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I
ARCHIV
FÜH
NATURGESCHICHTE.
GEGRÜNDET VON A. F. A. WIEGMANN,
FORTGESETZT VON W. F. ERICHS ON.
IN VERBINDUNG MIT
PROF. Dr. GRISEBACH IN GÖTTIKGEN UND
PROF. Dr. LEÜCKART IK GIESSEW.
HERAUSGEGEBEN
von
Dr. f. H. TZtOSCHSI.,
PROFESSOR AN DER FRIEDRICH-WILHELMS-ÜNIVKRSITÄT ZU BONN,
ZWEI UND ZWANZIGSTER JAHRGANG.
Zweiter Band*
BERLIN, 1856.
VERLAG DER NICOLAISCHEN BUCHHANDLUNG.
Inhalt des zweiten Bandes.
Seite
Bericht über die Leistungen in der Naturgeschichte der Vögel
während des Jahres 1855. "Von Dr. G. Hartlaub . 1
Bericht über die Leistungen in der Naturgeschichte der Säuge-
thiere während des Jahres 1855. Vom Herausgeber . 33
Bericht über die Leistungen in der Herpetologie während des
Jahres 1855. Vom Herausgeber . . . . 59
Bericht über die Leistungen in der Ichthyologie während des
Jahres 1855. Vom Herausgeber . . . . 67
Bericht über die Leistungen in der Naturgeschichte der Mollusken -
während des Jahres 1855. Vom Horausgeber . . 90
Bericht über die wissenschaftlichen Leistungen im Gebiete der
Entomologie während des Jahres 1855. Von Dr. A.
G e r 8 1 a e c k e r.
1. Insekten 121
2. Myriapoden 299
3. CruBtaceen , . 302
4. Arachniden 316
IV
Inhalt.
Bericht über die Leistungen in der Naturgeschichte der niede-
ren Thiere während des Jahres 1854 und 1855. Von
Prof. Leuckart
Vermes .
Annelides
Piatodes
Ciliati .
Echinodermata
Coelenterata
Polypi .
Porifera
Protozoa
Seite
324
328
330
358
390
405
410
421
428
428
Bericht über die Iieistuiig;eii in der IVatuFi
S:escliiciite der Vög^ei Aväiirend des
Jalires 1S55.
Von
»r. O* Hartlaub
in
Bremen.
Es gereicht uns zur Freude diesem Jahresberichte die
Versicherung vorausschicken zu können, dass sich die un-
geschwächteste Theihiahme für unsere liebe Ornithologie er-
hält und befestigt, und dass zahlreiche und zum Theil sehr
tüchtige Arbeiten auf dem litterarischen Gebiete derselben
diese Theilnahme in der erspriesslichsten Weise belhätiglen.
Nicht ohne Erfolg versuchten sich jüngere Kräfte mit aner-
kannten Autoritäten zu messen; ein edles Ringen, aus wel-
chem , wenn es sich auf dem erhabenen Standpunkte echter
Wissenschaftlichkeit hält, nur Gutes erwachsen kann. Carl
Lucian ßonaparte, ein Name, der mit der Geschichte
der Zoologie selbst innig verwachsen ist, hat, obgleich kör-
perlich schwer gebeugt und noch schwerer, fürchten wir,
bedroht, mit ungetrübter geistiger Kraft für sein Lieblings-
fach gewirkt, und in einer Reihe trefflicher Arbeiten von
neuem die Beweise wahrhaft stupender Specialkenntniss so-
wohl als andererseits geistvoll generalisin-nder Anscliauung
namentlich im Hinblicke auf Systematik, niedergelegt. Im
hohen Grade verdienstlich, ja dem Kenner von Fach geradezu
Archiv f. Nauirgesch. XXII. .Inhrg. 2. Bd. ^
2 Uartlaub: Bericht über die Leistungen in der Naturgeschichte
unentbehrlich ist G. R. Gray's neuestes Werkchen über die
Genera und Subgenera der Vögel. Für die Ornithologie Süd-
amerika's waren in erster Linie Sclater und Bur mei-
st er, für die der nördlichen Gegenden desselben Welttheils
Cassin, ßaird, Lawrence und Andere thätig. Die Vö-
gel Asiens beschäftigten vorzugsweise F. Moore, Gould,
ßurgess, Hodgson, Blyth. Unsere Kenntniss von de-
nen Afrika's förderten Jules Verreaux, Malherbe,
Cassin, A. Brehm. Die so wenig bekannte Ornitho-
logie der entlegenen Inselgruppen Oceaniens verdankt Bo-
naparte und Gould sehr werthwolle sich auf die Samm-
lungen Edelestan Jardin's und Ma cgill i vray's grün-
dende Beiträge. — Die grosse Mehrzahl der als neu bekannt
gemachten und grossentheils wirklich neuen Arten lieferte
das unerschöpflich reiche Amerika. Als grosser und wesent-
licher Fortschritt ist der Zuwachs zu betrachten , welcher
unserer Bekanntschaft mit der L eben s weise der exotischen
Vögel in immer reicherem Masse zuzufliessen beginnt. —
Aber je höher solcher Gestalt im Einzelnen die Summe unseres
ornilhologischen Wissens aufläuft^ um so gebieterischer drän-
gen jene grossen Fragen in den Vorgrund, deren Erledigung
die philosophische Zoologie längst als Nothwendigkeit erkannt
und sich zur Aufgabe gestellt hat, deren genügende Be-
antwortung aber bis auf diese Stunde ein pium desiderium
bleibt. Was ist Art? sind Subspecies anzunehmen? und wenn
solches der Fall, an welchen äusseren Merkmalen ist
der eine oder andere dieser beiden Begriff'e im gegebenen
Falle mit untrüglicher Sicherheit zu erkennen, festzustellen?
warum m u s s hier eine Species, dort eine Subspecies oder
constante Lokalrasse angenommen werden? Auch hinsicht-
lich des Begriffs Genus herrscht nach wie vor die zügello-
seste Willkühr, und Bonaparte's Hofl'nung, es werde die-
ses Uebel („delire generique" Temm. ) „sua ipsius magni-
tudine et redundantia" geheilt werden, sieht ihre Erfüllung in
immer weitere Fernen gerückt.
Dr. B. Alt um schreibt gründlich und instructiv „über
den Bau der Federn als Grund ihrer Färbung.^^ Cab. Journ.
. Jahrg. IL Heft 6.
der Vögel während des Jahres 1855. i
Die Fortsetzung von Bonaparte's „Conspeclus avium*«
ist mit S. 159 eine ünlerlirechung erfahren, welche hofTent-
lich nicht von langer Dauer sein wird. Die zuletzt behan-
deile Abiheilung bilden die Ibisse. Mündlicher Versicherung
zufolge wird der unermüdlich thälige Verfasser seine gross-
artige Arbeit nicht fallen lassen.
M. A. T 0 u s s e n e 1 : „Ornithologie passioneile ou le nionde
des oiseaux« Vol. I. 0. DesMurs bezeichnet dieses Buch
als eines der ausserordentlichsten ; es sei ebenso geistvoll
als erhaben, ebenso philosophisch als poelisch; er nimmt kei-
nen Anstand dasselbe ein „pandaemoniurn du genie humain«
zu nennen. Man besinnt sich , ehe man an das Studium
eines solchen Werkes geht. Toussenel's systematische
Ansichten beginnen mit dem einfachen und gehen von die-
sem zum vollkommneren über. Er betrachtet die Gesammt-
heit der Vögel nach Maassgabe des Mediums, in welchem
jede Abtheilung lebt und sich bewegt. Da aber unser Planet
vor Bildung fester Landmassen in Wasser eingehüllt war, so
erscheint es unserem Philosophen rationell , die ornithologi-
sche Serie mit den Wasservögeln zu beginnen ! Vielleicht
Weiteres über's Jahr.
J.W. V. Müller; „des changments qui s'operent dans
la coloration des oiseaux" Rev. et Mag. de Zool. p. 113.
Eines Auszugs nicht wohl fähig. Die an und für sich sehr
nützlichen Untersuchungen des Verfassers zeigen eine starke
Beimischung von Unsicherem und Problematischem. Ja, es
laufen grobe Irrthümer unter; so z. B. wenn behauptet wird,
das intensive Roth oder Carmin scheine sich vorzugsweise in
der nördlichen Hemisphäre zu entwickeln !
G. R. Gray: „Catalogue of the genera and subgenera
of birds contained in the British Museum'^ 1. Vol. 192 S. Wir
stimmen aus voller Ueberzeugung in das Lob ein , welches
Bonaparte diesem Büchlein ertheilt. Dasselbe umfasst
nicht weniger als 2403 Galtungen , von welchen aber nur
etwa 764 wirklich generische Gellung zugestanden wird.
Die übrigen haben für G. R. Gray nur subgenerischen
Werlh. Ein treffliches Register erleichtert die Benutzung
des Buches ungemein. Des Verfassers Verdienste um unsere
Kenntniss eines der trockensten Theile der Vögelkunde sind
4 Hartlaub: Bericht über die Leistungen in der Naturgeschichte
in der That nicht hoch genug anzuschlagen. Das Recht der
Priorität wird mit rigoroser Strenge durchgeführt und be-
ginnt mit Linne's „Systema nalurae" vom Jahre I7.:i5. Die
Coujptes rendus de l'Acad, vom 22. Oct. bringen Bona-
p arte's höchst anerkennende Beurtheilung.
„ Ornithological Synonyms^* by the late Hugh E.
Strickland; edited by Mrs. H. E. Strickland and Sir
W. Jardine, Bart. etc. Vol. I. Accipitres. London. Es war
ein mehr als gewagtes Unternehmen , diese Arbeit unseres
verstorbenen^Freundes der Oeffentiichkeit zu übergeben. Wir
könnten aus S tr i ckl a nd's Briefen den Nachweis liefern,
dass derselbe diese Frucht langjähriger Studien noch keines-
wegs für der Reife nahe hielt, und sind fest überzeugt, er
würde gerechten Anstand genommen haben, dieselbe schon
jetzt dem Heiliglhume des Schreibtisches zu entziehen. Sir
William Jardine hat die, wie es scheint, ohne Zögern
übernommene schwere Aufgabe nach besten Kräften zu lösen
gesucht; aber, bei aller Anerkennung für die ausgezeichne-
ten Verdienste desselben , kann man sich beim Lesen des
Buches der Fraffe nicht erwähren: waren diese Kräfte noch
ausreichend? — Als besonders mangelhaft \Yollen wir hier
nur den die geographische Verbreitung betreffenden Theil
der Arbeit bezeichnen. Immerhin bleibt der wissenschaftli-
che Nutzen derselben noch ein sehr erheblicher, und wer
möchte dem vor der Verarbeitung einer solchen Masse des
trockensten Materials nicht zurückschreckenden Fleisse seine
Anerkennung versagen?
Pu eher an: „Memoire sur les types peu connus de
Passereaux dentirostres du Musee de Paris." Arch. du Mus.
VII. p. 322. Es bildet diese Arbeit den Schluss einer Reihe
mühevoller Untersuchungen, deren Verdienst in das rechte
Licht gestellt zu haben wir uns zur Ehre anrechnen, und
deren praktischen Nutzen wir durch einen in Cabanis Jour-
nal veröffentlichten Index zu erhöhen suchten.
Es wäre darnach Graucalus caesius Cuv. von Neucaledonien
eine gute Art (voljständ. Beschr.) , Lanius Chalybeus Cuv. = Co-
psychus pluto; Lanius lunulatus Cuv. ein vielleicht unbeschriebener
Ihamnophilus ; L. raelas Cuv., ebenfalls ein Thamnophilus (Abbild.
pl. 17, fig. 1) ; L. poecilurus Cuv.» desgleichen ein Thamnophilus (Ab-
■ der Vögel während des Jahres 1855. 5
bild. pl. 17. fig. 2) ; Muscicapa anthoides sei ein neuer Corylhopis ;
Turdus sinensis Cuv. = T. mandarinus Bp. ; T. atricilla Cuv. = Ixo-
cincla olivacea Bl. ; Philcdon gularis C. (Abb. pl. 18) = Hypsipetes
philippensis Strickl. ; Turdus Peronii Yieill. (pl. 19) = Geocichla ru-
biginosa Müll.; Pyranga icteroinelas sei Ploceus bicolor; Platyrhyn-
chus rufiventris V. sei Bhipidura ochrogaslra Müll.; PI. albicollis V.
(pl. 20. flg. 1) = Rh. fuscoventris Francl. ; Rhamphocaenus viridis Less.
sei von Madagascar und = Bernieria sp. Bp. — Tropidorhynchus dic-
menensis Less stamme von Keucaledonien und sei neu (pl.2l); Turdus
Diardi Less. von Cochinchina sei ein wahrscheinlich neuer Garrulax;
Tachyphonus somptuosus Less. (Abbild, pl. 2-3) sei = chloricterus
Yieill. — Muscicapa Delalandi Less. = 31yiothera calcarata Wied;
M. elegans Less. sei eine vielleicht neue Culicivora ; M. Gaimardi Less,
von Neuguinea sei eine Tchitrea und stamme aus Madagascar. —
Treffliche Beschreibungen und Messungen.
Prof. Bert hold in Göltingen veröfFentlichte ein ein-
faches Namensverzeichniss der Vögel des dortigen Museums.
Von Rei chen ba ch's „Synopsis avium" erschienen
verschiedene Forlsetzungen, Tafeln sowohl als Text: Spechte
und Colibri's. Es gehört dieses Werk Rei ch enbach's bei
mancherlei Mängeln in der Ausführung zu den besten und
nützlichsten der ornilhologischen Lilteratur und es ist, wie
schon früher bemerkt, die Vollendung derselben im hohen
Grade wünschenswerlh.
C. Sundevall: „on muskelbyggnaden i foglarnas ex-
tremitater" aus den Naturforsk. Sällskap. Förhandl. übersetzt
in Cabanis Journal. Eines Auszugs nicht wohl fähig.
J. K. Blumenbach: „Aller Sing- und Stubenvögel
Fang, Wartung und Zähmung; mit einer Abhandlung über
die Vögel im Allgemeinen und einer Anweisung dieselben
so vollkommen auszustopfen, dass sie wie im lebenden Zu-
stande aussehen. Mit vielen colorirten Abbildungen. Wien.
143 S.
C. L. Brehm: „Der vollständige Vogelfang; eine gründ-
liche Anleitung alle europäischen Vögel auf dem Drossel-,
Staaren-, Ortolan-, Regenpfeifer-, Strandläufer- und En-
tenheerde mit Tag-, Nacht- und Zugnetzen zu fangen; mit
besonderer Berücksichtio:uno- der Voo-elstellerei der Franzosen
und Afrikaner, nebst einer Uebersicht und kurzen Beschrei-
bung aller europäischen Vögel , unler denen sich viele neue
6 H a r 1 1 a u b : Bericht über die Leistungen in der Naturgeschichte
Arten befinden.« 1. Bd. 8. 416 S. Ein Buch wie es eben nur
der alte Brehm schreiben konnte.
Ch. Joubert: „Chasse aiix oiseaux. Manne! de l'oise-
leur ou Tart de prendre, d'elever et d'insiruire les oiseaux
soit en voliere, en cage ou en liberte; illustre de 24 gravu-
res. Paris. 1 Vol. in 16mo.
Lereboullet: „Coup d'oil sur l'organisation, les nioeurs,
la distribution geographique et le röle des oiseaux." Strass-
burof. Brochüre von 48 Seiten.
R. Harbough: „The birds of the Bible with coloured
engravings.« Philadelphia. 4. 300 S.
Die „Proceedings of the Zoological Society of London''
geben eine Reihe trefflich von W o 1 f ausgeführter ornitho-
logischer Abbildungen. Auf den Text wird dieser Bericht
verschiedentlich zurückkommen.
J. Cabanis: „Journal für Ornithologie'' enthält von
hierher gehörigem: 1) Nachträgliches über Nistvorrichtun-
gen für Höhlenbrüter von C. Gloger p. 80— 86. 2) „Ein
ferneres Wort über Ausfärben" von v. Homeyer. 3) C.
Sundevall's treffliche Arbeit über die Flügel der Vögel
gut und vollständig übersetzt. 4) Beiträge zur exolischen
Ornithologie von den Brüdern Verreaux und vom Ref.
5) „lieber die Rubrik der Motto's" von Justitiar Fr. Boie.
Durch alle Klassen und bei den einzelnen Arten durchge-
führt aus den poetischen Ueberlieferungen vieler Nationen.
Sehr interessant. 6) W. Mewes „über die Farbenverände-
rungen der Vögel durch und ohne Mauser" p. 230 mit Ab-
bildungen. Gründlich, wie es scheint, und darum wichtig.
7) „Der Zug der Vögel" von Paslor Brehm. Sehr gute
alles wichtigste umfassende Arbeit ; ja in ihrer Art die beste
uns bekannte. 8) Uebersetung von S c h 1 e g e l's Arbeit
über das Wachslhum und die Farbenveränderungen der Fe-
dern der Vögel, von B. AI tum. 9) A. Hausmann „Die
Farbe der Kehle steht mit dem Gesänge in keiner Beziehung."
Eine Ansicht, der wir durchaus beipflichten. 10) Index zu
Pucheran's „Etudes sur les types peu connus du Musee de
Paris" von Dr. G. Hartlaub. 11) Ornilhologische Bemerkun-
gen von Justitiar F. Boie u» s. w.
der Vögel während des Jahres 1855. 7
Auch die„Naumannia« blieb nicht zurück und brachte
1) L. Brehm „über die Ehen der Vögel." 2) Hammargren
Bemerkungen zu Brehm's „über Species und Subspecies."
3) Dr. Fr. Staude „Grundriss eines nalürlichon Systems der
Vö2:el." 4) B. AI tum „Planmässiges Sammeln der Vögel und
planmässiges Ausstopfen und Stellen derselben.« 5) Die Zeich-
nung der Kehle steht bei den Vögeln gewöhnlich mit dem
Gesänge in Beziehung«, von C. L. Brehm. Sehr geistreich
aber — nicht durchzuführen. 6) ..Ueber Vogelstimmen, in
Briefen an C. ß olle von A.H aus mann. 7) B. AI tum „Ueber
Ausstopfen und Stellen der Vögel im Allgemeinen« u. s. w,
Europa.
Dr. A. V. Middendorf: „Die Isopiptesen Russland's.
Grundlagen zur Erforschung der Zugzeiten und Zugrichtun-
gen der Vögel Russland's": Mem. de l'Acad. de St. Pelersb.
Sc. natur. t. VIII. Und Separatabdruck daraus. Nach sehr
reichem Material an Beobachtungen vom Verfasser, A. von
Nordmann, Gebier in Barnaul, Kessler und Anderen,
und mit Benutzung der vollständigen Litteratur höchst fleis-
sig und geistvoll gearbeitet. Nach der Ansicht v. Midden-
dorfs richtet sich der Zug der russischen Vögel gegen das
Taimyrland, also gegen den magnetischen Pol hin.
Dasselbe wiederhole sich in Amerika. Die Unbeirrbarkeit
der Vögel bei ihrer W^anderung scheine darauf zu beruhen,
dass sich dieselben der Lage des Magnetpol's klar bewusst
seien und darnach ihre Zugrichtung einzuhalten wüssten; es
wohne ihnen ein inneres magnetisches Gefühl inne. Mehrere
Karlen erläutern die Ansichten und Beobachtungen des Verfas-
sers, über deren vollgültigen Werth wir kein competentes
Urtheil zu haben gestehen. Es wird Bezug genommen auf
102 Vogelarten.
C. A. West er lund: „Öfversigt af Öland's Foglar och
Amphibier«: Götheborg's Kongl. Acad. Handl. III. p. 57— 72.
H. G. Adams: „Favourite song-birds, a description of
the fealhered songsters of Britain« etc. ed. II. 196 S.
Von F. 0. M 0 r r i s: „History of British Birds« erschien der
4te Band. 330 S. mit 62 colorirten Abbildungen,
8 Hartlaub: Bericht über die Leistungen in der Naturgeschichte
R. Morris: „British Game-birds and wild fowi.« 1 Vol.
in 4. 212 S. mit 60 colorirfen Kupferlafeln.
Meyer's „British birds and their eggs« nimmt raschen
Fortgang und gedieh bis zum (35ten Hefte. Jedes derselben
enthält vier colorirte Kupfer tafeln.
Dr. Jaubert: fährt fort die Ornithologie Südfrank-
reichs in kritischer und höchst wissenschaltlicher Weise
zu beleuchten : Rev. et Magas. de Zool. p. t)3 u. s. w.
Er hält die Calamoherpe palustris der südlichen Alpen für ver-
schieden von der unsrigen und nennt sie C. pratensis. Ausführlicher
über Hippolals pallida Gerbe (= cinerascens Selys), deren Vater-
land die Provinz Oran ; über die neue Calamoherpe brachyptera von
eben daher; über Hippolais Yerdoti Jaub. aus Aegypten (der pallida
verwandt): über Sylvia melanocephala , conspicillata, passerina, J^u-
sciniopsis Savii u. s. w. Dann auf S. 222 sehr instrucliv über Embe-
riza rustica, die fast alljährlich gegen Ende October erscheint. Alle
Kleider werden beschrieben ; ferner über E. pyrrhuloides und schoe-
niclus u. s. w. Ruticilla Cairii ist nach Jaubert nur lithys vor der
ersten Riauser. Mit Recht eifert J. gegen die herrschende Tendenz
die Verbreitungssphäre aller nordafrikanischen Vögel über Spanien
ausdehnen zu wollen. Lanius meridionalis nistet in ganz Südfrank-
reich. Caxicola leucura sei sedenlär am Littoral Südfrankreichs, werde
aber immer seltener. Savi halte jetzt S. aurita ^ für ^ ad, non sta-
pazina.
Vincelot: „Tableau synoptique pour servir ä l'etude de
rOrnithologie et de l'Oologie de Maine et Loire. Angers. 8.
D. Francisco de Lujan: „Memoria que comprendre
et resumen de los Rabajos verifuados etc.^por las diiTeren-
tes secciones de la commission encargada de former el map-
geolog. de la provinc. de Madrid. Darin eine Abhandlung
über die Vögel Spaniens und vorzugsweise der Provinz
Madrid.
A. Machado: „Catalogo de las aves observadas en
algunas provincias de Andalusia.« Sevilla 1854. Broschüre
von 26 S.
Dr. Lindermeier: „Naturhistorische Skizze von Eu-
böa.** Auf S. 401 nach einer sehr ausführlichen allgemei-
nen Einleitung das systematische Verzeichniss der dort le-
benden Vögelarten. Es werden deren 250 aufgezählt.
D u b 0 i s :^ „Flanches colories des oiseaux de la ßelgique
der Vögel während des Jahres 1855. 9
et de leurs oeufs" livr. 41— 51. Unser Naumann lässt die-
sem Werke in einer ausführlicheren Recension in der Nau-
mannia nicht allzuviel des Guten. Unsere eigene Ansicht
über dasselbe ist des öfteren mitgetheilt.
Ad. Schwab: „Fauna der Vögel eines Theiles von
Mähren und Schlesien nebst Angabe der Brutzeit und des
Zuges," sowie auch kurze Beschreibung der Nester und Eier
derjenigen Vögel, die in unserer Gegend brüten, durch eigene
14jährige Beobachtungen und Erfahrungen begründet: Ver-
handl. des zool. hotan. Vereins in Wien, 4. Bd. p. 487 — 534.
Blasius Hanf: „Notizen über einige in der Umge-
bung von MariahofT in Steiermark vorkommende seltenere
Vögel und über den Farbenwechsel des Schneehuhns** 1. c.
p. 617-623.
J. T. Leu: „Die im Regierungsbezirke Schraben und
Neuburg vorkommenden Vögel." Augsburg. Broschüre von
20 Seiten. Es werden 220 Arten namhaft gemacht. Dabei
mancherlei Angaben über Fundord, Brutgeschäft u. s. w.
Die Naumannia hat: 1) Vögel der Umgegend von Lyon,
von Leon Olph. Gaillard auf S 44. Es werden 232
Arten aufgeführt. 2) Bemerkungen über die Vögel des Min-
del- und Kamalthales in Baiern , von C. L. Landbeck,
mitgeth. von Pfarrer Jäkel. S. 73. Recht gut. 3) W al-
le ngren's „Brülzonen der Vögel innerhalb Skandinaviens <^
Forts. 4) „Die Vogelwelt im letzten W^inter," von Baron Kö-
nig-Warthausen. 5) Verzeichniss der europäischen Vö-
gel nach den Species und Subspecies, von C. L. Brehm.
6) Dr. A. Hummel: „Ornithologische Mittheilungen aus
Kurland." 7) F. P. Brahts: „Vögelfauna von Neuwied.«
Gute ausführliche Arbeit. 8) Auszug aus Bailly's „Orni-
thologie du Savoie.^^ 9) Blasius: „Ueber verdächtige Ar-
ten im Verzeichnisse der europäischen Vögel." Sehr nützlich
und zeilgemäss. An IQO Arten werden als weiterer Be-
stätigung bedürftig namhaft gemacht. Zufälligen Gästen wMrd
das Bürgerrecht nicht zugestanden. 10) C. F. Wiepken:
„Bericiit über eine ornithologische Excursion am Jahdebu-
sen" u. s. w.
Cabanis Journal für Ornithologie bringt: 1") „Be-
10 Hartlaub; Bericht über die Leistungen in der Naturgeschichte
merkungen über die Vögel der canarischen Inseln«, von Dr.
C. Bolle. Im hohen Grade anziehend und instructiv.
Ausführlicher über die Lebensweise und das Vorkommen von
Columba laurivora, livia, afra; über Pterocles arenarius auf Fuerta-
ventura, Perdix petrosa auf Fuertaventura und Lauzarote fehlend:
Otis houbara, nur aur Fuertav. ; über Coturnix communis ; Cursorius
isabellinus auf Fuertav. und Lauzarote; Haematopus niger (!) auf
Handia, Lanxar., Fuertav. und Grazlosa; über Larus argentatus, Puf-
finus cinereus, P. columbinus auf Lauzarote u. s. w.
2) C. Vangerow: „Versuch einer Uebersicht der
Vögel der Mark.^^ Von 234 Arten sollen I6l daselbst brü-
ten. 3) „Die Erstlinge moderner spanischer Ornithologie,"
von Dr. C. Bolle. Giebt im Auszuge die uns bekannten
Arbeiten von Ignazio Vidal und Fr. de los Rios Na-
ceyro. 4) Jäkel: „Der Vögelzug und andere Wahrneh-
mungen über die Vogelwelt Baierns im Jahre 1853—54.'^ 5)
Briefe aus Helgoland^ von Dr. C. Bolle u. s.w.
E. Vernon Harcourt: „Notes on the Ornithology of
Madeira.^^ Ann. and Mag. 1855. p. 430. Eine sehr interes-
sante Arbeit voll ergänzender Angaben und Berichtigungen
zu früheren Nachrichten Heineken's und Anderer.
Ausführlich wird über die Lebensweise mancher Arten ge-
sprochen; so über Cypselus unicolor und Columba trocary. Als ganz
neue Art wird ausführlich beschrieben Reyulus maderensis Harc.
Lebt ziemlich selten in den Urzedickichten und Lorbeereichenhainen.
Von 100 Arten, die als vorkommend aufgeführt werden, scheinen
nur etwa dreissig als permanent ansässig betrachtet werden zu müs-
sen. Unter den gelegentlich auf dem Zuge daselbst beobachteten
werden merkwürdig genug Porphyrio Alleni und Chizaerhis varie-
gata , beides bekanntlich westafrikanische Vögel, namhaft gemacht;
eine Angabe, die uns dringend weiterer Bestätigung bedürftig er-
scheint.
W. J. Bädeker: „Die Eier der europäischen Vögel
nach der Natur gemalt, mit einer Beschreibung des Nestbaus*,
von L. Brehm. Jede Lieferung giebt 8 Tafeln aus den
Hauptordnungen der Vögel. Der Text ist nur kurz gehalten.
Die Abbildungen sind vortrefflich. Hoffentlich wird dieses
Werk eine Aufnahme finden, die zur Forlführung desselben
ermuthigt.
der Vögel während des Jahres 1855. 11
Asien.
Von Gould's Praclilwerk: „The Birds of Asia« liegt
der 7te Theil dem Berichte vor.
Derselbe enthält auf 17 Tafeln die meist reich gruppirten
und mit landschaftlichem Beiwerke geschmackvoll ausgestatteten Ab-
bildungen von Merops viridis, ölerops philippinus , Hydrophasianus
sinensis, Acccntor nipalensis, A. immaculatus Ilodgs. (mollis Bl.)j A.
rubeculoides Moore von Nepal; Accentor strophiatus H. mit Andro-
sace sarmentosa; Lerwa nivicola H, schöne Gruppe; Tragopan me-
lanocephalus Gr. in Lebensgrösse ; Suja lepida Bl. von Dr. Gould
aus Sindh eingesandt; Psaltria exilis; Psaltria erythrocephala (Vig.)
auf Andromeda ovalifolia ; Psaltria concinna G. n. sp. aus Chusan ;
Psaltria leucogenys, Moore aus Afganistan; Acanthiparus niveogularis
G. n. sp. auf Cornus capitata Wall.; Acanthiparus ionschistos Hodgs.
auf Roydsia suaveolens Roxb. ; Mecistura glaucogularis G. aus China.
Dritte Art der Gattung. M. trivirgata lebt in Japan. — Das Werk
schreitet äusserst langsam vorwärts.
Dr. H. Gould, der talentvolle Sohn des berühmten
Vaters, ging als Naturforscher nach Scinde und die Procee-
dings of the Zool. Sociely haben einige von dorther an die-
sen gerichtete Briefe mit ornithologischen Notizen.
Erlegt wurden Cuya lepida , Cypselus affinis, Certhilauda du-
raentorum, Miraffra chendola, Calandrella brachydactyla, Saxicola atro-
gularis und picata, Malacocercus caudatus , Ploceus mangar, Actitis
bypoleuca, Sterna sp. der minuta verwandt.
A. R. Wallace: „On the Ornithology of Malacca.«
Ann. and Magaz. p. 95. Nur kurz , aber sehr hübsch und
offenbar mit Beobachtungstalent und Sachkennlniss geschrie-
ben. Die Vögelfauna Malacca's ist eine sehr reiche. Sieben
Wochen hindurch wurde von Wallace und seinen Jagd-
genossen gesammelt , und die Ausbeute scheint die Entbeh-
rungen und Anstrengungen der Reisenden im vollsten Maasse
gelohnt zu haben. Die grosse Geschicklichkeit der Malayen im
Abbalgen kam ihnen sehr zu Hülfe.
Werthvolle wenngleich nur kurze Angaben über die Lebens-
weise mancher Arten , über die Färbung gewisser Weichtheile. Ge-
priesen wird der Gesang von Copsychus mindanensis. Die Mega-
laema- Arten leben tukanartig. Aus den (iruppen der Ixodinen und
Timaliinen wurden an 40 Arten gesammelt. Pittae kommen nur selten
zur Beobachtung. Der Argusphasan wird fast ausschliesslich in Schlin-
gen gefangen; ihn zu schiessen hält sehr schwer u. s. w.
12 Hartlaub: Bericht über die Leistungen in der Naturgeschi chte
Lieutenant Burgess „Notes on the habits of Indian
Birds'^ wurden der Zoologiral Sociely vom lOten Januar 1854
vorgelegt: Ann. and Mag. of N. H. XV. p. 375. Hier der
Anfang einer durchaus auf selbständige Wahrnehmungen ge-
gründeten sehr werthvollen Arbeit über die Lebensweise zahl-
reicher indischer Vögel, und zwar ganz speciell über die Fort-
pflanzung derselben. Burgess beschreibt ausführlich das
Nest und die Eier der von ihm beobachteten Arien, und da
die Zahl derselben, wie schon benierkt, sehr gross ist, so
darf man diesen Beitrag zumal auch von Seiten der Oologie
als besonders wichüg mit Freude begrüssen.
„List of Malayan Birds« collected by Dr. Th. Cantor,
wilh descriptions of the imperfectly known species l)y Fr.
Moore: Proceed. Zool. Soc. 1854. p. 258. Gute ausführ-
liche Arbeit mit werthvollen biographischen Notizen über ein-
zelne Arten.
B. H. Hodgson: „On the physical geography of the
Himalaja" aus dem Journ. of the As. Soc. of Bengal in den
Proc. Zool. Soc. of Lond. 1855. p. 124. Enthält, wie von
Hodgson nicht anders zu erwarten stand, auch manches
Ornithologische.
Hodgson nimmt für die Thierwelt des Himalaja drei Haupt-
regionen an und zwar: 1) die unteren Ebenen bis zu der Höhe von
4000' über dem Meere; 2) die Centralregion , von 4000' bis 10000'
Erhebung reichend; und 3) die obere Region zwischen 10000' und
16000' Höhe über dem Meere. Jede dieser drei Uegionen wird mehr
oder weniger ausschliesslich von ihren eigenthümlichen Gattungen
und Arten bewohnt. Die Stelz- und Schwimmvögel wandern im
April und October zwischen den Ebenen Indiens und dem Hochlande
Thibet und sind selten im Gebirge aber gemein im Tarai. Die euro-
päischen Typen finden sich , z. B. die Rapaces , namentlich in der
centralen oberen Region, die echt indischen fast ausschliesslich in der
unteren. Hier ist auch, wo die schöngefärbten Arten aus der Familie
der Honigsauger angetroffen werden.
G. Rad de: „Thierleben am faulen Meere« (Siwasch):
Bullet. Soc. Imp. Naiur. de Mose. 1855. p, 150. Nach vor-
ausgegangener allgemein-physicalischer Schilderung der sehr
eigenthümlichen Gegend am faulen Meere beschreibt Rad de
in ungewöhnlich anziehender V^eise das Thierleben daselbst.
In gewissen Perioden des Jahres ist die massenhafte Anhäufung
der Vögel während des Jahres 1855. 13
von Sumpf- und Schwimmvögeln wahrhalt ungeheuer. Millionen von
Cliaradrien und Banallen erscheinen um die Zeit der herbstlichen Wan-
derung. Ausführlicher wird über Larus und Sterna gesprochen. Aus
ersterer Gattung kommen 9 Arten vor. Larus cachinnans ist immer
selten. L. columbinus Golaw. erklärt Radde mit Bestimmtheit für
gleichartig mit tenuirostris. Larus melanocephalus und minutus sind
im Frühlinge gemein. Viel über die Lebensweise dieser Arten. Von
Seeschwalben wurden 7 Arten beobachtet. Sterna caspia ist sehr
lokal und nur zu Zeiten gemein. St. macroura liebt die Nähe von
salzigem Wasser u. s. w. Nahrungsmangel und Kälte tödten am Si-
wasch viele Vögel, namentlich viele Enten. Anas boschas, penelope
und acuta unterliegen ziemlich oft. Gegen Ende des Winters und im
ersten Frühlinge erscheinen ungeheure Lerchenschaaren von calan-
dra und leucoptera.
G. Hartlaub: „Zur Ornithologie Indiens-** Cab. Journ.
IV. Eine Zusainmenstellung der neuesten Arbeiten über die-
sen Gegenstand.
Afrika.
Cabanis Journal für Ornithologie bringt: 1) „Sy-
stematisches Verzeichniss der Vögel Afrika's von Baron von
Müller;^* sehr dürftige und unvollständige Compilalion; fast
nur Namen und ungenügende Angaben über die geographi-
sche Verbreitung. 2) L. Buvry: „Die Wirksamkeit der
neueren Reisenden in Nordoslafrika" p. 61. Recht interes-
sant. Berichtet zuerst über H eugl in's Sammlungen vom
oberen weissen Nil, so z. B. auch über Balaeniceps , über
Corythaix leucolophus und verschiedene andere neue Arten,
über den Zweck des Kehlsackes bei Otis tarda und arabs u. s; w.
Aus der Nauniannia wäre hier anzuführen : 1) A.
Brehm: „Beiträge zur Ornithologie Nordoslarrika's,** mit be-
sonderer Rücksicht auf die in Europa vorkommenden Arten
der Vögel (Raubvögelj. 2) „Ornithologische Beobachtungen"
aus Dr. R. Vierthaler's Tagebuch auf einer Reise durch
Aegypten, Nubien, Dongola und Sennaar u. s. w.
Ein Brief B on apa rte's an Gu er in in der „Revue et
Mag. de Zoologie" bespricht die ersten Hefte des v. Mül-
ler'schen Werkes „Beiträge zur Ornithologie Afrika's.
Es wird nachgewiesen , dass beinahe sämmtliche als neu be-
schriebene Arten v. Müller's bereits anderweitig bekannt gemacht
14 Hartlaub: Bericht über die Leistungen in der Naturgeschichte
seien. So sei Spizaetos zonurus = spilogaster Dub., Muscicapa lu-
gubris sei eine Melasoma - Art, Saxicola albicilla und atricollis seien
sehr wahrscheinlich nur xanthomelaena und morio Ehrenberg's, Gyps
magnißcus sei Rüppellii , Aluscicapa pallida sei ein Sericolius , Cala-
moherpe macrorhyncha sei stentoria Ehrenb., Carpospiza longipennis
sei Petronia brachydactyla Hempr., Textor sublarvatus sei intermedius
Rüpp., Ploceus rufocitrinus sei badius Cass. und Ruticilla Bonapartei
sei marginella Bp. und mesoleuca Ehrenb. Bonaparte irrt aber,
wenn er Cypselus aequatorialis für gleichartig mit abyssinicus Streub.
erklärt. — v. Müller's Werk, dem viel Verdienstliches nicht abzu-
sprechen, ist wie es scheint in's Stocken gerathen. Schade!
A. Brehm; „Reiseskizzen in Nonloslafrika.« 3 Bände.
Ein treffliches Werk voll anziehender Beiträge zu unserer
Kenntniss der Vögel jener Gegenden. Der dritte Band ist
besonders reich an lebensvollen Schilderungen aus dem Vo-
gelleben, deren eine das Wandern zum Gegenstände hat.
Allen Freunden der Ornithologie eine gewiss willkommene
Gabe.
„Faune ornithologique de l'Algerie" par A. Mal herbe
Metz 1855. 8. Broschüre von 40 Seiten, nach den Samm-
lungen Ledoux's und Anderer mit genügender Sachkennt-
niss bearbeitet.
Von nicht eigentlich europäischen Arten heben wir hervor
Aquila rapax, Falco punicus Levaill., Elanus nielanopterus, häufig in
der Provinz Bona ; F. ferox Gm. (cirtensis Levaill.) ; Caprimulgus isa-
bellinus Bona; Malurus numidicus Lev. Explor. Alg. pl. 9. fig. 1.;'
Hypolais pallida Gerbe; Ruticilla Moussier!, Crateropus Acaziae in
der Provinz Constantine; Garrulus cervicalis Bp. Expl. scienc. Alg.
pl. 6 ; Alauda clot-bey ; Alauda dilopha Temm. Bona ; Picus Vaillantii
und numidicus, Emberiza sahari Levaill. (gute Art, die ich in Paris
zu untersuchen Gelegenheit hatte), Exped. sc. Alg. Ois. pl. 9. fig. 2;
Fringilla spodiogenys , Parus Ledouci und caeruleanus, Pica maurita-
nica ; Oxylophus algirus Malh. Oran ; Turnix albigularis Malh. (?j
Oran ; Ibis calva Gm. Exped. sc. Alg. Ois. pl. 9. fig. 2 ; Carbo Niep.
cii Älalh. (?) ; Otis arabs. Die angeblich neuen Arten sind ausführlich
beschrieben.
Jules F. Verreaux: „Observations sur les moeurs
des Oiseaux de l'Afrique meridionale et occidentale.** Kev.
et Magas. de Zool. p. 174 elc. Bei dem Wenigen, was uns
von der Lebensweise afrikanischer und speciell westafrikani-
scher Vögel bekannt ist, erscheinen diese von einem For-
der Vögel während des Jahres 1855. 15
scher wie Verreaiix mitgrtheiUen Beobachlungen von ganz
besonderem Wcrihe. Dieselben stammen zum Tlieil aus dem
reichen Schatze eigener Erfahrung, einer Erfahrung, wie sie
eben nur ein zur Hälfte in den Wildnissen dreier Welllheile
verlebtes fast ausschliesslich naturwissenschaftlichen Studien
gewidmetes reiches Leben zu geben vermochte, zum Theil
aber aus den Miltheilungen geübter Reisenden, welche das
Haus Verreaux zu jeder Zeit an verschiedenen Punkten
unseres ErdbalPs unterhält und durch deren Hülfe es ihm allein
möglich wird, die exquisitesten zoologischen Seltenheiten
aller Zonen in seinen Magazinen aufzuspeichern.
Verreaux berichtet über die Lebensweise von Elanus mela-
nopterus, Buceros fistulator, Zanclostomus flavirostris, Cuculus gabo-
nensis (Fortpflanzung!), Centropus monachus, Dendrobates Lafre-
nayei, Halcyon dryas, Ispidina cyanotis, Corythornis cristatus, Mcrops
variegatus, bicolor und gularis, Ixos ashanteus , Lanius Smithi, Turdus
pelios etc.
John C assin: „Descriptions of new birds from We-
stern Africa.« Proceed. Acad. Natur. Sc. of Philadelphia
1855. p. 324. Es werden hier 14 sehr interessante neue
Arten zu unserer Kennlniss gebracht, welche der talentvolle
Reisende Belloni du Chaillu am Moondaflusse in Gabon
sammelte. Wie wir erfahren, ist derselbe augenblicklich auf
einer neuen wissenschaftlichen Reiseunternehmung begriffen.
Er beabsichtigt von Gabon aus das Queilgebiet des Congo
zu erreichen,
Amerika.
Ueber das Leben und den Haushalt der Vögel in den
Polargegenden bringt Petermann's Bericht über die B ei-
ch er'sche Expedition zur Aufsuchung Frank lin's sehr in-
teressante Aufschlüsse.
Wenn, wie längst bekannt, die Zahl der Arten innerhalb die-
ser hochnördlichen Breiten eine nur geringe ist, so war dagegen die
der Individuen an manchen Punkten eine wahrhaft ungeheure. Ge-
wisse Arten wurden überall angetroffen , so die Schneeammer und
Schneehühner, letztere oft in unglaublichen Massen. Man stiess auf
stark besetzte Brutcolonien verschiedener Larus- Arten. Auf den
Cheyne- Islands nisteten Anas mollissima und eine Sterna, die ihre
Eier auf dem nackten Felsen von der Sonne ausbrüten Hess. Auf
16 Hartlaub: Bericht über die Leistungen in der Kaiurgeschichte
den nördlichsten von der Expedition erreichten Punkten, den Folynia-
Inseln, fand man noch zwei Vogelnester. Die Prinz - Patrickinsel
zeigte ein reiches thierisches Leben. Lestris parasitica wurde Lem-
minge jagend, noch unter den höchsten nördlichen Breiten angetrof-
fen. Ucber die Fauna des Wellingtoncanals liegt ein guter Bericht
des SchifTsarztes M'Cormick vor. Es kamen zur Beobachtung Cor-
vus Corax (sehr selten), Lagopus, Plectrophanes nivalis, eine Frin-
gilla, Tringa maritima, Mergulus alle, Uria grylle, Colymbus septen-
trionalis, Sterna arctica, Larus eburneus, Glaucus argentatus, tridacty-
lus, Anas moUissima und spectabilis, Procellaria glacialis und pela-
gica, eine Ringelgans; auf der Melville- Insel noch ein Falke und
eine Eule.
Elisha J. Lewis: „The American sportsman etc.^^,
wilh noles on the game - birds and wild fowl of America,
ed. 2. mit zahlreichen nicht schlechten Abbildungen. 504 S.
A. Gerhardt: „lieber die Lebensweise der Vögel
Nordamerikas, welche im Staate Georgien vorkommen." Naum.
p. 380. Wenngleich des Neuen nur sehr wenig enthaltend,
liest man diesen Beitrag eines geübten und enthusiastischen
Naturforschers doch mit Befriedigung.
Gloger fährt fort geist- und kenntnissreiche Mitlheilun-
gen über Audubon's Schriften zu machen. Caban. Journ.
F. L. Sclater: ,,Notes on the löspecies ofTexan birds
named by M. Giraud of New -York." Proceed. Zool. Soc.
1855. März 27. Sehr verdienstlich.
Giraud's Werk ist bei uns so gut wie gar nicht bekannt.
Nur ein Theil der von ihm als neu beschriebenen und abgebildeten
Arten scheint dies wirklich zu sein. Nicht zu deuten weiss Scla-
ter: Muscicapa Lawrencii Gir. pl. 2. fig. 1 , M. fulvifrons Gir. ib.
Cg. 2, Sylvia Halseii G. ib. pl. 3. fig. 1 ; die übrigen dreizehn sind
bekannt, aber der von Giraud gegebene Name hat in mehreren Fäl-
len die Priorität.
Von Cassin's trelflichem Buche „The Birds of Cali-
fornia, Oregon, Texas etc.« erschien die 8te bis lOte Lie-
ferung und damit fiir jetzt der Schluss des Werkes, welches
gerade einen stattlichen Band in Grossoclav ausmacht. Wie
schon früher bemerkt, giebt es wenig Arbeilen auf dem Ge-
biete der Ornithologie, denen wir, nach unseren» Geschmack
und bestem Wissen, so unbedingt und rüikhaltslos Lob
spenden möchten, als gerade diesem Werke. Wir betrachten
dt'j- Vogel wälireiul des Jahres 185"). 17
dasselbe als eine der grössten Zierden unserer BiLliolhek und
mögen uns nur ungern der Holl'nung enischlagen, dass künf-
tig eine Fortsetzung desselben zu Stande kommen werde.
Dr. Gundlach: „Beiträge zur Ornithologie Cuba's"
nach Mittheilung des Bezirkdirector's Setzekorn, von Dr.
J. Cabanis, Journ. für Ornilh. Jahrg. II. Heft 6. Jedenfalls
eine der werlhvollsten Arbeiten auf dem seit einigen Jah-
ren stark kultivirten Gebiete der westindischen Ornithologie.
Der Verfasser, seit einer Reihe von Jahren auf Cuba ansäs-
sig, hatte die glücklichste Gelegenheit liefere Einsicht zu ge-
winnen in das Leben und den Haushalt der dort vorkommen-
den Vögel. Die Fortpflanzung derselben war Gegenstand
seiner speciellen Beobachtung und wir verdanken ihm dar-
über zahlreiche und zum grösseren Theile auch neue An-
gaben.
M. Chart ton Henry: „Notes derived from observa-
tions made on Ihe Birds of New-Mexico during the years
1854—55.« Proceed. Acad. Naf. Sc. of Phihid. April 1855.
In dieser nicht unwichtigen Arbeit führt der Verfasser 170 von
ihm beobachtete Vögel auf, unter ihnen natürlich manche seltnere und in
ihrer Lebensweise noch unvollständiger bekannte : Caprimulgusp^'uttalli,
Hirundo thalassina und fulva, Muscicapa nigricans, Pyrocephalus rubi-
neus, rtilogonys Townsendii und nitens, Toxostoma rediviva, Parus
Wolhveberi , minimus; Sialia arctica und occidentaiis , Plectrophanes
M'Cownii, INiphaea oregona, Coryuallina bicolor , Gymnokitta cyano-
cephala, Kucifraga columbiana, Picus thyreoideus, Lophortyx Massena
und Gambelli, Tetrao obscurus , Anas Rafflesii etc. Der Schauplatz
dieser Beobachtungen liegt südlich und nordwestlich von der Tor-
nada del muerto, ferner am Rio de los mimbres.
Sir William Jardine setzt seine „Contributions to
Ornilhology'' fort und zAvar im Edinb, new philosoph. Jour-
nal Vol. I. p. 118. Er berichtet über eine kleine von Prof.
Jameson auf der öslichen Cordillere Ecuador's zusammen-
gebrachte Sendung und theilt dessen an botanischen und or-
nilhologischen Beobachtungen reiche Correspondenz mit.
Die Lokalität ist eine sehr interessante und wird ohne Zweifel
noch manches Neue liefern. Gesammelt wurden: Buteo erythrono-
tos , Trogon personatus, Tr. paponinus, Rupicola peruviana, Tanagra
notabilis, Saltator arrcmonops und einige andere.
P. L. Sclater: „List of a colleclion of Birds from the
province of Quiyos in Ecuador." Proceed. Zool. Sog. Mai
Archiv f. Naturgcsch. XXH. Jahri;. 2. Bd, ß
18 Hartlauh: Bericht über die LeistuDgen in der Naturgeschichte
1854 und Ann. and Mag. p. 279. Eine jener gewissenhaf-
ten Arbeiten Sciater's, die seine ausgezeichnete und un-
gewöhnliche Kenntniss der Vögel Südamerika's in glänzender
Weise bekunden.
Unter 69 von ihm namhaft gemachten Arten sind mehrere neu,
verschiedene nordamerikanisch, als z. B. Setophaga ruticilla , S. ca-
nadensis, Sylvicola Blackburniae, noch andere ausschliesslich central-
amerikanisch , als z. B. Euchlornis Sclateri , Pipra Isidori u. s. w.
Ecuador besitzt die farbenprächtigsten unter den Vögeln Südamerika's.
P. L. Sciater veröffenllichte ferner ein meisterliches
Verzeichniss der bis jetzt um St. Fe de Bogota , auf ziem-
lich beschränktem Gebiete , gesammelten Vögel. Er kennt
deren 435 und konnte sie fast ohne Ausnahme selbst unter-
suchen; 16 Accipitres, 365 Passeres, 37 Scansores, 5 Colum-
bae, 5 Gallinae, 4 Grallae , 3 Anseres.
H. Burmeister: „Systematische Uebersicht der Thiere
Brasiliens u. s. w.^^ Zweiter Theil : Vögel. (Erste Hälfte).
Wenn dem gewissenhaften Fleisse und der deutschen Gründ-
lichkeil, womit dieses Werk gearbeitet, eine entsprechende
ornithologische Specialkenntniss zur Seile gestanden hätte,
so würde das den Werth desselben um ein bedeutendes er-
höht haben. Hier liegt aber die schwache Seite der Arbeit.
Der Verfasser kennt so manches nicht von dem, was neuer-
lich über die Vögel Südamerika's geschrieben; seine Unbe-
kanntschaft mit den trefflichen monographischen Arbeiten
Sciater's ist z.B. sehr zu beklagen, denn sie ist die Quelle
verschiedener Irrthümer geworden. Diese mangelhafte Kennt-
niss der nicht deutschen ornithologischen Litteratur macht
es auch vollkommen erklärlich, dass B. die Vögelfauna an-
derer tropischer Länder Südamerika's, z. B. Columbiens, Peru's,
ßolivien's und Centralamerika's nur in ungenügender Weise
für seine Arbeiten verwerthen konnte. Bei alle dem bleibt
der wissenschaftliche Nutzen des Buches ein sehr erheblicher.
Burmeister beschreibt die ihm bekannten Vögel Brasiliens
gut und ausführlich und sein erfolgreiches Bestreben , die
Gattungen scharf zu charakterisiren, verdient um so höhere
Anerkennung , als gerade hier einer der wundesten Punkte
der ganzen modernen Ornithologie vorliegt. Bonaparte
hat nicht eine einzige der zahllosen von ihm creirten Gat-
I
der Vögel während der Jahres 1855. 19
tungen genügend charaklerisirt. Mit besonderem Interesse
haben wir die Einleitung gelesen. Auch der anatomische
Theil ist sehr werlhvoll.
Dr. R. A. Philippi: „Ueber einige Vögel Chile's.«
Archiv für Naturgesch. Jahrg. 2 1. p. 9. lieber den ornitho-
logischcn Theil von Claudio Gay's grossem Werke wird
sehr unofünslicr aeurlheilt. Von hohem Interesse ist die Schil-
derung einer Excursion, welche Philippi nach der Anden-
hochwüste Alacama unternahm und deren Mühseligkeiten durch
die Entdeckung einer neuen dreizehigen Fhoenicopterus-Art
reichlich belohnt wurden. Chile ist dasjenige Land Südame-
rika's, dessen Vögel am besten bekannt sind.
„Vorläufige Bemerkungen über die Ornis der Provinz
Valdivia in Chile" von Dr. E. v. Boeck. Naum. Viert. Quar-
tal. Recht interessante und ausführliche Arbeit, aber leider
verunstaltet durch zahllose Schnitzer in den terminis techni-
cis. — Auf wessen Rechnung kommen diese Schnitzer? Lei-
der scheint Dr. Boeck, der Director des Lyceums in Val-
divia ist, von litterarischen Hülfsmilteln nur Claudio G a y's
sehr in Misscredit gekommenes Werk zu kennen.
Australien.
Von Gould's Prachlwerk „The Birds of Ausiralia" er-
schien der zweite Supplementband.
Er enthält die Abbildungen von Sceloglaux albifacies Gr., Stri-
gops habroptilus, Platycercus cyanogenys, Malurus amabilisG., Cinclo-
soma castaneothorax G., Merula vinitincta G. von Lord Ilowe's Island;
Podargus papuensis Q. G. , P. inarmoratus G., Carpophaga assimilis,
Manucodia Keraudrenii, Zosterops strenuus und tephropleurus , beide
von Lord Howe's Island; Eiopsaltria capilo, Pomatorhinus rufieeps
Hartl., Ptilotis fasciogularis G., Acanthiza magna G. von Van Diemens-
Land ; Tropidorhynchus buceroides Sw., von Nordaustralien.
J. Gould: „Ueber einige Arten von Vögeln, welche
von Macgillivray (R. M. ship Herald) von Lord Howe's
Island, Isle of Pines und Tristan d'Acunha eingesandt wur-
den. Da die Ornithologie der hier berührten Lokalitäten völ-
fig unbekannt war , so ist diese erste Millheilung darüber
von nicht geringem Interesse. Sämmtliche von Macgilli-
vray gesammelte Arten sind neu.
20 Hartlaub: Bericht über die Leistungen in der Nalurgcscliichle
Ch. L. Bonaparte: „Note sur les oiseaux des iles
Marquises." Compt. rend. Ac. Sc. tome4l. Nach den Samm-
lungen des Reisenden Edelestan Jardin erhalten wir
hier die ersle vollsländigere Liste von Vögeln der Marquesas.
Der bei weitem merkwürdigste unter diesen ist die sehr grosse
und höchst merkwürdige neue Taube, welche Bonaparte unter
dem Kamen Serresius galeatus in die Wissenschaft einführt. Sodann
werden verzeichnet: CoryphiUis dryas, Eudynamis tahitensis, Pomarea
nigra , Tatare otahitiensis , Collocalia fuciphaga, Ttilinopus leucoce-
phalus, Herodias sacra , Charadrius longipes, Totanus oceanicus, Sula
piscator , Phaeton candidus , Anous stolidus, Sterna fuliginosa, Gygis
Candida, Daption capensis, Diomedea exulans, D. fuliginosa und Fre-
gata tropica.
I. /tccifiitres.
Die Kaumanuia enthält: 1) T. Behrens „über Pernis apivo~
/•MS,« einer um Coburg sehr häufig vorkommenden Art. 2) Ueber
Aqniln minuta und pennn/a, von C. L. Brehm; natürlich zwei Arten.
3) Utber Aquila pennata , von Graf C. Wodzicki, der nur eine Art
anzunehmen geneigt ist. 4) Ueber die hochnordischen Edelfalken,
von Dr. K. Kj är b öl 1 i n g ; also über F. groenlandicus, islandicus und
gyrfalco, der nach K. eine kleine östliche nie ganz weisswerdende
Lokalrasse darstellt. 5) Wodzicki: über die Eier von Aquila peji-
nala p. 327.
Cabanis Journal für Ornithologie: l) „Bemerkenswerthes in
Bezug auf die Färbung der Uaubvögeleier ," von Pastor W. Päss-
ler. Werlh und diagnostische Bedeutung der Flecken u. s. w. Sehr
instructiv. 2) „Bemerkungen über einige Falkenarten," von A.
Fritsch p. 26G. (lanarius, peregrinoides, Eleonorae, concolor.)
Der südafrikanische „lachard" Levaillant's ( Buteo lachardus
Vieill.) wurde bei Sarepta erlegt. Cab. Jouru. p. 94.
Ebendaher sandte Moeschier B. lußnus R. (leucurus) mit
gebändertem Schwänze.
J. C a SS in : „Notes on Norlh-American Falconidae, wilh
dcscriplions of new specics. Proc. Acad. N. Sc. Philad. 1855.
p. 278.
Diese vortreffliche und gründliche Arbeit behandelt folgende
Arten : l) Falco nigriceps Cass. 2) F. polyagriis Cass. 3) Hypotrior-
cliis femoralis (in Neumexico von Dr. II e ermann beobachtet). 4)
Tinnunculus sparrerius, 5) Hierofalco candicans , 6) //. iüandicus ^ 7)
Asiur ahicapillus, 8) AccipUer Cooperiy 9) A. mexicanus, 10) A. fus^
CVS, 11 j Bulco borealis , 12) B. Bairdü Cass., 13) B. Swainso7iu Bp.,
14) B. calurus Cass., Ij) /?. elegans Cass., 1(3) D. oxtjplevus Cass.,
der Vögel während des Jahres 1855. 21
17) Aquila chnjsaelos, 18) Archibuteo lagopus^ 10) A. ferruginetiSy 20)
Polijhorus Ikarus und 21) Morphins unicinclus von Texas. Die geo-
graphischc Verbreitung der einzelnen Arten ist besonders berück-
siehtigt.
Peniis inadftfjascariensis Sm. ist nach Bonapart o ein jünge-
rer Vogel von Avicida cuculoides.
Neue Arten: Btileo calurus Cass. ganz schwarz mit braunrothem
Schwänze; Neumexico. — B. elegans Cass. Californien, Keumexico. —
D. oxyplerus Cass. Keumexico. — ß. eximius Biehm. INaum. p.4. Ros-
seeres (dem rufinus zunächst). — B. anceps Br. ib. p. 6 dem commu-
nis verwandt. Blauer Fluss. — AqiiUa raplor Br. ib. p. 12. Blauer
Fluss. — Aquila Wiedii Br. ib. p. 21. Soll Bonelli znnächst kom-
men. Ueber den Werth oder Unwerth dieser neuen Brehm'schen
Arten getrauen wir uns ohne eigene Untersuchung Kein Urtheil zu.
Es werden 1. c. von Alfred Brchm noch andere Raubvögel seiner
Reise ausführlich und instructiv behandelt. Aquila albicans Rüpp. hält A.
B r e h m für eine gute Art. — Aslnrina Pucheraiii Verr. Rev. et Alag.
p. 350. Südamerika. — Gtjmnogemjs Mahakii Verr. TS^ublen ib. p. 348.
pl. 13. — ^isus Tuussenelli Verr. Gabon. Cab. Journ. p. lOl.
Abbild. Archibuleo ferrugincus Licht. Cass. Uluslr. pl. 26 ^
und jun. av. mit biographischen Notizen von Dr. Heer mann und
Dr. Kern. Nest und Eier vom ConsumnesHusse. — Bnleo Bairdd Cass
ib. pl.4l. — Ei von Otogyps: Proceed. Zool. Soc. Walter Ann.
p. 78.
H. Calvin and W. B r o d r i c k : „Falcoury in Ihe British
Isies. 1 Vol. 8. mit vielen Abbildungen. 21 Sh.
!$trfi<{^B<l:ⅈ. Cassin's schon erwähnte kritische Arbeit über
die Raubvögel Nordamerika's behandelt folgende Eulenarten: 1) Siri.r
pratiiicola Bp. 2j Bubo virgiuianus mit den Varietäten oder Lokalras-
sen pacißcusy arlicus (subarcticus Hoy.) und magellanicus. 3) Scops
a$io. 4) -Sc. M'Callii Cass. n. sp. AVesttexas und nördl. 3Iexiko. 5)
Olus Wilsonianus Less. (3) 0. brackyolus. 7) Sgniiuin cinereum. 8)
S. nebulosum. 9) I^'yclale Richardsonii Bp. 10) IS. acadica. 11) i\'.
albifrons Sh. (= Strix frontalis Licht.). 12) Athene hgpogaea Bp.
13) Glaucidiuni infuscatum Temm. (gnoma Wagl.) Oregon, Californien.
14) Nyclea nivea.
ISyclale Harrisii Cass. ist auch noch = Nyclalalinus albipuncta-
ins Kaup. (= Ciccaba gisella Bp.)
Neue Arten: Phalaenopsis Jardineib^. Compt. rend. Üctob. 55.
p. G. Quito. Guatemala. — Spiloglaux theomacha Bp. ib. p. 6. Neu-
guinea. — Ninox pliilippensis ]5\i. ib. p. 7. — Nyctaetos poensis F'raser
Fernando Po. Gute Art.
Abbild. Sceloglaux albifacics Gould. Suppl. Birds of Austral.
H. pl. 1.
22 Hart 1 au b: Bericht über die Leistungen in der Naturgeschichte
Ich halte im "Widerspruche mit B onap art e (Compt. rend. I.e.)
Lichtenstein's Str, licua für specifisch verschieden von der perlata
Ost - und Westafrika's.
II. Passeres.
Cnprimulg-idae« Eine Uebersicht der „nordamerikanischen
Ziegenmelker" giebt Cassin: Illustr. part. 9. Auch Chordeiles sapiti
wurde in Texas und Weumexiko gefunden. Eine neue Art ist: Chord.
Henryi Cass. 1. c. von Keumexiko, 10" lang.
Abbild. Podargits papuensis und Pod. marmoratus in Gould Birds
of Austr. suppl. II. pl. 7, 8.
C'yisseiidae. Ausführlich und kritisch schreibt über Collo-
calia nidifica Gr. und C. linchi (Horsf.) Fr. Moore im Catal. East
India House p. 98. — Ebendaselbst über Cypselus affinis J. E. Gray
und C. batassienxis J. E. Gray. Letztere Art nistet in den Blüthen-
kolben von Borassus flabeliiformis.
Sehr instructiv schrieb noch über die „Nester der Salanganen"
Bonaparte Compl. rend. Ac. Sc. Dec. 3. 1855. Er unterscheidet:
1) C esculenta sehr selten. Timor, Amboina. üceanien. 2) troglody-
tes Gr. Philippinen, Malacca. 3} /mc/a Nicobaren und 4) fuciphaga ia\&,
Sumatra, Indien.
Neue Art: Cypselus GalileyensisAuÜn. Naum. p. 317. Eine völ-
lig neue dem Mariinet ä croupion blanc Levaillant's entfernt ver-
wandte Art.
Uirundinidae* Ueber die nordamerikanischen Schwalben
und Segler vergleiche man Cassin 1. c.
Neu ist: J) elichon 7iipalensis Hodgs. Moore Proc. Zool. Soc. 54.
p. 384. pl. 63. Ann. and Mag. N. H. p. 225. Congenerisch mit Tem-
mink's Hirundo dasypus von Borneo.
Tudidae* Momolus caslaneiceps Gould Ann. p. 373 von Gua-
temala.
jLlcedinidat'i. Wichtig sind „Bemerkungen über das Arran-
gement der Jacamar's von Phil. L. Sclater: Procced. Zool. Soc.
Jan. 9. 1855. Als neu werden beschrieben: Galbula fuscivapilla Sei.
pl. 77. Neugranada. — Urogalba amazonum Sclat. ib. Peru. — Bra-
chygalba melanoslerna Sclat. ib. p. 15. Goyaz in Brasilien. — Galbula
chalioUwrax Sclat. Ann. p. 280. Quijos. Es folgt sodann eine Galbu-
lidarum tabula geographica. Es verlheilen sich die 20 bekannten
Arten in 11 Galbula, 2 Urogalba, 2 Brachygalba, 2 Jacamaralcyon, 2
Jacamerops und 1 Gabalcyrhynchus (noch immer ungemein selten).
Biiccozäidae. Cassin's Barhalula Duchalluy vom Moonda-
flusse in Gabon ist = formosa Verr. und B. fuliginosa Cass. ebenda-
her = Gymnobucco Bonaparlei Verr. Näheres darüber in meinem
der Vögel während des Jahres 1855. 23
demnächst erscheinenden „System der Ornithologie Westafrika's. Tri^
cholaema ßavipimctalum J. Verr. ist av. jun. von Pogonias hirsulus Sw.
Zu den interessantesten ornilhologischen Entdeckungen der neue-
sten Zeit gehört ein von Prof. James on aus Quito eingesandter
(rleichsam zwischen den Rhamphastiden und Capitoninen inmitten ste-
hender Vogel : Tetragonops rhamphastinus Sclat. Die Färbung erin-
nert stark an Pteroglossus. Beschreibung und (leider) nicht colorirte
Abbildung in Edinb. new Philos. Journ. Vol. II.
P. L. Sclater: „lieber neue Bucconiden," Ann. p. 292. (Zool.
Soc. Dec. 13}. Daselbst beschrieben: Bucco radialus; B. striatipeclus ;
Malacoplüa fulcogularis ; ßl. substriata Sei. Neugranada. — Mal. ad^
spersa Sei. Venezuela.
Tenuirostres.
!?¥ecfarinisidae. Dicaeum Rushiae Cass. vom Moondafl. in
Gabon: Proceed. Acad. N. Sc. of Philad. p. 321. Diese neue Form
ist Typus meiner Gattung Pholidornis.
Eine neue Art ist : Coniroslrum ferrugincivenlre Sclat. Bolivien.
Proceed. Zool. Soc. 1855. p. 74. pl. 85.
Trocliilifla.e« Gould: „über die Nester der Colibri's."
Ann. and Mag. p. 157. Dieselben sind verschieden nach den Grup-
pen dieser artenreichen Familie. Burmeister's hübscher Aufsatz
darüber ist Gould nicht bekannt. — Desselben grosses Prachtwerk
über die Trochiliden nimmt seinen guten Fortgang. Wir kennen jetzt
10 Theile.
Reich enbach lieferte als Fortsetzung seines verdienstlichen
llandb. der Ornithologie eine Anzahl Tafeln mit ganz guten Abbild,
der Trochiliden und eine zweite verbesserte und vermehrte Auflage sei-
ner „Trochilinarum enumeratio ex affinitate natural! reciproca primum
ducta provisoria."
Neue Arten sind Spalhura cissiura G. Ann. and Mag. p. olS.
Peru. — Calotliorax micrurus G. ib. p. 319. Peru. 2yß" lang. — //e-
liothrix purpureiceps G. Proc. 87. Popajan. — H. phaenoleuca G. ib.
Rio Napo. — Threnetes cervinicauda G. Ann. p. 278. Ecuador.
Iflelipliag^idae. Das Ei \ on Proslhemadera beschrieb Wal-
ter Ann. p. 78.
Ca SS in will drei Mohna- Arten unterscheiden, nämlich: 1) M.
7iobilis Merr. 2) M. braccala Cass. Reichb. fig. 4099 von den Sand-
wichsinseln und 3) M, angustipluma Peale von Hawai. Letztere Art
zeigt nach Cas sin keine Verwandtschaft zu Lesson's Strigicep$
leucopogon.
Abbild. Ftilotis fasciogularis Gould Birds of Austral. Suppl. II.
pl. 11. Mangrove - Island. — Tropidorhynchus buceroides Swain«-
ib. pl. 17.
24 Ilartiaub: Bericht ül'er die Leistungen in der ISaliir:j( scliieiite
f ertlaitlae. INeu scheinen zu sein: Cynullaxis erylkrolhorax
Sclat. Pioceed, Zool. Sog. p. 75. pl. 86. Coban und Honduras. —
Dcndrovolaples Eijtoni Sei. Ann. p. 224. Para. — Campylui kynchus
hyposticlus Gould Froceed. p. G8 vom ütajala. — Rhamphocacnus ci-
ncveivenlris Sclat. Proc. p. 76. pl. 87. Pasto. — Cyphorinus albigularis
Sclat. ib. pl. 88. Panama.
Nach Sclater ist Eylon's Dcndrexetastes capitoides gleichartig
mit Dendrocolaplcs Temminkii Lafren. Cajenne?
Einen hübschen Beitrag zur Katurgeschichte von Tichodroma
phoenicoptera liefert Baron K ö n i g- W a rt h a u s e n : Cab.Journ. p.43.
iS'est und Eier beschrieben. In Würtemberg Kömmt dieser Vogel nicht
eben selten vor.
C. J. Sundevall: über Certhia Costae, Cab. Journ. III. p. 60.
Ist nur Kominalart und kömmt in Schweden immer solcher Gestalt
vor. Dagegen möchte Sundevall die C. brachydaclyla für eine
wirMiche Art halten.
Denürostres.
I^aiscinisaclaie. Ausführliches über die Lebensweise von
Copsycltiis sdvlaris und Kitlacwcla macroura findet man llorsf. Catal.
Birds E;^st Ind. ilouse p. 270 u. s. w.
Ueber die bis jetzt bekannten Accentor- Arten schreibt Fred.
Moore Proceed. Zool. Soc. ülai 1854. (Ann. p. 285.) Er kennt \)
{ilpiniia^ 2) nipalensis Hodgs., 3) varicyatus Bl., 4) tnodularis, 5) ru-
Lidus Sclileg., 6) iHoniunelliis P. , 1) rubectiloides Hodgs. n. sp.,
8) stiopiolus Hodgs., 9) immaculalus Hodgs. (niollis Bl.) , 10) U u t -
(um Moore ii, sp., U) allaicus Br. und 12) atroyularis Br.
Cyunecuia suecica, orienlalis , dichrosterna und Wolßi von B.
AI tum: Kaum. Zweites Quartal. Alles nur eine Art. Auch W o d-
/icki schreibt darüber und ist derselben Meinung. Cab. Journ.
TSeu scheinen zu sein : Iloreites major Hodgs. Moore Catal. East
huliu liouse p. 3-3. — Abiornis albocfularis Hodgs. Moore ib. p. 340.
— A. poliogenys Bl. und A. affiiis Hodgs. (Ann. p.227). — A. Uodg-
»oni Moore ib. p. 412. Kepol. — Oriles letnoyenys Moore ib. p. 374.
Afganistan. — Sutkora poliolis h\. ih. p. 379. — Melanoparns (unereus
Verr. Cab. Journ. p. lU-i. (Jabon. — Aeyitliatus ßaiifions Cass. Proc.
Ac. Philad. p. 325. Gabon. — Oriles ylaucoyularis Gould Ann. p. 367.
Himalaja. — 0. niveoji.laris Gould ib. 369. Nordwestindien. — Syn^
copla üncla Cass. I. c. Gabon und St. Paulsriver. — Drymoeca Bairdii
Cass. l. c. Gabon. — RiüiciUa eryltiroprocta Gould. Proceed. p. 78.
Erzeroun. — Malurus unuibilis Gould Birds of Auslr. Suppl. II. pl.4.
— Acanlhha magna G. ib. pl. 13. Tosmanien. — Zostcrops slrenuus
Gould ib. p. 11 und Proc. Zool. Soc. 1855. p. 166. Lord Howe's Island.
-- Z. tc:'}irir^l anui Gould ib. pl. 12. Ebendaher.
der Vögel währond des Jalues 1SJ5. 25
Abbild. Sylvia rubricapilla Landb. ^. IS'auiii. IbJi. Viertts
OuiUl;il.
Tur(3idae« Keu sind: Cinclosoma canlnneolhorax G. Birds of
Austr. Supp!. II. pl. 5. — Merula vinilincta Gou]d Troceed. 55. p. 161.
Lord Howe's Insel. — Kesocichla eremila Gould Tristan d'Acunha.
ibid. Steht unserer Schwarzamsel nahe. Beide von Macgillivray ent-
deckt. — Asiatisch: Brachyptenjx iiipalensis Ilodgs. Moore Cat. East
Ind. House p. 397. — Pnoeyyija longicaudata Moore ib. p. 398. Afga-
nistan. — Microtarsiis odvaceus iM. ib. 249. Malacca. — M. Canlori
M. p.409. — Criniger ocliraceus M. ib. 212. Tenasserim. — C. Can-
lori M. filalacca. — Hypsipeles nicobariensis Moore ib. 217. (= Ixo-
oincla virescens Bl.). — Alcippe Canlori M. p. 406. Penang. — A.
magniro Sir {$}>]. ib. 407. Malacca. — Fyclornis longiroslris Uodgs. Moore
ib. 408. INcpal, — I.rulus cas'.aneiceps M. ib. p. 4ll. Afganistan.
Ueber Filla avensis J. E. Gray vergl. Horsf. Cat. p.39S.
Africanisch: Orioliis nigripennis Verr. Cab. Journ. p. 107. Ga-
bon. — Criniger leucurus Cass. Proc. Ac. Phil. p. 328 ist C. indicator
Verr. Cab. Journ. p. 105. Gabon , St. Paulsfluss. — C. serinus Verr.
l. c. p. 101 ist xanthogasler Cass. 1. c. p. 327. Gabon. — Phyllaslre-
jltus leucopleurus Cass. 1. c. p. 328. Gabon.
Amerikanisch: Planeslicus caesivs Bp. Compt. rend. Panama. —
iluluQocichla dryas Gould Proceed. Zool. Soc. pl. 75. Guatemala. —
Ueierocnentys marghiala Silat. Proc. 54, p. 145. St. Fe de Bogota. —
CUaiiiueui nubilis G. Proceed. p. 68. — lonnicitara nigrifrons G. Cha-
micuros. 1. c, — F. erylhroplera G. Demerara. — Schislocklamys spe-
cuUgcra G. ib. Dcayale. — Thamnophilus corcinus G. Ucayale. — Jh.
melunurus G. ib. Ucayale. — Th. liyperythrus G. Chamicuros. — Gral^
laria hypuleuca Sei. Proc. p. SS. pl. 97. Bogota. — Gr. niodesla Sei.
i!i. pl. 9i. Bogota. — Ckamaeza mvUssima Sei. ib. pl. 95. Bogota. —
Formicivora caUmola Sei. ib. pl.96. Bogota. — Dayylknmuus semicine^
rciis Sc!, p. 90. pl. 97. Bogota. — Pyrtyleua tyranniva G. ib. pl. 98.
üogola. — i'\ clttsia/ui Sei. pl. 100. pl. l09. — P. quixeiisis Cornal.
Syn. p. 12. Qaijos. — f. ruficenlcr Sei. ib. p. 12. (Ann. p. 2S2.)
Abbild, liarpcs redivivus »iamb. in Cass. Illustr. pl. 42.
„Uebcr das Vorkommen und Kisten der Steindrossel am nörd-
lichen Harz" scliriel) sehr hübsch Dr. Uen necke in Goslar: Kaum.
1854. Viert. Quartal.
Ueber das Vorkommen von Calamoherpe locuslella im Altenbur-
gischen : Fr. S c h a c h. INaum. 1. c.
„Ueber die europäischen llöthlinge" von Leon Ülph-Gail-
1 ar d: INaum. p. 39.
]ff uscseispidae. P. L. Sclater: „über die Gattung Culici-
vora Snv.« Proceed. Zool. Soc. Jan. 9. 1S55. Culicivora soll für ste^
nuru bleiben : für PuliuplUa Sei. bleiben die Arten caerulea (mexi-
26 Hartlaub: Bericht über die Leistungen in der Naturgeschichte
cana Bp.)> dumicola V. = boliviana Sei.; leucogaslra Wied und bU
lineala Licht, von Carthagena.
P. L. Sclater: „über Todirostrum.^^ Proceed. Zool. Soc. p. 67.
Todirostrum spiciferum erhielt Gould von Chamicuros.
P. L. Sclater: „A draft Arrangement of the genus Thamno-
philus." Edinb. New Philos. Journ. Apr. 1855. Er kennt 39 Arten,
welche sämmtlich kurz beschrieben werden. Synonymie.
Neue Arten. Afrikanisch : Arlomyias fuliginosa J. Verr. Gabon.
Sehr interessante neue Form, der indischen Gattung Hemichelidon
verwandt. — Megabias ßamtnulatns }.yerT. B.eY, et Mag. p. 148. Gabon.
— Platystira minima J. Verr. ib. p. 219. Gabon. — Butalis infuscatus
Cass. Proceed. Ac. Philad. p. 226. — B. epulalus Cass. Gabon. —
Pycnosphrys M'Callii Cass. ib. Gabon. — Muscipeta fulvivenlris J. Verr.
Cab. Journ. p. 103. Gabon.
Asiatisch : Muscipeta cyaniceps Cass. Proc. Ac. Philad. p. 438.
Philippinen.
Amerikanisch: Thamnophilus ventralis Sei. Südbrasilien 1. c. —
Th. cortinus Gould. Ucayale. — Th. transandeanus Sei. Proceed. Zool.
Soc. pl. 29, 82. Guayaquil. — Th. leucauchen Sei. Chamicuros. ibid.
pl. 79. — Th. albinuchalis Sei. Guajaquil. ib. — Th. melanonotus Sei.
ib. pl. 80. St. Martha. — Th. nigrocinereus Sei. ib. pl. 80. Para. —
Tyrannula phoenicura Sei. Ann. p. 282. Quijos. — Todirostrum graci-
lipes Sei. St. Fe de Bogota. Proceed. Z. S. p. 149. — T. rvfilatum
Hartl. Cab. Journ. p. 98. Brasilien. — T. nigriceps Sei. Proc. Z. S.
pl. 84. flg. 1. St. Martha. — Muscisaxicola flavinucha Lafr. Rev. p. 19.
pl. 3. Chili. — M. albilora Lafr. ib. — M. albim,e7ilum Lafr. ib. Die
Gattung zählt jetzt 10 Arten.
Abbild. Culicivora mexicana Bp. in Cass. Illustr. pl. 27. West-
texas. — Cardellina rubra Sw. ib. pl. 43. — Thamnophilus caesius
in Proc. Zool. Soc. pl. 82.
Taenioptera strialicollis Sei. ist gleichartig mit Tyrannus rufiven-
Iris d'Orb.
jlnipelidae» Neue Arten : Leiolhrix cinerea Bl. Moore Ca-
tal. E. J. House p. 367. — Vireosylvia frenata Dub. Bull. Ac. Sc. Brux.
Febr. 1855. Ocaoa in Neugranada. — Irena malayensis Moore 1. c.
p. 274. (schon von Lord A. H a y unterschieden).
Abbild. Vireosylvia alliloqua: Cass. Illustr. pl. 37. — Eiopsal~
tritt capilo in Gould Birds of Austr. Suppl. IL pl. 13.
I^aniadae. Der älteste Name für Laniarius lepidus Cass
Proc. Ac. Philad. p. 327 ist Lanius chloris Valenc.
Conirostres.
Corvidae. „Ueber die systematische Stellung der Corviden"
von Kaup Cab. Journ. II. Heft 6.
der Vögel während des Jahres 1855. 27
lieber Pica cyanea schreibt ganz interressant Jaubert Rev.
et Mag. p. 128. Ist der RubUargo der Volkssprache. Die Jungen
vor der ersten Mauser beschrieben. Nistet in dichten Bäumen an
Bächen. Beschreibung der Eier.
„Üeber die Nachahmungsgabe des Eichelhehers im Singen."
Cab. Journ. p. 87.
Abbild. Gijmnokiüa cyanoccyhala Wied. Cass. lllustr. pl.28. —
Nebst höchst interessanten biographischen Notizen von Dr. Kern
und M. Charlton Henry. Der Vogel Irisst gern die Phrynosoma-
arten. Er ist ein eigentlicher Bergvogel. Nebrasca in Neumexiko.
Ist gleichartig mit Cijanocorax Cassinii jM'Call. Proc. Acad. Philad.
Steht im Systeme bei Picicorvus.
Stcirnidae. Dr. Philipp! über Xanlhornus cajennensis in
Chile. Trosch. Arch. für Naturg.
Abbild. Manucodia Kerandreiiii. Gould Birds of Austr. Suppl.
II. pl. 10.
F'ring^illitlac. Auch Bonaparte hält für ausgemacht,
dass Fringilla iiicerta der junge Vogel von Carpodacus erythrinus sei.
Ausführlich und instructiv schreibt über Emheriza pusüla Jaubert
in der Rev. zool. p. 167. Er erklärt sie höchst bestimmt für Embe-
riza lesbia Gm. und E. Durazzi Bp. Verschiedene Kleider werden be-
schrieben.— Auch über Emb. mireola in Südfrankreich, E. pUhyornis
und inelanocephala vergl. Jaubert Rev. p. 309.
Neue Arten : Chnjsomilris xanlhogaslra Dub. Bullet. Ac. Brux.
Febr. 1851. Ocana. — Cyanoloxia concreta Dub. ib. Mexico. — Py~
renestes personalus Dub. ib. Senegal. — Poliospiza canicapilla Dub. ib.
Senegal. — Cymplectes chrysophrys J. Verr. Cab. Journ. p. 106. Gaben.
Abbild. Ammodrornus roslralus Cass. lllustr. p. 38. — Plectro-
phanes MCownii Cass. ib. pl. 39. — Spennesles nigriceps Cass. Journ.
Ac. Nat. Sc. Philad. III. pl. Zanzibar. — Sp. fuscus C. von Borneo.
ibid. üg. bon. — Sehr scliöne Abbildung von Oraegintlius piisiUus (Pall.)
in Caban. Journ.
'^itnü^riiiii.V!. Neue Arten : Anemon erylhrorhynchus Sclat.
Proceed. Z. Soc. p. 83. pl. 89. Bogota. — Tachyplionus xanlhopygiiis
Sei. ib. pl. 90 (ist Lanio aurilus Dub. Bull. Ac. Brux.) — Tanagra
notabilis Sc\. ib. pl.9l. Ecuador. — Saltator a;/emoMü/)s Sei. ib. pl. 92.
Ecuador. — Arremon spectabilis Sei. Ann. p. 284. Quijos. — Buarre^
nion virenliceps Bp. Conipt. rend. Oct. 22. p. 9. — Nemosia albigula-
ris Sei. Proceed. 1855. p. 109. pl. 99. — Pyrrola Valeryi J. Verr.
Rev. p. 351. Cenlralamerika. — fipilopsis cristata Dub. 1. c. Colum-
bien. — Buarremon latinuchus Dub. ib. Columbien. — Euphonia loii~
gipennis Dub. ib.
Nemosia lorquala Dub. ib. ist Dacnis pulchcrriiua Sclat.
28 Ilartlaub: Bericht über die Leistungen in der IValur^eschichte
iftiandiclae. Neu dürlten sein: Olocorijs peregrina Sclat.
Proceed. Zool. Soc. p. HO. pl. 102. Bogota. — Änlhus boQolensis Sei.
ib. pl. 101. p. 109.
llfi. Scai&sores.
Slliainplaaiüticlae. Aulacorhijnchns caeruleogularis Gould Ann.
p. 390. Veragua.
I^sittsicidiae. Neu ist: Flalijcercus cyanogetnjs Gould Birds of
Austr. Suppl. II. pl.3. Cap York, Älacgillivray.
Al>l>iid. Ata auricolUs Cass. (S. prinioli Bp.) Journ. Acad. N.
Sc. of Philad. Vol. 111. pl. 12. fig. opt. — Chrysotis viridiyenalis Cass.
ib. pl. 13. (iuayaquil. Ist gleichartig mit coccineifrons , Souance. —
Psittaculif lineola Cass. pl. 14. Mexiko. — Brologeris aurifrons Cass.
ib. pl. 14. Südamerika, ist schon anderweitig besehrieben.
Prioniturus ßavicans Cass. Celcbes ib. p. 155.
l^if'iilsie. Zu Rei ch e n bac h's „Spechten" erschien Text.
Als neu beschreibt Reichenbach: Picumnus hgpoxanllius R.y[ex\ko,
p. 344. flg. 4112— 13. — /'. gnttalus R. ib. fig. 4114-15. lilexiko. —
CJiloronerpes laenionolus R. ib. fig. 4 164 — 65. Brasilien. — Cid. olea-
gineus R. ib. fig. 4467— 68. — Chi. Warscwizii Reichb. ib. fig. 4491
— 92. — Apternus crjsü/ewcws Brandt, ib. fig. 4l97 — 98. Irtiseh. — Pi-
cws freniger R. ib. fig. 4243. Ostindien. — P. fidiginosus Lieht, ib.
fig. 4269 — 70. Syrien. — Melanerpes xanlholarynx Reichb. ib. fig.
4293—94. Mexiko. — Campephdus leucoihamphus Lieht, ib. fig. 4327
— 28. — C. mesoleucHs Licht, ib. 4329 — 30. — C. regius Licht, ib.
fig. 4331-32. — Tiga baccha R. ib. fig. 4353— 54. — Cdeus lorica-
tus R, fig. 4^95 — 96. — Cel. semicinnamomeus R. fig. 4397. — C. snt-
fnrivenlerK. fig. 4411 — 12. — Clirysoplüus pernvianus {\. fig. 4493 — 94.
— Centurus graclalvs R. fig. 44 17 — 18.
Neu ist ferner und sehr interessant : Snsia africana J. Yerr.
Rev. et Mag. p. 217. Gabon. (Typus meines (ienus Veneaiixia).
Malherbe und Pucheran halten Picus atrolhorax Less. für
das Uebergangskleid von varius Rev. p.21.
Ueber Picus rubricolhs vergl. Hartl. Cab. Jonrn. p. 100.
Picus major frisst Haselnüsse: Glog. Cab. Journ. p. 89.
Ciaciilftclae. Jules Verreaux: über die Gattung Phoe-
nicophaeus, Rev. et Mag. p. 356. PA. pyrrhocephalus wird (sub)ge-
nerisch getrennt unter dem Namen Aleclorops. Eine gute neue Art
ist P/t. acneicatida J. Verr. von Ceylon.
Abbild. Geococcyx vialicus Licht. Cass. lllustr. pl. 36. Mit
schönen Notizen über die Lebensweise des Vogels. — 16 Eier von
Cuc. cauorus abgeb. Naum. 185 i. Viertes Quartal.
der Vögel während des Jahres 1855. 29
]Tffusopli}Q';i<1ae. Eine neue Art ist: Colins casUmolus I.
Verr. Rev. p. 351. Gahon. — Ferner Coryihaix leucolophus Ileugl.
Oberer weisser Nil. Mus. Francof. Prachtvolle Art mit glaltabgerun-
detcni Culmen.
IV. Colusiibao.
Aus Bonapart c's schon besprochenen grossen Arbeiten über
die Tauben wären nachträglich als neu namhaft zu machen: Ze-
naida bimandata Gray, Bonap. Compt. rend. Coup d'oeil etc. p. 41.
— Z, chilensis Bonap. ib. — Chaliophaps bornensis Müll. ib. p. 47.
(javanica jun.?). — Ch. Sleplia7u Beichb. Pucher. von den Salomon-
inseln und Kcuguinea ist gleichartig mit albifrons Temm. — Jantkoe-
nns halmaheira Bp. ib. p. 44 ist = Curpophaga aloigxdaris Temm.
Gilolo, Ceram. — Turtitr erijthrocephalus Gray. Bp. Consp. p. 60.
Südafrika. — Trocaza Biwryi Bp. l. c. Madera, Marocco.
Ducula paulina Bp. ist = Carpophaga rußnucha Cass.
Keu sind noch: Plilinopns ckrysogasler G. B. Gray Ann. p. 118.
Olaheiti? — • Vlil. purpureocinchis (iray ib. Vaterland unbekannt. —
Trerolaema Leclancheri Bp. Neuguinea.
Wir beschrieben in Cabanis Journal : Carpophaga poliocephala
Gray und Carpophaga pecloralis Gr., beide von den Philippinen.
Eine gute Arbeit schrieb Cass in über die Carpophaga-Arten
in der Sammlung der Academie von Philadelphia und der der United
States Exploring Expedition in Washington: Proceed. Acad. N. Sc. of
Philad. Dec. p. 227. Es werden hier 22 Arten ausführlich und gut
beschrieben , über das Vaterland derselben interessante Notizen bei-
gebracht, und es ist nur zu bedauern, dass Gas sin die Arbeiten Bo-
napartes noch nicht vergleichen und benutzen konnte.
Temminks Columba holosericea (bonaparte's Gattung Drepa-
nophila) wurde wieder aufgefunden. Macgillivray fand sie auf
der Isle of Pines : Voy. II. M. S. Herald. G. R. Gray Columb. Brit.
Mus. p. 8.
Abbild. Carpophaga assimilis Gould Birds of Austr. Suppl. II.
pl. 9.
Bonapart e's „Coup d'oeil sur l'ordre des Pigeons." Separat-
abdruck aus den Comptes rendus, 58 S. hat 288 Arten, die in nicht
weniger als 83 Galtungen verlheilt werden.
T. Gralliiiae.
Ref. war bemüht, die A rts el b slän di gk e it des von v.
Middendorf als Telrao canadensis des Stanowoigebirges Sibiriens
beschriebenen und abgebildeten Waldhuhns wissenschaftlich nachzu-
30 Hartlaub: Bericht über die Leistungen in der Naturgeschichte
weisen: Cab. Journ. p. 39. Der höchst merkwürdigen und durchans
abweichenden Bildung der Primärschwingen halber schlägt Ref. für
dieses neue Waldhuhn den Kamen Tetrao falcipennis vor.
Ueber das Zahlenverhältniss der Geschlechter bei Perdix cine~
rea vergl. Caban. Journ. p. 66.
Leon Olph Gaillard schreibt in der Naumannia p. 311 zur
Verfärbungstheorie bei Pterocles setarius und über die Stellung der
Pteroclinen im System. Sie seien gewissermassen kurzbeinige Trappen.
Neu: Perdix sinaitica Bp, p. 11. In der Blitte stehend zwischen
P. chucar und P. graeca.
Abbild. Penelope poliocephala Wagl. bei Cass. lUust. pl. 44.
Fr. Malezieux: „Essai sur les diffcrentes races du coq do-
mestique etc." Paris. 52 S.
VI. Struthioiies.
In der Sitzung der Pariser Academie der Wissenschaften zeigte
Geoffroy St. Hilaire zwei ganz vollständige Epyornis-Eier, noch
grösser als die schon bekannten, beide durch Herrn Armange auf
Madagascar erhalten.
Prof. Owen: „über die Beinknochen von Dinornis strulhioni-
des und Palapteryx gracilis" in Proc. Zool. Soc. Nov. 14. 1854.
VII. erallae.
Cliaradridae. Neu ist ohne Zweifel: Cheltusia Dinghani
Jul. Yerreaux Rev. et Mag. p. 220 von Natal. — FalcineUus peregri-
nus Müll. Bonap. Consp. II. p. 159. Celebes, Java, Sumatra.
Ardeidae. Die Kraniche sind ausführlich behandelt in Bo-
naparte's „Conspectus" Vol. II. p. 97— 128.
„Tableau synoptique de l'ordre des Herodiens" par Ch. Bo-
naparte: Compl. rend. Avr. 2. 1855. Bonaparte zählt 185 ihm
bekannte Arten auf, von denen 14 auf Europa, 34 auf Asien, 41 auf
Afrika, 55 auf Amerika und 41 auf Oceanien kommen. Er vertheilt
diese 185 in Gruidae 15, Psophidae 3, Cariamidae 1, Aramidae 1,
Ciconiadae 14 (inclus. 2 Anastomi) , Ardeidae 100, Cancromidae 2
(incl. Balaeniceps) , Scopidae 1, Eurypygidae 2, Phoenicopteridae 6,
Plataleidae 8, Tantalidae 32.
Als neu werden beschrieben : Phoenicopterus Blylhi Bp. Indien.
— Ph. enjthraetis Jul. Verr. Rev. et Mag. p. 221. Gabon. — Phoen.
andinus Philippi. Chili. Ist dreizehig. Die Parrina der Eingebornen.
Bewohnt sehr einzeln die Salzsee'n der Andenwüste Alacama. Schna-
belform und Färbung ist ganz abweichend. Trosch. Arch. Jahrg. 21.
p. 10. — Ardea pharaonica Bp. Consp. p. 113. Ist die etwas grös-
sere purpurea Aegyptens. — üerodias Poucheti Bonap. ib. p. 123.
der Vögel während des Jahres 1855. 31
Südamerika ; der caerulea nahe stehend. — Bubulius rußcrisla Bonap.
ib. p. 121. Madagascar. — B. bacchusBp. ib. p. 127. Malacca. — Ar~
deola podiceps Bonap. Madagascar. p. 134.
Ref. schrieb über Grus hoyianus Cass. in Cab. Journ. IV. p. 336.
Scolopacidae. Neu soll sein: XylocotaJamesoniiBp. Quito.
Gray Gen. p. 12. — Aclilnrus naevius Ileerm. Californien. Proc. Ac.
Phil. 1854. p. 178.
„Ueber das Meckern der Becassine« schrieb L. AI tum Kaum,
p. 362.
Abbild. Recurvirostra occidenlalis in Cass. Illustr. pl. 40.
Rallid»e. Ref. über Fulica americana Cab. Journ. p. 99.
Anatidae. E. de Selys Longchamps: „Bemerkungen
über die wahren Gänse Europa's." Naum. 1855. p. 261 : 1) Grau-
gänse mit gleichfarbiger Stirn: cinereus L., arvensis , segetum und
brachyrhynchus Baill. 2) Graugänse mit weissem Stirnfleck: inter-
raedius, albifrons, minutus, pallipes Sei. (domesticirt in den Parks von
Holland und Belgien). Kurze Diagnosen, in welchen die Farbe der
Füsse, die Farbe und Form des Schnabels hauptsächlich in Betracht
kommen. In späteren Zusätzen zu dieser Arbeit wird noch ein An^
ser leuconyx unterschieden. Für uns sind dies Alles nur Varietäten.
Auch Schlegel kennt diese 8 Arten.
Abbild. Bernicla leucopareia Brandt in Cass. Illustr. pl.45.
„Zur Naturgeschichte der Oedemia fusca^ von Gadamer: Naum.
p.S9.
AI tum schrieb in der Naumannia über die von ihm entdeckte
angebliche Schwanen-Art. Auch Schlegel, der ihn, nach unserer
festen Ueberzeugung mit grossem Rechte, für den sehr alten
Vogel von Cygnus ßewickii erklärt.
Colymbidae. Als neu beschreibt Heermann: Podiceps
Californianus '. Proceed. Ac. N. Sc. Philad. 1854. p. 178. — Podilym-
bits lineatus Heerm. ib. Californien.
Bonaparte schreibt über Podiceps aurilus und Cons. Linne's
auritus sei arctictis , eine gute Art ; für den auritus des gemässigten
Europa schlage er den Namen Podiceps sclavus vor. Eine dritte gute
Art sei nigricollis des östlichen Europa, von Sundevall. Podiceps
Holbölli Brehm's sei specifisch abzutrennen von rubricollis.
l^aridae. Druch's „Revision der Gattung Larus« erschien
in Caban. Journ. IV. p. 374—92. Treffliche ausführliche Arbeit voll
guter kritischer Bemerkungen, und mit zwei Tafeln voll Kopfabbil-
dungen. Bruch kennt 65 Möven-Arten. Er hält B ona partes Pro~
cellarus negleclus für den jüngeren Vogel von Larus Heermanni Cass.
32 Hartlaub: Bericht über die l.eist. in der ^'alurgeschichte u. s. w.
Aber dies ist ein Irrthum, wie mich eine kürzlich vorgenommene Un-
tersuchung des Originalexemplares der Pariser Sammlung überzeugte.
Dieses ist jedenfalls ein junger Vogel.
Larus columbinus Golaw. Bullet. Mose. 1854. p. 435. pl. 4 ist
nur ienuirostris Temm. nach Radde.
Neu scheint zu sein: Larus californicus Lawr. Ann. Lyc. of
Newyork 1854. p. 79. Vom St. Joachimsflusse. Ist 23 Zoll lang. Steht
im Systeme bei argentatus und occidentalis.
Ifelecanidae. Alfred Brehm giebt in Cab. Journal für
Ornithologie auf S. 92 die vollständige Beschreibung und Messung
einer sehr grossen von ihm erlegten Pelecanart des inuern Afrika's.
Er nennt dieselbe Pelecanus giganleus. Sie unterscheidet sich auf das
bestimmteste von F. rufescens. Der Schnabel ist volle 16" 10'" lang.
Scheint wirklich neu zu sein. Brehm beobachtete am oberen blauen
Flusse an hundert Stück dieser gewaltigen Pelecane.
Nach Dr. Heermann's Zeugniss käme Phalacrocorax penicilla-
tus Br. vor auf den Ferrea - Leoneinseln , wo zudem auch Ph. sylen-
dens und Townsendii angetroifen werden.
Neu : Thalassidroma Hornbyi G. R. Gray Ann. and Mag. of Wat.
Hist. p. 78. Nordwestküste Amerikas. — Prion brevirostris Gould Pro-
ceed. Zool. Soc. p. S8. pl. 9d.
Boriclit über die Iieistiiiig:eii in der IVatur-
g-escliiclite der Säugtliiere ^välireiid des
«Jahres 1955.
Vom
Herausg-eber*
Nachdem Herr Professor Andr. Wagner in München
vierzehn Jahre hindurch als Mitarbeiter unserem Archiv treu
zur Seite gestanden, und namentlich über die Klasse der
Säugthiere so ausgezeichnete Berichte erstattet hat, bedaure
ich es schmerzlich , dass eine etwas veränderte Stellung zu
der Universität in München diesen anerkannten Säu^thier-
kenner veranlasst hat, sich für die Zukunft von zoologischen
Arbeiten loszusagen , und daher auch die Jahresberichte in
unserem Archive nicht ferner zu liefern. Ich habe mich
entschlossen, auch diesen Theil der Berichte selbst zu über-
nehmen, obgleich ich nicht verkenne, dass die ohnehin un-
dankbare und zeitraubende Arbeit noch bedenklicher nach
einem so ausgezeichneten Vorgänger für den Verfasser wird.
Die fertigen Jahresberichte sehen so leicht und so einfach aus,
dass man erst selbst sich an einem solchen versucht haben
muss, um zu wissen^ wie viele Mühe dazu gehört, die Lite-
ratur nur einigermassen vollständig zusammenzubringen, wie
viele Zeit man auf die Leetüre, und zwar in den verschie-
densten Sprachen , verwenden muss , um kurz die Resultate
der Schriften vorlegen zu können. Ich sehe mich genö-
Ihigt , die Nachsicht der Leser des Archives bei diesem er-
sten Male in Betreff der Vollständigkeit um so mehr in An-
Archiv f. Naturgesch. XXII. Jahrg. 2. ßd. Q
34 Troscliel: Bericht über die Leistungen in der Naturgeschichte
Spruch zu nehmen , als ich erst nach meinem diesjährigen
Aufenthalte in Berlin den Entschluss fassen konnte, und da-
her für diesmal auf die mir in Bonn zugängliche Literatur
beschränkt war. Ich werde in dem nächsten Berichte diesen
Mangel wieder gut zu machen suchen.
lieber den fünften Supplementband von A. Wagner
zu dem Schreber'schen Säugthierwerke , welcher im Jahre
1855 erschien , ist deshalb hier keine nähere Besprechung
nölhig, weil desselben schon im vorigen Berichte Erwähnung
gethan worden ist.
Besonders hervorzuheben sind diesmal die Arbeiten
Brandts in den Memoiren der Petersburger Academie, auf
die wir unten bei den Ordnungen der Volilantia, Carnivora
und Rodentia zurückkommen. Die letztere Ordnung hat vor-
züglich den Fleiss des Verf. in Anspruch genommen.
Von Van der Hoeven's mit Recht sehr anerkanntem
„Handboek der Dierkunde^^ zweite Ausgabe ist im Jahre 1855
auch die Abtheilung erschienen, welche die Säugthiere ent-
hält, und damit das Ganze beendet.
Giebel giebt die Anzahl der lebenden Säugthiere auf
1135 Arten an, die 359 Galtungen angehören. (Zeitschr. für
die gesammten Naturwissensch. 1855. p. 24.)
Dareste hat eine dritte Abhandlung über die Win-
dungen des Gehirns bei den Säuglhieren bekannt gemacht.
Annales des sc. nat. Vol. III. 1855. p. 65—111. pl. 2 et 3.
Verf. kommt zu dem Resultate, dass nach der Anordnung der
"Windungen sich vier Typen unterscheiden lassen, 1. der Raubthiere,
2. der Primaten, 3. der Wiederkäuer und Pachydermen, dem sich wahr-
scheinlich der der Edentaten anschliesst, 4. der herbivoren Marsupialien.
Derselbe schrieb ib. p. 355 — 3ö5 über das Gehirn
der Nagethiere und besonders des Cabiai (Hydrochoerus).
Es mag hier kurz erwähnt werden , dass in dem Re-
port of the Commissioner of patents for the Year 1854. Agri-
cullure. Washington 1855 ein Abschnitt über die Hausthiere
und ihre Zucht abgedruckt ist, (p. 1—58). Es wird gehan-
delt über das Hornvieh , Molkerei , Pferde , Esel , Maulthiere,
Schafe und Wolle, Schafwirthschaft in Spanien, Kentucky
Schaf, Schwein.
der Säugthiere während des Jahres 1855. 35
In Beziehung auf die geographische Verbreilung sind
folgende Schriften zu erwähnen:
Pucheran glaubt Revue et Mag. de zool. VII. p. 204
den „Equateur de contraction" Reynauds auch als den zoo-
logischen Aequator annehmen zu dürfen.
„Wenn man auf dem Globus, sagt Jean Reynaud, einen klei-
nen Zirkel zieht, der den zehnten Parallelkreis, wo derselbe den
Isthmus von Panama schneidet, berührt, und gegen den Aequator un-
ter einem Winkel von 15° geneigt ist, so erkennt man leicht, dass
dieser Zirkel eine wichtige Richtungslinie bildet. Er geht durch das
Meer der Antillen, kommt an die Küste von Afrika, an dem Auslaufe
der grossen Wüste , begleitet sie parallel dem Atlas, berührt das Mit-
telmeer in dem Busen von Tripoli, geht darüber hin nach Palästina,
wo er das todte Meer trifft, streicht durch die Syrische und Persische
Wüste, steigt auf, durch die Bukarei, in die grosse Wüste Kobi und
läuft in das stille Meer im Busen von Corea aus ; so dass sich in sei-
nem Laufe die vorzüglichsten Binnenmeere und die grossesten Wüsten
der Erdkugel finden." Es lässt sich allerdings nicht leugnen , dass
diese Linie viele zoologische Scheiden durchläuft, und sie mag wohl
so ziemlich den Norden vom Süden trennen.
Kitzinger erstattete der Wiener Academie einen Be-
richt über eine von Herrn v. Heu gl in für die kaiserliche
Menagerie zu Schönbrunn aus dem Orient mitgebrachte Samm-
lung lebender Thiere. Dieselbe enthält mehrere interessante
und seltene Thiere , über die der Berichterstalter Notizen
giebt, die unten näher angeführt werden. Von allen Thieren,
50 Arten in 99 Exemplaren, Säugthiere, Vögel und Amphi-
bien, sind die arabischen Namen beigefügt. Wiener Sitzungs-
berichte XVII. p. 242.
Horsfield machte in den Annais of nat. hist. XVI.
p. 101 kurze Bemerkungen über einige neue oder weniger
bekannte Säuglhier- Arten, welche durch Ho dgson in Nepal
gesammelt worden sind.
Im Jahre 1853 übergab II o dgson dem Museum der Ostindi-
schen Compagnie eine grosse Sammlung von präparirten Säugthier-
bälgen, besonders aus den höheren Theilen von Indien, von denen
ein Theil schon 1845 von Gray beschrieben war. Von den in jenem
"Verzeichnisse nicht enthaltenen Arten wird nun hier eine kurze Be-
schreibung gegeben. Die neuen Arten sind unten namhaft gemacht;
sie gehören den Ordnungen der Volitantia, Carnivora, Insectivora und
Rodentia an. Die Beschreibungen sind wohl nur vorläufige, und wür-
36 Troschel: Bericht fiber die Leistungen in der Naturgeschichte
den meist kaum geeignet sein, zu wissenschaftlicher Begründung der
Arten zu genügen.
Unter der Ueberschrift: Fauna der Residentie Riouw,
met inbegrip der oostkust van Sumatra en omliggende landen*^
hat de Bruyn Kops in der Tijdschrift voor Indische taal-
land. en volkenkunde II. 1854. p. 480 auch ein Verzeichniss
der Säugthiere geliefert. Es kommen danach vor: 13 Qua-
drumana, 6 Chiroptera , 1 Insektenfresser, 15 Carnivora, 6
Rodenlia, 9 Ruminantia, 5 Multungula, 1 Phoca, 3 Cetacea.
Das Verzeichniss ist nach den Malaischen Namen alphabetisch
geordnet.
Pucheran hat in der Revue et Magasin de Zoologie
VII. p. 209, 257, 401, 449, 497, 545 eine Skizze über die
Mammalogie des Afrikanischen Continentes begonnen.
Verf. stellt sich besonders die Fragen, 1) ob Afrika als eine
Specialfauna besitzend betrachtet werden kann, 2) welches die be-
sonderen Charaktere der Afrikanischen Mammalogie sind , und 3) in
wie viele Abtheilungen, Bassins oder Centren Afrika getheilt werden
kann. — Er sucht zu erweisen, dass die erste Frage verneint werden
müsse, woraus sich auch der zweite Theil der Frage beantwortet.
Die Grenzen, in denen sich die Eigenthümlichkeit der Mammalogischen
Fauna eingeschlossen findet, sind sehr eng, schon dadurch, dass sie
auf einen Kreis von einer sehr geringen Zahl generischer Typen be-
schränkt sind, von denen fast alle sich an andere Genera anschlies-
sen, welche Asien, Europa, gewisse Theile Oceaniens, Madagaskar
und selbst die Continente Amerikas und Australiens bewohnen. — Die
grösste Beschränkung des Wohnortes findet sich bei den Affen, wel-
che zuweilen an den Enden einer und derselben Zone differiren. Von
einer Region zur andern variiren die Typen in der Färbung, und
diese Abänderungen stehen in Beziehung mit den Temperaturgraden
der Localitäten. Die Vertheilung der Arten hat wellenförmige Li-
nien zu Grenzen, wie dies auch bei den Pflanzen der Fall ist. Jede
Region in Afrika scheint eine Gattung von Kagethieren eigenthümlich
zu besitzen ; so das Cap Ilelamys, der Westen Anomalura, Cricetomys,
Aulacodus, der Osten Acomys, der Norden Ctenodactylus. Diese
Thatsache ist Afrika eigenthümlich.
Pucheran machte der Pariser Academie eine Remer-
kung über die Säugthierfauna von Madagascar. Den Haupt-
charakter setzt er in die Neigung der Arten zum Noctambu-
lismus (Comptes rendus XL. p. 192; Revue et Magasin de
zooi. VII. p. 40).
der Säuglhiere während des Jahres 1855. 37
Als einen Beitrag" zur Fauna der Biber -Inseln im Mi-
chigan-See erwähnt Strang Ninlh Smilhsonian Report p. 282
von Säugthieren: Rothe, schwarze und silbergraue Füchse;
letztere sehr selten und theuer; Hasen und Kaninchen; ein
rothes Eichhörnchen, Fischotter sehr selten. Der Biber ist
ausgestorben. Rennthiere besuchen nur selten die Inseln
über das Eis. Elenn werden an der Ostküste, Bären an
beiden Küsten gefunden.
Head lieferte ein Verzeichniss der ihm bekannt gewor-
denen Säugthiere der Umgegend von Fort Ripley in Minne-
sota. Ninth Smilhsonian report p. 291. Unter andern wird
erwähnt, dass Lepus americanus im Jahre 1848 häufig war,
aber seitdem fast ganz verschwunden ist.
In einem schönen Werke: „The U. S. naval astronomi-
cal expedition to Ihe southern hemisphere during the Years
1849—1852 by Lieut. J. M. Gilliss Washington 1855« ist
ein Abschnitt im 2. Bande p. 153 — 171 den Säugthieren ge-
widmet und von S. F. Baird bearbeitet.
Zunächst sind diejenigen Arten nebst ihrer Synonymie und ei-
nigen Bemerkungen aufgezählt worden, die von Gilliss gesammelt
worden sind. Unter ihnen ist als besondere Seltenheit Chlamydopho-
rus truncatus in zwei Ansichten abgebildet, und das Leben des Gua-
naco ist geschildert. Dann folgt eine Aufzählung der sämmtlichen
bekannten chileslschen Säugthiere, deren Zahl sich auf 60 beläuft,
nämlich 7 Chiroptera, 12Rapacia, ö Pinnipedia, 1 Marsupiale, 25 Ro-
dentia, 2 Edentata, 3 Ruminantia, 4 Cetacea.
Paul Gervais stellte Untersuchungen über die fos-
silen Säugthiere Südamerika's an. Er erstattete über diese
Arbeit, welche in dem Reisewerke von de Castelnau et
Weddell erscheinen soll (nunmehr wohl schon erschienen ist
aber noch nicht von mir benutzt werden konnte), der Pari-
ser Academie Bericht. Keine Amerikanische Säuglhier- Art
hat zugleich auf dem alten Conlinent gelebt, ebensowenig in
Nordamerika.
Pictet beschrieb in den Memoires de la Soc. de phys.
et d'hist. nat. de Geneve XIV. I. p. 69 — 90 zwei Missgebur-
ten, von einem Schweine und einem Schafe.
38 Troschel: Bericht über die Leistungen in der Naturgeschichte
Cluadriimaiia.
Simiae catarrliinae. Von Duvernoy sind in den
Archives du Museum d'histoire naturelle Tome Vlll. p. 1—248
die wichtigen drei Abhandlungen erschienen, auf welche schon
im Berichte über das Jahr 1853 Rücksicht genommen ist,
indem der Verf. schon damals in den Comptes rendus vor-
läufige Kenntniss davon gegeben hatte: „Des caracteres ana-
tomiques des grands singes pseudo -anthropomorphes." Zu
diesen Abhandlungen gehören 16 Tafeln.
Die erste Abhandlung zerfällt in vier Abschnitte. Der erste
derselben behandelt die osteologischen Charaktere des Schädels der
Gattungen Troglodytes, Orang und Gibbon, der zweite das übrige
Skelet, der dritte beschäftigt sich mit den Abweichungen des SUe-
letes des Gorilla , im vierten sind die Resultate aus den Vergleichun-
gen der drei ersten gezogen. Diese Resultate, dass nämlich Troglo-
dytes , Chimpanse und Tschego verschiedene Arten seien , dass der
Gorilla eine besondere Gattung bilden müsse, und die Ansichten über
die systematische Stellung sind bereits in dem vorhin erwähnten Be-
richte (dies Archiv 1854. II. p. 8) näher bezeichnet worden.
Die zweite Abhandlung bildet in ihrem ersten Theile ein Sup-
plement zu der Osteologie des Gorilla, und beschreibt besonders die
Ligamente der Articulationen der Bewegungsorgane; im zweiten Theile
werden die Muskeln der Extremitäten geschildert. Ein dritter Theil
enthält das Resume aus den beiden vorhergehenden.
Die dritte Abhandlung endlich enthält wieder vier Abschnitte.
Im ersten werden nach neuem Materlale das Gebiss und der Schädel
im Allgemeinen verglichen; Verf. sieht darin eine Bestätigung der
generischen Trennung des Gorilla und Troglodytes, so wie die spe-
cifische Verschiedenheit des Troglodytes Chimpanse und Troglodytes
Tschego. Im zweiten Abschnitte wird die Myologie des Gorilla fort-
gesetzt, indem die Muskeln der Wirbelsäule und des Kopfes, die Kau-
muskeln, die Muskeln der Respiration, und die Gesichtsmuskeln näher
beschrieben werden. Im dritten Abschnitte werden der Larynx, die
mit ihm zusammenhängenden Luftsäcke und die männlichen Geschlechts-
organe beschrieben. Der vierte Abschnitt liefert eine kurze Ueber-
sicht über die früheren anatomischen Arbeiten und endlich die schliess-
lichen Resultate der in diesen drei Abhandlungen niedergelegten Be-
obachtungen.
Aus diesem letzteren heben wir nur Folgendes hervor. Der
Verf. hat eine neue Methode angewendet, das Vorspringen der Schnauze
nach Arten und Gattungen, nach Aller und Geschlecht zu verglei-
chen; er misst den Abstand des vorderen Randes des äusseren Ge-
der Säugthiere während des Jahres 1855. 39
hörgangea von dem Alveolarrande des mittleren Schneidezahnes der-
selben Seite und vergleicht die Hälfte dieser Entfernung mit der Ent-
fernung des Gehörganges vom Augenhöhlenrande. Danach zeigen der
Orang von Sumatra und von Borneo , so wie auch der Tschego, der
Chimpanse und der Gorilla Differenzen. Die Abnutzung der Backen-
zähne ist immer grösser an der Innenseite des über- und an der
Aussenseite des Unterkiefers , wie bei den Wiederkäuern und Verf.
schliesst daraus auf ein seitliches Kauen. Der Zahn, welcher bei den
Affen der neuen Welt hinzutritt, ist der dritte Backenzahn; dieser
ist auch bei Ilapale vorhanden, denen der letzte Backenzahn fehlt, ein
Beweis, dass ihr Geblss doch nach dem Typus der Affen der neuen
Welt gebaut ist. Die Finger der Affen haben weniger Unabhängig-
keit in ihren Bewegungen als beim Menschen. Der Chimpanse, Go-
rilla, Orang-Utang und Siamang haben zwei Luftsäcke am Larynx, die
übrigen Affen der alten Welt nur einen. Den Unterscheidungsmerk-
malen zwischen Chimpanse und Tschego wird hinzugefügt, dass der
obere Eckzahn bei letzterem eine enge Fuge hat, die dem ersleren
fehlt. Zur Unterscheidung der Gattungen Troglodytes und Gorilla
wird besonders hervorgehoben, dass bei ersterer der letzte obere
Backenzahn der kleinste der drei hinteren ist, und nur zwei äussere
und einen inneren Höcker hat nebst einem hinteren Vorsprung, der
sich beim Tschego zu einem Höcker erhebt, und dass der letzte un-
tere Backenzahn nur vier Höcker nebst einem hinteren Vorsprung
hat. Beim Gorilla dagegen hat der letzte obere Backenzahn vier
Höcker nebst einem hinteren Vorsprung, und der letzte untere Backen-
zahn hat drei äussere Zacken, zwei innere Höcker und eine sechste
hintere Zacke ; er ist ebenso gross wie der vorhergehende.
Ricard erinnerte an einen Artikel ober den Gorilla
von Ford, den dieser 1851 in der Aeademie zu Philadelphia
vortrug, und theille ihn nun Revue et Mag. de zool. VII. in
der Uebersetzung mit.
Semnopithecus Nestor soll nach Fitzinger aus Hinterindien
stammen. Wiener Sitzungsber. XVII. p. 242.
Prosimii. In einer sorgfälligen Inauguraldissertation
„Eenige vergelijkend-ontleedkundige Aanteekeningen over den
Otolicnus Peli, Leyden 1855. 8. lieferte Hoekema Kingma
schätzbare Beiträge zur Ana'omie dieses von Temmink im
Jahre 1853 aufgestellten Halbaffen.
Nach einer ausführlichen Beschreibung der äusseren Thcile
folgt eine Schilderung des Skeletes, der Muskeln, des Darmkanales,
des Gefässsystemes, der Atheniorgane, Gcschlechtswerkzeuge mit den
Harnorgan en , des Gehirns und der Sinnesorgane; also eine ziemlich
40 Troschel: Bericht über die Leistungen in der Naturgeschichte
vollständige anatomische Untersuchung. Eine beigefügte Tafel erläu«.
tert den Text.
VolUantia«
Brandt schrieb Mein, de I'acad. de St. Petersbourg VII.
1855. p. 25 — 42 über die Handflügler des Europäischen und
Asiatischen Russland's mit besonderer Beziehung- auf die Ge-
schichte ihrer Entdeckung, ihre Synonyinie und geographische
Verbreitung.
Die aufgeführten Arten sind : Miniopterus Schreibersii Natter. ;
Vesperugo noctula Daub., Leisleri Kühl, Kuhlii Natt., pipistrellusDaub.,
Nathusii Blas. Keys., serotinus Daub., turcomanus Eversm. , discolor
Watt., borealis Niss. ; Vespertilio murinus Schreb. , Bechsteinii Leisl.,
Katteri Kühl, niystacinus Leisl., Daubentonii Leisl., Brandtii Eversm.
(den Verf. von der vorigen Art nicht zu unterscheiden vermag), da-
sycnemus Boie ; Plecotus auritus; Synotus barbastellus Daub. ; Rhino-
lophus ferrum equinum Daub., clivosus Kretschm , hippocrepis Herrm.
— In Russland sind, mit Ausnahme des V. turcomanus, der asiatisch
st, nur solche Arten angetroüen, die bereits in Europa nachgewie-
sen waren. Russland ist ärmer an Flederraausarten als Europa; Dy-
sopes fehlt ihm bisher ganz.
Leconte beschrieb in Proc. Philadelphia Vil. p. 431
die Fledermäuse Nordamerilia's.
Er will in den Schriften Ra fin esq u e's , F. Cuvier's und
Bachman's beträchtliche Irrthümer gefunden haben. Die Falten
in dem äusseren Ohre und die Haare an den Zehen hält er nicht für
gute Art-Charaktere ; auch die geringe Abweichung in der Zahl der
Zähne hält er nicht für hinreichend, um sie für verschieden zu er-
klären. Er nimmt folgende Arten an : Vespertilio noveboracensis L.
(V. rubellus Beauv., monachus und tessellalus Raf,, Nycticejus Atalapha
und Atalapha americana Raf. , Taphyzous rufus Less.) , F. cineretis
Beauv. (V. pruinosus Say), F. crepuscularis Le Conte (V. creeks F. Cuv.),
V. /M5ct/s Beauv. (V. arcuatus Say, V. gryphus F". Cuv.), V. carolinensis
Geoffr., V. ursinus Temm., F. pliaiops Temm., V. Caroli Temm., F. pul-
verulentus Temm. (V. Audubonii Hart., noctevagans Le Conte), F. subulalus
Say, F. Iticifugus Le Conte, F. Georgianus Cuv., F. macrotis Le Conte,
F. pallidus n. sp. unterscheidet sich durch vier untere Schneide-
zähne, Rhinopoma carolinensis Geo^r. (Nycticea cynocephala Le Conte,
Molossus cynocephalus und fuliginosus Cooper). — Was Bachman
unter seiner V. monticola meint, hat er nicht entdecken können; des-
sen Y. virginianus scheint humeralis Raf. zu sein ; dessen V. Leibii
und Californicus sind ihm unbekannt. Folgende Arten von Rafi-
nesque vermag er nicht zu bestimmen: V. cyanopterus, melanotis.
der Säuglliiere während des Jahres 1855. 41
calcaratus, phaeops, megalolis, mystax. Cuvier's V. Salarii könnte
fuscus, und dessen subflavas könnte Carolinensis sein ; dessen crassus
konnte er nicht bestimmen. Temmincks V. erythrodactylus blieb
ihm unbekannt.
Obgleich der Verf. des vorigen Berichtes einer Arbeit
von Lichtenstein und Peters: Ueber neue merkwürdige
Säugelhiere des k. zool. Museums. Berlin 1855. (Separatab-
druck aus den Schriften der berliner Akademie 1854. p. 81
— 99) Erwähnung gelhan hat, indem er auf die Erscheinung
der Abbildung von Centurio flavigularis und Antilope leucotis
hingewiesen hat, so vermisst man doch die Anzeige von der
in genannter Abhandlung neu aufgestellten Gattung von Fle-
derthieren Hyonycteris Lichtst. et Pet.
Durch Schädel und Gebiss ist diese Gattung mit Vespertilio
Blas, et Keys, und Furia verwandt, durch die Flughäute und gelapp-
ten Spornen mit Vesperugo und Wycticejus. Eigenthümlich ist sie
durch die abgestumpfte Schweinsschnauze , die grossen Haftscheiben
und die Beschaffenheit der Phalangen. Die Verf. geben ihr folgende
Charaktere: Dentes primores supra quatuor geminati, lacuna intermedia
seiuncti, apice bifidi, infra sex contigui trifidi. Canini distincti longiores
conici , cuspidibus cinguli ,binis. Molares supra infraque ulrinsecus
seni , cuspidati , superioribus anterioribus discretis, ternis posteriori-
bus tritoribus, coronide "W formi. Lingua mediocris. Roslrum in pro-
boscidem brevem cum disco apicali supra marginato productum; nari-
bus inferis ensiformibus. Labia tumida , marginibus late reflexis.
Auriculae disiunctae , latae , trago et antitrago instructae. Patagia
membranacea lala; lumbaria pedibus usque ad ungues adnata. Pata-
gium anale integrum. Cauda patagio anali innata, articulo ultimo e
margine eius proeminente. Pollex liber, unguiculatus, disco adhaesivo
lato instructus. Metacarpus digiti secundi brevissimus , quartam me-
tacarpi tertii partem vix aequans. Digitus tertius praeter metacarpum
e phalangibus tribus osseis compositus. Digitus quartus et quintus
biarticulati. Pedes pentadactyli , disco adhaesivo plantari instrucli ;
digiti pedis omnes e binis tantum phalangibus compositi, palama con-
nexi, tertio et quarto fere coadunati. Calcaria longa lobata. — Die
einzige neue Art H. discifera erhielt das Berliner Museum von Puerto
Cabello. Sie ist abgebildet.
Folgende neue Arten wurden von Hodgson in der
Ordnung Volitantia aufgestellt. Annais nat. bist. XVi. p. 102.
Vespertilio siligorensis nahe verwandt mit V. mystacinus. Schnauze
spitz mit einem Bart an der Unterlippe. Ohren oval, schwach aus-
gerandet und etwas spitzig, Tragus länglich spitz. Flughäute von der
42 Troschel: Bericht über die Leistungen in der Naturgeschichte
Basis der Zehen entspringend. Oben einfarbig dunkelbraun, unten
dunkelbraun mit Hellbraun gelüpft. Flughäute braun. Vorderarm
1" 3"'. Tibia 6*/^'". Der längste Finger 2" 4'". — Vesperlilio dar-
jelingensis. Unterscheidet sich von der vorigen durch die mehr aus-
gerandeten Ohren , mit deutlichem Lappen am Grunde, durch etwas
kürzere Tibia, oben dunkler und kastanienbraun gelüpft. — Flecotiis
darjelingensis (p. 103) sehr nahe verwandt mit PI. monochrous Hodg.
— Nycticejus nivicolus oben hellbraun , unten dunkelbraun , an den
Seiten der Kehle heller; Ohren lang, zu einer stumpfen Spitze ver-
gchmälert. Diese Art wird mit N. ornatus und Tickelii Blyth ver-
glichen.
Iiiscctivora.
Eine Abhandlung von Blyth über die indischen Spitz-
mäuse im Journ. of Asiatic Sog. of ßengal 1855. p. 22— 3S
ist bereits in A. Wagners fünftem Supplementbande zu
Schreber's Säuoihieren, unter den Zusätzen und Berichti-
gungen p. 802 ausgezogen worden.
Verf. zählt für Indien 19 Arten auf. Von ihnen gehören 15 der
Untergattung Crocidura an (darunter S. heterodon aus den Khasya-Ber-
gen, micronyx von Kemaon und Landour , nudipes von Tenasserim,
atratus aus den Khasya- Bergen , melanodon von Calcutta neu); eine
Art S. macropus Blyth = S. feroculus Kelaart bildet ein neues Suh-
genus Feroculus , mit 30 ganz weissen Zähnen, untere Schneide-
zähne gesägt, Schwanz kurz behaart, mit zerstreuten langen Haaren ;
eine fernere Art S. nigrescens Gray bildet gleichfalls ein neues Sub-
genus Soriculus Blyth, die imGebiss mit Crossopus übereinkommt,
aber sich von ihr durch die nicht gewimperten Füsse unterscheidet.
