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ARCHIV
FÜR
NATURGESCHICHTE
GEGRÜNDET VON A. F. A. WIEGMANN,
FORTGESETZT VON W. F. ERICHS ON.
IN VERBINDUNG MIT
PROF. DR. GRISEBACH IN GÖTTINGEN,
PROF. DR. VON SIEßOLD IN BRESLAU, PRÜF. DR. A. WAGNER
IN MÜNCHEN UND PROF. DR. LEUCKART IN GIESSEN.
HERAUSGEGEBEN
VOM
Bb. f. H. TZtOSCa£X.y
PROFESSOU AN DER FRIEDRICH-WILHELMS-UHIVERSITÄT ZU BONN.
SIEBZEHNTER JAHRGANG.
Zweiter Band. /^^
BERLIN, 1851.
VERLAG DER N I C OL A I*S CHE N BUCHHANDLUNG.
Hd HO
»b gUi^irioeöT!
Bericht über die lieistuiig^en in der ]Vatur-
S^esehiehte der Säug^thiere während des
Jahres 1$50.
Von
Prof. Jindr« 1¥ag^ner
in München.
Der vorliegende Bericht über die Leistungen im Gebiete
der Säugthierkunde aus dem Jahre 1850 ist dürftiger als aus
irgend einem der vorhergehenden Jahre ausgefallen. Es rührt
diess theils davon her , dass Ref. diessmal genöthigt war,
seinen Jahresbericht viel frühzeitiger als sonst anzufertigen,
und dass er deshalb einen Theil der ausländischen Arbeiten,
die ihm noch nicht zugekommen waren, zu diesem Behufe
nicht benutzen konnte. Dann ist aber auch in all den zoo-
logischen Arbeiten , die ihm aus dem Jahre 1850 vorliegen,
so auffallend wenig über »Säugthiere enthalten , dass wenn
nicht neben den lebenden Arten auch noch die Ueberresle
der urweltlichen Mammalien mit in Berücksichtigung genom-
men worden wären, es kaum der Mühe gelohnt hätte, einen
besondern Bericht über die Leistungen des vorigen Jahres
in der Naturgeschichte der Säugthiere zu erstatten. Was aus
den noch nicht eingegangenen auswärtigen Arbeiten etwa
noch in den Bereich unseres Berichts fallen dürfte , soll im
nächsten Jahre mit in Erwähnung kommen.
Zuvörderst scheint es Ref. geeignet, aufmerksam zu ma-
Archiv f. Naturgesch. XVII. Jahrg. 2. Bd. ^
2 Wagner: Bericht über die Leistungen in der Naturgeschichte
chen auf den „Report of the Commissioners appointed to in-
quire inlo the Constitution and Government of the British
Museum; with minutes of evidence. Presented to both Hou-
ses of Parlament by Command of Her Majesty.« London 1850.
Der vorliegende Bericht umfassl nicht weniger als 867 Foliosei-
ten, und giebt ungemein wichtige Aufschlüsse über die Verwaltung und
den dermaligen Stand der im brittischen Museum vereinigten naturhi-
storischen Sammlungen , bie bekanntlich zu den reichhaltigsten in der
Welt gehören. Wir können hier nur etliche Punkte hervorheben, in-
dem wir wegen des Uebrigen auf den Report selbst, oder für diejeni-
gen, denen er nicht zugänglich ist, auf den Auszug in den Münchner
Gel. Anzeig. Bd. XXXI. S. 793 u. f. verweisen.
Nach der Erklärung J. E. Gray's, des Vorstandes der zoologischen
Sammlung im brittischen Museum , hält er sich durch eigene Besichti-
gung der hauptsächlichsten französichen und deutschen derartigen
Sammlungen für überzeugt, dass die des brittischen Museums im Gan-
zen und Grossen reichhaltiger als irgend eine andere sei, wobei sie
vor diesen voraus habe, dass sie sich fortwährend aus allen Weltthei-
len vermehre , während die Sammlungen des Continents fast stationär
geworden seien, oder doch nur geringe iMittel verwenden könnten, oder
wenigstens nur nach einer Richtung hin sich vorgrösserten. Sind doch
binnen den Jahren 1840 bis 1848 allein der zoologischen Sammlung
des brittischen Museums 161,154 neue Exemplare zugekommen, dar-
unter 29,595 Wirbelthiere. An Säugthieren, Vögeln, Conchylien und
Schmetterlingen übertrifft bereits, nach Gray's Erklärung, das briltische
Museum alle Sammlungen des Continents; an Reptilien, Fischen und
Crustaceen steht es höchstens der Pariser, in einigen Abtheilungen der
Insekten der Berliner Sammlung nach. Die Skeletsammlung sieht er
mindestens für die dritte , wenn nicht gar für die zweite in Europa
an, nur die Pariser ist ihr entschieden überlegen.
Die Art, in welcher die Commission die Abgrenzung zwischen
der zoologischen und mineralogischen Sammlung gezogen wissen will,
wird bei uns Befremden erregen. Nach der bisherigen Anordnung des
brittischen Museums gehörten zur erstem alle Skelete, zur letzteren alle
fossilen thierischen Ueberreste. Um der aus der Trennung der Skelete
und der fossilen Wirbelthierüberreste entspringenden Schwierigkeit in
der Bestimmung der letzteren zu begegnen, hatte die Commission vor-
geschlagen, dass der mineralogischen Sammlung nicht bloss die fossilen
Wirbelthiere verbleiben , sondern ihr auch noch solche Skelete und
analoge Theile von lebenden Thieren, als sie zur Erläuterung der Na-
tur und Verwandtschaft der fossilen Ueberreste nothwendig sind , zu-
getheilt werden sollten, was mit andern Worten soviel als gänzliche
Abtretung der Skelete (mit etwaiger Ausnahme der Doubletten) von der
der Säugthiere während des Jahres 1850. 3
zoologischen an die mineralogische Sammlung sagen will. Auf diese
Weise würden der zoologischen Sammlung auf einmal die Mittel ent-
zogen werden , die Systematili der Wirbelthiere auf eine feste Basis
zu begründen und sie wäre damit für die Zukunft durch diese Castra-
tion zur wissenschaftlichen Impotenz verurtheilt. Dieser seltsame Vor-
schlag konnte wohl nur dadurch bei der Commission sich Eingang
verschaffen , dass in der von ihr niedergesetzten Abtheilung für das
Fach der Naturgeschichte zwei von den drei Mitgliedern Geognosten
und Palaeontologen waren, während kein Zoolog sich darunter befand.
Jene suchten daher im Interesse ihrer Fächer der mineralogischen
Sammlung soviel als möglich zuzuwenden, sollte dabei auch eine an-
dere in ihrem wissenschaftlichen Bestände ganz zu Grunde gerichtet
werden. Hoffentlich wird von dem Parlamente der Commissionsantrag
verworfen, dagegen der Vorschlag von Gray, dass nämlich die fossilen
thierischen Ueberreste der zoologischen Sammlung als besondere Ab-
theilung zuzuweisen seien , angenommen werden. Es ist diess das
einzig sachgemässe Verfahren , indem die urweltlichen Thiere eben so
gut Thiere wie die der gegenwärtigen Zeitperiode sind, und ihre Be-
stimmung keine mineralogischen, sondern lediglich zoologische Kennt-
nisse fordert.
F. Krau SS hat mit der 7. und 8ten Lieferung seines
Werkes : „das Thierreich in Bildern nach seinen Familien
und Gattungen dargestellt" die Klasse der Säugthiere be-
endigt.
Wie schon in den früheren Berichten erwähnt eine sehr ver-
dienstliche Arbeit , die eine gute Uebersicht über die systematischen
Gruppen der Säugthiere gewährt und in gelungenen colorirten Bildern
zur Anschauung bringt. Einen ganz besonderen Werlh erlangt sie durch
die Beigabe der 7 letzten Tafeln, auf welchen die osteologischen Ver-
hältnisse in ihren Hauptzügen in sehr sauber und genau gezeichneten
Abbildungen dargestellt sind, und zwar theils in ganzen Skeleten, theils
in einzelnen Parthieen desselben, wobei allen charakteristischen Thei-
len eine gleiche Sorgfalt gewidmet ist. Da die sämmtlichen Abbildun-
gen theils nach der Natur , theils nach den besten Werken gefertigt
sind, so kann diese Arbeit Jedem , der sich gründlich mit der Syste-
matik und den verschiedenen Formen der Säugthiere bekannt machen
will, als das beste Hülfsmittel empfohlen werden.
Nur dem Namen nach ist mir bekannt geworden die „Populär
History of Mammalia , by Adam White. With numerous coloured
plates of Quadrupeds by Waterhouse Hawkins. Lond. 1850."
Von der trefflichen Naturgeschichte der Säugthiere von Water-
house ist uns auch im vergangenen Jahre keine Fortsetzung zuge-
4 Wagner: Bericht ober die Leistungen in der Naturgeschichte
kommen und , nach buchhändlerischer Miltheilung , auch keine er-
schienen.
Von Blainville's Osteographie ist das 24ste Heft er-
schienen , sein im vorigen Jahre erfolgter Tod hat dieses
Werk zum Stillstand gebracht.
Obwohl die osteologischen Arbeiten von ßlainville mit denen sei-
nes Vorgängers , G. Cuvier's, weder in der Genialität der Auffassung,
noch in der Beherrschung des ganzen Literaturgebieles sich messen
können, so sind sie doch bei der Reichhaltigkeit des ihm vorgeiegenen
Materials von grosser Wichtigkeit für die Zoologen und Palaeontolo-
gen, und die Menge trefflicher Abbildungen sichern dieser Osteogra-
phie einen bleibenden Werth. Es wäre sehr zu wünschen, dass Blain-
ville's Nachfolger diese Arbeit wenigstens für die Klasse der Säugthiere
zum vollständigen Abschlüsse bringen möchte. Aus den Trauerreden,
die am Grabe Blainville's von Constant Frevost und Milne Ed-
wards gehallen wurden, ist im Institut p. 190 ein Auszug mitgetheilt.
Ueber die geographische Verbreitung der Thiere im
Allgemeinen sind dem Ref. nachstehende Aufsätze bekannt
geworden.
Bei Gelegenheit der Jahresversammlung des Ipswich-Museums hielt
Owen einen Vortrag „über die riesenhaften Vögel Neuseelands und die
geographische Verbreitung der Thiere," wovon in den Ann. of nat. bist.
V. p. 147. ein Auszug enthalten ist. Aus dem Umstände, dass die ver-
schiedenen grossen geographischen Abtheilungen auch ihnen eigenthüm-
liche Faunen besitzen , erhebt Owen Bedenken , dass die Landthiere
sämmtlich von einem gemeinschaftlichen Mittelpunkte in Asien ausge-
gangen sein sollen. Die Frage, wie lange schon diese Vertheilung der
Thiere über die Erde bestände, beantwortet er dahin, dass die in den
neuern tertiären Formationen abgelagerten fossilen Ueberreste es als
Thatsache feststellten, dass noch vor dem Auftreten des Menschen die-
selben eigenthümlichen Säugthierformen in ähnlicher Weise wie ge-
genwärtig wären vertheilt gewesen.
Agassi z behandelt in einer nordamerikanischen Zeitschrift
(The Christian Examiner 1850. , im Auszuge im Jahrb. f. Mineralog.
1850. S. 509.) dieselbe Frage, geht aber in seinen Folgerungen weiter
als Owen. Er bestreitet nicht bloss den Ausgang der Thiere von einem
gemeinschaftlichen Schöpfungs -Mittelpunkte, sondern versichertauch,
dass Moses keineswegs behauptet habe, als ob Adam und Eva das ein-
zige und erste Menschenpaar gewesen wäre , sondern nur das des jü-
dischen Stammes; andere Stämme, andere Rassen hätten, wie bei den
Thieren , ihre eigenen Stammältern gehabt. Diese Deutung der mosai-
schen Angabe ist von Thomas Smyth in seinem Werke: The Unity
der Säugthiere während des Jahres 1850. 5
of the Human Races. New - York 1850 in einem besonderen Anhange
zur Evidenz widerlegt worden. Ref. will hier auf die von Owen und
Agassiz angeregten Fragen nicht weiter eingehen, da er sich über
dieselbe bereits in seiner „Geschichte der Urwelt. Leipzig 1845.« aus-
führlich, und im gegentheiligen Sinne von Agassiz, ausgesprochen hat.
Ferner haben vkdr hier zwei Abhandlungen von A. D'Orbigny
(Ann. des sc. nat. 3" serie. XIII. p. 218. u. 228.) in Erwähnung zu
bringen, nämlich 1) Zoologische Untersuchungen über den successiven
Gang der Animalisation an der Erdoberfläche , von den ältesten geo-
logischen Zeiten bis auf die gegenwärtige Epoche, und 2) zoologische
Untersuchungen über das Auftreten in den Weltaltern der Thier-Ord-
nungen , im Vergleich zur Vervollkommnung der Gesammtheit ihrer
Organe.
Schliesslich wollen wir noch aufmerksam machen auf eine sehr
interessante Abhandlung von Agassiz über die natürlichen Beziehun-
gen zwischen Thieren und den Elementen, in welchen sie leben (Sil-
lim. American Journ. 1850. IX. p. 369).
Zur Kenntniss des Innern Baues der Säugthiere sind
nachstehende Arbeiten beachtenswerth.
John Marshall hat eine ausführliche Abhandlung geliefert
über die Entwicklung der grossen vordem Venen beim Menschen und
Säugthieren, zugleich mit einem Berichte über gewisse Ueberbleibsel
der Foetalstructur bei Erwachsenen , einer vergleichenden Uebersichl
über diese grossen Venen bei den verschiedenen Säugthieren und einer
Analyse ihrer gelegentlichen Eigenthümlichkeiten beim Menschen (Phi-
losoph. Transact. 1850. 1. p. 133. mit 6 Tafeln).
P. Gratiolet hat der pariser Academie eine Abhandlung über
die Hirnfalten des Menschen und der Affen vorgelegt, wovon einstwei-
len ein Auszug in den Compt. rend. XXXI. p. 366. mitgelheilt wird,
und woraus bereits ersichtlich ist, dass diese Arbeit zur schärferen
Unterscheidung der Gruppen unter den Affen Averthvolle Beiträge dar-
bietet.
Ueber das Skelet lieferte Joseph Maclise in der Cyclopae-
dia of Anatomy Part. 35. einen sehr interessanten Artikel, in welchem
er besonders die Einheit in der Mannichfaltigkeit der Formen nachzuwei-
sen sich bemüht.
Von ungemeiner Wichtigkeit ist in demselben Werke Part 37.
und 38. p. 864 — 935 der von R. Owen bearbeitete Artikel über die
Zähne, in welchem besonders die Erörterung des mikroskopischen Baues
und des Zahnwechsels von grösster Bedeutung für den Therologen ist.
Anzureihen ist hier noch , was derselbe Verf. am Schlüsse seiner Ab-
handlung über die Entwicklung der Backenzähne bei den Warzen-
schweinen (Philosoph Transact. 1850. 2. p.481.) zur CrlsiuteruDg sei-
nes Systemes zur Bezeichnung der Zähne beibringt.
6 Wagner: Bericht über die Leistungen in der Naturgeschichte
In den Proeeed. of the R. Society of Edinburgh II. n. 31. p. 166.
suchte Macdonald darzuthun, dass bei den Säugthieren eigentlich
nur 6 Halswirbel vorkommen, indem der 7te bereits der Rückenwirbel-
Region angehöre.
In der Versammlung der Kalurfoi scher zu Greifswalde sprach
Hyrtl über die Wundernetze von Echidna , Dasypus und Myrmeco-
phaga; Schnitze erwähnte ein bei Phoca vorkommendes Wundernetz
der Arteria intercostalis in der Hau*. (Regensb. Correspondenzblatl. 1850.
S. 184).
Ueber den Stand der zoologischen Gesellschaft in Lon-
don und ihres Thiergartens finden sich erfreuliche Ergebnisse
in den Reports of the Council and Auditors of the Zoologi-
cal Society of London , read at the annual general meeting,
April 29th 1850.
Die Zahl der ÄJitglieder der Gesellschaft und der Jahres -Sub-
scribenten betrug im Jahr 1849 die Summe von 1665. Das Einkommen
bestand in 8771 Pfund Sterling; die Zahl der Besucher des Thiergartens
hatte sich bedeutend vermehrt.
Von Bert hold erschienen: Mittheilungen über das zoologische
Museum zu Göttingen. II. Verzeichniss der aufgestellten Säugthiere.
Gölting. 1850. — Ferner von Brühl: kleine Beiträge zur Anatomie
der Haussäugthiere. Wien 1850.
Von Arbeiten über die Landesfaunen ist wenig zu be-
richten.
Eversmann's Beiträge zur Kenntniss der Säugthiere der rus-
sischen Reiches sind in Erman's Archiv für wissensch. Kunde von
Russland IX. S. 385. im summarischen Auszuge zusammen gestellt wor-
den. — Ebendaselbst S. 460. findet sich ein Aufsalz über „die Jagd
in Sibirien« mit verschiedenen Bemerkungen über die dortigen jagdba-
ren Thiere.
Is. Geoffroy legte aus einem Briefe von Tremaux einige No-
tizen vor über die verschiedenen Rassen von Menschen und Thieren,
die sich im Sennar und demBertha folgen (Compt. rend. XXX. p.391).
Sobald man den blauen Fluss, dessen Ufer von einer kaukasischen Rasse
bewohnt ist, überschritten hat, gelangt man in einigen Stunden an die
Gebirge von Taby und Akaro, wo bereits die Negerrasse sich einstellt.
Zugleich werden die Schafe bei diesen wollhaarigen Völkern glatthaa-
rig, während sie umgekehrt bei den glatthaarigen Abyssiniern woll-
haarig sind. Auf der Insel Meroe sah der Reisende wilde Esel, die von
schönerer Gestalt waren als die Hausesel.
Das Regensb. Korrespondenzblatt gab S. 43. eine kurze Notiz von
W, V. MüUer's Reisen im nordöstlichen Afrika. Pas Merkwürdigste
der Säugthiere während des Jahres 1850. 7
davon ist, dass der Reisende mit ßestimmlheit hofft, das fabelhafte Ein-
horn in natura sich verschaffen zu können , was allerdings das einzige
Mittel ist, um den Nachrichten von dessen Existenz Glauben zu ver-
schaffen.
Lake Superior : its physical character , Vegetation and animals.
By Louis Agassi z. With a narrative of the tour by J. Elliot Ca-
bot and contributions by other scientific gentlenien. Boston 1850. Eine
vortreffliche Arbeit , die jedoch nur sehr Weniges über Säugthiere
enthält.
Brasilien. Nachträge , Berichtigungen und Zusätze zu der Be-
schreibung meiner Reise im östlichen Brasilien von Max. Prinz zu
Wied. Frankf. 1850. Enthält auch in Bezug auf die Säugthiere man-
ches Beachtenswerlhe.
Zahlreicher als über die lebende Fauna sind die Bei-
träge zur Kenntniss der urweltlichen Faunen erschienen. Die
wichtigste Arbeit in dieser Beziehung ist die „Uebersicht über
die fossilen Säugthiere, welche in Würteinberg in verschiede-
nen Formationen aufgefunden worden sind , und nähere Be-
schreibung und Abbildung derselben, von Dr. Georg Jäger.''
(Nov. act. acad. nat. cur. XXII. 2. p. 765—932. mit 5 lith.
Tafeln).
Der Verf. vervollständigt hier seine früheren Arbeiten über den-
selben Gegenstand in sehr gründlicher und ausführlicher Weise, berich-
tigt das Irrthümliche und bringt eine Menge Neues bei. Die Reich-
haltigkeit dieser Abhandlung ist schon aus nachstehender Inhaltsanzeige
ersichtlich: l) üeberreste von Säugthieren aus der Alolasse Oberschwa-
bens ; 2) aus den Bohnerzgruben der schwäbischen Alb ; 3) aus dem Süss-
wasserkalk der letzteren (Steinheim, Ulm, Engelswies, Hohenmemrain-
gen, Langenenslingen , Eggingen, Bussen, Haslach , Oerlingen , Kirch-
berg), Zusatz über die Üeberreste im tertiären Gipse von Hohenhöven ;
4) üeberreste in der Karlshöhle; 5) in der Schillershöhle; 6) in dem
weicheren Kalktuffe; 7) aus der Diluvial - oder älteren Alluvial-Forma-
lion (von der Höhe der Alb, von Ulm, aus dem INeckargebiet, aus dem
Mineralwasserkalk von Cannstadt und Stuttgart, der Sandgrube bei Ho-
henlohe- Kirchberg); 8) aus dem Torfe; 9) aus Grabhügeln und Grä-
bern; 10) in dem neueren Alluvialboden; 11) aus der oberen Grenz-
breccie zwischen Keuper und Lias.
In den Würtemberg. naturwissensch. Jahresheften (1850. S. 177.)
giebt Quenstedt Erläuterungen über die wichtigsten fossilen Vor-
kommnisse der Bohnenerze der schv.äbischen Alb und zählt ausser
Hippotherium, dem gewöhnlichen Pferde und dem Mammuth , noch
folgende Säugtbieraiten auf: Dorcatherium Kaui Kaup (Palaeomeryx
8 Wagner: Bericht über die Leistungen in der Naturgeschichte
Scfieuchzeri Mey.) , Rhinoceros incisivus, Mastodon angustidens , tapir-
artige Thiere (Lopliiodon), Dinolherium , Nager von Salmendingen (Di-
poides).
H. V. Meyer (Jahrb. für Mineralog. S. 202.) berichtete über
verschiedene Vorltommnisse fossiler Säugthierüberreste. In der Braun-
kohle von Leiding bei Wiener- Neustadt erkannte er Dorcalherium
vindobonense, Palaeomeryx medius und Rhinoceros. — Das Anthraco-
therium vindobonense beruht bloss auf unrichtiger Bestimmung , errin-
nert vielmehr an Kaup's Sus palaeochoerus. — Ein Zähnchen von Ba-
den deutet auf gewisse Robbenarten, so wie auf Cetaceen hin. — In
der Tertiärablagerung am Leithagebirge erkannte Meyer einen Di-
notherium-Zahn, Backenzähne von Listriodon splendens , Reste von 3
Wiederkäuern und einen unteren Backenzahn von einem pflanzenfres-
senden Cetaceum und das Schienbein eines nicht ganz kleinen Nagers.
Mey er erhielt von S andb e rger die in der Braunkohle von Gu-
sternhain auf dem Wes t erw al d e gefundenen fossilen Knochen zur Be-
stimmung, und fand, dass sie grösstentheils dem Anthracolheriura mag-
num angehören ; ausserdem kommt vor Rhinoceros und Microtherium
Renggeri. — In den Ueberresten, welche bei der Erbauung der Hanau-
Frankfurter Eisenbahn in einem Torfgebilde zum Vorschein kamen,
erkannte Meyer hauptsächlich Wiederkäuer und darunter ein Schädel-
chen, welches die auffallendste Aehnlichkeit mit Bo3 longifrons besitzt,
von dem er fragt , ob er nicht die Jugend von Bos primigenius sein
könnte.
Etliche Ueberreste von dem vorhin genannten Leiding wies H ö r-
nes (Berichte v. Freunden der Naturw. in Wien VI. 1. S. 43.) vor-
läufig dem Acerotherium incisivum , Hippotherium gracile und Cervus
haplodon Mey. zu. Zugleich gab er Aufschlüsse über das Alter dieser
Braunkohlen-Ablagerungen.
Ehrlich berichtete im „Eilften Bericht über das Museum Fran-
cisco-Carolinum." Linz 1850. S. 10., dass im Ennsthale von Oberöster-
reich in den Conglomeratschichten vor vielen Jahren bei Kremsmün-
sler in einer Höhle 3 Schädelstücke von Ursus spelaeus aufgefunden
wurden ; ferner dass im älteren Diluvium Zähne von Rhinoceros ticho-
rinus und vom Mammuth, so wie ein Schädelstück von Bos urus fossilis
zum Vorschein kamen.
Aus den Tertiärablagerungen von Wiesbaden zählte Sand ber-
ger (in den Jahrbüchern des Vereins für Naturk. im Herzogth. Nassau
1850. S. 19.) folgende urweltliche Arten auf: Palaeomeryx minor und
pygmaeus, Microtherium Renggeri, Tapirus helveticus, Khinoceros inci-
sivus, Fleischfresser 2 spp., Nager.
Von der Zoologie et Paleontologie fran^aises (animaux
vertebres) par M. Paul Gervais sind zu den beiden ersten
Lieferungen 6 andere hinzugekommen.
der Säuglhiere während des Jahres 1850. 9
Mit der oten von diesen Lieferungen beginnt die systematische
Aufzählung der in Frankreich aufgefundenen lebenden und ausgestor-
benen Arten der Säuglhiere.' Die bekannten Species aus beiden Ab-
theiiungen sind kurz angeführt ; die neuen oder unvollständig gekann-
ten werden ausführlicher besprochen. In dieser Weise sind bis jetzt
behandelt die Ordnungen der AEFen, Handflügler, Insektenfresser, Nager,
Rüsselträger (Elephant, iMadoston , Dinotherium) , Hufthiere (a. Rhino-
ceros, Tapir, Lophiodon, Palaeotherium, Anchitherium und Pferd ; b. Bos,
Capra, Ovis, Antilope, Camelopardalis, Cervus , Moschus, Camelus, Xi-
phodon, Anoplotherium , Acotherium, Dichobune , Choeropotaraus, Hip-
popotamus, Sus, Palaeochoerus, Entelodon, Adopis), Fleischfresser, Beu-
telthiere , Zahnlücker. Auf das Wichtigste werden wir im Verlaufe
unseres Berichtes aufmerksam machen.
P. Gervais fortgesetzte Untersuchungen der Süsswas-
sergebilde von Apt (Vaucluse) haben die Auffindung von noch
mehr fossilen Säugthier-Ueberresten zur Folge gehabt, wor-
über sich ein kurzer Bericht in den Compt. rend. XXX. p. 602.
findet.
Schon früher hat er daselbst erhalten : Hyaenodon oder Plerodon,
Requieni, Cynodon, Palaeotherium magnum, crassum und medium, Pa-
loplotheriuni annectens und minus, Choeropotamus, Hyopotamus crispus,
Anoplotherium commune etc. TS'euerdings hat er Ueberresle von einem
den Mangusten verwandten Fleischfresser aufgefunden, ferner 2 Arten
von Anoplotherium, von Xiphodon gracile, Cainotherium oder Oplothe-
rium, endlich 2 neue kleine Pachydermen, die er Tapirulus hyracinus und
Acotherulum saturninum nennt.
Marcel de S e r r e s lieferte in den Conipt. rend. XXX.
p. 652. die Beschreibung einer neu aufgefundenen Knochen-
höhle in Frankreich.
Sie liegt in der üomaine von La Tour bei Lunel im Departement
Herault und enthält fossile Knochen von Bären, Wiederkäuern und
Nagern. Nach Eckzähnen, Handwurzel - und Fusswurzelknochen, sowie
nach Phalangen von Bären glaubte er sich berechtigt, selbige dem
Ursus arctoideus zuweisen zu dürfen. Aus dem Umstände , dass diese
Art in den anderen Knochenhöhlen des Departements nicht vor-
kommt, folgert er , dass wenn wirklich , wie er schon früher vermu-
thete, der Ursus arctoideus das Männchen vom U. spelaeus oder U.
Pilorrii sein sollte , jedes der beiden Geschlechter besondere Grotten
bewohnt haben würde. Ref. muss jedoch bemerken, dass aus den an-
gegebenen Ueberresten er es nicht für möglich hält, mit Sicherheit den
Ursus arctoideus erkennen zu wollen , und will überhaupt hinsichtlich
der Unterscheidung der urweltlichen Bären auf seine eben im Drucke
10 Wagner: Bericht über die Leistungen in der Naturgeschichte
beendigte „Charakteiislili der in den Höhlen um Muggendorf aufge-
fundenen urweltlichen Säugthier - Arten," die demnächst mit dem 6ten
Bande der Denkschriften der hiesigen Akademie ausgegeben werden
wird, aufmerksam machen.
Derselbe Palaeontolog hat in Verbindung mit Jeanjean Be-
merkungen über die bei Bourgade (Montpellier) vereinigten Knochen*
breccien und Knochenhöhlen vorgelegt (Compt. rend. XXXI. p. 518).
Die Knochenüberreste gehören Fleisch - und Pflanzenfressern an, sind
aber ganz zertrümmert. Beiderlei Ablagerungsweisen werden von den
Verfl'. als identische und gleichzeitige betrachtet.
Ueber die den englischen Palaeontologen schon länger bekannte
Knochenhöhle von Brentford gab John Morris im Quat. Journ. of
the geolog Society n. 22. p. 201. weitere Aufschlüsse. Die dort ge-
fundenen Säugthier - üeberreste gehören folgenden Arten an : Elephas
primigenius, Bison priscus und longifrons, Cervus elaphus und tarandus,
Rhinoceros tichorhinus, Hippopotamus maior und Felis spelaea.
Von fossilen Elephanlen - und Delphinknochen, die in Vermont
aufgefunden wurden, gab Zadock Thompson in Sillim. americ.
journ. IX. p. 256. Nachricht. — Ebendaselbst X. p. 228 berichtete Jef-
fries Wyman über ein noch reichhaltigeres Lager bei Richmond in
Virginien , das Üeberreste von Bobben, Phocodon , Delphinus und an-
dern Wallen lieferte. — Vom Fort Laramie am Platte river erhielt
Leidy 2 fossile Schädelfragmente, aus denen er die Gattungen Eucro-
taphus Jacksoni und Archaeotherium Mortoni errichtete ; für erslere
weiss er noch keinen Platz im Systeme , letztere hält er mit Anoplo-
Iherium verwandt (Proceed. of the Acad. of Philadelph. V. p. 90).
ISiitiiae.
Simiae catarrhinae. W. Vrolick legte das Resultat
seiner anatomischen Vergleichungen der Orang-Utans und
der Gibbons vor (Compt. rend. XXX. p. 83).
Der Gehirnbildung nach steht der Orang - Ulan höher als der
Schimpanse, während er hinsichtlich des Skelets und selbst des Zwi-
schenknochens in der Handwurzel unter ihm ist. Vrolick findet diess
um so interessanter als bezüglich des Knochengerüstes kein Zweifel
bestehen könne, dass der Siamang (Hylobates syndactylus) vollkommner
als der Orang und selbst als der Schimpanse ist. Er betrachtet daher
den Orang-Utan, den Schimpanse und die Gibbons als eine besondere
Gruppe, in welcher der eine in einem gewissen Theil der Organisation
näher dem Menschen und in einem andern entfernter sein kann, wäh-
rend sie sich in der Gesammtheit der Organisation der ganzen Gruppe
ihm annähern.
Auf die nachträglichen Bemerkungen von J. Wyman über Tro-
der Säugthiere während des Jahres 1850. 11
glodytes Gorilla ist schon im vorigen Jahresbericht aufmerksam ge-
macht werden.
Is. G eo ffr oy stellte in den Compt. rend. XXXI. p. 874.
zwei neue Arten auf.
1) Htjlohates fnnereiis, „Pelz grösstenlheils mausgrau, dessen Ton
wenig verschieden ist von der desH. leuciscus, aber Kehle, Brust, Bauch,
und Oberseite der Vorderhände zum grossen Theil schwarz, desgleichen
auch der Ober- und Vordertheil des Kopfes ; die Innenseite der Gliedmassen
zieht in dieselbe Farbe." — Ausser den angeführten Merkmalen unter-
scheidet sich diese Art von H. leuciscus durch die Stimme und ihren
"Wohnort, der die Insel Solo ist.
2) Cercopithecus Werneri, verwandt C. Callitriche auct. und dem
ächten C. sabaeus Linn. (mit welchem J. Geoffroy den C. griseoviridis
vereinigt), wo aber alle Theile, die bei ersterem olivengrün, bei dem
zweiten grüngrau sind, sich rothfalb und schwarz gesprenkelt zeigen»
indem die Haare in grossen Binden mit diesen zwei Farben gefärbt
sind. Die Verschiedenheit der Färbung ist eine doppelte: Ersetzung des
Grüns durch Rothgelb in den hellen Binden ; schwarze Binden viel
ausgedehnter. Stammt aus Afrika und hat zweimal in der Menagerie
gelebt.
J. E. Gray unterschied von den weissnasigen Meer-
katzen 2 andere Arten (Ann. of nat. bist. V. p. 54).
1) Cercopithecus melanogenySy bereits 1845 von ihm aufgestellt
und von C. nictitans und C. petaurista schon durch die Herzforra des
Nasenflecks verschieden.
2) Cercopithecus Ludio, von C. petaurista und C. melanogenys ver-
schieden durch die Grösse, die aufrechte längliche Form des weissen
Nasenflecks und besonders durch den Mangel von Weiss an den Wan-
gen, so wie durch die dunkle Färbung des Felzes und die rothen Haare
des Steisses. Von Westafrika.
Die bisher im südlichen Frankreich aufgefundenen fos-
silen AfFenknochen wurden von Gervais in seiner Zool.
et Pal. frang. p. 5. an 2 verschiedene Arten verwiesen.
Aus den von Larlet bei Sansans (Departement du Gers) aufge-
fundenen Ueberresten (Fithecus anliquus Blainv.) errichtete er die Gat-
tung Fliopithecus anliquus, die er der Gruppe der Orang-Utans, Schim-
pauses und Gibbons anreihen möchte. Die andere Art ist sein Semno^
pilhecus monspesselanus von Montpellier ; er hat sich übrigens nicht
versichern können, ob Christol's Fithecus maritimus von derselben Lo-
kalität mit dieser Species zusammen gehört oder nicht.
Simiae platyrrbiiiae. J. E. Gray brachte für die ame-
12 Wagner: Bericht über die Leistungen in der Naturgeschichte
rikanischen Affengattungen zweierlei Gruppirungen in Vor-
schlag (Ann. of nat. bist. V. p. 55).
Erstlich theilte er die sämmtlichen Gattungen nach der Form des
Unterkiefers in folgender Weise ab :
Für die schlafFschwänzigen Affen mit 6 Backenzähnen will er 2
Gruppen errichten: 1) Callilhrina mit den Galtungen Callithrix,
Chrysothrix und Nyctipilhecus , 2) Pitheciana mit den Gattungen
Pithecia, Brachyurus (Cebus satanas) und Ouakaria , wozu Brachyurus
Ouakari Sp. und B. calvus Is. Geoffr. gehören ; von letzterem ist eine
Abbildung des Schädels beigefügt. — Ref. hat hiebei zu bemerken,
dass die Form des Unterkiefers allein nicht ausreichend ist zu einer
Gruppirung der Arten, was schon der Anblick der Tabelle ergiebt, in-
dem darin die sogenannten Atelina und Pitheciana in beiden Rubriken
figuriren. Wie mit Berücksichtigung aller wesentlichen Schädelformen
die amerikanischen Affengattungen zu gruppiren sind, hat Ref. in sei-
nen „osteologischen Beiträgen zur Kenntniss der amerikanischen Affen«
in den Denkschriften der bayerischen Akad. d. Wissensch. 1837. S.420.
gezeigt, wovon indess Gray bei seiner staunenswerthen Unbekanntschaft
mit der deutschen Literatur keine Kenntniss hat.
Is. Geoffroy publicirte in den Compt. rend. XXXI.
p. 875. vier neue amerikanische Arten, über die wir unser
Urlheil so lange zurückhalten wollen, bis ausführlichere Be-
schreibungen derselben uns vorliegen werden. Sie sind von
ihm folgendermassen charackterisirt.
1) Cebus elegans, „Pelz falb (je nach den Individuen von einem
schönen goldig falb ins graulich falbe übergehend) , an Gliedmassen
der Säugthiere während des Jahres 1850. 13
und Schwanz dunkler ; ein goldig rother Bart und lange schwarze
Haare auf dem Kopt : diese Haare bilden eine Art Toupet , das durch
eine Art mittlerer Furche in zwei Parthien getheilt ist.« Aus Brasilien
und Peru.
2) Pithecia chrysocephala ; schöne Art , eben erst durch den
Handel gebracht ; „Körper, Gliedmassen und Schwanz mit langen schwar-
zen Haaren besetzt ; Kopf mit kurzen lebhaft goldrothen Haaren beklei-
det , in deren Mitte eioe schwarze Linie sich auf die Mitte der Stirne
erstreckt. Man sieht, dass diese Art der P. leucocephala und ochroce-
phala verwandt ist.« Heimath unbekannt.
3) Hapale nigrifrons, „Stirne schwarz, so wie auch der ganze
Umkreis des Gesichts, aber nicht der Obertheil des Kopfes ; letzterer,
die Kehle, Hals und Vorderglieder sind braun , fein roth gesprenkelt,
indem die Haare gegen die Spitze mit diesen beiden Farben geringelt
sind. Rücken schwarz und falb geringelt ; Kruppe und Hinlerglieder
roth gesprenkelt (nicht von einem lebhaften Roth wie die folgende Art
und H. Weddellii) , untere und innere Theile bräunlichroth, Hände und
Schwanz schwarz.« Heimath unbekannt.
4) Hapale Detilli , „Lenden, Ober- und Unterschenkel schön ka-
stanienroth; Rücken schwarz und grau geringelt; Yordertheil des
Rückens, Vorderglieder, Hände und Schwanz schwarz.« Aus Peru, am
Amazonenstrom.
Prosimii. Auch von dieser Abtheilung stellte Is. Geof-
froy a. a. 0. S. 876. vier neue Arten auf.
1) Chirogaleus furcifer , „grau mit schwarzer Rückenlinie, die
am Hinterhaupt sich spaltet uud mit zwei Aesten über die Augen zieht ;
Schwanz im letzten Drittel schwarz.« Madagaskar.
2) Letnur rubriventer, „auf den ersten Anblick von allen anderen
Arten verschieden durch die kastanienrothe Färbung der untern Theile,
der Gliedmassen und der Krause.« Madagaskar.
3) Lemur flaviventer , „dieselbe Färbung oben, auf den Glied-
massen und dem Schwänze, aber die Kehle weiss, der Bauch gelb und
die Innenseite der Gliedmassen gelblich. Krause kastanienroth , wenig
ausgedehnt.« Madagaskar.
4) Galago conspicillatus , „verwandt dem G. senegalensis, von
dem der G. Moholi nicht verschieden zu sein scheint ; aber mit grös-
seren Ohren, rothem Schwänze und jedes Auge umgeben von einem
schwarzen Fleck, der besonders auf den Seiten der Nasenwurzel sehr
markirt ist ; der Raum zwischen den beiden schwarzen Flecken ist
weiss.« Port-Natal.
Ueber Bennett's Gattung Perodicticus theilte van der
Hoeven eine kurze, aber beachtensvverthe Notiz mit (Instit.
p. 383; rev. p.62Gj.
14 Wagner: Bericht über die Leistungen in der Naturgeschichte
Der Lemur Polio Gm. ist bisher nur sehr ungenügend beliannt
gewesen, indem die beiden von Bennet und v. d. Hoeven beobachte-
ten Individuen jung waren und noch nicht alle Zähne erlangt hatten.
Letzterer hatte Gelegenheit, nunmehr ein erwachsenes Individuum zu
untersuchen, wobei er fand, dass sein Gebiss vollkommen ähnlich dem
der Gattung Stenops ist.
Chiroptera.
Diese Ordnung ist im verflossenen Jahre nur mit einer
einzigen neuen Art bereichert worden und zwar durch Gould
in den Ann. of nat. hist. VL p. 138.
Die neue Art führt den Namen Pieropus conspicillalus. Sie hat
ohngefähr die Grösse des Pt. poliocephalus, unterscheidet sich aber von
diesem, dass die Halsbinde dunkel sandigbraun , anstatt dunkel rostroth
ist und sich nicht rings um den Hals ausdehnt, ferner durch die fast
ganz schwarze Färbung des Scheitels und Rückens und die dunkle
Einfassung der Augen. "Von der Fitzroy-Insel bei Neuholland.
Insectivora.
G. Valentin theilte einige Bemerkungen über den Win-
terschlaf des Igels mit (Mittheil, der naturf. Gesellsch. in
Bern 1850. S. 57).
Sacc halte vor einigen Jahren entdeckt, dass die in Winter-
schlaf verfallenen Murmelthiere an Gewicht zunehmen, bis die von Zeit
zu Zeit durchgreifende Harnentleerung die Schwere des Thieres von
Neuem herabsetzt. Dieselbe Erfahrung machte nun auch Valentin an
einem Igel.
In einer sehr gründlichen Beschreibung machte uns G.
R. Waterhouse (Ann. of nat. hist. VI. p. 135.) mit einer
neuen Art von Spitzhörnchen, und zwar vom indischen Fest-
lande, bekannt.
Die neue Art bezeichnet er mit dem Namen Tupaja Ellioti ; sie
ist ohngefähr so gross wie T. Tana, unterscheidet sich aber schon durch
die verhältnissmässig blasse Färbung des Pelzes , minder buschigen
Schwanz und geringere Grösse der Zähne. Sie bewohnt die östlichen
Ghats.
Carnivora.
Ursina. lieber drei in Irland aufgefundene Bären-
schädel, von welchen Gipsabgüsse an Owen eingesendet
waren, gab dieser folgende Erklärung ab (Ann. of nat. hist.
V. 234).
der Säuglhiere während des Jahres 1850. 15
Die 3 Schädel differiren in der geringeren Erhöhung der Stirne,
und, was noch entscheidender, in der geringeren Grösse des letzten
obern Backenzahns von Ursus spelaeus ; auch besitzen sie den ersten
Lückenzahn. Der grösste von ihnen zeigt in der allgemeinen Form
und der Flachheit der Stirn eine grosse Uebereinstimmung mit Ursus
raaritimus, aber die Backenzähne , namentlich der letzte, sind grösser.
Die beiden kleineren Schädel haben eine Erhöhung der Stirn aufzu-
weisen, welche zwar geringer als bei U. spelaeus, aber grösser als bei
ü. ferox ist. Es bleibt daher unter den lebenden Arten zur Yerglei-
chung nur noch der U. arctos über, und die irischen Schädel stimmen
in der That am meisten mit denen der grossen schwarzen oder dunkel-
braunen Varietät desselben aus Skandinavien überein ; eben so aber auch,
wie Owen bekennt, mit dem Ursus priscus aus der gailenreulher Höhle.
Diese irischen Schädel haben ihn deshalb auf die Meinung gebracht,
dass U. priscus identisch mit U. arctos und der Stammvater des letzteren
ist. — Die erwähnten irischen Schädel stammen wahrscheinlich aus Mer-
geln unterhalb eines Torflagers her und, wie vermuthet wird, zugleich
mit Cervus megaceros.
Hai ding er zeigte einen Schädel des Ursus spelaeus
vor, den Fürst Hugo zu Salm in der Slouper Kalksteinhöhle
bei Blansko in Mähren ausgraben liess (Sitzungsberichte der
kaiserl. Akad. d. Wissensch. 1850. 2te Abth. S. 140).
Dieser Schädel niisst nach Wiener Maass 19" Länge und 11 Vj
Breite. Einen noch grosseren Schädel bewahrt Fürst zu Salm auf, in-
dem er 23" Länge auf 11" Breite hat. Ueberhaupt fanden sich unter
zahllosen Knochen vom Rumpf und den Extremitäten 6 ganz und 8
zerbrochene Schädel verschiedener Grösse, aber durchaus gleicher Be-
schaffenheit , die alle dem Ursus spelaeus anzugehören schienen, 2
kleine Schädel , vielleicht von Hyaena spelaea , und kleinere Rumpf-
und Extremilätenknochen, etwa von Yiverra, Mustela u. dgl. Man traf
auch ein ganzes Skelet, welches einem ganz von der Erde bedeckten
und ungestört verwesten Thiere angehört haben musste.
J. E. Gray suchte die Aufstellung des nepal'schen Bä-
ren, Ursus Babella Horsf., als eigene Art zu rechtfertigen.
Wie er in den Ann. of nat. bist. VI. p. 230 sagt, variirt der
Bär von Nepal sehr in der Färbung und gleicht bisweilen sehr dem
braunen Bären. Nach Yergleichung eines lebenden Exemplares findet
ihn aber Gray als spezifisch verschieden vom letzteren. Sein unler-
scheidendstes Kennzeichen ist die Kürze des Hinterfusses; die Ohren
sind sehr gross, buschig und vorragend. Der Kopf ist breiter und die
Schnauze kürzer und mit kürzeren und anliegenderen Haaren als beim
europäischen Bären besetzt; Kopf und Füsse scheinen fast um V4 kür-
16 Wagner: Bericht über die Leistungen in der Naturgeschichte
zer im Verhäitniss der Grösse des Thieres zu dieser Art. — Ref. fügt
bei , dass die sichere Entscheidung dieser Frage erst nach dem Tode
des gedachten Individuums erfolgen kann, wo man dann das ganze
Knochengerüste zur Vergleichung vor sich hat.
Mustelina. Nach Gervais ist die in Algier und auf
Sardinien lebende Mustela Boccamela noch nicht in Corsika
aufgefunden worden, wo dagegen ein anderes, von jener wie
von M. vulgaris verschiedenes Wiesel leben soll (Zool. et Pal
Fran9. p. 120).
Viverrina. Mit dem Namen Herpestes punciulatus be-
zeichnete J. E. Gray in den Ann. of nat. bist. V. p. 5ö. eine
neue Manguste.
Sie ist röthlichgrau, fein schwarz und grau punktirt, Gesicht rö-
ther ; Wollhaar schwarz, Stichelhaare braun, obere Hälfte weisslich, mit
breiter, schwarzer , fast endständiger Binde und rothbrauner Spitze ;
Schwanzende schwarz. Von Port Natal. Verwandt mit H. Mutgigella
in der Grösse, dem Ansehen und der schwarzen Schwanzspitze, ist aber
röther als diese Art und das Gesicht rothbraun.
üeber die anatomischen Verhältnisse von Paradoxurus typus gab
Turner a. a. 0. S. 135. einige Notizen. Zugleich fügte er die Be-
merkung bei, dass der Coali mondi, dem Cuvier Samenblasen zuschrieb,
derselben wirklich entbehre, so dass also das Fehlen dieser Blasen ein
constanter Charakter der ächten Fleischfresser bleibt.
Die von Aymard unter dem Namen Cynodon , Elocyon und Cyo-
therium, von Bravard und Pomel als Cynodictis aufgestellten Gattungen
will Gervais (Zool. et Fal. fran9. p. 112.) alle unter den Viverrinen
belassen wissen.
In der Gesellschaft naturforschender Freunde in Berlin
zeigte Peters eine neue Gattung Beleog ale vor, die er
aus Mosambique mitgebracht hatte. Er gab die Kennzeichen
derselben dahin an, dass sie wie die Surikate an sämmtlichen
Füssen nur 4 Zehen hat, im Habitus aber, so wie in der Be-
schaffenheit der Eingeweide , des Schädels und Gebisses mit
Herpestes übereinstimmt (Froriep's Tagsberichte N. 196. S. 246.)
Canina. Ueber das Alter einiger Hunderassen stellte
Morton Vermuthungen auf (Proceed. of the Acad. of Phila-
delph. V. p. 85).
Es sind diess haupsächüch die Hunderassen, die auf den ägypti-
schen Denkmälern abgebildet sind , welche den Gegenstand von Mor-
der Säugthi'ere'wahreTKi des Jahres 1850. 17
ton's Betrachtungen ausmachen. Um das Alter dieser Rassen zu be-
messeny stützt er sich dabei auf die von Lepsius aufgestellte Chrono-
logie, da indess diese neuerdings angegrüFen worden ist, so wird es
für den Zoologen einstweilen gerathen sein, das Ende des Streites abzu-
warten.
Die ausführliche Abhandlung von Retzius über die
sogenannte Violdrüse einiger Hundearten ist nunmehr erschie-
nen (K. Vetenskaps-Akademiens Handlingar för ar 1848. 2.
p. 309).
Verf. untersuchte die Beschaffenheit dieser Drüse bei Canis vul-
pes, lagopus und lupus, wie bezüglich der letzteren schon im vorigen
Jahresberichte angezeigt wurde.
Feiina. Vom Luchse machte Gervais in Frankreich
dieselbe Bemerkung wie wir in Deutschland, dass er immer
mehr verschwindet (Zool. et Pal. Franp. p. 125).
Er findet sich noch, aber sehr selten , in den Pyrenäen und Al-
pen. Vor wenig Jahren wurden einige gefangen in den Departements
de risere, de la Dröme und des Basses - Alpes. Im Jahr 1822 wurde
einer getödtet im Departement de la Haute-Loire bei Saint - Julien-
Chapteuil.
Marisupialia.
Als neue Art wurde von Gould die Phalangista QPseu-
docheirus') nudicaudata aufgeführt (Ann. of nat. bist. VI.p. 139.)
Sie stammt vom Cap York, an der nördlichsten Spitze von Neu-
holland und unterscheidet sich von allen anderen Arten dieser Gattung
schon dadurch , dass der Schw^anz in den letzten drei Vierteln ganz
nackt und der dichte Pelz und die Ohren kurz sind. An einem Weib-
chen , das erst ^^ seiner Grösse erreicht hatte , maass der Körper 12
und der Schwanz 8".
Die in Frankreich aufgefundenen fossilen Ueberreste
von Beutellhieren vertheilte Gervais (Zool. et Pal. Frang.
p. 132.) unter folgende Gattungen und Arten.
1) Galethylax Blainvillei Gerv., nach einem in den Mergeln des
Gipses von Paris entdeckten Unterkiefer von Gervais aufgestellt. Er zeigt
dünne Schneidezähne , einen Eckzahn und 7 Backenzähne, die sämmt-
lich in ihrer Form mit denen der Beutelratte übereinstimmen, nur dass
sich, statt 3 Lückenzähnen und 4 ächten Backenzähnen wie bei letz-
teren, umgekehrt 4 Lücken - und 3 Backenzähne einstellen,
2) Didelphys Cuvieri , die von Cuvier beschriebene Art aus den
Archiv f. Naturgesch. XVil, Jahrg. 2. Bd. ß
18 Wagner: Bericht über die Leistungen iu der Naturgeschichte
Gipsbrüchen des Montmartre. — 2) D. Laurillardi, eben daher, aber um
die Hälfte kleiner. — 3) D. arvernensis von Croizet beschrieben aus
den Süsswasserkalken der Auvergne ; 4) D. Blainvillei gleichfalls. —
5) D. Berlrandi Gerv. (D. elegans Aym.) ; — 6) D. crassa ; — 7) D.
minula; diess sind 3 von Aymard aus den Süsswassermergeln von
Ronzon (Haute- Loire) beschriebene Arten. — Endlich werden noch
Ueberreste von Bravard und Pomel erwähnt , die aber von letzteren
nicht weiter charakterisirt wurden.
Rodeiitia.
Für Todd's Cyclopaedia of Anatomy (Part. 33. p. 368.
bearbeitete Rymer Jones den Artikel Rodentia.
Er behandelt ausschliesslich die anatomischen Verhältnisse und
erläutert diese mit einer Menge von Holzschnitten ; die Beschaffenheit
des Skelets und Gebisses ist besonders ausführlich erörtert.
Von allgemeinem Belange ist ebenfalls die Abhandlung:
über die Zahngewebe der Ordnung Rodentia von John To-
ra es (Philosoph. Transact. 1850. II. p. 529 — 567. mit 4
Tafeln).
Der Verfasser, Surgeon- Dentist im Middlesex- Hospital, der sich
schon früher (a. a. 0. 1849. IL) durch seine Abhandlung über die
Zahnstruktur der Beutelthiere vortheihaft bekannt machte, hat sehr um-
fassende mikroskopische Untersuchungen über die Zahnstruktur der Na-
ger ausgeführt. Diese erlangen auch für den Systematiker eine grosse
Bedeutung, weil nach der Versicherung des Verf. die verschiedenen For-
men der Zahnstruklur, mit wenig Ausnahmen, den von Waterhouse vor-
geschlagenen Gruppen der Nager entsprechend sind.
Myoxiua. Ueber die äusserliche Beschaffenheit, Lebens-
weise und geographische Verbreitung des Myoxus Dryas, der
bisher wenig gekannt war, theilte Graf von Tyson haus
schätzbare Bemerkungen mit.
Sie finden sich in der Rev. zoolog, p. 359. und sind von einer
colorirten Abbildung des Thieres begleitet. Die Bemerkung des Verf.,
dass er zuerst das Vorkommen desselben in Europa dargethan habe,
hat Ref. dahin zu berichtigen, dass er schon viel früher die Existenz
desselben in Ungarn nachwies.
Dipoda. Auf einige Eigenthümlichkeiten des Baues von
Dipus aegijpüus machte Turner aufmerksam (Ann. of nat.
bist. V. p. 137).
Die Cowper'schen Drüsen sind jede auf sich selbst gekrümmt in
der Säugthiere während des Jahres 1850. 19
einer Weise ähnlich den Sanienbläschen. Von allen Muskeln auf dem
Schienbein bleibt keiner weiter fleischig als bis ohngefähr zur Mitte
dieses Knochens, indem dann jeder in eine lange Sehne endigt. Auf
dem Fusse selbst ist gar kein Muskel, denn die Wirkungen der Zehen-
beuger gehen von einem starken Ligament aus , das vom Fersenbein
entspringt und sich in 5 Aeste theilt , wovon einer zur Mittelzehe und
je zwei andere zu jeder der beiden Seitenzehen geht. Unter den lan-
gen weissen Haaren , welche den unleren Theil des Fusses bekleiden,
ist eine kleine scharfe hornige Spitze, die gerade unter der Basis der
Mittelzehe sitzt. Sie ist ein blosses Hautgebilde, das keinen Zusammen-
hang mit dem Skelet hat.
Castorina. Weitere Auskunft über Chalicomys Jaegeri
und Eseri , sowie über die Gattung Dipoides^ gaben Jäger
und Quenstedt.
Ersterer in seiner Uebersicht über die fossilen Säugthiere Wür-
tembergs S. 791. und 824; Letzterer in den "Würtemberg. Jahresheften
1850. S. 181. Jäger hält in Bezug auf Dipoides fest, ihn als eigene
Gattung vom Biber zu unterscheiden. Die Backenzähne nähern sich
zwar, wie er sagt , „durch die Schmelzfalten der äussern Seite den
Backenzähnen des Bibers , sind aber davon doch so bedeutend ver-
schieden, dass eine blosse Verschiedenheit des Alters nicht zur Erklä-
rung dieser Verschiedenheit der Grösse und Form hinreicht, zumal da
Milchzähne und Ersatzzähne beim Biber sich sehr ähnlich sind. —
Quenstedt , indem er die Aehnlichkeit und Verschiedenheit der Zähne
des Dipoides in Bezug auf die des Bibers bespricht, auch noch auf
den Spalax hinweist , will vorläufig das Thier , von dem diese Zähne
herrühren, als ,,Nager von Salmendingen'' bezeichnen, „um nicht durch
vorzeitige Bestimmung die Entscheidung der Frage auf falsche Wege zu
lenken."
Hystricina. J. E. Gray sondert von Cercolabes prehen-
suis 2 Individuen als gesonderte Arten ab (Ann. of nat. bist.
V. p. 380}.
Waterhouse hatte in seiner History of 3Iammalia mit dem brasi-
lischen C. prehensilis auch ein aus Santa Cruz de la Sierra in Bolivia
gebrachtes Exemplar als Varietät vereinigt. Seitdem ist letzteres aus-
gestopft und der Schädel aus ihm genonmien worden, und nunmehr ist
Gray der Meinung, dass es eine vollkommen verschiedene Art von der
brasilischen ausmache und legte ihm den Namen C. holiviensis bei.
Als unterscheidende Merkmale führt er folgende auf; 1) C. prehensiliSf
schwarz und weiss gescheckt; Stacheln weiss, mit breiter, fast end-
ständiger röthlichbrauner (oder schwarzer) Binde; Unterleib und Ober-
theil der Schwanzwurzel weisslich; Unterseite der Schwanzwurzel und
Schwanzende dunkelbraun; Schnurren dünn und schwarz bis zur Ba-
sis ; obere Schneidezähne vorn glatt. — 2) C. boliviensis, weiss, wenig
20 Wagner: Bericht über die Leistungen in der Naturgeschichte
schwarz gescheckt; Stacheln weiss, mit ziemlich schmaler, fast end-
ständiger schwarzbrauner Binde ; Schwanz und Unterleib weiss, spärlich
schwarz gescheckt; Schnurren dick, schwarz, an der Basis weiss; obere
Schneidezähne mit deutlicher Längsgrube. Der Schädel des bolivischen
Exemplars ist viel grösser, über den Augenhöhlen breiter und vom
Gaumen zur Nase und Stirne viel höher als die brasilischen Schädel,
während die Backenzähne verhältnissmässig kleiner sind. — Noch ver-
muthet Gray, dass ein anderes, von Waterhouse bloss als Varietät be-
trachtetes Exemplar eine dritte Art abgeben möchte, die er als C. tri-
color bezeichnet. Sie kommt in der Schwärze und Feinheit der Schnur-
ren, so wie in der Glätte der obern Schneidezähne und der Schwärze
der Schwanzspitze mit den brasilischen Exemplaren überein, weicht aber
von ihnen ab durch die viel schwärzere Färbung und die fast ganz
schwarze und nur wenig gesprenkelte Unterseite des Leibs und Schwan-
zes, besonders aber durch die gelben Spitzen einiger Stacheln an den
Seiten.
Duplicideiitata. Von Scliimper haben wir eine Mo-
nographie der Gattung Lepiis zu erwarten, wie Gervais in
seiner Zool. et Pal. Franp. p. 29. ankündigte.
Nach dieser vorläufigen Ankündigung wären in Frankreich 2 Ar-
ten von Alpenhasen und zwei von Feldhasen zu unterscheiden, näm-
lich : 1) Lepus variabilis, der einige Theile der Pyrenäen bewohnt, 2)
L. alpinus Schimp., ist der weisse Hase der schweizer und französi-
schen Alpen und keineswegs einerlei mit L. variabilis Fall., der im nörd-
lichen Russland wohnt und die grösste Aehnlichkeit mit dem Hasen der
Pyrenäen hat; 3) L. timidus Lion. (partim), der gewöhnlichste von
den beiden Feldhasen , die in Frankreich vorkommen und den Schim-
per als L. campicola bezeichnet; 4) L. meridionalis Gene, der Hase
von Languedoc und der Provence , den Schimper nicht mit dem des
übrigen Frankreichs, sondern mit der Art aus Italien und Spanien ver-
einigt ; er unterscheidet ihn von L. campicola durch seine Proportionen
und einige Züge in der Färbung. — Aus einer von Rosenhauer im
Regensb. Korrespondenzblatt S. 111. mitgetheilten Notiz über eine zoo-
logische Reise nach Andalusien ersehe ich , dass auch Schimper von
dort einen neuen Hasen als Lepus granatensis unterscheidet.
J. E. Gray hat eine Monographie der Faul t hier e bear-
beitet (Ann. of nat.hist.V. p. 225; proc. zool. soc. April 1849.
Diese Monographie gab Ref. Veranlassung zu seinen „Bemerkun-
gen über den dermaligen Stand unserer Kenntniss der Faullhier- Arten«
(in don Münchn. gel. Anzeigen XXXI. S. 73. und daraus in unseren
Archiv 1850. I. p. 376.) , worin er zeigte, dass Gray, bei gewohnter
der Säugthiere während des Jahres 1850. 21
Unbekanntschaft mit den deutschen Leistungen , die Kenntniss und Un-
terscheidung der Faulthier-Arten nicht nur nicht gefördert, sondern gut
begründete Species verwirrt und dagegen mit 4 unhaltbaren Arten die
Synonymik belästigt hat.
Ad. Focillon legte in der rev. de zool. p. 465 und
513 eine Monograpliie der Gattung Manis vor.
Eine fleissige, auch mit der ausländischen Literatur vertraute Ar-
beit, welche den von Sundevall und Ref. aufgeführten Arten 2 neue
zufügt, nämlich 1) Manis tridentata (tab. 11.) zur ersten Sektion von
Sundevall gehörig und charakterisirt durch die Diagnose: „cauda cor-
poris longitudinem quinta parle antum superante; omnes squamae tri-
dentatae, elongalae, strictae ;" von der Küste von Mozambique. — 2)
Manis Gmj (tab. 10.) zur zweiten Sektion gehörig mit der Diagnose:
„squamarum dorsaiiuni seriebus 21 ;" als Heimath wird Afrika ohne
nähere Bezeichnung angegeben, so dass dadurch diese Angabe als un-
sicher erscheint.
f^oIif1uiig:iila.
Die anatomischen Verliältnisse der Einhufer bearbeitete
Rymer Jones in Todd's Cyclopaedia of Anatomy Part. 36.
p. 713.
Zur Unterscheidung der Schädel des ^Eqims Hemionus
und Equus Klangt theilte Gray einige Bemerkungen mit
(Ann. of nat. bist. V. p. 140.).
Von Hodgson hatte neuerdings das brittische Museum 3 Pferde-
schädel unter dem Namen „Equus Kiang^' erhalten ; ferner von dem
Grafen Derby einen Schädel des ,^Equus Hemionus von Kutch" und zwar
von einem Thiere, das einige Zeit in Knowsley-Park gelebt hatte. Als
HauptdiiFerenz zwischen den Schädeln beider Arten bezeichnet Hodg-
son die Lage des Unteraugenhöhlenloches. Doch will er es unent-
schieden lassen, ob die von ihm aufgefundenen Differenzen zur specifi-
schen Unterscheidung ausreichend seien , da sie an einer weit grös-
seren Anzahl von Exemplaren erst bewährt werden müssten. Ref.
hat mit Hinweisung auf seinen vorigen Jahresbericht zu bemerken, dass
Equus Kiang von Hodgson identisch ist mit E. Hemionus Fall., dage-
gen zu letzterem nicht der „E. Hemionus von Kutch" gehört, sondern
dieser ist der Wildesel.
Ueber das Hippotherium der Bohnenerze, besonders über seine
Zahnbildung, gab Quenstedt ausführliche, von guten Abbildungen
begleitele Erläuterungen in den Wurtemb. naturw. Jahresheft. 1850.
S. 165,
22 Wagner: Bericht über die Leistungen in der Naturgeschichte
Pacliyderinata.
H. N. Turner bemühte sich in einem ausführlichen
Vortrage die Verwandtschartsverhältnisse der Hufthiere nach
den Eigenthümlichkeiten ihres Schädels festzustellen (Ann. of
nat. hist. VI. p. 477).
Es handelt sich also hier nicht bloss um die Pachydermen, son-
dern um die ganze Abtheilung der Huflhieie überhaupt. Im Ganzen
behält Turner die grossen Gruppen von Owen bei, weicht aber im Ein-
zelnen ab. Sein Schema ist folgendes.
A. AHTIODACTYJLA.
I. Rumiiiantiae
1. Familie noch unbestimmt.
Merycopolamus, Chalicotherium,
2. Bovidae.
Sivatherium, Bos, Ovis, Capra , Antilope.
3. Cervidae.
a. Cervina : Cervus.
b. Camelopardalina : Camelopardalis.
4. Moschidae.
a. Moschina : Moschus, Meminna, Hyeomoschus, Dorcatherium.
b. Dichobunina : Cainolherium, Dichodon, Dichobune, Xiphodon.
5. Camelidae.
a. Anoplotheriana : Anoplotherium.
b. Camelina : Lama, Auchenia.
II* mron-niininaiiLtia.*
1. tiippopotamidae.
a. Hippopotamiaa : Hippopolamus , Hyopotamus, Anthracothe-
rium, Choeropotamus, Adapis.
b. Dicotylina : Dicotyles.
2. Suidae.
Sus, Hippohyus, Babirussa, Phacochoerus.
B. PE:RISISOI>it€TYL./t.
I; Typica.
1 . Rhino cerotidae.
a. Equina : Equus.
b. Rhinocerotina : Macrauchenia , Nesodon , Rhinoceros, Acero-
therium , Elasmotherium, Hyrax , Palaeotherium, Paloplothe-
rium, Tapirus, Lophiodoo, Cnrypiiodon, Hyracotherium.
XI* Alierrantia.
l. Elephantidae.
der Säugthiere während des Jahres 1850. 23
Dinotheriura, Mastodon, Elephas.
2. Toxodontidae.
Toxodon.
3. Manatidae.
Halicore, Manatus.
lieber die Zahl der Arten der lebenden und ausgestor-
benen Hufthiere Frankreichs gab P. Gervais eine verglei-
chende Uebersicht (Compt. rend. XXXI. p. 552).
Er vergleicht sie nach den 4 Ordnungen, die er unter den Huf-
thieren annimmt : Rösselträger, pflanzenfressende Dickhäuter, allesfres-
sende Dickhäuter und Wiederkäuer und gelangt zu folgenden Re-
sultaten :
1. Auf dem Boden von Frankreich haben einst 8 Arten Rüs-
selträger gewohnt, die nunmehr verschwunden sind und den 3 Gat-
tungen: Elephas, Mastodon und Dinotheriura angehörten.
2. Von pflanzenfressenden Dickhäutern giebt Ger-
vais 49 oder 50 gut gekannte Arten an, von denen alle, mit Ausnahme
des Esels und Pferdes, ausgestorben sind. Sie gehören zu den Gattun-
gen: Rhinoceros, Tapirus, Listriodon, Coryphodon, Lophiodon , Pachy-
nolophus, Lophiotherium , Tapirulus , Propalaeotherium , Palaeotherium,
Paloplolherium, Anchitherium, Hipparion, Equus.
3. Die alles fr essen den Dickhäuter h^ben sich auf 35
Arten belaufen, von denen nur das Wildschwein und Hausschwein übrig
geblieben sind. Die ausgestorbenen Arten gehörten zu den Gattungen:
Adapis , Entelodon , Palaeochoeriis , Cyclognalhus , Choeromorus, Sus,
Hippopotamus, Anthracolherium , Hyopotamus, Ghoeropotamus, Hyraco-
therium, Eurytherium , Dichobune, Acotherulum , Chalicolherium, Ano-
plolherium, Aphelotherium, Cainolhcrium und Xiphodon.
4. Endlich giebt es ungefähr 50 Arten Wiederkäuer, von
denen in Frankreich noch 11 im wilden oder zahmen Zustande leben,
3 zwar nicht mehr in Frankreich , aber in andern Ländern Europa's
sich noch aufhalten (Rennthier, Elenn, Auerochs), und 36 ausgestorben
sind. Die Gattungen der letztern sind : Camelus (nach Ueberresten im
Diluvium von Reims), Amphitragulus, Moschus, Cervus, Camelopardalis,
Antilope, Dremotherium, Ovis, Ibex und Bos.
Im Ganzen darf man daher die Zahl der Arten von Hufthieren,
welche auf dem Boden Frankreichs leben oder gelebt haben, zu l43
oder 145 anschlagen. Von diesen kommen 125 oder 127 Arten, d. h.
Vg , nicht mehr in dem gegenwärtigen Katurbestande vor , und diese
125 — 127 Arten machen allein die Hälfte aller in Frankreich ausgestor-
benen Säugthiere aus. Hieran reiht Gervais eine andere Bemerkung,
dass nämlich mit dem Aufsteigen in der Reihe der Ablagerungen, also
mit der Annäherung an die modernen geologischen Perioden, die Wie«
24 Wagner: Bericht über die Leistungen in der Naturgeschichte
derkäuer, die anfangs fehlen oder sehr wenig mannichfallig sind, zahl-
reicher und in den Formen verschiedener und zugleich in ihren Gat-
tungen und Arten den gegenwärtigen Galtungen ähnlicher werden, wäh-
rend die pflanzenfressenden Dickhäuter minder häufig, aber den jetzi-
gen ähnlicher sind. Hinsichtlich der zahlreichen Beiträge, die P. Ger-
vais zur Kennlniss der urweltlichen Fachydermen in seiner Zoologie et
Paleontolegie fran^aises lieferte, können wir hier nicht ins Detail ein-
gehen , sondern nur auf genanntes Werk verweisen.
De Rhinocerofis antiquitatis seu tichorhini seil Pallasii
structura externa et osteologica observationes e reliquiis, quae
in museis Petropolitanis servanlur erutae. Auetore J. F.
Brandt.
Unter diesem Titel hat Brandt in den Mem. de TAcadem. de St.
Petersbourg; sciences naturelles. V. 1849 eine umfassende Arbeit über
das Rhinoceros tichorhinus publicirt, welche die ganze 5te und 6te Lie-
ferung dieses Bandes einnimmt und von nicht weniger als 25 Tafeln
Abbildungen begleitet ist. Die ganze Abhandlung ist in 2 Bücher ab-
getheilt. Das erste handelt von den äussern und weichen Theilen des
Rhinoceros tichorhinus nach den (im Kopf und den Füssen bestehenden)
Ueberresten des im Jahre 1771 an dem Wilui-Flusse aufgefundenen
ganzen Exemplares, von welchem bereits Pallas eine Beschreibung lie-
ferte. Das zweite Buch giebt eine Beschreibung des Schädels und
Zahnsystemes des Rh. tichorhinus nach Vorlage von 27 Schädeln, wel-
che in den verschiedenen Museen Petersburgs aufbewahrt werden. In 3
Anhängen werden ausserdem vom Verf. allgemeine Betrachtungen über
die äussere Struktur, Verwandtschaften, systematische Stellung und
die Heimath dieser Art angestellt, dann einige pathologische Bemerkun-
gen zugefügt und zuletzt einige Fabeln, die sich auf den Schädel und
die Hörner beziehen, erwähnt. Text und Tafeln sind an dieser klassi-
schen Arbeit von gleicher Genauigkeit und Auszeichnung.
Gervais stellte 2 neue Gattungen unter dem Namen
Tapirulus und Acotherulum auf (Compt= rend. XXX. p. 604).
Sie stammen aus den knochenreichen Ablagerungen bei Apt
(Vaucluse) und werden von Gervais nach zwar unvollständigen , aber
doch sehr charakteristischen Ueberresten folgendermassen geschildert.
Die Thiere, von denen sie herrühren, waren an Grösse wenig verschie-
den von Hyrax ; das eine hatte seinen Platz unter den Lophiodons und
Tapirs, das andere unter den Pachydermen, die hm nächsten den Wie-
derkäuern stehen. Das erste dieser kleinen Thiere benannte Gervais
Tapirulus hyracinus. Seine Backenzähne haben zierliche Querhügel,
die unter sich verbunden sind durch einen schwachen , medio - lon-
§ilttdinaUn, und nicht nach der Diagonale gestellten Vorsprang,
der Säuglhiere während des Jahres 1850. 25
wie bei Lophiotherium , Pachynolophus u. s. w. ; der letzte untere
Backenzahn hat einen als dritten Lappen erhöhten Ansatz , was ihn
etwas von dem gegenwärtigen und pliocenen Tapiren entfernt. — Dem
zweiten Thiere legte Gervais den Namen Acotherium salurninum bei
und unterscheidet es von Dichobune leporinum durch seine obern Bak-
Uenzähne mit vier gleichen Höckern in 2 Reihen
Ueber ein vor Kurzem erst in dem Thiergarten der
zoologischen Gesellschaft in London angekommenes Fluss*
pferd erstattete Owen in den Ann. of nat. hist. V. p. 515.
ausführlichen Bericht.
Es ist ein junges Thier von 7 Fuss Länge und öy^ Fuss Umfang
und mochte bei seiner Ankunft in London ein Aller von beiläufig zehn
Monaten haben. üei seiner Gefangennehmung, die an den Ufern des
Nils 350 engl. Meilen oberhalb Cairo statt hatte, war es nicht viel grös-
ser als ein neugebornes Kalb, nur viel untersetzter und niedriger. An
seinen Führer zeigt es grosse Anhänglichkeit und folgt ihm wie ein
Hund nach.
In den Proceed. of the Acad. of nat. sc. of Philadelph. V. p. 21
wird aus Liberia eine kurze Notiz bezüglich des Wohnortes des Hippo-
polamus liberiensis mitgetheit. Zufolge derselben bewohnt dieses Thier
alle grossen Flüsse von Liberia , und sie sollen besonders häufig auf
den Inseln gegenüber und oberhalb ßexley gesehen werden.
Die Entwickelung und Homologien der Backenzähne der
Warzenschweine (Phacochoenis) machte Owen zum
Gegenstande einer Abhandlung in den Philosoph. Transact.
Part. 2. 1850. p. 481. tab. 33 u. 34.
Das Hauptmaterial zu seinen Untersuchungen lieferte ihm der
Phacochoerus Aeliani ; vom Ph. Pallasii s. Ph. aethiopicus bekennt er
selbst, dass es ihm an Gelegenheit gefehlt habe, mit den Merkmalen
des Milchgebisses bekannt zu werden. Owen hat hierbei übersehen,
dass Ref. schon im Jahre 1844 in seinem Supplementband zu Schre-
ber's Säugth. IV. S. 303. eine ausführliche Beschreibung vom Milch-
gebisse des Ph. aethiopicus lieferte.
Die Gattung Tapiroporcus hat Jäger neuerdings selbst
wieder zurückgenommen.
In seiner Uebersicht der foss. Säugth. Würtembergs (nov. act.
XXII. p. 795.) spricht er sich dahin aus, dass die von ihm früher einer
eigenen Gattung Tapiroporcus zugeschriebenen Zähne dem Sus palaeo-
choerus zugehören dürften und dass sie die grössle Aehnlichkeit mit
dem 3len rechten untern Backenzahne des Sus l»rvatus zeigten.
26 Wagner: Bericht über die Leistungen in der Walurgeschichte
Einen Schädel des Hyotheriwn Meissneri aus dem Ter-
tiärkalke des Salzbachthales bei Wiesbaden besclirieb H. v.
Meyer.
ßie Beschreibung findet sich in den Jahrbüchern des Vereins für
Naturkunde im Herzogthume Nassau. 6les Heft S. 116 und ist auf Tab.
4. von einer schönen Abbildung des Schädels und der Zähne begleitet.
Meyer unterscheidet nunmehr 3 Arten : Hyotherium Soemmerringi, H.
medium und H. Meissneri ; Jäger's beide Arten : H. sidero-molassicum
majus und H. sidero-molassicum minus sieht er für sehr problematisch an.
Ruininantia.
Tylopoda. Mit dem 24sten Hefte der Osteographie,
welches die Einleitung zu den Wiederkäuern und die Beschrei-
bung derKameele und Lamas enthält, hat Blainville seine
Laufbahn beschlossen.
In diesem Hefte hatte der Verf. wohl die spärlichste Gelegenheit,
Neues zu Tage zu fördern , und seine fast gänzliche Unbekanntschaft
mit der deutschen Literatur hat ihn nicht einmal zu einer vollständi-
gen Schilderung des dermaligen Standes unserer Kenntniss von der
Ordnung und insbesondere der Familie der Schwielengänger (Camelus
und Auchenia) gelangen lassen. So z. B. nimmt der Verf. noch im-
mer für alle Wiederkäuer den vierfachen Magen an, während doch seit
längerer Zeit Rapp und Leuckart dargethan haben, dass dem java-
nischen Moschuslhier der dritte Magen , der ßlältermagcn (psalteriuro),
fehlt, und dieselbe Reduclion der Magenhöhlen auf drei findet eben-
falls beim Kameel und Lama statt. Es spricht ferner Blainville aus-
führlich von der Zusammensetzung des Magens der Schwielengänger
und zählt weitläufig die Meinungen der älteren Naturforscher hierüber
auf, dagegen von den gründlichen Untersuchungen, welche hierüber
Grundler, Christen, Otto und Brandt vorgenommen haben, ist
keine Rede, bloss der Name des ersteren ist gelegentlich genannt, seine
Arbeit aber nicht gekannt. Eben so wenig ist, wie Blainville meint,
Knox der erste, der sich vom anatomischen Standpunkte aus, gegen die
Meinung , dass bei den Kameelen die beiden ersten Magenabtheilun-
gen zu Wasserbehältern bestimmt seien, erklärte, sondern es waren
dies Rudolphi und Rapp. Desgleichen braucht es dermalen nicht
bloss für „mehr als wahrscheinlich« erklärt zu werden, dass die Angabe
von den grossen Wasservorräthen im Magen der Kamecle nur eine Fa-
bel sei, sondern Burckhardt, von dein Blainville freilich nichts zu
wissen scheint, hat schon vor dreissig Jahren den üngrund dieser Fa-
bel zur Evidenz dargethan. Weiler ist die Angabe von Blainville un-
richtig, dass Sa vi zuerst die Schlundblase des Dromedars 1824 stu-
dirt habe 5 diess hat nicht bloss gleichzeitig mit ihm Richter ge-
der Säugthiere wälirend des Jahres 1850.
27
than, sondern vor beiden schon Grund 1er, nämlich im Jahre 1817.
Und während Savi und Blainvilie fälschlich die Schlundblase als eine
Entwicklung des Zäpfchens und Gaumensegels ansehen, haben dagegen
die beiden genannten deutschen Anatomen dargethan, dass diese Blase
vielmehr ein zweites, vor dem eigentlichen Velum palatinum liegendes
und daher vorderes, eigenthümlich gestaltetes Gaumensegel sei. End-
lich mag noch bemerklich gemacht werden, dass während Ref. für das
Kameel, Stannius für das Lama es gezeigt haben, dass diese Thiere
in der ersten Jugend 4 obere Schneidezähne besitzen , Blainvilie da-
gegen noch bei der alten Zahnformel stehen bleibt und lediglich in
einer Note Sundewall's Angabe vom Kameel citirt : „initio tamen 4, se-
cundum Waguerum.« So hat denn die vornehme Arroganz , mit der
Blainvilie über die deutschen Leistungen hinwegzusehen sich für berechtigt
hielt, aufs empfindlichste an ihm selbst sich gerächt, indem seine Be-
arbeitung der Schwielengänger in wesentlichen Stücken nicht bloss
unvollständig, sondern unrichtig und weit hinter dem Stande der Wis-
senschaft zurückgeblieben ist.
Franz Müller und C. Wedl legten „Beiträge zur
Anatomie des zweibuckeligen Kameeies , Camelus baciria-'
nus^ vor.
In den Sitzungsberichten der Wiener Akadem. 1850. S. 398. fin-
det sich davon ein Auszug, aus dem wir Einiges hier hervorheben wol-
len. Das Gaumensegel ist dünn und sehr lang ; von einer Verdoppe-
lung desselben und der Schlundblase war keine Spur zu entdecken,
Pansen und Haube gehen ineinander über, und stellen daher nur Eine
Magenabtheilung dar; eben so lassen sich der Löser (das Buch) und
der Lab nur unvollkommen trennen. In den ersteren kommt ein
sehr dickes Pflaster - Epithelium vor, die Zellen werden in den soge-
nannten Wassersäcken, 4 bis 6 Zoll tiefen vierseitigen Höhlungen von
1 Zoll Querdurchmesser kleiner. Die Gallenblase fehlt. Der Herzkno-
chen ist bedeutend entwickelt ; der Zwerchfellknochen ist ein kleiner
knöcherner Ring um das Hohlvenenloch.
Älorton machte in den Proceed. of the Acad. of Philadelph. V.
p. 84. auf 2 Tafeln in Layard's Abbildungen der Ruinen von Niniveh
aufmerksam, worin bereits der Camelus bactrianus und C. dromedarius
mit der grössten Genauigkeit dargestellt sind.
Cervina. Berthold erstattete Bericht : über einen fos-
silen Elennschädel mit monströsen Geweihen (Nov. Act.
acad. nat. cur. XXII. p. 428. tab. 46).
Dieser Schädel ist im Jahre 1765 in Ingermannland ausgegraben
und bereits kurz von B eckmann beschrieben worden ; durch die mon-
ströse Entartung seiner Geweihe liefert er einen interessanten Beitrag
zur Kenntniss der urweltlichen Krankheits-Formen,
28 Wagner: Bericht über die Leistungen in der Naturgeschichte
Eine sehr grosse neue Rehart kündigte J. E. Gray un-
ter dem Namen Cervus {Capreolus') leucoHs an (Ann. of nat.
bist. V. p. 224).
Diese Art ist sehr merkwürdig wegen ihres Vorkommens, denn
nach Berichten war das Exemplar, das nach England geliefert wurde,
von einem chilischen Officier ohngefähr 20 Meilen (leagues) von Port
Famine in der Magellansstrasse geschossen worden, wo es nicht seilen
sein soll. An Grösse kommt dieses Exemplar (ein Weibchen) mit dem
sibirischen C. pygargus überein , indem er wenigstens dreimal (?) so
gross ist als der gewöhnliche europäische Rehbock; es unterschei-
det sich aber von dieser Art dadurch, dass es viel dunkler ist, kei-
nen über die Hüften sich ausdehnenden weissen Fleck hat und der
grösste Theil des Vorderkinns und ein Fleck jederseits der Oberlippe
weiss sind, während Lippe und Kinn bei dieser Art fast ganz schwarz
sind. In allen jenen Merkmalen kommt der magellanische Rehbock mit
dem europäischen, so wie auch in der grössern Stärke der Beine und
der grössern Länge des Gesichts überein , so dass Gray zwischen bei-
den keine andere Unterschiede sieht als die ansehnlichere Grösse, die
grössere Länge der Borstenhaare und deren deutlichere unb breitere
gelbliche Binden gegen die Spitze , so wie die weissere Färbung der
Haare an der Innenseite. Die Schulterhöhe ist 38".
Gray fügt noch die Bemerkung bei, dass er 6 Exemplare von C.
pygargus gesehen habe, die sich alle gleich und sehr vefschieden von
irgend einer Varietät des europäischen Rehbocks waren , zumal in der
Form des Kopfes und der Ausdehnung der weissen Scheibe über die
Hüftenseilen , indem sie einen breiten oblongen weissen Fleck bildet,
während bei der europäischen Art es nur eine aufrechte longitudinale
Scheibe ist, die den Hinterlheil der Hüften einnimmt.
Abbildungen eines Unterkieferstücks und eines obcrn Backen-
zahns von Palaeomeryx AUS dem Süsswasserkalk bei Ulm lieferte Qu e n-
stedt in den Würtemb. Jahresheft. lab. 1. fig. 33 u. 32.
Cavicornia. Ueber ein weibliches Exemplar von Ovis
Gmelini aus Tauri im persischen Meerbusen brachte Gray
in den Ann. of nat. bist. VL p. 57. einige Notizen bei.
Der Haarbüschel über der Orbilaldrüse war sehr gross, die Na-
senlöcher waren von einem deutlichen schmalen schwieligen Rande um-
geben, die Oberseite des Körpers ockergelb, die Unterseile blasser und
weisslich.
Pinnipeclia.
Kurze Notizen über die in der Ostsee vorkommenden
Arten der Gattung Ealidioerus von Dr. Ilornschucb und
Pr, Schilling. Greifsw. 1850.
der Säuglhiere während des Jahres 1850. 29
So ist eine kleine Broschüre betitelt , welche es sich zur Auf-
gabe macht, nachzuweisen, dass von der Galtung Halichoerus drei be-
stimmt verschiedene Arten in der Ostsee vorkommen. Die beiden Ver-
fasser hatten reiche Gelegenheit, Beobachtungen hierüber anzustellen
und brachten allein von dieser Gattung mehr als 50 Schädel zusam-
men. Ihre 3 Arten sind folgende: 1) H. macrorhynchus , die lang-
schnauzige Meerrobbe (IL grypus s. griseus Nilss.) ; Rücken
aschgrau, ins Grünliche schiessend, schwach silberartig schillernd und
mit wenigen kleinen graubraunen Flecken bestreut. Schädel in allen
seinen Theilen sehr gestreckt und sein oberer Umriss bildet eine in der
Mitte stark gesenkte Linie; die Eckzähne stark. Obwohl Zeich-
nung und Farbe bedeutend variiren, so behalten sie doch immer einen
eigenthümlichen Typus, welches auch bei den folgenden Arten der Fall
ist. — 2) H. Grypus Fdihr., die krumm nasige Meerrobbe; Rük-
ken weissgrau , stark ins Grünlichblaue ziehend mit starkem Silber-
schiller und vielen grösseren und kleineren, unregelmässigen, mehr
oder minder ineinander verfliessenden schwarzen Flecken. Schädel
kurz und ziemlich hoch, sein oberer Umriss bildet eine bogenför-
mige Linie; die Eckzähne sind schwächer als bei der folgenden Art.
— 3) H. pachijrhynchus, die dick schnauzige Meer robbe; Rük-
ken silberweiss, ins Grünlichblaugraue schiessend, glänzend, mit klei-
nen und massig grossen, länglichen, schwarzbraunen, unregelmässigen
Flecken. Schädel ziemlich kurz , viel weniger gestreckt als bei H.
macrorhynchus; sein oberer Umriss bildet eine beinahe gerade,
bis zum Anfange der Nasenbeine sich etwas erhebende,
dann sich stark senkende Linie; die Zähne stärker als bei H. macro-
rhynchus.
Die Abänderungen der Zähne der Klappmütze, Q/-
stophora cristata, und einer neuen westindischen Art dieser
Gattung besprach Gray in den Ann. of nat. bist. VI. p. 58.
An 8 Schädeln der nordischen Klappmütze ergaben sich in der
Form und Theilung der Zahnwurzeln sehr grosse Verschiedenheiten,
Avie Gray solche bei den andern Robbengattungen nicht beobachtete.
An einem vor Kurzem aus Westiiidien eingeschickten Fell und Schädel
glaubte Gray eine neue Art dieser Gattung erkennen zu dürfen, der er
den Kamen Cystophora antillarum beilegte und sie hauptsächlich nach
der Form des äussern Schneidezahns und der Eckzähne des Oberkie-
fers unterscheidet. An allen Schädeln, sowohl alten als jungen, aus
der Kordsee sind nämlich die obern Schneide - und Eckzähne schmal
und zusammengedrückt. Am westindischen Schädel dagegen, welcher
der eines sehr jungen Thieres ist, sind dieselben Zähne breit, jeder-
seits stark gekielt und innen längsgefaltet. Der Gesichtstheil ist merk-
lich breiter als bei einem fast gleichgrossen Schädel der nordischen Art,
30 Wagner: Bericht über die Leistungen in der Naturgeschichte
Mit fossilen Ueberresten von Robben, die in den Ter-
tiärablagerungen bei Richmond in Virginien gefunden wur-
den, machte uns Jeffries Wyman bekannt (Sillim. Americ,
Journ. X. p. 229).
Die Ueberresle bestehen in einigen Schädelfragmenten , etlichen
Wirbeln und ßruehstücken vom Kreuzbein, von Rippen und dem untern
Ende eines Wadenbeins.
Cetacea.
Sirenia. Ehrlich gab einige Erläuterungen über die
in den Tertiärablagerungen von Linz gefundenen Ueberreste
von Halianassa Collinü (Eilfter Bericht über das Museum
Francisco-Carolinum S. 14).
Sie bestehen in einem Unterkiefer-Fragment und einem Backen-
zahn, die beide in Holzschnitt dargestellt sind; ausserdem fanden sich
noch 2 kleine Schädelfragmente, ein Schulterblatt, mehrere Rippen und
Wirbel.
Cete. Ueber das Backenzahnsystem des Narwalls theilte
B e r t h 0 1 d einige Bemerkungen mit (Müll. Archiv für Ana-
tom. S. 386. tab. 10. fig. 7, 8).
Ausser von den verborgenen Zähnen , die der Verf. bei einem
Narwallschädel bloss legte, handeil er besonders von den beiden, durck
van der Hoeven und Mulder zuerst beobachteten Backenzähnen, von
denen jederseits im Oberkiefer sich einer findet und mit seinem vor-
deren Ende in einer Vertiefung des Kieferrandes liegt , ohne jedoch
über denselben vorzustehen. Diese Zähne erstrecken sich in schräger
Richtung nach hinten und oben, sind mit deutlichen Wurzeln (bei dem
einen 4, bei dem andern 2) versehen und die warzenförmige Krone ist
mit vielen kleinen kegelförmigen Hervorragungen versehen.
Die Berichtigung einer Angabe Cuvier's über einen Karwallschä-
del des Stuttgarter Naturalienkabinets , an welchem beide Stosszähne
aus den Zahnhöhlen vorragen sollten, benutzte G. Jäger, um daran
andere interessante Bemerkungen über dis Stosszähne des Karwalls an-
zureihen (Würtemb. Jahresh. 1851. S. 25.).
Den Delphinen fügte Gray 3 neue Arten aus der Süd-
see zu (Ann. of nat. bist. V. p. 48).
Da diese Arten lediglich nach den Schädeln aufgestellt und über
das Thier selbst keine Notizen beigefügt sind , mithin ihre Kenntniss
noch nicht vollständig ist, so begnügt sich Re.P. mit der einfachen An-
gabe der Kamen: 1) Delphimis Eulropia , 2) Lagenorhynchus clanculus
und 3} Lagenorhynchus Thicolea.
der Säuglhiere während des Jahres 1850. »jl
Mit zwei urweltlichen Delphin -Arten wurden wir aus
Nordamerika bekannt gemacht.
Die eine beschrieb Zadock Thompson in Sillim. Americ.
Journ. IX. p. 256, unter dem Namen Delphinus vermontanus und fügte
Abbildungen in Holzschnitten bei. Es wurde davon in den poslterliä-
ren Ablagerungen am Champlain^See ein ganzes Skelet beisammen ge-
funden und das Resultat der Untersuchung des Verf., dem auch Agas-
si« beistimmte, war, dass das fossile Skelet in allen wesentlichen
Stücken mit dem von Delphinus leucas dermassen in Uebereinstimmung
war, dass man Mühe hatte, specifische Unterschiede zwischen beiden
ausfindig zu machen.
Andere Uebenesle, die von J. Wyman (a. a. 0. X. S. 231.) auf
einen Delphin gedeutet wurden und in einem Kieferstück nebst 4 Wir-
beln bestanden, wurden in denselben Lokalitäten, aus welchen die vor-
hin erwähnten Robben-Ueberreste herstammten, ausgegraben.
lieber den Ziphius cavirostris Cuv. gab. P. Gervais
in den Compt. rend. XXXI. p. 510. erhebliche Aufschlüsse.
Im Mai 1850 strandete an der Küste bei Frontignan (Dep. de
l'Herault) ein Wall von 6 bis 7 ?iletres Länge, von dem es Gervais ge-
lang einen grossen Theil des Skelets zu acquiriren. Eine sorgfältige
Untersuchung ergab ihm als Resultat, dass dieses Thier mit dem Zi-
phius cavirostris zur nämlichen Art gehöre, und dass also letzterer, der
bisher hauptsächlich nur nach einem am Strande aufgefundenen Schä-
del bekannt war, keineswegs der ausgestorbenen, sondern der lebenden
Fauna zuzuweisen sei. Gervais macht dann weiter bemerklich, dass
dieser mittelmeerischc Ziphius identisch sei mit Risso's Delphinus Des-
maresli, mit Doumet's Hyperoodon von der korsischen Küste und mit
Cocco's D. Philippii. Hinsichtlich der Verwandtschaften des Ziphius
cavirostris erkennt Gervais seine nahe Beziehung zu Hyperoodon an,
und dass er mit letzterem sowie mit dem D. sowerbensis und D. den-
sirostris eine eigene Familie bildet. Im D. densirostris sieht er den
Typus einer besondern Gattung, der er den tarnen Diopl odon giebt,
und zu der er auch , trotz einigen leichten Differenzen des Schädels
und Gebisses , den D. sowerbensis oder micropterus rechnet. Von 2
andern Arten, die Cuvier seiner Gattung Ziphius zutheilte, nämlich dem
Z. planirostris und longirostris, meint Gervais, dass man ihre generische
Stellung so lange nicht sicher bestimmen kann, als man nicht den Un-
terkiefer kennt. Aus Hyperoodon , Ziphius cavirostris und planirostris
und der neuen Gattung Dioplodon bildet er eine besondere Familie
der Walle, die er als Mittelglied zwischen die eigentlichen Delphi-
norhynchus (Stenodelpliis, Inia und Platanisla) und die Pollfische stellt,
und als Cetaces ziphioides bezeichnet.
32 Wagner: Bericht über die Leistungen in derWaturgeschichte
Zeuoflodoiites. Auch über diese , seit Kurzem erst ge-
kannte Familie sind wieder einige Beiträge zu ihrer weitern
Kenntniss erschienen.
Die schon im vorigen Jahresbericht erwähnte Abhandlung von
Carus über „das Kopfskelet des Zeuglodon Hydrarchos« ist nunmehr
auch mit der 2ten Ablheiiung des XXII. Bandes der Nov. act. academ.
nat. curios. ausgegeben worden. Der kleineren Art, von welcher er
seine Beschreibung des Schädels entwarf, will er den Namen Zeuglo-
don Hydrarchos beigelegt wissen.
Von einem bei Linz aufgefundenen Obertheil eines Schädels von
Squalodon Grateloupii legte Ehrlich Abbildungen vor im Eilften Be-
richt über das Museum Francisco-Carolinum S. 13.
Verschiedene Bemerkungen über die bei Linz von dieser Familie
aufgefundenen üeberreste wurden von H. v. Meyer im Jahrb. für Mi-
neral. S. 201. beigebracht.
J. Wynian gab in Sillim. Americ. Journ. X. p. 213. fig. 4, die
Beschreibung und Abbildung eines Zahns von Phocodon, und fügte
die Bemerkung bei, dass Agassi z demnächst eine Abhandlung über
diese Gattung herausgeben werde.
Bericht über die Iiei§tuiigen in der Hatiir-
Sfeischichte tler Vög^el während des
Jahres 1§50.
Von
Dr. Hartlauli
in ßremen.
Zahlreiche Entdeckungen von grossem Interesse bezeich-
nen (las Jahr 1850 als ein für die Ornithologie erfreuliches.
Zudem wurde von Seiten der schriftstellerisch thätigen Ver-
ehrer derselben eine ungewöhnliche und erfolgreiche Rührig-
keit an den Tag gelegt. Bonaparte und Gould brach-
ten neue Arbeiten von höchster Wichtigkeit ; jener in seinem
„Conspectus generum avium" ein Werk, dem sich, wenn es
sich gleich nur als Vorläufer eines noch umfassenderen cha-
rakterisirt, an Bedeutung für die Ornithologie kaum ein an-
deres der letzten Jahre an die Seite stellen kann , dieser in
seinen „Birds of Asia" den Anfang einer jener riesenhaften
Unternehmungen , welche uns in Hinblick auf ihre Fortfüh-
rung mit Misstrauen erfüllen würden , ständen nicht die
„Birds of Australia« in ihrer ganzen Grösse und Vollendung
vor uns da.
An der Spitze der neuen Arten, welche in grosser
Menge und Verschiedenheit von allen Seiten her einliefen —
(man könnte sie, schreibt uns Freund Strickland, bei Hun-
derten abbilden), steht ein ächter behelmter Casuar vom Fest-
lande Neuhollands, ferner der bisher nur aus subfossilen Re-
sten bekannte Notornis von Neuseeland und endlich ein sehr
merkwürdiger storchartiger Vogel von den Ufern des oberen
Archiv f. Naturgesch. XVII. Jahrg. 2. Bd. G
34 Uartlaub: Bericht über die Leistungen in der Naturgeschichte
weissen Nil, dessen ausserordentliche Kopf- und Sclinabel-
bildung seinem Beschreiber Gould zu der generischen Be-
nennung Balaeniceps Veranlassung gab. — Für vaterländische
Vögelkunde erstand, gleichsam aus der Asche der „Rhea"
ein neues Organ , die „Naumannia," zunächst hervorgegan-
gen, aus dem 1849 zuerst in Köthen versammelt gewesenen
„Vereine deutscher Ornithologen.« Nun! le roi est mort — vive
le roi! Die ersten Hefte der Naumannia berechtigen zu gu-
ten Erwartungen, aber wir mögen dennoch an diesem Orte
nicht verschweigen , dass uns das Eingehen der Rhea mit
dem lebhaftesten Bedauern erfüllt hat, und dass es uns im
hohen Grade wünschenswerth erscheint, wenn sich der um die
Oologie so glänzend verdiente Herausgeber derselben auch bei
den Arbeiten des oben genannten neuen „Vereins" betheiligen
wollte. — Auch in diesem Jahre hat die Ornithologie den
Tod eines ihrer leidenschaftlichsten Jünger und erfolgreich-
sten Förderer zu beklagen, John James Audubon's näm-
lich, welcher hochbejahrt zu New-York verstarb. Er war der
ächte Typus jener Klasse von Zoologen , welche die Englän-
der bezeichnend genug „field-naturalists" nennen, mit schar-
fem klaren Blick folgte er seinen Lieblingen, den Vögeln,
bis in die verborgensten Geheimnisse ihres Haushält's, und
war, ein seltener und glücklicher Verein, im Gebrauch der
Flinte und des Waidmessers nicht minder erfahren als in der
Führung des Pinsels und der Feder. Eine etwas zu leb-
hafte Phantasie mag immerhin in einzelnen Fällen den Werth
seiner Beobachtungen trüben; im Grossen und Ganzen bleibt
ihm der Ruhm eines eminenten Ornithologen.
Von den ornithologischen Arbeiten allgemeineren In-
halts, welche das Jahr 1850 brachte , verdienen die C. L.
Bonap arte's in erster Reihe besprochen zu werden. Im
Februar erschien in tabellarischer Form desselben „Conspe-
ctus systematis Ornithologiae, editio reformata additis synony-
mis Grayanis et Selysanis ," eine systematische Zusammen-
stellung, der Familien und Subfamilien der Vögel nebst nu-
merischer Angabe der in denselben enthaltenen Arten. Der
Verfasser kennt deren 7000, und zwar 275 Psittaci, 390 Ac-
der Vögel während des Jahres 1850. 35
cipitres, 4730 Passeres, 200 Columbae, 300 Gallinae, 5 Stru-
thiones, 600 Grallae und 500 Anseres. Bonap arte's sy-
stematische Ansichten werden und müssen, bei grossen Vor-
zügen, im Einzelnen auf manchen Widerspruch stossen. Die
gänzliche Trennung der Schwalben von der Seglern können
wir z. B. eben so wenig billigen, wie den unmittelbaren An-
schluss dieser letzteren an die Colibris.
Schon im April folgte dieser Tabelle die erste Abthei-
lung des „Conspectus generum avium" eines ausserordentli-
chen Werkes, welches Bonaparte selbst als die Frucht 25jäh-
riger Studien und Forschungen in den Museen und Wäldern
Amerika's und Europa's bezeichnet, und in welchem, zum er-
sten Male seit Latham's „General History of Birds," das ge-
waltig angewachsene, durch Artenmasse und synonymischen
Wust gleich ungeheure ornithologische Material einigermaassen
vollständig zur Ordnung und kritischen Umarbeitung gelangt.
Wir sagen einigermaassen, denn die sehr ungleiche
Art der Ausführung im Einzelnen verleiht dem Buche ein ge-
wisses skizzenhaftes Gepräge, und zudem fehlt es nicht an
Irrthümern und Mängeln verschiedenster Art. Mit alleiniger
Ausnahme der Papagayen, sind sämmtliche Species einer Gat-
tung aufgeführt mit Angabe der wichtigsten Citate und Sy-
nonymen und häufig mit hinzugefügter Diagnose. Wo letz-
teres durchgängig der Fall ist, wird die Bearbeitung fast
monographisch, wie dies die Familien Picidae, Fringillidae,
die Garrulinae und andere zeigen. Nur bei den ganz neuen
Galtungen sind die Charaktere angegeben und selbst auch da
nicht immer. Subspecies und die aus der Aufstellung sol-
cher hervorgehende Abweichung von der binären Nomencla-
tur (Schlegel) nimmt Bonaparte nicht an. Die Zahl der von
ihm recipirten Gattungen ist enorm. Der 543 Seiten starke
die Psittaci , Accipitres und Passeres mit circa 3670 Arten
umfassende erste Theil des Werkes enthält deren nicht we-
niger als 1075 ! B 0 n a p a r t e, meint diesem Uebelstande werde
„sua ipsius magnitudine et redemdantia« früher oder später
abgeholfen werden! An drittehalbhundert neuer Arten, der
grossen Mehrzahl nach dem indischen Archipel und West-
africa angehörig, werden nach den Originalen der Leydener
Sammlung und anderer Museen kurz beschrieben. Für eine
36 Hartlaub: Bericht über die Leistungen in der Naturgescliichte
weitere Critik im Einzelnen ist hier nicht Raum. Wer die-
sen „Conspectus generum avium" kennt, wird mit uns dessen
Verfasser nicht nur für berechtigt , sondern selbst für beru-
fen hallen, sein längst vorbereitetes Werk über die Arten
der Vögel baldmöglichst ins Leben treten zu lassen.
Re 1 che nba ob's „Avium Systema naturale" ist zum
Schluss gediehen. Ueber dieses nützliche, rühmlich zu erwäh-
nende Buch ist bereits im vorigen Jahresberichte gesprochen
worden. Dass noch immer kein Text erschienen , ja dass
selbst, was dringend nothwendig wäre, die typischen Arten
der zahlreichen, zum nicht geringen Theil von Reichenbach
selbst aufgestellten Gattungen noch immer nicht namhaft ge-
macht worden sind, bleibt wahrhaft zu bedauern, und könnte
einem alle Lust an der Benutzung desselben verleiden. Wir
begreifen nicht, was den fleissigen und kenntnissreichen Ver-
fasser eigentlich abhält, seiner Pflicht gegen die Besitzer
seines Werkes nachzukommen.
Von D üb US „Esquisses ornithologiques" ist
uns ein 4les Heft zu Gesicht gekommen. Der Fortgang die-
ses schönen Werkes ist ein überaus langsamer, wahrschein-
lich in Folge zu geringer Betheiligung des Publicums, denn
an Material kann es dem Verfasser nicht fehlen.
Sir William Jardine publicirte 6 neue Hefte seiner
vortrefflichen „Contributions to Ornithology.'' Die-
selben enthalten, gleich den früheren, des Neuen und Anzie-
henden viel , nämlich ausser den schönen Abbildungen und
Beschreibungen einer Anzahl neuer Arten , verschiedene in-
teressante Beiträge zur Ornithologie einzelner Gegenden, de-
ren ihres Ortes weiter gedacht werden wird. Ferner Ana-
tomisches von E y 1 0 n und endlich sehr wichtige und will-
kommene Nachrichten (nebst Abbild.) über indische Oologie
von E. Blyth in Galcutta. Wir wünschen diesem in Deutsch-
land leider noch nicht hinlänglich bekannt gewordenen Buche
aus voller Ueberzeugung einen glücklichen Fortgang.
F. A. L. Thienemann „Fortpflanzungsge-
schichte der gesammten Vögel" Heft 5 jund 6. Das
fünfte Heft enthält auf Tafel 41 bis 50 die Eier der Krähen,
Schwalben, Eulen und Falken, der Text umfasst die Gattun-
gen Sylvia, Saxicola, Megalurus, Drymoica, Cysticola, Prinia,
der Vögel während des Jahres 1850. 37
Petroica; das 6te Heft giebt auf Tafel 51 bis 60 die Eier der
Raubvögel und verschiedener Stelzvögelgattungen, während
der Text die genera Accentor, Motacilla, Enicurus, Grallina,
Anthus, Seiurus, Turdus, Cinclus, Troglodytes, Menura, Pitta
behandelt. Der ungestörte Fortgang, welchen dieses treffli-
che deutsche Werk nimmt , ist um so erfreulicher , als der
oologische Theil der Vögelkunde bis jetzt überhaupt kein ähn-
liches aufzuweisen hat.
Von der schon oben erwähnten „Naumannia" liegen
drei Hefte vor uns. Der weitere Titel dieser Zeitschrift ist:
Archiv für die Ornithologie, vorzugsweise Eu-
ro pa's; Organ des deutschen Ornithologenvereins, unter Mit-
wirkung vieler Ornithologen herausgegeben von Eduard
Baldamus. Die exotische Vögelkunde ist in diesen drei er-
sten Heften nur äusserst stiefmütterlich vertreten, der va-
terländischen wird dagegen in denselben mancher werthvolle
Beitrag. Der speciellere Theil dieses Berichts wird den In-
halt näher berücksichtigen.
Von Dr. Pucheran's höchst interessanten und wichti-
gen „Etudes sur les types peu connus du Musee
de Paris" erschienen zu unserer Freude wieder verschie-
dene Abtheilungen, die Tagraubvögel und Schwimm-
vögel umfassend, in Guerins „Revue et Magasin de Zoolo-
gie. Wenn dem Verf. Zeit, Lust und Ausdauer genug bleibt,
diese Studien auch auf die noch übrigen Classen der Vögel
auszudehnen, so würde damit der exotischen Ornithologie und
zumal dem synonymischen Theile derselben ein höchst emi-
nenter Dienst geschehen. Wer aus Erfahrung weiss, wie
ausserordentlich schwierig es ist, so manche der kurzen und
durchaus ungenügenden Beschreibungen Cuvier's , Viellot's
und vor allen Lesson's ohne Zuziehung der Originalexem-
plare zu deuten und mit modernen Arten in Einklang zu brin-
gen, der wird diese mühevollen und trocknen Arbeiten Pu-
cheran's mit uns ihrem ganzen Werthe nach zu würdigen
verstehen.
Reichenbach's„Volls tänd ige Naturgeschichte
der Vögel« nahm einen ungestörten und sehr erfreulichen
Fortgang. Sehr viele der Abbildungen sind nach Origina-
len deutscher Museen entworfen, und wenngleich klein doch
38 Hartlaub: Bericht über die Leistungen in der Naturgeschichte
sehr kenntlich, und die nach blossen Beschreibungen oft so
überaus schwierige Bestimmung erleichternd.
Europa.
Ch. L. Bonaparte „Revue critique de l'Orni-
thologieEuropeenne deM. le doct. Degland, lettre
ä Mons. de Selys-Longchamps" 1 vol, 8vo.
Dieses ebenso kenntnissreich als witzig und amüsant geschriebene
kleine Buch enthält : 1) eine ausführliche kritische Besprechung des
Degiand'schen Werkes ; 2) des Verfassers bekannten „Conspectus syste-
niatis Ornithologiae" und 3) dessen Uebersicht der europäischen Vögel,
530 Arten aufzählend, nebst deren wichtigsten Synonymen. Degland's
verdienstvolles Buch erfährt hier ein scharfe aber nicht unbillige Beur-
theilung im Einzelnen, wobei die wissenschaftliche Ueberlegenheit Bo-
naparte's, seine bewunderungswürdige Specialkenntniss insbesondere,
mitunter grell genug hervorleuchtet. Die pamphletartige Fassung des
Werkchens erscheint uns als dem Ernste des Gegenstandes nicht recht
angemessen. Wer Degland's Werk besitzt , kann diesen Commenlar
nicht füglich entbehren. Alan vergleiche noch Desmur's „Recension der
Revue critique« in Guerin's Revue p. 295.
P.A. Holm's Ornithologischer Beitrag zur
Fauna der Färöer wurde aus dem Dänischen (Kroyer
Naturh. Tidskr. n. s. II. p. 465 bis 525) für dieses Archiv
übersetzt von Dr. Creplin.
Mit fortwährender Bezugnahme auf seine Vorgänger Landt, Graba
und Faber, so wie mit vergleichender Zuziehung Macgillivray's hin-
sichtlich der Orkney und Shetlandinseln entwirft der Verfasser zuerst
ein allgemeines Bild von der Vögelfauna Färöe's und' bezeichnet die
Stimmung des dortigen ornithologischen Lebens als überwiegend melan-
cholisch. 42 Arten werden als auf Färöe brütend namhaft gemacht,
darunter 22 Standvögel. Die ausserdem noch angetroffenen 51 Arten
sind nur als Gäste zu betrachten, so z. B. Pyrrhocorax graculus, der
sich im Herbste schaarenweise zeigt , ferner Ibis falcinellus, Larus ca-
pistratus u. s. vv. Fuligula histrionica, auf Island Standvogel, kommt
nicht vor. Alca impennis, von Landt noch gekannt, ist längst von den
Färöer verschwunden. Holböls schöne Arbeiten über die Vögel Grön-
lands scheint Holm nicht gekannt zu haben. Sein „Beilrag« gehört
jedenfalls zu den sehr werthvoUen.
J. WoUey's „Bemerkungen über die Vögel
der Färöer" in Sir W. Jardine's ^,Contributions to Orni-
der Vögel während des Jahres 1850. 39
thology" behandeln in sehr interessanter Weise denselben
Gegenstand.
Wolley kennt nur 37 dort brütende Arten. Procellaria gracialis
ist erst seit 1839 ßrülvogel. lieber Alca impennis wusste anch
Wolley nichts Neues in Erfahrung zu bringen ; noch im Jahre 1813
wurden durch den Capitän Daniel Joensen 50 bis 60 Stück auf einem
kleinen Felsen nahe der Küste Islands erlegt und den ausgehungerten
Färöeinsulanern zugeführt. Bei aller Seltenheit dieser Art scheint die
Annahme des schon erfolgten Aussterbens derselben voreilig. Wolley's
Nachrichten über die Ornithologie der Färöer geben , wenngleich nur
kurz, manches Neue in sehr anziehender Form.
Eine sehr gute Zusammenstellung des Wichtigsten der
isländischen Vögelkunde findet man in Dr. W» E b e l's
„Geographische Naturkunde oder Grundzüge ei-
ner allgemeinen Naturgeschichte der 3 Reiche,
mit physiogno misch erSchilderung derErdober-
fläche" 1 Band in 8. Die Hauptquellen waren natürlich Fa-
ber, Thienemann, Naumann. 50 Arten werden ausführlicher
behandelt.
N. Kjärbölling „Verzeichniss der in Däne-
mark vorkommenden weniger gewöhnlichen und
seltenen Vögel": Naumannia, Heft 3. p. 38. Eine recht
nützliche Arbeit, welche den practisch geübten Ornithologen
verräth.
P. H. Gosse's „Populär British Ornithology«
1 vol. in roy. 16. verdient die rühmlichste Erwähnung. Man
kennt des Verfasser's Darstellungstalent aus dessen „Birds of
Jamaica." Sämmtliche Arten sind abgebildet.
Von W. Knox „ Ornithological Rambles in
Süss ex '« erschien eine zweite Auflage, und zwar schon
nach Jahresfrist.
G. Rob. Gray's „List of the specimens of Bri-
tish animals in the collection of the British Mu-
seum." giebt im dritten Thcile die Vögel.
Den Anfang bildet ein Verzeichniss der 114 einheimischen Vö-
gel, ein zweites der 83 nur zu gewissen Jahreszeiten anzutreffenden
und ein drittes der 104 gelegentlichen Besucher. Dann werden noch
48 Arten als zufällige Besucher aufgeführt, unter ihnen z. B. Gra-
40 Hartlaub: Bericht über die Leistungen in der Naturgeschichte
cula religiosa, Psophia crepitans ! Ferner 12 domesticirte und endlich
noch 7 zweifelhafte Arten , im Ganzen 367. Der synonymische Theil
dieses Gatalogs ist sehr vollständig.
J. J. Brigg's „The Birds of Melbourne blieb
uns unbekannt. Der Umstand, dass diese Arbeit im „Zoolo-
gist« erschien, lässt eben nicht auf besonders grossen wissen-
schaftlichen Werth derselben schliessen.
A. J. Jäckel „Materialien zur baierschen
Ornithologie, als Beitrag zur Geschichte der geogra-
phischen Verbreitung der Vögel mit Anmerkungen von H.
Grafen v. d. Mühle" (120 Seitert) , eine fleissige ausführliche
Arbeit, welche jeder Freund der vaterländischen Vögelkunde
mit Interesse kennen lernen wird. Unter den 307 für Baiern
namhaft gemachten Arten befinden sich natürlich manche,
deren Vorkommen als rein zufällig erscheint. System und
Nomenclatur nach Keyserlingk und Blasius.
Dr. Fuhlrott's Aufsatz über die Vögelfauna des
Wupperthal's, schon im vorigen Jahresberichte von uns
besprochen, erschien noch einmal im dritten Hefte der „Nau-
mannia" auf Seite 166. Dieselbe Zeitschrift enthält noch von
hierher gehörigen Arbeiten: Naumann „über das Vor-
kommen seltener europäischer Vögel in Anhalt;«
Baldamus „Beitrag zur Naturgeschichte einiger
dem Süd OS ten Europa's angehöriger Vögel,« ei-
nen sehr anziehend geschriebenen Bericht über des Verfassers
ornithologische Reise in Ungarn; Zander „Ornitholo-
gische Excursion nach der Insel Pol;« Pässler
„Abweichung einiger Vögel inBezug auf Nestbau,
Grösse und Farbenzeichnung der Eier;« R. Kö-
nig-Warthausen und Th. Heuglin „Beobachtungen
über die Fortpflanzung verschiedener Vögel im
südwestlichen Deutschland;« Bar. v. Löbenstein
„Ornithologische Notiz en aus Ungarn« u. s. w.,
sämmtlich in ihrer Art werthvolle Beiträge zu unserer Kennt-
niss der europäischen Vögelkunde. Nur der spärlich zuge-
messene Raum hält uns ab, etwas näher auf den Inhalt der-
selben einzugehen. Die wichtigsten Bereicherungen wurden
der Vögel während des Jahres 1850. 41
Übrigens durch dieselben der Oologic zu Theil , für wel-
chen Zweig- recht eigentlich eine neue Aera beginnen zu wollen
scheint.
Eversman's „Beiträge zur Mammalogie und Ornitho-
logie des russischen Reichs'-^ sind etwas abgekürzt mitgetheilt
im Archiv für wissenschaftliche Kunde von Russland , voj. IX.
pag. 393.
„Ornithologische Beobachtungen, gesam-
melt auf Reisen im Cha rko w'schen und den an-
liegenden Gouvernements von Pr of. A. Czernay":
Bullet, de la Soc. Imp. des Natur, de Moscou, 1850. p. 603.
Von den 387 Vögelarten, welche Kessler in seiner russischen
Fauna aufzählt , scheinen nur 192 dem Charkow'schen Gou-
vernement anzugehören, nämlich 29 Raubvögel , 84 Insesso-
res , 9 hühnerartige, 42 Stelzvögel und 28 Schwimmvögel.
Die bei weitem geringere Anzahl der namhaft gemachten Ar-
ten sind nach Czernay Standvögel , die bei weitem grössere
besucht jene Gegenden nur zur Sommerzeit. Einige wenige
bringen dort ausschliesslich den Winter zu, und noch andere
erscheinen zw eimal im Jahre beim Durchzuge. Das Vorkom-
men sehr zahlreicher Nager bedingt den grossen Reichthum
an Raubvögeln. — Tetrao letrix kommt auch in den Steppen
vor. Grus leucogeranos wurde auf dem Durchzuge beobach-
tet. Anas rutila ist nicht selten. Ein recht werthvoller Bei^
trag zu den Localfaunen Russland's.
Asien.
Mor. Wagner's „Reise nach Colchis und nach den
deutschen Colonien jenseits des Caukasus" enthält auf S. 322
Bemerkungen über die Vögelfauna dieser Gegenden, doch
leider nur sehr dürftige. Menetrier's „Catalogue raisonne"
wurde dabei benutzt. Nach Wagner würden die caukasischen
Gegenden eine an Arten sowohl wie an Individuen arme Vö-
gelfauna besitzen (?)
Der ornithologische Theil der „Fauna Japo-
42 Hartlaub: Bericht über die Leistungen in der Naturgeschichte
nica« ist mit dem zwölften Theile zum Schlüsse gediehen.
Ein ganz vortreffliches , in sich abgeschlossenes Werk , wel-
ches wir ohne Bedenken den Zierden der ornithologischen
Literatur beizählen.
Den Schluss des Textes bildet ein Verzeichniss aller japani-
schen Arten, deren 200 namhaft gemacht werden, mit InbegriiT foL
gender nach guten japanischen Abbildungen erkannter aber bis jetzt
noch nicht eingesammelter Arten : Anas histrionica , Gallimila chloro^
pus (?), Alca monoceros, Pitla nympha von Corea, Haematopus oslrale-
gus, Strepsilas interpres, Lagopus mulus (?), Loxia bifasciata (?), Alauda
alpeslris (?) , eine andere der tartarica nahe verwandte Art , Upupa
epops (?), Sitta sp. der caesia verwandt , Parus ater (?) , Parus sp. der
atriceps verwandt, Certhia familiaris, Turdus merula (?), Lanius excu-
bilor, Falco candicans, Äslur sp. dem palumbarius verwandt , Aquila
fulva? Es befinden sich ferner unier dieser Anzahl 22 sogenannte Lo-
kalrassen, der grossen Mehrzahl nach europäische Arten, einzelne aber
asiatische, wie Halcyon coromanda major, FringUla kawarahiba minoVy
Strix hirsuta japonica und Hirundo alpeslris japonica. Die meisten
japanischen Vögel tragen europäisches Gepräge und gehören Gattungen
an, welche auch in Europa vertreten sind. Die Zahl der acht tropi-
schen Formen ist gering und es characterisiren sich als solche eigent-
licli nur Spizaetos orientalis , Muscipetn principalis , Muscicapa cyano-
melaena, M. narcissina, Zosterops japonicus, Orpheus amaurotis, Alcedo
lugubris und coromanda, Biophorus paradisiacus, Lamprotornis pyrrho-
genys, Vinago Sieboldtii und Pitta nympha. Das Werk umfasst 91 Ku-
pfertafeln und 141 Seiten Text.
John Gould Hess die beiden ersten Theile seiner
„Birds ofAsia" erscheinen. Dieses grossartige Pracht-
werk schliesst sich in Form und Fassung genau an die frü-
heren Arbeiten des Verfassers an. Jeder Theil enthält, wie
bei den „Birds of Australia'" 17 Kupfertafeln mit Text, wel-
che an .Schönheit und Treue in Zeichnung und Ausführung
kaum etwas zu wünschen übrig lassen. Es liegt nicht im
Plane Gould's, die in seinen beiden Werken über die Vögel
Europa's und des Himalaja abgebildeten Arten hier noch ein-
mal zu geben ; auch sollen nur ausnahmsweise die asiatischen
Inseln, als im Bereiche des Werkes liegend, betrachtet
werden , mit Ausnahme , wie es scheint , Ceylon's , dessen
Fauna sich allerdings unmittelbar an die dos indischen Fest-
landes anschliesst.
der Vögel während des Jahres 1850. 43
Die im ersten Theile abgebildeten Arten sind ihrer Reihenfolge
nach: Falco jugger Gr., Pitta nipalensis Hodgs. , Püta cyanea Blyth,
PericrocoUts solaris Bl., P. erythropygius Jerd. , Picus (Chrysophlegma)
flaviuucha Gould , Sitta fonnosa Bl., S. cinnamomeivenlris Bl. , S. ca-
staneoventris Fr. , S. leucopsis Gould (der carolinensis sehr ähnlich), ä.
himalajana Jard. , Cochoa viridis Hodgs. , C. purpurea Hodgs. , Cissd
formosa Wagl. (von Ceylon), Fringilla Burtoni G., Yunx indica Gould,
und JSucifraga inultipunctata Gould. Der zweite Thiel giebt die Ab-
bildungen von: Caprimulgus mahratlensis Syk. , Nyctiornis Äther toni
Jard., N. amictus, Niltavn grandis Blyth, JV. sundara Hodgs., JV. Mac-
gregoriae Burt. , Lophopkorus impeyanus, Nectarinea ignicaiida Hodgs.,
JV. goolpariensis Royle , 2V. Vigorsii Syk. , N. nipalensis Hodgs. , Syr-
rhaptes thibetanus n. sp. (von Lord Gifford entdeckt), Pterocles exuslus,
PI. fasciatus Scop., Glareola melanoptera Kordm, , Cerlhia nipalensis
Hodgs. und C. himalajana Vig.
Temmink schildert im 4ten Bande seines „Coup
d'oeil general sur les possessionsNeerlandaises
dans rinde archipelagique« kurz aber characterislisch
die Vögelfauna der Inseln Celebes CP- 115), Gilolo , Timor,
Amboina, Banda (p. 294) und Neuguinea. Was über Gilolo
mitgetheilt wird, ist ganz neu , und beruht auf den Sendun- ,
gen und Mittheilungen des talentvollen Reisenden Dr. For-
sten. Specielleres über die Vögel der übrigen oben genann-
ten Inseln enthält das grosse holländisch geschriebene Werk
über die niederländischen Besitzungen in Indien.
Blyth veröffentlichte im Journal of the As. Soc. of
Bengal einen „Report on the Mammalia and more
remarkable species of birds inhabiting Ceylon.
A f r 1 c a.
A. Smith's „Illustrations of the Zoology of
South Africa" ist mit dem 27. Hefte, wenn auch nicht
vollendet, doch beendet. Wenn gleich nur fragmentarisch hat
doch dieses schöne Werk das grösste Verdienst um die Fauna
eines der in zoologischer Hinsicht interessantesten Theile der
Erdoberfläche. Wir bedauern den hastigen Abschluss des-
selben ungemein, und das um so mehr, als somit verschie-
dene von Smith in seinem wenig bekannten und auf keine
44 Hartlaub: Bericht über die Leistungen in der Naturgeschichte
Weise käuflich zu erlang-enden „Report of an Expedition elc.^
kurz beschriebene Arten der sicheren wissenschaftlichen Be-
gründung verlustig bleiben werden.
„Beitrag zur Ornithologie Wes tafrika's" ist
der Titel einer Arbeit, in welcher Ref. bemüht war, eine
möglichst vollständige Uebersicht aller bis jetzt in Senegam-
bien und Guinea (im älteren Sinne des Wortes) beobachte-
ten Vögel zu geben, die Synonymie derselben kritisch zu be-
leuchten und zu dem geographisch-zoologischen Bilde dieser
Gegenden einige wo möglich neue Züge hinzuzufügen.
Westafrica besitzt eine ungemein artenreiche , farbenprächtige
und glanzvolle Vögeifauna. Man kennt nahe an 500 Arien als dort
vorkommend. Die Mehrzahl derselben ist Westafrica eigenthümlich,
sehr viele zeigen nur Lokalrassenverschiedenheit von südafricanischen
oder nordostafrikanischen Arten, nur wenige erwiesen sich als mit die-
sen ganz gleichartig. Die Verwandtschaft der westafricanischen
Ornithologie mit der IVordost - und Centralafricas ist entschieden grös-
ser als mit der Südafricas. Von der ganz europäisches Gepräge tra-
genden Vögelfauna Maroccos zu den ganz tropischen des Senegalgebie-
tes scheint kein allmählicher Uebergang stattzufinden ; zwischen beiden
liegt die thierarme Wüste. Der Westafrica eigenthümlichen Gattun-
gen sind nur wenige, wie Musophaga , Chelictinia [Riocouri) , Spcr-
mospiza, Pyrenestes , Meropiscus (^gidaris) , Onychognathus, Bias, Scolo-
pelia u. s. w. Die einzige africanische Pillaart gehört ausschliesslich der
Westküste oder vielmehr einer sehr beschränkten Lokalität derselben
an. Die in Süd- und Nordostafrica so artenreich vorkommende Form
der Saxicolen ist längs der Westküste nur sehr schwach vertre-
ten u. s. w.
Unsere Arbeit erschien in dem von Prof. Wie bei her-
ausgegebenen „Verzeichniss der Vorlesungen am Hamburger
Academ. Gymnasium für 1850." Eine Uebertragung dersel-
ben in's Englische veröffentlichte Sir William Jardine in
den „Contributions to Ornilhology.«
Drei sehr wichtige Beiträge zu unserer Kenntniss der
Vögel Africa's verdanken wir C. S u n d e v a 1. Der erste der-
selben erschien in Nr. 6 der „Öfversigt af Kongl. Veteiisk. Aca-
dem. Forhandlinger" für 1849 und behandelt 24 im Jahre 1790
von Afzelius aus Sierra Leone eingesandte Vögelarten (F o g-
larfrän Sierra Leone, pag. 1560. ^^^ specielle Thcil
dieser Arbeit ist glücklicherweise lateinisch geschrieben.
der Vögel wahrend des Jahres 1850. 45
Unter diesen Vögeln befinden sich merkwürdig genug manche
seltene Arten , welche erst kürzlich beschrieben worden sind, z. B.
Sycobius niteus Gr. , Vidita concolor Cass., Spermesles cucuUata, Cory-
Ihaix macrorhynchus Fräs. , Zancloslomus flavirostris Sw. u. s. w. , ja
sogar ein prachtvoller, nochiUnbeschriebeuer Buceros.
Bei weitem wichtiger ist der zweite dieser Beiträge,
welcher unter dem Titel „Foglar fr an Södra Africa'«
in Nr. 4 derselben Zeitschrift für 1850 erschien, und in wel-
chem die von J. Wahlberg im Kafferlande gesammelten neuen
Arten beschrieben werden. Es sind deren über fünfzig, zum
Theil schon namhaft gemacht, aber nicht beschrieben in Bona-
parte's „Conspeclus generum avium.''
Der dritte Beürag Sundeval's hat die von Hedenborg
aus Sennaar, Nubien, Aegypten und Arabien zurückgebrachten
Vögel zum Gegenstande und erschien in Nr. 5 der „Öfversigt''
für 1850 : „Foglar frän Nordöstra Africa.« Ausser
den Beschreibungen von etwa 15 neuen Arten enthält diese
Arbeit (wie die beiden oben besprochenen) zahlreiche treff-
liche Bemerkungen über schon bekannte. Mehr davon im
speciellen Theile dieses Berichts.
Auch Sundeval fiel die Lokal ra ssenverschieden-
heit vieler nicht füglich specifisch zu trennender Vögel Süd-
und Nordostafrica's auf.
„DerWinler in Aegypten in ornithologischer
Hinsicht" von Alfred Brehm: Naumannia I. p. 54; eine
recht anziehende Schilderung des überreichen Vogellebens, wel-
ches zur Winterzeit das ägyptische Delta mit seinen ausgedehnten
Seen und Sümpfen zu beherbergen pflegt. Sodann interessante
Angaben über die Reihenfolge, in welcher die Flüchtlinge aus
Europa zu Ende Septembers in Aegypten eintreffen. Die Pi-
role und Fliegenfänger machen den Anfang; dann folgen die
Schwalben und Wachteln, dann Lerchen, Pieper, Sylvien u. s. w.
Viele dieser Vögel bleiben in Aegypten , andere ziehen bis
Nubien und noch weiter den Nil hinauf. — Der junge Brehm
war der vielbesprochenen africanischen Expedition des Ba-
ron V. Müller beigegeben und verweilt, so viel uns bekannt,
noch dort.
46 Hartlaub: Bericht über die Leistungen in der Naturgeschichte
Amerika.
Das Schlussheft von Oken's „Isis^^ enthält einen ziem-
lich vollständigen Auszug aus James M'Kay's „Zoology
of New-York" (Albany 1844). Man möchte es doch be-
zweifeln, dass so viele Arten der Nordwestküste im Staate
New-York vorkommen sollen!
L. Agassiz's „Lake Superior, its physical
character, Vegetation and animals" etc. 1 vol. 8.
Boston, giebt auf Seite 383 einen Bericht über die von der
Gesellschaft am See beobachteten Vögel.
Man fand wenig Arten und wenig Individuen, woran wenigstens
zum Theil die Jahreszeit schuld sein mochte, da manche gerade jetzt
ihr Brutgeschäft in höheren Breiten vollzogen. Häufig waren nur Zo-
notrichia pensyhanica , Parus alricapillus und Atnpelis cedrormn. Der
Ober-See ist arm an Wasserpflanzen und wohl mit aus diesem Grunde
auch an Wasservögeln. Man bemerkte von letzteren nur Larus argen-
talus, Colymbus septentrionalis und glacialis, Mergus cucuUatus. Ca-
bot nennt im Ganzen nur 59 Arten.
W. Gambe l's „Vögel Oberkaliforniens" Schluss:
Journ. of the Acad. N. Sc. of Philad. I. p. 215.
Gambe 1 beobachtete im Ganzen 176 Arten. Ueber die seltneren
wird ausführlicher berichtet , so z. B. über Saurothera Bottae, welche
irrthümlich genug mit mexicana vereinigt wird, ferner über Recurvi-
rostra occidentalis Vig., über Strepsilas melanocepJiala Vig., einer schö-
nen, dort sehr häufigen Art; über Ortyx californica und Gambelli, über
Anser hyperboreus und Grus canadensis , einer Art, welche Gambel
unserer Ansicht nach vollkommen richtig nicht mit americana verei-
nigt , und welche er im Winter meilenweit die grasigen Ebenen be-
decken sah u. s. w. Schon im vorigen Jahresberichte ist die Wich-
tigkeit und das Werthvolle dieser Arbeit Gambel's nach Verdienst her-
vorgehoben worden.
Sir W. Jardine's „Contributions to Ornitho-
logy" enthalten abermals mehrfache und wichtige Beiträge
zur Ornithologie der Bermudas, welche von einem
dort ansässigen fleissigen Beobachter, Herrn Hurdis, aus-
gehend, als Supplement zu der früher besprochenen Arbeit
der Vögel während des Jahres 1850. 47
Lieutenant Wedderburn's anzusehen sind. Hurdis unter-
scheidet ebenfalls scharf zwischen wirklich einheimischen
Arten, Sommerresidenten, Herbst- und Winterbesuchern (er
zählt deren 84 auf}, Frühling-sbesuchern und zufällig von der
östlichen Hemisphäre her verschlagenen Arten. Wir unter-
schreiben gerne die Bemerkung Sir W. Jardine's , dass mit
dergleichen Verzeichnissen und Beobachtungen, wie sie von
englischen Residenten an entlegenen Puncten des Erdballs
nicht selten mitgetheilt werden , der Ornithologie ein sehr
wesentlicher Nutzen erwächst.
Dieselbe Nummer der „Contributions" enthält neue
Angaben über die Ornithologie Quito's.
Die Hochregionen der Andes um Quito dienen bis zur Schnee-
grenze hinauf verschiedenen eigenthümlichen Colibriarten zum Wohn-
sitz. Trochiliis ensiferiis sucht seine Wahrung in den grossen glocken-
förmigen Blüthenkelchen der Datura sanguinea , Tr. Temminkii lebt in
der Waldregion der Andes bis 12000' Höhe und nascht vorzugsweise
aus den Blüthen von Siphocampylus giganteus , ebenso Tr. cupripetmis
Bourc, während Tr. thalassinus Sw. die Blüthen derBernadesia spinosa
frequentirt u. s. w.
Pr. Maxim., ZU Wied „Brasilien, Nachträge,
Berichtigungen und Zusätze zu der Beschrei-
bung meiner Reise im östlichenBrasilien" lvol.8.
Dieses nicht unwichtige Bändchen enthält auch verschiedene or-
nithologische Notizen, so auf S. 33 über Lanius sulphnratus und pitangua
auct. (wovon später mehr), über Muse, vociferatis seiner „Beiträge« u. s.w.
Der schon im vorigen Jahresberichte von uns in Zweifel gezogenen Be-
hauptung de Castelnau's, die Zahl der Individuen unter den Vögeln sei
in Südamerika nicht grösser als bei uns und in gemässigten Ländern
überhaupt , widerspricht der Prinz auf das Entschiedenste. Dagegen
bestätigt er im Allgemeinen die Angabe , dass die südamerikanischen
Vögel weniger Eier legen, als unsere europäischen Arten.
„Aves de la Isla deCuba" por JuanLembeye.
Havana 1849. Davon im nächsten Jahresberichte.
Australien. •
Reich enbach's „Die neu entdeckten Vögel
Neuhollands," eine nicht immer ganz glückliche Ueber-
48 Hartlaub: Bericht über die Leistungen in der Naturgeschichte
Setzung des Textes der Gould'schen „Birds ofAustralia^
sind vollendet und bilden einen stattlichen Band von 614 Sei-
ten. Wie schon gesagt, eine sehr nützliche und dankens-
werthe Arbeit , deren Erfolg im zoologischen Publicum bei
dem ungewöhnlichen Interesse des Gegenstandes gar nicht
zu bezweifeln steht.
Es hat uns , trotz vieler aufgewandten Mühe , bis jetzt
nicht gelingen wollen, Titian R. Peale's ,,Mamma]ia
and Ornithology ofthe United States Exploring
Expedition" auf dem Wege des Buchhandels zu erlangen.
Es sei erlaubt, hier das Urtheil C as s in's, eines sehr befähig-
ten und urtheilsberechtigten Critikers, über diese lange erwar-
tete Arbeit wörtlich beizubringen : J have sufficient knowledge
of the book to be fully satisfied that little confidence
can be placed in any of Mr. Peales birds descri-
bedasnew, of which there are upwards of an hundred;
the Fissirostres are erroneous to an extraordinary extent."
Im nächsten Jahresberichte hoffen wir unsere eigene Ansicht
mittheilen zu können.
Im höchsten Grade interessant ist eine Mittheilung Go uld's
über die naturwissenschaftlichen Forschungen John Mac-
gillivray's während der Expedition der „Battlesnake" längs
der Nordostküste Australiens, Neuguineasu.s.w.,
welche ursprünglich der 1850 in Edinburgh versammelten
„British Association for the advancement of science« vorgetra-
gen und dann von Sir W. Jardine in den mehrfach erwähn-
ten Contributions" gedruckt worden ist.
Die erste Reisemittheilung Macgillivray's an Gould bildet eine sehr
werthvolle tabellarische Uebersicht der während der Reise beobachteten
Frocellariden und zwar 1) zwischen Rio Janeiro und dein Cap d. g. H.,
2) zwischen dem Cap und Mauritius , und 3) zwischen Mauritius und
Van Diemens-Land. Es wurden 18 Arten gesammelt. — Macg. bestä-
tigt die ausserordentliche geographische Verbreitung von Lesiris calar^
ractes, welche Art auch Gould die gemässigten Meere der ganzen Erde
befliegen lässt. — In der Gegend von „Coral-Bay« erlangte Macg. meh-
rere Exemplare der Poephila mirahilis , welche er für identisch mit F.
Gouldii hält. — In Sydney erfuhr Macg. von dem Botaniker Carron,
der Vögel während des Jahres 1850. 49
dass auf der unglücklichen Landreise Kennedy's ein ächter behelm-
ter Casuar erlegt und bis Weyniouth-Bay (N.-O. Küste) transportirt
worden sei. — Um Cap York erhielt Macgillivray eine reiche und un-
erwartet interessante ornithologische Ausbeute, so unter andern Micro-
glossus alerrimus , Ptüorhis magnißcus , Chalybeus cornutus , Aplonis
melallicus , sämmllich bisher nur als von Neuguinea bekannt ; ferner
eine Anzahl ganz neuer Arten aus den Gattungen Tanysiptera , Chla-
mijdera, Dryinodes, Monarcha, Carpophaga u. s. w. — Unter den auf
den Inseln der Lou i siad e gruppe beobachteten Vögeln schienen M.
viele australisches Gepräge zu tragen. Doch wurde ebendaselbst
eine Lonws-Art geschossen. — Auf den unbewohnten Duchateaninseln
lebte eine dem tumulus verwandte Megapodius-\vt. — Die Unmöglich-
keit auf Neuguinea selbst zu landen , empfand Macgillivray auf das
schmerzlichste; wer vermöchte dem talentvollen und passionirlen jun-
gen Forscher sein Mitgefühl zu versagen !
Accipitres.
fr^alconidae. In erster Reihe verdient hierPuche-
ran's gründliche und verdienstliche Arbeit über die Fal-
kentypen Cuvier's, Vieillot's und Lesson's im Pariser Mu-
seum angeführt zu v^^erden: Rev. et Mag. de Zool. 11, p. l.
82. u. s. w.
Falco senegallus Cuv. ist ^ ad. von rapax T. ; F. naevioidffs C.
ist rapax juv. (auch F. belisarius Levaill. Expl. scient. Alger. pl. 2.).
— JVisMs variatus C. Pucheran beschreibt beide Exemplare det Samm-
lung auf das genaueste ; er hält das grössere für den jüngeren Vcgel
einer Art, deren ^ ad. noch unbekannt ist, das kleinere für den Spar-
vius guttalus Vieill. , einer gleichfalls nur im Jugendkleide bekannten
Art. — F. aequipar C. ist Circus pallidus Sykes. — Elanus torquatus
C. ist Gampsonyx Swainsonii Vig. — Circus leucophrys V. ist F. pa-
lustris Wied. — C. ater V. sei Var. von C. Montagui. — Buteo mela-
notos V. ist polionotus Gr. — B. nigricollis V. sei vielleicht busarel-
lus. — B. brachyurus V. ist eine gute Art aus Cajenne. — B. crista-
tus V. Encycl. ist Pernis cristata Cuv. B. cristatus des Dictionn. ist
dagegen der Baibusard von Neuholland. — Sparvius caerulescens V. ist
F. hemidactylus T. — Sp. rußcolUs V. ist xanthothorax T. (nicht leu-
cauchen, wie Kaup meint) — Sp. gilvicollis V. ist F. concentricus III.
— Sp. bicolorW. ist N. variatus Cuv. — Sp. subniger V. ist tinusLath.
S. minutus V. ist das ^ dazu. — Sp. tricolor V. ist Nis. striatus juv.
— Zwei Vieillot'sche Typen waren nicht mehr aufzufinden , nämlich
Buleo pecloralis und Spiz. fusais. — Ms. Malfini Less. ad. ist linus,
die als Junge aufgeführten sind striatus. — Fandion ßuviatilis var.
Archiv f. Naturgescli. XVH. Jahrg. 2. ßd. [)
80 Harllaubf Bericht über die Leistungen in der Naturgeschichte
Keuboll. ist leucocephalus Gould. — Nis. minutus Less. ist soloensis
juv. — Pernis albigularis Less. bleibt dunkel. — ■ Buleo albicauda Less.
ist pterocles. — B. melanoleucus Less. ist brachyurus Vieill. — Vor-
treffliche Beschreibungen vieler dieser Typen erhöhen den Werth die-
ser Arbeit.
K a u p gab eine corrigirte Uobersicht seiner Fal-
coniden im löten Jahrg. dieses Archiv's, p. 21. Nach ihm
wäre Circ. acoli Levaill. nicht südafricanisch, sondern eins
mit histrionicus ! Wohl möglich. Kaup kennt an 200 Arten
in europäischen Sammlungen. Seine grössere Arbeit in der
Isis erschien von Strickland im Auszuge übersetzt in den
„Contributions to Ornithology."
Von Sc biege l's „Abhandlungen aus dem Gebiete der
Zoologie" erschien ein drittes Heft und darin der Schluss von des-
sen trefflicher Arbeit über die grossen langschwänzigen Edel-
falken, nebst Abbildungen von F. jugger ^ ad., F. tanyplerus Licht,
t. 12. und 13., F. lanarius alphanet auf t. 14. und der Beschreibung
einer neuen Art, F. tnexicanus Licht. — Ueber Falco arcadicus, Eleo-
norae und concolor T. schrieb sehr instructiv Th. Heuglin in der
Naumannia IIL p. 31. Die beiden ersteren hält er für gleichartig; Ba-
ron Müller fand F. Eleonorae in Wubien. — Neue Arten: Circus
Mülleri Heugl. Naum. IIL p. 36. c. üg. Sennaar. — Poliornis pertiopsis
Schleg. (Pernopsis pyrrhoptera üub.) Bonap. Rev. p. 481. — MachaC'
rhamphus alcinus Bonap. ib Malacca („rostro minimo compressissinio*).
— Spizaetos spilogaster Dub. Abyssinien : Rev. p. 487. — Morphnus
mexicanus Dub, ib. Tabasco. — Leucopternis Kuhlii Bonap. Gonsp.
p. 19. — Elanus minor Bonap. ib. p. 22. Asien. — Astur trinotalus
Temm. Celebes. ib, — Aquila Wahlbergi Sundev. Öfvers. 1850. p. 109.
Kafl'erland. — Poliornis rußpennis Sundev. ib. 131. Sennaar. — Asturina
schistacea Sundev. ib. 132. Brasilien. — Aquila unicolor, fuscoatra und
subnaevia sind subspecies von Brehm. : Naum. III. p. 26.
Sundevall unterscheidet sehr hübsch die südlichen, nordöst-
lichen und westlichen Lokalrassen von Micronisus sphenurus , brachy-
dact. und polyzonoides Sm., ferner die von gabar aus Sennaar und Kaf-
ferland, von Spizaetos occipitalis dieser beiden Lokalitäten u. s. w. —
Helotarsus leuconotos Herz. v. Würtemb. (ecaudatus ad.) erhielt er aus
Sennaar und Kafl'erland: 1. c. p. 134. — Sundevall möchte den von
Kaup beschriebenen Hyptiopus cuculoides für verschieden von dem
Swainson's halten und denselben H. caffer nennen: 1. c. p. 110,
Abbild. Ischnoscelis niger Dub. Esquiss. orn. IV. pl. 1. — Mi~
crastur gueriUa Cass. Journ. Acad. Philad. I. pl. 40. — F. belisarius
Levaill. (rapax) ßxped. scient. Alger. Ois. pl. 2.
der Vögel während des Jahres 1850. 51
strigidae. „C onsi dera tions generales sur
les oiseaux de proie nocturnes" par le doct. Pu-
cheran: Arch. du Mus. IV. p. 313. Pucheran betrachtet die
Eulen als gleichsam aufgehalten in der Gefiederentwicklung
unter dem Einflüsse des Lichtmangels. Sie scheinen ihm
gleichsam einen organischen Embryonenzustand zu verwirkli-
chen. Deutlich lässt sich die Einwirkung tropischer Climate
auf die Färbung und Federtextur der Eulen wahrnehmen.
Das Gefieder derselben ist knapper und kürzer. Nackfüssige
Eulen giebt es nur in den Tropen. Die grössten Arten kom-
men den Polen zunächst vor.. Bei den allermeisten sind (/
und $ einander sehr ähnlich. Die Gattung Athene steht hö-
her; sie zeigt die meisten Typen.
NeueArten: Glaucidium elatum Natt. Bonap. Consp. p. 36. Mexico.
— Athene syhatica S. Müller, ib. 40. Sumatra. — A. squamipilea Bp.
ib. 41. Ceram. — Ciccaba gisellaBp. ib. ist identisch mit Nyctale Har-
risn Cass. Brasilien. — Ciccaba myrtha^ Bp. ib. p. 44. Sumatra. —
Scolopelia peli Bp. ib. 44. Ashantee. — Scops novae Zelandiae Bp. ib.
p. 46. — Buho Verreauxii Bp. ib. Südafrica. — Syrnium squamulatum
Licht, Bp. ib. 53. Mexico. — S. macahrmn Bp. ib. Südamerica.
Abbild. Scops rutilus Pucher. Arch. du Mus. IV. pl. 22. —
Bubo madagascariensis Sm. Fuch. ib. pl. 23. — Olus stygius (VVagl.)
Puch. ib. pl. 24. — Strix numida Levaill. (ist nur noclua jun.) Ex-
ped. scieol. Alger. Ois. pl. 6. — Syrnium virgatum Cass. Journ. Acad.
of Philad. II. pl. 3. — Ä. albogulare Cass. ib. pl. 4. — Nyctale Har-
risii Cass. ib. pl. 5. (Ciccaba gisella Bp.).
Ausführliche Beschreibungen von Syrnium ocellatum Less. und
Bubo magellanicus Gr. gab Pucheran, 1. c. — In Bonap. „Conspeclus«
werden auch die bis jetzt nur abgebildeten neuen Eulenarten der
„Voyage au Pol Sud« beschrieben , nämlich Athene leucolaima Hombr.
et Jacq., A, ocellata H. et J. und A. Jacquinoti Bp.
Passeres.
Fissirostres.
Caprimiilgiflae* Der letzte Band der Isis giebt auf S. 1018.
P'unk's Nachrichten über Stealornis caripensis aus dem Bullet. Acad.
Sc. ßrux. XI. p. 371.
Neue Arten: Hydropsalis limbatus Cass. Proceed. Ac. Philad.
IV. p. 236. (Ann. and Magaz. V. p. 310.) — H, segmenlatus Cass. ib.
52 Hartlaub; Bericht über die Leistungen in der Naturgeschichte
Neugranada. — Anthrostomus sericeocaudatus Cass. ib. Südamerika. —
Fodargus parvulus Tenim. Bp. Consp. p. 57. — P. crinifrons Temm. ib.
Beide aus Malaiasien. — Uydropsalis creagra Bp. ib. 58. Brasilien. —
H. lyra Gould. ib. St. Fe de Bogota. — Caprimulgus Smithii Bp. ib.
(europaeus Smith Illuslr.) Südafrica. — C. concretusT. ib. Ashan-
tee. — C. binotatus T. ßorneo. ib. — Anthrostomus dominicus Bp. ib.
p. 61. St. Domingo. — A. californianvs Bp. (Nuttalii, Audub.?) ib. 61. —
Nyctidromus grallarius Pr. Wied. Consp. p. 62. Brasilien. — Lyncor^
nis macroptenis Temm. ib. 62. Celebes. — Chordeiles sapiti^ Natt. ib.
63. Brasilien, — Ch. minutus Natt. ib. Brasilien.
Hirundiiiiclae. (Cypselinae). Neue Arten: Cypselus leu-
copygialis Cass. Proc. Acad. N. Sc. Philad. p. 18. Sumatra. — Acan-
thylis cinereocauda Cass. ib. Südamerica. — A. coracina Müll. Bp. Consp.
64. — (Hirundininae). üeber die sich um Hirundo senegalensis und rustica
gruppirenden Schwalben schreibt sehr instructiv C h. L. Bonapa rle:
Kev. cit. p. 48. H. puella Temm, iäWt imch ibm zusammen mit abyssinica
Guer. und striolata Rüpp. ; H. tnelanocrissus Rüpp. mit rufula Temm.
Neue Arten: Atticora hamigera Cass. Proc. Ac. Philad. p. 57. Natal
(ist = H. holomelas Sundev. Öfvers. 1850. p. 108.) — Hir. scapularis
Cass. ib. Ostafrica. — H. Korthalsii Bp. Consp. p. 340. Woher? —
Chelidon dasypus Temm. Borneo. Consp. — Hir. semirufa Sundev.
Öfvers. p. 107. Ob. Kafferland. — H. dimidiata Sund. ib. Ob. Kafferl.
— H. atrocaerulea S. ib. ünt. Kafferland. — H. griseopyga S. ib. Na-
tal. — H. spüodera S. ib
H. frontalis Gould's nennt Cassin H. Gouldii : 1. c. p. 69.
Alcedinldae« Neue Arten: Tanysiptera sylphia Gould.
Contribut. VI. Cap York. — Halcyon ßavirostris Gould, ib. Cap York.
Alcedo Verreauxi de la Berge : Rev. zool. p. 621. Borneo. — Halcyon
melanops Temm. Bonap. Consp. p. 141. Borneo. — Todirhatnphus fu-
nebris T. ib, p. 156. Celebes. — T. Forsteni Temm. ib. Celebes. — Al-
cedo quadribrachys T. ib. 158. Guinea. — Monasa mystacalis Lair. Rev.
p. 215. pl. 2. Columbien. — M. axillaris Lafr. ib. 216. Rio negro. —
M. flaviroslris Strickl. Contrib. II. fig. Peru. — Chjmnobucco calvus
Mus. Lugd. Bp. Consp. p. l4l. Ashantee. — Xylobucco scolopaceus
Bon. (Temm.) ib. Ashantee. — Megalaima Hodgsoni Bp. ib. 144. Ne-
pal. — Megalacma leucotis Sundev. Öfvers. p. 109. Unt. Kafferland. —
M. bilineata Sundev. ib. Unt. Kafferland.
Abbild. Alcyone cyanopectus Lafr. Contrib, IV. fig. opt. —
Bucco capistratus Eyt. Contribut. I,
Cassin nennt Ceyx azurea Less. Alcyone Lessonii: Proc. Acad.
Philad. p. 69. Beschreib. — Bonaparte nennt Halcyon coromanda
maior Schleg. H. Schlegelii und H, corom, minor-. H, lilacinus Coüßjf,
der Vögel während des Jahres 1850. 53
p. 156. — Sundevall weist aus zahlreichen von Wahlberg im Kaßer-
lande gesammelten Exemplaren nach, dass Swainson's Ale. bicincta nur
7) von rudis sei: üfvers. p. 162. (1849).
Ifleropidae. Neue Arten: Meropogon Forstenilemm. Co-
lebes, Bonap. Consp. p. 157. — Sundevall creirt für Merops gu-
laris Sh. die Gattung Meropiscus. Allerdings weder ein Melitlo-
phagus noch ein Nyctiornis ! Öfvers. 1849. p. 162. •
Tenuirostres.
Ilpuiiidae. Neue Art: Ptiloris Victoriae Gou\d. Nordaustra-
lien: Illustrat. Proceed. Z. S. 111. pl. 12.
Promeropidae* Neue Arten: Dacnis angelica, de Filippi
1845. Bon. Consp. p. 400; scheint uns D. melanotis Strick). Conlrib.
zu sein : Gray Gen. of Birds pl. 34. fig. 2. — Nectarinea australis
Gould. Contrib. 6. Cap York.
Trociiiiidae. Eine neue Eintheilung der Colibri's gab
Bonaparte in den „Comptes rendus" 1850. p. 379: er zählt
58 genera , darunter wieder 19 neue ! Auch Rev, et Mag.
p. 243. Es wird eine besonders unterhaltende Arbeit sein,
die neuen Colibrigattungen Gould's, ßonaparte's und Reichen-
bach's gegen einander gehalten, ins Reine zu bringen!
Neue Arten: Peiasophora Gouldii Bonap. Consp. p. 69. Boli-
vien. — Amazilia erythrorhyncha Bp. ib. 77. — A7n. haematorhyncha
Bonap. ib.
Abbild. J. Gould's „Monograph of the Trochilidae
or Humming Birds« ist ein überaus kostspieliges Prachtwerk im
Formate und Stil der übrigen Gould'schen Werke. Der grossen Schwie-
rigkeit der Colorirung halber hat jeder Theil nur 15 Tafeln. Die grosse
Schönheit und Treue dieser Abbildungen bedarf kaum der Erwäh-
nung. Die Metallschilder des Kopfes und der Kehle sind nach einer
ganz neuen Manier gemalt, nämlich mit Oelfarbe auf Goldgrund. Meist
sind 3 bis 4 Individuen jeder Art auf einer Tafel abgebildet. Gould
kennt deren an 300 ! Der vor uns liegende erste Theil bildet ab :
Trochilus polytmus L. , Oreolrochilus Eslellae d'Orb. , 0. leucopleurus
Gould , 0. Adelae d'Orb. , Phaetornis eurynome Less. , Ph. eremila Go
(rufigaster Less.) , Pterophanes Temminkii Boiss. , Docimastes ensiferus
Boiss., Spathura Undertcoodii Less,, Sp. pernana G., Sp. ritfocaligata G.
(Tr. Addae, Bourc.) , Oxypogon Gtterini Boiss., 0. Lindenii Parzudh.,
Tryphaea Duponti Less. , Augastes scutalus Natt. — Oreotroch. Jame-
soni Jardine : Contrib. I. pl. — Troch. AUardi'Qovixc. ib. IV, Pichincha.
jMleliphagidae* Neue Arten: Tropidorhynchus gilolensis
54 Hartlaub: Bericht über die Leistungen in der Naturgeschichte
Müll. Bon. Consp. p. 390. — 7r. cineraceus Müll. ib. Timor. — Plilo"
tis fumata Müll. ib. Neuguinea. — Phyllornis venusla Temm. Sumatra.
— ,Fh. media Tenun. Sumatra, ib. 396. — Yora viridis Temm. ib. 396.
Borneo. — Yora media Temm. Sumatra. — ZiOsterops virens Sundev.
Öfvrs. p. 101. Natal. — Z. lateralis Sundev. ib. Ob.-Kafferland (ob =
abyssinicus Guer.?). — Sundeval beschreibt den „Tsc he ri c« Levaill.
(Zost. capensis) genau, will aber diese Art bestimmt von Sylv. mada-
gascariensis auct. trennen.
Certitidae* Lafrenaye's sehr fleissige und werlhvolle Ar-
beit über die D en dr o co laptina e verdient hier zuerst hervorgeho-
ben zu werden : Rev. et Mag. de Zool. p. 95, 145, 275 u. s. w. Die
erste Abtheilung derselben, C ompr e ssiro stres , zählt die genera
Dendrocolaptes (6 Arten), Picolaptes Less. (11 Arten), Xiphorhynchus
Sw. (5 Arten), Nasica Less. (14 Arien), Sillasomus Sw. (4 Arten),
Glyphorhynchus Wied. (l Art), Dendroplex Sw. (2 Arten). Sehr aus-
führliche Beschreibungen sämmllicher Arten , so wie die sorgfältigste
Critik der sehr verwickelten und überladenen Synonymie verleihen die-
ser Monographie einen ganz besonderen Werth. Wir halten dieselbe
für die beste aller Arbeiten Lafrenaye's.
Neue Arten: Dendrocolaptes simpliciceps Fucher. Kev. et Mag.
p. 100. Yungas (d'Orbigny). — D. Demilei Desm. 1. c. 102. Sayaraku.
— Picolaptes linealiceps Lalr. 1. c. 277. — Xiphorhynchus procurtoi-
des Lafr. 1. c. p. 376. Cajenne. — Nasica guttaloides Lafr. ib. p. 387.
Columbien. — N. mtätigultatus Deville, ib. p. 417. Amazonas. — iV.
Beauperthuysii Lafr. ib. p. 419. Amazonas. — N. d'Orbignyanus Lafr.
ib. p. 420. Guarayos, Chiquitos. — Sittasomus amazonusDev. ib, p. 590.
— Sitta leucopsis Gould : Ann. aud Mag. 16. p. 141. Himalaja. — Sy-
nallaxis flammulatus Jard. Contrib. IV. fig. bon. Quito. — Anabates ni-
gropectus Lai'r. Rev. et Mag. p. 107. pl. 1. Brasilien. — Cerlhia Nat-
tereri Bon. Consp. Savojen. Ist wirklich verschieden von famil. —
Sitta roseilia Bp. ib. p. 227. Japan. — Tichodroma nepalensis Bp. ib.
(wird schon in Hof f m eis te r's Reise als verschieden von rouraria
beschrieben). — Thryothorus Eidouxi Bp. ib. Brasil. Voy. au Pol Sud
t. 19. — Anabates lophotes Bp. ib. 210. Buenos Ayres. — A. echina-
tus Temm. ib. St. Fe de Bogota. — A. infuscatus Natt. ib. Brasilien.
— A. puncticollis Natt. ib. Brasilien.
Menura Alberti Gould: Bonap. Consp. p. 215. — Jard. Contrib.
1850. pl. 65. „dorso, uropygio crissoque pulchre rufo-castaneis, rectri-
cibus brevioribus, latioribus, unicoloribus." Auslr.
Dentiro stres.
liusciniadae* Neue Arteu: Ruticilla grandis Gould, Ann.
and Mag. p. 141. Thibet und Afganistan. — Drymodes superciliaris G.
der Vögel während des Jahres 1850. 55
Conlrib. VI. Cap York. — Drymoica scotoplera Sundev, Ötvers. p. 129.
Sennaar. — D. fulvescens Sund. ib. Sennaar. — D. obscura Sund. ib.
p. 103. Kafferland. — D. fuhifrons Sundev. ib. 124. KafFerland. — D.
procerula S. ib. KafTerland. — D. corvirostris Sundev. ib. KafFerland.
— D. chloris Sund. ib. Kafferland. — Eremomela flaviventris (Burch.)
Sund. n. gen. ib. p. 102. Ob. Kafferland. — E. usticollis S. ib. Ob.
Kafferl. — E. scolops S. ib. 103. Kafferl. — Camaroptera olivacea S.
ib. p. 103. n. gen, Unt. Kafferland. — Bradypterus brevirostris S. ib.
103. Unt. Kafferl. — Microura superciliaris Müll. Java. Consp. p. 258.
— Cettia africanabp. ib. — Bessonornis cijano campler Gab. ib. 301. — ■
B. diademalus Temm. ib Guinea. — Cossypha signata Sundev. 1. c. 101.
Kafferland. — C. fasciiventris S. ib. — Myrmecocichla aethiops Licht.
ib. Senegal. — Saxicola melanoleuca Müll. ib. 304. Timor. — S. /m-
cluosa Müll. Samao. — S. pyrrhonota Müll. Timor. — Farus annexus
Cass. Proc. Acad. Fhilad. p. 103. Rio grande (Texas). Diese Art dürfte
identisch sein mit P. Wollweberi Bp. aus Mexico : Compt. rend. Acad.
Sc. p. 478. — P. alricristalus Cass. ib. Texas. — Fsaltrlparus personatus
ßonap. Compt. rendus Ac. des Sc. p. 479. Nov. gen. Hochgebirge Süd«
mexico's. — Aegühalus punctifrons Sundev. Öfvers. p. 129. Sennaar. —
Aegith. ßaviceps Sundev. ibid. Sitka: Sahlberg. !! — Parula mexi'
cana Licht. Bonap. Consp. p. 310. — Trichas vegeta Licht, ib. Me-
xico. — Granatellus venustus Dubus, ib. p. 312. Mexico. — Cardellina
amicta Licht, ib. Mexico. — Basileuleros hypoleucos Cab. ib. 313. Bra-
silien. — B, culicivorus Licht, ib. Mexico. ~ B. chrysophrys Licht, ib.
Mexico. — B. lachrymosus Licht, ib. Mexico. — Vermivora blanda
Licht, ib. Cuba, — Pallenura javensis Bp. ib. p. 247. — Anthus linei-
ventris Sundev. Öfvers. p. 100. (gen. Cinaedium Sund.) — A. caf"
(er Sund. ib. — A. brachyurus S. ib. Alle drei aus dem Kafferlande.
Abbild. Janthia rufilata Hodgs. ^ $ in Jard. Contrib. I. —
Tarsiger chrysaetis Hodgs. ibid. ^ $ und juv.
Eine neue Beschreibung von Parus bokharensis Licht, giebt
Bonap. Compt. rendus Ac. Sc. p. 479. — Ueber Vorkommen und Le-
bensweise des in Savojen, Tessin und Valais nicht seltenen Parus lu~
gubris : Edni. Kairmaire, Rev, et Mag. p. 576. — Fässler über Syl'
via Meisneri: ^^aum. IH. p. 56. Ist nichts als trochylus. — Sunde-
val überOligura (Sylvielta Lafr.): Öfvers. p. 128. S. brachyura Lafr.
sammelte Hedenborg in Sennaar; eine Varietät von 0. rufescens
Vieill. fand Wahlberg im Kafferlande. Sunde val hält Levaill.
„Aguimp" für eine gute eigene Art, bestimmt verschieden von Ca-
pensis; er benamt sie MotaciUa vidua: ib. 128. — Ueber Aegithalus
Smithii : Sundev. 1. c. 106. und ib. über Aegithalus minutus (Sh.), Le-
vaill. „Beque-fleu r.«
Turdidae* INeue Arten: Myiothera nudiceps Cass. Proc.
56 Hartlaub: Bericht über die Leistungen in der Naturgeschichte
Acad. Philad. p. 103. Panama ; ganz schwarz, nacfeter Scheitel blau!
(Drymophila ?) — Brachypleryx albifrons Boie. Bonap. Consp. p. 257.
Java. — Cacopilla alrigularis Bp. ii). 257. Borneo. — C. loricala S.
Müller, ib. Sumatra. — C. lepidopleura T. ib. Java. — C. perspicillata
T. ib. Java. — C. leucogrammica T. ib. Borneo, — Pitta maculata
Temm. ib. p. 254. Himalaja. — P. Schwaneri Temm. ib. Borneo. —
"^Zoothera cinclops Bp. ib. 253. (excius. Synonym.) — Turdus aurantii-
roslris nob, Kev. et Mag. p. 158. Caraccas. (ist eins mit Catharus im-
maculatus Bon. Consp. p. 218.) — T. gymnopsis Temm. Bp. Consp.
p. 272. Brasilien. — T. olivacinus Bp. ib. Südafrica — T. pelios Bp.
ib, Himalaja. — T. mandarinus Bp. ib. China. — T. olivaceofuscus nob.
Beitr. zur Ornith. Westafr. p. 49. St. Thome. — Timalia larvata Müll.
Bp. Consp. p. 217. Borneo. — Mixornis borneensis Bp. ib. — M. fla-
vicollis Müll. ib. Java. — Turdirostris murinus T. Neuguinea, ib. — T.
capistratoides T. ib. Borneo. — T. pica Boie. Sumatra. — T. leuco-
stigma Müll. ibid. Borneo. — T. concreto Müll. Borneo. — T. polio-
genys Müll. Sumatra. — Copsychus pluto T. Borneo. — Spheco-
theres ßaviventris Gould : Contrib. 6. Cap York. — Oriolus Baruffii
Bonap. Consp. p. 347. Ashantee. — 0. Broderipi Bonap. ibid. Sum-
bava. — Mimeies Mülleri Bonap. ib. 346. Neuguinea. — M. For-
sleni Bonap. ib. Ceram. — Picnonolus inornalus Kühl. Ib. p. 263. Su-
matra. — P. Simplex K. ib. Sumatra. — Brachypus tigus Müll. ib. 264.
Sumatra. — B. poliopsis Müll. ib. Sumatra. — B. vidua T. ib. Borneo.
— Ixos erythrolis Bp, ib. 265. Java. — T. ashanteus Bp. ib. — Tri^
chophorus iclerinus T. ib. 262. Westafrica. — T. poliocephalus T. ib.
Westafr. — 7". gulturalis Müll. Borneo. ib. — T. sulphuratus Müll.
Borneo ib. — T. flavicaudus Bp. Voy. Pol Süd, t. 15. fig. 1. Amboina.
— T. puherulenlus Müll. Sumatra, ib, — T. striolatus Müll. Sumatra ib.
Abbild. Turdus rufitorques nob. in Dub. Esquisses ornith. IV.
pl. 4 u. 5.
J. F. Naumann veröffentlichte wichtige „kritische Bemer-
kungen über einige in Deutfschland seltenere Drossel-
arten.« Naum. 3. p. 1. , nämlich über T. atrogularis ^ wozu dubius
Sechst, das Junge ist, T. fuscatus , Naumanni und rußcoUis. Der in
des Verf. Werk auf Tafel 69. Fig. 2. abgebildete Vogel ist juv. von
T. Sibiriens P. — Eine vielleicht specifisch abzusondernde Varietät von
Andropadus importunus beschreibt Sundevall: Öfvcrs. p. 100. Nalal.
— Brehm „lieber das Nisten der Wachholderdrosseln in Deutschland^'
Naum. I. p. 28. — Kaup beobachtete an 14 ausgewachsenen Exem-
plaren von Turdus migratorius, dass die Bedeckung der Fusswurzel bei
allen verschieden war, dass einzelne ungetheilte Schienen, andere Schil-
der in sehr verschiedener Anzahl trugen , ja dass die Zahl derselben
sogar bei demselben Individuum an beiden Beinen ungleich war : Wiegm.
Arch. 16, p. 42. t. 3. fig. 1 bis 5. — Sir W. Jardine hält Ocypte.
der Vögel während des Jahres 1850. 57
rus sanguinolentus Tenim. für eine zweite Art der Gattung PsarO"
pholus: Conlrib. 1850. Heft 1.
IVInscMcapitlae* Neue Arten: Cnlicivora mexicana ßp.
Consp. p 316. — C. bilineala Licht, ib. — Muscicapa speculigera, Sei.
Longch. ib. 317. Nordafiica. — Todiroslrum chrysocrotaphum Strickl.
Contribut. II. c. fig. Peru. — Elaenia linteata Strickl. ib. 6. fig. ^-T' u. $.
Amazonas. — Tyrannulla bogolensis Bp. Consp. p. 190. — lUonarcha
leucolis Gould : Contrib. 6. ßeschr. Cap. York. — Vireolanius melitophrys
Dub. Bp. Consp. p. 330. Mexico. (Mus. Berol.) — Hypolhymis thalas-
sina Licht, ib. 317. Sumatra. — Pogonocichla margaritata Sundev. Öfvers.
p. 104. Unt. Kafferland. — P. rußcapilla S. ib. Unteres Kafferland. —
Chloropela icterina S. ib. 105. KafTerl. — Platystira pellata S. ib. Unt.
Kafferland.
Levaillanl's „l'Ondule" wurde von Wahlberg im KafFer-
lande wiedergefunden. Sundevall nennt die Art Muscic. fuscidax
I. c. p. 105.
Ampeliclae. Neue Arten: Pachycephala calliope Müll.
Timor. — Icleria auricollis Licht. Mexico, ib. 330. — Hypocolius ampe-
linus Bonap. Consp. p. 336. n. gen. Californien. Mus. Lugd. — ßra-
dyornis ater Sundev. Öfvers. p. 105. (Malaenornis atra in Bp. Consp.
p. 350.) Kafferl. Ist auch Melanopepla atronitens Caban. Catal. Heine,
p. 54. — B. vittalus Sund. ib. Kafferl. (Mel. taenioplera in Bp. Consp,
1. c.) — B. leucomelas Sund. I. c. Ob. Kafferl. — Edolius brachypho-
rus Temm. Borueo. Bp. Consp. p. 351. — Dicrourus picinus Müll. ib.
Sumatra. — D. carbonarius Müll. Neuguinea. — D, densus T. Timor,
ib. — D. bimaensis T. ib. Sumbava. — Ceblepyris cinerascens Temm.
ib. 353. Westafrica. — Graucalus magnirostris Forsten, Gilolo. ib. 354.
— G. leucopygius Bp. ib. Celebes. — G. ceramensis Bp. Ceram. ib. —
Lalage nycthemera Temm. Timor. Consp. p. 355. — Pericrocolus fla-
grans Boie. Ib 357. Borneo, Sumatra. — P. ardens Boie, il:. Sumatra.
— P. modestus Boie ib. Sumatra. — Ocypterus monachus Temm ib.
343. Celebes. — 0. papuensis Temm. ib. Neuguinea, Timor. — 0. per-
spicillalus T. ib. Timor..
Ijaniitlae. Neue Arten: Myiolestes pyrrhonotos T. Bor-
neo. Bp. Consp. p. 358. — M. puherulentus Müll. ib. Neuguinea. —
M. phaeonotus Müll. ib. Banda. — Napothera pyrrhoplera Boie , Java,
ib. 359. — IV. coronata Müll. ib. Sumatra, Borneo. — iV. pileata Müll,
ib. Sum. Borneo. — N. rubicunda Müll. ib. Sum. Borneo. — JV. bi-
vütata Müll, ib, Timor. — Malaconolus peli T. ib, 360. Ashantee, —
Enneoctomts Schwaneri Bp. Borneo. — Sigmodus caniceps Temm. ib.
365. Westafrica. (Peters fand eine zweite Art dieser Gattung in Mo-
zambique ; Mus. Berol.). — Falcunculns Göuldii Caban. Bp. Consp. p.
365. (Catal. Mus. Heine, p. 66,) Südöstl. Neuholland. — Prionops con^
58 Hartlaub: Bericht über die Leistungen in der Naturgeschichte
cinnalus Suiidev. Öfvers. p. 130. Bei Uozeies am weissen Nil. —
Vanga xenopirostris Lafren. Rev. et Mag. p. 107. pl. J. Madagascar.
Sundevall erklärt Levaillanl's „Oliva jeune« Ois. d'Alr. t.
75. flg. 2. nach einer Anzahl von Wahlberg gesammelter aller und
junger Individuen für eine gute eigene Art, welche er Malacon. ruhi-
ginosus nennt: Öfvers. p. 106.
Conirostres.
Corvidae* Neue Arten: Glaucopis Wilsonn Bp. Consp.
p. 368. Neuseeland „minor, carunculis cyaneis« Mus. Philad. — Garrti-
lax uropygialis Cabau. ib. 371. Assam. — Rectes ferrugineus Bp. Compt.
rend. Ac. Sc. p. 563. Neuguinea. — Janthocincla palliata Müll. ibid.
Assam. — Lophocitta ardesiaca Caban. Bp. Consp. p. 374. Mus. Heine
Halberst. — L. histrionica Müll. ib. Sumatra. (Doch wohl coronata tiaffl.?)
— Garrulus Lidlhi Bp. ib. 376. Ostasien. — Cyanogarrulus diademalus
Bp. ib. Mexico. — Cyanocorax Geoffroyi Bp. Comptes rendus Ac. Sc.
p. 564. Californien. — Cyanocitta crassirostris Bp. Conspect. 378. Me-
xico. — Cyanurus dairi Bp. ib. — C. cubo Bp. ib. Beide Ostasien.
— Fsilorhinus chilensis Bp. ib. 381. Chile. — Corvus violaceus Temm.
ib. Ceram. — C. pyrrhopterus Temm. Gilolo. ib. p. 384. — C. orru
Müll. ib. 385. Neuguinea. — C. validus Temm. ib. Ceram.
Abbild. Cyanocorax unicolor Dub. Esquis?. IV. pl. 2. — C.
luxuosus Less. Dub. Esquiss. IV. pl. 3. — Garrulus atricapillus in :
Exped. scient. Alger. Ois. pl. 6.
Bonaparte erhebt S. Müller's Garrulax bicolor zur Galtung
Rectes und nennt die Art R. dichrous: Compt. Rend. p. 563. — Die
Eier von Corvus culminatus und C. sptendens sind abgebildet : Contrib.
Heft 3. — Ueber C. umbrinus Sundev. vergl. Öfvers. p. 230. (C. in-
futnatus Wagn.).
Paradiseidae. Eine prachtvolle neue Paradiesvogelart von
Neuguinea wurde beinahe gleichzeitig von Bon aparte als Diphyllo-
des respublica (Consp. p. 413. und Compt. rend. 1849.) und von Cas-
sin als Par. Wilsonii (Proceed. Ac. Philad. p. 67.) beschrieben. Steht
der magnifica nahe, aber „chlamyde ex plumis elongatis nu-
chae rubr i s.'^
ütiirnidae* Neue Arten: Chlamydera cerviniceps Gould :
ContrJb. 6. Cap. York. — Pastor (i)nigrocinctus Cass.Fvoc, Ac. Philad.
p. 68. Neuguinea. — Juida aenoides T. Bp. Consp. p. 415. Africa. —
Lamprotornis obscura Forst. Gilolo. ib. 417. —_ L. minor Müll. ib. Ti-
mor. — L. porphyropleuron Sund. Öfvers. p. 100. Katferland. — Lam-
procolius cijanogenys S. ib. 127. Sennaar. — Acridolheres cinereus S.
Müller, Bp. Consp. p. 420. Celebes. — Gracula venerata Temm. ib.
422. Sumbava. — Gr. ptilogenys B\yih. I. A. S. B. XV. 285, Ceylon. —
der Vogel während des Jahres 1850. 59
Icterus proslkemelas Slrickl. Conlrib. 6. Guatemala. — /. auratus üjb.
Yukatan : Bp. Consp. p. 435. — Pendulinus hypomelas Dub. ib. 433.
Mexico, Cuba. — P. perijwrphyrusBi^. ib. 432. Bolivien. — P. rufaxil-
lus Bp. Mexico. — P. Lessonii Bp. ib. Mexico. — Trupialis superci-
liaris Natt. ib. p. 430. Mexico, — Cassiculus leucorhaniphus Bp. ib. 428.
St. Fe de Bogota. — Cassicus Devillei Bp. ib. 427. Febas. — Lam-
propsar dives Licht. (Cab.) ib. p. 425.
Fringillidae. Ch. L. Bonaparte et H. Schle-
gel „Monographie des Loxiens" 1 vol. 4. mit 54 co-
lorirten Kupfertafeln. (Preis 25 Thlr.). Eine ausführliche Ab-
handlung über die Fringilleden überhaupt leitet dieses schöne
Werk sehr instructiv ein, und bringt die systematischen An-
sichten der Verfasser (oder wohl besser: Bonaparte's ?) zur
Kenntniss der Leser.
Bonaparte kennt an 450 Arten, welche er in etwa 100 Gat-
tungen vertheilen will. Die Subfaniilien der Fringilliden sind: Em-
berizinae , Spizinae^ Geo sp izina e, Pitylinae, Frin gilli-
nae und Loxianae. Die Abbildungen sind grösstenlhcils sehr gut,
nicht so durchweg,
Lafrenaye: „Ueber denNestbau einiger PI o-
c einen« Rev. et Mag. p. 315. pl. 5 und 6.
Nester von PI. madagascariensis und erylhrocephalus von Mau-
ritius. Lafr. zählt die eigentlichen Sperlinge (Passer) zu den Plocei-
nen und Iheilt diese Familie in die Gattungen : Textor ^ Ploceus , Plo-
cepasser , Passer, Vidua und Videstrelda, n. gen. (paradisea, se-
rena, regia und superciliosa).
Der Artikel „Fringilla« in Ersch und Gruber's Encyclo-
paedie, Sect. 5. Th. 50. p. 214. ist sehr lesenswerlh. Die Kürze der
ersten Schwungfeder bei den Ploceinen und Alaudinen dient dem Verf.
zum Anhaltspunkt einer scharfen Abgränzung derselben von den Frin-
gillinen. Darnach wären sämmtliche finkenartige Vögel Australien'g
Floceinen. Unter den Originalbeschreibungen dieser Arbeit sind zwei
neu, nämlich die von MontifringiUa piistulata Licht, von den Kurilen
und von Carduelis suhulatus Lichtenst. aus Sibirien.
Neue Arten: Der „Conspectus« Bonaparte's beschreibt de-
ren folgende: Alauda clot - bey Bp. p. 242. Aegypten. (Ist eins mit
Hierapterhina Cavaignacii Desm. 1851). — Otocoryx albigula Brandt,
ib. p. 244. Altai. — Corydalla sinensis Bp. p. 247. Südchina. — Sym-
plectes princeps Bp. p. 439. J. do Principe. — Nigrita Arnaudi Pucher.
Weisser Nil. — Foudia eminentissima Bp. p, 446. Zanzibar. — E. Ä?m-
demlli Bp, p. 446. Kafterl. — Steganura sphenura Verr. p. 449. (ist
60 Uartiaub: Bericht über die Leistungen in der Naturgeschichte
eins mit Vidua Verreauxii Oass. l*roc. Acad. Thiiad. p. 56.) Abyssinien.
— Coryphegnathus Schifßi Bp. p. 451. Africa. — C. cofitalba Bp. ib.
Ashantee. — Erythrura Pucherani Bp. p 457. Oceanien. — Estrelda
rhodoptera Bp. p. 459. (ist eins mit E. rhodopyga Sundev. Öfvers. pag.
126.) — E. quartinia Bp. p. 461. Abyssinien. — Emberiza shah Bp.
p. 465. Persien. — E. ciopsis Bp. p. 466. (ist die eia der Fauna Ja-
pon.) — Euspiza dolichonia Bp. p. 468. Joniyche Inseln. (Act. Ital.
Neap. 1845.) — E. pyrgila Bp. p. 469. Kamtschatka. — Oriturus tne-
xicanus Bp. p. 469. Mexico. — [0. Wrangelii (Brandt) Bp. Kordöstl.
Asien. — Poospiza Cabanisi Bp. p. 473. Paraguay. — P. cinerea Cuv.
p. 473. Brasilien. — P. hispaniolensis Bp. ib. St. Domingo. — P. oli'
vacea Bp. p. 476. Brasilien. — Diuca minor Bp. p. 476. Patagonien.
— Zonotrichia galopagoensis Bp. p. 479. — Chrysopoga typica Bp. p.
480. Californien — Coturniculus peruanus Bp. p. 481. — Emberizoi-
des megarhyncha Bp. p. 482. — Pyrgisoma Kieneri Bp. p. 486. Kord-
westl. Amerika. — Arremon polionotus Pucher. p« 488. Corrienles. --
A. Schlegeln Lafr. Mus. Lugd. Südamerika. — A. conirostris Bp. Bra-
silien. — Saltalor marlinicensis Bp. p. 490. — Belhylus medius Bp. p.
491. (ist der minor Gab. Schomb.) — Spermophila for^iteoZö Bp. p. 495.
Mexico. — Sp. Morelleli Bp. Pucher. p. 497. Guatemala, — Sp. aurita
Bp. ib. Brasilien. — Sporophila Othello Bp. p. 498. Centralamerika. —
S. corallina Bp. p. 498. Brasilien. — Cyanoloxia parellina Licht p.502.
Mexico. — Passer jugiferus Temm. p. 508. Philippinen. — P. rußpe-
eins Bp. p. 509. Aegypten. (hispaniol. ex Aeg. Rüpp.) — P. arboreus
Licht, p. 510. Sennaar. — P. Rnppelü Bp. üstafrica. (cisalpina, Rüpp.)
— P. erythrophrys Temm. Senegal. — Pijrrhulauda Smithi Bp. p. 512.
(leucotis, var. mer, Sundev.) — Gymnoris xanthosterna Natt. p. 512.
Bengalen (Tanagra fringillacea Cuv.) — Pyrgita petronella Mus. Berol.
p. 513. Südafrica. (ist Xanlhodira flavigula Sundev. Öfvers. p. 98.) —
P. denlata Bp. ib. Weisser Nil. [Xanthod. dewfato Sundev. 1. c. p. 127.)
— Chlorospiza chlorolica Licht, p. 514. Westafrica. — Chrysomitris pi~
stacina Eversm. p. 515. Sibirien. — C. macroptera Dubus , p. 515. Gua-
temala, Mexico. — C. nana Bp. p. 516. Columbien. — C. spinescens
Licht, p. 517. St. Fe de Bogota. — C. marginalis Bp. ib. Chili. —
Auripasser euchlorus Licht, p. 519. Abyssinien. — Crühagra Uilarii Bp.
p. 521. Brasilien. — C. Pentlandii Bp. Südamerika. — C. chloropsis
Bp, ib. Bolivien. — Serimis leucopygos Licht, p. 523. Südafrica. — Ä.
syriacus £hrenb. ib Bischerra. — Linola fringillirostris Bp. 1. c. Cen-
tralasien.
Die grosse Mehrzahl dieser neuen Arten wurde nach Exemplaren
des Pariser Museums beschrieben.
Weitere neue Arten sind: Crilhagra leucopygia Sundev.
Öfvers. p, 127. Sennaar. — Coraphiles albifrons Sund. ib. Nubien. —
Alauda arenicolor Sundev. ib. p. 128. Unterägypten oder stein. Ära-
der Vögel während des Jahres 1850. 61
bien. — Ploceus rubriceps Sund. I. c. 97. Kafferl. Steht dem melanolfs
l.afr. nahe. — Estrilda melanogenys Sundev. 1. c. Natal. — E. incana
Sundev. ib. Unt. Kafferl. — Crithagra scolops S. ib. p. 98. Unt. Kafferl.
— Alauda conirostris S. p. 99. Ob. Kafferl. — A. fringillaris S. ib.
Ob. Kafferl. — A. nigricans S. ib. Ob. Kafferl. — A. breviunguis S. ib.
Ob. Kafferl. — A. fasciolata S. ist AI. pyrrhonota Sm., aber nicht Vieill
— Hyphantornis hadius Cass. Froceed. Ac. Philad. p. 57. Fazogl. —
Emberiza bilineata Cass. ib. p. 104. Rio grande. (Texas). — E, Bellii
Cass. ib. Calilom. St. Diego, Sonoma. — Carduelis Lmcrenzii Cass. ib.
Californ. — Calliste luteola Sclater. Contrib. 2. — C. crysonota Sclat.
ib. 3. c. fig. Cajenne. — C. virescens Sclat. ib. — C. chrysophrys
Sclat. ib. c. fig. bestimmt verschieden von punctata Edw. — Euphone
bicolor Strickl. Contrib. 2. c. fig. Peru.
Abbild. Vidua concolor Cass. in Journ. Ac. Philad. I. pl. 30.
Ueber diese Art vergl. Sundev. Öfvers. 1849. p. 158. — albonolala
Cass. ibid. fig. 2. — Euplectes nigroventris Cass. ibid. pl. 31. — Fy-
renestes coccineus Cass. ib. fig. 2. — Sycobius scutatus Cass. ib. pl. 41,
— Tanagra nigro-aurita Cass. ib. fig. 2. — Tachyphonus serriroslris
Strickl. (rufivcnter Spix): Jard. Contribut. Heft 3. In Bonaparte's „Mo-
nogr. des Loxiens" auf pl. 23. : Carpodacus thura Bp. von Nepal ; auf
pl. 24. : C. Sophia ß. (ist rhodochlamys Brandt) ; auf pl. 29. : Pyrrha
saturata Hodgs. ; auf pl. 37 u. 38. : Chaunoproctus papa Kittl ; auf
pl.47. : Fringalauda nemoricola H. ; pl. 49.: Linola friHgillirosiris Bp.;
pl. 54 : Äcanthis Holbölli B. ; auf pl. 40. : Haematospiza sipahi Hodgs.
u. s.w. Montifr. Gebleri Br. ist nicht abgeb.
lieber eine eigenthümliche Structur der rectrices bei Vidua
paradisea schreibt Strickland: Contrib. Heft 5. c. icon. Bona-
parle über Callacanthis Burloni : Corapt. rend. p. 479. — Ueber Pi-
pilo oregonus und seinen Unterschied von P. arcticus Sw. schreibt
Bell: Ann. Lyc. of New- York. — Sundevall erhebt Fyrenestes al-
bifrons Vig. zur Galtung Amb lyospiza und Fr, polyzona T. zur Gat-
tung Ortygospiza: Öfvers. p. 98. — Derselbe unterscheidet sehr
hübsch drei unter Loxia sanguitiirostris L. steckende Varietäten, näm-
lich : 1) die senegalische (Ember. queleaL.), 2) die s ü daf rican.
