Flora aus Europa stammt. Mit Recht weist er darauf
hin, dass neben den Meeres- und Luft-Strömungen die über alle Me-
ridiane wandernden arktischen Vögel das Mittel dargeboten haben,
die örtlichen Verschiedenheiten zwischen den arktischen Floren auf-
zuheben.
4. Südnorwegen sei nur ein sekundäres Vegetationscentrum, des-
sen arktische Pflanzen von Lappland stammen, weil ihre Zahl vom
Polarkreise nach Süden abnehme. Allein, wenn dies auch zugege-
bert wird, so ist nicht abzusehen, weshalb die nordatlantischen Ar-
chipele nicht eben sowohl von einem sekundären, als von einem
primären Centrum aus ihre. Gewächse haben erhalten können. Auch
die schottischen Hochlande haben offenbar ihre alpine Flora von
Norwegen aus empfangen, weil sie keine einzige endemische oder
den mitteleuropäischen Hochgebirgen eigenthümliche Form enthalten.
Bei der lehrreichen Vergleichung der nordatlantischen Archipele
unter einander, die einen bedeutenden Theil von M.'s Untersuchun-
gen bildet, erhalten wir zunächst eine charakteristische Auffassung
ihrer allgemeinen Naturverhältnisse. Die torfreichen Shetlands sind
flach, ihre Hügel niedrig, nur einer erhebt sich zu 1500', sie be-
stehen grösstentheils aus krystallinischen Gesteinen. Anpflanzungen
von Bäumen, z. B. Eschen, Acer pseudoplatanus, Kiefern sind ge-
lungen. Im Ackerbau, der besonders auf Avena strigosa und Hor-
deum hexastichon gerichtet ist, gleichen sie den Verhältnissen Nord-
schottlands und bilden überhaupt wegen ihrer von den Faer-Oeer«
abweichenden Bodengestaltung vielmehr ein üebergangsglied zu Süd-
Norwegen. 91 Pflanzenarten finden sich hier, welche weder die
Pflanzengeographie während des -Jahres 1847. 267
Faer-Oeer noch Island besitzen: dies sind grösstentheils mitteleuro-
päische und Halophyten; 3 Arten, die in Norwegen allgemein ver-
breitet sind, weisen auf die Einwanderung aus diesem Gebirgslande,
wobei Geranium phaeum und Arenaria norvegica nur bis zu den
Shetlands vordrangen, während Saussurea alpina, die ich auch in
Hardanger fand, über die Shetlands bis nach den schottischen Hoch-
landen gelangt ist. 37 Pflanzen haben die Faer-Oeer mit den Shet-
lands gemeinsam, die nicht in Island wachsen: diese gehören sämmt-
lich zur mitteleuropäischen Flora, mit Ausnahme von Cerastium
latifolium, welches zunächst von den schottischen Hochlanden ein-
wanderte, aber auch am Dovrefjeld vorhanden ist. Ebenso sind 31
Pflanzen, welche die Faer-Oeer vor den Shetlands und Island voraus
haben, bis auf einige zweifelhafte schottisch und mitteleuropäisch
zugleich. 40 Arten sind endlich zugleich in Island und auf den Shet-
lands vorhanden, ohne auf den Faer-Oeern zu erscheinen: gleichfalls
mitteleuropäische Formen, die an diesen Fels -Inseln nicht die Be-
dingungen ihrer Existenz fanden.
Von dem südlichen Island entwirft M. (p. 393) folgendes an-
schauliche Bild: „vulkanische Gebirge, meist über 3000' hoch,
starren nach allen Seiten, über dem Niveau von 2900' mit ewigem
Schnee bedeckt; zahlreiche Gletscher, grossen Flüssen den Ursprung
-gebend, reichen fast zum Meere herab; unzählige Rinnen fliessenden
Wassers durchschneiden die Insel in allen Richtungen, bald in wei-
ten Thälern strömend, bald durch enge Schluchten, bis im äusser-
sten Vorlande die ausgebreiteten Torfmoore erreicht sind." Dass
der Ackerbau hier nicht mehr betrieben werden kann, leitet M. aus
der Feuchtigkeit und Kälte des Vor- und Nachsommers ab, so dass
die Gerste, die im nördlichen Skandinavien bei einem weniger war-
men, aber trocknerem Sommer fortkomme, hier gleichsam auf dem
Halme verfault: aber neben dem klareren Himmel kommen in Lapp-
land auch die höheren Temperaturmaxima in Betracht, die Island
bei einer günstigeren Mittelwärme der guten Jahreszeit fehlen. —
Vergleicht man die Flora Islands mit der der übrigen Archipele, so
finden sich 67 Arten, die auf den Faer-Oeern zugleich vorkommen
und auf den Shetlands fehlen: dies sind grösstentheils arktisch-alpine
Arten und übrigens Wasser- und Sumpfpflanzen, die auf den Shet-
lands nicht ihr Niveau oder nicht ihren Boden finden und deshalb
bei der von mir angenommenen Einwanderung aus Norwegen und
Mitteleuropa den südlichen Archipel übersprungen haben. Ueber die
Wasserpflanzen bemerkt M , dass es für sie an geeigneten Stand-
orten auf den Shetlands nicht fehle: indessen wird auch nach seiner
Vorstellung von der Einwanderung derselben aus Amerika ihr Nicht-
Vorkommen auf den Shetlands nicht erklärt. — Island besitzt 135
Arten, die auf den Faer-Oeern und Shetlands nicht gefunden sind:
die meisten derselben sind mitteleuropäisch und ihr Auftreten scheint
mit dem grösseren Umfang und der mannigfaltigeren Bodengestaltung
268 Grisebach: Bericht über die Leistungen in der
Islands in Verbindung zu stehen; die übrigen gehören zur arktisch-
alpinen Vegetation, deren Beziehung zu Norwegen bereits oben er-
örtert worden ist.
Der im Jahresb. f. 1841 erwähnte Katalog der Shetlands-
Flora von Edmondston ist später in ausgeführterer Form
als selbstständiges Werk erschienen (A Flora of Shetland;
coiriprehending a List of the flowering and cryptogamic plants
of the Shetland Lsles, with remarks on their topography, geo-
logy and climate, bj Th. Edmondston. Aberdeen, 1845. 27
11. 67 pag. 8.): einen Auszng besorgte Beilschmied (Re-
gensb. Flora f. 1847. S. 361u. f. ). Die frühere Anzahl von
236 Phanerogamen hat sich bis zu 319 Arten gesteigert.
Von Babington's britischer Flora erschien die zweite
Auflage mit Zusätzen und Verbesserungen (A Manual of Bri-
tish Botany. 2^^ Edition. London, 1847. 428 pag. 8.). — Die
neue Serie des Supplement to English Botany (Jahresber. f
1844) ist bis zur 13ten Lieferung fortgeschritten (Second
series. Nr. 4 — 13. London).
Systematische Arbeiten über britische Pflanzen : Hooker
Nachricht über einige in Grossbritannien neu aufgefundene
Pflanzen (Lond, Journ. of Bot. 6. p. 473 — 477): namentlich
Simethis bicolor bei Bournemouth , Alopecurus utriculatus iji
Dorsetshire, Trifolium strictum und Molineri in Cornwallis;
Babington Fortsetzung seiner Synopsis of the British Rubi
(Ann. nat. bist. 19. p. 17— 19 u. 83— 87) ; zwei Publicationen
über essbare Pilze (A Treatise on the esculent Funguses of
England, by Badham. London, 1847 und lllustrations of
British Mycology, by Mrs. Hussey. Part 1. 2. London. 4.).
Ein Taschen -Herbarium britischer Lebermoose gab Mac
Ivor heraus (M. Ivor's Hepaticae britannicae).
Dickie setzte seine Untersucliung über die vertikale
Verbreitung schottischer Kryptogamen fort (Lond. Journ. of
Bot. 6. p. 197 — 206 u. 376 — 380): Angaben über Fundorte
von Diatomeen und Süsswasser- Algen. — Balfour berich-
tete über eine botanische Untersuchung der Insel Wight (Ann.
nat. bist. 19. p.424): hier wachsen z. B. Matthiola incana,
Tamarix anglica, Orobanche barbata, Hieracium inuloides, Cy-
perus longus, Spartina stricta, Agrostis setacea.
Beiträge zur Flora der Niederlande: Hoven über selte-
Pflanzengeographie wahrend des Jahres 1847. 269
iiere Pflanzen um Herzogenbusch (Nederl. KruicJkundig Archief
l.p. 273 — 279): z.B. Silene gallica, Cirsium anglicum, Jun-
cus pygmaeus, Alopecurus bulbosus, Cynodon dactylon; der-
selbe über seltenere Pflanzen um Mastricht (das. p. 212 — 17):
z. B. Peucedanum Chabraei, Sisymbrium supinum, Helianthe-
mum guttatum , Chenopodium ambrosioides: Molkenboer
die Moosvegetation des Beekberger Waldes, eines Erlenbruchs,
(das. p. 260 — 272); v. d. Bosch Beiträge zur Algenflora Nie-
derlands (das. p. 280—291).
Kickx setzte seine im vorigen Jahresberichte erwähnten
Forschungen fort (Recherches pour servir ä la flore crypto-
gamique des Flandres in Nouv. Memoires de l'acad. de Bru-
xelles. T. 20. 1847).
Allgemeine Werke über die deutsche Flora: Reichen-
bach's Icones Vol. 9 u. 10. Dek. 1 — 5 mit dem Schluss der
Cyperaceen, den Typhaceen, Irideen, Amaryllideen, Junceen
und mit Liliaceen; Schenk's W^erk Bd. 8; Lincke's Publi-
cation Heft 68 — 75; Petermann's Flora Lief. 2 — 5; G. und
F. Lorinser Taschenbuch der Flora Deutschlands, nach
analytischer Methode (Wien, 1847. 488 pag. 12.); Kittel's
Taschenbuch der Flora Deutschlands, nach dem Linneischen
Systeme geordnet (Nürnberg, 1847. 507 pag. 12.); D. Die-
trich's Deutschlands Flora oder Beschreibung und Abbildung
der phanerogaraischen Pflanzen, Heft 1 (Taschenbuch, zu 10
Heften berechnet, Jena 1847. 8.). — Von Rabenhorst's
deutscher Kryptogamenflora erschien die zweite Lieferung des
zweiten Bandes, die Algen enthaltend; von dessen Sammlung
getrockneter Pilze die Ute und 12te Centurie (Dresden, 1847.
4.); von P. Dietrich's Kupfertafeln deutscher Kryptogamen
Heft 2— 8 mit Lichenen (Jena, 1847. 8.).
Deutsche Lokalfloren und Beiträge zur deutschen Pflan-
zen-Topographie: Bolle über die Verbreitung der Alpen-
pflanzen in Deutschland ausserhalb der Alpen (Inaug. Dissert.
Berlin, 1847. 48 pag. 8.); Sadebeck über die Vegetation
des Rummelsbergs bei Strehlen (Arb. der schlesischen Gesell-
schaft 1847. S. 134): die Strehlener Berge sind niedrige, je-
doch granitische Vorgebirge der Sudeten gegen Breslau, wo
z. B. Cytisus capitatus, Laserpitium prutenicum, Prenanthes
purpurea, Carlina acaulis, Melittis, Pyrola uniflora u. a. auf-
270 Grisebach: Bericht über die Leistungen in der
treten; Fiedler Synopsis der Laubmoose Mecklenburgs
(Schwerin, 1847. 138 pag. 8.): zur Erläuterung seines ver-
käuflichen Moosherbariums; Griewank Verzeichniss der im
Klützer Ort, d. h. dem Litoral zwischen Wismar und Trave-
münde vorkommenden, selteneren Pflanzen (Meklenb. Archiv
V. Freunden der Naturgesch. Hft. 1. S. 18 — 26); Derselbe
Beschreibung der Gegend von Dassow im westlichen Theile
des Klützer Orts (Bot. Zeit. 1847. S. 449 — 455): reich an
interessanten Fundorten z. B. von Orchis palustris, (>arex
extensa und Lepturus incurvatus — letzterer, wie Nolte's
Pflanze, wohl zu L. filiformis gehörig — auch von anderwei-
tigen neuen Beiträgen zur mecklenburgischen Flora begleitet
z. B. von Cuscuta nionogyna bei Boitzenburg; Lang Carice-
tum hercynicum, Bestimmung der von Hampe am Harze be-
obachteten Carices ( Regensb. Flora f. 1847. S. 399 — 413 u.
415 — 430): mit systematischen Erläuterungen, unter Anderm
der Nachweisung, dass C. prolixa Fr. bei Blankenburg und
in Ostfriesland vorkomme und dass C. frisica Kch. mit C. tri-
nervis Degl. identisch ist; Pfeiffer Flora von Niederhessen
und Münden (Bd. 1. Dikotyledonen. Kassel, 1847. 428pag. 8.):
auf umfassender Lande«kenntniss beruhend und kritisch genau,
jedoch mit Aufnahme verwilderter und nur periodisch auftre-
tender Formen; Cassebeer und Theo bald Flora derWet-
terau (Lief. 1. 2. Hanau, 1847. p. 1 — 192. 8.); Hoffmann
über die Verbreitung der Orchideen um Giessen (Bericht der
oberhessischen Gesellschaft für Naturkunde. Giessen, 1847);
V. Schlechten dal Herbstansicht der Vegetation des Wenne-
thals in Westphalen , nebst Bemerkungen über die einheimi-
schen Valerianen (Bot. Zeit. 1847. S. 609— 614 u. 625—631);
Wirtgen die kryptogamischen Gefässpflanzen der preussi-
schen Rheinlande (Verhandl. des naturhistorischen Vereins
der Rheinlande. 4. S. 17 — 60): mit einem Anhang über die
geographische Verbreitung derselben; Derselbe 3ter und
4ter Nachtrag zur Flora der preussischen Rheinlande (das.
3. S. 33— 45 und 4. S. 104—111): darunter Cuscuta Trifolii
Bab. bei Winningen; Treviranus Nachträge zu Sehlmeyer's
Verzeichniss rheinischer Kryptogamen (das. 3. S. 17 — 19);
Schnittspahn über Excursionen in Hessen-Darmstadt (Ver-
handl. des naturhistorischen Vereins für das Grossherzogthum
Pflanzengeographie während des Jahres 1847. 271
Hessen. Hft. 1. Darinstadt, 1S47. 8.)r C. H. Lehmann über
die Vegetation des Hengster, eines nassen Wiesengrundes
zwischen Offenbach nnd Seligenstadt (das.): anch bemerkt der
Verf., dass Drosera obovata stets unfruchtbar und hybrid sei;
Lechler 4 in Wiirtemberg neu aufgefundene Pflanzen (W^ür-
temb. naturwiss. Jahreshefte. Bd. .3. S. 147); Walser phy-
togeographische Skizze von Miinchroth in Oberschwaben (das.
S. 229 — 249): meist statistischen Inhalts; Valet Uebersicht
der in der Umgegend von Ulm wildwachsenden Pflanzen (Ulm,
1847. 8.); Schnitz lein die Flora von Bayern (Erlangen,
1847. 37.3 pag. 8.): nach analytischer IMethode bearbeitet,
auch die in }3ayern noch nicht gefundenen Pflanzen angren-
zender Länder berücksichtigend, nicht ohne neue diagnostische
Beobachtungen, jedoch mit Vernachlässigung der pflanzeiigeo-
graphischen Verhältnisse nur auf die Systematik der Arten
gerichtet; Sturm und Schnizlein Verzeichniss der Phane-
rogamen und kryptogamischen Gefässpflanzen in der Umge-
gend von Nürnberg und Erlangen (Erlangen und Leipzig,
1847. 8. 44pag.); Aichinger v. Aichenhain botanischer
Führer in und um Wien (Hft. 1. Wien, 1847. 12.): Blüthen-
kalender, die Monate Januar bis April umfassend; Kovats
neue Beiträge zur Flora von Wien (Haidinger's Mittheilungen
von Freunden der Naturwissenschaften. Bd. S.S. 330): Nach-
träge zu Neilreicli's Flora, z. B. Astragalus exscapus, Vicia
grandiflora, Orobanche Scabiosae, Teucrii und stigmatodes,
Potamogeton plantagineus, daneben die Bemerkung, dass Cau-
calis muricata eine Spielart von C. daucoides ist.
In meiner Schrift über die Vegetationslinien des
nordwestlichen Deutschlands (s. o. ) bildet die zweite
Abtheilung eine pflanzengeographische Charakteristik dieses
Gebiets.
Zwischen den Thalwegen der Ems einerseits und der Saale mid
Elbe andererseits scheiden sich zwei Terrassen gegen die Nordsee
ab , von denen die untere grösstentheils unter dem Niveau von 300'
liegt, die obere eine mittlere Höhe von 500' bis 1000' besitzt (S. 76).
Jene gehört zur baltischen Ebene, diese zum deutschen Flötzgebiet.
Beide haben ungefähr 1050 Phanerogamen gemeinschaftlich, die obere
350 sp. vor der unteren voraus, die untere nur etwa 100 sp. für sich.
Diese Gegensätze beruhen vorzüglich auf den verschiedenartigen Bo-
denbeschaffenheiten: indessen lässt sich in der Beschränkung gewisser
272 Grisebach: Bericht über die Leistungen in der
Pflanzen des Tieflands auf höher gelegene Gebirgsgegenden der obe-
ren Terrasse auch ein klimatischer Einfluss nicht verkennen (z. B.
bei Trollius europaeus, Trifolium spadiceum , Gentiana campestris,
Listera cordata, Carex leucoglochin u.a.). — Merkwürdig ist die
Erscheinung, dass die Grenze beider Terrassen ein waldreicher Saum
bildet, der nach seiner kalkhaltigen Erdkrume zu dem Flötzgebiete,
nach seinem Niveau zum Tieflande gehört. Ich habe zu zeigen ge-
sucht, dass dieser Gürtel zur Diluvialzeit, als die baltische Ebene
sich unter Wasser befand, ebenso wie heutzutage die Küsten-Marsch,
am Rande des Diluvial-Meers abgesetzt worden ist. In Folge dessen
hat diese Diluvialmarsch viele Pflanzen des Flötzgebiets aufgenom-
men, die dem übrigen Tieflande fehlen, weil hier die bezeichnete
Bodenmischung erst in den Küstenniederungen wiederkehrt, wohin
die üebersiedelung der Pflanzen von der oberen Terrasse aus nicht
so leicht erfolgen konnte.
Das Flötzgebiet wird nach dem Verlaufe einer vielen Gewächsen
gemeinsamen, nordwestlichen Vegetationslinie, welche, durch die
Lage von Neuhaldensleben, Halberstadt, Nordhausen und Eisenach
bestimmt, zum Rheine sich fortsetzt, in eine östliche und westliche
Hälfte gesondert, wovon die erstere grösstentheils der Abdachung
zur Elbe, die letztere den Weserlandschaften angehört. Die Eib-
terrasse hat ungefähr 100 Arten vor dem Wesergebiete voraus, das
letztere besitzt eine bei Weitem ärmere Flora, indem dasselbe kaum
20 ihr vor den übrigen Landschaften eigenthümliche Formen enthält.
Dieser auffallende Gegensatz hat durchaus nicht in Bodenverhältnis-
sen seinen Grund, sondern fast allein darin, dass die Pflanzenarten,
welche eine höhere Sommerwärme bedürfen, als im Wesergebiete
vorkommt, im nordwestlichen Deutschland ungleich zahlreicher sind,
als diejenigen, welche daselbst in Folge gesteigerter Winterkälte
ihre östliche Grenze finden. Namentlich zeigt sich dieser klimatische
Einfluss auf die Gestalt der. Pflanzenareale im Göttinger Thale aus-
gesprochen, welches die eigenthümlichen Pflanzen Thüringens, die
dort eines wärmern Sommers geniessen, nicht besitzt, weil die wärm-
sten, die östlichen Luftströmungen, ehe sie Göttingen erreichen,
durch die rauhen Hochflächen des Eichsfeldes und Harzes abgekühlt
werden. In weiterm Abstände von diesen Plateau's kehren sodann
einzelne thüringische Pflanzen noch einmal sporadisch im Weserge-
biete wieder, z.B. Sisyrabrium austriacum, Hutchinsia petraea, Ga-
lium glaucum, Inula hirta, Melica ciliata u. a.
Die ausgezeichnetste botanische Eigenthümlichkeit des Harzes
besteht darin, dass die Pflanzengrenzen desselben nach Massgabe
seiner geographischen Breite eine allgemeine Depression erleiden.
Diese Depression, welche wenigstens 1200' beträgt und die Buche
schon bei 2000' nicht mehr freudig gedeihen lässt, verleiht dem Ge-
birge ein alpineres Gepräge, als die Meereshöhe erwarten lässt.
Die Ursache dieser Erscheinung liegt nach meiner Ansicht in dem
Pflanzengeographie während des Jahres 1847. 273
Einflüsse der Nordsee, mit welcher der Harz durch die herrschenden
Nordwestwinde in eine nähere, klimatische Verbindung gesetzt wird.
Harz und Sudeten verhalten sich in dieser Rücksicht in eben dem
Masse entgegengesetzt, wie die westlichen und östlichen Gebirgs-
Absonderungen der norwegischen Fjelde.
Den Beschluss meiner Darstellung bildet eine Untersuchung über
die unregelmässig gestalteten Arealgrenzen von Euphorbia Cyparissias
und E. amygdaloides, welche nur zum Theil von der chemischen
Constitution der Erdkrume, zugleich aber auch von geologischen
oder historischen Momenten bedingt erscheinen. Es lässt sich z. B.
eine Wanderung der Euphorbia Cyparissias von ihrem Areal auf
dem Eichsfelde zu dem gleichfalls abgesonderten Verbreitungsbezirk
am östlichen Fusse des Teutoburger Waldes mittelst der Werra und
Weser nicht verkennen.
Die Moosvegetation der galizischen Karpathen im Qiiel-
leiigebiete des Priith und Sereth untersuchte Lobarzewski
und beschreibt 5 neue Formen von Laubmoosen aus diesem
Gebirge (in Haidinger's naturwissensch. Abhandlungen. Bd. 1.
S. 47—64).
Zwei Fälle von kürzlich erfolgter Pflanzenvvanderung
durch Ungarn bis nach Mähren erwähnt Heinrich (in Hai-
dinger's Berichten über die Mittheilungen von Freunden der
Naturwiss. Bd. 3. S. 2.33—235).
Mährische W'eber, die ihre W'olle aus dem südlichen Ungarn
beziehen, haben durch diesen Verkehr Xanthium spinosum in Mäh-
ren angesiedelt und einheimisch gemacht, indem die dornigen Früchte
sich im Vliess der weidenden Schafe festhängen und, mit der Wolle
ausgeführt, erst unter dem Abfall der Webereien zur Keimung ge-
langen. Ebenso führten Schweine aus dem Bakonyer Walde die
Früchte von Inula Helenium zwischen ihren „gekräuselten" Borsten
und verursachten die Ansiedelung dieser Pflanze bei Neutischein in
Mähren, wo sie früher nicht bekannt war.
Schweizer Floren: A. Moritzi die Flora der Schweiz
( 2te Ausgabe. Leipzig, 1847. 640 pag. 16.); J. Wartmann
St. Gallische Flora (St. Gallen, 1847. 267 pag. 8.).
Eine höchst ausgezeichnete Gesammtflora von Frankreich
wurde von Grenier und Godron begonnen (FJore de
France, ou description des plantes qui croissent naturellement
en France et en Corse. Tome 1. Partie 1. Paris et Besangon,
1847. 336 pag, 8.): die selbstständigen Untersuchungen über
Charakteristik und Begrenzung der Arten sind sehr bedeutend
und das pflanzengeographische Material ist nach reichen und
274 Grisebach: Bericht über die Leistungen in der
neuen Hiilfsmitteln bearbeitet; die erste Lieferung begreift die
Thalamifloren vollständig.
Jordan setzte seine Publikation über französische Ge-
wächse (s. vor. Jahresber. ) fort (Observations sur plusieurs
plantes nouvelles rares ou critiques de la France. Fragment 5.
77 pag. m. 5 Taf. Fragni. 6. 88 pag. m. 2 Taf. Lyon und Leip-
zig, 1847).
Uebersicht des Inhalts dieser beiden Hefte: Thalictrum; Silene:
Gruppen v. S. nocturna und gallica; Lythrum ; Centaurea: Gruppen
V. C. montana und paniculata; Sonchus: e, einzelne Art; Ranunoulus:
Gruppen von R. Ficaria, R, chaerophyllus, R. acris; Delphinium
fissum; Iberis; Rapistrum; Cytisus; Genista humifusa Vill.
Desmazieres lieferte den 14ten Beitrag zur französi-
schen Kryptogamenkunde, wiederum grossentheils- Pyrenomy-
ceten enthaltend (Ann. sc. nat. 1847. 8. p. 9—37 u. 172—192).
Lecoq und Lamotte gaben eine Flora der Auvergne
und ihrer Nachbarlandschaften heraus (Catalogue des plantes
vasculaires du plateau central de la France, coraprenant l'Au-
vergne, le Velay, la Lozere, les Cevennes, une partie du
Bourbonnais et du Vivarais. Paris, 1847. 440 pag. 8.)^ die
pflanzengeographische Einleitung ist in der botanischen Zei-
tung von V. Schlechtendal übersetzt worden (das. 6. S.691u.f.).
Am Fusse der Cevennen liegt die Grenze der mittelmeerischen
Flora gewöhnlich an der Wasserscheide beider Meere. Bis dahin
reicht sowohl die Olivenkultur als die Verbreitung immergrüner
Eichengehölze. Die letzteren bestehen hier aus Quercus Hex, in
Verbindung mit Rhamnus Alaternus, Smilax, Arbutus Unedo, Juni-
perus Oxycedrus, Erica arborea u.a. Auch die Cistus- Gebüsche,
die Kräutertriften mit verholzenden Labiaten (hier Thymus vulgaris,
Lavandula Stoechas und spica), kurz alle die Formationen, welche,
im Frühlinge sich entwickelnd, im Sommer erstarren, kommen in
ihrer Verbreitung mit den Grenzen der Olivenkultur überein.
Die weiten Wiesenplateau's der Auvergne scheinen nach der hier
gegebenen Schilderung eine bemerkenswerthe Aehnlichkeit mit der
Vegetation der Rhön zu besitzen. Ein Gürtel von Edeltannen (F.
Picea L. ) bewaldet die Gebirgsabhänge zwischen den Höhengrenzen
von 2700' bis 4500'. Zu den charakteristischen Pflanzen dieser Tan-
nenwälder gehören die Aconiten (A. Napellus und Lycoctonum), Ra-
nunculus aconitifolius, Imperatoria Ostruthium, Sonchus alpinus und
Plumieri, Prenanthes purpurea, Senecio Cacaliaster, Doronicum
austriacum, Adenostylus albifrons, Luzula maxima und nivea. ~ Die
Region der Bergwiesen beginnt bei 4000' (lokal schon bei 3300') und
nimmt den Raum über der Waldgrenze bis zu den höchsten Gipfeln
Pflanzcngeograpliie wahrend des Jahres 1847. 275
(5840') vollständig ein. , Ungeachtet des beträchtlichen Niveau's ist
die Mannigfaltigkeit alpiner Bestandtheilc gering und die alpinen Ge-
sträuche fehlen bis auf den Zwergwachholder. Aber grossartig und
eigenthümlich ist die Region der Bergwiesen durch ihre Ausdehnung.
„Sie bedeckt unzählige Hochebenen" vom Puy de Dome zum Cantal
und bis zum Mezenc in den Cevennen, „sie verbirgt die Nacktheit
der grossen Basalt- und Trachytflachen und bekleidet die Abhänge
der steilen Gipfel", die sich wie Inseln aus der Fläche erheben. Hier
dauert die Vegetation vom Mai "bis Mitte September. Die Grasnarbe
besteht vorzüglich aus Nardus stricta, sodann aus alpinen Gramineen,
z. B. Phleum alpinum, Agrostis rupestris, Avena versicolor u. a. Die
Stauden sind zum Theil sehr zahlreich an Individuen, namentlich
Trollius europaeus, der hier fast immer in Gesellschaft von Nar-
cissus pseudonarcissus wächst; ferner gehören Trifolium alpinum,
Anemone alpina, Geum montanum, Potentilla aurea, Alchemilla,
Meum athamanticum, Arnica montana, Phyteuma, Gentiana lutea zu
den verbreiteten Charakterpflanzen.
lieber den Vegetationscharakter der Umgegend von Cher-
bonrg berichtet Le Joti.s und beschreibt einige seltene Arten,
unter denen Erythraea diffusa auch durch eine Abbildung er-
läutert wird (Ann. sc. nat. 1847. 7. p. 214—231).
Die charakteristischen Pflanzen an der granitischen Nordküste
der Normandie sind grösstentheils die nämlichen, welche an der
gegenüberliegenden Seite des Kanals die Flora des südlichen Eng-
lands auszeichnen. Folgende Arten machen jedoch von diesem Ver-
breitungsgesetz eine Ausnahme: Spergularia macrorrhiza, Daucus
hispidus Desf. , Galium litorale Breb, (kritisch), Gnaphalium undu-
latum L. (übereinstimmend mit der Cappflanze und an mehreren
Stellen um Cherbourg, sowohl am Meeresufer als in einem Gehölz
auftretend, analog der Verbreitung von Cotula), Linaria arenaria DC.
(kritisch), Erythraea diffusa Woods t. 13. (bis jetzt bei Morlaix in
der Bretagne und bei Cherbourg beobachtet, ausserdem den Azoren
angehörend, nach dem Verf. durch perennirende Wurzel von den
übrigen Erythraeen abweichend), Carex biligularis DC, Phalaris
minor Retz.
Beispiele von Pflanzen, die, der Normandie und Südengland oder
Irland gemeinsam, vom centralen Europa und von den norddeutschen
Küsten ausgeschlossen sind: Matthiola sinuata, Lepidium heterophyl-
lum (L. Smithii Hook.), Raphanistrum maritimum, Sagina maritima
(nach dem Verf. von S. stricta specifisch verschieden), Lavatera ar-
borea, Androsaemum officinale, Erodium maritimum, Tamarix an-
glica, Euphorbia portlandica, E. Paralias, E. Peplis , Sedum angli-
cum, Umbilicus pendulinus, Oenanthe crocata, Sison Amomum,
Smyrnium Olusatrum, Inula erithmoides, Diotis maritima, Erica
ciliaris, Anchusa sempervirens, Scrofularia Scorodonia, Sibthorpia
Archiv f. Naturgesch. XIV. Jahrg. 2. Bd. S
27G Crisebacl!: Dori( ht iil)or die Leistungen in der
eiiropaoa, Trixago viscosa, Statice occidentalis, Schoberia fruticosa,
Trichonema Columnae, Polypogon monspeliensis, Lagurus ovatus,
Spartina stricta, Äspleniiim inarinum und lanceolatum, Hymenopbyl-
lum tunbridgense.
Widtlrington , Verfasser mehrerer Schriften über Spa-
nien , niaclit eine kurze INlittheilung über die Verbreitung der
spanischen Waldbäume (Report of Brit. Association. 1847.
Transactions p. 88 — 89).
Wiewohl die Bezeichnung der Arten zum Theil unverständlich
ist, so sind diese Angaben doch wegen der umfassenden Landes-
kenntniss des Verf. nicht ganz ohne Werth. Von Quercus unter-
scheidet er 10 Arten , 6 immergrüne und 4 mit periodischem Laub,
unter den erstem sondert er von Q. Hex, die auf ein enges Areal
im Norden beschränkt sei, Q. Encina nov. sp,, welche die erstere
in Spanien vertrete und süsse Eicheln trage. Sie sei von allen spa-
nischen Eichen am weitesten verbreitet, vom Thal Andorra in den
Pyrenäen und von den cantabrischen Gebirgen Asturiens bis nach
Gibraltar. Die übrigen immergrünen Arten sind Q, Suber, Q. cocci-
fera, Q. valentina Cav. (also Q. lusitanica Lam.) und Q. australis Lk.
(nach Webb Synonym der vorigen): jedenfalls fehlen mehrere Arten.
Von den Eichen mit periodischem Laub sind Q. Cerris und Robur
auf das nördliche Spanien eingeschränkt; Q. Toza ist über die Cen-
tralketten des Hochlandes durch die ganze Halbinsel verbreitet und
bewohnt daselbst die Region unmittelbar unter den Nadelhölzern.
Dunkel bleibt W.'s Q. Quexigo (an Q. alpestris Boiss. ? an Q.
pseudosuber Desf. ?): diese hat nächst der spanischen Steineiche die
weiteste Verbreitung, indem sie nur von der Küstenregion ausge-
schlossen ist; sie behält das Laub fast das ganze Jahr an geschütz-
ten Standorten (sub-evergreen), bewohnt alle spanischen Gebirge in
einer Region, die unterhalb der von Q. Toza folgt.
Castanea wächst nur in Asturien und Galicien wild: ein Stand-
ort in der Sierra zwischen beiden Castilien sei zweifelhaft.
Von Fraxinus excelsior, die das nördliche Spanien bcMohne,
will W, die Esche der Sierren als F. lentiscifolia Desf. (demnach
F. excelsior Boiss. Voy.) unterscheiden.
Pinus. 1. P. Pinaster durch ganz Spanien verbreitet. 2. P. ha-
lepensis und 3. P. Pinea über das Hochland und den Süden ausge-
dehnt. 4. P. hispanica AViddr. (mir unbekannt). 5. P. uncinata: nur i
in den Pyrenäen. 6. P. sylvestris: nur in der Sierra de Guadarama
und S. de Cuenca. 7. P. Picea: durch ganz Spanien. 8. P. Pinsapo:
auf den Boissier'schen Standort beschränkt. Demnach übergeht W.
die Lariciofichte, welche Webb am Montserrat beobachtete.
Willkomm bearbeitete einen Beitrag zur spanischen
Flora nach den Herbarien spanischer Botaniker, der sich auf
Pflanzengeographie während des Jahres 1847. 277
etwa 200 Pflanzen bezieht (Bot. Zeit. 4847. S. 49. 217. 233.
425. 857. 873 und 1848. S. 413).
Folgende Arten sind bei NVillkomm neu: Barbarea heterophylla
von Almeria, Diplotaxis platystylos v. Valencia, Ptilotrichum tor-
tuosum von der S. de Chiva, Iberis rhodocarpa von der S. Nevada,
J. Bouteloui von Aranjuez; Helianthemum ternifolium v. Galicien;
Silenopsis Lagascae v. Asturien (s. u.), Alsine alpina (= Spergularia
rubra var. alpina ap. Boiss. ), Arenaria racemosa aus Südspanien,
A. querioides von Galicien und S. de Guadarama, Malachium caly-
cinum v. Granada; Linum ramosissimum ebendaher; Genista tenella
V. Aragonien, Astragalus epiglottioides v. Malaga, Vicia angulata v.
Sevilla; Polycarpon floribundum v. der S. Morena; Seseli granatense
V, Granada; Anthemis abrotanifolia v. Galicien, Filago Clementei vom
Cabo de Gata, Picridium crassifolium v. Barcelona; Chlora affinis
(nach der Diagnose Form von Chi. imperfoliata); Linaria granatensis
vom Alhambra; Plantago laciniata v. Granada; Biarum Haenseleri
(Taf. 2) vom Badeorte Carratraca, verwandt mit Arum tenuifolium.
Carex baetica von der S. Nevada; Echinaria pumila von der S. de
Yunquera.
Colmeiro hat ein Verzeichniss der Flora von Catalo-
nien herausgegeben (Catalogo de plantas de Cataluna. Madrid,
1847. 8.): bis jetzt bin ich vergebens bemüht gewesen, diese
Schrift auf dem Wege des Buchhandels zu erlangen. — Da-
gegen ist mir die im vorigen Bericht erwähnte Flora von
Gibraltar gegenwärtig zugekommen (Flora calpensis. Contri-
butions to the Botany and Topography of Gibraltar and its
neighbourhood. By E. F. Kelaart. London, 1846. 8. 219p.).
Der zur Juraformation gerechnete Felsen von Gibraltar erhebt
sich fast senkrecht über der kaum vor dem Meere gesicherten Land-
zunge, die ihn mit dem Festlande verbindet, zur Höhe von 1439'
engl.: die Länge beträgt 2|, die Breite etwa 1 engl. Meile. Abge-
sehen von den steilen Abstürzen ist der Berg mit Vegetation beklei-
det und diese ist so mannigfaltig, dass daselbst mit Einschluss des
zu der Landzunge gehörenden, neutralen Grundes 456 einheimische
Gefässpflanzen gezählt werden. — Die mittlere Temperatur in der
am Fusse des Felsens gelegenen Stadt soll 22^,2 C. betragen; im
Verlauf von 2 Jahren war das Maximum im Juli = SO^jG C., das Mi-
nimum im Februar = + 6°,1 C.
Monatswerthe aus 5jährigen Beobachtungen von Tulloch (p. 24).
Med.
Januar 14°,7 C. April 18°,6 G. Juli 26%1 C. Okt. 22°,2 C.
Februar ib\^ „ Mai 20%6 „ August 26«, 1 „ Nov. 18°,3 „
März 16",4„ Juni 23%6 „ Sept. 25°,0 „ Dec. 15»,8„
S*
278 Grisebacli: Bericht über die Leistungen in der
Die Hegenmenge beträgt 28^ Zoll; die stärksten Niederschläge
finden im Januar (6"), November (5") und December (4") statt; Fe-
bruar bis April und October bezeichnen einen mittleren Zustand
(2",5 — 2" — 3" — 2",5); die trockene Jahreszeit dauert von Mai
bis September (1",5 = 0",5 = 0" = 0",5 = 1"): im Ganzen giebt es
nach 25jährigen Beobachtungen im Jahr kaum 70 Regentage. Schon
im December beginnt eine sehr üppige Entwicklung der Pflanzenwelt.
Die Vegetation des Felsens besteht grösstentheils aus Montebaxo :
die steilere Ostseite ist von Chamaerops bedeckt, dessen junge Triebe
den daselbst einheimischen Affen die vorzüglichste Nahrung geben;
übrigens herrschen die Genisteen-Sträucher Andalusiens, namentlich
Genista linifolia und Sarothamnus baeticus nebst Daphne Gnidium
Manche exotische Gewächse sind hier angesiedelt und den einheimi-
schen gleich geworden: so Oxalis cernua Thunb., wie in Malta,
ferner die als Alleebaum benutzte Phytolacca dioeca. Die sandige
Landzunge ist ein pflanzenreicher Campo; ein beträchtlicher Theil
desselben ist ausschliesslich mit Cachrys pterochlaena bewachsen.
Von den Bestandtheilen der Vegetation gehört ^ (etwa 50 sp.)
zu den endemischen Formen Südspaniens und zum Theil Nordafrika's.
4 Gewächse sind bis jetzt ausschliesslich bei Gibraltar gefunden:
Iberis gibraltarica L. und Silene gibraltarica Boiss. fehlen sogar den
Umgebungen und wachsen nur auf dem Felsen selbst; Ononis gibral-
tarica Boiss. findet sich auch in der Nachbarschaft und Cerastium
gibraltaricum Boiss. auch auf der Sierra de Agua. Eine fünfte Art,
Crataegus maroccana Pers. , die, auf dem Felsen häufig verbreitet,
nicht weiter in Spanien vorkommen soll, scheint wie Simia Inuus
von Marokko eingewandert zu sein. — Zu den übrigen endemischen
Pflanzen des weiteren Florengebiets gehören: Ranunculus blephari-
carpus Boiss., Brassica papillaris B., Malva hispanica L., Rhamnus
lycioides, Sarothamnus baeticus Wb., Saxifraga globulifera Desf.
var. gibraltarica Ser., Daucus hispanicus DC. , Cachrys pterochlaena
DC, Cineraria minuta Cuv. , Centaurea polyacantha Boiss., Kentro-
phyllum arborescens Hook., Lactuca tenerrima Pourr., Campanula
Loefflingii Boiss., Linaria villosa DC. , L. pedunculata Spngl. , L. ame-
thystea Lk., L. tristis Mill., Thymus hirtus W. , Th. diflusus Salzm.
nee Boiss. , Phlomis purpureaL., Halogeton sativus Moq. , Euphorbia
rupicola Boiss., E« medicaginea Boiss., E. trinervia Boiss., Iris fili-
folia Boiss., Ornithogalum unifolium Gawl. (erst jenseits der Land-
zunge nach S. Roque zu). Als marokkanische Formen sind ferner
hervorzuheben: Linum tenue Desf., Sempervivum arboreum L., Erjm-
gium ilicifolium Lam. , Cladanthus proliferus DC. , Calendula incana
W., C. suffruticosa Vahl., Hedypnois arenaria DC, Echium glome-
ratum Poir. , Scrophularia mellifera Vahl, Linaria lanigera Desf.,
Orobanche foetida Desf., Salvia bicolor Lam., Stachys circinata
riler. , Teucrium pseudoscorodonia Desf., Statice emarginata W.,
Passerina tingitana Salzm. (P. villosa Boiss.), Aristolochia glauca
Desf., Ephedra altissima Desf.
Pflanzengeographie während des Jahres 1847. 279
Zaiiardini publicirte einen Katalog der Flora von Ve-
nedig (Prospetto della Flora veneta.' Venezia, 1847. 1. 53pag.):
1214 Phanerogamen sind nni Venedig bis jetzt aufgefunden;
unter den angesiedelten Arten sind nielirere z. 15. Athanianta
inacedonica, Nicotiana rustica, den einheimischen gleich ge-
worden; die Zahl der Seealgen beträgt über 300 sp.; 3 Arten
von Siissvvasser-Confervaceen werden als neu beschrieben.
In Calcara's Schrift über die Insel Lanipedusa findet
sich ein Verzeichniss der Pflanzen nach des Verf. und Gus-
sone's Beobachtungen (Descrizione dell' isola di Lampedusa.
Palermo, 1847).
Lampedusa ist eine flache, bis 1000' sich erhebende, theilweis
von felsigen Kalkgestaden umgürtete Insel, 28 Miglien im Umfang.
Der westliche Theil ist mit Montebaxo bedeckt, worin folgende
Sträucher herrschen: Rosmarinus, Erica corsica, Arbutus Unedo,
Euphorbia dendroides, Cistus, Pinus halepensis, Juniperus phoenicea,
Pistacia Lentiscus, Lycium und Olea. — Zwei endemische Pflanzen
besitzt die Insel: Daucus lopadusanus Tin, und Crucianella ru-
pestris Guss.
Im Jahre 1847 (nicht 1848) erschien der sehr reichhal-
tige, zweite Band von Visiani's F'lora Dalmatica (vergl.
Jahresb. f. 1842. S. 392). Derselbe umfasst den grösstcn
Theil der Monopetalen, gegen 600 Arten. Nach der Vollen-
dung des Werks werde ich darauf zurückkojumen.
II. A s i e n.
Von Gr. Jaubert's und Spach's lllustrationes planta-
rum orientalium (s. vor. Bericht) sind Lief. 21 — 27 erschienen.
Ausführlicher bearbeitete Gattungen: Haplophyllum mit 30 sp.
(t. 261 u. f), Reaumuria (t. 244—48), Ebenus und Ebenidium (t.249—
255); interessante Typen: Leobordea (t. 256), Zozimia (t. 238), Pycno-
cycla (t. 242-43), Wendlandia Kotschyi (t. 202) , Gymnandra stolo-
nifera C. Kch. (t. 257); übrigens Arten aus folgenden Gruppen: 1 Ci-
stinee, 2 Erodien, 4 Cruciferen, 2 Caryophylleen, 7 Amygdali
(t. 226— 30), 8 Umbelliferen mit 3 sp. Echinophora (t. 236— 43), 13
Centaureen (t. 207— 19), 1 Campanula, 4 Scrofularien, 2 Gentianeen,
3 Globularien und 1 Farnkraut,
Ueber die im vorigen Berichte erwähnten Lieferungen
von Boissier's Diagnoses plantarum orientalium (Fase. 6.
Lips. 1845. Fase. 7. 1846) bin ich jetzt im Stande zu be-
richten.
280 Griscbach: Bericht über die Leistungen in der
Die neuen Arten, grösstentheils nach Kotschy's Herbarien aus
Persien (P.)» so wie nach v, Heldreich's Sammlungen in Griechen-
land (G.) beschrieben, gehören zu folgenden Familien: 7 Ranuncu-
laceen (P. und 1 sp. G.)-, 1 Roemeria (P.); 1 Corydalis (P.); 20 Cru-
ciferen (P. und 2 sp. G.); 1 Cleome (P.); 2 Violen (eine aus Kurdi-
stan und die andere vom Parnass); 1 Reseda (P.); 4 Carj^ophylleen
(G. und eine Art aus Kleinasien); 1 Frankeniacee (P,); 2 Linum- Ar-
ten (P.); l Althaea (P.); 2 Acer-Arten (P.); 2 Geranien (P.); 1 Cissus
(P.); 33 Leguminosen, darunter 15 Astragali (letztere meist P.,
einige aus Mesopotamien, von den übrigen 13 sp. P., 4 sp. von Diar-
bekir, 1 sp. aus Cilicien); 9 Rosaceen (P.), darunter 4 Potentillae,
1 Rosa, 1 Cerasus, 2 Amygdali, 1 Pyrus; 1 Terminalia von der
Insel Kischma im persischen Meerbusen; 7 Crassulaceen (3 sp. P.,
2 sp. G. , 1 sp. aus Assyrien und 1 Umbilicus von Cadiz); 11 ümbel-
lifercn (P. und 2 sp. G.); 11 Rubiaceen (P. und 4 sp. G.); 5 Dipsa-
ceen (P. und 2 sp. G.) ; etwa 130 Synanthereen: darunter 88 sp. aus
Persien, zum dritten Theil Cynareen mit 12 Cousinien, ferner meh-
reren neuen Typen von Corymbiferen, ferner 21 sp. aus Grie-
chenland, zur grösseren Hälfte Cynareen, sodann 13 sp. aus Meso-
potamien mit 8 Centaureen, 5 sp. aus Arabien, 4 sp. aus Anatolien,
1 sp. aus Algerien und Centaurea castellana aus Spanien (C. panicu-
lata hispanica Auct.); 6 Campanulae (3 sp. P. und 3 sp. G.); 1 Vin-
cetoxicum (G.); 1 Nerium (P.); 16 Convolvulaceen (14 sp. P. und
2 sp. von Mascate); 11 Boragineen (10 sp. P. und eine neue Rindera
vom Gipfel des Malevo in Morea); 1 Hyoscyamus (P.); 14 Scrophu-
larineen (9 sp. P., 3 Verbasca und 1 Odontites aus Griechenland,
1 sp. vom bithynischen Olymp); 31 Labiaten (21 sp. P., 7 sp. G.,
die übrigen aus Anatolien) 5 4 Primulaceen (P. mit der formenreichen
Gattung Dionysia = Gregoriae sp. Duby); 1 Statice (P.) nebst einer
in De Candolle's Prodromus weiter ausgeführten Monographie der
im Orient verbreiteten Gattung Acantholimon= Stat. Echinus et affin.;
1 Kochia (P.) und eine alpine Beta (G.) ; 3 Polygona (P.); 1 Passe-
rina (P.); 1 Thesium (P.) ; 18 Euphorbiaceen, grösstentheils Euphor-
bia*Arten aus Persien (14'sp. P. , die übrigen aus Griechenland, Ca-
rien, Assyrien und Armenien); 2 Ficus-Arten aus dem Süden von
Persien; 5 Salices (P.); 1 Ephedra mit Nadeln (P.); 2 Junci (P.);
2 Irideen ( 1 sp. P., 1 sp. G.); 29 Liliaceen, darunter 6 Fritillarien
und 13 Allien, (10 sp. P., 9 sp. G. , die übrigen aus Anatolien, Sy-
rien, Arabien, Assyrien, Armenien und ein Allium aus Südspanien);
18 Gramineen, darunter 4 Melicae und 3 Aegilops-Arten aus Persien
(17 sp. P. und eine Avena aus Griechenland).
Die Reise nach Lycieii von Spratt und E. Forbes
enthält eine, von Forbes bearbeitete Darstellung des botani-
schen Charakters dieses südwestlichen Hochlands von Klein-
asien (Travels in Lycia, Milyas and the Cibyratis. London,
1847. 2 Vol. 8. — Botany: VoL 2. p. 129— 163).
Pflanzcngeographic Nvälirond des Jahres 1847. 2S[
Die lycische Halbinsel zwischen den Busen von Makri und Ada-
lia wird von der Hauptkette des Taurus vollständig ausgefüllt, die
sich bald zu 10,0Ü0' hohen Gipfeln erhebt (Massicytas, Solymian
Hange), bald zu Ausläufern und Vorgebirgen verzweigt oder gee:en
das Innere des Landes zu Hochebenen ausbreitet (Landschaft Milyas).
Dazwischen schneiden tiefe Thäler, wie das des Xanthus, ein, die
an der Küste sich zu Vorlandsbildungen zu erweitern pflegen, wah-
rend an anderen Punkten das Gebirge jäh zum Meere abstürzt. In
dieser tiefen Region herrscht ein, dem 37sten Breitegrade entspre-
chendes Klima; hier dauert der milde Winter vom Oktober bis Ja-
nuar und im Sommer ist die Hitze so gross, das nahe Gebirge so
einladend, dass die Bevölkerung des Landes vom Frühling bis zum
Herbste auf die Hochebene übersiedelt, um hier eine zweite Erndte
zu erzielen. So findet man die Dörfer der unteren Region nur 4,
die des Hochlands 8 Monate bewohnt, jetzt freilich ungeachtet so
günstiger Naturverhältnisse mit spärlicher Bevölkerung, aber im Al-
terthura war das Land reich bebaut und voll blühender Städte. Denn
der Boden von ganz Milyas, einer Hochebene von 10 g. Meilen Länge
und 2 g. Meilen Breite, deren mittlere Höhe 3700' beträgt (l.p. 244),
ist eines hohen Bodenertrags fähig, dagegen jetzt grösstentheils eine
wüste, traurige Einöde und nur an einzelnen, entlegenen Punkten
bebaut.
Die merkwürdigste, pflanzengeographische Eigenthümlichkeit Ly-
ciens besteht in der Vertheilung der Wälder. Während die mit dem
grossen, vorderasiatischen Plateau zusammenhängenden Hochebenen
vollkommen baumlos sind, breitet sowohl oberhalb als unterhalb
derselben ein zwiefacher Waldgürtel sich aus. Die untere W'ald-
region bedeckt den oberen Theil der dem Meere zugewendeten Ab-
hänge, die obere reicht an den aus der Hochebene emporragenden
Gebirgsgipfeln bis zur Baumgrenze (8000'). Dieses gegen andere
Küstenländer des Mittelmeers gesteigerte Niveau des oberen Wald-
gürtels erklärt sich theils aus der durch die Schneeanhäufungen ge-
sammelten Feuchtigkeit in den höchsten Erhebungen des Taurus,
theils aus dem Einflüsse der Hochebene auf die Temperaturverhält-
nisse. — Nach der allgemeinen Gestaltung des Landes ergiebt sich
demzufolge naturgemäss die vertikale Gliederung des lycischen Tau-
rus in die von Forbes nachgewiesenen Regionen :
A. Küstenregion, mit Inbegriff der Thaleinschnitte. 0'— 1500'.
B. Untere Waldregion. 1500'— 3000'.
C. Region der Hochebenen (Yailah's). 3000' -6000'.
D. Obere Waldregion. 6000'-8000'.
E. Alpine Region. 8000'— 10,000'.
J. Die Küstenregion umfasst die gewöhnlichen Pflanzenformatio-
nen der Flora des Mittelmeerbeckens: 1. Waldungen von immergrü-
nen Eichen oder Meerstrandsfichten. Die häufigsten Bäume sind:
Quercus Ballota F., infectoria etc., Ccratonia, Olea, Ficus, Platanus,
282 Grisebach: Bericht über die Leistungen in der
Pinus maritima und lialepensis. Dichte Pinus- Wälder bezeichnen ein
Substrat aus Sandstein, während auf Serpentin die Fichten sich verein-
zelnen; der Kalkboden hingegen erzeugt zusammenhängende Eichenwäl-
der mit üppigem Unterholz, mit Arbutus und einzelnen hohen Fichten.
2. Montebaxo. a. Höhere Gesträuche aus Cistus, Pistacia Lentiscus,
Colutea, Myrtus, Styrax, Arbutus Unedo, Nerium, Vitex, Phlomis,
Daphne, Passerina hirsuta, Euphorbia dendroides; h. Niedrige Holz-
gewächse: Poterium spinosum , Cichorium spinosum, Lithospermum
hispidulum, Juniperus phoenicea; c. Dornengestrüpp von Paliurus.