Zwei Arten sind dem Verf. zweifelhaft.
Sorex saturatior Hodgson Annais nat. bist. XVL p. HO soll von
S. Griffithii Horsf. durch längeren und mehr cylindrischen Schwanz
verschieden sein. S. leucops Hodgson ib. unterscheidet sich durch
einen Schwanz mit weisslicher Spitze, der länger ist als Rumpf
und Kopf.
Templeton beschrieb Proc. zool. soc. July 1853. Annais nat.
hist. XV. p, 238 als neue Art Sorexl purpurascens von Indien. Es
ist nur die Färbung des Pelzes beschrieben. Der Schwanz ist zwei
Drittel so lang wie der Körper.
Carnivora.
Puc heran machte einige Notizen über Raubthiere in
der Revue et Mag. de Zool. VIL p. 392 bekannt, die sich be-
sonders anf die Berichtigung der Synonymie und Begrenzung
der Arten l)eziehen.
der SSugthiere während des Jahrea 1855, 43
1. ürsus pyrenaicus und collaris sind vergchiedene Arten; der
von Geoffroy beschriebene Ursus aretos Var. von Kamtschatka ist
gpecifisch verschieden. 2. Ein junges Individuum von Ceylon hält
Verf. für neu, und nennt es U. inornatusy weil es kein "Weiss am
Rumpfe hat. 3. Die Tsc h u d i'schen Arten von Nasua hält Verf. für
begründet. IV. leucorypha Tsch. = N. narica Geoffr. 4. Mustela ni-
valis L. und Älustela vulgaris Var. Fall, sind zwei verschiedene Ar-
ten. Die Exemplare vom nördlichen Afrika mit schwarzem Quaste
am längeren Schwänze bilden eine eigene Art P. numidicus. 5. Pa-
radoxurus crassiceps wird beschrieben. 6. Mangusta urinatrix Sm.,
Herpestes paludinosus Cuv. nicht verschieden von Ichneumon major
Geoffr.; I. ruber Geoffr. verschieden von I. javanicus, wohl = Herp.
ochraceus Gray. Das von Prevost und Desmurs in der Reise des
Capt. Lefevre als Herp. gracilis Rüpp. abgebildete Exemplar ist
eine neue Art H. ochromelas. Dagegen ist der von Guerin in der
Exploration en Abyssinie abgebildete Herp. Galinieri = H. gracilis
Rüpp. juv. 7. Genetta senegalensis, tigrina, felina, pardina hält Verf.
für specifisch verschieden, ebenso G. afra = Viverra maculata Gray.
8. Ichneumia nigrirauda n. sp. vom Senegal, Schwanz oberhalb und
an der Spitze schwarz. Vielleicht gehöre Ehrenbergs Herp. leu-
curus juv. hierher. 9. Cynalopex turcicus = Canis corsac. 10. End-
lich fragt Verf. , ob Lynx pardina in Portugal mit der des südlichen
Spaniens identisch sei?
llii!«teiina. Brandt hat in den Mem. de l'acad. de
St. Petersbourg VII. p. 3. selbstständige Mittheilungen über
den äusseren Bau des Zobels im Vergleiche mit dem 6es
Baum- und Steinmarders gemacht.
Der Zobel ist auf drei Tafeln in verschiedenen Varietäten, M.
Martes auf der vierten Tafel dargestellt. Verf. hält den amerikani-
schen Zobel nicht für eigene Art, sondern für eine mehr gelbbraune,
weniger dicht behaarte Abänderung der JVIustela zibellina, da er in den
Verhältnissen der Körpertheile keine Differenzen entdecken konnte.
Zum Schlüsse fügt derselbe eine nach strenger Vergleichung abge-
fasste Schilderung des Zobels, des Baum- und des Hausmarders bei.
Mustela sirigidorsa Hodgson Annais nat. bist. XVI. p. 107 von
Sikim ist 12" lang, braun mit gelblichweissen Lippen, Kopf, Rücken-
und Bauchstreif.
Hodgson erwähnt eine von ihm für neu gehaltene Art Aonyx
sikimensis in Annals nat. bist. XVI. p. 109, welche sich von der ge-
wöhnlichen indischen Art durch hellere braune Farbe, die ins kasta-
nienbraune zieht, unterscheidet; das Exemplar ist jedoch nicht «^ut
genug conservirt, um eine genaue Beschreibung zuzulassen.
Viverrinas Herpestes taenionotus Smith, welche bisher mit
44 Troschel: Bericht über die Leistungen in der Naturgeschichte
H. lebraRüppell verwechselt wurde, unterscheidet sich nach Kitzin-
ger durch den ocherfarbencn Bauch und den Mangel des weissen
Längsstreifens auf demselben. Wiener Sitzungsber. XVIL p. 245.
Pucheran kündigte kurz eine neue Art ßrfeo^a^e nigripes vom
Gabon an, die ganz weiss ist mit schwarzen Gliedraassen. Er for-
dert die Mammalogen auf, ihm über die Arten dieser Gattung Nach-
richt zu geben, damit er diese in einer Monographie der Säugethiere
des westlichen Afrika benutzen könne. Revue et Mag. de Zool. YIL
p. 111.
Viverra Poortmanni Pucheran Rev. de Zool. "VII. p. 154. Simil-
lima V. Civettae, sed maior, vittaque oculari nigra nasum non trans-
eunte. Vom Gabon.
Genella serralina Pucheran Revue de zool. YII. p. 154. Laete
Tufa , maculis colli, dorsi , lateribus nigris , numerosissimis; artubus
fere ex toto nigris; cauda longa, annulis latis nigris, strictis albes-
centibus, praedita. — G. Aubryana ib. Albescens, fulvo lavata ; cauda
longissima , nigro et albescenti fulvo annulata ; artubus fere ex toto
nigris. Beide von Gabon. — G. riihiginosa ib. Griseo albescens,
fulvo lavata; maculis dorsalibus fere ex tolo rubiginosis; cauda, ad
basin quatuor annulis rubiginosis , quatuor deinde nigris, praedita.
Vom Cap.
Pachyura occidentalis Pucheran Revue de zool. VII. p. 154. Su-
pra rufescens, infra dilutior; cauda, basi crassa, tertiam corporis par-
tem tantum superante. — F. aequatorialis ib. Supra nigrescens, in-
fra dilutior; cauda, ad basin parum crassa, dimidiam corporis partem
superante. Beide vom Gabon.
Hodgson hat a. a. 0. zwei Arten von Paradoxurus unter-
schieden. Die eine P. striclus ist grau mit einem Stich ins Rostfar-
bige, hat jederseits am Kopfe zwei weisse Flecken ; besonders unter-
scheidet sie sich durch fünf schwarze Längsstreifen auf dem Rücken;
ist verwandt mit P. Palassii und misst 23" bei einer Schwanzlänge
von 25". — Die andere Art P. quadiiscriplus ist grau mit einem Stich
ins Rothbraune; vier scharf begrenzte Linien erstrecken sich vom
Nacken auf den Rumpf und haben jederseits eine kürzere unterbro-
chene Binde. Die Mitte des Nasenrückens, ein scharfbegrenzter schma-
ler Strich vom Augenwinkel, der Nacken, die Füsse und das Ende
des Schwanzes sind schwarz. Kopf und Körper 26", Schwanz 24".
Canina. Fitzinger erwähnt zwei seltene klimatische Va-
rietäten des Hundes, nämlich Canis leporarius aegyptius , der ägyp-
tische Windhund, dessen sich die Araber zur Jagd bedienen, und Ca-
nis sagax africanus. Wiener Sitzungsber. XVII. p. 246.
Unter dem Namen Lwpus laniger unterscheidet Hodgson einen
indischen Wolf von 4 Fuss 4 Zoll Länge, dessen Schwanz 11 Zoll
lang ist. Er ist oben schmutzig gelblich , unten blassgrau. Ohren
der Säügthiere während des Jahres 1855. 45
gross und spitz und aussen mit dichtem bräunlichen Pelze bedeckt.
Der Pelz ist am Rücken dicht und zu kleinen Büscheln geformt, an
den Seiten zottig, wie es Bewohnern kalter Gegenden zukommt.
Annais nat. bist. XYI. p. 107.
Van (lerHoeven erweiset in einer Abhandlung „Over
hct geslacht Icticyon Lund (Cynalicus Gray), dass diese Gat-
tung, welche Burmeister zu den Wieseln gestellt hat,
dennoch in die Hundefamilie gehöre (Wis- en natuurk. Verh.
der konink. Akademie. Hl. 1855).
Er hebt die grosse üebereinstimmung der Schädeltheile mit den
Hunden hervor, und zeigt auch dadurch, dass bei einigen Hunde-
schädeln, z. B. C. sumatrensis, die Zahl der Höckerzähne variirt,
dass das einzige Merkmal, welches die Gattung Icticyon den Wieseln
näher bringt, nämlich das Vorhandensein nur eines Höckerzahns oben
und unten, nicht entscheidend sein könne. Zur Vergleichung ist ne-
ben dem Schädel von Icticyon venaticus Lund auch ein Dachsschädel
und die Kiefer von Canis alpinus und Azarae abgebildet.
Feliiia. V. Heuglin brachte ein altes Weibchen von Hyaena
striata nach Wien, welches in Kairo zwei Junge geworfen hatte.
Wiener Sitzungsber. XVII. p. 244.
Die indische Hyäne (Hyaena virgata) soll nach Horsfield
(Annais nat. bist. XVI. p. 107} von der Hyaena striata nicht zu un-
terscheiden sein.
Ernst Bekker hat eine besondere kleine Schrift:
„der Stachel des Löwen an dessen Schweifende ; nach genauer
Untersuchung, unler wörtlicher Beifügung älterer und neue-
rer Angaben, mit naturgetreuen Abbildungen und einem An-
hange neuerer Entdeckungen. Darmstadt lö55" herausgegeben.
Als Resultat dieser Untersuchung ergiebt sich , dass der Löwe
wirklich einen Stachel am Schwanzende besitzt, dass jedoch der Löwe
sich mit demselben weder verwundet, noch schlägt. Von anderen
Thieren, die ähnliche Bildungen am Schwanzende besitzen , erinnert
Verf. an Gould's Beschreibung eines Kagels von Macropus unguifer
und fraenatus und fügt nach eigener Beobachtung Bos urus und fünf
Affen hinzu, welche letzteren den Galtungen Semnopithecus und Co-
lobus angehören.
Nach einer Notiz in Natuurk. Tijdschr. Ned. Indie IX. p. 522
wurde auf Java ein Tiger mit vier Jungen getödtet. Man hatte bis-
her geglaubt , dass ein Tiger nie mehr als zwei Junge werfe.
Fitzinger hält eine Katzenart, welche in zwei prachtvollen
Exemplaren in der Kreutzberg'schen Menagerie gehalten wurde , für
neu, und nennt »ie Felis PoUopardus, Sie wird mit F. on9a und Par«
46 Troschel: Bericht über die Leistungen in der Katurgeschichte
dus verglichen, ist aber kurzbeiniger und dunliel fahlgrau mit dicht-
stehenden schwarzen Flecken bedeckt; sie ist abgebildet, und ist
afrikanischen Ursprunges. Wiener Sitzungsber. XVII. p. 295.
KoUar zeigte im Zool.-bot. Vereine zu Wien V. p. 59 an,
dass in der Nähe von Wien eine wilde Katze als Seltenheit geschos-
sen sei.
Nicht ohne Interesse für die Forlpflanzung- der Varietä-
ten sind einige Beobachtungen, welche Le Conte an einem
Kater wahrnahm, der zu der ungeschwänzten Varietät der
Isle of Man gehörte. Eine Katze gebar von ihm zwei Junge,
deren eines einen Schwanz von halber gewöhnlicher Länge,
das andere gar keinen Schwanz besass; ein andermal brachte
sie drei Junge zur Welt , von denen zwei der Muller gli-
chen, das dritte wie der Vater schwanzlos war. Eine an-
dere junge Katze brachte bei ihrem ersten Wurfe vier Junge,
die alle schwanzlos waren. Proc. Philadelphia VII. p. 24.
Von Cynailurus Soemmeringii Rüpp.? bemerkt Fitzinger,
dass er sich durch höhere Beine, dunklere Färbung, einen an der
Spitze etwas buschigen Schwanz und schwächere Uückenmähne deut-
lich von C. guttatus Wagn. unterscheide. Seine ausserordentliche
Zahmheit wird gerühmt. Wiener Sitzungsber. XVII. p. 245.
llodeutia.
Brandt hat die systematische Stellung der Gattung
Cheiromys oder Chiromys zum Gegenstande einer kurzen Be-
sprechung gemacht. Bulletin de l'acad. de St. Petersbourg
1854. p. 282.
Gebiss, Anfügung des Unterkiefers, Lage der Zitzen und Habi-
tus reden der Stellung unter den Nagern das Wort. Dagegen spre-
chen die Bildung der Hirnkapsel, der geschlossene Augenring, die
Lage des Hinterhauptsloches, die Beschaffenheit des Jochfortsatzes des
Oberkiefers und des Jochbeines , die Bildung des Thränenbeines, die
Lage des Gehörganges und die früh verschmolzenen Zwischenkiefer
für die Anreihung an die Quadrumanen. Dieser letzleren Ansicht
sind auch die mehr nach vorn gerichteten Augen , die Ohren , die
Hände an den Gliedmassen günstig. Verf. entscheidet sich nicht be-
stimmt, und hält es für möglich, Chiromys als besondere Ordnung
Leptodactyla s. Opistochires zwischen Quadrumanen und Nager zu
stellen. Wenn Verf. aus diesem Uebergange den Schluss ziehen will,
dass die Nager vor den Fledermäusen auf die Affen folgen sollten,
SO ist das wohl i\x weit gegangen, und lässt sich um so weniger
der Säugthiere während des Jahres 1865, 47
rechtfertigen, als man ziemlich allgemein die Anordnung der Thiere
in einer Reihe aufgegeben hat. Da nicht die Anzahl, sondern die
Wichtigkeit der Charaktere in fraglichen Fällen die Entscheidung ge-
ben muss, so glaube ich die in Frage siehende Gattung noch immer
den Nagethieren beiordnen zu müssen.
Lienard beschrieb einen lebenden jungen Aye-Aye
(Chiromys madagascariensis) von etwa 4 Monaten. Comptes
rendus XLI ; Revue de zool. Vll. p. 43ö. — Von dennselben
Thiere im erwachsenen Zustande lieferte Vinson ib. p. 478
eine Beschreibung. Es hat einen eigenthümlichen Geruch,
schläft am Tage, wurde Nachts sehr unbändig; später wurde
es zahmer , aber auch traurig und kränklich ; es war sehr
lüstern nach KafTe mit Milch und Zuckerwasser.
Sehr umfassende „Untersuchungen über die craniologi-
schen Entwickelungsstufen und die davon herzuleitenden Ver-
wandtschaften und Classificationen der Nager der Jetztwelt
mit besonderer Beziehung auf die Gattung Castor" haben wir
Brandt zu verdanken. Älem. de i'acad. de St. Petersbourg
VH. 1855. p. 125—336 mit 12 Tafeln.
Nachdem Verf. die allgemeinen craniologischen Charaktere der
Kager , und die bei der Charakteristik leitenden Grundsätze festge-
stellt hat, geht er die einzelnen Familien durch. Es geht für unse-
ren Zweck nicht an, dem Verf. in seinen einzelnen Betrachtungen
zu folgen, und wir begnügen uns, einen kurzen Auszug aus dem
p. 291 aufgestellten Systeme zu geben. Die Nager stehen durch die
Galtung Chiromys mit den Quadrumanen , durch Phascolomys mit den
Älarsupialien, durch Hyrax mit den Vielhufern und durch die Hasen
mit einigen Wiederkäuern in Beziehung. Die Nager zerfallen in vier
Unterordnungen, deren Typen die Gattungen Sciurus , Mus, Hystrix
und Lepus sind, und die Sciuromorpha , Myomorpha, Hystrichomorpha
und Lagomorpha genannt werden.
1. Sciurotnorp ha. Ihr Schwanz ist immer weich behaart.
Stirnbeine meist breit und haben fast immer am hinteren Rande des
Orbitalrandes einen Fortsalz. Der Processus zygomaticus des Ober-
kiefers meist einfach, eine Lamelle darstellend, nur ausnahmsweise
mit doppelter \Vurzel. Der Malar- Theil der Kiefer ganz knöchern.
Die Infraorbital-Löcher meist von einer kurzen Röhre eingeschlossen,
um die Hälfte kleiner als die Nasenöffnungen. Die Processus pte-
tygoidei horizontal. Das knöcherne Gaumenbein meist zwischen den
Backzähnen vollständig. Die Foramina incisiva den Schneidezähnen
genähert. Der Angulus des Unterkiefers aus seinem Unterrande her-
vorgehend, meist viereckig. Dahin nur die Familie der Sciuroiden^
48 Troschel: Bericht über die Leistungen in der Naturgeschichte
die in zwei Unterfamilien zerfällt, je nachdem die Backenzähne Wur-
zeln besitzen oder nicht , Rhizodontes s. Sciurini (Sciurus L., Xeros
Ehrenb., Tamias 111. ; — Pteromys Fr. Cuv., Sciuropterus Fr. Cuv. —
Anomalurus — Arctomys et Spermophilus Fr. Cuv.) und Prismato^
donles s. Hayloodonles (Haploodon Rieh.).
2. Myotnorpha. Schwanz meist schuppig, sparsam behaart.
Die Stirnbeine besonders vorn schmal oder mittelmässig, nie am Or-
bitalrande mit einem Fortsatz. Der Processus zygomaticus des Ober-
kiefers doppelt , eine dreieckige meist oben breitere unten engere
Spalte einschliessend. Die Processus pterygoidei fast perpendiculär
oder horizontal. Der Malartheil der Kiefer neben oder vor den stum-
pfen Infraorbital-Löchern mit einer spaltförmigen Thränenkanal-Oeff-
nung und sehr häufig nur zum Theil durch eine häutige Membran ge-
schlossen. Der knöcherne Gaumen vorn immer ganz , hinten nicht
selten ausgerandet. Die Foramina incisiva den Backenzähnen mehr
genähert. Der hintere Fortsatz des Angulus des Unterkiefers aus dem
ganzen Unterrande hervorgehend und dreieckig. Dahin sechs F'ami-
lien : 1. Myoxoldes mit der Galtung Myoxus. 2. Casloroides mit der
Galtung Castor. 3. Sciurospalacoides mit den Gattungen Ascomys Licht,
und Tomomys Pr. Max. 4. Mijoides^ zerfällt in Rhizodontes s. Murini
mit fünf Sectionen (a. Mures subsciuroides , «) Mures proprii mit den
Gattungen Mus, Pelomys, Acodon, Phloeomys, Dendromys, Stealomys,
Pseudomys, Drymomys , Hapalotis, Reithrodon , Hesperomys, Acomys,
Saccoslomus; ß) Mures myoschizodontes mit der Gattung Neotoma
Say ; y) Mures submerioniformes mit den Gattungen Sigmodon, My-
stromys , Malacothrix, Euryolis; tf) Criceli mit den Gattungen Crice-
tomys und Cricetus. b. Mures merionilormes s. Arvicolini mit den
Galtungen Gerbillus, Meriones, Rhombomys und Psammomys. c. Pe-
ragnalhi seu Mures sciurospalacoides mit den Galtungen Peragnalhus
und Saccomys. d. Hydromyes s. Mures caslorini mit der Gattung My-
dromys. e. Sminthi s. Hystrichomyes mit der Gattung SminthusJ und
Prismatodontes s. Arvicolini mit den Gattungen Arvicola, Lemmus und
Ondalra. 5. Spalacoides zerfällt wieder in Rhizodontes (Galt, Spalax,
Rliizomys, Heterocephalus , Bathyergus , Georychus, Heliophobius und
Prismatodontes (Galt. Ellobius, Myospalax). 6. Dipodoides mit vier
Subfamilien a. Jaculini (Jaculus Wagn.) , b. Dipodini (Dipus, Scirte-
tes, Platycercomys) , c. Pedetini (Pedetes), d. ölacrocolini (Älacroco-
lus und Dipodomys Gray?).
3. Hystrichoniorpha. Der Processus zygomaticus des
Oberkiefers besteht aus zwei schmaleren hakenförmigen Wurzeln, de-
ren untere niemals die Form eines senkrechten Blattes hat, wie bei
den typischen Myomorpha. Infraorbital-Löcher sehr gross, dreieckig
oder nierenförmig, unten meist viel breiter, grösser als die Kasenöff-
»ungen. Die äussere Thränenkanal-Üeffnung meist vor dem Processus
1
der Säuglhiere während des Jahres 1855. 49
eygomaticus des Oherkiefers oder unter ihm, selten vor ihm. Die
Pars genalis der Kiefer flach mit knöcherner Substanz geschlossen.
Die Stirnbeine zwischen den Augenhöhlen erweitert. Der knöcherne
Gaumen zwischen den Backenzähnen niemals, hinten meist dreieckig
ausgeschnitten. Die Foramina incisiva massig oder ziemlich klein.
Die hinteren Winkel des Unterkiefers meist aus der äusseren Wand
hervorgehend, meist einen dreieckigen, nach hinten verlängerten Fort-
satz bildend. Dahin vier Familien : 1. Hijslrichoides mit zwei Sub-
familien Philogaei (Gatt. Hystrix L.) und Philodendri (Gatt. Erelhi-
zon, Chaetomys und Cercolabes. 2. Spalacopodoides mit zwei Subfami-
lien Echinomyes s. Khizodontes (Gatt. Petromys , Capromys, Plagio-
don, Dactylomys, Cercomys, — Aulacodes, — Loncheres, Echinomys,
Nelomys, Holochilus Br.; Mesomys, — Carlerodon, — Myopotamus)
und Uctodontes s. Arhizodontes {Gatt. Octodon, Ctenomys, — Cteno-
dactylus — Spalacopus Wagl., Schizodon, — Habrocomus). 3. Chitin
chilloides s. Erioinyvides mit zwei Subfamilien Urobii s. Eriomyes
monticolae (Gatt. Eriomys Licht., Lagidium Meyen), und Homalobii s.
Enmyes planicolae (Gatt. Lagostomus). 4. Hemionijchoides mit zwei
Subfamilien Dasyproctini (Gatt. Dasyprocta , Coelogenys) und Cavini
(Galt. Cavia, Dolichotis, — Hydrochoerus).
4. L a (j omorp ha. Von allen ?iagelhieren durch die bekann-
ten 4 oberen Schneidezähne unterschieden. Der Processus zygoma-
ticus des Oberkiefers mit einfacher nicht blattartiger Wurzel. Die
Intraorbital-Löcher klein , viel kleiner als die Kasenöffnungen. Die
obere äussere Thränenkanal - Oeffnung hinter dem Processus zygoma-
ticus des Oberkiefers. Der Wangentheil des Oberkiefers grossentheils
nur durch Haut geschlossen. Der knöcherne Gaumen erscheint zwi-
schen den Backenzähnen wie ein queres knöchernes schmalvierecki-
ges Joch. Die Foramina incisiva gross oder sehr gross, fast herz-
lörmig , hinten breiter, zwischen den vorderen Backenzähnen. Die
hinteren Winkel des Unterkiefers bilden hakenförmige Fortsätze , die
aus dem ganzen Unterrande entspringen. Dahin nur eine Fan)ilie La~
guides mit zwei Subfamilien Lagomyes (Galt. Lagomys) und Leporini
(Gatt. Lepus Linn.).
liciuritia. Horsfield beschrieb Annais nat. bist, XVI.
p. 113 ein neues Eichhörnchen Sciurus M'Clellandii aus der Sammlung
von Hodgson und bemerkt dabei, dass es nach seinem Habitus, ver-
schmälerten Schwanz, fein gefransten Ohren der Amerikanischen Gat-
tung Tamias gleiche; es bleibe zu untersuchen, ob es Backentaschen
habe oder nicht. Das Thier ist oben bräunlich, unten schmutzig gelb-
grau, auf dem Rücken eine schwarze Längslinie; jederseits eine braune
hellgelblich gerandete Linie.
Auch Baird hat drei neue amerikanische Arten dieser Gattung
aufgestellt Proc. Philad. VIL p. 331-333. Sciurus limitis von Texas
Archiv f. Naturgesch. XXII. Jahrg. 2. Bd. [)
5Ö Tr ose hei: ßericht über die Leistungen in der Naturgeschichte
hat vier obere Backenzähne, ist oben zimmetfaibig und schwarz ge-
mischt, der Schwanz hat drei schwarze Hinge; Sc. castanoius von
den Mimbres mit 5 bleibenden oberen Bfvckenzähnen, ist oben dunkel
kastanienbraun, sonst aschgrau und bleifarbig gemischt, Augenlieder
und Unterseite weiss ; keine Ohrbüschel. Sc. üuckle^i von Puget-
Sound, Schwanz kürzer als der Körper ; Ohrbüschel ; oben kastanien.
braun mit schwarz gemischt, eine dunkle Linie längs den Seiten;
Schwanz am Ende schwarz.
In der Gattung Tamias stellte Baird Proc. Philadelphia VII.
p 332 und 334 zwei neue Arten auf: Tamias dorsaüs von den Mim^
bres; Schwanzrübe nicht halb so lang wie der Körper, Sehwanzhaare
sehr lang, schwarzbraun mit weisser Spitze, nur der Millelstreif und
ein äusserer Längsstreif deutlich. — Tamias Cooperi. Schwanzrübe
etwas länger als der halbe Körper, Obren gross ; drei deutliche und
zwei minder deutliche Rückenstreifen mit hellgrauen Zwischenräu-
men. Ostseite des Cascade-Gebirges, Washington Territory.
Spermophilus Couchii ist eine neue Art von Baird Proc. Phi-
ladelphia VII. p. 332. Ganz schwarz, Schwanz zwei Drittel der Kör-
perlänge. Santa Caterina in Mexiko. — Sp. Gimnisoni ib. p. 334.
Ohren sehr kurz, Daumen mit wohlenlwickelter Kralle, Schwanz sehr
kurz, Yg des Körpers. Oben hell leberbraun, gemischt mit aschgrau,
hellbraun und schwarz. Rocky-Mountains. — Kach dera Verf. ist Sp.
spilosoma Bennet irrthümlich von Audubon und Bachman für den
Jugendzustand von raexicanus angesehen. — Sp. grammurus Say wurde
in Texas und Beecheyi Richards, in Californien aufgefunden.
Castorina. Beiträge zur näheren Kenntniss der Gal-
tung Castor von Brandt Mem. de Tacad. de St. Petersbourg
VU. 1855. p. 43—76.
In Anerkennung des grossen Interesses, welches die Frage ge-
währt, welche Thiere des nördlich europaisch - asiatischen Continents
mit denen des nördlich amerikanischen Continents der Art nach iden-
tisch oder verschieden seien, hat Verf. sorgfältige Nachforschungen
über den Biber angestellt. Es stand ihm ein ziemlich reiches Mate-
rial an Bälgen und Schädeln zu Gebole. Der erste Abschnitt behan-
delt die Frage, ob der Amerikanische Biber von dem Europäisch-
Asiatischen verschieden sei. Er kommt zu dem Ergebnisse: l) dass
von den Kuhl'schen, Oken'schen und frühern Brandt' - Ratzeburg'-
schen äus,seren Merkmalen kcins für die Artunterscheidung brauch-
bar erscheint; 2) dass in der relativen Körpergrösse die amerika-
nischen Biber nach den vorliegenden Erfahrungen von dem Euro-
päischen sich nicht wesentlich unterscheiden dürften ; 3) dass in Be-
zug auf das Verhältniss der Kopf-, Ohr-, Fuss- und Schwanzbil-
dung es. dem Verf. bis jetzt nicht gelungen ist, durchgreifende Merk-
der Säugthiere während des Jahres 1855. 51
male aufzufinden ; 4) dass dagegen beim Vergleiche von 8 Schädeln
europäisrher Biber mit 5 Schädeln von Bibern der Amerikanischen
INordwesiUüste sich mannigfache, zum Theil sehr auffallende, con-
slanle Unterschiede zwischen den alt- und neuwelllirhen Bibern her-
ausstellen; 5) dass manche dieser Schädelunterschiede auch Abwei-
chungen im äusseren Baue bedingen dürften ; und 6) dass die be-
kannte formelle, histologische, zwischen den alt- und neuweltlichen
Bibern stattfindende Abweichung der Vorhautsäcke und ihres schon
im äusseren Ansehen abweichenden Sekretes ebenfalls einer arllichen
Verschiedenheit beider das Wort zu reden scheinen. Ausführliche ver-
gleichende Diagnosen und drei Tafeln mit Abbildungen veranschauli-
chen die Verschiedenheiten. Aus den längeren Diagnosen heben wir
nur die an die Spitze gestellten hervor:
Caslor ßher. Rostrum longius; dentes incisivi dilatali, superio-
rum singuli partis alveolaris anterioris tertia parte sublatiores ; oculi
inter se, nee non a rostri apice remotiores; nasus in parte anteriore
plerumque magis depressus ; arcus superciliares magis prominentes.
Caslor americanus. Rostrum brevius ; dentes incisivi minus di-
latati, superiores partis alveolaris anterioris tertiam partem circiter
aequantes ; oculi inter se , nee non apici noslri magis approximati;
nasus, ut videtur, paulo convexior ; arcus superciliares minus promi-
nentes.
In dem zweiten Abschnitte dieser Abhandlung spricht Verf. über
die Variation einzelner Knochen des Biberschädels als schlagendes
Beispiel der zuweilen sehr beträchtlichen individuellen, gestaltlichen
Abweichung der Schädelknochen einzelner Thierarten.
Eine sehr gelehrte Abhandlung- von Brandt (ib. p. 77 — •
124) „Blicke auf die allmählichen Fortschritte in der Gruppi-
rung der Nager mit specieller Beziehung auf die Geschichte
der Gattung Castor, besonders des altvvelllichen Bibers, ist rein
historischer Naiur und daher keines Auszuges fähig. Eine
Angabe des Inhalts der einzelnen Kapitel möge eine Vorstel-
lung von dem Umfange der Untersuchungen geben.
1. Ueber die Kenntnisse , welche die alten Perser, Egypter,
Griechen und Römer vom altweltlichen Biber und den von ihm her-
slammenden Producten besassen. 2. Einige Worte zur Geschichte des
Bibergeils und des Bibergeilöls. 3. Nachrichten, welche die natur-
geschichtlichen Schriftsteller des Mittelalters und der neueren Zeit bis
auf Ray über den Biber mittheilten. 4. Älitlheilungen über die Gat-
tung Caslor und ihre Verwandten, als Versuch einer geschichtlichen
EntWickelung der Classification der Nager und der Biber ins beson-'
dere, von Ray bis zur neuesten Zeit' (bis zum Jahre 1850). 5. Kri-
tischer Rückblick auf die verschiedenen Kager-Eintheilungen. 6. Kri-
52 Tr ose hei: Bericht über die Lcistungeo in der Naturgeschichte
tischer Rücliblick auf die verschiedenen Classificationen der Galtung
Castor.
In denselben PelersLurger academischen Srhriffen fin-
den sich noch drei kleine auf die Kenntniss des Bibers be-
zugliche Scliriflen von Brandt: p. 337 Bemerkungen über
die Beziehung des aitw eltlichen Bibers bei verschiedenen
Volksstänimen, besonders über das Wort Castor und Fiber,
sowie über Castorion und Castoriuni (der Name Castor ist
danach von dem Indischen Kasturi, Moschus, auf den ßilter
übertras^en), — p. 343 Beiträge zur Kenntniss des Bibers bei
den Arabern, — und endlich p. 367 Minheilungen über den
Biber, wohl richtiger die Fisch- und Meerotter aus chinesi-
schen Schriftstellern, nach Stanislas Julien.
Seiuroispalaciiia. Parvin {iab einige Nachricht von der
Lebensweise des Geomys bursarius. INinth Smithsonian report p. 2.93.
Dieses Thier gräbt lange Höhlen in die Erde, zwei Fuss unter der
Oberfläche und oft meilenweit, und niaciit in passenden Entfernungen
Ausgänge unter einem Winkel von 4Ö° zur Überfläche. Durch diese
trägt es in seinen laschen den Schmutz heraus und verstopft sie dann
wieder mit Erde bis zu seinem Haiiplgange , so dass zuletzt seine
Höhle einen langen gewundenen Gang darstellt. Seine Nahrung, Wur-
zeln u. dgl. sammelt es in tiefen Höhlen für den Winter. Es ver-
lässt seine Gänge fast nie.
Als neue Arten dieser Gattung beschrieb Baird Proc. Phila-
delphia VII. p. 332 G. Clarhii y obere Schneidezähne mit einer tiefen
Grube in der Mitte; Vorderfüsse fast gleich den hinteren, zweite
Kralle der Hand reicht so weit wie die vierte ; Backentaschen klein ;
Pelz weich und voll. Hio grande. — G. breviceps, eine schmale Furche
der oberen Vorderzähne nahe dem Innenrande, und eine viel breitere
in der Mitte des übrigen Raumes, Vorderfüsse länger als die hinteren,
ihre zweite Kralle reicht nur zur Mitte der vierten; Backentaschen
weit; Schädel kurz, breit; oben dunkel kastanienbraun Morehouse
Farish, Louisiana.
Thomoviys laliceps Baird n. sp. Proc. Philadelphia VII. p. 335.
Backentaschen massig , Schwanz fast halb so lang wie der Körper,
Füsse gross und breit, Krallen an der Hand dünn; die Kralle des Dau-
mens reicht fast zur Mitte der Hand. Schädel sehr breit, Schnauze
kurz. Oben gelblich rothbraun. Humboldt-Bay.
IVfurina. llodgson stellte Annais nat. bist. XVI. p.ll2 drei
neue Mäuse auf: Mus taraiensis, dunkelbraun mit schwachem Glänze,
Kopf verlängert, Schwanz kürzer als der Körper, unterwärts rostfar-
l)iggiau ; nur ein Exemplar. — Mus plurimammis soll sich besonders
der Säuglhiere während des Jahres 1855. 53
durch die grössere Zahl der Zitzen auszeichnen; man vermisst jedoch
eine Angabe dieser Zahl. — Mus inorungensis , durch grossen abge-
stutzten Kopp, kräftigen Körper, langen, spitzen und klein geringelten
Schwanz, sowie durch röthlichschwarzc Farbe charakterisirt
Auch Puc heran gab in der Revue de zool. YII. p. 206 die
Diagnosen zweier neuer Arten dieser Gattung: Mus hypoxanlhus ^ ca-
pite supra, dorso ex magna parte brunneo-rufis; rhinario vivide rufe,
dorso postice cruribusque dilutioribus ; infra omnino fulvus ; pedibus
fuscis; cauda, corpore longiore, supra nigri'canle, infra grisea. —
Mus liypoleucus. Supra brunneo - nigricans, parum rufescenti tinctus;
infra albus; pedibus fuscis; cauda, corpore longiore, omnino grisea.
Beide von Gabon.
Reilhrodon mcnlanus Baird Proc. Philadelphia VII. p. 335. Halb
60 gross wie die gewöhnliche Maus, Ohren kleiner, dicht und lang be-
haart, SchAvanz so lang wie der Körper, dicht mit kurzen Haaren be-
setzt; braun, unten matt weiss. Rocky-Mountains.
Hesperomys Roylii Paird Proc. Philadelphia VII. p. 335. Ohren
sehr gross , fast nackt, Schwanz beträchtlich länger als der Körper
mit einem Haarbüschel an der Spitze, Kopf breit, sehr spitz; braun und
gelblichbraun gemischt. Californien. — //. auslerus ib. Schwanz von
der Länge des Körpers, Hinterfüsse länger; bräunlich bleifarbig.
Puget-Sound.
Le Conte beschrieb ib. p. 442 gleichfalls zwei neue Arten
der Gattung Hesperomys. Die eine H. cognalns, welche in Georgien
und Südcarolina lebt, ähnelt leucopus und gossypinus , daher stellt
Verf. die Diagnosen dieser drei Arten folgendermassen neben einan-
der: //. leucopus, supra laete badius, interdum prope auranliacus, sub-
tus niveus, coloribus a se abrupte disiunctis , pedibus posticis anticis
plus duplo longioribus. — H. cognalus ^ supra nigro - fuscescente , et
fusco variegatus, sublus albidus tanquam cinereo - mixlns , pedibus
non tarn imparibus. — //. gossypinus^ supra fuscescente-badius, latcri-
bus dilutioribus, suhtus cinerascente -albidus ; corporis magnitudine
valde a duobus praecedentibus differt. — Die zweite neue Art H. gracüis
ist oben schieferfarbig, Wangen, Kinn, Kehle und Unterseite weiss,
Unterseite der Vorderschenkel bräunlich; Schwanz länger als der Kopf
und Körper. Michigan.
Aus der Gattung Neotoma stellte Baird drei neue Arten auf
Proc. Philadelphia VII p. 333 u. 333: iV. mexicana^ Ohren sehr gross,
Füsse klein, Schwanz y^ der Körperlänge mit kurzen steifen Haaren,
Pelz lang und sehr weich Hell gelbbraun, Füsse und Unterseite weiss.
Chihuahua. — IS, micropus , Schwanz kaum zwei Drittel der Körper-
länj^e, sparsam behaart; Schä'lcl breiter und Füsse kürzer als bei flo-
ridana. Schiefergtau, unterhalb weiss. Mexiko. — N. occidentalls Coo-
per MS., N. Drummondii Aud. et Bachm. Shoaiwaler-ßay, W. T.
54 Troschel: Bericht über die Leistungen in der Katurgeschichte
Sigmodon Berlandieri Baird Proc. Philadelphia VII. p. 333.
Schwanz von der Länge des Körpers ; graugelblraun. San Antonio,
El Paso und Kordmexiko.
Perognathus flavus Baird n. sp. von El Paso. Proc. Philadel-
phia YII. p. 332 ; kleiner als die Hausmaus, Schwanz fast so lang wie
der Körper, Hinterfüsse kurz ; oben gelblich lederfarbig, unten schnee-
weiss an den Wurzeln der Haare.
Dipoda. Dipodonnjs montanus Baird Proc. Philadelphia YII.
p.334. Schwanz kräftig, etwas länger als der Körper , mit einem
dunklen Streifen oben und unten, die weissen Seitenslreifen reichen
bis ans Schwanzende ; auf dem Schwänze ein Haarkamm bis zur Spitze ;
Körper oben gelblichbraun. Massachusetts. — Verf. charakterisirt hier
auch D. agilis Gambel von Califorriien.
Tieporiaa* Auch zwei neue Hasen hat Baird Proc. Phila-
delphia VII. p. 333 beschrieben : Lepus Washingtonii von Puget-Sound
und Shoalwater-Bay und Lepus Trowbridgii aus Californien.
Edentata.
Leidy hat die fossilen Reste einiger Faullhiere beschrie-
ben, „A Memoir on the extinct slolh Iribe of Northamerica."
Smilhsonian contribulions to knovvledore Vol. VII. i855.
Sehr ausführlich sind die Knochen von Megalonyx Jeffersonii
Harl. beschrieben (p. 3— 43 und pl. 1 — 13); ausserdem ^ie^a/onJ/.t? dis-
similis Leidy nach zwei Zähnen aufgestellt (pl. 14. fig. 5— 8), welche
in der Nähe von Kalchez gefunden worden, E rep t o don priscus Leidy
(pl. 14. flg. 9 — 10) nach einem einzelnen Zahn von Natchez , Mglo^
don Harlani Owen (pl. 14. fig. 1 — 3) , Megatherium mirabile Leidy
(pl. 15). Letztere Art sieht Verf. für verschieden von der südameri-
kanischen M. Cuvieri an.
Nodot stellte in der Kähe von Glyptodon eine neue fossile
Gattung Schi slople urum auf, die im Systeme zwischen Glyptodon
und Polypeutes stehen muss. Sie enthält drei Arten Seh. typus, gem-
matum und luberculatum (Gl. tuberculatum Owen). Von der Galtung
Glyptodon kennt Verf. 10 Arten. (Comptes rendus XLI ; Bevue de
zool.VII. p. 427.
Gulliver machte auf die Grösse der Blutkügelchen
von Myrmecophaga jubata aufmerksam (Proc. zool. soc. 1854.
Jan., Ann. nat. hist. XV. p. 381).
Owen legte der Zoological sociely of London eine
Anatomie des amerikanischen Ameisenbären Myrmecophaga
jubata vor, nach einem erwachsenen weiblichen Exemplare,
welches über neun Monate in dem Londoner zoologischen
der Säugthiere während des Jahres 1855. 55
Garten gelebt halte. Die vollständige Abhandlung wird mit
zahlreichen Abbildungen in den Transactions der Gesellschaft
erscheinen (Annais nat. bist. XVI. p. 374).
Solidungula*
Geoffroy St. Hilaire zeigte der Pariser Academie
an, dass die MeuHgorie durch eine neue Art Equus hemippus
bereichert sei, welche zwischen Palmyra und Bagdad gefnn-
gen und dort äusserst seilen sei. Sie hält die Milte zwischen
E. hemionus und caballus CCom(3tcs rendus XLI. Dec, Revue
de zool. VII. p. 593).
Pacliydermata.
Halbertsma veröffentlichte in den Verhandelingen der
koninklijke Akademie van Wetenschappen II. eine Abhand-
lung: Bijdrage tot de zieklenkundige onlleedkunde der lan-
den (Beitrag zur pathologischen Anatomie der Zähne). Sie
ist von 5 Tafeln mit Abbildungen von Elephantenzähnen be-
gleitet.
Wyman hat in The ü. S. naval astronoraical expedition von
Gilliss II. p. 275 ein Fragment des Unterkiefers von Mastodon Andium
Cuv. beschrieben und abgebildet. Auch ist daselbst der sechste Bak_
kenzahn von Mastodon Humboldlii und das Fragment eines Femur von
Mastodon beschrieben.
La p ha m beobachtete an einem Exemplare von Mastodon gi-
ganteus sieben Backenzähne oben und unten. Boston Proc. Y. p. 133.
— Darüber machte War reu (ib. p. 146) seine Bemerkungen, und
erklärt die vermehrte Zahl der Backenzähne für einen Zufall.
Gray bildete die Hörner eines zweihörnigen Bhinoceros ab,
die muthmasslich einer neuen Art angehören, der er den Namen libi-
noceros Oswellii beilegt. Die Hörner stammen aus dem Innern von
Südafrika; das vordere Hörn ist lang, dick und nach vorn gebogen,
31 Zoll lang; das hintere fast viereckig 11 Zoll lang. Proc. zool. soc.
1853 March ; Annais nat. bist. XV. p. 142.
Der im Berichte von 1852 p. 19 erwähnte Choeropotamus pictus
Gray ist von Gray selbst als identisch mit Sus penicillatus Schinz
erkannt und nunmehr Ch. penicillatus genannt worden. Er charak-
terisirt die Galtungf n Sus, Babyrnssa und Potamochoerus, zu welcher
letzteren die obige Art, und Sus africanus Schreb. (S. larvalus F. Cuv.)
gehören. Proc. zool. soc. t8ö2 Dec. ; Annais nat. hist. XV. p. Ö4.
56 Troscbel: Bericht über die Leistungen fn der Naturgeschichte
Ruiliiiiaiitia,
Marsh hiell einen Vortrag über das Kaineel vor der
Srnilhsonian Institution, welcher manche interessante Notizen
enthält. Ninth Smithsonian report p. 98 — 122.
Po w eil schilderte das Leben des Hirsches von Maine.
Proc. Philadelphia VII. p. 342.
Dieser Hirsch , dessen systematischer Name nicht genannt ist,
vcrlässt Mitte Mai seinen Winteraufenthalt , und nähert sich den Seen
und Flüssen. Er liebt das Wasser, in welches er oft geht, um die
Wasserpflanzen und Wurzeln zu fressen. Die zweijährigen Kühe
werfen ein Junges, die drei- und mehrjährigen dagegen stets zwei,
sehr selten drei. Ende September beginnt die Brunst. Wenn es Eis
zu frieren anfängt, ziehen sich die Hirsche in die Gebirge zurück.
Wenn tiefer Schnee fällt, wählen sie einen geschickten Ort, und
weiden hier dicht bei einander. Ein solcher Hirsch-Hof (yard) hält
oft 100 Acres, in den letzten Wochen der Saison aber nur etwa zehn.
Die alten Hirsche leben einsam; die jüngeren leben bis neun in einem
Hofe. Verjagt fliehen sie in einer Reihe, indem jeder genau in die
Fussslapfen des Vorgängers tritt. Dieser Hirsch wird selten älter als
15 Jahre. Er geht gern auf den Fackelschein los , was bei der Jagd
benutzt wird. Er lässt sich leicht zähmen.
Pucheran hat zwei Exemplare des Cervus Philippinus Ham.
Smith, welche seit 1851 in der Menagerie zu Paris lebten, beob-
achtet. Er beschreibt das Männchen, das Weibchen und die von ihnen
geworfenen Jungen. Verf. hält die Art für verschieden von C. Marian-
nus, indem bei letzterem das Geweih schlanker aber entwickelter ist.
Aber die Art darf fortan nicht mehr in derselben Abtheilung bleiben
wie der Muntjac. Die so häufigen Verkrüppelungen der Geweihe
schreibt er dem Reiben der Haut zu, wodurch in dieser, die die Haupt-
rolle beim Wachsthume spielt, die Circulation gehemmt werde. Re-
vue et mag. de zool. Vil. p. 49.
Unter den Wiederkäuern der oben erwähnten Heuglin'schen
Sammlung lebender Thiere bezeichnete Fitzinger 1. c. p. 247 vier
Arten als neu, nämlich: Adenota megaceros Heuglin von Bahr el abiad,
unter dem 7. Grad nördlicher Breite, ausgezeichnet ausser der abwei-
chenden Färbung durch das mächtige Gehörn des Männchens ; Hivcus
Gazella Filz. , die in der Färbung mit der gemeinen Gazelle Aehn-
lichkeit haben soll, gleichfalls von Bahr el abiad; — Hircus the,
baicus Fitz, aus Aegypten , ausgezeichnet durch den weit vorste-
henden Unterkiefer und die langen hängenden Ohren ; — Ovis eye-
nilica Fitz, unterschieden durch den überaus stark gewölbten Na-
senrücken, den bis zum Boden reichenden Schwanz und die reichliche
der Säuglhieie während des Jahres 1855. 57
Wolle des Vliesses. Wird als Hausthier gehalten und dürfte wohl
nur Varietät sein.
Geoffroy St. Ililaire las eine Note über eine Heerde An-
gora-Ziegen, welche in den Besitz der Societe d'arclimatisation durch
den Emir Abd-el-Kader gekommen war. Comptes rendus XL., p. 865. '
Walter Adam hat der Linnaean Society eine Abhandlung
„On the osteological relalions observable among a few species of Ihe
bovine family« vorgelegt. Er hat die SUelete von Bos Bantiger von
Java, Bibos Gaurus von Nepaul und Bison americanus in beiden Ge-
schlechtern, so wie von den Männchen des Auerochsen aus Lithauen,
des Cap'schen Büffels und des kurzhörnigen Büffels vom Gambia un-
tersucht. Er hat die basilare Länge des Schädels als Einheit des Maas-
ses angenommen, diese in 72 Theile getheilt, und so alle Skelettheile
tabellarisch verglichen. Annais nat. bist. XV. p. 309.
Ueber die Hörner des Galla- Ochsen oder Sanga brachte Gray
eine Kotiz bei. Proc. zool. soc. 1832. Dec. ; Annais nat. bist. XV. p. 66.
J. E. Gray erwähnt eines sehr grossen Schädels mit den Hör-
nern von Bos arne, welcher im "Innern von Assam erlegt war. Der
Schädel mass 2' 4", die Länge der Hörner 12' 2", die Entfernung ihrer
Spitzen 6' 8". Proc. zool. soc. Jan. 1855; Annais nat. bist XVI,
p. 230.
Piiiiiipedia.
Owen hat ein Exemplar von Trichechus Rosmarus,
welches in dem zoologischen Garten zu London im Oclober
I85.:i starb, anatomisch untersucht. Er hebt die grosse Stärke
der flüssenförmigen Füsse hervor, wodurch das Wallross fä-
hig ist, den Körper vom Erdboden zu erheben und wirklich
zu gehen. Das Thier war ein Weibchen , und besass vier
Zitzen, 2 am Bauche und 2 in den Weichen. Das Milch-
2.1.4.1.2
zahngebiss ist ^ — ö~^ ~Ö — ">' ^'^ ^^^ normale Gcbiss wird
3.1.2.1.3
^ — ^ — - — ^ — ^ angegeben. Die Zahl der Zähne kann aber
auch bis 26 zunehmen. Proc. zool. soc. 1853. Nov.; Ann. nat.
hist. XV. p. 226.
Bei derselben Gelegenheit, wo ein lebendes Wallross
in London beobachtet werden konnte, hat Gray alle bishe-
rigen Abbildungen vom Wallross , von den ältesten Ges-
ner'schen und Olaus Magnus'schen an, die abenteuerlich ge-
nug aussehen, in Holzschnitten wiedergegeben. Proc. zool.
soc. iSr-.j; Annals nai. hist. XV. p. 33'J.
58 Tr ose hei: Bericht über die Leistungen in der Naturgesch. etc.
C^tacea.
üeber die Stellung, welche Guitton den Cetaceen im
Systeme anweist (vergl. den vor. Bericht p. 6) spricht sich
Bureau aus. Revue et Mag-, de Zoologie VII. p. I. Die
Wallfische , wie Guitton, mit den Affen zu vereinigen,
scheint dem Verf. doch auch sehr schwierig. Er möchte
eine Wasser-Ablheilung wieder herstellen , so dass dann die
eigentlichen Wallfische einen Ueber<iang zu den Edentaten,
die Sirenen zu den Pachydermen, Tnpir und Nilpferd, das
VVallro5s zu dem Elephanten, die Robben zu den Fleischfres-
sern bilden würden. — Guitton versucht seine Ansicht
über die Stellung ib. p. 264 noch ferner zu vertheidigen.
Ich überlasse dem Leser das Raisonnement des Verf. selbst zu
beurtheilen.
Im Mai 1853 strandete beijlundrum eine ganze Heerde
von Delphinen von 10 bis 19Fuss Länge. Es waren 6 Weib-
chen und drei Männchen. Von einigen sind die Masse durch
Gulliver verzeichnet, auch ist die Anatomie eines Fölus
gegeben. Die Thiere scheinen Delphinus globiceps gewesen
zu sein. Proc. zool. soc. 1853. May; Annal nat. hisL XV.
p. 218.
Eine neue fossile Art Rorqual zeigte P. Gervais Annales
des sc. nat. III. 18ö5. p. 338 an. Sie ist auf einen Unterkiefer ge-
gründet, der bei Monlpellier gefunden wurde.
Der Schiffslührer Breuning beobachtete mit seinen
Passagieren ein vermufhlich wallfischartiges Ungeheuer unter
36'^ südl. Br. und 3» ösll. Länge, welches sie auf 120 Fuss
Länge und 40 Fuss Breite schätzten. Es lag auf der Ober-
fläche des Meeres und erschien von Weitem wie eine Insel.
Naluurk. Tijdschr. Ned. Indie IX. p. 523.
Bericht über die Leistung^en in der Hcriie-
tologie Avälireiid des Jaiires 1$$55*
Vom
Uerausg^eber»
In den Archives du Museum d'hist. nat. VII. 1855. p. 193
—319 ist enthalten: Noiioe hislorique sur la Menagerie des
Repliles du Museum d'hist. nat. ct. par Aug. Dumcril.
Diese Abhandlung enlhält eine Aufzählung aller Reptilien, die
in der Menagerie gelebt haben, und eingestreute Beobach-
tungen über Lebensweise, Entwickelung , Gift der Schlangen
u. dgl. m. Auf die Einzelnheiten hier näher einzugehen
verbietet der Raum.
Valenciennes und Fremy haben die Eier der Re-
ptilien auf ihre Zusammensetzung untersucht. Journ. de Phar-
macie August 1854, übersetzt in Silliman Amer. Journ. XX.
p. 65. In den Schildkröteneiern fanden sie einen Stoff, den
sie Emydin nennen. In den Froscheiern soll Ichlhin wie
in den Eiern der Selarhier vorkommen.
Aus dem Jahre 1853 ist noch nachzutragen, dass von
V. Gallenstein eine Aufzählung des Reptilien von Kärn-
ten in Canaval's Jahrbuch des naturhistorischen Landesmu-
seums von Kärnten Jahrg. IL p. 1 — 20 erschienen war.
Der Graf de Sinety veröffentlichte in der Revue et
Mag. de Zoologie VIL p. 129 ein Verzeichniss der Reptilien
aus dem Departement Seine-et-Marne. Es enthält 5 Echsen,
5 Schlangen, 9 ungeschwänzle und 6 geschwänzle Balrachier.
Nach Gustav R a d d e's Schilderung des Thicrlcbens
60 Troschel: Bericht über die Leistungen in der Herpetologie
9m faulen Meere (Bull, de Moscou 1855. p. 159) ist der salz-
durchdrungeiie Boden sehr arm. Nur wenige Eidechsen be-
leben die kleinen Inseln im Siwasch; an seinen Ufern hat
Verf. nie einen Batrachier gesehen, und selten Coluber-Arten.
Bleeker Iheilte in der Natuurk. Tijflschr. for Nederl.
Indie IX. p 511 ein Verzeichniss von Reptilien aus der Re-
siflentschaft Palemban^ auf Sumatra mit. Es enthalt 7 Ech-
sen, 15 Schlangen, 1 Frosch. Zwei neue Arten Lophyrus
sumatranus und Simoles purpurascens (Xenodon purpurascens
Schi.) werden nur genannt, und sollen später beschrieben
werden.
Wie man oft das Nächslliegende übersieht , so ist die
Ucbersicht der auf seiner Reise (nach Mossambique) gesam-
melten Amphibien von Peters (iMonatsberichte der Berliner
Academie 1854. p. 614) im vorigen Berichte ausgelassen wor-
den, obgleich sie in unserem Archiv 1855. I. p. 43 wieder
abgedruckt ist. Die neuen Gattungen und Arten sind unten
der Vollständigkeil wegen namhaft gemacht.
Von Amphibien kommen nachHead Ninth Smithsonian
report p. 292 bei Fort Ripley, Minnesota Coluber sirtalis und
eine Natter (adder) vor. Die Klapperschlange ist sehr seilen.
InGilliss' „The U. S. naval astronomical expedition
to Ihe southern hemisphere. Washington 1^55" sind im 2.
Bande p. 207 — 229 durch Girard diejenigen Amphibien aus-
führlich beschrieben und abgebildet worden, welche bereits
im VII. Bande der Proceeding's of Ihe Academie of nat.
scienc. of Philadelphia 1854 aufgestellt waren. Neue Arien
sind hier nicht hinzugefügt.
Hallo well beschrieb im Journal of the Academy of
nat. sc. of Philadelphia 111. p. 33 unter dem Titel Contribu-
lions to South American Herpelology eine neue Eidechse und
einige neue Schlangen und Hess drei von ihnen auf zwei Ta-
feln abbilden. Die Arten sind unten namhaft gemacht.
In der zweiten Ausgabe von „Esplorazione delle re-
gione aequaloriale lungo il Napo ed il fiume delle Amazzoni
da Gaetano Osculali. Milano 1855« ist p. 308 ein Ver-
;5cic|iniss der Reptilien, bearbeitet von Carnalia, wieder-
während des Jahres 1855. 61
hoU, auf welches bereits im vorigen Berichte p. 111 auffnerk-
saii) geiriacht worden ist.
H. G. Dalton hat eine „History of British Guiana Lon-
don 1855" in zwei Bänden herausgegeben. Im 2. Bande
p. 3Ö0 findet sich ein Absclinitt über die Reptilien dieses
Landes, Die vorkommenden Reptilien werden unter Benut-
zung des Reisewerkes von Richard Schomburgk und mit
manchen Notizen über ihren Aufenthalt, ihre Häufigkeit,
Grösse u. dgl. aufgezählt, jedoch in einer nicht eigentlich
wissenschaftlichen Form.
ISaurii.
Do lese hall schrieb über das Slimmorgan von Platy-
dactylus gultatus Natuurk. Tijdschrift for Nederl. Indie VIII.
p. 147.
Auch hier ist der Kehlkopf das Stimmorgan; ihm fehlt der
Kehldeckel und es sind nur ein Paar Stimmbänder vorhanden, welche
eine ziemlich weite Stimmritze bilden. Die Lullröhre ist kurz und
vorn mit zahlreichen Muskekhen bedeckt, die in keiner genauen Ver-
bindung mit der Stimmbildung stehen. Kür die starken Töne ist ein
über den ganzen Grund der Mundhöhle ausgespanntes Organ vorhan-
den, welches aus lolgencien Theilen besteht : 1) eine faserige elasti-
sche Haut, die von der ganzen Länge der linea mylohyoidea des Un-
terkiefers beginnt, den Uoden der Mundhöhle nach vorn begrenzt,
sich ferner an den Kehlkopf und an die Lultröhre festheftet und nach
hinten in die fascia colli übergeht. Sie ist unten mit Muskeln be-
deckt, welche zu ihrer Spannung beitragen. Man könnte sie Trom-
melfell nennen. 2) Von dem Vorderrande des Kehlkopfes beginnt ein
fibrocarlilaginöses , nach hinten in zwei llörner auslaufendes Organ,
durch dessen Spannung das Trommelfell und die Luftröhre in die Länge
gezogen werden. Die llörner helten sich an den Winkel des Unter-
kiefers. Vorn liegt jederseits neben diesem Organe ein ungleichsei-
tig viereckiger Muskel, der zur Spannung der Haut beiträgt. 3) Je-
derseits zwischen den Hörnern und dem Musculus masseter liegt auf
dem Trommelfell ein fast haarfeines knorpliges elastisches Sliftchen,
welches nach vorn hammerlörmig endigt, und sich hier an das Trom-
melfell anlieftet. 4) Endlich belindet sich noch an der Aussenseite
des Hulses, jederseits am Hinterkopfe ein eiförmiges kalkiges Plätt-
chen, welches durch einen starken Muskel an die Halswirbel und
vorn durch ein Ligament au das Tromnielfell angeheftet ist. Sobald
in dem Kehlkopfe ein Ton hervorgebracht ist, braucht dieses Verstär-
62 Troschel: Bericht über die Leistungen in der Herpetologie
kungsorgan nnr in Milschwingung gebracht zu werden, um das starke
Geschrei, wodurch der Gekko bekannt ist, hervorzubringen.
Pachydactylus punclatus^ Heviidnchjlus plnlycephnlus und Diidoda^
clylus pictus sind neue Arten aus der Familie der Geckonen von Pe-
ters dies Archiv p. 44.
Schlegel unterschied in nächster Verwandtschaft von Lophy-
rus tigrinus drei nene Arten L. Kuläii von Java, L. sumalranus von
Sumatra und L. Bornensis von ßorneo. ßijdragen tot de Dierkunde
Heltlll. 1851.
Die Galtung Pachycercus (vergl. vor. Bericht p. 417) ist von
A. Dumeril als identisch mit Hoplocercus Filz, erkannt worden,
und die Art muss daher H. spinosus Fitz, heisscn. Revue de zool.
1855. p. 155.
Aus der Familie der Agamen stellte Peters Archiv p. 45 auf:
thplurus Bernaräi von Madagaskar, Chalaro don niadagascariensis n.
gen., Agama mossambica und armala.
Die Familie der Lacerten bereicherte Peters um zwei neue
Gattungen Archiv p. 46. I c hno tropis mit zwei Arten squnmulosa
und macrolepidola und Trachelop ty chus mit einer Art T. mada-
gascariensis.
Von demselben sind ferner ib. als neu beschrieben: Ger~
rhosaurus robuslus ; Euprepes margaritifer, depressus, larerliformis, cOm.
morensis, elegans\ Eutneces a[e.r • H erp elo sau r a arenicola n. gen.;
Ampkisbaena \iolacea.
Serpeiites.
H. E. Linck, die Schlangen Deutschlands. Slullgart
1855. 8.
In einer Einleitung werden die Eigenschaften , Eigenthümlich-
keiten und das Leben der Schlangen im Allgemeinen geschildert.
Dann folgen die Schilderungen der vier Arten europäischer Schlan-
gen, der Ringelnatter Coluber natrix p. 43, der Schwalbacher INaller
Coluber flavescens p. 65 , der Schlingnaller Coronella laevis p. 79,
der Kreuzotter Vipera Berus p. 92, und als Anhang der Blindschlei-
che p. 158. — Von der Ringelnalter wird behauptet, dass sie keine
Milch zu geniessen gezwungen werden könne, auch wird die Erzäh- ,
lung von dem Bannen der Frösche durch diese Schlange ernstlich be-
stätigt, hauptsächlich auf Grund der trzählung eines Gensdarmen. ,
Das Fleisch ist als Nahrungsmittel ungeniessbar , und ein Hund war,
nicht dahin zu bewegen es, obgleich wohl zubereilet, zu fressen. —
Die Schwalbacher Katler klettert vortrefflich und ist die einzige deut-
sche Schlange von der Verf. zugiebt , dass sie Flüssigkeit zu sich
nimmt. — Von der Schlingnatter wird eine eigenthümliche Bewegung
Während des Jahres 1855. 63
der Augäpfel angezeigt. Sie soll mehrmals im Jahre hecken; vor-
züglich lanffstreckige Thierc, Eidechsen und Blindschleichen fresstn;
denn sie sich durch Umschlingnng bemächtigt. — Die Kreuzoller
wird nie über 2y2 Fuss lang. Mehrere Vergiltungsfälle werden ge-
schildert. Wichtig ist der ISachweis, dass die schwarze Otter V, pre-
ster nicht specifisch verschieden sei. \erf. fand sie mit der gewöhn-
lichen Kreuzotter in Begattung, und fand ein andermal in einer schwar-
zen Otter 11 Eier, welche junge Kreuzottern enthielten.
Beiträge zur Naiurgeschichte der deutschen Schlangen
von E. Dursy. Dies Archiv 1855. 1. p. 283.
Dieser Aufsatz ist durch die so eben angezeigte Schrift veran-
lasst, und bringt manche Berichtigungen. Namenilich sollen alle
Schlangen trinken; die Bannkraft wird bezweifelt; die Angabe, dass
die glatte Kalter nur Nachts ihr Mahl verzehre, widerlegt u. dgl. m.
Jacquart hat die Circulalionsorgane von Fyllion mo-
lurus beschrieben und abgebildet. Annales des sc. nat. qua-
Irietne Serie. Tome IV. p. 521. pl. 9-11.
Borland berichtet über die Fütterung einer Boa Constriclor
mit einem Kaninchen, welches ohne begeifert zu werden in öO Mi-
nuten verzehrt wurde. Boston Proc. V. p. 210.
Brainard hielt vor der Sniithsonian Institution (Ninlh
Smithsonian report p. 123 — 13Ö3 einen Vortrag über die Na-
tur und Heilung des Schlangenbisses und der Wunden von
vergüteten Pleilen.
Er neigt sich der Meinung zu , dass Schlangengift ein wesent-
licher Bestandlheil des Pfeilgiltes sei, da es ganz ebenso wirke. Er
hat beobachtet, dass die Blutkügelchen durch den Biss einer Schlange
oder das VVoorara - Gilt in ihrer Form verändert werden, so dass
sie unregelmässig, eingeschnitten und zum Theil unvollständig er-
scheinen; dadurch sei das Blut unfähig gemacht in den feinen Ciefäs-
sen des Gehirns zu circuliren, hemme dessen Thätigkeit und erzeuge
den Tod. Als Gegenmittel empfiehlt Verf. die Wunde mit einer Lö-
sung von Jod in Jodkalium zu waschen und Schröpfköpfe über die
"Wunde zu setzen, um die Absorption zu verhindern ; wenn die Wunde
tief ist, räth er die Lösung unter die Haut zu injiciren. Dabei wird
Alkohol innerlich zu trinken empfohlen.
Auch Gilinan hat Untersuciiungen über das Schlan-
gengilt angestellt (^St. Louis med. and surg. Journ. , daraus
Annual ol scientific discovery, edited by David Wells. Bo-
ston and London 1855. p. 610),
Verf. kam z\x dem Resultate, da»3 das Schlangengift alles or*
64 Troschel: Bericht über die Leistungen in der Herpetologie
ganische Leben, pflanzliches wie tliierisches, zerstört, dass Aliiohol in
Berührung mit dem Gift gebracht, bis auf einen gewissen Funkt, ein
Gegengift ist, dass Schlangen die Kraft besitzen kleine Thiere zu be-
zaubern, dass diese Kraft identisch mit dem Mesmerismus sei, dass das
Blut kleiner 'Ihiere, durch Schlangengilt zerstört, sehr ähnlich mit
dem von Thieren, welche vom Blilze erschlagen oder durch Blausäure
gelödtet sind, ist; es verliert die Fähigkeit zu coaguliren und kann
nicht lange vor Fäulniss bewahrt werden.
Als Alichaelisprogramm der hamburgisclien Realschule
erschien von J. G. Fischer eine Abhandlung- : „Die Familie
der Seeschlangen.« Hamburg 1855. 4.
Verf. handelt zuerst über die zoologischen Charaktere der See-
schlangen, und bespricht die allgemeine Körperforni, die Kopfschilder,
Schuppen, Bauchschilder, Zähne und Farbe. Bei der Betrachtung der
Zähne wird auf die Thatsache aufmerksam gemacht , dass alle Äleer-
schlangen nicht nur wirkliche Giftzähne mit Kanal besitzen, sondern
auch, wie bereits Schlegel beobachtet hat, ausserdem eine äussere
Furche. Sie stimmen darin mit den übrigen Proleroglyphen überein.
Alle bis jetzt bekannte Wasserschlangen haben hinter dem Giflzahne
eine nach den Arten wechselnde Zahl kleinerer solider Zähne, bei
denen Verf. überall eine vordere Furche fand. Auch I'laturus fascia-
tus, dem bisher diese soliden Zähne ganz abgesprochen worden sind,
besitzt einen solchen jederseits; bei den übrigen Arten ist die Zahl
verschieden von 4 bis 14; Hydrophis schistosa hat 4, H. gracilis 14.
— Im systematischen Theile werden l Flalurus, 3 Aipysurus, l Aca-
lyplus, 1 Astrotia n. gen., und 14 Hydrophis aufgeführt, von denen
die drei letzten der Untergattung Pelamis angehören. Die Gattungen
Disleira Lacep. und Pelamis Daud. sind wieder mit Hydrophis verei-
nigt, die nach der Bildung der Schuppen und Bauehschilder in die
Untergaltungen Hydrophis und Pelamis al-gelheilt ist. Hydrophis schi-
zopholis Schmidt erscheint als selbstsländige Gattung Astrotia. Der
Galtung Aipysurus bat Verf. Stephanohydra fusea Tschudi als dritte
Art hinzugefügt, llydroykis pachycerca ist eine neue Art; H. nnnulata
ist ebenfalls als neue Art aufgeführt. In einem zweiten Abdrucke in
den Abhandlungen des naturw. Vereins in Hamburg III. 1856, wel-
cher von 5 Tafeln begleitet ist, betrachtet Verf. die letztere Art als
Varietät von H. pelamidoidea Schleg.
Schlegel unterschied in einer kleinen Abhandlung „over
eenige nieuwe soorten van vergiftige Slangen van de Goudkusl" in
Verslagen der koninklijke Akademie III. p. 312 von Vipera nasicornis
zwei neue Arten: Vii>era rinnoceros (Cerastes nasicornis Hallo well)
und V. chloroerhis beide von Ober- Guinea. >Nährend V. nasicornis
zwei , ja drei hornförmige obere Wasenschilder und stark gekielte
.V7 .c AI : während des Jahres 1855. 65
Schuppen besitzt, hat V. rhinoceros nur ein hornförmiges oberes Na-
senschiid und schwach gekielte Schuppen. V. chloroechis weicht
mehr ab, hat einen comprimirten Kumpf, einen Greifschwanz und ist
lebhaft grün gefärbt.
Derselbe stellte bereits 1851 in Bijdragen tot de Dierkunde
Heft III, wie hier nachträglich bemerkt werden mag, eine neue Art
Eryx Reinhardlii von der üoldküste nach einem Exemplare des Ber-
liner Museums auf. i-{;ii:\-}'''
Microphis quinquelinealus, Zamenis Iricolor, Elapoides fasciatus,
Elaps zonalus und Elaps divaricatus sind neue Arten von Hallo-
well Journal Ac. Philadelphia III. p. 33. Sie stammen sämmtlich
von Honduras; die ersten drei sind abgebildet.
Von Peters wurden 1. c. folgende neue Schlangen aufgestellt:
Onychocephalus ditiga, mucruso, mossambicus, Irilobus; SUnosloma lon~
gicauduw, scutifrons; — Homalosoma variegatum, Lycophidium semian-
milisj Coronella semiornata, olivacea ; — Uricchis nigriceps, lunulatuSf
Rhnmphiophis roslrahis ; — Naja mossambica, Vip er a super ciliar is.
Ilatrachll.
Eine Abhandlung von Marcusen über die Gloake und
Harnblase der Frösche Bull, de l'acad. de St. Petersbourg XI.
1853. p. 33 iiiil einer Tafel , ist damals im Jahresberichte
übersehen worden.
lieber die Drüsen und glatten Muskeln in der äusseren
Haut von Rana temporaria schrieb Hensche Zeilschr. für
wiss. Zoologie VII. p. 273.
Er unterscheidet zweierlei Drüsen , von denen die Drüsen am
Daumenballen des Männchens als eine dritte Art verschieden sind.
Er scheint geneigt, die glatten Muskeln in der Haut mit den Drüsen
und Pigmenten in Beziehung zu bringen.
Durkee sprach über die Zierlichkeit und Vorsicht, mit
der Rana pipiens seine Nahrung ergreift. Nach ßrewer
soll derselbe Frosch junge Enten fressen. Boston Proc. V.
p.2ll.
Da vi es erwähnt eines Falles, wo unter etwa zwei
Dutzend Froschlarven vom gemeinen Frosche, zwei derselben
sich nur unvollständig entwickelten; ihre Hinterbeine began-
nen sich zu entwickeln, aber machten keine Forlschritte, die
Vorderbeine entwickeilen sich gar nicht; so blieben sie vom
März bis in den Oclobcr , wo sie starben. Annais nat. bist.
XVI. p. 465.
Archiv f. Naturgesch. XXII. Jahrg. 2. Bd. £
66 Troschel: Bericht über die Leistungen u. s. w.
A. Thomas hat in den Annales des sc. nat. IV. 1855. p. 365
den heiden bereits von Steenstrup unterschiedenen Arten Rana
oxyrrhina und platyrrhina, welcher er den TNamen temporaria erhält,
eine dritte Art R. a(jil}s hinzugefügt. Dieselbe war zuerst von Mil-
let 1828 in der Faune du dep. de Maine et Loire als R. temporaria
unterschieden, während die echte temporaria flaviventris genannt
wurde. Das Männchen von R. agilis hat zwei Stimmsäcke wie bei
R. temporaria, die Zunge ist kleiner, die Schnauze ist weniger stumpf
als bei temporaria, und der ganze Kopf ist länger und weniger schlank
als bei oxyrrhina, die Hinterbeine sind länger und weniger dick als
bei temporaria, und noch grösser als bei oxyrrhina. Einige Bemer-
kungen über die Lebensweise und Abbildungen sind beigegeben.
Le Conte veröffentlichle in den Proc. Philadelphia VII.
p. 4Q.^ einen descripliven Catalog- der Frösche (Ranina) der
Vereinigten Staaten.
Verf. glaubt viele Irrthümer in der llerpetologie seines Vater-
landes wahrgenommen zu haben, und zieht viele Arten ein, indem
er sie nur als Synonyme anderer ansieht. IXamentlich weist er auf
die Veränderlichkeit der Farben hin und stellt die Forderung, dass
zahlreiche Exemplare lebend beobachtet werden müssen, um eine ge-
nügende Beschreibung geben zu können. Er nimmt als gültige Ar-
ten an: 9 Rana, worunter/?, conspersa aus Pennsylvanien und R. ca-
pito (abgebildet) aus Georgien neu, 1 Telmatobius, 2 Acris , 2 Cho-
rophilus, 7 Hyla, 1 Scaphiopus, 4 Bufo, l Engystoma. Einige Arten,
die er nicht lebend beobachten konnte, werden nicht aufgeführt. ]
Peters stellte 1. c. folgende neue Batrachier auf: Rana mos-,
sambica , Cystignathus argyreivillis , Vijxicepknlus edulis , marmoralus ',
— Chiromnnlis xerampeliiia n. gen., Uyperobius biviltalus, taenia-
tus, marginalus, argvs, ßaioviridis, Tellensis ; — Engijsloina mnrmora~
lunij Breviceps vwssanibicus.
Premorel will einen Salamander (S. maculosa) in den Ärden-
nen seine Eier auf den Rücken einer Kröte legend beobachtet haben
(Sog. des sciene. nat. du Grande Dache de Luxemburg ISöö. p. 209).
Charles Mann bemerkte in Betreff der Lebensweise von
Amblystoma opaeum lid., dass sie Eier legen, über denen die Thiere,
Männchen und Weibchen gekrümmt liegen. Kinth Smilhsonian reporl.
p. 294.
Hoy beschrieb einen Salamander /h/fÄ/ysfowirt Inridinn aus Wis-
consin. ISinth Smilhsonian report p. 295.
.ing^jjim/i^
lulo^dhbl
IlericEit über cileIiel§tuBB§;eii in der Iclithyo-
log^ie wäiireBid des JaBires 1§55.
Vom
Heratisg-eber.
Seit dem Jahre 1848 sind unter dem Titel: „Bijdragen
tot de dierkunde, iiitgegeven door het genoolschap Natura
artis magistra te Amsterdam" sechs Hefte erschienen, in de-
nen auch einige ichthyologische Beiträge enthalten sind. Diese
Hefte waren mir bislier nicht zugänglich gewesen, ich trage
daher das Hierhergehörige am entsprechenden Orte nach.
Der erste Band ist hiermit abgeschlossen.
Günther lieferte in unserem Archive p. 196 Beiträge
zur Kenntniss unserer Süsswasserfische. Sie beziehen sich
auf Perca fluvialilis, Acerina Ccrnua, Lucioperca Sandra und
wolgensis. Letztere werden genau unterschieden.
Der Graf de Sinety hat in der Revue et Mag. de
Zoologie VH. p. 231 die Fische, welche im Departement
Seine- et-Marne leben, aufgezählt. Das Verzeichniss enthält
2 Percoiden, 3 Cataphracten, lö Cyprinoiden, 1 Esox, 3 Sal-
monen, 1 Clupeacee, 1 Gadoiden, 1 Muraenoidcn, 1 Acipea-
ser, 3 Cyclostomen, zusammen 32 Arten.
In einer Schilderung des Tliierlebens am faulen Meere von
Gustav Radde (Bull, de Moscou 1855. p. 159) wird bestä-
tigt, dass der untere Siwash sowohl, wie der w^estliche kei-
nen Fisch ernährt» Bei Tschungar fängt man noch vier Ar-
ten, nämlich Mugil cephalus, 2 Pleuronecten und einen Syn-
68 Troschel: Bericht über die Leistungen in der Ichthyologie
gnathus; sie ziehen bis dahin aus dem Asow'schen Meere.
Gaslrerosteus Fischeri Arndt ist nicht im faulen Meere, wohl
aber in Schlamnisalinen bei Perecop gefunden.
Peters gab in den Monalsbcrichlen der Berliner Aka-
demie 1855. p. 428 eine Uebersicht der in Mossambique be-
obachteten Seefische und zählte in dem Verzeichnisse 197
Arten auf. In unserem Archiv 1855. 1. p. 234 ist dasselbe
mit Hinzufügung der Süsswasserfische abgedruckt Dadurch
ist die Zahl der Arten auf 238 erhöht worden. Die neuen
Arten sind unten der Vollständigkeit wegen namhaft gemacht,
obgleich die Abhandlung selbst unsern Lesern zugänglich ist.
B lecker hat wiederum die Wissenschaft durch zahl-
reiche ichlhyologische Beiträge bereichert, und die Kennlniss
der Fauna des Indischen Archipels bedeulend gefördert. Ge-
wiss wird jeder Zoologe die Nachricht freudig aufnehmen,
dass wir die Hoffnung hegen dürfen, derselbe werde recht
bald nach Europa zurückkehren , um unter grossartiger Un-
terstützung der Holländischen Regierung in einem Pracht-
werke alle seine ichlhyologischen Schätze und Erfahrungen
zusammen zu tragen, und dadurch der wissenschaftlichen
Benutzung erst recht zugänglich zu machen.
Im 8. Theile der Naluurkundig Tijdschrift voor Neder-
landsch Indie. Batavia 1855 erschienen folgende ichthyolo-
gische Abhandlungen von Bleeker.
p. 151. Achtste Bijdrage tot de kennis der ichthyolo-
gische Fauna van Borneo. Zoetwalervisschen van Bandjer-
masin. Eine Sammlung von C. Helfrich gab hierzu die
Veranlassung. Verf. kennt nunmehr 224 Arten von Borneo.
Sie sii.d sämmtlich aufgezählt. Von 16 Arten ist der nähere
Fundort unbekannt; von Bandjermasin sind lOö Arten bekannt;
von Duson 1, Pengaron 23, Prabukarta lO, Sampit 36, Pon-
lianak 45 , Sambas 67, Pamangkat 28. Die beiden Heckel'-
schen Cyrene- Arten gehören zur Galtung Dangila, und C.
ooellata Heck, ist identisch mit D. microlepis Bleeker. Die
fünf neuen Arten sind unten genannt.
p. 169. Derde Bijdrage tot de kennis der ichthyolo-
gische Fauna van de Kokos-Eilanden. Durch eine Sendung
von J. C. G. Boss slieg die Zahl der Arten von den Ko-
, während des Jahres 1855. 69
kosinseln auf 61. Vier Arien sind neu, von ihnen bildet eine
eine neue Gattung der Panzerwangen.
p. 294. Vijfde Bijdrage tot de kennis der ichthyolo-
gische Fauna van Ternate. Verf. erhielt von Goldmann
eine Sammlung von 58 Arten, unter denen 2 neue, wodurch
sich die Zahl der von Ternate bekannten Arten auf 146 hob.
p. 305. Bijdrage tot de kennis der ichthyologische Fauna
van de Batoe-Eilanden. Von dieser Inselgruppe, welche an
der Westküste von Sumatra liegt, erhielt Verf. durch Major
Schwenk eine Sammlung von 76 Arien. Will man diese
zur Fauna von Sumatra rechnen, so würde die Anzahl der
Arten derselben um 40 vermehrt werden, und auf 662 stei-
gen. 9 Arten von ihnen sind als neu beschrieben.
p. 344. Von den Tausend -Inseln , nördlich von Java,
sind dem Verf. Fische bekannt geworden, die fast alle auch
bei den Inselchen nördlich von Batavia vorkommen.
p. 345. Von Tiku an der Westküste Sumatra's wurde
dem Verf. eine Anzahl Fische ubersandt, die meist schon
von Sumatra bekannt waren.
p. 391. Zesde Bijdrage tot de kennis der ichthyologische
Fauna van Amboina. Durch eine Zusendung des Herrn
Hoedt wurde die Zahl der Arten dieser Insel von 362 auf
428, und die der Fische von dem Molukkischen Archipel
überhaupt auf 712 erhoben. 17 Arten sind als neu beschrie-
ben und unten namhaft gemacht.
p. 434. Zevende Bijdrage tot de kennis der ichlhyolo-
gische Fauna van Celebes. Verf. erhielt zwei neue Sendun-
gen von Fischen aus Celebes, eine von Herrn MocU von
Manado, eine andere von Herrn van Assen ra ad von Bon-
tliain. Dadurch stieg die Zahl der bekannten Arten auf 390,
worunler 243 von Macassar, 82 von Bulucomba, 34 von Bon-
thain, 6 von Maros, 30 vonKema, 2 von Tondano und 87
von Manado. 4 Arten sind neu.
p. 445. Vierde Bijdrage tot de kennis der ichthyolo-
gische Fauna van de Kokos-eilanden. In Folge einer neuen
Zusendung des Hrn. Boss ist die Artenzahl von dieser Gruppe
auf 89 angewachsen. 4 Arten sind neu.
70 Troschel: Bericht über die Leistungen in der Ichthyologie
p. 552 bringt einen Index der im 8. Bande der Naiimrk.
Tijdschr. beschriebenen Species in syslematischer Ordniingj
es sind deren 68. ,oi ab lol osj/jb^iH
Ferner erschienen im 9. Bande derselben Zeitschrift von
demselben Verfasser:
p. 65. Tweede Bijdrage tot de kennis der ichthyologi-
sche Fauna van de Batoe-eilanden. Dadurch steigt die An-
zahl der bekannten Arten von den Batu-Inseln auf 91, die
von Sumatra auf 669. Zwei Arten sind neu.
p. 105. Tweede Bijdrage tot de kennis der ichlhyolo-
gische Fauna van Halmaheira (Gilolo). Eine Sendung von 28
Arten durch Gold mann erhöhte die Zahl der von Halma-
hera bekannten Arten auf 89. Zwei sind wiederum neu.
p. 113. Nieuwe Bijdrage tot de kennis der ichthyolo-
gische Fauna van Sumbawa. Durch Filier erhielt Verf. 15
Fischarten von dort, so dass er nunmehr 57 Arten von Sum-
bawa kennt.
p. 155. In der Kürze werden einige Fische von Ter-
nate genannt, durch w^elche die Zahl der Arten auf 151
steigt.
p. 191. Tweede Bijdrage tot de kennis der ichthyolo-
gische Fauna van Baijan. Es handelt sich um eine kleine
Sammlung von Fischen, die im süssen Wasser gefangen wur-
den, mit Hinzufügung deren Verf. nunmehr 83 Arten von
Baijan kennt. Zwei Arten sind neu.
p. 257. Nalezingen op de Vischfauna van Sumatra.
Visschen van Lahat en Sibogha. Von P. L. Van Bloemen
Waanders erhielt Verf. 51 Arten Süsswasserfische von Lahat,
tief im Innern von Palembang; von S. Serie erhielt er 53
Arten von Simbogha an der Nordwestküste. Es ist eine in-
teressante Thatsache, dass alle dem Verf. bekannte Arien
Homaloptera von Java noch bei Lahat auf Sumatra leben,
während derselbe früher nur eine Homaloptera von Sumatra
kannte, welche auf Java noch nicht gefunden worden ist.
Tief im Innern von Palembang lebt ein heringsartiger Fisch,
aus dem Verf. eine neue Gattung bildet. Auch aus derKar-
pfenfamilie werden durch dieses Material drei neue Gattun-
gen gegründet. 6 Arten sind neu. Verl", kennt nunmehr von
während des Jahres 1855. 71
Sumatra 053 Arien, und mit Einschluss der Balu-Inseln, die
in geografjhischor Hinsicht zu Sumatra gehören, ö97.
p. 281. Achtste Bijdrage lot de kennis der ichlhyolo-
gische Fauna van Celebes. Der Verf. erhielt durch Van
Oven 118 Arten aus den Gewässern von Macassar, 8 Arten
durch Jansen von Anioerang im nördlichen Celebes, durch
Mogli 10 Arten aus dem süssen Wasser von Sawangan und
45 Arten von Mnnado. Vier Arten sind neu. Es sind nun
454 Arten von Celebes bekannt; davon kommen auf Macas-
sar 293, Bonthain 33, Bulucomba 80, Maros (3, Manado 131,
Kema 29, Tondano 2, Anmrang 9, Sawangan 8, unbe-
stimmt 9.
p. 39!. Verslag van eenige verzameüngen van visschen
van Oost-Java. Durch eine ganze Anzahl kleiner Zusendun-
gen aus verschiedenen Funkten der Insel durch die Herren
Broekmeyer, Van Devcnter und Hartzfeld wurde
die Zahl der von Ost -Java bekannten Arten auf 246 erho-
ben. Eine Anzahl neuer Arten wird bei dieser Gelegenheil
beschrieben.
p. 415. Negende Bijdrnge tot de kennis der ichthyolo-
gische Fauna van Borneo. Zoetwatervisschen van Pontianak
en Bandjermasin. Hiernach kennt Verf. nunmehr 65 Arten
von ersterem, 121 von lelzlerem Orte. 6 neue Arten.
p. 431. Bijdrage tot de kennis der ichthyologische
Fauna van het eiland Groot-Obij. Bekanntlich ist Gross-Obij
die grösste Insel einer südlich von ßatjan und nördlich von
Buru gelegenen Gruppe. Dieselbe war bisher völlig unbe-
kannt in ichthyologischer Beziehung. Verf. empfing durch
Goldmann 32 Arten von dort. Von ihnen waren 7 Ar-
ten dem Verf. noch nicht von den Molukkcn bekannt, drei
sind neu.
p. 491. Derde Bijdrage tot de kennis der ichthyologi-
sche Fauna van Bafjan. Eine dem Verf. zugesendete Samm-
lung von Bernelot Moens bestand aus 55 Arten Seefische und
17 Arten Süsswasserfische. Von ihnen waren 52 neu für
die Fauna von Baijan, 13 neu für die Fauna der Molukken,
zwei neu für die Wissenschaft. Das Verzeichniss sämmlli-
cher Arten von Batjan enthält 135 ArteUc
72 Tr ose hei: Bericht über die Leistungen in der Ichthyologie
p. 527 ist endlich wieder ein Verzeichniss aller der in
diesem Bande beschriebenen Fische mit Hinziifügnng des
Fundortes gegeben.
Bleeker machte ferner eine Abhandlung über einige
Fische von Vandiemensland in Verhandelingen der koninklijke
Akademie van Wetenschapen II. 1855 bekannt. Er wurde durch
die Erwerbung von acht Fischen von Hobarttown durch Hrn.
Goetzee veranlasst, die Neuholländischen Fische in einem
Verzeichnisse zusammenzustellen. Danach sind von Austra-
lien (ausser Polynesien) 336 Fische bekannt, wovon 236 auf
Neuholland, 71 auf Neuseeland , 70 auf Vandiemensland, 8
auf die Norfolksinseln und 5 auf die Aucklandsinseln kom-
men, während 103 dieser Arten, also weniger als der drille
Theil auch ausser Australien gefunden worden, und daher 233
Arten Auslralien eigenthümlich sind. Von den obengenann-
ten 8 Arten sind vier für Vandiemensland neu, und zwei ha-
ben Gelegenheit zur Aufstellung zweier neuen Galtungen ge-
geben, s. u. Dieselben sind abgebildet.
Von einer „Synopsis of the Ichthyological Fauna of Ihe
Pacific slope of North America , chiefly from the collections
made by the U. S. Exploring Expedition under the command
of Capt. C.Wilkes, with recent additions and coinparisons
wilh Easlern types^' hat Agassiz in Silliman Amer. Journ.
XIX. p. 71 und 215 den Anfang geliefert. Dieser beschäftigt
sich ausschliesslich mit den Cyprinoiden, und bei diesen fin-
den sich unten einige nähere Angaben über diese Arbeit.
Von Fischen kommen auf und an den Biber-Inseln im
Michigan-See nach Strang Ninlh Smilhsonian Report p. 282
vor: Bachforellen in den kleinen Strömen häufig; die kleinen
Seen auf den Inseln sind fischreich, namentlich an Barschen,
Catostomus und Grystes. Im Michigan-See um die Inseln kom-
men vor Acipenser die im Winter unter dem Eise mit Speeren
gefangen werden, Hechte, Salmo siskovvit und amelhyslus, wel-
cher letztere um den ersten November laicht, und eine Art
Coregonus unter dem Namen whitefish ausserordentlich häufig
und nächst dem Sisliowit am meisten geschätzt; ihre Fischerei
wird beschrieben; eine andere Art unter dem Namen herriiig
ist kleiner, beide werden eingesalzen, ferner Lola und Pomotis.
während des Jahres 1855. 73
Ueber die bei Fort Ripley, Minnesota vorkommenden
Fische findet sich von Head eine kurze Noiiz Ninlh Smilh-
sonian report p..l92.
B a i r d erstattete der Smilhsonian Institution Bericht
über die Fische, welche er an den Küsten von New-Jersey und
Long-Island im Sommer 1854 beobachtete. Das Verzeich-
niss umfasst ö7 Arten , unter denen mehrere neue, die un-
ten namhaft gemacht werden. Bei den einzelnen Arten sind
Bemerkungen über Färbung , Vorkommen u. s. w. gegeben,
Ninth Smithsonian report p. 317—353.
In „Eighth annual report of the regents of the univer-
sity of the State of New-York on the condition of the State
Cabinet of natural history, made to the Senate , January 15,
1855. Albany 1855." ist p. 49 — 69 ein Verzeichniss der Fi-
sche enthalten, welche im Staate New-York leben, wie sie
in Part. IV der New- York -Fauna von Dekay beschrieben
sind. Ihrer sind 292 Arten. Diesem Verzeichnisse ist ein
Anhang mit solchen Fischen, die seitdem in dem Staate ent-
deckt sind, hinzugefügt, wodurch die Zahl der Arten auf
355 steigt.
In H. G. Dalton's „History of British Guiana, London
1855" wurden p. 336 des zweiten Bandes die Fische bespro-
chen, mit besonderer Benutzung des Schomburgk'schen Wer-
kes, und mit den dort gegebenen Namen in populärer Schil-
derung. Die Autoren sind bei den wissenschaftlichen Be-
nennungen nicht hinzugefügt.
In der zweiten Ausgabe der „Esplorazione delle re-
gione equaloriale lungo il Napo ed il fiume delle Amazzoni
da Gaetano Osculati. MiIanol855" findet sich p. 309 ein Ver-
zeichniss der Fische von Cornalia bearbeitet, welches 70
Stachelflosser, 8 Pharyngognathen, 2 Anacanthinen , 33 Phy-
sostomen und l Plectognathen enthält. Die neuen Arten von
De Filippi sind schon im vorigen Berichte erwähnt.
In Gilliss' „The U. S. naval astronomical expedition
to Ihe souihern hemisphere. Washington 1855« hat Girard
im 2. Bande p. 230— 253 die Fische bearbeitet. Daselbst sind
die bereits in den Proceedings Acad. nat. scienc. of Phila-
delphia VII. p, 19Ösqq. charakterisirten Fische beschrieben
76 Troschel; Bericht über die Leistungen in der Ichthyologie
und auf sechs Tafeln abgebildet. Nur eine neue Art der
Gattung Trichomycterus ist hinzugefügt, s. unten.
Die Untersuchungen von Knox ergaben, dass die Nah-
rung mancher in grossen Schaaren lebender Fische, wie der
Heringe, fast ausschliesslich aus Entomostraceen bestehe. An-
nais XVI. p. 56.
Val enciennes und Fremy haben die Eier derWir-
bellhiere auf ihre Zusamnienselzung untersucht. Was die
Eier der Kuorpelfische betrifft, so ist das Eiweiss in allen
Beziehungen verschieden von dem der Vogeleier , in dem
Dotter entdeckten die Verf. einen eigenen im Wasser unlös-
lichen Stoff in Form von Täfekhen (Kryslaüen) den sie Ich-
thin nennen. Er besteht aus KohlenslofT 51%, WasserslofT
6,70/,, StickstofT 15%, Phosphor 1,9%, SauerstofT 2o,47p.
Journal de Pharmacie May 1854 , übersetzt in Silliman Amer.
Journ. XIX. p. 42. — In demselben Journal de Pharmacie
Juni 1854. p. 415, Sillim. Am. Journ. XIX. p. 238 handeln
die Verf. von den Eiern der Knochenfische. In Karpfeneiern
fanden sie Felttröpfchen, in deren Mitte tafelförmige Körnchen
schwammen, die löslich in Wasser, also von Ichthin ver-
schieden sind; diese Substanz wird Ichlhidin genannt. Durch
Zusatz von Wasser scheidet sich ein anderer Körper in sy-
rupartiger Form aus, der im Wasser unlöslich ist. Er wird
Ichthulin genannt, und soll sich später in Eiweiss umwandeln.
Diese Stoffe bedürfen noch weiterer Untersuchung !
Bruch hat bei den Forellen, Salmo fario, und auch bei
Salmo salar eine Mikropyle gefunden und abgebildet (Zeil-
sehr, für wiss. Zoologie VII. p. 172).
Ueber den grossen Fetttropfen in den Eiern der Fische
schrieb A. Retzius in Öfversigt af kon. Vetensk. Akad.
Förhandl. 1854; daraus Müller's Archiv 1855. p. 34.
Aubert veröfFenllichle seine Beobachtungen über die
Enlwickelung des Herzens und des Blutes im Hechteie. Zeit-
schr. für wiss. Zoologie VII. p. 345. Taf. XVIII.
Ueber eine Monstrosität eines Fisches, welcher nicht ge-
nannt ist, berichtete Quatrefages der Pariser Academie
im März 1855. Sie bestand aus zwei kleinen Fischen, vvel-
'ir^o\o'(di(^')l während des Jahres 1855. 75
che an einem Dotier hingen, und bei deren einem der Kopf,
beim anderen der Körper niissgebildet war. Bemerkungen
darüber finden sich in den Annais nat hisl. XVI. p. 47. Da-
ran knüpfte sich eine Discussion, an der sich Coste,
Gcoft'roy St. Hilaire und Serres belheiliglen. Com-
ptes rendus XL. p. 626, 86S und 993. Auch Lereboullet
und V r 0 1 i k sendeten Bemerkungen zu dieser Frage ein (ib.).
Huxley sucht zu zeigen, dass die Ansicht von der
progressiven Entwickelung des thicrischen Lebens in den
Erdperioden in der Weise, dass sie der Enlwickelung der
Individuen entspräche, nicht begründet sei, er macht beson-
ders darauf aufmerksam, dass in der Entwickelung der Fische
der heterocerke Zustand der Physoslomen nicht der frühste
sei , sondern dass ihm zuerst ein homocerker vorhergehe
(Annais naf. bist. XVt. p. 69).
Teleostel.
Acanthopteri.
Percoidei. Dufosse bestätigt die Angabe Cuvier's,
dass Serranus scriba, cabrilla und hepalus Zwitter seien, in-
dem jedes Individuum Eier legen und sie selbst befruchten
soll. Comples rendus XL!. Dec. ; Revue de Zoo!. Vit. p. 591.
Günther ist geneigt, die verschiedenartige Beschup-
pung der Brust von Acerina cernua für Allersvcrschiedenheit
zu hallen. Dies Archiv p. 199.
lieber die Lebensweise des Grystes fasciatus im Ohio
gab John Eoff einige Notizen in Ninth Smithsonian report
p. 289. Er wird meist drei Pfund , seilen 7 Pfund schwer
und ist sehr schmackhaft.
An neuen Arten wurden in dieser Familie aufgestellt:
Von Bleeker Tijdschr. Piederl. Indie: Apogon hypselonotus
VIII. p. .309 von den Batu-Inscln; Ambassis batjanenensis IX. p. 196
von ßatjan; Serratius urophtkalmus VIII. p. 310 Batu-Inseln, bo7iloi.
des und Uoedlii VIII. p. 405 von Aniboina, Goldmanni IX. p. 4-34 von
Oby, macrusjjilos IX. p. 499 von IJaljan; Mesoprion pomacanthus Wll
p. 407 von Aniboina; Cirrhites oxijcepkalus VIII. p, 408 von Amboina;
Uolocentrum melanoloplerus IX. p. 302 von Celcbes.
76 Troschel: Bericht über die Leistungen in der Ichthyologie
Von Peters 1. c. Serrantts ßavoguUalus ^ melas , squamipinnis,
abdominalis, Goliath.
Von Holbrook Journal Acad. Philadelphia III. p. 47 ; Pomo^
tis elongalHs, speciosus und marginalus aus St. Johns River in Florida;
alle abgebildet; der Name speciosus ist bereits von Baird und Gi-
rard für eine Texanische Art verwendet; Bryllus fascialus aus St.
Johns River, Florida und gloriosus aus Südcarolina, Georgia und dem
Cooper River; CaUiurus ßoridensis aus St. Johns River.
Von Baird Ninth Smithsonian report p.325: Pomotis chaeto^
don und Cenlrarckus pomotis von New-Jersey.
Pel beschrieb in Bijdr. tot de dierkunde 1. c. Heft 2. 1851
einen neuen Polynetnus macronemits mit 5 feinen Brustflossenstrahlen
Ton Guinea. Eine andere neue Art des I.eydener Museums P. qua-
iordecimßlis von Bomeo wird hierbei erwähnt. Beide gehören mit
F. longifilis in die Gruppe , bei der die feinen Brustflossenstrahlen
länger sind als der Körper.
Ebenda Heft 4. 1852 beschrieb Schlegel seinen P. multißUs.
Diese Art war schon in der Fauna japonica beiläufig erwähnt, und
ist wohl die eben erwähnte P. 14filis von Pel.
Pseudocliromides* Neue Arten von Bleeker Tijdschr.
Wederl. Indie: Plesiops oxyccphalus VIII. p. 320 von Batu ; Pseudo-
chromis xanlhochir VIII. p. 443 von Celebes; Cichlops trispilos IX.
p. 110 von Halmaheira.
£<licostoinarea« Boleosoma Baralti ist eine neue Art von
Holbrook Journal Acad. Philadelphia III. p. 5G. pl. VI. Fig. 3 aus
Florida und Georgia.
Scleroparei. Ransom hat der Royal Society seino
Beobachtungen über die Befruchtung des Eies vom Sticiiling
vorgelegt. Er hat die Mil^ropyle, das Eintreten der Sperma-
tozoen und die ersten Veränderungen, welche darauf folgen,
beobachtet. Annais nat. hist. XV. p. Q29. — Warington
schilderte in lebendiger Weise die Anstrengungen, welche das
Stichling-Männchen (Gaslerosteus leiurus) n)achl, um die eben
ausgeschlüplle Brut zu schützen, die wegen ihres Dotlersak-
kes noch sehr unbeholfen schwimmen. Ib. XVI. p. 330.
Folgende zwei neue Gattungen wurden in dieser Familie von
Bleeker gegründet :
Gnathanacanthus Verh. Akad. Amsterdam. Caput corpus-
que compressa; spinae capite nullae; cristae occipitales seiunctae
ossa interspinosa amplectentes. Dentes maxillis parvi pluriseriati, vo-
merini palatinique nulli; pinnae dorsalis et analis a caudali seiunctae,
dorsalis verlice iücipiens, in parte spinosa profunde iacisaj radii pin-
:,,;,•, ;,:> Während des Jahres 1855. 77
nis Omnibus simpHces , liberi nulli, ventrali 1.5; Spinae anales 3;
membrana branchiostega radiis 7. Verwandt mit Agriopus, Blepsias,
Peropus, Taenianolus und Sthonopus. Auch die Art G Goelzeei ist
neu und stammt von Ilobartlovvn an der Mündung des Flusses
üerwent.
Amphiprionich ihy s Nat. Tijdschr. ned. Ind. VIII. p. 172.
Caput corpusque compressa ; dentes maxillis parvi pluiiscriali, vome-
rini palalinique nulli ; ossa suborbitalia, praeopcrculum opcrculumque
aculeala; operculum et suboperculum exigua membranam branchioste-
gam sexradialam non tcgcntia; apertura branchialis anipla verticalis;
pinnae dorsalis et analis a caudali sciunctae, dorsalis unica partem
spinosam et radiosam inter emarginata ; pinnae venlrales ihoracicae
rudimenlariae ; radii dorsales, anales caudalcsque fissae, radii pecto-
rales simplices uniti ; spinae anales duae. Soll dun Habitus von
Premnas und Amphiprion haben. A. apislus von den Cocos-Inseln.
An neuen Arten wurden aufgestellt: von Schlegel in ßij-
dragen tot de dierkunde 1. c. Heft V. 1852 Perisledion laliceps von
Amboina; — von Peters I.e. ^. ^3^ Plalycephalus prislis, Scorpaena
mossambica und Apislus binolatus.
Sciaenoidei. Neue Arten wurden beschrieben :
Von B 1 e e k e r Tijdschr. Nederl. Indie : Corvina juhala VIII. p. 160
von Borneo; Umbrina amblycephalus VIII. p. 412 von Amboina; Dia^
gramina chrysotaenia IX. p. 303 und Scolopsides leucotaenioides VIII.
p. 439 von Celebes.
Von Peters 1. c. p. 434 : Corvina dorsalis.
Von Baird und Girard Kinth Smithsonian report p.332: Lo"
boles emarginalus von New-Jersey.
Spnroidei« Neue Arten : Sargus aurivenlris Peters 1. c. p.
435; — Lelhrinus Moensii Bleeker Tijdschr. Kederl. Indie IX. p. 435
von Oby ; — Upeneoides moluccensis ib. VIII. p. 409 von Amboina.
In der Maeniden . Gruppe stellten Baird und Girard Minth
Smithsonian report p. 334 eine neue Gattung auf: Eucino stomus
Wund klein und sehr vorstreckbar, und vorgestreckt eine konische
Röhre bildend; Lippen dünn; Gaumen und Zunge zahnlos; Deckel-
stücke ungezähnt; der zweite Stachel der Afterflosse ist schwächer
als bei der verwandten Gattung Gerres. E. argenleus von New-Jersey.
Squauiipeanes. Neue Arten: Chaetodon nigripinnis Peters
1. c. p. 428 ; — Chaelodon semeion Bleeker 1. c. Vlll. 450 von den
Cocos-Inseln; Pempheris Schtoenkti ib. p.314 von Balu.
Iiabyrintliici. Bleeker beschrieb 1. c. als neu: Anabas
oligolepis \\U. p. lül, Polyacanlhus Helfrichii ib. p. 102; Ophioce^
phalus melanopterus IX. p. 420 ; alle drei von Borneo.
Atheriaacei* Alherina afra Peters 1. c. p. 436.
78 Troschel: Bericht über die Leiätüngien in der Ichthyologie
mug-iloidei. INeue Arten von Bleeker: Mugil heterochei-
los 1. e. IX. p. 198 von Batjan und M. brachysoma IX. p. 399 von Pa-
surian in Ostjava.
Scomberoidei. II og g berichtete der Linncau Society, dass
in der Tees-Bay ein grosser Thunfisch von 480 Pfund gestrandet war.
Annais XVI. p. 213.
Auxis Ihynnoides und Decaplerus lajanc VIII. p. 301 von Ternate,
Decapterus hurroides ib. 420 von Amboina und Selar Broekmeyeri IX.
p. 398 von Pasuruan in üstjava sind neue Arten von Bleeker.
Ferner gründete Bleeker ib. VIII. p. 417 in der Caranxgruppc
eine neue Gattung Uraspis. Dentes intermaxillares biseriati ; den-
tes vomerini, palatini, linguales nulli ; linea lateralis scutis spiniferis
armata ; pinnae spuriae nullae ; praeoperculum edentuhun, membrana
branchiostega radiis 7. U. carangoides Amhoina. Verf. zweifelt nicht,
dass auch Caranx helvolus C. V. und Caranx micropterus Rüpp. in
diese Gattung gehören.
TentUides. Amphacantkus vulpinus und puellus sind von
Schlegel Bijdragcn tot de dierkunde V. 1852 beschrieben und abge-
bildet worden. Beide von Ternate.
Bleeker stellte 1. c. als neu auf: Priodon hexacanthus VIII.
p. 421 von Amboina; Amphacantkus lelra::>ona'\h. p.44l von Celebes.
•lii«' OobkOidei. Diese Familie wurde durch folgende neue Ar-
ten bereichert:
Von Peters 1. c. p. 441: Gobius obscurus, capistralus, signalus^
atherinoides ; Callionymus marmoralus.
Von Bleeker 1. c. : Gobius decussntus VIII. p. 442 von Cele-
bes, xanßotaenia IX. p. 308 von Celebes, oxypterus IX. 400 aus dem
See Grati in üstjava; Eleotris cyntiosligma VUI. 452 von den Cocos-
inseln, heteroplenis IX. 422 von ßorneo, Apocryples brachyplerus IX.
401 aus dem See Grati in üstjava, borneensis IX. 421 von Borneo;
Echeneis remoroidcs IX. 70 von Batu.
3ii ! > Blennioidei. Bleeker stellte Tijdschr. Ned. Indie VIII.
p. 318 eine neue Gattung D inemalic hthy s auf: pinnae dorsalis,
pectorales, ventrales, analis caudalisque radiis oninibus articulatis, dor-
salis indivisa, ventrales filiformes uniradiatae iugulares, caudalis li-
bera ; corpus squamosum ; cirri nulli; dentes maxillis , vomerini et
palatini pluriseriati ; apertura branchialis amplissima ; membrana bran-
chiostega radiis 6; operculum aculeatum. Verwandt mit den Gattun-
gen lluocoetes und Phucocoetes. D. iliiocoeleoides von Batu.
Ausserdem beschrieb Bleeker als neue Arten: Pclroshirles
hypseloplerus VIII. 423 Amboina; Salaiias arenatus y\ll. 173 von den
Cocosinseln; S. phaeosoma ib. p. 317 von Batu.
während des Jahres 1855. 79
Peters beschrieb 1. c. p. 439 als neu: Pelroskirles cynodon,
barbotus und elongalus.
PedSciilafi. Aus den Arten von Chironecles, welche keine
Vomer- und Gaumenzähne besitzen, Ch. hirsutus G. V., laevis C. V.,
polilus Richards, bildete Bleeker Verh. Akad. Amsterdam 11. eine
neue Gattung Brachionicht hy s. Caput corpusque compressa ; os
anticum ; dentes intrrmaxillares et inframaxillares; dentes vomerini
et palatini nulli ; apertura branchialis angusta rotunda pone pinnam
pecloralem; rostrum filo libero; pinnae dorsales 2 niembranaceae,
spinosa integra vera cephalica; pinnae ventrales iuguiares; arcus
branchiales 4; membrana branchiostega radiis 6. B. fiirstäus ist be-
schrieben und abgebildet.
Als neue Arten stellte Bleeker Tijdschr. Nederl. Indie auf:
Anlennarius Lindgreeni Vlll. p. 192 von Banka , A. moluccensis YIII.
424 von Amboina.
Aulo§tonii. Peters unterschied eine neue Art Amphisile
brevispina 1. c. p. 450 in dieser Familie.
Änacanthini.
Dumeril las in der Academie des sciences de Paris
am 13. August ;,Allg-eiiieine Belrachlungen über die Kelilflos-
ser oder Pteropodon, eine Unterordnung der Fische, welche
die einzige Abtheilung der Stenopes bilden. Wir verweisen
auf den Auszug in den Comples rendus Vol. XLI.
^adini. Filippo de Filippi hat in derZeilschr. f. wiss.
Zoologie VU. p. 170 die Schwimmblase von Oligopus ater Risse be-
schrieben, die einen muskulösen Apparat besitzt, keinen Ausführungs-
gang hat, und mit den Gadiden und üphidien verglichen wird. Dieser
Fisch hat mit der Gattung Oligopus Lacep. nichts gemciB , gehört
vielmehr zu den Gadinen in die Nähe von Brotula und erhält von dem
Verf. den Namen Gadopsis,
0|>lii(lini. Fierasfer neglecium ist eine neue Art von Pe^
ters 1. c. p.451. :^ \^^^ J.m^v ^ I,
i'leurosiectac"!. Neue Arten von B 1 e e1t et Tijdschr. Ne3'.
Ifidic: Rhombus pavo und coQosensis VIII. 177 von den Cocosinseln.
Pliaryngognathi.
Eiabroidc^i cycftoidei» Neue Arten von Bleeker Tijd-
schr. Nederl. Indie: Gompkosus inelanolus VIII. 457 von den Cocosin-
seln, Julis celebicus IX. 313 von Celebes , J. fHalichoercsJ phaiolae-
nia und Vrolikii Vlll. 322 von Batu, CaUyodon hypselosoma Vlll. 425
von Amboina.
80 Troschel: Bericht über die Leistungen in der Ichthyologie
Peters beschrieb als neu : Cossyphus opercularis, taeniops, fila^
mentosus 1. c. p. 451.
HoScouoti. Eine Abhandlung von Girard „Notice
upon Ihe viviparous fishes inhabiling- Ihe Pacific eoast of
North America, vvith an enumeration of the species observed.
Proc. Philadelphia April 1855 ist in unserem Archiv 1855. I,
p. 342 übersetzt worden.
Bei Gelegenheit der Uebersolzung der Abhandlungen von
Gibbons und Girard über die Holconoli hat Referent
in einer Anmerkung geglaubt, die in diese Familie gehöri-
gen 14 Gattungen am passendsten nach der Zahl der Zahn-
reihen in den Kiefern übersichtlich ordnen zu können. Archiv
1855. I. p. 353.
I^altroidei ctenoidei. Neue Arten von Peters 1. c
p. 455 : Fomacenlrus annulalus, Glyphisodon fallax und sculplus.
Neue Arten von Bleeker Tijdschr. Ned. Indie: Amphiprion
perideraion IX. 437 von übij , Dascyllus j^olyacanlhus IX. 503 von
liatjan.
§comberesoces. Haeckel hat bei den Eiern der
Scomberesoces eine sehr eigenlhümliche Schicht von Fa-
sern zwischen Dotter und Dotierhaut entdeckt, welche aus
einer Wurzel entstehen, und sich je nach den Gallungen in
verschiedener Weise winden und ordnen. Müiler's Archiv
für Anal. 1855. p. 23. Taf. IV u. V.
Physostomi.
Siluroidei. Die Weise, welche Valencienes 1851
aus Preussen lebend nach Paris übergesiedelt halte, befinden
sich in einem grossen Reservoir von Marly ganz wohl, und
haben merklich zugenommen. Comptes rendus XLl; Revue
de Zool. Vil. p.475.
Holbrook beschrieb eine neue Art Pimelodus marmoralus
Journ. Acad. Philadelphia III. p. 54 von Altamaha, Georgia.
Bleeker stellte Tijdschr. Ned. Indie folgende neue Arten auf:
Arius microcepbalus IX. 423 von Borneo , timelodus plalijpogonides
IX. 272 von Sumatra, Chaca bankanensis Vlll. p. 165 von Borneo.
Kner hat in den Wiener Sitzungsberichten XYII. p. 92 von
der Gattung Aspredo, von der er A. sexcirrhis Cuv. Yal. beschreibt,
den A. verrucosus als eigene Gattung Buno cephulus durch folgende
wahrend des Jahres 1853» 81
Merkmale getrennt : Vorderrücken höher, Schwanz kürzer und höher
nls bei Aspredo , Haut durchaus warzig , Oberkopf und Rücken mit
rundlichen Höckern , Afterflosse wenig strahHg. Der genannten Art
wird eine neue B. hypsiurus aus dem Rio branco hinzugefügt. Hier-
auf wird Chaca lophioides beschrieben. — Dann beschreibt der Verf.
ausser drei schon von Valenciennes aufgezählten Arten der Gat-
tung CaHichlhys auch eine neue C. sulcatus ^ die vielleicht mit C.
longifilis Val. synonym sein soll aus dem Rio branco. — Die Gattung
Doras hält Verf. vorläufig noch nicht generisch spallbar, wenn nicht
die spitzschnauzigen Arten unter dem Kamen Oa;i/ rfo ras vereinigt wer-
den könnten. Er beschreibt dann die 18 Arten des Wiener Museums,
unter denen folgende neu : D. denlatus aus Surinam , afßnis aus dem
Rio branco, asterifrons Barra do Rio negro, Heckelii Rio negro, mu~
rica Cujaba, lithogasler Forte do Rio branco, fimbrialus Rio Guapore,
punctalus Matogrosso und Rio Guapore , brevis Barra do Rio negro,
kumeralis ebendaher, stenopeltis Rio negro, lipophtkalmus Rio negro,
Orbignyi Rio de la Plata. Alle sind abgebildet. — Endlich handelt
Verf. über die Gattungen Plotosus, Saccobranchus und Trichomycterus
und unterscheidet von letzterer eine neue Galtung Pareiodon mit
einer neuen Art P. microps aus Borba. Die Gestalt ist langstreckig;
jederseits am Munde zwei kurze Eckbarteln , im Zwischenkiefer und
Unterkiefer eine Reihe flacher Schneidezähne mit convexem Rande ,
Gaumen zahnlos ; Zwischendeckel mit starken Dornen besetzt.
Eine neue Gattung aus der Familie der Welse stellte Kner
Wiener Sitzungsber. XVII. p. 313 auf: Claro teSf caput cataphractum
a fronte ad os terminale valde declivum ; pinna dorsalis secunda ra-
dio osseo et numerosis articulatis sufl'ulta; cirrhis 8, corpus nudum.
Die Art C Heuglini ist 22 Zoll lang, und hat sich in der Nähe von
Chartum, einige tausend Schritte vom Flusse entfernt, bei Gelegen-
heit des Grabens eines Brunnens im Sande eingewühlt, lebend ge.
funden ; sie ist abgebildet.
Trichomycterus Macraei Girard in Gilliss U. S. naval astron.
expedition II. p. 245 wurde bei Uspullata an der Oslseite der Cordil-
leren in 7000 Fuss Höhe gefunden.
lieber das eleclrische Organ des Zilterwelses machte
Marcusen eine Millheilung. Bull, de Tacad. de St. Peters-
bourg XII. 1854. p. 203.
Cyprinoidei. Von Rusconi wurde in Pavia 1854
ein poslhumes Werk : „Ueber die Entwickelung der Cyprinen
nach ihrem Ausschlüpfen aus dem Ei, und Anleitung zur
künstlichen Befruchtung der Fische. Fol.« herausgegeben.
Nach den Untersuchungen von Agassiz über die Cy-
Archiv. f. Naturgesch. XXII. Jahrg. 2. Bd. p
82 Troschel: Bericht über die Leistungen in der Ichlhyologie
prinoiden des westlichen Abhanges von Nordamerika, gehö-
ren die Arien dieser Erdgegend zu den natürlichen Gruppen
der Catostomi und Chondrostomi; und sind daher wesentlich
verschieden von den Arten dieser Familie, welche die Flüsse
und Seen der alten Welt bevölkern. Silliman Amer. Journ.
XIX. p.71 u. 215.
In der Gruppe Catostomi nimmt Verf. nach Untersuchung der
Schlundzähne, die in Holzschnitt abgebildet sind, die folgenden Gattun-
gen an: 1) Carpiode s Rafinesque mit 4 Arten deren Synonymie
aufgeklärt wird; 2) Bubalichlhys Agass. mit 5 Arten; 3) Ich-
thyobus Raf., wohin Cat. Bubalus Raf. Sclerognalhus Cyprinella Yal.
und zwei neue Arten J. Rauchii von Burlington, Jowa und J. Stol-
leyi Yom Osaga-River; 4) Cycleptus Raf. (Rhytidostomus Heckel) ;
5) M 0X0 Stoma Raf., deren zahlreichen auf drei reducirten Nomi-
nal-Arten eine neue M. tenue hinzugefügt wird; 6) Plychosto^
mus Agass. mit 4 Arten; 7) llylomyzon mit einer Art H. nigri-
cans, die unter verschiedenen Kamen beschrieben ist; 8) Catoslo^
mus Forster, deren Arten nicht gesichert sind, denen jedoch eine
neue C. occidentalis von St. Francisco hinzugefügt ist.
In der Gruppe Chondrostomi zählt Verf. die Gattungen: 1)
Acr ocheilus Agass. mit einer Art A. alutaceus aus dem Columbia-
River; 2) Exoglossum mit einer Art; 3) Camp o sto ma Agass.
mit 5 Arten; 4) Pimephales Raf. mit einer Art; 5) Hyborhyn-
chus Agass. mit einer Art H. nolatus , wenigstens kann Verf. die
zahlreichen Exemplare von verschiedenen Localitäten nicht unter-
scheiden; ö) Ilybognathus Agass. mit einer neuen Art //. nuchalis.
Eine nähere Charakteristik dieser Gattungen verbietet der die-
sen Berichten gesteckte Raum, und ich enthalte mich deren um so
mehr, als sie in einer ziemlich verbreiteten Zeitschrift enthalten sind.
In der Ilist. nat. des poissons hat Valenciennes alle diese Gat-
tungen in vier vereinigt. Seine Galtung Sclerognalhus umfasst die
Gattungen Carpiodes , Ichthyobus und Bubalichlhys; sein Catoslomus
vereinigt Cycleptus, Moxostoma, Ptychostomus, llylomyzon und Cato-
stomus.
Von solchen Formen, die Valenciennes unter Leuciscus ver-
einigt, unterscheidet Verf. 1) C hrosomus Raf., 2) Luxilus Raf.
(Stilbe de Kay, Leucosomus Heckel), 3) Ptychocheilus Agass. mit
zwei neuen Arten Pf. gracÜis und mc/jor, 4) Mylocheilus mit einer
neuen Art M. lateralis.
Eine Fortsetzung dieser Untersuchungen steht zu erwarten.
Lobeo seligerus C. V. trennt Bleeker Natuurk. Tijdsch. IX.
p. 263 als eigene Gattung Luctosowa: corpus elongatum lucioideum;
Caput acutum, rictu amplo; cirri labiales et maxillares ; labia tere-
w:ilir«iid des Jahres 185'). 83
lia inlcgra ; inaxilla inferior hamala; pinna dorsalis ex parte pinnae
anali opposita, radio simplice postico gracili flexili edcnlulo ; pinnae
pectoralcs subhorizontaliter inserlae. Dahin L. setigerum und eine
neue Art L. spilopleura von Sumatra.
Aus Lobocheilos heterorhynchos, Cyprinus gotyla und Bangana
falcata bildete Bleeker ib. p. 368 eine neue Gattung Schismato-
rhynchosy die sich von Lobocheilos und Labeo durch eine eigen-
ihüinliche Bildung des Unterkiefers unterscheidet, der zweihörnig und
durch einen tiefon Einschnitt in eine untere und obere Hälfte ge-
lheilt ist.
Eine dritte Gattung gründete Bleeker ib. p.270 auf Barbus
kalopterus. Er nennt sie Epalzeorhynchos: Os inferum rictu
parallelogrammico ; rostrum valde prominens carnosum ; labium ro-
slrale crenulatum ; labia veranulla; plica nienti lobum carnosum mar-
ginem oris versus directum efficiens; cirri 4 roslrales et labiales;
radius dorsalis et analis simplex posticus cartilagineus gracilis flexi-
lis edentulus.
Neue Arten von Bleeker Tijdschr. Ned. Indie : Barbus ambly^
cephalus Vlll. Iö6 von liorneo , javanicus , macrophlhalmus und platij-
süina IX. 40 j von Java; Leuciscus leplosoma IX. 269 von Sumatra;
Capoela letrazona IX. 262 von Sumatra, javanica und Dcvenleri IX.
412 von Üstjava; Rohila brnchynotoplerus IX. 266 von Sumatra; Sij-
slomus apogunoides und latcak IX. 4lO von Java, albuloides IX. 425
von Borneo.
C'yprinodonies. Einer Beobachtung über einen nur 2 Zoll
langen lebendig gebärenden Fisch aus Louisiana von Dovvler fügte
Agassiz die Bemerkung hinzu, dass dies Poecilia multilineata Les.
sei. Silliman Journ. XX. p. 133; Annais uat. bist. XV. p. 206.
Neue A.rten : Hydrarcjyra Luciae Baird von Pfew _ Jersey und
Cyprinodon parvus Baird et Girard von Long-Island. Kinth Smithsonian
report p. 344.
§alB9tofiies. J 0 h n D a V y hat Beobacliluniren über die Be-
fruchtung- der Eier der Salmoniden angesIclU (Transact. of the
Royal Sog. of Edinburgh XXi. Part. 1. p. 1}; dieselben werden
nach dem Abirgen belruchlet. In einer leiueren Abhandlung ib.
Part. IL p. 245 machte er verschiedene Beobachtungen über die
Salmoniden bekannt, die sich an eine frühere Abhandlung des
Verf. anschliessen und manche Punkte berichtigen oder erwei-
tern. Er hat die Schwimmblasen und die darin enthaltene Luft
untersucht; er nimmt die frühere Ansicht, die weibliche Ge-
schlechlsöfTnung sei nach der Laichzeit durch eine feine Mem-
bran geschlossen, zurück; er handelt über die ßrutslellen
84 Troschcl: Bericht über die Leistungen in der Ichlhyologie
und sagt, fliossendes Wasser sei nicht nolhwcndig; die Brut-
zeit dauerte vom 25. November bis in den Januar , doch
schlüpften die Jungen nicht an demselben Tage, sondern
zwischen dem 8. und 22. Januar aus; Verf. slellle über ihre
Lebensdauer und ihre Fütterung Versuche an. Endlich wird
die Frage behandelt, ob der Parr eine eigene Species sei,
wogegen sich Verf. erklärt.
John Davy machte ferner Beobachlunoren über die
Eier des Lachses in Beziehung auf die Verbreilung der Art.
Proc. Royal Soc. VH. p. 362; Annais nat. bist. XVI. p. 205.
Die Resultate stellt Verf. in folgenden Sätzen hin: l) Die Eier
können nur kurze Zeit, nicht eine Stunde, bei gewöhnlicher Tempe-
ratur der trockenen Luft ausgesetzt werden, ohne ihr Leben zu ver-
lieren ; mehrere Stunden jedoch bei niedriger Temperatur und feuch-
ter Luft. 2) Die Lebenskraft der Eier erhielt sich ebensogut in mit
Feuchtigkeit gesältiger Luft, wie im Wasser. 3) Die Eier können in
Eis eingeschlossen werden, ohne getödtet zu werden, wenn die Tem-
peratur nicht so niedrig wird, dass sie gefrieren. 4) Die Eier, so
wie die junge Brut, können eine Temperatur von 80 — 82^ in >Yasser
ertragen, verlieren jedoch die Lebenskraft bei 84 oder Sd**. 5) Eier
und junge Brut werden durch eine Lösung von Salz von dem Gewichte
des Seewassers schnell getödtet. — Verf. schliesst, dass nach denj
zweiten Satze bei Regen oder Nebel die Eier leicht an einem Reiher
oder einer Otter hängen bleibend, von einem Gewässer zum anderen
übertragen werden können, ja selbst bei Schnee und Frost.
Hogg las in der Linnean Sociely über die äussere
Membran der unbefruchteten und befruchteten Eier des Lach-
ses. Annais XV. p. 307.
Ein Salmo lemanus Cuv., welcher wie Cos le miltheilt,
in seinen Apparaten im College de France geboren war, legte
im Alter von2y2 Jahren lUö5Eier, die von einem Salmo fario
L. von 19 Monaten befruchtet wurden. Comptes rendus XLI;
Revue de zool. VII. p. 532.
Der Seeslint (Osmerus marino-eperlanus) kommt auch
in den vom Meere vollständig getrennten Süsswasser- Land-
seen Masurens vor. Siebenter Bericht des Vereins für die
Fauna der Provinz Preussen März 1855. p. 50, aus den Neuen
Preuss. Frovinzial-BIällern.