Var. (Lox. sanguinir. L.) und 3) die nordöstl. Form, von Hedenborg
in Sennaar gesammelt. Letztere ist die grösste.
niusopliag^idae. Ueber Corythaix macrorhyncha und Fhimns
giganleus, welche beide schon Afzelius von Sierra Leone heimbrachte,
vergl. Sundev. Öfvers. 1849. p. 160.
Bucerotidae* Neue Arten: Buc. ßstulator Cass. Proc.
Acad. Phil. p. 68. Dem buccinotor verwandt, aber bedeutend kleiner ;
Westafrica — B. cultratus Sundev. Öfvers. 1849. p. 160. Sierra Leone:
Afzel. 30" lang, „niger , capite comoso colloque fulvo-albidis, rostro
mutico, albo, laevi, culmine tereti, antice compresso."
62
Hartlaub; Bericht über die Leistungen in der Naturgeschichte
Ueber Buc. elalus T. vergl. Sundev. 1. c. p. 161. — Eine Va-
rietät (oder wirJdiche Art, B. epirhinus'i) von nasutus aus dem Kaffer-
Jande beschreibt Sundeva II; Öfvers. 1850. p. 108. — Ebend. über
eine Varietät (oder wirk). Art B. rufirostris?) aus dem Kafferlande von
B. erythrorhynchus: 1. c. p. 108. — Buc. leucomelas Licht, ist nach
Sundev. eine leichte Varietät von B. ßavirostris Rüpp. 1. c. — Uebcr
die östliche Varietät von B. nasutus (B. Forskaiii Ehrenb. t) und B.
Hemprichii Ehrenb. $ Symb. Phys.) vergl. Sundev. I. c. p. 130.; und
ebendaselbst über die von Ehrenberg B leucoparaeus genannte Varietät
von B. erythrorhynchus.
l§caiisores.
T. C. Eyton „Notes on t he Osteology of Ihe
Scan so res.« Contrib. Heft 4. Dahin zählt Eyton die Mu-
sophagiden. Alle Scansores haben entweder kein oder ein
nur rudimentäres es furcatum.
Pstttacidae. C h. L. ßonaparte „Nouvelles especes
ornithologiques" Compt. rend. p. 135. Bonap. kennt 275 Fapa-
geyenarten. Er trennt die Strigopidae mit einer Art als beson-
dere Familie. Die Psitlacidae zerfallen in die 7 ünterfamilien : Macro-
cercinae, Pe&oporinae, l'latycercinae, Jrichoglossi -
naßf Lorinae, Psittacinae, Plyctolophinae.
Neue Arten: Conurus xanthogenius Bp. Consp. p. 1. Brasilien.
— Psephotus xanthorhous Bp. — Platycercus amalhusia Bp. — Tricho.
glossus Forsteni Bp. Consp. p. 2. Sumbava, — Chalcopsitta rubiginosa
Bp. ib. p. 3. Barabay und Guebe. Abgeb. in lllustr. Proceed. Z S. IM.
pl. 16, — Eos cyanogenia Bp. Consp. p. 4. Abgeb. lllustr. Proceed.
Z. S. 1851. pl. 14. Oceanieo. ~ Eos semilarmtaBp. ib. Abbild. I.e.
pl. 15, — Eclectus Cornelia Bp. Proceed. Z. Soc III. pl. 11. Ceram. —
Psittacodis intermedius Bp. Consp. p. 4. — Ps. Westermanni Bp. ibid.
— Tanygnatkus Mülleri Bp. ib. p. 5. Neuguinea. — Geoffroym cyani-
collis Bp. ib. 6. Gilolo. — Microglossus alectoTemm. ib. p. 7. Neugui-
nea. — Palaeornis Luciani Verr. Bev. et Mag. p. 598. pl. 13, ,.rectri-
cibus mediis elongatis.« — Poiocephalus pachyrhynchus nob. Verz. Brem.
Samml. p. 88. u. Beitr. zur Ornith. Westafr. p. 47. beschr. Ist eins mit
P. magnirostris Bp. Consp. p. 5, — Cacatua triton Temm. Conp. d'oeil
Poss. Neerl. III. p. 405. Neuguinea. — C. aequatorialis Temm. ib. p.
405. Neuguinea , Gilolo. — Phjctolophus licmetorhynchus Bp. Compt.
rend. p. 139. V. D. Land. — P. parvulus Bp. Compt. rend. p. 139.
Picidae. Neue Arten: Chloropicus Jsidori JVIalh. Rev. et
Mag. p. 154. St. Cruz. (d'Orb.) - Chrysopicos atricollis Malh. 1. c.
156. Peru. — Leuconerpes albolarvatus Cas«^. Proc. Acad. Philad. p, 106.
Californien: „Sutter's Mill.« - Meiglypies badiosm Temm. Bp. Consp.
der Vögel während des Jahres 1850. Ö3
p, 112. Borneo. — Venilia Alberluli Bp. ib. 129. Celebes. — Hemilo-
ph%is Mülleri Bp. ib. Borneo. — Dryocopus percoccineus ßp. ib. 134.
Buenos-Ayres. — Picus murinus Sundev. Öfvers. p. 131. Sennaar.
Picus schoensis Rüpp. wurde von Wahlberg im KafFerl. ge-
funden : Öfvers. p. 109. — Mal herbe bildet für P. dominicanus die
Gattung C olomb p icusl für P. erythroceph. die Gattung Melanom
picosl und für P, Herminieri die Gattung Linneopicus l (Umgedr.
Bogen der „Nouv. Classific. des Pic.«
Neu: Yunx japonica ßp. Consp. p. 112. — Yunx indica Gould,
Ann. and Mag. vol. 6. p. I4l. und Birds of Asia pl. 16. Thibet und
Afganistan.
Cuculidae. Neue Arien sind : Eudynamis Ransomi Temm.
Bp. Consp. p. 107. Ceram. — Cenlropus epomidis T. ib. 107. Guinea. —
C. Francisci Bp. ib. 107. Guinea. — C. Molkenboeri ßp. ib. 108. Phi-
lippinen. — C. goliath Temm. ib. p. 108. Gilolo. (Vergl. Temm. Coup,
d'oeil sur les poss. Neerl. p. 152. vol. 3. Beschr.). — Diplopterus Les^
sonii Bp. ib. p. 109. Brasilien. — Piaja circe Bp. 1. c. Columbien. —
P. IMehleri Bp. ib. St, Fe de Bogota. — Coccyzus Lansbergi Bp. ib.
p. 112. St. Fe de Bogota. ~ Indicator macitlicollis Sundev. Öfvers. 1850.
p. 109. ünt. Kafferland. — Prodotiscus regulus Sundev. 1. c. p. 109.
Kafferland : Wahlberg gen. difF. „rostro tenuiore , subulato, aculo, cul-
mine medio arcuato, caudaque emarginata."
Das Ei des Eudynamis orientalis ist abgebildet: Jard. Contribut.
to Ornilh. Heft 3. (Blyth).
Coluitibae.
H. E. Strickland bringt in den Annais and Magaz.
of Nat. Hist. vol. 6. p. 290. zur nachträglichen Anzeige, dass
im böhmischen Museo zu Prag die Frontalportion ei-
nes Drontenschädels vorhanden sei.
Neue Arten: Carpophaga assimilis Gould Contrib. to Ornith.
He(t ö. Cap York. — Plilinopus strophium Gould ibid. steht der Col.
Rivolii Fl. Prev. sehr nahe, c. fig.
Abbild. Col. coronata pull. Illuslrat. Proceed. Z. Soc. III,
pl. 13.
Grallinae.
Ifleg-apodidae* Ueber die Lebensweise von Megapodius vgl.
Temm. Coup, d'oeil sur les possess. Neerl. 111. p. 116. Eine neue Art
ist Agelastes meleagrides Temm. Mus. Lugd. ßonap. Proceed. Z. Soc.
Nov. 27. p. 145.
PUasiauidae* Die Eier von Lophophorus impeyanus und
64 Hartlaub: Bericht über die Leistungen in der Naturgeschichte
Pucrasia macrolopha sind abgebildet: Jard. Contrib, to Ornith. Heft 3.
(Blylh).
Tetraonidae, Zwei neue Arten sind: Syrrhaptes thibe-
tanus Gould, von Lord Giiford aus Thibet gebracht: ßirds ot Asia I.
pl. 12. Grösser als paradoxus. — Hemipodius nanus Sundev. üfvers.
1850. p. 110. Unter. KafVerl.
Struthioiies«
Struthioninae. Die Entdeckung- eines ächten be-
helmten Casoar auf dem Festlande Neuhollands und zwar
der Nordküste desselben , ist bereits oben erwähnt worden.
Noch gelangle indessen kein Exemplar nach Europa. — Ju-
les Verreaux hält die Einführung und Domestication des
neuholländischen Emu in Frankreich für nicht allzu schwie-
rig und in ökonomischer Hinsicht für sehr wünschenswerth;
Rev. et Mag. de Zool. p. 203.
Aptery^inae. Prof. Owen „part. IV. on Dinornis,
containing the restauration of the feet of that
gen US and of Palapteryx with a description of
the sternum of Palapteryx and No tornis."Transact.
Zoolog. Soc. IV. part. 1. mit 4 prachtvollen Tafeln, und zwar
t. 1 : Restaur. des Fusses von Pal. rohustus ; t. 2 : Restaur.
des Fusses von P. dromioides ; t. 3 : Restaur. des Fusses von
Dinornis rheides und t. 4: sternum von Palapt. und Noior-
nis MaJitelli. Auch von den beiden Apteryxarten sind sub-
fossile Reste gefunden worden; sie lebten also wohl gleich-
zeitig mit jenen Riesenvögeln. Man fand jene Reste in den
Flussablagerungen und der Höhle des Tongariro auf der Nord-
insel. Sehr geistreich spricht Owen gegen die Ansicht, als
hätten die Rassen der Thiere an Grösse abgenommen.
tHidinae. E. Rlyth über die Trappen Indiens und
ihre Lebensweise, also über Eupodotis Edicardsü, Sypheot.
hengalensis und S. aurita : Jard. Contrib. to Ornith. Heft 2.
Vergl. auch darüber Hodgs. Journ. As. S. R. XVI. p. 884.
Rlyth giebt eine schöne Abbildung des Eies von S. henga-
lensis 1. c.
Orallae.
Charadridae. Slrickland schreibt über das Vor-
der Vögel während des Jahres 1850. 65
kommen von Charadr. virginicus auf Malta, wo diese Art im
Frühlinge Besucher zu sein pflegt. Auf den Bermudas findet
man eine grössere und eine kleinere Varietät derselben :
(Drummond Tristram) Ann. and Mag. V. p. 42.
Neue Arten: Glareola nuchalis G. R. Gray: Proceed. lllustr.
Z. S. von Gondar in Abyssinien. — Charadrius frontalis Sund. Öfvers.
1850. p. 110. KafFerland.
Ardeidae* Anticipirend ist oben eines höchst merkwürdigen,
die Gattung Cancioma in Africa repräsentirenden storchartigen Vogels
vom oberen weissen Nil Erwähnung geschehen. Gould nennt diese
Art ß alaeniceps rex und schreibt uns von derselben: „dieser Vo-
gel ist von der Grösse eines Marabou , hat aber einen Kopf so gross
wie ein Kind von 7 Jahren und einen Schnabel von entsprechend enor-
men Dimensionen.^ 'Der Entdecker ist der englische Reisende Par-
kyns. Die Färbung soll auüallend an die gewisser Reiher, wie A.
virescens u. s. w., erinnern. Mehr davon im nächsten Berichte. Gould
wird ihn in den „Icones Avium« abbilden. — Ausführlich und interes-
sant schreibt B 1 y t h über die K r a n i c h e Indiens, Grus cinerea (Coolen),
GV. virgo und Grus anligone, zumal über des letzteren Lebensweise.
Grm leucogeranos kommt in Afganistan vor : Contrib. to Ornith. Heft 1.
Abbild, des Eies von G. antigone.
C. Harris „über das gegenwärtige Vorkommen \on Ibis religiosa
in Aegypten« Proceed. Acad. N. Sc. of Philad. 1850. p. 83. Diese Art
ist dort jetzt ungemein selten.
Neue Arten: Ardea rufiventris Sundev. Öfvers. 1850. p. HO.
Kafferl. — Ardea flavimana Sundev. ib. 111. Kafferland.
Scoiopacidae« ßrehm: „lieber die europäischen Arten der
Gattung Calidris": Naum. II. p. 66. Eine gute neue Art scheint Cal.
Mülleri Br. aus Attika zu sein. Sie ist 7" 8'" lang. — lieber Limosa
scolopacea Say (Long's Exped. II, 170.) als selbständige Art vergl,
John Bell: Ann. Lyc. of New- York, vol. V. pl. 1. ^ im Sommerkl.
und $ im Winterkleide. Auch Lawrence hält sie dafür. Sie un-
terscheidet sich von grisea durch weit längeren Schnabel, längere Beine
u. s. w. Häufig längs der Küste des Golf von Mexico. — Ueber Scolo-
pax Brehmii K. mit 16. reclr. vergl. Contrib. to Ornith. Heft 1, c. fig.
Rallidae. Die schon oben als sub fossil namhaft
gemachte Vogelart Neuseelands Notornis Mantelli Owen, wurde
von dem Sohne des , Dr. Mantell , lebend auf der Südwest-
spitze der sogenannten Mittelinsel , in einer Schlucht hinter
Resolution Island, entdeckt und erlegt: Ann. and Mag. vol. 6.
p. 398. Ein ganz Porphyrio - artiger Vogel von 2 Fuss Höhe,
ArchiT f. Natursesch. XVII. Jahrg. 2. Bd. £
66 Hartlaub: Berieht über die Leistungen in der Naturgeschichte
dunkel purpurbläulich, Schnabel und Füsse roth. Goul d wird
ihn in den Nachträgen zu den „Birds of Australia« abbilden.
Das brittische Museum bot 25 Pf. Sterl. für denselben ohne
ihn zu erhalten.
Neue Arten: Gallinula angulata Sundev. Öfvers. 1850. p. 110.
Unter. KafFerland. — G. mutabilis Sundev. 1. c. p. 132. Weisser Nil.
Anatidae* Hier bei den Schwimmvögeln begegnen wir wie-
der den trefflichen Untersuchungen Pucheran's über die Typen des
Pariser Museums. Anas (Nyroca) capensis Cuv. wird ausführlichst be-
schrieben : Rev. et Mag. p. 545. Nach Verreaux ist es die „Swart-ind«
der Colonisten. — Anas larvata Cuv. Genaue Beschreib, nebst Anmer-
kungen von Verreaux : ib. p. 549. Ist eine gute mit der erythrorhyn-
cha verwandte Art: Teleen-jee der Colonisten. — Mergus lophotes Cuv.
ist brasiliensis Vieill. — Lesson's „Milouin des Malouines« ist
Anas pyrrhogaster Meyen. — Lesson's „Morillon des Mariannes«
ist der jüngere Vogel einer noch unbestimmten Art: 1. c. p. 636. —
Less, „Sarcelle rouge de Bengal* sei _^ jun. von Anas crecca.
Eine neue Art ist Casaria leucoptera ßlyth aus Bengalen : Jard.
Contrib. to Ornithol. c. fig.
v. Löbenstein fand Erismat. mcrsa im Banat : Naum. III. —
Clangula Barrotcii kommt in Lappland vor, aber sehr selten, A. dispar
ist dort häufig: Schrader.
Colymlbidae« Sundevall legte in diesem Archive Bemer-
kungen über Podiceps arcticus, cornutus und auritus nieder : XVI. p. 44.
P. arcticus Boie ist nach ihm der Vogel in seiner Sommertracht, eor~
nutus derselbe im Winter. Dagegen sei P. auritus eine eigene Art, für
welche S. den Namen P. nigricollis vorschlägt', und zwar weil P. au-
ritus als ältester Name L.*s synonym mit obscurus sei.
Alcidae* Mergulus Cassinii Gamb.^, häufig längs den Küsten
Californiens , wird abgebildet : Journ. Acad. of Philad. vol. II. pl. 6.
p. 55. Diese sogenannte neue Art ist aber ganz bestimmt identisch mit
Uria aleutica Pall. Eine uns bekannte Originalabbildung des Petersb.
Exemplars stimmt genau mit der eben citirten von M. Cassinii.
Procellaridae* Nach Pucheran's Untersuchungen ist
Procellaria brevirostris Less. eins mit macroptera Smith : Rev. et Mag.
de Zool. p. 633. — Pufßnus chlororhynchus Less. sei eine gute neue
Art, verschieden von der gleichnamigen Goul d's: ib. p. 634. Ausführt.
Beschreib.
liaridae. Cuvier's „Sterna hirundinacea^ aus Brasilien er-
klärt fucheran als wahrscheinlich gleichartig mit erythrorhyn-
der Vögel während des Jahres 1850 67
cha Wied; Rev. et Mag. p. 539. Ausführl. Beschreib. — St. antav'
ctica Cuv. sei panajensis Gm. Gen. Beschr. — Sterna bengalensis Cuv.
sei wohl neu. Ausführl. Beschreib, p. 542. — St. speculifera Cuv. sej
bestimmt magnirostris , St. albifrons Cuv. sei wahrscheinlich chloripoda
Vieill. p. 344. Brasilien. — St. novae Hollandiae Cuv. weiss Pucher.
mit keiner modernen Art zu identificiren. Ausführl. Beschreib. — St.
longirostris Less. sei St. Bergii Licht. — Larus nigrotis Less. sei der
alte Vogel von L. minutus Fall, im VVinterkleide. — Lesson's „M o u-
ette rieuse" vom Senegal endlich sei L. tenuirostris Temm.
Sir W. Jardine erhebt Sterna inca Less. zu einer eigenen
Gattung. Ernennt dieselbe Inka mystacalis: Contrib. to Ornith. Heft
2., mit schöner Abbildung des Kopfes nach dem Leben.
Pelecanidae* Pucheran's Forschungen ergaben ihm, dass
Carlo leucotis Cuvier's identisch sei mit magellanicus Gm. — C. mela-
nogaster Cuv. sei bestimmt lugubris Rüpp. — Hydrocorax fuscescens
Vieill. ist nach Pucheran nur av. jun. von Pelec. varius.Gm. (pica Forst.)
Rev. et Mag. p. 626. — Carbo africanus Less. y\ sei C. pygmaeus P.,
dagegen sei das Weibchen C. longicaudus Sw. — C. ater Less, von
Neuholland vereinigt Pucher. mit chalconotus Gr. Ereb. et Terr. Av.
pl. 21. — C. mystacalis Less. sei vigua Vieill. — C. macrorhynchus
Less. sei eine neue Art, welche Pucher. Phalacrocorax Lalandii ge-
nannt wissen will: 1. c. p. 630. —Desselben C. graculus vom Cap sei
capensis Sparm, Fast alle diese Arten beschreibt Pucheran sehr
ausführlich.
Berieht über die lieistuiigen in der Herpe*
tologfie während des Jahres 1§50.
Vom
Herausg^eber*
Von der Exploration scientifique de l'AIgerie pendant
les Annees 1840—1842 erschien im Jahr 1850 die 32. Lie-
ferung-, welche den Text für die Reptilien, bearbeitet von
Guichenot, enthält. Die Amphibienfauna Algeriens besteht
danach aus 2 Schildkröten, 19 Eidechsen, 6 Schlangen und 6
Batrachiern ; darunter ist eine Eidechse und ein Triton neu,
s. unten.
In „Lake superior, its physical character, Vegetation,
and animals by Louis Agassi z. Boston 1850'' beschreibt
Verf. p. 378 einige neue Amphibien aus der Gegend des obe-
ren See's und bildet sie ab. Im Ganzen werden 11 Arten
aus jener Gegend genannt.
Chelonii.
B er t h 0 Id beschrieb die Cinyxis homeana Bell, in Nova
acta Acad. Caes. Leop. Carol. nat. cur. XXIL P. IL p. 421.
und bildete sie ab. Sein Exemplar wurde zu Boni von einem
Eingeborenen lebend eingetauscht, er hält die Gattung für
africanisch (vergl. dies Archiv. 1846. IL p. 395.)
S^auri.
In den Philosophical Transactions of the Royal Society
of London for the Year 1850. Part. IL London 1850 findet
Tr ose hei: Bericht über die Leistungen in der Herpetologie etc. 69
sich p. 521 ein Aufsatz von Owen „On the Communications
between the cavily of the tympanum and the palate in the
Crocodilia (Gavials, Alligators and Crocodiles)" mit drei
Tafeln.
Ueber die Carotiden der Krokodile und der Vögel machte
Rathke seine Beobachtungen bekannt (Müller's Archiv 1850.
p. 184.)
Die fossilen üeberresle gavialartiger Saurier aus der
Lias-Formation in der kön. paläontologischen Sammlung zu
München beschrieb A. Wagner in den Abhandlungen der
bayerischen Academie Band V. 1850. p. 513. Dazu 8 Stein-
drucktafeln.
Im ersten Abschnitt wird die Galtung Mystriosaurus abgehandelt
und die Arten nach dem Vorkommen von ßoll , von Berg, von Mistel-
gau beschrieben ; im zweiten Abschnitte wird Pelagosaurus typus Bronn
zur Sprache gebracht; der dritte Abschnitt ist der Beschreibung von
Teleosaurus cadomensis und Glaphyrhynchus aalensis gewidmet ; der
vierte endlich beschäftigt sich mit der Systematik der fossilen gavial-
artigen Saurier aus der Lias-Formation. Verf. nimmt die Gattungen
Teleosaurus Geolfr., Steneosaurus Geoffr., Mystriosaurus und Pelagosau-
rus Bronn an, hält aber mit Bronn Engyommasaurus Kaup und Macro-
spondylus H. v. Meyer für nicht verschieden von Mystriosaurus. — Die
Arten von Mystriosaurus werden in zwei Abtheilungen oder Untergat-
tungen gebracht: die einen mit gewölbter cylindrischer Schnauze, wo-
von M. Laurillardi als Typus betrachtet werden kann ; die andern mit
flacher Schnauze, wofür M. Münsteri und überhaupt alle die bisher be-
kannt gewordenen Exemplare von Boll gehören. 1. M. Laurillardi
Kaup Rüssel walzig, Alveolarränder in gleicher Fläche mit dem Gau-
men liegend. Var. a. M. speciosus Münst. —2.M. macrolepidotus \Yagn.
Rüssel wahrscheinlich walzig ; auf dem Rücken ausgezeichnet grosse
und eigenthümlich gestaltete Schilder. — 3. M. tenuirostris Münst.
(Engyommasaurus s. Mystriosaurus Brogniarti Bronn). — 4. M. Eger-
toni Kaup. Diese sämmtlich von Altdorf. — 5. Jüf. Münsteri Wagn.
(M. Senckenbergianus Meyer , Mandelslohi Bronn , Tiedemanni Bronn,
Schmidt! Bronn, canalifer Münst.). Schnauze flach, Rückenschilder ohne
mittlem Längskiel. — 6. M. longipes Bronn durch grössere Länge des
Unterschenkels in Bezug auf den Oberschenkel verschieden. Beide
von Boll. — 7. M. franconinus Münst. mit flacher Schnauze, Gaumen
von einer mittleren und zwei seitlichen Längsfurchen durchzogen, von
Mistelgau im ßayreuthischen. — 8. M. Chapmanni (Teleosaurus Chap-
nianni Owen) ; der Vorderarm ist viel kürzer im Verhältniss zum Ober-
70 Troschel: Bericht über die Leistungen in der Herpetologie
arm, indem das Eilenbogenbein noch nicht die Hälfte der Länge vom
Oberarmbein hat. Die Räckenschuppen haben durchgängig einen Längs-
kiel, aus dem englischen Lias.
„Ueber die üebereinstimmung des Pygopterus lucius Ag.
mit den Archegosaurus Dechenü Goldf. von G. Jäger. Mit
einer Tafel." (Abhandlungen der Math.-Phys. Classe der baye-
rischen Academie Band V. 1850. p. 877). Verfasser sieht
diese fossilen Schädel als eine Zv^^ischenbildung zw^ischen dem
Schädel der Krokodile und der Iguanen an.
Gosse beschreibt zwei neue Arten Anolis iodurus und opalinus
von Jamaica. (Annais VL p. 344.) und Draconura catenata ibid. eben-
daher.
In der Iguanenfamilie stellte Gosse ferner ib. p. 346) ejne neue
Gattung Placopsis auf: Nasenlöcher oberhalb, über dem Augenrande,
an der Schnauzenspitze. Zehen erweitert, ungleich. Keine Schenkel-
poren. Kopf verlängert, mit grossen, winkligen, glatten Platten be-
deckt, ohne kleine Schuppen : Schnauzen - Platte aufrecht (erecl) , Kie-
fern glatt, abgerundet. Bauchschuppen dachziegelartig, flach. Rücken
und Seiten mit glatten, ovalen, flachen, nicht dachziegelförmigen,
durch kleine Körnchen getrennten Schuppen bedeckt. Schuppen an den
Seiten des Kropfes länglich oval , weitläufig dachziegelartig. Schwanz
zusammengedrückt , oben mit einem gezähnten Kamm ; unten Kiele bil-
dende Reifen. P. ocellata grünlich weiss mit schwarzen Querbinden.
Jamaica.
Eine neue Eidechsengattung Coph o saurus texanus stellt Ref.
in diesem Archiv 1850. L p. 388 auf.
Stenodactylus mauritanicus Guichenot (Expl. de l'Algerie pl. L
fig. 1.) soll sich von St. guttatus Cuv. durch schlankere Formen und
mindere Abplattung des Kopfes unterscheiden, und lebt in der Umge-
gend von Oran.
Sphaerodactylus Argus und oxyrhinm Gosse sind zwei neue Ar-
ten von Jamaica (Annais VL p. 347).
PlesHodon anthracinus Baird (Journ. of the acad. of Philadel-
phia L sec. ser. p. 294). Grösse zwischen Lygosoma lateralis und Ple-
stiodon fasciatus, ohne eine Spur von Wirbellinie , vier schmale gelbe
Längslinien , und jederseits ein breiter anthracitfarbiger Streifen. Von
Carlisle, Pennsylvania.
lieber die Lymphherzen des Scheltopusik (Pseudopus
Pallasii) schrieb HyrtI (Denkschriften der Acad. der Wis-
sensch. zu Wien I. 1860. p. 25. mit einer Tafel). Dieser Auf-
während des Jahres 1850. 71
salz bildet einen Abschnitt aus des Verf. Beiträgen zur ver-
gleichenden Angiologie.
(Serpeiites.
Tyler that der Schlangen von St. Lucia Erwähnung
(Proc. zool. SOG, 1849. July ; Annais VI. p. 130).
Die häufigste ist der Rat - tail {^Craspedocephalus atrox Gray) ;
dann folgt der Couresse, für den kein systematischer Name angegeben
ist, dann der Clibro (Coluber cvnstrictor ?) und endlich der Tete chien
{Boa divinoloqua Dum. ßibr.). Von der ersten ist der Kopf in Holz-
schnitt abgebildet, alle sind beschrieben und Bemerkungen über ihre
Lebensweise hinzugefügt.
Agassiz bildet Kopf und Schwanz einer Art der Gattung Cro-
tophorus ab (Lake superior p. 381.), ohne ihr einen Artnamen zu ge-
ben, weil er zweifelt , ob sie von Cr. tergemimts verschieden ist ; sie
soll sich durch einen mehr elliptischen als dreieckigen Kopf, und die
Flecken, welche sie bedecken, unterscheiden.
Batraehia.
Mikroskopisch - anatomische Darstellung der Centralor-
gane des Nervensystems bei den Batrachiern mit besonderer
Berücksichtigung von Rana esculenta. Von Dr. Alphon s
Blattmann. Mit einer lithographirten Tafel Zürich 1850.
Bei Gelegenheit eines Aufsatzes von Czermak „über
die Samenfäden der Salamander und der Tritonen,« in wel-
chem die Pouchet'sche Ansicht vom Flimmerphänomen der Sa-
menfäden vertheidigt wird (Siebold und Kölliker Zeilschr. IL
p. 350), machte v. Siebold einen Zusatz über „undulirende
Membranen" (ib. p. 356), in welchem er auch bei Bombina-
tor igneus einen zarten Saum der Spermatozoiden nachweist.
Eine Tafel mit Abbildungen ist beigegeben.
lieber die Einflüsse physikalischer Agentien auf die
Entwickelung der Larven von Triton und vom Frosch stellte
Higginbottom Versuche an. Die Experimente bezogen
sich auf den Einfluss der Luft, der Nahrung, der Tempera-
tur und des Lichts ; letzteres hat keinen Einfluss auf die Ent-
wickelung (Philosophical Transactions of the Royal society
of London for the Year 1850. Part. IL p.431).
72 Troschel: Bericht über die Leistungen in der Herpetologie
Hylodes maculatus Agassi z (Lake superior p. 379. pL 6. fig.
1—3.) schmal mit sehr schmalem Kopf; bläulich grau, unregelmässig
schwarz gesprenkelt, an den Seilen mit kleinen häutigen Tuberkeln.
Frosch und Larve sind abgebildet.
Rana nigricans A. g z s s i z (ib. p. 379. pl. 6. fig. 4. 5.) schwarz-
braun mit tief schwarzen Flecken , unterhalb weisslich mit dunklen
Flecken an den Seiten ; die Zehen der Hinterfüsse sehr dünn mit gan-
zen Schwimmhäuten.
Unter den Kröten stellte Schlegel eine neue Gattung Jlf j/o-
batra chus auf: Zunge klein, nur zwei kleine horizontale Fangzähnc
im Zwischenkiefer , sonst keine Zähne ; die eustachischen Röhren ge-
trennt , hinter den Augen geöffnet. Beine kurz , an der Basis in eine
Duplicalur der Körperhaut gehüllt. Vorn 4 Zehen, von denen die 2te
die längste, hinten 5, cylindrisch, spitz ohne Bewaffnung. Augen seit-
lich, von mittlerer Grösse. Die Art M. paradoxus ist oben braungrau,
unten graulich. Swan-River, Australien. Der Prinz v. Canino hat aus
diesem Thiere eine besondere Familie gebildet (Proc. zool. soc. 1850»
Januar, Annais VIL p. 70.)
W. Turner beobachtete eine Kröte während der Häutung und
sah wie dieselbe die Haut gleichsam in den Mund hineinstreifte und
verzehrte. (Gardener's Chronicie März 1850, Annais V. p. 431.). —
Eine ähnliche Beobachtung machte Henslow (Gardener's Chronicie
Juny 1850. Annais VL p. 69.)
Im Zoologist Mai 1850 wird wieder ein Fall von einer einge-
mauerten Kröte erwähnt. Sie war von einem Maurer eingemauert, und
hatte 16 Jahre so zugebracht; sie war anfänglich etwas starr, sprang
aber dann davon.
Unter dem Titel „Revision of the North American Tai-
led-Batrachia , with descriptions of new genera and species
by Spencer F. Baird" in dem Journal of the Academic
of Philadelphia I. sec. ser. p. 281 gab Verf. eine Uebersichl
der Eintheilung und die kurzen Umrisse der Gattungen und
der Synonymie der Arten.
Die Gattungen werden in folgende Uebersicht gebracht:
I.Gruppe. Alretodera Dum. Bibr. Kiemenöffnungen verschwin-
den im erwachsenen Zustande.
1. Section. Sphenoidal-Zähne fehlen. Carpus und Tarsus im er-
wachsenen Zustande verknöchert : Amblysloma Tsch. , Nolöphthal-
mus Raf.
2. Section. Sphenoidal-Zähne. Carpus und Tarsus im erwachse-
nen Zustande nicht verknöchert. 1. Zunge ganz angeheftet Plethodon
während des Jahres 1850. 73
Tsch. II. Zunge vorn angeheftet wie bei Rana. Desmognalhus Baird,
Hemidactylium Tsch. III. Zunge ganz protractil , einer beträchtlichen
Vörslreckung fähig, kreisförmig, und am Ende von dem Hyoid-Apparat
gestützt. Oedipus Tsch., Pseudotriton Tsch., Spelerpes Raf. , Batracho-
seps Bon.
2. Gruppe. Tremadotera Dum. Bibr. Kiemenöffnungen bleibend.
«. Kiemen hinfällig. Menopoma, Amphiuma. ß. Kiemen bleibend. JVc-
clurus Raf., Siren L., Siredon Wagl.
Anhangsweise werden vier Salamander und ein neuer Scink be-
schrieben :
Amblystoma macrodaclyla. Schädel länger als breit, Zehen lang,
nicht durch Haut verbunden, ein breiter rothbrauner Rückenstreif; un-
terhalb dunkelbraun, ungefleckt. Von Astoria, Oregon. — A. mavorila
Schädel breiter als lang, Zehen kurz und breit, Schwanz stark zusam-
mengedrückt, Farbe dunkelbraun, unterhalb mit einigen grossen gelb-
lichen Flecken, und ähnliche Querbinden an den Seiten des Köpers und
Schwanzes. Neumexico. — A. episcopus, keilförmig, Schädel länger als
breit. Schwanz stark zusammengedrückt, kürzer als der Körper, gelb-
lich mit dunklen Flecken. Kemper County, Mississippi.
Pseudotriton montanus hat Aehnlichkeit mit P. ruber Daud. Schwanz
so lang wie der Körper , Iris dunkel , ohne den Längsstreifen von P.
ruber. Von Carlisle, Pennsylvania.
Triton nehulosus Guichenot (Expl. de l'Algerie pl. 4. fig. 1.) ist
verwandt mit Poireti, von dem er sich durch den Schwanz unterschei-
det, der etwas länger ist als der Körper; auch ist der Kopf etwas brei-
ter , kürzer und niedriger ; er ist flaschengrün mit braunen Flecken,
kleine gelbe Pünktchen zeigen sich am Kopf, Rücken und Schwanz;
Schwanzkiel und Unterseite sind mennigfarbig. Gemein bei Algier.
L e C 0 n t e gab einen kurzen Bericht über die Lebens-
weise von Amphiuma, welche 8 Jahr in Gefangenschaft ge-
hallen war. Sie schien sich der Kiemen nicht zum Athmen
zu bedienen, da sie oft Luftblasen aus der Nase stiess, und
an die Oberfläche kam, um frische Luft zu athmen. Wenn
ihr Wasser unrein wurde , ging sie aus demselben , bis es
durch neues ersetzt war. Sie frass Regenwürmer und kleine
Stückchen rohes Fleisch , und war sehr gefrässig ; die Nah-
rung ergriff es nur unter Wasser; das mit der Nahrung ver-
schluckte Wasser tritt aus dem Kiemenloche. Der Kiemenap-
parat war fast rudimentär, und schien nicht in Function zu
74 Troschel: Boticht ober die Leidtangen u. s. w.
sein. (Proc. of the Amer. Assoc. for the advancement of
science, second meeting, Boston 1850. p. 195).
Gibbes beschrieb eine neue Art Menohranchus pun~
c(a(us, die sich von den beiden bekannten Arten durch die
Olivenfarbe mit vielen kleinen orange oder gelblichen Punkten
unterscheidet; sie ist am South Santee River, wenige Meilen
von der Mündung aufgefunden. (Proceedings of the Ameri-
can Association for the advancement of science, third mee-
ting held at Charleston, March 1850. p. 159.)
Bericlit über die lieistuiig^en in der leli«
tiiyologie wäiireiid deis Jahreis 1§50«
Vom
H eransgrelier*
A. Czernay machte in dem Bulletin de la Soc. imp.
des nat. de Moscou 1850, p. 627 „Ichthyologische Beobach-
tungen gesammelt auf Reisen in dem Charkowschen und den
anliegenden Gouvernements" bekannt.
Das Wassergebiet des Charkow'schen Gouvernements, das durch
Nebenflüsse des Don und des Dniepr gebildet wird, hat keinen grossen
Reichthum an Fisch - Arten ; nur bei sehr hohem Wasserstande ziehen
die Bewohner der grössern in die kleineren Flüsse, und machen den
Fischfang ergiebig. Die Zahl der Arten ist 40 in 22 Gattungen, und
nur der vierte Theil der, nach Nordmann, der Fauna pontica angehöri-
gen Fische. Diese 40 Arten vertheilen sich nach Familien so : 5 Ar-
ten Fercoiden, 2 Scleroparei, 25 Cyprinoiden, 1 Silurus, 1 Salmo, 1
Esox, l Lota, 2 Acipenser, 2 Fetromyzon. Von ihnen werden nur 10
als beständige Bewohner mehrerer Flüsse angegeben. Schliesslich
wird die Laichzeit der hier vorkommenden Fische nach Monaten ange-
geben. Im Januar Lota vulgaris; im Februar Lota vulgaris, Acerina
rossica , Cupr. Carpio , Esox lucius ; im Älärz Acerina volgensis, Cottus
gobio; im April Ferca fluviatilis, Lucioperca Sandra, Leuciscus rutilus,
Abramis Brama, Cobitis fossilis, Leuciscus erythrophlhalmus ; im Mai
Gobio fluviatilis, Barbus fluviatilis , Tinea vulgaris , Cyprinus Carassius,
Leuciscus Frisii, Leuciscus Idus, Fetromyzon fluviatilis; im Juni Silurus
Glanis, Abramis Blicca ; im Juli Gasterosteus ponticus ; im August Ga-
sterosteus ponticus; im November Rhodeus amarus ; im December Abra-
mis Vimba, Perca fluviatitis.
In der 32. und 33. Lieferung der Exploration scienti-
76^ T tose hei: ßerichl über die Leistungen in der Ichthyologie
fique de l'Algerie ist, hinter dem Abschnitt über die Repti-
lien, der über die Fische begonnen und beendet; er ist von
Guichenot bearbeitet. Es sind in Algerien 245 Fische
beobachtet, die sich wenig von derFischfauna der kanarischen
Inseln unterscheiden. Die neuen Gattungen und Arten sind
unten angegeben ; acht schöne colorirte Tafeln stellen Fische
dar ; mit wenigen Ausnahmen sind nur die neuen Arten ab-
gebildet.
Von Theophile Lefebvre's Voyage en Abyssinie,
execute pendant les annees 1839 — 1843 enthalten die Liefe-
rungen 27 und 28, die leider ohne Jahreszahl erschienen
sind, jede zwei Tafeln mit Fisch-Abbildungen, jedoch bisher
ohne Text. Auf ihnen sind Serranus summana und luti Cuv.
Val, Julis viridis C. V., Chondrostoma Dilloni C. V., Tetrao-
don maculatus Lacep. und Ostracion cubicus Bl. in schönen
illuminirten Abbildungen dargestellt.
Von der „Fauna japonica« ist im Jahre 1850 die Ab-
theilung der Fische, bearbeitet von Temm in ck und Schle-
gel, beendigt. Sie besteht nun aus 323 Seiten Text und 144
Tafeln mit colorirten Abbildungen. Der letzte Theil des
Textes, über den in diesen Berichten noch nicht gesprochen
ist, enthält die Echeneis, die Lophobranchier, die Gymnodon-
ten, die Sclerodermen und die Knorpelfische. Einzelne An-
gaben über die neuen Arten s. unten am systematischen Orte.
Das Werk ist zu den bedeutendsten neuen Erscheinungen zu
rechnen.
Reiche Beiträge zur ichthyologischen Fauna des Indi-
schen Oceans haben wir dem fleissigen Bleeker zu ver-
danken. So enthält die neue Zeitschrift Natuurkundig Tijd-
schrift voor Nederlandsch Indie door van Hoevell. Jaargang
1849. p. 140 eine „Enumeratio specierum piscium , quas in
itinere per Javam orientalem observavit P. Bleeker," wel-
che 180 Arten enthält. — Ferner ib. 1850. p. 230 „Enume-
meratio specierum piscium , quas in itinere per Javam cen-
tralem observavit P. Bleeker,« mit einer nackten Aufzäh-
lung von 219 Arten , meist nach Cuvier und Valenciennes
bestimmt, mehrere unter des Verf. Autorität. Beschrieben
werden hier neue Arten nicht , doch wird auf frühere Be-
während des Jahres 1850. 77
Schreibungen verwiesen, welche sich in solchen Abhandlungen
des Verf. befinden, die in unseren Berichten übersehen sind,
kh führe, da mir dieselben nicht zugänglich sind, hier we-
nigstens die Titel an : 1. Bijdrage tot de Kennis der Blennioiden
en Gobioiden vaii den Soenda-Molukschen Archipel; 2. Bij-
drage tot de Kennis der Ichthyologische Fauna van het ei-
land Madura ; 3. Bijdrage tot de Kennis der Visschen met
Doolhofvormigen kieuwbouw van den Soenda - Molukschen
Archipel ; 4. Bijdrage tot de Kennis der Ichthyologische Fauna
van Midden- en Oost-Java; 5. Bijdrage tot de Kennis der
Percoiden van den Malayo - Molukschen Archipel. Die bei-
den ersten stehen im 22., die beiden folgenden im 23. Bande
der Verhandl. van het Bat. Gen. van Künsten en Wetenschap-
pen; von der fünften Abhandlung ist mir der Ort unbekannt.
In derselben Zeitschr. Jahrg. 1850 erschienen von Bleeker
zwei Beiträge zur Kenntniss der Ichthyologischen Fauna von
Borneo, mit Beschreibung neuer Arten von Flussfischen. Zu
dem ersten Beitrag gab eine Sammlung, die Verf. von seinem
Freunde WolfF in Banjermassing erhalten, die Veranlassung.
Im Ganzen kennt Verf. 38 Arten von Borneo , unter denen
17 Borneo eigenthümlich sind. Die 16 neuen Arten sind
unten namhaft gemacht. — In dem zweiten Beitrag werden
die Ergebnisse einer zweiten Sammlung von WolflP niederge-
legt ; sie bestand aus 26 Arten , von denen 19 noch nicht
von Borneo und 10 noch nicht in der Wissenschaft bekannt
waren. So kennt Verf. von Borneo 61 Arten, die sich nach
den Familien folgendermassen vertheilen: Percoiden 3, Scle-
roparei 1 , Sciaenoidei 3, Chaetodontoiden 2 , Osphromenoi-
den 10, Scomberoiden 1, Theutiden 1, Notacanthini I, Go-
bioiden 8, Siluroiden 5, Cyprinoiden 9, Esoeiden 5, Clupeoi-
den4, Pleuronecten 2, Muraenoiden 1, Lophobranchii 1, Gym7
nodontes 3, Leptocardii 1.
Bleeker theilte ferner in Tijdschr. voor Nederl. In-
die I. p. 98. die Diagnosen neuer Arten als Auszug aus
seinen „Bijdragen tot de Kennis der Sciaenoiden, Sparoiden,
Maenoiden , Chaetodontoiden , Asphromenoiden en Teuthiden
van den Soenda-Molukschen Archipel, in Verband, v. h. Ba-
tav. Genootsch. v. K. en Wet. Vol. XXIII. 1850« mit , unter
78 Troscliel: Bericht über die Leislunge» in der Ichthyologie
dem Titel: Faunae ichthyologicae Javae insularumque adja-
centium genera et species novae. Die drei neuen Gattungen
und die neuen Arten sind unten angegeben.
Von Cantor erschien ein „Catalogue of Malayan fishes«
in dem Journal of the Asiatic Society of Bengal VoL XVIII.
1849. und als besonderes Werk Calcutta 1850. 8. 461 Reiten
mit 14 zum Theil colorirten Tafeln. Dieser Catalog ist der
Erfolg von Beobachtungen, welche Verf. während eines SYj
jährigen Aufenthalts auf Pulo Pinang (Prinz Wales Insel) und
bei Gelegenheit von Besuchen in der Provinz Wellesley, Ma-
lacca, den Lankavy-Inseln (an der Westküste der Malayischen
Halbinsel 6o N. L.) und Singapore angestellt hat. Die Ein-
leitung enthält Bemerkungen über den Handel mit Fischen
und ein Verzeichniss der benutzten Schriften. Die zahlreich
aufgezählten Fische sind nach J. Müller's System geordnet.
Jede Art ist mit einer Diagnose in Englischer Sprache ver-
sehen, welcher die Synonyme vorhergehen. Ihr folgt eine
Angabe über das Vaterland und die Grösse; den Beschluss
macht eine ausführliche Beschreibung. Die neuen Arten sind
unten angeführt. Dieses Werk ist von grosser Bedeutung
für die Kenntniss der Fische des Indischen Oceans. Im
Ganzen werden hier 294 Fische beschrieben , unter denen
196 den Acanthopteri, 13 den Anacanthini, 12 den Pharyn-
gognathi, 47 den Physostomi, 22 den Plectognathi, 4 den Lo-
phobranchii und 27 den Plagiostomi angehören.
In einem schön ausgestatteten Buche „Lake Superior, its
physical character, Vegetation, and animals, compared with
Ihose of other and similar regions by Louis Agassi z.
Boston 1850" bilden die Fische einen grossen Abschnitt von
p. 246—377. Verf. leitet die einzelnen Familien mit Erörte-
rungen über geographische Verbreitung, mit historischen Be-
merkungen und mit systematischen Betrachtungen ein, und
beschreibt dann die sämmtlichen in dem oberen See von ihm
gesammelten Arten, lieber die Gattung Lepidosteus wird ge-
handelt 5 obgleich sie nicht im Oberen See vorkommt. Es
finden sich hier 1 Ammocoetes , 4 Acipenser , 1 Pimelodus,
1 Percopsis, 2 Percoiden, 6 Scleroparei, 1 Esox, 1 Lota, 8
während des Jahres 1850. 79
Salmonoiden, 9 Cyprinoiden, also im Ganzen 34 Art^. Die
neuen Arten sind unten verzeichnet.
Ho ratio Robinson Storer beschrieb im Boston
Journal Oct. 1850 die Fische von Neu-Schottland nnd Labra-
dor, welche er im vorhergehenden Sommer dort beobachtet
hatte. Es werden im Ganzen 29 Arten besprochen, nämlich
4 Acanthocottus, 1 Cryptacanthodes, 2 Gasterosteus, 1 Scom-
ber, 2 Gunnellus, 1 Zoarces, 1 Ctenolabrus, 1 Hydrargyra,
3 Salmo , 1 Mallotus, 1 Clupea , 1 Alosa, 1 Morrhua, 1 Phy-
cis, 1 Hippoglossus, 2 Platessa, 1 Lumpus, 1 Anguilla, X Am-
modytes, 1 Acanthias, 1 Scymnus. Einige neue Arten, die
meist von früheren Schriftstellern mit Europäischen Arten
confundirt waren, sind auf zwei Tafeln abgebildet.
Klaatsch schrieb eine Dissertation de cerebris pis-
cium ostacanthorum aquas nostras incolentium acc. tab. IV.
Halis Sax. 1850. 4. Sie ist mir unbekannt geblieben.
lieber die Schwimmblase vonEsox lucius theilte Czer-
mak mit, dass sie contractu sei, dass die Schwimmblasen
der Cyprinoiden nur in ihrem hinteren Theile contractu seien,
und machte Angaben über die Nerven der Schwimmblase
des Hechtes. (Siebold und Kölliker Zeitschr. II. p. 121.)
Leydig hat die sogenannten Schleimkanäle der Kno-
chenfische (Müller's Archiv 1850. p. 170.) näher untersucht;
er spricht ihnen die Fähigheit, Schleim zu bereiten ab, und
hält sie vielmehr, wegen des eigenthümlichen Nervenreich-
thums, für ein Sinnesorgan dieser Thiere , von welchem wir
uns bis jetzt keine rechte Vorstellung machen können.
Ueber eine der Thymus entsprechende Drüse bei Kno-
chenfischen schrieb Stannius ib. p. 501.
Die Denkschriften der Acad. der Wissensch. zu Wien
I. 1850 enthalten p. 391. „Beiträge zur Morphologie der
Urogenitalorgane der Fische,* von Hyrtl. Dazu gehört
Taf. 52—53.
Die Abhandlung zerfällt in folgende 12 Kapitel, deren Ueber-
schriften hier genügen mögen: 1. Ueber das angebliche Fehlen der
Harnblase bei mehreren Fischen. 2. Einige Varianten der Urogenital-
mündungen. 3. Doppelte Samenbläschen bei MuUus und Gobius , ein-
fache bei Cobitis fossilis. 4. Getrenntbleiben der rechten und linken
männlichen Zeugungsorgane bei Blennius gattarugine , Samenbläschen,
80 Troschel: Bericht über die Leistungen in der Ichthyologie ^
Appendices prostraticae und Penis spurius desselben. 5. Geschlechts-
Organe von Anableps. 6. Penis von Anableps , eine modificirte After-
flosse. 7. Peritoneal-Kanäle und Rudimente des rechten Ovariums bei
IMormyrus oxyrhynchus. 8. Rudiment des rechten Eierstockes bei Auxis
vulgaris. 9. Paariger Eierstock und Hode bei Ammodytes tobianus.
10. Rudimente von Eileitern bei Cobitis fossilis und Acanthopsis tae-
nia. 11. Uebergänge von unpaaren zu paarigen Eierstöcken. 12. Ein-
faches, scheinbar paariges üvarium bei Ophidium barbatum.
Valentin bemerkte an künstlich befruchteten Hecht-
eiern, dass die Dotter sich schon nach 8 Stunden drehten,
und dass die Geschwindigkeit der Drehung dann allmählich
abnahm. Die Zahl der Missbildungen bei den Hechten giebt
er auf 6,9% an (Siebold und Kölliker Zeitschr. II. p. 267.).
Milne Edwards erstattete einen günstigen Bericht
über die von Geh in und Remy vorgeschlagene künstliche
Befruchtung zur Förderung der Fischzucht (Annales d. sc.
nat. XIV. p. 53).
Hubbard zeigte die Mittheilung von ParacleteSkin-
ner an, dass festgefrorene Barsche wieder auflebten (Silli-
man Amer. Journ. 1850. p. 132. Annais VI. p. 397.).
Gould gab Nachricht von zahmen Fischen zu Hingham,
Massachusetts. Sie wurden durch ein kleines Mädchen von
7 Jahren gezähmt, welche sie füttert; sie kommen auf ihren
Ruf an das Ufer. Diese Fische sind meist Pimelodus nebu-
losus. (Boston Proc. HI. p. 175.).
Teleostel.
Acanthopteri.
Percoidei« Apogon fucalus Cantor 1. c. Karminroth, eine
schiefe gummifarbige Linie vom Auge zur Schnauze. D. 6 — 1. 9; A.
2. 16. Pinang.
Ambassis Wolfßi Bleeker Borneo 1, c. gelb, die erste Rücken-
flosse oben schwarz.
Die Gattung Diacope whd von Cantor i. c. p, 12. in Genyo^
roge umgetauft, weil Hübner schon vor Cuvier mit diesem Namen
eine Schmelterlings-Gattung bezeichnet hat.
Uranoscopus cognatus Cantor p. 21. unterscheidet sich von
scaber nur durch die Färbung und die Flossenslrahlen. D. 3—1. 15;
A. 14. Pinang.
während des Jahres 1850. 81
Catapliracti. Flalycephatus clavulatus Cantor p. 38. ver-
wandt mit P. scaber D. 8—11; A. 11.
Cantor tauft Apistus Cuv. in Pros op o dasys um, weil der
Name schon von Hübner bei den Schmetterlingen vergeben ist.
Aus demselben Grunde ändert Cantor ib. Minous Cuv, in Co~
rythobatus um, und fügt dieser Gattung eine neue Art C. echinatus
(pl. XIII.) hinzu : ohne freien Strahl unter der Brustflosse , braun mit
dunkleren Flossen. D. 13. 11 ; A. 2. 8. Pinang.
In einem Aufsatz „Over eenige nieuwe soorten van
Scleoparei van den indischen Archipel" (Tijdschrift voor Ne-
derlandsch Indie I. 1850. p. 17) giebt Bleeker die Zahl der
ihm aus dieser Familie bekannten Arten auf 35 an, von denen
13 bei Java, 2 bei Madura, 1 bei Bali, 2 bei Sumbava, 3 bei
Timor, 10 bei Sumatra, 4 bei Celebes, 14 bei den Molukken,
6 bei Neu-Guinea leben; 14 von ihnen kommen auch aus-
serhalb des Indischen Arcliipels vor. Fünf Arten sind als neu
beschrieben, nämlich :
Trigla Brandesii von schön rother Farbe. D. 9 — 1. 12.
Peristedion moluccetise (Eslurgeon de Banda , Vlaming Recueii
Nr. 165. 166) und
Apistus melas mit zwei kurzen Cirren am Unterkiefer, ganz
schwarz, ü. 13. 8; A. 3. 5. Sumatra. — A. binotopterus ohne Bart-
faden, die erste Rückenflosse gelheilt, Brustflosse länger als der Kopf;
braunschwarz. D. 3—10. 6; A. 3. 5. Batavia. — A. amUycephalus
ohne Barifäden, erste Rückenflosse ungetheilt; graubraun, schwarz be-
streut. D. 13. 8; A. 3. 5. Padang.
Girard sah sich veranlasst, die Gattung Cottus in zwei Gat-
tungen zu zerlegen, deren t\m Acantho c oltus die im iMeere leben-
den Arten umfasst : Dornen an allen Deckelstucken, Vordeckel mit
einigen stark entwickelten ; die Oberfläche des Kopfes , auch oft der
Umkreis der Augen, ist entweder mit Dornen bewafl'net, oder verschie-
dentlich gesägt oder gekerbt ; ^Kopf etwas höher als breit , Mund tief
gespalten; erste Rückenflosse fast so hoch wie die zweite, die Seiten-
linie ist nicht unterbrochen. Dahin gehören 10 amerikanische Arten :
C. groenlandicus C. V., scorpioides Fabr., polaris Sabine, polyacanlho-
cephalus Pall., psitliliger Fall., hexacornis Richards., porosus C. V.,
aeneus Milch., Mitchilli C. V., virginianus Storer (C. octodecimo, spi-
nosus Milch.). In die Nähe dieser Gattung ist Trachidermis Heckel zu
stellen. Die andere Gattung behält den Namen Coltus, und enthält
die im süssen Wasser lebenden Arten : nur ein Dorn am Praeoperculum,
Kopf abgestutzt, breiter als hoch, Mund weniger tief gespalten; erste
Archiv f. Nftlurgescli. XVII. Jabrg. Bd. 2. P
83 Troschel: Bericht über die Lefslun^en in der Ichthyologie
Rückenflosse niedriger als die zweite, die Seitenlinie ist bei fast allen
amerikanischen Arten unterbrochen , bei denen der allen Well nicht
unterbrochen. Aus dieser Gattung zählt Verf. 10 nordamerikanische
Arten auf, nämlich : C. cognatus Richards., Richardsonii Agass., Bairdii
Girard (Cottus gobio Kirtl.) mit fast cylindrischem kurzem Körper,
verhältnissmässig grossem Munde, Pennsylvanien , meridionalis Grd. n.
sp. ähnlich dem vorigen , aber der Schwanz spitzt sich schneller zu,
auch ist der Mund ein wenig grösser, James River, gracilis Heck. (Ura-
nidea quiescens de Kay, C. gobio Ayres), viscosus Hald., boleoides Grd,
n. sp., durch schlanken Körper und stark entwickelte Flossen ausge-
zeichnet, Windsor, Franklinii Agass., gobioides Grd. n. sp. Körper dick
und kurz, Mund sehr gross, Burlington, Fabricii (C. gobio Fabr.) (Bo-
ston Proc. III. p. 183.).
In einer späteren Miltheilung über die Gattung Cottus (ib. p. 302.)
erklärt Verf. die Gattung Centridermichthys Richards, für identisch mit
Trachidermis Hechel, und zählt dahin. Tr. fasciatus Heck., C. uncinatus
Temm. Schi. (Centr. ansatus Richards.) und C. intermedius Temm. Schi.
— Für Cottus asper bildet Verf. einen neuen Gattungsnamen Cotto-
psis, welche Gattung sich dann von den echten Cottus durch seine
Gaumenzähne und die rauhe Haut, von Trachidermis durch den glatten
Kopf, die erste Rückenflosse und den Mund, die den eigentlichen Cot-
tus gleichen, von Acanthocottus durch dieselben Theile und ausserdem
durch die Gegenwart von Gaumenzähnen unterscheidet. Dahin gehört
nur Cottopsis asper (Cottus asper Rieh., Trachidermis Richardsoni Heck,,
Centridermichthys asper Rieh.).
Derselbe Verf. erkannte, nach der Mittheilung Storer's (Bo-
ston Journ. nat. bist. Oct. 1850), dass unter Acanthocottus -groenlandi-
cus mehrere Arten verwechseil seien , und nannte die Labradorische Art
A. labradoricus. Diese Art ist beschrieben und der Kopf ist abge-
bildet, D.8— 17; A. 14. — Abgebildet ist ferner eine zweite neue Art
A. patris Stör er D. 11 — 15; A. 17. — Eine dritte Art ist A. ocel-
latus S torer D. 10—17; A. 14.
Agassiz beschrieb einige neue Arten aus der Familie der Fan-
zerwangen, die er im Oberen See fand (Lake Superior p. 300.) , nach-
dem er eine kurze Unterscheidung der Gattungen in der Subfamilie
Etheostomata gegeben :
Cottus Richardsonii D.8— 18; A. 14. — C. Franklini D.8— 17;
A. 12.
Boleosoma maculalum. D. 9—12; A. 11. ist abgebildet.
Fileoma zebra. D. 14—15 ; A. 12.
Gasterosteus nebulosus. D. 9—10; A. 9. — G. pygmaeus wenig
über % Zoll lang. Beide sind abgebildet.
Girard nennt bei Storer (Boston Journ. Oct. 1850.) den Ga-
während des Jahres 1850. 83
slcrosleus Liaculeatus Cuv. V3I. G. Cuvieri und sucht die Verwirrung
zu löseu, in welcher sich die unter obigen Kamen beschriebenen Fi-
sche befinden. D. 2. 1. 12; A. 1. 8.
Sciaenoidei. Otolithus lateoides D. 10—1. 25; A. 2. 7;
0. microdon D. 9—1. 34 ; A. 2. 7; 0. macrophthalmus D. 10—1. 23;
A. 2. 7. sind drei javanische Arien von Bleeker Tijdschr. Nederl.
Indie I. p. 98. — 0. biaiiritus Cantor i. c. p. 57. D. 9—1.27 bis 32 ;
A. 2. 7. von Pinang.
Corvina plagiostoma Bleeker Tijdschr. Ned. Ind. I. p. 100.
graugelb, erste Rückenflosse braun, die andern Flossen gelb, D. 10 — 1.
28 ; A. 2. 8. Madura.
Prislipoma therapon Bleeker (ib. p. 100.) grau mit brauner
Schnauze, Flossen gelb, ein grosser brauner Fleck auf der ersten Rük-
kenflosse. D. 12. 14; A. 3. 7. Batavia.
Diagramma mediterraneum Guichenot Expl. Alger. verwandt
mit D. griseum , hat aber einen höheren Kacken, eine tiefer ausge-
schnittene Schwanzflosse und spitzere Flossen. D. 12. 17 ; A. 2. 9. oder
10; einfarbig violett-grau, Flossen braunschwarz. Algier. — Cantor
fuhrt. 1. c. p. 77. für diese Gattung den Lacepede'schen Namen Ple-
cto rhynchtis wieder ein.
Loboles hexazona Bleeker Borneo 1. c. grün mit sechs schwärz-
lichen Binden. D. 12. 14; A. 3. 10.
Hetero gnatho don Bleeker nov. gen. (Tijdschr. Ned. Ind.
1. p. 100.). Prima dorsi unica ; niembrana branchioslega radiis 5; pinna
pectoralis radiis indivisis ; Ossa suborbitalia glabra non dentata, spina
nulla ; praeoperculuni dentatum , operculum spina unica , maxilla supe-
rior dentibus setaceis pluriserialis antice caninis 4, maxilla inferior den-
tibus antice setaceis pluriserialis et caninis 2, poslice caninis uniseria-
tis. Spinae dorsales 10, anales 3. Zwei neue Arten von Batavia: //.
xanthopleura olivenfarbig mit zwei gelben Längsbinden, eine bläuliche
Binde durch's Auge, Flossen gelb. H. macrurus olivenfarbig mit einer
breiten gelblichen Binde vom Auge zum Schwänze , Flossen gelblich,
Schwanzflosse gelblich rosenfarbig.
Sparoiclei* Denlex lelhrinoides Bleeker (ib. p. 102.) gelb-
lich mit gelben Flossen, Schnauze rosenroth. D. 10. 10; A. 3. 11.
Fentapodtis nubilus Cantor p. 49. verwandt mit P. porosus. ü.
10. 9; A. 3. 8. Pinang.
Die Gattung Cantharus ist von Cantor 1. c, m Spon dylio-
soma umgetauf}, weil der Name schon von Montforl an eine Polypen-
gallung vergeben sei.
Aus der Qaltung Crenidens, und zwar zu der Untergattung Gi-
rella Richards., beschreibt Cantor 1. c. eine neue Art C. sarissopho-
84 TrosGhel: Berickt über cHe Leislungon in der Ichthyologie
rugf die pl. I. abgebildet ist. D. 11. 15; A. 3. 14. Piriang, Malayische
Halbinsel.
Caesio pingalo Blceker (Tijdschr. Ned. Indie I. p. 102. ; Pin-
galo typus 81 kr. Bijdr. Topogr. Batav.) rosenfarbig bräunlich, mit
schiefen violetten Längsbinden. Batavia.
Emmelichthys leucogrammicus Bleeker (Tijdschr. Ned. Indiel,
p. 103.; Dipterygonotus leucogr. Bl kr. Conlr. Ichth. Celei^es) blau mit
drei weissen Längsbinden D. 10—4. 1. 9 ; A. 3. 10. Makassar.
Gerres abbreviatus Bleeker ib. grau, Flossen gelb, Rucken-
flosse mit schwarzem Bande. Batavia. — Der Name Gerres wird von
Cantor in C atochaenum umgeändert, weil er schon von Kabricius
bei den Hemiptern verwendet ist
Eine neue Gattung Pentaprion stellte Bleeker ib. p. 104
auf: pinna dorsalis unica ; os deorsum valde protractile ; dentes maxilla-
res tanlum; spinae anales 5, membrana branchioslega radiis 6. Die Art
P. gerreoides ist glasartig silberfarbig. D. 10. 14; A, 5. 13. Batavia.
In einem Anhange der Fauna japonica wird von Temminck
und Schlegel neben Caesio und Gerres eine neue Gattung Velifer
aufgestellt, deren Körper sehr hoch und zusammengedrückt ist, und de-
ren Bücken- und Afterflosse übermässig entwickelt und mit schwa-
chen, grösslentheils ungetheilten Strahlen versehen sind. Die Art hat
keinen Namen erhalten; sie ist grünlich, die Bauchflossen schwärz-
lich, Brust- und Schwanzflosse gelblich, Rücken- und Afterflosse
bränlich mit grünen oder grauen Fleckenreihen ; D, 2. 32 ; A. 24.
Squainipenii.es. In dieser Familie hat Gantor 1. c. sich
veranlasst gesehen, mehrere Gattungsnamen umzulaufen, weil sie schon
früher bei den Insekten vergeben sind. So wird Heniochus Cuv, Di-
phreules f Ephippus Cuv. Ilarches, Drepane Cuv. Val. Harpo-
chiruSf Scatophagus Cuv. Val. Cac odo xus genannnt-; für Psettus
Cuv. wird der Name M onodactylus Lacep. wieder eingeführt.
Chaetodon oligacanthus Bleeker Tijdschr. Ned. Indie I. p. 105.
gelblich mit 5 rothbraunen verticalen Binden. D. 6. 30; A. 3. 20. Ba-
tavia. — Ch. praetextalus Cantor 1. c. p. 156. pl. IIL Kopf schwarz
mit 4 weissen Binden, Körper hellgraubraun, u. s. w. D, 12. 26 bis 28;
A. 3. 20 bis 22. Pinang.
Platax xanthopus Bleeker Tijdschr. Ned. Indiel. p. 105. gelb-
grau, senkrechte Flossen graugrün mit schwarzem Rande , Brustflossen
grün, Bauchflossen schön gelb. D. 5. 33 ; A. 3. 24. Batavia. — P. gatn-
pret Bleeker ib. bräunlich, Brustflossen schwarz, Bauchflossen mit
schwarzem Rande. D. 6. 36; A. 3. 26 bis 3. 29. Batavia.
liAbyrintltici« Macropodus pugnax Cantor 1. c. p. 84 ein
Fisch von etwa Z^/^ Zoll mit senkrechten schwärzlichen Binden, und
silberfarbigen Längslinien D. 1. 8; A. 2. 25. Eine Varietät hat die
während des Jahres 1849. 85
Eigenthümlichkeit , dass sie beim Anblick ihres Gleichen oder eines
Spiegelbildes von sich in Wuth gcräth , und schön nialallisch glänzt.
Die Siamesen halten sie in Gefangenschaft und nennen sie Fechter-
fisch „Fla kat.«
Trichopiis slrialus Bleeker (Tijdschr. ISed. Ind. I. p. 106. Os-
phromenus vittatus K. v. H. ?) grünlich mit 2 bis 4 braunen Längsbin-
den an den Seiten. D. 2. 7 bis 4. 7 ; A. 7. 25 bis 8. 26. Batavia.
Betta Bleeker nov. gen. ib. p. 107. Dentes maxillares os-
sibus inlermaxillaribus et infraniaxillari inserti ; palatum glabrum; os
parvum; ossa suborbitalia et opercularia edentula; membrana branchio-
stega radiis 6; pinnae dorsalis, ventrales et analis spina unica parva,
radiis ceteris omnibus articulatis flexilibus ; pinna dorsalis brevis anali
longae opposita; pinnae ventrales sub pinnis pectoralibus insertae. Die
Art B. trifasciata ist grün mit drei schwarzen Längsbinden. D. 1. 7 ;
A. 1. 20; sie lebt im centralen Java, 1500 Fuss über dem Meere.
Scoliilieroidei* Thynnus affinis Oantor !. c. verwandt mit
Ih. pelamys. D. 15—3, 10— VIII ; A. 3. 11— VII. Pinang.
Equula longimana Cantor 1. c. p. 152. bleifarbig mit schwär,
zen Flecken längs der Rückenflosse. D. 10. 15 ; A. 4. 13. Malayische
Halbinsel.
Dareste sprach sich (Annal. d. sc. nal. XIV. p. 133.) über die
systematische Stellung des fossilen Blochius longirostris dahin aus, dass
er nicht zu den Plectognathen zu setzen sei, wie es von Agassiz ge-
schehen, sondern dass er zu den Xiphioiden gehöre, und dass sich hier
die Gattung Blochius besonders durch die mehrstrahligen ßauchflossen
auszeichne.
Wotacaiitliini* Mastacembelus erylhrotaenia Bleeker Bor-
neo 1. c. schwarz mit 4 carmosinfarbigen Längsbinden. D. 35 — 75 ;
A. 3. 71.
Taenioidei» Gray giebt Nachricht über die Exemplare von
Regaleciis (welcher Name vor Gymnetrus die Priorität hat), welche an
den Britischen Küsten vorgekommen sind. (Annais V. p. 501.)
mitg-iloidei. Mugil parmatus Cantor 1. c. p. 94. mit sehr
grossen Schuppen , sehr feinen Zähnen , am Vordeckel ein dreieckiger
blauschwarzer Fleck. D, 4—1. 8; A. 3. 9. Pinang.
Tlieiitides» Acanlhunis pentazona Bleeker (Tijdschr. Ned.
Indic I. p. 107. gelblich mit 5 schwarzen Querbinden. D. 9. 21; A. 3.
21. Batavia. — A. xanlhopteriis ist bei Cantor I. c. pl. IV. abgebildet.
Für den Namen Amphacanthus Bl. Sehn, ist der Linne'sche Name
7'ew^Atsvon Cantor I. c. p. 207. wieder eingeführt.
ciobioidei. Ovei' eenige uieuwe soorten vän Blennioi-
86 Troschel: Beripht über die Leistungen in der Ichthyologie
den en Gobioiden van den indischen Archipel door Dr. P.
Bleeker. In diesem Aufsatze, der in Tijdschr. Nederl. Ind.
1850 November enthalten ist, verzeichnet Verf. 108 Arten,
unter denen eine ganze Anzahl neuer. Einige Abbildungen
von Kühl und v. Hasselt sind in den Besitz des Verf. gekom-
men und nach ihnen hat er ebenfalls neue Arten aufgestellt;
diese sind auf einer grossen Tafel abgebildet. Von diesen
Fischen gehören zur Fauna von Java 79, vonMadura 30, von
Bali 2, von Sumatra 10, von Borneo 7, von Celebes 5, von
Sumbawa 2, von Timor 2, von den Molukken 6, von Waigiou
3, von Neu-Guinea 8 Arten. 24 von ihnen sind auch aus an-
deren Gegenden bekannt. Die neuen Arten theile ich im Fol-
genden mit.
Gobius borneensis Bleeker Borneo I. c. grün, vorn an den Sei-
ten braun genebelt, erste Rückenflosse roth mit schwarzem Rande, die
zweite roth mit schwarzen Flecken. D. 6—1. 17; A. 1. 6. — G. ste~
tJiophlhalmus Bleeker (1. c. Blenn. en Gob.) orange mit schwarzer
blaugerandeter Augenbinde , blauen Flecken an der Wange u. s. w. D.
6 — 1. 17. A. 1. 16. Anger. — G. nox ib. ganz braun oder schwarz.
D. 6— 1.10; A. 1.9. (Gob. niger L. var. Life of Raffles p. 690. ?) Su-
matra. — Cr. padangensis ib. oben braungrün, unten grün, an den Sei-
ten Längsreihen brauner und* gelber Flecken. D. 6—1. 10; A. 1. 9.
Padang. — G. periophthalmoides ib. grünlich braun mit Reihen schwar-
zer Flecken an den Seiten und am Schwanz u. s. w., D. 6 — 1. 12; A.
1. 10. Sumatra. — 6?. Hassellii ib. grün, Schnauze olivenfarbig, am
Rücken 6—8 schwärzliche Querbinden. D. 6 — 1. 12; A. 1. 11. Provinz
Bantam auf Java in den Flüssen. — Gf. Kuhlii ib. gelb, die senkrech-
ten Flossen braun gerandet, D. 5 — 1. 9; A. 1. 10. Im Fluss Tjiurang
auf Java. — Gr. angeremis ib. D. 6 — 1. 12; A. 1. 12. die Figur Kuhl's war
ohne Farben. Anger. — G. ljilanhaha?iensis ih. D. 5 — 1. 10; A. 1. 7;
wie vorige nach einer Figur ohne Farben aufgestellt. Provinz Bantam. —
G. sublüus Cantor 1. c. p. 181. graubraun, am Rücken sechs undeut-
liche Längsstreifen. D. 6—1. 9 ; A. 1. 8. Pinang. — G. apogonitis ib.
p. 182 bräunlich, am Dechel schwarz gefleckt, an den Seiten 5 bis 6 pa-
rallele Reihen schwarzer Flecken. D. 6—1. 8; A. 1. 8. Pinang. — Gr.
cyanoclavis ib. p. 185. grünlichgrau mit 5—8 Längsreihen blauer Flecken,
zweite Rückenflosse schwarz, mit orangefarbigem Rande, und 3 -5 weis-
sen Flecken. D. 6 — 1. 10; A. 1. 10. Pinang. — G. russus ib. p. 186.
Rücken schwärzlich, jederseits 4—5 wolkige schwärzliche Flecken, auf
denen die Schuppen einen senkrechten weissen Fleck tragen. 0. 6—1.
10 ; A. 1. 10. Pinang.
während des Jahres 1850. 87
Apocnjples nexipinnis Cantor 1. c. p. 188. schieferfarbig, Kehle
bläulich weiss. D. 6. 26 ; A. 1. 25. Pinang.
Periophthalmus borneensis B I e e k er Borneo olivengrün, Rücken*
flössen schwarz, am oberen Rande mit schönen weissen und rothen Au-
genflecken, Afterflosse ganz schwarz.
Von B I e e k e r finden sich auch unter den neuen Gobioiden 1. c. p. 18.
zwei neue Eleotris: E. Wolffii braun mit schwarzen Punkten. D. 6—1.
9; A. 1. 8. vom ßandjermassing im südöstlichen Borneo. — E. Has~
sellii braun mit gelben Flossen und schwarzen Binden auf den Flossen.
D. 6 — 1. 11; A. 1.8. Anger im südlichen Java. Auch E. sexguttata C. V.
ist beschrieben. -- E. caperatus Cantor 1. c. p. 197. sehr verwandt
mit E. butis Buchan., eine dornige Leiste über dem Auge, Kopf kürzer
und gestreift. D. 6— 1. 8 ; „A. 1. 8.
Bleeker beschrieb zwei neue Arten von Callionymus in Tijd-
schr. Nederl. Ind. I. p. 28. 1850. August, bei welcher Gelegenheit er
die drei ihm bekannten Indischen Arten dieser Gattung durch ein Schema
unterscheidet; auch wird C. sagitlaPall. beschrieben. Die beiden neuen
Arten sind C. melanoplerus, die Kiemenöff'nung liegt oben am Nacken,
der erste Rückenflossenstrahl verlängert. D. 4 — 11; A. 10. Batavia. —
C. opercutarioides KiemenöfFnung hinter dem Grunde der Brustflosse,
grünschwarz mit vielen schwarzen Punkten. D. 4 — ^10; A. 10. Sumatra.
Lepadogaster maculaius Guichenot (Expl.Alger.pl. 6. lig. 4.)
Körper bräunlich mit drei viereckigen röthlichen Flecken am Rücken ;
Rückenflosse röthiich mit kleinem weissen Rande ; Afterflosse und Brust-
flosse gelblich , Schwanzflosse gelb mit sehr kleinen braunen Pünkt-
chen. — L. punctatus (ib. fig. 3.) gelblich grün mit rothen Punkten,
Kopf oben grünlich, unten weiss, mit braunen Streifen"vor dem Auge;
Rückenflosse vorn grün , hinten wie die Brustflossen durchscheinend,
After- und Schwanzflosse blassgelb, Bauchflossen weisslich, — L. li"
neatus (ib. fig. 3.) grün mit fünf senkrechten und einer longitudinalen
schmalen perlmutterartigen Linie ; ein grüner Fleck auf der durchsich-
tigen Rückenlinie; Brustflosse gelb, eine röthliche Binde auf der brau-
nen Schwanzflosse, die Kehle ist braun punktirt. Alle drei Arten sind
selten an der Westküste von Algier bei Arzew, sind klein, haben keine
Anhänge an den Nasenlöchern, haben die Rücken - und Afterflosse ge-
trennt von der Schwanzflosse und brillante Farben.
Temminck und Schlegel stellten in der Fauna japonica pl.
120 zwei neue Echeneis auf: E. pallida verwandt mit remora mit 16
— 17 Lamellen, schwammiger Haut; — E. albescens mit 13 Lamellen.
Hlennioiclei* Blennius linealus Guichenot (Expl. Alger.
pl. 4. fig. 2.) ohne Kamm oder Tentakeln am Kopfe; schwärzlich mit
drei silbernen Längslinien am Körper, Flossen gelb. l). 12. tö ; A. 17.
Bei Algier.
88 Troschel: Bericht über die Leistungen in der Ichthyologie
Pseudo bl ennius Temni. Schi. 1. c. p. 313. ist eine neue
Galtung mit den Charakteren der echten Blennius, aber ihre Physiogno-
mie und die hecheiförmigen Zähne unterscheiden sie. Auch hier hat
die Art keinen Speciesnamen erhalten: D. 10. 18; A. 16. Auf der
Tafel ist die Gattung Pseudoclinits genannt ; die Japaner nennen den
Fisch Anahaze.
Blenncchis polyodon ßleeker (Journ. Weder!. Ind. 1850. No-
vember p. 19.) oben glänzend grün, unten rosig, mit periweisser Längs-
linie, Rücken - und Afterflosse bräunlich mit rothen und braunen Flek-
ken, Brust- und Bauchflossen grünlich oder gelblich. D. 30; A. 20.
Batavia. — Bl. (Petroscirtes) variabiUs Cantor 1. c. p. 200. oben
hell bräunlich olivefarbig, mit schwarzer Längslinie, Flossen gelblich.
D. 11. 17 bis 20; A. 17 bis 21. Finang, Singapore.
Ausser Salarias Forsten C. V. und S. gibbifrons Q. G. sind fünf
neue Arten dieser Gattung von Bleeker Journ. Nederl. Ind. 1850.
November beschrieben : S. sumatranus blaugrau , erste Rückenflosse
grauschwarz mit schwarzen Längsbinden , zweite blaugrau mit gelben
Binden. D. 12. 20; A. 22. Sumatra. — S. Oortii D. 13. 19; A. 19.
— S. Hasseltii D. 13. 22; A. 23. — S. RaaUenii D. 13. 22; A. 21.
— S. Kithlii D. 12. 16 ; A. 18. Die letzten vier Arten* stammen von
Tjilangkahan und sind nach farblosen Abbildungen von Kühl und v.
Hasselt aufgestellt.
Tripterygion melanurus Guichenol (Expl. Alg. pl. 4. fig. 4.)
verwandt mit Tr. nasus, aber das Profil des Kopfes ist nicht gewölbt ;
die Farbe ist rölhlich mit drei gelblichen schiefen Binden; die erste
Rückenflosse ist schwarz, die anderen haben röthliche Strichpunkte auf
gelblichem Grunde, ein dunkler Fleck am Schwanz. Bei Algier.
Store r unterschied (Boston Journ. Oct. 1850.) Richardson's Blen-
nius (Centronotus) gunnellus als eigene Species von der Europäischen
Art, und nannte ihn Gunnellus ingens D. 83; A. 2. 42; er ist abgebil-
det. — Bei dieser Gelegenheit beschrieb Girard eine neue Art G.
macrocephalus von Massachusetts. D. 76; A. 2. 41.
Pecliculati. Batrachus planifrons Guichenol (Expl. Alg.
pl. 5.) aus der Gruppe, bei denen der ganze Körper mit kleinen Schup-
pen bedeckt ist, die zahlreiche Fleischlappen an Kiefern und Wangen
haben, bei denen aber die Tentakeln über den Augen fehlen. Bei die-
ser Art sind die Augen sehr weit entfernt und die Stirn äusserst flach.
D. 3. 21 ; A. 16. Oberhalb braun mit dunklen Fleckchen.
Für den Namen Chironectes Cuv., der von llliger an eine Beu-
telthiergattung vergeben, ist An tennarins Comm. von Cantor 1. c.
p. 202. wieder eingeführt.
Aulustonii. Der Name Fistularia Linne, der schon früher von
während des Jahres 1850. 89
Donali für eine Polypengaltung angewendet wurde, ist von Canlor
1, c. p. 211. durch den Namen Cannorhynchiis'GTseizi.
Anacanthini.
^adoidei. Unter dem Namen Gadic%ilus ist von Gui-
chenot in der Explor. de l'Algerie p. 101. eine neue Gattung in der
Familie der Gadoiden aufgestellt; seine Flossen gleichen den Morrhua,
ihm fehlt der Bartfaden wie bei Merlangus ; der Körper ist langstreckig,
zusammengedrückt; Kopf niedrig und ohne Schuppen , die Kieferzähne
sind spitz in mehreren Reihen, gedrängt; ausgezeichnet ist die Gattung
durch die Grösse des Auges und namentlich durch den Mangel der
Vomerzähne; der Unterkiefer steht ein wenig vor. Die Art G. argen^
fe«s' ist klein, und soll selten bei Algier vorkommen.
Agassiz stellte eine neue Art Lota (Lake Superior p. 325.) auf,
L. maculosa; sie ist dunkel olivenbraun , schwarzbraun gefleckt , und
der einzige Gadoid aus dem genannten See. D. 11 — 76 ; A. 64.
Ilpliidini. Bleeker hat auch im Journ. Nederl. Ind. 1850.
November eine neue Art der Richardson'schen Gattung üxybelus (vergl.
das A!:ehiv 1848. 11. p. 210.) beschrieben. Die Gattung gehört in die
Familie üphidini ; die Art 0. Brandesii hält Verf. von 0. Homei für
verschieden, weil die Mundspalte nicht bis hinter das Auge reicht, son-
dern unter demselben endigt; die Farbe ist orange, Kopf braun gene-
belt. Rücken, Seiten und Kinn mit zerstreuten Punkten , Flossen gelb-
lich. D. 140; A. 160. ßanda Neira. Der ganze Fisch, der Zahnbau
und der Darmkanal sind abgebildet.
Pleuronectae- Platessa roslrata Store r (Boston Journ.
Oct. 1850.) schieferblau mit gelblichen Flecken , der obere und untere
Strahl der Schwanzflosse weiss. D. 75 ; A. 56 ; ist abgebildet.
In der Expl. de l'Alger. erwähnt Guichenot zwei Arten von
Solca, S. cinerea und luctuosa Val. Coli. Mus., die, soweit mir be-
kannt, noch nirgend publicirt sind. — S. humilis Cantor 1. c. p.219,
braun mit schwarzen Flecken, D. 57 ; A. 42. '
Die von Swainson 1839 aufgestellte Gattung ßrachirus wird von
Cantor 1. c. p. 222 in Synap tura umgetauft, weil ßrachyurus, wie
der Name richtiger geschrieben werden müsste, von Fischer bereits für
eine Säugthiergattung angewendet ist. Die Gattung unterscheidet sich
von Solea nur durch die Vereinigung der Schwanzflosse mit Rücken -
und Afterflosse.
Plagusia melanorhynchtis Bleeker ßorneo 1. c. Schnauze
schwarz , auf der rechten Seite graubraun n»it fünf grossen schwarzen
Flecken. D. 61; A. 43. — VI. trulla Cantor 1. c. p. 231. röthlich
braun, Deckel viel dunkler. D. 109 bis 111; A. 80 bis 86. Pinang. —
PI. grandisquamis ib. röthlich braun mit schwarzer Längsbinde, eine
ähnliche über der Basis der Afterflosse. D. 116; A. 88.
90 Troschcl: Bericht über die Leistungen in der Ichthyologie
Pharyngognathi.
Ijaliroidel c^enoidei« Den Namen Dascyllus Cuv. wandelt
Canlor '1. c. p. 240. in Telradr achmum um; für Glyphisodon
schreibt er Glyphidodon.
Scomberesoces. Bijdrage tot de Kennis der snoe-
kachtige Visschen van den Soenda-Molukschen Archipel door
P. Bleeker (Verh. van hetBatav. Gen. van Künsten en We-
tenschappen. Deel XXIV. Batavia 1850). Unter hechtarligen
Fischen sind hier die Müller'sclien Scombresoces verstanden,
von denen Verf. im Sunda-Molukkischen Archipel 30 Arten
kennt, unter denen einige neue, die unten namhafi gemacht
sind. Von ihnen gehören in die Fauna von Java 18, von
Madura 3, von Sumatra 4, von Borneo 2, von Celebes 4,
von den Molukken 6 und von Neu-Guinea 2 Arten. 17 Ar-
ten sind auch ausser diesem Archipel bekannt. Die 16 Ar-
ten der Sammlung des Verf. werden durch einen Conspectus
analyticus gruppirt und alle beschrieben.
Folgende Arten sind neu :
Betone leiurus Blkr. mit abgestutzter Schwanzflosse, Seitenlinie
die Schwanzflosse nicht erreichend, ohne Schwanzkiel, grün. D. 18 vel
19; A. 23 vel 24. Batavia; vielleicht = B. ciconia Richards. — B.
melanolus Blkr. mit gabiiger Schwanzflosse, die Seitenlinie erreicht
die Schwanzflosse, oben schwarz. D. 25 vel 26 ; A. 23 vei 24. Bata-
via. — B. schismatorhynchus Blkr. wie vorige, doch oben grün. D.
23 vel 24 ; A. 25 vel 26. Batavia. Diese 3 Arten, so wie die folgende
sind auch Tijdschr. voor Nederl. Indie I. p. 93 beschrieben.
Hemiramphus ßuviatilis Blkr. Schwanzflosse convex, Bauchflos-
sen auf 3/5 der Länge inserirt, graugelb. D. 1. 8 vel 1. 9; A. 1. 13
vel 1. 14, Batavia. — H. amblyurus Blkr. Schwanzflosse convex,
Bauchflossen auf 2/3 der Länge inserirt; gelblich mit bräunlicher Schnauze.
D. 1. 12; A. 1. 9. Madura. — H. Jorneensis Blkr. wird ib. in einer
Nacbschrift beschrieben und unterscheidet sich von der vorigen nur
durch etwas andere Verhältnisse. D. 13; A. 1. 11. In den Flüssen bei
Bandjermassing auf Borneo. — H. trideniifer Gantor 1. c. p. 249.
bläulich grau mit schwarzen Flecken, die Zähne sind dreispitzig, D. 13
oder 14. A. 14 oder 15. Pinang.
Physo Storni.
Siluroid^i* Pimelodus Felis Agags. (Lake superior p, 281.)
während des Jahres 1850. 91
D. 1. 6; A. 22. — P. pectinidens Cantor 1. c. p. 261. in beiden
Kiefern mit einer einzigen Reihe kleiner dreispitziger Zähne. D. 1. 7;
A. 20. Pinang. Wegen der pbweichenden Zahnbildung darf diese Art
nicht in der Gattung Pimelodus bleiben.
Pangasius macronemaBleeker bleigrau, Flossen gelb, Rücken-
flosse am Grunde schwarz , Schwanzflosse mitten und am Hinterraude
schwarz. D. 1.7; A. 4. 26.
Cyprinoidei« Barbus melanopterus Bleeker Borneo I. c.
grünlich, Rücken-, Bauch- und Afterflosse am Grunde gelb, an der
Spitze tief schwarz, Schwanzflosse schwarz gerandet. D. 4. 8; A. 3. 5.
— B. inicrolepis ib. grau, am Schwänze ein schwarzer Fleck, Flos-
sen gelblich , die erste Rückenflosse schwarz bestreut , Schwanzflosse
braun gerandet. D. 4. 8 ; A. 3. 5. — B. trimcatus ib. grünlich, Flos-
sen gelblich, die Rückenflosse oben schwarz gerandet. D. 4. 8 ; A. 3. 5.
— B. kalopterus ib. oberhalb violettschwarz , unterhalb grünlich , mit
goldener Längsbinde, Rückenflossen schwarz, vorn am Grunde und hin-
ten am Rande roth, Brustflossen schön roth-violett, Bauchflossen schwaiz
mit weissen Rändern, Afterflosse schwarz, am Grunde und an der Spitze
rothbraun, Schwanzflosse roth mit einer violettschwarzen Längsbinde.
D. 3. 8; A. 2. 5.
Gobio plumbeus Agass. (Lake superior p. 366.) D. 1.9; A. 1. 9.
überhalb aschgrau, unterhalb gelblich weiss mit kleinen grauen Punk-
ten auf den Schuppen ; wird 7 Zoll lang.
Ayres machte nähere Angaben über Lcmciscus pulcheUus in ?roc.
üf ihe Amer. Assoc. for the advanc. of science, sec. Meet. Boston 1850.
p. 402. üieser Fisch lebt in Neu -England und ist von De Kay unter
die Fische von New -York aufgenommen; er lebt nur in fliessendem
Wasser, laicht im April, Mai und Juni, wozu er in die kleineren FIhs-
se aufsteigt; im Aller von 3 Jahren wiegt er 1 bis 1% Pfund; er er-
reicht ein Gewicht von 3 Pfund. Er nährt sich von Insecten, Mollus-
ken, jungen Fischen und Regenwürmevn. Auf seinen Schuppen wächst
eine Gonferve. Durch die Samen von Menispermum coculus wird er
berauscht. Er ändert die F'arbe mit dem Alter. Von der Anatomie
wird hier nur bemerkt, dass zwei kleine Knochen vorhanden sind, die
den Zweck haben, die unteren Schlundknochen zu trennen.
Derselbe beschrieb eine neue Art Leuciscus pvlchelloides von
Connecticut in Boston Proc. 111. p. 157. Diese Art unterscheidet sich
von L. pulchellus durch die kleineren Schuppen', 60 an der Seitenlinie,
anstatt 47, durch die Höhe der Afterflosse, welche die Länge um das
Doppelte übertriff"!, durch die spitzere Gestalt der Brustflossen, durch die
etwas mehr nach vorn liegenden ßauchflossen. P. 19; V. 10. —L. fron-
tali» Agass. (Lake superior p. 368. pl. 3. fig. 4.) mit kleinen konischen
Spitzen am Kopf. D. 1. 9; A. 10. — L. gracitis ib. gehr ähnlich dem
92 Troschel: Bericht über die Leistungen in der Ichthyologie
vorigen, unterscheidet sich durch andere Verhältnisse und das Fehlen
der Tuberkeln am Kopfe, ü. 1.9; A. 1. 10. — L. callensis Guiche-
not (Expl. Alger. pl. 7. fig. 2.) D. 9; A. 11. wird mit L. alburnus
verglichen ; oberhalb grünlich , unterhalb silberfarbig mit sehr kleinen
braunen Punkten und mit einer schwarzen Seitenlinie; Brustflossen sil-
berfarbig, die andern Flossen braun ; in Flüssen und Sümpfen von La
Calle. — L. uranoscopus Bleeker Borneo I. c. graulich silberfarbig
mit schwarzem Schwanzfleck, Flossen grüngelb mit schwarzen Achseln.
D. 3, 7; A. 3. 23. — L. dusonensis ib. grün, mit gelblichen oder
grünlichen Flossen, Schwanzflosse grün, hinten schwarz gerandet. D. l.
7 ; A. 3. 5.
Alburnus rubellus \gnss. (Lake superior p. 364. pl. 3. fig. 1—3.)
gelbgrün mit dunklen Schuppenrändern, und einigen röthlichen Flecken.
1). 1. 9; A. 2. 10.
Agassiz stellte (ib, p. 353.) eine neue Gattung Rhinichthy s
auf, indem er unter diesem Namen einige kleine Catoslomus mit koni-
scher Verlängerung der Schnauze zusamnienfasst. Der Mund ist klein,
die Lippen sind glatt und bilden keine Lappen am Unterkiefer. — Da-
hin gehören Cyprinus atronasus Mitch. , Leuciscus nasulus Ayres und
eine neue Art Rh. martnoratus, welche pl. 2. fig. 1. 2. abgebildet ist.
D. 2. 9; A. 2. 8.
Cyprinodoutes. In einer Nachschrift zu Bleeker's Bij-
drage tot de Kennis der snoekachtige Visschen. 1. c. wird ein merk-
würdiger Fisch beschrieben, der von Gray lUustr. of Indian. Zool. Vol. I.
lab. 87. fig. 1. unter dem Namen Diplopterus pulcher abgebildet ist. Da
dieser Name bereits mehrfach vergeben ist , nennt Verf. diesen Fisch
Luciocep halu s pulcher. Verf. giebt an, er müsse zwischen die Cy-
prinodonlen und Hechte gestellt werden. Das Vorhandensein von Vo-
merzähnen stellt ihn in die Nähe von Panchax, doch ist er eigenthüm-
lich durch die Stellung der Bauchflossen unter den Brustflossen. Die
Gattung wird folgendctmassen charakterisirt ; Pinna dorsalis unica ra-
diosa anacantha anali opposita. üs superne totum ex ossibus interma-
xillaribus maxime protractilibus compositum. Os intermaxillare ramo
adscendente antice dentibus in thurmam collocatis , ramo descendente
dentibus uniseriatis. Denies inframaxillares antice pluriseriati. Vomer
antice dentibus minimis scabrum. Arcus branchiales 4 compleli. Fseu-
dobrancliiae nullae. Ossa pharyngealia inferiora distantia dentibus co-
nicis armata. Apertura branchialis magna sub oculo desinens. Mem-
brana branchiostega radiis 5. Nares in cute praeorbilali. perforalae
utroque latere duo. Squamae corpore ctenoidcae, capite cycloideae.
Pinnae ventrales sub basi pinnarum pectoralium insertae, radio syundo
in filum indivisum arliculatum producto. Venlriculus sacco coeco ma-
gno. Intestinum corpore plus duplo breviug. Appendices pyloricae
während des Jahres 1850. 93
nullae. Die Art L. pulcher lebt in den Flüssen bei Bandjermassing.
D. 1. 8 ad 1. 10; A. 1. 18
Salmonoidei. John Blackwall spricht sich, anknü-
pfend an eine frühere Bemerkung (vergl. den Bericht im 10.
Jahrgang p. 244), dahin aus, dass die Salmen nichl so schnell
wachsen, wie man gewöhnlich meine, und wie es aus den
Beobachtungen an gezeichneten Fischen hervorzugehen scheine.
Dieses Zeichnen der Fische erklärt er für sehr unsicher. Da-
gegen meint er, die Beschaffenheit der Zähne am Vomer, die
von hinten her allmählich ausfallen , so wie die Verände-
rungen in der Gestalt der Schwanzflosse, Hessen am besten
Schlüsse auf das Alter dieser Fische zu. Uebrigens sei der
Gewichtverlust durch das Ablegen des Laichs beträchtlich,
und Maasse ohne Gewichtsangabe seien daher nicht geeignet,
diese Frage zu entscheiden. (Annais V. p. 242).
Sahno Siscowet Agassiz ist (Lake superior p.333. pl. 1. fig. 3.)
als neue Art beschrieben und abgebildet. 15. 13; D. 12; A. 12 — 14.
Er ist ungernein fett. — S. immaculalus Stör er (Boston Journ. Oct.
1850.) D. 9; A. 11. von Labrador.
Von der Gattung Coregonus fand Aga ssiz (Lake superior p.336.)
sieben Arten im oberen See; derselbe ist geneigt die Galtung in zwei
Gattungen zu zerlegen, von denen die eine Co r eg oiiu s einen längeren
Oberkiefer, die andere Argyrosomus einen längeren Unterkiefer
und eine Reihe Zähne im Zwischenkiefer besitzt. Zu ersterer zählt
Verf. C. sapidissimus Ag. (albus Thomps.), lalior Ag. n. sp., albus Rieh.,
albus Kirtl., otsego De Kaj , quadrilateralis Rieh.; zu letzterer C cht-
peiformis De Kay, albus Lesueur, lucidus Rieh. , Tfdlibee Rieh., Haren-
gus Rieh., labradoricus Rieh.
Zadock Thompson von Burlington sandte an Storer Beschreibung
und Zeichnung eines Fisches aus dem Champlain See und aus dem Winoos-
kifluss, auf den er eine neue Gattung Äaimoperca gründen wollte, der
aber als zur Gattung Percopsis Agass. gehörig (im vorigen Berichte
erwähnt) erkannt wurde. In Boston Troc. III. p. 164. findet sich eine
Beschreibung: Percopsis pellucida braungelb mit Längsreihen brauner
Flecken, gewöhnlich eine längs der Rückenlinie, und zwei Reihen je-
derseils zwischen der Rücken - und Seitenlinie, ein breiter Atlasslrei-
fen u^n die Seilenlinie, Bauch weiss ; Flossen und Fleisch durchschei-
nend. Die Rauchflossen sind etwas vor der ersten Rückenflosse ange-
fügt; der erste Strahl der Afterflosse ist kurz und dornig, Schwanz-
94 Troschel: Bericht über die Leistungen in der Ichthyologie
flösse gablif. Rand des Praeoperculums fein gesägt; Schuppen rauh;
Länge 3—5 Zoll. B. 6; D. 11— Ü; P. 13 ; V. 8; A. 1. 7.
Agassi z beschrieb seinen Percopsis guttatus (Lake superior p.
286.) und bildete ihn ab. Er ist gelblich violett , oben dunkler ; der
Rücken ist mit schwarzbraunen Flecken bestreut, die zuweilen Längs-
reihen bilden ; in der Mitte des Körpers ein silbernes Band , Flossen
einfarbig durchscheinend. B. 6; D. 2. 10; A. 1. 7; V. 8; P. 12. Soll-
ten beide Arton verschieden sein ?
Clupeacea« Engraulis crocodilus B 1 e e k e r Borneo ^ 1. c.
gelblich, Flossen gelblich, Schwanzflosse hinten schwarz gerandet. D.
1 — 1. 11; A. 3. 45. — E. breviceps -Cantor 1. c. p. 306. röthlich
golden, der erste Strahl der Brustflosse verlängert. D. 1. 16; A. 63.
Clupeonia perforata Cantor ib. p. 294. grünlich, Schnauze und
Kinn schwärzlich, Rückenflosse gelb mit schwarzen Flecken; hat einige
kleine Zähne am Unterkiefer. D. 17 bis 20 ; A. 19 oder 20. Pinang.
Ayres machte in Boston Proc. III. p. 173. Bemerkungen über
einen Hecht, den Richardson in seiner Fauna Boreali-americana als
Esox lucius beschrieben hat. Derselbe ist von Zadock Thomson ib.
p. 164 Esox nobilior genannt worden. Während bei diesem die Seilen
des Kopfes glatt sind , haben sie bei E. estor Lesueur Richards, eine
schuppige Stelle am vorderen Rande des Kiemendeckels. — Eine an-
dere Art E. boreus fügt Agassiz (Lake superior p. 317.) hinzu, bei
dem die Wangen und der obere Theil des Kiemendeckels mit Schup-
pen bedeckt sind. D. 21 ; A. 18.
muraenidae« Storia ed Anatomia delP Anguilla , e
Monografia delle nostrali specic di questo genere del Pr.
Costa. Napoli 1850.
Den Hanpttheil dieser Schrift bildet die Anatomie des Aales,
welche ausführlich von p. 12 bis 48 abgehandelt wird ; dann folgt
eine Aufzählung und Unterscheidung der 3 Arten A. plalyrhynchus,
acuiiroslris und vulgaris. Neun Tafeln erläutern den Text.
Rathke beobachtete einen hochträchligen Aal, dessen Leib durch
die Eierstöcke stark angeschwollen war, und aus dessen über 3 Linien
erweiterter GeschlechtsöfTnung bereits Theile der Eierstöcke hervorquol-
len (Müller's Archiv 1850. p. 203).
Einen Aal aus den Flüssen Algeriens sieht Guichenot (Expl.
Alger. pl. 7. fig. 1.) als neu an und nennt ihn Anguilla Callensis ; der
Unterkiefer steht etwas vor, drei Reihen Zähne in den Kiefern, an der
Spitze des Oberkiefers zwei Nasenröhren.
Muraena minor Temm. Schi. Jap. p. 269.
Ophisurus (Verf. schreibt Ophiurus, was schon wegen der
Aehnlichkeit mit Ophiura nicht wohl zulässig ist) baccidens Cantor 1.
während des Jahres 1850. 95
c. mit kugligen Zähnen. D. 259 bis 271; A. 176 bis 180; Br. 34. —
0. grandoculis und breviceps ib. mit spitzen Zähnen. Von allen ist
das Gebiss abgebildet ; Pinang.
Dalophis anceps Cantor ib. D. 251; A. 151 ist auf pl. VI. ab-
gebildet.
Eine Art der Gattung Leptocephalus fand derselbe Verf. in dem
Magen von Johnius diacanthus, er nennt sie L. dentex.
Symlirancliidae* Symbranchus caligans Cantor 1. c. p
334. pl.VIl. ist abgebildet.
Kopf und Gebiss von Monopterus javanicus sind ib. pl. V. ab-
gebildet.
Plectognathi.
Dareste veröffentlichte „Untersuchungen über die Clas-
sification der Fische aus der Ordnung der Plectognathen.
(Ann. d. sc. nat. XIV. p. 105.)
Verf. ist nach seinen Untersuchungen nicht geneigt, die Plecto-
gnathen als eine Ordnung höheren Ranges anzuerkennen. Er begnügt
sich damit, fünf kleine Familien anzunehmen. Die erste Familie ent-
hält die Gattungen Diodon und Tetraodon , die zweite besteht nur aus
der Gattung Triodon, die dritte wird durch die Galtung ürthagoriscus
gebildet, die vierte umfasst die Linne'sche Gattung ßaiistes, die fünfte
endlich entspricht der grossen Gattung Ostracion.
c^ymnodontes. Bijdrage tot de Kennis der blootka-
kige Visschen van den Soenda-Molukschen Archipel met be-
schrijving van eenige nieuwe soorlen door Dr. F. Blee-
ker. (Verband, van het Batav. Gen. van Künsten en Weten-
schappen. DeelXXIV. Batavia 1850). In diesem Beitrag zur
Kenntniss der Gymnognathen giebt Verf. 16 Arten als bereits
bekannt aus dem Indischen Archipel an, und fügt ihnen 10
zum Theil schon an andern Orten beschriebene Arten hinzu.
Von diesen 26 Arten kommen auf die Fauna von Java 10,
von Madura 2, Sumbawa 1, Timor 1, Sumatra 6, Borneo 3,
Cclebes 2, Molukken 6, Neu-Guinea 3. Von ihnen kommen
14 Arten auch ausser dem indischen Archipel vor. Von al-
len besitzt Verf. nur 15 Arten, (13 Tetraodon, Diodon pun-
ctatus Cuv. , Triodon bursarius Reinw.), die sämmtlich be-
schrieben werden. In einem Conspectus specierum giebt er
96 Troschel: Bericht über die Leistungen in der Ichthyologie
folgende Uebersicht über die Gattung Tetraodon, und bemerkt
dabei, dass sich die Arten nicht völlig in die Müller'schen
Gattungen bringen lassen :
1. Nares in papillo concavo perforatae utroque latere 2, lineae
laterales utroque latere 2 conspicuae , oculisuperi, caput obtusum
(Gastrophysus Müll.) : 7'. paloca Buchaii., oblongns Bl., lunaris Cuv. —
2. Kares in cute praeorbitali perforatae, utroque latere 1, linea latera-
lis inconspicua, caput acutum rostratum, dorsum carinatum, oculi superi
(hat noch keinen Gattungsnamen erhalten); dahin T. papua BIkr. (und
ferner marginalus Rüpp. , vermiculatns T. Schi., grammatocephnlus T.
Schi., rostralus Bl.). -^ 3. Fapillae vel tentacull nasales loco narium,
caput obtusum (Arothron, Cheilichlhys, Chelonodon). A. Papilla nasa-
lis utroque latere duplex vel bifida , pinna caudalis convexa, corpus
superne et inferne spinulis scabrum. a. Oculi superi : T. tesludineus
Bl., calamara Russ., calamaroides Blkr. n. sp. D. 1. 10; A. 1. 11. von
Batavia, /tappa Russ. , Kunhardtii Blkr. n. sp. D. 2. 8; A. 2. 6 vel 2. 7.
von Padang. b. Oculi posteri ; T. polamophilus ß]kr., leiurus Blkr. n. sp.
D. 3. 11 ; A. 2. 9. Batavia. — ^ B. Papilla nasalis utroque latere Sim-
plex indivisa , oculi superi, linea lateralis inconspicua; T. reticulatus
Blkr., modestus Blkr. Die drei neuen Arten sind Natuurk. Tijdschr.
voor Nederl. Indie I. p. 96. bereits beschrieben.
Unter den 14 Arten japanischer Tetraodon, welche Temniinck
und Schlegel 1. c. beschreiben und sämmtlich abbilden, sind meh-
rere neu : T. inermis oben unbewaffnet, unten mit einigen zerstreuten
Stachelchen. — T. vermicularis (Krusenstern Atlas pl. 51. fig. 1.) D. 11;
A. 10; poecilonohis (Russell Kappa no. 25) ; stictonolus D. 15; A. 13.
sind drei verwandte Arten. — T. ßrmatnenlum der ganze Körper mit
weissen Flecken bedeckt; D. 14; A. 14. — T. pardalis die Haut statt
der Stacheln mit weichen Höckern besetzt, unten weisslich, oben gelb
mit braunen Flecken , D. 12; A. 10. — 7*. porphyreus ohne Stacheln
und Höcker, braun ins Röthliche ziehend, D. 14; A. 12. — T. ruhri-
pes verwandt mit ocellatus Bl. oben dunkelgrün, an den Seiten bläulich
mit schwarzen Flecken von verschiedener Gestalt, Afterflosse roth; ü.
16 ; A. 14. — T. xanthopterus blau mit dunkelblauen Streifen und gel-
ben Flossen; D. 16; A. 14. — T. rivulalus zusammengedrückt, einfa-
che Nasenlöcher, sparsame Stachelchen des Rückens, Rückenflosse etwas
vor der Afterflosse ; D. 10 ; A. 10. — T. gramnialocephalus verwandt
dem vorigen, aber sein Rücken ist gekielt, die Stacheln gedrängter. —
'L (Arolhron) tnodeslus Bleeker Borneo 1. c. nur Brust und Wangen
rauh ; oben grün, unten silberfarbig, Flossen durchsichtig grünlich. D.
5.20; A. 3. 20. — T. (Arolhron) simulans Cantor 1. c. p. 374. grün-
lich mit schwarzen Flecken. D. 12 ; A. 10. — T. Carduus ib. dunkel-
gelb mit 12 schwarzen Längsbinden. D, 11 ; A. 10. — T. bondarus ib.
wahrend des Jahres 1850. 97
(Russell 27. Boiidaroo Kappa). D. 10; A. 9. — T. discutideus ib. (Rus-
sell 25. II. Kappa) D. 10 ; A. 8.
Hopkins zeigte an, dass Tetrodon Pennanlii (?) von 18 Zoll
Länge an der Küste von Wexford angetrieben sei (Annais VI. p. 311.)
Balistiiii. Monacanlhus cirrhifer Tcnim. Schi. Fauna jap.
die Männchen haben den zweiten Strahl der Rückenflosse in einen Fa-
den verlängert; D. 1.33; A. 33. — M. oblongus ib. etwas langstrecki-
ger, Rücken- und Afterflosse höher; D. 37; A. 33.
Alutera cinerea Temm. Schi. 1. c. der Stachel, der die erste
Rückenflosse darstellt, steht genau über dem Auge; D. 4. 48; A. 51.
A, nasicornis ib. der Stachel steht vor dem Auge auf der Mitte des
Schnauzenrückens. — Cantor 1. c. p. 357. zieht Gray's Anacanlhus
barbalus zu Alutera (Alularius), indem er bemerkt, dass die Abbildung
fehlerhaft, und die Gattung Anacanthus nach diesen'Fehlern aufgestellt
sei. Der Fisch ist von Neuem abgebildet.
Triacanthus brevirostris Temm. Schi. 1. c. verwandt mit bia-
culealus, der einzigen bisher bekannten Art , unterscheidet sich durch
kürzere und stumpfere Schnauze; D. 4. 23; A. 18. — T. anomalus ib.
zahlreichere Zähne, die an Ostracion erinnern , kleine weiche Strahlen
in der Achselhaut des Bauchflossenstachels wie bei Monocentris , die
erste Rückenflosse fast bis zur zweiten reichend mit sechs starken Dor-
nen, die abgerundete Schwanzflosse, das Fehlen der Seitenlinie unter-
scheiden diese Art so auffallend, dass die Verf. geneigt sind , ihr den
Rang einer Untergattung einzuräumen. D. 6. 15 ; A. 12. — T. strigili^
[er Cantor 1. c. p. 363. pl. IX. an den Seiten ^mit orangefarbigen
Flecken. D. 5. 22 ; A. 16. Pinang.
Ostraciones« Ostracion immaculatus Temm. Schi. I. c.
verwandt mit cubicus , aber völlig ohne Flecken; D. 9; A. 9. -- O.
sticlonolus ib. mit entwickelten Dornen an den Seiten und auf dem
Rücken; D. 11; A. 10. — 0. brevicornis ib. verwandt mit cornutus
aber mit kürzeren Stirndornen; D. 9 ; A. 9. — 0. tessernla Cantor
1. c. p. 367. gelb mit schwarzen Flecken, ohne Dornen. D. 9 ; A. 9,
Piuang.
Lo phobranchii.
Matthew Moggridge zeigte (Annais VL p. 396.)
seine Erfahrungen über die Zeit, in der die Eier von Syngna-
thus aeus und lumbriciformis vom Weibchen in die Tasche des
Männchen übergehen, an. Sie fällt auf den Anfang des Juni.
Syngnathus serralus und tenuirostris sind neue japanische Arten
bei Temm. Seh leg., beide aus der Abiheilung mit Brust-, Rücken-
und Schwanzflosse, ohne Afterflosse. — S. boaja Bleeker Borneo 1.
Archiv f. Naturgesch. XVII. Jahrg. Bd. 2. Q
98 Troschel: Bericht über die Leistungen in der Ichthyologie
c. oben grün, unten gelblich, Schwanz schwarz. D. 51 ; P. 25; A. 5;
C. 8. — S. piniciUns Canlor 1, c. p. 386 ohne Afterflosse, grünlich
braun, fein braun geHeckt. D. 32; P. 18; C. 6. Pinang.
Hippocampus coronalus T e mm. Schi. Jap. mit einer hohen Kno-
chenleisle auf dem Kopfe von der Länge der Schnauze. — H. ffraciU
Hmus ib. macht einen Uebergang von Hippocampus zu Syngnathu», hat
einen Greifschwanz, aber der Kopf bildet keinen Winkel mit dem Rumpf.
— H. mannulus Cantor 1. c. p. .388. pl. XL fig. 1. D. 19. — H. co~
mes ib. pl. XL fig. 2. D. 16.
Glanoidei.
Ayres stellte eine neue Art Polypleriis Palmas aus Westafrica
auf, die sich durch sechs Rückenflossen, die auf der Mitte beginnen
und bis zum Schwänze reichen, auagezeichnel. (Boston Proc. HL p. 181.).
üeber Lepidosteus machte Agassi z (Lake superior p. 254.) all-
gemeine Bemerkungen.
Von Stören stellte derselbe ib. p. 267. drei neue Arten auf:
Acipenser laevis , carbonarius und rhynchaeus ; der zweite von ihnen
ist abgebildet. Verf. weist auf die Verwandtschaft mit den Goniodon-
ten und durch diese mit den Welsen hin.
Selachil.
Squali* Für das Subgenus Prionodon Müll. Henle führt Cau-
i or Frionace ein, weil der ISame von Horsfleld bei den Säugthieren
vergeben. — Carcharias (Prionodon) japonicus Temm. Schi, ist nach
einer Zeichnung und nach den Kiefern aufgestellt.
W. P. Cocks lieferte eine kurze Beschreibung von einem 7
Fuss langen £\emplar von Echinorhinus spinosus ßlainv., welches hei
Falmouth am 6. Dec. 1849 gefangen war (Annais V. p. 71.)
Rajae« Rhinobatus (Rhinobalus) lig oni f er C smior 1. c. p. 415
grünlich aschgrau, unten weiss, Schnauze abgesetzt durch seitliche Ein-
fchnitte.
Den Namen Anacanthus Ehrbg. verwandelt Cantor 1. c. p. 422.
in Rhachinotus, weil er bereits bei Fischen und Käfern angewen-
det ist.
Pteroplatea japonica Temm. Schi. 1. c. verwandt mit micrura
Müll. Henl. Doch erreicht der Schwanz nur die halbe Länge des
Körpers.
L e u c k a r t schrieb über die allmähliche Bildung der
Körpergiestalt bei den Rochen (Siebold und Kölliker Zeitschr.
p. 254.) und schilderte einige Embryonen von Torpedo mar-
morata. Namentlich ist hervorzuheben , dass die Brustflos-
während des Jahres 1850. 99
sen anfänglicli, am hintern Ende des Vorderkörpers entsprin-
gend, frei nach vorn vorragen, erst später mit den Rändern
des Körpers verwachsen.
Torpedo nigra Guichen ot (Expl. Alger. pl. 8. p. 131.) ganz
schwarz mit vielen kleinen weisslichen oder granlichen Fünktcheu.
Verf. zweifelt seihst , ob dies nicht eine blosse Varietät von T. raar=
niorata sein möchte. — T. (Astrape) japonica Tenini. Schi. 1. c. ist
rölhlichbraun.
. „lieber den Zahnbau von Myliobates und dem verwandt
ten Rochen Trikeras von E. Harless" (Abhandlungen der
Math.-Phys. Classe der bayerischen Academie Bd. V. 1850.
p. 841. mit 3 Tafeln).
Die Gattung Aetobatis Müll. Henl. nennt Cantor 1. c. Stoa^
sodon, weil der Name schon hei Blainville in Anwendung gekom=
men sei.
CyclostoAiii.
Agassiz versuchte durch die Entwicklungsgeschichte
zu erweisen, dass die Rundmäuler nicht eine eigene Klasse,
der Fische bilden müssen , sondern nur embryonische For-
men des grossen Typus, welchem die Haifische und Rochen
angehören, seien ; er vergleicht ihr physiologisches Verhält-
niss zu einander mit dem, in welcheiu die Fischmolche zu
den geschwänzten Fröschen stehen (Lake superior p. 249).
Derselbe beschreibt ib. auch eine neue Art Ammocoeles borea-
Us, Jessen Rückenflosse nicht getheilt ist, und die Hälfte des ganzen
Fisches einnimmt.
Bericht über die lielstuiig^en im €;tebiete der
Haturgescliiclite der Hloliuskeii wälireiid
den Jalires 1S50.
Vom
Herausgebe r*
Für die Conchyliologie in weiter Ausdehnung ist im
Jahre 1850 ein neues Organ gegründet: „Journal de Conchy-
liologie, comprenant l'etude des animaux, des coquilles Vivan-
tes et des coquilles fossiles, public sous la direction de M.
Petit de la Saussaye. Paris 1850.« Es erscheint in Octav,
in vierteljährlichen Heften und giebt auch gute Abbildungen.
Wir wünschen dem Unternehmen Glück.
In einem Aufsatz von L. Agassizüber die natürlichen
Beziehungen zwischen den Thieren und den Elementen , in
denen sie leben (Silliman's Amer. Journ. 1850. p. 369.; An-
nais VI. p. 153.) spricht Verf. auch seine systematischen An-
sichten über die Mollusken aus. Er nimmt drei Klassen an:
1. Acephala {Tunicata mit Einschluss der Bryozoa, Bra-^
chiopoda, Diphyra) ; 2. Gasteropoda {Foraminifera , Pte^
ropoda, Gasteropoda^; 3. Cephalopoda, Im Allgemeinen
stehen, nach des Verf. Meinung, die Landthiere am höchsten,
so die Pulmonata unter den Gasteropoden , dann folgen die
Süsswasserthiere , zuletzt die marinen Formen ; daher stehn
ihm die Naiaden zu oberst unter den Muscheln , die Mono-
myaria bilden einen Uebergang von den Dimyaria zu den
Brachiopoda u. s. w.
Troschel: Bericht über die Leistungen u. s. w. 101
Figures of Molluscous Animals , selected from various
Authors. Etched for the use of students by Maria Emma
Gray. London 1850. Von diesem Werke, das zahlreiche
Abbildungen von Thieren aus der Klasse der Mollusken ent-
hält, die aus den verschiedenen Werken copirt sind, ist mir
leider bisher nur der Text, der nur eine Aufzählung der ab-
gebildeten Arten enthält, zu Händen gekommen.
Von Philippi's „Abbildungen und Beschreibungen
neuer oder wenig bekannter Conchylien« erschienen im Jahr
1850, als Schluss des dritten Bandes, die Lieferungen 7u. 8.
Leider wird wohl damit das Werk ganz geschlossen sein ;
wenigstens nimmt Verf. in der Vorrede zum dritten Bande
vorläufig Abschied. Er hat sich nach Südamerika begeben.
Hoffen wir, dass derselbe zurückkehre und auch ferner der Con-
chyliologie nütze. Die ebengenannten Schlusshefte enthalten
Abbildungen aus den Gattungen Haliotis ^ Fasciolaria^ Btili-
mus^ Lucina, Cyrena, Area; — Fusus, Fasciolaria, Galatea^
Pholas, Anomia, Mactra,
Küster's neue Ausgabe von Martini Chemnitz Conchy-
lien-Cabinet wurde im verflossenen Jahr um die Lief. 90 —
100 vermehrt. Sie enthalten Fortsetzungen des Textes der
Gattungen Physa, Planorbis, Helix, Turbo, Trochatella, Lud-
della und Helicina, Acicula und Geomelania, Anostoma, Boy-
sia, Tomig erus , Froserpina, Streptaxis , Pupa, Natica, Tro-
chus, Clausula, Das Nähere s. unten am systematischen Orte.
Von Ch enu Illustrations conchyliologiques etc. erschienen
seit der letzten Mittheilung die Lief. 81-83 (die Lief. 80 ist der
Bibliothek in Berlin nicht zugegangen). Lief. 81 enthält keinen
Text, nur folgende Tafeln : Helix pl. 3, Bulimus pl. 8, Anodonta
pl. 3, Trochus pl. 4 , Columbella pl. 26. — Die Doppellief. 82, 83
enthält Marginella pl. 1—3, Pectunculus pl. 2, Helix pl. 5,
8, 9, 10, Avicula pl. 1, Venus pl. 4 und den Anfang des
Textes von Dentalimn, in welchem die Arten in alphabetischer
Ordnung aufgeführt sind ; unter ihnen mehrere neue s. un-
ten. — Im Ganzen ist bisher in diesem schön ausgestatteten
Werke der Text von folgenden Gattungen erschienen: Narica
von Recluz, Aspergillum, Siliquaria, Sigaretus, Panopaea von
Valenciennes, Clavagella von C a i 1 1 a u d, Magilus, Stylifer,
Corbis, Glycimeris, Poronia , Pecten, Pedum , Ungulina , Hin-
102 Troscliel: Bericht über die Leistungen im Gebiete der
nites, Galathea, Syndosmya, Slrombus von Duclos, Oliva
von Duclos, Ervilia, Spondyliis , Diceras von Favre, La-
vigno, Tridacna, Mycetopoda, Cleidoth'aerus, Lig-ula, Leptoxis.
— Ferner von Cirripedien die Galtungen Tubicinella und Co-
ronula. — Endlich von Annulaten die Gattungen Arenicola,
Chaetopterus, Sabellaria, Clymene, Spirorbis.
Im Jahr 1850 ist von dem berühmten F e r u s s a c'schen
Werk: „Histoire naturelle generale et particuliere des Mol-
Jusques terrestres et fluviatiles , tant des especes quo Ton
trouve aujuourd'hui Vivantes , que des depouilles fossiles de
Celles qui n'existent plus , classees d'apres les caracteres
essentiels que presentent ces animaux et leurs coquilles" wie^
der eine Fortsetzung vonDeshayes erschienen. Es liegen
aus diesem Jahre die Lieferungen 35—40 vor. Sie brach-
ten den Text von p. 41— 376, der sich ausschliesslich auf die
Gattung Helix bezieht. Es sind hierin viele Arten no. 56—
444 beschrieben. Jede Lieferung ist von 6 ausgezeichnet
illuminirten Tafeln begleitet. Diese Fortsetzung ist um so
wichtiger, als dadurch dem bisher so sehr vermissten Man-
gel des Textes abgeholfen wird. Die Synonyme sind bis auf
die neueste Zeit gegeben. Das ganze Werk soll mit 42 Lie-
ferungen beendigt sein. Der beste Kenner der Heliceen,
Pfeiffer in Kassel, hat in Zeitschr. f. Malak. p. 145 u. 174
eine Anzeige von dieser Bearbeitung gegeben , worauf hier-
mit verwiesen wird.
Von der „Zoology of the Voyage of H. M. S. Sama-
rang etc. Mollusca" erschienen im Jahr 1850 das 2. und 3.
Heft, bearbeitet von Lovell Reeve imd A r t h u r A d a m s.
Das 2. Heft enthält die Gattungen: Erato , Voltita, Mitra^
Marginella , Terebra^ Oliva, Ancillaria, Eburna, Buccinum,
Cyllene, Purpura, Columbella, Oniscia, Sirombns, Rostellaria,
Terebellum, Triton, Ranella, Murex, Ficula, Pleurotoma, Man^
gelia, Fusus , Cancellaria, Turbinella, Ceriihiwn; — das 3.
Heft die Gattungen Triphoris , Stylifer , Turritelia , Eglisia,
Littorina , Margarita , Rotella , Phorus , Delphinula, Scalaria,
Chemnitzia, Eulima, Rissoa, Pyramidella, JantJiina^ Natica,
Sigaretus, Auricula, Scarabus , Cydostoma, Pupina, Bulimus,
Helix , Carinaria , Aplysia , Siphonotus nov. gen. , Dola^
bella, Bulla, Pleurvbranchus , Borne IIa Gray ndv. gen.,
Naturgeschichte der Mollusken während des Jahres 1850. 103
Scyllaea^ Ceralosoma n. gen., Goniodoris, Haliotis, Sipho-
7iaria, Emarginiila , Pileopsis , Fissnrella , Calyph'aea, Denta-
lium; — Terebvatiila : — Astrea , Hemipecten n. gen.;
Pecte?i, Lima, Chama, Nucula, Pectimculus ^ Cardita ^ Hippa-
yus, Isocardia , Cardiunr, Cytherea , Artemis, Ve7ms^ Lucina,
Crenoida, Psammobia, Amphidesma, Mactra, Crassatella, Mya,
Tliracia, Corbula, Lyonsia, Poromya, Neaera, Solen, Pholas
Damit ist die Abtheilung der Mollusken geschlossen. 24 schöne
colorirle Tafeln zieren das Werk. Auf ihnen sind auch die
Thiere einiger Gattungen dargestellt, von denen man bisher
nur die Schalen kannte. Die neuen Arten sind zahlreich, sie
werden unten nur genannt.
Im Jahre 1850 sind von den Proceedings of the Boston
Society of nat. hist. Bogen 10—21 des dritten Bandes er--
schienen. Auf denselben sind namentlich wieder viele neue
Arten von Gould aufgestellt worden , die durch die United
States exploring expedition entdeckt wurden. Sie sind unten
am entsprechenden Orte genannt.
„Notice sur le Musee conchyliologique de M. la Baron
Benjamin Delessert par Chenu. Paris 1849. 8." In dieser
kleinen Schrift giebt Verf. Nachricht über Entstehung, Grösse
und Einrichtung der berühmten Sammlung. Er giebt an, sie
bestehe aus 300 Gattungen, 25000 Arten und mehr als 150000
Stück. Einige interessante Stücke werden besonders her-
vorgehoben.
Von „0. A. L. M ö r c h Catalogus conchyliorum, quae re-
liquit C. F. Kierulf, M. D., nunc publica auctione X. Decem-
bris 1850. Hafniae dividenda. Hafniae 1850. 34 Seiten in 8,
und 2 lithographirten Tafeln.« giebt Pfeiffer in Zeitschr.
f. Malak. p. 122 Nachricht; ich kenne diese kleine Schrift
nicht aus eigener Ansicht. Es sind auch neue Arten be-
schrieben, die unten namhaft gemacht sind.
Von Sars erhielten wir in Nyt Magazin for Naturviden-
skaberne, udgives af den physiographiske Forening i Chri-
stiania Sjette Binds andet Hefte. Christiania 1850. p. 121. ei-
nen Bericht über eine Reise nach den Lofoden und Finmar-
ken: „Berelning om en i Sommeren 1849 forelagen zoolo-
gisk Reise i Lofoten og Finmarken.« Unter den 364 Arten
wirbelloser Seethiere, welche Verf. im Ganzen untersuchte,
104 Troschel: Bericht über die Leistungen im Gebiete der
gehören 171 der Abtheilung der MoHusken an (70 Conchi-
feren, 4 Brachiopoden, 97 Gasteropoden, unter denen 6 neue),
Dazu kommen noch 23 Arten Tunicaten , worunter 8 neue,
die Verf. zu den Polypen stellt. Nach einigen Bemerkungen
über die geographische Verbreitung folgt p. 134 eine Aufzäh-
lung aller beobachteten Arten mit Bemerkungen über ihr Vor-
kommen u. s. w. Die neuen Arten sind durch lateinische
Diagnosen charakterisirt.
Die „History of british Mollusca and their Shells by E.
Forbes aud Sylvanus Ha n 1 ey. London. 8." wurde forl-
gesetzt, es erschienen im Jahr 1850 die Lief. 25—34.
In ihnen sind enthalten als Fortsetzung der Gasteropoda Proso-
branchiata die Familien : Haliolidae (Haliotis), Trochidae (Trochus, Pha-
sianella, Adeorbis , Scissurella), Janthinidae (Janthina). Damit ist der
zweite Band geschlossen. — Die folgenden dem dritten Bande angehö-
rigen Lieferungen enthalten dann die Familien : Neritidae (Neritina),
Palndinidae (Paludina, Bithinia, Valvata), Litlorinidae (Littorina, Lacuna,
Assiminia, Rissoa, Je ffreysia Alder nov. gen., Skenea) , Turrüelli-
dae (Turritella , Coecum Flem.) , Cerithiadae (Aporrhais , Cerithiura),
Scalariadae (Scalaria), Pyramidellidae (Aclis , Stylifer, Eulima, Chem-
nitzia, Odostomia, Eulimella, Truncatella, Otina Gray nov. gen.).
„Tableau methodique et descriptif des Mollusques ler-
reslres et d'eau douce de l'Agenais, par M. J. B. Gassies;
1 Vol. in 8. 1849.« Diese Schrift von über 200 Seiten, wel-
che die Mollusken der Umgegend von Agen behandelt, ist mir
nur aus der Anzeige im Journ. de Conchyl. L p. 326 bekannt.
In ihr sind auch vier neue Arten beschrieben, die unten ge-
nannt Werden.
Catalogue des coquilles de l'ile de Corse, par M. R.
Avignon. 8.
Dies Werk ist mir nur aus der Anzeige in den Annal. d. sc. nat.
XIV. p. 144. bekannt geworden. Der Verf., Requien, hat im Gan-
zen 684 Arten beobachtet, von denen 476 auch in Sicilien vorkom-
men ; 44 Arten werden für neu gehalten. Es sind 230 Conchiferen,
7 Pteropoden, 15 Nacktschnecken, 98 Land - and Süsswasserschnecken,
285 Seeschnecken , 8 Cephalopoden , 2 Heteropoden. Der Mollusken-
reichthum von Pas de Calafs (125 Arien), Finislerre (340), Corsika (684)
und Sicilien (841) verhält sich , vom Worden nach dem Süden zuneh-
mend, wie. 5 : 13 : 27 : 33.
Naturgeschichte der Mollusken während des Jahres 1850. 105
Die lebenden Schnecken und Muscheln der Umgegend
Berlins, beschrieben von Friedrich Stein. Mit 3 Kupfer-
taieln, Abbildungen von 73 Arten enthaltend. Berlin 1850. 8.
In dieser kleinön Schrift wird von allen dem Verf. im Umkreise
von- Berlin bekannten Mollusken Beschreibung und Abbildung gegeben.
Die Abbildungen sind recht gut in Kupferstich ausgeführt. Im Ganzen
kennt Verf. 84 Arten; wobei jedoch zu bemerken, dass er Limnaeus
ovatus und vulgaris zu auricularius zieht, und dass er nur eine Art
von Anodonta anerkennt. Des Ref. Schrift über die Limnaeaceen der
Umgegend Berlins ist dem Verf. unbekannt geblieben.
Pellegrino Strobel studi su la Malacologia Un-
gherese. Pavia 1850. 62 Seiten in 8. Von dieser Schrift
habe ich nur aus der Anzeige in der Zeitschr. f. Malak. p. V20
Kennlniss. Es werden darin 125 Arten von Landschnecken
aufgezählt, die den Heliceen, Auriculaceen und Cycloslonia«
ceen angehören.
In „Lake superior, its physical character, Vegetation and
animals by Louis Agassiz findet sich p. 243 ein Verzeich-
niss der Mollusken von Gould, welches 37 Arten enthält,
nämlich 32 Schnecken und 5 Muscheln, Einige wenige sind
neu, eine Physa und ein Limnaeus sind abgebildet.
Bemerkungen über die Verbreitung der schalentragen-
den Mollusken von Jamaica machte C. B. Adams in den
Proc. of the American association for the advancement of
sciencc, second meeting held at Cambridge , August 1849.
Boston 1850. p. 147 bekannt,
Bemerkenswerth ist die grosse Zahl der Arten. Wenige Meilen
der Küste lieferten 420 Arten; in der kleinen Bucht von Port Royal
wurden 350 Arten gefunden. Verf. schätzt die Zahl der Landschnecken
auf 400 Arten, und die der Seeconchylien zwei - oder dreimal so hoch.
C. B. Adams lieferte von seinen Contributions to con-
chology. Amherst. 8. Die Nummern 4—7. Sie sind wieder
fast ausschliesslich den Conchylien von Jamaica gewidmet,
und geben zahlreiche Diagnosen von neuen Arten , sowohl
von See- als Land-Conchylien, die unten namentlich erwähnt
sind. In Nummer IV. p. 51 erklärt der Verf. das durch-
schnittliche Gewicht für sehr wichtig zur Unterscheidung,
106 Troschel: Bericht über die Leistungen im Gebiete der
und giebt ein Verzeichniss von kleinen Arten von Landschnek-
ken, denen die Anzahl der gewogenen Stücke, das ganze Ge-
vvichl, und das Gewicht des einzelnen Exemplares beigefügt
ist. Die leichteste von allen Landschnecken ist vermuthlich
Achatina iotaAd., welche nur 0,0025 Gran wiegt. Bei den mit
Deckel versehenen Schalen ist dieser weggelassen, da er so
oft nicht in Sammlungen vorhanden ist, und daher nicht ver-
glichen werden kann. Verf. weist selbst iiuf die Ungenau-«
igkeit hin, die durch die verschiedene Erhaltung der Schalen
entsteht, und dadurch, dass mehr oder weniger von dem ab-
gestorbenen Thier darin getrocknet ist. — p. 54 macht Verf.
einige Bemerkungen über die Synonymie einiger Seeconchy-
lien. — Nummer VI. p. 85 enthält Bemerkungen über den
Ursprung der Land-Mollusken vonJamaica, in denen von der
Entstehung der verschiedenen Species gehandelt wird*
„Testacea novissima insulae Cubanae et Americae cen=
tralis, auclore Arth. Morellet. 1849. 8.^
Diese Schrift kenne ich nur aus der Anzeige im Journ. de Con^
chyl. I. p, 88. Sie behandelt 85 meist neue Arten , die sich folgen-
dermassen ^in die Gatlungen vertheilen : 7 Helix, 3 Bulimus , 9 Cylin-
drclla, 13 Glandina , 1 Succinea, 7 Planorbis , 2 Fhysa, II Helicina, 7
Oyclostoma, 1 Ampullaria, 8 Melania, 2 Neritina, 1 Cerilhium, 1 Ano-
donta, 12 ünio.
Philip pi lieferte eine kritische Anzeige von Mousson*§
Land- und Süsswassermollusken von Java. Zeitschr. f. Ma=
lak. p, 17.
Bei einer Anzeige von Leidy's Entdeckungen eines
Geruchsorganes der Landschnecken (vergl. dies Archiv. 1847.
IL p. 377}, im Journ. de Conchyl. J850. p. 34 scheint Des»-
hayes geneigt, der Ansicht des Verf. beizutreten.
M 0 r e 1 e t schrieb über Schneckenjagd, und giebt Samm=
lern und Reisenden Winke darüber (Journ. de Conchyl. 1850.
p. 315.).
Ebenda p. 320 empfiehlt Petit d e 1 a Sawssaye den
Sammlern , sich zu beschränken , und entweder nur gewisse
Familien, odei gewisse Faunen zu sammeln. Dieser Rath ist
Naturgeschichte der Mollusken während des Jahres 1850.
107
gewiss sehr zu beachten, und wird Privatsainmlern es mög-
lich machen, für einzelne Ablheilungcn wahre Mustersamm-
lungen zu schaffen. Jemehr sich Jemand beschränkt, um so
leichter wird er Vollständigkeit erlangen können.
€eplialopo€ta.
Das gerühmte Werk vonVerany „Mollusques mediter-
raneens observes, decrits, figures, cromolithographies d'apres
nature sur des modeles vivanls etc." habe ich leider no< ]i
nicht mis eigner Ansicht kennen gelernt; die Abbildungen sollen
ganz vortrefflich sein. Aus einer Anzeige im Journ. deConchyl,
1. p. 411 ist ersichtlich, dass noch kein Text erschienen ist.
Die erste Lieferung ist den Cephalopoden gewidmet. .
Van der H o e v e n gab Abbildungen von Nautilus Fom-
pilius (Transactions of the zoological society of London Vol.
IV. Part. L p. 21. pL 5-8. London 1850.), durch welche er
Einiges in den Beschreibungen Owen's und Valenciennes'
berichtigt. Er hat zwei Exemplare benutzt, ein weibliches
und ein männliches. Von besonderer Wichtigkeit ist das
Männliche, da die Beschreibungen von Owen, Valenciennes
u. s. w. sich auf weibliche Exemplare gründen. Das männ-
liche Exemplar hat der Verf. bereits in Tijdschrift voor de
natuurkundige Wetenschappen , uitgegev. door de eerste Kl.
v. h. Koninkl.-Nederl. Instit i. 1848. p. 67—75, beschrieben;
ein kurzer Auszug davon wurde in der Versammlung zu Ox--
ford 1847 mitgetheilt. Von den männlichen Geschlechtsthei-
len konnte nicht viel untersucht werden, da das Exemplar
schlecht conservirt war: jedoch beobachtete Verf. an der
Stelle , wo bei den Weibchen die Vulva liegt, eine Hervor^
ragung, die er als Penis betrachtet. Im Innern der Samen-
blase fand er ein zusammengewickeltes Band, das er als eine
Spermatophore anspricht.
J. E. Gray veröffentlichte (Annais VI. p. 268.) die Ab-
bildung eines Nautilus Pompilius in Holzschnitt.
108 Troschel: Bericht über die Leistungen im Gebiete der
Pteropoda.
Hyalaea (Cavolina) pisum Mörch I. c. von den Philippinen.
Cuvieria iirceolaris Mörch 1. c. von den Philippinen.
Heteropoda.
Carinaria ailanlica Reeve und Adams Samaraug aus dem
nördlichen allantischen Ocean.
C^aisteropocla.
Unter dem Titel „Conchyliologischc Bemerkungen« in
den Verhandl. des naturh. Vereines der Rheinlande und West-
phalens 1850. p. 217 giebtM. Bach 1) eine neue Eintheilung
der Varietäten von Helix neinoralis und hortensis nach den
Bändern; 2) einige neue Fundörter von Schnecken der Pro-
vinz ; 3} eine Vergleichung der Molluskenfauna Nassau's mit
der Rheinprovinz.
Gratiolet sprach (Journ. de Conchyl. I. p. 116) sei-
nen Zweifel über die Erklärung MeckePs von der Zwitter-
drüse der Helices aus. Nach seinen Beobachtungen gehen
die Sperniatozoen, wenn sie bei der Begattung in die Samen-
blase gekommen sind, eine Metamorphose ein; ihr Schwanz
verkürzt sich, ihr Kopf wächst beträchtlich, sie zeigen deut-
liche Bewegungen ; zuletzt verschwindet der Schwanz ganz,
und eine peitschenförmige Verlängerung entwickelt sich am
andern Ende und stellt den Schwanz des vollkommenen Sa-
menthierchens dar; dann sind die Bewegungen sehr lebhaft.
Bei Paludina vivipara will er gleichzeitig zwei Arten von Sa-
menthierchen in dem Samen gefunden haben.
A. War neck veröffentlichte in dem Bulletin de la So-
ciete imp. des naturalistes deMos^cou 1850 no. 1. p. 90 seine
Beobachtungen „über die? Bildung und Entwickelung des Em-
bryo's bei Gasteropoden." Die Abhandlung zerfällt in zwei
Theile: 1. Structur des Laiches und des Eies. 2. Furchungs-
process Die Untersuchungen sind besonders an Limnaeus
vulgaris und Limax agrestis angestolll. Zu diesem Aufsatze
gehören 4 Tafeln mit Abbildungen.
Naturgeschichte der Mollusken während des Jahres 1850. 109
J. E. Gray bemerkt (Annais VI. p. 144."), dass bereits
Forskäl 1775 bei der Beschreibung von Helix Janthina er-
wähnt habe, dass die Jungen mit zwei bewimperten Mund-
segeln schwimmen, auch dieselben abgebildet habe.
Derselbe bringt seine Ansicht in Erinnerung, dass
der Deckel der Gasteropoden dasselbe Organ sei, wie die
zweite Schale der Muscheln, auch meint er, dass mit einigen
Ausnahmen die Zahl der Windungen der Schale und des Dek-
kels in Beziehung ständen. Jedenfalls ist der Deckel ein
für Systematik sehr wichtiges Organ , und viele werden es
mit Gray bedauern, dass man von so vielen Arten den Dek-
kel gar nicht kennt, und dass bei Abbildungen so oft ver-
säumt wird, den Deckel darzustellen, selbst wenn man ihn
besitzt (Annais V. p. 476.)
Von der Lebenszähigkeit der Schnecken führte Wol-
las ton Beispiele an, namentlich fand er Helix papilio Lowe
und H. tectiformis, die am 1. Mai 1848 auf der Insel Porto
Santo in Schächtelchen gepackt waren, beim Oeffnen am 19.
October 1850 noch lebend (Annais VL p. 489.)
Ein terminologischer Artikel über die Tentakeln von
Recluz findet sich im Journ. de Conchyl. I. p. 292.
Ueber die Terminologie der Spindel (Columella) schrieb
Recluz (ib. I. p. 77.) Die Spindel fehlt bei den in einer
Ebene aufgewundenen, bei den eingerollten Schalen, und denen
mit sehr kurzer Spira. Verf. betrachtet sie ferner in Rück-
sicht auf ihre Ausdehnung, auf ihre Endigung, ihre Richtung,
ihre Gestalt und ihre Sculptur.
Pulmonata operculata.
Redfield in New -York Hess ein Verzeiehniss seiner
Sammlung der Deckel -Landschnecken drucken. Es ist vom
1. Juli 1850 datirt und enthält in der Familie der Helicina-
reen 55 Arten Helicina, 5 Trochatella, 1 Lucidella, 10 Sloa-
stoma ; in der Familie der Cycloslomaceen 230 Arten Cyclo-
stoma, 9 Pupina, 9 Truncatella un.l 13 Geomelania.
In Küsters Conchylien-Kabinet ist die Gattung Aci-
110 Troschel: Bericht über die Leistungen im Gebiete d<r
cula Hartm. mit 3 Arten und Geomelania Pfr. mit 2 Arten
enthalten, und damit die Familie der Cyclostomaceen geschlos-
sen. Erklärung der Tafeln, alphabetisches und systematisches
Verzeichniss sind beigegeben.
Cyclostoma virgineum, nodulosum, retrorsum , She-pardianum, pa-
pyraceum, Griffilhianwn, granosum sind neue Arten von Janiaica, wel-
che Adams in seinen Contrib. VI. p. 90 puLlicirt hat. — C. {ttero^
cyclos) spiracellum, C. tenebricosutn, beide von ßorneo, reliculatum voii
Madagaskar Keeve und Adams Samarang. _ Petit de la Saus-
saye giebt (Journ. de Conchyl. I. p. 36) ein Verzeichniss der Arten
der Gattung Cyclostoma, welches 171 Arten enthält, unter ihnen sind 8
neue, die beschrieben und abgebildet sind: C. spectabile \on der Insel
Nosse-Faly , modestum von der Insei Abd-el-Gouri, zonatum von Ma-
dagaskar, GuiUainii von der Insel Socora , niveum aus der arabischen
Provinz .Hyemen, Sonleijetiannm von Abd-el-Goury, gratmn ebendaher,
und zanguebaricutn von der Insel Zanzibar. Von diesen wird später
ib. p. 215. G. Souleyetianum für identisch mit paradoxum und gratum
mit tricolor Pfr. anerkahnt, zugleich aber das Vaterland berichtigt. Die
Priorität ist zweifelhaft. Eine Anzeige von diesem Verzeichniss s.
Zeitschr. f. Malak. p. 135. Daselbst verzichtet Pfeiffer auf die Prio-
lität obiger Namen. — C. Troseheli Pfeiffer von St. Thomas Zeit-
schr. f. Malak. p. 64. — C. tentorium , Salleanum , lilturatum, Petitia.
num, Dominicense Pfr. ib. p. 77. von Haiti, und Tamsianum von Porto
Cabello. Zugleich wird eine Beschreibung von C. semilabre Lam. gege-
ben, nach einem Exemplar von Haiti.— C. disjunctum Adams wird von
Pfeiffer ib. ip. 88. C.'Moreleti genannt; Petit nennt sie in dem eben
erwähnten Verzeichniss p. 46. Morelhliana. — C. purum Korbes
Proc. zool. soc. 1850. März.
Realia Egea und Cyclophorm Cytora Gray von Neuseeland.
Proc. Zool. soc. I8i9. Dec.
Unter dem Namen Jamaicia charakterisirt A dam s Contrib.
VI. p. 88. ein neues Subgenus von Cyclostoma folgendermassen : Cy-
clostoma testa Choanopomiformi, apertura orbiculari, margine simplici ;
operculo extus spiraliter lamellifero et maxime cpnvexo , intus laevi et
maxime concavo. Die einzige Art ist ib. p. 90. als Cycl. anomalum be-
schrieben.
Pupina mindorensis Reeve und Adams Samarang von den Phi-
lippinen.
Acicula Simoniana C h a r p e n t i e r aus Frankreich Zeitschr. f. Ma-
lak. p.63.
Dadurch, dass Adams Contrib. II. der einzigen bisher bekann-
ten Art von Geomelania Pfr. drei neue Arten hinzufügte (vergl. den
vorigen Bericht), ferner seine Cylindrella lieardsleana und pygmaea als
Naturgeschichte der Mollusken wählend des Jahres 1850. 1 1 1
tieomelanieii, anerkannte, und endlich durch Aufstellung von 13 neuen
Arten (ib. VI. p. 89 undP4.), wird die Arienzahl dieser (jallung auf neun-
zehn gebracht. Die neu aufgestellten sind folgende: G. fortis, magna,
procera, gracilis, lypica, affinis, media, vicina, slriosa, costulosa, conica^
pauperala, exilis, sämmllich von JamaR>a.
A. Adams bemerkte über das Thier von Geomelania Jamaicen-
sis Pfr. , dass es in die Familie Truncatellidae gehört, und sich nicht
von Truncatella unterscheidet. Dfe Fühler sind kurz^ conisch und ge-
drückt und die Augen sitzen auf der iMitle der Oberfläche ihrer Basis ;
der Kopf endet vorn in eine breite , flache zweilappige Schnauze von
der Länge der Fühler; der Fuss ist kurz, niedrig und durch eine tiefe
Grube vom Kopf getrennt, und trägt einen hornigen, einfachen, dünnen,
ovalen Deckel mit schwach gewundenem Apex, und subterminalem Nu-
cleus. Die Familie, welche aus den Gattungen Truncatella, Skenea,
Geomelania und vielleicht Acicula und Assiminea besieht, unterscheidet
sich von den Cyclostomiden durch die Lage der Augen und die kurzen
gedrückten Tentakeln. Sie sind amphibisch (Proc. zool. soc. 1850. Dec.
Annais VI. p. 398.)
Pfeiffer hat in Küster's Couchylien - Cabinet die Familie der
Helicinaceen bearbeitet. Die Gattung Trochatella Swains. enthält 8 Ar-
ten, Lucidella Swaius. 1 Art und Helicina liam. 92 Arien. Als neu ist
nur Hei. multislriata Velasquez beschrieben, sie bildet die 12. Pleu-
rotoma-ähnliche Gruppe der Gattung.
Trochatella elegantula Pfeiffer Zeitschr. f. Älalak. p. 76, — T.
Gouldiana Pfr. ib. p. 191.
Helicina dubiosa Adams Oontrib. VI. p. 93. \on Jamaica. — H.
ampliata und pusilla Adams ib. VII. p. 101. ebendaher. — H. suc'
cinea und versicolor Pfeiffer Zeitschr, f. Alalak. p, 76. von Taiti. —
//. sinuosa von Mexiko, Moreletiana, biangulata von Brasilien und Tam-
siana von Venezuela sind ib. p. 191. von Pfeiffer aufgestellt,
Pfeiffer stellte die 12 Arten der Adams'schen Gattung Stoa-
Stoma , mit neuen Diagnosen versehen , zusammen (Zeitschr. f. Malak.
p. 57.)
Ampullaria balanoidea Gould Boston Proc. III. p. 196. Liberia.
— A. Aulanieri Deville et Huppe Rev. et Mag. de Zool. 1850. p.
642. pl. 15. fig. 4. aus dem See Cruz Playa in )Peru.
Ctenobranchiata.
Taenioglossala.
Ueber Paludina vivipara, ein Beitrag zur näheren Kennt-
niss dieses Thieics in embryologischer , anatoaiischer und
112 Troschel: Bericht über die Leistungen im Gebiete der
histologischer Beziehung von Leydig mit 3 Tafeln (Siebold
II. Kölliker Zeitschr. II. p. 125). Die Arbeit behandelt im
ersten Abschnitt die Entwickelung, im zweiten die Anatomie
und Histologie des erwachsenen Thieres. Da ein Auszug
nicht gut thunlich ist, muss auf die Abhandlung selbst ver-
wiesen werden.
A. Schmidt unterscheidet die Gattungen Paludina, Bithinia und
Paludinella Rossni, (besser Hydrobia Harlm.) nach den Deckein. Bei
Paludina ist der Deckel nur concentrisch , bei Bithinia ist in der Mitte
eine kleine Windung, um welche sich concenlrische Anwachsstreifen
gelegt haben, bei Paludicella ist der Deckel nur gewunden. (Zeitschr.
f. Malak. p. 116.)
Paludina sublineata Conrad (Philad. Proc. V. p. 19.) aus dem
Darling River, Australia. — P. vivipara wird von Forbes und Han-
ley 1. c. in Listeri umgetauft, P. achatina dagegen wird vivipara ge-
nannt, ein Mittel Verwirrung anzurichten.
Bithinia Troscheliana Paasch wird von Forbes und Hanley
1. c. für identisch mit B. Leachii (Turbo Leachii Sheppard, P. similis
Turton) erkannt. Auch Stein nimmt sie 1. c. für P. similis.
Amnicola ciliala Gould Boston Proc. 111. p. 196.
Conrad gründete zwei neue Arten der Gattung Melania (Philad.
Proc. V. p. 11.) M. telrica aus den Flüssen Australiens und M. Bälon-
nensis aus dem Balonne-Fluss in Australien.
Clark wendete seine Aufmerksamkeit in den Annais V. p. 352.
der Familie Litlorinidae zu. Nachdem er nicht ohne einige lateinische
Verse, die er zu lieben scheint, mit Recht die unnütze Speciesmacherei
getadelt hat, beschränkt er die Familie auf die Gattungen Lacuna, des-
sen Thier er von Litlorina nicht für verschieden erklärt, Assiminea, bei
der die Augen am Ende der Fühler stehn , Rissoa und Littorina, von
der nur 4 brittische Arten anerkannt werden. Darauf werden die Thiere
von Assiminea Grayana, Rissoa ulva, Rissoa parva (R. costulata, rufila-
bris, scalariformis, interrupta sollen nur Varietäten sein), Littorin« ne-
ritoides, L. littorea, L. rudis (einschliesslich tenebrosa , zonaria, rudis-
sima, jugosa, patula, neglecta , fabalis , saxatilis, palliata) beschrieben,
— In derselben Zeitschrift VI. p. 29 holt derselbe die Beschreibung des*
Thiers von Littorina littoralis L. nach , womit dann Lacuna pallidula
verglichen wird, um nachzuweisen , dass die Gattung Lacuna nicht gc-
nerisch von Litlorina zu trennen sei. In den deckeltragenden Lappen
des Fusses, in dem Geschlechtsorgan und in dem INabel liegen die ein-
zigen Verschiedenheiten , die Verf. nicht für hinlänglich wichtig er-
klärt. — Hier werden Bemerkungen über Litt, litorea , Rissoa ulvae
und parva hinzugefügt.
Nalurgeschichle der Mollusken während des Jahres 1850. 113
Littorina jamaicensis Adams CoHtrib. V. p. 71. von Jaraaica. —
L. castanea Reeve und Adams Samarang aus den östlichen Meeren.
Pfeiffer macht Bemerkungen über die Liltorinen der deutschen Nord-
see. Zeitschr. f. Malak. p. 129.
Litiopa effusa und obesa Adams Contrib. V. p. 71. von Ja-
maica.
Zur Gattung Cingula rechnet Adams Contrib. V. p. 70. nicht
ohne Zweifel drei neue Arten von Jamaica: C.concinna^ solida , conica.
Die Gattung Rissoa wurde von Adams Contrib. VII. p. 112.
durch 13 neue Arten von Jamaica vermehrt , von denen jedoch Verf.
für möglich hält, dass einige mit den von d'Orbigny in den Moll, von
(?uba aufgestellten Arten zusammenfallen möchten, welches Werk ihm
nicht zugänglich ist. Dasselbe möchte auch von Chemnilzia gelten. Die
neuen Arten sind : R. subangvlata, aberrans, scalaroides, laevigata, du"
biosa, pulchra, tnuUicostala, vitrea, laevissima^ bulimoides, slriosttf prin~
ceps, melannra. Von letzterer ist es zweifelhaft, ob sie zu Rissoa ge-
hört, wegen des unvollkommenen Zustandes des Labrums. — R. in-
signis Reeve und Adams Samarang von China. — R. calalhns For-
bes und Hanley und abyssicola Forbes in british Mollusca, — R.
stricta Menke Zeitschr. f. Malak. p. 177 von Mazatlan.
In der History of british Mollusca wurde eine neue Gattung
Jeffreysia nach brieflicher Mittheilung von Aid er auf Kosten der
Gattung Rissoa gegründet: Schale gewunden , konisch oder fast kuge-
lig, dünn, durchscheinend, Mündung eiförmig, mit dünnem und vollstän-
digem Peristom; Deckel hornig, dünn, unvollständig eiförmig, fast ge-
rade an einer Seite, nicht spiral, sondern mit concentrischen Anwachs-
slreifen und seitlichem Nucleus; er ist innen an der Spindel mit einer
Leiste versehen , die einen Ast nach der Mille des Deckels abgiebt ;
von dieser Leiste erhebt sich eine stark vorspringende Platte, die mit
der Scheibe des Deckels einen rechten Winkel bildet. Das Thier hat
vier platte Fühler; die Augen stehn am Rücken des Thiers, entfernt
von den Fülilern, sie sind gross und vorspringend. Der deckeltragende
Fortsatz ist klein Und rund, ohne Fäden oder Anhänge. Fuss länglich,
vorn zweilappig. Die Bewaffnung der Zunge besteht aus einem breiten
gezähnelten Mittelzahn und zwei seitlichen jederseits. Dahin gehören
Rissoa diaphana AI der und R. opalina Jeffreys.
Skenea rola Forbes und Hanley I. c. III. p. 160.
Turritella bicolor , congelata , conspersa , muUilirata , vitlulata,
monilifera, opalina, fastigiata, declivis, canaliculata^ e e \ e u. Adams
Samarang sind sämmtlich aus China.
Eglisia tricarinata Reeve und Adams Samarang.
Euotnphalus radialus Menke (Chemn. f. 1708. 9.) von Mazat-
lan (Zeitschr. f. Malak. p. 170.)
Archiv f. Naturgesch. XVII. Jahrg. 2. Bd. H
114 Troschel: Bericht ober die Leistungen im Gebiete der
Die Thiere von Phorus solarioides und exutus Beeve sind bei
Reeve and Adams Samarang pl. 17. iig. 6.7. abgebildet. Die Au-
gen sind sitzend am Grunde der Fütiler, sonst hat das Thier Aehnlich-
keit mit Strombus. Hiernach werden, nach der Ansicht des Bef., diese
Thiere eine besondere Familie unter den Taenioglossa bilden müssen,
indem sie die Littorinidae mit den Alata vermitteln.
William Clark zählt zu der Familie Pyramidellidae die bri-
tischen Gattungen Truncatella, Chemnitzia, Eulima, Aclis und Stylifer?
— Odostomia Flem. wird nicht als verschieden von Chemnitzia aner-
kannt. — Die Thiere von dreizehn Arten Chemnitzia werden beschrieben,
darunter eine neue Ch. Gulsonae. — Eulima stimmt conchyliologisch
mit Chemnitzia in der eigenthümlichen Verdrehung der ersten Win-
dungen überein. Der vorstreckbare Rüssel lässt sie sehr abweichen,
die Zunge soll unbewaffnet sein, die Ruthe tritt unter dem rechten
Fühler hervor. E, polita ist beschrieben. (Annais VI. p. 449.)
Die Gattung Chemnitzia bereicherte Adams Contrib. V. p. 72.
um 11 neue Arten von Jamaica : Ch. latior , puncla , obeliscus, subu-.
lata, levis, substriata , exilis , pusilla , flavocincta , muUicostata, reticu-
lata. — Ch. grandis Reeve und Adams Samarang östliche Meere.
Adams stellte aus der Gattung Odostomia vier neue Arten von
Jamaica auf!: 0. gemmulosa, canaliculataf ovuloides , solidula. — Mit
Hinweisung auf einen früheren Aufsatz (vergl. den Bericht über das
Jahr 1848. p. 87.) macht J. G. Jeffreys nachträgliche Bemerkungen
über diese Gattung, und beschreibt zwei neue Arten 0. decorata von
Burrow-lsland und truncatula von Plymouth (Annais V. p. 108.) — 0.
striolata AI der British Mollusca III. p. 267.
Auch die Gattung Eulima erhielt neue Arten durch Adams
Contrib. YII. p. 110. von Jamaica: JE. gracilis, arcuata, conica, afßnis,
fulvocincta. — Ausser einigen Bemerkungen über das Thier von Eulima
werden fünf neue Arten von Reeve und Adams Samarang aufge-
stellt : E. unilineata und bilineata aus dem Sooloo-Meere, mindoroen-
3%$ von den Philippinen, tortuosa und solidula von China.
Fyramidella magnifica Reeve und Adams Samarang von
Borneo.
Bei Reeve und Adams Samarang ist das Thier von Stylifer
astericola abgebildet. Es hat zwei lange pfriemformige Fühler, die
Augen sitzend an der Aussenseite ihrere Basis, und einen kleinen rund-
lichen Kopf ; der Ahntet ist ganz in der dünnen Schale verborgen, der
Fuss schmal, dünn, weit naoh vorn vorgestreckt.
Pileopsis astericola Reeve und Adams Samarang vom Sooloo.
— Capuhts radiatus Sars 1. c. p. 184. von Komagfjord.
Calyptraea trigonalis , depressa , plana , cancellata Reeve und
Adams Samarang alle von China.
Naturgeschichte der Mollusken während des Jahres 1850. 115
In Küste i's Conchylien-Kabinet wurden die Arten der Gattung
Natica von no. 11 — 20 fortgeführt. — Nalica proxima und jamaicensis
Adams Contrib. VII. p. Hl. von Jamaica. — JV. macrotremis Reeve
und Adams Samarang von Borneo. Das Thier von iV. melanostoma
ist ib. pl. 19. fig. 7. abgebildet. — Recluz beschrieb (Journ. de Con-
chyl. I. p. 379. folgende neue Arten, die zum Theil abgebildet sind:
JV. perspicua und euzona von den Philippinen , elegans , senegalensisj
cayennensis , cincta von Malabar , Souleyetiana aus dem stillen Ocean,
zonalis von den Fidschi-Inseln, gracüis von den Philippinen, tenuis von
Valparaiso, virginea von Realejos, Haneti von Bahio, ochrostoma, pun-
cliculala, Cailliaudi von Amboina, malabarica von Mähe, columnaris u.
bicincta von den Philippinen , Tournefortii von den Sechellen, gualte-
riana von den Philippinen , pallium vpn Poulo-Pinang , bahiensis von
ßahia , funiculata von den Philippinen , und stercus mnscarum Gmel.
von Coromandel und Java. — N. ovum iVlenke Zeitschr. f. Malak.
p. 165. von Mazatlan.
Narica{?) anomala Adams Contrib. VII. p. 109. von Jamaica.
Sigarelui acuminatus Reeve und Adams Samarang von
Borneo ist eine Natica , insciilptus und latifasciatus aus den östlichen
Meeren.
Lamellaria glacialis Sars 1. e. p. 185 von Hammerfaest. — L.
Ophione Gray von Neuseeland Proc. zool, soc. 1849. Dec.
Eine neue Gattung Olina Gray findet sich in Forbes und Han-
iey British Mollusca III. p. 320. Schale oval , aus wenigen Windungen
bestehend, die letzte sehr gross und bauchig, die der Spira sehr klein ;
Mündung weit, länglich, vollständig; kein Deckel. Thier gross, Füh-
ler fast verkümmert, Augen sitzend am grossen stumpfen Kopf; Mantel
nicht umgeschlagen, mit einfachem Rande; Fuss sehr gross, länglich,
an beiden Enden abgerundet; eine bewaffnete Zunge und Kiefer. Kieme
einfach? Die Gattung ist auf Velutina otis gegründet. — Clark stellt
sie in die Familie Conovulidae s. unten.
Die Gattung Cerithium wurde von Adams Contrib. VII. p. 117.
mit 19 neuen Arten von Jamaica bedacht: C.modestum, melanurUf de-
coratum, dealbatunif nanum, mh'abile, exiguum, intermedium, versicolorj
megasoma, gemmulosum, exile , fusiforme , pulchellum , rugulosum, vici-
num, latum, flavum, albovittatum. — Auch Reeve und Adams Sama-
rang brachten zwei Arten : C. articulakim von Borneo, longicaudalum
von Korea. Daselbst ist auch das Thier von C. obtusum beschrieben
und abgebildet. — C. interruplum MenJie Zeitschr. f. Malak. p. 178.
von Mazatlan.
Planaxis acutus und obsolelus M e n k e Zeitschr. f. Malak. p. 169.
von Mazatlan.
Triphoris speciosuSf suturdliSf aheolatm, dexlrwersus, verrucosuSf
116 Troschel: Bericht über die Leistungen im Gebiete der
granulatuSf gemmulatus , pyramidalis, nodiferus Reeve und Adams
Samarang, sämmtlich von China.
Strombus corrugatus Reeve und Adams Samarang, von Korea.
Amphiperas (Ovula) Cumingii Mörch 1. c.
Oliva fulgurata Reeve u. Adams Samarang Von China.
Toxoglossata.
Conus dileclus Gould Boston Proc. 111. p. 172. von den Fid-
schi-Inseln. — C. armillatus Adams Contrib. IV. p. 59. von Jamaica.
Adams machte Bemerkungen über die Synonymie einiger Arten
Pleuroloma Contrib. IV. p. 54. : PI. plicata Ad. wird in plicosa, decus.
sata Macg. in Macgillivrayi , violacea Hinds. in Reevii umgetauft; PI.
fuscolineata Ad. vielleicht identisch mit P. scalpta Reeve wird als Co-
lumbella monilifera Sow. anerkannt, und soll nun PZ. monilifera heis-
sen ; P. albovittata Ad. scheint identisch mit luteo-fasciata Reeve, PI.
trilineata Ad. gleich P. trifasciata Gray bei Reeve, und sind wahr-
scheinlich Mangelien ; ebenso werden die in Boston Proc. 1845 von
Adams als Pleurotomaarten beschriebenen P. fusca, dubia, mullilineata,
candidissima nunmehr der Gattung Mangelia zugewiesen. — Derselbe
beschreibt ib. p. 61. zwölf neue Arten dieser Gattung :^ PL Augustae,
Jayana, solida, fuscocincta, maculata, decorata, albella, pygmaea, fiavo-
cincta, nodata, quadrilineata, fusiformis, sämmtlich von Jamaica. — P.
impages , fagina , lurida , albicincta , leucotropis sämmtlich von China,
Coreanica von Korea stellten R eeve und Adams Samarang auf.
Gray entdeckte eine Verschiedenheit des Deckels bei Pleuro-
toma bicarinata, und will daher die Gattung Clavaiula Lam. wieder,
herstellen. Für den Fall, dass die Arten mit kurzem Kanal zu trennen
sein würden, bestimmt er für sie den Namen ürillia. (Proc. zool.
80C. 1850. März).
Auch von Mangelia wurden durch Adams Contrib. IV. p. 65.
sieben Arten als neu beschrieben : M. densestriata, muricoides^ biconica,
lanceolala, crassicostata, brevis, vicina , sämmtlich von Jamaica. — M.
trivittala Reeve und Adams Samarang von den Philippinen.
Proboscidea.
Redfield in New- York Hess unter dem 1. Jan. 1850.
ein Verzeichniss seiner Marginellidae drucken, wonach er
4 Arten Erato, 89 Arten Marginella, einschliesslich 4 fossile,
und 3 Ringicula, einschliesslich 2 fossile , besitzt.
Erato callosa Reeve u. Adams Samarang vor China. '
Adams beschreibt Contrib. IV. p. 56. Marginella nivea, alba^
Naturgeschichte der Mollusken während des Jahres 1850. 117
abbreviala und fluctuala von Jamaica als neu. — M. diadochus Reeve
und Ada ras Samarang von der Sundastrasse, onychina von China.
Voluta abyssicola Reeve u. Adams Samarang vom Cap.
Die Gattung Mitra vermehrte Gould Boston ProclII. p. 170.
um sechs Arten : JW. vitelUna und fidicula ohne Fundort , cophina von
Singapore, rorata ohne Angabe des Vaterlandes, capillata von Madeira,
encausta von den Fidschi - Inseln. — M. monilifera und alhicostata
Adams Contrib. IV. p. 57. von Jamaica. — Ferner bei Reeve und
Adams Samarang M. rußUrata und incisa von China , suluensis , se-
misculpla und rubella von den Sooloo-Inseln, dichroa von den Philip-
pinen. — In Zeitschr. f. Malak. 1850. p. 22. machte Philippi „Be-
merkungen über einige Arten von Mitra.« Die bei Kiener als M. con-
tracta abgebildete Art nennt er M. Kieneri ; die bei Reeve Conch. icon.
sp. 11. als M. terebrans abgebildete Art nennt er M. Reetei; von M.
filosa und scabriuscula werden je drei Varietäten beschrieben. AU
mit M. cucumerina verwandt werden M. cucurbitina Phil, von China,
und M. cingulata ?hi\. aufgestellt. Ferner werden M. pusio und ebur-
nea Phil, als neu beschrieben, letztere von den Marquesas.
Columbella valga aus dem stillen Ocean ? , castanea von Rio-Ja-
neiro und gausapata von Puget Sound wurden von Gould Boston
Proc. 111. p. 169. aufgestellt. — C. ovuloides Adams Contrib. IV. p. 53.
Bahamas. — C. purpurascens Ad. Boston. Proc. 1845 wird von Adams
als identisch mit C. dormüator Sow. anerkannt ib. p. 55. — Buccinum
concinnum wird ib. in Columbella decipiens und Bucc. obesum in Co"
lumb. obesa umgetauft. — Ib. p. 57 werden von demselben C. fene-
strata und costulata als neu aufgestellt. — C. taeniata Reeve und
Adams Samarang von Borneo. — C. Haneti Petit de la Saus-
saye von Mazatlan Journ. de Conchyl. I. p. 58. pl. 111. fig. 4 ). — C.
nasuta Menke Zeitschr. f. Malak. p. 184. von Mazatlan.
Murex inlermedius und M. pauperculus Adams Contr. IV. p. 60.
von Jamaica. — M. rorifiuus, plorator Mn^BurneUn Reeve u. Adams
Samarang, alle von Korea. ~ M. nucleus Mörch 1. c. von den An-
tillen.
Gray erwies durch die Verschiedenheit des Deckels die von ihm
aufgestellte Gattung Pusionella als gerechtfertigt. Der Deckel be-
steht aus concentrischen Lamellen, und hat den Nucleus an der Innen-
seite des Deckels an der Spindel. Solche Deckel kennt Verf. sonst nur
bei Bezoardica (Proc. Zool. soc. 1850. März).
Trichotropis pusillus Gould Boston Proc. III. p. 197. von
Liberia.
Souleyet stellte (Journ. de Conchyl. 1850. p. 246.) eine neue
Gattung C alcarella auf: Aninial ignotum. Testa subglobosa, cornea,
pellucida , valde tricarinata , carinis distantibus, cristato-dcntatis, denli-
f 18 Tr ö s c h e I: Bericht über die Leiistangen im Gebiete der
bus triangulo-acutis, regularibus ; anfractibus tribus, supra planis, spira
bicarinata, apice mamillato ; apertura triangularis, intus semilunaris, iu-
crassata, labro trispinoso, spinis triangularibus, acntis ; columella incras-
sata sinuosa, medio anlice convexa ; operculum? Verf. vergleicht die
Gattung mit Trichotropis. Die einzige Art C. spinosa stammt aus der
Sudsee und ist abgebildet.
Chrysodomus Heros Gray aus dem nordischen Ocean. Proc. zool.
80C. 1850. Jan.
Die Gattung Tritonium erhielt zwei neue Arten durch Adams
Contrib. IV. p. 59. Tr. parvus und pulchelhis von Jamaica. Ferner
Reeve und Adams Samarang T. lesiudinarins von China, pyrulum
und monilifer aus den östlichen Meeren. — Ebenso durch Sars 1. c.
p. 191. T. incarnatum von Tromsö und Havösund , T. eburneum von
Vestfjorden.
Fusus nüens Adams Contrib. IV. p. 60. von Jamaica. — F. gru"
cillimus und spectrum aus den östlichen Meeren , actis von Borneo,
Reeve u. Adams Samarang. — ßeiPhilppi Abbild, sind neu auf«
gestellt: F. closter Ph. , strigatus Ph. , horealis und arclicus Ph. von
Spitzbergen. Daran schliessen sich kritische Bemerkungen über Reeve's
Monographie des Geschlechtes Fusus.
Bei Gelegenheit der Abbildung von Fusus candidus bemerkt
Philippi Abbild., dass er mit F. buccinatus Lam., aculeiformis Lara.,
vittatus Quoy und nifat nahe verwandt sei, und glaubt, dass diese Ar-
ten nebst einer neuen F. lupinus eine besondere Gattung Netrum
bilden müssen. Der Deckel von F. nifat ist aussen glatt, der Nucleus
liegt in der Mitte der Innenseite.
A. S.j Oersted beschrieb das Thicr von Pyrula ficus Lam.
(Forelöbig Uhderretning om Dyret af en Art af Slägten Pyrula Lam., Fi-
cula Swains.) und bildete es auf einer Tafel von oben, von unten, und
mit einigen Details ab. Er charakterisirt es folgendcrmassen : Ani-
mal insolita limbi pallii dilatatione amplum , testa tarnen recondendum.
Limbus pallii amplissime dilatatus , in duas laminas discedens , altera
inferiori horizontali valida crassa soleam circumdante eiusque indolem
simulanle , altera superiore tenui testam externe amplectente. Sipho
longa. Pes mediocris depressa marginem versus tenuis. Solea subre-
ctangularis anlice ntrinque in appendices acuminatos dilatata , postice
rolundata. Operculum nulluni. Caput minutum conicum, rostro nullo.
Apertura oris terminalis horizontalis, labio inferiore producto. Tenta-
cula brevia, conica , acuminala, approximala. Oculi eorum basi ex-
terne immersl. Proboscis longa valida, recondenda, involvenda. Mem«-
brana lingualis filifomis. Rachis unidentala. Plcurae uncinis tribus.
Fasciolaria ponderosa Jonas ist bei Philippi Abbild, dargestellt.
•«- Ebenso Audouini, Reevei n. sp. und inermis Jonas.
Naturgeschichte der Mollusken während des Jahres 1850. 119
TurbineUa Belcheri R e e v e und Adams Samarang aus dem In-
dischen Ocean, lanceolata von den Philippinen, picta von den den Fid-
ichi-Inseln. Daselbst ist das Thier von T. cornigera beschrieben.
Cancellaria macrospira von ßorneo , semipellucida vom Sooloo-
Meere , lyrata und pyrutn von China Reeve u. Adams Samarang.
Terebra jamaicensis Adams Contrib. IV. p. 58. von Jamaica. —
Von Reeve und Adams Samarang T. serotina von Japan, albicostata,
areolata und torquata von China, caelata \on den Philippinen, rqseata
von den Sooloo-Inseln.
Vier Arten Buccinum wurden von Gould Boston Proc. III. p. 151.
beschrieben ; B. {Bullia) velatum von Mindanao, B. funereum von Neu-
seeland, B. fossatum von Paget Sound und von der Mündung des Co-
lumbia-River, B. (Pollia) farinosum von den Sandwich- Inseln. — B.
fUnnulus von Cagayan-Sooloo, clathratum vom Cap, milrella und filo~
sum von China, albipunctatum von den Philippinen sind von Reeve
und Adams Samarang aufgestellt. — B. Guiilaini Petit Journ. de
Conchyl. 1850. p. 170. pl. 7. fig. 4. von der Insel Abd-el-Goury.
Cyllene lugubris Reeve und Adams Samarang von den Soo-
loo-Inseln, pulchella ib. von Borneo.
Gould bereicherte die Gattung Nassa um neun Arten Boston
Proc. III. p. 153 : N. musiva vom grünen Vorgebirge , lurida von den
Samoa - Inseln , curla ebendaher , cinctella und casta aus dem stillen
Ocean, acinosa ohne Fundort, paupera aus dem stillen Ocean, mendica
von Puget- Sound, rubricata von der Küste des stillen Ocean. — iV.
Webbei Petit Journ. de Conch. I. p. 404. pl. 13. fig. 8. von der West-
käste Afrika's.
Purpura aberrans Adams Contrib. IV. p. 58. von Jamaica. —
F. cuspidata Reeve und Adams Samarang von China. — P. Grate-
loupiana Petit Journ. de Conchyl. I. p. 402. pl. 13. fig. 1. von den
Molukken, P. Laurentiana ib. fig. 2. aus dem stillen Ocean.
Oniscia exquisita Reeve und Adams Samarang vom Sooloo-
Archipel.
Janthina striolata Reeve und Adams Samarang aus dem stil-
len Ocean, planispirata ib. aus dem atlantischen Ocean.
Eine neue Scalaria ligala von Jamaica machte Adams Contrib.
IV. p. 67. bekannt. — Sc. maculosa, neglecta , eximia Reeve und
Adams Samarang von China. '
Rhipidoglossata.
Neritina ornala und pusilla Adams Contrib. VII. p. 112. von
Jamaica ; letztere lebt jedoch im Meere. — üeber eine Abtheilung der
Neritinen, die er Crepidiformes (Mitrula Menke) nennt, schrieb Recluz
120 Troschel: Bericht über die Leistungen im Gebiete der
(Journ. de Conchyl. I. p. 58.) ; er xähll dahin N. exaltata Recl. (N.
crepidularia Var. inaj.) von der Insel IVegros, Pileolus Recl. (W. inter-
media Desh.), violacea Gmel. , crepidularia Lam., nielanostoma Trosch.,
und louraneusis Souleyel (Voy. de la Bonite) von Cochinchina. — Ib.
p. 131. in einer „Notiz über die Galtung Nerita und über die Untergattung
Neritina nebst dem Verzeichniss der Arten" spricht sich nach einer hi-
storischen Einleitung Recl uz über die Unterschiede von Nerita und
Nerilina und die secundären Gruppen in derselben aus ; dann folgt
ein Catalog der JVerilinen, die in 8 Gruppen gebracht werden. 1. Fe-
lates Montf. mit 1 Art, 2. Pileolus Sovv. hiit 4 Arten, 3. Mitrula Menke
mit 8 Arten. 4. Clypeolum Recluz mit 15 Arten, 5. Neripteres Lesson
mit tS Arten, 6 Corona Chemn. mit einem Theil von Clithon Montf.
mit 54 Arten, 7. ^Theodoxus Menke mit 31 Arten und 8. Clithon Montf.
mit 60 Arten. Ferner werden 24 fossile Arten genannt. Alle Grup-
pen (Tribus) sind charaktirisirt ; bei den Arten ist der Autor, das Va-
terland, wo es bekannt ist, und die Abbildung' citirt. Schliesslich werden
11 neue Arten beschrieben und zum Theil abgebildet: iV. bahiensis von
Bahia, Troschelii, Moquiniana von den Inseln der Südsee, Jayana von
Nordamerika?, cincla aus der Südsee, unidentata von Taiti ,, CocAtnst-
nae von Cochinchina, l]ougainvillei von den Schiflerinseln , florida von
Tahiti, WaUisiarmn \on den Wallis - Inseln , Desmoulinsiana von den
Witi-Inseln. Ausserdem sind noch N. lurrila Chemn. und Cumingiana Recl.
abgebildet.
' In derselben Zeitschrift p. 277. wird diese Abhandlung mit Be-
schreibung einiger fossilen Weritinen fortgesetzt. Dann wendet sich
Verf. an die Untergattung Nerita , die in drei Gruppen getheilt wird,
je nachdem die' Spindelfläche glatt, runzlig oder höckerig ist; in einem
dem obigen entsprechenden Verzeichniss werden sämmtliche Arten auf-
geführt. Die erste Gruppe umfasst 17 Arten, die zweite 27, die dritte 21
Arten. Dazukommen 17 fossile. N. scabricosla Lam. ist beschrieben und
abgebildet. Später erklärte Verf. (ib. p 410.), dass K. ornata Sow. mit
scabricosta Lam. identisch sei. — Nerita funicvlata Menke Zeitschr.
f. Malak. p. 169. von Mazatlan.
In einer Notiz über die Gattung Navicella lieferte Re cluz einen
Catalog der Arten , die er in drei Gruppen theilt : 1) Apex über den
Rand vorspringend, oft abgerieben mit 12 Arten; 2) Apex am Rande
mit 4 Arten ; 3) Apex ein weijig vor dem hintern Rande mit 8 Arten.
(Journ. de Conchyl. I. p. 370.)
Delphiuula slellaris R e e v e und Adams Samarang östliche Meere
bei Basilan. — D. coronata von Nordaustralien , euracantha von den
Philippinen und calcar von Luzon A. Adams (Proc. zool. soc. März 1850).
Arthur Adams veröffentlichte eine Aufzählung der Arten
der Gattungen Cyclostrema Marryat und Separalisla Gray (Proc. zool.
soc. 1850. Febr.). Von ersterer nennt er 13 Arten, unter denen neu:
/
Naturgeschichte der Mollusken während des Jahres 1850. 121
C. spirula von den Philippinen, cingulifera von der Zebu-Insel, nitida
von Luzon; planorbula desgl., plana von Negros, micans von Port Lin-
coln, elegans von der Zebu-Insel, sulcala voiv der Insel Negros, angu-
lata von der Zebu-Insel. — Die Gattung Sep aratista Gray, noch
nicht veröffentlicht, hat folgende Charaktere : Animal ignotum. Oper-
culum — ? Testa orbicularis, subdiscoidea, anfractibus primis contiguis,
ultimo distincto ; apertura patula, effusa, angulis subcanaliculatis ; um-
bilicus magnus , infundibuliformis , usque ad apicem. Dahin ausser S.
Chemnitzii Adams (Turbo separatista Chemn.) von den Philippinen,
eine neue Art S. Grayii vom Cap.
Arthur Adams schildert auch ib. März 1850. das Thier von
Gray's Gattung Liotia. Der Kopf ist schnauzenförmig , die Tentakeln
pfriemenförmig , die Augen auf* deutlichen Stielen an ihrem äusse-
ren Grunde ; keine Intertentacularlappen , aber ein konischer Lappen
jederseits am Kopfe aussen von den Augeuslielen ; die Seitenmembran
des Fusses wellig, hinten mit drei Fäden. Der Deckel ist eng spiral
mit einer regelmässig gegliederten Kalkschicht bedeckt, was der obe-
ren Fläche ein tessellirtes Ansehn giebt ; die Peripherie mit strahligen
Hornfasern geschmückt. Als neue Arten werden aufgestellt : //. pul-
cherrima vom Cap, afßnis von Australien , duplicata und nodulosa von
den Philippinen.
Rotella conica Reeve u. Adams Samarang von Borneo.
F erb es und Hanley unterscheiden 1. c. in der Gattung Tro-
chus drei Subgenera: 1. Trochus Thier mit sehr schwach entwickelten
Intertentacularlappen, drei F.ädcn jederseits. Schale mehr oder weniger
pyramidal, undurchbohrt; dahin ziziphinus, conulus, alabastrum, granu-
lalus, striatus , millegranus , exiguus , Montacuti. 2. Gibhula Thier mit
stark entwickelten Intertentacularlappen, drei Fäden jederseits , Schale
stumpf conisch, meist.perforirt; dahin magus, lumidus , cinerarius, um-
bilicatus, lineatus. 3. Margarila fünf Fäden jederseits, Schale stumpf,
dünn, meist perforirt. Dahin helicinus, undulatus, pusillus. — Die Ar-
ien der Gattung Trochus wurden in Küster's Conchylien-Kabinet in der
Üearbeilung von Philippi von no. 138—159 fortgeführt; unter ihnen
finden sich folgende neue: T. Olfersii Troschel von Brasilien , 5«-
xosus Phil, von Mexico, hexagonus Phil., Troschelii ?\\i\. von Süd-
africa, Schayeri Trosch. von Vandiemensland , laetus Phi\. von Neu-
holland. — Tr. pulcher \ 6 ?i ms Contrib. Y. p. 69. von Jamaica. — Tr.
tornatus Jonas und vulneratus Philippi Zeitschr. f. Malak. p. 16.
sind bereits in Kusler's Conchylien-Cabinet abgebildet. — Tr". {Calcar)
Melchcrsi Menke Zeitschr. f. Malak. p. 171. von Mazatlan. — Tr.
versicolor und ligulalus Menke ib.
Margarita bicari7ialaRee\ e u. Adams Samarang östliche Meere.
Die Gattung Turbo, von Philippi bearbeitet, ist im Jahr 1850
122 Troßchel: Bericht über die Leistungen im Gebiete der
in der 93. Lief, von Küster's Conchylien-Cabinet von der 69—91. Art
fortgesetzt und beendigt. Darunter ist T. ferrugineus Anton neu. Er-
klärung der Abbildungen , Verzeichniss der Arten und Titel sind bei-
gegeben. "^
„Monograph of Vitrinella, a new genus of new species of Turbi-
nidae. Amherst, Massachusettts 1850" ist der Titel einer besondern klei-
nen Schrift, in welcher C. B, Adams die Gattung Vitrinella cha-
rakterisirt: testa turbiniformi, minima, vitrea; apertura maxima, orbicu-
lari, subtus valde indentata, vel umbilicata. Der Gestalt nach gleichen
diese Schnecken Turbo oder Margarita ; der Deckel ist unbekannt. Von
allen andern Turbiniden unterscheidet sich diese Gattung durch die
glasartige Textur, und durch das schnelle Wachsen der Windungen, wo-
durch die weite Mündung bedingt wird. Alle fünf Arten V. hyalina,
inlerrupta, megasloma, tincta und helicoidea wurden in Jamaica gesam-
melt, meist aus dem Sande in einer kleinen Bucht bei Port Royal. Die
meisten erreichen noch nicht 1 Millim. Länge.
Die Gattung Phasianella wurde von Adams Contrib. IV. p. 67
um vier Arten von Jamaica vermehrt: Ph. afßnis, brevis, tessellata und
concolor, an welche sich ib. V. p. 69. Ph. concinna ebendaher an-
schliesst.
Haliotis venusta Reeve und Adams Samarang, östliche Meere.
— H. Gruneri Ph., decussata Ph. n. sp., ovina Chemn., latilabris Phil.,
neglecta Phil, sind bei Phillippi Abbild, abgebildet.
Fissurella excelsa Reeve u. Adams Samarang von China.
Emarginula clathrata Reeve u. Adams Samarang von Mindoro.
Arthur Adams lieferte eine Uebersicht der Familie Stomatel-
lidae mit Charakteren der Gattungen und Aufzählung der Arten (Proc.
zool. soc. Febr. 1850). Die Familie besteht hier aus den Gattungen: 1)
Stoomatella Lam. mit 20 Arten, unter denen neu : costellata , articulata
von Australien, moluccana von den Molukken , örhiculata von Mosam-
bique, japonica von Japan, fulgurans von Negros, sanguinea von Ticao,
speciosa von Grimwood's Insel, coccinea von St. John's, tigrina, mar-
garitana von Australien , biporcata ebendaher; — 2) Stomatia Helbling
mit 11 Arten, darunter neu: awsfraits von Darnley's Island, angulata von
Luzon , decussata ebendaher , acuminata von den Philippinen , lirata,
notata, Candida von Korea, pallida von Lord Hood's Insel ; — 3) M i-
orotis nov. gen. Thier wie in Stomatia, aber der Fuss mit einer tie-
fen vorderen Spalte für den Kopf, und mit zweilappigem Vorderrande ;
kein Deckel; Schale spiral, fast kreisförmig, niedrig mit zwei höcke-
rigen Kielen , Spira schwach vorspringend , xMündung sehr gross, brei-
ter als lang , innen perlmutterartig , Spindelrand spiral, bis zum Apex
sichtbar; nur eine neue Art: M. tuberculala von der Insel Capul ; —
4) Gena Gray mit 16 Arten, unter denen neu; plumbea von Java, stri^
$osß, striatula von Mindoro, varia ebendaher , pulchelh , lintricula von
Naturgeschichte der Mollusken während des Jahres 1850. t23
iMindoro, asperulala, nebulosa von Australieo, ornala von Ticao, linear
la; — 5) Broderipia Gray mit 3 Arten , von denen B. Cumingii von
den Philippinen neu ; — 6) Scissurella d'Orb. mit 5 Arten.
Cyclobranchiata.
üeber die Genera der britischen Patellaceen hielt E. Forbcs
einen Vortrag (Report of the 19. Meeting of the British association held
at Birmingham Seplbr. 1849). Verf. theilt die britischen Patellen in
2 Gruppen: Patellidae (Patella a. Kiemenlamellen auch vor dem
Kopf, Kiemeneindruck in der Schale unsymmetrisch. P, vulgata, athle-
lica. b. [Patina] Kiemenlamellen fehlen vor dem Kopfe, Kiemenein-
druck fast symmetrisch. P. pellucida). — 2. Äcmaeadae (Acmaea, Pi-
lidium, Propilidium). Vergl. den vorjährigen Bericht.