3. Formation von Arundo Donax. 4. Campi mit Acanthus. Herr-
schende Familien: Leguminosen, Labiaten, Boragineen, Ranuncula-
ceen, Cynareen, Orchideen, Liliaceen u.a.
Ueber die Entwickelungsfolge der Vegetation erhalten wir fol-
gende Angaben. Nachdem im Gebirge die Herbstpflanzen bis Ende
Oktober geblüht haben, zeigen sich in den beiden folgenden Monaten
an der Küste nur einzelne Blumen, z. ß. von Ärisarum, Passcrina,
Crithmum, Polygonum equisetiforme. Im Januar entwickeln sich
die ersten Frühlingspflanzen: Anemonen und Trichonema, sodann im
Februar mehrere Cruciferen, namentlich Ackerunkräuter, Tulipa,
Saxifraga hederacea; auch die Blüthezeit der Orchideen dauert vom
Februar bis zum April. Im März steht der Montebaxo in Blüthe,
zugleich die Mehrzahl der Leguminosen, viele Labiaten, die Aspho-
delen. In den April und Mai fällt die Blüthezeit der meisten Synan-
thereen, ferner von den übrigen Labiaten, von Campanula, Dianthus
und Nerium: und mit Ende Mai ist die Vegetationszeit geschlossen.
Die Kulturgewächse der warmen Kegion sind: Zea Mays, Gos-
sypium, Ervum, Phaseolus, Sesamum, Capsicum; Morus, Citrus,
Hibiscus esculentus (Bamia) und einige Cucurbitaceen,
B. Die untere, dem Meere zugewendete Waldregion besteht
aus Eichen und Fichten, deren Arten nicht näher bezeichnet sind:
nur Quercus coccifera wird genannt. Isohypsil mit diesen vegetiren
Genisteen-Sträucher und einige mitteleuropäische Gewächsformen. —
Zu den Erzeugnissen der Kultur gehören hier besonders der Wein-
stock, Tabak und Juglans.
C. Die Hochebene Lyciens an der Binnenseite der äussern, be-
waldeten Ketten. Sie hat in der Regel keinen Abfluss nach aussen,
sondern vereinigt ihre Flüsse zu Landseen des Hochlandes. Ihre im
Sommer bewohnten Kultur-Oasen heissen Yailah's, worunter man in
Anatolien und Armenien überhaupt periodische Wohnsitze im Ge-
birge, also in anderen Landschaften Sennhütten, versteht. Hier
aber ist der Zweck des Sommeraufenthalts Kornbau , hier und da
mit Weinkultur verbunden: daher die Auswahl tiefer gelegener Flä-
chen zur Anlage der Ortschaften (z. B. Stenez bei 3300', Cibyra
3500', Seydeleer 4000'). Nur in solchen Dörfern findet man einzelne
Kulturbäume (z.B. Juglans, Populus dilatata, Pyrus Malus), übri-
gens baumlose Steppe (3000'— 5500'). Unter den Pflanzen der Steppe
Pflanzengeographie Mährend des Jahres 1847. 283
herrschen die Synanthereen, Cruciferen, Boi-agineen und Caryophyl-
leen. Die nordeuropäischen Unkräuter sieht man unter dem Getreide
angesiedelt. — Da wo die Hochebene zu den höheren Gebirgsmassen
des Taurus, welche derselben aufgesetzt sind, übergeht, kommen
auf dem höher ansteigenden Boden wieder die ersten Holzgewächse
zum Vorschein und bilden einen abgesonderten Gürtel von Gesträu-
chen zwischen der oberen Waldregion und der Steppe (5500'— 6000').
Di«se Dickichte bestehen aus Quercus coccifera fruticosa, Berberis
und Jasminum fruticans. •
D. Die obere Waldregion ist ein düsterer, dichter Coniferen-
gürtel, der aus Juniperus excelsa, der anatolischen Ceder, gebildet
wirdr mit diesem Namen ist der Baum von Reisenden in Kleinasien
öfter bezeichnet worden. Nach oben wird der Wald allmälig lichter
und die Vegetation der Stauden mannigfaltiger. Zu den Schatten-
kräutern und übrigen Bestandtheilen dieser Region gehören folgende
Typen: Astragalus, Prunus prostrata, Alchemilla, Ernodea, Santo-
lina, Gnaphalium, Scorzonera, Campanula, Aretia, Digitalis ferru-
ginea, Cerinthe, Sideritis, Colchicum, Crocus.
E. Die nackten Gipfel über der Baumgrenze bewahren im Som-
mer nur in Schluchten ihren Schnee. Zu den Bestandtheilen der
alpinen Vegetation gehören folgende Formen: Anemone, Corydalis
rutifolia, Alyssum, Draba aizoides, Viola, Achillea, Veronica, Cro-
cus, Fritillaria, Scilla bifolia, Gagea, Ornithogalum.
Der dritte Theil von Russegger's Reisen (s. Jahresb.
f. 1842. S. 395 u. 1844. S. 384) enthält eine Darstellung der
allgemeinen Vegetationsbedingungen von Palästina und von
der Sinai -Halbinsel (Reisen in Europa, Asien und Afrika.
Bd. 3. Stuttgart, 1847).
Palästina zerfällt nach dem Niveau des Bodens und nach klima-
tischen Verhältnissen in drei Meridianstreifen, in die fruchtbare Kü-
stenregion mit mittelmeerischer Vegetation, in ein Bergland aus
Juraformationen, die hier und da von Kreidegipfeln überlagert wer-
den, und in die Depressionslinie des Jordans und todten Meers.
Die zusammenhängende, höchst fruchtbare Küstenebene, deren
Klima unter dem Einflüsse der Seewinde steht und in deren südlich-
sten Distrikten die Dattelpalme reife Früchte trägt, reicht nördlich
nur bis zum Vorgebirge Karmel: indessen wiederholt sich dieser
Typus noch einige Male in den kleineren Küstenbassins von Galiläa
und Phönicien , wo sonst nur ein schmaler Vorlandssaum unter den
Vorbergen des Libanon übrig bleibt und oft die Felsen unmittelbar
in das Meer steil abstürzen. Aber der Ackerbau steigt hier die Ge-
hänge des Gebirgs hinan, hier ist der Sitz der Terrassenkultur der
Drusen und Maroniten, wo die Rebe und der Maulbeerbaum in Ver-
bindung mit Südfrüchten sorgsam gepflegt werden. Ausser den KuK
turbäumen sind die Küstenabhänge des Libanon kahl und bis auf
einzelne Pinien waldlos.
284 Grisebach: Bericht über die Leistungen in der
Das Mittelgebirge von Judäa und Samaria nimmt, 8 bis 10 Mei-
len breit, den Kaum z^vischen der Küstenebene von Palästina und
dem Jordanthale vollständig ein. Es beginnt in den Ebenen von Gaza
(31° 30' N. Br.) und setzt sich nordwärts bis in die Gegend des Sees
Genezareth fort, wo es von Basalten durchbrochen wird: hier lehnen
sich sodann die Vorberge des Antilibanon an, der daselbst zum
grossen Hermon, zu 9500', prall ansteigt (33" 20'). Aus gerundeten
Bergformen und Hochflächen nebst steilen Thalschluchten gegen Osten
gebildet, erhebt sich das Juragebirge in Judäa nicht über 4000' und
scheint dort nach Massgabe der Lage von Jerusalem (2479'), Betle-
hem (2538') und Hebron (2842') eine mittlere Plateau-Höhe von 2500'
zu besitzen, worauf es in Galiläa zu Nazareth sich bis 1161' senkt
und selbst im weithin sichtbaren Berge Tabor nur zu 1755', dann
aber gegen den Antilibanon weit höher ansteigt. — Klima und Vege-
tationscharakter werden in diesem Gebirgslande bestimmt durch den
Einfluss der regenlosen, arabischen Wüste auf der einen, durch die
Nähe des Meers und der Hochgebirge des Libanon auf der anderen
Seite: daher der südliche Theil weit weniger Niederschläge erhält
als der nördliche. — Eine winterliche Regenzeit scheint zwar überall
bemerklich zu sein, aber von einer ungleichen Intensität. Judäa
vergleicht R. (S. 204) mit den wild felsigen , sterilen Höhen des Karsts
und gegen das todte Meer geht diese Landschaft in ausgeprägte Fels-
wüste, wo nur in überaus engen, steilen Thalschluchten sich Erd-
krume sammelt, wie in der am Grunde nur einige Klafter breiten
Rinne, wo tief unter dem Kloster Saba der Bach Kidron zwischen
1200' hohen, fast senkrechten Felsen fliesst. Judäa kann daher nur
in den bewässert-en Thälern die Kulturpflanzen des südlichen Europa's
erzeugen, unter denen Reben und Oliven hauptsächlich bemerkt
werden. Samaria hingegen hat eine reichliche Vegetation und , .meh-
rere Gebirge sind bis zum Gipfel mit Wald bedeckt". So fand R.
(S. 125) an den Vorbergen des Dschebel Nabud freundliche Thäler
mit Buchenw-ald, von Gazellen belebt, und mit schönen Wiesen
wechselnd, späterhin an den Abhängen der zum Karmel auslaufenden
Kette kräftige Mischwälder von Eichen und Buchen. Dieser Cha-
rakter steigert sich jenseits dieses Höhenzuges in Galiläa, wo der
Tabor z. B. bis zur Spitze bewaldet ist und das Thal des Kison
(Esdralon) die reichste Gartenerde besitzt. Hier breitet sich das
üppigste Kulturland aus, in südlicher Vegetationsfülle schwelgend,
von bedeutenden ßergströmen bewässert, mit reichem Weideland an
den Gehängen der Berge.
Die gegen 40 Meilen lange Jordan -Depression (Tiberias wahr-
scheinlich 625', das todte Meer 1341' unter dem Spiegel des Mittel-
meers) kann man als eine Wirkung des W^assermangels betrachten.
Daher stellt sich das Land weithin als kahle Wüste dar, die in die
jenseits beginnende, vegetationslose Hochebene Syriens (syrische
Wüste) übergeht. Nur dicht am Strome erstrecken sich Weideland
Pflanzengeographie während des Jahres 1847. 285
Schäften, so wie zufolge neuerer Nachrichten an dessen oberem
Laufe auch Wälder.
Die Sinai-Halbinsel (peträisches Arabien) bildet ein Kreide- und
Tertiär -Plateau, das im Mittelpunkt beim Chan Nochel gegen 1400'
hoch liegt und im Süden zu den Porphyren und Granitspitzen des
Sinai im Dschebel Katharina bis 8168' ansteigt, üeberall herrscht
Fels- oder Sandwüste und ,, selten ist dem Auge vergönnt, im An-
blick der Fruchtbäume und Cypressen künstlich angelegter Kloster-
gärten oder auf kümmernden Gesträuchen von Mimosa und Tamarix
und der dünnen Grasnarbe einzelner Thalgriinde (Waddi's) zu ruhen"
(S. 199). Erst am Südrande Syriens werden endlich die grossen
Sandflächen von schönem Weide- und Kulturland verdrängt und
frische Saaten begrüssen beim Austritt aus der W'üste in das ge-
lobte Land.
Bunge hat angefangen, die von A. Lehmann in den
asiatischen Steppen gesammelten Pflanzen zu bearbeiten (A.
Lehmann reliquiae botanicae s. enumeratio plantarum in iti-
nere per deserta Asiae niediae annis 1839 — 1842 colleqtarum:
in den Arbeiten des naturforschenden Vereins in Riga. Bd. 1.
Hft. 2. S. 115— 253. 1847).
Diese wichtige und reichhaltige Arbeit umfasst bereits 382 Ar-
ten, darunter die Thalamifloren vollständig und übrigens grössten-
theils Leguminosen. Auch abgesehen von der Trefflichkeit der sy-
stematischen Untersuchung, wie sie dem Verf. eigen ist, erlangt
diese Schrift dadurch eine hervorstechende Bedeutung für die Pflan-
zengeographie, dass sie sich auf ein bisher ganz unerforscht geblie-
benes Gebiet, nämlich auf Buchara und den an dieses Chanat gren-
zenden, südlichen Theil der Kirghisensteppe erstreckt. Hierdurch
wird nach der Vollendung dieser Publikation die Lücke, welche
zwischen der genau erforschten Steppenflora des asiatischen Russ-
lands und dem durch Kotschy's Sammlungen bekannt gewordenen,
persischen Vegetationsgebiete übrig blieb, befriedigend ausgefüllt
werden.
Man könnte es unter diesen Umständen bedauern, dass nur die
Systematik der gesammelten Pflanzen, nicht aber eine allgemeinere
Darstellung der durchreisten Länder mitgetheilt wird: wenn nicht
diesem Mangel, so weit es nach dem Ableben des Sammlers möglich
war, durch die genau&te Angabe der Fundorte, so wie durch die
Zeit, in welcher die Exemplare aufgenommen sind, durchgehends
abgeholfen würde. Nach diesen Materialien habe ich folgende Skizze
von Lehmann's Itinerar von Orenburg nach Buchara entworfen.
Die Jahre 1839 und 1840 bis zum Frühlinge 1841 waren der
Erforschung des Gouvernement Orenburg und des südlichen Urals
bis zu den Gebirgswäldern von Slatoust gewidmet und ausserdem war
im Mai 1840 der Ustjurt auf dem Isthmus zwischen dem kaspischen
286 Grisebach: Bericht über die Leistungen in der
Meere und Aralsee, namentlich die Umgegend von Nowo-Alexan-
drowsk untersucht. Im Mai 1841 finden wir den Reisenden am llek,
dem Grenzflusse der Kirghistensteppe unweit Orenburg, um die Reise
an der Ostseite des Aralsees nach Buchara anzutreten. Im Juni zog
L. durch die Mugosarische Steppe (Flussgebiet des Irgis), im Juli
durch die Wüste Kisil-kum, südlich vom Sir-Daria (Jaxartes), m eiche,
zwischen dem Aralsee und dem Chanat Kokand gelegen, als der süd-
lichste Theil der Kirghisensteppe betrachtet werden kann. Vom Sep-
tember 1841 bis zum 17. April 1842 dauerte der Aufenthalt im Chanat
Buchara, wo der Reisende, ausser den Umgebungen von Buchara
(Oktober bis März) und Samarkand, im Herbst am Sarafschan auf-
wärts das Quellengebiet dieses Flusses, das alpine Gebirge Karatau,
untersuchte. Im folgenden Frühlinge wurde die Rückreise zum llek
vollendet. Ueber die Richtung derselben geben folgende, wichtigere
Fundorte Aufschluss: innerhalb der Grenzen des Chanats Agatma,
Karagata; in der Wüste Kisil-kum Tümen-bai (April) 5 Wüste Kara-
kum an der Nordostseite des Aralsees, obere Irgis-Steppe, Mugosa-
rische Berge, Fluss Urkatsch (Mai): am 3. Juni war der llek wie-
der erreicht.
Die Zahl der neuen Arten beträgt etwa i der Sammlung, die
zur Hälfte aus Buchara, übrigens meist aus der Wüste Kisil-kum
stammen. — Die neuen Formen aus Kisil-kum mit Ausschluss der
auch in Buchara gesammelten (s. u. ) sind folgende: Ranunculus li-
nearilobus,- Delphinium paradoxum (zwischen Saxaul- Gestrüpp),
Leontice Ewersmanni (L. Leontopetalum asiatica Led.), Alyssum
cryptopetalum (an Granitfelsen), Dontostemon circinatus, Gypsophila
alsinoides, Saponaria parvula, Haplophyllum lasianthum, Trigonella
gi^ndiflora, T. geminiflora (an Dioritfelsen), Astragalus arborescens
(4' hoher Strauch im Flugsande der Wüste, aus der Tribus Hypo-
glottis, aber mit gedreiten Blättern), A. unifoliatus (ebenfalls strauch-
artig und aus derselben Tribus, mit einzelnen, seltener mit 3 Blätt-
chen, wie der vorige), A. scleroxylon (Strauch auf Granitfelsen, aus
der Tribus der Dissitiflori) , A. bakaliensis, A. turbinatus (Tr. der
Alopecuroidei), A. Lehmannianus (aus derselben Tr.; auch in Ka-
rakum).
Die übrigen, neuen Beiträge zur russischen Flora sind folgende:
Anemone biflora DC. Persiens wächst auch in Kisil-kum und ist
Syn. mit A. Gortschakowii Kar.; Papaver pavoninum F. M.: Kisil-
kum; Roemeria orientalis Boiss.: INowo-Alexandrowsk; Chorispora
stricta DC. : Ustjurt und Kirghisensteppe; Hesperis elata Hornem.:
Orenburg; Sisymbrium subspinescens Bg. (Brassica M.?): Ustjurt;
Cithareloma Lehmanni Bg. und vernumBg. : Kisil-kum; Lepidium
obtusum Bas.: Aralsteppe; Lachnoloma Lehmanni Bg. : Kisil-kum
und Kokand, wo der ermordete Stoddart es sammelte; Zygophyllum
ovigerum F. M. und Z. Lehmannianum Bg. : Ustjurt; Haplophyllum
vcrsicolor F. M.: Kisil-kum; Oxytropis confusa Bg. == O. soongarica
Pflanzengeographie während des Jahres 1847. 287
Fl. altaic; Astragalus Karakugensis Bg. und A. Ammodendron Bg.:
Sträiicher aus der Verwandtschaft der oben erwähnten holzigen
Astragali aus Kisil-kum, aber mit 3— 5 Blättchen, jene an der Nord-
seite des Aralsees und im Nordosten des kaspischen Meers vertre-
tend; A. mugosaricus Bg. : auf dem granitischen Boden der Mugosa-
rischcn Berge; A. macropus Bg. - A. subulatus uralensis Fall.: aus
Orenburg.
Was endlich die Flora des Chanats Buchara betrifft, so erscheint
es wegen der Wichtigkeit der Pflanzengrenzen (40" N. Br.) und der
geringen Verbreitung von Bunge's Arbeit zweckmässig, die gefunde-
nen Pflanzen hier vollständig aufzuzählen, wobei die Steppenpflanzen
der Ebene von den Gebirgspflanzen des Karatau und oberen Saraf-
schan-Gebiets abgesondert sind:
1. Pflanzen der Steppe und des Kulturlands von Buchara. Ado-
nis aestivalis, Ceratocephalus falcatus und orthoceras, Ranunculus
aquatilis, Delphinium camptocarpum F. M. (bei Ak-Meschid von dem
ermordeten Conolly gesammelt); Papaver pavoninum F. M., Roeme-
ria Orientalis Boiss., Hypecoum pendulum L. (H. caucasicum Kch.);
Matthiola chenopodifolia F. M., M. St oddarti Bg., Chartoloma
platycarpum Bg., Euclidium syriacum und tataricum, Chorispora
tenella, Malcolmia africana, intermedia CAM. und laxa, Dontoste-
mon grandiflorus Bg. , brevipes Bg. und scorpioidesBg. '),
Leptaleum filifolium, Sisymbrium Loeselii (häufig), S. Sophia und
pumilum Steph., Streptoloma desertorum Bg. 2), Tetracme
recurvata Bg. 3), Cithareloma vernum Bg., Capsella procumbens
und Bursa, Lepidium Draba, latifolium var. und lacerum CAM. (= L.
persicum Boiss.), Isatis violascens Bg. *) und minima Bg. *),
Pachypterygium lamprocarpum Bg., Spirorhynchus sabulosus Kar,
Lachnoloma Lehmann! Bg , Octoceras Lehmann! Bg. ^), Gold-
bachia tetragona und torulosa, Eruca sativa; Capparis herbacea Lam.
(türkisch: Kabar: über alle Lehmhügel zwischen Buchara und Sa-
markand bis an die Hochthäler des Karatau verbreitet); Dianthus
crinitus Sm., Silene nana Kar., Lepyrodiclis holosteoides Fzl.; Al-
thaea taurinensis DC. , Malva mauritiana (sponte) und rotundifolia,
Hibiscus ternatus Cav., Abutilon Avicennae G.; Hypericum perfora-
tum; Erodium oxyrrhynchum MB.; Tribulus terrestris, Miltianthus
portulacoides Bg. (Zygophyllum Cham.), Zygophyllum Fabago (tür-
kisch: Tüntapan = Kameelfutter), Z. Eichwald! CAM. und miniatum
Cham., Peganum Harmala, Haplophyllum robustum Bg.; Zi-
zyphus vulgaris Lam.?; Sophora pachycarpa Schrk. und alopecuroi-
des, Ammothamnus Lehmann! Bg. ^), Styphnolobium japoni-
cum Seht, (alte .Bäume an den Palastruinen Timur's zu Samarkand),
Cercis siliquastrum, Ononis repens, Medicago sativa (Junutscha:
') Verbreitet in Kisil-kum zum Jaxartes.
') desgl. 3) desgl. *) desgl. *) desgl. ^) desgl. ') desgl.
288 Grisebach: Bericht über die Leistungen in der
allgemeines Futterkraut um Buchara), M. lupulina, Melilotus
brachystachya Bg., M. alba, Trifolium pratense, repens und
fragiferum, Lotus corniculatus, Psoralea drupaceaBg. , Hali-
modendron argenteum DC. , Sphaerophysa salsula DC, Astragalus
albicans Bong., A. hyrcanus Fall., A. Turczaninowii Kar., A. orbi-
culatus Led., A. ammophilus Kar., A. filicaulis F. M., A. tribuloides
Del., A. commixtus Bg., A. quadrisul ca t us Bg. , A. harpilobus
Kar., A. leucospermus Bg.
2. Gebirgspflanzen am obern Sarafschan und im Karatau. Clc-
matis longecaudata Led. (orientalis L. var.), Ranunculus propinquus
CAM., Delphinium barbatum Bg.; Berb eris integ errima
Bg. und nummularia Bg.; Glaucium persicum DC; Matthiola
obövata Bg., Draba lasiophylla Royl.?, Sisymbrium deci-
piens Bg., Pachypterygium brevipes B g. , Brassica Napus?
(in der subalpinen Region); Capparis herbacea (s, o.); Alsine globu-
losa CAM., A. Villarsii Mk.?, Arenaria serpyllifolia; Althaea pallida
Kit.; Hypericum scabrum L.; Acer Lobelii Tsch. und ibericijm MB.?;
Cissus aegirophylla Bg. (analog der verwandten C. vitifolia
Boiss. in Südpersien und im Mangel der Ranken mit ihr überein-
stimmend: bekleidet als Liane die Felsen am oberen Sarafschan);
Geranium collinum Steph. ; Impatiens parviflora DC. ; Zygophyllum
atriplicoides Fisch.; Pistacia vera (kleine, lichte Waldungen am
oberen Sarafschan bildend); Glycyrrhiza glandulifera (Schirinbnja
d.h. süsses Holz: in der subalpinen Region), Colutca cruenta, Oxy-
tropis Lehmann! Bg.
Von dem auf v. iMidd endor ff's Ujitersuchungen (s.
Jahresb. f, 1843. S. 409 und 1844. S. 362) gegründeten und
alle Zweige der Naturkunde des nördlichsten Asiens umfas-
senden Reisewerke erschien' die erste Abtheihing des botani-
schen Theils, in welchem die phanerogamischen Pflanzen von
V. Trautvetter bearbeitet und pflanzengeographische Erläu-
terungen beigefügt sind (Reise in den äussersten Norden und
Osten Sibiriens während der Jahre 1843 und 1844. Bd. 1.
Th. 2. Botanik. Lief. 1. 190 S. in 4. Mit 8 Tafeln).
Die Ausbeute besteht aus den am Taimyr (74^ N.Br. ) gefunde-
nen Pflanzen (124 sp.), aus einem Herbarium von der Boganida
(71" 5' N.Br. = 85 sp.) und aus einer kleinen Sammlung von 21 Ar-'
ten, welche auf der Reise längs des unteren Jenissei (60" — 69|** N.
Br.) aufgenommen waren.
Die Flora des Taimyrlandes stimmt nicht bloss in ihrem allge-
meinen Charakter, sondern bis auf die einzelnen Formen mit allen
übrigen arktischen Ländern überein, welche von den drei Kontinen-
ten aus ihre vegetabilischen Erzeugnisse gegen einander wechselweise
ausgetauscht haben. So fehlen im arktischen Europa von jenen 124
Pfianzengeographie während des Jahres 1847. 289
Taimyrpflanzen nur 34 Arten und in Amerika's Polarländern nur 23
Arten, wogegen sich nur 3 unbeschriebene und daher bis jetzt dem
Taimyrlande eigenthümliche Formen in der Sammlung vorfanden
(Delphinium Middendorffii tab. 1, Oxytropis Middendorffii t. 7, Salix
taimyrensis t. 5. 6). Ebenso wie in Europa ein enger Zusammenhang
zwischen Lappland und den oberen Regionen der Alpen besteht, so
spricht sich auch das nämliche Verhältniss in Asien dadurch aus,
dass der Gebirgszug vom Altai bis zum Baikalsee 80 Pflanzenformen
mit dem Taimjrlande gemeinschaftlich besitzt.
Die Tundra zu beiden Seiten des Taimyrstroms ist ein uner-
messliches Diluvialland, eine ebene oder massig gewellte Fläche:
nur den Thalweg begleitet in einem niedrigen, jedoch über die
Tundra kulminirenden Höhenzuge von nicht 1000' Höhe anstehendes
Gestein, aus Thonschiefern, Kalk und Mandelsteinen gebildet. Die
Ebene wird bezeichnet als Polytrichum = Tundra, d. h. sie besitzt
die Moose des nicht sumpfigen Bodens, wohingegen westlich vom
Ural und am unteren Ob, so wie jenseits der Lena im Osten Nord-
sibiriens morastige Tundren (Sphagnum = Tundren) allgemein beob-
achtet werden. Gegen die Mitte des Juni, als M. den Taimyr er-
reichte, schmolz daselbst der Schnee: nach dem 18. Juni sank das
Thermometer nicht mehr unter den Gefrierpunkt. Eine Woche spä-
ter waren bereits die Sonnenseiten schneefrei, ringsum rauschten
Giessbäche, der Boden war zum Einsinken erweicht; die Flüsse
hoben sich 3—6 Klafter über den winterlichen Eisstand. Das Maxi-
mum der Sommerwärme (11°,5 C. im Schatten) herrschte von Ende
Juli bis Mitte August: aber schon in der Nacht zum 20. August tra-
ten die Nachtfröste wieder ein, die nicht wieder aufhörten, und
schon am 15. September stand das Eis auf dem grossen Taimyi-see,
Der Winter war angebrochen und am Ende desselben Monats stieg
die Kälte bereits wieder auf — 19" C. Die Vegetationszeit dauert
daher kaum drittehalb Monate von Mitte Juni bis Ausgang August:
allein dass sie so lange zu bestehen vermag, ist schon auffallend
genug und wird nur durch eigenthümliche Verhältnisse theils des
Klimas, theils der vegetativen Organisation möglich gemacht. Das
ewige Eis des sibirischen Bodens liegt nämlich am Taim3'r sehr
flach; aber doch unter, nicht in der Pflanzendecke. An einem der
wärmsten Tage, am 2. August zeigte sich der Boden im freien Son-
nenlichte in einer Tiefe von 14 Zoll gefroren und im Schatten unter
einer Decke von 2 Zoll moosigen Rasens auch von der höchsten
Wirkung der nie versinkenden Sonne unberührt. Dennoch kann
selbst im äussersten Norden des Taimyrlandes von einer bis zum
Meeresniveau herabsteigenden Schneegrenze nicht die Rede sein und
eben weil jene dünne Scholle sich während des Sommers schneefrei
erhält, sind die Bedingungen zur Erzeugung und Erhaltung der dor-
tigen Pflanzenformen gegeben. Die Frage, weshalb bei so niedrigen
Mittelwärmen der Schnee im Sommer nicht liegen bleibt, dagegen
290 Grisebach: Bericht über die Leistungen in der
das Eis im Boden bis zu unerforschten Tiefen anstellt, scheint mir
dadurch gelöst, dass ewiger Schnee überhaupt nur im Gebirge mög-
lich ist, wo die Oberfläche grösstentheils geneigt ist und daher we-
niger materielle Punkte von den Strahlen der Sommersonne getroffen
werden. In den Ebenen thaut die Kraft der Sonne den winterlichen
Schnee jedes Jahr wieder auf, wobei die mittlere Temperatur tiefer
sein kann, als in den Schneeregionen des Gebirgs, und das unter-
irdische Eis dessen ewigen Schnee vertritt: daher weder arktische
Tiefländer noch ausgedehnte Hochflächen irgendwo des grünenden
Sommers entbehren. Diese Schneelosigkeit im Sommer, die davon
abhängige Belebung selbst des kältesten Bodens, die an den felsigen
Gebirgsgestaden des höchsten Südens der anderen Hemisphäre nicht
vorhanden ist, erscheint daher im nördlichen Sibirien als die ^Vir-
kung der Konfiguration dieses ebenen Polarlandes. Aber schön wird
der kurze Sommer darum nicht, unwirthlich bleibt er. Durch die
unregelmässigc Küstenlinie werden die Bewegungen der Atmosphäre
stürmischer, die Niederschläge häufiger, durch die Feuchtigkeit die
Temperaturextreme gemässigt. Unaufhörliche Nebel und Nieder-
schläge entstehen durch die starken Luftströmungen: ,,die Sonne
braucht nur hinter Wolken zu treten, um Stosswinde hervorzurufen",
oder: „zügellos streichen die Stürme über die unbewachsenen Oeden
und peitschen den Schnee in dichte Massen zusammen." Die Feuch-
tigkeit ist hier überhaupt der allgemeine Regulator der Wärme so-
wohl für die unteren Luftschichten als für die Oberfläche des Bo-
dens, welchen sie während des Sommers durch das Schmelzen des
unterirdischen Eises speist, und indem sie grössere Schwankungen
der Temperatur verhindert, schützt sie die Vegetation während ihrer
Entwickelungszeit.
Ungeachtet so einförmiger und auf ein geringstes Mass zurück-
geführter Lebensbedingungen scheiden sich nach der Gestaltung des
Bodens drei verschiedene Pflanzenformationen bestimmt von einan-
der ab.
1. Die grosse Polytrichum-Tundra, die den weiten Raum
der grossen Polarebene erfüllt. Diese Bekleidung des Erdbodens
mit Moosen, die wir weder im skandinavischen Lappland noch in
den alpinen Regionen der Gebirge wiederfinden, ist ohne Zweifel
durch das unterirdische Eis bedingt, welches während des Sommers
so viel Feuchtigkeit und diese von der Temperatur des Frostpunktes
liefert, dass nur Moose und wenige höhere Pflanzen dabei gedeihen
können. Zwei Grade der Feuchtigkeit aber werden dadurch ange-
zeigt, dass entweder die Polytrichen oder die Sphagnen auftreten.
Das Taimyrland ist trockener und besitzt daher die Sphagnum-For-
mation nur an einzelnen Lokalitäten. Je trockener der Erdboden
wird, desto mehr schwinden die Moose und die übrigen Gewächse
werden häufiger, jedoch ohne den Boden vollständig zu bedecken:
denn ihre Mannigfaltigkeit ist zu gering, weil die Früh- und Spät-
Pflanzengeographie während tles Jahres 1847. 291
froste die meisten Gewächse von der ebenen und deshalb der Wärme-
strahlung stärker unterworfenen Tundra verbannen. — Die vorherr-
schenden Gewäclise sind ausser Poiytrichum zwei Eriophoren und
Luzula hyperborea. „Von dem schmutzig gelbbraunem Moose
stechen die abgestorbenen, gelben Grasspitzen wenig ab und nur
unrein, wie durch einen Flor, schimmert der grüne, sprossende Theil
des Rasens hervor." Etwa die Hälfte des Areals der Tundra ist von
diesen Pflanzenformen eingenommen, J^ bis Vö "von den folgenden
das übrige Erdreich scheint grösstentheils nackt zu sein, Auf den
unmerklich tieferen Stellen der Tundra, wo das fiiessende Frühjahrs.
Wasser seinen Weg nimmt, wo der fortwährende Wechsel desselben
airlialtendere Wärme dem Boden mittheilt und ihn frühzeitiger und
vollständiger aufthaut, gewinnt das Gras und ein frischeres Grün die
Oberhand, die Halme werden länger und stehen dichter, ein Rasen
von 3 bis 4 Zoll Höhe verdrängt auf den Humpeln das Moos, das
nur in den zwischenliegenden Gängen sich erhält. Dieser immerhin
ärmliche Teppich ist hie und da auch mit Blumen verziert,' mit
Dryas oder Cassiope tetragona, seltener wird er von spärlichen
Rennthierflechten oder zwerghaften Arten von Draba, Ranunculus
u. dgl. durchbrochen. Hierbei macht v. Tr. auf einen bemerkens-
werthen Gegensatz zwischen des Reisenden Darstellung und v. Baer's
Beobachtungen auf Novaja-Semlja aufmerksam, indem der Letztere
gerade an solchen Stellen eine üppigere Vegetation bemerkte, die
von dem Schneewasser nicht erreicht wurden, welches den ganzen
Sommer hindurch von den Höhen herabfloss. Diesen Widerspruch
klärt indessen v. M. selbst auf. Die Wirkung des fliessenden
Wassers auf die Vegetation arktischer Tundren verhält sich im Früh-
ling und Sommer entgegengesetzt: im Frühjahr müssen die Gewässer
beitragen, den Boden über den Gefrierpunkt zu erwärmen und die
Pflanzenwelt zu beleben; im Sommer werden Bäche, welche Schnee-
wasser führen, ihre Umgebungen verhindern, die Temperatur, der
gesteigerten Luftwärme und den mit dieser gleichen Schritt haltenden
Vegetationsphasen entsprechend, höher über den Gefrierpunkt zu
erheben. Daher entgegengesetzte W'irkungen im ebenen Taimyrlande,
wo der rasch geschmolzene Schnee nur im Frühlinge die Tundra
bewässert, und auf einer Gebirgsinsel, von deren Firnen und Glet-
schern die Bäche den ganzen Sommer hindurch mit Wasser von 0"
gespeist werden. Und dieser Bemerkung möchte ich zur Bekräfti-
gung beifügen: aber auch im Taimyrlande selbst nur Moosvegetation,
wo die Feuchtigkeit des, Bodens im Sommer vom unterirdischen Eise
stammt, hingegen Entwickelung von Stauden und Gesträuch, wo der
Abfluss des Wassers im Frühling den Erdboden zu grösserer Tiefe
aufgethaut hat.
2. Laidie's. Laidy heisst in Nordsibirien eine Tieffläche am
Ufer der Seen und Flüsse, wie eine solche namentlich den Strom-
lauf des Taimyr begleitet und dort im Frühlinge eine Zeit lang von
Archiv f. Naturgesch. XIV. Jahrg. 2. ßd. T
292 Grisebach: Bericht über die Leistungen in der
den hochgeschwollenen Gewässern überschwemmt wird. Hier gilt das
eben erörterte Verhältniss in noch höherem Masse: gleich wie auf
überstauten Wiesen wird hier eine üppigere Vegetation gefördert,
als auf den Höhen rings umher. Nur an solchen Orten ist im höch-
sten Norden eine wirkliche Grasnarbe zu finden, aus Cyperaceen,
Junceen und Gramineen gebildet , zwischen Melchen am Taimyr arm-
liches Weidengestrüpp aus arktischen Zwergweiden und verschiedene
Kräuter wurzeln. Dies sind die Flächen, welche im Sommer das
llennthier aufsucht. Doch scheint der Boden, einer eigentlichen
Wiese unähnlich, auch nach dem Zurücktreten des Wassers sumpfig
zu bleiben, da v. M. denselben zugleich mit den Sphagnum-Tuiidren
vergleicht.
3. Die arktische Staudenformation bildet an der Grenze
der Tundren und Laidie's eine schmale Zone, indem sie die Abhänge
und Abstürze des Landes gegen den Strom bedeckt, welcher sie, als
ein Regulator der Wärme, gleichfalls gegen die Spät- und Frühfröste
schützt. Hier, wo der geneigte Boden im Frühjahr rascher sein
Schneewasser verlor, daher frühzeitiger seip Eis zu thauen begann
und deshalb im Sommer auch höhere Wärme in sich aufnimmt,
sprosst eine Vegetation von lebhafterem Wachsthum, mit Farben
aller Art geschmückt: Fusshoch erheben sich blaue Polemonien
(P. humile), rothe Polygonen (P. Bistorta), gelber arktischer Mohn
(Papaver nudicaule) imd feinblätteriges Sisymbrium (S. sophioides
Fisch.), es prangen die schönen Blumen von Sieversia glacialis, Sa-
xifraga, Pedicularis, Oxytropis, Delphinium und einigen Synanthe-
reen. Nirgends auf der unermesslichen Tundra erscheint so freudiges
Grün, ausser wo die Wohnung des Eisfuchses oder ein Samojeden-
zelt den Boden einmal mit animalischen Stoffen gedüngt und dadurch
wuchernde Gramineen auf engem Räume versammelt hat.
Durch die Untersuchungen v. T.'s über den Einfluss des arkti-
schen Klimas auf die Ausbildung der Pflanzenorgane bestätigen sich
die auf Novaja-Semlja gewonnenen Ansichten v. Baer's. An Masse
werden die an der Luft entwickelten Organe von den unterirdischen,
namentlich von horizontal kriechenden Rhizomen bei Weitem über-
troffen, Meil auf den letzteren der vorzüglichste Schutz gegen die
Winterkälte beruht. Dies ist auch die Ursache, weshalb nur 6 ein-
jährige Gewächse am Taimyr vorkommen , die den Winter in der
Form des weniger geschützten Samenkorns überdauern müssen. Die
mittlere Wuchshöhe beträgt ungefähr 5 Zoll: 93 Arten bleiben unter
der Höhe von 6 Zoll, die übrigen 31 schwanken zwischen 6 und 14
Zoll; die Zwergsträucher sind durchschnittlich noch niedriger, als
die Kräuter und erreichen noch nicht einmal eine mittlere Höhe von
4 Zoll, die höchsten sind 6 Zoll hoch. Es giebt übrigens nur 8
solcher Holzgewächse: Betula nana; Salix polaris, lanata, glauca,
arctica, taimyrensis; Cassiope tetragona und Ledum palustre. — Die
geringe Zahl der Blätter an einer Axe, an deren Grunde sie gewöhn-
Pflanzengeographie ^vährend des Jahres 1847. 293
lieh rosettenförmig zusammenrücken, ist gleichfalls ein allgemeiner
Charakter der Flora und erklärt sich aus der Kürze der Vegetations-
zeit. Deshalb müssen sich die Blätter rasch ent^vickeln und daher
die Internodien zwischen ihnen unentwickelt bleiben, so dass meist
nur das oberste Stengelglied, welches die Blüthenknospe trägt, zur
Ausbildung gelangt. Bei den meisten Pflanzen marcesciren die Blät-
ter, erhalten sich lange Zeit an der Axe und so dienen die trocknen
Reste des Laubs früherer Vegetationsperioden den Knospen späterer
zum Schutz. — Endlich spricht sich auch die auf dert arktischen
Lichteinfluss bezogene, jedoch auch den alpinen Gewächsen eigene
Grösse der Blumen am Taimjr auffallend genug aus: nach darüber
angestellten Messungen beträgt der mittlere Blüthendurchmesser mehr
als 5 Linien, bei mehreren. Arten zwischen 12 und 18 Linien, was
bei der Kleinheit der Axen um so mehr hervortritt. Dass von man-
chen Pflanzen die Früchte nicht zur Entwickelung gelangen, wie
V. Baer in Novaja-Semlja wahrnahm, bestätigen die Untersuchungen
V. M.'s nicht.
Die statistischen Verhältnisse der Taimyrflora sind von v. T.
sehr ausführlich bearbeitet worden, ebenso die Arealgrenzen der
einzelnen Arten: % derselben ist bis zu der Insel Bär an der Mün-
dung des Taimyr (75*^ 36') verbreitet, der 75ste Grad bildet für die
Mehrzahl der übrigen die Polargrenze, namentlich auch für die
Zwergbirke und einen Theil der Salices.
Die Pflanzen von der Boganida sind noch innerhalb der nord-
sibirischen Baumgrenze gesammelt: der nördlichste Baum ist Larix
daurica Turcz., der dann plötzlich unter 71^" N. Br. verschwindet.
Die Hälfte der Boganidapflanzen wächst nicht mehr im Taimyrlande.
Darunter sind folgende Sträucher: Alnus fruticosa Rupr., Salix re-
tusa, myrtilloides, hastata, boganidensis Tr. (t. 2. 3); Empetrum ni-
grum; Arctostaphylos alpina, Andromeda polifolia, Vaccinium Vitis
idaea und uliginosum; Ribes propinquum Turcz.; Rosa acicularis
Lindl. ; ferner kommen hier auch noch Rubus arcticus und Chamae-
morus vor. — Die Polargrenzen der am Jenissei beobachteten Wald-
bäume sind folgende: Pinus sylvestris — 66iN. Br. , P. Cembra, in
Gesellschaft der beiden folgenden wachsend, —684", P. obovata,
grosse Wälder zwischen 66<* und 67" bildend, —69^", F. sibirica
— 67|", Larix sibirica —66"; Alnus incana unter 66", Sorbus aucu-
paria u. 64", Prunus Padus u. 61" bemerkt.
Ausser den genannten kommen in-v. T.'s Arbeit folgende neue
Bestimmungen vor: Stellaria ciliatosepala vom Taimyrlande bis zum
arktischen Amerika verbreitet (t. 8), Taraxacum Scorzonera Rchb.
(T. palustre Fl. dan. t. 1708), Rumex arcticus (R. domesticus var.
Cham.?), Carex melanocarpa Cham. mscr. (t. 4).
Die Pflanzen , welche sich von Mitteleuropa bis zum Taimyr-
lande verbreiten, sind folgende: Caltha palustris, Ranunculus acris,
Cardamine pratensis, Arabis petraea, Alsine venia, Chrysosplenium
T*
294 Grisebach: Bericht über die Leistungen in der
alternifoliiinti , Saxifragta Hirculus und caespitosa, Cineraria palustris,
Matricaria inodora, Ledum, Pyrola rotundifolia, Androsace septen-
trionalis, Rumex domesticus und Acetosa, Polygonum Bistorta, Lu-
zula campestris, Eriophorum angustifolium und vaginatum, Festuca
rubra, Poa pratensis, Deschampsia caespitosa; bis zur Boganida:
Parnassia palustris , Comarum, Epilobium palustre, die Vaccinien
und Andromeda, Empetrum, Pyrola secunda, Menyanthes, Polemo-
nium, Pedicularis sceptrum, Veronica longifolia, Rumex Acetosella,
Corallorrhiza, Festuca ovina: alle übrigen europäischen Formen sind
als arktisch und alpin zu betrachten.
Ueber die Vertheilung der Wärme in Sibirien enthält der
erste Band des v. M id d endorff sehen Reisevverks schätz-
bare Materialien (Bd. 1. Th. 1. Klimatologie. Geognosie).
Hieran reihen sich die von Kupffer und Berghans niitge-
theilten Werthe von verschiedenen meteorologischen Stationen
(K. resumes des observ. meteorol. en Russie. Livr. i. Petersb.
1846 und B. in Lüdde's Zeitschrift f. Erdkunde. Bd. 6. 1847).
Die Südgrenze des zu Jakutsk bis zu 670' Tiefe gefrorenen Bo-
dens, welche der Isogeotherme 0" entspricht, hat nach v. M. fol-
genden allgemeinen Verlauf: Berjosov am Ob (64°N. Br.), Turu-
chansk am Jenissei (66"), zw. Witimsk und Olekminsk an der Lena
(58**), von hier aus in nordöstlicher Richtung fortgesetzt (Middend.
1. S. 179). Vegetationsgrenzen werden durch diese Linie nicht be-
stimmt: allein die allgemeinere Bedeutung bleibt, dass ein so grosser
Theil Sibiriens im Sommer die Schneedecke über dem gefrorenen
Boden verliert und dadurch organisches Leben möglich macht.
Die Temperatur an der Boganida (71" 5'), 70 g. Meilen vom ark-
tischen Meere entfernt, vertheilte sich im Sommer 1845 folgender-
massen (das. S. 54):
25-30. April . . = - 20« C.
Mai = - 8»,9 „
Juni- ...-..= -f 10,75 „
Juli = -I- 9°,25 „
August ....= + 10%75 „
September . . . = — 1,6" „
1-26. Oktober . . = - 7,25" „
Sommer . . = -f 7",25" C.
Vertheilung der Wärme nach den Jahrszeiten in Sibirien.
Mittl.Temp. Frühling. Sommer. Herbst. Winter.
Jakutsk
(62"2') -10",9 C. -9",5 C. -f 14",6 C. -11" C. - 38",1 C. (K.)
Bogoslowsk
(59" 45' =
600') - 0°,9 „ -1",25„ +16",25„ - 1",1 „ -17°.25„(B.)
Jekaterinenburg
(56»50' =
820') + 0",9 „ +0",5 „ -M6" „ -f- 0»,6 „ - 15",! „ (B.)
Pflanzengeographie wahrend des Jahres 1847. 295
Mittl. Temp. Frühling. Sommer. Herbst. Winter.
Tomsk(56ö30'
= 300') - 0»,25C. -lö,4 C. +16»,25C. -1«,9 C. - 18»,1 C. (B.)
Barnaiil(53»20'
= 400') - 0»,4 „ -0«,5 „ +17°,4 „ -0»,25„ - IB» „ (B.)
Nertschinsk
(51« 18' =
2000') - 4» „ -P,25„ +16M „ -3«,6 „ -27M „ (B.)
Turczaninow hat seine Flora der Baikalgegeiiden (s.
Jahresb. f. 1842 n. f.) fortgesetzt (Bullet. Moscou 1847. 2.
p. 3 — 65): diese Arbeit begreift den zweiten Theil der Sy-
iianthereen (58 sp.).
Die Schriften des verstorbenen Griffith, welche das
indische Gouvernement herausgeben lässt, sind mir noch nicht
zugegangen (Works of the late W. Griffith. Calcutta, 1847).
Von der dänischen Expedition nach den Nikobaren sind
einige vorläufige Nachrichten über die Vegetation dieses Ar-
chipels durch Philippi (Berliner Monatsberichte der Ges. für
Erdkunde. Bd. 4. S. 267) und Rink (Die nikobarischen Inseln.
Kopenhagen, 1847) mitgetheilt.
Die Vegetation der Nikobaren scheint der des nördlichen Theils
von Sumatra zu gleichen. Von den zwanzig Inseln, die diesen Ar-
chipel bilden, sind einige überall mit Wald bedeckt, worin Ficus-
Arten und Dipterokarpeen vorherrschen: gegen das Gestade hin tre-
ten auch die Casuarinen auf und zuletzt der Rhizophoren- Gürtel.
Die übrigen Inseln, die sich nach K. durch plutonisches Substrat
von dem Tertiärboden der ersteren unterscheiden, besitzen neben
den Wäldern auch Gras-Savanen (Alang -Flächen). Nach Ph. liegen
dieselben auf den nördlichen Inseln in der oberen Region, auf den
südlichen in den Flussthälern, wo sie in der nassen Jahrszeit wahr-
scheinlich unter Wasser stehen. Hier bemerkte Ph. auch Strecken
mit hohen, aufrecht stehenden, jedoch abgestorbenen Bäumen , ohne
die Ursache ihres Absterbens erklären zu können.
in einer neuen, in Singapore erscheinenden Zeitschrift
finden sich Nachrichten über die Kulturgevvächse des indischen
Archipels von Temminck (Journal of the Indian Archipelago
and Eastern Asia. Singapore, 1847: vergl. Lond. Journ. of
Botany 7. p. 218). — Beiträge zur Keiuitniss der Ranuncula-
ceen des niederländisch-indischen Archipels lieferte K orthals
(Nederl. Kruidkundig Archief. 1. p. 207—209): die Gattungen
sind Clematis, Naravelia, Ranunculus und Thalictrum). —
Hasskarl beschrieb eine Exkursion nach dem Berge Japara
in Java (Regensb. Flora f. 1847. S. 639—653),
296 Grisebach: Bericht über die Leistungen in der
III. Afrika.
V^on Hardy wurde eine Abhandlung aiber das Klima von
Algerien der französischen Akademie überreicht (Compt. ren-
dus. 1847. Juin).
Die Winterregenzeit ist deutlich ausgesprochen mid von Nord-
westwinden begleitet: an der Küste wird die Wärme des Sommers
durch den Seewind, im Innern durch lokale Gebirgswinde gemässigt,
dann aber auch wieder häufig durch den aus Südost wehenden Sirocco
vermehrt. Die trockene Jahrszeit dauert von Mitte Mai bis zum
Herbstaequinoktium. — Waldungen finden sich meist nur an südlichen
und östlichen Abhängen, die vor dem Nordwest, der im Frühlinge
ein trockener Wind werden soll, geschützt sind und deshalb die
Feuchtigkeit im Sommer länger bewahren. Die entgegengesetzten
Abhänge sind kahl oder mit Montebaxo von Quercus coccifera und
Pistacia Lentiscus bedeckt. Ausserdem besitzen nur die Flussthäler
Bäume: diese haben periodisches Laub, z. B. Pappeln, Erlen, Eschen,
Ulmen, während die Bäume mit immergrünen Blättern den hügeligen
Boden bezeichnen, z.B. Quercus Ballota, coccifera, Hex und Suber,
Laurus, Olea, Pistacia, Ceratonia.
Von Munby erschien eine Flora von Algier (Flore de
l'AIgerie ou catalogue des plantes indigines du royaume d'AI-
ger. Paris, 1847. 120 pag. u. 6 tab.).
Dieser Katalog, der nach dem Sexualsystem geordnet ist, ent-
hält 1800 sp., demnach i mehr als die Flora atlantica: als neu sind
nur 10 sp. aufgeführt; aber einige andere Arten von Durieu u. A.
sind noch unbeschrieben. Verschiedene Angaben von mitteleuropäi-
schen Pflanzen bei Desfontaines sollen irrig sein und auf Verwech-
selung mit den entsprechenden, mittelmeerischen Formen beruhen.
Für den Lotusbaum der Alten erklärt M. die Nitraria tridentata
Desf., die er aus der W^üste von Soussa bei Tunis erhielt.
Einzelne, dürftige Nachrichten über die Vegetation der
Goldküste gab der Missionar Halleur in den Verhandlungen
der Berliner Gesellschaft für Erdkunde (Bd. 4. S. 75).
Der westliche, von granitischen Gebirgen erfüllte Theil der Küste
ist mit Urwäldern bewachsen , unter deren Erzeugnissen man Adan-
sonia und Elaeis erkennt. Der östlich vom Gebirge Aquapim gele-
gene Theil der Goldküste bildet eine flache, sandige, unfruchtbare
Ebene, wo niedriges Gebüsch herrscht, jedoch auch Kokospalmen
wachsen.
Zu den wichtigsten Bereicherungen der botanischen Li-
teratur gehört das klassische Werk Ach. Richard 's über
die Flora von Abyssinien , welches zwar zunächst auf die in
den Jahren 1838 -—1843 entstandenen Sammlungen der fran-
Pflanzengeographie wahrend des Jahres 1847. 297
zösischen Reisenden Dillon und Petit begründet ist, aber auch
die Scliimper'schen Herbarien stets genau berücksichtigt und
Hochstetter's kursorische Bestimmung derselben wissenschaft-
lich feststellt oder berichtigt (Tentamen Florae abyssinicae
seu enumeratio plantarum hucusque in plerisque Abyssiniae
provinciis detectarum. Vol. 1. 472 pag. in 8.: besondere Ab-
theilung von Lefebvre's Voyage en Abyssinie. Paris). Der
erste Band umfasst die Familien von den Ranunculaceen bis
zum Schluss der Synanthereen. — Eine kleine, von Delile
im J. 1846 publicirte Sammlung von 68 Arten aus Schoa,
die von Richard mit aufgenommen werden, bedarf hier einer'
nachträglichen Erwähnung (am Schluss der Relation du second
voyage de Rocher d'Hericourt. Paris, 1846).
^Vas den Umfang der Materialien betrifft, welche Richard zu
Gebote standen, so finden sich darüber in der Vorrede folgende No-
tizen: R. Brown's Katalog der Salt'schen Pflanzen enthielt 146 sp.
ohne Charakteristik; von Fresenius sind etwa 70 sp., die Rüppell
gesammelt, publicirt; die französischen Herbarien geben ein Material
von ungefähr 1500 sp., von denen damals, als sie nach Paris kamen,
beinahe ^ neu waren; Schimper's Sammlung (3 Serien) umfasst etwa
1600 sp. unter mehr als 1900 Nummern, alle bestimmt, jedoch gröss-
tentheils nicht beschrieben („toutes ces plantes ont ete nommees
par Hochstetter et Steudel, avec soin et souvent avec beaucoup de
precision").