Clupeacei. Hyrtl hat bei einigen Gattungen derClu-
pcaceen ein accessorisches Kiemenorgan gefunden , welches
während de» Jahres 1855. 85
mit der von ihm bei Helerolis beschriebenen Kiemenschnecke
Aehnlichkeit hat. Es findet sich bei Clupanodon aureus,
Kowala albelh , Chaloessus chaounda, Meletta thryssa , Sar-
dinella anrhovia und Gonosloina javanicum. Daran schlies-
sen sich Angaben über die Zahl und Gruppirung der Appen-
dices pyloricae bei einer Anzahl von Gattungen dieser Fa-
milie. Wiener Silzungsberichte XVIf. p. 163 im Auszuge;
die Abhandlung selbst mit 3 Tafeln steht in den Wiener Denk-
schriften X. p. 47.
Clup eichthy s nov. gen. Bleeker Natuurk. Tijdschr. Ned.
Indie IX. p. 274 : Ussa supramaxillaria maxillam superiorem maxima
parte constituentia ; ossa inlermaxillaria bene evoluta prominenlia;
rictus magnus; dentes inlermaxillares, supramaxillares, palatini, pte-
rygoidei, linguales; pinna dorsalis tota ante analem sita; pinnae ven-
trales; pinna analis vera et spuria; membrana branchiostega radiis 6.
Die Art Cl. goniognathus lebt in den Flüssen bei Lahat auf Sumatra.
Uarengula hypselosoma von Amboina ist eine neue Art von
Bleeker ib. VIII. p. 427.
Mormyri. Marcusen legte der Petersburger Aca-
demie eine vorläufige Miltheilung aus einer Abhandlung über
die Familie der Mormyreu vor. ßullctin de l'acad. de St. Pe-
lersbourg Xll. 1854. p. I.
Diese Fische besitzen das relativ grösste Gehirn, weshalb sie
Verf. Macrenkephali nennt. Er ist nicht abgeneigt auch den Gymnar-
chus in diese Familie zu setzen. Bei den Valenciennes'schen Arten
findet Verf. manches zu erinnern. Die Zahl der Flossenstrahlen fand
er variabel, namentlich bei den Arten, wo die Zahl gross ist. Das
sogenannte elektrische Organ bei Älormyrus, über welches interes-
sante Aufschlüsse gegeben w^erden, hält er für nicht elektrisch, son-
dern für ein besonderes Sinnesorgan. Die Slüller'sche Gattung Mor-
myrops wird angenommen, eine neue Petrocephalus hinzugefügt,
und die drei Galtungen folgendermassen charaUterisirt:
Mormijrus Linn. Dentes in apice emarginati in intermax. et
maxilla inf. ; dentes acuti in anteriore corporis oss. sphenoid. parte
et lingua. Cerebrum niaxime evolutum ; hemisphaeria cum tribus
lobis (ant. , med. , et post.) mediam et inferiorem cerebri partem
omnino tegentes. Caput elongatum ; rostrum longum , vomer proces-
sibus anterioribus oss. palatini omnino tectus. Species : M. Caschive
Hasselq. , oxyrhynchus Geoffr. , Kannume Forsk. , longipinnis Rüpp.,
Hasselquistii Geoifr., GeofTroyi Val. , Jubelini Val., Bachiqua Val.,
Rume Val., Nacra Val.
M ormyrops Müll. Dentes acuti aut in apice emarginati in
86 Troschel: Bcrichl über die Lcisliingcn in der Ichlhyologie
intermax. et max. inf. , dentes aculi in corpore oss. sphcn. ant. et
lingua, Caput minus elongatum : nee non roslrum. Cercbrum minus
evolutum. In posteriore parte inier lobnm posteriorem pars corp.
quadrig. posterior et cerebellum. Vomer esse palalino non teetus.
Species : M. anguilloides Linn., Tuckeyi Yal. , cyprinoides Linn. (la-
biatus G.) elongatus Rüpp., abbrevialus Val.
Subgenus. Morm. dorsalis (Jeoffr. Dentes in intermax. et max.
Inf, emarginati, in lingua et anteriore parte corporis oss. sphenoidei
globosi,
t etroc ep halu s n. gen. arabice ras el hagar, qnod est caput
saxatile. Dentes in max. inf. et in intermaxillari emarginati ; in lingua
et anteriore parte corp. oss. sphenoid. aculi. Cercbrum minime evo-
lutum; inter lobos anteriores anterior corpor. quadrig. pars et inter
lobos posteriores posterior corporum quadrigeiiiinorum pars et cere-
bellum visibiles. Vomer osse palalino non teetus. Caput superQcie
superiore quadrilatcra , oblusum ; rostruin inferiorem versus partem ;
frons prominens: os inferiore parle. Species: P. baue, Dequesue Val ,
Joannisii Val., Ehrenbergii Val., Bovei Val., Isidori Val.
Muraenoitflea. Kner legte dem bot. -zool. Vereine in NVien
V. p. 57 eine brasilisclie Art iMuraenophis vor, welche ein grosses
Stück Zeug verschluckt halle , das den ganzen Darm erlullte und
wahrscheinlich seinen Tod herbeigeführt halte, als Belegstück von
grosser Lebensziihigkeit.
In der Familie der ]Muraoniden stellte Lowe (^Memoires des
savants elrangcrs de St. Tetersbourg VII. 1S54. p. 171 eine neue
Galtung auf: L eplorhynchus. Caput scolopaciforme , collo elon-
galo dislinctum ; maxillis in rostrum tenue produclis, ulratjue denlibus
minutissimis limae instar scabra , riclu pone oculos diduclo. Kares
oculis conliguae, approximalae, simplices , nee tenlaculatae. üculi
magni. Corpus nudum , anguilliforme, compressum , gracile, elonga-
tum ; postice longissime allenuato - productum, filiforme, apice acute.
Aperturae branchiales sat n»agriae , ante pinnas peclorales oblique
dcorsum fissae. Finnae peclorales distinctae lanceolalac, vix magnae ;
pinna dorsali ad nucham paullo ante, anali ad gulam paullo post pin-
nas peclorales incipicnle; ulraque usque ad apicem caudae conlinuata,
membranacea, nee cute cooperla, sed radiis sat validis dislinctis. Die
Art L. Leuchtenbergii lebt bei Madeira. — Brandt lieferte eine
Abbildung dazu, taufte aber den Gattungsnamen in B elonopsis um,
indem der von Lowe vorgeschlagene bereits mehrfach bei den Uep-
tilieu, Vögeln, Fischen und Käfern verwendet ist.
Kaup gründete in unserem Archiv 1855. p. 213 eine neue Gat-
tung EncheUjnas sa nach einem Exemplare, als dessen Vaterland
er die Carolinen oder den Indischen ücean vermulhet. Die Art hcisst
E. Bleekerü
während des Jahres 1855. 87
An neuen Arten wurden folgende beschrieben:
Von Bleeker Tijdschr. Nederl. Indie : Muraena Agasski und
micropoecilus YIII. p. 458 von den Cocosinseln; melanospilos W. p. 279
von Sumatra ; Moringua tnacrochir IX. p. 71 von Batu.
Von Peters 1. c. p. 459 : Muraena fascigula^ vermicularis, di~
plodon; Ophiurus marginatus ; Sphagebranchus brevirostris.
Symbraiicliii. Kaup berichtigte in diesem Archiv p. 59 die
Synonymie von Symbranchus immaculatus und Ophisternon bengalensis.
Plecto gnathi.
Vergleiche die „Uebcrsicht über dieSpecies einiger Fa-
milien der Plectognalhen" von Kaup in diesem Archiv p. 215.
Ostrstciones. In dieser Familie zählt Kaup 26 Arten auf,
die er in 5 Gattungen verlheilt: Cibotion Kp. mit 6 Arten, Lae^
tophrys Swains. mit 3 Arten, Ostracio n Linn. Kaup mit 7 Arten
unter denen 0. omceps neu, Acer an a Gray mit 9 Arten in vier
Untergattungen, darunter A* Grayi neu, Centaurus Kp. mit 1 Art.
Balistini* Die Balistinen im engeren Sinne umfassen nach
Kaup 21 Arten, die sich in vier Genera vertheilen: Pyrodon Rüpp.
mit 1 Art; Melichthys Swains. mit 3 Arten; Batistes Linn. mit
12 Arten und B alistop us Tilesius mit 5 Arten.
Von der „Monographie de la famille des Balistides« von
Holla rd erschien in den Annales des sc. nat. 4. Ser. IV.
p. 5 der Schluss (vergl. den vor. Bericht p. 450).
Dieser Abschnitt behandelt die Untergattung Aluteres mit 11
Arten; unter ihnen neu: A. Holbroocki vielleicht identisch mit A.
aurantiacus Dekay, cullifrons von ^l\ew - York und Bahia , conve^
xifronSf anginosus aus dem Indischen Ocean und von Australien,
Heudelotii vom Senegal, venosus von Neu -Irland. — In einem An-
hange werden einige Bemerkungen hinzugefügt: Triacanthus ano-
malus Temm, Schi, bilde eine besondere Untergattung ; — Bleeker's
T. Russelii und rhodopterus seien = brevirostris, dessen Nieuhofi sei
von brevirostris nur durch die Länge des Schwanzes verschieden, des-
sen oxycephalus sei = angustifrons Holl. ; — T. striliger Cantor sei
= longirostris Holl. — In Betreff der Gattung Balistes erwähnt Verf.
der von Kaup angenommenen Gattungen. Er spricht sich gegen die
Vereinigung von gutlurosus, calolepis, lineopunctatus und elongatus
zu einer Art aus, welche Kaup curassavicus nennt, ebenso gegen
die Vereinigung von maculatus, brevissimus , angulosus und longissi-
mus. Weniger hat Verf. gegen die Vereinigung seines reticulatus mit
viridescens. Kaup's forcipatus sei nicht der des Willughby, sondern
stellatus Lacep.
88 Troschel: Bericht über die Leistungen in der Ichthyologie
Ausserdem wurden in dieser Familie als neue Arten beschrie-
ben : Monacanlhus curlorhynckus und cryplodon von B 1 e e k e r Na-
tuurk. Tijdschr. VIII. p. 430 von Amboina und M. frenatus Peters Mo-
natsber. der Berliner Acad. 1855. p. 464.
Oyninodontes* Die Gattung Diodon zerrällt Kaup 1. c.
in 5 Gatttungen: Diodon L. mit 0 Arten, worunter D. melanopsis
und maculifer als neue Arten figuriren, Dicotylichthy s Kaup mit
1 neuen Art D. punctulatuSf Cyclichthys Kaup mit 2 Arten, dar-
unter C, cornutus neu, C y anichlhys mit 1 Art, C kilomy clerns
Bibr. mit 3 Arten.
A. Dumeril veröfTentliclite in der Revue de zoül.VlI.
p. 274 eine von Bibron unvollendet hinterlassene Arbeil
über die Gymnodonlen (Diodon und Telrodon).
Die Gattung Diodon bildet eine besondere Familie und ist in
xwei Gruppen getheilt. 1) Trirhizacan thi mit dreifacher Wur-
zel der Stacheln, mit 9, 2) Dirhizacanthi mit 6 Arten. Eine
Art D. reticulatus Linn. trennt er als besondere Galtung Chilo my ^
cterus mit zweilippigen Kaslöchern.
Die Familie Tetrodoniens enthält 58 Arten in 15 Galtungen.
Von diesen hat Bibron vier ohne Diagnosen nur mit Namen bezeich-
net: St enomelo pus mit 11 Arten, Ap hanacanlhus mit 1 Art,
Epipcdor hynchus mit 3 Arten und Di chotom y cterus mit 1
Art. Die übrigen 11 Gallungen tragen eine Diagnose: Prome co»
cephalus mit 6 Arten, Dilobomy cterus mit 11 Arten, Tetro~
don mit 4 Arten, Ämblyrhyncbotes mit 4 Arten, Geneion mit
1 Art, Catophorhynchus mit 2 Arten, Batrac hop s mit 1 Art,
Monotr elus mit 1 Art, Ephipp ton mit 1 Art, Xenopterus mit
1 Art, Rhynchotes mit 6 Arten.
Eine Vergleichung dieser Gallungen mit denen, welche in-
zwischen anderweitig, z. B. von J. Müller gegründet sind, und
welche sehr nahe gelegen halte , wird vermisst. Ts^alurlich können
dieselben nur von dem Augenblicke ihrer Veröffentlichung an einen
Prioritätsanspruch machen. Zahlreiche neue Arten sind nur dem Ka-
men nach genannt, und können daher gar keine Priorität gellend
machen, daher habe ich sie auch hier nicht namhaft gemacht.
Bleek er beschrieb aus dieser Familie in Kaluurk. Tijdschr.
Nederl. Indie als neu : Tropidichthys ianthinopterus VIII. p. 429 von
Amboina und Arothron melanorhynchus IX. p. 111 von Halraaheira. —
Desgleichen Peters Telrodon fAnosmiusJ ocellattis und «flcntafws Älo-
natsber. der Berliner Akad. p. 462.
uährcnd des Jalirrs IS5>. 89
Lophobratichii.
Aufmerksam gemacht durch die schnelle undulircndeBe-
wegunir der Rückenflossen von Syngnalhiis, Hippocampus und
Umbra, untersuchte K n e r (Bot.-zoo!. Verein zu Wien V.
p. 57) die Muskulatur der Rückenflosse dieser Fische.
Neue Arten: Syngnathus brachysoma Bleeker Tijdschr. ISederl,
Indie VIII. 327 von Batu, S. Helfrichii ib. IX. 419 von Bojneo, S.
fichlhyocampusj mossa7nbicus Peters 1. c. p. 465. — Solenostoma bra~
chyurus Bleeker 1. c. YIII. 433 von Amboina.
Oaiioidoi.
Poey hat die Schwimmblase des Lepidosteus Manjuari,
welcher auf Cuba lebt, untersucht, und in den Annals of Ihe
Lyceum of nat. bist, of New -York VI. p. 133 beschrieben,
nachdem er einige Bemerkungen über Cyprinodonlen vorher-
geschickt hat.
Er ist der Meinung, dass die Schwimmblase der Fische über-
haupt, und namentlich des Lepidosteus der Respiration diene. Sie ist
roth, sehr gefässreich, an beiden Enden zweilappig. Sie ist mit dem
oberen Theile der Aorta und noch inniger mit zwei Hohlvenen ver-
bunden, welche die Arterie begleiten. Eine Injection füllte alle kleine
superficiellen Arterien, die dickeren Venen blieben weiss. Der Fisch
blieb in einem Gelasse mit AVasser ohne Bewegung und machte in
jeder Minute 40 Athembewegungen ; alle 5 bis 8 Minuten kam er an
die Oberfläche, um einen Mund voll Luft zu nehmen, und nach einer
Secunde kamen einige Luftblasen aus der Kiemenspalte.
Selacliü*
Squali. Wyman uniersuchte einen 672 Zoll langen
Foetus von Zygacna. Er halte die Gestalt des erwachsenen
Thiers, nur der Kopf war weniger regelmässig, alle Flossen
waren wohl entwickelt , zwischen den Brustflossen war der
Rest des Dottersackstieles. Das Exemplar war vermuthlich
aus dem Oviduct genommen. Boston Proc. V. p. 157.
Rajae« Peters beschrieb I.e. p. 46ö als neue Art Torfed&
fuscomaculata von Mossambique.
BericSit iilter die £<eisfung-eii ist der ü^atur-
gescIiieStte der ITlolfiuskeii viälireitd des
Jahres 1^55.
Vom
IIerait§g-eb er.
Von der Küsler'schen Ausgabe des systematischen
Conchylien-Cabinels von Älarlini Chemnilz brachte das Jahr
1855 die Lieferungen 141 — 148. Der Text führt die Gat-
tung ßulimus bis zu No. 326 , giebt ferner die Gattung Suc-
cinea mit 40 Arten, den Schluss vom Trochus (No. 319 — 430),
woran sich Xenophora mit 12 Arten schliesst, eine Fortset-
zung der Gattung ünio (No. 79—90) , die Gattung Trunca-
tella mit 16 Arten und Paludinella Pfr.
Von Pfeif fer's „Novitates conchologicae" erschienen
im Jahre 1855 das 3. und 4. Heft, wie früher mit deutschem
und französischem Texte. Das dritte Heft bringt die Abbil-
dungen von 3 Helix, 4 Auricula, 1 Cyclostomus, 9 Bulimus,
3 Achaliiia , 1 Clausilia, l Succinea , — das vierte Heft die
von 4 ßulimus, 8 Helix , 1 Ennea , 1 Vitrina, 3 Auricula, 1
Achatina, 1 Melampus, 2 Cassidula. Neue Arten sind nicht
darunter; die meisten sind schon früher in den Malakozoolo-
gischen Blättern charakterisirt worden.
Von Lovell Reeve's Conchologia iconica or figures
and descriptions of the Shells ofMolluscous animals erschie-
nen während des Jahres 1855 die Lieferungen 139 — 150. Sie
brachten den Schluss der Gattung Patella mit 144 Arten auf
42 Tafeln, die Gattung Natica mit 143 Arten auf 30 Tafeln,
Troschel: Bericlil über die f,cisl. in der Katurgcschithle u. s. w. 91
Lufrnria mit IS Arlon auf 5 Tafeln, Donnx mit 68 Arten auf
9 Tafeln und Nerila mit So Arien t;u[ 19 Tafeln.
Von Agnes Callow's Populär Conchology ist 1854
eine neue Ausgabe ersehic^neu , in der das Syslen» von Phi-
lippi's lliindbucii angenoninien ist.
Agassiz uulersuclite bei mehreren Mollusken, nament-
lich bei Pyrula caiica, P. canaliculala und Mactra solidissima,
das Wassergelässsystem, und fand, dass besonders dureh den
Fuss Wasser in das Gefässsystem eindringe. Zeitschr. für
wiss. Zoologie VII. p. 176. Bei Purpura geschieht es durch
eine «rosse OefTnuno- in der Mide des Fusses , die sich in
dem Fusse verästelt , bei Mactra durch zahlreiche feine Po-
ren, die durch enge Gänge sich zu einer weiten Höhle ver-
einigen.
In Beziehung auf die geographische Verbreitung der
Mollusken und auf Faunen , sind die folgenden Schrillen zu
erwähnen.
Als Innugural- Dissertation erschien von v. Märten s
eine ausgcdciinle und interessante Abhandlung: „Uebcr die
Verbreilung der europäischen Land- und Süsswasser-Gaste-
ropoden." Tübingen 1^55. 8. 144 S.
Verf. handelt über die allgemeinen Lebensbedingungen, Ein-
fluss des Lichtes , chemische Einflüsse , den näheren Aufenthalt der
Schneclien, die Grenzen der Verbreilung. Er unterscheidet dann im
nördlichen Europa 1) die Folarzone und Alpenregion , 2) die Zone
und Uegion der Nadehvälder, 3) die Zone und Region des Laubhol-
zcs, 4) das mitteleuropäische Tiefland ; er schliesst daran Betrachtiingcn
über Ausdehnung und Grenzen unserer Fauna, so wie über entspre-
chende Faunen anderer Erdlheile. Im südlichen Europa unterschei-
det er die Berggegenden und die Küstengegenden des Mittelmeeres,
und handelt darauf von der Ausdehnung und den Grenzen der Blit-
telmeerfauna, und schliesslich von den der südeuropäischen entspre-
chenden Faunen der westlichen und der südlichen Hemisphäre. — Mit
kurzen Worten auf den Inhalt näher einzugehen erscheint nicht thun-
lich, und begnügen wir uns die Leetüre der Abhandlung selbst zu
empfehlen.
William Clark hat „A hislory of the british marine
Icslaccous Mollusca, dislributed in their natural ordre on the
basis of the Organisation of the animals London 1855. 8."
herausgegeben. Die bereits in den Annais abgedruckten
92 Troschcl: Bericht über die Leistungen in der
Abhandlungen des Verf. sind darin aufgenommen. Seine sy-
stemalischen Ansichten , wie sie im Eingange des Werkes
entwickelt sind, beruhen grossenlheils auf Vorstellungen, die
dem gegenwärtigen Stande der Wissenschaft keinesweges
entsprechen , so dass sehr unnatürliche Gruppen gebildet
werden. So werden die sammllichen Acephala lamellibran-
chiata als Zwitter ohne Begattung bezeichnet. Als Cervi-
cobranchiata werden in der Familie Patellidae die Galtungen
Patella, Acmaea, Pileopsis , Calyptraea, Emarginula, Fissu-
rella, Puncturella, Haliotis sehr unnatürlich vereinigt; zu den
Trochoiden, die zwittrig sein sollen, werden Trochus, Phasia-
nella, Scissurella und Valvata gezählt; die Cyclostomiden
werden zu den Kammkiemern gebracht u. s. w. — Eine ein-
gehende Kritik dieses Buches findet sich Annais nat. bist.
XV. p.349.
Gwyn Jeffreys fugte einem früher (1840) von Ey-
ton mitgetheillen Verzeichnisse, welches 32 Arten Land-
und Süsswasser-Mollusken von Shropshire enthielt, 22 Arten
hinzu. Die sämmtlichen britischen Arien schätzt er auf das
Doppelte. Annais nat. bist. XVI. p. 464.
Thompson fand Diodonta fragilis bei Weymulh. Ebenso
Galeomma Turtoni und eine Tritonia, die er für T. Ilombergü
hält. Annais XVI. p. 379.
Histoire naturelle des Mollusques tcrrestres et fluviatiles
de France, contenant des etudes generales sur leur anatomie
et leur physiologie et la description particuliere des genres,
des especes et des varietes par M o quin-Tand o n. Illustre
de 54 planches dessines d'apres nalure et gravees. Paris
1855. 8.
Pieses in vieler Hinsicht sehr verdienstliche Werk besteht aus
zwei Bänden und einem Atlas in demselben Formate. Als das nicht
geringste Verdienst möchte ich hervorheben, dass das Ganze im Laufe
des einen Jahres begonnen und vollendet ist, so dass es also gleich-
sam aus einem Gusse vor uns liegt. Der erste Band behandelt das
Allgemeine ; im ersten Buche p. 19—274 das Anatomische und Phy-
siologische des Thieres, im zweiten die Schale, im dritten die Ano-
malien der Mollusken, im vierten den Nutzen der Mollusken, im fünf-
ten das Sammeln und Conserviren der Mollusken , im sechsten die
Systematik, im siebenten die Lilteratur. Diese letztere bringt ein
Nalurgcschichle der Mollusken während dos Jalires 1S53. 93
sehr vollständiges Yerzcichniss der hier einschlagenden SchriTlcn. Es
ist nicht thunlich hier näher auf den Inhalt dieser einzelnen Bücher
einzugehen. Es verdient jedoch besonders hervorgehoben zu wer-
den, dass zahlreiche anatomische Details der einzelnen Galtungen und
Arten in zierlichen Abbildungen dargestellt sind , die sich vorzugs-
weise auf den Geschlechtsapparat und die Kiefer beziehen, ohne das
Nervensystem, die Sinnesorgane, die Circulation , die Alhmungsor-
gane, den NahrungsUanal u. s. w. zu vernachlässigen. Es ist somit
- ein reicher Schatz für die Anatomie der französischen Mollusken in
diesem Werke niedergelegt, den kein Malacozoolog wird übersehen
dürfen. — Der zweite Band bringt dann den speciellen Theil. Die
Gasteropoden werden zunächst in zwei Tribus : Ungedeckeltc und Ge-
deckelte getheilt ; die ersteren zerfallen in Pulmones (Limaciens, Co-
limaces und Auriculaces) und Pulmobranches (Limneens), die letzte-
ren in Pulmones (Orbaces) und in Branchiferes (Peristomiens, Valva-
tldes und Keritaces. Von Acephalen gehören hierher die Nayaden,
Cardiaceen und Dreissenaceen. Danach kommen in Frankreich Mol-
lusken aus 11 Familien vor, die wiederum in 28 Gattungen zerfallen.
Die Zahl der französischen Arten vertheilt sich folgendermassen in
die Familien und Gattungen:
1. Limaciens: 8 Arion (3 Lochea und 1 Prolepis und 4 zwei-
felhafte Arten), 13 Limax (2 Amalia, 6 Eulimax und 5 zweifelhafte
Arten), 2 Parmacella, 1 Teslacella.
2. Colimaces : 6 Yitrina (3 Hyalina, 3 Helicolimax) ; 5 Succi-
nea, 15 Zonites (1 Conulus, 1 Calcarina, 12Aplostoma, 1 Verticillus) ,
78 Helix (4 Delomphalus, 2 Carocollina, 2 Trigonostoma, l Jacosta ;
1 Helicodonta, 2 Corneola, 2 Chilostoma, 1 Yortex, 1 Lucena, 15 Ze-
nobia, 13 Helicella, 8 ütala ; 1 Arianta, 1 Helicogena, 1 Fruticicola,
4 Hygromane, 3 Heliomane, 3 Tachea, 1 Cryptomphalus, 2 Coenatoria,
1 Cantareus; 3 Petasia, 4 Theba; 2 Cochlicella), 11 Bulimus (2 Ena,
1 Bulimulus, 1 Chondrula, 2 Gonodon, 1 Azeca, 2 Cochlicopa, 1 Aei-
cula, 1 Rumina), 14 Clausilia (3 Marpessa, 3 Papillina, 8 Iphigena),
23 Pupa (1 Balea, 14 Torquilla, 4 Sphyradium, 4 Odostomia), 9Yer-
tigo (7 Isthmia, 2 Yertilla).
3. Auriculaces: 4 Carychium (1 Auriceila, 1 Ovatella, 2Phytia).
4. Limneens: 12 Planorbis (l Segmenlina, 1 Hippeutes, 5 Gy-
rorbis , 3 Gyraulus, 1 Bathyomphalus, 1 Coretus) , 4 Physa (1 Dia-
stropha, 2 Bulinus, 1 Nauta), 8 Limnaea (1 Amphipeplea , 3 Gulna-
ria, 4 Lymnus) , 3 Ancylus (2 Ancylastrum, 1 Yelletia).
5. Orbaces: 8 Cyclostoma (2 Ericia, 6 Pomatias) ; 4 Acme
(2 Auriceila, 2 Platyla).
6. Peristomiens: 12 Bylhinia (tO Bythinella, 2 Elona) , 2 Pa-
ludina.
7. Yalvalidcs : 4 Valvata.
94 Troschel: Bcriihl über die Leistungen in der
8. Neritaces: 1 Nerita.
9. Nayades : 5 Anodonta, 11 Unio (t Margarilana , 10 Lym-
nium).
10. Cardiaees: 6 Pisidium, 5 Cyclas.
11. üreissenades : 1 Dreissena.
Ein alphabetisches Inhaltsverzeichniss macht den Schluss des
werthvoUcn Buches. Neue Arten kommen darin nicht vor. Alle F«-
niilien, Gattungen und Untergattungen sind gründlich charakterisirt ;
die Arten sämnitlieh ausführlich beschrieben, wobei meist auch be-
sondere Uücksicht auf das Thier und seine Anatomie genommen ist.
Ueberall ist die Synonyniie ausführlich behandelt.
Drouet ziihlle die Land- und Süssvvasscr- Mollusken
des continentalen Frankreichs auf (Mem. de la Soc. roy. des
sc. de Liege X. 1855). Es enlliiilt :^40 Arien. Vergl. die
Anzeige von dieser Schrift in den Malak. Bl. p. 1^.8.
Folgende französische Schriften, die sich auf einzelne
Faunen beziehen, sind mir nicht zugänglich und nur aus
einer Anzeige in der Revue de zool. bekannt geworden.
Prodrome d'histoire naiurelle du deparlement de Var.
Premiere partie Draguignan 1S53. Mollusques vivanis ler-
restres et fluvialiles p. 125 — 134. par Panescorse. Das
Verzeichniss unifasst 132 Arten in 23 Gattungen.
Note sur quelques especes de Mollusques terresires et
fluviatiles par Cotteau. Bulletin de la Soc. des sciences
naturelles et historiques de l'Yonne 1854.
Catalogue des especes et principales variles de Mol-
lusques terresires et d'eau douce observees jusqu'ä cejour ä
Pelat vivant dans le departement de la Creuse (Bulletin de
la Soc. des sciences naturelles de la Creuse 1854) par d e
Cessac. Enthält 66 Arten in 20 Gattungen.
Jeffreys machte Bemerkungen über die Schweizer
Mollusken, Annais nat. hist. XV. p. 20 und fügte am Schlüsse
ein Verzeichniss von 55 Schweizer-Arien hinzu, die nicht in
Britannien vorkommen, und ein zweites von 28 die noch nicht
als schweizerisch angegeben sind.
Nachträglich mag hier auf eine Abhandlung von v. Gal-
lenstein „Kärntens Land- und Süsswasser-Conchylien (mit
Ausnahme der Nacktschnecken)" hingewiesen werden , die
freilich schon 1852 in Canavals Jahrbuch des naturhislori-
Nalurgeschiihlc der Mollusken während des J»hrrs 1855. 95
sehen Landesmusciims von Kärnten p. 57 — 134 erschienen
ist. Einiije neue Arten sind aufgestellt. In einem Anhange
ist eine Anleitung für angehende Sammler gegeben.
Beilrag zur I\IoIluskenfauna von Tirol; Uebersieht «ler
von den Gebrüdern Josef und Paregrin von Strobel
in Tirol gesamrnellen Land - Schneeigen, nebst Angabe ihrer
Fundorte und ihrer Nord- und Södgrenze gegen das Donau-
und das Po-Thal. Zool -Bot. Verein in Wien Y. p. 151
Das Ganze ist in Tabellenform gehalten. In der ersten Co-
lumne steht der iVame , in der zweiten die Grenze gegen Süden, in
der dritten und vierten die Fundorte in Süd- und in Kord-Tirol, in
der fünften die Grenze gegen Norden. Das Vtrzeichniss umfasst 2
Arion, 5 Limax, 3 Vitrina, 2 Succinea, 3S Delix, G Bulimus, l8Pupa,
1 Balea , 12 Clausilia, l Carychium, 1 Cyelosloma, also im Ganzen
89 Arten, die 11 Gattungen angehören. Davon scheinen 17 dem Nord-
abfalle und 5 dem Südabfalle zu fehlen, 67 sind beiden gemein. Wei-
tere Erläuterungen der Tabelle und Folgerungen sind von P. Stro-
bel unterzeichnet.
Nach einem Berichte von Fitzinger über eine noeti
nngedruckte Mollusken-Fauna von Tirol von Gredler leben
daselbst im Ganzen 115 Arten, nämlich: Succinea 4, Yitrina 3,
ilelix 50, Achalina 4, Bulimus 3, Pupa 19, Vertigo 9, Ba-
leal, Clausilia 15, Carychium I, Cyclostoma 1, Pomalias 2,
Acicula 3. Darunter befinden sich 4 neue Arten. Dem Be-
zirke von Innsbruck sind 7, dem von Bozen 30 Arten eigen-
Ihümlich, während 45 in beiden Bezirken zugleich vorkom-
men; Südtirol ist also überwiegend reicher an Arien als
Nordtirol. Die neuen Arten sollen namhaft gemacht werden,
wenn die Arbeit selbst erscheinen wird. Wiener Sitzungsbe-
richte XVI. p. 287.
Catalogo dei Molluschi terresfri a fluvialili vivenli nelle
provincie Venete di E. C. de Betta c P. D. M ar t in a t i.
Verona 1855. 102 S. und 1 Tafel. Mir nur aus der Anzeige
in den Malak.-Bl. p. i9l. bekannt.
Es werden ISO Arten aufgezählt, nämlich : 1 Arion , ö Limax,
2 Vitrina , 2 Succinea, 49 Delix, 3 Achalina, 6 Bulimus, 15 Pupa,
1 Balea, lö Clausilia, 1 Carychium, 2 Acicula, 2 Popialias, 1 Cyelo-
sloma , 1 Auricula, 11 Limnaeus, 1 Physa , 10 Planorbis, 1 Segmen-
tina, 2 Ancylus, 3 Valvata, 13 Paludina, 1 Melania, 1 Pyrgula, 5 Ne-
rilina , 9 Anodonta , 1 Alasmodonta, 8 Unio, 3 Cyclas , 3 Pisidium.
Einige neue Arten werden unten namhaft gemacht.
06 Troschel: Bericht über die Leislungcn in der
In der Öfversigt af Kongl. Vetenskaps-Akademiens För-
handling-ar 1855. p. 49 ist ein Beilrag zur Kennlniss der wir-
bellosen Thiere dcT Ostsee von Lind ström enthalten. Da-
selbst ist auch ein Verzeichniss von 13 Mollusken gegeben,
und dabei finden sich einige, freilich unvollständige Angaben
über die Entwickelung von Nerilina fluviatilis (s. unten).
V. Wahl die Süssvvasser-Bivalven Livlands im Archiv
für die Naturkunde Liv-, Est- und Kurlands. Dorpat 1855.
Maack veröffentlichte Notizen über einige Land- und
SOssvvassermollusken, gesammelt auf einer Reise zu den Pri-
vatgoldwäschcn des lenisseischen Kreises und zum Baikal ;
begleitet von einem Zusätze vom Academiker v. Midden-
dorf. Bull, de l'acad. de St. Pelersbourg XI. 1853. p" 368.
Da dieser Aufsatz, in welchem 2ö Arten aufgezählt sind, in
dem damaligen Berichte übersehen worden ist , so trage ich
ihn hier nach.
Bourguignat gab ein Verzeichniss von Conchylien,
die in der Krim und in der Türkei durch Raymond gesam-
melt waren. Revue de zool. VIL p. 556. Es enthält 42 Ar-
ten Helix und 16 Arten Bulimus. Mehrere neue unter ihnen
sind unten namhaft gemacht.
Roth lieferte in den Malak. BI. 1855. p. 17 ein Spi-
cilegium molluscorum orientalium annis 1852 et 1853 colle-
ctorum Es enthalt: 1 Daudebardia, 35 Helix, 12 Bulimus,
1 Achalina, 1 Azeca , 1 Tornatellina , 4 Pupa, 12 Clausilia,
1 Cycloslomus, 4 Limnaeus, 1 Isidora, 5 Planorbis, 1 Ancy-
lus , 1 Paludina, 2 Bylhinia, 3 Amnicola, 2 Melania, 3 Me-
lanopsis, 2 Neritina, 1 Unio, 1 Cyrena. Mehrere der neuen,
unten namhaft gemachten Arten sind auf 2 Tafeln abgebildet.
Baer veröffentlichte einen Aufsalz „über das Wasser
des Kaspischen Meeres und sein Verhältniss zur Mollusken-
Fauna (Bulletin de i'acad. Imp. des sc. de St. Pelersbourg
1855. 13, 14, und daraus Ermans Archiv für wissensch. Kunde
von Russland XIV. Bd. p. 627.
Verf. spricht sich gegen die Ansicht aus , dass die MollusUen-
fauna des Kaspischen Meeres im Absterben begriffen sei. Das Vor-
kommen so vieler leeren Schalen erklärt er dadurch, dass dieselben
gegen die Verwitterung so lange Widerstand leisten. Die Zahl der
Naturgeschicilic der Mollusken während des Jahres 1855. 07
Arten ist sehr gering, es sind bekanntlich mehrere Arten der Gat-
tung Cardlum , Pholadomyen , Paludina vivipara und ausserdem von
Schnecken nur zwergartige Formen. Diese Erscheinung scheint er
mit dem geringen Salzgehalte in Verbindung zu bringen. Er will
es jedoch nicht damit erklären, da ebenda doch ganz grosse Muscheln
erzeugt werden. Dass die untere Wolga so wenige und so verküm-
merte luftalhmende Gasteropoden zeigt, möchte der Verf. durch das
sehr trübe Wasser erklären. Während daselbst Unionen, Anodonttn,
Dreissena und Paludina vivipara gedeihen , sind von Planorbis, Lim-
naeus und Physa nicht nur wenige Arten, sondern auch wenige In-
dividuen zu sehen, und alle diese sind meistens klein.
In den Annais nat. bist. XVI. p. 465 findet sich eine
Notiz von M'Andrevv über Spitzbergischc Mollusken, deren
derselbe 14 Arten durch Goodsir bekommen hatte. — Wood-
ward macht dazu eine Note über die sonst von Spitzbergen
bekannt gewordenen Arten.
Pfeiffer lieferte in den Malak. Blättern p. 08. „Bei-
träge zur Moliuskenfauna Westindiens. '' Verfasser erhielt neue
Beiträge von den Inseln Jamaica, Cuba , Torlola, St. Croix,
St. Thomas , welche ihn in den Stand setzten von einigen
Arten das bisher unbekannte specielle Vaterland anzugeben,
und eine Reihe neuer Arten zu beschreiben.
Pfeiffer halte durch genaues Studium der im British
i\]useum befindlichen Originalsammlungen d'Orbigny's Gele-
genheit, kritische Bemerkungen über die von d'Orbigny be-
schriebenen Landschnecken von Cuba zu geben (Malak. ßl.
p. 90), die um so wichtiger sind, als sie von einem so gründ-
lichen Kenner ausgehen. Auf die Einzelheilen hier einzuge-
hen ist nicht möglich.
Shutlleworth veröffentlichte in Annais New York
1854 p. 68 ein Verzeichniss der Land- und Süsswassercon-
chylien von St. Thomas. Es enthält 42 Arten, nämlich 6 Hc-
lix, 3 ßulimus, 5 Stenogyra, 2 Achalina, 1 Spiraxis, 1 Pupa,
1 Macroceramus, 1 Cylindrella, 1 Succinea, 2 Cyclostoma,
3 Helicina, 3 Truncatella, 2 Planorbis, 2 Physa, 1 Ancylus,
1 Amnicola, 3Neritina, 3 Melampus, 1 Pedipes, 1 Odostomia.
Bland giebt ib. p. 74 in einer Note über die geographi-
sche Verbreitung der Landschnecken von St. Thomas an, dass
von den 25 Arten nur 4 St. Thomas cigenthümlich seien,
Archiv f. Naluisescli. XXII, Jahrg. 2. Bd. Q
98 Troscliel: Bericht ülier die Lcislunopen in der
während 17 auch in Portorico gefunden worden sind, und 9
auch auf Sl. John leben.
Der kleine Abschnitt in H. G. Dalton's, ,,History of
British Guiana" über die Mollusken, p. 325 des zweiten Ban-
des, ergiebt, dass in British Guiana Argonaula Argo häufig
auf den ruhigen Gewässern des Deinerara segeln soll , eine
Angabe, die wohl bezweifelt werden muss. Pteropoden sol-
len in diesem Lande nicht vorkommen. Einige Gastcropoden
werden genannt, meist dieselben, welche in Richard Schom-
burgli's Reisewerke erwähnt sind.
Gould hat in Gilliss' naval astronomical expedilion II.
p. 263 ein einfaches Verzeichniss der gesammelten chilesischrn
ConcJjylien geliefert. Es enthält nur 58 Arten.
Cephalopoda.
Ein posthumes Werk von Risso „Mollusques cephalo-
podes vivanls observes dans le parage medilerrancen du
comte de Nice", welches der Neffe des Verf. herausgegeben
hat, ist mir nicht zugänglich geworden.
Macdonald hatte Gelegenheit bei Isle of Pines ein
frisches weibliches Exemplar von Nautilus umbilicatus, bei
Observatory Island zu beobachten. Das Thier ist grösser und
länger als das von N. pompilius. Die Läiigslauiellen an dem
mittleren Lappen der äusseren Lippcnforlsälze sind durch eine
Grube in zwei seitliche Reihen getheilt, und die entsprechen-
den Lamellen zwischen den inneren Lippenfortsätzen sind et-
wa 17 an Zahl und von beträchtlicher Dicke. Im Auge fand
er keine Linse und statt des Glaskörpers eine mehr schlei-
mige Masse. Das Gehörorgan besteht aus zwei sphärischen
Kapseln mit kleinen elliptischen Ololilhen. Lilien wurden in
den Kapseln nicht beobachtet. Die Anhänge an den Kiemen-
venen , welche er für Nieren hält , denen er aber auch die
Function beilegt , den Blullauf durch die Kiemen zu regeln,
sind fast cylindrisch und an den freien Enden etwas erwei-
tert, und tragen einen gefalteten und trichterförmigen Haul-
forlsalz mit gekerbtem Rande. Proc. Royal Soc. VIL p. 311,
Annais nat. bist. XV. p. 361.
Natnrgcsoluclite der Mollusken während des Jahres 1855. 91)
Bieterosioda.
E n grosses Verdienst um die Kennlniss dieser Abthei-
lung von Sciinecken Iiat sich Gegen!) aur erworben. Er
handelt in einem besonderen Werke ^Untersuehungen über
Fleropoden und Heleropoden , ein Beitrag zur Analoniic und
Entwickelungsgeschichte dieser Thierc. Leipziir 1855. 4°.'^
p. 101 — lb5 über die Heteropoden nach einem Material, wel-
ches er in Älessina beobachlet hatte.
Er h;it die Gattung Atlanta in 2 Arten, Carinaria nicditerranea,
fünf Spccies Pterotrachea und eine Firoloides untersucht. Neu ist
Flerolrachea scutala. Zuerst giebt Verf. eine Anatomie der Gattung
Atlanta und beschreibt auch einige Entvvicklungsstadien, Die Larven
besitzen zwei AVimpersegel , deren jedes in drei Lappen zerspalten
ist. Auch von Carinaria und Pterotrachea wurde eine ausführliche
Anatomie geliefert, von lettterer Gattung auch die Entwickelung ver-
folgt. Nach vollendetem Eurchungsprocesse bildet sich ein VVimper-
kranz, die Anlage desVelum's, der den vorderen Theil umgiebt ; un-
ter ihm wächst der konische Fuss, der bald einen Deckel trägt, her-
vor und es bildet sich ein Gehäuse , das wie ein tiefer Napf den
llintertheil des Körpers umgiebt. üas Segel entwickelt sich zu zwei
seitlich vorragenden Lappen, die Hörbläschen werden deutlich sicht-
bar, und bald treten die Embryonen aus der Eierschnur hervor, um
als Larven frei im Wasser zu schwärmen. Dann wurde noch eine
Erhebung des gegeltragenden Vordertheils beobachtet und das Auftre-
ten der Augen. Bis dahin war die Entwickelung von Carinaria und
Pterotrachea dieselbe, die der ersteren Gattung wurde dann nicht,
die der letzteren jedoch noch etwas weiter verfolgt.
Referent hat in diesem Archiv p. 298 von der Gattung Fi-
roloides diejenigen Arten generisch getrennt, welche keine Fühler
besitzen, und sie F irolella genannt. Zwei neue Arten derselben
F. gracUis und F. vigilans wurden beschrieben.
Oaeteropoda.
Williams hat seine Untersuchungen über den Mecha-
nismus der Wasserathmung und über den Bau derAthmungs-
organe bei (\cn wirbellosen Thieren (vergl. d. vor. Bericht
p.478) in den Annais nat. bist. XVL p. 315 und 404 fortge-
setzt, und behandelt hier die Gasteropoden.
Er zeigt zunächst, dass bei den schalentragenden Schnecken
die Abdominalgegend des Körpers von dem Alhmungsprocesse völlig
100 Troschel: Bericht über die Leistungen in der
ausgeschlossen sei , indem weder die umhüllende Membran noch die
Verthcilung des Blutes dafür spräche. Es findet sich zwar immer
Wasser zwischen Schale und Thier, dieses diene aber nur zur Er-
leichterung der Bewegung des Thieres in der Schale. Es ist eine
DilFerenz der Acephalen und Cephalophoren, dass bei den erstcren
der Mund, bei den letzteren der After in der Kiemenhöhle liegt; dass
bei den ersleren die Ernährungs- und Athmungshöhle vereinigt, bei
letzteren die Athmungs- und Cloacalhöhlcn idenlificirl sind. Das
Herz ist vom untersten Gasteropoden bis zum höchsten Cephalopoden
gleich hoch organisirt. Wenn das Athmungsorgan symmetrisch ge-
baut ist, dann hat das Herz zwei Vorkammern (Chiton, Fissurella,
Emarginula , Haliotis, Tethys, Janus und minder vollständig bei den
Eoliden) ; bei allen anderen Gasteropoden ist die Vorkammer einfach.
Das Herz liegt bald rechts, bald links, bald in der Mitte; es liegt
vor den Kiemen (Prosobranchiata) oder hinter ihnen (Opisthobran-
chiata), empfängt aber das Blut immer unmittelbar aus demAthmungs-
organ. Verf. geht dann auf die verschiedene Lage der Alhemhöhle
und auf die Richtungen der Wasserströme ein. Ich kann hierbei die
Bemerkung nicht unterdrücken, dass wenn Verf. als Beispiel, dass in
einer Familie grosse Verschiedenheit der Lage der Kiemenhöhle vor-
komme, die Gattungen Emarginula, Patella, Acmaea, Pileopsis, Ca-
lyplraea , Fissurella, Puncturella und Haliotis aufführt, derselbe sich
auf einem längst aufgegebenen systematischen Standpunkte befindet.
— Es wird ferner hervorgehoben, dass die Blutgefässe und die Blut-
körperchen bei den Lamellibranchiaten viel weiter und grösser sind
als bei den Gasteropoden. Wie in der Thierreihe nach oben die Blut-
kügelchen immer kleiner und zahlreicher werden, in demselben Ver-
hältnisse nehmen die Blutgefässe im Durchschnitte ab, und werden
mehr und mehr gelheilt und vervielfältigt, bis zuletzt bei den höhe-
ren Thieren das Kaliber der letzten Kapillargefässe wenig den Durch-
messer der einzelnen Blutkügelchen übertrifft. Bevor Verf. hierauf
zur Betrachtung der einzelnen Gruppen übergeht, erwähnt er, dass
Vermetus, Dentalium und Magilus , so wie Siliquaria Kiemen wie die
Kammkiemer besitzen, und begreift nicht, dass sie Tubulibranchiaten
sein sollen. Auch hier hält wieder Verf. an der alten Cuvier'schen
Classifikation fest, die längst aufgegeben worden ist. — Hierauf geht
der Verf. zur Beschreibung der Kiemen der einzelnen Gruppen über,
und behandelt die Familien Chitonidae und Palellidae, in welche letz-
tere ausser Patella auch die Gattungen Emarginula , Fissurella,
Acmaea, Propilidium und Haliotis gezogen werden, welcher systema-
tischen Anschauung natürlich die Beschaffenheit der Kiemen selbst
widerspricht.
In Abel's „Aus der Natur. Band 6. Leipzig 1855« hat ein
ungenannter Verfasser in populärer Schilderung „die Zunge
Nalurgcschichle der Mollusken während des Jahres 1835. 10 1
der Weicillhierc" Ijeschrieben (p. 1—32), und zugleich Abbil-
duntren in Holzschnitt von den Reibmembranen von Helix po-
matia , Limax agrestis , Planorbis corneus , Physa hypnorum,
Cyclos'oma elegans , Paludina vivipara, ßylhinia tenlaculala
und Neritina fluvialilis gegeben.
Pulmonata operculata.
Bland machte die Entdeckung, dass Arten der Gat-
tungen Stoastoma, Lucidella, Trochatella , Helicina und Pro-
serpina die Spindel und die inneren Scheidewände zerstören,
wahrscheinlich um mehr Platz für die Entwickelung ihrer Or-
gane zu gewinnen. Annais New York 1854. p. 75.
Cycltostuinaeea,. Benson bildete Annais nat. hist. XV.
p. 13 aus Pterocyclos biciliatus Mouss., Cyclotus rostellatus Ffr., Cy-
closloma spiracellum Ad. et Reeve und Cyclotus tubuliferus Ffr. eine
Gattung Opistoporns: Operculum calcarcum, circulare, crassiuscu-
lum, multispiratum, duplex, utrinquc concaviusculum ; disco interno,
epidennide cornea lubrica vestito, externo calcareo , scabro ; duobus
lamina spirali, erecta rccurva intcrposita, iunctis ; anfractuum inter-
stitiis interne vacuum praebentibus ; margine circumdante concavo.
Tesla depressa , orbicularis , late umbilicata, sutura pone aperturam
tubulo exserto , pcrvio munita. Peristoma duplex, externum expan-
suni, superne autice subfornicato - alatum , internum superne interdum
emarginalum brcviterque incisum. — Verf. knüpft daran Bemerkun-
gen über einige andere Gattungen der Cyclostomaceen, und beschreibt
die Deckel einiger Arten.
An neuen Arten wurden in dieser Familie aufgestellt: Von
Redfield Cyclostoma inornatum Annais Lyceum New - York 1854.
p. 131 von Guadeloupe. — Von Haines: Pterocyclos IJousei ib. V.
p. 157. pl. 5. flg. 12 — 15 von Siam ; Megalomastoma Myersii ib. fig. 9 — 11
von Siam; Cyclostoma distorlitm ih. üg. 5 — 8 von Siam. — Von ß o u r-
g u i gn a t : Cyclostoma (Leonia) Gaillardotii Revue de zool. VII. p. 333.
pl. 8. flg. 5— 7 aus Syrien. — Von Pfeiffer: Chondropoma Santa-
cruzense , Cyclostoma basicarinatum und chordiferum von St. Croix.
Malak. Bl. p. 101.
Benson hat nun auch den Deckel bei mehreren Arten von
Diplommatina gefunden. Er sitzt sehr tief im Innern der Schale, so
dass er leicht übersehen w^erdcn konnte und nur bei dem Zerbrechen
der letzten Windungen zu finden war. Bei dieser Gelegenheil wird
eine neue Art D. Australiae von Südaustralien beschrieben. Annais
XV. p. 329. — Button sah sogar das lebende Thier von Diplomnia-
102 Troschel: Bericht über die Leistungen in der
lina folliculus den kleinen Deckel auf dem Rücken des Fusscs tra-
gen, ib. X\I. p.300.
Truncatellacea. Küster stellte eine neue Art Trutica^
tella marginala von 13orneo in der neuen Ausgabe des Marlini-Chem-
nitz'schen Conchylien-Cabinets Lief. 148 auf.
ProserpiBiacea. Nachdem Poey in seinen Memorias
Vol. 1. p. 392 nach der Kcnntniss i\cs Thieres die Gallung-
Proserpina zu einer eigenen Familie erhoben halte, zeigt
Bland AnnaLs Lycciun na?, bist. Nevv-York VI. p. 14^', dass
diese Familie in die Nähe der Helicinaceen «jesteilt werden
müsse, obgleich ihr der Deckel fehle. Er hat vollkominen
recht!
Ctenobr anchiata,
Macdonald machte in der Royal sor. of London De-
merkungen über die Anatomie von Macgillivraya pelagica und
Chelotropis Huxleyi F'orb. Er schreibt ihnen doppelte Kie-
men zu , von denen die einen frei vorn am Kopie liegen
(Annais nat. bist. XV. p. 232). Aus einer späteren ßemeikui>g
(ibid. p. 359) geht klar hervor, dass dies KopCsegel sind, und
dass daher diese Thiere Larvenzustände von Gasteropoderi
sind, deren weitere Entwickelung ihre Zugehörigkeit entschei-
den muss.
Krohn hat seine Echinospira diaphana von Neuem un-
tersucht. Er hält sie nunmehr für ein noch sehr junges Thier,
bei dem sich neben dvn Wimpersegeln des Larvenziistandes
bereits der Fuss entwickelt hat. Die beiden Kiefer und die
Raduia sind abgebildet; letzlere wird mit Bulla und mit Co-
riocella verglichen. (Da die BeschaflTenheit der Kiemen auf
einen Kammkiemer hindeuten, so möchte ich nach i\(^n vor-
liegenden Angaben die Gattung in die Nähe von Coriocella
setzen.) Unser Archiv 1855. I. p. 1.
Unter dem Kamen J asoni IIa bcsclirieb Macdonald eine
neue Gattung pelagischer Cephalophoren , welche er wegen der ge-
wimporten Kopfanhänge mit Clielotropis und Wacgillivraya vergleicht.
Proc. Royal SocVIL p. 308 ; Annais nat. bist. XVI. p. 206. Die ein-
zige Art J. M'Leayiana wurde bei Port Jackson gefangen. Die Schale
wird an Gestalt mit Argonauta verglichen , hat einen Durchmesser
von weniger als y^ Zoll, ist durchsichtig, knorplig, vollkommen sym-
metrisch und trägt vier Reihen konischer Tuberkeln; die Windungen
las»en eine centrale Durchbohrung ; die Mündung umfassl die letzt«
Naturgfscliiclilc der 31üllusken wahrend des Jahres 1835. 103
Windung beträchllich , die Ausscnlippe ist lief eingeschnitten. Der
Kopf ist von 8 Wimperarmcn umgeben, der Älund hat zwei seilliche
Kiefer mit scharfen Zahnvorsprüngen am Vorderrande. Zwei Tenta-
keln mit den Augen am Grunde der Aussenseite. Eine kammförmige
Kiemenreihe. Ein kugliger Ololilh in jedem Hörbläschen. Auf der
Zunge jederseits eine Ueihe gezähneller Haken, die mit denen der
anderen Seite allerniren. (Diese Haltung erinnert auffallend an Krohn's
Echinospira, wenn sie nicht mit ihr identisch ist.)
iPaiudinuce». Speyer schrieb eine Inaug^ural-Dis-
serbUion über die „Zootoniie der Paludina vivipara" Marburg
1855 mit 2 Steindrucklareln, in welcher die einzelnen Or-
gane nusführlicli Lesclirieben werden.
Aninicolu prolea und longinqua Gould Colorado Descrt Proc.
Boston V. p. 129. — A. Carfenlieri Roth aus Altika. iMalak. Bl. p. 52.
Anthony hat folgende 50 Arten der Gattung Melania aus den
westlichen Staaten ?^ordamerika's beschrieben Annais New-York 1854
p. 80: M. allilela, viridula, hasiala, iola, altipelcty latitanSf vittatüy ni^
grocincta, subangnlata , hrunnea^ virensy ampla, ambuslay arachnoidea^
eliminala , bacidum, incrassala , excavala, cas'a^ lexlilosa , citrvilabiiSf
elcganlula , pvpoidea , tecla , imiricata ^ pagodtformis , exlmia, crislala^
prnscissa , torulosa, plann (jijr a , gradala , fasligiala , vicina, pallidula,
rhonibica, angulaliiy Inbulala^ rlara , fusco-cincta , plena , compacla,
glans, planospira, undostty cotisauguinea, coronilla, corpulentct, neglecta,
grncilior. — M. exigna Conrad aus Californien Proc. Philadelphia YII.
p. 2Ü9. — M. juduica Roth aus einem ßache beim todten Meere. 31a-
lak. Di. p. 53.
Layard hat die GalUmg Paludomus nach der Siructur
des Deckels in vier GalUingen zerlällt (Proc. zool. soc. 1854.
Mnrch ; Annais nat. bist. XVI. p. 133}, und charakterisirt sie
folgend ermassen :
1. Paludomus Swains. lebt in ruhig lliessendem oder ste-
hendem "Wasser. Deckel hornig, dreieckig - eiförmig, mit dem Apex
oberhalb und schwach geneigt, concentrisch gestreift, ISucleus subcen-
tral, links. 22 Arten , darunter P. laevis und palustris von Ceylon
von Layard, die übrigen meist von R e e v e.
2. Ganga Layard. Lebt in langsam lliessendem Wasser. Deckel
hornig, dreieckig-eiförmig, Apex oberhalb, schwach geneigt, concen-
trisch gestreift, ISucleus subeentral, rechts. 3 Arten.
3. Tanalia Gray. Lebt in reissendfliessendcn Gebirgsströmen.
Deckel hornig, dreieckig - eiförmig ; Apex seitlich, blättrig, Nucleus
seitlich, rechts. 11 Arten, darunter T. Reevci und similis von Ratna-
pura und violacea von Ceylon, von Layard, die übrigen von
R c e V e.
104 T rose hei: Bericht über die Leistungen in der
4. Philo p 0 tamis Layard. Lebt amphibisch in felsigen Strö-
men. Deckel hornig, dreieckig-eiförmig, Apex oberhalb, aus wenigen
Windungen, Kucleus subbasal rechts. 3 Arten, darunter P. rerjalis und
Thicailesii von Ceylon, von Layard.
Anculosa Anthonifi Redfield Annais Ncw-York 1854. p. 230 aus
dem Holstein-River bei Knoxville. — Anculolus corinntus Layard von
Bombay Annais XVL p. 140. — Anculosa ampla Anthony Annais Lyc.
New-York V. 1855. p. 159. pl. 5. fig. 22. 23 von Alabama.
Clark hat Annais XYI. p. 114 Assiminea Grayana nach leben-
den Exemplaren beschrieben, und ist der Ansicht, die Gattung Assi-
minea müsse mit Truncatella vereinigt werden. Bei dieser Gelegen-
heit wird auch die in ihrer Gemeinschaft vorkommende Uissoa ana-
lina beschrieben, die Verf. als zunächst verwandt mit U. ulvae und
ventrosa ansieht. — Gray spricht sich ib. p. 183 gegen die generi-
sche Vereinigung von Assiminea mit Truncatella aus, und dann sucht
sich Clark p. 272 in gereiztem Tone dagegen zu rechtfertigen, in-
dem er die Gattung Truncatella in weiterem Sinne fasst als dies ge-
wöhnlich geschieht. — Gray erörtert dann wieder p. 422 den Be-
griff von Genus überhaupt, und erweist durch Kebeneinanderstellung
einiger Charaktere , dass Truncatella und Assiminea nicht zu einem
Genus vereinigt werden können.
j^fisirseiiiüCft^st.* CorioceUa punctata und tuberosa sind neue
Arten von Stirn pson Proc. Philadelphia Mai 1855, erstere von üu-
sima, letztere von China.
S*etlicuiari<t{ie. Gould stellte eine neue Art Pedicularia
decussatu auf, die an der Küste von Georgia und Florida mit dein
Schleppnetze gefischt wurde, und die er mit Purpura monodonla und
madreporarum , welche er in die Gattung Leptoconchus bringt, ver-
gleicht- Proc. Boston soc. p. 126.
j^Eata. Frey er unterschied Wiener Sitzungsberichte XV.
p. 21 von Pterocera Chiragra fauce brunnea, albocostata diejenige Form
als neue Art Vlerocera Jiooliii , welche er als lauee rosea , in fundo
albido-slriata, labio et labro laevissimis kennzeichnet.
Succinea. I'n Report of the 24. meeling of (lic Bri-
tish AssociaÜon für llio advancemenl of scionce lield at Li-
verpool in September 1354. London 1855 ersehien p. 108 eine
Bemerkung über die Enlwickelung des Embryo von Purpura
liipillus.
Verf. beobachtete viele Eikapseln. Sie enthielten 500 bis ÖOO
D Otterkörper, die das Ansehen von Eiern haben, von denen aber nur
12 — 30 Embryonen sich entwickeln, die 20- bis 30mal die Grösse
des Eies haben, von dem sie herstammen- Koren und Dan i eisen
kamen bei ihren Untersuchungen zu der Ansicht, dass nach der Zcr-
Katurgeschichle der Mollusken während des Jahres 1855. 105
Klüflung der Dolterkörper das Ganze zu einer Masse verschmelze,
dann sich aber wieder in gcslielle Fragmente Iheile, die zu Embryo-
nen werden. Verf. ist ganz anderer Ansicht. Er hat kleine freie
Embryonen vor der Conglomeration der Eimasse beobachtet und sich
überzeugt , dass sie unabhängig von dieser erzeugt sind. Sie besit-
zen bald einen Mund zwischen ihren >Vimperlappen, und dieser führt
durch einen weiten Schlund mit innerer Flimmerung in eine tempo-
räre Leibeshöhle. IXun heften sich die Embryonen an die conglome-
lirle Eimasse, und fressen sie auf. Die Körper, welche nach der
Zerklüftung in die conglomerirte Masse verschmelzen, ist Verf. ge-
neigt als unvollkommene Eier zu betrachten.
Sacc behandeile in dem Bulletin de la Soc. industrielle
de Mulhouse 1855. p. 305 (mir nur aus einer Anzeige in der
Revue de zool. VII. p. 537 bekannt) die Geschichte des Pur-
pur der Allen.
De Soulcy erkennt in dem Buccinum des Plinius eine
Art der Gattung Purpura, in der Purpura des Plinius den Mu-
rex brandaris. Bulletin de la Soc. d'hist. nat. du departement
de la Mühelie. 1855.
Rhipidoglo ssata.
]VerE<«c«»a. lieber die Entwickelung von Nerilina flu-
viafilis hatLindström in Öfvcrsi<?t af Kongl. Vetensk. Aliad.
Förh. 1855. p. 49 einige Beobachtungen gemacht
Die befruchteten Eier werden zu 30—40 in einer gemeinsamen
Kapsel abgelegt; sie werden an Steinen, Algen oder anderen Schnek-
ken befestigt. Die DoUer gehen eine Zerklüftung ein. Als Ergeb-
niss von allen in die Kapsel gelegten Eiern entwickelt sich jedoch
nur ein Embryo ; denn in allen älteren Kapseln , welche man öffnet,
findet man nur einen einzigen Embryo (so gross , dass er fast seine
Kapsel ausfüllt), während man in den neugelegten Kapseln eine grosse
Anzahl von den kleinen Eiern findet , welche möglicherweise, jedes
für sich , unzureichend für die Bildung eines Embryo sind. Neben
den Embryonen werden in einem zeitigen Entwickelungssladium in
den Kapseln Ueberbleibsel der Furchungsmasse und der Dotter gefun-
den, während neben den mehr ausgebildeten, die bald die Hülle ver-
lassen sollen , keine solche gesehen werden. Dienen sie etwa dem
Embryo als Nahrung? Das Junge von Neritina durchläuft seine Me-
tamorphose im Ei, wie Leydig es von Faludina nachgewiesen hat.
Man findet Embryonen mit zwei gleichgrossen Segeln von elliptisehtT
l^orm und bedeutend grösser als es bei Faludina der Fall ist, mehr
an die der Secschneckcn erinnernd. Aber die Ränder werden nicht
106 Troschcl: Bericht über die Lcislunj^cn in dvr
mit freiwillig schwingenden Wimpern bekleidet, ausser den noch nach
dem Tode des Thieres flimmernden Cilien. In diesem Zeitpunktö
zeigt die Larve, neben deutlich ausgebildeten Uörbläschen auch Au-
gen. Aber das Segel wird nachher absorbirt und die meisten enl,
wickelten Jungen, welche bald ausschlüpfen sollen, haben das Anse-
hen der älteren Thiere.
A. S chmi dt machte Bemerkungen über Neritina Jordani Butt-
ler und verglich die Zungen mehrerer Arten , welches Letztere frei-
lich ohne Abbildungen nicht recht fruchtbar sein möchte. Malak. Bl.
p. 108.
Cyclohranchiata.
Acina.ea.ceH« Gray bemerkte über Lottia zebrina und scurra,
dass die Kieme der ersteren frei in der Nackenhöhle flottirt, während
die der letzteren mit ihrem Aussenrande an dem Mantel befestigt ist,
weshalb Verf. geneigt ist, sie als Typus einer eigenen Gattung Scur-
ria anzusehen. Annais nat. bist. XV. p. 238.
Cliitonidae. Eine Abhandlung von Loven über die Ent-
wickelung von Chiton niarginatus Penn. (Ch. cinereus L.) Öfversigt
Kongl. Yetensk-Akad. Förh. 1855. p. 1(39 ist in unserem Archiv 185(5.1.
p. 206 in der Ucbersetzung mitgelheilt worden.
Clark hat Einiges von der Enlwickehinir von Chiton
cinereus beobachtet, aber wie es scheint, die Vorgänge nicht
ganz richtig aufgefasst. Annais nat. bist. XVI. p. 44(3.
Verf. sah einen Chiton am 21. Juli Eier legen, die bereits am
25. munter in dem Gefässe umherschwammen. Beim Beginne der Be-
wegung verloren die Eier ihre kuglige Gestalt und wurden länglich.
Es soll nun bei der schwimmenden Bewegung das Thier zur Hälfte
aus seiner Hülle hervorragen, indem die vordere Haut umgeschlagen
ist und einen Reifen bildet, der das Thicr in zwei Seclionen theilt.
Bei starker Vergrösserung konnten die vier vorderen Schalslücke
wahrgenommen werden. Am 26. Juli waren schon die fünf vorde-
ren Schalstücke deullich, die drei hinleren waren noch bedeckt, aber
durch die umhüllende Membran zu erkennen. Am 29. und 30. fiel
die Hülle ganz ab, und der Embryo hatte ganz die Gestalt des Chi-
ton. Während dieser Entwickelungsphasen waren keine accessorischen
Organe vorhanden ausser dem gewöhnlichen Wimperreifen. Verf.
neigt hiernach auch zu der Ansicht, dass Chiton zu den Cyclobran-
chiaten Mollusken gehört, was nach meiner Meinung längst ausser
allem Zweifel war.
Pulmonata.
Äloquin - Tandon trug der Pariser Acad(^mie seine
Nalurgeschichte der Mollusken während des Jahres ISjj. 107
Beobachtuno-cn Über die Spennatophorcn der zwillerigen Land-
Schnecken vor. Er zeigte, dass sie schon Li st er bekannt
waren; der Verf. selbst halle sie bereits 1851 und 1852 be-
schrieben. Er beschreibt sie von Helix aspersa und Arion
einpiricorum (Coniptes rendus XL\ ; Revue de zool. VIL p. 537).
Der Geschleclilsapparal der Stylommatophören in laxo-
nomischer Hinsicht gewürdigt von Adolf Schmidt, Aus
dem 1. 13ande der Abhandlunoren des naiurwiss. Vereins für
fr
Sachsen und Thüringen in Halle. Berlin 1855.
IMachdein Verf. die Kothwendigkeit anatomischer Studien zur
Begrünilung eines natürlichen Systems darzuthun versucht hat, indem
er auf die Mannichfalligkeit des Gebisses (Kiefer) und der Zungen
(Reibmembran) hingewiesen, auch manche Einzelnhciten berührt
hat, geht er näher auf die Schilderung der verschiedenen For-
men des Gcschlechtsapparates der „Stylommatophören," d. h. Limaceen
und lleliceen zusammen, die er nicht trennen zu können meint, ein.
Es wird eine ansehnliche Anzahl von Arten abgebildet und beschrie-
ben, und es ist sehr zu loben, dass Verf. durch die gleiche Lage der
Theile in allen Figuren die Yergleichung bequem und die Differenzen
aulTallend gemacht hat. Auf das Einzelne kann hier natürlich nicht
eingegangen werden. Eine zweite Folge wird am Schlüsse ver-
sprochen.
Von den Katalogen des britischen Museums ist im Jahr
1855 erschienen: „Catalogue of Pulmonata in the coüeciion
of (ho British Museum Part. 1 ," mir aber noch nicht zu Hän-
den gekommen.
Liniacea. l^ine kleine Schrift von Gr ate lo u p „Di-
stribution geographique de la famille des Limaciens. Bordeaux
1855. 33 S. in 8.", ist mir nur aus einer Anzeige in den
Malak. El. p. ISö bekannt geworden.
Verf. zählt 151 lebende und 8 fossile Arten in 13 Galtungen
auf: 23 Arion, Ö9 Limax, 1 Limacellus, 12 Teslacella, 13 Parmacella,
3 Gaeotis, 22 Vaginulus, 3 Onchidium, 3 Tebennophorus, 2 Eumelus,
3 Plectrophorus, 3 Mcghiniatium, 1 Veronicella. ISachgetragen wer-
den 4 Limax und 1 Tebennophorus.
Melirea. Pfeitfer hat in den Malak. Bl. p. 112- 185
den Versuch gemacht, eine Anordnung der Helicccn iiacli
natürlichen Gruppen zu geben. Erhaltes für wahr, das die
Natur nur Familien und vielleicht Arten, nicht aber Gattun-
gen gcschaiTcn hat, und meint, es bleibe nichts übrig, da
wir einmal ein System bedürfen , aLs künstliche und nalürli-
108 T rose hei: Bericht über die Leistungen in der
che Grenzen auf eine mögliclisl consequente Weise zu com-
biniren. Wenn gleich ich von der Aufgabe des Systemali-
kers doch eine andere Vorstellung habe , so gebe ich gern
zu, dass die Heliceen, namentlich wenn man das Werk rein
conchyologisch anfassl, ganz besondere Schwierigkeiten bie-
ten. Es ist immerhin sehr erfreulich den Versuch eines so
ausgezeichneten Heliceen - Kenners zu besitzen. Jeder Art
ist die Nummer von des Verfassers Monographie beigefügt,
und dadurch die Wiederholung der Charaktere vermieden.
Eine Anzahl neuer Arten ist in Noten unter dem Texte cha-
rakterisirt; sie werden unten namhaft gemacht.
Julius Busch schrieb als Inauguraldissertation „Ad
anatomiam nonnullorum Heliceorum agri Bonnensis Symbo-
lae. ßonnae 1855.
Der Verf. hat besonders die Mundtheile und die Geschlechts-
organe von einer Anzahl Arten untersucht, die freilich nur eine ver-
hältnissmässig sehr geringe ist. Er glaubt jedoch schon danach vier
Gruppen unterscheiden zu können, die er folgenderinassen charakte-
risirt: 1) Zunge gross, elliptisch oder oval, mit stumpfen höckerigen
Zähnen, ohne Dornen ; Kiefer fest, stark gekrümmt, mit 3— 6 Leisten.
Pomatia, Archelix, Arianta. — 2) Zunge vorn gerade, hinten gerun-
det, Seitenzähne spitz; Zähne mit kleinen Stacheln versehen; G oder
mehr Leisten an den Kiefern. Gonostoma, Chilotrema, Xerophila. —
3) Zungenmembran verhällnissmässig klein, elliptisch, die spitzen
Zähne mit Dörnchen verehen , die Seitenzähne längliche Querstäbc
bildend; Kiefer gross, mit 6 oder mehr Leisten; zwei Liebespfeile.
Fruticola. — 4) Zunge verhältnissmässig klein , in drei Längstheile
getheilt; die Zähne auf der mittleren Partie stumpf und höckerig, auf
den seitlichen lang und spitz ; die Zähne mit kleinen Dornen verse-
hen. Ilyalina und Patula.
Bourguignat hat die Geschichte der Gattung Daudebarilia in
der Revue de zool. VII. p. 3l7 zusammengestellt und weist nach,
dass dieser Käme vor Helicophanta die Priorität hat. Er stellt die Gat-
tung im Systeme zwischen Teslacclla und Yitrina und setzt die Sy-
nonymie der Arten auseinander. Er nimmt 5 Arten an, unter denen
D. Gaillardolii aus Syrien neu; sie ist pl. 7. fig. 14 — 19 abgebildet.
— D. syriaca Roth Walak. Bl. p.21 aus Syrien-
Vilrina Siamensis Haines Annais Lyc. New - York V. p. 1 38
von Slam.
Sireplaxis prostrala Gould MS. von ^Yestafrika ist von Pfeif-
fer aialak. Bl. p. 172 charakterisirl.
Bland berichtigt Annais Lyceum nat. bist, of New- York VL
Walurgcsthlchte tior Mollusken wälsrcnd des Jahres 1853. 109
p. 151 die Vatcrlandsangabcn einiger Hclix-Arlcn und anderer Land-
seluiecken.
Boll zeigte an (Arcliiv des Vereins in Meklenburg 1855. p. 162),
dass Ilelix explanala Müll, in Baiern gefunden und neu für die deut-
sche IMolluskenfauna sei. Ebenda finden sich IN'otizen über die Ver-
breitung einiger SchnecUenarttn im nördlichen Deutschland. Ferner
wird behauptet, Ilelix nemoralis, die sich nur in Gartenanlagen finde,
sei aus dem mittleren Deutschland eingeschleppt.
Bland bringt Helix opalina Adams, die Pfeiffer als eine Pro-
serpina aufgeführt hat, wieder zu Uelix und nennt sie H. infortu-
nata Annais Lyceum TSevv-York 1854. p. 78.
Ferdinand Schmidt beschrieb Abhandl. des zool. -bot. Ver-
eins in Wien V, p. 1 eine neue Schnecke Ilelix IJauf[eni aus den Höh-
len in Krain, bei der Verf. keine Augen wahrnehmen konnte.
Ausserdem wurden in der Gattung Ilelix folgende neue Arten
aufgestellt: Von Gould /7. aeruginosa und infumata von San Fran-
cisco. Boston Proc. V. p. 127. — Von Bourguignat Uevue de zool.
VII. p. 55Ö : II. Carascaloides von Gallipoli , ovularis von Andrinopel
pl. lö. fig. 7—9, muscicola von Conslantinopel ib. fig. 10—12, subob~
slrucla von Beicos in Anatolien fig. 4 — 6, Cruzyi von Sebastopol. —
Von Roth Malak. Bl. : IL jebusilica p. 24 und prasinata p. 31 aus
Syrien. — Von A. Schmidt ib. p. 70: //. Stauropoläatia aus dem
Kaukasus, Panipelonensis aus Spanien. — Von Pfeiffer Malak. ßl. :
//. Iransiloria p. 99 von Cuba , sanlacruzensis p. 104 von St. Croix,
tahida p. 106 vom Kelgherrie-Gebirge und ceralomma vom Kaukasus.
Tomigerus Venezuelensis Pfr. Malak. Bl. p. l4S von Venezuela.
Woquin-Tandon schrieb eine kritische Note über den Namen
Bulimus, dessen Ursprung er Adanson, nicht Scopoli, zuschreibt, be-
absichtigt jedoch nicht seine ursprüngliche Bedeutung (Bulinus =
Physa Drap.) wiedtrherzuslellen. Bevue et Mag. de Zool. VII.
p. 238.
Bulimus Alexander Crosse Revue et Mag. de Zool. VII. p. 34
von Neu-Caledonien. — In einer späteren Notiz desselben Verf. ib.
p. 80 über die Bulimus von Neu - Caledonien , deren er 8 Arten auf-
zählt, wird ausser dem vorigen noch eine neue Art B. Danieli be-
schrieben und abgebildet. — B. subdetrilus von Varna , Levaillantia-
nus von Andrinopel, Rayviondi (pl. 15. fig. 1 — 4) von Eidos im Bal-
kan, Raynevalianus (ib. fig. 5— 9) von Gallipoli Bourgignat Revue
de zool. Yil. p. 508. — B. exlinctus und Riisei Pfeiffer Malak. Bl.
p. 103. Taf. IV von St. Croix. — B. Oclisenii Dunker aus Chili, Agren^
sis Kurr von Agra in Ilindostan, apertus Pfr. ib. p. 107. — B. Cordo-
vanus von den Anden bei Cordova, cyalhoslomus von Westafrika, den-
SMS von Ostindien, Rolhi aus Griechenland sind neue Arten von Pfeif-
fer Malak. Bl.
ilO Tiiischel: Bericht über die Leistungen in der
Buliinus decollalus und Achatina octona will A. Schmidt
(Gcschlechtsapparat den Stylommatophoren) p. 5 zu einer neuen Gat-
tung Sira auf Grund der Uebereinslinimung der Reibmcmbran ver-
einigen.
Nach Bland Annais Lyceum nat. bist. New _ York VI. p. 147
kommt Pupa bicolor Hutt. , die in Ostindien, Ceylon u. s. w. lebt,
auch auf St. Thomas in Weslindien vor. Verf. hält sie für einge-
schleppt. (Vergl. auch Pfeiffer in Malak. Bl. p. 103.) — Pupa rn^
dis und laiilabris PfeiH'er Malak. Bl. p. 103. Taf. V. von St. Croix. —
F. Scnnrtrtrensis PfcilFcr ib. p. 177 von Sennaar.
Pfeiffer zählte die Arten der Gattung Pupa, welche er der
Gattung Ennea H. et A. Adams einreiht auf. Malak. Bl. p. 58. Er
giebt der Galtung folgende Diagnose: Testa rimata, oblonga , ovata
vel subeylindracea, albida vel hyalina, subvaricosa ; apertura parvula,
semiovalis ; columella plicata; paries aperturalis plerumque lamina
unica munitus ; peristomatis margines subaequales , dexter repandus,
plerumque dentatus et scrobiculatus. Dahin werden 63 Arten gezählt,
unter denen neu: E. anodon^ Reeveana, Albersi von Port Natai, obo-
vala von Liberia, Pirrieri aus Indien, cctjlnnica von Ceylon. Diese
neuen Arten sind bereits in Proc. rool. soc. 1854 und 1855 als Pupae
beschrieben. — Ferner charakterisirte Pfeiffer ib. p. 173 Ennea
Ptanliy Dunheri, Gouldi und Krausi von Natal.
Bland machte Annais Lyceum nat. bist, of New - York IV.
p. 150 auf die eigenthümliche Structur der Axe bei mehreren Arten
der Galtung Cylindrella aufmerksam. Bei C. elatior ist sie spiral und
die Windungen gleichen einer Wendeltreppe, die statt einer Säule um
einen hohlen Treppenraum geht; bei anderen Arten hat die Axe Spi-
rale Lamellen, bei pruinosa zwei, bei Oviedoiana d'Orb. drei bis acht,
bei strangulala eine sehr grosse. Die Axen von vier Arten sind ab-
gebildet.
Cylindrella megacheila ib. p. 155. pl. 5. fig. 1. 2 und amethyslina
ib. fig. 3. 4 sind neue Arten von Chitty von Jaraaica. Die früher
vom Verf. C. Adamsiana genannten Art wird ebenda in C. Baquieana
umgetauft. — C. planospira, cyclostoma, Catnoensis Pfeiffer Malak. Bl.
p. 99 von Cuba. — C. ckordata (TrachellaJ Pfeiü'er ib. p. 102 von
St. Croix.
Azeca zacynthia Roth von der Insel Zacynthus Malak. Bl. p. 39.
Tornalellina HierosoUjmarum Roth von Jerusalem ib.
Achatina Wallacei von Borneo, Darnandi von Sennaar, Senna^
riensis ebendaher , Skiplayi vom Niigherrie - Gebirge Pfeiifer Malak.
Bl. p. 168. — A. Janii De Bella 1. c. (A. acicula Jan.) von Venedig.
New com b beschrieb Boston Proc. V. 218 folgende Arten der
Gattung Achatinella von der Sandvvichinseln: A. fhysa, undulatOy ni-
IVaUngcächiclile der Molliiskcn nvöIhiikJ des Jiihros ISö"). 111
<7rv7, letrao, svccincla. — Desgleichen in den Annais Lyeeum nat. hisl.
of Ne\v_Yoik VI. p. l42 A. zeLra, liinnilis, pelricola^ fusoidea, jmsilta^
IJtcigktii und Ilemii. — Pfeiffer verölfenllielile in den Älalak. Blät-
tern 1835. p. l weitere Ueobachlnngen über die (latlunf^ Achalinella,
und stellte folgende neue Arten auf, von denen Einige neue Gruppen
darstellen: A. anweua, cerea, denlala, Candida, cinerosa, vincrosloma,
Frichi, planospira, monachn^ ricZwa. — Ihnen fügte Pfeiffer ib. p. 64.
folgende hinzu: A. mxiUicolor, aUennala, Sicaiitsoiii ^ '^owerlnjana, do-
liu:v, ForLesiana, rudis^ fusiforniis, napiis , renrro.sc/, pulvhella, gracilis,
crassideiitaldf taltda, (jlubusa, cunspersa, ohdavala.
In Örvorsig-t iif Koiigl. Velensk. AKad. Föiii. 1855, p. 79
hat Walnislcdt über die Galliino- Clausula und ihre in
Schweden vorkommenden Arten mit Anführung- einer für
Sehwedens MoHuskenrauna neue Art g-eschrieben.
Es kommen in Schweden mit Sicherheit 6 Arten vor, von de-
nen drei Cl. laniinata Mont. (bidens Drap.), nigricans Mat. Rack. (ru-
gosa Nilss.) und plicatula Drap, dem ganzen mittleren westlichen
und nördlichen Europa gemein sind. Die anderen drei Arten Cl. la-
biata iMont. , vcntricosa Drap, und plicata Drap, hält Verf. dagegen
für eingewandert aus dem europäischen Conlinenl , auf welchem sie
ihre nördliche (»renze bereits in dem mittleren Frankreich , Hessen
und Sachsen haben, und andererseits im südlichen Schweden wieder
auftreten.
Fuss beschrieb eine neue ClansiUa mndensis aus Siebenbürgen
(Verh. des siebenbürgischen Vereins 1855. No. 8). — Cl. cylindrelli-
formis Bourguignat Uevue de Zool. VII. p. 330. pl. 7. fig. 10—12 aus
dem Innern des Libanon. — Cl. Ehrenbergii von Beirut, Kephissiae
und Pikermiana aus Attica sind neue Arten von Roth Älalak. Bl.
p. 44. — Cl. Scntiaarensis Pfeiffer ib. p. iSl von Sennaar. — CL so-
lidula Pfeiffer ib. p. 182 (Cl. Crelensis Friv.) von Creta. — CL Ta-
rolinituia De Bella 1. c. p. 09. tub. I. fig. 12.
JäuricaiBacesi. Frey er beschrieb in den AVicncr Sitzungs-
berichten XV. p. 18 fünf neue sehr kleine Arten Carychium, welche
durch Krjavec, einem jungen Naturforscher, in verschiedenen Grot-
ten und Höhlen Krains gesammelt worden sind. Einige sind glatt: C.
Freyeri Schmidt, alpeslre ; andere sind schräggerippt: C. Frauen-
feldiif pulchetlum; die lünfte längsgerippt und zweizähnig: C. costa-
tum. Alle sind in verschiedenen Ansichten abgebildet.
Pfeiffer stellte ]\lalak. Bl. 1855. p. 7 drei neue Auricula-
ceen auf: Auricula Gangelica aus dem Hooghly-Rivcr bei Calcutta ,
Cassidula Bensoni von Sincapore, Melampus Sineaporensis ebendaher.
ILiiaiuaeäsctra. James Lewis machte einige Bemerkungen
über amerikanische Arien der Gattungen Physa und Limnacus. Er
112 rroschel; ßerichl über die Lcislungrn in der
ftndet eine DifTcrenz zwischen den Exemplaren von Pliysa elongal^
aus den verschiedenen Gegenden , und will die westliche Form /'.
elongatina nennen. — Ferner hält er L. catascopium, emarginata und
elodes für Localvarietäten einer und derselben Species. Proc Boston
soc. Y. p. 120.
Physa bullala aus Oregon, humerosa in Colorado Descrt- und
Pecos- River, virgala Gould aus dem Flusse Gila. Boston Proc. V.
p. 128.
Isidora lamellosa Roth Malak. 131. p. 49 aus Aegypten.
rianorbis nmmon und gracilentus Gould Colorado Desert. Proc.
Boston V. p. 129. — PL fontinalis Roth von der Insel Porös. Malak.
Bl. p. 50.
Limnaeus nlliciis Roth jMalak. Cl. p. 48 aus dem Kephissus in
Attica. — L. Tommasellii Meneghini bei Betta et Martinati 1. c. Fig. 13.
Benson lieferte eine emendirtc Beschreibung seiner bereits
1842 aufgestellten Gattung Camptoceras (vergl. den Bericht über das
Jahr 1843. p. 354) und bildete die Art C. terebra in Holzschnitt ab.
Annais nat. bist. XV. p. 9.
Not obranchiata.
Stimpson stellte in Proc. Philadelphia VII. p. 379 folgende
zwei neue Gattungen von INacktkiemern auf:
Gxjmnodoris, limaciformis, laevis; Polycerae affinis, sed ap-
pendicibus branchiarum veloque carens, diversa; branchiae etiam sim-
plices. G. maculala von Loo Choo.
11 emidor is, pallium postice adnatum, reliqua ut in Doridibus,
H. coeruleata von China.
Ausserdem charakterisirte derselbe ib. folgende Arten : Eolü
humilis von China, Volycera ? ramulosa von China, Idalia tenlaculata
von China, Doris indurata und gibberosa von China, olivacea von Loc
Choo, Rogersii von Kikaisima, areolala von Boninsima, nigra von Loc
Choo und Kikaisima, lalens von Loo Choo, Onchis frulicosa von Ki-
kaisima. — Ferner ib. p. 388: Eolis cacaotica von Australien, Trito-
nia pallida vom Cap, Triopa Iticida vomCap, Goniudoris'i obscura von
Port Jackson, Doris oblusa und excavala von Port Jackson.
Aplysia laevigala von Ousima, Notarchus cirrosus von China und
lineolalus von Loo Choo sind neue Arten von Stimpson Proc. Phi.
ladelphia VII. p. 378.
Flacobranchus guttalus ib. von Loo Choo.
Macdonald hat die Gattung Phyllirhoe anatomisch untersucht,
an Exemplaren, die er bei Lord llowe's Insel und bei Norfolk-Insel
gefangen hatte. Er ist geneigt die von Quoy und Gaimard,
Eschscholtz und d'Orbigny unterschiedenen Arten mit P. buce-
Naturgeschichte der Mollusken während des Jahres 1855. 113
phala Peron zu vereinigen. Schliesslich wird über die Verwandtschaft
mit den Gasteropodcn , Pteropoden und Heteropoden gehandelt, ohne
zu einem festen Resultate zu kommen. Proc. Royal Soc. VII. p.363.
Annais XV. p. 457.
Monopleurohranchiata.
Bourguignat stellte Revue et mag. de Zool. VII.
p. 23 das Bekannte über die Gallungen Gundlachia Ffr., Latia
Gray und Valenciennia Rousseau (fossil) zusammen, ohne
eben viel Neues beizubringen.
Clark hat die Thiere von Ancylus lacustris und fluviatilis be-
schrieben und vergleicht sie mit Limnaeus pereger. Er stellt sie zu
den Limnaeaceen. Er sucht zu zeigen, dass die Beschaffenheit der
Zungen keine wichtige systematische Bedeutung habe , was ich ihm
natürlich keinesweges zugeben kann. Annais nat. hist. XV. p. 278.
Ancylus Verruca Benson Annais nat, hist. XV. p. 12. aus Vor-
derindien. — A. elalior Anthony Annais Lyc. New- York V. p. 158.
pl. 5. fig.20. 21 von Kentucky. — i4. Cumingianus ßourgiugnat Revue
et mag. de zool. VII. p. 33 von Vandiemensland.
Pteropoda.
Sehr schälzbar sind die „Untersuchungen über Pteropo-
den und Heteropoden" von Gege n baur, deren schon oben
in Betreff der Heteropoden Erwähnung gelhan ist. Die er-
sten 100 Seiten des W^erkes sind den Pteropoden gewidmet.
Dem Conspectus systematicus am Schlüsse des Buches zufolge
hat Verf. aus der Familie der Hyaleaceen 3 Arten Creseis, 2 Cleo-
dora und 4 llyalea beobachtet. Unter letzteren ist H. complanala
als neu beschrieben; sie ist identisch mit meinem Pleuropus longi-
filis. Aus der Familie der Cymbulien drei Arten Cymbulia , unter
denen cirroplera und qnadripunctala neu, und 2 Tiedemannia. Aus der
Familie der Cliolden kamen ihm 2 Arten Clio und 3 Pneumodermon
vor. Die beiden ersteren sind neu: Cl. medüerranea (ist identisch mit
meiner Cliopsis Krohnii) und ßavescens ; unter den letzteren ist eine
Pn. ciliatum neu. — Wichtiger als das Systematische der Arbeit ist
das Anatomische und Physiologische. Hier kann nur Einiges kurz
hervorgehoben werden. Den schalenlosen Pteropoden spricht Verf.
auch den Mantel ab, weil die Haut nirgends eine Duplicatur bilde
(vielleicht nicht ganz mit Recht, weil die Thiere den ganzen Kopf
einziehen können, wobei dann eine Duplicatur rund um den Hals
deutlich wird). Eine Wimperleiste, die constant in der Mantelhöhle
Archiv f. Naturgesch. XXII. Jahrg. 2, Bd. H
114 Troschel: Bericht über die Leistungen in der Hr
zu finden ist, möchte Verf. als ein eigenthümliches Sinnesorgan deu-
ten. Speicheldrüsen kommen nur den Pneumodermen zu. Eine Le_
her ist immer vorhanden , bei Creseis acicula erscheint sie in Form
eines in den Magengrund führenden Blindsackes. Kiemen besitzt nur
Hyalea und Pneumodermon , kiemenlos sind Cleodora , Creseis, Cym-
bulia, Tiedemannia und Clio. Alle besitzen einen eigenthümlichen
Wimperapparat, der bei den beschälten in der Mantelhöhle, bei den
nackten vor der OefTnung des Excretionsorganes angebracht ist. Her-
vorragendes Interesse gewähren die Beobachtungen über die Entwik-
kelung. Die schalentragenden entwickeln sich nach dem Typus der
Gasteropoden, haben zwei grosse Wimpersegel , die nackten besitzen
bekanntlich drei Wimperkränze um den Leib, die Entwickelung wurde
von Hyalea und Cleodora (p. 29 — 39), von Tiedemannia (p. 66— 68)
und Pneumodermon (p. 90 — 100) geschildert, und verweisen wir auf
diese interessanten Abschnitte selbst.
In der Zeilschr. für wissenschaftliche Zoolog^ie VII. p. 162
ist von Vogt die Entwickelungsgeschichte eines Cephalopho-
ren geschildert und durch Abbildungen erläutert worden, den
Verf. wegen eigenlhümlicher flügelarliger Fortsätze, die sich
am Grunde des Fusses ausbilden, auf einen Pleropoden zu
beziehen geneigt isL Eine concenlrisch gestreifte , kegel-
förmige Schale, die freilich später verloren geht, schien diese
Deutung zu unterstützen. — Gegenbaur spricht sich ib.
p. 165 gegen die Pleropodennatur dieser Larven aus , und
möchte sie eher für Larven von Gasteroptcron halten. Bei
dem Zweifel über Zugehörigkeit derselben stelle ich sie jedoch
hier vorläufig zu den Pteropoden.
Bracliiopoda.
Davidson „Einige Bemerkungen über die Brachiopo-
den.« Annais nat. bist. XVI. p. 4Q9.
Verf. macht hier einige nachträgliche Bemerkungen zu seinem
Werke über die britischen fossilen Brachiopoden. Er bespricht zu-
erst die Veränderungen , welche er im Systeme vorgenommen hat,
bevor die Arbeit ins Französische und ins Deutsche übersetzt wurde
und giebt eine Tabelle der acht Familien mit ihren Gattni^en. Dann
folgt der Nachweis, dass die Entdeckung der Art, wie die Brachiopo-
den ihre Schalen öffnen und schliessen, Quenstedt gebühre, dessen
Abhandlung (unser Archiv 1835) in* England unbeachtet geblieben
war. Fernerwerden die Beobachtungen von 0. Schmidt (vergl.
unseren vor. Bericht p. 476) mitgetheilt. Endlich werden Waldheimia
Naturgeschichte der Mollusken während des Jahres 1855. 115
sepligera Loven, Terebratella Spitzbergensis Davids., Morrisia Da-
vidsoni Dcslongchanips n. sp. von Tunis und Rhynchonella Grayi Wood-
ward n. sp. von den Fcedjee-Inseln beschrieben und abgebildet.
Barrett berichtete über die Brachiopoden, welche er
mit dem Sclileppnctze an der Küste von Norwegen gefangen
hat, und bildete die vier Arten in Holzschnitt ab. Annais
nat. bist. XVI. p. 257.
liaiiieHibraiichiata«
Wo od ward bildete Annais nat. bist. XV. p. 99 die
Thiere folgender Muscheln in Holzschnitt ab: Glycimeris siliqua,
Psammobia pallida, Tridacna crocea und Cypricardia roslrata.
— Desgleichen ib. XVI. p. 22 die von Solen javanicus, Glau-
conome rugosa, Anomia ephippium, Placuna placenta, Ana-
lina subroslrata und Modiolarca trapezina.
Lacaze-Duthiers hat eine ausführliche Abhand-
lung über das ßojanus'sche Organ der Muscheln geliefert.
Annales des sc. nat. 4. Ser. IV. p. 267 mit 3 Tafeln.
Es wird die Lage zu den übrigen Organen des Thieres, die Be-
ziehung zu den Geschlechtsorganen, die sich bald in das ßojanus'sche
Organ öffnen, bald mit ihm eine gemeinsame Oeffnung haben, bald
getrennte Oeffnungen besitzen, dann die Circulalion, indem ein gros-
ser Theil des Blutes durch das Organ fliesst, endlich die innere Struk-
tur und Textur beschrieben. Ueber die physiologische Bedeutung des
Organes spricht sich Verf. nicht bestimmt aus, und er vermeidet es
ihm einen Namen beizulegen, der seine Function präjudicirt; er lässt
ihm einfach die Benennung des Bojanus'schen Organes. Seine Stu-
dien hat Verf. an Arten der Gattungen Lutraria , Corbula , Mactra,
Spondylus , Chama, Lucina, Petricola, Unio , Area, Modiola, Cardita,
Pandora , Pectunculus, Pecten , Cardium angestellt, also an einer
ziemlich beträchtlichen Anzahl verschiedener Formen. Die Deutung
dieses Organes von Keber, der es für eine Schalendrüsc (vergl. un-
ser Archiv 1852. H. p. 298) hält, ist dem Verfasser unbekannt.
Lacaze-Duthiers hat die Geschlechtsorgane de
Austern in der Pariser Akademie mit mehr Detail geschil-
dert, als es in seiner früheren Abhandlung über die Gene-
ralionsorgane der Muscheln geschehen konnte. Die Auster
ist eine zwittrige Muschel mit verschmolzenen Drüsen. Die
verschiedenen Verhältnisse der einen der Geschlechtsdrüsen
erklären das verschiedene Aussehen, welches die Schriftslei-
116 Troschel: Bericht über die Leistungen in der
1er zu entgeg-engeselzlen Meinungen geführt hal. Comples
rendus XL, p. 415; Revue et Mag. de Zool. VII. p. 141.
Van Beneden spricht sich (Comples rendus XL.
p. 547; Revue de Zool. VII. p. 142) über denselben Gegen-
stand dahin aus, dass die Auslern , da sie nur im Aller von
drei oder vier Jahren Eier hervorbringen, und die Sperma-
lozoiden sich bei ihnen so Irüh zeigen, anfangs wirklich
männlich sind , und erst viel später weiblich oder zwittrig
werden. Die Spermatozoiden, welche sich während einer
Saison entwickeln, scheinen erst in den folgenden in Func-
tion zu treten. Van Beneden slellle seine Untersuchungen
an Ostrea hippopus an.
0§<reacea. Busk erhielt von der Küste von Pembro-
keshire eine monströse Austerschale , welche zum Theil wie
eine Schale von Pholas Candida gebildet war (Annais nat.
bist. XV. p. 91). Gray erklärt diese Erscheinung (ib. p. 210)
so, dass die Auster auf der Innern Seite einer Pholas Candida,
auf welcher sich eine Membranipora oder Flustra befunden
hatte, ausgebildet halte. Nachdem Hen slow eine elwas an-
dere Erklärung (ib. p. 314) gegeben halle, stimmt er jedoch
später (p. 385) der Gray'schen Erklärung bei.
Pectinea. Acton beschrieb eine neue Art aus dem Golf von
Neapel Pecten Philippii in einer besonderen kleinen Schrift Ilicerche
conchiologiche. IVapoli. Ottobre 1855. Sie ist auch abgebildet.
I^ajades. Lacaze-Duthiers erklärte die Anodon-
ten für getrennten Geschlechts, behauptet aber, dass sie aus-
nahmsweise auch zwittrig sein können , und meint dadurch
das von Van Beneden behauptete Zwilterlhum zu erklä-
ren. Annales des sc. nat. 4. Ser. IV. p. 38l.
Anodon horda Gould Boston Proc. V. p. 229 aus dem Comanche
River in Texas.
Unio Grandensis aus dem Riogrande , Taumilapanus aus dem
San Juan-River und l'earlensis aus dem Pearl-River sind neue Arten
von Conrad Proc. Philadelphia VII. p. 256. — U. hraclealus^ pe-
trinm und manubrius Gould Boston Proc. V. p. 228 aus Texas. — U.
//we^t Bourguignat Revue de zool. VII. p. 332. pl. 8. fig. 1 — 4 aus dem
oberen Euphrat in Armenien. — U. depressa Lesson Voy. de la Co-
quille wird von Küster 1. c in l/. Lessoni umgetauft.
Ktheriacea. Von Gray findet sich eine kleine Notiz
Naturgeschichle der Mollusken während des Jahres 1855. 117
Über Acoslaea Guadasana d'Orb. ; er bestätigte, dass So-
werby die Galtung Mülleria nach einem unvollständigen
Exemplare dieser Art beschrieben habe. Annais nat. bist. XVI.
p. 290.
Ifffodiolarcacea* Gray, welcher früher die Gattungen
Crenella und Modiolarca in einer Familie Crenellidae vereinigt hatte,
hat sich überzeugt, dass beide Gattungen sehr verschieden sind, und
nennt nun die Familie Modiolarcadae. Die Mantellappen sind verei-
nigt, vier Kiemen hinten verwachsen; Fuss länglich, am Grunde ab-
gestutzt, am unteren Ende lancettförmig, vorn scharf, mit einer mitt-
leren Höhle für den Byssus. Typus ist Modiola trapezina Lam. —
In einer Note bemerkt er, dass diese Gattung von Valenciennes
Phaseolicama, und von Gould Gaimarda genannt worden ist. Annais
nat. bist. XVI. p. 228.
Mytilacea» Marcel de Serres glaubt, alle Arten der
Gattung Dreissena seien ursprünglich Seethiere. Comptes rendus XL.
p. 549; Revue de zool. VII. p. l44 und p. 574. Er stellt hier eine
neue Art D. bassamensis von Guinea auf.
Cyciadea. Leydig hat in Müller's Archiv für Anat.
1855. p. 47 über Cyclas cornea geschrieben. Er bespricht
das Histologische der Schale, das Nervensystem mit dem Ge-
hörorgan, den Verdauungsapparat, die Circulationsorgane,
bei denen er den Blullauf in den reifen Embryonen beobach-
ten, so wie Theile des Wassergefässsystemes sehen konnte,
ferner die Respirationsorgane , in welche er nie Blutkügel-
chen treten sah und daher geneigt scheint, die Natur der
Kiemen als solche zu bezweifeln , die Harnorgane und die
Fortpflanzungsorgane. Auch über die Entwickelung wird ge-
handelt.
Lewis unterscheidet in der Gattung Cyclas drei Gruppen.
Boston Proc. V. p. 122.
Cijclas noii7is Gould ib. p.229 ist eine neue Art aus Californien.
— Prime hält Cyclas elegans Adams und Cyclas rhomboidea Say
für identisch. Annais Lyc. New-\ork 1854. p. 66.
Descriplion des Pisidies (Pisidium) observees ä l'etat
vivant dans ia region aquilanique du sud-ouest de la France
par Gassi es. Actes de la Soc. Linn. de Bordeaux XX. 1855.
Es werden 14 Arten beschrieben , unter denen vier neu sein
sollen: P. inlcrmedium, pallidum, Jaudouinianum, globulosum.
tl8 Troschel: Bericht fiber die Leistungen in der
Cessac beschrieb im Bulletin de la Soc. des sc. nat. de la
Creuse II. 1855 zwei neue Pisidien : P. Baudonianum und Bonna"
fouxianum, ,^ l^^l ,
Prime stelle bereits in Annais of the Lyceum of nat. bist, of
New- York 1854. p. 64 als neu auf: Pisidium cicery conlortum, Nove-
boracense sänimtlich aus Nordamerika.
Concltae* Cylherea Loroisii Hupe Re\ue de Zool. VII,
p. 468. ■••^''' ' •'
Corbulacea. Corbula roslrato - coslellala Acton Ricerebe
conchiologiche. Napoli 1855 aus dem Golf von Neapel, ist ab-
gebildet.
Pliolaclea. Caillaud hat von Neuem seine Beob-
achtungen auf das Bobren der Pholaden geriehtel und die Re-
sultate in den Annales ct. de Nantes Aout 1855 veröffent-
licht: Procede employe par les Pholades dans leur perlbralion.
Verf. hat eine Anzahl Pholaden, von der Küste von Pouliguen,
die in Gneiss bohren, in Glasgefässen in Gneissstückc gesetzt, in de-
nen er Löcher gemacht hatte, und hat mit grosser Wachsamkeit ihre
Werke beobachtet. Er hat gesehen, wie das Thier arbeitet, wie es
mit den Rauhigkeiten der Schale den Stein abraspelt, und sich über-
zeugt, dass eine Pholas in 14 bis 15 Arbeitsstunden ihre Wohnung
um vier Millimetres vertiefte. Nach diesen genau beschriebenen Er-
fahrungen darf es wohl nicht länger bezweifelt werden, dass die Pho-
laden ausschliesslich mechanisch mit ihren Schalen bohren , indem
sie sich bald nach rechts, bald nach links umdrehen.
TimicAta.
Slimpson stellte 'folgende Tunicalen von Japan und China
in den Proc. Philadelphia VII. p. 377 auf: Ascidia tnhifera und ca}~
cala, Chizascns pcUucidus und papillosus , Molgula labeculifera,
Cynlhia salsuniensis , delicalula , occllifera, gemmata und araneosa. —
Die neue Gattung ist folgendermassen charakterisirl: Scliizascus
tunica exterior fissa ; parte posteriore compianata , cavum alterius
tamquam operculo claudente et siphones retraclos celante ; aperturae
sexangulatae.
Ferner wurden ib. p. 387 von demselben aufgestellt: Cynlhia an-
gularis vom Cap, C. laevissima, sabulosa und dmnosa\ Molgula incon-
spicuttj Ascidia sydnciensis und succida, sänimtlich von Port-Jackson.
Gegen baur hat in der Zeitschr. für wiss. Zoologie
Vi. p. 407 Bemerkungen über die Organisation der Appen-
dicularien niedergelegt.
Er hat Arten unterschieden, und als neue Arten benannt und
' »^ Naturgeschichte der Mollusken während des Jahres 1855. 119
Hbg^ebildet: A. furcata (Eurycercus pellucidus Busch), acrocerca,
eophocerca und coerulescens. Durch die Schilderung des anatomischen
Verhaltens dieser verschiedenen Arten kommt er zu dem Resultate,
dass diese Thiere nicht Ascidienlarven, sondern selbstständige Thiere
seien , die als niedrigste Formen der Tunicaten gleichsam den Lar-
venzustand der Ascidien repräsentiren. Er stützt sich, selbst wenn
man geneigt wäre, das Abwerfen des Schwanzes, das Schwinden des
Gehörbläschens und eine Drehung des Darmkanals anzunehmen , be-
sonders auf die grossen runden Athemspalten mit ihren absteigenden
Röhren, auf den Älangel von Gefässen und das an beiden Enden ge-
schlossene Herz.
Ueber den Entwickelungscyclus von Doliolum, nebst Be-
merkungen über die Larven dieser Thiere hat Gegenbaur,
welcher früher schon einige Andeutungen hierüber gemacht
halte (vergl. dies Archiv 1854. I. p. 188) in einer ausführ-
lichen Abhandlung seine Erfahrungen veröffentlicht und die-
selben durch schöne Abbildungen erläutert. Zeitschr. für
wiss. Zoologie Vif. p. 283.
Nachdem Verf. die Anatomie von Doliolum Troschelii beleuch-
tet hat, schildert er ausführlich den Keimstock. Diese Art stellt eine
ungeschlechtliche Thierform dar, und erzeugt durch Knospenbildung
an seinem Keimstocke eine zweite, aber dimorphe Generation. Rechts
und links sitzen löfFelförmige gestielte Thiere, Lateralsprösslinge, und
auf der Medianreihe sitzen tönnchenförmige Thiere , die sich aus zu
3 bis 6 zusammengruppirten Knospen entwickeln (Doliolum Ehren-
bergii Krohn). An dem Stiele dieser letzteren finden sich wiederum
Knospen , die sich als die Anfänge einer neuen Generation ergeben.
Es sind daher dreierlei geschlechtslose Generationen in einem einzi-
gen Thierstocke vereinigt. Verf. beschreibt nun noch drei andere
Formen mit Keimstock, die von D. Troschelii verschieden sind, und
die wohl anderen Species angehören. Diese alle sieht Verf. als die
erste Generation an. Sie haben alle neun Muskelreifen, von denen der
siebente und achte auf dem Bücken offen sind, ihre Kieme ist schräg
von oben nach unten ausgespannt und nur von wenigen Athemspalten
durchbrochen , ihr Keimstock entspringt von der Rückenfläche. Die
zweite Generation bat zwei Formen, nämlich die sehr durch ihre Löf-
felform abweichenden Lateralsprossen und dieMediansprossen. Letztere
haben nur acht Muskelreifen und der Keimstock entspringt vom Bauche.
Dahin Dol. Ehrenbergii und Mülleri Krohn. Endlich ist noch eine dritte
Generation bekannt, welche wahrscheinlich aus der zweiten Genoralion
durch Knospung am Keimstocke entsteht. Sie bat acht geschlossene
Muskelreifen und Geschlechtsorgane. Dahin die geschlechtlichen For-
men von D. Ehrenbergii Kr., MülIcri Kr., dcnliculalum Q. et G. llux-
120 Tr ose hei: Bericht üb. d. Leistungen etc. während d. Jahres 1855.
ley. Aus ihren Eiern entsteht die erste Generation. Was aus den
Lateralsprossen wird , ist unbekannt. — Endlich wird auf eine Ab-
weichung von der Krohn'schen Beobachtung über die Larven hinge-
wiesen, indem Verf. Larven mit Schwänzchen sah, die am Rücken
entspringen, ja selbst einmal eine Larve beobachtete, die ein Rücken-
und ein Bauchschwänzchen besass. Diese letzteren Beobachtungen
werden wohl noch weiterer Aufklärung bedürfen ; nach der Abbil-
dung hat es ganz das Ansehen , als sei der dorsale Schwanz der
Keimstock, und die zweischwänzige Larve möchte leicht eine Larve
sein, die den Schwanz noch besitzt, und zugleich schon den Keim-
stock zu entwickeln begonnen hat.
Bericht über die wissensciiaftliciieii Lei-
stuiigeii im Gebiete der Kiitoinolog^ie wälv
reiid deis Jalirei§ I§55.
Von
llr« A» Oerstaecker
in Berlin.
1. Insekten»
Das wichtigste allgemeine Resultat, welches die Mikro-
skopie der letzten Jahrzehnde erreicht hat , besteht darin
nachgewiesen zu haben, dass die primitiven Elemente aller
den beiden organischen Naturreichen angehörenden Körper
in ihrem Wesen durchaus übereinstimmen und dass die Na-
tur zur Herstellung ihrer verschiedenartigsten Formen sich
stets der einfachsten und unter sich übereinstimmendsten
Mittel bedient hat. Dass die Botanik hierin der Zoologie in
mehrfacher Beziehung vorausgeeilt ist, möchte trotzdem, dass
Schieiden (Grundzüge der wissenschaftlichen Botanik) in
öfterer Wiederholung seinen Fachgenossen das Gegentheil
vorwirft, wohl kaum zu bestreiten sein; mindestens müsste
dies für einen der wesentlichsten Theile der Physiologie, die
Kenntniss vom Befruchtungsakte zugegeben werden, der in der
Botanik bereits seit länger als dreissig Jahren bekannt ist,
während er in der Zoologie erst gegenwärtig eine feslere
Gestaltung anzunehmen beginnt. Auch in diesem Vorgange
weisen die neuerlich im Bereiche der Thiere anffestelltcn
Untersuchungen eine vollkommene Analogie zwischen beiden
Naturreichen nach ; denn gerade wie bei den Pflanzen der
Pollenschlauch sich als befruchtendes Element durch die Mi-
kropyle der Samenknospe zur Vcrmilllung eines innigen Con-
122 Gerstaecker: Bericht üb. d, Leistungen in d. Entomologie
takles mit dem weiblichen Keime hineindrängt , so findet nach
den reichhaltigen und fast zu gleicher Zeit angestellten Un-
tersuchungen von Meissner und Leuckart über das Ei
der Gliederthiere ein Eindringen der Spermatozoon in den
Dolter statt, und zwar durch eine ganz ähnliche, die beiden
Eihäute durchsetzende Oeffnung , welcher hier in gleicher
Weise der Name einer Mikropyle beigelegt wird. Die
beiden Abhandlungen, in welchen jene wichtige Entdeckung
niedergelegt ist, sind; 1) Beobachtungen über das Eindrin-
gen der Samenelemente in den Dotter, No. II. von G.Meiss-
ner (Zeitschrift für wissenschaftliche Zoologie , VI. Band,
p. 272—295. Taf. IX.) und 2) Ueber die Mikropyle und den
feineren Bau der Schalenhaut bei den Insekteneiern, zugleich
ein Beitrag zur Lehre von der Befruchtung, von R. Leu-
ckart (Archiv für Anatomie und Physiologie, Jahrgang 1855.
p. 90—264. Taf. VII— XI). — Während dem ersteren der
beiden Verfasser hauptsächlich das Verdienst gebührt, das
Vorkommen der Mikropyle an den Eiern der Gliederthiere
zuerst nachgewiesen zu haben, (sie wird von ihm an 17 In-
sekten verschiedener Ordnungen und unter den Crustaceen
an Gammarus pulex beschrieben und dargestellt) — gewährt
die Abhandlung von Leuckart durch den ausserordentlichen
Reichlhum an Untersuchungen zugleich die Ucberzeugung, dass
jener Apparat wenigstens bei den eigentlichen Insekten eine
ganz allgemeine Verbreitung hat, wenn er sich auch sowohl
der Lage als der Zahl der OefTnungen nach in sehr mannig-
facher Weise darstellt. Der Verf. hat ihn bei 180 verschiede-
nen Arten nachgewiesen und bei mehreren zugleich das Mo-
ment des Eindringens der Spermafozoen, welche sich in Form
eines Pfropfes zusammengeballt in die Mikropyle hineinsen-
ken, beobachtet. Der Nachweis dieses Vorgangs, welcher
auch von Meissner an einem Ei der Musca vomitoria ge-
sehen wurde , das sich in der Vagina gerade bei der Mün-
dung des Receplaculum seminis vorfand, ist deshalb von gros-
ser Bedeutung, weil er die Naiur der Mikropyle ausser allen
Zweifel stellt; denn bei einigen anderen Thieren war zwar
die Mikropyle selbst schon gesehen worden (Hololhurien,
Seeslerne, Würmer, Bivalven), der Akt des Eindringens der
während des Jahres 1855. 123
Samenfäden durch dieselbe dagegen noch unbekannt. Da
die Leucliarl'schc Arbeit von weit beträchtlicherem Umfange
als die Meissner'sche ist und diese mit in Betracht zieht, so
wird es genügen, sie hier vorzugsweise zu berücksichtigen und
einen kurzen Ueberblick über ihre Hauptresullale zu geben.
Während Meissner nach den von ihm untersuchten Insekten-
eiern zu der Ansicht gelangt war, dass der Mikropylen-Apparat stets
eine einfache und an dem oberen Eipole gelegene Ueffnung darstelle,
die sich je nach den Arten nur durch verschiedene Struktur ihrer
Umgebung auszeichne, hat sich Leuckart durch Untersuchung eines
grösseren Materials davon überzeugt, dass sowohl die Lage der Mi-
kropyle als auch die Anzahl solcher Oeffnungen bei verschiedenen
Insekteneiern eine sehr verschiedene sei, und zwar in der Art, dass
die Anordnung des Mikropylen-Apparates eine den natürlichen Insek-
tengruppen entsprechende ist, so dass man aus derselben sogar nö-
thigen Falls sichere Schlüsse auf die systematische Stellung zwei-
felhafter Formen machen kann. Die einzige Insektenordnung , bei
welcher Leuckart die Mikropyle durchweg als einfache, am vor-
deren Pole gelegene OefFnung gefunden hat, sind die Diptera ; in
allen übrigen kommen entweder überwiegend (Hemiptera, Neuroptera,
ColeoptcraJ oder beständig mehrere Oeffnungen vor (Lepidoptera,
Hymenoptera). Am vorderen Pole oder wenigstens nicht weit von
ihm entfernt liegen diese Oeffnungen bei den Hemipteren, Lepidopte-
ren und Coleopteren, in einigen Fällen zugleich am hinteren Pole
bei den Neuropteren , gewöhnlich in grösserer Entfernung von dem
vorderen Pole und zwar entweder nur auf der convexen Bauchfläche
oder im ganzen Umkreise des Eies bei den Orthopteren. Wo meh-
rere Oeffnungen vorhanden sind , stehen sie bald unregelmässig ne-
ben einander, bald kranzförmig, oft auch in einer gemeinschaftlichen
Centralgrube (Lepidoptera) ; die Canäle durchbohren bei regelmässi-
ger Stellung der Mikropylen die Eihäute meist in radiärem Verlaufe,
sonst mehr oder weniger senkrecht. Nur bei den Hymenopteren, wo
sich lange, aber äusserst feine Canälchen finden , verlaufen diese in
fast paralleler Richtung eine Strecke weit unter der Oberfläche des
Chorion dahin, so dass ihre inneren Oefl'nungen fast mit dem Mittel-
punkte des vorderen Poles zusammenfallen, während die äusseren in
einiger Entfernung von demselben an der Rückenfläche gelegen sind
und gewöhnlich eine ziemlich regelmässige Bogenreihe zusammen-
setzen. — Die Untersuchung der Mikropyle bei den Insekteneiern
machte zugleich ein näheres Eingehen auf die Struktur der Eihäute,
ihre Anhängsel, die Beschaffenheit der OberfläcÜc und die vcrschie-
dcnen Formen der Eier nötliig , und der Verf. hat somit durch spe-
ciellc Untersuchung aller dieser Verhältnisse bei den von ihm bcob-
124 Gerstaecker: Bericht üb. d. Leistungen in d. Entomologie
achteten Arten gleichsam eine vollständige Monographie des Insek-
teneies geliefert. Da die innere (Dotter-) Haut sich durchweg als
homogene, zarte Membran darstellt, so war es vorzüglich das Chorion,
welches durch die Mannigfaltigkeit seiner feineren Texturverhällnisse
besonderes Interesse darbot und auf dieses ist denn auch neben dem
Mikropylen-Apparat der grösste Theil der Untersuchungen des Verf.
gerichtet gewesen ; eine Reihe der interessantesten Formen , welche
sich hierbei vorfanden, sind auf den der Arbeit beigegebenen Tafeln
dargestellt.
Eine zweite für die Befruchtungs - und Fortpflanzungs-
Theorie der Insekten höchst wichtige Entdeckung ist die von
Dzierzon schon seit längerer Zeit vermuthete, und neuer-
lich durch die Untersuchungen von Leuckart und von
Siebold ausser allen Zweifel gesetzte Thatsache, dass bei
den Bienen neben einer Fortpflanzung durch befruchtete Eier
eine solche auch ohne vorhergegangene Befruchtung statt-
findet. Wenn die Möglichkeil eines solchen Vorganges bei
einem und demselben Individuum schon an und für sich die
grösste Verwunderung erregen muss, so wird dieselbe noch
durch die besondere Beziehung, in welchem die befruchte-
ten und unbefruchteten Eier der Bienenkönigin zu der dar-
aus entstehenden Nachkommenschaft stehen, vermehrt. Alle
unbefruchteten Eier liefern nämlich ausschliesslich Drohnen,
die befruchteten dagegen Königinnen und Arbeiter. Die prak-
tische Bienenzucht halte für dieses Verhallen schon seit lan-
ger Zeit die schlagendsten Beweise geliefert, indem es fest-
gestellt war, dass Königinnen mit verkümmerten Flügeln, die
also den Hochzeitsflug nicht ausüben konnten und daher für
die Befruchtung durch die Drohnen nicht befähigt waren,
Eier abgelegt hatten, aus denen sich Drohnen entwickelten ;
ein gleiches war auch an Königinnen beobachtet worden zu
einer Zeit , wo sich keine Drohnen im Stocke befanden.
Solche Königinnen erwiesen sich nun durch die anatomische
Untersuchung als unbefruchtet, d. h. ihr Reccptaculum seminis
war nicht mit Spermatozoon angefüllt. Dagegen zeigte sich
die Samentasche strotzend von Samen angefüllt bei einer Kö-
nigin, die so eben vom Hochzeitsfluge zurückkehrend erbeutet
wurde und sich durch die in der Vulva zurückgebliebene,
beim Begaltungsakte abgebrochene männliche Ruthe als bc-
während des Jahres 1855. 125
fruchtet zu erkennen gab. Eine solche durch eine Drohne
befruchtete Königin hat es nun ganz in ihrem Belieben, un-
befruchtete oder befruchtete, d.h. Drohnen- oder Arbeiter-,
resp. Königinnen -Eier abzulegen; sie wird durch die grös-
sere oder geringere Weite der Zelle, in welche sie den Hin-
terleib hineinbringt, jedesmal dazu bestimmt, ob sie das dem
Eierstocke enlschlüpfende Ei der Einwirkung der in der Sa-
nientasche befindlichen Spermatozoon aussetzt oder nicht. Hier-
mit im Einklänge steht auch die Thatsache , dass unter ge-
wissen Umständen auch Arbeiter- Bienen Eier ablegen kön-
nen, aus denen sich aber nur Drohnen entwickeln, wie dies
schon aus der Unfähigkeit der Arbeiter, begaltet zu werden,
hervorgeht. Leuckart fand bei einer Drohneneier legen-
den Arbeitsbiene auf der rechten Seite sechs und auf der
linken fünf Eierstocksröhren mit vereinzelten reifen Eiern
und wies auch eine rudimentäre Samentasche bei derselben
nach. (Ref. berichtet über diese im Jahrgange 1854 und
1855 der Bienenzeilung niedergelegten Beobachtungen nach
V. Siebold's erst im Jahre 1856 erschienener Abhandlung:
„Wahre Parthenogenesis bei Schmetterlingen und Bienen,"
indem ihm die genannte Bienenschrift , als in der hiesigen
Königl. Bibliothek nicht vorhanden, unzugänglich war.) —
Den direkten Beweis dafür, dass die Drohnen-Eier nicht be-
fruchtet, die Arbeiler-Eier dagegen befruchtet werden, musste
die Untersuchung derselben in Bezug auf das Eindringen der
Spermatozoon durch die Mikropyle liefern j v. Siebold hat
dieselbe (Parthenogenesis p. 113—120) an einer beträchlli-
chen Zahl von Eiern beider Geschlechter angestellt, und im
Innern einer grösseren Anzahl weiblicher Eier Spermatozoon
nachgewiesen , die dagegen in den männlichen durchweg
fehlten.
Nachdem Schiödte an zwei merkwürdigen ßrasiliani-
sehen Staphylinen Gattungen zuerst das Vorkommen viviparer
Coleopteren nachgewiesen hatte, theiltc Perroud in diesem
Jahre eine ähnliche Beobachtung mit, die er an zwei Chry-
somelen (Gattung Oreina) angestellt hat. Einige weibliche
Individuen von Oreina speciosa und superba wurden von ihm
lebend in ein Behällniss gesetzt, in dem sich nach Verlauf
126 Gerstaecker: Bericht üb. d. Leistungen in d. Entomologie
einiger Stunden kleine Larven fanden , die augenscheinlicli
dem stark angeschwollenen Abdomen der Käfer- Weibchen
entschlüpft waren. Die etwa mögliche Annahme, dass sie die
Eihülle gleich nach dem Ausschlüpfen aufgezehrt hätten, wurde
durch die anatomische Untersuchung einer Anzahl der weib-
lichen Chrysomelen widerlegt, von denen jede zwei bis drei
Larven ohne irgend welche Eihülle in ihrem Abdomen be-
herbergte. (Annales de la soc. Linneenne de Lyon IL p. 4Q.2 ff.
„Notice sur la viviparite ou l'ovoviviparite des Oreina spe-
ciosa et superba.")
Das Vorkommen von Spermatophoren bei den Insekten
war bisher nur durch vereinzelte Beobachtungen festgestellt
und die Einbringung derselben in die weiblichen Genitalien
gänzlich unbekannt. Von Wichtigkeit ist daher die Entdek-
kung dieses Aktes bei Gryllus campesiris und domesticus,
welche von Ch. Lespes gemacht und in einem „Memoire
sur les spermatophores des Grillons" (Annales des sciences
naturelles T. 111. p. 366 ff.) milgetheilt worden ist. Nach der
Beobachtung des Verf. zwängt das Männchen beim Coitus
eine kleine hornige Blase, die in eine dünne und von einem
feinen Canale durchbohrte Lamelle endigt, aus seiner Geni-
talöffnung hervor und applicirt dieselbe in die Vulva des
Weibchens. Ihre Anheftung geht in der Weise vor sich,
dass nur die Lamelle in den Hinlerleib des Weibchens ein-
geführt wird , während die Blase selbst ausserhalb bleibt.
Die mikroskopische Untersuchung der letzteren wies innerhalb
einen hohlen Raum nach , der mit zahlreichen Spermatozoon
angefüllt war. Diese entleeren sich nach nnd nach durch
den feinen Canal der Lamelle in die inneren weiblichen Ge-
nitalien, bis die leergewordene Blase allmählig einschrumpft
und zuletzt abfällt. Das Männchen kann in kurzen Zwischen-
räumen (z. B. schon 10 Minuten nach dem Coitus) von neuem
einen solchen Spermatophoren ablegen, auch hat der Verf.
durch leichten Druck auf das Abdomen den erneuten Aus-
tritt eines solchen bewirken können, im Momente des Her-
austretens aus der männlichen Geschlechtsöffnung ist der Sper-
matophor hell von Farbe und von weicher Beschaffenheit; in
kurzer Zeit nimmt er jedoch die später mehr hornige Con-
■r^:>. während des Jahres 1855. 127
sislenz und bei Gryllus campesiris auch eine bräunliche Farbe
an; (bei Gr. liomeslicus ist seine Farbe bleibend weiss). Die
Bildung der Spernialophoren erfolgte den Beobaclilungen des
Verf. gemäss in einer hufeisenförmig gekrümmten Blase,
welche in dem Genitalring des Männchens gelegen ist und
in deren oberes Ende das Vas deferens mündet ; ihr unleres
Ende steht dagegen mit dem Copulationsorgane selbst in Ver-
bindung. Die Spermatozoon zeigten sich fadenförmig , aber
stets unbeweglich; nur bei Berührung mit Wasser zogen sie
sich in Form einer Schleife zusammen ; die Vereinigung zu
Bündeln, wie sie bei anderen Insekten vielfach beobachtet
worden ist, wurde ebenfalls vermisst. — Einen Bericht über
diese Abhandlung und einen kurzen Auszug der hauptsäch-
lichsten Beobachtungen des Verf. hat auch Quatrefages
der Pariser Akademie der Wissenschaften vorgelegt. (Com-
ptes rendus T. XLI. p. 381.) — In einem zweiten Aufsatze
„Deuxieme note sur les spermatophores du Gryllus sylvestris"
(Annales des sciences naturelles T. IV. p. 244 ff.) bemerkt der
Verf. , dass er das oben beschriebene Befruchtungsorgan in
ähnlicher, wenn auch etwas modificirler Weise, auch bei
Gryllus sylvestris aufgefunden habe, und theilt ausserdem die
Beobachtung mit, dass die Spermatozoon im Receptaculum se-
minis erwachsener W^eibchen in veränderter Gestalt auftre-
ten und in diesem Zustande, welcher für die Befruchtung
nolhwendig erscheine, sich auch durch schnelle Bewegungen
auszeichneten. — Ref. will bemerken, dass die Beobachtung
von dem Vorkommen der Spermatophoren am weiblichen Geni-
lalapparate der Gryllen nicht neu, sondern schon von Yer-
sin (Bullet, de la soc. Vaudoise III) gemacht worden ist;
das Organ wird dort aber als „Utricule seminale" bezeich-
net und seine wahre Bedeutung nicht angegeben.