Denlalium formosum Reeve u. Adams von Sooloo. — D. vitreum
S ars 1. c. p. 78. von Öxfjord. — Die Monographie von Dentalium bei
Chenu 1. c. enthält folgende neue Arten: D. ambiguumj americanum
von den Küsten Amerika's , catenulatum fossil , dacostatianum , Delei'^
sertianum und diffusum fossil, ensiforme von den Antillen, incisum fos-
sil, indicum aus dem Indischen Ocean.
Pulmonata.
Vaginulus Liberianus Gould Boston Proc. 111. p. 193. von Liberia,
»Die Heliceen, nach natürlicher Verwandtschaft systema-
tisch geordnet von Alb er s. Berlin 1850. 8.«
In einer längeren Einleitung bespricht der Verf. die Grundsätze,
nach denen er die Heliceen naturgemäss eintheilen zu können glaubt.
Neben der hauptsächlichen Berücksichtigung des Totalhabitus , hat er
er auch die Beschaffenheit der Thiere, die Lebensweise und das Vater-
land in Erwägung gezogen. Der Schale wird als im innigen Zusam-
menhange mit dem Thiere und seinen Functionen stehend, mit Recht
ihre wissenschaftliche Bedeutung gewahrt. Bei dieser Gelegenheit
stellt Verf. die Vermuthung auf, die Zähne an der Mündung ständen
mit der Locomotion, gleichsam als Stützpunkte für die weichen Theile
im Zusammenhange. Das, was bisher über die Anatomie der Heliceen
bekannt gemacht ist, hat der Verf. zusammengetragen, glaubt jedoch
bestimmte allgemeine Schlüsse noch nicht daraus atleiten zu können.
Auch über die Lebensweise und die geographische Verbreitung wird
ausführlich gehandelt. — In der Uebersicht selbst nimmt Verf. 23 Gat-
tungen an, die meist wieder in Gruppen, welche Namen führen, ge-
theiil sind. Gattungen .sowohl wie Gruppen sind durch lateinische
Diagnosen kenntlich gemacht, und jeder die dem Verf. bekannten Species
hinzugefügt and durch die Nummer aus Pfeiffer's Monographie der He-
124 Troschel: Bericht über die Leistungen im Gebiete der
liccen bezeichnet. Eine Bemerkung über die geographische Verbrei-
tung und Lebensweise begleitet jede Gruppe. Ein Register der Arten
und gebräuchlichsten Synonyme macht den Beschluss des Buches. Die
Galtungen sind folgende: Daudebardia Hartm. , Vitrina Drap. (2 Grup-
pen), Succinea Drap. (3), Stenopus Guild., Nanina Gray (5), Helix Linn.
(68), Anostorna Fischer, Hypostoma n. gen., Tomigerus Spix, Streplaxis
Gray, Proserpina Guild., Bullmus Scop. (50) , Bostryx Trosch., Partulus
Beck, Achatinella Svvains. , Achatina Lam. (9) , Glandina Schum. (2),
Azeca Leach, Pupa Drap. (6), Cylindrella Pfeiff. j(8), Balea Prideaux (2),
Tornatellina Beck, Clausula Drap. Demnach ist die ganze Familie in
168 Gruppen getheilt. — Die neue Gattung i/j/posforna (den Namen be-
sitzt längst ein welsartiger Fisch) ist auf Anostoma Boysii Benson ge-
gründet , und entspricht also der Gattung ßoysia Pfeiffer, vergl. den
vorigen Beri9ht p. 126. ~ Eine Anzeige dieses Buches gab Pfeiffer
Zeitschr. f. Malak. p. 89.
Vitrina limpida Gould (bei Agass. Lake superior p. 243.) ist
der Name , welchen Verf. der V. pellucida Say beilegt , nachdem er
ihre Verschiedenheit von der Euiopäischen pellucida erkannt hat. —
V. luzonica von Luzon, Verreauxii von Australien , Strangei von Bris-
bane, Neuholland Pfeiffer (Proc. zool. soc. Nov. 1849; Annais VL
p. 297.).
Succinea spurca Gould (Boston Proc. HL p. 193. von Liberia.
— S. helicoidea Gould ib. Westafrica. — Eine Succinea, die er für
S. chiloensis hält, beobachtete Benson am Cap (Annais VI. p. 255. —
Mehrere neue Arten stellte Pfeiffer (Proc. zool. soc. 1849. Nov.,
Annais VL p. 297.) auf: S. acuta von Britannien, subgranosa von Kur-
inant, indica von Bleensal , Bensoni von Moradabad, Indien, picla von
St. Helena, Salleana von New-Orleans, pusilla von Ceara in Central-
amerika, solidula. — S. Tamsiana von Caripe, Gouldiana und papillata
von Tahiti Pfeiffer Zeitschr. f. Malak. p. 65. — S. brevis Dunker
ib. p. 84. aus Mexico. — S. cingulata Forbes Proc. zool. soc. März
1850 von Mazatlan.
Nanina Celinde^ Erigone und Ttillia Gray von Aucklaud , Neu-
seeland {Proc. zool. soc. 1849. Dec).
A. Schmidt hat Zeitschr. f. Malak. 1850. p. 1. die Liebespfeile
von mehreren Helix-Arten beschrieben und abgebildet. Ein interessan-
ter Beitrag zur Unterscheidung der Arten.
Im britischen Museum fand Baird in einer seit vier Jahren auf-
geklebten Schale von Helix maculosa Fer. das Thier noch lebend ; nach-
her setzte es die Ausbesserung der etwas verletzten Schale fort. (An-
nais VI. p 68.).
E. B o 1 1 hat Heifx scarburgensis Turt. auf der Insel Rügen, in
der Slubnilz auf Jasmund, entdeckt (Archiv des Vereins der Freunde
der Naturgeschichte in Meklenburg 4. Heft, p 170.)
Naturgeschichte der Mollusken während des Jahres 1850. 125
In Küster's neuer Ausgabe von Martini Chemnitz Conchylien.
Kabinet sind in der Pfeif fer'schen Bearbeitung von der Galtung Helix
die Arten 279— 399b. erschienen , womit der erste Theil der Schnir-
kelschnecken beendigt, und durch eine Erklärung der Tafeln geschlos-
sen ist. Ferner beginnt der zvj^eite Theil der Schniikelschnecken mil
den Gattungen Anostoma, Boysia, Tomigerus, Proserpina Gray (Odon-
lostoma d'Orb.), Streptaxis, und enthält die Fortsetzung der Galtung
Helix von no. 400—413.
StimpsoD beschrieb eine neue Art Helix exigua aus der Ge-
gend von Boston in Boston Proc. III. p. 175. — Ibid. p. 181. zeigte
Gould an, dass sich auf einer kleinen Insel bei Cap Ann Helix hor-
tensis, von Europa eingeschleppt, zahlreich vorfinde. — H. indecorata
Gould ib. p. 194. Liberia. — H. cerea Gould ib. Cap Palmas. —
H. talcosa Gould ib. Cap Palmas. — Neue Arten von Helix durch Adams
Contrib, V. p. 76. gegründet, sind folgende aus Jamaica: H. ingens,
valida, fortis, iuvalida, propenuda, candescens, Foremaniana, alveus, co-
Imnellata. — Ferner ib. YII. p. 105. H. connecteiis, alligans, amnbilis,
fuscolabris , nobilis, Redfieldiana, Blandiana, osculans.
Benson beschrieb (Annais V. p. 213.) als neu: H. ampulla, ca-
cutninifera, crinigera, acuditcta sämmtlich vom Nilghiri- Gebirge, rega-
lis von Borneo, colyledonis und vorticialis vom Cap. Von H. Oxytes
gab er eine verbesserte Beschreibung. H. pulchella und cellaria hat
er auch am Cap | gefunden und glaubt, sie seien durch die Holländer
dabin verschleppt. — Derselbe beschrieb Annais VI. p. 251. als
neu: H. Baconi von Moradabad im nördlichen Indien, H. Orcula von
Bengalen, H. Barclayi von Moka auf Mauritius, H, paludicola und //.
munda vom Cap. - Pfeiff^er stellte (Proc. zool. soc. 1849. Nov.;
Annais VI. p. 292.) mehrere neue Helix auf : H. Moussoni , albicans^
phlogophora, sericalula, nobilis, Borneensis, africana, sandvicensis, Jac-
quinoti, coarctala, nympha, tricolor, recedens, Salleana, plalysttßa, Ire-
vipila , Baskervillei , connivens, galactostoma , i'osarium, — Auch bei
Reeve und Adams Samarang finden sich neue Arten dieser Galtung:
H. curvilabrum, leucostoma, immaculala, caliginosa, decora, densa, plu-
riionata, conoidalis von den Philippinen, tropidophora, obscurata, Broo-
hii, vittata , antiqua , Orientalis von Borneo , Txjpinsana und Maehensii
Valenc. (Voy. de la Bonite pl. 25. fig. 14.) von den Meiacoschima-In-
seln, batanica von der Insel Batan in der Baschi- Gruppe, coreanica von
Korea, canescens von Africa und ferner calliostoma , Tayloriana ohne
Angabe des Vaterlandes. — H. claromphalos , clausomphalos und Cö-
stelnaudi von Peru wurden von Deville und Huppe Rev. et Mag.
de Zool. p. 638. pl. 14. aufgestellt und abgebildet. — H. Guillaini Pe-
tit (Journ. de Conchyl. 1850. p. 169. pl. VII. fig. 3.) von Madagaskar.
— T erver machte (Journ. de Conchyl. 1850. p. 175.) Bemerkungen
über die Gruppe der glänzenden Helixarten Frankreichs, namentlich
lud Troschel: Bericht über die Leislungen im Gebiete der
über die Synonymie und die Lebensweise. — H. Trenquelleonis Gra-
teloup Zeitschr. f. Malak. p. 13. von Cordova in der Republik Ar-
gentina, — Pfeiffer beschrieb 20 neue Arten Heiix in Zeitschr. f.
Maiak. p. 66. ; nämlich : H. Juno von Columbien, ceylanica von Cey-
lon , Pallasiana, clathratula , Flora von Columbien, callifera von den
Marquesas , disculus von den Sandwichinseln , Bajadera von Bengalen,
oleosa von Ibu im westlichen Africa, distincta von den Molukken, epi-
zantha von Shang-Hi in China, Schumacheriana von den Molukken,
Tunetana von Tunis, superba von Ceylon, Dominicensis von Haiti, Ko-
reana von Korea, crassa , Fortunei und trickotropis von Shang-Hi in
China, loxodon von Taiti. — Ferner beschrieb Pfeiffer ib. p. 81. aus
dieser Gattung 10 neue Arten: H. gigas von Sumatra, gypsacea, loxo-
tropis von den Molukken , Scheepmakeri , zebra , margaritis und Mol-
luccensis ebendaher, erythrostoma P h i 1 i p p i , Gigaxii Charpentier
und Gunnii Gray. — Seine H. ravida Bens, wird ib. p. 87. Siebold-
tiana genannt. — Ferner wird ib. p. 88. H. serrula Mor. , die in der
Monogr. zu H. Syrensis gezogen war , als eigene Art anerkannt, und
H. Setubalensis genannt. — Die von Stein 1. c. als H. ericelorura
beschriebene Schnecke von Berlin ist nach A. Schmidt H. obvia Z.,
und ist zugleich identisch mit H. candicans Z. (Zeitschr. f. Malak. p.
113.) — H. (CarocoUa) sarcochila Mörch 1. c. (H. carocolla ß. Pfr.
Monogr.); H. (Obba?) Kielrufßi ib. — H. Greenwoodii , Portio ^ Jde,
Egesta Gray von Neu-Seeland, Proc. zool. soc. 1849. Dec. — H. Pan-
doraCf Kellettiif vellicata Forbes ib. 1850. März.
Zonites Chiron und Coresia Gray von Nen-Seeland Proc. zool.
soc. 1849. Dec.
Streplaxis glabra Pfeiffer von Demerara und St. Cumingiana
Pfr. (Proc. zool. soc. 1849. Nov.^ Annais VI. p. 291.)
Proserpina discoidea, pulchra und bidenlala Adams Conlrib. V.
p. 81. von Jamaica. — P. pisum Adams ib. Vli. p. 108. ebendaher.
In Küster's Conchylien - Kabinet ist die Gattung Pupa von no.
97 — 133 fortgesetzt; darunter sind neu: P. Boileausiana Charpen-
tier aus dem südlichen Frankreich, apennina Charp. von den Apen-
ninen, o6Zi(cra<a C h a r p. aus Portugal, cerea Dun k er aus Südamerika,
bergomensis Charp. von Bergamo. — A. Schmidt glaubte in P. bi-
granata Rossm. nur eine Varietät von P. muscorum zu erkennen ; er
fand sie bei Aschersleben. Zeitschr. f. Malak. p. 103. P. ascaniensis
erhielt er von Halberstadt. Pfeiffer ist ib. p. 105. der Meinung,
Schmidt habe gar nicht die echte P. bigranata vor sich gehabt, son-
dern nur luxurirende Formen von muscorum. — P. Shuttleworthiana
Charp. fand A. Schmidt bei Aschersleben ib. p. 114.
Pfeiffer setzte seine Bemerkungen über die Bulimusarten in
Recve's Conchologia iconica fort, (Zeitschr. f. Malak. p. 33). — Ebenda
Naturgeschichte der Mollusken während des Jahres 1850. 127
p. 49. findet »ich eine ausführliche Anzeige von Heeve's Monographie
der Gattung Achatina.
Bei ßulimus conoideus fand A. Schmidt einen eigenlhümlichen
Kalkcylinder, der die Basis des FJagellunis des Penis umgab. (Zeitschr.
f. Alalak. p. 114.)
Gould beschrieb in Boston Proc. 111. p. 1P4. zwei Arten Bulimus :
B. mucidus und B. infracinctus beide aus Liberia. — B. (Fariula) decus"
satulus und navigatorius Pfeiffer von den SchiflFer-lnseln. (Proc. zool.
soc. Nov. 1849; Annais VI. p. 296. — B. gregarius von Borneo, weia-
coshimensis von den iMeiacoschima - Inseln Reeveund Adams Sama-
rang. — B. lynciculus und Devillei von Peru, B. iodostomns vom Ama-
zonenslrom. Deville undHuppeRev. et Mag. de Zool. 1850. p.640.
pl. 15. — Auf der Bulimuslafel bei Philippi Abbild, sind neue Ar-
ten nicht enthalten. — B. Cleryi von den Salomons-Io'^eln und insignis
von Neu- Caiedonien beschreibt Petit de laSaussaye (Journ. de
Conchyl. 1. p. 56). Beide sind abgebildet. — B. Guiilaini Petit ib.
p. 77. pl. 4. fig. 4. 5. — Partula Rechmana Petit ib. p. 170. pl. 7.
fig. 5. von den Salomons- Inseln. — B. Cailliaudi Petit ib, p. 404.
pl. 13. fig. 3. von den Philippinen. — B. marginatus Pfeiffer Zeit-
schr. f. Malak. p. 14.; B. Charpentieri Grateloup ib. von Cordova
in der Republ. Argentina; B. Souleyeti Pfeiffer ib. ~ B. compres-
sus Pfr. von den Gesellschafts- Inseln ib. p. 75. — B. Cailliaudi Pfr.
ib. p. 86. — B. lichenifer Mörch. 1. c. von den Philippinen ; B. {Par-
tulus) taenialvs Mörch ib. — B. {Laoma) Leimonias Gray von Neu-
seeland. Proc. zool. soc. 1849. Dec. — B. Chemnilzioides , fimbriatus,
achatinellinus Forbes ib. 1850. März.
In einem kleinen Aufsatze „Ueber die Bulimus - Gruppe Odonlo*
stomus Alb. giebt Pfeiffer (Zeitschr. f. Malak. p. 107.) eine üeber-
sicht über diese Gruppe; er zerfällt sie in 2 Gruppen: MacrodontesSw.
mit 2 Arten und Odontoslomus Alb. mit 17 Arten, unter denen ß. pu-
poides ß. der Monogr. als eigene Art B. sectilabris genannt wird.
Bei Gelegenheil der Aufstellung einer neuen Art der Gattung Ma-
croceramus Guilding (Colobus Albers) M. Richaudi von St. Domingo
gab Petit de laSaussaye ein Verzeichniss der Arten dieser Gat-
tung; es enthält 9 Arten (Journ. de Conchyl. I. p.377).
Gibbus obtusus )^ir. Zeitschr. f. Malak. p. 87. von Isle de France?
Gjould stellte auch drei neue Arten Achatina auf, Boston Proc.
III. p. 195. A. ventricosa soll mehr im Innern von Liberia leben, wäh-
rend sich purpurea an der Küste aufhält, balleata , paritura, alle von
Liberia. — Von Adams Conlrib. V. p. 83. finden sich drei Arten von
Jamaica Ä. Blandiana, puella und perplexa. — Desgl. ib. VIII. p. 102.
acht Arten: A. costulosa , nitida, Gayana , similis, tenera, longispira,
graciUor, osculans. — A. Salleana Pfeiffer Zeitschr. f. Malak. p. 74,
von Haiti. — 4. Gtmdlachi Pfeiffer ib. p. 80. von Cuba.
128 Troschel: Bericht über die Leistungen im Gebiete der
TornatelUna Cernica Ben son (Annais VI. p. 254.) von Moka
auf der Insel Mauritius. -- T. Cumingiana Pfeiffer von Real Llejos
-(Proc. zool, soc. 1849. Nov.; Annais Vi. p. 386.)
Eine neue Gattung Spiraxis stellte Adams Contrib. VI. p. 87.
unter den Heliciden auf: testa parva, lurrita ; columella niedio in la-
minäm spiralera producta ; apertura ovali , medio partim divisa ; labro
simplice. Es sind kleine , sehr langslreckige Schalen , bei denen die
Columella in eine Lamelle vorspringt, die , nachdem sie zwei bis vier
Windungen durchlaufen, allmählich verschwindet, die eiförmige Mün-
dung erhält oft durch Einziehung des Labrums und Vorspringen der
Collumellarfalte die Gestalt einer 8; das Labrum ist einfach und eine
Zusammenziehung auf der Mitte der Mündung eingekerbt. In diese
Gattung werden Achatina inusitala Adams (Contrib. II. p. 26. 1849.)
und zwei neue Arten: Sp. aberrans und costulosa aufgenommen.
Adams beschrieb Contrib. V. p.82. vier neue Arten Cylindrella
von Jamaica : C. Greyana, lata, Hollandi und Augustae. — Desgleichen
eine ib. VI. p. 98. C. costulosa ebenfaljs von Jamaica. — Ebenso ib.
VII. p. 101. C. humilis, pusilla, pupaeformis und procera, ebendaher. —
C. sericea Pfeiffer von Haiti (Proc. zool. soc. 1849. Nov. Annals VI.
p. 386). — C. monilifera, Salleana, Dominicensis und cinerea Pfeif-
fer Zeitschr. f. Malak. p. 74. von Haiti.
Pfeiffer stellte (Proc. zool. soc. Nov. 1849. Annals VI. p.-386.)
folgende Arten auf : Clausilia ajclostoma, clamformis, Belcheri, turrita,
Candida, puella, Milleri, slrigata, compressa, graeca, scalaris, cfinalicu-'
lata, komalorhaphe, H edenbor gi, striata, flammulala, letragonostoma, lu-
nellaris, negropontina , Hanleyana, Thermopylarum , sericata, Charpen^
tieri, Reeveana, idaea , Dunkeri, Sowerbyana , semidenticulata. — Die
Gattung Clausilia ist in Küster's Conchylien-Kabinet durch die Arten
23—38 erweitert; als neu werden bezeichnet: Cl. patula Char p. von
S]ßii Vd , rubicunda Küster von Griechenland, ffeifferi Küster von
Dalmatien, Michahellis Küst. von der Herzegowina, leucostoma Küst.
von Dalmatien, Neumeyeri ebendaher, comensis Shuttl. von Como. —
Cl. rugosa und obtusa C. PfeifF. schildert A. Schmidt als verschiedene
Arten.
Physa pectorosa und Auslraliana sind zwei neue Arten von C o n«
rad (Philad. Proc. V. p. 11.) aus dem Bogan River, Australia. — Ph.
vinosa Gould, die schon ßost. Proceed. 1847 aufgestellt war, ist bei
Agass. Lake superior abgebildet. — In Küster's Conchylienkabinet
wird die Gattung Physa von no. 19 — 29 fortgesetzt, darunter sind neu:
Ph. Ludwigii Kr au SS von Neuholland, Charpenlieri Küster von Bal-
timore, semiplicata Küster, Buschii Küsiev von Santa Cruz.
Friederch Stein ist in der oben erwähnten Schrift p. 73 ge-
neigt die Planorbeen als eigene Familie .zu betrachten , welcher An-
Naturgeschichte der Mollusken während des Jahres 1850. 129
sieht Ref. nicht beitreten kann. Derselbe theilt die Gattung Planorbis
in Abtheilungen, für die er zum Theil neue Namen giebt ; 1. Die Um-
gänge gerundet, Spiro discu s St. • 2. die Umgänge mit einem Kiel
versehen, Tropidiscus St, ; 3. das Gehäus mit wenigen, zusammen-
gepressten und scharf zugekantelen Umgängen, Segmenlina Flem. ;
4. das Gehäus mit behaarter oder häutig gerippter Oberfläche und we-
nigen schnell zunehmenden Umgängen, N autilina St.
Benson beschrieb neun neue oder unvollständig bekannte Ar-
ten von Planorbis aus Indien und China in Annais V. p. 348.: P. he-
misphaerula Canlor, Calathus, coenosus, Cantori, labiatus, Sindicus, ro-
tula, umbilicalis und trochoides. Von diesen ist die erste bereits An-
nais 1. Ser. IX., die beiden letzleren im Journ. Ac. Soc. V. aufgestellt.
— D unk er bearbeitet in Küster's Conchylien-Kabinet diese Gattung;
unter den ersten 34 Arten sind folgende neu : PI. grandis (inflatus Dkr.
olim), Banalicus Lang von Ungarn, fragilis von Mexico, Becki von Bra-
silien, Bahiensis von Bahia , zebrinus von Pondichery, Liehmanni von
Vera Cruz, Haldemani von Mexico, solidus , Bolivianus Phil, von Bo-
livja. — PL Corinna Gray von Neuseeland Proc. zool. soc. 1849. Dec.
Gould erklärte nach Vergleichung von Exemplaren aus dem
Oberen See Limnaeus catascopium, emarginatus und pinguis Say für
dieselbe Art (Boston Proc. III. p. 181. ; vergl, auch Agass. Lake su-
perior p. 244.) — Im letztgenannten Werke ist auch L. lanceata G ou\d
abgebildet. — L. perlevis Conrad (Philad. Proc. V. p. 11.) aus den
Flüssen Salamanca und Balonne in Australien. — L. Trencaleonis und
Nouletiana Gassie s I. c. aus der Umgebung von Agen. — L Hoo-
keri Lovell Reeve von Thibet (Proc. zool. soc. März 1850.)
Die von Gray (Proc. zool. soc. 1849. Dec.) aufgestellte Gattung
Lalia sieht unzweifelhaft in inniger Beziehung zu Gundlachia PfeilTer;
vergl. den vorigen Bericht p. 128. Die Art L. neritoides kommt von
Neuseeland.
Auricula Scheepmakeri Petit Journ. de Conchyl. I. p. 405. von
Sumatra.
William Clark beschreibt in einem Aufsatze in den Annais
VI. p. 444. „on the Conovulidae, Tornatellidae and Pyramidellidae,« Ar-
ten aus der Familie Conovulidae. Conovulus bidentatus Lam. (C. albus
et erosus auct.) ist nach des Verf. Angaben zwittrig, athmet durch
Lungen freie Luft , sein Fuss ist durch eine tiefe Querfurche in zwei
Abschnitte getheilt, die Fühler sind borstenförmig , dahinter die Au-
gen ; kein Deckel. Das Thier lebt unter Steinen, welche zuweilen vom
Meere überspült werden.
In dieselbe Familie rechnet Verf. auch Otina Gray (Velutina
olis auct.). Der Fuss gleicht dem von Conovulus und Pedipes , der
Archiv f. Niiturgesch. XVIL Jahrg. Bd. 2. |
130 Troschel: Bericht über die Leistungen im Gebiete der
Kopf ist sehr breit , hal keine Fühler, die grossen schwarzen Augen
stehn auf Hervorragungen mitten aut dem Kopf, kein Deckel. Die
Athmung ist zweifelhaft , Verf. spricht von einer Kiemenfeder (vergK
oben p. 115.)
Notobranchiata,
Goniodoris trilineata ßeeve und Adams Saniarang von Cbioa,
Whitei ib. von der Caramata Passage bei Biliton.
Cloelia trilineata Sars 1. c. p. 194. von Veslfjorden.
Ceratosoma Reeve und Adams Samarang nov. gen. Caput
magnum, antice rotundatum, proboscide retractili, appendicibus lateribus
cylindricis truncatis ; velum nullum. Tentacuia dorsalia claviformia, non
retractilia, apicibus laminatis, e tuberculis rolundatis orientia. Corpus
oblongum, angustatum , postice acuminatum , appendices dorsales duae,
conicae, anteriores ante aperturam branchialem, breves, rotundatae, po-
steriores post aperturam branchialem, elevatiores , permagnae, curvae,
cornutae. Branchiae ramosae , e stirpe communi Orientes , in ramos
quinque bipinnatos divisae. Pes angustus linearis. C. cornigerum aus
dem Sooloo-Meere. »
Ueter die Gattung Acteon Oken lindet sich im Journ. de Con-
chyl. 1850 p. 5 und 97. ein Aufsatz von Souleyel mit 4 Tafeln.
Nach einer historischen Einleitung folgt die zoologische und anatomi-
sche Beschreibung. Verf. hält die Schnecke für lungenathmend , und
sieht die Lunge in einer Höhlung, die zwischem dem Halse und dem
Körper am Rücken liegt, und hier nach aussen in einer engen Oeffnung
mündet, und von der viele sich verästelnde Gefässe nach allen Seiten
hin abgehen, die Verf. für Lullkanäle zu deuten geneigt ist. Ein Ge-
fässnetz, welches die Lungenhöhlung auskleidet, wird mit dem Herzen
zusammenhängend abgebildet. Von Circulationsorganen erkannte Verf.
Lungenvene , Herz und Aorta , die durch den Schlundring zur Mund-
masse gehen soll ; auch der Verdauungsapparat wird beschrieben. Auf
die Beschreibung des Geschlechtsapparates, der Muskeln, der Sinnesor-
gane und des Nervensystems folgen Bemerkungen über die Lebensweise.
Was die systematische Stellung betrifft, so betrachtet Verf. diese Fa-
milie als einen Uebergang zwischen den Süsswasser- und Meeres-Pul-
monaten und den Nacktkiemern. Zu dieser Familie wird auch die Gat-
tung Placobranchus V. Hasselt, vielleicht identisch mit Acteon, gezogen.
Vier Arten werden angenommen. — Später vervollständigte der Verf.
ib. p. 217. das Historische über diese Gattung.
Scyllaea Grayae Reeve und Adams Samarang aus dem nörd-
lichen altantischen Ocean.
Eine Gattung von Nacktkiemern Bornella Gray wird bei
Naturgeschichte der Mollusken während des Jahres 1850. 131
Reeve und Adams Samarang aufgeführt: Corpus elongatura , com-
pressum semipellucidum, postice acuminatum, ventriculo ramoso in ap-
pendices dorsales extendens; caput appendicibus duabus stellatis aut
timbriatis ; tenlacula dorsalia retractilia in vaginulis ramosis ; appendi-
ces dorsales in serie unica ad utrunique latus corporis dispositae, cy-
lindricae , curvatae, conicae, bifidae , trifidae aut simplices ; branchiae
hipinnatae , appendicibus dorsalibus exeuntes ; pes linearis , sulcatus.
Dahin Born. Adamsii Gray (Figures of MoUuscous Animals p. 107.)
von Borneo und B. digitata von der Sundastrasse. Diese zierliche Gat-
tung scheint Gray nach einer Zeichnung gegen den Willen der Verf.
veröffentlicht zu haben.
Aplysia fimbriata Go uld Boston Proc. III. p. 197. von Liberia. —
A. lineolala , oculifera und nodifera von Mauritius, fimbriata von den
Meiacoschima- Inseln sind von Reeve und Adams Samarang auf.
gestellt.
Siphon Ol US Reeve und Adams Samarang nov. gen.: cor-
pus elongatum; branchiae pallio lestaque tectae; pes lateribus in lobos
natantes dilatatis ; orißcium respiratorium in siphonem prolongatum ;
testa membranacea. S. geographicus von Java. Diese Gattung ist auf
einer Gruppe von Aplysien begründet, die schon Rang angedeutet
hat , ohne sie zu benennen , und die sich durch die Athemröhre aus-
zeichnet.
William Clark hat sich auch mit der Beobachtung mehrerer
lebenden Arten aus der Familie BuUidae beschäftigt (Annais VI. p. 98.)
Er kommt im Allgemeinen zu dem Resultat, dass die von Loven- auf-
gestellten Gattungen Cylichna und Amphisphyra , so wie Scaphander
Montf. keine generische Berechtigung hätten. Es werden Fulla hyda-
tis, Cylichna cylindracea und truncata ausführlich beschrieben.
Bulla coreanica Adams, vexiilum Chemn., sotula Chemn., und
voluta Quoy sind mit dem Thier bei Reeve und Adams Samarang
abgebildet.
Philine sinuata von Massachusetts und Ph. formosa von Neu-
England beschrieb Stimpson Boston Proc. III. p. 333,
Souleyet Iheilte seine Beobachtungen über die im Jahr 1847 von
Krohn aufgestellten Gattungen Lophocercus und Lobiger mit (Journ. de
Conchyl. 1850. p. 224.) ; auf einer beigegebenen Tafel ist das Thier,
die Schale , der Geächlechtsapparat, die Kieme , die Verdauungsorgane
und das Nervensystem abgebildet. Verf. sieht keinen Grund, die Thiere
von den Tectibranches zu entfernen.
132 Troschel: Bericht über die Leistungen im Gebiete der
Monopleurobranchiata.
Siphonaria coreensis Reeve u. Adams Samarang von Korea, radiata
ib. von China.
Acephala.
Brachiopoda.
Mehrere Arten der Gattung Terebratula beschreiben Reeve und
Adams Samarang: T. japonica und angusta von Japan, coreanica von
Korea, capensis und abyssicola vo'm Cap.
Nachdem Bouchard und Davidson in Bull. geol. de France
1848 eine Beschreibung der Gattung Magas Sow. publicirt hatten , und
Davidson darauf ib. 1849 auf Terebratula rosea eine neue Gattung
Bouchardia, zu der Familie Magasidae gehörig, gegründet hatte,
stellte derselbe (Annais V. p. 474.) eine neue Gattung Wallo nia in
derselben Familie auf: Schale zweischalig, ungleichschalig, gleichseitig,
eiförmig, schwach convex ; Schnabel fast gerade, zum Theil durch eine
grosse Oeffnung abgestutzt, die sich von der Spitze bis zum Umbo der
ventralen Schale ausdehnt; Deltidium klein, getrennt, bildet nur einen
Theil der StielöfFnung ; an der Basis des Schnabels stehn zwei starke
Zähne, die in Vertiefungen der ventralen Schale passen. Das In-
nere der dorsalen Schale ist einfach, nur mit einer schwachen mittle-
ren Erhebung ; in der ventralen Schale erhebt sich eine mittlere Platte
nahe beim Umbo , eine sanfte Krümmung beschreibend , und erreicht
durch eine andere Krümmung die mittlere Leiste der dorsalen Schale,
von da steigt sie in einer sanften diagonalen Linie zu dem Boden der
ventralen Schale herab. Von dem Innern Rande der beiden Zahngru-
ben dieser Schale entspringt eine bandförmige Lamelle, die sich in de**
Mitte der mittleren Platte anheftet. Die einzige Art W. Valenciennesii
von Neuseeland ist abgebildet.
Lamellibranchiata.
Nach langer Pause erschien endlich wieder eine Fort-
setzung von Deshayes Traite elementaire de Conchyliolo-
gie avec les applications de cette science ä la geologie (Ver-
gleiche dies Archiv 1840. IL p. 198.) Im Jahre 1850 wurde
die zweite Abtheilung des ersten Theiles beendet, welche
einen Theil der zweimuskeligen Muscheln enthält.
Naturgeschichte der Mollusken während des Jahres 1850. 133
In dem früheren Texte waren die Familien Tubicola, Pholadaria,
Solenacea enthalten , und der Anfang der Familie Glycimeridae Desh.,
zu welcher die Gattungen Glycimeris, Panopaea und Pholadomya gehö-
ren. Daran scliliessen sich dann in diesem Bande noch folgende 16
Familien : 5. Myaria mit den Gattungen Mya , Corbula , Neaera ; die
Ränder des Mantels sind fast ganz vereinigt, die Siphonen der ganzen
Länge nach verwachsen. — 6. Pandorina mit den Gattungen Pandora,
Myadora ; Mantel vorn offen, zwei kurze verwachsene Siphonen, Mund-
lappen schmal, halb gefaltet, jederseits nur ein Kiemenblalt. — 7. Osteo-
desmacea mit den Gattungen Lyonsia, Osteodesma, Periploma, Anatina,
Thracia, Myochama , Cardilia ; Mantel nur mit kleiner Oeffnung für den
Fuss, Siphonen ganz oder theilweis verwachsen. — 8. Mactracea mit
den Galtungen Lutraria , Mactra, Gnathodon, Anatinella; Mantel mit ei-
ner Oeffnung für den Fuss, Siphonen lang, dick, ganz verwachsen, mit
einer Epidermis, Mundlappen lang, dreieckig. — 9. Mesodesmidae, wo-
hin nur die Gattung Mesodesma; Mantel hinten verwachsen, die Siphonen
kurz, gelrennt, Afterröhre mit einfachen, Alhemröhre mit verzweigten Ten-
lakelchen, Mundlappen kurz, eine an den Mantel angewachsen, Kiemen
sehr ungleich. — 10. Amphidesmidae mit den Gattungen Amphidesma, Cu-
mingia, Trigonella , Syndosmya ; Mantel hinten verwachsen, Siphonen
ungleich, dünn, nicht verwachsen , Mundlappen gross , dreieckig, Kie-
men klein , das äussere Blatt nach oben gerichtet. — 11. Tellinidaef
wohin nur die Gattungen Fragilia nov. gen. und Tellina; Mantel hinten
verwachsen, am Rande mit einer Reihe Tenlakelchen , Siphonen lang,
dünn, frei, Mundlappen sehr gross, Kiemen ungleich, das äussere Blatt
nach oben gerichtet. — 12. Psammobidae, mit den Galtungen Psammo-
bia , Sanguinolaria, Capsa Brug. (Venus deflorata L.) ; Mantelrand mit
einer Reihe Tentakelchen , Siphonen lang , gelrennt, Mundlappen lang,
schmal, Kiemenblätter sehr ungleich, verlängern sich nach hinten bis
an die Afterröhre. — 13. Donacidae, Mantel unten offen, Siphonen un-
gleich, Mundlappen klein , schmal , Kiemen sehr ungleich, das äussere
Blatt nach oben in einen Rand verlängert. Enthält nur die Gattung
Donax. — 14, Lühophaga mit den Gattungen Saxicava, Petricola , Ve-
nerupis ; Mantel mit einer kleinen Oeffnung für den Fuss, zuweilen mit
Byssus, die Siphonen zum Theil verwachsen. Sie bohren ; Verf. erklärt
sich dafür, dass sie dies durch ein Auflösungsmittel bewerkstelligen, die
Hankock'sche Theorie ist ihm fremd. — 15. Conchae mit den Gattun-
gen Pullaslra, Venus, Graleloupia, Cytherea, Thetis, Denisia (Artemis),
Cyclina nov. gen (Venus chinensis Chemo.) ; Mantel hinten verwach-
sen , Siphonen mehr oder weniger vereinigt, Mundlappen dreieckig^
Kiemenlappen gross , hinter dem Fuss vereinigt. — 16. Dreissenidae
mit der einzigen Gattung Congeria Partsch (Dreissena Vanb., Tichogonia
Rossm.) ; Mantel geschlossen mit einer Oeffnung für den byssustragen-
den Fuss und zwei kurzen Siphonen, Kiemen ungleich, hinten die Ein-
134 Troschel: Bericht über die Leistungen im Gebiete der
geweidemasse umgebend. — 17. Cycladae; Mantel vorn und unten of-
fen, hinten mit zwei kurzen Röhren, Fuss dünn, dreieckig, Kiemen ver-
Jängert, fast gleich. Dahin gehören die Gattungen Galatea, Glauconome,
Cyprina, Cyrena, Cyclas, Pisidium. — 18. Erycinidae mit den Gattun-
gen Erycina und Poronia ; Mantelrand doppelt, der innere mit zwei oder
drei Oeffnungen, für den Fuss und an Stelle der Siphonen, Fuss gross,
gestielt , Mundlappen kurz und schmal , Kiemen sehr ungleich , hinter
dem Fuss vereinigt. — 19 Galeotnmidae nur aus der Galtung Galeomma
bestehend ; Mantel mit drei Oeffnungen, Kiemen sehr gross, fast gleich,
hinter dem Fuss angewachsen , Fuss wurmförmig mit einigen Byssus-
fäden. — 20. Lucineae mit den Gattungen Lucina , Corbis , Ungulina,
Cyrenella ; Mantel nur hinten verwachsen, und dort mit zwei Oeffnun-
gen, oder mit einem Sipho, oder mit zwei Siphonen. Mundlappen klein,
zuweilen rudimentair, Schliessmuskelo sehr gross.
Aus diesen hauptsächlichen Charakteren geht hervor, dass Verf.
die Thiere sorgfältig untersucht, und diejenigen Charaktere benutzt hat,
auf welche Ref. schon in diesem Archiv 1847. L p. 257. als besonders
wichtig aufmerksam gemacht hat. Diesen Aufsatz hat Verf. nicht ge-
kannt, wie ihm denn überhaupt die deutsche Sprache völlig fremd zu
sein scheint. So nennt er p. 635 als Autoren für die Gattung Ticho—
gonia die Herren Rossmässler, Müllerund Herausgeber; damit ist
Wiegmann gemeint (dies Archiv 1837. 1. p. 47.), der damalige Her-
ausgeber dieses Archivs. Die Verwachsung des inneren Kiemenblattes
an dem Fuss ist daher auch nicht für die Galtungen benutzt , obgleich
es dafür, wie a a. 0. gezeigt, sehr wichtig ist. Die Geschichte der
einzelnen Gattungen ist gründlich bearbeitet, und der Wunsch, das
Werk möchte rasch fortschreiten , wird gewiss von jedem Zoologen
getheilt.
Loveh machte seine Untersiichnngen über die Ent=.
Wickelung der Muscheln in einer ausführlichen Abhandlung
in Kongl. Vetenskaps-Akademiens Handlingar för är 1848 be-
kannt, und erläuterte sie durch sechs Tafeln mit Abbildungen
(Bidrag tili kännedomen om utvecklingen af Mollusca ace-
phala lamellibranchiata). Von einer früheren Mittheilung des
Verf. über diesen Gegenstand haben wir in diesem Archiv
1849. I. p. 312 eine Uebersetzung geliefert.
In einem langen Aufsatze „de la charniere ou plutot
recherches sur ce qu'on doit entendre par charniere dans
les coquilles bivalves" kommt Recluz, Apotheker zu Vau-
girard » zu der Definition , „das Schloss sei eine besondere
Naturgeschichte der Mollusken während des Jahres 1850. 135
Anordnung von Schlosszähnen am subapicalen Rande der
Schalen.« Am Schluss wird dann eine neue Terminologie
der Schlosszähne gegeben (Revue et Mag. de Zool. 1850.
p. 15. 158. 217.).
Ostrea pyxidata Reeve und Adams Samarang von den Phi-
lippinen.
J. E. Gray schrieb über die Arten der Anomiadae (Proc. zool.
soc. 1849. Nov. ; Annals VI. p. 212.). In diese Familien gehören die
Gallungen Anomia und Placunomia. Die Galtung Anomia zerfällt in drei
Untergattungen: a. Anomia. Der obere Muskeleindruck in der dor-
salen Schale gross, die zwei unteren Muskeleindrücke kleiner und nahe
unter dem oberen, Muschel fast kreisförmig. Dahin aus Europa A.
ephippium ; aus Asien fünf neue Arten: A. amabaeus, cylaeum, dryas,
achacus und belesis ; aus America A. tenuistriata und 8 neue Arten:
Ä. acontes , ßdenas , adamas, pacilus, larbas , alectus, hamillus, lampe,
b. Äenigma Koch. Oberer Muskeleindruck der dorsalen Schale gross,
die zwei unteren kleiner, weit hinter dem oberen. Schale länglich,
quer. Dahin nur A. aenigmatica. c. Patro. Zwei obere kleine Mus-
keleindrücke, ein unterer grosser. Schale fast kreisförmig, Sinns klein.
Dahin Ä. elyros von Port Essington. — Die Gattung Placunomia zer-
fällt ebenfalls in drei Untergattungen; a. Placunomia. Schale
gefaltet; die Durchbohrung der untern Schale kl«in , fest die accesso-
rische Platte umfassend. Dahin PI. Cumingii ßrod. b. Pododesmus.
Schale oval, strahlig gerippt , Rand nicht gefaltet. Durchbohrung der
untern Schale massig, fest die accessorische Platte umfassend und ein-
schliessend. Dahin P. rudis Brod. (Pododesmus decipiens Phil.) foliata
Brod., abnormalis Sow. c. Monia. Schale oval, nicht gefaltet, strah-
lig gerippt. Durchbohrung der untern Schale gross, nur lose die grosse
dünne Platte umfassend. Dahin aus Amerika P. macrochisma und zwei
neue Arten : P. cepio und alope ; aus Europa P. patelliformis ; aus Au-
stralien P. zealandica und zwei neue Arten P. ione und colon.
Rei Philippi Abbild, sind Anomia chinensis ?h. , peruviana
d'ürb., macroschisma Desh. , und venusla Ph. abgebildet.
Pecten Reevei und aurantiacus von China, fuhicostalus von Soo-
loo, asperulatus von Korea, denticulatus von Borneo, cristularis von den
östlichen Meeren Reeve und Adams Samarang. — P. Lischkei Dun-
ker von Patagonien. Zeilschr. für Malak.
Lima Basilanica Reeve und Adams Samarang von der Insel
Basilan, orientalis ib. von den Philippinen.
Chama laciniata Reeve und Adaras Samarang von China.
Cardita ventricosa von Puget Sound und procera von Bio negro,
136 Troschel: Berichl über die Leistungen im Gebiete der
Patagonien steilte'GouId Boston Froc. III. p. 276 auf. - C. ferrugi-
nosa Reeve und Adams Samarang von den Philippinen.
Hippagus novemcostatus Reeve u. Adam s Samarang von China.
Isocardia tetragona R ee ve und A dam s Samarang von Japan.
Area sobria Gould Boston Proc. III. p. 278. unbekannten Va-
terlandes. _ A. speciosa Ph. , parallelogramma v. d. Busch und gra-
nulata Ph. sind bei Philippi Abbild, abgebildet.
Nucula mirabilis und japonica Reeve und Adams Samarang
von Japan. ®
Pectunculus Belcheri Reeve und Adams Samarang vom Cap,
aspersus ib. von Sooloo.
Arthur Adams fügt den beiden bekannten lebenden Arten
von Trigonia eine neue T, Jukesii von Cap York hinzu. Für T. pecti-
nataLam. wird der ältere Lamarck'sche Name margaritacea hergestellt
(Proc. zool. soc. 1849. Nov.; Annais VI. p. 148).
Anodon (Monocondylea) glauca von Peru, feminalis von Oregon,
und cognata von Nisqually sind von Gould Boston Proc. III. p 294*
beschrieben. _ A. solidula D eyiWe et Huppe Rev. et Mag. de Zool.'
1850. p. 644. pl. 16. fig. 2. aus dem oberen Amazonenstrom. _ A
Gratelupeana Gassies 1. c. von Agen. - A. Gnillaenii Rccluz von
Brava, Nordostküste von Africa , ist verwandt mit rubens, also wohl
jedenfalls eine Spatha (Journ. de Conchyl. I. p. 55.). - A. politaAIous-
son ist = A. exilis Lea. Zeitschr. f. Malak. p., 47. •
Alasmodon falcala Gould Boston Proc. III. p. 294. von Oregon
und Californien. ^
Conrad stellte Proc. Philad. V. p. 10. einige neue Arten der
Gattung Un.o auf: U. cullelliformis Bogan River in Australien Na
peanensis aus dem Napean River in Australien, Balonnensis aus dem
ßalonne River, in Australien, Aberti aus dem Verdigris River Ar
cansas. - Desgleichen Gould in Proc. Boston III. p. 294 U fa
mehcus von Oregon, lutulentus von Neu - Seeland , profugus von
Neu-Sud- Wales , verecundus von Manih , -dorsnosus von Ost-Asien? —
U Orbignyi D e vi 1 1 e et Hup p e Rev. et Mag. de zool. 1850. p. 643
pl. 16. flg. 1. aus dem oberen Amazonenfluss. _ ü. mutatus Mousson
^st-^ U. javanus Lea, und ü. productus Mouss. ist = U. orientalis Lea
Zeitschr. f. Malak. p. 46.
In der Gattung Lucina unterschied Gou 1 d Boston Proc III p 255
vier neue Arten: L. ramulosa von den P^mnolu . Inseln , inculta von
Neuseeland, vesicula von Tongataboo und lenticula von der Küste Pa
tagon.ens. _ Unter den bei Philippi Abbild, dargestellten Arten die-
ser Gattung sind neu: L, divergens aus dem stillen Ocean , tmUis,
obltqua von Amerika, und pisnm von Mazatlan.
Naturgeschichte der Mollusken während des Jahres 1850. 137
Mittre erklärt sich (Journ. de Conchyl. 1850. p.238.) dahin, dass
von allen Gallungen, die man auf Kosten der Gattung Lucina aufgestellt
juibe (Cryptodo.n, Bulnaria , Lentillaria, Myrtaea, Diplodonla, Scacchia,
Ptychina) nur Diplodonla Bronwn und Scacchia Phil, angenommen zu
werden verdienen. Das Thier der ersteren ist von einer neuen Art D.
hrasiliana beschrieben und abgebildet. Der Mantel hat nur 2 Oeffnun-
gen, für Fuss und After, zwei Kiemen jederseits, vier blattarlige Mund-
lappen, Fuss wurmförmig der ganzen Länge nach canaliculirt. Verf.
kennt 6 Arten. Er ist geneigt aus den Gattungen DipPodonta, Scacchia
und Ungulina eine besondere kleine Familie zu bilden.
Cyrenoida alala und coreensis R e e v e und Adams Samarang
von Korea.
Cyclas egregia von Neu -Süd -Wales und patella von Oregon
Gould Boston Proc. IIL p. 292. — C. Steinii A. Schmidt. Zeitschr.
f. Malak. p. 118. von Weissensee bei Berlin.
Pisidium Gassiesianum Dupuy bei Gassies 1. c. von Agen. —
r. supinum A. Schmidt aus der Panke bei Berlin, Zeitschr. f. Ma-
lak. p. 119.
Cyrena debilis Gould Boston Proc. III. p. 293. von Neuholland?
— Ausser C. rotundata Lea, violacea Lam. , ceylonica Chemn., suma-
Irensis Sow. sind bei Philipp i Abbild, auch zwei neue Arten C. ri-
valis V. d, Busch von Java, und C. pullata Ph. von Sumatra abge-
bildet. — C. (Corneocyclas) Galatheae Rhrdt. Mörch 1. c. von den
Nicobarischen Inseln.
Bei Philipp i Abbild, werden 4 Arten der Gattung Galatea ab-
gebildet; Verf. kennt deren 7.
Cardium hlandum Gould Boston Proc. III. p. 276. von Puget
Sound. — C. Adamsii und kalamantarum von Borneo, auraniiacmn und
speciosum von China, modeslum au3 den östlichen Meeren, Bechei von
Sooloo Reeve und Adams Samarang.
Cylherea nobilis Lovell Reeve Proc, zool. soc. 1849. Nov.;
Annais VI. p. 291. — C. virginea Reeve und Adams Samarang aus
den örtlichen Meeren.
Arlhemis lambala Gould von der Inselbay , Boston Pioc. III.
p. 277.
Venus loreuma von Mangsi, calcarea von Neuseeland und rigida
von Puget Sound sind neue Arien von Gould Boston Proc. III. p. 277.
— Ebenso von Reeve und Adams Samarang V. Philippinarum, les~
scllaia, costellifera von den Philippinen, labuana von der Insel Labuan,
quadrangularis von Korea, elegans aus den östlichen Meeren.
138 Troschel: Bericht über die Leistungen im Gebiete der
Gould erkannte unter den Muscheln der Exploring expedition
Boston rroc. III. p. 252. sechs Arten Tellina als neu : 7. lithonia aus dem
Sooloo-Meere, laula und compta ohne Angabe des Vaterlandes, exulla,
concenlrica und parula von den Fidschi-Inseln. — T. s'quamulosa Ar-
thur Adams Proc. zool. sog. 1849. Dec. vom Cap York, INordau-
stralien.
Psammobia florida Gould Boston Proc. III, p. 254. von Neu-
Süd- Wales. — Ps. denticulata und rvgulosa Reeve und Adams Sa-
juarang von China, ßexuosa ib. von Borneo.
Sanguinolaria tellinoides A. Adams von Californien Proc. zool.
soc. 1849. Dec.
ürei neue Arten Donax errichtete G ould Boston Proc. III. p. 254.
D. palUdus von Singapore, tinctus unbekannten Fundorts, crocatus von
Mangsi.
Mittre stellt (Journ. de Conchyl. 1850. p. 125.) die Gattung C//-
pricardia in die Familie der IJlhophagen neben Petricola und Veneru-
pis ; die Gründe dazu sind vorzüglich von der Beschaffenheit des Man-,
tels und Fusses hergenommen, wozu der Umstand koinmt, dass fast alle
Arten in Kalk bohren. Die Gattung Coralliophaga Blainv, wird mit
Cypricardia vereinigt.
Cypricardia rose« Gould Boston Proc. III. p. 276. von den Fid-
schi-Inseln.
Erycina (Poronia) ovata Gould Boston Proc. III. p. 218. von
den Sandwich-Inseln. — E. (Kellid) quadrata Gould ib. p. 252, von
den Fidschi-Inseln.
D'Orbigny und Red uz erkannten bei Erycina Deshayesii eine
Mantclbucht und gründeten eine neue Gattung Myllita : testa aequivalvis,
aequilateralis , libera , suborbicularis ; apices minimi, oppositi ; cardo in
valvula sinistra dentibus cardinalibus binis parvulis, inaequalibus, paralle-
lis, cum laleralibus triangularibus simplicibus, validis ; in dextra cardi-
naj.i uriico, lateralibusque medio bifidis pro appositis ; ligamenta duo,
externum (ibrosum , lineare , centrale , breviusculuni ; internum cartila-
gineum, robustum, in fossula lineari ab apice ad anticam partem dentis
lateralis postici oblique excurrente .affixum ; impressiones musculares
aequales , orbiculares ; excavatio palliaris postica cumque sinn palliari
exacte triangularibus. Die Art heisst M. Deshaijesii und stammt von
Neuholland (Journ. de Conchyl. 1850. p. 288. pl. 11. hg. 12—14.
, Amphidesma crocentn Gould Boston Proc. III. p. 218. von Cal-
lao. — A. exarata von Sooloo, und A, simplex von China Reeve und
Adams Samarang.
Arthur Adams stellte Proc. zool. soc. 1850. Jan. einige Ar-
Naturgeschichte der Mollusken während des Jahres 1850. 1^9
ien der Gattung Cumingia auf : C. similis von der Nordwestküste Ame-
rika's, Clerii von, Chili, Antillarum von Westindien, fragilis von Goua-
delonpe, striata von Conception , sinuosa von Westindien.
Mesodesma munda Gould Boston Proc. III. p. 217. von xMangsi.
Lulraria capax Gould Boston Proc. 111. p. 217. von Pu-
get Sound.
Unter den Muscheln der Exploriug expedition glaubte Gould
Boston Proc. III. p. 215. vier neue Arten von 3Iactra zu erkennen,
nämlich: M. deluta von Neuseeland, cuneola von Callao , marcida von
Orange Harbor, un^ /a^cafa von Puget SoutMl. — M. thracioides \\e c\ e
und Adams, östliche Meere. — Ausser 5 Arten, die bereits in der
Zeitschr. für .Malak. aufgestellt sind, ist bei Philippi Abbild, auch
eine neue Art M. lurida von den Liewkiew-Inseln abgebildet. — M.
(Mulinia) Rodatzi Dunker Zeitschr. f. Malak. p. 30.
Nach einer Bemerkung von de Soulcy (Journ. de Conchyl. I.
p. 73.) varlängert sich das innere Ljgament von Gnathodon cunealum
durch einen kleinen Kanal unter den Wirbeln nach aussen.
Crassatella nana aus den östlichen Meeren , ficta' von den Phi-
lippinen, corrugata von Sooloo, pallida von China, compressa von Ko-
rea Reeve und Adams Samarang.
Änalinella dilatata und ventricosa A.Adams von den Philippi-
nen. Proc. zool. soc. Febr. 1850.
loshua Alder hatte Gelegenheit Montacuta ferruginosa, aus
dem Magen eines Kabliau entnommen, noch lebend zu beobachten. Der
vordere Theil des Mantels ist weit und ragt beträchtlich aus der Schale
hervor, den Uebergang von Kellia rubra und Lepton squaniosum bil-
dend ; der Mantel ist vorn unten ganz offen, hinten geschlossen, und
bildet dort eine kleine Ausflussöffnung , ohne sich in einen Sipho zu
verlängern. Der Fuss ist sehr gross und muskulös; seine Basis ist
schwach wellig, und der ganzen Länge nach mit einer Furche versehen.
— Nach einigen Tagen fand Verf. am Boden des Gefässes einen feinen
weissen Staub, den er für Eier erkannte. Anfangs rund, wurden sie
bald dreieckig ; am dritten Tage zeigten sich an einer Seite starke Ci-
lien, und sie begannen sich munter zu drehen. Als sie sich etwa ei-
nen Tag gedreht hatten, durchbrachen sie ihre Hülle, und schwammen
frei nach allen Richtungen umher, während sie eine mehr glockenför-
mige Gestalt bekamen und einen dünnen Faden aus der Mitte der ge-
wimperten Basis vorstreckten, mit dem sie sich jedoch nicht anhefteten.
Bald verlängerte sich das Thier , und die Wimpern zogen sich in die
nunmehr sich bildende Schale zurück. Nur an einem Ende blieben
äusserlich Wimpern sichtbar. An dem Thier glaubte Verf. auch den
Anfang des Fusses zu erkennen. Nach 5 oder 6 Tagen waren alle ge-
storben. Einige Abbildungen erläutern den Text. (Annais V. p. 210).
140 Troschel: Bericht über die Leistungen im Gebiete der
Lyonsia navicula Reeve und Adams Samarang von Borneo.
Ans der Gattung Osteodesma wurden von Gould Boston Proc.
III. p. 217. zwei Arten als neu bekanntgemacht : 0. bracteala von
Pugel Sound und 0. brasiliensis Couthouy MS. von Rio Janeiro.
Thracia magnifica Jonas Proc. zooJ. soc. 1850. Dtfc; Annais VI.
p. 230. — Th. granulosa von China, trigonalis von Sooloo Reeve und
Adams Samarang.
Myocham(6 transversa von Cap üpstart und Strangei von Port
Jackson beschrieb A. Adams Proc. zool. soc. Jan. 1850.
Fandora cistula Gould Boston Proc. III. p. 217. von Ost-Pala-
gonien.
Mya praecisa Gould Boston Proc. III. p. 215. von Puget Sound.
. — M. mindorensis Reeve und Adams von Mindoro.
Corbula venlricosa und variegata Reeve und Adams Samarang
von China.
Recluz stellte (Journ. de Conchyl. 1850. p. 164.) eine neue
Gattung Euch aris auf: testa aequivalvis? inaequilateralis, ovata seu
subglobosa, hians, apicibus antrorsum flexis ; cardo in utraque valvula
dentem unicum, productum, subulatum ascendentem , mutuo latere iun-
ctos ferens, ligamentum externum supra nymphas infixum ; impressioncs
musculares duae, orbiculatae, approximatae, impressione musculari sim-
plici coniunctae.* Animal ignotum. Dahin gehören zwei Arten: E.
quadrata (Corbula quadrata Hinds.) und E. elliplica n. sp. beide von
Guadeloupe. Die Gattung unterscheidet sich von Corbula durch die Ab-
wesenheit der Epidermis und des Schnabels , durch die Gleichschalig-
keit und durch das äussere Ligament, der Manteleindfuck ist einfach.
Poroniya pulchella und nitida Reeve und Adams Samarang
von Borneo.
Neaera moluccana Reeve und Adams Samarang von den
Molukken.
Gould stellte Boston Proc. III. p. 2U. auch zwei neue Arten
Panopaea auf, nämlich antarctica von Patagonien und generosa von Pu-
get Sound, Oregon. — P. japonica A. Adams von Japan Proc. zool.
soc. 1849. Dec.
Solen scalprum von Singapore und S. sicarins von der De Fuca
Strasse sind von Gould Boston Proc. III. p. 214. als neu beschrie-
ben. — S. albida Reeve und Adams Samarang von Korea. — S.
Orientalis von Ostindien und Schullzeanus von der Portugisischen Küste
D unk er Zeitschr. f. Malak.
In dem Report of tbe 19. Meeting" of tlie British Asse-
Naturgeschichte der Mollusken während des Jahres 1850. 141
cialion , held at Birmingham Sept. 1849 finden sich p. 73 :
Notes on the boring of marine animals by Spence Bäte.
Verf. ist gegen die Ansicht Hancock's, und überhaupt gegen
jedes mechanisclie Mittel. Er erklärt das Bohren durch freie
im Meerwasser aufgelöste Kohlensäure, die durch Athem-
und Wimperströmungen dirigirt werde.
Auch Deshayes spricht sich, ohne auf die verschie-
denen neueren Ansichten besonders einzugehen , für Anwen-
dung eines chemischen Mittels beim Bohren der Muscheln
aus (Journ. de Conchyl. 1850. p. 22.). Die Ansicht von Han-
cock wird weder erwähnt, noch widerlegt. Ib. p. 171 ist
ein Brief von Thorent abgedruckt, der mit einem Chemiker
Rivet bei Pholas crispata die Existenz einer freien Säure
in den Eingeweiden nachgewiesen haben will. Ohne die Na-
tur dieser Säure näher bestimmen zu können, glauben sie,
dass es ChlorwasserstofFsäure sei , die aus der Zersetzung
des Clilorür, welches im Meerwasser enthalten ist, entstehen
könne.
Cailliaud hat dagegen versucht mit einer Pholas cal-
losa unter Wasser ein Loch in das Gestein, welches sie bei
Larochelle bewohnt, zu bohren, indem er eine Federspule
zwischen die Schale brachte, und sie als Handgriff benutzte.
Es ist ihm gelungen in 80 Minuten ein Loch von 18 Mill.
Tiefe und liy2 Mill. Durchmesser herzustellen. Dieser di-
recte Versuch möchte allerdings die Möglichkeit erweisen,
dass die Schale den Thieren als Bohr-Instrument dienen könne.
(Journ. de Conchyl, L p. 363.).
In einem Aufsatze über bohrende Mollusken, in welchem
William Clark die Ansicht Hancock's, dass der Fuss und
Theile des Mantels die Bohrwerkzeuge seien, vollkommen be-
stätigt, wenn gleich er das Vorhandensein kieselartiger Kör-
perchen dazu nicht für nothwendig hält , sucht er die Iden-
tität von Pholadidea papyracea und Pholas lamellata zu er-
weisen, indem er glaubt, der Fuss sei bei ersterer verküm-
mert , weil das Thier ihn im Alter nicht mehr zum Bohren
142 Troschel: Bericht über die Leistungen im Gebiete der
gebrauche. Bei dieser Gelegenheit erklärt er das durchsich-
tige elastische Stylet für ein Kauorgan , indem er bei den
Pholaden es in dem Magen enden und dort in Verbindung
mit einer hellgelben dreieckigen Platte sah, die in drei spitze
Lappen getheilt war, dazu bestimmt, die Nahrung zu verklei-
nern (Annais V. p. 6.).
Derselbe Verf. veröfFenllichte (Annais VI. p. 323.) eine Abhand-
hing über die Pholadidae. Nach einer ßerchreibung von Pholas dacty-
lus , parva und Candida giebt er die Anatomie von Ph. dactylus. Er
erklärt das Schloss für sehr fest und complicirt ; der vordere Schliess-
muskel lehlt, es ist nur ein mittlerer vorhanden; an die Haken unter
den Wirbeln heften sich zwei Muskelbänder , welche vom Fuss ent-
springen, und sind wichtig für die Bohrthätigkeit. Es finden sich nur
zwei Wervenganglien , ein grösseres am Munde, ein kleineres zwischen
dem Herzen und After, beide sind durch zwei Fäden verbunden, und
geben l'^äden ab. Verf. wiederholt hier seine frühere Ansicht über das
Stylet als Verkleinerungsorgan der Nahrung. Die Afterröhre ist so von der
Kiemenhöhle durch eine Membran abgeschlossen, dass das Wasser durch
die Athemröhre eiur und ausgehn muss , und daraus schliesst Verf.,
dass keine Ciliarströme vorhanden seien, auch bei andern Muscheln nicht.
Verf. hält diese Thiere , und ebenso alle übrigen Muscheln , für Zwit-
ter. — Hierauf folgt eine Beschreibung und Anatomie von Teredo me-
gotara. Die Beschaffenheit der Muskeln unterscheidet sich kaum von
Pholas ; die hintern spateiförmigen Anhänge dienen zum Erweitern und
Comprimiren der Athemröhre ; die Angabe mancher Autoren , es gebe
zwei Magen, bestätigt Verf. nicht. In Betreff der Circulationsorgane
bekämpft Verf. die Ansichten Home's. Schliesslich weist er auf die
Aehnlichkeit von Pholas und Teredo hin , so wie er einige Analogien
mit Dentalium hervorhebt, die ihn geneigt machen , die Familie der
Pholaden an die Spitze der Bivalven zu bringen , um so einen lieber-
gang zu den Gasteropoden zu vermitteln.
Pholas patula Gould Boston Proc. HI. p. 214. von den Philip-
pinen vielleicht nicht verschieden von Ph. latissima Sow. — Adams
bemerkt über Pholas corticaria Sow. , welche er in Jamaica entdeckt,
und versandt hatte, und die Sowerby Thes. X. 1849 als P. corticaria
Gray Ms. abgebildet hat, dass sie nicht in das Holz eindringe, sondern
sich nur in der Binde des Campesche-Holzes finde, an der Grenze des
Holzes umwendend ,-- als könne sie es nicht durchdringen. — Ph. rivi-
cola Beeve und Adams Samarang lebt im Pantai- Flusse rm süssen
Wasser. — Bei Phi li pp i~Abbild. sind 4 Arten abgebildet ; auch fin-
den sich hier kritische Bemerkungen über Pholas-Arten in Sowerby's
Thesaurus.
Naturgeschichte der Mollusken während des Jahres 1850. 143
Durch ein Versehen fehlt im vorigen Jahresbericht die Diagnose
der Sowerby 'sehen Gattung Triomphalia (vgl. p. 102.), daher wird
sie hier nachgetragen : Molluscum acephalum terebrans. Testa bival-
vis, aetate iuoiore hians , aetate matura clausa. Valvae inaequales ;
utraque antice laniina testacea inflala ad marginem ventralem affixa,
interne cardibe unidentato , sine processu subcardinali. Valva dexlra
postice alteram longitudine superans. Valva sinistra alteram involvens,
ad dorsum nucleo quasi umbonali iucipiens. Dahin Pholas globosa
Quoy und zwei neue Arten T. pulcherrima und Cumingiiy erstere von
Westcolumbien, letztere von der Zebu- Insel.
In einer grösseren Abhandlung „Recherches sur les meurs
des Tarets" bespricht Laurent (Journ. de Conchyl. 1850.
p. 250 und 329.) 1. Das Eindringen der Thiere in das Holz,
2. ihre Ernährung, 3. ihre Forlpflanzung, 4. ihre Lebenszä-
higkeit, 5. die Verbindung ihrer Verwüstungen mit anderen
Zerstörungs-Ürsachen.
Was den ersten Punkt betrifft, so hat Verf. durch Versuche nach-
gewiesen, dass die Bohrwürmer, aus ihren Wohnungen genommen, sich
nicht wieder in Holz einbohren können. Die jungen Larven schwim-
men , nachdem sie aus der Afterröhre ausgeworfen sind , einen oder
zwei Tage frei herum, begeben sich dann an das Holz, auf dessen
Oberfläche sie mittelst eines zungenförraigen Fusses umherkriechen um
einen Ort für Anlegung ihrer Wohnung zu wählen. Sie scheinen po-
röse Stellen den glatten vorzuziehen. Durch welches Mittel sie ein-
dringen, bleibt zweifelhaft. Sehr bald wird ein sie einhüllender Schleim
abgesondert, der zu der Kalkröhre erhärtet; eine neue Schale wird
gebildet, wogegen die aus dem Embryouenstande mitgebrachte absor-
birt wird. In Betreff der Ernährung wird angegeben , dass das Thier
zwar das Holz, welches es zur Erweiterung der Höhlung fortschafft,
auffrisst, dass aber die eigentliche Nahrung ausserdem durch das Was-
ser, welches durch die Athemröhre eintritt, ihm zugeführt wird. Aus
ihren Höhlungen genommen , können die Thiere, nach den Versuchen
von Eydoux , im Meerwasser leben , sie bilden sich sogar neue Kalk-
röhren. Um die Thiere unversehrt aus ihrem Wohnpialze zu nehmen,
bediente er sich des sinnreichen Mittels, dünne Brettchen fest aufein-
ander zu schrauben, und sie so. im Meere den Teredines zu überlassen.
Wenn sie von ihnen erfüllt waren, nahm er sie leicht wieder ausein-
ander. Aus dem >yasser genommen, sterben sie bald, besonders wenn
sie auch aus dem Holze entfernt sind. In Hinsicht auf die Fortpflan-
zung beharrl Verf. bei seiner Meinung, dass diese Thiere lebendig ge-
bärend und zwitterig mit Selbstbefruchtung seien. In Betreff der Le-
benskraft giebt Verf. au , dass sie in zu salzigem Meerwasser, wie ev
144 Troschel: Bericht über die Leistungen u. s. w.
es in den Salinen von Hieres erprobt hat , sterben^ ebenso im Fluss-
wasser. Die Lebensdauer wird auf 2 — 5 Jahre angegeben. Ihre Zer-
störungen endlich werden durch atmosphärische Einflüsse vermehrt,
indem sie der Fäulniss Vorschub leisten ; auch meciianischc Einflüsse
sind bei der Gegenwart dieser Thiere wirksamer; bekanntlich unter-
stützen auch andere Thiere, namenlich Limnoria terebrans die Verwü-
stungen der Teredines.
Tunicata.
In Todd's Cyclopaedia September 1850 findet sich ein
ausführlicher Artikel Ttmicata p. 1185—1243, bearbeitet
von Rupert Jones.
Nach einigen allgemeinen Bemerkungen über die Embryologie
der Ascidien nennt A gas s Tz folgende neue Arten von den Küsten von
J\lassachuselts : Ascidia amphora , psamtnophora , ocellata , carnea, hir~
sula , rugosa und Boltenia microcosmos (Proceed. of the Amer. Assoc.
for the advanc. of science , second meeting held at Cambridge. Boston
1850. p. 157.).
Sars beschreibt I. c. als neu: Botrylloides aurea , Didemnum
roseum^ Leptoclinum lividum und clavatnm, Distomum vitreum, Amarou-
cium pomunif mutabile, incrustatum.
Bericht über die Iieistuiig:eii in der Ento-
mologie wäiirend des Jalires 1$50.
Von
Dr. Hermann Scliaunii
Sehr werthvolle anatomisch-physiologische Bemerkungen
über die Insecten im Allgemeinen und über Bombyx mori im
Besondern hat Filippi im fünften Bande der Annalen der
Turiner Academie für Agricullur mitgetheilt. (Annali della
R. Accad. d'agricoltura di Torino vol. V. , zum Theil über-
setzt in der Entom. Zeit. 1852. n. 8).
Die Abhandlung zerfällt in drei Abschnitte ; der erste beschäftigt
sich mit den Tracheen und dem Fettkörper, und zwar speciell mit der
äussern Haut der Tracheen, welche, nach Blanchard's Behauptung, von
dem Spiralfaden getrennt ist und die Wandung echter Blutkanäle bil-
det. Die Beobachtungen des Verf. weisen auf der einen Seite ebenso
bestimmt die Existenz eines Zwischenraums zwischen dieser schon von
Siebold richtig als Peritonealumhüllung gedeuteten Membran und dem
Spiralfaden nach , als sie andrerseits die Annahme einer Circulation
der Blutflüssigkeit in diesem Zwischenräume widerlegen. Nach F. ist
er von einem geringen Quantum einer farblosen , nicht circulirenden
Flüssigkeit und von einer Menge ovaler Zellen ausgefüllt, die an der
äussern Membran festsitzen und kleine Körnchen in einer durchsichti-
gen Substanz suspendirt enthalten. Diese Zellen lassen sich bei einem
angemessenen Drucke unter dem Mikroskope zerquetschen und ergies-
sen dann ihren Inhalt in den Raum zwischen der Peritonealhülle und
dem Spiralfaden; sie sind, wie es scheint, von Newport und Blanchard
für Blutkügelchen, von Meyer für die Kerne der Primitivzellen der Tra-
cheen gehallen worden, sie sind aber Fettzellen, finden sich im höch-
sten Grade der Entwickelung bei den Insectenlarven und verschwin-
den gegen das Ende des Puppenzustandes. Die äussere Tracheenhaut
selbst ist ein und dasselbe Gebilde mit der zarten Membran, welche in
Archiv f. Naturgesch. XVII. Jahrg. 2, Bd. g
146 Schaum: Bericht über die Leistungen in der Entomologie
den einzelnen Läppchen des Fettkörpers die Fettkugelchen umgiebt. —
Es ereignet sich bisweilen, dass die Zellen, die sich im Peritracheal-
zwischenraume befinden, wahrscheinlich durch ein Bersten der Perito-.
nealhaut in das Blut treten, aber das Gegenlheil, dass das Blut in die-
sen Zwischenraum gelangt , findet nicht statt. Bei Injeclionen, die in
der von Blanchard angegebenen Weise angestellt wurden, ist es dem
Verf. nie geglückt , die injicirte Flüssigkeit in diesen Raum zu trei-
ben; ganz partielle Injectionen einzelner Tracheenstämme rühren, wie
Joly richtig bemerkt hat, davon her, dass die injicirte Flüssigkeit durch
Capillarität von zerrissenen Tracheen aufgesogen wird. — Die äussere
Peritonealhaut begleitet die Tracheen ,nicht bis in ihre feinsten Ver-
zweigungen, sondern verlässt dieselben da, wo sie an Eingeweide
treten , und geht hier auf das Eingeweide selbst über. — Während
des Larvenlebens scheint sich die Respiration fast ganz auf die grossen
Tracheen zu beschränken, die geringe Thätigkeil des Prozesses gestat-
tet die Anhäufung von Fett um die feinsten Aeste derselben und in
geringerer Menge auch in den Peritrachealzellen. Wenn Insecten aus
dem Puppenzustande erwachen , so bewirkt das grosse Quantum der
aufgenommenen Luft eine enorme Erweiterung aller Tracheen. Der
gesteigerten Thätigkeit des Respirationsprozesses entspricht jetzt eine
grössere Wärmeentwickelung ; und da die ausgebildeten Insecten nur
eine geringe Menge von Nahrung zu sich nehmen , so dient haupt-
sächlich der im Larvenzustande aufgehäufte Fetlvorrath als Brennma-
terial. — Tritt der Verf. auch der allgemeinen Annahme bei, dass bei
den Insecten das vas dorsale das einzige Blutgefäss ist, so schreibt er
die Bewegung der Blutflüssigkeit in den Körperhöhlen doch nicht allein
seinen Contractionen, sondern theilweise auch der Muskelthätigkeit zu.
Ferner machte er an der Larve eines Ichneumon die Beobachtung, dass
die Blutflüssigkeit der Körperhöhlen von der in dem Rückengefässe
enthaltenen durch die Anwesenheit grosser Kügelchen , deren Durch-
messer manche Sectionen des Rückengefässes überlriff"! , auf eine be-
merkbare Weise abweicht.
Der zweite Theil der Abhandlung bezieht sich hauptsächlich auf
den Darmkanal des ßombyx mori und wird bei den Lepidopteren näher
analysirt werden.
Der dritte Abschnitt führt den Beweis, dass Guerin's Beobachtung
von der Beweglichkeit der Haematozoiden (s. vor. Jahresber. S. 143.)
auf nichts Anderes als auf die Brown'sche Molecularbewegung hin-
auskommt. Kleine mikroskopische Kügelchen, wie sie Guerin als Hae-
matozoiden beschreibt , finden sich nicht bloss in der Blutflüssigkeit,
sondern auch in den Geweben des Körpers, in grösster Quantität in den
Zellen des Saugmagens der Schmetterlinge, sie sind bald eiförmig und
durchsichtig, bald kuglig und opak, urid werden im Innern der Zellen
durch eine Veränderung ihres Inhaltes, wahrscheinlich durch eine Oxy-
^väh^en(l des Jahres 1850. 147
dation desselben, naclidein er seinem Zwecke gedient hat, und wenn
das Insect dem Tode entgegengeht, gebildet; die Entstehung derselben
steht in direclem Verhallnisse mit der Menge von Luft, welche an die
Gewebe tritt. Mit Wasser in Berührung gebracht, gerathen sie in oscil-
latorische, scheinbar willkührliche Bewegung. Den von Guerin behaup-
teten Zusammenhang ihres Entstehens mit dem Auftreten der Muscar-
dine hat der Verf. nicht durch eigene Beobachtungen feststellen oder
widerlegen können.
Da Blanchard's Behauptung, dass bei den Insecten eine
peritracheale Blutcirculation stattfinde, namentlich durch die
oben erwähnten Untersuchungen von Filippi jetzt als hin-
länglich widerlegt anzusehen ist , so nehme ich in diesen
Bericht ausser einer Abhandlung von Joly (Ann. d. scienc.
natur. t. XII. „sur l'existence supposee d'une circulation pe-
ritracheenne chez les insectes"), die schon 1849 erschienen
ist, auch noch zwei Aufsätze von Agassi z (Proc. of the
Americ. assoc. for the adv. of Scienc. S. 140. übersetzt in
den Annal. d. scienc. nat. XV. S. 358.) und von Bl auch ard
(Ann. d. sc. nat. XV. S. 371 „Nouvelles observations sur la
circulation du sang et la nutrition des insectes"} auf, welche
denselben Gegenstand behandeln, obgleich die Bekanntmachung
derselben in das Jahr 1851 fällt.
Joly tritt der Annahme, dass das Blut zwischen den Tracheen-
häuten circulire , sehr bestimmt entgegen. Bei den von ßl. angestell-
ten Injectionen füllt sich, den Beobachtungen J.'s zufolge, das Lumen
einzelner Tracheen durch Zerreissen der Wände und durch Capillarilät,
nicht der Zwischenraum zwischen den beiden Häuten ; ein solcher
Zwischenraum existirt überhaupt in den feinern Aesten ebensowenig
als die Oeffnungen an den Stigmen , durch welche die Blutflüssigkeit
zwischen die Häute der Tracheen eintreten soll und als die Kanäle, in
denen es zum vas dorsale zurückkehrt.
Agassiz hat ebenfalls die Blanchard'schen Injectionsversuche
wiederholt; er ist der Einzige, der durch dieselben von der Richtigkeit
der Blanchard'schen Behauptung überzeugt worden ist. Er glaubt zwei
Arten von Tracheen unterscheiden zu müssen, Respirationslracheen ohne
Spiralfaden, die mit kleinen blasenartigen Anschwellungen endigen und
Circulationstracheen, einfache Röhren, die sich in zarte Aeste auflösen
und die, seiner Meinung nach, ihren Inhalt direct in das Zellgewebe
der Thiere entleeren. Der Verf. wird wohl nicht in Abrede stellen
wollen, dass das Lumen seiner Circulationstracheen ebenfalls Luft
führt; dass die letztere dann ebenso, wie das Blut, in die Körperhöh-
148 Schaum: Berieht über die Leistungen in der EDtomologie
len des Thieres übertcten muss, wenn die Endaste der Circulationstra-
cheen ihröTi Inhalt direct in diese ergiessen, scheint er nicht bedacht
zu haben, seine Ansicht wird also wohl noch weniger Anklang fin-
den als die von Blanchard.
Blanchard selbst glaubt eine vollständige Bestätigung seiner
Ansicht in den Versuchen zu finden, durch welche Bassi den Uebergang
von verschiedenen dem Futter beigemengten FarbeslofFen in das Tra-
cheensystem der Insecten nachgewiesen hat. (S. Jahresber. 1848. S.S.)
Die Abhandlung von Bassi selbst ist in den Ann. d. scienc. nat. XIII.
S. 362. in einer französischen Uebersetzung nochmals vollständig ab-
gedruckt worden, ßl. hat diese Versuche mit Raupen von Vanessa lo
und mit Engerlingen wiederholt und sich überzeugt, dass bei der Füt-
terung mit Färberöthe die Tracheen sich rötblich , bei der Fütterung
mit Indigo sich blau färben; es rührt dies, seiner Meinunfif nach, davon
her, dass die Farbestoffe ins Blut übergehen und dass das zwischen
den Tracheenhäuten eingeschlossene Blut die Färbung der Tracheen
hervorbringt. Die allbekannte Thatsache , dass bei der Fütterung von
Säugethieren mit Färberöthe die Knochen und nur diese sich roth fär-
ben , hätte den Verf. daran erinnern sollen, dass diese Versuche gar
nichts für seine Ansicht beweisen, dass wenn man hier nicht an eine
Imbibition denken will , die Annahme eijier chemischen Verwandtschaft
der FarbestofFe zu dem Gewebe der Tracheen ganz nahe liegt. — Eine
neue Beobachtung, die Bl. hier miltheilt, ist die, dass das Blut sich in
einem pericardium , welches als eine Art von Sack das vas dorsale
umgiebt, ansammelt und erst aus diesem Sacke durch seitliche OefFnun-
gen in das vas dorsale zurücktritt.
Guer in-Mene ville hat aufs Neue (Compt. rend.
XXX. S. 277. Rev. et Mag. tl. Zool. S. 452.) seine abenteu-
erliche Ansicht entwickelt, dass in dem Blut der an der Mus-
cardine erkrankten Seidenraupen belebte Wesen (corpuscules
animes) — Hämatozoiden vom Verf. benannt — vorkommen,
die sich in Wurzeln der Botrytis bassiana umwandeln sollen.
Auch in der Blutflüssigkeit der Schmetterlinge sollen, nach
G.'s Beobachtungen, gegen das Ende ihres Lebens Rudimente
der Botrytis auftreten. Auf die theoretischen Betrachtungen,
welche der Verf. an diese angeblichen Thatsachen geknüpft
hat , ist hier um so weniger der Ort einzugehen , als Fi-
lippi in seiner ob^n erwähnten Abhandlung bereits nachge-
wiesen hat, dass das Phänomen der Brown'schen Molecular-
bewegung von G. als ein Act freiwilliger Bewegung thieri-
scher Wesen angesehen worden ist.
während des Jahres 1850. 149
Focillon hat in der Pariser Academie eine Abhand-
lung über die Structur und Functionen der Haut bei den
Gllederthieren vorgetragen. (Compt. rend. XXXI. S. 670 Rev.
et Mag. d. Zool. S.601).
Ich finde in derselben keine neuen Beobachtungen von einiger
Bedeutung und unterlasse es daher hier, auf den Inhalt näher ein-
zugehen.
Dujardin hat (Compt. rend. 1850. S. 568. , ausführ-
licher in den Ann. d. scienc. natur. XIV. S. 195.) die Behaup-
tung aufgestellt, dass diejenigen Inseclen, die sich durch
ihre Intelligenz auszeichnen , in ihrem Ganglion supra-oeso-
phageum ein eigentliches Gehirn besitzen, dessen Structur
und Volumen mit der Entwickelung der geistigen Fähigkeiten
im Verhältnisse steht.
Das Ganglion supra-oesophageum enthält bei verschiedenen Hy-
raenopteren, die hier vorzugsweise in Betracht kommen, symmetrische
kurzgestielte Körper (corps pedoncules vom Verf. genannt) von com-
plicirter aber bestimmter Gestalt, die bei der Behandlung mit Alcohol
oder Terpentingeist sichtbar werden ; sie sind von einer pulpigen Cor-
ticalsubstanz umhüllt , welche um so mehr vorherrscht, je mehr die
intellecluellen Fähigkeiten durch den Instinct maskirt. sind. Die Gang-
lien des Thorax und des Abdomen scheinen ganz aus der pulpigen Rin-
densubstanz zu bestehen und die rein instinctiven Acte der Insecten zu
reguliren.
Perris hat in einer langen Abhandlung „Memoire sur
le siege de I'odorat dans les articules" (Ann. d. scienc. nat.
XIV. S. 149— 178) nachzuweisen versucht, dass die Fühlhör-
ner das Geruchsorgan der Insecten sind. Er hat zuerst die
verschiedenen Ansichten, <Jie diesem Sinne einen andern Sitz
anweisen, bekämpft und dann durch eine Anzahl von Beob-
achtungen und Experimenten einen positiven Beweis liefern
wollen. Von einer anatomisch - mikroskopischen Unter-
suchung der Fühlhörner ist er nicht ausgegangen, die Abhand-
lung hat daher auf dem gegenwärtigen Standpunkte der Wis-
senschaft nur einen untergeordneten VTerth , zumal da sie
wenig Neues enthält und dem Verf. die wichtige Schrift
Erichson's „de fabrica et usu antennarum« ganz unbekannt
geblieben ist.
L. Dufour hat sich (ebenda S. 179. „Quelques mots
150 Schaum: Bericht über die Leistungen in der Entomologie
sur l'organe de l'odorat et sur celui de Touie dans les in-
sectes") daliin ausgesprochen, dass Geruch und Gehör in den
Fühlhörnern ihren Sitz haben, hat indessen ebenso wenig als
Perris eine zur Aufnahme von Geruchseindrücken dienende
Fläche oder einen zur Schallleitung geeigneten Apparat in
diesen Organen nachgewiesen; auch enthält der Aufsatz
keine Gründe, die nicht schon zu wiederholten Malen ent-
wickelt sind.
Dujardin's Untersuchungen über die mikroskopische
Structur des Wachses (Compt. rend. XXX. 172. Ann. d. scienc.
nat. XII. S. 250.) haben dem Verf. das Resultat geliefert, dass
das Wachs sich in perpendiculären Fasern an den Bftuch-
schienen der 'Bienen ablagert, und dass das weisse Secret,
mit welchem Dorthesia, Aleyrodes, die Schildläuse und andere
Hemiptera homoptera bedeckt sind , ebenso wie der Puder
auf den Oberflügeln der Notonectiden und Gerriden , und auf
dem Hinterleibe der männlichen Libellen , nur Modificationen,
derselben Substanz sind.
Note sur la pretendue poussiere cryptogamique, que re-
couvre le corps de certains insectes, par Coquerel (Ann.
d. 1. SOG. entom. d. Franc. VIII. S. 13., Rev. et Mag. d. Zool.
S. 139.)
C. widerlegt hier die von Laboulbene und Follin (s. Jah-
resber. f. 1848. S. 113.) aufgestellte Ansicht, dass der Puder, welcher
die Oberfläche der Lixus - Arten , der Buprestis gigantea und einiger
Noctuenpuppen bedeckt, eine cryptogamische Bildung sei. C. hat die-
selbe Substanz noch auf mehreren anderen Bupreslen und auf einigen
Cetonien beobachtet , sie besieht stets aus verfitzten Fäden und Stäb-
chen, die bald wie bei den Bupreslen gerade, bald wie bei den Ceto-
nien gedreht sind, und durch eine dem Anscheine nach harzige Sub-
stanz vereinigt werden. Gegen die ci-yptogamische Natur derselben
sprechen eine Menge Gründe. Sie überzieht regelmässig und im nor-
malen Zustande des Insects die Oberfläche desselben, während crypto-
gamische Bildungen stets pathologische Erscheinungen sind ; sie bildet
auf den Flügeldecken der Cetonien regelmässige Zeichnungen, repro-
ducirt Sich, wenn man sie abwischt, auf dem lebendigen Insecte, aber
nicht auf dem todten ; sie enthält durchaus keine Sporen, indem die von
L. und F. für Sporen gehaltenen Gebilde nur einzelne Fragmente der
Fäden sind; sie zeigt keine Fructificationen und stellt sich auf Exem-
plaren, die seit Jahren in Sammlungen aufbewahrt sind, ebenso dar
während des Jahres 1850. 151
als auf lebenden. Zwei Botaniker, die in diesem Falle als Autorität
gelten können , haben sich ebenfalls gegen die cryptogamische Natur
dieser Gebilde ausgesprochen. Der Verf. hält dieselben für das Pro-
duct einer Secretion (richtiger Exsudation).
Reponse ä la note de M. Coquerel par Laboulbene (Ann. d.
1. soc. entoin. S. 17., Rev. et Mag. d. Zool. S. 141.) — L. sucht hier
mit ziemlich schwachen Gründen seine Ansicht zu vertheidigen, scheint
indessen selbst in derselben wankend geworden zu sein.
Erneuerte von Reutti in Freiburg gemachte Beobach-
tungen haben v. Siebold überzeugt, dass unter den Psy-
ch i den allerdings, seiner früher ausgesprochnen Ansicht
entgegen, die Talaeporia lichenella Zell, einem Generations-
wechsel unterworfen ist, oder vielmehr dass die genannte
Talaeporia eine geschlechtslose Amme ist.
Aus den Raupen dieses Sackträgerr kommen nichts als flügellose
und immer nur wieder flügellose Individuen aus , die ohne Begattung
fruchtbare Eier legen. Offenbar sind diese flügellosen, mit einer Lege-
röhre versehenen Individuen nicht Weibchen, sondern geschlechtslose
Ammen. Wie viele Generationen diese Ammen aufeinander folgen, bis
zuletzt die geschlechtlich getrennte Generation erscheint, ist noch nicht
ermittelt. Die geschlechtliche Form der Tal. lichenella scheint T. Iri-
quelrella F. v. R. zu sein , es ist dies indessen durch genauere Beob-
achtungen noch weiter festzustellen, (v.* Siebold Bericht über die ento-
mol. Arbeiten d. schles. Gesellsch. im J. 1850. , ins Engl, übersetzt
Trans, of the ent. Soc. N. Ser. I. S. 2-34.)
Einzelne Fälle von Missbildungen haben S toll werk
(Verh. d. naturhist. Vereins d. Rheinl. 7. Jahrg. S. 222),
Fliest er (ebenda S. 256.) und Ja cquelin-Duval („Palpe
monstrueux observe sur un Bembidium. Ann. d. 1. soc. ent.
d. Franc, t. VIII. S. 533. Taf. 16. N. III.) zur Sprache ge-
bracht.
Stollwerk erwähnt ein Calosoma sycophanta, bei dem das
rechte Hinterbein (oftenbar in Folge einer Verletzung während des Lar-
venzustandes) fast um die Hälfte verkürzt ist, und eine Oberea oculata,
bei welcher auf dem vierten Gliede des linken Fühlhorns ein über-
zähliges Glied vorhanden ist, während das rechte Fühlhorn nur aus
sechs Gliedern besteht, von denen das vierte noch überdem verkürzt
ist. — P I i e s t e r beobachtete einen Carabus nionilis, dessen linkes Fühl-
horn ein verdicktes viertes Glied zeigte und von da an sich gabiig
theilte. — Der von Jacquelin-Duval beschriebene Fall ist der in-
teressanteste, er gehört in die Klasse der Polynielien, und es ist der
152 Seil a um: Bericht über die Leistungen in der Entomologie
erste Fall einer solchen an einem Taster. An dem linken Taster eines
Bembidium striatum trägt nämlich das erste monströs gebildete Glied
drei Glieder, welche kürzer und dicker sind als im normalen Zustande,
und von denen jedes mit dem kleinen pfriemenförmigen für die Gattung
Bembidium charakteristischen Endgliede versehen ist. Gleichzeitig ist
die äussere Kieferlade insofern monströs , als das letzte Glied lang,
breit und abgeflacht ist und am Ende zwei Spitzen hat. ■— Laboul-
bene hat in einer Nachschrift bemerkt, dass ihm zwölf Fälle von Poly-
melien an Fühlhörnern bekannt seien.
V. Siebold lieferte in der Entom. Zeit. S. 239 einen
dritten Nachtrag zu dem Verzeichnisse der Insecten, in denen
Fadenwürmer beobachtet worden sind. Dasselbe wurde auch
von Fuss (Vers, des siebenbürg. Vereins f. Naturwiss. in
Hermannstadt I. S. 132.) mit zwei Arten, Corizus hyoscyami
und Carabus violaceus vermehrt.
v. Siebold hat jetzt die Lebensgeschichte von sämmtlichen bisher
in Insecten beobachteten Würmern (Mermis albicans, nigrescens , Gor-
dius aquaticus und subbifurcus) durch 'alle Stadien verfolgt. Sie leben
nur im jugendlichen geschlechtslosen Zustande parasitisch in Insecten,
verlassen dieselben, wenn sie ausgewachsen sind, begeben sich in
feuchte Erde, Schlamm oder Wasser und erlangen dann in diesem Me-
dium und erst nach mehreren Monaten ihre Geschlechtsreife, indem sich
aus den während des Schmarotzerlebens angesammelten Fettmassen die
Geschlechtstheile bilden. Die Eier werden von ihnen an Ort und Stelle
abgesetzt, und die jungen Embryonen finden bald ihren Weg in ver-
schiedenen Larven , in denen sie sich dann weiter entwickeln. Die
Wohnlhiere kommen fast immer, nachdem die Gordiaceen ausgewandert
sind, durch die von diesen Parasiten erlittene Beeinträchtigung um.
Cryptogamische Bildungen wurden von Rouge t zu wie-
derholten Malen auf Brachinus crepitans , in einzelnen Fällen
auch auf andern Käfern („Notice sur une production parasite
observee sur le Brachinus crepitans" Annal. d. 1. sog. entom.
d. France. Vlll. S. 21. Taf. 3, n. I. F. 1—7) und von F.
Schmidt in Laybach (Haidinger Bericht t. VI. S. 176.) auf
mehreren Exemplaren der an der Schneegrenze der Krainer
Alpen verkommenden Nebria Stentzii beobachtet.
In den von Schmidt erwähnten Fällen scheint der Pilz, der sich
besonders auf den Flügeldecken gebildet hatte, Cephalosporium acre-
monium Corda gewesen zu sein.
Westwood hat in the Gardener's Magazine ofßotany
•während des Jahres 1850. l53
die auf dem Birnbaum und die von der Rose lebenden In-
secten abgehandelt und durch Abbildungen erläutert.
Mir sind die beiden Aufsätze nur durch eine Anzeige in Guerin's
Revue et ölag. de Zool. 1851 bekannt geworden. Die dem Birnbaum
nachtheib'gen Insecten sind: Zeuzera Aesculi , Psylla pyri, Seiandria
aethiops , Oposlega scitella , Paedisca angustiorana. Als Insecten der
Rose sind Cetonia aurata, Tortrix rosana, Spilonota aquana, Rhodites
Rosae, Aylax Brandlii und Cladius difformis angeführt. Eine Fortsetzung
der Rosen-Insecten , welche ich der Mitlheilung des Verf. verdanke,
und die ich hier gleich mit erwähne, ist 1851 in Gard. Mag. t. III.
S. 273. erschienen, sie enthält Porthesia aurißua, Bnlaninus Brassica^,
Meligethes aeneus, Lyda inanita, Megachile centuncularis und Microselia
cenlifoliella.
Enumeration des insectes qui consomment le tabac par
Guerin-Meneville (Rev. et Mag. d. Zool. S.426. Taf. 8).
Mehrere Coleopteren und Orthopteren werden dem in den Maga-
zinen aufbewahrten Tabak oft sehr nachtheilig; der Verf. erwähnt hier
als solche Ptinus für Linn., Xyletinus serricornis Fabr. , Catorama ta-
baci Guer. (eine neue zu den Ptiniores gehörige Gattung, über welche
unten berichtet wird), Elaphidion irroratum Linn. , Forficesila mari-
tima Serv., Blatla americana Linn, Bl. orienlalis [Ann., BL indicaY&hr.
und Bl. cinerea Gerv.
Voyage en Abyssinie dans les Provinces du Tigre,
du Samen et de l'Ahmara par Ferret et Gal linier Tom.
III. Public par ordre du gouvernement. Es liegt hier der
entomologische Theil von Reiche bearbeitet vor, der Band
trägt zwar die Jahreszahl 1847, ist aber keinesfalls vor 1850,
vielleicht sogar noch später erschienen, da in dem Texte
vielfach auf Schriften, die dem Jahre 1849 angehören, Bezug
genommen wird.
Die entomologische Ausbeule der Reise bestand hauptsächlich
aus Coleopteren (126 A.) ; aus den übrigen Ordnungen sind nur 10 Or-.
thopleren, 16 Hemipteren, 4 Hymenopteren und 9 Lepidopteren gesam-
melt, Weuropteren und Dipteren werden gar nicht erwähnt. Die Be-
arbeitung derselben von Reiche zeugt von gründlicher Sachkennfniss,
so wie davon , dass die Bekanntschaft des Verf. mit der entomolo-
gischen Litteratur sich nicht, wie so häufig bei seinen Landsleuten, auf
einige wenige französische Werke beschränkt. Die neuen und auch
mehrere früher aufgestellte, aber nicht hinreichend genau charakteri-
sirte Arten sind sorgfältig in lateinischer und französischer Sprache,
beschrieben und meistens in dem grossen Folio-Allas abgebildet. Die
154 Schaum: Bericht über die Leistungen in der Entomologie.
Abbildungen sind kenollich und machen auch einen gefälligen Eindruck,
stehen aber noch weit hinter den deutschen und englischen iconogra-
phischen Leistungen zurück. Einen Beleg hierfür liefert der Vergleich
der Abbildungen von Compsocephalus Galinieri Reiche und C. Hors-
fieldianus White auf Tafel 21, der erste von einem französischen Künst-
ler ausgeführt, der zweite aus Weslwood's Arcana copirt. Leider hat
der Verf. unterlassen, der Aufzählung der' Arten eine Charakteristik
der abyssinischen Fauna nach den vorliegenden Materialien vorauszu-
schicken. Das Verzeichniss selbst und die den einzelnen Beschreibungen
beigefugten Bemerkungen über die geographische Verbreitung mancher
Arten bestätigen ganz die der Lefebure'schen Reiseausbeute entnomme-
nen und dem vorigen Jahresberichte einverleibten Resultate. Die über-
wiegende Zahl der Arten scheint Abyssinien eigenthümlich zu sein, sie
tragen alle ein entschieden afrikanisches Gepräge und nur vier der-
selben, eine kleine Golialhenform, eine Melolonthide, ein Rüsselkäfer
aus der Gruppe der Bachyderiden und eine Lycoperdina haben zur Auf-
stellung neuer Gattungen (Compsocephalus, Ätys, ISematocerus und
Danae) Veranlassung gegeben. Daneben erscheinen einige Insecten,
die über den grössten Theil von Africa verbreitet sind, wie Äpate cor-
niita F., A. francisca F., Coccinellcc lunata F. , Anlhoch,aris Jone God.,
Vanessa Meleagris Cram ,, Sphaerocoris ocellatus Klug u. a. m. Eine
verhältnissmässig grosse Zahl machen solche Arten aus , die an der
Ostküste von Africa bis nach Port Natal und selbst bis zum Kap sich
erstrecken, von Käfern : Silpha micans F., Sisyphus Hessii Gor. , Oniti-
ceHus intermedius Reiche, 0. nasicornis Reiche, 0. planatus Gast., 0.
miUtaris Gast., Heleronychits ericeliis Hausm., H. arator Fabr., Diplo-
gnatha silicea Mac Leay, Änoplognatha lactator Fabr., Coccinella flavo-
maculata Deg., C. similis Ihunh. ', von 0 r t h opteren: Phymateus mor-
billosus L. ; von Hemipteren: Callidea rvfilabris Germ., Eurydema
musiva Germ.; von Lepidopteren Saturnia Mimosae Boisd. Kaum
weniger zahlreich sind diejenigen , die sich an der Westküste von
Africa, am Senegal oder in Guinea wiederfinden: Chlaenius colum-
binus Dej., Paederus eximius Reiche, Gymnopleurus azureus Fabr., Co~
lohopterus senegalensis Gast., Schizonychu cervina Dej. R. , Opalrum
arenarium F., 0. subsulcakim Dej. R., Lagria confusa Dej. R., Lixus
dorsalis Dej. R., Cassida quadriremis Schönh., Anthocharis Exole R.,
Acraea neobule Doubl., Charaxus Epijasius R. Mit dem Sennaar und
Nubien hat die abyssinische Fauna Feronia alraia R. und Anthocharis
Eris Kl., mit Algier Lagria viridipennis Fabr. gemein; endlich treten
in derselben , neben den cosmopolitischen Dermesles vulpinus und Apho-
dius lividus, auch einige echt europäische Arten snf ; wie Chrysomela
americana F., Graptodera olerncea F., Coccinella mutabilis, Chilocorus
auritus und Ancyrosoma albolineatum,
Ueber den Character der Insectenfaüna von Südpersien
während des Jahres 1850. 155
haben K oll ar und Redten b acher im 1. Bande der Denk-
schriften der mathematisch-naturwissenschaftlichen Klasse der
k. Academie, Wien 1850, eine Abhandlung veröffentlicht,
welche eine grosse Uebereinstimmung der entomologisrhen
Productionen dieses Landstrichs mit denen von Syrien und
den Küstenländern des Mittelmeers nachweist.
Die südpersische Provinz Farsistan, in welcher Kotschy während
der ersten Hälfte des Jahres 1842 sammelte, ist ein über 4000' hohes
Gebirgsplateau, mit einzelnen bis zu 10,000' sich erhebenden Alpen-
kuppen, in dem der Winter vom December bis März anzuhalten pflegt,
zwar nicht von Frösten begleitet ist, aber öfters mit Schneegestöber
auftritt. Die Thierwelt ist daher in den Gebirgsthälern von Schiraz,
Gere und Persepolis, obgleich sie unter demselben Breitengrade wie
Cairo gelegen sind, von der des nördlichen Arabiens und Aegyptens
sehr verschieden, stimmt dagegen in auffallender Weise mit der syri-
schen und südeuropäischen überein. Von 208 lusectenarten (160 Co-
leopteren und 48 Lepidopteren) waren 157 bereits aus diesen Ländern
bekannt; die übrigen 51 zwar neu und Südpersien eigenthümlich, aber
sämmtlich Formen , wie sie in der mediterranischen Fauna zu Hause
sind; die Diagnosen derselben sind hier mitgetheilt, die der (33) Käfer
von Redtenbacher, die der (18) Schmetterlinge .von K oll ar ; unter
den erstem sind drei neue Gattungen Condylops und Anlhodromius aus
der Familie der Melyriden und Osfhranteria aus der der Cerarabycinen
aufgestellt.
Einen Beilrag zur Insectenfauna von Goitland hat Bo-
h e m a n Kon. Vet. Akad. Handl. 1849. S. 195 — 2'67. ge-
liefert.
Der Verf. hat eine grössere Anzahl Coleoptera, Orthoptera und
Hemiptera namhaft gemacht , die er selbst in Gotlland gesammelt hat.
Die hier zuerst in die schwedische Fauna eingeführten Arten sind mit
Diagnosen versehen, die für die Wissenschaft neuen ausführlich be-
schrieben, die letztern werde ich bei den einzelnen Familien erwähnen.
Lettre de M. E. Perroud sur une excursion dans les
grandes Landes (Mem. d. l'Acad. .de Lyon t. II. S. 433).
Es sind hier die Insecten der verschiedenen Ordnungen aufge-
zählt, welche F. während einner achttägigen Excursion im Dept. des
Landes sammelte, und in vielen Fällen Bemerkungen über ihr Vorkom-
men und ihre Lebensart beigefügt. Unter den Käfern und Zweiflüglern
befanden sich mehrere neue Arten, unter den letztem sogar eine neue
zu den Dolichopoden gehörige Gattung Afhrozela, welche hier be-
schrieben sind.
156 Schaum: Bericht über die Leistungen in der Entomologie
Vier von Kiesenwetter in der entomologischen Zei-
tung veröffentlichte Reisebriefe 1850 S. 315. u. S. 383. und
Jahrg. 1851. S. 151. S. 170. und S. 229. schildern in anzie-
hender Weise die entomologische Physiognomie einzelner
Localiiäten im südwestlichen Frankreich, in den Ost-Pyrenäen
und in Catalonien.
Hymenoptera.
Lacaze-D uthiers hat in den Ann. d. scienc. natur.
XII. 8,353—374. Taf. 12. und XIV. S. 17—48. genaue und
ausgedehnte Untersuchungen über den hornigen Apparat,
welcher bei den Hymenopteren die weibliche Geschlechts-
öffnung umgiebt und von dem After trennt , angestellt und
die Ansicht im Einzelnen durchgeführt und durch Abbildun-
gen erläutert, dass dieser Apparat, mag er in den einzelnen
Familien auch die verschiedensten Formen , bei den Wespen
die eines Stachels, bei den Ichneumonen die einer Röhre, bei
den Blatlwespen die einer Säge, bei den Siriciden die eines
Bohrers u. s. w., annehmen, doch in allen Fällen nach einem
gemeinsamen Grundtypus gebildet ist. Es ist diese Ansicht
übrigens nichts weniger als neu und nicht bloss von West-
wood, wie der Verf. glaubt , sondern namentlich von Hartig
in seinen Aderflüglern Deutschlands entwickelt worden. Was
die Function des Apparates betrifft, so hält es der Verf. für
unmöglich, dass er in irgend einer Weise bei dem Legen
der Eier betheiligt sein könnte, er dient, seiner Meinung nach,
nur dazu, um eine Wunde beizubringen und eine giftige Flüs-
sigkeit zu ergiessen. ünkenntniss ermittelter Thatsachen ver-
räth hier der Verf. , wenn er es völlig unerklärlich findet,
wie die Eier von Cynips den viel dünneren Durchmesser der
Legeröhren sollen passiren können, während doch Hartig be-
reits im J. 1839 den Mechanismus des Eierlegens gerade in
diesemFalleauf das Befriedigendste erklärt hat.
Drei Decaden neuer Hymenopteren sind von Förster
(Verh. d. naturhist. Vereins d. Rheinl. 7. Jahrg. S. 277. 485
u. 501.) bekannt gemacht worden.
Beschreibungen einiger neuer zur Ab'heilung der Acu*
während des Jahres 1850. 157
leata gehörigen Hymenopteren aus Epirus wurden von S. S.
Saunders (Trans, of the Entom. Soc. N. Ser. I. S. 69.) ver-
öffentlicht.
V. Siebold hat (N. Preuss. Prov. BI. X. S. 212.) eine
Fortsetzung seines Verzeichnisses der preussischen Hymeno-
pteren geliefert, in welcher die von ihm beobachteten Amei-
sen, Bienen und Wespen namhaft gemacht sind.
Ein Verzeichniss der bei Herrstein im Fürsten thum
Birkenfeld aufgefundenen Mordwespen (Sphex in sensu Lin-
naeano) hat Tischbein in der Ent. Zeit. S. 5. mitgetheilt.
Es enthält 92 Arten , darunter zwei neue : Pompilus incisus und
Crabro (Crossocerus) Tischbeinii Dahlb. , von denen indessen nur die
erstere ckarakterisirt ist.
Apiariae* Zwei neue abyssinische Arten dieser Familie, Me~
gachile denticulata und Xylocopa frontalis sind von Reiche
und Fairmaire (Ferr, et Galin. Voy.) bekannt gemacht worden.
Drei neue Arten von Hylaeus: H, rubicola , versicolor und
gibbus aus Albanien wurden von S. S. Saunders (Trans, of the
ent. Soc. S. 58.) beschrieben , die beiden ersten nisten in trockenen
Brombeerstöcken, die zweite, Taf. 8. Fig. 4. abgebildete, weicht nur in
der Färbung von der ersteren ab, und S. ist selbst geneigt, diese Ver-
schiedenheit der gleichzeitigen Anwesenheit parasitischer Strepsipteren
zuzuschreiben, die dritte wurde aus Larven erzogen, welche eine
grosse Eichengalle bewohnten. Die Beobachtungen des Verf. spre-
chen gegen die Annahme , dass die Hylaeen sich parasitisch in den
Nestern anderer Bienen entwickeln, sie nisten zwar zuweilen gemein-
schaftlich mit andern in demielben Stamme , richten sich auch gern
fremde, von ihren ursprünglichen Bewohnern verlassene Wohnungen
ein , die Larven finden sich aber oft gesellschaftlich in Zellen und
Gallerien , die ganz ihrer Grösse angepasst und daher wohl auch von
den Hylaeen selbst erbairt worden sind.
„Eucerae rossicae in dislrictu Romen gubernii poltavici captae,
descriptae et icone illustratae auclore J. Bär.« (Bull. d. Mose. N. IL
S. 530. Taf. 18.). — Es werden hier Eucera longicornis Fabr. und 15
als neu aufgestellte , meist jedoch nur in einem Geschlechte bekannte
Arten besctirieben und abgebildet, die ich jedoch weder aus den etwas
rohen Abbildungen noch aus den nur die Färbung hervorhebenden und
das Flögelgeäder ganz vernachlässigenden Beschreibungen mit Sicher-
heit zu erkennen vermag.
F. Smith hat weitere Beobachtungen über die Oeconomie der
Gattung Haliclus mitgetheilt (Newm. Zool. S. 2673.). Die Männchen
158 Schaum: Bericht über die Leistungen in der Entomologie
zeigen sich nie vor dem Herbst, und die befruchteten Weibchen schei-
nen zu überwintern, im Frühjahre findet man nämlich nur Weibchen,
welche die Gänge bauen und die Nester verproviantiren. Dasselbe
Verhältniss scheint bei Spliecodes obzuwalten.
Vespariae. Schilling gab in dem Berichte d. schles. Ge-
sellsch. f. 1850. eine Aufzählung der in Schlesien beobachteten Arten
von Vespa. Neu ist nur eine Art , V. biloba, die der Verf. nicht ge-
nauer charakterisirt hat.
Eine neue zur Gruppe der Eumeniden gehörige Gattung Raphi-
glossa wurde von S. S. Saun(iers durch folgende Charaktere be-
gründet: Caput ihoracis fere latiludine, oculi emarginali, mandibulae
obtusae apice transverse serratae, labium longissimum, inter coxas acu-
forme retrorsum cum maxillis vix brevioribus productum. Alae anticae
cellulis cubitalibus quatuor, quarum secunda et tertia singulatim venam
recurrenlem accipiunt, prima magna, basi ampliori, secunda parva sub-
triangulari , lateribus antice valde approximatis, venam recurrentem re-
cipiente, tertia subquadrata, externe latiori, secundam recurrentem ac-
cipienti, apicali clausa. B. eumenoides und o dynero ides sind
zwei neue in Albanien aus trocknen Brombeerzweigen erzogene Ar-
ten, deren erste in allen Ständen beschrieben ist. Die Puppe hat die
Eigenthümlichkeit , die Spitze des Abdomens wie ein Rad am Grunde
der Zellen herumdrehen zu können.
Die Gattung Faragia Shuck. wurde von F. Smith (Trans, of
the ent. Soc. N. Ser. I. S. 41. Taf. 5.) mit zwei neuen neuholländischen
Arten P, tricolor und odyneroides bereichert. Der Verf. ist nicht
geneigt, Shuckard's Vermuthung, dass die Gattung zu den gesellschaft-
lich lebenden Wespen gehöre,^ zu theilen , da die beiden Geschlechter
der P. tricolor nicht die bei den geselligen Arten gewöhnliche Ver-
schiedenheit zeigen ; sie scheint ihm vielmehr mit Abispa Shuck. in
nächster Verwandtschaft zu stehen. P. odyneroides hat ganz das Aus-
sehen eines Odynerus.
Reiche und Fairmaire gaben (Ferr. et Galin. Voy.) Abbil-
dungen der Synagris calida Fabr., des männlichen Kopfes von Syn.
abyssinica Guer. und des Hinterleibes von Syn. mirabilis Guer. , die
beiden letztern zur Ergänzung der von Guerin in Lefebure's Reisewerke
gelieferten Beschreibungen.
Formicariae* Die Kenntniss der schwer zu unterscheiden-
den einheimischen Ameisen ist durch eine trelfliche Abhandlung von
Förster „Hyiiienopterologischo Studien, I. Heft Formicariae. Aachen
1850," welche sehr genaue Beschreibungen der in der Rheinprovinz
vorkommenden Arten enthält, in hohem Grade gefördert worden. Die
Gattungen sind in folgender Weise unterschieden: I. Das erste Seg-
ment (der Stiel) des Hinterleibes mit einer Schuppe oder einem Kno-
während des Jahres 1850. 159
ten. a. Der Hinterleib zwischen dem zweiten und dritten Segment
eingeschnürt: Ponera Latr. aa. Der Hinterleib nicht eingeschnürt, b.
Die Fühler ein wenig über dem Mundrande befestigt: Polyergus Latr.
bb. Die Fühler etwas höher im Gesicht und über dem clypeus einge-
fügt, c. Die Schuppe linsenförmig, aufrecht: Formica Linn. cc. Die
Schuppe niedergedrückt flach: Tapinoma n. gen. — II. Das erste
Segment des Hinterleibes mit zwei Knoten, d. Die Maxillartaster deut-
lich kürzer als die Maxillen, das metanolum ohne Dornen: Atta Fabr.
dd. Die Maxillartaster so lang oder länger als die Maxillen, das me-
tanotum fast immer mit Dornen: Myrmica Latr. — Von diesen Gattungen
sind Polyergus und Atta noch nicht in der Rheinprovinz vertreten. Von
Formica sind 20 Arten aufgefunden worden, welche nach der Farbe
drei Gruppen bilden. 1. Flügel ohne Discoidalzelle. F. herculeana L.,
ligiiiperda Latr. — 2, Flügel mit Discoidalzelle. A. Rothgefärbte Ar-
ten , die rothe Farbe jedoch nur am Mittelleib der Arbeiter vorherr-
schend , diese haben stets Kebenaugen. F. rufa Linn,, p oly ctena n.
sp. , congerens Wyl. , sanguinea Luir. , von der nur erst die Arbeiter
beobachtet wurden; truncicola ^y], , exsecta Nyl. , cunicularia Latr.
stenoplera n. sp. (das Alännchen ist noch unbekannt), ß. Schwarz-
gefärbte Arten, die vorherrschende Farbe ist schwarz, braun oder pech-
braun, die Arbeiter haben keine oder sehr kleine Nebenaugen. F. fu~
liginosa Latr. , picea Nyl. (nur die Arbeiter sind beobachtet) , glebaria
Nyl., fusca Linn., timida n. sp. und aliena n. sp. (die erstere nur
als Arbeitsameise und Weibchen , die zweite als Arbeiter und Männ-
chen bekannt). C. Gelbgefärbte Arten: F. flava Fabr., umbrata Kyl.
(der Arbeiter ist noch unbekannt), mixla INyl. (als Arbeiter und Weib-
chen beobachtet), bicornis n. sp, (nur als Weibchen beschrieb n).
— T apinoma: palpi max. sexarticulati , lab. qradriarticulali , dimi-
dia longitudine priorum breviores ; antennae filiformes, infra mediam fa-
ciem insertae; clypeus mediae magnitudinis, apice medio profunde ex-
dso, squama abdominis segmenti primi oblonga, subrectangularis, de-
pressa, foveola basali segmenti secundi recepta vix conspicua. T. col^
lina n. A,, von der Arbeiter und Weibchen vorgekommen sind. Po-
nera Latr. enthält nur P. contracla Latr. Myrmica Latr., M. impura,
modesta, laeviuscula , bidens n. A., die drei ersten nur als Ar-
beiter, die vierte auch als Weibchen beobachtet; debilis und Ny-
landeri n. A., von denen erst die Männchen bekannt sind; nitidula
rtyl. (nur die Arbeiter sind vorgekommen), fuscula Nyl., graminicola
Latr., muscorum Nyl., acervoriwi Fabr., Minkii und c lan de stin a
n. A., nur erst als Arbeiter beschrieben, ^aet^modis Nyl,, ruginodis ^yh,
scabrinodis Nyl., lobicornis Nyl.
Eine Anzahl neuer Arten aus Algier stellte derselbe (Verh. d.
naturhist. Vereins d. Rheinl. VII. S. 48&.) auf: Myrmica rufi iarsist
löO Schaum: Bericht über die Leistungen in der Entomologie
ainanrocyclia, rhynchophora , rufo-testacea, Formica m e-
g aloc ola , hemispila.
Derselbe beschrieb (ebenda S. 41)3.) Cataglyphis Fair-
mai reiy neue Gattung und Art nach einem einzelnen männlichen Ex-
emplare aus Algier, welches nach den Einschnürungen an der Spitze
der Hinterleibsringe zu urlheilen, zur Kamile der Ameisen zu gehören
scheint. Gattungs - und Artcharaktere sind vom Verf. nicht auseinan-
der gehalten worden , daher ich die ersteren hier nicht mittheilen kann.
Unterblieben aber überhaupt derartige Bekanntmachungen nicht besser,
bis der Gegenstand vollständiger bekannt geworden ist ?
Mutillariae* Myrniosa nigricepSf n. A. aus Albanien,
wurde von S. S. Saunders (Trans. Ent. Soc. S. 69) beschrieben und
(Taf, 6. Fig. 1.) abgebildet.
Scolietae. S. S. Saunders errichtete (Trans. Ent. Soc.
S. 65.) eine neue Gattung Pseudomeria auf eine ebenfalls neue
(Taf. 5. Fig. 3.) abgebildete Art, P. graeca aus Albanien und stellte
die Unterschiede der mit Meria verwandten Galtungen in folgender
Weise fest: 1. Flügel mit einer kleinen dreieckigen Zelle zwischen
der ersten und zweiten Submarginalzelle: Meria lllig. 2. Flügel ohne
die kleine dreieckige Zelle, a. Flügel zum Flug geschickt, Sporen der
Hinterbeine lang, gekrümmt und stumpf. *. Hinterschienen länglich
dreieckig , letztes Glied der Hinterfüsse kaum kleiner als das vierte :
M a er 0 meria Westw. MSS. (auf Meria Klugii Westw. gegründet).
**. Die Hinterschienen kuglig, das letzte Fussglied sehr klein. Parameria
Guer. b. Flügel nicht zum Fluge geeignet , Sporen der Hinterbeine
massig, gerade und scharf. Pseudomeria.
Splieg-iinae« Die einzige neue Art, mit welcher diese Fami-
lie bereichert wurde, ist Chlorion varipenne Reiche et Fair-
mai re (Ferr. et Galia. Voy.)
Cralironitcs« West wo od erläuterte (Gard. Chron. S. 35.)
die Naturgeschichte von Cemonus unicolor, der in Rosenstöcken, Brom-
beer- und andern Sträuchen seine Zellen baut und Blattläuse als Pro-
viant für seine Larve einträgt.
Clialcidiae« Walker hat wieder eine Anzahl neuer Chal-
cidier aus verschiedenen Gegenden (Ann. nat. bist. V. S. 125.) beschrie-
ben, die alle nur erst in einem Geschlechte bekannt und meist mit Na-
men, wie sie AV. anzuwenden liebt, belegt sind: Caudonia agylla^
neue mit Trigonoderus, Hetroxys und Kotanisus verwandte Gattung aus
England, Encyrtus Staluis ebendaher, Callimome eu rynolus, coe~
ruleus, Pachyneuron Prutii, Pteromahis laiicep s, alle von Förster
in Rheinpreussen entdeckt, Smiera Ampyx, Fidius, Pratinas aus
Westindien, Chalcis Resus, Palmon Idomene von Sierra Leona, Uro-
während des Jahres 1850. 161
lepis Cychreus, Panstenon Pidius, Ericydnus Aemnes tu s aus
Irland.
Förster machte (a. a. 0. S. 505.) mehrere neue Arten von
Spalangia bekannt, nämlich: Sp. homalaspis , rugulosa, hyalo-
ptera, lepto gr amtna, erythro mera, umb ellatarum, spu-
ria, subpunctatUf alle aus der Rheinprovinz.
Aus fortgesetzten Beobachtungen Newport's geht hervor, dass
die im vorj. Berichte S. 212. erwähnten Larven von Monodontovfierus,
welche parasitisch in den Nestern der Anthophera retusa leben, von aussen
an den Larven dieseer Biene zehren (Proc. Linn. Soc. Ann. nat. bist.
VI. S. 396.) ; diese Parasiten werden selbst wieder von einem kleinen
hier zuerst beschriebenen Acarus {Heteropus ventricosus Newp.) heim-
gesucht und zerstört.
Proctotriipii« Neue von Förster (a. a. O.S.284u.S. 501.)
aufgestellte Arten sind: Jsmarus rugulosus, 1. Halidayi und 1.
Ne esii{Belyla anomafö Nees), alle von Aachen, Sclerochroa rufa
aus Südeuropa, Holop edina Polypori , aus einem Polyporus in Aachen
erzogen. Der von F. gebildete Gattungsname Sclerochroa ist be-
stimmt, den Lalreille'schen Scleroderma, welcher bereits bei den Pilzen
vergeben ist, zu ersetzen; H oplop edina ist eine hier zuerst einge-
führte Gattung , die durch Anwesenheit von Nebenaugen und Flügeln
in beiden Geschlechtern von Scleroderma abweicht, und zu der wahr-
scheinlich auch Sei. fuscicornis und fulvicornis Westw. gehören.
Aus einer neuen in Pennsylvanien vorkommenden Art von Aleu-
rodes, A. Corni, hat H a 1 d e m a n zwei neue dieser Familie angehörige Gat-
tungen, Amitus corni und Eretmocerus corni erzogen und in
Silliman's american Journal IX. S. 108. beschrieben. Die erste stimmt
in dem Mangel der Taster und in den gewimperten Flügeln mit den
Mymariden überein, aber die nicht verschmälerten Flügel, welche keine
Spur von Adern zeigen , unterscheiden sie von denselben. Die zweite,
welche vielleicht ein Parasit der vorigen ist, zeichnet sich besonders durch
die Bildung der Fühlhörner aus ; dieselben sind fünfgliedrig, kürzer als
der Körper, der lange Schaft wird gegen die Spitze schmäler, das
zweite Glied ist verkehrt kegelförmig, das dritte und vierte sehr kurz,
das fünfte ruderförmig, gegen die Spitze etwas breiter, und länger als
die andern zusammen.
Braconides. Boie (Ent. Zeit. S. 214.) stellte Perilitus dis^
par als n. A. auf und theilte seine Beobachtungen über die Lebens-
weise von Opius pallipes mit, der in den Larven von Anthomyia rumi-
cis Bouche schmarotzt.
Iclineniiionides. Von der „Tchneumonologie proven^ale ou
Catalogue des Ichneumonides, qui se trouvent aux environs d'Aix par
M. Boyer de Fonscolombe« ist eine neue Fortsetzung in den
Ann. d. 1. soc, enlom. d. Franc, t. VIII. S.361. erschienen; sie behan-
Archiv. f. Naturgesch. XVII. Jahrg. 2. BA L
162 Schaum: Bericht aber die Leistungen in der Entomologie
delt die Gattungen Hoplismenus (2 A.) und Cryplus (41 A.) ; der
letztern gehören folgende neue Arten an: Cr. pubescens , ni-
g e rrimusj co g natus, intricator , soc catus, proximu$, me-
lanopus, filiformis , infimus, Gravenho rs tii , scaber, ti"
bialis, rubricans.
Förster (Verh. des naturhist. Vereins d. Rheinl. VII. S 277 u.
497.) machte als neue Arten bekannt: Metopius bellatorius ^ M.
circumcinctusj M. intermedius aus Südfrankreich, M. me-
lanopsis und M. leiopy gus von Aachen , Tryphon eryt hrozonus
(Bassus rvfiventris Grav.) aus Schlesien, Orthocentrus Winnertzii
von Crefeld, 0. neglectus und 0. intermedius aus Schlesien.
Paniscus areolatus , Glypta bicornis ^ Lissonoia rufes-
cens und L. picta wurden von Boie Ent. Zeit. S. 214. ff. u. S. 359.
aufgestellt. — Derselbe gab (ebenda S. 215.) eine Notiz über das
noch unbeschriebene Weibchen von Glypta monoceros Grav. und theilte
seine Beobachtungen über die Lebensweise von Lissonota cylindrator
Grav. mit.
Nach Desvignes (Trans, of the ent. Soc. N. S. L S. 12.) sind
Macrus longiventris Grav. und Coleocentrus excitalor Grav. Männchen
und Weibchen desselben Insects. D. berichtigt und vervollständigt in
einigen Punkten Gravenhorst's Angaben und bringt für diese Schlupf-
wespe den Gattungsnamen Macro coleus in Vosrchlag.
Auf Förster's ausgezeichnete Monographie der Gattung Pezo^
mac^MS genügt es hier einfach hinzuweisen, da sie in diesem Archive
Jahrg. 1850. S. 49—232. und Jahrg. 1851. S. 26—66. erschienen ist.
Ich hebe aus derselben hier nur hervor, dass dem Verf. etwa ein
Viertheil der Arten im männlichen Geschlechte bekannt sind, und dass
dieses ebenso wenig Flügel besitzt als das weibliche. Die von F. an-
genommenen Gattungen sind: Pterocormus Forst, (l A,), Crem"
no des Forst. (3 A.) , Stibeules Forst. (3 A.) , Agrothereut es
Forst. (2 A.), Aptesis Forst. (9 A.), Theroscopus Forst. (10 A.),
Pezolochus Forst. (1 A.) , Pez,omachus Grav. (201 A., von den letz-
ten 42 sind nur die Männchen, von den ersten 159, mit sehr wenigen
Ausnahmen, nur die Weibchen beschrieben. — Anhangsweise ist noch
die Gattung Cat alytus Forst, behandelt, welche drei bisher zu Pe-
zomachus gezogene , aber in beiden Geschlechtern geflügelte Arten
enthält.
Tentlirediiietae. Förster beschrieb (Verh. d. naturhist.
Ver. d. Rheinl. VU. S. 287.) Tenthredo pictipes als n. A. von Aachen,
mit folgender Diagnose: sordide viridi-lutea, subtus flavescens, supra
nigra, femoribus tibiisque nigro-lineatis , tarsis nigro-pictis, alis hyali-
nis, stigmate pallido ; $. ^yl" lang, der T. intermedia Klug verwandt.
Dahlbom unterschied (Ent. Zeit. S. 409.) Nematns helicinus
während des Jahres 1850. 163
als neue Art von dem nahe verwandten IN. belulinus Dahlb. ; er ist bei
Danzig von 13rischke aus blasenförmigen Gallen der Blätter von Salix
purpurea häufig erzogen worden. Ob N. vesicalor Bremi mit dieser
Art identisch ist, ist noch festzustellen.
Curtis las in der Linnean Society eine Abhandlung „on Ihe
economy of a new species of Saw-fly", von welcher erst ein kurzer
Auszug Ann. nat. bist. VI. S. 393. mitgetheilt ist. Die neue Blattwespe
gehört der Galtung Seiandria an, ist vom Verf. S, Robinsoni be-
nannt und lebt als Larve auf Convallaria multiflora.
Coleoptera.
Ormancey hat (Ann. d. scienc. nat. XII. S. 227) Un-
tersuchungen über den hornigen Ruthenapparat der Coleo-
pteren veröffentlicht , und an einer Anzahl von Fällen nach-
gewiesen 5 dass die verschiedenen Formenverhältnisse des-
selben sehr sichere specifische Charaktere abgeben.
Die Begattungsorgane der Käfer bestehen aus einem Stiel (pe-
doncule) von verschiedener Gestalt, welcher den Muskeln zum Ansatz dient,
aus zwei seitlichen Hornstücken (valves), aus einer hornigen, mit dem
Stiel articulirenden , von einem Kanäle ausgehöhlten Kapsel (armure)
und einem häutigen Penis. Die verschiedenen Familien unterscheiden
sich in der allgemeinen Form des Apparats, welchen der Verf. beispiels-
weise bei den Carabicinen, Hydrocantharen, Lamellicornien und Mela-
somen geschildert hat; die Gestalt der einzelnen Theile ist für jede
Art charakteristisch, und setzt uns oft in den Stand, nahe verwandte
und mit einander vermengte Arten (z. B. Carabus auratus und lotha^
ringus , Geotritpes vernalis und aulumnalis, Etichlora Julii und vilisy
Celonia hirtella und Reyi) scharf zu unterscheiden, oder in anderen
Fällen die Unhaltbarkeit mancher Species (z. B. des Carabus consitus =
monilis var., der Cicindela transversalis = riparia , der Cetonia aenea
ut floreniina = metallica) nachzuweisen. — Eine Tafel mit 60 Abbil-
dungen erläutert die Arbeit des Verf.
Nach dem Beispiele des Vorstandes des britlischen Mu-
seums, welcher seit mehreren Jahren Verzeichnisse über ein-
zelne Theile der Insectensammlung herausgiebt, hat jetzt auch
dieDirection des Jardin des plantes in Paris begonnen, einen
Katalog der in diesem Institute vorhandenen Käfer zu veröf-
fentlichen „Museum d'histoire naturelle de Paris. Catalogue
de la collection entomologique. Classe des insectes. Ordre
des Coleopteres. 1. livr. Paris 1850.« Die Ausarbeitung des-
164 Schaum: Bericht über die Leistungen in der Entomologie
selben ist Blanchard übertragen, welcher mit denLamelli-
cornien den Anfang gemacht und in' dem vorliegenden Hefte
die Gruppen der Cetoniinae, Glaphyrinae und einen Theil
der Melolonthinae behandelt hat.
Von den beschriebenen Arien hat Bl. nur die wichtigern Syno-
nyme in chronologischer Ordnung citirt, von den neuen dagegen, so
wie von einer Anzahl hier zuerst in die Wissenschaft eingeführter
Gattungen, kurze Diagnosen geliefert. Ich glaube, dass mit dem letztem
Verfahren der Sache weniger genutzt wird, als es auf den ersten Blick
scheinen möchte, dass BI. vielmehr besser gethan hätte, die neuen Species
entweder bloss zu erwähnen, oder in einem Anhange ausführlich und ge-
nau zu beschreiben , indem die hier milgetheilten, vorzugsweise die
Färbung hervorhebenden Angaben in vielen Fällen den Zweck, die
Thiere kenntlich zu machen, nicht genügend erfüllen. Ich werde in
dem speciellen Theile dieses Berichts, bei den Scarabaeiden, noch ge-
nauer auf die Art der Ausführung eingehen. — Die Bedeutung des Pa-
riser Museums lässt sich aus dem gegenwärtig vorliegenden Hefte nicht
vollständig beurtheilen; der Reichthum an grossen und schönen Arien
in allgemein beliebten und vielfach bearbeiteten Familien beweist den
wissenschaftlichen Werth einer Sammlung bei weitem nicht in glei-
chem Maasse als die Vollständigkeit und scharfe Unterscheidung der
mehr unscheinbaren einheimischen Formen. — Der Katalog ist übri-
gens so angelegt , dass die Beendigung desselben in der begonnenen
W^eise wohl die Kräfte eines Einzelnen übersteigen möchte.
Von Küster's „die Käfer Europa's« ist das 20ste und
2Iste Heft erschienen.
Es ist hier dankenswerth, dass der Verf. sich einmal entschlossen
hat, die europäischen Arten einer grössern Galtung im Zusammenhange
zu behandeln. Er hat dazu Helops gewählt, eine Gattung , deren Bear-
beitung er auch gewachsen ist , «umal da ihm das reichhaltige Material
mehrerer gutbestimmten Sammlungen mitgetheilt worden war. Es wer-
den von ihm 88 Arten unterschieden, deren Charaktere im 22sten Hefte
auch in einer tabellarischen Uebersicht auseinandergesetzt sind. —
Wicht gut zu heissen ist es dagegen, wenn der Verf. bei andern Ge-
legenheiten neue Gattungen (Cosmiocomus und Psilothrix unter den
Dasytiden) hier einführt, ohne ihre Charaktere zu erörtern, er hat zwar
versprochen, dies nachträglich zu thun , bis jetzt aber nicht Wort ge-
halten. — Das Beschreiben einzelner Arten auf einzelnen Blättern wird
von Heft zu Heft unerspriesslicher.
Enumeratio Coleopterorum circa Heidelbergam indigenarum
adjectis synonymis locisque natalibus auctore F. J. Maehler
Diss. inaug. Heidelb. 1850.
während des Jahres 1850. 165
Es sind hier 2124 bei Heidelberg uud Darrastadt gesammelte
Arten blos namhaft gemacht, wie weit die Bestimmung derselben rich-
tig ist, lässt sich daher nicht beurtheilen. Der Verf. bemerkt zwar, dass
er das Heidelberger iMuseum benutzt habe, in welchem alle Insecten, na-
mentlich alle Käfer von Erichson bestimmt seien; die letztere Angabe
ist aber wahrscheinlich auf die von Erichson bearbeiteten Familien
zu beschränken. Die Mittheilungen über das Vorkommen bestehen
häufig blos in den Worten raro, rarissime, frequenter, frequentissime ;
von Synonymen sind nur wenige längst bekannte angeführt. Der Werth
des Schriftchens wäre ein bedeutend grösserer, wenn der Verf. einen
Vergleich der Heidelberger Käferfauna mit der durch Fischer's Inaugu-
ral-Dissertation bekannt gewordenen Kreiburger angestellt hätte ; in
seiner gegenwärtigen Form ist dasselbe, zumal da es auf Vollständig-
keit in den kleinern Formen keinen Anspruch machen kann , nur von
geringem Interesse.
Ein systematisches Verzeichniss der Käfer Siebenbürgens
ist vonA. Bielz in den Verh. d. Hermannstädter Vereinst.
S. 96. begonnen und im Jahrg. 1851 zu Ende geführt worden.
Es ist in einzelnen Galtungen noch sehr unvollständig , enthält
z. ß. nicht mehr als vier Arten von Homalota , ist aber als erster
grösserer Beitrag zur Kenntniss der siebenbürgischen Fauna nicht ohne
Werth, namentlich da der Verf. nur solche Arten aufgenommen zu
haben scheint, deren richtige Bestimmung ihm hinreichend verbürgt war.
Von Bielz wurde auch ein Beitrag zur Käferfauna
der Walachei in der Verh. des siebenbürg. Ver. zu Hermann-
stadt I. S. 39 mitgetheilt.
Es ist eine Anzahl Arten namhaft gemacht, welche der Ver-
fasser in der Walachei gesammelt hat. Characteristisch für dieses
in entomologiseher Beziehung bisher noch ganz unerforschte Land ist
besonders das zum Theil massenhafte Auftreten vieler Lamellicornien
(z. B. des Lethrus cephalotes, des Onthophagus lucidus, des Ateuchus
sacer) und das Vorkommen mehrerer Heleromerenarten aus den Gat-
tungen ßlaps, Gnaptor und Asida, welche der siebenbürgischen Fauna
abgehen. Lepturen scheinen in den heissen Ebenen der Wallachci gänz-
lich zu fehlen.
A. V. Dom m e r hat in den Neuen Preussischen Provin-
zialblättern (IX. S. 139 und S. 276) einen Nachtrag zu Sie-
bold's Verzeichniss der preussischen Käfer geliefert.
Die Siebold'sche Liste wird hier mit 367 Arten bereichert; die
Zahl der in der Provinz Preusson beobachteten Coleoptcren steigt hier-
durch auf 2135. In einem Anhange sind 53, bereits von Kugelann als
166 Schaum: Bericht über die Leistungen in der Entomologie
preussisch angeführte Arten namhaft gemacht, für deren Vorkommen
nach der Meinung des Verf. keine Beweise aus neuerer Zeit vorlagen.
Es ist ihm dabei entgangen, dass bereits Andersch (N. Pr. Prov. Bl.
1848) 33 der hier genannten wieder aufgefunden hat.
In Aggasiz Werke über den Lake superior hat Leconte
eine Aufzählung der von ihm während eines dreimaligen
Aufenthaltes am Obersee gesammelten Käfer geliefert und die
Mehrzahl der neuen Arten durch kurze Beschreibungen kennt-
lich gemacht.
Leider hat es der Verf. unterlassen, die aus der sehr sorgfältigen
Untersuchung der einzelnen Species für den Character der Fauna und
für die entomologische Geographie sich ergebenden Resultate in einem
allgemeinen Ueberblicke zusammenzufassen. Aus dem Verzeichniss
selbst ist zu ersehen, dass die Umgebungen des Lake superior nicht
wenige Käfer mit dem nördlichen und mittleren Europa gemein haben
(Pterostichus orinonium Curt., Anchomunus quadripunctatus , Cyrtonolus
convexiusculus, Bembidium impressMW, paludosum, Hydroporus cuspidatus,
Silpha lapponica, Brachypterus nrticae, Omosita colon, Platysoma de^
pressum, Xylita buprestoid3s , Upis ceramboides, Phyllodecla vilellinaef
fufipes, Galleruca sagittariae) ; dass die grosse Mehrzahl der Arien von
solchen gebildet wird, welche am Obersee auch in den nördlichen
Staaten der Union vorkommen, dass sich aber auch sehr viele neue
Species vorfinden, die für den hohen Norden Amerika's charakteristisch
sind und eine grosse Analogie mit der lappländischen Fauna zeigen;
die letzteren werden, — soweit sie von Leconte beschrieben sind — bei
den einzelnen Familien namhaft gemacht werden. -^ Wichtig ist das
Verzeichniss auch durch viele synonymische Bemerkungen, welche der
Verf. demselben einverleibt hat, und die sich namentlich auf wenig
bekannte, von Gay, Randall, und andern amerikanischen Entomologen
aufgestellte Arten beziehen.
Der Schluss von Fairmaire's Arbeit über die Käfer
von Polynesien ist Rev. et Mag. de Zool (S. 50—64. S. 115
—122. S. 181—184.) erschienen.
Es sind hier die zu den Latreille'schen Xylophagen, den Longi-
cornen , Chrysomelinen und Coccinellinen gehörigen Arten behandelt.
Durch einige Nachträge steigt die Zahl der aus Polynesien bekannten
Käfer auf l64.
Eine grössere Zahl einzelner Arten aus verschiedenen
Familien ist beschrieben worden; von A u b e („Descriptions
de quelques insectes Coleopteres appartenant ä l'Europe et
ä l'Algerie« Ann. d. 1. sog. entern, d. Franc, t. VIII. S. 299.),
während des Jahres 1850. 167
von Kiesenwetter (Fünfzig- Diagnosen unbeschriebener
oder wenig- bekannter Käfer. Entom. Zeit. S. 217; die voll-
ständigen Beschreibungen derselben sind später in den Annal.
d. 1. SOG, ent. d. Franc. 1851 erschienen) — undvonHampe
(Beschreibung einiger neuen Käfer- Arten. Entom. Zeit. S. 346.)
Cicindeletae. Chaudoir hat im Bull. d. Mose. n. 1. S. 3.
mehrere neue Arten beschrieben und drei neue Gattungen errichtet,
nämlich:
Thaeoxantha, in der Bildung des Kinns von Tetracha abwei-
chend; der äussere Lappen ist schmäler, aussen weniger erweitert, der
Stamm der Lippentaster länger , an der Spitze nicht angeschwollen.
Dahin rechnet dei Verf. die gelben und braunen amerikanischen Arten,
Megacephala limata Perly (nocturna Dej), hifasciaia Brülle (aequi
noctialis Dej.), cruciata Brülle, nigricollis Reiche (succincta Er.), testu-
dinea Klug und Klugii eine grosse neue Art aus Colurabien. (Die
hier genannten Arten bieten auch in der Bildung der Mandibeln einige
Abweichungen, theils von den übrigen Megacephalen, theils wieder
unter sich dar, es scheint mir aber nicht statthaft, auf solche Kenn-
zeichen mehr als Unterabiheilungen zu errichten).
Aenictomorpha, auf Cicindela analis Fabr. und eine neue Art
A. variipes, die angeblich aus Nordindien stammt, mir aber nicht von
C. posticalis White von Hongkong abzuweichen scheint, gegründet,
unterscheidet sich von Euryoda durch die oben nicht gefurchteten Füsse
des Weibchens , das zarte nicht angeschwollene zweite Glied der Lip-
pentasler u. s. w. und nähert sich in der Gestalt mehr an Odontocheila.
Cratohaerea, zur Zeit auf Cig. Brunetii Gory beschränkt, die
einige Eigenthümlichkeiten in der Form der Mundlheile darbietet.
Den früher in Vorschlag gebrachten Gattungsnamen Eulampra
ändert der Verf., weil er bereits vergeben ist, hier in Prepusa um.
Die neuen Arten sind: Tetracha insignis von Fara, Mellyi
von ßahia, Sommeri aus Columbien (eine von den zahlreichen Ab-
änderungen der Meg. Carolina), Euryoda ery throcnema \om Senegal
(von Laferte und Guerin als Varietät von C. concinna betrachtet),
Ctenosloma albofasciatum aus Brasilien, Tricondtjla Mellyi vom
Himalaya, Collyris sap hyrina und ma culicornis von Siralah.
Caraliici* Zwei sehr wichtige Beiträge zur Kenntniss dieser
Familie hat Chaudoir im Bull. d. Mose, veröffentlicht. Der erste
„Memoire sur la famille des Carabiques" IN. l. S. 3 — 85 und N. IL
S. 349 — 456 enthält die Beschreibungen einer grossen Anzahl neuer
Arten und neuer oder ungenügend charakterisirter Gattungen , Unter-
suchungen über die systematische Stellung einzelner Formen und viele
synonymische Bemerkungen. In einigen Gattungen, z. B. Calleida, Cop-
todera, Omophron u. Ä hat der Verf. mit den Beschreibungen von
168 Schaum: Bericht über die Leistungen in der Entomologie
einzelnen neuen Arten eine Aufzählung von allen bereits bekannten
verbunden , was um so dankenswerther ist , als es von Tag zu Tag
schwieriger wird, den ganzen Inhalt der artenreicheren Carabicinen-
Gattungen zu übersehen. — Je weniger gegen den innern Werth die-
ser Abhandlung zu erinnern ist, um so mehr ist es zu bedauern , dass
der Verf., der bei seiner gründlichen Kenntniss der Carabicinen mehr
als irgend ein Anderer berufen ist, etwas Vollständiges, sei es über
die ganze Familie, sei es über einzelne Gruppen derselben zu liefern,
auch hier wieder nur mit einem Bruchstück hervorgetreten ist und die
schon fast unübersehbare Zahl einzelner Beschreibungen noch um ein
Ansehnliches vermehrt hat Als neue Gattungen sind hier vom Verf.
aufgestellt
in der Gruppe der Anthien: Baeoglossa, auf A. villosa Thunb.
und melanaria Boh. gegründet, besonders durch verkümmerte Zunge,
die nur drei kleine, kaum die Basis des ersten Lippent{istergliedes er-
reichende Zähnchen erkennen lässl, charakterisirt ; Cy cloloba, aus
A. septemguttala Fabr. (sexnotata Dej.), truncatipennis Boh. und pilosa
Boh. gebildet, hauptsächlich nur im Habitus und durch einige relative
Unterschiede in den Mundtheilen von Anthia abweichend; Cypholoba,
mit deutlichem Halse und abgestutzten ziemlich kurzen Kinnlappen, welche
an der untern Fläche einen Höcker tragen , enthält nur A. aheolala
de Breme, bei welcher der Verf. mit Unrecht A. Banzani Bertoloni
fraglich citirt; Polyrhima, ebenfalls mit einem deutlichen Halse, der
hier schmäler als der Kopf ist, bietet einige kleine Abweichungen in
der Gestalt der Zunge, der Kinnlappen und des zweiten Gliedes der
Lippentaster dar und umfasst: A. macilenta 0\., gracilis De]., graphipte-
roides Guer., intermedia Boh., Ferreti Reiche, telrastigma Chaud., leu~
cospilota Berlol., Caillaudi Gory, polioloma Chaud.; Microlestia^ von
Polyrhima nur durch einige relative Abweichungen in der Gestalt
der Mundtheile unterschieden, enthält: A. «afticüa Fabr., oa^i/^fona Chaud.
{atratal Boh.), rugosopunctata Thunb. und M. spinipennis n. A.
vom Cap ; Netro dera, auf A. formicaria Er. errichtet, ist besonders
durch die Bildung des sehr zusammengedrückten Kopfes, der an Xan-
tholinus erinnert, ausgezeichnet, bietet ausserdem auch einige kleine Un-
terschiede in der Gestalt der einzelnen Mundtheile dar. — (Ich vermag
in diesen vermeintlichen Galtungen nur habituelle Unterabtheilungen
des einen sehr natürlichen Genus Anthia zu erkennen, und kann mich
nicht damit einverstanden erklären, dass man dieselben mit besonderen
Namen belegt und auf diese Weise zu Gattungen stempelt. Wird auch
durch die Errichtung derselben unsere Kenntniss vom äussern Bau der
Arten etwas gefördert, so kann doch dieser Gewinn den Nachlheil, welcher
der Wissenschaft und dem Studium durch Auflösung gut begründeter Gat-
tungen und durch die unendliche Vervielfältigung der Namen erwächst,
kaum aufwiegen. Wie nur Arten , nicht Abänderungen benannt wer-
während des Jahres 1850. 169
den, weil an den Namen* sich die Vorstellung constanter Charactere
knüpfen soll , so sollten auch nur solche Gruppen, die sich in schar-
fer Weise begründen und umgrenzen lassen, zu Gattungen erhoben
Averden. Verfällt man in die Praxis , aus jeder Gruppe von Arten, die
im Habitus oder in der Form einzelner Theile kleine Abweichungen
darbieten, ein Genus zu bilden, so liegt auch die Verirrung nahe,
die Arten ohne Grund zu vervielfältigen , und wie ich gegenwärtig
gegen die generische Bedeutung der vom Verf. erwähnten Charaktere
Bedenken erhebe,, so ist in frühern Jahren Erichson öfters genöthigt
gewesen, den specifischen Werth der vom Verf. zur Unterscheidung
von Alten benutzten Kennzeichen in Frage zu stellen.)
In der Gruppe der Brachinini:
Saro throcrepis, mit Lebia corticalis Fabr., Dej. gebildet,
von Lebia durch sehr vorgestreckte vorn gerundete Oberlippe, an der
Spitze gerundete Zunge, grössere Länge der Nebenzungen und durch
einige kleine Abweichungen in der Bildung der Füsse unterschieden.
Ctenoncus , zur Aufnahme von DoZicAws 6ac/ms Wicd., cfl^erlll.
und rvßpes Dej. und von zwei n. A., Ct. atratus und rotundicollis,
welche sämmtlich am Cap einheimisch sind, bestimmt, weicht von Gy-
mindis im Habitus und besonders in der Bildung des vierten Fussglic-
des ab, welches ausgerandet ist, ohne herzförmig zu sein.
M et axy m orphti s , Dromius frenatus Dej. und eine neue, ca-
pensische Art, M.Goryi, enthaltend, steht Ctenoncus nahe, und wird
fast nur durch die etwas mehr abgestutzte Zunge und längere Neben-
zungen charakterisirt.
Diaphoroncus , ebenfalls mit Ctenoncus verwandt, unterschei-
det sich durch die Bildung der Zunge und die einfachen Klauen , um-
fasst Doliohus rufus Gory und zwei n. A. D. ferrugineus von Sierra
Leona und D. cyclogonus vom Cap.
In der Gruppe der Anchomeniden:
D icranoncus, zwischen Dyscolus und Anchomenus mitten inne-
stehend, mit an der Spitze gespaltenen Klauen, gerundeter, vorn aus-
gerandeter Zunge, vorn getrennten Nebenzungen u. s. w. ; D. fe m o-
ralis n. A. sus >'ordindien.
In einer kleinen noch unbenannten Gruppe, welche von Ancho-
noderus Reiche, Lachnophorus Dej., Chalybe Cap., Ega Gol. und La-
siocera Dej. gebildet wird:
C allisto ehr ous , nu^ Tetragonoderus Baxii Gory errichtet, von
Anchonoderus hauptsächlich durch die vorn in ein Dreieck sich ver-
längernde Zunge unterschieden.
DiploharpuSy in der Gestalt an Stenognathus melanarius Dej.
erinnernd, besonders durch die Bildung der äussern Maxillarlade, welche
erst nahe der Spitze gegliedert ist, ausgezeichnet. D. laevis siinus,
n. A. aus Brasilien.
170 Schaum: Bericht über die Leistungen in der Entomologie
In der Gruppe der Chlaeniini:
Diaphoropsophus, zur Zeit auf eine neue Art, D. Mellii
aus Nordindien beschränkt; weicht von Chlaenius und Rhysotrachelus
Boh. durch einfachen sehr gerundeten Kinnzahn ab.
E ccoptomenus, auf Chlaenius eximiusDej. gegründet und wahr-
scheinlich auch Chi. Ernesti Gory enlhaltend, mit ausgerandetera Kopf-
schilde, stumpfen Mandibeln, einfachem, schmalen und sehr scharfen
Kinnzahn.
In der Gruppe der Licinini:
P hysolaesthus, mit Badister sehr nahe verwandt, das letzte
Glied der Lippenlaster stark angeschwollen , in eine scharfe Ecke
endigend und an der Aussenseile mit einer tiefen Längsfurche ver-
sehen, das Kinn mit einem einfachen Zahne u. s. w. P. au stralis
n. A. vom Schwanenflusse.
Euschizomerus , Panagaeus sehr nahe stehend, aber in der
Fussbildung abweichend, enthält E. Buquetii n. A. von Guinea,
welche von Panagaeus denlicollis Koll. wenigstens speci fisch verschie-
den zu sein scheint. DieFüsse sind mit dichten Haaren besetzt, welche
unten eine Bürste bilden, das erste Glied lang, die beiden folgenden
kürzer, schwach herzförmig u. s. w. ;
In der Gruppe der Fterostichini, wohin der Verf. Orlho-
gonius Dej. rechnet:
Haplop isthius , aus Orthogonius Hopei Gray (malabariensis
Gory) und einer neuen Art, A?. Mellyi aus Nordindien gebildet, weicht
von Orthogonius durch einfache Klauen der Hinterfüsse ab ;
In der Gruppe der Siagonides:
Holoscelis: menlum denle bicuspi; ligula crassa, subtus Cor-
nea carinala, supra mcmbranea, apice truncala , paraglossae anguslae,
apice angulatim inflexae ; membraneae, apice liberae; palpi lab. art.
ull. late securiformi ; tibiae anticae intus oblique canaliculatae; antennae
art. 4. prirais glabris, 1° longo, clavalo, secundo sequentibus breviore.
Hierher : S. laevigata Fabr., Dejw (herculeana Lap.) aus Ostindien, und
S. Goryi Lap. vom Senegal ;
In der Gruppe der Harpalini:
Le canomerusi ligula apice truncata , bisetosa , paraglossis
amplis, membraneis, ligulae aequalibus, rolundalis; maxillae cum palpis
mandibulis labroque Stenolophi, menlum deute simplici, aculo, lobis
dilatalis, aculis; tarsi maris anteriores art. quatuor subtus spongiosis, ut
in Anisodactyloetc. L. in s idio sus,n. \. von Melbourne in Neuholland.
M achozetus , mit Harpactes Menetr. identisch, wird hier
ausführlich geschildert nnd zu den Acinopen gestellt; der Name Har-
pactes ist als bereits vergeben abgeändert worden , indem dem Verf.
die von Menelries selbst vorgenommene Aenderung in Dioctes ent-
gangen ist.
während des Jahres 1850. 171
Vervollständigt hat der Verf. die Charakteristik der Gattungen: Ste-
nidia, Graphiplerus, Trichis,Apristiis^ Glyphodachjla, Pristony chus, CalathuSy
Callistus, Lasiocera, Glyptus, Enceladus, Siugona und Cyclosomus und als
neue Arten beschrieben : ^pioderrt annwiip es, incerta aus Brasilien,
Cäsnonia fu scipennis aus China, Stenidia corrusca und blanda
(beide bereits von Laferte unter denselben Namen bekannt gemacht s. vor.
Jahrb. S. 162), Drypta pallipes, virgata aus Ostindien, Dendrocellus
Bocandei (== Drypta Boc. Laf.) vom Senegal, Omphra brevis
aus Kordindien, Hellomorpha macroptera aus Brasilien, Cymindis
Guerinii von den Neelgheries, C. Boysii aus Nordindien, Calleida
rhodoptera, viridula aus Brasilien, rutilans aus Columbien,
analis von Guinea, Ayra spinip ennis, foveo lata, aurovittata
aus Brasilien, Apristus aeneomicans aus Nordindien, Lionychus ho~
lo Serie eu s ebendaher, Lebia zonata, olivacea aus Brasilien,
Boysii aus Nordindien, ma da g as c ariensis von Madagascar, cu-
prip ennis aus Chili, Pheropsophus st eno der us , am oenus,
linei frons aus Ostindien, lissoderus von Thibet, Brachinus chi-
nensis von Hongkong', ni gri c an s ausBras'iWen, Mastax Parey ssii
von Assuan in Oberegypten, Catascopus rugiceps aus Guinea, Copto-
dera /"igfwra fa ebendaher, lute opicta aus Brasilien, Euleptus oo de-
rus von Simlah, Glyphodactyla madag ascar ien sis , Dyscolus pal-
lidipesYon Mexico, aequinoctiali s aus Columbien, Fischtri
aus Isle de Bourbon, nitidipennis aus Columbien, rufitar sis aus
Sumatra, cyanonotus aus Columbien, cy anellus, aereipenn is
aus Brasilien, acutip ennis, breticollis aus Columbien, Anchono-
derus undatus aus Cayenne, unicol or aus Columbien, Lachnophorus
maculatus, notatus, signatipennis aus Columbien, Lasiocera
Orient alis aus Nordindien, Ega aequo tor i a von Santa Kt- de Bo-
gota, Epicosmus tetr asti gm ayom Senegal, australasiae aus Neu •
hoUand, Calosoma auro cinctum (splendidum Perbosc) aus Mexico,
CO gnatum vom grünen Vorgebirge, severum aus Kleinasien, Nebria
xanthacra von Simlah, pacifica von Otaheiti, Omophron macu-
losus aus Hindostan , madag ascariensis, Notiophilus orientalis
von Simlah, Drimostoma puücti frons vom Senegal, Orthogonius Bu~
quetii von Guinea, Augasmus Beskii, iridescens aus Brasilien,
Pasimachus californicus, Siagona pubescens aus Hindostan, Co-'
scinia Helferi aus Birman, Ditomus oxygonus aus Kurdistan, PacAt/-
carus br evipennis aus Amasien , Mystroplerus cy anescens aus
dem Orient, Masoreus ruficornis vom Euphrat, M. i7ia dag asca-
riensis, Telragonoderus trifasciatus und discopunctatus aus
Nordindien.
Der zweite von Chandoir im Bull. d. Mose. N. IH. S. 62-— 207.
veröfFeullichte Aufsalz „Supplement ä la faune des Carabiques de la
Russie« enthält Revisionen der russischen Arten von Cymindis, Ancho'
172 Schaum: Bericht über die Leistungen in der Entomologie
menus und Dyschirius; von der erstem Gattung sind dem Verf. 36 Arten
aus eigner Ansicht bekannt, darunter drei neue: C. sabulosa von
Astrachan, monochroa und semi-oiltata ausDaurien; Anchomenus
zählt 54 A., unter denen ^. /"ms cipenn* s aus der Krim, hexaco elus
aus Georgien, Sahlb ergii aus Daurien, stenoderus vom Caucasus,
brachydertis aus Armenien hier zuerst beschrieben sind. Von Dys-
chirius hat der Verf. 25 A. selbst untersucht, davon sind D. humerd-
tus von Odessa, fulgidus aus der Kirgisensteppe; simple x aus Si-
birien, luticola und macroderus von Odessa als neu aufgestellt,
der letztere ist indessen ohne Zweifel mit D. extensus Putz, iden-
tisch. — Aus Cymindis vittata Zoubk. {Glycia virgata Molsch.), Lebia
punctata Gebl., L. festiva Fald., Omalomorpha maxima iMotsch. und 0.
obscuricoUis falsch, bildet der Verf. eine neue Gattung ßAopa/ ostj/ia;
sie steht mit Lebia in nächster Verwandtschaft, besitzt aber eine deul-
Jiche Anschwellung am letzten Glied der Lippentaster und ein langes
erstes Fühlerglied, welches an der Basis sehr schmal , an der Spitze
keulenförmig angeschwollen ist. — Weiter sind vom Verf. in derselben
Abhandlung als neue Arten beschrieben : Feronia (Voecilus) anatolica,
fortipes, puiictifrons, nitens, mo eo lica, {Bothriopterus) com-
mixta, (^Agonodemus) colchica, (Pseudomaseus) alpicola, [Lagarus)
submel allica , (Plerostichus) capitata, (Omaseus) aenescen s,
seriata, sitb aenea, (Molops) Wie demanni, agonodera, Bra^
dytus majus culus, Leirus vo lg ensis, br evicollis, Carabus lam-
prus (den ich nur für eine kleinere Form des C. Bonplandi halte),
C. Kindermann i, scabripennis, Callisthenes Eversmanni (sehr
ausgezeichnete neue Art aus Anatolien), Nebria luteipes (meiner
Ansicht nach nicht von N. picicornis zu trennen) commixta, Ela~
phrus angustus, ISotiophilus laticollis, Patrobus ovip ennis, Tre^
chus liopleurus, in fus catti s, sulci fr o n s, rubic undus, car'
dio derus, dec oloratus , Bembidium insertic ep s, Colchicum,
unicolor, leuc o scelis, Chaudoirii, guttulatum, (Peryphus)
peliopterum,parallelipenne, [Lopha] latiplag a, tetrastigma
subfasciatum.
Die systematische Beschreibung der LauTkäfer Schlesiens hat L e t z n e r
(ßresl. Zeitschr. f. Entom. Nr. 13, 14 und 15) fortgesetzt und folgende
Gattungen behandelt: Carabus (22 A.), Calosoma {^ A.), Cymindis (5A'
darunter eine angeblich neue, C. flavomarginata, die sich indessen
kaum von humeralis zu unterscheiden scheint), Lebia (3 A.), Deme-
Irius (2 A.). Aetophorus (l A.), Dromius (II Arten.)
Laferte-Senectere hat die Bearbeitung der von Bocande im
portugiesischen Guinea gesammelten Carabicinen in Guerin's Revue et
Mag. d. Zool. S. 236. S. 326. u. S. 388, dem Dejeaa'schen System
folgend, bis zur Gattung Panagaeus incl. fortgeführt. Die von ihm be-
schriebcuen Arten sind: Brachinus {Pterosophus) cincticollis, Uli-
während des Jahres 1850. 173
giosusDej. in mehreren Abänderungen, tenuico stis, marginatusDei.^
impressicollis, Br.exilis, Catascopus Westermanni (bereits
von Hope als G. Savagei, von ImhofF als C. femoral is beschrie-
ben), Scßnies Feis ^AameZii, sub cylindi'icus, Clivina curvidens
6 — 8'" lang, mit sehr langen gekrümmten , spitzen Mandibeln , Morio
seneg alensis, Panagaeus eximius, sinu atocollis, p arvicollis,
L eprieurii, microcephalus Dej., seleno derus, obscuricorniSf
Westermanni.
Fairmaire will (Bull. d. 1. soc. enl. S. XVII.) aus Cymindis
Faminii Dej. und mehreren verwandten Arten eine eigene Gattung
Platytarsus bilden, welche sich von Cymindis ausser einigen habi-
tuellen Charakteren besonders durch den Mangel von Zähnen an den
Fussklauen unterscheidet. Chaudoir, der dieselbe Beobachtung gemacht
hat, hat indessen in dem oben angeführten Aufsatz (Bull. d. Mose. N.
III. S. 89) mit Recht bemerkt, dass dieser Charakter keine generische
Bedeutung habe, da bei C. swicrtfa Ramb., einer der C. Faminii täuschend
ähnlichen Art, die Klauen deutlich gezähnt sind.
Die Gruppe der Pseudomorphinen erhielt einen Zuwach»
durch Silphomorpha alhopicta Newman (Zool. App. S. CXXIV.)
von Adelaide, 6'" lang, mit einem grossen weissen, fast viereckigen
Fleck auf jeder Flügeldecke ; wodurch sich dieselbe aber von der
früher von demselben Verf. aufgestellten S. maculata unterscheidet, geht
aus der kurzen Beschreibung nicht hervor.
Einzelne neue Arten sind ferner beschrieben:
Von Kiesen Wetter (Entom. Zeit. S. 218, ausführlicher in den
Annal. d. 1. soc. entom. d. Franc. 1851 S. 386. u. ff.): Trechus an--
g usticollis, latebric ola und pinguis, alle drei aus den Pyrenäen.
Von Hampe (ebenda S. 346 u. 347): Cychrus intermedius,
eine ausgezeichnete Art, dem C.italicus in der Gestalt des Halsschildes,
dem C. angustatus in der der Flügeldecken sich nähernd, muthmasslich
aus Griechenland; Carabus Vellepiticus aus dem Vellepitgebirge in
Croatien, der mir indessen nicht von C. montivagus Palliardi abzu-
weichen scheint; und Trechus angustatus aus den Steierschen Alpen,
dessen Unterschied von Tr. ochreatus hauptsächlich in die länglich-
ovalen, flacheren Flügeldecken gesetzt wird.
Von Miller (ebenda S. 10.): Plerostichus lineatopunctatus,
dem Pt. Ziegleri nicht unähnlich, aber durch schwach gerundete Seiten
und scharfe Hinterwinkel des Halsschildes , so wie durch metallische,
nur seicht gestreifte Flügeldecken unterschieden, Plerostichus Kok eil ii^
von Pt. maurus durch gewölbte Oberseite, stärker gerundete Seiten des
Halsschildes und durch eine parallel dem Schildchen laufende einge-
drückte Linie abweichend, und Nebria fasciatopunct a t a, welche
schon S€it längerer Zeit, namentlich durch Ferd. Schmidt in Laybach, in
174 Schaum: Bericht über die Leistungen io der Entomologie
den Sammlungen verbreitet, aber noch nicht beschrieben ist, alle drei
aus den steierschen Alpen.
Von Bielz (ebenda S. 99.): Nebria cavpalhica, (schon von
Fuss im vorigen J. unter demselben Namen bekannt gemacht); Ptero-
slichus interruptes triatus , grösser und namentlich breiter als der
nahe stehende Pt. cribratus , von den höchsten Spitzen des südlichen
Karpathenzuges, und Stenolophus nig ricollis , von vaporariorum be-
sonders durch das ganze schwarze Halsschild unterschieden , bei Her-
mannstadt aufgefunden ;
Von demselben (Verh. d. Hermannstädter Vereins I. 276):
iV. Fussii aus Siebenbürgen, (von Fuss in seiner Aufzählung dersie-
benbürgischen Nel)rien irrig für N. fuscipes Ziegl. gehalten) , der N.
Reichii zunächst verwandt, aber durch bedeutendere Grösse und dunk-
lere Farbe der Beine und Fühlhörner unterschieden.
Von Boheman (Kon. Vet. Akad. Handl. 1849 S. 198): Dyschi^
rius maritimus, am Meeresstrande in Gottland entdeckt, kleiner als
D. aeneus, mit dickern Vorderschenkeln und an den Seiten nicht punk-
tirten Flügeln.
Von Redtenbacher (Denkschr. d. Wien. Akad. I.): Dilomus
talpa, Nebria Kotschyi^ Chlaenius persicus, alle aus Südpersien.
Von Reiche (Ferret et Galin. Voy. en Abyss.) : AnthiaGali-
nieri (= A. tetrastigma Chaud. Bull, de Mose. 1848), A. Fer-
retiif Panagaeus stenocephalus, Chlaenius fulvosi g natus,
Chi. cupreo cinctus ^ Oodes sublaevis, Anchomemis luctuosus,
A. r ugicollis , A. ruf o-aeneus , Feronia {Foecilus) atrata, Har^
palus [Ophonus) punctatellus , H. agnatus, H. subcylindricus.
Von Leconte (Coleopt. ofLake superior) : Lebia moesta, Cy~
mindis reflexa, Dyschirius apicalis (vergebner Name), aeneolus,
partus, longulus, Platynus (= Anchomenus Er.) atraius (vergeb-
ner Name), carbo, ruficornis, Pterostichus tenuis, Cyrtonotus
elong atiis , Amara subaenea, Harpalus laticeps, Carabus Ag aS'
sii, Nebria moesta, suturalis, Elaphrus politus , punctatissi-
mus, sinuatus, ^otiophilus punctatus, Ochthedromus planipen^
nis, axilllaris.
Lucas hat Rev. et Mag. d. Zool. S. 499 einige Bemerkungen
über die im französischen Nordafrika vorkommenden Arten von Carabus
mitgetheilt. — Es sind deren bis jetzt fünf dort aufgefunden : C.morbil-
ZosMsFabr., welcher im ganzen Gebiet, in der Ebene und in den Gebirgen
vorkommt, C. numida , der nur im Osten, in den Umgebungen von
Algier, Bona etc., aber ebenfalls in der Ebene und in den Bergen zu
Hause ist, C. Maillei, nur im Westen, besonders bei Oran, einheimisch,
C. rugasus, welcher wieder im Osten und Westen zugleich vorzukommen
scheint, und der bemerkenswerthe , im vorigen Bericht erwähnte C.
während des Jahres 1850. 175
Aumonlii Lucas, von Major Aumont in den Umgebungen von Djemniää
(Provinz Oran) entdeckt. Der letzte ist hier nochmals sorgfältig be-
schrieben und Taf. 9. F. 4 — 9. sehr gut abgebildet , er ist 42 Millim.
lang, schwarz mit rothem Rande des Halsschildes und der Flügeldecken
und besonders durch den wie bei Cychrus gebildeten, schmalen, sehr
verlängerten Kopf und herzförmigen Thorax ausgezeichnet.
Kote pour servir ä l'histoire de VAepus Robinii et description
de sa larve par Coquerel (Ann. d. 1. sog. ent. d. Franc. YIII. S. 529.).
C's Angaben über die Lebensweise des von ihm bei Brest aufgefun-
denen Aepus Robinii bestätigen im Wesentlichen nur bereits Bekanntes;
neu dagegen und sehr dankenswerth ist die Beschreibung und Abbil-
dung (Taf. 16. N. III.) der in gleichen Verhältnissen wie das vollkom-
mene Insect lebenden Larve, sie hat einen sehr grossen Kopf, der ein
Viertel der ganzen Körperlänge ausmacht und enorme Mandibeln ; die
Maxillen sind länger als die viergliedrigen Fühler, deren drittes Glied
ausser dem vierten kleinen Endgliede auch noch seitlich einen kleinen
Anhang trägt; das Abdomen hinten mit zwei langen Anhängen. Die
Abbildung ist wenigstens in einem Funkte nicht ganz genau, es sind
nämlich die Füsse auch in der vergrösserten Darstellung c. nur mit
einer Endklaue versehen, während es doch für die Carabicinenlarven
charakteristisch ist, dass sie zwei Fussklauen besitzen.
Ein fossiler, in dem Süsswassermergel von Aix aufgefundener
Carahus wurde von Barthelemy in einer kleinen 1850 in Marseille
erschienenen Brochüre, unter dem Namen von C. Agassizi bekannt
gemacht, die Diagnose desselben ist Rev. et Mag. d. Zool. 1851. S. 203
abgedruckt w^orden. Die Art war von ansehnlicher Grösse und
scheint unter den lebenden Caraben in C. caelatus ihren nächsten
Verwandten zu haben.
Die Käfer Russlands I. InsectaCarabica, bearbeitet von V. v. Mot-
schulsky. Moscau 1850.
Dytiscidae« Als neue Arten wurden beschrieben
von Äube (Ann. d. 1. soc. ent. d. Franc, t. VIII. S. 300): Hydro-
porus pallidulus aus Sicilien, von H. confluens hauptsächlich durch
blassere Farbe und flachere Oberseite, auf der die zerstreuten Punkte
ganz fehlen, unterschieden.
von Reiche (Ferr. et Galin. Voy. en Abyss.) : Hydalicus ju-
cundus, dem decorus Klug verwandt.
von Leconte (Coleopt. of Lake superior) : Haliplus borealis,
nitenSf cribrarius , Dytiscus diffinis, Hydaticus fascicollis
{zonali var. Aub.) llyhius pleuriticus , Agabus angustus , paraU
lelus, Hydroporus sericeus, consimilis, i2-'linealusy tene-
brosuSf puberulvs, caliginosusjtartaricus, varianSf luri^
176 Schaum: Bericht über die Leistungen in der Entomologie
dipennis, notabilis, co noideus, ov oideus^ suturalis , dis-
par. (vergebner Name).
Cryrinites* Die einzige neue aufgestellte Art ist: Dineules
gondaricus Reiche (a. a. ü.) aus Abyssinien.
Hydropliili* Aus dem vorigen Jahre ist noch nachzutragen,
dass Mulsant und Riey (Ann. d. 1. soc. Linn. d. Lyon S. 236.) Och-
thebius crenulatus n. A. aus dem östlichen Frankreich beschrie-
ben haben.
Von Leconte (Col. of Lake sup.) wurden Ochlhebius cribri^
collis, nitidus, Helophorus oblongus , lacustris und scaber
bekannt gemacht.
Silpliales. Eine neue Gattung Catopsimorphus (sprach-
richtig müsste es Catopomorphus heissen) wurde in dieser Familie von
Aube (Ann. d. I. soc. entom. d. Franc, t. VIIL S. 324. pl. 11. f. 1) er-
richtet, sie hat ganz das Aussehen von Catops und unterscheidet sich
besonders durch die Bildung der Fühlhörner, welche sehr plattgedrückt
sind, nnd deren achtes Glied nicht schmäler als das siebente und neunte
ist. C. Orientalis n. A. von Constantinopel.
Aube beschrieb (ebenda) auch zwei neue Arten von Calops, C.
meridionalis (Taf. 11. f. 2.) aus Sicilien, dem picipes nicht unähn-
lich, aber etwas grösser und namentlich länger, und C. quadvaticollis
(Taf. 11. f. 3.) von Paris, besonders durch fast viereckiges Halsschild
von C. tristis unterschieden.
Ein neuer Catops wurde ferner von Leconte (Coleopt. of Lake
sup.) unter dem Namen C t erminans bekannt gemacht.
Eine vortreffliche Arbeit über die europäischen Arten der Gattung
Colon hat Kr a atz (Ent. Zeit. S. 163-167. u. S. 187—195.) geliefert.
Das sorgfältige Studium der bisher vernachlässigten oder falsch aufge-
fasslen Geschlechtsuntersehiede hat den Verf. dazu geführt, vier früher
aufgestellte Arten, C. brevicornis Sahlb., languidus Er., fusculus Er.,
pygmaeus Er. einzuziehen, dafür erhält die Gattung hier einen Zuwachs
durch fünf bisher noch unbeschriebene. Sie zerfällt in zwei sehr na-
türliche Gruppen ; in der ersten sind die Vorderschienen und Vorder-
füsse bei beiden Geschlechtern einfach, die Geschlechtsunterschiede
sind bei jeder Art andere, immer haben aber die Männchen Auszeich-
nungen an den Hinlerschenkeln und Hinterschienen. Dahin gehören :
1. C. viennensis Uerhsi (q languidus Er.); 2. bidentatus Sahlb.; 3. pun-
cticollis Kraatz dentipes Er. [die vom Verf. hier citirte Abbildung von
C. dentipes in Sturm's Fauna stellt nicht diese Art, sondern den echten
C. dentipes Sahlb. dar) ; 4. serripes Sahlb. ($ fusculus Er.). In der
zweiten Gruppe sind die Vorderschienen und Vorderfüsse bei beiden
Geschlechtern erweitert und zwar beim Männchen stärker als beim
Weibchen. Auch hier haben die Männchen mit Ausnahme der letzten
Art (C. latus) verschieden »gebildete Zähne an den Hinterschenkeln,
während des Jahres 1850. 177
Die Hinlerschenkel der Weibchen sind immer einfach. Diese Gruppe
enlhäll: 5. C. claviger Herbst. 6. p ubes cens n. sp. 7. murinus
n. sp. 8. dentipes Sahlb., spinipes Haliday ($ hrevicornis Sahlb.). 9.
appendiculalus Sahlb. iO. calcaralus Er. ($ pijgmaeus Er.). 11. nanus
Er. (wohl nicht hinreichend vom vorigen verschieden). 12. rufe-
scens n. sp. 13. denticulatus n. sp. 14. afßnis Sturm. 15. an-
gularis Er. 16. brunneus Latr. 17. siniiatus Chaud. 18. subdepressus
Chaud. (beide sind dem Verf. unbekannt und vielleicht nur Abänderun-
gen des brunneus). 19. latus n. sp. durch sehr breite Gestalt von
den übrigen abweichend.
Die Gattung Balhtjscia Schiödle (= Adelops Tellk.) wurde von
Kiesenwetter (Ent. Zeit. S. 223., Ann. d. 1. soc. ent. d. Franc. 1851)
mit drei neuen Arten: B. Schiodtei und ovata aus den Ostpyre-
näen und B. Au bei aus der Provence bereichert, die Entdeckung der-
selben machte auch eine neue Diagnose von B. montana Schiödle
nölhig.
In der Gruppe der Anisolomen beschrieb Leconte (Co-
leopl. of Lake superior) mehrere n. Arien: Anisotoma as sitnilis, in-
distinc ta, collaris, strig ata, Cyrtusa globosa, Agathidium
ruficorne, rev olvens und eine neue Gattung S fernwc/iMs, welche
der Verf. zwischen Cyrtusa und Agathidium einschiebt, deren Stellung
in dieser Familie ihm indessen nicht ausser Zweifel ist; sie besitzt
folgende Charaktere; anlennae capillares , arl. primo crassiore maiore,
3 ullimis parum dilatatis, omnibus setis duabus longis apicalibus; me-
tasternum permagnum, prominens, planum, antice declive, pedibus in-
termediis in declivitate profunda sitis, approximatis ; coxae anticae ex-
serlae, conicae, poslicae permagnae, laminalae, abdominis partera ante-
riorem obtegentes ; abdomen parvum segmentis quinque, larsi filiformes
consolidati. Die Gattung soll im Aeussern mit Cybocephalus, Cyllidium
und Clambus einige Aehnlichkeit haben, und ist auf eine n. A. St.
gibbulus gegründet.
Hampe stellte (Eni. Zeit. S. 354. ) nach einem einzelnen in
Oestreich gefangenen Exemplare Anisotoma moesta als neue Art auf.
ScydmaeEiides* Eine ausgezeichnete neue Gattung Che-
vrolatia wurde in dieser Familie von Ja c quel in-D u val (Ann. d.
1. soc. entoni. d. Franc, t. VIII. S. 45.) errichtet, welche sich beson-
ders durch den vorn polsterarlig aufgetriebenen Kopf und die, ähnlich
wie bei der Pselaphengattung Tychus , an der Spitze desselben einge-
lenklen Fühlhörner von den übrigen Scydmaenen unterscheidet. Die
vollständige Diagnose lautet: Corpus elongatum, palpi maxillares arti-
culo tertio magno, globoso -ovato, ultimo fere obsoleto, antennae in-
crassatae, antice insertae , -basi valde approximatae , elytra abdomine
breviora , melathorax (soll metasternum heissen) carinatum, abdomen
segmentis inaequalibus, primo maximo. C. insignis n. A. (a. a. 0.
Archiv f. Naturgesch. XVII. Jahrg. 2. Bd. M
178 Schaum: Bericht über die Leistungen in der Entomologie
Taf. 1. no. 3. abgebildet) ist in einem einzelnen Exemplare in Süd-
frankreich aufgefunden worden.
Denselben Käfer hat auch Hampe (Entom. Zeit. S. 352.) nach
einem bei Triest gefangenen Exemplare als Scydmaenus Holzeri be-
schrieben.
Der von Hampe (ebenda S. 351.) als neu aufgestellte Scj/dmae-
nus croaticus aus Croatien, ist, einem vom Verf. selbst mitgetheil-
ten Exemplare zufolge, der echte Sc. exilisEr., Sturm (vicinus Chaud.)
Boheman hat (Öfvers. afKongl. Vet.-Akad. Förh. 1850. N. 10.)
die in Schw^eden beobachteten Arten dieser Familie (13 Sctjdmaenus
und 2 Eulneia) aufgezählt und mit Diagnosen versehen. Sie sind mit
Ausnahme von Sc. Dalmanni Gyll. auch bei uns einheimisch und wohl
bekannt; von dieser Art hat der Verf. nach dem Originalexemplare
eine neue Diagnose mitgelheilt , nach der sie aber immer noch nicht
mit Sicherheit zu erkennen ist. — In der Aufzählung vermisse ich
übrigens Sc. pusillus Kunze, von dem ich ein schwedisches Exemplar
in der Dejean'schen Sammlung gesehen zu haben glaube.
Pselapliii* Eine vorzügliche Bearbeitung der nordamerika-
nischen Pselaphier hat J. L. Le Conte geliefert „On the Pselaphidae
of the United States« (Boston Journ. of Nat. bist. Vol. VI.) Sie macht
uns nicht allein mit dem grossen Reichthume der nordamerikanischen
Fauna bekannt, welche bereits gegenwärtig, so unvollständig erforscht wie
sie ist, fast ebenso viele Arten dieser Familie (58) aufweist, als die
europäische, sondern ist auch in systematischer Beziehung sehr wich-
tig , indem sie die Beschreibungen von 6 neuen Gattungen und eine
neue Eintheilung nach der Insertion der Fühlhörner in Vorschlag bringt.
Die Mitglieder dieser Familie lassen sich nämlich, je nachdem die Füh-
ler einander genähert und auf oder unter einer kleinen Erhöhung der
Stirn eingelenkt sind, oder weit von einander entfernt stehen und un-
ter der Stirn entspringen, in zwei parallele lleihen ordnen, von denen
jede wieder aus drei einander analogen Unterabtheilungen besteht: I.
Antennae approximatae. a. Tarsi didactyli: Chennium, CeophylluSf CediuSj
Tmesiphorus, Ctenisles, Tijrus, Phamisus. b. Tarsi sesquidactyli: Meto-
pias, c. Tarsi monodactyli : Pselaphus, Tychus. — II. Antennae distan-
tes a. Tarsi didactyli; Hamotus, Faronus. b. Tarsi sesquidactyli: Ba~
trisus (und Trichonyx Chaud.). c. Tarsi monodactyli : Bryaxis, Eupse-
nius, Arthmius , Bythinus, Rhexius, Euplectus. — Zur dritten Unterab-
theilung der ersten Reihe rechnet der Verf. noch Claviger^ Arlicerus
und eine neue Gattung Adranes, die mir aber nichts mit dieser Familie
gemein zu haben scheinen. — Von Interesse ist es auch, den Paralle-
lismus zu verfolgen, welcher in den Productionen des europäischen und
nordamerikanischen Continents existirl. Mit Ausnahme von Bythinus
und Chennium (hier sind noch Trichonyx Chaud. und Cmtroloma Hey-
während des Jahres 1850. 179
den hinzuzufügen , die dem Verf. nicht bekannt geworden sind) , sind
die sämnitlichen- europäischen Gattungen auch in den Vereinigten Staa-
ten bald durch eine geringere, bald durch eine grössere Zahl von Ar-
ten vertreten, und die nicht vertretenen Gattungen Chennium und Cen^
troloma haben daselbst ihre vollständigen Analoga , die erste in Ceo~
phyllus Lee. und Cedius Lee. , die zweite in Tmesiphorus Lee. Eine
Bytkimis analoge Gattung scheint dem Norden von Amerika abzugehen,
dalür besitzt er aber in Arthmius, Eupsenius und Rhexius drei eigen-
thümliche , dem europäischen Continente fremde Formen. Die einzel-
nen von L. beschriebenen Gattungen und Arten sind :
Ceophijllus, antennae approximatae , moniliatae , sub fronte
elevata in fovea insertae; palpi max. articulis terlio et quarto clavam
transversam formantibus; mentum basi angustatum; tarsi unguiculis bi-
nis aequalibus ; trochanleres et femora acute unispinosa. Hierher eine
neue Art, C. monilis aus Michigan.
Cedius, antennae approximatae, sensim incrassalae, ad margi-
nem frontis elevatae sublus insertae; palpi max. art. terlio cuneiformi
extus acute, quarlo maiore convexo, mentum quadratum, tarsi unguicu-
lis binis aequalibus, trochanteres et femora valde spinosa. Enthält 2
neue A. C. Zicgleri mit zwei und C. spinös us mit einem langen
Dorn an der Unterseite der Vorderschenkel.
Tme siphorus, ant. approx., sensim clavatae, ad frontis eleva-
tae raarginem subtus insertae ; palpi max. art. secundo tertioque extus
appendiculatis, quarto triangulari> emarginato ; mentum quadratum, tarsi
art. terlio quam secundo sesqui longiore, unguiculis binis aequalibus.
Von Ctenistes besonders durch die Bildung der Taster und das zweite
kürzere Fussglied unterschieden, mit zwei Arten: Tm. carinatus {Fse~
laphus Say, Ctenistes? c. Aube) und Tm. costalis n. A. aus Pcnnsyl-
vanien.
Ctenistes Reichb. mit 3 A., Ct. piceus, Zimmermanni und
consobrinus, die erste aus Vermont, die beiden andern aus den
südlichen Staaten (Georgia und Louisiana),
Tyrus \u\). mit 1 Art : T. compar, die ich für einerlei m'ü Ha^
motus humeralis Aube halte, indem einige nicht zutreffende Angaben
Aube's über die Gatlungskennzeichen von Hamotus nicht von dieser
Art, sondern von //. lateritius Aub. aus Columbien entnommen sind.
Pselaphus Herbst enthält Ps. longi clavus n. A. aus Loui-
siana und Fs. Erichsonii aus Weu-York.
Tychus Leach. Zwei neue A. : T. long ipalpis aus Carolina
und minor aus Georgia, beide grösser als der europäische T. niger.
Hamotus humeralis Aube, dem Verf. unbekannt, aber, wie oben
bemerkt, s= Tyrus compar Lee.
Bryaxis Leach. mit zwölf Arien, die drei letzten durch zehnglie-
180 Schaum: Bericht über die Leistungen in der Enlomologie
drige Fühlhörner von den übrigen amerikanischen und von allen eu-
ropäischen abweichend; B. coniuncla aus den östlichen Küstenstaa-
ten, (die Gruben des Halsschildes sind, wie bei B. sanguinea, durch
eine Furche verbunden), B. denlala Say, B. velutina von Neu-Or-
leans , B. abdominalis Aube Mon. [dentata Aub. Ann. d. Franc, und
wohl auch der echte Fsel. dentatus Say, da Aube Say'sche Original-
exemplare vor sich gehabt hat) , haemalica Reichb. (dem Verf. unbe-
kannt; er bezweifelt daher, ob sie wirklich auch in Amerika vorkommt),
B. lunigera von Cambridge bei Boston, B. punctic.ollis von PJeu-
Orleans, rubicunda Aub., p ropinqua vom Obersee, und die drei mit
zehngliedrigen Fühlern: B. abnormis weit verbreitet, B. longula
vom Obersee und formiceti aus Pennsylvanien.
Eupsenius, antennae clavatae, distantes, ad marginem fronlis
anteriorem lateraliter sitae; palpi max. breviusculi, art. ult. ovali, ab-
domen raarginatum, segmentis quinque compositum, primo maiore ; tarsi
unguiculo unico , art. 2. et 3. aequalibus. E. gl ab er, neue Art aus
Südcarolina.
Arthmius , ant. basi subapproximalae, in fossula ad frontis mar-
ginem insertae, palpi max. art. tertio parvoj quarto clongalo, fusiformi,
mentum basi angustatum, abdomen immarginatum, tarsi unguiculo sin-
gulo; thorax globosus eslriatus ; im Habitus etwas an Batrisus und By-
thinus erinnernd. A. glo bicollis, neue Art aus Georgien und Penn-
sylvanien.
Batrisus Aube ist in Nord-Amerika sehr reich an Arten, die in
den nördlichen Staaten nur in Gesellschaft von Ameisen, in den süd-
lichen häufig auch an Baumstämmen , an denen keine Ameisen zu be-
merken sind, vorkommen. Der Verf. hat sie in folgender Weise un-
terschieden. A. Tibiis poslicis calcare obsolelo vel nullo (dahin gehö-
ren von europäischen Arten B. formicarius, venustus und Delaporli). a.