Uebersicht der abyssinischcn Flora mit Angabe der Gattungen:
19 Ranunculaceen (Clematis 4 sp., Thalictrum, Ranunculus 15 sp.,
Delphinium); 2 Menispermeen (Stenaphia, Chasmanthera); 1 Berbe-
ris; 1 Nymphaea* '); 2 Fumarien* (eingeführt); 3 Resedaceen (Re-
seda, Caylusea); 22 Cruciferen (Nasturtium, Barbarea*, Arabis4sp!,
Cardamine 5sp., Capsella*, Erysimum, Lepidium, Brassica, Diplo-
taxis*, Crambe*, Erucastrum); 16 Capparideen (Gynandropsis*,
Cleome, Crataeva*, Boscia, Cadaba 4 sp., Capparis, Maerua); 2
Flacourtianeen (Roumea, Aberia); 8 Polygaleen (Polygala 6sp., Lo-
phostylis); 1 Pittosporee (Pittosporum); 15 Caryophylleen (Dianthus,
Silene, Cerastium, Uebelinia, Spergularia *, Sagina, Alsine, Mol-
lugo*); 1 Elatinee (Bergia); 2 sp. Linum*; 37 Malvaceen (Malva*
Pavonia, Lebretonia, Hibiscus 17 sp., Gossypium*, Sida 7sp., Abu-
tilon 6sp., Bastardia*, Lagunea); 1 Bombacee (Adansonia digitata*
= Dima Abyss. zw. 2000' u. 5000'); 9 Byttneriaceen (Sterculia, Her-
mannia, Melhania, Waltheria*, Dombeya); 26 Tiliaceen (Sparman-
nia, Corchorus 5sp., Triumfetta 6sp., Grewia 14 sp.); 3 Olacineen
>) Die mit * bezeichneten Gattungen enthalten nur nicht ende-
mische Formen.
298 Grisebacli: Bericht über die Leistungen in der
(Apodytes, Ximenia, Balanites*); 7 sp. Hypericum (grösstentheils
baumartig); 1 Hippocratea; 7 Sapindaceen (Cardiospermum, Schmi-
delia, Sapindus, Dodonaea*); 7 Meliaceen (Elcebergia, Turraea,
Trichilia*, Bersama, Schizocalyx); 11 Ampelideen (Cissus7sp.,
Vitis 4sp.); 10 Geraniaceen (Monsonia, Erodium*: eingeführt, Ge-
ranium, Pelargonium); 2 Balsamineen (Impatiens); 6 Oxalideen (Bio-
phytum, Oxalis 5sp.); 1 Zygophyllee (Tribulus terrestris*); t Ru-
tacce (Teclea); 1 Zanthoxylee (Brucea); 1 Ochnacee (Ochna).
9 Celastrineen (Celastrus 8 sp., Catha Forskalii Rieh. = Gel.
eduJis Vahl); 7 Rhamneen (Zizyphus, Rhamnus, Helinus*); 14 Ana-
cardiaceen (Odina, Rhus 9sp., Anaphrenium , Spondias*); 3 Burse-
raceen (Boswellia papyrifera Rieh. = Plösslea floribunda EndL: Pa-
pierbaum, Balsamodendron*); 182 Leguminosen (28 Genisteen: Cro-
talaria 18 sp., Chrysocal^Tc, Phyllocalyx, Leobordea, Ononis*, Ar-
gyrolobium 4sp., Anthyllis*; 27 Trifolieen: Medicago*: eingeführt,
Melilofus*: ebenso, Trifolium: 18 sp., darunter 6 sp. aus der Sect.
Lupinaster, Lotus 4 sp.; 26 Galcgeen (Indigofera 13 sp., Tephrosia
9 sp., Berebera, Sesbania*, Colutea*; 3 Astragaleen: Astragalus,
Biserrula; 5 Vicieen: Cicer, Ervum* und Lathyrus*: eingeführt;
17 Hedysareen: Scorpiurus-: eingeführt, Helminthocarpon, Zornia*
Aesehynomene, Rüppelia, Smithia*, Anarthrosyne, Desmodium, Ono-
brychis, Taverniera, Acrotaphros, Alysicarpus, Antopetitia; 36 Ph^-
seoleen: Clitoria*, Johnia, Glycine, Erythrina, Mucuna, Phaseolus,
Vignä 8 sp , Dolichos 7 sp., Fagelia, Eriosema 4 sp., Rhynchosia
6sp.; 3 Dalbergieen: Dalbergia*, Philenoptera, Pterocarpus; 1 So-
phoree (Virgilia); 24 Mimoseen: Entada, Inga 5sp., Acacia 17 sp.,
Calliea*; 13 Caesalpinieen: Pterolobium, Cadia *, Tamarindus*
Cassia 8sp., Banhinia, Besenna?); 11 Rosaceen (Rubus, Potentilla,
Brayera, Alchemilla 4 sp., Rosa); 16 Combretaceen ( Terminalia^
Combretum 10 sp., Anogeissus*, Poivrea); 1 Rhizophora* bei Mas-
sowa; 7 Onagrarieen (Epilobium 5 sp. , Jussiaea*, Ludwigia); 1 Cal-
litriche*; 11 Lythrarieen (Quartinia, Ammannia 5sp., Lythrum, Ne-
saea*, Grislea); 1 Tamarix*; 1 Myrtacee (Syzygium*); 22 Cucur-
bitaceen (Cyrtonema, Zehneria, Bryonia5sp., Coccinia*, Momor-
dica, Lagenaria*, Cucumis, Cucurbita, Sicyos*); 2 Passifloreen
(Modecca, Botryosicyos); 1 Turneracee (Wormskioldiü); 4 Portula-
eeen (Trianthema*, Portulaca, Talinum*); 8 Paronychieen (Paro-
nychia, Herniaria*, Polycarpea, Polycarpon*, Pollichia*, Scleran-
thus*, Corrigiola*); 16 Crassulaceen (Bulliarda, Combesia, Umbi-
licus, Crassula, Kalanchoe 7sp., Sedum, Sempervivum, Aeonium);
2 Ficoideen (Mesembryanthemum); 1 Saxifraga: 10-14000'; 28 Um-
belliferen (Hydrocotyle, Haplosciadium , Sanicula*, Alepidea, Gym-
nosciadium, Helosciadium*, Ammi*, Pimpinella, Sium, Heteromor-
pha, Annesorrhiza, Ferula, Malabaila, Peucedanum, Steganotaenia,
Lefeburea, Anethum*, Pastinaca, Agrocharis, Daucus, Torilis*,
Anthriscus.*, Cachrys, Pycnocycla); 3 Äraliaceen (Panax, Aralia,
Cussonia); 11 Loranthaceen (Viscum, Loranthus 8 sp.).
Pflanzengeographie während des Jahres 1817. 299
36 Rubiaceen (Kubia*, Galium, Anthospermum, Mitracarpum*
Borreria, Hypodematiiim, Coffea arabica: -Nvildwachsend in Enarea
und Kaffa im Lande der Schan-Gallas, Canthium, Pavetta, Vangue-
ria, Gardenia, Pouchetia, Ferotia, Kiuria, Hedyotis 12 sp., Theyo-
dis); 1 Valerianee (Valerianella); 6 Dipsaoeen (Dipsacus, Scabiosa*,
Cephalaria, Pterocephalus); 181 Sj'nanthereen (21 Vernoniaceen:
Ethulia, Vernonia 16sp., Gymnanthemum, Cyanopis; 1 Eupatoriacee:
Adenostemma; 41 Asteroideen: Felicia, Agathaea, Nidorella, Dichro-
cephala, Conyza 12 sp., Blumea 9sp., Phagnalon, Klenzea, Inula,
Inulaster, Francoeuria*, Pulicaria, Eclipta*, Blainvillea*; 77 Sene-
cionideen: Sphaeranthus *, Limnogenneton, Xanthium*, Guizotia,
Verbesina 6 sp., Sclerocarpus*, ^Virtgenia, Wurschmittia, Bidens,
Spilanthes, Chrysanthelhim , Tagetes* eingeführt, ürsinia, Anthemis,
Cotiila, Artemisia, Helichrysum 11 sp.^ Achyrocline, Gnaphalium
5sp., Filago, Cineraria, Senecio 21 sp., Notonia, Euryops; 19 Cy-
nareen: Tripteris*, Schnittspahnia, Ubiaea, Arctotis, Echinops 7sp.,
Amberboa, Centaurea, Kentrophyllum*, Carduus, Cirsium, Serra-
tula; 3 Miitisiaceen : Gerbera, Dicoma*; 19 Cichoraceen: Tolpis,
Picris, Lactuca 5^p., Pyrrhopappus, Barkhausia 5sp., Picridium*,
Sonchus, Dianthoseris).
Fassen wir nun die allgemeinen, pflanzengeographischen Ergeb-
nisse ins Auge, welche sich aus dieser ersten Hälfte einer wissen-
schaftlichen Darstellung der abyssinischen Flora ableiten lassen, so
wäre zuerst hervorzuheben, dass ihr Charakter weit selbstständiger
ist, als in irgend einem andern, zugänglichen Theile des tropischen
Afrika's: denn das Verhältniss der endemischen zu den nicht ende-
mischen Bestandtheilen scheint 3:1 oder ungefähr ebenso gross zu
sein, als das der neuen Arten in den Sammlungen der abyssinischen
Reisenden überhaupt. Dagegen betrug diese Verhältnisszahl in dem
nubischen Herbarium Kotschy's nur 7:13 (veigl. Jahresber. f. 1842.
S. 409). Wir dürfen diese Eigenthümlichkeit Abyssiniens indessen
nicht als eine Ausnahme von dem allgemeinen Gesetze grosser Pflan-
zenareale im tropischen Afrika und kleiner Verbreitungsbezirke im
südlichsten Theile dieses Kontinents ansehen, vielmehr nur als eine
natürliche Folge der vertikalen Erhebung des Landes, indem keine
andere afrikanische Gebirgsflora zwischen den Wendekreisen erforscht
ist. Vielmehr stimmt sowohl die im Verhältniss zur Mannigfaltigkeit
der Gebirgseinflüsse und zur Fülle der klimatischen Bedingungen ge-
ringe Anzahl der abyssinischen Pflanzenarten, als auch die Verbrei-
tung zahlreicher Formen von der afrikanischen Westküste bis in
dieses östliche Gebirgsland, ja sogar das Vorkommen einzelner Cap-
gewächse mit den bisher gewonnenen Thatsachen über die Pflanzen-
verbreitung in Afrika wohl überein.
Im Ganzen werden, abgesehen von den Kulturpflanzen Abyssi-
niens, 815 Arten in dem ersten Bande von Richard's .Flora enthalten
sein und unter diesen sind 600 Arten, welche bisher nur in Abyssi-
300 Grisebach: Bericht über die Leistungen in der
iiien aniretroffen sind: die nubischen Herbarien habe ich zwar nicht
speciell vergleichen können, diese haben jedoch fast nur solche Ar-
ten mit den abyssinischen gemein , welche auch in anderen afrikani-
schen Gegenden vorkommen. Die nicht endemischen Gewächse
Abyssiniens gehören überhaupt nur in einzelnen Fällen den nächst-
gelegenen, engeren Flbrengebieten an, sondern sie wachsen entweder
durch das ganze tropische Afrika oder sind mit den Kulturgewächsen
vom Mittelmeer und von Ostindien aus angesiedelt: so kommen bei
Richard nur 10 Arten vor, Mclche zugleich in dem durch Lage und
Bodengestaltung am nächsten verwandten, tropischen Theile Ara-
biens gefunden sind.
Mehr als die Hälfte der nicht endemischen Arten hat Abyssinien
mit anderen tropischen Gegenden gemein. Diese zerfallen in folgende
Kategorieen:
1. 64 afrikanische Gewächse , die zugleich an der Westküste in
Senegambien einheimisch sind: einzelne finden sich nur in den Her-
barien von Guinea wieder. Beispiele: 4 Capparideen, namentlich
Crataeva Adansonii DC., 8 Malvaceen, darunter Bastardia angulata
Guillem., die durch ganz Abyssinien verbreitete Bombacee Adanso-
nia, von Tiliaceen eine Triumfetta und 2 sp. Grewia, Schmidelia
africana DC. = abyssinica Höchst., Cissus populnea Guillem., Ce-
lastrus senegalensis Lam., Spondias birrea Rieh., Balsamodendron
africanum Arn., 15 Leguminosen, darunter 4 Tephrosien, Sesbania
punctata DC. und pachycarpa DC. , Erythrina senegalensis DC, Dal-
bergia melanoxylon Guillem., Caillea dichrostachys Guillem., 3 Com-
bretaceen: Terminalia avicennioides Guillem., Anogeissus leiocarpa
Guill. und Poivraea aculeata DC, 4 Lythrarieen, Tamarix senega- •
lensis DC, Syzygium guineense DC, Loranthus rufescens DC, 4
Rubiaceen, 8 Synanthereen, darunter Vernonia pauciflora Less., 2sp.
Blainvillea, Helichrysum glumaceum DC, Dicoma tomentosa Cass.
2. 44 Arten, die auch in Ostindien vorkommen und grössten-
theils westwärts bis Senegambien, ja einige (9 sp.) auch bis Ame-
rika verbreitet sind. Diese Wanderung ist bei den meisten Formen
durch die Verbreitung der tropischen Kulturpflanzen bedingt und
daher sind nur wenige Holzgewächse in dieser Zahl begriffen und
auch diese wohl w'egen ihrer Benutzung dem Menschen gefolgt, z. B.
Berberis tinctoria Lesch., Cissus quadrangularis L,, Acacia arabica
W., Tamarindus indica, Vangueria edulis Vahl.
3. Eine Art, die ausser Abyssinien bisher nur auf der Insel
Bourbon gefunden ist: Viscum taenioides Comm.
4. Die oben erwähnten 10 Gewächse Arabiens: 3 Capparideen,
Triumfetta Vahlii Poir. , Trichilia emetica Vhl. , Balsamodendron
Kafat Kth.?, Lotus arabicus, Cadia varia l'Her., Cassia nigricans
Vhl., Talinum cuneifolium. — Von den eigenthümlichen Kulturge-
wächsen Arabiens ist es gewiss, dass Coffea in Abyssinien, Catha
Forskalii in Arabien wild wächst: hingegen zweifelhaft, ob letztere
in Abyssinien einheimisch oder nur kultivirt vorkommt,
Pflanzengeographie während des Jahres 1847. 301
V'on den nicht endemischen Pflanzen Abyssiniens, welche ausser-
dem jenseits der Wendekreise angetroffen werden, ist die merkwür-
digste Reihe die der Cappflanzen, von denen bei Richard folgende
13 Arten identificirt sind: Cardamine africana, Corchorus terrae-
folius Biirch., Heliniis scandens Rieh., Rhus viminale Vhl., iindu-
latum Jacq. und pyroides Burch., Acaeia mellifera Benth., Zehneria
velutina Endl., Pollichia campestris Ait., Sium Thunbergii DC, Tori-
lis africana Spr., Anthospermum cordifolium DC, Helichrysuni
foetidum Cass.
Bis Aegypten und Syrien verbreiten sich 11 Arten: von diesen
sind auf das Nilgebiet beschränkt Nymphaea coerulea, Acaeia albida
Del., Cassia obovata Coli, Blumea Dioscoridis (Pluchea DC), Pu-
licaria undulata Jacq., Sphaeranthus suaveolens DC, Senecio aegy-
ptius; die übrigen, vielleicht in entgegengesetzter Richtung gewan-
dert, sind Brassica Tournefortii , Zizyphus Spina christi, Colutea
aleppica und Tripteris Vaillantii Decs.
Von europäischen Formen finden sich bei Richard 72 Arten, die
in folgende Kategorieen fallen:
1. 57 grÖsstentheils jährige und am Becken des Mittelmeers
weit verbreitete Kräuter, die auf bebautem Lande vorkommen und,
ursprünglich mit den Getraidesamen nach Abyssinien verschleppt,
sich daselbst dauernd angesiedelt haben.
2. 9 Wasser- und Sumpfpflanzen, die als solche den klimatischen
Bedingungen der gemässigten Zone nicht unterworfen sind und von
denen daher mehrere durch alle Erdtheile sich fortgepflanzt haben:
Ranunculus aquatilis, Nasturtium officinale, Epilobium hirsutum,
Callitriche verna, Lythrum Thymifolia, Bulliarda Vaillantii, Hydro-
cotyle natans Cyr. , Helosciadium nodiflorum , Gnaphalium uliginosum.
3. 6 Arten, deren Verbreitungsart nach Abyssinien unerklärt
bleibt, die aber zum Theil in Rücksicht auf Species-Begrenzung un-
sicher erscheinen: Arabis albida, eine Gebirgspflanze der Krim, des
Kaukasus und Anatoliens; Cardamine hirsuta; Sicyos angulatus, in
den russischen Steppen und in Nordamerika gefunden (ebenso ist
nach Richard die endemische Cucurbitacee Zehneria longepeduncu-
lata Höchst, wahrscheinlich mit der nordamerikanischen Melothria
pendula L, identisch); Sanicula europaea, auch am Cap, aber nach
de Candolle vielleicht von der europäischen verschieden; Scabiosa
Columbäria; Echinops spinosus.
Als Nachtrag zu dem im Jahresb. für 1841. (S. 451) mitgetheiltcn
Verzeichniss der abyssinischen Kulturpflanzen können folgende An-
gaben dienen: Brassica oleracea, B. carinata A. Br. , Raphanus sa-
tivus; Gossypium vitifolium Lam.; Citri sp. 4. Risso; Vitis vinifera
(Oueini); Ruta bracteosa (Etchenahaddam); Catha Forskalii (Tchai);
Pisum arvense und sativum (Aissateur), Vigna Catiang Ait. (Adoug-
gouari). Lablab vulgaris^ Amygdalus communis, Persica vulgaris,
Armeniaca vulgaris, Rosa saucta Rieh. (Caga); Lawsonia alba; Myr-
302 Grisebach: Bericht über die Leistungen in der
tiis communis, Punica; Cucumis sativus (Deucala-deubba), Cucurbita
maxima (Doubba); Apium graveolens, Foeniculum vulgare-, Helian-
thus annuus.
Bunbury bat seine in den Jahresberichten f. 1842 — 44
erwähnten Beobachtungen über, die Cap -Kolonie in einem
selbstständigen Werke zusammengestellt (Journal of a resi-
dence at the Cape of good hope. London, 1847. 8. 297 pag.).
Pappe publicirte ein Verzeichniss von 70 Pflanzen der
Capflora, welche von den Bewohnern als Heilmittel benutzt
werden (List of South African indigenous plants, used as re-
medies by the colonists. Capetown, 1847). — Montagne
bearbeitete die von Drege am Cap gesammelten Pilze (Ann.
sc. nat. 1847. 7. p. 166 — 178): 40 sp. nebst einer Bemerkung
über Peyssonelia.
IV. Inseln des atlantischen Meers.
Watson liefert einen neuen Nachtrag zu seinen früheren
Arbeiten über die Flora der Azoren (s. Jahresb. für 1843.
S. 422 u. f. 1844. S. 394), nach den Mittheilungen des dorti-
gen, britischen Consuls Hunt (Lond. Journ. of Bot. 6. p. 380
bis 397).
Dadurch wird die Anzahl der azorischen Pflanzen um 48 sp. von
5. Miguel vermehrt, so dass jetzt über 500 Arten daher bekannt
sind: allein die neuen Beiträge sind grÖsstentheils europäischen Ur-
sprungs und bieten deshalb weniger Interesse dar. Nur eine Art ist
neu: Ammi Huntii Wats.-, übrigens bemerkenswerth sind: Myrtus
communis, Lotus macranthus Sow. , Prunus lusitanica, Aichryson
villosumWb., Gymnogramma Lowei Hook. Arn. — Dann folgen kri-
tische Bemerkungen zu der Flora azorica. Die wichtigsten sind fol-
gende: Ranunculus cortusaefolius ist R. grandifolius Low.; Hyperi-
cum decipiens Wats. ist H. baeticum Boiss. und, wie ich vermuthete,
H. perforatum Seub.; Kundmannia sicula Seub. ist das neue, ende-
mische Petroselinum Seubertianum Wats.; Lysimachia azorica scheint
eine Form von L. nemorum; Microderis umbellata. Höchst, gehört
zu M. rigens DC; Persea azorica Seub. ist Laurus canariensis Wb.;
Euphorbia Styxiana Wats. ist E. mellifera Ait. ; Urtica azorica Höchst,
ist U. neglecta Guss.
Ueber die Flora von Madeira sind einige Notizen aus
Vogel's Tagebuch publicirt worden (Lond. Journ. of Bot.
6. p. 125 — 135). Die von ihm und von Hooker d. J. gesam-
melten Pflanzen wurden von C. Lemann bestimmt, der zu-
Pflanzengoographie \vährend des Jahres 1847. 303
gleich die allgemeineren pflanzengeographischen Thatsachen
bespricht.
Hiernach sind in Madeira 672 Gefässpflanzen beobachtet, von
denen 85 der Insel endemisch angehören. Die Anzahl der europäi-
schen Formen beträgt 480 sp., .die übrigen werden, mit einzelnen
Ausnahmen auch auf den andern atlantischen Archipelen vorkommen.
Die Ausnahmen scheinen einige westindische Farne zu bilden , die
das feuchtere Klima auf Madeira beschränkt hat. — Die Liste der
in wenigen Tagen unter Lowe's Anleitung gesammelten Pflanzen um-
fasst 181 Arten.
V. A m e r i k a.
Systematische Beiträge zur Flora von Nordamerika: Fort-
setzungen von Dewey's Caricographie (Sillim. Journ. Second.
Ser. Vol. 3); A. Braun die nordamerikanischen Arten von
Isoetes (3sp.) und Marsilea (4sp.) (das.); Bailey Noten
über die Algen der vereinigten Staaten (das.); Tuck ermann
bereicherte Uebersicht der Lichenen in den nördlichen Staaten
und Canada, mit etwa 15 neuen Arten (Proceedings of tlie
American Academy. Dec. 1847. p. 195 — 285) und Sammlung
getrockneter Lichenen, Hft. 1. 2. (50 sp.) (Cambridge, 1847).
— Beiträge zur Flora einzelner Gegenden: Maclayan Fund-
orte von Pflanzen am Rideau-Kaual zwischen dem Ontario-
See und Ottawa (Ann. nat. bist. 20. p. 11 — 14); Bertolone
Beschreibung einiger Synanthereen aus Alabama (i\Iiscellanea
botanica. Bologna, 1847. cum figur. 4,); AsaGray Beschrei-
bung neuer Synanthereen aus Texas (Proceedings of the Ame-
rican Academy. Dec. 1846. p. 46 — 50).
Geyer's Herbarien vom Oregon- Gebiet und den Rocky
Mountains sind von Sir \Y. Hooker bearbeitet worden
(Lond. Journ. of Bot. 6. p. 65—79. 206—256).
Diese Arbeit reicht bis jetzt von den Ranunculaceen bis zu den
Synanthereen. Sie enthält einen reichen Beitrag zu den Arealen der
in Hooker's und Asa-Grey's Floren vorkommenden Arten. Die Zahl
der neuen Formen ist im Verhältniss zum Umfang der Sammlung
geringfügig: sie beträgt etwa 14 Arten, von denen eine Vesicaria
und Acer Douglasi abgebildet sind.
Die von Aschenborn, Ruhland und de Berghes in Mexico
gesammelten Pflanzen wurden von Nees v. Esenbeck und
Schauer untersucht (Linnaea 19. p. 681 — 734 u. 20. p.697 —
750): die Anzahl der neuen Formen ist beträchtlich. — Die
304 Grisebach: Bericht über die Leistungen in der
von Liebmaim in Mexico gesanimolten Algen hat J. Agardh
bearbeitet (Öfversigt af K. Vetenskaps- Akademiens Förhandl.
1847. Nr. 1 — 6). Die pflanzengeographischen Erläuterungen
zu dieser Sammlung sind von Liebmann selbst abgesondert
lierausgegeben ( Oversigt over det Danske Videnskabernes
Selskabs Förhandl. 1846. Nr. 4. 5: übersetzt von Beilschmied
in Hornschuch's Archiv skandinav. Beiträge. 1847): es wurden
90 Algenformen, theils am stillen Meer, theils am mexicani-
schen Meerbusen gesammelt.
Taylor beschrieb einige neue Kryptogamen aus Jamaika
(Ann. nat. bist. 20. p. 379 — 81): 3 Leber-, 1 Laubmoos, 1
Flechte. — Die Melastomaceen von Trinidad bearbeitete
Crueger (Linnaea 20. p. 99 — 112): 12 neue Formen.
Die Beiträge von Klotz seh zur Flora des tropischen
Amerika (Jahresb. f. 1844. S. 407) werden fortgesetzt (Lin-
naea 20. p. 337 — 542): von Klotzsch sind daselbst bearbeitet
Farne, Lykopodiaceen , Palmen, Pandaneen , Musaceen, Bala-
nophoreen, Cycadeen, Proteaceen und Artokarpeen; von
Schauer Verbenaceen und Synanthereen; von Benjamin
Lentibularien.
Ueber die von Moritz in Venezuela gesammelten Laub-
moose hat nach K. Müller auch Hampe berichtet (Linnaea
20. p. 65 — 98) und später über die Lebermoose (das. p. 321
bis 336).
Sir R. Schomburgk beschrieb drei neue Gewächse
aus dem britischen Guiana und erläuterte ihre pflanzengeo-
graphischen Verhältnisse (Linnaea 20. p. 751 — 760). — Der-
selbe untersuchte die Verbreitung der häufigsten Savanen-
Gräser Demerara's (Ann. nat. bist. 20. p. 396 — 409).
Die genannten und in Hinsicht auf ihren Nutzen gewürdigten
Gräser von Demerara sind folgende: Paspalum conjugatum (Sour-
grass etc.), 2 — 3' hoch, fast das ganze Jahr blühend, nur als Heu,
nicht frisch zu nutzen, von Mexiko bis Peru und Ton Westindien
bis zum Essequibo verbreitet; P. vaginatum (Water-grass etc.), rasch
Rasen bildend und Kulturland überziehend, als Weidegras sehr ge-
schätzt, von Nordamerika bis Montevideo vorkommend und in nicht-
amerikanische Tropenländer übergesiedelt; P. virgatum (Lamaha-
grass), 3—4', zuweilen 6' hoch, wird als Futtergras dem Guinea-
Gras gleich gesetzt, aber im Anbau bis jetzt vernachlässigt, findet
sich von Jamaika bis Montevideo; Heiopus punctatus Ns. (Black-
seed-grass etc.); Panicum horizontale (Fine White-seed-grass); P.
Pflanzengeographie während des Jahres 1847. 305
fimbriatum (Lony-grass) ; P. affine Ns. (Pipe-grass etc.), im Wasser
sch^vimmend und auf den Flüssen fluthende Inseln bildend; P. colo-
num (Rice-grass etc.), als Futtergras sehr ausgezeichnet und üppig
wuchernd, häufiger in Westindien; P. tenuiculmum; P. maximum
(Guinea-grass), aus Afrika in der Mitte des vorigen Jahrhunderts
eingeführt und allgemein als Futtergras angebaut; P. spectabile
(Scotch-grass), ebenfalls aus Afrika stammend und angebaut; Hyme-
nachne amplexicaulis (Broad-leaf-grass); Cenchrus echinatus (Bur-
grass) und C. tribuloides; Anatherum bicorne (Fox-tail etc.); Spo-
robolus virginicus (Browne's Crab-grass); Cynodon Dactylon (Ba-
hama-grass etc.), den Zuckerrohrplantagen nachtheilig; Leptochloa
virgata, als Futtergras geschätzt; Eleusine indica (Man-grass); Spar-
tina fasciculata; Dactyloctenium mucronatum (The Cruciated-grass).
— Hieran reihen sich noch einige Cyperaceen: Cyperus Luzulae,
C. nemorosus, C. ferax (Savannah or Razor-grass), dessen Biatt-
ränder scharf sind wie Messer, C. rotundus (Nut-grass), dem kulti-
virten Boden höchst schädlich, Hypoporum nutans.
Die Beiträge zur Flora von Surinam aus Splitgerber's
Nachlass von de Vriese (s. vor. Jahresb. ) sind fortgesetzt
(Nederlandsch Kruidk. Arch. 1, p. 218 — 256): darin neue
Arten aus den Anonaceen, Dilleniaceen und Meliaceen.
Von der Flora brasiliensis (Jahresb. f. 1842) erschienen
das 7te, 8te und 9te lieft (1847).
Das siebente Heft enthält die Acanthaceen, bearbeitet vonNees
V. Esenbeck (164 pag. und 31Taf.): 344 Arten, mit 22 neu aufge-
stellten Gattungen. — Das achte Heft umfasst 12 monokotyledoni-
sche Familien von Seubert (116 pag. u. 13 Taf.): 2 Hypoxideen,
10 Burmanniaceen, 2 Haemodoraceen, 56 Vellosieen, 19 Pontede-
reen, 2 Hydrocharideen, 17 Alismaceen, ^ Butomeen, 8 Junceen,
6 Rapateaceen , 12 Liliaceen (doch nur 3 ursprünglich einheimisch),
48 Amaryllideen. — Im neunten Hefte hat Benjamin die ütricula-
rien (61 sp.) bearbeitet (34 pag. u. 3 Taf.) und v. Martins die Er-
läuterungen seiner brasilianischen Landschaftszeichnungen fortgesetzt
(Taf. 25-32 und pag. 77-84).
Gardner hat seine Beiträge zur brasilianischen Flora
fortgesetzt (Lond. Journ. of Bot. 1847. p. 417 u. 1848. p. 78.
286. 395).
Inhalt der neuen Arten Gardner's aus Brasilien: Nachtrag von
21 Vernoniaceen und gegen 33 Eupatoriaceen ; 24 Asteroideen; 75
Senecionideen. Die schon beschriebenen Synanthereen der Gardner-
schen Sammlung sind am Schlüsse jeder Abtheilung aufgezählt: allein
deren Zahl ist weit geringer als die der Formen, welche G. für
neu hielt.
306 Griscbach: Bericht über die Leistungen in der
A. Saint- Hilair e schildert den Vegetationscharakter,
des südlichen Theils der Provinz Goyaz (Coniptes rendus,
1847. Fevr. imd Tablean general d'iin pays aurifere in Nouv.
Ann. des Voyages, 1847. Juin.): gediegene Darstellungen,
welche jedoch meist durch v. Martius' Schriften schon Be-
kanntes enthalten.
Die Campos von Bahia und Minas Geraes reichen auch durch
das südliche Goyaz, ein Wechsel von nackter, kräuterreicher Ebene
mit verkrüppelten Baumhainen (Taboleiro coberto: vergl. Jahresb.
f. 1840. S. 463) und Vellosien {das. S. 464) ; diese Holzgew ächse sind
grösstentheils in Minas und Goyaz dieselben, namentlich die Vochy-
sien, Solanum lycocarpum , Plumiera drastica (Titome), Caryocar
brasiliensis (Paqui), Lafoensia Pacari und Strychnos pseudochina.
Die Gehölze sind an der Grenze von Minas weniger ausgedehnt und
selten, nach Westen wird das Land waldreich: zwischen Meyaponte
und Villaboa wurde ein 9 Legoas breiter Wald durchschritten, der
aus Bambusen und Palmen bestand. — Die Regenzeit dauert hier
(16" S. Br.) vom September zum April und ist streng von der trock-
nen Jahreszeit geschieden.
Tulasne hat seine Beiträge zur Flora von Neu -Gra-
nada fortgesetzt (Ann. sc. nat. 1847. T. 7. p. 257— 29^, 360—
378 11. T. 8. p. 326—343).
Die neuen Arten gehören zu folgenden Familien: 12 Picramnien,
11 Zanthoxyleen , 1 Diosmee, 6 Bixaceen, .2 Samydeen, 7 Violaceen,
17 Ternstroemiaceen.
Aus Linden's Sammlungen von Neu-Granada hat Lindley
die Orchideen publicirt (Orchidaceae Lindenianae. London,
1846. 8. 28pag.): über die Hälfte der 129 Arten ist neu.
Das Maximum der vertikalen Verbreitung fällt in das Niveau
von 5000' — 7000' = 56 sp. — Neue Moose, welche Jameson
am Pichincha in Ecuador gesammelt, hat Taylor beschrieben
(Lond. Journ. of Bot. 6. p. 328 — 342): 22 Laub- und 3 Le-
bermoose.
Von Orbigny's Reisewerk erschienen Lief. 79 — 87:
iioch immer ist nichts in der botanischen Abtheilung vollen-
det. — Systematische Beiträge zur Flora von Bolivien vver-
den von Remy nach den Sammlungen von Orbigny und
Pentland mitgetheilt (Ann. sc. nat. 1846. T. 6. p. 345—357 u.
1847. T. 8. p. 224 — 240): die Zahl der neuen Arten beträgt
39 sp. , die zu den verschiedensten Familien gehören; umfas-
sender sind nur die Ericeen mit 9 neuen Formen bearbeitet,
Pflanzengeographio während des Jahres 1847. 307
nämlich 2 Bejarien, 3 Gaultherien, 3 Thibaiidien und einer
Clethra.
Von C. Gay 's chilenischer Flora (s. vor. Jahresb.) ist
uns die erste Lieferung des dritten Bandes zugegangen (Paris.
1847): der Bericht bleibt bis auf Weiteres vorbehalten.
VI. Australien und oceanische Inseln.
Die Vegetationsbedingungen an der Torresstrasse unter-
suchte Jukes, der dem britischen Schiffe Fly zugeordnete
Naturforscher (Narrative of the survejing voyage of H. M. S.
Fly, by J. Beete Jukes. 2 Vol. 8. London, 1847).
Australiens matter, fahler Vegetatiohscharakter reicht bis zur
Nordküste dieses Kontinents und ist über die Umgegend vom Cap
York an der Torresstrasse und die unmittelbar anliegenden Inseln
ausgebreitet (1. p. 297). Weitläuftige Wälder von hohen, einzeln
stehenden Gummibäumen mit schattenlosen, laubarmen Zweigen,
häufig durch Feuer gelichtet, sind allgemein, wie in den Breiten des
gemässigten Südens: hier und da bemerkt man, wie dort, wohl
kleine Schluchten mit dichterem Laubwerk und eingestreuten Palmen,
aber, im Grossen betrachtet, ist die ganze Küstenlandschaft trocken,
heiss und staubig. Derselbe australische Typus ist auch in Arnhem*s
Land, z. B. um Port Essington, bemerkt worden und gilt daher nun-
mehr für alle, sowohl für die tropischen, als gemässigten Küsten
des Kontinents. In einer sehr geringen Entfernung von Cap York,
da der Abstand von Neu-Guinea nur 24 g. Meilen beträgt, ist der
Anblick der Vegetation der australischen völlig entgegengesetzt.
Schon Turtlebacked -Island in der Torresstrasse ist von dichtem,
schattenreichen! Walde bedeckt, strotzend in tropischer Fülle von
Lianen und Unterholz und keine Acacie (gum-tree) hat aus der
fremdartigen Nachbarschaft diesen Boden erreicht (L p. 157). Hier-
mit beginnt der Vegetationscharaiiter von Neu-Guinea, der allen In-
seln an der Nordseite der Torresstrasse gemein ist. Sie erzeugen
Cocospalmen, Pisang und Bambusen, sämmtlich sind sie dicht be-
waldet und nirgends kehren die Gummibäume Mieder: überall ge-
währen die vielzweigigen, durchwachsenen Laubkronen den tiefsten,
erfrischendsten Schatten und oft sind die hochanstrebenden Stämme
durch Lianen , durch den Wechsel der verschiedensten Pflanzenfor-
men zu undurchdringlichen Dickichten verweben. Denn „auch unter
den Tropen behauptet die Höhe und Ueppigkeit der Vegetation von
Neu-Guinea eine hervorragende Stellung: eine grosse, dichte Jungle-
Bildung bekleidet die sumpfigen Gestade der Südostküste, reich an
ungewöhnlich hohen Waldbäumen, deren Stämme durch Gruppen
von Sagopalmen und unzählige Pflanzen eines feuchtwarmen Klimas
verdeckt werden" (L p.298). Es ist merkwürdig, dass dieser Ge-
Arcliiv f. Naturgesch. XIV. Jahrg. 2. Bd. U
308 Grisebacli: Bericht über die Leistungen in der
gensatz der beiden gegenüberliegenden Küsten der Torresstrasse
auch in einer ebenso verschiedenen Molluskenfauna ausgesprochen
ist, so wie auch in der übereinstimmenden Grenze zweier Men-
schenracen.
Die Ursache dieser scharfen Vegetationsgrenzen setzt J. mit
Hecht zu der Feuchtigkeit des Klimas von Neu-Guinea in Beziehung,
allein er irrt, indem er die Frage aufwirft, ob nicht die Vegetation
vielmehr Ursache als Wirkung des Klimas sein könne. Beide Küsten
liegen in der durch die Konfiguration des Festlands bestimmten Re-
gion der Monsune, aber es ist klar, dass derselbe Monsun, der in
Neu-Guinea ein Seewind ist, nach- der neuholländischen Küste als
ein trockener Landwind aus dem Innern der australischen Wüste ge-
langt, und umgekehrt. Ferner ist im Süden von Neu-Guinea der-
jenige Monsun, der aus dem stillen Meere weht, eine an sich Trok-
kenheit bedingende Polarströmung, die aber hier als Seewind diesen
Charakter verliert: da nun der entgegengesetzte Passat als Aequato-
rialströmung Regen hervorbringt, so fällt Neu-Guinea in die Kate-
gorie der feuchtwarmen Tropenländer, wo die atmosphärischen Nie-
derschläge, von keiner Jahreszeit völlig ausgeschlossen, eine ewig
grünende Vegetation erzeugen. Ebenso deutlich ist der entgegenge-
setzte Passat -Charakter des tropischen Australiens, dessen Wüsten-
Monsun als Polarströmung eine lange Unterbrechung der Vegeta-
tionsphasen durch Dürre bewirkt. Mit dieser theoretischen Auffas-
sung stimmen die Erfahrungen über den Verlauf der Jahreszeiten an
der Torresstrasse, wie sie sich während J.'s langdauernden Aufent-
halts herausstellten, wesentlich überein: nur weht der Nordwest-
Monsun weniger regelmässig, als der Südost. Der stetige Südost-
Monsun begann den 20. März und dauerte bis zum September
(1. p. 151); im Februar und März wechselten die Monsune, waren
jedoch beide meist von heiterem Himmel begleitet; wann der regel-
mässige Nordwest beginne, sei noch zweifelhaft, indessen wahr-
scheinlich, dass derselbe von Ende Oktober an mit dem ent-
gegengesetzten Passat zeitenweise abwechsele *), nebst Stürmen aus
anderen Himmelsrichtungen. Bestimmter sind des Reisenden Aeusse-
rungen über den Einfluss der Monsune auf die atmosphärischen Nie-
derschläge (1. p. 157). Vom März bis Oktober, während das nörd-
liche Australien am trockensten ist, herrscht an der Südküste von
Neu-Guinea eine nasse Jahreszeit; von Oktober bis März fällt in
Australien der meiste Regen , in Neu-Guinea wahrscheinlich weniger,
als in dem ersteren Halbjahr: es bringe nämlicli hier der Südost-
Monsun die nasse, der Nordwest die trockenere Jahreszeit (1.
') Hiermit stimmen die Erfahrungen von Leichhardt's Reise
überein, der sich im November in ArnhemVLand befand, als unter
Gewitterstürmen der Nordwest-Monsun mit wechselnder Windesrich-
tung begann und nun bald die nasse Jahreszeit folgte.
Pflanzengeographie während des Jahres 1847. 309
p. 288) '). Der Verlauf der Jahreszeiten ist daher an beiden Küsten
offenbar entgegengesetzt, wiewohl die Windesrichtung dieselbe bleibt.
Nach diesen klimatischen Thatsachen ist dem Verf. in Bezug auf
die von ihm angeregte Frage zwar zuzugestehen, dass die Vegeta-
tionsgegensätze sekundär den Charakter des Klimas verstärken kön-
nen und dass dieselben Winde sich über den Wäldern von Neu-
Guinea abkühlen und ihre Feuchtigkeit niederschlagen, welche in
den offenen Gegenden Neuhollands vielmehr heisser und trockener
werden (1. p. 300): allein hierbei bliebe die ursprüngliche Ursache
der verschiedenen Bekleidung des Bodens unerklärt, die aus der
entgegengesetzten Lage der Küsten gegen den Passat folgt. Dieser
von dem Verf. nicht gelösten Schwierigkeit gegenüber äussert sich
bei ihm die durch Forbes' missglückte Theorieen angeregte Neigung,
nach geologischen Gründen der Vegetationsgegensätze zu forschen,
aber als ein klarblickender Beobachter der Natur gelangt er auf
diesem Wege neben unbegründeten Hypothesen auch zu einigen rich-
tigen Bemerkungen. So verweilt J. bei der merkwürdigen Thatsache,
dass Murray's-Island, eine noch innerhalb des grossen Barriere-Riffs
gelegene Insel, von einem dichten Cocospalmen -Walde bedeckt ist,
während auf dem ganzen jvontinent von Australien diese Palme nir-
gends angetroffen wird (1. p. 132). Er folgert daraus, dass entweder,
als die Ausbreitung der Cocospalmen über die Südsee -Inseln statt
fand, Neuholland schon seine abweichende Vegetation besass und
dass diese jener Ansiedelung hinderlich war, oder dass der austra-
lische Kontinent erst später gebildet worden sei. Dieses Letztere
würde mit der fortschreitenden Senkung desselben, durch welche
das Barriere-Riff eben nach Darwin entstanden ist, im Widerspruch
stehen: aber die richtige Erklärung, die J. übersehen, liegt nicht
fern. Gehen wir von der Thatsache aus, dass nur auf den bewohn-
ten Inseln der Torresstrasse Cocospalmen vorkommen (1. p. 155),
so ist es offenbar, dass dieser Baum nur den Wanderungen einer
bestimmten Menschenrace folgte, die ihn zu ihrem Nutzen verbreitet
hat, und dass derselbe nur deshalb in Australien fehlt, weil dieser
Kontinent von einer verschiedenen Race bewohnt wird. Dagegen
müssen wir dem Verf. beistimmen, dass der Gegensatz der Mollus-
kenfaunen an den beiden gegenüberliegenden Küsten nicht durch kli-
matische Ursachen erklärt werden kann, weil diese Thiere in beiden
Fällen unter gleichen äusseren Verhältnissen stehen und nur das
offene Meer nicht zu überschreiten vermögen: hier wäre daher die
Erforschung einer geologischen Ursache geboten, welche J. darin
erblickt, dass diese beiden Faunen sich von verschiedenen Centren
aus an der Torresstrasse angesiedelt haben (1. p. 347). Ausgehend
von der Darwin'schen Theorie, dass Neuholland eine Senkung er-
') Hierdurch werden die Angaben von Hinds bestätigt (s. Jah-
resb. f. 1842. S. 432).
310 Grisebach: Bericht über die Leistungen in der
fahren habe, und diese Ansicht durch seine umfassenden Untersu-
chungen des Barriere -Korallenriffs bekräftigend, folgert er hieraus,
dass ehemals Neu-Guinea mit dem australischen Kontinent zusammen-
hing und nach erfolgter Absonderung die Mollusken von den näch-
sten Schöpfungscentren aus längs der Küstenlinien in die neu ent-
standene See sich ausbreiteten, also an der Guinea -Küste der Mo-
lukken- Typus, gegenüber die australischen Arten. Auch lässt diese
Ansicht eine Anwendung auf die natürlichen Wanderungen der Pflan-
zen zu, sofern der Verf. annimmt, dass die australische Vegetation
erst nach der Bildung der Torresstrasse geschaffen sei. Aber es ist
bekannt, dass schon in der Tertiärzeit Neuholland den heutigen Or-
ganisationstypus wenigstens in Bezug auf die höheren Thierformen
ausgeprägt besass.
Aus den Vorträgen, welche Leichhar dt nach der Rück-
kehr von seiner ersten grossen Entdeckungsreise in Sidney
hielt, hat He ward eine Darstellung des Innern von Neuhol-
land zwischen Moreton-Bay und Port Essington geschöpft
(Lond. Journ. of Bot. 6. p. 342—364).
L. zog von Moreton-Bay (27" S. Br.), der Ostküste Neuhollands
in einiger Entfernung vom Meere folgend, zuerst in der Richtung
nach der Halbinsel York, überschritt an deren Basis die Wasser-
scheide zum Golf von Carpentaria und hielt sich dann an der Küste
dieses Golfs, bis er Arnhem's-Land erreichte und dieses zuletzt in
gerader Linie durchschnitt.
Der Wechsel in den Pflanzenformen war längs der Ostküste sehr
unerheblich (27" — 18"* S. Br.). Im südlichen Theile des durchwan-
derten Gebiets bis zum Wendekreis herrschten die Gesträuchforma-
tionen (Scrub) in solchem Grade, dass sie oft nicht zu durchdringen
waren und zu Umwegen in den Flussthälern nöthigten: sie bestanden
hier hauptsächlich aus einer Acacie, die Cunningham als A. pendula
bezeichnet hat. Jenseits der Küstenkette, welche die Wasserscheide
zwischen den Küstenflüssen und dem Darling bildet, breitete sich
offenes Prairieenland (Darling- downs) mit einzelnen Gebüschinseln
aus, die von jener Acacie (bricklow), Fusanus, Bauhinia nebst einer
baumartigen Sterculia zusammengesetzt waren.
Vom Wendekreise an verlor sich der Scrub und offene Wälder
bedeckten das Land, das nach Norden immer grasreicher wurde.
Hier bemerkte man auch zum letzten Male den heissen West- und
Südwest- Wind, der, dem Snrocco gleich, die Richtung der australi-
schen Wüste bezeichnet. _ In. den offenen Wäldern herrschten zwei
Arten von Acacien (Ironbark: wahrscheinlich A. leucophylla -und
angustifolia) , in den Marschen (Fiats) ein Eucalyptus (box), an den
Ufern auch Casuarinen , welche weiter nordwärts Melaleuca leuca-
dendron (the drooping tea-tree) vertrat. Auf sandigem Felsboden
wächst über den ganzen Kontinent Callitris (the Cypress-pine), aber
Pflanzengeographic während des Jahres 1847. 311
Araucarien fehlten. Einige der sicherer beobachteten Pflanzengren-
zen waren: Grevillea mimosoides und Hakea lorea südwärts bis
26" 42', Grevillea ceratophylla und Acacia equisetifolia bis 19" 19',
eine Nymphaea bis 24" 45', ein Nelumbium bis 23" 21'; nordwärts
reichten die oben erwähnten Acacien (Bricklow und Ironbark) bis
zum Flusse Burdekin (18" 45' S. Br).
An der Wasserscheide zum Golf von Carpentaria trat ein be-
deutender Wechsel in den Pflanzenformen ein und mehrere Gewächse
von malayischem Typus wurden von nun an bemerkt. Welche Ar-
ten L, dahin rechnet, ist aus diesem aphoristischen Berichte nicht
deutlich: doch mochten dahin von seinen Angaben gehören 2 Ter-
minalien, eine hochwüchsige und unter 15" 51' häufige Corypha, 2
Pandanus-Arten und die Melaleuken, welche nach dem Golf zu an
die Stelle der Eukalypten traten, von denen nur eine Art (der box-
tree) übrig blieb: indessen wird eine zweite mit Orange -Blüthen
bald wieder der charakteristische Baum für Arnhem's-Land und Port
Essington.
Das Innere von York's-Halbinsel bis zur Ostküste des Golfs war
noch mit offenen Waldungen und gutem Graswuchs bekleidet? ein
grosser Theil der Küste war vom Box -Eucalyptus und einem nie-
drigen Melaleuca-Baum bewaldet. Dann folgte ein ebenes Vorland
rings um die Tiefe des Golfs, wo ein eisenhaltiger Thonboden Weide-
gründe und Scrub, aber fast keine Bäume hervorbringt. An der
Westseite beginnen jedoch bald wieder dichte Scrub -Bildungen von
Melaleuca leucadendron und Wälder (Stringy-bark-forests). Diese
Wälder, in denen der oben bezeichnete Eucalyptus, eine Leguminose
(also Acacia) mit dunkelfarbiger zerrissener Rinde (dark fissured
bark) und die Palme Livistona herrschen, begleiteten den Reisenden
durch Arnhem's-Land. Leider sind manche der charakteristischen
Pflanzenformen nur mit den in der Kolonie gebräuchlichen Namen
bezeichnet: daher ist die systematische Bestimmung z. B. vom Iron-
bark und Stringy-bark nur von mir kombinirt worden. — Ausser
den erwähnten sind noch folgende Pflanzenformen im Bereiche des
Golfs und in Arnhem's-Land als charakteristisch anzuführen: Cochlo-
spermum gossypium; ein Rubiaceen-Baum aus der Gruppe der Sar-
cocephaleen; Stravadium (mangrove-myrtle); der Nonda-Baum , wahr-
scheinlich eine Rhamnee; Inga moniliformis DC., eine flachstämmige
Bossiaea, welche an der Westküste des Golfs häufig den Scrub bil-
dete; eine 50' hohe Cycas; Seaforthia elegans. — Am Schluss wird
eine Liste von Gewächsen mitgetheilt, die den Eingebornen Nah-
rungsstoffe geben: da hier noch weniger systematische Genauigkeit
möglich war, indem L. seine botanischen Sammlungen unterweges
einbüsste, so hat dieselbe kein wissenschaftliches Interesse.
Auch über Mitchell's Entdeckungsreise in Australien
hat He ward berichtet (das. p. 364— 372): da jedoch M.
3J2 Grisebach: Bericht über die Leistungen in der
sj)äter selbst seine Reise beschrieben hat, so ist es angemes-
sen, die Ergebnisse dem folgenden Jahrgange vorzubehalten.
Ueber die Vegetationsverhältnisse der australischen Süd-
küste, d.h. der Kolonie Adelaide hat Behr eine treffliche
Uebersicht gegeben: die von ihm gesammelten Pflanzen wur-
den von V. Schlechten dal bearbeitet (Linnaea, 20. S. 545
bis 672).
Wenn diese Darstellung sich gleich nur auf die Kolonie Adelaide
beschränkt, so kommt ihr doch allgemeine Gültigkeit für den Vege-
tationstypus von ganz Australien zu, dessen charakteristische Züge
hier in voller Reinheit hervortreten und vom Verf. zu einem ein-
fachen und klaren Bilde vereinigt sind. Denn obgleich die Verbrei-
tungsbezirke der meisten australischen Pflanzen eng sind, wie auch
für Adelaide aus v. Schlechtendars systematischer Beigabe erhellt,
so bleiben nichtsdestoweniger die allgemeinen Vegetationsbedingun-
gen und damit auch die Gewächsformen, ihre Anordnung und ihr
Entwickelungsgang übereinstimmend.
Die Südküste von Australien hat eine Winterregenzeit in Folge
der in dieser Jahreszeit herrschenden Aequatorialströmungen (vergl.
Jahresber. f. 1845. S. 369) und hierdurch wird das vegetative Leben,
welches im Sommer durch Dürre erstorben war, wieder zur Ent-
wickelung getrieben. Aber die Wirkung der Niederschläge auf die
Entfaltung der verschiedenen Gewächse ist auffallend ungleich: in
dem einen Falle ist sie rasch, in dem anderen äussert sie sich spät.
Bezeichnen wir die beiden Hauptformationen, welche den australi-
schen Boden theilen und wovon dessen Bewohnbarkeit abhängt, nach
der Sprache der Ansiedler und zwar die Öden Gesträuchdickichte
als Scrub, die offenen, lichten Eucalyptus-Wälder als Grasland, so
lassen sich deren abweichende Vegetationsphasen klarer überblicken.
1. Waldsavane. Mit dem Eintritt der Regenzeit, im April,
bedeckt sich der Boden des Graslandes, der einen dichten, zusam-
menhäng^enden Wiesenteppich bildet, „mit frischem, saftigem Rasen",
den nur hier und da ein stehenbleibender Wasserspiegel unterbricht.