Von vielem Interesse für die Physiologie des Nerven-
systems der Insekten ist eine Abhandlung von Fahre, die
unter dem Titel: „Observations sur les moeurs des Cerceris
et sur la cause de la longue conservalion des Coleopleres,
dont ils approvisionnent leurs larves" im IV. Bande der An-
nales des sciences naturelles p. 129—150 erschienen ist. Ob-
wohl von der specicUen Naturgeschichte der Galtung Cerce-
128 Gerstaecker: Bericht üb. d. Leislungen in d. Entomologie
ris ausgehend , gewährt die Arbeit zugleich so mannigfache
und interessante Blicke in die Biologie der Insekten im All-
gemeinen, dass mir ihre nähere Erörterung hier am Orte zu
sein scheint.
Schon L. Dufour hat auf die Eigenthümlichkeit aufmerksam
gemacht, dass Cerceris bupresticida einzig und allein auf den Raub
\on Buprestiden ausgehe, um dieselben ihren Larven als Nahrung vor-
zulegen, und dass diese von ihr durch einen Stich getödteten Käfer noch
längere Zeit eine vollständige Beweglichkeit der Gliedmassen behiel-
ten und zugleich keine Spur von innerer Verwesung zeigten. Ohne
den Grund dieser sonderbaren Erscheinung weiter zu verfolgen , be-
gnügte sich Dufour mit ler Annahme, dass die von der Cerceris
dem Käfer eingeimpfte Flüssigkeit ein Antisepticum sei, und empfahl
sogar Behufs Herstellung eines analogen Mittels für den täglichen
Gebrauch die Analyse derselben. Fahre hat nun durch sehr scharf-
sinnige und sorgfältige Beobachtungen festgestellt, dass eine solche
antiseptische Eigenschaft dem Sekrete der Cerceris keineswegs eigen
sei , sondern dass die Fortdauer der vegetativen Funktionen des ge-
tödteten Körpers einzig und allein von einer eigenthümlichen Bildung
des Nervensystems bei letzterem abhänge. — Um das von Dufour
aufgegebene Räthsel zu lösen, war es vor Allem nöthig sich darüber
Kenntniss zu verschaffen, auf welche Art die Cerceris ihren Raub
tödtete. Zu diesem Zwecke beobachtete der Verf. lange Zeit hin-
durch das Treiben einer grossen Cerceris-Art, die er unter dem Na-
men C. Dufourii beschreibt (die aber nach Dufour, dem sie über-
schickt wurde, gleich C. tuberculata Villers = vespoides Rossi =
maior Spinola ist), und welche sich ausschliesslich mit dem Raube
des bekannten Cleonus ophthalmicus beschäftigte. Das Einsammeln
dieses Käfers von Seiten der Cerceris ist erstaunlich; mit grösster
Leichtigkeit trägt das Insekt einen Körper durch die Luft, der fast
doppelt so schwer als es selber ist; wurde ihm der Raub bei der
Rückkehr zum Neste vom Beobachter abgejagt, so kehrte es schon
nach 10 Minuten mit einem, neuen zurück, und dies wiederholte sich
bei demselben Individuum acht Mal hinter einander. Durch das er-
wähnte Manöver und das Zerstören eines Nestes konnte sich Fahre
mit Leichtigkeit fast 100 Cleonus verschaffen, während es ihm nach
tagelangem Suchen nur mit Mühe gelungen war, drei Exemplare des-
selben in seinen gewöhnlichen Schlupfwinkeln aufzustöbern. Der Um-
stand, dass alle der Cerceris abgejagten Cleonen schon getödtet waren,
veranlasste F., ihr bei ihrer Rückkehr aus dem Neste einen lebendigen
vorzuschieben, den sie jedoch verschmähte; als sie jedoch abermals
mit einem neuen Leichnam zurückkehrte und diesen vor die üeffnung
des Nestes legte, um ihn bei den Beinen hineinzuziehen, wurde schnell
während des Jahres 1855. 129
der lodte Cleonus mit einem lebenden vertauscht und die Wespe
inachte sich auch in der That daran , letzteren zu erobern. Indem sie
ihn mit den Beinen ergriff und ihre Mandibein in seinen Rüssel
schlug, suchte sie mit dem Hinterleib seine Bauchseite zu erreichen
und senkte den Stachel in die Einlenkungsstelle des Prothorax ; in
demselben Momente lag der Käfer regungslos da. Eine wiederholte
Beobachtung des nämlichen Vorgangs ergab stets das gleiche Resultat;
stets war es dieselbe Körperstelle, welche die Wespe zu verwunden
suchte. Es drängte hierbei sich sogleich die Frage auf, weshalb
wählt sie gerade diesen Ort, um ihr Gift einzuflössen, wäre nicht
mancher andere eben so geeignet dazu? Gewiss nicht; die Mörderin
weiss den Nagel auf den Kopf zu treffen, denn gerade an der Ein-
lenkungsstelle des Prothorax liegt bei den Curculionen sowohl wie
bei den Buprestiden (ausserdem auch bei einigen anderen Käferfor-
men) die fast zu einer gemeinsamen Anschwellung concentrirte Reihe
der Brust- und Bauchganglien, und ein richtig geführter Stich in
dieselbe muss sogleich eine Sistirung der animalen Funktionen des
Thieres herbeiführen. Dass in dieser engen Verkettung der Knoten
des Nervensystems auch der Knoten der hier schwebenden Frage zu
suchen sei, hat der Verf. durch mehrfache Versuche ausser Zweifel
gesetzt. Ein künstlicher Stich in diese Gegend, z. B. mit kaustischem
Ammoniak, bringt ganz dieselbe Wirkung und auch eben so schnell
hervor, als der von einer Cerceris herrührende: vorausgesetzt aber,
dass man zu dem Experiment ein Insekt nimmt, bei dem die bezeich-
nete Concentration der Ganglien vorhanden ist, also z. B. die eben-
genannten ausgenommen, einen Scarabaeus, Hister, Scolytus u. a. Bei
anderen, wo die Ganglien durch grössere Zwischenräume getrennt
sind, ist die Wirkung eines solchen Stiches eine sehr verschiedene ;
sie besteht z.B. bei Carabicinen, Longicornen und Melasomen nur in
heftigen Zuckungen, die bald aufhören, bis der Käfer nach einigen
Stunden wieder ganz auf dem Platze ist. Nur wenn der Stich zu
tief geführt ist oder öfter wiederholt wird, tritt Tod ein. Das Fort-
dauern der vegetativen Functionen ist bei Buprestiden, Curculionen,
Scarabaeiden u. s. w. ganz dasselbe bei der Verletzung mit kaustischem
Ammoniak, wie nach dem Stiche der Cerceris ; die Ausscheidungen
des Darmkanals setzen sich noch eine Woche lang fort, bis er eben
entleert ist; durch angebrachte Reizmittel, wie Benzoe- Tinctur und
besonders die Voltaische Säule, erlangen auch die Fühler und Beine
auf kurze Zeit ihre Bewegungen wieder, wenngleich dieselben immer
nur schwach bleiben. — Aus den von ihm selbst und von Dufour
beobachteten Fällen glaubt der Verf. schliessen zu dürfen, dass sich
die verschiedenen Cerceris-Arten ausschliesslich solcher Insekten zum
Raube bedienen, bei denen die angegebene Concentration der Ner-
venganglien Statt hat. In der That scheinen diese auch hauptsächlich
Archiv, f. Naturgescb. XXII. Jahrg. 2. Bd. |
täd Gerstaecker: Bericht üb. d. Leistungen in d. Entomologie
von ihnen verfolgt zu werden, denn von West wo od ist ein der-
artiger Fall bei Strophosomus und vonLatreille bei Lixus beobach-
tet worden; aber gerade eine der häufigsten Arten, nämlich Cerceris
ornata nährt nach Walkenaers Beobachtung ihre Larven mit Ha-
lictus- Arten und bei diesen findet sich die Ganglienkette in der ge-
wöhnlichen Weise, nämlich mit getrennten Knoten. Hier dürfte also
die Tödtungsweise in anderer Weise vor sich gehen und wäre die
Beobachtung derselben von grossem Interesse.
Der gänzliche Mangel des Nervensystems bei einem In-
sekte so wie überhaupt bei irgend einem Tliiere wäre eine
Thatsache, die allen Erfahrungen der Physiologie auf das
Entschiedenste widerspräche. Wenn daher L. Dufour in
einer „Note sur Tabsence dans le Nemoptera lusitanica d'un
Systeme nerveux appreciable" (Annales des sciences naturel-
les T. IV. p. 153 ff.) bekannt macht, dass er bei Nemoptera
lusitanica nach mehrfach wiederholten sorgfällifjen Untersu-
chungen keine Spur eines Nervensystems habe entdecken
können , so kann dies bei der anerkannten Tüchtigkeit des
gewiegten Entomotomen nur zu dem Schlüsse Anlass geben,
dass das Auffinden desselben mit besonderen Schwierigkei-
ten verl)unden ist, nicht aber, dass es überhaupt fehlt. Dass
das Nervensystem der Nemoptera äusserst subtil sei, lässt sich
schon aus dem ungemein schlanken Bau des ganzen Thieres
von vorn herein schliessen, obwohl die starke Entwickelung
der Vorderflügel andererseits wieder auf ein eben nicht sehr
minutiöses zweites Brustganglion hinweisen könnte.
Ein Aufsatz von Newman, betitelt: „Memorandum on
Ihe Wings-Rays of Insects" (Transactions of the entomologi-
cal Society 111. p. 225 ff.) enthält nichts Neues über diesen
Gegenstand, sondern bewegt sich nur in Betrachtungen über
Mngst abgeschlossene Thatsachen. Dass die Flügeladern der
Insekten weder Nerven, noch Blutgefässe, noch Tracheen
sind , bedarf heut zu Tage wohl keiner Erörterung mehr,
sondern man weiss allgemein, dass sie diese Organe in glei-
cher Weise wie jeder andere Körpertheil in sich schlies-
sen. Es ist daher auch vollkommen gleichbedeutend, ob man
die Flügeladern Costae , Nervi oder Venae nennt, da alle
diese Ausdrücke nur aus der Analogie entnommen sind und
die Form-Aehnlichkeit bezeichnen sollen.
I
während des Jahres 1855. 131
Reinhardt machte eine Mitlheilung über eine bei La-
goa Sania in Brasilien von ihm beobachtete Käferlarve, wel-
che ein starkes phosphorescirendes Licht ausstrahlt. (Vi-
denskab. Meddelelscr fra den naturhist. Forening i Kjöben-
havn 1853, auch übersetzt von Creplin in der Zeitschrift
für die gesammtcn Naturwissenschaften, 5. Bd. p. 208 fF.)
Die Larve ist l'/^ Zoll lang und hat einige Aehnlichkeit mit
Lampyriden-Larven, ohne jedoch mit ihnen übereinzustimmen; ihr
Leuchten ist besonders dadurch merkwürdig, dass das ausgestrahlte
Licht von zweierlei Farbe ist, nämlich roth am Kopfe und grünlich
an zwei Stellen der Leibesringe. Die Larve scheint schon Azara
bekannt gewesen zu sein, wenigstens beschreibt derselbe das zwei-
farbige Licht an Kopf und Rumpf ganz übereinstimmend. Das zu der
Larve gehörende ausgebildete Insekt kennt R. nicht, glaubt aber,
dass es ebenfalls leuchtende Eigenschaften besitzen werde; die Larve
ist ausführlich beschrieben worden.
Reichhaltige Untersuchungen über die histologischen Ver-
hältnisse der Gliederthiere hat F. Leydig in einer grösse-
ren Abhandlung: „Zum feineren Bau der Arthropoden" (Ar-
chiv für Anatomie und Physiologie Jahrg. 1855. p. 376 — 480,
mit Taf. XV bis XVIil) veröffentlicht. Sie verbreiten sich
über die äusseren Körperbedeckungen, über das Muskel- und
Nervensystem , die Sinnesorgane , von denen besonders das
Auge eindringlich behandelt ist und zuletzt über die ver-
schiedenen Eingeweide-Systeme. Der Verf. hat seine Unter-
suchungen behufs der Herausgabe einer vergleichenden Hi-
stologie angestellt und sich theils an dasjenige Material ge-
halten, was ihm gerade zur Hand war, theils solches ausge-
wählt, wo frühere Untersuchungen noch wesentliche Lücken
erkennen Hessen; es theilt sich daher der Inhalt der Arbeit
in Bestätigung, resp. Widerlegung früherer Forschungen und
in Bekanntmachung neuer Thatsachen.
Zu letzteren gehört u. a. der Nachweis von zahlreichen Canäl-
chen , welche die Körperbedeckung der Arthropoden wie es scheint
allgemein in senkrechter Richtung durchsetzen; sie geben sich bei
der Flächenansicht als schwarze Punkte zu erkennen und erscheinen
bei Yertikalschniltcn von zweifachem Kaliber , nämlich als weitere
und engere , letzlere an Zahl beträchtlich überwiegend. Der Verf.
hat sie bei den Crustaceen (Malacoslraca und Entomostraca) , den
Arachniden, Myriapoden und Insekten in gleicher Weise aufgefunden.
132 Gerstaecker: Bericht üb. d. Leistungen in d. Entomologie
Zuweilen erweitert sich ihr oberes Ende in eine Ampulle , wie bei
den Onisciden und bei Locusta, zuweilen auch beide Enden , wie bei
Ixodes. Das unlere Ende nimmt in seiner Länge gewöhnlich einen
fadenartigen Fortsatz der unter der Chitin- oder Kalkhaut liegenden
weichen Membran auf; das obere Ende stösst auf die an der Ober-
fläche befindlichen Haare, oder wenn solche fehlen, mündet es frei
daselbst. Die Canäle sind in der Regel mit einem Ernährungsfluidum
angefüllt, zuweilen, wie bei den Wasser-Insekten, mit Luft. Bei den
Bärenraupen finden sich in der Haut auch Absonderungsdrüsen, deren
Mündung in jene Canäle übergeht, und die somit ihr Sekret aucii den
damit communicirenden Haaren miltheilen ; von diesem Sekrete rührt
demnach der Ueiz, welchen die abbrechenden Haare auf die mensch-
liche Haut ausüben. — Alle Arthropoden - Muskeln ohne Ausnahme
haben sich dem Verf. als quergestreift dargestellt; wo diese Quer-
streifung geleugnet worden ist, wird sie bei Zusatz von Alkohol nach
einiger Zeit ebenfalls erkannt. — An dem Gehörorgane (?) der Acri-
dier findet der Verf. die eigenthümliche Struktur des Ganglions mit
seiner eigenlhümlichen strahlenförmigen Endigung in derselben Weise,
wie es v. Siebold beschrieben hat; dagegen leugnet er das Vor-
handensein eines häutigen Labyrinths, indem er das dafür gehaltene
Organ als Wand einer Tracheenblase anspricht. — Eine wiederholte,
sorgfältige Untersuchung des zusammengesetzten Arthropoden - Auges
veranlasst den Verf. zu folgender Parallele mit dem Wirbelthier-
Auge: die Hornhaut und die linsenförmigen Wölbungen nach innen
entsprechen der Hornhaut und Linse des Wirbellhier-Auges, die Kry-
slallkegelsubslanz (incl. helle Masse hinter der Hornhaut, Schale des
Krystallkegels, Krystallkegel selber) sammt dem kantigen Nervenstab
sind gleich dem Stratum bacillosum im Wirbelthier- Auge ; das Seh-
ganglion hat seinAnalogon in jenen Schichten der Retina, welche aus
Körnern, Zellen und Nervenfasern sich zusammensetzen. (??J Die
Pigmente sind gleich der Choroidea und Iris und die quergestreiften
Muskeln finden ihr Aequivalent in den muskulösen Elementen der Iris
und Choroidea. Er folgert daraus, dass das faceltirte Auge nicht einer
Anzahl einzelner dicht aneinander gerückter Augen entspricht, son-
dern ein Einzelauge vorstellt. — Besonders zu erwähnen ist eine ei-
genthümliche Augenbildung, die Leydig bei Prionus gefunden hat;
hier ist nämlich die Hornhaut sehr dick (yg"') , schwarz und undurch-
sichtig, unter ihr kein Pigment. Beim Vertikalschnitt zeigt sich, dass
ihre äussere Fläche in starken Halbkugeln hervorspringt, die sich nach
innen durch eine zweite Wölbung zu einer Linse vervollständigen,
welche allein durchsichtig ist; hinter jeder Linse ist die dicke Horn-
haut trichterförmig ausgehöhlt und zwar so, dass die Spitze des Trich-
ters gegen ihre Innenseite , welche daher vielfach durchlöchert er-
scheint, gewendet ist. Auf diese Art wird im Grunde kein zusam-
während des Jahres 1855. 133
mengeselzles , sondern eine Anzahl einfacher , zusammengehäufter
Augen hergestellt.
Die Chitin-Gebilde im Thierkreise der Arthropoden von
A. Menzel. Zürich 1855.4. 42 pag^., c. tab. 1. — Der Verf.
hat in dieser für einen weiteren Leserkreis berechneten klei-
nen Schrift in sehr entsprechender Weise unsere bisherigen
Kenntnisse über die Verbreitung des Chitin unter den niede-
ren Thieren so wie die chemische Zusammensetzung und die
mikroskopische Struktur der dasselbe enthaltenden Gebilde
zusammengestellt und durch einige von ihm selbst angestellte
Beobachtungen, welche besonders die Struktur der äusseren
Körperbedeckung betreffen, erweitert. Mit dieser im Zusam-
menhange werden auch die Haare, Schuppen und ähnliche
in engerer Beziehung zu ihr stehende Gebilde, und zuletzt
der Digestionsapparat , so weit er hier in Betracht kommt,
bei den einzelnen Classen der Gliederthiere erörtert. Zu
letzteren werden auch hier nach Leydig's Vorgang, aber
gewiss ohne Berechtigung die Rotatorien gezählt. — Auf der
beifolgenden Tafel ist eine Reihe von Abbildungen zur Er-
läuterung der mikroskopischen Struktur der Crustaceen- und
Arachniden-Haut gegeben.
Als Insekten , in denen Fadenwurmer beobachtet wor-
den sind und die in v. S i e b o 1 d's Aufzählung fehlen, erwähnte
Mahl er (Sitzungsberichte des zoologisch-botanischen Ver-
eins zu Wien p. 76) Ocypus megacephalus Nordm. und die
Raupe von Amphidasis betularia.
Interessante Monstrositäten von Insekten wurden von
Perroud (Annales de la soc. Linneenne de Lyon II. p. 325)
und vonLetzner (33. Jahresbericht der Schlesischen Gesell-
schal't für vaterländische Cullur p. 106 beschrieben.
Der von Perroud erwähnte Fall betrifft einen Rhizotrogus
aestivus , der am linken Vorderbein neben der gewöhnlichen Tibia
noch Stummel von zwei anderen solchen, und am rechten Hinterbeine
drei ausgebildete Tibien zeigte. — Lctzner besitzt eine Chrysomela,
an deren linken Fühler die sieben ersten Glieder normal, von da an
aber die übrigen alle doppelt vorhanden sind und zwei neben einan-
der verlaufende Stränge bilden.
Wright, On Fungi parasitic on Insects, with peculiar
referonce lo some lately discovercd frish spccimens (Natural
134 Gerstaecker: Bericht Ob. d. Leistungen in d. Entomologie
history rewiew VI. p. 55 ff.). Unter den angeführten Insek-
ten, auf welchen sich Pilzbildungen zeigten , ist besonders
ein Othius fulvipennis erwähnenswerth, an dem Hinterleib
und Beine dicht mit fadenartigen Pilzen bedeckt , während
Kopf, Thorax und Flügeldecken ganz frei davon waren.
Ueber die Gallen hat Frauenfeld in den Sitzungs-
berichten der Akademie der Wissenschaften zu Wien, Ma-
them. naturwiss. Classe, XV. Bd, p. 255—266 einen vortreff-
lichen Aufsatz geliefert, in welchem er einen Versuch macht,
die durch Insekten an den Pflanzen verursachten Auswüchse
nach ihren Haupttypen und Wachsthumsverhältnissen natur-
gemäss zu gruppiren. Der Verf. spricht sich zuvörderst ge-
gen das Verfahren von Kai ch b erg und Hamm ersch m i d t
aus, welche die Gallen als „Pflanzenauswüchse« mit anderen
ganz heterogenen Gebilden, welche an Pflanzen ohne Ein-
wirkung von Insekten entstehen , zusammengeworfen haben.
Die wirklichen Gallen, welche als eine durch Ihierische Ein-
wirkung entstandene und zum Schutze und zur Nahrung der
thierischen Brut bestimmte Püanzenwucherung aufgefasst wer-
den müssen, glaubt der Verf. drei Hauptgruppen zutheilen zu
müssen. Die erste derselben bilden die umhüllenden Gallen,
d. h. solche, die nie im Innern irgend eines Pflanzenlheiles
entstehen und keine nach aussen verschlossene Larvenwoh-
nung enthalten, (Blatttaschen und Zapfenrosen an den Enden
der Zweige, Blatteinrollungen , Verbildungen der Blülhen-
theile, die Schlauchzelle an der Cerr- Eiche); die Erzeuger
derselben sind Coleopteren, Dipteren (meist Tipularien), Rhyn-
choten und Acariden , dagegen kein Hymenopteron. Eine
Nebengruppe, welche sich der ersten eng anschliesst und mit
ihr darin übereinsliiimit, dass die Gallen ebenfalls nicht ganz
von einer Verbindung nach Aussen abgeschlossen sind, ent-
hält solche Bildungen, die im Innern des Gewebes der Pflan-
zentheile entstehen (an Achselknospen, Blattrippen, im Frucht-
boden von Syngenesisten u. s. w.) ; die Erzeuger sind Diplera,
und zwar neben Tipularien hauptsächlich Trypeta- Arten. —
Die zweite Hanptgruppe bilden die einschliessenden Gallen ;
sie sind dadurch charakterisirt, dass sich nie eine natürliche
Oeffnung an ihnen bildet, so dass die Bewohner genöthigt
während des Jahre» 1855. »i i ». i o ^^5
sind, sich diirchzufressen. Sie kommen an sehr verschiede-
nen Theilen der Pflanze, an Samen, ßläüern , Stengehi und
Wurzeln vor und zeigen eine grosse Manniglailigkeit in Form
und Consistenz ; ihre höchste Enlwickelung erreichen sie in
den Holzgallen. Ihre Erzeuger sind Diplera, Coleoplera und
vor allen Hymenoptera ; sie zerfallen wieder in solche mit
nicht begränzler und in solche mit rings abgeschlossener, oft
aus sehr hartem Gewebe bestehender Kammer. — Der drit-
ten Hauptgruppe fallen endlich die gegliederten Gallen an-
heim, welche im Inlande nur schwach vertreten sind; sie
sind entweder unvollkommen, d. h. sie bestehen nur in einer
Aussackung der ßlatlfläche, oder vollkommen, d. h. in sich
abgeschlossene; beide besitzen einen Deckel, der sich bei
der zweiten Art von selbst loslöst , um das Insekt herauszu-
lassen; ihre Erzeuger sind Cecidomyien. — Es wäre zu wün-
schen , dass der Verf. der sehr gehaltvollen Abhandlung,
welcher über die Gallen langjährige Studien angestellt hat,
später eine mehr ins Specielle gehende Zergliederung seines
Systems veröffentlichte, wozu ihm das grosse in seinem Be-
sitze befindliche Material die beste Gelegenheit bietet. — In
Betreff der Angabe des Verf., dass Gymnetron cylindrirostris
am Stengel von Verbascum keine äusserlich sichtbare Ver-
änderungen hervorbringe, muss Ref. bemerken, dass ihm selbst
eine entgegengesetzte Beobachtung zu Gebote steht; die
Stengel, in denen er den Käfer in grosser Anzahl fand, wa-
ren in weiter Ausdehnung, oft bis zur Wurzel hinab, mit
dicken, knotenartigen Anschwellungen behaftet.
Derselbe widmete auch auf seinen Reisen in Dalmatien
und Aegyplen den Pflanzengallen besondere Aufmerksamkeit
und theilte über die sie erzeugenden Insekten njehrfache in-
teressante Beobachtungen in den Verhandlungen des zoolo-
gisch-botanischen Vereins zu Wien, V. Bd. p. 13 und l49
mit. („Beitrag zur Insektengeschichte" und „Beobachtungen
über Insekten-Metamorphosen.")
Eine ebenfalls beachtenswerlhe Arbeit über Pflanzen-
Gallen und die sie erzeugenden Insekten lieferte Kirchner
im öten Jahrgange der Lotos p. 127, 157, Q02, 2.^6 ff. unter
dem Titel: „Die Gallen -Auswüchse des Budweiser Kreißes,
136 Gerslaecker: Bericht üb. d. Leistungen in d. Entomologie
nebst nomineller Angabe der Gallenerzeuger und deren
Schmarotzer." — Nach einer allgemeinen Betrachtung der ver-
schiedenen Gallenformen in Bezug auf ihren Gehalt, den Ort,
welchen sie an der Pflanze einnehmen und ihre innere Be-
schaffenheil, giebt der Verf. ein sehr reichhaltiges Verzeich-
niss der von ihm mit Gallen behaftet gefundenen Pflanzen in
alphabetischer Ordnung, beschreibt bei jeder Art die Beschaf-
fenheit des Auswuchses, nennt das Insekt, von welchem er
erzeugt ist und zählt auch endlich die Parasiten desselben,
wenn solche daraus erzogen worden sind, auf. Die Zahl der
vom Verf. aus Gallen erzogenen Insekten-Arten beläuft sich
auf etwa 130, von denen er auch mehrere, wie z. B. einige
Trypeta, Cynips u. a. für neu hält.
Endlich hat auch Westwood (nach einer Notiz in
den Proceedings of Ihe entomological society p. 88) im Gar-
dener's Chronicle eine Arbeit über Gallen unter dem Titel :
„An Essay on the British Ink-Galls" geliefert, über welche
Ref. nichts Näheres miltheilen kann , da jene Zeitschrift in
den hiesigen Bibliotheken nicht gehalten wird.
Curtis Iheüte (Proceedings of the entomol. soc. p 43)
„Notes on the economy of various Insects" mit; sie bezie-
hen sich auf die Zucht verschiedener Insekten aus mehreren
Pflanzenarten (Anthemis, Senecio , Inula , Carduus, Juncus,
Artemisia, Pistacia) und geben zugleich Nachricht von eini-
gen für England neuen Arten , die in Deutschland gerade
nicht zu den selteneren gehören.
Notizen über die Lebensweise einer Anzahl Kurländi-
scher Insekten aller Ordnungen gab Kawall in der Ento-
mol. Zeit. p. 227 ff.
Hisloire des metamorphoscs de divers insectes par E.
Perris (Memoires de la sociele royale des sciences de
Liege T. X. p. 233-280. PI. 5 et 5 bis.), enthält die Be-
^schreibung der ersten Stände und der Entwickelungsge-
schichle von 1 1 Coleopteren und 2 Dipteren ; eine mit gros-
ser Sorgfalt ausgeführte und manches Interessante enthal-
tende Arbeit.
Auch Heeger hat in den Sitzungsberichten der Akad.
der Wissenschaften zu Wien XVIlf. Bd. seine Beiträge zur
während des Jahres 1855. 137
Naturgeschichte der Insekten Oeslerreichs abermals mit einer
neuen Reihe von Arten fortgesetzt.
Goureau zählte (Bulletin de la soc. entomol. p. 35)
die von ihm aus Hyponomeuta padella, malinella und evony-
mella erzogenen Schmarotzer auf.
Es sind: Pimpla scanica Grav., Ichneumon brunnicornis Grav.,
Campoplex sordidus Grav., Anomalen tenuicorne Grav., Mesochrous
splendidulus Grav., 1 Encyrtus und 1 Eulophus. In den Nestern die-
ser Schaben lebt ferner eine Tachinenlarve, welche den Raupen und
Puppen nachstellt; endlich werden letztere auch von Filarien heim-
gesucht.
Derselbe zählte (ebenda p. 37) die Parasiten auf, wel-
che von Signoret aus verschiedenen Blattläusen (Gatlun-
gen Aphis, Coccus , Chermes, Aspidiotus) erzogen worden
sind. Die meisten sind Braconiden, besonders Aphidius und
Elassus, andere Chalcidier, wie Encyrtus, Chiloneurus, Co-
runa etc.
,,Die in und an dem Körper des lebenden Menschen
vorkommenden Parasiten^^ ist der Titel eines von F. Küchen-
meister herausgegebenen Lehrbuches (Leipzig 1855), in
welchem auch die menschlichen Parasiten aus der Ordnung
der Insekten und Arachniden ausführlich behandelt und die
bisherigen Kenntnisse über dieselben sowohl in zoologischer
als pathologischer Beziehung vollständig zusammengetra-
gen sind.
Nördlinger, die kleinen Feinde der Landwirthschaft,
Stuttgart, Colta 1855, ein Werk, welches nach dem Titel
speciell auch auf die der Landwirthschaft schädlichen Insek-
ten näher eingeht, hat dem Ref. zur näheren Einsicht nicht
vorgelegen.
Aus demselben Grunde kann nur dem Titel nach ange-
führt werden : E. E m m on s , Agriculture of New-York, com-
prising an account of the Classification, coniposilion and di-
slribution of the Soils and Rocks and of Ihe rlimate and
agricultural jiroductions of the State, togelher wilh descrip-
tions of the more common and injurious Insecis. Vol. V. The
Insects of New -York. Albany 1854. ~ Das Werk ist in
Silliman's American Journal XIX. p. '247 angeführt, wo es
von Le Conte in Bezug auf die darin enthaltenen Coleo-
t38 Gerslaecker; Bericht üb. d. Leislangen in d. Entomologie
pteren näher besprochen wird. Aus dem hier Gesagten geht
hervor, dass die Arbeit eine ohne gehörige Sachkennlniss
angefertigte Compilation ist, der ein vvissenschafilicher Werlh
nicht beigelegt werden kann.
Von ßremi wurden in der „Gartenflora Deutschlands
und der Schweiz« (auch abgedruckt in der Entomol. Zei-
tung p. 313 ff.) einige entomologische Abhandlungen mit be-
sonderem Bezüge auf Gartenkunst verfasst. Sie betreffen ei-
nige allgemein als schädlich bekannte Insekten, geben Mitlel
zur Vertilgung der ßlatlläuse an die Hand, behandeln die
Verbreitung der Insekten durch Einführung neuer Pflanzen
und das Angreifen ausländischer Gewächse durch inländische
Insekten.
Kawall stellte (Kurländische landwirthschaftliche Mit-
theilungen XVI. Jahrg. 1855. No. lOu. 11) ein Verzeichniss
der dem Getreide schädlichen Insekten mit besonderer Be-
rücksichtigung der in Kurland als schädlich nachgewiesenen
Arten zusammen. Ueberhaupt sind dem Verf. als schädlich
bekannt geworden : 20 Arten für Roggen, 22 für Waizen,
10 für Gerste und 5 für Hafer. Von diesen kommen aber
einerseits einige zugleich auf mehreren Getreide -Arten vor,
andererseits sind viele so selten, dass sie für Kurland kaum
als schädlich betrachtet werden können.
Eine Schrift über den Ursprung der Traubenkrankheit,
die von L. Monier unter dem Titel: „Description du Pedi-
culus vinealis, cause de Poidium et traitement de cette ma-
ladie, Paris 8.« erschienen ist, wird von Guerin (Revue et
Magasin de Zoologie VII. p. 594) besprochen. Hiernach hält
der Verf. kleine durchsichtige Körperchen, die sich an den
erkrankten Weinstöcken in Menge auf den Blättern vorfinden
und sich bei mikroskopischer Untersuchung als krankhafte
vegetabilische Exsudate herausstellen , irriger Weise für die
Eier eines Insekts , das zugleich massenhaft auf den Wein-
stöcken lebt; dieses wird als Pediculus vinealis beschrieben.
Guerin hat darin junge Poduren-Larven erkannt, die ohne
Frage nur durch jenes Exsudat angelockt werden.
Das Bestreben, zunächst den Umfang der vaterländi-
schen Insektenfaunen festzustellen, oder wo dies bereits ge-
wahrend des Jahres 1855, 139
schehen war, durch periodische Nachträge dieselben zu er-
gänzen, hat verschiedene nützliche Unternehmungen hervor-
gerufen. Der zoologisch-botanische Verein zu Wien hat als
Beilage zum 5. Bande seiner Verhandlungen einen ,,Bericht
über die Oesterreichische Literatur der Zoologie , Botanik
und Paläontologie aus den Jahren 1850—53« (Wien 1855.8,
376 S.) herausgegeben, in welchem der Bereich der Glieder-
thiere von p. 20—56 berücksichtigt wird. Nicht nur alle im
Oesterreichischen Kaiserstaate während der genannten Jahre
erschienenen Arbeiten werden hier angeführt und mehr oder
weniger ausführlich analysirt, sondern es sind auch aus aus-
wärtig erschienenen Werken und Aufsätzen, die auf die Oe-
sterreichische Fauna bezüglichen Notizen ausgezogen und in
systematischer Reihenfolge zusammengestellt. Eine jährliche
Fortsetzung dieser sehr zweckmässigen Berichte wird von
der Redaktion derselben in Aussicht gestellt. — In England
hat H. T. Stainton mit dem ersten Theile seines „The En-
tomologist's Annual for 1855, comprising notices of the new
British Insects detcctet in 1854,'* London 1855. 8. ein glei-
ches Unternehmen angebahnt; es sind hier bisher nur die
Ordnungen der Lepidoplera , Hymenoptera und Coleoptera
berücksichtigt worden, wahrscheinlich weil sich für die übri-
gen noch kein geeigneter Bearbeiter gefunden hat und das
den Engländern eigenthümliche partikularistische Interesse dem
Einzelnen das Ueberschreiten bestimmter Grenzen verbietet.
Die Lepidoplera sind vom Herausgeber selbst, die Hymenoptera
von F. Smith und die Coleoptera von W. Janson in Angriff ge-
nommen worden. Der erstere giebt eine Aufzählung der seit 1835,
und sodann der im Jahre 1854 in England aufgefundenen neuen Ar-
ten, ausserdem noch Bemerkungen über Britische Tineiden; Smith
verzeichnete die seit Kirby's Monographie entdeckten Englischen
Apiarien und die nach S huckard's Essay aufgefundenen Hymenoptera
fossoria ; Janson endlich stellte die seit S tep h en s's Systematic Ca-
talogue als Englisch festgestellten Coleopteren zusammen.
Die günstigsten Resultate in Betreff der Feststellung ih-
rer Fauna hat bis jetzt vielleicht die Provinz Preussen er-
zielt, freilich durch die gemeinschaftlichen Bestrebungen der
ausgezeichnptslen Forscher, wie v. Siebold, Zaddach,
Hagen, v. Frantzius u. A. darin unterstützt. Ein „Sie-
140 Gersta ecker: Bericht üb. d. Leistungen in d. Entomologie
benter Bericht des Vereins für die Fauna der Provinz Preus-
sen, März 1855'' g'iebl uns über die in den letzten drei Jah-
ren gemachten neuen Entdeckungen im Gebiete der ganzen
Zoologie ausführliche Millheilungen und geht u. a. auch spe-
ciell auf die einzelnen Classen und Ordnungen der Glieder-
thiere ein. Hervorzuheben ist hier zuvörderst ein Verzeich-
niss der dort von Eid itt aufgefundenen Thysanuren, welche,
von Lucas in Paris einer genauen Bestimmung unterworfen,
sich auf 40 Arten belaufen. Von schon früher kataloaisirten
Ordnungen sind die Neuropteren mit 5 Hemerobiden und 26
Phryganiden vermehrt, die Zahl der Coleopteren von 2145 auf
2327, die der Dipteren durch 39 neu hinzugefügte auf 452
gebracht worden; die Lepidopteren wurden mit 33 Macro-
und 119 Microlepidopteren bereichert.
Haliday gab (Natural history rewiew VL p. 59fF.) eine
Aufzählung und Beschreibung bemerkenswerther Insekten,
die neuerlich in der Grafschaft Kerry in Irland aufgefunden
worden sind. Es finden sich darunter mehrere neue Arten,
welche auf einer beifolgenden Tafel abgebildet sind, („De-
scriptions of Insects figured and references to plates illustra-
ting Ihe notes on Kerry Insects** by A. Haliday.)
Hogan, Notes on various Insects captured or obser-
ved in the neighbourhood of Dingte, Co. Kerry, in July 1854
(ebenda p. 50 ff.). Eine Aufzählung der interessantesten In-
sekten der genannten Lokalität, nach den verschiedenen Hö-
hen (Meeresküste, submontane und montane Region) zusam-
mengestellt.
Eine von Christoph in der Entomol. Zeit, gegebene
Notiz über einige im hohen Norden (Baring-Insel und Banks-
Land) beobachtete Insekten verliert dadurch an Interesse,
dass keine genaue Bestimmung der Arten staltgefunden hat;
übrigens ist es allein die Ordnung der Lepidoptera , welclie
die Aufmerksamkeit auf sich gezogen hat.
Fuss setzte seine Beiträge zur Insektenfauna Sieben-
bürgen's durch Aufzählung neuerlich aufgefundener Arten
aus den Ordnungen der Rhynchofen , Orthopteren , Neuropte-
ren, Hymenopleren und Coleopteren fort; wie früher sind
bei den einzelnen Arten Notizen über Vorkommen, Lebens-
während des Jahres 1855.. ^'jdßiti ^^^
weise u. s, w. gegeben. (Vt iliandliingen und Millheilungen
des Siebenbürger Vereins zu Hermannstadt VI. Jalirg. p. 20ff.)
lieber die Inseklenf'auna von Malacc a nnd Borneo machte
W a 1 1 a c e einige allgemeine Älillheilungen im Zoologist
p. 4636 und 4803 ff, Sie betreffen hanplsächlich die Ordnun-
gen der Coleopt'^ren und Lepidopteren und unter diesen
auclj nur die auffallenderen Formen , welche die Aufmerk-
samkeit der Reisenden zuerst auf sich ziehen.
Coquebert setzte seine „Observations entomologiques
sur divers insecfes recueillis ä Madagascar" in den Annales
de la soc. entomol. III. p. 167 ff. mit zwei neuen Abhandlun-
gen „Sur les moeurs des Orycles de Madagascar et sur deux
espcces de.Scolia, qui vivent au depens des larves de ces
Oryctes" und „Bombyx de Madagascar, qui fournissent de la
soie" fort.
Auf Madagascar finden sich mehrere grosse Oryctes-Arten (vom
Verf. in den Annales de la soc. entomol. 1852 beschrieben) , deren
Larven grosse Verwüslun^en in den Kokos-Wäldern anrichten; man
findet hier oft Stämme mit armdicken Löchern und mit Hunderten
solcher Larven. (Der Verf. hebt dies besonders im Gegensatze zu
unseren einheimischen Oryctes-Arten hervor, welche nie als Wald-
verderber auftreten ; jedenfalls aber nur aus dem Grunde, weil sie in
der Gerber -Lohe, in Älislbeeten u. s. w. einen willkommeneren Zu-
fluchtsort gefunden haben, als ihn die Bäume, die sie ursprünglich
jedenfalls auch bewohnt haben, gewähren können.) Die Oryctes-
Larven in 3Iadagascar finden an zwei Scolia - Arten mächtige Feinde,
welche sich auf gleiche Weise von ihnen ernähren, wie dies schon
von Passerini bei der Europäischen Scolia hortorum nachgewiesen
worden ist. Die beiden Scolien so wie die Larve des üryctes Simiar
werden von Co quere! beschrieben und abgebildet.
In der zweiten Abhandlung beschreibt Coquerel drei Bom-
byces, deren Raupen j^esellschaftlich auf Leguminosen (Sutria Mada-
gascariensis , Miuiosa Lebbek u. a.) leben und zu ihrer Verpuppung
grosse gemeinschaftliche, taschenförmige Gespinnste anfertigen , in
denen wie gewöhnlich die einzelnen Cocons sitzen. Aus letzteren
verfertigen die Jiladagascaresen Stoffe , die sich ebenso durch Glanz
als durch Dauerhaftigkeit auszeichnen sollen.
Derselbe beschrieb in Guerin's Revue et Magasin de
Zoologie VII. p. 365 und 422 ff. drei merkwürdige Insekten-
lonnen , welche im Innern der Feigen von Ficus terragena
auf der Insel Bourbon leben. Ihre Form ist nach der auf
14!J Gerstaeckers Bericht üb. d. Leistungen in d. Entomologie
Taf. 10 gegebenen Abbildung so paradox, dass ihre systema-
tische Stellung vor der Hand noch zweifelhaft gelassen wer-
den muss. Es sind kleine Thiere von 2 bis 3 mill. Länge,
flügel- und augenlos, nur mit Mandibeln (?) und mit kurzen
Fühlern versehen , die nur aus drei bis vier Gliedern be-
stehen.
Zwei derselben, welche Coquerel unter dem Kamen Apo-
crypta paradoxa und perplexa beschreibt, führen am Ende des nach
hinten sich kegelförmig erweiternden Hinterleibs zwei Idemenähnliche
Anhänge, in welche die beiden grossen Tracheenstämme der Leibes-
höhle zu endigen scheinen. Bei der dritten Art, die Sypocrypta coeca
genannt wird, ist der Hinterleib an der Basis kugelig und endigt in
einen langen, dünnen Schwanz. Eine Verwandtschaft der letzteren
mit der Gattung Scleroderma Westw. , welche der Verf. zu finden
glaubt, existirt nicht im Entferntesten, wie dies nicht nur aus der
ganzen Körperbildung, sondern auch aus der Form der Fühler und
»der Mundtheile leicht zu ersehen ist. In Betreff der als Apocrypta be-
schriebenen Form kann es wohl kaum einem Zweifel unterliegen,
dass man es hier mit Larvenzuständen zu thun hat, obwohl Coque-
r el angiebt, dass er während mehrerer Monate keine Veränderung an
den Thieren wahrgenommen habe.
Einzelne Beiträge zur Kennlniss der Insektenfauna des
äquatorialen Süd-Amerika sind in der Esplorazione delle re-
gione equatoriali lungo il Napo ed il fiume delle Amazzoni,
da Gaetano Osculali , Milano 1854 enthalten. Dieselben be-
stehen I) in einer Aufzählung von Lepidopteren , die bei
Quito beobachtet wurden (p. 135); 2) in einem von Spi-
nola angefertigten Verzeichnisse von Coleopteren und Hyme-
nopteren aus derselben Gegend (p. 202 — 204} ; unter den-
selben sind 25 Arten als neu bezeichnet, jedoch mit Aus-
nahme einer neuen Malacodermen-Gattung nicht beschrieben;
3) in einem Verzeichnisse von Dipteren, welche Rondani als
neu erkannt und in den Nuovi Annali delle Scienze Naturali
di Bologna 1850 beschrieben hat (p. 240). Auf letztere ist
hier besonders aufmerksam zu machen , da die betreffende
Arbeit in (iem Berichte über die Entomol. Leistungen des
Jahres 1850 nicht erwähnt worden ist. Eine daselbst von
Rondani aufgestellte neue Tachinarien- Gattung Blepharo-
poda ist hier ebenfalls beschrieben. — Die von Osculati
gesammelten Coleopteren liegen ausserdem noch in speciel-
W'ihrend dos Jahres 1855. 143
1er Bearbeitung von Guer in i\Ic ne vil le im 5. Bande des
zoolog.-botan. Vereins zu Wien vor und sind an ihrem Orle
näher berücksichligt worden.
Ohne jede wissenschaftliche Bedeutung sind die Mit-
theilungen, welche H. G. Dal ton in seiner History of Bri-
tish Guiana, London 1855. Vol. II. p. 265 ff. über die Fauna
und insbesondere auch über die Gliederlhiere dieses Landes
giebt. Ref. glaubt des Werkes überhaupt nur aus dem Grunde
hier erwähnen zu müssen, um den Leser, der darin etwas
vermulhen sollte , vom Nachsuchen abzuhalten. Abgesehen
davon, dass nur auf die allerbekannlesten und auffälligsten For-
men Rücksicht genommen ist, über welche nicht einmal etwas
Nennenswerthes milgelheilt wird, trägt die ganze Abhandlung
so sehr den Stempel der Unkenntniss und Flüchtigkeit, dass
der Verf. gewiss besser gethan hätte, über den ganzen Ge-
genstand zu schweigen. So z. B. theilt er gewisse Lamelli-
cornen, wie Celonia , Melolonlha u. s. w. hoffentlich nur aus
Versehen den Heleromeren zu , spricht von Mantis religiosa,
Xylocopa violacea , Gryllus campestris als in British Guiana
Läufig vorkommenden Arten u. s. w. ; nicht einmal die Na-
men der bekanntesten Insekten sind richtig wiedergegeben,
und sehr komische Irrthümer, wie z. B. Julius Maximus (statt
Julus) finden sich fast auf jeder Seite.
A manual of natural history for the use of travellers,
being a description of the families of the animal and vege-
table kingdom, by Arthur Adams. London 1854. Diese
Schrift ist dem Ref. nur aus einer Anzeige in den Procee-
dings of the entomol. soc. p. Ö2 bekannt geworden ; nach
Newman's Bericht über dieselbe sind 150 Seiten darin der
Entomologie gewidmet.
Etudes entomologiques, redigees par V. de Mot-
schulsky, IV. Annee , Helsingfors 1855. — Sie enthalten
II. a. Nachrichten über die coleopterologischen Sammlungen
von Linne und Fabricius, die ohne Belang sind und
deren Art der Ablassung wenig Vertrauen auf Zuverlässig-
keil erweckt; sie verbreiten sich übrigens nur über eine
Anzahl von Carabicinen. 2) Synonymische Mittheilungen
über einige Mannerheim'sche und Motschulsky'sche Arten
144 Gerstaecker: Bericht üb. d. Leistungen in d. Entomologie
(für Liebhaber!). 3) Eine Tafel mit Abbildungen verschiede-
ner Coleopteren , meist Scydmaeniden und Pselaphiden, die
aucli Namen erhalten haben aber sonst nicht beschrieben
sind. — Man kann hier nur fragen : Wozu soll das Alles ?
üeber die Entomologische Nomenklatur und ihre Will-
kührlichkeiten hat sich Stein (Entomol. Zeit. p. 282) aus-
gelassen und einige Vorschläge zur Verbesserung besonders
der Gatlungs- und Familien-Namen gemacht; z.B. wird für
die auf ow{.ia, dsQ/mx, ro^a u. s. vv. endigenden Gattungen ein
consequenter Gebrauch des sächlichen Geschlechts mit Recht
empfohlen. Für die Familien beansprucht er durchweg die
Griechische EndigiingidesCColeoptera) oder idae(Dipteraelc.),
was aus dem Grunde nicht angeht , als man lateinischen
Wörtern nicht griechische Endigungen anhängen kann. Da
unsere Nomenklatur lateinisch ist und schon im AUerthume
Griechische Worte latinisirt worden sind , aber nicht umge-
kehrt, so könnten die Familien-Namen, falls sie gleichmäs-
sig gebildet werden sollen, nur eine lateinische Endung (also
inae , accae) erhalten. Uebrigens würden die lateinischen
und griechischen Endigungen sehr gut neben einander be-
stehen können, wie sie ja auch in der Botanik allgemein an-
genomuien worden sind.
Für die Geschichte der Entomologie ist das bereits von
anderen Seilen als vorzüglich anerkannte Werk von J. B.
Meyer „Aristoteles Tliierkunde, ein Beitrag zur Geschichte
der Zoologie, Physiologie und alten Philosophie" (Berlin 1855)
von hohem Irileresse. In Betreff der Gliederfhiere, welche
hier mit besonderer Vorliebe und Ausführlichkeit behandelt
sind, ntatht der Verf. die gewiss sehr begründete Ansicht
gellend, dass ein Syslematisiren derselben in» Sinne der Neu-
zeit dem Aristoteles durchaus fern gelegen habe , und dass
besonders eine beabsichtigte Feststellung von Insekten -Ord-
nungen oder Familien mit Zugrundelegung der Flügel oder
gar der Mundtheile, wie sie ihm von Oken u. a. gleichsam
untergeschoben worden sei, aus seinen Schrillen nirgends her-
vorgehe. Es würde dies dem Wesen der Aristotelischen
Werke auch gar nicht entsprechen , da sich dieselben nur
mit einer allgemeinen Physik derThiere, aber nicht mit einer
während des Jalires 1855. 145
Kenntnissnahme specieller Formen beschäftigen und die letz-
tere der Systematik vorzüglich als Basis dienen niuss. In
gleicher Weise tritt der Verf. auch sehr richtig der voreili-
gen oder unbegründeten Deutung der einzelnen Aristoteli-
schen Arten entgegen , über die mit wenigen Ausnahmen
nicht viel Sicheres festgestellt werden kann und die zum gros-
sen Theile gewiss nur als Collektivnamen anzusehen sind,
wie dies schon aus ihrer geringen Zahl (kaum 80 im ganzen
Jnsektenreiche) deutlich hervorgeht. Bei der durchaus all-
gemein philosophischen Richtung, die Aristoteles' Schriften
charakterisirt, konnten nur solche Formen seine Aufmerksam-
keit auf sich ziehen, welche durch ihre Beziehung zu der
übrigen Natur, durch ihre Nützlichkeit, Schädlichkeit, ihr
Zusammenwirken u. s. w. ein näheres Interesse beanspruch-
ten, und wie vortrelfliche Beobachtungen über solche bei ihm
zu finden sind, lässt sich aus den zahlreichen, im vorliegen-
den Werke mit grosser Umsicht excerpirten Stellen leicht er-
sehen.
Coleoptera.
Catalogue of Coleopterous Insecfs in the collection of
the British Museum. Part VIII. Longicornia 11. London 1855.
by A. White (p. 175—412. Tab. V— X.) — Der vorliegende
Theil ist in gleicher Weise wie der erste (vor zwei Jahren
erschienene) abgefasst, indem er nicht nur die im British Mu-
seum vorhandenen Longicornen verzeichnet enthält und un-
ter diesen für die als neu erkannten Beschreibungen liefert,
sondern auch bei jeder Galtung die überhaupt bisher be-
schriebenen Arten mit Angabe der sie enthaltenden Werke
anführt. Er erstreckt sich über die zweite Hälfte der Ceram-
byces genuini und den Anfang der Lamien. Die ganze An-
lage der Arbeit ist nicht von der Art, dass man daran bei
der Beurtheüung einen strengeren wissenschaftlichen Maass-
siab legen könnte; einerseits folgen die allerdings sehr zahl-
reichen und keineswegs leicht aneinanderzureihenden Gal-
tungen der eigentlichen Cerambycinen in sehr bunter Reihen-
folge und ohne irgend welche Berücksichligung ihrer nähe-
ren Verwandtschaft auf einander und zweitens ist eine Fesl-
Arcbiv f. Naturgesch. XXII. Jahrg. 2. Bd. J{
146 Gerstaecker : Bericht üb. d. Leistungen in d. Entomologie
Stellung der bisjetzt sehr leicht angedeuteten und meist auf
vereinzelte Arten begründeten Serville'schen Gattungen nicht
vom Verf. vorgenommen worden. Die natürliche Folge da-
von ist, dass einmal oft neue Arten solchen Gattungen un-
tergeordnet worden sind, denen sie nicht angehören, und
zweitens neue Gattungen geschaffen worden, deren Charak-
tere gegen die schon bestehenden nicht deutlich hervortre-
ten, in sofern letztere nämlich oft kein abgeschlossenes Ganze
bilden. Hiervon abgesehen, so hat der Verf. aber auch nicht
einmal den Umfang der Gruppe richtig aufgefasst, denn er
lässt eine Reihe von Gattungen , die ihr angehören, die aber
freilich von Serville u. a. irrthümlicher Weise z. B. unter
den Lepturen untergebracht worden sind , wie Distenia , Co-
metes , fernerauch Stephanops, Slenoderus, Tessarromma
Newm. (Meropachys Hope) u. s. w. ganz fort. Auch in der
Aufzählung der bis jetzt beschriebenen Arten hat der Verf.
keine Vollsländigkeit erzielt , obwohl hier der Auslassungen
gerade nicht übermässig viele zu bemerken sind. Die im
Catalog von Dejean und in der Sammlung von Chevro-
lat befindlichen Arten scheint er für hinreichend bekannt zu
hallen, indem er sie nur dem Namen nach anführt und nicht
weiter beschreibt. Was die Beschreibungen der neuen Arten
betrifft , so sind sie meist recht treffend und zur [jeslimmung
wohl geeignet; nur muss man, wie gesagt, eine Art nicht
immer unter der Gattung suchen, welcher sie in Wirklich-
keit angehört. Nicht selten Hessen sich die als neu beschrie-
benen Arten des Verf. auf schon bekannte zurückführen.
Die für die bekannten Arten zusammengestellte Synonymie
ist nicht ohne Fleiss, zuweilen aber doch nicht mit der ge-
hörigen Critik behandelt. — Jede der sechs beifolgenden Ta-
feln enthält neun bis zehn Species recht kenntlich abgebildet
und zwar sind hierzu besonders die Repräsentanten neuer
Gallungen oder sonst ausoezeichnete Arten gewählt worden.
Von Gattungen, welche bei White sehr verschiedenartige Ele-
mente in sich vereinigen, sind u. a. zu nennen : Rhopalophora (Ce-
ramb. speciosus und axillaris Klug sind davon auszuscheiden) , Cos-
misüma (muss auf diejenigen Arten beschränkt bleiben, wo das fünfte
Fühlerglied stark gekrümmt und mit einem Haarbüschel versehen, die
vorhergehenden Glieder an der Aussenseile nahe den Gelenken eben»
loüioJ.«-! während des Jalires 1855. 'ioSBlsidO 147
falls dicht behaart sind ; Disaulax Serv. ist damit zu vereinigen), Or-
thostoma (die Arten mit Haarbüscheln am sechsten Fühlergliede bil-
den eine eigene Gattung Cosmocerus Serv.), Eriphus (auf die Arten
mit kurzen und dicken Fühlern zu beschränken) , Eburodacrys (ent-
hält unter mehreren wirklichen Eburien auch einen Coccoderus), Äla-
lacopterus (enthält einen Eurymerus), Callidiopis (Callidium signiferum
Newm. ist darin fremd) u. s. \v. — Von Arten früherer Autoren werden
z. B. vermisst : Cerambyx albicornis Fab. unter Orlhostoma, Stenoco-
rus spinicornis Fab. Oliv, unter Elaphidion , Ceramb. varicornis Klug
unter Odontocera , Hesthesis ornata Saund. unter dieser Gattung, etc.
— Unter den als neu beschriebenen Arten fallen mit bereits bekannten
zusammen : Acyphoderes sericinus W hite = A. aurulentus Kirby var.,
Odontocera chrysozone White = INecydalis fasciata Oliv. , Eriphus
plagiatus White = sellatus Buq. , Cosmisoma subvirescens White =
C. aeneicoUe Er. , Malacopterus flavosignatus White = Eurymerus
eburioides Serv. , Eburodacrys megaspilota White = Eburia virgo
]Ve\vm. etc. — Mit Unrecht als synonym zusammengezogen sind: Rhi-
notragus marginatus Perty und dorsiger Germ. , Cosmius ochraceus
Perty und Cosmisoma scopulicorne Kirby, Trichopliorus lippus Germ,
und flavosignatus Uej. u. a. — Wenn eine grosse Anzahl dem Verf.
unbekannter Arten bei unrichtigen Gattungen untergebracht ist , so
mag dies eben, wo die blosse Beschreibung wenig Anhalt bot, leicht
zu entschuldigen sein ; wo aber treffende Abbildungen vorhanden wa-
ren, wie z. B. bei den Brasilianischen Molorchus - und Stenopterus-
Arten von Klug, hätte eine etwas eindringlichere Kritik leicht das
Richtige an die Hand gegeben.
Die „Insecla Saundersiana , or Characlers of undescri-
bed Insects in the collecüon of W. Saunders," von denen
in den letzten Jahren vier Hefte, welche die Beschreibung
neuer Dipteren enthielten , erschienen waren, sind jetzt mit
einem neuen Hefte fortgesetzt worden, in welchem H. Jekel
eine Reihe neuer Arten aus den Familien der Bruchiden und
Anlhribiden beschrieben hat. C^nsecla Saundersiana, Coleo^
plera. Curculionides Part. I. By Henri Jekel. London, J. van
Voorst 1855.) Das Hett ist, wie die früheren, mit zwei von
Westwood lilhographirten Tafeln ausgestattet, welche die
interessantesten der beschriebenen Arten abgebildet enthalten ;
der Inhalt desselben wird bei den betreffenden Familien näher
berücksichtigt werden.
Von Bur ine is ter's „Handbuch der Entomologie" ist
nach achtjähriger Unterbrechung die zweite Abtheilung des
148 Gerstaecker: Bericht üb. d. Leistungen in d. Entomologie
vierten Bandes (Berlin 1855) erschienen, welche die Bear-
beitung* der Phyllophaga chaenochela enthält. Aus der Vor-
rede ersehen wir mit Bedauern, dass der geschätzte Verf.
eine Fortsetzung seines Werkes als unwahrscheinlich hin-
stellt, um so mehr, als mit der Bearbeitung der letzten noch
übrigbleibenden Lamellicornen-Gruppe eine der umfangreich-
sten und beliebtesten Familien der Coleopteren abgeschlossen
vorläge. Da die Anlage und Ausführung des Werkes aus
den früheren Bänden hinreichend bekannt ist, würde es über-
flüssig sein, hier noch einmal darauf einzugehen. Was auch
an denselben vorzüglich von Seiten der Specifiker im Ein-
zelnen bekritelt worden ist , das Verdienst bleibt dem Verf.
unbestritten, in der Bearbeitung der Lamellicornen ein Werk
geliefert zu haben, welches in der Gesamnitdarstellung so wie
in der geistreichen Auffassung des Einzelnen in seinem Ver-
hältnisse zum Allgemeinen vielleicht unerreicht dasteht. — Der
Inhalt des vorliegenden Bandes ist am gehörigen Orte näher
dargelegt worden.
Von monographischen Arbeilen, welche sich über ganze
Familien oder Gruppen der Coleopteren ausdehnen, sind in
diesem Jahre ferner fortgesetzt oder vollendet worden : 1) de
Marseul , Essai monographique sur la famille des Histerides
(Annales de la soc. entom. de France, Tome III. ) — 2) B o h e -
man, Monographia Cassididarum mit dem dritten Bande
(Stockholm 1855) geschlossen. — 3) Bhipiphoridum Coleo-
pterorum familiae dispositio systematica (Berolini 1855. 4.
cum tab. 1) vom Ref. — Alle drei Arbeiten sind an ihrem
Orte näher in Betracht gezogen worden.
Die Genera des Coleopteres d'Europe von Jacquelin
du Val und Migneaux sind mit monatlichen Lieferungen
regelmässig fortgesetzt worden und sind darin nach Been-
digung der Familie der Curculioniden die ersten Familien
der Coleopteren, nämlich die Cicindelen , Carabicinen, Dy-
tisciden, Hydrophiliden , Silphen u. s. w. in Angriff genom-
men worden. Einen näheren Bericht über die Arbeit behalte
ich mir für das nächste Jahr vor.
Von Küster's „Käfer Europas" ist dem Ref. bis jetzt
kein neues Heft zu Händen gekommen.
während des Jahres 1855. 149
Von Wichligkeil für die Kenntniss der Süd-Italienischen
Coleopteren-Fauna ist eine Reihe eoleoplerologischer Arbeiten
vonA. Costa, welche schon seit mehreren Jahren nach und
nach erschienen, aber erst jetzt unter folgendem Titel in den
deutschen Buchhandel gelangt sind : Fauna del Regno di Na-
poli, ossia Enumerazione di tulti gü animali che abitano le
diverse regione di queslo regno etc., di 0. G. Costa. Co-
leotteri per Achilie Costa. Parte I. a , con XXIV tavole.
Napoli 1849-54. 4. — Der Verf. hat sich bei der Abfas-
sung seiner Arbeit möglichst freie Hand gelassen, indem er
die Coleopteren-Fauna Neapels nicht in systematischer Rei-
henfolge abhandelt, sondern vereinzelte, meist kleinere Fa-
milien und oft sogar nur mitten aus diesen herausgegriffene
Gruppen durch Aufzählung und Beschreibung der darin ent-
haltenen Neapolitanischen Arten veröffentlicht. Der Ausfüh-
rung des Werkes lässt sich eine gewisse Sorgsamkeit nicht
absprechen , eher vielleicht ein Vertrautsein des Verf. mit
seinem Gegenstande; vor Allem ist hier seine fast gänzliche
Unbekanntscliaft mit der Literatur des wissenschaftlichen Eu-
ropa's zu erwähnen, durch welche die Ausarbeitung in vieler
Beziehung mangelhaft ausfallen musste. In manchen Fami-
lien reicht seine Bekanntschaft mit den Autoren nicht über
Fabricius, Olivier undLatreille hinaus und nur bei
einer, nämlich den Oedemeriten hat eine Durcharbeitung
des Materials nach einer Arbeit der Neuzeit staltgefunden.
Dass somit die als neu aufgestellten Arten des Verf. einer
sorgfältigen Critik zu unterwerfen sind und die Synonymie
in vielen Fällen vermehren werden, ergiebt sich von selbst;
auf der anderen Seite wird aber die Süd-Europäische Fauna
durch das vorliegende Werk um eine nicht geringe Anzahl
neuer und zum Theil auch bemerkenswerther Arten bereichert.
Für die Bestimmung der neuen und die ßeurtheilung der
bereits bekannten Arten sind die zahlreichen Abbildungen in
stark vergrössertem Maassstabe von wesentlichem Nutzen; sie
sind zwar nicht künstlerisch vollendet, aber nichts destowe-
niger meist recht charakteristisch zu nennen. — Da das
Werk Wenigen zugänglich sein dürfte, so gebe ich hier einen
vollständigen üeberblick über seinen Inhalt und verweise
150 Gerstaecker: Bericht üb. d. Leistungen in d. Entomologie
in Betreff der Specialien auf die einzelnen Familien, wo ich
über die neuen Arien nähere Angaben gemacht habe.
1) Uebersicht der Scarabaeidea Neapels (44pag.): 4 Scarabaeus
(Ateuchus), 2 Gymnopleurus, 1 Sisyphus, 2 Copris , l Bubas, 3 Oni-
tis , 3 ünilicellus , 10 Onthopbagus. — 2) Uebersicht der Agestidea
(4pag.)*. 2 Pentodon. — 3) Pachypidea (!!): l Callicnemis (steht
hier jedenfalls sehr am unrechten Orte) und 2 Pachypus. — 4) Tro-
gidea (lOpag.): 3 Trox und 1 Hybosorus. — 5) Geotrupidea (Upag.):
1 Ceratophyus und 5 Geolrupes. — 6) Cetoniidea (32 pag.) : 7 Ce-
tonia, lAethiessa, 1 Oxythyrea, l Tropinota. — 7) Trichiidea ( 16 pag.) :
1 Usmoderma, 1 Valgus , 2 Trichius, 2 Gnorimus. — 8) Lucanidea
(12 pag.). 1 Lucanus, 1 Dorcus, 1 Platycerus , 1 Sinodendron. — 9)
Mordellidea (32 pag.) : 1 Myodites, 2 Emenadia, 1 Tomoxia, 7 Mor-
della, 5 Mordellistena, 1 TVatirrica, 7 Anaspis , 2 Plesianaspis. — 10")
Oedemeridea (36 pag.): 1 Sparedrus , 1 Nacerdes , 1 Anoncodes, 1
Asclera, 11 üedemera, 1 Oedemerina und l Stenostoma. — 11) Sal-
pingidea (12 pag.): 1 Myclerus, 1 Salpingus und 2 Rhinosimus. —
12) Coccinellidea (112 pag.) und 13j Endomychidea (16 pag.), die
beiden letzteren Familien schon im Jahresberichte über 1850 be-
sprochen.
Die Coleopteren-Fauna Schwedens wurde durch meh-
rere kleine Arbeiten von Thomson in der Öfversigt of
Kongl. Vetenskaps Akademiens Förhandlingar p. 193 , 317
und 335 ff., welche einzelne Familien und Gattungen behan-
deln, zur näheren Kenntniss gebracht. (Siehe Staphylinidae,
Trichopterygii und Cyphonides!)
Die von Klug und dem Ref. unternommene Bearbei-
tung der von Peters in Mossambique aufgefundenen Co-
leopleren ist nunmehr beendigt und die Diagnosen der bis
jetzt noch nicht veröffentliclilen neuen Galtungen und Arten
in den Monatsberichten der Akademie der Wissenschaften
1855. p. 83, 265 u. s. w. abgedruckt worden. Die daselbst
charakterisirten Arten gehören den Familien der Buprestcn,
Elateren, Malacodcrmen , Ciavicornen, Lamellicornen , Xylo-
phagen, Curculionen, Longicornen und Chrysomelinen an.
Einige aus Mossambique stammende Arten sind auch
wieder von Bertoloni in seiner „Illustrazione dei prodotli
naturali del Mozambico, Disserlazione V." (Memorie delT Aca-
dciiiia dclle Scienze dell' Inslituto di Bologna, Vol. Vi., un-
ter obigem Titel übrigens auch im Separatdruck erschienen,
während des Jahres 1855. 151
Bologna 1856) beschrieben worden. Obwohl diese Arbeit
eigentlich erst dem nächsten Jahresberichte angehört, mag
sie der besseren Uebersicht wegen zusammen mit der vori-
gen in Betracht gezogen werden, zumal da einige Arten in
beiden gleichzeitig publicirt worden sind. Aus den äusserst
weitschweifigen Beschreibungen des Verf. , welche zugleich
einen gänzlichen Mangel jeder Sachkenntniss zur Schau tra-
gen, wäre übrigens eine Bestimmung der Arten unmöglich,
wenn dieselben nicht auf zwei beigegebenen Tafeln, die frei-
lich ebenfalls Viel zu wünschen übrig lassen, abgebildet
wären.
Notes sur quelques nouvelles especes de Coleopteres,
qui habitent les possessions frangaises du nord de l'Afrique,
par Lucas. (Guerin Revue et Magasin de Zoologie Vit.
p. 290 ff.) — Die hier beschriebenen Arten gehören den La-
mellicornen, Tenebrioniten und Curculionen an.
Description de quelques Coleopteres nouveaux d'Europe
et du nord del'Algerie, par L. Fa irmai r e (ebenda p. 107 ff.).
Dieselben Arten , welche hier nur kurz diagnosticirt sind,
werden in den Annales de la societe entomol. de France III.
p. 307—322 ausführlicher beschrieben und zum Theil auf
schon bekannte zurückgeführt. (Rectifications et descripfions
d'especes nouvelles de Coleopteres de la faune mediter-
ranee.)
Especes nouvelles ou peu connues de Coleopteres , re-
cueillies par F. de Saulcy dans son voyage en Orient et
decrites par L. Reiche et F. de Saulcy. (Annales de la
soc. entomol. de France III. p. 561—645, mit Taf. 22.) —
Die neuen Arten , welche das im vorigen Jahre erschienene
Verzeichniss der von de Saulcy im Orient gesammelten
Coleopteren darbot, werden hier mit Einschluss einiger noch
weniger festgestellten älteren Arten sorgsam beschrieben und
zum Theil auf der beifolgenden Tafel abgebildet. Bis jetzt
sind die Familien der Carabicinen und Dytisciden abgehan-
delt worden.
Für Nord-Amerika fährt J. Le Conte durch Bearbei-
tung neuer Familien und Galtungen der Coleopteren eifrig
fort, die dortige Fauna zu erläutern. Die diesjährigen Pro-
152 Gerstaecker: Bericht ob. d. Leistungen in d. Entomologie
ceedings of Ihe academy of natural sciences of Philadel-
phia VII. bringen Arbeilen über die Familien der Hydrophili-
den, Lalhridier und Pyrochroiden, so wie über die Gallungen
Amara und Hydroporus. (Siehe diese!)
Descriptions of a few species of Coleoptera supposed
to be new, by Ph. Uhler. (Proceedings of the academy of
natural sciences of Philadelphia VII. p. 415 ff.) Die hier be-
schriebenen Arten slammen sämmllich aus Nord-Amerika.
Catalogue des Insectes Coleopteres , recueillis par M.
Gaelano Osculati pendant son exploration de la region
equatoriale, sur les bords duNapo et de l'Amazone, parGue-
rin-Menev ill e, (Verhandlungendes zoolog.-botan. Ver-
eins zu Wien, Bd.V. p. 572— 612.) — Eine Aufzählung von
407 Coleopteren in systematischer Reihenfolge nebst Beschrei-
bung der darunter befindlichen neuen Arten; von den be-
reits bekannten fiel ein grosser Theil mit den von Erich-
son in seinem Conspectus Insect. Peruan. und vonLatreille
in v. Humboldt's Recueil d'observations etc. beschriebenen
zusammen. — Die Namen der neuen Arten sind bei den ein-
zelnen Familien angeführt worden.
Descriptions de dix especes nouvelles de Coleopteres,
recueillis dans la republique Dominicaine, par A. Salle (An-
nales de la sociele entomol. de France III. p. 3t33 ff.) Die-
selben gehören den Familien der Elateriden , Curculioniden
und Cerambyciden an.
Einige neue Arten aus Venezuela wurden von de Ro-
jas in Guerin's Revue et Magasin de Zoologie VII. p. 160
sehr kurz und unzulänglich charakterisirt.
Einen grossen Reichthum an Beschreibungen neuer in-
ländischer sowohl wie ausländischer Käfer-Arten enthält der
im Jahre 1855 erschienene zweite Theil der Annales de la so-
ciele Linnecnne de Lyon. Die Verfasser derselben sind Mul-
sant, Perroud, Godarl, Guillebeau u.a. Zum gröss-
ten Theile sind es Beschreibungen einzelner neuer Arten,
welche, da sie gewöhnlich von zwei Autoren in Compagnie
verfasst sind, auch eine diesem Umstände entsprechende
Länge (oft von vier bis fünf Seiton) erlangt haben , ohne
dass man ihnen dabei eine besondere Güte zuerkennen könnte :
während des Jalires 1855. 153
die den Beschreibunoren vorangeschickte sogenannte Diagnose
ist in der Regel schon allein lang genug, um die Charaktere
der Art zu enthalten, und ist daher entweder sie selbst oder
die darauf folgende eigentliche Beschreibung überflüssig. Die
Verf. scheinen hier mit der Quantität die Qualität aufwägen
zu wollen, was jedoch für denjenigen, der eine Art bestim-
men will, ein sehr übles Ding ist.
Geh in, Coleopteres nouveaux ou peu connus. Premiere
decade, Bupresticns. (8. pl. col.) ist dem Ref. nur aus einer
Anzeige im Bullet, de la sog. entomol. III. p. CXIX bekannt
geworden.
Perris beschrieb (Bulletin de la soc. entomol. de France
III. p. LXXVII u. fr.) sieben neue im Departement des Landes
von ihm aufgefundene Coleopteren.
Catalogus Coleopterorum Europae. Herausgegeben vom
entomologischen Verein zu Stettin. 5te Auflage. Stettin 1855.
Diese neue Ausgabe ist von C. A. Dohrn besorgt und sind
in derselben die neuerdings hinzugekommenen Entdeckungen
sorgsam nachgetragen. Die „Genera incertae sedis" hätten
wohl ohne Schaden etwas mehr reducirt werden können, da
z. B. über die richtige Stellung von Leiestes unter den
Endomychiden, von Pycnidium (= Oochrotus Luc.) unter den
Tenebrioniten u. s. w. kein Zweifel bestehen kann.
Als Beiträge zur geographischen Verbreitung der Eu-
ropäischen Käfer sind folgende Lokalfaunen zu erwähnen:
1} Gobanz: Zur Coleopterenfauna der Steiner Alpen
und des Vellachthales (Verhandl. des zoolog.-botan. Vereins
zu Wien V. p. 733 ff.) gab ein Verzeichniss der von ihm im
südöstlichen Kärnthen aufgefundenen Käfer. Die Dürftigkeit
desselben spricht sich leicht in folgenden Gattungen aus:
2 Amara, 4 Hydroporus, 1 Anisotoma , 1 Catops , 4 Ceuto-
rhynchus, 4 Apion, 4 Haltica u. s. w. Nichts do.^^to weniger
glaubt der Verf. daraus ergiebige Schlüsse für die Abhän-
gigkeit der Fauna von der Gebirgsformafion ziehen zu
können. (!)
2) Glasen setzte (Archiv des Vereins der Freunde der
Naturgeschichte in Mecklenburg, 9. Heft j). 116—157) seine
vor zwei Jahren begonnene Uebersicht der Käfer Mecklen-
154 Gerstaecker: Bericht üb. d. Leistungen in d. Entomologie
burgs einerseits mit Aufzählung der Curculionen, anderer-
seits mit Nachträgen zu den schon früher behandelten Fa-
milien fort. Die Familie der Curculionen, bis zu deren Schluss
das Verzeichniss 1454 Arten enthält, ist in Mecklenburg recht
reichhaltig verfreien und enthält ausser mehreren dem See-
strande eigenthönilichen Arten (Apion difforme, Oliorhynchus
atroapterus u. a.) auch einige der Mark Brandenburg feh-
lende Gattungen, wie Barynolus, Tropiphorus, Molytes. Reich
ist u. a. die Gattung Phylobius (8 Arten und diese meist
häufig); von selteneren Arten der früheren Familien sind
neuerdings aufgefunden worden : Phloeostichus denlicollis,
Plinus hololeucus, Choragus Sheppardi u. a.
3) Endrulat gab (Entomol. Zeit, p. 185) einen Nach-
trag zu seinem Käfer- Verzeichniss der Nieder-EIbe durch
Aufzählung einer Reihe nachträglich bei Hamburg aufgefun-
dener Arten.
4) Zu Z e b e's Synopsis der deutschen Coleopteren-
Fauna gaben Schmidt- Goebel mit besonderem Bezüge
auf das Vorkommen einer Reihe von Arten in Böhmen, und
Kriech bäum er durch Bemerkungen über die in der Schweiz
und Süd- Deutschland einheimischen Cicindelen , Nachträge.
(Entomol. Zeit. p. 212u. 2 14).
5) Catalogue des insectes Coleopteres du canton de
Saint-Sauveur en Puisaye (Tonne) par Robineau-Des-
voidy, 1854 — 55. 8. ist dem Ref. nur aus einer Anzeige in
Guerin's Revue et Magasin de Zoologie VII p. 540 bekannt
geworden. Nach dem daselbst gegebenen Berichte enthalten
die bis jetzt erschienenen Fascikel eine Aufzählung der Lon-
gicornen, Donacien, Clythren , Crioceriden , Galerucarien,
Eumolpiden und Hispiden und sind die einzelnen Arten mit
Notizen über Fundorte, Nahrungspflanzen u. s. w. versehen.
6) Dela place, Catalogue des Coleopteres du depar-
lement des Hautes- Alpes (8. 48 pag.) ist in Zuchold's B
bliotheca bist. - nat. angezeigt, dem Ref. aber nicht zuge- i\
kommen. I i
Scriba theilte (Entomol. Zeit. p. 295) mit, dass er in 1"
Tabaksballen aus Venezuela, die er seit mehreren Jahren zu 1 "
untersuchen Gelegenheit nahm, bereits über 200 verschiedene | !
während des Jahres 1855. 155
Käfer-Arien gefunden habe. Die unter denselben befindlichen
Staphylinen, 23 an Zahl, zählte er daselbst auf und beschrieb
die bisher noch unbekannten Arten. (Siehe diese Familie!)
Cicindeletae. Die sich schon längere Zeit hinziehende
Diskussion über die Identität der Cicindela Ritchii Vig. und Audouini
Barth., so wie über die neuerlich hinzugefügte Cic. Peletieri ist von
mehreren Seiten in den Annaies de la soc. entom. III. und in Gue-
rin's Revue et Magasin de Zoologie VII. fortgesetzt und endlich durch
Truqui (Note pour servir ä la distinction et ä la synonymie des
Cicindela Ritchii et Peletieri; in der letzt erwähnten Zeitschr. p. 86 ff.
durch eine mit grosser Präcision angestellte Untersuchung und eine
Zusammenstellung und Würdigung aller über die Streitfrage beige-
brachten Ansichten erledigt worden. Zu Cicind. Ritchii Yig. (mit lang-
gestrecktem Körper, bis zur Spitze grob punktirten Flügeldecken,
gelben Lippentastern und erweiterten Endgliedern der Fühler in bei-
den Geschlechtern) gehören als Synonym: C. Audouini Barth., Ghil.,
Laphyra Audouini Dej. Lac. und Cicind. Ritchii Westw. Dagegen
sind zu Cic. Peletieri (mit nur an der Basis punktirten Flügeldecken,
kürzerem Körper, einfachen Fühlern und schwarzen Lippentastern),
welche schon im J. 1847 von Lucas als eigene Art erkannt und
beschrieben wurde, heranzuziehen: Cic. Ritchii Erichs. Ghil. Lucas
(Explor. de TAlgerie) und Lacordaire (Rev. zool.). — Auf diese
Auseinandersetzung erwiderte Reiche (ebenda p.l56), dass unter
einer grösseren Anzahl von Exemplaren der Cic. Ritchii Vig. sich
ebenfalls mehrere mit einfachen Fühlern befunden hätten und dass
also bei dieser Art die Form der Fühler kein sicheres Merkmal zur
Unterscheidung abgebe. Bei Ansicht dieser Exemplare erkannte je-
doch Truqui darin eine dritte Art, die zwar der Cic. Ritchii sehr
ähnlich, aber in beiden Geschlechtern durch einfache Fühler und kür-
zere Tarsen charakterisirt sei. Guerin beschrieb diese Art (ebenda
p. 254) unter dem Kamen Cic. Truquii; sie steht zwischen den beiden
oben genannten Arten in der Mitte, indem sie mit C. Ritchii die lang-
gestreckte Körperform, die gelben Lippentaster und die Punktirung der
Flügeldecken, mit C. Peletieri die einfachen Fühler gemein hat.
Mehrere neue Arten sind von Chaudoir in seinen Memoires
sur la famille des Carabiques (Bulletin de la soc. imp. des nat. de
Moscou XXVII. 1. p. 112 ff.) beschrieben worden; sie gehören eigent-
lich schon dem vorigen Jahresberichte an, wo sie durch Versehen
des Setzers ausgelassen sind. Es sind folgende: Cicindela lacerala
von Florida (mit C. marginata Eab. nahe verwandt), albicans und
&emicincla von der Moreton-Bay in Australien, olivacea von Cuba,
amoenida vom Amazonenstrome, miselta aus Columbien , egctia vom
Amaaoncnstronie , (grösser als C. acompsa Chaud., von der zugleich
156 Gerstaecker: Bericht üb. d. Leistungen in d. Entomologie
das Männchen beschrieben wird) , papulosa aus Mexico und Mega-
lomma fiaticans von der Moreton-Bay ; letztere Art würde zu Disti-
psidera Westw. gehören, welche Chaudoir mit Megalomma verei-
nigt. — Ausserdem giebt der Verf. über einige von Le Conte auf-
gestellte Arten Nachricht; u. a. zieht er C. sigmoidea Le C. als Va-
rietät zu C. trifasciata Fab. und C. cuprascens Le C. als Varietät zu
C. blanda.
Dietrich (Entomol. Zeit. p. 334) findet in der verschiedenen
Form der Oberlippe ein sicheres Unterscheidungsmerkmal für die ein-
heimischen Cicindelen -Arten ; er beschreibt diese Unterschiede bei C.
sylvicola, riparia und chloris, welche letztere er von C. sylvicola für
specifisch verschieden hält (was indessen nicht der Fall ist).
Caraltieini. Chaudoir hat (Bulletin de la soc. imp. des
naluralistes de Moscou Annee 1855. INo. L p. 1— 110) seine „Memoires
sur les Carabiques-' mit einem fünften Theile fortgesetzt, in welchem
er eine Zergliederung der bisherigen Gattung Scarites in mehrere
vornimmt. Nach Vorwegnahme der Gattung Scaraphites M. Leay, de-
ren Namen er in Scariphiles umändert, stellt er die bisher unter Sca-
rites vereinigten Formen als Gruppe Scaritidae mit folgenden Cha-
rakteren hin: „Ligula retracta , pone menti dentem abscondita, eius-
demque paginae superiori arcte adhaerens, valde concava, postice
hispida, utrinque in dentem setigerum producta; paraglossae barbatae,
angustae, ligulam longe superantes." Die zehn Gattungen, welche
der Verf. bildet, zerfallen in solche, bei denen die Maxillen an der
Spitze abgestumpft, und in solche, wo sie spitz und mit Haken ver-
sehen sind. Bei ersteren sind die Mandibeln innen gezähnt {Oxy-
lobus n. g., Geoscaptus n. g. , Ochyropus Schiödte , Cryptoscaphus n.g.
und Haplotrachetus n. g.) oder crenulirt {Dyscherus n. g. und Slor~
thodonlus n. g.). Bei üxylobus ist das vorletzte Glied der Lippen-
taster kurz, bei den vier folgenden Galtungen dagegen verlängert ;
Geoscaptus und Ochyporus kommen darin überein , dass das letzte
Glied der Vordertarsen verlängert ist , bei Cryptoscaphus und Haplo-
trachelus dagegen erscheint es kurz; im Uebrigen unterscheiden sie
sich dadurch, dass der Thorax bei den einen hinten gezähnt, bei
den anderen unbewaffnet ist. Dyscherus und Storthodontus werden
nach der Verschiedenheit der Lippentaster festg-estellt, die bei erste-
rer Gattung dick und kurz, bei letzterer dünn und lang sind. — In
der zweiten Abtheilung mit spitzen Maxillen ist bei Crepidoptcrus
n. g die Oberlippe gross und abgeflacht, bei Taeniolobus n. g. und
Scarites sens. strict. sehr kurz und uneben. Die beiden letzten Gat-
tungen unterscheiden sich wieder dadurch , dass bei Taeniolobus das
vorletzte Glied der Maxillartaster kurz , bei Scarites ebenso lang als
das letzte ist. — Unter der Gattung Oxylobus werden drei neue Ost-
indische Arten, unter Geoscap^is eine einzelne ebenfalls neue Ostiu-
während des Jahres 1855. 157
dische Art beschrieben; Ochyropus ist aufO. gigas Schiödte (=: Feist-
hamelii Laferte) vom Senegal beschränkt. Cryploscaphus ist auf Scar.
subcylindricus Laf gegründet, welchen Kamen der Verf. in C. bino-
laltts umändert. Zu Haplotrachelus gehören ausser Scar. ovipennis
Chaud. vier neue ebenfalls vom Cap stammende Arten ; Dyscherus
ist auf Scar. costatus Klug von Madagascar , Storthodontus auf zwei
neue ebendaher stammende Arten gegründet. Zu Crepidopterus gehö-
ren von bekannten Arten Scar. Goudotii Guer. (= cephalotes Klug)
und cribripennis Chaud.; eine dritte Art ist neu. Taeniolohus um-
fasst 21 Arten, von bekannten z. B. Scar. planatus Dej. , laevicollis
Dej., corvinus Dej. u. a. , Scarites endlich 61 Arten, darunter zahl-
reiche neue. Von den Arten früherer Autoren sind dem Verf. 28 un-
bekannt geblieben , welche er am Schlüsse seiner Arbeit namhaft
macht. — So weit der Inhalt der Arbeil, deren Ausführung im Einzel-
nen ßef. die vollste Anerkennung zollt. Was jedoch die vom Verf.
aufgestellten Gattungen betrißt , so kann ich von den mir bekannten
keine einzige als solche anerkennen, indem ich für eine Gattung
wesentliche Unterscheidungsmerkmale beanspruchen muss, d. h.
solche, wie es die von Chaudoi r benutzten nicht sind. Was die
stumpfe oder spitze Endigung der inneren Maxillarlade betrifft, so
werden durch dieses Merkmal die habituell übereinstimmendsten Ar-
ten, wie die unter Dyscherus und Crepiclopterus gestellten (alle von
Madagascar) von einander unnatürlich getrennt. Zwischen den „Man-
dibulae denlalae" und „crcnulalae" ist oft eine so geringe Differenz,
dass man nicht weiss, welcher von beiden Abtheilungen eine Art zu-
ertheilen ; da diese beiden Eigenschaften aber sogar einmal auf die
verschiedenen Geschlechter derselben Art (Ochyropus gigas Schiödte)
fallen , so erscheint ihre Bedeutung um so misslicher. Dass der
„Thorax postice niuticus" und „denlatus" noch viel veniger von Be-
lang ist, leuchtet schon aus der doppelten Wiederkehr in je zwei
Gattungen ein, und wie man „etwas längere und dünnere« Palpen
von „etwas dickeren und kürzeren" unterscheiden soll, weiss ich
ebenfalls nicht. Der Verf. hätte also die zehn neuen Gattungsnamen
ersparen können, ohne seiner Arbeit dadurch irgend etwas von ihrem
Werth zu rauben.
Eine beträchtliche Anzahl neuer Carabicinen aus dem Orient
ist von L. R e i c h e und F. de Saulcy (Annales de la soc. entom. lll.
p. 501 if. beschrieben worden : Leislus abdominalis aus Palästina, Fro^
crusles punclulatus von Syra, Colosoma punclivenlre von Morea , Cy-
mindis tabida und pallida aus Palästina, corrosa von Damascus , si-
nuata vom Peloponncs; Iscarioles n. g. fast von der Form eines Dro-
mius, von dieser Gattung durch einfache Klauen unterschieden; an
den langgestreckten Fühlern ist das dritte Glied länger als das
erste. Art: /, Hierichonlicus von Jericho und dem lodlen Aleere. —
158 Gerstaecker: ßericht üb. d. Leistungen in d. Entomologie
Dromius viutahilis von Beirut (auch von Alexandria) , virgalns aus
Palästina, Lebia arcuata aus Palästina, Coplodera plogiata von Beirut,
Brachinits Sichemita vom Jordan, Berylensis von Beirut, hebraicus von
Nablus, Siagona longula , Dilomiis bucidus, Samson^ cribralus , Arislns
ferforalns sämmtlich aus Palästina, Pachycanis aculeatus von der In-
sel Syra, Chaudoirii von Athen (von P. cyaneus durch kürzeren, ge-
drungeneren Bau und den Älangel eines Zahnes am Kinn unterschie-
den, Licinus Hierichonticvs und Chlaenius palaeslinus vom Jordan,
Prislonychus parallelocollis und nigrilus von Beirut, Änchomenus ap~
pröj;tmafMs ebendaher, Olislhopus orientatis aus Griechenland, minor
ebendaher und aus Syrien, Feronia cya7iella, Bonvoisini, languida,
punctigera vom Jordan, graeca von Athen, minnta vom Peloponnes,
(anhangsweise wird Argulor neapoUtamis als neue Art beschrieben),
longula, Berylensis von Beirut, praelonga und fmcicornis vom Jordan,
rebellis vom Peloponnes, Zabrus tumidus aus Griechenland, Damasce^
71US aus Syrien, helopioides von Nablus, longulus vom Peloponnes,
Ophonus viulaceus von Beirut, cribreUus von Damask, Harpnlus Cai-
phus und pharisaeus aus Palästina , Bembidium guUigentm von Beirut,
rugicolle von Jerusalem, lucidipes vom Jordan. — Ausser diesen neuen
Arten werden noch einige von Klug in den Symbol, phys. und von
Chevrolat in der Rev. de Zool. 1854 aufgestellten von Neuem
beschrieben.
Le Conte hat unter dem Titel: „Notes on the Amarae of the
United States (Proceed. of theacad. of nat. scienc. of Philadelphia "VII.
p. 346 — 356}" eine Bearbeitung der Nord-Amerikanischen Arten der
Gattung Amara unternommen. Für die Abgrenzung von Gruppen hat
der Verf. jetzt die von Zimmermann benutzten Unterschiede ange-
nommen, nur dass er die Untergattung Percosia als nicht hinlänglich
verschieden mit Celia vereinigt. Zwei von ihm früher als Curtonotus
laevicollis und elongatus beschriebene Arten werden hier unter Lei-
ms, Isopleurus hyperboreus und septemtrionalis unter Bradytus, seine
Untergattung Triaena unter Amara sens. strict., mehrere Acrodon-Ar-
ten endlich unter Celia aufgeführt. Ueberhaupt ist die Arbeit in sy-
nonymischer Hinsicht von besonderer Wichtigkeit, indem durch Ver-
gleich typischer Exemplare verschiedener Autoren manche Zusammen-
ziehung, so wie andererseits auch manche Feststellung bisher zwei-
felhafter Arten stattgefunden hat. Aus eigener Anschauung sind dem
Verf. im Ganzen 49 Nord-Amerikanische Arten bekannt geworden und
diese hier gründlich auseinandergesetzt. Sie verlheilen sich auf die
Zimmerniann'schen Abtheilungen , welchen der Verf. mit Recht den
Gallungsweilh abspricht, folgendermassen : Leiocnemis 1 Art (Zabr.
avidus Say = Am, confinis Dej.) ; Leirus 10 Arten, darunter neu:
A. lacustris, Jacobina und stupida; Bradytus 5 Arten, darunter -4. Ore-
gona neu; Amara 17 Arten, davon neu: A. longtila mit dreispaltigem
wahrend des Jahres 1855. 159
Dorn an den Vorderschienen, und A. inepla, crassisfina^ conflalaj
subpunctala mit ungetheiltem Dorne; Celia 16 Arten, davon neu: A.
farcla , harpalina und rectangula. Von mehreren bereits früher be-
schriebenen Arten mussten ausserdem die Namen geändert werden,
da dieselben irriger Weise mit anderen identificirt worden waren.
Zwei prächtige neue Arten der Gattung Carabus sind: C. coe-
leslis Stewart aus Cl.ina, mit C smaragdinus und Lafossei in Form und
Sculptur nahe verwandt (Annales de la soc. entom. 111. p. 75. Abbil-
dung auf Taf. 7) und C. ülympiae Sella aus Piemont, nach der Abbil-
dung aus der Verwandtschaft des C. Hispanus und Adonis, vom Verf.
jedoch dem C. purpurascens gegenübergestellt, (Revue et Magasin de
Zoologie p. 469. Taf. 11).
Fernere neue Arten sind : Apiodera elegans und Agra Osculalii
Guerin vom Aroazonenstrome (Verhandl. d. zoolog.-botan. Vereins zu
WienV.), Leistus crenatus Fairmaire von Sicilien und Pristonychus
melitlensis Fairmaire von Malta (Revue et Magas. de Zool. p. 107 und
Annales de la soc. entom. III. p. 307), Oodes gracilior Fairm. aus
Frankreich, dessen nochmalige ausführlichere Beschreibung von Lam-
bert in den Annales de la soc. Linneenne du Depart. de Maine et
Loire I. p. 197 mitgetheilt wird ; Leistus Revelierii Mulsant et Guille-
beau aus Corsica (Annales de la soc. Linneenne de Lyon II. p. 157);
Harpalus serialus Mulsant et Godart aus der Krim (ebenda p. 261).
Jacquelin du Val hat in den Annales de la soc. entomol. III.
p. 647 — 675 einen längeren Aufsatz veröffentlicht, der als Nachtrag
zu seiner Monographie der Bembidien dient. Er antwortet darin zu-
nächst auf die Schaum'sche Critik seiner Arbeit und begründet noch-
mals die von ihm aufgestellte Synonymie einzelner Arten. F'erner
bespricht er einige in Dawson's Geodephaga britannica und Fairmaire
et Laboulbene's Faune fran^aise enthaltene Bembidien, und endlich
trägt er die Beschreibung der in seiner Monographie nicht enthalte-
nen (meist von Russischen Autoren aufgestellten) Arten nach. Da
die Einztlnheiten der Arbeit ohne näheres Interesse sind, erscheint
ihre weitere Erörterung hier nicht am Orte.
Schi öd te hat in einer Abhandlung betitelt: „Om Slaegten
Broscosoma Rosenh. og dens Forhold til den nordiske Form Misco-
dera Eschsch." (Kongel. Danske Videnskabernes Selskabs Förhandlin-
ger 1855. p. 351 ff.) die nahen Beziehungen zwischen ßroscocoma und
Liochiton (Miscodera) erörtert und besonders auf die grosse Aehn-
lichkeit in der Bildung der Unterlippe (auf p. 355 von beiden Gat-
tungen im Holzschnitt dargestellt) aufmerksam gemacht ; er will beide
als Arten einer und derselben Gattung (Miscodera) vereinigt wissen.
Mindestens ist die weit getrennte Stellung beider Formen in keiner
Weise gerechtfertigt.
160 Gerstaecker: Bericht üb. d. Leistungen in d. Entomologie
Suffrian hat die Deutung des Linne'schen Carabus granulatus
nebst der von Linne als Varietäten dazu gezogenen Arten nochmals
einer umsichtigen und ausführlichen Besprechung in der Enlomolo-
gischen Zeitung p. 146 ff. unterworfen.
Nach Fairmaire (Annales de la soc. entomol. III. p. 307 ff.l
ist Pterostichus alpicola Älulsant mit Ft. Hagenbachi Sturm identisch.
I9yti§cidae. Le Conte hat in den Proceedings oF the
acad. of natural sciences of Philadelphia VII. p. 290 — 299 sämmtliche
ihm bekannte Nord- Amerikanische Hydroporus-Arten in einer analyti-
schen Tabelle zusammengestellt und zugleich eine grössere Anzahl
neuer Species beschrieben. (Analytical table of the species ofHydro-
porus found in the United States, with descriptions of new species.)
Mit Einschluss der dem Verf. aus eigener Anschauung nicht bekannten
Arten sind bis jetzt im Ganzen 82 aus den Vereinigten Staaten be-
kannt geworden, in der vorliegenden Tabelle aufgenommen 73; sie
werden von Le C. zwölf Gruppen zuertheilt, für welche die allge-
meine Körperform, die vorhandenen oder fehlenden Eindrücke des Tho-
rax, die Form und Rundung des Kopfschildes u. s. w. benutzt wer-
den. Die schon früher von Say, M eis heimer, Aube, Kirby
und dem Verf. selbst beschriebenen Arten werden nur in der Tabelle
aufgeführt, wo ihre Charaktere analysirt sind; über einige derselben
werden nachträglich noch Bemerkungen mitgetheilt und hier zu-
gleich die neuen Arten beschrieben. Die Namen der letzteren sind:
Hydroporus farclus von Massachusetts, acaroides von Illinois und Ken-
tucky, granum , fullus und inconspicuus aus Louisiana, ßaticvlUs von
New- York, scilvlus vorn Oberen See, tenustus aus Nord - Carolina,
spurius von Vermont, semiriifus von Nebraska, lineolalus aus Illinois,
vitlalus von Nebraska, vitiosus aus Illinois, subtonsus vom Oberen See,
collaris ebendaher, co7icinnus von Nebraska, pulcher von Alabama,
difformis aus Georgien, lurbidus aus Massachusetts, palruelis von Ne-
braska, nubilus von Illinois, discoideus von Fort Laramie und mellUus
von Vermont.
Von Reiche und de Saulcy (Annales de la soc. entom. III.
p. 637 ir.) wurden folgende neue Arten beschrieben: Cybister Jorda-
nis und Hydalicus fuscireniris aus dem Jordan, ISoterus cotwexiusculns,
Hydrocanlhns diophlkalmus , Hydroporus laevitentris und exornalus aus
Bächen in der Umgegend Beirut's.
Ueber die in England einheimischen Arten dieser Familie wur-
den mehrere Mittheilungon im Zoologist for 1855 gemacht t Von
Clark „Notes on cerlain British Hydrocanlharidae" (p. 4769 ff.) und
„Synonyniic List of the British Carnivorous VVater Beelies, togcther
with critical remarks and nolices of Foreign allied species." (p. 4846ff.)
Letztere Uebersicht enthält: 6 Dytiscus, 1 Cybister, 1 Pelobius, 2 Aci-
während des Jahres 1855. 161
liiis, 4 Hydaticus, 7 Colymbetes, 6 Ilybius , 19 Agabus, 2 Koterus,
2 Laccophilus, 1 Hyphydrus, l Cncmidolus, 4(3 Hydroporus, 11 Hali-
plus, (5 Gyrinus und 1 Orectochilus). — An dieso Aufzählung schloss
Curtis (p. 4916(1'.) eine Reihe von Bemerkungen, welche sowohl
synonymische Erörterungen als Angaben über das Vorkommen meh-
rerer Englischer Arten enthalten. — IVon VVollaston ist Hydropo-
rus elongatulus Sturm auch in England aufgefunden worden (ebenda
p. 4655).
Kawall (Enlomol. Zeit. p. 228) glaubt Hydroporus umbrosus
Gyll. und tristis Payk. in Begattung gefunden zu haben.
„Verzeichniss der in der Wolga-Uralischen Fauna beobachteten
Wasserkäfer" von E. Ballion. (Bulletin de la soc. imp. des natura-
listcs de Moscou, Annee 1855. Wo, 3. p. 227—244.) — Die Zahl der
hier namhaft gemachten und mit Bemerkungen über ihr Vorkommen
versehenen Arten beträgt 80, nämlich : 1 Cybister, 2 Acilius, 7 Hy-
daticus, 6 Dytiscus, 9 Colymbetes, 5 Hybius, 17 Agabus (darunter
eine unter dem Kamen Ag. Eversmanni als neu beschriebene, mit A.
femoralis Payk. nahe verwandte Art) , 3 Laccophilus, 2 Noterus, 1
Hyphydrus, 23 Hydroporus und 4 Haliplus.
Gryrinites. Von S c r i b a wurde (Enlomol. Zeil. p. 280)
^Gijrinus Suffriani als neue Art aus Süddeutschland beschrieben; sie ist
mit G marinus nahe verwandt, doch nur halb so gross und von mehr
elliptischem ümriss.
Palpicornia. Die Nord - Amerikanischen Arten dieser Fa-
milie hat Le Conte in einer „Synopsis of the Hydrophilidae of the
Uniled States (Froceed. of the acad. of nat. scienc. of Philadelphia Vil.
p. 356 — 375) einer gründlichen Bearbeitung unterworfen. Zuvörderst
giebt der Verf. in einer analytischen Tabelle eine üebersicht der
Gattungen, welche nach der Bildung der hinteren Tarsen fünf Grup-
pen : Spercheides, Helophorides, llydrophilides, Hydrobides und Sphae-
ridiides zufallen. Die beiden ersten so wie die letzte dieser Grup-
pen entsprechen den tjleichnamigen Erichson'schen Abtheilungen, die
dritte und vierte den Hydrophilinen des letzteren. Le Conte unter-
scheidet seine Hydrophilides von den Hydrobides dadurch , dass bei
ersteren die hinteren Tarsen zusammengedrückt und das Metasternum
hinten gestachelt, bei den letzteren die hinteren Tarsen nicht zusam-
mengedrückt und das Metasternum einfach erscheint. Von Europäi-
schen Gattungen fehlen fn Nord -Amerika mehrere, wie sich aus der
folgenden Üebersicht ersehen lässl : 1) Helophorus 8 Arten, von de-
nen 6 bereits von Le Conte, Say und Mann er heim besehrieben
und zwei: H. nilidulus und linearis neu sind. — 2) Hydrochus 11 Ar-
ten,; darunter neu : H. callosus , squamifer , inaequalis , excavahis und
Simplex, — 3) Uchlhebius 7 Arten, mit Ausnahme von 0. fossatusn,
Archiv i. Malurgesch. XXII. Jahrg. 2. Bii. L
16Ü Gerslaecker: Bericht üb. d. Leistungen in d. Entomologie
sp. schon bekannt. — 4) Hydraena 3 Arten, davon zwei von Kie-
senw^etter beschrieben und f/. funclala neu. — 5) Laccobius 2 Ar-
ten, L. ellipticus neu. — 6) Berosus 14 Arten; neu sind: B. rniles^
aculeatus , subsignatuSf pantherinus , fraternus ^ infuscalus , ordinalus,
pailcscens und altus. — 7) Hydrophilus 10 Arten ; H. limbalis, cali-
fornicus y sublaevis, mixtus^ ellipticus und striolatus werden als neu be-
schrieben. — 8) Hydrocharis Latr. (von Le Conte als besondere
Gattung wieder hergestellt) 2 Arten: H. obtusatus Say und linealn$
n.sp. — 9) Philhydrus 13 Arten; darunter neu: H.lacustris, pecloralisy
cristalus , carinalus, diffusus , perptextts , ochraceus und bißdus. — 10}
Hydrobius 7 Arten ; neu sind : H. tumidus, insculplus, regularis, seria-
tus, digestus, alle mit 9gliedrigen Fühlern. — 11) Cyclonotum 2 Ar-
ten : C. estriatum Say und C. cacli n. sp. — 12) Cercyon ; von die-
ser Gattung werden vorläufig nur zwei neue Arten: C. pubescens und
capillalum beschrieben, indem Le C. zur Feststellung der gemeineren
Arten noch kein hinreichendes Material hat; erwähnt wird noch, dass
zwei Europäische Arten in Kord -Amerika vorkommen: C. centrima-
culatum (= C. mundum Melsh.) und anale (= C. maculatum Melsh.).
— 13) Megalosternum mit einer neuen Art : 31. costalum. — 14)
Cryptopleurum ebenfalls mit einer einzelnen Art: C. vagans n. sp.
Ackermann beschrieb (Annales de la soc. Linneenne du de-
partement de Maine et Loire L p. 197) als neue Art: Berosus Salmu^
riensis, bei Saumur aufgefunden.
Cussac machte (Annales de la soc. entomol. IH. p. 245) in-
teressante Mittheilungen über die Copula und das Ablegen der Eier
von Hydrobius fuscipes Linn. Letztere werden in einzelnen Päck-
chen zu 20 bis 24 abgelegt und durch Fäden an Wasserpflanzen be-
festigt.
SilpUales. Die Gattung Silpha wurde mit zwei neuen Arten
bereichert:
Stlpka Levaillanli Mulsant et Godart aus der Krim (Annales de
la soc. Linneenne de Lyon IL p. 270) und Silpha aniicola Guerin vom
Amazonenstrome (Verhandl. d. zoolog.-botan. Vereins zu WienV).
Eine üebersicht der bis jetzt bekannten Europäischen Arten der
Gattung Adelops Tellkampf gab Miller in den Verhandlungen des
zoolog.-botan. Vereins zu Wien V. Bd. p. 505. Sie zerfallen a) in
solche, bei denen die Glieder der Fühlerkeule verlängert sind: 1)
Adelops Milleri Schmidt (ebenda V. Bd. p. 1 von F. Schmidt be-
schrieben) aus der Pasiza-Grotte in Krain. 2) A. KhevenhüUeri Mil-
ler. 3) Freycri nov. spec. aus der Grotte Uoiga jama. 4j globosus
nov. spec. aus der Grotte Ledenica. ö) byssinus Schiödte. 6) acu~
tninatus nov. spec. aus der Grotte bei Treffen. — bj in solche, bei
denen die Glieder der Fühlerkeule (8 bis 10) kurz, quer sind: 7)
Schiödtei Kies. 8) ovatus Kies. 9) montanus Schiödte. 10) Anbei
während des Jahres 1855. l63
Kies. — Sämmtliche Arten sind mit Diagnosen, die neuen zugleich
mit kurzen Beschreibungen versehen ; zu einer sicheren Bestimmung
der äusserst ähnlichen Arten möchten dieselben jedoch wohl kaum
hinreichen.
Kraatz berichtete (Entomol. Zeit p. 1G6), dass Catopsimorphus
pilosus Muls. = C. arenarius Hampe sei.
Aus der Anisotomen-Gruppe machte Fairmaire (Bulletin de
la soc. entomol. HI. p. XXX und LXXVj drei neue Französische Ar-
ten bekannt: Anisotoma ornata , luvens und Hydnobius Perrisii
Die Naturgeschichte der ersten Stände von Liodes castanea
Herbst beschrieb Ferris in den Memoires de la soc. roy. des scien-
ces de Liege, T. X. p. 233 und bildete dieselben auf Taf. 5 ab. Die
Larve gleicht sehr der von Agathidium und lebt wie diese in Filzen
(Reticularia hortensis).
§Gydniaeiiides* Eine in mehrfacher Hinsicht ausgezeich-
nete neue Gattung dieser Familie ist der von Firazzoli bekannt
gemachte Leptomastax hypogeum, ein in Italien aufgefundenes Tbier-
chen, welches in einer eigenen kleinen Schrift: „Coleopteri Italici
genus novum Leptomastax, curante Doct. Firazzoli, Forocornelii
1855" beschrieben und abgebildet worden ist. Grösse und Körper-
form, Einlenkung und Bildung der Beine (mit fünfgliedrigen Tarsen)
sind ganz wie bei Scydmaenus ; die Fühler sind jedoch durch stär-
kere Verlängerung des ersten Gliedes geknickt, der Kopf in die Quere
gezogen, die Mandibeln äusserst lang und dünn, sichelförmig, nach
der Art von Lucanus aus dem Kopfe heraustretend, die Maxillarpalpen
nur dreigliedrig, das letzte Glied stark birnförmig erweitert; die Au-
gen fehlen, doch findet sich nach Angabe des Verf. an der Basis der
Mandibel jederseits eine Ocelle. Beim Männchen sind die beiden
letzten Hinlerleibssegmente bogenförmig ausgeschnitten.
Pselaplii«1ae* Die unterirdischen Höhlen Krains lieferten
auch für diese Familie eine höchst merkwürdige neue Form, welche
durch die abnorme Bildung des Kopfes und der Mundtheile alle bisher
bekannten Gattungen in den Hintergrund stellt. Sie ist von Miller
Verhandlungen des zoolog. - botan. Vereins zu Wien, V. Bd. p. 50P,
nebst Tafelj unter dem Namen Machaerites spelneus beschrieben und
abgebildet worden. Der Kopf ist sehr verlängert, fast doppelt so lang
als breit , an Stelle der Augen mit eckig vorstehenden Wülsten und
zwei Stirnhöckern , auf denen die Fühler eingelenkt sind ; an diesen
ist das erste Glied so lang als die fünf folgenden zusammengenom-
men, das zweite von der Dicke des ersten , die folgenden viel dün-
ner. Die Maxillarpalpen von enornur Ausdehnung, viel länger al«
die Fühler , die beiden ersten Glieder stark sägeartig gezähnt , das
dritte messerförmig, dicht gewimpert. (Eine Beschreibung der übri-
164 Gerstaecker: Bericht üb. d. Leistungen in d. Entomologie
gen Mundtheile wird nicht gegeben.) Die Tarsen sind mit einer
Klaue versehen. — Die Art ist 1 Linie lang, glänzend rothbraun und
wurde von F. Schmidt in der Höhle von Struge entdeckt.
¥ airmaire hat sich nachträglich überzeugt, dass die Gattung
Amaurops nicht zwei , sondern drei Glieder an den Tarsen hat ; das
erste ist aber sehr klein. (Annales de la soc. entomol. IH. p. 307 ff.)
I*au»sidae. Vier neue Arten der Gattung Paussus , welche
der Abtheilung mit zweitheiligem Thorax und hinten ausgehöhlter
Fühlerkeule angehören, wurden von West wo od (Transact. entomol.
soc. IIL p. 8l) bekannt gemacht: Paussus pacificus von Ceylon, De-
geerii, Aßelii und Bohemani vom Caffernlande.
Ref. beschrieb (Monatsberichte der Berliner Akademie der "Wis-
senschaften 1855. S. 268) Faussus inermis aus Mossambique, mit un-
getheiltem Thorax und compakter Fühlerkeule und mit F. verticalis
Reiche zunächst verwandt.
Von Mulsant wurde (Annales de la societe Linneenne de Lyon
IL p. 14311'.) Paussus Mariae als neue Art von Tarsus in Caramanicn
ausführlich charakterisirt.
Unter dem Namen Gnoslus formicicola beschrieb Westwood
(Transact. entom. soc. IIL p. 90. Taf. 8) eine sehr interessante neue Form
von Ameisenkäfern aus Brasilien, deren Stellung im Systeme bis jetzt
noch zweifelhaft erscheint. Die dreigliedrigen Fühler, der in der Mitte
zusammengeschnürte Thorax, die kurzen, flachgedrückten Beine mit fünf-
gliedrigen Tarsen nähern dieselbe augenscheinlich denPaussiden, obwohl
die gewölbten, den ganzen Hinterleib bedeckenden Elytren, so wie die
Bildung des Mundes und der Flügel gegen eine Vereinigung mit dieser
Familie sprechen. Eine Verwandtschaft mit den pentamerischen Xylo-
phagen Latreille's , wie sie Westwood zu finden glaubt, scheint
mir ferner zu liegen und schon durch die Lebensweise verneint zu
werden. Von den drei Fühlergliedern ist das erste länglich , gegen
die Spitze keulenartig verdickt, das zweite kurz, an dem Aussenwin-
kel des ersten eingelenkt, das dritte länger als die beiden vorigen zusam-
mengenommen, cylindrisch, nahe der Mitte eingeschnürt, an der Spitze
gerade abgestutzt. An den Maxillen ist nur eine Lade vorhanden
und auch diese nur schwach entwickelt; die Maxillartaster sind schein-
bar dreigliedrig, indem das kurze erste Glied entweder fehlt oder mit
d em Stamme verwachsen ist.
JStapIiylinidae. Mehrfache Beiträge zur Artenkenntniss Eu-
ropäischer Staphylinen gab Kraatz in der Entomologischen Zeitung
p. 20, 165, 330 u. ff. Als neue Arten werden beschrieben: Oxypoda
micans, soror, graeca und longipennis aus Griechenland , nssimilis aus
Spanien und rugatipennis von Montpellier. Von synonymischen Be-
während des Jahres 1855. 165
merkungon sind zu erwähnen: llomalota nigrina Aube = graminicola
Grav., planaticollis Aube = arcana Er., major Aube = hepatica Er.,
castanea Aube = hospita Mark , anthracina Fairm. wahrscheinlich =
punoticeps Thomson, Aleochara nidicola Fairm. = pulla Er., Bo-
letochara elegans Heer wahrscheinlich = Älyrmedonia fulgida Ürav.,
Falagria pusilla Heer wahrscheinlich = Fal. nigra Grav., Homalota
gagatina Muls. = fluviatilis Kraatz, üxypoda fuscula Muls. = ferru-
ginea Er., Aleochara diversa Aluls. = inquilina Mark. ; Sipalia gran-
diceps Muls. gehört nicht dieser Untergattung von Homalota an, son-
dern wahrscheinlich in die Nähe von Euaesthetus ; Lithocharis rufa
Muls. = fuscula Er. Zugleich berichtet der Verf. über das Vorkom-
men der von l^Iulsant beschriebenen Staphylinen-Arten in Deutsch-
land. — Unter den von Wo 1 1 aston (insecta Maderensia) beschriebe-
nen Staphylinen ist Homalota luticola Woll. = luridipennis Mannerh.,
currens Woll. = palustris Kies., tantilla Woll. = analis Grav., var.
minor , plebeja Woll. = clientula Er. — „Ueber einige Arten der
Gattung Tachinus Grav." : Der Verf. trennt von Tach. humeralis Grav.
(= rufescens Muls.) eine kleinere Art ab, welche von Mulsant als
Varietät oder vielmehr als die eigentliche (kleinere) Stammart jener
angenommen wird; er beschreibt sie als Tachinus froximus. Tachi-
nus marginatus Gyll. gehört nicht als Varietät zu T. subterraneus Fabr.,
sondern ist eine eigene Art.
Thomson gab (Öfversigt af Kongl. Vetensk. Akad. Förhandl.
p. 193 — 203) eine Uebersicht über die in Schweden vorkommenden
Arten der Gattung Üxypoda. (Öfversigt af de arter tillhörande slägtet
üxypoda , som blifvit funna i Sverige.) Es kommen hiernach in
Schweden 25 Arten vor, von denen 18 zur Gruppe der Fusiformes,
7 zu der der Lineares gehören ; alle Arten sind mit lateinischer Dia-
gnose, die neuen ausserdem noch mit einer ausführlichen schwedischen
Beschreibung versehen. Von letzteren gehören zu den Fusiformes : 0.
curticollis , planipennis, soror (derselbe Name ist auch von Kraatz
an eine neue Art vergeben) und riparia, zu den Lineares : 0. lalicoU
lis und convexicollis.
Mulsant et Rey, Essai specifique sur les Scopaeus des en-
virons de Lyon (Annales de la soc. Linneenne de Lyon IL p. 161 — 190.
PI. I et II). — Den beiden Verf. sind ausser den vier von Erich -
son beschriebenen Europäischen Arten der Gattung Scopaeus in der
Umgegend Lyons noch fünf neue vorgekommen , welche in gleicher
Weise wie die bereits bekannten hier ausführlich beschrieben wer-
den. Für die Unterscheidung der Arten fanden sich neben den Diffe-
renzen in Grösse , Gestalt und Färbung auch gute Merkmale in der
Bildung des sechsten Bauchsegments beim männlichen Geschlechto.
Die neuen Arten vertheilen sich auf folgende zwei Unterabtheilun- *
gen: a) Kopf fast kreisrund oder verkehrt eiförmig, mit stark abgc-
166 Gerslaecker: Bericht üb. d. Leistungen in d. Entomologie
rundeten Hinterwinkeln , hinten nicht breiter als bei den Augen, an
der Basis stumpf abgerundet oder leicht abgestutzt; Thorax ohne
Rinne: t) Sc. laevigatus Gyll. 2) Sc. apicalis n. sp. 3) Sc. seri-
cans n. sp. — b) Kopf mehr oder weniger viereckig, mit leicht ab-
gerundeten Hinterecken, nach hinten allmählig breiter, an der Basis
jäh abgestutzt oder ausgerandet ; Thorax mit feiner Rinne: 4) Sc. ru-
bidiis n. sp. 5) Sc. didymus Er. 6) -Sc. ahhrevialus n. sp. 7) Sc.
cognatus n. sp. 8) Sc. minutus Er. 9) Sc. minimus Er. — Sämmtli-
che Arten sind, zum Theil nach beiden Geschlechtern und mit Hin-
zufügung der charakteristischen Merkmale auf zwei Tafeln in saube-
ren Umrissen dargestellt.
Schiödte hat die schon vor zwei Jahren vorläufig durch Dia-
gnosen bekannt gemachten Gattungen Corotoca und Spirachtha nunmehr
ausführlich beschrieben und auf zwei von ihm selbst in meisterhafter
Weise ausgeführten Kupfertafeln nebst den dazu gehörigen Details
abgebildet. (Kongel. Danske Videnskab. Selsk. Skrift. 5 Räk. IV. Bd.)
— Die Abhandlung ist auch einzeln unter dem Titel: „Corotoca og
Spirachtha, Staphyiiner , som föde levende Unger , og ere Huusdyr
hos en Termit. Ved J. C. Schiödte, Kjöbenhavn 1854." (4.) er-
schienen.
Scriba zählte (Entomol. Zeit. p. 295) drei und zwanzig in
Tabakslagern aufgefundene Staphylinen-Arten auf und beschrieb die
darunter befindlichen neuen; es sind: Tachyporus brevis , ßaticolUs,
Cttmanensis, Snjlalinus rugiceps , Leplacinus glabripennis , Osorius par-
vulus, Hololrochus piinctulalus und glaher.
Derselbe (ebenda p. 280 ff.) stellte als neue Arten auf: Hotna-
loia planicollis aus Süd - Deutschland und Trogophloeus niyrmecophilus,
bei Aschaffenburg in Myrmica-Nestern aufgefunden.
Dietrich (ebenda p. 200) beschrieb zwei neue Paederus-Arten
aus der Schweiz, von denen jedoch F. genicidalus nur eine Farben-
varietät von P. brevipennis Er. ist; die zweite Art P. paludosus ist
mir nicht in Natur bekannt.
Fairmaire stellte (Revue et Magasin de Zoologie VII. p. 107 ff.
und Annales de la soc. entomol. III. p. 307 ff.) Mijrmedonia Fernandi
aus Neapel, luberiventris aus Sicilien und Ocypus bellicosus von Tanger
als neue Arten auf. Die von ihm als Bolitochara elegans beschrie-
bene Art führt er als eine hellgefärbte Varietät aufB. lucida zurück;
Tachinus pictus Fairm. von Sicilien kommt auch in Algier und auf
Cypern vor ; da der Name in der Gattung schon vergeben ist, schlägt
Leprieur dafür die Benennung T. Fairmairei, Truqui T. Inctno-
sus vor.
Wo Ilaston beschrieb (Zoologist 1855, Appendix) Homalola
Cambrica als neue Art aus Nord-Wales und berichtete (ebenda p. 4655)
über Tachyporus nilldicollis Steph; , eine von Erichson nicht ge-
während des Jahres 1855. 167
kannte Art, die in Irland überall verbreitet, auf dem Continenl aber
bis jetzt unbekannt geblieben sei.
Zwei neue Arten der Gattung Staphylinus sind: Staphylinus Lu-
dovicae Mulsant et Godart aus der Krim , zur neunten Erichson'schen
Gruppe gehörend (Annales de la sog, Linneenne de Lyon 11. p. 263)
und Staphylinus Osculatii Guerin vom Amazonenstrome (Verhandl. d.
zoolog.-botan. Vereins in NVien V).
Die Britisehen Arten der Gattung Stenus wurden von Water-
house und Janson in den Transact. of the entomol. soc. 111. p. 136 fF.
aufgezählt und mit Angaben über Fundorte u. s. w. begleitet. Ihre
Zahl beläuft sich auf 48. Die beiden Verf. geben zugleich Nach-
richt über die von Kirby im Älanuskripte beschriebenen Arten sei-
ner Sammlung, welche meist von Stephens (lllustr. Brit. Entom.)
beschrieben worden sind und reduciren sie (im Ganzen 59 Species)
auf die Erichson'schen Arten.
Lespes theilte (Bulletin de la soc, entomol. III. p. LI) Beob-
achtungen über das Füttern der Lomeehusa paradoxa durch Formica
rufa, welche er zusammen in der Gefangenschaft beobachtete, mit;
während die Ameisen an angefeuchtetem Zucker , der ihnen vorge-
legt Avurde, speisten, näherte sich eine Lomeehusa, schlug mit ihren
Fühlern an den Kopf einer Ameise und diese bot ihr sofort ihren ge-
öflneten Mund dar, um aus demselben den flüssigen Zucker einzusau-
gen. Die analogen Beobachtungen, welche Müller an Claviger an-
gestellt hat, bestätigte Lespes ebenfalls.
Histerini. Von de Marseul's „Essai monographique sur
la famille des Histerides" sind in den Annales de la soc. entom. T. HI.
p. 83 — 165, 327 — 506 und 677 — 758 drei neue Fortsetzungen erschie-
nen, in welchen die Arbeit bis zur Gattung Saprinus incl. weiterge-
führt wird. Auch in dem vorliegenden Abschnitte hat der Verf. eine
Anzahl neuer Gattungen aufgestellt, für deren Abgränzung hauptsäch-
lich die Verschiedenheiten in der Bildung des Pro- und Mesoster-
num, so wie der Fühler und Beine benutzt worden sind und die sich
auch schon durch den äusseren Habitus meistens recht gut markiren.
Der speciellere Inhalt der Arbeit ist folgender: 1) Carcinops n. g.
auf einige von Erich so n und Le Conte zu Paromalus gezählte
Arten begründet, z. B. P. pumilio aus Europa, consors und conjunctus
Le C. aus Kord-Amerika, die sich von den übrigen Paromalus-Arteu
schon äusserlich durch die starken, tiefpunktirten Streifen der Flü-
geldecken unterscheiden. Im Ganzen werden 13 Arien beschrieben;
von Europäischen gehört noch Par. minimus Aube dieser Galtung an.
2) Paromalus mit 12 Arten. 3) Monoptius n. g. von hochgewölbtem,
fast kreisrunden Körper, durch ganz dichte und feine, gleichmässige
Punktirung der Oberseile , quer eiförmige und ungeringelte Fühler-
kculc, liucarcä Proetcrnum und halbkreisförmiges Nesostcrnum ausgc.
168 Gerstaecker: Bericht üb. d. Leistungen in d. Entomologie
zeichnet. Eine Art: M. inflalus (üejean) vom Cap. 4) Pelorus n. g.
Mandibeln kräftig, ungezähnt, Clypeus nach vorn dreieckig zugespitzt,
Prosternum breit, trapezoidal, Mesosternum kurz, quer, Propygidium
gross, sechseckig, Flügeldecken mit eigenthümlicher Streifung, indem
stets zwei sehr tief eingegrabene Streifen sich vorn miteinander ver-
einigen. Eine Art: P. bruchoides vom Senegal. 5) Scapomegas n. g.
mit auffallender Bildung dos Prothorax , dessen vorderer Ausschnitt
tief zweibuchtig ist; der Clypeus sehr schmal und plötzlich vom
Hinterkopfe abgesetzt, die Mandibeln stark verlängert, rüsselartig
hervortretend; das Prosternum sehr breit, sodass die Mittelbeine weit
gegen die Seiten hingedrängt werden; der Fühlerschaft birnförmig
erweitert. Zwei Arten: Sc. aurilus von Cayenne und gibbus von Rio
mit eigenthümlicher Flügeldecken-Streifung. 6) ISolodoma n. g., von
Ansehen der Gattung Hetaerius nicht unähnlich, aber durch schlanken
Fühlerschaft, ovalen und vierringligen Fühlerknopf und ganz beson-
ders durch die Maxillartaster unterschieden , deren beide erste Glie-
der ganz kurz, knopfförmig und untereinander gleich gebildet sind.
Eine Art : N. globalinn von Hindostan. 7) Hetaerius, 1 Art. 8) Eret-
molus n. g. eine sehr eigenthümliche Form mit verlängerten, ge-
schweiften Mandibeln, kurzen und stark dreieckig erweiterten Schie-
nen ohne alle Dornen an den Seitenrändern, cylindrischem Endgliede
der Maxillartaster, allmählig breiter werdender Fühlergeissel und
viereckigem , ungeringelten Endknopfe. Auf den Flügeldecken nur
drei ganz kurze Streifen-Anfänge zunächst der Basis. Art : E. Ln-
casii aus Algier. 9) Dendrophilus 2 Arten. 10) Tribalus 6 Arten.
11) Sphaerosnma n. g. (vergebener Name!) mit Tribahis nahe ver-
wandt; eine Art: Sph. ovum von Madagascar. 12) Saprinus mit 163
hier beschriebenen Arten; 44 Arten früherer Autoren sind dem Verf.
unbekannt geblieben; es sind demnach jetzt über 200 Arten der Gat-
tung bekennt, von welchen Erichson kaum 60 beschrieb. Der
Verf. hat die Gattung als eine natürlich abgegränzte in dem von
Erichson vorgezeichneten Umfange beibehalten und theilt sie in
sechs Gruppen ; die beiden Hauplabtheilungen sind auf die Trennung
oder den Zusammenhang der Stirn mit dem Kopfschilde basirt. — Die
der Arbeit beigefügten Tafeln enthalten wie früher Abbildungen aller
beschriebenen Arten und sind von vorzüglicher Ausführung.
Als neue Arten sind ferner zu erwähnen :
Ulster plebejus Klug von Mossambique (Monatsberichte der Ber-
liner Akad. d. Wissensch. 1855).