Fronte poslice concava, vertice non cristato, ^ antennarum art. ultimo
dentato solum cognoscendus. 1. B. Jonae ^ $ capite laeviusculo,
vertice valde elevato, thorace 3-lineato. b. Fronte poslice concava, ver-
tice cristato, fossulis lateralibus permagnis, J\ tibiis anticis contortis
spiniferis. 2. B. armiger ^ vertice tricristato , ant. art. ult. lon-
gissimo, tarsis poslicis art. primo dilatato. $ ignola. 3. B. monstro^
sus ^ vertice tricristato, ant. art. ult. longiusculo, tarsis poslicis sim-
plicibus. $ ignola. 4. B. ferox J\ $, vertice tricristato, ant. art.
ulf, ovali, impressionibus capitis confluentibus. 5. B. crist atus $
vert. 3-cristato, ant. art. ult. ovali , impr. capitis discrelis, ^ ignotus.
6- B. confinis $ vert. unicristalo , ant. art. ult. ovali, impr. capitis
coniunctis. — B. Tibiis poslicis calcare terminali longo, tenui. (Dahin
gehören von europäischen Arten : B. oculatus Aub. und der weiter un-
ten zu erwäbmende B. exsculptus Hampe). c. Fronte inter ant. plus
minusve elevata, retusa vel raarginata, clypeo y\ saepius dentato vel
während des Jahres 1850. 181
cornuto. 7. B. frontalis , capite laevi, fronte valde retusa, rufus,
elylris inipunctatis. ^. 8. B. punctatus, capite laevi, vertice tu-
berculato, rufus , elytris punctatis. ^ $. 9. B. riparius Say , capite
Jeviter scabro vertice cristato, laevi, rufus, elytris punctatis. _7J $. 10.
B. scabric eps, capite scabro, castaneus, elytris punctatis, antennis
gracilibus. ^Jl ?• 11. ß. ni^ric rt ms, capite laevi, Ihorace 3-lineato,
niger , elytjis inipunctatis. (-^. 12. B. striatus, capite laevi, Ihorace
trilineato , niger, elylris obsolete punctulatis. ^-p) $• 13. B. g lobo ~
sus, capite scabro, vertice laevi, thorace trilineato, elytris impuncta-
tis. 7) $. l4, B. spretus, capite laevi, tboracis linea media obso-
leta, niger, elytris impunctatis. ^ $• — d. Fronte plana, minime re-
tusa. 15. B. bi slriatu s , capite scabro, vertice laevi, thoracis linea
media obsoleta. ^. 16. B. lineatocollis Aube , capite scabro , vertice
laevi, thoracis linea media elevata. -7 ?. — Zwei von Aube beschrie-
bene Arten, B. albionicus aus Californien und B. Schaumii aus Kord-
carolina, sind L. unbekannt geblieben ; der letztere scheint aber = B.
punctatus Lee. zu sein, indem Aube's Angabe j,capite reticulato«
auf einem Irrthum beruht.
Rhexius, ant. distantes, ad frontis marginem insertae, geni-
culatae, clavatae; palpi max. breves, art. ult. ovato, acute; abdomen
subtiliter marginatum, segmentis subaequalibus, larsi unguiculo singulo.
7t. insculp tuSf neue Art aus Louisiana (und Ohio).
Euplectus Leach mit 10 Arten , die in folgender Weise unter-
schieden werden : A. Corpus elongatum, elytris depressis, ant. art. pen-
ultimis crassioribus. a. Thorax canaliculatus vel medio foveolatus. 1.
E. linearis, canalicula integra , medio dilatata, capite laevi. 2. E.
confluens , canalicula integra, medio dilatata, capite thoraceque
punctulatis. 3. E, interruptus^ Ihorace fovea elongala, capite
laevi, vertice elevato. 4. E. difficilis, thorace fovea elongala, ca-
pite laevi, vertice elevato foveatoque. 5. E. pumilus, thorace fovea
elongata , capite punctulato. b. Thorax medio non canaliculatus. 6.
E. arcuatus , capite antice arcuatim impresso, postice utrinque fo-
veato. — ß. Corpus convexiusculum. a. Thorax subtiliter canalicula-
tus , ant. art. 9 et 10 crassioribus. 7. E. canaliculatus, capite
.utrinque foveato. — b. Thorax non canaliculatus, foveis posticis linea
coniunctis, ant. art. ult. globoso, maximo. {Trimium Auh .) 8. E. glo-
bifer, capite arcuatim impresso, elytris Stria dorsali brevi. 9. E.
dubius, capite punctato, angulalim impresso, elytris Stria dorsali brevi.
10. E. parvulus, capite laevi, minus profunde impresso, postice
bifoveato.
Faronus Aub. 1 Art, F. Totulae, deren Stellung in dieser Gat-
tung dem Verf. indessen noch etwas zweifelhaft ist.
Ein Auszug aus der hier analysirlen Abhandlung von Leconte
ist in den Proc. of the ejil. Soc. L S. 119. niitgetheilt worden.
182 Schaum: Bericht über die Leistungen in der Entomologie.
V. Kiesenwetter beschrieb (Ent. Zeit. S. 222. Ann. d. 1. soc.
eilt. d. Franc. 1851.) zwei neue von ihm in den Ostpyrenäen entdeckte
Arien dieser Familie : Pselaphus longipalpis, durch sehr langes drit-
tes Glied der Maxillartaster ausgezeichnet und Bythinus Mulsan tii,
dessen Männchen verdickte Schenkel und einen Zahn am ersten Füh-
lerglied besitzt.
Hampe stellte (Ent. Zeit. S. 357.) Batrisus exs culptus als
neue Art aus Oestreich auf, sie steht dem B. oculatus nahe, hat aber
einen viel breiteren Kopf, tiefere Stirnfurchen, dickere Fühler und ei-
nen längern Enddorn an der Spitze der Hinterschienen.
Boheman hat (Öfvers. af Kongl. Vet. Akad. Förh, 1850. N. 10.)
die in Schweden einheimischen Arten dieser Familie aufgezählt und
mit Diagnosen versehen. Es sind: 1 Tyrus , 1 Batrisus, 1 Trichonyx,
2 Pselaphus, 4 Bryaxis, 4 Bythinus {B. clavicornis Panz. und glabricol-
lis Reichb. werden hier als besondere Arten aufgeführt, sind aber mei-
ner Meinung nach, nur sexuell verschieden), 1 Tychus , 5 Euplectus,
2 Irimium, die sämmtlich auch in Deutschland vorkommen und hin-
länglich bekannt sind.
Aube lieferte (Ann. d. 1, soc. ent. VIII. pl. 11. fig. 5.) eine
Abbildung des merkwürdigen Faronus Laferlei Aib., als Nachtrag zu
seiner Monographie der Pselaphier.
Clavig-cri. Dieser Familie, welche bisher nur die Galtungen Cla^
viger Freyssl. und Articerus Dalm. enthielt, fügte Leconte (On the
Pselaphidae of the United States) eine neue, Adranes benannte, hinzu,
die in Nordamerika Claviger zu vertreten scheint und in Gesellschaft
einer kleinen, ganz schwarzen Ameise im Staate Georgia entdeckt wor-
den ist. Sie weicht von Claviger besonders durch die bloss zwei-
gliedrigen Fühlhörner , deren zweites Glied sehr lang und abgestutzt
ist, und durch flach gedrückten Körper ab, die Maxillartaster sind kurz,
anscheinend zweigliedrig. Augen fehlen wie bei Claviger, auch das
Abdomen ist oben ausgehöhlt, mit sehr grossem ersten Segmente, die
Füsse bestehen aus einem Gliede und haben nur eine Klaue. Die Art
hat der Verf. mit dem Namen A. coecus belegt.
Paiissili. Eine neue Art ist Paussus ver ticalis Reiche (Ferr.
et Galin. Voy.) dem P. cornulus Westw. verwandt, aus Abyssinien.
Stapliylini« Eine neue Galtung Lathrium wurde in dieser
Familie von Leconte (Coleopt. of Lake super.) errichtet, zwischen
Deliphrum und Omalium gestellt und so charakterisirt : Mandibulae
edentatae; maxillae mala exteriore cornea; palpi max. tenues, art. 2do
4loque elongatis ; tibiae omnino muticae, tarsi brevcs, tennes, art.
4 primis aequalibus, poslici art. 4. sublus produclo, brcviler calccato ;
frons non impressa, ocelli supra oculos siti , minus distincti. A genere
Olophro differt tarsorum structura, stalura longiore elytrisque abdo-
während des Jahres 1850. 183
minis sefftnenlum primum solum tegenlibus. Enthält zur Zeit nur eine
Art L. convexico lle, welche Taf. 8. Fig. 7. abgebildet ist.
Von demselben (a. a. 0.) wurden als neue Arien: Olisthae-
rits laticep s , nitidus, Trogophloevs arg us durch die Anwesenheit
von zwei Ocellen sehr ausgezeichnet, sonst in allen Punkten mit Tro-
gophloeus übereinstimmend, und Micropeplus costatus bekannt ge-
macht.
Eine grosse Anzahl neuer Arten hat Aube (Ann. d. 1. soc. en-
tom. d. Franc, t. VIII. S. 299.) aufgestellt: Falagria crassiuscula
von Datum am schwarzen Meere, durch hinten und vorn gleichbreiles,
kaum gefurchtes Halsschild ausgezeichnet; Calodera propinqua, der
nigricollis verwandt , aber mit lichterem , feiner und zerstreuter punk-
tirlem Halsschilde, einmal bei Paris aufgefunden; C. sulcicollis
durch stärkere Punktirung von nigricollis unterschieden, aus den pie-
montesischen Alpen; C. atricollis ebendaher; C. picina von Paris,
kleiner als fronticornis und namentlich feiner und dichter behaart; Ho-
malota nigrina, von Lille; H. planaticolli s von Paris, der an-
gustula nahe stehend; H. major, grösser und stärker punktirt als H.
pavens ; H. caslanea, von flavipes besonders durch rundes Hals-
schild unterschieden; H. eucera, der socialis verwandt, durch tiefe
und zerstreute Punktirung und die gegen die Spitze zu eine Keule bil-
denden Fühler ausgezeichnet; H. nigerrima , der aterrima und in-
conspicua sehr ähnlich, mit kürzern, stärker punktirten Flügeldecken;
alle aus dem nördlichen Frankreich; Oxypoda elongatula , durch
längere und etwas anders gebildete Fühlhörner von longiuscula ab-
weichend, von Paris, 0. angusta, 0. fuliginosa , beide von Ba-
tum; Aleochara decorat a, der scutellaris Lucas ähnlich, aber ohne
Abflachung in der Mitte der Halsschildbasis; A. inco nspicua von
Genf; A. luguhris von Genf, kleiner und schmäler als moesla ; Myl-
laena glauca, grösser und schmäler als intermedia Er. und gracilis
Heer; Leptacinus basalis , Ocypus ahhreviatipennis, beide von
Batum; Fhilontus thermarum , kleiner als alerrimus, in der Lohe der
Gewächshäuser bei Paris entdeckt; Sunius filum aus Algier; S. as-
per aus Andalusien; S. diversus von Paris, von bimaculatus durch
grössern , weiter vorn stehenden schwarzen Fleck der Flügeldecken
unterschieden; S. pul eher aus Algier, rolhgelb , glänzend, mit enorm
grossen und zerstreuten Punkten bedeckt; Paederus longicornis ,
aus Savoyen, dem P. sanguinicollis täuschend ähnlich, aber mit weit
längeren Fühlhörnern; Bledins sus, von pallipes durch stärker punk-
tirtes Halsschiid mit ganz gerundeten Hinterecken abweichend , bei
Compiegne aufgefunden; und Omalium striatip enne von Datum. —
Gegen oinzehie Artnamen (z. ß. Oxypoda elongatula, Aleochara in-
couspicua) möchte zu erinnern sein, dass sie bereits in den nächst ste-
henden Galtungen vergeben sind und daher besser vermieden wären.
184 Schaum: Bericht über die Leistungen in der Entomologie
Viele neue Arten wurden ferner von Kiesenwe tter Ent. Zeit.
S. 218 fF. diagnoslicirt und dann in den Ann. d. 1. soc. entom. d. Franc.
1851 ausführlich beschrieben, nämlich: Tachyusa sulcata vom Mee-
resufer bei Perpignan und Venedig; Homalola Retji, torr entum,
myops aus den Ostpyrenäen; granig er a und hypnorum aus den
Krainer Alpen; lahida aus der Rheinprovinz; Staphylinus rupicola,
Fhilonthus p y r enaeus {janthinipennis'i Kolen.) aus den Pyrenäen;
Fh. orbus von Perpignan; Quedius auricomus aus den Pyrenäen;
Acijlophorus Wa genschieb eri von Berlin , von A. glabricoUis beson-
ders durch rothgelbe Beine und Taster unterschieden ; Lathrobium
striatopunc tatum von Gerona; Stenus rüg osus, eumerus aus
den Pyrenäen, St. cribratus aus Südfrankreich und Dalmatien ; Tro~
gophloeus Rosenhaueri aus Tyrol ; plagialus von Perpignan; po-
litus von Gerona; incrassalus von Leipzig; punctipennis aus
Südfrankreich, Thinobius br ev ipennis von Berlin, Anthophagus mu~
ticus aus den Pyrenäen, Lesteva fontin alis vom Mont Serrat, Oma-
liutn nigriceps f Anthobium imp res sie oll e^ an gustum, um-
bellatarum aus den Pyrenäen.
Ausserdem sind als neu beschrieben worden:
Von Hampe (Ent. Zeit. S. 346 ff.) : Calodera diluta, Gyro-
pJiaena pilosa, Placusa car bonaria, Conurus ine er tus , Boleto-
bins intrusus, Slemis princeps (dessen Verschiedenheit von St.
cordatus Er. sich aus der Beschreibung nicht ersehen lässt) ; sie sind,
mit Ausnahme der letzten in Croatien einheimischen Art , alle aus
Deutsch-Oestreich.
Von Godart (Bull. d. L soc. ent. d. Franc. S. LV.) : Slaphyli--
nus Muls an tii, im Dept. de l'Aude entdeckt.
Von Jacquelin -Duval (Ann. d. 1. soc. entom. d. Franc.
S. 48.) : Stenus Guynemeri aus den Pyrenäen (= rugosus Kiesw.
s. 0.) und Evaeslethus Lespesii von ganz gelber Farbe, bei Toulouse
aufgefunden. Der Vollständigkeit halber theilt der Verf. auch die Dia-
gnosen der drei bisher bekannten Arten der letzten Gattung, E. scaber
Grav., laeviusculus Mannh. und ruficapillus Er. mit.
Von Reiche (Ferr. et Galin. Voy.): Paederus eximius aus
Abyssinien und vom Senegal.
Die im Jahresbericht für 1848 erwähnte Gattung Trigonurus Muls.
gehört nach Aube [(Bull. d. 1. soc. ent. S. XXIL) , da sie keine Ne-
benaugen besitzt , nicht zu den Omalien, sondern zur Gruppe der Pro-
teiniden. Tr. Mellii Muls. kommt auch bei Batum am schwarzen
Meere vor.
Tricliopteryg-ia* Als neue Art wurde Ptiliiim margina-
tum von Aube (Ann. d.i. soc, ent. d. Franc, t. VIIL S. 327.) aufge-
stellt, sie ist bei Paris in Gesellschaft der Formica rufa entdeckt wor-
während des Jahres 1850. 185
den , ist etwas grösser als Pt. anguslatum Er. und unterscheidet sich
von diesem besonders durch kürzeres, breiteres, tiefer punktirtes und
hinten breit gerandeles Halsschild.
Von Molschulsky ist wieder ein Aufsatz über die Trichopti"
lia im Bull. d. 3Iosc. 1850. N. I. erschienen.
Histerini. Als neue Arten sind aufgestellt;
Von Aube (Ann. d. 1. soc. ent. d. Franc. Vlll. S. 322): Hisler
sordidus aus dem südlichen Spanien, dem H. bimaculalus sehr ähn-
lich; Paromahis minimus von Paris , Abraeus cons obrinus von Ba-
lum am schwarzen Meere. Aube bemerkt bei dieser Gelegenheit, dass
der früher von ihm als Abraeus punctum beschriebene Käfer = Triba^
lus minimus Rossi ist.
YonKüster (Käf.Eur. XX.) ; Plalysoma laevicolle und dal^
matinum aus Dalmatien. •
Von Reiche (Ferr. et Galin. Voy. en Abyss.) : Hisler Wal-
lt er i, obscurus, g a gatinus , c opr ophilus.
Der von Hampe (Ent. Zeit. S. 354.) beschriebene Dendrophilus
mundus aus Ungarn ist mit Epierus retusus 111. identisch.
IVitidulariae. v. Kiesen wett er stellte (Ent. Zeit. 1850.
S. 223. , Ann. d. 1. soc. ent. d. Franc. 1851.) Brachypterus vestitus
aus den Ostpyrenäen — Aube (Ann. d. 1. soc. ent. 1850. S. 328.)
Ipidia lata von Batum am schwarzen Meere auf.
Leconte beschrieb (Coleopt. of Lakesup.): Amphicrossiis con-
color, — Fairmaire in seiner Abhandlung über die Käfer Polyne-
siens (Rev. et Mag. d. Zool. S. 54.) : Rhizophagus capito, humera-
lis, Trogosita p ar allein und p un c tat olin eata n. A. und Den~
drophagus insularis "White , der letzte war bereits aus Neuseeland be-
kannt.
PJialacrides« Neue Arten sind: Phalacrus difformis und
Olibrus apicalis Leconte (Col. of Lake sup.)
Colydii. Von Fairmaire (Rev. et Mag. d. Zool. S. 51.)
sind Cicones amoenus , Diloma terrul enla , Cerylon te staceum
und Temnorhopalon scabr osum als n. A. aus Taiti beschrieben wor-
den, in Bezug auf die letzte Galtung bin ich ungewiss, ob sie in diese
Familie gehört, da mir unbekannt geblieben ist, wo sie begründet wor-
den ist, und Fairmaire über die systematische Stellung derselben gar
nichts bemerkt.
Cucujides- Von Leconte (Coleopt. of Lake super.) wur-
den Dendrophagus g laber und Sihanus planus vom Obersee, —
von Fairmaire Rev. et Mag. d. Zool. S. 53. Sijlvanus latus und
Laemophlous brevis aus Taiti beschrieben. •<
Cryiitopliag-ides. Eine neue Art ist Faramecosoma dentis
trnlatum Leconte (Col. of Lake sup.).
186 Schaum: Bericht über die Leistungen in der Entomologie
Dermestini« Bielz (Verh. des Herrmanst. Ver. I. S. 180.)
stellte Dermestes latissimus als n. A. aus Siebenbürgen auf; er ge-
hört in Erichson's zweite Abtheilung, weicht aber durch die sehr breite
flache Gestalt von allen bekannten Dermesten auffallend ab.
Aube beschrieb (Ann. d. I. soc. entom. d. Franc, t. VIII. S. 335.)
Anthrenus molitor aus Candia als n. A. , er hat die Grösse und Ge-
Statt eines kleinen A. varius , die Fühlhörner sind schwarz mit drei-
gliedriger Keule,
Zwei neue Arten sind ferner noch: Anthrenus p acificus und
sparsutus Fairmaire (Rev. et Mag. d. Zool. S. 183.) aus Taiti.
Dyrrliii. Neue Arten sind: Morychus modestus Kiesen-
wetter (Ent. Zeit. S. 223. , Ann. d. 1. soc. entom. d. Franc. 1851.)
aus den Centralpyrenäen — Byrrhus americ anus, ex im ins, tes^
selatuSf Syncalypla echinata Lecont'e (Col. of Lake super.).
Pamidae« Eine neue Art von Parnus , P. hy drobales
hat V. Kiesen Wetter in einer Quelle des Mont-Serrat entdeckt und
(Ent. Zeit. S. 223., Ann. d. 1. soc. ent. d. Franc. 1851) beschrieben,
Leconte (Coleopt. of Lake super.) stellte Limnius faslidi-'
lus auf.
Heteroceridae« Vier neue Arten von Ueterocerus: H. ar^
ragonicus und marmota von Gerona und Perpignan , H.gravi-
dus aus Sicilien und er in i tu s aus Steiermark machte v. Kiesen-
wetter (Ent. Zeit. S. 223.) vorläufig durch Diagnosen bekannt.
Scarabaeides* Ein sehr wichtiges Werk für die Artenkennt-
niss dieser Familie verspricht der vonßlanchard ausgearbeitete Ka-
talog der Pariser Insectensammlung zu werden , dessen bereits S. 163.
Erwähnung geschah. In dem ersten Hefte sind 1001 Arten aufgeführt,
von denen 446 den Cetonünae, 66 den Glaphyrinae zugezählt werden,
die übrigen gehören zur Gruppe der Melolonthinae , von der nur erst'
der Anfang vorliegt. Die namentlich unter den letztern sehr zaHlrei-
chen neuen Arten sind durch Diagnosen oder richtiger durch kurze
Beschreibungen kenntlich gemacht, welche in den beiden ersten Grup-
pen sich fast nur auf die Farbenvertheilung beziehen, in der Gruppe
der Melolonthinae dagegen etwas mehr auch auf andere Charaktere
eingehen. — Die Systematik der Scarabaeiden ist hier nicht wesentlich
gefördert, es sind zwar vom Verf. bei den Melolonthinen viele Unter-
abtheilungen Iheils neu errichtet , theils anders als von seinen Vor-
gängern begrenzt, es sind aber nirgends die Charaktere derselben an-
gegeben und bisweilen sehr heterogene Formen mit einander verbun-
den , z. B. in der Unterabtheilung der Aclopitae Aclopus Er. und
Phyllolocus Fisch. Aus der Stellung, die der Verl. einzelnen Gattungen
angewiesen hat, geht hervor, dass er selbst scharf charaklerisirtc Abthei-
lungen nicht immer richtig aufgefasst » hat > indem er z, ß. zwei un-
während des Jahres 1850. 187
zweifelhafte Cetoniengatlungen Ischnostoma und Chromo'ptUia^ die eine
zu den Glaphyrinen, die andere zu den Trichien gezogen hat. Manche
Gattungen haben hier eine sehr weite Ausdehnung erhalten, wie denn
z. B. Cetonia aus 38 Abtheilungen besteht, welche meistens von Bur-
meister als besondere Gattungen aufgestellt waren. Daneben sind aber
einzelne Formen noch als, Genera festgehalten, z. B. Erirhipis Burm.
(auf Cet. geminata Ghevr. beschränkt] , Pogonotarsus ßlanch., Micro-
pelhis ßlanch. (Cef. cingulata Gor. et Ferch.) , welche sich durch
viel geringfügigere Charaktere von Cetonia absondern , als z, B. die
damit vereinigten neuholländischen Schizorhinen. Die Inconsequenz,
welche in diesem Verfahren liegt, würde dem Verf. selbst klar ge-
wordem sein, wenn es ihm obgelegen hätte, die angenommenen Ge-
nera alle, nicht bloss eine oder die andere neue Form zu defi-
niren. Gegen die Reihenfolge der Arten sind auch hin und wieder
gegründete Einwendungen zu erheben , so ist z. B. Cetonia tridentata
Oliv. n. 6. durch zwölf dazwischen geschobene Arten von C. cordata
Drury (olivacea Fabr.) n. 19. getrennt, während beide einander so nahe
verwandt sind, dass Burmeister nicht einmal ihre specifische Verschie-
denheit anerkannt hat; so stehen Cet. aurata, marmorata, angustata zwi-
schen C. aenea n. 55. und volhyniensis n. 6l. , von denen die letztere
nur eine sehr unbedeutende Abänderung der erstem ist. Die neuen
Arten des Katalogs habe ich nur bei den Celoniinen und Glaphyrinen
namhaft gemacht, wo die verhältnissmässig geringe Zahl derselben ei-
nen Hachtrag zu Burmeisters Monographien bildet, bei den Melolon-
thinen habe ich aber , bei dem beschränkten Räume dieses Berichtes,
selbst davon abstehen müssen, die Charaktere der neuen Gattungen
aufzunehmen, und mich nur auf die Erwähnung derselben beschränkt.
Ilynastidae* Von Reiche (a. a. 0.) wurde Heteronychus
fossor als neue Art aus Abyssinien aufgestellt.
Rutelidae. Eine neue Art ist Adoreliis vestitus Reiche
(a. a. 0.)
Cetoniidae» Von Reiche (Ferr. et Galin. Voy. en Abyss.) sind
Compsocephalus Galinieril^e\che, Oxythyrea discicollis und lunata,
Pachnoda abyssinica und P. Staehelini Schaum abgebildet, die drei
ersten auch ausführlich beschrieben worden , die Beschreibung von P.
abyssinica ist weggeblieben , weil sie der Verf., jedoch ganz mit Un-
recht, für identisch mit P. crassa des Referenten gehalten hat. Com-
psocephalus Galinieri hatte ich schon früher für eine kleinere Abände-
rung des C. Horsfieldiauus White angesprochen und zweifle auch jetzt
noch, trotz der vom Verf. hervorgehobenen Unterschiede, dass er sich
als Art wird behaupten lassen. Die geringere Grösse des Exem-
plars bedingt nothwcndig eine geringere Enlwickelung der Kopfhör-
ner, die Abwesenheit des zweiten Dorns an der Aussenseite der MiU
tcl- und Hinterschienen, auf die der Verf. besonderes Gewicht legt,
188 Schaum: Bericht über die Leistungen in der Entomologie
sieht wohl auch damit im Zusammenhange, wie ja z. ß. bei den klei-
neren Exemplaren der Lucanusarten ganz gewöhnlich einzelne Zähne
an den Mandibeln schwinden ; die glänzende Beschaffenheit der Flügel-
decken ist wahrscheinlich dadurch hervorgebracht, dass der Käfer län-
gere Zeit in schlechtem Spiritus aufbewahrt worden ist, und die vier
dunklen Flecke auf den Flügeldecken bemerkt man auch an dem von
Weslwood abgebildeten Weibchen des C. Horsfieldianus. AVenn man
die Abbildungen beider Arten vergleicht, welche Reiche auf Taf. 21. giebt
(die des C. Horsfieldianus ist aus Westwood's Arcana entom. copirt),
so scheint es zwar, als ob die Beine des Galinieri roth, die des Hors-
fieldianus dunkelgrün wären, der Beschreibung nach sind sie aber bei
dem erstem kupferfarbig, und nach Westwood's Angabe spielen sie auch
bei dem zweiten aus dem Metallischgrünen in diese Tinte über.
Die von Blanchard (a. a. 0.) neu aufgestellten Mitglieder
dieser Gruppe sind: Cetonia (Pachnoda) viridana aus WeslaCrica,
spreta aus Arabien, C. {Oxythyrea) testaceo-guttata von Port-
Natal (= guttifera Schch.) , nive oguttata ebendaher (= niti-
dula Oliv, var.), C. (Euphora) boliviensis aus Bolivien, humilis
aus Mexico, C. {Diaphonid) gratiosa von der Mortons-ßai in Neu-
holland, C. [Eupoecila) eiwrneo^fMf« a f« ebendaher, nigriceps
aus Neuholland, Heterorhina [Coryphocerä] coxalis aus Nepaul, Gym-
nelis (^Cotinis) plicatipennis aus Mexico, Morelati ebendaher, G.
sexm a culata aus Bolivien, albomacul ata ebendaher, pallidi-
pennis aus Mittelamerika, uniformis aus Mexico, pun data eben-
daher (Abänderung von G. cinerea G. et F.), chalybaea von
Matto-Grosso, G. {Clinteria) modesta von Bombay, flavopicta aus
Nordindien, chlor onota von Ceylon, Macronota [Taeniodera) flavo~
punctata von den Philippinen, Ptychophorus semiluc tuosus und
intrusus aus dem südöstlichen Afrika, Valgus podicalis und peni^
cillatus aus Ostindien, Stripsipfer latipennis vom Senegal, Tri-
chius fortunatoriim von Teneriffa (== zonatus Germ, var.) und
Calom etopus seneg alensis, neue Gattung vom Senegal, mit fol-
gender, wenig genügender Diagnose: Caput latum, elypeo exciso ; an-
tennae mediocres , clava elongata; maxillae elongatae , plumosae,
palpis elongatis, cylindricis. Prolhorax angustus, fere quadratus. Ely-
tra brevia, a»gusta ; postice paulum attenuata. Pedes graciles tibiis an-
ticis dentatis, posticis apice dilatatis, tridentatis, spinosis, elongatis. Ab-
domen crassum, pygidio fere triangulari. — Die Synonymie der Ceto-
nien hat Blanchard fast ganz so hingenommen, wie sie Referent
angestellt hat; in einzelnen Fällen hat er aber noch an bereits be-
richtigten früheren Irrthümern festgehalten, indem er z. B. Osmoderma
scabra Pal. und rugosa liirb. als besondere Arten aufführt, wäh-
rend sie doch Männchen und Weibchen sind , oder indem er Goliath
Melly Gor. et Perch. und Rhomborhina Mellii Burni., Weslw. als die-
während des Jahres 1850. 189
selbe Art ansieht, obgleich die erstere sich beim Vergleich des Origi-
nalexemplars als identisch mit Rh. dives Weslw. ausgewiesen hat.
Mel ol ont h i d ae. VonBlanchard wurden in dieser Gruppe
folgende neue Galtungen 'errichtet : Dichelohoplia neben Lepisia
stehend, mit zwei n. A. aus Ostindien, Hopliopsis vor Alicroplus ge-
stellt, mit einer n. A. aus Madagascar, 0 ctotemna (ein von Mellie an
eine Cisgattung vergebener Name) hinter Athlia Er. , eine n. A. aus
Bolivien, Temnostoma vor Symmela und hinter Octotemna einge-
schaltet, 1 n. A. aus Brasilien; Ueptomera 1 n. A. aus Madagascar;
Schizochelus , 2 n. A. aus Brasilien, beide zwischen Isonychus und
Macrodactylus , C aloldactylus ^i n. A. aus Brasilien, zwischen
Macrödactylus und Ceraspis gestellt; Barybas auf JWe^o?. variegala
Germ, und eine n. A. gegründet; Dejeania (vergebener Name), l Art
aus Ostindien, hinter Dasyus Lep. stehend; C olymbomorp ha, Py-
ronota Boisd. verwandt, mit einer n. A. aus Neuholland, Ablaberoi-
des 1 A. vom Cap und Aplopsis 1 A. aus NeuhoUaud, zwischen
Ablabera und Liparetrus eingeschoben; Co mopho rus, 1 A. aus Neu-
holland, an Liparetrus angereiht; Haplony ch a, 6 A. aus Neuholland
und C olo bostoma, 1 A. ebendaher, zwischen Colpochila Er. und
Heteronyx Guer. (Silopa Er.) stehend; Hostilina auf Silopa praecox
Er. gegründet, Eury chelus eine n. A. aus Neuholland, Maypa^ 1
n. A. aus Chili, Aplo dema, 2A. aus Bolivien, Blepharotoma, 1
A. aus Brasilien, Chlaenobia 1 A. , Chariodema, Gama, Mal»
lotarsus, Äno plosiagum alles südamerikanische Formen, Oofoma,
mit 4 A. von den canarischen Inseln, Pachylotoma, Demodoma,
Phyllochlaenia, Anomalochilus , Alvarinus, Faula, Ulo-
menes, südamerikanische Formen aus der Verwandtschaft von Pleclris.
Reich^e (Ferr. et Galin. Voy. en Abyss.) errichtete eine neue
Gattung dieser Gruppe, Atys, mit folgenden Charakteren: Antennae
7-articulalae , articulo primo clavalo , secundo globoso crasso , terlio
lenui tereli elongato , quarlo brevi triangulari , clava triphylla, lamel-
lis valde elongalis; labrum transversum, profunde emarginalum; labium
oblongum, antrorsum angustatum ; palpi maxillares et labiales breves,
art. secundo et tertio breviter ovatis ; tibiae anticae tridentatae; un-
guiculi bini aequales, apice fissi , intus in laminam truncatam producli.
Von der zunächst verwandten Gattung Nepytis Er. aus Neuholland un-
terscheidet sie sich besonders durch den Fühierfächer, der länger als
die vorhergehenden Glieder zusammen ist, durch die tiefe Ausrandung der
Oberlippe und die Klauenbildung. A. saniensis n. A. aus Abys-
sinien.
Derselbe beschrieb ausserdem ebenda als neue Arten : ScÄiao-
nycha cervina Dej. und Omaloplia atrata.
Observations gur le genre Dasyslerna-, descriplion de trois nou.
190 Schaum: Bericht über die Leistungen in der Entomologie
velles especes , qui habitent les possessions fran9aises du oord de
l'Afrique par Lucas. (Ann. d. 1. soc. ent. d. Franc t. Vlll. S. 515 —
528. Taf. 17. N. I.). — Es sind hier die Unterschiede der Gattung Da-
systeroa Dej. Ramb. von den nahe verwandten Elaphocera Gene, Ar-
tia Ramb. und Tanyproctus Fald. (Phlexis Er.) besprochen, von Elapho-
cera weicht sie fast nur durch den fönfblättrigen Fühlerfächer (bei
Elaph. besteht er aus 6 Blättern) und die in beiden Geschlechtern mehr
oder weniger erweiterten Füsse der vier vordem Beine ab, diese Er-
weiterung unterscheidet sie auch von Artia und Tanyproctus, bei de-
nen der Fühlerfächer ebenfalls fünf Glieder hat ; von den beiden letz-
ten entfernt sich Dasysterna auch noch durch den Habitus. Die vom
Verf. früher beschriebene Elaphocera rubripennis gehört in diese Gat-
tung, die hier noch mit zwei neuen Arten, D. hirticollis und D.
unicolor aus dem französischen Nordafrika bereichert wird, die Zahl
der bekannten Dasysternen steigt dadurch auf sechs , die genannten 3,
D. barbara Ramb. von Tunis, D. canariensis Ramb. von Teneriffa und
D. Reichei Ramb. von Athen. Mit D. barbara oder D. hirticollis scheint
Melolontha hirticollis Fabr. identisch zu sein.
Bielz stellte (Verb. d. Hermmannst. Ver. I. S. 181.) Homaloplia
tr anssylvanica Meg. als n. A. aus Siebenbürgen auf, sie ist durch
die bei beiden Geschlechtern verschiedene Färbung der Flügeldecken
ausgezeichnet, beim Männchen sind sie ziegelroth, beim Weibchen, wie
der übrige Körper, schwarz.
Leconte (Col. of Lake sup.) machte Lachnosterna auxia,
CO nsimilis, futilis, Serica tristis bekannt.
Rosen haue r berichtete (Ent. Zeit. S. 13.) über das Vorkom-
men des Rhisotrogus marginipes Muls. bei Erlangen und beschrieb den-
selben in beiden Geschlechtern und im Larvenzustande. — Rhisolro"
gus foveolatus Bach (Ent. Zeit. S. 16.) , bei Boppard und Coblen?
entdeckt und a. a. 0. beschrieben, ist mit dieser Art identisch.
Döbner machte Entom. Zeit. S. 327. „Ueber scheinbar abnorme
Antennenform bei Melolontha vulgaris^^ darauf aufmerksam, dass bei
den Maikäfern Fälle vorkommen , wo Männchen sich zur Befriedigung
ihres ungestümen Copulationstriebes anderer Männchen bedienen, die
sie überwältigen und mit denen sie dann eine vollständige Begattung
vollziehen ; sie führen dabei ihre Rulhe tief in den After der letzlern
ein. Wahrscheinlich hat in zwei von Heer und Gemminger bekannt
gemachten Fällen , in denen die in copula begriffenen vermeintlichen
Weibchen dieselbe Fühlerbildung wie die Männchen zeigten, eine sol-
che Begattung von zwei Männchen stattgefunden.
Glaphyridae. Von Blanchard, welcher die Gruppe in
demselben Umfange wie Burmeister auffasst , sind (a. a. 0.) als neue
Arten aufgestellt: Cratoscdis aterrinia und Gayana aus Chili,
während des Jahres 1850. 191
Chasmalopterus hirtus aus Portugal, Pherocoma abdominalis
vom Cap, neue Gattung , von Anisonyx durch breitern Kopf und Tho-
rax, dickere Beine etc. unterschieden; Lepitrix die hropus und Pe-
rilrichia nitid ip ennis, vom Cap. Nach Erichson würde die neue
Gattung, ebenso wie Chasraatopterus , Lepitrix und Peritrichia zu den
Melolonlhinen gehören.
Amphicoma bimacul ata aus Südpersien wurde von Redten-
bacher (Denkschr. der Wien. Acad. 1.) diagnosticirt, sie ist etwas
kleiner als A. hirsuta , die Flügeldecken sind schwärzlich erzlarben,
haben einen gelben Schulterfleck und eine spitze Nahtecke.
Copridcs. VonReiche (Ferr. et Galin. Yoy. en Abyss.) sind:
Gymnopleurus azureus Fahr., indig accus und pumilus, Sisyphus
ocellatus, Copris integra, C. Neptis, Onthophagus Brucei,
por rectus, prostans, diversus , bifidus, corni culatus ,
Onitis crenatus, shoensis , abyssinicus , Oniticellus inaequa-
liSf interme dius, nasicornis , beschrieben. Derselbe charakte-
risirte bei dieser Gelegenheit auch mehrere Gruppen , die sich in der
artenreichen Gattung Onthophagus aufstellen lassen.
Onthophagus Auchenia Redtenbacher (Denkschr. d. Wien.
Acad. I.) aus Südpersien, ist dem 0. camelus verwandt, hat aber keine
erhabene Linie auf der Stirn ; das Halsschild zeigt beim Männchen drei
Höcker, beim Weibchen ist es unbewehrt.
Aphodiidae. Von Reiche (a. a. 0.) sind CoZoSopferMS m et -
culic Ollis , dem C. marginicoUis Dej. sehr ähnlich, Aphodius {Acros-
sus) rhinoceros und pulcherrimus beschrieben und abgebildet
worden.
Leconle (Col. ofLake sup.) bereicherte die Gruppe mit Apho^
dius hy perbor eus, angularis, consentaneus , Rhyssemus cri^
brosus, Aegialia lacus tri s.
Aube stellte (Ann. d. 1. soc. ent. d. Franc. VIH. S. 335.) Am-
tnoecius rugifrons als n. A. aus Algier auf, sie ist durch fast runz-
ligen Kopf von A. brevis unterschieden.
Lucanini. L. Fairmaire begründete (Ann. d. 1. soc. entom.
d. Franc, t. VIIL S. 53. Taf I. N. H.) die zwar schon in Dejean's Ka-
talog aufgestellte, aber noch nicht charakterisirte Gattung Strepto-
cerus, sie ist in Chili einheimisch und ersetzt in Süd-Amerika die
neuhoiländische Gattung Lamprima, mit welcher sie in nächster Ver-
wandtschaft sieht, und von der sie sich eigentlich nur durch vierglie-
driges Fühlerblatt und unbewehrte, sehr gekrümmte , innen unbehaarte
Mandibeln unterscheidet. S. speciosus ist 32 millim. lang, von braun-
schwarzer Farbe, mit glänzenden etwas bronzefarbigen Flügeldecken.
Das Weibchen hat kleinere Mandibeln und kürzere Fühler. — Anhangs-
weise äussert der Verf. seine Zweifel , ob die voa Erichson und ßur-
192 Schaum: Bericht über die Leistungen in der Entomologie
meister angnnommenen Arten von Lamprima auch wirklich speci-
fisch verschieden seien , und meint , dass ^vohl nur vier derselben, L.
aenea F. , Micardi Reiche , Latreillei Er. und varians Germ, sich be-
haupten wurden.
Reiche (ebenda S. 265. und Rev. et Mag. d. Zool. S. 249.)
beschrieb Chiasognathus J ou ssele nii , eine neue Art vom Ostab-
hange der chilesischen Anden , welche in ihren Charakteren zwischen
Chiasognathus und Sphenognalhus in der Mitte steht, und die Vereini-
gung dieser beiden Gattungen nothwendig macht. Sie hat das Ausse-
hen eines kleinen Chiasognathus , hat auch von oben nach unten ge-
krümmte Mandibeln und ein ausgerandetes an den Hinterecken ge-
dorntes Halsschild , wie bei Sphenognalhus ist aber das erste Füh-
lerglied des Männchens am Ende ohne Haarbusch, und die Mandi-
beln ohne scharfen gezähnten Dorn an der Innern Basis. Ausser-
dem unterscheidet sich Ch. Jousselinii von Ch. Grantii durch beträcht-
lich geringere Grösse (das hier beschriebene Exemplar ist nur 16 mil-
lim. lang, es giebt aber wahrscheinlich grössere), behaartes Halsschild
und die mit zerstreuten Schuppen bekleideten Flügeldecken.
Von Leconte (Col. of Lake sup.) wurde die Gattung Platyce"
rus mit einer neuen Art P. depr essus vermehrt, sie ist doppelt so
gross als P. quercus, die Streifen der Flögeldecken sind sich abwech-
selnd etwas genähert, die Mandibeln des Männchens an der Basis stark
erweitert.
Buprestides. Neue Arten wurden beschrieben :
Von Redtenbacher (Denkschr. d. Wien. Acad. L) : Ckalco-
phora qua drima culata f Anlhaxia ep hip piat a, Sphenoplei'a de~
rüg ata aus Südpersien.
Von Reiche (Ferr. et Galin. Voy. en Abyss.) : Buprestis al-
bicincta, der ß. oculicollis Lap. et Gor. verwandt, aus Abyssinien.
Von Fairmai re (Rev. et Mag. d. Zool. S. 182.): Agrilus hu-
mer osus von Taili.
Eucnemides« Eine neue in Siebenbürgen entdeckte Art,
Microrhagus clypeatus, wurde von Harn p e (Eni. Zeit, S. 350.) auf-
gestellt.
Elaterides. Von Aube (Ann. d, 1. soc. enlom. d. Franc,
t. VIII. S. 336.) wurden Campylus parallelo collis von ßalum, Car-
diophorus abdominalis aus A\g\er und Cryplohypnus flavipes aus
Frankreich als n. A. beschrieben, der erste ist durch fast gerade Sei-
ten des Halsschildes von C. linearis unterschieden , der zweite sieht
mit C. rufipes in nächster Verwandtschaft , hat aber ein rothgelbes
Abdomen , der drille ist dem C. minutissimus sehr ähnlich, das Hals-
schild hat in der Mitte eine kleine sehr schwach erhabene Längsli-
jiie, und die Beine und Fühlerbasis sind gelb.
während des Jahres 1850. 193
Hampe machte (Ent. Zeit. S. 351.) Athous fovoeolatus, neue
bei Wien entdeckte Art bekannt , welche sich durch eine tiefe und
breite Grube auf dem Kopfe auszeichnet.
Leconte (Col. of Lake sup.) fügte der Gattung Corymbites eine
sehr lebhaft gezeichnete neue Art, C. tnirifi cus hinzu.
CypiBOoidae* Eine neue Art \sl Cyphon pallidulus Bohe-
man (Kon. Vet. Acad. Handl.) aus Gottland.
Die merkwürdige Larve und Puppe des noch unbeschriebenen Eury-
palpus Lecontei Dej. hat Leconte (Lake super, etc. by Agassi/ S. 241.)
geschildert. Die Larve lebt im fliessenden Wasser und verpuppt sich unter
Steinen am Ufer; De Kay (zoology of New - York) hat sie als eine
neue Crustaceengaltung unter dem Namen Fluvicola Herriki beschrie-
ben und abgebildet ; sie zeichnet sich besonders dadurch aus, dass die
Rückenfläche der Epidermis in ein elliptisches Schild verlängert ist,
welches den Körper ganz bedeckt, und unter dem die Verwandlung
zur Puppe erfolgt. Der Körper der Larve selbst ist langgestreckt, auf
jeder Seite des Kopfes stehen sechs kleine Ocellen, die Fühler sind
zweigliedrig ; auf der unteren Seile des Kopfes verdeckt das grosse
Kinn die Mandibeln und Maxillen , die Maxillarlaster haben halb die
Länge der Fühlhörner und bestehen aus drei gleichen Gliedern. Der
Hinterleib trägt jederseits sechs Büschel von Kiemenfäden und einen
grössern Büschel am After , der zurückziehbar ist ; an den Gelenkver-
bindungen sind die einzelnen Ringe des Hinterleibes verlängert, so dass
der Aussenrand gezackt erscheint. Die Puppe ist breit eiförmig und
flach, der Kopf ist unter einer hutförraigen Verlängerung des Prolhorax
verborgen, welcher sehr an den Thorax einer Lampyris erinnert; die Taster
sind sehr lang; der Hinterleib besteht aus sechs Ringen, hat keine
Kiemenanhänge und erscheint an den Gelenkverbindungen in Folge
der seitlichen Verlängerung eines jeden Gliedes sägeförmig gezackt.
Telepliorides* Als neue Arten wurden beschrieben :
Von Kiesenwetter (Ent. Zeit. S. 244. , Ann. d. 1. soc. ent.
d. Franc. 1851.): Rhagonycha a tricapilla aus den Centralpyrenäen.
Von Reiche (Ferr. et Galin. Voy. en Abyss.) : Telephorus deu~
slus, Malthinus elong atus.
Von Leconte (Col. of Lake sup.): Podabrus ru g osuluSf
piinc tatus, marginellus, puber ulus, c urtu s, Telephorus ni~
grita, nigriceps, Suis longicornis , difficilis.
Clerii. Ueber die nordamerikanischen Arten dieser Familie ist
eine sehr werthvolle Arbeit von J. L. Le Conte schon 1849 erchie-
nen , mir aber erst gegenwärtig zugegangen „Synopsis of the Coleo-
pterous insects of the group Cleridae , Avhich inhabil the United Sta-
tes« (Annais of the New- York Lyceum. Nat. bist. Vol. V. S. 9— 35.).
In der Systematik ist der Verf. im Allgemeinen Klug gefolgt, hat aber
Archiv, f. Naturgesch. XVII. Jahrg. 2. Bd. J^
^94 Schaum: Bericht über die Leistungen in der Entomologie
auch einige von Spinola gegründete Galtungen angenommen. Arten
werden 73 — meist aus den östlichen Küstenstaaten — aufgezählt, von
denen indessen 21 dem Verf. nur aus Beschreibungen bekannt, und
vielleicht nicht einmal alle in Nord -Amerika einheimisch sind. (Tülus
peclinicornis Klug z. B. ist vermulhlich asiatisch , wenigstens erhielt
das Berliner Museum kürzlich eine zweite Art derselben Gruppe aus
Ostindien) ; 52 vom Verf. selbst untersuchte Arten sind durch Diagno-
sen charakterisirt, die neuen auch durch hinzugefügte Beschreibungen
noch genauer kenntlich gemacht. Sie gehören folgenden Gattungen an :
Elasmo cerus = 31onoph^Jlla Sp'm. = Macrotelus Klug (beides
vergebene Kamen) 1 A.: JS. terminalus Say (M. megatoma S^'m. ist wahr-
scheinlich nicht vom Weibchen dieser Art verschieden, und Spinola's
Abbildung etwas verfehlt).
Cymalodera Gray. 6 Arten, nämlich : C. inornata Say, hrunnea
Melsh., undulata Say {longicollis Spin., Bosci Chevr.), bicolor Say, und
zwei neue, C. tenera von St. Louis und longicornis von Sta. Fe
in Neu-Mexico.
Priocera Kirby. 1 Art, castanea Newm. (rufescens Spin., macu"
lala Ziegl.)
Tarsostenus Spin. : albofasciatus Melsh. (mit dem europäischen
T. univittatus Rossi identisch).
Trichodes Herbst. 3 A. , ornatus Say , Nutalli Kirby , apivorus
Germ. {Nutalli Say).
Clerus Geoffr. 18 sp., sanguineus Say, quadrisignalus Say, an a-
lis n. A. vom obern Theile des Flusses Arkansas, ichneumoneus Fabr.,
rosmarus Say, lunatus Spin., (bicolor Melsh.), angustus Lee. (oculatus
Spin., non Say), mexicanus Spin., cordifer n. A. aus dem Missouri-
Territory , sphegeus Fabr., Iruncatii s n. A. von Sta. Fe in Neu-Me-
xico (= Cl. moestus Klag), thoracicus Oliv, [monilis Melsh.), nigri^
frons Say , nigripes Say (n. et rufiventris Spin. , dagegen scheint mir
der vom Verf. ebenfalls hierher gezogene Cl. dubius Spin, der Abbil-
dung nach verschieden zu sein), trifasciatus Say, dubius Fabr. (rußceps
Spin.) , nubilus Klug [abdominalis Kirby).
Hydnocera Newm. 12 sp.: tricondy lae n. A. vom oberen Ge-
biete des Mississipi, subaenea Spin, (nicht sleniformis Klug, wie Spinola
irrig angenommen hat) , unifasciala Say (punctata Spin.) , humeralis
Germ., difficilis n. A. vom Obersee, cyanescens n. A. aus Ma-
ryland, pwfi es c eres aus dem Missouri -Territory, pallipennis Say (ser-
raföNewm.), verticalis SsLy {Hydn. limbata Sj^in., die vom Verf. hier
citirt wird, scheint mir der Abbildung nach abzuweichen); ciiriipennis
Newm. {brachyplera Klug, lineatocoUis Spin.), tabida n. A. aus den
südlichen und westlichen Staaten, longicollis Ziegl.
FhyllobaenusS^'m. 1 A. dislo calu s S^y {transversalis Spin., Enopl.
distrophum Klug, Melsh.).
während des Jahres 1850. 195
lehnea Lap. 1 A., laticornis Say.
Enoplium Lnlr. 6 A. : quadripunclatumSsiY, pilosumForst. (tnargi-
nalum et omtstum Say), vetustum Spin, {venuslum Hald., Priocera albo-
macula Ziegl.) , oculalum Say (marginipenne Spin.) , damicorne Fabr.,
jmnclatissimum Chevr. {bimaculalmn Melsh.).
Coryneles Fabr. Die drei cosmopolitischen Arten rufipes, ruficol-
lis und violaceus.
Lucas errichtete (Ann. d. 1. soc. entom. t. VIII. S. 31. Taf. I.
N. I.) in dieser Familie eine neue Gattung Stenomera auf eine durch
Fühler- und Fussbildung sehr ausgezeichnete Enoplienform : das dritte
bis siebente Fiihlerglied ist sehr kurz, die vier letzten sehr lang,
beim Männchen mit langen Kammzähnen , beim Weibchen ist nur das
achte und neunte Glied sägeföimig gezähnt , das zehnte und das elfte
sind mit einander vereinigt; die Füsse so lang als die Schienen, zart,
viergliedrig, das erste Glied länger als das zweite und dritte, das dritte
einfach ; Lippentaster mit grossem in der Mitte geschwollenem Endgliede.
St. Blanchardii, 2*^^ — 3'" lang, glänzend schwarz, mit rothem Seiten-
fleck des Halsschildes, rother Naht und rothem Rande der Flügeldecken,
ist in der Provinz Oran entdeckt worden.
B ielz (Verh. des Hermannst. Ver. I. S 179.) stellte Tillus pal-
lidipennis als neue Art aus Siebenbürgen auf, sie ist 5" lang, durch
dicke gedrungene Gestalt, stark gekämmte Fühler und schmutzig blass-
gelbe Farbe der Flügeldecken ausgezeichnet.
Ausserdem wurden von Reiche (Galin. et Ferr. Voy.) Opilus
Ferreti aus Abyssinien , — von Fairmaire (Rev. et Mag. d. Zool.
S. 184.) Tillus balteatus aus Tonga-Tabou , — von Newman(Zool.
App. S. CXIX.) Cleriis? hilaris aus Neuseeland als neue Arten be-
schrieben.
liycides« Eine neue Art ist Lycus ustulalus Reiche
(Ferr. et Gal. Voy.) aus Abyssinien.
liainpyrides» Neue Arten sind beschrieben:
von Kiesen Wetter (Ent. Zeit. S. 224. , Ann, d. 1. soc. ent.
d. Franc. 1851.): Lamptjris Mulsantii durch ungefleckte Hinterleibs-
segmente ausgezeichnet.
von Reiche (Ferr. et Galin. Voy. en Abyss.) : Luciola lu'
cernula.
Melyrides* Mit zwei neuen Gattungen wurde diese Familie
von Redtenbacher (Denkschr. d. Wien, Acad. I.) bereichert:
Condylops: antennae ante oculos ad marginem anteriorem capitis
insertae, maris llabellatae , feminae pectinalae ; caput trigonum oculis
protrusis, fronte excavata, in mare quinque-luberculata ; labrum Iransver-
sum, antice rotundatum , mandibulas obtegens ; palpi filiformes, max.
art. quarto secundo dimidio, tertio plus duplo longiore, acuniinato apice
196 Schaum: Bericht über die Leistungen in der Entomologie
truncato; labium ligula apice rolundata, palpis paulo brevius; segmenla
abdominalia Cornea , in medio membranacea ; tarsi 5-articulati, ungui-
culis appendice membranaceo angusto. C. Erichs onii n. A. aus
Südpersien.
Antho dromius : antennae art. 5. ultimis clavara breviter ser-
ratam formantibus , ad marginem anteriorem oculorum insertae ; caput
inter thoracis marginem anteriorem retractum ; mandibulae apice bifi-
dae; ipalpi max. filiformes, art. primo minuto, sequentibus longiludine
aequalibus ; ligula apice bisinuata ; scutellum dislinclum; abdomen se-
gmentis 6 compositum, anali minuto; tarsi 5-articulati, ungiculis bifidis,
appendice membranaceo nuUo. A. v ariabilis n. A. aus Südpersien,
ist in der Färbung ziemlich unbeständig.
Als neue Arten wurden beschrieben :
Von Küster (Käf. Eur.): Dasytes aeneiv entris und nigro-
aeneus aus Italien, Cosmiocomus (neue aufl). pallipes Panz. und ver-
AVandte Arten aufgestellte aber nicht charakterisirte Gattung) angu-
latus von Montenegro, cervinus , murinns aus Dalmatien , pici-
corniSf mitis aus Sardinien, nigriiarsus aus ßaiern, aurichal'
cus aus Italien.
Von Kiesenwetter (Ent. Zeit. S. 224. , Ann. d. 1. soc. ent.
d. Franc. 1851.): Malachius limbifer und Anthocomus pictus aus
Catalonien.
Von Reiche (Ferr. et Gal. Voy.) : Idgia fulvicollis , Mala-
chius [Redyhius) fo rmosus , Melyris cor rosa, festiva,pectora~
lis, fulvipes aus Abyssinien.
Wahrscheinlich gehört in diese Familie auch eine neue von
Newman (Zoolog. App. S. CXVI.) errichtete Gattung Agasma, de-
ren Diagnose so lautet: Caput exsertum, porrectum, oculis mediocribus
reniformibus , antennis filiformibus , corporis dimidio vix longioribus,
11-articulatis , prothorax obcordatus, postice truncatus, elytra protho-
race latiora, utrinque sexcarinata. Die Füsse sind fünfgliedrig , das
vierte Glied zweilappig. A. semicrudum aus der Nähe des Clarence-
River im nordöstlichen Neuholland, ist etwa 7'" lang, die vordere Hälfte
der Oberseite roth, die hintere schwarz, der Hinterleib stahlblau.
Ptiniores» Guerin - Meneville errichtete in dieser Fa-
milie eine neue Gattung Cataroma, welche in cubanischen Cigarren
entdeckt worden ist , in der Form sehr an Xyletinus serricornis erin-
nert , in ihren Charakteren aber mehr mit Dorcaloma übereinstimmt,
und sieh von der letztern Gattung durch die etwas anders gebildeten
JMaxillarladen, die in zwei schmale Lappen getheilte Unterlippe und das
stark beilförmige Endglied der Lippentaster unterscheidet. Die Art ist
C. tabaci genannt. — Guerin bemerkt bei dieser Gelegenheit , dass
die Fühlhörner bei Dorcatoma in dem einen Geschlecht zehn-, in dem
während des Jahres 1850. 197
andern neungliedrig seien, es ist dies aber nicht der Fall, sondern die
Zahl der Glieder ist bei den verschiedenen Arien eine verschiedene.
Perris entdeckte bei Mont de Marsan und im Dept. de Landes
eine neue Art von Ptinus , welche er (Mem. de l'Acad. de Lyon t. IL
S. 465.) unter dem Namen Pt. p alliatu s beschrieb, sie ist besonders
durch einen grossen aschfarbigen Fleck, der die Mitte der Flügeldecken
einnimmt, charakterisirt.
Von Fairmaire (Rev. et Mag. de Zool. S. 50.) wurden Äpate
religiosae (religiosa Boisd.) , cas lanop tera n. A. und pitsilla Fabr.,
drei auf Taiti vorkommende Arten beschrieben , die erste und dritte
verbreiten sich auch über andere Welttheile.
Moeurs et metamorphoses de l'Apate capucina Fabr. de VA. sex»
de7Uata Oliv., de l'Ä. sinuata Fabr. et de VA. DufouriiLdilY. par Per-
ris (Ann. d. I. soc. entora. t. VIIL S. 555—571. Taf. 16. N. L). —
Die Larve von Ap. capucina wird hier sehr weitläufig beschrieben und
abgebildet , indem der Verf. erst nachträglich in Erfahrung gebracht
hat, dass bereits Ratzeburg und Westwood genaue Darstellungen der-
selben veröffentlicht haben. Die Larve von A. sexdentata greift ver-
schiedene kranke und todle Bäume an. Feigen-, Oel-, Maulbeerbäume
u. a., aber vorzugsweise Rebenstöcke, und beendet ihre Metamorphose
vor Eintritt des Winters. A. sinuata entwickelt sich vorzugsweise in
den Bündeln von Rebholz, die zum Zwecke der Feuerung zusammen-
gehäuft zu werden pflegen, und in todten Zweigen des wilden Wein-
stocks, sie verpuppt sich erst im Mai und das vollkommene Insect er-
scheint im Juni. A. Dufourii wird vom Verf. regelmässig aus den Ka-
slanienpfählen der Weinberge erzogen ; der Käfer erscheint in grösster
Menge gegen Ende Juni, und scheint ein Nachtthier zu sein.
üeber einen bisher noch nicht beobachteten Feind des Wein-
stocks, Apate bispinosa Oliv. {Synoxylon muricalum Duftschm ) , der in
Südtyrol besonders häufig vorgekommen ist, hat Kollar in den Sit-
zungsberichten der Wiener Acad. 1850. I. S. 381. eine Mittheilung ge-
macht. Die Larve frisst in einer Höhe von 1 — 2 Fuss oberhalb der
Wurzel das weichere Holz des Rebstocks bis an das Mark aus und
veranlasst auf diese Weise das Absterben der Rebe. (Rosen hau er
hat bereits in seinen Beitr. z. Ins. -Fauna Eur. S. 139. auf das Vor-
kommen des Käfers in Weinreben aufmerksam gemacht).
Westwood schilderte Card. Chron. S. 671. die Verwandlungs-
geschichte des Lymexylon navale, und besprach das Vorkommen dieses
Käfers in England und den Schaden, welchen er gelegentlich an Schiflfs-
bauholz anrichtet.
Tenebrionites* Drei neue Gattungen sind in dieser Familie
von Leconte (Col. of Lake sup.) errichtet worden:
NeliteSf zur Gruppe der Diaperiden gehörig, von Hoplocephala
198 Schaum: Bericht über die Leistungen in der Entomologie
durch vorn ungerandetes Kopfschild , weniger verdickte Fühler unter-
schieden, mit folgenden Charakteren : clypeus antice prolongatus, ini-
marginatus ; palpi max. cylindrici , art. q,uarlo longiore truncato ; tarsi
postici art. primo elongato ; antennae apice sensim leviler incrassatae.
Die Gattung ist auf eine neue Art, N. aeneus, gegründet.
CrymodeSf den Tenebrioniden zuzuzählen, nähert sich au Bo-
ros , hat aber verschieden gebildete Fühler , das Kopfschild ist vorn
nicht verlängert und der Seitenrand biegt sich, ehe er das Auge er-
reicht, nach unten. „Corpus alatum, elongatuni ; antennae capite sesqui
longiores, granosae, art. 3. ultimis subabrupte maioribus; clypeus antice
truncatus, vix marginatus, labrobrevi; mandibulaeprominulae; pedes te-
nues, art. primo tarsorum longiore." Cr. discicollis n, A. (Taf. 8. f. 11.)
Priog7iathus, mit dem auf Taf. 8. fig. 10. dargestellten Dity-
lus monilicornis Randall gebildet, ebenfalls der Tenebrionidengruppe
einzureihen, hat eine eigenthümliche Fühlerstellung. „Corpus alatum,
elongatum, caput elongatum, antice acutum oculis parvis integerrirais,
clypeo impresso , marginato , labro valde transverso. Antennae longo
ante oculos sitae, capite thoraceque longiores, art. tertio leviter elon-
gato, tribus ultimis moniliformibus ; mandibulae apice incisae intus ser-
ratae ; palpi max. art. ult. leviter inflato , truncato ; mentum transver-
sum , antice truncatum ; tarsi art, primo longiore."
Drei neue Arten aus Algier: Morien Jevini, Eurychora Le-
vaillantii und Adesmia Coucyi wurden von Lucas (Bull. d. 1.
soc. entom. S. IV., S. VIL S. XL) als Kachtrag zu seiner Bearbeitung
der algierischen Fauna bekannt gemacht.
Reiche (Ferr. et Galin. Voy, en Abyss.) beschrieb: Zophosis
Reichei Guer., Macropoda ahyssinica^ Tentyria praelonga, Mo-
luris catenata, Opatrum suh sulcatum Dej. , modesttim, slri-
gosum, mit Ausnahme der ersten sämmtlich neue Arten.
Redtenbacher theilte (Denkschr. d. Wien. Acad. t. L) die
Diagnosen von Thriptera persica, Adesmia aenea, Acis sublri-
c Ost ata, Tentyria alpina, Hyperops pij gmaeus und Blaps lati-
eollis, neue Arten aus Südpersien mit.
Auf Küster's Bearbeitung der europäischen Arien von Helops
ist schon oben aufmerksam gemacht worden. — Ausserdem hat der-
selbe auch wieder eine grosse Zahl neuer Arten beschrieben, beson-
ders aus den Gattungen Omophlus (7 sp,), Cistela (13 sp.) und Myce-
tocharis (2 sp.), die ich hier nicht einzeln namhaft mache.
Hier ist ferner noch der von Leconte (Col. of Lake sup.) auf-
gestellte Paratenetus fuscus zu erwähnen.
I^ag-riariae« Reiche (Ferr. et Galin. Yoy. en Abyss.) machte
Lagria viridiaenea, aerea, confusaBe]. als n. A. bekannt und
wies darauf hin , dass die Arten der Gattung Lagria, nach der Gestal
während des Jahres 1850. ^^^
des Halsschildes in zwei Gruppen zerfallen, bei den einen (dahin ge-
Urt L. violacea und teslacea ?^\. , viridipennis und «omenfosat abr.,
,iridi.aenea und aerea Kelche u.a. ni.) ist dasselbe cylindnsch, in der
zweiten Gruppe ist es dagegen breiler als lang (sie enthalt L. vülosa
Fabr., ohscura Fabr. und confusa Reiche).
]»lela«dryadae. Eine sehr ausgezeichnete Bereicherung der
deutschen Fauna ist die Entdeckung einer zweiten Art von Phrygano^
Mus auf dem Schneeberge bei Wien, welche Hampe (Ent. Zeit
S. 3550 unter dem Namen Phr. nigriventris bekannt gemacht hat,
sie unterscheidet sich von Phr. ruficollis sogleich durch schwärzliches
Mittelfeld des Halsschildes und schwärzlichen Hinterleib.
Hampe stellte (ebenda S. 355.) auch eine neue beiMehadia ent-
deckte Art von Serropalpus als S. tenuis auf.
Leconte (Coleopt. of Lake sup.) fugte der Gattung Melandrya
eine neue Art M. maculata zu, die eine gelbe Binde auf den Hu-
geldecken besitzt. (Taf. 8. fig.P.)
Antliicides. Als neue Arten wurden beschrieben:
Von Boheman (Kon. Vet. Acad. Handl. 1849): Anlhicus se-
tulosus aus Gottland.
Von Leconte (Col. of Lake sup.): Anthicus terminaUs,
difficilis, scabriceps, granularis, pallens.
Der von Hampe (Ent. Zeit. S. 356.) als neu aufgestellte Xylo^
phüus bisbimaculatus ist mit Phyllobaenus amaH/is Sahlb. jun.
(Bull. d. Mose.) identisch.
mordellooae. Die Gattung Anaspis löste Leconte (Col.
of Lake sup.) in zwei Anthobates und Anaspis auf. Die erste ent-
hält Anaspis trifasciata Melsh. und einige ähnlich gefärbte Arten, ihre
Charaktere sind: larsi anteriores art. tertio subcalceato , emaiginato-
nue, quarlo minuto, vix conspicuo : ungues simplices, basi dilatati ; ab-
iomenconicum, slylo anali nullo, coxis anticis permagnis conicis,
prosternum obtegentibus. - Bei Anaspis nehmen die Glieder der Vor-
derfüsse an Länge ab, das vierte ist sehr klein und zweilapp.g, die
Klauen sind an der Basis schwach und breit gezahnt, Hinterleib und
Hüften wie bei der vorigen.
Als neue Arten sind beschrieben :
Von Leconte (a. a. 0.): Anaspis filifonnis vom Obersee.
Von Boheman (Kon. Vet. Acad. Handl.) Mordella brevi^
catida aus Gollland.
Stylopite.. Nc«n.an hat Zoologist S. 2684-2694 eine
bereits im i. 1817 begonnene Abhandlung „Affinities of the Slylopi-
tes" beendigt und mit «numslösslichen «runden den Beweis geliefert,
dass die Strepsipteren echte Käfer sind. Diese Ansicht ist indessen
200 Schaum: Bericht über die Leistungen in der Entomologie
nicht neu, auch nicht, wie F. Smith (Zool. S. 2827.) bemerkt, zuerst
von Shuckard 1840 aufgestellt, sondern es hat bereits im J. 1837 Bur-
nieister (Handbuch der INaturgesch. S. 643.) den Gattungen Xenos und
Stylops ihre Stellung neben Ripiphorus und Symbius angewiesen, wie
auch Burmeister der Erste war, der, in brieflichen Mitlheilungen an
Westwood und v. Siebold, die merkwürdige Naturgeschichte dieser In-
secten richtig aufgefasst hatte. — Newman's Beweisführung stützt sich
auch nicht auf neue, selbstsländige Untersuchungen , sondern nur auf
bereits festgestellte Thatsachen ; sie lässt sich in folgenden Sätzen re-
sumiren. Die Metamorphose der Stylopiten zeigt eine völlige Ueber-
einstimmung mit derjenigen der Käfer; auf die nahen Beziehungen der
Larven zu den jungen Meloelarven ist von allen Beobachtern hinge-
wiesen worden, die Puppe hat diejenigen Charaktere , die wir nur in
der Ordnung der Coleopteren und Hymnopteren finden. Die IVlund-
theile sind zwar sehr verkümmert, so dass die Deutung derselben
schwierig ist , und kein vollgültiger Beweis aus ihnen hergeleitet
werden kann , ihre Bildung steht indessen der hier ausgeführten An-
sicht nicht entgegen. Die Flügel endlich sind echte Käferflügel und nur
in der Beziehung abnorm , dass die Flügeldecken kleiner, die Hinter-
flügel grösser sind als sonst bei den Käfern ; übrigens findet sich, wor-
auf schon mehrfach hingewiesen ist, eine ähnliche Bildung der Flü-
o-eldecken bei Atractocerus. Die hintern Flügel zeigen in ihrem Ge-
äder die vollkommenste Uebereinslimmung mit denen von Ripiphorus,
Mordella, Lytta. Im Zusammenhange mit der Verkümmerung der vor-
dem und mit der enormen Grösse der Hinlerflügel steht die Entwicke-
lung der entsprechenden Ringe des IVliltelleibes.
F. Smith ist (Zoolog. S. 2826.) der im Vorhergehenden be-
gründeten Ansicht beigetreten und theilte eine Beobachtung über die
Entwickelung der Eier von Stylops mit. Der Verf. fing am 27. April
ein Weibchen von Andrena Trimmerana in demselben Augenblicke, wo
ein männlicher Stylops von demselben fortflog, bei genauerer Unter-
suchung fand er die Puppenhülse desselben und einen weiblichen
Stylops zwischen den Segmenten der Biene. Vierzehn Tage später
kamen die jungen Stylopslarven zum Vorschein und die Biene starb.
Die Entwickelung der Eier scheint daher innerhalb dieses Zeitraums
vor sich zu gehen , denn aller Wahrscheinlichkeit nach hatte die Be-
gattung, unmittelbar ehe die Andrena gefangen wurde , stattgefunden.
Eine wichtige Bereicherung erhielt unsere Kenntniss dieser Fa-
milie durch einen von S. S. Saunders in der Trans, of the entom.
Soc. N. Ser. L S. 43. veröff'entlichten Aufsatz „üescriptions of two new
Slrepsipterous Insects from Albania , parasitical on bees of the genus
Hylaeus with some accounl of their habits and melamorphoses." Der
Verf. hat eine neue Gsillung Hyle cht lirus in zwei neuen Arten fl. rubi
und H. Quer CHS f aus zwei ebenfalls neuen, in Epirus einheimischen
während des Jahres 1850. 201
Arten der Bienengaltung Hylaeus (H. versicolor und gibbus), von de-
nen die eine in vertrockneten Brombeerstöcken, die andere in Eichen-
gallen ihre Zellen baut, erzogen, und liefert hier eine ausführliche
mit guten Abbildungen begleitete Beschreibung derselben. Während das
parasitische Vorkommen in einer Bienengattung Hylechthrus in Verbin-
dung mit Stylops und Halictophagus bringt, stimmen die zoologischen
Charaktere mehr mit denen von Xenos überein. üie Hauptunlerschiede
von der letztern Gattung liegen in der Fühlerbildung und in dem Flü-
gelgeäder des Männchens, deren Beschreibung so lautet: Anlennae
quinquearticulatae, articulo basali brevi , secundo parvo truncato, tertio
longissimo spatulato , tota fere latiludine subaequali quartumque basin
versus latere externo ferenli, hoc parvo, annuloso, extimo (5to) tertio
simillimo et in illum recumbenti. Alae vena subcostali abbreviala, prima
discoidali prope basin furcata, ramo antico eins costae parallelo, ultra
raediara alam evanescenti, ramo postico eiusdem longitudinis, recto, de-
flexo ; etc. Von H. rubi kennt der Verf. beide Geschlechter und die
jungen Larven, von dem doppelt grössern H, quercus hat er dagegen
nur ein Paar Männchen, die in der Puppenhülse umgekommen waren,
beobachtet. Sehr interessant sind die Mittheilungen des Verf. über die
Lebensweise dieser Thiere, aus denen ich hier Folgendes hervorhebe.
Die Strepsipterenpuppen sind nie früher als im vollkommenen Zustande
der Hymenopteren äusserlich sichtbar. Die männlichen Strepsipteren
durchbrechen, nur wenn sie dem Lichte ausgesetzt sind, ihre Puppen-
hülsen, sie sterben in denselben, wenn ihre Wohnthiere im Dunkeln
gehalten werden. Die Verwandlung der stylopisirlen Bienen erfolgt
schneller als die der gesunden ; die Farbe des Abdomens wird in Folge
der Stylopisirung oft verändert, namentlich blässer. Siebold's Angabe,
dass die Entwickelung der Strepsiptereneier sehr langsam vor sich
geht, und dass gewöhnlich die befruchteten Weibchen überwintern,
kann nur auf Xenos Bezug haben, indem auch die Weibchen von Po-
listes, in denen Xenos lebt, überwinlern. Bei Stylops dagegen ist eine
schnelle Entwickelung nothwendig, da die Andrenen, in iienen Stylops
parasitisch vorkommt, nur wenige Wochen fliegen und dann ihre Zel-
len schliessen, in diesem Zeitraum also ausser der Begattung auch das
Auskriechen der Stylopslarveu erfolgen muss, wenn die letztern in die
Bienenzellen , noch ehe sie geschlossen werden , gelangen sollen. So
muss auch bei Hylechthrus die Entwickelung der Eier schnell , die
weitere Verwandlung aber langsam vor sich gehen, da die llylaeen im
Larvenzustande hiberniren und eine lange Zeit zu ihrer Metamorphose
gebrauchen.
ineloicles« Von Reiche (Ferr. et Galin. Voy. en Abyss.)
neu aufgestellte Arten sind: Mylabris designata, tristis, flat>o-
guttata, veslita Dej. , Canlharis (muss Lytla heissen ) rubri'
c Ollis.
202 Schaum: Bericht über die Leistungen in der Entomologie
Redtenbacher gab (Denkscbr. d. Wien. Acad. I.) die Diagno-
sen von Mylabris p allidomaculata, excellens , Klugii, tri-
cingul ata , colli g ata , Husseinii , Lydus praeiistiis, u. A.
aus Södpersien.
Leconte (Coleopt. of Lake superior) fugte der Gallung Epi~
caula eine neue Art, E, fissilabris zu.
Oedemeritae* Der Gattung Mycterus fügte Küster (Käf.
Eur. XX.) zwei Arten M. pulv erulentus und tibialis aus Sardi«
nien ^linzu , die von SufFrian für Abänderungen des M. umbellatarum
angesehen worden sind.
Salping-ides* Einen nordamerikanischen Repräsentanten der
Gattung Sphaeriestes machte Leconte (Coleopt. of Lake super.) unter
dem Namen S. virescens bekannt.
CitrculiOBiides« Eine neue Gattung JVemßfocerws (ein bei
den Dipteren längst vergebener Name) wurde in dieser Familie von
Reiche (Ferr. et Galin. Voy. en Abyss.) errichtet, sie gehört der
Gruppe der Brachyderiden an und besitzt folgende Charaktere : Anten-
nae graciles, thorace longiores, scapus crassior ultra oculos extensus,
art. primus funiculi secundo longior, reliqui breviores, omnes obconici,
clava fusiformis ; rostrura breve crassum , supra subplanum , carinatum,
antice rotundatim emarginatum ; oculi rotundati paulum prominuli, tho-
race dislantes; thorax brevis, cylindricus ; elytra obovata, coagmenlata;
corpus oblongum, crassum, apterum. N. apterus neue Art aus Äbys-
sinien.
An neuen Arten beschrieb derselbe (a.a.O.): Phyllobius hir-
tellus, Lixus dors alis, nycterophorus.
Eine Anzahl neuer, meist europäischer Arien hat Aube aufge-
stellt (Ann. d. 1. soc. entom. d, Franc, t. VIII. S. 338.) : Apion her-
harum, von Datum am schwarzen M,eere, dem atomarium in der Ge-
stalt, dem Malvae in der Färbung ähnlich; A. leptocephalmn von
Paris (halte ich nur für Abänderung von A. aethiops), Styphlus un~
guicularis aus der Touraine , St. ulcerosus von ßatum, St. cu-
neip ennis aus den piemontesischen Alpen, Tychius amp licollis
aus Sicilien, Mecinus dorsalis und M. filiformis aus Frankreich,
Nanophyes flavidus von Boulogne, JV. transversus von Marseille.
Ausserdem sind als neue Arten bekannt gemacht :
Von Küster (Käf. Eur. XX.): Brachytarsus ncbulosu s aus
Deutschland.
Von ßoheman (Kon. Vet. Akad. Handl. 1849.): Anthononms
Oxyacanthae, in Gottland auf den Blüthen und Blättern von Oxya-
cantha entdeckt, nur halb so gross als A. ulmi.
Von Hampe (Ent. Zeit. S. 356.) : Vhloeophagus aterrimus aus
während des Jahres 1850. 203
Croatien ; die Galtungsbestimmung scheint mir indessen etwas zwei-
felhaft.
Von Perris (Mcm. de l'Acad. de Lyon t. II. S. 477.): CeulO'-
rhynchus ferrug atus, dem C. troglodytes verwandt, aus dem Dept.
des Landes.
Von Redtenbacher (Denkschr. d. Wien. Acad.): Tsalidium
stiba eneum und Cleonus er etaceus aus Südpersien.
INote sur les moeurs da Coniatus chrysochlora Lucas par E. Per-
ris (Ann. d. L soc. entom, d. Franc, t. VIII. S. 25.). — Lucas hatte
auf die Angabe eines Sammlers gestützt , von der Larve dieses in Al-
gier entdeckten Käfers angeführt , dass sie an der Wurzel gewisser
Moose Anschwellungen hervorbringe, und dass sie in diesen ihre wei-
tere Verwandlung durchlaufe. Perris hat von derselben Art ausgebildete
Individuen und in Coccons eingesponnene Puppen bei la Teste im süd-
lichen Frankreich häufig auf Tamarix gallica angetroffen, und schliesst
daraus, wie dies Lucas in einer TS'achschrift (a. a. 0. S. 20.) selbst
einräumt, völlig mit Recht, dass die Larve ebenso, wie die von Conia-
tus tamarisci, frei an den Blättern der genannten Tamarix (in Algier
an denen der Tamarix africana) zehrt.
Nach Boie (Ent. Zeit. S. 359.) lebt die Larve des Phytonomus
Arundinis von den Biüthen von Sium latifolium , die des Ph. pollux
auf Cucubalus Beben, die des Ph. riimicis auf Polygonum aviculare, die
von Erirhinus Festucae in den Stengeln von Scirpus lacustris.
Pliester (Verh. des naturhist. Ver. d. RheinL VII. S. 255.)
theilte die Beobachtung mit, dass Periielus griseits den Obstbaumschu-
len sehr nachtheilig wird, indem er zuerst die noch unentwickelten
Knospen verzehrt und dann die Rinde der jungen Sprösslinge annagt
und streckenweise losschält.
Ilosiricliiiii* Eine neue Art ist Plalypus externedenda-
tus Fairmaire (Rev. et Mag. d. Zool. S.51.) aus Taiti.
Aube gab Ann. d. 1. Soc. ent. VIII. pl. 11. fig. 4. eine Abbil-
dung von Plalypus oxijurus L. Dufour, einer Art, welche durch die in
lange, auseinander stehende Spitzen ausgezogenen Flügeldecken sehr
ausgezeichnet ist.
Nach Lucas (Bull. d. 1. soc. ent. S. XLVIII.) hat Dendroctetms
piniperda Fabr. in einer Allee von Pinus laricio im Jardin des plantes
in Paris erheblichen Schaden angerichtet.
Ueber Bostrichus Kallenbachii linden sich einige weitere Mit-
theilungen Ton Bach in der Ent. Zeit. S. 18.
Ceraiiiltyciui. Prionii. — A. White gab in den Proceed.
of the zool. Soc. 1850. S. 10. Taf. 13. die Beschreibungen einiger
nener Arten, darunter befinden sich zwei PrionacahSf F, Iphis (frä-
204 Schaum: Bericht über die Leistungen in der Entomologie
her irrig fär das Weibchen von P. cacicus angesehen, das beschriebene
Exemplar ist aber ein Männchen) aus dem südlichen Mexico und P.
Atys aus den Anden von Peru; ferner Cafocomws morosus (die vierte
Art der Galtung, durch dreizehngliedrige Fühlhörner ausgezeichnet) aus
Bolivien; Pyrodes tenuicornis ^aus Mexico, P. Smithianus aus
der Kähe von Para und eine neue Gattung:
Calloctenus zwischen Anacolus und Poecilosoma stehend; die
Fühler beim Männchen vom 4ten Gliede ab gekrümmt, beim Weibchen
vom 5ten ab gesägt, die Flügeldecken reichen über das Abdomen hin-
aus, sind am Ende spitzig, das Halsschild an jeder Seite mit einem
deutlichen Zahn. C. pul eher von Venezuela.
Reiche (Ann. d. 1. soc. ent. de Franc, t. VIII. S. 263.) wies
nach, dass Prionacalus cacicus White aus Ecuador (s. o.) nicht von der
Gattung Psalidognathus abgesondert werden könne. Die Zahl der bekann-
ten Arten von Psalidognathus erhebt sich damit auf fünf: Ps. Frien-
dii Gray, superbus Fries, modeslus Fries, erythrocerus Reiche, cacicus
White. (Der oben erwähnte Aufsalz von White war dem Verf. noch
nicht zugänglich).
Der Gattung Spondylis fügte Leconte (Col. of Lake sup.) eine
dritte Art S. laticeps hinzu (die zweite ist S. sphaericoUis desselb.
Verf. (s. Jahresb. f. 1848.).
Prionus persicus ist von Redtenbacher (Denkschr. d. Wien.
Acad. I. n. 72. — Mallodon insularis aus Hamoa von Fairmaire
(Rev. et Mag. d. Zool. S. 57.) als n. Art beschrieben worden.
Ceramb. genuin i. — W. W. Saunders hat mehrere be-
merkenswerthe, in Neuholland einheimische neue Gattungen und Arten
dieser Gruppe aufgestellt und nebst einigen andern bisher nur wenig
bekannten abgebildet. „On various Australian Longicorn beetles* (Trans,
of Ihe ent. Soc. N. Ser. I. S. 76, Taf. 1 und 4.). Die hier zusammen-
gestellten Galtungen sind , obwohl sie keine besondere Gruppe bilden,
in folgender Weise angeordnet: I. Flügeldecken nicht abgekürzt: Au-
gen gerundet oder eiförmig. Enchoptera, von Macrones Newra.
hauptsächlich durch den in eine lange abwärts geneigte , gegen die
Spitze sich verschmälernde Schnauze verlängerten Kopf und durch
längeres an den Seilen fast glattes Halsschild unterschieden, mit zwei
neuen Arten, E. apicalis und nigricornis. — Macrolenes IVewm.
ebenfalls mit zwei Arten M. exilis Newm. und M. rufus. — Bra^
chopsis von Macrolenes hauptsächlich durch weniger vorstehenden
Kopf, ungedornles Halsschild und kürzere kräftigere Beine abweichend.
B. concolor n. A. aus Vandiemensland. — Stenoderus maculi-
cornis Dej. unbeschriebene, besonders durch die weisse Farbe des
vierten , fünften und sechsten Fühlergliedes ausgezeichnete Art. —
Psilomorpha, nicht unähnlich der Gattung Stephanops Shuckard,
aber der Kopf tritt weniger vor, die Augen sind eirund u. s. w. Hier-
während des Jahres 1850. 205
her 1 H.A. Ps. tenuipes. — II. Flügeldecken nicht abgekürzt. Au-
gen nierenförmig oder ausgerandet. Stephanops nassalus Shuck. —
Or od er es n. G. im Körperbau wieder an iMacrolenes erinnernd, aber
ausser den nierenförmigen Augen auch durch die Bildung der Fühl-
hörner abweichend, das erste Glied dick und keulenförmig, das zweite
klein und rund, das dritte so lang als das erste, etwas keulenförmig, die
folgenden etwas kürzer und einander gleich. 0. humeralis. — Hephaee
stion ochreatus^ewm.,a\s dessen Vaterland Kewman irrigerweise die Insel
Chiloe angegeben hatte. — Bimia femoralis der ß. bicolor White
(s. u.) verwandt. — Akiptera n. G. von ßrachytria Ncwm. haupt-
sächlich durch Läng« unJ Bildung der Fühlhörner verschieden; die-
selben haben fast zweimal die Länge des Körpers, das erste Glied ist
kräftig, birnförmig, das zweite klein, rund, das dritte so lang als das
erste , die 8 letzten länger als das dritte und beständig an Länge zu-
nehmend. A. semi flava. — Brachytria gulosa Kewm. — III. Flü-
geldecken stark abgekürzt. Hesthesis ornata, die kleinste Art der Gat-
tung, der H. variegata Newm. am nächsten verwandt. — Agapete caris-
sima Newm.
Kewman hat (Zoolog. App. S. CXI. und S. CXXIV.) ebenfalls
eine Anzahl neuholländischer Formen bekannt gemacht , von denen
drei zur Errichtung neuer Gattungen Veranlassung gaben. Diese sind :
Hemesthoc er a: Caput parvuni porrectum , oculis reniformi-
bus, haud prominentibus, antennis corpore brevioribus, ll-articulatis,
dimidio basali lanugine vestitis, apicali nudis ; prothorax conicus, an-
tice truncatus , postice utrinque dente instructus, elytra brevia basi
prothorace latiora, apice rotundata, dente praeapicali utrinque instructa,
pedes anteriores mediocres, postici longiores, femoribus Omnibus exlus
tumidis. H. flavilinea, aus Nordaustralien.
Skeletodes, zur Gruppe der Phoracanthiden gehörig, der Gat-
tung Caliirhoe Newm. sehr ähnlich: antennae longiores, articulis 3 — 5
Spina apicali armatis, 3tii spina mediocris, 4ti minor, 5ti minima ; oculi
4 , binis epicranii approximatis, minoribus, ovatis binis genarum maio-
ribus, subrotundis; prothorax latitudine duplo longior, lateribus sub-
parallelus , inermis; elytra lateribus parallela , dorso complanata, apice
rotundata, pedes longi, femorura dimidio apicali incrassato. S. tetrops.
Tritocosmia, Rhagiomorpha Newm. sehr nahe verwandt, aber
das dritte Fühlerglied am Ende mit einem Haarbüschel, die Beine kürzer
und verdickt. Wierhev Stenoderus iloei Hope und T. atricilla Newm.
n. A., vielleicht nur Abänderung des vorigen.
Die neuen von N. aufgestellten Arten sind: Stenoderus ostri-
cilltty Phoracantha imp avida, Cerambyx? lativitta, Cer.l sub'
serralus f Phacodes Mossmanni.
Eine neue in Neuholland einheimische Galtung ist ferner:
206 Schaum: Bericht über die Leistungen in der Entomologie
Bimia White (Free. zool. Soc. 1850. S. 13. Taf. 13.) , mit
Molorchus und Agapete Newni. verwandt. Kopf hinten etwas verengt,
vorn viereckig und perpendiculär , Halsschild mit einem starken Dorn
an den Seiten, Flügeldecken abgekürzt, weich, berühren sich nur an
der Basis u. s.w. B. bicolor.
Von Fairmai re (Rev. et Mag. d. Zool. S. 59.) wurden Obrium
gynandropsidis , Stromatium hirlum, Plychodes insularis, der
sich von Pt. trilineatus Linn. (vittatus Fabr.) nur durch die constant
kürzere Wahtbinde unterscheidet, und nach F. 's eigener Ansicht nur
eine bemerkenswerthe locale Abänderung desselben ist, Hesperophanes
Simplex, guttaticollis und olidus, alle ays Taiti, beschrieben.
Redtenbacher (Denkschr. d. Wien. Acad. ) errichtete eine
neue Gattung Osphranteria, welche mit Aromia nahe verwandt ist,
sich aber durch das oben ebene, an den Seiten kaum gehöckerte Hals-
schild, ungezähnte Mandibeln, das halbrunde Kinn und die Bildung der
Maxillen unterscheidet, die innere Lade derselben ist kurz, bartig, die
äussere sehr lang, hornig, an der Spitze mit einem Haarpinsel verse-
hen. 0. suaveolens und 0. co erulescens sind zwei ansehnliche
Arten von 12 und 10 Linien Länge aus Südpersien.
Mulsant gab (Mem. de l'Acad. de Lyon. t. IL S. 417.) eine
ausführliche Beschreibung von Callimus abdominalis (^Callidium abdo-
minale Oliv.), einer Art, welche seit Olivier jetzt zum ersten Male
wieder in Frankreich, bei Marseille, aufgefunden ist, übrigens auch in
Sardinien vorkommt und von Gene als Stenopterus decorus beschrie-
ben ist.
Derselbe beschrieb (ebenda S. 421.) als n. A. Clytus latna,
auf dem Pila und bei Chamounix entdeckt , dem Gl. arietis sehr ähn-
lich , und fast nur durch schwarze Schenkel und etwas andere Rich-
tung der FlOgeldeckenbinden unterschieden.
Die Gattung Clytus erhielt ferner einen Zuwachs durch Clytus
gib bulus Leconte vom Obersee (Col. of Lake sup.) und durch Cl.
spinicornis Newman (Zool. App. S. CXIX.) aus Neuseeland.
Jacquelin-Duval vervollständigte die Kenntniss von Fc-
sperus Xatartii Muls. durch Beschreibung und Abbildung des bisher
noch unbekannten Männchens (Ann. d. 1. soc. entom. d. Franc, t. VlIL
S. 347. pL U. flg. 6.)
Die Entwicklung des Hamalicherus heros ist nach Döbner (Ent.
Zeit. S. 23.) zweijährig.
Die Larve von Clytus arietis lebt nach d ems elb en. (a. a. 0.)
in ganz gesundem Buchenholze in verlical verlaufenden Gängen.
Lamiariae. — Die Gattung Pachystola Dej. hat Reiche
(Ferr. et Galin. Voy.) zu begründen gesucht, er setzt ihre Charaktere
in die langen Fühlhörner des Männchens, in den Mangel der Auschwel-
während desJalires 1850, 207
lung an der Einlenkung dieser Organe, in die Grösse der Augen, den
Parailelismus der Flügeldecken und in die Länge des ersten Hinterleibs-
rings, der den zweiten in dieser Hinsicht doppelt übertrifft und in der
Mitte der Länge nach gestreift ist. üie Gattung wird hier auf eine noch
unbeschriebene Art vom Senegal, P. fuliginosa Dej. und auf eine neue,
hier ausführlich charakterisirte und abgebildete abyssinische, P. va^
riegata, beschränkt, während Lamia feicfor Fabr. , die Dejean eben-
falls hierher rechnet, ausscheidet.
Derselbe charakterisirte (a. a, 0.) auch die auf Lamia lacla-
tor Fabr. gegründete Gattung Anoplostheia Dej., ihre Unterschiede
liegen in der Abwesenheit des gewöhnlich bei den Laniien vorhande-
nen dornförmigen Brusthöckers , in der weiten Entfernung der Fühl-
hörner, in der relativen Länge der Fühlerglieder, von denen das dritte
so lang ist wie das erste, und in der Zartheit der Beine.
Ausserdem gab Reiche (ebenda) eine Beschreibung und Ab-
bildung von Sternotomis Ferreti Westw.
Fairmaire errichtete (Rev. et Mag. d. Zool. S. 115.) eine
neue Lamien-Gatlung Oopsis mit folgenden Charakteren: Flügeldek-
ken hinten sehr abschüssig , an der Naht mit einem einspringenden
Winkel ; Halsschild an den Seiten leicht gerundet ; Augen stark aus-
gerandet , fast getheilt ; letztes Tasterglied länger als das vorherge-
hende, sehr lang eiförmig , an der Spitze abgestutzt ; Fühlhörner von
drei Viertel der Körperlänge, das erste Glied das grösste, das dritte an
der Basis dünn, leicht gebogen, innen an der Spitze schwach gezähnt,
die vier ersten Glieder machen etwas mehr als die Hälfte des Fühl-
horns aus; Schenkel stark verdickt. Hierher Lamia nutator Fabr. über
Neuholland und einen grössern Theil von Polynesien verbreitet, und
drei neue Arten, 0. dorsivarius von Tonga-Tabou, 0. obiongipen^
nis und Duboisi von Taiti.
Von Leconte (Col. of Lake sup.) wurden: Pogonocerus pe-
nicillatus, Saperda a dspersa, moesta, Monochamus mutator;
— von Newman (Zool. App. S. CXX.) : Saperda hilabilis aus
Neuseeland; — von White (Froc. zool. Soc. 1850. S. 13. Taf. 13.)
Lamia {Cerosterna) trifasciella aus China aufgestellt.
Leptnrinae. — In dieser Gruppe hat Leconte (Coleopt. of
Lake sup.) mehrere neue Gattungen errichtet ;
Ar galeus : caput mox pone oculos non constrictum ore atte-
nualo, palpis lab. modice dilatatis; antennae ante oculos insertae, lon-
gae, oculi antice emarginati, postice truncati ; tibiae post. apice Irun-
catae, calcaribus terminaliter sitis; thorax spinosus ; elytra Iriangularia.
Unterscheidet sich von Toxotus in der F^orm der Augen und in der Stel-
lung der Sporen am Ende der Schienen. Die Arten sind : Ä. aite-
nuatiis (P. altenuala Hald.), eine hier beschriebene neue A. nitens,
und der europäische Toxolus Cursor.
208 Schaum: Bericht über die Leistungen in der Entomologie
Evodinus mit einer auf Taf. 8. fig. 12. abgebildete Art, E.
monticola (^Lcptura. m. ßandall) : caput mox pone oculos angustalum,
ore altenuato, palpis apice oblique truncatis ; anlennae ante oculos in-
sertae longae ; oculi magui vix emarginati ; thorax lateribus acute tu-
berculatus; mesosternum angustum , parallelum, coxis magnis ; elytra
triangularia, apice truncata.
Acmaeop s : caput mox pone oculos angustatum , palpis apice
rede truncatis; antennae ante oculos inserlae ; thorax apice constrictus
vel tuberculatus , vel gibbus , vel simpIex ; inesoslernum trianguläre.
Eine artenreiche Gattung , die in zwei Abtheilungen zerfällt. In der
einen ist der Körper dick, der Mund kurz. Dies ist der Fall bei Pachyta
thoracica Hald. und den europäischen F. virginea und collaris ; in der
zweiten ist der Körper zarler, der Mund verlängert ; dahin gehören :
Fach, discoidea Hald., Lept. proieus Kirb. (P. sublineata Hald.) und A.
strigilata, neue hier beschriebene Art.
Änth ophilax : caput mox pone oculos constrictum, palpis di-
latatis, labialibus multo latioribus; antennae ll-articulatae , inter ocu-
los inserlae,- oculi emarginati ; thorax angulis poslicis rectis, ulrinque
modice constrictus, lateribus acute tuberculalis. Unterscheidet sich von
Slrangalia und Leptura hauptsächlich durch erweiterte Lippentaster und
enthält A. malachitica [Leptura in. \xx\A Stenura cyanea Hald.), A. vi-
ridis neue Art vom Obersee, und die europäische Pachyta quadri"
maculata.
Ausserdem gab Leconte (a. a. 0.) kurze Beschreibungen von
Slrangalia plebeja Randall und Leptura tibialis, einer neuen Art
vom Obersee.
Eine neue Leptura machte auch Redtenbacher (Denkschr.
d. Wien. Acad.) unter dem Namen L. hicolor durch eine Diagnose
bekannt ; sie ist in Südpersien einheimisch,
Clirysomelinae* Criocerides. — Eine neue Gattung
Taraxis von dem Aussehen einer kleinen Syneta , aber durch die
Bildung des Abdomen, der Fösse und Fühler abweichend, wurde von
Leconte (Coleopt. of Lake super.) auf eine ebenfalls neue Art T.
abnormis gegründet: antennae basi distantes , breviusculae, artic.
primo maiore crassiore , tertio secundo sesqui longiore quarlo quinto-
que paulo brevioribus , reliquis longitudine crassioribus ; oculi emar-
ginati; coxae ant. parvae, globosae, approximatae, prosterno non pro-
minulo ; abdomen segmenlo quinto maiore, inferne emarginato, segmen-
tulo anali aucto; tarsi art. tertio lato parum emarginato, unguibus late
appendiculatis ; palpi apice acuminati.
Cornelius schilderte (Eni. Zeit. S. 20.) die Larve und Puppe
von Lema cyanella und melanopa, die Larven findet man im Sommer
häufig auf Gras.
^ ' während des Jahres 1850. 209
Ciyptocephalides. — Die bei Augsburg vorkommenden Crj/-
plocephali hat Do ebner (Ent. Zeit. S. 22.) namhaft gemacht und Be-
merkungen über die Futterpflanzen einiger Arten beigefügt.
Reiche (Gal. et Ferr. Voy.) machte Cryptocephalus decora-
tus aus Abyssinien; — Fairmaire (Rev. et Mag. d. Zool.) Cr. ni-
gro plagi atus aus Taiti bekannt.
Cassidariae. — Eine monographische Bearbeitung dieser
Gruppe hat Boheraan begonnen. „Monographia Cassididarum. lern. I.
c. tab. IV. Holmiae 1850." — Die Unterstützung, welche dem treffli-
chen Verf. durch die Mittheilung der wichtigsten öfi'entlichen und fast
allen bedeutenden Privatsammlungen zu Theil geworden ist, hat ihm
die Kenntniss von circa 1200 Arten verschaff't, von denen fast ein Dritt-
theil in dem vorliegenden Bande beschrieben sind. Eine allgemeine
Schilderung des Innern und äussern Baues, der verwandtschaftlichen
Beziehungen und der Metamorphose hat der Verf. für überflüssig er-
achtet, da diese Gegenstände bereits erschöpfend in Lacordaire's Mo-
nographie des Coleopteres subpentamercs de la famille des Phytopha-
ges behandelt sind; er geht daher sofort an den specifischen Theil und
zerlegt die Gruppe der Cassiden in drei ünterabtheilungen : 1. capite
prominulo, prosterno apice emarginalo, vel truncalo, non producto. —
2. capite prominulo, prosterno apice leviter emarginalo vel truncato,
non producto. — 3. capite omnino obtecto , prosterno apice emargi-
nato. — Die erste und der grösste Theil der zweiten Unterabtheilung
liegen uns in dem gegenwärtig erschienenen Bande vor. Die erste ent-
hält die Gattungen: /)e?ocrrtmrt Dej., Guer. (1 A.), SphaeropalpusChQyv.y
Guer, (1 A) 5 Calopepla Hope (2 A.), Epistictia Boh. (3 A.), Ho~
plionola Hope (23 A.), M egapyga Boh. (2A.), Prioptera Hope (l6A.),
Himalidium 111. (18 A.) , CaUiaspis Dej. (7 A.), Porphyraspis Hope
(10 A.) , Calyptocephala Chevr., Er. (6A.), Spilophora Boh. (2 A.).
— Die zweite ünterablheilung besteht aus den Gattungen Tauroma Hope
(19 A.) , Desmonota Hope (25 A.) , Canistra Er. (9 A.) , Dolichotoma
Hope (28 A.), Calaspidea Hope (7 A.), Mesomphalia Hope (147 A.),
Poecilaspis Hope (49 A.) , Elytrogona Hope (2 A.) , Chelymorpha , Se-
lenis, Omoplala, Omaspides, die, mit Ausnahme der vier letzten, hier
auch schon bearbeitet sind. — Die Synonymie ist fast durchweg auf
Vergleich der Originalexemplare gegründet, die Arten scharf unter-
schieden und sorgfällig beschrieben ; ich habe daher im Einzelnen
nur die Bemerkung zu machen , dass das Originalexemplar der Cas-
sida retusa Herbst , die der Verf. S. 207. n. 28. als eine ihm unbe-
kannte Art von Dolichotoma aufführt, ein verdorbenes und in der Fär-
bung verändertes Stück von D. variegata Fabr. ist. — Auf 4 Ku-
pfertafeln sind 24 Galtungsrepräsentanten nebst den charakteristischen
Theilen dargestellt.
Hispides. — Reiche (Ferr. et Galin. Voy. en Abyss.) stellte
Archiv f. Naturgesch. XVII. Jahrg. 2. Bd. 0
210 Schaum: Bericht über die Leistungen in der Entomologie
Hispa acanthina als n. A. auf und bemerkte bei dieser Gelegen-
heit, dass die Gestalt und selbst die Zahl der Fühlerglieder bei einzel-
nen Hispen nach dem Geschlechte abändert.
Chrysomelariae. — Notes pour servir ä rhistoire de Cyr-
tonus r otundatus, suivies de la description de cet insecte et
d'une espece voisine par Mulsant etWachenru (Mem. de l'Acad. de
Lyon t. IL S. 401.). — C. rotundatus findet sich bei Marseiile und nährt
sich von den Blättern von Hyoseris radiata, auf denen er aber erst nach
Sonnenuntergang zu finden ist, am Tage hält er sich unter Steinen
oder an Pflanzenwurzeln versteckt. Ein gefangenes Weibchen legte
in der Zeit vom 4. Dec. bis 25. Jan. gegen 80 Eier, aus denen nach
14 Tagen die Larven auskamen , die gegen Mitte April ausgewachsen
waren, sich verpuppten und Mitte Mai die Käfer lieferten. Die frü-
hern Stände und das vollkommene Insect sind genau beschrieben und
abgebildet. Von einer zweiten, in Frankreich , im Dept. de la Lozere,
einheimischen Art wird hier ebenfalls eine Beschreibung unter dem
Namen von Cyrtonus co arctatus geliefert.
Monographie du genre Cyrtonus par L. Fairmaire (Ann. d. 1.
soc. ent. d. Franc, t. VIIL S. 535—548.). — Die bereits von Dalman
errichtete, von Latreille (Regn. anim. V. S. 149.) kurz erwähnte Gattung
wird hier zum ersten Male ausführlich beschrieben. Die Diagnose lau-
tet: Antennae fere filiformes apice paulum incrassatae. Prothoracis an-
guli postici producti , basis utrinque emarginata. Elytra connexa, Col-
lata , alis deficientibus. Tarsorum arliculi inaequales, secundus tertio
primoque brevior. Aus dem vorerwähnten Aufsatze von Mulsant hat
der Verl^ die Beschreibung der früheren Stände aufgenommen. Die
Arten scheinen auf den Südwesten von Europa beschränkt zu sein, es
werden hier elf, darunter acht neue, unterschieden, von denen zwei in
Südfrankreicb, die übrigen in der pyrenäischen Halbinsel vorkommen :
C. rotundatus Muls., C. plumbeus, C. elegans {Eumolpus elegans Germ.),
C. man tan US, C. angusticollis , C. thor acicus, C. ruficor-
nis, C. eumolpus, C. Dufoiirii Dej. Duf. (coarctalus Muls.), C.
curtus f C. br evis.
Reiche beschrieb (Galin. et Ferr. Voy.) Chrysomela o pul ent a
als n. A. und bildete eine in Abyssinien vorkommende Abänderung von
Chr. atnericana ab.
Letzner gab im Berichte d. schles. Gesellsch. 1850. eine neue
Beschreibung der Chrysomela islandica (lichenis Richter) und ist geneigt
Chr. ahena SufFr. als Abänderung mit derselben zu verbinden.
Die früheren Stände von Gonioctena quinquepunctata wurden von
Cornelius (Ent. Zeit. S. 19.) geschildert. Die Larve lebt auf den
Blättern von Sorbus aucuparia_, die von ihrem Frasse oft wie ein Sieb
durchlöchert sind. Mitte Mai ist sie ausgewachsen und liefert Anfang
Juni den Käfer.
während des Jahres 1850. 211
Gallerucariae. — Die Galtung Adimonia wurde mit zwei n.
Arien bereichert: von Kiesenwetter (Ent. Zeil. S. 224., Ann. d. I.
SOG. enlom. d. Franc. 1851.) mit A. monticola aus den Centralpyre-
näen; — von Boheman (Bidr. tili Gottlands Insekt - Fauna. S. 232.)
mit A. selandica aus Seland und Gotlland.
Fairmaire beschrieb (Rev. et Älag. d. Zool. S. 119.) Galleruca
(Rhaphidopalpa) foveicoUis Fabr. , G. (Äulacophora) analis Fabr. von
den Wallis-Inseln und notulata n. A. von Vavao, auch in Neuhol-
land einheimisch.
Von Redte nbacher (Üenkschr. d. Wien. Acad.) wurden Gal-
leruca quadrimaculata und nigriventris aus Südpersien dia-
guoslicirt; — von Reiche (Gal. et Ferr. Voy. en Abyss.) Galleruca
aby ssinica abgebildet, im Texte aber nicht erwähnt.
Reiche (Ferr. et Galin. Voy.) stellte Diacantha ornala und
Monolepta occipitalis als n. A. auf und charakterisirle bei dieser
Gelegenheit die noch unbeschriebenen Gattungen: Diacantha Chevr.
(der Name kann neben der Elaterengattung Diacanthus nicht bestehen)
M onolept a Chevr. und Diabrotica Chevr. Diacantha hat einen läng-
lichen , geschwollenen, glänzenden Körper, das drille Fühlerglied ist
länger als das zweite, das erste Glied der Hinterfüsse so lang wie die
beiden folgenden zusammen , die Klauen einfach. Monolepta steht in
der Mille zwischen den Gallerucen und Halticen, hat einen länglichen,
gewölbten, glänzenden Körper ; das drille Fühlerglied kaum länger als
das zweite, das erste Glied der Hinterfüsse zw^eimal so lang wie die
beiden folgenden zusammen, Klauen einfach, Hinterschenkel nicht ver-
dickt. Bei Diabrotica ist das drille Fühlerglied fasl zweimal so lang
als das zweite, das erste Glied der Hinteriüsse so lang wie die beiden
folgenden zusammen, die Fussklauen gespalten.
Crepidodera alpicola n. A. aus den Krainer Alpen wurde von
F. Schmidt (Haidinger Berichte t. VI. S. 184.) charakterisirt.
Boheman (Kon. Vet. Akad. Handl. 1849.) beschrieb Plectrosce-
lis confusa und Aphthona sublaevis, zwei n. A. aus Gottland.
Eumolpides. — Colaphus tibialis aus Südpersien wurde
von Redtenbacher (Denkschr. d. Wien. Acad.) als neue Art dia-
gnoslicirl.
Erotylenae« Eine neue Gattung Danae ist von Reiche
(Ferr. et Gal. Voy.) errichtet und in folgender Weise charakterisirt
worden: Corpus parallelum oblongum ; caput subrotundatum, oculi pro-
minuli, palpi lab. abbreviati , max. longiores, tumidi, art. ultimo ovalo
leviler subulato ; antennae Ihorace longiores, 11-articulalae art. primo
longiori crassiorique, art. tribus ultimis tumidis ; pedes simplices, mu-
tici, coxis anterioribus valde approximatis , tarsis sublus tomentoso-
212 Schaum: Bericht über die Leistungen in der Entomologie
spongiosis, posteriorum art. ultimo subtus in laminam extenso; meso-
sternum apice simplex. D. rufula n. A. aus Abyssinien.
White stellte (Proc. Ent. Soc. S. 13.) als neue, eine besondere
Untergattung der Langurien bildende, Art D oubleday a viator aus
Madras auf und charakterisirte sie in folgender Weise: Kopf vorn nie-
dergebogen , an der Basis der Kiefer erweitert und breiter als das
Halsschild, dieses so breit wie lang, seitlich gerandet , längs der Mitte
mit einer Grube; Beine sehr lang, die zwei vordem Paare die längsten,
Schenkel und Schienen zusammengedrückt, Füsse sehr stark erweitert,
flach, alle Glieder breiter als lang. Kopf und Halsschild stark glän-
zend, rostroth, die Flögeldecken blass gelbroth mit acht bis neun Rei-
hen starker Punkte.
Aube beschrieb (Ann. d. 1. soc. ent. d. Franc. VIII. S. 329.)
Diphyllus fagi von Paris und D. frater aus Sardinien, als neue Art,
es ist dem Verf. entgangen, dass der erste bereits von Guerin Icon.
d. regn. anim. S. 195. als Diplocoelus fagi bekannt gemacht
ist. Die systematische Stellung dieser Käfer ist mir noch zweifelhaft,
(Aube hat sich mit derselben gar nicht beschäftigt), ich habe sie auf
eine von Erichson (Jahresber. f. 1846. S. 107.) geäusserte Ansicht hin
bei dieser Familie erwähnt.
CocciuLellidae« Eine Monographie dieser Familie hat M Ul-
san t geliefert, sie bildet den zweiten Band der Annales d. scienc.
phys. et natur. d. Lyon. II. Serie, ist indessen unter dem Titel: „Spe-
cies des Coleopteres trimeres securipalpes Paris et Lyon 1850." auch
besonders erschienen. Das sehr umfangreiche Werk ist eigentlich nur
eine Erweiterung und Vervollständigung der Arbeit, welche der Verf.
über die französischen Coccinellen in seiner Histoire naturelle des Co-
leopteres de France im J. 1846 veröffentlicht hat; es ist daher gegen-
wärtig sowohl auf den dort gegebenen allgemeinen Theil als auch auf
die Beschreibungen der dort schon behandelten Arten einfach und ohne
Wiederholung Bezug genommen, die letztern sind nur durch kleine
Zusätze und durch Angaben über die geographische Verbreitung aus-
serhalb Frankreichs vervollständigt. In der Art der Ausführung Iheilt
das jetzt erschienene Werk alle Vorzüge des früheren , wir fin-
den dieselbe scharfe und genaue Unterscheidung der einzelnen Ar-
ten, dieselbe sorgfältige Erörterung der gerade in dieser Familie sehr
zahlreichen und leicht zur Aufstellung unhaltbarer Species Veranlas-
sung gebenden Abänderungen , dieselbe Gründlichkeit und Vollständig-
keit in der meist durch den Vej'gleich der Originalexemplare festgestell-
ten Synonymie. Der specifische Theil ist daher musterhaft gerathen
und der immense von dem Verf. darauf verwandte Fleiss nicht genug
anzuerkennen. In der Systematik dagegen leidet es, meiner Meinung
nach, an demselben Mangel wie die früheren Arbeiten Mulsant's, an
einer allzu grossen Vervielfältigung der höhern und niedern Ablheilun-
während des Jahres 1850. 213
gen. Die so sehr natürliche Familie ist in nicht weniger als 100 Gat-
tungen zersplittert , zu deren Begründung nicht selten die Behaarung
der Oberfläche, der Umriss des Körpers und der des Halsschilds insbe-
sondere , selbst relative Grössenverhältnisse benutzt sind , Charaktere,
die nach den Grundsätzen der bisherigen Systematik nur zur Unter-
scheidung der Arten oder zur Errichtung habitueller Gruppen in den
Gattungen verwandt zu werden pflegten, während die Mundtheile, die
hier manches brauchbare Merkmal darbieten, nicht berücksichtigt wor-
den sind. Ich muss bei dem beschränkten Räume dieses Berichts dar-
auf verzichten , die Eintheilung des Verf. und die neu aufgestellten
Gattungen hier mitzutheilen, und kann dies um so eher, da Sutfrian in
der Entom. Zeit. 1852. n. 8. eine sehr übersichtliche Darstellung des
Mulsant'schen Coccinellensystems gegeben hat. — lieber das Material,
welches der Verf. bei seiner Arbeit benutzen konnte , hat er in der
Vorrede berichtet; es umfasst die Bestände der meisten öffentlichen und
die fast aller einigermassen bedeutenden Frivatsammlungen. Von be-
sonderer Wichtigkeit für die Feststellung der Synonymie war es, dass
M. drei der in dieser Hinsicht wichtigsten Museen, das Linne'sche und
das Banks'sche in London und das Lund-Sehensledt'sche in Kopenha-
gen selbst vergleichen konnte. In Folge dieser reichlichen Unterstüt-
zung ist es dem Verf. möglich gewesen, nicht weniger als 901- Arten
(542 mit nackter und 359 mit behaarter Oberfläche) selbst zu beschrei-
ben; dazu kommen noch 75 ihm nur aus Beschreibungen bekannte,
welche, so weit ihre Stellung in dem System zu erkennen war, gehöri-
gen Orts eingeschaltet, ausserdem aber in einem Anhange zusammen-
gefasst sind. So weit ich es zu übersehen vermag, sind nur die von
Erichson in dem Consp. Coleopt. Peruan. (dieses Archiv 1847.) gege-
benen Diagnosen einer Anzahl peruanischer Arten nicht zur Kenntniss
des Verf. gelangt. — Einige einzelne Bemerkungen mögen hier noch
Platz finden. In Bezug auf Coccinella erythrocephala Fabr. ist M. durch
die Hübner'sche Sammlung getäuscht worden , sie gehört dem Kieler
Museum zufolge, welches M. leider nicht hat vergleichen können,
nicht zu Hyperaspis Fabricii Muls. , sondern ist einerlei mit Brachya-
cantha bistripustulata Fabr. , und der von Fabricius angegebene Fund-
ort Kiel ist daher nur als ein Schreibfehler zu betrachten. Von den
im Anfange erwähnten Arten ist Coccinella effusa Er. mit Harmo-
nia arcuala Fabr., Muls. sehr nahe verwandt; C. nassata Er. = Thea
tariegata Fabr. Muls.; C. ineso7nela Klug = Platynaspis bisignata Muls.;
C. gemina Klug = Alesia hamalu Schönh., Muls.; C. racemosa Germ.
= C. transversalis Fabr.; die nur fraglich bei Chilocorus ruficeps Muls.
cilirle Cocc. distigma Klug ist wirklich mit dieser Art identisch.
Costa hat (Fauna del regno di Napoli fascic. 56 — 65.) die im
Königreiche Neapel vorkommenden Arten beschrieben und thcilweise
abgebildet. Mulsant's Bearbeitung der französischen Coccinellen hat
214 Schaum: Bericht über die Leidtungen in der Entomologie
ihm hierbei als Grundlage gedient. Die aufgezählten Arten, die sämmt-
lich bereits bekannt sind, gehören folgenden Gattungen an : Änisosticta
(1 A.), Adonia (4 A.) , Coccinella (4 A.) » Harmonia (2 A.), Mijrrha
(1 A.), Sospita (1 A.), Cahia {2 k.) , Halyzia (1 A.) , Vibidia (l A.),
Propylaea (l A.) , Tea (l A.), Micraspis (2 A. , die zweite, M. pha^
lerala Dahl. aus Sicilien hält der Verf. für unbeschrieben, sie ist in-
dessen schon von Lucas bekannt gemacht), Chüocorus (1 A.), Exo-
chomus (2 A.) , Hyperaspis (3 A.) , Epilachna (2A.), Cynegetis (1 A.),
Platynaspis (1 A.), Scymnus (12 A), Rhizobius (2 A.), Coccidula (2 A.).
Die neuen von Reiche (Ferr. et Galin. Voy. en Abyss.) beschriebe-
nen und abgebildeten Arten : Adalia ßavomaculata Degeer var., signi-
fera, Alesia annulata, Verania trivittata , Oenopia litt er ata,
Epilachna vulp ecula ^ fulvosignata und quatuordecim ~ Si-
gna ta sind bereits in Mulsant's Monographie aufgeführt worden.
Hampe hat in der Ent. Zeit. S. 356. u. 357. Coccinella viri-
dula und pol onica, beide angeblich aus Galizien stammend, als n.
A. aufgestellt, es ist aber zu vermuthen, dass der Verf. in beiden Fäl-
len durch eine irrige Vaterlandsangabe getäuscht worden ist, und dass
ihm exotische Arten vorgelegen haben ; damit entstehen aber die ge-
gründetsten Zweifel an der Neuheit derselben.
Leconte errichtete (Col. of Lake super.) eine neue Gattung
Oxynychus und beschrieb drei neue Arten von Scymnus, S. cau-
dalis, lacus tris, o malus. Die Charaktere der erstem lauten:
corpus alatum, breviter oblongum, antice subangustatum, glabrum; an-
tennae capite breviores, art. 2do maiusculo, ultimo ovali maiore; ligula
emarginala; scutellum distinctum ; ungues simplices; epipleurae impres-
sae, abdomen arliculo primo , laminarum margine externo curvato. 0.
moerens n. A. ist V" lang.
Der Gattung Scymnus fügte auch ßoheman (Kon. Vet. Acad.
Handl. 1849.) eine neue Art Sc. bisi gnatus hinzu, die er in Gott-
land auf Cynanchum Vinceloxicum entdeckt hat, sie ist nur wenig klei-
ner als Sc. minimus und durch einen rothgelben Fleck hinter der Mitte
der Flügeldecken von diesem unterschieden.
dncloaiiycliicles«* Als die im Königreich Neapel aufgefun-
denen Arten dieser Familie hat Costa (Fauna del regno di Napoli)
Endomychus coccineus, Mycelina criiciata, Lycoperdina Bovistae beschrie-
ben und abgebildet. Auf Sicilien beschränkt ist der ebenfalls be-
schriebene und abgebildete Ancylopus melanocephalus Ol.
Die meiner Meinung nach zu den Endomychen gehörende Gat-
tung Symbiotes Redt, wurde von Hampe (Ent. Zeit. S. 353.) mit zwei
neuen bei Wien entdeckten Arten S. Iroglodyles und S. pygmaeus
bereichert ; die erslere stimmt zwar in der Bildung der Frcssw erkzeuge
mit Symb. latus Redt, vollkommen überein, hat aber eine ganz andere
während des Jahres 1850. 215
Gestalt und dreigliedrige Füsse. Der Verf. ist daher geneigt, aus ihr
eine besondere Gattung Clemnus zu bilden.
liatliridii. Von Aube (Ann. d. 1. soc. entom. Vlll. S. 331 fiF.)
sind als n. Arten beschrieben worden: Corticaria crassiuscula von
ßatum am schwarzen Meere, Latridius cordaticollis von Paris, L.
Gen ei aus Sardinien, durch sehr gewölbte mit enorm grossen Punk-
ten bedeckte und seitlich stark gerandele und gekerbte Flügeldecken
sehr ausgezeichnet, L. filiim aus einem Algier'schen Pilze in Paris
erzogen, L. elegans von Paris und Myrmecoxenus picinus aus Cor-
sica und Algier, von M. vaporariorum durch braune Farbe und sparsa-
mere Punktirung abweichend.
Als neue Art wurde ferner Corticaria macularis von Fuss
(Verh. des Hermannst. Vereins I. S. 127.) aufgestellt , sie ist in Sie-
benbürgen in ßaumpilzen entdeckt worden, weicht übrigens hinreichend
von Corticaria ab , um als eigene Galtung aufgestellt zu werden , zu
welcher der nordamerikanische Cryptophagus maculatus Melsh. als zweite
Art gehören dürfte.
Cisidae» Note sur le Xylographus bostrichoidss et sur ses
metamorphoses par L. Dufour (Ann. d. 1. soc. entom. d. Franc,
t. VIII. S. 549. Taf. 16. N. VI.). — Der Verf. erhebt zuerst einige
Zweifel, ob die von Mellie als X. bostrichoides Duf. beschriebene Art
auch wirklich mit der seinigen identisch sei. Die Larve der letztern
weicht von den bisher bekannt gewordenen Cislarven sehr bedeutend
ab, das Basalglied der Fühlhörner trägt zwei kurze neben einander
stehende Griffel , von denen nur der innere mit einer Borste endigt;
Augen fehlen ; das letzte Hinterleibssegment ausgerandet , ohne die
grossen nach oben gerichteten Haken der Cislarven , die Ecken der
Ausrandung erhärten kurz vor der Verwandlung zur Puppe zu spitzen
Dornen. Die Nymphe erinnert in der Gestalt, namentlich durch die
Grösse des Thorax, an die von ßostrichus und Hylesinus. Die Ver-
wandlung geht in Boletus igniarius vor sich.
IVeuroptera.
Hemerobiiii. F. Brauer hat eine Bearteitung der öst-
reich'schen Arten der Gattung Chrysopa in Haidinger's Naturwiss. Ab-
handl. 4.;_Bd. 4. Abth. 1 und 2. veröffentlicht. Es werden von ihm 13
Arten unterschieden und durch Abbildungen erläutert; sie zerfallen in
zwei Gruppen : A. Flügeladcrn alle grün oder roth , einige Queradern
um die Wurzel schwarz. Chr. perla Linn. mit drei Abänderungen und
Chr. tenella n. A. — B. Flügeladern grossentheils schwarz gefleckt.
Chr. flavifr ons n. sp., micr acephala ^ alba L., nigricostala
n, 5p., CO er iile (t, ab domi nep?(nc( ata, nobilis, formosa,
pusillaf reticulata Le?ich. j pini. Von Chr. perla, nigricostala, coe-
216 Schaum: Bericht über die Leistungen in der Entomologie.
rulea , reliculata , pini und nobilis sind auch die Larven beschrieben,
und abgebildet. Schneider hat in seiner ausgezeichneten, 1851 er-
schienenen Monographie der Gattung Chrysopa nachgewiesen, dass
mehrere der oben erwähnten von Br. als neu aufgestellten Arten bereits
früher unter andern Namen beschrieben sind.
Von Eversmann (Bull. d. Älosc. 1850. n. HL S.276.) sind die
russischen Arten von Ascalaphiis beschrieben und abgebildet worden
(„de Ascalaphis nonnullis Rossiam incolenlibus"}; es sind deren vier
angeführt: A. longicornis Charp. mit einer kleinern Varietät dubius
Eversm. , welche indessen eigene Art und = Kolywanensis Laxm.,
macaronius Scop., oculalus Brülle ist, und drei neue, A. u stulatus
aus dem südlichen Caucasus, A. sibiricu s aus Ostsibirien und A.
fo rcipatus aus dem südlichen Caucasus, der letzte ist indessen mit
A. hamatus Klug Symb. phys. identisch,
Hagen hat in seiner „üebersicht der neuern Litleralur, betreffend
die Neuroptera Linne's« (Ent. Zeit. 1850. S. 362— 373. 1851. S. 118—
128., 185—191. 1852. S. 90—95.) die Leistungen in den einzelnen
Gruppen dieser Familie (Sembliden, Mantispen, Hemerobiden im engern
Sinne) analysirl und ein vollständiges Bild unserer gegenwärtigen Kennt-
niss dieser Thiere geliefert.
Panorpatae. Die bisherigen Leistungen über diese' Familie
sind von Hagen (Ent. Zeit. S. 373.) vollständig zusammengestellt und
analysirt worden.
Newman stellte Proc. Ent. Soc. S. 14. Fanorpa ruficeps als
neue Art aus Keuholland auf; die Diagnose lautet: nigra capite femo-
ribusque ferrugineis, alis fuscescentibus immaculatis.
Räplftidides* Hagen hat (a. a. 0. S. 368.) auch die über
die Raphidien erschienenen Abhandlungen besprochen.
Pliryg^anicles* v. Hey den hat ein sehr eigenthümliches
Neuropteron mit ganz rudimentären Flügeln unter dem Kamen Dro~
mophila montana als neue Gattung und Art in der Ent. Zeit. S. 83.
aufgestellt ; die Gattung bringt er zu den Hemerobien in die Nähe
von Osmylns und definirt sie in folgender W^eise : Stirn mit drei ent-
fernten Nebenaugen, Fühlhörner fadenförmig, dick, Hinterleib dreischnei-
dig, Füsse mit zwei scharfen Klauen und zweitheiligen Haftlappen.
Zwei Flügelrudimente. Der Verf. hat das einzige ihm bekannte Ex-
emplar im badischen Schwarzwalde gefangen. — Hagen wies später
(Ent. Zeit. 1851. S. 164.) nach, dass diese Gattung anf das bisher noch
unbekannte Weibchen Yon Enoecyla silvalica Ranib. (= Limnophilus
pusillus Burm. = Ptyopteryx Reichenbachii Kol.) gegründet ist und da-
her zu den Phryganiden gehört; sie scheint ihre früheren Zustände
ausserhalb des W^assers zu verleben.
während des Jahres 1850. 217
Lepidoptera.
Anatomische Untersuchungen über den Darmkanal des
Bombyx mori und der Schmetterlinge überhaupt hatFilippi
im 5. Bande der Annalen der sardin. Academie für Agri-
cultur veröffentlicht, (s. ob. S. 145.)
Ueberraschend ist hier zunächst die Behauptung des Verf., dass
der sogenannte Saugmagen der Lepidopteren nur durch eine Aufblähung
der sehr feinen ä u ss er n Haut des Oesophagus gebildet wird, dass die
innere Chitinhaut des letzteren sich, ohne an dieser seitlichen Er-
weiterung Theil zu nehmen , in die innere Ausldeidung das Magens
fortsetzt , dass somit keine directe Verbindung jenes Saclies mit der
Speiseröhre stattfindet. Es wird hierdurch die Deutung desselben als
Saugmagen völlig umgestossen , er ist eine blosse Luftblasse , und die
Luft in demselben muss abgeschlossen oder aus den Tracheen eingetre-
ten sein.
Als Analogen der Speicheldrüsen findet sich ein Haufe kleiner
Drüsen an der Mündung des Oesophagus in den Magen. Zahlreiche Tra-
cheen dringen in denselben ein, und erscheinen bisweilen fast als Aus-
führungsgänge dieser Drüsen, wofür sie auch Heinr. Meckel gehalten zu
haben scheint. — Wichtiger als die vorerwähnten sind zwei gewundene
Drüsenschläuche von lebhaft rothgelber Farbe am oberen Theile des Ma-
gens, welche wahrscheinlich den Saft liefern, mit welchem der Schmet-
terling beim Auskriechen den Coccon durchälzl. Auf dem Coccon
pflegt nämlich ein Fleck von derselben Farbe zurückzubleiben, und es
fehlen diese Drüsen denjenigen Schmetterlingen, welche keinen Coccon
spinnen.
Der Dünndarm bildet nach mehreren Windungen , zur Aufnahme
seines eigenen und des Kierensecrels , einen grossen Blindsack, dessen
Wand von glatten und gestreiften Muskelfasern gebildet wird, und der
gewissermassen als Harnblase angesehen werden kann. — Aus dem Um-
stände, dass bei Bombyx mori der Magen eine zottige Beschaffenheit
hat, und die Malpighi'schen Gefässe glatte Cylinder darstellen ; bei Sphinx
IS'erii der Magen glatt und die Malpighi'schen Gefässe mit Zotten be-
setzt sind , und daraus , dass ein ähnlicher Unterschied zwischen den
carnivoren Carabicinen und den herbivoren Melolonthen stattfindet, zieht
der Verf. den Schluss , dass die Function der Leber und der Nieren
unter Umständen einem einzigen Organe übertragen wird. Es kommt
hier auch in Betracht, dass den Crustaceen, welche eine sehr entwik-
kelte Leber besitzen , die vasa Malpighiana abgehen.
Die Forlsetzungen von Herrich-Schaeffer's gros-
sem Werke „Systematische Beschreibung der Schmetterlinge
von Europa" sind einander rasch und ununterbrochen ge-
218 Schaum: Bericht über die Leistungen in der Entomologie
folgt, und zwar ist im J. 1850 das 41— 46ste Heft ausgege-
ben worden. Da der Schluss des ganzen Textes in dem 47.
und 48slen, welche 1851 erschienen sind, enthalten ist, so
dehne ich hier den Bericht gleich mit auf diese Hefte aus.
Der Text des zweiten Bandes enthält auf Bogen ,31 — 57 die noch
fehlenden Zünfte, der eigentlichen N octui den, nämlich die artenreiche
Zunft der Hadenidae , deren Thorax und Hinterleib durch Haarschöpfe
ausgezeichnet und deren fünfte Hinterflügelrippe schwächer ist als die
übrigen, bestehend aus den Gattungen: Dianthoecia ßoisd. (18 A.),
FoliaBo'isd. (98 A.), Hadena {18 X.), Apamea {9 A.), Xylophasia (12 A.),
Hyppa (1 A.), Xylocampa Dup. (1 A.), Neuria Guen. (8 A.) , Agriopis
ßoisd. (l A.), Chariptera Guen. (1 A.) , Valeria Sleph. (3 A.), Miselia
Tr. (lA.), Taracha H. (1 A.), Cleophana Boisd. (10 A.), Solenoptera
Dup. (2 A.), Diplerygia (1 A.), Cloantha Boisd. (1 A.). — Eine vierte
Unterzunft Xylinidae macht die Gattung Xylina 0 mit 14 A. aus, welche
durch die über den Yorderrand des Thorax in eine scharfe Ecke vor-
springenden Schulterdecken unterschieden wird. Eine fünfte Zunft CucuU
lidae besteht ebenfalls nur aus einer Gattung Cucullia mit 35 A. — Die
nächsten drei Zünfte bestehen aus Arten mit flachgedrücktem Hinter-
leibe ohne Dornenborsten der Vorderschienen ; die Gonopteridae {Go-
noplera Latr. mit 1 A.) haben den Saum der Vorderflügel gTusgefres-
sen, die fünfte Rippe der Hinterflügel so stark als die übrigen ; die
Cerastides {Hoporina Boisd. mit 1 und Cerastis 0. mit 9 A.) haben
eine viel schwächere fünfte Rippe , und einen schwarzen Längskamm
auf dem Thorax; die Amphipyridae (Amphipyra 0. mit 11 A.) haben
eine wenig schwächere fünfte Rippe und Vorderflügel mit gerundetem
Saume und Spitze. — Die neunte ünterzunft Noctuidae enthält: Tri-
phaena Tr. (8 A.), Opigena Boisd. (2 A^) , Agrotis Ochs. (83 A.), No-
clua (22 A.). Die zehnte Zunft Heliothides: Anlhoecia B. (6 A.), He~
liothis 0. (13 A.) , Heliaca (2 A.) , Anarta 0. (10 A.) , Argyrospila
(1 A.); die elfte Unterzunft Maniidae : Mania Tr. (1 A.), Piacodes B.
(1 A.) ; die zwölfte Zunft Eriopodides : Eriopus Tr. (2 A.) ; die drei-
zehnte Eurhipidae: EurhipiaB. (2 A.) ; die vierzehnte Ca/ptdcs ; Calpe
Tr. (1 A.); die fünfzehnte Herminidae : Herminia Latr. (15 A.); die
sechszehnte Metoponidae : Meloponia Dup. (5 A.), Heliodes Guen, (1 A.),
Segelia Steph. (1 A.) , Haemerosia B. (1 A.) ; die siebenzehnte Plusii-
dae : Abrostola 0. (3 A.) , Flusia [dil A.); die achtzehnte Eraslridae :
Erastria 0. (4 A.) ; die neunzehnte Ophiusidae : Catephia 0. (3 A),
Calocala 0. (23 A.), Ophiusa 0. (16 A.); die zwanzigste Acontidae nur
Acontia 0. (19 A.) ; die ein und zwanzigste Gonialidae : Cerocala
(1 A.), Euclidia (HA.); die 22ste Hijpenidae : Hypena Tr. (PA.) und
Madopa (1 A.). Hier sind die Gattungen Agrophila ß. (1 A) und
Hydrelia Guen. (3 A.) cingcgchaltet. Die 23ste Unterzunft Leptosidae
• während des Jahres 1850. ' 219
bilden die Gattungen: rericyma (1 A.) , Helia Guen. (6 A.) , Leplosia
(7 A.), Sophronia Guen. (l A.), Aventia Dup. (l A.) , Zethes (1 A.),
Die 29ste Zunft Aglenidae : Micra Guen. (24 A.) , Oratocelis Guen.
(7 A), Cledeobia (1 A.). Im Ganzen sind 782 Arten von Eulen auf-
gelührt und abgebildet. Dann folgen zum Schlüsse zwei Gruppen:
Nycteolidae, die mit den Eulen in enger Verbindung stehen, aber eine
deutliche Anhangzelle der Vorderflügel und Halbspannerraupen haben;
die Ste Rippe der Hinterflügel entspringt hier ziemlich nahe der Wur-
zel aus der Mittelzelle; sie besteht aus den Gattungen: Nycteola H. S.
(1 A.) , Sarrothripus Curt. (1 A.) , Chloeophora Steph. (2 A.) , Rivula
Guen. (1 A.), Earias H. (3 A.), Schrankia H. S. (1 A.); und Brephidesy
nur von der Gattung Brephos 0. mit 3 A. gebildet.
Bogen 14—36 des vierten Bandes liefern die Bearbeitung der
Tortrices , deren 469 Arten in 33 Untergattungen zerlegt sind: Teras
Tr. , Lozolaenia Curt. , Argyrotosa Wood , Ptycholoma Wood , Torlrix,
Lophoderus Steph. , Eucelia H. , Xanlhoselia Steph , Ablabia Steph.,
Eupecillia Wood, Cochjlis Tr., Cnephasia Wood, Cheimonophila Dup.,
Phtheochroa v. Heyd. , Sciaphila Tr. , Poecilochroma Wood, Euchromia
Steph., Rhyacionia Steph., Ditiila Wood, Sericoris Tr. , ISotocelia H.,
Coccyx Tr., Penthina Tr., Paedisca Tr., Aphelia Steph,, Lemasia Steph.
Roxana Wood, Carpocapsa Tr., Grapholilha Tr., Syndemis H., Stegano-
ptera Steph., Phoxopleryx Tr., Cheimatophila Steph. — Die Tafeln zum
Hauptwerke sind auch bereits sämmtlich erschienen, und mehrere ge-
ben schon Darstellungen von Arten , die in dem Supplemente beschrie-
ben werden sollen. Es ist überflüssig, hier nochmals den grossen Werth
des Werkes und die Vortrefflichkeit der Abbildungen hervorzuheben.
Von Freyer's Neueren Beiträgen zur Schmetterlings-
kunde sind vier Hefte (91 — 94) erschienen.
Ad. und Aug. Speyer haben eine sehr lehrreiche und
anziehend geschriebene Abhandlung „Ueber die Verbreitung
der Schmetterlinge in Deutschland. Ein Beitrag zur zoolo-
gischen Geographie" in der Entomol. Zeitung S. 225 — 296
veröffentlicht, die als der erste Versuch, das in Localfaunen
zerstreute Material übersichtlich zu ordnen und die allgemei-
nen Gesetze der entomologischen Geographie festzustellen,
iifl hohen Grade dankenswerth ist.
Die Verf. haben sich — was nur zu billigen ist — vor der Hand
darauf beschränkt, die am besten bekannten Familien, die Rhopalocera
und von den Helerocera die Sphingidae y Sesiidae , Ihyrididae, Zygae-
nidae und Synlomididao zu bearbeiten. Ausser den verschiedenen im
Druck erschienenen Provinzial- und Localfaunen sind sie durch band-
220 Schaum: Bericht über die Leistungen in der Entomologie
schriftliche Verzeichnisse aus vielen Gegenden Deutschlands in ihrem
Unternehmen unterstützt ■worden, lieber bedeutende Landstrecken,
wie Mähren, Niederöstreich, Franken, die Pfalz, den Thüringer-
wald, das Fichtelgebirge, Sachsen, Hessen und die nordwestlichen
Küstenländer , lagen ihnen indessen nur sehr unvollständige No-
tizen vor.
Das Gebiet der deutschen Fauna haben die Verf. im Süden durch
die Alpen, im Norden durch Nord- und Ostsee, im Westen durch die
Vogesen begrenzt, im Osten, wo es an einer scharfen, physischen und
linguistischen Grenze fehlt, ist es auf Böhmen, Mähren, Posen und
Preussen ausgedehnt worden, es umfasst also mit Ausnahme von Istrien,
Krain und dem italiänischen Tyrol , die Länder des deutschen Bundes
und ausser diesen noch Schleswig, Preussen, Posen, das Elsass und
die deutsche Schweiz, erreicht im Süden fast den 46., im Korden fast
den 56. Breitengrad und macht, einschliesslich Russlands, etwa den 12.
Theil von Europa aus.
In diesem Gebiete sind die Tagschmelterlinge durch 186 Arten
vertreten, darunter sind 9 begriffen, deren deutsches Bürgerrecht noch
nicht völlig festgestellt ist. Die Zahl der europäischen Rhopalocera
beläuft sich, nach Herrich-Schaeffer, auf 306, es stellt sich daher das
Verhältniss der deutschen zur europäischen Fauna wie 3 : 5; bei einer
bessern Kennlniss von Südeuropa wird es aber, aller Wahrscheinljch-
keit nach , auf 1 : 2 herabsinken. — Da die Vermuthung des Verf. ,
dass Libythea Cellis in Deutsch-Tyrol vorkommt, begründet ist (sie ist
bei Bolzen nicht selten) , so fehlt uns in Deutschland von den neun
europäischen Tribus nur die der Danaiden. Am reichsten sind im Ver-
hältniss zur europäischen Artenmenge, die Kymphaliden (46 : 59),
am schwächsten die Satyridcn (49:95), Pieriden (16:31) und
Papil ioninen (6 : 14) vertreten, dem mittleren Verhältniss ent-
sprechen die Lycaeniden (49: 75) und Hesperiden (18 : 29). —
Monochorische Arten, d. h. solche, die auf die Grenzen des Gebiets
eingeschränkt sind, besitzt Deutschland nur in der ausschliesslich im
Harz vorkommenden Erebia Epiphron , deren specifische Verschieden-
heit von E. Cassiope indessen von manchen Seiten noch angefochten
wild; sonst sind sämmtliche Tagschmelterlinge noch in einem grössern
oder kleinern TheileEuropa's einheimisch. — Die Arten zerfallen ihrem
Vorkommen nach in allgemein verbreitete oder zerstreute, d. h. solche,
die manchen Gegenden von grösserem oder geringerem Umfange ganz
abgehen. Um den Einfluss der geographischen Länge und Breite zu
veranschaulichen, haben die Verf. das ganze Gebiet in vier Hauptprovin-
zen, eine nordwestliche, nordöstliche, südöstliche und südwestliche ge-
theill; als Grenze zwischen Nord und Süd ist die zwischen dem 50. und
51. Breitengrade von der Eifel bis zu den Sudeten sich hinziehende
Gebirgskette, als Grenze zwischen Ost und West der 30. Meridian von
während des Jahres 1850. 221
Ferro angenommen. Der Nordhälfte allein gehören: Argynnis
Laodice , Erebia Epiphron , Lycaena polona und Hesperia Syhius an ;
der Südhälfle: Melitaea trivia], Argynnis Pandora , A. Hecate, LU
menitis aceris, L. Camilla, Erebia Euryale , E. Slygne, E. Melampusy
E. Cassiope, Satyrus Arethusa , Coenonympha Oedipus, Pararga Hiera^
Lycaena Escheri, Polyommatus Thersamon, Thecla Ballus, Thais Poly-
xena , Doritis Apollo, Colins Chrysolheme , Hesperia Lavaterae , und
einige Varietäten: Apalura Eos, Arge Procida, A. leucomelas, Pararga
Adrasta, Pieris Bryoniae. Ferner sind einige Arten der Südhälfte zu-
zuzählen , die den 51° um ein Geringes überschreiten, ohne weiter
nach Korden vorzudringen: Lim. Lucilla, Sat. Proserpina, S. Her-
mione, Lyc. Daphnis , L. Ballus, L. Telicanus , Thecla Acaciae
Hesp. Sao. Dazu kommen noch sämmtliche Falter, die blos im
Gebiete der Alpen wohnen: Melilaea Cynthia, M. Asteria, Arg,
Thore , A. Pales , Ereb. Nerine , E. Goante, E. Gorge,lE. Manlo ,
E. Tyndarus, E. Pronoe , E. Aleclo , E. Psodea , E. Mnestra, E.
Ernas , Sat. Cordula , Chionobas Aello , Coen. Satyrion , Lib. Celtis
Lyc. Eros, L. Orbitulus, Pol. Gordius, P. Eurybia, Dor. Delius, Pier»
Callidice, P. Ausonia , Col. Phicomone ^ Hesp. Alveus , H. Serratulae ,
H. Cacaliae und die Varietäten: M. Merope, Ereb. Arete, Er.Eriphyle.
— In der Weslhälfte allein sind Ereb. Epiphron, Lyc. Escheri,
Thecla Ballus und Pararga Maera var. Adrasta einheimisch ; von Al-
penfallern noch Sat. Cordula, Er. Evias, E. Mnestra, Pier. Ausonia,
Libythea Celtis und vielleicht auch Hesperia Alveus, Serratulae und
Cacaliae. 0 es tl ich e Falter sind: Arg. Laodice, Pandora, Lim. Ace~
ris, L. Lucilla. Coenon. Oedipus, Lyc. Polona , L. Icarius, Col. Chry-
sotheme, C. Myrmidone und A. Galatea var. Procida und Leucomelas,
Hiernach hält sich die Ost- und Westhälfte in der Zahl der jeder eigen-
Ihümlichen Arien etwa die Wage, dies wird aber nur durch das Gleich-
gewicht der südlichen Ost - und südlichen Westhälfte hergestellt ; ganz
anders gestaltet sich das Verhältniss , wenn man die nördliche Hälfte
des Ostens mit der nördlichen des Westens vergleicht, wo sich ein
ansehnliches Plus für die erstere ergiebt. Ereb. Epiphron ist die ein-
zige dem Nordwesten allein angehörige Art oder Varietät ; der Nord-
osten besitzt dafür: Arg. Laodice, Lyc. polona und Hesp. Syhius, und
hat eine Menge von Arten mit Mittel - und Suddeulschland gemein,
die dem Kordwesten fehlen : Mel. Parthenie, M. Dictynna, M. Phoehe,
M. Didyma, Arg. Ino , A. Daphne, A. Dia, A. Arsilache, Van. Xan-
thomelas, Limen. populi, Apat. Ilia, Ereb. Medea, Sat. Phaedra, Epin,
Eudora, Coen. Iphis, Par. Dejanira, P. Maera, Lyc. Cyllarus, L. Ere^.
bus, L. Euphemus, L. Hijlas , L. Corydon, L. Adonis , L. Dorylas, L.
Optilete, Pol. Helle, P. Hipponoe, Thecla Spini, Th. W-albunif Col. Pa^
laeno, Hesp, Malvarum, H. Carlhami , H. Fritillum.
Es ergiebt sich hieraus das bemerkenswerlhe Resultat, dass der
222 Schaum: Bericht über die Leistungen in der Entomologie
Keichthum der Fauna nicht allein von Norden nach Süden, sondern
auch im Norden, wenn schon in geringerem Grade, von Weslen nach
Osten zunimmt. Diese auffallendeThatsache ist vielleicht aus dem mehr
continentalen Klima des Ostens , in dem die Sommer wärmer sind, zu
erklären.
Was die Verbreitung der Falter in senkrechter Richtung betrifft,
so lassen sich zwei Haupt-Regionen, die des Tieflandes mit den nie-
deren Gebirgen und die der höhern Gebirge und Alpen feststellen ; ihre
Scheide liegt da, wo diejenigen Erebien auftreten, welche einige mit-
teldeutsche Gebirge mit den Alpen gemein haben , in Mitteldeutschland
in der Höhe von 3000—3500', in den Alpen in der von 4000—4500'.
Jede der beiden Haupt-Regionen zerfällt wieder in zwei ; die eine in
die Region des Tieflandes und der Hügel und in die Region der niedern
Gebirge, deren Grenzlinie in der Höhe von 1000 — 1500' zu legen ist
(die letztere scheint durch Erebia Ligea, Sat. Proserpina, S. BriseiSy
Lyc. Dämon, L. Baltus, Dor. Apollo und üesp. Sao charakterisirt zu sein) ;
die andere in die subalpine, die sich bis zur obern Baumgrenze erstreckt
und in die eigentlicheialpine, von 5500' bis zum ewigen Schnee, in wel-
cher nur strauchartige Gewächse, besonders Rhododendren vorkommen;
die letztere zeigt in ihren entomologischen Productionen die«elbe Ana-
logie mit den Polargegenden, wie in den pflanzlichen. Eine Anzahl sub-
alpiner Arten, wie: Erebia Gorge, E. Pronoe, E. Phorie, E. Melampus,
E. Pyrrha, E. Cassiope, Lyc. Eros , L. Orbitulus und Pier. Napi var,
Bryoniae steigen in die alpine Region hinauf; ausschliesslich subalpin
scheinen: Er. Nerine, E. Euryale, E. Stygne, E. Epiphron und Par.
Hiera; ausschliesslich alpin : Mel. Cynthia, M.Artemis var. Merope, M.
Asteria, Arg. Pales, Ereb. Manto, E. Tyndarus, E. Alecto, E, Mnestra,
Sat. Aello, Coen. Satyrion, Pol. Eurybia, Pier. Callidice, Col. Phicomone,
Dor. Delius zu sein. Von Arg. Thore, Ereb. Goante, E. Ceto , E.
Oeme, E. Evias, E. Psodea wissen wir nur, dass sie Hochgebirgsfalter
sind. Einschliesslich derselben beträgt die Zahl der Arten, welche die
zweite Hauplregion bewohnen, 33, sie finden sich, Er. Epiphron aus-
genommen, alle in den Alpen, mit denen das Riesengebirge^iJ. ^«rya^e,
das Gesenke E. Melampus und E. Cassiope, der Schwarzwald E. Stygne,
der Taunus angeblich E. Goante gemein hat. Charakteristisch ist für
dieselben eine matte oder düstere Färbung, je höher hinauf, um so
mehr herrscht Schwarz vor; auch die Varietäten b'lden sich durch
Ausdehnung der schwarzen Zeichnungen oder durch Matterwerden der
rothen und gelben Farben. Von den Bewohnern der Tiefländer und
niedern Berge wurden bis jetzt erst 23 Arten beobachtet, die nebst den
33 wahren Hochgebirgsfaltern in der zweiten Hauptregion vorkommen.
Falter, welche im Süden nur die Gebirge bewohnen und in den Tief-
ländern des Nordens wieder erscheinen , sind : Arg. Amathusia , A.
Aphirape, Dor. Mnemosyne.
während des Jahres 1850. 223
Die Beziehungen , in denen die chemische und geognostische
Beschaffenheit des Bodens zu den Faltern stehen, sind noch wenig er-
forscht. Die Kalkformalion scheint die reichste Fauna zu haben , viel
Uebereinslimmung mit derselben zeigt der vulkanische Boden , dann
folgt derThonschiefer, am ärmsten ist bei uns die Formation des bun-
ten Sandsteins. '
Die Sphingiden haben im Allgemeinen grosso Verbreitungs-
bezirke, von 31 europäischen Arten kommen 21 in Deutschland vor,
zwei Sph. Nerii und Celerio nur als Zugvögel, 14 sind fast allenthal-
ben einheimisch , der Süden hat hier nur Sph. Quercus im Osten und
Sph. Vespertilio im Westen vor dem Norden voraus. — Von 45 euro-
päischen Sesien besitzt Deutschland 27, hier hat der Kordosten in
(S. laphriaeformis , der Süden in S. masariformis , typhiaeformis und
cephiformis eigenthümliche Arten. Der Westhälfte gehören S. typhiae-
formis und chrysidiformis an. Ostfalter sind : S. laphriaeformis, phi-
lantif.y niasarif. Dem IVordwesten mangeln sonst zwei verbreitete Ar-
ten S. formicaef. und tenthredinif. Das Alpenland hat nichts Eigen-
thümliches. — Die einzige Art der Thyrididae, Thyris feneslrina,
findet sich nur im Süden. — Von 57 europäischen Zygaeniden sind
nicht mehr als 25 in Deutschland zu Hause, von denen nur zwei
Procris Statices und Zyg. Filipendulae aller Orten zu finden sind. Bloss
im Süden sind Procris infausla, Zyg. Medicaginis und transalpina ein-
heimisch; in der W'esthälfte allein kommt Z. fausta vor. Dem Nord-
westen gehen wieder fünf Arten ab, welche der Nordosten mit dem
Süden gemein hat: Zyg. Scabiosae , Achilleae , Peucedani , Hippocre-
pidis und Onobrychis. Das Alpenland hat in den Hochgebirgsfaltern
Pr. chrysocephala und Zyg. exulans seine besondere Producte. — Von
den 4 europäischen Syntomididen besitzt Deutschland Syntomis
Phegea und Naclia Ancilla, die weit verbreitet sind.
In der speciellen Aufzählung der Arten haben die Verf. von je-
der den Verbreitungsbezirk nach horizontaler wie nach senkrechter
Erstreckung mit möglichster Genauigkeit festgestellt.
Die in Meklenburg beobachteten Lepidopteren sind von
Boll zusammengestellt worden (Archiv des Ver. d. Freunde
d. Naturgesch. in Mekl. 4, Heft S. 12—50).
Ein einfaches Namcnsverzeichniss, in welchem 744 Macrolepi-
dopteren und zwar 133 Papiliones , 48 Sphinges , 118 Bombyces , 268
Noctuae und 205 Geometrae, und 746 Microlepidopteren , nämlich: 67
Pyralides , 235 Tortrices , 422 Tineidae , 22 Pterophoridae , im Ganzen
also 1490 Arten aufgezählt sind.
Das Verzeichniss der um Dessau vorkommenden Schmet-
224 Schaum: Bericht über die Leistungen in der Entomologie
terlinge hat Richter jetzt durch die Aufzählung der aufge-
fundenen Microlepidopteren vervollständigt (Ent. Zeit. S. 24.)
Berichtigungen und Ergänzungen der schlesischen Le-
pidopterenfauna hat As s mann in der schles. Zeilschr. für
Entom. No. 13. mitgetheilt.
Sie beziehen sich vorzugsweise auf die Familie der Widder,
deren schlesische Arten (283) hier sämmllich namhaft gemacht sind.
Bemerkungen zu einigen für Schlesien neuen Falter-
species von Zell er (Schles. Zeitschr. f. Entom. No. 13).
Es sind hier zwei neue Arten von Crambus , welche unten er-
wähnt werden, beschrieben, eine Alychia, die entweder globulariae
oder neue Art ist, die Naturgeschichte der als Raupe auf Usnea
barbata lebenden Boarmia glabraria und mehrere Abänderungen der-
selben besprochen , und das Vorkommen der Sesia laphriaeformis in
Schlesien angezeigt.
Lepidopterologische Beiträge zur Kenntniss der Seefel-
der bei Reinerz hat Standfuss (Schles. Entom. Zeit. 1850.
No. 16.) gehefert.
Synopsis der Lepidopteren -Fauna Böhmens von F. A.
Nickerl. 1. Abth. Prag 1850.
Die vorliegende Abtheilung enthält die Papilioniden , welche
durch 128, die Sphingiden, welche durch 54, die Bonibyciden, welche
durch 120 und die Eulen , die durch 281 Arten vertreten sind. Die
Arten sind nur namhaft gemacht, überall aber Angaben über ihre Er-
scheinungszeit, Vorkommen und die Lebensweise der Raupe beigefügt.
Ein Verzeichniss der bis jetzt in Siebenbürgen aufge-
fundenen Lepidopteren hat Fuss im Namen des H. v. Fran-
zenau in den Yerh. des Hermannstädter Vereins I. S. 54.
veröffentlicht.
Es sind gegen 900 Arten aufgeführt, welche fast sämmtlich in
der nächsten Umgebung von Nagyag gesammelt worden sind; die Liste
der Microlepidopteren ist noch ziemlich dürftig.
Observations sur les Lepidopteres de l'Auvergne par
Beliier de la Chavignerie (Ann. d. 1. soc. entom. d.
Franc. VIII. S. 73).
Der Verf. bespricht das Vorkommen einiger seltenen Schmet-
terlinge in den Gebirgen der Auvergne und namentlich in der Nähe des
Mont-Dore. Eigenthümlich ist, dass einige Tagfalter, namentlich aus
den Gattungen Erebia, Argynnis ^ Melitaea und Polyommalus , in dieser
während des Jahres 1850. 225
Localität eine dunklere Färbung erhalten. Die Gattung Zygaena scheint
daselbst nur in einer Art , Z. fiUpendulae aufzutreten ; zahlreich sind
besonders die Geometren , unter denen Numeria Donzelaria Dup. als
besonders selten hervorgehoben wird , sie hat sich indessen später als
Abänderung des Weibchens von N. capreolaria ausgewiesen.
Die im vorigen Jahre begonnene Abhandlung über die
von J. Mann beobachteten toscanischen Microlepidopteren
hat Zell er Ent. Zeit. S. 59—64, 134—136, 139—162, 195—
212 fortgesetzt und beendigt.
Es sind hier 289 Tineacea und 28 Pterophoridae verzeichnet, die
neuen Arten derselben werde ich unten aufführen.
H. Doubleday's „Synonymic List of British Lepido-
ptera" (s. Jahresber. f. 1848. S. 216.) ist jetzt vollständig er-
schienen.
Mir ist die sehr dankenswerlhe Schrift, in welcher die Nomen-
clatur der briltischen Schmetterlinge ganz mit der auf dem Continent
gebräuchlichen in Einklang gesetzt wird , leider nicht aus eigener An-
sicht bekannt.
List of the specimens of British animals in the collec-
tion of the British Museum. Part. V. Lepidoptera. Prin-
ted by order of the trustees. London 1850.
F. Stephens hat sich hier der Aufgabe unterzogen, ein kriti-
sches Verzeichniss der in England einheimischen grössern Lepidopte-
ren bis incl. Fyraliden zu liefern , und hat dieselbe in sehr anerken-
nenswerther Weise gelöst. Die Arbeit ist nicht allein, weil sie einen
Theil der englischen Fauna in einer Vollständigkeit zu unserer Kennt-
niss bringt, dass fernere Bereicherungen wohl kaum zu erwarten sind,
sondern auch wegen der sehr sorgfältigen Behandlung der Synonymie
von Bedeutung. Wie viel in dieser Beziehung durch H. Doubleday's
List of British Lepidoptera vorgearbeitet war, vermag ich nicht zu be-
urtheilen , da mir die letztere Schrift nicht zugegangen ist. — Der
Verf. zählt 68 Tagschmetterlinge, 38 Sphinges, 95 Spinner, 291 Eulen,
270 Spanner und QQ Fyraliden, im|Ganzen also 798 Arten auf, deren
Vorkommen in England völlig verbürgt ist. Die Zahl der eigenthüm-
lich brittischen Arten ist , wie sich dies kaum anders erwarten lässt,
ungemein klein , ich kenne als solche nur Leucania litloralis Curtis,
Coenophila subrosea Steph., Chrysophanus dispar, Polyommatus Artaxer-
xes und P. Salmacis Steph., der übrigens wohl nur locale Abänderung
von F. Artaxerxes ist. Ausserdem finden sich in dem Kataloge noch
folgende auf dem Continente unbekannte Arten : Sterrhopterix kyalinella
Steph. I\1S. , Fumea reticella Newm. , Hadena assimilis Doubl. , Senla
fiammea Curtis, Odoptera fuscantaria Haw., Aleucis pictaria Curt., Eri->
Archiv, f. Naturgesch. XVII. Jahrg. Z, fid. P
2S@ Schaum: Bericht über die Leistungen in der Entomologie
nobia multistrigaria Uaw., Oporabia autumnaria Doubl., Eupithecia pa-
lustraria Doubl., collunaria Staint., Emmelesia taeniata Steph., Cledeo-
bia albistrigalis Haw., costaestrigalis Steph., Hypenodes humidalis Doubl.,
von denen indessen woiil mehrere unter andern Namen auch von deut-
schen oder französischen Schriftstellern beschrieben sein mögen. —
In einem Anhange hat der Verf. die angeblich britischen Arten, deren
Indigenat indessen zweifelhaft ist, und die irrthümlich der brittischen
Fauna einverleibten zusammengestellt. — Was die Synonymie betrifft, so
sind die jeder Art erlheilten Namen so vollständig als möglich aufgeführt,
einem jeden Namen aber gewöhnlich bloss das Citat desjenigen Schrift-
stellers, der ihn zuerst gebraucht hat, und die Jahreszahl beigefügt; nur
die in englischen Schriften enthaltenen Abbildungen sind sämmtlich er-
wähnt. — Die systematische Anordnung leidet an dem, man ist versucht
zu sagen nationalem, Fehler der Engländer, an der allzuweit getriebenen
Vervielfältigung der höhern und niedern Abtheilungen. Bei den Pa-
pilionen bildet fast jede Art eine besondere Gattung, selbst Vanessa
Atalanta und Jo sind in verschiedene Untergattungen Pyrameis und
Inachis gestellt. Der Verf. scheint zwar selbst auf diese Abtheilun-
gen wenig Werth zu legen , indem er einen Namen wie Acidalia, der
bei den Schmetterlingen selbst schon vergeben ist, für Argynnis Aglaja
in Anwendung bringt, dann hätte er aber besser gethan, derartige
Gruppen gar nicht zu benennen, zumal da die Menge derselben einer
Uebersicht nur hinderlich ist.
Notes upon the smaller British moths with descriptions
of some non descript or imperfectly characterized species.
By J. Curtis (Ann. nat. hist. V. S. 110—121).
Die neu beschriebenen Arten werde ich bei den einzelnen Fa-
milien erwähnen , die synonymischen Bemerkungen aber nicht anfüh-
ren, da sie ohne Zweifel in die Schriften von H. Doubleday und Stain-
ton übergegangen sind oder übergehen werden.
Descriptions of some species of Lepidoptera from the
northern shores of Lake superior, by Th. Harris (The lake
superior, its physical character, Vegetation and animals by
Agassiz S. 386. Boston 1850).
Es sind hier 7 zum Theil neue Schmetterlinge beschrieben und
Taf. 7. abgebildet , welche ich bei den einzelnen Familien anführen
werde. Darauf folgt das Namenverzeichniss einiger von Agassiz am
Obersee gesammelter, in vielen Fällen nur generisch bestimmter Arten.
Kollar's „Beiträge zur Insecten- Fauna von Neu -Gra-
nada und Venezuela^ (Denkschriften d. mathem. naturwiss.
während des Jahres 1850. 227
Klasse der kais. Academie der Wissensch. Bd. I.) enthalten
die Beschreibungen einer Anzahl neuer Tagschmetterlinge aus
der Gruppe Papilionarii, Morphidae und Pieridac, die zum
grossen Theile auch auf drei beigegebnen Kupfertafeln abge-
bildet sind.
Einzelne Beschreibungen neuer Arten aus verschiede-
nen Familien sind in folgenden Aufsätzen enthalten: Notice
sur quelques Lepidopteres nouveaux trouves dans les Pyre-
nees orientales en 1847 par De Gras 1 in (Ann. d. 1. soc.
entom. d. Franc. VIII. S. 391.). — Description de quelques
Lepidopteres Rhopaloceres nouveaux ou peu connus prove-
nant de la Cazamance (Afrique occidentale) par Feistha-
mel (Ann. d. 1. soc. entom. d. Franc, t. VIII. S. 247.). —
Descriptions of some new species of butterflies by W. C. He-
witson (Ann. nat. hist. VI. 434. with Iwo plates). — Ob-
servations sur les Lepidopteres des genres Papilio, Anthocha-
ris, Cigaritis et Cerocala , qui habitent les possessions fran-
gaises du nord de l'Afrique par H. Lucas (Ann. d. 1. soc.
ent. d. Franc, t. VIII. S. 83).
Schläger hat Entom. Zeit. S. 36 — 52 die in Dominici
Cyrilli Entomol. neapolit. enthaltenen Abbildungen von 31
Lepidopteren einer genauen Beleuchtung unterworfen und im
Einzelnen bestimmt.
Eine ausführliche Abhandlung über das auf die Flügel-
rippen gegründete System der Schmetterlinge hat Herrich-
Schäffer (Abhandl. des zoolog. -miner. Vereins- in Re-
gensburg 1. Heft 1849. S. 175) zu veröffentlichen begonnen.
Es ist hier eine neue Terminologie des Flügelgeäders der Schmet-
terlinge aufgestellt. Der Verf. macht zuerst einen Unterschied zwischen
Rippen undAeslen; Rippen nennt er diejenigen Adern, welche unmittel-
bar aus der Wurzel, Aeste (rami) jene, welche aus dan Rippen oder
deren Gabelung entspringen. Beim Zählen werden nur diejenigen ge-
rechnet, welche den freien Rand des Flügels erreichen. Der Verf.
unterscheidet: 1. Dorsalrippen, welche nächst dem Innenrande
der Flügelwurzel entspringen, ohne sich saumwärts zu gabeln; 2.
Subd 0 rsaläst e , welche aus der die Mittelzelle gegen den In-
nenrand hin begrenzenden Rippe (der Subdorsalrippe ) entsprin-
gen; 3. Subcostaläste, welche aus der die Wiltelzelle ge-
gen den Vorderrand hin begrenzenden Rippe (Subcostalrippe) ihren
228 Schaum: Bericht über die Leistungen in der Entomologie
Ursprung nehmen; 4. den Mitte last, welcher auf allen Flügeln
zwischen den Dorsal- und Costalästen steht; 5. die Costalrippe,
die meist ohne weitere Verbindung längs des Vorderrandes verläuft;
6. den Schlussast, welcher gewöhnlich den letzten Ast der Sub-
dorsalrippe mit dem ersten der Subcoslalrippe verbindet. — In dem mir
vorliegenden Anfange der Abhandlung hat der Verf. das Flügelgeäder
der Tagfaltergruppen erörtert und durch Abbildungen erläutert, nnd
namentlich die Gattungen der Heliconiden und Danaiden nach den
Merkmalen, welche sie in dieser Beziehung darbieten, unterschieden.
Papiliones. The genera of diurnal Lepidoptera etc. sind
nach E. Doubleday's des früheren Verf. Tode von Westwood
fortgesetzt worden , und es sind in diesem Jahr Heft 32 — 40 erschie-
nen. Die sehr schön ausgestatteten lithographischen Tafeln sind , wie
früher, von Hewitson ausgeführt worden. Den Text hat Weslwood
dahin erweitert, dass die meisten der als neu bezeichneten Arten in
Anmerkungen beschrieben werden.
Papilionarii. — Lucas wies (Ann. d. 1. soc. entom. de
Franc, t. Vill. S. 83.) überzeugend nach, dass Papilio FeisthameliiDuip.
nichts anders als ein durch das Klima von Algier modificirter P. Po-
dalirius ist. Die Exemplare aus Sicilien und Spanien stehen zwischen
den französischen und nordafrikanischen in der Mitte. In ähnlicher
Weise wird auch Pap. Machaon in Algier verändert, die dort vorkom-
menden Exemplare sind kleiner, von einem dunkleren Gelb, die schwar-
zen Zeichnungen intensiver und breiter.
Von Kollar (Denkschr. d. Wien. Acad. I.) wurden Papilio C o-
lumbus, Ag atho des aus Venezuela, Ph a enon, Varus, Arne-
ricus aus Neu- Granada als n. A. beschrieben, der erste, dritte und
vierte auch abgebildet.
Pierides. — Von Reiche wurden (Ferr. et Galin. Voy. en
Abyss.) die prachtvolle Anthocharis Jone God. in beiden Geschlechtern
und mehreren Varietäten, eine Abänderung von A. Eris Klug, so wie
A. Exole n. A., ebenfalls in beiden Geschlechtern, und Idmais Ve~
sta n. A. abgebildet, und mit Ausnahme von A. Eris im Texte be-
schrieben.
Lucas (Ann. d. 1. soc. ent. d. Franc, t. VIII. S. 90. Taf. 1.
Fig. 2. N. II.) gab eine neue ausführliche Beschreibung von Anlhocha^
ris Levallantii Luc. in beiden Geschlechtern und eine Abbildung des
Männchens. Die Art war bisher nur unvollständig nach einem beschä-
digten weiblichen Individuum charakterisirt worden ; sie findet sich auf
dem Hochplateau des Dschebel-Amour.
Kollar (Denkschr. d. Wien. Acad. I.) msicUle Euterpe Leuco^
drosime aus Neu -Granada, JE. radiata , E. exclamationis, E,
chrysolopha aus Venezuela, Leptalis casta^ L'i penthica, Pieris
während des Jahres 1850. 229
Cypera, P. catagramma, Colias erythro gr ammuSf Terias xan->
thochlora und T. de florata aus Neu - Granada bekannt, die mit
Ausnahme der beiden Terias sämmtlich auch abgebildet sind.
Von Harris (Lake sup. S. 386.) wurde eine neue Beschreibung
und Abbildung der Pontia oleracea Harr., Boisd. geliefert.
Acraeidae. — Reiche gab (Ferr. et Galin. Voy. en Abyss.)
Abbildungen von Äcraea Neobnle Doubl, und Ä. Douhledayi Guer., die
erstere ist auch ausführlich von ihm beschrieben. — Feist ha mal
(Ann. d. 1. soc. ent. d. Franc, t. Vlll. S. 247.) stellte Acraea Seis n.
A. aus Senegambien auf.
Wymphalides. — In Westwood's und Hewitson's „ge-
nera of diurnal Lepidoptera^^ ist die Bearbeitung dieser Gruppe been-
digt, und sind in den Heften 32 — 38. folgende Gattungen abgehandelt
worden: Catagramma Boisd. (18 A.), C allizona n. gen. (1 A. Pap.
Acesta Linn.), Gynaecia Boisd. MS. (1 A., P. Dirce L.), Callia-
nira Boisd. iVIS. (4 A. z.B. P. Sophonisba Cram.), Pyrrhogyra Hübn.,
(7 A.), Lucinia Hb. (2 A.), Eteona Bd. MS. (l A. , TisiphoneUh.),
Morpheis Hb. (1 A.), Epicalia Bd. MS. (9 A., z. ß. P. AcontiusL.),
CallitheaBd. (2A.), Amnosia Bd. MS. (l.n. A.}, CyrestisBd. (13A.),
Timetes Bd. (16 A.) , Victorina Blanch. (3 A.) , Mimetra Bd. (3 A.),
Prothoe Hb. (1 A.) , Mynes Bd. (2 A.) , Jaera Hb. (2 A.) , Neptis Fb.
(17 A.) , Athyma Westw. n. gen. (14 A. , darunter Leucothoe L.)
Limenilis F. (14 A.) , Heterochroa Bd. (33 A.) , Diadema B. (23 A.)
Godartia Luc. (2 A.) , Romalaeosoma Blanch. (20 A.) , Euryphene Bd.
(11 A), Aterice Bd. (6 A.), Harma Doubl. MS. (9 A. , z. E. P. Al^
thea Cram.), Adolias Bd. (25 A.) , Enispe Doubl, n. gen. (1 A. ,
Adolias Euthymius Douhi.), Euripus Doubl (2 n. A.) , //er ona Doubl.
(1 n. A.), Symphaedra Hb. (2 A.), Meneris Bd. MS. (1 A. P. TuU
baghia L.) , ßmyrna Hb. (2 A.), Agrias Doubl. (2 A.), Prepona Bd.
(10 A.), Pandora Bd. MS. (l n. A.) , Aganisthos Bd. (1 A.) , Apa~
iura F. (22 A.), Pycina Bd. MS. (1 n. A.), JSymphalis Latj. (Cha-
raxes üchs., 43 A.), Philognoma Bd. MS. (4A. z. B. Decius Fabr.),
Megistanis Bd. MS. (3 A. z. B. Cadmus Cram.), Protogonius Hb.
(1 A.) , Hypna H. (1 A.) , C ym alogramma Doubl. (1 n. A.) , Pa-
phia Fabr. (26 A.), Siderone Hb. (7 A.) , Bia Hb. (1 A.) , Hetero-
jjsis B, MS. (1 n. A.) , Kallima Doubl. MS. (9 A., z. B. Amathusia
Inachis Bd.), Amathusia Fb. (2 A.), Zeuxidia Hb. (4 A.), Discophora
Bd. (5 A.).
Abgebildet sind : Messaras Erymanthis Doubl. , Euploiela Hege-
sia Cr., Eteone Tisiphone Hb., Ectitna Jona Hew., Apatura Lawra Dr.,
Symphaedra Thyelia Fbr. , ^ymphalis Zoolina Westw., N. Nycerina
Westw. , Siderone Itys Cr. , Bia Actorion Linn. , Discophora Timara
Westw., Morpheis Ehrenbergii Hb., Jaera coenobita Fbr., Alerica Ra-
230 Schaum: Bericht über die Leistungen in der Entomologie
bena Bd., Euriphene Sophiis Fb., Fandora FrolaBd., Symphaedra Ae-
ropus L., Kallima Eurodoce Bd., Ämalhusia Phidippus L.
Zwei neue südpersische Arten der Gattung Melitaea , M. casta
und persea machte Kollar (Denkschr. d. Wien. Acad. I.) durch
Diagnosen bekannt.
Von Hewitson (Ann. nat. bist. VI. S. 434.) wurden Ectitna
Jona vom Amazonenflusse, Heterochroa Zoa, H. Zehn, H. Abia,
alle drei von Rio, H. Thoasa vom Amazonenflusse, H. Abtjla \on
Jamaica, H. Lara von Venezuela beschrieben und abgebildet.
Feisthamel lieferte (Ann. d. 1. soc. ent. VIII. S. 247.) die
Beschreibungen von folgenden meist neuen Arten aus Gambien : Sala-
mis Et hxjra, S. Antilope^ Euryphena Gambiae (Taf. 9. Fig. 2.
abgebildet); E. Phreone, E. Cocalia Fabr. nach beiden Geschlech-
tern, Charaxes Pollux Cram. (Taf 9. Fig. 1.), eine Abänderung von Ch.
Epijasius Reiche (s. u.; der Verf. schreibt den Artennamen irrlhümlich
Cramer zu), Ch. Ephyra God. bisher nur im männlichen Geschlechte
bekannt, Ch. Horatius Fabr., Ch. Pro tocl ea, Ch. Boueti.
Reiche (Ferr. et Gal. Voy.) stellte Ch. Epijasius als neue,
dem Ch. Jasius nahe verwandte Art aus Abyssinien auf und bildete
eine Varietät von Vanessa (^Adolias) Meleagris Cram. ab.
Die Unterschiede, welche die Raupe und Puppe der Melitaea
Britormatis Assm. von denen der nahe verwandten Arten (M. Dictynna,
Athalia und Farthenie) darbietet, hat Assmann (Schles. Zeitschr. für
Entom. n. 15.) erörtert.
Morphidae. — Diese Gruppe enthält in Westwood's und
Hewitson's „Genera of diurnal Lepidoptera" folgende (lattungen:
Clerome Bd. MS. (1 A. , Argesilaus Fabr.) , Drusilla Swains. (4 A.),
Thaumantis Hb. (8 A.) , Morpho Fb. (20 A. , darunter eine neue, M.
Cypris aus Columbien, welche den M. Adonis an Farbenpracht noch
übertrifft); CaligoWb. {16 A..), D asyop hthalmaWeslw. {2 A., Rusina
God. und Creusa Hb.), Op siphanes Doubl. MS. (12 A., z. B. Xan-
thusL.), Dyn astor Doubl. (2 A., D. Napoleo Bd. und DcriusFb.),
Penetes ß. MS. (l n. A.), Narope Bd. MS. (2 n. A.).
Abgebildet sind : Thaumantis faunula Westw., Drusilla Horsfieldii
Swains., Morpho Cythereis God., Clerome Argesilaus Fb., Pavonia Aorsa
Westw. (im Texte als Opsiphanes Aorsa. aufgeführt.)
Von Kollar (Denkschr. d. Wien. Acad. Bd. I.) wurden vier
ausgezeichnete n. A., Morpho S ulhowshyi, M. Peleides, M. Atr eus,
M. Prom etheus aus Neu- Granada beschrieben und, mit Ausnahme
des zweiten, abgebildet.
Brassolidae. — In Westwood's und Hewitson's Genera
of Diurnal Lepid. ist Dyclis bioculatus Guer. abgebildet.
Salyrides. — Den von Herrich-Schaeffer auf F. Tircis Cram.,
währead des Jahres 1850. 231
(Phryne Fall.) in Anwendung gebrachten Gattungsnamen Phryne änderte
Zeller (Eni. Zeit. S. 311.) in Triphys a um, da jener bereits bei
den Reptilien vergeben ist. Die Diagnose des Genus wird so gefasst :
oculi nudi, antennae breviusculae , clava brevi rotundata, alarum ant.
venae tres in basi inflatae, tertia minus quam reliquae, posteriores ro-
tundatae , inlegrae , margine inferiore brevi vix excavato. Es enthält
zwei Arten, Tr. Tircis Cr. HS. {Phryne Fall. Ochs.) und eine neue,
ebenfalls in Südrussland einheimische und wohl bisher mit Tircis ver-
wechselte, welche Z. hier unter dem Namen Tr. Dohrnii sorgfältig
unterscheidet.
Von de Graslin (Ann. d. 1. soc. entom. t. VIII. S. 393.) wurde
Erebia Sthennyo als n. A. aus den Fyrenäen beschrieben und (Taf.
10. Fig. 1 — 3.) abgebildet. Fierret wies indessen (ebenda S. 417.
„Wote relative ä l'Erebia Sthennyo*) nach, dass sie nur eine locale Ab-
änderung von E. Manto ist.
Kollar theilte (DenUschr. d. Wien. Acad. I.) Diagnosen von
Satyrus Parisatis, Mandone und Saadi, n. Arten aus Südper-
sien mit.
Hewitson stellte (Ann. nat. bist. VI. S. 437.) als n. A. auf:
Corades Iduna, C. P annonia, C. IJlema, C. Medeba, C. Sa-
reba, alle, mit Ausnahme der zweiten in Venezuela einheimischen
Art, aus Bolivien; Euplychia gera und E. tricolor vom Amazo-
nenflusse.
In Westwood's und Hewitson's ,,Genera of diurnal Lepido-
ptera« sind folgende Arten abgebildet: Corades Jone Hew. , Orinoma
Damaris Gray, Heteropsis Drepana Bd., Tisiphone Hercyna Hb., Eupty-
chia Gera Hew. , Argyrophenga antipodum Doubl. , Caerois Chorinaeus
Fb., Neorma Hilda Westw., Satyrus Anthelea Hb., S. Bischofii, Eupty~
chia tricolor Hew., Pronophila Tauropolis Bd., Mycalesis Nafitza Hew.,
M. Nicotia Hew. , Coelites Nothis Bd. , Callisto Zangis Fb. , Steroma
Bega Weslw.j Iphthima Norma Westw., Coenonympha californiaW estw.,
Hypocysta Evphemia Westw., Neonympha Phares, Sarromia obsoleta,
Lymanopoda Lamius Westw. -^ et $. — Die Bearbeitung des Tex^e^
ist noch nicht bis zu den Satyriden vorgeschritten.
Eurytelidae. — Als neue Art wurde von Feisthamel (Ann.
d. 1. soc. entom. t. VIII. S. 249.) Hypanis Cora aus Gambien aufge-
stellt, sie scheint mir indessen nur eine Abänderung der weit verbrei-
teten Ilythia F. Polynice Cr. zu sein.
Lycaenides. — Lucas besprach (Ann. d. 1. soc. entom. d.
Franc, t. VIII. S. 96.) die Gattung Cigaritis Boisd. Da sie noch
nicht wissenschaftlich begründet ist, so wird sie hier beschrieben, ihre
wichtigsten Charaktere sind : sehr lange Taster, die über den Kopf hin-
ausragen , die ersten Glieder sehr gross , das letzte kürzer , zart, in
232 S chaum ! Bericht über die Leistungett in der Entomologie
eine runde Spitze auslaufend ; kurzer zur Hälfte vom Innenraude der
Hinterflügel verdeckter Hinterleib ; der Aussenrand der Hinterflügel
schwach gezähnt , der Analwinkel ziemlich tief ausgerandet, die Sei-
ten dieser Ausrandung gewöhnlich mit einem kleinen Schwänze ver-
sehen, Vorder- und Hinterflügel auf der Unterseite gewöhnlich mit
kleinen metallischen Flecken. Die Arten , die zu dieser auf Kosten
von Polyommatus gebildeten Gattung gehören, sind iß Word- und Süd-
afrika zu Hause, es gehören dahin: F. Palmus, Thysbe, Thero, Älphneus,
Pelalus, Nicetus der Encyclopaedie ; die im französischen INordafrika
vorkommenden finden sich nur in dem östlichen Theile , nnd zwar
C. Syphax Luc. bei Constantine, C. Zohra Donzel in den Thälern und
Massinissa Luc. auf den Hochplateaus des Dschebel-Amour. Die letz-
tere ist hier nach einem wohl erhaltenen weiblichen Exemplare noch-
mals ausführlich beschrieben und auf Taf. 2. N. IL Fig. 2, abgebildet.
Eine mit Lycaena Telicanus in nächster Verwandtschaft stehende
Art aus Portugal hat Zeller (Ent. Zeit. S. 312.) unter dem Namen
Lycaena Hoffmannseggii unterschieden.
Kollar machte (Denkschr. d. Wien. Acad. L) Thecla Sassa-
nides, Polyommatus Hafis, Lycaena anisophthalma n. A. aus
Südpersien durch Diagnosen bekannt.
Hesperides. — Eine neue Art ist Thanaos Rustan Kollar
aus Südpersien (Denkschr. d. Wien. Acad. L)
SSpliing'es« Observations sur l'indigeneite des Sphinx Nerii
et Celerio par Donzel (Ann, d. 1. soc. enlom. d. Franc, t. VIIL
S. 225.). — Der Verf. führt hier den Beweis , dass die genannten
beiden Schwärmer in Frankreich und Deutschland nicht eigentlich ein-
heimisch sind , sondern nur von Zeit zu Zeit von Afrika, gewöhnlich
im Monat Mai, herüberkommen. Die Nachkommen dieser Einwanderer
sind die Raupen, welche man während des Sommers antriff"!; die aus
diesen sich entwickelnden Schwärmer liefern die Raupen, die man im
October beobachtet. Die letztern verpuppen sich zwar, aber keine
einzige Puppe bleibt bis zum künftigen Frühjahr am
Leben, die Nachkommenschaft der eingewanderten Schwärmer geht
daher vor Ablauf eines Jahres zu Grunde. Sph. Nerii hat im Sommer
nur eine Generation , Sph. Celerio dagegen macht seine Metamorphose
in kürzerer Zeit durch , so dass in einem recht warmen Sommer sich
oft mehrere Generationen folgen und die Art sich sehr vermehrt; wie
es denn z.B. vorgekommen ist, dass ein Knabe in Marseille an einem
Seplemberabend derselben 47 Exemplare fing.
Deilephila Kotschyi n. A. aus Südpersien wurde von Kollar
(Denkschr. d. Wien. Acad. L) bekannt gemacht.
Harris lieferte (Lake sup. S. 387. Taf. 7. Fig. 2. u. 3.) Abbil-
dungen von Deilephila Chamaenerii Harr. , dem amerikanischen Reprä-
sentanten von D. Galii, und von Smerinthus modesta Harr.
während des Jahres 1850. S33
Sesiariae* Eine neue sehr merkwürdige Sesia mit gefieder-
ten Fühlhörnern wurde von Dehne bei Dresden entdeckt und unter dem
Namen Fe nnis etia anomala in der Ent. Zeit. S. 28. kurz charak-
terisirt. Sie hat die Grösse und Gestalt der S. hylaeiformis, die Fühl-
hörner sind denen des Männchens von Psyche graminella ähnlich.
Castniae. Eine Abhandlung „Ueber die Lepidopteren- Gattung
Synemon nebst einem Nachtrage über Castniae'' von Klug ist in den
Schriften der Königl. Acad. der Wissensch. erschienen. — Die Stellung
von Synemon neben Castnia kann keinem Zweifel unterliegen ; die
Verwandtschaft ist in der Körperbildung , der eigenthümlichen Art der
Bekleidung, in der Weise wie die Flügel gelragen werden, in dem Ge-
äder derselben u. s. w. auf das Entschiedenste ausgesprochen. Die Un-
terschiede liegen fast nur in den Palpen und Fühlhörnern ; die erstem
sind nämlich bei Synemon länglich, zugespitzt, deutlicher dreigliedrig,
indem das dritte Glied länger ist als bei Castnia, wo es entweder nur
eine Einschnürung an der Spitze des zweiten bildet oder als ein klei-
nes rundliches Endglied dem zweiten aufgesetzt ist. Die Fühlhörner
sind denen der meisten Tagschmetterlinge täuschend ähnlich, weiss ge-
ringelt, am Ende zu einem sechsgliedrigen Knöpfchen erweitert. Bei
dem Weibchen ist der Hinterleib zugespitzt und mit einem hornigen,
geraden Lejgestachel versehen, w oraus zu vermuthen ist, dass die Larven,
wie die von Zeuzera, im Innern von Baumstämmen oder Wurzeln leben,
und die Eier von den Weibchen dahin abgelegt werden. Die Gattung
scheint auf Neuholland beschränkt zu sein. Arten werden hier vier be-
schrieben: S. Sophia Doubl., Selene n. sp. , Theresia Doubl, (wovon
S. MopsaBouhl. eine Varietät zu sein scheint) undJVais n. sp. Die drei
ersten sind in beiden, die letzte bisher nur im männlichen Geschlechte
bekannt und auf einer beigegebenen Kupfertafel sehr schön abgebildet
worden. — Die Nachschrift beschäftigt sich mit der systematischen
Stellung von Castnia, über welche die bisher noch unbekannte Ver-
wandlungsgeschichte Aufschluss gegeben hat. Es wurden nämlich in
Berlin zwei Exemplare von Castnia Therapon Koll. aus kranken Knol-
len eines Catasetura , in denen die Puppen sich befanden , erzogen.
Die Puppe ist hier zuerst beschrieben und abgebildet , sie gehört der
Bedornung ihrer Hinterleibssegmente nach zu denjenigen, welche, wie
die Puppen von Sesia, Cossus, Zeuzera, Hepialus, in ihren Kanälen ih-
ren Platz willkührlich verändern und in die Höhe steigen können. Die
Baupen der hier genannten Gattungen sind alle nackt und leben im
Holze oder in Stengeln ; es bilden daher diese Bohrer, so verschieden
auch zum Theil die vollkommenen Insecten sind, auf Grund ihrer frü-
heren Stände eine eigene Familie, welche den Uebergang von den
Schwärmern zu den Spinnern vermittelt. An die echten Sphingcs,
welche mit Macroglossa schliessen , sollen nach dem Vorschlage des
Verf. der Aehnlichkeit mit den glasflügeligen Arten der letzlern Gat-
234 Schaum: Bericht über die Leistungen in der Entomologie
tung wegen, die Sesien sich anreihen, nebst Thyris und Chimaera,
dann Slygia, Endagria, Cossus und Zeuzera, iernex Hepialus, vermuth-
lich Crino und zum Schlüsse Caslnia mit Sijnemon. Dann haben die
Zygaeuen zu folgen, welche durch Glaucopis und eine Reihe exotischer
Formen zu den Ochsenheiraer'schen Euprepien hinüberführen.
Kyg-aenides. Zygaena haematina und Sijntomis persica,
n.A. aus Südpersien, wurden von Ko IIa r (Denkschr. d. Wien. Acad. I.)
aufgestellt.