Allmälig entwickeln sich auch die Stauden, noch früher die Knollen-
gewächse und gegen Ende Augusts, wenn die Regentage schon immer
häufiger ausbleiben und mit heiterem Himmel wechseln, prangt auf
dem durch die anhaltenden Niederschläge befruchteten Boden ein
Blüthenreichthum, der oft „wenig vom Rasen erkennen lässt." In
rascher Folge wechseln nun die herrschenden Pflanzen, „jede Woche
bietet andere Blumen": zuerst blühen die Anguillarien , Hypoxis und
Orchideen, dann Stackhousien und Kenaedyen neben europäischen
Gattungen, wie Ranunculus und Campanula-, späterhin, wenn mit
dem September die Regen vorüber sind, Menn das stehende Wasser
verdunstet ist, bekleiden tief in die trockene Jahreszeit hinein zahl-
reiche Synanthereen den üppigen Wiesengrund. Frühestens Ende
Pflanzengeographie während des Jahres 1847. 313
November, aber auf günstiger bewässertem Boden auch erst im Ja-
nuar sterben die Grasrasen ab: „nun gleicht bald" der Boden des
Graslandes „einem reifen, aber sehr dünn gesäeten Getraidefelde;
die Zahl der blühenden Pflanzen verringert sich täglich", stachelige
Acaena- Früchte hängen an den straffen Stipaceen-Rasen, bis zuletzt
alles Leben an die Flussufer zurücktritt und in der Waldsavane nur
noch eine Succulente, Lobelia gibbosa, übrig bleibt. Die dürren
Reste des Gras- und Kräuterteppichs erhalten sich durch die trockne
Jahreszeit, wo sie nicht Steppenbrand zerstört: aber am Ende wer-
den auch sie durch die herabströmenden Winterregen zu Boden ge-
schlagen und fortgeschwemmt. — Den Bäumen der Waldsavane, die
ihre Blüthen spät zu entwickeln pflegen, kommt eine ungleich län-
gere Vegetationszeit zu: in demselben Masse, als ihre Wurzeln tie-
fer in den thonigen Erdboden reichen, der nach Lhotsky die For-
mation des Graslandes bedingt, dauert ihr Saftumtrieb auch längere
Zeit fort, nachdem die Regen aufgehört haben, einige Eucalypten
blühen erst am Ende des trockenen Sommers und in der Mitte des-
selben, wenn der Rasen abstirbt, stehen die hohen Holzgewächse
allgemein nebst ihren Loranthen eben im buntesten Blumenschmuck.
Bei Adelaide erreichen die in weiten und regelmässigen Abständen,
gleichsam im Quincunx geordneten Eucalypten eine gigantische Höhe,
doch ohne dass ihre Kronen sich irgendwo gegenseitig berühren.
Sie wechseln auf magerem Boden mit weit niedrigeren, gegen 20 bis
höchstens 30' hohen Baumformen, mit Casuarinen, deren bräunliche
Zweige „im Frühjahr sonderbar gegen das saftige Grün des Rasens
abstechen", und mit Acacien (A. retinodes), von denen eine Art (A.
pycnantha) sogar wenig über Mannshöhe erreicht, aber doch schirm-
artig die Krone ausbreitet.
2. Scrub (nach Lhotsky dem sandigen Boden entsprechend).
Während das Grasland, in seiner Entwickelung ebenso sehr durch
die kältere Regenzeit zurückgehalten als durch die Sommerdürre
beschränkt, „seinen ganzen Blüthenschmuck verschwenderisch auf
einmal" im Wendepunkte beider Jahreszeiten entfaltet: ist der Scrub
in keinem Monate ganz ohne Blumen, wenn gleich die meisten Ge-
wächse auch hier im September, Oktober und November blühen.
Aber hier ist auch die Mannigfaltigkeit der Gewächse unendlich viel
grösser: der höchst einförmige Habitus verbirgt die grösste Fülle
der Gestaltung im Einzelnen und „jeder Scrub hat seine eigenthüm-
lichen Arten vor anderen scheinbar ganz dieselben Verhältnisse dar-
bietenden Oertlichkeiten voraus"; einzelne Gattungen sind hier an
Arten unerschöflich zu nennen, wie Eucalyptus, Leptospermum, Me-
laleuca, Pimelea, Acacia, Myoporum: das Grasland dagegen besitzt
„bei aller Ueppigkeit und scheinbarem Reichthum" nur wenige Arten
und diese auf weiteren Räumen in auffallender üebereinstimmung;
auch sind die Gattungen meist nur durch eine oder wenige Species
vertreten. Der Charakter des Scrub beruht darauf, dass der Erd-
314 Grisebach: Bericht über die Leistungen in der
boden unter Ausschluss der Kräuter und Gräser dicht mit verschlun-
genen Sträuchern von rigidem, bläulichem Laube und ausserdem
auch wohl mit Bäumen bedeckt ist. Diese Holzgewächse sind von
sehr verschiedener Höhe, einzelne Eucalypten wetteifern mit den
Bäumen in der Waldsavane, in den sogenannten Sandplains bleibt
der ganze Scrub unter Mannshöhe zurück. Pflanzen der verschie-
densten Familien treffen im Habitus so zusammen, dass sie ohne
Blüthe oder Frucht nicht sicher zu unterscheiden sind. Selbst die
Regenzeit ändert wenig in dem physiognomischen Typus dieser un-
heimlichen Dickichte: „es kann wenig welken, wo wenig spriesst
und jeder Monat sieht dasselbe wüste Gedränge rigider, saftloser
und unter einander grösstentheils übereinstimmender Formen." In
der nassen Jahreszeit blühen ausschliesslich die Epacrideen, auch
Rhamneen (Cryptandra) und einige seltene Orchideen: im Frühlinge
„bedecken sich die Sträucher und Bäume mit den verschiedenartig-
sten Blüthen, und mit Erstaunen sieht man, wie das heideartige Ge-
strüpp, das oft in seiner einförmigen Sonderbarkeit nur wenige Ar-
ten desselben Geschlechts verhiess, sich plötzlich mit Blüthen des
verschiedensten Baus schmückt", die nun unter stetem Wechsel,
aber allmaliger Abnahme bis zum Schlüsse der trockenen Jahreszeit
sich unaufhörlich erneuern. Diese Formen aufzählen hiesse die cha-
rakteristischen Familien der australischen Flora überhaupt grössten-
theils zusammenstellen. Sollte nicht auch hier, wie bei den Succu-
lenten, ein eigenthümlicher Bau des Blatts so verschiedenartigen
Formen gemeinsam sein? Sonst wäre der übereinstimmende Habitus
schwer zu begreifen, der eine gemeinsame Vegetationsbedingung die-
ser Holzgewächse andeutet. Die Grenzen der Gestaltung sind eng
gezogen: denn innerhalb derselben gestattet sich die Natur auch in
der Sphäre des Blatts „die grösste Mannigfaltigkeit, vom Eirund
durch die Lanzettform bis zur blossen Borste, von der dichtesten
Gedrängtheit durch alle mögliche Nuancen bis zum kahlen, blatt-
losen", das Blatt vertretenden Zweige.
Einige andere Formationen, welche die Sprache der Kolonisten
in Australien unterschieden hat, sind nur geringe Modificationen der
beiden bisher geschilderten Gegensätze: so das Bay of Biscayland
d. h. Grasland mit seltenerem und niedrigerem Baumwuchs, der Pine
forest, d. h. ein Scrub, dem einzelne Callitris-Bäume beigemischt sind.
Am weitesten entfernen sich die Flussthäler von dem allgemei-
nen Charakter der beiden Formationen. Viele Gewässer fliessen
nur periodisch (Creeks) nach folgenden Normen: in der ersten
Hälfte der Regenzeit (April bis Juni) füllen sich die Creeks nach
und nach mit Wasser, in der zweiten Hälfte (Juli bis September)
sind sie im vollen Fluss ; in der ersten Periode der trockenen Jah-
reszeit (Oktober bis December) hören sie allmälig zu fliessen auf
und beginnen sich in eine Kette von Teichen aufzulösen und in der
letzten Periode (Januar bis März) enthalten sie* nur noch an einzelnen
Pflanzengeographie wahrend des Jahres 1847. 31^
Stellen des Flussbetts Wasser. Nach diesen Verhältnissen ist es be-
greiflich , dass die Sumpfpflanzen der Creeks erst spät in der trock-
nen Jahreszeit zur Entwickelung gelangen und dass die Marschen
ihr Grün bewahren, wenn die Waldsavane verdorrt ist. Der Ein-
fluss des Wassers zeigt sich ferner darin, dass die Üfer-Eucalypten
gewaltige Dimensionen erreichen und ,, Stämme von 8 Fuss Durch-
messer in Südaustralien sehr gewöhnlich" vorkommen. Das Meeres-
ufer selbst ist hier von einem Rhizophoren- Walde umgürtet, der
durch eine strauchartige Salicornie scharf von dem aufwärts folgen-
den Scrub getrennt wird.
Die Erhebung des Bodens, die im Mount Barker 2000' erreicht,
hat in Adelaide keinen wesentlichen Einfluss auf den Charakter der
Vegetation. Man kann dahin jedoch etwa die Erscheinung zählen,
dass in den Querthälern des oberen Laufs der Flüsse wasserreiche
Schluchten auftreten, die eigenthümliche Sumpfpflanzen, namentlich
auch krautartige Repräsentanten europäischer Gattungen, erzeugen.
Von hier aus werden indessen häufig die Samen und Rbizome in die
unteren Creeks herabgeschwemmt, wodurch deren Flora an örtlicher
Mannigfaltigkeit gewinnt.
Behr's Pflanzensammlung umfasst, so weit sie bearbeitet ist,
200 Arten , von denen mehr als der vierte Theil neu war.
Die im Jahresb. f. 1840. (S. 473) erwähnte systematische
Darstellung der Flora von Vandiemensland von J. D. Hook er
ist erst jetzt fortgesetzt, jedoch auf die Beschreibung neuer
Arten beschränkt worden (Florae Tasmaniae Spicilegium in
Lond. Journ. of Bot. 6. p. 106—125, p. 265—286 und p. 461
bis 479).
Uebersicht der Gattungen: 51 Synanthereen (Eurybia 9 sp., Olea-
ria, Eurybiopsis, Aplopappus 5 sp., Lagenophora, Emphysopus
(s.u.), Brachycome 4 sp , Ctenosperma (s.u.), Symphyomera (s.u.),
Leptinella, Craspedia, Ozothamnus, Pterygopappus (s.u.), Heli-
chrysum, Gnaphalium, Erechtites 5sp., Senecio 5sp., Centropappus
(s.u.), Scorzonera); 2 Goodeniaceen (Velleia, Goodenia); 1 Styli-
dium; 1 Streleskia (s.u.); 3 Ericeen (Gaultheria, Pernettya); 13
Epacrideen (Cyathodes, Lissanthe, Leucopogon, Decaspora, Penta-
chondra, Epacris 4sp. , Sprengelia, Richea); 2 Labiaten (Microme-
ria); 1 Convolvulacee (Wilsonia); 2 Mitrasacmen; 4 Plantago-Arten;
2 Polygona; 1 Didymotheca (s.u.)*, 2 Chenopodeen (Chenopodium,
Atriplex); 2 Pimeleen; 1 Santalacee (Exocarpus); 4 Proteaceen
(Grevillea, Isopogon, Conospermum, Persoonia); 3 Euphorbiaceen
(Micranthemum , Phyllanthus) ; 2 ürticeen (Urtica, Parietaria); 18
Rubiaceen (Galium 6sp., Asperula 6sp., Coprosma 4sp. , Opercu-
laria); 1 Panax; 12 Umbelliferen (Hydrocotyle 4sp., Microsciadium
(s.u.), Diplaspis (s. u.), Hemiphues (s. u.) 4 sp., Oreomyrrhis) ;
2 Crassulaceen (Tillaea, BuUiarda)-, 1 Liparophyllum (s u.); 1 Sicyos;
316 Grisebach: Bericht über die Leistungen in der
5 Halorageen (Myriophyllum, Pelonastes (s.u.), Haloragis); 1 Oeno-
tliera; 1 Acaena; 6 Myrtaceen (Melaleuca, Eucalyptus 5 sp.).
Eine Uebersicht aller bis jetzt an Tasmanien beobachte-
ten Algen wurde von J. D. Hooker und Harvey zusam-
mengestellt (das. p. 397 — 417): 137 Arten umfassend, von
denen Harvey früher schon eine beträchtliche Anzahl beschrie-
ben hatte. Dies ist auch ein Theil des Materials, welches
Harvey zu einem algologischen Kupferwerke benutzt hat (Ne- -
reis australis, or Algae of the Southern Ocean: beeing figu-
res and descriptions of marine plants collected on the shores
of the Cape of good Hope, the extratropical Australian Co-
lonies, Tasmania, New Zealand and the Antarctic regions.
Parti. 25 tab. London, 1847).
Gunn berichtete brieflich über eine botanische Untersu-
chung des Olymps in Tasmanien (das. p. 482 — 487).
Am Fusse dieses über 5000' hohen Basaltbergs traf G. Buchen-
wälder (Fagus Cunninghamii, vermischt mit Carpodontos lucida,
Weinmannia australis, Phyllocladus asplenifolia und einzelnen Euca-
lypten): auf dem Gipfel entdeckte er eine neue Buchenart (Fagus
Gunnii Hook, jun.), welche hier undurchdringliche, 4 — 6' hohe Ge-
sträuchdickichte bildete.
Capt. Sir E. Home schrieb an R. Brown über zwei
grosse Coniferen- Bäume in Neu-Seeland und Norfolk -Island
(Proceed. of Linnean Soc. 1847. Febr.).
Der neu-seeländische Baum ist eine Kaurifichte (Dammara austra-
lis), die bei Wangaroa unweit der Bay of Islands steht: ihr Stamm
hat den Umfaug von 43' 9" , sie erhebt sich ohne Zweige 60' und
dann folgte eine Krone von 41 Hauptästen, von denen manche noch
4' dick waren. Das grö'sste Individuum von Araucaria excelsa auf
Norfolk erreicht die Höhe von 187', misst vier Fuss über dem Boden
54' im Umfang und zwanzig Fuss hoch noch 51': am Grunde ist der
Stamm hohl, während jene Kaurifichte völlig gesund war.
J. D. Hooker schilderte die Diatomeen -Vegetation des
antarktischen Oceans (Report of British. Assoc. 1847. Traus-
act. p. 84).
Zwischen dem 60sten und SOsten Grade südlicher Breite zeigten
sich die Diatomeen in so unendlichen Massen, dass die See überall
davon hell- ockerbraun gefärbt erschien (as to stain the sea every-
where of a pale ochreous brown): zuweilen erschien das Meerwas-
ser, so weit das Auge reichen konnte, lichtbraun (pale brown).
Die Hauptergebnisse der Untersuchung und Bearbeitung dieses Theils
der antarktischen Flora sind folgende. Die Diatomeen bilden die
letzte Pflanzenzone gegen den Südpol und sind in den hohen Breiten
systematischen Botanik während des Jahres 1847. 317
die einzigen vegetabilischen Erzeugnisse, an deren Existenz die. Er-
nährung der dortigen Thierwelt und das Gleichgewicht der organi-
schen Natur gebunden ist. Die Mannigfaltigkeit der Arten scheint
in der Richtung gegen den Pol bis zu dem äussersten Punkte, den
Ross erreicht hat, zuzunehmen. Nicht alle Arten sind dem hohen
Süden eigenthümlich, vielmehr manche über die ganze Erde verbrei-
tet. Zwischen 76° und 78** S. Br. haben die Diatomeen -üeberreste
eine ungeheuere submarine Bank erzeugt, welche gegenwärtig 200—
400 Faden tief liegt und längs der antarktischen Küste die ganze
Breite der Victoria-Eisbank 400 e. Meilen weit umsäumt.
JB. Systematik.
«
Schnizlein gab das fünfte Heft seiner ikonographischen
Darstellung der Pflanzenfamilien heraus (s. vor. Jahresb.) ; das-
selbe enthält die Darstellung der Liliaceen und mehrerer an-
derer monokotyledonischer und apetalischer Familien, nament-
lich auch die Palmen, Najadeen und Piperaceen (Bonn, 1847).
Zu Endlicher's Genera plantarum erschien eine Ab-
theilung des vierten Supplements, die später nicht fortgesetzt
worden ist (Wien, 1847). Dieser Nachtrag umfasst die ape-
talischen Familien, für die Coniferen und Thymelaeen eine
neue Bearbeitung sämmtlicher Gattungen und von mehreren
Familien eine vollständige Aufzählung der Arten, namentlich
von den Amentaceen (gegen 300 sp.), Moreen, von Girardi-
nia, den Garryaceen, Crypteronia, den Polygoneen (460 sp.),
Thymelaeen (270 sp.), Penaeaceen, Proteaceen (730 sp.) , und
Bragantia.
Von DeCandolle's Prodromus systematis naturalis
wurde im November 1847 der elfte Band herausgegeben (Pa-
ris. 8.). Die abgehandelten Familien werden unten erwähnt
werden. — Walpers Repertorium (s. Jahresb. f. 1845) wurde
mit einem Index, der die rückständigen Hefte des vierten
Bandes füllt, beschlossen (Leipz. 1847 — 48). — Von D. Die-
triches Synopsis plantarum, einer sich formell an Persoon's
Werk anschliessenden Kompilation erschien der vierte Theil
(Weimar, 1847. 8.): die Klassen Monadelphia bis Syngeuesia
umfassend.
De Vriese begann ein Kupferwerk über ausgewählte
Pflanzen des Gartens von Leiden herauszugeben (Description
et Figures des plantes nouvelles et rares du jardin botanique
318 Grisebach: Bericht über die Leistungen in der
de Leide. Livr. 1. gr. fol. Leid., 1847). Die erste Lieferung
enthält 5 Tafeln, von denen 3 Cycadeen darstellen.
Leguminosen. Bernhardi revidirt die Charaktere der Tri-
folieen- Gattungen (Allg. thüring. Gartenzeit. 1847. Nr. 8 — 10). An
Hymenocarpus, den er mit Recht ausscheidet und neben Anthyllis
stellt (vergl. SpiciL rumel. 1. p. 15) schliesse sich zunächst nicht
Medicago, sondern Lotus, hieran wegen der schon etwas verdickten
Filamente Trifolium: die natürliche Reihe wird dann durch Meli-
lotus, Trigonella und zuletzt durch Medicago beschlossen, welche
Gattung durch cotyledones oblongo-cuneatae basi attenuatae subses-
siles an die Coronilleen angrenzt, während den übrigen Trifolieen
Cotyledones distincto petiolo suffultae zukommen. Auch der Linne-
sche Charakter von Medicago, dass die Genitalien aus der Carina
hervorspringen und das Vexillum herabdrücken , ist distinctiv und
für alle ächten Arten der Gattung constant. Am schwierigsten
scheinen die Grenzen zwischen Melilotus und Trigonella festzustellen
und dürften nur im Legumen liegen oder nach Massgabe der Inflo-
rescenz neu aufzusuchen sein. — So y er- Willem et und Godron
behandeln die Systematik der Trifolien aus der Section Chronose-
nium (Memoires de Nancy. 1847). Sie wollen die ältere Pollich-
sche Bestimmung der Linne'schen Arten wiederherstellen, wonach
T. procumbens Rec. = T. agrarium L. und T. agrarium Rec. = aureum
Poll. von Linne nicht gekannt sei; T. filiforme L. erklären sie für
T. micranthum Viv. und halten T. filiforme Rec. für T. procumbens
L., wofür allerdings der Umstand spricht, dass letztere Pflanze bei
üpsala wächst, aber von Linne ursprünglich nur als englisch be-
zeichnet wurde (das spätere T. filiforme L. suec. aus Schonen be-
ruhte hiernach auf einer falschen Bestimmung); sie erläutern endlich
die verwickelte Synonymie von T. speciosum, zwar richtig, aber
unvollständig (T. speciosum W. = Syn. T. Gussoni Tin., was Klotzsch
nach Willdenow's Herbarium bestätigt; T. speciosum Borj' = T.
aurantiacum Boiss.; T. speciosum Boiss. = T. Boissieri Guss.; T.
speciosum Reut. = T. patens Schreb. nach Boiss.). Dem füge ich
bei, dass nach meiner Untersuchung T. speciosum Sm. Fl. graec.
t. 754 und Rchb. exot. t. 7 = T. graecum m. (Sjn. T. procumbens
y. erythranthum Spicil. rum.) und T. speciosum Spicil. rum. = T.
caloxanthum m. ist, so wie dass T. procumbens ß. pauciflorum Spie,
rum. als Synonym zu T. mesogitanum Boiss. gehört. — Bunge
giebt eine systematische Analyse der zu Oxytropis sect. IIL Kch.
gehörenden Arten (Reliq. Lehmann, p. 226 — 227). Diese sehr natür-
liche Gruppe nennt er Sect. Phaeoxytropis mit der Charakte-
ristik: iegumen uniloculare suturis haud introflexis, intra calycem
distincte stipitatum, stipite libero; von den westeuropäischen Arten
erklärt er Oxytr. montana DC. der Provence für specifisch verschie-
den von dem Homonym der Alpen = O. Jacquini Bg., so wie O.
cyanea der Schweiz nicht die Kaukasus -Pflanze und als O. Gaudini
systematischen Botanik wahrend des Jahres 1847. 319
Bg. zu bezeichnen sei: die letztere Angabe finde ich in meiner
Sammlung durch Exemplare von M. Wagner aus Ossetien bestätigt»
nach denen ich die verwechselte Art O. helvetica genannt hatte. —
Neue Gattungen von Sophoreen: Atnmot hamfitis Bg. (a. a. O.
p. 213): ein Halbstrauch, der mit Sophora soongorica Schrk. nahe
verwandt scheint, aber von Sophora durch Diadelphie und ein Le-
gumen complete bivalve generisch verschieden ist: demnach ein
Uebergangstjpus zu den Galegeen, von deren Charakter ich die Be-
schreibung nicht verschieden finde. — Dalbergieen: Phiienoptera
Höchst, pl. Schimper. (Rieh, abjss. l.p. 232): ein Strauch vom Tac-
caze, der neben Pterocarpus zu stellen ist. — Hedysareen: Hel-
minthocarpon Rieh, (das, p. 200) = Antopetitia cancellata Höchst,
pl. Schimper., eine Coronillee; Rüppelia Rieh. (das. p. 203),
Staude vom Taccaze, zwischen Aeschjnomene und Smithia stehend.
— Genisteen: Phyllocalyx Rieh. (das. p. 160) = Crotalaria pla-
tjcalyx Steud. pl. Schimper.
Rosaceen. Das dritte Heft von M. J. Roemer's Synopses
monographicae (Weimar, 1847. s. vor. Jahresb.) umfasst die Amyg-
daleen und Pomaceen, wobei die ausführliche Zusammenstellung der
von den Pomologen unterschiedenen Spielarten als eine mühsame
und fleissige Arbeit zu erwähnen ist. Als Gattungen werden von R.
unterschieden, jedoch auf unzulängliche Charaktere gegründet: Amyg-
dalopsis =: A.mygdci\\ sp. orientales dodecandrae, Heteromelcs =-V\\0'
tinia arbutifolia Lindl, , Oxyacantha — Crataegus sect. ÜXj'acantha,
Torminaria = Sorbus torminalis, Chamaemespilus — Sorbi sp. m.,
Anthomeles — Crataegi sp. carpidiis 4., Phaenopyrum = Cratacgi
sp. carpidiis 5. , Pyracatit/ia = Cotoneaster Pyracantha et affin. —
Eine im pomologischen Interesse geschriebene Abhandlung über die
Pomaceen von Schauer (Arbeiten der schlesischen Gesellsch. im
J. 1847. S. 282 — 307) ist von keiner systematischen Bedeutung. -—
Richard (Fl. abyss. 1. p.259) w«ist nach, dass Brayera diöcisch
ist und dass Kunth nur die cf Blüthen kannte, wiewohl auch diese
2 ausgebildete Carpelle besitzen und daher vielleicht als 9 betrach-
tet werden können: die 9 Blüthe hat einen vergrösserten, die Kelch-"
loben 4— 5 mal überragenden Aussenkelch, sterile Staubgefässe und
ist apetal; die Gattung wird neben Agrimonia gestellt. — Neue
Gattung: Pterostemon Schauer (Linnaea 20. p. 736): aus Me-
xico , von Seh. zu den Pomaceen gerechnet und als Verbindungsglied
derselben zu den xerocarpischen Myitaceen betrachtet, jedoch von
zweifelhafter Stellung: 5, 5, 5 (+5 steril.) , 5; stamina fertilia superne
alata, tricuspidata, connectivo mucronato; ovarium inferum, ölocu-
lare, stylo 5fido, ovulis 4 — 5 erectis, fructu sicco monospermo, al-
bumine 0; folia alterna, penninervia, dentata, stipulata (in der Frucht-
bildung scheint mir Mouriria übereinzukommen).
Myrtaceen. Korthals giebt Beiträge zur Kenntniss dieser
Familie (Nederl. Kruidk. Archief. 1. p. 185 — 206): sie enthalten eine
320 Grisebach: Bericht über die Leistungen in der
geographische Darstelhmg ihrer Verbreitung im indischen Archipel
und die üebersicht von daselbst vorkommenden Formen, nebst Dia-
gnosen zahlreicher neuer Arten. Die Repräsentanten der neuhollän-
dischen Leptospermeen sind Eucalyptus alba auf Timor, Melaleuca
Cajuputi, von Amboina über den Südosten von Borneo bis zur Nord-
küste von Java vorkommend und Macklotia; die meisten übrigen
Formen sind IMyrteen, einige gehören zu den Barringtonieen. —
Neue Gattungen: Macklotia Korth. (das. p. 196) = Leptosper-
mum amboinense und javanicum Bl.; Decalophium Turczan.
(Bullet. Mose. 1847. 1. p. 153): Chamaelauciee von Swan River =
Drummond coli. Nr. 31; Ericomyrtus Turczan. (das. p. 154):
Leptospermee daher = Dr. coli. Nr. 36; daneben beschreibt T. noch
mehr als 30 andere Xerocarpen dieser Kolonie; Rhodomyrtus
Wght. (Spicil. Nielgh. p. 59. t. 71): Myrtee; Lijndenia Zolling.
(Moritzi Verzeichn. javanischer Pflanzen S. 10): Memecylee.
Wlelastomaceen. Neue Gattungen: Pogojiorhynchus
Crueg. (Linnaea 20. p. 107) und Glossocentrum Cr. (das. p. 111):
Miconieen aus Trinidad.
Halorageen. Neue Gattung: Pe/owa*/^* J. D. Hook. (Lond.
Journ. of Bot. 6. p. 474) : von Vandiemens Land = cf 4, 0, 2— 4 -|- 9 0, 0,
4; folia alterna linearia.
Trapeen. Barneoud untersuchte die Entvv^ickelung der Or-
gane von Trapa natans (Comptes rendus. 22. p. 818— 20): die Ovula
haben zwei Integumente; die Folia submersa capillacea erklärt ß.
für Adventivwurzeln.
Vochj'siaceen. Neue Gattung: Lightia Rob. Schomb.
(Linnaea 20. p. 757): Baum in Guiana mit grösstentheils abwechselnd
gestellten Blättern, durch 3 Petala, 3 — 4 fruchtbare und 2 — 1 un-
fruchtbare Stamina von Schüchia unterschieden.
Geraniaceen. Neue Gattungen: Hypseocharis Remy
(Ann. sc. nat. 1847. 8. p. 238): ein Kraut aus Bolivien, im Niveau
von 3000 Metern von Orbigny entdeckt, vom Habitus des Poterium
Sanguisorba, aber mit ungemein schönen Purpurblumen: nach der
Beschreibung keine Geraniacee, sondern entschieden eine Ledocar-
pee und von Ledocarpon durch Sepala basi connata, stamina 15 basi
monadelpha und Stylus 5costatus verschieden; Aulacosligma
Turczan. (Bullet. Mose. 1847. 1. p. 148) = Jameson coli, quitensis
Nr. 174: ebenfalls keine ächte Geraniacee, aber wahrscheinlich iden-
tisch mit Rhynchotheca R. F., wovon kein distinctiver Charakter
sich herausstellt.
Lineen. Eine schöne Monographie dieser Familie verdanken
wir Plane hon (Lond. Journ. of Bot. 6. p. 588 — 603. — 7. p. 165—
186, 473—501 u. 507—528). Bei der Umgrenzung der Lineen bemer-
ken wir das schon bei den früheren Arbeiten des Verf. angedeutete
Bestreben, den Typus der Frucht und des Samens, worauf bis jetzt
die ersten Grundsätze des Systems beruht haben, zu vernachlässigen
systematischen Botanik während des Jahres 1847. 321
und die Verwandtschaftskreise auf anderweitige Strukturverhältnisse
zu begründen: so wird hier auf die Drüsen, welche auf der Aussen-
seite des Staminaltubus vorkommen, ein grosser Werth gelegt. Diese
Richtung ist bei monographischen Arbeiten, wenn sie gleich in ein-
zelnen Fällen zu richtigen Reformen führt, im Allgemeinen zu ver-
werfen: denn nur der hat das Recht, die Grundsätze des Systems zu
verändern, der, gestützt auf Vergleichungen aller Pflanzengruppen,
ein neues Eintheilungsprincip durchzuführen und zur Anerkennung
zu bringen vermag. P. geht, um die Gruppe der Lineen zu erwei-
tern, von der neu aufgestellten Gattung Roucheria (das. 6. p. 141.
tab. 2) aus, die den Habitus von Erythroxylon besitzt und von wel-
cher er einen Strauch aus Guiana und, abgesehen von einer zwei-
felhaften Art, eine zweite vom Himalayah beschreibt: allein da die
Struktur des Samens unbekannt und nicht einmal die Zahl der Ovula
gewiss ist, so bleibt die Stellung dieser Gattung zweifelhaft, um so
mehr als sie vom Habitus der Lineen in hohem Grade abweicht.
Vorläufig würde sie richtiger bei den Erythroxyleen stehen, von
denen sie nach PI. nur durch Petala nuda und freie Stipulen ab-
weicht. Die zweite Gattung, welche PI. mit den Lineen vereinigt,
ist die Liane Hugonia, deren nahe Verwandtschaft mit denselben
einleuchtet: aber da sie sich durch einen axilen Embryo unterschei-
det, so hat sie Lindley mit grösserem Rechte zu den Oxalideen ge-
stellt, welche jedoch, da PI. bei den Lineen eine Lamina albuminis
tenuis nachweist, füglich mit diesen verbunden werden können.
Durandea PI. nov. gen. (das. 7. p. 527), ein Strauch aus Neu-Ca-
ledonien, dessen Frucht unbekannt ist, unterscheidet sich von Hu-
gonia durch den Mangel der Discus- Drüsen und der axillären Ran-
ken, so wie durch stärkere Consistenz der Blumenblätter: die Stel-
lung neben Hugonia bleibt, bis die Frucht sie bestätigt, zweifelhaft.
Die letzte Gattung, w^elche PI. mit den Lineen vereinigen will, ist
Anisadenia Wall., welche Fenzl ungeachtet des verschiedenen Habi-
tus und des dreifächerigen Ovarii zu den Frankeniaceen gebracht
hat: ebenso wenig hat sie mit den Lineen gemein, von denen sie
z.B. die Bildung des Discus, der Nebenblätter, die Petala unguicu-
lata unterscheiden. Nach Fenzl's Kupfertafel habe ich sie schon
früher zu den Malpighiaceen gestellt, bei denen ihr eigenthümlicher
Habitus zuweilen genau wiederkehrt: gegen diese Ansicht ist nicht
etwa der Embryo axilis geltend zu machen, da der reife Samen
noch nicht bekannt ist und eine Perisperm- Bildung nicht vorhanden
zu sein scheint. — Da die Verwandtschaftsbeziehungen, welche PI.
den Lineen vindicirt, grÖsstentheils auf der Aufnahme von Gattungen
beruhen, die wir zurückweisen müssen, so brauchen sie nicht näher
bezeichnet zu werden: eine wichtigere Bemerkung über die Plumba-
gineen kommt bei dieser Familie vor. Die geographische Verbrei-
tung der Lineen ist genau erörtert. — Den Beschluss macht die aus-
führliche Darstellung der Arten, von denen Linum 87, Radiola 1,
322 Grisobach: Bericht über die Leistungen in der
Reinhard tia 3 zählt: die letztere Gattung hat Stipular- Gebilde und
Appendikel an der Aussenseite der Blumenblätter, wodurch sie nun-
mehr ffenerisch festbegründet ist. Von den vier Sectionen, in welche
Linum getheilt ist, halte ich Cliococca Bab. ebenfalls für gene-
risch verschieden (Sepia capsulae spuria completa) = L. selaginoides
Lam. Zu Syllinum bringt PI. auch L. hirsutum et affin., weil nach
seiner Untersuchung auch bei diesen die üngues petalorum verwach-
sen; darnach würde ich diese Reihe als besondere, durch die feh-
lenden Stipulardrüsen und die Antherentextur unterschiedene Section
(Dasylinwm PI.) betrachten. In Bezug auf die Arten von Linum
mögen hier einige kritische Bemerkungen Platz finden. Bei L. an-
gustifolium berichtigt PI. meinen Irrthum, als ob Hudson's Pflanze
von der der neueren Schriftsteller verschieden sei, was nicht der
Fall ist- was ich dafür hielt, ist eine durch spitze Sepala von L.
austriacum abweichende Pflanze (Syn. L. angustifolium Pett. herb,
dalniat nee Vis.); ferner ist L. angustifolium Huds. (Syn. L. usitatis.
simum L. herbar.) von L. usitatissimum L. sp., dessen Vaterland un-
bekannt bleibt, durch einen merkwürdigen Filz am innern Rande
der Capsel-Septa specifisch verschieden: dieser ist jedoch in ähn-
licher Weise bei L. humile Mill. vorhanden, das durch Capsula ex-
serta und Radix annua unterschieden wird; indessen scheinen unter
L. angustifolium Huds. Planch. doch noch zwei Arten zu stecken,
beide perennirend, aber eine im ersten, die andere erst im zweiten
Jahre blühend (Hort. Gotting.), deren Synonymie, da die betreffende
Tafel dem hiesigen Exemplar der Engl. Bot. fehlt, jetzt nicht sicher
festzustellen ist. Die Reihe von L. perenne (Adenolinum Rchb.),
welche PI. nicht naturgemäss zu einer einzigen Art vereinigen will,
ist durch nackte Axillen auch vor der Blüthe von L. angustifolium
Huds. zu unterscheiden: auf den ausgezeichneien Bau der Antheren
hat PI. indessen nirgends Rücksicht genommen. Von L. suffrutico-
sum L. (Capsula exserta) unterscheidet PI. L. salsoloides Lam. aus
Spanien (calyce capsulam vix aequante) und L. Candollei (Syn. L.
salsoloides DC. gallicum), bei welchem die Kapsel kürzer sein soll
als der Kelch. Bei L. flavum findet sich ß. ucranicum Griseb., ein
Name, der nur dadurch entstanden ist, dass PL auf einer von mir
versandten Schedula das Wort thracicum unrichtig für ucranicum
gelesen hat; das von ihm citirte L. flavum alpinum Gr. ist L. capita-
tum Spicil., welches ich für L. capitatum Kit. halte: sowohl dieses,
als L. paniphylicum Boiss. sind einzuziehen und als Formen von L.
flavum zu betrachten und das erstere gehört keinenfalls, wie PI.
meint, zu L, cariense Boiss. L. decoloratum m. ist nach PI. L. pu-
bescens Russ.: dagegen finde ich, dass L. pubescens Steud. pl. Ketsch,
und wahrscheinlich auch dessen L. scabridum zu L. nodiflorum ge-
hört. — Die Zahl der neuen Arten ist gering (etwa 6 sp.).
Zygophylleen. Peganum und Malacocarpus werden von
Bunge (Reliq. Lehmann. 1. p. 204) mit Recht von den Rutaceen zu
systematischen Botanik ^vährend des Jahres 1847. 323
den Zygophylleen gebracht, vorzüglich wegen der Struktur des Sa-
mens und des harten Albumens, welches Endlicher irrig dem von
Ruta gleichstellt: hiernach fällt die auf die Blattstellung begründete
Diagnose beider Familien weg und es muss nach meiner Ansicht das
Hauptgewicht auf die Stipulargebilde der Zygophylleen gelegt werden.
Bg. will zwar auch Tetradiclis zu dieser Familie bringen, allein
diese Gattung scheint einem ganz verschiedenen Verwandtschaftskreise
anzugehören. — Von den Zygophyllen der asiatischen Steppen
(16 sp.) giebt Bunge eine diagnostische Uebcrsicht (das. p. 198—200).
— Neue Gattungen: Miltianthus Bg. (das. p. 197) = Zygoph.
portulacoides Cham., durch Sepala petaloidea und Corolla O! cha-
rakterisirt ; Sarcoxyginm Bg. (das. p. 200) = Zygophylla flore
4mero , fructu 3— 21oculari indehiscente; Jurgenseiiia Turczan.
(Bullet. Mose. 1847. 1. p. 151): Strauch aus Mexico, mit abwech-
selnden Blättern, wegen unbekannter Frucht von zweifelhafter Stel-
lung, durch das Zahlenverhältniss 7, 7, 14, 7 sehr ausgezeichnet;
Gonoptera Invcz. (das. p. 150): Strauch aus Chile, gleichfalls
nur nach der Blüthe charakterisirt, kaum von Pintoa Gay ver-
schieden.
Biebersteinieen. Hierher zieht Bunge (a. a. O. p. 196) die
Gattung Tribulus, wofür die exalbuminosen Samen und der von den
Zygophylleen abweichende Habitus gewiss mit Grund anzuführen sind.
Zanth oxyleen. Bei Brucea findet Richard (Fl. abyss. 1.
p. 128) kein Albumen , welches von den Schriftstellern allgemein be-
schrieben wird: diese Nachweisung hätte ihn veranlassen sollen, der
Gattung ihre definitive Stellung unter den Simarubeen zu geben,
welche R. Brown schon bei Bennett als wahrscheinlich bezeichnet.
— Neue Gattungen: Helietta Tulasn. (Ann. sc. nat. 1847. 7.
p.280): Baum aus Neu -Granada, neben Ptelea gestellt; lietero-
cladus Turczan. (Bullet. Mose. 1847. 1. p. 152): aus Caracas, von
zweifelhafter Stellung und unbekannter Samenstructurr 5,5, 10, 5 mit
5 Griffeln, einzelnen Samen, Ramuli pinniformes; Thamnosma
Torr. Frem. (nach Walp. Annal. System. 1. p. 160): aromatisches
Holzgewächs aus Californien.
Terebinthaceen. Indem Tulasn e (Ann. sc. nat. 1847. 7.
p. 257) eine beträchtliche Anzahl neuer Arten von Picramnia be-
schreibt, spricht er sich gegen Planchon's Uebertragung dieser Gat-
tung zu den Simarubeen aus. — Neue Gattung: Jfiisostefnon
Turczan. (Bullet. Mose. 1847. 1. p. 152): aus LuQon = Cuming
coli. Nr. 851, neben Pegia gestellt, aber gleich den früheren unvoll-
ständig beschrieben und zweifelhaft, vielleicht eine Leguminose
= (5), 5,(10), 1.
Juglandeen. Neue Gattung: Fortunaea Lindl. (Journ. af
hortic. soc. 1. 150 cum tab. nach Walp. Annal. 1. p. 201): aus China.
Euphorbiaceen. Neue Gattungen: Givotia Jack. (Calcutta
Journ. of nat. bist. 4. p. 388 nach Walp. Annal. 1. p. 626): Baum in
Arcbir f. Naturgcscli. XIV. .Jahrg. 2. Bil, X
324 Grisebach: Bericht über die Leistungen in der
Ostindien, mit Rottlera verglichen, (^ unbekannt; Cleistant kus
J. D. Hook. (Hook. ic. pl. t. 779): Strauch in Sierra Leone, neben
Briedelia gestellt, $ unbekannt; Galearia Zolling. (Moritzi
Verzeichn. S. 19): aus Java, zweifelhafter Stellung, $ unbekannt.
Rhamneen. Neue Gattung: Nägelia Zolling. (Moritzi
Verz. S. 20): aus Java, zweifelhaft, $ unbekannt.
Celastrineen. Der für Arabien und Abyssinien wichtige Cat
(vergl. Jahresb. f. 1843. S. 414) oder Celastrus edulis Vahl ist nach
Richard (Fl. Abyss. 1. p. 134) identisch mit Catha Nr. 4 bei Fors-
käl und in der That eine Catha, welche Gattung Celastrus zwar
sehr nahe steht, aber durch die Stellung der beiden Ovula und den
Arillus geschieden werden kann. Hochstetter hat diesen Strauch
verkannt und, indem er ihn für neu hielt und Trigonotheca nannte,
ihn irrthümlich zu den Hippocrateaceen gestellt.
Staphyleaceen. Die zur Verwandtschaft der Hippocrateaceen
gerechnete Kunth'sche Gattung Lacepedea ist nach Tulasne (Ann.
sc. nat. 1847. 7. p. 296) identisch mit Turpinia, von der sie sich nur
durch Folia unifoliolata unterscheidet und auch dieser Charakter
fällt bei L. pinnata Schlechtend. weg, welches eine ächte Turpi-
nia ist.
Meliaceen. Neue Gattung: Zur loa Ten, (nach Walp. Ann,
1. p. 135) = Afzelea splendens Hort. Cels.
Olacineen. Die beiden Gattungen Leptonium und Cham-
pereia Griff. (Calcutta Journ. of nat. bist. 4. p. 236. 237 nach
Walp. Ann. 1. p. 125) aus Ostindien sind nach der Beschreibung nicht
als Olacineen, sondern als Santalaceen mit freiem Ovarium zu be-
trachten, werden auch von dem Entdecker mit Exocarpus und Lep-
tomeria verglichen: sie sind apetal und tragen die Staubgefässe auf
dem Perigonium. Die neue, ächte Olacineengattung Bursi'nope-
talum beschreibt Wight (Spicil. nielgherr. t. 24).
Reaumuriaceen. Gr. Jaubert und Spach publiciren eine
Monographie von Reaumuria (Ann. sc. nat. 1847. 8. p. 377—382). Es
ergeben sich daraus mehrere neue und wichtige Strukturverhältnisse
dieser Gattung, die ihre Verwandtschaft mit den Hj^pericineen in
solchem Grade steigern, dass die Unterscheidung der Gruppe vor-
züglich auf dem Auftreten eines mehligen Albumens beruht: stamina
pentadelpha, antheris absque connectivo sub aestivatione extrorsis;
ovarium revera uniloculare, placentis 5 parietalibus septiformibus
axin subattingentibus 4 — lOqvulatis; Capsula unilocularis, abortu
3— 12 Sperma, seminibus teretiusculis. 9 Arten werden unterschieden,
wobei die italienische R. vermiculata L. nicht vorlag und zweifelhaft
bleibt. R. hjpericoides W. wird in 3 Arten aufgelöst, indem die
syrische in Lam. JH. von der kaspischen bei Eichwald und diese yon
der ursprünglichen, kaukasischen Pflanze abweicht.
Ternstroemiaceen. Planchon giebt in seiner Monographie
der Cochlospermeen (Lond. Journ. of Bot, 6. p. 294— 311) einen neuen
systematischen Botanik während des Jahres 1847. 325
Beweis, wie eifrig er bestrebt ist, die von den Meistern der Wis-
senschaft begründeten Verwandtschaftskreise der Pflanzenfamilien
aufzulösen und durch neue Gruppirungen von zweifelhaftem Werth
zu ersetzen, ohne dass es ihm gelingt, bei diesen im Verhältniss zu
der Aufgabe doch nur aphoristischen Versuchen solche gemeinsame
Strukturverhältnisse nachzuweisen, welche seinen Ansichten Aner-
kennung verschaffen könnten. So stellt er hier zwei Klassen hin,
welche, fänden sie Eingang, das karpologische Princip des heutigen
Systems beseitigen würden , die jedoch gar nicht oder ganz unge-
nügend charakterisirt sind : a. Leguminosen, Oxalideen mit Einschluss
der Connaraceen, Zygophylleen, Moringeen; b. Geraniaceen und
Vivianieen, Cochlospermeen, Meliantheen, Biebersteinia und Trigo-
nia. — Vollen Beifall verdient indessen hierbei die Aufstellung der
Cochl osp ermeen, als selbstständiger Pflanzenfamilie, da sie bei
den Ternstroemiaceen ein ganz fremdartiges. Glied ausmachten und
namentlich durch ihre entwickelten Stipulen und ihren Bombaceen-
Typus einen verschiedenen Verwandtschaftskreis andeuten. Ebenso
bestimmt weichen sie durch den Bau der Frucht und des Samens
von den Cistineen ab , mit denen sie Lindley vereinigt. Allein der Ver-
bindung mit dem Kreise der Geraniaceen stehen ebenfalls entscheidende
Momente entgegen, während die Verwandtschaft mit dem Malvaceen-
typus so nahe liegt, dass Linne und Kunth, jeder eine Art zur Gat-
tung Bombax zählten und sogar die Bildung der Baumwolle sich an
den Samen von Cochlospermum wiederholt. Diese Ansicht setzt
freilich voraus, dass die primitive Stellung der Staubgefässe, durch
welche ich den Malvaceentypus statt der bisher an die Spitze ge-
stellten Kelchaestivation charakterisirt erachte, auch bei den Coch-
lospermeen eine dem Kelche opponirte sei: bestätigt sich diese Ver-
muthung, so würde die Familie in der Klasse der Malvaceen durch
quincuncialen Kelch und einfachen Griffel einen selbstständigen Platz
neben den Tiliaceen behaupten. Die wichtigsten Charaktere der
neuen Familie sind nach PI. folgende: (5), 5, oo, (3—5); aestivatio
calycis quincuncialis, corollae convolutiva; stamina hypogyna, an-
theris 2— 41ocularibus poro dehiscentibus; ovarium septis in Cochlo-
spermo incompletis divisum , ovulis oo amphitropis, stylo simplici;
Capsula loculicida, seminibus reniformibus, embryone incurvo albu-
mine carnoso incluso, cotyledonibus planis integris sibi incumbenti-
bus; folia alterna, palmatinervia, stipulata; infliorescentia centripeta,
pedicellis basi articulatis, flore specioso flavo. — Ausser Cochlo-
spermum zählt die Familie eine zweite Gattung, die PI. aus den
Typen zweifelhafter Stellung scharfsichtig herausstellt. Dies ist
Amoreuxia Moc. Sesse, welche DeCandolle an das Ende der Rosa-
ceen brachte und Endlicher denselben ohne weiteren Anstand ein-
ordnet: allein sie ist identisch mit Euryanthe Cham. Schlecht., die
als zweifelhafte Ternstroemiacee betrachtet worden ist. Sie unter-
scheidet sich von Cochlospermum nur durch 3 innen geschlossene
X*
326 Grisebach: Bericht über die Leistungen in der
Ovariiim-Fächer und kahle Samen (a. a. O. p. 140). Cochlospermum
zählt bei PI. 9 Arten, die in zwei Sectionen zerfallen, denen ohne
Zweifel Gattungsrechte zukommen: Sect. 1. Antherae 4 locularcs,
poro unico dehiscentes; filamenta distineta; folia palmatifida. Sect. 2.
Diporandra. Antherae apice biporosae; filamenta basi subconnata-,
folia digitata. Zu dieser letzteren Abtheilung gehört ausser zwei
neuen Arten aus Guiana Wittelsbachia orinocensis Mart. Zucc. (Bom-
bax Kth ).
Guiina Aubl., eine von den systematischen Schriftstellern bisher
übersehene Gattung der Insel Trinidad, wird von Crueger beschrie-
ben (Linnaea 20. p. 115) und zu den Ternstroemiaceen gebracht. —
Lettsomia R. P. vereinigt Tulasne mit Freziera Sw. und beschreibt
eine Reihe neuer Arten (Ann. sc. nat. 1847. 8. p. 326). — Neue
Gattungen: Ohelanthera Turcz. (Bullet Mose. 1847. 1. p. 148):
aus Mexico, neben Laplacea gestellt; Poecilandra Tulasn. (a. a.
O. p. 342): aus Guiana = Schomb. coli. Nr. 569, mit Godoya zu-
nächst verwandt.
Phytolacceen. Neue Gattung: Didymotheca i.D. Yiook.
(Lond. Journ. of Bot. 6. p. 278): Strauch in Van Diemens Land, aus
der Verwandtschaft von Gyrostemon.
Caryophylleen. Die Mollugineen vereinigt Richard (Fl.
abyss. 1. p. 48) ohne weitere Bemerkung mit den Alsineen: aber so
wenig sich verkennen lässt, dass durch diese Reform der Kreis derPor-
tulaceen an Natürlichkeit gewinnt, so würde doch jene Gruppe we-
gen ihrer Auriculae folii richtiger zu den Paronychieen zu stellen
sein. Bemerkenswerther ist das Ergebniss von R.'s Vergleichung
der Gattungen MoUugo und Glinus, welche er für identisch erklärt.
Hält man Pharnaceum Cerviana, welches schon längst als eine Mol-
lugo anerkannt ist, mit Glinus lotoides zusammen, so erscheint die
habituelle Verschiedenheit sehr gross, so dass Hochstetter sogar zu
der irrthümlichen Ansicht verleitet wurde, Glinus für eine Byttne-
riacee zu halten: aber jener Abstand scheint durch vermittelnde
Formen ausgefüllt zu werden und es bleibt kein anderes diagnosti-
sches Merkmal übrig, als dass bei Glinus die Funiculi unter dem
Hilum einen fadenförmigen, nicht mit dem Samen zusammenhängen-
den Fortsatz treiben, der bei Mollugo fehlt. Beide Gattungen sind
völlig apetal, indem die sogenannten Blumenblätter von Glinus als
sterile Staminen zu betrachten sind, weil sie in der Knospe meist
Ansätze von Antheren zeigen; die Zahl der Carpophylla wechselt
zwischen 3 und 5: hiernach wird Glinus von Rieh, reducirt und mit
Mollugo vereinigt (Gl. lotoides L. = M. Glinus Rieh.). — Neue
Gattung: Silenopsis Willk. (Bot. Zeit. 5. S. 237): aus Asturien,
wahrscheinlich eine Silene mit 4 Stylodien und in diesem Falle zu
reduciren, aber durch einen offenbaren Fehler in der ohnehin sehr
unvollständigen Beschreibung entstellt, indem die Angabe, dass bei
systematischen Botanik wahrend des Jahres 1847. 327
4 Griffeln die Kapsel sich mit 5 Klappen öffnen soll, wohl als mor-
phologische Unmöglichkeit anzusehen ist.
Portulaceen. Neue Gattung: Liparophyllum J.D.Hook.
(Lond. Journ. of Bot. 6. p. 472): von Vandiemens Land. Diese merk-
würdige, im feuchten Sande perennirende Pflanze, die eine fleischige
Rosette von linearen, den einblüthigen Scapus überragenden Blättern
treibt, also etwa habituell mit Litorella zu vergleichen wäre kann
nach der Beschreibung schon wegen der parietalen Placenten keine
Portulacee sein: indessen bleibt ihre Stellung, so lange die Struktur
des Samens nicht bekannt wird, völlig dunkel. Die wichtigsten
Strukturverhältnisse, wobei der Kürze wegen die Klammern die Ver-
wachsung des Wirteis bezeichnen, sind folgende: (5), (5), 5, (2) ; sta-
mina epipetala, petalis alterna; ovarium uniloculare, stylo bifido,
placentis 2 parietalibus, ovulis fere 10; utriculus seminibus com-
pressis.
Cacteen. Von Pfeiffer's Abbildungen blühender Cacteen er-
schien die dritte Lieferung des zweiten Bandes (Cassel, 1847. 4.).
Cucurbitaceen. Barneoud beweist die Richtigkeit der im ^
vor. Jahresb. charakterisirten Walker- Arnott'schen Theorie der Cu-
curbitaceenfrucht aus der Entwickelungsgcschichte (Comptes rendus
1847. 25. p. 211). Bei Cucumis, Cyclanthera und Sicyos fand B. ur-
sprünglich 5 Carpophylle, von denen 2 durch Abort rasch verloren
gehen. Das Ovarium entsteht als ein offener, scheidewandloser
Becher, der frühzeitig mit der gleichfalls als Becher entstehenden
Kelchröhre verwächst: ich bemerke, dass nach meinen Untersuchun-
gen gleichfalls die verwachsenen Kelche, Kronen und Carpelle wirk-
lich connasciren, d. h. im verbundenen Zustande sich aus der Axe
hervorschieben und daher im Bereiche ihrer Röhre niemals getrennt
sind, während ich bei Campanulaceen und Umbelliferen Kelchröhre
und Ovariumbecher in den Jüngern Zuständen als besondere, an-
scheinend ursprünglich getrennte Lamellen unterscheiden konnte. —
Die Ovula entstehen nun in 3( — 4) parietalen Reihen, worauf spä-
terhin die diesen Reihen entsprechenden Carpophyllränder gegen die
ideale Axe zu Scheidewänden auswachsen, sich hier umbiegen und
auf diese Weise die Placenten vor sich herschieben. Griffel und
Narben entstehen später als letztes Gebilde der Blüthe.