Hetaerius pvnctulatus Lucas aus Algier (Bulletin de la sog. en-
tom. p. IV) , dunkler gefärbt und grösser als H. quadralus, in den
Haufen der Formica barbara zusammen mit den Gattungen Mcrophysia
und Uochrotns lebend.
r'rrnr'i' während des Jahres 1855, 169
Terelrius hispidulus Bremi aus der Schweiz ( Entomol. Zeit,
p. iPöff.).
Suffriaji diagnosticirte 'ebenda p. 142) eine vom Baikal-See
ßtammende Histcr-Art, die er unter dem Kamen II. unicolor Fab. er-
halten hat, die aber davon specifisch verschieden ist; für den Fall,
dass |sie noch unbeschrieben ist, schlägt er dafür den Namen H.
alramentarius vor ; sie steht zwischen H. merdarius und cadaveri-
nus Er.
Nach Kraatz (ebenda p. 166) ist Hister myrmecophilus Muls.
gleich H. ruficornis Grimm.
Tricliopteryn-ii. Die in Schweden einheimischen Arten
dieser Familie verzeichnete Thomson in der Öfversigt af Kongl.
Vetensk. Akad. Förhandl. p. 335— 341. (Öfversigt af de arter tillhö-
rande Insectfamiljen Trichopterygia, som blifvit funna i Sverige.) Von
den einzelnen Gattungen ist Trichopteryx mit 10, Ptilium mit 8, Pte-
nidium mit 5 und Sphaerius mit 1 Art vertreten. Neue hier beschrie-
bene Arten sind: Trichopteryx lUloralis, Ptilium elongalum (zu der er-
sten Erichson'schen Abtheilung gehörend) und Vtcnidmm turgidum ^
die schon bekannten Arten sind mit lateinischen Diagnosen und aus-
führlicher Synonymie versehen.
Hoffmann untersuchte die Mundtheile von Sphaerius acaroides
und fand die Kiefertaster wie sie Redtenbacher, die Lippentaster
dagegen, wie sieErichson angiebt; von den Mandibeln stimmte die
eine mit Erichson's, die andere mit Red tenb ach er's Angabe
überein ; die Tarsen fand er an allen drei Fusspaaren dreigliedrig.
(Entomol. Zeit. p. 194.)
lUkitiduIariae. Von Klug (Monatsberichte der Berliner Akad.
d. Wissensch. 1855) wurde Lordites grammicus als neue Art aus Mos-
sambique diagnosticirt.
Nach Kraatz (Entomol. Zeit. p. 167) ist Meligethes flavicor-
nis Miller = M. flavipes Sturm, und Mel. carinulatus Förster = M.
erythropus Gyll.
liatliridii. Synopsis of the Lathridiides of the United States
and northern contiguous territories, by J. Le Conte. (Proceed. of
the acad. of nat. seienc of Philadelphia VII. p. 299— 305). Die Fa-
milie ist nach dieser Uebersicht in Nord-Amerika durch drei Gattun-
gen vertreten: Corticaria, Lathridius und Monotoma, und von diesen
wiederum die erste durch 28, die zweite durch 11, die dritte durch
6 Arten. Die von Mann erbe im beschriebenen Nord-Amerikauischen
Species sind dem Verf. fast sämmtlich unbekannt geblieben, übrigens
ist ihre Zahl im Verhältnisse zu den hier aufgezählten, fast sämmt-
lich neuen Arten nur gering. Die Corticarien zerfallen in zwei Ab-
theilungen: 1) in solche, bei denen dag neunte und zehnte Fühler-
170 Gerstaecker: Bericht ob. d. Leistungen in d. Entomologie
glied beinahe gleich gross sind (26 Arten) und 2) in solche, wo das
neunte bis elfte Glied allmählig an Grösse zunehmen f2 Arten). —
Unter den Lathridien ist bei einer Art das neunte Fühlerglied grös-
ser als das achte, bei den übrigen sind beide gleich gross ; die letz-
teren zerfallen in solche mit zweirippigem Thorax (l Art» und ein-
fachem Thorax (5 Arten) ; Lathridius filiformis Mann, (europäisch)
kommt auch in Nord -Amerika vor, ist aber wahrscheinlich nur im-
portirt. — Von den 6 beschriebenen Monotoma-Arten sind zwei bereits
von Ziegler und Aube beschrieben, die übrigen vier neu.
Lucas gab eine ausführliche Beschreibung und eine Abbil-
dung der von ihm schon im Bulletin de la soc. entomol. 1852 be-
kannt gemachten, aber in diesen Berichten noch nicht erwähnten Gat-
tung ßlerophysia. (Revue et Älagasin de Zoologie VIL p. 335 ff.) Das
winzige, nur ly^mill. lange Thierchcn hat eine eigcnthümliche Form,
welche durch den überall gleich breiten Thorax und die vor der
Mitte stark erweiterten Flügeldecken hervorgerufen wird. Die Tarsen
sind drei-, die Fühler achtgliedrig ; die Glieder der letzteren sind
mit Ausnahme des dritten und achten kurz , das dritte etwa so lang
wie das vierte bis sechste zusammengenommen, das letzte gross,
beilförmig erweitert. Lucas stellt die Gattung zwischen llolopara-
mecus und Cholovocera, denen sie auch wohl zunächst verwandt, und
mit welchen sie zu der gegenwärtigen Familie zu rechnen ist. Die
Art: M. formicaria ist blass rolhbraun, glänzend und wurde in Algier
unter Ameisen aufgefunden. Perris hat sie auch im südlichen Frank-
reich und Rosenhauer in Andalusien aufgefunden.
Wol laston beschrieb Corticaria borealis als neue Art aus
England (Zoologist 1855. p. 4C55).
Colydii. Hampe beschrieb (Verhandl. und Mittheil. d. Sie-
benbürger Vereins zu Hermannstadt VL p. 97) eine sehr eigcnthüm-
liche neue Gattung Pleganophorus , welche sich besonders durch die
Fühlerbildung bemerkbar macht; die Fühler bestehen nur aus 4 Glie-
dern, von denen die drei ersten kurz, quer herzförmig, das letzte
langgestreckt, länger als jene zusammengenommen ist. Die Form des
Körpers ähnelt einigermassen der von Ihroscus ; der Kopf ist breit,
die Augen sehr klein, die Hinterecken des Halsschildes lang ausge-
zogen. Die Füsse sind sämmtlich viergliedrig ; die Maxillar- und
Labialpalpen bildet der Verf. drei-, resp. zweigliedrig ab, was, wie
schon aus der Abbildung ersichtlich , unrichtig ist. (Durch Ansicht
eines Präparates der ölundtheile , welches mir Hr. Prof. Redtenba-
cher in Wien zeigte, habe ich mich davon überzeugt, dass bei bei-
den Palpen das kleine Basalglied übersehen worden ist.) Die Art:
PL bispinoius („Oblonge - ovatus, punetatus , subtilissime pubesccns,
brunneus, ore, antennis pedibusque dilulioribus, prothoracis angulis
posticis elongatig, acutis, elytris humeris promincntibus. Long, ly^ lin.«)
während des Jahres 1855. 171
wurde bei Hermannstadt an einem alten Eichenstamme gefunden. —
Der Verf. glaubt die Gattnng vorläufig den Colydiern einreihen zu
müssen, hauptsächlich wohl auf Grund der viergliedrigen Tarsen; nach
der Abbildung scheint mir diese Stellung etwas prekär, wenn ich
gleich aus Unbekanntschaft mit dem Thiere selbst nichts Näheres über
seine Verwandtschaft angeben kann.
Wollaston lieferte (Zoologist 1855, Appendix) eine ausführ-
liche Beschreibung der Gattung Deretaphrus Newm. und schliesst sich
in Betreff ihrer systematischen Stellung der Ansicht Erichson's an,
sie den Colydiern einzureihen. — New man beschreibt in einer die-
sem Aufsatze sich anschliessenden Notiz zwei neue Arten der Gat.»
tung unter dem Namen D. WüUastoni und Erichsonii, erstere von der
Moreton-Bay, letztere von Adelaide in Neu-Holland.
Illiys<>ucli(les. Nach Fairmaire (Annales de la soc. en-
tomol. III. p. 307 ff.) ist Rhyssodes sulcipennis Muls. mit Kb. trisul-
catus Germ, identisch.
Cwcujides. VonPerris wurde eine neue Art: Laemophloeus
Hypobori beschrieben, welche unter der Rinde abgestorbener Feigen-
bäume im Departement des Landes gefunden wird und deren Larvp
sich von den Larven des Hypoborus ficus ernährt. (Bulletin de la soc,
entomol. III. p. LXXVII ff.)
Cryptopliag^ides. Nach Kraatz (Entomol. Zeit. p. 167)
ist Ephistemus palustris Wollaston = E. globosus Waltl und Atomaria
pallida Woll. = A. ferruginea Sahlb.
Uermestini. Eine neue Art aus Mossambique ist Altagenus
Teslitus Klug (aionatsberichte der Berliner Akad. d. Wissensch. 1855).
Dermestes leoparditius aus der Krim und gulo aus Lyon wurden
von Mulsant und Godart (Annales de la soc. Linneenne de Lyon
II. p. 273 ff.) beschrieben.
Ryrrliii. Giebel beschrieb (Zeilschrift für die gesaramten
Naturwissenschaften V. p. 127) einen angeblich neuen Byrrhus aus
Thüringen, der mit B. ornatus nahe verwandt, sich von ihm durch
mehrere bestimmte Merkmale unterscheiden soll. G. schlägt für die
Art, falls sie sich als selbstständig bewähren sollte, den Namen Byrr-
hus Thuringiciis vor.
JLainellU'ornia. Dynastida e. — Nach Costa (Fauna
del regno di Napoli ) kommt ausser Pentoden punctatus in Neapel
noch eine zweite Art dieser Gattung vor, welche er unter dem Na-
men P. pimelioides beschreibt und auf Taf. 17 abbildet. Sie ist von
glänzend schwarzer Farbe und zeichnet sich durch stark erhabene
Längsleisten auf den Flügeldecken aus; die Stirn ist mit zwei Höckern
besetzt. — Auf derselben Tafel gab der Verf. auch eine Abbildung
von Caliicnemis Latrcillei Lap.
172 Gerstaecker: Bericht Ob. d. Leislungcn in d. Entomologie
Einige neue Arten aus Mossambique wurden von Klug (Mo-
natsberichte der Berliner Akad. d. Wissensch. 1855) durch Diagnosen
bekannt gemacht: Temnorrhynclms clypealus, Ueleronychus niger, cor^
tinus, atralus, Triotiychus bituberculatvs.
Coquerel gab (Annales de la soc. entomoL III. p. 174) eine
Beschreibung des auf Madagascar lelenden Oryctes Simiar und bildete
ihn auf Taf. 10 ab.
Cetoniadae. — Eine ausgezeichnete neue Goliathiden-Form
ist Rhamphorrhina Klug (Monatsberichte der Akad, d. Wiss. 1855),
besonders durch die auffallende, breit schaufelartige Verlängerung des
Kopfschildes beim Männchen bemerkenswerth ; der Scheitel ist aus-
serdem mit zwei hakenförmig nach vorn gekrümmten Hörnern besetzt.
Von Dicranorrhina , mit der diese Gattung am meisten verv^andt ist,
unterscheidet sie sich, abgesehen von der Kopfbildung, durch die
Form des Metasternum, welches überall gleich breit, länglichviereckig
und an der Spitze gerade abgeschnitten erscheint. — Art: Rh. Velcr-
siana lö'/j lin., glänzend und lebhaft grün mit zwei breiten, hinten
zusammenflicssenden, schnecweissen Längsbinden; nur das Männchen
bekannt. — Andere neue Arten von Mossambique sind: Heterorhina
allernata, Discopeltis vidua, Oxythyrea luctifera, Pachnoda cuneata und
virginea.
Die eben erwähnte neue Goliathiden-Gattung ist fast gleichzei-
tig auch von Bertoloni (a. a. 0.) unter dem ISamen Ranzania
splendens und zwar nach beiden Geschlechtern beschrieben worden;
beim Weibchen ist das Halsschild schmaler und daher auch im Ver-
hältnisse länglicher als beim Männchen, das Kopfschild zwar ebenfalls
verlängert aber nach vorn schmaler und an der Spitze gerade abge-
stutzt; die Vorderschienen sind am Aussenrande dreizähnig, während
sie beim Männchen nur vor der Spitze schwach zahnartig erweitert
erscheinen. Nach der Abbildung scheint auch sowohl das Schildchen
als die Basis der Flügeldecken in grösserer Ausdehnung von metall-
grüner Farbe zu sein.
Costa beschrieb (Fauna del regno di Napoli) unter den sieben
im Königreich Neapel vorkommenden Arten der Gattung Cetonia sens.
strict. eine unter dem Namen C. incerta als neu und bildete sie auf
Taf. 13 ab. Sowohl nach der Zeichnung als der im vergrösserten
Massstabe beigegebenen Skulptur der Flügeldecken kann Ref. darin
nur eine in Italien stellenweise vorkommende Varietät der C. metal-
lica Fabr. erkennen. — Von einigen anderen Arten sind auf dersel-
ben Tafel bemerkenswerthe Varietäten abgebildet, besonders von Ce-
tonia aurata und Aethiessa floralis.
Schaum bemerkt (Proceedings of the entomol. soc. p. 84),
dass die von Westwood als Heterorhina bicostata abgebildete und
l:
während des Jahres 1855. 173
beschriebene Art nicht mit der von ihm unter demselben Namen be-
kannt gemachten identisch sei und setzt die Unterschiede beider aus-
einander. Er hält eine in iMossambique aufgefundene Art (die oben
erwähnte Heterorhina altcrnata Klug) für das Männchen der West-
wood'schen Art.
West wo od machte ;Linnaea entomol. X. p. 3'2f3) eine neue
Art der Gattung Ischnoscelis Burm. unter dem Namen I. üohrnii be-
kannt; sie stammt aus dem Innern Mexiko's. Sowohl die neue als
schon bekannte Art I. Iloepffneri werden mit llinzufügung der Mund-
theile auf Taf. 2 abgebildet.
Rutelidae. — Neue Arten aus Mossambique sind: Anomala
lutea, bruntiea, lucida, nitidicollis , Adoretus tarsatus , sellalus , atrica-
ptlltis und subcostalus Klug (Monatsberichte der Berliner Akad. der
Wisscnsch. 1855).
Pelidnola Oscidalii und Plalycoelia sculellata, neue Arten vom
Amazonenstrome, wurden von Guerin (Yerhandl. d. zoolog. -botan.
Vereins zu Wien V) aufgestellt.
M el 0 1 0 n thi d a e. — Die vollständige Bearbeitung dieser
Gruppe ist der Inhalt der zweiten Abtheilung des vierten Bandes von
Burmeister's Handbuch der Entomologie. Im Ganzen und Grossen
entspricht der Umfang der Phyllophaga chaenochela der Erichson'schen
Abtheilung Melolonthidae (Insekten Deutschlands), nur dass die von
Erich so n hierhin gerechneten Euchiridae , Phaenomerini und Ho-
plides ausgeschlossen bleiben. Die erstere dieser Gruppen bringt Barm,
bekanntlich zu den Melitophilen , die zweite zu den Chasmodiiden
(Rutelidae) und die letzte vertheilt er unter seine Abtheilungen An-
thobia und Phyllophaga systellochela , wozu er durch die Klauenbil-
dung , auf welche er seine Eintheilung hauptsächlich gründete, be-
stimmt wurde. Die übrigen sechs von Erich so n aufgestellten
Gruppen der Melolonthiden , nämlich die Pachypodii, Tanyproctini,
Melolontliini , Macrodactylidae , Sericoideae und Sericidae bilden also
den von Burmeister unter obigem Namen vereinigten Formen-Cy-
clus , nur dass ihre Abgränzung mehrfache Modifikatiohen erfahren
hat. Zuvörderst nimmt Burm. nur fünf Gruppen an, welche nach
der Ausbreitung der unteren Seite des Prothorax und nach der Iler-
vorragung der Yorderhüften zwei ilauptablheilungen bilden. Bei den
Macrodactylidae, Sericidae und Liparetridae nimmt nämlich der um-
geschlagene Theil des Prothorax die Hälfte der unteren Brustkasten-
Uäche ein und die Vorderhüften reichen tief unter den Kiel des Pro-
sternum herab; bei den Melolonthiden und Leplopodiden ist der um-
geschlagene Theil des Prothorax nur schmal und die Vorderhüften,
welche dadurch mehr wagerecht zu liegen kommen, reichen nicht
merklich unter den ProsternaUKiel herab. Von den Gruppen der er-
sten Hauplabtheilung zeichnen sich die Macrodactylidcn durch die
174 Gerslaecker: Bericht üb. d. Leistungen in d. Entomologie
nicht verwachsenen Bauchringe vor den beiden übrigen aus; von
diesen haben wieder die Sericiden die Oberlippe mit dem Kopfrande
verwachsen, die Liparetriden dagegen dieselbe frei. In der zweiten
Hauptabtheilung sind bei den Älelolonthiden die Hinterleibsringe ver-
wachsen, bei den Leptopodiden dagegen frei. Hält man die ßurmei-
ster'schen und Erichson'schen Gruppen gegen einander , so entspre-
chen sich die Sericiden beider Autoren in ihrem ganzen Umfange;
ebenso sind die Macrodactyliden und Melolonthiden beider fast über-
einstimmend, nur dass Burmeister den ersteren noch die Galtung
Uiaphylla Er. beizählt, von den letzteren dagegen Liparethrus aus-
schliesst. Diese Gattung wird von Burm. mit den Erichson'schen
Sericoiden vereinigt und dafür der Gruppen - Name Liparethridae
aufgestellt. Die letzte Burmeister'sche Gruppe endlich, die Lepto-
podidae , vereinigt in sich die Pachypodii und Tanyproctini Er.,
die sich auch schon im Habitus äusserst nahe kommen. — Was die
Bearbeitung der Gattungen und Arten betritft, so fand der Verf. in
dem Blanchard'schcn Catalogue de la collection du musee d'hist. nat.
de Paris eine sehr unwillkommene Vorarbeit, deren Durchdringung
eine ebenso schwierige als undankbare Aufgabe war; besonders aber
waren es die Illacrodactyliden, bei denen der Versuch, die zahlreichen
neuen Gattungen und Arten zu eruiren ohne Erfolg blieb, weshalb
der Verf. in diesem Theile unabhängig von jenem Werke aufge-
treten ist.
Eine mit Clitopa Er. nahe verwandte neue Gattung aus der
Gruppe der Pachypodidae ist Cyclomera Klug (Monatsberichte der Ber-
liner Akad. d. W issensch. 1855) , welche sich von jener durch den
Mangel der Querleiste des Kopfschildes , rechtwinklige llinterecken
des Prolhorax und stark verdickte Schenkel und Schienen (besonders
beim Weibchen) unterscheidet. Es gehören dazu zwei Arten von
Mossambique: C. disjjar und castanea. — Ausserdem wurden von
derselben Lokalität folgende neue Arten diagnosticirt : Clitopa Erich-
soniif Leiicopholis lepidola, Schhonycha livida, consvbrina und Trocha-
lus picipes.
Als neue Art aus Baltimore wurde Omaloplia trogiformis von
Uhler (Proceed. of Ihe acad. of nat. sc. of Philadelphia VIL p. 415)
charakterisirt.
Ueber die Arten der Gattung Chasmatopterus hat Perris bei
Madrid interessante Beobachtungen angestellt und dieselbe in einem
Aufsatze: „Ueunion en une seule espece des Chasmatopterus hirtu-
lus et villosulus Hlig." (Annales de la soc. entomol. IH. p. 273 ff.)
veröffentlicht. Der Verf. berichtet , dsss er in der Umgegend von
Madrid zwei als verschiedene Arten betrachtete Chasmatopterus-For-
men, die eine mit schwarzen, die andere mit gelben Flügeldecken in
Copula beobachtet habe. Erstere , welche das Weibchen ist, hat
während des Jahres 1855. l75
Uliger als Varietät seiner llelol. hirlula angesehen, während er
die letztere (das Älännchtn) als Mtl. villosula hesthritb. Perris
giebl nun eine gtnauc Beschreibung der Art nach beiden Geschlech-
tern und ändert ihren ISainen in Ck. JlUgeri um, was, wie H eiche
(ebenda p. 235) richtig bemerkt , unnöthig ist , indem ihr der Käme
Ch. villosulus verbleiben kann und muss. Mit 11 1 iger's Mel. hirtula
(nach Ausschluss der var. nigra) ist Chaem. hispidulus Graells iden-
tisch und wird also für diese Art ebenfalls der lUiger'sche IName bei-
zubehalten sein. Perris glaubt ausserdem, dass Chasni. parvulus
Graells = pilosulus Uliger sei.
Glaphyridae. — Als neue Art wurde von Lucas (Revue
et Magas. de Zoologie VII. p. 290 ff.) Glapliyrus pulchellus aus Algier
bekannt gemacht.
Hybosoridae. — Nybosorus crassus Klug ist eine neue Art
von Mossambique (Monatsberichte der Berliner Akad. d. Wissenschaf-
ten 1855).
Geotrupini. — Von Fairmaire wurde (Annales de la soc.
entomol. lll. p. 3u7 Q".) eine neue Art der Gattung Lethrus vom Bos-
porus beschrieben , die sich im männlichen Geschleehte durch eine
aulfällige Form des Thorax, welcher beiderseits nach vorn armartig
hervortritt, auszeichnet; der Verf. hat dafür den Namen Lelhrus bra~
chiicollis aufgestellt.
Zur Gattung Geotrupes kommen als neue Arten : Ceratophyus
laevipennis und Geolrupes fimicola Mulsant et Godart, ersterer aus
Spanien, letzterer ohne Angabe des Vaterlandes (Annales de la societe
Linneenne de Lyon U. p. 1 und 277). Die Galtung Ceratophyus wol-
len die Verf. gegen Erichson aufrecht erhalten wissen und theilen
sie sogar noch einmal in zwei Gattungen Ceratophyus und Minolaufus;
zur ersteren gehören die Arten mit einem mittleren Hörn am
Thorax des Männchens (G. Amnion , Fischeri , Hoffmannseggii) , zur
letzteren diejenigen mit zwei seitlichen Hörnern (G. Typhoeus,
Momus und auch die hier beschriebene neue Art;. Eine Widerlegung
dieser Ansicht ist nicht nölhig, da es sich leicht von selbst ergiebt,
dass hier specifische Charaktere zur Bildung von Gattungen benutzt
worden sind; denn G. Amnion, HolTmannseggii und Fischeri sind
z. B. gar nicht specifisch unterschieden.
Aphodiidae. — Mehrere neue Aphodien aus Mossambique
wurden von Klug in den Monatsberichten der Berliner Akad. d. Wis-
p«nsch. 1855 durch Diagnosen bekannt gemacht: Aphodtus picipesj
ßdiistus, donalis, connexus, cruenlus, cinerascens, circumdalus, opalroides
lind Chiron vohulus.
ürphnidae. — Eine ebendaher stammende Art ist Orphnus
bilobus Klug (a. a. 0.).
176 Gerstaecker: Bericht üb. d. Leistungen in d. Entomologie
Lucas, Uemarques synonymiques sur le genre Ilybalus et obser-
vations sur les especes de cettc coupe generique, qui habitent parlicu-
lierementles possessions fran^aises du nord de l'Afrique. (Aiinal. de la
soc.entom.IlL p. 535 — 5ü0.) Die etwas weitschweifige Erörterung des
Verf. über die Synonymie der Gattung Hybalus führt zu dem einfachen
und beliannten Kesullate, dass der zuerst von Brülle dafür aufge-
stellte Name Geohius als schon früher vergeben dem Dejean'schen
Ilybalus weichen muss. Im Ferneren wird eine nochmalige Charak-
teristik der Gattung und der fünf bereits bekannten Arten derselben
gegeben, denen sich zuletzt die Beschreibung zweier neuen: Hybalus
parvicornis aus Algier und anguslatus aus der Asiatischen Türkey
anschliesst.
Coprides. — Klug charakterisirte (Monatsberichte der Berl,
Akad. d. Wiss. 1855) eine neue Gattung Tragiscus, in der Körperform
mit Eurysternus nahe verwandt, aber durch die Insertion der Beine
und die Längenverhältnisse der Tarsenglieder unterschieden ; wäh-
rend nämlich schon die Mittelbeine mehr genähert sind, als bei jener
Gattung, treten die hintersten ganz dicht an die Mittellinie heran, so
dass kaum ein Zwischenraum übrig bleibt; an den Füssen ist das erste
Glied länger als die übrigen zusammengenommen und überall gleich breit,
die folgenden dreieckig. Der Scheitel ist beim Männchen mit einem,
beim Weibchen mit zwei Hörnern besetzt. — Art Tr. dimidialusy 7—8
lin. — Neue Arten von Mossambique sind ausserdem: Aleuchus aeru^
ginosus , infernnlis , ebenuSf Gymnopleurus chloris^ thalassinus , igniltis,
Sisyphus infuscalus , alialus , calcaralus , Onüis Lycophron , uncinatus,
fulgidus , aeruginosus , Onilicellus egvegiusy Ontliophagus pyramidalis^
rangifeVf Ardea , ßnvocinclus , Boschas ^ loricalus , bicallosus, plebejus,
Alcyon, carbonarius^ discolor^ auriculalus , ano7iialiis, cruenlatus, sugil~
latus, tnaclaliis, svfftisus, lenuicornis , crucifer , nigrilulus^ ßavolimbatus,
caslanetis, nilidutus, seminulum , Copris Japelus, Rhinoceros , platycera,
Elphenor, Bootes, cjcavala, Amyntor und evanida.
ßertoloni beschrieb (a. a. 0.) Onitis gigas als neue Art aus
Mossaml)ique ; sie ist, soviel sich aus der mangelhaften Beschreihung
und Abbildung erkennen lässt, mit 0. tridens Castelnau identisch,
welche das hiesige Museum ebenfalls von jener Lokalität erhielt.
Unter den von Costa (Fauna del regno di Napoli) aufgeführ-
ten Arteu dieser Gruppe, welche zum grösslen Theile mit den im
Südlichen Europa allgemein verbreiteten identisch sind, wird eine,
Onitis pugil als neue Art beschrieben und auf laf. XIV abgebildet;
sie ist jedoch, wie ein Vergleich der Abbildung mit den typischen
Exemplaren des hiesigen Museums ergiebt, von 0. furcifer Rossi nicht {
verschieden, deren Beschreibung auch genau dazu passt. Diejenige
Art, welche Costa für den 0. furcifer Rossi nimmt und ebenfalls
ablnldet, kann Ref. auch nur für ein schwächer entwickeltes Indivi«
i
^^üluui^^.u. Während (ic3 Jahres 1855. ' ^'J »*! «la i) 177
diuim derselben Art halten; wenigstens zeigt ein entsprechendes Exi
cmplar der hiesigen Sammlung ausser der geringeren Entwickelung
des Vordcrschcnkcl - Zahnes keine haltbaren Unterschiede. — Eine
andere neue Art ist: Oniticellus speciostts Costa (Taf. 15), welche nach
der schlankeren Körperform und der verschiedenen Zeichnung des Tho-
rax von 0. pallipes gut unterschieden zu sein scheint.
Neue Arten vom Amazonenstrome sind : Canlho7i sanguinicolliSf
sexspilolus, quadripushilalns , Copris Cotopaxi , Onlhophagus compressusy
nasutus, Osculatii und Eiiryslernus pecloralis, von Guerin (Verhandl.
d. zoolog.-botan. Vereins zu Wien V.) beschrieben.
Trogida e. — Klug diagnosticirte (Monatsberichte der Ber-
liner Akad. d. Wissensch. 1835) ümorgus tiiberosus als neue Art aus
Mossambique.
Lucanini. — Eine Anzahl neuer Formen dieser Gruppe hat
West wo od, Descriptions of some new species of Exotic Lucani-
dae, (Transact. entom. soc. III. p. 197ff. , Taf. 10 bis 12) beschrieben
und abgebildet. Der merkwürdigen Gattung Colophon Westw. fügt
er eine zweite neue Art unter dem Namen C. Thunbergi vom CafTern-
lande (?) zu , welche durch ihre kurze und gedrungene Form und
besonders durch den seitlich stark gerundeten Thorax lebhaft an Le-
thrus erinnert. Zugleich giebt er ergänzende Bemerkungen über die
schon früher bekannte Art C. Westwoodii Gray. — Neue Asiatische
Arten sind : Lucamis Thibelicus und biplagialus aus Thibet, Odontola^
bris Evansü (ob Varietät von 0. emarginatus Saunders ?) und Clado^
gnalhus piceipetinis (ob Varietät von Cl. gracilis Saunders?) aus China.
(Ref. glaubt nur letztere Art für verschieden von der Saunder'schen hal-
ten zu müssen ; von ersterer besitzt die hiesige Sammlung Exemplare,
welche die Abbildungen beider Autoren vermitteln. — Arten aus
Süd-Amerika: Sclerosloiiius kastalus , neolragus und ditomoides , der
erste aus dem Innern Süd-Amerikas, die beiden letzten aus Brasilien.
— Aus Australien: Scleroslomus caviceps von Neu-Seeland ; Lissoles
Subgen. nov , auf Lucanus cancroides Fabr., Dorcus obtusatus Westw.
und Lucanus reticulatus Westw. begründet, folgendermassen charak-
terisirt : „Figulo Nigidioque affine, mandone niaris uncinato , oculis
vero integris rotundatis vel subintegris scutelloque minuto subtrigono.
Labrum subporreclum , in medio tuberculo conico instruclum. Men-
tum transversum, angulis anticis lateralibus rotundatis, margine antico
haud emarginalo. Labii laciniae elongatae, setosae. Caput transver-
sum, antice late concavuin, lateribus haud complanato-dilalatis ; oculi
rotundati, vix canlho anlice et postice incisi." Als neue Arten dieser
Untergattung werden beschrieben : Lissotes Menalcas aus Neu-Holiand,
mit schlanken, sichelförmigen, an der Spitze dreizähnijen Mandibeln
beim Männchen ; L. subluberculalus und crenatus ebendaher, mit kur-
zen Mandibeln, die an der Innenseite mit einem dicken Zahn bewalf-
Archiv f. Naturgescb. XXU. Jahrg. Z. M, j^]
^78 Gerstaecker: Bericht üb. d. Leistungen in d. Entomologie
net sind. Ferner : Dorcus (?) Itdeus, Pelorides und Figulus lilipulanus,
alle drei ebenfalls aus Keu-Holland. Die Arten sind mit den dazuge-
hörigen Details sämnitlich abgebildet; ebenso der Kopf und die Wund-
theile des weiblichen 3treplocerus speciosus aus Chile , welcher aus
Fairniaire's DaFstellung bisher nur unvollkommen bekannt war.
Costa beschrieb (Fauna del regno di IVapoli) unter dem Na-
men Lucanus Barbarossa eine Art, die nach der Abbildung (Taf, 17)
mit der gleichnamigen Fabrici'schen Species nichts gemein hat; nach
<^er Fühlerbildung kann sie nur auf L. tetraodon Thunb. bezogen wer-
den, mit deren massig entwickelten Exemplaren sie im Wesentlichen
übereinstimmt; das hiesige Museum besitzt Italienische Exemplare die-
ser Art, die zu der Costa'schcn Abbildung wohl passen.
Ferner wurde von Mulsant und Godart (Annalcs de la so-
|iete Linneenne de Lyon IL p. 250 ff.) als neue Europäische Art auf-
gestellt: Lucanus Fabiani aus Süd - Frankreich ; sie hat gewöhnlich
eine fünfblältrige , seltener eine vierblättrige Fühlerkeule und soll
sich von L. cervus und Fonlbriantii besonders durch die Form des
Kopfschildes unterscheiden. (Die Selbstständigkeit dieser Art möchte
wohl vorläufig sehr zu bezweifeln sein ; es kommen nämlich von Luc.
Cervv^s zuweilen Ijlxemplare mit scheinbar fünfgliedriger Fühlerkeule
vor, bei denen jedoch nur das fünfte Glied tief gespalten ist.) — Eine
neue Art der Gattung Dorcus ist D. Trvquii Mulsant (ebenda p. 14 ff.)
aus den Apenninen ; sie scheint nach der Beschreibung mit D. paral-
lelopipedus nahe verwandt zu sein.
ilni)res<ide§* Neue Arten dieser Familie sind:
Slevnocera luclifera, monacha , Julodis s]>leudens , Acmaeodera
excellens , consolrina ^ Sleiasjiis aeruginosa , Chrysodema limbala, Bu^
preslis perspicillaris , amaurotica , proxima , ophlhalmica , consobrina,
pupillatOj pyritosa, aliena, Belionola reliculnfa und nervosa von Klug
(Monatsberichte der Rerliner Akad. d. Wissensch. 1855) diagnosticirt.
Lampra Guiraoi (! !) Fairmaire aus Murcia (Revue et Magas. de
Zoologie VIl. p. 107 ff. und Annales de la soc. entomol. IIL p. 307 ff.);
sie ist der L. rutilans sehr ähnlich.
Lampra hieroglyphica Mulsant et Godart aus Spanien , Anlhaxia
hilaris Muls. God. aus Griechenland (Annales de la soc. Linn. de
Lyon IL p. 5 u. 7) und Lampra mirißca Mulsant (ebenda p. 146) aus
dem südlichen Europa.
lltjperanlha Sallei Rojas aus Venezuela (Revue et Magasin de
Zoologie VIL p. 160) und Hyperantha Vargasii Rojas aus Caracas (An-
nales de la soc. entom. III. p. 361. Taf. 13).
Agrilus occidenlalis aus Indiana und impressipennis aus Baltimore
von Uhler (Proceedings of the acad. of nal. scienc. of Philad. VII.
p. 415 ff.) beschrieben.
i
während des Jahres 1855. 179
Euciieinicles» Ilainpe charakterisirte (Verbandl. d. zooL.
botan. Vereins zu Wien V. p. 255) eine angeblich neue Gattung Rha~
copus , welche sich besonders durch das in zwei Lappen getheilte
vierte Fussglicd auszeichnen soll; mit Tharopus in der Gestalt zu-
nächst verwandt, unterscheidet sie sich von dieser Gattung ausser
der Fussbildung auch durch längere Fühler, an denen das erste und
dritte Glied langgestreckt, das zweite kurz, die folgenden ziemlich
gleich lang und schwach gesägt sind. Die Art: Rh. cinnamomeus
4y4 lin. stammt aus Oesterreich. — Aus der Beschreibung , w' eiche
der Verf. von seiner Art giebt, lässt sich leicht erkennen, dass die-
selbe mit Eucnemis Sahlbergii Mannerh. zusammenfällt; die erwähnte
Bildung des vierten Tarsengliedes ist hier allerdings etwas auffallen-
der als bei den übrigen Arten der Galtung Microrrhagus, ich sehe aber
darin keinen Grund für die Aufstellung einer neuen Gattung, ,da alle
übrigen Merkmale von Rhacopus genau mit Microrrhagus überein-
stimmen.
li^Sateridest Von Salle wurde (Annales de la soc. ento-
mol. III. p 363 ff.) eine neue Gattung Eudactylus aufgestellt, ihre we-
sentlichen Merkmale jedoch kaum hervorgehoben; die Fühler sind
vom dritten Gliede an gesägt , das vierte und fünfte Tarsenglied an
allen Füssen herzförmig erweitert. Die Art, welche auf Taf. 14 ab-
gebildet ist, zeigt eine schöne chromgelbe Färbung, der Kopf, die
Basis des Halsschildes und der Flügeldecken so wie auch die Spitze
des letzteren ist schwarz. Die Art stammt von St. Domingo und ist
mir in Natur nicht bekannt, so dass ich über ihere nähre Verwandt-
schaft nichts angeben kann. — Eine neue Art von derselben Lokali-
tät ist Alaus nobilis (ebenda beschrieben und auf Taf. 14 abgebildet).
Neue Arten aus Mossambique, von Klug in den Monatsberich-
ten der Berliner Akad. d. Wissensch. 1855 diagnosticirt, sind : Dicre~
pidius nubilus , adspersulus , Physorrhinus dubius , Agrypnus infuscalus,
Cardiophorus laenialus, vestilus, lateritius und rufescens.
Semiotus afßnis und slriatus vom Amazonenstrome wurden von
Guerin (Verbandl. d. zoolog. - botan. Vereins zu Wien V.) und Se-
miotus Caracasanus aus Venezuela von de Rojas (Revue et Magasin
de Zoologie VII. p. 160) charakterisirt.
Description de quelques especes d'Elaterides par E. Mulsant
et Guillebeau (Annales de la societe Linneenne de Lyon II.
p. 17 — 32.) — Die hier beschriebenen Arten stammen zumeist aus Süd-
Frankreich und der Schweiz ; es sind folgende : Cralonychus ampli-
thor ax yon Narbonne, aspericollis aus Sicilien, sulcicollis aus Süd-
Frankreich, Alhous acutus vom Mont-Pilat, villiger ebendaher, frigidus
aus den Basses Alpes, melanoderes ebendaher, sylvaticus von Briangou,
toinenlosus ebendaher, pallens von Grande-Chartreuse, flavescens eLen-
daher und von Chamouni , herbigradus vom Mont-Pilat, caslanesf,
180 Gerslaecker: ßerichl üb. d. Leistungen in d. Entomologie
cens (! !) von Beaujolais, seniipallens aus der Schweiz, Ampedus ruß-
ceps aus Frankreich (Isere), Cryptohypnus consobrinus aus der Schweiz,
fjracilis von Lyon , Dincanthns micans (ob = subaeneus Redt, oder
xanlhodon Mark. ?) ohne Angabe des Fundoris.
Von denselben wurden (ebenda p. 317 IT.) beschrieben: Cardio-
phorus curtiilus und Ampedus melanurus aus Frankreich.
Von aiulsant und (lodart (ebenda p. Q65 ff.) : Agj-iotes mona-
chus aus der Kiim.
Suffrian machte (Enlomol. Zeit. p. 277) darauf aufmerksam,
dass die Färbung der Flügeldecken nicht hinreichend sei, um Corym-
bites cupreus und aeruginosus zu trennen, da von beiden Arten ganz
metallisch gefärbte und ebenso gelbgefleckte Exemplare vorkämen.
Vielmehr müsse zu ihrer Unterscheidung die Punklirung der Flügel-
decken, die sehr wesentliche Unterschiede darbiete, zu Hülfe genom-
men werden. Mach letzterem Merkmale stellt sich dem Verf. ausser
jenen beiden noch eine dritte, dem C. aeruginosus sehr ähnliche Art
heraus, die bis jetzt nicht als solche erkannt worden ist; er setzt ihre
Unterschiede auseinander, ohne ihr einen Kamen beizulegen.
Ja nson theilte (Transact of Ihe entomol. society III. p.222) über
die von Curtis im vorigen Jahre beschriebenen Englischen Elateren
synonymische Bemerkungen mit. Ectinus gagales ist = Ampedus lugens
Redt., Elater punctato-lineatus = Cralonychus niger Fab., Elater ni-
grinus = Ampedus nigrinus Germ., Cardiopiiorus formosus wahr-
scheinlich nur Varietät von Card, sexpunctalus Ulig. und Aplotarsus
colhurnatus = Ampedus subcarinalus Germ.
Kach Schaums Vermulhung (Procced. of the entomol. soc.
p. 85) wäre Elater nigrinus Curtis eher mit Ampedus obsidianus und
brunnicornis Germ, als mit Amp. nigrinus Payk. zu vereinigen ; in
Elater punctato-lineatus Curt. glaubt er Ampedus scrofa Germ, zu
erkennen. (?)
Kraatz berichtet (Enlomol. Zeit. p. 160), dass Crepidophorus
anlhracinus Mulsanl mit Athens foveolatus Ilampe, und dieser wieder
mit Athous mutilalus Rosenhauer identisch ist.
Kawall (Entomol. Zeit. p. 228) bestätigte die Beobachtung,
dass Elateren auch Blattläuse fressen; er hat dieselbe Erfahrung an
Elater tessellalus, ephippium und elongatulus in Kurland gemacht.
Von Perris wurde die Larve des Cryptohypnus riparius Fab.
häufig unter Steinen am Rande eines Sees in den Pyrenäen, und zwar
zusammen mit INymphen und ausgebildeten Käfern gefunden; er giebt
davon in den Memoires de la societe royale des sciences de Liege,
Tome X. p. 23G If. eine ausführliche Beschreibung und auf Taf. 5 Ab-
bildungen; ob die Larve carnivor oder phytophag ist, hat der Verf.
nicht beobachtet.
während des Jahres 1895. 181
Cyplioiiides* Thomson, Öfversigt af de arler inom Insect-
faniiljen Cyphonidae, som blifvit funna i Sverige. (Öfversigt af Kongl.
Vctcnsk. Akad. Förhandl. p. 317—322.) Nach der vom Verf. gege-
benen Uebersicht kommen in Schweden nur die Gattungen Cyphon
mit 13 und Scirtes mit 1 Art vor. Ob die Arten der ersten Galtung
durchweg begründet sind, muss sehr bezweifelt werden; mindestens
genügen die kurzen Diagnosen, durch welche sie festgestellt werden,
nicht zur sicheren Erkennung. Den Cyph. coarctatus Payk zerfällt
der Verf. z. ß. in 5 Arten , welche darin übereinkommen , dass die
Flügeldecken drei schwach erhabene Längsrippen zeigen, und dass
die Unterflügel schwarzbraun gefärbt sind; bei dreien derselben: C.
coarctatus Payk , nitidulus n. sp. und palustris n. sp. sollen die Flü-
geldecken gleichmässig, bei zweien : C. pallidiientris n. sp. und fus-
cicornis n. sp. in der Umgebung des Schildchens dichter und feiner
punctirt sein. Dem Ref. ist es nicht gelungen, diese Arten unter den
hiesigen Exemplaren des C. coarctatus, welche in Grösse und Fär-
bung allerdings stark variiren, aufzufinden. — Die übrigen für Schwe-
den angegebenen Aretn sind: C. pallidus Fabr., marginatus Fabr.,
lividus Fabr., Bohemani ]\lannerh.,'variabilis Thunb., pallidulus Bohem.,
padi Lin. und serricornis Müller.
Ijycides. IVeue Arten sind: Lycus cuspidafus Klug von Mos-
sambique (Monatsberichte der Berliner Akad. d. AVissensch. 1855) und
Calopteron gracile , specio&um und binotalvm Guerin vom Amazonen-
strome (Verhandl. d. zoolog.-botan. Vereins zu Wien V.)
liainpyridcs. Luciola obscnripennis, cisleloides , himaculata,
c'niclicollis und exigua Klug (a. a. 0.) sind neue Arten von Mossam-
bique, Megalophthalnws maigmalus, Photinus subcoslatus und Lncidota
Osculatii Guerin (a. a. ü.) vom Amazonenstrome.
Teleplioridfs. Von Spinola wurde (Osculati, Esplora-
zione delle regioni aequatoriali p. 203) eine neue Galtung Boeoscelis
aufgestellt, welche mit Phcngodes und Actenista in der nächsten Ver-
wandtschaft steht; von erslerer unterscheidet sie sich dadurch, dass
die Seitenfortsälze der einzelnen Fühlerglieder, obwohl wenigstens
\iermal so lang als das Glied selbst, nicht spiralförmig zusammenge-
rollt sind, von letzterer durch frei hervorragenden, horizontalen Kopf,
von beiden durch die Längenverhällnisse der mittleren und hinteren
Tarsen , die länger als die entsprechenden Schienen sind. Die ein-
zige Art: B. Oirulatii stammt von den Ufern des Kapo in der Pro-
vinz Quito.
i?ieiyride.s. Zwei neue Arten sind: nialacliius pulchcllus K\i\g
(zur Galtung Attalus Er. gehörend) aus Rlossambique (Monatsberichte
der Berliner Akad. d. Wissensch. 1855) und Malackius slolalus Mul-
sant et Godart aus der Krim (Annalcs de la soc. Linneenne de
Lyon II. p. 2CiS}.
iiB2 Gerstaecker: Bericht üb. d. Leistungen in d. Entomologie
Perris entdeckte die Larve von Ebaeus albifrons Fab. unter fau-
lenden Substanzen, wo sie sich von jungen Poduren, Porcellionen u. a.
ernährt; sie gleicht sehr denen von Malachius und Anthocomus. Eine
ausführliche Beschreibung und eine Abbildung derselben wurde in
den Memoires de la societe royale des sciences de Liege X. p. 241.
PI. 5 gegeben.
CSerii. In Gleichem wurde die Larve des Tarsostenus uni-
vittatus Rossi von Perris (ebenda p. 238) beschrieben und auf Taf. 5
abgebildet; sie lebt in den Gängen, welche von Lyctus-Larven ge-
bohrt werden und nährt sich von letzteren.
PHiiioFes> "Vom Ref. wurden Ligniperda congener, cylin-
drus und Sinoxijlon conigerum als neue Arten von Mossambique dia-
gnosticirt (Monatsberichte der Berliner Akad. der Wissenschaften 1855.
p. 268.)
Von Bremi (Entomol. Zeit, p.329): Ptinus Olli vom St. Bern,
hard, 7000' hoch unter Steinen aufgefunden , beschrieben.
Azambre fand Ptinus sexpustulatus in grösserer Anzahl in
verlassenen Nestern von Andrenen und anderen Hymenopteren, wo
sich zugleich auch die Larve aufhielt. (Bullet, de la soc. entomol. IIL
p. LIL) — Eine solche Lebensweise scheint mehreren Arten der Gal-
tung eigen zu sein , denn in hiesiger Gegend findet sich Ptinus cre-
natus ausschliesslich in Bienenhäusern.
Wach Roger (Entomol, Zeit. p. 308) zeigen die Ptinen eine
auffallende Indifferenz gegen Kälte, indem sie noch bei 12bisl4oR. —
frei an Wänden sitzen und bei Berührung davon laufen.
Ijyniexylones. Atracloceius frontalis Klug ist eine neue
Art von Mossambique (Monatsberichte der Berliner Akad. d. Wissen-
schaften 1855).
]VIela»oi]ia. Descriplion des Omocratates et des Heliopatlia-
tes , derniers insectes de la tribu des Pandarites, par E. Mulsant et
C. Rey. (Annales de la soc. Linneenne de Lyon IL p. 77—143). Es
werden hier dieselben Arten der Gattungen Omocrates, Meladeras und
ileliopathes beschrieben, welche schon im fünften Hefte der Etudes
entomologiques derselben Verfasser enthalten sind. (Siehe den vori-
gen Jahresbericht !)
Von Lucas wurde im Bulletin de la soc. entomol. p, XXXIV
eine vorläufige Notiz über eine in Algier aufgefundene neue Tentyri-
den-Gattung Micipsa gegeben, welche mit Tagona zunächst verwandt
ist, bei der aber das dritte Fühlerglied die beiden folgenden nicht an
Länge übertrifft und die Augen rund und stark convex sind. — Eine
ausführlichere Beschreibung und eine Abbildung der Gattung gab der
Verf. im 10. Bande der Memoires de la societe royale des sciences
wÄfirenif des Jahres 1855. 183
de Liege p. 294 ff. — Die Art M. rußtarsis hat nach der Abbildung fast
die kurze, gedrungene Form einer Pimelia und ist 9 mill. lang.
Derselbe gab (Rev. et Magas. deZool. VII. p. 335 ff.) einö aÜs-
füiirliche Beschreibung der schon im ßullel. de la soc. entom. 15^52
vorläufig von ihm bekannt gemachten Gattung Oochfotus, auf die hier
um so mehr aufmerksam zu machen ist , als sie in dem betreffenden
Jahresberichte nicht erwähnt worden ist. Es ist dies dieselbe Gat-
tung, welche als Pycnidium Er. i. lit. allgemein bekannt ist Und die
auch im südlichen Europa vorkommt. Erichson hat Im Jahresbe-
richte von 184f. p. 114 seine Galtung Pycnidium für identisch mit
Myrmecobius Luc. erklärt, doch ist letztere riach ausdrücklicher An-
gabe des Autors pentamerisch , Pycnidium aber heteromerisch. Dass
Pycnidium Er. mit Oochrotus Luc. identisch ist, lässt sich durch Ver-
gleich der Erichson'schen Exemplare mit der Lucas'scheh Beschreibung
leicht ersehen; übrigens ist in der vom Verf. gegebenen Abbildung
(Taf. 9. fig- 1 ) wahrscheinlich aus Versehen das mittlere Fusspaar
statt des hinteren tetramerisch gezeichnet. Lucas hat auchdieMund-
theile beschrieben und abgebildet und diese rechtfertigen die Stellung
der Gattung unter den Tenebrioniten vollkommen ; der ihr vom Verf.
angewiesene Platz neben Phyletus ist nach der Bildung des Kopfes
und der Form der Palpen durchaus zu billigen. Die Art: ü. unico-
lor lebt in Algier in Ameisennestern und ist äusserst flink; das hie-
sige 3Iuseum besitzt auch Exemplare aus Sicilien und Andalusien.
Als neue Arten wurden ferner von Lucas bekannt gemacht:
Tenlyria Godartiana, Ollii, acuminipennis ^ Mulsantii , longicoUis und
gibbicoUis aus Algier (Revue et Magasln de Zoologie VII. p. 290 fl'.).
Vom Ref. (Monatsberichte der Berliner Akad. d. Wissensch.
1855): Opatrum angusticolle und Cossyphts grandicollis aus ÄJos-
sambique.
Von Bertoloni (lUustr. dcl prodotti natur. del Mozambico) :
Heleroscelis Savii „Castaneo-fuscus, punctatissimus , elytris interrupte
luberculato-costatis," ebendaher.
Von Fairmairc (Revue et Magas. de Zool. VII. p. 108 und
Anuales de la soc. cnlomol. III. p. 307 0".): Vtaiydema paroltela aus
Sicilien,
Von Mulsant in Verbindung mit Rey, Godart u. A. (Annales
de la soc. Linneenne de Lyon IL): llelops svperbus (p. 152) von Cor-
siea , Pandatintis (subg. Dichroinma Friv.) foraminosm Von Greta
(p. 194), Mycelorhares fasciala aus den (Jasses Alpes (p. 255), üloma
Perroudii aus Frankreich und der Schweiz (p. 42 f).
Von de Rojas (Rev. et Magas. de Zool. VII. p. 160): Spki.
Äi'sc'/s Ckerrolatii aus Venezuela.
Reiche bcmcrklc (Bullet, de la soc. cntomol. p. CXI), dass
184 Gerstaecker: Bericht üb. d. Leistungen in d. Entomologie
die Galtung Cnemeplatia Costa nicht mit Coxelus und Diodesma in
näherer Verwandtschaft stehe, sondern mit Dejean's Öpatrinen-Gat-
tung Sclerum identisch sei; bekannte Arten dieser Gattung sind z. B.
üpatrum Orientale und ferrugineum Fabr.
Zur Kenntniss der Larven dieser Familie wurden folgende Bei-
träge geliefert:
Kotes pour servir ä l'histoire des Tenebrions, par Mulsant et
Guillebeau (Annales de la soc. Linneenne de Lyon IL p. 9 tf.).
Es werden hier die Larven von Tenebrio obscurus und transversalis
beschrieben, von denen die erste in Kastanienbäumen, die letztere in
Eichen lebt. Die Larve des T. transversalis unterscheidet sich von
denen des T. obscurus, molitor und opacus dadurch , dass ihr letztes
Körpersegment nur in eine Spitze endigt, während sich bei jenen
zwei solche finden. (Vergl. damit West wo od und Hagen, Jahres-
bericht für 1853.)
Lucas lieferte (Annalcs de la soc. entomol. 111. p. 248) eine
ausführliche Beschreibung der ersten Stande von Triholium castaneum
und bildete dieselben auf Taf. 13 ab. Die Larven zeigten sich als
Zerstörer von Schmetterlingen, die aus Abyssinien eingesandt wurden.
Ebenda p. 243 beschrieb Cussac die Verwandlungsgeschichte
der Mycetochares linearis, die übrigens schon durch ß euch 6 bekannt
geworden ist, und bildete die ersten Stände auf Taf. 13 ab.
Die Larve von Sphindus Gyllenhali fand Perris zusammen mit
denen der Liodes castanea in Ucticularia hortensis und beschrieb sie
ausführlich in den Memoires de la soc. royale des sciences de Liege X.
p. 251 ff.; Abbildung auf Taf. 5. Einen sicheren Schluss auf die sy-
stematische Stellung des Käfers wagt P. aus der Larve nicht zu
ziehen.
]TIelan(1ryadiie« Kraatz theilte (Entomol. Zeit. p. 373)
mit, dass Conopalpus testaceus Oliv, und flavicollis Gyll. in Begattung
gefunden worden sind und daher nur als die beiden Geschlechter
einer und derselben Art anzusehen seien; w^ahrscheinlich ist auch C.
Vigorsii Sleph. damit identisch. — Eine nur halb so grosse Art mit
bläulich schimmernden Flügeldecken und nach vorn und hinten gleich-
massig stark verengtem Halsschildc, die in verschiedenen Gegenden
Deutschlands aufgefunden worden ist, unterscheidet er unter dem Ka-
men C. hreticoUis.
Wollaston gab im Zoologist p. 4()55 Kachricht über das Vor-
kommen der Orchesia minor Walker (= 0. sepicola Rosenh.) in Eng-
land; sie lebt besonders auf Prunus spinosa und erscheint meistens
im Herbst (Juli bis Oktober).
Perris beschrieb (Memoires de la soc. roy. des sciences de
Liege X. p. 24y ff.) noch einmal die Larve der Dircaca lacvigala (dis-
während des Jahres 1855. 185
color Fab.) und bildete sie auf Taf. 5 ab. Sie ist bereits von Erich,
s 0 u bekannt gemacht worden.
Ivan^riariaf^» Eine schöne neue Art aus Mossambique ist
Lagria aeruginea des lief. (Monatsberichte der Berliner Akad. der
Wissensch. 1855).
Nachdem die Larve und Entwickelungsgeschichte der Lagria hirta
schon vor zwei Jahren (siehe Jahresbericht über 1853) von Heeger
ausführlich erörtert worden ist, bildet sie in diesem Jahre wiederholt
den Gegenstand von zwei Darstellungen. Sie wurde zunächst von Per-
ris (Memoires de la soc. roy. des sciences de Liege X. p. 255 ff.) in
Gemeinschaft mit der Larve von Lagria lata beschrieben und auf Taf,
5 bis abgebildet; die der letzteren Art ist ihr im Ganzen sehr ähn-
lich, aber nach vorn beträchtlich breiter. Perris glaubt die Lar-
ven für carnivor halten zu dürfen, ohne jedoch darüber direkte Beob-
achtungen gemacht zuhaben. — Zweitens wurden von Mulsant und
Guillebeau „Wotes pour servir ä l'histoire des Lagries« in den
Annales de la soc. Linnecnne de Lyon IL p. 65ff. veröffentlicht, in
welchen zunächst ebenfalls die Larve der Lagria hirta beschrieben
und zugleich dieSynonymie des ausgebildeten Insekts in grosser Voll-
ständiglieit zusammengetragen worden ist. Ausserdem beschreiben
die Verf. noch die Larve einer zweiten Art, die sie für neu ansehen
und unter dem Namen Lagria airipes näher charaktcrisiren ; sie findet
sich in Süd-Frankreich.
B>yrocBiroicles. Le Conte lieferte (Proceed. acad. natural
sciences of Philadelphia VIL p. 270—277) eine „Synopsis of the Py-
rochroides of the United States,« in welcher er zunächst eine Acn-
derung in Betreff der Gränzen dieser Familie vornimmt. Eine Erwei-
terung besieht darin, dass die von La Ferte den Anlhicinen beige-
sellten Gattungen Eurygenius, Stereopalpus, iVlacrarthria und Xylophi-
lus vom Verf. zur gegenwärtigen Familie gezogen werden und zwar
aus dem Grunde, w^eil sie von ersleren durch ausgerandete Augen und
parallele Paraplenren abweichen, durch diese Merkmale sich aber ge-
rade den Pyrochroiden anschliessen sollen. — Was die Parapleuren
belrilfl, so sehe ich keinen einigermassen erheblichen Unterschied in
ihrer Bildung bei beiden Familien; die Augen von Xylophilus z. B.
weichen aber jedenfalls noch bei weitem nicht so sehr von denen
der übrigen Anthicinen ab, als unter den Pyrochroiden die vonPyro-
chroa gegen Dendroides. Es ist also hier auf weniger erhebliche
Merkmale Gewicht gelegt worden, als die sind, wodurch jene La-
ferte'schen Gallungen den Anthicinen eingereiht werden ; bei letzteren
sind nämlich die Mittelhüflen klein und in die Brust eingesenkt,
auch durch einen deutlichen Fortsalz des Sternums getrennt; bei den
Pyrochroiden hingegen sind sie gross, ganz frei und in der Mittellinie
zusaminenslossend. Ausserdem ist bei letzteren der Hinterleib last
im Gerslaecker: Bericht üb. d. Leistungen in d. Entomologie
häutig und alle Segmente gleich lang, bei den Anthicinen dagegen
hornig und das erste Segment stark verlängert. Es kann daher eine
Erweiterung der Pyrochroiden auf Kosten der Anthicinen nicht wohl
zulässig erscheinen , vielleicht wäre es aber am geeignetsten, beide
Familien zu vereinigen. — Auf der anderen Seite hat der Verf. die
Gattung Pytho, obwohl sie in Nord-Amerika durch einige Arien ver-
treten ist, nicht mit in seine Bearbeitung hineingezogen, einen Grund
hierfür aber nicht angegeben. — Die eigentlichen Pyrochroiden , auf
welche die Familie beschränkt bleiben muss , sind in Nord-Amerika
durch fünf Galtangen vertreten: 1) Pedilus Fischer mit 10 Arten: P.
funclulaliis n. sp. , collaris Say (Anthicus) , lugubris Say (Pyrochroa
infumata Uentz) , labiatus Say, pulch^r Le Conle, impressus Say,
guttula Newm. , Newmani Le Conte (lugubris Kewm.), elegans Ilentz
und fulvipes Newm. 2) Pyrochroa GeofTr. mit 2 Arten : P. flabel-
lata Fahr, und femoralis n. sp. 3 ) Schizotus Newm. mit 1 Art :
Seh. cervicalis Newm. 4) Dendroides Latr. (Pogonocerus Fischer)
mit 4 Arten : D. canadensis (bicolor Newm.) , concolor n. sp. , (e-
flaceus n. sp. und ephemeroides JMannerh. ; letztere , die dem Verf.
unbekannt ist , steht seinem D. testaceus sehr nahe und kommt auch
in den Rocky-Mountains vor. 5) Nematoplus n. g. von den vorigen Gat-
tungen dadurch unterschieden, dass die Klauen mit einem langge-
streckten, fadenförmigen Anhang versehen sind: die Tarsen sind lang-
gestreckt, dünn, an den ölaxillar- und Labialpalpen das letzte Glied
eirund und abgestutzt. Eine Art: N. collaris. (Diese Gattung, welche
dem Ref. nicht bekannt ist, könnte vielleicht noch zu den Anthicinen
gehören.) — Von den zu den Anthicinen gehörenden Gattungen ist
Eurygenius Laf. durch 3 (E. WUdii n. sp., murinus Hald. und con-
strictus Le Conte), Stereopalpus Laf. durch 3 (Mellyi Laf., badiipen-
nis n. sp. und gutlalus n. sp.) , Macrarlhria Newm. durch 2 (murina
Fabr. und confusa n. sp.) und Xylophilus Bon. durch 6 Arten in den
Vereinigten Staaten vertreten; von letzteren sind neu: A'. Melsheimeri,
nolaliiSj piaeus und basalis.
Anthicis^l» Truqui hat im XVL Bande der Memorie della
Reale Accademia delle scienze di Torino die von ihm in Syrien und
auf Cypern aufgefundenen Anthicinen aufgezählt und die darunter be-
findlichen neuen Arten beschrieben und abgebildet. (Die Arbeit ist
unter dem Titel: „Anthicini insulae Cypri et Syriae, auctore E. Tru-
qui, Taurini ISdö" in 4. c. tab. 1 color. auch einzeln erschienen,}
Auch in Bezug auf die hier behandelte Familie zeigen die genannten
Lokalitäten eine ziemlich ausgedehnte üebereinstimmung der Arten
mit der Süd-Europäischen Fauna, wie sich aus der Uebersicht der in
der Arbeit aufgeführten Arten leicht ergiebt : Notoxus 5 A. , davon
1 A. neu ; Mecyriotar^us 1 A. bekannt, IMyrmecosoma i A. bekannt,
Anlhicns 3iJ A., darunter 14 A. neu, UchlhenuiMus 6 A., davon 1 A.
I
während des Jahres 1855. t87
neu. — Die Beschreibungen der neuen Arien sind sorgsam, die Ab-,
bildungen äusserst fein und sauber und besonders durch schönes Co-
lorit ausgezeichnet,
Te«4icaniiü. Courbon, Observations sur les Coleopleres
vesicants des environs de Montevideo (Comptcs rendus de l'academie
des Sciences de Tlnstitut de France, Tome 41. p. 1003(1".) giebt Mit-
theilungen über die vesikatorischen Eigenschaften dreier Canthariden-
Arten , welche in der Umgegend von Montevideo vorkommen. Sie
werden als Lytta adspersa Klug , L. vidua Klug und L. cavernosa
Reiche i. lit. bestimmt und unter diesen Namen beschrieben , indem
der Verf. die beiden ersten für unbeschrieben hält. Besonders ist es
die erste Art, welche eine bei weitem stärkere blasenziehende Ei-
genschaft besitzt als die einheimische Lytta vesicatoria. — Guerin
weist (Revue et Magasin de Zoologie VII. p. 586) nach , dass die
erste Art schon von Klug beschrieben, die zweite aber von der
Klug'schen Art gleiches Namens verschieden sei; er beschreibt letz-
tere daher unter dem Namen Canth. Coiirhonii als neu,
Nemognalha ßavipennls Uhler ist eine neue Art aus Virginia
(Procecd. of the acad. of nat. scienc. of Philadelphia VII. p. 415 ff.).
Unter dem Namen Meloe rtifipes beschrieb Bremi (Entomol.
Zeit. p. 196 ff.) eine angeblich neue Art von Zürich, die jedocb nach
Kraatz (ebenda 1856. p. 179) sich nur als ein unausgefärbtes Exem-
plar des Meloe violaceus herausgestellt hat.
Rliipiphoricles. Ref. hat in einer Bearbeitung dieser Fa-
milie (Rhipiphoridum Coleopterorum familiae dispositio systematica,
Berol. 1855.4. tab. 1) zuvörderst eine Abtrennung von den Mordellen,
mit denen sie bisher fast allgemein vereinigt worden ist, vorgenom-
men. Wenn diese schon durch eine durchweg abweichende Bildung
der Fühler , Mandibeln und beider Palpen gerechtfertigt erschien, so
stellte sie sich auch besonders deshalb als nothwendig heraus, als die
von den Mordellen abweichende ,• bei den sonst sehr heterogenen
Gattungen der Riiipiphoriden aber übereinstimmende parasitische Le-
bensweise der ersten Stände auf eine in der IVatur seihst begründete
Familien-Eigenthümlichkeit hinzudeuten schien. Dass übrigens durch
einige Formen, wie Trigonodera auf der einen und Rhipiphorus auf
der anderen Seite eine gewisse Annäherung an die Mordellcn statt-
findet, kann durchaus nicht in Abrede gestellt werden. — Es könnte
von denjenigen, welche die Strepsipteren für Käfer zu hallen geneigt
sind, dem Bearbeiter ein Vorwurf daraus gemacht werden, dass er
nicht auch diese der Familie der Rhipiphoriden , mit der sie in der
Lebensweise der Larven doch die grösste Analogie zeigen, einver-
leibt hübe. Er kann darauf nur emidern, dass er mit dieser AI'-
sicht an eine Untersuchung der Strepsipteren gegangen ist, sieh aber
188 Gerstaecker: Bericht üb. d. Leistungen in d. Entomologie
von der Unmöglichkeit einer solchen Vereinigung, welche nur eine ober-
flächliche Anschauungsweise befürworten kann, überzeugt hat. — Was
die Eintheiliing der Familie betrifft, so stellen sich zunächst vier durch
sehr scharfe Charaktere bezeichnete Gruppen heraus. Die erste der
Ptüopkorlni zeichnet sich sogleich durch die Entwickelung der Flügel-
decken , welche hier den ganzen Körper bedecken, aus; ausserdem
liegt das Schildchen frei zu Tage, die Augen sind ausgcrandet, die
Fühler beim Männchen gekämmt, beim Weibchen gesägt, die Klauen
meistens dicht gezähnt. Es gehören dazu 7 Gattungen: Trigonodcra
Dej. (13 A.), Geoscopus n. g. (1 Art vom Cap) , Pelecotoma Fisch.
(2 A.) , Clinvps n. g. (1 Art vom Cap), Ancholaemus n. g. (l Art
aus Brasilien), Euclcnia n. g. (l Art aus Neu-Holland) , Ptilophorus
Dej. (5 A.) und vielleicht auch Ctenidia Cast. , die dem Ref. nicht
aus eigener Anschauung bekannt ist. — Die zweite Gruppe Rhipidiini
ist durch die Augen des Alännchcns, welche den ganzen Kopf ein-
nehmen, die rudimentäre Bildung der Mundtheile und die stummel-
artigen Flügeldecken desselben, ausserdem durch die larvenähnliche
Form des AVeibchcns bezeichnet. Die einzige Gattung Bhipidius um-
fasst 3 Arten. — Die dritte Gruppe Mijodilini ., die ebenfalls nur die
einzige Gattung ]\lyodit«.s mit 4 Arten umfasst, weicht von allen
übrigen durch die weite Entfernung aller Hüften von der Älittellinie
ab, und schliesst sich durch die verkürzten Flügeldecken der vori-
gen im Habitus eng an. — Die vierte Gruppe der Rhipiphorini end-
lich charaktcriäirt sich dadurch, dass das Schildchen durch einen Vor-
sprung des Thorax bedeckt ist, dass die Klauen an der Spitze gespal-
ten sind und die Flügeldecken, welche das Ende des Körpers nicht
ganz erreichen, an der Naht klaffen. Die beiden ihr untergeordneten
Gattungen sind Metoecus Dej. mit 1 und Uhipiphorus Fabr. mit 40
Arten. Die Feststellung der Arten der letzten Gattung ist wegen
der grossen Veränderlichkeit der Körperfarbe schwierig und sind dem
Verf. deshalb auch mehrere Arten der früheren Autoren unbekannt
oder zwei{*elhaft geblieben. — Dt^r auf der beifolgenden Tafel, Fig. 7
abgebildete riilophorus ist Pt. nervosus aus Keu-HoUand, und nicht,
wie im Texte irrthümlich angegeben, Pt. Dufourii.
Costa gab (Fauna del regno di Napoli) Beschreibungen und
Abbildungen (Taf. IP) von Älyodites subdipterus ((/$), Emenadia fla-
bellata und bipunciala nov. spec. ; die letztere ist jedoch nicht neu,
sondern = Uhipiphorus bipunctatus Fabr. , der bisher nur aus Asien
und Afrika bekannt war.
Mor«^e5ä4>»ae. Die im Königreich Neapel vorkommenden
Arten dieser Familie hat Costa (Fauna del regno di Napoli) ausführ-
lich beschrieben und abgebildet, und zugleich eine Zersplitterung der
Gattungen IMordella und Änaspis vorgenommen , welche beim Älangel
wescnlllcher Unterschiede nicht zu billigen ist. Den meisten An-
während des Jahres 1855. 189
Spruch auf generische Abtrennung von Mordclla scheint noch die Gat-
tung Tomoxia Costa mit cinir Art: T. hucephaln ( Tat". 20. fig. 1) zu
haben, bei welcher das Endglied der Fühler beilförmig und an der
Spitze abgestutzt erscheint; im übrigen ist auch hier Alles mit Mor-
della übereinstimmend, denn die verlängerten Älittellarsen, welche der
Verf. als charakteristisch hervorhebt, zeigen sich bei anderen Arten
(z. ß. Taf. 20. fig. 5) in gleicher Weise. — Unter der Galtung iMor-
della im engeren Sinne beschreibt Costa im Ganzen 7 Arten: M.
coronata n. sp. (ist eine nicht seltene Varietät der Äl. fasciata Fabr.),
M. inlerrupla n. sp. (ist die gewöhnliche Form der M. fasciata Fabr.),
BI. fasciata (eine mir unbekannte Art, aber nicht gleich der Fabrici'-
schen Art dieses Namens), iM. basalis n. sp. (eine ausgezeichnete, mir
nicht bekannte Art), M. aculeata Lin., M. Lrevicauda n. sp. und M.
perspicillata n. sp. (nach der Abbildung wohl schwerlich von M. bi-
punclata Germ, verschieden). — Die folgenden Arten trennt Costa
als MordelUslena nov. gen. ab, dessen Charaktere durch „Corpus ma-
gis compressum , latitudine altius , pronoto longitudine haud laliore,
subquadrato , elytris angustis , apice subacutis" festgestellt werden,
also rein habituell sind. Die fünf hierher gerechneten Arten sind :
M. Stricia n. sp., purpurascens n. sp. (offenbar = Mord, pumila Gyll.),
picipes (eine durch hellgefärbte Beine ausgezeichnete Ait, im hiesigen
Museum aus Sicilien), coufmis n. sp. und minima n. sp. — Ferner:
Katirrica nov. gen. „Antennae subfiliformes , scutellum vix ullum,
omnino obtectum." Die Abbildung der Art N. meridionalis n. sp. zeigt
eine gewöhnliche Mordella; die Beschreibung lässt auf Mord, brun-
nea Fabr. schliessen, bei der das Schildchen jedoch sichtbar, wenn
auch klein ist. — Anaspis , 7 Arten, davon neu: Ä. labiala (eine
kleine , durch helirothe Vorder- und Mittelschienen ausgezeichnete
Art, im hiesigen Museum aus Sicilien) , vielanosloma und vulcanica,
letztere eine elegant gefärbte, mir unbekannte Art. Die An. macu-
lata Costa ist == A. obscura Marsh. ; diese sowohl als besonders A.
humeralis wird auf Taf. 23 in mehreren schönen Varietäten abgebil-
det. — Endlich wird auf Anaspis thoracica und flava , die der Verf.
als besondere Arten betrachtet , eine neue Gattung Plesianaspis be-
gründet, bei der das 3te bis 5te Abdominalsegment des Männchens
gespalten sein und vom 2ten und oten je zwei fadenförmige Anhäng-
sel entspringen sollen; mir ist diese Bildung bisher nicht bekannt
geworden.
Ctecleineritae. Von Costa (Fauna del regno di Napoli)
wurden mehrere neue Neapolitanische Arten dieser Familie beschrie-
ben und abgebildet: Sparednts Orsinii (Taf. 9) von etwas anderer Ge-
stalt als Sp. testaccus, auch am Thorax gelb, mit gleichfarbiger dich-
ter Behaarung bedeckt; Anonco des meridionalis (Taf. 9) schwärzlich
erzfarben, mit bläulichen Flügeldecken ; Oedemcra anguslicollis '^'{-ai. 10)
tÖO Gerslaecker: Bericht üb. d. Leistungen in d. Entomologie
graugrün mit dunkeln Beinen und in der Mitte gelblichen Flügel-
decken, marginata (Taf. 10) der vorigen ähnlich, von mehr schwarz-
brauner Körperfarbe, macidiventris (Taf. 10) der 0. melanopygia Schmidt
ähnlich, doch der Bauch gelb mit schwarzen Seitenfleckt n , pusilla
(Taf. 11) Kopf braun, Thorax rothgelb, Flügeldecken fahlgelb, Beine
grün mit gelben Vorderschienen und Schenkelspitzen. — Auf Oede-
mera lurida Gyll. gründet Costa eine eigene Gattung Oedemerina.
Für Stenostoma rostrata führt er den älteren Fetagna'schen Namen
St, coerulea (Rhinomacer) ein.
Kawall machte (Entomol. Zeit. p. 27ö) Mittheilungen über das
Vorkommen und das Eierlegen des Calopus serraticornis. Ein Weib-
chen legte etwa 30 längliche Eier von 1'" Länge in der Gefangen-
schaft zwisciien Kieferspänen ab und kittete dieselben mit leimigen
Fäden zusammen.
Von Mulsant und Godart wurde (Annales de la soc. Linne-
enne de Lyon IL p. 278j Myclerits rvßcornis als neue Art aus der Krim
beschrieben.
Siü|)(n$>;^icles. Costa beschrieb (Fauna del regno di Nspoli)
folgende Arten als neu: PJthiosimus Genei^ Taf. 12. fig. 3 (nicht Fig. 4,
wie irrthümlich im Texte angegeben ist), ist nach Beschreibung und
Abbildung ohne Zweifel mit Khin. ruficoUis Panz. identisch. Ferner
Rliinosimus Sjiinolae , Fig. 4 (nicht Fig. 5) fällt ebenso sicher mit
Rhin. planirostris Fabr. zusammen. Sollten diese beiden Arten selbst-
ständig sein, so müssten sie den angeführten älteren ungemein ähn-
lich sehen; da aber Costa von diesen gar nichts erwähnt, so
scheint ihm von ihrem Bestehen überhaupt nichts bekannt gewesen
zu sein.
ISreiclBetae« Die Artenkenntniss dieser Familie ist durch
Beschreibung einer grösseren Reihe neuer Arten, welche sich in der
Saunder'schen Sammlung befinden und von Jekel (Insecta Saunder-
siana, Coleoptera Pars 1) bearbeitet worden sind, wesentlich gefördert
worden; dagegen bedürfen die zahlreichen daselbst aufgestellten neuen
Gattungen gewiss noch einer sehr gründlichen Prüfung, indem sich
mehrere, welche dem Ref. aus eigener Anschauung bekannt waren,
wenig hallbar erwiesen ; es gilt dies besonders von der Gruppe der
Anthribiden , welche in ähnlicher Weise wie die Clerier durch die
grosse Wandelbarkeit einzelner Körpertheile leicht zu einer über-
triebenen Zersplitterung Anlass geben und daher mit gehöriger Um-
sicht behandelt sein wollen. — In der Bruchiden- Gruppe hat der
Verf. nur eine neue Gattung aufgestellt, welche auch gut begründet
zu sein scheint; sie heisst Coryopemon mit einer Art: C. kierogly^
phicus aus Ostindien, hat wie Caryoborus verdickte Hinterschenkel und,
gekrümmte Hinterschienen, aber sehr kurze Fühler, welche vom 5ten
\väl)ren(l des Jahres 1855. ,i •) ^ ß j ,- i ; o ^^^
Gliede an stark nach innen gesägt erscheinen. Auch durch die läng-
lich eiförmige Körperl'orni und den rhomboidalen, in der Rliltc stark
nach hinten ausgezogenen Thorax weicht sie habituell von Caryobo-
rus ab. Die übrigen neuen Arten sind: Bruchus Balesii vom Amazo-
nenstrome, capreolus und Savndersii aus Süd-Amerika (?) , repubUca-
nus von Corfu, Doimnicanus von St. Domingo, pnlealus aus Brasilien,
Fachijmerus quadricJeus aus Columbien, plagicornis aus Brasiiien (V),
Spermopkagns SaUei von St. Domingo , virens von Cayenne und reli.
cvlatus aus Brasilien. — In der Anthribiden-Gruppe zieht Jekel zu-
erst die beiden Schönherr'schen Gattungen Phloeotragus und Ptychode-
res in Betracht und glaubt von der ersteren die drei Süd -Amerika-
nischen Arten Schönherr's, z. B. Fhl. prasinatus trennen zu müs-
sen, was aber für die genannte Art jedenCalls nicht angeht , da sie
in allen Punkten mit den Arten der alten Welt übereinstimmt. Indem
Jekel diese drei Arten mit zu Ptychoderes zieht, theilt er diese
Schönherr'sche Gattung nach unwesentlichen Unterschieden in der
Form des Rüssels in drei Gattungen riycliodares sens. strict. , Hyp~
selolropis und Tribolropis und letztere Gattung wieder nach speci-
fischen Merkmalen in vier Untergattungen: Tribolropis, Ectalolro^
pis f Tropijjygus und Sfenomelopus. Als Typug yon Tribotropis wird
Phloeotragus prasinatus, von Tropipygus dagegen der durch langge-
streckte Fühler ausgezeichnete Phl. speciosus Klug i. lit. aufge-
stellt; beide sind aber nach allen wesentlichen Charakteren wirk-
liche Phloeotragus. Der Verf. hätte an Statt dieser Zersplitterung
besser gethan, die beiden Schönherr'schen Gattungen Phloeotragus und
Ptychoderes zu vereinigen, indem ihnen kein wesentlicher Unterschied
zu Grunde liegt; denn die Verlängerung der Fühlergrube nach unten
ist bei sonstiger Uebereinstimmung ein Merkmal von geringer Wich-
tigkeit, besonders auch deshalb, weil sie z. B. bei Phloeotragus al-
bicans Schh. ebenfalls schon angedeutet ist. Bei einer derartigen
Vereinigung beider Gattungen würden die Arten mit längerem, schma-
leren Rüssel und verlängertem letzten Fühlergliede beim Männchen
eine besondere Gruppe bilden , zu der ausser den Arten der alten
Welt auch Phloeotragus prasinatus und speciosus aus Süd -Amerika
gehören müssten. Die hierher gehörigen, von Jekel als neu be-
schriebenen Arten sind: Fttjchoderes depressus aus Brasilien, Culum-
bianus von Bogota, callosus und mixlus von Cayenne, oLsolelus aus
Brasilien, llypselolropis Balesii vom Amazonenstrome, Tribolropis co-
nicollis, pnuQlulaius und specioyus (^Klug) aus Cohunbien. — Hierauf
folgen mehrere mir unbekannte neue Gallungen : Dendrolrogns nov.
gen., mit Eucorynus nahe verwandt, doch mit nur dreigliedriger Füh-
l,eTii^ule (eine Art: D. hijpocrita aus Indien ?), C amar öderes xxoy. gen.,
mit ßrachytarsus, Eugouus und Phaenilhon zugleich verwandt, von
festerer Gattung durch ausgerandete Augen , von letzterer durch die
1Ö2 Gerstaecker: Bericht üb. d. Leistungen in d. Entomologie
Fühlerkeule unterschieden ; eine Art : C. vidmis von Parä. BasUropis
nov. gen., auf Eugonus nitidicollis Chevr. i. lil. gegründet, in Java
und Ostindien einheimisch; Ancylolropis nov, gen., von der schlanken
Form eines Phloeotragus mit stark verlängerten Fühlern; eine Art:
A. Walerhousei aus Neu-Holland. — Nach Beschreibung einer neuen
Art : Deulerocrates griseopiclus von Guinea giebt der Verf. sodann
eine monographische Uebcrsicht der Arten der Galtung Stenocerus
Schönh., von welcher er St. collaris aus Java und St. Garnotii aus
Guinea ausschliesst; die zahlreichen neuen Arten sind: Ste7ioceru$ tC'
sludo von Cayenne, longulus und mlgralorius aus Brasilien, mexicanns
aus Mexiko, Amazonae (ist der wirkliche St. rob^stus Dej. Cat.) von
Cayenne und dem Amazonenstrome, lessetlatus und brunnescens aus
Columbicn, verticalis aus Brasilien, angulicollis und Blanchardi aus
Columbien. — Fernere neue Arten sind: Gymnognathus vicinus von
Parä, Cratoparis pardalis vom Rio-Negro, leopardus aus Brasilien, Sal^
lei aus Columbien, Ajax vom Amazonenstrome, lorqualus aus Mexiko,
luridus von Cayenne, Corrhezerus Hector vom Amazonenstrome, dor-
somaculalus von Cayenne, Canipiolropis nov. gen. auf Corrhecerus gra-
cüicornis Dej. i. lit. gegründet, zugleich mit einer zweiten neuen
Art: C. Irisiis Chevr. i. lit. aus Brasilien, Phaenithon bajulus Dej.
Cat. von Cayenne, irroralus vom Amazonenstrome, mediocris ohne An-
gabe des Vaterlandes. — Die am Schlüsse aufgestellte neue Gattung
Araeocorynus mit einer Art: A. Cummingii von Manila, lässt sich von
Araeocerus Schönh. nicht generisch trennen.
Ciirculionides. Unter den vom Ref. in den Monatsberich-
ten der Berl. Akad. d. Wissensch. 1855. p. 83 if. durch Diagnosen
bekannt gemachten Curculionen aus Mossambique wurden drei zu ei-
genen Gattungen erhoben : 1) Milophorns n. g. zur Schönherr'schen
Gruppe der Brachyderides gehörig und sich von allen bekannten Gat-
tungen derselben durch aussergewöhnlich dünne und lange Fühler
auszeichnend; der Schaft derselben erreicht nämlich zurückgeschlagen
fast die Basis des Thorax, und die Geissei, welche aus 7 Gliedern
und einer dreigliedrigen Keule besteht, übertrifft jenen noch an Länge.
Die Fühlergrube erweitert sich stark gegen die Augen hin; der Rüs-
sel, fast von Kopflänge, ist von der Stirn durch eine Querfurche ge-
schieden; beim Männchen sind die Hinterschenkel etwas verlängert.
— Art: M. pruinosiis, 2) Tetragonops n. g. aus der Gruppe der Cry-
ptorrhynchiden, mit Zygops und Sphadasmus nahe verwandt. Die
Augen liegen auf der Stirn, sind fast quadratisch, ganz flach und
stossen nahe der Basis des Rüssels fast zusammen. Die Fühler sind
zwischen der Basis und der Mitte des Rüssels eingelenkt, haben einen
ziemlich kurzen Schaft, und an der Geissei sind nur die iünf ersten
Glieder länglich, die beiden folgt^nden dagegen ganz kurz; die Brust
mit deutlicher, tiefer Rüsselfurche, die Schienen an der Basis leicht
während des Jahres 1855. 193
gezähnt. — Art: T. fnscicularis^ V/^Vm. 3) Leplobaris n. g. aus der
Gruppe der Baridier, und vonBaridius selbst durch länger gestreckten,
fast parallelen Körper unterschiedtn ; die Fühler vor der Mitte des
Rüssels eingelenkt, ihr Schalt die Augen nicht erreichend, die Geissei
Tgliedrig, das 2te Glied fast doppelt so lang als das erste, die übrigen
ganz kurz, quer; die Augen tief unten gestellt; die Vorderschenkel
leicht gekeult, der erste und zweite Ilinterleibsring verwachsen. —
Art: L. castaneus 2 lin. — Ausserdem wurden ebenda folgende neue
Arten diagnoslicirt : Äpoderus iiigripes , Ceocephalus latiro&tris , Bra^
cliycerus annnlalus, cotigesius, erosits , Microcerus spiniger, subcaudalus,
albivenler , Spnrleceriis quadratus, capucinus, Siderodaclylus ßatescens,
Älcides olivaceus und Rhitia amplicollis.
Von Saunders und Jekel wurden mehrere neue Australische
Curculioniden in den Annaies de la soc. entoni. III. p. 289 ö". beschrie-
ben und auf Taf. 15 abgebildet. Besonderes Interesse nimmt eine neue
Galtung Ilgbomorphus in Anspruch, welche nach der Abbildung eine
grosse Form-Aehnlichkeit mit der Melasomen-Gattung Erodius darbie-
tet. (Eine Aehnlichkeit mit der Copriden - Gattung Circellium, wie
sie die beiden Verf. finden, liegt wohl ferner.) Sie gehört zu den
Cryptorhynchiden Schönherr's und stimmt mit diesen in der Bil-
dung des Rüssels überein; die zur Aufnahme desselben an der Un-
terseite des Thorax beGndliche Furche ist tief, aber nicht scharf be-
gränzt ; an der Fühlergeissel ist das erste Glied langgestreckt, das
zweite kaum halb so lang, die folgenden kurz, knopfförmig, eng an-
einander gereiht. Das Schildchen fehlt, die Flügeldecken sind ver-
wachsen, der Körper ist flügellos, üie Art : //. melatiosomus stammt
von Lord Howe-Island. — Fernere neue Arten sind: Elytrurus ala~
tus und marginalus von den Neuen Hebriden, Isomerintlnis barbipes
von Lord Howe-Island, Trigonops dispar, Orthorliifius laetus und Lese-
leuci von den Neuen Hebriden, variegalus aus Neu-Holland.
Unter dem Namen Soplirorkinus Duvernoyi beschrieb Rouzet
(Annales de la soc. entomol. p. 79) eine ebenfalls zu der Cryptor-
rhynchus - Gruppe gehörige Gattung und Art, die sich von Cryptor-
rhynchus durch die Länge des zweiten Fühlergliedes, welches zwei-
mal so lang als das erste ist , und die Längenverhältnisse der Abdo-
minalsegmente, von denen das zweite eben so lang ist als das erste,
unterscheiden soll, üie auf Taf. 7 abgebildete Art stammt aus West-
Afrika und hat gerade keine besonders charakteristische Form, sondern
zeigt ganz den Habitus eines eigentlichen Cryptorrhynchus.
Ref. setzte (Beiträge zur Kcnntniss der Curculionen, Entomol.
Zeit. p. 167 fr.) die Unterschiede der drei bis jetzt bekannten Arten
der Gattung Bradybatus Germar auseinander; die dritte hier zuerst be-
schriebene Art Br. subfasciatus aus dem südlichen Europa ist von
Schönherr fälschlich als der wirkliche Brad. Creutzeri Germ. an-
Archiv t Nalurgesch. XXIL Jahr? . 2. Bd. ]^
£§4 Gerstaecker: feeffcht üb. d. Leistungen in d. Entomologie
gesehen worden, dagegen dieser als Varietät zu jenem gezogen. Br.
Kellneri Bach ist neuerdings auch mehrfach bei Berlin aufgefunden
worden. — Ferner charakterisirte Ref. eine neue Europäische Curcu-
lionen-Galtung Hypoglyplus, vom Ansehen eines Hylobius , doch mit
langem, dünnen Rüssel gleich Erirhinus, an dem die Fühlerfurchen fast
ganz auf der Unterseite verlaufen, so dass sie nur durch eine schmale
Leiste getrennt werdtn. Art: Htjp. pictus von Corfu , in der Art der
Textur und Zeichnung der Flügeldecken einem kleinen Hylobius nicht
unähnlich. — Endlich wies derselbe nach, dass der Cure, arcticus Payk.
nicht zu Hylobius, wieSchönherr es thut, sondern zu Lepyrus ge-
zogen werden muss , was nicht nur die Lebensweise, sondern auch
die vollkommene Uebcreinstimmung mit den übrigen Arten dieser Gat-
tung zur Genüge darthut ; wahrscheinlich ist auch der sibirische Le-
pyrus 4notatus Schönherr's nur eine Lokalvarietät von dessen ^Hylo-
bius arcticus.
An einzelnen Arten wurden ferner als neu beschrieben:
Von Bremi (Entomol. Zeit. p. 196 ff.) : Polydrosns penninus mit
P. undatus nahe verwandt, von den Pcnninischen Alpen 6000' hoch
(möchte wohl mit P. fulvicornis oder rufipes zusammenfallen), Rfiy^
tirrhimis alpinus vom St. Gotthard, Orrtias neglectus (ist nach Kraatz
ein unausgefärbter Lissomus ovatulus) aus der Schweiz.
Von Perris (Bulletin de la soc. entomol. p. LXXVII ff.) : Si~
bynes Silenes aus dem Departement des Landes ; die Larve lebt in den
Früchten von Silene pratensis.
Von Fairmaire (Revue et Magasin de Zoologie VIL p. 107 ff.
und Annales de la soc. entomol. IIL p. 307 ff.): Cleonus Miegii von
Madrid und Balan'mus rufosignalus ans Südfrankreich; letzterer wird
später vom Verf. wieder auf B. ochreatus Schönh. zurückgeführt.
Von Mulsant und Gu i 11 eb ea u (Annales de la soc. Linn. de
Lyon IL p. 159): Attelabus atricornis aus Corsica.
Von Lucas (Revue et Magasin de Zoologie VIL p. 290 ff.):
Pachycerus tessellatus, ütiorhynhus JSaudinii und Holchorimts albomar^
ginatus aus Algier.
Von Bertoloni (Illustr. del prodotti naturali dcl Mozambico) :
Cryptorhynclms eteni aus Mossambique. „Griseus, scabroso -squama-
tus, thorace antice linea mediana longitudinali extuberante, nigra,
splendente, elytris albo purpureoque nebulosis, macula postica sub-
sphaerica albo-purpurea."
Von Guerin (Verhandl. d. zoolog.-botan. Vereins in Wien V.) :
Flalyomus Bourcieri, fuscatus , viridiviltatus , Heilipvs Osculalii, Lepro-
somus deplanatusf complanatusy tnargaritatus ^ Diorymerus armatus vom
Amazonenstrome.
Von Sali 6 (Annales de la soc, entomol. IIL p. 268): Prepodes
während des Jahres 1855. 195
albosqttamosus und Baridhis iahacl von St. Domingo, beide auf Taf. 14
abgebildet.
Von Uhler (Proceed. of thc acad. of nat. scienc. of Fhiladel-
phia VII. p. 415 fr.]: Sphenophorus scviplilis und Cklorophaniis (^) nu~
dulalus aus Baltimore , Baridnts puhesrens aus Virginien.
Kraatz widerlegte (Entomol. Zeit. p. 372) die von Erich-
son mehrfach vertretene Ansicht, dass Rhinomacer altelaboides als
Männchen zu Diodyrrhynrhus austriacus gehöre, erstens dadurch, dass
letztere Art in Gegenden fehle, wo erslere häufig sei, i.C. auch hei
Berlin (Ref. hat hier neuerdings auch den Diodyrrhynchus aufgefun-
den) ; zweitens durch leichte Unterschiede in Punktirung und Behaa-
rung, die übrigens bei der sonst sehr ausgesprochenen Verschieden-
heit beider Arten nicht beweisend wären ; drittens durch den Nach-
weis, dass bei den verschiedenen Exemplaren des Diodyrrhynchus Un-
terschiede in der Insertion der Fühler vorkommen, die er als sexuell
anspricht (die aber jedenfalls sehr wenig in die Augen springen).
Bei Rhinomacer hat er keine sexuellen Unterschiede auffinden kön-
nen. — Mir scheint hierdurch ein „endgültiger« Beweis von der ge-
nerischen Verschiedenheit der beiden Arten nicht geliefert zu sein.
Ref. hat sich aber durch die mikroskopische Untersuchung der Ge-
schlechtsringe beider Arten ü])erzeugt, dass sowohl von Rhinomacer
als Diodyrrhynchus wirklich Männchen und Weibchen vorhanden sind;
während bei letzteren deutliche äussere sexuelle Unterschiede fehlen,
liegen sie bei Rhinomacer frei zu Tage; das Männchen hat nämlich
auf den beiden vorletzten Bauchringen einen dicht weiss behaarten
Mittelfleck, der dem Weibchen mangelt. Die beträchtlichen Verschie-
denheiten in den Mundtheilen beider Arten rechtfertigen auch die
Aufstellung zweier Galtungen vollkommen.
Jekel bemerkte (Bulletin de la soc. entomol. p. XXVIj , dass
der von Jacquelin du Val als neu aufgestellte ßarypeithes rufipes
mit Omias sulcifrons Schönh. identisch sei, und reihte hieran Bemer-
kungen über eine natürliche Systematik der Curculionen und über
die Merkmale, welche zu diesem Zwecke einer besonderen Beachtung
werth sind; mit grossem Rechte hebt Jekel hier neben der Bildung
der Fühlerlurche, der Fühler, der Tarsen u. a. auch ganz besonders
die des Hinterleibes hervor, welche von Schönh err fast gar nicht
beachtet worden ist. — Ref. hat sich durch längeres Studium der
Curculionen von der Wichtigkeil der Hinterleibsbildung ebenfalls
überzeugt und glaubt, dass mehrere Gruppen, welche von Schön-
herr bunt durch einander geworfen worden sind, wie z.B. die Cry-
ptorrhynchiden und Ceutorrhynchiden sich durch jenes Merkmal sehr
bestimmt abgränzen lassen.
Nach Pfeil (Entomol. Zeit. p.305) wird Marmaropus Besseri bei Neu-
Sladt-Eberswalde und Stettin auf dem gemeinen Sauerampfer gefunden.
196 Gerstaecker: Bericht üb. d. Leistungen in d. Entomologie
Frauen feld fand die Larve des Apion tubiferum in erkranlc-
ten Blülhen von Cistus irionspeliensis in Dalmatien. (VerhandL d. zoo-
log.-botan. Vereins zu Wien V. p.20.)
Cussac beschrieb die ersten Stände des Ceutorhynchus Ra-
phani ; die Larve lebt im Stengel von Symphytum officinale. (Annales
de la soc. entomol. III. p. 241. Abbildung der ersten Stände auf
Taf. 13.) — Auch in hiesiger Gegend ist der Käfer auf Symphytum
häufig zu finden.
Haiiiihofen fand die Larve des Ceutorhynchus sulcicollis in
Gallen-Auswüchsen der Wurzel von Alyssum incanum und erzog die
Käfer daraus. (Sitzungsberichte des zoolog.-bolan. Vereins zu Wien V.
p. 128, Verhandlungen p. 525.)
Ueber den Schaden, den die Larve des Otiorhynchus sulcalus
an Farnkräutern in Treibhäusern anrichtet, handelte Newman (Pro-
ceed. of the entomol. soc. p. 100.)
liostricIiüBsi. Neue Arten aus dem Departement des Landes,
von Perris (Bulletin de la soc. entomol. p. LXXVII ff.) beschrieben,
sind: Hylesinus Ihujae, Anbei und Tomicus Coryli.
Vom Ref. (Monatsberichte d. Berliner Akad. d. Wissensch. 1855}:
Hylesinus fusillus aus Alosambique.
Von Guyon (Zoologist p.48l5): Bostrichus bispinus (Megerle
i. lit.), nach einem einzelnen in England aufgefundenen Exemplare
beschrieben. iS'ach der Beschreibung zu urtheilen ist diese Art =
bidens Fabr., während diejenige Art, welche Guyon als B. bidens
betrachtet, und die er mit der seinigen in Vergleich zieht, mit B. bis-
pinus Ratz, identisch sein dürfte; jedenfalls kann schon der Name,
als an eine andere Art vergeben, nicht bestehen bleiben.
Letzner fand eine süsse Mandel von mehreren lebenden Bo-
strichus daclyliperda Fab. bewohnt und durchfressen (33ster Jahres-
bericht der Schlesischen Gesellschaft für vaterländische Cultur, 1855.)
fijong-icornin« Eine wesentliche Bereicherung an neuen
Gattungen und Arten hat diese Familie durch A. White's Catalogue
of Coleopterous Insects etc. Pt. VIII, und zwar gegenwärtig in den Ab-
theilungen der Cerambyces genuini und Lamien erhalten.
Ferner durch Chevrolat, welcher in Guerin's Revue et Ma-
gasin de Zoologie VII. p. 178, 282 und 513 IL mehrere Süd-Ameri-
kanische, besonders aber zahlreiche neue Arten von Old - Calabar
(Guinea) beschrieb; die darunter neu aufgestellten Gattungen sind
vorläufig nicht näher charakterisirt worden.
Endlich auch durch P er roud „Description de quelques especes
nouvelles ou peu connues et creation de quelques nouveaux genres
dans la famille des Longicornes" (in den Annales de la soc. Linne-
enne de Lyon II. p. 327 u. 365 fr.).
Prionii. — Neue Arten dieser Gruppe sind:
während des Jahres 1855. 197
Prionus Besikanus Fairmaire (Annalcs de la soc. entomol. III.
p. 307 fP.) von der Besika-Bay, auf der Krim-Expedition entdeckt.
Solenoptera femorala Salle (ebenda p. 270) von St. Domingo,
auf Taf. U abgebildet.
Pyrodes tiigricornis Guerin (Verhandl. d. zoolog.-botan. Vereins
zu Wien V.) vom Aniazonenstrome.
Die Larve und Wymphe des Aegosoma scabricorne wurden von
Mulsant und Gacogne in den Annales de la soc. Linneennc de
Lyon II. p. 149 ff. beschrieben; erstere lebt in den angegangenen
Stämmen verschiedener Bäume, wie Linden, Pappeln, Kastanien u. a.
Der Käfer entwickelt sich zu Ende des Juli und zu Anfang des
August.
Cerambyces genuin i. — Mehrere neue Gattungen so wie
eine grosse Anzahl neuer Arten dieser Gruppe wurden von White
(Catalogue of Coleopterous Insects Pt. YIII) beschrieben und zum
Theil abgebildet. Die neuen Gattungen sind: l) Oimnata nov. gen.,
vom Verf. zwischen Odontocera und Acyphoderes Serv. gestellt, mit
langgestreckten, zugespitzten, breit klaffenden Flügeldecken , langen,
keulenfömig verdickten Schenkeln, an der Spitze buschig behaarten
Hinterschienen, länglichem, fast cylindrischen Thorax und den Körper
an Länge übertreffenden Fühlern, deren fünf letzte Glieder eine lang-
gezogene Keule bilden ; die Augen stossen in der Älitte der Stirn zu-
sammen. Eine Art: 0. elegans aus Venezuela. 2) Eujtliroplalys nov.
gen. folgt auf Rhinotragus Germ., eine durch gedrungene Form des
Körpers, der Fühler und Beine, so wie besonders durch die nach
hinten stark erweiterten und schön gezeichneten Flügeldecken aus-
gezeichnete Form. Die Art: E. corallifer stammt von Santarem in
Brasilien. 3) IJomalomelas nov. gen. auf Cerambyx gracilipes Parry
gegründet. 4) Stenhonialus nov. gen. steht hinter ölethia Newni. ; eine
winzige Form mit breitem Kopfe und vorgequollenen Augen, der den
vorn und hinten eingeschnürten Thorax seitlich überragt; Fühler länger
als der Körper, alle Glieder einfach und langgestreckt; Flügeldecken
mit rechtwinkligen Schultern, viel breiter als der Thorax, hinten ge-
meinsam abgerundet. Art: St. fenestratus ^y^hn. aus China. 5) iüe-
rostemts nov. gen., eine schlanke, Obrium - ähnliche Form ohne be-
sondere Auszeichnung, mit einer Art: M. produclus von Jamaica.
6) Dore nov. gen., vor Clytus gestellt, mit welcher Gattung sie keine
habituelle Aehnlichkeit hat, ebenfalls ohne auffallende Charaktere;
Art: D. thoracica aus China. 7) Penlomacrus nov. gen. eine habituell
eigenthümliche Gattung mit sehr langen, allmählig verdünnten Füh-
lern, länglichem , vorn und hinten verengtem Thorax und sehr stark
verdickten, unten zahnartig erweiterten Schenkeln ; Flügeldecken mit
Clytus-ähnlicher Bindenzeichnung. Eine Art: P. femoralvs 7 lin. von
Jamaica. 8) Romaleum nov. gen., in der F'orm mit Stroniatiura und
198 Gerslaecker: Bericht üb. d. Leistungen in d. Entomologie
Hesperophanes wesentlich übereinstimmend, von beträchtlicher Grösse;
Fühler etwa von Körperlänge, das dritte Glied langgestreckt, die
folgenden allmählig kürzer werdend. Art: R. operarium^ 28 lin. von
Ostindien (?}. 9) Eburophora nov. gen. fast vom Umrisse einer Do-
nacia ; Fühler die Mitte der Flügeldecken erreichend , das fünfte bis
siebente Glied länger als das dritte und vierte; Thorax länglich, vorn
und hinten verengt, beträchtlich schmaler als die Flügeldecken, die
sich nach hinten zuspitzen und am Ende klaffen. Art : E. octoguttata
aus Australien. 10) Lepidisia nov. gen. , der vorigen Gattung sehr
ähnlich und vielleicht nicht generisch davon zu trennen ; an den Füh-
lern ist das fünfte Glied das längste, das dritte und vierte fast gleich
lang. Art: L. fc/macwirtfa aus Australien. W) Temnoslernus nov. gen.,
an die Gattung Tmesisternus nahe herantretrend , der sie der Verf.
auch voranstellt; Kopf breit mit kleinen Augen, Fühler fast von Kör-
perlänge, ihr drittes und viertes Glied am längsten ; Thorax und Flü-
geldecken flachgedrückt, ersterer trapezoidal , lelztere breit, hinten
schnell verengt und einzeln zugespitzt. Art: T. planiusculus aus Au-
stralien. 12) Pascoea nov. gen., ebenfalls mit Tmesisternus nahe ver-
wandt, von eigenthümlicher Form; der Thorax sehr kurz, quer, in
der Mitte jederseits gedornt. Vorder- und Hinterecken rechtwinklig
heraustretend ; Kopf ebenfalls breit, rhombisch, so dass ein verengter
Hals gebildet wird, hinter den Augen jederseits mit einem schräg nach
vorn und aussen gerichteten, griffelartigen Fortsatze ; Fühler von mehr
als Körperlänge, drittes und viertes Glied besonders verlängert, in
verschiedener Richtung geschwungen; Flügeldecken länglich, gleich
breit, vom hintersten Viertheil an verengt und einzeln zugespitzt.
Art : P. Idae von Geram. — Neue Arten sind ferner aus folgenden
Gattungen beschrieben: Tomopterus 2, Heliomanes 2, Stenopterus 1,
Odontocera 8, Acyphoderes 2, Rhinotragus 3, Rhopalophora 1, Li-
stroptera 3, Ancylocera 1, Cosmisoma 1, üzodes 4, Fiezocera 3,
Stenygra 1, Ibidion 25, Phyton 1, Ceresium 5, Clytus 16, Tillomor-
pha 2, Eriphus 2, Eburida 1, Stromatium 2, Hesperophanes 3, Calli-
dium 5, Uracanthus 1, üemona 1, Leptocera 1, Enicodes 1.
Von Perroud wurden folgende neue Gattungen aufgestellt:
1) Telraommalus n. g. (a. a. Ü. p. 390) steht in der Mitte zwischen
Gracilia Serv. und Leptidea Muls., und unterscheidet sich von diesen
durch den schmalen, linearen Prothorax, die stärker zusammengedrück-
ten Schenkel, durch die Längsverhältnisse der Fühkrglieder, von de-
nen das dritte bis fünfte von gleicher Länge sind , und besonders
durch die vollständig getheilten Augen, die daher zu vieren vorhan-
den zu sein scheinen. Eine Ert: T. fiUformis von Pondichery. — 2)
Apiogasler n. g. (p. 393j mit Oregostoraa Serv. und Rhinotragus Germ,
verwandt, aber durch die Form der Fühler und des Tliorax u«ler-
ßchiedcn; crstere sind länger als der halbe Körper, das zweite Glie4
während des Jahres 1855. 199
um die Hälfte kürzer als das erste, das dritte dreimal so lang als
das zweite und wenigstens so lang als die beiden folgenden zusam-
men. Der Thorax ist verlängert, cylindrisch , oben auf zwei Dritt-
theilen seiner Länge bucklig gewölbt; die Flügeldecken nach hinten
eiförmig erweitert, die Schenkel länger als die Schienen und an der
Spitze stark geheult. Eine Art: A. rufivetitris aus Brasilien, 10 mill.
lang. — 3) Sphingnolits n. g. auf Tmesisternus mirabilis Boisd. ge-
gründet, der allerdings von den übrigen Arten der Gattung mehrfach
abweicht; ausser dieser Art w^erden noch zwei neue als Sph. insignis
von San Cristoval (Australien) und Mnisiechii von Amboina (?) dar-
unter beschrieben, über deren Berechtigung Ref. einige Zweifel hegt,
da hauptsächlich Unterschiede in der Färbung angegeben werden ; zwei
Exemplare des Tm. mirabilis der hiesigen Sammlung, beide von PJeu-
Guinea stammend und gewiss derselben Art angehörend, sind nämlich
sehr verschieden gefärbt, das Männchen schön grün und blau mit
schneeweissen Haarflecken der Flügeldecken , das Weibchen (durch
schwächere Fühler und Beine kenntlich) dunkel erzfarben, ins Vio-
lette schimmernd und mit gelblichen Haarflecken. An letzteres scheint
der Sphing. insignis von Perroud nahe heranzutreten. — Als neue Ar-
ten des Verf. sind ferner zu nennen : (p. 329 ff.) Clylus jucundus, di~
slinguendus und Rhaphidera gracilis von Pondichery , (p. 365 fP.) Li-
topus notaticollis von Port Natal , Eburia rufobrunnea von Guatemala,
Thoracaiilha gracilis von Van Diemensland, CalUrrhoe decora von IXeu-
Holland, Sphaerion tertninatum (Dej.) aus Brasilien und viQinwn aus
Columbien (hierbei diskutirt der Verf. die Charaktere der Gattung
Sphaerion Serv. undNephalius Newm., welche bis jetzt noch ein sehr
buntes Gewirre verschiedener Arten enthalten;, Achryson ornalipenne
von Guadeloupe, Callidium (1) 12signalum aus Brasilien, Clytus insig-
nilus aus Brasilien.
Ref. diagnosticirte (Monatsberichte der Berliner Akademie der
Wissenschaften 1855. p. 265) folgende neue Arten aus Mossambique;
Cerambyx incuUus , Callichroma heier o cnemis , leticorrliaphis , ruficrus,
Compsomera speciocissima. Closteromerus insignis und Obrium murinum.
Chevrolat beschrieb (Revue et Magasin de Zoologie VII.
p. 178 ff.) : Listroplera carbonaria und thoracica von Caracas, atra (Dej.
Cat.) aus Brasilien und lennis aus Mexiko. Ferner von Guinea (Old-
Calabar): Corethrogaster annulipes, Oetne nigrila, Smodicum ebeninum;
(ebenda p. 282 ff.) : Xystrocera fcmorata, Cordylomera rußcornis, Cal-
lidium {!) sphaericoUe , Listrocerum nov. gen. ospericorne (die neue
Galtung ist nicht beschrieben), H esper ophanes (^^) pnberulus^ Disienia
apicalis ; (ebenda p. 513 ff'.): Parastemia clavata, Callichroma chryso-
gratnminn, Closteromerus rvfivenlris wwi\ Xijslrocera cyauella.
Eine neue Art von St. Doujingo wurde fcnur von Salle in
200 Gerstaecker: Bericht üb. d. Leistungen in d. Entomologie
den Annales de la soc, entom. III. p. 270 beschrieben und auf Taf. 14
abgebildet: Ehuria sericea.
Eine von Bertoloni (a. a. 0.) unter dem Namen Hammali'
cherus serraticovjiis beschriebene und aus Mossambique stammende Art
scheint nach der Fühlerbildung mit IL denticornis Fab. identisch zu sein;
ihre Diagnose lautet: „Antennis complanatis, argute scrratis, glabris,
oculis nigris, splendentibns , lineato-punctatis (sehr merkwürdige Ei-
genschaft!), thorace spinoso, tdberculato -rugoso, piloso -tomentoso,
elytris pedibusque rufis, tomentosis."
Ceramhyx M ander sfjernae wurde als neue Art aus der Krim von
Mulsant und Godart (Annales de la soc. Linneenne de Lyon II.
p. 280) beschrieben.
Von aiulsant wurden (ebenda p. 191 ff. und 258 fr.) die Lar-
ven von Oxypleurus Nodieri und Hesperophanes nebulosus beschrie-
ben; erstere lebt in Kienstöcken und bohrt in diese fast cylindri-
sche Gänge hinein; letztere in Feigenbäumen und zwar im Inneren
der Rinde.
Lamiariae. — Perroud charakterisirte (Annales de la soc.
Linneenne de Lyon IL) folgende neue Gattungen dieser Gruppe :
1) Trigonopleran. g. (p. 030) zunächst Megabasis, von schmalerer Statur,
mehr verlängertem Thorax von kegelförmiger und gewölbterer Form ;
Art: Tr. macnlala von Neu- Guinea. 2) Lo}>koj)iera n. g. (p.352)
mit Lachnia und Coptops Serv. zunächst verwandt, doch mit scharfem
Dorn in der Mitte der Halsschiidsciten , nach hinten in Form eines
Dreiecks verlängertem Mesosternum , und erhabenen Tuberkeln und
Leisten auf Thorax und Flügeldecken. Art : L. spectabilis von Port
Natal. 3) Trachelophora u. g. (p. 357) soll mitPelargoderus und Gnoma
in nächster Verwandtschaft stehen. Art: Tr. cvrvicolUs von Java. —
Die ebenda beschriebenen neuen Arten sind ferner : Monohammus lo~
galus aus Neu-Holland, Ceroptesis taeniatus von Port Natal, Tragoce"
phala amabilis ebendaher, Apomecyna albomocxilata von der Insel Wood-
lark, Earocentrus tessellalus von Pondichery, l'raonelha signala von der
Insel Woodlark.
Zwei neue Gattungen wurden auch vom Ref. (Monatsberichte
der Bcrl. Akad. d. Wiss. 1855. p. 266j aufgestellt: 1) Cymatiira n. g.
schlicsst sich durch die an der Aussenseite tief ausgeschnittenen Mit-
telschienen zunächst an Leprodera und Pachystoia Dej. an , unter-
scheidet sich aber durch sehr schmale, langgestreckte Körperform
und am auffälligsten durch die Form der Flügeidecken, welche an
der Spitze abgestutzt sind und deren Innen - und Aussenwinkel ein-
zeln abgerundet erscheinen; besonders der letztere tritt nach hinten
deutlich hervor. Art: C. bifasciala von Mossambique; anhangsweise
wird eine zweite Art: C. scoparia von Port Natal beschrieben. 2}
RhaphUlopsis n. g. auf Ccroplesis Klugii Dej.Cat. (C. oroala Klug i. 1.)
wahrend des Jahres 1855. 201
begründet, mit einer neuen Art: Rk. melaleuca. — Neue Arten von
Mossambique, ebenda beschrieben, sind ausserdem : Ccroplesis mililariSf
Tnigocephala fretiata, /jographits hieroghjphicus, Oberea sciilellaris und
pallidula.
Eine neue Art der Gattung Oberea von Mossambique charakte-
risirte auch Bertoloni (a. a. ü.) unter dem Kamen 0. Alessandrini
folgendermasscn : „0. dimidia circiter parte antica corporis fulvo-cin-
namomea ; postica, antennis, oculis, mandibulis tibiisque posterioriLus
nigris." Abbildung Tat". 2. fig. 5. Sie ist nach der Abbildung um die
Hälfte grösser als 0. scutellaris des Ref., der sie übrigens in der Fär-
bung der Flügeldecken ziemlich nahe steht.
Einige neue Gattungen charakterisirte ferner White (Calalogue of
Coleopt. Ins. in the collect, of the Brit. Mus.), l) Pleridolelus nov. gen.
stimmt ganz mit Acanthoderes überein, und ist nur durch eine abnorme
F"ühlerbildung ausgezeichnet, indem die sechs letzten Glieder kurz und
an der Spitze zahnartig erweitert sind. Art: Pt. lalicornis aus Vene-
zuela. (Nach den Exemplaren des hiesigen Museums scheint mir eine
Abtrennung der Art ,von Acanthoderes nicht genug begründet.) 2)
Acanlhotrilus nov. gen. auf eine schöne, auch im hiesigen Museum
befindliche Art aus Brasilien gegründet, die sieh besonders durch die
zahnartige Erweiterung der Spitze des dritten und vierten F'ühler-
gliedes auszeichnet. Ref. glaubt die Art {A. dorsalis White) nicht
von Phacellocera Dej. trennen zu können, mit der sie in allen genc-
rischen Charakteren übereinkommt; White hat übrigens nur das eine
Geschlecht beschrieben; beim anderen sind die Erweiterungen der
genannten Fühlerglieder viel beträchtlicher, breit scheibenförmig. —
F'olgende Gattungen sind ferner mit neuen Arten bereichert: Aniso-
pus ), Steirostoma 4, Acanthoderes 6, [Acanthoderes Swederi White,
n. sp. ist nach der Abbildung wohl nicht von A. Daviesi Swed. ver-
schieden), Scleronotus 1, Acanthocinus 1, Eutrypanus 3, Aegomor-
phus 2, Alphus l, Macionemus 1, Trypanidius 1, Leiopus 11, Proba-
tius 1, Alcidion 4, Desmlphora ], Trigonopeplus 2, Anisocerus 6.
Chevrolat beschrieb (Revue et Magasin de Zoologie YII.
p,]78) folgende neue Arten aus West -Afrika (Old - Calabar) : Mono-,
hammus Thomsoni, Pacbystula annulicornis^ arcvata^ Tragocephala Ga~
lathea , Sternolomis Murrayi , Prosopocera niyops , Teclon {üO\. gen.)
quadrisignnlumj Temnoscelis (nov. gen.) Waddeli (beide neue Gattun-
gen sind nicht charakterisirt , es soll aber noch in Zukunft gesche-
hen !j, Phrissoina bufo , Parmena caUhona ^ Glenea quinquelineata und
carneipes. — Ferner (ebenda p. 282 ff.) von derselben Lokalität: AJo-
nohammus viridipennis , Proclocera (nov. gen.) scalaris, (die Gattung
Proctocera soll neben Tragocephala stehen , ist aber nicht näher be-
schrieben), if7esos« (?) rubida, Mesosa {^.) femoralis y Sophronica (Dej.)
Qalceala; Acridoccphala nov. gen., neben Colobolhea zustellen; Kopf
202 Gerstaecker: Bericht üb. d. Leistungen in d. Entomologie
vorn abgestutzt, etwas gewölbt, oben verengt, zwischen den Fühlern
zweispitzig; Augen gerundet, hinten vereinigt; Fühler an der Basis
genähert, das dritte Glied sehr lang; Thorax unbewaffnet, zweimal
eingeschnürt, seitlich massig gerundet erweitert; Schildchen mittel-
gross, halbrund; Flügeldecken viel breiter als der Thorax, mit recht-
winkligen Schultern, an der Spitze abgestutzt; Abdomen fünfglied-
rig, das erste Segment doppelt so lang als die folgenden: Art: A.
bislriala. Ferner: Sphenura larifuga, Obereopsis obscuritarsis (diese
neue Gattung steht zwischen Oberea und Isoceles und ist auf Saperda
modesta Fab. gegründet). — Ferner (ebenda p. 5l3ß'.): Exocenlrus
occidentalis, Monohamimis irrorator, sparsutor, Eurysops nov. gen. Esaii
(die neue Gattung soll mit Cerosterna verwandt sein, ist aber nicht
charakterisirt), Ceroplesis Hccale, Tragocephala (?) sifjnalicornis, Tra-
gocepkala (?) jaguarita, Fhymaslerna quadripunctala, Nemotragus Cala-
baricus und atratus.
Ferner wurden an neuen Arten aufgestellt:
Anisocerus stelialus , Acantkocleres anlennalus , Colobothea 0$cu~
lata, Hemilophus brachialis, (uberculicüUis und frontalis vom Amazo-
nenstrom, von Guerin (Verhandl. d. zoolog. -botan. Vereins zu
Wien V.)
Acanlhoderes Morrisii und Dorcaschema YVildii von Baltimore,
von Uhler (Proceedings acad. nat. scienc. of Philadelphia VII.
p. 415 ff.).
Siernotflmis Thomsonii von Madagascar, von Buquet (Annales
de la soc. entom. III. p. 77, auf Taf. 7 abgebildet).
Pogonocherus decoralus aus den Pyrenäen und Dorcadion Lor^
quinii aus der Sierra Nevada, von Fairmaire (Annales de la soc.
entom. III. p. 307 ff.): derselbe berichtet zugleich, dass Aedilis xan-
thoneura Muls. mit Astynomus Edmondi Fairm. identisch ist.
Von folgenden Arten wurden die ersten Stände und dieEntwicke-
lungsgeschichte beobachtet und beschrieben :
Exocentrus balteatus von Perroud (Annales de la soc. Linne-
onne de Lyon II. p. 321) ; die Larvß lebt in vertrockneten Aesten von
Lindenbäumen.
Leiopus nebulosus von Heeger (Sitzungsberichte der Wiener
Akad. d. Wissensch. XVIII. p. 36 ff.) ; die Larve lebt vom Juni bis
Oktober unter der Rinde verschiedener Obstbäume, wie Aprikosen,
Birnen, Aepfel u. s. w. und verpuppt sich im Herbste oder im näch-
sten Frühjahre. Abbildung auf Taf. 2.
Agapanthia suturalis von Perri? (Memoiresde la societe royale
des Sciences de Liege X. p. 244) ; die Larve ist von eigenlhümlicher
Gestalt, indem die beiden hinteren Thoraxsegmente sehr kurz und
breit sind, so dass sie über die darangränzcndcn bucklig hervortre-
während des Jahres 1855. 203
ten; sie lebt in den Stengeln vonMelilotus macrorrhiza. Abbildung auf
Taf.5.
Lepluretae. — Neue Arten sind:
Desmocerns aureipennis und Leptura milUaris Chevrolat (Revue
et Magas. de Zoologie VII. p. 178 ff.) von den Rocky Mountains.
Levium saucia Mulsant et Godart (Annales de la soc. Linneenne
de Lyon II. p. 282) aus der Krim.
€liry<$f»>nelinae. Sagrides. —Als neue Art w^urde vom
Ref. (Monatsberichte der Berliner Akad. d. Wissensch. 1855) Sagra
festiva von Mossambique diagnosticirt ; sie steht mit Sagra bicolor
Lacord. in nächster Verwandtschaft.
Clythrides. — Eine neue Art des Ref. von Mossambique
ist: Clythra (üiapromorpha) Tettensis, ebenda diagnosticirt.
Cryptocephalides. — Eine neue Gattung wurde vom Ref.
unter dem Namen Acolastus errichtet und zwar auf eine aus Mossam-
bique stammende Art: Ä. callosus ^ welche in naher Verwandtschaft
zu Pachybrachys steht, sich aber von allen bis jetzt bekannten Arten
durch grosses, flaches, dreieckiges und scharf zugespitztes Skutellura
unterscheidet. Ausserdem geben ihr auch der breite Kopf, die sehr
grossen Augen, die ziemlich kurzen Fühler, welche kaum den Hin-
terrand des Thorax überragen, und der quergezogene, nach vorn kaum
verschmälerte Thorax ein eigenthümliches Ansehen. (Monatsberichte
der Berliner Akad. d. Wissensch. 1855.)
Von Zehe (Entomol. Zeit. p. 28) wurde eine neue in der Graf-
schaft Glatz auf Salix caprea lebende ,Art unter dem Namen CnjptO"
cepkalus saliceti beschrieben ; sie nähert sich im Baue dem Cr. quer-
ceti, in der Zeichnung dem Cr. frontalis am meisten.
Suffrian berichtete (ebenda p. 275) nach Untersuchung von
Original-Exemplaren über mehrere bisher nicht revidirte Arten Fol-
gendes: Cryptocephalus insignis Payk. = nitens Linn. , Cr. Alariae
Mulsant = signatus Oliv., Cr. lepidus Mulsant = tetraspilus Sufl'r.
und Cr. centrimaculatus Sufl'r. = Rossii var.
Eumolpides. — Aus dieser Gruppe wurden folgende neue
Arten bekannt gemacht :
Vom Ref. (Monatsberichte der Berliner Akad. d. Wissensch.
1855): Corynodes Dejeanii, Pachnephorus flavipes und Colaspoioma cre-
nulalum aus Mossambique.
Von Guerin (Verhandl. d. zoolog.-botan. Vereins zu Wien V.):
Endocepkalus geniculalus und ßavipennis vom Amazonenstrome.
Von übler (Proceedings of the acad. of nat. scienc. of Phi-
ladelphia VII. p. 415 ff.) : Pachnephorus viticolus (sie!) aus Baltimore.
Chrysomelae genuinae. — Monograph of the Australiau
species of Chrysomela, Phyllocharis and allicd gcncra, by J. S. ßaly.
204 Gerstaecker: Bericht üb. d. Leistungen in d. Entomologie
(Transact. entomol. soc. III. p 170 ff. PI. 14.) Der vorliegende erste
Theil der Arbeit enthält die Gattungen Phyllocharis Dalm. mit 6 Ar-
ten, Diphyllocera Westw. mit 1 Art, Lamprolifia nov. gen., auf Phyl-
locharis aeneipennis Boisd. errichtet, von Phyllocharis durch einfache
Klauen, längere, dünnere und nur an der Spitze etwas verdickte Füh-
ler, seitlich fast gerade abgeschnittenes , quer viereckiges Halsschild
unterschieden; ausser der genannten Boisduval'schen Art werden noch
drei andere beschrieben. — Eidina nov. gen. mit gezähnten Klauen,
sehr langen und dünnen Fühlern, von langgestreckter, schmaler Kör-
perform, welche einige Aehnlichkeit mit Lema darbietet, indem der
Thorax beträchtlich schmaler als die Basis der Flügeldecken und seit-
lich fast gerade abgeschnitten ist. — Eine Art: E. Curiisii. — Chal-
colampra Blanch. mit 9 Arten. — Einige der als neu beschriebenen
Formen sind auf Taf, 14 nebst den dazugehörigen Details abgebildet.
— Die Eintheilung der Phyllocharis- Arten in solche mit rothen,
schwarzgeüeckten und schwarzen, rothgefleckten Flügeldecken, wie
sie der Verf. vornimmt, ist wegen der Veränderlichkeit mehrerer Ar-
ten gar nicht durchführbar; z. ß. lässt sich Phyll. flexuosa des Verf.
unter beide Abtheilungen bringen, und Phyll. cyanipennis, die er der
zweiten Gruppe zurechnet, ist gewiss nur eine Farben -Varietät von
Ph. cyanipes Fabr. (der ersten Gruppe angehörig) , wie dies Ueber-
gangsstufen der hiesigen Sammlung erkennen lassen.
Eine neue Gattung Ceralces wurde vom Ref. (Monatsberichte
der Berl. Akad. d. Wiss. 1855) auf eine neue aus Mossambique stam-
mende eigenthümliche Chrysomelen - Form begründet, welche durch
die gegen die Spitze keulenförmig verdickten Fühler so wie durch
das gewölbte Ualsschild, das zugleich beträchtlich schmaler als die
Basis der Flügeldecken ist, eine grosse habituelle Aehnlichkeit mit
denEumolpiden darbietet; da jedoch sowohl das dritte Tarsenglied un-
gespalten als die Klauen einfach sind, kann sie nur den eigentlichen
Chrysomelen beizezählt werden. Eine bekannte Art: C. ferr%igineiis.
— Ausserdem wurden ebenda Polyslicla conßuens und Plagiodera egre^
gia als neue Arten von Mossambique aufgestellt.
Einige Süd-Amerikanische Arten , vom Amazonenstrome stam-
mend, wurden von Guerin (Yerhandl. d. zoolog.-botan. Vereins zu
Wien V.) bekannt gemacht : Doryphora Osculalii , fulvicornis, ßaro'
cincla, Bonrcieri, bivitlata , Humboldlii, congregala und sulurella. Eine
neue Gattung Doryslerna unterscheidet sich von Doryphora dadurch,
dass sich die Fühler vom siebenten Gliede an plötzlich erweitern und
eine abgeflachte Keule nach Art der Gattung Platycorynus bilden. Eine
Art: D. Bourcieri. Ferner: Polyspila fiavitarsls , scalaris, Fhigiodera
encausla, Germari und taeniata.
Eine neue Europäische Art ist Timarcha marüima Perris (Bul-
während des Jahres 1855. 205
lelin de la soc. entom. III. p. LXXVII [T.j aus den» Departement des
Landes ; die Larve lebt auf Galiuni arenarium.