Eine neue sehr merkwürdige, zu den Glaucopiden gehörige Gat-
tung Myrmecopsis wurde von INewman (Zool. App. S. CXXII.)
errichtet , sie gleicht im Aeussern ganz einer geflügelten Ameise , die
Fühler sind kaum länger als die Hälfte des Körpers, an der Basalhälfte
zweireihig gekämmt, dann gesägt, an der Spitze sehr zart und borsten-
förmig, die Discoidalzelle der Vorderflügel tief getheilt, die Flügel
nackt, nur die Adern beschuppt, der Hinterleib gestielt, der Stiel sehr
dünn. M. eumenides, vom obern Theile des Amazonenflusses.
Bombyces. In der durch die grosse Verschiedenheit der
beiden Geschlechter bemerkenswerthen Gattung Helerogynis wurde von
de Gras 1 in (Ann. d. 1. soc. entom. d. Franc, t. VIII. S. 396.) als
neueArtH. erotica aus den Pyrenäen aufgestellt, beide Geschlechter
und die auf verschiedenen Genisten lebende Raupe sind (Taf. 10. Fig. 4—7.)
abgebildet. Der Verf. hält selbst die Art fraglich für H. penella Hb.
Beklier de la Chavignerie hat (Bull. d. 1. soc. entom. S. LXIV.)
diese Vermuthung zur Gewissheit erhoben.
Die Gattung Chelonia ist von de Graslin (Ann. d.i. soc. ent.
t. VIII. S. 402.) mit einer neuen Art Chelonia hemigena aus den
Pyrenäen bereichert worden, sie ist Taf. 10. Fig. 9-11. in beiden Ge-
schlechtern und in einer Varietät abgebildet, das Weibchen weicht
durch kleine verkümmerte Flügel von den Weibchen anderer Chelo-
nienarten ab, das Männchen steht der C. Zoraida sehr nahe.
Reiche gab (Ferr. et Galin. Voy. en Abyss.) eine Abbildung
der schönen von Port Natal bis Abyssinien sich verbreitender Salurnia
Miniosae Boisd.
Auf die von Graells (Ann. d. 1. soc. ent. d. Franc, t. VIII.
S. 241. Taf. Vlll.) veröffentlichte Beschreibung und Abbildung der Sa-
lurnia Isabellae ist schon im vorigen Jahresberichte Bezug genommen
worden.
Von Harris (Lak. sup. S. 390. Taf. 7.) wurden Arclia par-
thenos n. A. und A. americana Harr., welche beiden mit A. Caja
in naher Verwandtschaft stehen, und Hepialus argenleomaculatus Harr,
beschrieben und abgebildet.
In der Gattung Hepialus stellte Frey er (N. Beitr H. 94.) zwei
n. A. auf: H. Uredo von Augsburg, dem H. cainus und U. Socor-
während des Jahres 1850. 235
dis aus den Alpen, dem H. velleda verwandt, beide erst in einzelnen
Exemplaren bekannt, die Artrechle derselben scheinen mir noch sehr
zweifelhaft, da die Hepiolus-Ärten bekanntlich sehr abändern. — Fr ey er
hat auch (a. a. 0.) Hepialiis Hamnia Hübn. und Sylvinus Ochs, wieder
von einander getrennt , ohne indessen neue Unterschiede hervorzu-
heben.
V. Siebold setzte im Berichte d. schles. Geseilsch. f. 1850 die
Unterschiede der Gattungen Pijsche, Fumea und Talaeporia auseinander.
In der erstem haben die Männchen gekämmte Fühler, der Hinterleib
kann ausgestreckt werden und wird zur Begattung des im Sack befind-
lichen Weibchens in den Sack hineingeschoben. Das flügellose Weib-
chen ist madenförmig, ohne Fühler, Beine , Augen und Legeröhre; es
bleibt im Sack verborgen, kriecht nach der Begattung rückwärts in die
verlassene Fuppenhülse zurück, legt diese voll Eier und verschrumpft
dann. Bei Fumea hat das Männchen gekämmte Fühler, der Hinterleib
kann sich aber nur wenig verlängern und die Begattung des Weib-
chens erfolgt ausserhalb des Sackes. Das flügellose Weibchen hat
kurze Fühler, Beine und Augen. Der Hinterleib endigt mit einer per-
spectiv - artig aus- und einziehbaren Legeröhre. Nach der Begattung
legt das Weibchen die Eier in die im Sacke zurückgebliebene leere
Puppenhülse. Bei Talaeporia hat das Männchen lange einfache faden-
förmige Fühler, der Hinlerleib kann sich nicht verlängern, die Begat-
tung erfolgt auch hier ausserhalb des Sackes. Das flügellose Weib-
chen hat Augen, Beine, eine aus- und einziehbare Legeröhre und un-
terscheidet sich von den Fumea- Weibchen besonders durch längere
Fühlhörner; es legt die Eier in die Höhle des leeren Sackes.
Die Siebold'sche Abhandlung ist in der Eni. Zeit. 1851. S. 391.
abgedruckt worden und von Stainton ins Englische übersetzt auch
in den Trans, of the ent. Soc. Vol. L P, VII. erschienen.
Newman stellte (Zoolog. App.) Psyche reticella (S. XCIV.)
und Ps. fenella (S. XCIX.) als neue in England entdeckte Arien auf,
die letztere hat indessen Stephens nachträglich (Preface S. XII.) für
Ps. opacella Herr.-Schaefl'. erklärt. Newman hat bei dieser Gelegen-
heit folgende Synopsis der brittischen oder für britlisch gehaltenen Psy-
chiden entworfen: A. Fühlhörner anscheinend 31-gliedrig. a. Körper
kräftig wie bei den Bombyces. [Sterropterix Hübn. = Thyridopterix
Steph.). *. Flügel nackt, Körper schwarz. Hierher ephemer aeformis
{Sphinx ephemer aeformis Haworth), wie sich aber neuerdings ausgewie-
sen hat, eine nordamerikanische Art. * *. Flügel halbnackt, Körper
schwarz. Ps. fenella Kewrn. ***. Flügel haarig, ebenso wie der Kör-
per mäusefarbig: nigricans (Penlhophora nigr. Curt.) ; febretta Fonsc.
und stetlinensis Hering, die der Verf. mit Unrecht für unbeschrieben
hält. — b. Körper zart wie bei den Georaelren. *. Flügel dicht mit
glänzenden Schuppen bpdeckl, {L ep idopsyche Newra., auch durch
236 Schaum: Bericht über die Leistungen in der Entomologie
die grossen fast gleichen Flügel charakterisirt) , Ps. graminella Hübn.,
zwar in England noch nicht beobachtet, aber vermulhlich noch aufzu-
finden. * *. Flügel halbnackt, ohne Schuppen, aber mit einzelnen zer-
streuten Haaren {Psyche Schrank). Ps. cahella Ochs. = fusca Haw.
— B. Fühlhörner 13 — l8-gliedrig {Fumea Haworth), a. Flügel gleich-
farbig: nitidella Hübn. , radiella Curt. b. Flügel genetzt: undulella
Fisch, und reticella Newm.
Auch F. Stephens hat in Newman's Zool. App. S. CVI. Be-
merkungen über die Gruppe der Psychiden mitgetheilt, die sich auf die
systematische Stelle derselben beziehen. S. bemüht sich hier darzuthun,
was eines besondern Beweises wohl kaum bedarf, dass sie zu den Bom-
byces gehören , und nach der einen Seile hin mit Heterogynis ver-
wandt sind, nach der andern zu Talaeporia unter den Tineen Beziehun-
gen haben.
Von de Graslin (Ann. d, 1. soc. ent. d. Franc, t. VIII. S. 408.)
wurde die in den Pyrenäen auf Genisla purgans und auf einer Weide
(saule marceau) entdeckte Raupe von Orgyia aurolimbala beschrieben
und abgebildet.
Die Raupe \on Orgyia selenüica ist nach Döbner (Ent. Zeit S. 23.)
in hohem Grade polyphagisch und ist im Spessart auf Lärchen, Kie-
fern , Spartium scoparium und andern Pflanzen in ungeheurer Menge
beobachtet worden.
Die Raupe von Liparis Salicis wird, nach Passerini, in Ita-
lien auch den Cypressenpappeln schädlich. „Kolizie sopra due insetti
nocivi agli alleeri, una Cecidoraia alle faglie dei Cerri e 1 Bruchi, o
larve delle Liparis Salicis ai pioppi cipressini (populus fastigiata)« in
den Wuovi annali delle scienze naturali 1850. S. 475.
Will hat eine weitere Notiz über die Drüsen an den Haaren
der Prozessionsraupe im Bulletin der Münch. Acad. d. Wiss. 1849. n. 30.
mitgetheilt. — Es ist dem Verf. jetzt gelungen, die Drüsen, welche
die in den hohlen Haaren der Raupen enthaltene Ameisensäure abson-
dern, unmittelbar unter der Haut aufzufinden, sie sind flaschenlörmig,
aus blinddarmartigen Kanälen zusammengesetzt und in einer durch-
sichtigen Membran eingehüllt. Der Inhalt der Drüse stimmt mit dem
in den Haarkanälen enthallenen Stoffe ganz überein.
JVoctiiae« Observations sur le genre Thyatira par Guenee
(Ann. d. 1. soc. enlom. d. Franc, t. VIII. S. 107.). — Auf den ersten
Theil dieses Aufsatzes, welcher sich mit der von Bruand auf Thyatira
derasa errichteten Gattung Gonophora beschäftigt und die Unhallbar-
keit derselben nachweist, ist schon im vorjährigen Berichte (S. 226.)
Bezug genommen worden. In einem zweiten Theile bespricht der Verf.
die systematische Stellung von Thyatira, die hier mit Berücksichtigung
der exotischen Formen und nach der grossen Aehnlichkeit der Raupen
während des Jahres 1850. 237
mit denen der Notodonliden dahin bestimmt wird, dass sie an die Spitze
der Eulen gehört und sich nach der einen Seite hin an die Pygaeriden,
nach der anderu an Ceropacha und üymalophora anschliesst.
Bruand (Ann. d. 1. soc. ent. 1851. S. 89.) hat sich nochmals
bemüht, die generische Verschiedenheit von JV. derasa und balis zu be-
gründen und polemi?irt mit oft schon vorgebrachten Argumenten ge-
gen die Älethode Guenee's, die Charaktere und Lebensweise der frühe-
ren Stände als Basis der Systematik anzuwenden. Guenee hat es ab-
gelehnt, die unerspriessliche Polemik weiter fortzusetzen. (Bull. d. 1.
soc. ent. 1850. S. XXXIX.j.
Kote sur la conformation du froflt dans plusieurs especes de
Noctuelies et sur les divisions du genre Cleophana par Guenee.
(Ann. d. 1. soc. entom. d. Franc, t. VIII. S. 233.). - Der Verf. hat
sich genöthigt gesellen , die unter Cieophana vereinigten Arten trotz
ihrer geringen Anzahl in nicht weniger als fünf Gallungen zu verlhei-
len , da ihre bisherige Vereinigung durch gar keine gemeinschaftlichen
Charaktere von einiger Beständigkeit gerechtfertigt ist. Die erste Gat-
tung Epimecia ist schon früher von ihm aufgestellt; eine zweite, auf
welche der Verf. den Kamen Omia anwendet, enthält 3 Arten: ci/m-
balariae y cyclopaea und rupicolaW, V.; der dritten verbleibt der Name
Cleophana ; die vierte hat schon von Stephens den Kamen Calophasia
erhalten und begreift lineariae , olbiena , platyptera und opalina in
sich; die fünfte endlich, Euterp ia von G. genannt, besteht nur aus
Laudetii und gehört gar nicht einmal, wie die andern, zur Gruppe der
Xyliniden, sondern steht richtiger unter den Heliothiden , in der Kähe
von Chariclea. Die eigenlhümliche Stirnbildung bei den auf Kosten
von Cleophana gebildeten Gattungen hat in einzelnen Fällen eine ge-
nerische, in andern dagegen nur specifische Bedeutung, indem sie den
Arten von Omia regelmässig zukommt, denen von Calophasia ebenso
constant abgeht, dagegen bei den unter Cleophana verbleibenden Ar-
ten , und zwar bei den nächst verwandten , bald fehlt , bald vorhan-
den ist.
Guenee bildete (Bull. d. 1. soc. entom. S. XVII.) aus Polia fe-
licina eine eigene Gattung Metapoceras, weil die Stirn, wenigstens
beim Männchen, einen sehr eigenthümlich gebildeten hornigen Fortsalz
trägt. (Das Weibchen ist G. unbekannt geblieben). Ausserdem sind
die Fühlhörner glatt und die kurzen Beine haben zarte Füsse und
schmale Spornen.
Als neue Arten wurden ferner aufgestellt :
Von Freyer (N. Beitr. 91.): Noctua (Agrotis) Sincerii der
corticea nahe verwandt, in einem einzelnen Exemplare bei Zittau auf-
gefunden ; N. {Bnjophila) carbonis durch schwarze Grundfarbe von
den verwandten Arten unterschieden, aus Ungarn.
238 Schaum: Bericht aber die Leistungen in der Entomologie
t
Von de Graslin (Ann. d. 1. soc. ent. d. Franc, t. VIII. S. 412.):
Hadena so ciabilis aus den Pyrenäen, der H. Chenopodii am näch-
sten verwandt ; die Raupe findet sich auf Arteraisia campeslris und coe-
rulescens.
Von KolJar (Denksch. d. Wien. Acad. I.): Agrotis delela^
Sphinterops umbrifera, Ophiusa singularis, Anarta melaxantha,
alle aus Südpersien.
Lucas gab (Ann. d. L soc. enlom. de Franc, t. VIII. S. 103.
Taf. 2. N. II. Fig. 3.) eine ausführliche Beschreibung und Abbildung
einer in Nordafrika in den Thälern des Dschebel-Amour vorkon)menden,
aber nur erst im männlichen Geschlechte aufgefundenen Abänderung
der Cerocala scapulosa Hübn., sie weicht von dem in Andalusien ein-
heimischen Typus der Art durch beträchtlich geringere Grösse und in
der Flügelzeichnung ab.
Nach Guenee (Bull. d. 1. soc. ent, S. VIII.) sind bei dem Weib-
chen von Heliophobus hirta die Flügel und überhaupt der ganze Vor-
dertheil des Körpers zu Gunsten des Abdomen verkümmert. Es ist dies
der erste bekannt gewordene Fall einer solchen Anomalie unter den
Eulen.
Oeometrae* Die Gattung Eupilhecia erhielt einen Zuwachs
durch zwei neue brittische von H. Doubleday (Zool. App. S. CV.)
aufgestellte Arten, E. p aluslraria und callunarta.
Von K 0 1 1 a r (Denkschr. d. Wien. Acad. L) wurde Pborodesvia
graminaria n. A. aus Südpersien — von Harris (Lak. sup. S. 392.
Taf. 7. Fig. 3.) Ennomos macularia bekannt gemacht.
Beliier de la Chavignerie wies (Bull. d. la soc. enlom.
S. XXVI.) nach, dass Numeria Donzelaria Dup, nur eine bemerkens-
werlhe Abänderung des W^eibchens von N. capreolaria ist, indem er
aus einem von der erstem gelegten Eie ein Alännchen der letzlern
erzog.
Pyralides« Von H. Doubleday wurde (Newm. Zool. App.
S. CV.) Hypenodes humidalis als n. A. beschrieben, sie wurde zu-
erst in Irland entdeckt, später aber auch in England aufgefunden.
V. Siebold theilte Ent. Zeit. S. 336. „Ueber die Raupen im Ver-
dauungskanale der Menschen« einige Fälle mit, wo die Raupen der Fett-
schabe, ^^?05srt pm^fm'naZts, mit Speck, Butter, Schmalz oder andern fet-
tigen Substanzen verschluckt worden sind, eine kürzere Zeit im Magen
verweilt und Kolikschmerzen erzeugt haben und dann durch Erbrechen
wieder ausgeleert worden sind. Beobachtungen der Art halte schon Linne
gemacht, sie waren aber in neuerer Zeit in Vergessenheit geralhen
oder bezweifelt worden.
Tortrices. Als .neue Arten sind aufgestellt:
Von Douglas (Proc. ent. Soc. S.S.): Grapholilha Weirana
während des Jahres 1850. 23^
aus England, welche von G. redimitana Guen. besonders durch ansehn-
lichere Grösse, lichtere Farbe und weniger deutliche Binde abweicht.
Von H. Doubleday (Zool. App. S. CVI.): Spilonola rosae-
colana, von Duponchel als S. sufFusana abgebildet, aber von dieser
Art sowohl als von Roborana durch mehr gerundete regelmässig schwarz
und weiss gestreifte Costa der Vorderflügel unterschieden.
Von Curtis (Ann. nat. bist. V.): Spilonola sylvestranOf
kleiner als duplana Hübn., auch schwarzen Varietäten der S. comitana
nicht unähnlich, und Cnephasia octomacul ana.
INach Stephens (Zool. S. 2755.) ist Torlrix Penziana Thunberg
mit Cnephasia bellana Curtis identisch. Die Thuuberg'sche Beschrei-
bung und Abbildung ist von allen spätem Schriftstellern ausser Acht
gelassen.
Ruricola (J. Curtis) hat die Raupe von Torlrix angusliorana
auf Birnbäumen, andenBlüthen zehrend, angetroffen und ihre Verwand-
lungsgeschichte erläutert. (Gard. Chron. S. 20.). Westwood erhob
(ebenda S. 38.) Bedenken gegen das Vorkommen auf Birnbäumen, die
indessen durch weitere Beobachtungen erledigt worden sind.
Die Naturgeschichte der Torlrix Roserana Fröhl., deren Raupe
erheblichen Schaden an den Früchten des Weinstocks anrichtet, ist von
Kell ar (Sitzungsber. d. AYien. Acad. 1850. II. S. 89.) besprochen worden.
Die Weibchen legen Anfangs 3Iai ihre Eier in die sich eben entfaltenden
Blüthenknospen, die Raupen spinnen mehrere Blüthenstiele aneinander,
ernähren sich von den Blüthen und kleinen Beeren und verpuppen
sich Ende Juni unter der Rinde alter Stöcke oder in den Astwinkeln.
Ende Juli erscheint die zweite Generation des Schmetterlings und legt
die Eier an die noch unreifen Beeren. Die Raupe benagt zuerst
die grüne Beere , frisst sich dann in die reife Frucht ein, höhlt sie
förmlich aus, geht von einer Beere zur andern über, und überwintert
an den angegebenen Orten als Puppe. Als das beste Vertilgungsmittel
wird das Aufhängen betheerter Lappen in den Weingärten zur Schwärm-
zeit der Falter empfohlen , damit die herumflatternden Thiere daran
hängen bleiben.
Crambidae* Zell er hat zwei neue A. von Crambus, Cr.
ulig ino sellus und cacuminellus in Schlesien entdeckt und Schles.
Zeitschr. f. Entom. N. 13. beschrieben. — Derselbe setzte ebenda
auch die Unterschiede des Cr. Warringlonellus Staint. von perlellus
aus einander.
Von Curtis (Ann. nat. bist. V. S. 114.) wurden Eudorea al-
pin a und concinella als neue brittische Arten aufgestellt.
Tineae* Neue in Toscana von l\Iann entdeckte und von Zel-
ler (Ent. Zeit.) beschriebene Arten dieser F'amilie sind: Talaeporia
conspurcatella KoU. , die vielleicht mit lapidicella Guen. identisch
240 Schaum: Bericht über die Leistungen in der Entomologie
ist, Micropleryx eximiella Koll., myrtetella, amentella, Adela
cyanella Mann, laqueatella, p aludicolella ^\&nn ^ Ypsolophus
lineatellus , Kefersteiniellus Mann, lanceolellus Koll., Oe-
cophora albilabris, Gelechia isabella F. R. , dryadella Koll.,
t.amariciella Mann, gerronella, Röslerstammia vespe-^
r eil a Koll., Aechmia o culatella , Tinagma lithargyrellum,
Gracilaria s calariella, Ornix ior quillella, Cosmopteryx Lede-^
reriella Mann, Elachista gris eell a FR., arundinellaFR., ein-
et ella FR., gang ab e II a FR., ehr y so desm eil a, Lithocollelis leu-
cographella KoU. , s üb eri fo li eil a. — Eine neue (ebenda S. 162.)
von Z. beschriebene, bei Jena vorkommende Art ist ferner Ornix fi~
nitimella.
Slainton gab (Proc. ent. Soc. S. 5.) kurze Berchreibungen von
sechs der brittischen Fauna neuen Tineiden, von denen Myelois arte-
misiella und Graeilaria^ ocnerostomella hier zum ersten Male
charakterisirt sind.
Douglas beschrieb (ebenda S. 7. ) : Elachista oceultella
und Ypsolophusl p alustr ellus. — Curtis (Ann. nat. bist. V. S. 116.) :
Depressaria bipunctosa, Änacampsis Lyell ella, Aphelosetia i n u-
lella, Argyromyges aeerfoliella (padifoliella Staint., non Hübn-),
Acrolepia marcidella, Gracilaria taxella als neue in England
einheimische Schaben.
Eine Monographie der brittischen Arten von Micropleryx Zeil.
hat Stainton (Trans, of the ent. Soc. N. Ser, I. S. 26.) geliefert. Es
sind hier elf scharf unterschieden , denen in einem Anhange eine
zwölfte hinzugefügt ist. Neu ist keine derselben. Wie in den an-
dern Arbeiten des Verf., ist auch hier eine grosse Sorgfalt auf die
sichere Feststellung der Synonymie verwandt.
Douglas hat seine im J. 1849 begonnene Arbeit über die brit-
tischen Arten von Gelechia forlgesetzt und beendet (Trans. Ent. Soc.
N. Ser. I. S. l4. S. 61. S. 101. und S. 241.). Die Zahl derselben be-
läuft sich auf 100, unter denen G. divisell a, des er teil a, mun-
della,suffusella, pernigrella, inornatella, g err onella,
bifr actella, littorella, immaculatella , fumatella, fra~
ternella, vicinella , punc t ella, bor eell a , fumo seil a und
cuneatella neu sind.
Auch Sir com macht (Zoolog. App. S. LXXII.) zwei neue eng-
lische Arten von GeiecÄi«, G. acuminat ella nnd fuliginella durch
kurze Diagnosen bekannt , sie sind beide von Douglas (a. a. 0.) aus-
führlicher beschrieben.
Die mit Ornix maleagripennella verwandten Arten hat Stain-
ton (Trans. Ent. Soc. S. 86.) auseinandergesetzt und in folgender Weise
gruppirt. A' die Taster gefleckt, a. Das letzte Tasterglied unten mit
während des Jahres 1850. 241
eintm schwarzen Fleck. 1, 0. meleagripennella Zell., die Yorderflugel
grau. 2. devoniella n. A. , die Vorderflögel ockergelb; in Dcvon-
shire entdeckt. 3. anguliferella Zell. , Vorderflügel grau , mit einer
weissen Linie längs dem llinterrande. 5. logcmella Slaint., Vorderflügel
schwarz. — b. Das letzte Tasterglied von einem breiten schwarzbrau-
nen , oben unterbrochenen Ringe umgeben. 5. Finitimella Zell. — c.
Das letzte Tasterglied mit einem nicht unterbrochenen Ringe einge-
fasst. 6. ang licella n. A. , in England gemein. — B. Taster ganz
Aveiss. a. Gesicht grau. 7. torqnillella Z, — b. Gesicht weiss. 8. sco^
ticella U.A., Vorderflügel grau, die Basis und der innere Rand weiss-
lich,, in Schottland entdeckt. 9. amplia teil a Mann n. A., die Grund-
farbe der Basalhälfte der Vorderflügel weiss, aus Croatien.
Ueber Elachisla aeralella Zeller und einige leicht damit zu ver-
wechselnde Arten hat Stainton (Trans, of thc cnt. Soc. N. S. I, S.21.)
geschrieben. Es werden von ihm hier die specifischen Kennzeichen
und die Synonymie von Oecophora fusco-aenea Haw. , 0. senes cens
Slaint,, n. A. , 0. fusco-cuprea Haw., Gelechia tenebrella Tr., G. tene^
brosella F. v. R., Elachisla aeralella Z. , E. fusco-ciliella Slaint.
n. A. und E. modeslella Dup. festgestellt.
Derselbe hat einen Auszug von Zeller's iMonographie der
Galtung Coleophora in Newman's Zoologist App. S. LXXIII. veröff'ent-
licht und ein Verzeichniss der bis jetzt in England beobachteten (101)
Arten dieser Gattung hinzugefügt.
Eine Beschreibung der Depressaria Schmidtella (s. vor. Bericht
S. 233.) in allen Ständen von F. Schmidt ist in Haidinger's Berich-
ten S. 181. mitgetheilt worden, die Raupe lebt im Mai auf Doronicura
austriacum.
Stephens (Zoolog. App. S. CIX.) beobachtete in England ein
ovales, grünes, schneckenförmig gewundenes Larvengehäuse , welches
kleinen Exemplaren von Turbo litloralis sehr ähnelt und von einer
Talaeporia bewohnt wird. Der Verf. hat nur Weibchen erzogen, wel-
che T. tabulella Guen. (Solenobia clathrella Bruand) ähneln, aber nicht
mit demselben identisch sind, dagegen glaubt er sein Insect in Reau-
mur t. III. Taf. 15. Fig. 17 — 19. zu erkennen und benennt es daher vor-
läufig, nach einem von Reaumur's Kamen, T. Fer chaultella.
Auf denselben Sack, der auch an mehreren Orten in Süddeutschland
und in Italien gefunden wird, machte v. Sie hol d im Berichte derschles.
Gesellsch. für 1850. S. 19. aufmerksam. Die denselben bewohnende
Raupe nährt sich von Lotus cornjculatus , Gnaphalium arenarium , An-
thyllis vulneraria. Es ist, soviel v. Siebold in Erfahrung gebracht hat,
auch bei uns noch keinem Beobachter gelungen, geflügelte Schmetter-
linge daraus tu erziehen, und es ist daher zu vermulhen, dass die den
Weibchen vc^ Psyche so ähnlichen madenförmigen Inseclen , welche
aus den Puppen dieser Sackträger auskriechen, ähnlich wie Talaeporia
Archiv f. Naturgesch. XVII, Jahrg. 2. Bd. Q
242 Schaum: Bericht über die Leistungen in der Entomologie
Jichenella geschlechtslose Ammen sind und sich ohne Begattung fort-
pflanzen. V. Siebold halte für dieselben den Namen Psyche helicina
in Vorschlag gebracht, ihn aber wieder aufgegeben, weil er bereits von
Herrich-Schäffer einer andern Art erlheilt ist.
Ratzeburg hat Eni. Zeit. S. 414. eine Liste von Schlupfwes-
pen mitgelheilt, die v. Nicelli aus verschiedenen Lithocollelis-\rten in
Pommern erzogen hat. Sie sind fast sämmtlich, bereits bekannt; das
Yerzeichniss derselben bestätigt auf's Neue, dass die Schmarotzer sich
überall gleichzeitig mit ihren Wohnthieren verbreiten, und dass nahe
verwandle Arten einer Galtung sich als Ernährer eines und desselben
Schmarotzers vertreten.
Pteropliorii« Ein neuer von Mann in Toscana entdeckter
Pterophorus wurde von Zeller Ent. Zeit. S. 211. als Pt. baptoda-
ctylus beschrieben.
Oiptera.
In den Memoires presentes par divers savants ä l'Aca-
demie des sciences. Scienc. mathem. et phys. t. XI. ist von
Leon Dufour eine umfangreiche und wichtige Abhandlung
über die anatomischen und physiologischen Verhältnisse der
Dipteren veröffentlicht w^orden „Recherches anatomiques et
physiologiques sur les Dipteres.« S. 171—360.
Sie stützt sich auf die Untersuchung von 185 Arten der verschie-
densten Familien und enthält einen grossen Reichthum interessanter
und neuer Thalschen, welche zum grossen Theile auf elf die Abhand-
lung begleitenden Kupfertafeln dargestellt sind. Diese Tafeln zeich-
nen sich , wie fast alle französischen iconographischen Werke , durch
Sauberkeit aus , haben aber weder in den Umrissen überall die nö-
thige Correktheit, noch gewähren sie einen genügenden Blick in die
innere Organisation der dargestellten Körpertheile, so dass sie in die-
ser Beziehung hinter den Abbildungen zu Löw's Horae anatomicae und
zu Stein's Werke über die weiblichen Geschlechlstheile der Käfer weit
zurückstehen. — In dem ersten Theile der Abhandlung sind die allge-
meinen Resultate aus den Untersuchungen des Verf. zusammengefasst.
So interessant und grossentheils neu hier auch die Miltheilungen
über die verschiedene Zahl und Lage der Ganglien bei den Dipteren
sind, so wenig befriedigend ist das, was der Verf. über den freilich
schwerer zu ermittelnden Ursprung und Verlauf der einzelnen Nerven
beibringt. Ueber die nach den Fühlhörnern gehenden Nerven und über
die physiologische Bedeutung der Fühler überhaupt ist gar Nichts ge-
sagt, obgleich die Resultate, welche Erichson's Untersuchung dieser
Organe geliefert hat, wohl hätten Veranlassung geben können, genauere
während des Jahres 1850. 243
Beobachtungen über dieselben in der Ordnung der Zweiflügler anzu-
stellen. Kennlniss der Litteratur ist indessen überhaupt die schwache
Seite des Verf., möchte man doch versucht sein zu glauben, dass ihm
sogar das Hauptwerk über die Anatomie der Dipteren, Loew's Horae
anatomicae, nicht aus eigener Anschauung bekannt gewesen ist, indem
Loew's Untersuchungen nur bei einer Gelegenheit, auf die ich weiter
unten zurückkommen werde, und hier nur ganz im Allgemeinen erwähnt
werden. — Hinsichtlich der von D. bei Tipula oleracea vermeintlich
aufgefundenen rudimentären Ocellennerven dürfte doch wohl ein Irr-
thum obwalten, wie schon der Ursprung derselben zu verrathen scheint.
Den sogenannten Saugmagen nennt D. „pause* und hält ihn für den
Vormagen, in welchen zuerst die Speise gelangt. Dass diess nicht im-
mer der F'all ist, steht indessen fest, ebenso gewiss ist es aber, dass
er oft mit Speise gefüllt gefunden wird , so dass die Ansicht von der
Funktion dieses Organs , welche Low Ent. Zeit. 1843 ausgesprochen hat,
dass er als ein Speisebehälter fungirt, wenn der Magen bereits gefüllt ist,
ohne Zweifel die richtige ist. Die Ansicht, dass er nicht zum Saugen
dient, wie der unpassende deutsche Name andeutet, ist schon von Low
a. a. 0. genügend widerlegt worden. Sehr auffallend ist der von
D. beobachtete Mangel desselben bei Asilus, ja so auffallend, dass eine
Wiederholung dieser Beobachtung sehr wünschenswerlh ist.
Hinsichtlich der innern Geschlechtsorgane geben die Untersuch-
ungen des Verf. nach denen von Low nur wenig Neues. Mit Hart-
näckigkeit hält D. an seiner völlig irrthümlichen Auffassung der An-
hänge, welche sich bei den Weibchen an dem gemeinschaftlichen Eier-
gange finden, fest und vertheidigt dieselbe nicht ohne Gereiztheit. Den-
jenigen Anhang, welcher bei den Dipteren gewöhnlich dreizählig ist
und bei befruchteten Weibchen stets vom männlichen Samen strotzend
gefunden wird, nennt er auch hier wieder „glande sebifique" und findet
es nicht zu begreifen, wie Andere, z. ß. Low, zu der, seiner Meinung
nach, so wenig bezeichnenden Benennung „receptaculum seminis" ge-
kommen seien. Leon Dufour hätte nur nöthig, nach einer Untersuchung
des im Hoden befindlichen Samens einmal eine Kapsel des weiblichen
Samenbehälters zu öffnen und ihren Inhalt unter genügender Vergrös-
serung zu betrachten , um sich von der Handgreiflichkeit meines Irr-
thums zu überzeugen. Den gewöhnlichen paarigen Anhang des Eier-
gangs nennt er „vesicules scminales ,« während sich doch nie eine
Spur des männlichen Samens in ihm entdecken lässt, sondern ihr In-
halt stets aus einer schleimartigen, oft etwas körnigen Masse besteht.
Der zweite Theil der Abhandlung liefert die Darstellung aller
Körpersysteme in folgenden Familien: Culicides , Tipulariae, Tabanii,
Stratyomides, Asilici , Empides et Cyrtides , Bombyliarii, Thereuides et
Leptides , Dolichopodes , Syrphides, Scenopinii , Conopici, Oestrides,
244 Schaum: Bericht über die Leistungen in der Entomologie
Muscariae. Der Raum dieses Berichts gestattet nicht , specieller auf
die liier mitgelheilten Beobachtungen einzugehen.
Blanchard hat der Pariser Academie eine Abhand-
lung über die Zusammensetzung des Mundes bei den Dipte-
ren vorgelegt, welche die Aufgabe hat, nachzuweisen, dass
die wichtigsten Modificationen in dieser Ordnung durch Ver-
wachsung der einzelnen Theile des Mundes hervorgebracht
werden, eine Thatsache, die nicht sowohl aus der Bildung
der Organe selbst als aus dem Ursprung der sie versorgen-
den Mundnerven hervorgeht.
Bei den Dipteren mit sechs Mundborsten hat bereits Savigny die
richtige Deutung der einzelnen Theile geliefert , die Oberlippe erhält
hier ihre Nerven vom ganglion supraoesophageum , während die drei
aus dem ganglion infraoesophageum entspringenden Kervenpaare an
die Mandibeln , Maxillen und an die Unterlippe treten. Bei den Asili-
nen , die nur 4 Borsten besitzen , verschwinden die Mandibeln nicht,
wie man dies gewöhnlieh annimmt, sondern sie verwachsen zu einem
unpaarigen mittleren Stücke, in welchem die äussern aus dem ganglion
infraoesophageum entspringenden und sonst die Mandibeln versorgenden
Nerven sich verzweigen. Bei den Museiden oder überhaupt den Dipte-
ren mit zw^ei ßüsselborsten vereinigen sich die Mandibeln ebenfalls zu
einer einfachen unter der Oberlippe liegenden Lamelle, , während die
Maxillen mit der Unterlippe zum Rüssel verschmelzen, was daraus her-
vorgeht, dass das zweite Paar der aus dem ganglion infraoesophageum
kommenden Nerven an die an der Spitze des Rüssels befindlichen Ta-
ster tritt.
Von Zetter stedt's Diplera Scandinaviae ist der 9te
Theil herausgegeben worden. Das Werk ist jedem Dipfero-
logen so unentbehrlich, dass eine mehr in das Einzelne ein-
gehende Anzeige desselben überflüssig erscheint.
Der vorliegende Theil umfasst die erste Hälfte der Diplera ne-
matocera und zwar die Familie der Hirleides , Scalopsides, Simulides,
Byphii, Culicides , Chironomii , Cecidomyzides und Psychodides , so dass
nach dem Systeme des Verf. noch die Sciarinae^ Tipulides , Mycelo-
philinae und Chioneides folgen werden. — Gegen die Bildung der Fa-
milie der Ryphii, zu welcher Z. ausser Ryphus die Gattungen Cordyla
und Ceroplahts stellt, werden wohl von den meisten Dipterologen Ein-
wendungen erhoben werden. — Zwischen die Ryphii und Culicides
schiebt der Verf. die Gattung Chenesia ein , ohne sich darüber auszu-
sprechen, welcher Familie sie angehört. Den Namen tadelt er mit
Recht ; warum er ihn trotzdem beibehalten und nicht den älteren von
Rulhe erlheilten Thaumalea in Anwendung gebracht hat, ist nicht ein-
während des Jalires 1850. 245
zusehen. — Ein grosser Theil der Vorzüge, welche das Werk besitzt,
verdankt es der urafangreicben Unterstützung, welche dem Verf. von
seinen Landsleuten zu Theil geworden ist. AVo diese weniger ausgiebig
gewesen ist, und es an tüchtigen Vorarbeiten gemangelt hat, zeigt
dasselbe viel schwächere Partien, eine solche ist in dem vorliegenden
Bande die Familie der Cecidomyzides. — In systematischer Bezie-
hung scheint mir die von Z. beliebte Anordnung eben kein Fortschritt
zu sein.
Scholz hat angefangen unter dem Titel: „Beiträge zur
Kunde der schlesischen Zweiflügler" eine Uebersicht der bis-
her in Schlesien beobachteten Dipteren zu liefern. (Schles.
Zeitschr. f. Enlom. No. 16.).
In dem vorliegenden Stücke sind die Xylophagi, Tabanii und
Leptides aufgezählt ; die häufigen und allgemein gekannten Arten wer-
den nur namhaft gemacht, von den seltnem das Vorkommen bespro-
chen, Beris dubia Zett. und ein wahrscheinlich neuer, aber nicht be-
nannter Talanus ausführlich beschrieben.
Scholz hat (Schles. Zeitschr. f. Ent. No. 15.) den im
vorigen Jahresberichte angezeigten Aufsatz „lieber den Aufent-
halt der Dipteren während ihrer ersten Stände" durch einen
starken Nachtrag vervollständigt.
Insecta Saundersiana or characters of undescribed spe-
cies in the collection of W. W. Saunders. Diptera P. I. By
F. Walker. London 1850.
Es sind in dem vorliegenden Hefte die neuen den Familien der
Xylophagi und Tabanii angehörigen , in der Saunders'schen Sammlung
befindlichen Arten von F. AV alker ausführlich beschrieben und zum
Theil auf zwei beigegebenen Tafeln von Weslwood abgebildet.
In Newman's Zoologist App. S. LXV. und S. XCIV. hat
F. Walker eine Anzahl neuer im brittischen Museum befind-
licher Zweiflügler beschrieben „Characters of undescribed
Diptera in the British Museum."
Die Mehrzahl derselben gehören zur Gattung Tabamts, einzelne
zur Familie der Slralyomidae y Bombyliarii und Asilici ; ich werde sie
beireffenden Orts namhaft machen. Ueber den wissenschaftlichen Werth
derartiger Aufsätze habe ich mich schon wiederholt ausgesprochen.
Descriplion et Iconographie de quelques Dipleres de
TEspagne par Leon Dufour. Ann. d. 1. soc. ent. d, Franc.
t. Vm. S. 131. Taf. 5 u. 6, ^
246 Schaum: Bericht über die Leistungen in der Entomologie
L 0 e w hat in einer sehr lehrreichen und anziehend
geschriebenen Abhandlung „über den Bernstein und die Bern-
steinfauna j'* welche als Programm der Realschule zu Mese-
ritz ausgegeben ist, die allgemeinen Resultate seiner umfas-
senden und langjährigen Untersuchungen über die im Bern-
stein eingeschlossenen Zweiflügler niedergelegt.
Die die Unterabiheilung der Diptera nematocera bildenden
Familien hoben sämmtlich ihre Repräsentanten in den Bernsteininclusis,
von den eigentlichen Stechmücken ist aber bis jetzt nur ein einzelnes
Weibchen der Gattung Culex beobachtet worden. Desto artenreicher
sind aber die Tipularia culi cif or mi a, indem von der Galtung
Chironomus allein mehr als 40 Arten dem Verf. bekannt geworden sind.
In der Familie der Tipularia noctuaeformia müssen zwei neue
Gattungen Phalaenomyia für 9 Arten, die sich von Psychoda durch die
nicht perlschnurförmigen Fühlhörner unterscheiden , und Poslhon für
eine Art mit ganz fadenförmigen Fühlern errichtet worden. Auch die
Gallmücken lieferten eine neue Gattung Monodricana , bei der in-
dessen noch einiger Zweifel obwaltet, ob sie nicht zu den Schildläusen
gehört. Die Filzmücken des Bernsleins übertreffen an Zahl der Ar-
ten und Individuen alle übrigen Familien , von einzelnen Sciara-Arten
hat der Verf. bisweilen mehr als 40 Exemplare in einem Bernstein-
stücke beobachtet. Die bisher für die lebenden Arten gebildeten
Gattungen reichen für die fossilen nicht aus, auch sind bisher die
wichtigen Unterschiede im Flügelgeäder nicht gehörig beobachtet wor-
den. Der Verf. hat daher eine neue, auf das letztere gegründete Ue-
bersicht der dahin gehörigen Gattungen gegeben, von denen Dianepsia,
Heterotricha, Aclada zur Zeit nur fossile Arten enthalten. Unter den
Tipularia terricola fanden sich ebenfalls mehrere neue Formen,
die den Verf. veranlasst haben , auch hier eine neue Uebersicht der
Gattungen raitzutheilcn , von denen Toxorhina , Macrochile (der Name
kann nicht wohl neben der Käfergattung Macrochilus bestehen}. Tri-
choneura, Calobamon, Haploneura, Critoneura, Tanymera, Tanysphyra,
Styringomyia, Alaracta und Allarithmia in der Gegenwart keine Re-
präsentanten zu haben scheinen. In der Familie der Tipularia flo-
ricola ist das Fehlen der Gattung Bibio auffallend.
In der Unterabiheilung der Diptera brachocera sind die
Xylophagina durch Xylophagus und zwei neue Gattungen : Bolbomyia
und Habrosoma vertreten. — Die Tabanidea und Acanthomerina
weisen je eine Art au?, die ersteren einen SiYmMs, die letzteren eine noch
unbeschriebene Gattung Arthropeas, von der eine zweite Art in Sibirien
vorkommt (s. u). — Die Xylotoraa sind durch Thereua, die Bomb y-
liaria durch eine Art yon Corsomyza, die Asilica nur durch 3Asilits
während des Jahres 1850. 247
und i Dasypogon repräsentirt. Von der Familie der Leptiden kommen
die Gattungen Leptis und Ätherix in zahlreichen, oft schön erhaltenen
Exemplaren vor. Von den lly botinen sind 2 Arten von Hijbos und
I von Brachijstoma beobachtet; die Empiden treten wieder mit vie-
len Arten auf. (3 Leptopeza, 21 Rhamphomijia, löEmpis, 3 Gloma und
5 neue hier nicht namhaft gemachte Gattungen mit 10 A.) ; dasselbe
gilt von den Ta chy dro mi d en. (3 Helerodromia, 5 Tachypeza^ 7 Ta~
chydromia, 1 Drapeiis). — Von den Fipunculinen ist nur ein ein-
ziges Männchen von Pipunculus vorgekommen; ausserordentlich gross
ist dagegen die Individuenzahl der D o lic ho po d e n, die nur der der
Pilzmücken nachsteht, die Artenzahl derselben beläuft sich auf 68. —
Von den Syrphinen, die nicht artenarra waren, sind kenntliche
Stücke seilen , neue Gattungen sind hier nicht vorgekommen — Die
Myopinen zählen nur eine Art, die aber eine eigene Gattung bildet.
Eine ganz auffallende Armulh zeigt der Bernslein an Arten der Mus-
carien, (Muscarien , Sarcophaginen und Tachinarien) und Antho-
niyien. Von 28 Arten der Familie Acalyptera sind nur wenige
sicher bestimmbar. Aus der Familie der Leptopodea sind 2 schöne
Calobata-Arlen vorgekommen. Die Familie derTrineura schliesst rail
II Arten der Gattung Phora die Reihe der Bernsteindipteren.
Tipiiläriae* Die Gallmücken bilden den Gegenstand
einer klassischen Abhandlung von Loew, welche in dem zu Ostern
1850 ausgegebeneu Programme des Posener Gymnasiums enthalten
ist. Der Verfasser beginnt mit einer sehr vollständigen Geschichte der
bisherigen Leistungen auf diesem Felde, in der er unter Andern
auf die reichhaltige , im Jahresberichte für 1848 angezeigte Schrift
von Bremi auf das Speciellste eingeht. Dann folgt die Auseinan-
dersetzung der systematischen Verhältnisse; der Familiencharakter
der Gallmücken wird hier so festgestellt: „Körper lang, cylindrisch,
Beine schlank, Schienen stets unbewehrt, Klauen schwach, nur ein
Klauenpolster; Flügel gross und breit, ohne Flügelanhang, mit 3 — 5
Längs- und höchstens einer Querader, die zwischen der Isten und
2ten Längsader liegt; Flügelrand gewimpert, mit höchstens 7 Abschnit-
ten ; Flügelfläche überall mit langer oder mit kurzer und dazwischen
stehender langer Behaarung." Wach dem Vorhandensein oder Fehlen
einen Längsader, welche sich zwischen der zweiten und folgenden
Längsader einschaltet, gliedert sich die Familie in zwei scharf geschie-
dene Gruppen, jede deselben lasst sich mit Leichtigkeit und Sicher-
heit wieder in zwei Gattungen zerlegen ; die, wo jene Längsader fehlt,
in die Gattungen Cecidomyia JMeig. und Lasioptera Meig. , je nachdem
entweder nur die erste oder die erste und zweite Längsader dem Vor-
derrande der Flügel sehr genähert ist; die, wo die Längsader vorhan-
den ist, in die Gattungen Campylomyza Meig. , wo die eingeschaltete
Längsader einfach und ßlolobraea Rond. , wo sie gclheilt ist. — Die
248 Schaum: Bericht über die Leistungen in der Entomologie
Gattung Cecidomyia zerlegt der Verf. wieder in folgende Untergattun-
gen : A. Mit 3 Längsadern. 1. CoUare mehr oder weniger capuzen-
förmig, Flügel ohne Schimmer. H ormomyia. 2. Collare sehr we-
nig entwickelt, a. Querader fehlt oder ist massig schief, cc. Männ-
chen mit doppelt so viel Geisseigliedern als das ^Y eihchen. D ipl^o^is.
ß. Beide Geschlechter mit gleich viel Fühlergliedern, f. Fühler wir-
telliaarig. Cecidomyia. f f. Fühler mit einfacher kurzer Behaarung.
Asphondylia. b. Querader so schief, dass die zweite Längsader
zweiwurzlig erscheint, a. Geisselglieder bei beiden Geschlechtern sit-
zend. Dirhiza. ß. Geiselglieder bei beiden Geschlechtern gestielt.
Epidosis. B. Mit 4 Längsadern. Asynap ta. — Lasioplera zerfällt
wieder in zwei Untergattungen , Lasioplera Meig. mit kurzen Mund-
theilen und Clinorhyncha {Oürhyncus Rond.) , wo die ölundtheile
einen schief gegen die Brust gerichteten Schnabel bilden. — Sehr sorg-
fältig sind sodann die früheren Stände und die Verwandlungsgeschichte
dargestellt. In dem Abschnitt über die Beziehungen der Gallmücken
zu ihren Nahrungspflanzen hat der Verf. sehr viele neue Thatsachen
mitgetheilt, und die Angaben früherer Schriftsteller vollständig zusam-
mengestellt. Eine trefflich ausgeführte Kupferlafel erläutert hier eine
grosse Zahl der vom Verf. selbst beobachteten Fflanzen-Deformalionen.
— Die systematische Beschreibung von 62 mit wenigen Ausnahmen
erzogenen Arten von Cecidomyia, unter denen sehr viele neu sind, bil-
det den Schluss der Schrift ; die Bestimmung derselben wird durch
eine Uebersicht der Pflanzen, auf denen sie leben, sehr erleichtert.
Arien nach gefangenen Exemplaren aufzustellen und zu beschreiben
hält der Verf. in dieser schwierigen Gattung für unstatlhaft.
Auch Hardy hat (Ann. of nat. hist. VL S. 182) einige Cecido-
«jyice-Arten und die Productionen, welche sie auf ihren Wohnpflanzen
hervorbringen, beschrieben. Ich verdanke Prof. Loew das folgende
Referat über diese Abhandlung. — j,Hardy hat aus den Blätterrosen
an den Zweigspitzen von Salix cinerea zwei Arten von Cecidomyia
erzogen, von denen er die grössere mit 22-gliedrigen Fühlern als C.
einer eariimf die kleinere, deren Männchen 17-g!iedrige und deren
Weibchen 16-gliedrige Fühler haben soll, als C. saligna beschreibt.
Erstere scheint völlig einerlei mit C. rosaria Loew und letztere mit
C. iteophila Loev\^, beide von mir aus den Blälterrosen der Zweigspil-
zen von Salix alba erzogen. Wenn Mardy angiebt, dass Degeer eine,
solche Blätterrosen bildende Gallmücke bereits unter dem Kamen sali-
cina beschrieben habe, so ist das ein Irrlhum , zu dem er sich durch
falsche Angaben späterer Autoren hat verleiten lassen. Der Name
„salicina" ist zuerst von Schrank in den Ins. Auslr. für die in den
vertrocknenden Triebspilzen von Salix alba lebende Art verwendet
worden , und muss für diese Gellung erhalten. Die Degeer'sche Art
ist oIFenbar mit Cec. rosaria Loew einerlei. — Auch die Cecidomyia,
während des Jahres 1850. 249
^velche die länglichen Ilolzgallcn mehrerer Weidenarten erzeugt, be-
schreibt Hardy unter einem neuen Kamen als Cec. g allarum sali~
eis. Sie ist die Cec. Salicis Schrank, nicht mit Cec. Salicis ßouche
= Cec. Boucheana Loew zu verNvechseln. — Ferner hat der Verf. auf
den wilden Rosen 2 Arten von Gallmückenlarven beobachtet; die erste
ist die der bekannten Cec. Rosae ßrerai, welche Hardy als Cec. rosa^
rum beschreibt. Die zweite Larve ist diejenige, welche sich häufig
auf von Ceoraa rosarum befallenen Rosen findet und allem Anscheine
nach von diesen Cryplogamen lebt. Die Zucht dieser Larve, die einer
Cecidomyialarve allerdings sehr gleicht, ist, wie es scheint, noch Nie-
mandem und auch Hardy nicht gelungen. Von einer auf den Rosensträu-
chern gefangenen Gallmücke, welche er unter dem Namen Cec, rho~
dophila beschreibt, vermuthet er, dass sie zu dieser Larve gehören
könne, was freilich höchst problematisch erscheint. Die Beschreibung
ist nicht klar genug, als dass ein Wiedererkennen dieser Art , welche
der Untergattung Dirhiza Loew anzugehören scheint , wahrscheinlich
wäre. — Endlich gelang es Hardy, von einer Cecidomyia, welche an
den Zweigspitzen von Helianthemum vulgare lockere ßlätterknöpfe bil-
det, ein Exemplar zu erziehen, welches er als Cec. Helianlhemi auf-
stellt ; diese Art gehört zur Untergattung Diplosis Loew und zwar zu
der Abtheilung der buntflügligen Arten ; die Beschreibung ist nicht
genau genug, um beurlheilen zu können , ob sie nicht vielleicht mit
einer der bereits publicirlen Arten einerlei ist; vorläufig muss sie für
neu gelten.«
Kollar's Beobachtungen über Lasioptera Cerris (s. vor. Jah-
resber. S. 236. sind jetzt auch in den Denkschr. d. Wien. Acad. t. L
mitgetheilt worden. Eine Kupfertafel stellt das Insect in allen Stän-
den und die Deformationen, die es an den Blättern der Zerreiche ver-
ursacht, dar.
Dieselbe Mücke wurde auch von Passerini in Toscana beob-
achtet und unter dem Namen Cecidomya cerrifoliae besehrieben:
„noti7;ie sopra due insetti nocivi agli alberi, una Cecidomya alla foglie
dei Cerri e i Bruchi, o larve delle Liparis Salicis ai pioppi cipressini
Firenze 1849. (Nuov. ann. delle scienc. nat. 1850. S. 475.).
Tabanii. Mit einer neuen Gattung und einer grossen Anzahl
neuer Arten wurde diese Familie von F. Walker (Ins. Saund.) be-
reichert, ausserdem sind von ihm einige bereits früher charakterisirte
Arten nochmals ausführlich bescbricben. Die neue Galtung ist:
Scepsis: Silvio affinis; ocelli dislincli; antennae parvae, sim-
plices, alae nervi subcostalis angulus ramulum longum demittens. Sc,
nivalis, Taf. 2. Fig. 7., n. A. aus Südamerika.
Von den von Walker bescliriebenen Arten gehören 17 zu ran-
gonia, 65 zu Tabanus, 5 zu Dichelacera, 3 zu Chrysops. — Die Gal-
tung Pangonia ist hier in 15 Gruppen getheilt, die mit folgenden Na-
250 Schaum: Bericht über die Leislungen in der Entomologie
men belegt sind: Nuceria ^ Fidena, Dicrania Macq. , Melpia, Scaplia,
Pangonia , Tacina , Fhara , Clanis, Osca, Philoliche HofFm. , Scione,
Plinlhina, Scarphia, Lüaea. In jeder Gruppe sind die dem Verf. be-
kannten Arten namhaft gemacht.
Von F. Wallt er wurden auch in Newman's Zoologist App.
S. LXV. und S. XCIV. viele neue Arten der Galtung Tahanus beschrie-
ben: T. pyraustes aus Java, lenens von Para, alho-aler eben-
daher, viridiflavus aus Brasilien, fullo und fenestratus ohne
Vaterlandsangabe, vagus von Hongkong, basiv itta ^ vidutis, de-
sertus von Para, advena unbekannter Heimath, Sarpa, Oplus,
impar, trunca tus aus Neuseeland, t ripunctifer von Port Natal,
ustus ebendaher, brevivitta zweifelhaften Vaterlandes.
Asilici« Zwei neue spanische Arten von Dioclria, D. chal-
CO gastr a und melas sind von L. Dufour (Ann. d. 1. soc. entom.
de Franc, t. VIII. S. 146 (F. Taf. 6. Fig. 9. u, 10.), aufgestellt worden,
Dioctria melas ist aber gar keine Dioctria, sondern , wie sich aus der
Bildung der Fühler und des Bartes ergiebt, ein Dasypogon.
AValker (Newm. Zool. App. S. XCVIII.) hat zwei neue Arten
von Mallophora, M. tricolor von Para und M. albifrons aus Süd-
amerika und Trupanea purpurea von Para beschrieben.
Hybotinae. Loew errichtete (Ent. Zeit. S. 302.) eine neue
Gattung MeghyperuSf als deren Haupmerkmale die gänzliche ünbe-
wehrtheit der nicht langen Beine, die Länge des ersten Gliedes an allen
Füssen und ein eigenthümlicher Aderverlauf der Flügel anzusehen sind.
M. sudeticus n. A. ist im Riesengebirge einheimisch.
Jffidasii* L. Dufour gab (Ann. d. 1. soc. entom. d. Franc.
t. VIII. S. 143. Taf. 6. Fig. 7.) eine neue Beschreibung und Abbildung
von Midas lusitanicus Meig. und stellte M. fulviventris als unbe-
schriebene in Spanien einheimische Art auf, die er indessen nur un-
vollkommen zu charakterisiren vermochte , da das Originalexemplar an
Latreille abgetreten wurde und dem Verf. gegenwärtig nicht vorlag.
Seine Beschreibung des M. lusitanicus passt nur auf das Männ'^hen, und
sein M. fulviventris scheint nichls als das Weibchen derselben Art zu
sein. Den Gattungsnamen schreibt D. irrig Mydas statt Midas.
Sicarii» Dieser Familie wurde von Loew (Ent. Zeit. S. 304.)
eine neue Gattung Arthropaeas zugezählt, welche in Färbung und
Form sehr an Atherix Ibis erinnert , aber geringelte Fühlhörner hat,
also nicht zur Abtheilung der Brachocera haplocera, sondern zu der
der Brachocera entomocera gehört. Sie bildet hier recht eigentlich ein
Bindeglied zwischen den Familien der Acanthomeridae und Sicarii, de-
ren Trennung vielleicht wieder aufzugeben ist. Sie hat nämlich das
unbewehrte Schildchen der ersteren , Körpergestalt , Grösse und Taster
der lelzlernj die Form des drillen Fühlergliedes sieht zwischen der
während des Jahres 1850. 251
plallgedröcklen der Acanthomeridcn und der kegelförmigen der Sicarii
in der Mitte. Die Gattung enthält zur Zeit zwei Arten, eine A. si-»
hirica in Ostsibirien einheimisch, wird hier ausführlich charakterisirt,
eine zweite noch unbeschriebene findet sich unter den im Bernstein
eingeschlossenen Dipteren.
Acanlhomera magnific a eine neue 21'" lange Art aus Süd-
amerika ist von Walker (Ins. Sand. S. 74.) beschrieben worden, sie
ist auch Taf. 1. Fig. 1. abgebildet. W. stellt die Gattung zu den Ta-
baniern.
Xylopliag'ei* Eine neue Art von Xylophagus ^ X. p er sequus
aus Nordamerika und sechs neue Galtungen sind in dieser Familie von
F. Walker (Ins. Saunders. I) aufgestellt worden. Die letztern sind:
In opus mit Beris verwandt, aber ohne Dornen am Schidchen
und ohne die kleine Querader an der Spitze der Flügel,/. despC'
ctus n. A. (Taf. 1. Fig. 7.) ohne Vaterlandsangabe.
Phycus. Das erste Fühlerglied sehr lang, das zweite nur y^
so lang als das erste, das dritte spindelförmig, halb so lang als das
erste, das vierte sehr klein, in eine kurze Borste endigend. Hierher
Xylophagus canescens Walk. Cat. of Brit. Mus. (Taf. 1. Fig. 5.).
Dimassus Nur durch etwas längeres zweites und drittes
Fühlerglied von der vorigen Gattung unterschieden. Hierher: Xijl. la^
tistria Walk-, Ä'. terminalis Walk, aus Neusüdwales, der hier nochmals
ausführlich beschrieben und (Taf. 1. Fig. 6.) abgebildet wird, D. di-
Visus n. A. ohne Vaterlandsangabe.
Dialysis. Das erste und zweite Fühlerglied kurz, das zweite
etwas länger als das erste, das dritte conisch, nicht länger als das zweite,
das vierte borstenförmig, länger als alle drei vorhergehenden. D. dis-
similis ohne Vaterlandsangabe.
Cy clotelus. Das erste Fühlerglied sehr lang, das zweite sehr
kurz, das dritte und die folgenden zu einem zusammengesetzten Gliede
verschmolzen, welches so lang wie das erste und an der Spitze zusam-
mengedrückt ist; die Spitze des weiblichen Hinterleibs, wie bei den
Asilen, mit einem Kranz von Dornen besetzt. In einem Addendum be-
merkt der Verf., dass Agapophytus Guer. Voy. d. 1. Coq. sehr nahe
mit Cyclotelus verwandt zu sein scheint. C. nigroflamma, prui~
nosus (Taf. 2. Fig 4.), socius, laetus alles n. A. aus Südamerika.
N onacris. Fühler siebengliedrig, das zweite Glied länger als
das erste, das dritte und die folgenden kurz; ohne Querader an der
Spitze der Flügel, eine DiseoidaU, eine Submarginal- und 4 hintere
Zellen, die vierte geschlossen. JV. t ransequa aus Südamerika.
Scenopinii* Note sur la chrysalide du Scenopimis feneslra-
lis et sur le poste de ee Diptere dans la Classification par L. Dufour
(Ann. d. 1. soc. entom. d. Fr. t. VIII. S. 493. Taf. 16. N. IV.). — Der
Verf. (heilt hier eine sehr mittelmässige Abbildung und eine unvoll-
252 Schaum: Bericht über die Leistungen in der Entomologie
kommene Beschreibung der Puppe dieses Insects mit. Wenn er die
Verwandlungsgeschichte der Gattung Scenopinus für noch völlig unbe-
kannt hält, so befindet er sich in einem Irrlhume. Bouche hat in der
ersten Lieferung seiner Kaiurgeschichte der Insecten S. 16. die Larve
und Puppe von Scenopinus senilis bereits ausführlich beschrieben und
beide Taf. 4. Fig. 21 — 25. abgebildet. Auf seine Mittheilungen stutzt
sich das , was Westwood Introd, to Ihe mod. classif. über die Meta-
morphose von Scenopinus mittheilt. Auch das, was L. Duf. über die
systematische Stellung der Gattung äussert und für neu hält , ist be-
reits von Bouche a. a. 0. und von Loew, gestützt auf anatomische
Untersuchungen (Ent. Zeit. 1845. S. 312.) gesagt worden. Dass dem
so scharfsichtigen Westwood die Richtigkeit dieser Ansicht entgangen
ist und er die Gattung Scenopinus ganz widernatürlich mit den Platy-
pezinen und Pipunculinen in eine Familie vereinigt hat, muss allerdings
Verwunderung erregen.
Dolicliopodes. Eine den Galtungen Medeterus und Thino-
philus nahestehende neue Gattung der Dolichopoden beschreibt Perris
(Wem. de l'acad. de Lyon Tom. IL). Er nennt sie Aphroozeta und
charakterisirt sie durch an der Spitze etwas ausgerandete Fühler mit
rückenständiger, zweigliedriger Borste, sehr feinbehaarle Augen, äusserst
lange und schlanke Beine , von denen die vordersten auf der Innen-
seite der Schenkel und Schienen mit steifen Borsten bewehrt sind. Die
vierte Flügelader ist nach seiner Angabe fast gerade; die Anhänge an
den männlichen Genitalien kurz, die Lamellen linienförmig ; die bei-
den Arten, auf welche er die Galtung begründet,, nennt er A. glauca
und cinerea, er hat sie auf seinem Ausfluge in das Dept. des Landes
entdeckt.
Wahlberg hat (Vet. Akad. Öfvers. 1850. S. 215.) die für die
schwedische Fauna neuen ihm bekannt gewordenen Arten \on Dolicho-
pus beschrieben, darunter folgende zum ersten Male: D. micropy-
gus, armillatus , consimilis , er uralis, gr andi c o rnis,
affinis, calig atus, pictipennis, cinctipes , arg yro tar-
«ts, modeslus, p arvultis.
Stenhammer stellt (ebenda S. 280.) Rhaphium discigerutn
als neue schwedische Art auf, welche in der Bildung der Fühlerborsle
mit Anglearia antennala Carlier (Ann. de Franc.) übereinstimmt.
Einen Beitrag zur Kenntniss der Rhaphium - Arien hat Loew
(Ent. Zeit. S. 85. Taf. L Fig. 7—39.) geliefert. Es werden hier nach
Stäger's Vorgange in der Gattung Rhaphium alle Dolichopoden mit
fadenförmigen Anhängen an den Genitalien der Männchen, welche eine
endsländige Fühlerborste haben und nicht in die Gattungen Diaphorus
oder Chrysotus Meig. gehören, zusammengefasst, und 31 dem Verf. ans
eigener Ansicht bekannt gewordene Arten scharf unterschieden. Die
specifischen Merkmale finden sich vorzugsweise bei den Männchen, die
während des Jahres 1850. 253
Begründung von Arien auf bloss weibliche Individuen isl als unsicher
und verwirrend zu vermeiden. Eine Anzahl von Meigen aufgestellter
und nur nach dem weiblichen Gesclilechte charakterisirter Species ist
daher nicht zu entziffern : — 16 neue Arien hat der Verf. ausführlich
beschrieben, zu 15 bereits bekannten erläuternde Bemerkungen mit-
getheilt.
Die Gattung Orlhochile Lalr., von welcher bisher nur eine (eu-
ropäische) Art, 0. nigrocoernlea Latr. bekannt war, ist von Loew
(Eni. Zeit. S. 341.) mit zwei neuen, 0. soccata aus Italien und Süd-
frankreich und 0. unicolor aus Kleinasien, Griechenland und Dalma-
tien bereichert worden.
ßombyliarii. — L. Dufour gab (Ann. d. 1. soc. enlom. d.
Franc, t. VIII. S. 139. Taf. 5. Fig. 3.) eine neue Galtungs- und Arlbe-
schreibung der seltenen Xestoinyza chrijsanlhemi Meig. (Tipula cÄr. Fabr.),
die er selbst früher unter dem Namen Ploas rhagioniformis publicirt
halle, sie findet sich bei iMadrid vorzugsweise in den ßlülhen einer Eu-
phorbia. — D. befindet sich übrigens in einem Irrlhume, wenn er
glaubt , dass Meigen auf diese Art die Gattung Xestomyza begründet
habe, dieselbe ist vielmehr von Wiedemann (Nov. Dept. gen. S. 10.
Fig. 2.) auf X lugubris vom Cap errichtet worden ; später (Anal. ent.
S. 24.) fügte W. eine zweite Art, X. coslalis von Mogador hinzu und
sprach die Ansicht aus, dass Hirlea chrijsanlhemi Fabr. ebenfalls dahin
zu ziehen sei. Darauf hin hat Meigen im 6. Bande seines Werkes die
Art als Xesiom. cÄrysawiÄemi nach Fabricius beschrieben, ohne sie selbst
genau zu kennen. Sie weicht von den beiden andern Arien darin ab,
dass jeder Fühler auf einer besondern Erhöhung steht, die beim Weib-
chen viel mehr hervortritt als beim Männchen. Baryphora speciosa
Loew, welche Fairmaire in einer Note (ib. S. 155.) zur Galtung
Xestomyza ziehen will, steht ihr allerdings sehr nahe, indessen unter-
scheidet sie sich von X. lugubris und coslalis durch die gewallig her-
vortretende Stirn, so dass sie wohl als Typus einer zweiten Xeslomyza
nahestehenden Galtung angesehen werden kann.
Die Gi^Üung Lampromyia bereicherte L. Dufour (Ann. d. 1. söc.
ent. de Franc, t. Ylll. S. 151. Taf. 16. Fig. 14.) mit einer neuen spa-
nischen Art, L. fun e bris.
Als neue Art aus Spanien wurde von demselben (a. a. 0.
S. 135.) auch Nemeslrina Perezii aufgestellt, und (Taf. 5. Fig. 2.) iu
beiden Geschlechtern abgebildet, sie sieht N. abdominalis Oliv, sehr
nahe doch scheinen sichere Unterschiede vorhanden zu sein.
Ferner hat Dufour (a. a. 0.) Anthrax Mi eg ii^ A. fasciata
als n. A. und A. bambyciformis Duf,, welche von Macquart später Ex'
oprosopa lutea benannt worden ist, beschrieben und abgebildet. A.
fasciata isl indessen wohl nicht von Exoprosopa grandis und A.
bombyciformis nkhl von E. Aeacus verschieden.
254 Schaum: Bericht über die Leistungen in der Enlomologie
Von F. Walker (Wewm. Zool. App. S. XCVII.) wurden An-
thrax bistellOy Lepidophora culiciformis und Exoprosopa hizona
aus Para als n. A. bekannt gemacht.
Stratiomydae* F. Walker beschrieb (Newm. Zool. App.
S. XCVI.) als neue Arten: Cyphomyia ornata und Sargus jucutidus
aus Para. *
Syrpliici* Species ilalicae generis Eumeri observatae et di-
slinclae a Camillo Rondani (Ann. d. I. soc. cntom. d. Franc, t. VIII.
S. 117.). — Rondani zählf hier 12 von ihm in Italien gefundene Ar-
ten dieser Gattung auf, nämlich : 1. sabulonum Fall. , 2. tricolor Fbr.,
3. exilipes nov. sp., 4. ornalus Meig. , 5. uncipes nov. sp. , 6.
barbiventris nov. sp., 7. funeralis Meig., 8. strigalus Fall., 9. ca-
vitibius nov. sp. , 10. D elicalae nov. sp. , 11. anguslicornis
nov. sp., 12. barbarusW ied. — Prof. Loew, der seihst eine mono-
graphische Arbeit über Eumerus (Ent. Zeit. 1848. S. 108 iF.) geliefert
hat und den ich um eine Beurtheilung der Rondani'schen Arten bat,
hat mir über dieselben folgende Mltlheilungen gemacht: j^Die Angaben
des Verf. über die Arten, w^elche er für bereits beschriebene hält, sind
so völlig ungenügend, dass sich gar nicht beurtheilen lässt, ob er diese
zum Theil noch sehr zweifelhaften Arten wirklich vor sich gehabt hat;
die verworrene Synonymie, welche er zu denselben giebt, lässt nicht
vermulhen, dass er in der Bestimmung derselben völlig sicher gewe-
sen sei. Die angeblich neuen Arten sind zum Theil schon früher von
mir beschrieben worden ; so ist exilipes Rd. = argyropus Lw. , Deli-
calae Rd. = pulcheUus Lw. , anguslicornis Rd. = amoenus Lw. und
cavitibius wahrscheinlich = emarginattis Lw. — Eu, barbiventris dürfte
doch wohl nichts als Eu. ruficornis Meig. sein, da Meigens Angabe über
die helle Färbung der Tarsen dieser Art lediglich auf einem Irrlhume
beruht und so der Hauplunlerschied wegfällt; die einzigen Merkmale,
welche barbiventris zu unterscheiden scheinen, liegen in der Behaarung
des letzten Hinterleibsabschnittes und der Stirn des Männchen. — Eu.
uncipes dürfte die einzige haltbare neue Art sein." — Wenn Rondani
die Verwandlungsgeschichte der Gattung Eumerus für noch völlig un-
bekannt hält, so ist dies ein Irrthum. Bouche hat sie bereits 1847 im
VIII. Jahrgange der Stett. Ent. Zeit. S. 145. beschrieben.
Nota sexla pro diplerologia italica ; de nova specie generis Ce-
riae Fabr. detecta et descripta a Camillo Rondani (Ann. d. 1. soc.
entom. d. Franc, t. VIII. S. 211.). — R. erhebt hier ohne genügende
Gründe die Gattung „Ceria zu einer besondern Familie,« welche er mit
dem Namen „Ceriellae^^ belegt und zerspaltet dieselbe je nach dem
Vorhandensein eines längern oder kürzern die Fühler tragenden Stirn-
höckers in die Gattungen Ceria und Sphixim o rpha, eineAnordnug,
die ganz unhaltbar ist, da sich in dieser Beziehung bei den exotischen
während des Jahres 1850. 255
Arten alle möglichen Zwischenformen finden, eine bessere Einlheilung
der Gattung Ceria nach der Gestalt des Hinlerleibes übrigens auch
schon vorgeschlagen ist. Endlich beschreibt R. als Sp hiximorpha
Fet ronillae eine sehr interessante neue Art, die er in der Gegend
von Parma entdeckt hat, sie unterscheidet sich von der im Fühlerbau
verwandten Ceria subsessilis leicht durch die viel ausgebreitetem Zeich-
nungen des Hinterleibes.
Cheilosia flavicornis Fabr. wurde von Boie (Eni. Zeit. S. 212)
aus den Stengeln von Carduus crispus erzogen. Es ist B. entgangen,
dass die Metamorphose von Cheilosia schon längst durch L. Dufour be-
kannt geworden ist. (S. Jahresber. f. 1840. S. 235.).
Henopii« L. Dufour gab (Ann. d. 1. soc. enlom. d. F'ranc.
S. 131. Taf. 5. Fig. 1.) eine neue mit einer Abbildung begleitete Be-
schreibung von Astomella curviveniris Duf. (marginata und clavicornis
Latr.) aus Spanien. Der Yerf. vermuthet mit Unrecht, dass Helops
Waxelii Klug damit identisch ist, da er gar nicht einmal in dieselbe Gat-
tung gehört. Erichson's Monographie der Henopier scheint Duf. nicht
einmal dem Namen nach gekannt zu haben. Es ist nicht unmöglich,
dass A. airvhentris das Weibchen der dort beschriebenen A. aurea ist.
jffiiscariae* Von Macquart's Arbeit über die europäischen
Tachinarien ist eine neue Fortsetzung in den Ann. d. 1. soc. enlom. de
Franc, t. VIII. S. 419—492. Taf. 12—15. erschienen , sie behandelt die
Galtungen Phorocera R. D. (13 A.) , Frontina Weig. (8 A.) , Melopia
(9 A.), Degeeria Meig. (21 A ), Masicera (61 A.).
Robineau-Desvoidy's ,,Myodaires des environs de Paris"
sind in den Ann. d. 1. soc. ent. d. Franc, t. VIII. S. 185—209. fort-
gesetzt worden. — Es ist hier die neunte Gruppe der Entomobien
„Ceromy rfrt 3" R. D. abgehandelt, welche aus sieben Gattungen be-
steht: Neaera R. D. (Tachina lalicornis Meig. und eine n. A.), El~
fia R. D. (2A.), Vafrellia R. D. (1 A.), Rondania R. D. (1 A.),
Ceromija R. D. (8 A., z. B. Thryptocera erythrocera Macq.) , Ce-
r an tili a R. D. (auf Thrypt. flavipes Macq. gegründet), Syphona
Meig. (12 A.).
Memoire sur plusieurs especes de Myodaires Enlomobies par
Robineau-Desvoidy (Ann. d. 1. soc. entom. d. Franc, t. VIII.
S. 157.). — Enthält die Beschreibung von 22 angeblich neuen Arten,
welche aus den Raupen verschiedener Schmetterlinge erzogen wurden.
Von Perris (Mcm. de l'Acad. de Lyon t. II. S. 493.) wurde
Gonia maritima n. A. in den Dünen des Depl. des Landes vorkom-
mend aufgestellt.
Als Fallenia fasciala Fabr. Meig. wurde von L. Dufour (Ann.
d. 1. soc. entom. d. Fr. t. VIII. S. 150. Taf. 6. Fig. 13.) eine Art be-
schrieben und abgebildet, welche mit der gleichnamigen Art von Fa-
256 Schaum: Bericht über die Leistungen in der Entomologie
bricius und Meigen keineswegs einerlei ist, letztere ist durch ihr ab-
weichend gebildetes Flügelgeäder und besonders durch die Anwesen-
heit der kleinen geschlossenen Miltelzelle sehr kennlich.
Von Loew wurde Ent. Zeit. S. 382. Lauxania pulchra als
n. A. bekannt gemacht , sie bildet einen Uebergang von Lauxania zu
der auf L. seticornis errichleten Gattung Pachycarina Macq. und lässt
es räthlich erscheinen, die letztere Galtung wieder einzuziehen, bis eine
genauere Kenntniss der zahlreichen exotischen Lauxanien eine zweck-
mässige Auflösung dieses Genus in mehrere möglich macht.
Miltogramma aurifrons eine neue spanische Art wurde von
L. Duf cur (Ann. d. 1. soc. ent. d. Fr. t. VIIL S. 149. Taf. 6. Fig. U.)
diagnosticirl und abgebildet.
Ais neue spanische Art wurde von demselben (a.a. 0. Fig. 12.)
auch Sarcophaga tertripunctata aufgestellt.
Die Galtung Trixa soll nach Robineau - üesvoidy vivipar
sein und ihre Larven im Oclober an menschliche Excremente absetzen
(Bull. d. L soc. entom. S. IX.).
Zwei neue Arten von thjdrellia aus dem Dept. des Landes, H.
apicalis und maritima wurden von Perris (Mem. d. Lyon t. II.
S. 49i.) aufgestellt.
Scholz hat im Berichte d. schlesisch. Gesellsch. f. 1850 die in
Schlesien beobachteten (18) Arten von Tetanoxera namhaft gemacht
und kurz beschrieben. Keine derselben ist neu.
Von L. Dufour wurde (Ann. d. 1. soc. entom. d. Franc, t. VIII.
S. 145. Taf, 6. Fig. 8.) Orlalis maculipennis Lalr. abgebildet und kurz
characklerisirt, die den deutschen Dipterologen bisher völlig unbekannt
geblieben ist.
Loew erzog aus den Stengel von Arctium Lappa eine neue
Argyromyza, welche er unter dem Namen A. lappae (Ent. Zeit. S. 380.)
beschrieb. Der Beschreibung fügte er die Bemerkung bei , dass
die Gattung in der jetzigen Ausdehnung aus zwei etwas heterogenen
Gruppen besteht, die vielleicht generisch zu trennen, sein möch-
ten. In der einen Gruppe ist die Hülfsader deutlich, aber mit der er-
sten verdickten Längsader vor deren fllündung vereinigt , bei einigen
Arten der zweiten Gruppe ist sie ganz davon getrennt, liegt ihr aber
so nahe, dass sie schwer davon zu unterscheiden ist, bei anderen klei-
neren fehlt sie ganz. Die Arten der zweiten Gruppe sind alle von
mehr oder minder schwarzer, nie metallischer Färbung, ihre Larven le-
ben, soweit sie bekannt sind, in Blättern, während die Larven der er-
sten Abtheilung im Stengelmarke verschiedener Pflanzen miniren. —
Was die Stellung der Gattung ^Lr^-yromt/^ct betriff"!, so spricht der Verf.
die Meinung aus, dass sie näher zu Lonchaea und Falloptera zu brin-
gen sei, als es gewöhnlich geschieht.
während des Jahres 1850. 257
Die Galtung Trypeta wurde von Loew Eni. Zeit. S. 52 wieder
mit sechs neuen Arten bereichert. Tr. multifasciata^ terebrans^
tenera aus den östlichen Pyrenäen, caloptera, gutta to fasciata
und 0 bscurip ennis aus Sibirien.
Coriaceae« v. Siebold (Ent. Zeit. S. 407.) erklärte sich
jetzt ebenfalls für die Idenlilät 6er Ornilhobia pallida Meig. mit Haemo-
bora pallipes Curtis und Lipoptera Cervi Nitzsch. (s. vor. Jahresber. S.
244). Den Unterschied, den man in der Grösse und Ausdehnung des Hin-
terleibes zwischen den Männchen mit unversehrten und den mit ver-
stümmelten Flügeln beobachtet, leitet er davon her, dass erst nach
längerem epizoolischem Schmarotzerleben und nach dem Abwerfen der
Flügel die innern männlichen Geschlechtsorgane sich entwickeln und
den Hinterleib der F'liege ausdehnen.
In einer Mittheilung von Lucas (Bull. d. 1. soc. ent. S. LXVII.)
über Braula coeca Nitzsch {Entomobia apum Costa) ist darauf auf-
merksam gemacht, dass dieses Insect bereits von Ueaumur tom. V.
Taf. 38. F. 1—3. abgebildet, aber nicht beschrieben ist.
Ortlioptera.
Blatiariae* Zwei neue Arten aus Abyssinien Blatta Per-
reti und cir cum eine ta wurden von Kelche und Fairmaire
(Ferr. et Gal. Voy.) beschrieben und abgebildet.
Germar hat im siebenten Hefte der Versteinerungen des Slein-
Iiohlengebirges von Weltin und Löbejun (Halle 1850. fol.) die bereits
von ihm in Münster's Beiträgen zur Petrefaclenkunde 5. Heft 1842 be-
kannt gemachten, im Schieferthon des Steinkohlengebirges aufgefunde-
nen Arten von Blatta einer neuen Revision unterworfen und einige
neue hinzugefügt (S. 81—86. Taf. 31.). Die Zahl derselben steigt da-
durch auf sechs : Blattina didyma, anaglyptica , flabellata, carbonaria ,
euglyptica, reticulata; sie zeichnen sich alle durch ein abgesondertes
Adersystem am Innenrande der Oberflügel aus. Es ist merkwürdig ,
dass in jener Formation von keiner andern Insectengattung eine Spur
sich findet, denn der früher vom Verf. einem Acridium zugeschrie-
bene Flügel hat sich jetzt auch als das Bruchstück eines Unterflügels
von Blatta ergeben.
ÜVIantides. Neue Arten dieser F'amilie sind: Thespis Gueri-
nii und Eremiaphila M archalif von Re i ch e et Fair maire (a. a. 0.)
aufgestellt.
liocustariae« Ephippigera ornata wurde von F. Schmidt
(Haidinger Rerichle VI. S. 184.) als muthmasslich n. A. aus den Krai-
ner Alpen kurz charakterisirt.
Als neue Art dieser Familie ist von Reiche und Fairmaire
(Ferr. et Galin. y oy.) Heterodes Servillei aus Abyssinien aufgestellt.
Archiv f. Naturgesch. XVII. Jahrg. 2. Bd. J(
268 Schaum: Bericht übet die Leistungen in der Entomologie
Acridii* Brisout de ßarneville beschrieb vier neue Ar-
ten Acridium amo enum (Bull. d. 1. soc. entom. S. LYL), A. Luca-
sii (a. a. 0. S.LXlll.),Acinipe micro'ptera, alle drei aus Algier, und
Tetrix acuminata von den Rhonemündungen.
Reiche und Fairmai re (Ferr. et. Galin. Voy.) stellten drei
neue Arten aus Abyssinien auf: Petasia grisea, Oedipoda migrato^
rioides (vox hybrida) und 0. Galinieri.
Brisout de Barneville suchte (Ann. d. 1. soc. entom. d.
Franc. VIII. S. 59) nachzuweisen, dass zwischen einzelnen Arten der
Gattung Acridium und andern von Locusla und DecHcus ein genauer
Parallelismus stattfinde, und bezieht sich dabei hauptsächlich darauf,
dass es in jeder der drei genannten Gattungen Arten mit ungleich ent-
wickelten Ober- und Unterflügeln gebe (z. B. Acridium montanum ,
farallelum , Decticus brachypterus , brevipennis , Locusta dorsalis). Es
haben aber die neuern Untersuchungen Fischer's (Ent. Zeit. 1852) dar-
gethan, dass die unvollständige Enlwickelung der Flügel in diesen
Gattungen gar nicht als Artcharakter benutzt werden kann.
Termitides. Eine sehr interessante, auf mehrjährige eigene
Beobachtungen gestützte Abhandlung über die Termiten von Westafrica
hat T. S. Savage (Proc. Acad Nat. Sc. Philad. Vol. IV. n. II. ab-
gedruckt in Ann. of nat. bist. V. S. 92—104.) veröffentlicht. „Observa-
tions on the species of Termitidae of West Africa, described by Smeath-
man as Termes bellicosus and by Linnaeus as T. fatalis." — Der Verf.
bestätigt in vielen Punkten die frühern Angaben von Smeathman über
die Hügel der Termiten und ihren Innern Bau ; sie kommen aber weit
sparsamer vor, als man nach Sm. anzunehmen veranlasst ist; ihre Höhe
beträgt bisweilen 12 — 15 Fuss , ihr Umfang an der Basis 50 — 60, sie
sind ausserordentlich solid und hart, indem der Kalk, aus dem sie er-
baut sind, nicht, wie Sm. glaubte, durch die Harze der von den Ter-
miten verzehrten Hölzer, sondern wie der Verf. wiederholt direct beob-
achtet hat, durch eine gummiartige Secretion der Thiere selbst zusam-
mengehalten wird, sie sind daher im Stande , den stärksten tropischen
Regen zu widerstehen. — Die königlichen Zellen befinden sich nicht
in gleicher Ebene mit dem Grunde, wie Sm. angiebt, sondern stets 1 — 2'
über demselben. — Eine wie ich glaube neue Beobachtung des Verf. ist,
dass es Soldatennymphen, d. h. Soldaten mit rudimentären Flügeln giebl.
Unter den Arbeitern und unter den Soldaten finden sich zwei Formen, grös-
sere und kleinere, die kleineren Arbeiter sind zahlreicher, halten sich
mehr in der Nähe der Hügel auf und scheinen den Bau derselben auszu-
führen, während die grössern auf Raub ausgehen. Zu bestimmten Jah-
reszeiten erscheinen die geflügelten Individuen in Ungeheuern Mengen.
Der Verf. ist wie Sm. der Meinung , dass König und Königin dauernd
eingesperrt werden. Die Königinnen scheinen mehrere Jahre zu leben.
während des Jahres 1850. 259
wenigstens beobachtete der Verf. das Zunehmen einzelner Hügel wäh-
rend einer Dauer von fünf Jahren, die, wenn sie zerstört wurden, Kö-
niginnen von entsprechender Grösse enthielten. In einzelnen Fällen fan-
den sich auch zwei Königinnen in der königlichen Zeile, die dann durch
eine Kalkscheidevvand gelheilt war. — Die weissen Ameisen, die in den
Wohnungen so grossen Schaden an Möbeln, Büchern u. s. w. anrichten,
sind nicht T. fatalis , sondern eine kleinere Art, wahrscheinlich T. ar-
borum Smeathman. — Den Schluss der Abhandlung bildet die genaue
Beschreibung des Innern einiger vom Verf. geöffneter Hügel. Die oben
erwähnten Soldatennymphen wurden in den Innern Zellen derselben
gefunden.
Psocid.es« V. Hey den hat (Ent. Zeit. S. 84.) eine neue Gat-
tung Lepinotus aufgestellt: Stirn mit drei genäherten Nebenaugen;
das erste Fussglied am längsten ; zwei lederartige Flügelrudimente. L.
inquilinus , wurde vom Verf. mehrmals lebend in Schachteln mit
Insecten gefunden und scheint, ähnlich wie Throctes, sich von ge-
trockneten Insecten zu nähren. — Hagen bemerkte (Ent. Zeit. 1851. S.
166.), dass die Gattung Lepinotus mit Clolhilla Westw. zusammenfällt.
Perlariae* Die über diese Familie erschienenen Werke und
Abhandlungen hat Hagen (Ent. Zeit. S. 67 — 83.) analysirt und kritisch
beleuchtet.
liibelluliuae« Ein klassisches Werk über die europäischen
Arten dieser Familie, durch welches unsere Kenntniss derselben so gut
wie abgeschlossen wird, liegt uns in der „Revue des Odonates ou Li-
bellules d'Europe par Edm. de Selys - Longe hamps, avec la col-
loboration de M. le docteur H. Hagen« vor; es bildet eigentlich den
vierten Band der Memoires d. 1. soc. d. scienc. de Liege, ist aber un-
ter dem obigen Titel auch besonders erschienen. In gewisser Bezie-
hung ist es als ein Supplement zu der 1840 von Selys-Longchamps
herausgegebenen Monographie zu betrachten, indem die dort gegebenen
Beschreibungen hier nicht wiederholt, sondern nur ergänzt werden, und
von einer nochmaligen allgemeinen Erörterung des Körperbaus Absland
genommen wird. Die Vereinigung der beiden Verf. zu einer gemein-
schaftlichen Arbeit hat das erfreuliche Resultat zur Folge gehabt, dass
alle europäischen Sammlungen von einiger Bedeutung für das vorlie-
gende Werk benutzt, und dass mit ein oder zwei Ausnahmen die Ty-
pen aller beschriebenen Arten verglichen worden sind, somit die
Synonymie mit absoluter Sicherheit festgestellt werden konnte. Das
Vorwort giebt über die Vertheilung der Arbeit Auskunft. Die Redac-
tion und die letzte Fassung der Beschreibungen fiel Selys-Longchamps
anheim, nachdem der ganze Stoff von beiden zuerst selbstständig be-
arbeitet worden war. Hagen allein hat die Abhandlungen über die
Begattung, das Eierlegen und die Geschlechtsorgane, sowie die Auf-
zählung der fossilen Libellen, die am Schlüsse des Bandes abgedruckt
260 Schaum: Bericht über die Leistungen in der Entomologie
sind, verfassl; von ihm rühren auch die Zeichnungen zu 10 von den
11 lithographirten Tafeln her, auf denen die besonders charakteristischen
Hinterleibsanhänge der meisten Arten sehr getreu dargestellt sind. —
Es sind hier im Ganzen 97 Arten beschrieben (37 mehr als in der
1840 von S. herausgegebenen Monographie) , deren Varietäten und ver-
schiedene Alterszustände überall auf das sorgfältigste erläutert sind.
36 gehören zur ersten Gruppe der Libellulidae und zwar 28 zur Un-
terabtheilung der echten Libellen, die nur aus der Gattung Libellula
besteht, 8 zur Unterabtheilung der Cordulines mit den Galtungen Epi'
theca (1 A.), Cordulia (6 A.) und Macromia (l A.). — Die zweite
Gruppe Aeschnidae enthält die Gattungen Gomphus mit 9, Lindenia mit
1 und Cordulegasler mit 2 Arten , welche die Unterabtheilung der
Gomphines bilden, und ^nfla; mit 2, Aeschna mit 11 A., welche die Un-
terabtheilung der Aeschnines ausmachen. — Die dritte Gruppe Agrioni-
dae zerfällt in die Unterabtheilungen der Calopterygincs, die Gattungen
Calopteryx mit 3 und Euphaea mit einer Art enthaltend, und der Agrio^
nines mit den Gattungen Lestes (7 A.), Pldlycnemis f(3 A.) , Agrion
(21 A.) — Die Charaktere der Gruppen und Gattungen sind S. 370— 75-
angegeben, eine ausführlichere Erörterung derselben ist einem spätem
Werke der Verf. über die exotischen Libellen vorbehalten. Die Be-
stimmung der Arten wird durch die jeder Gattung vorausgeschickten
synoptischen Tabellen sehr erleichtert. — Von besonderer Wichtigkeit
ist noch der „Resume geographique et liste des especes composant les
principales faunes locales" betitelte Abschnitt S. 245—284., in welchem
die geographische Verbreitung der Arten so vollständig behandelt und
so übersichtlich dargestellt ist, wie es noch in keiner andern Mono-
graphie der Fall war. Hieran schliesst sich eine Uebersicht der (32)
in Kleinasien und (33) in Algier beobachteten Arten , welche, soweit
sie nicht auch in Europa einheimisch sind, hier ebenfalls beschrieben
werden.
Eine sehr ausführliche Inhalts-Anzeige des vorgenannten Werkes
hat Schneider in der Ent. Zeit. 1852. S. 187—199. geliefert.
H. Fischer hat im sechszehnten Jahresberichte des Mannhei-
mer Vereins für Naturkunde, Mannheim 1850 , ein Verzeichniss der in
Baden vorkommenden Libellulinen mitgetheill. Es sind bis jetzt 43 Ar-
ten beobachtet: 14 Libellula ^ 1 Epitheca, 1 Cordulia, 4 Gomphus, 1
Cordulegasler, 1 Anax, 7 Aeschna, 3 Calopteryx, 3 Lestes, 1 Sym~
pecma, 1 Platycnemis, 8 Agrion. Die Bestimmung der einen Art, Lib.
albifrons Charp,, ist in Libellula depressa Selys [Genei Ramb.) zu be-
richtigen; die erstere gehört nach Selys und Hagen der nordamerika-
nischen Fauna au.
In den Sitzungsberichten der Wiener Acad. 1850 , I. S. 329 ist
ein von Brittinger angefertigtes Verzeichniss der Libelluliden des
Kaiserreichs Oestreich mitgetheilt worden. 6 Arten, die sich durch den
während des Jahres 1850. 261
Metallglanz der Oberseite , durch einen dreieckigen schwarzen Fleck
an der Basis der Hinterflügel und durch weisse Nase und Stirn aus-
zeichnen (Lib. rubicunda L. , pectoralis Charp., dubia v. d. Lind., al^
bifrons Burm. , caudalis Charp., ornata^ Britt.) werden hier als beson-
dere Gattung Leucorhinia von Libellula abgeschieden, die letzte L.
ornala ßrilt. ist indessen mit der vorletzten, caudalis Charp. identisch ;
ausserdem sind 17 A. von Libellula^ 1 Libella {Epitheca bimaculala)^
4 Cordulia, 5 Gomphus^ 1 Cordulegaster , 7 Äeschna, 1 Anax^ 2 Calo-
pteryx , 4 Lestes , 1 Sympecma , 9 Ägrion , 1 Flalycnemis , im Ganzen
also 56 bereits bekannte Arten aufgezählt.
Newman b&schrieb (Zool. App. S. CXX.) als n. A. Mecistoga^
ster ancilla vom Amazonenstrom.
Hemiptera.
Marchese Spinola hat eine Synopsis sämmtlicher ihm
bekannter Gattungen , die zur Ordnung der Insecta hemiptera,
sowohl zur Unterabtheikmg der Hemiptera heteroptera als zu
der der Hemiptera homoptera , gehören, veröffentlicht; sie
führt den Titel: „Tavola sinottica degli insetti arthroidignati ,
Hemiptera, Linn. (Rhyngota Fabr.)" und ist im 15. Bande der
„Memorie della societa italiana della scienze residente in Mo-
dena 1850« erschienen.
Die Tabelle füllt 34 enggedruckte Quartseiten , ich kann somit
nicht daran denken, sie hier vollständig milzutheilen, andrerseits liegt
es in der Natur der Sache, dass sie sich zu einem Auszuge nicht eig-
net, ich muss mich daher hier damit begnügen, einfach auf dieselbe zu
verweisen. Die Zahl der Familien ist nicht vermehrt, auch der Um-
fang derselben nicht verändert, dagegen trifft man auf viele neue Gat-
tungen, welche nur zum Theil in einem Anhange „di alcuni generi
d'insetti arthroidignati nuovamente propositi del Sign. Warch. Mass.
Spinola^' a. a. 0. S. 101 — 176. ausführlicher charakterisirt sind. Die
letztern werde ich bei den einzelnen Familien, denen sie angehören,
erwähnen.
„Die wanzenartigen Insecten von Herrich-Schäffer''
sind jetzt ihrer Beendigung nahe gerückt. Von dem neunten
(letzten) Bande sind Heft 2 — ö ausgegeben worden , es ist
nur noch das siebente im Rückstande , welches den Schluss
des Textes und einen vollständigen Index zu dem ganzen Werke
enthalten wird.
Der Verf. liefert hier eine Synopsis der Familien, Gattungen und
Arten, soweit sie ihm in natura oder in einzelnen Fällen durch Ab-
bildungen bekannt geworden sind. Die Eiulheilung ist im "Wesentlicheu
262 Schaum: Bericht über die Leistungen in der Enlomologie
die von Burmeister, mit Benutzung der neuern Arbeit von Amyot und
Serville. Auf die in den früheren Bänden schon behandelten Gattun-
gen und Arten wird hier einfach und ohne Wiederholung Bezug ge-
nommen, die von Amyot und Serville errichteten Genera sind kritisirt,
in vielen Fällen, namentlich in der Familie der Reduvini, aber nicht
anerkannt. Einige von H.-S. hier neu aufgestellte werde ich am
systematischen Orte erwähnen. Von den Arten sind alle dem Verf.
bekannt gewordene und früher nicht erläuterte , darunter viele neue,
kurz beschrieben und zum Theil abgebildet.
List of the specimens of Homopterous Insects in the
collection of the Britisch Museum. Part. I. London 1850.
Das einen Octavband von 260 Seilen bildende Heft, w^elches auf
Gray's Bestellung von F. Walker angefertigt ist, enthält nur die Fa-
milie der Stridulantes und liefert mehr als der Titel verspricht, näm-
lich nicht bloss einen Catalog des brittischen Museums, sondern ein
Verzeichniss der überhaupt bekannt gewordenen Singcicaden mit ihrer
Synonymie und die Beschreibungen der im brittischen Museum befind-
lichen neuen Arten. Die Zahl der letztem ist , wie dies bei einem
mit so reichen Hülfsmitleln ausgestatteten Institute zu erwarten war,
ausserordentlich gross und beläuft sich , z. B. allein in der Gattung
Cicada, in dem Umfange, welchen ihr Amyot und Serville gelassen
haben, auf mehr als hundert; zu bedauern ist nur, dass der Verf. auch
hier wieder, wie früher schon in den Verzeichnissen der Dipteren , so
häufig ganz unwissenschaftliche Kamen , Silbenverbindungeu ohne allen
Sinn, für dieselben in Anwendung gebracht hat , z. B. Cicada Fidytes,
Asnis, Cuta, Lacrinis, Panyases etc. — Neue Gattungen sind nicht errichtet,
dagegen sind alle von Amyot und Serville aufgestellten ohne weitere
Prüfung angenommen. Die Synonymie ist mit Fleiss und ziemlich voll-
ständig zusammengestellt, die Abhandlungen von Siebold und Fischer
in der Ent. Zeit, scheint der Verf. indessen übersehen zu haben. — Die
Charaktere der Arten nimmt W. von den Queradern der Flügel her,
liefert aber zugleich den Beweis, dass diese Merkmale dazu nicht an-
wendbar sind , indem die angegebenen Unterschiede so wenig hervor-
treten, dass er sich überall des Wörtchens sub bedienen muss, und
dass es mir nicht gelungen ist, sie nach seinen Beschreibungen auf-
zufinden. Auch lässt sich gerade bei den Homopteren nachweisen,
dass das Geäder bei einer und derselben Art nicht selten grössere Ab-
weichungen zeigt, als W. zur Begründung der Species benutzt hat. —
Im Einzelnen bemerke ich nur, dass der Verf. Tetligonia ephemera Fabr.
S. 231. n. 221. als Cicada ephemera aufführt, während es doch längst
bekannt ist, dass sie gar nicht in diese Familie gehört, sondern unter
den Fulgorellen den Typus der Gattung Pterodictya Burm. bildet.
Einzelne neue Arten sind beschrieben von Sign or et
während des Jahres 1850. 263
(Ann. de 1. soc. ent. d. Franc, t. VIII.) und von Dallas
(Trans, of Ihe ent. Soc. N. Ser. i. „Notice on some Hemi-
ptera from Boutan.«)
Pentatomidae. Von Spinola (a. a. 0.) wurden folgende
neue Gattungen dieser Familie ausführlicher geschildert :
Calernaulliella, zur Scutelleridengruppe gehörig, mit Pia-
taspis Westw. und Coptosoma Lap. nahe verwandt, durch fast gestielte
Augen sehr ausgezeichnet, C. guineensis n. sp. aus Guinea. - An-
hangsweise gab Spin, hier die Beschreibung von Tlalasipis dispar n.
A. aus Guinea , die er nachträglich als identisch mit FL bucephalus
White erkannte.
Omyta, zur Unterabtheilung der Halysoideae zu zählen, zwi-
schen Discocephala Lap. und Atelicera Lap. eingeschaltet ; die Bauch-
furche setzt sich nicht über das erste Segment hinaus fort, die Fühler-
glieder sind cylindrisch und die Beine dünn und zum Laufen geschickt,
0. Deyrollei, aus Neuholland.
Encosternum, die mit den vier nächsten Galtungen zur
Gruppe der Edessidae zu stellen ist, mit Platacanlha H. Seh. und Tes-
seratoma Enc. in vielen Punkten übereinstimmend: „protuberantia me-
soslernali basi horizontaliter depressa, apice conico-acula.« E. Dele-
gorguei von Port Natal.
Myota, „mesosterno neutiquara prominulo , piano vel paulum
convexo,« an Maltiphus Am. Serv. sich anschliessend; M. Buquetii,
n. A. aus Brasilien.
Delegorguella, die Wangen sind kaum länger als die Stirn,
sonst mit Aspongopus Lap. und Amaurus Burm. verwandt; D. elli-
plica aus dem Kaffernland.
Sagriva, durch viergliedrige Fühlhörner von Storthia Pert. ab-
weichend; S. Vit lata aus Ostindien.
Amacosia, von Phyllocephala Lap. bloss durch die netzför-
mige Beschaffenheit des häutigen Theils der Oberflügel abweichend ;
A. Delegorguei aus dem KafFernlande.
Die folgenden gehören zur Pentalomidengruppe :
Thoreyella, von Rhaphigaster Lap. besonders durch die die
Stirn an Länge übertreffenden Wangen unterschieden. T. brasiliensis.
Hoffmanseggiella, „mesoslerno protuberante , protuberantia
compressa lamelliformi sub prosterno iibere producta." H. frenata
aus Java.
Hypogomphus, „alarum superiorum parte membranacea parva
rudimentaria opaca, rugosa, nervis lortuosis, cellulis difformibus confu-
sis. H. rüg OS US von Sidney.
Audinetella, „oculis ab angulis poslerioribus capitis visibili-
ler remolis, islis aoUiis prominulis. A, bipunctata aus Cayenne.
264 Schaum: Bericht über die Leistungen in der Entomologie
Schaefferella von Audinelella nur darin abweichend , dass
der häutige Theii der Oberflügel netzadrig ist. S, litigiosa aus
Brasilien.
Dimenia, ebenfalls Audinetella nahestehend, ohne Nebenaugen,
die Unterflügel rudimentär und zum Fluge untauglich; D. De y rolle i
aus Vandiemensland.
Or thoschizops , „genis ante frontera fissura recta horizontali
separatis apice acutis, capitis margine anteriore angulatim emarginato",
0. latispina von Port Natal.
Hypaulacus , mit Megymenura Guer. und den beiden folgen-
den Gattungen eine eigene kleine ünterabtheilung bildend , in der die
Ränder des untern Kanals erhaben sind und sich unter der Brust we-
nigstens bis zum Ursprünge der Mittelbeine verlängern ; „genis fronte
longioribus et ante frontem coniunctis , maxilla inferiore (i. e. rostro !)
ad extremitatem posteriorem melasterni perveniente". H. nervosus
von Port Natal.
Aeschrus, „canali infero metasternum totum decurrente po-
stice aperto , ventris segmentis anterioribus in medio concavis, genis
frontem longitudine aequantibus«. A. inae quälis von Port Natal.
Tyoma, „canali infero postice clauso ventre uniformiter con-
vexo, genis ut in praecedente«. T. erythr orhyncha von Port Natal.
Eine in der Kopfbildung an die Coreiden sich annähernde, aber
bei der Uebereinslimmung der übrigen Charaktere den Pentatomiden
einzureihende neue Gattung Uro cheila ist von Dallas (Trans, of
Ihe ent. Soc. N. Ser. I. S. 2.) bekannt gemacht worden, sie ist Urota-
bida und Urostylis Westw. nahe verwandt und besonders durch ein ei-
genthümliches Flügelgeäder, und durch zwei seitliche Dornen am Vor-
derrande der Hinterbrust, auf denen die glandulae odoriferae ausmünden,
ausgezeichnet. U. quadrip unctata n. A. von Boutan ist T. 2. F. 1.
abgebildet.
Von Boheman (Kon. Vet Ac. Handl. 1849. S. 241.) wurde Ci-
mex fuscispinusy n. A. aus Goltland bekannt gemacht.
Reiche und Fairmai re beschrieben (Ferr. et Galin. Voy.)
als n. A. : Callidea distinguenda, welche mir indessen nur eine
Farbenabänderung der in Afrika weit verbreiteten C. 12- punctata
Fabr. zu sein scheint, Coptosoma oculator, Dismegistus costalis
(circumcinctus Am. et Serv., aber nicht Cydnus circumc. Hahn), Scio-
coris terrul entus, Nezara approximata, Phyllocephala plicata.
Coreides- Eine neue Gattung dieser Familie ist Pachy-
groncha Spinola (a. a. 0.) „pedibus anterioribus chelil'eris rapto-
riis, fronte genis fere duplo laliore«. P. lineola von Port Natal.
Eine zweite neue Gattung Trachelium wurde von Herr ich-
S chaeffer (a. a. 0. S. 274. Fig. 989.) errichtet, sie ist Alydus und
während des Jahres 1850. 265
Colobathrlstes verwandt, und unterscheidet sich von jenem durch kür-
zeres erstes Fühlerglied und nicht verdickte Hinterschenkel, von die-
sem durch langes zweites Schnabelglied und Mangel der Querfurche
des Prolhorax. Tr. bicolor und fulvipes werden als zwei n. A.
aus Brasilien aufgestellt, der Verf. vermuthet aber selbst, dass die zweite
das Männchen der ersteren sein möchte.
Reiche und Fairmaire stellten (a. a. 0.) eine neue Art von
Midis, M. scutellatus aus Abyssinien — Signoret (Ann. d. 1.
SOG. ent. d. Franc. VIll. S. 67. Taf. 4. Fig. 3.) eine andere, M. eine tu s
vom Senegal auf.
Signoret (a. a. 0.) beschrieb zwei neue Arten der Galtung
Petascelis Sign., welche ihn veranlassen, den Gattungscharakler jetzt aus-
schliesslich in die blattartig erweiterten Schienen zu setzen, und die
Arten in folgender Weise zu gruppiren. A. Halsschild mit gerunde-
ten Hinterecken. 1. P. dilalatus (Taf. 4. Fig. 1.) n. A. vom Senegal.
B. Halsschild mit spitzen Hinterecken. 2. P. remipes Sign. C. Die Sei-
ten des Halsschildes flügelartig erhoben. 3. P. bilobus (Taf. 4. Fig. 2.)
n. A. vom Senegal und 4. die dem Verf. unbekannte P. trilobus (Pa-
chylis tril. Germ.) von der Weihnachtsbai.
Zwei neue Arten von Boutan sind Nemotopus serripes und
Anisoscelis rufiventris Dallas (Trans, of Ihe ent. Soc. I. S. 4.).
Von Boheman (Kon. V. Ac. Handl. 1849) wurde Corizus la^
ticeps, n. A. aus Gottland bekannt gemacht.
Ijyg'aeites. Mehrere neue Gattungen hat Herrich-Schaef-
•fer (a. a. ü.) dieser Familie hinzugefügt, nämlich:
Arhaphe zur Gruppe der Coccigeni Am. et Serv. gehörig, die
Oberseite des Prothorax geht ohne bestimmte Grenze in die Unterseite
über, die Flügelmembran nur halb entwickelt, der Prothorax ist hinter
der Mitte tief eingeschnürt, Vorderschenkel und Vorderschienen sind un-
bewehrt. A. car olina n. Art aus Nordamerika.
Cnemo dus stimmt in den beiden ersten Charakteren mit Arha-
phe überein, der Prolhorax hat aber keinen Quereindruck und Vorder-
Schenkel und Schienen sind bedornt. Der Habitus ist der eines Re-
duvius. Cn. brevip ennis n. A. aus Nordamerika.
E pipolops , der Gruppe der eigentlichen mit Nebenaugen ver-
sehenen Lygaeiden einzureihen, durch die auf langen Stielen siehenden
Augen höchst beraerkenswerth und an Henestaris Spin, erinnernd, aber
durch häutige scharf gezahnte Seitenfortsätze des Prothorax unterschie-
den. Nur eine neue A. , E. frondosa , welche in Brasilien einhei-
misch ist.
Laryng odus. Die Flügelmembran mit 5 ziemlich parallelen
Rippen; der Kopf länger als breit, spitz; Fühler so lang wie der Kör-
per, das erst Glied das dickste , das vierte das dünnste und kürzeste,
266 Schaum: Bericht über die Leistungen in der Entomologie
das dritte das längste. Prothorax konisch , Querfurche weit iiinter der
Mitte, statt der Seitenkante eine kaum bemerkbare fadenförmige Linie
nach unlen. L. Äusiraliae n. A. aus Neuholland.
Von Bohemau (Kon. V. Ac. Handl. 1849.) wurden Pachymerus
femoralis und insectus als neue A. aus Gottland beschrieben.
Capsinit Mit einer neuen, durch nur eine Zelle der Flügel-
membran ausgezeichneten Gattung M onalonion wurde diese Familie
von Herrich, Schaeffer (a. a. 0. S. 164. Fig. 958.) vermehrt,
sie enthält zur Zeit nur eine neue A., M. parviv entre aus Brasilien.
Die Gattung Cß;)s«s vermehrte Boheman (Kon. Vet. Acad. Handl.
1849.) mit zwei neuen Arten, C. flavolimbatus und brachypte-
rus aus Gottland.
Ting-idites* Die Lebensweise der Tingideen hat Scholtz
(Schles. Zeitschr. f. Ent. n. 14 ) besprochen. Es zerfallen die Arten
dieser Familie in drei Abiheilungen, in solche, welche auf eine be-
stimmte Futterpflanze angewiesen sind , in solche , welche sich zwar
nicht auf einerFutter pf la nz e, doch vorzugsweise unter bestimm-
ten Pflanzen aufhalten , und drittens in solche, von denen Keines von
Beiden gilt, sondern die zerstreut vorkommen. Der Verf. hat die ihm
bekannt gewordenen Arten einer jeden Abtheilung aufgezählt.
Reduvinio Zwei neue Gattungen wurden von Spinola (a.
a. 0. S. 142 ff.) aufgestellt und ausführlich charakterisirt :
Ghilianella, der Gruppe der Emesidae angehörig, ein sehr
merkwürdiges Thier, ohne Flügel und nach des Verf. Ansicht vielleicht
eine Larve oder Nymphe: „abdominis segmento primo pedunculiformi
tenui reclo cylindrico, reliquis segmentis una conjunctis plus triplo
longiore.« G. filiv entris von Para.
Blapton mit Harpactor in nächster Verwandtschaft stehend:
„tibiis anterioribus valde spinosis,« enthält zwei Seclionen ; den Typus
der erstem, die vom Verf. nicht weiter geschildert wird , bildet Sinea
punctipes Am. Serv. , den Typus der zweiten hier ausführlich charak-
terisirten eine neue A., JB. Dregei von Port Natal.
Eine dritte neue Gattung Platychiria wurde von H er rieh -
Schaeffer (a. a. 0. S. 93. Fig. 945.) erläutert, sie kommt Platyme-
rus nahe, hat aber blattförmig erweiterte Vorderschienen und der Kopf
trägt jederseits einen langen Dorn aussen am Fühlerhöcker. F. um^
brosa n. A. von Port Natal.
Von Dallas wurde (a. a. 0.) Platymeris fulvipes^ Harpactor
ob s cur US , Arilus nigricollis von Boutan — von Reiche und
Fairmaire (Voy. en Abyss.) Pirates pungens beschrieben.
Hai dem an gab (Sillim. americ. Journ. IX. S. 108.) eine aus-
führlichere Beschreibung der von ihm schon früher aufgestellten P/ota-
ria maculata aus Pennsylvanien.
während des Jahres 1850. 267
IVepides. Eine neue mit ßeloslonia verwandte Gattung Htj"
droctjrius wurde von Spinola (a. a. 0. S. 146.) ausführlich cha-
rakterisirl, sie ist besonders durch zweigliedrige Küsse mit gleichen
Gliedern uud durch grosse Klauen , die den übrigen Fuss an Länge
übertreffen, ausgezeichnet und enthält zur Zeit nur «ine sehr grosse
Art H. C olombiae aus Columbien.
Signoret macht Rev. et Älag. d. Zool. S. 289. Taf. 4. Fig. 10.
eine neue Gattung Crtjpho cricos bekannt, die zu den Naucoriden
in die INähe von Diplonychus Lap. zu stellen ist, und sich besonders
durch rudimentäre Flügel und eine sehr eigenthümliche Bildung des
Hinterleibs charakterisirt. Derselbe ist in Folge der kurzen Oberflü-
gel fast ganz sichtbar, sein drittes Segment bedeckt die folgenden von
oben so vollständig, dass nur die Spitze des Analsegraentes hervortritt.
Von unten betrachtet, sind die drei ersten Segmenle fast von dersel-
ben Grösse, aber das dritte ist zur Aufnahme der übrigen weit klei-
nern stark ausgerandet. C. Barozzi n. A. aus Brasilien.
Ranatra [Cercotmelus) pilipes und R. gracilis wurden von
Dallas (Trans. Ent. Soc. 1. S. 9.) als neue Arten von Boutan auf-
gestellt.
Fulg-orellae* Referent hat in Ersch und Gruber's Ency-
clopädie, Artikel F2dgorellae, eine Uebersicht über diese Familie gege-
ben ; sie enthält eine kurze Charakteristik der Galtungen und eine Auf-
zählung der bis dahin beschriebenen Arten. Die Familie wird in sechs
Gruppen : Fulgoridae, Cixiidae, Derbidae, Issidae, Flatidae und TetligO'
metrae getheilt , die beiden ersten sind, schärfer als es bisher gesche-
hen ist, nach der Anwesenheit oder Abwesenheit von Queradern zwi-
schen den Längsadern auf dem Basallheil der Oberflügel unterschieden ;
bei beiden sind die Hinlerschier.en gedornt und die Stirnkiele setzen
sich unmittelbar auf das Kopfschiid fort, bei den Issiden ist das letz-
lere niemals, bei den Derbiden , die sich am schwersten als Gruppe
charakterisiren lassen , nur bisweilen der Fall ; bei den Derbiden sind
die Hinterschienen unbewehrt, die Oberflügel doppelt so lang als der
Leib , schmal , mit gabiigen Längsadern ohne netzförmige Zellen ; bei
den Issiden sind die Hinterschienen fast immer gedornt, die Oberflügel
wenig länger als der Leib , breit , mehr oder weniger netzadrig oder
ganz hornig. Die Flatiden hat schon Germar von den vorhergehenden
vier Gruppen dadurch unterschieden, dass der Aussenrand der Yorder-
flügel dicht gestellte parallele Oneradern zeigt. Die Tettigometrae endlich
sind, wie es längst üblich ist, der mit der Stirn vereinigten Wangen
wegen von den übrigen Fulgorellcn abgesondert. — In der Gruppe der
Fulgoriden ist keine neue Galtung aufgestellt, die Gruppe der Ci-
xiidae enthält deren dagegen drei :
Phyllocnemis (= Caloscelis ßurm., non Lap.). Kopf schmäler
als der Yorderrucken, ohne Fortsalz, Stirn rhombisch, ganz flach. Ober-
268 Schaum: Bericht über die Leistungen in der Entomologie
flögel transparent, mit gabiigen Adern, die am Ende viele kleine Zel-
len bilden, davor grössere Zellen in zwei Reihen ; Schenkel und Schie-
nen blatlarlig breitgedrückt. Pk. slemmalis (Caloscelis st. B.) aus Brasilien.
Nematophor a durch einen langen fadenförmigen KopfForlsatz
sehr ausgezeichnet. Scheitel und Stirn schmal und ausgehöhlt. Kopf-
schild mit drei Kielen. Oberflügel glasartig, auf den beiden ersten
Dritttheilen mit Längsadern. Vorderschenkel und Vorderschienen er-
weitert. JV. vitrea 6'" lang vom Senegal (die Grösse ist irrig zu 6"
angegeben). — Da der Name Nemophora schon bei den Lepidopteren
vergeben ist, so nenne ich die Gattung jetzt Raphiophora.
Scolops. KopfTortsatz sehr schmal, lang, stabförmig. Ober-
flügel undurchsichtig, ohne gitterförmige Zellen. Stirn länger als breit,
mit drei Kielen. Dahin Flata pungens Germ. = Fulgota sulcipes Say.
Die Derbiden enthalten 12 bereits bekannte Gattungen. Unter
den Issiden sind wieder zwei neue errichtet:
H emisphaerius für Issus coccinelloides Burm., dessen Oberflü-
gel kreisrund, hornig und ohne alle Adern sind; und
Loxo cephala für Lyslra pulchra Gray und aeruginosa Hope,
von Lystra und Foeocera durch die Abwesenheit der Slirnkiele, von
Eurybrachys durch kaum erweiterte Vorderbeine und die nach hinten
erweiterte Stirn mit scharfkantigem in der Mitte ausgerandetem Hinter-
rande abweichend. — Die Gattung Ämphiscepa Germ, ist hier auf A.
nodipennis Germ, beschränkt worden, mit welcher, wie ich mich nach-
träglich überzeugt habe, Issus compressus Spin, identisch ist. — In der
Liste der Arten fehlen von früher beschriebenen, soviel mir seitdem
bekannt geworden ist, nur drei von Costa aufgestellte Species von Is-
sus, I. litiimaculaf bifasciatus, fiavescens aus Süditalien und Eurybra»
chys laeta White (Eyre's Exped. Auslr.) aus Australien.
Signoret (Ann. d.i. soc. entom. de Franc, t. VIII. S. 65. Taf. 2.
N. I.) vermehrte die Gattung Lystra mit L. punctata, einer neuen Art
vom Senegal, sie weicht von den echten Lystren darin ab, dass der
Hinterleib nicht mit einer wachsartigen Ausschwitzung bedeckt ist.
Der Gattung Delphax fügte Boheman wieder zwei neue Arten,
D. mesomelas und bivittata aus Gottland hinzu. (Kon. Vet. Acad.
Handl. 1849. S. 257.). Ich benutze diese Gelegenheit, um einen Schreib-
fehler im Berichte für 1848. S. 201. zu berichtigen, wo es statt „B ö h e-
man bereicherte die Gattung Derbe mit 20 neuen in Schweden einhei-
mischen Arten" heissen soll: bereicherte die Gattung Delphax u.s.w.
Spinola (a. a. 0. S. 149.) beschrieb eine neue Art von Cla~
dodiplera , bei welcher abweichend von dem Gattungstypus die Stirn
länger als breit ist, C. ornata von Para.
Cicadellae* Mit sehr vielen neuen Gattungen ist diese Fa-
milie von Spinola (a. a. 0.) vermehrt worden; zur Gruppe der
Aphrophoriden gehören:
während des Jahres 1850. 269
Camplelasmus „fronte a vertice dislincte separata , vertice
^enuino summum marginem anteriorem capitis atlingente, ocellis nuUis"
C. c äff er von Fort INalal.
Plinth areus „fronte a vertice separata, vertice summum mar-
ginem anteriorem capitis haud attingente, linea impressa transversim
bipartito« enthält eine grössere Zahl exotischer Arten, von denen hier
P. Delegorguei, venostts, quadrimaculatus aus dem südöst-
lichen Afrika, P. mexicanus aus Mexico, «rroraiws und pho"
leratus aus Brasilien als neu beschrieben werden.
Tremaplerus „genis in pagina superiore capitis ac non longe
ab eiusdem margine posteriore incipienlibus, ocellis duobus inter genas
ac frontem" Tr. D reg ei von Port Natal.
Den Tettigoniden sind zuzuzählen:
Wolfella „capite protuberante, protuberantia cephalica latera-
liler compressa arcuatim adscendente apice recurva« W. Caternaultii
aus Guinea.
Pr oranus „vertice carinula transversali a fronte dislincte sepa-
rato , libiarum posteriorum coslis duabus exterioribus parce spinosis,
spinis Septem vel octo« P. Ghilianii von Fara.
Zu den lassiden sind zu rechnen:
Prolonesis „capitis faciebus lateralibus pariter antice coniun-
ctis, canalem latum transversalem simul efficienlibus, ocellis in sinu
canali, ab oculis remotioribus" P, Delegor guei aus dem KafFernlande.
Siva „vertice sutura a fronte separate, capite laliore quam lon-
giore antice late arcuato." S. strigicollis von Coromandel.
Di glenila „vertice a fronte separate, capite longiore quam
laliore, antice semielliptico.* Hierher eine von Burmeisler Jassus pella-
stes benannte Art, die Sp. nicht beschrieben hat, weil er irrigerweise
laubt, dass dies bereits von ßurmeister geschehen sei.
Adiaerotoma „capitis pagina inferiore plana et etiam con-
cava, margine exteriore lamelloso, ocellis nullis, capite longiore quam
latiore.« A. eupelicoides n. A. aus Brasilien.
Aglenil a „capite latiore quam longiore mesosterno maiore alte
convexo subinflato , coxis intermediis a posterioribus valde remotis."
A. hipunctala aus Cayenne und Brasilien.
Strongylotna „capite fere immediate deorsum inflexo, pagina
superiore tranverso-lineari, oculis magnis hemisphaericis, prominentibus.«
S. caffra aus dem KafFernlande.
Kotice sur le groupe des Eurymelides par A. Signoret (Ann.
d. 1. soc. entom. d. Franc, t. VIII. S. 497—513. Taf. 17. No. IL). —
Der Verfasser v^^eist hiernach, dass die Gattungen Ewrj/wie/a und Aetha-
Hon ganz mit Unrecht von Amyot und Serville mit Ulopa, Cercopis und
Aphrophora zur Rasse der Levipeden vereinigt worden sind, sie ge-
hören der Bildung der Beine und der Lage der Ocellen nach ganz
270 Schaum: Bericht über die Leistungen in der Entomologie
entschieden zu den lassiden , zwischen Bythoscopus und Typhlocyba,
wohin sie schon ßurmeister gestellt hatte. Signoret hat hier die ihm'
bekannten sämmtlich neuholländischen Arten von Enrymela sorafältig
beschrieben und in folgender Weise gruppirt. I. Oberflügel mit ge-
rader Naht. a. Das letzte Hinterleibssegment des Weibchens erstreckt
sich von einem Rande zum andern. 1. E. hicolor B. , 2. E, ruhrovit-
lata Am. et Serv. b. Das letzte Hinterleibssegment besteht aus zwei
Lamellen. 3. E. feneslrata Lep. et Serv. 4. E. diso oidalis n A.
5. E. rußcollis B. 6. E. distincta und 7. E. vicina, zwei n. A.
8. E. erythrocnemis Burm. 9. E. marmorata ß. 10. E. maura Fabr.
Don. — IL Die Kaht des einen Oberflügels legt sich über die des an-
dern, die Hinterschienen haben eine doppelte Reihe von Dornen. 11.
E. pulchra. 12. E. lineata. 13. JE. adspersa. 14. E. bicin-
ctaEv. 15. E. ocellata. 16. E. punctata. 17. E. trifasciata.
18. E. porriginosa. In dieser Abtheilung sind mit Ausnahme von
n. 14. alle Arten neu.
Signoret errichtete Rev. et Mag. d. Zool. S. 283. Taf. 4. eine
neue Galtung Dilobopterus, welche durch die Bildung der Unter-
flügel sehr ausgezeichnet ist ; dieselben sind nämlich mit einem gros-
sen Anhange versehen, welcher von der sehr vergrösserten Nahtzelle
gebildet wird und fast das Aussehen eines dritten Flügels hat. Alle
übrigen Charaktere stimmen mit denen von Tettigonia überein. S. be-
schreibt sieben Arten, von denen nur die sechste bereits durch Stell
und Burmeister bekanntgeworden war: D. decorafus, himacula-
tus, Burmeisteri aus Brasilien, Klugii aus Cayenne, Stollii
aus Columbien, hexapterus {Tett. h. Burm.), trifasciatus aus Bra-
silien; bei der letztern Art ist der Anhang entwickelt, aber nicht wie
bei den vorigen von dem übrigen Theile des Flügels getrennt, sie steht
daher Tettigonia schon weit näher.
Cercopis fulviceps und C. dimidiata aus Boutan sind von
Dallas (Trans, of the entom. Soc. L S. 10.) aufgestellt worden.
Die Gattung Deltocephalus bereicherte Boheman (Kon. Vet. Ac
HandL 1849. S. 26l.) mit zwei n. A. aus Gotlland, Z>. clllinus' und
aridellus.
Apliidii. Walker hat in den Ann. of nat. hist. V. S. 14.
269. 388., VI. 41. 118. seine Abhandlung über die brittischen Blatt-
läuse fortgesetzt und folgende Arten beschrieben : A. Persicae Sulz.,
Rumicis L., Symphiti Schrank, Nymphaeae L., SambuciL., Mali Fabr.,
Padi L., Sorbi Kalt., Euonymi Fabr., Lychnidis L., Pruni Fabr. (Fr. et
Arundinis F. Kalt.), Lythri Schrank, Tussilaginis n. sp., Dianthi
Schrank, Viburni F., Xylostei Schik., cerasinaii.s^.,carduina
n. sp., Jacobaeae Schrk., Helichrysi Kalt., tanacetina n. sp. , Cra-
taegi Kalt. , Hederae Kall. , Berberidis Kalt. , JSasturtii Kalt. , Humuli
Schrank, prunina n. sp.,prunaria n. sp., PoHntillae n. sp.
während des Jahres 1850. 271
Auch in Newman's Zoologist 1850. App. S. CIL hat F. Walker
wieder neue britlische , auf verschiedenen Arten von Senecio lebende
Blattläuse in derselben Weise, wie im vorhergehenden Jahrgange, be-
schrieben.
Boheman (Kon. Vet. Ac. Handl. 1849. S. 266) stellt Chermes
Callunae neue in Goltland auf Calluna vulgaris beobachtete Art auf.
Von Haldeman (Sillim. americ. Journ. IX. S. 108.) wurde eine
andere neue Art \on Chermes, Ch. C astaneae beschrieben, welche in
Pennsylvanien auf Castanien vorkommt und Aufrollungen der Blätter
verursacht.
Coceides« Zwei neue pennsylvanische Arten von Aleurodes,
A. abutilonia aufSida abutilon und A. Corni auf den Blättern von
Cornus sericea vorkommend, sind von Haldeman (Sillim. americ.
Journ. IX. S. 708.) bekannt gemacht. Aus der letztern Art wurden
zwei neue parasitische Hymenopterengattungen Amitus und Eretmoce-
rus erzogen, über welche bereits oben berichtet ist.
Tliysanupa.
Eine neue Podura, die in den Wäldern hei Seedorf im Kanton
Bern in sehr grosser Anzahl vorgekommen ist, wurde von Perty
(Milth. d. naturf. Ges. in Bern 1849. S. 145.) unter dem Warnen P.
Nicoleti bekannt gemacht, sie gehört in die Abtheilung ohne Haken
am Hinterrande des Körpers, ist einförmig schwarz, kaum mit einem
Anflug von grau, und Vs — */3'" lang.
Nachschrift.
Ich habe oben S. 166 irrthflmlicher Weise gesagt, dass Le-
conte in seiner Abhandlung über die Käfer des Obersee's es unter-
lassen habe, die Charakteristik der hochnordischen amerikanischen Fauna
in einigen allgemeinen Zügen zu entwerfen. Der Verf. hat allerdings
auf S. 239 — 241. des Agassiz'schen Werkes: „Lake superior, its phy-
sical character, Vegetation and animals" auf zwei besonders ausgespro-
chene Eigenthümlichkeiten jener Fauna hingewiesen; 1. die gänzliche
Abwesenheit aller für den amerikanischen Continent charakteristischen
Formen (Dicaelus , Pasimachus etc.) , 2. das Erscheinen vieler Gattun-
gen, welche bisher nur in dem hohen Norden von Asien und Europa
beobachtet waren [Olisthaerus, Pylho, Dihjlus) und die grosse Artenzahl
anderer, welche in den gemässigten Regionen nur schwach vertreten
sind. Nur in einer Beziehung bewahrt jene Fauna ihren nordamerika-
nischen Charakter, nämlich in der geringen Menge der Rüsselkäfer. —
Die irrige Angabe meinerseits, dass Leconte sich darauf beschränkt habe,
ein Verzeichniss der von ihm gesammelten Arten zu geben , ist da-
durch veranlasst worden , dass in einem mir vom Verf. selbst mitge-
theilten Separatabdrucke jene Seiten (239 — 41) fehlten.
272 Schaum: Bericht über die Leistungen in der Entomologie
Berichtigungen.
S. 155. Z. 9. V. u. Lettre de M. E. Perroud 1.: de M. E. Perris.
S. 164. Z. 16. V. u. Es ist hier dankenswerlh, dass der Verf. einmal
1.: Es ist dankenswerlh, dass der Verf. hier einmal.
S. 166. Z. 21. V. 0. welche am Obersee auch in den nördlichen
Staaten der Union vorkommen, dass sich aber auch 1.: welche auch
in den nördlichen Staaten der Union vorkommen , dass sich aber
am Obersee auch u. s. w.
S. 187. Sind die Kamen Dynastidae, Rutelidae, Cetoniidae mit falscher
Schrift gedruckt, indem es keine Familiennamen, sondern die Ka-
men von Gruppen in der Familie der Scarabaeides sind.
S. 188. Z. 6. V. u. ganz so hingenommen, wie sie Referent angestellt
hat, 1.: ganz so angenommen, wie sie Referent hingestellt hat.
8. 213. Z. 22. V. 0. 542 mit nackter Oberfläche, 1.: mit kahler
Oberfläche.
S. 213. Z. 9. V. u. im Anfange 1. : im Anhange.
S. 232. Z. 6. V. u. derselben 47 Exemplare 1. : 47 Exemplare derselben.
S. 253. Z. 12. Muss der Name Bombyliarii eine grössere Schrift
erhalten, indem es ein Familienname ist.
Im Jahresberichte für 1849 sind eine Anzahl Irrthümer (theils
Schreib- theils Druckfehler) unberichtigt geblieben, weil ich dieCor-
rectur desselben nicht selbst lesen konnte. Ich führe dieselben nach-
träglich hier auf.
S. 155. Z. 28. Par'allelomorphus hispanus nicht von Scarites laevigalus
verschieden 1. : nicht von Scarites planus verschieden.
S. 169. fehlt am Anfange von Zeile 11 der Familienname StapliylinH«
S. 170. Z. 3. V. u. sind die in Klammern stehenden Worte (scheint mir
nicht von Sorbi verschieden) durch folgende zu ersetzen: von Sorbi
besonders durch schief abgestutzte Flügeldecken des Weibchens
unterschieden.
S. 171. Z. 5. ist der Satz : der erstere könnte vielleicht-Farbenabände-
rung von T. collaris sein, ganz zu streichen.
S. 177. Z. 12. v. 0. hinter unterschieden füge hinzu (= A. lucu-
lenta Er.)
S. 183. Z. 1. mit strahligen Flügeldecken 1. : mit stachligen Flügeldecken.
S. 186. Z. 12-. Tom. pedeslris und canaliculatus 1.: Tom. pedestris,
jonicuSf latro und canaliculatus.
S.'199. Z. 8. V. u. Orthopteren machte Belli er de la Chavigne-
rie 1.: machte ßr iso ut d e Barn e vill e.
S. 232. Z. 15. V. 0. Psecadia fumidella, welche aber nur halb so
gross 1. : welche der Ps. scalella sehr ähnlich , aber nur halb so
gross.
Bericht über die lieistuiigfen in der g^eog^ra*
pliisclien und systeinatisclien Botanili ^väii*
rend des Jahres 1S50.
Von
Dr. A« Orisebach,
ord. Professor an der Universität zu Göltingen.
A« Pflanzengeographle '>•
Unger *) theilte Beiträge zur Lehre von der Bodensle-
tigkeit gewisser Pflanzen mit.
A. de Candolle 2) beschäftigte sich mit den Ansie-
delungen der Gewächse. Er bemerkt, dass die britischen
Inseln 45 Phanerogamen besitzen, deren Einwanderung nach-
gewiesen werden kann: 37 stammen vom europäischen Kon-
tinent, 8 aus Amerika. Wenn diese Ansiedelungen auch
sämmtlich durch den Handelsverkehr mittelbar herbeigeführt
sind, wie der Verf. angiebt, so ist es doch schwer, sich mit
seiner Verallgemeinerung dieser Thatsache zu befreunden,
wonach es überhaupt unmöglich sei, nachzuweisen, dass Pflan-
zen durch Strömungen der Luft und des Wassers oder durch
Vögel verbreitet würden: auf kleineren Gebieten, wo diese
weniger auff'allenden und langsamer fortschreitenden Bewe-
gungen in den Kreis einer wenige Jahre umfassenden Beob-
achtung fallen, sind spontane Wanderungen der Pflanzen nicht
selten und zweifellos. So bemerke ich , dass , seit ich vor
zehn Jahren das scharf begrenzte und später bekannt ge-
machte Areal von Euphorbia Cyparissias in der Gegend von
Göttingen untersuchte, diese Pflanze an einigen Orten, z. B.
am Hohenhagen, ostwärts fortgerückt ist und sich an meh-
reren Standorten sporadisch festgesetzt hat, die, von ihrem
*) Die literarischen Nachweisungen sind am Schlüsse des ßerichtg
über Pflanzengeographie zusammengestellt.
Archiv f. Naturgescb. XVII. Jahrg. 2. Bd. 5
274 Grisebach: Bericht üb. d. Leistungen in d. geographischen
geschlossenen Verbreitungsbezirke abgesondert, nur durch
die Luft die ersten Samen empfangen konnten , und die als
die ersten Vorposten einer weiteren Ausbreitung Vorschub
leisten werden. Auch lassen sich Wanderungen über wei-
tere Räume zuweilen in grossen Stromthälern beobachten: so
fand ich Roripa pyrenaica, die zur Zeit Scholler's bei Barby
nicht vorkam, daselbst als W^aldpflanze in geselliger Verbrei-
tung, in zahllosen Individuen, deren Stammeltern daher erst
seit 60 Jahren sich eingebürgert haben, wahrscheinlich durch
den nahen Eibstrom herbeigeführt, in dessen fernsten Quell-
gebieten, etwa im südlichen Böhmen, diese Pflanze erst wie-
der erwartet werden kann. — Seit der Entdeckung von Ame-
rika haben sich, nach de Candolle's Untersuchung, 38 Ge-
wächse aus den Kolonien in Europa angesiedelt, Nordame-
rika dagegen hat 158 Arten aus Europa, 8 aus anderen Erd-
theilen entlehnt. In der tropischen Zone Hess sich bei 31
jetzt in Amerika einheimischen Pflanzen der Ursprung aus der
alten Welt, bei 42 die Uebersiedelung von Amerika nach den
alten Kontinenten nachweisen, wobei der Verf. ein neues
und wichtiges Kriterium benutzte, welches eine allgemeinere
Anwendung gestatten wird. Er fand nämlich, dass tropische
Kulturgewächse, deren Ursprung aus Asien nach botanischen
und historischen Gründen wahrscheinlich ist, einen Namen in
der Sanskritsprache besitzen, andere dagegen, die wahrschein-
lich aus Amerika nach Asien gelangt sind , nicht , so dass
diese letzteren zu der Zeit, als jene Sprache geredet wurde,
in Indien noch nicht bekannt werden gewesen sein. — Bei
der Frage , weshalb die niedriger organisirten Pflanzen und
besonders die Kryptogamen weiter verbreitet sind, als die
höheren Dikotyledonen , neigt sich de Candolle der Schouw'-
schen Idee zu, nach welcher die ersteren eine längere Ver-
gangenheit besitzen : nach dieser Ansicht müssten die Conife-
ren auf den grössten Arealen sich finden. Möge man nicht, wie
es früher der Geologie so viel Schaden brachte, vergessen^,
dass aus abweichenden, vergangenen Zuständen des Erdkörpers
geschöpfte Erklärungen da nicht am Orte sind, wo eine Er-
scheinung aus gegenwärtig vorhandenen und stetig wirken-
den Kräften abgeleitet werden kann. — Treviranus 3} un-
tersuchte ebenfalls von mehreren in neuerer Zeit nach Eu-
und systematischen Botanik während des Jahres 1850. 275
ropa gekommenen Pflanzen die urspriin gliche Heimalh und
die Zeit ihrer Ansiedelung. So wurde z. B. Oenolhera bien-
nis seit 1612 von Padua aus verbreitet (nach Alpin) ; Eri-
geron canadensis seit 1655 von Paris aus; Hypericum par-
viflorum W. (Syn. Sarothra blentinensis) ist eine nordameri-
kanische Pflanze, die am Sumpfe von Bientina bei Pisa auf-
trat und für neu gehalten wurde; Scirpus atropurpureus am
Genfer See stammt nach T. aus Ostindien: derselbe hat sich
auch in der Lombardei gezeigt.
1. Europa.
Durch die Reisen von Schrenk (1837), Ruprecht
(1841. s. Jahresb. f. 1845.) und Branth (1847—48.) ist
die Flora der arktischen Zone des europaischen Russlands,
des nördlichen Urals, der drei Samojeden- Tundren und der
sie umgürtenden Waldgebiete ebenso vollständig bekannt ge-
worden, wie die lappländische. Wiewohl Schrenk der Erste
in der Reihe dieser unternehmenden Reisenden war und
Manches von seinen Beobachtungen frühzeitig bekanntwurde,
auch die Ausbeute an Pflanzen zum Theil in v. Ledebour's
russische Flora aufgenommen ist, so erschien sein Reisebe-
richt '*) doch viel später, so dass er erst jetzt von mir be-
sprochen werden kann : aber so wie dieser Bericht durch
seinen ungemein reichhaltigen Inhalt und durch die Form der
Darstellung unter den Quellenschriften über die Pflanzengeo-^
graphie des Samojedenlandes den ersten Platz behauptet, so
gewinnen wir durch seine verspätete Publikation den Vor-
theil, die Ergebnisse der Schrenk'schen Reise gleichzeitig mit
denen Branlh's und mit der aus der Literatur bis auf Schrenk
geschöpften Darstellung v. Trautvetter's charakterisiren zu
können.
Schrenk reiste im Fruhlinge von Petersburg über
Archangel nach Mesen, erreichte von hier den Flusslinien
folgend die mittlere Petschora bei Ust-Zylma (ööy^o n. ßr.)
in der zweiten Hälfte des Junius, schiffte diesen Strom auf-
wärts bis zur Einmündung der Ussa, dann die Kolwa, einen
Nebenfluss der letzteren, welcher ihn nordwärts um die Mitte
des Julius in die grosse Samojeden-Tundra führte. Von dem
niedrigen Landrücken aus, der in der Nähe dies 68sten Parallels
276 Grisebach: Bericht üb. d. Leistungen in d. geographischen
die östlichen Zuflüsse der Petschora von den Küstenflüssen
des Eismeers trennt, drang der Reisende mit Rennthierge-
spann zuerst bis zur Insel Waigatsch und zu den nördlich-
sten Höhenpunkten des Urals vor und durchschnitt dann sich
w^estwärts wendend, die ganze Breite der grossen Tundra in
der Linie jener Wasserscheide, bis er gegen Mitte Septem-
bers im Mündungsgebiete der Petschora zu Pustosersk an-
langte. Endlich [durchreiste er auch noch die kleine, zwi-
schen der Petschora und dem Mesen gelegene Tundra jen-
seits der Baumgrenze und kehrte von Mesen auf dem frühe-
ren Wege über die Dwina zurück.
Die Baumgrenze wird in den Ebenen des arktischen
Russlands östlich vom weissen Meere , nicht wie in Skandi-
navien durch Kiefern oder Birken, sondern durch die sibiri-
sche Tanne (Pinus obovata) gebildet. Dieselbe ist auf der
im J. 1846 erschienenen, geognostischen Uebersichtskarte des
Petschora-Landes, welche das schöne Werk des Gr. Keyser-
ling begleitet, bis auf wenige Einzelheiten übereinstimmend
mit Schrenk's Angaben eingetragen, indem diese, nach einer
Andeutung des Herausgebers, bereits damals benutzt werden
konnten. Es ergiebt sich aus dem anschaulichen Bilde, wel-
ches diese graphische Darstellung gewährt, dass zwischen der
Mündung des Mesen (dem weissen Meere) und dem Ural bei
grossen, örtlichen Unregelmässigkeiten der Parallelkreis 67°
als die mittlere Linie betrachtet werden kann, in welcher die
Wälder aufhören und die baumlosen Tundren beginnen. Hier-
nach ist eine Angabe v. Trautvetter's (s. vor. Jahresb.) zu
berichtigen, die aus Andeutungen Ruprecht's geschöpft zu sein
scheint und nach welcher am westlichen Fusse des Urals
Pinus obovata und mit ihr die Baumvegetation überhaupt schon
unter 65o aufhören sollte. Nach dieser Angabe würde , da
an der Petschora der Wald bis Pustosersk (67 '^^J sich hin-
abzieht , die Baumgrenze zwischen diesem Strome und dem
Ural nicht eine nördliche, sondern eine nordöstliche Vege-
tationslinie bilden: auch muss ich gestehen, dass sowohl
Ruprecht's frühere Darstellung in seiner Flora des Samo-
jedenlandes (das. p. 15.) als seine jetzige Arbeit über Brandt's
Pflanzen (&) p. 11.) durchaus zu v. Trautvetter's Folgerungen
führen «luss. Allein bei einer reiflichen Erwägung des Te;c-
und systematischen Botanik während des Jahres 1850. 277
tes hebt sich dieser scheinbare Widerspruch der beiden Quel-
lenschriftsleller Ruprecht und Schrenk über den wichtigsten
Punkt in der Pflanzengeographie des Petschora-Gebiets durch
die eigenthümliche Auffassung der Waldgrenzen überhaupt,
welche wir bei Ruprecht finden. Er gründet nämlich diesen
Begriff nicht auf die Linie der letzten , wenn auch sporadi-
schen Waldungen, sondern auf die „in Massen zusammen-
hängenden Wälder ,« die nach ihm „im östlichen Theile des
Samojedenlandes bis zum 67o N. Br. reichen,« aber „sich
nicht unter gleicher Breite bis an den Westfuss des Urals
ausdehnen.« Dieses Verhältniss aber ist nicht von klimati-
schen Werthen, sondern von der Natur des Bodens abhängig
und mit Recht bemerkt daher v. Trautvetter (6) Heft 2.
p. 5.), dass das Gebiet der samojedischen Tundren nicht durch
die äussersten Linien der mit Wäldern wechselnden Tundren-
vegetation , sondern durch die äusserste Grenze des Baum-
wuches zu bestimmen sei. Von diesem Gesichtspunkte aus
verglichen, widersprechen nun die Angaben Ruprechts der
Karle Gr. Keyserling's keinesweges, sondern dienen Schrenk's
Darstellung zur Bestätigung : denn er erwähnt eines Tannen-
wäldchens , einer Waldoase , am westlichen Fusse des Urals
unter 67^ und bemerkt, dass in den Thälern dieses Gebirgs
die sibirische Lärche bis 68° vordringt (a. a. 0.), also we-
nigstens ebenso weit , wie die Tanne an der unteren Pet-
schora.
Die Waldarmuth in der Nähe des Urals mag wohl mit
der allmählichen Erhebung des Bodens in Verbindung ste-
hen, die, zwar nicht nachgewiesen, doch gewöhnlich am
Fusse grosser Gebirge einzutreten pflegt. Mit dieser Ansicht
würde Ruprecht freilich auch nicht einverstanden sein , der
(a. a. 0.) in diesen Breiten den Einfluss der vertikalen Rich-
tung auf die Vertheilung der Pflanzen leugnet, indem die al-
pine Flora zum Meeresniveau herabsinke: als ob nicht in-
nerhalb der alpinen Flora auch jede einzelne Pflanzenart in
bestimmte Vertikalgrenzen eingeschlossen wäre. Aber eine
wirkliche Eigenthümlichkeit der arktischen Natur liegt dem
von R. etwas zu sehr verallgemeinerten Satze zu Grunde,
welche v. Baer in seiner berühmten Abhandlung über No-
vaja-Semlja zuerst aufgefasst hat, nämlich die ausserordent-
■278 Griseb.ach: Bericht üb. d, Leistungen in d. geographischen
lieh gesteigerten Schwankungen der Vertikalgrenzen, die von
4er örtlichen Lage , der Exposition gegen die Sonne , der
Neigung des Bodens und ähnlichen Einflüssen in einer Breite
abhängen, wo der geringste Verlust an Insolation dem orga-
nischen Leben verderblich wird. Es leuchtet ein, dass sol-
che Schwankungen um so geringer werden müssen, je gleich-
förmiger und ebener die Oberfläche des Erdkörpers gestal-
tet ist, und dass, wenn die mittlere Schneelinie in den zer-
rissenen Gebirgen Novaja-Zembla's und des arktischen Urals
wegen dieser Unregelmässigkeien bis jetzt nicht bestimmt
werden konnte, auf einem gleichmässig gebauten Plateau der
Einfluss des Niveau's deutlicher hervortreten wird. Wenn
ich demnach hieraus die Waldentblössung auf den unmittel-
bar am Fusse des Urals ausgedehnten und wahrscheinlich
sanft gegen die seiner Axe parallel strömenden Flüsse des
Tieflandes geneigten Ebenen ableiten möchte, so dürfte die
enigpgengeselzte Erscheinung, die Schrenk an diesen Fluss-
thälern selbst wahrnahm, meiner Ansicht zur Bestätigung
dienen.
Es ist gewiss eine der auffallendsten Erscheinungen im
Petschora- Lande, dass die Wälder in allen Flusslhälern, ge-
rade wie an den Strömen der Steppen, weit in das waldlose
Gebiet der Tundern nach Norden hinausrücken. Wie an der
Petschora selbst, so reicht auch an der Kolwa der zusammen-
hängende Nadelwald des Flusslhals bis öTy^o (S. 259.) und
eine einzelne Waldinsel zeigt sich noch unter 67%^ (S. 271.);
ebenso an den übrigen Wasserlinien, und westwärts von der
Petschora, in der kleinen Samojeden-Tundra, erzeugt eben-
falls der Landsee Sorwanski die äusserste Vegetation von
Tannen und Birken unter 67 73^. Zwischen diesen zungen-
ähnlich in die Tundren vorgestreckten Waldungen breitet
sich eine baumlose Ebene südwärts oft weit über den 67sten
Parallelkreis aus: so ist an der unteren Kolwa (660 — ööy^o)
der Waldsaum nur etwa eine halbe geog. Meile breit und
wird nach Norden allmählich schmaler (S. 254.) und , wie
es Wöldinseln innerhalb der Tundern giebt, so zeigen sich
auch waldumsohlossene Tundern innerhalb des zusammenbän-
den Waldgebiets. Solche Erscheinungen erklären sich in den
Steppen oder in den Savanen der tropischen Zonen leicht
' ' ' "iilid systemalischen Botanik während des Jahres 1850. 279
aus der grösseren Feuchtigkeit des Bodens in der Nähe det
Strombetten, weil hier die Baumlosigkeit von trockenen Jah-
reszeiten abhängig ist, welche die Dauer derVegetationspro-
cesse über das den Bäumen nothwendige Maass hinaus ver-
kürzen. Aber in der arktischen Zone ist nicht Trockenheit,
sondern die durch die Temperaturkurve verkürzte Vegeta-
tionszeit die Ursache der Waldentblösung : und wie, kann
man fragen, können die Flussthäler auf die Wärme und Dauer
des Sommers einwirken? Doch wohl nur durch ihre tiefere
Lage und dass diese die Erscheinung bedinge, geht deutlich
aus einigen specielleren Angaben Schrenk's hervor. Die äus-
sersten Waldinseln geben ihm Anlass, die Frage, die er nicht
zu entscheiden wagt, aufzuwerfen, ob die angesammelte Was-
sermenge oder das nahe Meer das Klima örtlich mildern,
oder ob die vorliegenden Höhen des Grosslands- Rückens die-
sen begünstigten Oertlichkeiten, wo die Tannenstämme noch
2 Fuss im Durchmesser besassen, Schutz vor dem Ungestüm
der Nordstürme gewährten (S. 272.). Das Letztere ist un-
streitig der Fall , während das Meer gleichmässig auf die
Richtung der Baumgrenze wirken müsste und ebenso wenig
deren Unregelmässigkeit erklären kann, wie das süsse Was-
ser, dass, wenn es die Ursache der Erscheinung enthielte,
an grossen Strömen die Wälder weiter nach Norden vor-
rücken müsste, als an kleinen Nebenflüssen. Klarer noch
ergiebt sich jener Zusammenhang aus dem Baue der Fluss-
thäler, die im Petschoragebiete, wie in anderen Gegenden
Russlands, allgemein von zwei Terrassen eingefasst sind (S.
253.), deren Böschungen, vor den Luftströmungen geschützt,
oben vorzugsweise bewaldet sind: die untere Terrasse be-
sitzt unmittelbar am Stromufer eine Staudenvegetation, wor-
auf landeinwärts zuerst Saliceten (z. B. Salix arbuscula, ha-
stata, pyrolifolia, livida das.) folgen, dann der Tannenwald
selbst sich ausbreitet, der sich an der oberen Terrasse hin-
aufzieht und sich zuletzt in die horizontale Tundra verliert.
Den Abstand beider Abhänge schätzte Sehr, an der Kolma
auf 600^—1800'.
Die Flora der Tundren weicht erheblich von der lapp-
ländischen ab , was darin seine Erkläung findet , dass der
skandinavische Norden weder arktische Vegetation in Tief-
280 G r i s e b a c h : Bericht ab. d, Leistungen in d. geographischen
landsebenen noch gefrorne Bodenschichten besitzt, über de-
nen im Samojedenlande , wie in Sibirien, die Pflanzen der
Tundren sich entwickeln müssen. Bei Pustosersit (67'/«) in
der Nähe der Petschora- Mündung, beträgt die Tiefe, bis' zu
welcher der Erdboden gefroren ist, 63' engl. fS. 597.). So
ragen die niemals thauenden Eismassen unter der Oberfläche
hier, wie bei Jaliuzk, noch weit in die Zone der Wälder und
selbst in die des Gelraidebau's : denn sogar beiMesen (65o5o'>
fand Sehr, den Boden in der Tiefe noch gefroren (S 122)
Die Tundren selbst thauen im Sommer nur eine Spanne
höchstens einen Fuss tief auf (S. 532.). Dadurch erklärt sich
die Leichtigkeit, mit der man sich auf den Tundern in jeder
Richtung, auch amSchluss der warmen Jahreszeil, im Renn-
thierschlitten bewegt, der über die Lichenen und Moose hin-
gleitet und durch den niedrigen Wuchs der Sträucher und
Stauden wenig gehemmt wird. Gewölbte Flächen zeigen sich
ganz trocken, ort selbst dürr und sandig, die Niederungen
sind zwar allgemein sowohl nach dem Charakter ihrer Ve-
getation, als nach dem Humus, den sie zurücklässt, den Torf-
mooren gleich gebildet, aber „auch das weichste Moos« bil-
det ,hier nie einen schwankend trügerischen Boden,« weil das
Grundeis so dicht unter der Oberfläche liegt (S 271 ) und
mit der Erdkrume zu einer steinharten Masse verbunden ist
In der Nahe der jugrischen Strasse, welche die Insel
Waigalsch vom Festlande trennt, verliert sich das Gesträuch der
Tundren (S. 347,): von Holzgewächsen waren nur noch übrig
Salix glauca und Myrsinitcs, aber beide nur von spannenho-
hem Wuchs, und die dem Boden angedrückten Weiden rS
herbacea und polaris). Hier beginnt also , in der Nähe des
70sten Parallels, der Vegetationscharakter von Novaia-Semlia
sich auszuprägen, die obere alpine Region im Meeresniveau,
wahrend das Gebiet der Tundern selbst, das hier seine Po-
largrenze findet , durch die Zwergbirke charakterisirt, mit
der unteren alpinen oder Alpenrosen -Region des centralen
Europas zu vergleichen ist.
Formationen der grossen Samojeden-Tundra nach Sch's
üarsleMunff :
ß7,/„''.o «J^'" ^"'«'■§^'''''''e- Das Gesträuch bestand unter
0/ A CS. 260.) vorzüglich aus Betula nana und Salix, z. B.
und systematischen Botanik während des Jahres 1850. 281
S. arbuscula, lapponum, lanata, depressa; in der Nähe des
Eismeers, unter 6So (S. 289.) wurde die Zwergbirke seltener,
die Weiden niedriger und häufig ersetzt durch die niedrigen
oder liegenden Arten (S. Myrsinites, reliculata, herbacea).
— Die übrigen Sträucher der Formation sind Empetrum, Le-
dum palustre, Andromeda polifolia, Vacciuium uliginosum und
Vitis idaea (diese beiden in den höheren Breiten oft nur
zolllang). Auch Rubus chamaemorus und R. arcticus sind
verbreitet.
2. F. des Eriophorum. Am häufigsten wird E. vagi-
nalum erwähnt. Unter 68° herrschte diese Formalion vor,
aus E. vaginatum und angustifolium , Carex ampullacea und
rotundata und aus mannigfaltigen Stauden gebildet. Unter
letzteren sind wegen ihrer geographischen Verbreitung cha-
rakteristisch : Ranunculus Pallasii, Eutrema Edwardsii, Gera-
nium albiflorum, Oxytropis borealis, Valeriana capitata, Gym-
nandra Pallasii.
3. Polytrichum- Tundra, auch durch Sphagnum ersetzt.
Hievon wird die F. der Erdlichenen nicht geschieden : Cla-
donia rangiferina herrscht vor und bildet einen hervorragen-
den Bestandtheil der Tundren-Vegetation.
4. An Flussufern kommen Saliceta vor, ausser den ge-
nannten Arten von Salix hastata und stipularis gebildet, mit
ihnen Alnaster fruticosus, Ribes rubrum. Auch dringen Ju-
niperus nana und Lonicera Pallasii aus der Waldzone in die
südlichen Gegenden der offenen Tundra vor (S. 290.). Die
trockenen Flussufer , wo eine Schicht Dammerde den Torf-
boden ersetzt, begünstigen im höheren Norden die Vegetation
der Stauden, die hier mannichfaltiger auftreten (S. 333.):
wiederholt werden unter diesen Stellaria davurica und Cera-
stium furcatum erwähnt, die Fenzl aus dem europäischen
Russland nicht kennt, von denen jedoch die erstere auch von
Ruprecht (Fl. Samojed. p. 26.) bestätigt worden ist.
Gehen wir nun, Sch's Darstellung folgend, zu den nord-
russischen Wäldern über, so ist es bekannt, in welchem
Grade die Nadelhölzer dort vorherrschen: die nordische Birke
findet sich zwar, wie in Skandinavien, bis zur Baumgrenze
verbreitet, aber nur sporadisch den Nadelwäldern eingestreut
und zuletzt meist nur noch als Strauch. Von den reinen,
282 GriS€bach: Bericht üb. d. Leistungen in d. geographischen
geschlossenen Birkenbeständen Skandinavien's ist nirgends
eine Spur und schon zwischen Petersburg und Archangel traf
Seh. keine Laubwälder mehr , indem die Birken und Erlen
vor dem herrschenden Nadelholz zurücktraten (S. 21.). Nur
einmal ist von Laubwäldern an der Petschora unterhalb der
Ussa-Mündung (660 N. Br.) die Rede, wo sie der Thonboden
erzeugt, der hier häufiger ist, als der Sand der Kieferbe-
stände : aber auch hier waren mit den Birken und Weiden,
welche diese Laulhölzer bildeten, Tannen und Lärchen ge-
mischt (S. 236.). — Die Bekleidung des beschatteten Bodens
in diesen unermesslichen Coniferenwäldern ist ebenfalls cha-
rakteristisch , wie Blasius (s. Jahresb. f. 1843.) bereits ge-
zeigt hatte, in den Kieferwäldern ein weisser Flechtenteppich
oder eine grünende Moosdecke , unter den Tannen ein Un-
terholz oder Gesträuch. So deckte den Boden der Kiefer-
wälder zwischen dem Mesen und der Petschora (zwischen
65° und 6Ö0 N. Br.) bald ein dichter Rasen von Cladonien
(CL rangiferina , fimbriata , cornucopodioides nebst Stereo-
caulon tomentosum), bald von Polytrichum und anderen Laub-
moosen (P. piliferum oder juniperinum mitHypnum splendens
und Dicranum strumiferum), denen nur wenige Stauden , wie
Aconitum septentrionale und Paeonia intermedia, oder ein
Gesträuch von Arctostaphylos uva ursi sich zugesellten (S. 157.
161.). Dagegen besitzen die Tannenwälder an der Petschora
unter derselben Breite ein Unterholz von Birken , Weiden
(Salix arbuscula und hastata) und von Alnaster fruticosus, so
wie an niedrigem Gesträuche Juniperus nana , Empetrum,
Vaccinium Myrtillus, uliginosum u. Vitis idaea: auch ist Ru-
bus arclicus häutig (S. 210.).
Was die Baumarten betrifft, welche die nordrussischen
Nadelwälder zusammensetzen, so bleibt gerade die wichtigste
Frage bis jetzt noch immer unbeantwortet , aber nur durch
einen Zufall , da deren Aufklärung durch jeden Reisenden
geschehen könnte, der nur darauf achten wollte, wo die Tan-
nen auf dem Wege von Petersburg nach Archangel oder
einem anderen Punkte an der Dwina anfangen aufrechte Za-
pfen zu tragen. Hiedurch unterscheidet sich bekauntlich die
sibirische Tanne (P. obovata) von der Fichte oder Rothtanne
(P.Abiei?), von welcher letzteren man noch nicht weiss, wie
und systematischen Botanik während des Jahres 1850. 283
weit sie nach Nordosten in Riissland vorkommt, ob sie in
das Bereich der sibirischen Nadelhölzer eindringt , oder ob
es eine Linie giebt, wo sie mit einem Male durch die sibi-
rische Tanne vertreten wird, wie ein ähnlicher P'all mit der
nordischen und Weiss -Birke in Russland beobachtet wurde.
So viel steht bis jetzt fest , dass die Tannenwälder an der
Dwina, z. B. bei Archangel schon die sibirische Tanne ent-
halten (Rupr. Fl. Samoj. p. 56. ) und an der Petschora fand
Seh. keine andere (S. 210.). Sicher nachgewiesen sind im
Gouv. Archangel folgende Coniferen: Die sibirische Tanne
(P, obovata) , die sibirische Edeltanne (P. sibirica Turcz.) ,
die sibirische Lärche (P. Ledebourii Endl.) , die Kiefer (?.
sylvestris) und auf den südöstlichen Winkel des Gouvernements,
auf die obere Petschora, beschränkt die Zirbelkiefer (P. Cem-
bra). Auch die sibirische Edeltanne findet sich nur in den
südlichen , dem Gouv. Wologda angrenzenden Bezirken, an
den Zuflüssen der Dwina, am Mesen und an der Petschora,
westwärts bis zum Meridian von Archangel vordringend (S. 30).
Demnach sind die herrschenden, nach der Bodenbeschaffen-
heit wechselnden, aber auch vermischt wachsenden Bäume die
sibirischen Tannen und Lärchen und die Kiefer. Auf dem
Wege von Petersburg nach Archangel herrschten die Kiefern
und Tannen (S. 2L), zwischen der Onega und Dwina (S. 28.)
bildeten alle drei Formen in hochwüchsigen Stämmen eine
ununterbrochene, majestätische Waldung. Die Lärche schien
an anstehendes Gestein gebunden, welches in diesen Gegen-
den oft unter den alluvialen Erdkrumen in geringer Tiefe
verborgen ist, an Kalkschichten der permischen und juras-
sischen Formation, z. B. deutlich bei Mesen bemerkbar, wo
in den Lärchenwäldern der lockere Boden nur klafterhoch
den Bergkalk bedeckte (S. 122.), so dass die Wurzeln des
Bauras dieses feslere Substrat erreichen können. — Zwischen
dem Mesen und der Petschora (öoo— öö^) waren Kieferwäl-
der verbreitet (S. 157.), im Thale der Petschora selbst wur-
den diese seilen (S. 236.): hier herrschte im mittleren Strom-
Ihale die sibirische Tanne, ebenso an der Kolwa, wo sie je-
doch schon im Wüchse zurückbleibt und an Höhe von der
Lärche überlroffen wird (S. 254.). Die untere Petschora be-
sitzt bei Pustosersk (öTy^o) Wälder von Tannen, Lärchen
284 Grisebach: Bericht üb. d. Leistungen in d. geographischen
und Birken, nebst hohen Gesträuchen von Salix hastata und
lanata (S. 560.).
Der Ackerbau reicht im nordrussischen Waldgebiete
längst nicht so weit nach Norden, wie in Lappland, und bleibt
sogar eine beträchtliche Strecke hinter der Baumgrenze zu-
rück, wiewohl noch unter den misslichsten Erndteaussichten
der Boden bestellt zu werden pflegt. Seh. traf die äussersten
Grenzen des Getraidebaus zu Mesen , wo doch in den acht
letzten Jahren bis zur Ankunft des Reisenden keine einzige
ergiebige Erndle erzielt war (S. 122.), und an der Petschora
fand die letzte Bodenkultur unter der noch etwas südliche-
ren Breite von 65 '/.^ statt: in Lappland reicht dieselbe be-
kanntlich bis 70o. Aber je weniger der Getraidebau hier und
an der unteren Dwina verspricht, desto mehr hebt sich in
diesen hohen Breiten die Hornviezucht, die auf den reichen
Wiesenbildungen der Waldzone beruht und sich bis zu den
Baumgrenzen ausbreitet, wo die Rennthierheerden der Tun-
dren sich anfangen zu zeigen. Die zahlreichen Inseln im
unteren Stromlaufe der Dwina und der Petschora stellen un-
bewohnte Wiesenflächen dar, die, alljährlich durch den Schlamm
der Ueberstauungen befruchtet, im Sommer mit hohem, üp-
pigem Graswuchs bedeckt sind, wo die trefflichsten Futter-
kräuter emporspriessen CS. 47.): ebenso zeigten sich die Wei-
deplätze am Mesen und an der mittleren Petschora waren
die bewaldeten Hügel längs des Thalweges von grünenden
Wiesenthälern gefurcht (S. 210.).
Eine dritte Formation des Waldgebiets bilden die Torf-
moore, die nach Norden an Umfang zunehmen und allmählich
in den Vegetationscharakter der Tundern übergehen. In der
Breite von Mesen zeichnen sie sich noch durch einige Ge-
wächse aus, die den reinen Tundren fehlen, wie Calluna,
Cassandra calyculata, Betula alba var. fruticosa, an derKolwa
Arctostaphylos alpina (S. 258.) ; auch finden sich weichere
Moorflächen, wo die Eriophoren mit Cyperaceen CCarices,
Scirpus caespitosus) ohne alles Gesträuch den Boden be-
decken (S. 175.) : aber nach und nach verschwinden diese
Eigenthümlichkeiten, je mehr man sich der Baumgrenze nähert.
An den Flussufern tritt endlich eine vierte und letzte
Formation auf, aus höher wachsenden Weiden und anderen
und systematischen Botanik während des Jahres 1850. 285
Sträuchern gebildet, auch mit üppigen Stauden gemischt. Von
Gesträuchen werden z. B. genannt (S. 162.) : Salix haslata,
aurita und Caprea, Prunus Padus, Sorbus, Loniccra Pallasii,
Spiraea chamaedrifolia, Ribes rubrum und nigrum, Juniperus
nana; als Liane tritt Atragene alpina auf,- von charakteri-
stischen Stauden sind zu nennen (S. 252.): Geranium albiflo-
rum, Pyrethrum bipinnatum, Conioselinuni Fischeri, Veratrum
album u. a.
Den Ural besuchte Seh. nur jenseits des Polarkeises und
bestieg hier einen der äussersten Hochgipfel der Gebirgs-
kette, den unter 68o N. Br. gelegenen Gatumbaj, dessen Höhe
er zu 4190' bestimmte und der dennoch oben schneefrei war.
Der allgemein angenommenen Ansicht, dass in dieser Breite
der Ural aufhöre, tritt er entgegen und berichtigt diese Mei-
nung dadurch, dass er zeigt, wie zwar hier der Charakter
des Hochgebirgs aufhört, aber, indem sich zugleich die nord-
östlich gerichtete Gebirgsaxe nach Nordwesten verwirft, eine
geognostisch mit dem Ural übereinstimmende Höhenlinie sich
zur jugrischen Strasse und zur Insel Waigatsch hinzieht , in
welcher der kulmirende Punkt Padaja noch 1475' hoch ist.
Der arktische Ural ist ein wildes , felsiges Gebirge , überall
von Gerollen bedeckt und, wie Novaja-Zembla, vegetations-
los. Nur am Fusse der Berge zeigt sich die Vegetation der
Tundren, dann folgen einförmig graue Trümmergefilde , eine
Oede, wo nur Steinlichenen Gedeihen finden. Auf dem Gi-
pfel des Gatumbnj schien alle Vegetation weithin erstorben
und nur in den Tiefen der Thäler Hess sich , hin und wieder
verstreut, ein bräunlich grüner Fleck, eine kümmerliche Oase
des Pflanzenlebens entdecken (ß. 448.).
Uebersicht der von Seh. beobachteten Vegetationsgrenzen.
Polargrenzen.
67« 40'. Pinus obovala : am See Sorwanski in der kleinen Samo*
jedenlundra westwärts von Petschora (S. 650.) ; unter gleicher Breite
die letzten Tannenwaldoase an der Kolwa (S. 271.).
67° 40'. Betula alba; mit voriger, meist strauchförmig.
67° 30'. Sorbus aucuparia u. Alnaster fructicosus an der Petschora,
erstere strauchförmig (S. 557.).
670 15'. Pinus Ledebourii : auf dem Isthmus der Halbinsel Kanin»
286 6r 19 e^lr ach: Bericht üb. d. Leistungen in d. geographischen
hier zugleich mit der Tanne und Birke aufhörend (S. 671.); die Po-
largrenze der Lärche an der Kolvva liegt dagegen unter 66^ 45' (S. 258).
66° 30'. Pinus sylvestris: an der Kolwa (S. 257.) ; unter gleicher
Breite an der Bucht von Mesen (S. 675.)
66o 15'. Populus Iremula : an df r Kohva (S. 254.); bei Mesen un-
ter 65" 45' (S. 110.).
66o. Ribes nigrum : an der Petschora. (S. 261.).
Nordostgrenze.
Calluna vulgaris. Von der Mündung des Mesen (66o S. 695.)
scheint die Grenze südoslwärts zu laufen , da die Haide noch auf der
Wasserscheide zwischein diesen Flusse und der mittleren Petschora
angetroffen ward (65° 15' S. 161.).
Westgrenzen.
Pinus Ledebourii; im Meridian der Onega-Bai, an der in den
Bjelo Osero mündenden liema (S. 21.).
P. sibirica : zwischen der Onega und Dwina , bei Jemezkoje an
der Jemza (S. 30.).
Polargrerizen der Kulturpflanzen.
65° 50'. Gerste: bei Mesen (S. 124.).
65° 45'. Roggen und Hanf: am Mesen (Das.).
65° 30'. Lein: am Mesen (S. HO.); Roggen an der Petschora
(S. 229.).
65° Kartoffel : am Mesen (S. 124.).
64« 30'. Roggen : an der Dwina (S. 35.).
64" 15'. Hanf: an der Dwina (Das.).
63" 40'. Lein: an der Dwina (S. 31.).
63'' 15'. Hafer: zwischen Onega und Dwina (S. 29.).
63° Erbse: ebenda (Das.).
62^45'. Waizen: ebenda, aber im ganzen Gouv. Olonelz keine
sicheren Erndten gebend.
Die Schrift von Ruprecht über die Verbrei'ung der
Pflanzen im nördlichen Ural ^) enthält eine systematische Be-
arbeitung der von B r a n t h gesammelten Pflanzen , woraus
der Verf. zugleich eine pflanzengeographische Einleitung
schöpft, deren Werlh durch seine eigenen, früher publicirten
Forschungen im Samojedenlande erhöht wird. B.'s Herbarien
umfassen den ganzen nördlichen Theil des Urals von 60^50'
und systematischen Botanik während des Jahres 1850. 287
bis 680 30^ N. Br. Das allgemeine Ergebniss dieser ünter-
suchiino- ist orewesen, dass die nördliche Hälfte des Urals keine
eigenthümliche Flora besitzt (S. 22.). R. fügt hinzu, dass,
da auch für den südlichen Ural Gypsophila uralensis die ein-
zige sichere endemische Art sei, indem Conioselinum gayoi-
des Less. mit Pachypieurum alpinum Led. zusammenfalle, das
ganze Gebirge kein besonderes Florengebiet darstelle. Auch
spricht er sich gegen die seit Pallas herrschende Ansicht
aus, dass der Ural eine Scheidegrenze zwischen der europäi-
schen und sibirischen Flora bilde , weil „fast alle Pflanzen
der Waldregion Westsibiriens auch diesseits" in den Wäldern
des Samojedenlandes oder südlicher vorkommen (S. 7.): aber
als Ostgrenze für europäische Pflanzen scheint die Erhebung
des Urals doch bedeutend gewirkt zu haben, wie sich dies
in dem Vorkommen der Eichen ausspricht, für die v. Lede-
bour keinen einzigen sibirischen Standort hat. v Trautvetter's
Untersuchung bestätigt dies (s. u.) und C. A. Meyer wies in
seiner Flora von Wiätka (Jahresb. f. 1848.) gegen 40 Ge-
wächse nach, die den Ural ostwärts nicht überschreiten.
Die Flora des Urals zerfällt in die AValdregion und in
die Vegetation jenseits der Baumgrenze. Der Sablju (65° N.
Br.) ist der äusserste Punkt, wo der Lärchenwald „eine Strecke
im Gebirge aufsteigt« (S. 12.): über diese Breite hinaus er-
streckt sich daher die alpine Region bis an den Fuss der
Abhänge. Aber dieses Verhältniss scheint nur für die west-
liche, europäische Abdachung zu gelten, indem nach Erman
im Gebirge von Obdorsk (660 45') die Lärche bis zum Niveau
von 700' ansteigt. Die Waldregion des nördlichen Urals
stimmt sowohl in ihren Holzgewächseji als Kräutern vollstän-
dig mit der Flora des nordrussischen Waldgebiets der Ebene
überein. Die Nordgrenze scheint sich bei vielen derselben im
Ural im Verhältniss zu westlicheren Meridianen um einen oder
ein paar Breitengrade gesenkt zu haben (S. 16.). Die ein-
zigen Spuren sibirischer Pflanzen, die in der Waldregion des
nördlichen Urals ihre Westgrenze finden , sind Cardamine
macrophylla Led. und Rhodiola elongata : doch blieb letztere,
so wie eine andere Rhodiola , zweifelhaft. Sodann fanden
sich einige wenige Arten der südlichen Steppen , die hier
ihre Polargrenze erreichen, nämlich: Alyssum Fischerianum,
288 Grisebach: Bericht üb. d. Leistungen in d. geographischen
Eremogone graminifolia , Linum perenne und am westlichen
Fusse des Gebirgs , in den Ebenen der Wischera (.Q0%^'),
Schiwereckia podolica und Astragalus permiensis C. A. Mey.
(S. 55), eine neue, mit A. Helmii verwandte Art.
In der alpinen Region des nördlichen Urals wurden 104
Arten gesammelt, von denen 71 zugleich in den Tundren
des westlich gelegenen Samojedenlandes einheimisch sind.
Die übrigen 33 Arten zerfallen nach ihrer geographischen
Verbreitung in folgende Kategorieen :
1. 14 arktisch-alpine Arten, die zugleich in Skandina-
vien oder in den Alpen wachsen und hier zum Theil ihre
Ostgrenze erreichen.
2. 17 sibirische Pflanzen, die am Ural ihre Westgrenze
finden und theils in den arktischen Gegenden des Taimyr-
landes, theils in den Gebirgen der Altaiketten verbreitet sind :
Parrya macrocarpa, Silene paucifolia, Alsine arctica, Siever-
sia glacialis, Epilobium latifolium, Rhodiola quadrifida, Saxi-
fraga aestivalis und bronchialis ; Nardosmia Gmelini , Sene-
cio frigidus und resedifolius , Pedicularis compacta, lanata,
amoena und paniculata Fall. (Syn. P. euphrasioides Steph.) ;
Salix arctica, Carex melanocarpa.
3. 2 neue, bis jetzt endemische Arten: Draba Samo-
jedorum und Gasterolychnis uralensis Rupr., eine von Wahl-
bergella apetala getrennte Art, wobei der Verf. bemerkt, dass
in der letzteren noch eine ganze Reihe arktischer Arten ent-
halten sind.
Die Pflanzen, welche in den nördlichsten Fortsetzungen
des Urals zur jugrischen Strasse gesammelt wurden , stim-
men mit der alpinen Flora des Urals überein, nur dass Al-
sine macrocarpa noch zu der Reihe der sibirischen Arten
hinzutritt. So wie hiedurch die Ansichten Schrenk's über
den Zusammenhang dieser Hügelreihen mit dem Ural auch
von botanischer Seite bestätigt werden , so ist hier jene Ve-
getationslinie, welche 17 oder 18 sibirische Pflanzen von den
Ebenen des Samojedenlandes fern hält, zu einem unbedeu-
tenden Niveau herabgedrückt. Aber diese Pflanzengrenze,
auf die R. ein besonderes Gewicht legt (S. 9.) wird wohl nur
in dem felsigen Substrat begründet sein, welches an den Hü-
geln der jugrischen Strasse dasselbe ist , wie auf den südli-
und systematischen Botanik wäiireud des Jahres 1850. 289
eher gelegenen, alpinen Höhen des Urals, während es in den
Tundren fehlt. Merkwürdig bleibt es immer, dass auch hier
die Uebereinstimmung eines arktischen, tiefgelegenen und
eines alpinen, in südlichere Breiten zurückgedrängten Vege-
tationscharaklers sich zu erkennen giebt, während, wie Schrenk
zeigte, die dazwischen gelegenen höheren Gebirgstheile des
arktischen Urals fast pflanzenlos zu nennen sind und daher
keine Brücke für die Wanderung dieser Gewächse darboten,
die von den Ebenen Sibiriens oder sprungweise von ferner
liegenden Gebirgen erfolgte.
Das wichtige Werk v. Traulvetter's über die Pflan-
zengeographie des europäischen Russlands 0) , dessen Einlei-
tung im vorigjährigen Berichte charakterisirt wurde, ist nun
bereits so weit gediehen, dass sowohl die Tundren als die
Zone der Nadelwälder darin ausführlich und höchst sorgfäl-
tig nach den Quellen bearbeitet sind. Besonders zeichnet
sich diese Arbeit durch die Berücksichtigung der Pflanzen-
grenzen aus, indem der Verf. für jedes Gebiet diejenigen
Arten aufzählt, die in demselben ihre Vegetationslinien er-
reichen. Die pflanzengeographische Eintheilung des europäi-
schen Russlands, so weit sie bis jetzt bearbeitet wurde, ist
folgende :
1. Das Gebiet der Tundren (Nordrussland). Mit
Recht schliesst v. Trautv. hievon das russische Lappland und
die Halbinsel Kola aus , wo die Baumgrenze an der Küste
des Eismeers kaum erreicht wird, indem Böhtlingk nördlich
von Kola und jenseits des 69sten Parallels noch einen Hain
von 20—25' hohen Birken antraf: die baumlosen Strecken
westlich vom weissen Meere bilden daher nur eine Forma-
tion des Waldgebiets. — Aus den Tundren kennt der Verf.
gegen 30 Phanerogamen , die in dem Gebiete der Wälder
nicht mehr vorkommen (Hft. 2. S. 45.). — Die Tundren zer-
fallen in zwei Zonen, die der oberen und unteren, durch
Gesträuche charakterisirten Abtheilung der alpinen Region in
den Alpen und anderen Gebirgen entsprechen.
a. Bezirk der Alpenweiden, wo von Holzgewächsen
nur die niedrigsten, die polaren Salix -Arten übrig sind.
Hiezu gehören die Inseln Novaja-Semlja, Waigalsch, Kolgu-
jew und die Felseneinöden des arktischen Urals. Der Verf.
Archiv, f. Naturcesch. XVII. Jabrf . 2. Bd. T '
290 Grisebach: Bericht ab. d. Leistungen in d. geographischen
zählt 152 Arten auf, von denen etwa V5 im Bezirke der
Zwergbirke nicht gefunden ward. '
b. Bezirk der Zwergbirke, die samojedischen Tundren,
aus denen der Verf. bei Ruprecht 209 Phanerogamen findet,
von denen 92 in dem Bezirke der Alpenweiden fehlen.
2. Das Gebiet der europäischen Tanne (West-
russland). Die Grenzen sind die der Verbreitung von Pinus
Abies , daher gegen Osten noch problematisch : ausser der
Tanne kommen von Coniferen allgemein nur Pinus sylvestris
und im südlichen Polen ausserdem noch P. Picea und Larix
vor. Nach den Laubhölzern theilt der Verf. das Gebiet der
Tanne in vier engere Bezirke.
a. Bezirk der Weissbirke, wo die Eichen fehlen, ost-
wärts begrenzt durch das weisse Meer und den Meridian von
Onega, südwärts bis an den Finnischen Meerbusen und das
Gouv. Nowgorod reichend (etwa 61« N. Br.). Mit den Ei-
chen verschwinden in dieser Breite auch die Eschen, Linden
und Ulmen. — Die Polargrenzen, welche die verschiedenen
Holzgewächse innerhalb des Bezirks erreichen, entsprechen
in ihrer Reihenfolge den skandinavischen: die einzige Aus-
nahme, welche v. T. anführt (Hft. 2. S. 40.), dass bei Kola
die Tanne und Kiefer zugleich aufhören, während in Skan-
dinavien die Tanne hinter der Kiefer um drei Breitengrade
zurückbleibt , möchte wohl dafür sprechen , dass die Tanne
des russischen Lapplands bereits Pinus obovata sei , die auch
im östlichen Theile der Halbinsel von Kola schon nachgewiesen
wurde. — Abgesehen von den Holzgewächsen zählt v. T. noch
über 60 Arten auf , die der Bezirk der Weissbirke vor den
Tundren voraus hat. Die Artenzahl der Phanerogamen des
Bezirks beträgt überhaupt nach Massgabe der von Fries auf-
gezählten Gewächse Finnlands gegen 950 Arten , von denen
etwa 150 (das. S. 58.) in dem folgenden Bezirke fehlen.
b. Bezirk der Eichen, die baltischen Provinzen von
Petersburg bis Kurland umfassend und nach Süden durch eine
Linie begrenzt, die von der südwestlichen Spitze Kurlands
über Saraisk (Südgrenze der Tanne) nach der Wolga bei
Kasan verläuft (50o— 51° N. Br.). Diese Vegetationslinie ist
die Polargrenze von Carpinus, Acer campestre und Pyrus
communis, die daher von dem Bezirke der Eichen ausge-
und systematischen Botanik währenddes Jahres 1850. 291
schlössen sind, der eben hiedurch charakterisirt wird: nicht
als ob nur hier Eichen wüchsen, die sich ebenso wohl in
den folgenden Bezirken finden, wie die Birken im Eichen-
bezirke. — Die Anzahl der Phanerogamen schätzt der Verf.
auf etwas über 1000 Arten, von denen allein die Gegend
von Petersburg, abgesehen von den Holzgewächsen , gegen 80
vor dem Bezirke der Weissbirke voraus hat; etwa 25 nor-
dische Arten fehlen dem folgenden Bezirke.
c. Bezirk der Hainbuche, zwischen den Polargrenzen
der Buche und Hainbuche gelegen, ausserdem charakterisirt
durch Pyrus communis, Populus nigra und alba, die nordwärts
zugleich mit Carpinus Betulus verschwinden. Dieser Bezirk
umfasst den grössten Theil von Lithauen und von Polen die
Provinzen Augustowo und Podlachien (vergl. die Grenzen der
Tanne und Buche im vor. Jahresb.). Bemerkenswerth ist die
Angabe (S. 72.)> däss die Ostgrenze der polnisch-lithauischen
Tertiärformation gegen den alten rothen Sandstein zugleich
die Ostgrenze von Carpinus ist. — Nach Eichwald's Schriften
wird die Anzahl der Phanerogamen auf IQ 00 Arten geschätzt,
von denen mehr als 70 im Bezirke der Eichen fehlen.
d. Bezirk der Buche, die übrigen Provinzen Polens und
den nordwestlichen Theil Volhyniens begreifend. Etwa 20
Pflanzen sind auf diesem verhältnissmässig kleinen Areale
bekannt geworden, die den übrigen Bezirken fehlen.
3. Das Gebiet der sibirischen Nadelhölzer
(Ostrussland). Als Ostgrenze gilt zwar der Ural, jedoch mit
Ausnahme des Verbreitungsbezirks von Pinus Cembra im Gouv.
Perm und an der oberen Petschora, welches, ich weiss nicht
aus welchem Grunde, von dem Gebiete ausgeschlossen wird.
Die Südffrenze verläuft ostwärts von Kasan und trifft den
Ural unter 53° N. Br, (Sleppengrenze). Das Gebiet wird
charakterisirt durch Pinus obovata , sibirica und Ledebourii.
Nur zwei engere Bezirke werden nach den beiden sibirischen
Tannenarten unterschieden.
a. Bezirk der sibirischen Tanne (Pinus obovata), wo
ausser ihr auch P. Ledebourii und sylvestris verbreitet sind,
dagegen P. sibirica und P. Cembra fehlen. Die innerhalb
des Gouv. Archangel gelegenen Grenzen ergeben sich aus
Schrenk's Beobachtungen (s. o.), ebenso die charakteristi-
292 Grisebach: Bericht üb. d. Leistungen in d. geographischen
sehen Beslandtheile der Vegetation, unter deren Holzgewäch-
sen Cornus sibirica von S. übersehen worden zu sein scheint.
Die Anzahl der Phanerogamen schätzt v. T. auf 600 Arten.
Für den eigenthümlichen Charakter des Gebiets spricht be-
sonders der Umstand, dass mehr als 25 Arten von Holzge-
wächsen, die im Bezirke der Weissbirken vorkommen, in die-
sen östlicheren Meridianen nicht mehr angetroffen werden
oder doch nicht so weit nach Norden gehen. (Hft. 3. S. 23.).
Gegen 1 50 Arten werden aufgezählt, die der Bezirk vor den
Tundern voraus hat.
b. Bezirk der sibirischen Edeltanne (P. sibirica), wo
zugleich Ulmen , Eichen und Linden nebst einigen anderen
Laubhölzern ihre Polargrenze erreichen. Die Anzahl der bis
jetzt nachgewiesenen Phanerogamen dieses unvollständig un-
tersuchten Bezirks beträgt 780 Arten , von denen 420 jen-
seits desselben im höheren Norden noch nicht gefunden sind
(das. S. 50.).
Aus den specielleren Untersuchungen über die Areale der Holz->
gewächse , die von v. Trautvetter nun vollständig durchgeführt sind
(s. vor. Jahresb.), folgen hier die wichtigsten Ergebnisse , so weit sie
nicht schon früher angeführt worden sind :
Tilia grandifolia u. parvifolia. Nordgrenze: Alandsinseln, Tawa-
itehuus, durch die Gouv. Petersburg, Nowgorod, Wologda und den nörd-
lichen Theil von Perm (demnach etwa von 62° bis 59o N. ßr. gegen
den Ural sich senkend). Ostgrenze: am Tom in Sibirien.
Acer platanoides. Nordgrenze : scheint mit der der Linden über-
einzustimmen, doch im Osten sich bis ÖßoN. ßr. zu senken. Ostgrenze:
der Ural.
Prunus Padus. Nordgrenze: Polmack an der Tana (70°) , Meer-
busen von Kola, Samojedenland unter &Q^/^'^ N. ßr. Ostgrenze: Kamt-
schatka.
Sorbus aucuparia. Nordgrenze: Fischerhaibinsel in Kola (70<*) ,
Samojedenland (67%o bei Schrenk) ; am Jenisei bis 64' N. ßr.
Pyrus Malus. Nordoslgrenze: Finnland (62»), Kasan (56"). Ueber
das Wolgagebiet hinaus verbreitet sich nach v. Ledebour der Apfel-
baum nicht.
P. communis. Nordostgrenze: Kurland, Lilhauen, Tula, Woronesch
Dubowka an der Wolga (demnach von 58» bis 49" N. ßr. sich senkend).
Ostgrenze : die Wolga.