Nandhirobeen. Neue Gattung: Pest alo%xiaZo\\ix\g. {Mo-
ritzi Verz. S. 31): aus Java, unvollständig charakterisirt, $ un-
bekannt.
Bixineen. Planchon erläutert die Forskäl'sche Gattung On-
coba (Lond. Journ. of Bot. 6. p. 295. 296). Nach ihm ist mit Fie-
pt aca Lour., einem Baume, den Loureiro nicht in Cochinchina,
sondern in Mozambique entdeckte, aber dessen Fruchtbau er unrich-
tig beschrieb und der demzufolge unter den Gattungen ungewisser
Stellung verborgen blieb, zu verbinden: 1. Ventenatia P. B., die in
der Flore d'Oware gleichfalls falsch beschrieben und deshalb zu den
328 Grisebach: Bericht über die Leistungen in der
Chlenaceen gestellt ward; 2. Xylotheca Höchst, von Natal. Diese
drei Gewächse sind ebenso viel Arten einer einzigen Gattung, die
als ächte Bixinee ein einfächeriges Ovarium mit 3 parietalen Pla-
centen besitzt. Jussieu hatte bereits die Verwandtschaft von Heptaca
mit Oncoba angedeutet und diese scheint PI. so bedeutend, dass er
Heptaca selbst als besondere Section mit Oncoba vereinigen will:
hierin geht er indessen nach Massgabe der Charaktere vielleicht zu
weit. Heptaca hat einen Calyx Spartitus caducus und Ramiänermes;
Oncoba einen Calyx 4 — 5partitus persistens und Rami spinosi. —
Neue Gattung: Microdesmis J. D. Hook. (Hook. ic. plant, tab.
758): aus "VVestafrika, zMeifelhafter Verwandtschaft, aber gewiss
keine Bixinee.
Violaceen. Paypayrola Aubl. erhält durch Tulasne einen
verbesserten, ausführlichen Charakter und wird durch mehrere neue
Arten bereichert (Ann. sc. nat, 1847. 7. p.368).
Cistineen Irmisch bemerkt, dass bei Helianthemum Fu-
mana die drei grösseren Kelchblätter den Fruchtklappen opponirt
stehen, mit denen sie bei H. vulgare und oelandicum alterniren (Bot.
Zeit. 5. S. 84). Dieser wichtige Charakter verdient weiter in der
Familie der Cistineen verfolgt zu werden. — Dunal liess einige
seltene Helianthema abbilden und erläutert ihre Systematik (Petit
bouquet mediterraneen. Montpellier, 1847. 4. mit 6 Taf.).
Crueiferen. Treviranus publicirt Bemerkungen über den
Fruchtbau der Crueiferen (Bot. Zeit. 5. S. 409 — 416 u. 432 — 437).
Diese Abhandlung ist grösstentheils histologischen Inhalts und ent-
hält interessante Einzelnheiten über den Verlauf der Gefässbündel,
über die Endigung der Placentarstämme in einem Büschel kolben-
förmig auslaufender Aeste unter der Narbe, über die Gefässlosigkeit
der bei einigen Crueiferen z. B. Sisymbrium Sophia vorkommenden
Nerven im Dissepiment und dessen anatomische Structur überhaupt.
Allein es gelingt T. nicht, den morphologischen Theil seiner Aufgabe
zu lösen und konnte ihm auch bei seiner die Entwicklungsgeschichte
vernachlässigenden Methode nicht gelingen. Er erklärt sich gegen
die Theorieen von De Candolle (placentae suturales, in dissepimen-
tum excrescentes) und von Kunth (carpophylla 4, 2 suppressa et in
placentas transformata) und theilt die Ansicht St, Hilaire's, wonach
die Axe sich an ihrer Spitze in zwei Aeste gabelförmig spalten soll^
die als Placenten in die Erscheinung treten. Die Unrichtigkeit die-
ser Auffassung ist durch die Untersuchung der jüngsten Zustände
leicht darzuthun und die Richtigkeit von De CandoUe's Theorie zu
beweisen: denn die Ovula entspringen, wie bei anderen parietalen
Familien am Rande der beiden Carpophyllen und die Scheidewand
entv\ickelt sich nach abwärts, ohne den Torus immer zu erreichen.
Die Placentarstämme sind als Marginalnerven zu betrachten und mit
dem analogen Gefässbündelverlauf im Myrtaceenblatt oder der Krone
der Synanthereen zu vergleichen : was aber die Schwierigkeit betrifft,
systematischen Botanik ^vällren(l des Jahres 1847. 329
über welche T. nicht hinauskommt, dass die Narben das obere Ende
der Placenten bilden, so ist zu bemerken, dass die Funktion der
Narbe auch von anderen Gewebtheilen des Pistills, wie von dessen
organischer Spitze verrichtet werden kann, was die Stigmata decur-
rentia einiger Pflanzen beweisen und dass daher die Narben der Cru-
ciferen wohl physiologische, aber keine morphologische Narben
sind. — Campyloptera Boiss. erklärt Treviranus für identisch mit
Aethionema heterocarpum Gay (das. S. 409). — Bunge bemerkt
(Reliq. Lehmann, p. 165), dass durch einige neuere Arten die Gren-
zen zwischen Isatis, Tauscheria, Pachypterygium und Tetraptery-
gium schwankend werden: die Sect. Sameraria hat namentlich den
nämlichen Fruchtbau, wie die letztere Gattung. Zwischen den Isa-
tideen und Anchonieen schaltet derselbe (das. p. 170) die neue Tribus
der Ochtodieen, die sich durch notorrhizeische Samen von den
Euclidieen unterscheidet, mit folgendem Charakter ein: Silicula nu-
camentacea indehiscens bilocularis disperma, cotyledones incumben-
tes. Diese Tribus besteht aus Ochthodium, Lachnoloma Bg. und
aus Octoceras Bg. (das. p. 172), einer neuen Gattung der Aral-
steppe. — Aus anderen Tribus sind folgende neue Gattungen aufge-
stellt: Lonchophora Durieu (Revue bot. 2. p. 432) : Arabidee
aus Algier, durch Valvae basi sagittatae von Matthiola unterschie-
den; Strep tolonia B g. (a. a. O. p, 155): Sisymbree der Aralsteppe;
Sphaerocardamum Schau. (Linnaea 20. p. 720) : Camelinee aus
Mexico; Otocarpus Durieu (a. a. O. 2. p. 435): Raphanee aus
Algier.
Dilleniaceen. Mit Actinidia Lindl. ist nach Lindley's eige-
ner, von Planchon publicirter Bestimmung die später aufgestellte,
japanische Gattung Trochostigma Sieb. Zucc. identisch (Lond. Journ.
of Bot. 6. p. 302) und bildet ein Glied der kleinen Gruppe der Sau-
raujeen , welche L. von den Ternstroemiaceen zu den Dilleniaceen
gebracht hat. Planchon, der im vorigen Jahre Saurauja mit Clethra
zunächst verglich, tritt dieser Ansicht bei, die mir nicht gerechtfer-
tigt erscheint, da die Vereinigung der Carpophylle und der Habitus
sie dem Verwandtschaftskreise der Ericeen zuweist.
Saxifrageen. Neue Gattung: Va Idtvia Gay (Fl. chil. 3.
p. 43. tab. 29) : aus Valdivien.
Crassulaceen. Disporocarpa CAM. erkennt Richard (Fl.
abyss. 1. p. 307) als besondere, von Crassula durch verwachsene
Kronen und 2 Ovula unterschiedeue Gattung an, bezeichnet sie je-
doch mit dem Namen Combesia Rieh, herbar.
Umbelliferen. Richard (Fl. abyss. 1. p. 331 ) führt einen
neuen Beweis gegen die Absonderung der kampylospermen Umbelli-
feren von den Orthospermen an und bestätigt dadurch die richtige
Ansicht von Tausch, nach welcher z.B. die Daucineen und Cauca-'
lineen zu einer Tribus zu vereinigen sind: mehrere Arten von Dau-
cus z. B. D. Carota und D, abyssinicus besitzen eine den üebergang
330 Grisebach: Beruht über die Leistungen in der
zu den Caucalineen vermittelnde Längsfurche an der Commissur; die
Cuminee Agrocharis desgleichen und hier wird die Commissurfläche
in Folge dessen bei der Reife völlig concav und der Bildung der
Kampylospermen gleich. — Neue Gattungen: O^cÄa^s?« Walp.
(Annal. syst. 1. p. 340) = Microsciadium J. D. Hook. (Lond.
Journ. of Bot. 7. p. 468): Hydrocotylee aus Tasmanien; Diplaspis
J. D. Hook. (das. p. 468): Mulinee ebendaher; Bustillosia Glos
(Fl. chüen, 3. p. 106) und Tritaenicum Turcz. (Bullet. Mose.
1847. 1. p. 169): Mulineen aus Chile; Gyninophyton Cl. (Fl. chil.
3. p. 102) = Mulini sp. DC; Heviiphties J. D. Hook. (a. a. O.
p. 469) : Saniculee aus Tasmanien, mit 4 Arten; Scorodosma Bg.
(Delect. sem. Dorpat. 1846): Peucedanee der Aral- Steppe, welche
Bunge mit Kampfer's Asa foetida vergleicht, die jedoch von Falco-
ner's Narthex durch fehlende Vittae verschieden ist; Actinocladus
E. Mey. (Adnot. ad sem. Regiom. 1846): Peucedanee vom Cap, or-
thosperm und daher von Walpers irrthümlich zu den Smyrnieen ge-
zogen; Diplolophium Turcz. (a. a. O. l.p. 173) - Cachrys abys-
sinlca Hochstett. pl. abyssin. und nach Richard eine ächte Cachrys,
daher zu reduciren.
Epacrideen. Neue Gattungen: Peiitataphrtis Schlechtd^
(Linnaea 20. p. 618) und Lobopogon Schlechtd. (ib. p. 620): Sty-
phelieen aus Adelaide.
Sapoteen. Die Gutta Percha stammt nach der Untersuchung
von Sir W. Hooker (Lond. Journ. of Bot. 6. p. 463. 1. 17) von einer
unbeschriebenen Isonandra, welche von ihm J. Gutta genannt, be-
schrieben und abgebildet wird: dies ist ein 40' hoher, auf den Ber-
gen um Singapore einheimischer Baum, der nach Brooke auch in
Borneo und auf andern malayischen Inseln wächst.
Myrsineen. Walker Arnott ordnet die verwirrte Synony-
mie der Linne'schen Gattung Samara (Proceed. of Linnean Soc. 1847,
March). Abgesehen von dem irrigen Citat einer Memecylee Bur-
mann's ist sie identisch mit Samara Sw. , die nicht aus Westindien
stammte, sondern die chinesische S. laeta L. selbst war. Die Mic-
derhergestellte Gattung zählt 5 in Ostindien, Java und China ein-
heimische Arten: sie ist von Myrsine bestimmt, von Embelia nur
durch tetramere Blüthen unterschieden; als Synonym gehört zu ihr
Choripetalum A. DC.
Lentibularieen. Eine Revision dieser Pflanzengruppe gab
Benjamin (Linnaea 20. S. 299 — 320) und bearbeitete dieselbe für
die Flora brasiliensis (Fase. 9. p. 223—256 mit 3 Taf.). Sie besteht
aus den 4 bekannten und 2 neuen Gattungen: Benjamiiiia Mart.
(Fl. brasil. a. a. O. p.255): durch den Calyx 5partitus und die Co-
roUa ecalcarata sehr ausgezeichnet, auf eine Gardner'sche Pflanze
aus Brasilien, eine Cuming'sche aus Malacca und zwei Arten der
v. Hügerschen Sammlung aus Ostindien begründet; Ake?itra Benj.
(Linnaea a. a. O. S. 319): aus Surinam, durcli fehlenden Sporn von
systematischen Botanik Nvährend des Jahres 1847. 331
Utricularia unterschieden, doch noch nicht ganz feststehend. Utri-
cularia Mird von Benj. in 11 Sectionen getheilt, die grösstenthcils
auf der yerschiedenen Bildung der Vegetationsorgane beruhen, und
durch eine ansehnliche Zahl neuer Arten (gegen 50 sp.) bereichert.
— Es ist merkwürdig, dass nunmehr zu jeder der drei älteren euro-
päischen Arten eine zweite, wegen ihrer Aehnlichkeit früher damit
verwechselte Art hinzugefügt ist: zu U. vulgaris 1828. U. neglecta
Lehm., zu ü. minor 1840. ü. Bremii Heer (Syn. U. pulchella C. B.
Lehm, in Regensb. Fl. 1843, nach Benjamin's Vergleichung identisch)
und zu ü. intermedia 1847. ü. Grafiana Kch. (Regensb. Fl. 1847.,
S. 265): letztere durch stumpfe Blattsegmente und einen cylindrischen,
nicht konischen Sporn unterschieden. — Zu Polypompholyx kommt
nach Benj. (Fl. bras. a. a. O. p. 251. t. 20. f. 1) ü. longeciliata DC.
Von Genlisea werden daselbst 4 neue Arten beschrieben, und von
Pinguicula ebenso viele in der Linnaea, unter denen jedoch P. oxy-
ptera Rchb. von Salzburg nach der Beschreibung zu P. vulgaris zu
gehören scheint.
Orobancheen. Lory publicirt Untersuchungen über den Bau
und die Respiration der Orobanchen (Ann. sc. nat. 1847. 8. p. 158 —
172). Der einzige auf die Systematik anwendbare Punkt in dieser
physiologischen Abhandlung bezieht sich auf die Verbindungsweise
der Wurzel mit der Mutterpflanze: allein gerade hierin ist der sonst
klare Verf. unsicher. Bald sah er die Gefässbündel des Parasiten
sich mit denen der Mutterpflanze verflechten, bald und zwar häufiger
eine reine Zellgewebs Vereinigung, wodurch meine Ansicht, dass die
nicht grünen Parasiten aus den verarbeiteten, von den Blättern
herabsteigenden Säften des Parenchyms ihre Nahrung schöpfen, be-
stätigt werden würde. Die Epidermis der Orobanchen, wie auch
bei Clandestina, ist dicht mit Spaltöffnungen besetzt, während L.
bei Lathraea squamaria dieselben nur auf dem Ovarium und bei
Neottia nidus avis gar nicht fand. — In dem De Candolle'schen Pro-
dromus sind die Orobancheen von Reuter scharfsinnig und nach
reichen Materialien bearbeitet (Vol. 11. p. 1 — 45). Merkwürdig ist
die Beobachtung, dass bei Orobanche, Phelipaea und Boschniakia
die Narben seitlich, d. h. über den Placenten stehen, während sie in
den übrigen fünf Gattungen die normale, der Mittellinie des Carpo-
phylls entsprechende Stellung haben (vergl. die Bemerkung zu den
Cruciferen). — Beiläufig führe ich an, dass meine Orob. Bartlingii
vor O. brachysepala Seh. und O. alsatica Kirschl. vor O. macrosc-
pala Seh. die Priorität voraus haben.
Gesneriaceen. Regel giebt eine Charakteristik der Gesne-
rieen- Gattungen und sondert fast die doppelte Anzahl neuer Typen
ab, jedoch zum Theil nur nach der CoroUenform (Ind. semin. Turic.
1847, daraus in Walp. Ann. 1. p. 471). Seine neuen Gattungen sind:
Rechstettieria = Gesneria allagophylla, durch regelmässige Co-
rolle unterschieden j Moussoiiia - G. elongata, Naegelia ~ G.
332 Grisebach: Bericht über die Leistungen in der
zebrina und Költikeria = Achimenes argj'rostigma, mit einem An-
nulus perigynus statt der Glandulae perigynae distinctae von Gesne-
ria und Gloxinia; Ko hleria — G. hirsuta, mit dem Stigma bilobum
von Diastema; Locheria =z Achimenes hirsuta etc., nur in der
Corollenform von Trevirania abweichend.
Acanthaceen. Diese Familie hat durch die Bearbeitung von
Ne'es V. Esenbeck in der Flora brasiliensis (Fase. 7. 164 pag. mit
31 Taf.) und im Prodromus (Vol. 11. p. 46— 519) eine fast beispiellose
Bereicherung an neuen Gattungen und Arten erhalten. Der Fami-
liencharakter ist im Prodromus aus Endlicher's Genera abgedruckt,
wobei durch eine Nachlässigkeit E.'s persönliche Schlussbemerkung
stehen blieb. Dieser Fehler ist in der Fl. brasiliensis vermieden,
wo übrigens das Nämliche geschehen, jedoch auch eine Bemerkung
über die Knospenbildung aufgenommen ist: gemmae oppositae, alter-
natim minores et saepe deljquescentes, serie v. striga pilorum a
gemma fortiori in caule decurrente. Bedeutend ist auch die Beob-
achtung von Klotz seh und Karsten, dass bei Mendoncia und En-
gelia das Ovarium ursprünglich einfächerig sei und nur 2 Ovula ent-
halte (Prodr. 11. p. 720). Uebersicht der neuen Gattungen, nach
Nees' Tribus geordnet:
Subordo I. Anechmatacant heae. Retinacula uncinata O.
Tribus I. Thunhergteae. Funiculi in cupulam corneam di-
latati. — Engelia Karst. (Prodr. 11. p. 721): Venezuela.
Trib. II. Nelsonieae. Retinacula in papillam contracta.
Subordo 11. Echmatacantheae. Retinacula uncinata.
Trib. III. Hygrophileae. Calyx öfidus; corolla ringens; an-
therae biloculares. Capsula a basi polysperma (Glossochilo 4sperma,
Sautierae a medio seminifera). — Glossochilus Ns. (Pr. p. 83):
Cap; Belaut her a Ns. (ib. p. 96): tropisches Afrika?; Leuco-
rhaphis Ns. (ib. p.97): trop. Afrika; Petracanthus (ib. p. 97):
Java.
Trib. IV. Ruellieae. Calyx öfidus; corolla subregularis; sta-
mina didynama (3generibus abortu 2), antheris bilocularibus. Cap-
sula V. polysperma v. oligosperma et versus basin sterilis. — Co-
donacanthus Ns. (Pr. p. 103) = Asystasiae sp. apud Wall.; Ho-
viotropium Ns. (Fl. bras. p. 47): Brasilien; Stachyacanthus
Ns. (ib. p. 65): ebendaher; Hemigraphis Ns. (Pr. p. 722) = Ruel-
liae sp. auctorum; Henfreya Lindl. (Bot. reg. 1847. t. 31): Patr.
ignot.; Triaenacanthus Ns. (Pr p. 169): Ostindien; Siphona-
canthus Ns. (FI. bras. p. 45): Brasilien; Stemo?iaca7it hus Ns.
(ib. p.53): tropisches Amerika; Eurychanes Ns. (ib. p.52): Bra-
silien; Ärrhostoxylum Ns. (ib. p. 57): tropisches Amerika; Ma-
crostegia Ns. (Pr. p.218) = Ruelliae sp. Rz. peruv. ; Onycha-
canthus Ns. (ib. p. 217) = Ruelliae sp. Pavon. Amer. trop.; Oph-
thalmacanthus Ns. (ib. p. 219) = Ruelliae sp. auctor. mexican.;
systematischen Botanik während des Jahres 1847. 333
Ancylogyne Ns. (Fl. bras. p. 63); Jndroceiitruiii Lemaire
(Pr. p. 725): Mexico.
Trib. V. Barlerieae. Calyx inaequalis; stamina didynama,
altero pari brevissimo, antheris bilocularibus. Capsula juxta basin
4(— 2) Sperma. — Teliostachya Ns. (Fl. bras. p. 71).
Trib. VI. Acant heae, Calyx 4partitus, (in 2 gener. 5parti-
tus); coroUa unilabiata; stamina didynama, antheris ciliatis unilocu-
laribus (altero pari Blepharidi biloculari). Capsula supra basin
4 Sperma. — Isacanthus Ns. (Pr. p. 278): tropisches Afrika.
Trib. VII. Aphelandreae. Calyx 5fidus, lobis 2 lateralibus
membranaceo-chartaceis; stamina 4, antheris unilocularibus. Cap-
sula supra basin 4sperma. — Polythrix Ns. (Pr. p. 285): Mada-
gaskar; Lagochilium Ns. (Fl. bras. p. 85): tropisches Amerika;
Holtxendorffia Klotz seh. Karst. (Pr. p. 727): Caracas.
Trib. VIII. Gandarusseae. Diagnostische Charaktere durch
Aufnahme abweichender Elemente verdunkelt, a. Antherae unilocu-
lares. — Mackenxiea Ns. (Pr. p. 308): Südamerika?; Spiro-
Stigma Ns. (Fl. bras. p.83): Brasilien; Ramusia Ns. (Pr. p. 309)
= Justicia tridentata E. Mey. vom Cap; St eriostephanus Ns. (Fl.
bras. p.91): tropisches Amerika; Galeottia Ns. (Pr. p.311): Me-
xico; Acanthocometes Ns. (ib. p. 311) = Justicia aristata Wall.
Ind. or.; Habracafit hus Ns. (ib. p. 312) =r J. haematodes Schlechtd.
etc. mexican. ; Sebastianoschaueria Ns. (Fl. bras. p. 158): Bra-
silien; Holographis Ns. (Pr. p. 728): Mexico; Chaetothylax
Ns. (Fl. bras. p. 153): trop. Amerika.
b. Antherae biloculares, muticae. Stamina 2, (in Herpetacantho
4, antheris breviorum unilocularibus). — Hein%elia Ns. (Fl. bras.
p.l53): Brasilien; Pachystachys Ns. (ib. p. 99): trop. Amerika;
Cyrt anthera Ns. (ib. p. 99): ebendaher; Rover denia Ns. (Pr.
p. 330): Mexico; Cardiacanthiis Schau. (Linnaea 20. p. 714):
Mexico; Jacobinia Ns. (Fl. bras. p. 113): Südamerika; Harpo-
chilus Ns. (ib. p. 146): Brasilien; Drejera Ns. (ib. p. 112): trop.
Amerika; Plagiacant hus Ns. (Pr. p. 335) = Justicia racemosa
R. P. peruv.; Sericographis Ns. (Fl. bras. p. 107): trop. Amerika;
Herpetacant hus Ns. (ib. p. 94): ebendaher.
c. Antherae biloculares, basi cornutae. Stamina 2, (in Hemi-
choriste 4, antheris breviorum unilocularibus). — Atiisostachya
Ns. (Pr. p. 368): Madagaskar; Sarotheca Ns. (Fl. bras. p. 113):
trop. Amerika; Stmotiisia Ns. (ib. p. 144): Brasilien; Anisotes
N s. (Pr. p. 424) = Justicia trisulca Vhl. arab.
Trib. IX. Eranthemeae. Durch höhere Insertion der Staub-
gefässe von den Gendarusseen unterschieden, mit denselben durch
eine Capsula basi attenuata sterilis, a medio 2— 4sperma und An-
therae biloculares übereinstimmend. — Sericospora Ns. (Prodr.
p. 444): Westindien; Ant hacajit hus N s. (ib. p. 460) = Eranthemi
Sect, 3. ap. Endl.
334 Grisebach: Bericht über die Leistungen in der
Trib. X. Dich'ptereae. Calyx öpartitus; stamina 2, (Blcrho
4 et Pentstemonacantlio 5). Capsula raedio 2 — 4 — 8sperma. —
Pe7itstemonacant hus Ns. (Fl. bras. p. 159): Brasilien; Üacty-
lostegium Ns. (ib. p.l62): im Prodr. zu Dicliptera reducirt; Bro-
ck osip hon Ns. (Fr. p. 492): Nordküste von Neuholland; Lasio-
cladus B oj. (ib. p. 510): Madagaskar; Br achystep haiius ^%-
(ib. p. 511): ebendaher; Clinacanthtts Ns. (ib. p. 511) = Justicia
nutans Burm. etc.
Trib. XI. Andrographideae. Calyx 5fidus; stamina 2, an-
theris inferne barbatis. Capsula depressa, a basi 8 — 16sperma.
Scrophularineen. Decaisne behauptet den Parasitismus
sämmtlicher Rhinanthaceen (Ann. sc. nat. 1847. 8. p. 5—7). Bei Ale-
ctorolophus, Melampyrum und Odontites fand er eine Verwachsung
ihrer Radicellen mit denen von Gräsern und Holzgewächsen, nebst
einer Anschwellung (ampoule) am Punkte des Contacts. Er leitet
davon ab, dass die Rhinanthaceen sich nicht kultiviren Hessen, wo-
gegen ich alpine Pedicularis- Arten in der Kultur gut fortkommen
sah. Endlich stellt er hiermit Brongniart's Beobachtung zusammen,
dass MelampjTum mit Clandestina in dem Mangel der Markstrahlen
übereinkommen und findet die gleiche anatomische Struktur des
Stengels bei Pedicularis, Castilleja, Cymbaria, Bartsia und Buchnera.
— Bunge liefert einen trefflichen, systematischen Beitrag zur Kennt-
niss der 7 mitteleuropäischen Pediculares rhyncholophae (Bot, Zeit.
5. S. 897— 903 u. 913—918). — Neue Gattung: Nicodemia Ten.
(nach Walp. Ann. 1. p. 531) = Buddleja indica Lam.
Solaneen. Ueber die Aestivation dieser und der verwandten
Familien theilt Irmisch einige gute Beobachtungen mit (Bot. Zeit.
5. S. 641. 657).
Boragineen. Neue Gattung: Anoplocaryon Led. (Fl. ross.
3. p. 154) = Echinospermum compressum Turcz.
Myoporineen. Sie sind von A. DeCandoUe im Prodromus
bearbeitet (11. p. 701 — 716). Die Antheren findet er den Selagincen
ähnlicher gebaut, als bisher angenommen wurde, weil die beiden
Fächer zu einem einzigen zusammenfliessen. Seine neuen Gattungen
sind: Disoon (p. 703) = Myoporum floribundum Cunn.; Neso-
g enes {\\i.): Strauch auf W'hitsunday -Island; Pseudop holidia
(p. 704) = M. brevifolium Bartl. in pl. Preiss.; Polycoeliuvi (p. 705)
= Pentacoelium Sieb. Zucc.
Verbenaceen. Sie sind von Schauer im Prodromus bear-
beitet und die Avicennieen mit ihnen vereinigt (11. p. 522—700). Die
Ovula sind in dieser Familie entweder aufrecht und anatrop , oder
hängend und amphitrop (Viteen), womit die unveränderliche Lage
der Radicula infera zusammenhängt : hierauf beruhen S.'s höchst
natürliche, zugleich durch die Inflorescenz bezeichnete Tribus. Meh-
rere, hierher gerechnete Gattungen hat er ausgeschlossen, z.B. Bu-
ohia Kth. , Phryma L,: erstere ist nach ihm eine Rubiacee,
systematischen Botanik während des Jahres 1847. 335,
Phrj^maceen. Phrj'ma leptostachya L., bisher mit der Ver-
benacee Priva Ad. (Phryma Forsk.) verwechselt, bildet nach Schauer
den Typus einer eigenen Familie, die sich durch ein Ovarium sim-
l)lex uniovulatum und Ovulum erectum atropum von den Verbena-
ceen unterscheidet (DC. prodr. 11. p. 520— 21). Vereinigt man diese
mit den Myoporineen, so kann auch Phryma wieder zu ihnen zu-
rückkehren, da sie den Verbenaceen-Habitus besitzt und die Keduc-
tion des Pistills allein die Absonderung nicht rechtfertigen würde.
Labiaten. Neue Gattung: Rhodo chlamys Schau. (Unnaea
20. p. 706): strauchartige Stachydee in Mexico.
Asclepiadeen. R. Brown theiit Griffith's Beobachtungen
über die Befruchtung von Dischidia mit (Proceedings of Linnean
soc. 1847. March.). — Neue Gattungen: Tympaiiaiithe Hassk.
(Regensb, Flora 1847. S. 757): Liane in Mexico; Myriopteron
Jack (Calcutta Journ. 4. p. 385 nach Walp. Ann. l.p. 505): Liane in
Assam, nach den an den Früchten herablaufenden Flügeln benannt.
Caprifoliaceen. Barneoud behauptet, dass bei Lonicera
das Pistill aus 5 Carpophyllen angelegt sei, wodurch sich ein di-
stinktiver Charakter der Familie gegen die Kubiacecn ergeben würde
(Comptes rendus 25. p. 211).
Rubiaceen. Neue Gattungen: Berg hesia Ns. (Linnaea 20.
p. 701): Cinchonee aus Mexico; Laicia Wght. (ic. t. 1070. nach
Walp. Annal. 1. p. 376); aus Ostindien; Hypodematium Rieh. (Fl.
abyss. 1. p. 348) = Mitracarpi sp. Höchst, pl. Schimp.; Kurria
Höchst, (das. p. 356): Gardeniacee aus Abyssinien; Vignaldia
Rieh. (das. p. 357) = Mussaendae sp. Höchst., aber eine Hedj'oti-
dee; Theyodis Rieh. (das. p. 364): Hedyotidee aus Abyssinien.
Stylidieen. Während nach Barneoud (Compt. rendus 25.
p. 212) die Verwachsung der Staubfäden und Antheron allgemein auf
einem Zusammenwachsen der früher getrennten Organe beruht, findet
er die Monadelphie bei Stylidium durch Symphyse, gleich der Ver-
wachsung der äusseren Wirtel bedingt (Ann. sc. nat. 1847. 8. p. 349.
fig. 52),
Lobeliaceen. Neue Gattung: Streleskia J. D. Hook. (Lond.
Journ. of Bot. 6. p. 266) : aus Tasmanien, mit Isotoma verwandt.
Synanthereen. Nach Barneoud geht das Pistill bei Son-
chus und Hieracium aus 2 Carpophyllen hervor, während bei den
Dipsaceen (Cephalaria) nur ein Carpophyll und bei den Valerianeen
(Centranthus) 5 Carpophj^lle vorhanden sein sollen (Compt. rendus
25. p. 211). — Eine neue Disposition der Vernoniaceen entwirft C. H.
Schultz (Linnaea 20. p. 498 — 522). Die Euvernoniaceen De Can-
dolle's zerfallen hiernach in folgende Gruppen: a. Sparganophoreae.
Achenia cupula spongiosa terminata. b. Oligantheae. Achenia calva
V. pappo paleaceo munita. c. Vernonieae. Pappus saltem internus
pilosus. — Richard vereinigt Pluchea mit Blumea (Fl. abyss. 1.
p. 391); auch Conyza sei sehr nahe verwandt, aber theils durch An-
336 (ji'isebach: Bericht über die Leistungen in der
therae ecaudatae, theils durch Achenia compressa et plerumque
plica crassiuscula cincta zu unterscheiden. — Neue G attungen:
Candidea Ten. (nach Walp. Ann. 1. p.392): unvollständig charak-
terisirte Vernoniacee aus Senegambien; Kanimia Gardn. (Lond.
Journ. of Bot. 6. p.446): brasilianische Eupatoriaceen, von Mikania
nur durch einen Pappus biserialis unterschieden; C oryn an t he-
ll um Kz. (Linnaea 20. p. 19) = Moronoa Hort., Mikania nahe ste-
hend, Patr. ignot.; Monoptilon Torr. Gr. (Boston Journ. 5. 1. 13
nach Walp. a. a. O. p.405): Diplopappee der Rocky Mountains;
Emphysopus J. D. Hook. (Lond. Journ. of Bot. 6. p. 113): Belli-
dee aus Tasmanien; Platystephium Gardn. (a. a. O. 7. p. 80):
Bellidee aus Brasilien; Atnphipappus Torr. Gr. (a. a. O. p. 407):
Chrysocomeenstrauch der Rocky Mountains; Oligolepis Wght.
(Ic. t. 1149, nach Walp. a. a. O. p. 408) = Sphaeranthus amarantoi-
des DC, nach der Beschreibung eine Grangeinee; Hymetiopholis
Gardn. (a. a. O. 7. p. 88): brasilianische Tarchonanthee; Lind-
heimera Gray Engelm. (Proceedings of Americ. Academ. 1846.^
Dec.): Melampodinee aus Texas, mit Berlandiera verwandt; Vhdea
Kth. (Index sem. Berolin. 1847) = Polymnia grandis Hort., mit der
Coreopsidee Actinomeris verglichen, aus Mexico; Barattia Gray
(Proceed. a. a. O.): Helianthee aus Texas; Geraea Torr. Gr.
(Proceed. a. a. O.): Helianthee aus Californien; Echinocephaluvi
Gardn. (a. a O. 7. p. 294) und Serpaea Gardn. (das. p.296):
brasilianische Heliantheen, neben Oyedaea gestellt; Amphicalea
Gardn. (das. p. 411) = Calea Sect. l.DC. , aber zu den Euhelenieen
transponirt; Ag assixia Gr. Engelm. (Proceed. a. a. O.): Hele-
niee aus Texas; Calliachyris Torr. Gr. (nach Walp. a. a. O. 1.
p.. 417): Heleniee aus Californien; Chamaemelum Vis. (Adnot. ad
sem. Patavin. 1846. u. Fl. dalmat. 2. p.84) = Pyrethrum inodorum et
affin.: sein Ch. uniglandulosum t. 51. f . 1 ist mein P. trichophyllum;
Sphaeroclininm Vis. (Sem. Patav. das.) = Matricaria nigellae-
folia DC. ; Ctenosperma J. D. Hook. (Lond. Journ. of Bot. 6.
p. 115) und Symphyomera J. D. Hook. (das. p. 116): Hippieen
aus Tasmanien; Ptery g opappus J. D. Hook. (das. p. 120): Heli-
chr3'^see ebendaher; Ar gyrophanes Schlecht. (Linnaea 20. p. 596):
Helichrysee aus Adelaide; Madacarpiis Wght. (Ic. 1. 1152, nach
Walp. a. a. O. p. 425): aus Ostindien, zwar zu den Senecioneen ge-
bracht, jedoch ohne Pappus und mit sterilen Ligularblüthen; U biaea
Gay (Rieh, abyss. 1. p. 447) = Schnittspahnia Schimperi C.H.Schultz
pl. abyss.; Amphoricarpos Vis. (Fl. dalm. 2. p.27. 1. 10): dalma-
tische Serratulee, im Habitus mit Jurinea übereinstimmend und durch
weibliche Randblumen nicht bedeutend verschieden, von Visiani un-
richtig zu den Xeranthemeen gestellt; Hyalea Jaub. Sp. (Jll.
Orient, t. 214): von den persischen Centaureen abgesondert; Bynie-
nocephalus Jaub. Sp. (das. t. 209): Centauriee aus Persien; Gon-
gylolepis Rob. Schomb. (Linnaea 20. p. 759): Mutisiacee aus
systematischen Botanik ^^ährend des Jahres 1847. 337
Guiana; Anisocoma Torr. Gr. (Boston Journ. a. a. O. p. 461):
nordamerikanische Cichoracee.
Piumbagineen. Plane hon erklärt sich gegen die Verwandt.
Schaft derselben mit den Plantagineen und hält sie den Frankenia-
ceen näher stehend (Lond. Journ. of Bot. 6. p. 595), Für diese An-
sicht macht er geltend, dass die Piumbagineen ein doppeltes Inte-
gument am Ovulum besitze, -während er den Plantagineen und Pri-
mulaceen einen nackten Nucleus zuschreibt; zwar gebe Barneoud
auch bei Plantago ein doppeltes Integument an, allein bei der ge-
nausten Untersuchung habe er keins gesehen.
Asarineen. Neue Gattung: Lobbia V\^^1^Q\\. (Lond. Journ.
of Bot. 6. p. 144): Strauch in Singapore; 3, 16 — 18, 4; mit Bragan-
tia und Thottea nahe verwandt.
Proteaeeen. Neue Gattung: i'^w/irea H arv. (Lond. Journ.
of Bot. 6. p. 373): Capstrauch, durch terminale Aehren von Protea
abweichend.
Thymelaeen. Neue Gattungen: Thi/melaea Eudl. (Suppl.
4, p.65) = Chlamydanthus m., d. h. Chlamydanthus' und Piptochla-
mysC. A. Mey.; Enkleia Griff. (Calcutta Journ. 4. p. 234 nach
Walp. Ann. 1. p. 587): aus Malacca, mit Lasiosiphon von Endl. ver-
einigt; Jenkinsia Griff, (das. p. 231): Liane in Assam, diöcisch,
mit 2 hängenden Ovulis und daher von Endl. mit Lagetta unter die
zweifelhaften Thymelaeen gestellt.
Santaleen. Mitten weist den Parasitismus von Thesium nach
und begründet dadurch einen neuen Berührungspunkt der Santaleen
mit den Loranthaceen (Lond. Journ. of Bot. 6. p. 146—148 mit einer
Taf.). Thesium ernährt sich von den Rhizomen verschiedener diko-
tyledonischer Stauden und auch von Glumaceen; die Wurzel schwillt
bei der Berührung mit der Mutterpflanze zu einem hemisphärischen
Knöllchen (tubercle) an, aus dessen Innern eine zungenförmige Spon-
giola hervorwächst und tief in das fremde Rhizom (also bis zu des-
sen Gefässbündeln ) eindringt. — Neue Gattung: Darbya Gray
(Sillim. Journ. 1846. 1. p. 386): diöcischer, bisher nur in (^ Exem-
plaren beobachteter Strauch in Georgien und Nordkarolina.
Monimieen. Siparuna, eine vernachlässigte Gattung Aublet's,
ist von Cr ueger wiederhergestellt, beschrieben und neben Citrosma
dem System eingeordnet (Linnaea 20. p. 113).
Amarantaceen. Psilostachys Höchst, aus Arabien wird von
Endlicher Poechia genannt (Suppl. 4. p. 43).
Chenopodeen. Neue Gattungen: Oreobliton Durieu (Re-
vue botanique 2. p.428 nach Endl. suppl. 4. p. 40): Kochiee aus Al-
gerien, vom Ansehen eines Thesium; Syoctoiium Beruh. (Thür.
Gartenzeit. 1847 nach Bot. Zeit. 5. S. 286) = Chenopodium rubrum
und glaucum.
Saliceen. Wichura äussert sich über die Morphologie des
Weiden-Pistills (Arbeit, der schlesisch. GescUsch. 1847. S. 131—133).
338 Grisebach: Bericht über die Leistungen in der
Aus der monströsen Umbildung des Pistills in Staminen ergiebt sich,
dass dasselbe aus 2 lateral gestellten Blättern besteht. Der Griffel
hat allgemein die Tendenz, sich in 4, den Placenten in ihrer Lage
entsprechende Narben zu spalten: aber gewöhnlich werden nur 2
von einander abgesondert. Durch die Stellung der letzteren zerfallen
die Weiden in zwei natürliche Gruppen: a. Die Narben entsprechen
der Mittellinie des Carpophylls = Stigmata lateralia: *z. B. S. pentan-
dra, fragilis, alba, amygdalina, incana, nigricans, silesiaca, bicolor,
myrtilloides. b. Die Narben entsprechen den Carpophvll-Suturen
(demnach sind sie wie bei den Cruciferen gebildet) = stigma anticura
et posticum: z. B. S. purpurea, viminalis, cinerea, Caprea, aurita,
depressa, rosmarinifolia. — Wichtig für die Systematik der Weiden
sind die Untersuchungen von Wimmer über den hybriden Ursprung
derjenigen Arten, welche spontan nur in vereinzelten Individuen und
mit schwankenden Charakteren vorkommen (das. S. 124—131. 1. 1— 3).
Mag man auch über die Deutung der Abstammung bei einigen For-
men abweichende Ansichten hegen, so ist die Theorie selbst doch
als bewiesen zu erachten und bedarf nur noch einer Vervollständi-
gung durch den Beweis, dass die hybriden Weiden die Samen min-
der vollkommen ausbilden. Uebersicht derjenigen hybriden Formen,
welche als besondere Arten betrachtet zu werden pflegen: Salix pur-
purea mit S. viminalis = Ä. rubra Huds., mit repens = S. Doniana
Sm. , mit S. cinerea = S. Pontederana W.; S. viminalis mit S. aurita
= S. Smithiana partim , mit S. Caprea = S. acuminata Kch. (lanceo-
lata DC. u. Fr.) und S. stipularis Kch., mit S. repens = S. angusti-
folia Wulf., mit hippophaefolia = S. mollissima Wimm. (S. mollis-
sima Ehrh. hat einen verschiedenen Ursprung); S. aurita mit S. re-
pens = S. ambigua Ehrh. und S. spathulata W., mit incana = S.
oleifolia Scr., mit S. myrtilloides = S. finmarchica Fr.; S. cinerea
mit S. incana = S. Seringeana W. , mit S. Caprea = S. grandifolia
Ser.; S. lapponum mit S. myrtilloides = S. fusca Fr.; S. hippophae-
folia mit S. amygdalina = S. undulata Wm. (ebenfalls nicht für die
Ehrhart'sche Pflanze = S. amygdalino-viminalis Mey. gültig, da wir
S. hippophaefolia im nordwestlichen Deutschland gar nicht besitzen).
— Hieran schliessen sich Wimmer 's Bemerkungen über die Be-
ständigkeit der Charaktere bei den Weiden (das. S. 155— 169). Wir
finden hier die Notiz, dass bei Salix triandra die cf Blüthen 2, die
$ nur ein Nectarium besitzen.
Urticeen. Trecul publicirt eine ausführliche Monographie
der Artokarpeen (Ann. sc. nat. 1847. 8. p. 38-157 mit 6 Taf.). Das
fehlende Albumen dient nicht mehr zur Diagnose derselben von den
Moreen, da die neue Gattung Cudrania ein fleischiges Albumen be-
sitzt und ein schwächer entwickeltes auch bei Cecropia vorkommt :
hiernach müsste auch Ficus von den Moreen zu den Artokarpeen
transponirt werden und die Diagnose beider Gruppen beruht dem-
zufolge darauf, dass in der Knospe die Filamente der Moreen ein-
systematischen Botanik während des Jahres 1847. 339
geschlagen (inflexa), bei den Artokarpeen aufrecht sind, wonach
Trophis americana L. ausgeschlossen wird und zu den Moreen ge^
hört. Auch der gerade Embryo ist kein allgemeiner Charakter der
Artokarpeen, da er nur das basilare und atrope, so wie das hän-
gende und anatrope Ovulum bezeichnet, während die Gattungen mit
lateraler Placenta, wo die Krümmung des Ovulum wegen der un-
veränderlichen Micropyle supera kampylotrop oder hemitrop ist,
auch eine entsprechende Krümmung des Embryo zeigen. Die übri-
gen Familien, in welche man die alten Urticeen getheilt hat, unter-
scheiden sich gleichfalls nur durch vereinzelte Charaktere, die höch-
stens den Werth haben natürliche Tribus zu begründen , und müssen
daher nach T. wieder vereinigt werden: so beruht der Unterschied
der Urticeen im engeren Sinne und der Celtideen von den Artokar-
peen auch nur auf den Filamentis aestivatione inflexis, der Ulma-
ceen nur auf der Polygamie der Blüthen, welche bei den Artokar-
peen stets diklinisch sind, der Cannabineen sogar nur auf den op-
ponirten Blättern der unteren Knoten, wogegen nach Miquel auch
einige Ficeen die opponirte Blattstellung zeigen, und auf der man-
gelnden Holzbildung, während alle Artokarpeen Holzgewächse sind.
— Die unveränderlichen Charaktere der Artokarpeen sind folgende:
cT (2—6—0), 1—2—4; 9 (3 — 6-0), 1; stamina perigonio inserta et
opposita, antheris rima dehiscentibus; ovarium a perigonio distin-
ctum, uniovulatum, stylo simplici, stigmatibus 1 — 2—3; radicula su^
pera; folia alterna, simplicia, stipulis axillaribus. Die Stipulen sind
nach T.'s Untersuchung von dem Blattstiel ursprünglich geschieden
und etwas höher als dieser inserirt. Das Perigonium fehlt bei Bro-
simum und in den männlichen Blüthen von Castilloa und Pseudol-
media, nach Miquel auch bei einer Ficeen-Gattung (s.u.). Die Zahl
der Staubgefässe ist typisch der der Perigonialblätter gleich: aber
wie Artocarpus und Coussapoa monandrisch sind, so wird ihre An-
zahl in der nackten Blüthe unbestimmt und bei Pseudolmedia, wo
3 Staminen zu einer Bractee zu gehören scheinen, findet T. zuweilen
deren 15; Monadelphie zeigt Pourouma: bei Coussapoa beruht die
Annahme, dass zwei Staubgefässe verbunden seien, nur auf der vier-
fächerigen Anthere. Die Antheren sind fast immer zweifächerig:
nur eine Art von Brosimum (B. Alcicastrum) macht hiervon eine
Ausnahme (anth. uniloculares , peltatae, ambitu dehiscentes); dieDe-
hiscenz ist bald nach innen, bald nach aussen gerichtet, oder bei
den peltirten Antheren von Brosimum nach aufwärts. Das Rudiment
eines Pistills in der männlichen Blüthe ist in 4 Gattungen vorhanden,
allein die weibliche Blüthe besitzt niemals Rudimente von Staub-
gefässen. Bei dieser fehlt auch das Perigonium häufiger oder wird
durch die eigenthümlichen Wucherungen des Torus vertreten, die
bei den Artokarpeen eine so mannigfaltige Bildungsreihe entwickeln
und durch welche die Früchte hier die grössten Dimensionen im
ganzen Pflanzenreich erreichen (von Artocarpus integrifolia beschreibt
Arrhir f. Nalurgescli. XIV. Jahrg. 2. Bd. Y
340 Grisebach: Bericht über die Leistungen in der
T. Früchte bis zu 50 Kilo Gewicht, bei 80 : 30 Centimetern Durch-
messer). Hierauf scheinen mir auch die wenigen Fälle bezogen
werden zu müssen, wo eine Adhärenz des Ovarium mit dem Peri-
gonium von T. beschrieben wird ( Pseudolmedia: ovarium inferum ;
Perebea: ovar. seminiferum) : diese Adhärenz ist, nach den Abbil-
dungen (fig, 138. 154) zu schliessen, gewiss nur eine scheinbare und
durch Ungleichheiten der Torusoberfläche bedingte, nicht aber, wie
bei dem ächten Ovarium inferum anzunehmen ist, eine Verwachsung
desselben mit der Kelchröhre. Diese Unterscheidung ist deshalb
hier um so wichtiger, als mit der Annahme einer solchen Verwach-
sung bei den Urticeen einer ihrer wichtigsten diagnostischen Cha-
raktere verloren gehen würde. Ebenso ist die Einfachheit des Ova-
riums als unveränderlich zu betrachten, wiewohl T. bei Artocarpus
incisa zuweilen 2 bis 3 Fächer gefunden hat: allein dies sind offen-
bar Monstrositäten, wie Gasparrini bei kultivirten Ficeen sah und
wie sie De Candolle auch bei dem einfachen Leguminosen -Pistill
beschreibt. Gabe man zu, dass bei den Urticeen ein Ovarium in-
ferum pluriloculare möglich wäre, so würden auch die Cupuliferen
•mit ihnen zusammenfallen , die T. durch keinen weiteren Charakter
zu unterscheiden weiss. — Die Indehiscenz der Perikarpien ist nicht
allgemein, da Pourouma und Conocephalus zweiklappige Kapseln
besitzen (fig. 44). — Bei der Darstellung der natürlichen Verwandt-
schaften erwähnt T. ausser den Amentaceen die Monimieen und
Phytocreneen: allein beide gehören wegen der fehlenden Stipu-
larbildungen einem verschiedenen Verwandtschaftskreise an. Phyto-
crene Wall., die von Decaisne als Synonym zu Gynocephaltum
Bl., einer irrig mit Conocephalus verglichenen Gattung, reducirt
worden ist, wird von T. für eine verlarvte Proteacee gehalten und
von den Artokarpeen schon wegen der Ovula 2 pendula mit Recht
ausgeschlossen: aber seine neue Ansicht ist ebenfalls unzulässig,
weil die Lage der Micropyle ohne Zweifel entgegengesetzt ist und
weil Lindley im Samen ein starkes Albumen fand (a very large quan-
tity of granulär albumen). Mir scheinen nach dieser Angabe die
Phytocreneen nicht von den Garryaceen getrennt werden zu dürfen,
mit denen sie auch im Bau des Ovariums und im Typus der Inflo-
rescenz übereinstimmen und von welchen sie nur durch den Flos $
inferus und die abwechselnden Blätter abweichen.
üebersicht der Artokarpeen-Gattungen nach Trecul: a. Cono-
cephaleae. Ovulum basilare; stigma simplex. Cecropia (15 ame-
rik. sp.); Dicranostachys Tr. (p. 85): ein senegambischer Baum,
vielleicht mit Myrianthus P. B. zu verbinden; Conocephalus (9 sp.
des ostindischen Archipels); Coussapoa (11 amerik. sp.). b. Pou-
roumeae. Ovulum laterale; stigma discoideo-peltatum. Pourouma
(11 amerik. sp.). c. Euartocarpeae. Ovulum pendulum. Flores
Q QO in toro convexo. Treculia Decs. (p. 108): 1 sp. aus Sene-
gambien; Artocarpus (19 indische und oceanische Bäume; Cudrania
systematischen Botanik während des Jahres 1847. 341
Tr. (p. 122) = Trophis spinosa Ronb. et affin., 3 indische sp. d.
Olmedieae. Ovulum pendulum. Flores Ql in toro piano v. sub-
concavo. Olmedia (7 amerik. sp.); Fseudolmedia Tr. (p. 129) =
Olmedia ferruginea Popp, und 3 andere amerik. sp.; Perebea (2 sp.
aus Guiana); Helicostylis Tv. (p. 134) = Olmed. tomentosa Popp.;
Noyera Tr. (p. 135): Baum in Guiana; Castilioa (1 sp. aus Cuba
und Mexico.) e. Ficeae. Ovulum pendulum. Flores in toro urceo-
lato. Ficus. f. Brosimeae, Ovulum pendulum. Flos Q solita-
rius ( — 2) receptaculo vel involucro connatus. Brosimum (6 amerik.
sp.); Trymatococcus Popp.; Antiaris (4 sp. im indischen Archipel
und dem nördlichen Australien); Sorocea (brasilianische Bäume).
Nicht eingereiht sind Musanga und Galactodendron als unvollständig
bekannte Artokarpeen.
Die Ficeen, welche T.'s Monographie übergeht, sind gleichzeitig
von Miquel monographisch bearbeitet worden (Lond. Journ. ofBot.
6. p. 514 — 588 und Fortsetzung im 7ten Bande). Auch hat Kunth
die ausgeführte Beschreibung von 67 Ficus -Arten des Berliner Gar-
tens gegeben (Ann. sc. nat. 1847. 7. p. 231— 256.) Während der Letz-
tere die Gattung Ficus im alten Umfange beibehält, begründet M.
nach Gasparrini's Vorgang eine Reihe selbstständiger Typen, deren
Darstellung er mit der wichtigen Bemerkung einleitet, dass dieselbe
Art oft verschiedene Zahlenverhältnisse in der Blüthe zeige (stamina
1—3, Stigmata 1 — 2, perigonii segmenta 3 v. 5). Auch bemerkt er,
dass bei einigen Arten das Perigonium sich erst nach der Befruch-
tung entwickelt und dass zuweilen ein getheiltes Perigonium im Alter
sich in mehrere Blätter auflöse. Uebersicht von M.'s Ficeen-Gattun-
gen. a. Flores perigonio instructi. ürostigma Gasp. (167sp.);
Pharmacosycea Miq. (7. p. 64): 12 südamerikanische sp., z. B.
F. Radula W.; Pogon atrophe Miq. (7. p. 72) : 16 ostindische sp.,
z. B. F. vagans Roxb.; Sycomorus Gasp. emend. (19 sp. aus Afrika
und Arabien); Ficus (138 sp. inclus. Caprifico Gasp.). b. Flores Q
nudi = Covellia Gasp. (31 sp. aus Asien), c. Flores omnes nudi =
Synoecia Miq. (7. p. 469): 2 sp. aus Java und Penang = F. diver-
sifolia und macrocarpa Bl.
Ausserdem sind folgende neue Gattungen von ürticeen aufge-
stellt: Plecospermum Trec. (a. a. O. p. 124): strauchartige Mo-
ree aus Ostindien; LeucosyTce Zolling. (Moritzi Verz. S. 76):
Moree aus Java; Ampelocera Klotzsch (Linnaea 20. p. 541):
Celtidee aus Peru; Hemistylus Benth. (PI. Hartweg. 123 nach
Endl. suppl. 4. p.37): Urticee aus Mexico.