Suffrian bemerkt (Entomol. Zeit. p. I42j, dass die von ihm
beschriebene Chrysomcla ignita nicht mit dem neuerdings untersuch-
ten Original -Exemplar der Olivier'schen Art gleiches Kamens iden-
tisch sei; er ändert daher den Namen seiner Chr. ignita, der für die
ülivier'sche Art verbleiben niuss, in Chrys. resplendens um.
Letzner beschrieb (33. Jahresbericht d. SchlesischenGesellsch.
für vaterl. Cullur 1855. p. 106} die ersten Stände von Phratora vitel-
linae und theilte Beobachtungen über ihre Entwickelungsgeschichte
mit; die Larve lebt auf Salix fragilis, virainalis und anderen Arten.
Die von Ileeger beschriebene Larve, welche dieser Art zugeschrie-
ben wird, gehört ihr nicht an. — Ebenda p. 109 gleichfalls die ersten
Stände von Chrysomela viminalis; die Larve lebt auf Salix aurita.
Ferroud gab (Annales de la soc. Linneenne de Lyon II. p. 407)
die Beschreibung der Larve von Oreina superba Oliv.; sie lebt auf
Laserpitium latifolium.
Gallerucariae. — Zwei interessante neue Gattungen dieser
Gruppe charakterisirte Ref. in den Alonatsber. der Berl. Akad. d. Wiss.
1855. Die erste, Cerochroa n. g. zeichnet sich auffallend durch sehr
kurze und dicke Fühler aus, an denen nur das erste Glied verlängert,
die übrigen jedoch, besonders vom vierten an ganz kurz und breit,
eng aneinander schliessend und mit dichtem Toment bekleidet sind.
Auch die ganze Form des Körpers ist eigenthümlich, nämlich sehr ge-
wölbt, vorn zugespitzt und hinten stark verbreitert. Das Metaster-
num tritt keilförmig nach vorn heraus, die Klauen sind an der Spitze
gespalten. — Art: C. rußceps. — Die zweite, Dlampkidia n. g. bietet
einen deutlichen üebergang zwischen den eigentlichen Gallerucarien
und den Halticinen dar, indem sie die Sprungbeine der letzteren mit
der Grösse und Fortn der ersteren in sich vereinigt. An den ziem-
lich derben Fühlern ist das 4te bis 8te Glied innen etwas erweitert,
an den vorderen Tarsen das erste Glied herzförmig, an den hin-
tersten länglich -dreieckig ; die Klauen sind an der Basis scharf ge-
zähnt. — Art: D. femoralis. — Andere neue Arten von Mossambique,
ebenda diagnosticirt, sind: Galletuca divisa, 3lo?iolepla ßaveola, discoi~
dea und Irivialis,
Guerin beschrieb ( Verhandl. d. zoolog.-botan. Vereins zu
Wien V.) : Aspicela Osculalli^ rugosa , Uüurcierii und Jiigroviridis als
neue Arten vom Amazonenstrome.
Dohrn gab (Linnaea Entomologica X. Taf. 2) eine Abbildung
des merkwürdigen Loxoprosopus ccramboides Guerin nach beiden Ge-
schlechtern ; das Weibchen unterscheidet sich von dem Männchen
durch nicht verlängerte Fühler, kürzeren Kopf und breiteren Thorax;
ein Exemplar desselben befindet sich im hiesigen Museum.
206 Gerslaecker: Bericht üb. d. Leistungen in d. Entomologie
Hispidae. — Die Larve derHispa testacca Linn. wurde von
Perris (Memoires de la soc. roy. des sciences de Liege T. X. p. 260)
beschrieben und auf Taf. 5 bis dargestellt. Sie minirt die Blätter von
Cistus salvifolius, wie dies schon an mehreren Amerikanischen Arten
von Harris nachgewiesen worden ist. In der flachen und breiten
Körperform tritt sie den Cassida-Larven sehr nahe, zeigt aber ausser
dem Kopfe nur zwölf Körpersegmente.
Cassidariae. — Boheman's Monographia Cassididarum ist
mit dem dritten Theile (Stockholm 1855) nunmehr beschlossen wor-
den; derselbe enthält den Schluss der die dritte Gruppe des Verf.
bildenden Gattungen, nämlich: Hybosa mit 5, Charidotis mit 45, Lac-
coptera mit 21, Psalidonota mit 8 und Coplocycla mit 407 Arten. —
Mit dem Abschlüsse dieses Werkes ist die systematische Entomologie
abermals durch eine Arbeit bereichert worden, wie sie die den Schwe-
dischen Fachgenossen eigene Ausdauer und ölühseligkei-l schon mehr-
fach zu Tage gefördert hat, und die sich durch den ungemeinen Fieiss,
welcher auf die Ausarbeitung der Einzelnheiten verwandt ist, jenen
rühmlich zur Seite stellt. Durch das sehr bedeutende Material, wel-
ches dem Verf. zu Gebote gestanden und die gründliche Durcharbei-
tung der bisherigen Literatur ist die Species-Kenntniss der Cassiden
auf einen Standpunkt gebracht , der für den grössten Theil der Co-
leopteren bis jetzt noch in das Reich der Wünsche gehört. In un-
gleich geringerem Maasse scheint mir dagegen die systematische Ein-
theilung der vorliegenden Gruppe, und zwar besonders die Feststel-
lung der einzelnen Gattungen zum Abschluss gebracht zu sein. Unter-
wirft man z. B. die vom Verf. aufgestellten drei Hauptabtheilungen
einer näheren Prüfung, so sieht man leicht, dass die dafür hervor-
gehobenen Unterschiede „capite prominulo« und „capite omnino ob-
tccto" etwas sehr Unbestimmtes und zur sicheren Trennung wenig
Geeignetes haben; besonders deutlich wird dies bei einem Vergleiche
der Gattungen Poecilaspis (Trib.II) und Physonota (Trib. III) , deren
Arten habituell übereinstimmen und zum Theil in der Ueberdeckung
des Kopfes durch den Thorax sich fast bis zum Unmerklichen nähern.
Von den übrigen Merkmalen, welche der Verf. zur engern Eintheilung
der Cassiden verwandt hat, scheint mir die Bildung der Klauen, wel-
che bei den Chrysomelinen überhaupt, und bei der vorliegenden Ab-
theilung ganz besonders grosse Verschiedenheiten dari)ieten, das ge-
eignetste zu sein , viel weniger wohl die Hervorragung des Meso-
sternum, die bei sonst eng verwandten Formen schwankt und über-
haupt als ein wenig prägnantes Merkmal geringere Beachtung verdient.
Gar zu gering angeschlagen oder vielmehr kaum berücksichtigt hat der
Verf. aber die Einlenkung der Fühler, welche bald hoch, bald tief
am Kopfe, hier eng aneinander, dort von der Mittellinie entfernt an-
getroffen wird , und welche für auch sonst übereinstimmende Formen
J
während des Tnhres 1855. 20"/
sehr bezeichnend ist. Durch dieses Merkmal werden z. B. die Gat-
tungen Canistra , Mesomphalia etc. mit den nahe verwandten, bei
Boheman aber ziemlich weit entfernten Gattungen S6}enis und Omo-
plala eng verbunden; ebenso Cassida mit Charidotis, die ich nicht
generisch zu trennen weiss, während bei B. die durch breite Stirn
und auseinanderstehende Fühler bezeichneten Gattungen Asteriza und
llvbosa dazwischen eingeschlossen sind. Was die Bildung der Füh-
1er selbst und besonders die Längenverhältnisse der einzelnen Glie-
der betrifft, so hat der Verf. hierauf jedenfalls für die Abgränznng
der Gattungen öfters einen zu übertriebenen Werlh gelegt. So lässt
sich z. B. die Gattung Spilophora nicht gut von Galyptocephala tren-
nen, wie dies die nach den Arten schwankenden Längenverhällnisse
der Fühler deutlich zeigen; sollen sie aber nach rein habituellen
jMerkmalen auseinandergehalten werden, so müsste Galyptocephala ni-
gricornis jedenfalls zu Spilophora gebracht werden. In gleicher
Weise wäre nach der Ansicht des Ref. eine Vereinigung der Gattun-
gen Tauroma , Desmonota , Canistra und Dolichotoma vorzunehmen.
Bei Tauroma sollen nämlich nach Angabe des Verf. die Antennen
„haud incrassatae," bei Desmonota dagegen „apieem versus fusiformes,
incrassatae" sein; im Widerspruche hiermit finde ich aber die Fühler
bei Tauroma bicornis, eximia, coracina u. a. in viel höherem Grade
gegen die Spitze hin verdickt, als z. B. bei Desmonota dentipes. Es
wird dadurch klar , dass der Verf. die Gattung Tauroma nicht nach
den Fühlern aller darin enthaltenen Arten, sondern vielmehr nach der
eigcnthümlichen Form der Flügeldecken, die allerdings etwas Ver-
lockendes hat, zusammengesetzt, übrigens aber zugleich einige in
letzterer Beziehung abweichende Arten, wie Taur. antiqua und sca-
brosa , besonders aber T. malachitica , darunter vereinigt hat. AVie
wenig Gewicht übrigens für die Abscheidung von Galtungen auf die
grössere oder geringere Länge und die Verdickung der F'ühler hier
zu legen war, hätte der Verf. an den mannigfachen Verschiedenhei-
ten, welche in dieser Beziehung die von ihm unter Desmonota ver-
einigten Arten darbieten , leicht ersehen können ; man vergleiche
hierzu nur die Fühler von Desm. dentipes und bicornuta! Was die
Gattungen Canistra und Dolichotoma betrifft, so existirt allerdings
ein Unterschied darin, dass bei erstercr die fünf, bei letzterer die
sechs ersten Glieder der Fühler glänzend und glatt sind; da sie
aber in allen übriiren Merkmalen ganz genau übereinstimmen und
nicht einmal habituelle Unterschiede zeigen, so wäre eine Vereini-
gung jedenfalls natürlicher, zumal deshalb, weil Dolichotoina sich
ihrerseits wieder nicht von den beiden oben bezeichneten Galtungen
unterscheiden lässt. — Eine gleiche Bewandtniss, wie bei Tauroma
und Desmonota, hat es mit der Trennung der Galtungen Omoplata und
ümaspides ; die für Omoplala angegebenen Charaktere sind zwar aus
208 Gerstaecker: Bericht üb. d. Leistungen in d. Entomologie
der Fühlerbiidung einiger Arten, wie 0. aulica, nornialis, nupta etc.
entnommen, passen dagegen nicht auf 0. marginata Linn. u- a.; die
Fühler der letzteren Art sind ganz wie bei üniaspides clathrata ge-
bildet, und wird daher diese Gattung auf naturgemässem Wege mit
Omoplata zu verschmelzen sein. — Wenn der Verf. so auf der einen
Seite wesentlich übereinstimmende Arten verschiedenen Gattungen zu-
crtheilt, fehlen andererseits auch nicht Beispiele, wo verschiedene
Elemente vereinigt worden sind. Ein solches zeigt sich in der Gat-
tung Calaspidea , welche sich durch stark erweitertes Endglied der
Tarsen, unter dem die Klauen verborgen liegen, auszeichnen soll.
Diesen Charakter finde ich aber nur bei C. grossa , venosa und Co-
lumbiana, nicht aber bei C. discors und parellina ; die letzteren stim-
men in der Tarsenbildung ganz mit Mesomphalia überein, deren Arten
sie sich auch schon äusserlich eng anschliessen. — Die hier ange-
führten Beispiele mögen der Ansicht des Ref., dass die Sichtung und
nähere Begründung der Cassiden-Gattungen durch das Boheman'sche
Werk noch keineswegs abgeschlossen sei, zur Stütze dienen; bei der
gründlichen und sorgsamen Feststellung der Arten, welche der Verf.
geliefert hat, wird übrigens eine derartige Kachhülfe ein Leich-
tes sein.
Zwei neue Europäische Cassiden - Arten sind: Cmsida ßlaginis
Perris (Bulletin de la soc. entom. IIL p. LXXMI ff.) aus dem Depar-
tement des Landes, deren Larve auf Filago gallica lebt; ferner Cas-
sida alpina Bremi (Entomol. Zeit. p. 19(3 ff.) aus den Schweizer Alpen,
7000' hoch.
Von Guerin wurden (Verhandl. d. zoolog.-botan. Vereins zu
Wien V.) Canislra Osculatü und Dolicholoma Bohemani vom Amazo-
nenstrome beschrieben.
Erotylenae* Neue von Guerin beschriebene Arten sind:
Aegilhus consularis , Bourcierii , Erotylus Cornaliae und GhUianii vom
Ämazonenslrome (Verhandl. d. zoolog.-botan. Vereins zu Wien V).
Coccinellioae« Geh in, Catalogue synonymique des Coc-
cinelliens observes dans le departement de la JMoselle ist dem lief,
nur aus einer Anzeige im Bulletin de la soc. entomol. p. CXIX be-
kannt geworden, wo er ohne Angabe der Jahreszahl angeführt wird.
Die Larve von Gryphinus piceus Com. wurde von Perris un-
ter Rinde zwischen faulenden Substanzen aufgefunden, wo zugleich
viele Poduren sich vorfanden; ob sie sich von diesen ernährt, wurde
nicht beobachtet. Eine Beschreibung und Abbildung derselben ist in
den Memoires de la soc. roy. des sciences de Liege, T. X. p. 270.
PI. 5 bis gegeben worden.
I
während des Jahres 1855. 209
Orthoptera«
List of the specimens of British Animals in tlie colle-
clion of the British Museum. Part. XVII. Nomenclalor of Ano-
plura, Euplexoptera and Orthoptera. London, printed by Or-
der of the trustoes. 1855. — In diesem von A. White zu-
sammengestelllen Namensverzeichnisse sind die bisher in
England aufgefundenen Orlhoptera und Dermatoptera nach
der im Fischer'schen Werke angenommenen Nomenklatur (auch
mit Hinzufügung der dort festgestellten Synonymie) aufge-
führt. Wie sich aus der nördlichen Lage Englands leicht
schliessen lässt', ist seine Orthopteren - Fauna eine ziemlich
dürftige ; sie umfasst nämlich 4 Forficula , 9 Blatlariae (da-
von 4 eingeführt), 5 Achetidae , 10 Locustariae und 26
Acridii.
Yersin hat in einer „Note sur la derniere mue des
Orthopleres" (Bulletin de la sog. Vaudoise des sciences na-
turelles, Avril 1855) die zuerst von Charpentier festge-
stellten Unterschiede zwischen der Flügelbildung bei den
Larven und den Imagines gewisser Orthopteren, welche be-
sonders bei den Arten mit rudimentären Flügeln in Betracht
konunen , durch fortgesetzte Untersuchungen zu begründen
und zu erweitern gesucht. Als ein sicheres Criterium über
den Larven- oder Imago-Zusland einer Art hebt er hervor,
dass die Hinterflügel selbst bei solchen, wo sie während des
ganzen Lebens kurz bleiben, im Zustande des vollkommenen
Insektes fächerartig gefaltet, bei der Larve hingegen nur ge-
rippt seien. Dieser Unterschied ist allerdings richtig , doch
scheint der Verf. nicht beachtet zu haben, dass bei der Larve
nur deshalb die fächerartige Faltung der Flügel nicht be-
merkbar ist, weil sie noch von einer besonderen Hülle um-
geben sind, die erst bei der letzten Häutung abgeworfen
wird. — Ein anderes wichtiges Criterium ist bekanntlich die
Lage der Flügeldecken und Hinterflügel zu einander, welche
bei der Larve gerade eine umgekehrte als bei der Imago ist ;
den Uebergang des einen Zustandes in den anderen, der
bisher noch nicht genügend dargelegt war, hat Yersin auf
eine recht anschauliche Weise durch schematische Figuren
Archiv f. Naturgesch. XXII. Jahrg. 2. Bd. Q
210 Gerstaecker: Bericht üb. d. Leistungen in d. Entomologie
nachgewiesen. Es findet nämlich eine Drehung der Flügel-
rudimente, die als Ausstrahlungen der Thorax-Peripherie be-
trachtet werden können, in einem Halbkreise slalt, wodurch
es sich erklärt, dass bei der Larve , wo beide Flügel nach
vorn gewandt sind, die hinteren über, beim vollkommenen
Insekte, wo sie sich nach hinten umschlagen, dagegen unter
den Flügeldecken zu liegen kommen.
Eine Anzahl neuer ausländischer Orthopteren aus ver-
schiedenen Familien hat Stal in der Öfversigt af Kongl.
Vetensk. Akad. Förhandl. p. 347 — 353 beschrieben. Einige
derselben bilden zugleich neue Gattungen, welche den Fa-
milien der Forficulina, Achetidae, Locustariae und Acridii an-
gehören.
Fieber setzte seine „Ergänzungsblälter zur Synopsis
der Europäischen Orthoptera" im 5ten Jahrgange der Lotos
p. 65 ff. in der im vorigen Jahresberichte angegebenen Weise
fort. Der vorliegende Theil behandelt die Familien der Gryl-
lodea, Xyodea und Forficulariae.
Einen Beitrag zur Orthopteren-Fauna der Krim gab Ha-
gen (Entomol. Zeit. p. 109) durch Aufzählung von vierzehn
daselbst gesammelten und von Fischer bestimmten Arten.
Eine ausgedehnte und von seltener Literaturkennlniss
zeugende Monographie der Termiten-Familie begann derselbe
im 10. Bande der Linnaea entomologica; der bis jetzt er-
schienene Theil bringt ausschliesslich eine Zusammenstellung
der die Familie betreffenden Literatur. (Siehe Termitina !)
F'orficulina,. Stal beschrieb (Öfvers. af Kongl. Vetensk.
Akad. Förhandl. p. 347) vier neue von Wahlberg im Caffernlande
aufgefundene Arten : Forßcesila lUurala^ Forficula 4maatlata, natalen-
sis und ochropus.
Derselbe machte (ebenda p. 348 ff.) mehrere neue Forficulinen
verschiedener Länder und darunter auch einige neue Gattungen be-
kannt: 1) Ancisirogaster n. g. mit flachgedrücktem, behaarten Körper,
langgliedrigen Fühlern und hinten abgerundetem Thorax; das dritte
bis fünfte Hinterleibssegment verlängert sich jederseits am Hinterwin-
kel in einen nach hinten gerichteten Dorn, das letzte ist quer qua-
dratisch. An den Tarsen ist das erste Glied so lang als die beiden
folgenden zusammengenommen, das zweite sehr kurz. Art: A. lucluo-
sus von Rio Janeira. (Von bekannten Arten würde hierhin z. B. Forf.
wahrend des Jahres 1855. 211
appendiculata Chaip. zu rechnen sein; das hiesige Museum besitzt
ausserdem noch eine dritte ebenfalls Süd -Amerikanische Art.) — 2)
Cylindro()asler n. g. mit langgestrecktem, schmalen, behaarten Körper ;
der Kopf breiter als der Thorax, die Augen gross, kuglig, an den
Fühlern die einzelnen Glieder mit Ausnahme des 2ten bis 4ten ver-
längert; der Hinterleib cylindrisch , an der Spitze kuglig, das letzte
Bauchsegment fast halbkreisförmig. Art : C. gracilis von Rio Janeiro.
— Die neuen Arten sind ferner : Forßcesila elcrjans von Neu-Granada
(nur Varietät von Forf. procera Burm.) , xanlhopus von Bio Janeiro,
Psalidophora insignis von Neu-Granada, Forficula speculigera von Neu-
Granada, genicnUda von Java (gleich Forf. indica Burm.), villicoUis
aus China , vigilans und amoena von Java, Sparatla rußna und nigrina
von Rio Janeiro.
Illattina* Stal beschrieb (Öfversigt af Kongl. Vetensk. Akad.
Förhandl. p. 351): Blabera luctuosa aus Mexiko, monstrosa aus Brasi-
lien und Blalta gloriosa von Sierra Leona als neue Arten.
Mantodea. Von Lucas wurde (Revue et Magas. de Zool.
VII. p. 103 ff.) eine neue Art der Gattung Eremiaphila aus dem Sü-
den Algicr's unter dem Pfamem E. denticoltis zuerst nach einem ein-
zelnen Exemplare und nachträglich (ebenda p. 395) nach beiden Ge-
schlechtern beschrieben. — Zugleich bemerkte L., dass Arten wie
sie in dieser Gattung von Lefebvre und neuerdings vonBrisout
de Barneville nach Larven- und Fuppenzuständen beschrieben
worden seien, in der Systematik keine Geltung haben könnten, da
aus solchen Exemplaren die Charaktere der Imago nicht zu erkennen
seien. Auf denselben Gegenstand bezieht sich auch ein Aufsatz des
Verf. in den Annales de la soc. entomol. IIL p. 759 fP. , betitelt: „Un
mot sur ies organes sexuels des ürthopteres employes comme cha-
racteres pour distinguer l'etat parfait ou non parfait de ces insectes,«
der nur zu dem Zwecke geschrieben ist, um Brisout de Barne-
ville zu überzeugen, dass die von ihm beschriebene Eremiaphila
eine Larve sei, was dieser nicht zugeben will.
Ueber die Paarung und das Eierlegen der Mantis religiosa machte
Kollar (Sitzungsberichte d. zoolog.-botan. Vereins zu "Wien V. p, 95)
einige Mittheilungen. Bei der Paarung sitzen die Thiere nicht auf-,
sondern neben einander (also wie Panorpa) ; das Weibchen frass nach
derselben das Männchen und später noch ein zweites hinzugesetztes
auf. Die Eier wurden nach sechs Tagen abgelegt und zuvor eine
milchweisse Substanz zum Zusammenkitten derselben abi^esondert.
Aelieiidae« Stal stellte (a. a. 0. p. 351) eine neue Gat-
tung Hirpinus auf, für welche folgende Charaktere angegeben wer-
den: der Kopf ist klein, oben convex, zwischen den Fühlern zusam-
mengedrückt-bucklig; die Augen oval, die Fühler doppelt so lang
212 Gerstaecker: Bericht üb. d. Leistungen in d. Entomologie
als der Körper, das Basalglied gross und dick, die Palpen der Maxil-
len sehr lang, ihr Endglied schief abgestutzt. Der Thorax fast quer,
an den Seiten herabgebogen, erweitert, vorn schmaler als hinten. Die
Deckflügel flach, länger und breiter als der Hinterleib, mit breitem,
herabgeschlagenen Vorderrand ; die Schwanzborsten fast von Leibes-
länge; die Beine lang und schlank, die Hinterschenkel massig ver-
dickt , die Hinterschienen unten stachlig , in der Mitte mit drei län-
geren Dornen. Art : H. afer von Port IN'atal.
I^ocustariae. Clonia Stal (a. a. 0. p.352) ist eine neue
mit Listroscelis durch die langgedornten Beine nahe verwandte Gat-
tung , jedoch schon habituell durch schmaleren, mehr verlängerten
Körper unterschieden. Der Kopf ist von oben gesehen quadratisch,
etwas gewölbt, zwischen den Fühlern mit scharfer Spitze hervortre-
tend, die Stirn schräg nach hinten abfallend ; die Augen kuglig her-
vorgequollen; der Thorax verlängert, hinten breiter, in der Mitte
zusammengedrückt, Meso - und Melasternum zweistachlig; die vorde-
ren Beine mit langen Doppeldornen, die hintersten mit kurzen Säge-
zähnen, die Tarsen stark verbreitert. — Eine Art: C. Wahlbergii von
Port Nalal, im hiesigen Museum auch vom Cap.
Yersin berichtigte in einer „Kote sur le Xiphidium fuscum"
(Bulletin de la soc. Vaudoise des sciences naturelles, Avril 1855) die
Angaben Fischer's über die Bildung der Cerci bei Xiphidium fus-
cum, welche nicht, wie sie in dessen Werke dargestellt sind, ein-
fach, sondern in der Mitte des Innenrandes mit einem langen, platten
Dorne bewaffnet «ind. — Ausserdem erwähnt er einer Varietät dieser
Art, welche er in der Provence aufgefunden hat, die sich ausser
beträchtlicherer Grösse auch durch Unterschiede in den Längsver-
hältnissen des äusseren Genitalapparates beider Geschlechter unter-
scheidet. Beide Notizen sind durch beigefügte Abbildungen der be-
treffenden Organe erläutert.
jicridiodea. Eine neue mit Mesops nahe verwandle Gat-
tung machte Stal (a. a. 0. p. 353) unter dem Namen Amycus be-
kannt; sie ist wie jene von linearer Gestalt und stimmt auch durch
den verlängerten Kopf mit ihr überein; leicht kenntlich ist sie durch
die Fühlerbildung: die Fühler sind neungliedrig, die beiden ersten
Glieder kurz, die folgenden flachgedrückt, stark verbreitert, an der
Aussenseite je in einen Zahn auslaufend, das letzte länglich, cylin-
drisch. Kopf und Thorax sind auf der Oberseite mit durchlaufenden
Längsrippen versehen, der erstere vorn abgerundet. Die Deckflügel
sind an der Spitze zugeschärft, — Zwei Arten von Port Natal : A.
xanthopterus und rhodiopterus , letztere Art im hiesigen Museum auch
vom Cap. — Ausserdem werden beschrieben : Poecilocerus porosus
und Pelasia rubro-ornala von Port Natal, Monachidium superbum von
während des Jahres 1855. 213
Honduras , Tettix Mellerborgi von Java ; in letzterer Art vermuthet
der Verf. wiegen der drei vorletzten verbreiterten Fühlerglieder den
Typus einer eigenen Gattung.
Termitina. Unter den Entoinologischen Arbeiten, über wel-
che Ref. in diesem Jahre zu berichten hatte , nimmt ohne Frage die
von IIa gen (Linnaea entomologica X. p. 1 und 270 fr.) begonnene
Monographie der Termiten den ersten Rang ein; das Ausland kann
sich au derselben ein Muster nehmen und erkennen, was deutscher
Fleiss und deutsche Gründlichkeit zu leisten im Stande ist. Der Verf.
holt, um die sich gestellte Aufgabe nach allen Seiten hin erschöpfend
zu behandeln, weit aus und beginnt mit Untersuchungen über den
„Ursprung und die Verschiedenheit in der Benennung der Termiten.«
Sowohl was sich bei Griechischen und Römischen Autoren auf diese
Thiere deuten lässt, als auch die Namen , welche die verschiedenen
jNationen aller Erdtheile ihnen beigelegt haben, werden hier zusam-
mengestellt. Sodann geht der Verf. zu einer Zusammenstellung der
sehr ausgedehnten und in einer grossen Anzahl der verschiedenar-
tigsten Werke zerstreuten Literatur, so weit sie die Biologie der Fa-
milie betrifft, über. Hier werden zunächst die aus dem Alterthume
stammenden Nachrichten über Termiten , oder vielmehr solche Anga-
ben, aus denen man auf Termiten schliessen kann, angeführt; eine
Sicherheit über die Bekanntschaft der Alten mit diesen Thieren lässt
sich nirgends gewinnen, wenn sie sich auch aus einzelnen Notizen
als nicht unwahrscheinlich ergiebt. Von besonderem Interesse war die
Untersuchung , ob im Mittelalter die Termiten schon in Europa be-
kannt gewesen sind , indem dies für ihre ursprüngliche Verbreitung
einen wesentlichen Anhalt bieten musste; leider Hess sich hierüber
nichts Gewisses ausmitteln. Was über die Termiten der anderen
Welttheile während des Mittelalters und bis auf König (1779) sich
auffinden Hess, ist in einem zweiten, und die neuere Literatur (seit
jener Zeit) in einem dritten Abschnitte zusammengestellt; für Asien
ist es besonders König, für Afrika Smeathman, deren Beobach-
tungen an Ort und Stelle von wesenlichem Belang sind und die hier
in der erforderlichen Vollständigkeit wiedergegeben und besprochen
werden. Europa, als der jüngste Sammelplatz der Termiten , wird
hier zuletzt in Betracht gezogen; seine Literatur beginnt mit Rossi
und endigt mit Quatrefages. — In gleicher Weise wie für die
Biologie der Termiten stellt der Verf. im folgenden Abschnitte die
Literatur über ihre Systematik zusajnmen; sämmlliche von den ver-
schiedenen Autoren, von Linne bis auf Walker beschriebene und
abgebildete Arten werden hier einzeln namhaft gemacht und kritisirt;
mit einer gleichen Zusammentragung der sich auf die Paläontologie
und Anatomie der Familie beziehenden Literatur schliesst der bis jetzt
vorliegende Thcil der Arbeil, welche in gleicher Weise zu Ende ge-
^14 Gers ta eck er: Bericht üb. d. Leistungen in d. Entomologie
führt, sowohl wegen der kosmopolitischen Bedeutung des darin be-
handelten Gegenstandes als der klassischen Ausführung eine der vor-
züglichsten in der Entomologischen Literatur zu werden verspricht.
Ejiltellulinae. „Ueber die Zahl der Odonaten und ihre
Verbreitung" gab Hagen (Entomol. Zeit. p. 131 fF.) schätz enswerthe
Mittlieilungen. Der Verf. berechnet die Zahl der gegenwärtig in den
Europäischen Sammlungen vorhandenen Odonaten auf 1000 bis llUO,
von denen etwa 100 Arten auf Europa kommen; schätzte man selbst
das Verhällniss der Europäischen Arten zu denen der übrigen VVelt-
theile auf 1 : 25, wie sich dies für die Calopteryginen herausgestellt
hat, aber kaum für die übrigen Gruppen anzunehmen ist , so beliefe
sich das Maximum der muthmasslich existirenden Arten auf 2500. —
In BetrelT der Verbreitung Europäischer Arten über andere Welttheile,
so sind solche bisher nur im westlichen Asien und nördlichen Afrika
aufgefunden worden ; ein Vorkommen in Kord - Amerika ist noch bei
keiner einzigen Art mit vollkommener Sicherheit festgestellt worden.
Die am weitesten verbreitete Europäische Art ist Anax formosus , der
in ganz Europa und Afrika vorkommt. Von aussereuropäischen Arten
haben die grösste Verbreitung Libellula flavescens (in den Tropenge-
genden Asiens, Afrikas und Amerika's), Libellula Tillarga und Anax
mediterraneus (Asien und Afrika) , Libellula Sabina (von Klein-Asien
bis China).
Eine Uebersicht der Odonaten Äleklenburgs gab Füldner im
Archiv des Vereins der Freunde der Naturgeschichte in Meklenburg,
9. Heft p. 49 ff. — Es sind dem Verf. im Ganzen 49 Arten als in
Meklenburg einheimisch bekannt geworden, von denen 20 auf die
Gruppe der Libelluliden , 9 auf die derAeshniden und 14 auf die der
Agrioniden kommen. Bei einer Vergleichung der Libellen-Fauna Mek-
lenburgs mit der von Hannover und Ostpreussen stellt sich heraus,
dass 35 Arten allen drei Gegenden gemein sind. Zum Schluss giebt
der Verf. drei Tabellen, welche eine Analyse der norddeutschen Gat-
tungen und Arten und die Angabe der wesentlichsten Längenmaasse
für die einzelnen Arten (Hinterleib, Hinterflügel, Flügelnaht u. s. w.)
enthalten.
Die in der Umgegend von Saumur vorkommenden Libellulinen
wurden von Ackermann und Courtiller in den Annales de la so-
ci<ite Linneenne du departement de Maine et Loire, I. Annee (Angers
1854), p. 196 verzeichnet; es sind nur die Kamen ohne Autoren an-
gegeben ; ihre Zahl beträgt 48.
li]|)lieBnerina.e. Die Gattung Oligoncuria Piclct unterwarf
Hagen (Entomol. Zeit. p. 262 ft'.) einer ins Einzelne gehenden sorg-
fältigen Untersuchung nach den beiden bis jetzt bekannt gewordenen
Arten 0. anomala und Rhenana. Von letzterer Art, welche bei Basel
all den Ufern des Uhcins alljährig in grosser Menge erscheint, lagen
während des Jahres 1855. 215
dem Verf. Imago und Subimago beider Geschlechter vor. Von be-
sonderem Interesse ist eine bis jetzt ohne Analogie dastehende Bil-
dung der Flügel , indem sich nämlich der Innenrand in Form eines
schmalen, freiliegenden Bandes, das bis zum dritten llinterleibsseg-
mente reicht, loslöst; ferner der Umstand, dass Vorder- und Hinter-
flügel wenigstens in ihrem Aussentheile fest aneinander haften , was
Im ho ff sogar veranlasste, nur zwei Flügel anzunehmen, die sich
später in vier spalten sollen. Hagen bemerkt sehr richtig, dass dies
eine nach allem bisher Bekannten ganz unhaltbare Annahme sei. Da
beide Flügel an der Basis stets getrennt und ihre Insertion am Meso-
und Metathorax ganz regelrecht ist, so kann nur ein festes Zusam-
menhaften durch bis jetzt nicht bekannte Ursachen angenommen wer-
den. — Ausser einer nochmaligen Beschreibung der beiden bis jetzt
bekannten Arten giebt der Verf. auf Taf. 3 eine Darstellung der ver-
schiedenen Entwickelungsstufen von Oligoneuria Rhenana, so wie der
einzelnen charakteristischen Körpertheile der Gattung.
Tliysaiiura.
liepismenae« Unter dem Namen Atelura formicaria beschrieb
V. Hey den (Entomol. Zeit. p. 368) eine neue Gattung und Art aus
dieser Familie, welche in den Nestern der Myrmica cespilum im
Schwarzwalde aufgefunden wurde. Ihr Körper ist länglich eiförmig,
am Ende mit drei kurzen, wenig gegliederten Schwanzborsten verse-
hen, die Fühler elfgliedrig, die Kiefertaster fünf-, die Lippentaster
viergliedrig , die Tarsen dreigliedrig. — Am nächsten steht die Gat-
tung der von Gervais aufgestellten Untergattung Lepismina, welche
sich jedoch durch vielgliedrigen Fühler davon unterscheidet. Die Art :
A. formicaria ist l'/j bis 2"' laug, von Farbe gelb, seidenglänzend.
Parasita.
Die in England vorkommenden Pediculinen und Mallo-
phagen sind von A. White in dem schon oben erwähn-
ten List of Ihe specimens of British Animals in the colleclion
of the British Museum, Part. XVII. Nomenclalor of Anoplura etc.
London 1855 zusammengestellt worden ; der Calalog ist ein
blosser Auszug der Artnamen aus dem bekannten Denny'-
schen Werke über die Anopluren England's.
Von historischem Interesse ist ein Aufsatz des verstor-
benen Chr. Nitzsch „Zur Geschichte der Thierinsekten-
kunde," welchen Giebel in der Zeitschrift für die gesamm-
tcn Naturwissenschaften, Bd. 5. p. 269 fr. aus dem literarischen
216 Gerstaecker: Bericht üb. d. Leistungen in d. Entomologie
Nachlasse des berühmten Verfassers veröfFenllichl hat; der-
selbe enthält eine Darlegung seiner langjährigen Studien
über diese Insekten-Ordnung, deren Resultate leider nur in
sehr beschränkter Weise der OefFentlichkeit übergeben wor-
den sind.
]|feuroi>fera,
Brauer hat abermals durch mehrere Beiträge in den
Verhandl. d. zoolog.-botan. Vereins zu Wien V. p. 479, 701
und 777 fF. die Naturgeschichte der inländischen Neuroptera
bereichert. Zuvörderst sind es wieder die ersten Stände und
die Entwickelungsgeschichte mehrerer Arten , wie Ascalaphus
Macaronius , Mantispa pagana und Acanthaclisis occitanica,
welche der Verf. theils ganz neu entdeckt, theils durch fort-
gesetzte Beobachtungen vervollständigt hat. (Siehe das Nä-
here unter Hemerobini!) Ferner liefert er an einigen Haupt-
repräsentanten der einzelnen Familien und Gruppen, wie an
Limnophilus, Bittacus, Boreus, Mantispa und Formicaleo eine
vergleichende Anatomie der Abtheilung Planipennia und ver-
wendet die hierbei erlangten Resultate zur näheren Begrün-
dung der schon früher von ihm aufgestellten Gruppen. Eine
bildliche Darstellung der anatomischen Details ist auf fünf
der Abhandlung beigefügten Tafeln gegeben. — Endlich giebt
er eine Autzählung der bis jetzt in der Umgebung Wiens
aufgefundenen Neuropteren.
Von den anatomischen Verhältnissen der uniersuchten Gattun-
gen erweist sich als wichtig für die Systematik besonders der Tra-
ctus intestinalis und zwar hauptsächlich die Bildung des Schlundes
und Magens. Bei den Fanorpaten findet sich ein fester, aus steifen
Haaren bestehender Cylinder im Schlünde, aber kein Schlundanhang;
beides fehlt dagegen bei den Sialiden. Die Rhaphidien haben einen
im Prolhorax verdicliten Schlund und einen ziemlich grossen Schlund-
anhang, die Megaloptera (Mantispa, Coniopteryx und die Hemerobini)
haben einen Saugmagen und einen hügligen Vormagen hinter demsel-
ben. — Die Wiener Neuropteren - Fauna umfasst von Trichopteren :
16 Limnophiliden und 10 l'hryganiden (die Isopalpidcn sind noch nicht
verzeichnet worden); von Planipennien : 1 Boreus, 3 Panorpa, 1 Bit-
tacus, 2 Sialis, öRhaphidia, 1 Inocellia, 1 Mantispa, 1 Coniopteryx,
1 üsmylus, l Sisyra, 1 Drepanopteryx, 11 Hemerobius, 17 Chrysopa,
1 Ascalaphus , 1 Formicaleo und 2 Myrmcleon. — Die schon von
während des Jahres 1855. 217
Westwood vertretene und von Brauer angenommene Trennung
von Rhaphidia und Mantispa , von denen die erstere zu den Lepto-
phyen, die letztere zu den Megalopteren gestellt wird, scheint dem
Ref. trotz der Verschiedenheit in der Bildung der Mundtheile bei den
Larven, auf welche Br. hauptsächlich seine Ansicht stützt, dennoch
nicht recht naturgemäss. Die Bildung des Prothorax und das Flügel-
geäder sind bei beiden Gattungen so analog , dass eine Trennung
beider nur künstlich vorgenommen werden kann ; Rhaphidia würde
ferner mit den Megalopteren in dem Vorhandensein des Saugmagens
übereinstimmen, der allen bis jetzt bekannten Leptophyen fehlt, und
die Larve, welche gleich allen übrigen Megalopteren-Larven im Trock-
nen lebt , zeigt trotz der verschieden gebildeten Fresswerkzeuge in
der ganzen Körper- und Extremitätenbildung eine bei weitem grös-
sere Uebereinstimmung mit der von Mantispa und den Hemerobinen,
als mit denen der Panorpaten und Sialiden. Rhaphidia und Mantispa
würden daher wohl am passendsten die erste Gruppe der Megalopte-
ren bilden.
Heinerobini« Brauer hat (Beiträge zur Kenntniss der
Neuropteren, a. a. ü. p. 479) die Entwickelungsgeschichte des Asca-
laphus Macaronius durch Auffinden der erwachsenen Larve und des
Cocons vervollständigt. Letzteres fand er nahe an der Erde, an
Pflanzen festgesponnen ; es ist kugelförmig, schön blauweiss, sehr
dünn gesponnen und leicht zusammendrückbar; sein Durchmesser be-
trägt fünf Linien. Von derINymphe wird eine ausführliche Beschrei-
bung gegeben; wie bei Myrmeleon bleibt die Nymphenhaut beim Aus-
kriechen der Imago im Cocon stecken. — Auf einer beigefügten Ta-
fel sind die Nymphe und das Cocon abgebildet. — Auch von Mantispa
pagana hat der Verf. das Cocon aufgefunden; es war in einer klei-
nen, einen Zoll tiefen, cylindrischen Grube in der Erde versteckt und
zwar zwischen Gras ; es ist oval , ziemlich fest und aus grünlich
weissen Fäden gesponnen, fünf Linien lang, drei Linien breit und
aussen von einem mehr losen Gespinnst umgeben. Die im Verhält-
nisse grosse Nymphe zeigt wie die der vorigen Art beträchtliche Ab-
weichungen in den Mundtheilen von der Imago , welche der Verf.
näher erörtert ; ebenfalls abgebildet. — Ganz neu ist die Vorwand-
luugsgeschichte der Acanthaclisis occitanica, welche Brauer (ebenda
p. 777 ff.) beschreibt; die Larven nebst den Cocons wurden von Bach-
mann in Preusscn, am Ostseestrande aufgefunden. Die erstere gräbt
keinen Trichter im Sande, sondern verrälh ihren Aufenthalt nur da-
durch, dass in ihrer nächsten Umgebung sich reiner weisser Sand
findet, während das übrige Terrain mit kieferabfällen und schwarzen
Erdstückchen bedeckt ist ; sie geht gleich gut vor - und rückwärts
und ßat, wie die Larve von Myrmeleon, Analanhänge, stimmt auch
im Uebrigcn wesentlich mit dieser überein ; das letzte Hinterleibs-
218 Gerstaecker: Bericht üb. d. Leistungen in d, Entomologie
Segment ist jedoch kuglig. Das Cocon von 8 Linien Länge, ist ku-
gelförmig und wie bei Myrmeleon aussen mit Sand übersponnen. —
Die ausführliche Beschreibung aller früheren Stände mit Ausnahme
des Eies ist durch Abbildung auf einer beigefügten Tafel erläutert.
Leon Dufour hat eine anatomische Uniersuchung der Ne-
ITiuptera lusitanica vorgenommen und einige Notizen darüber in den
Annales des sciences naturelles T. IV. p. 153 ff. mitgetheilt. Dass ihm
das Auffinden des Nervensystems nicht gelungen ist und er deshalb die
Abwesenheit eines solchen vermuthet, wurde schon ohen mitgetheilt.
Im Uebrigen haben die anatomischen Verhältnisse der Nemoptera eine
grosse Uebereinstimmung mit den zunächst verwandten Neuropteren
ergeben. Der Vormagen fehlt, die Contenta des Tractus intestinalis
lassen auf eine flüssige Nahrung schliessen (?), die Tracheen sind
sparsam und durchweg röhrenartig, woraus Dufour auf geringes Be-
wegungsvermögen schliesst.
Schneider bestritt (Entomol. Zeit. p. 72) die Richtigkeit der
Beobachtung Hagen's, wonach bei Chrysopa zuerst das Ei und dann
erst der Stiel, auf dem es später sitzt, zu Tage gefördert wird; er
schreibt diese Abnormität dem Umstände zu, dass die von Hagen
beobachteten Exemplare an Nadeln gespiesst und daher nicht im Voll-
besitze ihrer physischen Kräfte waren. Die von ihm selbst beim
Eierlegen beobachteten Chrysopen producirten stets zuerst den Stiel
und diesem folgte erst das Ei selbst.
Der Curiosität wegen ist hier noch zu erwähnen: „Descriptlon
scientifique de la vie du Myrmeleon sous les trois etats de la larve,
de nymphe et d'insecte parfait , par J. P. Coinde. Lyon 1855. 12."
Dies 28 Seiten umfassende Schriftchen , dessen Inhalt sich bei etwas
gedrängterem Drucke leicht auf eine gewöhnliche Oktavseite bringen
liesse, entspricht seinem Titel wenigstens in so fern nicht, als die
darin enthaltene Beschreibung des Myrmeleon keineswegs wissen-
schaftlich ist. Wir erfahren daraus nur, dass drei Lebenszustände des
Thieres existiren, über welche in wenigen Worten allgemein Bekann-
tes gesagt wird.
Panorpatae* Brauer (Verhandlungen d. zoolog. -botan.
Vereins zu Wien V. p. 722) unterschied drei in Oesterreich vorkom-
mende Panorpa-Arten, nämlich ausser P. communis zwei neue Arten :
P. montana und variabilis ßremi. Von der P. montana hat Br. auch
neuerlich die Larve aufgefunden, die sich nach mündlicher Mittheilung
durch ein constantes Merkmal, nämlich durch verschiedene Färbung
des Mundes, von derjenigen der P. communis unterscheidet.
Plaiyg-anodea. Hagen versuchte (Entomol. Zeit. p. 204ff.)
eine nähere Bestimmung und Kritik der von Pictet beschriebenen
Phryganiden ; es lagen ihm dabei eine Anzahl von Pictet selbst be-
naunlcr typischer Exemplare vor.
während des Jahres 1855. 219
IIyiiie»opte*ra.
Die Verzeichnisse der im British Museum enthaltenen
Hyrnenopteron sind in diesem Jahre mit drei neuen Heften
fortgesetzt worden, welche von F. Smith bearbeitet sind.
Es sind folgende :
1} Calalogue of British Hymenoptera in the collection
of the British Äluscum, by F. Smith. Part, I. Apidae, Bees.
London 1855, 248 pag. llpl. — Dieses Bändchen enthält
eine vollständige systematische Bearbeitung der in England
einheimischen Andreneten und Apiarien und wird den Samm-
lern der inländischen Hymenopteren eine sehr willkommene
Erscheinung sein. Von besonderer Wichtigkeit ist die Ar-
beit für die Synonymie dieser Familien, indem nicht nur die
Kirby'sche Monographie der Englischen Bienen darin eine
erneute Durcharbeitung erfahren hat, sondern auch die Arten
der continentahm Autoren zum Theil nach Vergleich von
Original-Exemplaren gemustert und mit den Kirby'schen Ty-
pen verglichen worden sind. Sämmtliche Gattungen und
Arten sind von Neuem sorgfältig beschrieben worden, was
um so erwünschter ist, als eine nicht geringe Anzahl in we-
nig verbreiteten Englischen Zeitschriften zuerst bekannt ge-
macht worden ist und daher eine ziemlich beschränkte Ver-
breitung erfaliren hat. Auch über die Lebensweise und Na-
turgeschichte der bekannteren Formen hat der Verf. theils be-
reits Bekanntes kurz zusammengetragen, theils manche neue
Beobachtung mitgelheill. — Die beigefügten Tafeln enthalten
für das Studium der Apiarien sehr geeignete Abbildungen;
ausser einer Anzalil charakteristischer Arten enthalten sie
Darstellungen aller wichtigeren Körpertheile , besonders der
Mundtheile, welche 4 Tafeln einnehmen, ferner der Flügel,
der Schienen, der Endsegmente des Abdomens u. s. w.
2) Calalogue of Hymenopterous Insects in the collection
of the British Museum. Part. !!♦ Apidae. London 1854. (p. 199
—465. pl. VII XII.) — Dieser Theil bildet die Forlsetzung
des im >origen Jahresberichte erwähnten und enthält eine
Aufzählung der übrigen im British Museum vorhandenen Apia-
rien. Wie in jenem, so sind auch hier die bekannten Arten
nur namentlich und mit Hinzufügung der Synonymie aufge-
220 Gerstaecker: Bericht üb. d. Leistungen in d. Entomologie
führt, die neuen ausführlich und meist kenntlich beschrie-
ben. Die Bestimmung nach den Beschreibungen des Verf.
wird dadurch etwas erschwert, dass er keine Diagnosen giebt
und in solchen Gattungen, wo sich, wie z. B. bei Coelioxys,
nach der Form des Schildchens, der verschiedenen Zahnung
des letzten Abdominalsegmentes u. s. w. sehr gute ünlerab-
theilungen bilden lassen , die Arten nicht nach dergleichen
leicht kenntlichen Merkmalen, sondern nach dem Vaterlande
aneinanderreiht. Bei sehr nahe verwandten Arten wäre hin
und wieder eine mehr vergleichende Beschreibung erwünscht
gewesen und dadurch wohl mancher Zvveifel über die sichere
Bestimmung einer Art gehoben worden , wie sie dem Ref.
z. B. bei mehreren südamerikanischen Coelioxys- Arten mit
rolher Basis des Abdomens aufgestossen sind. Bei Xylocopa
ist das Zusammengehören der beiden oft auffällig verschie-
denen Geschlechter, die von Fahr ici US, Lep elletier u. a.
öfter als eigene Arten beschrieben worden sind , durch die
Arbeit des Verf. ebenfalls nicht nachgewiesen worden, ob-
wohl man durch Vergleich der von derselben Lokalität stam-
menden Exemplare bei mehreren Arten hierüber zu ziemlich
sicheren Schlüssen gelangen kann. Im Uebrigen ist die
Durcharbeitung der Literatur eine recht sorgsame, wenn sie
auch hin und wieder nicht ganz vollständig gegeben ist; z.B.
würde für Pasites Scholtii Fabr. wohl besser der Name P.
atrata Fabr. (Nomada atrata Fabr.) anzuwenden sein, da
letzterer für ausgefärbte, d. h. tief schwarze Exemplare der-
selben Art aufgestellt w^orden ist, während der erstere die
rostrothen Individuen bezeichnet; auf die schwarze Stammart
(im hiesigen Museum nach dem typischen Exemplare von
Fabricius als seine Nomada atrata bestimmt) ist auch wohl
ohne Zweifel Pasites atra Spinola zu beziehen, welche schon
Latreille als synonym heranzieht, von Smith aber als
eigene Art aufgeführt wird. — Von neuen Gattungen enthält
der vorliegende Theil im Verhällniss nur wenige ; sie sind
an ihrem Orte aufgeführt worden. Von den sechs das Werk
begleitenden Tafeln enthalten die beiden ersten Darstellungen
neuer Arten, die übrigen die Anatomie der Mundtheile einer
Reihe von Gattungen und die llaupttypen des Flügelgeäders.
während des Jahres 1855. 221
3) CalaIoo:ue of Hymenopterous Insecls in the collection
of the British Museum. Part. III. Mulillidae and Pompilidae.
London 1855. (206 pag-. 6 pl.) — Mit der vorigen Arbeit in
der Art der Ausführung übereinstimmend, enlhält dieser Band
die Familie der Mulillarien im engeren Sinne (d. h. die Gal-
tungen Mutilla, Apterogyna, Bradynobaenus , Myrmosa, Me-
thoca und Scieroderma). lerner die Scolielae und die Pompi-
lidae. Weshalb der Verf. unter Heterogyna nur die Mulilla-
rien und nicht auch die Scolieten begreift, und letztere dage-
gen mit den Pompiliden zu einer Abiheilung vereinigt, ver-
stehe ich nicht; die Verwandtschaft der beiden ersten Grup-
pen ist doch schon nach der .sehr charakteristischen Ver-
schiedenheil der Geschlechter viel grösser, als die der Sco-
lien mit den Pompiliden. — Nach näherer Durchsicht der Ar-
beit mit Bezug auf die hiesige Sammlung kann ich derselben
nicht eine gleiche Sorgsamkeit wie den beiden vorigen nach-
rühmen, wenigstens nicht in allen Theilen. Am besten schei-
nen mir die Mulillarien durchgearbeitet zu sein, viel weni-
ger gründlich die Scolien , wo der Verf. sich zu sehr auf
Andere verlassen und oft die nölhige Kritik ausser Augen
gelassen hat. Zweckmässig ist bei der Anordnung der Sco-
lien-Arten die Aufstellung verschiedener Gruppen , wie sie
nach dem Flügelgeader von Klug angegeben worden sind,
indem dadurch die Bestimmung sehr erleichtert wird; leider
hat der Verf. bei Pompilus, wo eine solche Anordnung nach
wesentlichen Charackleren, z. B. nach der Bildung der Klauen
noch viel nolhwendiger gewesen wäre, dieselbe unterlassen,
und so kommt es, dass hier eine grössere Anzahl seiner als
neu beschriebenen Arten nicht mit Sicherheit zu entziffern
ist. Eine richtige Kritik zeigt der Verf. durch Einziehung
mehrerer von Lepelletier unter den Scolien und Pompi-
liden aufgestellten unhaltbaren Gattungen. — Die sechs bei-
folgenden Tafeln enthalten zum grösslen Theile Darstellungen
bemerkenswerther Arten , ausserdem auch Illustrationen des
Flügelgeäders und anderer charakteristischer Theile.
Was die Synonymie der Scolien und besonders die Kritik über
die Vereinigung der beiden Geschlechter zu einer Art betrifft, so hat
Smith der neuerdings erschienenen Arbeit von Burmeister zu
viel Glauben geschenlit und neben manchem Richtigen auch vieles
222 Gerstaecker: Bericht üb. d. Leistungen in d. Entomologie
Falsche in die seinige aufgenommen. Hierher gehört z. B. die gänz-
liche Verwirrung in Betreff der beiden Geschlechter von Sc. collaris
und thoracica Fab. ; zu letzterer (^) gehört als Männchen Scolia
eriophora Klug, mit welcher Burmeister's Sc. senilis, aber nicht
die Fabricische Art gleiches Namens identisch ist. Fernere Synonyme
zu Scolia thoracica sind: Colpa ferruginea Lepell. für das Männchen
und Campsomeris aureicollis Lepell. für das Weibchen. Mehrere
kleine von Klug in den Symbol, phys. beschriebene Arten sind
durchaus scharf von einander geschieden , z. B. Sc. fasciatella Klug
(dazu als Weibchen Scol. aureolaKlug gehört) von Sc. antennata Klug;
sie werden aber von Smith nach Burmeister's Vorgang unrich-
tiger Weise als eins zusammengezogen; von dergleichen Fehlern
liesse sich eine ganze Reihe aufzählen.
Melanges hymenoplerologiques par H. de Saussure.
I. Vespides , Crabronides , Bembecides, Scolides. (Memoires
de la societe de physique et d'hisloire naturelle de Geneve,
Tome XIV. 2.(1855.) p. 1—67. c. tab. 1.)— Den Inhalt dieser
Arbeit bilden kritische Bernerluin<Ten über eine Reihe von
Gattungen und Arten aus den im Titel namhaft gemachten
Familien, ferner ergänzende Beschreibungen von bisher noch
mangelhaft bekannten und endlich auch von mehreren neuen
Arten. Die vortrefflichen Beschreibungen des Verf. sind durch
die Schärfe, mit welcher die wesentlichen Charaktere einer
Art hervorgehoben werden , zur sicheren Bestimmung wohl
geeignet und können insofern als xMusler hingestellt werden;
in einigen Fällen Hessen sich die als neu beschriebenen Arten
auf bereits bekannte zurückführen, einige andere (z. B. in
der Gattung Scolia) waren gleichzeitig von Smith im Ca-
talogue of Hymenopterous Insects aufgeslellt und charakte-
risirt worden. Nähere Mittheilungen darüber finden sich bei
den einzelnen Familien. — Die den Aufsatz begleitende Tafel
stellt 17 der als neu beschriebenen Arten in sehr naturge-
treuer Weise dar. (Ein Separat- Abdruck dieser Arbeit mit
colorirter Kupferlafel ist unter demselben Titel mit der Jah-
reszahl 1854 erschienen.)
Förster hat in den Verhandlungen des naturhislorischen
Vereins der Preussischen Rheinlande und Westphalens XIL
p. 2Q6 — 258 eine zweite Centurie neuer Hymenopleren mit
Beschreibung von zwanzig Arten verschiedener Familien, die
in ziemlich bunter Reihe auf einander folgen, begonnen. Die
während des Jahres 1855. 223
meisten derselben stammen aus Ungarn und Klein-Asien, wo
sie von Frivvaldsky gesammelt worden sind. Eine der
als neu beschriebenen Galtungen, die irriger Weise den Ve-
sparien beigezählt wird , nämlich Aclastocera , fällt mit dem
längst bekannten Polochrum repandum Spinola zusammen und
ist unter den HeJerogynen näher besprochen worden.
Smith gab (Entomologisl's Annual 1855. p. 75 ff.)
Nachricht über die von Stephens in seinem Systemalic Ca-
talogue als neu aufgeführten Hymenoplera aculeala. Sie
stellen sich in der Regel als das andere Geschlecht, zuwei-
len als Varietäten bereits durch Linne, Fabricius, Pan-
zer, Shuckard und van derLinden bekannt gemachter
Arten heraus.
lieber schmarotzende Hymenopteren machte Kirchner
in einem kleinen Aufsalze „Hymenoplerologischer Beitrag zur
Physiokratie« (Lotos, 5. Jahrg. p. 187) interessante Miühei-
lungen; sie betreffen eine Reihe von Parasiten , welche aus
verschiedenen Insekten erzogen worden sind und stellen u. a.
fest, dass selbst Schmarolzer dritten Grades vorkommen.
Eine Raupe von Papilio Crafaegi wurde von einem Microga-
ster, dessen Larven zum Tbeil von einem Hemiteles, und diese
abermals von einem Pleromalus bewohnt. Es kommt nach K.
auch vor, dass eine und dieselbe Schmarotzer -Art als Parasit
ersten und zweiten Grades auftritt; ein Pteromalus wurde aus
den Raupen einer Tinea und zugleich aus Microgaster-Puppen,
die jene Raupen bewohnt hatten, erzogen.
jtpiariae. Eine systematische Bearbeitung der Englischen
Apiarien und Andreneten lieferte F. Smith unter dem Titel: „Cata-
logue of British Hymenoptera in the collection of the British JMu-
seum, Part. I. Apidae. London 1855." Die sehr gediegene Arbeit wird
auch für ausserenglische Hymenopterologen von wesentlichem Nutzen
sein, da sich bei näherer Durchsicht der Englischen Bienenfauna eine
ausgedehnte Uebereinstimmung mit der deutschen und überhaupt mit
der nordeuropäischen erkennen lässt. In Betreff der Anlage des Bu-
ches verweise ich auf die oben gegebene Notiz (siehe Hymeno-
ptera \). Von besonderem Interesse ist ein Zwitter der Anthophora
acervorum, welchen Smith auf Taf. 5 von der oberen und unteren
Seite darstellt; er gehört zu den gemischten Hermaphroditen und
giebt sich ausser in der geschlechtlichen Verschiedenheit der Beine
224 Gerstaecker: Bericht üb. d. Fi eistun gen in d. Entomologie
auch in einer fleckenartig vertheilten Färbung beider Geschlech-
ter kund.
Derselbe errichtete (Catalogue of Ilynienopterous Insects in the
collection of the British Museum, Part. II. Apidae) folgende neue Gat-
tungen: 1) Serapis nov. gen. steht zwischen Anthidium und Chelo-
stoma und stimmt mit ersterer Gattung durch die kurze , gedrungene
Körperform wesentlich überein ; der Kopf ist fast von Thoraxbreite,
kurz, vorn fast gerade abgeschnitten, die fünf letzten Abdominalseg-
niente jederseits in einen kurzen Dorn endigend; die Maxillartaster
zweigliedrig, das erste Glied kurz, knopfförmig, das zweite lanzett-
lich und an der Spitze mit zwei langen Borsten besetzt; die Lippen-
taster viergliedrig, die beiden ersten Glieder sehr lang, die letzten
ganz kurz, vor der Spitze des zweiten eingefügt; Vorderflügel mit
einer I\!arginalzelle, welche fast so lang als die beiden Submarginal-
zellen zusammengenommen ist. Eine Art : S. denticulatus aus dem
Innern Süd-Afrika's 2) Exoneura nov. gen. steht neben Allodape
Lepell., mit der sie in der eigenthümlichen abgestutzten Form des
Hinterleibs übereinstimmt ; sie weicht jedoch durch zweispaltige
Klauen und das Flügelgeäder ab; der erste rücklaufende Nerv wird
von der zweiten Submarginalzelle aufgenommen , der zweite und
ebenso die dritte Diskoidalzelle sind verschwunden. Eine Art: JE.
bicolor aus Australien. 3) Leiopodus nov. gen. vom Habitus eines
Epeolus; Kiefer- und Lippentaster viergliedrig; Thorax gerundet,
breiter als der Kopf; Vorderflügel mit einer Marginal - und drei Sub-
marginalzellen, von denen die erste schief quadratisch, die zweite
grösser und nach vorn stark verengt ist ; Abdomen verlängert kegel-
förmig, Beine und Klauen einfach. Eine Art: L. lacerlinus aus Süd-
Amerika. 4) Eurytis nov. gen. mit viergliedrigen Lippen - und ein-
gliedrigen Kiefer-Tastern, einer Marginal - und drei Submarginalzellen
der Vorderflügel , verlängertem und an der Spitze gezähnten Dorn
der Mittelschienen; die Gattung steht zunächst bei Liogastra Ferty
und umfasst eine Art: E. funereus aus Brasilien. 5) Melissa nov. gen.
auf Crocisa rufipes Perty und Mesocheira ornata Spin, gegründet. 6)
Thalestria nov. gen., nächst Mesocheira Lepell., mit viergliedrigen
Lippen- und eingliedrigen Kiefertastern, einer Marginalzelle in den
Vorderflügeln, die fast so lang als die drei Submarginalzellen zusam-
mengenommen ist; der Schienendorn einfach. Eine Art: Th. smarag^
dina von Parä. 1) Osiris nov. gen. von langgestrecktem Körper,
nackt, ohne Sammelorgane; Kiefertaster fünf-, Lippentaster vierglie-
drig; Vorderflügel mit einer Marginal- und drei Submarginalzellen;
am Hinterleibe des Weibchens ist das sechste Segment verborgen, der
Bauchtheil des siebenten vorgezogen , der Stachel so lang als der
Hinterleib; beim Männchen sind nur 6 Hinterleibssegmente sichtbar,
das siebente verborgen. Zwei Arten : 0. paUidus und variegalus aus
während des Jahres 1855. 225
Brasilien. 8) Xenofjlussa nov. fien. zwischen Älelissodes und Oxaea,
mit sehr grossen, genäherten ücellen, 4gliodrigon Lippen- und 5glie-
drigen Kierertastern, fast gleich hingen Fühlern in beiden Geschlcch-
Icrn und keultnarliger Üeissel; eine Marginal- und zwei Submargi-
nalzellen ; llinlerschienen leicht erweitert und lang gebürstet, Klauen
zweitheilig. Eine Art. A'. fulva aus Mexiko. 9) Ilabrpphora nov.
gen. zwischen Saropoda und Anlhophora ; liippenlaster vier-, Kie-
fertaster sechsgliedrig; eine Marginal- und drei Submarginalzellen ;
der erste Nervus recurrens verbindet sich mit dem zweiten queren
Cubilalnerv, wodurch eine Abtrennung von Anthophora nöthig wird.
Zwei Arten: H. zonauda und aonala aus Albanien. — Die zahlrei-
chen neuen Arten brauchen hier nicht angeführt zu werden , da das
Werk für das Studium der Familie unentbehrlich ist.
Schenck, Ueber einige schwierige Genera und Species aus
der Familie der Bienen. (Jahrbücher des Vereins für Katurkunde im
Herzogthum Nassau, X. Bd. p. 137 — 149.) — 1) Ueber Bombus pra-
torum Linn. und die Varietäten dieser Species. 2) Ueber ßombus
Derhaiisellus und Uajellus (dieselben werden als zwei verschiedene
Arten hingestellt). 3) Die Varietäten von Bombus a;^rorum (es wer-
den deren sieben aufgezählt, die meist von Kir b y mit eigenen Species-
Namen versehen worden sindj. 4) Ueber Coelioxys , besonders die
Männchen dieses Genus. Der Verf. hat hier die Bestimmungen der
früher von ihm beschriebenen Arten (derselben Zeitschrift IX. Bd.)
mehrfach geändert; seine daselbst als C. lanceolata ISyl. aufjjeführte
Art hält er jetzt für davon verschieden und nennt sie C. oblusala;
aus demselben Grunde wird für die frühere C. 4denlata der Name
C. deiiiiculata , und für C. elongata der Name C. stigmalica gesetzt.
Mit der C. recurva des Verf. fällt als synonym C. aurolimbata Förster
zusammen ; neben der C. alata Forst, beschreibt er noch eine neue
Art unter dem Namen C. ambigua. — Am Schlüsse giebt der Verf.
eine analytische Tabelle der ülännchen und der Weibchen, über deren
Zusammengehören ihm bis jetzt wenig bekannt ist; die Schwierigkeit
in der Feststellung der Arten liegt hier übrigens viel ^mehr in der
richtigen Verwerthung der sehr verwickelten und ausgedehnten Syno-
nymie als in der Verschiedenheit der Geschlechter, welche in der
Skulptur oft ziemlich guten Anhalt zur Vereinigung darbieten. — Der
Arbeit schliesst sich ein alphabetisches Register über sämmtliche Ab-
handlungen des Verf., die Nassauischen Bienen betreffend, an.
Von Förster wurden (Zweite Centurie neuer llymenopteren)
als neue Arten beschrieben: Dasypoda pyrotrichia aus Klein -Asien,
Meyachile bucepkala von Crela, tliileremus rufiientiis aus der Türkey
und Aminobaies exiraneus aus Klein-Asien.
Poey bemerkte (Revue et Wagas. de Zool. VII. p. 187), dass
er in seinen Memories sobre la historia natural de la isla de Cuba,
Archiv f. Katurgescli. XXII. Jahrg. 2. lid, P
226 Gerslaecker: Bericht üb. d. Leistungen in d. Entomologie
Habana 1854 (einem in den hiesigen Bibliotheken nicht vorhandenen
Werke, das dem Kef. daher unzugänglich war) irrlhümlicher Weise
die unbefruchteten Weibchen der Tragona fulvipes für Männchen ge-
halten und als solche beschrieben habe; die wirklichen Männchen,
welche ihm erst später bekannt geworden sind , unterscheiden sich
nur durch ein überzähliges Fühlerglied, sind aber im Uebrigen den
Geschlechtslosen sehr ähnlich.
Die Katurgeschichte der Honigbiene, zum Theil mit besonderem
Bezug auf praktische Bienenzucht, ist in mehreren Schriften behan-
delt worden :
A. Menzel, Naturgeschichte der gemeinen Haus- und Honig-
biene als Grundlage einer rationellen Bienenzucht. Zürich 1855. 8.
58 pag. c. 4 tab. — Eine interessante Schilderung der äusseren und
inneren Organisation, der Physiologie, des Staatenlebens u. s. w., wel-
che der Beachtung sehr zu empfehlen ist.
Busch, Die Honigbiene. Eine Darstellung ihrer Naturgeschichte
in Briefen. Gotha 1855. — hat dem Ref. bis jetzt zur näheren Ein-
sicht nicht vorgelegen.
Desborough setzte seine Beobachtungen über die Lebens-
dauer der Hauslyiene fort und theilte (Transact. of the entomol. soc. IIL
p. 187) die von ihm gewonnenen Resultate mit; er stellte fest, dass
die Königin ohne wiederholte Begattung drei Sommer hintereinander
Eier ablegte, was übrigens schon vor ihm ausgemacht war. Von In-
teresse ist aber, dass die Menge der Brut mit den Jahren bedeutend
zunimmt; im ersten Jahre betrug sie in dem von Desborough be-
obachteten Falle 7060, im zweiten 23,701, im dritten 31,332, also
in allen drei Jahren zusammen über 62,000. Es wäre von Interesse,
diese Beobachtungen weiter fortzusetzen, um festzustellen, wie lange
Zeit die Fruchtbarkeit des im Receptaculum seminis befindlichen Sa-
mens vorhält.
Einige Beobachtungen über die Kämpfe der Bienenköniginnen
theilte de Beauvoye („Lettre sur les raoeurs des abeilles," Annales
des sciences naturelles T. IV. p. 151) mit; sie enthalten nichts we-
sentlich Meues.
Caron, Nouveaux procedes pour l'exploitation fructuense des
abeilles, avec 1 pl. St. Quentin 1854. 8. und A. de Farrierc, les
abeilles et l'apiculture, avec 32 vignettes, Paris (enthalten in der Bi-
bliotbeque des chemins de fer, 5 ser.) sind dem Ref. nur dem Titel
nach bekannt geworden.
Tespariae* Eine Classifikation der Wespenbauten hat H. d e
Saussure in einer Abhandlung betitelt: „Mouvelles considerations
sur la nidification des Guepes," enthalten in der Bibliotheque univer-
selle de Geneve, Scienc. phys. et natur. Tome XXYllL p. 89 — 123 (im
während des Jahres 1855. 227
Auszuge auch abgedruckt in den Annales des sciences naturelles III.
p. 153 ff.) versucht. Er iheilt zunächst alle Nester in zwei Ilaupt-
gruppen, je nachdem sie ihrer Anlage nach ins Unendliche fortgesetzt
werden können (ISids indefinis, Phragmocyttaris) oder von vorn her-
ein abgeschlossen sind (Mds definis, Stelocyllaris). Das Wesen der
ersteren besteht darin, dass sie von einer Hülle umgeben sind, welche
mit den einzelnen \^'aben in innigem Zusammenhange steht, d. h. die
Aussenvvand aller Waben selbst bildet; in der untersten Wabe findet
sich ein Flugloch , welches die einzige Communikation nach aussen
ist. Ein solches IXest ist zwar nach dem Ansetzen einer neuen Wabe
stets abgeschlossen, kann aber durch Wiederholung dieses Vorgangs
fortwährend vergrössert werden, Bei der zweiten Nestergruppe fehlt
entw^eder eine Umhüllung gänzlich, oder wenn sie vorhanden ist, steht
sie mit den Waben in keinem Zusammenhange, sondern ist von die-
sen durch einen freien Raum getrennt; nachdem die Umhüllung ein-
mal angefertigt ist, kann das Nest nicht mehr erweitert werden. —
Die unbegränzten Nester (Phragmocyttaris) unterscheidet der Verf. wie-
der in sphärische, d. h. in solche, die sich nach drei Richtungen hin
ausbreiten und dadurch die Form einer Kugel annehmen, — und in
geradlinige, wo jede folgende Wabe mit der vorhergehenden parallel
liegt. Die geradlinigen Phragmocyttaren zerfallen abermals in voll-
kommene (parfaitsj, d h. solche, die sich stark der Länge nach aus-
dehnen, indem sie eine grosse Anzahl aufeinander folgender Waben
enlhallen und frei an einem Zweige hängen, und in unvollkommene
(imparfaits), d. h. solche, die nur aus einer oder zwei Waben beste-
hen, sich der Breite nach ausdehnen und an einem flachen Gegen-
stande angeheftet sind. Von vollkommenen Phragmocyttaren sind dem
Verf. 3 Arten bekannt: 1) mit konischem Boden und centralem Flug-
loche, von zusammengedrückt cylindrischer Form, nach unten konisch
erweitert (Chartergus) ; 2) mit ebenem Boden und seitlichem Flug-
loche, von sehr konischer Form (Tatuaj ; o) von unregelmässio-er,
bim - oder eiförmiger Gestalt (Polybia). Unvollkommene Phragmo-
cyttaren giebt es zwei Arten: 1) mit deutlicher, mehr oder wenio-er
freier oberer Decke und seitlichem Flugloche (Polybia sedula; ; 2)
ohne selbstständige obere Decke (Synoeca). — Die zweite Haupt'yruppc
der begränzten Nester (Stelocyttaris) zerfällt je nachdem eine Hülle
vorhanden ist oder fehlt, in „Calyptodonies" und „Gymnodomes." Die
ersteren haben entweder eine blattartige, aus concenlrischen La^en
bestehende Hülle und hängen dann frei, oder eine zellige, unreo-el-
niässige Hülle und sind dann subterran. Die letzteren sind immer
frei der Luft ausgesetzt, sehr leicht gebaut und meist an einem Stiele
befestigt; ist dieser central, so nennt der Verf. die Nester „Rectini-
des," ist er lateral, „Laterinides« und fehlt ein eigentlicher Stiel,
sondern ist die (einzige) Wabe an eine halbkuglige Kuppel angehef-
228 Gerslaecker: Bericht üb. d. Leistungen in d. Entomologie
tet, „Gibbinides." Die „Rectinidts-' treten in zwei Arten auf, nämlich
mit mehreren Waben und mit einer einzigen; die Lalerinides mit vier
Arten. — Am Schlüsse erwähnt Saussure noch einer Neslbildung,
die sich unter keine seiner Abtheilungen unterbringen lässt; sie be-
steht nämlich in einer Axe, von der mehrere "Waben lateral ausge-
hen, und welche ausserdem noch von einer unregelmässigen spindel-
förmigen Hülle umgeben ist, die aber in keinem Zusammenhange mit
den Waben steht; es ist dies olTenbar eine Combination der Slelocyt-
tares calyptodomes mit den Gymnodomes laterinides. — Der Auszug
der Arbeit in den Annales des sciences naturelles ist von einer Tafel
begleitet, auf welcher der Verf. schematische Figuren zur Versinn-
lichung der verschiedenen Westerformen gegeben hat. — Es fragt sich,
was bezweckt Verf. mit seiner Classifikation der Wespenbauten? Er
hat sie allein auf eine Anschauung und Vergleichung der Nester selbst
gegründet, ohne zu untersuchen, ob die Form des Nestes eine den
natürlichen Gattungen der Wespen entsprechende ist, d.h. er hat die
Rechnung ohne den Wirth gemacht. In der That gehören nun auch
öfter den Arten einer und derselben Galtung TVester an , welche bei
Saussure in ganz verschiedenen Abtheilungen untergebracht sind,
wie dies vor Kurzem Jloebius z. B. für Chartergus und Polybia
nachgewiesen hat. Erst eine ausgedehntere Kenntniss der Nester mög-
lichst vieler Arten wird zeigen können, in wie weit die Form der
Bauten den natürlichen Gallungen der Wespen entspricht.
Saussure beschrieb (Guerin , Rev. et Magas. de Zoologie VII.
p 371 ff.) einige neue im Londoner Museum befindliche Arten dieser
F^amilie, von denen eine zur Gründung einer neuen Gattung Smithia
veranlasste. Dieselbe ist mit Elimus nahe verwandt, zeichnet sich
aber durch sehr langgeslreckten , schlanken Körperbau aus; der Kopf
ist gross, gewölbt, der Hinterleib lang gestielt, der Stiel von der Länge
des Thorax; die zweite Cubilalzelle ist gestielt und nimmt die beiden
Nervi recurrentes auf und zwar den ersten derselben an dem Bre-
chungswinkel ihres Hinterrandes. Art: Smilhia nalalensis von Fort
Natal. — Die übrigen neuen Arten sind: Eumenes mulUpiclus von Su-
matra, Leplochilus denliculalus aus Mexico, Icaria speciosa und Polybia
Sumalre7isis von Sumatra, Charlergus emorlualis aus Brasilien.
Derselbe charaktcrisirte (Melanges hymenopterologiques p. 4)
eine neue Art der Gattung Celonites unter dem Nanien C. Cyprius von
der Insel Cypern ; er ist nach der Fühlerbildung des Männchens mit
dem Aegyplischen C. Savignyi nahe verwandt, dessen Unterschiede
in der Beschreibung zugleich hervorgehoben werden.
Eine von Fahre (Annales des sciences naturelles T. IV. p. 147)
ohne Namen beschriebener Eumenes aus Südfrankreich hat sich als
identisch mit E. Amedeii Lepell. herausgestellt.
während des Jahres 1855. 229
Lespes beobachtete einen Odynerus (die Art wird nicht an-
gegeben), welcher seine Eier in die Zellen einer Anthophora legte und
zur Nahrung derselben Larven von Chrysomela Iremulae , je drei in
eine Zelle einschloss. (Bulletin de la soc. entoinol. p. LVIil.) — Dass
die Odyneren ihre Brut mit Chrysomelcn-Larven füttern, ist übrigens
schon von West wo od und Waterhouse beobachtet worden.
Ebenso Irelfen die von Nietner über den Haushalt des Eu-
menes Saundersii Westw. gemachten Mitlheilungen (Entomol. Zeit,
p. 223 fF.) in allem Wesentlichen mit den von Saunders (Transact.
entomol. soc. I.) über diese Art veröffentlichten zusammen; ausser
den grünen Raupen, welche letzterer als Futter für die Brut erwähnt,
nennt N. auch Spinnen. Auch einen Pelopoeus hat Kietner in glei-
cher Weise wie Saunders als Parasiten der Eumenes -Larven be-
obachtet, nur dass er diese Gattung gegen die bisherige Annahme den
Ichneumoniden beizählt. (!)
F'oruiicariae* Es ist als eine erfreuliche Erscheinung zu
betrachten, dass sich dem Studium einer so interessanten Familie,
wie es die Ameisen sind, und über welche unsere Kenntniss zu-
gleich noch vielfache Lücken enthält, in den letzten Jahren mehrere
tüchtige Kräfte zugewandt haben. Fast gleichzeitig sind drei inlän-
dische Ameisenfaunen erschienen, nämlich eine üeslerreichische von
Blayr, eine Englische von Smith und eine Französische von Ny-
lander; letztere gehört jedoch erst dem nächstfolgenden Jahresbe-
richt an. Durch alle drei wird die Gattungs- und Arten - Kenntniss
wesentlich gefördert, und wenn in ersterer Hinsicht die Autoren zum
Iheil recht widersprechende Ansichten an den Tag legen, so kann
dies auch nur für die Ermittelung des Richtigen von Nutzen sein. —
Von den vorliegenden Arbeiten bietet schon in Betracht ihrer Reich-
haltigkeit am meisten Interesse die ülayr'sche dar, welche unter dem
Titel: „Formicina austriaca, Beschreibung der bisher im Oesterreichi-
schen Kaiserstaate aufgefundenen Ameisen, nebst Hinzufügung der in
Deutschland, der Schweiz und in Italien vorkommenden Arten" im
fünften Bande der Verhandlungen des zoologisch-botanischen Vereins
zu Wien p. 273— 478 enthalten ist. Der Verf., welcher sich dem Stu-
dium der Ameisen speciell seit mehreren Jahren gewidmet hat, lie-
fi rt damit eine Abhandlung , welche in faunistischer und systemati-
scher Beziehung gleiche Beachtung verdient. Die ungemeine Reich-
haltigkeit der Fauna Oesterreichs, welche in anderen Insekten - Ord-
nungen hinreichend bekannt ist, und die sich aus seiner günstigen
Lage im Herzen Europas, besonders aber aus der grossen 3Iannigfal-
ligkeit seines Tenains zur Genüge erklärt, wird durch die hier gege-
bene Uebersicht seiner Formicarien von Neuem bestätigt; es sind
nämlich bereits (37 Arten von Ameisen bekannt geworden. Die um-
sichtige BeuulzuDg eines so butracbllichcn älalcrials und besonders
230 Gerstaecker: Bericht üb. d. Lci&tünfjen in d. Eotomologie
die Untersuchung und Verwerlhung mehrerer bis jetzt wenig berück-
sichtigter Körpertheile hat denn auch den Verf. zu mehrfachen Modi-
fikationen der bisher üblichen Gattungen geführt, deren Zahl sich be-
trächtlich vermehrt hat. Besonders trillt eine derartige Bereiche-
rung die Abiheilung der Myrmiciden, wo der Verfasser eine Feststel-
lung der Galtungen u. a. nach der Zahl der Tasterglieder versucht,
aber hier die Zersplitterung vielleicht zu weit getrieben hat; wenig-
stens sind die Merkmale, w^elche zur ßegränzung der Gattungen For-
micoxenus, Myrmecina, Tetramorium und Lcplothorax (sämmtlich mit
4— 5gliedrigen Maxillar - und 2gliedrigen Labialpalpen) angegeben
werden, wohl gar zu subtil und äusserlich , um sich allgemeine An-
erkennung zu verschaffen. — Uebrigens sind es noch zwei Momente
in der Arbeit des Verf., wodurch die Kenntniss der Familie wesent-
lich gefördert worden ist; erstens, dass er sich von einem grossen
Theile seiner Arten alle drei Geschlechter zu verschaffen gewusst hat
und zweitens , dass zur Feststellung der Synonymie die typischen
Exemplare der neueren Autoren auf diesem F'elde verglichen worden
sind. — Der Inhalt der Arbeit ist in Kurzem folgender: In einem vor-
angeschickten allgemeinen Theile verbreitet sich der Verf. über den
Aufenthalt, die INahrung, Lebensweise, die erslen Stände und die Ent-
wickelung, die geographische Verbreitung, über den Nutzen und Scha-
den und endlich auch über die Gäste der Ameisen. Der specielle
Theil enthält zunächst eine Gesammt- Charakteristik des Körpers der
Ameisen, die Feststellung der Gruppen und Gattungen nach den drei
Geschlechtern und zuletzt die ausführliche Beschreibung der Arten.
Letztere vertheilen sich folgendermassen : a) Formicidae. 1) Formica
27 A. 2) Tapinoma 3 A. 3) Ihjpoclinea nov. gen., auf Form. 4pun-
clata Linn. gegründet, 2 A. 4) Monocoinbus nov. gen., auf Form,
viatica Fabr. gegründet , 1 A. 5) Polyergus l A. — b) Poneridae.
6) Ponera 1 A. — c) Myrmicidae. 7) Myrmica 7 A. 8) Formkoorenus nov.
gen. (als vox hybrida unzulässig !j auf Myrmica nilidula Kyl. gegrün-
det, 1 A. 9) Tclramorium n. g. auf Myrmica Kollari Mayr und cae-
spitum Latr. gegründet, 2 A. 10) L^ptotkorax n. g., auf F'orm. uni-
fasciata Latr., Myrin. acervorum Kyl. und a. gegründet, 12 A. 11)
Myrmecina 1 A. 12) Dlplorrlwplrum n. g. auf Form, fugax Latr. ge-
gründet, 1 A. 13) Monomorium n. g. auf eine einzelne neue, nur
im Arbeiterstande bekannte Art gegründet. 14) Oecophthora 1 A.
15) Atta 3 A. 16) Aphaenogaster 1 A. 17) Crematogaster 2 A. —
Neben den ausführlichen Beschreibungen sämmtlicher Gattungen und
Arten hat der Verf. auch für beide analytische Tabellen zusammenge-
stellt, welche für das Auffinden der einzelnen Arten grosse Erleich-
terung gewähren werden, besonders da sie auf die verschiedenen
Stände einzeln angefertigt sind. Anhangsweise sind neben den Oe-
slcrreichischcn Arten auch noch mehrere andere, meist aus Italien
während des Jahres 1855. 231
stammend, beschrieben worden; eine die Abhandlung begleitende Ta-
fel enthält eine Darstellung der verschiedenen Flügeltypen der Amei-
sen, über deren selten vorkommende Aberrationen der Verf. (ebenda,
Sitzungsberichte p. 8) auch einige Notizen giebt.
Die zweite diesjährige Arbeit ist : Essay on the genera and
species of British Formicidae by F. Smith. (Transact. entomol. soc.
III. p. 95— 135 mit Tafel 9.) Eine Lokal-Fauna von einem bewähr-
ten Kenner, wie F. Smith es ist, bearbeitet, ist selbst, wenn sie wie
die vorliegende wenig Neues darbietet, stets dankbar anzunehmen. Der
grösste Theil der bisher in England aufgefundenen Arten ist dem
Verf. in allen drei Geschlechtern bekannt gewesen und sind dieselben
in der vorliegenden Arbeit durch sorgsame Beschreibungen kenntlich
gemacht. Als besonders verdienstlich sind auch die Angaben des
Verf. über Lebensweise, Vorkommen, Zeit des Erscheinens der Männ-
chen u, s. w. hervorzuheben. In Betreff der Bestimmung der einzel-
nen Arten haben ihm typische Exemplare von Förster und Nyl an-
der zu Gebote gestanden. Als der Englischen Fauna angehörig sind
bis jetzt bekannt geworden : 8 Formica, 2 Tapinoma (davon neu Tap.
pollla)f l Ponera, 1-i Myrmica (davon neu il/y/mica laetigata), 1 Myr-
mecina und 2 Stenamma. — In synonymischer Hinsicht ist hervorzu-
heben, dass von den von Curtis neuerdings beschriebenen Myrmica-
Arten (siehe vorig. Jahresber. !) Myrm. rubra Curt. = scabrinodis
Nyl., vagans Curt. = ruginodis Nyl. , perelegans Curt. = sulcinodis
Nyl. ist.
Descriptions of some species of Brazilian Ants belonging of
ihe genera Pseudomyrma, Ecilon and Myrmica, with observalions on
thcir economy by Mr. Bates, by F. Smith. (Transact. entomol.
soc. III. p. 156 ff. Taf. 13.) Die neuen hier beschriebenen Brasiliani-
schen Arten sind: Pseudomyrma unicolor , lermitaria , maculala, seri-
cala , elegans j riiyriceps , oculata , pallida , Eciton rapax , cras&icornis^
simillima , legionis , Myrmica saetissivia j alle nur im Arbeiterstande
bekannt. Nur eine Art: Pseudomyrma cepkalica beschreibt der Verf.
in allen drei Geschlechtern und bemerkt , dass die früher von ihm
aufgestellte Galtung Tetraponera (Annais of nat. bist. 2. ser. IX.) ein-
zuziehen sei, da das ihm allein bekannte Weibchen sich als zu Pseu-
domyrma gehörig herausgestellt habe. In Betreif der Lebensweise
von Pseudomyrma hat Bates in Brasilien die interessante Beobach-
tung gemacht, dass die Arten in den Haufen verschiedener Termiten-
Arten leben, und zwar colonieenweise in getrennten, ziemlich grossen,
elliptischen Räumen in den oberen Schichten der Termiten-Haufen;
jede Colonie ist nur von wenigen Individuen gebildet, die Puppen sind
nicht in Cocons eingeschlossen.
Eine kurze Notiz über die Lebensweise der Formica nigra Linn.
gab Danicll iü dciiProcccdiogs of ihcLinncan socicly ISüi. p. 290.
232 Gerstaeclier: Bericht üb, rf. Leistungen in d. Entomologie
„Notes on the habits of the common garden ant, Formica nigra Linn.*
— Ueber dieselbe Art bericbtete Wakefield (ebenda p. 293) , dass
er sie Tage und Nächte lang damit beschäftigt gesehen , die Samen
von "Viola odorata in ihre Vorrathskammern einzutragen; er glaubt
daraus schlicssen zu dürfen, dass die ältere Ansicht die richtige sei,
wonach die Ameisen Wintervorräthe sammeln sollten.
Heieroj»-y»st* Zahlreiche neue Arten aus den Galtungen
Mutilla, Tiphia, Myzine, Scolia etc. sind von Smith im Catalogue of
Hymenopterous Insects in the Collection of the British Museum Part. III.
(siehe oben!) beschrieben worden; ihre spccielle Aufführung wird
nicht nöthig sein, da das Werk für das nähere Studium der Familie
unentbehrlich ist.
Für die Arten-Kenntniss der Gattungen Scolia und Elis hat auch
de Saussare (Melanges hymenopterologiques p. 29 ff.) eine Reihe
von Beiträgen geliefert. Der Verf. nimmt nach Verwerfung der be-
kannten l.epelletier'schen und Guerin'schen unhaltbaren Gattungen
Colpa, Campsomeris , Cosila etc. die beiden obigen Gatlungen an,
indem er unten der ersteren die Arten mit einem Nervus recurrens,
unter der zweiten diejenigen mit zwei solchen begreift. Jedenfalls
ist aber die Vereinigung der letzteren unter der einzigen Gattung
Scolia, wiei sie zuerst von Klug vorgenommen und neuerdings auch
von ßurmeister und Smith adoptirt worden ist, viel natürlicher,
da ausser dem Flügelgeäder, welches hier fünf verschiedene und un-
ter sich gleichwerthigen Typen zeigt, keine wesentlichen Unterschiede
vorliegen. Als neue Arten aus der Gruppe der Scolia bidens Linn.,
4maculata Fabr. und nobilitata Fabr., von denen mehrere Farbenva-
rietäten besprochen werden, beschreibt der Verf.: Scolia frontalis aus
Neu-Holland , eine schöne auch im hiesigen 31useum vorhandene Art,
die mit Sc. coronata Sinilh zusammenfüllt, und Sc. Penangensis von
Pulo Penang, ebenfalls in der hiesigen Sammlung. — Zur Gruppe der
Sc. trldens nnd unifasciala Fabr. gehören: Sc. Picteli und fulvifrons aus
Ostindien , Savigiuji aus Aegypten , Jurinci und indica aus Ostindien
(letztere im hiesigen JMuscum auch von Ceylon , doch mit schwarzer
Behaarung des Halses), tuhercuUventris aus Neu-Holland , Ctjpria und
consobrina von der Insel Cypern. Unter mehreren Bemerkungen über
bereits bekannte Arten ist zu erwähnen, dass der Verf. Scolia auUca
Burm. auf die ältere Sc. dubia Say zurückführt. — Unter Elis wer-
den beschrieben : E. consanguinea aus Neu-lloll?.nd, gehört ohne Frage
als Männchen zu Scolia bimaculata Smith (Weihchen), E. conlinua
von Marseille (ich sehein der Beschreibung und Abbildung keine Un-
terschiede von Sc. quinquecincta Fabr., welche dieselbe Wanilelbar-
keit des Flügelgcädcrs zeigt, wie sie Sau ss uro hervorhebt), E. la~
iiventris aus Brasilien (die Beschreibung passt auf gewisse Abänderun-
gen der Scol. fuscala Klug), E. imlchella aus Brasilien, eine neue auch
wahrend dos Jahres 1855. 23^
in der hiesigen Sammlung befindliche Art, E. Tasmanensis aus Van«
Diemcnsland (in der hiesigen Sammlung auch von Adelaide und Port
Philipp"), E. gracüis, fallax , sericea und dimidiatipetmis ohne Yater-
lands-Angabe, crlnila von Port Matal.
Von Coquerel (Annales de la soc. entom. III. p. 170) wurden
2wei neue Arten: Scolia oryctophaga und carnifex von Madagascar
heschrieben und nebst Larve und Puppe auf. Taf. 10 abgebildet. Die
Larven beider Arten nähren sich von grossen Oryctes-Larven.
Förster (Zweite Centurie neuer Hymenopteren p. 247) be-
schrieb Aclaslocera Fritcaldskyi als neue Gattung und Art aus Ungarn,
die jedoch mit Polochrum repandum Spinola (Insect. Ligur. 1806)
identisch ist und nicht wie Förster glaubt, den Diplopterygien, son-
dern den Heterogynen beizuzählen ist. Aus welchem Grunde sie zu
den Wespen gebracht worden ist, weiss ich nicht, da ihr die beiden
charakteristischen Merkmale derselben , nämlich die geknieten Fühler
und die gefalteten Vorderflügel, fehlen und nur die schwarzgelbe Fär-
bung einige entfernte Aehnlichkeit mit ihnen darbietet. Unter den He-
terogynen steht Polochrum in der nächsten Verwandtschaft mitSapyga.
ileinbecides* Stizns caffer wurde als neue Art vom Cap der
guten Hoffnung von Saussure (Melanges hymenoptcrologiques p. 28)
beschrieben und abgebildet.
Crabronites« De Saussure bereicherte diese Familie
(Melanges hymenopterologiques p. 6 ff.) mit einer Anzahl neuer Arten
aus verschiedenen Ländern und gab verschiedene Kotizen über die
Abgränzung einzelner Gattungen und der innerhalb derselben zu er-
richtenden Ablheilungcn für eine natürliche Gruppirung der Species.
In der Galtung Cerceris wird eine schön gefärbte Art aus Van - Die-
mensland unter dem Namen C. australis beschrieben; das hiesige Mu-
seum besitzt dieselbe auch aus IS'eu-Holland, und zugleich einige ihr
nahe verwandte. — Mit Philanthus will der Verf. die Gattung Tra-
chypus Klug wieder vereinigt wissen (was von Klug selbst übrigens
auch schon vorgenommen worden ist), indem er die Arten mit lang-
gestrecktem Hinterleibe, worauf sie begründet ist, nicht für wesent-
lich verschieden von denen mit sitzendem Abdomen ansieht. Dagegen
ist jedoch einzuwenden, dass die erwähnte Bildung des Hinterleibes
bei Trachypus nicht nur sehr auirällig ist und ohne Uebergängc zu
den gevvöhnliciien einheimischen Arten dasteht, sondern auch einer
ganzen Keihe Süd-Amerikanischer Species (15 im hiesigen Museum)
in gleicher oder wenigstens ziemlich analoger Weise eigen ist. Zu
den beiden bis jetzt bekannten Arten von Trachypus (Gomesii Klug
und Phil, petiolatus Spinola, die übrigens nicht wie Saussure glaubt
als synonym zusammenfallen , sondern selbslstandige Arten bilden),
werden zwei neue: Phil, llomandi aus Brasilien und Patagonensis aus
dem nördlichen Palagonicn hinzugefügt, beide dem Ref. uubek^innl»
234 Gerstaecker: Bericht üb. d. Leistungen in d. Entomologie
Zur Gattung Pison fügt der Verf. eine neue Art: P. australis aus Neu-
Holland, deren Unterschiede von P. Spinolae Shuck. mir nicht recht
einleuchten wollen. — Für die Gattung Palarus werden ergänzende
Charaktere zu ihrer näheren Feststellung beigebracht und die bis jetzt
bekannten Arten aufgezählt, unter denen aber die von Klug in den
Symbol, phys. beschriebenen und aufTaf. 47 abgebildeten fehlen. Da-
her fällt auch die vom Verf. als neu beschriebene Art P. Spinolae
mit P. dongalensis Klug zusammen. — Auch über die Charaktere der
Gattung Tachytes geht der Verf. nähere Erörterungen ein und stellt
nach den verschiedenen Form -Verhältnissen , welche Kopf, Thorax
und Hinterleib darbieten, vier Abtheilungen innerhalb derselben auf.
Aus jeder dieser Abtheiiungen wird eine neue Art beschrieben : Ta-
chijles tachyrrhoslus, auslralis und femoralus aus Neu - Holland, mala-
lemis von Port Katal. Die Gattung Astata wird mit zwei neuen Ar-
ten : A. Spinolae (A. abdominalis Spin.) und CAi/ensi5, beide aus Chile,
bereichert. Hieran schliesst sich die Beschreibung einer neuen Gat-
tung TachyrrhosluSf die mit den beiden vorhergehenden in naher Ver-
wandtschaft steht, aber durch die Bildung der Fühler und Augen so
wie das Flügelgeäder wesentlich abweicht. Die Fühler bilden eine
gebogene Keule (en massue arquee) und sind kurz, nur von Kopf-
länge; die Augen sind nicht ausgerandet und von einander entfernt;
in den Vorderflügeln eine Radialzelle mit einem kleinen, offenen An-
hängsel und vier Cubitalzellen, von denen die erste sehr lang ist und
den ersten rücklaufenden Nerv aufnimmt. Zwei Arten aus INeu-Hol-
land : T. viridis und cyaneus.
„Ueber Hoplisus puncluosus Eversm. und Hoplisus punctatus
nov. spec." von C. L. Kirschbaum. (Der Mais. Naturforschenden
Gesellschaft zu Moskau zur Feier ihres 50jährigen Bestehens vom
Verein für Naturkunde im Herzogthum Nassau. Wiesbaden 1855. 4.
7 pag.) — Der Inhalt dieses Schriftchens bildet die ausführliche Be-
sclireibung einer von Kirschbaum am Rhein gefangenen, eigen-
thümlichen Art der Gattung Hoplisus , welche H. punctatus genannt
wird ; sie ist mit H. pulchellus Wesm. und noch mehr mit H. pun-
cluosus Eversm. nahe verwandt, mit letzterer vielleicht identisch,
was jedoch nach der kurzen Eversmann'schen Beschreibung nicht mit
Sicherheit zu ermitteln ist. Die genaue K.'sche Beschreibung wird
zum Nachweis der Verschiedenheit oder Gleichheit beider Arten die
besten Dienste leisten.
Eine von Fahre (Annales des sciences naturelles IV. p. 147)
beiläufig unter dem Namen Cerceris Dufotiriana beschriebene Art aus
Südfrankreich hat sich als identisch mit C. tuberculata Villers, eine
zweite, nicht benannte als mit C. minuta Lepell. zusammenfallend
herausgestellt. — Die (ebenda) gegebene inlercssanic Beschreibung
I
während des Jalires 1855- 235
der Lebensweise der Cerceris-Artcn ist schon oben näher berücksich-
tigt worden.
]\ach Goureau (Bulletin de la sog. enlomol. III. p. VII) baut
Cemonus lelhifcr sein Nest an die Stengel von Dipsacus sylvestris
und versorgt, wie dies schon bei anderen Arten bekannt ist, seine
Zellen mit Blattläusen. Goureau glaubt, dass Cemonus lethifer mit
C. unicolor Lepell. Lalr. identisch sei, sich aber von C. unicolor Jur.
unterscheide,
lipUeg^iitae« Smith hat (Cataloguc of Hymenopterous In-
sects in the coUection of the British Museum Part. III) in der Gruppe
der Pompiliden zwei neue Gattungen aufgestellt: 1) Maurillus nov.
gen., zwischen Ferreola und Salius stehend , eine sehr auffallende
Form, die sich durch den ungewöhnlich dicken und breiten Kopf und
den sehr kräftigen, nach aussen schräg abgestutzten Fühlerschaft aus-
zeichnet; Vorderflügel mit einer Jlarginal - und drei Submarginalzel-
len; Hinterleib sitzend, breiter als der Thorax, vorn stumpf abge-
schnitten. Eine Art. M. auslralis von der Nordwestküste Australiens.
2) I^otocyijlius nov. gen., zv/ischen Salius und Planiceps, mit sehr
langgestrecktem Pro- und Metathorax , grossen, ovalen Augen und
verlängerter, vorgezogener Überlippe ; Vorderflügel mit einer Margi-
nal - und drei Suhmarginalzellen ; Abdomen sitzend , hinten zugespitzt.
Drei Arten aus Brasilien: N. saevissimus , tyrannicus und rixosus. —
Für Micropteryx Lepell. (mehrfach vergebener Name) stellt der Verf.
den Kamen Parapompilus, (ür Pallosoma Lepell. (Priocnemis et Hemi-
pepsis pars Dahlb.) den Namen iVy^/iänja auf; Typen dazu sind Sphex
severus Drury, flava Fabr. u. a. — Zahlreiche neue Arten sind be-
bonders in den Gattungen Pompilus und Pepsis beschrieben worden.
Boie (Entomol. Zeit. p. 48) erzog Pompilus melanarius v. d.
Lind, aus Rohrstengeln; die Puppen lagen zu drei bis fünf in einem
Stengel über einander und waren durch Schichten von Spänen ge-
trennt.
Cliry^ihditles* Kawall beobachtete, dass Chrysis ignita
ihre Eier in die Nester von Odynerus legt und die daraus entstehen-
den Larven von letzleren mit Nahrung versehen lässt. (Entomol. Zeit,
p. 260.) Das Letztere würde mit Lepelletier's Beobachtung, woriaeh
die Chrysiden-Eier in schon erwachsene Wespenlarven abgelegt wer-
den, nicht übereinstimmen; die Beziehungen zwischen Odynerus und
Chrysis sind übrigens schon von West wo od (Transact. entom. soc. I)
erörtert worden.
riialcidiue* Unter dem Namen Dicelloceras viltrans beschrieb
Wenzel (Entomol. Zeit. p. 270) eine sehr ausgezeichnete Form,
welche sich durch breiten, von oben gesehen quer cylindrischen Kopf
mit seitlichen grossen Netzaugen und besonders auirallig gebildete
236 Gerslaecker: Bericht üb. tl. Leistungen in d. Entomologie
Fühler auszeichnet. Dieselben sind tief am Gesichte und nahe bei ein-
ander eingefügt, haben ein kurzes, kleines Wurzelglied, einen schei-
benartig ausgebreiteten Schaft (2te Glied) und eine breite , aus acht
dicht behaarten Ringen bestehende Geissei , welche auf einem klei-
nen, schmalen Wendegliede sitzt. Mit diesen Fühlern ist das Thier-
chen im Leben in fortwährender, wippender Bewegung begriffen ; da
die Flügel ganz verkümmert sind, vermag es nicht zu fliegen. Es
wurde bei Zürich mit dem Schöpfer gefangen und fand sich schon in
Schellenberg's „Gattungen der Fliegen" unter dem Namen „Mlira mu-
cora" abgebildet. Eine neue Abbildung gab Menzel auf Taf. 2 der
Entom. Zeit. — In Betreff der Art, so wies Ruthe (ebenda 1856.
p. 47) darauf hin, dass sie schon Dal man bekannt gewesen und von
ihm als Encyrtus platycerus beschrieben worden sei.
Förster beschrieb (a. a. 0. p. 239 ff.) Haltichella bidens aus
Klein-Asien, tuberculala^ sexdentala und subarmala als neue Arten aus
Ungarn.
Co qu eher t (Revue et Magas. de Zool. VIL p. 426): ChaU
eis (?) exploralor von Isle Bourbon; sie scheint den oben erwähnten,
in Feigen lebenden Insekten nachzugehen , und lebt wenigstens mit
ihnen zusammen.
Kawall (Entom. Zeit. p. 231) erzog Encyrtus scutellaris Dalm.
aus Coccus tiliae in Kurland.
Proetutrupii. Förster (a, a. 0. p. 245) gab eine Be-
schreibung des Männchens von Ismarus Halidayi ; es stammt aus
Ungarn.
€'ynipi<les. Derselbe (a. a. 0. p. 256) beschrieb Eucoila de-
cipiensy sculplurata und rufula als neue Arten aus der Umgegend
Aachens.
l(;IineuDnonide§. Ruthe, „Beiträge zur Geschichte der Ichneu-
moniden" (Entom. Zeit. p. 51) machte eine neue Gattung Grypoceiilrus
bekannt, welche durch das (wenigstens beim Weibchen) ansteigende
erste Hinterleibssegment in der äusseren Form mit Hemiteles überein-
stimmt, aber wegen des nicht vorragenden, dicken Bohrers und weil der
Hinterleib mehr sitzend als gestielt ist, besser den Tryphonen einzureihen
ist. Die vom Verf. aufgestellten Charaktere lauten: Abdomen subpetiola-
tum, basi ascendens. Terebra crassa apice hamata, celeroquin recta aul
subcurvata, abdomen haud superans. Areola irregulariter quinque-an-
gulata aut nuUa. Os, clypeo plus minusve elevato, semiaperlum. Vier
Arten, die säinnitlich aus der Umgegend Berlins stammen: Gr. ein-
clellus , incisulus , albipes, basalis , alle von 2 Linien Länge und dar-
unter. — Ferner werden als neue Arten (ebenda p. 79 ff.) beschrieben:
Chalinocerus mancus in beiden Geschlechtern bekannt, (ziigleich giebt
R. ciuc ausführliche Besturcibung von ChaL delcctivus, von dem das
während des Jahres 1855. 237
Weibchen Gravenhorsts Lissonota dcfectiva, das Männchen Ralzeburgs
Chalinoccrus lonoicornis ist), Pkylodiaelus elegans , Tnjphon ahcrrans
und Trachyderma brere, ebenfalls alle aus der Umgegend Berlin's.
Auch Boie in seinen „Beobachtungen und Bemerkungen" (En-
toniol. Zeit. p. 89 ff.) gab eine Reihe werthvoller Beiträge zur Kennt-
niss der inländischen Ichneumoniden, welche ausser der Beschreibung
einer Anzahl neuer Arten vielfache Beobaciitungen über Enlwicke-
lung und Wohnthiere, über Veränderlichkeit in Färbung, Flügelge-
äder u, s. w., endlich auch mehrfache synonymische Notizen enthal-
ten. Neue Arten sind: Ichneumon Ciices aus der Puppe von Pap.
Circe, vanessaCf Tnjphon eupilheciae aus Puppen von Eupithecia mi_
nutata, Crijptus filipetululoe aus der Puppe von Zygaena filipendulae,
salurniae aus der Puppe von Salurnia carpini, arundinis aus den Pup-
pen von Cossus arundinis , gramiriellae aus der Puppe von Psyche
graminella, Hemileles trichocampi aus Blattwespen-Raupen (Trichocani-
pus), phloeas aus der Puppe von Lycaena Phloeas, populneus, Fhijga-
deuon volucellae aus einer Yolucella- Puppe , Fimnla bicolor aus den
Raupen von Noctua obsoleta, heradii in Wurzeln von Ileracleum,
worin Puppenhülsen der Depressaria heracleella lagen ; Campoplex
Cajae aus jungen Exemplaren der Raupe von Bomb. Caja , ox\jacan~
ihae aus der Raupe von Noctua Oxyacanthae , Anomalon menyanlhidis
aus Puppen von Noctua menyanthidis , xanlhum aus der Puppe von
Noctua obsoleta? oder rlpae?, scahridum ^ Ophion arlemisiae aus den
Puppen von Noctua artemisiae. — In Betreff der beiden Ratzeburg'-
schen Gattungen Chalinocerus und Cubocephalus bemerkt Boie, dass
dieselben mit Pion und Cylloceria Schiödte (1839) zusammenfallen;
dies würde auch auf die Benennung der oben erwähnten Ruthe'schen
Art Einfluss haben.
Auch Kawall (Enlomol. Zeit. p. 230) lieferte mehrfache Bei-
träge über die Wohnthiere von Ichneumoniden, die in Kurland von
ihm erzogen wurden. Die meisten sind aus Lepidopteren- Puppen
erhalten ; Cryptus rufulus Grav. schmarotzte in den Larven von Phyto-
nomus rumicis.
Derselbe zählte (Correspondenzblatt des Naturf. Vereins zu Riga
8. Jahrg. No. 4) die in Kurland bis jetzt beobachteten Ichneumoniden,
zugleich mit Berücksichtigung der Livländischen Arten, auf. Das
Verzeichniss enthält: Ichneumon 94 Arten, Ischnus 1 A., Mesoleptus 18,
Tryphon 32, Exochus 10, Scolobates 1, Trogus 2, Alomya 1, Hoplis-
menus 2, Cryptus 43, Phygadeuon 20, Mesostenus 1, Hemiteles 23,
Pezomachus lö, Phytodiaetus 1, Mesochrous 4, Plectiscus 1, Glypta 8,
Lissonota 19, Polysphincta 4, Clistopyga 1, Pimpla 17, Ephialtes 6,
ßhyssa 4, Trachyderma 1, Melopius 3, Bassus 18, Orthocentrus 1,
Banchus 3, Exelastes 9, Coleocentrus l, Campoplex 26, Paniscus 2,
Anomalon 8, Ophion 7, Trachynotus t, Pachymerus 1, Cremastus 4,
238 Gerstaecker: Bericht üb. d. Leistungen in d. Entomologie
Porizon 7, Acoenites 2, Xylonomus 3, Xorides 1, Odontomerus 2,
Echlhrus 2.
Förster machte (2te Centurie neuer Hymenopteren) zwei neue
Gattungen Clenochira und Xenodocon bekannt. Die erste gehört der
Pimpla-Gruppe an, ist mit Schizopyga, Clistopyga u. s. w. durch den
Mangel der Areola zunächst verwandt, unterscheidet sich aber von
diesen durch geliämmte Klauen; ausserdem ist auch das Metanotum
regelmässig und scharf gefeldert. Die einzige Art : Ct. bisinuala
stammt aus Ungarn. — Die zweite Gattung Xenodocon schliesst sich
zunächst an Campoplex Grav. an , von welcher sie sich durch vorra-
gende Überlippe so wie durch die grosse pentagonale Areola unter-
scheidet ; das letzte Fussglied der Hintertarsen ist auf der Unterseite
nicht weit vor der Spitze mit vier starken Dornen bewaffnet. — Art«.
X rvßcornis aus Ungarn. — Ausserdem beschreibt der "Verf. vier aus
Ungarn stammende Arten der Gattung Anomalen als neu : Anomalon
vicinum, profugnator, melanops und brevicorne.
Ichneumonologica miscellanea , auctore C. Wesmael. (Bulle-
tins de l'academie royale des scicnces de Belgique XXII, 2. p. 362 —
435.) — Diese Arbeit enthält die Beschreibung einer grösseren Reihe
neuer oder bisher unvollständig bekannter Arten , welche dem Verf.
aus Schweden (Boheman), Pieussen (v. Siebold), Bayern und
der Schweiz (Kriechbaume r) zur Ansicht gesandt worden sind;
der grösste Theil derselben ist nach einzelnen Exemplaren aufgestellt
und daher nach des Verf. eigenem Geständnisse noch einer näheren
Prüfung und Feststellung benöthigt. Die beschriebenen Arten gehö-
ren folgenden Untergattungen an: Ichneumon (35 A.), Iloplismenus
(1 A.) , Amblyteles (4 A.), Ilypomecus (1 A.) , Eurylabus (1 A.),
Platylabus (3 A.), Apaeleticus (2 A), Gnathoxys (1 A.), Dicoelotus
(3 A.), Phaeogenes (14 A.), Diadromus (2 A.) und Ischnus (l A.).
Doumerc erzog aus den Puppen von Hemerobius perla einen
kleinen Ichneumoniden von ly^ lin. Länge, den er (Bulletin de la
soc. entomol. p. LXXXI) als Microgasler (soll Dichrogaster heissen)
perlae diagnoslicirt. — Nach Sichel gehört die Art der Gattung
Acoenites an und dieser giebt unter der Benennung Acoeniles perlae
nochmals eine veränderte Diagnose von derselben ; sie zeichnet sich
von den übrigen Arten der Galtung durch eigenthümliche Textur des
Metathorax und sehr grosses Stigma der Vorderflügel aus.
Kvaniales. Förster beschrieb (Zweite Cenlurie u. s. w.
p. 228) Stephamis anomnlipes als neue Art aus Ungarn; sie unter-
scheidet sich von A. coronatus Jur. durch einen weissen Ring der
Legeröhre und dreigliedrige Hintertarsen , deren erstes Glied stark
verdickt erscheint.
Drac<inifles« Ruthe setzte seine Beiträge zur Kenntniss
während des Jahres 1855. 239
der Braconiden (Enlomol. Zeit. p. 291) mit der Beschreibung zweier
neuen Arten : Exolheciis discolor und Ascogasler palllda, beide von Frei-
enwalde, fort. — Ausserdem beschreibt er (ebenda p, 327) das nach-
träglich von ihm aufgefundene Männchen seiner Gattung Dimeris,
welches geflügelt ist. Bei diesem tritt die Stirn mit den Fühlern
noch mehr als beim Weibchen hervor und das zweite Hinterleibsseg-
ment ist deutlich länger; im Yorderflügel zwei Cubitalzellen, die in-
nere Diskoidalzelle an der Spitze geschlossen , der Paralielnerv in-
terstitial.
Kawall (Enlomol. Zeit. p. 231) erzog llelcon ruspator Linn.
aus der Larve von Leptura 4fasciata , Bracon variegator Nees und
Anobium abietis zusammen aus Zapfen von Pinus abies, woraus wohl
zu schliessen ist, dass ersterer ein Schmarotzer der Anobium -Lar-
ven ist.
Taphaeus conformis Wesm. wurde von Haimh offen aus den
Larven von Ceutorrhynchus sulcicollis Gyll. erzogen. (Sitzungsberichte
d. zoolog.-botan. Ver. zu Wien V. p. 128.)
Urucerata. Boie gab (Entomol. Zeit. p. 48) eine verglei-
chende Beschreibung der beiden Geschlechter von Xyloterus fuscicor-
nis Fabr.!, welchen er in Mehrzahl aus frischem, gesunden Holz von
Weissbuchen erzog.
Tentltredinefae. Ein ebenso schön ausgestattetes als dem
Inhalte nach gediegenes Werk über die ersten Stände dieser Familie
hat Brischke unter dem Titel: „Abbildungen und Beschreibungen
der Blaltvvespen - Larven mit Berücksichtigung ihrer Entstehungsge-
schichte und des Schadens, den sieanland- und forstwirthschaftlichen
Gewächsen anrichten" begonnen. Der Arbeit, von welcher die erste
Lieferung in 4°., enthaltend zwei Bogen Text und drei Tafeln , (Ber-
lin, ?(icolai 1855) erschienen ist, mag als einen sehr speciellen und
für eine geringe Anzahl von Liebhabern berechneten zuerst ein glück-
licher Fortgang gewünscht werden. — Sie ist nicht systematisch an-
gelegt, sondern bestimmt in einzelnen Lieferungen zu erscheinen,
welche eine sorgfältige Darstellung und Beschreibung einer Anzahl
beliebiger Arten, über v/elche der Verf. gerade Gelegenheit hatte Be-
obachtungen anzustellen, enthalten sollen. Jede Art wird zugleich
nebst ihrer TS'ahrungspflanze , an der die Form des Frasses zu erken-
nen ist, abgebildet. In dem ersten bis jetzt vorliegenden Hefte sind
im Ganzen achtzehn Arten abgehandelt, nämlich: Tenthredo obesa
Klug, ISematus Salicis Linn., perspicillaris Klug, Allantus scrophula-
riae Linn., Hylotoma ustulata Linn., Nematus vcnlralis Panz. , Cla-
dius viminalis Fall., albipes Klug, dilformis Panz. , Hylotoma rosarum
Fabr., enodis Linn., ISematus striatus Hart., alnivorus Hart., Emphy-
tus viennensis Schrank, Lyda depressa Schrank, Nematus niyosolidis
Fabr., Allantus tricinctus Fabr., Emphytus cinctus Linn.
240 Gerstaecker: Bericht üb. d. Leistungen in d. Entomologie
Boie vermuthet (Entomol. Zeit. p. 50), dass unter dem Namen
Lyda clypeata Klug zwei verschiedene Arten, eine mit 24 und eine
andere mit 22 Fühlergliedern vermengt worden seien; die erste Zahl
wird von Uatzeburg, die zweite von H artig angegeben. Aus
einem auf wilden Kirschen gefundenen Gespinnste mit Blatlwespen-
raupen erzog ß. nur Individuen mit 2^: Fühlergliedern und zwar von
beiden Geschlechtern; ein anderes auf Mespilus oxyacantha befindli-
ches, welches nicht so glänzend und von mehr brauner Farbe war,
bält er für das der zweiten Art , doch kam davon nichts zur Ent-
wickelung. — Ferner gab derselbe Zusätze zu der Beschreibung bei-
der Geschlechter von Ast^tus satyrus Illig.
Haliday gab (Natural history rewiew VI. p. 60) eine «genaue
Beschreibung von Melicerta ochrolcuca Stephens, welche Art auch in
Irland vorkommt. Den Galtunjzsnamen IMelicerta, nicht mehr als sechs-
mal vergeben, ändert er in lleplamelus um.
Menzel hielt ,in der Gartenbausesellschaft zu Zürich einen
Vortrag „über den Afterraupenfrass der Kohl- oder Weissrüben-Blatt-
wespe, Athalia centifoliae, und über Blattwespen überhaupt mit be-
sonderer Hücksicht auf Gartenkultur und Landbau", welcher unter diesem
Titel auch abgedruckt ist (Zürich 1855). Es wird darin ein ausfuhrli-
cher Bericht gegeben über die Verheerungen, welche die genannte
Blaltwespe in der Schweiz angerichtet hat, über die ihre Vermehrung
begünstigenden Bedingungen, so wie über die Mittel und Wege sie
zu beseitigen. Darauf geht der Verf. auf die Naturgeschichte der
Blattwespen im Allgemeinen ein, erörtert diejenigen Pflanzen - Fami-
lien und Gattungen, welche von ihren Larven am meisten heimge-
sucht werden und zählt zuletzt diejenigen Arten auf, welche sich den
Garten-Obstbäumen besonders schädlich erwiesen haben.
Kawall (Entomol. Zeit. p. 231) bestätigte durch mehrfache
Beobachtungen die Erfahrung Ratzeburg's, dass die Tenlhredineten
insektivor seien.
Die unermüdliche Schreibelust F. Walkers hat uns
in diesem Jahre abermals mit einer umfangreichen Arbeit über
Dipteren versehen^ welche den 7ten Band (oder das 3. Sup-
plement) des List of the specimens of Dipterous Insects in
the cüllection of the Brilish Museum (London 1855) bildet.
Der vorliegende Theil enthält die Familie der Raubfliegen mit
Ausnahme der Dasypogon - Gruppe, welche schon am Ende
des öten Bandes abgehandelt wurde, und ist in Betreff seiner
Ausführung ganz nach dem Beispiele der beiden vorherge-
während des Jahres 1855. 241
henden abgcfassl. Er ist auch in sofern nichts weniger, als
was sein Titel besagt, denn man ersieht aus demselben nicht
einmal, welche Arten sich im British Museum befinden. Das
(Muzige Verdienst was man dem Verf. zugestehen liann, ist,
dciss er das bis jetzt ziemlich zerstreute und mit der Zeit zu
einer nicht unbeträchtlichen Ausdehnung angewachsene Ma-
terial mit Fleiss zusammengetragen hat; übrigens ist auch
dies nicht in der erforderlichen Vollständiglieit geschehen, da
z. B. die neueren Arbeien von Loew und selbst das schon
vor vier Jahren erschienene 4te Supplement von Macquarl's
Dipteres exotiques in seinem Werke nicht berücksichtigt wor-
den sind. Handgreifliche Irrthümer, wie sie im vorigen Jah-
resberichte bei Besprechung der beiden letzten Bände her-
vorgehoben wurden , fehlen auch in dem vorliegenden nicht
und können aus dem einfachen Grunde, dass man über Un-
bekanntes kein Urtheil faKcMi kann , gar nicht Wunder neh-
men. Der auffallendste und derjenige, der zugleich den be-
sten Beweis für die in der Arbeit des Verf. waltende Crilik
liefert, ist wohl der, dass die beiden Geschlechter der Cra-
spedia splendidissima nicht nur unter zwei verschiedenen
Gattungen, sondern sogar unter zwei Gruppen der Raubflie-
gen aufgeführt werden. Das Männchen dieser Art (La-
phria splendidissima Wied. ) steht nämlich bei Walker
unter Laphria sens. sirict. (Gruppe der Laphrien) , das da-
zugehörige Weibchen (Craspedia Audouini Macq.) dagegen
unter Craspedia (Gruppe der Asilici); bekanntlich ist aber
gerade diese Art eine der schönsten , grössten und ausge-
zeichnetsten der ganzen Familie ! — Was die beschriebe-
nen Arten betrifft, so schein«^^n sie , trotzdem dass der Verf.
die von Macquart neuerdings aufgestellten nicht gekannt
hat, von diesen durchweg verschieden zu sein, wenigstens
hat Ref. keine darauf zurückführen können: eher scheinen
einige mit Wiedemann'schen Arten zusammenzufallen, wie dies
z. U. bei Laphria ferveiis und saeDaWiAker (gleich L. Rein-
wardti Wied.) wohl keinem Zweifel unterliegen kann. —
Die analytischen Tabellen der nach den Welttheilen abgeson-
derten Arten bieten wenig Erleichterung zum Auffinden dar,
was sich aus der Unbekannlschaft des Verf. mit vielen der-
selben leicht erklären lässt.
Archiv f. Naturgesch. XXII. Jahrf . 2. Bd. Q
242 Gerslaecker: Bericht üb. d. Leistungen in d. Entomologie
Das schon im vorigen Jahresberichte angekündigte fünfte
Supplement von Macquart's Dipleres exotiques nouveaux
ou peu connus (Extrail des memoires de la societe des Scien-
ces etc. de Lille) Paris, Roret 1855 enihäit abermals die Be-
schreibung von etwa 200 neuen Arten in der am Verf. be-
kannten Weise; dieselben gehören der ßigol'schen Sammlung
an und stammen meist aus dem tropischen Afrika , Nord-
China, Neu-Holland und Baltimore, lieber einige neu aufge-
stellte Gattungen wird bei den einzelnen Familien berichtet und
dort auch zugleich der Inhalt der zweiten Hälfte des vierten
Supplements (1851) berücksichtigt werden.
Der fünfte Supplementband ist diesmal mit einer „Introduclion,"
wie sie der Verf. nennt, versehen, welclie insofern beliannt zu wer-
den verdient, als sie uns mit den Grundsätzen bekannt macht , wel-
che Macquart bei der Abfassung seiner Publikationen befolgte.
Auf den ihm von Loew gemachten Vorwurf, dass seine Arten zu
kurz und unzureichend beschrieben seien , erwidert er, dass ausfüiir-
liche Beschreibungen nur bei Monographieen nöthig seien ; in einem
allgemeinen Werke, wie seine llist. nat. d. Dipteres, seien sie we-
der nothwendig noch bei dem beschränkten Baume möglich. (Dann
hätte M. doch jedenfalls gut gelhan , die sehr entbehrlichen neuen
Arten , die nach seinen Beschreibungen doch nicht iu erkennen
sind, wegzulassen!). In der Abfassung seiner Dipteres du nord
de la France und der Dipteres exotiques glaubt er sich als einen
würdigen Nachfolger von M eigen und Wiedemann bewährt zu
haben, indem er die Beschreibungen dieser zum Vorbilde genommen
und sie sogar noch öfter verbessert habe (! !j. Zugleich sich auf
eine Critik der Walker'schen und Loew'schen Arbeiten einlasstncl,
hält Älacquartdie des ersteren für sehr sorgfältig abgefasst und zur
Bestimmung der Arten im Ganzen hinreichend (seine Bestimmungen
möchten dann wohl nicht weiter her sein als seine Beschreibungen !j ;
den letzteren stempeln seine Werke* zwar auch zu einem namhaften
Dipterologen, doch habe er bei Bearbeitung der Asilici eine kleine
Querader der Flügel zu berücksichtigen vergessen, welche namhafte
Unterschiede bei den einzelnen Arten zeigt. Der Verf. der Baubflie-
gen -Monographie wird sich diese Critik gewiss schwer zu Herzen
nehmen.
Von Z e tt ersted t's Diptera Scandinaviae disposita et
descripla ist in diesem Jahre ein zwöKter Band erschienen,
welcher sich als ein drittes Supplement mit Nachträgen und
Berichtigungen für sämmtliche elf früheren Bände ankündigt.
— Der bei weitem grösste Theil des vorliegenden Bandes
während des Jahres 1855. 243
beschäfligt sich damit, für die in den früheren beschriebenen
Arten neue Fundorte innerhalb des Skandinavisclicn Reiches
anzugeben, ist also für ausserschwedische Diplerologen nur von
geringem Interesse. Eine zweite Bereicherung des Werkes
besteht darin, dass alle seit seinem Erscheinen publicirten
schwedischen Arien aufgenommen und von Neuem charakte-
risirt worden sind. Endlich wird auch eine Anzahl neuer
Arten, besonders aus den Familien der Tipularien und An-
thomyziden beschrieben ; die letzteren sind gehörigen Orts
angeführt worden.
Loew's „Neue Beiträge zur Kenntniss der Dipteren«
sind in diesem Jahre mit einem dritten Beitrage (enthalten
im Programme der Realschule zu Meseritz 1855) fortgesetzt
worden, welcher eine Bearbeitung der Gallung Bomhylius
enthält. — Ausserdem hat der Verf. auch in den Verhand-
lungen des zoologisch -botanischen Vereins zu Wien V. Bd.
zwei kleinere Abhandlungen über die Galtungen Sargus und
Eumerus veröffentlicht, welche an ihrem Orte näher berück-
sichtigt worden sind. — Einige neue Arten aus Griechen-
land sind endlich auch von demselben in der Entomol. Zei-
tung p. 39 beschrieben w^orden.
Neue Italienische Dipteren sind von A. Costa (Annali
scientifici Vol. I. 1854) beschrieben worden. „Frammenti di
Entomologia Napolelana, Articolo I. Nuove specie di Ditteri."
Da dem Ref. die genannte Zeitschrift in den hiesigen Biblio-
theken nicht zugänglich war, muss er sich auf die Anführung
des Titels beschränken.
Zur Kenntniss der Oesterreichischen Dipteren- Fauna
lieferten wieder Egg er und Schiner mehrfache Beilräge
in den Verhandlungen des zoologisch-botanischen Vereins zu
Wien 5. Bd. Beide machten Mittheilungen über die in der
Umgegend des Neusiedler - Sees vorkommenden Zweiflügler,
die schon zum Theil einen mehr südeuropäischen Charakter
erkennen lassen und zugleich in grosser Individuen-Zahl auf-
treten, (p. 65 und 74 der Sitzungsberichte.) — Egg er be-
schrieb ferner einige in Oesterreich aulgefundene neue Ar-
ten aus den Familien der Asilici und Muscariae C^erhandl.
p. 5 ff.) und Schiner setzte seine Aufzählung der Oesterrei-
244 Gerslaecker: Bericht üb. d. Leistungen in d, Entomologie
chischen Dipteren rriit den Familien der Xylophagiden und
Straliomyiden fort (ebenda p. 613 ff.); vvie in dem früheren
Theile der Arbeit sind neben den Oeslerreichischen Arien
auch die übrigen Europäischen aufgeführt und mit der nö-
thigen Literatur versehen worden.