Fraxinus excelsior. Nordgrenze : ßjörneberg und Südküste Finn-
lands , Petersburg, Gouv. Nowgorod (also von 62° bis 60° N. ßr. sich
senkend). Der weitere Verlauf der Nord- und Ostgrenze ist unge-
und systematischen Botanik während des Jahres 1850. 2^3
wiss : nach neueren Angaben überschritten die Eschen nicht ein Linie,
die von Nowgorod über Pensa zum kaspischen Meere gezogen wird ,
nach älteren Dokumenten läge die Ostgrenze erst bei Tobolsk.
Fopulus Iremula. Nordgrenze: mit Prunus Padus übereinstim-
mend (vergl. oben Sckrenk's Angabe).
P. nigra. Nordgrenze : Gouv. Wilna, Moskau, Nischegorod, Ka-
san, Jekaterinenburg (demnach 56" — 57°). Ostgrenze: am Irtisch.
P. alba. Nordgrenze: Polen, Wald von Bjelowescha, Nischego^
rod, Kasan, Jekaterinenburg (also von 45'> bis 57° sich hebend). Ost-
grenze : am Ob.
Quercus Hobur u. pedunculata (bis jetzt geographisch nicht zu
scheiden). Nordgrenze: Björneberg und von hier längs der West-
und Südküsle von Finnland , Gouv. Petersburg u. Nowgorod , südliche
Kreise von Wologda , Stadt Perm. Ostgrenze: Meridian von Perm,
(75° 0. L.) bis zu der Mündung des llek in den Ural (bei Uralsk kom-
men die Eichen nicht mehr vor). Südostgrenze: von Ilekskoi zur unte-
ren Wolga.
Corylus Avellana. Nordgrenze: südliches Finnland bis Haavi-
slo und Birkala, Gouv. Petersburg und Nowgorod, südliche Kreise von
Wologda, Wjätka. Ostgrenze: an der Ufa.
Alnus glutinosa. Nordgrenze: Finnland bis Brahestad (65») ,
Gouv. Olonetz, weiter ostwärts problematisch. Ostgrenze: Wjätka, Kasan.
A. incana. Nordgrenze : Kola , Cap Kargowski im Busen von Me-
sen. Ostgrenze: nach CA. Meyer der Ural, indem die gleichnamige,
sibirische Art verschieden sei.
Betula alba u. corticifraga (nicht geschieden). Nordgrenze: Halb-
insel Kola bis 70o, Samojedenland bis 67* 40' nach Schrenk. (s. o.).
Von V. Ledebour's Fl. rossica ^) erschien das zehnte
Heft (s. Jahresb. f. 1847.), Monochlaujydeen enthaltend.
Fortgesetzte Uebersicht der abgehandelten Familien: Polygo-
neen 88 sp. : darunter etwa 25 Steppenflanzen mit den der Steppe ei-
genen Gattungen Pterococcus , Calligonum, Calliphysa , Atraphaxis, 5
Arten vonKheuni, während 3 andere jenseits des Baikalsee's auftreten
und 3 sp. Tragopyrum , von welcher eine vierte Art kaukasisch isf;
Laurus nobilis , auf die Krim und die Kaukasusländer beschränkt ; l4
Thesia ; 15 Thymelaeen, wovon '/j kaukasisch ; 2 Elaeagneen ; 3 Ari-
stolochieen ; 1 Empetrum; 76 Euphorbiaceen, worunter 67^ Euphorbiae
und die davurische Geblera ; 12 Cupuliferen , von Eichen ausser den
bekannten nur Quercus mongolica in Davurien, Q. macranthera u. ca-
staneifolia am Kaukasus und eine zweifelhafte, behaarte Eiche, die im
Gouv. Cherson und am Dnjeslr vorkommt ; Platanus orienlalis in Kauka-
sien ; 72 Saliceen , von Populus ausser den europäischen 4 Arten in der
Kirghisensteppe, von denen Populus suaveolens Fisch, bis Kamtschatka
verbreitet ist ; 3 sp. von Ccltis ; 2 Cannabineen ; 9 ürticeen ; 3 Moreen;
294 Gris«bach: Bericht üb. d. Leistungen in d. geographischen
4 ülmaceei), worunter Zclkova crenata vorn Kaukasus; 16 Belulaceen,
wovon 7 Birken sibirisch; l Myrica ; 6 Epliedrae; Taxus; 16 Arten
von Pinus, wovon 4 Arten den Kaukasus charakterisiren (P. Nord-
manniana , P. orientalis , die gewiss unrichtig zu P. obovata gezogen
ist, P. maritima Lamb. und P. Laricio , die auch in der Krim auttritt),
ferner P. davurica auf Sibirien, 4 Arten auf die Insel Sitcha beschränkt
sind ; 10 Cupressineen, darunter Chamaecyparis nutkaensis auf das rus-
sische Ameriiia eingeschränkt, ferner die kaukasischen Cupressus sem-
pervirens, Juniperus oblonga, excelsa u. Oxycedrus, die beiden letzte-
ren auch in der Krim, und die sibirischen J. pseudosabina u. davurica.
Weinmann ^) theille ein Verzeichniss von Pflanzen
mit, welche im Gouv. Perm gesammelt wurden: darin stellte
er als neu auf Atragene speciosa , Epilobium hispidum , Ly-
thrum propinquum, Galatella slrigosa , Pedicularis lepidola u.
Orobanche asialica.
Lindemann ^) publicirte einen Katalog der in den
Gouvernements Tschernigow, Mohilew, Minsk und Grodno
beobachteten Pflanzen.
Von Waga wurde eine ausfuhrliche Flora Polen's her-
ausgegeben ^0) , welche bis auf die Diagnosen in polnischer
Sprache geschrieben ist. So fühlbar die Lücke in der euro-
phäischen Pflanzengeographie war, welche durch dieses Werk
ausgefüllt wird , so ist es doch bei aller Anerkennung , die
der Fleiss des Verf. verdient, als erste Publikation über ein
Land, dessen Flora so gut wie unbekannt geblieben war, mit
Vorsicht zu benutzen , indem einige , wenn auch nur wenige
Arten offenbar irrig bestimmt sind, z. B. Heracleum longifo-
liumDC. (vielleicht H. sibiricum Led.), Centaurea nigrescens,
Czackia Liliaslrum (wogegen das bei Warschau angegebene
Anthericum Liliago fehlt), Veratrum nigrum (mit langen Brak-
leen beschrieben und daher wahrscheinlich das in Lithauen
vorkommende V. album). -- Nur wenige Pflanzen erreichen
in Polen ihre Ostgrenze: v. Trautvetter hat sie nach Waga's
Werk zusammengestellt (a. a. 0. S. 77.) , doch sind aus sei-
ner Liste wohl noch mehrere auszuscheiden. Die bemerkens-
werthestensind: Euphorbia platyphyllos und falcata, Geranium
phaeum, Sorbus torminalis, Genista pilosa, Sarothamnus sco-
parius, Digitalis purpurea (deren Vorkommen in der Provinz
Krakau doch ziemlich problematisch scheint), Linaria Elatine
und Cymbalaria^ sodann die Buche, Edeltanne und Lärche,
und systematischen Botanik während des Jahres 1850. ^95
Auch als Westgrenze ist Polen wenig bemerkenswerth , in-
dem nur 4, freilich merkwürdige Pflanzen der deutschen und
preussischen Flora fehlen: nämlich Orobus laevigatus Kit. m
der südlichen Provinz Radom, Trifolium Lupinaster, eben-
falls von Lithauen aus verbreitet bis zur nordöstlichen Prov.
Augustowo , Hieracium foliosum Kit. und Gymnadenia cucul-
lata, beide in Masovien einheimisch. - Der Typus der pol-
nischen Flora ergiebt sich aus den Nachbarländern von selbst,
und, um dies zu erweisen , lasse ich ein Verzeichniss cha-
rakteristischer Pflanzen folgen, die grösstentheils entweder
auf Schlesien oder auf Ost- und Westpreussen hinweisen.
Cimicifuga foetida ist, wie zu erwarten war, durch den grössten
Theil Polen's verbreitet und folgt dann der Weichsel nach Freussen ;
Aconitum Napellus, auf die Prov. Lublin beschränlit, erreicht den 5loN.
Br nicht und hat dieselbe Grenze, wie in Mitteldeutschland; Isopy-
rum thalictroides geht von Lithauen bis Warschau (wie nach Preussen
und Schlesien); Diplotaxis tenuifolia, auf die Prov. Radom beschränkt
(Veg. Linie von Dresden); Dianthus arenarius bei Warschau; Silene
tatarica in der Prov. Flock; tiypsophila fasligiala bei Warschau; Li-
num flavum, von Lemberg bis in die Provinz Lublin verbreitet, (Word-
grenze) : Euphorbia angulata , in der Prov. Augustowo von Lithauen
aus eine nordwestbche Veg. Linie erreichend, die erst in Galizien und
Mähren wiederaufgenommen erscheint.
Evonymus verrucosus durch ganz Polen; Cytisus supinus, eben-
falls; Lembotropis nigricans , nur in Kadom (Veg. Linie von Sachsen
nach Lithauen); Spiraea Aruncus und Prunus chamaecerasus in den
drei südlichen Provinzen ; Sempervivum hirtum, von Lithauen bis in die
östlichen Provinzen Augustowo und Lublin verbreitet; Eryngium pla-
num durch ganz Polen ; Chaerophyllum aromaticum ebenfalls ; Peuce-
danum alsaticum geht von Galizien in die Prov. Lublin.
Linnaea borealis in der Prov. Augustowo ; Galium vernum auf
Badom beschränkt (Veg. Linie von Schlesien nach Lithauen) ; Succisa
australis (Syu. Scab. inflexa Kluk) von Lithauen bis Masovien verbrei-
tet; Linosyris vulgaris in Lublin (Veg. Linie von Schlesien); Inula en-
sifolia, von Galizien bis Radom und Lublin vordringend (nordwestliche
Veg. Linie von Mähren); Senecio vernalis durch Polen verbreitet (Veg.
Linie von Schlesien oder Galizien nach LieÜund) ; Cirsium rivulare, all-
gemein , ansserdem noch eine zweite östliche Art , die näher zu be-
gründen ist; Adenophora lilifolia und Campanula sibirica; Cassandra
calyculata, von Preussen durch Augustowo nach Lithauen gehend..
Polemonium coeruleum von Preussen nach Augustowo verbrei-
tet; Cerinthe minor in Lublin (Veg. Linie von Schlesien nach Volhy-
296 Grisebach: Bericht üb. d. Leistungen in d. geographischen
nien) ; Dracoephalum Ruyschiana von Preussen und Lithauen durch Po«
len verbreitet.
Malaxis monophyllos geht von Preussen nach Augustowo; To-
fieldia palustris; Hierochloe australis durch die Prov. Masovien, Plock
und Augustowo, also die an das preussische Areal grenzenden Bezirke.
In Ebel's Schrift über die geographische Naturkunde
von Island i') ist die botanische Abtheilung nach den Quel-
len bearbeitet worden. Der Verf. unterscheidet drei Pflan-
zenregionen: a) 0 — 1500', charakterisirt durch Betula alba;
b) 1500'— 2500' mit Betula nana ; c) 2500'— Schneegrenze :
Ranunculus nivalis und glacialis, Saxifraga nivalis (S. 221.).
Neue Thatsachen oder eigenthümliche Gesichtspunkte finden
sich in dieser zu didaktischen Zwecken entworfenen Dar-
stellung nicht. Die grössere Fruchtbarkeit und dichtere Be-
völkerung der Nordseite Island's sucht E. dadurch zu erklä-
ren, dass die Meridianrichtung der Thäler der Sonne gros-
sen Einfluss gestatte und den Nachtheil der nördlichen Lage
ausgleiche: dann müssten die mittleren Wärmen höher sein
als sie sind und es bedarf nicht einer gesteigerten Insola-
tion, um in diesem Klima üppige Wiesen zu erzeugen, wenn
die plastische Gestaltung des Bodens ihrer Vegetation Vor-
schub leistet.
S y m e ' ^^ besuchte im Jahr 1849 die Orkney - Inseln
und berichtete in der Edinburgher botanischen Gesellschaft
über die daselbst beobachteten Pflanzen. Die Einförmigkeit
der Flora erklärt er aus dem einfachen geognostischen Bau,
der niedrigen Sommerlemperatur, den unaufhörlich stürmen-
den Winden und aus der ebenen Oberfläche der Inseln, die
daher grossentheils mit Torfmooren bedeckt sind.
Woods *3) hat ein Werk für reisende Engländer her-
ausgegeben, worin die Gefässpflanzen der britischen Inseln,
Frankreichs, Deutschlands, der Schweiz und Italiens in suc-
cincter Form beschrieben sind und dessen Ausführung in
englischen Journalen belobt wird.
Von Hooker's britischer Flora erschien, unter Theil-
nahme Walk er- Arno tt's, die sechste Auflage »'*^). — Miss
Kirby schrieb eine Flora von Laicestershire ^^). — Babing-
ton bearbeitete die britischen Charen *6-)^ Berkeley *0
fuhr fort sich mit der britischen Mykologie zu beschäftigen.
und systematischen Botanik wahrend des Jahres 1850. 297
Auf Veranlassung des niederländischen Vereins für Er-
forschung der Landesflora wurde von v. d. Bosch einPro-
dromus Florae batavae '^) herausgegeben und von ihm, so
wie von anderen Mitgliedern, die Untersuchungen über kri-
tische Pflanzen der Niederlande fortgesetzt ^9) : monographisch
bearbeitet sind namentlich die Hieracien und Potamogetonen.
Auch setzte v. d. B o s c h seine Untersuchungen über die hol-
ländischen Algen fort -o).
Die allgemeinen Werke über die deutsche Flora 2i_24)
von Reichenbach, Nees, Lincke, Dieterich wur-
den fortgesetzt : ebenso Rabenhorst's Sammlungen getrock-
neter, deutscher Kryptogamen -'—-').
Mit der Herausgabe deutscher Lokalfloren und systema-
tischer oder topographischer Beiträge im Gebiete der deut-
schen Flora beschäftigten sich : in Preussen 283 mehrere Mit-
arbeiter an den dortigen Provinzialblättern ; in Posen =9)
Ritschi; in Schlesien 3o__3ij y. Flotow, Wimmer und
andere Mitglieder der schlesischen Gesellschaft; in Pommern ^^^
Munter; in Mecklenburg '-^— ^^) Betcke, Fiedler; in
der Mark*=*} Itzigsohn; in Sachsen 36) Andrae; in Thü-
ringen 37_40) Schönheit, Bogenhard, Georges,
Emmrich; in Hessen ^>— ^»^ Meurer, Hoffmann; im
Rheinland ^^ — ^6) Wirtgen, F. Schultz; in Würtem-
berg^" — *^) Lechler, Finckh, Calw er; in Baiern ^9 — 52^
v. Strauss, Schenk, Schnizlein, Caflisch; in Böh-
men '''') 0 r t m an n; in Oesterreich '"^ — ^^-^ Schiedermayer,
Sauter, Schlagintweit; in Steiermark ^") Gassner.
Von neuen Pflanzen im Gebiete der deutschen Flora sind zu er--
wähnen: Sculellaria Columnae All., vonBurkhardt auf dem Rugard,
einer Anhöhe der Insel Rügen, gefunden (Regensb. Fl. 1850. S. 561.);
Sclerochloa procumbens , bei Rostock von Roeper entdeckt (des.
S. 646.).
Von J. A. Schmidt ''ß) erhielten wir eine Mittheilung
über einige pflanzengeographische Gesichtspunkte , auf wel-
che sich seine Beobachtungen in verschiedenen Gegenden
Deutschlands und der Schweiz richteten. Er zeigt, dass die
sporadischen Standorte, an denen gegenwärtig Ruta graveo-
lens und Hyssopus officinalis in Deutschland wildwachsend
gefunden werden, nicht aus einer Ansiedelung von kultivirten
298 Grisebach: Bericht üb. d. Leistungen in d. geographischen
Stammeltern hervorgingen, sondern dass sie die Ueberbleibsel
einer früher allgemeinen Verbreitung dieser Gewächse wa-
ren, indem er bei Bock, Rupp u. A. findet, dass zu deren
Zeiten das Areal derselben etwa dasselbe gewesen sei, wie
das jetzige von Dictamnus albus (S. 7.). Besonders gefesselt
wurde die Aufmerksamkeit des Verf. durch Standorte, die
sich durch die bedeutende Anzahl eigenthümlicher , seltener
Arten von ihren Umgebungen scharf unterschieden und die
er für Vegetationscentren ansprechen möchte: als Beispiele
charakterisirt er den Badenstein bei Witzenhausen in Nieder-
hessen (S. 23.), so wie die Rheinebene zwischen Speier und
Bingen (S. 24.). Um wirklich als Vegetationscentren gelten
zu können, fehlt diesen Oertlichkeiten das einzige Kriterium,
welches die Ausgangspunkte der Schöpfungen uns erkennen
lässt , nämlich die Existenz endemischer Arten : wo diese
fehlen, haben wir kein Recht, den oft fast wunderbaren Reich-
Ihum an Seltenheiten auf beschränkten Standorten durch an-
dere Faktoren zu erklären, als durch ein begünstigendes Lo-
kalklima und durch die Eigenthümlichkeiten der Gestaltung
und Mischung des Bodens, die sowohl die Wanderungen zu
begünstigen als die einmal angesiedelten Arten zu fesseln
vermögen. — Aus einem Verzeichniss der süddeutschen Ge-
birgspflanzen. die in dem norddeutschen Tieüande wieder-
kehren (S. 42—45.) hebe ich folgende aulTallendere und sicher
gestellte Beispiele heraus (mehrere sind hingegen zu berich-
tigen oder anders zu erklären).
Swertia perennis. Ratzeburg bis Pommern.
Primula farinosa. Lauenburg bis Ostpreussen.
Empetrum nigrum. (Im Schwarzwald Gebirgspflanze).
Hippophae rhamnoides. Ostfriesland bis Rügen.
Salix nigricans. Hamburg , Ostpreussen.
Betula humilis. Mecklenburg — Ostpreussen.
Scirpus caespitosus.
Eriophorum alpinum. Ostfriesland ~ Ostpreussen.
Calamagrostis Halleriana. Ostfriesland — Mecklenburg.
Munter ^•) bemerkte, dass in den Torfmooren die ver-
schiedenen Pflanzenfamilien, wie auf anderen Standorten, un-
gleichmässig vertreten seien, und dass daher die Eintheilung
derselben in Waldmoore, Hochmoore und V/iesenmoore nicht
und systematischen Botanik während des Jahres 1850. 299
ausreiche. Insofern ich bei meiner Arbeit über die Torfbil-
dung diese aus den technischen Werken hervorgegangene
Klassifikation aufnahm , so muss ich zwar der ersteren Be-
merkung beistimmen, aber doch entgegnen, dass die Torf-
moore, bei aller Mannichfaltigkeit im Einzelnen, doch nur die
Pflanzenformalionen abspiegeln, aus denen sie entstanden
sind, und dies sind eben Wälder oder Ericeen-Sümpfe oder
Wiesen.
Aldrovanda, die kürzlich auch auf ihrer Vegetationslinie
in Tyrol bei Botzen entdeckt worden ist, war in Oberschle-
sien (vergl. meine Vegetationslinien des nordwestl. Deutschi.
S. 11.) wieder verschwunden, indem der See, der sie be-
herbergte, in Kulturland war verwandelt worden ; nun ist sie
aber auf einem äusserst beschränkten Areal bei Czorkow im
Fürstenthum Pless (50» N. Br.) wieder aufgefunden und von
Hausleutner, dem ersten Entdecker, ihr Vorkommen ge-
nau beschrieben (Bot. Zeit. 8. S. 600. u. 9. S. 301.).
Bogenhard ^8) hat seiner Flora von Jena eine aus-
führliche Darstellung der pflanzengeographischen Verhältnisse
beigefügt (S. 1 — 132.): die meisten Gesichtspunkte berück-
sichtigt er und erläutert sie durch umfassende Pflanzenver-
zeichnisse, nur die Vegetationslinien nicht. Bemerkenswerlh
ist, jedoch wohl nur Folge der Terraingestallung und der
Bodenkultur, dass über 100 Arten (S. 52.) dem Muschelkalk
des Saalethals angehören, die dem westlich gelegenen, aus
derselben Formation gebildeten Gebiete der lim , der soge-
nannten llmplatte von Weimar fehlen, welche dagegen 26
Arten vor jenen voraus hat. — Von allgemeinem Intresse
sind die Untersuchungen des Verf. über den chemischen Ein-
fluss des Substrats auf die Verbreitung der Pflanzen , deren
Ergebniss die Ansichten Thurmann's (s. vor. Bericht) auf*s
Neue zu widerlegen geeignet ist (S. 110—122.). Er traf
z. B. das kalkstete Cypripedium häufig auf dem Thonschiefer
zu Ochtendung bei Koblenz an, ebenso Isatis tinctoria, auch
auf Sandsteinen und Porphyren Erysimum crepidifolium und
fand bei der chemischen Analyse in allen diesen Gesteinen
einen bedeutenden Kalkgehalt. Bei dem bekannten Gegen-
satze der Veg-etation des Muschelkalks und bunten Sandsteins
in Thüringen verweilend, bemerkt er sehr richtig, dass die-
300 Grisebach: ßericht üb. d. Leistungen in d. geographischen
jenigen, welche dieses Verhältniss aus den physikalischen
Eigenschaften des Bodens erklären wollen, schon durch die
Thatsache widerlegt werden , dass „die thonreichen bunten
Mergel, denen doch so ausgezeichnete physikalische Eigen-
schaften zukommen, eine zwar sehr üppige, aber keineswegs
eigenthümliche Vegetation darbieten« (S. 1 11.)- Bei Jena
kommen mehrere Kieselpflanzen auf der Kalkformation vor,
z. B. Vaccinium Myrtillus und Calluna: wo dieses der Fall
war, enthielt der Muschelkalk beträchtliche Mengen von Kie-
selerde, theils „im amorphen Zustande , theils als Kieselsand
mehr oder minder fein zertheilt« (S. 112.)-
In das Verzeichniss der „ausschliesslich im Gebiete von Jena, nicht
in den übrigen Theilen des Thüringer Bassins« (S. 58.) vorkommenden
Pflanzen sind mehrere aufgenommen, welche auch im nördlichen Thü-
ringen, z. B. in der Gegend von Nordhausen wachsen, andere sind als
Flüchtlinge der Kultur anzusehen. Ich stelle aus diesem Verzeichnisse
diejenigen Arten zusammen , die hier eine Vegetationslinie zu errei-
chen scheinen ; Helleborus feotidus im Elsterthale, Sisymbrium austria-
cum, Moehringia muscosa, Potentilla micrantha, Cerinthe minor, Me-
lissa Calamintha , Euphorbia segelalis , Quercus pubescens (mehrere
Sträucher auf dem Kunitzberge gegen Lamsan) , Gymnadenia odoratis-
sima, Himantoglossum hircinum , Ophrys aranifera, Tofieldia calyculala,
Sclcropoa rigida. — Von diesen giebt Georges (39.) Himantoglos-
sum am Seeberge bei Gotha und Ophrys aranifera am Tennenberg bei
Waltershausen an.
Als charakteristische Pflanzen des Thüringer W^aldes werden u.a.
genannt (S. 61.): Ranunculus aconitifolius, Aconitum variegatum und
neomonlanum , Viola biflora, Archangelica officinalis, ImperatoriaOslru-
tbium, Cineraria crispa bei Suhl, Sonchus alpinus, Lonicera nigra, Ru-
mex arifolius, Eriophorum alpinum.
Schenk ^^') sprach sich ebenfalls für den Einfiuss der
chemischen Zusammensetzung des Bodens auf die Vertheilung
der Pflanzen in Unterfranken aus. So finden sich , um nur
eine der bemerkenswerthesten unter seinen Beobachtungen
zu erwähnen, auf den Phonolithen der Bhön die kalksteten
Hieracium Schmidtii, Dianthus caesius und Vincetoxicum ne-
ben den Kieselpflanzen Arabis Thaliana und Polypodium vul-
gare (S. 215.), weil die Verwitterung jenes vulkanischen Ge-
steins sowohl Kalk als Kieselerde frei macht. — Auf die kli-
matischen Vegetationslinien in Unterfranken eingehend, fand
der Verf. indem milderen Klima des geschützten und tief
und systematischen Botanik wälirend des Jahres 1850. 301
gelegenen Mainlhals die Ursache, weshalb hier mehrere west-
liche Pflanzen nach Osten und eine grössere Anzahl von öst-
lichen Arten westwärts weiter vorgerückt erscheinen, als in
anderen Thälern des Gebiets. — Die Nachträge zu S.'s Flora
von Würzburg (s. Jahresb. f. 1848.), 23 neu aufgefundene
Pflanzen, wurden genau nach ihren Verbreitungsgesetzen er-
örtert. So erklärt S. sinnreich , weshalb ßryonia alba vom
Steigerwald bis Kitzingen verbreitet, das Mainthal bei Würz-
burg nicht mehr erreiche, dadurch, dass die Vegetationszeit
von 6, 8 Monaten ihr hier zu lang werde: denn diese Pflanze
sei durch eine südwestliche Vegetationslinie begrenzt, wo-
durch die raschen Phasen des nordöstlichen Klima's ausge-
drückt sind, andererseits reiche sie an eine nordwestliche
Linie, die von Ostfriesland nach Südschweden läuft, und wor-
aus S. folgert, dass, wenn, wie in London, die mittl. Wärme des
wärmsten Monats auf 17^,4 C. sinkt, dieselbe nicht mehr ge-
deihen könne.
Zu den wichtigsten Novitien der Flora des nördlichen Baiern ,
die in S.'s interessanter Abhandlung vorkommen, gehören folgende:
a. Im Gebiete von Würzburg: Erucastrum Follichii, Anthemis au-
striaca, Gentiana lutea, Scrofularia r^eesii.
b. An der östlichen Seite des Steigerwalds bei Burgwindheim :
Cirsium canum.
c. Sodann werden 66 Arten erörtert, die in Unterfranken vor-
kommen, ohne in das Gebiet von Würzburg zu gehören. Von früher
(Jahresb. f. 1848. S. 11.) nicht erwähnten Rhön -Pflanzen finden sich
hier : Aconitum varirgatum, Cochlearia officinalis var. pyrenaica , Cm-
petrum, Sedum Fabaria, Anthriscus sylvestris var. alpestris, Chaerophyl-
lum hirsutum , Mulgedium alpinum am Eierhaug, Crepis succisifolia ,
Campanula latif'olia, Gentiana obtusifolia, Cynoglossum montanuni , Ve-
ronica montana , Peristylus albidus und viridis, Luzula maxima , Fe-
stuca heterophylla, Elymus europaeus. — Von Pflanzen des Steiger-
walds: Sagina subulata, Folemonium coeruleum, Epipogium Gmelini.
Schiedermayer ^^) schilderte den Charakter der Ve-
getation in der Umgegend von Linz.
Die granitischen südlichen Abdachungen des Böhmer Waldes sind
von Nadelwäldern bedeckt, Pinus Abies ist vorherrschend, vereinzelt P.
Picea, gruppenweise P. sylvestris ihr beigemischt. Die Wiesenthäler gehen
aufwärts in Torfmoore über und in deren höherem Niveau nimmt der
Tannenwald subalpine Beslandlheile auf, wie Rosa alpina, Lonicera ni-
gra, Alnus viridis, die ofl'enen Abhänge Willemetia, Cineraria rivularif.
302 Grise'bach: Bericht üb. d. Leistuögen in d. geographischen
Homogyne alpina, Soldanella montana, Veratrun» album, Eriophoruiii al-
pinuni. — Die Tertiärhiigel an der Südscilc der Donau, wie die Wei-
ser Halde, ein Ausläufer des Hausruck's , sind wenig bewaldet: hier
überwiegt Pinus Picea, stellenweise kommen lichte Laubgehölze von
Buchen und Eichen vor. Der Traun führt Alpenflanzen herbei wie die
Isar. — Unter den Kalkflanzen der Gegend von Linz hönnen als cha-
rakteristisch bezeichnet werden: Alsine Jacquini, Linum alpinum, Cy-
lisus biflorus, Astragalus Onobrychis, Buphthalmum salicifolium, Carpe-
sium cernuum, Leontodon incanus, Erica carnea, Cyclamen europaeura,
Acioos alpinus, Ophrys aranifera, Malaxis monophyllos, Carex alba und
Michelii, Andropogon Ischaemum.
Schlag-intweit's Untersuchung-en über die pflanzen-
geographischen Verhältnisse der Alpen ^^) gehören zu den be-
deutendsten Erscheinungen des verflossenen Jahrs : sie sind
von einer beträchtlichen Anzahl von Messungen der Vegeta-
tionsgrenzen in den nördlichen Kalkalpen und in der deut-
schen Centralalpenkette begleitet (S. 476— 498.). Die Un-
regelmässigkeit dieser Werthe , die mannichfachen , jedoch
nach dem Umfange ihrer Wirkung -zu unterscheidenden Ur-
sachen dieser Schwankungen werden richtig gewürdigt. Sieht
man ab von dem Einfluss der geographischen Lage, welche
die Pflanzengrenzen der Alpen in südlicher und südwestlicher
Richtung erhebt, so folgt als zweites Moment die plastische
Gestaltung der einzelnen Gebirgsgruppen, die bald durch ihre
massenhafte Wölbung, durch die hohe Lage ihrer Thäler dem
Plateauklima sich annähern, bald als vereinzelte, zerrissene,
durch jähe Abgründe geschiedene Gipfel der Sonne wenig er-
wärmungsfähigen Stoff" darbieten und daher in ihrer Wärme-
abnahme der athmosphärischen Luft gleichen, welche in ih-
rem Bereich einen so viel grösseren Raum einnimmt. Dies
ist Schl.'s erschöpfende Erklärung für die von Kasthofer zu-
erst nachgewiesene Elevation der Baumgrenze im Engadin ,
eine Erscheinung, die, wenn sie auch nicht überall ebenso
auff'allend hervortritt, doch für die ganze Centralkette der
Alpen geltend zu machen ist, wenn man diese mit der schrof-
fen Gestaltung der nördlichen Kalkalpen vergleicht.
Hieran reihen sich sodann die belcannteren , örtlichen
Einflüsse, namentlich die Exposition, wovon S. ebenfalls eine
trefl'ende Darstellung giebt, v/ährend er eine früher ausge-
sprochene Ansicht später aufgegeben zu haben scheint. Er
und systematischen Botanik während des Jahres 1850. 303
hatte nämlich in einer Abhandlung über die Isogeothermen
der Alpen (Poggendorfs Annalen Bd. 77.) den Salz aufge-
stellt, dass die Quellen der Thäler bei gleicher Höhe wärmer
seien, als an Abhängen, und dass die Vegetationsgrenzen
diesen Unterschied gleichfalls erkennen Hessen. Diese Dar-
stellung der Quellenwärnie ist in dem elften Abschnitt des
vorliegenden Werkes unverändert aufgenommen ( S. 268. ).
Hiegegen trat Sendtner (Regensb. Fl. f. 1850. S. 97—103.)
auf und zeigte überzeugend und auf eine grössere Anzahl
von Beobachtungen sich stützend, dass diese zu dem entge-
gengesetzten Schlüsse führten. Was die Quellentemperaturen
betrifft , so sollte es jetzt, wo man weiss , dass sie nur ein
Ausdruck für die Tiefe und Gestalt des unterirdischen Quel-
ienrohrs sind , allgemein anerkannt werden , wie wenig sie
sich eignen , zu klimatischen Bestimmungen zu dienen , und
wie man richtige Isogeothermen, die nur aus direkten Mes-
sungen der Bodenwärme oder vielleicht auch aus der Tem-
peratur der Bäume abzuleiten sind, auf jenem Wege nicht
erhält: eine einzige heisse Quelle würde zu einem falschen,
arithmetischen Mittel führen und eine Grenze zwischen Ther-
men und gewöhnlichen Quellen giebt es nicht. Aber nicht
bloss von den Quellen, sondern auch von den Pflanzen be-
hauptet Sendtner, dass die Exposition in Thälern oder an
Gehängen sie mit einem constanten Werthe afficire , indem
er den nicht minder auffallenden Satz aufstellt, dass die Ve-
getationsgrenzen in den Thälern zurückweichen , „sogar in
solchen, die ihre Richtung direkt nach Süden haben, wie im
oberen Lechthale das Thal von Holzgau nach Obermädele«:
er wundert sich sogar, dass man eine so bekannte Sache
übersehen könne. Ich erinnere mich nicht, die Baumgrenze
an den Gehängen höher als im Thale gesehen zu haben, wo
nicht die plastische Gestalt des Querschnitts oder die Benutzungs-
weise des Thals dieser Erscheinung zu Grunde lagen : so im
oberen Engadin , wo einzelne Bäume doch auch in den höch-
sten Theilen der Thalsohle vorzukommen scheinen. Ich muss
daher Schlagintweit völlig beistimmen, wenn er ohne seine
frühere Thesis zu berühren , späterhin sich dahin ausspricht
(S. 505.) , dass es bei Betrachtung der durch mannichfache
Einflüsse bedingten Unregelmässigkeiten kaum möglich scheine,
304 Grisebach: Bericht üb. d. Leistungen in d. geographischen
ein allgemeines Resultat für das Verhältniss zwischen der Ve-
getationsgrenze der Thalsohle und Abhänge zu erhalten.
Schi, bemerkt, dass der Einfluss der Exposition nicht
bei allen Pflanzen derselbe sei. Er bestätigt die Beobachtung
Kasthofer's, dass Pinus Cembra häufig an den nördlichen Ab-
hängen höher aufsteige, als an den südlichen (S. 504.). Nach
dem Maassstabe der mittleren Wärme steigt die Buche in den
nördlichen Alpen höher, als in der Centralkette (S. 509.).
Um solche Anomalien zu erklären, ist die Vertheilung der
mittleren Wärme, wie der Verf. selbst bemerkt, von unterge-
ordneter Bedeutung, allein er scheint der Bodenwärme einen
viel zu grossen Einfluss einzuräumen, deren Werthe, so we-
nig wir auch von dem Gesetze ihrer Abnahme in vertika-
ler Richtung wissen , doch im Allgemeinen von den Rich-
tungen der Isothermen wenig abweichen. So schreibt Schi,
der Coniferengrenze eine Bodentemperatur von 3'^,5 C. zu
(S. 268. 510.): aber nicht mittlere Werthe, die das Resultat
der mannichfaltigsten klimatischen Faktoren sind, gewähren
wahre Einsicht in die Bedingungen der Baumvegetation, son-
dern der Nachweis des Zusammenhangs zwischen bestimm-
ten klimatischen Aenderungen und den Anomalien der Vege-
lationsgrenzen. H. Schlagintweit hat sich, auf ein umfassen-
des Quellenstudium gestützt, der Arbeit unterzogen, die Iso-
thermen der Alpen für jedes Niveau zu bestimmen (Cap. 13.
Taf. 8.) : so gross das Verdienst ist, welches er sich durch
diesen ersten und glücklich ausgeführten Versuch um die
Klimatologie der Alpen erworben hat, so kann doch die Pflan-
zengeographie aus solchen Untersuchungen nur wenig Nutzen
ziehen. Seit ich gezeigt habe (Jahresb. f. 1847.), dass die
Vegetationslinie der Ebenen des nördlichen Europa's von den
beiden Temperaturextremen , der Dauer der Vegetationszeil
und von Werthen bedingt werden, die der geographischen
Breite entsprechen, entsteht die Aufgabe, für die Höhengren-
zen eines Gebirges ebenfalls die beiden ersten Klassen der ge-
nannten klimatischen Werthe zu benutzen und die jeder ei-
genthümlichen Wirkungen zu sondern : nach dieser Methode
wird es vielleicht möglich sein, solche Abweichungen zu er-
klären , wie sie bei der vertikalen Verbreitung der Zirbelkie-
fer und der Buche in den Alpen bemerkt wurden.
und systematischen Botanik wählend des Jahres 1850.
305
Schi, hat nicht bloss seine eigene Messungen von Pflan-
zengrenzen in den Alpen mitgetheilt , sondern auch für die
wichtigsten derselben das in der Literatur vorhandene Ma-
terial bearbeitet, um daraus mittlere Werthe für die verschie-
denen Abtheilungen des Alpensystems zu erhalten. Wiewohl
die Messungen in der südlichen Alpenkettc noch immer sehr
lückenhaft sind, so können doch die von dem Verf. ermit-
telten Werthe für die Centralalpen einen weit höheren Grad
von Schärfe in Anspruch nehmen, als alle früheren, auf'ein-
zelne Gegenden eingeschränkten Bestimmungen. Diese mitt-
leren Werthe (S. 506.) sind in Pariser Füssen ausgedrückt,
folgende :
Die extremen Niveau's, bis zu welchen die Baumgrenze
der Alpen sich erhebt, liegen 500' über jenem mittleren Wer-
the. Man sieht, dass die Ergebnisse von Schi. 's Untersuchung
für die nördlichen Alpen mit denen Wahlenberg's genau
übereinstimmen : nur dass dieser die Buchengrenze um 200'
tiefer annahm. Diese Uebereinstimmung ist nicht bloss ein
neuer Beweis für Wahlenberg's Umsicht und Genauigkeit,
sondern zeigt auch, bis zu welchem Grade der Schärfe die
Regionen der nördlichen Alpen festgestellt sind.
Schi, beschäftigte sich auch mit Untersuchungen über
den Einfluss des Niveau's auf die Vegetationsphasen und auf
die Dicke der Jahresringe bei den Holzgewächsen. Die Dauer
der Vegetationszeit beträgt nach ihm zwischen 7000' und
8000' 95 Tage, die Verzögerung der Entwickelungszeiten auf
Archiv f. Naturgescb. XVU. Jftbrg. 2. Bd. U
306 Girisebach: Bericht üb. d. LeistuDgeii in d. geographischen
1000' Erhebung durchschnitllich 11 Tage (S. 559.). Die
mehrfach von mir behauptete Thatsache , dass die Vegeta-
tionsphasen nicht von der Summe vorausgegangener Wär-
megrade oder von deren Quadraten , sondern von dem Ein-
tritt bestimmter Temperaturgrade abhängen, scheint in den
Beobachtungen des Verf. eine neue Bestätigung- zu finden.
In dem letzten Abschnitte, der die Vegetationsverhält-
nisse des oberen Möllthals am Glockner behandelt, findet sich
ein Verzeichniss aller Pflanzen , die daselbst über dem Ni-
veau von 7000' vorkommen: darunter 44 Arten von Laub-
moosen ; Lebermoose sind nicht erwähnt, von Lichenen die Aus-
beute vom höchsten Gipfel des Glockners, welche von Flotow
bestimmt hat.
Reissenberger ^o) bestimmte mehrere Pflanzengren-
zen in den Karpaten von Siebenbürgen, und zwar in der
südlichen Kette, welche an der Grenze Siebenbürgens mit der
Walachei verläuft. Diese Messungen, in Wiener Füssen aus-
gedrückt, sind (mit Reduktion der Decimalen und der ZijBPern
unter 10) :
Obere Grenze des hochstämmigen Laubholzes (meist
aus Fagus gebildet) : am Pareny 4550' (Nordwestabhang), am
Fromoasa 4440', am Präschbe 4l00', am Surul 4060', am
Burkatsch 4060', am Negoi 3950', am Vunetura 3930', am
Albin 4070'! Hieraus ergiebt sich als arithmetisches Mittel
für die Buchengrenze = 4145'.
Obere Grenze des hochstämmigen Nadelholzes (Pinus
Abies) : am Retjezat 5670' (Nordwestabhang), Fromoasa 5870',
Djalu-Stirpu 5750'. Das Mittel beträgt = 5764' und es ver-
halten sich demnach die Baumgrenzen der südlichen Karpa-
ten denen der nördlichen Alpen ganz ähnlich, die Buchen-
grenze liegt höher, als nach der im vorigen Jahresberichte
enthaltenen Auseinandersetzung (S. 33.), nach Maassgabe der
in Bosnien gefundenen Werthe zu erwarten war. Diese Ano-
malie erklärt sich vielleicht aus der Plateauhöhe der Ebenen,
welche an die nördliche Basis der siebenbürgischen Karpaten
sich anschliessen: ist diese Ansicht begründet, so würden
in der Walachei die Pflanzengrenzen etwas niedriger liegen
iriüssen.
' Von Fuss und von Schur wurden Beiträge zur Flora
und systematischen Botanik wäiirend des Jahres 1850. 307
von Siebenbürgen bekannt gemacht *^') ^'2): diese Pflanzenfor-
scher entwickeln eine bedeutende Thätigkeit in der botanischen
Erforschung eines Gebiets, welches durch Baunigarten nur sehr
unvollständig bekannt geworden war, indem dessen Flora an
Ungenauigkeiten in der Bestimmung der Arten in hohem Masse
leidet. Unter den vorliegenden Beobachtungen erwähne ich
als eine der wichtigsten die Entdeckung von Hepatica angu-
losa Lam. bei Kronstadt, deren Vaterland bis jetzt unbekannt
war ; Fuss beschrieb diese Pflanze als H. transsylvanica und
ist in Zweifel über die Identität beider Arten.
Beiträge zur Flora der Schweiz haben geliefert: Tr og^"^),
Perty (^^) , Höfle ^'0 , v. Fischer ^f'), Thurmann ^^^.
Höfle's Schrift über die Gegenden am Bodensee enthält aus-
ser einem kritischen Pflanzenkatalog auch Uebersichten der
Vegetation nach Pflanzenformationen und geographische Ver-
gleichungen
Martins ^ß) gab von seiner Arbeit über die klimato-
logische Eintheilung Frankreichs (s. Jahresb. f. 1844.) eine
populäre Darstellung: bei diesem Anlass widerlegte er die
Gründe, welche für die Meinung, das französische Klima habe
sich in historischer Zeit geändert, aus der Weinproduktion
in früheren Jahrhunderten geschöpft zu werden pflegen.
Von der trefflichen, französischen Flora, welche Gre-
nier und Godron herausgeben (Jahresb. f. 1848.) er-
schien die erste Hälfte des zweiten Bandes ^9) : die Sympe-
talen bis zum Schlüsse der Synanthereen enthaltend.
Cosson, Jordan und Desmazieres ^o — ^-) setzten
ihre Publikationen über französische Pflanzen (s. vor. Jahresb.)
fort. Billot ^^) begleitet seine empfehlungswerthen Herba-
rien ausgewählter Pflanzen Frankreichs und Deutschlands eben-
falls mit Beiträgen zur Systematik.
Französische Provinzialfloren '^ — ^6) publicirten Van-
damme von einem Bezirke im Dep. du Nord, Kirsch le-
ger vom Elsass, Hardouin u. A. vom Dep. Calvados.
Fahre ^0 liat bei Agde an der Küste von Languedoc
ein grosses, gesellig wachsendes, und doch bisher übersehe-
nes Dünengras entdeckt, welches er Spartina ver$icolor nennt.
VVillkomni's briefliche Millheilungen ^^3 während sei-
ner letzten botanischen Reise in Spanien, die er im J. 18ö0.
308 Grifiebach: Bericht üb. d. Leistungen in d. geographischen
unternahm, beziehen sich auf die baskischen Provinzen und
Oberarragonien. Die gewählte Form der Publikation hat den
Nachtheil, dass die Natureindrücke, die hier, kaum empfan-
gen, sogleich dem Drucke übergeben wurden , sich während
der Reise oftmals verändern und erst allmählich Sicherheit
gewinnen. Jeder Reisende wird diese Bemerkung bei der
Durchsicht des geführten Tagebuches gemacht haben und auch
hier finden wir in den ersten Briefen mehrere bemerkens-
werthe Irrthümer. So wird behauptet (S. 509.) , dass „nach
wiederholten Untersuchungen" in dem Litoral der baskischen
Provinzen die Cistineen östlich von Bilbao gänzlich fehlen
sollen, was mir gleich auffiel, weil ich in demselben Jahre
Cistus saivifolius an der Küste von Bayonne gesehen hatte
und es dieselbe Art ist, welche W. bei Bilbao, aber nur west-
lich von dem dortigen Meerbusen antraf: späterhin nimmt er
von seiner Beobachtung wenigstens Helianthemum aus (S. 622.)
und endlich (S. 650.) wird dann auch Cistus saivifolius im
Innern der Provinz Biscaja erwähnt. Ebenso verhält es sich
mit den Coniferen, von denen der Wachholderstrauch ihm der
einzige Repräsentant in den baskischeu Provinzen zu sein
schien (ß. 509.), eine Beobachtung, die ebenfalls durch ein
Fichtengehölz bei Hernani (S. 656.) späterhin wieder aufge-
hoben wird. Nicht minder irrthümlich ist die Bemerkung
(S. 510.), dass die Korkeiche der Gascogne wahrscheinlich
nicht die spanische Quercus Suber sei, sondern Q. Hex sube-
rosa (d. h. die Korkeiche Dalmatiens) : da der Handelswerth
des Korks beider Eichen verschieden ist und die spanische
Korkeiche ein bei Weitem vorzüglicheres Produkt liefert, so
ist es von Interesse, was ich schon im vorigen Jahresbericht
andeutete (das. S. 27,), dass die von mir bei Dax gesam-
melten, blatttragenden Zweige der in der Gascogne im Gros-
sen kultivirten Eiche genau mit denen übereinstimmen, wel-
che Bartling im südlichen Roussillon beobachtete, d. h. mit der
katalonischen Korkeiche, die von der dalmatischen völlig ver-
schieden ist. Auch erregt es einiges Bedenken gegen die
Schärfe in den Beobachtungen W.'s, wenn er (S. 506) vom
Roussillon behauptet, dass in dieser zwar südlicher als die
Provence gelegenen , aber durch die Pyrenäen von Spanien
abgesonderten Landschaft „die Vegetation viel mehr Ver-
und systematischen Botanik wahrend des Jahres 1850. 309
wandtschaft mit der von Mitteleuropa , als mit der Flora des
Mittelmeerbeckens habe« : denn es ist bekannt, dass eben
nirgends im südlichen Frankreich der Charakter mediterra-
ner Vegetation schärfer und allgemeiner ausgesprochen ist,
als hier, wo zahlreiche spanische Gewächse, die der Pro-
vence fehlen , zuerst auftreten und südliche Formen bis zu
bedeutenden Höhen in den Pyrenäenthälern aufsteigen.
Wenn diese kritischen Einwendungen gegen W.'s Rei-
seberichte nothwendig schienen , um die zurückhaltende und
scheinbar lückenhafte Benutzung seiner übrigens werthvollen
und ein bisher unerforscht gebliebenes Gebiet aufklärenden
Mittheilungen zu begründen, so soll damit dem Vorzuge sei-
ner Darstellung, seiner lebendigen Naturauffassung, die er
hier ebenso wie auf früheren Reisen bewährt hat, die gebüh-
rende Anerkennung nicht versagt werden. Sein Itinerar, so
weit es im Jahr 1850 publicirt wurde, ist folgendes: im Mai
ging er, dem Litorale von Guipuzcoa und Biscaja folgend,
von Irun nach Bilbao , besuchte von hier aus die westlich
gelegenen Thäler der Encartaciones und bestieg im Süden
von Biscaja eine der höchsten Gruppen der cantabrischen
Kette, die Pena Gorbea, ein auf 5000' geschätztes, von phan-
tastischen Felsmassen übersäetes Kalkgebirge, wo bereits ei-
nige alpine Pflanzenformen vorkommen; im Junius wendete
sich W. von Irun aus durch das Thal der Bidassoa nach
Navarra und reiste von Pamplona nach Jaca in Ober-Arago-
nien, wo er mehrere Höhenpunkte in der aus der Nagelfluhe
des Montserrat gebildeten Gebirgskette untersuchte, welche
sich, den Pyrenäen parallel streichend, vom südlichen Ufer
des Aragon zu einer Höhe von mehr als 5000' erhebt.
Schroff stürtzt die Küste des baskischen Litorals zum
Golf von Biscaja ab , ein schmaler , den Seestürmen ausge-
setzter Landstreifen, der durch das breite und wilde, zu
5000' mittlerer Höhe ansteigende cantabrische Gebirge von
den heissen Ebenen des inneren Spaniens völlig abgesondert
wird (S. 506. ). Die nördlichen Abhänge dieser Kette sind
mit Laubwäldern oder Gebüschen bedeckt und lassen eine
untere Kastanien - und eine obere Buchen-Region unterschei-
den, welche beide zugleich Eichonarten in ihre Zusammen-
setzung aufnehmen (nach späteren Mittheilungen Qu. pedun-
310 Grjs&bach: Bericht üb. d. Leistungen in d. geographischen
ciilata in den unlern, Qu. Toza in beiden Regionen, ausser-
dem Qu. Hex). Das ganze Litoral ist ein romantisches Berg-
land, wo auf einer schwachen Erdkrume doch die Feuchtig-
keit des Klimas und der Ou^Henreichthum des Bodens eine
sehr üppige Vegetation mit Massen von Schlinggewächsen und
Farnkräutern entwickelt. Neben den Wäldern sind die herr-
schenden Pflanzenformationen Gesträuchdickichte, besonders
an den oberen Abhängen, meist, wie in der Gascogne, aus
Ulex und Eriken gebildet, doch werden auch Eichengebüsche
erwähnt (S. 636.)- Die Wiesen tragen durchaus den mittel-
europäischen Charakter und sind grösstentheils aus den Wie-
senpflanzen Deutschlands zusammengesetzt. — Die Flora ist
überhaupt dem Gebiete Mitteleurop's beizuordnen, die Reprä-
sentanten südlicher Formen scheinen nicht zahlreicher zu
sein, als in dem benachbarteu südwestlichen Frankreich: die
am entschiedensten hervortretenden sind unter den Kultur-
gewächscn Laurus, Cupressus, Ficus, unter den einheimischen
Quercus Hex , sodann Rhamnus Alaternus , Phillyrea media,
Arbulus ünedo, Erica arborea (nur einmal bemerkt S. 636.),
Serapias , Asphodekis albus , Smilax aspera , Arundo Donax.
Von charakteristischen Pflanzen des Westens werden häufig
genannt Daboecia polifolia und Lilhospermum proslratum, de-
ren Areal bekanntlich in die Gascogne reicht.
Eine schroff'e Vegetationsgrenze bildet der Kamm des
canlabrischen Gebirgs. Das Thal der Bidassoa, wo die Bu-
xus-Gebüsche der westlichen Pyrenäen anfangen die Haiden
des Litorals zu vertreten , führte den Reisenden aufwärts in
einen prächtigen Buchenwald, der bis auf die Höhe des Pas-
ses nach Navarra, den über 3000' geschätzten Puerto de Ve-
lala reicht, wo auch einzelne Birken vorkamen. Der südli-
che Abhang dagegen , der sich zu der 1400'— 1500' hohen,
oberen Terrasse von Navarra und zu den etwas tiefer gele-
genen Ebenen von Pamplona hinabsenkt, stellt eine kahle
Fläche mit südlichen Pflanzenformen dar; auf jenem Passe ist
der plötzliche Uebergang in das spanische Vegetationsgebiet
wahrzunehmen. Hier verliert sich der für das Litoral der
Bai von Biscaja so charakteristische Ulex und wird durch eine
dornige Genista ersetzt (S. 764.), die Buchsbaumgebüsche
sind vereinzelt, statt des gedrängten Buchenwalds finden sich
' UWd syslömatischen Botanik während des Jahres 1850. 311
nur spärliche Kiefern. Aber die Vegetation hat wenig- eig-enthüm-
liche Bestandtheile aufzuweisen , indem die Umg-egend von
Pamplona nur Weideländereien oder Culturfelder darbietet.
Das Thal von Jaca liegt am südlichen Fusse der Pyrenäen,
die Stadt, nach W.'s Messung, noch 2270' hoch. Südwärts
erhebt sich unmittelbar das Conglomeratgebirge, welches nur
durch eine Hochebene zwischen den Flüssen Aragon und
Gallego mit den Pyrenäen zusammenhängt. Diese südliche
Gebirgskette ist bis nahe an den Kamm des höchsten Gipfels,
den 5060' hohen Pena de Oroel, mit dichter Nadelwaldung
bedeckt, die abwärts bis zum Niveau von 3000' reicht und
hier in Gesträuchformationen von Buxus, Genista , Quercus
Hex und Hex Aquifolium übergeht. Die Fichte, welche die-
sen Wald bildet, ist nach W. die fast unbekannte Pinus py-
renaica, welche Lapeyrouse nur in einer einzigen, abgelege-
nen Gegend der Centralpyrenäen aufgefunden hatte, die kaum
irgend Jemand wieder gesehen und die daher, in dieser Ver-
breitungsweise durch Oberaragonien nachgewiesen, als eine
der wichtigsten Entdeckungen des Reisenden betrachtet wer-
den muss. Ausserdem charakterisirt noch ein anderer merk-
würdiger und der iberischen Halbinsel eigenthümlicher Baum
die Umgegend von Jaca, Vahl's Fraxinus angustifolia.
Colmeiro ^9) verfasste eine Schrift über die Flora
von Galicien: Willkomm, der sie gesehen und für unbedeu-r
tend erklärt hat (Bot. Zeit. 9. S. 129.), bemerkt, dass nach
der darin enthaltenen Schilderung der Physiognomie Galiciens
die Vegetation mit der der baskischen Provinzen für sehr
übereinstimmend zu halten sei.
Die oben erwähnte Publikation Cosson's ^o) enthält
neue Pflanzen aus der Flora von Korsika.
Pariatore ^o) begann die Herausgabe einer neuen ita-
lienischen Flora: in dem ersten Bande sind die Gräser, 351
Arten , mit ausgezeichneter Genauigkeit abgehandelt. — T e -
nore ^*) erläuterte die kritischen Acer -Arten Süditaliens
durch Abbildungen : im Ape«inn wächst A. Opalus Ait. , ein
von A. opalifolium Vill. verschiedener Baum, bei Neapel A.
neapolitanum Ten. und in Sicilien A. obtusatum Kit. (Syn. A.
neapolitanum Ten. partim). — Ball ^2) bemerkte, dass die
Veronica aphylla der apuanischen Apenninen eine besondere
312 Grigebach: Bericht üb. d. Leistungen in d. geographischen
Art sei, die er alsV. long-istyla beschrieben hat. — De No-
ta ris ^3) ^^) publicirte eine neue Dekade seiner Arbeit über
italienische Mikromyceten und lieferte noch mehrere andere
Beiträge zur Systematik der italienischen Kryptogamen. —
Rabenhorst ^^) gab den Anfang einer systematischen Ue-
bersicht der auf seiner italienischen Reise beobachteten Kry-
ptogamen, worin neue Arten beschrieben sind.
De Notaris ^ö) hat einen Katalog der ligurischen Flora
herausgegeben, Barbazita ^^ ein Verzeichniss der in der
Provinz Basilicata beobachteten Pflanzen.
In der reichhaltigen, 2158 Phanerogamen umfassenden Schrift von
De Notaris sind folgende Gewächse als neu beschrieben, von denen
er einige schon früher bekannt gemacht halle: Cylisus pumilus, Rubus
maritimus, Scabiosa mixta, Senecio Persoonii (S. incanus FI. ilal), Cam-
panula sabatia, Convolvulus dorycnioides, Heliotropium dolosum , Oro.
banche Satyrus , 0. caudata, Micromeria thymoides , Serapias neglecta,
Ornithogalum mutabile, Allium Gherardi, A. liguslicum , A. Cambiesii ,
A. densiflorum , A. Bertolonii , A. spectabile , Festuca inops, Bromus
speclabilis, Agropyrum Savignonii. — Barbazita beschrieb als neu
Seseli lucanum.
Paria tore s^) beschrieb seine botanische Reise nach
dem Montblanc. In dieser Schrift sind Messungen von Hö-
hengrenzen enthalten, die der Verf. am Südabhange des
Cramont, eines in der Allee blanche gelegenen, gegen 8500'
hohen Berges gewonnen hat. Die neu aufgestellte Oxytropis
Parvopassuae möchte nach der Beschreibung wohl mitO. Gau-
dini Bg. zusammenfallen.
Die Baumgrenze, von Larix gebildet, liegt am Cramont nach P.'s
Messung im Niveau von 2070"^ , luglans erreicht die Höhe des Dorfs
Pre S. Didier am Fusse des Gebirgs = 1000"^. Die Holzgewächse ,
deren vertikale Verbreitung am Cramont bestimmt wurde, sind;
bis 1477"^ Prunus Mahaleb , Rosa glandulosa , R. rubiginosa ,
Sorbus Aria, Hippophae rhamnoides.
bis 1700"^ Corylus Avellana, Berberis;
1007»" bis 1730"! (1750.) Juniperus nana;
1330"^ bis 1150^ (1700.) Juniperus Sabina;
1007*" bis 2000»^ Pinus Abies, P. sylvestris;
1007m bis 2070"^ Pinus Larix;
bis 2251'" Vaccinium Myrtillus;
bis 2547"^ Salix serpyllifolia Scop,;
bis 2587"^ Empetrum nigrum. >
und systematischen Botanik während des Jahres 1850. 313
Von folgenden Alpenflanzen wurde die untere Grenze gefunden:
bei 1701"^ von Canipanula barbata ;
bei 2070"! von Potentilla grandiflora , Alchemilla alpina, Seni-
pervivum arachnoideura, Saxifraga muscoides, Vero-
nica saxatilis;
bei 2251"^ von Geum montanum, Campanula Scheuchzeri, Po-
lygonum viviparum;
bei 2350"^ von Festuca violacea Gaud.
II. Asien.
Gr. Jaubert und S p a c h ^^9) setzten die orientalischen
Arten einiger Gramineen- Gattungen auseinander: diese Ar-
beit ist auch in ihr Kupferwerk über orientalische Pflanzen
(s. vor. Jahresb.) aufgenommen.
Koch 90) hat seine Flora des Orients (s. vor. Jahresb.)
fortgesetzt.
Fortgesetzte üebersicht der neuen Formen aus Armenien (A.) ,
Lasistan (L.) und Transkaukasien (T.): 30 Gentianeen mit 3 sp. Gen-
tiana, von denen 2 zu G. septemfida zu gehören scheinen (2 L., 1 T.),
1 Swerlie vom Kasbek; 10 Asclepiadeen m. 3 Vincetoxicum (2 T. , 1
von ßrussa) ; 3 Jasmina ; 11 üleaceen, darunter Fraxinus mille lacuum
K. (A.); 1. Styrax; 1 Diospyros; 1 Hex; 37 Primulaceen m. 4 Andro-
sace (2 L., 2 T.), 1 Primuia (T.); 2 Pinguiculae; 3 Pyrolae ; 10 Eri-
ceen ; 2 Vaccinia; 70 Campanulaceen m. 6 Canipanula (4 L. , 2 T.) ;
145 Cichoraeeen m. 1 Tolpis von Konstantinopel, 1 Podospermum (L.),
3 Tragopogon (2 T. , 1 L.) , 1 Picris (A.) , 3 Mulgedium (L.) , 2 La-
ctuca (T., L.), 1 Chondrilla (L.), 1 Taraxacum (L.), 1 Hieracium ohne
Standort, 1 Aracium (i.), 1 Lepicaune = Geracium (L.) , 3 ßarkhau-
sia) T., L, 1 von Konstantinopel) , 3 Crepis (iL., 1 vom Kaukasus , l
aus Bithynien) ; 1 Gundelia ; 6 Eupalorineen m. 1 Adenostyles (L.) ;
48 Asteroideen m. 2 Aster (IL., 1 ohne Standort) , 1 Pulicaria von
Konstantinopel, 1 Teiekia (L.).
In den Erläuterungen zuKoch's botanischer Karte der
Kaukasusländer ^0 hat der Verf. eine pflanzengeographische
Gliederung dieses Gebiets nach eigenthümlichen Ansichten
versucht, die jedoch auf der Karte selbst weniger hervortritt,
indem diese nach den herrschenden Formationen sehr an-
schaulich kolorirt sind. Statt nämlich das Areal in Floren-
gebiete und Regionen einzutheilen, linden wir hier zehn Areale
unter dem Namen von Regionen unterschieden, die, wie die
folgende Üebersicht derselben ergiebt, zum Theil nach kli-
matischen, zum Theil nach Verhältnissen der Bodenmischung
314 Grisebach: Bericht üb. d. Leistungen in d. geographischen
und in einigen Fällen nach einzelnen Pflanzenformen bestimmt
erscheinen, so dass es schwer hält, einen leitenden Grund-
satz bei dieser Methode zu erkennen.
1. R. der immergrünen Gesträuche: Litoral von Lasi-
stan bis zum Niveau von 5500' und Tiefebene gegen die Mün-
dung des Rion. Dies ist nicht etwa, wie man erwarten könnte,
der dier mediterranen Flora entsprechende Bestandtheil des
Gebiets , sondern der Verbreitungsbezirk des Rhododendron
ponticum , so dass die Buchenwälder zum Theil diesem Be-
zirke mitangehören. Schon die angeführte Niveaugrenze zeigt,
dass K. eine besondere Küstenregion nicht anerkennt oder
doch nicht unterscheidet.
2. R. der Rothbuche : am rechten Ufer des Rion und
in dem meschischen Gebirge (der Verbindungskette zwischen
dem oberen und unteren Kaukasus, welche Imeretien von
Georgien trennt). Dieser Bezirk wird charakterisirt durch
Buchenwälder ohne immergrünes Unterholz.
3. R. der Kernobstgehölze : die Laubwälder von Karta-
linien (am unteren Kaukasus) und von Daghestan (im östli-
chen Kaukasus). Diese Wälder bestehen ebenfalls aus Bu-
chen und aus Eichen, so wie sie auch einige andere Bäume
aufnehmen : charakteristisch soll für sie Crataegus und Pyrus
Malus sein.
4. R. der Eichen und Wachholder: das Thal des Tscho-
ruk, eines Flusses, der im östlichen Theile von Lasistan das
pontische Küstengebirge durchschneidet. Dieser Bezirk wird
charakterisirt im untern Niveau des Stromlaufs durch niedrige
Wälder von Eichen (Q. dshorochensis K.), weiter aufwärts
durch lichte Gebüsche von Juniperus excelsa (s. Jahresb. f.
1848. S. 25).
5. R. des Christdorns und des Granatstrauches : die Nie-
derungen am Kur. K. bemerkt selbst, dass die genannten
Sträucher nur einzeln auftreten. Es ist eben die transkauka-
sische Steppe (vergl. Jahresb. f. 1848. S. 29.).
6. R. der Salzpflanzen, charakterisirt durch den Salz-
gehalt des Bodens.
7. R. der Steppe: hierunter werden die ciskaukasi-
schen Steppen und die Hochsteppen Armeniens nicht natur-
gemäss zus^mmengefasst.
und systematischen Botanik während des Jahres 1850. 315
8. R. der Matten : die alpine Region.
9. R. des Spinats: im Kiirgebiet und nach dem Texte
(S. 25.) von K.'s fünfter Region (ß. 24.) dem Areale nach
kaum zu unterscheiden. Der Vegetationscharakter soll nach
K. eine Mittelform zwischen den Steppen und Alpenwiesen
darstellen und der Rezirk selbst wird näher nur durch das
Vorkommen von Spinaica tetrandra charakterisirt, also durch
eine einzelne, nichts weniger als physiognomisch hervortre-
tende Species, welche der Verf. für die Stammpflanze des
kultivirten Spinats hält.
10. R. des Schilfs: die Schilfformation am unteren
Kuban.
Auf der Karte sind die bewaldeten Gegenden durch
grüne , die offenen durch blaue Farbentöne unterschieden :
einige dieser Farben, wodurch die Gegensätze des Wuchses
der Bäume, des Niederwalds und der Gesträuche haben aus-
gedrückt werden sollen, sind sich zu ähnlich, um überall er-
kannt zu werden. Aber sehr deutlich tritt der Einfluss der
plastischen Gestaltung dieser Länder auf die Verbreitung der
Wälder und Steppen hervor. Bewaldet sind beide Abhänge des
grossen Kaukasus , das westliche Transkaukasien von Tiflis
bis zum schwarzen Meere und die nördlichen Abdachungen
des Nordrandes von Armenien, d. h. des unteren Kaukasus
und der pontischen Kette von Lasistan. Die Steppe dagegen
beherrscht die übrigen Landschaften, die Tiefländer nördlich
vom Kaukasus und von Transkaukasien die Gebiete des Kur
und Araxes, von dem engen Winkel Georgien's zwischen
beiden Kaukasuserhebungen ausgehend und gegen das kas-
pische Meer allmählich erweitert, sodann als Hochsteppe die
Tafelländer südwärts von der Erhebungslinie des pontischen
Gebirges , wo die aufgesetzten Kämme selten Wald besitzren
und daher die Steppenvegetation oft unmittelbar in die alpine
Region übergeht, was den Verf. veranlasst zu haben scheint,
seine Steppen und Matten in eine engere Beziehung zu setzen,
als diesen Nalurbildungen von einem allgemeineren Standpunkte
aus eingeräumt werden kann.
Das Reisewerk von Lynch 92^^ worin die Ergebnisse
der von den vereinig^ten Staaten ausgerüsteten Expedition zur
Erforschung des Jordanthals und des todten Meeres mitge-
316 Grisebach: Bericht üb. d. Leistungen in d. geographischen
theilt werden, enthält nur spärliche Nachrichten über den
Vegetationscharakter dieses Theils der syrischen Wüste. Die
gesammelten Pflanzen hat Griffith in Philadelphia 93) be-
stimmt und die Uebersicht derselben mit schätzbaren Bemer-
kungen über biblische Pflanzennamen begleitet. — Das Jor-
danthal ist eine Oase der syrischen Wüste, der Fluss gewöhn-
lich eingefasst von dichtem hohem Tamarix- Gesträuch, das
auch wohl mit Arundo - Röhrichten wechselt (S. 246.) : von
Bäumen kommen hier vor Salix (oft tief zu dem Wasserspie-
gel überhängend), Acacia, Salvadora; häufig sind Nerium-Ge-
büsche und von anderen schön blühenden Pflanzen fielen Ane-
mone und Asphodelus dem Reisenden auf (S. 233.). — Die
Abhänge und Gipfel der Gebirge am todten Meere erscheinen
selbst im Frühlinge fast ganz vegetationslos (S. 284. : almost
entirely devoid of Vegetation).
In G.'s Beiträgen zur Fhytographia sacra werden meist die An-
sichten Royle's bestätigt. Folgendes sind die bedeutenderen und zum
Theil auch pflanzengeugraphisch nicht unwichtigen Angaben: 1. Zizy-
phus Spina chrisli. Nubk arab. imThale des Jordan und am todten Meere
(L. p. 235. 286. 290.). 2. Pistacia terebinthus. Butm arab.Terebinthen-
baum der Bibel. 3. Capparis spinosa am Kidron. Ysop der Bibel. 4.
Rubus sanctus am Sinai, feuriger Busch des Moses. 5. Calotropis pro-
cera R. Br, Osher arab. Diese Asclepiadce erzeugt den Apfel von So-
dom des Josephus , den Linne irrig für Solanum sodomeum hielt und
von dem Chateaubriand und Marmont glaubten, dass es die Frucht des
in Falaestina häufig vorkommenden Solanum sanctum sei. 6. Slyrax
officinalis, die Pappel der Genesis (Libneh hebr). 7. Salvadora persica,
der Senfbaum der Bibel. 8. Ricinus communis , der Kürbiss des Jo-
nas (Ki-kayon hebr.). 9. Elaeagnus angustifolia, Zukkun arab., der
Balsam von Gilead in der Genesis , nach dem Standort. 10. Lilium
chaicedonicum, die Lilie der Bibel.
Buhse 96) durchreiste die grosse Salzwüste Persiens
und beschrieb in wenigen, charakteristischen Zügen ihren Na-
turcharakter. Sie erstreckt sich, unmittelbar an die Vorberge
der Erhebungen des Elborus angelehnt, ostwärts von Tehe-
ran, Kum undKaschan gegen 115 geog. Meilen weit bis Tur-
schis in Khorasan, wo niedrige Gebirge sie unterbrechen sol-
len und von den weiter nach Osten bis Afghanistan ziehen-
den Wüsten absondern. Das Areal der Salzwüste bildet am
Nordrande (36« N. Br.^ einen Bogen , dessen Wölbung bis
Damaghan reicht, der Südrand liegt unter der Breite von
und systematischen Botanik während des Jahres 1850. 317
Kaschan und Tabbas (34o N. ßr.), wo sich ein Bergland an-
schliesst, welches die grosse Salzwüsle von der Wüste von
Kerman zu trennen scheint und das die Provinz Jesd in sich
begreift. Die Oberfläche ist eine nach Süden geneigte Ebene,
deren tiefster auf 2000' bis 2500' geschätzten Einsenkung
ein flussähnlich gestalteter , etwas mehr als eine geog. Meile
breiter Salzsee entspricht , dessen Wasser von einer Kruste
fussdicken Salzes üb'erall verdeckt wird. In dieser geogra-
phischen Umgrenzung aufgefasst, stellt die persische Salzwüste
eine Ebene dar, die alles Lebens beraubt ist : sie enthält nur
vier bewohnte Ortscliaften und von diesen Oasen besitzen
sogar nur zwei süsses Wasser. Keine Pflanzen , kein Gras-
halm (S. 561.) wächst auf dem salzigen Boden, unter dessen
Oberfläche zuweilen die reinen Salzkrystafle anstehen: nur
in der Nähe des Nordrandes erblickte B. ein einziges Mal
eine einsame Halophyte. — Das südwärts gelegene ßergland
ist meist von unbedeutender Höhe, doch erhebt es sich bei
Jesd zu hohen Gipfeln („bis zur Schneegrenze« S. 560.) und
verleiht dadurch dieser Provinz einige Kulturfähigkeit. B.
meint, dass dieses Bergland, in dessen Thälern man Brunnen
gräbt, deren Wasser wenigstens für die Lastthiere trinkbar
ist, ebenso verschieden sei von der Salzwüste, wie die russi-
sche Steppe von einer arktischen Einöde. Hier wachsen näm-
lich in den Thälern gesellige Halophyten- Sträucher, eine
besondere Form des Saxaul, vielleicht eine neue Art, von
den Persern Togh genannt, ferner 2 Arten von Calligonum
und eine Graminee. Die felsigen, kahlen Abhänge der Berge
besitzen andere, meist dornige, niedrige Sträucher und eine
fast baumartige Pistacia : von den Sträuchern werden z. B.
genannt Amygdalus scoparia, Gymnocarpus tetraphyllus und
hier ist auch die Heimath der Asa foetida, die in Menge vor-
kommt. — Am südwestlichen Rande der Salzwüste zwischen
Kaschan und Semnan wird der Boden sandig und erzeugt in
Folge dessen einige Pflanzen der Sandwüslen, wie Alhagi,
Peganum, einen Convolvulus und etwas Graswuchs. Am Nord-
rande endlich grenzt die Salzvvüste bei Damaghan an eine
üppige Grasebene, die zu dem Fusse des Elborus sich hin-
zieht und von dessen Gewässern berieselt wird, „ein seltener,
überraschender Anblick auf dem persischen Tafellande."
318 Grisebach: Bericht üb. d. Leistungen in d, geographischen
B. hat auf seiner Reise die Mutterpflanzen der drei wich-
tigen Gummiharze Persiens aus der Familie der Umbelliferen
beobachtet und nach so vielen Zweifeln festgestellt, nämlich
des Galbanum, des Ammoniacum und der Asa foetida.
1. Galbanum (von den Persern in einigen Gegenden
Khassuih, in anderen Boridscheh genannt) wurde am Dema-
wend von den Bewohnern gesammelt. Das Gummiharz wird
von dem Stengel und den Blattscheiden freiwillig ausgeschie-
den, gleich dem Ladanum der Cisten. Die Pflanze, welche
B. beschreibt, scheint eine Form von Ferula erubescens Boiss.
zu sein: B. bemerkt zwar, dass sie durch fehlende Commis-
suralstriemen von dieser sich unterscheide; da er jedoch die
Valleculae einstriemig mit zusammenfliessenden Striemen nennt,
so hat er die Vittae der Commissur wahrscheinlich nur nicht
als solche erkannt, indem der Bau der Doldenfrucht zu for-
dern scheint, dass Vittae, wo sie an der Aussenwand der
Frucht vorkommen, auch der Scheidewand nicht fehlen. B.
selbst wagt nicht zu entscheiden, ob seine Galbanum- Pflanze
specifisch von F. erubescens zu trennen sei, aber wenn nicht
andere Unterschiede vorhanden sind, kann man die Sache
gewiss als entschieden ansehen. B.'s Zweifel beruhen auch
vorzüglich nur darauf, dass weder Aucher-Floy noch Kolschy,
welche beide die F. erubescens gesammelt haben, ihrer Be-
ziehung zum Galbanum Erwähnung thaten, aber sie hatten
hievon vielleicht keine Kunde erhalten, um so weniger, als
F. erubescens eine zwar auf einzelne Standorte beschränkte,
aber durch ganz Persien verbreitete Art zu sein scheint. Sie
wächst in der Elborus-Kette nach B. nur am Demawend auf
Felsboden zwischen 4000' und 8000', noch am Abhänge des
Gipfels kommt sie vor; ausserdem, sagte man dem Reisen-
den, sei sie stellenweise in der Nachbarschaft der grossen
Salzwüste, namentlich aber am Berge Alwend bei Hamadan
im westlichen Persien häufig (d. h. ebenda, wo Aucher-Floy
seine F. erubescens gesammelt hat). — Was die vermeint-
lichen Mutterpflanzen des Galbanum betriff't (Galbanum und
Opoidia), so müssen diese, die man nach den dem Harze
beigemengten Früchten aufgesteflt hatte, als aus mangelhaf-
ter Evidenz hervorgegangen , nach B.'s Beobachtungen aus
der Anzahl der Droguen liefernden Pflanzen ausgemerzt wer-
und systematischen Botanik während des Jahres 1850. 319
den: denn es ist schwerlich anzunehmen, dass ein so cha-
rakteristisches Gummiharz, wie das Galbanum, von verschie-
denen Doldenpflanzen und sogar in verschiedenen Abthei-
lungen dieser Familie producirt werde.
2. Die Pflanze , welche das G. Ammoniacum liefert,
fand B. am Norcrande der grossen Salzwüste bei dem Dorfe
Rischm, südlich von Damaghan, an dürren felsigen Abhängen,
in dem geschätzten Niveau von 3000' bis 3500': hier nann-
ten die Einwohner das Harz nicht, wie gewöhnlich angege-
ben wurde, Oschak, sondern Werschach. Häufiger soll die
Pflanze in der Gegend von Tabbas sein und die Gewinnung
des Harzes daselbst einen bedeutenden Industriezweig bilden.
Die früheren Nachrichten , dass die Pflanze ein Dorema sei,
werden von B. bestätigt: sein Zweifel, ob die von ihm ge-
sehene D. ammoniacum Don oder D. Aucheri Boiss. gewe-
sen sei, ist von geringerer Erheblichkeit, um so mehr, als
dieselbe schon verdorrt war , als der Reisende sie antraf.
Uebrigens ist es bekannt, dass Diserneston Jaub. Sp. mit Do-
rema zusammenfällt.
3. Die Asa foetida liefernde Pflanze, welche seit Käm-
pfer kein Reisender wiedergesehen hatte , wächst nach B.'s
Beobachtung häufig in den felsigen, dürren Gebirgen, die
südlich an die Salzwüste grenzen ; er sah sie z. B. bei Jesd,
bei Dscheudak , jedoch im April, in nicht hinreichend ent-
wickeltem Zustande , wiewohl die (wenn auch unvollständi-
gen) Früchte des vorigen Jahres ihn den Charakter der Gat-
tung Ferula erkennen Hessen. Dies ist jedenfalls mehr ge-
eignet, die Sache zu entscheiden, als die Bemerkung Bois-
sier's, der auf B.'s Anfrage über ein ihm übersendetes Blatt
die Meinung geäussert hat, es sei nicht von einer Ferula.
Ferner stimmen Kämpfer's ausführliche Nachrichten über
Pflanze, Wurzel, Harz und über die Art des Einsammelns so
genau mit dem überein, was B. gesehen, dass an der Iden-
tität seiner Ferula und L.'s F. Asa foetida nicht gezweifelt
werden kann. Die Perser nannten sie Anguseh (= Kämpfer's
Hingiseh). Sie hat einen grossen Verbreitungsbezirk, durch
die ganze Osthälfte Persiens : nach den von B. eingezogenen
Nachrichten kommt sie an dem Südrande der Wüste nord-
westwärts bis zum Höhenzuge Sziokuh (zwischen Kaschan und
320 Grisebach: Bericht üb. d. Leistungen in d. geographischen
Semnan) vor, ist dann längs des ganzen Wüstengebiets nach
Osten sehr verbreitet, z. B. bei Tabbas , bei Kerman und in
Khorasan bei Nischapur und Sebsev^^ar.
In der zweiten Abtheihmg der Middendorfschen Reise
hat Ruprecht ^'') die Algen des Meerbusens von Ochotzk
bearbeitet: mehr als 50 Arten, von denen etwa y'^ für diese
Küsten charakteristisch ist.
Von Turczanino w's Flora der Baikalgegenden (s. Jah-
resb. f. 1848.) erschien eine Fortsetzung 9^): dieselbe ent-
hält die Lentibularieen (2 sp.), Primulaceen (27 sp.), Ascle-
piadeen (2 sp.), Gentianeen (26 sp.), Polemoniaceen (3 sp.),
Convolvulaceen (6sp.), Boragineen (24 sp.), Solaneen (4 sp).
Ruprecht 99) wies nach, dass auf den Kurilen (46^
N. Br.) noch Gebüsche von Bambusen vorkommen: die Art
ist Arundinaria kurilensis Rupr. (Chupp-tatt von den Insula-
nern genannt). Diese Erscheinung , dass eine schon Japan
auszeichnende Pflanzenform sich so weit nach Norden er-
streckt, erinnert an die Verbreitung der Arundinaria macro-
sperma am Missisippi, mit welcher die Bambuse der Kurilen
sehr nahe verwandt zu sein scheint.
Sir W. Hooker ^oo) hat versucht, den Ursprung des
chinesischen Reispapiers aufzuklären. So viel ist gewiss, dass
dasselbe aus dem Marke eines Gewächses geschnitten wird,
welches nur auf der Insel Formosa wächst und daselbst, in
den sumpfigen Gegenden der nördlichen Provinz Sam-swi, in
grosser Menge vorkommt. Später verschaffte sich H. chine-
sische Abbildungen der Pflanze, worauf auch die Art der Zu-
bereitung dargestellt ist, und wonach dieselbe auch Gegen-
stand der Kultur wäre: nach der Zeichnung des Chinesen,
die ein blosses Bild der Phantasie zu sein scheint, hätte man
nicht , wie H. später nachgewiesen , erwarten sollen , dass
das Reispapier von einer Araliacee stammt.
V. Schlechtendal ^o^) untersuchte den Ursprung der
neuerlich im Handel vorkommenden chinesischen Galläpfel und
zeigte, dass sie wahrscheinlich von einem japanischen Baume
stammen, den Kämpfer unter dem Namen Baibokf beschrie-
ben hat, und in welchem S. ein Rhus erkennt. Dieser Mei-
nung trat Schenk 'o^^ \)q[ ujkJ machte es wahrscheinlich,
dass die Art Rhus semialata Murr. sei.
Ml, und systematischen Bolunik wählend des Jahres 1850^ '321
J. D. H 0 0 k e r's geniale Naturschilderung von Sikkiin,
jener zwischen Butan und Nepal eingeschlossenen Landschaft
des Himalajah (s. vor. Jahresb.) , ist im verflossenen Jahre
weiter geführt worden ■^^}. Die Vegetalionsgrenzen sind in
Sikkim nicht durchaus dieselben , wie in den übrigen Thei-
len der indischen Gebirgsseite : H. bringt diese Eigenthüin-
lichkeiten, diese pflanzengeographische Gliederung des Hima-
lajah mit klimatischen Bedingungen in klaren Zusammenhang.
Am auff'allendsten ist in Sikkim die geringe Entwickelung des
Getraidebaus und dieselben Ursachen, welche dieser Erschei-
nung zu Grunde liegen, bewirken auch dass die europäischen
Obstbäume nicht fortkommen, ja es scheint, als ob überhaupt
die Zeitigung fleischiger Fruchtschalen erschwert sei, da Sik-
kim ausser Wallnüssen auch keine einheimische, essbare Früchte
erzeugt. Der Grund ist, dass im Sommer die Insolation
fehlt, dass Berge und Thäler beständig von Nebel und Wol-
ken bedeckt sind. Freilich lässt die Regenzeit auch in der
nordindischen Ebene keinen Ackerbau zu, allein der trockene
Winter ist zur Entwickelung der Erndten geeignet, der in
den 7 — 8000' hoch gelegenen Ansiedelungen von Sikkim nicht
mehr Wärme genug hat. Auch die europäischen Frucht-
bäume reifen in der indischen Ebene ihre Früchte im Win-
ter, vorausgesetzt dass sie der feuchtwarme Sommer nicht
zuvor zu Grunde richtete: denn man hat grosse Mühe, sie
durch diese Jahreszeit hindurchzubringen. In den nordwest-
lich gelegenen Landschaften des Himalajah ist das Klima ex-
cessiver und der Sommer hat weniger Regen als in Sikkim,
wo der Meerbusen von Bengalen näher ist und die Schwan-
kungen der Wärme mässigt: hier entladet sich der von der
Gangesmündung wehende, die Regenzeit bedingende Südost-
Monsun ^*), wie ein Blick auf die Karte zeigt, zuerst und ver-
liert daher an seinem Wasserdampf, indem er der Axe des
Himalajah nordwestwärts entlang fortrückt, allmählich immer
*) Der gewöhnliche Südwest -Monsun des indischen Meeres er-
leidet nämlich in dem Meerbusen von Bengalen eine Ablenkung nach
Südost (vergl. Kämtz Lehrb. d. Meteorologie. Bd. 1. S. J97.): doch ist
sehr zu bezweifeln, dass diese Windesrichtung sich bis zum norswest-
lichen Himalajah fortsetzt , dessen trockeneres Klima sich einfach aus
dem grösseren Abstände von der Küste erklärt.
Archiv f. Naturgesch. XVII. Jahrg. 2. Bd. y
Griseba^'ks ßericht üb. d. Leistungen in d. geographischen
mehr. Eine schwächere Ausbildung der Sommerregenzeit
macht im Gebiete des Sulledsch die Kultur des Apfels und
anderer Früchte möglich. Jenseits der Zone periodischer
Regen folgen dann Landschaften, wo, wie in Kunawur oder
Kaschmir, die europäischen Früchte in hoher Vollkommenheit
gedeihen (vergl. Jahresb. für 1840. S. 49.). Auch in Tibet
wachsen gute Aepfel, Pfirsiche und Aprikosen im Niveau von
8000 bis llOOO Fuss. Was von den Obstbäumen gilt, gilt
auch vom Getraidebau. Ueber dem Niveau von 11000' ist
in Tibet der Anbau von Gerste, Weizen, Bohnen und Buch-
weizen allgemein und in den höheren Regionen reicht die
Kulturgrenze der Rüben und Rettiche (radishes), d. h.
der letzten Produkte des Ackerbaus bis zum Niveau von
15 00 0'. Südlich von der Schneekette findet man den Acker-
bau auch unter den günstigsten Verhältnissen höchstens bis
13000' und in diesen hohen Lagen stets nur auf einzelne
Oerllichkeiten eingeschränkt (scattered) : in südöstlicher Rich-
tung aber sinkt die Grenze desselben weit tiefer hinab, bis
man endlich in einem grossen Theile von Sikkim über dem
Niveau von 4000' nur selten noch Getraidefelder antrifft. In-
dessen ist dies freilich die klimatische Grenze noch nicht, die
Beschränkung des Ackerbaus ist hier zugleich von der pla-
stischen Gestaltung des Bodens und von der Lebensweise der
Bewohner abhängig. Allein es scheint unzweifelhaft, dass
ostwärts, in Butan, das Getraide wieder höher im Gebirge
gebaut werden kann, als in Sikkim : denn dort reicht die Wei-
zenkultur bis 9640' und zwar findet daselbst, wie in der in-
dischen Ebene, die Erndte am Ende der trockenen Jahreszeit
statt. Sommerkorn kann wegen des bedeckten Himmels nicht
gebaut werden, so wenig wie in Tibet Winterkorn wegen der
Kälte. Die günstigeren Verhältnisse in Butan leitet H. von
der Gestaltung des Gebirges ab, doch möchte auch wohl die
klimatische Lage in Betracht kommen, indem in Butan und
Assam der Monsun nicht mehr unmittelbar vom Meere her-
überkommt, sondern als Landwind einen Theil seiner Feuch-
tigkeit verloren hat. In Butan kommen trockene, dürre Kalk-
berge und breite Thäler vor, woran in Sikkim nicht zu den-
ken ist.
Sikkim, wo der Himalajah zugleich am schmälsten und
und systematidchen Botanik während des Jahred 1850. 323
am höchsten gehoben ist, wird von Butan durch ein langes,
17000' hohes Querjoch, wie es in dem ganzen Gebirge kein
ähnliches giebt, abgesondert, ebenso von Nepal durch meh-
rere, gegen 12000' hohe Seitenketten, endlich auch von dem
indischen Vorlande durch das Paralleljoch des Sinchul. So
bildet die Landschaft ein hohes Längsthal, das aber zugleich
innerhalb des Gebiets seiner Umgrenzung durch die mannich-
faltigsten Kettenbiklungen und tiefe Einschnitte gegliedert ist
und das , aus Gneiss und Glimmerschiefer zusammengesetzt,
überall auf diesem einförmigen Boden zusammenhängende,
Wälder erzeugt. Auf dieser Gestaltung beruht es ebenso
sehr, wie auf der Exposition gegen den Monsun, dass Sik-
kim ein eigenthümliches Glied unter den Landschaften des
indischen Himalajah darstellt. Hier fallen wahrscheinlich ge-
gen 100 Zoll Regen, die Feuchtigkeit ist grösser, als in Nepal
oder in Butan: die Wärme, die zu Darjeeling im Sommer
nur 150,3 C. beträgt, unterliegt auch im Winter einer sehr
geringfügigen Depression. Ein solches Klima vergleicht H.
mit dem des südlichen Chile, oder mit den nebelreichen Kü-
sten des westlichen Tasmanien's und Neuseelands. Bei einer
dem Ackerbau so ungünstigen Temperaturkurve ist die Land-
schaft nur schwach bevölkert, von dem ärmlichen, furchtsa-
men Stamme der Lepcha's , der hinter seinen kriegerischen
Nachbarn in Nepal und Butan weit zurücksteht. Selbst das
thierische Leben erschien dem Reisenden sparsam vertreten.
Aber auf der anderen Seite sind solche klimatische Bedin-
gungen dem üppigsten Wachsthume der Wälder höchst gün-
stig. Diese prächtige Vegetation, sagt H. in malerischer Dar-
stellung, mannichfaltig in ihren Formen, die Erzeugnisse ge-
mässigter und tropischer Klimate vereinend , reich in ihren
Farbentönen, erfüllt von den seltensten und zartesten Bildun-
gen, sprosst nicht erwärmt von heileren Frühlingslüften, son-
der insgeheim unter trüben Nebeln, des blauen Himmels, der
strahlenden Sonne beraubt , weder der Vögel Gesang her-
vorlockend, noch den Thieren Nahrung gewährend: unbe-
kümmert um den niederstürzenden Regen, treibt sie ihre'
Knospen, ihre Blumen und Früchte (p. 59.).
Die Besteigung des Berges Tonglo an der Grenze von
Sikkim und Nepal giebt dem Reisenden zu weiteren Mitthei-
324 Grisebach: Bericht üb. d. Leistungen in d. geographischen
lungen über die Vegetationsgrenzen der einheimischen Ge-
wächse Anlass. Während die Piperaceen, die Cucurbitaceen
und Feigenbäume schon bei 7500' aufhören (p. 14.), steigen
andere tropische Formen hier über das Niveau von 8000'
hinauf, eine Bambuse erreicht sogar den Gipfel des Berges
(p. 145.), der 10000' hoch ist. H. beschreibt als ein Bei-
spiel der grossartigen Natureindrücke im Himalajah, dass,
wenn die Bambusengebüsche, die in Sikkim sehr häufig sind,
angezündet werden, die Luft von den gesprengten Stengel-
gliedern ziemlich ebenso laut, wie von Kanonendonner er-
schüttert wird, und dass man fast jede Nacht diesen Schall
aus der Ferne vernehmen konnte (p. 215.). Der Gipfel des
Tonglo ist von Eichen und Rhododendren bewaldet, auch kommt
ein grosser Taxusbaum vor, während Sikkim, wie schon frü-
her bemerkt ward, zwischen der oberen Grenze von Pinus
longifolia bei 2000' und diesem Niveau von 10000' überhaupt
keine Coniferen besitzt, ferner Pyrus, Prunus , mannichfache
Sträucher, auch Lianen und parasitisch vegetirenden Ribes :
aber die meisten tropischen Pflanzenformen sind hier ver-
schwunden. Es fiel dem Reisenden besonders auf, wie we-
nig Spuren alpiner Typen auf diesem und ähnlichen Höhen-
punkten in Sikkim angetroffen wurden, er glaubt hierin einen
neuen Gegensatz gegen die nordwestlichen Landschaften des
Himalajah wahrzunehmen, indem er den Satz aufstellt, dass
in Sikkim die alpine Vegetation nicht unter 10000' herab-
steige, in anderen Theilen des Gebirges dagegen schon in
geringeren Höhen angetroffen werde. Er meint, dass auch
hiebei eine klimatische Ursache wirksam sei, und dass die
Gleichmässigkeit der Temperatur in den verschiedenen Jah-
reszeiten, die auch auf den hohen Gipfeln zu erkennen sei,
die alpine Vegetation an ein höheres Niveau binde (p. 148.).
Allein dieser Meinung kann ich nicht beistimmen. Eine wirk-
liche Elevation der Baumgrenze , d. h. der unteren Grenze
der alpinen Region ist hier nämlich nicht nachzuweisen , da
H. derselben vielmehr ein Niveau von 10000' zuschreibt und
da im nordwestlichen Himalajah auch an den indischen Ab-
hängen des Sutledsch-Gebiets die Wälder ebenfalls bis über
das Niveau von 10000' und 11000' ansteigen (s. Jahresb. f.
Iß44j u. s. w.). Was aber die unteren Grenzen betrifft, zu
und systematischen Botanik während des Jahres 1850. 325
denen einzelne alpine Gewächsformen innerhalb der Wald-
region hinabsteigen können , so hängt dieses überall weit
mehr von Bodenverhältnissen und der dadurch bestimmten
Vertheilung der Pflanzenformationen innerhalb einer Region,
als von klimatischen Einflüssen ab. Nun sehen wir aber,
dass in Sikkim nur eine einzige Formation, die der zusam-
menhängenden Wälder, sich aller Gebirgsabhänge bemächtigt
hat, wodurch es begreiflich wird, dass in einem so dichten
und üppigen Bestände von Holzgewächsen , in Bambusen-
Jungles, die bis in die Nähe der Baumgrenze reichen, es an
passenden Standorten für alpine Stauden gebricht. Will man
von klimatischen Bedingungen einer alpinen Vegetation reden,
so beruht diese auf einer kurzen und feuchten Periode der
Entwickelungszeit und ich sehe nicht ein, weshalb das gleich-
massige Klima von Sikkim in dieser Rücksicht ungünstiger
sein sollte als excessivere Wärmeverhältnisse anderer Land-
schaften des Himalajah: finden wir doch in dem Seeklima
der westeuropäischen Küsten die Baumgrenze sogar deprimirt
und in Folge dessen auch die alpine Region in einem tiefer
liegenden Niveau.
Cl eghorn ^04-^ las in der Versammlung der britischen
Naturforscher über die Gewächse, welche in Indien zu Hecken
und Einfriedigungen benutzt werden. 's
Das Kupferwerk über die Flora Ostindiens vonWight
(s. Jahresb. f. 1845. S. 40.) ist bis zum Schlüsse des fünften
Bandes fortgeführt i°^): Inder letzten Lieferung sind nament-
lich die Orchideen der Nielgherries dargestellt. — Dal-
zell ^oö) publicirte eine beträchliche Anzahl neuer Pflanzen-
formen aus der Präsidentschaft von Bombay. — Berke-
ley 107-) bearbeitete die von Hooker in Sikkim gesammelten
Pilze, bis jetzt nur Arten von Agaricus.
Miquel 'o^) beschrieb ausgewählte Pflanzen aus dem
südlichen Borneo , nämlich : Palmen (32 sp.) , Leguminosen,
Myrtaceen und Memecyleen. — Die Sammlungen Jung-
huhn's aus Sumatra und Java werden von verschiedenen,
holländischen Botanikern bearbeitet 'og^ ^ in der ersten Lie-
ferung des zu diesem Zwecke herausgegebenen Werks be-
schreibt Miquel die Coniferen, Cupuliferen, Piperaceen und
Urticeen; d. Vriese Ranunculaceen, Dipterokarpeen , Epa-
326 Grige^i^acl^s ^ej:icht,jqb.,,4»LeMtm}gea in d. geographischen
crideen, Primulaceen und Aroideen; Molkenboer die Um-
belliferen. — Korthals ^^o) lieferte Arbeiten über Magno-
liaceen und Rubiaceen des indischen Archipels.
Blume's Kupferwerk über die Flora von Ostindien,
welches den Titel Rumphia führt (s. Jahresb. f. 1843. S. 46.),
ist mit dem dritten und vierten Bande geschlossen worden »lO«
Die beiden letzten Abtheilungen enthalten den Schluss der
Palmen, die Sapindaceen, die Gattung Cardiopteris, die Conife-
ren, Gnetaceen, Cycadeen und Pangieen, so wie einzelne Apo-
cyneen, Asclepiadeen, Cyrtandreen, Bignoniaceen, Phytocre-
neen und Orchideen.
Stocks ^'2-) berichtete über eine Reise in Beludschi-
stan, auf welcher er im Frühling des J. 1850 von Sinde über
Kelat hinaus fast an die nördliche Grenze des Landes ge-
langte und die Anzahl der von ihm gesammelten, dem Hoo-
ker'schen Herbarium übergebenen beludschischen Pflanzen auf
500 Arten erhöhte. Der Charakter der Flora stimmt in dem
vorzüglich berücksichtigten nordöstlichen, zwischen 28° und
30° gelegenen Theile Beludschistan's in den Hauptzügen mit
dem Afghanistan's und Persiens überein. Hier liegt die Ebene
des Tafellandes durchschnittlich 5000' bis 5500', erhebt sich
jedoch zuweilen , wie bei Kelat zu 6500' , bei Kapota sogar
zu 7000'. Die Höhe der diese Hochebenen umschliessenden
Randgebirge ragt gewöhnlich nur 500' bis 1000' über die-
selben hervor: nur der isolirte Gipfel, Chehel-Tun, welcher
10500' hoch ist, trug in seinen nördlichen Schluchten in die-
ser Jahreszeit Schnee. Die grossen und einförmigen Hoch-
ebenen sind von strauchartig wachsender Artemisia bedeckt
und erzeugen die Frühlingsflor der Steppen (namentlich zahl-
reiche Zwiebelgewächse, z. ß. Tulipa und Fritillaria, sodann
Iris, kleine Boragineen , Synanthereen, Cruciferen, von Ra-
nunculaceen Anemone und Delphinium, Leguminosen). Eine
zweite Formation charakterisirt die geneigten Flächen der
Höhenzüge, wo mannichfaltige Sträucher auftreten (z. B. Sta-
tice, Amygdalus, Ephedra, Pistacia , Daphne, Fraxinus, Ebe-
nus, Spiraea, die dornige Rubiacee Jaubertia, Juniperus, Rosa,
Sophora, Passerina) und von Stauden Umbelliferen aus der
Gruppe von Ferula, Rheum, Labiaten (Salvia , Eremostachys,
Perowskia), Boragineen (Onosma, Paracaryum, Myosotis, Ar-
;m!v und systematischen Botanik während des Jahres 1850. 327
nebia) und einige andere Formen (Gentiana , Convolvulus,
Campanula, Haplophyllum , Linum, Dipsacus} dem niedrigen
Gebüsche sich zugesellen. Viele Gewächse, besonders die
allgemein verbreiteten Artemisien und Labiaten, zeichnen sich
durch ihren Duft aus, das ätherische Oel soll sogar dem
Fleische der Schafe und Ziegen einen „fast aromatischen"
Geschmack geben. Nirgends ist der Boden nackt, Anhöhen
und Ebenen sind gleichmässig von den niedrigen Sträuchern
bekleidet, die freilich, wenn die Sonne im Junius die trok-
kene Jahreszeit bringt, einen dürren Anblick gewähren: im
Frühlinge ist hingegen die Färbung der Landschaft ein dunk-
les Olivengrün, wogegen das frische Grün der angebauten
Thäler einen angenehmen Kontrast bietet. — Die übrigen, an
einzelne Oerllichkeiten gebundenen Formationen dieses Hoch-
landes sind; salzhaltige Ebenen bei Peschin mit Tamarisken
und anderen Halophyten ; Pistazien-Haine von höherem Wuchs
der Stämme, gemischt mit Fraxinus, Daphne und Elaeagnus,
„fast Wäldern vergleichbar" an den Abhängen höherer Berge;
Myrtengebüsche, beschränkt auf das Thal Johan.
Der südlichere, unter dem Niveau von 5000' gelegene
Theil von Ost-Beludschistan bildet eine abgesonderte Region,
deren Vegetation St. mit derjenigen übereinstimmend hält, die
Griffith in den Bolan- und Kheiber-Pässen antraf. Die Cha-
rakterformen dieser Region sind dornige, nicht über einen
Fuss hohe, blattarme Halbsträucher gering an Individuenzahl,
über den nackten, braunen, steinigen Boden nur einzeln aus-
gestreut : dahin gehören von Leguminosen die Mimosenform,
Caragana unb Traganth-Astragalen , ferner Fagonia, von La-
biaten Otostegia, von Acanthaceen Acanthodium, sodann Aspa-
ragus u. e. a. ; auf einzelne Gegenden beschränkt sind Eu-
phorbia neriifolia und Chamaerops Ritchiana. Diese Vegeta-
tion ist nach St. für das Kameel wie geschaffen, da dieses
Thier mit Vorliebe an den dornigen Slräuchern nagt, die für
andere Thiere unnahbar sein mögen. — Völlig baumlos ist
auch diese Region nicht : denn es kommen Quellen und Thä-
ler vor, wo Populus euphratica das Wasser begleitet, auch
ist das Thal von Wudd mit einem niedrigen, aber dichtem
Gehölze (sub - forest) einer Bignoniacee (Tecoma undulata)
bedeckt. — Von anderen allgemein vorkommenden Typen
528 Griseb'achVBericht üb. d. Leistungen in d. geographischen
werden folgende geniannt : Capparis , Ochradenus, Grewia^
Indigofera, Zizyphus, Catha, Pycnotheca, Rhazya, von Ascle^
piadeen Boucerosia, Calotropis und Periploca , von Solaneen
Lycium, Puneeria, Physälis, sodann Convolvulus, Vitex, Ere-
mostachys , die Rubiacee Gaillonia, Salvadora, Achyranthes.
1 , Die Kulturgewächse der oberen Region sind: Weizen
(im Herbste gesäet, im Winter unter Schnee, im Sommer ge-
erndtet), Gerste, Klee und Luzerne, Krapp, Erbsen (peas) und
Linsen (tares). Von Früchten werden fast alle europäischen
erzeugt: namentlich Aprikosen, Pfirsische, Pflaumen, Birnen,
Aepfel, Mandeln, Wallnüsse, Maulbeeren, Quitten, Trauben,
Feigen, Granatäpfel; in den Gärten sieht man häufig unter
Weidenbäumen und Pappeln Elaeagnus und Celtis. Mini«
Die untere Region hat ausser dem Weizen und d^r
Gerste^ Reis, Baumwolle und Hirse (Sorghum) voraus. Die
charakteristische Frucht ist hier die Dattel, die Dattelpalme
findet sich bis zu der 4500' hohen Station Sir-i-Khujoor am
Bolan-Pass, aber nicht mehr in Quetta , auch in Candahar
nicht. Der Granatbaum wächst ebenso wohl in den heissen
Küstenländern des persischen Golfs, z.B. zu Jodpoor in Mar-
war (260 ]\\ Br.), wie in Kirani bei Quetta im Niveau von
5700' Höhe (30^ N. Br.) und zu Jellalabad im nordöstlichen
Afghanistan (34° 25' N. Br. 2000' hoch) : seine Früchte sind
bei so verschiedenen Lagen doch gleich trefflich. Die übri-
gen Früchte der unteren, südlichen Region sind Maulbeeren,
Aepfel , Trauben und Feigen ; die Aprikosen sind hingegen
von sehr schlechter Qualität.
Ruprecht ^'^^ bearbeitete die Algen des rothen Mee-
res und besprach deren geographische Verbreitung. — Mon-
tagne ^^^) beschäftigte sich mit demselben Gegenstande und
beschrieb 32 Algen, die an den Küsten von Yemen gesam-
melt waren.
HL Afrika.
Richardson i»^) zählt 46 Varietäten von Datteln in
Fezzanauf; er bemerkt, dass in Sudan die Dattelpalme (ebenso
wie nach Quartin - Dillon in Abyssinien) keine reife Früchte
trägt, ebenso wenig die Orangenbäume und andere Frucht-
bäume des nördlichen Afrika's. Er erwähnt, dass neunzehn
fT'»fi''njid systematischen Botanik während' des Jährri^ 1850. "^ o29
Zwanzigstel der Bevölkerung von Fezzan neun Monate hin-
durch sich von Datteln ernährt, und dass auch das Vieh in
den Oasen der Sahara den grössern Theil des Jahres, wenn
der Weidegrund nichts mehr darbietet , mit Datteln gefüt-
tert wird. ! '
Sir W. Hook er ^^^) bestimmte den Ursprung deis im
Handel vorkommenden , afrikanischen Teak - Holzes. Vogel
halte sich nur Blätter von diesem wichtigen Baume verschaffen
können, kürzlich aber erhielt H. durch Oldfield vollständige
Exemplare aus dem Inneren von Sierra - Leone , indem der
Teak-Baum in den Küstengegenden nicht vorkommt: in diesen
erkannte Bentham eine neue Euphorbiacee (s. u.) , die Old-
fieldia africana genannt worden ist. An specifischem Gewicht
übertrifft das afrikanische Teak- Holz sowohl das asiatische
(Tectona grandis) als das Eichenholz (der Kubikfuss von die-
sen letztern wiegt im trockenen Zustande durchschnittlich
49 Pfund, der von Oldfieldia 00—70 Pfund), wird an Cohä-
sionskraft nur von dem Greenhart (Nectandra Rodiaei) über-
troffen, steht aber an Dauerhaftigkeit dem indischen Teak-
holze und dem Sabicu von Cuba (Acacia formosa) nach.
Richard ^'') hat seine Flora von Abyssinien (Jahresb.
f. 1847. S. 40. u. f.) bis zum Schlüsse der Phanerogamen ge-
führt und damit vollendet.
Fortgesetzte Uebersicht der Gattungen (von denen die aus nicht
endemischen Arten bestehenden, wie frülier , mit einem * bezeichnet
sind) : 8 Campanulaceen (Lightfootia, Cephalostigma , Wahlenbergiä 2 sp.,
Campanula 4sp.); 8 Lobeliaceen (Lobelia 5 sp. , Cyphia, Tupa 2 sp.:
T. Rhynchopetalum stirbt, Aviewohl baumförmig, nach 4—5 Jahren,
wenn sie geblüht hat, ab); 3 Ericeen (Erica *, Blairia 2 sp.) ; 4 Pri-
mulaceen (Primula *• , f.ysimachia , Anagallis *, Samolus *); 1 Utricu-
laria; 3 Myrsineen (Myrsine 2 sp., Maesa *); 2 Sapoteen (Mimusops) ;
2 Ebcnaceen (Diospyros, Euclea) ; 5 Jasmineen (Jasminum 2 sp., Olca*
2 sp. Nathusia) ; 3 Apocyneen (Carissa) ; 33 Asciepiadeen (Tacazzea, Pe-
riploca, Calotropis *, Kanahia *, Sarcostemma *, Daemia *, Cynanchum,
Pentarrhinum , Gomphocarpus 7 sp. , Tylophora , Marsdenia, Gymnema
3 sp., Leptadenia 3 sp. , Hoya *, Ceropegia 5sp. , Brachystelma 2 sp.,
Stapelia 2sp.)5 2 I.oganiaceen (Strychnos) ; 8 Gentianeen (Erythraea*,
Swertia 7 sp.) ; 4 ßignoniaceen (Stereospermum 3 sp. , Kigelia) ; 28
Convülvulaceen (Argyreja, Batatas, Pharbitis *, Ipomoea 13 sp. , Con-
volvulus 3 sp. , Aniseia , Cressa ^ , Evolvulus 2 sp. , Breweria , Ne-
phrophyllum (s. u.), Cascuta 3 sp.) ; 24 ßoragineen (Cordia 3 sp.,
330 Grisebacb: Bericht üb. d. Leistung^e^„jii,.|l,^geograpbischen
Ehrelia 2 sp. , Tourneforlia ^% Heliotropium 4 sp. , Toxostigma (s. u.)
2 sp., Anchusa 2 sp. , Myosolis * 2 sp., Echinospermum , Cynoglossum
3 sp. , Trichodesma -- 2 sp. , Streblanthera 2 sp.) ; 22 Solaneen (Da-
tura *, Physalis * 2 sp., Capsicum , Solanum 17 sp., Discopodium) ;
52 Scrophularineen (Verbascum 2 sp. , Celsia 7 sp. , Linaria 3 sp.,
Antirrhinum 2 sp. , Arianhinum *, Halleria "-, Alectra 5 sp,, Anticha-
ris -^j Mimulus, Lindenbergia , Mitranlhus, Torenia 2 sp., Sibtborpia *,
Limosella *, Nuxia 2 sp., Buddleja, Veronica 8 sp. , Buchiiera 2 sp.,
Striga 6 sp. , Sopubia , ßhamphicarpa -, Trixago -, Bartsia) ; 3 Oro-
bancheen (Phelipaea * 2 sp. , Orobanche); 46 Acanthaceen (Thunber-
gia, Nelsonia *^, Polyechma , Dyschoryste , Dipteracanthus *, Barleria
6 sp., Asteracantha ^\ Lepidagathis 4 sp. , Aetheilema *, Blepharis *,
Cheilopsis ■•"• , Acanthodium *, Haplanthera , Monothecium, Rostellularia
2 sp., Schwabea *, Adhaloda 7 sp. , Monechma 3 sp., Eranthemum ^',
Dicliptera "* 2 sp., Perislrophe " 2 sp. , Rhaphidospora 2 sp. , Hypoe-
stes 4 sp.) ; 15 Verbenaceen (Priva *, Verbena ^, Bouchea *, Lippia
3 sp., Lantana 3 sp., Clerodendron, Cyclonema, Premna 3sp. , Avicen-
nia *: am rothen Meere bei Älassowa) ; 1 Selaginee (Hebenstreitia *) ;
57 Labiaten (Ocimum 8 sp. , Moschosma , Orthosiphon 2 sp. , Pleclran-
thus 4 sp., Coleus 5 sp., Aeolanthus 2 sp., Hyptis *, Mentha * 2 sp.,
Thymus 2 sp., Micromeria 3 sp. , Calamintha 2 sp. , Meriandra "', Sal-
via 6 sp. , Nepeta 3 sp., Scutellaria *, Staehys, Otostegia 4 sp., Leu-
cas * 3 sp. , Leonotis 2 sp., Lasiocorys 2 sp . , Teucrium *, Ajuga ") ;
2 Plumbagineen (Plumbago *, Valoradia); 3 Plantagineen (Plantago "').
5 Nyctagineen (Boerhavia); 14 Amarantaceen (Celosia * 3 sp.,
Amarantus "% Euxolus *, Aerva * 2 sp., Achyranthes -, Cyathula 2 sp.,
Pupalia 3 sp., Alternanthera *); 4 Chenopdeen (Chenopodium 3 *); 1
Phytolaccee (Pircunia ^') ; 12 Polygoneen (Polygonum 8sp., Ruraex 3 sp.,
Ceratogonum *) ; 2 Proteaceen (Protea , Leucospermum) ; 1 Thymelee
(Gnidia); '3 Santaleen (Thesium 2 sp., Osiris) ; 1 Arislolochia ^^; 30
Euphorbiaceen (Euphorbia 10 sp. : darunter 2 fleischig und blattlos,
Dalechampia ^-, Tragia *, Acalypha 9 sp., Tatropha *, Ricinus, Croton,
Crozophora *, Cluytia "' , Andrachne *, Pbyllanthus * 2 sp. , Securi-
nega) ; 33 ürliceen (Cellis *, Parietaria 2 sp., Pouzolzia 2 sp. , Urtica
8 sp., Pilea, Boehmeria, Ficus 16 sp., Dorstenia 2 sp.) ; 2 Piperaceen
(Peperomia) ; 3 Saliceen (Salix) ; 1 Myrica ; 2 Cqniferen. (Podocarpus *,
Juniperus). Y)nijA o ;(«(>. ''
1 Hydrocharidee (Ottelia) ; 34 Orchideen (l.iparis , Dendrobium
2 sp., Eulophia 2sp., Orlhochilus, Saccolabium, Hypodematium (s. u.),
Piatanthera, Peristylus 5 sp. , Habenaria 13 sp. , Salyrium 4 sp. , Disa,
Pterygodium) ; 1 Musa ; 10 Irideen (Yieusseuxia 2 sp., Gladiolus, An^
tbolyza , Montbretia , Geissorrhiza, Ixia 4 sp.) ; 4 Araaryllideen (Ama-
ryllis *, Crinum , Haemanthus *, Pancralium) ; 3 sp. Hypoxis; 5 sp.
Dioscoreae ; 5 Smilaceen (Asparagus 4 sp., Dracaena *) ; 23 Liliaceen
(Gloriosa, Kniphofia 2 sp., Aloe, üropelalum 3 sp. , Eralobotrys *,
„.^,. und systematischen Botanik während des Jahres 1850. 33*
Scilla 5 sp., Albnca, Allium 2 sp., Anthericum 6 sp., Bulbine) ; 2 Me-
lanthaceen (Androcymbium, Mereiidera); 3 Junceen (Juncus); 10 Com-
melineen (Commelina 5 sp., Aneilema 3 sp. , Cyanotis 2 sp.) ; 1 Alis-
macee (Alisma *) ; 1 Eriocaulon*^; 2 Palmen (Phoenix ^% Hyphaene*);
1 Typha *; 1 Aponogeton ; 2 Aioideen (Arisaema, Arum) ; 3 sp. Po-
tamogetonis ; 194 Gramineen (Leersia, Phalaris ^^ Beckera 3 sp. , Pa-
nicum 31 sp., Oplismenus, Pennisetum 19 sp., Cenchrus *, Anthephora,
Aristida 7 sp. , Sporobolus 11 sp., Agrostis 2 sp., Gasiridium *, Poly-
pogon ^^, Phragmites '■• , Pappophorum, Microchloa, Cynodon 2 sp. ,
Dactyloctenium *, Chloris 5 sp., Leptochloa, Dinebra, Eleusine 3 sp.,
Deschampsia , Acratherum , Aira ^"", Avena 2 sp. , Trisetum 2 sp., Tri-
stachya 2 sp., Danthonia 7 sp. , Poa 15 sp., Elytrophorus, Koeleria *,
Harpachne, Lamarckia, Fesluca 8 sp., Bromus 3 sp., Bambusa, Lolium,
Trilicum 3 sp., Lepidopironia (s. u.), Rottboeliia, Manisuris *, Saccha-
rum *, Tricholaena 2 sp. , Psilopogon , Alecloridia (s. u.) , Anlhistiria
3 sp., Chrysopogon, Andropogon 31 sp., Elionurus, Ischaemura 2sp.);
78 Cyperaceen (Cyperus 29 sp,, Mariscus 5 sp., Kyllingia 9 sp., Eleo-
charis ^-, Scirpus , Fuirena 2 sp. , Isolepis 10 sp. , Fimbristylis 8 sp.,
Hemicarpha *, Eriosphora, Hemichlaena, Seieria 5 sp., Carex 5 sp.).
Die Gesammtzahl der in der Flora abyssinica R.'s enthaltenen
Phanerogamen beträgt, nach Ausschluss der Kulturpflanzen, 1652 Arten,
von denen etwa 1200, also mehr als 2/3 bisher nur in Abyssinien ge-
funden sind. Die übrigen zerfallen in die früher bezeichneten Katego-
rieen (s. Jahresb. f. 1847. S. 44.), die nunmehr weiter vervollständigt
werden können :
1. 80 afrikanische Arien, die zugleich in Senegambien oder
anderen Ländern an der Westküste des tropischen Afrika's vorkommen.
Fernere Beispiele : 2 Asclepiadeen (Lepladenia lancifolia Decs. und
Hoya africana Decs.), 2 Convolvulaceen , 2 Boragineen (Tournefortia
subulata Höchst, und Trichodesma africanum Br., welches von Arabien
bis zum Cap verbreitet ist) , von Scrophuiarineen Rhamphicarpa fistu-
losa Benlh. , 5 Acanthaceen , 2 Labiaten, von Amaryllideen Haemanthus
multiflorus W., von Asparageen Dracaena fragrans Ker.
2. 110 Arten, die auch in Ostindien vorkommen und von de-
nen eine Anzahl durch alle Tropenländer dem Menschen gefolgt sind.
Von Bäumen sind noch zu erwähnen: Cordia Myxa und Ficus bengha-
lensis,
3. 4 Arten , die auch auf den iMaskarenen oder Madagaskar
wachsen. Zu dem früher erwähnten Viscum laenioides kommen jetzt
noch : Olea chrysophylla Lam., Phylolacca dodecandra und die auch am
Cap gefundene Amarantacee Cyathula globulifera Moq.
4. Die Anzahl der auch in Arabien einheimischen oder längs
des Wils nach Wubien und Aegypten verbreiteten Gewächse steigt auf
95 Arten : diese beiden Kalegorieeu lassen sich nicht überall scharf
trennen.
332 Grisebäch: Bericht üb. d. Leistungen in d. geögrap'hischen
5. Die Reihe der in Abyssinien einheimischen Cappflanzen steigt
auf 29 Arten, indem folgende zu den früheren hinzukommen : Myrsine
africana L., Olea laurifolia Lam. , Sarcoslemma viminale ßr. , Halleria
lucida L. , Striga Thunbergii Benlh., Hebenstreitia dentata L. , Salvia
scabra Thunb., Podocarpus elongatä W., Sporobolus capensis Kth., Dan-
thonia Thunbergii Kth., Bromus pectinatus Thunb., Kyllingia cristata
Kth., pulchella Kth. und alba Ks., Eleocharis limosa Seh. , Hemicarpha
Schraderi Kth. l^ ^ sü^o-;-/ , qs H 8: m.ü.Ii/^
6. Die europäischen Formen, die als angesiedelt zu betrachten
sind, bilden eine Reihe von 125 Arten :
a. Mit der Getraidekultur verbreitete Arten : 95 sp.
b. Wasser- und Sumpfpflanzen: 30 Arten. Zu den früheren
kommen hinzu: Lobelia Laurentia, Samolus , Limosella, 2 sp, Veroni-
cae 2 sp. Menlhae , Teucrium Scordium , Polygonum amphibium, Jun-
cus bufonius, Alisma Plantago , Typha angustifolia ,3 sp. Polamogeto-
nis, Phragmites, 2 sp. Cyperi und und 4 Scirpeen. " , "
7. Unerklärt bleibt die Verbreitungsweise von 10 Arten. Dazu
gehören noch die südeuropäischen Sträucher: Erica arborea und Cel-
tis australis (letztere vielleicht durch Kultur verbreitet); ferner Amaryl-
lis vittala,, deren peruanisches Homonym einer genaueren Vergleichung
bedarf, und Chenopodium foelidum , eine durch Amerika verbreitete
Ruderalpflanze und die wohl in die zweite Kategorie gehören wird.
Fernerer Nachtrag zu dem Verzeichniss der abyssinischen Kul-
turpflanzen (s. Jahresber. f. 1841. S. 450.) : Sesamum indicum (Salid,
Celile, Angada) , Nicotiana Tabacum , Capsicum conoides (ßels), Sola-
num tuberosum, Euphorbia Lathyris , Sorghum vulgare (Michelia). ,.^^^1^.
Sonder 'i^) publicirte Beiträge zur Capflora, beson-
ders nach Zeyher'schen Sammlungen und nach denen , wel-
che Gueinzius bei Port Natal zusammenbrachte. Diese um-
fassende Arbeit reicht von den Polypetalen bis zum Schlüsse
der Urticeen und enthält eine beträchtliche Anzahl von neuen
Arten. — Harvey'^^) begleitete das, von Lady Roupell
herausgegebene Luxuswerk über Cappflanzen, mit Bemerkun-
gen über den Einfluss der Irideen und einiger anderer Fa-
milien auf den Vegetationscharakter Südafrika's.
ll^V Inseln des atlantischen Meeres.
Webb erhielt seit der Herausgabe seiner Spicilegia
Gorgonea (s. vor. Jahresb.) eine neue Pflanzensendung von
den Inseln des grünen Vorgebirgs, wo Bocande gesam-
melt hat, und er schrieb nach diesen Materialien einen Nach-
,, ., und systematischen Botauik während des Jahres 1850. 333
trag- 1-0) zu seinem früheren Werke. Er bemerkt, dass die
kanarischen Formen dieses Archipels, wie Euphorbia Tuckeyana,
Campylanthus Benlhami, Sonchus Daltoni u. a. , daselbst nicht
in der Küstenregion, sondern in den Gebirgen auftreten, nach
dem allgemein gültigen Gesetze, dass gleiche Pflanzenarten
in niedrigeren Breiten ein höher gelegenes Areal bewohnen.
Der Nachtrag umfasst zunächst die Polypetalen und enthält
fast nur Arten, die auch dem afrikanischen Continent ange-
hören : die wenigen neuen Formen scheinen ebenfalls Glie-
der der afrikanischen Flora zu sein.
V. Amerika.
Seemann 1'') setzte seine Mittheilungen über den Ve-
getationscharakter der arktischen Küste von Amerika fort
(s. vor. Jaliresb.). Die am Kotzebue-Sund beobachtete Tun-
dra ist gleichmässig von dem Eingange in die Behrings-
Strasse bis zum Point Barrow (72^ N. Br.) ausgedehnt. Nur
wo fliessendes Wasser sich findet, fehlt die Torfbildung und
hier erscheint dann eine üppige Staudenformation. — Die
Baumgrenze sinkt nach S.'s Beobachtungen (p. 181.) an der
asiatischen Küste des Tschuktschenlandes bis 64° N. Br. herab,
an der amerikanischen Seite der Behringsstrasse findet sie sich
unter 66o N. Br. und wird hier durch Abies alba und Salix
alba gebildet. Diese Bäume wurden als äusserste Vorposten
des Uferwaldes an dem Buckland -River beobachtet, der in
den Kotzebue-Sund mündet, wo jedoch die Conifere schon
oberhalb der Mündung verschwand. Dann folgt nordwärts,
wie im Samojedenlande, eine Zone, wo noch strauchförmige
Weiden vorkommen, und bei Wainwright's - Inlet hebt sich
auch kein Strauch mehr über die ebene Tundrafläche.
S.'s Versuche über den Einfluss der arktischen Sonne
auf den Schlaf einer südlichen Pflanzenform (p. 153.) erga-
ben, dass ein Phaseolus, der in der tropischen Zone seine
Blätter um 5 Uhr Nachmittags zum Schlaf faltete, diesen Zeit-
punkt bei wachsender Tageslänge allmählich bis 8 Uhr Abends
verschob: weiter aber nicht, auch nicht in den Breiten, wo
die Sonne nicht unterging, vorausgesetzt, dass ihn nur dif-
fuses Licht beleuchtete; die direkten Sonnenstrahlen hoben
auch mitten in der Nacht den Schlaf auf. .^^uiunL i^>.ii;iii;>;.
334 GrisÖbäch: Bericht üb. d. Leistungen in d. geographischen
Agassiz 122-^ verglich die Vegetation am Lake Su-i
perior mit der der Schweiz : seine Schrift ist mir nicht zu-
gekommen.
""" Bromfield ^^s^ setzte seine Mittheilungen über die
Veriöinigten Staaten (s. vor. Jahresb.) fort: seine klimatolo-
gischen Ansichten sind nicht frei von irrigen Verallgemeine-i
rungen. •-»ii;l.>(|(i
Scheel e*s Bdträge zur Flora von Texas (s. vor. Jah-
resb.) wurden fortgesetzt ^^^-j^
Seemann '25-j dehnte während seines Aufenthalts in
Mazatlan (s. vor. Jahresb.) seine Untersuchungen auch auf
das mexikanische Tafelland aus , welches er zwar bis zur
centralen Provinz Durango, jedoch in ungünstiger Jahreszeit
bereiste. :
Duchassaing und Walpers '^6) haben eine Publi-
kation über Pflanzen von Panama, so wie von Guadeloupe und
St. Thomas begonnen.
Alexander i-^) berichtete über seine botanische Reise
nach Jamaika. Die Regenzeit fällt hier, wie in Havanna, in
den Herbst, aber in geringerem Grade dauert sie auch in
den Wintermonaten fort, wenn es an der Küste von Vera-
Cruz, gleich wie am Orinoko, heiter ist , sie behinderte den
Reisenden in seinen Untersuchungen bis zur Mitte des Fe-
bruars : sie scheint demnach dann vom Passat begleitet zu
sein, der als Seewind seine Feuchtigkeit an den Gebirgen
von Jamaika niederschlägt. Von Mitte Februar bis Anfang
Mai (1850.) war die Luft heiter. Die Ansicht von dem Zu-
sammenhange der Niederschläge mit dem Passat wird durch
eine spätere Bemerkung unterstützt, nach welcher es wahr-
scheinlich ist, dass die Niederschläge der Wintermonale an der
Südküste bei Kingston nicht stattfinden, sondern die nördli-
chen Gehänge der Insel auszeichnen („the fresher appearance
of this horthern side would seem to be owing to the wind
blowing from the north-east, and depositing abundance of
moisture during all the winter months; white the Kingston
side , receiving its wind from the south , is dry" p. 279.).
Kämtz (Meteor. 1. p. 426.) hatte die Meinung ausgesprochen,
dass nach den Beobachtungen in Havanna, die mit denen auf
Jamaika übereinzustimmen scheinen, die Regenverhältnisse-
i* und systematischen Botanik während dcJs Jahres 1850. 335
der grossen Antillen zu denen der gemässigten Zone einen
Uebergang bildeten : dies ist nur insofern richtig, als je nach der
örtlichen Gestaltung einer Küste der Passat so gut wie andere
Luftströmungen als Seewinde atmosphärische Niederschläge be-
wirken können, so dass in Havanna kein Monat ganz regen-
frei ist. Allein die eigentliche Regenzeiit ist ganz tropisch,
sie fällt auf Jamaika in den Herbst, indem sie sich um zwei
Monate nach dem Zenithst^ande der Sonne verspätet. — Das
Gebirge des östlichen Theils von Jamaika besteht aus einem
Kalkgestein, welches Höhlungen und geschlossene Thäler be-
sitzt, wie der Karst. An dem feuchteren Nordabhange (Jah-
resb. f. 1845. S. 50.) nahm der Reisende seinen Aufenthalt.
Während die Niederung an der Südküste bei Kingston durch
Mimosengesträuche charakterisirt wird, ist dieser Nordabhang
gegenwärtig einem Parke mit eingestreuten Baumgruppen ver-
gleichbar, seitdem die Cullur des Zuckerrohrs nach der Eman-
cipation der Neger aufgehört hat und der gelichtete Boden
nunmehr nur als Weideland der Viehzucht dient. — Die
Bäume sollen sämmtlich periodischen Laubabfall zeigen, aber
die einzelnen Formen in verschiedener Jahreszeit. A. be-
hauptet , dass sogar bei derselben Art in dieser Beziehung
zuweilen kein Typus bemerkt werde , und dass man einen
Cotton-Baum (Eriodendron) gesehen habe, dessen Aeste
gleichzeitig zum Theil blattlos, zum Theil belaubt gewesen
seien : hier möchte man geneigt sein, ungenaue Beobachtung
vorauszusetzen. Richtiger, als diese Darstellung eines pe-
riodischen Laubwechsels , dürfte die allgemeine Auffassung
sein, dass das Landschaftsbild stets eine Masse von reicher,
dunkelgrüner Färbung darstelle , und dass nur hier und da
ein einzelner blattloser Stamm zu bemerken sei (p. 278.) :
dies erklärt A. daraus, dass der blattlose Zustand nur zwei
bis drei Wochen dauere, aber es wird der ganzen Erschei-
nung wohl nichts weiter zu Grunde liegen, als dass einzelne
Bäume abgestorben waren , und dass der periodische Laub-
wechsel sich auf bestimmte Arten beschränkt, wie in Brasi-
lien. Der durch seine Gestalt am meisten auffallende Baum
ist die Bombacee Eriodendron anfractuosum , dessen hoher,
in der Mitte angeschwollener Stamm von zahlreichen Luftwur-
zeln, wie von Strebepfeilern, getragen wird. Ueber das
336 Grisebach: Bericht üb. d. Leisluogen in d. geographischen
Wachsthum dieses Baumes finden wir hier ebenfalls einige
auffallende Behauptungen: so versichert der Reisende, dass
die Zweige der Krone sich nicht verjüngen („if the wind
tears off a bough , it is not replaced" etc.), dass keine ste-
tige Verdickung des Stamms durch Wachsthum des Holzkör-
pers stattfinde („yon see trees thirty feet trigh, with just as
large a stem as those that are eighty feet«), er meint, dass
eine Verlängerung des Stamms durch Druck von unten, von
den Luftwurzeln aus erfolge, wofür er anführt, dass einge-
schnittene Namen in wenigen Jahren um vier Fuss über ihr
ursprüngliches Niveau gehoben seien. Die letztere Thatsache
wäre, wenn hinreichend beglaubigt, sehr bernerkenswerth:
die übrigen werden so lange für irrthümliche Beobachtungen
gelten müssen, bis die Beweise für so grosse Anomalieen bei-
gebracht werden können. — Der Beichthum der Flora von
Jamaika wird von Macfadyen auf 3000 Arten geschätzt.
Das Hauptprodukt der Nordabhänge Jamaika's ist der
Pimento - Pfeffer , die Kaffeekultur ist, wie schon Purdie be-
merkte, auf die südlichen Abhänge des Gebirgs eingeschränkt.
Die Weidegründe sind häufig mit dem Guinea-Gras bestellt
(Panicum jumentorum) und werden von Kräutern freigehalten.
Montagne ^^^') machte die interessante Entdeckung
bekannt, dass in Guiana Florideen im süssen Wasser vor-
kommen: die Arten , sechs wurden bis jetzt beobachtet, sind
sämmtlich neu , sie gehören zu den Gattungen Bostrychia,
Ballia und Gymnogongrus : eine Ballia wächst parasitisch auf
einem neuen Batrachospermum. Leprieur fand sie in Ge-
birgsbächen , theils 6, theils mehr als 11 geog. Meilen von
Cayenne, 300' — 500' über dem Meere. Das Wasser, in dem
sie vegetiren, ist ohne Salzgehalt: doch haben die Gewächse
den eigenthümlichen Seegeruch des Meeresalgen. Sollten die
Quellen, welche durch Eisenstein rinnen, vielleicht Brom- oder
Jod -haltig sein?
„,i»,i; Die von Leprieur in Guiana gesammelten Algen (76 sp.")
wurden vonMontagne ^^g^ ^uch bearbeitet. — Miquel'^o)
setzte seine Beiträge zur Flora von Surinam fort.
Spruce 13*) berichtete über seine botanischen Samm-
lungen am Amazonas, aus denen Bentham (das.) bereits
einiges Neue beschrieben hat. Der Reisende fuhr von Para
und systematischen Botanik während des Jahres 1850. 337
stromaufwärts bis Santarem und untersuchte dann während der
nassen Jahreszeit das Gebiet des von Norden kommenden
Nebenflusses Trompetas, last bis zur Grenze von Guiana. In
der Nähe von Santarem fand er die Victoria regia, die längs
des Amazonas in den sogenannten Lagunen oder vielmehr
den Binnenseeen, die mit dem Strome in Verbindung stehen,
allgemein verbreitet zu sein scheint und deren Blätter wäh-
rend der Regenzeit die Grösse von 12 Fuss im Durchmesser
erreichen sollen.
Eine übersichtliche Darstellung von dem Vegetations-
charakter der Provinz St. Paulo im extratropischen Brasilien
wurde von St. Hilaire ^^o^ mitgetheilt. Jenseits der Serra
do Mar^ der Küsten-Cordillere, breitet sich im südlichen Bra-
silien ein weites Tafelland aus , dessen mittlere Höhe 2500'
engl, beträgt , und welches den grössten Theil der Provinz
S. Paulo einnimmt. Während das Litoral durch die ganze
Provinz tropisches Klima und tropische Vegetation bewahrt,
zeigen sich im Inneren, wenn man von Norden nach Süden
fortschreitet, allmählich die Einflüsse der gemässigten Zone.
Indessen ist auch hier, wiewohl die Temperaturkurve des
Jahres eine stärkere Krümmung beschreibt, die Vertheilung
der Jahreszeiten tropisch: die Regenzeit beginnt im October
oder November, die trockene Jahreszeit im März oder April ;
im Litorale finden fast das ganze Jahr atmosphärische Nie-
derschläge statt. — Die Bergketten sind gleich dem Litoral
mit Wäldern bedeckt , die Fläche des Tafellandes ist zum
Theil bewaldet, zum Theil Savane. Vergleicht man das letz-
tere mit den Hochflächen von Minas- Geraes, so steht es an
Mannichfaltigkeit der Pflanzenformen zurück: es fehlen die
Carrasco's (niedrige Mimosengesträuche, vorzüglich aus
Mimosa dumetorum St. Hil. gebildet) und die Catinga's (die
im Winter entlaubten Gehölze); dagegen treten unermessliche
Araucarien- Wälder (Pinheiro's) in den Vordergrund des
Landschaftsbildes, die in Minas-Geraes auf einzelne Höhen-
punkte der Gebirgsketten eingeschränkt sind. — Südwärts
von Minas - Geraes in der Richtung nach der Hauptstadt S.
Paulo ist die Vegetation von Rio Janeiro bis 22° 55' (Pin-
damonhongaba) vollkommen entwickelt, hierauf folgt bis S.
Paulo ein wechselreiches Gebiet von off'enen und bewaldeten
Archiv, f. Naturgesch. XVII. Jahrg. 2. Bd. W
338 Grisebach: ßericht üb. d. Leistungen in d. geographischen
Gegenden, wo mehrere Arten eigenthümlich zu sein scheinen.
Weiter im Inneren, auf den Campos von Minas-Geraes, ver-
lieren sich in südlicher Richtung allmählich die Baumformen,
die für die Savanen dieser Provinz so charakteristisch sind
(Taboleiros cobertos), die Holzgewächse werden selten oder
sind auf tiefere Lagen beschränkt, eine einförmigere, durch
Gramineen bezeichnete Vegetation umgiebt bereits die Stadt
S. Joao del Rey, Aber schon unter 22« 20' (bei der Stadt
Mogimirim) findet diese offene Savane ihre Südgrenze. Hier
treten zuerst wieder einzelne Gehölze auf und dehnen sich
bald immer weiter aus, bis in der Nähe von Mogi die Savane
ganz aufhört und eine grosse Waldung beginnt, welche die
Ebene des Tafellandes bedeckt: so ausgedehnte Wälder fin-
den sich in Minas-Geraes nur auf dem geneigten Boden der
Gebirgsketten, hier liegt die Grenze der nördlichen Savane
und des südlich sich anschliessenden Waldes auf der Hoch-
fläche selbst. Dieser Wald, dessen Bestandtheile nicht an-
gegeben sind , besteht jedenfalls noch nicht aus Araucarien,
deren Nordgrenze auf dem Tafellande unter 23° 40' S. Br.
(p. 44.) liegt, während die Fläche schon in der Breite der
Stadt S. Paulo (23^ 33') wieder in Savanen übergeht. Von
hier, also vom südlichen Wendekreis, bis nach ßuenos-Ayros
sind die Grassavanen selbst ohne Bäume, sie können abwech-
seln mit Wäldern , aber vom Taboleiro coberto findet sich
südwärts vom Thale des Tiefe unterhalb der Stadt S. Paulo
nur selten noch eine Spur. Zwischen 24^ und 25° S. Br.
heissen die Grassavanen wieder Campos-Geraes, hier entfal-
tet sich vom Januar bis Anfang Mai die Frische nordischer
Wiesen^ dunkle Araucarien - Gehölze unterbrechen ihre Ein-
förmigkeit. Hex paraguariensis ist häufig bei Curitiba; dort,
wie in einigen Gegenden von Minas-Geraes, begleitet dieser
Strauch die Araucarien. — Den tropischen Kulturgewächsen
giebt St. H. folgende Südgrenzen auf dem Tafellande von
S. Paulo.
230 20' (Sorocaba) : Südgr. der Kaff'eekultur.
230 38/ (Itapitininga) : Südgr. des Zuckerrohrs. Itapeva,
15—18 Lieues südlicher: Südgr. des Pisang.
Serra das Furnas, 30 L. v. Itapeva : Südgr. der
Baumwollenkultur.
und systematischen Botanik während des Jahres 1850. 339
250 51' (Curitiba): die Orangen sind sauer, die Ana-
nas kommt nicht mehr fort.
Weddell ^^0 schickte seinen systematischen Beiträ-
gen zur Flora von Südamerika einen reichhaltigen Ueber-
blick über seine Reise voraus. Nach einem viermonatlichen
Aufenthalte in Rio de Janeiro begab sich die Expedition des
Gr. Castelnau, welche W. als Botaniker begleitete, im Okto-
ber 1843 nach Minas-Geraes , wo sie bis zum Februar 1844
verweilte, reiste sodann durch den südlichen Theil von Go-
yaz nach Villa -Boa und führ im Junius den Araguay hinab,
um auf dem Tocantins zurückzukehren. Das Tafelland der
Campos, welches bei Ouro-Preto (Villa Rica) 1200 Meter
hoch ist, senkt sich allmählich gegen das Stromthal des Ara-
guay; am Crixas, einem Nebenfluss desselben, betrug das Ni-
veau nur noch 400 Meter. Die botanische Ausbeute während
der sechsmonatlichen Flussschifffahrt war nicht bedeutend, die
Uferwaldungen boten wenig Eigenthümliches, Bertholletia ex-
celsa ist auch hier häufig. — Im November ging W. von
Villa-Boa nach Cuyaba in Matto grosso, wo er bis Ende Ja-
nuar 1845 blieb; hierauf fuhr er die Flüsse abwärts bis zur
Grenze von Paraguay und untersuchte dann bis Ende August
noch verschiedene, andere Gegenden jener bis dahin fast
unbekannt gebliebenen brasilianischen Provinz. Nachdem die
Uferwälder am oberen Araguay überschritten waren, begann
wieder der Vegetationscharakter der Campo's, die in diesem
Theile von Matto grosso mit denen von Minas-Geraes und
Goyaz im Wesentlichen übereinstimmen, doch ist auf dem
höchsten Theile des Weges, auf dem ebenen Plateau von
Taquara, der Campo baumlos und enthält an Holzgewächsen
nur einige ganz niedrige Sträucher (Myrtaceen, Euphorbia-
ceen , und eine kleine Lecythis). In der Nähe des Cuyaba
hörten die Campo's auf, eine sumpfige Niederung folgte, die
nur noch 150 Meter über dem Meere lag und als das nörd-
lichste Glied der Ueberschwemmungsgebiete zu betrachten
ist, die sich am Zusammenflusse des Cuyaba mit dem S. Lou-
ren^o und dieses mit dem Paraguay weithin entwickelt ha-
ben (Region der Pantanals : vergl. vor. Jahresb. S. 57.).
Hier ist tropische Waldüppigkeit in weit höherem Grade ent-
faltet, als an den Flüssen von Goyaz. Bald scheinen die
340 Grisebach: Bericht üb. d. Leistungen in d. geographischen
dicht verwachsenen Bäume, geziert mit blühenden Lianen und
Parasiten, in das Bett des Stroms selbst einzudringen, indem
ihre Stämme in das Wasser eintauchen, bald ist der sum-
pfige Boden von hohen Stauden und Gebüschen bedeckt, über
welche die hohen Rispen des Uva-Rohrs (Gynerium saccha-
roides) hier und da hervorragen, dessen oberstes Stengel-
glied allein 2 bis 3 Meter lang ist und den Indianern an fast
allen Strömen Südamerika's als Pfeilstange dient (p. 59.). —
Bei Nova Coimbra, der Grenzfestung Brasiliens am Paraguay
gegen den Staat dieses Namens , enden die Panlanals ; hier
beginnt vom östlichen Ufer des Flusses die grosse Ebene des
Gebiets von Gross-Chaco, die sich bis an den Fuss der
Bolivischen Anden erstreckt und als die nördliche Fortsetzung
des Pampas zu betrachten ist. Vom Fort Bourbon aus ge-
sehen, erschien diese Fläche trocken und kahl, oder auf an-
deren Punkten mit Wäldern bedeckt, welche nur aus einer
einzigen Palme, der Caranda-Palme (Copernicia cerifera) be-
stehen, deren Blatt gleich dem der Zwergpalme gestaltet ist;
die offene Ebene war reich an krautartigen Gewächsen, auf
einigen kleinen Hügeln mit grossen Cacteen, Cereus -Formen
bedeckt. Das Klima von Fort Bourbon ist drückend heiss,
die Messungen Hessen auf eine mittlere Wärme von 28^ schlies-
sen, aber wenn dieser Werth zu hoch ist, um ihm eine mehr
als örtliche Bedeutung beizulegen, so schien doch nach einer
Bestimmung der Bodenwärme bei Nova Coimbra als Mittel-
temperalur der ganzen Landschaft die Ziffer 24° angenommen
werden zu müssen (p. 62.). — Der Weg von Villa Maria am
oberen Paraguay Clö° S- BrO^ wo in einer neuen Zamia (Z.
Brongniartii Wd.) die Südgrenze der Cycadeenform in Ame-
rika beobachtet zu sein scheint, nach Villa Bella, der alten
Hauptstadt von Matto grosso , führte aus den Pantanals wie-
der über Campo's, späterhin jedoch durch ein pittoreskes
Waldgebiet, welches der Guapore durchströmt und wo Farn-
bäume und Palmen in grosser Zahl erscheinen: von letztern
besonders die Catisar- Palme (Iriartea), Euterpe und Attalea
compta (hier Uaua-assu genannt). Jenseits des Flussthals,
gegen die Grenze von Bolivien hin , liegt wieder ein Campo,
derselbe erschien in blendendem Blüthenschmuck.
Von Ende August bis Mitte Oktober 1845 dauerte W.'s
und systematischen Botanik während des Jahres 1850. 341
Reise durch die bolivische Provinz Chiqiiitos nach dem
Rio grande und der Stadt Santa Cruz. Die Formationen von
Matto grosso herrschten auch hier, bald Campo's, bald Wäl-
der, auch fehlten die Ueberschwemmungsflächcn nicht, die
hier an Copernicia-Palmen und dornigen Mimosen reich sind;
unter den letzteren ist eine Art mit adstringirenden Blättern,
bekannt unter dem Namen Vinal, die den Pantanal von Bo-
livien am entschiedensten charakterisirende Pflanze. — Die
Wälder von Rio grande enthalten zwei Formationen, die zo-
nenartig mit einander wechseln: entweder bestehen sie aus
einer grossen Bombacee (Chorisia ventricosa) , die mit Ce-
reus-Cacten und der kleinen Saro -Palme (Trilhrinax brasi-
liensis) gemischt wachsen, oder sie sind aus Myrtaceen, aus
Eugenia cauliflora (Guaypuru) und zwei grossen Myrten .zu-
sammengesetzt. Der Boden der Wälder ist oft von Brome-
lien-Rosetten bedeckt, die der Reisende nirgends so häufig
sah wie hier; unter den Epiphyten ist ebenfalls eine Brome-
liacee sehr allgemein verbreitet, die Gattung Vriesia, welche
die Spanier Flor del Aire nennen. — Von Santa Cruz begab
sich W. gegen Ende November südwärts in den südöstlich-
sten Winkel von Bolivien nach Tarija und gebrauchte zu die-
ser höchst beschwerlichen Reise mehr als zwei Monate, wor-
auf er bis zum Junius 1846 in Tarija verweilte. Schon am
Rio grande de Chiquitos bemerkt man die äussersten Con-
treforts der Anden, welche der nach Süden Reisende
beständig übersteigen oder umgehen muss. Auch hat der
Vegetationscharakter Brasilien's an jenem Strome ein Ende :
hier hören die tropischen Campo's, sofern sie durch eigen-
thümliche Holzgewächse bezeichnet sind , auf; die offenen
Gegenden bestehen nun, was im tropischen Brasilien so sel-
ten ist, nur aus Stauden und Gräsern, sie heissen bei den
Einwohnern nun nicht mehr Campo's, sondern Pampas,
wenn sie gross sind, Potrero's, wenn sie von Wäldern
umschlossen werden. Auch die Wälder — namentlich kom-
men die Myrtaceen-Wälder mehrmals in dem Berichte vor —
entfallen nicht mehr den tropischen Formenreichthum Brasi-
liens ; bei Gutierres ist der Baum , welcher den Tolu-Balsam
liefert, häufig (Quina-quina = Myroxylon peruiferum). Auf
den Pampas in den Umgebungen dieser Stadt, die 1000 bis
342 Grisebach: Bericht üb. d. Leistungen in d. geographischen
1100 Meter hoch liegen, findet sich ganz isolirt ein merk-
würdiger Leguminosenbaum, den die Bewoher Algarobo nen-
nen und dessen Hülsen auch, gerade wie die der Ceratonia,
zur Nahrung oder zum Viehfutter dienen : dieser Baum, wahr-
scheinlich Prosopis dulcis, hat einen Stamm, der nur einige
Meter hoch ist , trägt aber auf diesem eine kreisförmig ge-
staltete, immergrüne und so dichte Laubkrone, dass weder
Sonnenstrahlen noch Regen durchdringen. — Bei Sauces —
nach den daselbst häufigen Salix-Gebüschen so genannt —
wurden zuerst Pflanzenformen der gemässigten Zone, wie
Ranunculus, Galium angetroffen. Eine der reichsten Ausbeu-
ten gewährte sodann die erste hohe Felsbrüstung der Cor-
dillere (20° S. Br.), die auf jähen Pfaden zu der Stadt Po-
mabamba führte : diese selbst liegt 2600 Meter hoch , aber,
um sie von Osten zu erreichen, musste ein gegen 4000 Me-
ter hoher Pass überstiegen werden. Am östlichen Abhänge
folgten über der Waldregion, die hier durch Podocarpus und
mehrere Solaneensträucher charakterisirt war, Gesträuche von
Berberis und Ephedra, dann Escallonien und Ericeen (Gaul-
theria, Andromeda, Vaccinium), zuletzt auf der Höhe des
Passes ein alpiner Rasen von Alchemilla aphanoides mit Lu-
zula. Wälder bedecken auch den westlichen Hang gegen
Pomabamba, aber die Stadt selbst, wo bei einer mittleren
Wärme von etwa W C. Getraide gebaut wird , ist von fast
kahlen Bergen umgeben, auf denen zuweilen als einziges
Holzgewächs eine baumartige Bromeliacee mit himmelblauen
Blumen, wahrscheinlich eine Pourretia vorkommt. Von hier
überstieg W. einen zweiten hohen Pass, um in das Thal des
Pilcomayo zu gelangen : die alpine Region bot Arten von
Plantago, Junceen, Malvaceen, stengellose Amarantaceen, Va-
leriane.en und eine schön blühende Geraniacee (Hypseocha-
ris pimpinellifolia Rem.). — Zwischen dem Pilcomayo und
dem Thale von Cinti erhob sich eine dritte Nebenkette der
Anden und hier entwickelte sich zum ersten Male der Cha-
rakter derPuna-Region (vergl. Jahresb. f. 1843. S. 80.),
wo die eisigen Westwinde herrschen und „das Thermometer
fast in allen Nächten des Jahres unter den Gefrierpunkt fällt«
(p. 78.). Der Gegensatz dieser und der früheren, alpinen
Regionen scheint davon abhängig, dass die ersteren durch
und systematischen Botanik während des Jahres 1850. 343
vorliegende Höhen von dem von der westlichen Schneekette
wehenden Luftströme geschützt, die letzteren tafelförmig ge-
staltet sind. Die Anordnung der Regionen vom Thale des
Pilcomayo aus war folgende : a. Mimoseengesträuche, mit der
Polygonee Ruprechtia, bedeckten die unteren Gehänge des Thals
bis etwa 100 Meter über dem Flussspiegcl; b. Cacteenregion,
mit den mannichfachsten Arten dieser Pflanzenform ; c. alpine
Region, charakterisirt durch Gentiana, Ranunculus, Calceola-
ria, Luzula, zuletzt Viola, Umbelliferen (Azorella), Rasen bil-
dende Papilionaceen und stengellose Synanthereen (Werne-
ria , Trichocline). Nach zweitägiger Reise über die kalte
Puna-Fläche stieg W. nach dem Thale von Cinti herab und
traf in der Cacteen-Region eine Menge von dornigen Sträu-
chern (Berberis, Solaneen, die Mutisieen Chuquiraga und
Flotowia, die Nyctaginee Bougainvillea) ; hier kamen auch
mit Harz bedeckte, abgerundete Rasen von Bolax vor und
ein einziger Baum wuchs in dieser Region, dessen Stamm nur
selten höher als 2 bis 3 Meter wird , der Quenua (die San-
guisorbee Polylepis) : diese traurigen Einöden werden auch
zuweilen durch ein zartes Mimosengesträuch belebt. — An
den Abhängen des Thals von Cinti wird die Kartoffel nebst
Gerste angebaut, weiter abwärts Luzerne, und im Thale selbst
gedeihen die europäischen Obstbäume, ein guter Wein wird
erzeugt. In dieser Gegend wachsen von einheimischen Holz-
gewächsen der Molle -Baum (Schinus), der Jarilla - Strauch
(die Zygophyllee Laurea divaricata) und der Chaca-tia (Do-
donaea). Bis Tarija musste noch eine letzte Puna-Fläche
überstiegen werden. Tarija (22^ S. Br.) liegt gegen 1770 Me-
ter hoch, die mittlere Temperatur beträgt 13^ und im kälte-
sten Monate , dem Junius , sinkt das Thermometer fast jede
Nacht unter den Gefrierpunkt: doch wird Mais gebaut.
im Junius unternahm W. eine Reise in das Tiefland
vonGross-Chaco, von welcher er erst in der Mitte des
Augusts nach Tarija zurückkehrte. Noch innerhalb des Ge-
biets von Bolivien, in dem schönen Thale von Narvaes, hör-
ten die waldlosen , öden Abhänge auf und es begann eine
Waldregion von tropischer Fülle, in welcher gegen 60 Arten
von Bäumen unterschieden werden konnten : die Zahl der Le-
guminosen ist überwiegend (z. B. Acacia Angico sehr ver-
344 Grisebach; Bericht üb. d, Leistungen in d, geographischen
breitet), vertreten sind Cedreleen (Cedrela brasiliensis), Lau-
rineen, Myrtaceen, Sapindaceen, Euphorbiaceen, Bombaceen
u. s. w. — Die Horizontalebene von Gross-Chaco
ist unmittelbar an der bolivischen Grenze bei Villa -Rodrigo
nur 187 Meter hoch und bildet daher eine der tiefsten De-
pressionen des südamerikanischen Kontinents. Der sandige,
salzhaltige Boden ist hier, wie am Paraguay, oft auf weiten
Strecken von der Copernicia-Palme bedeckt; ebenfalls häufig
und für die Indianer der wichtigste Baum ist der Algarobo
(Prosopis dulcis) ; eine andere Leguminose, der Chanar (wahr-
scheinlich Ormosla), bildet Gebüsche am Ufer des Pilcomayo
und trägt zuckerreiche Steinfrüchte, aus denen ein starkes,
geistiges Getränk bereitet wird.
Von Tarija begab sich W. nach Chuquisaca, der Haupt-
stadt von Bolivien, welche 2844 Meter hoch auf dem baum-
losen Plateau liegt, wo jedoch die Zucht von Bäumen und
selbst von Palmen gelingt. Im Oktober besuchte er das noch
höher gelegene Potosi (4000'") und reiste dann über Cocha-
bamba nach La Paz , wo er bis Mitte Januars 1847 blieb.
Alle diese Reisen in den öden Puna- Regionen Boliviens bo-
ten wenig botanisches Interesse dar, in den wärmern Thal-
einschnitten, wie bei Cochabamba, wiederholten sich die frü-
her dargestellten Abstufungen der Vegetation. Erst in der
Nähe von La Paz , wo solche Thäler bis in die Region der
Palmen und Farnbäume hinabführen , begannen über dieser
die Bildungen der Cinchonen- Wälder : in derselben Gegend
wird auch der Cocastrauch (Erythroxylon Coca) im Grossen
gebaut, doch nur bis zur Höhengrenze von 1300 Metern. La
Paz selbst aber liegt sehr hoch auf der Puna (3720"') , von
ausgedehnten Weiden mit alpinem Graswuchs umgeben, wel-
che die Zucht der Alpaka-Heerden begünstigen: Gerste und
Bohnen kamen hier nur kümmerlich fort. — Von La Paz
besuchte W. den See Titicaca und wandte sich von da nach
Arequipa , wo er Anfang Februars anlangte. Am östlichen
Ufer des Sees fand er Kultur von Kartoffeln, Gerste, Qmno2L
und Ullucus, auf den Inseln , die klimatisch begünstigt sind,
sogar Versuche des Maisbaus: W. bemerkt, dass im Sommer
derPuna-Wind über dem Wasserspiegel etwas wärmer werde
und dadurch die Temperatur während der Vegetationszeit des
und systematischen Botanik während des Jahres 1850. 345
Getraides hebe. Unter dieser örtlichen Begünstigung erzeu-
gen die Inseln auch zwei einheimische Baumformen, die oben
erwähnte Polylepis und eine Buddleja. — Von Arequipa er-
stieg W. den 6000*" hohen Vulkan: die höchste Pflanze am
Kraler war eine Bolax. Er kehrte dann im Mai noch ein-
mal nach Bolivien zurück, besuchte den Sorata , an welchem
er bis zur Schneegrenze hinauf stieg, und verweilte an der
anderen Seite der östlichen Kordillere in der Cinchonenre-
gion von Tipoani und Guanai, wo mit den Wäldern wiederum
Campo's wechseln, deren Vegetationscharakter der der Bra-
silianischen ist (Pajonales der Bolivianer). Von Apolo-
bamba überstieg W. im Junius auf's Neue die Cordillere auf
dem Rückwege nach Peru, erreichte Cuzco Ende Julius, un-
tersuchte im folgenden Monat die Cinchonen-Wälder im Thale
von Santa-Anna und beschloss seine ausserordentlichen Wan-
derungen durch Südamerika im September 1847 zu Arequipa.
Weddell hat, wie oben erwähnt, auch angefangen,
die neuen Formen seiner Sammlungen zu bearbeiten '3^): die
erste Lieferung seiner Arbeit enthält 38 Arten aus den Fa-
milien der Cycadeen (1 sp.), Gnetaceen (1 Ephedra) und
Polygoneen (die übrigen). — Von den PI. Regnellianis (s.
vor. Bericht) erschien eine Fortsetzung '^^) , die Rubiaceen
vonßentham enthaltend. — Miers '3"^) fuhr fort, die So-
laneen und Scrophularineen Südamerika's systematisch zu er-
örtern. .— SuUivant '^^^) beschrieb neue Moose und Le-
bermoose vom Feuerlande, die auf Wilkes' Exploring Expe-
dition gesammelt waren.
VL Australien.
In Vandiemensland wurden von Ewi ng ^^^) einige gi-
gantische Eukalyptus-Bäume (Swamp-Gum , die Species wird
Silver Waltle genannt) gemessen: einer war von der Wurzel
bis zum ersten Zweige 220' hoch, die Krone mass 64', so
dass die volle Höhe des Baumes 284Fuss betrug; der grösste
hatte 3 Fuss über dem Boden 102 Fuss im Umfang und ist
noch im Fortwachsen.
In dem Reisewerke der Bonilc ^") wurden die gefäss-
losen Kryptogamen von Montagne und Leveille, so wie
die Lykopodiaceen von Spring vollendet.
346 Grisebach: Bericht üb. d. Leistungen in d. geographischen
liiterarische JVachweisung^eii.
1) Unger, in den Denkschriften der Wiener Alcademie. Bd. 1.
p. 83—90.
2) A. de Candolle, Comples rendus 1850. Vol. 30. 13. Mai.
3) Treviranus, in den Verhandlungen des naturhistorischen
Vereins der preussischen Rheinlande. Jahrg. 6. p. 261 — 263.
4) A. G. Seh renk , Reise nach dem Nordosten des europäischen
Russlands, durch die Tundren der Samojeden zum arktischen Uralge-
birge. Th. 1. Historischer Bericht. Dorpat, 1848. 730 S. 8.
5) F. J. Ruprecht, über die Verbreitung der Pflanzen im nörd-
lichen Ural, nach den Ergebnissen der geographischen Expedition in d.
J. 1847 und 1848.: in den Beiträgen zur Pflanzenkunde des russischen
Reichs. Lief. 7. Petersburg, 1850. 84 S.S.; im Auszuge abgedruckt
im Bulletin de l'acad. de St. Petersb. 8. nr. 18. 19.
6) V. Trautvelter, die pflanzengeographischen Verhältnisse
des europäischen Russlands. Hft. 2. Riga, 1850. 82 S. Hft.3. ib. 1851.
64 S. 8.
7) V. Ledebour, Flora rcssica. Vol. IIL Pars 2. Fase. 10. Sutt-
gart 1850. p. 493-684- 8.
8) Weinmann, nomina et descripliones nonnullarumplanlarum
in gubernio Permiensi collectarum (Bullet. Moscou 1850. I. p. 538 — 558.).
9) Lindemann, prodromus Florarum Tschernigovianae, Mobile-
vianae, Minskianae nee non Grodnovianae (Bullet. Mose. 1850. 2. p. 446.
-547.).
10) J. Waga, Flora polonica phanerogama methodo Linnaeana,
al. tit. FLpoIska. Vol. 1. Varsav, , 1847. 766 pag. Vol.2. 1848. 679 pag.
Vol. 3. Indices. 336 p. 8.
11) W. Ebel, geographische Naturkunde. Königsberg, 1850.
445 S. 8. Darin zweite Abiheilung : geographische Naturkunde von Is-
land S. 135 bis Schluss; und in dieser Flora von Island S. 216 — 290.
12) J. T. Syme, in den Annais of nat. hislory. See. Series, 5.
p. 266-269.
13) J. Woods, the tourists Flora. London, 1850. 505 p. 8.
14) Sir W. Hooker and G. A. Wa Ik er- Arno tt, the British
Flora. 6. edition. London 1850. 604 p. 8.
15) Miss Kirby, Flora of Leicestershire. 1850: darin 3 Rubi
von Bloxam aufgestellt, abgedruckt in Ann. of nat. history I. c. 6.
p. 490.
16) Babington, in Ann. of nat. hisl. 1. c. 5. p. 81— 91.
17) Berkeley, and C. E. Broome daselbst p. 365— 380. u.
455-.466.
und systematischen Botanik während des Jahres 1850. 347
18) Prodromus Florac batavae. In sociorum usum curavit so-
cietas promovendo Florae batavae studio. Vol. I. Vasculares. 1850.
382 p. 8,
19) Bericht fiber die vierte Zusammenkunft der IVlitglieder des
Vereins für die niederländische Flora zu Arnheim: in Nederlandsch
Kruidkundig Archief. ü. 2. St. 3. p. 1—92. Leyden, 1850.
20) V. d. Bosch, zweiter Beitrag zur algologischen Flora der
Niederlande: daselbst D. 2. St. 2. p. 202—227.
21) Reichenbach, Icones Florae germanicae. Vol. 12. Dek.
5—10. n. Suppl. Vol. 13. Dek. 1 — 6.: mit dem Schluss der Dipsaceen,
den Valerianeen und dem Anfang der Orchideen von G. Reichen-
bach). — Vol. 1. (die Agrostographie) erschien in zweiter Auflage.
22) NeeSj Genera planlarum Florae germanicae. Fase. 25.,
bearbeitet von Schnizlein: darin Dipsaceen, Rubiaceen , Gentia-
neen u. a.
23) Lincke, Flora von Deutschland. Heft 94. 95.
24) Dietrich, Deutschlands Flora. Hft. 3.
25) Klotzschi i, herbarium vivura mycologicum, cura L. Ra-
benhorst. Centur. 14. 15. Dresd., 1850. 4.
26) L. Rabenhorst, die Algen Sachsens. Dek. 4—7. Dresden,
1850. 8.
27) L. Rabenhorst^ die Bacillarien Sachsens. F'ascik. 3. Dres-
den, 1850. 8.
28) Neue preussische Frovinzialblätler. Bd. 11. Königsberg, 1850
— 51. (vergl. Bot. Zeit. 9. S.572.). — Auch erschien anonym: Flora
der Provinzen Preussen, Posen, Brandenburg und Pommern. Königsberg,
1851. 94. pag. 8.
29) Ritschi , Flora des Grossherzogthums Posen. Berlin, 1850.
291 S. 8.
30) V. Flolow, Lichenes Florae Silesiae. Zweiter Artikel, 67
Arien enthaltend (s. vor. Jahresb.) : im Jahresbericht der schlesischen Ge-
sellsch. f. 1850. S. 115—143. 4.
31) Wimmer, über einige Salices und Carices Schlesiens, so-
dann von demselben und Anderen Novitien der schlesischen Flora;
das. S. 96—106.
32) Munter, über pommersche Torfmoore, Vortrag bei der Ver-
sammlung der Naturforscher in Greifswalde: vergl. Regensb. Fl. 1850.
S. 647.
33) Betcke, monographische Beschreibung der Brombeersträu.
eher Mecklenburgs. Neubrandenburg, 1850. 72. S. 8. : Separatabdruck aus
dem Archiv des mecklenb. Vereins von Freunden der Naturgeschichte.
34) Fiedler, Beiträge zur mecklenburgischen Pilzflora; 3. Hefte.
Schwerin, 1850.: Sammlung getrockneter Exemplare.
348 Grisebach: Bericht üb. d. Leistungen in d. geographischen
35) 1 1 z i g s 0 h n, die märkischen Algen (Bot. Zeit. 8 S.820- 821.) :
nur eine Liste von 40 Arten.
36) C. J. Andrae, erläuternder Text zur geognostischen Karle
von Halle, Halle, 1850.: darin Vegetationsverhältnisse der Gegend von
Halle S. 8—26.
37) Seh önheit, Taschenbuch der Flora Thüringens. Rudolstadt,
1850. 564. S. gr. 12.
38) Bo g en hard, Taschenbuch der Flora von Jena. Leipzig 1850.
483. S. 8.
39) A. Georges, die Flora der Umgegend von Gotha (Regcnsb.
Fl. f. 1850. S. 577—587.): Liste der selteneren Pflanzen um Gotha.
40) Emrarich, über die Vegetalionsverhältnisse von Meiningen.
Programm. Meiningen, 1850. 30. S. 4.
41) M eurer, die Gefässflanzen der Umgegend von Hofgeismar
und JNachträge zu Hoyer's Flora der Grafschaft Schaumburg: beides im
Rinteler Schulprogramm v. 1848. 24 S. 4.
42) H. Hoff mann, Atlas zur Flora von Hessen. Hft. 1. Darm-
sladt, 1850. 8 Taf. 4.
43) Ders. , Nomenclalor zu Wallher's Flora von Giessen : im
zweiten Bericht der oberhessischen Gesellschaft für Natur- und Heil-
kunde. 36 S. 8.
44) Wir tgen, Nachträge zur Flora der Rheinlande : in den Ver-
handlungen des naturhistorischen Vereins der preussischen Rheinlande.
Jahrg. 7. S. 18—39. 1850.
45) Ders., Ergebnisse botanischer Excursionen in der Gegend
von Coblenz (Regensb. Fl. f. 1850. S. 81—93.).
46) F. Schultz, Zusätze und Berichtigungen zu seiner Flora
der Pfalz (Regensb. Fl. f. 1850. S. 193—206. und 450—454.).
47) Lechler, über die Pflanzen der schwäbischen Juraformation
(Würtemberger Jahreshefte f. 1850. S. 152—157.).
48) Lechler, Finckh, Calwer, einige inWürtemberg neu
aufgefundenen Pflanzen das. S. 157. 217. u. s. w.).
49) V. Strauss, erstes Verzeichniss der in Bayern diesseits des
Rheins bis jetzt gefundenen Pilze: besondere Beilage zur Regensb, Fl.
f. 1850. 116 5. 8.
50) Schenk, neue Miltheilungen über die Flora von Unterfran-
ken: in den Verh. der Würzburger physik. - medic. Gesellsch. Bd. 1.
Erlangen, 1850. S. 213—246.
51) Schnizlein, die Pflanzen in Miltelfranken (Reg. FLf. 1850.
S. 129—142. und 145—150.).
52) Caflisch, Uebersicht der F'lora von Augsburg. Augsburg,
1850. 104 S. 8.
53) Ortmann, die Flora von Karlsbad: in Mannl der Führer in
Karlsbad. 5. Aufl. Karlsbad, 1850. S. 247—368.
und systematischen Botanik während des Jahres 1850. 349
54) Schiede rmayer, Versuch einer Darstellung des Vegeta-
lionscharaklers der Umgegend von Linz : in den von Hai ding er her-
ausgegebenen nalurAvissenschaftlichen Abhandlungen. Bd. 3. S. 73 — 85.
55) Sauter, die Flora von Steyr (Regensb. Kl. f. 1850. S. 689
—690.), die Gebirge des Traunvierlels u. s. w. (das. S. 593—595.).
56) A. Schlagintweit, über die Vegelationsverhältnisse des
oberen Möilgebiets: in dem Werke über die physikalische Geographie
der Alpen (59.) S. 584-596.
57) Gassner, botanische Notizen über den Hochwart im Juden-
burger Kreise: in den Berichten von Haidinger, Bd. 6. ; daraus in
der Regensb. Fl. f. 1850. S. 556-560:
58) J. A. Schmidt, Beobachtungen über die Verbreitung und
Vertheilung phanerogamischer Pflanzen Deutschlands und der Schweiz.
Inaug. Dissert. Göltingen, 1850. 59 S. 8.
59) Herrn, und Ad. Schlagintweit, Untersuchungen über
die physikalische Geographie der Alpen. Leipzig , 1850. 600 S. 8. :
darin Ad. Schlagintweit; pflanzengeographische Untersuchungen
S. 467—596.
60) Reissenberger, Uebersicht aller theils trigonemetriscb,
theils barometrisch bestimmten Höhenpunkle von Siebenbürgen : in den
Verhandlungnn der siebenbürgischen Vereins für Naturwissenschaften.
Jahrg. I. Hermannstadt, 1850. S. 27—32. u. 37—38.
61) Fuss (das. S. 83. 100. 134.).
62) Schur (das. S. 38. 101. 113. 182.).
63) Trog, zweiter Nachtrag zum Verzeichniss schweizerischer
Schwämme: in den Mitlheilungen der naturf. Gesellschaft in Bern für
1850. S. 49—56.
64) Perty, mikroskopische Organismen der Alpen (das. 1849.
S. 153-176.).
65) Höfle, die Flora der Bodenseegegend. Erlangen, 1850.
175 S. 8.
66) V. Fischer, dritter Nachtrag zu Brown's Katalog der Pflan-
zen des ßerner Oberlandes (Mittheil, der Berner Gesellsch. für 1850.
S. 22-32.).
67) Thurmann, petites nouvelles botaniques du Jura bernois
(das. S. 108—113.).
68) Martins, les climats de la France. 26p. 8.: extr. de
l'Annuaire meleorologique de la France. Versailles, 1850.
69) Grenier et Godron, Flore de France. Tome 2. Partie 1.
Paris, 1850. 392 p. 8.
70) Cosson, Notes sur quelques planlos de France critiques,
rares ou nouvelles. Fase. III. p. 49—51. Paris, 1850.
71) Jordan, adnolationes: in dem Calalogue des graines du
jardin de Dijon p. 1848. (40 Arten) und in dem Catal. d. gr. du jard.
350 Grisebach: Bericht üb. d. Leistungen in d. geographischen
de Grenoble p. 49. (36 sp.) ; beide Arbeilen sind abgedruckt in der
Linnaea, 23. p. 467—539.
72) Desmazieres, 18. notice sur les plantes cryptogames re.
cemment decouvertes en France (Ann. sc. nat. Ser. 3. Vol. 14. p. 107
—118.).
73) ßillot, Archives de la Flore de France et d'AIlemagne: Bei-
lage zu seiner Flora Galliae et Germaniae exsiccata. Cent. 4. 5. Ha-
genau, 1850. beim Verf.
74) Vandamme, Flore de l'arrondissement d'Hazebrouck. Pa-
ris, 1850. 8.
75) Kirschleger, Flore d'Alsace. Partie 1. Slrassbourg, 1850.
12. 144 pag. (Ranunculaceen-Acerineen).
76) Hardouin, Renou et le Clerc calalogue des plantes
vasculaires du departement Calvados; in d. Memoires de la soc. Lin-
neenne de Normandie. Vol. 8. 1849. 4. p. 167—292.
77) Fahre (Ann. sc. nat. Ser. 3. Vol. 13. p. 122—125. t. 3.).
78) Willkomm, Vegetatiousskizzen aus Spanien und Portugal
(Bot. Zeit. 8. S. 505, 521, 617, 633, 649, 761, 777.).
79) Colmeiro, Recuerdos botanicos de Galicia. Santiago, 1850.
24 pag. 8.
80) Pariatore, Flora italiana, disposta secondo il metodo na-
turale. Vol. 1. Firenze, 1848. 568 pag. 8.
81) Tenore, richerche intorno ad alcune specie di Aceri: in
den Atti del Istituto di Napoii. T. 7. 1847. p. 307— 321. t. 1—4.
82) Ball (Ann. of nat. bist. Second. Ser. Vol. 5. p. 47— 48.).
83) d. Notaris, micromycetes italici. DecasV.: in den Me-
morie di Torino. Serie II. T. 10. 1849. p. 333—350.
84) d.Notaris, Monographiae Excipulac ital. (das. p. 163 — 170.);
Discosiae (p. 355 — 363); Abrothaili, n. gen. Lichenum (p. 351.).
85) Rabenhorst (Regensb. Flora f. 1850. S. 512—525., 528
—537., 625—632.).
86) d. Notaris, Repertorium Florae ligusticae. Sectio I. : in den
Memorie di Torino. Serie II. T. 8. 1846. 90 pag. — Sect. II. das. T. 9.
1848. p. 125—531.
87) Barbazita, Saggio della Flora lucana: in den Atti del
Istituto di Napoii. T. 7. 1847. p. 13-96.
88) Pariatore, Viaggio alla catena del Monte bianco e al Gran
S. Bernardo eseguilo nell' agosto del 1849. Firenze, 1850. 216 pag. 8.
89) Jaubert et Spach, Gramineae orientales novae v. criti-
cae (Ann. sc. nat. Ser. 3. Vol. 14. p. 351—366.).
90) Koch, Beiträge zu einer Flora des Orients. Fortsetzung.
(Linnaea, 23. p. 577-713.).
91) Koch, Karte von dem kaukasischen Isthmus und von Ar-
und systematischen Botanik während des Jahres 1850* 351
menien. Botanisch kolorirte Ausgabe. 4 Blätter im Maassstabe von
1 : 1000000. Berlin, 1850. Iinp. — Dazu Erläuterungen in 4., von
denen sich p.22— 26. auf die botanische Ausgabe beziehen.
92) Lynch, Narrative of Ihe U. St', expedition to the river
Jordan and the dead sea. London, 1850. 508 p. 8.
93) B. E. Griffith, calalogue of the plants collected in Syria
and Palesline by the ü. St', expedition under Lieuln. Lynch (Congress
Reports. 30. Congr. Febr. 1849. nr. 34. E. Botanical Report p.49— 71.).
94)Buhse, Nachrichten über drei pharmakologisch wichtige
Pflanzen und über die grosse Salzwüste in Persien (Bullet. Moscou 1850.
2. p. 548—563.).
95) Ruprecht, Algae Ochotenses : in v. Middendorf's Reise
in den Norden und Osten Sibiriens. Bd. 1. Peterb. 1850. 213 S. 4.
96) Turczaninow, Flora baicalensi-dahurica. Continuatio. Bul-
let Moscou 1849. 2. p. 283—358. — 1850. 1. p. 495-529.).
97) Ruprecht, über ein neues russisches Bambusrohr (Bullet,
de St. Petersbourg. Vol. 8. 1850. nr. 8.).
98) Sir W. Hook er, Chinese rice-paper or bokshung (Journ.
of Bot. 2. p. 27-29. und 250—253.).
99) y. Schlechtendal, über die chinesischen Galläpfel (Bot.
Zeit. 8. S. 7—10.).
100) Schenk, über die Mutterpflanze der chinesichen Galläpfel
(Regensb. Fl. 1850. S. 289—292.).
101) J. D. Hooker, Extracts from private lellers, written dur-
ing a botanical mission to India (Journ. of Bot. 2. p. 11. 52. 88. 112.
145. 161. 213. 244.).
102) H. F. C. Cleghorn, on the hedge plants of India (Ann.
nat. bist. See. Ser. 6. p. 233— 250.).
103) Wight, Icones plantarum Indiae orienlalis. Vol. 5. Madras,
1850. tab. 1622-1762.
104) K. A. Dalzell, Conlributions to the Botany of Western
India (Journ. of Bot. 2. p. 33—41., 133—145., 257—265., 336—344.).
105) Berkeley, Decades of fungi , dec. 25—30.: Sikkim Hi-
malaya Fungi, collected by J. D. Hooker (Journ. of Bot. 2. p. 42—51.
76-88., 106—112.).
106) Miquel, Analecta botanica indica. Pars 1. Stirpes bor-
neenses: in den Verbandelingen der eerste Kl. v. h. Nederl. Instituut,
Serie 3. D. 3. 1850. p. 1-30. tab. 1-10.
107) Plantae Junghuhnianae. Enumeratio plantarum , quas in
insulis Java et Sumatra detexit Junghuhn. Fase. 1. Lugd.-Batav. 1850.
106 p. 8.
108) Korthals, Bijdrage tot de Kenniss der indische Magno-
liaceae (Nederl. Kruidkundig Archief. D. 2. St. 3. p. 93—98.) und:
352 Grisebach: Bericht üb. d. Leistungen in d. geographischen
Overzigt der Rubiaceen van de Nederlandsch- Ooslindische Kolonieen
(das. p. 99— 136.).
109) Blume, Kumphia, sive commentaliones bolanicae impri-
niis de plantis Indiae orientalis. T. 3. Lu^d. - Bat. 1847. (aber erst im
April 1849 ausgegeben). 224 pag. fol. t. 138. — t. 173. T. 4. ib. 1848.
75pag. fol. t. 174-200.
HO) Stocks (Journ. of Bot. 2. p. 303— 308.).
^1 7-111) Ruprecht, die Vegetation des rothen Meeres und ihre
Beziehung zu den allgemeinen Sätzen der Pflanzengeographie : in den
Memoires de St. Petersbourg. Sc. nat. T. 8. P. 2. p. 71—84.
112) Montagne, Pugillus Algarum Yemensium (Ann. sc. nat.
Ser. 3. T. 13. p. 236—248.).
113) J. Richards on, note on the dates of Fezzan (Journ. of
Bot. 2. p. 333— 336).
114) Sir W. Hooker, African üak or Teak (das. p. 183— 186.).
115) Richard, Tentamen Florae abyssinicae Vol. 2. al. tit. Le-
febvre etc. Voyage en Abyssinie. Partie 3. Histoire natur. Botanique.
Vol. 5. Paris, s. a. 518 pag. 8.
116) Sonder, Beiträge zur Flora von Südafrika (Linnaea, 23-
p. 1—138.).
117) Specimens of the Flora of South Africa, by a Lady (Lady
Roupell). London, 1850. fol.
118) Webb, Appendix to the Spicilegia Gorgonea (Journ. of
Bot. 2. p. 308—313., 345—348., 369—372.).
119) Seemann, Letter addressed to Sir W. Hooker (Journ. of
Bot. 2. p. 151—158.. 179—182.). Of :
120) Agassiz, Lake Superior , its physical character, Vegeta-
tion and animals. Boston, 1850. 428 pag. 8.
121) Bromfield, noles and observations on the botany, w^ea-
ther etc. of the United States. Continued. (Journ. of Bot. 2. p. 289. 327.).
122) Scheele, Beiträge zur Flora von Texas. Fortsetzung.
(Linnaea, 23. p. 139-146.).
123) Seemann, Letter s. o (Journ. of Bot. 2. p. 361— 369.).
124) P. Duchassaing et G.W alpers, plantae novae et mi-
nus cognitae, in islhmo Panamensi et in insulis Guadeloupe et S. Tho-
mae coUectae (Linnaea, 23. p. 737 — 756.
125) R. C.Alexander, notes on the Botany of Jamaica, writ-
ten during a tour from Moneague (Journ. of Bot. 2. p. 276 — 285.).
126) Montagne, (Comples rendus, 1850. Mai). Die Arten sind
beschrieben in der folgenden Publikation.
127) Montagne, Cryptogamia guyanensis (Ann. sc. nat. Ser. 3.
T. 14. p. 283—309.).
128)Miquel, stirpes surinamenses selectae, Lugd.-Balav. 1850.4.
und systematischen Botanik während des Jahres 1850. 353
129) Sprue e, botanical excursion on ihe Amazon (Journ. of
Bot. 2. p.65. 173. 193. 225. 266. 298.).
130) d. Saint Hilaire, comparaison de la Vegetation d'un
pays en parlie extratropical avec celie d'une conlree limitrophe entiere-
ment siluee entie les tropiques (Ann. sc. nat. Ser. 3. T. 14. p. 30 — 52.).
131) W e d d e 1 1, Additions ä la Flore de l'Amerique du Sud (Ann.
sc. nat. Ser. 3. T. 13. p. 40-113.).
132) Weddell (das. p. 249— 268.).
133) Plantae Regneliianae. Rubiaceae auct. Bentham (Linnaea,
23. p. 443-466.).
134) Miers, Contributions to the Botany of South America
(Ann. nat. bist. See. Ser. 5. p. 29. 204. 247.).
135) Sullivant, notices of several new species ofMosses and
Hepaticae from Tierra del Fuego (Journ. of. Bot. 2. p. 315— 318.).
136) Ewing (Papers of the Royal Society of Van Diemens Land.
Vol. 1. Hobart Town, 1850.): mitgetheilt im Journ. of Bot. 2. p. 349.
137) Voyage antour du monde sur la Bonite. T. 1. Cryptogames
cellulaires et Lycopodinees par Montagne, Leveille et Spring.
Paris 1844 u. f.
Archiv f. Naturgesch. XVII. Jahrg. 2. Bd X
t^lTlixl \'^}})!'<i'\l
B. !§y!§teiiiatik.
Von B r 0 n g n i a r t's Uebersicht des natürlichen Pflan-
zensystems erschien die zweite vermehrte Auflage (Enume-
ration des genres de plantes cultives au Museum d'histoire
naturelle de Paris. Paris 1850. 237 p. 8.) : in dieser Schrift
sind nicht bloss Beiträge zur schärferen Umgrenzung mehre-
rer Pflanzenklassen enthalten, sondern auch des Verf. reife
Ansichten über die Aufgabe entwickelt, die apetalen Fami-
lien in die Klassen der Polypetalen einzureihen. — Traut-
vetter publicirte eine Skizze seines Pflanzensystems (Bullet.
Petersb. Vol. 8. nr. 21. 1850.).
Von Endlicher's Genera plantarum wurde nach dem
Tode des Verf. noch das fünfte Supplement ausgegeben (Vin-
dob. 1850. I04p. 8.), worin Nachträge zu den poiypetali-
schen Familien enthalten sind. — Von Schnizlein's iko-
nographischer Darstellung der Pflanzenfamilien (s. vor. Jah-
resb.) erschien das siebente Heft (Bonn, 1850.), mit welchem
die Monokotyledonen und Kryptogamen geschlossen sind.
Kunth gab den fünften Band seiner Enumeratio plan-
tarum heraus (Stuttg. 1850. 908 pag. 8.) , in welchem die
Asparageen, Dioskoreen und Amaryllideen nebst einigen klei-
neren Familien abgehandelt worden sind.
Das Museum lugduno-batavum von Blume (s. vor. Ber.)
wurde fortgesetzt und im Jahr 1851 der erste Band vollen-
det (Lugd. Batav. 1849—1851. 396 p. 8).
Dikotyledonen.
Leguminosen. Wigand hat meine Ansicht, dass das Pi-
still in dieser Familie seiner Entwickelung nach sich wie ein Phyllo-
dium verhalte, angegriffen, aber nicht auf Grund von Beobachtungen,
sondern durch Reflexionen , welche die Thatsache selbst nicht beruh-
und systematischen Botanik während des Jahres 1850. 355
ren (Grundlegung der Pflanzen-Teratologie. Marburg, 1850. 152. S. 8.).
— Neue Gattungen: Macromjx üalz. (Journ. of Bot. 2. p. 35.):
Galegeen aus Bombay , im Habitus Orobus gleichend (dahin gehört auch
Tephrosia tenuis Wall, cat.) ; Sngotia Duchass, Walp. (Linnaea, 23. p.
737.) = Desmodium triflorum ÜC. ; DuchassaingiaWsilp. (das. p. 741.)
= Eiythrina glauca W., caffra Thunb. und ovalifolia Roxb. ; Micropte-
ryx Walp. (das. p. 739.) = Erythrinae carinae petalis connatis, alis
dislinctis minutis ; Leucodichjon D?i\z. (Journ. of Bot. 2. p. 264.): Fha-
seolee aus Malwan im Gouv. Bombay, neben Cajanus gestellt; Mela^
denia Turczan. (Bullet. Mose. 1848. II.) : Dalbergiee aus Lu90n = Cum.
coli. nr. 1149. 1649. ; Adenopodia?r\, (Epimel. botan. p. 206.) = Mi-
mosa spicata E. Mey.
Connaraceen. Flanchon bearbeitete diese Gruppe mo-
nographisch (Linnaea, 23. p. 411— 442.): doch konnte er ßentham's
Beiträge in der Niger - Flora- nach nicht benutzen. Uebersicht seiner
Gattungen: Trib. 1. Connareen. Semina exalbuminosa, calyx imbrica-
tivus. Byrsocarpus (3 sp.), durch hemianalrope Eier, die bei den übri-
gen atrop sind, charaklerisirt ; Bernardinia Fl. (p. 412.): ein Strauch
von Rio de Janeiro; Rourea (31 sp.) : dieser Galtung werden gegen
ßentham's Angabe 5 Karpelle beigelegt, von denen 4 gewöhnlich ab-
ortiv sind ; Roureopsis PI. (p. 423.) , mit 2 sp. , durch einen offenen,
auswachsenden Kelch von der vorigen G. unterschieden , ostindisch,
darunter Connarus javanicus Bl. , den Blume jetzt zu Rourea zieht ;
Connarus (37 sp.) ; Agelaea Sol. (p. 437.) mit 3 sp., von Rourea durch
verschiedene Bildung des Arillus getrennt. Trib. II. Cnestideen. Se-
mina albuminosa, calyx valvaris. Manotes Sol. (p. 438.) mit 2 sp. aus
dem tropischen Afrika ; Cncstidium V\ . (p. 439.), eine Art, aus Panama;
Cnestis (6 sp.). — Blume stellte die Gattung Tricholobus auf (Mus.
lugd. bat. p. 236.), die, auf den Sunda-Inseln einheimisch, wegen des
valvirlen Kelchs zu Fl. 's Cnestideen gehören würde, aber, wie Con-
narus, nur ein Karpell hat. ^} ȟl^ni
Chrysobalaneen. Neue 'Gattung : Grymania Frl. (Epimel
botan, p. 193.) = Hirlella polyandra Klh. etc.
Rosaceen. Irmisch (liot. Zeit. 8, S. 249. 270. 294. 321.)
beschäftigte sich mit der Bildungsgeschiciite des Rhizoms bei den Stau-
den in der Gruppe der Dryadeen. Während in den meisten Fällen,
z, B. allgemein bei den Synanthereen , Umbellifcren , Cruciferen und
bei den Gräsern das Rhizom aus Axillarknospen forlwächst, kommt es
bei den Rosaceen ebenso häufig vor , dass die zur Blüthe bestimm-
ten Axen einen axillaren Ursprung haben , die Terminalknospe der
Hauptaxe dagegen zum Längenwachsthum des Rhizoms dient: so bei
Geum , Waldsteinia, den perennirenden Arten von Alchemilla, bei Sib-
baldia und bei einer beträchtlichen Anzahl von Potenlillen. Da bei
den übrigen Potenlillen, z. B. P. recla, argentea, supina, rupestrig
356 Grisebach: ßeticht üb. d. I^eistungen in d. geographischen
die gewöhnliche Bildung des axillären Rhizoms slattfindet, welche J.
auch' gegen Doli den Fragarien vindicirt , so ergiebt sich schon hier-
aus, dass diese Verhältnisse, so wichtig sie in einigen Fällen zur Cha-
rakteristik der Arten sein mögen, für die allgemeineren systematischen
Kategorieen keine Bedeutung haben. — Godron suchte den strengen
Arlbegriff auf die einheimischen Rubus-Formen anzuwenden (le genre
Rubus, considere au point de vue de l'espece. Nancy, 1850. 31 p. 8.)
und Betcke gelangle bei seiner Untersuchung der mecklenburgschen
Brombeersträucher zu ähnlichen Resultaten (s. pflanzengeogr. Ber. nr.