Begoniaceen. Nach Barneoud geht das Perigonium sowohl
der männlichen als weiblichen Blüthe von Begonia aus einer sym-
metrischen Cupula 5dentata hervor und die späteren Gebilde sind
Wucherungen dieser Zähne, von denen einzelne nebst ihrer Stütze
verschwinden (Ann. sc. nat. 1847. 8. p. 350).
342 Grisebach: Bericht über die Leistungen in der
Piperaceen. Miquel beschreibt die neuen Arten von Pipe-
raceen aus den Wiener und Münchener Sammlungen, besonders bra-
silianische (Unnaea 20. p. 117—182).
Coniferen. Endlicher hat eine treffliche Monographie die-
ser Familie bearbeitet, welche besonders auf die Diagnostik der
Arten und deren geographische Verbreitung eingeht (Synopsis Coni-
ferarum. S. Gallen, 1847. 8. Vergl. meine Recension in den Götting.
Anz. 1848. Nr. 5). Die Zahl der hier beschriebenen Coniferen be-
trägt 255 Arten und 23 Gnetaceen. — Link giebt eine üebersicht
der Abietineen des Berliner Gartens (Linnaea 20. p. 283 — 298). —
Neu aufgestellte Gattungen bei Endlicher: Libocedrus (p. 42) =
Thujae sp. chilens. et Nov. Zeeland.; Glyptos trobus (p.69) =
Taxodii sp. chinens.; Sequoia (p. 197) = Taxodium sempervirens.
Kritisches zu einigen europäischen Arten : Juniperus Oxycedrus L.
ist nach E. J. macrocarpa Kch. nee Sibth. galbulis badiis pruinosis,
dagegen J. Oxycedrus Kch. = J. rufescens Lk. galbulis rubris nitidis;
die spanische J. thurifera L. wird zu meiner J. sabinoides gezogen,
ist jedoch wahrscheinlich J. oophora Kz.; Pinus obliqua Saut, und
rotundata Lk. sind als Spielarten zu P. uncinata Kam., von der sie
bestimmt specifisch verschieden und vielmehr mit P. sylvestris zu
verbinden wären.
Brocchia Mauri (nach Walp. Ann. 1. p. 364) ist eine unvoll-
ständig beschriebene, dikotyledonische, diöcische Pflanze von unge-
wisser Stellung. '
Palmen. Die physiologische Schrift von Karsten über die
Vegetationsorgane der Palmen (Berlin, 1847. 4.) gewährt dem Sy-
stematiker W'Cnig Ausbeute. Wiewohl der Verf. gegen Unger's Vege-
tatio peripherica der Monokotyledonen polemisch auftritt, so ist es
doch schwer ihm zu folgen. So weit ich ihn verstehe, behauptet
er, dass die Gefässbündel der neu gebildeten Blätter in ihrem un-
teren, dem Stamm angehörigen Theil nicht auswärts von den älteren
sich anlegen, sondern zwischen und über denselben zu einem ein-
fachen Cylindermantel angeordnet werden, so dass sich nach seiner
Ansicht der Unterschied der Monokotyledonen von den Dikotyledo-
nen in dem gebogenen Verlauf des oberen Theils der Gefässbündel
durch das Mark aussprechen würde. Da der Verf. gute Beobach-
tungen gemacht zu haben scheint, so ist um so mehr zu bedauern,
dass seine undeutliche Darstellungsweise, für deren Erläuterung die
wenigen, wenn auch vorzüglich ausgeführten Tafeln nicht genügen,
der Anerkennung seiner Ansichten in so hohem Grade hinderlich ist.
So war es mir nicht möglich, seine Entwickelungsgeschichte des
Palmenblatts, welche viel Eigenthümliches zu enthalten scheint, mir
klar zu machen. Der im Jahresb. f 1845 erwähnten Martius'schcn
Ansicht über den Verlauf der Gefässbündel im Palmenstamm wider-
sprechen K.'s Beobachtungen.
systematischen Botanik während des Jahres 1847. 343
Pandaneen. Klotzsch bemerkt, dass die von Endlicher zu
den Smilaceen gestellten Aspidistreen in die Verwandtschaft der Pan-
daneen gehören (Bot. Zeit. 5. S.392). — Walpers benennt Mar-
quartia Hassk. nee Vog. Hasskarlia (Ann. system. 1. p. 753).
Scitamineen. Barneoud beschreibt die Blüthenent-wäckelung
von Canna, woraus sich ergiebt, dass der innere Blumenkronenwir-
tel als ein äusserer Kreis von Staminen betrachtet werden kann
(Ann. sc. nat. 1847. 8. p. 344). Durch successive Entwickelung ent-
steht bei C. speciosa zuerst der dreiblätterige Kelch, dann die drei-
blätterige Corolle, hierauf 2 Warzen, die zwei Kelchsegraenten op-
ponirt sind, während dem dritten kein Blattanfang entspricht, zuletzt
3 ähnliche Warzen, die den Corollensegmenten gegenüberstehen und
von denen die der Lücke des dritten Wirteis entsprechende zu dem
Staubgefässe sich bildet, indem die übrigen 4 Warzen zu blumen-
blattähnlichen Gebilden auswachsen.
Orchideen. G. Reichenbach setzt seine Beschreibungen
neuer Orchideen fort (Linnaea 20. p. 673 — 696): 24 sp. — Ir misch
weist nach, dass der Knollen von Sturmia Loeselii als Axillargebilde
entsteht und daher als metamorphosirter Zweig zu betrachten ist,
während bei Orchis die entsprechende Bildung unterhalb des Blatt-
insertionspunktes stattfindet und, wie der Verf. später nachgewiesen,
zum Wurzelsystem gehört (Bot. Zeit. 5. p. 137. Taf. 3). — Neue Gat-
tungen: Duboisia Karst. (Berlin. Gartenzeit. 1847. Nr. 50): Pleu-
rothallee aus Venezuela; Bolborchis Zolling. (Moritzi Verz.
S. 89): zweifelhafte Malaxidee aus Java; Eriopsis Lin^l. (Bot.
reg. 1847. 18): kultivirte Vandee; Chondrorhyncha Lindl. und
Solenidium Lindl. (Orchid. Linden.): Vandeen aus Venezuela;
Vropedium Lindl. (das.): Cypripediee ebendaher, von Cypripe-
dium durch ein flaches Labellum verschieden.
Bromeliaceen. Neue Gattung: Bist eg ant hus hemr. i^loxa.
der Gewächshäuser 1847. t. 227) : aus Cayenne.
Irideen. Neue Gattung: Polia Ten. (nach Walp. Ann. 1.
p. 830) = Tigridia Herbertiana Bot. Mag.
Amaryllideen. Das vierte Heft von Rom er 's Synopses mo-
nographicae (Weimar, 1847) enthält die Amaryllideen. Als Gattun-
gen werden aufgestellt: Amarylliris — Amaryllis calyptrata Ker
und Wichuraea = Collania Herb, nee Schult.
Liliaceen. J. Gay setzt mit gewohnter Genauigkeit einige
schwierige Arten von Allium auseinander (Ann. sc. nat. 1847. 8.
p. 195 -223): namentlich die Gruppe von A. pallens. Er macht zu-
gleich auf folgende wichtige Strukturverhältnisse des Pistills auf-
merksam: Stylus gynobaseosus (wodurch sich Allium von Notho-
scordum Kth. unterscheidet); ovarium poris 3 nectariferis cum loca-
lis alternantibus pellicula tectis instructum. — Die Abhandlung von
Spae über Lilium ist unbrauchbar und nur mit Rücksicht auf Horti-
kultur entworfen (Mem. couronnes ä Bruxelles. Vol. 19). — Von
344 Grisebach: Bericht über die Leistungen in der
Bellevalia sondert Pariatore ohne genügenden Grund Leopoldia
ab (Giorn. bot. ital. 2. p. 157) = B. comosa et^aff.
Rapateaceen. Seubert bemerkt mit Recht, dass diese
Gruppe von dem Verwandtschaftskreise der Junceen gelrennt werden
muss, äussert sich jedoch nicht, wohin er sie bringen möchte (Fl.
bras. 8. p. 125): ich halte sie für ein Glied der Enantioblasten End-
licher's. — Neue Gattung: Schoenocephalium Seub. (das.
p. 130): 2 brasilianische Arten.
Alismaceen. Seubert -versetzt von den Najadeen Ouviran-
dra und Cycnogeton zu den Alismaceen, dagegen Lilaea und Hete-
rostylus von den Alismaceen zu den Najadeen, so wie er auch
Schleiden's Ansicht, dass Aponogeton zu der letzteren Familie und
nicht, wie Jussieu meinte, zu den Juncagineen gehöre, beitritt (Fl.
bras. 8. p. 101). — Die Butomee Limnocharis hat nach Seubert,
wie Hydrocleis, kampylotrope Ovula (das. p. 115).
Cyperaceen, Neue Gattungen: Hydroschoenus Zoll. (Mo-
ritz. Verz. S. 95); von Java; [sos choenus/Ss. (PI. Preiss. 2. p. 80):
von Swan River.
Gramineen. Mit der Morphologie der Gräser haben sich
Wydler, Nägeli, Hochstetter und v. Schlechtendal beschäftigt.
Wydler behandelt den symmetrischen Plan der Inflorescenz (Zeit-
schr. für wissenschaftl. Botanik. 3. S. 1 — 21): seine Darstellung ist
einfach und klar. Die zweizeilige Alternanz der Stengelblätter be-
dingt auch das Stellungsverhältniss der Organe in der Inflorescenz.
Die eingerollte Blattscheide lässt eine deckende (die Hebungsseite)
und eine bedeckte (die Senkungsseite) unterscheiden Die aufeinan-
der folgenden Blätter 1,2,3.. verhalten sich in dieser Rücksicht
antidrom, so dass der Hebungsrand bei 1,3,5... auf derselben Seite
liegt. Ebenso steht in der Inflorescenz der unterste Zw eig zweiter
Ordnung auf der ideellen Hebungsseite des fehlgeschlagenen Blatts,
dessen Axille den Zweig erster Ordnung erzeugt, und sofort durch
die Zweigsysteme höher Ordnungen: daher verhalten sich auch die
auf einander folgenden Hauptzweige rücksichtlich der Anordnung
ihrer Nebenzweige antidrom. Auch in die Blattorgane der Spicula
setzt sich dieses Gesetz, nach welchem die Zweige geordnet sind,
fort. In der Deutung der Palea superior erklären sich sowohl
Wydler als Nägeli für Mohl's Theorie, nach welcher sie das Blatt
eines Zweiges ist, der aus der Axille der Palea inferior entspringt,
während Hochstetter den paradoxen Satz hinstellt, dass die Palea
superior uninervis eine Palea inferior sei, wobei er die wirkliche
P. inferior als sterile Blüthe und die wirkliche Blüthe ohne Palea
superior auftreten lässt. Nägeli bezeichnet die Palea superior als
Spathella, w^as, nachdem ihre morphologische Bedeutung festgestellt
ist, allgemein adoptirt zu werden verdient. — Nägeli 's Arbeit (das.
S. 257—292) ist eine Kritik von Roeper's bekannter Schrift über die
Morphologie der Gramineen, mit eingestreuten, eigenen Ansichten,
systematischen Botanik während des Jahres 1847. 345
Er meint, dass das Rhizom der Gräser nicht unbegrenzt wächst,
sondern jedes Jahr nur durch die perennirenden Basilartheile des
Halms, d. h. also einer Axillarknospe vergrössert wird: so richtig
diese Beobachtung ist, so kann man ein solches Wachsthum durch
Nebenaxen doch eben sowohl ein unbegrenztes nennen, als die Ver-
längerung einer Primäraxe selbst. Gründlich widerlegt N. Schleiden's
frühere Ansicht, als ob die Gluma von Lolium der Rhachis ange-
höre; auch beweist er die Einfachheit der Spathella aus der Ent-
wickelungsgeschichte. — Hochstetter's Arbeit (Würtemberg. na-
turwiss. Jahreshefte 3. S. 1—83) leidet an einer unrichtigen Methode
und ist yielmehr ein Beweis fruchtbarer Phantasie, als Ergebniss
strenger Untersuchung: deshalb hat der Verf. später mehrere Hypo-
thesen selbst wieder umgestossen (Regensb, Flora 1848) und durch
gleich unbewiesene ersetzt. Auch über andere Familien sich ver-
breitend, sieht er überall, wo die Anzahl der Organe ihm unbequem
wird, die Spaltung einer geringeren Zahl, und vertheidigt bei den
Cruciferen die sonderbare Ansicht, dass die Placenten auf der Mit-
tellinie der Carpophylle ständen. — v. Schlechtendal's Bemer-
kungen drücken sein individuelles Verhältniss zu den morphologi-
schen Ansichten über die Gräser aus (Bot. Zeit. 5. S. 673. 697 und 6.
S. 809. 841). — Irmisch (das. 5. S. 929) bemerkt und unterstützt
mit treffenden Gründen, dass bei Lappago racemosa die untere
Gluma, wie bei Thuarea fehlt, und, was man bisher für die obere
Gluma hielt, eine unfruchtbare Blüthe sei. Der reformirte Gattungs-
Charakter wäre hiernach: Spiculae in panicula racemiformi disposi-
tae, flore inferiori unipaleaceo; gluma inferior 0, superior exigua;
paleae chartaceo-membranaceae. — Neue Gattungen: Pädia
Zoll. (Moritzi Verz. S. 103):' Oryzee aus Java; Leymus Höchst.
(Regensb. Fl. 1848. S. 118) = Elymus arenarius L. , wegen seitlicher
Stellung der Glumae abgesondert; Didactylon Zoll. (Moritzi
Verz. S. 100): Rottboelliacee aus Java; Myriachaete Zoll. (das.
S. 101): Panicee aus Java; Psilopogon Höchst. (Regensb. Flora
1846. S. 117): Saccharee vom Cap , verschieden von Psilopogon
Höchst. pl.Schimp., wefches der Verf. selbst zu Lucaea reducirt hat.
Rhizokärpeen. Mettenius hat Untersuchungen über Azolla
bekannt gemacht und die 7 Arten dieser Gattung genauer charakte-
risirt (Linnaea 20. p. 259—282 mit 2 Taf.). Die Ergebnisse über den
der Salvinia analogen Bau des Sporangium stimmen mit den von
Griffith erhaltenen überein. — Die nordamerikanischen Marsileen
bearbeitete A. Braun (Sillim. Americ. Journ. 3.): 4sp., von denen
2 neu; auch die im vor. Bericht erwähnte Arbeit des Verf. über
Isoetes ist hier beigefügt. — Die 1847 ausgegebene Schrift von
Eisengrein über die Rhizokärpeen, Lykopodiaceen und einige andere
Gruppen beruht nicht auf Naturforschung, sondern auf der natur-
philosophischen Methode des Verf. (Die Pflanzenordnung der Gona-
ptopteriden und Hydropteriden. Frankfurt, 1848. 8. 584 pag.).
346 Grisebach: Bericht über die Leistungen in der
Lykopodiaceen. A.Braun setzte seine Untersuchungen über
Isoetes fort (Regensb. Fl. 1847. S. 33). J. lacustris theilt ihr Rhizora
durch 2, J. setacea durch 3 Furchen.
Farne. Von Kunze's Kupferwerk über Farne erschien die
zehnte und letzte Lieferung des ersten Bandes (Leipz. 1847. 4.): tab.
91 — 100. — Neue Gattungen: Lotxea Kl. Karst. (Linnaea 20.
p. 358): aus Venezuela, durch ein Indusium margine crenato -fimbri-
atum von Diplazium unterschieden; Meco sortis Klotzsch (ib.
p. 404) = Chilopteris, Synammia und Microgramma PrI. , bildet eine
eigene durch Sori elongati circumscripti charakterisirte Tribus der
Polypodiaceen, von der Kl. seine Stigmatosori durch Sori rotundi,
seine Neurosori durch Sori nervis impositi unterscheidet.
Moose. Eine neue Bahn für die Systematik der Laubmoose
begründet die Untersuchung von Lantzius-Beninga über die Ent-
wickelung des Peristoms (Bot. Zeit. 5. S. 17 — 22). Er zeigt, dass,
mit Ausnahme von Tetraphis und Polytrichum, die Zähne und Cilien
des Peristoms nicht aus Zellen zusammengesetzt, sondern die stehen
bleibenden Inkrustationsschichten von Zellenreihen sind, deren nicht
inkrustirte Flächentheile verloren gehen. Auch das Epiphragma von
Polytrichum ist der Ueberrest einer verdickten Zellenschicht; die
Zähne bestehen hier aus inkrustirten Prosenchymzellen, bei Tetra-
phis gehen sie aus einer Theilung des Parenchyms hervor, von dem
die Epidermis als Operculum abgeworfen wird. Unter den Moosen
ohne Peristom zeigt Sphagnum die Eigenthümlichkeit, dass die Co-
lumella, von dem Sporensack auch nach oben umschlossen, sich
nicht bis zur Spitze des Operculum fortsetzt. — K. Müller giebt
eine Uebersicht der Laubmoose mit geschlossenem Sporangium, die
späterhin in seiner Sjmopsis weiter ausgeführt worden ist (das.
S. 97 — 102). — Von der Bryologia europaea (s. vor. Jahresb.) er-
schien ausser den früher erwähnten auch Hft. 41 (Stuttgart, 1847)
mit Formen, die von Dicranum getrennt werden. — Neue Gattun-
gen: Jstomum Müll. (a. a. O. S. 99) = Phascum muticum et
affin., durch Calyptra mitraeformis von Phascum unterschieden;
Leptotrichum Hp. (Bot. Zeit. 5. S. 806): durch Zellengestalt von
Trichostomum abweichend, z. B. T. pallidum; Macro hymentum
Müll. (das. S. 825): Pterogoniacee aus dem indischen Archipel; Di-
cranodontium Br. Seh. (Bryol. europ. 41.) = Didymodon Ion-
girostris; Oncophorus Br. Seh. (das.) = Leucobryum Hp.
Lebermoose. Die Synopsis Hepaticarum (s. Jahresb. f. 1845)
ist mit einem fünften Supplementheft beschlossen worden (Hamburg,
1847. 8.).
Lichenen. In Körber's Dissertation über die deutschen Par-
raelien ist auch des Verf. Lichenensystein mitgetheilt, welches in den
Grundzügen sich an Fries anschliesst, aber die übermässige Zer-
splitterung in 17 Gruppen nicht begründet (Lichenographiae germa-
nicae specimen. Vratislav., 1846. 4. 22 pag.). — Neue, exotische
systematischen Botanik während des Jahres 1847. 347
Lichenen, besonders nach Hooker's Sammlung, hat Taylor in
grosser Anzahl beschrieben (Lond. Journ. of Bot. 6. p. 148 — 197):
131 sp. — Neue Gattungen: Sphaeropsis Flot. (Bot. Zeit. 5.
p. 65): Erdflechte, auf humosem Boden in Pommern und Schlesien
entdeckt, wahrscheinlich bisher für eine sterile Lecidea flavovirescens
gehalten, aber eine sehr einfach gebaute Porinee mit einem einzel-
nen Nucleus ohne Perithecium und vielsporigen Asken; Conotrenia
Tuckerm. (Proceed. of Americ. Soc. 1847. Dec.) = Lecidea urceo-
lata Ach.
Algen. Eine umfassende Reform des Algensystems begründet
Nägel i (die neueren Algensysteme und Versuch zur Begründung
eines eigenen Systems. Zürich, 1847. 4. 275pag. mit 10 Taf. Beson-
derer Abdruck aus den Denkschriften der Schweiz. Gesellsch. eod.
Vergl. meine Recension in den Götting. Anzeig. 1848. ISr. 40. 41). Die
Tendenz des Verf. , von der Entwickelung der Sporen mid Antheri-
dien die Systematik der Kryptogamen abzuleiten, führt ihn zu einer
klaren Eintheilung der Algen, verleitet ihn aber zugleich, die Gren-
zen der grossen kryptogamischen Familien naturwidrig zu verrücken,
z. B. die Florideen wegen ihrer Antheridien zu den Moosen in nä-
here Beziehung zu bringen, die Lichenen, von denen er die Calicieen
und Graphideen zu den Pilzen verweist, mit den Algen zu vereini-
gen. Ueber die Florideen will ich mich hier nur auf die Bemerkung
beschränken, dass ich nach kürzlich angestellten Untersuchungen
über die Antheridien von Fucus vesiculosus diese mit denen der Flo-
rideen übereinstimmend gebildet finde. Ich kenne zur Unterschei-
dung der Florideen von den Fucoideen keinen anderen Charakter,
als dass die Sporen bei jenen schon an der Mutterpflanze zu Tetra-
sporen werden, bei diesen dagegen die einfache Spore zum Zweck
der Keimung erst nach erfolgter Selbstständigkeit sich theilt. — Nach
Absonderung der Florideen stellt N. 12 Tribus von Algen auf, eine
Zahl, die dadurch so gross wird, dass er die Sporenbildung nicht
allein, sondern auch vegetative Charaktere zu Grunde legt: allein
die Uebergänge, welche zwischen den ein- und mehrzelligen Algen
auftreten, beweisen, dass die natürlichen Gruppen parallele Reihen
von der verschiedensten Ausbildung der Vegetationsorgane darstellen.
Die allgemeinsten und am vollständigsten beobachteten Arten der
Sporenbildung bei den Algen sind folgende: 1. die Mutterzelle er-
zeugt mehrere Sporen entweder durch merismatische oder durch
freie Zellenbildung; 2. die Mutterzelle erzeugt nach N. 4 Special-
Mutterzellen und jede dieser eine Spore (Tetrasporen); 3. die Mut-
terzelle theilt ihren Inhalt in zwei Räume, von denen der äussere
zu einer einzigen Spore wird, indem eine Membran ihn umschliesst
und von dem übrigen Zelleninhalte absondert. Man sieht, dass diese
drei Grundtypen den bisher angenommenen Gruppen der Chlorospo-
reen, Rhodosporeen und Melanosporeen wesentlich entsprechen:
diesen gegenüber können die abweichenden Bildungen, wodurch N.
348 Grisebach: Bericht über die Leistungen in der
seine Nostochineen und Zygnemeen charakterisirt, so wie die Ver-
suche, auf die praktisch so schwierige Unterscheidung von merisma-
tischer und freier Sporenerzeugung besondere Gruppen zu gründen,
auf dem gegenwärtigen Standpunkte der Vergleichung noch nicht
zur systematischen Geltung berechtigt erachtet werden. N.'s Ein-
tlieilung der Florideen beruht vorzüglich auf der Lage der Tetra-
.'>poren , sodann auch auf dem Wachsthumstypus der Axe. Der kri-
tische Theil seiner Schrift zeichnet sich durch nüchterne und scharfe
Darstellung aus. — Von Kützing's Tabulae phycologlcae (s. vor.
Jahresb.) erschienen Lief. 3 — 5. (Nordhausen, 1847. 8.); ein anderes
Kupferwerk über Algen begann Areschoug (Iconographia phyco-
logica. Decas 1. Gotheburg., 1847. 4.): seltenere und neue Fucoideen
und Florideeh enthaltend. — Thwaites beobachtet die Conjugation
bei den Diatomeen (Report of British Assoc. 1847. p. 87 und Ann.
of nat. bist. 20. p. 343 m. Taf. 22); Fresenius die Keimung von
Chaetophora elegans (Zur Controverse über die Verwandlung von
Infusorien in Algen. Frankf., 1847. 18 pag. 8. mit e. Taf.); Solier
die beweglichen Sporen bei den Vaucherieen (Ann. sc. nat. 1847. 7,
p. 157—166 cum tab.): die Tafel zeigt die Wimpern der Spore, deren
Entwickelung und Keimung. — A. Braun begleitet seine Beschrei-
bung einer neuen Chare aus Kärnthen mit sehr werthvollen, syste-
matischen Bemerkungen (Regensb. Flora 1847. S. 17— 29): er vindi-
cirt den Algen gegen Kützing den Speciesbegriff, den Charen ihre
Stellung unter den Algen, weil deren Spore nichts anderes sei, „als
eine sich abgliedernde Endzelle"; er behauptet, dass weder bei den
Charen noch anderen Algen wirkliche Blatter vorhanden sind und
dass die Charakteristik der Homonomeen als blattloser Pflanzen ge-
rechtfertigt sei; endlich verwirft er die Pilze als selbstständige Fa-
milie, indem er die Askomyceten mit Schieiden zu den Lichenen
rechnet, die übrigen mit den Algen verbinden will, wodurch jedoch
die Mannigfaltigkeit der Sporenbildung keineswegs erschöpft wäre,
die vielmehr zur Aufstellung einer grösseren Reihe von coordinirten
Familien unter den Homonemeen auffordert. Bei Hydrodictyon ent-
deckte B. zweierlei Fortpflanzungsorgane, grössere, schwächer be-
wegliche Sporen, welche in der Mutterzelle sich zu dem jungen Netz
verbinden, und kleinere, lebhaft bewegte, den Phytozoen entspre-
chende Körperchen, die die Mutterzelle verlassen und nicht keimen:
sehr wichtig würde die Andeutung werden, dass hiernach vielleicht
auch in anderen Fällen die bewimperte Spore der Confervaceen die
Bedeutung des Antheridiums theile. — Eine Monographie der öster-
reichischen Charen, welche sich auf die Diagnostik der Arten be-
schränkt, publicirt Ganter er (die bisher bekannten, österreichi-
schen Charen. Wien, 1847. 4. 21 S. mit 2 Taf.). — Liebmann un-
tersucht die Verwandtschaften mehrerer Florideen-Reihen, z.B. von
Gelidium, Cystoclonium, Sphaerococcus, und erklärt die Nemathe-
cien für sterile, durch abortirte Sporen veränderte Früchte (Ofvers.
systematischen Botanik wahrend des Jahres 1847. 349
af Vetensk. Akad. Förhandl. 1847); Montagne erläutert den Bau
von Peyssonelia (Ann. sc. nat. 1847. 7. p. 177— 181). — Neue Gat-
tungen. Florideen: Stict ophyllum Kütz. (Bot. Zeit. 5. S. 1)
= Halymenia membranacea Harv.; Euctenodus Kütz. (das. S.5)
= Ctenodus, ein in der Zoologie verwendeter Naraen; Eucheuma
F. Ag. (bei Liebmann a. a. O.) = Sphaerococci sp., darunter eine
von Kütz. zu Euctenodus citirte Art; Chondrodon Kütz. (das.) =
Sühaerococcus flaccidus Suhr; Rhodophyllis Kütz. (das. S. 23) =
Rliodomenia bifida Grev. = Leptophyllium ISäg. (Algensyst. S. 236);
Cho7idrococcus Kütz. (das.) = Sphaerococcus abscissus Ag. und
Lambertii Ag.; F orphyroglossum Kütz. (Regensb. Flora 1847.
S. 775): aus Java; Ptilophora Kütz. (Bot. Zeit. 5. S. 25) = Phyl-
lophora spissa Suhr; Euthora Liebm. (a. a. O.) — Rhodomeniae
sp. z.B. Rh. cristata Grev., rostrata Ag.; Mychodea Harv. Hook.
(Lond. Journ. of Bot. 6. p. 407): Kryptonemeen aus Tasmanien;
Rhabdonia Harv. Hook. (ib. p. 408) = Chrysymenia coccinea
Harv.; J eanneret tia Harv. Hook. (ib. p. 398): Rhodomelee aus
Tasmanien; Herposiphonia Nag. (Zeitschr. für Bot. 3. S. 238)
= Polysiphoniae sp., mit Herposiphonia Kütz. ziemlich übereinstim-
mend; Chaetoceras Kütz. (Bot. Zeit. 5. S. 34) = Ceramium echio-
notum Ag. ; Rhodocd^llis Kütz. (das. S. 35) = Ptilotae sp. z. B.
Pt. asplenioides Ag.; Spongotrichum Kütz. (das. S. 36): Cera-
miee von Vera Cruz; Antithamnion Nag. (Algens. S.200) = Cal*
lithamnion cruciatum Ag.; Poecilothamnion Nag. (das. S. 202) =
0. versicolor etc. — Fucoideen: Chnoospora l^'iehm. (a.a.O.):
Sporochnoideen aus dem tropischen Amerika; TrichogloeaK'iiiz.
(Bot. Z. 5. S. 53) = Batrachospermum Requienii Moni; Tricho-
pteris Kütz. (das. S. 166) = Ectocarpus Mertensii Ag. ; Stepha-
iiocoelium Kütz. (das. S 54): mit Bryopsis zunächst verwandt;
Derbesia Solier (Ann. sc. nat. 1847. 7. p. 158) = Vaucheria ma-
rina Lynzb. — Co nfervaceen: hydracanthusKütz. (Regensb.
Fl. 1847. S. 774): ülvacee der Marianen; Pericystis Liebm. (a. a.
O.): Ulvacee von Havana; Acrocladus Näg. (Algens. S. 164): Ace-
tabulariee von Neapel; Exococcus Näg. (das. S. 170): Protococ-
coidee mit astfÖrmig auswachsender Tochterzelle, bei Zürich ge-
funden.
Pilze. Die im Dictionnaire imiversel d'histoire nat. enthalte-
nen Considerations mycologiques von Leveille (Paris, 1846. 12.
136 pag.), durch welche eine dem jetzigen Standpunkte mikroskopi-
scher Untersuchung entsprechende Reform des Pilzsystems begründet
wird, liegen mir noch nicht vor und ich muss mich daher auf die
Anführung seiner Tribus nach v. Schlechtendal's Recension beschrän-
ken: 1. Basidiosporeae. 2. Thecasporeae = Askomyceten. 3. Clino-
sporeae. 4. Cystisporeae: Fäden enden mit blasigen Sporangien. 5.
Trichosporeae: Fäden mit nackten Sporen. 6. Arthrosporeae: Spo-
ren zu Zellenfäden verbunden. Jede der 3 ersten zerfällt in 2 Sub-
350 Grisebachj Bericht über die Leist. in der System. Botanik.
tribus, je nachdem die Sporen im Inneren oder an der Aussenfläche
des Pilzes entstehen. — Berkeley setzt seine Beschreibungen exo-
tischer Pilze fort (Lond. Journ. of Bot. 6. p. 312 etc.). — Eine aus-
führliche Monographie der üstilagineen liefern L. und C. Tulasne-
(Ann. sc. nat. 1847. 7. p. 12-126 mit Taf. 2— 7). Auch hat Leveille
seine Disposition der Uredineen mitgetheilt (Ann. sc. nat. 1847, 8.
p. 369— 376): diese Gruppe hat einen zusammengesetzteren Bau, als
angenommen wurde; L. findet z.B. überall ein Mycelium; er theilt
sie ein in solche, bei denen die Sporen sich ohne Paraphysen (Cy-
stiden) bilden, und in eine zweite Gruppe, welche Cystiden besitzt,
wie Uredo miniata, Kuborum etc. — Reissek hat seine Untersu-
chungen über Endophyten der Pflanzenzelle mitgetheilt (Haidinger
naturwiss. Abh. Bd. 1). — Unger giebt eine treffliche Darstellung
von Graphium (Bot. Z. 5. S.249. tab. 4) und von Peronospora (das.
S.305. t. 6). — Rol)ert untersuchte die Trüffeln und erklärt sie für
Wurzelparasiten (Comptes rendus 24. p. 66). — Purkinje beschäf-
tigte sich mit Merulius und giebt neben freien Sporen auch Asken
an (Arb. der schles. Gesellsch. f. 1847. S. 77). — Neue Gattungen.
Hymenomyceten: Thelepora Fr. (Arch. skandin. Beitr. 1847.
S. 338): von Natal, zwischen Polyporus und Hydnum stehend. Py-
renomycetee: Natalia Fr. (das.): ebendaher, zwar zu dieser
Abtheilung gezogen, jedoch ohne Asken; Phlyctema Desmaz.
(Ann. sc. nat. 1847. 8. p. 16) = Phoma Tami Lamy, gleichfalls ohne
Asken; Kobergea Desm. (ib. p.l77): auf trockenen Zweigen in
Frankreich, neben Dothidea gestellt; Sporonema Desm. (ib.
p.l82): auf Blättern von Medicago sativa, ohne Asken. Askomy-
ceten: Psilopexia Berkel. (Lond. Journ. of Bot. 6. p. 325)j Pe-
zizee aus Ohio. Gasteromyceten: Lanopila Fr. (a. a. O.):
aus Natal; Husseia Berkel. (a. a. O. p. 508): aus Ceylon. Co-
niomyceten: Cystopus Lev. (Ann. sc. nat 1847. 8. p. 371 ) =
Uredo Candida etc.; Tilletia Tulasn. (ib. 7. p.ll2) = ü. caries
DC. etc.; Microbotryum Lev. (ib. 8. p. 372) = üstilago anthera-
rum etc.; Coleosporium Lev. (ib. p. 373) = Uredo sp.; Lecy-
thea Lev. (ib.) = U. Ruborum etc.; Physonema Lev. (ib. p 374)
~ U. gyrosa etc.; Podosporiuin Lev. (ib.) = U. Capraearum etc.
351
Bericht über die Leistungen im Gebiete der Hel-
minthologie während der Jahre 1845, 1846
und 1847.
Vom
Professor C. Th, v. Siebold
in Breslau.
Die höchst vollständige Bearbeitung aller Helminthen-
Ordnungen, welche Dujardin unternoramen hat^), ist ge-
wiss von allen Helminthologen mit grossem Danke und hohem
Interesse aufgenommen worden, denn Dujardin hat in diesem
Werke nicht allein alles über den innern Bau der Helminthen
bisher bekannt gewordene mit mühsamen Fleisse zusammen-
gestellt und geordnet, sondern derselbe hat auch diesen Theil
seiner Schrift mit einer Menge neuer Thatsachen bereichert.
Dujardin fühlte wie viele andere Helminthologen das Be-
dürfniss, die Gattungen Rudolph i's in verschiedene Unter-
gattungen zu zerfallen. So hat derselbe die Nematoden in
fünfzig Gattungen eingetheilt. Mermis und Gordius wurden
wegen ihrer eigenthümlichen Organisation von den Nematoden
getrennt, und besonders betrachtet. In Bezug auf Pentasto-
mum ist Dujardin ganz der Ansicht von Diesing gefolgt,
indem er diese Gattung als besondere Ordnung (Unterklasse)
unter dem Namen Acanthotheca hinstellte. Von Trematoden
führte Dujardin zwanzig Gattungen auf, darunter freilich
Diplostomum, Cercaria, Bucephalus, Leucochloridium, Diporpa,
von denen wir jetzt wissen, dass sie nur die Jugend- oder
Larven-Zustände von anderen Trematoden sind. Als Anhang
zu den Trematoden wurden noch Peltogaster, Gyrodactylus,
Myzostomum und Hectocotylus hinzugefügt. Auf die vierte
1) Dujardin: Histoire naturelle des Helminthes. Paris. 1845.
Apchiv f. Naturgesch. XIV. Jahrg. 2. Bd. Z
352 V- Siebold: Bericht über die Leistungen im Gebiete der
Ordnung, auf die Acanthocephala nämlich, Hess Dujardin
die Cestoden als fünfte Ordnung mit 19 Gattungen folgen,
unter denen sich auch die geschlechtslosen Blasenwiirmer be-
finden, welche derselbe ganz passend als Monstrosität be-
trachtet. Als Anhang behandelt Dujardin noch die Gattung
Gregarina und Thysanosoma, worauf derselbe noch eine Ueber-
sicht verschiedener Pseudohelminthen folgen lässt. In Bezug
auf einige der eben genannten Helminthen-Gattungen muss ich
bemerken, dass Hectocotylus, Gregarina und Thysanosoma
nicht mehr als selbstständige Helminthen- Gattungen verbleiben
können. Durch Kölliker (s. weiterhin) wissen wir jetzt,
<iass die Hectocotylus- Arten nichts anderes sind als die ver-
schiedenen Formen der auf eine höchst sonderbare Weise ver-
kümmerten männlichen Individuen gewisser Cephalopoden.
Ueber das räthselhafte Thysanosoma gab uns Dies in g kürz-
lich Aufschluss, indem er selbst als Gründer der Gattung und
Species Thysanosoma actinoides seine Zweifel über die Selbst-
ständigkeit dieser Gattung durch folgende Worte aussprach :
nisi Taeniae fimbriatae articulorum ultimorum unicus solutus
Entozoorum genus novum, sedis in systemate adhuc penitus
dubiae (vgl. dessen Systema Helminthum. 1850. Vol. I, p.501).
Offenbar hat Diesing den gefranzten Hinterrand der verein-
zelten Glieder jener Taenia als den mit Tentakeln besetzten
Vordertheil eines besonderen Thieres angesehen. Die als
Gregarinen bisher beschriebenen Thiere gehören gewiss nicht
zu den Helminthen, sondern werden, indem ihre einfache Or-
ganisation einer einfachen Zelle entspricht, den mundlosen
Protozoen zugezählt werden müssen. Unter den vielen von
Dujardin genau beschriebenen Helminthen befinden sich viele
neue Species. Dujardin hat die Arten einer Gattung meist
nach den Wohnthieren, Säugethieren , Vögeln, Reptilien etc.
geordnet. Der beigegebene Atlas enthält zwölf Tafeln mit vie-
len hübschen und getreuen Original-Abbildungen, welche sich
hauptsächlich auf die Organisation des Vorderleibsendes, auf
die Begattungsorgane und auf die Struktur sowie den Inhalt
der Helminthen-Eier beziehen.
Referent hat in dem von ihm bearbeiteten ,, Lehrbuche
der vergleichenden Anatomie der wirbellosen Thiere" den
Helminthen einen besonderen Abschnitt gewidmet und darin
Helminthologie wahrend der Jahre 1845, 1846 und 1847. 353
die Organisation dieser Würmer nach vielen eigenen Unter-
suchungen darzustellen gesucht '). Ausserdem wurden auch
von dem Referenten in einem grösseren Aufsatze „über Para-
siten" ^) die Fortpflanzungsweisen, Metamorphosen und Wan-
derungen der Helminthen im Allgemeinen besprochen und da-
bei auf die nachtheiligen Wirkungen aufmerksam gemacht,
welche manche Helminthen auf ihre Wohnthiere ausüben.
Ref. hob alsdann das wichtigste aus der Naturgeschichte der
Helminthen des Menschen hervor, zog aber auch die Geschichte
anderer Helminthen, welche über das Leben dieser Parasiten
im Allgemeinen interessante Aufschlüsse boten, mit in Betracht.
Als Anhang der Abhandlung wurden zuletzt noch die wich-
tigsten Pseudohelminthen vom Referenten aufgeführt.
Von Delle Chiaje ist eine vierte Ausgabe seiner „Elmin-
tografia umana'' besorgt worden ^), welche aber das geblieben
ist, was dieses Werk schon in den früheren Auflagen gewesen
.ist, nämlich nichts anderes als eine für ein ärztliches Publi-
kum berechnete Compilation, in welcher ausserdem noch die
Darstellung und Beschreibung der Helminthen selbst sehr ober-
flächlich und ohne Berücksichtigung der in dieser Beziehuno-
geschehenen neuesten Fortschritte sich bearbeitet findet.
In der von Martin y herausgegebenen Naturgeschichte '*)
sind die Helminthen des Menschen ziemlich ausführlich abge-
handelt, jedoch trägt die Darstellung überall das Gepräge der
Compilation, die beigegebenen Abbildungen sind meistens
Copien.
Eine von Wallenstedt verfasste Dissertation ^) giebt
eine gedrängte Uebersicht der Helminthen, wobei die im Men-
schen wohnenden Eingeweidewürmer besonders berücksichtiget
wurden; derselbe schickt eine Beschreibung des anatomischen
1) Sie hold: Lehrbuch der vergleichenden Anatomie der wirbel-
losen Thiere. Berlin. 1848 pag. 111.
2) Vgl. den Artikel Faradten in Riid. Wagner 's Handwörter-
buch der Physiologie. Bd. II. 1844. pag. 641.
3) Delle Chiaje: Elmintografia umana ossia trattato intorno
agli entozoi ed a' morbi verminosi. Edizione quarta. Napoli. 1844.
4) S. Ed. Martiny: Naturgeschichte der für die Heilkunde wich-
tigen Thiere. 1847. Tafel 21 bis 30.
5) Vgl. Wallenstedt: De Entozois. Berol. 1847.
354 V. Siebold: Bericht über die Leistungen im Gebiete der
Baues der Helminthen voraus, in welcher Referent einen sehr
genauen Auszug seines Lehrbuches der vergleichenden Ana-
tomie der wirbellosen Thiere erkennt, welche Schrift jedoch
in der am Schlüsse der Dissertation aufgeführten helmintholo-
gischen Literatur nicht erwähnt ist.
Von Blanchard sind in einer Abhandlung über die Or-
ganisation der Würmer der Helminthen mit den Turbellarien
und Nemertinen einer speciellen Prüfung unterworfen wor-
den '). Nachdem derselbe eine kurze Uebersieht der Litera-
tur vorausgesendet, richtete er sein Augenmerk besonders auf
das Nervensystem dieser Thiere, und suchte er sich durch
direkte Injektionen von der Anwesenheit des Gefasssystems in
diesen Würmern zu überzeugen. Blanchard, welcher auf
diese Weise eine ganz neue Einsicht über die Organisation
der Würmer gewonnen haben will , sclilägt eine neue hierauf
gegründete systematische Eintheilung der Würmer vor. Er
zerfallt dieselben in die folgenden fünf Gruppen. 1) Die
erste Gruppe bezeichnet derselbe A?i€Vormi, Würmer ohne
Nervenschlundring. Hieher werden die Trematoden und ein
Theil der Turbellarien, nämlich die Planarien gerechnet. 2)
Als zweite Gruppe stellt Blanchard die Band- und Blasen-
würmer als Cestoiden hin. 3) Für die dritte Gruppe behält
derselbe die Bezeichnung Hebm?ithen bei, und rechnet die
Nematoden, Gordiaceen und Acanthocephalen hieher. 4) Die
vierte Gruppe machen die Neme?ti7ien aus, während 5) als
fünfte Gruppe die Pentastomen hingestellt werden. Nach
Blanchard's weiterer Darstellung besitzen die Anevormi ein
Gefässsystem mit selbstständigen Wandungen, ohne dass sich
daran Venen und Arterien unterscheiden lassen. Er vergleicht
bei den Distomen einen mittleren Gefässstamm mit einem Her-
zen, hält die Anwesenheit des foramen caudale bei den Tre-
matoden für problematisch und läugnet das mit diesem in
Verbindung stehende Excretions-Organ, welches mit dem Blut-
gefässsysteme ein und dasselbe sei. Blanchard erklärt die
Planarien und Trematoden ihrer Organisation nach für nahe
1) Blancliard: Recherches siir Torganisation des vers. Vgl.
Annales des sciences naturelles. Tom. VII. 1847. pag. 87. Ueber den
speciellen Theil dieser Abhandlung wird im nächsten Jahrgange be-
richtet werden.
Helminthologie während der Jahre 1845, 1846 und 1847. 355
verwandt, welche sich auf der einen Seite einander sehr nä-
hern, auf der andern Seite aber wieder sich weit von einan-
der entfernen. Die Cestoden sollen nach Blanchard's Un-
tersuchungen mit einem sehr deutlichen Nervensysteme aus-
gestattet sein, welches bei ^Taenia, Bothriocephalus und Cysti-
cercus eine Querkommissur in der Mitte des Kopfes bildet,
von der rechts und links ein Nervenfaden durch den ganzen
Körper herabläuft und Verbindungsfäden zu den vier kleinen
Idnter den Saugnäpfen gelegenen Ganglien abgehen. Hlan-
chard erklärt die durch Queranastomosen verbundenen Längs-
kanäle des Bandwurmleibes, von denen er statt vier nur zwei
kennt, für Verdauungskanäle, welche sich in einem hinter den
Saugnäpfen gelegenen Reservoir vereinigen sollen. Obgleich
bei Taenia die vier Saugnäpfe nicht durchbohrt sind, so
wollte Blanchard durch Injektion eines dieser Saugnäpfe
das Reservoir dennoch mit Injektionsniasse gefüllt haben und
daraus den Schluss ziehen, dass die Saugnäpfe Nahrungsstoffe
einsaugen und dem Verdauungskanale zuführen könnten. Auch
bei den Cestoden nimmt derselbe ein Blutgefässsystem an,
welches zu injiciren ihm gelungen sei. Er spricht sich übri-
gens auch für die Vereinigung der Cestoden und Cystica aus,
da letztere nur unentwickelte Bandwürmer seien. Bei den
Nematoden (Ascaris und Filaria) will Blanchard ebenfalls
das Nervensystem aufgefunden haben. Dasselbe soll aus zwei
seitlichen Nervensträngen bestehen, welche im Vorderleibsende
von ein Paar Ganglien-Anschwellungen ausgehen, deren quere
Doppelkommissur unter dem Oesophagus gelegen ist. Blan-
chard bezeichnet übrigens selbst dieses Nervensysten als ein
sehr rudimentäres, welches mit sehr wenigen und zarten Ra-
mificationen ausgestattet sei. Nach desselben Angabe laufen
zu beiden Seiten des Leibes der Nematoden je zwei Gefäss-
stämme ohne Seitengefässe herab, welche vorne durch eine
als Herz zu betrachtende Queranastomose verbunden sind.
Blanchard konnte von diesem Herzen aus nur die beiden
tiefer gelegenen Seitenkanäle injiciren, daher derselbe diese
Kanäle als Arterien , die beiden anderen mehr oberflächlich
gelegenen Seitenkanäle dagegen als Venen betrachtet wis-
sen will. Jedes dieser Gefässpaare soll in einer gemein-
schaftlichen Röhre eingeschlossen sein. Bei den Acanthoce-
356 ^- Siebold: Bericht über die Leistungen im Gebiete der
plialen soll das Nervensystem wie bei den Nematoden ange-
ordnet, aber weniger scharf ausgeprägt sein ').
Eine neue Eintheilung der Helminthen ist von Duver-
noy in folgender Weise vorgeschlagen worden^). Er stellte
die drei Unterklassen auf: Cavitaires, Pareiichijmateux und
Helminthophytes. Die Cavitaires zerfallen in die zwei Ord-
nungen Enterodeies und Anenter^s. Die erstere Ordnung
umschliesst die Nematoden, die Nemerten und die Gattung
Linguatula» Die zweite Ordnung enthält dagegen nur die
Acanthocephalen. Die Unterklasse der Parenchymateux wird
von den Ordnungen der Planaries und Tr^matodes zusam-
mengesetzt, während die Unterklasse der Helminthophytes die
Band- und Blasenwnirmer umfasst.
Ueber die Eier der Eingeweidewürmer hat Richter in
Dresden bemerkenswerthe Beoabchtungen angestellt ^). Der-
selbe bewahrte Eier von Taenia solium und Ascaris lumbri-
coides sowie von Fischeingeweidewürmern in mit Wasser ge-
füllten und verstöpselten Gläsern auf. Sie behielten Jahre
lang ihr frisches Ansehen mit deutlichem Dottergehalte. In
mit etwas Aetzammoniak, mit Essig oder Schwefelwasserstoff,
Schwefelammoniak verdünntem Wasser dauerten dieselben we-
niger gut aus, einige jedoch immer Monate lang. Richter
konnte dergleichen Eier zwei Sommer und zwei Winter hin-
durch in Fläschchen mit W^asser und der Sonne ausgesetzt
frisch erhalten. Auch getrocknete Helminthen-Eier erschienen
nach dem Aufweichen zum Theil noch wohl erhalten. Refe-
rent hält es für der Mühe lohnend, dass diese Beobachtungen
und Versuche weiter verfolgt werden möchten, da sie über
die Verbreitung und Entstehung der Helminthen sehr wichtige
Aufschlüsse geben können, denn es ist sicher, dass die Hel-
minthen-Eier der Fäulniss und Einwirkung fremdartiger Stoffe
jahrelang widerstehen. Sie werden wahrscheinlich, nachdem sie
ins Freie gelangt sind, vom Wasser fortgespült und weit wegge-
führt, können aber auf diese Weise durch irgend einen Zufall
1) Blanchard in den Annal. d. sc. iiat. Tom. 8. 1847. pag. 120.
2) Vgl. Revue zoologique. 1846. pag. 89.
3) H. E. Richter: Beobachtungen über die Eier der Eingewei
dewürmer, in der allg. deutsch, naturhistorischen Zeitung von C. Tr.
Sachse. 1846. 1 1. pag. 5.
Helminthologie während der Jahre I8i5, 1816 und 1847. 357
leicht wieder in den Körper von Menschen nnd Thieren gelan-
gen, um sich l.ier nach langer Ausdauer endlich zu entwickeln.
Eine sehr dankenswerthe Arbeit hat Gurlt unternom-
men ^), indem derselbe alle bisher bekannt gewordenen Hel-
minthen sowie die Thiere zusammenstellte, bei welchen bis
jetzt Entozoen gefunden worden sind. Nicht weniger verdient
hat sich Creplin um diese Arbeit gemacht, da derselbe eine
IMenge Nachträge hinzufügte ^). Eine Zahl von 69 Helmin-
then werden von Gurlt als Zugang zu der Helminthen-Samm-
lung der Berliner Thierarzneischule aufgezählt ^). In einem
von Jackson herausgegebenen Katalog des anatomischen
Museums zu Boston *) werden verschiedene in der genannten
Sammlung aufbewahrte Helminthen] angeführt, von welchen
Referent folgende als erwähnenswerth hervorhebt. Eine Filaria
medinensis, welche einem Seemanne aus der Bauchdeckenhaut
gezogen war, nachdem er ohngefähr ein Jahr zuvor die afri-
kanische Küste betreten hatte. Sechs Stücke von Strongylus
Gigas aus der Niere einer Mustela lutreola. Viele Echino-
rhynchen aus dem Darm des Labrax lineatus. Mehrere Stücke
einer 3 — 4 Zoll langen Linguatula aus dem Darnikanale einer
afrikanischen Cerastes. Eine Taenia von Hystrix dorsata mit
hakenlosem Kopfe und kurzen Gliedern, welche hier und da
auf beiden Seiten eines Gliedes GeschlechtsöflFnungen besitzen.
Ein Exemplar von Taenia solium ist auf Tafel 1. Fig. 26 ab-
gebildet worden, weil die Gliederung derselben eine sehr un-
regelmässige sein soll. Referent sieht aber an den Gliedern
dieses Bandwurms nichts anderes als sehr verschiedene Zu-
stände der Krontraktion der einzelnen Glieder. Ferner wer-
den in derselben Sannrilung noch folgende Cestoden aufbcr
wahr-t. Ein Bothriocephalus latus von einem Engländer, ein
3 Fuss langer Bothriocephalus von einem 19 monatlichen
Kinde. Endlich befinden sich in derselben Sammlung Disto-
1) Gurlt: Verzeichniss der Thiere, bei welchen Entozoen ge-
funden worden sind, in diesem Archive. Jahrg. ,1845. Bd. 1. pag. 223.
2) Ebenda, pag. 325. Jahrg. 1846. Bd. 1. pag. 129. und Jahrg. 1847.
Bd. I. pag. 289.
3) Vgl. das Magazin für die gesammte Thierheilkunde. 1847. p.74.
4) Jackson: a descriptive Catalogue of the anotomical Museum
of the Boston socicty for medical improvement. Boston. 1847. p. 317.
358 V. Siebold: Bericht über die Leistungen im Gebiete der
iniiin hepaticum und eine kleine Art Ascaris, welche in un-
geheurer Menge in den Gallengängen und dem Duodenum
eines ostindischen jungen Elephanten gefunden worden waren.
Von H. Reinhardt wurden in der Milz eines Maulwurfs
eingekapselte Würmer aufgefunden , beschrieben und abgebil-
det'), deren eiförmige braune oben und unten abgestutzte
Schalen eine Länge von \ P. L. und eine Breite von --j^ P. L.
besassen. Sie lagen lose in der Milzsubstanz, einige der Scha-
len waren leer. Diese hornigen braunen Schalen und ihre
beiden von Oeflfnungen durchbohrten Spitzen sollen nach
Reinhardt's Meinung dafür sprechen, dass diese Körper
keine Eier von Eingeweidewürmern sind, sondern Puppen, in
denen der Wurm eine Periode der Entwickelung durchmachte.
Ich erkenne in diesen sogenannten Puppen nichts anderes als
reife Trichosomen-Eier. Reinhardt bildete einige im Zu-
stande des Furchungsprozesses ab, und hat die Einschnitte
des Dotters für die dicht aneinander gedrängten Wellenbie-
gungen des wurmförmigen, in der Schale eingeschlossenen
Thieres genommen. Mir sind ganz dieselben Körper in der
Milz von einer Spitzmaus (Sorex araneus) vorgekommen, ich
sah die verschiedenen Grade des F'urchungsprozesses an der
Dottermasse vieler dieser Eier, welche mich ihrer ganzen Or-
ganisation nach augenblicklich an die Eier von Trichosoma
erinnerten ; zur Bestättigung meiner richtigen Bestimmung die-
ser Eier fand ich in einigen dieser Nester abgestorbene Tri-
chosomen -Weibchen, deren zu einem Knäuel verschlungene
und von Eiern dicht umgebene Leiber durch Zersetzung noch
so wenig gelitten hatten, dass ich die Gattungscharaktere von
Trichosoma deutlich daran erkennen konnte.