Tipulariae« Eine neue Gattung aus der Chironomus-Gruppe
wurde von Haliday (TNalural history rewiew VI. p. 62) unter dem
rfamen Clunio bekannt gemacht; sie lebt am Seestrande und läuft
daselbst mit halb aufgerichteten Flügeln , die stets in zitternder Be-
wegung sind, herum, ohne jedoch jemals zu fliegen. Ihre Charaktere
sind: „Proboscis obsoleta, anlennae llarticulatae, articulo tertio et
ultimo elongalis; alae alulaceae, venis longitudinalibus furcatis binis,
transversis nullis; tarsi postici articulo tertio subelongato.« Die Art :
Cl. marinus, Yj lin. lang, aus Irland ist auf einer beifolgenden Tafel
abgebildet; sie ist neuerlich auch von Frauenfeld an der Küste
Dalmatiens aufgefunden worden.
Keue Arten von Z e tt er s t edt (Dipt. Scandinav. XII) beschrie-
ben sind : Simulia humeralisj Rhyphus minore Cordyla canescens, Chi'
ronomus melancholicus, gracillimus, haltet alus , brevicornis, Ceratopogon
minutissimus , lugubris , griscolus , ephippium, tarsalus , Cecidotmjia iVin-
nerliU^ nigricornis ^ Sciara ßavicauda , Tipula piclicornis y Plalyura wt-
grivenlris und zonala^ Leia poslicala und Mycelophila ferruginea.
Von Macquart (Dipt. exot. 5. Suppl.) : 1 Tanypus, 1 Fachyr-
rhina, 2 Tipula, 1 Rhamphidia und 1 Bibio.
Von Perris wurde (Memoires de la soc. roy. des sciences de
Liege X. p. 274 ff.) unter dem Namen Cecidomijia enlomophila eine
neue Art dieser Gattung beschrieben , welche von ihm mehrfach in
Insektenkasten lebendig angetroffen wurde ; die Larve nährt sich von
den Excrementen der kleinen Acarinen, welche sich ebenfalls öfter
in den Insektensammlungen vorfinden und ist ausgewachsen lyj niill.
lang; fast dieselbe Grösse hat auch das ausgebildete Insekt. Eine Ab-
bildung aller Stände ist auf Taf. 5 bis, Fig. 101 — 106 gegeben.
Eine Abhandlung über den Heerwurm , welche hauptsächlich
von historischem Interesse ist, lieferte A. Berthold in den Ab-
handlungen der Königl. Gesellschaft der Wissenschaften zu Göltin-
gen Vi. Bd. , Physikalische Classe p. 39 — 88 mit 1 Tafel, unter dem
Titel: „Der Heerwurm, gebildet von Larven der Thomas -Trauermücke,
Sciara Thomae." Den Hauptinhalt derselben bildet eine Zusammen-
stellung der bisher über das Phänomen des Heerwurms gegebenen
Wachrichten und eine auf eigener Anschauung sich stützende Beschrei-
bung desselben ; am Schlüsse werden auch die einzelnen Stände des
Insektes, welches ihn erzeugt, ausführlich beschrieben und auf der
beigegebenen Tafel abgebildet.
während des Jahres 1855. 245
ji<4iliri* Folgende neue Arten dieser Familie wurden auf-
gestellt :
Stenopogon Graecus von Loew (Entomol. Zeit. p. 39).
Slichopogon Frauenfeldii ^ Mochlherus Sckineri und Lophonotus
tridens aus Oesterreich von Egger (Verhandl. d. zoolog. botan. Vor.
zu Wien V. p. 5 ff.).
Asiltts glaucus, mit A. nielampodius nahe verwandt, aus Oeland
von Zetterstedt (Dipt. Scandinav. XII).
Ferner von Macquart (Dipt. exot. 5. Suppl.) aus folgenden
Gattungen: Microslylum 3, Dasypogon 3, Acnephalum 1, Senobasis 1,
Laphria 3, Mallophora 2, Trupanea 4, Proctacanthus 2, Ommatius 1,
und Asilus 1 1.
Ii^mpides. Von Macquart (Dipt. exot. 5. Suppl.) wurde
Empis püitibia vom Cap, von Zetterstedt (Dipt. Scand. XII) Empis
cinerea als neue Art von Oeland beschrieben.
Kieptides. Alherix pusilla Macquart ist eine neue Art von
Neu-Holland. (Dipt. exot. 5. Suppl.)
19olicliopoflides. Von Zetterstedt (Dipt. Scand. XII)
wurde Rhaphium pygmaeum {^/^ lin.) von Smoland und Dolichopus
nigrüibialis von Oeland als neue Arten aufgestellt.
Von Haliday (Natural hislory rewiew VI. p, 63): Dolichopus
praefextatus n. sp, aus Kerry in Irland : „Pallide viridi-aeneus, anten-
nis nigi'is, arista glaberrima, pedibus flavis, tarsis posticis fuscis, basi
llavis, aus apice nigro-marginatis , alulis pallide ciliatis, lamellis ob-
tusis fuscis, 2y2 lin." und Aphrosytus celtiber n. sp. ebendaher: Obscure
schislaceus, femoribus apice, posterioribus fere totis rufo-piceis, an-
tennis nigris; mas : lamellis fuscis, longe crinitis, tarsi antici articu-
lis 2 primis subincrassatis. 2y2 lin."
Von Macquart (Dipt. exot. 5. Suppl.): Psilopus iuberculicor~
rtis von den Marquesas.
Tabanti. Eine neue Gattung ist Cadicera Macquart (Dipt.
exot. 5. Suppl.), welche sich von Pangonia durch lief stehende und
kurze Fühler unterscheidet; dieselben sind auf einem Höcker unter-
halb der Mitte der Kopfhöhe eingelenkt, nach unten geneigt und be-
stehen aus einem eiförmigen ersten, ganz kurzen und queren zwei-
ten, und einem zugespitzten, achtringligen Endgliede, welches die
beiden ersten zusammen nicht an Länge übertrifft. Die Palpen sind
gerade nach vorn , der schlanke und ziemlich lange Küssel dagegen
nach abwärts gerichtet; die Augen nackt. — Die einzige Art: C.
Tubromarginala stammt aus Australien. — Von neuen Arten beschreibt
derselbe ausserdem: 7 Pangonia, 20 Tabanus und 3 Chrysops ; die
Pangonia alboaotala des Verf. ist nach der Beschreibung mit P. guttata
Donov. identisch.
246 Gerslaecker: Bericht üb. d. Leistungen in d. Entomologie
Stratiomyldae« Nach der von Schiner (a. a. 0.) gege-
benen Aufzählung der im Kaiserthum Oesterreich aufgefundenen Ar-
ten dieser Familie stellt sich ihre Zahl folgendermassen heraus : 1 Al-
liocera, 8 Stratiomys , 15 Odontomyia , 11 Oxycera , 1 Ephippium, l
Clitellaria ^ 3 Gyclogaster, 8 Nemoletus , 8 Sargus, 3 Chrysomyia, 2
Pachygaster, 6 Beris, 2 Xylophagus, l Pachystomus, 3 Subula und 1
Coenomyia. — Die Arten sind sämmtlich nach den Loew'schen Ar-
beiten festgestellt und ihre Richtigkeit dadurch verbürgt, ihre Syno-
nymie so wie Kotizen über ihre Verbreitung sowohl in Oesterreich
als im übrigen Europa mit Fleiss und Umsicht zusammengetragen. In
Betreff der systematischen Anordnung der Gattungen so wie der Fest-
stellung ihres Umfangs kann Ref. in mehrfacher Hinsicht sich nicht
mit dem Verf. einverstanden erklären. Eine Trennung der Xylopha-
gen von den Stratiomyiden zu einer eigenen Familie ist durchaus
unnatürlich, wie dies schon die übereinstimmende Bildung der Lar-
ven, z. B. von Xylophagus und Subula mit Clitellaria und Cyphomyia
auf das Entschiedenste zeigt; überdem bildet Beris im Zustande
des ausgebildeten Insekts einen direkten Uebergang zwischen beiden,
indem sie in der Flügelbildung mit den Stratiomyiden, in der Ringe-
lung des Hinterleibs mit den Xylophagen übereinstimmt. Der Verf.
hätte daher besser gethan , dem Scharfblicke Latreille's, der zu-
erst beide richtig vereinigte , Gerechtigkeit widerfahren zu lassen.
Die eigentlichen Stratiomyiden theilt der Verf. in solche , wo vier
und in solche, wo drei Hinterrandsnerven aus der Diskoidalzelle ent.
springen; zu der ersten rechnet er aber auch Odontomyia, obwohl
hier stets der eine, zuweilen sogar zwei Hinterraudsnerven fehlen,
so dass die Gattung, wenn jene Eintheilung überhaupt zweckmässig
erscheint, was ich nicht glaube, jedenfalls eher zu der zweiten Ab-
theilung gebracht werden müsste. Die Gattung Alliocera kann nicht
beibehalten werden, da sie nur auf ein specifisches Merkmal gegrün-
det ist, sondern muss mit Stratiomys vereinigt weiden, und selbst die
hergebrachte Abtrennung von Odontomyia ist misslich, obwohl sie
für die Europäischen Arten noch am ersten in Anwendung gebracht
werden kann. Von Einzelheilen sei erwähnt, dass Stratiomys splen-
dens Fabr. nicht zu Odontomyia gehört, sondern wegen ganz hete-
rogenen Flügelgeäders als eigene Gattung abzutrennen ist, und dass
Clitellaria pacifica Meig. sowohl nach dem Flügelgeäder als dem Man-
gel der Dornen des Schildchens nicht mit Clitellaria Dahlii in einer
und derselben Gattung stehen kann. Ueberhaupt kann der Gattungs-
name Clitellaria unter den Europäischen Arten nur auf Str. ephippium
angewandt werden. — Am Schlüsse seiner Arbeit hat der Verf. eine
analytische Tabelle zur Bestimmung der Oesterreichischen Arten ge-
liefert, welche mit Nutzen angewandt werden kann.
Eine durch Reichhaltigkeit von Beobachtungen und musterhafte
während des Jahres 1855. 247
Auseinandersetzung gleich ausgezeichnete Arbeit über Sargus hat
Loew (Verhandl. des zoolog.-botan. Vereins zu AVien Y. p. 131 — 148)
unter dem Titel : „Einige Bemerkungen über die Gattung Sargus" ge-
liefert. Der Verf. geht zuerst auf die Europäischen Arten näher ein
und bespricht hier besonders zweifelhafte Arten, als welche S. nube-
cuiosns Zelt. , coeruleicollis Meig., nitidus und niinimus Meig. bezeich-
net werden. Als neue Arten werden beschrieben : Sargus fronlalis^
durch die ganz dunkeln Beine mit S. nigripes Zeit, verwandt, doch
durch die metallisch grüne Färbung der Schenkel bestimmt unterschie-
den, S. auguslifrons nur durch viel schmälere Stirn von S. flavipes
Zett. unterschieden, und S. albibarbus ebenfalls mit hellen Beinen, aus
Dalmatien stammend ; die beiden ersten Arten sind deutsche. Zwei
ebenfalls biassbeinigc Arten aus Mubien, den Europäischen sich nahe
anschliessend, sind S. hibercnlaliis und Ckrysis, beide von Rüppel
entdeckt. — Unter den Chrysomyien Macquart's ist Sargus melampo-
gon Zeller = Chrys. speciosa Macq. , und Chr. cyaniventris Zett.
wahrscheinlich nicht von S. pallipes Äleig. verschieden. — Bei Be-
trachtung der exotischen Sargiden geht der Verf. vorzüglich auf die
Verschiedenheiten in der Eühlerbildung ein, welche hier grosse Man-
nigfaltigkeit zeigt. Mit Recht werden Eudmela und Acrochaeta \Vied.
mit verlängertem dritten Fühlergliede hier mit in den Kreis der Be-
trachtung gezogen, doch scheint es dem Ref., dass auch Hermetia
"NVied., welche der Verf. unberücksichtigt lässt, hier abgehandelt wer-
den muss. Eine neue Gattung, von jenen durch bewaffnetes Schild-
chen und achtgliedrige Fühler (d. h. sechsringliges drittes Fühlerglied)
unterschieden ist Analcocerus , in Brasilien einheimisch; als typisch
wird eine Art: A. alricepsy 4yj Lin. beschrieben. — Bei den übrigen
Sargiden ist das dritte Fühlerglied nicht in mehrere deutlich geschie-
dene Ringe aufgelöst, und auch hier zerfallen die Gattungen in sol-
che mit bedorntem und unbewehrtcm Schildchen. Unter den letzte-
ren sondert der Verf. diejenigen Arten mit nicht zusammenstossenden
Augen des Männchens und seitenständiger Fühlerborste, bei denen das
zweite Fühlerglied an der Innenseite zapfenförmig über das dritte
herübergreift und die sich zugleich durch nicht metallische Körper-
Oberlläche auszeichnen, als eigene Galtung Plecliscus ab; eine typi-
sche Art dieser Gattung ist Sargus teslaceus Fabr. , als neue werden
beschrieben: flectiscus ajncalis und cingulatus von Fulo-Penang, nili-
dipennis von Venezuela, pomaceus aus Chile. (Nach dem hiesigen Mu-
seum hat diese Galtung zahlreiche Repäsentanlen in Nord-Amerika.)
Die Arten mit einfachem zweiten Fühlergliede zerfallen in solche,
wo die Funktaugen in gleicher Entfernung von einander stehen und
in solche, wo das vordere Punktauge weiter vorgerückt ist. Unter den
ersteren stellt der Verf. zwei Gattungen auf: l) Merviargus von dü-
slerer, nicht metallischer Färbung und kurzen, ziemlich diekschenk-
248 Gerslaecker: Bericht ob. d. Leistungen in d. Entomologie
ligen Beinen ; hierher gehören Sargus obscurus Wied. und fasciatus
Fabr. und zwei neue hier beschriebene Arten: Merosargus Iristis und
hiridus aus Venezuela. (Das hiesige Museum besitzt eine grössere
Anzahl mittel- und südamerikanischer Arten, die hierher gehören.)
2) Chrysonolus auf Sarg, bipunctalus Scopoli gegründet. — Von Chry_
ßomyia Macq. will der Verf. die kleinen Arten mit fast nackten Au-
gen , wie Chrys. polita u. s. w. ebenfalls als eigene Gattung Micro^
chrysa abtrennen, welcher jedoch kaum der Rang einer Untergattung
zugelheilt werden kann. — Die Gattungen Analcocerus und Plectiscus
sind auf einer beigegebenen Tafel nebst ihren Fühlern abgebildet
worden.
Macquart errichtete eine neue Gattung Anacanthella^ welche
mit Beris nahe verwandt sein soll, sich aber durch fast lineare Stirn
beim Männchen, ungedorntes Schildchcn , breiten, fünfgliedrigen Hin-
terleib, vier von der Diskoidalzelle ausgehende Hinterrandsnerven und
durch zwei kleine Spitzen am Ende der Mittelschienen davon unter-
scheidet. — Allerdings würden diese Charaktere die neue Gattung
wesentlich von Beris unterscheiden, doch spricht schon die Zahl der
sichtbaren Hinterleibsringe sehr gegen eine nähere Verwandtschaft
mit derselben. Die Art A. splendens, 2% lin. ist goldgrün mit rothcn
Beinen und stammt von Adelaide. — Aus derselben Familie werden
ausserdem noch 1 Coenomyia , l Beris, 2 Cyphomyia, 2 Hermetia,
1 Stratiomys, 2 Odontomyia , 2 Chrysochlora und 5 Sargus als neue
Arten beschrieben. (5. Suppl. p. 38 If.) — Von den beiden Cypho-
myien ist C. violarea nach der Beschreibung unmöglich zu entziffern,
C. ßavispinis gewiss nicht von C. allütarsis Wied. verschieden; Chry-
sochlora similis ebensowenig wie Sarg, vespertilio Fabr. dieser Gat-
tung angehörig, da dieselbe von La tr e i 1 1 e auf eine metallglänzende
Art mit sehr verschiedener Fühlerbildung gegründet ist.
fiemoleliis signatus Friwaldsky, eine neue Art aus Ungarn wurde
in den Verhandl. d. zoolog. - botan. Vereins zu Wien V. p. 81 be-
schrieben und auf einer beifolgenden Tafel abgebildet; sie ist fast
von der Grösse des IXemotelus proboscideus Loew.
Bonibyliarii. Loew hat in einer Arbeit über Bombylius
(TNeue Beiträge zur Kenntniss der Dipteren) einerseits die Europäi-
schen Arten dieser Gattung, die sich mit Inbegrilf von 32 hier zuerst
beschriebenen jetzt auf 71 belaufen, durch scharfes Hervorheben ihrer
specifischcn Charaktere so wie durch Sichtung der hier grosse Schwie-
rigkeiten darbietenden Synonyniie festzustellen versucht, andererseits
mit Hinzuziehung einer Anzahl besonders charakteristischer exotischer
Formen, die verschiedenen Modifikationen, welchen die systematisch
wichtigen Körpertheüe in dieser Gattung, besonders aber das Flügel-
geäder, unterworfen sind, auseinandergesetzt. Wie bei den Raubflie-
gCBj so hat der Verf. auch hier die sich auf Grund jener Modifika-
während des Jahres 1855. 249
tionon herausstellenden 0 Sektionen mit eigenen Namen belegt und
ihnen den AVerth von Untergattungen, die später, wie er glaubt, den
Rang von Galtungen eihalten werden, beigelegt. Dass das letztere
bald genug durch einen der Englischen oder Französischen Diptero-
logen geschehen wird, daran zweifelt Kef. allerdings nicht einen
Augenblick; ob es aber der Wissenschaft zu irgend einem Nutzen
gereichen kann, ist eine Frage, die wohl noch sehr zu erwägen
wäre. Es lassen sich allerdings über die ßegränzung weiterer oder
engerer systematischer Gruppen, die wir mit dem Namen Galtung be-
zeichnen , im Grunde gar keine Regeln aufstellen, da sie als rein
künstichc der Natur, die nur Arten geschaffen hat, stets mehr oder
weniger Zwang anthun ; vielmehr muss, da jede specielle Form eine
eigenthümliche Auffassung erfordert, eine angemessene Systematik
jedesmal aus dem wissenschaftlichen Takte des Bearbeiters entsprin-
gen. Dies auf Bombylius angewandt, glaubt Ref. diese Gattung im
Meigen'schen Sinne festhalten zu müssen und zwar deshalb, weil sie
trotz der vielfachen und in der That sehr piägnanten Verschiedenhei-
ten ein sehr fest in sich abgeschlossenes Ganze bildet, dessen rich-
tige Auffassung durch eine zu weit getriebene Zersplitterung nur ge-
hemmt wird. Es liegt dem Ref. natürlich fern , mit dieser seiner
Äleinungsverschiedenheit, die sich nur auf die äussere Form bezieht,
der Arbeit des Verf. , die von Neuem seine Äleisterschaft in diesem
Fache bekundet, in irgend einer Weise zu nahe treten zu wollen;
vielmehr benutzt er nur diese Gelegenheit, um sich gegen eine jetzt
allgemein eingerissene Methode auszusprechen, die der Wissenschaft
um so mehr Gefahr droht , als sie leicht in die sinnloseste Spielerei
ausarten kann. (Vergl. Gould's und R ei c h e n bac h's Trochili-
den u. a.) — Die Bombylier sondern sich bekanntlich in solche, wo
die erste Hinterrandszelle geschlossen, und in solche, wo sie offen
ist. Unter den ersteren bildet Loew aus denen mit drei Unterrands-
zellen die Gruppe Triplasius [B. hivitlalvs, n. A. vom Cap), aus denen
mit zwei solchen die Gruppen Bombylius sens. strict. mit längerer
vorderer Basalzelle und Systoechus, wo beide Basalzellen gleich lang
sind. Die Arten mit offener erster Hinterrandszelle zerfallen in fol-
gende Gruppen: a) mit 3 Unterrandzellen : Sobarus (B. anomalusWied.)
der Körper von gewöhnlicher Gestalt, die Flügel nach der Basis hin
verschmälert, und IHalamodes {depressus n. A. von Valparaiso), der
Körper kurz und flach, die Flügel nach der Basis hin nicht verschmä-
lert, b) mit 2 Unterrandzellen: Legnoius {trichorrhoeus n. A. aus
Syrien) mit erweiterten Flügeln, Scinax mit nicht erweiterten, an der
Basis keilförmig verschmälerten Flügeln (S. sphenopterus n. A. aus
Valparaiso) , Sparnopolius mit nicht erweiterten Flügeln und ohne
Stachelborsten auf der Unterseite der Hinterschenkel (z. ß. B. fiilvus,
confusus, caminarius und bicinctus Wied.) und endlich Disckistus mit
250 Gerstaecker: Bericht üb. d. Leistungen in d. Entomologie
Stachelborsten auf der Unterseite der Hinterschenkel (z.B. B. mystax
Wied., minimus Schrank u. a.). — In Betreff der Synonymie der Eu-
ropäischen Arten ist hervorzuheben, dass der Verf. die ÄliUan'schen
Arten, von denen nur fünf von den späteren Autoren richtig erkannt
waren, kritisch gedeutet und in ihr Recht wieder eingesetzt hat. Die
als neu beschriebenen Arten hier einzeln namhaft zu machen, er-
scheint überflüssig, da die Arbeit als eine klassische den Dipterolo-
gen unentbehrlich ist,
Unter dem Namen Lasioprosopa ß/^o/ü machte Macquart (Dipt.
exot. 5. Suppl.) eine neue Gattung aus Keu-Holland bekannt, welche
durch den verhältnissmässig schlanken Bau und den breiten Kopf ei-
nigermassen an Mulio erinnert, sich aber durch eigenthümliche lange
und dichte Behaarung des Gesichts so wie durch die Eühlerbildung
auffallend unterscheidet. An den letzteren ist besonders das zweite
Glied sehr dünn und langgestreckt, cylindrisch, das dritte etwas kür-
zer und spindelförmig. Der Rüssel ist kaum von Kopflänge, dünn,
die Endlippen scharf zugespitzt. ~ Ausser dieser neuen Gattung wer-
den ebenda 9 Exoprosopa, 7 Anthrax, 1 Comptosia , 11 Bombyllus,
1 Usia und 1 Cyllenia beschrieben.
Cyrlosia obscuripes Loew ist eine neue Art aus Griechenland.
(Entomol. Zeit. p. 39).
JHenopii* Macquart beschrieb //ewops t/is/^ar von Baltimore
als neue Art. (Dipt. exot. 5. Suppl.).
§yrpliici* M a c qu art beschrieb (Dipt. exot. 5. Suppl.) eine neue
Gattung Toxomervs aus der Verwandtschaft von Xylota und Syritta, bei
der die Hinterschenkel ebenfalls verdickt und ihre Schienen bogenförmig
gekrümmt, beide jedoch ohne alle Zähnelung sind; die Fühler sind tief
herabgedrückt, so dass die Stirn zwei Dritttheile, das Untergesicht
nur ein Drilttheil des Kopfes einnimmt. Auch das Flügelgeäder zeigt,
was der Verf. nicht hervorhebt, Unterschiede, indem die 2te bis 4te
Längsader nicht bei den Queradern endigen, sondern den Flügelrand
erreichen. Art: T. notalus von Baltimore. — Von neuen Aiten be-
schreibt derselbe ausserdem: 1 Aphritis, 7 Eristalis, 2 Merodon, 1 Tro-
pidia, 1 Eumerus, 1 Syritta, 3 Syrphus, l Sphacrophoria, 1 Chrysoga-
ster und 1 Fsilota.
Loew „Ueber die Gattung Eumerus« (Verhandl. des zoolog.-
botan. Vereins zu Wien V. p. 687 ff.) theilte über die von Ron-
dani in den Annales de la soc. entomol. VlIL beschriebenen Arten
dieser Galtung nach Vergleich von Original- Exemplaren folgende
synonymische Bemerkungen mit: Eumerus Dclicatae Rond. = E.
pulchcllus Loew, angusticornis llond., = basalis Loew, nivipes
Rond. = argyropus Loew , uncipes Rond. eine selbstständige neue
Art, Ausserdem wird die Beschreibung der bisher unbekannten Weib-
wähfend des Jahres ISdS. 251
chen von E. tarsalis Loew und annulatus f anz. und beider Geschlech-
ter von E. tricülor Mei^. gt^geben. Zur Gruppe mit seitlich rolhem
llintericibe kommt ferner als neue Art: Envierus sniuatus von M ien,
zu derjenigen mit schwarzem Hinterleibe: E. lougicornis aus Ungarn;
von beiden sind dem Verf. nur Weibehen bekannt. Der von Schi-
ner beschriebene E. elegans (Männchen) dürfte vielleicht mit E.
flavitarsis Zetlerst. (Weibchen) zusammenfallen.
Zetterstedt charakterisirte (Dipt. Scand. XII) als neue Art;
Eristolis 'd. h. Cheilosia 3Ieig.) rvßtarsis ; sie soll der Cheil. canicu-
laris sehr ähnlich sein, sich aber durch ganz nackte Fühlerborste und
anders gefärbte Tarsen unterscheiden.
Schiner beschrieb (Sitzungsberichte d. zoolog.-botan. Vereins
in WienV. p. 68) das bis jetzt noch unbekannte Weibchen von He-
lophilus peregrinus Loew.
Couopidae. Ausser fünf neuen Conops -Arten, von denen
eine aus Arabien, die übrigen von Vandiemensland stammen, beschrieb
Macquart (Suppl. IV. p. Iö4) eine neue Gattung Pleurocerina, wel-
che sich dadurch auszeichnet, dass der Kopf in einen langen, scharf
zugespitzten, schmalen Fortsatz verlängert ist, an dessen Seiten die
sichelförmigen, aus drei eng aneinanderschliessenden Gliedern beste-
henden Fühler eingelenkt sind; sie tragen an der Spitze eine kurze,
zweigliedrige Borste. Die einzige Art: F/. fasciala stammt ebenfalls
aus Vandiemensland. — Ausserdem beschreibt der Verf. noch eine
neue Myopa aus Arabien.
Oestracea, Eine recht ausgezeichnete neue Form dieser Familie
wurde von Macquart (Suppl. IV. p. 165) unter dem Namen ylM/acep/ia/a
bekannt gemacht; sie gehört zu denjenigen Galtungen, wo zwei Quer-
adern nahe der Flügelspilze existiren ; dieselben sind aber stark Sför-
mig geschwungen^ und laufen nicht j wie bei den übrigen, schräg
gegen die Flügelspitze , sondern sind umgekehrt gegen die Flügel-
wurzel hin gerichtet; sie treten um so auffallender hervor, als sie
dunkel geileckt sind. Körper und Kopf sind fast nackt, der Rüssel
mit den Palpen hervorrageüd, wenngleich kurz, das Untergesicht mit
durchlaufender, scharler Mittelleiste, an den Fühlern das dritte Glied
oval, mit langer, ungefiederter Borste. (Macquart giebt letztere
fälschlich als kurz an, wahrscheinlich nach einem lädirten Exemplar.)
Die Art: A. maculiihorax stammt von Madagascar ; das hiesige 3Iuseum
besitzt eine zweite aus Südafrika.
Eine zweite von demselben Verf. hier ebenfalls untergebrachte
neue Gattung Clenostylum mit gestieltem Hinlerleibe, langen, schlan-
ken Beinen , geraden , den Hinterrand erreichenden Längsadern der
Flügel und nur einer Querader (nämlich der zweiten) kann schon
nach diesen Charakteren nicht zu den Üestraceen gehören und wird
sicher der Familie der Muscarien überwiesen werden müssen ; die
252 Gerslaecker: Bericht üb. d. Leistungen in d. Entomologie
sehr kurzen, verborgenen Fühler allein, die überdies noch eine lang
gefiederte Borste tragen , können den ihr angewiesenen Platz gewiss
nicht rechtfertigen, besonders da , nach der Abbildung zu urtheilen,
weder ihre Einfügung, noch die ganze Form des Gesichtes eine Ver-
wandtschaft mit den Üestraceeen bekundet. Die Art : C. rvfum stammt
vom Amazonenstrome.
R 0 n d a n i „Degli Eslridi del Cavallo« (IVuovi annali delle
scienze naturali di Bologna, Ser. III. Tom. IX. p. 67 ff.) setzte zur
Widerlegung einer vom Prof. Lissona in Turin aufgestellten Be-
hauptung, dass die verschiedenen Oestrus-Arten des Pferdes als Va-
rietäten eine und derselben Species angehörten, die Unterschiede von
G. Equi, haemorrhoidalis und ferruginatus Zett. auseinander und bil-
dete die Flügeladerungen im Holzschnitte ab. Einem Entomologen
dürfte übrigens die Verschiedenheit jener Arten wohl schwerlich
zweifelhaft sein.
iVlisücariae. Eine grössere Anzahl neuer Gattungen so wie
zahlreiche ausländische Arten dieser Familie wurden von Macquart
(Dipt. exot. 4. und 5. Suppl.) beschrieben.
Aus der Gruppe der Tachinarien: 1) Aprolheca n. g. mit Mi-
cropalpus durch die kleinen Taster verwandt ; Kopf von Körperbreite,
Untergesicht tief eingebogen, Fühler dieses fast erreichend, Augen
behaart, Hinterleib oval, beim Männchen convex^, beim Weibchen
etwas niedergedrückt; die Vena externo-mediana jenseits des Kniees
fast gerade, ohne Anhang. — Eine Art : A. rufipes von Van-Diemens-
land. — 2) Exopalpus n. g. (vox hybrida!) aus der Verwandtschaft
von Echinomyia, Gonia u.a., von denen sie sich durch spalelförmige,
das Untergesicht weit überragende Palpen unterscheidet; Stirn des
Weibchens breit, Fühler vorstehend, ihr 2tes Glied schmal, das dritte
etwas länger und keilfömig, die Borste dreigliedrig^, zweimal gekniet;
Augen behaart ; Vena externo-mediana unter scharfem Winkel gebro-
chen , die zweite Querader geschwungen und beim letzten Viertheil
zwischen der ersten und dem Knie in ihr mündend. Art: JE. bicolor
aus Columbien. — 3j Gonistylum n. g. mit nackten Augen, starken
Stirnborsten, die in zwei Reihen jederscits herabsteigen ; Fühler fast
die Mundölfnung erreichend ; ihr 3tes Glied dreimal so lang als das
zweite, mit dreigliedriger, schwach geknieter Borste; Vena externo-
mediana rechtwinklig gebogen , die zweite Querader zu zwei üritt-
theilen zwischen der ersten und dem Knie mündend; Hinterleib oval,
ohne Borsten auf der Mitte der Segmente. Art: G. ntficorne aus Bra-
silien. — 4) Polyckaeta n. g. (der Name ist von Z ett er s tedt längst
unter den Dipteren vergeben !) die Stirn jederscits mit drei Reihen
Borsten, die Fühler nicht die Mundöffnung erreichend, ihr 2tes Glied
etwas verlängert, das dritte dreimal so lang als das 2tc, mit drei-
gliedriger, geknieter Borste; Augen behaart , Hinterleib kurz oval,
während des Jahres 1855. 253
ohne Borsten in der Mitte der Segnitnte. Art: V. nigra von Vandie-
mensland. — 5) Chlorogasler n. g. ^ mit Neinorea verwandt, aber durch
nackte Augen, nicht hervorspringenden Mundrand, hreitere Stirn b( im
Männchen u. s. w. unterschieden ; die Fühler nicht die Mundöllnung
erreichend, ihr drittes Glied um die Hälfte länger als das zweite;
Hinterleib oval mit IJorsten auf der Mitte des zweiten und dritten
Segments; die Flügel am Aussenrande mit einem Dorne, Art: Cid.
lasmanensis von Vandieniensland. — C) Ckoeleprosopa n. g. von Ma-
sicera durch schwach hervorspringende Stirn, durch die kleinen Haare,
welche die Augen nach innen begränzen, durch die Verhältnisse der
Fühlcrglieder, von denen das zweite länglich, das dritte doppelt so
lang ist als das zweite, und durch die kürzere Form des Hinterleibs
unterschieden, von Exorista durch nackte Augen sich entfernend. Art :
Ch. cyanea von Minas Geraes. — 7) Teretrophora durch lange, hor-
nige, etwas gebogene Legescheide beim Weibchen ausgezeichnet;
vierler Abdominalring verlängert; Augen nackt, an den Fühlern das
zweite Glied verlängert, das dritte doppelt so lang als das zweite;
im Uebrigen mit Phorocera und Degeeria nahe verwandt. Art: T.
fasciata von Vandieraensland. — 8) Blepharella n. g. (der Käme soll
bezeichnen, dass die Fliege gewimperte Schienen hat!!) Augen
nackt, drittes Fühlerglied mehrmals länger als das zweite; von Fa-
bricia durch breitere Stirn beim Männchen, ovalen Hinlerleib ohne
Borsten auf der Mitte der Segmente , gewimperte Hinterschienen und
das Flügelgeäder unterschieden; die Vena exteruo-mediana ist in ge-
rundetem Winkel gebrochen und die zweite Querader mündet am Ende
des zweiten Drilltheils zwischen der ersten und dem Kniee. Art: BL
lateralis von Pondichery. — 9) rialytaenia n. g. von Myobia und Ta-
china durch sehr breite Slirnbinde beim Weibchen , und die Verhält-
nisse der Fühlerglieder, von denen das zweite und dritte fast gleich
lang sind, unterschieden. Art : PL maculala von Vandiemensland. —
10) Leplostylum n. g. im Habitus der Galtung Myobia gleichend, doch
sind die Fühler länger, den Mund erreichend, die beiden ersten Glie-
der kurz, das dritte fünfmal so lang als das zweite, die Borste haarig,
und an der Basis verdickt; auch sind die Augen behaart. Art: L.
pulchellum von Bahia. — 11) Trichoslylum n. g. ebenfalls mit Myobia
verwandt, mit behaarter Fühlerborste, nackten, ziemlich kleinen Au-
gen und fast die Mundöffnung erreichenden Fühlern, deren drittes
Glied viermal so lang als das zweite ist. Art: Tr. rußpalpis aus
Neu-HoUand. — 12) Vrosopochaela n. g. aus der Verwandtschaft von
Zophomyia , von der sie sich auffallend dadurch unterscheidet, dass
die Slirnborsten bis zum unleren Ende des Gesichts sich erstrecken ;
ausserdem sind die Augen und die Fühlerborste nackt, letztere bis zum
ersten Viertheil ihrer Länge verdickt. Art: Pr. nilidivenlris aus Chile.
— 13) Ochropleurum n, g. nahe verwandt mit Wiedemannia , doch ist
254 Gerstaecker: Bericht üb. d. Leistungen in d. Entomologie
der Hinterleib nicht zusammengedrückt und die erste hintere Zelle
der Flügel nicht geschlossen ; die Fu hlerborste ist behaart, die Füh-
ler erreichen nicht die Mundöffnung, ihr drittes Glied ist dreimal so
lang als das zweite. Art: 0. jovanum von Java. — 14) Megisloga-
ster n. g. auf Tach. Beelzebub Wied. gegründet, durch den dünnen,
langgestreckten Hinterleib ausgezeichnet. Zwei neue Arten : AJ. fus-
ci])ennis von Java (ob das Männchen von T. Beelzebub ?) und analis
vom Amazonenstrome. — 15) Toxocnemis n. g. (5. Suppl.) in mehre-
rer Hinsicht mit Myobia verwandt, aber durch die Länge des Rüssels,
nackte Fühlerborste, lange Beine und gebogene Hinterschienen un-
terschieden. Art: T. ritlata von Adelaide. — 16) Sumpigasler n. g.
(soll heissen „mit zusammengedrücktem Hinterleib ;« ist das Wort von
GVLiTiuCiu abgeleitet, so ist die Bildung in der Thal acht französisch!)
von schmaler, gestreckter Körperform , mit nackten Augen, kurz ge-
fiederter F'ühlerborste , das dritte Glied der Fühler sechsmal so lang
als das zweite ; von Hyposthena, mit der die Galtung nahe verwandt
sein soll, unterscheidet sie sich durch breitere Stirn des Alännchens
und dadurch, dass auf der Mille der Hinteileibssegmente Borsten ste-
hen, Art : S. fuscialus aus rs'eu-Holland. — Von neuen Arten dieser
Gruppe sind ferner beschrieben: 1 Dejeania, 4 Echinomyia, 3 Jurinia,
2 Hystricia, 6 Micropalpus , 6 Gonia , 4 TSemorea , l Chrysosoma, 7
Exorista, 12 Masicera, 8 Fhorocera, 2 Degeeria, 2 Tachina, 1 Myobia,
1 Heteromelopia, 1 ücyptera, 1 Elomyia und l Hyalomyia.
Aus der Gruppe der Dexiarien ; 1) Vliloslylum u. g. von Rutilia
durch breiteren Kopf, fadenförmige, zuttig behaarte Palpen, kurze
Antennen mit gefiederter Borste , an denen die beiden ersten Glieder
besonders kurz sind , und die senkrecht gestellte erste Querader der
Flügel unterschieden. Art: Ft. albomaculatum von Yandiemensland.
— 2) Grapholoslylum n. g. von der vorigen und von Rulilia durch
kurz behaarte Fühlerborste, von crslerer auch durch schiefe erste Quer-
ader der Flügel unterschieden. Art: Gr. dorsomaculalum ebenfalls
von Yandiemensland. — 3) Flalylropesa n. g. hier ist die Fühlerborste
wieder langgefiedert, die Fühler selbst höher eingelenkt, ihr letztes
Glied sechsmal so lang als das vorhergebende, die Stirnleiste breit,
mit weiter Furche, die Augen nackt, der Hinlerleib ungefleckt, Art:
IL ouriceps aus Neu - Holland. — 4) Chelogasler n, g. (der Verf.
braucht wahrscheinlich diese falsche Schreibweise , weil die richtige,
Chaetogaster schon vergeben ist!; durch sehr relative Charaktere von
Rulilia unterschieden, soll die Galtung in anderer Hinsicht auch Ver-
wandtschaft mit den Tachinaricn zeigen. Art: Cli. violacea aus Neu-
Holland. — 5) Gnadochaela n. g. (soll wohl Gnalhochaela heissen !)
durch die mit einer Reihe Borsten besetzten Backen charakterisirt;
durch die nackte Fühlerborste mit Gymnochaeta zunächst verwandt.
Art : Gr. coerulea von Minas Geraes. — 6) Dickaelomelopia n. g.
während des Jahres 1855. 255
(Suppl. V.) durch zwei sehr lange Borslen auf dor Stirn ausgezeich-
net, chenlalls mit nackter Fühlerborste. Art: D. rufitenlris von Port
Nalal. — An neuen Arten werden ausserdem beschrieben : 7 Hutilia,
l Diaphania (welche Galtung hier wieder hergestellt wird), l Micro-
tropesa, 1 Gymnostylia, 3 Dexia und 3 Prosena.
Aus der Gruppe der Sarcophagen: 1) Microcerella (!) n. g. mit
audallend kurzen Fühlern, die nur bis zur Mitte dos Gesichts reichen,
deren drittes Glied doppelt so lang als das zweite und deren Borste
nackt ist. Art: jW. rufomaculala aus Chile. — 2) Catapicephala n. g.
(abermals eine schöne Ableitung von xaiamiCoj) stimmt mit Cyno-
myia in der lebhaften Metailfarbe des Körpers überein, unterscheidet
sich aber durch niedergedrückten Kopf, durch das auf zwei Driltlheile
mit Borsten gerandele Gesicht und gleiche auf dem Hintcrleibe. Art:
C. splendens von Java. — 3) Toxotarsns n. g ebenfalls Cynomyia
nahestehend, das erste Glied der Hintertarsen ist aber gekrümmt und
die Fühler kürzer. Art: T. rußpalpis aus Chile. — Neue Arten sind
ferner : l Phryssopoda, 12 Sarcophaga, 1 Agria, 2 Cynomyia.
Aus der Gruppe der Muscarien sind nur neue Arten beschrie-
ben, nämlich: l Stomoxys, 3 Idia , 3 Rhynchomyia, 11 Calliphora, 6
Ochromyia, 20 Lucilia, 8 Pyrellia, 4Musca, 4 Pollenia und 4 Cyr-
toneura.
Aus der Gruppe der Anthomyien : 1) Microchylum n. g. (die
richtige Bildung Microchila ist schon vergeben!) wird von Aricia durch
kleine Endlippen des Rüssels, vorspringende Mundöffnung, kurz be-
haarte Fühlerborsle und die Verengung der ersten hinteren Zelle der
Flügel unterschieden. Art: M. veslilum von Bahia. — 2) Brachyga-
sierina n. g. durch die Kürze des Hinterleibs, des Gesichts und der
Fühler, deren Borste zugleich nackt ist, von Aricia abweichend. Art :
Br. violaceivenlris aus Chile. — 3) Brachypalpus n. g. (vox hybrida
und schon zweimal vergebener Käme, einmal sogar von Macquart
selbst !) unterscheidet sich vor allen anderen Gattungen dieser Gruppe
durch stark gebogene und behaarte Hinterschienen , von Aricia auch
noch durch nackte Fühlerborste und die Kürze der Palpen. Art: Br.
püosus aus Australien. — 4) Leucomelhia n. g. nicht scharf unter-
schieden. Art: L. pica von Minas Geraes. — 5) Craspedochaeta n. g.
auf Anthomyia punctipennis AVied. gegründet. — 6) Macrochaelan. g.
durch etwas verdickte Schenkel , die wie die Schienen mit äusserst
langen und dicken Borsten besetzt sind, ausserdem durch zwei ver-
einzelte lange Borsten auf dem Scheitel und über der Einfügung der
Fühler ausgezeichnet. Art: M. rvfipes aus Neu.HoUand. — Aus be-
kannten Galtungen sind ferner beschrieben: 7 Aricia, 3 Spilogasler,
4 Hydrolea, 3 Limnophora, 2 Lispe, 1 Hylerayia, l Chortophila, 7 An-
thomyia und 2 Coenosia.
Aus der Gruppe der Cordyluren : 1) Chaelura n. g. (vergebe-
256 Gerstaecker: Bericht üb. d. Leistungen in d. Entomologie
ner Name!) von Cordylura durch die Länge des dritten Fühlergiiedes,
die gebogenen Hinterschienen und einen Büschel langer Borsten am
Ende des Hinterleibs unterschieden. Art: Ch. rußpes aus Uruguay. —
2) Orlhoslylum n. g. (vergebener Warne !; das dritte Fühlerglied sechs-
mal so lang als das zweite, mit verdickter, unter rechtem Winkel ab-
stehender Borste; Hinterleib ziemlich kurz, gleich breit, stunspf ab-
gerundet. Art: 0. rußpes aus Aegypten. — Ausserdem n. A. : Cordy-
lura gcnicidata aus Amerika.
Aus den Gruppen der Scalo - und Sciotnyziden nur neue Ar-
ten: l Scatophaga , 1 üryomyza, (3 Sapromyza, 8 Sciomyza und 2
Helomyza.
Aus der Gruppe der Fsilomyiden eine neue Gattung EctecephaJa
mit einer Art: E. albistylttm aus Süd-Amerika; dieselbe ist mit Eu-
rhina Aleig. und Trigonometopa Macq. zunächst verwandt, und zeichnet
sich durch breite, kegelförmig hervortretende, an der Spitze abge-
rundete Stirn aus; vorn an derselben sind die langen, vorgestreckten
Fühler getrennt eingefügt; die beiden ersten Glieder sind gleich lang,
cylindrisch, das dritte doppelt so lang als jene zusammen, zugespitzt,
mit innenstehender, nackter Borste.
Aus der Gruppe der Orlaliden: l) Campigasfer n. g. (Suppl. V.)
eine durch die stark verdickten Schenkel recht ausgezeichnete Form,
die sich zugleich durch den halbkugligen Kopf von den übrigen Gat-
tungen unterscheidet; von Ropalomera weicht sie durch halbkreisför-
miges, mit Borsten eingefasstes Schildchen, nackte Füsse, und die
Fühler, deren drittes Glied mindestens viermal so lang als das zweite
ist, ab. Art: C. lestaceus aus INeu-Holland. — 2) Meracaniha n. g.
(längst vergebener Name!) von Dacus durch gestielten Hinterleib,
etwas verdickte und mit Stacheln besetzte Borsten und geschweifte
Hinterschienen abweichend. Art : M. maculipennis aus Ostindien. —
3) Toxura n. g. mit Urophora verwandt, von der sie sich durch die
Kürze des Gesichts, die Form des dritten Fühlergliedes, das vorn
gerade, hinten gerundet ist und die eigenthümliche Biegung der Le-
geröhre unterscheidet. Art: T. maculipennis von Vandiemensland. —
4) Epicerella n. g. von Arinia durch die Einlenkung der Fühler ober-
halb der Mittellinie der Augen unterschieden. Art: E, guttipennis von
Vandiemensland. — 5) Conopsida n. g. auf Cepbalia femoralis Wied.
gegründet. — Neue Arten aus folgenden Gattungen: l Oxycephala,
4 Platystoma , 1 Uichardia , l Herina, 5 Senopterina, 1 Orlalis, 12
Urophora, 6 Tephritis, 1 Terellia, 3 Arinia, 3 Sepsis und 1 Diopsis.
Aus der Gruppe der Leplopodilen: Toxopoda n. g. mit Tanypeza
verwandt, doch durch vorspringenden Mundrand und geschwungene
Schienen abweichend; die Füsse sind sehr verlängert. Art: T. nitida
aus Aegypten. — Ausserdem werden 6 neue Calobata beschrieben.
Aus der Gruppe der Lauxanideni 2 Lonchaea, 1 Lauxania, 1
'• •' während des Jahres 1855. Ü57
Ulidia, 1 Celyphus; von Hydromyziden : 3 IVotiphila, 2Ephydra; von
Geomyzidf n : 1 Piophila, 1 Drosophila und Silba n. g., mit Piophila
nahe verwandt, l Art: S. virescens von Isla Bourbon; endlich von
Osciniden 6 neue Chloropg.
Rondani errichtete (Esplorazione delle regioni equatoriali da
G. Osculati p. 240) eine neue Tachinarien- Gattung Blepharopoda, die
er folgendcrmasscn charakterisirt: „Letztes Fühlerglied fast doppelt
so lang als das zweite; Borste nackt, die beiden ersten Glieder der-
selben sehr kurz ; Augen deutlich haarig ; die Stirnborsten nicht bis
zu den Backen herabsteigend, die Knebelborsten die Mitte des Ge-
sichts nicht erreichend; hintere Querader jenseits der Mitte der Mit-
telzelle, diese ohne Anbang; Abdomen nur am Rand der Segmente
mit Borsten; Hinterschienen mit dichten und ziemlich langen Wim-
pern besetzt." — Art: Bl. pililarsis von Quito. (Die Gattung würde
nach den angegebenen Charakteren mit Blepharipeza Macq. nahe ver-
wandt sein.)
Macquart hat seine „Nouvelles observations sur les Dipteres
d'Europe de la tribu des Tachinaires" (Annales de la soc. entom. de
France T. 111. p. 21—47 und p. 177—204) mit zwei neuen Fortsetzun-
gen beendigt. Wenngleich auch diese Arbeit des jetzt verstorbenen
Verf. in der Charakterisirung der Arten viel zu wünschen übrig lässt,
so giebt sie doch abermals ein Zeugniss für sein Talent und seinen
richtigen Blick in diesem Zweig der Entomologie. Mit richtiger Er-
kenntniss der Mängel , welche die Meigen'sche Anordnung der Tachi-
narien darbietet, hat der Verf. es versucht, eine natürliche Gruppirung
derselben vorzunehmen, und hat z. H. alle Galtungen, welche mit
einem schlanken Körperbau und meist glänzend schwarzer Körperfarbe
eine geschlossene erste Hinterrandszelle verbinden, zu einer beson-
deren Gruppe vereinigt; es sind dies: Clista, Peteina, Fallenia, Try-
phera, Leucosloma, Scopolia und Plcsina mit nackter, Anthracia, Rhi-
nophora und Melanophora mit behaarter Fühlerborstc. In gleicher
Weise sind auch die schlankeren Gattungen mit offener Zelle und ge-
fiederter Borste, wie Erebia, Labidigaster , Hypostena, Uromyia und
Rledoria zusammengestellt und diesen vielleicht nicht mit Unrecht die
Meigen'schen Dexiaricn-Galtungen Nyctia und Morinia beigesellt wor-
den. Der Verf. hat von allen behandelten Galtungen von Neuem eine
Charakteristik gegeben, sie mit einer beträchtlichen Anzahl neuer Ar-
ten vermehrt und zugleich mehrere neue Gattungen aufgestellt. Der
Inhalt der Arbeit ist folgender: 1) Hypostena M e i g. 4 Arten, wovon
3 neue. 2) Agculocera n. g. (der IS'anie muss, wenn er lateinisch sein
soll, Ancylocera beissen) , Augen und Fühlerborsle nackt, erste Hin-
terrandszelle offen, Fühler kurz , kaum die I\lilte des (icsichls errei-
chend, drittes Glied doppelt so lang als das zweite, vorn in ein Nä-
gelchen („onglel") endigend. 1 Art: A. nigra aus der Schweiz.
Archiv f. Natur^esch. XXU. Jahrg. 2. Bd, ß
258 Gerstaecker: ßericht üb. d. Leislungen in d. Entomologie
3) Gymnoshjlinn n. g. Augen und Fühlerborste nackt , erste Hinter-
randszelle fast ofFen ; Stirn des Weibchens breit, nicht vorspringend,
drittes Fühlerglied doppelt so lang als das zweite. Die Gattung soll
die hauptsächlichsten Charaktere mit den Muscarien theilen, von denen
sie sich aber durch nackte Borste entfernt. Art: G. nitida aus Frank-
reich; schwärzlich grün, glänzend, mit bräunlichen Flügeln. 4) Uro-
myia 31eig. l Art. 5) Medoria Meig. 7 Arten , davon eine neu.
6) Nyctia Meig. 2 Arten. 7) Calobalemyia n. g. (famoser Name!)
Beine verlängert, Hinterschienen ziemlich dick; Augen nackt, Füh-
lerborste nur oben kurz behaart; Stirnborsten nur bis zur Basis der
Fühler herabsteigend, diese nicht den Mundrand erreichend, das dritte
Glied etwas concav, kaum doppelt so lang als das zweite. Art: C
nigra aus der Schweiz. 8) Morinia Meig. 4 Arten. 9) Microsoma n. g.
von der vorhergehenden Gattung durch dünne Palpen, das fast gleich
lange zweite und dritte Fühlerglied, die nackte Borste und geschlossene
Hinterrandszelle unterschieden, Art : M. nigra aus der Schweiz. 10) Clista
Meig. 7 Arten, davon eine neu. 11) Peteina Meig. 1 Art. 12) Fallenia
Meig. 2 Arten, davon 1 neu. 13) Tryphera Meig. 3 Arten. 14) Plesio-
neura n. g. Augen und Borste nackt ; Zelle geschlossen, sehr kurz ge-
stielt, ganz an der Flügelspitze mündend; zweite Querader steil, weit
nach innen gerückt; Fühler anliegend, nur die Mitte des Gesichts errei-
chend. Art: P. incisuralis aus Frankreich, 15) AnthraciaMeig. 2 Arten,
davon 1 neu. 16) Microcheilosia n. g. mit Tryphera, Rhinophora und
Leucostoma nahe verwandt, von ersterer durch vorspringenden iMund.
rand, längere Fühler und nackte Augen, von Rhinophora durch be-
haarte Fühlerborste und den Mangel der Borsten längs der Augen,
von Leucostoma durch die Länge der Palpen, die vorspringende Stirn
und die Länge der F'ühler unterschieden. Von allen dreien entfernt
sie sich durch den Rüssel , der kürzer als die Palpen ist und sehr
kleine Endlippen hat. — Art: M. nitida aus der Schweiz. 17) Rhi-
nophora Meig. 10 Arten, davon 4 neu. 18) Leucostoma Meig. 11 Ar-
ten, davon 4 neu. 19) Scopolia Meig. 5 Arten, 1 neu. 20) Bracky-
slylum n. g. von Scopolia durch die Länge des dritten Fühlergliedes
(sechsmal so lang als das zweite) und die kurze und dicke Borste
unterschieden ; Gesicht nicht gewimpert, doch steigen die Stirnborsten
bis zur Mitte des Gesichts herab; Augen nackt, erste Hinterrandszelle
geschlossen, ziemlich lang gestielt: Art: Br. nigrum aus Belgien
21) Plesina Meig. l Art. 22) Melanophora Meig. 3 Arten, davon
2 neu.
Eine Reihe neuer Scandinavischer Arten wurde von Zetter-
stedt (Dipt. Scand. XII) beschrieben und zwar aus der Tachinen-
Gruppe : Tachina ohscurella, rvfolibialis , covjugala und Rhinophora
lugubris ; von Muscarien: Cyrloneura yicla^ von der bekannten C. ma-
culata durch weisse Schüppchen und grauen Hinterleib des Mann.
j
während des Jal.res 1855. 259
chens unterschieden; (Ref, hat beide Geschlechter dieser oder einer
sehr ähnlichen Art auch am Neusiedler See bei Wien gefunden) ; aus
der Gruppe der Anthomyien u. s. vv. : Aricia bisignala ^ kyalinipennis,
caudala, parallelivenlris, melatarsala, nitidicauda, alulala^ opacula. An."
ihomyia intemiplella, Ephydra mccjasloma^ vitligeray Cordylura aricioi-.
des , Lonchaea parvula und pallipennis , Scatophaga tarsella , Helero-
iiiyz-a opoinyz'ina, Limosina larsala^ Geomyza griseola, Oscinis fasciella,
Leucopis geniculala , albipuncla^ Agromyia flavicornis , aenescens, He"
teroneiira piclipes, Trineura Irochanlerala und suhquadrifasciala.
Egg er machte (Verhandl. d. zoolog.-botan. Ver. zu Wien V.
p. 9 fF.) in einem Aufsatze betitelt: „Beobachtungen über die Wan-
delbarkeit des Flügelgeäders und folgevveise Unanwendbarkeit der-
selben bei Bestimmung einiger Gattungen und Arten" darauf aufmerk-
sam, dass bei Tanzeria lateralis die Mittelzelle bald offen , bald ge-
schlossen, bald mehr oder weniger gestielt vorkomme, und dass in
seltenen Fällen sogar beide Bildungen an den Flügeln eines und des-
selben Exemplares zu bemerken seien; er vermuthet, dass M eigen
seine Tachina argyreata auf Individuen mit offener Zelle gegründet
habe. — Dieselbe Veränderlichkeit hat E. auch bei Tach. vertiginosa
beobachtet, die daher auch von einigen zu ßaumhaueria , von ande-
ren zu Frontina gestellt worden sei ; endlich auch bei Pollenia ru-
dis, von der gewöhnlich kleinere Exemplare eine ganz geschlossene,
mittlere eine eng geöffnete und grosse eine weit geöffnete Mittelzelle
besitzen ; in der kleinen Varietät mit geschlossener Zelle vermuthet
E. die Musca varia Meig.
Derselbe beschrieb Onesia fulticeps als neue Art aus Dalmatien
(ebenda p. 5 fi".), welche jedoch nach Schiner zur Gattung Idia ge-
hören und wahrscheinlich mit Idia cyanescens Loew zusammenfal-
len soll.
Wach demselben (ebenda Sitzungberichte, p. 76) findet sich Echi-
nomyia Marklini Zett. auch auf dem Schneeberg in Oesterreich. (Die
hiesige Sammlung besitzt diese Art auch aus dem Harzgebirge; die
Harzer und Oeslerreichischen Exemplare stimmen mit einander über-
ein, weichen aber von den Lappländischen besonders in der Färbung
des Hinterleibs etwas ab.)
Trypeta slrigilaia und macrura wurden als neue Arten aus Grie-
chenland von Loew (Entomol. Zeit. p. 39) beschrieben.
Haliday charakterisirte (Natural history rewiewVI. p. 04) als
neue Art: Geomyza cingulata; die Diagnose lautet: ,.Ferruginea, ni-
tida, thoracis vitlis latcralibus abdominisque cingulis fuscis , articulo
tarsorum extremo apice nigro, alis immaculatis, l lin.-' Aus Kerry
in Irland. — Forner giebt er eine nochmalige Beschreibung seiner
Canace nasica, die am Meeresstrande lebt.
260 Gerstaecker: ßericht üb. d. Leistungen in d. Entomologie
Schiner erzog Piophila Ca?ei , atrata und petasionis zusam-
men aus Schinkenfett und hält sie daher für Abänderungen einer Art.
(Sitzungsberichte d. zoolog.-botan. Ver. p. 37}.
Frauen fei d beobachtete Auswüchse an Gnaphalium angusti-
folium in Dalmatien, aus denen sich eine Trypcla-Art entwicUelte,
die mit Tr. terniinata Meig. zunächst verwandt, aber bestimmt davon
verschieden ist; Fr. belegt sie vorläufig mit dem INamen Tryp. Ma-
mulae. Die Larve von Tryp. femoralis R. D. fand derselbe in den
Blüthen von Phlomis fruticosa Linn. und Tryp. longirostris Loew in
dem Fruchtboden von Inula viscosa Linn. (Verband!, d. zoolog.-botan.
Ver. zu Wien V. p. 16).
Kawall (Entomol. Zeit. p. 129) fand Trypeta signata Meig. in
Kurland die Früchte von Lonicera lartarica anstechend und später in
diesen auch die Larve.
Perris beschrieb (Memoires de la soc. roy. des scienccs de
Liege X. p. 274(1.) die ersten Stände von Platysloma umbrarum und
gab eine Abbildung derselben auf Taf. öbis. Die Larve wurde von
ihm in der Erde unter faulem Holze gefunden und nährt sich ohne
Zweifel von Humus; ihr Vorkommen fällt in den April.
„Die Kohlfliege, Anthomyia Brassicae" (?) ist eine Notiz von
Fölkersahm (Bulletin de la soc. imp. des naturalistes de Moscou
1855. Wo. 3. p. 251) überschrieben, welche über den Schaden, den
eine Fliegenlarve den jungen Kohlarten und vorzüglich den Kohlrü-
ben zufügt, handelt. Eine Beschreibung der Art ist nicht gegeben
worden.
Coriaceac Diese Familie wurde durch einige sehr interes-
sante neue Formen bereichert. Macquart (Dipt. exot. 4. Suppl.)
machte unter dem Namen Brachylarsina flavipennis eine mit Slrebla
W'ied. verwandte neue Galtung bekannt, welche nur vier Längsadern
der Flügel besitzt; die erste geht von der Wurzel zur Mitte des Aus-
senrandcs, die zweite entspringt etwa am Ende des ersten Dritttheils
der vorigen und endet ebenfalls vor der Spitze ; die dritte erstreckt
sich von derW^urzel bis zur Spitze des Flügels und ist mit der zweiten
durch eine Querader verbunden ; die vierte endlich entspringt wie-
der aus der dritten , endet am Innenrand und hängt mit der letzte-
ren abermals durch eine Querader zusammen ; der Flügelrand ist in
seinem ganzen Umfange gewimpert. Die Augen sind gross und nur
durch einen schmalen Stirnstreifen getrennt, die Fühler kurz, kreis-
rund, die Tarsen sehr kurz mit zwei Klauen und zwei Pelolten. —
Die Art stammt aus Algier; ihr Wohnthier ist unbekannt. — Andere
neue Arten sind ferner: Ornilhomyia asialica, tasmanensis (ohne Frage
mit 0. nigricornis Erichs, identisch^ Nycteribia aegyplia und (Suppl. 5.)
Slrebla avium von Papageien und Tauben auf St. Domingo, Ilippobosca
während des Jahres 1855. 261
albomacnlala von Australien. — Die neue Strebla ist nur 1 Lin. lang,
ganz rostroth mit gelblichen Beinen und eben solchen Flügeln ; lei-
der hat der Verf. es unterlassen, davon eine ausführliche Beschrei-
bung besonders in Bezug auf die generischen Charaktere zu geben,
was um so nothwendigcr war, als die Wiedemann'sche Figur im Kopf
und den Flügeln jedenfalls sehr unvollkommen, wenn nicht geradezu
unrichtig ist.
Eine zweite neue Galtung, mit der Macquart'schen in der gan-
zen Körperform, der Kürze der Tarsen, der Wimpcrung des Flügel-
randes und selbst in der Aderung der Flügel sehr nahe verwandt,
ist Rnymondia Frauenfeld (Sitzungsberichte der Akad. d. "NVissensch.
zu Wien, Ulathem. naturw. Classe, XVIII. Bd. p. 320 ff). Sie unter-
scheidet sich von Brachytarsina durch den gänzlichen Mangel der Au-
gen , durch das Vorhandensein deutlicher Halteren (die wenigstens
von Macquart nicht angegeben werden) und endlich durch kleine
Differenzen des Flügelgeäders ; die erste Längsader schickt nämlich
nahe an der Basis des Flügels einen kleinen Ast zum Aussenrande,
die zwischen der dritten und vierten Längsader liegende Querader
ist winklig gebrochen und giebt noch einem zwischen jenen beiden
verlaufenden Längsnerven den Ursprung. An eine Vereinigung die-
ser Galtung mit Strebla Wied. , wie sie neuerlich von Kolenati
(die Parasiten der Chiroptcren, Brunn 1856) und einem etwas vorei-
ligen Critiker des Wiener „Wanderer" (September 1856) vorgenommen
worden ist, kann schon in Rücksicht auf das ganz verschiedene Flü-
gelgeäder nicht gedacht werden ; viel eher würde sie sich mit der
Macquart'schen Brachytarsina idt-ntificircn lassen, mit der sie wenig-
stens die wesentlicheren Merkmale gemein hat; ob die angegebenen
Differenzen als speciüsche oder generische anzusehen sind, wird die
Zukunft und das Auffinden neuer Arten lehren. Die beiden von
Frauenfeld in Aegypten entdeckten sind: R. Kollnri auf Rhino-
poma microphyllum , 3 mill. und R. Iluberi auf Rhinolophus Iridens,
] mill. lang. — Die Unterordnung der Galtung Raymondia unter die
Gruppe der llippobosoidcn, wie sie der Verf. vornimmt, kann gewiss
nur als eine vorläufige gut geheissen werden; sie wird vielmehr im
Vereine mit Brachytarsina, Strebla und einer der letzteren nahe ver-
wandten Galtung, die das hiesige Museum von Cuba besitzt, eine
eigene den Hippobosciden gleichwerthige Gruppe bilden müssen, die
sich durch sehr verschiedene Einlenkung der Fühler und ganz eigen-
thümliches Flügelgeäder auszeichnet.
Ueber die ürtsbewegung der Nycteribien gab Frauenfeld
(ebenda p. 326) interessante Notizen ; er widerlegt die allgemeine An-
nahme , dass sich diese Fliegi*n gleich gut auf dorn Rücken wie atif
dem Bauche forllicvvpgen können, durch Experimente, die er mit
ihnen anstellte. Auf den Rücken gelegt, waren sie nicht im Stande
262 Gerslaecker: Bericht üb. d. Leistungen in d. Entomologie
sich fortzubewegen, ja nicht einmal sich umzudrehen, sondern wurden
sogar in diesen ihren Bemühungen so matt, dass sie in die gewöhn-
liche Lage zurückversetzt, regungslos liegen blieben.
Von Courtiller wurde (Annales de la societe Linneenne du
departement de Maine et Loire \. Annee p. 196) eine neue Art der
Gattung Ollersia unter dem Namen 0. Courlilleri Fairmaire i. lit. be-
schrieben und auf Taf. 15 abgebildet; nach den angegebenen Maassen
ist die Art grösser als 0. ardeae ; die Körperfarbe ist glänzend dun-
kelbraun mit etwas bronzefarbenem Schein. Sie wurde auf einem bei
Saumur geschossenen Tachypetes minor gefangen.
Nach Leuckart's Untersuchungen (Bulletin de l'acad. roy.
des Sciences de Belgique XXI) entwickeln sich die Larven der Pupi-
paren auf die gewöhnliche Weise in der zu einem Fruchthalter er-
weiterten Scheide, bleiben aber bis zu ihrer Geburt in den Eihüllen
eingeschlossen. Die Ernährung derselben geht in der Art vor sich,
dass Mund und Stigmata mit der EihüUe in eine offene Verbindung
treten, wodurch auch zugleich die Respiration ermöglicht wird. Den
Nahrungsstoff liefern zwei voluminöse Anhangsdrüsen der weiblichen
Pupiparen, welche dicht über der Scheide in den Eiergang münden
und ein Sekret absondern, welches die Larven unter lebhalten Schluck-
bewegungen durch die vordere trichterförmige Oellnung der Eihäute
einsaugen.
licpidoptera.
List of Ihe specimens of Lepidoplerous Insecls in the
colleclion of Ihe British Äluseuni, by F. Walker, Lcpidoptera
heterocera , Pt» HI — VL London 1855. — In den vorliegen-
den vier Bändchen hat der Verf. als Fortsetzung- zu den im
vorigen Jahresberichte erwähnten damit forlgefahren , die
Bombyciden im Sinne der älteren Autoren zu bearbeiten, und
zwar, nachdem die Gruppe der Lithosien schon in jenen ab-
gehandelt war , gegenwärtig die Gruppen der Arctiiden (Eu-
prepien), Lipariden, Notodontiden, Limacodiden, Saturniden,
Endromiden und Bombyciden im engeren Sinne. Was die
Zusammenstellung dieser Gruppen unter dem Collektivnamen
„Bombyces" betrifft, so macht Walker zwar gleichsam als
Entschuldigung die sehr richtige Bemerkung, dass die Arc-
tiiden mit den Lithosien und Zygaeniden weil näher ver-
wandt seien als mit den eigentlichen Bombyciden und mit
jenen zusammen besser eine eigene Familie bilden müssten;
trotzdem analysirt er aber ihre Charaktere, die in sofern
während des Jahres 1855. 263
auch etwas sehr Unbestimmtes erhalten , unter den Bomby-
ciden, zu denen er übrigens auch die Cossiden und Hepia-
liden heranzieht. Es hat daher die sehr wünschenswerthe
Feslstellung- der weiteren Abtheilungen dieser Lepidopleren
durch Walkcr's Arbeit auch keine Förderung- erfahren,
während für die Abgränzung von Gattungen so viel gesche-
hen ist, als sich dazu , wie es bei fast jedem Mangel einer
früheren Bearbeitung natürlich ist, ein reiches Feld darbot.
Uebrigens kann auch hier nur der Wille etwas zu leisten,
nicht aber die Art der Ausführung immer Anerkennung ver-
dienen, denn man wird sich bei Zusammenstellung der vom
Verf. unter einer Gatlung vereinigten Arten leicht davon über-
zeugen, mit wie geringer Critik er oft zu Werke gegangen
ist. Nur wenige Gattungen, welche sich nämlich durch den
übereinstimmenden Habitus der Arten leicht als solche er-
geben und die auch meist schon von Hübner richtig auf-
gcfasst worden sind, werden in den von Walker angenom-
menen Gränzen verbleiben können.
In manchen Fällen hat der Verf. seine Gattungen auf Charali-
tere gegründet, die nicht allen Arten zukommen und daher als un-
brauchbar gelten müssen ; dies ist z. B. mit seiner Gattung Euprepia
der Fall, welche er auf Eupr. pudica und eine verwandte Amerika-
nische Art beschränkt und sie auf Grund der ungefiederten männlichen
Fühler von Arctia absondert. Dieser Charakter passt nun allerdings
auf die einheimische Eupr. pudica, nicht aber auf die damit verei-
nigte Eupr. docta aus Mexiko (übrigens = Chelonia proxima Gucrin
Iconogr.) , deren Männchen stark gekämmte Fühler hat. — Nicht
selten sind Arten unrichtigen Gattungen zugetheilt, z. B. Chelonia he-
migena Grasl., welche zur Gattung Trichosoma gehört, während sie
W. zu Arctia stellt. — Die Gattungsnamen, welche der Verf. neu ge-
schaffen hat, sind meist sinnlose Zusammensetzungen beliebiger Buch-
staben, und möchten wohl noch zu ertragen sein, wenn sie nicht mit
geringen Veränderungen öfter wiederkehrten, z. B. Ammalo und Am-
malho, Are und Areas u. s. w. Eine Galtung Empusa Ilübn. kann
neben der viel älteren Orthopteren-Galtung gleichen TS'amens nicht be-
stehen. Solche Zeugnisse von Sorglosigkeit könnte ein Critiker, der
in Specialia eingehen wollte, haufenweise vorführen, besonders wenn
er sich auf die Terminologie der Diagnosen und vor Allem auf ihr
Latein einlassen wollte; denn wenn man auch hier den einen oder
anderen Lapsus dem Setzer in den Schuh schieben möchte, so scheinen
doch oft wiederkehrende und selbst constanle Verwechselungen, z. B.
von „illum« mit „illud" u. a. wohl einen tieferen Grund zu haben.
264 Gerstaecker: Bericht üb. d. Leistungen in d. Entomologie
Nach dem Beispiele des Londoner und Pariser Museum
hat auch die St. Petersburger Entomologische Sammlung- da-
mit begonnen , einen Catalog ihrer Insekten zu veröfTenlli-
chen. Der erste Theil desselben, welcher den Anfang der
Lepidopteren erliäll, liegt unter dem Titel: „Cataloguc de la
collection cntomoiogique de l'academie imperiale des sciences
de St. Petersbourg , Lepidopleres, lere partie : les Dinrnes"
von E. Menetries vor. (Ein zweiter Titel, unter dem das
Werk mit einem Vorwort von Brandt erschienen ist, lau-
tet: Enumeratio corporum animalium musei iniperialis acade-
miae scientiarum Petropolilanae. Classis Insectorum. Ordo
Lepidoplerorum. Pars I. Lepidoptera diurna. Pelropoli 1855.)
Der Catalog enthält eine Aufzählung sämmllicher im Peters-
burger Cabinet enthaltenen Rhopaloceren mit Einschluss der
Hesperien, deren Arten-Zahl sich auf 1105 stellt. (Das Ber-
liner Museum besitzt deren 3600.) Für die Reihenfolge der
Arten ist das Doubleday-Westwood'sche Werk zum Vorbilde
genommen und bei jeder einzelnen Species eine treffende
Beschreibung und Abbildung cilirt worden. In einem An-
hange finden sich mehrere neue oder noch unzureichend
bekannte Arten beschrieben und auf sechs colorirten Tafeln
kenntlich abgebildet; zu letzteren gehören auch mehrere der
jüngst von Bremer beschriebenen Chinesischen Arten, wel-
che auf Taf. 5 und 6 abgebildet sind. Die als neu be-
schriebenen Arten sind ihres Orts einzeln namhaft gemacht
worden.
Aus den Abbildungen lässt sich leicht ersehen, dass einige der
als neu beschriebenen Arten mit bereits bekannten zusammenfallen;
so ist z. B. Sericinus fasciatus Brem. nur das >Yeibchen von S. Tc-
lamon Donov., ferner Colias Wosnesenskii Älenetr. eine nicht selten
vorkommende Varietät von C. Cesonia Boisd. , von deren regulären
Individuen sie sich nur durch grössere Ausbreitung der schwarzen
Farbe auf den Vorderflügeln unterscheidet; Terias hecabeoides und
Aesiope Men. nur lokale Varietäten von T. Hecabe, deren erste übri-
gens schon von Boisduval als T. suava , die letzte als T. blanda
beschrieben worden ist. Mesosemia coelestina ölen, fällt mit der be-
kannten M. (Hesperia) Geminus Fabr. zusammen, und ebenso Charis
Sylvestra Men. mit Lemonias Ptolemaeus Fabr. — Die Richtigkeit der
Vaterlands-Angaben muss bei einer Reihe von Arten als sehr zwei-
felhaft angesehen werden, denn es ist gewiss Thais Cerisyi noch nie
während des Jahres 1855. 265
in der Schweiz, wahrscheinlich auch noch nicht in Sicilien, P. Eu-
pheno gewiss nicht in üesterreich und Salyrus Anthelea ebenfalls
nie in der Schweiz gefunden worden.
H errich-S chäffer's „Systemalische Bearbeitung- der*
Schmetterlinge von Europa, zugleich als Text , Revision und
Supplement zu J. H ü b n e r's Sammlung- Europäischer Schmet-
terlinge" ist mit dem fünften Bande (Regensburg- 1853 — 1855)
geschlossen worden. Derselbe ist den „Schaben und Feder-
molten« gewidmet, und enthält 50 Bogen Text- mit 132 Ta-
feln, beide in 4. — Bei der Anlage sowohl des vorliegen-
den Bandes als überhaupt des ganzen Werl^es ist der Verf.
von der gewiss gerechtfertigten Ansicht ausgegangen, dass
sich Schmetterlinge viel besser durch treffende Abbildungen
als durch die ausführlichste und genaueste Beschreibung
kenn'lich machen lassen und da die meisterhafte Ausführung
der Tafeln diesen Zweck vollkommen erfüllt, so ist gerade
für die schwierige Familie der Tineiden zur sicheren Be-
stimmung der Arten das Werk gewiss geeigneter als alle
früheren Arbeiten, welche überdem sich nur auf einzelne Ab-
theilungen erstrecken. Damit wird nun aber freilich nicht
dem Titel des Werkes entsprochen , welcher „eine systema-
tische Bearbeitung« ankündigt und dadurch zu anderen An-
forderungen berechtigt. Die Art, wie das Werk seit einer
Reihe von Jahren in die OefTentlichkeit getreten ist, genügt
schon allein um darzuthun , dass die Abbildungen seinen
eigentlichen Inhalt und der nachträglich herausgegebene Text
nur eine ziemlich unwesentliche Zugabe ausmachen. Der-
selbe Umstand ist zugleich Schuld daran, dass Text und Ta-
feln in der Reihenfolge nicht mit einander harmoniren, indem
z. B. die Crambiden unter den Tineiden abgebildet, dagegen
im Texte als völlig abgetrennte Familie behandelt sind. Auf
diese Art ist die Benutzung des Werkes sehr erschwert wor-
den und das Auffinden von Einzelheiten sehr umständlich. —
Eine durchgreifende systematische Eintheilung der Tineiden
aufzustellen, ist dem Verf. nach seinem eigenen Geständnisse
nicht gelungen; er hat sich daher darauf beschränkt, möglichst
natürliche Gruppen, für welche das Flügelgeäder in erster In-
stanz massgebend gewesen is^ nbzugrnnzen: zu weiteren Un-
terablheilungen sind die Verschiedenheiten in den Tastern,
5Ö6 Gerstaecker: Bericht üb. d. Leistungen in d. Entomologie
Fühlern u. s. w. benutzt worden. Nach der Einleitung und
den darin kundgegebenen Ansichten über Systematik zu ur-
theilen , scheint der Verf. jedoch über den grösseren oder
geringeren Werth mancher Charaktere mit sich selbst nicht
zu einem genügenden Abschlüsse gekommen zu sein, und
die natürliche Folge davon ist , dass seine einzelnen Grup-
pen nur einen sehr unbestimmten ümriss erhallen haben oder
gleichsam nur angedeutet sind , und dass neben ihnen noch
diese und jene Gattung zurückbleibt, deren Stellung ihm
zweifelhaft ist. Die wesentlichsten Veränderungen , welche
der Verf. in der bisher üblichen Zusammenstellung der Fa-
milie vorgenommen hat, sind an ihrem Orte (siehe Tineae!)
kurz angedeutet worden.
Von den „Lepidopterorum exoticorum species novae aut
minus cognilae" desselben Verf. sind fünf neue Lieferungen
der ersten Serie (Lief. 13 — 17) und eine der zweiten Serie
(Lief. 4) erschienen, in denselben werden wie bisher nur
Abbildungen neuer Arten gegeben , deren Namen auf der
Rückseile des Umschlages abgedruckt sind ; der dazu gehö-
rige Text , welcher nach dem Erscheinen der 50. Tafel ge-
liefert werden sollte, fehlt dagegen noch immer, obwohl jene
Zahl schon bei weitem überschritten ist. Der Verf. thäte
gewiss besser daran , nach Art der Ilewilson'schen Exotic
Butterflies Text und Tafeln gleichzeitig herauszugeben, wenn
es auch nur aus dem Grunde wäre, seinen neuen Arten die
Prioriiät des Namens zu sichern. Es ist nämlich schon jelzt
ein beträchtlicher Theil derselben in dem unterdess erschie-
nenen Catalogue of Lepidopterous Insects von F. Walker
unter anderen Namen beschrieben worden. Da die bisher
erschienenen Tafeln ein buntes Gemenge von Arten aus den
verschiedensten Familien enthalten , so kann der Text sich
doch nur auf Artbeschreibungen einlassen und jedenfalls keine
weilgreifende systematische Untersuchungen enthalten. — Die
Abbildungen sind ebenso naturgetreu als technisch vollendet
und können sich dem Besten, was in dieser Art geleistet ist,
zur Seite stellen.
Für die Kennlniss der ersten Stände Sud-Amerikanischer
Jjepidopleren sind Sepp's Surinaamsche Vünders , uaar het
während des Jahres 1855. 267
leven geteekend (Papillons de Surinam, dcssines d'apres na-
ture), VOM denen in neuester Zeit der dritte Theil beendet
worden ist, nicht olme Interesse. Das Werk beschränkt sich
nur auf AbbihJung-en, indem der (holländische und fanzösi-
sche) Text fast ausschliesslich mit Angaben über die Futter-
pflanzen der Raupen, die Dauer ihres Puppenzustandes u. s. w.,
seltener mit kritischen Bemerkungen über SioU'sche und
Cramer'schc Arten angefüllt ist. Was die systematische Be-
stimmung der Arten betrifft, so ist bei denselben auf die
Fortschritte der Neuzeit keine Rücksicht genommen, sondern
noch die längst verlassenen Collektiv- Gattungsnamen Pha-
laena, Papilio etc. in Anwendung gebracht. Man kann auch
nicht einmal den Abbildungen eine besondere Sorgfalt und
Sauberkeit nachrühmen , indem sie oft hart im Colorit und
ungenau in der Grösse sind; sie sind aber trotzdem nicht
ohne Werth, da sie einerseits eine Reihe bisher unbekann-
ter Arten , andererseits aber stets mit dem Schmetterlinge
auch die Raupe und ihre Nahrungspflanze vorführen. Von
wie grosser AVichtigkeit die Kenntniss der ersten Stände für
die Systematik der Lepidopteren ist, haben die neueren Sy-
stematiker gebührend anerkannt und somit wird auch der Zu-
wachs, den das Werk hierfür liefert, nicht ohne Nutzen sein.
Da alle hier abgebildeten Raupen und Schmetterlinge durch
die Zucht als zusammengehörig constalirt sind , so hat der
Verf. auch manche von der Merian und von Stoll einge-
führte Irrlhümer berichtigen können. — Da das Werk We-
nigen zugänglich sein wird, gebe ich hier die Uebersicht
seines Inhalts nach den Familien:
1) Rhopalocera. — Papilio Polycaon und Piranthus Cram., richtig
als ^ und $ derselben Art angeführt (Taf. 147. 148). — Papilio AI-
busla Sepp (Taf. 14 1) ist eine Pontia und von Monusta Cram. nicht
specifisch verschieden. — Pap. Liriope Cram. (Taf. 119) eine Meli-
taea. — Pap. FabiusCram. (Taf. 130). — Pap. Dirce Cram. (laf. 145)
und Dirceoides Sepp (Taf. l49j , beide zur Gattung Gynaccia Doubl,
gehörig und sich äusserst ähnlich, aber in den Raupen unterschieden.
(Nach Stoll's Angabe gehören diese verschiedenen Raupen den bei-
den (ieschlechtern derselben Art an , was insofern interessant wäre,
als ein zweites Beispiel der Art meines Wissens noch nicht bekannt
ist.) Bei Vergleich r.ul Gramer ergiebt sich übrigens, dass die von
Sepp lür neu gehaltene Art (P. Dirceoides) die wirkliche Dirce
268 Gerstaecker: Bericht üb. d. Leistungen in d. Entomologie
Cram. ist, während seine Dirce als neue Art hingestellt werden niüsste.
— Pap. Jatrophae Cram. (Taf. 150), zur Gattung Anartia Doubl, ge-
hörig. — Pap. Saphorae Cram. (Taf. 143) eine Morpbide. — Pap. Cal-
lispe Cram. (Taf. 133). — l'np. nigrocinclus Sepp (Taf. 106j eine Ery-
cine, wahrscheinlich zur Gattung Mesene Doubl, gehörig, ob neu?
ist wegen der mangelhaften Abbildung nichi zu bestimmen. — Pap.
Caricae Cram. (Taf. 111) die bekannte Erycinide. — Pap. Mammeae
Sepp (Taf. 113) scheint eine neue Art derselben Gruppe. — Pap. Cv~
pido Sepp (Taf. 122) ist = Cupido Linn. — Pap. Idas Cram. (Taf. 104)
ist Hesperia Idas = Mercurius Fab. — Pap. Vraniac Sepp (Taf. 126)
ohne Zweifel = Hesperia Arealaus Cram. — Pap. Barcastus Sepp
(Taf. 138) wird von Hesperia Acastus Cram. unterschieden, womit er
jedoch einerlei ist. — Pap. flavomarginalus Sepp (Taf. 142), nach der
Abbildung eine schöne, in der hiesigen Sammlung nicht vorhandene
Hesperia.
2) Sphingides. — Sph. rustica Cram. (Taf. 101). — Sph. vitis
Cram. (Taf. 116) ist Sph. Jussiaeae Fab.
3) Chelonariae. — Phalaena crucifera Sepp (Taf. 103} mir un-
bekannt. — Phal. obscura Sepp (Taf. 109) ebenso. — Plial. leucosligma
Sepp (Taf. 112) ein Euprepien- artiges Thier , in der hiesigen Samm-
lung nicht vorhanden. — Phal. intohda Sepp (Taf. 115) eine schöne
mir ebenfalls nicht bekannte Glaucopide, schneevveiss mit rothem Hin-
terleib. — Phal. Elaeodendri Sepp (Taf. 121) eine kleine Spilosoma-
ähnliche Euprepie. — Phal. Wmon Stoll (Taf. 123) die bekannte Glau-
copis. — Phal. ^rc/iicfs Sepp (Taf. 124) scheint zur Gattung Eucereon
Hübn. zu gehören. — Phat. cognala Sepp (Taf. 131) scheint dersel-
ben Gattung wie die obige Phal. Elaeodendri anzugehören.
4) Bombyces. — Phal. epigena Cram. (Taf. 102) und Phal. Deo-
lis Cram. (Taf. 117) zur Galtung Rosema Walk, gehörig. — Phal. Mo-
lina Cram. (Taf. 118) aus der Saturnien -Gruppe. — Phal. speculifera
Sepp (Taf. 135) und Phal. firmiana Sepp (Taf. 136) zwei ausgezeich-
nete, mir unbekannte Formen. — Phal. otjma Sepp (Taf. 105) ist eine
Liparis , vielleicht L. Sparshalli Curtis. — Phal. gibbosa Sepp (Taf.
129) ein Limacodes mit sehr merkwürdiger Raupe.
5) Noctuae. — Phal. nelrix (Taf. 108) soll das Männchen zu
Ph. netrix Cram. sein, was nicht gut denkbar ist; nach der Raupe
scheint die schön gezeichnete Art in die INähe der Gattung Acro-
nycta zu gehören. — Phal. Caladii (Taf. 120) ist eine Plusia, und mit
der einheimischen PI. Jota nahe verwandt.
6) Geometrae. — Phal. decussala Sepp (Taf. 132) unbekannt.
7) Pyralides. — (Die hierher gehörigen Arten sind zum Theil
als den Tortricos angehörig bezeichnet, aber alle selir entschiedene
Pyraliden) Es sind: Phal. sligmatalis Sepp (Taf, lÜ7j, socialis Sepp
während dt s Jahres 1855. 269
(Taf. 114), /Irtrtcinc/a/is Sepp (^Taf. 12S), /riZ07io/js (Taf. 134) und Ihieu-
lala cTaf. 140).
8) Tortrices. -— riml. griseana (Taf. 125) und pisidii (Taf. 14G).
9) Tineidae. — Vhal. cicadella (Taf. 1 10), megann (Taf. 127} ob
Tortrix?, nnonella (Taf. 137) und Renselariana Cram. (Taf. 139).
10) Pterophoridac. — Phol. didaclyla Surinamensis (Taf. 14i);
der Verf. hält diese Art für eine Varietät der Europäischen Aiucita
didactyla.
Von Freyers „Neueren Beiträgen zur Schmetterlings-
künde mit Abbildungen nach der Natur" sind in diesem Jahre
das 109. und 110. Heft mit Taf. 641—650 erschienen; es
sind darin auch einige neue Arten beschrieben worden.
Die von Peters in Mossambique gesammelten Lepido-
pleren hat C. Hopffer zu bearbeiten begonnen und sind
vorläufig die Rhopalocera durch Diagnosen in den Monats-
berichten der Berliner Akad. d. Wissensch. 1855 bekannt ge-
macht worden.
Leder er lieferte (Verhandlungen des zoologisch-bota-
nischen Vereins zu Wien V. Bd. p. 97 ff.) einen „weiteren
Beitrag zur Schmetterlingsfauna des Allaigebirges in Sibirien,«
in welchem er die von Kindermann während seines fer-
neren Aufenlhalles im Altai gesammelten Arten aufzählt und
die darunter befindlichen neuen beschreibt und abbildet. —
Es ist dieser Beitrag von besonderem Interesse für die geo-
graphische Verbreitung der Insekten in Asien, indem er von
Neuem die Erfahrung bestätigt, dass in der nördlichen Hälfte
Asiens eine weite Ausdehnung sowohl von Gattungen als von
Arten nach der geographischen Breite stattfindet. Bei wei-
tem der grösste Theil der im Altai vorkommenden Lepido-
pteren stimmt mit denen des mittleren Europa und besonders
der suddeutschen Gebirgsländer überein; alles Neue zeigt
aber entschieden den Europäischen Habitus.
Desselben „Beitrag zur Schmetterlingsfauna von Cypern,
Beirut und einem Theile Kiein-Asiens" (ebenda p. 177—256,
mit Taf. 1 — 5) bringt ausser der systematischen Aufzählung
der schon bekannten eine beträchliiche Anzahl neuer Arten
zu unserer Kennlniss, welche im Wesentlichen den Charak-
ter der Süd-Europäischen Fauna an sich tragen. Die Arbeit
270 Gerstaecker: Bericht üb. d. Leistungen in d. Entomologie
zerfällt in drei Abschnitte, indem jede der genannten Loka-
litäten in Bezug auf ihre Fauna besonders abgehandelt wird:
1) Verzeichniss der von F. Zach auf Cypern gesammelten
Schmetterlinge (p. 180 — 187). Die Insel ist auffallend arm
an Arten, welche mit drei Ausnahmen sämmtlich schon be-
kannt sind und mit Europäischen zusammenfallen. 2) Ver-
zeichniss der von F. Zach bei Beirut gesammelten Schmet-
terlinge (p. 187—234). Neben einer Anzahl besonders Süd-
Europäischer Arten kommen hier zahlreiche dem Orient ei-
genlhümliche vor, unler denen eine belrächlliche Anzahl
neuer. 3) Verzeichniss der von A. Kindermann in den
J. 1848—50 um Samsun, Amasia, Tokat, Siwas und Diarbe-
kir gesammelten Schmetterlinge. Eine ziemlich reichhaltige
Fauna, doch nur wenige neue Arten und ausschliessücii aus
den Familien der Microlepidopteren. — Die in beiden Arbei-
ten beschriebenen neuen Species sind an ihrem Orte einzeln
namhaft gemacht worden.
Mann verzeichnete (ebenda V, Bd. p. 529— 572) die
von ihm in Corsica während seines Aufenthalts daselbst im
J. 1855 gesammelten und beobachteten Lepidopteren. Bei
dem besonderen Interesse, welches die Faunen der Inseln über-
haupt darbieten , ist das vorliegende Unternehmen um so
mehr erspriesslich , als es zu einer Vergleichung mit der
Fauna der neuerlich durch Ghilianiund Staudinger so
gründlich durchforschten Nachbar- Insel Sardinien Anlass
giebt, die gewiss mannigfache interessante Resultate liefern
wird. Neben nicht zu verkennender Uebereinstimmung im
Allgemeinen zeigt die Fauna Corsica's doch auch nicht un-
beträchtliche Abweichungen von der Sart inischen, wie ihr
z. B. von besonders bemerkenswerthen Arten Pap. Hospiton
abgehl ; dagegen sind andere , Sardinien ebenfalls charakte-
risirende Arten , wie Vanessa Ichnusa und Deilephila Dahlii
auch auf Corsica einheimisch. — Die Punkte der Insel, wel-
che von M. besonders durchforscht worden sind, sind Ajac-
cio, Corte (im Mittelpunkte gelegen) und ßastia. Die Auf-
zählung der Arten erstreckt sich auf säuimtliche Familien
der Lepidopteren und weist auch unter den Microlepidopte-
ren mehrere neue auf, die hier beschrieben sind; die be«
während des Jalires 1855. 271
kannten sind mit Angaben über Zeit und Ort des Vorkom-
mens, ISahrungspflanzen u. s. w. versehen.
Von de la Harpe's Faune Siiisse, Lepidopteres ist im
XIV. Bande der Neuen Denkschriflen der allgemeinen Schwei-
zerischen Gesellschaft für die gesammlen Naturwissenschaften
(Zürich 185o) eine neue Fortsetzung erschienen; dieselbe
uinfasst: 1) Ein „second Supplement aux Phalenides de la
Faune Suisse," welches nachträgliche Bemerkungen über eine
Reihe von Geometriden und ein vollständiges systematisches
Verzeichniss der in der Schweiz vorkommenden Arten die-
ser Familie enthält. 2) „Faune Suisse, Lepidopteres. V. Fy-
ralides." enthält eine Uebersicht der Schweizer Pyraliden mit
kritischen Bemerkungen über die Synonymie der einzelnen
Arten so wie nut Angaben über ihr Vorkommen und ihre
Verbreitung. Die Artenzahl beläuft sich auf lö9, welche auf
29 Gattungen verlheilt sind. Auf einer beifolgenden Tafel
sind einige neue oder wenig bekannte Arten abgebildet.
.,Zur Fauna der Nieder-Elbe." Verzeichniss der bisher
um Altona und Hamburg gefundenen Schmetterlinge, mit An-
gabe der Fundorte und sonstigen Bemerkungen, von H. Tes-
sien. Hamburg 1855.
Das Verzeichniss erstreckt sich auf die Familien der Papiliones,
Sphinges , Bombyces, Koctuae und Geometrae; ausser den Fundorten
sind auch Notizen über die Flugzeit der Falter und die Kahrungs-
pflanzen der Raupen beigebracht. Die Hamburger Fauna beläuft sich
auf 73 Diurna, 30 Sphinges, 94 Bombyces, 223 jNoctuae und 173 Geo-
metrae. — Es ist doch wohl nur ein Irrthum, wenn der Verf. Lycaena
Polysperchon als var. von Lyc. Optilete anführt. — Einige berichti-
gende Bemerkungen zu dem Verzeichnisse gab Hering (Enlomol.
Zeit. p. 302J.
St au ding er, Beilrag zur Lopidopteren-Fauna von Ober-
Kärnlhen, (Entomol. Zeit. p. 374 ff.) gab einen ausführlichen
Bericht über die von ihm aut dem Gross-Glockner, beson-
ders in der Umgegend von Heiligenblut beobachteten und
gesammelten Lepidopteren; es wird dabei vorzüglich auf die
vertikale Verbreitung der Arten Rücksicht genommen.
Boll machte in einem zweiten Nachtrage zum Ver-
zeichnisse der iMeklenburgischen Lepidopteren einige neuer-
dings aufgefundene Alten namhaft und stellte einen Ver-
272 Gerstaecker: Bericht ül). d. Leistungen in d. Entomologie
gleich zwischen der Hamburgischen und Meklenburgischon
Fauna an. (Archiv des Vereins der Freunde der Naturwis-
senschaften in Meklenburg 9. Heft, p. 15ö fF.)
Im zehnten Hefte der Jahrbücher des Vereins für Na-
turkunde im Herzogthum Nassau (V\^iesbaden 1855), p. 87 —
1Q6 finden sich „Nachtrüge und Berichtigungen zu dem im
sechsten Hefte der Jalirbücher entlialtenen Verzeichnisse der
Schmetterlinge, die in der Umgegend von Wiesbaden vor-
kommen ,« deren Verf. sich nicht nennt. (Wahrscheinlich
Sehen ck.) Das hier gegebene Verzeichniss, welches mit Be-
merkungen über Flugzeit, Vorkommen, Häufigkeit u.s. w\ der
einzelnen Arten begleitet ist, erstreckt sich nur auf die Ma-
crolepidopteren bis zum Schlüsse der Geometriden.
Guillemot de Thiers, Catalogue des Lepidopteres
du departement du Puy-de-D6me, Clermont-Ferrand 1854.8.
(128 pag.) findet sich in Zuchold's ßiblioth. bist. -nat. an-
gezeigt, ist dem Ref. aber aus eigener Anschauung nicht be-
kannt geworden.
Ohne wissenschaftliches Interesse ist die Aufzählung der
in der Umgegend von Saumur beobachteten Tagfalter und
Schwärmer, welche von Courtiller in den Annales de la
sociele Linneenne du departement de Maire et Loire. I. Annee
(Angers 1854) p. l95 geliefert wird; das Verzeichniss ist
nicht nur sehr dürftig, sondern auch die Arten nur mit fran-
zösischen Namen aufgeführt.
VonWood's Index entomologicus, or a complete illu-
straled catalogue of Ihe Lepidoplerous Insects of Great Bri-
tein hat Westwood eine neue Ausgabe begonnen. (A new
and revised edition , wilh figiires of the newly discovered
species, by J. 0. West wo od. No. 1 and 2. London 1855.)
Nach Newman's Bericht in den Proceed. of the entomol.
soc. p. 62 enthält dieselbe fünf neue Tafeln mit 180 Abbil-
dungen von Arten, die in der früheren Ausgabe fehlen.
Hawker gab (Zoologist p. 4650) eine Aufzählung der
bei Horndean von ihm aufgefundenen Papilioniden und Sphin-
giden (sehr dürftig!) und Asworth (ebenda p. 4814) machte
eine Anzahl seltener in Wales vorkommender Lepidopteren
namhaft.
während des Jahres 1855. 273
Wo ck e zählte (33ster Jahresbericht der Schlesisch. Ge-
sellsch. für vaterl. Cullur p. 120) eine Anzahl seltener und
für Schlesien neuer Lepidopteren auf, von denen einige klei-
nere und wenig-er gekannte auch näher beschrieben werden.
V. Prittvvitz Iheilte in der Entomol. Zeil. „Bemerkun-
gen über die geographische Farbenvertheilung unter den Le-
pidopteren" mit und versuchte darin den Nachweis bestimm-
ter Gesetze für die Flügelfärbung nach der geographischen
Breite. — So wenig im Allgemeinen zu verkennen ist, dass
die sogenannten ganzen Töne, nämlich Roth, Gelb und Blau
in scharfer Sonderung mehr den Tropen, in Vernuschung
dagegen mehr den gemässigten und kalten Regionen eigen
sind, so wird sich etwas allgemein Gültiges in dieser Bezie-
hung doch schwer feststellen lassen und es heisst jedenfalls,
das Wesen der organischen Natur ganz verkennen , wenn
man ihr auf einem Felde, wo sie sich augenscheinlich die
ausgedehnteste Freiheit gestellt hat , bindende Gesetze un-
terschieben will.
Der Verf. führt zur Begründung seiner Ansicht zahlreiche und
zum grossen Theil recht geschickt ausgewählte Beispiele an, die aber
ebenso oft nur scheinbar schlagend sind; z. ß. weist er an den
drei Europäischen Papilio-Arten nach, wie die Intensität des Gelb und
Roth nach Norden (Podalirius) abnimmt, sich dagegen nach Süden
(Alexanor) vermehrt. Hierauf ist erstens zu erwidern, dass die süd-
liche Varietät des P. Podalirius, welche an den Küsten des Mittel-
meeres vorkommt, also gerade dieselbe Breite wie P. Alexanor be-
wohnt, viel blasser ist als die nördlichen Exemplare. Zieht man aber
zweitens die exotischen Arten mit in Betracht, so fällt die ganze
Hypothese zusammen, denn hier ergiebt es sich, dass die drei Euro-
päischen Arten gar nicht mit einander in Vergleich gestellt werden
können, da sie drei verschiedenen, im Auslande zahlreich vertrete-
nen Gruppen angehören ; und hier fällt P. Podalirius gerade einer
Gruppe zu, deren tropische Formen (Brasilien) die aller farblosesten
und zugleich die am dünnsten beschuppten sind. Durch diese Thalsache
erhält zugleich die Theorie des Verf., dass dünn beschuppte Flügel
dem Norden eigen seien (Dor. Apollo} , einen derben Stoss. — Aber
selbst unter den Europäischen Arten Hessen sich dem Verf. mehrere
Beispiele anführen, die seiner Gesetzmässigkeit in der Farbenvertheilung
eben nicht das Wort reden ; er vergleiche nur die Schottische hochroth
gefärbte Varietät des Lyc. Hippothoe (als L. dispar bekannt) mit der
viel blasseren Stammart, wie sie in üeutschlaud vorkommt, und im
Archiv f. Nnturgesch. XXII. Jahrg. 2. ßd, g
274 Gerslaecker: Bericht üb. d. Leislungen in d. Entomologie
Gegensatze dazu die fahl gefärbten Lappländischen Exemplare der
L, virgaureae mit den lebhaft rothgoldigen Deutschlands ! Ein so
diametraler Gegensalz bei zwei ganz nahe verwandten Arten zeigt
wohl sehr entschieden, dass die hier obwaltenden Einflüsse uns bisher
verbor""en sind und dass die geographische Breite dabei nichts er-
]4]ärt. Auch gegen die Dämpfung der Töne beim Weibchen spre-
chen mehrere Beispiele, u. a. gerade bei den Lycaeniden, wo sie
sonst Regel ist; das Weibchen der Thecla quercus hat eine scharf con-
centrirte blaue Färbung (ganz in derselben Weise zahlreiche Brasi-
lianische Arten), während das Älännchen eine malte und zertheilte
zei^t. — Diese Ungebundenheit der organischen Katur, welche durch
ein einzelnes Beispiel oft gleichsam muthwillig ein scheinbar festste-
hendes Gesetz umwirft, ist der Grund, weshalb bisher alle Teleologen
an ihr gescheitert sind.
Als Ergänzungen zu Koch's Arbeil über die Verbrei-
tung der Europäischen Schnielterlinge erschienen einige Be-
merkungen von V. Prillwitz über das Erscheinen Europäi-
scher Arien in Amerika (Enlomol. Zeil. p. 3(3) und einige
Berichtigungen von Zeller (ebenda p. 68), welche unrich-
tig bestimmte Arien betrefl'en.
Die in Scopoli's Entomologia Carniolica beschriebenen
und abgebildeten Lepidopteren unterwarf Zell er einer kri-
tischen Bestimmung (Enlomol. Zeil. p. 233 ff.)
I%Eu}paIoc(*ra* W. Hewitson's „Exotic Butterflies , being
illustralions of new species« sind mit fünf neuen Lieferungen (Part.
12 — 16) fortgeführt worden, welche wie die früheren sich durch Sau-
berkeit und Treue der Abbildungen so wie durch die Gediegenheil
des Textes auszeichnen. Es ist auch als besonders zweckmässig zu
rühmen, dass der Verf. aus schwierigen Gattungen eine grössere An-
zahl nahe verwandter Arten nebeneinander vorführt , wie es diesmal
z. B. bei den Gattungen Ithomia und Catagramma der Fall ist.
Stand fu SS, Bemerkungen über einige an den Küsten von
Spanien und Sicilien fliegende Faller. (Enlomol. Zeit. p. 151 ff.) Der
\erf. verbreitet sich besonders über die Bedingungen , unter denen
die Tagfalter an jenen Localitälen vorkommen, und stellt Yergleichun-
gen der daselbst gesammelten Exemplare mit denen anderer Län-
der an.
Nizzoli, Lepidotteri diurni del Montovano. Dissertazione in-
augurale, Pavia 1S54. 8. (36 pag.) ist dem Hef. nur dem Titel nach
bekannt geworden.
Von Westwood's „The Butlerflies of Great Britain, with Iheir
transformations delineated and described« ist im Jahre 1855 eine
zweite Auflage erschienen.
während des Jahres 1855. ,, ._ ;> , - ^ . 275
Equites. — Eine schöne neue Art der Galtung Ornithoptera
wurde unter dem Namen 0. ßroo/a'a«a von Wal 1 ac c (Proceed. entom.
soc. p. 104) beschrieben und von II e wi tso n (Exolic Butterllies Pt. 16)
abgebildet ; eine neue Art des letzteren (ebenda) ist Papilio Idaeoides
von den Philippinen.
Von H erri ch - S c hä ff er (Lepid. exol. ser. II. Lief. 4) wur-
den abgebildet: Papilio Fhorbaiila Linn. ^ von Mauritius und dispatim
lis ßoisd, ^ von Isle Bourbon.
Pieridae. — Neue Arten von Menetries (Catal. d. 1. coli,
de St. Petersbourg) beschrieben und abgebildet sind : Colins Wosne-
scjiskii aus Neu - Californien (gleich Cesonia Bsd. var.) , Fieldii vom
Ilimalaya, Terias Jaegeri, liecabevides und Aesiope von Haiti, die bei-
den letzten wohl nur Varietäten von T. Hecabe , welche weit ver-
breitet ist.
Pieris Thysa, Eunoma, Simana, Anthocharis Pallene und Terias
Zoe Hopffer sind neue Arten von Wossambique. (Monatsber. d. Berl.
Akad. 1855.)
Anthocharis Belia ist neuerdings auch in England (Worcester-
shire) aufgefunden worden. (Natural bist. rew. VI. p. 48.)
In mehreren Nummern des Zoologist 1855 wurde von Haw-
ker,Newman,Bree, Doubleday, Douglas, Stainton und
Greene in grosser Ausführlichkeit die Frage diskutirl, ob Colias Rha-
nini in einer oder zwei Generationen auftrete. Die Ansicht New-
man's, dass nur eine Generation stattfinde, wird besonders von Stain-
ton bestritten, und doch ist sie die richtige; in hiesiger Gegend lebt
wenigstens die Raupe nur einmal im Sommer und es ist daher gewiss
nicht anzunehmen, dass sie in England zweimal erscheine.
Heliconidae. — Zahlreiche neue Arten der Gattung Itho-
mia wurden von Hewitson (Exot. Bulterfl. Pt. 12 — 16) beschrieben
und abgebildet: llhomia Giidia und Lavinia aus Neu-Granada, Älella,
Lalilla, Kedema ^us Venezuela, Nero und Zea aus Mexiko, Andromica
aus Venezuela, Oto von Guatemala, Cesleria aus Columbien , Edessa
und Adasa aus Brasilien, Tinina und Agnosia aus Venezuela, Cymolhoe
Klug i. 1. aus Caraccas , Adina und Zavalela unbek. Vaterl., Artena
aus Mexiko , Philoclea aus Brasilien (= Sao Hübn.), Florula von Ca-
yenne, Stella und Mergelena aus Neu-Granada, Virginia und Telesto
aus Mexiko, Alida unbek. Vaterl., Penimia aus Bolivia , derasa von
Nicaragua, Elara und Inachia vom Amazonenstrome, Cleora von Gua-
yaquil, Fimbria aus Neu-Granada, Tulosa aus Mexiko, Galala unbek.
Vaterl., llhra vom Amazonenstrome, Altalia und Ardea aus Bolivia,
Erruca von Rio Grande, Esula und Oneida aus Neu-Granada, Salonina
aus Bolivia. — Von bereits bekannten Arten wurden zur besseren Un-
terscheidung gegen die neuen noch einmal beschrieben und abgebil-
^16 Gerstaecker: Bericht üb. d. Leistungen in d. Entomologie
det : Ithomia Morgane Hübn., Dercetis Doubl., Älakrena Hew., Cyria-
nassa Doubl., Flora Cram. , Hippodamia Fab., Yiclorina und Cotylto
Guer., Phono Hübn., Diaphana Drur. und Coeno Doubl.
Von Menetries wurde (a. a. 0.) als neue Art: Heliconia
DcwopAoo» von Nicaragua (im hiesigen Sluseum aus Mexiko) beschrie-
ben und abgebildet.
Acraeidae. — Acraea Oncaea und Cabira , n. A. aus Mos-
sambique wurden von Hop ff er (a. a. 0.) diagnosticirt.
INymphalidae. — Ebendaher sind: ISeptis i)Jarpessa, Roma-
leosoma Neophrotif Alerica Theophane , Hanna Achlys und Concordia
Hopffer (Monatsber. d. ßerl. AUad.).
Von Hewitson wurden beschrieben und abgebildet: Cola-
gramma Beckeri aus Brasilien, Smaviara von Cayenne, Texa aus Co-
lumbien , Patara , Gabaza und Vatiinka aus Neu-Granada , Eluina aus
Venezuela, Chaseba aus ßolivia , Mionima aus Neu-Granada, Agrias
Phalcidon vom Amazonenstrome und Nymphalis Calydonia von Ma-
lacca. — Von bekannten Arten werden hier nochmals abgebildet: Ca-
tagramma Cynosura Doubl. ^, Brome Boisd. und Lyca Doubl.
Neue Arten von Menetries (a. a. 0.) sind: Melilaea Ilieona
aus Nicaragua, Apalura Callianira und Siderone Ellops ebendaher,
letztere von S. Ithys durch gleichmässig hellgefärbte Flügel unter-
schieden.
Von Herrich -Seh äffer (Lepid. exot. Lief. 4) wurden ab-
gebildet : Cybdelis Naeris und Tahla Bsd. i. 1. aus Mexiko , Empyrea
Bsd. (ist =: Sydonia Godart) und Sophronia Enc. aus Brasilien.
Von Jul. Müller wurde (Entomol. Zeit. Taf. 1) eine Varietät
des Männchens von Melitaea Didyma (ein Albino , wie er in dieser
Gattung öfter vorkommt) und die Uaupe der Vanessa V.aibum abge-
bildet; letztere wurde auf Birken gefunden und damit gross gezogen.
Satyrida e. — Mycalesis Eusirus und Evenns Ilopffer sind zwei
neue Arten aus Mossambique (a. a. 0.).
Erycinidae. — Von Hewitson wurden (Exot. Bulterflies
Pt. 12 — 14) beschrieben und abgebildet: Eurygona opalescens, opalina,
EuphaeSf Ulica, Euploea , Eunaeus und Euoras, sämmtlich aus Brasi-
lien , und zugleich von bekannten Arten : Eurygona Midas Fabr. und
Arbas Cram.
Von Menetries (a.a.O.): Lyropteryx Cephise von Nicaragua,
Symmachia Caslalia, Emesis fastidiosa, ISymphidium Erymanlhus (viel-
leicht nur var, von N. Acherois Doubl.)» Cliaris Syheslra, Mesosemia
coeUitina (ist die bekannte Hesp. geminus Fab.) und Limnas ErylhruSf
Sämmtlich aus Brasilien, Limnas Melatilho von Nicaragua.
Lycaenidae. — Neue Arten von Mossambique sind: Dipsas
während des Jahres 1855. 277
Antnius, Jolaus Orejus und Caeadus, Lycaena Calice, Sybaris^ Joha.
tes, Osiris und Äsopus Ilopffer (3Ionatsberichte d. Berl. AKad. 1S55).
Ltjcaena Wosncsenskii n. A. von Kamtschatka, wurde von Me-
netries (a. a. 0.) beschrieben.
Thecla Friioaldshyi Lederer ist eine neue Art vom Altai , Ly-
rnena Gamra und Gnlba Lederer von Beirut. (VerhandL d. zoolog.-
botan. Vereins zu Wien V. p. 96 und 177 ff.)
Wallengren wies (Öfvers. af Kongl. Vetensk. Akad. Förhandl.
p. 205) nach, dass Linne's Papilio Argus und Idas, die als Männchen
und Weibchen derselben Art angehören, nicht die Lycaena Argus der
Autoren seien, sondern auf Lyc. Aegon gedeutet werden müssen.
Hesperidae. — Von Menetries wurden (a. a. 0.) Pyrrho-
pyga Scylla aus TS'icaragua, Socrates und varicolor aus Brasilien, Go-
niurns Evenus aus Brasilien und decnssala von Haiti als neue Arten
beschrieben und abgebildet.
Von Hop ff er (a. a. 0.): Abantis (n. g.) Tettensis , Tamphila
Thilander^ Fatuellus^ higens^ Herilus und Pyrgus Diomus als neue Ar-
ten von Mossambique diagnosticirt. Die neue Gattung Abantis ist bis
jetzt nicht näher charakterisirt worden.
Hesperia ?!omas, hypoleucus und Zelleri Lederer sind drei neue
Arten von Beirut (Verhandl. d. zoolog. -botan. Vereins zu Wien V.
p. 177 ff. Taf. l).
Spliing^ides. Leder er machte eine neue Art der Gattung
Deilephila unter dem Namen D. syriaca bekannt, welche bei Beirut
vorkommt und in der Zeichnung der Flügel einigermassen an die
Gattung Smerinthus erinnert ; sie ist von der Grösse der D. porcel-
lus. Ferner drei neue Sesien: S. fervida aus Cypern, S. azonos und
piphiformis von Beirut. (Verhandl. d. zoolog. -botan. Vereins zu Wien V.
p. 177 ff. Taf5und2.)
Newman gab (Zoologist p.4928) Nachricht über das Vorkom-
men der Sesia scoliaeformis Borkh. in England , welche er irriger
Weise der Gattung Trochilium beizählt; er entwirft eine nochmalige
ausführliche Beschreibung der Art.
Koch glaubt den Umstand, dass Sphinx Atropos seil mehreren
Jahren in Meklenburg gefehlt habe, der Kartoffelkrankheit zuschrei-
ben zu dürfen, welche gerade von jener Zeit an dort aufgetreten sei.
(Archiv des Vereins der Freunde der Naturwiss. in Meklenburg 9. lieft.)
Da der Schwärmer jedoch überhaupt selten ist und in der Regel nur
nach längeren Pausen zahlreicher auftritt, so möchte dies wohl auch
hier als die näher liegende Ursache des Fehlens anzunehmen sein.
Clfielonariac. Von H errich-Schä ffer wurde (Lepidopt.
exot. Lief. 13 — 17) eine grössere Anzahl neuer Arten dieser Familie
abgebildet: Amycles anihracina, Copaena scaptilariSf Gnophaela Iriscriata,
278 Gerstaecker: Bericht üb. d. Leistungen in d. Entomologie
Haemnlerion (?) hraco Bsd., Chrysostola helus Bsd. und humilis, Cor^
rebia ceramhoides , Cercophora caudata F. aus Brasilien, Synlomis m-
Ireata aus Ostindien, Natalii Bsd. und resecta aus Süd -Afrika, fene-
slrata ürury aus Nord-China, Thyreles caffraria und atnazonula, Si/w-
tomis longipes Bsd. aus Afrika, Antomolis lateritia Bsd. von Cayenne,
Synlomis abdominalis aus Brasilien, Charidea coslulala aus Venezuela,
confinis Bsd., ligrala, nivea Bsd., seruba Bsd. und texla Bsd. aus Bra-
silien, Creatonolus divisus Yaterl. unbekannt, Fhegoplera porphyrea Bsd.
und guUifera von Hanckock, jucunda Bsd. , mandus Bsd. und sqiialida
Bsd. aus Brasilien, decrepida iMor. aus Venezuela, Fhegoplera ßavo-
piinclala Bsd. aus Cayenne, wea?« Bsd., punctularis Bsd., depicta Bsd.,
plperila Bsd. und ßavostrigata Bsd. aus [Brasilien, Glaucopis Viäcanus
Bsd. aus Mexiko, Laernocharis Lucelius Crani., ^t/a Bsd., xanthogasler
Perty, forficula Bsd. und Iricincla aus Brasilien, Clemtcha virgo Bsd.
von den Antillen.
Leder er gab Beschreibungen und Abbildungen von folgenden
neuen Arten: Nudaria Altaica und Seiina ochracea vom Altai, iN'^o/a
exasperala von Cypern, Z>ygaena Grasliiii, IJypeulliina fulgurita, Arclia
Oerlz-enii und Ocnogyna clalhrala von Beirut. (Verhandl. d. zoolog.-
botan. Vereins zu Wien V. p. 96 und 177 ff. nebst Tafeln.)
Lilkosia rica aus der Schweiz wurde von Frey er (Neuere
Beiträge, Heft 109) als neue Art beschrieben und abgebildet.
Keller machte (Entomol. Zeit. p. 337) Mittheilungen über die
Erziehung der Baupe von Euprepia Matronula.
Dorfmeister setzte seine Beobachtungen über die in Steyer-
mark vorkommenden Zygaenen in den Verhandl. d. zoolog. -botan.
Ver. zu Wien V. p. 87 (F. fort und gab eine genaue vergleichende
Beschreibung ihrer Raupen (im Ganzen von neun Arten). Auch giebt
er fernere Gründe für die Identität von Zyg. Feucedani, Ephialtes,
Trigonellae und ihrer Zwischenformen an.
18oBiil>ycide$i. Neue von Herrich -Schaff er (Lepidopt.
exot. Lief. 13— I7j abgebildete Arten sind: Automeris plicata, Eacles
melanosligtna, Adelocephala subangulala , convergens und dimidiala aus
Brasilien, Heniocha paleacea aus Süd -Afrika, Automeris tridens und
Dirpkya cosfosa aus Brasilien, neleromorpha coslipuncla\omCaTpi Chry^
sopyga chrysocoma Mor. von Venezuela, Ochrogaster lunifer aus Au-
stralien, Chrysopyga vndtdata von Rio Janeiro, Diastema slraminea von
Port Natal , Catochria calocaloides aus Süd-Afrika, ISotodonta cuculli-
ferOy histrionica , centralis und violascens aus Brasilien, georgica aus
Georgien , Laelia Australasiae , l'orthesia limbatis und semiochrea aus
Neu - Holland , Orgyia lephra Hübn. vom Cap , und Panlheal nobilis
aus Afrika.
Coqucrcl beschrieb (Annales de la soc. entomol. IlL p. 528 ff.)
während des Jahres 1855. 279
drei neue Arten, deren Gespinnste nach seiner Meinung zur Gewin-
nung von Seide nutzbar sind: Bomiijx liadama und Diecjo von IMada-
gascar und Bomb. Vanda von Port Natal. In der Puppe der beiden
ersten lebt eine Pyralidon-Uaupe parasitisch, deren Schmetterling als
Ckilo carnifex n. sp. beschrieben wird.
Von Newnian wurde (Appendix to the Zoologist for I85ö) als
muthmasslich neue Art aus Australien: Bombijx (Doratifera?) Oxleyi
charakterisirt ; sie ist nahe verwandt mit Doratifera vulnerans Westw.
Liparis Carbonis aus der Schweiz wurde von Frey er (Neuere
Beiträge Heft 109) als neue Art beschrieben und abgebildet.
Psyche Ecksteinii Lederer und Psyche Zelleri Mann sind zwei
neue Arten aus der Umgegend von Pesth , Psyche Bruandi Ledercr
eine neue Art von Beirut. (Yerhandl. d. zoolog.-botan. Ver. zu Wien V.
p. 177 ff. und 755.)
Descriptions of some species of Lepidopterous Insects belonging
to the genus Oiketicus , by J. 0. West wo od. (Proceedings of the
zoological society of London XXII. p. 219—243. PI. 3^1-37.). — Den
beiden von Lansdowne Guilding unter der Gattung Oiketicus
beschriebenen Arten; 0. Kirbyi und MacLeayi fügt W estwo o d hier
eine Reihe neuer hinzu, welche er einer ausführlichen Beschreibung
unterwirft. (Die Tafeln der Proceed. of the zool. soc. fehlen in dem
Exemplare der hiesigen Bibliothek.) Die von Saunders als 0. elon-
gatus aufgestellte Art wird hier nochmals unter dem veränderten INamen
0. Saundersii Weslw. beschrieben und zugleich über deren Larve aus-
führliche Mittheilungen gemacht. Neue Arten sind ferner: Oiketicus
IJübnerit Lewinii, Boisduvalii, Herrichii , säramtlich aus Australien, 0.
Doubledayi und Crameri von Ceylon. Für die schon früher von
Templeton beschriebene Art 0. lertius von Ceylon stellt West-
wood den Namen 0. Temflelonii auf. — Am Schlüsse giebt der Verf.
eine analytische Tabelle zur Bestimmung der Arten, welche zwei
Hauptabtheilungen zufallen. Die erste enthält Männchen mit halbge-
kämmten Fühlern und stark verlängertem Hinterleibe und Flügeln;
hierher gehören: 0. Saundersii, Kirbyi und Templetonii. Bei der
zweiten sind die Fühler des Männchens bis zur Spitze doppelt ge-
kämmt, Leib und Flügel kurz oder nur massig lang ; hierher gehören
die übrigen Arten.
Descriptions of some new species of exotic nioths belonging
or allied to the genus Saturnia, by J. 0. Westwood (Proceed. of
the zoolog. soc. of London XXI und Annais and magazine of natural
history XV. p. 294 ff.) — Die hier beschriebenen neuen Arten sind:
Saturnia Oriiaba, JoruUa, Lavendera , Calleta ^ Chapata, aus Mexiko,
Zacatccci und Sapatoza von ISogolä, Janeira von Rio Janeiro, Plulo
aus Venezuela , Thibeta aus Thibet und Melvilla von Melville Island.
280 Gerstaecker: Bericht üb. d. Leistungen in d. Entomologie
Guerin bemerltte (Revue et Magasin de Zoologie VII. p. 300),
dass Bombyx Assamensis Helfer (schon im Jahre 1837 im Journal of
the asiatic society of Bengale beschrieben) von West wo od im
Orient. Cab. unter dem Namen Saturnia Assama abermals als neue
Art puLlicirt worden sei, und dass ebenso des letzteren Saturnia My-
thimnia mit Bomb. Bauhiniae Guer. Iconogr. identisch sei.
Derselbe hielt in der Pariser Akademie der Wissenschaften (mit-
getheilt in der Revue et Magas. de Zool. YII. p, 292 und im Bullet,
de la soc. entomol. p. LY ff.) einen Vortrag über die Einführung des
Chinesischen Seidenwurms in Europa, Die Raupe lebt auf Eichen
und ihr Cocon liefert eine ausgezeichnete Seide ; die Cocons sind
durch Missionaire nach Frankreich geschafft worden und aus densel-
ben auch Exemplare beiderlei Geschlechts hervorgegangen, eine Be-
gattung jedoch bisher nicht erzielt worden. Die Spinner-Art, wel-
cher die Raupe angehört, ist bis jetzt noch nicht bekannt; Guerin
giebt (Rev. et Magas. de Zool. Taf 6) eine Abbildung derselben und
beschreibt sie unter dem Namen Saturnia Fernyi-, sie ist der Sat. My-
lilta Fabr. zunächst verwandt.
Mehrfache Mittheilungen sind auch über die Zucht der Saturnia
Cynthia in Europa behufs ihrer Einführung und Anwendung zur Seide-
Produktion in den Procecdings of the enlomol. soc, in Guerin's
Revue et Magas. de Zoologie, in den Comptes rendus de l'Institut de
France, im Bulletin de la soc. entomologique , in der Spcner'schen
Zeitung zu Berlin (185Ö) u. a. gemacht worden. Man fütterte die
Raupen mit Ricinus communis, den sie eifrig frassen; sie machten
vier Häutungen durch , verspannen sich z. B. auf Malta und in Ita-
lien vom Februar bis zum März, lieferten Mitte April's den Schmet-
terling, und dieser legte auch Eier ab, welche sich wiederum zu Rau-
pen entwickelten. — Zwei Abhandlungen, welche über die Zucht die-
ser Art ausführlichere Auskunft geben, sind: 1) 0. G. Costa, Storia
naturale della Saturnia Cynthia , volgarmente detta Bombice del Ri-
cino, del modo di educarne i bachi e della seta ch'essi producono.
Napoli 1854. 8. 27 pag. c. tav. 1. — Auf der Tafel ist der Schmet-
terling, die Raupe in ihren verschiedenen Stadien auf der Futter-
pflanze und das Cocon abgebildet. — 2) Griseri, Relazione sulle
tre educazioni del Baco di Seta del Bombyx Cynthia e sulle cultura
del Ricino per l'alimentazione dei bachi. Torino 1855. S. Diese Ab-
handlung ist dem Ref. nur dem Titel nach bekannt geworden. —
üebcr denselben Gegenstand sind auch noch fernere Mitlheilungen von
Mazzanti in den Nuovi annali delle scienze naturali di Bologna X.
(1854) p. 30Ö gemacht worden.
In der letztgenannten Zeitschrift wird auch ausführliche Nach,
rieht gegeben über ein dem Ref. nicht zugekommenes Werk: Älono-
grafia del Bombice del Gelso pubblicata dal Prof. Emilio Corna-
während des Jahres 1855. 281
lia, 4. c. 15 tab. lith. — Nach den dort gemachten Mittheilungen
liefert das Werk eine vollständige Monographie der Seidenraupe und
zerfällt in vier Theile, von denen der erste die Geschichte und Zoo-
logie des Thieres, der zweite die Anatomie der Raupe, Puppe und
des Spinners, der dritte die Physiologie und der vierte die Pathologie
(Krankheiten, Monstrositäten und Parasiten) behandelt.
Die Lebensweise der Ptilophora plumigera erörterte B. Smith
im Zoologist p. 4562.
Ebenda diskutirte J. Scott noch einmal die Frage, ob die
Psychiden zu den Spinnern oder Tineen zu rechnen seien und kommt
zu dem Resultate, dass ihre Verwandtschaft zu den letzteren jeden-
falls eine nähere sei. Die neueren Untersuchungen über die Psychiden
scheint der Verf. nicht zu kennen und er hält sich überhaupt in sei-
ner Beweisführung sehr an Unwesentliches; das Fehlen der Flügel
beim Weibchen, meint er z. B. , beweise nicht, dass die Psychiden
Spinner seien, denn es könnten auch wohl noch flügellose Tagfalter
und Sphingiden entdeckt werden. (Allerdings nicht unmöglich, aber
sehr unwahrscheinlich!)