31.). — Neue Gattungen: Monographidium Frl. (Epimel. botan
p. 202.) = Cliffortia obcordata L. ; Chamaebatia Benth. (Fl. Hartwig,
p. 308.): Strauch in Kalifornien mit dem Char. 5, 5, GO , 1 — Stylus
terrainalis, achenium ovuio altero abortive monospermum, demnach ver-
wandt mit Adenostoma; Apodostackys Turcz. (Bullet. Mose. 1848. 2.):
aus Chile, mit Spiraea verglichen, aber Frucht unbekannt, apetalisch.
Myrtaceen. Blume will Sonneratia zu den Lylhrarieen trans-
poniren (Mus. lugd. bat. p. 336.) , weil das Ovarium nicht bis zur In-
serlionslinie der beiden mittleren Wirtel angewachsen ist: dem ist nicht
beizustimmen , da die J.ythrarieen Freiheit des Ovarium's und Stamina
definita fordern. — Neue Gattungen: Germaria Frl. (Epimel. bot.
p. 221.): Leptospermee von den Fhilippinen = Cum. Coli. nr. 1815.;
Ugni Turcz. (Bullet. Mose. 1848. II.) = Eugenia Ugni Hook.; Ci/me-
lonema Frl. und Lencymmoea Pr\. (a.a.O. p. 210. 211.): Meniecyleen,
erstere von den Philippinen = Cum. nr. 1678. , letzlere in Ostindien
von Helfer gesammelt; Botryaropis (das. p. 220.): Barringtoniee von
Lu9on = Cum. nr. 653.
Melastomaceen. Naudin hat seine monographische Be-
arbeitung dieser Familie (s. vor. Bericht) fortgesetzt (Ann. sc. nat. III.
13. p. 25— 39., 126—159., 273—303, 347—362.; 14. p. 53— 76., 118
— 165.). Uebersicht der bearbeiteten Galtungen: b. Lasiandreen. Co-
rnelia (9 sp.), Nepsera N. (13. p. 28.) = Spennera aquatica DC. u. 2
zweifelh. Arten, Desmoscelis N. (das. p. 29.) == Chaetogastra hyperi-
coides DC. , Ernestia (1 sp.), Dichaetandra N. (das. p. 31.): eine von
Goudot in Neu-Granada gesammelte Art, Appendicularia (1 sp.), Pfe_
rogaslra N. (das. p. 32.) = Chaetogastra divaricala DC. und eine neue
Art, Macairea (9 sp.), Hephaestionia N. (das. p. 36.) = Chaetogastra
strigosa DC. und eine neue Art von Martinique , Oreocosmus N. (das.
p. 37.) = Chaetogastra lortuosa DC. und 4 andere Arten , Lasiandra
(108 sp.) , Melasloma (54 sp. , weder afrikanische noch amerikanische
Arien enthaltend), Melaslomaslrum N. (das. p. 296.) = Tristemma ere-
clum Guillem. Perrot., Tristemma (4 sp.), Argyrella^. (das. p. 300.) =
Osbeckia incana E. Mey. vom Cap , Purpurella N. (das. p. 301.) =
Chaetogastra muricata DC. und reticulata DC. , Pachyloma (Isp.), An^
Qistrodesmus^. (das. p. 302.) = Osbeckia oleifolia DC, Micranthella^,
und systematischen Botanik während des Jahres 1850. 357
(das. p.347.) = Chaetogaslrae DC. 12 sp., Otanthera (5 sp.), Arthro-
stenima (18 sp.), Osbeckia (54 sp.) ; Osbeckiaslrtim^. (14. p. 118.): se-
negambische Staude, Nerophila W. (das. p. 119.): jähriges Kraut in
Senegambien, Telrameris N. (das. p. 120.): 19 sp. Ailhrostemmata DC.
etc., Aciotis (1 sp.), Chaelogaslra (24 sp.), Caslratella N. (das. p. 139.)
= Arthrostemma piloselloides DC , Chaetolepis (3 sp.), Spennera (33 sp.,)
Gwjonia N. (das. p. 149.): Kraut aus Senegambien, Haplodcsmiwn N.
(das. p. 150.) : aus den Anden von Venezuela, Heeria (3 sp.), Hetero-
noma (8 sp.) , Helerocenlron (7 sp.), Monochaelum (24 sp.). — Eine
neue Galtung aus Central- Amerika wurde ebenfalls von Naudin be-
schrieben: Sarcomeris N. (Comptes rendus , Apr.); aus Brasilien be-
beschrieb Turcxaninow Acipetalum T. (Bullet. Mose. 1848. 2.).
Halorageen. Sanderson (Ann. nat. bist. Ser. 2. Vol. 5.
p. 260.) schreibt dem Ei von Hippuris ein Integument zu, aber man
erkennt aus seiner Darstellung, dass er den Embryosack für den Nu-
cleus hielt.
Onagrarieen. Neue Gattungen: Carlea Frl. (Epimel. bot.
p. 216.) : aus Lu9on = Cum. nr. 1054.; Corynosligma?r\. (das. p. 218.):
aus Brasilien = lussiaeae sp. Fohl.; Gauropsis ?r\. (das. p. 219.): aus
Älexiko = Gaurae sp. hört.
Combretaceen. Neue Gattung: Scheadendron Berlol. (Illuslr.
di piante Mozamb. nach Walp. Ann. 3. p. 860.) : aus Mozambique.
Oxalideen. Sarcolheca Bl. (Wus. lugd. bat. p. 24l.) ist ein
in Sumatra und Borneo einheimischer Strauch mit vierseitigen Zwei-
gen, welchen Blume zu den Hugoniaceen gestellt hat, wobei er jedoch
bemerkt, dass er durch den Habitus völlig abweiche (vergl. über Hu-
gonia Jahresb. f. 1847. S. 65.).
Ledokarpeen. Neue Galtung: Hyperum Frl. (Epimel. bot
p. 211.): aus Chile.
Zygophylleen. Neue Gattung: Homalolepis Turcz. (Bullet.
Mose. 1848. 2.) : aus Brasilien = Blanchet coli. nr. 3113.
Zanthoxyleen. Neue Galtungen: Dipelalum Dalz. (Journ. of
Bot. 2. p. 38.) = Toddalia bilocularis AYight Arn. ; Megabotrya Mance
(diagn. pl. Chin. ap. AValp. Ann. 2. p. 258.) : Baum in Hongkong.
Ixionantheen. Blume (Mus. lugd. bat. p. 179.) stellte die
Gattung Fierolia auf und hielt dieselbe für eine Brexiacee, erkannte
jedoch späterhin (das. p. 396.) selbst, dass sie mit Ixionanthes iden-
tisch sei.
Anakardiaceen. Neue Gallungen: Glycycnrpus Dalz. (Journ,
of Bot. 2. p 38.): Baum aus dem (Jouv. Bombay ; Nothopegia B\. (Mus.
lugd. bat. p. 203.) = Fegia Colebrookiana Wight ic. t. 236. ; Melano^
cocca Bl. (das. p. 236.) : aus Neu-Gninea ; Evia Commers.f von Bl. wie-
derhergestellt (das. p. 233.) = Spondias secf. Cylheraea DC ; Dracon-
tomelon Bl. (das. p. 231.) = Poupartia mangifera Bl. etc.
358 Grisebach: Bericht üb. d. Leistungen in d. geographischen
Burseraceen. Neue Gattungen: Ganophyllumhl. (Mus. lugd.
bat. p. 230.) : Baum in Neu-Guinea ; Santiria Bl. (das. p. 290.) : Bäume
der Sunda-lnseln ; Pimela Lour. , von Bl. zur Geltung gebracht (das.
p. 219.): Canarii sp. DC. etc.
Euphorbiaceen. Neue Gattungen. Hippomaneen: Spiro-^
slachys Sd. (Linnaea, 23. p. 106.): hoher Baum in Port Natal ; Ophthal-
moblapton Allemao (Ann. sc. nat. III. 13. p. 119.): hoher Baum der
Serra do Mar bei Rio; Odonteilema Turcz. (Bullet. Mose. 1848. 2.): aus
Brasilien. — Akalypheen: Diploshjlis Sd. (Linnaea, 23. p. 113.) =
Acalyphae sp. Thunb,, Mercurialis sp. Meissn.; Acanlhocaulon Klolzsch
(Endl. gen. suppl. 5. p. 88.): Strauch auf Cuba ; Tijria KL (das.):
Strauch in Mexiko; Thaedra KL (das.): Strauch in Venezuela; Poly-
fcoea KL (das.) = Acalypha corensis Jacq. ; Chlor ocaulon\{\. (das. p. 89.)
= Tragiae sp. mexic, Schlechlend. — Crotoneen: Agroslistachys
Dalz. (Journ. of Bot. 2. p. 4l.): Strauch im Gouv. Bombay; Ceralo-
phorus Sd. (Linnaea, 23. p. 120.}: Baum in Port Natal und Albany;
Lepidococca Turcz. (Bullet. Mose. 1848. 2.) : Sieb. Fl. mixt. nr. 436.,
Vaterl. unbekannt; Lepidocrolon Prl. (Epimel. bot. p. 213.) = Croton
serratus Höchsten, in Kolschy pl. nub. — Phyllantheen: Pleioste-
mon Sd. (Linnaea, 23. p. 135.) =^ Phyllanthus verrucosus Thunb. ; Z)i-
chelactina Hance (diagn. pl. chin. ap. Walp. Ann. 3. p. 375.) : aus
Hongkong , mit Embiica verglichen. Zweifelhaft ist die Stellung von
Oldfieldia Benlh. Hook. (Journ. of Bot. 2. p. 184.), indem die Zahl und
Insertion der Samen zwar den Buxeen und Phyllantheen entspricht,
aber die Dehiscenz der Kapsel von allen Euphorbiaceen abweicht: Ca-
psula loculicide trivalvis , valvis medio septiferis integris a columna
centrali seminifera solutis ; der Bau des Samens entspricht zwar den
Euphorbiaceen , aber das Albumen cartilagineum ist doch auffallend :
da die Blüthe noch unbekannt ist , so möchte man doch die Gründe
nicht für ausseichend halten, in dem afrikanischen Teak-Baum eine,
wenn auch zweifelhafte Eupliorbiacee zu erkennen.
Nitrarieen. Der Abdruck des Charakters von Kilraria aus
Jaub. und Spac4i's lllustr. pl. or. 3. p. 139, in den Ann. des sciences
(III. 13. p. 21 — 24.) macht mich erst darauf aufmerksam, dass Sp. die
Kenntniss dieser ihrer Stellung nach zweifelhaften Gattung in mehre-
ren Punkten vervollständigt hat, wodurch die Verwandtschaften der-
selben, wie mir scheint , deutlicher hervortreten. In Sp.'s Charakter
finden sich unter anderen folgende Bestimmungen : calyx cum pedicello
articulatus; pelala et stamina disco perigyno inserta, haec ternatim
( — geminatim) lobis calycinis anleposita; ovarium disco basi immersum
(„imo calycis tubo adnalum* ap. Spch.), triloculare, septis cum angulis
eius alternantibus demum evanidis, stylo trifido, loculis uniovulatis, funi-
culo pendulo hiloque extrorso inserto, ovulo erecto hemianatropo v. hilo
pauUo supra chalazam basilarem sito fere alropo ; drupa abortu mono-
ilhÜ systematischen Botanik während dfes JaKre's IÖ50. 359
spenna, piilamine apice in dentes 6 lissili, semine exalbuminoso, tesla
charlacea laevigata , embryone carnoso , colyledonibus 2 — 3 oblongis
plano-convexis ; — folia basi articulata, phyllostromate prominulo per-
sistente slipulifero. Aus dieser Analyse crgiebt sich, dass die Wilra-
ricen nicht in dcnj Verwandtschaflskreisc der Rhnnineen bleiben können,
wohin sie Lindley gestellt bat und Avofür sich nur die induplikative
Aeslivalion der Corolle und der Bau des Discus geltend machen las-
sen : denn die mit der Corolle abwechselnde Stellung der Staminen wi-
derspricht ebenso sehr dem Rhamneen - Typus , wie die Struktur der
Frucht und des Samens und noch weniger kann man sie , Endlicher
folgend, mit den Albumen-reichen Ilicineen oder einem anderen Gliede
der Celastrineen vergleichen. Ich trage dagegen kaum ein Bedenken,
auf De Candolle's Ansicht zurückzukommen, der Nitraria und ßeaumu-
ria zu einer Gruppe verband und dieselbe freilich als abnorme Bildung
in eine Familie stellte, von der sie der Bau des Samens weit entfernt.
Als besondere Familie würden sich die Nitrarieen von den Reaumu-
riaceen durch weniger bedeutende Charaktere unterscheiden (petala in-
duplicativa, stamina perigyna, styli basi connexi, albumen nulluni, ra-
dicula supera, folia stipulata) und als ein Uebergangsglicd zu den Ta-
mariscineen zu betrachten sein , deren Habitus sie nahe kommen und
an welche der Diskus, das fehlende Eiweiss und das Pistill in einigen
Beziehungen erinnern.
Celastrineen. Weue Gattung: Caryospermum Bl. (Mus. lugd.
bat. p. 175.): Strauch in Amboina , von Elaeodenoron durch Aestivalio
valvala der beiden äusseren Wirtel und durch die Frucht verschieden.
P i tt OS p o r e en. Blume bemerkt (Mus. lugd. batav. p. 162.)
mit Recht, dass Stachyurus von den Piltosporeen im Habitus bedeutend
abweiche : auch entdeckte er an dieser Gattung Stipularbildungen. Viel-
leicht schliessl sich dieselbe näher an die nordamerikanischen Cyril-
leen, mit denen sie in dem axilen Embryo mehr, als mit den Pitlo-
sporeen übereinstimmt, und von denen sie vorzüglich durch tetrameri-
sche Blülhe und durch Ovula indefinita abweicht.
Polygaleen. Schnizlein (Bot. Zeit. 8. S. 748.) behauptete,
dass die Carina in der Blüthe von Polygala nach ihrer Entwickelung
aus 3 Blumenblättern zusammengesetzt sei : diesem Ergebniss wider-
spricht die Monstrosität, bei welcher sieh die beiden fehlenden Fetalen
gelrennt von der unveränderten Carina entwickeln und dadurch die
symmetrische Zahl der Corollenglieder herstellen.
Sapindaceen. Blume hat im dritten Bande der Rumphia
die oflindischen Sapindaceen monographisch bearbeitet und nicht allein
die Hippokastaneen und Meliosmeen , sondern auch die Acerineen mit
dieser Familie vereinigt. Uebcrsicht der von ihm untersuchten Typen:
Sectio 1. Sapindaceae propriae. Stamina margini interiori disci
hypogyni inserla. — Genimae nudae. Folia plerumque alterlia.
360 Grisebach: Bericht flb. d. Leistungen in d. geographischen
Trib. I. Sapindeen. Flores subregulares. Ovarium sesslle, ovu-
lis solitariis adscendentibus. Fruclus 1 — 4-coccus. — Yegetalio erecla,
cirrhis nullis, foliis plerumque pinnatis.
Sapindus (8 sp.) ; Xerospermum Bl. (3. p. 99.) =: IVephelium No-
ronhianum Camb., von Nephelium durch irabrikativen Kelch, fehlenden
Arillus und schief gestellte Kotyledonen abweichend; Cubilia Bl. (p.
100.) = Euphoria Cubili Blanco und Boa Massy Rumph. amb. Auct.
t. 3., durch dehiscirende Cocci ausgezeichnet (diese Gattung scheint nach
der unvollständigen Beschreibung von Lachnopelalmn Turcz. (Bullet.
Mose. 1848.2.) mit dieser zusammenzufallen); Nephelium (9sp.); Stad-
mannia (l sp.); Irina (4 sp.). — Die als neu aufgestellten Gattungen
Ololepis und Zygolepis Tu!r cz a nin o w's von den Philippinen (a. a. 0.
= Cum. coli. nr. 1922. und 1761.) sind nicht hinlänglich charakteri-
sirt, um sie mit Blume's Typen sicher identificiren zu können (s. u.).
Trib. II. Allophylleen. Flores plerumque irreguläres. Ovarium
substipitatum, ovulis solitariis adscendentibus. Drupa 1 — 3cocca — Ve-
getatio erecta, cirrhis nullis, foliis plerumque ternatis.
Erioglossum , wozu Moulinsia Camb. reducirt wird, (1 sp.) ; Allo-
phylus (= Schmidelia Aut. non L. 11 sp.) ; Schmidelia L. (3 sp,), von
der vorigen durch fast regelmässige Blülhen , geringe Ausbildung des
Discus und 2 fast gesonderte Carpidien unterschieden.
Trib. III. Melicocceen. Flores reguläres. Ovarium sessilc, ovu-
lis solitariis adscendentibus. Fruclus baccans, indehiscens. — Vegeta-
tio erecla, cirrhis nullis, foliis pinnatis.
Otophora Bl. (p. 142.), durch Petala supra unguem brevem au-
riculato-inflexa und stigma sessile ausgezeichnet, mit 9 Arten, unter
denen Melic. amoenus Hassk. und 2 zweifelhafte, welche Bl.'s Subgenus
Fseudophora bilden: Sapindus baccatus Blanco (an Otolepis Turcz.?)
und S. fruticosus Roxb. ; Schleichera (1 sp.) ; Scorododendron Bl. (p.
149.) = Erioglossum alliaceum Spanoghe ; Lepisanthes (6 sp.) ; Ja-
gera Bl. (p. 155.) = Garuga javanica Bl.; Macphersonia Bl. (p. 156.)
neuer Typus mit doppelt gefiederten Blättern aus Madagaskar , dessen
Frucht jedoch unbekannt ist.
Trib. IV. Cupanieen. Flores plerumque reguläres. Ovarium ovu-
lis solitariis adscendentibus. Fructus capsularis, saepius per valvas me-
dio sepliferas dehiscens. — Yegetalio erecla, cirrhis nullis, foliis pin-
natis.
Cupania (6 sp ); Dictyoneura Bl. (p. 163.) , durch Capsula car-
nosa von Cupania geschieden , 1 Art in Borneo , die zweite in Neu-
Guinea ; Hemigyrosa Bl. (p. 165.) von den Philippinen , wahrscheinlich
Sapindus Koelreuteria Blanco, Frucht unbekannt ; Mischocarpus (3 sp.),
wegen der klappenförmigen Aestivalion des Kelchs aufrecht erhalten ;
Arytera Bl. (p. 169.) = Nephelium xerocarpum Camb. und eine neue
Art aus Sumatra; Lepidopelalum Bl. (p. 171.) von den Philippinen, Frucht
und gyslemalischen Botanik während des Jahres 1850. 361
unbekannt, vielleicht Zygolepis Turcz. ; Spanoghea Bl. (p. 172), von
Cupania durch fleischige Frucht und Aesliv. cal. valvala geschieden,
1 Art von Neu-Guinea, die zweite von Uotty bei Timor.
Trib. V. Cossignieen. Ovula in loculo gemina-terna, rarius so-
litaria, suspensa, v. aitero adsccndente, allero descendente. — Vegeta-
tio erecla, cirrhis nullis.
Harpullia (6 sp.) ; Olonychium BI. (p. 179), Baum in Java und
Sumatra , durch Ovula gemina von voriger geschieden ; Blancoa Bl.
(p. 181.) = Ftelea arborea Blanco; Koelreuleria (1 sp.).
Trib. VI. Paullinieen. Flores irreguläres. Ovarium ovulis soli-
tariis adscendentibus. Fructus capsularis. — Caulis cirrhis scandens.
Cardiospermum (1 sp.).
Trib. Vll. Thouinieen. Ovarium ovulis solitariis adscendentibus.
Samarae 2—3 axi connatae. — Cirrhi nulli.
Alalatja Bl. (p. 186 ) = Cupania salicifolia Decs,
Sectio II. Dodonaeaceae. Stamina disco hypogyno extus in-
serla. — Corolla nulla. Ovula in loculo gemina. Embryo circinatus.
Gemraae nudae. Folia alterna. — Üodonaea (2 sp.).
Sectio III. Acerineae. Slamina disco hypogyno inlus inserla.
Colyledones foliaceae efc. — Gemmae perulatae. Folia opposita. —
Acer (2 sp.).
Sectio IV. Hippocastaneae. Slamina disco hypogyno intus in-
ser/a. — Colyledones carnosae etc. — Gemmae perulatae. Folia oppo-
sita. — Aesculus (1 sp.).
Sectio V. Meliosmeae. Stamina 5 pelalis opposita iisque adnexa,
bina perfecta. Sepala distincta. — Gemmae nudae. Folia alterna. —
Meliosma (4 sp.): über diese anomale Gattung bemerkt BI. , dass die
Squamae epipelalae, welche bei so vielen Sapindaceen vorkommen, sich
hier zum Theil in Staubgefässe verwandeln , während die eigentlichen
Staminen verloren gehen, und dass daher jene Appendices in der gan-
zen Familie als Staminodien zu deuten sind.
Zwei neue Sapindaceen- Gattungen aus Mexiko Kingsboroughia
Liebm. (= Millingtonia alba Schlecht.) und Loretnanea Liebm. mit 5
Arten (Meddelels. naturh. Foren. 1850.) sind durch den Abdruck bei
Walpers (Ann. 3. p. 834.) bekannter geworden.
Sabiaceen. Blume (Mus. lugd. bat. p. 368— 370.) reducirl
seine zu den Menispermeen gerechnete Gattung Meniscosta, welche mit
Sabia Colebr., einer von Endlicher an das Ende der zweifelhaften Ana-
kardiaceen gestellten, indischen Liane zusammenfällt. Hierauf sucht
Bl. nun die neue Familie der Sabiaceen zu begründen, die nach seiner
Meinung als ein Mittelglied zwischen den Menispermaceen und Lardi-
zabaleen zu betrachten sei. Vergebens habe ich mich bemüht die
Gründe aufzufinden , die ihn hiebei leiteten , da sowohl die synkarpe
362 Grisebach: Bericht üb. d. Leistungen in d, geographischen
Bildung des Ovariums als der entwickelte, völlig eiweissfreie Embryo
der Vergleichung mit jenen Familien entgegenstehen, und ich finde in
der Beschreibung und Abbildung B.'s nichts , was der Ansicht derjeni-
gen widerspräche, welche Sabia als ein Glied der Sapindaceen betrach-
tet haben. Die Abnormität beschränkt sich darauf, dass die drei äus-
seren Wirtel opponirt sein sollen : die Opposition der Slaminen und
Fetalen aber wird nur dadurch bewirkt, dass die ersteren mit den Zäh-
nen (vielleicht Slaminodien) des Diskus alterniren und die Opposition
der Corolle mit dem Kelche ist nicht konstant und scheint nach einer
der Analysen, wo das fünfte Kelchblatt mit zwei Fetalen alternirt, dar-
auf zu beruhen, dass beide Wirtel antidrom imbrikativ sind: oder viel-
leicht liegt eine Axendrehung im Torus während ihrer Entwickelung
zu Grunde. In wie weit die Ansicht, dass die Sabiaceen mit den Sa-
pindaceen zu vereinigen sind, berechtigt sei, zeigt der folgende Cha-
rakter, wie ihn Bl. gegeben hat: 5—4, 5 — 4, 5 — 4, 2; flores abortu
polygami ; calyx parvus, segmenlis inaequalibus basi connatis, aestiva-
tione subimbricativa ; petala imbricativa, calyci subopposita, cum sla-
nv'nibus ad basin disci 5 — 4dentati inserta ; stamina petalis opposita,
disci denlibus alterna, antheris terminalibus extrorsis ; ovarium bilocu-
lare, ovulis angulo interno insertis pendulis (in. ic) in loculo 2 — 3
campylotropis, slylo simplici, stigmate obtusiusculo v. didymo; fruclus
di — V. abortu unicoccus, coccis drupaceis monospermis, semine ven-
ire affixo exalbuminoso conduplicato , cotyledonibus crassis corrugalis
inaequalibus, radicula curva elongata infera ; — frutices scandentes fo-
liis allernis et intcrdum oppositis simplicibus integerrimis exstipulalis,
ülacineen. Die von Endlicher unter die zweifelhaften Bham-
neen gestellte Gattung Strombosia Bl. ist nach Blume (Mus. lugd. bat.
p, 251.) eine Olacinee. — Neue Gattungen: Pleuropetalmn b\. (Mus.
lugd. bat. p. 248.) aus Java ; Nothapodytes Bl. (das.) , mit Apodyles
verglichen; Anacolosa Bl. (das. p. 250.) = Stemonurus frutescens Bl.
An cistr 0 k ladeen. Planchon (Ann. sc. nat. 111. 13. p.3l6
— 320.) hat auf die indische Gattung Bigamea Endl. (Ancistrociadus
Wall.), welche bereits 6 Arten zählt, diese neue Familie begründet,
deren Eigenthümlichkeit freilich gross ist , die jedoch auch bei dieser
neuen Arbeit nur unvollständig charakterisirl werden konnte und daher
ihrer Stellung nach zweifelhaft bleibt. Denn weder der ursprüngliche
Bau des Ovariums, von dem PI. im Ungewissen bleibt, ob es dreifäche-
rig oder einfächerig sei, noch Grösse und Lagenverhältniss des Embryo's
im Verhältniss zum Albumen sind hier aufgeklärt, noch wird die wich-
tige F'rage entschieden , ob der Embryo wirklich ein E. indivisus sei,
wie Fl. anzunehmen geneigt ist. Indessen hat er sich das Verdienst er-
worben, aus einem so unvollkommenen Material doch bedeutende Bei-
träge zur Erkenntniss des Baus einer der dunkelsten Typen geliefert
zu haben, wie sich aus folgendem Charakter crgiebt: 5, 5, 10; 3;
und systematischen Botanik während des Jahres 1850. 363
calyx laciniis inaequalibus aestivatione imbricatis ; petala aestiva-
tione leviter contorla ; stamina basi conflua , anlheris basifixis in-
trorsis ; ovarium inferum, „cito post antbesin uniloculare," ovuio
unico basilari , stylo hrevi tricruri; nux calyce auclo foliaceo co-
ronato, semine corrugalo - ruminalo , albuniine farinoso, embryone
fungiformi , radicula descendente longiuscula , massa colylcdonari
indivisa niargine sinuala , plumula inconspicua ; — frutices scanden-
tes , ramulis in uncos apice mutatis, foliis alternis coriaceis inte-
gerrimis penninerviis exslipulatis , floribus paniculatis, pedicellis basi
arliciilatis. — Ueber die Stellung der Ancistrokladeen stellt PI. die
Ansicht auf , dass sie weder mit den Combretaceen (Endl.) noch mit
den iMalpighiaceen (Wight und Arn.) so nahe verbunden seien, wie mit
den Dipterokarpeen und Lopiiira, wo sich derselbe Habitus, die einsa-
mige Nuss, die gefurchte Samenoberfläche (surface cerebriforme) und
vor Allem die zu Flügeln an der Frucht auswachsenden Kelchblätter
wiederfinden. Auch hier scheint PI. wieder habituellen Charakteren
eine zu grosse Wichtigkeit beigelegt, Frucht und Samen zu wenig be-
rücksichtigt zu haben: er führt selbst an, dass die zu Haken umgebilde-
ten Zweige sich wie bei Hugonia verhalten , und so wurde es viel-
leicht eben so leicht sein, auf diesen merkwürdigsten habituellen Cha-
rakter eine Verwandtschaft mit jener Gattung zu begründen. Allein so
lange Samen und Frucht die ersten Eintheilungsgründe des botanischen
Systems bieten, können die Ancistrokladeen nici.t bei den Dipterokar-
peen stehen, von denen sie sich durch die beschränkte Zahl der Sta-
minen, die Theilung des GrifTels, das einzelne, aufrechte Ei, das unlere
Ovarium und den Bau des Embryo unterscheiden. Wenn, wie es der
Fall scheint, vom Albumen nur eine dünne Schicht vorhanden ist, wie
bei den Erythroxyleen, so möchte ich doch Wight's und Arnott's An-
sicht für begründeter halten, wiewohl sich Jussieu gegen dieselbe aus-
gesprochen hat; aber wenn die Ancistrokladeen eine Reduction des
Walpighiaceen-Typus darstellten, so würden sie sich zu dieser Familie
analog verhalten, wie zu den Burseraceen die Juglandeen, mit denen
Bigamea in mehreren auffallenden Beziehungen übereinstimmt, nament-
lich in der Stellung des Ei's im Grunde eines unleren und einfachen
Ovariunis, so wie in den Sinuosiläten des Embryo.
Tiliaceen. Neue Gattung: Omphacarpus Korth. (Neerl. Ind.
Arch., daraus in Regensb. FI. 1848. S. 580.) : aus Borneo, mit Grewia
zusammengestellt.
Byttneriaceen. Neue Gattung: Cardiostcgia Prl. (Epimel.
bot. p. 249.) = Melhania Kotschyi Höchst.
S terculac een. Blume (Kumphia, 3. p. 194.) erklärt, dass
seine Galtung Tarrietia eine Bombacee sei: er hatte sie ursprünglich
für eine Malpighiacee gehallen' und von Endlicher wurde sie deshalb und
wegen ihrer Folia digilata unter die zweifelhaften Sapindaceen gestellt,
364 Grisebach: Bericht üb. d. Leistungen in d. geographischen
Malvaceen. Neue Gattung: Aslrochlaena Garclie (Bot. Zeit.
8. S. 666.) : kraulartige Hibiscee, aus Peru, durch eine Capsula loculi-
cide et septicide lOvalvis charakterisirl. Der Verf. vereinigt die Si-
deen mit den Malveen und giebt a. a. 0. Beiträge zur Diagnostik der
Hibisceen-Gattungen.
Portulaceen. Neue Gattung: Psammanlhe H^nce (diagn. pl.
Chin. nach Walp. Ann. 2. p. 659.): Sesuviec im südlichen China.
Cacteen. Von des Fürsten Salm-Dyck Werke über die Ca-
cleen (s. Jahresb. f. 1845. S. 61.) erschien eine zweite, sehr bereich-
erte Ausgabe (Cacteae in horlo Dyckensi cultae anno 1849, additis ad-
notationibus bolanicis characteribusque specierum in enumeratione Pfeif-
feri non descriptarum. Bonnae, 1850. 266 pag. 8.). Uebersicht der Gal-
lungen: A. Cacteae tubulosae. — Caulis aphyllus. Tubus cor. elon-
gatus. Trib. I. Melocacteen. Anhalonium, Pelecyphora, Mamillaria, Me-
locaclus. — Trib. II. Echinocacteen. Discocactus, Malacocarpus S. I).
(p. 24.) = Echinocacli gymnocarpi S.D. olim, z.B. E. corynodes Pf.;
Echinocaclus. — Trib. III. Cereastreen. Leuchlenbergia , Echinopsis ,
Pilocereus, Cereus Trib. IV. Phyllocacteen. Phyllocactus, Epiphyllum,
Disocactus. — B. Cacteae rotatae. Caulis squamuiosus v, foliosus. Phylla
subbiserialia , basi connata. Trib. V. Hhipsalideen. Rhipsalis, PfeifFera,
Lepismium. — Trib. VI. Opuntieen. Nopalea S. D. (p. 63.) = Opun-
liae coroUa coarctato erecta et staminibus exserlis, z. ß. 0. coccinelli-
fera Mill. ; üpuntia. — Trib. VII. Peirescieen. Peirescia. — Von Pfeif-
fer's Abbildungen blühender Cacteen erschien die sechste Lieferung,
womit der zweite Band geschlossen ist (Cassel, 1850. 4.).
Cucurbitaceen. Neue Galtung: Harlandia Hance (diagn. pl.
Chinens. nach Walp. Ann. 2. p. 648.): aus Hongkong, apetalisch, ^
unbekannt.
Pangieen. Diese Gruppe ward von Blume (Rumphia, 4. p.
19 — 24.) monographisch bearbeitet. Der Verf. bemerkt, dass alle Pan-
gieen ein narkotisches Princip enthalten, und meint, dass sie sich hie-
durch vorzüglich von den Flacourtianeen unterschieden, denen sie nach
seiner Ansicht übrigens so nahe stehen sollen, dass er sie nur durch
die den Blumenblättern opponirlen Squamae hypogynae zu unterschei-
den weiss: allein der stark entwickelte Embryo, welcher dem Albumen
fast gleich ist, scheint vielmehr auf den Verwandtschaflskreis der Pas-
sifloreen und Cucurbitaceen hinzudeuten.
Sauvage siaceen. Neue Gattung: ScÄwwr?nansta B!. (Wus lugd.
bat. p. 177.): ein Baum auf Amboina, von Luxemburgia durch Stamina
interiora 5 fertilia und Anlherae poro simplici (nee duplici) dehiscenles
unterschieden.
Drosera ceen. Cohn uniersuchte die Vegetationsorgane von
Aldrovanda, reife Samen, deren Struktur noch unbekannt ist, hat er
sich nicht verschaffen können (Arb. d. schles. Gtsellsch. f. 1850. S.
und systematischen Botanik während des Jahres 1850. 365
108—114. und Regensl). Fl. 1850. S. C73— 685. Taf. 7.) : Farlalore's
Arbeit sclieint er nicht benutzt zu haben. Von Wurzeln findet sich an
der vegetirenden Pflanze keine Spur, indem der Stengel an seinem un-
leren Ende durch Fäulniss abstirbt, während sich die Terniinalknospe
sielig entwickelt: im Winter bleibt nur die letztere übrig. Die soge-
nannte Blase des Blatts, welche von 5 — ö am Ende des Blaltsliels be-
findlichen Borsten umschlossen wird, ist, wie schon Treviranus zeigte,
die in ihrer Miltellinie gefaltete Lamina, deren bewimperte Ränder sich
an einander legen und die Luft zurückhalten , welche sich zwischen
beiden Hälften ansammelt und dieselben dadurch aulschwellt. Der Sten-
gel enthält ein centrales Gefässbündel, welches, ohne Gefässe zu ent-
halten, nur aus Prosemchymzellen besteht und auch den Medianus des
Blatts bildet. Sehr kompiicirt sind die Haargebilde des Blatts, welche
der Verf. genau beschrieben hat: die Borsten am Grunde der Lamina
werden mit Recht als Blaltsegmente gedeutet.
Cruciferen. Neue Gallung : Cyclopterygium Höchst. (Regensb.
Fl. 1848. S. 175.) = Schouwia arabica Schimp. pl. arab. nr. 380., eine
zweite Art das. nr. 1004,, wobei jedoch zu bemerken, dass die authen-
tische Schouwia arabica DG. nicht verglichen werden konnte. Diese
Gattung fällt zusammen mit Schouwia Jaub, Sp. , von der eine mono-
graphische Darstellung gegeben ward (Ann. sc. nat. IIL 13. p. 364 — 366.).
P apa verac e en. Neue Gattung: Sophorocapnos 'Imcz. (Bullet,
Mose. 1848., 2.): aus Nordchina, Corydalis sehr nahe stehend, durch
Sepia zwischen den Samen abweichend.
Berberideen. Schenk untersuchte die Enlwickelung der
Blätter und Blülhen bei Berberis (Verb, der Würzburger Gesellsch. 1.
S. 44. 45.). Er fand, dass bei dem zusammengesetzten Bialte von B.
Aquifolium und lenuifolia nach der Bildung des Terminalblättckens zu-
erst die untersten Fiederblätter auftreten und die oberen dann iu der
Richtung von der Basis nach der Spitze nachfolgen. Die Vollendung
des Gewebes in dem einzelnen Blätlchen erfolgt an dem dem Blattstiel
zugewendeten Theile zuerst, indem der rothe Farbstoff, der die jungen
Blätter von B. lenuifolia auszeichnet, und ebenso die Chlorophyllkü-
gelchen später in der Spitze, als in der Basis des Blällchens auftre-
ten. — Dass die Opposition der Blülhenwirtel aus einer Verdoppelung
der einzelnen zu erklären sei, wird durch die Entwickelungsgeschichte
bestätigt, indem je trimerische Blatlkreise successiv und allernirend an
der Axe hervortreten.
Ranunculaceen. Irmisch untersuchte die Enlwickelung
der unterirdischen Organe bei Anemone und machte auf die verschie-
dene Gestalt der Kotyledonen bei Hepalica aufmerksam (Knollen- und
Zwiebelgewächse S. 206.): letztere hat Cot. ovales longo petiolalas
bei der Keimung, Anemora neniorosa Cot. obovatas sessiles. Die Gal-
366 Grisebach: Bericht üb. d. Leistungen in d. geographischen
lung Ancmonopsis nannte Endlicher Xaveria (Gen. pl. Suppl.V.
p. 30.).
Di Heu ia ceeii. Neue Galtung: Leonloglossum Hance (diagn.
pl. chinens. nach VValp. Ann. 2. p. 18 ): in Hongkong, vielleicht mit
Trachytella DC. identisch.
Escalloniaceen. Blume sondert die Gattung Polyosma ge-
gen die Ansicht R. Brown's, der sie den Escalloniaceen vindicirt hatte,
von dieser Familie aus, und gründet auf sie die besondere Gruppe der
Folyosmaceen (Mus. ludg. bat. p. 258.) : die atropen Eier , die durch
Abort derselben einsamig werdende Steinfrucht würden dazu nicht aus-
reichen, parietale Flacenlalion kommt auch bei den Escalloniaceen vor,
mit denen die Struktur des Samens übereinstimmt.
Ham am e 1 i dee n. ßronginart (a. a. 0. ) erklärt sich für
die Ansicht von Griffith (s. vor. Ber. S. 76.), dass die Hamamelideen
ein höher entwickelter Typus der Balsamifluen seien: wogegen ich die
bedeutendere Ablagerung des Albumens bei den ersteren geltend zu
machen suchte. — Neue Galtung: Rhodoleia Champion (Bot. mag.
t. 4509.) : ein schöner Baum China's, zwar apelalisch , aber das fünf-
blülhige Capilulum von einem doppelten Involucrum umgeben , dessen
äussere Reihe braun, die innere rosenrolh gefärbt ist.
Araliaceen. J. D. Hooker spricht sich nach einer sorgfäl-
ligen Analyse von Helwingia an ihrem natürlichen Standorte für die
Vereinigung der Helwingiaceen mit den Araliaceen aus (Journ. of Bot.
2. p. 12.).
Um b eil if er en. Neue Galtungen: Daucosma Engelm. Gray
(Boston Journ. ö. nach Walp. Ann. 2. p. 701.): Seselinee in Nord-
amerika ; Calosciadium Endl. (Gen. suppl. V. p. 7.) = Anisolome Hook,
nee Fenzl ; Ahardia Fzl. (das. p. 9.): strauchartige, afrikanische Peu-
cedanee ; Anthosciadium Fzl. (das.): Peucedanee aus Nepal; Pohjzygus
Dalz. Journ. of Bot. 2. p. 160.) : aus dem Gouv. Bombay, zweifelhaft
zu den Silerineen gestellt, mit gepaarten Sekundärjugis.
Ericeen. Neue Gattung: Tritomodon Turcz. (Bullet. Mose.
1848. 2.) = Zolling. coli. nr. 386.
Primulaceen. Wigand (Grundlegung der Pflanzen -Tera-
tologie) erklärt auch das Pistill der Primulaceen, gleich dem der Li-
liaceen für eine Axenbildung. Durch die Beobachtung, ob der Griffel
später oder früher auswachse, als das Ovarium, lässt sich diese Frage
nicht entscheiden, da das Blatt seine Bildungspunkte während späterer
Entwickelungsperioden nach den mannichfachsten, bis jetzt nicht all-
gemein erforschten Normen ordnet, und die erste Entstehung der Blatt-
spitze spätere Bildungen an derselben nicht ausschliesst. — Neue
Gattung: Cankrienia d. Yries. (PI. Junghuhn.) = Primula imperialis
Jungh., mit wirteiförmig gestellten , goldgelhen Blüthen auf einem 3'
hohen Schafte, abgebildet im Jaarb. der Nederl. Maatsch. (1850. t. 1.).
und systematischen Botanik wiilirend des Jahres 1850. 367
0 rob aiic h een. Iiniisch (Knolleügcw. S. 188.) macht dar-
auf aufmerksam, dass das Uhizom von Lalhraea opponiite, von Oroban-
chc hingegen ztrstreule Schuppen hat. — Neue Gattungen: Hae-
maiobanche Prl. (Epimel. bot. p. 249.) = Hyobanche sanguinea^. Drege;
Oligopkolis Wight (ic. Ind. t. 1422.) auf Bambusenwurzeln in Ostin-
dien; Campbellia Wight (das. t. 1424.) = Phelipaea cytinoides Reutt.
etc.; Chrislisonia Wi^ht (das. t. 1423., 1426., 1427., 1486.) = Oro-
banche subacaulis Benth. etc.
Gesneriaceen. ;Regel gab eine kurze Charakteristik der
Familie nebst Uebersicht der Gattungen (Mitth. der uaturf. Gesellsch. in
Zürich. Bd. 1. Heft 2. S. 63 — 68.); ebenso versuchte Co Ha eine neue
Disposition der Gattungen (Mem. de Torino, 10. p. 213 — 215). — Neue
Gattungen: Saluliea Colla (a. a. 0. p. 208.) = Achimenes grandi-
flora DC. ; Loboplera Colla (das. p. 221.) = Columnea Lindeniana
Hort. ; Capanea Decs. (Fl. des serres, 5. t. 499.) = Besleria grandi-
flora Kth. ; Championia Gardn. (Caiculta Joura. 6. nach Walp. Ann. 3.
p. 96.) : Cyrtandracee in Ceylon; lerdonia Wight (ic. Ind. t. 1352.):
Cyrtandracee der Nielgherries.
Scrophularineen. Neue Gattung: Anisocahjx Hance
(diagn. pl. chin. nach W^alp. Ann. 3. p. 195.): von Hongkong, mit Her-
pestes nahe verwandt.
Solaneen. Miers setzte seine Untersuchungen über die So-
laneen (s. vor. Jahresb.) fort und beschäftigte sich besonders mit einer
kritischen Beurtheilung der Salpiglossideen - Gattungen (Ann. nat. hist.
II. 5. p. 29. 204. 247.), sodann mit den Hyoscyameen (das. p. 467. u.
6. p. 35.), wobei er Physochlaena Don (Hyosc. orientaiis et afF.) wie-
derherstellt, indem in der That bei dieser Gattung die Kelchzähne nicht
rigid werden, endlich mit Mandragora (das.), die zu den Atropeen ge-
hört. — Neue Gattungen: Pteroglossis Mrs. (das. 5. p. 32.): Salpi-
glossidee aus Chile; Streplosolen Mrs. (das. p. 208.): Salpiglossideen
aus Keu-Granada und Ecuador ;PMneeri<i Stocks (in Wight Ic. t. I6l6.):
ächteSolanee in Sinde, strauchartig; Ectozoma Urs. {si. a. 0. 4. p. 192.):
aus Ecuador; Sarcophysa Mrs. (das. p. 191.): aus Neu-Granada.
Folemoniaceen. Als anomale Gattung dieser Familie be-
schriej? Liebmann einen mexikanischen Strauch, den er Philetaeria nennt
(Diss. de Philelaeria. Kopenh., 1850. 5 pag. 4. mit Taf.) : nach seiner
Beschreibung ist dies jedoch eine Fouquieracee und nach Engelmann's
Vereinigung von Foi;quieria und Brounia (s. Jahresb. f. 1848. S. 81.)
finde ich keinen Grund, L.'s Gattung von diesem Typus für verschie-
den zu halten.
Convolvulaceen. Richard's neue Gattung Nephrophyllum
(Fl. abyss. 2. p. 77. = Hygrocharis Höchst, pl. abyss.) ist nach seiner er-
schöpfenden Charakteristik einer der merkwürdigsten Typen unter den
Convolvulaceen , indem hier die beiden Karpidien von Dichondra auf
368 Grisebach: Bericht üb. d. Leistungen in d. geographischen
ein einziges reducirt sind, wodurch wir unter den Monopetalen ein
neues Beispiel jener einfachen Fruchtbildungen erballen, die so ver-
schiedenen Verwandlschaflskreisen angehören, wie Phryma, Globularia,
Brunonia, Plantago. — Die Einfachheit der Narbe bei Nephrcphyllum
weist darauf hin, dass hier die Reduclion gleiclfsani von aussen erfolgt
ist, nicht wie bei den Synanthereen durch Verschmelzung von zwei
Karpidien, die nahe Verwandtschaft mit üichondra ist augenfällig. Cha-
rakler_ bei Kichard: calyx cupuliformis, membranaceus, inaequaliter
dentatus; corolla campanulata, apice öfida ; slamina 5, corollae inserla,
inclusa, anthera didyma; ovarium superum , uniloculare, ovulis gemi-
nis (?) erectis anatropis, stylo stigmateque simplicibus : utriculus mo-
nospermus, testa tenui albumini carnoso adhaerente, embryone axili
elongato uncinalo, colyledonibus longissimis; — caulis reptans ramo-
sus , foliis alternis reniformibus, floribus axillaribus solitariis minutis.
Boragineen. Moris theille einige Bemerkungen über die
Tribus dieser Familie mit und setzte die verworrene Synonymie von
Echiuni plantagineum und creticum auseinander (Älti della riunione d.
scienz. in Genova): die letztere Art hat eine zwiefache Behaarung, bei
der ersteren sind die Haare conform. — Neue Gattungen: Toxo-
Stigma Rieh. (Fl. Abyss. 2. p. 86.), durch einen Stylus aequaliter bifi-
dus und langen Corollentubus von Echium und Echiochilon verschie-
den, der ersteren Gattung habituell nahe stehend; Sericostoma Stocks
(in Wight ic. Ind. t. 1377.): Halbstrauch inSinde; Trachelanthus Kunz.
(Bot. Zeit. 8. S. 665.) = Solenanthus cerinthoides Boiss.
Globularieen. Die Kenntniss dieser Gruppe ist durch eine
Monographie von Willkomm gefördert worden (Recherches sur Tor-.
ganographie et la Classification des Globulariees. Leipz., 1850. 32 p. 4.).
W. hat auf die Nervatur der Corolle seine besondere Aufmerksamkeit
gerichtet und gefunden, dass Gl. cordifolia 9, Gl. arabica 11, die übri-
gen 15 Corollennerven haben, dagegen Corradoria 16: bei den erste-
ren empfing die zweiblätterige Oberlippe 2, bei Corradoria 3 Gefäss-
bündel, woraus sich ergiebt, dass die letztere Gattung für das abortive
fünfte Staubgefäss ein Gefässbündel erhält, die übrigen Globularieen
nicht. Ob übrigens die seillichen Nerven in die Basis der unteren Lip-
pensegmente eintreten oder nicht, worauf W, Speciescharaklere gründet,
diese Verschiedenheit finde ich nicht konstant: eine von Reuter in der
S. de Guadarama gesammelte Globularie hat an gewissen Blüthen die Ner-
vatur von Gl. valentina Willk., an anderen von Gl. spinosa Camb., weshalb
jene von dieser kaum verschieden ist. W. hat es sehr wahrscheinlich
gemacht, dass seine Gl. ilicifolia aus Granada die ächte Gl. spinosa L.
sei: Gl. spinosa Camb. wäre hiernach als Gl. linifolia Lam. zu bezeich-
nen. Am aufTallendslen ist die Angabe, dass die spanische Pflanze nach
drei Wickström'schen Exemplaren auch auf der Insel Oeland vorkom-
men soll.
und systematischen Botanik während des Jahres 1850. 369
Stilbineen. B. Clarke charakterisirt diese Gruppe (Journ.
of Bot. 2. p. 348.) und lügt die Bemerkung hinzu, dass, da die Stami-
nen zwischen den Corollenlappen ständen, die nächst verwandle Gruppe
in den Diapensiaceen zu suchen sei.
Verbenaceen. v. Schlechtendal fing an , kritische Be-
merkungen über die neueren Bearbeitungen dieser Familie zu publici-
ren (Linnaea, 23. S. 714— 722.). — Neue Gattungen: Adelosa Bl.
(iMus. lugd. bat. p. 176.): Strauch in Ambango, verwandt mit Congea ;
Melananlhus Walp. (Bot. Zeit. 8. S. 788.): brasilianischer Strauch, im
Bau des reducirten Pistills mit Phryma übereinstimmend," von dieser
Gattung durch Symmetrie der beiden äusseren Blüthenwirtel abweichend.
Cardiopterideen. ^Vallich's unbeschriebene und irrig nach
der Frucht für eine Sapindacee gehaltene Galtung Cardiopteris ist nach
Blume (Rumphia 3. p. 205 — 207.) der von Linne zu Dioscorea sativa
citirte Oleus sanguinis Hb. amboin. 5. t. 180. und gilt ihm als Typus
der neuen Familie der Cardiopterideen, die in die Kähe der ßoragineen
und Verbenaceen zu stellen sei. Allein von beiden enlternt sie die
geringe Ausbildung des Embryo, welcher in einem sehr reichlich ab-
gesonderten Albumen versteckt liegt: dagegen können sie nach meiner
Ansicht recht wohl, wenn man den Familiencharakter etwas erweitert,
mit den Hydrophylleen verbunden werden, mit denen sie in der
gyrosen Inflorescenz übereinstimmen und von welchen sie sich nur
durch die atropen , von der Spitze des Fruchtknotens herabhängenden
Eier und durch Milchsaft zu unterscheiden scheinen. Nimmt man an,
dass die Funiculi der ganzen Länge nach der Wand des Ovariums an-
gewachsen seien, so würde die Uebereinstimmung des Fruchtbaus voll-
ständig sein. Charakter von Cardiopteris: 5,5,5, 2; calyx persislens,
segmentis basi connalis, aestivatione quincunciali ; corolla rotata, deci-
dua, limbo quinquefido subaequali , aestivatione imbricativa ; stamina
tubo corollae superne inserta, filamentis brevissimis, antheris dorso af-
fixis; discus nullus ; ovarium bicarpellare, uniloculare, ovulis 2 ex apice
loculi suspensis atiopis, slylo simplici terminali, sligmate subcapitato ;
Samara monosperma, ad latera alata, embryone albumine copioso incluso
minulissimo , radicula infera; — herbae volubiles, lactescenles, foliis
altfernis glabris, spicis axillaribus divisis secundis apice revolutis, floribus
parvis ebracteaiis. Ausser der noch unbeschriebenen Wallisch'schen Art
aus Silhet und Ava, charakterisirt Bl. 2 Arten des indischen Archipels,
von denen die eine als jährige Liane die Gebirgswälder von Java be-
wohnt, also in ihrer geographischen Verbreitung mit den Phacelien
Feru's und Chile's zu vergleichen wäre.
Labiaten. Schnizlein (Bot. Zeit. 8. S. 749. u. f.) wies nach,
dass die Anlheren von Galeopsis weder durch einen besonderen Klap-
penapparat noch durch Querspalten sich öffnen. Ihre Eigenthümlich-
keit besteht nur darin, dass sie eine Drehung erleiden, die die Quer-
Archiv f. Naturgesch. XVU. Jahrg. 2. Bd. Y
370 Grisebach: Bericht üb. d. Leistungen in d. geographischen
läge der Längsspalte bewirkt, oder, wie Sehr, sich treffend ausdrückt,
in folgendem Charakter: rimae sub anthesi horizontaliter dispositae.
— Wirtgen (Regensb. Fl. 1850. S. 91. u. f.) entdeckte neue Art-
Charaktere bei den Menthen Iheils in der Frucht , theils in der Be-
haarung der inneren Corollenfläche. Die Hauptarien (mit Ausschluss
einiger zweifelhaften) zerfallen hiernach in folgende Reihe :
Früchte glatt, opak ; Cor. innen behaart = M. arvensis u. saliva.
— — , glänzend; Cor. innen glatt = M. gentilis u. viridis.
— punktirt ; Cor. innen glatt = M. sylvestris, rotundifolia u,
piperita.
— warzig. M. aquatica.
Gentianeen. Miquel hat meine Sectionen von Voyria als
Gattungen aufgefasst und zwei neue hinzugefügt (Stirpes select. Suri-
nam, p. 146. u. f.) : Voyria Miq. =: Sect. Lita, Leiphairaos , Leiantho-
slemon, Pneumanlhopsis, Disadena Äliq. z=V. flavescens Gr. undVoyriella
Miq. : letztere durch einen Calyx pentaphyllus ausgezeichnet. — Tur-
czaninow (Bullet. Mose. 1849.2. p. 337.) will den Namen seiner Gat-
tung Stellera wegen der homonymen Thymelaee anagrammatisch in
Rellesta verändert wissen, was jedoch unnöthig erscheint, da die Stel-
lera Fasserina L. bereits als Lygia Passerina Fas. bezeichnet wor-
den ist.
Asclepiadeen. Neue Gattungen von Blume aufgestellt: Dt-
cerolepis (Mus. lugd. bat. p. 145.): aus Java, verwandt mit Periploca ;
Jasminanlhes (das. p. 148.), von Gymnema nur durch längeren Corollen-
tubus unterschieden; Acanlhostemma (Rumphia, 4. p. 29.) = Hoya
Rumphii Bl. etc.; Olhoslemma (das. p. 30.) = Hoya lacunosa Bl. ; Ca-
thetostemma (das.) = Hoya laurifolia üecs.
Apocyneen. Keue Gattungen: Fseudochrosia Bl. (Mus. lugd.
bat. p. 158.): Baum in Keu-Guinea, mit Ochrosia verwandt; Lycimnia
Hance (diagn. pl. Chin. nach Walp. Ann. 3. p. 30.) : Carissee, von Me-
lodinus wenig verschieden; Hortsniannia M'\q. (stirp. Surinam, p. 167.):
Tabernaemonlanee; Cycladenia Benih. (pl. Hartweg. p. 332. nach Walp.
Ann. 3. p. 38.) : Staude aus Californien, Vinca nahe stehend ; EUerto-
nia Wight (ic. ind. t. 1295.): Alstoniee in Ostindien = Rheede ht. ma-
lab. 9. t. 14.; £pi^j/m/m Wight (ic. ind. t. 1308.) und C/e<;Äorma Wight.
(das. t. 1310.): Echiteen in Ostindien.
Loganiaceen. Blume stellte seine neue Gattung Neuburgia
(Mus. lugd. bat. p. 156.) = Cerbera musculiformis Lam. etc. unter die
Apocyneen : da er jedoch sowohl die Aestivatio corollae valvala nennt,
als auch ausdrücklich die Andeutung von Stipularbildungen bemerkt
(„petioli expansione stipulari lata tandem disrupta juncti«), so kann
diese Gattung nicht bei den Apocyneen bleiben, sondern wird eine Lo-
ganiacee sein: so hat auch Richard (Fl. Abyss. 2. p. 52.) die für
eine Apocynee gehaltene Gattung Unguacha Uochst. (in pl. Schimper.)
und systematischen Botanik während des Jahres 1850. 371
wegen der klappenförmigen Aestivation zu den Loganiaceen gezogen
und mit Strychnos vereinigt. — Neue Gattungen: Leplopteris Bl.
(Mus. lugd. bat. p. 240.) : Gelsemiee aus S.uiiialra, zwar von Walpers
für identisch mit Medicia gehalten, aliein durch Stamina exserta ge-
schieden.
Oleineen. Blume vereinigt Visiania DC. mit Ligustrum (Wus.
lugd. batav. p. 312.).
Jasniineen. Blume erklärt Chondrospermum Wall, für iden-
tisch mit seiner Gattung ftlyxopyrum und versetzt diese daher wegen
der Ovula adscendenlia von den Oleineen zu den Jasmineen (das. p.
320.): allein da sie ein Aibumen corneura und telramerische Blüihen
besitzt, bildet sie ein Mittelglied zwischen beiden kaum zu trennenden
Familien.
Salvador aceen. Wight und Gardner haben (Calcutt.
Journ. 6. nach Walp. Ann. 3. p. 15.) auf Azima Lam. die neue Kamille
der Azimaceen gegründet: allein da Azima mit Monelia l'Her. identisch
ist, so fallen die Azimaceen mit den Salvadoraceen zusammen (vergl.
Jahresb. f. 1848. S. 94.).
Caprif o liace en. Clarke's vergleichende Untersuchung des
Ovariums von Marlea (Journ. of Bot. 2. p. 129—132. t. 5.) führte zur
Bestätigung der schon von Bennett ausgesprochenen Ansicht, dass die
Alangieen mit den Corneen zu vereinigen sind; Gl. fand, dass der
weite Griffelkanal von Marlea sich nach abwärts in zwei nach den
beiden Ovariumfächern verlaufende Arme iheilt. — Blume erklärt,
dass seine Gattung Maslixia näher mit Nyssa, als mit den Corneen ver-
wandt sei (Mus. lugd. bat. p. 256.): wenn man die Kyssaceen aU eine
apelalische Form des Corneen Typus mit reducirtem Ovarium betrach-
tet, so würde diese Ansicht durch die Miltclform Mastixia unterstützt
werden , die das Ovarium von INyssa und die vollständige Blüthe von
Cornus hat. — Eine merkwürdige, von Thunberg für eine Conifere ge-
haltene Gattung des Cap's ist Lithodia Bl. (Rumphia , 3. p. 220.) =
Taxus tomentosa Tbunb. , von Blume als Mitlelfoim zwischen die Cor-
neen und Bruniaceen gestellt : da die Frucht noch unbekannt ist, so
Idsst sich die Frage über ihre Stellung nicht entscheiden; von den
Bruniaceen , mit denen sie habituell übereinzustimmen scheint , trennt
sie nur die valvirte Aestivation. Charakter: 4, 4, 8, 3; calyx limbo
brevi dentato; pelala ovata, aestivatlone valvala ; stamina inclusa ; ova-
rium semisuperum, disco tectum, triloculare , ovulis solitariis pendulis
anatropis, slylo simplici ; — rami letragoni , foliis opposilis exstipula-
lis ericoideis supra punctatis subtus sericeo-veiutinis, capitulis axillari-
bus subsessilibus.
R üb i aceen. Keue Galtungen : Natalanlhe Sond. (Linnaea, 23.
p. 52.) = Bunburya capensis Meissn. pl. Kraus., aus Von ^'atal, Cof-
lea sehr nahe stehend; Siphonandra Turcz. (Bullet. Mose. 1848. 2.),
372 Grisebach: ßericht üL. d. Leistungen in d. geographischen
aus Mexiko (Galeol. nr. 2664.) , zwar vom Verf. zu den Rubiaceen ge-
bracht, allein wegen monadelphischer Staminen sehr zweifelhaft; Ry-
tigynia Bl. (Mus. lugd. bat. p. 178): Strauch vom Senegal, aus der
Gruppe der Euguettardeen; SphaerophoraBl. (das. p. 179.): Lianen in
INeu-Guinea, aus der Gr. der IVlorindeen ; Rogiera Plancli. (Fl. des ser-
res, 5. t. 442.) : Sträucher in Guatemala , von Rondeletia abgesondert,
darunter R. cordata Beut. ; Arachnothrix Planch. (das.) = Rondel. dis-
colorKth. etc.; Coptosapella Korlh. (Nedel. Kruidk. Arch. IL 3. p. 112.):
Cinchonacee in Borneo, Liane; Rhombospora Korlh. (das. p..ll3.): in
Sumatra , ebenfalls Liane aus der Gr. der Cinchonaceen ; Endolasia
Turcz. (Bullet. Mose. 1848. 2.): Cinchonacee in Columbien = Funck
coli. nr. 682. ; Molopanthera Turcz. (das.): Cinchonacee aus Bahia =
ßlanchet coli. nr. 3282. 2557.; Discospermum Dalz. (Journ. of Bot. 2.
p. 257.): Bäume in Ostindien, unter l6o N. Br. gefunden, mit Fouche-
lia nahe verwandt und zu den Eugardenieen gestellt ; Campylobotrys
Hook. (Bot. mag. t. 4530.), Halbstrauch in Brasilien, von Flanchon (a.
a. 0.) zu Higginsia reducirt.
Campanu lace en. Neue Gattungen : Quinquelocularia C. Kch.
(Linnaea 23, p. 630.) = Camp. crispaLara.; i/eferocodon Nutt. (Trans-
act. of Americ. philos. soc. New Ser. 8. nach Walp. Ann. 2. p. 1050.):
vom Oregon ; Dysmicodon Nutt. (das.) = Specularia perfoliata A. DC.
etc. ; Campylocera Nutt. (das.) = Camp, leptocarpa Engelm. von Ar-
kansas ; Gühopsis Nutt. (das.) : von Oregon und aus Kalifornien ; Hylo-
coccus Nutt. (das.).
Nemacladaceen. Diese neue Familie gründet N u tl a 11 (a. a.
0.) auf die in Oberkalifornien entdeckte, monokarpische Gattung JVe-
tnacladus Nutt. , die mit Cyphocarpus in der epipetalischen Insertion
der Staminen übereinstimmt und vonWalpers mit Recht neben diese
Gattung gestellt worden ist (vergl. Jahresb. f. 1848. S. 92.).
Goodenovieen. De Vriese hat die im vorigen Berichte
erwähnte Arbeit fortgesetzt (Nederl. kruidk. Arch. IL 2. p. 137—171.).
Er stellt folgende neue Gattung auf : Temminckia (p. 141.) = Scaevo-
lae tilam. imberbib., fructu lignoso, Camphusia (p. 148.) = Sc. glabra
Hook., Merkusia (p. 150.) = Sc. sect. gymnostegia.
Calycereen. Neue Gattung: Leucocera Turcz. (Bullet. Mose.
1848. 2.) : aus Cfiile, von Calycera durch Homogamie unterschieden.
Synanthereen. C. H. Schultz theilt seine Ansicht über die
Eintheilung der Eupatoriaceen mit (Regensb. Fl. 1852. S. 419.), von
denen er die Tussilagineen und Adonostyles ausschliessf. Die übrigen
bilden ihm folgende Gruppen:
Div. 1. Adenostemmeae. Achenia clavata, pappo setis 3 — 5 su-
perne glandulosis constituto. (Adenostemma).
Div. 2. Ooclinieae. Achenia ancipiti-compressa. Z. B. Ooclinium.
Div. 3. Eupatorieae, Achenia pentagona.
und systematischen Botanik während des Jahres 1850. 373
Div. 4. Kuhnieae. Achenia teretia, subdecemgona. Z. B. Kuh-
nia, Liatris, Bulbostylis.
Gr. Jaubert und Spach publicirten eine monographische
Darstellung der Gattung Cheirolepis , d. h. der wegen des Pappus
plumosus von Centaurea abgesonderten Arten , wofür sie den Na-
men Charlolepis Cassini's gebrauchen, welcher jedoch, auf den Bau
des Involucrum's gegründet, dem Begriffe von Cheirolepis nicht ent-
spricht (Ann. sc. nat. III. 13. p. 269— 272.); ebenso bearbeiteten sie
Dcrderia, womit sie Aegopordon Boiss. vereinigen (das. 362 — 363.). —
Neue Gattungen: Adenoon Dalz. (Journ. of Bot. 2. p.344.): Ver-
noniacee in Ostindien, 16» N. Br. ; Vernonella Sond. (Linnaea, 23. p.
62.) : von Port Natal , nahe verwandt mit Vernonia ; Symphijopa'ppus
Turcz. (Bullet. Mose. 1848. 2.): von Bahia, mit Nothitis verglichen =
Blanch. coli. nr. 3249. ; Fleischmannia G. H. Schultz (a. a. 0. S. 417.) :
aus Mexiko und Guatemala, von Eupatorium durch das Capilulum mul-
tifloruni und den Pappus 5 setosus geschieden; Schaeizellia C. H.Schultz
(das, S. 419.): aus Mexiko = Linden coli. nr. 1186., von Ooclinium
durch den Pappus 2setosus unterschieden, wobei bemerkt wird, dass
die Mutisiaceengattung Schaetzellia Kl. mit Isotypus zusammenfällt ;
Neilreichia Fzl. (Denkschr. d. Wiener Akad. I. p. 258. t. 30.) : südame-
rikanischer Strauch, eine eigene Abtheilung der Buphthalmeen begrün-
dend, die durch Capitula radio discolori und durch den Pappus unise-
rialis pilosus charakterisirt wird.
Dipsaceen. Irmisch untersuchte die Axen der Scabiosen
(Bot. Zeit. 8. S. 394—399.).
Yalerianeen. Schnizlein (das. S. 748.) bestätigte das
Vorkommen eines reichlichen Albumen's bei Patrinia und bemerkte,
dass auch bei den übrigen Yalerianeen eine Andeutung dieser Bildung
vorhanden sei.
Asarineen. Neue Gattung ; Strakaea Prl. (Epimel. bot. p. 221.) :
aus Ostindien = Cum. coli. nr. 2333.
Rafflesiaceen. Blume (Mus. lugd. bat. p. 396.) erklärte,
dass seine zweifelhaft zu den Burmanniaceen gestellte Gattung Sarco-
siphon (s. vor. Ber. S. 94.) nahe mit Thismia GrilT. verwandt sei und
daher wahrscheinlich zu den Cytineen gehöre.
B a 1 a n 0 p h 0 r e e n. W e d d e 11 beschäftigte sich mit dem Frucht-
Lau der Balanophoreen und Rafflesiaceen (Ann. sc. nat. III. 14. p. 166
• — 187. t. 8— 11.)- Seine Ansichten, den grössten Autoritäten polemisch
entgegentretend, sind geeignet, viel Aufsehen zu machen, allein nicht
immer in einer glücklichen, oder doch nicht in erschöpfender Weise
dargestellt, würden sie ziemlich unverständlich bleiben, wären sie nicht
durch vorzügliche Abbildungen erläutert. W.'s Hauptsatz ist, dass
das Organ, welches man bei Balanophora bisher als Pi-
still betrachtet hat, ein nacktes Ei sei, Dieser Körper be-
374 Grisebach: Bericht üb. ({.Leistungen in d. geographischen
steht in demjenigen Theile, den die früheren Analysen als Ovarium
auffassen, aus einer grossen Centralzelle (simple sac bei Griffilh: Jah-
resb. f. 1845. S. 68.), die von einer einfachen Zeilenschicht umschlos-
sen wird: die letztere läuft nach oben in einen langen und zarten
Fortsatz aus, der nach Grilfith Anfangs geschlossen, nach der Befruch-
tung in seiner ganzen Länge von einem Kanäle perforirt ist. Griffith
hielt die Zellenschicht für die Wand des Ovariums , den Fortsatz für
einen, wenn auch abweichend gebauten Griffel, die Centralzelle für
das Ei, welches demnach auf einen blossen Embryosack reducirt wäre:
W. erklärt das Ovarium für einen nackten Kucleus, das Ei für dessen
Embryosack, den Giiffel für einen eigenlhümlichen Fortsatz des Ei's
(einen Fortsalz der Kernwarze nach Schieiden). Diese Ansicht werde
besonders dadurch unterstützt, dass man kein zweites Beispiel kenne,
wo das Ei nur aus einer einzigen Zelle bestände: hiebei ist zu erin-
nern, dass, wenn man der Ansicht von Decaisne über die Bildung des
Ovariums von Viscum folgt, das Ei der Loranthaceen ebenfalls nur ein
Embryosack, eine einzige Zelle sein würde, und dass sich daher die
Schleiden'sche Theorie der Loranthaceenblume ganz ähnlich zu der De-
caisne'schen verhält, wie die von Weddel üL'er die Balanophoreen zu den
Ansichten von R. Brown und (Jriffith. Es kann der von Griffilh beob-
achtete und auch von W. (Fig. 18 ) dargestellte Kanal in dem griffel-
arligen Forlsatze nicht gegen ihn geltend gemacht werden, weil, wenn
dieser letzlere nur das verschmälerte Ende des Nucleus ist, der Ka-
nal mit den Intercellulargängen zu verbleit hen wäre, durch welche die
Pollenschläuche in den Nucleus eindringen, um zu dem Embryosaek zu
gelangen. Freilich leugnet W. hier die Befruchtung durch PoUen-
scliläuche (p. 171.), aber dies ist nur das Eigebniss einer Vorstellungs-
weise, nicht einer Beobachtung, und bleibt ohne weiteren Einfluss auf
seine Theorie. Wichtiger, als der Mangel jtder Kenntniss über den
Befruchtungsprocess der Balanophoreen , sind die Lücken in solchen
Beobachtungen, welche über die beiden Theorieen unmittelbar entschei-
den würden: 1) Ist die Centralzelle ein Embryosaek, der in seinem
Kucleus steckt, so müsste organische Continuität zwischen diesen bei-
den Geweblheilen slaltfinden. Hierüber bemerkt W. nichts : doch ist,
obgleich man früher das Ei als ein hängendes, daher frei im Ovarium
schwebendes beschrieben hat, sowohl nach firilfith's Beobachtungen als
nach W.'s Abbildungen (Kig. 13. 14.) kaum zu bezweifeln, dass diese
Continuiläl wirklich besteht. 2) Endlicher hat sämmtlichen amerikani-
schen Balanophoreen ein zweifächeriges Ovarium zugeschrieben; Göp-
pert fand dasselbe bei Rhopalocnemis und diese Angaben müssten da-
her auf unrichtiger Beobachtung beruhen, wenn das Ovarium nur ein
Ei wäre. Auch über diesen Hauptpunkt äussert sich W. gar nicht, wie-
wohl sich seine Beobachtungen gerade vorzüglich auf die amerikani-
schen Gattungen beziehen. Seine Zeichnungeiu der amerikanischen Ba-
und systematischen Uotanik während des Jahres 1850. 375
lanophoreen enthalten nnr einen jüngeren Eizustand, den von Langs-
dorffia (Fig. 50.), wo das sogenannte Ovarium allerdings durchaus den
Bau eines Eis mit griffelförniig vorspringender Nucleus - Spitze zeigt:
aber von dieser Gattung ist auch früher der Bau nicht genau bekannt
gewesen. Die Darstellungen der Samen bei den Lophophyteen und
Helosis haben keine Beweiskraft, da Göppert ausdrücklich anführt,
dass das zweifächerige Ovarium von Rhopalocnemis im Reifezu.
Stande einfächerig wird. Es bleibt aber dennoch eine Möglichkeit,
das zwcilächerige Ovarium mit W.'s Theorie zu vereinigen, wenn
nämlich in der gleich zu charaklerisirenden Hülle der Lophophy-
teen zwei Eier (im Sinne W.'s) stecken, wofür auch die beiden
Griffelspitzen sprechen, die, wenn sie Schnäbel eines Nucleus sind,
auf zwei Wuclei hinweisen. — Ausserdem kenne ich keine weitere
Thatsachen, welche W.'s Theorie, die sich durch ihre Einfachheit em-
pfiehlt, mit Grund entgegengestellt w erden könnten und folge nun, sei-
ner Bezeichnung der Organe mich bedienend, dem weiteren Gange sei-
ner Beobachtungen. Die Lophophyteen unterscheiden sich von Bala-
nophora nicht bloss dadurch, dass zwei griffelähnliche Spitzen vorhan-
den sind, sondern besonders durch ein Integument (Richard's Perigo-
nium) , welches am Samen die Testa bekleidet und aus seiner oberen
Oeffnung die beiden Nucleusspitzen frei hervortreten lässt (Fig. 27. 32.).
Diese Hülle betrachtet W. als Axenfortsatz (p. 167.), in welchen das
Ei hiernach eingebettet sein würde: für seine Ansicht könnte angeführt
werden, dass diese Hülle nicht wie die Nucleusschicht von Balanophora
aus einer einzigen, sondern aus vielen Zellenlagen besteht. Sie könnte
aber ebenso wohl ein offenes Ovarium sein , ohne dass W.'s Theorie
dadurch afficirt würde. Balanophora wäre dann die auf ein nacktes
Ei reducirte Form einer Familie, welcher im Ovarium eingeschlossene
Eier typisch zukämen. — Allgemein weist W. bei den Balanophoreen
üebereinstimmung im Baue des Samens nach, er zeigt, dass der ku»
gelförmig abgerundete Embryo indivisus hier, wie bei den Rafflesia-
ceen von ölhaltendem Endosperm eingeschlossen ist. Die Behauptung
von Griffith , dass in der Testa nur ein homogenes Gewebe enthalten
sei, ist nach ihm aus Beobachtungen unbefruchteter, monströs verän-
derter Samen hervorgegangen. Allein wenn W. bei den Lophophyteen
der Ablagerung des Endosperms eine transitorische Ferispermbildung
will vorausgehen lassen, so gerälh er mit sich selbst in Widersprüche.
Denn dasselbe Organ (das Ovulum Griffith's) nennt er einmal den Em-
bryosack (p. 168.) und bezeichneter später (p. 178.) als Nucleus, den er
mitPerisperm sich füllen lässt: es ist eben überall eine einfache Zelle,
also ein Embryosack, der daher Endosperm erzeugt und ausserdem noch
andere Zellenproduktionen (z. B. das Keimbläschen , den Embryo) her-
vorbringen kann. Wach der Zeichnung von Ombrophylum (Fig. 27.)
scheint W.'s Embryosack , der in seinem Perispermium farinosum liegt,
376 Grisebach: Bericht üb. d. Leistungen in d. geographischen
das Keimbläschen in einem Endosperm zu sein, welches Anfangs Stär-
kemehl enthalten und ^später erst oleos werden mag. Der Verf. ist
zu seiner Auffassung offenbar durch die von ihm vertretene, irrige Hy-
pothese verführt worden, dass jedes farinöse Albumen Ferisperm sei
(p. 178.), eine Ansicht, welcher sich Adr. Jussieu geneigt zeigte, ohne
doch zu wagen, sie in solch(3m Grade zu verallgemeinern und die durch
das Endosperm der Polygoneen und Gräser widerlegt wird. — Den
abweichenden Bau des Ei's von Sarcophyte (Fig. 35.), so wie den von
Langsdorffia (Fig. 50.) führt W. auf seine Theorie des Balanophoreen-
Ei's zurück, dagegen gelingt es ihm nicht, die Schuppen oder Appen-
diccs am Ei von Cynomorium (Fig. 44.) zu erklären: er scheint zu
glauben, dass hier Bracteen mit dem Ei verwachsen (un testa renforce
par la soudure de quelques paillettes), aber vielleicht ist auch hier ein
üvarium vorhanden. — Das allgemeine Resultat von W.'s Theorie ist
die Zuröckführung der Balanophoreen auf den vollkommneren Typus
der Raffiesiaceen, wogegen sowohl R. Brown als Griffilh sich erklärt
hatten. Wenn diese Aufgabe in Bezug auf den schwierigsten Theil,
die Eibildung, nicht vollständig gelungen scheint, so haben ihm die ab-
weichenden Struckturverhältnisse der äusseren Blüthenorgane noch we-
niger Bedenken erregt, so gross auch der Gegensatz ist, in welchem
sich seine Deutung derselben den bisherigen Ansichen gegenüber be-
wegt : neue Thatsachen enthalten W.'s Beobachtungen über die Raffie-
siaceen, die ziemlich beschränkt waren , übrigens nicht. So wie die
Eier der Balanophoreen nicht selten durch Bracteen gesondert sind, so
musste ihm auch die Blüthe von Rafflesia zu einer Inflorescenz wer-
den: ist auch bei den Balanophoreen die Aehnlichkeit mit den Blülhen-
ständen der Aroideen auffallend genug und können wir uns auch die
Bracteen, welche die einzelnen Blüthen scheiden, als in den meisten
Fällen unentwickelt vorstellen, so ist es doch mehr als gewagt, die
nach dem Typus der Asarineenblume geordneten Slaubgefässe und Eier
'on Rafflesia, oder gar von Cytinus als ebenso viel einzelne Blüthen
zu belraclilen. Bei Rafllesia stecken ihm die Eier, d. h. also die weib-
lichen Blülhen in einem gefalteten Sack, in einem Receptaculum, des-
sen Kalten die Placenlen Brown's sind (on peut se faire une iJee as-
sez exacl3 de la cavite du receptacle des Hydnora, en la comparant ä
Celle d'une de ces bourses de cuir , dont l'ouverlure plissee se serre
au moyen d'un double lien). Ueber die Griffel und INarben, deren Bil-
dung doch bei Cytinus deutlich genug ist und am entschiedensten seine
Auffassung widerlegt, äussert W. sich gar nicht. Die Raffiesiaceen
verhalten sich nach ihm zu den Balanophoreen, wie Ficus zu Morus:
wäre ihr Ovarium wirklich das Receptaculum einer weiblichen inflo-
rescenz, so würden freilich die Schwierigkeiten wegfallen, welche sich
bei dem Versuche ergaben, dasselbe auf den typischen Bau des Pistills
zurückzuführen (Jahresb. f. 1845. S. 69.J. Das Perigonium von Rafflesia
und systematischen Botanik während des Jahres 1850. 377
betrachtet W. als eine Lappenbildung des Receptaculum, er vergleicht
es mit dem Peridium von Geaster : näher läge es doch wenigstens, In-
volucralhildungen anzunehmen , wie bei den Nyclagineen. — Die sy-
stematische Stellung weist W. den Balanophorcen neben den Coniferen
an, und wenn man, wie es gewöhnlich geschieht, die Gymnospermen
nur durch das nackte Ei von den Dikotyledonen unterscheidet, so lässt
sich gegen diese Schlussfolgerung nicht mehr, aber auch ebenso viel
einwenden, als gegen Schleiden's Verbindung der Loranthaceen mit den
Gymnospermen. Dieser Verbindung aber, wie der ganzen Deutung des
Nucleus für die Loranthaceen bei Schieiden, für die Balanophoreen bei
W,, steht die unleugbare und durch Uebergänge vermittelte Verwandt-
schaft der Loranthaceen mit den Santalaceen, dieser mit den Olacineen
entgegen : zu solchen Üebergängen gehören Loranlhus leptolobus (Jah-
resb. f. 1849.), Henslowia (s. u.) und Myzodendron, eine Loranthacee
mit der Placentalion der Santalaceen. Wäre aber auch die Deutung
des Ei's eine richtige , so würde doch die Stellung bei den Gymno-
spermen nicht gerechtfertigt sein, die, wie ich schon früher bemerkte,
vielmehr durch die Eigenthümlichkeit ihres Befruchlungsaktes, als durch
das offene Ovarium charakterisirt scheinen. Abgesehen von allen theore-
tischen Ansichten wiederholen die Balanophoreen so genau den Ei-
und Pislilltypus der Loranthaceen, sie stimmen, um mich der Schiei-
den-Weddel'schen Deutung zu bedienen, so eigenthümrich in dem
nacklen Nucleus, in dessen griffelartigem Schnabel, in der Bildung des
Endosperms, in dem nackten Samen mit ihnen überein, dass sie dem-
selben Verwandtschaftskreise zugerechnet werden müssen. Die Ver-
schiedenheit der Balanophoreen würde hiernach vorzüglich in der nack-
len Blüthe bestehen, wodurch das Ovulum inferum Schleiden's zu einem
Ovulum liberum im Sinne der Coniferen würde, wenn nicht die Schup-
pen von Cynomorium auch die Stellung der Blülhentheile von Visoum
zeigten und hiedurch, wie durch die diklinischen Blülhen der letzteren
Gattung, ein wahrer Uebergang zwischen beiden Familien angedeutet
erschiene: die Untersuchung der Entwickelungsgeschichte von Cyno-
morium gehört gewiss zu den interessantesten Aufgaben, die jetzt vor-
liegen. — Was endlich die Rafflesiaceen betrifft, mit denen W. die
Balanophoreen wieder vereinigen möchte, so beschränkt sich die Aehn-
lichkeit fast nur auf den Bau des Samens, der Blülhenbau von Cytinus
ist ganz der der Asarineen, das Ei ist vollständig organisirt: nach die-
sen Gesichtspunkten scheint mir die Ansicht von Griffith, nach welcher
die Rafflesiaceen in den Verwandtschaflskreis der Asarineen gehören
und von den Balanophoreen fern stehen, völlig begründet zu sein. —
Neue Gattung: Blepharochlamys ^r], (Epimel. bot. p. 245.) = Bala-
nophora capensis Eckl., nach Harvey ein Mystropetalon.
Phytocreneen. Wiewohl B 1 u m e in einer neuen Arbeit über
diese Gruppe (Rumphia , 4. p. 36. 37.) die im vor. Berichte (S.85.)
378 Gridebach: Bericht ab. d. Leistungen in d. geographischen
dargestellte Struclur des Samens wiederholt, wobei er sich für ihre
Stellung bei den Artokarpeen ausspricht, von denen sie nur durch feh-
lende Stipulen abweichen sollen: so hat er doch später selbst seine
Angaben reformiren müssen. Er erkennt nämlich jetzt selbst an, dass
die Samen ein Albumen besitzen (Mus. lugd. bat. p. 396. : embryo al-
bumine grumoso cotyledonibus maximis contoriuplicatis arctissime ad-
glutinalo et inter plicas earnm iramerso obtectus). Die Folgerungen
aber, welche an die frühere Angabe geknüpft wurden, sind hiedurch
nicht beseitigt, indem der entwickelte Embryo die Vergleichung mit
den Olacineen oder Garryaceen ausschliesst. — Den Bau des Samens
von Phytocrene untersuchte Metten ins (Beiträge zur Botanik. Hft. 1.
S. 50—61.).
Santalaceen. Blume (Mus. lugd. bat. p. 181.) bemerkt, dass bei
Exocarpus die Cupula der Steinfrucht nicht durch Wucherung des Blü-
thensliels, sondern durch die auswachsende Kelchbasis gebildet werde. —
Neue Gattung: Henslotoia B\. (das. p. 242.) = Viscum umbellatum
Bl. , zwar von Blume jetzt zu den Santalaceen gebraclit , Aveil zwei
hängende Eier vorhanden sind, aber als parasitischer Strauch vom Ha-
bitus des Viscum gewiss richtiger als Loranthacee aufzufassen, da
ohnedies die Placenta centralis der Santalaceen fehlt. Der Charakter
der Loranthaceen muss hiernach erweitert werden. Die Angabe Plan-
chon's, dass Henslowia Wall, mit Crypteronia Bl. zusammenfällt, wii;d
von Blume bestätigt.
Loranthaceen. Neue Gattung: Lanthorus Frl. (Epimel. bot,
p. 256.): von den Philippinen — Cum. coli. nr. 1949.
Schoepfiaceen. So nennt Blume (Mus. lugd. bat. p. 175.)
eine neue, auf Schoepfia gegründete Familie, die ihm den Santalaceen
und Loranthaceen näher, als den Olacineen verwandt scheint, wozu sie
von Bentham gerechnet wurden. Bei der nahen Beziehung zwischen
den genannten Familien kann man es wohl bei Bentham's Anordnung
bewenden lassen ; obgleich Schoeplia sich von den Olacineen durch
das Ovarium inferum und durch Stamina corollae opposita entfernt,
schliesst sie sich durch ihre vollständige Blume doch näher an diese,
als an die beiden apetalischen Familien.
Laurineen. Neue Gattungen: Dktyodaphne Bl. (Mus. lugd.
bat. p. 270.): Baum im indischen Archipel; Parthenoxylon Bl. (das.
p. 322.) == Camphora parthenoxylon Ns. etc. ; Notaphoebe Bl. (das.
p. 328.) = Phoebe umbellifloraNs. etc. ; CyanodapiineB\. (das. p.333.)
= Haasia cuneataNs.; IteadaphneBl. (das. p. 365.) = Polyadenia sub-
umbelliflora Ns. ; Aperula Bl. (das.) = Polyadenia polyantha Ns. etc.
Nyctagineen. v. Schlechtendal setzte seine Revision
von Pisonia fort (Linnaea 23. p. 567 — 576.).
Polygoneen. Neue Gattung : Pleuropterus 1'nrcz. (Bullet. Mose«
1848.2.): aus f>Iordchina = Fortune coli. nr. 22A.
und systematischen Botanik während des Jahres 1850. 379
Saliceen. Harlig bearbeitete die europäischen Salices mo-
nographisch (Separatabdrnck aus dessen Lehrbuch der forstlich ange-
wandten Pflanzenkunde. Berlin, 1850. 72p. 4. und Nachträge: I8p.):
wichtig ist insbesondere die Bearbeitung der von Mauksch in den Cen-
tral-Karpaten gesammelleii Formen.
ürticeen. Neue Gattungen: Dendrocnide , Leiicocnide , Orco~
cmde Miq. (PI. Junghuhn. fasc. 1.): Euurliceen, SfenocÄasma Miq. (das.):
Artokarpee, Parasponia yViq. (das.): Celtidee, sämmllicl: von den Sunda-
Inseln; Chaetoptelea Liebm. (Vidcnskab. Meddel. naturh. Foren. 1850-
p. 76.) : ülmacee in Mexiko.
Amentaceen. Blume (i\lus. lugd. bat. p. 308 ) vereinigt Di-
slegocarpus mit Carpinus; auch bemerkt er (das. p. 282.), das? einige
Castanea -Arten der Sunda- Inseln sich in ihrem Fruchlbau den Eichen
annähern. — Neue Gattungen: NolofagusBl. (das. p. 307.) = Fagi
anlarcticae, vorzüglich durch fehlende männliche Amenten charakteri-
sirt, indem die J^ Blülhen zu 1 — 3 stehen; Callaeocarpus Miq. (PI.
Junghuhn. face. 1.) : nahe verwandt mit Castanea.
Saurureen. Neue Gattung: Saururopsis Turcz. (Bullet. Mose.
1848. 2.): aus Nordchina = Forlune coli. nr. 102. A., durch 4 apokarpe
Ovarien abweichend.
Chlorantheen. Neue Gattung: Sarcandra Gardn. (Calcutla
Journ. ö. nach Walp. Ann. 3. p. 352.): aus Ceylon.
Piperaceen: Carpunya Prl. (Epimel. bot. p. 228.) = Ottonia
Carpunya Miq.
Coniferen. Bei der Bearbeitung der indischen Coniferen (Rum-
pliia, 3. p. 208 — 222.) fasste Blume die Tribus der Familie in folgen-
dem Sinne auf: A. Carpella e.xplanala. a. Abietineae. Ovula inversa.
b. Cupressineae. Ovula erecta. B. Carpella urceolata v. cupuliformia.
a. Podocarpeae. Ovulum inversum. b. Taxineae. Ovulum erectum. —
Neue Gattungen: Phcrosphaera Archer (Journ. of Bot. 2. p. 52.)
= Microcachrys tetragona Hook.; Cephalolaxus Hook. (Bot. Mag. t.
4499.) : Baum in Japan, aus der Gruppe der Taxineen.
Monokotyledonen.
Palmen, v. Martins' Palmenwerk (s. vor. Jaresb.) wurde mit
dem zehnten Hefte vollendet (Genera et Species Palmarum. Fasc. 10.
Monach. , 1850. Fol.). Ueber ein solches Werk aphoristisch zu spre-
chen, würde ungeeignet sein : ausführlich auf dasselbe einzugehen, ist
mir leider an diesem Orte nicht gestattet. Ich beschränke mich daher
auf eine Uebersicht der Anordnung und auf Andeutungen über die geo-
graphische Verbreitung der Palmen , die dem letzten Hefte entnommen
sind. Die Gattungen der alten Welt sind kursiv gedruckt, die weni-
gen, welche zugleich in Amerika und anderen Erdtbeilen vertreten sind,
mit * bezeichnet.
380 Grisebach: Bericht üb. d. Leistungen in d. geographischen
Arecinae (pinnatifrondes).
23 Chamaedorea (17 Mexic, 6 Amer. trop. austr.), 1 Hyospathe
(Amer. trop. aust.) , 2 Morenia (Peruv. -boliv.) , 1 Kunthia (Nov. Gra-
nat.), 2 Hyophorbe (Ins. mascar.) , 2 Leopoldinia (Amer. trop. auslr.),
10 Euterpe (8 Amer. trop. austr., 2 Ind. occ.) , 6 Oenocarpus (Amer.
Irop. austr.), 6 Oreodoxa (3 Ind. occ., 2. Venez., l Quit.), 1 Reinhar-
dtia (Älexic), 15 Areca (9 Ind. or., 3 Ins. masc., 1 Madagasc. , 1 Au-
stral., l Nov. Guin.), 3 Kentia (lind, or., 1. Nov. Guin., 1 Nov. Zee-
land. — Norfolk), 4 Dypsis (Madagasc), 2 Urania (1 Ind. or., 1 Nov.
Guin.), 27 Seaforthia (22 Ind. or. , 3 Nov. Guin., 1 Austral. , 1 Nov.
Irland.), 8 Iriartea (Amer. trop. austr.), 3 Ceroxylon (1 Quit., 1 Ve-
nez., Juan Fcrnandez), 7 Wallichia (Ind. or.), 4 Arenga (Ind. or.), 9
Caryola (Ind. or.) , 2 Benlinckia (Ind. or.) , 32 Geonoma (28 Amer.
trop. auslr., 3 Ind. occ., 1 Mexic), 2 Iguanura (Ind. or.), 1 Calyplro^
calyx (Ind. or. ), 11 Manicaria (Amer. trop. austr.), 1 dub. gener.
(Peruv.).
Borassinae (flabellifrondes).
4 Borassus (3 Ind. or., 1 Afric. aeq.), 1 Lodoicea (Ins. Secheil.),
2 Latania (l Afric. aeq., 1 Ins. masc), 5 Hyphaene (Afric).
Coryphinae (flabellifrondes).
5 Corypha (Ind. or.), 15 Licuala (Ind. or.), 1 Pericycla (Nov.
Guin.), 12 Livislona (6 Ind. or., 3 Austral., 2 Ins. Sandvic, l Chin.),
6 Copernicia (2 Ind. occ, 2 Mexic, 2 Amer. trop. austr.), 2 Brahea
(Mexic), 9 Sabal (4 Amer. bor. , 4 Ind. occ, 1 Mexic.) , 2 Trilhrinax
(1 Brasil., 1 Mexic), 8* Chamaerops (5 As. subtrop. , 1 Europ. auslr.,
1 Amer. bor., l Mexic), 5 Rhapis (3 Chin., 2 Ind. or.), 8 Thrinax (7
Ind. occ, l Boliv.).
Phoenicinae (pinnatifrondes).
10 Phoenix (7 Ind. or., 2 Afric, 1 patr. ignol.).
Cocoinae (pinnatifrondes).
14 üesmoncus (13 Amer. trop. austr., l Mexic), 41 Baclris (31
Amer. trop. austr., 7 Ind. occ, 3 Mexic), 3 Guilielma (Amer. trop. austr.),
4 Martinezia (3 Amer. trop. austr., 1 Ind. occ.j, 8 Acrocomia (5 Ind. occ,
2 Amer. trop. auslr., l Mexic), 15 Astrocaryum (14 Amer. trop. austr,,
1 Mexic), 2* Elaeis (1 Afric. occid., 1 Brasil.), 19" Cocos (10 Amer.
trop. austr., 3 Mexic, 2 Bonar. , 2 Ind. occ, 2 Ind. or.?), 5 Syagrus
(4 Brasil., 1 Ind. occ), 5 Diplothemium (4 Amer. trop. austr.), 1 Ju-^
baea (Chil.), 3 Maximiliana (2 Amer. trop. austr., l Ind. occ), 17 AU
talea (Amer. trop. austr.), 3 Orbignia (Amer. trop. auslr.).
Lepidocaryinae.
Pinnatifrondes.
2 Ceralolobus (Ind. or.), Plectocomia (Ind. or.), 7 Zalacca (Ind.
or.), 44 Daemonorops (43 Ind. or. , 1 Nov. Guin.), 84 Calamus (81
Ind. or,, 2 Austral, l Afric), 9 Korthalsia (Sind or., 1 Nov. Guin.),
und systematischen Botanik während des Jahred 1850. 381
1 Eugeissona (Ind. or.), 8 Metroxylon (Ind. or.), 3* Raphia (l Afric,
"tMadagasc. , 1 Brasil).
Palmatifrondes.
4 Mauritia (Amer. trop. ausl.) , 2 Lepidocaryum (Amer. trop.
austr.).
Heteroclitae.
l Nipa (Ind. or.), 2 Phytelephas (Peruv.).
Die Gesammtzahl der von v. M. auseinandergesetzten Palmen
umfasst 582 Arten : von diesen w^achsen 259 in Ostindien, 190 im tro-
pischen Südamerika, 38 in Westindien, 35 in Mexiko, 13 im tropischen
Afrika (mit Einschluss der Dattelpalme), 9 in Neu - Guinea, 7 in Neu-
Holland , 6 in Madagaskar , G auf den Maskarenen , 5 in Nordamerika,
4 in China, 2 auf den Sandwich -Inseln, 2 in Buenos - Ayres und je
eine in Chile, Juan Fernandez, Neu-Irland, Neu-Seeland , auf den Se-
chellen und im Mittelmeergebiet. — Neue Galtungen: Reinhardlia
Liebm. (ap. Marl. 3. p. 311.): Arecinee s. o.; Eugeissona Griff. (Cal-
culta Journ. 5. nach Marl. 3. p.2l2.): Lapidocarynen s. o.
Aroideen. Neue Gattungen : GoniMrws (PrI. Epimel. bot. p. 244.) :
ürontiee aus Lu9on; Hgdnoslachyon Liebm. (Videnskab. Meddel. na-
turh. Foren. 1850. p. 23.) : Orontieen aus Mexiko.
Orchideen. Irmisch (Knollen- und Zwiebelgewächse S.
123 — 164.) untersuchte die Knollenbildungen der einheimischen Orchi-
deen (vergl. Jahresb. f. 1847. S. 87.). Die Deutung der Orchis-Knol-
len scheint mir nach dieser erschöpfenden Darstellung noch nicht ganz
abgeschlossen, die Vergleichung ihrer Enlwickelung mit der der Ra-
dicellen ist nicht ganz überzeugend. Der Knollen bildet sich an der
unteren Seile der Axillarknospe in einer völlig geschlossenen Aussa-
ckung, die später von demselben durchbrochen wird ; über dieser Aus-
sackung steht die Axillarknospe mit der Blatlscheide in rings geschlos-
sener Verbindung. Betrachtet man die Aussackung mit J. als zur Blatl-
scheide gehörig, so wäre Schleiden's Deutung des Knollens als einer
Intumescenz des untersten Knospeninternodiums, für welche die Ana-
logie spricht, ebenso gerechtfertigt, als J.'s Ansicht, der ihn für eine
Wurzelbildung erklärt; sieht man dagegen, wie es richtiger scheint,
jene Aussackung als zum Internodium des Stengels gehörig an , so
würde die Analogie der Annahme einer Wurzel günstiger sein, welche
hier gleichsam die Primärwurzel der Axillarknospe wäre, während sonst
die die Corticalschitht des Stengels ablösenden und dann durchbrechen-
den Wurzeln an der Seitenfläche eines Internodiums stehen und daher
Secundärwurzeln sind. — Brongniart untersuchte die Gattung Uro-
pedium, welche Lindley fast nur durch die Gestalt der äusseren Blü-
thenorgane von Cypripedium verschieden hielt (Ann. sc. nat. III. 13.
p. 113 — 118). B. aber zeigt, dass dieser Typus sich von den Orchi-
deen noch weiter entfernt, als Apostasia, nämlich nicht bloss durch ein
382 Gris^bach; Bericht üb. d. Leistungen in d. geographischen
dreifächeriges Ovarium, einen fast freien Griffel und fast regelmässiges
Perigonium , sondern durch drei fruchtbare, freie de^i inneren Perigo-
nialblätlern gegenüberstehende Slaminen und ausserdem durch ein vier-
tes unfruchtbares von eigenthümlicher, dreilappiger Gestalt, welches
dem mittleren äusseren Perigonialblalt gegenübersteht. Dabei ist die
Aehnlichkeit mit Cypripedium caudatum auffallend genug, um B. zu
der Frage zu veranlassen, ob es vielleicht eine Monstrosität dieser Or-
chidee sei. Er zieht aus seiner Untersuchung nicht , wie man erwarten
sollte, den Schluss, dass Uropedium zu den Aposlasiaceen zu transpo-
niren sei , sondera er findet darin , dass Apostasia sich zu den Neot-
tieen so verhalte, wie Uropedium zu Cypripedium, einen Grund, die
Apostasiaceen mit den Orcliideen zu vereinigen. — Neue Gattun-
gen: Rhynchopera Kl. (Karsten Ausw. Venez. t. 7.) : Pleurolhallee ;
Sarcopodium Lindl. (Faxt. Fl. gard. 1. p. I3ö.): Dendrobiee; Latouria
Bl. (Uumpli. 4. p.41.): Dendrobiee in Ken -Guinea; Hypode7nalium
Rieh. (Fl. Abyss. 2. p.286.): dieser Name, den Richard in demselben
Werke bereits einer Rubiacee erlheilt hatte (s. Jahresb. f. 1847. S. 79.),
würde zu verändern sein, wenn nicht G. Rchb. bereits Richard's Or-
chidee zu Lissochilus reducirt hätte; Arrhynchium Lmd\. und Ornitha"
rium Lindl. (Paxt. Fl. Garden. L p. 142. 188.): beides Yandeen aus
Ostindien,
Burmanniaceen. Neue Galtung: Crtjptonema Turcz. (Bullet.
Mose. 1848. 2.) : aus Ostindien = Cum. coli. nr. 2325.
Bromeliaceen. Neue Galtungen: Pholidophyllum Vis. (Allg.
Garlenz. 16., 30.) = Tillandsia zonata var. viridis Hort. ; Friesta Lindl.
(Bot. mag. t. 4382.) = Tillandsia psiltacina Hoch. etc.
Amary 1 1 idee n. Diese Familie ist im fünften Bande von Kunth*s
Enumeratio bearbeitet worden (p. 467— 850 ). Neue Gattung: ße-
schorneria Klh. (das. p. 844.) = Fourcroya tubiflora Klh.
Taccaceen. Sie sind ebenfalls von Kunth bearbeitet (das.
p. 457—466.).
üioskoreen. Ebenfalls (das. p. 323—456.).
Philesieen. Sie wurden von Kunth (das. p. 283— 285.) un-
ter dem Namen Lapagerieen bearbeitet.
Roxburghiaceen. Daselbst (p. 286-290.).
Herrerieen. Kunth, der sie ebenfalls bearbeitete (das. p. 290
£96.), bemerkt, dass sie von den Asparageen durch die Kapsel, von
den Asphodeleen durch den Habitus abweichen.
Ophiopogoneen. Von Kunth bearbeitet (das, p. 297 — 309.).
Aspidistreen. Ebenfalls (das. p. 3.10— 322.).
Smilaceen. Kunth (das. p. 114— 282.) unterscheidet sie von
den Asparageen durch die hellere Farbe der zarten Testa und dadurch,
dass der Embryo meist sehr klein sei. Nach dieser vagen Bestimmung
enthalten sie als Tribus die Parideen, Convallarieen, Smilaceen s. str.,
und systematischen Botanik während des Jahres 1850. 383
Rusceen und als zweifelhaftes Glied die Luzuriageen. Den Asparagecn
(das. p. 1 — 113.) bleiben als Trihus die Dracaeneen, Asparageen s. slr.,
Eustropheen. — Neue Gattungen: Cohnia Kth. (das. p. 35.) =
Dracaenae sp., 3 Arien von den Maskarenen ; Dracaenopsis Planch. (Fl.
des serres, 6. p. HO.) = Cordyline australis Endl. — Beinling un-
tersuchte den analomischen Bau der Axe bei den Smilaceen (Diss. de
Smilacearum struetura. Vralisl., 1850. 27 pag. 8.).
Liliaceen. In dem Werke von Ir misch über Knollen- und
Zwiebelgewächse (Berlin , 1850. 286 S. 8.) findet sich über die Bil-
dungsgeschichte der Liliaceen-Zwiebeln ein reichhaltiges Material : auch
sind zuweilen Beobachtungen an anderen Organen eingestreut. So zeigt
er, dass durch cenirifugale Inllorescenz Gagea, Frilillaria, Tulipa, Ery-
thronium, Allium und Lilium sich von Ornilhogalum, Scilla und Hya-
cinthus unterscheiden, deren Blüthenstand centripetal ist (S. 52.). Fer-
ner steht bei Omithogalum und Anthcricum das äussere Perigonialbiatt
des äusseren Wirteis über der Braktee, bei Allium an der entgegenge-
setzten Seite (S. 74.). — Kichard vereinigt Scilla und Ornilhogalum
(Fl. Abyss. 2. p. 328 ) : nach Irmisch ist der Bau der Zwiebel in bei-
den Gattungen nicht derselbe.
Commelineen. TSeue Galtungen: Heterachthia Ki. (Bot. Zeit.
8. S. 1.): aus Mexiko; /?/ioeo Hance (diagn. pl. Chin. nach Walp. Aon.
3. p. 658.) = Tradescantia discolor Sni.
Cyperacecn. Neue Gallungen: Eriospora Höchst. (Rieh. Fl.
Abyss. 2. p. 508.) = Rhynchospora Irigyna Höchst, in Shimp. pl. Abyss.;
Oncostylis Marl. (As, Gray man. p. 530.) = Isolepis capillaris R. S.
etc.; Psilocanja Torr. (das. p. 531.): Rhynchosporeen in Nordamerika ;
Ophryoscleria Ns. (F^iebm. Mexicos Haifgraes. p. 73.) = Scleria Schie-
deana Schlechtend. etc.; Diploscyphus Liebm. (das. p. 74.) : Sclerinee
aus Mexiko.
Gramineen, v. Schlechtendal publicirte kritische Bemer-
kungen über Diarrh^na, Maizilla, Anastrophus (Bot. Zeit. 8., S. 585. ,
601., 681.) und übar Ceratochloa (Linnaea, 23. p. 324— 336.). S au-
ter beschrieb eine Monstrosität von Lolium (Regensb. Fl. 1850. S.321.).
— Neue Gattungen: Fiorinia Farial. Fl. ital. 1. p. 232.) = Aira
Tenorii Guss. ; Molineria Pari. (das. p 236.) = Aira minuta Loefl. •
Avenella Pari. (das. p. 244 ) = Deschampsia sect. Avenella Gr., JPmc-
cinellia Pari. das. p. 366.) = Poa distans L. etc., synonym mit Atro-
pis Rupr.; Anachyris Ns. (Journ. of. Bot. 2. p. 103.) : Oryzee in Bra-
silien; Reana Brign. (Ind. sem. Mutin. 1850. nach Regensb. Fl. 1850.
S. 400.) : Zeinee in Mexiko; Schellingia Höchst. (Regensb. Fl. 1850.
S. 231.): Chloridee in Mexiko; Acratherum Höchst. (Rieh. Fl. Abyss.
2. p. 414.) : zwar zu den Avenaceen von Richard gestellt, aber wahr-
scheinlich eine Panicee; Harpachne Höchst, (das. p. 431.) : Poacee ;
Lepidopironia Rieh. (das. p. 442.) : Hordeacee ; Fsüopogon Rieb, und
384 Grisebach: Bericht üb. d. Leistungen in d. geographischen
Alectoridia Rieh. (p. 447.), beide von mir später zu Pleuroplitis redu-
cirt; auch halte Richard übersehen, dass Hochstelter selbst sein Psilo-
pogon zu Lucaea , welche Gattung mit Pleuioplilis zusammenfällt, re-
ducirt und auf eine andere Cap'sche Andropoginee jenen Namen über-
tragen hatte (vergl. Jahresb. f. 1847. S. 89.).
Kryptogamen.
Ein allgemeines, durch zahlreiche Holzschnitte erläutertes Werk
über Kryptogamen hatPayer herausgegeben (Botanique ciyptogamique
on histoire des familles naturelles des plantes inferieures. Avec 1105
gravures sur bois, representant les caracleres des genres. Paris, 1850.
14 Bogen, 8.). — Wichtig für die Morphologie der höheren Kryptoga-
men sind die Untersuchungen von Metten ius über die Fortpflanzung
und Keimung der Rhizospermen, Farne und Lykopodiaceen (Zur Forl-
pflanzung der Gefässkryptogamen: in seinen Beiträgen zur Botanik. Hft.l.
Heidelberg, 1850. 8. S. 1—29). Der Verf. gelangte in Bezug auf den
Befruchlungsapparal zu denselben Ergebnissen, w^ie Hofmeister (s. vor.
Ber. S. 96.).
Farne, v. Mercklin's Beobachtungen über die Befruchtung
der Farne bestätigen im Wesentlichen die von Gr. Suminski entdeck-
ten Thatsachen (Beobachtungen an dem Prolhallium der Farnkräuter.
Petersburg, 1850. 84 S. 4. : vergl. Hofmeister's Recension in der Re-
gensb. Fl. f. 1850. S. 696—701 ; sodann M.'s Sendschreiben an Schacht
über die Entwickelungsgeschichte der Farnkräuter in der Linnaea, 2 3
p. 723 — 736.). Der Beobachtung Schacht's, dass das weibliche Organ
zur Zeit der Befruchtung geschlossen sei, tritt er entgegen (Linn. p. 729.)
und bestätigt (Beob. t. 5. f. 3.) die bis dahin von Niemand wieder ge-
sehene Entdeckung Suminski's, dass die Phytozoen in den Kanal ein-
treten, welcher zum Archegonium führt. Wenn M. bei der Deutung
seiner Beobachtungen die Annahme einer Befruchtung verwirft , weil
die Folge des Aktes nicht die Entstehung neuer Individuen , sondern
weitere Entwickelung der Pflanze sei , und wenn Hofmeister hingegen
den Generationswechsel zur Geltung bringt: so ist es mir zwar erfreu-
lich, dass der Letztere gleichzeitig zu ähnlichen Ansichten gelangt ist,
wie ich sie im Jahresb. f. 1848. (S. 102.) entwickelt habe, allein der
Gegensatz der Meinungen ist vielmehr ein Streit über das Wort Be-
fruchtung, als über die Sache, in welcher nunmehr durch treffliche
Kräfte ein" befriedigender Abschluss erreicht worden ist. — Von
Kunze's Farnen erschien die dritte Lieferung des zweiten Bandes
(die Farnkräuter in Abbildungen. Taf. 121 — 130. Leipzig, 1850. 4). —
Kunze bearbeitete ferner einen kritischen Katalog sämmtlicher in den
europäischen Gärten kultivirten Farne (Linnaea, 23. p. 209 — 323. und
408 — 410.). Dieser Uebersicht ist ein reichhaltiges Supplement neuer
und systematischen Botanik wahrend des Jahres 1850. 385
systematischer Beiträge beigefügt ist, enthält 800 Arten ; ferner Iheille
K. noch einige Bemerkungen über Dicsonia mit (Bot. Zeit. 8. S. 57 —
62). — Neue Gattungen von Presl (Epiniel. botan.) , meist aus
übertriebener Zersplitterung bekannter Formen hervorgegangen : [Hiero-
pleris (p. 26.): aus Pendschab, Haplodiclywn (p. 50.) = Nephrodium
ßlumei Sm. , Microbrochis (p. 51.) = Aspidium apiifolium Schk. , Po-
lydiclijum (p. 52.) = Asp. Menyanthidis Bl., Anisocampium (p. 58.) : von
den Philippinen = Cum. coli. nr. 239., Brachijsorus (p. 70.) = Dipla-
zium brevisorum Sm. = Cum. coli. nr. 153., Anchistea (p. 71.) =
Blechnum virginicum L., Lorinseria (p. 72.) = Woodwardiae sp. Amer.
bor., Tarachia (p. 74.) = Asplenium Ruta muraria, germanicum, oblu-
sum Kit, , acutum, lanceolatum und palmatum ; Microstegia (p. 90.) =
Diplazium sylvaticum S\v. etc. , Ochlogramma (p. 93 ) = Callipteris
alismifalia Sm. = Cum. coli. nr. 116., Pachypleuria (p. 98.) = Da-
valliae sect. Pachypleuria, tareslia (p. 99.) = Davalliae sp., Fycnodo-
ria (p. 100.) = Pteris opaca Sm. =: Cum. nr. 342. , Parablechnum
(p. 109.) = Blechni sp., Distaxia (p. HO.) = Blechnum fraxineum W. ;
Mesothema (p. 111.), Blechnopsis (p. 115.) und Orthogramma (p. 121.)
= Blechni sp. ; Spicanta (p. 114.) = Bl. boreale und onocleoides ;
Crypsimis (p. 125.) = Drynaria neglecta Sm. = Cum. coli. nr. 121.,
Microterus (p. 124.) = Polypodium neglectum Bl., Scylopteris (p. 133.)
= Niphobolus acrostichoides Prl., Sphaerostichon (p. 134.) = Niphob.
acroslichoides J. Sm. , Folycampium (p. 136 ) = Acrostichum Lingua
Thunb., Apalophlebia (p. 137.) = Polypodii sp. Wall., Gyrosorium
(p. 139.) = Niphob. africanus Kz. etc., Macroplethus (p. 141.) =: Hy-
menolepis platyrhynchos Kz. , Heterozoniwn (p. 142.) = Stenosemia
aurila Sm., Colysis (p. 146.) = Selligueae sp. , Dendroglossa (p. 149.)
= Gymnopteridis sp., Lomaridium (p. I5i.) = Lomariae sp., Pallonium
(p. 156) = Pteris lanceolata L. , Lemmaphylhtm (p. 157.) = Drymo-
glossi sp. , Microstaphyla (p. 160.) = Gymnogramma bifurcata Kz.,
Psomiocarpia (p. 161.) = Polybotrya apiifolia Sm,, Dorcapteris (p. 166.)
= Osmunda cervina L. , Anapamia (p. 185.) = Gymnopteridis sect.,
Cheiropluria (p. 189.) =: Acrostichum trinerve Kz, ; Crepidomanes und
Pleuromanes (p. 258.) =: Trichomanis sp., Pronephrimn (das.) = Aspi-
dium lineatum Bl. etc., Proferea (p. 259.) = Aspid. excellens Bl.
Equisetaceen. Milde untersuchte die von Thuret entdeck-
ten Antheridien am Keimorgan der Equisetaceen , wo sie sich ähnlich,
wie bei den Farnen verhallen (Diss. de sporarum Equisetorum germi-
natione. Vratislav. , 1850. 20 p. 8.: abgedruckt in der Linnaea, 23.
p. 545. u. f. ; vergl. Hofmeistcr's Recension in d. Regensb, Fl. f. 1851.
S. 60 — 62.): die Phytozoen sind die grössten , die bis jetzt beobachtet
sind. — Milde beschäftigte sich auch mit den Formen der Equisetum-
Arten (Arb. der schles. Gcsellsch. f. 1850. S. 102—106.): er zeigt,
dass das neuerlich in Norddeutschland unterschiedene E. inundatum Lsch,
Archiv f. Naturgesch. XVII. Jahrg. 2. Bd 2
386 Grisebach: Bericht üb. d, Leislungeii in d. geographischen
eine dem E. limosum ähnliche Form des E. arvense ist, die, da sie
sterile Sporen ohne Elaleren trägt , wohl als eine monströse Bildung
zu betrachten wäre.
Moose. Die durch schöne Tafeln erläuterte Arbeit über das
Peristom der Moose von Lantzius -B eni nga (s. Jahresb. f. 1847.
S. 90.) erschien in den Acten der Leopold. Akademie (Vol. 22. p. 2.
Bonn, 1850. Separatabdrücke u.d. 'f. : Beiträge zur Kenntniss des innern
Baus der ausgewachsenen Mooskapsel 46 S. 4. sind ausgegeben). —
Von der Bryologia europaea (s. vor. Ber.) erschienen die Hefte 43 —
45. (Stuttgart, 1850.): darin der Schluss der Phasceen , Cryphaea, Le-
plodon , Neckera , Omalia n. g. = Leskea trichomanoides, Fabronia,
Anacamptodon, üaltonia, Leskea, Anomodon, Leucodon, Antitrichia. —
Müller's Synopsis muscorum wurde vollendet (Vol. 2. Bcrolin., 1850
— 1851. 772 S. 8.) : der zweite Band enthält die pleurokarpischen Laub-
moose. Fortgesetzte Uebersicht seines Systems (s. Jahresb. f. 1848.
S. 103 ). C b. Pleurocarpi. aa. Distichophylli. Phyllogonium. — bb.
Tristichophylli. Trib. Hypopterygiaceae. (Hypopterygium , Cyathopho-
rum, Helicophyllum). — cc. Polystichophylli. Trib. 1. Mniadelpha-
ceae. (Daltonia, Mniadelphus). Trib. 2. Hypnoideae. Subtrib. 1. We-
ckeraceae. (Rhegmalodon , Fabronia, Neckera, = 185 sp. , Pilotri-
chum , Aulacopilum ). Subtrib. 2. Hypnaceae. (Hookeria, Hypnum
= 501 sp.). Den Schluss des Werks bildet ein starkes Supplement
(p. 511 — 693.): die Gesammtzahl der in der Synopsis abgehandelten
Arten beträgt 2303 Arten, von denen etwa '/j neu ist; 91 Arten blie-
ben zweifelhaft.
Lebermoose. Schacht untersuchte die Entwickelung des
porangiums bei Anthoceros (Bot. Zeit. 8. S. 457. 473. 489.) : dasselbe
bildet sich nach ihm am Grunde eines nach aussen geöffneten Kanals
unmittelbar aus den vegetativen Zellen der Frons, so dass hiedurch
keine Analogie mit der nach Hofmeister frei im Archegonium liegenden
Zelle bestehen würde, aus welcher das Sporangium der Laubmoose her-
vorgehl. Die durch schöne Abbildungen erläuterten Beobachtungen
des Verf. über die Sporenbildung stimmen mit denen v. Mohls über-
ein, enthalten aber einen bedeutenden Beitrag zur Lehre von der Cy-
togenesis. — Henfrey beschäftigte sich mit der Bildungsgeschichte
der Frucht von Marchantia (Ann. nal. bist. See. Ser. 5. p. 498 — 500.).
Lichenen. Itzigsohn glaubte an den Lichenen Phytozoen
entdeckt zu haben (Bot. Zeit. 8. S. 393. und 913— 919.): nachdem
seine Beobachtung durch eine Mittheilung v. Flotow's (das. p. 915.)
auf Molekularbewegung zurückgeführt worden war , beruft sich l. auf
die bis zur Putrescenz getriebene Maceration , bei welcher die Bewe-
gungen deutlicher werden sollen; aus seiner Beschreibung ist die durch
ein solches Verfahren bedingte Entstehung von Infusorien zu erken-
nen, nicht aber die von Phytozoen. — Von Schaerer erschien ein
und systematischen Botanik wahrend des Jahres 1850. 387
umfassendes Werk über die europäischen Lichenen (Enumeratio critica
Lichenum europaeorum. Bernae, 1850. 327 p. 8.): sein System ward
auch in den Miltheiiungen der Berner Gesellschaft publicirl (1849. S.
49—64., vergl. vor. Jahresb. S. 79.). — De Notaris theilte Bemer-
kungen über die Klassifikation der Lichenen mit (Mem. de Torino Ser. II.
T. 10. p. 365— 390.). — v. Flotow publicirte systematische Beiträge
(Bot. Zeit. 8. S. 73. 361. 377. 537. 569.), so wie eine monographische
Arbeit über Collemaceen (Linnaea, 23. p. 147—201.). — Neue Gal-
tungen: Abrothallus Not. (a. a. 0. p. 351.): an üelbäuraen wach-
send, Bialora nahe stehend; Diplotomma Flot. (Bot. Zeit. 8. S. 380.)=^
Lecidea albo-alra etc.; Sarcogyne Flot. (das. p. 366.) = Psorae sp. ;
Heterothecium Flot. (das. p. 368. = Megalospora Meyen = Biatora
pachycarpa Desf. etc.; Calapyrenium Flot. (das. p. 361.) = Sagedia
cinerea Fr.; Tichothecium Flot. (das.) = Sag. nigrescens Fers, etc.;
Alichia Flot. (Linnaea , 23. p. 149.) = CoUenia glomerulosum Ach. ;
MalloUum Flot. (das. p. 150.) = G. saturninum Ach.
Algen. T hur et theilte vorläufig die Ergebnisse einer umfas-
senden und von der Akademie gekrönten Arbeit über die beweglichen
Sporen der Algen mit (Ann. sc. nat. IIL 14. p. 214—260. t. 16—31.).
Er fand an den Sporen einer grossen Zahl der Melanosporeen den Wim-
perapparat der Chlorosporeen , der jedoch in der Gruppe von Fucus
feblt, und er will hiernach die Melanosporeen zum grösseren Theil mit
den letzteren unter der Bezeichnung Zoosporeen vereinigen: eine sy-
stematische Neuerung, die kaum zu billigen ist, indem z. B. Laminaria
dadurch von Fucus getrennt wird. Die systematische Gliederung sei-
ner Zoosporeen ist folgende :
Secl. 1. Chlorosporeae (mit Ausschluss der Nostochineen, Ri-
vularieen, Oscillatorieen, Palmelleen und Lemaneen: wo der W^imper-
apparat nicht gefunden ist). Der farblose vordere Theil der Spore (ro-
strum) trägt meist 2 oder 4 Cilieen.
A. Jeder Theil der Frons ist fähig, Sporen zu erzeugen. Un«
tersucht wurden : Bryopsis , Conferveen (Gladophora , Chaetomorpha,
Microspora s. u.) ; Draparnaldieen (diese werden charaklerisirt durch
4 Cilien, während die beobachteten Conferveen 2 halten, so wie durch
den roth gefärbten Punkt der Spore: Ulothrix, Stigeoclonium, Ghaeto-
phora, Draparnaldia) ; Ulvaceen, wobei die Ansicht ausgesprochen ist,
dass Tetraspora gelatinosa Ag. zu den Infusorien gehöre ; üedogonium,
welche Gattung nach Th. eine besondere, durch zahlreiche, einer ab-
gerundeten Maiiiilla eingefügten Cilieen charakterisirte Gruppe bildet:
die lateralen Bildungen, auf die Isolation eines Zellenastes zurückge-
führt, sollen hier so wenig, wie bei Vaucheria als Ueproduktionsorgane
gelten, sondern vielleicht als Knospen, bestimmt, die Trockenheitsein-
flüsse auf die \egelation zu überdauern (p. 228.).
B. Die Sporen sind lokalisii l. Dahin gehören : Vaucheria, cha-
388 Grisebach: Bericht iib. d. Leistungen in d. geographischen
raklerisirt durch die mit dem Wimperepilhelium bedeckte Spore ohne
Rostrum ; Saprolegnia, vom Bau der Vaucherien, aber mit 2 Cilien (die
lateralen Gebilde bleiben zweifelhaft; man kann sich diese auf todten
Thierkörpern parasitische Alge leicht verschalFen, wenn man Fliegen
in Wasser wirft, deren Körper sich alsdann mit derselben bedeckt);
Derbesia; Codium : die seillichen Sporangien (einfache, abgeschnürte
Zellen) enthalten Sporen mit 2 Wimpern.
Sect. 2. Fhaeosporeae. Sie unterscheiden sich nicht bloss durch
den olivenfarbigen Farbstoff, sondern besonders durch die Disposition
der beiden Cilien, die, von ungleicher Länge, nicht vom Rostrum der
Spore, sondern aus einem röthlichen Punkte des farbigen Sporen-Hin*
lertheils entspringen und von denen die längere nach vorn , die kür-
zere nach rückwärts gerichtet ist. Die untersuchten Gruppen sind fol-
gende: Ektokarpeen : die Organe am Ende der Aeste sind, wie schon
Naegeli nachwies , mit Sporen angefüllte Sporangien (Oosporangia Th.) ;
die zweite auch von Meltenius beschriebene Fruchtbildung besteht nach
Th. aus Zellenfäden, deren Zellen eine einzelne Spore von gleichem
Bau, aber etwas bedeutenderer Grösse enthalten (Trichosporangia Th.),
ein Analogon für die doppelte Sporenbildung der Florideen , nicht ein
sexueller Gegensatz, da Th., wie früher Crouan, beide Arten von Spo-
ren keimen sah; Älyrionemeen (Elachisla, Leathesia: hier wiederholen
sich , ebenso wie in den folgenden Gruppen , die beiden Formen von
Sporenbildung); Chordarieen (Mesogloia, Chordaria); Sporochneen (Sti-
lophora , Sporochnus) ; Punctarieen (Asperococcus) ; Dictyosiphon , von
ded Diclyoleen ausgeschlossen, welche der Verf. für ein Gemisch he-
terogener Algen erklärt, indem eine Reihe von Phaeosporeen , bei de-
nen man das Sporangium für eine einfache Spore hielt , mit den äch-
ten Dictyoteen-(üictyota, Haliseris, Taonia, Padina) verbunden sei, die
nach ihrer grossen , unbeweglichen Spore zu den Fucaeeen gehören;
Scytosiphon, von Chorda Filium sehr abweichend, indem nach Th. nur
Trichosporangien an der ganzen Oberfläche der Frons vorkommen; La-
minarieen , bei denen Th, nur üosporangien fand (Chorda, Laminaria,
Haligenia) ; Cutleria, die einzige Phaeosporee, bei welcher Th. ausser
deh beweglichen Sporen auch die Antheridien der Fucaeeen tand: die
Sporen sind hier dreimal so gross , wie in den übrigen.
Am Schlüsse dieser wichtigen Abhandlung spricht Th, seine An-
sichten über die Grenzen des Thier - und Pflanzenreichs aus. Die grü-
nen Infusorien einfachsten Baus (z. B. Chlamidomonas , Euglena) , bei
denen er SauerslofFentbindung im Lichte annimmt und die er mit dem
Namen Chlorozoiden bezeichnet, scheinen ihm den beweglichen Algen-
sporen so ähnlich, dass er sie nicht anders zu unterscheiden weiss,
wie durch die Keimung der letzteren : aber die einfachere Forlpflan-
zungsweise der Chlorozoiden durch spontane Theilung scheint ihm wie-
derholt in den einfachsten, wiraperlosen Pflanzen, den Palmellen und
und syslemalischen Botanik während des Jahres 1850. 389
Nostochineen. Selbst den v. Siebold'schen Charakter der contraktilen
Wimperorgane (s, vor. Der.) will Th. nicht gelten lassen, indem ganz
analoge Erscheinungen an den Sporen von Vaucheria und Saprolegnia
vorkommen sollen : die merkwürdigste Beobachtung aber machte er an
den Sporen von Stigeoclonium protensum, die beim Ausschlüpfen zu-
weilen mit ihrem Rostrum in der Zellenwandung hängen bleiben und
dann Versuche machen , durch Contraktionen sich zu befreien (en ce
cas, j'ai ete plus d'une fois surpris de voir ce corpuscule, dans les ef-
forts qu'il fait pour se delivrer, courber son rostre de cote et d'autre:
il s'allonge quelquefois d'une maniere sensible, et ne reussit ä se de-
gager qu'apres des mouvemenls et des contractions de toute sorte).
Die Ergebnisse Th.'s sind also nur negative; aber über die Aufnahme
fester Farbstoffe in den Körper der Infusorien spricht er sich nicht aus.
Eine allgemeine , systematische Arbeit über die Reproduktions-
organe der Algen haben Derbes und Soli er geliefert, aber nur ein,
gleichwohl bedeutender Nachtrag (Ann. sc. nat. III. 14. p. 261 — 282.)
kam vor dem Erscheinen der von der Pariser Akademie herauszugeben-
den Abhandlung schon jetzt zur Publikation. Auch diese Algologen
theilen, wie Thuret, die Algen in zwei Abtheilungen, je nachdem die
Sporen sich durch Wimperapparat bewegen (Sporozoidees , bei denen
sie das Sporangium Cystocarpe, die Sporen Sporozoides nennen), oder
des^Wimperapparats beraubt sind (Antherozoidees) : in^diesem letzteren
Falle nehmen sie allgemein das Vorhandensein von Antheridien und
Befruchtung der ruhenden Spore durch dieselben an (sie nennen die
befruchtenden Organe Antherozoides). Die Antherozoideen bestehen
aus den Florideen , bei denen die Phytozoen hyalin sind und die Fu-
caceen im engeren Sinne, bei denen sie einen gefärbten Punkt besitzen.
In Deutschland ist man geneigt, die Phytozoen der Algen als befruch-
tende Organe zu leugnen und dieselben vielmehr mit den Wimper^
Sporen für identisch zu halten. Die Gründe für diese Ansicht, die von
Mellenius (Beitr. zur Bot. I. S. 42.) verfochten und später auch von
H. V. Mohl (veget. Zelle S. 114.) adoptirt ward, beschränken sich auf
die von den Phytozoen der höheren Kryptogamen abweichende Form
dieser Organe, so wie auf die unleugbare Uebereinstimmung des Bau's
mit den Wimper-Sporen anderer Algen (vergl. Meltenius ßeilr. 1. t. 4.
fig. 10'. 11.). Der Gestalt des Organs ist indessen kein Einfluss auf die
physiologische Bedeutung desselben einzuräumen, wie in diesem Falle
die Charen zeigen, die A. Braun mit Recht den Algen vindicirl, ob-
gleich ihre Antheridien ganz abweichend gebaut, aber auch von v.
Mohl als solche anerkannt sind. Benierkensvverther ist der Umstand,
dass bei so sorgfältigen Untersuchungen über jene Organe, wie wir sie
Thuret , Solier und Anderen verdanken, nie eine Keimung der Phyto-
zoen, dagegen bei allen Sporenformen der Florideen eine solche häufig
beobachtet ist. Ich gelbst besitze Beobachtungen über die Phytozoen
390 Grisebacli: Bericht üb. d. Leistungen in d. geographischen
von Fucus vesiculosus, die ich im Herbste 1849 an der Nordsee anstellte
und die der Ansicht von ihrer sexuellen Bedeutung günstig sind: der
die Phytozoen erzeugende und nach aussen durch einen Kanal geöff-
nete Behälter trocknet zur Zeit der Ebbe in dem Grade zusammen,
dass dadurch ein orangenfarbnes Tröpfchen aus der Mündung des Ka-
nals ausgepresst wird, welches eine zahllose Menge reifer Phytozoen
einschliesst ; sobald diese von der Flulh erreicht werden, müssen sie
sich, ebenso wie im Wassertropfen des Mikroskops, in grossen Schwär-
men durch das Wasser bewegen: zu der nämlichen Zeit aber, in der
die Phytozoen reifen, sind die Sporen erzeugenden Behälter, die sich
bei Fucus vesiculosus an anderen Individuen bilden , so weit entwik-
kelt, dass bei ihnen ebenfalls ein offener Kanal von ähnlicher Ge-
staltung das mit den Phytozoen erfüllte Seevvasser zu den Sporenmut -
terzellen einführt.
Ruprecht untersuchte Bau und Wachslhum bei einigen gros-
sen Algenstämmen (Mem. de St. Petersb. Sc. nat. T. 8. P. 2. p. 59— 70.
und Bullet, de St. Petersb. 8. nr. 15) : er fand ein den Gefässbündeln
analoges, mit Faserbildungen inkrustirtes, jedoch nach seiner Beschrei-
bung nur aus Prosenchym bestehendes Gewebe bei Rhodomela Larix,
Atomaria und Macrocystis, welches er, wie mir scheint, mit Unrecht als
Gefässbildung aufgefasst hat. — Von Kützing's Kupferwerk über die
Algen (s. vor. Ber.) erschienen die drei ersten Lieferungen des zwei-
ten Bandes (Tabulae phycologicae. Lief. 11 — 13. 1850. 8.). — J.
Agardh lieferte neue, algologische Beiträge (Öfersigt af Vetensk -
Ak. Forhandl 1849. Stockh., 1850.). — Mettenius theilte Beobach-
tungen über den Bau und die Entwickelung mehrerer Algen mit (Beilr.
zur Bot. 1. p. 30 — 49.): die sogenannten Schleimgefässe von Laminaria
sind Intercellulargänge; die Phytozoen der Florideen haben nach M.
den Bau der Wimpersporen. — Caspary untersuchte den Bau von
Furcellaria fastigiata und Polyides rolundus (Ann. nat. bist. See. Ser. 6.
p. 87.), sodann von einem neuen Schizosiphon (das. p. 260.) ; er be-
schäftigte sich ferner mit den Haarbildungeu der Algen (das. p. 465.)
und beobachtete die Vermchrungsweise vonPediastrum ellipticuka Ehrb.
(Bot. Zeit. 8. S. 786.): dieses Gebilde, welches C. für eine Pflanze
erklärt, erzeugt in seinen Zellen einen aus 8 — 31 und mehr Zellen zu-
sammengesetzten , von dem zeugenden Exemplar nur durch Kleinheit
unterschiedenen Sprössling, der durch Platzen der Mutterzelle gleich-
sam lebendig geboren , d. h. in entwickeltem Zustande frei wird. —
Halfs publicirte eine systematische Arbeit über die Kostochineen (Ann.
nat. bist. See. 5. p. 321 — 353.) — Cohn gab eine bedeutende Unter-
suchung über Protococcus pluvialis heraus (Kov. Act. Natur. Curios.
Vol. 22. P. 2. p. 605 — 764.): er bestätigt die älteren, genauen Beob-
achtungen V. Flolow's und führt sie auf die Zellentheorie zurück; den
Zweifel, ob, wie auch Thuret annimmt, das Gebilde nicht vielmehr
und systematischen Botanik während des Jahres 1850. 391
thierischer Natur sei, löst er nicht vollständig, behandelt eher die
Frage über die Grenze des Thier - und Pflanzenreichs allgemein und
mit ausgezeichneter Sachkenntniss. Die Analogie von Frolococcus plu-
vialis mit Euglena wird überzeugend dargelhan , der ruhende und be-
wegte Zustand als Generationswechsel aufgelasst; eine Tiieilnng des
bewegten, einer Wimperspore mit 2 Wimpern entsprechenden Körpers,
ohne dass dieser vorher zur Ruhe gelangt, ist unter den Algen ohne
Beispiel. C. betrachtet indessen, indem er zu ähnlichen Ansichten,
wie Thuret, gelangte, den Primordialschlauch als contraktil, die Bewe-
gungserscheinungen desselben mit denen der Infusorien als identisch
und will die Starrheit vegetabilischer iMembranen v. Siebold's nur für
die Cellulose gelten lassen , die der Wimperspore , als einem nackten
Primordialschlauche, fehlt. Aber er bleibt nicht, wie Thuret, bei die-
ser Negation stehen, sondern sucht, die Möglichkeit einer Verwandlung
von Thieren in Pflanzen zwar in Abrede stellend , doch diise Idee in
einer neuen Wendung wieder in die Wissenschaft einzuführen , indem
er den Satz aufstellt (S. 747.), dass die Schwärmzellen der Algen wie
einzellige Thiere, die ruhenden, in eine Zellmembran eingeschlossenen
Euglenen wie einfache Pflanzen gebaut seien. Ein naturgemässes Er-
gebniss dieser schon so lange Zeit fortgesetzten und zu jährlich zu-
nehmender Divergenz der Ansichten erwachsenen Kontroversen wird
wohl noch lange nicht herbeigeführt werden: tritt es einst ein, so wird
es den vielen trefflichen Arbeilen, die dadurch hervorgerufen wurden
und unter denen die Cohn's einen hervorragenden Platz behauptet, ge-
wiss an Bedeutung sehr untergeordnet sein und sich vielleicht nur
darauf beschränken, dass man einige oder die meisten grünen Infuso-
rien in das Pflanzenreich einfährt, mit dem sie in dem wichtigsten
Punkte ihrer Lebensthätigkeit, in der Respiration übereinzustimmen
scheinen. — Neue Gattungen. Florideen: Rissoella J. Ag.
(Öfver. s. 0., abgedr. in Regensb. Fl. 1850. S. 742.) = Fucus verru-
culosus Bert.; Polyopes J. Ag. (das.) = F. constriclus Turn, etc.;
Acrotylus J. Ag. und Polycoelia J. Ag. (das.): Kryptonemeen aus Neu-
Holland. — Fucoidee: Petalonia Derb. Sol. (Ann. sc. nat. III. 14.
p. 265.) = Laminaria debilis Ag. — Confervaceen etc.: Nemacy-
slus Derb. Sol. (das. p. 269.) : von Marseille ; Qlicrospora Thur. (das.
p 221.) = Conferva floccosa Ag. ; Chloropteris Moni. (das. p. 300.) =
Aegagropila Leprieurei Kütz. ; Dolichospermu7n Jhwa'ites (Ann. nat. bist.
II. 5. p. 331.) = Cylindrospermum Ralfsii Kütz. u. Anabaina flos aquae
Harv. etc.; Enlerobrus, Cladopliytum und Arlhromitvs IjCldy (das. p. 72.
74.): Mykoderma-Bildungen in den Intestinis lebender Thiere.
Pilze. Fresenius fing an, Beiträge zur Mykologie herauszu-
geben (Hft. l. Frankf., 1850.' 38 S. 4.). — Neue Gattungen. Py-
r e n 0 m y ce t e n : Aglaospora Not. (Menü di un iuo, 10. p. 337.) = Sphae-
ria profusa Fr. etc.j Sporormia Not. (das. p. 342.) =; 3ph, glercoris
392 Grisebach: Bericht üb. d. heistungen in d. System. Bot.
DC. ?; Eriospora Berkel, Broom. (Ann. nat. hist. II. 5. p. 455.) : auf
Typha; Myxormia ßeike\. Br, (das, p. 457): verwandt mit Excipula;
Cy stotricha Berke\. Br. (das.): verglichen mit Endotrichum; Discella
Berk. Br. (das. p. 376.) = Phacidium carbonaceum Fr. — Gaste ro-
mycet: Rokiea Ges. (in Rabenh. herb, mycol. 15. nr. 58): Erycibee,
auf den abgeworfenen Hüllen von Phalaena Cossus. — Hyphomy-
cet: Plienacopodium Debey (Verhandl. d, naturh. Vereins der preuss.
Rhcinl. 6. p.32 — 38.): Stilbinee. — Coniomyceten: Myropyxis Ces.
(in Rabenh. herb, mycol. 15. nr. 29.) : auf Carex; Thysanopyxis Ces.
(das. nr. 32.): auf Robinia-Blättern, mit voriger eine besondere Gruppe
der Tubercularieen bildend; Sirodesmium Not. (Mem. di Torino, 10.
p. 348.) : Torulacee, neben Septonema gestellt ; Sporoschisma Berk. Br.
(Ann. nat. hist. II. 5. p. 461.): Torulacee; Telraploa Berk. Br. (das.
p. 459.): Phragmidiacee, verwandt mit Sporidesmium.
Bericht über die Iiei§tuiig-eii in der Ulatur-
S:ei§cliiciite der Crustaceen, Araclmiden und
Hyriapoden während der Jahre 1S499
1S50 und 1$51.
Von
V»r,^W* Peter§,
Crustacea.
Histoire naturelle des Crustaces, des Arachnides et
des Myriapodes par Lucas. Precede de l'histoire naturelle
des Annelides par Castelneau. 1. et 2. Partie. 8. Paris 1850.
ist dem Ref. nicht zugekommen. Ebensowenig Bell's „History
of british Crustacea.''
„Fauna Japonica auct. Ph. Fr. de Siebold; Crusta-
cea elaborante W. De Haan, c. tab. lith. LXX. Lugd. Bat.
1850." Nach langer Unterbrechung ist die Fortsetzung und
der Schluss dieses höchst wichtigen Werkes erschienen. Die
Gesammtzahl der neuen Gattungen beläuft sich auf 25, die
der neuen Arten auf 91. Von den 70 meistens vortrefflich
ausgeführten Tafeln enthalten die ersten 16 allein analytische
Darstellungen der Mundtheile von verschiedenen Gattungen.
Die im Jahre 1849 erschienene 6te und 7le Decade enthal-
ten den Schluss der Astacoiden , die Megalopidea , die Ma-
croura Carides Latr. (Palaemonidea, Alpheidea , Crangonidea,
Atyadea, Penaeidea) , die Anoniala D. H. (Galatheidea, Por-
cellanidea , Hippidea, Paguroidea, Lithodeacea), die Stoma-
topoda, Tetradecapoda Bi., Laemodipoda und Xiphosura, nebst
einem sehr übersichtlichen Index. Dem Werke ist eine Ein-
leitung von Hrn. v. Siebold über das Vorkommen, die
Verbreitung, die Benutzung und einheimische Benennung dex
394 Pelers: Bericht über die Leistungen in der Naturgeschichte
Krebse vorangedruckt. Diesem folgt eine Vorrede von D e
Haan, in welcher im ersten Capilel die allgemeinen Einthei-
lungsprincipien der Crustaceen , im zweiten die Ordnungen,
im dritten die Unterordnungen , Familien und Gattungen der
Decapoden , im vierten die Sectionen der Stomatopoden , im
fünften die Eintheilung der Heteropoden, im sechsten die
Tetradecapoden abgehandelt werden , und welche mit einer
Betrachtung über die fossilen Krebse Japans schliesst. Der
hier gestattete beschränkte Raum erlaubt uns nicht, näher
auf das von De Haan befolgte System einzugehen. Er hat
sich bewogen gefühlt, die Abtheilungen und Gattungen von
Milne Edwards wieder bedeutend zu vermindern, wäh-
rend von andern Carcinologen dieselben noch um eine be-
trächtliche Anzahl vermehrt worden sind.
J. A. Herklots hat eine sehr schöne mit zwei vor-
trefflichen Tafeln ausgestattete Abhandlung über die von P e 1
an der Küste von Guinea gesammelten Crustaceen geliefert,
und derselben eine Tabelle über die Verbreitung der Crusta-
ceen von Senegambien, Guinea und Südafrika hinzugefügt.
(Additamenta ad faunam carcinologicam Africae occidentalis
s. descriptiones specierum novarum e crustaceorum ordine,
quas in Guinea coUegit vir strenuus H. S. Fei, praefectus
residentiis in littore Guineae, edd. J. A. Herklots ph. nat.
Dr. Musei regii Leidensis invertebratorum curator. (Speci-
men inaugurale) cum II tabulis. Lugduni-Balavorum, apud J.
V^. van Leeuwen 1851. 4.)."
Unter 21 Arten von Guinea sind 12 neue, welche bis jetzt nur
hier gefunden sind, nämlich : Posidon validus, Gelasimus perlatus, Car-
disoma armalum^ Grapsus Pclii, Grapsus simplex, Sesarma violacea, Se-
serma elegans , Calappa rubrogutlata, Calappa Pelii, Scyllarus Herklotsii,
Palemon macrobrachion , Squilla Hoevenii', zwei: Plagusia squamosa
Bosc und Sesarma Africana Edw. sind auch in Senegambien gefunden ;
eine zugleich in Japan : Scyllarus Dehaani v. Sieb. ; zwei zugleich am
Cap der guten Hoffnung : Plagusia squamosa Bosc und Cyamus ovalis
Roussel ; eine zugleich in Südamerika; Palinurus ornatus Fab.; eine:
Telphusa auranliaca Herbst ist nach diesem Autor auch in Ostindien
verbreitet. Plagusia squamosa ist sehr weit verhioitet: Guinea , Sene-
gambien, Cap der guten Hoffnung , Rolhes Meer und Indien.
Liljcborg licrcrle „einen Beitrag zur Crustacecn-
faiina des hochnordischen Meeres bei Norwegen" und zählte
der Crustaccen walireiul der Jahre 1849 — 1851. 3J5
24 Arten aus der Umgeoend von Tromsö, bei Schuretskaja
im russischen Lappland dagegen nur 6 Arten. (Öfversigt af
Kongl. Vetenslcaps.-Akademiens Förliandlingar. 7te Jahrgang
1850. Stoclih. 1851. p. 82.).
Adams und White, Zoology of the voyage of H.M.
S. Samarang. 2tes Heft, London 1849 ist bereits im vorigen
Jahresberichte im Zusammenhange mit dem ersten Hefte be-
sprochen worden.
Brandt (Bulletin de l'academie imp. de St. Petersbourg
1850. VHL p. 234fgg.) gab einen „Bericht über die für die
(uns leider nicht zugekommene) Beisebeschreibung des Herrn
von Middendorff von J. F. Brandt bearbeiteten Krebs-
thiere aus den Abiheilungen der Brachyuren, Anemuren und
Makrouren.
Gay (Nie ölet) gab in seinem Werke „Historia fisica
y polilica de Chile,« Zoologia, 1849. 8. VoL liL p. 117 sqq.
eine Uebersicht der Crustaceen von Chile, von denen er 90
Gattungen aufzählt. Die neuen Gattungen und Arten wer-
den unten angeführt werden. Dieser Theil ist mit 4 Tafeln
in Folio begleitet.
Die Crustaceen von Algier sind von Lucas in der
„Exploration scientifique de l'Algerie. Zoologie. 1. 1849." be-
arbeitet, die neuen und merkwürdigen Arten beschrieben und
durch 8 Tafeln sehr schöner Abbildungen erläutert worden.
In dem „Verzeichniss der zur Fauna Helgoland's gehö-
renden wirbellosen Seethiere" von Leuckart (Frey und
Leuckart , Beitr. zur Kennln. wirbell. Th. 1847. p. 136— 168.)
sind 60 Arten von Crustaceen aufgeführt, darunter 9 neue.
Van Beneden (Bulletin de l'Acad. de Bruxelles XVHL
1. 1851. p. 280. ; Annales des Sciences naturelles. Paris 1851.
XVL p. 128.) führte folgende Arten der parasitischen Krebse,
welche an der Küste von Belgien vorkommen , an :
Nicothoe Ästaci , Caligtis Hippoglossi , C. elegans , C. gracüis,
Pandarus bicolor, Dichelestium Slurionis, Ergasilina robusla , Clavella
Mulli f Clavella Hippoglossi, Lernanthropus Kröyeri , Chondracanthus
gibbosus, C. cornulus , C. Zei , C. Triglae , C. Solcae , Brachiella Pa-
slinacae j Lerneopoda Galei , A7ickorella emarginata , A. paradoxa , A.
uncinala, A. rugosn, Lerneonema Musteli, Lernen branchialis.
Gibbes veröfFenlichte einen Calalog der carcinologi-
396 Peters: Bericht über die Leistungen in der Naturgeschichte
sehen Sammlungen in den Cabineten der vereinigten Staaten.
Hiezu wurden, ausser seinem eigenen^ die Cabinete von Bo-
ston, New-York und Philadelphia benutzt und die neuen Ar-
ten [kurz beschrieben (On the carcinological Collections of
the cabinets of natural history in the United States , with an
enumeration of the species therein, and descriptions of new
species by Lewis R. Gibbes [From Proceed. of 3. mee-
ting of the american association for advancement of science]
Charleston, 1850. 8.; Sillimans Journal. XI. 1851. p. 128.).
W. Thompson fügte zur Carcinologischen Fauna Ir-
lands Hippolyte pandalifomiis Bell n. sp. , Idotea acuminatum
Leach und Caligus Nordmanni Edw. (Ann. and Mag. ofNat.
hist. 1849. III. p. 353.).
Derselbe fand bei Weymouth von bisher dort noch nicht
gefundenen Krebsen Athanas nitescens , Gonoplax angulata
und Achaeus Cranchii Leach (1. c. 1851. VII. p. 346. u. p. 500.
VIII. p. 78.) und beobachtete ebendaselbst die Laichzeit einer
Anzahl von Crustaceen (1. c. VIII. p. 502.)
Duchassai ng gab Notizen über die Lebensweise fol-
gender Krebse von den Antillen : Cardisoma carnifex Latr.,
Uca M/^a Latr., Gecarcinus lateralis Guerin, G. ruricola Latr.,
Gelasimus vocans Bosc, G. maracaoni Lucas, Ocypoda qua-
drata Bosc, Sesarma Pisonii M. Edw., Plagusia squamosa Cuv.,
Grapsus picius Latr., Grapsus cruentatiis Latr. (Guerin-Me-
neville, Revue et Magasin de Zoologie. 1851. p. 77.)
S c h i ö d t e veröffentlichte seine Abhandlung über die
unterirdisch lebenden Insecten , Arachniden und Crustaceen
(Specimen Faunae subterraneae. Bidrag til den underjordiske
Fauna ved J. C. Schiödte. M. 4 Tafeln. Aus den Abiiandl.
der Copenhagener Akademie. 5te Reihe. Bd. IL 1849.)
Gervais machte die Miltheilung, dass in den heissen
Quellen bei Hamman-Meskhoutin in Algier Arten von Cypris
gefunden werden. (l'Institut. 1849. 12.)
S. Fischer (Mem. de l'acad. de St. Petersbourg. des
Savants etrangers. 1851. VL p. 159—198. M. 10 Tafeln), be-
schrieb die in der Umgebung von Petersburg gefundenen Bran-
chiopoden und Enlomostraceen, nämlich folgende Arten :
Sidaea cryslallina, Polyphemus stagnorum, Daphnia myslacina ¥.
(= D. recliioslris Müll.), Daphnia Brandin ii. g^j. (p. 177.), D. sima^
der Crustaceen wahrend der Jahre 1849 — 1851. 397
Da^hnia reliculata Jur. (= Daphnia quadrangula ü. F. Müller. Jung!),
D. mttcronata , D. curviroslris iMüIl. , D. magna Slrauss, D. cornula
Jurine, Lynceus laticaudatus n. sp. (? L. lamcllalus AIüll.) , Lynceus
macrourus M., L. quadrangnlaris M., L. Iruncalus M., Lynceus testudi-
narius n. sp. (p. 191.), L. sphaericus , L. aculeatus n. sp. (? Lynceus
trigonellus IVlöll ) , Lynceus tenuirostris n. sp, (p. 193.) , Cypris ornala
Jur., C. monacha M., C strigata J., C. Candida M, , Cypris fasciata M.,
Cypris sinuala n. sp., C. helicina n. sp., Cypris vidua M. (s. auch Bul-
letin de l'Acad. de St. Pelersb. VII. 1849. p. 88. , wo Cypris helicina
den Namen C. Leiichtenbergii trägt.)
Brandt berichtete über eine Fortsetzung dieser Ar-
beit in dem Bulletin de l'Acad. de St. Petersb. 1850. VIII.
p. 269., woraus wir folgendes hervorheben. Die von Fi-
scher für Sidaea crystallina gehaltene Art ist neu und bil-
det sogar eine neue Gattung Diaphanos oma, Lynceus bu-
cephalus Koch wird beschrieben und abgebildet, ebenso die
wahre Sidaea crystallina. Dann folgen Bemerkungen über
die Classification und das Vorkommen mehrerer von F. in
Esthland beobachteter Entomostraceen.
S. Fischer (Beiträge zur Kenntniss der in der Um-
gegend von St. Petersburg sich findenden Cyclopiden im
Bulletin de l'acad. de Moscou 1851. p. 409 fgg.) beschrieb
folgende Arten von Cyclopiden, die bei St. Petersburg vor-
kommen:
Cyölops viridis n. sp., C. slrenuus, C. serrulalus, C. canlhocarpoi-
des und Canthocarpus miniilus.
v. Siebold „Beiträge zur Fauna Preussens" (Neue
Preuss. Provinzialblätter, Königsberg 1840. p. 196. u. p. 423.)
gab eine Uebersicht der in Ostpreussen beobachteten und an-
geführten Krustenthiere ; die Zahl der Arten beträgt 94, wel-
che sich in 39 Gattungen vertheilen.
Dana schlägt eine modificirte Bezeichnung der ver-
schiedenen Theilc des Krebspanzers vor, welche von gewis-
sen auf demselben befindlichen Linien , nicht aber wie die
Desmarest'sche von den Innern Organen abgeleitet wird. Er
zerfällt den Panzer hiernach in eine m edial- Gegend, zwei
antero-lateral-Gegenden und eine p oster ior- Gegend;
von der medial- wird die frontal- und orbital- Ge-
gend abgesondert, so wie von der Regio posterior zwei
398 Peters: Bericht über die Leistungen in der Naturgeschichte
Rg. postero-lat er ales. (On the markings of the Ca-
rapace of Crabs. in Sillimans Journal. 1851. XI. p. 95.)
Gegen diese allerdings nur einseitige und gezwungene
Terminologie ist Milne Edwards in einer längeren Ab-
handlung aufgetreten, welche mit trefflichen Abbildungen be-
gleitet vom Verf. selbst nur als Vorläufer einer vollständigen
Terminologie der Crustaceen angekündigt wird. (Observa-
tions sur le squelette tegumentaire des Crustaces decapodes,
et sur la morphologie de ces animaux. Annales des Scien-
ces naturelles. 1851. XVI. p. 222 fgg. Taf.8-11.)
Nach den Beobachtungen von C. Spence Bäte (An-
nais and Magazine of nat. bist. 1850. VI. p. 109. Mit Abbild.)
sind die falschen Beine der männlichen Brachyuren die wah-
ren äusseren Geschlechtsorgane, indem er diese griffelförmigen
Fortsätze bei C. maenas tief in die Vulvae der Weibchen ein-
gesenkt fand. Bei Carcinus maenas^ Portunus puber, Cancer
pagurus und XantJw rivulosus untersuchte er dieselben ge-
nauer. Sie bestehen aus zwei Paaren, von denen das erste
grösser ist und am ersten Bauchringe, das zweite kleiner
und am zweiten Bauchringe befestigt ist. Bei allen mit Aus-
nahme von C. maenas ist das zweite Paar sehr klein, schein-
bar rudimentär und liegt mit seinem Ende in dem grössern
Paar. Bei C pagurus ist das zweite Paar dagegen eben so
gross und hat ausser dem Grundgelenke noch ein besonderes
Gelenk in der Mitte. Von dem ersten Gliede des fünften
Fusspaars geht eine häutige Röhre, das Vas deferens, aus, und
tritt in das zweite Glied der s. g. falschen Füsse ein und
öffnet sich an der Spitze derselben mit einem ovalen Schlitz.
Inwendig vereinigt sich die Röhre mit dem Hoden, welcher
unter dem Panzerschilde zu jeder Seite des Magens liegt;
bei den Paguriden erstrecken sie sich in die Bauchhöhle.
Die Spermatozoen fand er bei den Brachyuren immer von der-
selben Form, die Zellen jedoch, in welchen sie gebildet wer-
den, nach den Gattungen von verschiedener Gestalt. Aus der
Beobachtung , dass Weibchen mit reifen Eiern am Bauche
auch noch die Eierstöcke voll Eier hatten, schliesst er, dass
sie mehrmals nach einer einzelnen Befruchtung brüten. Die
Befruchtung findet statt unmittelbar nachdem das Weib-
chen die Schale abgeworfen hat, und dauert mehrere Tage
der Cruslaceen während der Jahre 1849 — 1851. 399
hindurch. Während bei den Brachyuren, nach Couch, das
Weibchen die Eier mit den falschen Füssen loslöst und in
den Sand vergräbt , gelangen sie bei Pagurus Bernhardus
durch die Kiemenhöhle hindurch ins Freie.
Ferner macht Bäte C^. c- 1851. VII. p. 297.) darauf
aufmerksam , dass das fünfte Fusspaar der Anomuren , wel-
ches nicht, wie bei den Macruren und Brachyuren, am letz-
ten Brust-, sondern am ersten Bauchringe befestigt sei, die
Function der hier fehlenden Flabellen für die Unterhaltung der
Strömung und Reinlichkeit in der Kiemenhöhle übernehme.
Ueber die Reproduction der Schale der Krabben be-
merkt derselbe Folgendes: Unmittelbar über dem Herzen bil-
det sich eine Pulpa , bestehend aus Kernzellen , freiem Ge-
webe (und Blutgefässen ?) , welche sich an der Innern Ober-
fläche der Schale ausdehnt, von welcher sie durch eine Pig-
mentlage getrennt wird , welche der neuen Bildung Farbe
giebt. Nach der Basis hin, d. h. unmittelbar über dem Her-
zen sind die Zellen gleichförmiig gross und deutlich, weil
ein freies Gewebe sich überall durch das Ganze verzweigt.
Von der Basis entfernter vereinigen sich kleinere Zellen mit
ihnen, welche an Zahl zunehmen, so wie sie an Grösse ab-
nehmen , bis sie sich dem Pigmentlager nähern , unmittelbar
unter welchem sie eine polygonale Form annehmen. Die
Pulpa dehnt sich über das ganze Thier unmittelbar unter
der Schale aus, die Dicke der Pulpa nimmt ab bei der
Entfernung vom Gentrum, und die grössern Zellen werden
sparsamer , indem die Masse vorzüglich aus den kleineren
Zellen gebildet wird , welche die absondernden Organe der
zukünftigen Schale werden, ein Vorgang, der vorher ge-
schieht und vollendet ist ehe die Hülle abgeworfen wird.
Der Schalenwechsel ist die Folge des vermehrten Wachslhums
des Thiers und geht sehr schnell vor sich. Wenn ein Glied
verletzt ist so werfen die Krebse es ab, ausgenommen wenn
die Verletzung sich unter dem letzten Gliede befindet, und
dann wird dieser Theil auch nicht wieder erzeugt. B. durch-
schnitt die Hand einer Krabbe im Gelenk, so dass nur der
Daumen und Finger entfernt wurden; das Glied wurde nicht
abgeworfen, und bei dem Wechsel der Schale blieb die Hand
verstümmelt und wurde niemals wieder erzeugt.
400 Feters: Bericht über die Leistungen in der Naturgeschichte
Dalyell, über die Exfoliation der Crustaceen s. in
Edinb. new philos. Joiirn. Ton^.. 51. p, 344.
Zur Bestätigung der Ansicht, dass die Gehörorgane der
Krebse in dem ersten Fühlerpaar liegen, führt Th. Huxley
dje bereits von Souleyet gemachte Entdeckung eines Olo-
lithen an dem Säckchen des ersten Antennenpaares von Lu~
cifer typits an. (Ann. and Mag. of nat. bist. 1851. Vü. p. 305.
M. Abbild. Taf. XIV. Fig. 1. 5. auch. Ann. des Sc. nat. Paris.
XV. 1851. p. 255.)
Lafresnaye bestätigte die von B ouchard-C han-
ter eaux gemachte Beobachtung, dass von den in der Paa-
rung begriffenen Cancer maenas das Weibchen stets weich
ist (erst eben die Schale gewechselt hat), das Männchen da-
gegen eine harte Schale hat. (Guerin-Meneville, Revue et
Mag. 1848. p. 279. 318.)
Dana machte eine Mittheilung über den eigenthümli-
chen Bau der Augen bei Sapphirhia, Coi-ycaeus und anderen
verwandten Entomostraceen. Diese Augen sind einfach,
und im Verhältniss zur Grösse des Thiers ausserordentlich
gross. Die Linse ist ein plattes Sphäroid , inwendig im
Thorax, weit von der Cornea entfernt gelegen; die Cor-
nea ist eine breite platte Linse , durchaus durchsichtig und
farblos, und mit der äussern Schale verbunden. Der Durch-
messer jeder dieser letzteren ist bei manchen Corycaeen fast
halb so gross wie die Breite des Thorax , und beide stehen
vorn wie eine Brille von verhältnissmässig ungeheuerer Grösse.
Bei demselben Thier kann die Linse fast bis zur Mitte des
Thorax zurückstehen, so dass zwischen ihm und der Cornea
ein weiter Zwischenraum befindlich ist. Die platte Form der
brillenförmigen Cornea (conspicilla , Dana) ist geeignet,, die
zu grosse Convexität oder flache Ellipse der Linse zu com-
pensiren, und dient für denselben Zweck, wie einem Kurz-
sichtigen die Augengläser. Die erste Beobachtung dieser Con-
spicilla findet sich inMeyens Obs. zool. Nova acta Acad.
Caes. Leop. Car. Nat. Cur. p. 156. pl. 27. an Carcinium opalinum
(Sapph Irina?), wo von ihnen als von „Grübchen" die Rede
ist. Aehnliche Augen kommen bei einer Gruppe der Caligivor;
so bei Specüligus, welche Gattung sich hiedurch allein von
Nogagus unterscheidet (Sill. Am. Journ. Sc. 1850. IX. p. 133.)
der Criistaceen während der Jahre 1849—1851. 401
Duvernoy, von dem allgemeinen Grundsatze ausge-
hend, dass die Geschlechtsorgane für die Unterscheidung der
Gattungen und in den meisten Fällen auch für die Arten
gute Merkmale darbieten , dass die ^Erhaltung der Species
vorzüglich auf dem eigenthümlichen Bau derselben beruhe
und dass selbst die verschiedene Entwickelungsart des Keims
bei den verschiedenen Thieren hiedurch bedingt sei, hat vor-
treffliche Untersuchungen über diese Organe bei den Myria-
poden , Crustaceen , Arachniden und Mollusken angestellt :
Fragments sur les organes de generation de divers animaux,
[Extrait du Tome XXIII. des memoires de l'academie des
Sciences] Paris 1850. mit 9 Tafeln.
Das zweite Fragment handelt von dem Baue der männlichen
nnd weiblichen Geschlechtsorgane bei den Decapoden, so wie von d^er
Anwendung der gewonnenen Kesultate auf die systematische Einlhei-
lung derselben. Auf Taf, II. III. u. IV. sind verschiedene Formen der
männlichen Organe abgebildet ; ausserdem auch auf Taf. II. die Appa-
rate (Häkchen), wodurch der Schwanz der Brachyuren am Slernum fest-
gehalten wird.
Focillon, über die Structur und die Functionen der
Haut bei den Gliederthieren s. Comptes rendus de l'Acad.
de Paris. 1850. XXXI. p. 670. Derselbe über die Farben
der Schale der Krebse 1. c. 1851. XXXIII. p. 384.
Auf Astacus Bartonii Fab., äusserlich, besonders inwen-
dig und auf den Kiemen fand Leidy einen neuen Helmin-
then Astacobdella philadelphica Proceed. (of the acad. of nat.
sc. of Philadelphia 1851. p. 209.) , einen anderen Bdelloura
(Planaria) parasilica Leidy auf Polyphemus occidentalis Lam.
(ibid. p. 242.), und die Gattung Myzobdella (M. lugubris Leidy)
auf Lupa dicantha M. Edw.
Brachyura.
Von Dana ist eine Uebersicht der Majhfea oder Oxy^
rhyncha^ und die Beschreibung einer Anzahl hieher gehöri-
ger Gattungen und Arten gegeben (Conspectus Crustaceorum,
quae in orbis terrarum circumnavigatione etc. Pars VI. Silli-
mans Journal. 1851. XI. p. 268 sqq.; on the Classification of the
Maioid Cruslacea orOxyrhyncha. ib. p. 425 sqq. u. XII. p. 131.)
Fam. I. M ajida e.
1. Inachinae: 1) Inachus Fabr. 2) Egeria Latr. 3) Chino"
coetes Kröyer. 5) Microrhtjnchus Bell.
Archiv, f. Naturgesch. XVII. Jahrg. 2. B4 AA
402 Peters: Bericht über die Leistungen in der Naturgeschichte
2. Macrocheirinae: 1) Macrocheira De Haan.
3. Majinae: 1) Maja Lara.
4. Pisinae: 1) Paramührax Edw. 2) Pisa Leach. 3) Pelia
Bell. 4) Lissa Leach. 5) Rhodia Bell. 6) Hyas Leach. QHtjas hjra-
ius n. sp. Oregon). 7) Pisoicks Edw. et Lucas. 8) Herbstia Edw. 9)
'i'Äoe Bell. 10) Dehaanius M'Leay.
5. Libininae: 1) Libinia Leach. 2) Libidoclea Edw. et Lu-
ens (L. coccinea n. sp , aus dem Meeresgrunde des östlichen Patagoni-
ens). 3) Doclea Leach.
6. Prionorhynchinae: 1) Prionorhynchus Hombron et Ja-
quinot.
7. Micippinae: 1) Micippe Leach {hirlipes n. sp. Im Meere
bei der Insel Tongatabu).
8. Chorininae: 1) Chorinus Leach. 2) Chorilia Dana. Ca-
rapax forma rostroque Chorino affinis. Orbita infra late inlerrupla,
supra fissa, spiua praeorbitali acuta. Articulus antennae exlernae pri-
mus angustus apice exlerno acute producto. Pedes primi secundis bre-
viores, 8 poslici similes, secundi terliis non raulto longiores. Ch. Ion-
gipes n. sp. An der Küste von Oregon. — 3) Lahaina Dana. Ca-
rapax forma rostroque Chorino plerumque affinis. Cornua roslri gra-
cillima valde divaricala. Articulus antennae externae primus latus,
parce longior quam iatior, apice cum processu spiniformi armato. Or-
bita infra supraque sinu rolundato interrupta , dente praeorbitali acute.
Pedes toti graciles. L. ovala n. sp. Bei der Insel „Maui." — 4) Na~
xia Edw. — 5) Scyra Dana. Carapax gibbosus , rostro mediocri,
laminato , cornubus acutis , dente praeorbitali acuto. Margo orbitalis
superior paulo unifissus. Articulus anlennarum primus omnino angu-
stus, secundus depressus. S, acutifrons n. sp. Oregon. — 6) Hyaslenus
White.
9. Pyrinae: 1) Pyria, Dana. Carapax depressus, inermis,
rostro lamellato , cornubus ovatis. Oculi perbreves, orbita spinis non
armata.
10. Othoninae: 1) Olhonia Bell.
11. Salacinae: 1) Salacia Edw. et Lucas.
12. Mi thracinae : 1) MfÄraa;, Leach. 2) Mithraculus,\\h\le'
13. Cyclacinae: 1) Cyclax, Dana. Carapax paulo oblon-
gus, orbiculato-ellipticus, rostro sat brevi, bifido, aculo. Pedes 8 po-
slici longi. C. Perryi n. sp. In mare Vitiensi.
Farn. II. Tychidae.
1. Criocarcininae: l) Criocarcinust Guerin.
2. Tychinae: 1) Tyche, Bell.
3. Camposcinae: 1) Camposcia^ Latr.
der Crustaceen wahrend der Jahre 184P — 1851. 403
Farn. III. Eurypodidae.
1. Eurypodinae: l) Eurypodius Guerin. E. seplenlrionalis n.
sp., E. brecipes n. sp. im Hafen „Nassau" — 2) Oregonia, Dana.
Fedes 8 postici sat longi , articulo penullimo subcylindrico. Oregonia
gracüis n. sp., 0. hirta n. sp. Oregon.
2. Amathinae: 1) Amatkia, Roux.
Farn. IV. Leptopodidae.
1. Achaeinae:!) Achaeus, Leach,
2. Inachoidinae: 1) Inachoides, Edw. et Lucas.
3. Leptopodinae: 1) Leplopodia Leach.
4. Stenorhynchinae: 1) Stenorhynchus Lam.
Farn. V. Fericeridae.
1. Paramicippinae: 1) Paramicippa.
2. Pericerinae: 1) Pericera Latr. (P. trigona n. sp.) — 2)
Ti ar int a Dana. Carapax subpyriformis, tuberculis plerunique pustu-
liformibus saepeque aggregatis ornatus, rostri cornubus gracilibus con-
tiguis. Articulus antennarum extern, primus apicem latus et inermis,
angulo externo interdum saliente tantum. T. gracilis n. sp., T. angu-
sla n. sp. — 3) Perinia Dana. Carapax orbiculato - ovatus, tuber-
culis paucis non acutis ornatus, rostri cornubus brevibus, discretis.
Articulus antennarum externus primus oblongus, apicem non latior, an-
gulo externo valde producto. Orbita antice aperta, margine superiore
non unifisso. P. tumida n. sp. — 4) Halimvs, Latr. H. lumidus n. sp.
— 5) Pu ge ttia, Dana, Carapax triangulato-ovalus. ßostro anten-
nisque ext. Halitno affinis. Articulus pedum 8 poslicorum quintus cy-
lindricus. P. gracilis n. sp., Oregon; P. Richii n. sp. Californien.
3. Äl ena e thina e: 1) Menaelhius Edw. (Jf. anguslus n. sp.,
M. areolatus n. sp., M. inornalus n. sp.). — 2) Acanthonijx, Latr. [A.
Simplex n. sp., A. debilis n. sp.). — 3) Anlilibinia M'Leay. — 4)
Peltinia Dana. Carapax depressus vix tuberculatus, dente praeorbitali
breviter instructus, latitudine transorbitali maiore (lat. max. 2pIo laliore^,
rostro lato, profunde bifido , sat brevi. Articulus pedum 8 posticorum
penultimus infra non dilatatus nee dentigerus. P. sculiformis n. sp. ,
P. nodulosa n. sp.
4. Stenocionopinae: 1) Slenocionops, Latr.
5. Epialtinae: 1) Epiallus Edw. 2) //wem'« DeHaau., //. stm-
plex n. sp , H. brevirostrata n. sp. 3) Xenocarcinus White. 4j Lew-
cippa^ Edw. (L. laevis n. sp.).
Lambrus rhombicus n. sp. im stillen Meere.
Ceratocarcinus ? speciosus n. sp. im stillen Meere.
404 Peters: Bericht über die Leistungen in der Naturgeschichte
Die zweite Abtheilung der kurzschwänzigen Krebse, wel-
che von Dana (Sillimans Journal, 1851. XII. p. 121—131.)
systematisch behandelt worden ist, begreift die Cyclomeiopa
Edw. mit Einschluss von Telphusa. Diese alle stimmen darin
überein, dass sie 1) 9 Kiemen haben, von denen 7 so liegen,
dass sie das äussere der Kiemenpyramide bilden; 2) der Aus-
führungsgang von der Kiemenhöhle über den seitlichen Thei-
len des Gaumens hinweggeht; 3) der Schwanz des Männ-
chens an der Basis nicht schmäler ist als der entspre-
chende Theil des Sternums; 4) die Regio buccalis fast vier-
eckig, und das 4te Glied der äussern Kinnladenfüsse mit dem
Innern Winkel des 3ten articulirt. Acanthocyclus und Cory-
stoides haben die GeschlechtsöfTnungen , Sternum, Abdomen
und äussere Kinnladenfüsse der Cancroiden und Corystoiden,
aber die Kiemen sind weniger zahlreich , ihre äusseren An-
tennen sind obsolet, und die inneren haben bei Corystoides
Fosselten. Sie stehen daher als niederere Galtungen am
Ende der Cancroiden und nahe den Corystoideen. D. zer-
theilt demnach diese Gruppe in drei Abiheilungen:
1) Cancrinea oder Cancroidea iypica.
2) Telphusinea oder Cancroidea Grapsoidea.
3) Cyclinea oder Cancroidea corystidica.
Wir führen der Raumersparniss wegen nur die neuen
Gattungen hier auf:
Liomera D. Frons leviter 2-lobalus aut recliusculus. Margo
anlero-lateralis postero-lalerali non brevior. Ramus maxillipedis primi
internus non lobatus. Pedes 8 postici nudi , subcylindiici , non cri-
stali. Mit Carpilius am nächsten verwandt ; begreift u. a. Carpilius
cinctimanus White.
Euxanthus D. Xanlho forma similis, articulus anlennae ex-
ternae primus hiatum ad summum implens , articulo sequente e lalere
excavato apicis orte.
Medaeus D. Angustus, paulo transversus , (nudus ,) fronte
sat brevi. Margo anlero-lateralis sub orbita produclus. Abdomen ma-
ris 5-articulatum, segmento ultimo brevi. Pedes antici crassi, iis Xan-
thi similes.
Carpilodes D. Carapax latus, nudus, margine anlero-late-
rali crasse rolundato. Pedes 8 postici subcylindrici , nudi. Liomerae
habitu similis.
Filodius D. Carapax paulo transversus. Articulus antennae
der Crustaceen während der Jahre 1849 — 1851. 405
externae abbreviatus , processum frontis oblongum allingens tantum.
Faraxanlho aspectu similis.
Cyclodius D. Carapax parce transversus. Articulus anlennac
externae oblongus fronlem l)ene attingens. Articulus maxillipedis ex-
terni tertius triangulatus, latere interiorc brevissimo. Diese beiden Gal-
tungen stehen nahe bei Chlorodius.
P seud 0 ii u s D. Carapax transversus, fere planus, lalior, mar-
gine antero - laterali breviore. Nahe hei Pseudocarcinus , von dem er
durch den Grath an der Praelabialplatte, so wie durch die plattere Ge-
stalt abweicht.
Ac tumnus D. Orbila Ozinis similis. Digiti instar cochlearis
excavati. Carapax paulo transversus, valde convexus , anlice laterali-
terque curvatim declivis. Articulus antennae externae primus proces-
sum frontis attingens tantum.
Tetralia D. (auch Sillimans Journal. XI. 1851. p. 224.);
frons rectus aut rcetiusculus, subtilissime denliculatus ; niaxillipedes ex-
tern! marginem posticum valde obliqui, apices articulorum secundorum
inter sese paulo remoti. Superficies praelabialis viaque efferens linea
paulo elevata divisae sed margo buccalis anticus vix emarginatus ; pe-
des antici breviores , brachio apicem paulo exserto, margine brachii
antico apicem rotundato subtiliterque denticulato, poUice valde deflexo;
pedes 8 poslici , breviter unguiculati; abdomen maris 7 -articulatum.
Diese Gattung trennt Dana von Trapezia Latr. , deren Typus T. cymO'-
doce ist, während T. digitalis und glaberrima zu Tetralia gehören.
Qu adrella D. Carapax subquadratus, paulo convexus, laevis,
fronte horizontalis 6 -spinoso- dentatus. Tarsi unguiculati. Brachium
ultra carapacem longe exsertum.
Amphitrite De Haan. D. Schliesst in der hier aufgefassten Weise
Lupa forceps De H. ein. Lupocijclus Ad. Wh. hält D. für identisch
mit Amphitrite.
Carupa D. Der vorigen verAvandt. Transversus; margines fron-
talis anterolateralisque angulo convenientes, fronte recto, emarginato.
Basis antennae externae subcylindricus , hiatu orbilae multo angustior.
Ch aryh dis De H. Dana. Begreift die nicht verschiedenen Gat-
tungen Charybdis und Oceanus De H. und entspricht den „Thalamites
Hexagonales" Edw.
Are n aeus D. Sutura sterni mediana segmenta tria inlerse-
cans. Palalum colliculo utrinque non divisum. ßamus maxilfipedis
primi internus ad apicem täte transversim triangulatus lineamque me-
dianam fere attingens. Carapax valde latus , antice arcuatus. Pars
antennae externae mobilis hiatu orbitae insila. Manus prismatica.
In einer dritten Abhandlung gicbt Dana (Sillimans Jour-
nal XII 1851. p. 283 bis 290.j eine systematische Uebersicht
406 Peters: Bericht über die Leistungen in der Naturgeschichte
der Grapsoidea, welche den Catometopa Edwards ent-
sprechen, von denen aber Telphusa zu den vorher abgehan-
delten Cancroidea gezogen wird. Die Arten, deren 4tes Glied
der äussern Kinnladenfüsse mit dem innern des 3ten Gliedes
articulirt , bilden die Familie der Gonoplacidae t). oder die
Grapsoidea cancridica. Die Gruppen der Macrophthalmen und
Ocypoden bilden nebst Doto^ welche von den Pinnotheren ent-
fernt wird, seine zweite Familie : M acrophthalmidae. Die
Familie der Grapsus entspricht der von E dward s. Die Ge-
genwart oder Abwesenheit einer schiefen behaarten Crista
auf der äussern Fläche der äussern Kinnladenfüsse , bildet
den Unterschied zwischen den beiden Unterfamilien: Grapsi-
nae undSesarminae ; indem diese Crista den ersterh fehlt, bei
den letztern stets vorhanden ist. Die Unterfamilie der Pia-
gusinae ist ausgezeichnet durch longitudinale Vertiefungen
vor dem Panzer für die innern Antennen. Die vierte Fami-
lie : Gecardinidae ist gleich Edwards Gecarciniens, Von der
Familie der Pinnotheridae Edw. werden Doto und Mictyris
fortgenommen , erstere um mit den Ocypoden vereinigt zu
werden, und letztere um eine eigene Familie Myctiridae zu
bilden. Es sind 7 neue Gattungen aufgestellt worden :
H eloecius D. Oculis habituque Gciösmo affinis. Pedes antici
subaequi. Abdomen versus basin sterno contiguo vix angustius. Ma-
xillipedes externi sulco lineari fere longitudinali superficie notati.
Gonio grapsus D. (z. Th. Goniopsis D. H. und Pachygrapsus
Rond.); carapax transversim lineolatus, lateril;»us rectis, postice saepe
convergentibus. Frons dimidio latitudinis carapacis longior. Anlennae
externae sub frontis marginem saepius exertae. Tarsi spinulis armali.
Hemigrapsiis D. {Grapsus subg. D. H. Cyclograpsus Edw.
ex parte). Carapax non lineolatus, fere laevis, laleribus plus minusve
arcuatis. Frons rectus aut rectiuscuJus, antennis internis transversis.
Articulus maxillipedis externi tertius fere orbiculato - cordalus. Tarsi
inermes.
Cy r to grapsus D. Carapax gibbosus , subhexagonus non
lineolatus. Frons sursum sinuosus, antennis internis obliquis^ in plicis
frontis insitis. Articulus maxillipedis externi fertius suborbiculato-cor-
datus. Tarsi inermes.
Sarmalium D. Carapax subquadratus , lateribus arcuatis,
fronte curvalim declivi. Abdomen maris versus basin sterno contiguo
vix angustius. Tarsi inermes. Sesarma nahe stehend.
Fabia D. Corpus obesum. Carapax superficie antica pone
der Cruslaceen während der Jahre 1849— 1851. 407
orbitas sulura divisus. Oculi normales. Bildet einen Uebergang von
Pinnotheres zu XenophlhalmusW \i\[c , und nimmt den P. chilensis auf.
HymenicusJ). Carapax suborbiculatus , angulo extraorbitali
nullo. Frons produclus, simplex aut lobatus, antennarum basin cclans,
oculis remotioribus. Articulus njaxillipedis externi terfius secundo paulo
maior. Pedes gracillimi. Diese Galtung stammt aus Neuseeland, Hy~
menosoma vom Cap der guten Hoffnung und Halicarcinus vom äusser-
slen Ende Südamerikas,
Die hieher gehörigen Arten sind aus den Proc. Nat.
Sc.Philad. 1851. p. 247. in Sillimans Journal 1851. XII. p. 439.
angeführt. Es sind:
Eucrate crassimanus. — Macrophthalmus pacißcus. — Gelasimus
nitidus. — Heloecius inornatus. — Pseudograpsus oregonensis , P. nu-
dus. — Grapsus planifrons, G- longilarsis, G. crinipes. — Goniograpsus
simplex, G. innotatus. — Planes cyaneus. — Hemigrapsus crassimamis,
H. affinis. — Cyrtograpsus angulalus. — Sesarma obtiisifrons, S. obesum,
— Sarmalium crassum. — Cyclograpsus cinereus, C. granulatus. —
Chasmagnathus subquadralus, C. granulatus, C. laevis. — Heiice crassa.
— Acanlhopus abbreviatus. — Plagusia speciosa, P. glabra, — Cardi-
soma obesum, C. hirtipes. — Pinnothera faba. — Fabia subquadrata. —
Halicarcinus pubescens. — Hymenicus varius, H. Novi-Zealandaie , H.
pubescens.
Cyclograpsus Edw. als der ältere Name für eine später als
Gnalhochasmus aufgestellte Gattung von Al'Leay muss beibehalten wer-
den (Dana, Sillimans Journal, 1851. XII. p. 285.).
Neue Arten von der Küste Guineas, von P e 1 gesammelt
und vonHerklots beschrieben sind;
Posidon n. subg. Herklots (Additamenta ad faunam carcinolo-
gicani Africae orientalis etc. m. 2 Tafeln Leyden. 1851, 4.). Der Ha-
bitus wie Neptunus Deh., das dritte Paar der Kmnladenfüsse wie bei
Oceanus gebaut. P. validus Herkl. bei St. George-del-mina gefunden.
Gelasimus perlatus n. sp. bei ßoutry , Cardisoma armatum n. sp. bei
Boutry, Grapsus Pelii n. sp. bei Boutry, Grapsus simplex n. sp. bei
ßoutry, Sesarma violacea n. sp. bei Boutry, Sesarma elegans n. sp. bei
Boutry , Calappa rubrogutlala n. sp. bei Boutry, Calappa Pelii n. sp.
bei ßoutry.
Nicolet: „Gay (Historia fisica y politica de Chile.
1849. Zoologie III.)" beschrieb folgende neue Brachyuren:
Trichodaclylus granarius n. sp. Taf. 1. Fig. 1 ; Pinnotheres bipun-
ctalum n. sp. Taf. 1 . Fig. 2.
Liriopa n. gen. (Hymenosnma Guerin). Testa suborbicularis,
depressa, ad laleia unidentata. Frons brevis , lala , anterius rolundala.
Oculi crassi, prominentes; angulug internus orbilarum spiniformig, Aa-
408 Peters: Bericht über die Leistungen in der Naturgeschichte
tennae internae crassiores longioresque quam externae. Pedes maxil-
lares exlerni , arliculo tertio subtriangulato longitudine secundi ; arti-
culo secundo magno, lato, subquadriformi ; arliculo quarto in angulo
externo praecedentis inserto. Pedes primi paris mediocres ; sequeotes
elongali, cylindracei , subaequales. Tarsis elongatis, leviter curvatis,
slyliformibus. 1) Liriopea Leachii (Hymenosoma Leachii Guerin); 2)
Liriopea Lucasii n. sp.
Brandt (Bulletin de la Classe physico-math. de l'acad.
imp. des Sc. de St. Petersbourg. 1849. VII. p. 177 sqq. No.
156. 157.) beschrieb eine neue zwischen Oeidea De Haan,
Atelecyclus Leach und Trichocera D. H. stehende Gattung
der Corysten:
Platycorystes ßr. n. gen. Thorax ovalis vel subrotundato-
ovalis , lateribus sex vel septenidentatus, dentibus denticulalis. Frons
quadri- vel sexdentata , dentibus frontalibus mediis paribus. Pedum
maxillarium exlerni paris articulus latus , secundo mullo brevior eique
latitudine subaequalis, margine inlerno rotundatus , reliqui tres articuli
in corpus unum comprehensi arliculo secundo duplo longiores. Pedes
mediocres vel parum elongali, cruribus admodum latis inslructi, digitis
conico-elongatis, tetragonis, profunde longitudinaliter sulcatis. Marium
adultorum pars urogastrica 5-articulala, arliculo lerlio laleribus in an-
gulum produeto. 1) Plalycorysles amhiguus Br. n. sp. im Ochotzki-
schen und Kamlschatischen Rieere, bei den Aleulen und an der Küste
der russisch -amerikanischen Colonien. 2) Platycorystes (Subg. Poda-
canthus) Jsenbeckii n. sp. bei den Aleuten.
Gib b es (Proceed. Amer. Assoc. March 1850.) beschrieb
folgende neue Arten:
Pisa mutica n. sp. Nordamerika , im Hafen von Charleslon. —
Hyas aculeata n. sp. von Key-West und Florida. — Cryptopodia gra~
nulata n. sp. im Hafen von Charleston. — Carpilius lividus n. sp. von
den Sandwichsinseln. — Carpilius praetermissus n. sp. aus China. —
Chlorodius Floridanus n. sp. von Key-West N. A. — Panopeus Wwr-
demannii n. sp. von Florida. — Grapsus transversus n. sp. von Key-West
in Florida. — Hepatus decorus n. sp. im Hafen von Charleston. —
Jlia armata n, sp. unde? im Cabinet von New- York.
Als eine neue Art Portunus aus der üxwich - Bey nahe Swansea
beschrieb Bäte einen Portunus Dalyellii (Ann. and Mag. of nat. bist.
1851. VII. p.321. Taf. XI. Fig. 9.).
Inachus mauritanicus Luc. n, sp. , Heterograpsus sexden-
tatus Luc, n. gen. (zwischen Sesarraa und Cyclograpsus), Ebalia Des-
hayii Luc. n. sp. , Ebalia algirica Luc. n. sp., Ebalia insignis Luc. n.
sp. (Exploration scientif. de l'Algerie, 1849. Sc. physiques. Zoologie I.
1. parlie}s
der Cruslaceen während der Jahre 1849 — 1851. 409
Nach Gibbcs (Sillimans Journ. X. 1850. p. 122.) ist Chorinus
armatus Randall = Pericera cornuta Ed^y., Cances mercenaria Say =
Pseudocarcinus ocellalus Edw. ; Grapsus lotigipes Rand. = Grapsus
cruentatus; Grapsus Äfr^ws Rand. = G. rudis Edw. ; Guia ornata Rand.
= Ilia n. sp.; Macrophlhalmus compressipes Rand. == Gelasimus tele-
scopicus Owen (1839) = M. podophthalmus\ogtiYe of the Bonite; Pa-
chygrapsus parallelus Rand. = Grapsus thukujar Owen.
Anomura.
Brandt (Bull.de l'Acad. de Petersb. VII. 1849. p. 171.)
stellte aus den mit Lithodes verwandten Krabben eine eigene
Gruppe Lithodea der Decapoden auf, die, wie die Alken un-
ter den Vögeln, in den nördlichen Meeren zahlreiche Reprä-
sentanten hat und welche ausser der Gattung Lithodes einige
neue Gattungen einschliesst :
Trib. Lithodea Er.
Abdomen seu urogastrica corporis pars in faciei externae pla-
nae parte apicali semper scutellis calcareis triserialis vel quinqueseria-
tis tectum. Antennae externae thorace inulto breviores. Ultimum pe-
dum par miniraum , a reliquis figura diversum , sub posteriore thoracis
limbo absconditum.