Dr, Sebast. Fisch er; welcher in Aegypten mehrmals
Personen wegen Filaria medinensis zur ärztlichen Behandlung
bekommen hatte, theilte verschiedene Bemerkungen über diesen
Parasiten mit*), von denen ich folgende hervorzuheben für
werth halte. Die Einwohner von Sennaar, Kordofan und Dar-
1) H. Reinhardt: Entozocn iii der Milz des Maulwurfs, in der
allg. deutsch, naturhistor. Zeitung von Sachse. Jahrg. H. 18i7. p.224.
2) Vgl. Münchner Jahrbücher IV. 4. oder S chmi dt 's Jahrbücher
Suppl. Bd. 1846. pag. 385.
Helminthologie Mährend der Jahre 1845, 1846 und 1847. 359
für, welche diesen Wurm Fergit nennen, behaupten nämlich,
dass die Filaria medinensis vorzüglich nach der Regenzeit
(Mai, Juni, Juli, Aug.) erscheine, und dass gewisse stehende
Gewässer der Erzeugung dieses Wurms am günstigsten seien,
indem er sich als ein äusserst kleines Würmchen an die Haut
der Badenden oder durch das Wasser Wadenden anhänge und
dann in das Innere der Haut eindringe. An diese Bemerkung
schliesst sich eine Mittheilung von G. Busk über denselben
Gegenstand an ^). Derselbe macht darauf aufmerksam', dass
Europäer, die gar nicht an das afrikanische Ufer getreten,
sondern nur einen entblössten Theil ihres Körpers dem Was-
ser in den Kähnen der Eingeborenen von Afrika ausgesetzt
hatten, später an Filaria medinensis gelitten. In Indien, wo
von den Eingeborenen das Wasser in Häuten auf dem Rücken
getragen wird, kommt der Wurm auf dem Rücken, Schul-
tern und oberen Theilen des Körpers dieser Wasserträger
vor. Busk fügt noch hinzu, dass ausser in der alten
Welt dieser Parasit auch auf der Insel Cura§ao einheimisch
sei. Das Eindringen des Wurms durch die Haut soll ganz
unmerklich vor sich gehen. Die Krankheitssymptome treten
erst dann an einem mit diesem Wurme Behafteten hervor, wenn
derselbe den Körper wieder verlassen will, nachdem er oft
12 bis 18 Monate unbemerkt im ' Zellgewebe des Menschen
gehaust. Busk konnte an dem Schwanzende des zum Aus-
wandern reifen Wurmes keinen After und nirgends einen Eier-
ausführungsgang bemerken, so dass es scheint, als müsse das
Weibchen zerreissen, um die Brut entleeren zu können. Ein
getrocknetes im W^asser aufgeweichtes Fragment dieser Filarie
sah Busk stundenlang lebhafte Bewegungen machen.
Von Burmeister wurden unter der Haut zwischen den
beiden Schulterblättern eines Tarsius spectrum mehrere Fa-
denwürmer gefunden und an Creplin zur näheren Unter-
suchung gesendet. Letzterer berichtete darüber folgendes ^).
Die weiblichen Individuen waren etwas über 3 Zoll, die männ-
lichen dagegen ohngefähr 1 Zoll lang. Eine Ringelung der
Oberhaut war nirgends an diesen W'ürmern zu entdecken.
1) G. Busk: on the structure and nature* of the Filaria medi-
nensis or Guinea-worm, in the medical Times. May. 1846.
2) Vergl. den Anhang zu Bur meistert Beiträge zur näheren
Kenntniss der Gattung Tarsius. Berlin. 18^6.
360 V. Siebold. Bericht über die Leistungen im Gebiete der
Da dieselben mit dem Wohnthiere Jange Zeit in Weingeist
gelegen, so konnte über die innere Organisation nicht viel
Aufscliluss erlangt werden. Creplin erkannte aber doch an
ilnien eine neue Filarien- Art, und schlug für dieselbe, wegen
des Mangels aller Ringelung an ihrer Haut, den Namen Fila-
ria laevis vor und setzte für sie folgende Diagnose fest: Fi-
laria corpore longissimo, gracillimo, retrorsum attenuato, laevi,
ore minimo, ex apice antico obtuso subprominente, nudo;
cauda maris in spiras contorta, apice tum obtuso, nudo, tum
tripapillato, ad latera penis longi, gracilis. apice subcrassiore,
deflexo praediti, una cum brevissimo pene accessorio, circa
basin vagina circumdati, alis semilanceolatis, apicem caudae
longe non attingentibus, et serie papillarum minimarum or-
nata; feminae subrecta, obtusa, apice papillis 1 — 3 obsita;
Vulva .... (non detegenda).
Dr. Gros sprach im Allgemeinen seine Meinung über
eine Filarie aus, welche in den verschiedensten Organen der
verschiedensten Thiere wohnen und sich anatomisch nicht von
dem Hautbewohner des Menschen unterscheiden soll '). Das
Weibchen besitze eine Länge von 3 — 5 Zoll , und die Vulva
desselben befinde sich dicht neben dem After am Hinterleibs-
ende. Gros beschreibt die Entwicklung der Eier dieser Fi-
larie mit den Dotterfurchungen sehr kurz und fügt $einer sehr
lückenhaften Abhandlung Abbildungen bei, ans denen ich ent-
nehmen muss, dass derselbe nach der abgebildeten Schwanz-
klappe des männlichen Wurmes zu schliessen, einen Strongylus
vor sich gehabt. Ueberhaupt scheint Gros unter seiner Filarie
noch viele andere Nematoden verstanden zu haben, indem er
von diesem Fadenwurme angiebt, dass derselbe auch in den
Gallengängen, in den Bronchien, in der Lungen- und Leber-
substanz vorkomme, und Eier in Unzahl ablege, wodurch der-
selbe zu Cysten , Tuberkeln und steinigen Konkretionen in
den Lungen Veranlassung gebe. Die Eier dieser Filarie sol-
len sich mit den Eiern einer Ascaris in den Lungen des Ha-
sen vermengen, in welche die Ascaris ebenfalls ihre Eier ab-
1) Gros: Observations et inductions microscopiques sur quelques
parasites, in dem Bulletin de la societe imp. des naturalistes de
Moscou. Tom. XVIU. 1845. pag. 394. Note pour servir ä l'Embryo-
genie de la Filaire.
Helminthologie Avährend der Jahre 1845, 1846 und 1847. 361
setze. Bei einem 14 Jahre alten Mädchen sollen sich vom
Sommer bis Frühling Filarien entwickelt haben, welche durch
eine Fistel unter der Kniescheibe hervorgekommen seien und
im Tumor des Kniees ihre Brut zurückgelassen hätten.
Schneider in Fulda machte darauf aufmerksam, dass
nicht selten nach schweren Entbindungen bei Verletzung des
Mittelfleisches Madenvvürmer aus dem IMastdarme nach der
Scheide hinüberwanderten und hier unerträgliches Jucken ver-
anlassen könnten ').
Von Gurlt wurde der seltene Strongylus tubaeformis
in Tuberkeln auf der Schleimhaut eines Leoparden und Pan-
thers gefunden ^). Jeder Tuberkel enthielt einige Würmer.
Die Mundöfi'nung des Wurms ist länglich viereckig, die Ober-
lippe ragt über die Unterlippe hervor. Die Schwanzklappe
des Männchens ist ungetheilt und wird von eilf Muskelstrah-
len gestützt. Der Schwanz des Weibchens läuft plötzlich mit
dünner Spitze aus.
Segalas berichtete über einen von Arlaud beobachte-
ten Fall ^), in welchem eine sechs und zwanzigjährige Frau-
ensperson 18 Monate lang an heftigen Schmerzen im uropoeti-
tischen Systeme gelitten, während welcher Zeit mehrere Indi-
viduen des Strongylus Gigas von der Grösse der Spulwürmer
und ein geborstener Balg eines ungemein grossen Individuums
derselben Wurmart entleert wurden. Nach einer Mittheilunsr
von Schafter *) ist einem 72jährigen Manne durch die Harn-
blase ein Spulwurm abgegangen , welcher sich vom Darmka-
nale aus in die Blase gebohrt haben soll.
Volz sah von einem 14jährigen Mädchen nach dem Gebrauch
von Wurmmitteln innerhalb siebzehn Tagen 808 Spulwürmer ab-
gehen ^), ohne dass das Mädchen sich krank gefühlt oder übel
ausgesehen hätte. Es war, gleich nachdem plötzlich durch
Erbrechen einige Spulwürmer entleert waren, die Wurmkur
1) Vgl. Ca spar 's Wochenschrift. 1847. pag. 185.
2) S. Magazin für die gesammte Thierheilkunde. 1847. pag. 74.
3) S. Bulletin de l'Academie roy. de Medecine. 1846. p.424.
4) S. Bulletin de la societe des sciences naturelles de Neuchatel.
1846. p. 447.
5) Vgl. Heidelberger Jahrbücher. Bd.X.2. 1844. oder Sc hmidt's
Jahrbücher. 1845. I. pag. 38.
362 "^- Siebold: Bericht über die Leistungen im Gebiete der
vorgenommen worden. In Paris starb ein 30 Älonate altes
Kind abgemagert und mit Diarrhoe behaftet, welchem 15 Spul-
würmer abgegangen waren *); nach dem Tode fand sich der
Darmkanal dieses Kindes vom Duodenum bis zum After von
Spulwürmern völlig ausgestopft, wobei auch im ductus chole-
dochus und in den Gallengängen grosse Spulwürmer ange-
troffen wurden. Combe theilte die Krankengeschichte eines
36 Jahre alten Frauenzimmers mit-), in dessen rechter In-
quinalgegend sich eine schmerzhafte Geschwulst bildete, aus
welcher nach dem Aufbrechen nach und nach zehn lebende
Spulwürmer mit stinkender Stercoralmasse entleert wurden.
Hieran schliesst sich die Mittheilung von Nicolich ^), nach
welcher bei einer Dame von 25 Jahren durch einen Entzün-
dungsprocess ein Abscess am Nabel entstand, aus welchem sich
stinkender Eiter und zu zweien Malen neun Spulwürmer oluie
Darmcontenta entleerten. Von All man wird das Vorkom-
men einer Menge von Ascariden in' den Choanen eines Ha-
lichoerus Gryphus gemeldet '*).
Dr. Wyman erhielt aus einem Cyclopterus Lumpus meh-
rere lebende Individuen einer Ascaris, obgleich der Fisch seit
zwei Tagen vollständig gefroren war ^). Nach einer Notiz in der
Isis ist eine Ascaris im Magen von Manis aufgefunden worden ^).
Von Stein wurden einmal eine einzige Ascaris in der
Samenkapsel eines Byrrhus pilula, und ein andermal einige
zwanzig Ascariden in der Begattungstasche einer Lamia aedi-
lis angetroffen ''). Auch in der Kloake von Geotrupes ster-
corarius fand Stein sehr häufig Ascariden.
Die voi) Scortegagna gegebene Beschreibung eines
besonderen Wurms, welcher mit mehreren Spulwürmern einem
1) Vgl. Bulletin de Therapie. Sept. 1846. pag.211.
2) Ebenda. Sept. 1844. oder in Schmidt's Jahrbüchern. 1845. 111.
pag. 293.
3) S. Froriep's neue Notizen. Bd. 35. 1845. pag. 144, oder
Gazzetta med. di Milano. nr. 11. 1845.
4) In den Annais of natural history. Tom. XX 1847. pag. 47.
5) Vgl. Proceedings of the Boston society of natural history.
Vol. 1. 1841 — 44. pag. 103.
6) S. Isis. 1845. pag. 585.
7) Vgl. Stein: Vergleichende Anatomie imd Physiologie der In-
sekten. Erste Monograhpie. 1847. pag. 108.
Helminthologie wahrend der Jahre 1845, 1846 und 1847. 363
achtzehnjährigen Menschen abgegangen war *), ist mir jetzt zu
Gesicht gekonntien ^) , nnd lautet wie folgt: Ascaris lumhri-
coicles rosP/'atus , capite cucullato; ore in papilla posito, ro-
tundato, aculeoque peracuto munito; collo subnullo; corpore
nudo; membranis muscularibus circulariter et irregulariter va-
ricosis ; intestino mediano usque ad anum discendentibus. Ich
kann aus dieser Beschreibung und der beigegebenen undeut-
lichen Abbildung dieses Wurms, aus welchem S c ortegagna
einen Cucullanus machen will, doch nichts anderes erkennen,
als einen Spulwurm, dessen Epidermis, wie es mir scheint,
sich theilweise abgehoben und die verschiedenen Varikositäten
am Leibe gebildet hatte.
An dem Oesophagus der Spiroptera strongylina aus dem
Magen des Schweines sah Gurlt ^) zwei spiralig gewundene
und sich kreuzende Muskelstreifen herablaufen , auch in dem'
Schwanzende des männlichen Wurms fielen demselben viele
querlaufende feine Muskelfasern in die Augen.
Hammersch mid t beschrieb verschiedene in dem Darm-
kanale von Insekten lebende Nematoden als Oxyuris-Arten ^).
Diese in Insekten nicht selten vorkommenden Parasiten sind
aber von Oxyuris sehr verschieden, welche Duj ardin (a. a.
O. pag. 145) der Gattung Oxyuris so geradezu einzuverleiben
Anstand nahm. Hamm er seh mid t entdeckte zwölf Arten
dieser Insekten. Parasiten, welche vorzüglich während des
Larvenzustandes von Melolontha, Cetonia, Trichius, Lucanus,
Geotrupes, Scarabaeus, Cerambyx, Blatta und Locusta in
deren Darmkanal angetroflfen wurden. Weibliche Individuen
waren viel häufiger als männliche, und diese nur zu bestimm-
ten Jahreszeiten aufzufinden, während die Weibchen zu jeder
Jahreszeit in verschiedenen Entwicklungsstadiem vorkamen.
Die Form der Schwanzspitze lieferte ein Hauptunterscheidungs-
mal der Arten. Sie erschien bei den Weibchen oft sehr lang,
war bei den Männchen dagegen sehr kurz oder fehlte hier
ganz. Die Bewegungen dieser Würmchen waren schlangen-
1) S. dieses Archiv. 1845. Bd. II. pag. 246.
2) Vergl.Nuovi Annali delle scienze naturalidi Bologna, Aprile 1848.
3) Vgl. das Magazin für die gesammte Thierheilknnde. 1847. p.74.
4) Vgl. die naturwissenschaftlichen Abhandlungen, gesammelt von
W. Haidinger. Bd. I. Wien. 1847. pag. 279. Taf. X.
364 V. Siebold: Bericht über die Leistungen im Gebiete der
förmig, zuweilen auch schnellend. Am Mundende trugen sie
zwei Höcker, welche zweien darunter liegenden auf- und ab-
wärts beweglichen Saugwarzen oder Sauggruben entsprachen
und in den Schlund führten. Die strahlige Muskulatur des
mit einem kugeligen Magen endigenden Schlundes soll nach
Hammerschmidt bei diesen Oxyuren mit einem ebenfalls
strahlig sich ausbreitenden Organe , vielleicht einer Nerven-
Masse in Verbindung stehen. Die weiblichen Geschlechts-
organe münden im oberen oder mittleren Drittel des Leibes
mit zwei Lippen nach aussen. Der Uterus ist doppelt und
ragt mit der einen Hälfte nach oben , mit der anderen nach
unten. Die beiden Ovarien schlagen sich um und hüllen den
Darmkanal mit vielen Schlingen ein. Der doppelte Uterus
enthält vollkommen entwickelte Eier. Männliche Geschlechts-
theile wurden nur einmal beobachtet, wobei ein aus mehreren
übereinander gelagerten Bläschen bestehendes drüsiges Organ
im unteren Körperdrittel ein Samengefäss und eine aus einer
runden Oeffnung vor der Schwanzspitze hervorragende Borste
ein Penis zu sein schien. Als Arten führte Hammerschmidt
folgende auf: Oxyuris brachyura , drei bis vier Linien lang,
mit sehr kurzer, schwach gebogener Schwanzspitze. Drei
drüsenartige Körper umgeben die Scheide. Fand sich im Mai
in einer Melolontha- Larve, vielleicht von Rhizotragus solsti-
tialis. Oxyuris Blattete oi'ientalis, Weibchen 1 — \\ Lin. lang,
Männchen dagegen -~-§-^ Lin. lang. Die Schwanzspftze des
Weibchens macht ein Drittel der Körperlänge aus. Die Schwanz-
spitze des Älännchen ist sehr kurz und besitzt an der Basis
eine Art Widerhaken. Der Schlund zeigt vor dem Magen
eine starke muskulöse Erweiterung. Die jüngeren weiblichen
Individuen besassen eine noch nicht so lang ausgezogene
Schwanzspitze. Oxyuris gracilis von f Lin. Länge, mit massig
langer Schwanzspitze. Der Schlund einfach kolbenförmig, die
weiblichen Geschlechtstheile noch nicht gehörig entwickelt.
Fand sich im Blinddarme der Larve einer Melolontha. Oxyuris
dilatata, \ bis \ Lin. lang, im Darme der Larve von Cetonia
marmorata, besass eine massig lange Schwanzspitze, aber einen
sehr langen Schlund, der fast bis zur Hälfte des dicken Leibes
hinabragte. Oxyuris laticoUis^ | Lin. laug, lebt im April in
dem Darmkanale der Larve von Cetonia stictica. Die Schwanz-
Helminthologie während der Jahre 1845, 1846 und 1847. 365
spitze macht fast den vierten Theil der Körperlänge aus. In
der Mitte des Leibes, wo die Scheide zu sein scheint, be-
merkte Hammerschmidt ein drüsiges Organ, das sich ge-
gen den Magengrund hinaufzieht. — Eine 2^ Linie lange be-
sondere Oxyuris erwähnt W. Ho ff m eiste r, der dieselbe
äusserlieh auf der schleimigen Hautoberfläche des Lumbricus
Agricola antraf ^).
Guerin de Meneville beobachtete in kranken Kar-
toffeln ausser Milben und^ Insekten auch einen kleinen dem
Kleister- oder Essig- Aale verwandten Helminthen '^), welchen
er Rhabditis feculorum nannte.
Gros beschrieb eine Anguillula ^), welche in stehendem
Wasser zwischen Moos und Infusorien lebt, und 14 bis 18
Eier enthält. Die Mundöflfnung ist von sechs Papillen um-
geben. Die Vulva dieses Wiirmchens bildet Gros auf dem
Rücken desselben ab , was gewiss nicht richtig ist. Das
Schwanzende der Männchen stellt eine Art Saugscheibe dar,
mit deren Hülfe die Begattung verrichtet wird. Im Wasser,
in der Erde, auch im gekochten und frischen Fleische soll
diese Anguillula vorkommen. Die Eier derselben entwickeln
sich oft erst, nachdem sie gelegt worden sind, und dann soll
das sie umgebende Medium einen Einfluss auf die Form der
sich in diesen Eiern entwickelnden Brut ausüben. So sollten
nach Gros die Ascaris vermicularis aus der Scheide leukorrho-
ischer Frauen und die Anguillula Aceti von obiger Anguillula
nicht verschieden sein. Gros will auch im Wasser Ascariden
angetroffen haben, welche im Darm und in den Lungen der
Frösche leben. Derselbe fand zuweilen die Wandungen des
Magens und Darmes der Frösche mit kleinen braunen eiför-
migen Cysten inkrustirt, in deren Umgebung sich askarisartige
Würmchen vorfanden. Von diesen Vermicules ascaridiens sagt
Gros auffallender Weise, dass sie die Brut von Distomen seien.
1) S. Hoffmeister: Die bis jetzt bekannten Arten aus der Fa-
milie der Regenwürmer. 1845. pag. 20. fig. 10.
2) Froriep*s neue Notizen, Bd. 36. pag. 186. oder Comptes ren-
dus. Tom. 21. 1845. pag. 878.
3) Nematoides Ascaridiens, so betitelt Gros einen Abschnitt
seiner Observations sur quelques parasites, in dem Bulletin d. 1. soc.
des natural, d Moscou a. a. O. pag. 417.
366 ^- Siebold: Bericht über die Leistungen im Gebiete der
Von Leidy ist zu Philadelphia in den Schenkelmuskeln
eines Schweines Trichina spiralis gefunden worden, welche
sieh von der des Mensch'en nicht unterschied'). Der schon
im vorigen Jahresberichte (Jahrg. 1845. Bd. II. pag. 219.) er-
wähnte dänische Aufsatz von Svitzer über Trichina spiralis
befindet sich jetzt bearbeitet in den Notizen aus dem Gebiete
der Natur- und Heilkunde ^)
Mehrere als Filarien bezeichnete aber nicht näher be-
schriebene Würmer hat Wilms im Darmkanale von Sagitta
wahrgenommen ^).
Ecker fand zu Basel im Blute verschiedener Saatkrähen
Embryone von Nematoden '*), welche nicht zu circuliren schie-
nen, da er sich dieselben nicht durch Aderlass aus den Blut-
gefässen des Oberschenkels oder Flügels verschaffen konnte,
wohl aber sie in Menge innerhalb des Herzens, der Aorta,
Lungenarterie, Lungenvene und Hohlvene antraf. Er erkannte
in der Leibeshöhle dieser sehr beweglichen kleinen Haemato-
zoen keine Spur von Geschlechtstheilen, sondern nur eine
feinkörnige Masse (Dottermasse) und im vorderen dickeren
und stumpf abgerundeten Ende die Umrisse eines Oesophagus,
dafür muss Referent wenigstens die schattirten Streifen erklä-
ren, welche Ecker im Vorderleibsende dieses Würmchens
abgebildet hat. Diese Haematozoen wurden von dem Ent-
decker für die Brut der Filaria attenuata genommen, welche
er gleichzeitig in der Leibeshöhle der Saatkrähen auffand.
Auch bemerkte Ecker in dem Gekröse, am Magen, Darm
und an den Luftsäcken kleine gelbliche Kysten, welche eine
aufgerollte geschlechtslose Filarie von 1 Lin. Länge enthielten,
ferner war demselben am Darme einer Saatkrähe eine erbsen-
grosse gelbe Geschwulst aufgefallen, welche eine erwachsene
Filaria attenuata nebst Eierhaufen enthielt, in denen die Embryone
bereits entwickelt waren und den vorhin beschriebenen Hae-
matozoen ähnelten. Derselbe Beobachter glaubte die Entsteh-
1) Vgl. the Ännals of natural history. Vol. 19. 1847. pag. 358,
oder Froriep's und Schleiden's Notizen. Bd. 111. 1847. p. 58.
2) Ebenda. Bd. II. 1847. pag. 219.
3) Vgl. Wilms: Observationes de Sagitta. 1846. pag. 12.
4) S. Mülley's Archiv. 1845. pag. 501.
Helminthologie während der Jahre 1845, 1846 und 1847. 367
ung dieser Filarien -Geschwulst von einer Art Verpuppungs-
oder Einkapselungs-Process ableiten zu müssen. Referent ist
überzeugt, dass diese Haematozoen durch Wanderung in das
Blutgefässsystem von Corvus frugilegus gelangen, und dass
dieser Aufenthaltsort zur weiteren Eutwickelung dieser Hel-
minthen nicht geeignet sein muss, daher Ecker nach mehre-
ren Wochen diese Haematozoen in gleicher Menge und auf
gleicher Stufe der Ausbildung an den Saatkrähen beobachtete.
Auch Referent fand dieselben Haematozoen während des Win-
ters zu Freiburg im Blute der Saatkrähen, aber auf eben der-
selben Entwicklungsstufe, in welcher sie Ecker angetroffen
hatte. An den enkystirten kleinen Filarien fiel Ecker ein
geschlängeltes pulsirendes Gefäss auf, welches sich auf dem
Vordertheil des Verdauungskanals hinzog und einzelne Seiten-
äste abgab. Eck^r bemerkt ausdrücklich, dass dieses Gefäss-
system an den ausgewachsenen Individuen der Filaria attenuata
nicht wahrgenommen werden konnte.
Auch Gros machte einige Mittheilungen über nematoden-
artige Hämatozoen *). Er will im Blute einer Feldmaus so
viele Würmchen gesehen haben, dass dasselbe durch und durch
belebt erschien. Eine ähnliche Menge Hämatozoen habe er
im Blute von Maulwürfen angetroffen, eine geringere Menge
dagegen im Blute der Ziegenmelker. Auch in einem Kraniche
beobachtete Gros Hämatozoen. Bei Menschen soll nur das
Blut syphilitischer Personen Hämatozoen enthalten, was dem
Referenten, wie so manches aus den Erfahrungen des Herrn
Gros, sehr auffallend klingt. Die Hämatozoen der Krähen
blieben nach Gros vier Monate hindurch unverändert und
fanden sich im Blute aller Theile des Körpers vor. Derselbe
konnte im Innern dieser Würmchen ausser einer feinen Gra-
nulation keine weitere Organisation unterscheiden. Sie blieben
zwölf Stunden auf dem Objektträger und 24 Stunden im Ka-
daver lebend. Weder drastische Abführmittel noch andere
Gifte tödteten sie. Von Strongylus sollen diese Hämatozoen
nicht herrühren, da die Embryone dieses Wurmes, während
1) Vergl. Gros: Observations sur quelques parasites, in dem
Bulletin d. 1. soc, imp. des Natural, de Moscou. a. a. O. pag. 423
Sur les Hematozoaires.
Archiv f. Naturgesch. XIV. Jahrg. 2. Bd. A a
368 V. Siebold: Bericht über die Leistungen im Gebiete der
sie noch von der Eihiille umgeben sind, im Magen, in der
Leber und den Lungen der Krähen bereits viel grösser sind.
Vielleicht stammen sie von Filarien her, welche zu Myriaden,
so vermuthet Gros, ohne krankhafte Zufälle zu erregen, die
Krähen bewohnen, und als Embryone sich einen Weg in das
Blutgefässsystem derselben bahnen.
Loney beobachtete bei zwei geborenen Afrikanern unter
der Conjunctiva in der Umgegend der Cornea einen nicht
über einen Zoll langen Wurm ^), den er durch Oeffnen der
Conjunctiva lebend auszog, aber leider nicht näher beschrieb.
In Bezug auf Entwicklung der Nematoden hat Reichert
die Eier von Strongylus auricularis benutzt ^), um die Ver-
änderungen, welche der Dotter während des Furchungspro-
cesses erleidet, zu verfolgen. Derselbe hat auch bei Stron-
gylus auricularis und Ascaris acumiuata sehr sorgfältige Un-
tersuchungen über die Entwicklung der Samenkörperchen
angestellt, aus denen hervorgeht, dass sich in den Hoden zu-
erst grosse Primitivzellen bilden, in welchen sich inmier vier
Tochterzellen entwickeln. Eine jede dieser Tochterzellen
verwandelt sich allmälig in ein einziges starres Spermatozoid.
Die Spermatozoiden von Strongylus auricularis besitzen an-
fangs eine birnförmige Gestalt mit einem kurzen feinen Stiel-
chen; aus dieser Birnform gehen diese Spermatozoiden zuletzt
in eine Cylinderform über. Bei Ascaris acuminata behalten die
Spermatozoiden stets eine rundliche Zellenform mit sehr scharf
contourirtem wandständigen Kerne. Reichert überzeugte sich
übrigens, dass die Wandungen der männlichen und weiblichen
Geschlechtsorgane bei den genannten Nematoden von einer
einfachen dünnen und homogenen Membran gebildet w^erden,
welche unmittelbar den Samen, die Eier oder ihre Bildungs-
elemente umschlossen hatten. In diesen röhrenförmigen Ge-
schlechtsorganen geht die Entwicklung der Spermatozoiden-
Zellen oder Eizellen anfangs auf ganz gleiche Weise vor sich.
Haben diese Keimzellen aber eine gewisse Grösse erreicht,
so trennen sich die Wege der weiteren Entwicklung in den
Hoden und Ovarien ; in den Hodenzeilen entwickeln sich durch
1) Vgl. Froriep's neue Notizen. Bd. 33. 1845. pag. 176.
2) S. Müll er 's Archiv. 1846. pag. 196.
Helminthologie während der Jahre 1845, "1846 und 1847. 369
neue Zellenbildung Brutzellen, die sich in Spermatozoiden
verwandeln, während die Ovarien -Zellen fortwachsen, und
durch Grössenzunahme sich zu Eiern ausbilden.
Von Hannover ist die Entwicklungsgeschichte der Ne-
matoden an den Eiern der Ascaris nigrovenosa studirt wor-
den '). Dieser Wurm findet sich nach Hannover's Aus-
sage im Darme und in den Lungen ganz kleiner Frösche,
Kröten und Wassersalaraander. Die ausgewachsenen Eier
dieses Helminthen haben im Ovarium nur die zarte Dotter-
haut um sich, weiterhin bekommen sie erst eine wirkliche
Schale. Zur Entwicklung des Embryo drängen sich die Dot-
termolekiile zusammen, wobei die Masse eine unregelmässige
Traubenform annimmt; hierauf streckt sich das Ganze in die
Länge, und indem es fortwächst, muss es sich beugen, wobei
allmälig Schwanz und Kopf deutlich werden. Nach Durch-
bohrung der Eischalen schleppt der Wurm die Eihülle noch
an der Schwanzspitze im Uterus mit sich herum. Hannover
fügt noch hinzu, dass ihm noch nie ein männliches Individuum
von Ascaris nigrovenosa vorgekommen sei, welche Beobachtung
Referent aus eigener Erfahrung bestattigen muss.
Vermes Qordiacet.
G. Johnston führt in einer Uebersicht der britischen
Anneliden den Gordius aquaticus und argillaceus auf ^), mit
dem Bemerken, dass Filarien häufig als Gordien beschrieben
seien, woraus hervorgeht, dass Johnston die Beziehung des
Gordius zu gewissen Filarien nicht kennt.
Creplin überzeugte sich an zwei aus der Sammlung der
Berliner Thierarzneischule erhaltenen Filarien ^) , welche in
Gryllus migratorius gefunden worden waren, dass sie Mer-
mis ähnliche Würmer seien. Derselbe erwähnte auch mehrere
Fadenwürmer, welche im zoologischen Kabinete zu Greifswald
aufbewahrt werden, und theils auf Pflanzen, auf der Erde,
theils in einem, wahrscheinlich wurmstichigen Apfel gefunden
worden sind. Von demselben wurde ein Fadenwurm aus
1) S. die Isis. 1845. pag. 443.
2) S. the Annais of natural history. Vol. XVI. 1845. pag. 434.
3) S, Froriep's und Schieid en's Notizen. Bd. 111. 1847. p. 161.
Aa*
370 ^'- Siebold: Bericht über die Leistungen im Gebiete der
Acantbodis (glabrata?) beschrieben, den Besoke in Brasilien
aufgefunden hatte. Er hat eine Länge von S Zoll 7 Lin. nnd
eine Dicke von # — l Lin. Seine Farbe ist tiefbrann , seine
Oberfläche glatt, am vorderen flachconvexen Ende befindet
sich eine weiche hellere Stelle, in deren Mitte die rnndliche
scharfgerandete Mundöfi'nung bemerkt wird. Am verschmäch-
tigten Hinterende ist keine Oefl'niing wahrzAinehmen. Unter
der Haut befindet sich eine starke aus Längsfasern zusammen-
gesetzte Muskelschicht. Im Innern traf Creplin Eier an,
eine genauere Untersuchung konnte an dem einzigen im Hin-
tertheile durchschnittenen Weingeistexemplare nicht angestellt
werden. Creplin nannte den Wurm Chordoiles parasitus.
Vielleicht ist dieser Wurm eine weibliche Mermis, deren vom
Hinterleibsende entfernte Geschlechtsöffnung in der Gegend
der verletzten Stelle angebracht war, und deshalb von Creplin
nicht gesehen werden konnte.
Als einen Nachtrag zu dem früheren Berichte über Gor-
diaceen mus» Referent noch hinzufügen, dass Waga zu War-
schau einen Apfel von der süssen Varietät Papierowka in die
Hände bekam '), welcher neben der Kernkapsel in einer Höhle
einen zu einem Knäuel aufgewickelten Wurm von 5 Zoll
Länge und von der Dicke eines groben Faden enthalten habe,
was Waga als etwas ganz neues erschienen war.
Von Guerin-Meneville wurde die Larve eines Mai-
käfers beobachtet, welche zwei Fadenwürmer von mehr als
einen Fuss Länge enthielt^). Nach einer Mittheilung Scheue h-
zer's sollen die meisten Individuen von Locusta viridissima
in der Schweiz Fadenwürmer enthalten ^). Referent sprach
sich bei der Naturforscher- Versammlung zu Nürnberg über
die Verwandtschaft des Gordius, aquaticus und der Filaria
Insectorum aus, und theilte die Auswanderungsgeschichte eines
männlichen Gordius aquaticus mit *), welchen der Studiosus
1) Vgl. Revue zoologique. 1844. pag. 366.
2) S. Annales de la societe entomologique de France. Tom. 3.
1845. pag. CIX.
3) Vgl. die Verhandlungen der schweizerischen naturforschenden
Gesellschaft bei ihrer Versammlung in Chur. 1844. pag. 105.
4) Vgl. den amtlichen Bericht über die Versammlung deutscher
Naturforshcer in Nürnberg im September 1845. pag. 182.
Helminthologie während der Jahre 1845, 1846 und 1847. 371
der Medizin Cnopf unter seinen Augen aus einer Locusta
viridissima hervorkriechen sah. Rosen ha uer machte inter-
essante Mitthellungen über die in der Leibeshöhle der Raupen
von Yponomeuta cognatella lebende Filaria truncata '), welche
Referent später als die von ihm beschriebene IVlermis albicans
erkannte. Rosenhauer beobachtete das Auswandern dieser
Fadenwürmer, welches immer den Tod der Raupen, ihrer
bisherigen Wohnthiere, nach sich zog. Es ist demselben ge-
lungen, diese Würmer mehrere Wochen hindurch in feuchter
Erde lebend zu erhalten und ihre Häutung zu beobachten.
Er überzeugte sich mit Will, dass diese eben ausgewanderten
Fadenwürmer noch keine Geschlechtstheile besassen, und sich
also noch in einem nicht völlig ausgebildeten Zustande be-
fanden. Auch Zell er beobachtete in den Raupen der Ypo-
nomeuta cognatella dergleichen Fadenwürmer, und leitete ihre
Entstehung von Feuchtigkeit und Verdorbenheit des Raupen -
futters ab -), was Referent durchaus in Abrede stellen luuss.
Referent sprach sich über die Identität der Filaria Insectorum
und der Gordiaceen aus ^) und machte auf den Zweck des
Auswanderns dieser Fadenwürmer aus ihren Wohnthieren auf-
merksam, der darauf hinausgeht, diese geschlechtslos auswan-
dernden Fadenwürmer ausserhalb der Insekten an einen pas-
senden Ort gelangen zu lassen, wo sie geschlechtsreif werden,
sich begatten und ihre Brut absetzen können.
Bouche hat beim Zergliedern des Gamasus coleoptra-
torum, marginatus, horticola und anderer Milben einigemal
Filarien von einer halben Linie Länge hervorkommen sehen *),
die sich im Wasser munter bewegten, und noch 12 — 24 Stun-
den lebten. Referent muss es dahin gestellt sein lassen, ob
diese Filarien wirklich der Familie der Gordiaceen angehörten.
1) S. die entoraologische Zeitung. 1847. pag. 318.
2) S. die Isis. 1844. pag. 209.
3) Im Handwörterbuch der Physiologie., Bd. II, in dem vom Re-
ferenten abgefassten Artikel Parasiten, pag. 662.
4) Vgl. die entomologisclie Zeitung. 1844. pag. 205.
372 V. Siebold: Bericht* über die Leistungen im Gebiete der
Veriues Aeantliocepliall.
Dr. Wyman fand den Echinorrhynchus nodosus im Darm
von Labrax lineatus *).
Von Stein wurde in der Kloake des Geotriipes sterco-
rarius zwei 1^ Lin. lange Echinorrhynchen beobachtet *).
Vermes Vrematodes.
Blanchard handelte in einer sehr ausführlichen Abhand-
lung die Ordnung der Treraatoden nach der Eintheilung des
Dujardin ab^), indem er sie als Distomii, Tristomii und
Octobothrii unterscheidet. Derselbe hebt Fasciola L. mit der
F. hepatica besonders hervor, welche sehr genau beschrieben
wird. Das Nervensystem des Leberegels nähert sich dem der
Malacobdellen , sowohl in Form als Anordnung. Es besteht
aus zwei zu den Seiten des Mundnapfes belegene, durch eine
quere Kommissur verbundene Ganglien, von vvelchen zwei
seitliche Nervenstämme nach hinten abgehen. In dieser Be-
ziehung verhalten sich Distomum hepaticum , lanceolatum, cy-
lindraceum, variegatum, appendicuiatum, Monostomum verru-
cosum, Amphistomum conicum, subclavatum, Holostomum
alatum, Tristomum coccineum, Polystomum integerrimum ganz
gleich. Von Blanchard wird ausserdem bei allen Tremato-
den ein sehr entwickeltes Blutgefässsystem beschrieben, wobei
es auffällt, dass derselbe das Excretionsorgan dieser Thiere
und namentlich die so deutliche am Hinterleibsende derselben
angebrachte Mündung dieses Organes läugnet. Es soll diese
Oeffnung durch Zerreissung beim Pressen- oder Injiciren der
Trematoden künstlich hervorgebracht werden. Man sieht hier-
aus, dass Blanchard keine frische lebende Trematoden be-
obachtet hat. Was übrigens Blanchard durch Injektion als
Gefässnetz zum Vorschein gebracht haben will, ist zum Er-
staunen. TJjn die an das Unglaubliche grenzende Fertigkeit,
1) Vgl. Proceedings of the Boston society of nat. bist. Vol. I.
1841 — 44. pag. 95.
2) Vgl. Stein: Vergleichende Anatomie und Physiologie der
Insekten. Erste Monographie. 1847. pag. 108.
3) Vgl. Blanchard: Sur ^Organisation des vers, in den Annales
des sciences naturelles. Tom. 8. 1847. pag. 276.
Helminthologie während der Jahre 1845, 1846 und 1847. 373
an Treniatodeii" von kaum einigen Linien Länge das Blutge-
fässsystem injiciren zu können, möchte man diesen Helmintho-
logen fast beneiden. Es wäre zu wünschen gewesen, derselbe
hätte einige Andentungen gegeben, mit welchem Apjiarate,
mit welcher Injectionsmasse, von welchem Theile der Thiere
aus und mit welchen Vorsichtsmassregeln diese Injectionen
von ihm ausgeführt worden sind. Referent muss übrigens
bemerken, dass bei vielen frischen und lebenden Trematoden
das ganze Blutgefasssystem gewiss noch deutlicher und zu-
verlässiger mit dem Mikroskope gesehen werden kann, als
durch Blanchard's Injektionen. An dem Blutgefässsysteme
des Leberegels, welches farbloses Blut und wenige unregel-
mässig gestaltete Blutkörperchen enthält, überzeugte sich
I5Ianchard übrigens, dass, obgleich die Verästelungen des
Verdauungskanals von den Blutgeiässen dicht umsponnen wer-
den, diese letzteren nicht, wie Mehlis behauptet hat, direkt
in den Darm einmünden In den mit selbstständigen Wan-
dungen ausgestatteten und selbstständige Bewegungen ausüben-
den Blutgefässen konnte er auch jene Flimmercilien nicht
wahrnehmen, welche von Dujardin beschrieben worden sind.
Bei der Beschreibung der weiblichen und männlichen Ge-
schlechlswerkzeuge der Trematoden wird weder der innere
directe Zusammenhang dieser beiden Systeme erwähnt, noch
des Keimbehälters gedacht, indem Blanchard die Dotter-
stöcke als die Ovarien ansieht. Die vesicula seminalis interior
hat Blanchard dagegen gesehen und vesicule oviductale ge-
nannt, ohne jedoch deren physiologische Bedeutung erkannt
zu haben. Aus der zur Gattung Dicrocoelium Duj. gerech-
neten Reihe von Distomen wird von, Blanchard Distonnnn
lanceolatum beschrieben, wobei der innere Zusammenhang
zwischen den männlichen und weiblichen Geschlechtsorganen
so wenig als die Anwesenheit des Keimstockes erkannt wor-
den ist. Von der Beschreibung des Distomum cylindraceum
und variegatum gilt dasselbe. Bei dem letzteren Doppelloche
ist das Uebersehen des mit dem Eierleiter zusammenhängenden
Keimstockes um so auffallender, da dieser sowohl wie die
vesicula seminalis interior ihrer Grösse wegen so leicht in die
Augen springen. An dem Doppelloche Brachylaenuis Erinacei
2:ewährt das von Blanchard beschriebene und abgebildete in
374 ^- Siebold: Bericht über die Leistungen im Gebiete der ""
der Mitte des Leibes gelegene gabelförmige Gefässsystem ganz
das Ansehen eines Excretionsorgans , dessen V^orkommen von
Blanchard bei den Trematoden gelUugnet wird. Distomum
(Apoblema Diij.) appendiculätnm , Monostomum verrucosum
und Amphistomum conicum werden in ähnlicher Weise wie
die vorigen Distomen beschrieben. Bei allen wird die vesi-
cule oviductale erwähnt. Von den beiden zuletzt genannten
Trematoden hat Blanchard auch den Keimstock gesehen und
abgebildet, ohne jedoch über die Funktion dieses Organs sich
ausgesprochen zu haben. Bei Amphistomum conicum wird
der am Hinterrücken ausmündende birnförmige Behälter des
Excretionsorgans für ein Herz genommen , welches mit dem
Blutgefässsysteme zusammenhängen soll. Das Holostomum
alatum ist von Blanchard ganz unrichtig aufgefasst worden,
indem die beiden auf der vorderen Bauchfläche gelegenen
Längswülste, welche einen eigenthümlichen Saugapparat dar-
stellen , von ihm für Geschlechtsorgane bezeichnet werden,
deren näheres Verhalten aber nicht weiter analysirt wird.
Auch von dem Blutgefässsysteme dieses Trematoden wird das
Sonderbare gemeldet, dass der Vorderrücken dieses Wurmes
eine Menge nicht untereinander anastomosirender Quergefässe
besitzen soll. Bei der Beschreibung des Tristomum coccineum
weicht Blanchard von Die sing insofern ab, als er nicht
vier sondern nur zwei Hauptsämme des Darmes gesehen haben
will, welche vor dem hinteren Saugnapfe bogenförmig in ein-
ander übergehen, und aus welchen eine Menge vielfach ver-
zweigter Seitenäste abgehen. Blutgefässe sah er hier nur sehr
wenig verbreitet. Er unterscheidet das Tristomum coccineum des
Schwertfisches und das Tristomum Molae als besondere Arten.
Letzteres soll ein tiefer ausgeschnittenes Hinterleibsende und
einen grösseren hinteren Saugnapf besitzen. Als dritte Art fügt
Blanchard noch Tristomum Sqmdi hinzu, graugelb und braun
gefleckt, 25 Millimeter lang, rnnd, mit regelmässig granulirtem
Rücken. Auch bei Tristomum Sturionis aus Accipenser acutiro-
stris überzeugte sich Blanchard von dem vor dem hinteren Saug-
napfe Statt findenden bogenförmigen Zusammentreten beider
Seitenhälften des Darmkanals. Die Struktur des Polystomum
integerrimum ist von Blanchard gänzlich verkannt worden,
was überhaupt ein Misstrauen erregen muss ^q^qw die übrige
Helminthologie während der Jahre 1845, 1846 und 1847. 375
sehr detaillirte Darstellung des anatomischen Baues der oben
erwähnten Trematoden. Zuerst ist der einfache gabelförmige
Darmkanal des genannten Polystomum, wie er bei so vielen
Trematoden vorkömmt, von Blanchard ganz und gar über-
sehen worden, während derselbe ein unter der Haut dieses
Trematoden verbreitetes Netz schwarzer verästelter und un-
tereinander anastoraosirender Pigmentzellen für einen ver-
zweigten Darmkanal gehalten und abgebildet hat. Die Ge-
schlechtsorgane sind durchaus unrichtig aufgefasst worden.
Die Hoden sollen aus einer Menge kleiner birnförmiger
Kapseln bestehen, deren Ausführungsgänge allmälig ineinan-
der münden, bis zuletzt ein einziges kurzes vas deferens zum
Penis tritt. Diese weissen verästelten Gefässe gehören wahr-
scheinlich dem Excretionsorgane an. Der neben dem Hoden
ausmündende Uterus soll nach der Abbildung zu schliessen
eine Menge kleiner Eier enthalten, während bekanntlich Po-
lystomum integerrimum unverhältnissmässig grosse Eier legt.
Referent muss daher glauben, dass Blanchard hier den sehr
weit nach vorne gerückten mit Keimzellen gefüllten Keimstock
für einen Eierbehälter angesehen hat.
Nach H. Meckel's Untersuchungen ^) sollen die ver-
ästelten flimmernden Gefässe, welche das Körperparenchyni
vieler Trematoden durchziehen, unmittelbar in das am Hinter-
leibsende ausmündende und nicht flimmernde Excretionsorgan
übergehen. Meckel sah diese wimpernden Gefässe bei Di-
stomum luteum aus Paludina vivipara und bei einem kleinen
die Niere der Weinbergsschnecke bewohnenden Distomum,
auch in den sogenannten königsgelben Bojanus^schen Wür-
mern des Lymnaeus stagnalis und in der dazu gehörigen Cer-
caria Ephemera will Meckel Flimmerstellen gesehen haben.
Derselbe vergleicht diese Wimperkanäle mit einem wasserfüh-
renden Athmungsapparat, der durch Hauteinsaugung das um-
gebende Wasser aufninmit und nach dem Excretionsorgane
abführt, von wo es mit den übrigen Excreten durch das fo-
ramen caudale nach aussen entleert wird.
Ray er fand in den erweiterten Gallengängen eines Ka-
ninchen zahllose Menge Eier des Distomum lanceolatum, ohne
1) S. Müller 's Archiv. 1846. pag.2.
376 V. Siebold: Bericht über die Leishiiigen im Gebiete der
dass lebende Distomen zugleich vorhanden waren. Das kranke
Kaninchen hatte an einem schlecht gelüfteten feuchten Orte ge-
lebt *). Bei einem anderen kranken Kaninchen bemerkte der-
selbe grauliche oder gelbliche Ma.^sen in den Gallengängen,
aber ohne Eier.
Von Duval wurde zu Rennes in dem Kadaver eines
49jährigen Schieferdeckers eine sehr grosse Fasciola inner-
halb der Hohlader und mehrere kleinere Individuen innerhalb
der Lebervenen beobachtet *).
Durch Kölliker ist ein merkwürdiges Distomum n^it
getrennten Geschlechtern in den Wandungen der Kiemenhöhle
von Brama Raji entdeckt worden ^); die ausführliche Beschrei-
bung dieses merkwürdigen Trematoden wurde von dem Ent-
decker erst später geliefert, und kann daher erst im nächsten
Jahresberichte zur Sprache gebracht werden.
Nach Gurlt's Untersuchungen kömmt ausser dem be-
kannten Amphistomum conicuni im Bansen des Zebu noch
ein neues Amphistomum vor, welclies Creplin AmpJdst.
crumeniferum genannt hat ^). Dasselbe ist vor seinem Hin-
terende etwas eingeschnürt und auf dem Querschnitte drei-
kantig. Dicht hinter dem Mundnapfe fand Creplin eine
Querspalte, welche in eine geräumige Höhle führt, die sich
bis zum hinteren Napfe hinaberstreckt. Innerhalb dieser Höhle
oder Tasche fand sich nach oben der Geschlechtsporus. Darm
und Geschlechts Werkzeuge zeigten nichts auffallendes. Ein
anderes Amphistomum, welches Gurlt in den Gallengängen
und in der Gallenblase des Zebu angetroffen, beschrieb Creplin
als Ämphist. expla?iattim , indem dasselbe eine lancettförmige
platte Gestalt darbietet.
Von Dr. Wyman sind in der Lunge einer Boa (spec?)
mehrere 1 — 3 Zoll lange Pentastomen gefunden worden ^).
1) Vgl. Archives d'anatomie generale et de physiologie. Paris.
1846. Jan.
2) S. Froriep's neue Notizen. Bd. 35. 1845. pag.352.
3) S. die IVlittheilungen der naturforschenden Gesellschaft in Zü-
rich. Juli 1844 bis Juli 1846.
4) Vgl. dieses Archiv. Jahrg. 1847. Bd. L pag.30.
5) Vgl. Proceedings of the Boston society of nat. bist. Vol. I.
1841 — 44. pag. 103.
Helminthologie während der Jahre 1845, 1846 und 1847. 377
Derselbe beschrieb aus den Eingevveiden eines Python bivitta-
tus ein neues Pentastomum mit dem Namen Linguatula amil
lata und folgender Diagnose : corpore cylindrico , antice de-
pressiusculo et viginti annulis circumdato. Eine andere Art
aus der Lunge von Boa constrictor nannte derselbe Linguatula
clavata, von der er jedoch meinte, dass sie auch mit Ling.
subcylindrica Dies, identisch sein könnte. Ihr Körper ist
cylindrisch, vorne verdickt, nach hinten verschmächtigt, in der
Mitte mit undeutlichen Ringeln ^).
Von Kauffmann wurde Pentastomum denticulatum in
der Lungensubstanz eines Kaninchens entdeckt '^). Derselbe
hält jedoch die von ihm aufgefundenen Individuen dieses Pen-
tastomum für eine besondere Art, weil die Zahl der Krallen,
welche in den vier seitlichen Gruben am Kopfende verborgen
stecken, bei seinen Pentastomen nicht mit der Krallenzahl des
Pentast. denticulatum übereinstimmen. Er fand nämlich, wie
Creplin, nur zwei Hacken von ungleicher Grösse in jeder
Grube, während Bosc und Die sing nur einen Hacken darin
wahrgenommen. Referent fügt hinzu, dass Mehlis, Nord-
mann und Gurlt sogar drei Hacken in diesen Gruben be-
merkt haben (vgl. die Monographie von Diesing über Pen-
tastomum in den Annalen des Wiener Museums. Bd. 1. Abthl.
1. pag. 18.); es ergiebt sich wohl hieraus, dass die Zahl dieser
Klammerorgane zur Aufstellung von Pentastomum-Arten keinen
Ausschlag geben kann, und dass ihre Zahl bei den einzelnen
Individuen variirt, indem die kleineren, hinter den grossen
Krallen verborgen steckenden Krallen wohl nur als Ersatz-
stücke für die etwa verloren gegangenen grossen vorderen
Krallen in unbestimmter Zahl vorhanden sein können.
Die Geschichte der Trematoden, welche durch Generations-
wechsel aus Cercarien- Schläuchen hervorgehen, hat Referent
aufzuklären Gelegenheit gefunden ^). Ich habe nämlich öfters
in den vollkommen entwickelten Individuen der Ephemera
1) Vgl. Proceedings of the Boston society of nat. hist. Vol. II.
1845 — 48. pag. 59.
2) Vgl. Kauffmann: Analecta ad tiiberculorum et entozoorum
cognitionem. Dissertat. Berolin. 1847.
3) S. meinen Artikel „Parasiten" im Handwörterbuch der Physio-
logie a. a. O. pag. 669.
378 ^' Siebold: Bericht über die Leistungen im Gebiete der
vulgata eiikystirte geschlechtslose Distonien gefiindeii , welche
ich als die von mir schon früher beschriebene Cercaria armata
erkannte. Ich vermuthete, dass dieselben schon in die Wasser-
Larven der Eintagsfliegen durch Einwanderung hineingelangen.
Ich brachte daher verschiedene Ephemera-Larven mit munteren
aus Lymnaeus stagnalis ausgewanderten Individuen der Cer-
caria armata in einem Uhrgläschen zusammen, und beobachtete
sie mit schwacher Vergrösserung unter dem Mikroskope, um
mich von dem Einwandern dieser Schmarotzer zu überzeugen.