I. Ell lithodea Br.
Rostrum frontale sensu horizontal! bipartitum , quasi partem su-
periorem et inferiorem plus minusve acuminatura ofTerens. Anlennarum
externarum, secundi ^rticuli appendix superior acuminata, plus minusve
conica, simplex vel partita vel spinalis supra obsessa. Pedes slalu ex-
tenso prorsus liberi , nee etiam statu relracto sub thorace prorsus ab-
sconditi.
A. Mesomalacura.
Abdominis seu rectius partis urogastricae poslerioris dimidii me-
dium, facie externa scutellulis vel verrucis seriatis vel subsparsis, cal-
careis, interstitiis cutaneis insignibus disjunctis vestitum.
Gen. 1. Lithode s Latr.
Subg. I. Lithodes ßr. Rostri frontalis dens inferior conicus,
simplex, acuminatus. Antcnnarum secundi articuli appendix superior
parum evoluta, simplex, rarius spinula solitaria aucta. Pedes et digili
salis elongati. Digitorum longitudo y^ ad '/^ thoracis latitudinis ae-
quans. 1) Lithodes arclicus Latr. — 2) Lithodes dubius M. E. — 3) Lith.
spinosissimus n. sp. ex insula Kadjak. — 4) Lilh. camtschalicus Tiles.
Subg. II. Paralithodes ßr. Roslri frontalis dens inferior apice
tumidus, rotundatus, in baseos superiore facie acuminata auctus. An-
lennarum externarum secundi articuli appendix superior valde evoluta^
410 Peters: Bericht Aber die Leistungen in der Naturgeschichte
quadrispinösa, spinis fere flabellatis. Pedes et praesertim digili abbre-
viali. Digiti longiludine '^4 tantum thoracis latitudinem aequantes. 5)
L. brevipes M. Edw.
B. Holaspidura.
Partis urogaslricae exterior seu superior facies tota sculellis tri-
vel quinqueseriatis calcareis, approximatis tecta. Pedes et digiti paulo
magis adhuc quam in Paralithodibus abbreviati.
Gen. 2. L opho litho des Er. Rostri frontalis superior pars
inferiore brevior, apice subquadridentata, dentibus radiatini posilis, tri-
bus superioribus eorum inferiore minimo maioribus. Antennarum exter-
narum articuli seeundi appendix simplex, triangularis, insignis, non so-
lum raarginibus laleralibus, sed etiam facie superiore spinis seriatis
pectinata. Abdoniinis seu partis urogaslricae facies externa scutellis
quinqueseriatis obsessa. Thorax subrotundato-cordatus, convexus, la-
tissimus et altissimus. Uegio gastrica et genitalis, nee non cardiaca,
intestinais et branchialis, ut in genuinis Lithodibus formalae, sed multo
magis elevatae. Pedum primi paris corpus margine superiore interno
cristam maximam , dentatam , fere ut in Calappis constituens. 1) Lo-
phol. Mandtii Br. n. sp. ex insula Silcha.
Gen. 3. Rhinolithodes Br. Uostri frontalis superior pars
conica, obtusa, supra edentata inferiorem uncinatum longitudine sub-
aequans vel saltem haud superans. Antennarum externarum articuli
seeundi appendix triangularis, simplex, lateribus tantum spinulis sub-
seriatis , subdistantibus, subpinnatis instructa. Abdominis seu partis
urogaslricae facies externa scutellis triseriatis obsessa. Thorax trian-
gularis, altissimus , parte anteriore plus daplo angustior quam poste-
riore. Regio gastrica et genitalis confluxae , convexissimae, cardiaca
et intestinalis pariter coniunctae, sed a branchialibus et genitali fossa
semilunaii profundissima seiunctae. Pedum primi paris carpus margine
superiore interne parum cristatus. 1) Rh. Wossnesenskii Br. n. sp., bei
der Insel Silcha und Kadjak.
Gen. 4. Phtjllolithodes Br. Rostri frontalis superior pars
compressa subtetragona , inferiorem uncinatam , acutam longo superans,
margine superiore bidentata , dentibus oblusis. Antennarum seeundi
articuli appendix in lamellulas tres oblongo-lineares versus apicem sub-
latiores, flabelli forma dispositas divisa. Antennarum externarum arti-
culus quartus et quintus spinulis destituti. Thorax subelongato - trian-
gularis, altissimus. Pedum primi paris carpus vix cristatus. 1) Phyl'
loUthodes papillosus M. Edw. ex insula Kadjak.
11. Cryptolithodea Br.
Rostrum frontale lameiiulam simplicem, deflexam exhibens. An-
tennarum seeundi articuli appendix superior laminam simplicem, salis
insiguera constitueus. Pedes exlensi adeo maxiiua ex parte a clypeo
der Crußtaceen während der Jahre 1849 — 1851. 4ll
thoracico convexo, latissimo, corporis latera valde superanlc mullo la-
tiore quam longo obtecti. (Habitus fere Cryplopodiae, sed partium
oralium struclura , porro pedum posterioris paris , nee non parlis uro-
gastricae ratio ut in Lithodibus , nominatim ut in Lithodearum se-
ctione 13.).
Gen. 5. C ry p to litho des Br. 1) Cr. lypicus Br. n. sp. von
der Küste Nordcaliforniens.
Derselbe (1. c. VIII. 1850. p. 266.) fügte später noch
eine neue Gattung hinzu und modificirte zugleich die frühere
Eintheilung in folgender Weise:
Trib. Lithodina.
1. Subtr. 0 str ac 0 g astrin a Br. mit den früheren Unterab-
iheilungen Eulithodina und Cryptolithoditia.
2. Subtr. Hap alog astrica ßr, Abdominis annulus basalis seu
anterior, nee non annuli duo apicales soll laminis calareis , tenuissimis
tantum muniti , reliquae partes oranes molles. Abdominis sursum et
antrorsum inclinati latera a sterno non recepta , sed pedum articulos
basales operientia.
1. Dermaturus ßr. n. gen. Pedum maxillarium externorum
articuli duo apicales basi parum angustiores ; penuitimus oblongus.
Thorax tetragonus, parle posteriore parum latior , spinis dentibusque
marginalibus lateralibus destitutus, nee non regionibus branchialibus et
reliquis regionibus parum distinctis instructus, sicuti extremitates testa
calcarea crassissima tectus. Abdominis annulus anterior in dorsi utro-
que latere lamina subtriangulari , supra longiludinaliler sulcata , ad
ulterius lateris lamina extrorsum et retrorsum angulo acuto divergente
et ab ea in medio interslitio cutaneo seiuncta munitus. 1) DermatU'
rus Mandtii n. sp. St. Pauls-Insel.
2. Hap alo gaster ßr. n. gen. Pedum maxillarium externo-
rum articuli duo apicales basi admodum attenuati, quasi pedicellati,
penuitimus eorum apice fortiter dilatatus, triangularis. Thorax testa
dorsali tenui, fere submembranacea, parum largiter terra calcarea im-
buta, satis cordata, in dimidii posterioris lateribus fortiter arcuala et
convexa in dimidii anterioris laleribus quadrispinosa, regiones branchia-
les distinctissimas , sed cum intestinali confluxas oO'erentc obtectus.
Abdominis annulus anterior in dorsi utroque latere lamina calcarea
tenui, transversa, recta, telragono-rotundata, esulcata tectus et prae-
terea inter ipsas laminas modo diclas lamellula angusta, oblonga , te-
nui, calcarea, in medio dorso conspicua raunilur. 1) Hapalogaster
Merlensn von der Insel Sitcha.
Von Anoniouren (Anomala) sind in der Fauna Japonica 1. c. fol-
gende neue Arten beschrieben und abgebildet: Porcellana japonica,
412 Pelers: Bericht über die Leistungen in der Naturgeschichte
Pagurus conformis, Pagurus spiriger, Pagurus lanuginosus, Pagurus im"
pressus, P. asper, P. inaequalis, P. bimaculalus, P. longitarsus, P. Ed'
wardsii^ P. spinifrons, Lilhodes histrix, Lomis dentata.
Keue Arien in der Exploration de I'Algörie etc. von Lucas
sind : Pagurus spinimanus, P. nigrilarsis, P. rubrovittatusj P. sculptima^
nus, P. arenarius.
Pagurus Dillwynii Bäte nov. spec. (Annais and Magaz. of JN'at.
hist. 1851. Vn. p. 320. Taf. X. Fig. 11.); bei Worms Head nahe Swan-
sea entdeckt.
Unter den von Gibbes in den Sammlungen Nordamefikas un-
tersuchten Krebsen beschreibt er folgende neue Arten: Pagurus Irico^
lor n. sp. von Key - West in Florida. — Porcellana ocellata n. sp.
Süd-Carolina. P. armata n. sp. Florida. P. sexspinosa n. sp. von Key-
West in Florida. P. magnifica n. sp. von Vera Cruz. P. macrocheles
n. sp. Südcarolina.
In G a y's Historia fisica y polilica de Chile, Zoologie, Vol. JIL
sind als neue Arten angeführt : Pagurus mllosus» n. sp. , Pagurus Gayi
n. sp. , Äeglea denliculata n. sp.
Pagurus decorus Randall ist = F. pictus Owen (Sillimans Jour-
nal X. 1850. p. 122.).
Macroura.
Ueber die rothe oder blaue Färbung- des Flusskrebses
finden sich Notizen von Valenciennes, Guerin-Mene-
ville, Lereboullet und Focillon in den Comptes ren-
dus de l'acad. de Paris. 1851. XXXI. p. 293. 324. 376
und 384.
Herklots beschrieb in seiner vortrefflichen Dissertation (Addit.
ad faun. carcinol. Afr. occid. Leyden 1851. 4. p. 14 u. 15.) zwei neue
Arten von Macrouren : Scyllarus Herklotsii Pel und Palemon macro-
brachion Herkl. bei Boutry von Pel gesammelt.
Die von Gay (Nicolet) als neu aufgeführten Arten aus Chile
(Historia fisica y politica de Chile. Zoologia. Vol. IH.) sind: Alpheus
laevigatus und Cuma Gayi,
Hippolyte gracilis n. sp. (Liljeborg in Öfvers. af K. Vetensk.
Ak. Förhandl. 1850. Stockh. 1851. p. 83 ).
Hippolyte costata n. sp. bei Helgoland (Leuckart in Frey und
Leuckart ßeitr. zur Kenntniss wirbell. Thiere. Braunschweig 1847. 4.
p. 159.).
in dem Catalog der Nordamerikanischen Sammlungen von Gib-
bes (s. oben) sind folgende neue Arten beschrieben:
Ibachus novemdenlatus n. sp. vielleicht mit J, Peronii identisch,
in der Sammlung von New York.
der Crustaceen während der Jahre 1849-— 1851. 413
Callianassa grandimana n. sp. Key-West in Florida.
Alpheus formosus n. sp. von Key-West.
Pontonia domeslica n. sp. aus Südcarolina in Pinna inuricata und
P. seminuda gefunden.
Hippolyte Wurdemanni n. sp. von Key-West, //. paludosa n. sp.
aus Südcarolina in Süsswasserteichen gefunden.
In der 6ten Decade der Fauna Japonica (s. o.) sind folgende neue
Arten aufgeführt:
Laomedia astacina, Gebia maior, Falaemon paucidens , P. latiro-
stris, P. longipes, P. nipponensis^ P. japonicus, P. brevicarpuSf Cyclo~
rhynchus planirostris n. gen., Alpheus digitalis , A. lobidens, A. mi-
nor, A. nipponensis, Crangon afßnis y Cr. angusticauda , C. bidentalus,
Nika japonica, Caridina denliculala ,'i Ephyra compressa , Penaeus se-
misulcatus, P. lamellalus, P. distinclus, Spongicola venusta n. sp., SicyO"
nia cristata, S. bispinosa, S. parvula.
Hippolyte mauritanicus Luc. n, sp., Palaemon biunguiculatus Luc.
n. sp., Peneus longirostris Luc. n. sp , Zoea longispina Luc. n. sp.
(Exploration de l'Algerie. Zoologie I. 1849.)
White beschrieb den Cancer serratus Shaw. (Zoology of New-
Holland, t. 8.) als Polamobius serralus , und gab als Aufenthalt nach
Strange Süsswasserbuchlen von Brisbane an, so wie dieser Krebs
auch nicht seilen im Richmondtlusse ist. (Annais and Mag. of nat. hist.
1851. VII. p. 421.).
Eugene Desinarest beschrieb in den Annales de la sociele en-
tomol. de France 1849. VIL p. 87 sqq. folgende neue Gattung von
Krebsen, welche nahe bei Palaemon ihren Platz hat: Leander nov.
gen. Corpus subcompressum , supra rotundatum; testa cristata, rostro
supra forliter denticnlato lerminata; oculi rotundati, proeminenles; an-
tennae superiores triarticulatae , articulo niedio brevissimo; antennae
inferiores sat elongalae ; appendix palpiformis mandibularum cylindri-
cus; pedes maxiilares crassi, unguiculati ; pedes exiles, primo, pari di-
dactylo, brevi, secundo pari elongato , crasso , didactyio, digitis exili-
bus fortiter unguiculatis terniinato; abdomen maximum, crassum, supra
fortiter gibbosum. Leander erraticus (Fig. auf Pag. 93.) aus dem at-
lantischen Ocean.
Soleno cera nov. gen. Lucas (Annales de la soc. entomol.
de France 1850. VIII. p. 219.). Testa compressa ut in Penaeis , in
medio longiludinaliler cristata, rostro anguslo, subcurvato terminato;
oculi breves, reniformes; flagelli antennarum superiorum aequales,
omnes quatuor canalem semiclausum fingenles, horum pedunculo primo
brevi profunde excavato , secundo elongato ad basin supra semiexca-
valo ; pedes elongati, exiles, tertio, quinto quartoque paribus elongatis,
^ecundo primoque paribus parvis his terlioque didactylis, subsequenli-
4l4 Peters; Bericht über die Leistungen in der Naturgeschichte
bu9 monodactylis ; abdomen compressum, supra fortiter carinatum. So~
lenocera Philippii Lucas (1. c. p. 223. pl. VII. no. IL),
Sergesles arachnipodus Cocco n. sp. (Giuseppe de Natale,
descrizione zoologica d'una nuova specie di piojaria e di alcuni croslacei
de! porto di Messina. Messina 1850. 8. p. 23. Taf. H. Fig. l.). Arti-
culo tertio pedunculi antennarum superiorum breviore quam secundo.
Pedibus anterioribus et tertiae seriei longioribus quam pedibus maxilia-
ribus externis, et duplum longitudinis eorum subaequanlibus. Pedibus
secundae seriei longitudinem pedum maxillarium fere aequanlibus.
Schizopoda, Stomatopoda,
Dana gab eine Uebersicht der Schizopoden mit Be-
schreibung meherer neuer Gattungen und Arten (Synopsis Ge-
nerum Crustaceorum Ordinis „Schizopoda" J. D. Dana elabora-
tus, et descriptiones specierum huius ordinis quae in orbis
terrarum circuranavigatione, Garolo Wilkcs etc. duce, auctore
lectae. Pars. I. in Sillimans Amer. Journal of Science and
arts. 1850. IX. p. 129 bis 132.) :
Ordo II, Crustacea Schizopoda.
Trib. 1. Diplo öpoda.
Subtr. 1. Mysidacea,
Farn. 1. Euphausidae.
1) Thy sanopoda M. Edw.
2) Euph ausia Dana. Oculi symmetrici, breves. Pedes Iho-
racis non unguiculati, numero duodecim, quatuor poslicis obsolelis bran-
chiis exceptis. Flagella duo antennarum primarum elongata. Segmen-
tum abdominis posticum acuminatum. E. pellncida D. im stillen Ocean,
E. splendens D. im atlantischen Meer, E, gracilis D. im stillen Meer,
E. superba D. in der Sudsee.
3) Cyrtopia DansL. Oculi paulo oblongi, apicem externum obli-
que gibbosi, lenticulis totis in gibbositalem versis. Articulus anten-
narum primarum primus apicem inferiorem productus. Segmentum po-
sticum obtusum aut truncatum.
Fam. II. M y s i d a e.
1) Mysis Latr.
2) Pr 0 mysis Dana. Pedes thoracis duodecim, maxillipedes sex.
Anlennae primae ffagellis duobus laminaque oblonga confectae. Pedes
abdominis oblongi, natalorii, longitudinem fere aequi. (Segmentum ab-
dominis posticum emarginatum vel bilobatum).
3) Mysidia Dana. Pedes thoracis sexdecim , inter sese simi-
les, toti bene palpigeri. Anlennae primae ilageliis duobus laminaque
der Cruslaceen während der Jahre 1849—1851. 415
oblonga confeclae. Pedes abdominis quarti valde elongali, (an discri-
inen sexuale lanlum). ( Segmenlum abdominis poslicura emarginatum
vel bilobalum) {Mysidia D. = Themisto Goodsir, ein schon froher bei
den Aniphipoden vergebener Name!)
4) Siriella Dana. Pedes Ihoracis sexdecim, toti bene palpi-
geri, posticorum duodecim ramo pedil'ormi apicem setis brevibus mo-
bilibus (instar digiturum) iuxla unguem inslructo. Anlennae primae
flagellis duobus confeetae , lamina carentes. Pedes abdominis loli ru-
dimentarii. (Rostrnm brevissimum. Segmentum abdominis posticum apice
rolundatum et spinulis ornatum).
5) Myto Kröyer.
6) Loxopis Dana. Oculi elongati. Antennae primae flagellis
duobus confeetae, lamina carentes. Appendices abdominis rudimenlarii.
(Segmentum abdominis posticum truncatum , vel obtusum , extremitale
spinulosa). Oculi e latere pedicelli externo oblique spectantes , lenti-
culis totis parce oblique versis.
Fodopsis Thompson, incert. sedis. — Furciliae et Calyptopodes
forsan pulli Decapodum aut quorundam Schizopodum ; discrepant: Apex
inferior articuli antennarum primarum primi longe acuteque produclus.
Furcilia Dana. Carapax plus minus rostratus. Oculi aperti.
Pedes abdominis bene nalatorii. Anlennae primae furcalae ramis (im-
maturis?) subaequis 1 — 2 articulatae; segmentum abdominis posticum
truncatum , extremitatem saepius spinulosum. Animalia in mari alte
lecta.
Calyptopis Dana. Carapax non rostratus, oculos omnino te-
gens. Antennae primae birameae, ramis (immaturis?) subaequis 1 — 2
articulatae. (Segmentum abdominis posticum truncatum, extremitate sae-
pius spinuloso).
Fam. III. Scelatinidae.
Antennae primae simplices, elongatae, seeundae birameae.
1) Rachitia Dana. Carapax antice acute - tricuspidatus, post
frontem non conslrictus. Oculi iongi obconici. Segmentum abdominis
sextum valde elongatum, (segmentis in specie scrutata anticis simul
sumtis non longioribus, ulroque spinam longam dorsalem gereute.) An-
tennae primae flagello longo tenuissimo confeetae.
2) S celetin a D. Carapax antice acuto-tricuspidalus, paulo post
frontem instar colli constrictus, deinde ovalus postice auguslans. Oculi
praelongi, obconici. Pedes thoracis elongati 12, biramei, ramo pedi-
formi 4—5 articulato , allere (palpo) parce setoso ; alii pedes breves
quatuor , anteriores. Pedes abdominis rudimenlarii. (Segmentum ab-
dominis posticum lineare, truncatum vel emarginatum.)
Fam. IV. Cynthidae.
1) Cynlhia Thompson.
416 Peters: Bericht über die Leistungen in derJJaturgeschichte
Subtr. II. Amphionacea.
Farn. I. Amphionidae.
1) Amphion M. Edw.
Fam. II. Phy llos omi d a e.
1) Phyllosoma Leach.
Trib. II. Aploöp oda.
Farn. I. Luciferidae.
1) L ucifer.
Trib. III. Stoma top oda.
Fam. I. Squi llidae.
1) Squilla. 2) G onodactylus. 3) Coronis'
Fam. II. Erich tiiidae.
2) Squillerichthys. 2) Erichthys. 3) Alima.
Eine sehr genaue anatomische Untersuchung von My^
sis flexuosa lieferten Frey und Leuckart (Beiträge zur
Kenntniss wirbelloser Thiere. Braunschweig. 1847.4. p. 110
— 130.), aus der wir Einiges hier hervorheben.
Als Gehörorgan betrachten sie ein eigenthümliches an der
innern der beiden seitlichen Schwanzflossen befindliches Gebilde. Es
besteht aus einem ovalen , ziemlich abgeflachten Säckchen oder einer
derartigen Höhlung, welches fast die ganze Dicke und Breite der Flosse
einnimmt und ungefähr die Grösse von Ys'" besitzt In dieser Höh.
lung, welche überall geschlossen und mit Flüssigkeit erfüllt ist, liegt
eine rundliche krystallinische Masse mit einem helleren Centrum, un-
gefähr yg'" — 'A'" gi'oss, — ein Otolilh, der aber stets unbeweglich
lag. Die Gestalt dieses Otolithen ist nicht ganz rund, sondern von
zwei Seiten zusammengedrückt, so dass er die Gestalt einer rundlichen
dicken Scheibe hat. Die eine Fläche dieser Scheibe ist am Rande
mit steifen, glashellen Borsten besetzt. Bei chemischer Untersuchung
besteht er aus kohlensaurem Kalk mit einer organischen (Chitin?)
Grundlage. Ein zu diesem Körper gehender Werv wurde nicht gefun-
den. Bei ralaemon, Crangon und Squilla fanden die Verf. nichts
Analoges. Die Leber besieht aus 8 schlauchförmigen Drüsen, 4 je-
derseits, welche dicht hinler einander in das Ende des Magens getrennt
einmünden. Von geschlossenen G e fäss en ist nur der Rückenschlauch
und eine rudimentäre Aorta nachgewiesen. Im übrigen schliesst der
Kreislauf sich mehr dem der Laemodipoden und Aniphipoden als dem
der Decapoden an. Die Verf. halten das Rückenschild für dasjenige
Organ, welches die Function der fehlenden besondern Respirations-
werkzeuge übernimmt.
Gonodaclylus cullrifer n. sp. White (Annais and Mag. of Wat.
bist. 1851. VlI. p. 422.) aus China.
der Crustaceen während der Jahre 1849 — 1851. 417
Squilla neglecta n. sp. Gibbes (On the carcinolog. collect, of
the cabinets ol nat. bist, in the United Stales. Charlesion 1850. p. 36.),
im Hafen von Charleslon gefunden.
Carcinococcus Costae nov. gen. Natale, am nächsten in
der Form mit Alima verwandt. Corpore subbyalino, pellucido , albi-
cante; anterius roseo ; longitudine octoplum allitudinis thoracis ae-
quante. Oculis maximis , nigricantibus; pedunculis brevissimis, parum
ex thoracis cavo porrectis. Anlennis bifidis, thoracis longiludinem ae-
quantibus. Pedibus tertiae seriei longissimis, dimidiam et ultra longi-
tudinis corporis partem aequantibus. (Giuseppe de Natale, descrizione
zoologica d'una nuova specie di plojaria e di aicuni crostacei del porto
di Messina etc. Messina. 1850. p. 15. Taf. II. Fig. 2.).
ICine neue Art: Squilla Hoevenii beschrieb Herklols (Addit. ad
faun. carcinol. Afr. occid. Leyden. 1851. 4. p. 17.); an der Goldküsle
bei ßoutry gefangen.
Phijllamphion elegans nov. gen. J. Reinhardt (Videnska-
belige Meddelelser fra den naturhistoriske Forening i Kjöbenhavn für
1849. p. 2.), welche die Gallungen Fhyllosoma und Amphion miteinan-
der verbindet.
De Haan hat in der 6ten Decade der Fauna Japonica folgende
neue Arten aufgestellt: Squilla latifrons , Sq. harpax, Sq. cestata, Sq.
oraloria, Sq. fasciata, Sq. empusa , Gonodactylus japonicus, Fhyllosoma
Guerini.
Amphipoda,
Das Gefässsystem von Gammarus, Talitnis^ Orchestia und
Isaea wurde von Frey und Leuckart untersucht (Beiträge
zur Kenntniss wirbelloser Thiere. Braunschw. 1847. 4. p. 107);
das schlauchartige Rückengefäss hat jederseits 7 Paar Spalt-
öffnungen^ während bei Caprella nur 5 Paare vorhanden sind.
Das Postabdomen erhält sein Blut nicht aus dem vordem,
sondern aus dem hintern Ende des Herzens zugeführt. Die
venösen Ströme der Fühler und Fresswerkzeuge treten in die
erste Spaltöffnung, die der Beine des Meso - und Metathorax
zusammen in die zweite. An den fünf Proabdominalringen
nimmt eine besondere Spaltöffnung das venöse Blut der Beine
auf. Die letzte Spaltöffnung nimmt dagegen alles Blut des
Postabdomens auf.
Dana (Synopsis of the Genera of Gammaracea, Silli-
man's Americ. Journal of science and arts. 1849. VIII. p. 135.
p. 428. und 1850. IX. p. 295.) gab eine Uebersicht der Fa-
Archlv f. Naturgesch. XVll. Jahrg. 2. Bd. BB
418 Peters: Bericht über die Leistungen in der Naturgeschichte
milie der Gammaracea und führte darin folgende netie Gat-
tungen auf:
1) Von der Orchestidae :
Talitronus n. g. ; Talitro pedes primos antennasque sirailes,
pedes maris secundi valde subcheliformes, manu grandi.
Allor ehestes n. g. ; pedes primi secundique plus minus sub-
cheliformes. Anlennae snperiores breviores, basi inferiorum longiores.
Maxillipedes apicem ungulati.
2) Von den Lysianassinae :
üristes n. g. ; antennae superiores non appendiculatae; pedes
primi subcheliformes, secundi vergiformes, terlii quarlique brevissimi.
Stenia n. g. ; anlennae superiores non appendiculatae; pedes
primi secundique subcheliformes, reliqui non prehensiles.
3) Von Corophiden :
Clydonia n. g. ; digiti nuUi 2-articulati ; antennae longae, fla-
gello crasso rigidoque, obsolete articulato; antennae styliformes, vectae;
pedes filiformes, non prehensiles , sex postici praelongi.
4) Von Iciliden:
Icilitis Dana ; pedes toti vergiformes, nulli prehensiles.
Die neuen hieher gehörigen Arten sind in den Proc. Amer. Acad.
Ans and Sciences II. p. 201. beschrieben und daraus in Sillimans Jour-
nal 1850. X. p. 123. angeführt; es sind folgende:
Talitrus novizelandiae, T. gracilis, T. ornalus. — Talitronus in^
sculptus. — Orchestia sylvicola , tenuis, reclimanus, spinipalma, scutige-
rula f nitida, dispar, quadrimanus , serrulata. — Ällorchesles compressa,
terticillata, hirtipalma, gracilis, peruviana, humilis , auslralis, brevicor-
nis, novizelandiae, inlrepida , orienlalis , graminea. — Lysianassa hra-
siliensis. — Uristes gigas. — Stenia niagellanica. — Gammarus asper,
suluensis, albidus , hirsuticornis, emissitius , tenuis , furcicornis, tenellus,
Orientalis, quadrimanus, validus, selipes, pilosus. — Ämphitoe peculans,
ßssicauda, pubescens , inaequistylis , peruviana, tenuicornis, indica, ru~
bella, fucorum, tongensis, peregrina, brevipes, simplex, nodosa. — Oe-
dicerus novizelandiae. — Erichthonius macrodactylus, pugnax. — Coro-
phium quadriceps. — Clydonia gracilis, longipes. — Icilius ovalis.
Spence Bäte beschrieb unter dem Namen Bellia arenaria
eine nur wenig von Talitra verschiedene neue Untergattung, die sich
vorzüglich nur durch die eigenthümliche Form der zweifingerigen Klaue
des zweiten und dritten Fusspaars auszeichnet. Bei Swansea gefun-
den. (Annais and Mag. of nat. bist. 1851. VII. p. 318. Taf. XI.
Fig. 1-8.).
Brandt lieferte Beiträge zur genaueren Kenntniss der Gattun-
gen und Arten von Talitrus und Orchestia (Bulletin de l'Acad. de St.
der Crustaceen während der Jahre 1849—1851. 419
Fetersbourg 1851. IX. p. 133 sqq.) und beschrieb dabei folgende neue
An : Orchestia (Scambrella) ochotensis Br. von Hrn. von IMiddendorff
im ochotskischen Meere entdeckt.
Derselbe (I. c. p. 310.) stellte eine neue hieher gehörige Gat-
tung auf: Meg alorc hestia Br. ; pedum primi paris ultimus articu-
lus etiam in maribus apice angustalus ; pedum secundi paris ultimus
articulus marium semper maximus, cheliformis; pedum maxillarium ar-
ticulus ultimus angustalus, apice unguiculatus ; antennae superiores pe-
dunculo inferiorum breviores. 1) M. californiana Br. n. sp. ; 2) M.
longicornis Br. (= Talitrus longicornis Say, = Orchestia longicornis
Edw^.). Wahrscheinlich fällt diese Gattung mit Dana's Talitronus zu-
sammen.
Schi öd te (Specimen faunae subterraneae. Copenh. 1849. p.26-
Taf. III.) hat den im vorigen Jahresberichte angeführten Gammarus sty~
gius zu einer eignen Gattung „N iphar gu s^^ erhoben.
Amphüoe Moggridgei o. sp. Bäte (Annais and Magazine of Nat.
bist. 1851. Vil. p. 319. Taf. X. Fig. 10.) ; in der Langlandbay bei Sw^an-
sea gefunden.
Gammarus locusla Mont. Kröy. var. und Leucothoe norvegica n.
sp. (LiIjeborg,Öfvers. af K. Vetensk. Akad. Körhandl. VII. 1850. Stockh.
1851. p. 83.)
Gammarus elongalus n. sp. bei Helgoland (Leuckart in Frey und
Leuckart, Beitr. z. Kenntn. wirbelloser Thiere. 1847. p. 160.)
Amphüoe gibba n. sp. ibid, p. 162.
Orchestia Perieri Luc. n. sp., Lysianassa longicornis Luc. n. sp.,
Amphitoe Vaillanlii Luc. n. sp. , Vibilia Jeangerardii Luc. n. sp. (Ex-
ploration de l'Algerie. Zoologie. I. 1849.)
Giuseppe de Natale gab die Beschreibung und
Abbildungen einiger von Cocco entdeckten Amphipoden
(Descrizione zoologica d'una nuova specie di Plojaria e dl
alcuni Crostacei del porto di Messina, con poche considera-
zioni generali sulla natura delle appendici aculeiformi delle
plante e degli animali. Messina 1850. 8. 34 Seiten mit 2
Tafeln.)
Cheiropristis Messanensis Gocco Taf. I. Fig. 2. Corpore antice
tereti, superius roseo, albicante inferius , sesqui longiore quam alte,
Antennis superioribus longissimis, inferioribus ultra earum dimidiura
porrectis ; laminis caudae lateralibus, subrhomboidalibus , media trian-
gulari mucronata. Der Gattung Typhis am nächsten verwandt.
Orio zancleus Cocco der vorigen sehr nahe stehend. — Gryseo-
lutescente, punctis nigricanlibus adsperso ; allitudine longitudinis quar-
tum, et ultra aequante ; oculis triangularibus nigris ; laminis caudae
lateralibus lanceolatis.
420 Peters: Bericht über die Leistungen in der Naturgeschichte
Ornithoratnphus Coccoi Kat. Corpore hyalino, peliucido; capite
subrotundo, roslro brevissinio, tereliusculo, longitudine altitudinis quin-
tuplum fere aequante ; capile longiore altitudine corporis. Oculis mi-
nimis; laminis caudae lateralibus, anterioribus styliformibus valde elon-
gatis = Orio ornithoramphus Cocco.
Neue Amphipoden bei Gay (Historia fisica y politica
de Chile; Zoologia. 1849. 111.) von Nicolet beschrieben:
Talürus chilensis n. sp. ; Orchestia Gayi n. sp.
Or ehest oidea nov. gen. Antennae superiores minimae , in-
feriores multo breviores ; articulo primo lato, quadriformi, fortiter de-
presso; secundo gracili, cylindrico ; tertio secundo breviori, gracili, cy-
lindraceo , ligilla brevissima, quinque- articulata terminalo. Anten-
nae inferiores maximae, crassissimae; articulo ultimo pedunculi elon-
gato ; penultimo ultimo crassiori , leviter breviori. Oculi magni. Pal-
pus pedum maxillarum exlernarum quadriarticulalus, parum elongatus,
crassus ; articulo primo brevissimo; tertio quadriformi, apice trun-
cato , in 'niedio fortiter emarginato , quartoque angusto brevi , turbi-
nato. Mandibulae robustae , forliler dentatae , palpo nullo. Pedes
primi paris tarso styliformi terminati ; secundi paris subcheliformes,
manu maxima crassissima, ovataj sequentes unguiculati. Orchesloidea
tuberculala.
Amphitoe chilenses n. sp. ; A. Gayi n. sp.
JVicea nov. gen.; Antennae superiores ceteris brevioribus. Ca-
put crassum. Oculi ovati, oblique positi. Pedes breves , primi et se-
cundi paris subcheliformes; manibus brevissimis. Mandibulae brevissi-
mae, bilobatae , mullidenticulatac , non palpigerae. Labium sternale
maximum. Nicea Lucasii.
Gammarus Chilensis n. sp.
Lalaria nov. gen.; Antennae superiores graciles, elongati, ar-
ticulo pedunculi primo longiore , cylindrico , tertio brevi , biligellato.
Antennae inferiores pedunculo elongatissimo , tigella brevissima. Ca-
put breve, anterius truncatum. Oculi parvi. Mandibulae palpigerae,
palpo triarliculato , articulo piimo brevi , secundo tertioque elongatis,
cylindraceis fortiter ciliatis. Pedes maxillares externi palpis quinque
articulatis; articulo ultimo unguiformi. Pedes quatuor primorum pa-
rium prehensiles ; pedes primi paris multo longiores, robusti, palpo
spiniformi infra muniti ; digito elongalo , cylindraceo, unguiculato, tei-
minali. Lalaria longitarsis n. sp.
A. Hosius (De garnmari speciebus, quae noslris in
aquis reperiuntur. Diss. inaug. Bonn 1850. 8. m. 2 Kupfert.
Wiegmanns Archiv. 1850. p. 233. Tat". III. und IV.) lieferte
eine genaue Beschreibung und Vergleichung der bei Bonn
lebenden drei Gammarusarten G. pulex, G. puteanus Koch und
der Cruslaceen während der Jahre 1849—1851. 421
G. Röselii Gerv., welche in diesem Archiv 1850. p. 233 sqq.
nachzusehen ist.
Gammams piitanens Koch, in Elberfeld gefunden^ wurde
abgebildet und beschrieben von Dr. R. Gas pari (Verhandl.
des naturhist. Vereins der preuss. Rheinlande und Westpha-
Jens. Bonn 1849. p. 39. Taf. II.)
In einem Nachtrage zu diesem Aufsatze wurde ein Cru-
staceiim von Dr. Fuhlrott angeführt und abgebildet, wel-
ches er zu den „Marcheurs" von Milne Edwards zieht!
Laemodipoda.
Frey und Leuckart (Beiträge zur Kenntniss wirbel-
loser Thiere, mit besonderer Berücksichtigung der Fauna des
norddeutschen Meeres. Mit 2 Kupfert. Braunschweig 1847. 4.
p. 100 — 109.) haben gemeinschaftliche Untersuchungen über
den Bau der Caprellen gemacht. Die untersuchten Arten wr-
ren Caprella linearis Müll, und Podaliriustypicus Kr öyer,
welche in ihren Jugendzuständen durchsichtig genug sind^,
um durch das Mikroskop die Innern Organe erkennen zu
lassen.
Das Nervensystem stimmt mit dem von Cyamtis, wie es Rous-
sel de Vauzeme dargestellt hat, überein, nur sind die Ganglien der
Bauchkette in ihren Ringen liegen geblieben, während sie bei Cyamus
so weit nach vorn gerückt sind, dass das 9te Ganglion anstatt im 7ten
zu Anfang des 6ten Ringes liegt. Die beiden Augen sind aus nicht
sehr zahlreichen Kegeln zusammengesetzt, mit glatter Hornhaut. Die
Verdauungsorgane sind sehr einfach; die enge, massig lange Speise-
röhre führt in einen kleinen ovalen Magen, der bis in den Alesothorax
hineinrückt, kein Skelet zu haben scheint und in einen geraden ein-
fachen Darm mit weitem muskulösen Rectum übergeht. Die vonGood-
sir übersehene Leber besteht aus zwei einfachen Schläuchen, die
sich hinter dem Magen in den Daumkanal einsenken. Das von Wieg-
mann nicht scharf genug beobachtete Rück enge fäss beginnt schon
im Kopfe und erstreckt sich bis gegen das Ende des vorletzten Ringes
der Proabdomen; seitlich befinden sich an demselben fünf paarige, mit
Klappen versehene Spaltöffnungen. Ausser diesem Rückengefässe bil-
det nur eine kurze Aorta das einzige mit Wandungen umschlossene
Gefäss. In den übrigen Theilen fliesst das Blut nur durch unbegrenzte
Zwischenräume des Parenchyms. Das Herz nimmt durch die Spalten
bei der Ausdehnung das venöse Blut auf, und treibt das arleiielle zum
422 Peters: Bericht über die Leistungen in der Naturgeschichte
grössten Theil durch den Aortenstiel nach vorn, das übrige nach hinten
in wandungslosem Strome. Ausser den kolbigen Anhängen, welche
sich zu zwei oder drei Paaren am Proabdomen finden , gehl, nach des
Verf. Ansicht , der Athmungsprocess auch in den Beinen und in den
Antennen vor sich. Die Geschlechtsorgane sind unerforscht geblieben.
Steenstrup berichtete über das Vorkommen eines Cyamus und
Otion auf den Zähnen und an der Haut der Kieferrandes eines Grinde-
walls ( Videnskabelige Meddelelser fra den naturhistoriske Forening i
Kjöbenhavn for Aarene 1849. p. 95.)
In der „Historia fisica y politica de Chile" von Gay, Zoologia.
Vol' in. sind folgende neue Arten von Laemodipoden aufgeführt : 1)
Caprella longicollis, 2) Caprella hremcollis, 3) Caprella spinifrons.
In der Fauna Japonica ist Caprella Kröyeri DeH. abgebildet und
beschrieben.
Caprella tahida Luc. n. sp. (Exploration de l'Algerie. Zoologie.
I. 1849.).
Isopoda,
Dana, Conspectus crustaceorum etc. (Si 11 im an, Americ.
Journal of Science and arts. 1849. IX. p.424.) gab eine
Uebersicht der Isopoden^ nebst Beschreibung der bei der
„Exploring Expedition^' entdeckten neuen Gattungen und Arten.
Leachia nodosa Dana, Tanais brasiliensis D., T. elongatus D.
L eptochelia D. ; Tanai similis. Pedes antici longissimi, te-
nuissimi , manu valde elongata. Antennae superiores longae , flagello
confectae. Abdomen 6-articulatum, stylis caudalibus articulalis. L. mi~
nuta D.
Idotaea argentea D., /. annulata D., I. brevicauda D.
Epelys Dana; Antennae breves subaequae, externae non geni-
culatae , flagello non confectae. Pedes subaequi , quarli tertiique non
valde inaequi. Oculi minuti, remoti. E. annulalus D.
Cleanlis Dana. Antennae externae valde longiores, non geni- ,
culatae, 5—6 arliculatae, flagello non confectae. Pedes quarti paris
ertiis valde breviores, et parium quatuor ultimorum sensim longitudine
increscenles. Abdominis opercula prope apicem articulata et ad arti-
culationem laminam parvulam internam gerentia. Cl. linearis J).
Erichsonia Dana. Antennae externae valde longiores, geni-
culatae, 6-articulatae, flagello nudo. Pedes subaequi, similes. E. an-
gulata D.
Chaetilia Dana, Antennae primae super secundas insitae; su-
periores longiores ; inferiores flagello multiarliculato confectae. Pedes
septimi sexti& valde breviores , non unguiculati , parce multiarliculati.
der Cruslaceen während der Jahre 1849—1851. 423
Abdorainis opercula prope apicem articulata et ad articulalionem lamel-
lam parvulam internam gerentia. Ch. ovata D.
Schiödte (Specimen faunae subterraneae. 1849. ni. 4 Tafeln.
Aus den Abhandl. der Copenhagener Akademie der Wissenschaften 5te
Reihe ßd. II.) gab eine berichtigende Abbildung und Beschreibung von
Kochs Pherusa alba , unter dem neuen Namen Titanethus: oculi
nulli ; flagellum antennarum exteriorum setaceum, multiarticulatum.
Mandibulae appendicibus quatuor, anteriori nuda, dentata, posterioribus
aequalibus, filiformibus. I\lala interior maxillarum prioris paris appen-
dicibus munita tribus , elongatis , pennatis; mala pedum maxillarium
elongala, appendiculata. Pedes (sie dicti) thoracic! graciles, longitudine
per paria crescentes : unguiculis biarliculatis appendiceque instruclis
gemina, flabellata. Posterior abdoniinis porlio libera , elongata. Pedes
abdominales ultimi paris articulo exteriori styliformi, elongato. Er nennt
die Art Titanethus albus, welche Benennung beibehalten zu werden
verdient, da der Name Pherusa bereits auch anderweitig früher verge-
ben ist.
Lucas beschrieb drei neue Arten: Anceus vorax, Praniza mau-
ritanica und Praniza obesa (Annales de la soc. entom. de France. 1849.
VII. p. 457. Taf. XV. und Exploration de l'Algerie. Zoologie. I. 1849.
p. 85 sqq.). Aus Chile führt Nico 11 et (Gay, Historia fisica y politica
de Chile. Zoologia. 1849. Vol. III.) mehrere neue Formen an:
Idotea angustata, Tanais macrocheles , T. Gayi, laera curvicor-
nis, Oniscus bucculentus, 0. luberculatus , 0. atiguslatus, 0. bilineatus,
0. armatus, Porcellio pulcher , P. chilensis , P. Gayi, P. granarus, P.
liliputanus, Armadillo granarus, Sphaeroma Gayi, Sph. propinqua.
De smarestia nov. gen. ; corpus subovatum, anterius dilatatum
rolundatumque, posterius angustatum. Caput parvum, latiore quam lon-
giore. Antcnnae breves , crassae, aequales, ante capitis (so wird
„vor dem Kopfe" — delante de la cabeza — übersetzt!) insertae. La-
bium mediocre, prominente, semiorbiculare, emarginatum. Mandibu-
lae robustes, denticulatae, non palpigerae. Maxillae primi paris graci-
les, elongatae , simplices, forliler spinosae; secundi paris latae, de-
pressae, bilobulae, lobis fortiter denticulatis. Pedes maxillares latis-
simi, operculiformes. Thorax latus, fusiformis, leviter convexus, Pedes
robusti, cylindracei, infra thoracis (1 ?) incurves. Abdomen breve, la-
tum, convexum , subparallelum , biarliculatum. Diese Gattung stehe
zwischen Cymothoa und Ourozeuktes. Desmarestia chilensis.
Ligia granulata n. sp. bei Helgoland I^cuckart, in Frey und
Leuckart Beitr. zur Kenntniss wirbelloser Thiere. Braunschw. 1847.
p. 163.).
Ärclurus Deshayesü Luc. n. sp. , Idotea carinala Luc. n. sp.,
1. algirica Luc. n. sp. , /. angustata Luc. n. sp. , Anthura ßliformis
Luc. n. sp., A. nigropunctala Luc. n. sp., laera longicornis Luc. n. sp.)
424 Peters: Bericht über die Leistungen in der Naturgeschichte
Porcellio Bovaei Luc. n. sp., P. echinalus Luc, n. sp., P. variabiUs Luc.
n. sp. , P. fuscovariegatus Luc. n. sp. , Trichoniscus flavescens Luc. n.
sp., Naesea Edwardsii Luc. n. sp., Anilocra vitlala Luc. n. sp., Ache-
rusia Diimerilii Luc. n. gen. mit Aega nahe verwandt. (Exploration
de l'Algerie. Zoologie L 1849.).
Entomostraca, Branchiopoda. Parasita etc.
Conspeclus Crustaceorum quae in orbis terrarum cir-
cumnavigatione , Carolo Wilkes e classe Reipublicae Foe-
derata Duce, lexit et descripsit Jacob us J. Dana CSilli-
man, Am. Journal of Science and arls 1849. VIII. p. 276. ,
aus den Proceedings of the American Academy of Arts and
Sciences, Boston, May 4. 1847. vol. I. p. 150— 154. und Nov.
8. 1849. vol. II. p. 8—61.). Diese Uebersicht, von welcher
der erste Theil in diesem Archiv 1847. I. p. 301 fgg. ab-
gedruckt ist, erstreckt sich über die Entomostraken im wei-
testen Sinne und enthält die Beschreibung von 183 neuen
Arten. Wegen der darin enthaltenen systematischen Verän-
derungen geben wir hier einen gedrängten Auszug dieser
beiden Abhandlungen, worin die neuen Genera charakteri-
sirt, die neuen Arten bloss angeführt werden.
Ordo Eotomostraca*
Subordo L Gnathoslo mala.
Tribus. \. Crustacea Cyclopacea (vel Copepoda).
Familie L Cyclopidae.
1. Cyclops Müll. al. C. hrasiliensis , curticaudus , pubescens,
MacLeayi, vitiensis.
Farn. IL Harpactidae.
1) H arp ac ticus M. Edw., H, virescens, concinnus, sacer, linea-
ris, roseus, acutifrons.
'-"-''■ 2) Clytemnes tra Dana. C. sculellala.
3) Set eil a Dana. S. tenuicornis , longicauda, gracilis , crassi-
cornisj aciculus.
Fam. IIL Calanidae.
1) Calanus Leach, C. rolundatus, comptus, nudus, magellani-
cus, crassus, furcicaudusj arcuicornis , turbinatus , slylifer , curtus , scu-
tellatus , pato , levis, medius , placidus , recticornis, seluligerus, pelluci'
dus, afßnis, ßavipes, tenuicornis, sanguineuSf mundus, inauritus, simpli-
cicaudus, appressus, communis, amoenus , bellus , gracilis, elongatus, al-
lenuatus, rostrifrons, cornutus.
der Crustaceen während der Jahre 1849—1851. 4Q5
2) Scrihella Dana. Antennae anticae elongatae, pauciarticu-
latae, longa setigerae, setis difTusis, maris non geniculantes. Antennae
poslicae simplices (?) Maxillipedes (ct. VI.) maximi , pedibus proximis
majores, 4-articulali geniculati et prorsuni flexi. Oculi inferiores nulli.
Cephalothorax 4 — 5-articulalus, capite non discrelo. Abdomen valde
elongatum, cephalolhorace non brevius. Slyli caudales oblongi, diva-
ricati. Saepius , e basi pedis biremis, seta grandis laleraliter por-
recta. Mare atlant. et pacific. Seribella scriba, setiger, abbreviata.
(Diese Gattung ist nach einer spätem Angabe von Dana (Sillimans
Journal. 1850. X. p. 123. identisch mit Bairds Oithena, welcher
Name die Priorität hat ; die Art , Oitk. plumifera Baird = Seribella
scriba D.).
3) Euchaeta Philippi. E. communis, concinna, pubescens ,
diadema.
4) Undina, Dana. Antennae anticae ante medium angulo le-
viter flexae, ad apicem Ironte posteriores, maris non geniculantes. Pe-
des postici (ct. XII.) maris grandes , dextro subcheliformi. Pedes an-
tici (ct. VII.) elongati, maxillipedibus saepe maiores et valde porrecti
non geniculati. üculi inferiores nulli. Cephalothorax 4 — 5 articula-
tus, capite non discrelo. In mare atlant. et pacifico. U. vulgaris, sim-
plex, inornata.
5) Candace Dana. Frons quadrala. Oculi inferiores ob-
soleti. Antennae anticae regulariler et breviter setigerae, transver-
sae ; dextra marfs articulatione geniculanle. Maxillipedes (ct. VI.) pe-
dibus proximis maiores, duplo geniculantes et inflexi^ 4-articulati, setis
nudis, longis. Pedes maris postici dispares , dextro prehensili. Abdo-
men mediocre. Styli caudales breves, satis stricte appressis. (Animal
saepius partim nigricans). In mari atlantico et pacifico. C. ornata,
pachydaclyla, ethiopica, curla, acuta, truncata.
6) Cyclop siiia Edw. C. longicornis , calanina, lenuicornis,
gracilis.
7) Catopia, Dana. Antennas posticas et antennarum habitum
anticarum Calano affinis. Antennam maris anticam dexlram Ponlellae
affinis. Oculi superiores nulli; oculus inferior unicus (?). In mari
Sinensi. C. furcata.
8) Äcartia Dana. Antennae anticae rectiusculae, flexiles, se-
tis irreguiariter difl'usis , dextra maris non geniculante. Maxillipedes
(ct. VI.) pedibus proximis maiores, recli, setis selulosis longis instructi.
Pedes postici (ct. XII.) parvuli, uni - articulati , 2 selas divaricatas
gereutes. Oculi duo inferiores et duo superiores. Setae caudales rae-
diocres. Hab. in mari allanfico et pacifico. A. limpida, 7iegligens,
lonsa, laxa.
9) Vonlella Dana (= Pontia Edw., bereits bei den Lepidopte-
ren vergeben). P. elliptica ^ brachiata , plumala , lurgida, curla, con^
426 Peters: Bericht über die Leistungen in der Naturgeschichte
Iracla, media, crispata, delruncata , simplex , exigua , agilis, acutifrons,
aucta , rubescens, emerila, regalis , perspicax , strenua , protensa,
hebes , frivola , detonsa , argentea , speciosa , princeps, fera.
Farn. IV. Corycaeidae.
1) Corycaeu s Dana. Corpus crassum, antice rotundatum. Con-
spicilla fronte affixa. Antennae poslicae pedibus anticis maiores. Pedes
anlici sexu vix dissimiles digito subuncinato tenuique cönfecti. Abdo-
men pauci -articulatum , appendieibus basis nullis , stylis caudae styli-
formibus. In mari Atlanlico et Faciüco, C. gracilis, decurtatus, deplu-
malus, varius, longistylis, obtusus, crasslusculus, laticeps , vüreus, agilis,
orienlalis, laulus, speciosus , remiger , latus, venustus , pellucidus , con-
cinnus, productus, longicaudalus.
2) Antaria, Dana. Corpus crassum, antice rolundalum. Con-
spicilla fronte affixa. Antennae poslicae parvae , ad apicem breviter
seligerae, pedibus anticis (ct. VII.) non maiores , carpo postice angu-
lalo. Pedes antici sexu vix dissimiles (?) , digito tenui, subuncinato.
Abdomen pauci -articulatum. (Cephalothorax postice obtusus). Hab. in
maribus Atiantico et Sinensi. A. crassimana, gracilis, oblusa.
3) Copilia Dana. Corpus depressum, fronte late quadratum, et
conspicilla ad angulos anticos gerens. Antennae poslicae digitiformes,
digito elongato, subulalo. Abdomen pauci - articulatum, appendieibus
ad basin nullis. Hab. in mari Pacifico. C. mirabilis, quadrala.
4) S apphirina, Thomson. S. iris, angusta, elongala, metallina,
coruscans, inaequalis, ovala, splendens, ovalis, detonsa, indigotica, orieii'
lalis, ovato^lanceolata, gemma, bella, cpalina, versicolor, tenella, obesUj
obtusa.
Fam. V. Miracidae.
1) Miracia Dana. Corpus elongatum, non depressum, ad
franlem duas appendices falciformes subtus gerens. Antennae anticae
appendiculalae, flexiles el nou geniculanles. Pedes anlici (ct. VII.)
mediocres, uniunguiculati ; pedes duo sequentes biremes, lateraliter por-
recti. Pedes abdominis longe seligeri. Selae caudales elongatae. —
Setellae affinis, sed conspicilla oculorum diversa. In mar. Atiantico et
Pacifico. M, efferata, gracilis.
Tribus II. Dap hn i a ce a (vel Clado cer a).
Fam. I. Penilidae. Pedes 12. Antennae anticae obsolescentes.
l) Penilia Dana. Caput discretum , longe rostratum. Anten-
nae poslicae grandes, ramis duobus 2-arliculalis. Abdomen non. infle-
xum, stylis duobus corneis confectum. — In maiibus prope oras. P.
avirostris, orienlalis.
Fam. II. Daphnidae. Pedes 10. Antennae anticae sive obsole-
tae sive uni-arliculatae.
der Crustaceen während der Jahre 1849 — 1851. 427
1) Daphtiia. D. textilis, australiensisy macrura.
2) Si da. S. angusta.
3) Lynceus. L. lalifrons.
Fam. IV. Polyphemidae. Pedes 8. Antennae anlicae obso-
lescentes.
1) Poly ph emus. P. brevicaudis.
Tribus III. Cypridacea (vel Ostracoda).
1) Cypris Müll. C. speciosa, albida, chilensis ^ pubescens, vi-
tiensis.
2) Cypridina AI. Edw. (= Asterope, Philippi). C. luteola,
punctata, oUcacea, gibbosa^ formosa.
3) C onchaecia, Dana. Tesla interdum breviter rostrata, cor-
pus omnino tegens, fronte aperta. Oculi simplices. Antennae anticae
3 — 4-articulalae, apicem longa setigerae. Spiculum inter antennas
sarcosum, simplex, exsertile. Antennae poslicae 5 — 7-articulatae, arli-
culis brevissimis longe setigeris confectae, ramo altero brevi. Pedes
mandibulares ferme 5-articulati, non unguiculati, apice articuli primi
interne et saepius basi secundi interno simul corneis (instar mandibu-
lae) et denticulalis. IHaxillae quatuor. Pedes quatuor, tenues. Abdo-
men spinulis biseriatis confectum. Hab. in mar. Pacifico et Atlantico.
C. agilis, rostrata, brevirostris, inflata.
Subordo II. C ormostomata.
Tribus I. M ons tr il lacea. Corpus elongatum (Cyclopiforme).
Alaxillae pedesque antici obsoleti. Pedes postici octo natatorii.
1) Monstrilla Dana. Cephalothorax fere cylindricus, 4-arti-
culatus. Abdomen 5 — 6-arliculatuni. Antennae duae. Oculi duo sim-
plices; quoque oculus inferior sicut Pontellis. Truncus buccalis par-
vus subconicus, maxillis pedibusve non munitus. Pedes octo, natatorii.
— Hab. in mari „Sulu." M. viridis.
Trib. II. Caligaeea. (Familiae quinque: 1) Argulidae, II.
Caligidae, III. Dichelestidae, IV. Ergasilidae, V. ISicothoidae).
Fam. II. Caligidae.
Subfam, I. Caliginae.
1) Ca Hg US, C. thymni, productus , gracilis , {Lepeophthei-
rus^ bagri.
2) Caliste s , Dana. Caligo similis. Cephalothorax 2-articu-
latus, segmento postico non alato. Pedes duo postici biramei, subna-
tatorii. Trebio affinis sed cephalothorax non 3-articulatus et maxillae
nee lamellares, nee ad Iruncum buccalem appressae. C. trygonis.
3) C alig eria, Dana. Caligo similis Cephalothorax 2-arlicu-
latus, segmento postico bialato. J'edes duo postici biramei , selis bre-
vibuSj non natatorii?. C. bella.
428 Peters: Bericht über die Leistungen in der Naturgeschichte
Subfam. II. Pandarinae.
1) Nogagus Leach. N. validus.
2) Specilligus Dana. Nogago segmenta cephalothoracis pe-
desque afflnis. Oculi duo remotiusculi , et conspicillis grandibus in-
strucli, eisque Sapphirinis similes. «S. curlicaudus.
3) P andarus, Leach. P. concinnus , satyrus, brevicaudus.
4) Dinematura, Lalr. D. braccata.
5) Lepidop US, Dana (ein bereits bei den Fischen vergebener
Name!). Corpus antice non lalius. Cephalolhorax 3-articulalus, cara-
pace minore quam abdomen , segmentis duobus sequentibus poslice
Jarge bialatis. Abdomen 2-articu!atum, segmento postico parvulo, ce-
lato, antico maximo et postice bilobalo. Antennae posticae articulo
tenui falciformi confectae. Pedes paris secundi superficie terminali lata
prehensiii squamata instructi. Pedes natatorii quatuor ullimi similes,
iate lamellati. L. armalus.
Trib. IV. Ny mphace a.
1) Ästridium, Dana. Pycnogono alfinis. Caput duobus ma-
xillipedibus subtus instruclura parvulis, dcbilibus , ad apicem obtusis,
non prehensiles. Pedes octo unguiculo confecti. Abdomen perbreve.
A. Orientale.
BrancMopoda.
Dr. W. Zenker sprach sich für die Bedeutung des
bekannten schwarzen Flecks am Kopfe vor dem Auge bei
den Daphnoiden als Sehorgan aus (J- Müllers Archiv f. Anat.
und Physiol. 1851. p. 114.).
Derselbe fand die Männchen von Lynceus lamellatiis,
macrurus und sphaericus , welche sich in der äussern Form
von den Weibchen besonders durch die Form der Tastan-
tennen und durch geringere Grösse unterscheiden. Es wur-
den die männlichen Organe von Sida crystallina, Lynceus
macrurus, sphaericus und lamellaius beschrieben und abge-
bildet (Physiologische Bemerkungen über die Daphnoiden. J.
Müllers Archiv für Anatomie und Physiologie 1851. p. 112.
Taf. III.).
LerebouUet (Memoires de la Societe du Museum
d'hist. nat. de Strassburg. IV. 1.1850. p. 908 sqq.) beschrieb
das Herz und die Circulation von Limnadia Hermanni und
der Daphniae , machte auf eine rhylmischc Zusammenzie-
hung des Afters (respiration anale) bei diesen Thieren
der Cruslacecn während der Jahre 1849—1851. 429
aufmerksam , und gab eine Notiz über das Ovariuni von
Cypris.
Brandt berichtete über eine Fortsetzung von hischers „Ue-
bersicht der Crustaceen in der Umgebung von St. Petersburg« in dem
Bulletin de l'Acad. de St. Fetersb. 1850. VIII. p. 269., woraus wir fol-
gendes hervorheben, üie von Fischer für Sitlaea crystallina gehaltene
Art ist neu und bildet sogar eine neue Galtung Diaph anosoma ,
von Sidaea dadurch ausgezeichnet, dass das erste Glied des unteren
Astes der Ruderfüsse oft nur als schwacher Eindruck angedeutet ist,
dass der obere Ast dieser Füsse nur aus zwei Gliedern besteht und
die beiden Schalenthcile sich in der Mitte kreuzweis über einander
schlagen. 1) D. Leuchtenbergianum n. sp. , 2) D. Brandlianum n. sp.
Als neu werden aufgeführt in Gay's Historia fisica y polilica de
Chile, Zoologia 1849. Vol. lll.: Daphnia spinifera, D. granaria, Lyn-
ceus nasulus, L> albicans, L. armalus.
Daphnia acuminirostris Luc. n. sp. (Exploration de l'Algerie.
Zoologie. I. 1849.)
Dr. S. Fischer theilte Bemerkungen mit über einige weniger
gekannte Daphnienarten : Daphnia magna, D. pulex und D. recliroslris
(Bulletin de la societe imperiale de ftloscou. 1851. XXiV. II. p. 96.)
Daphnia aurita n. sp. und D. laticornis Jur. wurden von dem-
selben beschrieben und abgebildet (1. c. 1849. XXII. II. p. 39. Taf.
III. IV.).
;, Monographie der Familie Liranadiadae," von W. Baird (Proc.
of the zool. soc. May. 22. 1849., Annais and Mag. of nat. bist. 1850.
VI. p. 51 sqq.) mit Beschreibung von 6 neuen Arten: Estheria Meli'
tensis aus Malta, E. polila aus Indien, E. Boysii aus Indien, E. simt-
lis aus Indien und E. tetracera aus Russland.
Lucas zeigte in der Societe entomo!. de France zwei Exem-
plare von Apus aus Algerien vor , welche er zu A. cancriformis ge-
hörig betrachtet (Bullet, de la soc. cntomol. de France, 1849, Vol. VII.
p. IX.).
Entomostraca.
W. Zenker machte die sehr wichtige Entdeckung,
dass die Cypriden getrennten Geschlechts seien , und be-
stätigte dieselbe durch sehr genaue Beschreibungen der Ge-
schlechtsapparate von Cypris Candida (De natura sexualis ge-
neris Cypridis. Diss. inaug. Berol. 1850. c. tah; J. Müllers
Archiv 1850. p. 193. Taf. V.).
Kröyer (Forlsetzung carcinologischer Beiträge; Na-
turhistorisk Tidsskrift 2te Reihe, Bd. 11. Heft 7. 1849. p.561.
430 Peters: Bericht über die Leistungen in der Naturgeschichte
Taf. VI.) lieferte vortreffliche Beschreibungen von neuen oder
weniger bekannten Arten und Gattungen:
Pontia (Anomalocera) Pattersonii Templeton , aus dem Kattegat
und von der Küste Portugals; P. Edwardsii Kr, n. sp. aus dem Atlan-
tischen Meere in 21*' Södl. Br.; P. Nerii Kr. vom Cap Finisterre ; P.
brachyura Kr. n. sp. Indien, Fulo Pinang.
I fionyx Kr. Caput thoracis ferme aequans longitudinem, *A
ferme tolius longiludinis, unico constans annulo, minutissimo praeditum,
cornu frontali haud fisso, inter antennas anteriores sito, nullis vero ar-
matum aculeis postico-lateralibus. Oculi distincti non apparent. Re-
mus antennarum posteriorum posterior anteriorem longitudine
ferme aequat, multo vero est gracilior. Älandibula apice profunde
bifurcato , nullis vero armata dentibus; remus palpi interior lateralis.
Fedes maxillares anteriores maximi (capitis longitudinem ferme
aequantes), validissimi, aculeis armati incurvis portentosae magnitudi-
nis. Pedes maxillares posteriores fere subrudimentarii, nullis
instructi aculeis. Thorax quinque compositus annulis distinctis, quo-
rum ultimus postice ad latera aculeatus. Fedes thoracici remo
exteriori exlus serrato; tertius huius remi articulus permagnus , elon-
gato-ovatus, corneus , nigrobrunneus , structura nervös folii imitans;
remus interior minutus, biarticulatus. Fes quintus minutus ; unico
instructus remo uniarticulato saltatorio(?). Abdomen feminae qua-
tuor constans annulis appendicibusque caudalibus; annulus primus pe^-
dibus instructus saltatoriis. 1) If. typicus Kr. aus dem atlantischen
Ocean in 4o Nördl. ßr. ; 2) If. orientalis Kr. n sp. bei Pulo -Pinang
in Ostindien gefangen.
CentropageSf Kr. Caput thoracis ferme aequans longitudi-
nem, tertiamque longitudinis animalis partem , duobus constans annulis
distinctis, unico inier basin antennarum praeditum oculo, cornuque
frontali armalum bifido, nullis vero aculeis lateralibus. Remus an-
tennarum p osteriorum posterior longitudine etcrassitu-
dine anteriorem aequans. Antennae anteriores instrumentaque ci-
baria ferme ut Ponliarum. Annuli thoracici quinque distincti;
quintus angulis postico-lateralibus in aculeos productis magnos, margi-
neque postica bisinuosa. Pedum paria quatuor anteriora thoracicorum
stylo remi exterioris terminali longissimo ensiformi , extus
serrato conspicua; caeterum ferme ut Fontiarum. Fedes quinti
paris in utroque sexu biremes ; feminae antecedentibus ferme con-
formes nisi quod remus exterior stylo articuli secundi armatus sit in-
trorsum maximo validissimoque. Maris dexter pes reliquis maior,
manu remi exterioris subcheliformi, digito mobili biarticulato, elongato
gracili, incurvo ; pes si nister brevis, natatorius, stylis carens. Ab-
domen feminae asymmetricum, tribus compositum annulis appendici-
busque caudalibus ; maris symmelricum, quatuor annulis distinctis prae-
der Crustaceen während der Jahre 1849 — 1851. 431
ter appendices caudales; primus feminae annulus poslice aculeis ar-
matus dorsalibus veutralibusque ; primus maris annulus inermis. 1)
Centr. typicus Kr. aus dem atlantischen Ocean bei Cap Finisterre; 2)
Centr. chilensisMr. n. sp. aus dem stillen Ocean an der Küste von
Chili.
Ag e tu s Kr. Caput thorace multo longius, unico constans an-
nulo, dimidiam forme aequans longitudinis animalis parteni, duobus in-
structum oculis distinctis maximis, duobusque antennarum paribus,
quorum anterius breve , filiforme, posterius magnum , subcheliforme ;
cornu vero fronlali deslitulura. Pedes maxillares subchelifor-
mes. Thorax perbrevis, quinque compositus annulis parum distinctis,
postice in aculeos productos duos laterales, quinque instructus pedum
natatoriorum paribus. Abdomen tribus constans annulis (quorum
primus dilatatus, elylraeformis, secundum omnino fere occultans), ap-
pendicibusque duabus caudalibus elongatis , slyliformibus : Agelus
typicus Kr. aus dem atlantischen Ocean, 43° Nördl. Br.
Thaumaleus Kr. Caput unico constans annulo, magnum,
dimidiam fere aequans animalis longitudinem , dorso postice profunde
incisum, unico modo instructum antennarum pare perrobusto, co r nu
frontali destitutum. Oculi instrumentaque cibaria prorsus deesse vi-
dentur. Thorax magnus, quinque compositus annulis distinctis, nul-
lis armatus aculeis, quinque vero instructus pedum natatoriorum pe-
dibus, quorum ultimum unireme, simplex, hamatum (in femina). Ab-
domen perminutum, duobus constans annulis, appendicibusque duabus
caudalibus sublinearibus. Th. typicus Kr. aus dem Drontheimer Meer-
busen.
Auf Taf. VI. sind abgebildet Pontia Patlersonii, F. Edwardsii, F.
Nerii, Jßonyx typicus, Centropages typicus, Ageles typicus und Thauma~
leus typicus.
Gay, Historia fisica y politica de Chile, Zoologia, 1849. vol. III. :
Cypris violacea n. sp., C. himaculata n. sp., C. ochracea n. sp. , Cy-
there oslrarum n. sp. , Cyclops longicornis n. sp. , C. miles n. sp., C.
denticulatus n. sp., C. brevicornis n. sp.
Cypris bispinosa Luc. n. sp. , C. phaseolus Luc. n. sp. (Explora-
tion de l'Algerie. Zoologie. I. 1849.)
Cypridina zealandica n. sp. Baird, aus Neuseeland (Froc. of the
zool. soc. May. 1850.: Ann. and Mag. of ISal. bist. 1851. VII. p. 431.)
Parasita.
Van ßeneden ist zu dem Resultate gelangt, dass die
Gattung Linguatula Fröhlich (Pentastoma Rud.) nicht bei den
Eingeweidewürmern zu belassen, sondern den Lernaeen, und
432 Peters: Bericht über die Leislungen in der Naturgeschichte
zwar zunächst den Anchorcllen anziireihen sei. (Annales des
Sciences naturelles. 3. Serie. 1849. XI. p.313fgg. u. Taf. 10.)
Seine Untersuchungen über den Bau und die Entwickelung
dieser Thiere stellte er an bei Linguatula prohoscidea (Penta-
stoma proboscideum Rud., Porocephalus Croiali v. Humb.) aus
einer Boa, und bei einer neuen Art Linguatula Diesingii aus
einem Cynocephalus maimon.
Die Haut lässt sich in eine Epidermis und Cutis trennen und
zeigt keine Spur von Pigment. Unter der Haut findet sich eine M u s-
k eis chi eilt, welche aussen aus Längsfasern, inwendig aus Ringfa-
sern gebildet wird. Bei L. Diesingii vereinigen sich die Querfasern
zu Bündeln, welche vorspringende Ringe bilden, so dass der ganze
Körper geringelt erscheint. Um den Mund herum befindet sich ein ei-
gener Muskelapparat für die Haken, und ebenso ist die Scheide des
Penis mit einem eignen Muskelapparat versehen. Die rrimitivfasern
dieser Muskeln erscheinen quergestreift. L. Diesingii besitzt vier Ner-
vengan gli e n uuter dtm Oesophagus und Magen, während nachBlan-
chard L. proboscidea hier nur ein einziges hatj von Beneden er-
klärt sich gegen die Ansicht von ßlanchard , welcher diesen Theil
des Nervensystems Gehirn nennt, und hält ihn vielmehr für den N. sym-
pathicus. — Die vier Haken der Linguatula sind ganz ähnlich gebaut
wie bei verschiedenen Lernaeen. Das Maul ist von einem Hornringe
umgeben ; der Oesophagus ist eng und kurz und erweitert sich hinter
dem Nervenringe ; der Darmcanal behält nachher dieselbe Weite und
verengert sich ein wenig gegen sein Ende. Der Anus liegt am entge-
gengesetzten Körperende in der Mittellinie. Der Darmcanal ist von der
Länge des Körpers und seiner ganzen Länge nach durch ein Mesenterium
befestigt. Zur Rechten und Linken des Darms befindet sich eine Drüse,
welche sich nach vorn zu öffnet (Leber- oder Speicheldrüse ?). — Die
Liuguatula, wenigstens L. proboscidea, sind getrennten Geschlechts, die
Weibchen grösser als die Männchen. Der Hode liegt hinter und un-
ter dem Yerdauungsschlauch ; er nimmt y^ der Körperlänge ein und
besteht aus einem grossen häutigen feinwandigen Sacke , der hinten
blind endigt. Aus demselben gehl vorn ein Faden hervor, der sich in
zwei Vasa deferentia Iheilt, die bis zum Oesophagus hinaufsteigen. Am,
Ende jedes Samenganges befindet sich ein langer blindendigender An-
hang, analog dem Fouet von Limax oder der Prostata , welcher sich
vorn mit einem doppelten complicirtea Reizapparat endigt. In einer
eigenen Tasche nahe dem Ende dieses Apparats liegt ein Penis auf-
gerollt, der mehrmals länger ist als der Körper. Da sich an jeder
Seite eine solche Tasche findet, so ist der Penis nicht, wie Dujardin
meint, einfach , sondern doppelt. Bei mikroskopischer Untersuchung
findet man im Hoden Spermatozoon in allen Entwickelungsstufen , in
der Crustaceen währfind der Jahre 1849— 1851. 433
den Vasa deferentia Haufen vollständiger enlvvickflter. Was die weib-
lichen Organe anbelangt, so liegt das Ovarium nicht, wie der Hoden,
unter dem Verdauungskanal, sondern über demselben, so lang wie dieser.
Bei Lingualtila proboscidea ist das Ovarium einfach, vorn gabelig und
gibt zwei Oviducte ab. Diese münden in ein quer hinter dem grossen
Ganglion oesophageum inlerius liegendes Organ, das jederseils in einen
Blindsack sich erweitert, und welches V. B. für die Vcsicula copula-
tiva hält. Von dieser geht ein feiner Ausführungsgang, zweiter Eilei-
ter, aus, welcher bei Lingualula Diesingii ohne Windungen längs des
Darms verläuft, um seillich vor dem After auszumünden, bei L. pro-
boscidea und L. taenoides dagegen den üarm mit vielen Windungen
einhüllt. Das Männchen hat die Geschlechtsöffnung vorn und unten,
das Weibchen dagegen am hintern Körperende, Sowohl durch den
Bau des Nervensystems als der Kespirationsorgane weichen daher die
Linguatula ganz von den Helminthen ab. — Die Eier im Ovarium
hingen der Innern Wand dieses Organs an und sind äusserst klein ;
Van Oeneden konnte die Angabe Valentins, dass dieselben zwei Keim-
bläschen haben, nicht bestätigen. Im zweiten Eileiter findet man an
ihnen, statt einer, drei Häute. Die Lingualula sind eierlegend, und
machen ihre Entwickelungsstufen in denselben Organen durch. Die
auf der innern Fläche der Lungen gefundenen Eier massen im grösslen
Durchmesser 0,12 Alm. Der darin enthaltene Embryo ist vorn rund,
hinten spitz und gabelig. Vorn in der Mitte befindet sich eine solide
Scheide, eine Spitze, welche aus- und eintritt, und von zwei andern,
weniger deutlichen Stücken, umgeben ist. Nach der Mitte des Körpers
hin sieht man zwei Paar gegliederter Beine , welche aus einem Basi-
largliede und einem zweiten, an dessen Ende sich zwei Haken befin-
den, zusammengesetzt sind. Die Form der Linguatula zu dieser Zeit
hat die grösste Uebereinstimmung mit den Tardigraden.
Blanchard (Ann. d. Sc. nat. de Paris XII. 1849.
p. 43 fgg.) sucht die von ihm gegebene Deutung des Ner-
vensystems der Linguatula gegen Van Beneden zu verlheidi-
gen, und beschreibt das Nervensystem von L. proboscidea
(s, auch Cuvier Regne animal, Nouv. edition, Zoophytes, pl.
XXIX.). In Bezug auf die systematische Stellung dieser Gat-
tung, erklärt er sich mit Van Beneden einverstanden. (S. auch
Comptes rendus de l'Acad. de Paris. 1850. p. 645.).
Van Beneden hat eine vortreffliche Arbeit über die
Organisation und die Entwickelung von Nicothoa aslaci Aud.
et Milne Edw. geliefert (Memoires de TAcademie de Bruxel-
les. Annales des Sciences naturelles de Paris. XIII. 1850.
p. 354. Taf. 1.).
Archiv f. Naturgesch XVH Jahrg. 2. Bd. QQ
\
434 Peters: Bericht über die Leistungen in der Naturgeschichte
Die Charaktere derselben werden dadurch nach ihm auf (ol-
gende Art vervollständigt: Weibchen. Körper gelheilt in Kopf,
Thorax und Abdomen ; zwei Verlängerungen in der Gestalt von Flu*
geln an den Seiten; zwei Antennen, die ungebogen aus 10 Gliedern
zusammengesetzt sind; 3 Paar Kinniadenlusse ; 5 Paar Füsse, von denen
die vier ersten zweirudrig und ganz mit Borsten besetzt sind ; zwei
Augen ; zwei grosse Eiersäcke ; Körper und Eier von rosenrother
Farbe. Länge 4 Millim. Männchen: Körper in regelmässige Ringe
getheilt; zwei gebogene Antennen ; Abdomen zurückgeschlagen ; 5 Paar
borslentragende Fusse. Länge 0,5 Millim.
Das Männchen ist also viel kleiner als das Weibchen ; es hat
keinen seillichen Anhang und lebt frei. Das Weibchen hat zwei seil-
liche Anhänge, welche ihm eine besondere Physiognomie geben. Das
Maul besteht aus einem Rüssel, welcher mit einem Ringe endigt, der
links und rechts einen Stachel trägt. Es sind ein Paar Antennen und
Augen vorhanden. Hinler dem Munde befinden sich zuerst drei Paar
bewegliche Stücke in Gestalt von Zange und Haken, — Kinnladenfüsse ;
darauf 4 Paar zweirudrige, borstige und dreigliedrige Anhänge — die
Beine. Ein fünftes rudimentäres Anhängsel oder Bein sieht man an
der Seite hinler den vorhergehenden. Der Darmkanal ist vollständig;
zwei grosse Blinddärme erstrecken sich in die seitlichen Verlängerungen
hinein und zeigen peristaltische Bewegungen. Das Ovarium ist auch
in diesen Verlängerungen gelegen. Man sieht zwei Eiersäcke aussen
längs den Anhängen. Der Embryo zeigt anfangs vorn zwei Anhänge,
welche Antennen werden; nachher erscheinen zugleich die vier Höcker-
chen unter dem Bauche, von denen die Beine ausgehen. Anfangs ist
nur ein Auge in der Mitte vorhanden ; es sind zwei von einander ge-
trennte beim Erwachsenen vorhanden. Die junge Wicolhoa hat zur
Zeit ihrer Freiheit eine grosse Aehnlichkeit mit den Cyclops. Sobald
die IN'icothoa sich an die Kiemen festsetzt, erscheinen in der Höhe des
vierten Brustringes seitliche Verlängerungen; im erwachsenen Zu-
stande scheinen die Anhänge das ganze Thier zu bilden.
Ueber den Bau der Verdauungsvverkzeiige und Ge-
schlechtsorgane von Caligus , Pandartis und Nogagus vergl.
Frey und Leuckart, Beiträge zur Kenntniss wirbelloser
Thiere. Braunschweig 1847. p. 131 fgg.
Eine musterhafte Beschreibung der an der Küste von
Belgien vorkommenden Parasitenkrebse haben wir von Van
Beneden erhallen (Annales des Sc. nat. Paris 1851. XVL
p. 71 bis 128. Taf. 2—5.). Derselben gehen sehr bemer-
kenswerthe allgemeine Betrachtungen voran, die am a. 0.
selbst nachgelesen werden müssen. Wir müssen uns dies-
der Crustaceen während der Jahre 1849--*1851. 435
mal zu unserem Bedauern auf die Angabe der neuen Arten
und die kurze Charakteristik der neuen Gattungen beschränken.
Caligus gracilis V. B. Auf dem Körper und in der Kiemenhöhle
von Pleuronectes Maximus und PI. rhombus.
Caligus elegans V. B. Auf Gadu» morrhua.
Erg asilina V. B. Ist mit keiner andern Gattung zu verglei-
chen, am meisten noch mit Ergasiius verwandt. Von dieser vorzüg-
lich verschieden durch Folgendes: die Augen fehlen; die Antennen
sind kürzer und ohne Borsten ; die Brustanhänge sind ebenfalls so wie
der Bauch ohne Borsten; das dritte Paar, welches an der Basis der
langen Haken liegt, scheint den Ergasiius zu fehlen, und endlich ent-
fernt sich diese Gattung durch ihre ganze Form von den Cyclops, wo-
mit Ergasiius so grosse Aehnlichkeit hat, E. robusla, von den Kiemen
von Trygon pastinaca.
Clavella Mulli V. B.
Lernanthropus Kröyeri V. B. Auf den Kiemen von Labrax lupus.
Merkwürdig auch wegen der geographischen Verbreitung dieser Gat-
tung, indem die drei andern Arten aus den südlichen Meeren stammen,
nämlich L. pupa aus Brasilien, L. musca aus Manilla und L. {Epach-
tes) paradoxa vom Cap der guten Hoffnung.
Anchorella paradoxa V. B. An den Kiemen der Makrele.
Brachiella Pastinacae V. B. In der Nasenhöhle von Trygon Pa-
stinaca.
Lerneonema Musteli V. B. An den Kiemen von Mustelus vuU
garis. (s. auch Bull, de l'Acad. de Bruxelles. 1851. XVIII. I. p. 286).
Fr. Leydig lieferte einen sehr wichtigen Beitrag zur
Anatomie, Histologie und Entwickelungsgeschichte von Ar^
gulus foliaceus (v. Siebold und Kölliker, Zeitschrift für wis-
senschafll. Zoologie. 1850. p. 323. Taf. XIX-XX.)
Als neue Art wurde vonNicolet (Gay Historia fisica y poli-
tica de Chile. Zoologia. 1849. Vol. III.) aufgeführt : Caligus Gayi.
Von Leuckart aus Helgoland Caligus leplochilus n, sp. und
Fandarus lividus n. sp. (Frey und Leuckart , Beiträge zur Kenntniss
wirbelloser Thiere. Braunschweig 1847. p. 165. 166.)
Argulus giganteus Luc. n. sp. (Exploration de l'Algerie. Zoolo-
gie I. 1849.)
Bemerkungen über die sehr langen Kittbehälter von Lernaea ga~
dina siehe Frey und Leuckart Beiträge zur Kenntniss wirbelloser
Thiere. Braunschweig. 1847. 4. p. 134.
J. Salter (Annais and Mag. of nat. hist. VL 1850. p. 86. Taf.
VIL ß.) beschrieb eine neue Art von Lerneen , Lerneonema Bairdiif
436 Peters: Bericht über die Leistungen in der Naturgeschichte
weiche an der Cornea des Auges von Clupea harengus an der Küste
von Uevonshire gefunden wurde.
Sphaerosoma Corvinae L e y d i g. nov. gen. (in diesem Archiv I.
1851. p. 259.), in den Schleimlianälen einer Corvina gefunden.
Brandt (Bullelin de la Ciasse physico - inatheniatique de l'aca-
deniie imperiale des sciences de St. Fetersbourg. V. 1847. p. 190.) über
eine wahrscheinlich mit der Rhytina untergegangene mit Cyamus ver-
wandle Gattung von Parasitenlirebsen.
Dana, s. oben.
Pycnogonidae.
Dujardan lieferte wichtige Beiträge zur Anatomie der
Pycnogoniden (Annales d. Sc. nat. Compt. rend. 1849. Vol.
29. p. 28.).
Die Ovarien der Pycnogoniden (Ammothea , Nymphon , Palleno
Phoxichilus) liegen im vierten Gliede jedes Fusses. Die Eier bilden
sich an einer linienförmigen Placenta, welche sich der vordem Fläche
des 4ten Gliedes entlang erstreckt, und treten durch die OefFnung nahe
dem hintern Ende des 2ten Gliedes jedes Beines heraus. Bei den
Männchen ist das vierte Glied, welches die Hoden enthält, weniger
aufgetrieben und an seinem vordem Ende mit einer stumpfen Spitze
versehen, welche mit einer Oeffnung endigt. Die accessorischen Beine
sind bei beiden Geschlechtem vorhanden, bei den Männchen aber viel
kleiner. Sie fehlen dagegen den Weibchen von Pycnogonum, während
das Männchen dieselben, aber sehr klein, besitzt. Das Weibchen von
Pycnogonum , dessen hinterste Beine allein am zweiten Gliede eine
Oeffnung für den Austritt der Eier haben, hat zugleich ein grösseres
Abdomen , so dass die Eier vielleicht nicht allein in den Beinen ge-
bildet werden. Was die Schlingorgane anbelangt, so findet man im
ersten Segmente einen sehr grossen , dreieckig prismatischen Pharynx,
dessen drei Flächen in der Mitte mit kleinen Zähnen, an ihrer hintern
Hälfte mit 26—32 Borsten besetzt sind.
JVi/mp/iMw spinosum n. sp , Nymphum duhium n. sp. (Gay, histo-
ria fisica y politica de Chile. Zoologia. 1849. t. III. p.3Ü6.).
Phoxichilidium mulilatutn Leuckart o. sp. bei Helgoland (Frey
und Leuckart Beitrage zur Kenntniss wirbelloser Thiere, Braunschweig,
1847. p. 165).
Dana , s. oben.
Cirripedia.
Als ein sehr wichtiges Werk über die Cirripedien ha-
ben wir zuerst anzuführen: Charles Darwin, A Mono-
der Crustacecn während der Jahre 1849 — 1851. 437
graph on Ihe subclass Cirripedia wilh figures of all the spe-
des. The Lepadidae or Pedunculated Clrripedes. London
1851.8. mit 10 Tafeln. Da dies Werk leider nicht im Buch-
handel zu haben ist, indem es nur für die Mitglieder der Roy.
Society gedruckt ist, so geben wir eine kurzgefasste Ueber-
sicht des Inhalts.
Die Cirripedien zerfallen in drei Ordnungen, von denen die erste,
durch die Gegenwart von 6 Paar Brustcirren charakterisirt , alle ge-
wöhnlichen Cirripeden einschliesst. Diese verlheilen sich in 3 Fami-
lien : 1) Lepadidae oder gestielte Ci rri p e d en , (von welchen
der vorliegende Band allein handelt); 2) Verrucidae , bloss die Gat-
tungen Verruca und Clisia enthallend; und 3) Balanidae, aus zwei
SubCamilien : Balaninae und Chlhamalinae zusammengesetzt. Von den
beiden andern Ordnungen wird die eine die neue Gattung Alcippe
Hancocks, und eine zweite neue bohrende Gattung aus Südamerika ent-
halten. Die dritte Ordnung ist sehr eigenthümlich und unterscheidet
sich ebensosehr ivon den übrigen Cirripedien, wie die Ltrneen von
andern Cruslaceen ; sie ist mit einem Saugmunde versehen aber ohne
After, hat keine Gliedmassen, und ist einfach gegliedert, wie die Larve
einer Fliege; sie ist ganz nackt ohne Schalen, Panzer oder Capitulum
und ist an den Cirripeden, in dessen Sack sie parasitisch lebt, durch
zwei deutliche Fäden befestigt, welche in die gewöhnlichen larven-
artigen Greifantennen ausgehen. D. schlägt vor, diese Gattung Pro-
teolep as zu nennen.
Ueber die in diesem Werke angewandte Terminologie ist folgen-
des zu bemerken: Capitulum wird der vom Stiel getragene Theil,
der Stiel selbst Pedunculus genannt. Scutum heisst die wichtigste
und constantesle der Schalen, welche gewöhnlich daran erkannt wer-
den kann, dass sich an ihre hohle Seite der Musculus adductor scuto-
rum festsetzt ; so genannt wegen der Aehnlichkeit , welche die beiden
Schalen zusammen mit einem Schilde haben und wegen ihrer Function,
die Vorderseite des Thiers zu beschützen. Wegen des Schutzes, wel-
chen die beiden Terga der dorso-laleralen Fläche des Tliievs gewäh-
ren, werden diese Schalen auch so genannt. Carina bezeichnet die,
welche bereits auch schon von Andern Kielschale genannt ist. Ro-
strum wird die vor und unter dem Scutum liegende Schale genannt,
wegen ihrer relativen Lage zum Kiel. Oft kommt eine Sub carina
oder ein Subrostrum hinzu. Die übrigen etwa vorkommenden Scha-
len werden Latera genannt; eine grössere obere befindet sich dann
zwischen den untern Hälften der Scuta und Terga und heisst La-
tus super ius oder Latera super iora; die anderen Latera sind
zahlreich bei Pollicipes und erfordern keinen besondern Namen; bei
Scaifellvm ) wo unter den oberen Latera höchstens noch 3 Paar vor-
438 Peters: Bericht über die Lieistungen in der Naturgeschichte
banden sind, werden sie Carinal Latus, Inframedian Latus
und Rostral Latus genannt. Die Ränder der Schalen werden nach
den sie begrenzenden Sciialen benannt. Bei Lepas, Pollicipes n. s.w. ist
der Rand des Scutuni, welcher nach dem Tergum und Latus su-
perius gerichtet ist, nicht in zwei verschiedene Ränder getheilt,
wie es bei Scalpellum der Fall ist, und wird daher Majgo tergo-
late'ralis genannt. Bei Scalpellum dagegen zerfällt er in zwei Ränder,
welche besonders benannt werden als Margo tergalis und Margo
lateralis. Der Winkel zwischen dem basal- und lateral oder lergö-
lateral Rande wird basolateral Winkel genannt; der zwischen dem
Margo basalis und occludens heisst Angulus rostralis. Bei Pol-
licipes zerfällt der Margo carinal des Tergum in einen oberen und un-
teren. Der Rand der Scuta und Terga, welcher sich öffnet und
schliesst für den Aus- und Eintritt der Girren, heisst Margo
occludens. Valvae primordiales sind die bei der ersten Häu-
tung gebildeten kalklosen Schalen, welche bei dem erwachsenen Thier
zuweilen auf den Umbonen der Schalen noch vorhanden sind. Die
häutigen Vorsprünge oder Kämme des Chitins zwischen den Gliedern
werden nach Audouin Apodemes genannt; die darunter liegende
wahre Haut dagegen Corium. DerKörper des Thiers ist in dem Ca-
pitulum in einen Sack eingeschlossen. Der Körper besteht aus dem
Thorax, welcher die Girren trägt und aus einer besonderen Erweite-
rung oder untern Verlängerung des Thorax, welche den Magen ein-
schliesst, und die Prosoma genannt wird. Die Cirri bestehen aus
zwei Armen oder Rami, welche von einem gemeinschaftlichen Seg-
ment oder Stütze, Pedicellus, getragen werden. Die Appendi-
ces caudales sind zwei kleine ein- oder zweigliedrige Vorspi'ünge
zu jeder Seite des Anus, gerade über dem langen schnabelförmigen Pe-
nis. Am Thorax und Prosoma oder an den Pedicellen der Girren be-
finden sich bei verschiedenen Gattungen lange, dünne zapfenartige Fä-
den , welche gewöhnlich als Kiemen betrachtet werden, welche ein-
fach Filamenta oder Appendices filamentosae genannt wer-
den. Das vorragende Maul besteht aus Palpi, welche an das La-
brum angewachsen sind, Mandibeln, Maxillae und Maxillae
extern ae, welche letzlere als Unterlippe dienen — welche Organe
zuweilen allgemein trophi genannt werden. Unter den äussern Ma-
xillen befinden sich zwei einfache Oeflnungen oder röhrenförmige Vor-
sprünge, olfactory orifices. In dem Sack befinden sich oft zwei
Blätter von Eiern, welche nach Steenstrup und Andern Lamellae
ovigerae genannt werden ; die beiden mit ihnen verbundenen kleinen
Haulfalten Frenaovigera.
Fam. Lepadidae.
Cirripedia pedunculo flexili , musculis instructo : $cutis musculo
der Crustaceen während der Jahre 1849—1851. 439
adduclore solummodo instructis ; valvis celeris, siquae adsunt, in annu-
lum immobilem haud coniunctis.
Es folgt nun eine kurze Uebersicht der Metamorphose, wor-
aus wir nur einige Einzelheiten hervorheben. Bei den Larven im
letzten Stadium befinden sich an den Rändern des Panzers , an dem
vorderen Ende an der Sternalfläche zwei kleine Oeffnungen, bei Lepas
aiistralis Viooo ^' '"^ Durchmesser, die zuweilen von einem deutlichen
Rande umgeben sind; die Haut des Panzers an der innern Seile ist
nach oben und innen in zwei kurze trichterförmige Röhren verlängert,
die in geschlossenen Säcken des Coriums liegen : in diesen Säcken ist
zu jeder Seite ein zartes Säckchen aufgehängt , welches in der OefF-
nung des obigen Trichters hängt; am obern Ende sieht man deutlich
einen grossen Nerven in das Säckchen eintreten ; Verf. hält diess für
das Geruchsorgan. Bei den jungen entwickelten Thieien findet
man von diesen acustischen Säcken nichts mehr vor. — Die muschelähn-
liche Schale und die zusammengesetzten Augen werden zuerst gebil-
det, später die innere Bekleidung des Sackes nebst den Hüllen des
Thorax und der Schwimmfüsse ; daher sieht man oft Exemplare, wel-
che äusserlich ihre Verwandlung vollendet zu haben schienen, inwen-
dig aber noch alle Älerkmale der schwimmenden Larven bewahrt hat-
ten. — Hieran schliesst Verf. Betrachtungen über die homologe Deu-
tung verschiedener Theile des reifen Thiers. Bei den Crustaceen sind
21 Segmente vorhanden; alle diese, mit Ausnahme der vier End-
segmente des Hinterleibes, welche bei keiner Art zu irgend einer Zeit
vorkommen, finden sich bei den Cirripedien w^ieder. Wenn der Theil
der Larve vor dem Maule, welcher die Augen, die Greifantennen und
in einem früheren Stadium zwei Paar Antennen trägt, wie bei allen an-
dern Crustaceen, aus drei Segmenten gebildet sei, so sei auch der Stiel
der Lepadiden nach der vollkommenen Uebereinstimmung jedes Theils
und selbst jedes dunkeln Flecks ebenfalls auf diese Weise gebildet.
Dass der Stiel von verzweigten Eiröhren ausgefüllt ist, widerspricht
dieser Ansicht nicht, da dieser Fall, nach Danas Beobachtungen, auch
bei wahren Crustaceen, wie Sapphirina vorkommt. Der Verf. schliesst,
dass der Stiel nicht bloss „aus einem Paar Antennen des jungen Thiers"
(Dana), oder „aus einem Paar verschmolzener Beine" (Forbes,
Steenstrup), sondern aus dem ganzen vordem Theile der
Larve vor dem Maule, welches unmittelbar in den Stiel
verwandelt wird, hervorgehe, wie diess auch früher von Loven
ausgesprochen ist. Das Maul, aus Mandibeln, Maxillen und äussern
Maxillcn bestehend, entspricht dem vierten, fünften und sechsten Seg-
mente des Urtypus der Krebse. Hinter dem Munde trifft man, bei der
Larve, auf einen ziemlich weiten Zwischenraum ohne bemerkbare Glie-
derung oder Organe, und dann auf den Thorax, welcher aus ö Seg-
menten besieht, welche die 6 Paar Gliedmagsen tragen, von denen das
440 Peters: Bericht über die Leistungen in der Naturgeschichte
erste ein wenig von den andern verschieden ist. Dem Thorax folgen
3 kleine Segmente verschiedener Gestalt , von denen nur das letzte
Anhänge trägt; diese Segmente, sind Bauchsegmente. Die 6 hinteren
der normalen 7 Segmente würden zum Thorax gehören, und es wür-
den zwei Segmente fehlen zwischen den äussern Maxillen und dem er-
sten Brustpaare der Beine, welches hiernach von dem 9ten Segmente
entspränge. Bei Proteolepas finden sich auch diese beiden fehlenden
Segmente, indem dem Maul 8 Segmente und diesen die drei gewöhn-
lichen Bauchsegmente folgen — wobei jedes Segment so deutlich ist,
wie bei den Anneliden. Es finden sich daher bei Proteolepas 17
S^egmente, die höchste Zahl, welche bei irgend einem Cirripeden vor-
kommt, indem die vier fehlenden, nach des Verf. Ansicht, die End-
segmente sind, — So wie das erste Paar der Schwimmfüsse von dem
9ten Segmente des Körpers entspringt, so muss dies auch bei dem
ersten Cirrenpaar der Fall sein, welche daher den äussern Kinnladen-
fOssen der höheren Cruslaceen entsprechen (die beiden innern Paare
der Kinnladenfüsse sind abortirt) ; eben daher kommt ihre Verschieden-
heit von den fünf hinteren Paaren, welche den gewöhnlichen Gangbei-
nen entsprechen. Der Prosoma genannte Theil ist besonders ent-
wickelt, entweder aus dem 9len Segmente, welches das erste Cirren-
paar trägt, oder aus den Segmenten, welche den Organen des Maules
entsprechen. Die drei Bauchsegmente der Larve sind bei dem erwach-
senen Thier in der Ordnung der Lepadiden nur durch einen kleinen,
dreieckigen Keil (gusset) repräsentirt , der zwischen den Vförraigen
Rückenbogen (tergal arches) der letzten Brustringe eingeschoben ist :
in diesem Keil liegt der After , und zu jeder Seite die, oft rudimentä-
ren und zuweilen fehlenden , Caudal^anhänge. Bei einer andern Ord-
nung, wozu wahrscheinlich Älcippe Hancock gehört , sind die Girren,
von welchen nur 3 Paar vorhanden sind , abdominal. Die Antennen
der Larve sind immer in dem Centrum der Befestigungsstelle des Stiels
vom erwachsenen Thiere wieder zu erkennen , wenn man diesen Stiel
mit Vorsicht ablöst. Es werden darauf die einzelnen Organe des er-
wachsenen Thiers durchgegangen, Capilulum, Pedunculus, i*lit-
tel der Befestigung (durch eigenthümliche Cementdrüsen, die bei
Conckoderma aurita besonders deutlich sind, bewirkt), Filamente,
Maul, Cirri, Caudal-Anhänge, Darm k anal, Gefässsystem
(nichts Neues), Nervensystem und Sinnesorgane (mit schema-
tischer Darstellung des vordem Theils des Nervensystems von Lepas
fascicularis : von den beiden Ganglia supraoesophagea gehen zwei Fä-
den ab, welche weiterhin jeder ein kleines Ganglion bilden, aus denen
sie hervorgehen , um in ein verlängertes Auge einzutreten , welches
äusserlich einfach erscheint, aber zwei Linsen und zwei Pigmentkap-
seln besitzt), Geruchsorgane (zwei OefTnungen in den äussern
Maxillen , an ihrer zusammengewachsenen Basis), Gehörorgane
der Crustaceen während der Jahre 1849 — 1851. 441
(? eine Spalte, ein wenig unter dem Basalgliede des ersten Cirrus ge-
legen), Reproductionsorgane (alle Cirripedien , mir Ausnahme
gewisser Arten von Ibla und Scalpellum sind nach des Verf. Unter--
suchungen , hermaphrodilisch. Die männliche Kraft gewisser herma-
phroditischer Arten von Jbla und Scalpellum werde durch parasitische
Männchen, Co m p I em en ta I Males, verstärkt, welche sich nicht mit
Weibchen, sondern mit Hermaphroditen paaren).
Geographische Verbreitung. Von denen, welche sich
an feste Gegenstände oder Küstcnlhiere ansetzen, finden sich in Europa
3 Arten: zu Scalpellum, Pollicipes und Alepas gehörig, in Äladeira
zwei Paecilasma, 1 Diclielaspis und 1 Oxynaspis, in ISeuseeland 2 Pol-
licipes, 1 Alepas und eine vierte Form, im Philippinischen Arcliipelagus
l Paecilasma, 1 Ibla, 1 Scalpellum, 1 Pollicipes und 1 Lilholrya. Fast
die Hälfte der Cirripedien befestigen sich an schwimmende Gegenstände
oder an Thiere, welche ihren Aufenthaltsort verändern.
Geologische Geschichte. Die Lepadidae sind viel älter
als die ßalanidae. Pollicipes ist die älteste Gattung, welche in dem
untern Oolilh und vielleicht selbst im Lias gefunden worden ist.
I. Gen. Lepas L. (Anatifa Brug. , Anatifera List., Pentalasmis
Hill, Pentalepas Blainv., Dosima J. E. Gray).
Valvae 5, approximatae carina sursum inter terga extensa, deor-
sura aut furca infossa aut disco exlerno lerminata: scuta subtrian-
gula , umbonibus ad angulum rostralem positis. 1) Lepas anati-
fera L. ( Anatifa vel Anatifera vel Pentalasmis laevis pler. aut.,
Anatifa engonata Conrad , Anatifa dentata var. Brugiere , Pentalasmis
dentatus var. Brown, Anatifa — Martin St. Ange. 1835.). 2) L. Hillii
Leach, (Anatifa vel Pentalasmis laevis pler. aut., Pentalasmis cheloniae
Leach , Anatifa tricolor Quoy et Gaimard , Anatifa substriata Conrad).
3) L. anserifera L. (Anatifa striata Brug., Pentalasmis dilatata Leach,
Anatifa sessilis Quoy et Gaim. , Lepas nauta Macgillivray, Pentalasmis
anseriferus Brown). 4) L. pectinata Spengler (Lepas muricata Poli,
Lepas anserifera Poli , Lepas sulcata Montagu , Pentalasmis sulcata et
spirulae Leach, Pentalasmis radula (var.) et sulcatus Brown, Pentalas-
mis inversus Chenu, Anatifa sulcata Quoy et Gaim.). 5) Lepas auslra^
lis Darw. n. sp., valvis glabris, tenuibus, fragilibus; sculorum dentibus
umbonalibus utrinque inlernis; carinae parte superiore lata, plana, su-
pra furcam valde constricta ; furcae cruribus latis, planis , tenuibus,
acuminatis, intermcdio margine non reflexo. Südl. Ocean. 6) Lepas
fascicularis Ellis et Solander, Montagu (Lepas cygnca Spengl. , L. di-
lata Donovan, Pentalasmis fascicularis Brown, P. spirulicola et Dono-
vani Leach, Anatifa vitrea Lam., Dosima fascicularis Gray, Penlaiepas
vitrea Lesson, Anatifa oceanica Q. G.;.
II. Gen. Paecilasma Darw. nov.
Valvae 3, 5 aut 7, approximatae: carina solmn ad bagales apices
442 Peters: Bericht über die Leistungen in der Naturgeschichte
tergorura extensa, termino basal! aut Iruncata aut in discum profunde
infossum producto : scuta paene ovalia, umbonibus ad angulum roslra-
lem positis. Mandibeln mit 4 Zähnen ; Alaxillen gekerbt , der untere
Theil des Bandes vorspringend; vorderer Ramus der zweiten Cirrus
nicht dicker als der hintere Ramus ; Cauflj\lanhänge eingliedrig, stach-
lig. Gevs^öhnlich an Crustaceen angeheftet. 1) Paecilasma Kaempferi
Darw^., valvis 5, carinae basi truncata et cristala; scutorum dentibus
internis umbonalibus forlibus : tergorum acuniine basali Iruncalo, mar-
gini occludenti paene parallelo. Japan. An Inachus Kaempferi De
Haan. 2) Paec. aurantia Darw. , valvis 5; carinae basi truncata: scu-
lis ovatis, margine basali perbrevi, dentibus parvis, internis, umbonibus
instruclo; tergorum acumine basali peroblique truncalo. Madeira auf
Homola Cuvierii. 3) P. crassa D. (Anatifa crassa Gray), 4) P. fissa
Darw. ; valvis 7; scuto utroque e duobus iuxlapositis segmenlis for-
mato, segmento altero intus dentato: tergis brevibus , ter aut quater
carina latioribus: carinae termino basali in discum parvum angustum
infossum producto. Philippinen. 5) P. eburnea D. (= Trilasmis ebur-
nea Hinds, Voyage of the Sulphur, öloUusca pl.21. Fig. 5.) Weu-Guinea.
III. Gen. Dich elapsis Darw. (= Octolasmis Gray, Heptalas-
mis Agassiz).
Valvae 5, quae fere pro Septem haberi possent, scuto in seg-
menta plane duo, ad angulum aulcm rostralem coniuncta, diviso : carina
plerumquesursura inter terga extensa, deorsum aut disco infosso aut furca
aut calyce terminata. 1) D. Warwickii (= Octolasmis Warwickii Gray).
2) D. Grayii Darw.; (scutorum segmento basali angustiore quam seg-
menlum occludens ; londiludine paene dimidia: tergis bip^nniforniibus,
niargine crenato , spina postica , manubrio angustiore quam occludens
scutorum segmentum. An der Haut von Hydrus oder Pelamis bicolor.
3) D. pellucida Darw. ; valvarum singularum acuminibus superioribus
et inferioribus vix intersecanlibus : scutorum segmento basali multo
angustiore quam segmentum occludens ; longitudine fere dimidia ; ter-
gis bipenniformibus , margine integre , manubrii acumine ad carinam
flexo. Ind. ücean, an einer Seeschlarge. 4) D. Lowci Darw. ; scuto-
rum segmento basali angustiore quam occludens segmentum, longitu-
dine fere Vg : tergorum parte inferiori duplo laliore quam occludens
scutorum segmentum. Madeira. An einer Krabbe. 5) D. orthogonia
Darw. ; scutorum basali segmento angustiore quam occludens segmen-
tum ; longitudine fere dimidia; duorum segmentorum iunctione calca-
rea : tergorum prominentiis marginalibus inaequalibus quinque: carina
deorsum in parvo calyce lunato terminata,
IV. Gen. Oxynaspis Darw. nov,
Valvae 5, approximatae; scutorum umbones in medio marginis
occludentis positi: carina rcctangule flexa , sursum inter lerga extensa,
termino basali airaplicitei conc^vo, Wandibeln mit 4 Zähnen j Maxillea
der Crustaceen während der Jahre 1849—1851. 443
gekerbt, mit dem untern Ende des Randes fast gerade, vorragend;
vorderer Ramus des zweiten Cirrus dicker als der hintere Ramus ;
Schwanzanhänge eingliedrig, stachelig. An Horncorailen. 1) OxynaS"
pis celala Darw. Madeira, an AntipatheS;
V. Gen. Concho derma v. Olfers (Lepas L. , Branta üken,
Alalacotla et Senoclita Schumacher, Olion et Cineras Leach , Gymnole-
pas Blainville, Pamina Gray).
Valvae 2 ad 5, minutae, inter se remotae; scnta bi - aut triloba,
umbonibus in medio marginis occludentis positis : carina arcuata, termi-
nis utrinque paene similibus. Schwimmend. 1) C. aurüa (Lepas au-
rila L., Olion Cuvierianos, Blainvillianus, Bellianus, Dumerilianus , Ris-
soanus Leach; Otion depressa et saccutifera Coates, Olion auritus Mac-
gillivray ; Lepas leporina Foii ; Lepas cornula Montagu; Conchoderma
auritum et leporinum Olfers, Branta aurila Oken , Alallacotta bivalvis
Schumacher , Gymnolepas Cuvierii Blainv.). 2) Conchoderma virgata
(Lepas virgata Spengler; Lepas coriacea Poli ; Lepas merabranacea
Montagu; Conchoderma virgatum Olfers, Branta virgata Oken, Seno-
clita fasciala Schumacher; Cineras viltata, crauchii, chelonophilus, Ol-
fersii, megaUpis , Montagui , Rissoanus Leauii; Cineras menibranaceus
Macgillivray; Cineras bicoior Risso ; Cineras vittatus Brown; Gymno-
lepas cranchii Blainv., Famina trilineata (var. monstrosa Gray), a) var.
chelonophilus Leach. b) var. Olfersii Leach. 3) C. Hunteri (Cineras
Hunteri Owen").
VI. Gen. Alepas Sander Rang (Anatifa Quoy et Gaimard, Tri-
ton Lesson, Cineras Lesson).
Capitulum aut sine valvis, aut scutis corneis paene abditis. Fi-
lamente unter den Basalgliedern des ersten Cirrenpaars; Mandibeln mit
2 oder 3 Zähuen; Alaxillen gekerbt, am untern Theile unregelmässig,
vorspringend ; Schwanzanhänge vielgliedrig. 1) A. minuta Philippi,
Costa, Chenu, Siciiien an Cidaris. 2) A. parasila Sander Rang (A
univalvis et parasita Quoy et Gaimard, Triton (Alepas) fasciculalus Les-
son). An Medusen, Mittelmeer, Ocean. 3) A. cornuta Darw. ; aperlura
parva , leviter prominente : scutis nuilis : capitulo plerumque tribus,
parvis, compressis eminentiis secundum carinalem marginem inslructo.
Weslindien, an Anlipathes. 4) Alepas tubulosa Quoy et Gaimard. Neu-
seeland, an Palinurus.
VIL Gen. An el asm a Darw. nov. (Alepas Loven Vetensk. Akad.
Förh. L 1844. p. 192. tab. 3.)
Capitulum sine valvis : aperlura ampla : pedunculus fimbriatus,
subglobosus, infossus. Cirri ohne Dornen; äussere Maxillen und Pal-
pen rudimentär; Mandibeln klein, mit verschiedenen kleinen unregel-
mässig gestellten Zähnen ; Maxillen klein , mit sehr kleinen unregel-
mässig zerstreuten Dornen. Keine Schwanzanhänge, 1) A squalicqla
(Alepas squalicola Loven). Kordsee, im Haifisch.
444 Petei*ö: Bericht über die Leistungen in der Naturgeschichte
VIII. Gen. Ibla Leach. (Anatifa et Tetralasmis Cuvier).
(Fem. et Herrn.) valvae 4, corneae; pedunculus spinis corneifl,
persistentibus vestilur. Der Körper steckt zum Theil im Pedunkel ;
Mandibeln mit drei Zähnen; Waxillen mit zwei dunkeln Kerben; äus-
sere Maxillen zugespitzt; GeruchsöfTnungen vorspringend; Schwanzan-
hänge vielgliedrig. Männchen und complementäres Männ-
chen parasitisch im Sacke des Weibchens oder Hermaphroditen; Mund
und Thorax auf einem langen zapfenförmigen Stiel, aber nicht in einem
Capitulum eingeschlossen; Wund mit normalen Trophi, aber die Palpen
klein und fast rudimentär; Cirren rudimentär, auf 2 Paare reducirt ;
Penis auf einen Porus reducirt ; Schwanzanhänge rudimentär. Oestlirhe
Hemisphäre, an festen Körpern. 1) Ibla Cumingii Darw. ; (fem.) valvarum
marginibus laleralibus et superficie interiore, caeruleis: pedunculi spinis
plerumque annulis caeruleofuscis. Philippinen, am Stiel von PoUicipes
milella. 2) Ibla quadrivahis (Anatifa quadrivalvis et Tetralasmis hir-
sutus Cuvier; Ibla Cuvieriana Gray; Anatifa hirsuta Quoy et Gaimard).
IX. Gen. Sc alp ellum Leach (Lepas L. , PoUicipes Lamarck,
Polylepas Blainv., Smiliuni Leach; Calantica et Thaliella Gray, Anatifa
Quoy et Gaimard, Xiphidium Dixon).
(Herrn, et fem.). Valvis 12 ad 15; lateribus verticilli inferioris
quatuor vel sex, lineis incrementi plerumque convergentibus : subrostrum
rarissime adest : pedunculo squamifero , rarissime nudo. Keine Fila-
mente ; Labrum am obern Theile blasenförmig (bullate): Geruchsöff-
nungen mehr oder weniger vorragend ; Schwanzanhänge eingliedrig
und stachelig oder fehlend. Männchen, parasitisch an oder nahe
der Oeffnung des Sackes vom Weibchen oder Hermaphroditen; Thorax
in einem Capitulum, welches mit 3 oder 4 rudimentären Schalen oder
mit 6 vollkommenen Schalen versehen ist ; Stiel entweder kurz und
deutlich, oder mit dem Capitulum verschmolzen ; zuweilen fehlen Mund
und Magen und die Cirren sind nicht greifend; zuweilen Mund und
Cirren normal. Gewöhnlich an Hornkorallen, in den wärmeren Meeren.
a)Sine subcarina. 1) Scalpellum vulgare Leach (Lepas scalpel-
lum L., Poli , PoUicipes scalpellum Lam. , Polylepas vulgare Bicinv.,
Scalpellum laeve var. et Sc, Siciliae , var. Leach, Sc. vulgare Brown).
2) Scalpellum ornalum (Thaliella ornata Gray). 3) Scalpellum rutilum
üarw. ; fem. et herm. valvis 14 rubrufis; carinae tecto piano, utrinque
crista rotundala instructo ; margine basali truncato: lateribus supeiiori-
bus latitudine duplo longioribus. — b) subcarina praesente. 4)
Scalpellum roslratum Darw, ; herm. valvis 15 ; rostro permagno ; late-
rum paribus quatuor; pari superiore permagno; subcarina pracsenle.
Philippinen, Bantayan. 5) Scalpellum Peronii (Smilium Peronii Gray,
Anatifa obliqua Quoy et Gaimard, PoUicipes obliqua Lam ). Australien.
6) Scalpellum villosum (PoUicipes villosus et tomentosus Leach, Pol],
villosus Sowerby, Calantica Uomei Gray).
der Cruslaceen während der Jahre 1849 — 1851. 445
X.Gen. Poi/ jcipes Leach (Lepas L., Analifa ßrug., Milella Oken,
Ramphidioiia Schumacher, Polylepas Blainv., tapilulum (Klein) (Iray.
Valvae ab 18 usque ad 100 et amplius ; laleriltus verlicilli infe-
rioris muUis; lineis incicmenti deorsum ordinatis; subrosirum semper
adest ; pcdunculus squamiferus. Hermaphioditisch ; Filamente entweder
fehlend oder zahlreich und auf dem Frosoma und den ßaseo des ersten
Cirrenpaars ; Labrum aufgetrieben ; GeruchsöfTnungen gewöhnlich sehr
vorspringend; Schwanzanhänge eingliedrig und stachelig oder vieJolied-
rig. In gemässigter oder tropischer Zone. 1} P. cornucopia Leach
(Pollicipes Smilhii var. Leach, Lepas poUicipes Gmelin, Lepas gallo-
rum Spengler). 2) P. elegans Lesson (Foll. ruber Sowerby). 3) P,
polymerus Sowerby (Foll. Älortoni Conrad). 4) P. tnitella Sowerby,
Blainv,, Gray (Lepas mitella L.) 5) P. spinosus (Anatila spinosa Quoy
et Gaimard). 6) P. sertus Darw. ; capitulo valvarum uno aut pluri-
bus subrostro verlicillis instructo ; laterum pari superiore vix inferiori-
hus longiore; membrana valvas tegente (post desiccationem) fusco ru-
fescente obscuro ; rostro dimidiam carinae longitudinem aequanle, su-
perficiei iulernae allitudine latiludinem plus duplo snperante; pedunculi
squamis inaequalibus, non symmetricis; verticillis longiuscule dislanti-
bus. Neuseeland.
Xl. Gen. Litkothrya Sowerby (Litholepas Blainv., Absia
Leach, Brisnaeus et Conchotrya Gray, Lepas Gmelin, Analifa Quoy et
Gaimard).
Valvae 8 , si inter eas parvum (saepe rudimentale) roslrum et
duo parva lateralia numerentur ; increnienli lineis concinne crenalis ;
pedunculus squamis calcareis parvis veslilus, in verlicillis superioribus
crenalis; aut calyci basali cakareo aut discorum ordini affixus. Körper
in dem Stiel gelegen ; Mandibeln mit drei Zähnen ; deren Zwischen-
räume gekerbt sind; Maxillen verschieden; Geruchsöffnung schwach
hervorragend ; Schw anzanhänge vielgliedrig. — Sehr merkwürdig ist
die Beobachtung, dass die äussere Haut des Stiels bei jeder Periode von
Häutung und Wachslhum des Thiers mit ihren Kalkschalen abgeworfen
wird. Der ganze Stiel ist nämlich mit Wirleln von gezackten Kalk-
stücken besetzt, welche nach dem Ende desselben an Grösse abneh-
mend, am äussersten Ende ganz fehlen und hier durch kleine harte
gelbe chitinarlige Vorsprünge mit sternförmigen Köpfchen ersetzt wer-
den. Verf. vermulhel, dass diese letzteren von kleinen Röhrchen ge-
bildet werden, welche sich von dem Corium aus an die Kalkslücke
begeben ; dass daher unmittelbar unter den Kalkslücken diese stern-
förmigen Chitinfortsälze sich entwickeln. Wenn das Thier ausgewach-
sen ist, so bilden die am Ende des Stiels abgesonderten Schalen eine
becherförmige Höhle. Mit Säuren behandelt zeigt sich, dass die
einzelnen Kalkstrata dieses Bechers häutige Lamellen zur Grundlage
haben, welche stellenweise Anhäufungen von Chitin zeigen, von de*
446 PeterSi Bericht über die Leistungen in der Naturgeschichte
nen ein Röhrchen nach dem Corium hinführt. Diese Chilinniassen sind
an ihrem Gipfel oft sternförmig ganz wie die Vorsprünge an dem un-
teren Theile des Stiels. Nach Auflösung der Becherschale konnten die
beiden Ausführungsgänge der Cemenldrüsen verfolgt werden. Verf.
erklärt sich gegen Reinhardt (s. u.) über die Nalur der zum Boh-
ren dienenden Werkzeuge, und führt an, dass die von ihm bei L. dor-
salis in der Haut des Stiels gefundenen Organe, welche zum Bohren
dienen, nicht aus phosphorsaurem Kaliie, sondern entweder aus koh-
lensaurem Kalk (die Schalen), oder aus Hörn oder Chitin (die sternför-
migen Vorsprünge) beständen. Auch will er nicht wieder gefunden
haben, was Reinhardt (s. u.) von der Beugung des Stiels über die
zuletzt gebildete Schale hinaus anführte, und behauptet, dass eine Ver-
liefung unter dieser Schale nicht wirklich exislire, sondern nur schein-
bar vorhanden sei wegen des vorspringenden Randes der letzten Kalk-
scheibe. 1) LUhothrya dorsalis Sowerby (Lepas dorsalis Ellis, Lilho-
lepas de Mont Serrat Blainv.) Barbados, Venezuela, Honduras, im Kalk-
stein. 2) Lilkolrya caitla Darw. ; scutis terga ample oblegenlibus ; car
rina intus concava ; rosiro squaniarum subiacentium latiludinem vix ae-
quante; lateribus , squamas subiacentes sesquitertio superantibus:' su-
perficie interna late elliplica; pedunculi squamis superioribus verticil-
lum secundum paene quadruple superantibus. Neu-Südwales in einer
Conia. 3) Lithotrya nicobarica Keinhardt. Den Schalen nach mit L.
Rhodiopus, dem Thier nach am nächsten mit L. dorsalis verwandt.
Timor und Nicobaren. 4) Lilhothrya rhodiopus Gray. Brit. Mus. unde?
5) Lithotrya truncata Quoy et Gaimard. Freundschaftsinseln und Phi-
lippinen, in Corallenbänken. 6) Lithotrya Valentiana Gray. Rothes Meer,
in Austernschalen.
J. Reinhardt machte sehr interessante Beobach-
tungen über den Bau und die Lebensweise der Galtung Li-
thotrya , welche an einer neuen Art von den Nicobaren,
Lith. nicobarica Rhdt. angestellt wurden. Er fand eine An-
zahl dieser Thiere in einem Corallenblock der Insel Milu.
Aus der Beschaffenheit der Höhlen, in welchen diese Thiere
steckten, und welche je nach der Grösse der einzelnen Individuen ge-
nau ihnen passend gebildet waren, Hess sich schliessen, dass diese
Höhlen nicht, wie Blainville vermulhete, von Bivalven, sondern von die-
sen Cirripeden selbst gebohrt oder gegraben sind. Aus der schich-
tenförmigen Ablagerung der KalUplatte, mit welcher der Stiel an das
unterste Ende der Höhle befestigt ist, und aus der Bildung dieses Stiel-
endes geht hervor , dass diese Kalkplatte von der Lithotrya selbst ab-
gesondert wird. Man kann die älteren Lagen der Platte oder Schale
vom Grunde der Höhle aus bis zur Mündung derselben verfolgen, wor-
aus hervorgeht, dass das Thier nach und nach von aussen immer tie-
der Cruslacecn während der Jahre 1840—1851. 447
fer in die Corallenmasse eingedrungen ist. Die Verschiedenheit, dass
bei einigen Individuen , welche herausgenommen sind , die Kalkplatle
noch am Sliele hängt, bei andern dagegen nicht, rührt davon her, dass
bei den ersteren die zuletzt abgesonderten Schichten der Kalkplatte
sich nicht unmittelbar an die Wand angesetzt haben, und daher beim
Auseinanderschlagen des Corallenblocks von den altern Icstgewachse-
nen Schichten losgebrochen sind. Die Höhle wird durch den Stiel ge-
bohrt, dessen unteres Ende sich krümmend eine Verliefun<y macht
worin nun die zunächst (olgende Lage der Halkplalte abgesondert wird.
Bei genauerer Untersuchung findet man, dass diese jeder neuen Kalk-
platte vorhergehende Vertiefung sich in eine Furche des Corallenslockß
fortsetzt, welche durch die früheren Lagen der Kalkplatte verdeckt
wird. Der übrige Theil des Stiels bewirkt die für die Gestalt des
nachrückenden Thiers passende Erweiterung der Höhle. Der Stiel wird
hiezu befähigt durch mikroskopische, cylindrische etwas durchschei-
nende Stifte, deren aus der Haut hervorragendes Ende uneben ist. Die-
selben sind in Querreihen geordnet, und stehen, anfangs sehr gedrängt ;
nach dem untersten Ende hin werden sie sparsamer aber zugleich
spitzer. Sie sind sehr hart , indem sie mit Leichtigkeit isländischen
Doppelspath ritzen und bestehen, nach der Untersuchung von Forch-
hammer, aus phosphorsaurem Kalk.
Der Bau des Thiers von Lühoinja ist so wenig bekannt , dass
ich die vergleichenden Bemerkungen des Verf. über diesen Gegenstand
hier folgen lasse; Der etwas zusammengedrückte Körper ist bohnen-
förmig ; die Füsse , welche übrigens nichts Eigenthümliches darbieten,
sind verhältnissmässig kürzer als es sowohl bei Olion als bei Anatifa
der Fall ist. Die an der Wurzel der Füsse befestigten Kiemen, welche
bei Olion an allen Fusspaaren gefunden werden, aber bei Analifa schon
auf das vorderste Paar beschränkt sind, fehlen ganz bei Litholrya.
In der Zahl und Form der Alundlheile stimmt sie im Wesentlichen ganz
mit der Gattung Anatifa übercin. Der sogenannte Schwanz, worin der
Körper sich endigt und wodurch sich die Ausführungsgänge der Fort-
pflanzungsorgane öffnen, ist verhältnissmässig ziemlich kurz, kaum halb
so lang wie das hinterste Fusspaar; er ist kohlenschwarz, sehr deut-
lich geringelt und ganz ohne Haare oder Borsten, mit welchen er bei
gewissen Anatifen besetzt ist. An der Wurzel dieses Organs beOndet
sich zu jeder Seite der AfteröCfnung eine spitzzulaufende geglie-
derte Borste, va eiche ungefähr dieselbe Länge wie der Schwanz-
anhang hat, und augenscheinlich eine weitere Entwickelung der ganz
kleinen kegelförmigen Verlängerungen ist, welche sich an derselbeeo
Stelle bei der Gattung Analifa (aber weder bei Otion noch bei Cine-
ras) finden , und die bei den verschiedenen Arten dieser Gattung ein
wenig in der Grösse variiren, jedoch niemals gegliedert oder nur an-
näherungsweise so gross werden wie bei Lilhothrya. Unter dem AH-
448 Peters: Bericht über die Leistungen in der Naturgeschichte
kroskop betrachtet ergiebt es sich, dass diese borstenförmigen Anhänge
aus 18 Gliedern bestehen , von Avelchen die untersten ungefähr eben
so Lreit wie lang sind, während die übrigen schmäler und länger nach
der Spitze hin werden, jedoch ohne- dass diese Zunahme in die Länge
vollkommen regelmässig und schrittweise geschieht. An ihrem vor-
dersten Ende sind die Glieder mit einem mehr oder weniger vollstän-
digen Kranz von wechselweise verschieden langen Dornen versehen,
welche im Ganzen nach der Spitze des Anhangs hin grösser werden,
so dass das äusserste Glied mit einem Haufen Dornen endigt, von wel-
chen die längsten eben so lang sind wie das Glied selbst; ausser die-
sen Dornen findet man an den 7 bis 8 untersten Gliedern eine grosse
Menge viele Mal kleinerer, womit die ganze Oberfläche dieser Glieder
gleichsam übersät ist.
Olion coronularia n. sp. (Gay Historia fisica y politica de Chile.
Zoologia. 1849. Vol. HL p. 313.).
J. Koren und D. D an i eisen (Nyt Magazin for Na-
turvidenskaberne. Chrislianla. 1848. Bd. V. p. 2ö2.) lieferten
einen Beitrag zur Entwickelungsgeschichte einer vonLoven
in der Haut von Squalus spinax und Sq. glacialis entdeckten
(cf. Öfvers. af Kongl. Vetensk. ForhandK 1844. p. 192.) und
beschriebenen Art von Alepas. QAnelasma Darw. s. oben p.443).
Dieses Thier sitzt mit seinem abgerundeten Stiel tief in die
Muskeln eingegraben , so dass man es nicht eher sieht , als bis man
sowohl die Muskeln als die Haut des Hais durchschnitten hat. lEs
sitzen immer zwei dieser Thiere zusammen. Im Januarmonat beobach-
teten sie die Eier dieser Cirripedie , welche kleine Thierchen enthiel-
ten, zugleich beobachteten sie aber auch mehrere Larven, welche die
EihüUen verliessen. Der Körper dieser Larven ist mit einem ovalen
durchsichtigen, membranösen Schilde bedeckt , und endigt nach hinten
in einen grossen starken sägeförmig gezackten Stachel, der aus 5 Glie-
dern besteht. Von der Basis dieses Stachels gehen zwei etwas schwä-
chere ebenfalls sägeförmig gezähnte Stacheln aus, deren Spitzen di-
vergiren und etwa bis zur Mitte des Endstachels reichen. Die Larve
hat 6 Paar Füsse. Das erste Paar ist ziemlich kurz und etwas plump,
mit einem etwas dickeren Grundgliede versehen , und endet mit zwei
steifen Borsten. Das zweite Paar ist bedeutend länger als das erste,
an der Wurzel ziemlich dick, nach dem Ende hin zugespitzt und in 5
Borsten ausgehend, von welchen die mittelste die längste ist, und an
deren Basis zwei kleine Glieder gefunden werden. Das dritte Paar
hat dieselbe Länge, Form und Slructur wie das zweite. Die übrigen
drei Paare nehmen nach und nach an Grösse ab; übrigens ist die Form
und die Zahl der Borsten wie bei dem zweiten und dritten Paar. Auge
oder andere Organe wurden nicht beobachtet. Die Larven starben be-
der Crustaceen während drr Jahre 1849—1851. 449
reits nach 3 Tagen , so dass die Beobachtungen nicht vervollständigt
werden konnten.
Thaliella Gray (Annais and Mag. of nat. Iiist. III. 1849. p.
236. s. vor. Jahresbericht.)
Hancock gab Nachricht von einem Cirripeden , der sich in
Schalen von Mollusken eingräbt ; es ist dieses Thier ganz nackt, liegt
aber ganz in der von ihm gegrabenen Stelle verborgen , indem nur
eine kleine Oeffnung für die Lippen frei bleibt. (Annais and Mag. nal.
bist. IV. 1849. p. 158.). Er bildet hieraus eine neue Gattung Äl~
cippe (I.e. p. 313. Taf. VIII. und. IX.); Thier platt und hinten breit;
vorderer Theil zusammengedrückt, der Mantel an der oberen Fläche
der Länge nach gespalten : die vier Arme oder Füsse zunächst dem
Munde mit einem Greifpolster versehen : Palpen mit Zangen ; die Ober-
lippe schnabelförmig. A. lampas n. sp. y,^ Zoll lang, y.iZ. breit, in
den Schalen von Fusus antiquus und Buccinum undatum. Hancock
macht eine eigne Ordnung der Cirripeden Cryptosomata für diese
neue Gattung.
Chlhamalus germanus n. sp. und Chthamalus Philippii n. sp. \on
Helgoland (Leuckart in Frey und Leuckart Beiträge zur Kennlniss
wirbelloser Thiere. Braunschweig. 1847. p. lC7.).
Sp. Bäte verfolgte die Entwickelungsgeschichte von
Baianus balanoides L., B. porcatus D. Costa, B. perforatus
Brug., Chthamalus depressus Poli, Clitia Strömia Müll., ohne
zuvor die Entdeckungen von Burmeister und Goodsir
zu kennen. (Annais and Mag. of nat. hist.VIII. 1851. p. 324.
Taf. VI— VIII.).
Crustacea fossilia,
Robineau -Desvoidy Memoire sur les Crustaces
du terrain neocomien de Saint-Sauveur-en-Puisaye (Vonne)
(Annales de la soc. entom. de France. 1849. VII. p. 95.).
Brachyura.
M'Coy (Annais and Mag. of natural hislory IV, 1849. p. 162.)
stellte zwei neue Galtungen fossiler Arten von D«capo(Ien auf.
Z anthopsis M'Coy, zwischen Zantho und Pihimmis stehend,
durch die Gestalt mehr mit Zantho, durch den 7-gliedrigen llinlerleib
bei beiden Geschlechtern mehr mit Pilumnus verwandt. Diese Gattung
findet sich nur im Londoner Thon. Er zieht hierhin Cancer Leachii
Desmarest, und drei andere Arten Z. nodosa, bispinosa und vnispinosa.
Auch gehört der von Schlotlheim (Nachtr. zur Pelrefactenkunde
Taf. I. Fig. 3.) abgebildete Brachyuriles hispidiformis hieher.
Archiv, f. Naturfesch. XVII. Jahrg. 2. Bd. DD
450 Pelers: Bericht ober die Leistungen in der Naturgeschichte
Po dopilumnus M'Coy ; von Pilumnus durch die grössere
Länge der Beine auffallend verschieden. Hieher gehört eine Art P.
Fittoni JVrCoy aus dem Grünsand von Lyme-Regiü, und der von D'Or-
bigny abgebildete Porlutius Peruvianus aus den Cordilleren.
Carabus Ag assizii ^ Barthelemy n. sp. , im Gips von Aix
(Guerin-Meneville, Revue et Magasin d. Zool. 1851. p. 203.
A n 0 m u r a.
M'Coy zieht den Inachus Lamarckii Desm. aus dem Londoner
Thon zu den Anomuren, und bildet daraus eine neue Gattung Bast-
notypus (Annais and Mag. of nat. bist. IV. 1849. p. 167.). Eine an-
dere Galtung nennt er NotopocorysteSf und gründet sie auf eine
von Man teil zu Corysles gezogene Art im Grünsand von Lyme-Be-
gis, die er Mantellii nennt. Pagurus ? platycheles M'Coy aus dem Op*.
lite von Minchinhampton.
Macroura.
Eryon Barrovensis M'Coy (Annais and Magazine of nat. bist.
1849. IV. p. 172.) im Lias von ßarrow^-on-Soar. ^j
Archaeocarabus M'Coy (1. c. p. 173.), eine Gattung, wel-
che M'Coy als den Astacus am nächsten stehend aufgestellt hat, ob-
gleich sie in der eigenthümlichen Bildung der Scheeren des vordem
Fusspaars offenbar am meisten mit Crangon vervi^andt ist. A. Bower-
banki M'Ccy, aus dem Londoner Thon von Sheppey.
H oploparia M'Coy (I. c, p. 175) , wird eine andere Gattung
genannt, die den Astacus longimanus Sowerby aus dem Grünsand von
Lyme Regis, H. prismalica aus dem Speeton'schen Thon von Speelon,
H. gammaroides und H. Belli aus dem Londoner Thon von Sheppey
enthält.
Enoploclylia M'Coy (1. c. p. 330.) n. gen.; hieher Astacus
Leachii Mantell und JE. brevimana n. sp. aus der untern Kreide von
Cherry Hinton.
Meyeria M'Coy (1. c. p.333.) n. gen., dessen typische Form
der Astacus ornalus Phil, ist; hiezu M. magna n. sp. häufig im Grün-
sand der Insel Wight und auch im Speeton'schen Thon von Speeton.
Is 0 poda.
M*Cöy giebt eine genauere Beschreibung \ou Archaeoniscus Bro.
diei M. Edw. Annais and Mag. of nat. bist. p. 392.).
Entomostraca.
M'Coy (in seiner Revision fossiler Cruslaceen Eng-
lands. Annais and Mag. of nat. bist. IV. 1849. p. 395.) theilt
die Phyllopoda (== Branchiopoda M. Edw.) in fünf Familien:
der Crustaceen während der Jahre 1849 — 1851. 451
1. Daphniadae (= Cladocera), Panzer oval, zusammengedrückt,
der hintere Theil zweiklappig, den Körper einschliessend, das vordere
Ende eine besondere schnabelförmige Hülle für den Kopf bildend. Auge
einfach, halbzusammengesetzt (semicompound, wo eine Menge kleiner
Augen von einer einfachen Cornea bedeckt wird). ]\ur vier Paar
blattförmige Füsse. Das erste Paar der Antennen klein, das zweite
Paar sehr gross, verzweigt und borstig zum Schwimmen geeignet. (Ty-
pus Daphnia etc.) Daphnia'i primaeva M'Coy ist die einzige hieher
gehörige fossile Art.
2. Branchipodidae. Kein Panzer, alle Körperringe getrennt
und nackt. (Typus Branchipus).
3. Trilobitadae (= Palaeadae). Kopf und Bauch von ge-
trennten Rückenschildern bedeckt, Bruslsegmente nackt, für sich be-
weglich , gewöhnlich durch zwei längliche Eindrücke dreigelappt.
Zwei grosse halbzusammengesetzte Augen, oder ohne Augen.
Nur fossil.
4. Apodiadae. Panzer ein halbovales, horizontales Schild,
die ßauchsegmente, welche getrennt sind, nicht bedeckend. Augen:
ein einfaches und zwei grosse halbzusammengesetzte. Etwa 60 Paar
Füsse (Typus Apus). Hiezu gehört wahrscheinlich die Gattung Dilhij-
rocaris, obgleich M'Coy noch keine Augen daran entdeckt bat.
5. Limnadiadae. Panzer eine verticale zweiklappige, oblonge
Schale, welche den ganzen Körper einschliessl. Zwei halbzusammen-
gesetzte Augen, entweder getrennt stehend oder in der Mitte verschmol-
zen. 20 bis 30 Paar Füsse (Typus Limnadia etc.).
Von den Trilobiten Englands giebt er eine Uebersicht
und neue Classification in fünf Uhterfamilien : Asaphinae,
Parodoxinae , Ogyginae, Harpedinae, Agnostinae. Er glaubt
einen besondern Charakter für die Classification derselben
in der abgestuften oder nicht abgestuften Form der Brust-
segmente gefunden zu haben, und erklärt sich gegen Bur-
meisters Eintheilung, während ja gerade die beiden Ab-
theilungen B.'s , in solche die sich aufrollen und nicht auf-
rollen können, auf diesen Unterschied im Bau der Brust-
segmente beruht.
Dieselbe Abhandlung über die Trilobiten ist auch in
dem ersten Fascikel eines Werkes in 4. erschienen: A Syno-
psis of the Classification of the british palaeözoic rocks by
the Rev. Ad. Sedgwick , with a detailed systematic descri-
ption of the british palaeözoic fossils in the geological mu-
seum of the university of Cambridge. London 1851. Part, IL
452 Peters: Bericht über die Leistungen in der Naturgeschichte
Palaeontology p. 127 sqq. Wir beschränken uns hier darauf,
die von dem Verf. neu aufgestellten Gattungen und Arten
anzuführen.
Chasmops M'Coy. Typische Art Calymene Odini Eichw. —
T rimero cephalus M'Coy. Typus Trinucleus laevis Münst. — lUaC'
nus latus M'Coy. — Isolelus affinis M'Coy. — Griffithides mesolubercU'
latus M'Coy. — Cryphaeus Sedgwickii M'Coy. — Ceraurus octolobaliis
M'Coy. — Ogygia radians M'Coy. — Barrandia M'Coy. Subgen.
von ügygia , durch die geringere Zahl der Brustsegmente und durch
die wenigen und einfachen Rippen am Schwänze verschieden. Bar-
randia Cordai M'Coy. — Ampyx latus M'Coy. — T etrasp is M'Coy.
Typische Form Trinucleus seticornis. — Trinucleus gibbifrons M'Coy,
früher abgebildet ohne Namen von Portlock (Geol. rep. pl. I. B. f. 13.
und 14.). — Harp idella M'Coy. Typische Form: Harpes megalops
M'Coy. — Ceratio caris M'Coy. Mit Limnadia verwandt; C. sole-
noides und Ceratiocaris ellipticus M'Coy. — Cytheropsis M'Coy =:
Cylherina Burmeistrr.
Beschreibung neuer fossiler Enlomostraca aus den Plei-
stocenen Schichten von Newbury, Copford, Clacton und Grays
von T. Rupert Jones (Annais and Mag. of nat. bist. 1850.
VI. p. 25. mit Abbild.)
Cypris seligera n. sp. , C. Brotoniana n. sp. , C. tumida n. sp.,
Candona torosa n. sp. , 1 Cylhere trigonalis n. sp.
Dr. August E. Reuss: Die Foraminiferen und Ento-
moslraceen des Kreidemergels von Lemberg, mit 5 Tafeln.
(W. Haidinger, naturw. Abbandl. IV. I. p. 17.) : lieber die fos-
silen Entomostraceen des österreichischen Tertiärbeckens mit
4 Tafeln (ibid. 111. I. p.41.)
M'Coy (Annais and Mag. of natural bist. IV. 1849. p.393.) ent-
fernt die fossile Gattung Eurypterus wegen ihrer Schale und zweifin-
grigen Füsse von den Palaeadae Dal., und stellt sie in die Nähe von
Limulus. Die Galtung Plerygotus , von welcher er eine neue Art Pt.
leplodaclylus aus Leintwardine beschreibt, ist dieselbe, welche von Dr.
Scouler Lepidocaris genannt wurde. Er theilt die Poecilopoda in
zwei Abiheilungen: 1) Limulidae, welche ausser dem Kopfe ein
durch die Verschmelzung aller Bauchsegmente gebildetes zweites
Schild haben (LimulusJ ; und 2) Eurypteridae, deren Bauchsegmenle
alle deutlich getrennt sind (Eurypterus, PterygoluSf Bellinurus).
Cirripedia.
Charles Darwin. On the fossil Lepadidae or pe-
dunculated Cirripedes of Great Brilain. London^ 1851. 4.
Printed for the palaeontographical society.
der Arachniden während der Jahre 1849— 1851. 453
i%raehiioidea.
„Uebersicht des Arachnidensysteins von C. L. K o c h."
Das vierte Heft, welches 1847 erschienen ist, enthielt die
Uebersicht der Zecken und 30 Tafeln Abbildungen der in
diesem Archiv (1844.1.) definirten Arten. — Das fünfte Heft,
1850 erschienen, ist gemeinschaftlich mit D, A. Haupt her-
ausgegeben , und giebt eine vollständige Uebersicht, worin
auch die mit der Zeit nolhwendig gewordenen Abänderungen
der früheren Hefte angeführt werden.
„Die Arachniden, getreu nach der Natur abgebildet und
beschrieben, von C. L. Koch". Dieses Werli ist nun mit
dem 15ten und löten Bande, dem die Taf. DV—DLXIH bei-
gefügt sind, geschlossen. Dem letzten Bande ist ein für die
Benutzung des Werkes sehr nothwendiger Generalindex von
Dr. He rrich-S chäff er beigegeben.
Histoire naturelle des Crustaces, des Arachnides et des
Myriapodes par Lucas. Precede de l'histoire naturelle des
Annelides par Castelneau 1 et 2 partie. 8° Paris 1850
ist dem Ref. nicht zugekommen-
Die Arachniden Algiers sind von Lucas bearbeitet
worden, und belaufen sich hiernach auf 301 Arten. (Explo-
ration scientifique de TAlgerie, pendant les annecs 1840^
42 , publice par ordre du Gouvernement et avec le concours
d'une commission academique. Sciences physiques. Zoolo-
gie I.Paris 1849. p. 89— 321. Mit 22 Tafeln colorirter Abbil-
dungen.)
„Verzeichniss der bis jetzt in Preussen gefundenen Spin-
nen und Afterspinnen« (Sechster Bericht des Vereins für die
Fauna der Provinz Preussen im Mai 1851 in Neue Prcuss.
Provinzial-Blätter 1851. XII. p.50.); hiernach sind dort be-
obachtet von ächten Spinnen 58 Gattungen mit 185 Arten,
Afterspinnen 7 Gattungen mit 16 Arten; im Ganzen 65 Gat-
tungen mit 201 Arten, wozu noch etwa 60 unbeschriebene
Arten kommen.
A. Menge zählte in der Umgegend von Danzig 159
Arten von Spinnen auf (Neueste Denkschriften d, Naturf. Ge-
sellsch. zu Danzig 1850. V. 3. p. 59.).
454 Peters: Bericht über die Leistungen in der Naturgeschichte
A. Menge lieferte eine Uebersicht der in der Umge-
gend von Danzig lebenden Afterspinnen, Phalangidae, und
theilte Beobachtungen über ihre Lebensweise mit (Neueste
Schriften der Naturforsch. Gesellsch. zu Danzig 1850. Bd. IV.
Heft 3. S. 45.}.
Die von ihm bei Danzig gefundenen Arten sind: 1) Plalybunus
denticornis Koch ; 2) Acantholophus hispidus K. ; 3) Ac. horridus K. ;
4) Ac. spinulosus K. ; 5) Ac. ephippiatus K. ; 6) Ac. terricola K. ; 7)
Phalangium cornulum L. ; 8) Opilio parielinus K. ; 9) Opilio lucorum
K. ; 10) Opilio saxatilis K. ; 11) Opilio grossipes K. ; 12) Leiobunum
hemisphaericum K.; 13) Nemastotna bimaculalum K. ; 14) Nemastoma hu~
merale K. ; 15) Trogulus squalidus K. ; 16) Tr. niger K.
J. B 1 a c k w a 11 zählte in seinem „Catalog Britischer Spin-
nen mit Bemerkungen über ihre Structur, Functionen , ihren
Haushalt und ihre systematische Eintheilung" bis jetzt 106 Ar-
ten auf (Jardine and Selby , Annais and Magazine of nat.
bist. 1851. Vn. p. 256., 396., 446., VIII. p. 37., 95., 332.,
442.).
In Gay's Historia fisica y politica de Chile, Zoologie
1849. Bd. III. u. IV. mit 8 Tafeln in Fol. werden 45 Gattun-
gen von Arachniden mit zahlreichen neuen Arten aufgeführt,
die von Gervais bearbeitet wurden.
In den Annais andMag. of Nat. bist. 1851., VII. p.427.
findet sich eine Notiz von einem Hrn. S her will, wonach
es in der Nähe von Monghyr am Ganges in den Kerrakpur-
bergen eine grosse schwarz und roth gefärbte Spinne gebe,
welche ungeheure Gewebe mache , in denen er einen Vogel
(Nectarinia?) fand, von dessen Körper sich die jungen ganz
rothen Spinnen nährten. Leider fehlte es an Branntwein, den
Mörder und das Corpus delicti mitzubringen!
Dr. von Wittich lieferte eine Abhandlung über die
Entstehung des Arachnideneis im Eierstocke; die ersten Vor-
gänge in demselben nach seinem Verlassen des Mutterkörpers.
(J. Müllers Archiv für Anatomie und Physiologie 1849. p. 113.
m. Abbild.). Die sehr sorgfältigen Untersuchungen sind bei
Lycosa saccata, Tegenaria, Theridium und Epeira angestellt.
Derselbe Gegenstand wurde von Victor Carus, welch.er
das Ei bis zur Befruchtung untersuchte, vorfolgt (v. Siebold
der Aracbniden während der Jahre 1849—1851. 455
und Kölliker Zeitschr. für wissensch. Zoologie. 1850. p. 97.
Taf. IX.).
Ed. Perris hat zu beweisen gesucht, dass das Ge-
ruchsorgan bei den Gliederlhieren seinen Sitz vorzüglich in
den Antennen habe. Bei den Spinnen, welche keine Anten-
nen haben , sei das nur wenig entwickelte Geruchsorgan in
den Palpen gelegen. (Annales des Sc. nat. de Paris. 1850.
XIV. p. 178.).
A. Leuckart suchte nachzuweisen, dass die Lungen
der Spinnen wesentlich nicht von den Tracheen verschieden,
sondern nur als modificirte Tracheen zu betrachten seien (v.
Siebold und Kölliker Zeitschrift für wissenschaftl. Zoologie.
Leipzig 1849. L p. 2-16. „Ueber den Bau und die Bedeutung
der sogenannten Lungen bei den Arachniden«).
Kessler lieferte einen Beitrag zur Naturgeschichte
und Anatomie der Gatlung Lycosa ; die anatomischen Unter-
suchungen wurden an der bei Kiew sehr gemeinen Lycosa
singoriensis Laxmann angestellt. Ausser dieser kommen noch
9 andere Arten bei Kiew vor (Bulletin de la societe impe-
riale de Moscou. 1829. XXIL IL p. 39. Taf. IIL u. IV.).
E. Blanchard, welcher die nur von Agassiz bis-
her unterstützte, von allen andern Forschern Filippi, Joly
u. A. geleugnete Existenz einer peritrachealen Circulation
bei den Insecten behauptete, suchte diese Behauptung durch
einige neue Beobachtungen an Arachniden zu bestätigen. Bei
Injeclionen von dem Herzen oder den Lacunen aus füllte
sich stets der Zwischenhautraum der Tracheen. (Comptes ren-
dus de l'Acad. des Sc. Janv. 1850., Annais and Mag. of
nat. bist. 1850. VI. p. 67., Annales des Sc. nat. Paris 1849.
XII. p. 317-351.).
Das Blut der Arachniden ist nach Blanchard weni-
ger reich an Blutkörperchen als das der Insecten (Annales d.
sc. nat. Paris 1849. Vol. XII. 352.)
Einige Experimente und Beobachtungen über das Gift
von Thieren aus der Ordnung der Araneiden von John
Black wall s. Ann. and Mag. of nat. bist. IV. 1849. p. 275;
Proceed, of the Linn. society 19. Dec. 1848.
Von Leon Dufour steht eine anatomische Bearbeitung
456 Peters: Bericht über die Leistungen in der Naturgeschichte
der Scorpions zu erwarten, von der er einige Punkte vor-
läufig- mitgetheilt hat. (Annales des Sc. nat. de Paris XV. 1851.
p. 249.).
Leon Dufour (Comptes rendus de l'Acad. XXVIII.
p. 340. 1849.) behauptete gegen Blanchard, dass der
Daruikanal von Galeodes barhara ganz wie bei dem Scorpion
und der Spinne gebaut, und dass der Darmkanal dieses Au-
tors der Centraltheil das Gefässsystem sei, welches über allen
andern Eingeweiden liegt. Blanchard (ibid. p. 388.) weist
diese Beschuldigung zurück, und wirft Leon Dufour vor,
dass er die Divertikeln des Magens übersehen habe. Leon
Dufour hat diese Discussion fortgesetzt (Sur Tappareil di-
gestif du Scorpion et du Galeode 1. c. p. 523.).
Duvernoy (Fragments sur les organes de generalion. Paris
1850. s. Mem. de Tacad. des sc. Tom. XXllL 3. Fragm. p. 79—109.)
lieferte sehr wichtige Beitrage zur Anatomie der Geschlechtsorgane
der Scorpione, und besonders von Buthus afer , Androclonus occiianus
Scorpius europaeus.
In Gays Historia fisica y politica de Chile 1849. vol.
III. sind die Araneiden von Gervais bearbeitet und viele
neue Arten und Gattungen aufgestellt worden. Man sieht
dieser Arbeit an, dass sie schnell hat fertig werden sollen.
Wir geben indess die Diagnosen und Namen so, wie sie im
Original angeführt stehen.
Mygale rubiginosa, oculala, pygmaea, chilensis, afßnis, subscal-
peiana, splendens, brunnea.
Mygaloides n. g. Octo oculi conglomerati, inaequales, stricte
in parte anteriore thoracis, intermedii posteriores minusculi ; maxillae
breves , lalae , quadratae , divergentes. Labium minusculum , mullum
latum quam elongatum, apice rotundatum. Pedes robusti, parum inae-
quales. Mygaloides nubila.
Dysdera gracilis , maxima , virens, incerta , longipes , coarctata,
Segestria pusilla, singularis.
Scylodes globula, rufipes, laeta, nigella.
Tho mi soides n. g. Sex oculi, quatuor anteriores et duo po-
steriores. Labium elongatum, quadrangulatum, gibbum. Maxillae elon-
gatae, cylindraceae, ad basim relaxae. Pedes elongali, firmi, spinosi:
secundum par longius. Th. terrosus , rubripes , tninorala, fumosa, cr«-
stosa, lanuginosn, deformis.
der Arachniden während der Jahre 1849—1851. 457
Lycosa implacida, longipes, strenua, indomita , adspersa, murina,
fuliginosa, albatüy liliputiana.
Dolomedes puUatus.
Attus Scolaris, legihilis , iricolor, alaceo , elegans , aureolus, du-
bius, musivum, iogatulus, modeslus, coronatvs, similis, zonarius, murinusy
bipunctalus , ruslicanus , conspicillum , maculosus , mustellalus , funereus,
argentatus , coenobiticus j iuventus , annosus , vanus, vestitus , flavipes,
superhus.
Delena cimicoides, lamina.
Arhjs spiculalor , parvulus , nigriventris , cordiformis , variabilis,
limbatus, reliculatus, pyriformis, Gayi, ßavescens, lilipulianus, inßatus.
Thomisus Lucasii , fuliginosus, Edicardsü, lilipulianus, ditissimusy
luleolus, spissus, flavipes, depressus, cinereus , variabilis, nodosus, pube-
scens, verrucosus, sulcalus, rugatus, spectrum, exiguus, marcidus, gracio-
sus, foederatus, hystrix.
Diphya n. gen. ücto oculi tuberculali, inaequales , in duabus
lineis transversalibus in arcum dispositi. Mandibulae crassilie femo-
ris, perpendiculares, divergentes ; ungue parvo. Maxillae ereclae, bre-
ves, subparallelae, parum divergentes, apice rolundatae. Labrum breve,
semicirculatum. Pedes robusti, inaequales; dua pario anteriora semper
longiora caeleris ; proporlione 1 — 2 — 4—3. D. macrophthalma , craS"
sipes longipes, brevipes.
Philodromus punctalus, fuliginosus, funebris, iunior, luleus.
Olios martius, ventrosus, hispidus, sparassoides, flavens.
Sparassus americanus, punctipes.
Clubiona chilensis, acupicta, nubes, horrenda , limbala, maculosa,
siernalis, scenica, puella , pusilla, versicolor, sinaragdula, lutea, abdo-
minalis , punctata , longiventris , Gayi , sulphurea, lepida , pulchclla, ct-
trina , rufea , albiventris , longipes, lineata , gibbosa, dilalicollis , roru'
lenta, hrevivenlris, ambigua, sinistra , minuta, candefacta, debilis, flava,
adspersa, flacipes , veniricosa , tripunctala, alliformis , acies, minuscula,
puera, flavocincta, nigricans, macrocephala, oblilerata, ultima.
Gayenna Gerv. n. gen. Octo oculi stricte in parte anleiiori
thoracis conglomerati, antici minusculi. Labium laxum , triangulalum,
apice rotundalum, paulo truncalum. Maxillae ereclae, apice rotundatae,
non convergenles. Pedes parum inaequales; proporlione: 1 — 2 — 4 — 3.
G. americana.
Drassus lycosoides, spinifer, elegans , similis, tenuslus, mirandus,
afßnis, longipes.
Latrodectus formidabilis, variegatus, thoracicus.
Pholcus americanus, globulosus.
Sylvia n. gen. (ein bereits zweimal, bei den Vögeln und Di^
458 Peters: Berichtüber die Leistungen in der Naturgeschichte
pleren vergebener Name !) Octo oculi inaequales , in duabus lineis in
arcum positis; series anterior brevior ; oculi posteriores magni. La-
bium trigoniforme, apice rolundatum. Maxillae dilatatae, in labium
inclinatae, apice aculo-rolundalae. Pedes parum elongati; proportione ;
1 — 4 — 2 — 3. Sylvia abdominalis^ similis, atra, rubiginosa, vitlala.
Heterognatha chilensis, margaritacea.
Gasteracantha Gayi , umbrosa , pennata , spissa , flava , palliday
variabilis, fumosa , sculala, caduceator, violaceala, porcellanae , macu^
lata, venusta, ventrosa^ scilula, inßata, columnala, punctata, minula.
Epeira Walck. Gerv. Oculi medii quadratim dispositi, antice
ad inarginem oris siti; laterales luberculo communi in ulroque angulo
thoracis impositi. E. gaster acanlhoides, chilensis, adianta Walck., dia-
dema Walck., cinnaberina , longipes , flavipes , transversaUs , cruciata,
flavivenlris, quadripunctata, obliterata, afßnis , naevia, dorsasis, rectan-
gula, lunula, liliputana, clymene, thalia, nigrata, inßata, erudila, hispida,
valdiviensis , flavifrons , quadrimaculata , mifiuta , carinata , immunda,
bicaudata.
Oxysoma n. gen. Octo oculi, parum inaequales, in duabus
lineis transversalibus dispositi, margine antico approximali; series an-
terior brevior recta, posterior longior arcuata. Maxillae oblongae in
labium inclinatae, apice rotundatae, ad basin palpigerae. Labium elon-
galum, angustatum, apice truncatum. Pedes robusti , elongati , spini-
feri ; proportione: 1 — 2 — 4—3. Corpus anguslum, elongatum. 0. pun^
clipes, punctata^ aurala, longipes , lineata.
letragnatha exlensa, linearis, similis, sternaliSf labialis.
Linyphia distincta , multipunctala, picta, bicolor, tenuipes.
Theridion modestum, distinclum, rosenm, transver^um, purpureum^
rubicundum, bucculenlvm, silveslre, ambigvvm , ocellatum, albolinealum,
vmbrosum, opimum y onuslum, svperhum , concinnvm, tentrosum, riride,
virgulatvm, funerarium, ritlatvm, foliaceum , lilipulanum, armalum ^ ty-
pictiniy agreste, spinipes, levipes, attrilum, minusculum.
Episinus americanus,
J. Black wall gab die Beschreibung- einer neuen Gal-
tung und mehrerer neuen Arten von Spinnen; (Annais and
Mag. of nat. hist. 1850 , VI. p. 336.).
Salticus obscurus aus Middlesex, Thomisns formosus von South-
gale in Middlesex, Philodromus Clarkii von Soulhgate, Neriene apicata
von Oakland, Walckenaera Hardii aus Berwickshire, Epeira signäta aus
Kent, Epeira ornata.
Scho enobates n. gen. Augen 6, am vordem Theile des.Ce-
phalolhorax gelegen, nahe dem Stirnrande, beschreiben eine quere ge-
bogene Reihe, deren Conve^^ilät nach hinten gerichtet ijst, und hinter
der Arachniden während der Jahre 1849—1851 . 459
jedem seillichen Auge liegt ein anderes; Maxillen sehr kräftig, kurJB,
breit, an der Basis höckerig, am Ende etwas breit und abgerundet, und
leicht nach der Lippe hin gebogen; Lippe gross, dreieckig; Beine
massig lang und stark; das vordere und hintere Paar, welche die
längsten sind, sind von gleicher Länge, und das dritte Paar ist das
kürzeste. Schoenobates Walkeri aus Kent.
Änetes coelelron nov. gen. Augen ähnlich wie bei Epeira
gestellt. Hinterleib länglich herzförmig, flach, hinten in eine harte
Spitze endend, an der unlern Bauchseile eine dreieckige umsäumte
Vertiefung , worin keine Spinnwarzen zu erkennen. Tarsen ohne
Klauen. Nur ein Weibchen bekannt, 2 Lin. lang. Bei Danzig im
JModer. Mit Arkys lancearius Walck. vei wandt. (A. Menge, Neueste
Schrift, der Naturf. Ges. zu Danzig. 1850. IV. 3, p. 71.).
J. C. Schiödte beschrieb eine neue Spinnengattung,
welche er wegen der Form der Kiefer-Anlennen, derMund-
Iheile und Athemwerkzeuge mit den Mygalen zusammenstellt
und schickte derselben einige vergleichende Betrachtungen
über den Bau der Spinn- und Jagdspinnen voraus (Naturhist.
Tidsskr. 2le Reihe. II. Bd. p. 617.).
Lip istius Seh. n, gen. Ocelli octo, prope marginem cepha-
lothoracis anteriorem in tuberculo siti: primi quartique paris maiores,
oblongi, basin tuberculi sursum cingentes : secundi tertiique paris mi-
nores, inaequales, tuberculum fastigantes. Maxillae coxaeformes, diver-
gentes, mala nulla. Labium brevissiraum, semicirculare. Pedes spinu-
losi, elougati validi, inaequales, per paria magnitudine crescentes. Ab-
domen sculis armalum corneis dorsalibus: mammillis textoriis nullis.
Lipislius desuUor Schiödte, von der Insel Pinang. Abgebildet 1. c. auf
Taf. V.
Derselbe gab eine Abbildung seiner Stalila laenaria (Specimen
Faunae subterraneae. Bidrag til den underjordiske Fauna ved J. C.
Schiödte. M. 4 Tafeln. Aus den Abhandl. der K. dänischen Gesellsch.
der Wissenschaften. 5. Reihe, Bd. II. 1849. Taf. II. Fig. 3.).
A. White beschrieb als neue Arten von Neuseeland (Proc. of
the Zool. goc. Jan. 9. 1849. Annais and Mag. of nat. bist. V. 1850.
p. 50.) Mygale {Cleniza) antipodum , M. {Cteniza) hexops , Dolomedes
lateralis, D. sagüliger , Allus Darwinii, Sphagus gracilipes, Tegenaria
antipodiana y Dandridgia dysderoides , Phalangium Listeri, Chelifer
palUpes.
Die von Lucas in der Exploration de l'Algerie etc. beschrie-
nen neuen Arten sind:
Mygale barbara, M. gracilipes, Cyrtocephalus Walchenaeri (= C.
raauritanicus Luc), C. lerricola , Aclinopxts Algerianus, Dysdera spini^
peSf D. angmtala j Oe co b ius domesiicus n. gen., Oec annuHptü,
460 P eterfi: Bericht über die Leistungen in der Naturgeschichte
Scytodes distincta, Lycosa afßnis, L. biimpressa, L. exilipes, L- pilipes^
L. villica, L. erratica , L. vagabunda, L. valida^ L. fulvolineala, L.
numida, L. syhicoloy L. venalrix , L. timida , L. gracilenla^ L. quadri~
punclala, L. argenteomarginata, Ly cosoides (n. gen.) algirica, L.pal-
lipesy L. rußpes, L. flavomaculala, L. rußlhorax , L. digitalis, Hersilia
Edivardsii, H. oraniensis , Eresus Guerinii , Salticus Vaillanlii, S. ery-
ihrogaster , S. nitidivenlris , S. lucluosus , S. mauritanicus , S. fallax,
S. cirtanus , S. flavescentemaculalus , S. oraniensis , S. nigrifrons , S.
iucundus , S. Morelelii , S. rufolinealus , S. algerinus , S. erralicus , S.
gesliculator, S. fulvivenlris, S. rußfrons, S. numidicus, S. Bresnieri, S.
fulvolrilinealus , S. Monardi, S. Guyonii, S. Boryi, S. Basselelii , S.
Theisii, S. Nicoletii, S. afßnis, S. propinqmis, S. confusus, S. albovit-
latus, S. Ravoisaei , S. arenarius , S. angustatus , S. paludivagus, S.
mutabilis, S. meliculosus, S. albobimaculalus, S. fuhopilosus, S. albifrons,
S. nitidus, S. maeslus, S. fuhounilinealiis , S. liliputanus , S. rufolimba^
ius, S. quadripunctatus, S. Levaillanlii, S. Duriaei, S. Bovaei, S. Ber^
bruggeri, Guichenolii, S. nigromaculatus, S. teslaceo-lineatus, S, ISivoyi,
S. albotrimaculalus , S. mulilloides , Thomisus numida , Th. annuUpes,
Monas tes (n. gen.) paradoxus, M. lapidarius , Philodromus calidus,
¥h. ornatus, Ph. fuscolimbalus, Ph. pulchellus , Ph. gracilentuSf Ph. ob~
longiusculus , Olios oraniensis , 0. barbarus , 0. algerianus , Clubiona
parvula, Cl. oblonga, Cl. rußpes, Cl. exilipes , Cl. barbara, Cl. ornala,
Cl. mandibularis, Cl. pallipes, Drassus validus, D. obscurus, D. rußpes,
D. corticalis, D. crassipes, D. dislinctus, D. parvulus, D. dives, D. fa-
sluosus, D. flavitarsis , D. erythrocephalus , D. albomaculalus , D. albo'
vittaius , D. pallipes, D. coarclalus, D. formicarius, Enyo algirica, E.
amaranlhina , Latrodectes ornatus, L. spinipes , Pholcus barbarus , Ph.
quadripunctatus, Tegenaria africana, T. longipalpis , Epeira tritubercu-
lata , E. lineata , E. albomaculata , E paradoxa , Vloborus plumipes,
Linyphia gibbosa, L. fastuosa , L. pallipes, Theridion punicum , Th.
flavomaculatum , Th. nigromarginatum , Th. rußlhorax, Th. rvfolinea-
tum , Th. mandibulare, Th. vicinum, Th. albocinclum, Th, rußpes, Th.
lucluosum, Th. argus, Th. erylhropus, Th. sex - albomaculalum, Th. ni^
gropunctatum , Th. fulvolunulatum , Th. uncinalum , Th. bicolor , Th.
acuminatum, Episinus algiricus.
H e n t z hat die Arachniden der Vereinigten Staaten Nord-
amerika's in Beschreibungen und Abbildungen in Boston Journ.
of nat. bist. Vol. IV— VI. bekannt gemacht. Leider muss der
Bericht über diese ausgedehnte Arbeit unvollständig bleiben,
da uns nur der öteßand dieser wichtigen Zeitschrift bekannt
geworden ist. Aus einer Aufzählung der Genera und Ar-
ten , welche den Schluss der Abhandlung bildet , entnehmen
wir Folgendes:
der Arachniden während der Jahre 1849— 1852. 461
Im Ganzen sind 249 Arien beschrieben, welche folgenden Gal-
tungen angehören: Mygale Walck. 6, Aiypus Lalr. 1, Dysdera Lalr. 1,
Pylarus n. gen. 2, ¥ilislala Lalr. 2, Kalady sas n. subgen. l,
Lycosa Latr. 18, Ctenus Walck. 2, Dolomedes Lalr. 8, Micrommala
Lalr. 6, Oxyopes Latr. 4, Lys somanes n. gen. 1, ^«ms Walck. 47,
Epiblemum n. gen. 2, Synemosyna n. gen. 5, Tliomisus Walck.
12, Clubiona Lalr. 13, Herpyllus n. gen. 20, Tegenaria Latr. 3,
Agelena Walck. 2, Cyllop o dia n. gen. 1, Frodidomus n. sub-
gen. 1. Epeira Walck. 44, Fhyllyra n. gen. 2, Teliagnalha Latr. 2,
Linyphia Latr. 8, Mim eins n. gen. 3, Thalamia n. subgen. 2,
Theridion Walck. 27 , Spintharus n. gen. 1 , Pholcus Walck. 1,
Oophora Henlz 1. — Die Arien sind ohne Ausnahme neu, soweit sie
wenigstens in dem vorliegenden 6. Bande enthalten sind. Bei der
Angabe der Charaktere der neuen Gattungen müssen wir uns auf die
des 6. Bandes beschränken.
Phillyra Hentz. Scheeren sehr kurz; Maxillen kurz, paral-
lel, oben abgestutzt; Lippe fast dreieckig; 8 gleiche auf Tuberkeln
stehende Augen in zwei Reihen, die erste fast gerade an dem Rande
des Cephalothorax, die zweite gegen die erste gekrümmt, so dass die
äusseren Augen weit von der ersten Reihe entfernt sind; das erste
Fusspaar grösser und viel länger als die übrigen, dann folgt das vierte,
dann das zweite, zuletzt das dritte.
Mimetus Hentz. Scheeren sehr lang, Klaue klein; Maxillen
verschmälert, über die Lippe geneigt; Lippe spitz, dreieckig; 8 Augen,
vier in der Mitte, die beiden unteren auf Tuberkeln und mehr entfernt
als die oberen, zw ei jederseits diagonal gestellt, genähert ; Füsse lang,
das erste und zweite Paar viel länger als die beiden andern , das
erste Paar beim Weibchen gebogen.
Thalamia Hentz. 8 fast gleiche Augen in zwei Reihen an
jeder Seite des Vorderlheils des Cephalothorax, jede Reihe oben ein-
wärts gekrümmt, unten auswärts; Maxillen am Grunde breiter, über
die Lippe geneigt; Scheerenglied sehr klein; Füsse 2.3.4.1.
Spintharus Hentz. Scheeren sehr dünn; Maxillen schwach
gegen die Lippe geneigt , breit am Grunde , oben schief abgestutzt ;
Lippe kurz, breiter am Grunde, schwach ausgerandet; 8 gleiche Au-
gen, in einer gegen den Grund offenen Ellipse geordnet, die beiden
äusseren sich berührend; Füsse lang, dünn, das vierte Paar länger als
das erste, das drille das kürzeste.
Katady sas Hentz. 8 fast gleiche Augen in zwei Reihen,
beide nach hinten gekrümmt; Klaue der Scheere hinten articulirt ; Pal-
pen gegen das Ende der Maxillen eingefügt. Füsse 4.1.2.3.
Neue Art; Theridion civicum Lucas (Annales de le soc. enlom.
de Franc. 1849. Vil. p. 181. Taf. 6. No. V.; Bemerkungen über die-
462 Peters: Bericht über die Teislungen in der Naturgeschichte
selbe von Dumeril 1. c. 1850. VIII. p. 5.) , eine kleine Art, deren
Gewebe das Aeussere vieler Gebäude in Paris verunziert.
Salticus formicaeformis Lucas n. sp. (Soc. entoin. Juni 1849.
Guerin-Meneville Revue et Magaz. 2. Serie. I. 1849. p. 373. II. 1850.
p. 492. PI. 9. Fig. 1—3.) Paris.
Lycosa (Polamia) palustris n. sp., L. (P.) sericata n. sp., L.
(Leimonia) riparia n. sp., L. {Leimonia) alomaria n. sp., L. {Pardosa)
cursoria n. sp-, L. (P.) proxima n. sp., Sphasus lineatipes n. sp., Sph.
thalassinus n. sp., Ctenus cinnamomeus n. sp. , Phoneutria ochracea n.
sp.y Triclaria longitarsis, Clotho anthracica n, sp. (Koch 1. c.)
Phrynidae.
Phrynus fuscimanus n. sp. aus Nordamerika (Koch , die Arach-
niden. Bd. XV. 1848. p. 67. Taf. 5'i3. Fig. 1463.) und Phr. nigrima^
nus n. sp. aus Ostindien (ibid. p. 69.).
Tracheariae,
Chelifer angustus n. sp. , Ck. cimex n. sp. , Ck. coecus n. sp.
(Gay, Historia fisica y politica de Chile. Zoologia 1849. IV. p. 11.).
Galeodes variegata n. sp., G. morsicans n. sp. (Gay 1. c).
Goiiyleptes bicornis n. sp., G. acanlops n. sp., G. modeslus n. sp.,
G. polyacanlkus n. sp. , G. subsimilis n. sp., G. asperatus (Gay i. c).
Phalangium rudipalpe n. sp. (Gay 1. c).
Homalenolus monoceros n. sp. Koch, die Arachniden. T. XV.
p. 108.
Plalybunus denlicornis n. sp. ibid. p. 112.
Acantholophus denliger Koch 1. c. p, 117.
Opilio obliquus n. sp. , 0. nigricans n. sp. , 0. glacialis n. sp.,
0. luridus n. sp. Koch. 1. c. Vol. XVI.
Leiobunum ovale n. sp. Koch 1. c.
Ischyropsalis Herbslii n. sp. Koch i. c.
Trogulus tingiformis Koch 1. c.
Chelifer brachydaclylus Luc. n. sp., Ch. luberculatus Luc. n. sp.,
Ch. pediculoides Luc. n. sp. (Exploration scientif. de l'Algßrie. Sc. phys.
Zoologie. I. 1849.).
Schi öd te gab die genauere Beschreibung und Abbildung von
Blothrus spelaeus (Specimen faunae subterraneae. Aus den Abhandl.
der Königl dän. Ges. der Wissensch. 1849. Taf. L Fig. 2.).
Galeodes barbara Lucas n. sp. (Exploration de l'Algerie. Zoo-
logie. L 1849. p. 279.
Phalangium africanum n. sp. , Ph. albounilineatum n. sp. , Ph.
numidicum n. sp. , Ph. propinquum n. sp. , Ph. levipes n. sp. , Ph, ni-
der Arachüiden während der Jahre 1849—1851. 463
gromaeulatum n. sp., Fh. granarium n. sp , Ph. ßavounilinealum n. sp ,
Ph. filipes n. sp. , Ph. annulipes n. sp. , Ph. harhantm n. sp. , Ph. tu-
berculatum n. sp., PA. instabile n. sp.; Ph. infuscahim n. sp , Ph. echi-
natum Luc, Ph. troguloides n. sp., Fh. hiberculiferum n. sp., Ph. ora-
niense n. sp., Goniosoma liliputanum n. sp. , Trogulus africanus n. sp.,
7r. crassipes n. sp. , Tr. annulipes n. sp., Coeculus muscorum n. sp.
(Lucas in der Exploration de l'Algerie etc. 1849. Zoologie. L).
Äcaridae,
Dujardin endeckle, dass die Hypopi Acar'i mit 8 Füs-
sen sind , ohne Mund und Darm , welche , ohne alle Mittel
sich zu ernähren , sich festsetzen , um eine letzte Metamor-
phose zu erleiden und Gamasi zu werden. (Annales des
Sciences naturelles de Paris XII. 1849. p. 243. u. 259. Taf.
XI. Comptes rendus Febr. 5. 1850. p. 102. Annais andMag.
of Nat. hist. V. p. 318., Guerin Meneville Revue et Magazin
de Zoologie 1850. p. 122.).
J. Kaufmann „lieber dieEntwickelung und systemati-
sche Stellung der Tardigraden" in v. Siebold und Kölliker
Zeitschrift für wissenschaftliche Zoologie 1851. p. 220. mit
Tafel VI. Fig. 1 — 20," gelangt zu dem Resultate , dass die-
selben den Arachniden als Uebergangsglieder zu den Wür-
mern anzureihen seien.
Giuseppe Gene (Studi enlomologici elc. di Fl. Baudi et Eug.
Truqui; fasc. II. Torino 1848. 371 sqq. Tab. XVI. Guerin Meneville,
Revue et Magasin de Zoologie 1851. p. 558.) gab die Beschreibung
und Abbildung einer von Kr. Combe entdeckten Sarcoptes Slrigis.
Dieses Thierchen findet sich constant und nur auf Strix flanimea, nicht
auf andern Arten von Nachtvögeln in dem Zellgewebe und dem Fett
zwischen Haut und Muskeln, an den Beinen, Schenkeln und Seiten des
Körpers, aber weder an der Brust, am Halse, am Rücken oder den
Flügeln.
Lucas theilte die Beobachtung mit, ddiss Ixodes pulchellus Walck.
nicht allein auf Spiloles variabilis und Bufo agua vorkomme , sondern
auch auf einer Boa constrictor in der Menagerie gefunden wurde, (Gue-
rin-Meneville, Revue et Magasin de Zoologie. 3. ser. I- 1849. p. 582.)
Uropoda denticulata^ Lucas et Nicolet; auf Arrhenodes ex-
sertus Dej. aus Columbia (Annales de la Soc, cntomol. de France.
1849. VII. p. XXXIV.)
Sarcoples auricularum Luc. et Nicol. auf einem Hunde aus
Louisiana (ibid.).
464 Peters: Bericht über die T.eislungen in der Naturgeschichte
Alex. Laboulbene gab in den Annales de la soc. entomol.
de France 1851. Vol. IX. p. 295. Taf. 9. folgende neue Arien: Gamasus
salinus, G. tnarinus, G. halophilus, Tyroglyphus Mericourti, Hydrachna
(Atax) viridana.
In dem von Gervais bearbeiteten Theil von Gay, Historia fisica
y politica de Chile, Zoologia , Vol. iV. p. 29 sqq. sind folgende neue
Acariden aufgeführt: Bdella variegala, Bd. oblonga; Trombidium Iriste,
Tr. citrinum ; Rhyncholophns andium; Smaridia ^icolelii, Sm. vestila ;
Hydrachna chilensis, H. agilis ; Dermanyssus molossi ; Gamasus sulca-
tus, G. navicularis , G. chilensis, G. appendictdalus ; Argas reticulalus ;
Ixodes ricinus , /. lagotis; Oribala formica, 0. nolaclis, 0. cyclonotuSf
0. pinnäluSj 0. simplex.
F. Dujardin stellte eine neue Gattung von Milben mit nur
vier Beinen auf, die er Fhytoptus nannte. Er fand diese Thiere,
welche ausschliesslich von lebenden Vegetabiiien sich ernähren, denen
sie verschiedene Krankheilen verursachen , mit Eiern angefüllt, so dass
sie nicht für Jugendzustände von achtbeinigen Milben, wie Duges wollte,
angesehen werden können. Zugleich bestreitet er die Wahrheit von
Duges Beobachtung , welcher diesen Satz von der Entwickelung aller
vierbeinigen in achlbeinige dadurch bewiesen hatte, dass er die acht-
beinigen Thiere unter der abzuwerfenden vierbeinigen Hülle bemerkt ha-
ben wollte. (Annales d. Sc. nat. Paris. 1851. XV. p. 166.).
Telramjchus spinigerus , Trombidium barbarum , Tr. pulchellum,
Erythraeus tricolor , Rhyncholophns Dugesii, Rh. pallipes , Hydrachna
erylhrina , H. cyanipes , H. rostrala , H. tomenlosa , Argus erraticus,
Oribales lapidarius , 0. papillosus sind die neuen von Lucas in der
Exploration de l'Algerie etc. Zoologie. I. 1849 beschriebenen Arten.
Hyriapocla.
Von der Exploration scienlifique de l'Algerie pendant
1840—1842 etc. Paris 1849. Sciences physiqiies Zoologie I.
von p. 322—351 und p. 382 — 390 sind die Myriapoden, von
Lucas beschrieben und mit drei Tafeln Abbildungen beglei-
tet, erschienen. Die neuen Arten sind von dem Verf. be-
reits früher in der Revue zool. par la Soc. Cuv. mitgetheilt.
V. Sie hol d (Neue Preuss. Provinzial-Blätter 1851. XII. p. 351.)
führt aus dieser Abtheilung 9 bei Danzig gefundene Arten an, näm-
lich Lithobius forficalus L., Geophilus electricus L. , lulus terrestris L.,
1. sabulosus L. , Tropisoma ferrugineum Koch (auch im Harzgebirge
gefunden), Craspedosoma Rawlinsii Leach., Cr. hispidulum Koch., P/«-
tyulus Audouinianus Gervais, bezweifelt dagegen, dass eine Glomeris
dort vorkomme.
derMyriapoden während der Jahre 1849—1851. 465
A. Menge gab eine Uebersicht der Myriapoden aus
der Umgegend von Danzig, nebst Beschreibung und Abbil-
dungen einiger Arten. (Neueste Schriften der naturforsch.
Gesellschaft in Danzig, 1851. IV. 4. nebst Taf. II. u. III.).
Es sind als bestimmt beobachtet 23 Arten aufgeführt , nämlich ;
Pollyxenus lagurus Latr. , lulus subulosus L. , 7. Londinensis Leach., /.
terreslris L., /. nemorensis Koch, /. varius Koch, I sohalus semisul^
catus n. gen., N op ojulu s punctulatus n. gen., Polyzonmm germani-
cum Brandt, Craspedosotna Rawlinsii Leach , Cr. marmoralum Koch,
Cr. tenuicolle n. sp. , Tropisoina ferrugineum Koch. , Polydesmus com-
planalus Lalr., Pol. aculangulns n. sp. , Lilhobius forßcalus Leach, L.
octops n. sp. , L pleonops n. sp. , L. quadridenlalus n. sp. , Geophilus
electricus L., G. ferrugineus Koch, G. nemorensis Koch, Scolopendrella
immaculata Kewport.
Claudio Gay (Historia fisica y politica de Chile.
Zoologia 1849. Tom. IV. p. 53 sqq. Mit 1 Tafel in Folio)
führte als zur Fauna von Chile gehörig, folgende Arten an:
Polydesmus gayanus n. sp. , Slrongylosoma concolor , lulus chi-
lensis n. sp.% I. Gaudichaudii n. sp. , /. sublevis n. sp. , Henicops chi-
lensis n. sp.. Scolopendra chilensis n. sp. , S. pallida n. sp. Cryptops
monilis n. sp. , Geophilus gracilis ii. sp., G. millepunctatus n. sp. , G.
canaliculatus n. sp.
Duvernoy (Fragments sur les organes de genera-
tion, 1. Fragm. p. 11—27. und Taf. I.) gab eine ausgezeich-
nete Arbeit über die männlichen und weiblichen Geschlechts-
organe von lulus grandis Ger. (Spirobolus grandis Brandt).
Dr. Leidy machte Beobachtungen über die Charaktere
und den Innern Bau der Glandulae odoriferae der wirbello-
sen Thiere. Bei lulus befinden sich diese Drüsen zu jeder
Seite des Körpers; jedes Segement , welches ein doppeltes
Paar Füsse trägt^ besitzt ein Paar der Drüsen^ vom sechsten
vordersten bis zum vorletzten Segment. Da die Zahl der
Segmente des Thiers mit seinem Alter wechselt, so geschieht
dieses auch mit der Zahl der Drüsen. Der erwachsene lu-
lus marginatus hat in der Regel 50 Paare , lulus maximus,
aus Neugranada, hat 58 Paare u. s. w. (Proceedings of Ihe
Academy of natural sciences of Philadelphia 1849. p. 235.
m. Abbild. ; Annais and Mag. of nat. bist. London 1850. V.
p. 154 sqq.).
In dem Darme von lulns pusillus entdeckte Dr. Leidy einen
Archiv f. Naturgesch. XVII. Jahrg. 2. Bd. £)£
466 Peters Bericht über die Leistungen in der Naturgeschichte
Enterobrus spiralis , eine neue Art der von ihm gegründeten Gattung
der Conferven (Proceedings of the Academy of natural sciences of
Philadelphia. 1849. p. 233.), ebenso im Darme von Polydesmus virgi-
niensis eine andere Galtung Eocrina longa , in Polydesmus granulatus
Eccrina moniliforma, und in lulus marginatus Arthromitus nitidus (ibid.
1850. p. 35.).
Blanniulus guttulatus verursacht, M^ie Lucas beobachtete, die
Zerstörung der Erdbeeren, in welche er eindringt, und dieselben mit
Ausnahme der äussersten Rinde verzehrt (Ännal. Entom. 2. ser. YIL
p. LVIL).
Zwei neue Gattungen der Diplopoden beschrieb A. M en g e (My-
riapoden der Umgegend von Danzig. Neueste Schrift, d. naturf. Ges.
zu Danzig 1851. IV. 4. p. 6.),
Isobatus n. gen., eine den lulus und ßlaniolus nahestehende
Gattung. Kopf gewölbt, länger als breit, mit aufgetriebenen seitlich
vorstehenden Fangtastern. Fühler siebengliedrig, gegen das Ende
allmählich keulenförmig verdickt, länger als der Kopf. Augen 21 in
fünf Bogenlinien stehend. Der Leib dünn, walzenförmig, mit 35 Rin-
gen ; die Ringe durch eine ziemlich weile Querfurche in zwei Hälften
getheilt und in den Verbindungen etwas eingezogen. An den drei
ersten Ringen ein, an jedem folgenden zwei Fusspaare, alle in fast
gleicher Entfernung von einander. Die drei letzten Ringe vor dem
Schwänze ohne Füsse. Afterklappen über dem letzten Ring vorste-
hend. Stigmata an den Seiten der Ringe, der Schwanzring ohne die-
selben. Is. semisulcatuSf 4 Lin. ; unter Moos gefunden.
Noppjulus, eine der vorigen sehr nahe stehende Gattung
Kopf länglich gewölbt, mit aufgetriebenen zur Seite vorstehenden Fang-
tastern. Fühler siebengliedrig, gegen die Spitze hin dicker, das End-
glied sehr klein, länger als der Kopf. Augen 7 an jeder Seite des
Kopfes in einer etwas gebogenen Reihe. Der Leib walzenförmig mit
35 Ringen, die Ringe etwas gewölbt. Die drei ersten Ringe mit ei-
nem, die folgenden mit zwei Fusspaaren versehen. Stigmata an den
Seiten der Ringe , der Schwanzring ohne dieselben. iV. punctulatus,
4 Lin.; unter Baumrinde (1. c. p. 9.).
Craspedosoma tenuicoUe Menge n. sp. (I.e. p. 9.). — Polydes-
mus acutangulus Menge n. sp. (I.e. p. 9.). — Lithobius octops, pleo-
nops, quadridentatus Menge. Novae spec. (1. c. p. 10 u. 11.).
lulus Leprieurii Lucas n. sp. (Soc. entomol. de France 11 Juli
1849. Guerin-Meneville Revue et Magasin de Zoologie. 3. serie. I.
1849. p.471.), aus Cayenne.
Lucas stellte eine neue mit Platydesmus sehr verwandte Gat-
tung auf, welche sich durch ihre sehr platte Form, durch die ausser-
ordentliche Erweiterung der Kiele der Segmnnte, und durch den ganz
der Myriapoden während der Jahre 1849— 1851. 4Ö7
unter dem sehr vorragenden Kopfsegmenle versteckten Kopf auszeich-
net. Er nennt dieselbe:
Piest 0 desmus; capul minimum, subrolundatum, infra segmen«
tum cephalicum positum omninoque abscondilum ; os sugenliforme ;
oculi duo, magni, ocelliformes, non aggregali; antennae breves, crassae,
7-articulatae: articulo primo septimcque brevissimis, secundo elongato,
curvalo , sexto , tertio , quarlo quinloque brevioribus; corpus ellipsoi-
deum , forliter compressum, segmentis 41, his maxime carinatis ; seg-
mentum cephalicum magnum, caput antennasque recondens; pedes exi-
les , utrinque 78 in femina , carinis segmentorum omnino abscondili.
Piestodesmus Morelelii n. sp. Tabasco , Södamerica (Guerin- Meneville
Rev. et Magas. d. Zool. 3, ser. I. 1849. p. 594. Taf. 17. Fig. l.).
In der Exploration de l'Algerie etc. 1. c. p. 382 sqq. wurden
von Newport mehrere neue Arten beschrieben: Lithobius elongatus
Newp., L. monilicornis Newp. , L. Lucasii Newp., Arthronomalus pun,'
ctatus Newp. , A. marginalus Newp., A. brevicornis Newp., A. puncti^
ceps Newp., Geophilus altenualus Newp.
Polyzonium germanicum Brandt ist = Platyulus Audouinii Ger-
vais et Wega == Leiosotna rosea Moutschoulsky = Platyulus AudouU
nianus Gerv. Luc. (Lucas, Ann. Entomol. 2. ser. p. LIX.).
_ i
Druckfehler. \^
S. 35. Z. 5. V. u. statt redemdantia lies redundantia.
Bonn, gedruckt bei Carl fieorgi.
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