Es ist mir dies auch wirklich gelungen. Ich sah ganz deut-
lich, wie die Cercarien mit dem Stachel, den sie an ihrer
Stirne tragen , an den weicheren Einschnittsstellen der Ephe-
mera-Larven eine Wunde bohrten, durch welche sie unter
Einbusse ihres Schwanzes sich in die Leibeshöhle des Insektes
hineinschoben. Kaum hier angelangt, zogen sich diese schwanz-
losen Cercarien kugelförmig zusammen, schwitzten eine blasen-
förmige Hülle aus, und blieben so enkystirt mit abgew^orfenem
Stachel in dieser Puppenhülse liegen. Dieses Einwandern von
Cercarien in den Körper von Insektenlarven ist von Lere-
boullet an Libelluliden und Ephemeriden bestättigt worden ').
Diese merkwürdige Verwandlungsgeschichte gewisser Tre-
matoden, in welcher die sogenannten Keimschläuche (Sporo-
cysten) und die darin sich entwickelnden Cercarien als zwei
aufeinander folgende Formen von Larven eine so wichtige
Rolle spielen, ist von einem französischen Berichterstatter aus
Dujardin's histoire naturelle des Helminthes als eine, wie
es scheint, ganz neue Thatsache bekannt gemacht worden ^),
wobei die lebenden Cercarienschläuche mit den Schalen des
Hühnereies verglichen werden, während Dujardin selbst
(a. a. O.) die Darstellung dieses Gegenstandes fast ganz auf
die von deutschen Naturforschern angeregten Untersuchungen
gegründet hat.
Von Jacobson wurde die Vermuthung ausgesprochen,
dass sich in den langen contractilen Armen des Bucephalus
polymorphus die Eier und Jungen dieses merkwürdigen Fa-
1) S. Froriep's und Schieiden 's Notizen. Bd. IV. 1847. pag.
266. oder l'Institut. 1847. nr. 715.
2) Vgl. Froriep's neue Notizen, Bd. 33. 1845. pag. 57.
Helminthologie während der Jahre 1845, 1846 und 1847. 379
rasiten entwickeln ^). Von Distonmiii dnplicatum lässt es
derselbe zweifelhaft, ob der cylindrische bewegliche Schwanz-
anhang ein integrirender Tlieil dieses Doppellochs, dessen
Schwanz oder Ovarinm, oder ob derselbe ein besonderes
Individniim sei. Ans beiden Bemerkungen geht hervor, dass
Jacobson die Verhältnisse der Cercarien als geschlechtslose
junge Larven gewisser Trematoden nicht gekannt hat.
Wedl fand hinter den Augäpfeln von Cyprinus Gobio
kleine weisse Körper von der Grösse eines Stecknadel-
knopfs*); dieselben Körper kamen auch im Bindewebe der
Bauchdecken und in der Muskulatur des Schwanzes vor.
Es stellen diese Körper derbe aus concentrischen Häuten ge-
bildete Cysten dar, welche einen ovalen Wurm von schmutzig-
gelber Farbe enthalten. Wedl glaubte an einem dieser Wür-
mer einen Saugmund gesehen zu haben, jedenfalls erkannte
er an ihm einen Bauchnapf. Die Cysten enthielten ausserdem
viele Fettbläschen, von welchen auch der Leib der enkystirten
Parasiten im Innern strotzte. Referent erkennt in diesen Pa-
rasiten junge Trematoden, weiss aber nicht, was er aus den
blasenförmigen Körpern machen soll, welche Wedl im Blute
desselben Cyprinen beobachtete, und welche nach seiner An-
gabe mit einem starren Cilienkranze besetzt sein sollten.
Wedl glaubt, dass diese Körper mit jenen enkystirten Wür-
mern in Beziehung stehen möchten, weil er sie meist im Blute
solcher Cyprinen antraf, die auch mit jenen enkystirten Würm-
chen behaftet waren.
Ueber die wunderbare Entwicklung von Dislomen in dem
sogenannten diverticule ento%oopare der Sepien nach Gros
Darstellung siehe weiter unten.
Die sonderbare Gattung Hectocotyle, welche von Cuvier
aufgestellt wurde, muss jetzt aus der Reihe der Trematoden
gestrichen werden, nachdem Kölliker nachgewiesen hat ^),
dass die hieher gerechneten Thiere die verkümmerten pygmäen-
artigen Männchen von Argonauta und Tremoctopus sind, welche
von den Weibchen in der Mantelhöhle umhergetragen werden.
1) S. die Isis. 1845. pag. 458.
2) Vgl. die natuiwissenschaftlichen Abhandlungen, gesammelt von
W. Hai ding er. Bd. II. 1847. pag. 488.
3) Vgl. the Annais of natural history. Vol. XVI. 1845. p.414.
380 V' Siebold: Bericht über die Leistungen im Gebiete der
Vermes Cestodes«
Nach Hodgkin ist der in Abyssinien so häufig vorkom-
mende Bandwurm Taenia solium, welche Species auch am Cap
der guten Hoffnung allgemein verbreitet vorkömmt ^). Die
ausserordentliche Häufigkeit der Taenia solium im Darmkanale
der Abyssinier wird dem häufigen Genüsse des rohen Fleisches
zugeschrieben^), denn diejenigen, welche sich dieses Nahrungs-
mittels enthalten, bleiben auch von dem Bandwurm vei'schont.
Referent hält dies für ganz richtig und erklärlich, da mit dem
rohen Fleische gewiss leichter die Keime oder die Brut von
Taenien lebendig und zur weiteren Entwicklung fähig in den
Darmkanal einwandern, während bei dem Kochen des Fleisches
dergleichen Wurmkeime getödtet worden. Gewiss werden
solche Völkerstämme, welche viele rohe Nahrungsstofi'e ge-
niessen, häufiger von Helminthen bewohnt, als diejenigen Völ-
ker, welche die meisten ihrer Nahrungsmittel vor dem Genüsse
kochen oder sonst einer starken Hitze durch Backen ^ Rösten
u. dgl. aussetzen.
Rymer Jones betrachtet den Bandwurm als ein zu-
sammengesetztes Thier^), jedes Glied entspricht einem Indi-
viduum, deren 5, bis 600 aneinander gereiht sein können.
Alle diese Individuen haben nur eine einzige gemeinschaftliche
Mundöfi'nung am Kopfende, von einem Hackenkranze und vier
Saugnäpfen umgeben. Auch am Rande der Glieder befindet
sich ein Saugnapf, der zum befestigen dient. Vom Munde
gehen zwei Verdauungskanäle ab, die sich durch alle Indivi-
duen hindurchziehen und am Anfang eines jeden Gliedes durch
Queräste verbunden sind. Jedes Glied producirt etwa 500
Eier, so dass also ein Bandwurm an 50,000 Eier hervorbrin-
gen kann. Referent muss hier bemerken , dass das im Kopfe
der Cestoden entspringende und nach aussen ganz abgeschlos-
sene Gefässsystem ganz unrichtig von Rymer Jones aufge-
fasst worden ist.
1) S. Schmidt's Jahrbücher. 1845. V. pag. 179.
2) S. Froriep's neue Notizen. Bd. 34. 1845. pag. 174. oder the
Dublin Journal of med. science, 1845. nr. 79.
3) Vgl. Rymer Jones: the natural history of animals, in the
Dublin Journal of medical science. 1845. pag. 149.
Helminthologie während der Jahre 1845, 1846 und 1847. 381
Gros beobachtete im Dann von Scolopax rusticola einen
Bandwurm von der verschiedensten Grösse und Entwick-
lung *). Aus den Eiern, welche die hintersten sich lostren-
nenden Gliedern des Bandwurms enthalten, entwickeln sich
die Bandwürmer in Form eines einfachen Kopfes, was nach
unseren jetzigen Kenntnissen iiber die Entwicklungsgeschichte
der Cestoden als eine höchst oberflächliche Angabe betrachtet
werden muss, da die Cestoden -Embryone durchaus nicht in
ihrer Organisation einem Bandwurmkopfe entsprechen.
Van Beneden deutet darauf hin '), dass er mit den
Angaben Miescher's über die Entwicklung des Tetrarhyn-
chus appendiculatus aus Filaria piscium nicht einverstanden
sein könne und verspricht eine demnächstige Bekanntmachung
seiner eigenen Untersuchung hierüber.
Sars entdeckte an den Magenwandungen einer Mnemia
norwegica mehrere 1 Lin. lange Würmer ^), welche er als
Scolex Acalepharum bezeichnete. Die vier sehr beweglichen
Saugnäpfe des Kopfes sind durch Querleisten in Abschnitte
getheilt. Jedenfalls sind diese Würmchen mit Müll er 's Sco-
lex verwandt und beide Formen nichts anderes als junge
Cestoden, was Referent zu beweisen sich noch vorbehält.
Von Oesterlen wurde eine krankhafte Entartung der
Gallenkanäle bei Kaninchen beschrieben ^), welche abcessartige
Höhlen mit eiterartiger Flüssigkeit enthielten. In diesem Eiter
beobachtete derselbe eine Menge ovaler Zellen mit deutlichem
Kerne. Er wurde später von H. Meyer darauf aufmerksam
gemacht^), dass schon Hake (Treatise on varicose capillaries
as constituting the structure of Carcinoma of the hepatic ducts,
London. 1839.) und Nasse (in Müller's Archiv. 1843. p.
209. Taf. IX. %. 30), so wie Kolli k er (Ebenda, p. 98) ähn-
liche Zellen aus der Kaninchen - Leber beschrieben haben,
1) Vgl. Gros: Observations sur quelques parasites. a. a. O. p.388.
2) Vgl. Bulletin de TAcademie de Belgique. Vol. XIX. 1847. nr. 5.
3) S. dieses Archiv. 1845. Bd. I. pag. 1. oder Annais of natural
history. Vol. 16. 1845. pag. 88.
4) Vgl. Oesterlen: Jahrbücher für praktische Heilkunde. 1845.
pag. 415. flg. 1—4.
5) Ebenda, pag. 594.
382 ^- Siebold: Bericht über die (.eistungen im Gebiete der
welche von letzterem als Cestodeii-Eier erkannt worden sind.
Vogel machte hierauf die Mittheilung, dass ich auf sein
schriftliches Befragen die von Nasse beobachteten Zellen für
Bandwurmeier erklärt hätte *), und fügte noch hinzu, dass er
einmal zwei Kaninchen beobachtet habe, welche im Darme
grosse Massen einer weissen Substanz enthielten, welche ganz
aus Entozoen-Eiern bestanden, und an ein Paar Stellen noch
deutlich die Spuren von Bandwurmgliedern enthielten. Die
weisse Ablagerung von verschiedener Grösse, welche Hand-
field Jones gleichfalls in der Kaninchenleber antraf*), und
nach seinen Untersuchungen aus Kernzellen bestanden, rührte
gewiss auch von solchen Bandwurmgliedern her. Auch Budge
hat im Leber -Parenchym der Hasen und Kaninchen diese
weissen aus Helminthen-Eiern bestehende Flecke wahrgenom-
men und dieselben für Taenien-Eier erklärt ^).
Gros fand in dem Blinddarm -Anhange von 62 Sepien
eine Menge paralleler Fäden ^), welche aus aneinander ge-
reihten Bläschen bestanden. Diese Bläschen entwickelten sich
zu Embryonen von Taenien, welche mit Krallen oder Häckchen
versehen waren. Gros bezeichnete jenen Blinddarm-Anhang
als diverticule entozoopare. Aus anderen ähnlichen Bläschen
sollten sich Distomen entwickeln. Referent weiss so wenig
aus dieser als aus einer ähnlichen höchst oberflächlichen No-
tiz ^) etwas zu machen. Eine ausführlichere Mittheilung über
denselben Gegenstand macht diese Sache eben nicht klarer.
Gros spricht nämlich der Generatio aequivoca das Wort,
und will die Existenz derselben bei den Helminthen durch
bestimmte Beobachtungen beweisen ®). Er beruft sich wieder
1) Vgl. Oesterlen: Jahrb. für prakt. Heilkunde 1845. pag.860.
2) Vgl. the London medical gezette. 24. Oct. 1845. pag. 1112, oder
Hell er 's Archiv für phys. u. pathol. Chemie u. Microscopie. 1845.
pag. 470.
3) Vgl. Casper's Wochenschrift für die gesammte Heilkunde.
1847. pag. 521.
4) S. Froriep's und Schleiden's Notizen. Bd. IV. 1847. pag.
250, oder Comptes rendus. Tom. 25. pag- 282.
5) S. Comptes rendus. Tom. 25. pag. 347.
6) Vgl, Gros: de la generation spontanee ou primitive en ge-
neral et en particulier des Helminthes, in den Bulletin d, 1. soc. imp.
des Natural, de Moscou. Tom. XX. 1847.
Helminthologie während dei: Jahre 1845, 1846 und 1847. 383
auf jenen am Pylorus der Sepien angebrachten spiraligen
Blinddarm-Anhang, der sein drüsiges Secret in den Darm er-
giesse. Dieses Secret enthalte theils einfache Secretions-
bläschen, theils deutliche mit Keimbläschen und Keimfleck
versehene Thier-Eier. Aus diesen Eiern sollen sich nach und
nach junge Taenien entwickeln. Gros weist aber nur den
Furchungsprocess des Inhalts in jenen Eiern nach, nicht aber
die Umwandlung desselben in junge Taenien innerhalb der
Eihüllen. Hier macht Gros einen Sprung, denn derselbe mag
wirklich neben jenen Helminthen-Eiern junge Taenien in dem
Darmanhange der Sepien angetroffen haben , was aber noch
nicht berechtigt, anzunehmen, dass diese aus jenen Eiern und
noch dazu mittelst generatio aequivoca entstanden sind. Aus
der Beschreibung und Abbildung dieser jungen Taenien geht
hervor, dass Gros den Scolex polymorphus vor sich gehabt
habe. Uebrigens hat derselbe auch einen jungen Tetrarhynchus
zwischen dieser Helminthen -Brut angetroffen, von dem sich
dieser Helminthologe denkt, dass er aus Scolex polymorphus
hervorgegangen sei, indem die vier Saugscheiben des letzteren
in vier Hacken-Rüssel verwandelt worden seien. Aus anderen
ganz ähnlichen Eiern jenes Darmanhangs der Sepien lässt
Gros ferner noch junge Distomen unmittelbar hervorschlüpfen,
was demjenigen, der die Entwicklungsgeschichte der Trema-
toden kennt, unglaublich erscheinen muss. Derselbe liefert
ausserdem eine so wunderbare Erzählung von der Entwick-
lung eines beweglichen spiralen Wurmes innerhalb einer Blase
eines Distomum, dass ich mir nicht anders vorstellen kann,
als Gros habe in der vesicula seminalis intefior einen Haufen
sich eng aneinander schmiegender Samenfäden sich bewegen
sehen und diesen Spermotozoiden- Haufen für einen besonde-
ren Wurm gehalten. Referent kann sich hier der Bemerkung
nicht enthalten, dass, wenn man ^lle die mikroskopischen Eier,
Larven, Ammen, Brut u. s. w., welche von sehr verschiedenen
Thieren herrühren können, so geradezu als zu der Entwick-
lungsreihe einer einzigen Thierspecies gehörend annimmt, bloss
weil sie neben- und durcheinander in einem und demselben
thierischen Organe angetroffen werden, dass man auf diese
Weise Gefahr läuft, die an sich schon sehr schwer aufzuklä-
Archiv f. Naturgesch. XIV. Jahrg. 2. Bd. B b
384 ^'- Siebold Bericht über die Leistungen im Gebiete der
rende Entwicklungsgeschichte der Helminthen in ein vollkom-
menes Chaos zu verwandeln.
Termes Cystici.
Eine recht empfehlenswerthe Monographie über Cysticer-
cus cellulosae wurde von S endler ausgearbeitet '), in welcher
besonders das Gefässystem dieses Blasenwurms ganz gut be-
schrieben und abgebildet wurde. Die in der Haut der Finne
abgelagerten Kalkscheiben sind nicht, wie es gewöhnlich bis-
her geschehen, als Eier beschrieben worden, überhaupt hat
sich S endler enthalten, etwas bestimmtes über die Ge-
schlechtsorgane dieses Blasenwurms auszusagen, nur vermuthet
er, dass die Cysticercen Hermaphroditen sein müssten, weil
sie einzeln in Blasen eingeschlossen lebten, und wenn man
ersteres nicht annehmen wollte, so bliebe nichts anderes übrig,
als zur generatio aequivoca seine Zuflucht zu nehmen. Der
Verfasser hatte also noch keine Ahndung von den Wanderun-
gen, Verirrungen und Entartungen der Bandwürmer, auf
welche Referent sjclu)n so oft hingewiesen hat.
Nach Sichel's Mittheilung sind bis jetzt neun Fälle von
dem Vorkommen des Cysticercus cellulosae unter der Binde-
haut des menschlichen Auges bekannt geworden ^), von denen
vier Fälle von ihm selbst beobachtet worden sind. Derselbe
beschreibt zugleich einen Fall, in welchem er diesen Blasen-
wurm auch an den Augenlidern beobachtete, und zwar am
oberen freien Lidrande des linken Auges einer 27jährigen
Frau, wo sich die Cyste dieses Parasiten zwischen dem unte-
ren Rande des Lidknorpels und der äusseren Haut entwickelt
hatte. Nach Entfernung desselben durch die Lanzette, heilte
die leere Cyste mit Hülfe eines Aetzmittels in kurzer Zeit.
Cruveilhier bildet einen Cysticercus cellulosae an der
Innenfläche der rechten Hirn -Hemisphäre einer alten Frau
ab^), und bemerkt, dass die Blasenschwänze häufiger im
1) Vgl. Sendler: Cysticerei cellulosae monographia. Dissertat.
inaug. Halis. 1843.
2) S. Revue medic. Chirurg. Avril. 1847. oder Schmidt 's Jahr-
bücher. 1849. nr.l, pag.82.
3) Vgl. Cruveilhier: Anatomie pathologique. Livr. 39. PI. 4.
fig, 3. , s. auch Schmidt's Jahrbücher. Supplementband vom Jahr
1845. pag. 100.
Helminthologie >välirend <ler Jahre 1845, ^846 und 1847. 385
menschlichen Gehirne vorkommen als Acephalocysten, und
dass sie am häufigsten in den plexus chorioidei gefunden
würden. In der Gehirnsubstanz sollen sie immer oberflächlich
ihren Sitz haben. Gervais theilte einen von de Marquay
beobachteten Fall von dem Vorkommen des Cysticercus bei
einer 60jährigen Frau mit'), deren Psoas, Diaphragma und
Lungen derselbe zu seinem Sitze ausersehen hatte. Gervais
beschreibt den Kopf dieses Blasenwurms in der bekannten
Weise und möchte das Thier für eine von Cysticercus cellu-
losae verschiedene Art halten; wovon der Grund nicht einzu-
sehen ist.
Fredault fand zwischen den Gehirnhäuten einer an
Cerebral-Apoplexie verstorbenen 80jährigen Frau eine ansehn-
liche Menge seröser Feuchtigkeit ^'), in welcher etwa 20 kleine
runde oder ovale halbdurchsichtige Körper flottirten, während
andere ähnliche Körper an der grauen Hirnsubstanz fest-
klebten. Ihr Durchmesser betrug 6 bis 10 bis 15 Millimeter.
Im Inneren dieser blasenförmigen Körper hing ein kleiner ob-
longer Körper von Flüssigkeit umgeben. Fredault be-
schreibt diesen Körper so , dass man deutlich den eingezoge-
nen Kopf und Hals des Cysticercus cellulosae daran erkennt,
denn er erwähnt des Hackenkranzes, der vier Saugnäpfe und
der Querrunzeln des Halses. Derselbe hält diesen Blasen-
wurm wieder für ein ganz besonderes Thier und taufte es
mit dem Namen Trachelocampylus. Hierauf spricht sich Fre-
dault mit w^eitläuftigen Worten über die Entstehung dieser
neuen Blasenwürmer aus und giebt sich viele Mühe, um nicht
allein ihre Entstehung in der gegen die Aussen weit abge-
schlossenen Gehirnmasse durch generatio aequivoca zu erklären,
sondern auch die Thierheit derselben zu beweisen, woraus
hervorgeht, dass dieser Arzt weder mit den neueren, Unter-
suchungen über Blasenwürmer noch mit den Wanderungen
der jungen Cestoden bekannt ist.
1) S. Institut. 1845. pag. 16. '
2) S. Gazette medicale de Paris. 1847. pag. 311. Note sur un
nouveau ver vesiculaire trouve dans le cerveau. S. auch Froriep's
und Schleiden's Notizen. Bd. III. 1847. pag. 309,
* ' Bb*
386 V. Siebold: Bericht über die Leistungen im Gebiete der
Von Alessi in Neapel wurde folgende Krankengeschichte
initgetheilt *). Ein dreissigjahriger Mann fühlte seit Dreivier-
teljahren heftige Schmerzen im linken Auge. Das Uebel wurde
zuerst für eine rheumatische AfTektion, dann für ein herpeti-
sches und syphilitisches Uebel gehalten und lange erfolglos
mit den gegen diese Leiden gebräuchlichen Mitteln behandelt.
Es trat zuletzt Entzündung der Bindehaut hinzu, die Cornea
trübte sich, und erhielt Narben von Pusteln. Endlich be-
merkte Alessi mit der Lupe einen Wurm im Auge, welcher
sich abwechselnd aus der hinteren Augenkammer in die vor-
dere und von da zurück begab. Alessi verordnete gegen
die vermutheten Dyskrasien Sarsaparille und örtlich ein Augen-
wasser mit Lapis divinus. Der Wurm schien zwei eine halbe
Linie lang zu sein, war weiss gefärbt und trichterförmig ge-
staltet. Von seinem Vorderende, welches am intensivsten weiss
gefärbt war, gingen vier Fortsätze ab, ein längster oberer, ein
kürzester unterer und zwei seitliche, durch welche Organe
der Beobachter an Cysticercus erinnert wurde. Wenn die
beiden ersten Anhänge sich einander näherten, entfernten sich
die beiden seitlichen und umgekehrt. Alessi legte jetzt drei
Vesicantien um das Auge und liess eine Salbe von Calomel
und Santonicum einreiben, worauf der Wurm bald starb und
schon nach 10 Tagen resorbirt war. Referent muss diesen
Wurm als die ursprüngliche Ursache dieses Augenübels an-
sehen, dessen directe Entfernung aus dem Auge wohl das ein-
fachste Heilmittel gewesen wäre. Ueber die wahre Natur
dieses Parasiten kann aber Referent aus der höchst oberfläch-
lichen Beschreibung desselben auch gar nichts entnehmen, fast
möchte man glauben, dass derselbe nicht der gewöhnliche
Cysticercus, sondern ein Tetrarhynchus gewesen sein könnte,
wenigstens deuten die vier beweglichen Verlängerungen am
Vorderende des Wurmes, welche Alessi ausdrücklich erwähnt,
auf eine solche Helminthenform hin. Es wäre dies ein in-
teressantes, bis jetzt noch nicht beobachtetes Vorkommen eines
neuen menschlichen Helminthen, der sich ebensowenig in dem
Auge des Menschen einheimisch gefühlt haben mag, wie die Fi-
1) Vgl. Gazette medicale 1846. Aout, oder Bulletin delle scienz.
medir. di Bologna. 1815. Nov. Der.
Helminthologie während der Jahre 1845, 1846 und 1847. 387
laria papulosa im Auge der Pferde und Rinder. Es ist übri-
gens auffallend, dass die Anwesenheit jenes Wurmes erst so
spät bemerkt wurde, jedenfalls hätte die frühere Auffindung des-
selben den Arzt abgehalten, den Patienten als rheumatisch, her-
petisch und syphilitisch afficirt zu betrachten und zu behandeln.
Referent machte auf die Aehidichkeit des Cysticercus fas
ciolaris und der Taenia crassicollis aufmerksam'), und suchte
nachzuweisen, dass dieser Rlasenwurm sowie die übrigen Hla-
senwürmer nichts anderes seien, als auf ihren Wanderungen
verirrte Bandwürmer, welche geschlechtslos bleiben und über-
dies noch hydropisch ausarten. Von Cysticercus fasciolaris
ist Referent überzeugt, dass, wenn die Nagethiere, deren Leber
dieser Blasenwurm bewohnt, von Katzen gefressen werden,
der Cysticercus fasciolaris auf diese Weise in den Verdauungs-
kanal eines Raubthiers übergepflanzt, sich nach Abwerfung
der Schwanzblase mit seinen übrigen Gliedern geschlechtlich
entwickelt und sich so zur Taenia crassicollis ausbildet.
Budge fand bei denjenigen Kaninchen, welche Nester von
Tänien-Eiern in der Leber enthielten, auch häufig Cysticercus
pisiformis an verschiedenen Stellen des Peritonaeums, lasst es
aber unentschieden, ob dieses Zusammentreffen der genannten
beiden Parasiten miteinander in Connex stehen *).
lieber das Vorkommen eines Cysticercus im Specke des
Kaschelott theilte Kröyer einige Bemerkungen mit ^).
Von Gurlt wurde der seltene Fall von Vorkommen des
Coenurus cerebralis in einem Kalbe erwähnt *), welches diesen
Blasenwurm im rechten Hirnventrikel besass und an Dreher-
scheinungen litt.
Derselbe beobachtete auch den Echinococcus veterinorum
in der Mark höhle der Röhrenknochen eines Ochsen ^).
1) Vgl. meinen Artikel: über Parasiten im Wagner'schen Hand-
wörterbuch der Physiologie a. a. O. pag. 650 und 676.
2) Vgl. Casper's Wochenschrift. 1847. pag. 523.
3) S. Isis. 1845, pag. 916, oder Kröyer: naturhistorisk Tidskrift.
1842-43. pag. 485.
4) S. das Magazin für die gcsammte Thierheilkunde. 1846. p.72.
5) Ebenda, pag. 62.
388 V. Siebold: Bericht über die Leistungen im Gebiete der
Biisk beschreibt die Mutterblase des Echinococcus ganz
riclitig als ans Lamellen zusammengesetzt *), von denen die
innerste sehr zart und leicht ablösbar sei. Unter dieser in-
nersten Lamelle liegen feine, dem geronnenen Eiweisse ähnliche
Körner. Die Echinococci selbst hängen in kleinen Büscheln,
zu 5 bis 20 Individuen beisammen, an der inneren Wand der
Blase befestigt, und zwar mittelst eines gemeinschaftlichen
Stieles, von welchem kürzere Stiele zu den einzelnen Echino-
coccen abgehen. Die Echinococci sollen zwei Formen dar-
stellen , nämlich Individuen mit eingezogenem Kopfe oder In-
dividuen mit ausgestülptem Kopfe.
Eine sehr gute Abhandlung über Echinococcus hominis
haben wir E. Wilson zu verdanken?). Derselbe überzeugte
sich, dass Acephalocystis und Echinococcus identisch sind,
und dass dieser Blasenwurra häufiger in England vorkömmt,
als man bisher geahndet hat. Wilson und Owen halten die
in der Echinococcus-Blase eingeschlossene Brut für Cysticer-
cus (pedunculatus) als Parasiten des Acephalocysten. Wilson
beschreibt die verschiedenen Membranen , aus welchen die
Acephalocystis zusammengesetzt wird, ganz richtig. Die in-
nerste Haut, welche mit unzähligen durchsichtigen Zellen be-
setzt ist, dient der Echinococcus-Blase zur Entwicklung der
Brut, welche in Haufen aus ihr hervorwachsen. Wilson er-
kannte die charakteristische Eigenschaft des Umrollens der
äusseren lamelligen Hülle der Acephalocystis sehr gut, ebenso
unterschied derselbe die Echinococcus -Brut ganz richtig im
ausgestreckten und eingestülpten Zustande, welche beiden Zu-
stände von demselben sehr deutlich abgebildet wurden. Er
nannte den Fortsatz der Acephalocystis, an welche jeder junge
Echinococcus mit seinem Hinterleibsende befestigt ist, peduncle.
Derselbe zählte 34 Hacken am Hackenkranz der Brut, und
zwar 17 kurze und 17 lange Häckchen. Er hat auch am
1) Vcrgl. Busk: some observations on the natm-al history of
the Echinococcus, in the Zoologist. Vol. III. 1845 pag. 810, oder im
rinstitut. 1845. pag. 12.
2) Vgl. Er asm. Wilson: on the Classification, structure and
development of the Echinococcus hominis, showing reasons for re-
garding it as a species of Cysticercus, in den Mcdico - chirurgical
transactions. Vol. 28. 1845. pag. 21,
Helminthologie während der Jahre 1845, 1846 und 1847. 3§9
Uiiiterleibe der Brut die Oeffnung bemerkt, durch welche der
Stiel in den jungen Echinococcus eingesenkt ist. Dieser Stiel
wird von Wilson als eine Art muskulöser Zurückzieher be-
trachtet. Durch angewendeten Druck will derselbe aus der
Oeffnung des Hinterleibsendes häufig Kernzellen hervortreten
gesehen haben. Wahrscheinlich hat derselbe die allen Cestoden
eigenthiimlichen Kalkkörper hier mit Gewalt hervorgepresst.
Die allmählige Entwicklung dieser Echinococcus -Brut lässt
WMlson aus Zellen vor sich gehen.
Griesinger berichtet über einen Fall von einem wall-
nussgrossen Echinococcus hominis, der sich in dem Septum
der Herzventrikel einer 37jährigen Bauersfrau entwickelt hatte
und mit seinem Cysten -Sacke in die rechte Herzkammer ge-
borsten war ^). Auch in der linken Pleurahöhle hatte sich
hinten am Zwerchfelle ein lose angeklebter Echinococcus-Sack
von W^allnussgrösse vorgefunden. Griesinger stellte bei
dieser Gelegenheit zugleich noch die wenigen bis jetzt an
Herzen beobachteten gleichartigen Fälle von Echinococcus
hominis zusammen.
White erzählt die Krankengeschichte eines 59jährigen
Mannes^), der an Harnverhaltung litt und starb, in welchem
bei der Section vor der Harnblase eine Cyste gefunden wurde,
welche Echinococcus-Blasen von verschiedener Grösse bis zu
der eines Hühnereies enthielt, und zwischen Schambein und
Harnblase so gegen diese letztere gepresst hatte, dass dieselbe
dadurch in zwei Hälften, in eine obere und eine untere zu-
sammengedrückt wurde. Von Ward und Huntingdon wird
ein Fall mitgetheilt ^), in welchem ein Manu seit längerer
Zeit mit dem Urin Lappen von Hydatiden nebst kleineren
erbsengrossen Hydatiden entleerte. Mit dem Mikroskope konnte
man jedoch noch kleinere Körper im Urine entdecken, welche
für junge Hydatiden gehalten wurden. Neun Wochen vor
1) Vgl. Griesinger: über Acephalocysten am Herzen, in Ro-
ser's und Wunderlich's Archiv für physiologische Heilkunde.
1846. Jahrg. V. pag. 280.
2) Vgl. the Lancet Oct. 1842 oder Schmidt 's Jahrbücher Sup-
plementband. 1845. pag. 344.
3) S. the provinc. medic. and surgic. Journal. Sept. 1846. p, 465
390 ^' Siebold: Bericht über die Leistungen im Gebiete der
der ersten Entleerung hatten sich Schmerzen in der rechten
Nierengegend eingestellt. Referent mnss diese Blasenwürmer
für Echinococcus hominis halten , welcher wahrscheinlich in
der rechten Niere seinen Sitz genommen hatte; wäre eine
sorgfältige mikroskopische Untersuchung der mit dem Urin
entleerten Körper vorgenommen worden, so hätte sich das
wahre Wesen dieser Hydatiden jedenfalls mit Sicherheit fest-
stellen lassen. Einen anderen merkwürdigen Fall von Echi-
nococcus hominis lernten wir durch Guillemin kennen').
Derselbe konnte an einem abgemagerten 60 Jahre alten Manne
in dem rechten Hypochondrium eine schmerzhafte Geschwulst
bemerken, welche eine feste aber elastische Beschaffenheit,
eine birnförmige Gestalt besass und sich schwappend anfühlen
Hess, ohne jedoch das specifische Geräusch durch Percussion
an sich wahrnehmen zu lassen, welches Piorey das Hydati-
den-Geräusch genannt hat. Nach längerer ärztlicher Behand-
lung traten eines Tages sehr heftige Schmerzen ein, verbunden
mit einer Art Zusammenziehung der Geschwulst, an welcher
jetzt durch Percussion das karakteristische hydatidische Ge-
räusch wahrzunehmen war. Es gingen nach einigen Tagen
mit dem Stuhlgange theils häutige Fetzen, theils ganze Blasen
ab. Die Contraction wiederholte sich an der Geschwulst fast
regelmässig wehenartig, und waren mit einem deutlichen Klir-
ren, gleich als wenn Sandkörner in ein Kelchglas hinabfielen,
verbunden. Es waren auf diese Weise mehr als 1000 Ace-
phalocysten nach und nach durch den After entleert worden,
von denen die meisten leer und zerrissen waren, worauf Ge-
nesung erfolgte. Jedenfalls war hier eine Colonie von Echino-
coccus hominis die Veranlassung dieser Krankheit gewesen.
Veit beschrieb in einer Dissertation*) einen in der me-
dizinischen Klinik zu Halle vorgekommenen Fall von Echino-
coccus hominis, welcher bei einem 17jährigen Mädchen in der
Leber Platz genommen und den Unterleib zu einer ungewöhn-
lichen Grösse ausgedehnt hatte. Nachdem Krukenberg, der
Dirigent der Klinik, die Diagnose der Geschwulst auf Echino-
1) Vgl. Gazette medic. de Paris. 1847. nr. 39, oder Froriep's
und Schleiden's Notizen. Bd. IV. pag. 347.
2) Vgl. Veit: specimen abscessus hepatis ex echinococco addita
entozoorum hujus generis descriptione. Halis. 1845.
Helminthologie während der Jahre 1845, 1846 und 1847. 391
coccus gestellt hatte, wurde zweimal die Function der Geschwulst
vorgenommen und die Operirte später gesund entlassen. Es ent-
leerten sich aus der Geschwulst eine Menge weissgelber Häute
und viele eiterartige Flüssigkeit; die ersteren wurden als ge-
borstene Blasen erkannt, und die letztere enthielt unzählige
mikroskopische Häckchen, wodurch die Richtigkeit der von
Krukenberg gestellten Diagnose auf das vollkommenste be-
stättigt wurde. Der zweite Theil derselben Dissertation um-
fasst eine gute, wenn auch nicht vollständige Zusammenstel-
lung desjenigen, was über den Bau und die Entstehung des
Echinococcus bis 1845 bekannt geworden ist. In einer ande-
ren Dissertation behandelte Haun denselben Gegenstand *),
beschränkte sich aber bloss auf die Untersuchung der Mutter-
blasen des Echinococcus hominis, welche er nach alter Weise
als Acephalocysten für von den Brut enthaltenden Echinococ-
cus-Blasen verschiedene Blasenwürmer erklärte. Derselbe gab
eine chemische Analyse der Wandungen und der Flüssigkeit
der Mutterblasen, und stellte die verschiedene Angaben der
älteren Naturforscher und Aerzte zusammen, welche sich auf
Entstehung, Fortpflanzung und Sitz der Acephalocysten bezo-
gen, ohne die Entwicklung der kleinen Echinococcus Brut da-
bei zu erwähnen. Den Schluss der Abhandlung macht die
Mittheilung eines Krankheitsfalls aus, der sich in der chirur-
gischen Klinik zu Halle ereignete. Nämlich ein ISjähriges
Mädchen litt an einer Geschwulst in der linken Inguinalgegend,
dessen Diagnose zweifelhaft blieb und zwischen Medullar-
schwamm und kalten Abscess schwankend gelassen wurde, bis
Blasius, Dirigent der chirurgischen Klinik, durch Function
der Geschwulst eine grosse Anzahl von Blasen entleerte, durch
welche es sich herausstellte, dass die Krankheit nichts anderes
als ein tumor hydatidosus gewesen. Es wurden später auch
viele der karakteristischen Häckchen mit dem Mikroskope in
der aus der Geschwulst sich entleerenden Flüssigkeit entdeckt,
woraus Haun den Schluss zog, dass die Acephalocysten und
Echinococcen, obgleich ganz verschiedene Blasenwürmer, durch-
und nebeneinander in einer und derselben Höhle vorkonnnen.
1) Vgl Haun: de hydatidibus conimentatis descriptione tumoris
cujusdam hydatidosi addita. Halis. 1846.
392 V. Siebold: Bericht über die Leistungen im Gebiete der
Veriues lieliiiintltes diibli.
Von Cerioli wurden unter dem Schorfe eines blattern-
kranken 20jährigen Individuums zunächst an der Stirne, im
Gesichte und am Halse einzelne Würmer bemerkt ^), welche
nach Verlauf von drei Tagen sich so vermehrten, dass die
unterliegende Hautfläche von diesen Würmern ganz bedeckt
zu sein schien. Ein ganz ähnlicher Fall wurde diesem Beob-
achter von Curtani mitgetheilt. Die Würmer hatten keine
Füsse, waren über 9 Lin. lang und 3 Lin. dick, von grauweis-
ser Farbe und bestanden aus sechs Abschnitten, deren letzter
Abschnitt mit zwei dünnen Stacheln endigte. Referent muss
glauben, dass diese Würmer nichts anderes als Fliegenlarven
gewesen sind. Von H. J. Jenkins wurde im Monat Novem-
ber ein 14 Monate alter Knabe behandelt^), welcher an Urin-
beschwerden litt und mehrere Larven mit dem Harne entleert
hatte. Die abgegangenen Larven wurden dem Arzte in einem
Glase mit Urin vorgezeigt, einige derselben schwammen sehr
lebhaft im Urin umher. Es sollen unter der medizinischen
Behandlung täglich 6 bis 20 Larven entleert worden sein.
Da das Kind sehr abmagerte und Convulsionen bekam, wurde
demselben Chinin, sulphur. verordnet, worauf Besserung eintrat
und keine Würmer mehr abgingen. Erst einige Zeit später
im August brachte die Mutter des Kindes, eine Müllersfrau,
wieder verschiedene Larven, welche das Kind durch die Harn-
röhre entleert haben sollte. Chinin, sulphur. that abermals
gute Dienste. Die Larven wurden als von Pulex irritans her-
rührend erkannt, welche vielleicht zufällig (nach der Meinung
des Redacteurs der medical Gazette) in den entleerten Urin
gelangt sein moclUen. Der sachverständige Entomologe, wel-
cher um die genauere Untersuchung dieser Larven angegangen
war, theilte bei dieser Gelegenheit mit, dass ein Arzt einen
neuen Acärus bei einer Nierenkrankheit entdeckt haben wollte,
wobei sich jedoch herausstellte, dass eine Filzlaus zufällig in
1) S. Schmidt's Jahrbücher. 1845. nr. X. pag. 38, oder Bullet,
dl Bologn. Ag^, e Seit. 1844.
2) Vgl. Jenkins. on tiie presence of the larva of the common
flea in urine, in der London medical Gazette. 1847. pag. 33.
Helminthologie während der Jahre 1845, 1846 und 1847. 393
den Urin des Patienten gerathen und für eine neue Milben-
art gehalten worden war.
Von Kollar sind mehrere in Urethralsteinen gefundene
Würmer als die mit feinen Stachelrine-en umorebenen Larven
einer Fliege erkannt worden ^). Derselbe lässt es mit Recht
zweifelhaft, ob diese Larven noch während des Lebens des
Patienten in diesen Concretionen sich befanden, oder ob erst,
nachdem die Steine aus dem Leibe entfernt waren, Fliegen
ihre Eier an dieselben gelegt haben. Derselbe Naturforscher
erzählt hierauf noch einige Beispiele von dem Vorkommen
verschiedener Fliegenlarven im äusseren Gehörgange, in der
Nasen- und Mundhöhle, sowie in der. Urethra des Menschen.
Von Carrera wurde mitgetheilt '), dass ein Mann im
Freien geschlafen habe und am anderen Tage von Schmerzen
im linken Auge befallen wurde. Ein kleiner rother Fleck
wurde auf der Sclerotica bemerkt; nach Reibung des oberen
Augenlides zeigten sich kleine weisse Würmer auf der Cornea
und dem übrigen Augapfel, von denen nahe an 40 Stück ent-
fernt wurden. Sie waren haardick, :| Lin. lang und mit einem
^kleinen schwarzen Kopfe verseilen. Auch von Ormond sind
zwei Fälle von Augenentzündung beobachtet worden, wobei
mehrere kleine Fliegenlarven unter den Augenlidern zum
Vorschein kamen ^).
Von Schneider wird ein Fall aus seiner Praxis mitge-
theilt, in welchem durch Abführmittel einem fünfjährigen an
Krämpfen und Kolik leidenden Mädchen gegen hundert Insek-
tenlarven abgetrieben wurden ^); das Aussehen dieser Larven
ist, wie gewöhnlich, nicht näher beschrieben worden, dagegen
führte Schneider noch einige ältere Fälle von mit dem
Stuhlgange entleerten Larven an, welche in verschiedenen äl-
teren Zeitschriften bekannt gemacht wurden.
1) Vgl. Hei 1er 's Archiv für physiologische und pathologische
Chemie und Mikroskopie. 1847. pag. 440. Taf. 1. fig. 6.
2) S. the Dublin Quarterly Journal of niedical science. Vol. III.
Dublin. 1847. pag. 245.
3) S. Froriep's neue Notizen. Bd. 40. 1846. pag. 160.
4) Vgl. Ca sp er 's Wochenschrift. 1847. pag. 185.
394 V. Siebold: Bericht über die Leistungen im Gebiete der
Joly bat die Frage untersucht, ob es wirklich einen Oe-
strus hominis giebt oder nicht *). Derselbe hat mit vielem
Fleisse die bekannten älteren und neueren Beobachtungen zu-
sammengetragen, welche sich auf das Vorkommen von Dipte-
ren-Larven in der Haut des lebenden Menschen beziehen; als
Resultat seiner Untersuchungen musste er es unentschieden
lassen, ob es einen selbstständigen Oestrus hominis gebe,
oder ob der Oestrus bovis vielleicht durch Verirrung in die
Haut des Menschen gelange.
Von Legros lesen wir die Mittheilung, dass ein alter
Mann an lebhaften Schulterschmerzen gelitten, worauf er eines
Morgens heftiges Jucken auf dem Rücken verspürte, welches
von einer Menge grosser weisser Läuse herrührte, die sich
dort eingenistet hatten ^). Da die Schulterschmerzen jetzt ver-
schwunden waren, betrachtete man die durch Generatio aequi-
voca entstandenen Läuse als die Krise der Krankheit. Hieran
knüpfte man die Bemerkung, dass alte kachektische Leute und
schwächliche Kinder, bei schlechter schmutziger Lebensweise,
überhaupt zur Eruption von Läusen Veranlassung geben. Wir
haben hier also wieder einen Fall von Phthiriasis, bei welchem
die sorgfältige und zuverlässige entomologische Bestimmung
der Parasiten nicht vorgenommen und wie gewöhnlich die
Entstehung der Läuse von Urzeugung abgeleitet wurde, ohne
das die Haut, des Patienten einer genaueren Untersuchung un-
terworfen worden ist.
Eine Dame, welche den englischen Arzt Moses wegen
eines unerträglich juckenden Ausschlags zu Rathe zog ^), be-
sass bei näherer Untersuchung auf ihrem Nacken, auf der
Brust und in den Achselgruben eine Menge Pickeln, auch
ihre Kinder waren mit einem ähnlichen eczema- artigen Aus-
schlage behaftet, bei dem einen Knaben erschien das Eczema
auf dem Kopfe ganz roth bestäubt. Dieser rother Staub be-
stand aus einer Menge kleiner Thierchen, welche mit Acarus
1) S. Joly: Note sur Texistence des larves d'Oestrides chez
l'espece humaine, in dessen Recherches zoologiques, anatomiques,
physiologiques et raedicales sur les Oestrides en general. Lyon.
1846. pag^. 90.
2) S. Gazette des hospitaux. Oct. 1846. p. 495.
3) S. the medical Times. Octob, 1846. pag. 68.
Helminthologie während der Jahre 1845, 1846 und 1847. 395
autmnnalis übereinstimmten. Auch eine Freundin dieser Dame,
welche bei letzterer Besuche abgestattet hatte, war von dem-
selben Uebel befallen worden. Moses überzeugte sich, dass
diese IMilben tief in der Haut steckten und zwar an der Spitze
einer jeden Pustel.
Gruby, welcher Untersuchungen über den Acarus fol-
liculorum anstellte *), fand unter 60 Personen 40 Individuen
damit behaftet. Waren viele dieser Milben zugleich in einem
und demselben Hautbalg, dann erschien die Haut roth und
aufgeschwollen, und spürten die Personen ein Jucken in der
Haut. Auf Hunde übergetragen vermehrte sich dieser Schma-
rotzer ungeheuer. Gruby fand 200 Stück in einem Haut-
drüsenbalge, in welchem sie immer mit dem Kopfende gegen
den Grund des Balges gerichtet waren. Hatten sich diese
Acari in den Haarbälgen vermehrt, so fielen die Haare aus.
Die Haut verdickte sich bei solchen Hunden, auf denen sich
diese Parasiten vermehrten, sie bedeckte sich mit Crusten,
unter denen sich Eiter und Blut ansammelte. Nach Gruby 's
Aussage gehen diese Milben keine weitere Metamorphose ein,
nur das Abdomen derselben verkürze sich mit dem vorrücken-
den Alter. Referent ist indessen überzeugt, dass wir die Ge-
schichte dieses merkwürdigen Schmarotzers gewiss noch nicht
so vollständig kennen, um mit Bestimmtheit sagen zu können,
diese Milben gehen keine weitere Metamorphose ein. Eine
Mittheilung von Wedl *) bestättigt die bisher an den Haarsack-
Milben gemachten Beobachtungen. VonHoefle wurde nach-
gewiesen, dass der von Henle und Simon entdeckte Acarus
folliculorum von älteren Naturforschern, wie behauptet wurde,
nicht beobachtet worden sei ^), während Berger auf der an-
1) Vgl. Gruby: Observations on the parasitic animalcules which
occupy the sebaceous follicles of man, and on the disease of the
skin occasioned by their inoculation in the dog, im Monthly Journal
of medical sciences. Novemb. 1846. pag. 233. — Vgl. auch Hei 1er 's
Archiv für pathologische und physiologische Chemie und Mikrosko-
pie. 1847. pag. 150.
2) Vgl. die Zeitschrift der Gesellschaft der Aerzte zu Wien.
1847. pag. LXXXIX.
3) Vgl. Hoefle; Zur Geschichte der Comedonen-Milbe, in Hae-
ser's Archiv für die gesammte Medizin. Bd. 8. 1846. pag. 315,
396 ^- Siedolb: Bericht über die Leistungen im Gebiete der
deren Seite durch ein am 2ten November 1841 der Pariser
Academie iibergebenes versiegeltes Paqiiet seine Ansprüche auf
die Priorität der Entdeckung dieses Parasiten des Ohres gel-
tend macht *), welchen er den Tardigraden beigesellt.
Unter dem Titel : neues Entozoon im Harn der Schlangen,
ist eine Mittheilung von Hammetschmid t gemacht wor-
den*), nach welcher von Coluber natrix mit dem Harne viele
mikroskopische Thierchen entleert werden, welche einen oval-
lanzettförmigen Körper, einen sehr dünnen fadenförmigen Rüs-
sel und kürzeren aber dickeren Schwanz besitzen. Derselbe
erklärte diese Thierchen für eine Art jBodo ; offenbar gehört
diese Thierform zu denjenigen infusorienartigen Geschöpfen,
welche so häufig als Bewohner der Kloake der Reptilien an-
getroffen werden.
Leidy entdeckte in der bursa copulatrix von Helix al-
bilabris, tridentata und alternata ein proteusartiges Thier von
zelligem oder körnigem Baue, farblos, elliptisch, bald an dem
einen, bald an dem anderen Ende oder an beiden Enden ge-
schwänzt, welches zwei Bläschen oder Kerne im körnigen
Körper enthält ^). Leidy nannte das Thierchen Cryptobia
helicis und erklärte es für ein Mittelding zwischen Cercaria
und Filaria; da derselbe diesem Geschöpfe vollends noch eine
zitternde Bewegung zuschreibt, weiss Referent nicht, was er
aus demselben machen soll.
Von Gros wurde bei verschiedenen Geschlechtskrank-
heiten Trichomonas vaginalis angetroffen, z. B. in Leukorrhoe,
in Metrorhagien *), zugleich fand er in der Scheide auch noch
ein anderes aber ähnliches Flimmerthierchen, dem aber der
Schwanzanhang fehlte. Gros fügt hinzu, dass in den Gedär-
men von einigen Wasserthieren (von Fischen, Fröschen, Sumpf-
vögeln) Monadin en vorkommen, welche sich durch nichts von
den Thierchen aus der Scheide des Weibes unterscheiden sol-
len. Eine Notiz über Vibrionen, welche Gros zwischen den
1) S. Froriep's neue Notizen. Bd. 35. 1845. pag. 57. ^
2) S. Heller's Archiv a. a. O. 1844. pag. 83. Taf. L fig. 7. 8.
3) Vgl. die Annais of the natural history. Vol. XIX. 1847. p.209.
4) S. Gros: Monadines du vagin de la femme, et des intestins
de divers animaux, in dem Bulletin d. 1. soc. imp. des Natural, de
Moscou. Tom XVUL 1845. pag. 426. ,
Helminthologie wahrend der Jalire 1845, 1846 und 1847. 397
Zähnen syphilitischer und auch gesunder Personen, ferner im
Kothe von Gesunden und von Patienten wahrgenommen hat,
enthält nichts Bemerkenswerthes.
lieber die in Hechte aufgefundenen Haematozoen theilte
Berg neue Beobachtungen mit, welche von Creplin bestät-
tigt werden *). Diese beweglichen Körper stimmten im all-
gemeinen mit dem von Gruby im Froschblute entdeckten
Trypanosoma sanguinis iiberein. Creplin spricht dabei seine
Zweifel über die wirkliche Thierheit dieser Körper aus, wo-
mit Referent vollkommen übereinstimmt.
Budge fand Trypanosoma sanguinis im Herzjblute der
Rana temporaria sehr häufig; er beschrieb dasselbe nicht sehr
genau als einfache runde Blasen, welche mit flimmernden Fort-
sätzen an ihrer Oberfläche versehen sein sollen, und hält die-
ses Wesen ebenfalls, wie ich es früher gethan habe, für die
Larve eines Eingeweidewurms ^).
Von Nordmann wurde ein eigenthümliches mit langen
Flimmerorganen herumschwimmendes Thierchen unter dem
Namen Cosmella hydrachnoides beschrieben ^), welches derselbe
in dem Eie von Tergipes Edwardsii neben dem Embryo des
Gasteropoden sich entwickeln sah. Obgleich Nord mann
dieses Thierchen durch Theilung sich hat vermehren sehen,
kann es Referent doch für nichts anderes als für eine Flim-
merzelle halten, welche sich noch vor ihrer vollständigen Ent-
wicklung von der Dottermasse des Tergipes -Embryo isolirt
hat. Aehnliche Flimmerzellen sah Vogt sich von dem Kopf-
segel des Acteon viridis lostrennen und im Eie herumschwim-
men *).
1) S. Archiv skandinavischer Beiträge zur Naturgeschichte. 1845,
pag. 308.
2) Vgl. Casper's Wochenschrift. 1847. pag. 526.
3) S. dessen Versuch einer Monographie des Tergipes Edwardsii,
in den Memoires de l'Academie imp. des sciences par divers savants
etrangers. Tom. IV. St. Petersbourg. pag. 589. Taf. V. flg. 1-3 und
flg. 10-16. Vgl. auch Annales des sciences naturelles. Tora. V. 1846.
pag. 156. Pl.l. fig. 2. 9. 10. 11.
4) S. Annales des sciences naturelles. Tom. VI. 1846. pag. 47.
398 V. Siebold: Bericht über die Leistungen im Gebiete etc
Die schon in einem früheren Jahresberichte *) erwähnte
Filaria poUcotoma des Scortegagna habe ich jetzt nach
einer Abbildung näher kennen gelernt ^). Der Entdecker die-
ses höchst abentheuerlich gestalteten Thieres giebt davon fol-
gende Diagnose : ,, corpore filiforme aliquantnlum inferius cras-
siore, pluribus capitulis ramulisque in unicum truncum con-
jicientibus, ab ore aduncum aculeum porrigentibus, intestino
mediane ad anum usque descendente." Scortegagna bricht
selbst, ohne es zu wollen, den Stab über seinen neuen Hel-
minthen, indem er sagt: „questa Filaria Policotoma tenga
molta analogia col Diacanto Police/alo diStibel." Jedenfalls
gleicht die von jenem Thiere gegebene Abbildung einem Kohl-
strunke mehr als einem Helminthen.
1) S. dieses Archiv. 1845. Bd. II. pag. 247.
2) Vgl. Niiovi Annali delle scienze naturali di Bologna, Aprile 1848.
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