:^^octuae. „LesNoctuelitcs de laRussie," par leDr. Evers-
mann. (Bulletin de la soc. imp. des naturalistes de Moscou, Annee
1855. Ko. 3. p. 129—203.) Die im Vorliegenden begonnene Aufzäh-
lung und Beschreibung der in Russland einheimischen Eulen soll eine
Fortsetzung zu den vom Verf. in Gemeinschaft mit dem verstorbenen
Fischer v. Wald heim begonnenen, aber bisher nicht weiter fort-
gesetzten „Lepidopteres de la Russie" bilden. Sie bietet weiter kein
Interesse als höchstens ein faunistisches dar , indem ausser einer
neuen Leucania, die unter dem Namen L. stigmntica beschrieben wird
und von den südlichen Ausläufern des Ural stammt, nichts Unbekann-
tes darin geliefert wird. Das Auffälligste ist die von den früheren
Autoren abweichende Anordnung der Gattungen und die Aufstellung
von Gruppen , welche aber nicht den geringsten wissenschaftlichen
Werth haben, da ihnen keine eingehende Untersuchung zu Grunde
liegt. Sie sind vielmehr nach Gutdünken zusammengestellt, wie dies
z. B. aus der ersten Gruppe des Verf., die er als „Bombycoides" be-
zeichnet, einfach hervorgeht; diese umfasst nämlich die Gattungen:
Asteroscopus, Gonoptera, Calpe, Cymatophora , Trachea, laspidea und
Thyatira. Es fehlt hier nur noch eine Gattung aus der Catocala-
Gruppe, um eine Auswahl der verschiedenartigsten Eulen -Formen
vollständig zu machen. — Um den Inhalt des vorliegenden Theilcs
der Arbeit darzulegen, führe ich auch noch die folgenden, bis jetzt
abgehandelten Gattungen an : die zweite Gruppe „Acronyctides" um-
fasst Diphtera, Acronycta und ßryophila , die dritte „Leucanides" die
Gattungen Simyra, Nonngria , Leucania und Mythimna. Die FortseU
zung der Arbeit soll nächstens erfolgen.
282 Gerstaecker: Bericht üb. d. Leistungen in d. Entomologie
Eine Reihe neuer Arten dieser Familie wurde von Leder er
(Verhandl. d. zoolog. - botan. Ver. zu Wien V. p. ?6 ff. und 177 ff.)
beschrieben und auf den beifolgenden Tafeln abgebildet : Grapkophora
eminens, Agrolis foeda, Hadena arida, Folia expressa, Orlhosia circuin-
ducta vom Altai, Pericyma squalens von Cypern , Bryophila labecula,
Spintherops exsiccata^ Charadrina latebrosa, Thalpochares Phoenissa und
psilogramma von Beirut.
Eine neue Art aus Südfrankreich ist Heliolhis maritima de Gras-
lin (Annales de la soc. entomol. IH. p. 65) ; sie ist mit Hei. dipsacea
nahe verwandt, ihre Raupe frisst die Samenkapseln von Spergularia
marina und media, Abbildung aller Stände auf Taf. 7.
Frey er (Neuere Beiträge Heft 109 und 110) gab eine Beschrei-
bung und Abbildung von CucuUia Prenaulhis und Noctua Jaspidea
nebst ihren Raupen.
Zwei neue in England aufgefundene Arten sind : Agrotis Asicor.
thii Doubleday (Froceed. entomol. soc. p. 94), womit die in Stain-
ton's Entomologist's Annual unter dem Kamen Spaelotis Vallesiaca
abgebildete Art identisch ist ; und Miana expolila Stainton (Entomo-
ligist's annual for 1855).
Milliere gab eine Abbildung und Beschreibung einer interes-
santen Varietät der Catocala Electa, bei der die Vorderflügel mehr ins
Gelbbraune fallen, während das Roth der Hinterflügel in ein lebhaf-
tes Gelb verwandelt ist, (Annales de la soc. entomol. IIL p. 205.
Taf. 11) und Constant bildete ebenda drei auff'allende Abänderungen
der Noctua Gothica ab.
Möschler setzte (Entomol. Zeit. p. 211) die Unterscheidungs-
merkmale von Ileliothis nubigera und pelligera auseinander, und be-
merkt, dass erstere als um Sarepla fliegend, der Europäischen Fauna
angehört.
Keller beschrieb (ebenda p. 339) die Raupe von Anthophila
Wimmeri, welche er am Garda-See auf Artemisia campestris zur Herbst-
zeit antraf.
Nach Kollar (Verhandl. d. zoolog. -botan. Vereins zu WienV.
p. 697) trat Apamea basilinea im Jahre 1855 in grosser Menge als
Verwüsterin des Roggens im üesterreichischen Schlesien auf.
iireonietrae. Von Herrich -Schäffer wurden folgende
neue ausländische Arten (Lepidopt. exot. Lief. 13—17) abgebildet:
Craloptera vestianaria aus Brasilien, Melinodes detersaria aus Colum-
bien , Acrolomia viminaria aus 31exiko, Macrogonia igniaria , Cidaria
sturnularia und Einploecia bifetieslrata aus Brasilien , Cabira ochro-
purpuraria aus Venezuela , Odezia haemalaria aus Mexiko , Abraxas
triseriala von Java, Calospila hyalaria, Epipleina aculangularia y Go-
nodontis rcctisectaria, Crocypus perlucidaria, Semaeopus serrilinearia,
während des Ji.hres 1855. 283
PUjchopoda tergeminaria, Zanclopteryx acnleataria, Dosühea discopun-. ,
claria sämmtlich aus Brasilien, J^onosomn prunelliaria und lateritiaria
aus Venezuela, Pompeja australiaria von Neu-HoUand , Fidonia disco-
loraria aus Brasilien, Ihjpochroma brepharia aus Süd - Amerika, Cra-.
ioptera vilaria, Microsema trifilavia, Phyle arcuosaria von Kio-Janeiro,
Geomelra albiatigularia aus Ostindien, musivaria , Thalera inchidaria,
productaria und Geomelra Iranslucidaria aus Brasilien, albociliaria aus
Venezuela, Eucrostis rufociliaria vom Cap , Geomelra abortivaria von
Cincinnati , Trigrammia inotaria , Microgonia rhodaria und Acrosemia
vulpecularia aus Brasilien, Uemagalma chilonaria dius Neu - Holland,
Zonosoma bmocellaria und Graphidipus fulvicostaria von Venezuela,
Plerocypha gibbosaria, Eiicosmia coinbuslaria , anguslaria und Oligo-
pleura malachilaria aus Brasilien, ^edmia albipennaria und acinaci^
daria von Venezuela , Melrocampa amicaria von Cincinnati, aniliaria
und apricaria von Venezuela, Probole alienaria aus Süd -Amerika,
Plagodes serinaria von Cincinnati , Hygrochroma olivinaria , Macaria
triplicaria, Microgonia vestitaria und polygrapharia aus Brasilien, Me~
linoessa croesaria von Silhet, violacearia und Gnophos diffmiaria von
Venezuela, armalaria von Hanckock.
Von Leder er wurden (Verhandl. d. zoolog.-botan. Vereins zu
Wien V. p. 96 fF. und 177 IT.) folgende neue Arten beschrieben und
abgebildet: Synopsia pkaeoleucaria und Cidaria melanicternta vom
Altai, Acidalia inclinata, coenosaria, Synopsia deliciosaria , Gnophos
Poggearia , Eubolia pumicaria , perviaria, Cidaria Schneideraria und
cerussaria von Beirut.
Von Mann (ebenda p.529 ff.) aus Corsica : Acidalia carnearia^
mit A. infirmaria Ramb. zunächst verwandt , Eupühecia perfidata uud
glaucomiclala.
Von Frey er (Neuere Beiträge Heft 110): Cidaria ferrtigaria
Treitschke und spadicearia, von der vorigen als eigene Art abgetrennt
(ob gleich C. ferrugata Hübn.?).
Von Bruand (Bulletin de la soc. entomol. p. MX) : Larentia
Millierata aus Frankreich.
Keller beschrieb (Entomol. Zeit. p. 336) die Raupe der Idaea
dealbata; sie lebt im Mai auf Wegerich und Geisklee.
Schneider setzte seine Aufzählung der in Schlesien einhei-
mischen Geometriden fort und zwar mit den Gattungen: Acidalia 27 A.
ßoletobia l A. , Zonosoma 8 \. , iimandra 1 A. und Pellonia 1 Art.
(33ster Jahresbericht der Schlesisch. Gesellsch. für vatcri. Cultur
p. 115.)
Pyralides« Neue Arten von Leder er (a. a. 0.) beschrie-
ben und abgebildet, sind: Asopia subitstalisj Botys rußcoslalis , penta^
dalis, rupicapralis und Nymphida thyridialis von Beirut , Pyralis coti"
secratalis und Tegostcma vcnuslalis aus Kloin-Asirn.
284 Gerstaecker: Bericht üb. d. Leistungen in d. Entomologie
Slenia inßdalis Mann, mit St. carnealis nahe verwandt, ist eine
neue Art von Corsica (a. a. 0. p. 529 fF ) , Simaelhis jjarietariae, Eu-
dorea atomalis und gracHalis Stainton (Entomologist's annual p. 42)
n. A. aus England, Botys cyanalis und Eudorea sciaphilella de la Harpe
(Faune Suisse) n. A. aus der Schweiz, Chilo carnifex Coquerel (An-
nales de la soc. entomol. p. 534) n. A. aus Madagascar.
Tortrices« Neue Arten von Leder er (a. a. 0.) sind: Tor-
Irix exsulana und Cochylis cuUana vom Altai, Coccyx scahidtdana,
Relinia thurißcona und GraphoUlha effvsana \ot\ Beirut, Grapholitha Hor-
nigiana aus der Wiener Gegend.
Von Mann (ebenda): Cochylis languidnna ^ impnrana, penlacti-
nana, roscofascionn, Penthina allheana^ Paedisca mancipiana und quag-
gana von Corsica, Torlrix aurofasclana aus Steyermark und Kärnthen.
v. Hornig beschrieb (Verhandl. d. zoolog.-botan. Vereins zu
"Wien V. p. 129) die ersten Stände von Cochylis posterana (die Raupe
in den ßlüthenköpfen von Carduus acanthoides) , C. rubellana (in den
niülhen von Antirrhinum linaria) und C. dubitana (in den ßlüthen-
köpfen von Picris hieracioides).
Goureau erzog aus den Köpfen von üipsacus sylvestris die
Penthina gentianana. (Bulletin de la soc. entomol. p.VL)
Wocke zählte (33ster Jahresbericht der Schlesisch. Gesellsch.
f vaterl. Cultur p. 118) die in Schlesien einheimischen Arten der
Gattung Penthina auf; es sind deren bis jetzt 25 gefunden worden.
Tineina.. Ein Werk, welches eigentlich schon dem vorigen
Jahresberichte angehört hätte und das sich bereits in den Händen
aller derjenigen Lepidopterologen befindet, welche sich mit den klei-
neren Formen speciell befassen, sind die Insecta Britannica , Lepido-
ptera Tineina, by H. T. Stainton, London 1854. Es wird darin
eine vollständige systematische Bearbeitung der in England bis jetzt
aufgefundenen Arten dieser Familie gegeben, welche nicht nur ein
grosses faunistisches Interesse darbietet, sondern auch für das Aus-
land in sofern von Bedeutung ist, als einerseits eine beträchtliche
Anzahl neuer Arten hier zum ersten Male beschrieben wird, anderer-
seits aber auch die Feststellung der Gattungen und der natürlichen
Gruppen der Tineen wesentlich gefördert worden ist. Von Gruppen
nimmt Stainton unter den Tineiden im Ganzen dreizehn an: Exa-
patidae, Tineidae, Hyponomeutidae , Plutellidae, Gelechidae, Glyphi-
pterygidac, Argyresthidae, Ornichidae , Coleophoridae , Elachistidae,
Lithocollelidae, Lyonctidae und Nepticulidae. Zur sicheren Bestim-
mung der Gattungen sind zehn dem Werke beigefügte Tafeln von
grossem Werlhe , welche die sehr charakteristische Kopf- und Pal-
penbildung so wie das Flügelgeäder aller beschriebenen Formen in
vergrösserlen Abbildungen darstellen. Die neunte Tafel bringt aus-
während öl-s Jahres 1855. U85
serdem eine Reibe bemerkonswerlhcr Arten, die zclinte eine Auswahl
von Kaupen zur Anschauung.
The natural history of the Tineina. By H. Stainton, assi-
sted by Prof. Zeller and J. W. Douglas. Volume I. containing
ISopticula Part. I. Cemiostoma Part. I. London, Paris, Berlin 1855. 8.
338 pag. 8 tab. color. — Der Verf. beabsichtigt in dem vorliegenden
Werke eine Naturgeschichte der Familie der Tineiden zu liefern, die,
^enn sie in gleicher Weise wie der erste bis jetzt erschienene Band
fortgesetzt wird, in der That ihres Gleichen sucht. Sie ist nicht nur
in 4 Sprachen (Englisch, Französisch, Deutsch und Lateinisch) abge-
fasst, wodurch sie sich eine weite Verbreitung in der Entomologischen
Welt sichert, sondern auch mit reichhaltigen und eleganten Abbildun-
gen ausgestattet, welche das Erkennen und Bestimmen dieser winzi-
gen Thierchen sehr erleichtern. Der Verf. will übrigens keineswegs
ein systematisches Werk liefern , sondern es ist zunächst seine Ab-
sicht, die Kenntniss der Arten zu fördern , diese aber in ihrem gan-
zen Umfange ; er nimmt daher für's Erste nur solche Arten auf, de-
ren Naturgeschichte ihm durch alle Stadien vollständig bekannt ist
und erörtert bei jeder einzelnen ausführlich das Auffinden der Raupe
und des Schmetterlings, die Lebensweise der Raupe vom Ei bis zur
Verpuppung, die geographische Verbreitung, die Synonymi.e u. s. w.
Dass bei einer so umfassenden Behandlung des Stoffs das Werk ein
äusserst bändereiches werden muss, versteht sich von selbst, und es
ist kaum zu erwarten, dass es in der angebahnten Weise wird zu Ende
gebracht werden können. Der vorliegende erste Band enthält die
Beschreibung von nur 2-i Arten, nämlich 21 Kepticula und 3 Ce-
miostoma, welche auf 8 beigegebenen Tafeln sämmtlich in vergrös-
sertem Massstabe abgebildet sind; ausser dem vollkommenen Insekt
ist auch jedesmal die Raupe und deren Cocon so wie ein Blatt ihrer
Nahrungspflanze dargestellt, und zwar letzteres in dem Zustande, in
welchen es die Raupe durch die Art ihres Frasses versetzt. Gerade
bei den Blattmiuirern ist die ausserordentliche Mannigfaltigkeit in der
Anlage ihrer Gänge von besonderem Interesse und daher eine bild-
liche Darstellung in so naturgetreuer Weise, wie sie der Verf. giebt,
sehr dankenswerth.
Ilerrich-Schäffer (Systematische Bearbeitung der Schmet-
terlinge von Europa, Bd. Vj trennt von den Tineiden, wie sie bisher
aufgefasst wurden, zwei kleine Gruppen als stlbstsländige Familien
ab, nämlich: 1) die Canephoriden, welche die Gattungen Fumea llaw.
und Epiclinopleryx llübn., und anhangsweise noch die Gattung Ly-
pusa Zell, umfassen; dieselben sind von Zell er, und gewiss sehr
richtig, den Psychiden zugetheilt worden , werden aber von Her-
rich-Schaff er, trotzdem dass er sich in der Einleitung mit dieser
Stellung einverstanden erklärt , noch unmittelbar neben den Tineen
286 Gerstaecker: Bericht üb. d. Leistungen in d. Entomologie
abgehandelt. 2) Die Micropterygiden mit der einzigen Gattung Mi-
cropteryx, welche der Verf. nach der Uebereinstimmung in der Flü-
gelrippen- und Fühlerbildung als ein Analogen von Hepialus be-
trachtet und an das Ende der ganzen Ordnung , hinter die Pteropho-
riden stellt. — Unter den so abgegränzten Tineiden im engeren Sinne
werden nach dem Flügelgeäder drei Hauptgruppen aufgestellt: Bei
der ersten finden sich in Vorder- und Hinterflügeln eine eingescho-
bene Zelle, die den beiden übrigen fehlt (wenigstens stets im Hinter-
flügel); die zweite ist nur negativ charakterisirt , indem sie Arten
mit breiten, an der Spitze abgerundeten Hinterflügeln enthält , denen
in Vorder- und Hinterflügeln die eingeschobene Zelle fehlt (Hypo-
nomeutiden und Hypsolophiden) ; bei der dritten ist die erste Rippe
der Yorderflügel an der Wurzel nicht gegabelt. Von den Gattungen
der ersten Gruppe, welche Zell er als Tineacea plicipalpia verei-
nigt, schliesst H er r i c h - S c hä f f e r die Gattung Euplocamus aus,
da ihr die jenen eigene Palpenbildung abgeht, und theilt sie der
zweiten Abtheilung, wo die Palpen rudimendär sind oder fehlen, zu.
Einige andere von Zell er seinen Tineaceen (der ersten Gruppe
Herrich-Schäffer's im Grossen entsprechend) zuertheilte Gattungen
werden von letzterem zu der zweiten Gruppe gebracht.
Zell er setzte seine Arbeiten über diese Familie mit einer
sorgfältigen Beschreibung der Arten der Gattung Butalis fort (Lin-
naea entomologica X. p. 169 — 269). Der Verf. nimmt die Gattung
Butalis in der Ausdehnung an, wie sie von Stainton (Insecta Bri-
tannica) festgestellt worden ist, schliesst dagegen mehrere von Lie-
nig. Boyer, Heine mann, Herrich-Sch äffer und Leder er
dorthin gebrachte Arten, die er einzeln namhaft macht, davon aus.
Die in der vorliegenden Arbeit beschriebenen Arten, welche sich
auf 49 belaufen, zerfallen in zwei sehr ungleiche Gruppen; bei der
ersten (mit 47 Arten) sind die Hintcrflügel fein zugespitzt und lang-
franzig, bei der zweiten (mit nur 2 Arten) an der Spitze leicht ab-
gerundet. Von den Arten der ersten Gruppe haben 29 Arten ein-
farbige, höchstens an der Spitze satter gefärbte Vorderflügel, die
übrigen hell oder dunkel gefleckte; nach der verschiedenen Anlage
dieser Flecken und nach der Homonomität oder Heteronomität ihrer
ßeschuppung errichtet der Verf. wieder drei Unterabtheilungen mit
resp. 10, 6 und 2 Arten. Für die Feststellung der einzelnen Arten
hat der Verf. hier zuerst besonderes Gewicht auf die Färbung und
Form des männlichen Afterbüschels gelegt.
Derselbe gab (ebenda p. 145 — 168) einen Kachtrag zu seiner
im vorigen Bande derselben Zeitschrift gelieferten Uebersicht der
Cryptolechia - Arten ; derselbe besteht in der ausführlichen Beschrei-
bung von 13 neuen, im hiesigen Museum befindlichen exotischen Ar-
ten dieser Gattung, welche aus Alexiko , Columbien , Brasilien und
k
während des Jahres 1855. 287
Neu-IIolland slammcn ; ausserdem sind noch Zusätze zu einigen schon
früher beschriebenen gegeben.
An einzelnen neuen Arten wurden ferner beschrieben :
Plulella cxcisella vom Altai, Crambus tessellus , desertcUiis^ Ane^
raslia ichorella\ flJyelois bißcTella und contexella , Ilapslfera (?) par~.
celh, Anchinia sparcHa und larcjella, Oecophora temperatella , Bulalis
inclnsella und desidella, Apilelria luella , Depressaria comitella und
thoracica, Choreutis lascivalis und Elachisla sumptuosella aus Beirut,
Mxjelois pumicosa aus Diarbekir, von Leder er (Verhandl. d. zoolog.-
bolan. Ver. zu Wien V. p.96, 177 ff. , nebst Abbildungen).
Mijelois afßatella, Nemolois chalcochrysellus, Anchinia cyrniella^
Oecophora lacandulae und qiiadrifariella, Depressaria allricornella und
selaginella, Roeslerslammia fumociliella, Eglanteriella und Lithocolletis
endryella aus Corsica, von Mann (ebenda p. 529 ff.).
Gelechia viscariella , Elachisla poae und Gregsoni , Lithocolletis
vasciniella , Neplicula Weaveri und prunetorum aus England , von
Stainton (Entomol. Ann p. 43 ff.).
Derselbe gab (Annales de la soc. entomol. III. Taf. 11) eine
Abbildung der Elachisla Treitschkiella nebst ihrer Raupe und eines von
letzterer minirten Blattes.
Derselbe lieferte unter dem Titel: „Entomological botany with
moro especial reference to the plants frequented by the Tineina^' (Zoo-
logist for 1854 — 55) eine Aufzählung derjenigen Pflanzen, welche
den Raupen der Schmetterlinge und insbesondere denen der Tineen
zur Nahrung dienen ; die der letzteren sind bei jeder Pflanze nam-
haft gemacht und zugleich über die Art ihres Frasses und ihrer Le-
bensweise Nachricht gegeben.
Die Naturgeschichte der Coleophora serenella F. R. wurde von
Heeger (Sitzungsberichte der Wiener Akad. d. Wissensch. XVIII.
p. 39 IT.) bekannt gemacht. Die Raupe minirt die Blätter von Colutea
arborescens und hat zwei Generationen im Jahre.
Kollar berichtete (Sitzungsberichte d. zoolog.-botan. Ver. zu
Wien V. p, 111), dass Gelechia pyrophagella, welche bisher nur als
dem Getreide schädlich bekannt war, auch den Mais verwüste.
Die in Schlesien vorkommenden Gracilaria - Arten, 16 an Zahl,
wurden von Wocke (33ster Jahresbericht der Schlesisch. Gesellsch.
f. vaterl. Cultur p. 124) aufgezählt.
Pter€»p]i<»ridae« Drei neue Arten aus Corsica sind : Ple*
rophorus giganteus , semiodaclylus und iclerodactylus Mann (Verhandl,
•d. zoolog.-botan. Vereins zu Wien V. p. 529 (f.).
288 Gerstaecker: Bericht üb. d. Leistungen in d. Entomologie
Hetniptera.
Slal hat seine Bearbeitung der von Wahlberg im
Kaffernlande gesamniellen Hemipteren mit Bekanntmachung
der Arten durch Diagnosen in der Öfversigt af Kongl. Ve-
tensk. Akad. Förhandl. p. 27—46 und p. 89—100 fortgesetzt.
Es sind daselbst die Familien der Heleropteren von den Co-
reoden an und die der Homopteren bis zu den Cicadellinen
abgehandelt.
Derselbe beschrieb (ebenda p. 181 — 192) eine grössere
Anzahl neuer Hemipteren verschiedener Familien und aus
verschiedenen Ländern , welche wie die in der vorigen Ar-
beit enthaltenen an ihrem Orte einzeln angeführt werden.
Derselbe unternahm (ebenda p. 345 ff.) eine Deutung
sämmtlicher von Thunberg in seiner „Dissertatio novas
insectorum species sistens," ferner in der „Dissertatio de He-
mipleris roslratis Capensibus^^ und endlich in seinen „Insecto-
rum hemelytrorum tria genera" beschriebenen Hemipteren, in-
dem er die einzelnen Arten Iheils auf die älteren Autoren
zurücktuhrte, Iheils ihre Stellung in den neueren Gattungen
nach Ansicht der Original -Exemplare nachwies. Die von
Thunberg beschriebenen Arten belaufen sich auf 42.
Eine grössere Arbeit, welche die Kenntniss der einhei-
mischen Rhynchoten wesentlich fördert, hat Kir s chbau m
unter dem Titel: „Rhynchotographische Beiträge, 1. Die Capsi-
nen der Gegend von Wiesbaden" in den Jahrbüchern des
Vereins für Naturkunde im Herzogthum Nassau, X.Heft (Wies-
baden 1855) p. 161—348 geliefert; dieselbe ist an ihrem
Orte näher berücksichtigt worden.
Descriplion de quelques Hemipteres homopteres nouveaux
ou peu connus, par E. Mulsant et C. Key (Annales de la
soc. Linneenne de Lyon 11. p. 196 — 249). — Die hier aus-
führlich beschriebenen Arten gehören den Famihen der Ful-
gorinen und Cicadellinen an und stammen sämmtlich aus dem
südlichen Frankreich ; auf mehrere derselben wurden zugleich
neue Gattungen begründet. Näheres bei den genannten Fa-
milien.
Pentatonaidae. Von Signoret wurde (Annales de la
soc. entomol. IIL p. (iO) eine neue Gattung aus der Gruppe Asopides
während des Jahres 1855. 289
aufgestellt, welche durch die lamellenarlige Erweiterung der seitli-
chen Kopllappen in näclister Verwandtschaft mit Macrorhaphis Dali,
und Thyllochirus Spin, steht. Von Phyliochirus unterscheidet sich
die neue Galtung Leptolobus dadurch , dass die beiden Kopflamellen
schräg aulgerichlct und ganz abgeplattet sind, einen freien, scharfen
Rand zeigen und mit einander eine Rinne bilden , die hinten breiter
ist als vorn. Die Augen treten weit hervor und scheinen fast ge-
stielt; der Bauchdorn ist kurz. Eine Art: L. Murnnji von Old-Ca-
labar. Abbildung derselben auf Taf. 7.
Eine Anzahl neuer ausländischer Arten machte Stal (a. a. 0.
p. I8l (1.) bekannt: Callidea coelestis von Madras, Pachycoris scurrilis
aus Mexiko , Brachypiatys Cingalensis von Taprobana , Coploso7na nU
gropunctalum aus Sierra Leona, Paramecocoris binolatus ebendaher,
gaslricus aus Ostindien, Aediuis circtimßexus unbek. Vaterl., JUacropy-
gium ßftvopustulatum und Antileucliiis lucluosus ebenso, rentaloma prin~
cipalis aus Mexiko, Halys aus China, Slrachia sculpUcollis aus Sierra
Leona, Eurysaspis Sigiiorelii vom Senegal, Edessa albidicornis und
capreola aus Brasilien, bos aus Honduras, Aceralodes ßavovirenSf albo-
marginalus und ßavomarginalus von Minas Geraes.
Derselbe gab (ebenda p. 389) eine nochmalige Beschreibung
von Cimex Stockerus Linn. , der auf Java, Malacca und im südlichen
China einheimisch ist, und stelUe seine sehr verwickelte Synonymie
fest. Die Art ist unter folgenden Kamen beschrieben worden: Von
Guerin als Scutellera dilatieoUis, von U a h n als Chrysocoris StoUii,
von Ger mar als Caliidea abdominalis, von Amyot und Serville
als Galostha Stockerus und von Dallas als Callidea dilaticollis.
ti^'ureodes. Neue Arten vom Kaffernlande, von Stal (a.
a. 0.) beschrieben, sind : Elasmogaster brunnescenSf ßliclis caslanicor-
nis, caffra, vidua, tomenlovirgala, griseosericanSf grallaloria, lugubritia,
nalalends und amicta mit innen erweiterten Hinterschienen und un-
bewaffnetem Thorax, furva, Bohemani und validipes mit beiderseits
eckig erweitertem Thorax, foliacipes mit beiderseits erweiterten Hinler-
schienen ; Physomerus lugens und granosus , Pelalocnemis pachycerus^
Parypkes hilarus, PliUonus nigroviltatus und Nalatensis, Serinellia moe~
sltty Uypselopus annulicornis und linearis, Alydus crassifemur und ßa^
voviltalusy Enlhelus leucostictus, leucopoecilus und sordidus, ?ieides via-
lacaipus, Hydara gracilicornis , Gonoceriis liluripennis und cafjfer, Cla~
vigralla viuricala, Natalensis, lomenticoUis und pilosicolliSf Corizus pi-
losicollis, Kalalensis, punclicornis und nigromaculalus und Acanlhocoris
denticulalus.
Derselbe charakterisirte (ebenda p. 183 ff.) folgende neue Ar-
ten verschiedener Länder: Spartocera coslicolUsy Crinocerus rubro-or~
nalus und lugens aus Brasilien, sublomenlosits unbek. Vaterl., Melapom.
dius tuctuostis aus Mexiko, bicoloripes aus Columbicn, Paryphes luni^
Archiv f. Naturgesch. XXII. Jahrg. 2. iid. Y
JiÖO Gerslaecker: Bericht üb. d. Leistungen in d. Entomologie
collis aus Brasilien, caesareus unbek. Valerl., amabilis von Minas Ge-
raes, Diaclor cincticollis unbek. Yaterl., Anisoscelis vexillalus aus Co-
lumbien , Microbasis (?) rufivenlris von Sierra Leona , Hypselonotus li-
ncalicoUis von Minas Geraes, Serinetha Sinae aus China, Discogaslev
Dreicsenii und Clavigralla pulchra aus Brasilien.
I^yg^aeodes. Neue Arten von Stal (ebenda p. 186) sind:
Physopelta bimaculala von Java, Largus marginicollis aus Brasilien und
morio aus Columbien,
Von demselben (ebenda) aus dem KalTernlande : Lygaens fecia-
lis , lemniscatus , delicalulus und villosuSj Rhyparochromus turgidifemur,
nigromaciilatns und co/fer mit trapezoidalem Thorax, dessen Vorderrand
breiter als der Kopf ist, marginipennis, umbrifer, patruelis, nigropiclus,
curvipes, crassifemur, apicatus, paganus und Natalensis mit schmale-
rem oder ebenso breitem Vorderrande des Thorax wie der Kopf;
Alraclophora fusifemur, Oxycaraenus Fieberi und albidipennis, Micropus
fusconervosus , brevicortiis , ochripes und linearis, Geocoris atnabilis,
Odonlopus nigrocruciatus, Fyrrhocoris nigriceps und pectoralis, Derma^
tinus limbifer und lartareuSf Dysdercus nigrofascialus.
Derselbe wies (ebenda p. 390) nach, dass Thunberg unter
den vier Varietäten seines Cimex Augur vier verschiedene Arten be-
schrieben habe; die var. a ist = Lygaeus (üdontopus) Coquebertii
Fab., die var. ß ist der eigentliche Dysdercus Augur Thunb. , die
var. y und 6 beschreibt Stal als neue Arten unter dem Kamen Dysd.
Thunbergi und thoracicus.
Haliday (Natural history rewiew VI. p. 61) gab eine Abbil-
dung und eine ausführliche Beschreibung von Cryptostemma alicna
Herr. -Seh. ; den schon vergebenen Gattungsnamen ändert er in Dipso-
coris nm. — H err i c h - S chä f f er und Meyer haben beide die
Ocellen bei der Gattung übersehen und letzterer bringt sie deshalb
mit Zweifel zu den Capsinen; Haliday glaubt, dass sie zu den Ly-
gaeoden gehöre und am meisten mit den Anthocorinen verwandt sei.
Capsini. Für die Artenkeuntniss dieser Familie in Betreff
der einheimischen Species ist die von Kirschbaum (a. a. 0.) un-
ternommene und mit grossem Fleisse ausgeführte Bearbeitung der in
der Gegend von Wiesbaden vorkommenden Capsinen von Wichtigkeit.
Der Verf. beginnt seine Arbeit mit einer Aufzählung der in der ge-
nannten Lokalität vorkommenden Species, deren Zahl sich im Ganzen
auf 154 beläuft; davon kommen 7 auf die Gattung Miris, 8 auf Lo-
pus, 7 auf Phytocoris, 1 auf Myrmecoris und 131 auf Capsus. Bei
jeder Art sind Bemerkungen über das Vorkommen, Häufigkeit, Fut-
terpflanzen, Zeit des Erscheinens u. s, w. beigefügt. Hierauf folgt
eine Schilderung der Familie im Allgemeinen, welche auf alle ein-
zelnen Körpertheile näher eingeht und bei diesen zugleich die syste-
matische Bedeutung ihrer Verschiedenheiten hervorhebt. Den bei wei-
während des Jahres 1855. 291
tem grössten Theil der Arbeit nimmt eine sehr ausführliche und sorg-
sam angefertigte analytische Tabelle der Gattungen und Arten ein. Was
die ersteren betriflt, so nimmt der Verf. nur die oben genannten fünf
an, wiewohl er zugiebt, dass eigentlich nur Miris und Phytocoris ge-
nügend abgeschlossen, dagegen Lopus und Capsus viele heterogene
Elemente enthalten, deren Sonderung jedoch grosse Schwierigkeiten
mit sich bringt. Zur leichteren Uebersicht und Bestimmung der sehr
zahlreichen Capsus-Arten werden innerhalb dieser Gattung fünf Ab-
theilungen gebildet , denen auch eigene Namen beigelegt sind. Bei
der ersten Abtheilung, welcher schon von Hahn (obwohl nicht in
derselben Ausdehnung) der Name Cyllecoris gegeben worden ist, er-
scheint der Vorderrücken lang und ist entweder durch eine deutliche
Querfurche getheilt oder mit zwei Höckern versehen ; er ist vorn
ohne ringförmigen Wulst. Bei den übrigen vier Abtheilungen ist der
Vorderrücken ohne Querfurche und ohne Wülste; mit schmalem, ring-
förmigen Wulst am Vorderrande ist er bei Deraeocoris Kirschbaum
(mit zwei Zellen in der Membran) und hei Morialocoris Dahlbom (mit
einer Zelle) ; ohne diesen Wulst bei Leptomerocoris und Eurymero-
coris Kirschbaum , erstere mit wenig verdickten und kaum breitge-
drückten, letztere mit besonders beim Weibchen sehr verdickten und
breilgedrückten Hinterschenkeln. In die analytischen Tabellen zur
Bestimmung der Arten sind ausser den bekannten auch eine Anzahl
neuer Species aufgenommen, die jedoch am Schiasse der Arbeit noch
ausserdem einer ausführlichen Beschreibung unterworfen werden;
dieselben sind: Lopus nasulus, Phytocoris dimidiatus , pini und minor,
Capsus fCyllecorisJ quadriguUatus , (Deraeocoris) medius und lucidus,
fLeptomerocorisJ confususj cinnamopleruSf fuscescens, slriolüy viridiner-
viSf striicornis, diaphanus , ßavinervis und leplocerus, fEurymerocorisJ
sordidus, ochroleucus , concolor , chloropterus, oculatus , sulcicornis, ob~
scurus, quercus, simillimus, belulae, diminutus, albicinclusy Salicis, fulvi-
penitis und atropurpureuSr Ueber mehreren der bereits bekannten Ar-
ter werden am Schlüsse der Tabelle noch nähere Bemerkungen, die
Synonymie betreffend, gegeben und die ganze Arbeit mit einem alpha-
betischen Register beschlossen.
Neue Arten von Stal aus dem Kaffernlande (a. a. 0.) sind :
Sphinctolhorax leucophaeus, Phytocoris hotlentotlus, Capsus slraminico-
lor, obscuricornis, incomparabilis , ostentans und histricus. — Aus an-
deren Ländern (ebenda p. 186f.): Resthenia dimidiorufa aus Brasilien,
Capsus vitripennis und sobrinus von Java , maculiceps und nitens aus
Südfrankreich, thoracalus von Java, Miris Hedenbor gi von Rhodus.
jUemliritiiacei. Tropidocheila morio Stal ist eine neue Art
aus Brasilien (a. a. 0. p. 187), Zos7nenus dilutus, Phyllontocheila V/ahl-
bergii und alaticolliSf Tropidochela ornalella, Physatocheila Natalerisis,
!l9i Gerstaecker: ßericht üb. d. Leistungen in d. Entomologie
Elasmognathus Fieberi , Brctchyrrliynchus caffer und Acanlhia villosa
desselben neue Arten aus dem Kaffernlande (ebenda).
Rediivini. Stal stellte (a. a. 0. p. 187 ff.) eine neue Gat-
tung Haematochares auf; der Kopf ist länglich mit ziemlich kurzem
Halse, die Fühler kürzer als der Körper, gleich dick, fünfgliedrig,
das erste Glied sehr kurz, die Spitze des Kopfes nicht überragend,
das zweite von Kopflänge, das dritte mehr als um die Hälfte kürzer
als das zweite, das vierte mehr als dreimal so lang als das dritte;
der Thorax vorn um die Hälfte schmaler als hinten , unbewehrt, in
der Mitte leicht zusammengeschnürt, die Hinterwinkel gerundet; das
Schildchen unbewehrt, die Vorderschenkel etwas dicker als die übri-
gen, die Tarsen dünn. Eine Art: H. obscuripenjiis von Sierra Leona,
— Ausserdem beschrieb derselbe folgende neue Arten : Hasahus fla~
vipes aus Brasilien, Pirates alrox von Java, Acanihaspis ßavipes von
Tranquebar , bimaculata von Java, ornala aus Ostindien (?;, ochropus
Minas Gcraes , crudelis von Sierra Leona , Reduvius pallidus aus Süd-
Russland , llioracicus von Rhodus, dorsalis aus Nubien, anmdalus und
Physorhijnchus crudelis von Sierra Leona, lanws von Java, Äpiomerus
lanius von Älinas Geraes, flatipennis aus Columbien, Pristesanclius Af-
zelii von Sierra Leona, Harpaclor armipes von Taprobana, Uedetiborgi
von Rhodus , Euagoras trimaculicollis und nigricornis aus Brasilien,
trux von Sierra Leona, Isocondylus fuscipes aus Mexiko, Zelus albo-
annulatus aus Columbien.
Eine fernere neue Gattung desselben, auf eine neue Art vom
Kaffernlande gegründet , ist Oncylocolus Stal (a. a. 0.) ; der Kopf ist
vor den Augen kegelförmig hervorgezogen, in der Nähe derselben
blasig aufgetrieben; die Augen selbst gross, hervorragend; die Füh-
ler kaum länger als Kopf und Thorax zusammengenommen, dick, das
erste Glied sehr klein, die Spitze des Kopfes nicht überragend, die
übrigen unter sich gleich lang ; der Rüssel um ein Pritltheil kürzer
als der Kopf; der Thorax vorn schmaler, nahe der Mitte zusammen-
geschnürt; die Deckflügel von Hinterleibslänge, ohne Membran ; die
Beine mittelmässig, die Vorderschenkel verdickt, die Vorderschienen
gegen die Spitze allmälig erweitert, an der Spitze abgestutzt, die Vor-
dertarsen dicker und kürzer als die hinteren. Eine Art: 0. nasulus.
— Fernere neue Arten vom Kaffernlande sind: Pirales ochripes , tri^
feneslraluSf maurus, rubricosuSj Melastemma perpulchra, puerilisy Glym-
malophora submelallica , morio und rubripes, ^abis caffra, Acanihaspis
bicolorala , rubricosa, ochracea, obscura, cocnosa und quadrisignala^
Reduvius nigrofuscus , fuscofemoralus y flaroannulalus ^ Opinus ochripes,
Phonergales bicoloripes, Clopophora basilica, livibitenlris, Physorrhynchus
bigenwiis, palricius und Nalatettsis, Cleplria cinctivenlris und marginipen-
nis, Pantüleistes princeps , Harpaclor cinnabarinns , minialus y sobrinuSf
scenicus, nigripes^ sedulus, libialis, rapax, graviliSf lalro, patruelis, pu-~
wahrend des Jahres 1855. 293
lertiluSf dimidialus , cnffer , Natalensis , venans ^ fnscivenlris , tenustus,
tristis^ carbonarius , 'piillus , ochripes, albopuuctalus und nanus, Harpa-
gocoris nigronitens, Vhonoclonns nigrofascialusy Arilus pilipes und atrox,
Spharjiastes horrißnts, Lapkycles pnllidus, 7,aica Wahlbcrgii, Oncocepha-
lus nnmdtpes^ cancellatus und sordidus , Stenopodn coffra und capensis,
Tribelocephala boschjesmana , Rhapidosoma nmbulalor , carinalum , cir-
cumtagans, Lopodijtes grassalor^ Emesa Wahlbergii und gracUis.
Remarks on two species of American Cimex, by J. Le Co nie
(Proceed. of the acad. of natur. scienc. of Philadelphia VII. p. 404)
enthalten die Beschreibung zweier neuen Arten : Reduvius pungens^
dem Europäischen R. personatus sehr ähnlich, und Conorrhinus san»
guisugn, beide aus Georgien.
BPIoteres. Hijdromelra ambulator , Tcnagogomis alboviUnttts
und Velia albidotincta Stal (a. a. 0.) sind neue Arten vom Kaffern-
landt", Plilomcra Cingnlenns desselben eine neue Art von Taprobana.
Cwals-ulini. Mononyx limigenus (?) und Pelegonus caffer Stal
sind neue Arten vom KalTernlande (a. a. ü.).
IVepiiii. Memoire sur une nouvelle espece de Belostoma (B.
algcriense) et reflexions sur ce genre d'Memipleres aquatiques, par
M. Leon Dufour. (Memoires de la societe royale des sciences de
Liege, TomeX. p. 186— 198. PI. 1.) Was zunächst die Art betrifft,
welche der Verf. hier unter dem Namen Belostoma algericnse be-
schreibt und abbildet , und die sich von den übrigen Arten der Gat-
tung auffällig durch doppelte Klauen an den Vordertarsen unterschei-
det, so ist dieselbe nicht neu, sondern schon vonSpinola in seiner
Tavola sinottica degli insecti etc. (1850) unter dem Namen Hydrocy-
rius Colombiae und kürzlich auch von Stal als llyotrephes herculeus
beschrieben worden. Das Insekt, welches wegen seiner bedeutenden
Grösse und seiner scharf ausgeprägten Charaktere nicht leicht zu
verkennen ist, hat gerade wie die Belostomen eine kosmopolitische
Verbreitung, indem Spinola es aus Columbien, Stal aus Süd-Afrika,
das hiesige Museum vom Senegal erhielt ; und sowohl dieses Moment
als die ungemeine Aehnlichkeit mit Belostomum könnte zu der Ver-
muthung Anlass geben , dass die zwischen beiden bestehenden Un-
terschiede nur sexueller Natur sind. — Was den weiteren Inhalt
der Dufour'schen Abhandlung betrifft, so giebt der Verf. eine ins
Einzelne gehende Darstellung des Belostomen-Körpers und zwar mit
besonderer Berücksichtigung der Unterschiede, die zwischen seinem
B. algeriense und IJ. indicum Am. Serv. existiren. Solche finden sich
u. a. auch in der Fühlerbildung; bei beiden Arten senden das zweite
und dritte Fühlerglied einen langen, sichelförmig gekrümmten Ast aus;
das vierte ist bei B. algericnse länglich, ebenfalls sichelförmig, aber
ungetheilt, bei H. indicum dagegen an der Spitze gespalten und nahe
der Basis ebenfalls mit einem gebogenen Ast? versehen. Hiermit im
294 Gerstaecker: Bericht üb. d. Leistungen in d. Entomologie
Zusammenhange scheint die verschiedene Form der Fühlergrube zu
stehen ; sie ragt in beiden Fällen von unten her tief in das Innere
des Auges hinein , ist aber bei B. algeriense trichterförmig, bei B.
indicum kuglig. — Ein recht auffallender Unterschied zwischen B,
algeriense und indicum soll nach Dufour ferner darin bestehen,
dass sich bei ersterem an der Bauchfläche des Abdomens jederseits
fünf Stigmata finden, welche bei letzterem fehlen. (Diese Angabe ist
unrichtig: die Stigmata sind auch beiß, indicum vorhanden, aber frei-
lich mehr verborgen als bei B. algeriense ; sie liegen weiter nach
aussen gerückt, unmittelbar unter dem Rande der mittleren Bauch-
platten, da wo diese an den behaarten Seitenstreif anstossen.) Sowohl
die Form dieser Stigmata als die Struktur der beiden Endlamellen des
Abdomen, welche hier keine Beziehung zur Respiration zu haben
scheinen, unterwirft der Verf. einer ausführlichen Beschreibung. —
Auf der beigefügten Tafel ist eine Abbildung des genannten Insekts
so wie mehrerer einzelner Theile desselben gegeben.
Stal beschrieb (a. a. 0.) als neue Arten vom Kaffernlande :
Naucoris limicola^ Diplonychus coenosus und Ilyotrephes herculeus ',
letztere Art ist, wie schon oben erwähnt, mit Hydrocyrius Colombiae
Spinola identisch. — Ferner: Zaitha lularia unbekannten Vaterlands.
]Votonec;tici. Neue Arten von Stal aus dem Kaffernlande
sind: Anisops Nalalensis , perptdcher , apicalis ^ Notonecla sobria und
Ploa puUula; eine neue Art aus Keu-Holland ist: Nolonecta australis.
Stridulantia. Bei der grossen Veränderlichkeit sowohl in
Farbe als Zeichnung, welcher die einzelnen Cicaden-Arten unterwor-
fen sind, war es ein dankenswerthes Unternehmen von Hagen, die
Europäischen Singcicaden einer kritischen Bearbeitung zu unterwer-
fen ; dieselbe ist in ihrem ersten Theile in der Entoni. Zeit. S. 340 ff.
enthalten. Der Vergleich eines sehr beträchtlichen Materials, worun-
ter zugleich zahlreiche typische Exemplare, die ausgedehnte Lite-
raturkenntniss und die musterhafte Untersuchungsweise des Verf. bie-
ten hinreichende Bürgschaft für die Vorzüglichkeit der Arbeit, wel-
che den ihr zu Grunde liegenden Stoff nach allen Seiten hin in er-
schöpfender Weise behandelt. Bei der ünzuverlässigkeit der Farbe
und Zeichnung zur sicheren Unterscheidung der Arten hat der Verf.
es sich angelegen sein lassen, sein Augenmerk auf das Auffinden von
Form -Unterschieden zu richten und es ist ihm gelungen, solche im
Geäder der Oberflügel, in der Form des Prothorax- Randes, in der
Form und Grösse der Stimmdeckel beim Iklännchen, in den letzten
Bauchsegmenten des Männchens, endlich in der Form und Stellung
der männlichen Geschlechtsorgane festzustellen. In Betreff des Flü-
gelgeäders, so ist es besonders die Basalzelle der Oberflügel, welche
leicht fassliche Unterschiede darbietet und zur Abtrennung von Grup-
pen vortheilhaft angewendet werden kann, Sie ist bald oblong (C.
während des Jahres 1855. 295
tibialis, haematodes) , bald kaum länger als breit (C. orni) , bald fast
quadratisch (C. plebeja). Hiernach und zugleich mit Berücksichtigung
des Ursprungs der beiden Sektoren stellt der Verf. fünf Gruppen un-
ter den Europäischen Singcicaden auf. Die übrigen Merkmale sind
besonders zur Sonderung und Feststellung der einzelnen Arten von
Belang, deren Synonymie, geographische "Verbreitung, Lebensweise
u. s. w. vom Verf. ausführlich behandelt werden. In dem bis jetzt vor-
liegenden Theil der Arbeit sind von Arten nur C. haematodes Scop.,
tomentosa Oliv, und plebeja Scop. abgehandelt; über die Fortsetzung,
die im folgenden Jahrgange der Entom. Zeit, enthalten ist, wird der
nächste Bericht melden.
Von Stal (a. a. 0. p. 89 ff.) wurden folgende neue Arten vom
Kaffernlande beschrieben: Platypletira Wahlbergii , Orypleura sobrina
und pairuelis , Cicada Cereris , fusconervosa , pulckclla, abdominalis,
nigricansy lucluosa, longula und elongala.
Desor, Sur l'apparition reguliere des cigales en Amerique
(Bulletin de la soc. des scienc. natur. de Neufchatel III. p. 68). Der
Verf. bestätigt in dieser kleinen Notiz abermals die Angabe Linncs,
wonach die Nord -Amerikanische Cicada septemdecim immer nur in
Zeiträumen von 17 zu 17 Jahren erscheint. Diese Periode soll so genau
eingehalten w^erden, dass alle Zeitungen das Auftreten der Cicade schon
im Voraus verkündigen. Dennoch erscheinen sie in demselben Jahre
nicht an allen Orten , denn im J. 1845 traten sie im Nord-Osten des
Staates New-York, 1849 im Norden desselben, 1850 in New-Yersey
und im Nord - Osten Pensylvanien's , 1851 in Slittel- und Süd-Pen-
sylvanien, Maryland, Georgien und Virginien auf. — Dieser Wech-
sel der Lokalität mag wohl bei fortgesetzten Beobachtungen näheren
Aufschluss über das periodenweise Erscheinen der genannten Art
geben, denn mit Desor anzunehmen, die Larve lebe 17 Jahre lang,
wäre w^ohl mehr als gewagt.
F'ulg^orellae. Mehrere neue südfranzösische Arten wurden
von Mulsant und Key (Annales de la soc. Linneenne de Lyon II.
p. 197 ff.) beschrieben; zwei derselben bilden neue Gattungen: l)
Conosimus n. g. zur Gruppe Issides Am. Serv. gehörig; «Körper läng-
lich eiförmig, Scheitel leicht quer, vorn stumpf eckig, Stirn länglich,
dreikielig, Augen gerundet, nicht ausgerandet, Ocellen nicht sichtbar,
Deckflügel an den Seiten leicht bucklig, Hinterflügel fehlen, Beine
kurz, fein stachlig." Art: C. caelalus von Hyeres. — 2) Pellonolus
n. g. aus derselben Gruppe; „Körper dick, fast cylindrisch, Scheitel
quer, vorn abgestutzt, Stirn breit, dreikielig, Augen quer eiförmig,
Ocellen nicht sichtbar, Prothorax vorn schildförmig erweitert, Schild-
chen sehr gross, von der Breite des Thorax, Deckflügel abgekürzt,
dreikielig, fast gleich breit, Hinterflügel fehlen, Beine kurz, fein
stachlig." Art: F. raniformis aus den Basses -Alpes. — Die neuen
296 Gerslaecker: Bericht üb. d. Leistungen in d. Entomologie
Arten sind : Dictyophora multirelicuJala von Lyon, Delphax tuberipen^
nis von Kimes, Hysleropterntn maculifrons aus der Provence , TelligO"
melra sulphurea von Kimes und impressifrons von Languedoc.
"Von Stal wurden (a. a. 0.) folgende neue Arten aus dem
Kaffernlande beschrieben : Hypselometopum sutnptuosum, Simolettix Wahl-
bergii, Vseudophana vinula , caffra , apicemaculala , Natalensis , casta^
Cereris , Strongyhdemas circularis , Cixius selinervis , alhipennis und
variegalus mit dreiriefigem Thorax, hotlenlollus , F^alalefisis , caffer^
fasciolalus, fuscipennis , moestns mit fünfriefigem Thorax, Emholophora
monoceros, Delphax villicollis und lugens, Rhinoteltix fuscipennis. Am-
hlycotis lalicepSf Hapalomelus flavipes , Jropidocephala (laviceps. Derbe.
Wablbergii , nalalicola und lanius, Issus compressus , Colobesthes WaU
heri, belliilus, Acrometopon costalipennc , Phaloenomorpha mira, Rica-
nia zonata , lugens, Cystingocephala marginelineala und Tettigomelra
patruelis.
Ferner von demselben (a. a. 0.) aus verschiedenen Ländern:
Aphana resima aus Ostindien , Poeocera semipellucida , rubriceps und
sepulchralis aus Brasilien, Poeciloptera sobrina von Sierra Leona , ar-
giolus unbek. Vaterl. , Derbe albicans aus Brasilien ; furcatovillata von
Java, Hemisphaerius Schaumi von Taprobana, und Eurybrachys rußten-
Iris aus Keu-HoUand.
Signoret characterisirte (Bulletin de la soc. entomol. IlL p. V)
eine neue Art der Gattung Phrictus aus Venezuela unter dem Namen
Phr. ocellatus , dem Phr. diadema Linn. ähnlich , aber durch abwei-
chende Dornen des KopfTortsatzes unterschieden ; ferner Lystra hypoleuca
n. sp. ebenfalls aus Venezuela, mit L. auricoma Burm. nahe verwandt.
Murchison wies (Proceedings of the Linnean society 1855.
p. 379 ff.) in einem Aufsatze : „Kotes on the white secretion of the
Flata limbata and on its relation to the Insect-VVhite-Wax of China«
nach, dass die im Handel unter dem Namen „Weisses China- Wachs"
verbreitete Substanz wirklich das Produkt von Flata limbata sei und
nicht, wieUanbury behauptet, von Coccus Pela und sinensis Westw.
erzeugt werde. Die Häufigkeit der Flata in China, so wie die Ue-
bereinstimmung der mikroskopischen Struktur der wachsartigen An-
hänge des Körpers mit dem China-Wachse stellt dies ausser Zweifel.
Ifffembracina. Neue Arten von Stal (a. a. 0.) sind: Cen~
trotus validicornis , bilinealus, spinicornis und quadripunctalus aus dem
Kaffernlande.
Cicadellina. Signoret hat seine schön ausgestattete „Ue-
vue iconographique des Tettigonides" in den Annales de la soc. entom.
de France T. IIL mit vier neuen Fortsetzungen (p. 49— 60, 225 — 240,
507—528 und 765—832) nunmehr beendigt. Es sind darin die vier
letzten vom Verf. angenommenen Gruppen der Gattung abgehandelt,
während des Jahres 1855. 297
nämlich die zweite Gruppe mit 47, die dritte mit 9, die vierte mit 5
und die fünfte mit 9 Arten. In einem Nachtrage beschreibt der Verf.
ausserdem 50 neue Arten, welche ihm nach Beginn seiner Arbeit aus
verschiedenen Sammlungen zugekommen und von denen die meisten
dem hiesigen iMuseum entlehnt sind; 17 Arten früherer Autoren, die
ihm aus eigener Anschauung nicht bekannt sind, werden schliesslich
noch namhaft gemacht, so dass sich die Zahl der bis jetzt bekannten
Tetligonia-Arten im Ganzen auf 396 stellt. Es wäre nicht ohne In-
teresse gewesen, die geographische Vertheilung der Arten auseinan-
derzusetzen, um zu zeigen, wie unendlich reich Süd-Amerika gegen
alle übrigen Länder damit versehen ist. — Die in dem vorliegenden
Theile der Arbeit enthaltenen Arten sind wie früher sämmtlich auf 5
sorgsam ausgeführten Tafeln dargestellt. Ein sich über alle Arten
der Gattung erstreckendes Namens - Register erleichtert das Auffinden
derselben in den verschiedenen Bänden der Annales , indem es zu-
gleich auch auf die dazugehörigen Abbildungen verweist.
Von Mulsant und Hey wurden (Annales de la soc Linneenne
de Lyon IL p. 213 ff.) neben mehreren neuen südfranzösischen Arten
auch drei neue Gattungen dieser Familie charakterisirt: 1) Chias-
mus n. g. „Körper länglich, Scheitel dreieckig, Stirn länglich, fast
gleich breit, Augen gross, quer, Ocellen deutlich, Prothorax kurz,
quer, Schildchen dreieckig, Deckflügel an der Spitze ausgebuchtet,
sich kreuzend, Beine verlängert, gedornt." Art: Ch. Iranslucidus von
Marseille. — 2) Stegelytra n. g. „Körper dick , hinten zusammenge-
drückt, Kopf stumpf dreieckig, Scheitel ausgehöhlt, Stirn verlängert,
fast gleichbreit, Augen gross, hinten über die Scheibe des Thorax
verlängert, Ocellen deutlich, nach vorn gerückt, Prothorax kurz, quer,
Schildchen gross, dreieckig, Deckflügel nach hinten ansteigend mit
erhabener Naht, Beine verlängert, stachlig." Art: St. aliiceps aus
der Provence. — - 3) Vroceps n. g, „Körper verlängert, fast linear, Kopf
verlängert, sehr spitz dreieckig, Stirn verlängert, an der Spitze leicht
verschmälert, Augen gross, fast eiförmig, quer, Prolhorax kurz, quer.
Schildchen dreieckig, Deckflügel verlängert, hinten sich ein wenig
kreuzend und nach aussen umgeschlagen, Beine verlängert, stachlig."
Art: Fr, acicitluris von Hyeres. (Die charakteristischen Formen des
Kopfes dieser Gattungen sind auf einer beifolgenden Tafel abgebildet.)
— Die neuen Arten sind: Plyelus nolalus aus der Provence, Bijlho-
scopus ustidalus von Lyon, oculnris von Hyeres, sinualus von Marseille,
Jassus cyclops aus der Provence, haemaloceps (! !) von Hyeres, didy-
mus von Bresse, Alhysanus quadrinolalns von Beaujolais , Dcltocepha-
Ins inediiis von Lyon, luteus aus den Basses Alpes, Typhlocyba luna-
ris , bisiynala und rorida von Hyeres, sligmatipennis , 7iivea und pim^.
clulum von Avignon.
Stal beschrieb (a. a. 0.) als neue Arten: Monecphöra posli-
298 Gerstaecker: Bericht üb. d. Leistungen in d. Entomologie
cata aus Brasilien, Tettigonia rubrotaeniata aus Honduras, cinctoviltata,
Drewsenii und sexpustulata von Minas Geraes , suturella von Manila
und Thamnotettix malaya von Malacca.
Ferner aus dem Kaffernlande : Rhinaulax lugens , Monecphora
fascicollis, rubida, poslica , funebris , rubella und vidua , Aphrophora
africana, Ptyelns Linnei, Fabricii, kottenlottus , hyalinipetmiSf acluosus^
Nrttalensis, umbrosus, latiusctilusj prolixus^ peragrans^ Tettigonia Signa-
retii und actuosa , Bokemania (neu eingeführter Name für den schon
vergebenen Euryprosopum Stal), sobrina und patruelis , Pentkimia vi-
nula und bella, Acocephalus punctiger^ vitticollis, misellus, blennus^ fu-
nebris, viduus, Selenocephatns decurtalus, Coelidia lineoligera , fttscova'
ria , Flalymetopi4S rubrolineatus , Dellocephalus flavovirescens ^ Jassus
rorulenlus, amoenus und dilectus , Alhysamis severus und capicola^ By-
thoscopus olivacescens und bimaculicoUis.
Psyllodes* M i n k machte (Entomol. Zeit. p. 370) eine
zweite Europäische Art der Gattung Livia aus der Umgegend Cre-
feld's unter dem Namen Livia Crefeldensis bekannt ; sie weicht von
L. juncorum auffallend in der Fühlerbildung ab. Die beiden ersten
Fühlerglieder sind nämlich nur wenig untereinander verschieden und
das zweite nur ein Dritttheil so lang als die acht folgenden zusam-
mengenommen. Die Art ist häufig an nassen Orten im Grase.
Heeger beschrieb (Sitzungsberichte d. Akad. d. Wissensch. zu
Wien XVni. p. 43ff.) die Naturgeschichte einer neuen Art: Psylla
succincta, welche nebst ihren Entwickelungsstadien auf Taf. 4 abge-
bildet ist; sie lebt auf Ruta graveolens.
jipliidina* Von C. L. Koch's „die Pflanzenläuse, Aphiden,
getreu nach dem Leben abgebildet und beschrieben" sind in diesem
Jahre drei neue Hefte (5. bis 7.) erschienen. In diesen werden die
Arten der Gattung Aphis, im Ganzen 72, zu Ende geführt und ausser-
dem folgende Gattungen abgehandelt: Siphonophora Herr. - Seh. mit
36 Arten, Drepanosiphum mit 4 Arten, Callipterus mit 11 Arten, Dryo-
bius mit 2 Arten und Lachnus mit 3 Arten. Wie in den früheren
Lieferungen sind sämmlliche beschriebene Arten recht naturgetreu ab-
gebildet.
Coccina« Heeger erläuterte (Sitzungsberichte der Akad.
d. Wissensch. zu Wien XVIII. p. 33 ff.) die Naturgeschichte und die
ersten Stände von Aleurodes Immaculata Steph., oder wenigstens von
einer Art, die er für diese zu halten geneigt ist, da sie auf Hedera
helix lebt. Sie ist mit Aleurodes chelidonii Latr. nahe verwandt,
unterscheidet sich aber im vollkommenen Insekt durch den Mangel
der grauen Makeln auf den Flügeln und im Larvenzustand durch zahl-
reiche kurze Dornen sowohl am Seitenrande als auf dem Rücken. Die
verschiedenen Entwickelungsstadien sind auf einer beifolgenden Tafel
abgebildet.
während des Jahres 1855. 299
8. ]9Iyriai»ofl<^ii.
lieber die Geschlechtsorgane und die Entvvickelung der
Myriapoden hat M. Fahre in einer Abhandlung: „Recherches
sur Tanatomie des organes reproducteurs et sur le develop-
pement des Myriapodes" (Annales des sciences nalurelles,
T. 111. p. 257— 3lö) werthvolle neue Unlersuchungen ange-
stellt und dadurch die früheren von Treviranus, Stein»
Gervais u. s. w. gemachten Beobachtungen zum Theil be-
stätigt und in mehrfacher Hinsicht erweitert.
In Betreff der weiblichen Geschlechtsorgane der Chilognathen bestä-
tigt der Verf. das Vorhandensein zweier Ovarien, wie sie von Stein,
Treviranus u. a. gefunden worden sind ; dassNewport und v. Sie-
bold nur ein einziges gefunden haben, rührt daher, dass sieden aller-
dings nur einfach vorhandenen Sack (Sac ovarique des Verf.), in welchem
die beiden Ovarien eingeschlossen sind, für letztere selbst angespro-
chen haben. Dass in der That zwei von einander getrennte Ovarien
existiren, lässt sich sehr deutlich bei Craspedosoma nachweisen, wo
jedes in einen einzelnen Sack eingeschlossen ist. Receptacula semi-
nis sind dem Verf. bei Craspedosoma zu zweien, bei Polyxenus zu
einem aufgestossen ; sie fehlen dagegen bei Glomeris, Julus, Poly-
desmus ; die beiden kleinen Drüsen, welche Stein bei Julus als sol-
che ansieht, haben nach F. eine andere Bedeutung. Die äussere Ge-
nitalöffnung , welche bei allen Chilognathen zwischen dem zweiten
und dritten Körperringe liegt, zeigt zwei Modifikationen ; bei Glomeris
und Polyxenus liegen die Vulvae frei und haben die Form einer
Warze, die dicht hinter der Wurzel des zweiten Fusspaares liegt; bei
Polydesmus, Julus und Craspedosoma liegen sie in einer Grube (Fos-
sette genitale) versteckt, so dass sie bei Zusammenziehung des Thie-
res ganz und gar zurücktreten, indem dann die beiden Lippen der
Grube hermetisch aneinanderschliessen. Im Grunde dieser Grube zei-
gen sich zwei gelbliche Körper von abgestutzt konischer Form, die
das Ihier aus- und einziehen kann ; in ihrem Innern verläuft ein
Gefäss, das bei Polydesmus die Form eines dünnen, gcschlängelten
Canals, bei Julus die einer Ampulle hat; die Bedeutung dieses Ge-
fässes ist dem Verf. unbekannt. — Die männlichen Chilognathen ha-
ben stets nur einen einzelnen sehr langgestreckten Hoden, der bei-
derseits mit gestielten Bläschen besetzt ist ; so ist es bei Glomeris,
wo von Stein irrthümlicher Weise zwei angegeben werden; bei
Polydesmus und Julus besteht er aus zwei seitlichen Strängen , die
durch kurze quere Canälchen verbunden werden, so dass gleichsam
das Bild einer Leiter hervorgerufen wird. Besonders zu erwähnen
ist auch, dass der Verf. bei Craspedosoma sehr bewegliche, capil-
300 Gerstaecker; Bericht üb. d. Leistungen in d. Entomologie
läre Spermatozoen beobachtet hat, während bei den übrigen Gattun-
gen bisher nur kurze, spindelförmige und bewegungslose gefunden
worden sind. Sehr interessant sind die Beobachtungen, welche der
Verf. über den Coitus bei Julus und Polydesmus angestellt hat ; es
war nämlich eine bisher unerklärte Erscheinung, dass die Ausfüh-
rungskanäle der Hoden in den zweiten Leibesring münden, während
die männlichen Copulalionsorgane am siebenten hervortreten. Das i^länn-
chen nähert nun, bevor es das Weibchen besteigt, durch Windungen
des Körpers sein siebentes Körpersegment dem zweiten und nimmt
mit den Copulationsorganen einen Tropfen Samenflüssigkeit, der aus
den OefTnungen des letzteren hervortritt, auf; sodann vollzieht es den
Coitus, indem es die Ruthen des siebenten Segmentes in die weibli-
chen Vulvae (am zweiten Segmente gelegen) einsenkt. Die Dauer
des Coitus beträgt eine Viertelstunde und zwar wird er sowohl von
Männchen als Weibchen zu wiederholten Malen mit anderen Indivi-
duen vollzogen. — Das Wachsthum und die allmähligcn Formverän-
derungen von Julus, Polydesmus, Polyxenus und Glomeris , wie sie
nach den verschiedenen Häutungen auftreten, hat der Verf. eben-
falls durch fleissige Beobachtungen verfolgt und die bisher noch be-
stehenden Lücken in der Kenntniss dieser Verhältnisse vollständig aus-
gefüllt; die Einzelnheiten hier anzuführen verbietet der Raum und
müssen wir deshalb den Leser auf die vom Verf. recht übersichtlich
in einer Tabelle zusammengestellte Zunahme der Beine und Körper-
segmente verweisen.
Bei den Chilopodcn ist im Gegensatze zu den Chilognathen das
Ovarium einfach, übrigens ebenfalls in einen Sack eingeschlossen;
die Beobachtung Dufour's, dass bei Lilhobius dieser „Sac ovarique«
innen durch eine Scheidewand getrennt sei und dadurch auch eine
Trennung in zwei seitliche Ovarien staltfinde, hat der Verf. nicht be-
stätigt gefunden. Der Ovariensack endigt hinten bei Lithobius und
Scutigera in zwei üviducte, die das Rectum einschliessen , bei Sco-
lopendra , Cryptops und Geophilus dagegen in einen einzigen. Ue-
berall finden sich zwei Receptacula seminis , aber nach den Gattun-
gen von verschiedener Form: nämlich keulenförmig und mit hakig
gekrümmtem Ende bei Scolopendra, birnförmig bei Cryptops, oval
oder sphärisch bei Geophilus. Von accessorischen Drüsen, die in den
unteren Theil des Ovidukts einmünden , sind bei Lilhobius und Scu-
tigera zwei Paare, bei den übrigen Chilopoden nur ein Paar vorban-
den. Dass sie nicht, wie Straus-Dürkheim behauptet, mit der
Urinsekretion zusammenhängen, geht daraus hervor, dass sich bei der
Probe auf Murexid, die der Verf. wiederholt angestellt hat, niemals
eine rolhe Färbung zu erkennen gab. F. glaubt, dass sie dazu die-
nen , um durch ihre Absonderung die Eier zu schützen und aneinan-
derzuhalten und besonders um den Zufluss des männlichen Samens
während des Jahres 1855. 301
zu befördern. (Weshalb Ondcn sie sich dann aber auch beim Männ-
chen ?) Ihre Form ist in der Uigtl länglich und aus vielen Läpp-
chen zusammengesetzt, sehr eigenlhüinlich bei Cryplops, wo sie zwei
lange feine Gelasse bilden, die an ihrer Innenseite eine grössere
Anzahl kleiner runder Bläschen, durch ziemlich grosse Zwischen-
räume getrennt, tragen. — Die ausführliche Darstellung , welche der
Verf. von dem Geschlechtsapparate der männlichen Chilopoden giebt,
enthält viele interssante Einzelnheiten , weicht aber im Ganzen nicht
wesentlich von den lieobachtungen der früheren Autoren ab; von
Interesse ist das Vorkommen sehr voluminöser Spermatophoren (3 mill.
bei Scolopendra, l mill. bei Geophilusj und die nach den Gattungen
verschiedenartigen Aufrollungen der noch unentwickelten Spermato-
zoon, welche aus den beigegebenen Abbildungen am Besten zu erse-
hen sind. In Bezug auf die Befruchtung der Chilopoden , die bisher
ganz im Dunkeln lag, ist die folgende Beobachtung des Verf. bemer-
kenswerth: er fand im September, zu welcher Zeit überhaupt die
Begattung sämmtlicher ölyriapoden stattzufinden scheint, in einem
Behällniss, worin er zahlreiche Geophilus-lndividuen beider Geschlech-
ter bewahrte, feine Netze in der Art von Spinngew^eben und in der
Mitte jedes dieser Netze ein weisses Kügelchen; die mikroskopische
Untersuchung wies dasselbe als ein Samentröpfchen mit zahlreichen
Spermatozoen nach. Da allen männlichen Chilopoden die Copulations-
organe fehlen, scheint die Befruchtung des Weibchens nur durch Auf-
nahme dieser Samenkügelchen zu erfolgen. Den Schluss dieses zwei-
ten Theils bilden wieder die Beobachtungen des Verf. über das Wachs-
thum der Chilopoden. — Die Arbeit ist mit 4 Tafeln ausgestattet,
welche eine Darstellung des Genitalapparates der verschiedenen Gat-
tungen enthalten.
Peters iiat die von ihm in Mossambique aufgefunde-
nen Myriapoden in den Silzungsberichten der Berliner Aka-
demie der Wissenschaften lb55. p. 75 — 8j> durch ausluhi liehe
Beschreibungen bekannt gemacht; unter den 14 aufgezählten
Arten hat sich nur eine (Heterostoma trigonopoila Leach) als
bereits bekannt ergeben, alle übrigen sind neu.
Aus der Familie der Chilognatha: Spiroslreptus gigas, semilu-
narisf ßavifiUs, slylij'er, ornalus, dimidialus , Spiruboius cra!,sicoUiSf lu~
cluosus, l'ulydesmus mossambicus und Slro7igijlusoma aculeatum.
Aus der Familie der Chilopoda: Scolopendra mossambica, Fly^
cholrema (neu aulgestellter Gattungsname für Branchioslouia Nevvp.)
afrum und Geophdus bilinealus.
Einige neue Arten aus der Uiugegend von Avignon hat auch
Fahre in seinem oben erwähnten Aufsalze (Annales des sciences
naturelles T. 111. p. 260 und 2öb) anhangsweise beschrieben.
302 Gersta ecker: Bericht üb. d. Leistungen in d. Entomologie
Es sind folgende : Julus aleninms, 40—50 mill. lang, mit 47 —
52 Körperringen, Geophilus ilicis (Männchen 80 mill. , mit 96 Fuss-
paaren, Weibchen 70 mill., mit 72 Fusspaaren) und Geophilus convoU
vens (Männchen 62 mill., mit 66 bis 68 Fusspaaren, Weibchen 70 mill.,
mit 75 — 86 Fusspaaren).
3. Cnistaceeu«
On Ihe homologies of the carapace and on Ihe struclure
and function of the antennae in Crustacea. By C. Spence
Bäte. (Annais and magaz. of natural history XVI. p. 36 ff.)
— Der Verf. bezieht sich in seinen Beobachtungen über den
Cephalolhorax und die Funktion der Fühler bei den Crusta-
ceen stets auf Milne Edwards, ohne die nach ihm er-
schienenen Arbeiten, z. B. die von Leuckart über die Ge-
hörorgane angestellten Beobachtungen , zu kennen und zu
berücksichtigen. Daher kommt es, dass seine Bemerkungen,
die an und für sich ganz richtig und das Ergebniss recht
sorgfälliger Untersuchungen sind , nichts wesentlich Neues
enthalten. Er weist z. B. nach, dass die sogenannte Sutura
cervicalis stets die Gränze zwischen dem dritten und vierten
Körperringe bildet, d. h. das untere Antennen-Segment von
dem Mandibularsegment trennt, und dass sie bei den Macrou-
ren auf der Oberfläche, bei den Brachyuren dagegen auf der
Unterseite des Cephalolhorax liege. Dass die inneren Fühler
dem Gehöre , die äusseren dem Gerüche dienen , weist er
hauptsächlich aus Wahrscheinlichkeilsgründen nach; in den
ersleren will er ein Analogon der Cochlea bei den höheren
Tbieren gefunden haben, welches jedoch aus harter, kalkar-
tiger Substanz besteht; das von Leuckart beobachtete häu-
tige Bläschen scheint ihm nicht aufgestossen zu sein. — Die
vom Verf. besprochenen Verhältnisse sind auf Taf. 1 und 2
durch eine Reihe von Abbildungen versinnlicht worden.
Dana hat die Resultate seiner Untersuchungen über
die geographische Verbreitung der Crustaceen, welche in der
United States exploring expedition ausführlich dargelegt sind,
auszugsweise in Silliman's American Journal of science and
arts. Vol. XIX. p. 6 und Vol. XX. p. 168 und 349 ff. mitzu-
theilen fortgefahren. Da Ref. im letzten Jahresberichte nur
einige Notizen über die Verbreitung der Decapoden wieder-
während des Jahres 1855. 303
geben konnte, mögen hier auch die niedrigeren Ordnungen,
welche in den vorliegenden Abschnitten behandelt sind, eine
kurze Berücksichtigung finden , zumal das ausführliche Werk
wegen seiner Kostspieligkeit und Seltenheit wohl Wenigen
zugänglich sein möchte. —Der Verf. verbreitet sich (a.a.O.
Vol. XIX) zunächst über die von ihm angenommenen Abthei-
lungen der Tetradecapoda und Entomostraca, d. h. über alle
Krebse, die nicht Podophthalmen sind, und betrachlet ihre
Vertheilung nach der geographischen Breite. Sodann (a. a.
0. Vol. XX) stellt er die Anzahl der Arten, wie sie sich auf
drei von ihm angenommene Verbreitungsbezirke vertheilen,
zusammen; diese Bezirke sind: 1) die Küsten und Meere
Amerika's; 2) die Küsten Europa'? und West-Afrika's von
Grönland bis zum Cap Hörn; und 3) die Küsten des Indi-
schen und stillen Oceans (mit Ausnahme der Küste Ame-
rika's). Endlich wird noch ein Vergleich der Cruslaceen-
Fauna verschiedener Lokalitäten angestellt und diejenigen
Arten, welche an mehreren Orten zugleich vorkommen, auf-
gezählt, hieran auch zugleich die Diskussion der Frage über
Wanderung oder gleichzeitige Entstehung an mehreren Punk-
ten der Erdoberfläche geschlossen.
Die Vertheilung der Isopodeu und Amphipoden nach der geo-
graphischen Breite steht im geraden Gegensatze zu derjenigen der
Decapoden; war bei letzteren ein Zunehmen der Arten gegen den
Aequator in starkem Grade bemerkbar, so zeigen sich die Hedrio-
phthalmen in weit grösserer Anzahl ausserhalb der Tropenzonen. Wimmt
man auch an, dass die nördlichen Meere auf diese meist kleineren
Thiere bei weitem sorgfältiger untersucht sind, so ist das Verhältniss
von 521 aussertropischen zu 146 tropischen Arten doch schon ein
sehr schlagendes für den Reichthum der kälteren Zonen, ßemer-
kenswerlh ist auch die Armuth an eigenthümlichen Gattungen in den
Tropen, indem z. B. von 49 Isopoden-Gattungen nur 19 den letzte-
ren und sogar nur 4 ihnen ausschliesslich zukommen; ebenso enthalten
von 50 Gammariden-Gattungen nur 17 zugleich tropische Arten und 9
derselben sind den Tropengegenden ausschliesslich eigen. Unter den
Isopoden sind die Idotaeiden die entschiedensten Kaltwasser -Bewoh-
ner, denn sie sind achtmal so stark in den aussertropischen Gegenden
vertreten; die Oniscoden dagegen nur siebenmal, die Cymothoadcn
sogar nur etwas mehr als doppelt so stark. Die Sphaeromier sind fast
durchweg auf das kalte Wasser, die Hyperiden dagegen zumeist auf
die Tropen beschränkt. Zugleich ist es für Isopoden und Amphipoden
304 Gerslaecker: Bericht üb. d. Leistungen in d. Entomologie
bezeichnend, dass die grossesten Alten nicht in den Tropen, sondern
mehr im Korden vorkommen und dass hier zugleicli die Individuen-
Anzahl in der Uegel eine viel beträchtlichere ist. Die Behauptung
des Verf., dass für den Worden eine stachlige Oberfläche der Körper-
bedeckung sowohl bei den Amphipoden als auch bei den Fodophthal-
men charakteristisch sei, muss Ref. bestreiten; die Palinuren, welche
unter den Macrouren die stachligsten sind, zeigen sich gerade als
recht eigentliche Tropenbewohner und unter den üxyrrhynchen sind
wohl ebenso viel, wenn nicht mehr recht stachlige Gattungen den
Aequatorialgegenden eigen. — In Betreff der Entomostraeeen lassen
sich bis jetzt noch so gut wie gar keine genügenden Ansichten über
ihre Verbreitung gewinnen, da ihr Vorkommen noch zu wenig er-
forscht ist; bei den Cyclopiden , welche Dana besonders stark be-
reichert hat, stellt sich ein entschiedenes Ueberwiegen der Arten in
der gemässigten Zone heraus ; es sind nämlich bis jetzt fast doppelt
so viel aussertropische Arten bekannt geworden. — Die Zusammen-
stellungen, welche der Verf. nach den drei oben erwähnten Verbrei-
lungsbezirken gemacht hat, verlieren dadurch wesentlich an Interesse,
dass diese Bezirke , welche aliein nach der geographischen Länge
festgestellt sind, jedes inneren Zusammenhanges entbehren; wenn es
auch für die Äleerbewohner im Ganzen schwerer hält, abgegränzte
Faunengebiete aufzustellen als dies bei den Landlhieren der ball ist,
so hätte doch die Annahme umschränkterer Bezirke jedenfalls eine
klarere Einsicht in die hier zu berücksichtigenden Verhältnisse ver-
schafft. In demselben Masse wie die Cruslaceen.- Fauna Ost- und
Süd-Afrikas eine deutliche Uebereinslimmung mit der des südlichen
Asiens zeigt, findet si:;h eine ebenso grosse Gleichförmigkeit zwischen
den Arten der einander zugewendeten Küsten Nord-Asiens und Kord-
Amerika's und ferner zwischen denen der Inselgruppen des stillen
Oceans mit den Küsten Süd-Amerika's; und gerade diese Bezirke sind
es, welche der Verf. künstlich getrennt hat.
Catalogue of Crustacea in the collcclion of the Biilish
Museum. Part. I. Leucosiadae , by Thomas Bell. London
1855. — Dieses 24 Seilen starke Heftchen ist nur ein kurzer
Auszug aus einer grösseren Arbeit desselben Verfassers,
welche in den Transaclions of the Linnean sociely, Vol. XXI.
p. 277—314, mit Taf. 30—34, erschienen ist und eine voll-
ständige Monographie der Gruppe der Leucosien liefert. Wah-
rend in letzlerer, die an ihrem Orte eine nähere Besprechung
erfahren wird, eine vollständige Beschreibung der einzelnen
Arten gegeben wird, enthält der Calalog des British Mu-
seums nur eine Aufzählung derselben mit Hinzulügung von
während des Jalires 1855. 305
lateinischen Diagnosen und der beireffenden Literatur; die im
Museum enthaltenen Arten sind, wie gewöhnlich, eigens be-
zeichnet. (Ausserdem finden sich die Diagnosen sämmlücher
Arten auch in den Proceed. of the Linnean society 1855.
p. 429 ff. und in den Annais of natural hislory 1856 ab^
gedruckt.)
Die Cruslaceen -Fauna der nördlichen Küsten Europa's
wurde durch Liljeborg und Lindslröm theils mit einer
Anzahl neu entdeckter Formen bereichert , theils durch ge-
nauere Feststellung schon anderwärts bekannt gemachter Ar-
ten näher erörtert. Der erstere hat (Öfversigt af Kongl. Ve-
tensk. Akad. Förhandl. 1855, p. 117 — 138. „Om Hafs-Cru-
staceer vid Kullaberg i Skäne") seine schon im Jahre 1852
veröffentlichte Crustaceen- Fauna von Kullaberg in Schweden
durch einen reichhaltigen Nachtrag vervollständigt , in wel-
chem besonders die Cumaceen unter den Decapoden, ferner
die Amphipoden, Isopoden und Parasiten Bereicherungen an
neuen Arten erhalten haben. — Letzterer hat (ebenda p. 49 ff.)
in einem „Bidrag tili kännedomen om Östersjöns inverlebrat-
launa" eine Reihe von Crustaceen aufgezählt , die an der
Schwedischen Küste der Ostsee von ihm beobachtet wurden,
und unter denen sich auch einige neue Amphipoden, die aus-
führlich beschrieben werden, vorfanden; für einige schon
bekannte Arten sind ausserdem synonymische Bemerkungen
und Berichtigungen beigebracht.
Zur näheren Kenntniss einiger an den Englischen Kü-
sten beobachteten Crustaceen lieferte Gosse in seinen „No-
tes on some new or little known marine animals" (Annais
and magazine of natural history XVL p. 30 und 307 ff.) einige
Beiträge. In denselben wird u. a. auch eine neue Art der
Gattung Cyamus beschrieben.
A CoUection of Documenls on Spitzbergen and Green-
land (London 1855) enthält in einem Anhange auch die bis
jetzt in Spitzbergen und Groenland beobachteten Thiere und
unter diesen auch die Crustaceen von A. White aufo-ezählt.
Die Zahl der letzteren beläult sich im Ganzen auf 36 Arten,
nämlich: 1 Lithodes , 1 Crangon, 1 Sabinea, 8 Hippolyte,
4 Calanus, 1 Cetochilus, 1 Talilrus, 1 Anonyx, 1 Lysianassa,
Archiv f. Naturgesch. XXU. Jahrg. 2. Bd, [J
306 Gerstaecker: Bericht üb. d. Leistungen in d. Entomologie
1 Acanthonotus , 5 Gammarus , 1 Leucothoe, 1 Metoecus,
1 Caprella, 1 Cyamus, 1 Arcturus, 1 Tanais, 1 Lernaeopoda,
1 Lernaea, 2 Nymphon und 1 Baianus.
Contributions towards a knowledge of the Marine In-
vertebrate Fauna of the coasts of Rhode Island and New-
Jersey, by J. Leidy, (Journal of Ihe acadeiny of natural
Sciences of Philadelphia III. Pt. 2. p. 135 — 152) enthalten unter
anderen auch eine Aufzählung der an den bezeichneten Lo-
kalitäten aufgefundenen Crustaceen, unter denen eine Art als
neu beschrieben wird.
Eine Anzahl Crustaceen aus den Ordnungen der Am-
phipoden, Laemodipoden und Isopoden wurde vonJ. Stiinp-
son in den Proceedings of the acadcmy of natur. scienc.
of Philadelphia VU. p. 375 ff. und 385 ff. durch kurze Beschrei-
bungen bekannt gemacht. — „Descriptions of some of the
new marine Invertebrala from the Chinese and Japanese Seas"
und „Descriptions of some new marine Invertebrata.** Die
im letzteren Aufsalze bekannt gemachten Arten stammen meist
vom Cap und von Australien.
Schmarda, zur Naturgeschichte Aegyptens, (Denk-
schriften der Kais. Akad. d. Wissensch. zu Wien VII. 2. p.l — 28)
theilt die Resullate seiner Untersuchungen über die mikro-
skopische Thierwelt Aegyptens mit und giebt auch eine üe-
bersicht der daselbst beobachteten niederen Crustaceenfor-
men. Ausser einigen neuen hier beschriebenen Daphnoiden
sind Cyclops vulgaris , Cypris fusca und pubera und in den
Natron - Seen nahe der Libyschen Wüste Artemia salina in
Menge beobachtet worden.
J. L u b b 0 c k , On the Freshwater Entomostraca of South
America (Transactions of the entomological society III. p. 232 ff.
Taf. 15). — Der Verf. giebt eine Uebersicht über die bis jetzt
aus Süd-Amerika bekannt gewordenen Entomosiraceen, deren
Zahl sich mit Einschluss einiger neuen, die hier beschrieben
werden, im Ganzen auf 14 Arien siellt.
Nach demselben (ebenda) sind in den Proceedings of
Ihe Royal sociely of Van Diemensland, January 1853, einer
in den hiesigen Bibliolheken nicht vorhandenen Zeilschrift,
von King mehrere Australische Süsswasser-Entomostraceen
während des Jahres 1855. 307
beschrieben worden, nämlich : 4 Mona, 2 Eurycercus, 2 Chy-
dorus, 2 Dunhevedra n. g. , 1 Macrothrix , 2 Moina und 4
Daphnia.
Dareste stellte in einer Abhandlung „Memoire sur
les animalcules et autres corps organises, qui donnent ä la
mer un couleur rouge" (Annales des sciences naturelles T. III.
p. 179 fr.) alle Beobachtungen, welche die das Meer rolh fär-
benden Crustaceen-Galtungen Griinothea und Cetochilus betref-
fen, in einer historischen üebersicht zusammen.
Decapoda.
Rracliyura. Catometopa. — Le Conte beschrieb eine
neue Art: Gelasimus viinax von der Küste von New-Jersey und gab
zugleich eine ausführliche Charakteristik von Gelasimus pugilator Bosc.,
einer in Nord-Amerika häufigen Art. (Proceedings of the acad. of nat.
scienc. of Philadelphia VII. p.402.)
Oxystomata. — Horae carcinologicae , or Notices of Cru-
stacea. I. A monograph of the Leucosiadae , with observations on
the relations, slructure , habits and distribution of the family; a re-
vision of the generic characters and descriptions of new genera and
species. By Thomas Bell. (Transactions of the Linnean So-
ciety Vol. XXI. p.277— 3U, mit Taf. 30— 34.) Es ist diese schön
ausgestattete Arbeit abermals ein Beweis von dem ausserordentli-
chen Reichthume der Englischen Sammlungen , weniger vielleicht
von einer gründlichen Kritik ihrer Bearbeiter. Wenn der Verf. in
der Einleitung , wo er über die nächsten Verwandtschaften der Leu-
cosien handelt, ihre engeren Beziehungen zu den Matutoiden de
Haan's leugnet und dagegen Aehnlichkeiten mit Pinnotheres fin-
det, so heisst das, nur nach dem äusseren Ansehen urtheilen und
nicht nach Untersuchungen ; eine üebereinstimmung in der Mund,
bildung zwischen Pinnotheres und den Leucosien, welche Bell u. a.
hervorhebt, existirt nicht im Entferntesten, vielmehr wird die Gat-
tung gerade durch dieses Merkmal auf das Entschiedenste den Grap-
soiden beigesellt; ebenso verhält es sich mit der Bildung der Stirn,
der Augen u. s. w. — Was den speciellen Theil der Arbeit betrifft,
so ist das von den früheren Autoren bearbeitete Material sorgsam und
vollständig zusammengetragen und benutzt worden, die sehr zahl-
reichen neuen Formen durch gute Abbildungen und ausführliche Be-
schreibungen kenntlich gemacht. Ob die Unterscheidungsmerkmale,
welche der Verf. zur Feststellung seiner Arten anführt, überall stich-
haltig sein werden, scheint dem Ref. sehr zweifelhaft; wenigstens
sind sie zuweilen, wie z. B. bei Leucosia pallida, obscura, marmorea,
punctata, affinis so schwach, dass sie weder aus den Abbildungen
308 Gerstaecker: l>ericht üb. d. Leistungen in d. Entomologie
noch aus den Beschreibungen deutlich zu erkennen sind; ohne Frage
werden diese Arten sich als Alttjrsverschiedenheiten oder geringe Ab-
weichungen von der bekannten L. craniolaris herausstellen. Gleiche
Bewandlniss wird es auch mit mehreren Arten der Gattung Slyra ha-
ben; die 31yra carinata des Verf. ist mit dem Cancer punclatus Herbst
identisch, wovon das Original-Exemplar sich in der hiesigen Königl.
Sammlung befindet; und diese wird sich andererseits wieder nicht gut
von Myra fugax als Art abtrennen lassen. Sehr geringfügige Form-
unterschiede scheinen bei allen diesen Gattungen nicht von specifi-
scher Bedeutung zu sein und der Verf. hätte darauf um so weniger
Gewicht legen sollen, als er z. ß. in der Gattung ixa zwei viel ver-
schiedenere Arten , I. cylindrica und megaspis als Varietäten betrach-
tet, indem er Uebergänge von der einen Form zur anderen beobach-
tet hat. Uebrigens bringt die Arbeit des Verf. , von diesen gewiss
nicht haltbaren Arten abgesehen , dennoch viele neue und zwar zum
Theil sehr ausgezeichnete Formen zu unserer Kenntniss , so dass auf
einige auch besondere Gattungen erriciitet worden sind ; nämlich :
1) Leucosdia n. g. auf Guaia Jurinei Saussure gegründet, von hüg-
liger Form, Stirn mit zwei divergirenden Zähnen, llegio intestinalis
mit einem Zahne, Augenhöhlen mit drei Spalten, Scheeren ziemlich
stark und nur von mittlerer Länge. 2) Mijiodes n. g. von ovalem
Umrisse, mit ausgerandeter Stirn und drei Zähnen am Hinterrande der
Schale ; Augenhöhlen mit drei kurzen Spalten , Scheeren mit breitem
Carpus und langen, gebogenen, innen stark gezähnten Zangen. Eine
Art : Uli. eudaclylus von den Philippinen. 3) PUlyxia n. g. Schale
rhomboidal, hinten mit drei Höckern; Augenhöhle oben ausgerandet,
mit zwei Spalten, die Fühlergruben mit ihnen communicirend ; das
zweite Fühlerpaar verlängert ; Hinterleib in beiden Geschlechtern vom
3ten bis (jten Segmente verwachsen. Drei Arten von Neu - Holland
und Keu-Seeland. 4) Lükadia n. g. von rhomboidaler Form, die ein-
zelnen Begiones bucklig erhaben, die Stirn zweitheilig, aufgebogen ;
Augenhöhlen oben und aussen ollen, Fühlergruben schief; Scheeren-
füsse kräftig mit höckrigen Armen und gekieltem Carpus; beim Männ-
chen ist der ote bis 5tc Hinterleibsring verwachsen. Eine Art: L. Cu-
mincjii aus Central-Amerika. ä) Nursüia n. g. von ähnlicher Form wie
INursia, doch weniger seitlich erweitert; die Augenhöhlen zweispal-
tig, aussen ollen, die Fühlergruben schief; Scheerenfüsse schlank mit
geschwollenem Carpus und langen, feinen Zangen. Eine Art: JY. den-
lata aus dem Indischen Ocean.
;%otopocla. White gab eine vorläufige kurze Charakteri-
stik einer neuen Californischen Art der Gattung Lithodes, für die er
den Namen Lithodes (FelalocerusJ BelUanus vorschlägt. (Proceedings
of the Linnean society 1854. Annais and magaz. of nat. bist. XV.
p. 307.)
J
während des Jahres 1855. 309
Pag-iirini. Liljeborg (Öfvers. af Kongl. Vetensk. Akad.
Förhandl. p. 56 stellte c'meneiw, Art Pafiurus chironcatilhus nach einem
8 mill. langem Individuum auf; ohne Frage wird sich dieselbe als
Jugendzustand einer schon bekannten Art ergeben.
Itoricata. Guerin machte unter dem Namen Fsendibacus
Veranyi eine ausgezeichnete neue Form dieser Familie in der Revue
et Magas. de Zoologie VII. p. 137 fl". Taf. 5 bekannt. Sie stammt von
der Küste Nizza's und unterscheidet sich von Ibacus hauptsächlich
dadurch, dass der Cephalothorax seitlich hinter den Augen nicht jenen
tiefen Einschnitt zeigt, der diese Gattung so auffallend charakterisirt;
überhaupt ist der Cephalothorax äusserst breit und kurz, fast halb-
kreisförmig, das Foslabdomen dagegen im Verhältnisse sehr schmal.
Die Lage der Augen stimmt mit der bei Ibacus überein; sie liegen näm-
lich fast in gleicher Entfernung vom Seitenrande und der Mittellinie.
Die inneren Fühler sind etwas kürzer als die äusseren , welche wie
gewöhnlich lamellenartig ausgebreitet und vorn zugespitzt sind.
Astacini. Descriptions of new specics of Astacus from Geor-
gia , by J. Le Conte. (Proceed. of the acad. of nat. scienc. of
Philadelphia VII. p. 400—402.) — Es werden hier acht neue Arten,
sämmtlich aus Georgien stammend, unter den Namen: A. troglodyles,
spiculifer , fossaritjn, manicuJalus , penicillatns, angiistatus , lalimajius
und advena beschrieben und zugleich eine nochmalige Charakteristik
des A. Blandingii Harl. gegeben. — Sollten diese so wie die von
Girard neuerlich beschriebenen Arten wirklich specifisch unter-
schieden sein, so böte Nord-Amerika einen ganz aussergewöhnlichen
Reichthum in dieser Gattung dar ; Ref. hat sich seinerseits noch nicht
einmal von der Artverschiedenheit der wenigen von Erichson auf-
gestellten Arten überzeugen können. — Für die Unterscheidung der
hier beschriehenen Astaci benutzt Le Conte die Formverschieden-
heiten des Schnabels und der Scheeren, so wie die Grösse der Areola
suturalis ; auf das letztere Merkmal legt er besonders Gewicht, da es
bei den Exemplaren einer und derselben Lokalität stets constant ist.
Den Gattungsnamen Cambarus verwirft der Verf. , indem er die Un-
terschiede , die Erichson zur Abtrennung von Astacus hervorge-
hoben hat, für unwesentlich hält.
Carides. Lind ström (Öfvers. af Kongl. Vetensk. Akad.
Förhandl. p. 56) glaubt den Palaemon rectirostris Zadd. und P. Leachii
Bell für den wahren Pal. squilla Linn. halten zu müssen.
Wa rington hat den Palaemon serratus längere Zeit in einem
Aquarium lebend beobachtet und theilt über seine Lebensweise, die
Art zu fressen und zu schwimmen, seine Häutungen u. s. w. interes-
sante Notizen mit. („Ohservntions on the natural history and hahits
of the Common Prawn , Palaemon serratus, by l\. Warington.«
Annais and magaz= of nat. hist. XV, p. '247 ff.)
310 Gerstaecker: Bericht üb. d. Leistungen in d. Entomologie
Cumacea. Von Liljeborg (Öfversigl af Kongl. Vetensk.
Akad. Förhandl. p. 118 ff.) wurden Cuma tumida , ampuUacea , rubi-
Clinda und Leucon nasicoides als neue Arten von der Schwedischen
Küste beschrieben; ausserdem werden auch Cuma lucifera Kroyer und
Leucon nasica Kroyer nochmals charakterisirt.
i%itipliipoda.
Iirainniarina. Liljeborg trennte (Öfvers. af Kongl. Vetensk.
Akad. Förhandl. p. 135) eine von ihm früher fraglich als AmpeliscaEsch-
richti Kroyer beschriebene Art von dieser Galtung ab und errichtete für
dieselbe eine eigene unter dem Namen i/«/)ioops ; sie unterscheidet sich
von jener durch nur zwei, sehr kleine einfache Augen (bei Ampelisca
finden sich deren vier) , ferner durch die Einfügung der unteren An-
tennen, welche den oberen nicht so genähert sind wie dort, durch
die Bildung des dritten und vierten Fusspaares , deren drittletztes
und vorletztes Glied verschmolzen sind und zusammen mit dem Wur-
zelgliede gleichsam einen beweglichen Finger bilden. Am siebenten
Fusspaare ist ausserdem das erste Glied klein , länglich, fast recht-
winklig, das fünfte äusserst klein, fast rudimentär. Von den beiden
dieser Galtung angehörigen Arten ist die erste//, tubicola früher vom
Verf. irrthümlicher Weise als Ampelisca Eschrichli , die zweite H.
carinala als das Männchen der vorigen angesehen worden. — Die
Charaktere der nahe verwandten Gattung Ampelisca und der von ihm
früher beschriebenen Art A. macrocephala legt der Verf. des Verglei-
ches halber noch einmal ausführlich dar. Ebenso giebt er eine noch-
malige Beschreibung seines Gammarus longipes, wogegen er den
früher von ihm beschriebenen G. maculatus , der sich als synonym
mit G. obtusatus Montagu herausgestellt hat, einzieht. Als neue Ar-
ten werden aufgestellt: Ampelisca laevigata , tenuicornisj Gammarus
erylhrophthalmus, macronyx und von schon bekannten, die sich in Ge-
sellschaft der vorigen bei Kullaberg finden , Leucothoe articulosa
Montagu, Ischyroceras minulus Liljeb. , Erichthonius dilformis Edw.
(= Podocerus Leachii Kroyer) und Laphyslius sturionis Kroyer einer
nochmaligen ausführlichen Beschreibung unterworfen.
Eine ebenfalls an der Schwedischen Küste aufgefundene neue
Gattung ßalhyporeia charakerisirte Lindström (ebenda p. 59). Sie
zeichnet sich durch die Bildung der oberen Antennen aus, deren er-
stes Glied gross, angeschwollen, nach unten schräg abgestutzt ist und
an dessen unterer Seite die beiden folgenden kleinen Glieder des
Schaftes eingelenkt sind; der Geissei- Anhang ist sehr klein. Der
Schaft der unteren Antennen ist dünn und fast doppelt solang als der
des ersten Paares. Das erste Fusspaar ist schwach entwickelt, sehr
kurz und mit starkem riagelgliede versehen , das zweite doppelt so
während des Jahres 1855. 311
lang und ohne Nagelglied, die beiden folgenden fast gleich, mit lan-
gem krummen Endgliede und rudimentärem Nagel; am fünften end-
lich ist der Schenkel gross, schildförmig, das dritte Glied lamellen-
arlig, das fünfte ohne Nagel. Das sechste Abdominal-Fusspaar hat
eine ganz kurze, blattartigc innere und eine stark entwickelte äussere
Endlamelle, deren erstes Glied lang und ziemlich breit, das zweite
schmal und grifFelförmig ist; beide sind an der Innenseite mit langen
gefiederten Borsten besetzt. — Eine Art: B. pilosa. Als zweite Art
der Gattung Pontoporcia Kroyer wird ferner P. afßnis beschrieben ;
sie unterscheidet sich von 1*. femorala hauptsächlich durch den Man-
gel der Borsten am fünften Hinterleibssegmente. — Die charakteri-
stischen Merkmale der beiden beschriebenen Arten sind auf Taf. 2 ab-
gebildet.
Von Stimpson (Proceed. of the acad. of nat. scienc. of Phi-
ladelphia Yll. p. 375 ff.) wurden folgende neue Arten beschrieben:
Fhoxus geniculatus und obtusus von Japan, Vercolhoe (i) productus {})
von Tanegasima, Ampkithoe filigera von Loo Choo, Gammarus flahelli-
fer und tenuicornis ebendaher, Leucotkoe slylifera von Japan, Allor-
chcsles rubricornis und penicillata von Ousima , japonica von Japan,
Oichestia poUicifera von Loo Choo, Coropliium conlracium von Japan.
— Ferner (ebenda p. 394) : Iphimedia obesn , Oedicerus fossor und
Gammarus rubromaculatus von Australien, Leucothoe afßnis und Ano~
nxjx variegalus vom Cap.
Schiödte wies (Kongel. Danske Yidenskab. Selsk. Förhandl.
1855. p. 349 ff.) nach, dass die in England aufgefundene Art der Gat-
tung ^iiphargus mit dem aus der Adelsberger Höhle stammenden Niph.
stygius nicht identisch sei, sondern eine eigene Art bilde. Der Verf.
nennt sie Niphargas aquilex und bildet sie neben der anderen in ver-
grössertem Massstabe ab; sie ist nur 3 bis 4 Linien lang und unter-
scheidet sich von N. stygius durch gekielten Rücken, schmalere Epi-
meren aller Cephalothoraxringe und gleiche Breite des 8ten bis lOten
Körperringes.
Von Bartels wurde (Verhandl. d. naturhist. Vereins der Preus-
sischen Rheinlande und Westphalens XII. p. 113; ein Fall mitgetheilt,
wo eine grössere Anzahl von Gammarus pulex (16 Stück!), nachdem
sie längere Zeit in dem Magen eines Bauernmädchen gelebt und durch
ihre Bewegungen heftige Zufälle erregt halten , vermittelst eines
kräftigen Purgirmittels durch den Darm entleert wurden. Da die
Grösse der entleerten Thiere sehr verschieden war, nämlich zwischen
2 und 9 Linien variirte, so glaubt B. eine Vermehrung derselben in-
nerhalb des Magens annehmen zu dürfen. — Troschel zweifelt in
einer rSachschrilt zu jener Erzählung an der Richtigkeit der Beob-
achtung und glaubt, dass derselben eine Täuschung zu Grunde liege,
welche Annahme jedenfalls vitl für sich hat.
312 Gerstaecker: Bericht üb. d. Leistungen in d. Entomologie
Caprellina. Als neue Arten wurden von Stimpson (Pro-
ceed. of the acad. of Philadelphia VlI. p. 383 und 393) beschrieben:
Caprella luclator von Tanegasima, gracilis von Japan und solitaria
vom Cap.
Cyamidae« Gosse beschrieb (Ännals and magaz. of nat.
bist. XVI, p. 30) Cyamvs Thompsoni als neue Art aus der Weymouth-
Bay in England; sie ist durch sehr kurze Fühler und die Bildung des
vordersten Fusspaares ausgezeichnet, w^elches in demselben Masse wie
die übrigen entwickelt und mit ihm ganz gleich gestaltet ist. Die
Körperringe sind sehr schmal, die Appendices der beiden mittelsten
sehr klein und einfach, das vorletzte Glied aller Küsse stark erwei-
tert und die Endklaue sehr dick und stark gekrümmt. — Nach diesen
Verschiedenheiten dürfte die Art wohl sogar generisch von Cyamus
zu trennen sein.
Isopofia.
Idottiaeidae. Neue Arten von Stimpson (Proceed. of
the acad. of Philadelphia VII. p. 393) beschrieben sind: Anthura po-
Uta von den Vereinigten Staaten, punctata, catenula und laevigata
vom Cap.
I*ranizidae« Hesse hat nach einer Mittheilung in den
Sitzungen der Pariser Akademie der Wissenschaften (Comptes rendus
T. XU. p. 970 und Guerin's Rev. etMagas. de Zoologie VII. p. 534)
durch Untersuchungen festgestellt, dass Praniza nur ein Jugendzu-
stand von Anceus ist. Nähere Angaben über den Gegenstand sind bis
jetzt nicht gemacht.
Liljeborg gab (Öfversigt af Kongl. Vetensk. Akad. Förhandl.
p. 132) eine nochmalige Beschreibung von Praniza coeruleata Montagu
und charakterisirte als fragliche neue Art: Anceus oxyuraeus (ob
gleich Cancer maxillaris Montagu?]. Bestätigt sich die Erfahrung
von Hesse über das Zusammenfallen beider Gattungen, so möchte
auch wohl der hier beschriebene Anceus der Jugendzustand von Pra-
niza coeruleata sein.
Ropyrini. Cepon distorlus Leidy wurde als neue Art von
der Küste Nord-Amerikas und als ein Bewohner der Kiemenhöhle von
Gelasimus pugilator im Journal of the acad. of nat. scienc. of Phila-
delphia lli. 2. p. 152 beschrieben und auf Taf. 11. fig. 26 abgebildet.
Uraiicliiopoda«
Cladocera. Zad dach machte (dieses Archiv XXI. p. 159 (F.
Taf. 8— 9) eine sehr interessante neue Gattung dieser Familie unter
dem Namen Holopedinm gibberum bekannt, welche sich von den übri-
gen Daphnoiden auffallend durch die Form der Ruder-Antennen un-
terscheidet, die hier nicht zweiarmig, sondern ungetheilt sind und aus
vier gegen die Spitze hin allmählig verschmälerten Gliedern beste-
während des Jahres 1855. 313
hen. Die drei ersten Glieder sind fast gleich lang , das letzte um
ein Dritltheil kürzer; dasselbe trägt an seiner Spitze drei lange ge-
fiederte Borsten. Von sehr eigenlhüinlichcr Form ist die Schale des
Thieres ; sie ist auf der Rückenscite sehr hoch bucklig gewölbt,
und daher beträchtlich breiter als lang: es kommt diese Ausdehnung
in der Breite fast ausschliesslich der Eier- Bruthöhlc zu ijut, welche
einen sehr bedeutenden Umfang hat und von den 7 bis 8 darin be-
findlichen Eiern bei weitem nicht ausgefüllt wird. Die Kiemenfüsse
sind wesentlich lang gestreckt und in der Form denen gewisser Phyl-
lopoden nicht unähnlich. — Sowohl die äussere als innere Organisa-
tion des etwa y, Linie langen , bei Königsberg in stehendem Wasser
aufgefundenen Thierchens wurde von Z. einer sorgsamen Darstellung
unterworfen , welche auch manche für die Anatomie der ganzen Fa-
milie wichtige Details enthält.
Einige neue Arten aus Aegypten wurden von S chm ard a (Denk-
schriften der Akad. der Wissensch. zu Wien Vli. 2. p. 1— 28) beschrie-
ben und abgebildet: Daphnia eckinata , acultroslris und Lynceus ma^
crorhynchus.
Ausserdem wurde Daphtiia brasiliensis von Lubbock (Transact.
of the entomol. soc. III. p. 232 ff.) als neue Art aus Brasilien be-
schrieben.
Pliyllopoda» Notes on palaeozoic bivalved Entomostraca,
by T. R. Jones, l. Some species of Beyrichia from the Upper Silu-
rian Limestones of Scandinavia (Annais and magaz. of nat. bist. XVI.
p. 8lff.). 2. Some British and foreign species of Beyrichia (ebenda
p. 163 ff.). — Der Verf., welcher nach M'Coy's Vorgang die Beyri-
chien als Phyllopoden und zwar muthmasslich als zur Familie der
Limnadien gehörig betrachtet, theilt dieselben nach der Beschaffen-
heit ihrer Schalen-Überfläche in drei Gruppen: Simplices , Corrugatae
und Jugosae. in der ersten Abhandlung über Skandinavische Arten
werden beschrieben: a) Jugosae: Ij B. Buchianan. s]^., 2) B. tuber-
culata Klöden mit 2 Varietäten B. nuda und antiquata. 3) B. DaU
manniana n. sp. 4) B. Macvoyiatia n. sp. 5) B. Salleriana n. sp. —
b) Corrugatae : 6) B. Wilckensiana n. sp. mit einer var. plicata. 7)
B. siliqua n. sp. — c) Simplices : 8) B. mundula n. sp. — Im zwei,
ten iheil der Arbeit, welcher die Britischen und einige fremde Ar-
ten behandelt, sind enthalten: a) Jugosae: 1) B. complicata Salter
mit einer var. decorata. 2) B. Klödenii M'Coy mit zwei Varietäten:
B. antiquata und torosa. 3) B. lata Vanuxem. 4) B. Bussacensis Jo-
nes. — (ij Corrugatae: 5) B. Ribeiriana n. sp. 6) B. affinis n. sp.
7) B. Barrandiana n. sp, — c) Simplices : 8) B. strangulata Salter
mit drei Varietäten. 9) B. bicornis n. sp. 10) B. seminulum n. sp.
11) B. Simplex Jones und 12 j B. mundula Jones. — Alle neue sowohl
als schon bekannte Arten sind auf Taf. 5 und 6 abgebildet.
314 Gerstaecker: Bericht üb. d. Keislungen in d. Entomologie
liophypopoda.
Osfracoda. Beitrag zur Kenntniss der Ostracoden, von Dr.
Seb. Fischer. (Abhandlungen der math.-phys. Klasse der Bayeri-
schen Acad. d. Wissenscb. VII. 3. p. 637—666, mit 2 Tafeln.) — Der
Verf. macht zuvörderst einige anatomische Bemerkungen über die
Familie, z. Th. mit besonderem Bezug auf die von Zenker ange-
stellten Untersuchungen und theilt die Beobachtung mit, dass bei Cy-
pris fusca sieben Generationen ohne Zuthun von Männchen stattfan-
den, ebenso dass Cypris fusca mit Männchen der Cypris punctata in
Begattung getroffen wurden. Von neuen Arten wurden beschrieben:
Cypris soeialis von Palermo, declivis aus Aegypten, hyslrix von beiden
Lokalitäten zugleich (ob Jugendzustand der C. biplicata Koch ?), pra-
sina von Palermo, Madeirensis von Madera, exserta von Palermo und
Alexandria, Palermitana, nilens , Iriangularis und rivularis von Pa-
lermo, exsculpla und Mareotica von Alexandria, ospera von Madera.
— Eine neue Gattung aus der Cytheriden- Gruppe wird Varadoxo-
sloma genannt, weil bei ihr die Mundtheile zu einem konischen Kör-
per verschmolzen sind, der in der Mitte einen röhrenförmigen Canal
enthält, an dessen unterer Oeffnung sich ein Kranz von Börstchen
befindet; Antennen, Füsse und sonstige Bildung wie bei Cythere, nur
ein einfaches Auge. Art: l*. dispar, 0,30'" lang von Madera, zwischen
Seepflanzen auf Klippen, die vom Wasser bespült werden, aufgefun-
den. — Fernere neue Arten sind: Cylhere maculala und lucida eben-
falls vom Gestade Madera's, und Äslerope groenlandica. Die neuen
Arten sind nebst den dazu gehörigen Details auf zwei Tafeln abge-
bildet ; auch über einige schon früher beschriebene werden noch nä-
here Mittheilungen gemacht.
Baird beschrieb (Proceedings of the zoological society of Lon-
don XXIL p. 6) als neue Art : Cypris triangularls aus Kordofan. Die
Diagnose ist nach einem eingetrockneten Exemplare gemacht und zur
Erkennung der Art nicht genügend; derlS'ame dieser oder der gleich-
namigen Fischer'schen Art würde zu ändern sein, falls sie nicht als
eins zusammenfallen.
Cypris austratis und brasiliensis sind ferner zwei von L u bb o c k
(Transact. of the entomol. soc. HL p. 232 tf.) beschriebene neue Ar-
ten aus Brasilien.
Zur Kenntniss der fossilen Ostracoden hat Reuss wieder Bei-
träge geliefert. In seineu „Beiträgen zur Charakteristik der Tertiär-
schichten des nördlichen und mittleren Deutschlands" (Sitzungsberichte
der Wiener Akad. d. Wissenscb. XVllL p. 197 11.) giebt er Beschrei-
bungen von folgenden neuen Arten : Bairdia subfalcata , seminotata,
Hagenowi, Cytheridea heterostigma, Cythere modiolaris, tennimargo,
während des Jahres 1855. 315
gibberula, obliquata, lyrata, Jugleri , brevicula, confluens und mono-
ceros auf Taf. 9 und 10 abgebildet.
Copepoda. Eine neue Art der Gattung Pontia wurde von
Ouchakoff unter dem Namen Fonlia Wacarinensis („Pontie de Wa-
carino«) im Bulletin de la soc. des naluralistes de Moscou 1855. Wo. 3.
p. 245 ff. beschrieben. Sie ist besonders durch ihr abweichendes Vor-
kommen im süssen Wasser bemerkenswerth, indem sie in kleinen Tüm-
peln bei Wacarino (Distrikt Wessiegonsk) gefunden wurde.
Diaptomus Brasiliensis wurde als neue Art von Lubbock
(Transact. of the entomol. soc. III. p. 232 ff.) beschrieben und ab-
gebildet.
ISiphonostoitiata.
Paodarini. Von van Beneden erschien (Bullet, de l'acad.
roy. des sciences de Belgique XXII. 2. p. 523 ff.) eine ausführliche
Beschreibung und vergrösserte Abbildung von Cecrops Latreillei Leach,
welche Art von ihm an den Kiemen des Orthagoriscus mola in bei-
den Geschlechtern gefunden worden ist. Der Verf. vermuthet, dass
die von den „Autoren« unter diesem Kamen beschriebene Art von
der seinigen verschieden sei, weil dieselben den Thynnus als Wohn-
thier angeben. Dies ist jedoch nur bei Milne Edwards der Fall,
während z. B. Nord mann (Mikrographische Beiträge) den Cecrops
ebenfalls auf Orthagoriscus fand; auch stimmt die von van Bene-
den gegebene Abbildung so genau mit der Latreille'schen überein,
dass an eine Verschiedenheit der Art nicht zu denken ist.
Ijemaeadae. Die im vorigen Jahresberichte erwähnte in-
teressante Entdeckung von 0. S eh m i d t , dass Peltogaster durch sei-
nen Jugendzustand sich als unzweifelhafter Schmarotzerkrebs er-
weist, ist in diesem Jahre auch von Lindström (Öfversigt af Kongl.
Vetensk. Akad. Förhandl. p. 361) unabhängig von jener ersten Beob-
achtung gemacht worden. Auf Taf. 13 sind die Larven dargestellt
ganz wie sie ü. Schmidt beschrieben hat; von den drei Fusspaa-
ren ist das erste einlach, die beiden hinteren gabelförmig gespalten,
alle drei mit langen Buderborsten besetzt.
Denselben Gegenstand betreffen auch J. Steenstrup's „Be-
merkungen über die Gattungen Pachybdella Dies, und Peltogaster Rathke,
zweier auf dem Hinterleibe von Krabben und Krebsen schmarotzenden
Thierformen." (üversigt over det Kongl. Danske Videnskab. Sels-
kaps Forhandl. f. 1854, und übersetzt von Creplin in diesem Ar-
chiv XXI. p. 15 ff.) Der Verf. weist darin nach, dass die Gattung Pel-
togaster Bathke (= Pachybdella Diesing) schon von Cavolini i. J.
1787 unter dem Hinterleibe von Krabben gefunden und deutlich be-
schrieben und abgebildet worden sei, und dass ihm sogar der Ju-
316 Gerstaecker: Bericht üb. d, Leistungen in d. Entomologie
gendzustand in Form eines deutlichen Krcbsthieres bekannt gewesen
sei. — Die Beziehung, welche S t e en str u p zwischen Liriope Ralhke
und Peltogaster vcrmutliet, nämlich dass erstere ein Entwickelungs-
stadium des letzteren sei, und dass deshalb auch Peltogaster den Iso-
poden beizuzählen sei , wird nach Kenntnissnahme der Schmidt'schen
Entdeckung (ebenda p. 62) wieder ausgegeben; das Verhältniss von
Liriope zu seinem Wohnthiere bleibt demnach bis jetzt unaufgeklärt.
4. .% ra ciBBiifleii.
Leon üufour beschrieb (Annales de la soc. entomol. IIL
p. 1 ff.) Epeira thomisoides und Theridion ardesiacum als neue Arten
aus Frankreich; beide sind auf Taf. 5 abgebildet. Zugleich bezeichnet
Duf. die Annahme Walkenaers, dass die beiden Geschlechter des
von ihm beschriebenen Theridion dispar zwei verschiedenen Arten
angehören sollen, nämlich das Männchen zu Th. Paykullianum Walk,
und das Weibchen zu Th. triste Walk., als unrichtig; beide seien un-
zweifelhaft die Geschlechter einer und derselben Art.
Mygale luctuosa Lucas (ebenda p. 15) ist eine neue Art aus
Spanien , zur Walkenaer'schen Abtheilung der Digitigrades inermes
gehörig und mit Myg. Calpeiana nahe verwandt, Abbildung auf Taf. 5.
Descriptions of two nearly discovered species ot Araneidea,
by J. Black wall (Annais and magaz. of nat. bist. XVL p. 1120).
Die beiden hier beschriebenen Arten sind: Cinißo humilis und Neriene
affinis, beide aus England.
Ebenda p. 329 wurde Salticus Blackwalli als neue Englische
Art von Clark beschrieben.
F.Walker, List of Spiders found at Piercefield near Chepstow
(Zoologist p.4561). — Eine Aufzählung der an der genannten Lo-
kalität beobachteten Araneiden, deren Zahl sich auf 57 beläuft.
Plialaiig^ita.
Monograph on the British Species of Phalangiidae or Harvest-
men. By B. H. Meade. (Annais and magaz. of nat. bist. XV. p.393 ü'.
PI. 10 — 11.) Der Verf. liefert hiermit eine recht gründlich gearbei-
tete Aufzählung und Beschreibung der in England vorkommenden Pha-
langier , deren Zahl sich nach ihm auf 15 stellt. Die von Koch
gegründeten Gattungen, die wohl besser als Gruppen zu betrachten
sind, sind vom Verf. angenommen worden, zum Theil aber dafür
ältere Namen wieder eingeführt. Die vom Verf. neu aufgestellte Gat-
tung Megabunus (auf Pbalangium cornigerum Hermann basirt) ist wohl
^jü.iiain: während des Jahres 1855. 317
durch die geringe Abweichung in der Bildung der Palpen kaum ge-
rechtfertigt und bliebe , wenn sie einmal bestehen soll , wohl besser
auf die zweite Art des Verf. öl. insignis beschränkt, welche wenig-
stens durch die abweichende Form des Cephalothorax und des Augen-
höckers eine habituelle Verschiedenheit darbietet. — Die als in Eng-
land vorkommend bt^schriebenen Arten sind: l) Phalangium cornutum
Linn., urnigerum Herrn., parietinum de Geer, canescens Koch und mi~
nuhtm n. sp. 2) Rlegabunus corniger Herrn., und insignis n. sp. ,3)
Opilio hystrix Latr. , ephippiatus Koch , ogreslis n. sp. und terricola
Koch. 4) Leiobunus rotundus Latr. 5) Nemastoma bimaculatum Fabr.
und chrysomelas Herrn. 6) Homalenotus 4dentatus Fabr. ~ Die bei-
folgenden Tafeln geben charakteristische Darstellungen der Körper-
zeichnungen, der Augenhöcker, Taster und Beine.
Pseudosc4>rpioiies.
Die Kennlniss dieser Ordnung sowohl in Bezug auf Anato-
mie als Syslemalik hat A. Me n g e durch eine vortrellliche Ar-
beit, belilelt; .^Ueber die Scheerenspinnen , Chernetidae"
(Neueste Schriften der naturforschenden Gesellschaft in Dan-
zig, fünften Bandes zweites Heft, Danzig 1855. 42 pag. mit
5 Tafeln) in Aufschwung gebracht. Der Verf. giebt darin zu-
nächst eine sorgfältige Schilderung des ganzen äusseren und
inneren Baues dieser Thiere, theilt Beobachtungen über ihre
Lebensweise iriit und beschreibt zuletzt die einzelnen Gat-
tungen und Arten der Danziger Gegend. Ein genaues Stu-
dium der lebenden Scheerenspinnen und ein Vergleich der-
selben mit den in Bernstein eingeschlossenen hat auch hier
das Resultat geliefert, dass letzlere durchweg von den jetzt
lebenden specifisch verschieden , wenngleich denselben oft
nahe verwandt sind. Uni bei der Aufzählung und Beschrei-
bung der einzelnen Arten die dem Bernstein angehörigen leicht
kenntlich zu machen, hat der Verf. sie durch ein f bezeich-
net (das übrigens bei mehreren fehlt). Auf den fünf beige-
fügten Tafein sind sämmtliche beschriebene Arten stark ver-
grössert abgebildet und die anatomischen Verhältnisse durch
zahlreiche Abbildungen erläutert.
Die innere Anatomie der Pseudoscorpionen, für die der Familien-
name Chernetidae vorgeschlagen wird, betreffend, so ist das Nervensy-
stem der Beobachtung des Verf. entgangen , die Anordnung der Mus-
keln dagegen wird in den Hauptsachen geschildert und dargestellt j
318 Gerstaecker: Bericht üb. d. Leistungen in d. Entomologie
sie ist derjenigen bei den eigentlichen Spinnen sehr ähnlich. Be-
sonders ergiebig sind die Untersuchungen des Verf. über das Ver-
dauuugssystem ; der Mund ist zum Saugen eingerichtet und es fehlen
die Kiefer und die Überlippe ; unten wird er durch eine viereckige
Unterlippe geschlossen , von deren Ä'itte sich eine längliche, vorn
spitz zulaufende Platte erhebt, die als Zunge bezeichnet wird. Der
Schlund ist durch einen rinnenförmigen , hornigen Canal unterstützt ;
der Magen hat jederseits zwei weiche, weissliche Seitenlappen, wel-
che wie die beiden zur Seite des Darmes liegenden Leberlappcn aus
Zellen und Fetlkügelchen bestehen (und daher wohl richtiger als ab-
sondernde Drüsen anzusehen sind). Der Darm bildet in seinem mitt-
leren Theile eine Schlinge und erweitert sich vor dem After sack-
artig ; Einmündungen von Harngefässen wurden nicht beobachtet. —
Bei allen Arten kommen Spinndrüsen vor ; sie liegen am Anfange
des Hinterleibes unterhalb der Geschlechtsöffnungen und ihre Aus-
führungs - Canäle münden über oder unter den äusseren Geschlechts-
öffnungen. — Ein Herz wurde nicht mit Bestimmtheit ermittelt , die
schon von Audouin und v. Siebold nachgewiesenen Luftröhren
werden näher beschrieben; ebenso die Fortpflanzungswerkzeuge, de-
ren Ausführungsgänge in beiden Geschlechtern mit zwei Oeffnungen
am zweiten Hinterleibsringe ausmünden.
Die von Menge beschriebenen Arten fallen nach ihm fünf
Gattungen zu, von denen zwei hier zuerst aufgestellt, die übrigen
näher begränzt werden. Es sind folgende : 1) Chthonius Koch mit vier
Augen, länglich viereckigem Kopfbrustschild, Fortsätzen an den Brust-
platten der Taster hinter der Unterlippe und Scheeren von der Länge
des Kopfbrustthciles. (Eine lebende und eine Art im Bernstein,) 2)
Obisium Illig. Ebenfalls vier Augen, Kopfbrustschild länglich vier-
eckig, elf Hinterleibsringe, Fortsätze an den Bruststücken der Taster
neben der Unterlippe, Scheeren kürzer als der Kopfbrusttheil. (Eine
lebende und eine Bernstein - Art.) 3) Clielifer Latr. Zwei Augen,
Kopfbrustschild dreieckig, vorn parabolisch abgerundet, Füsse mei-
stens mit deutlichen Schenkelringen. (Zwei lebende und vier Bern-
stein-Arten.) 4) Cheiridium Menge. Zwei sehr kleine, verborgene
Augen, Kopfbrustschild dreieckig, vorn mit abgestumpfter Spitze, zehn
Hinterleibsringe, Hüften und Oberschenkel der beiden letzten Fuss-
paare kaum merklich verdickt , Bedeckung krustenartig. (Typus ist
Chelifer muscorum Leach, ausserdem eine Art im Bernstein.) 5) Cher-
nes Menge. Augen fehlen, Kopfbrustschild dreieckig, vorn parabo-
lisch abgerundet, Füsse mit deutlichen Schenkelringen, (Von leben-
den Arten gehört dazu Scorpio cimicoides Fabr., eine zweite vom
Verf. als Ch. oblongus beschriebene und endlich noch eine im Bern,
stein befindliche Art.)
während des Jahres 1855. 319
jLcariiia.
Eine klassische Arbeit über diese Ordnung hat Nico-
let im VH. Bande der Archives du Museum d'hisloire natu-
relle p. 381— 482 unter dem Titel: ^jHisloire naturelle des
Acarlens, qui se Irouvent aux environs de Paris" begonnen.
Der bis jetzt vorliegende Theil des Werkes, welchrr die erste
Familie der .,Acariens terrestres ou aeriens,'' niimlich die
Oribatiden behandelt, bringt durch eine Fülle wichtiger Be-
obachtungen eine so grosse Umgestaltung der bisher herr-
schenden Ansichten über ihre Systematik zu Wege, dass unsere
Kenntniss dadurch gleichsam in ein ganz neues Stadium tritt.
Nicht allein die gesamnile äussere und innere Organisation
dieser Thiere hat der Verf. einer sorgfältigen Prüfung und Dar-
stellung unterworfen, sondern auch die Entwickelung der ein-
zelnen Arten, deren verschiedene Altersstufen u. a. von Koch
nicht nur als besondere Species betrachtet , sondern selbst
verschiedenen Gattungen und Familien untergeordnet worden
sind, auf das Genaueste verfolgt. Die Arbeit ist von zu hohem
wissenschaftlichen Interesse, um nicht hier näher auch in
ihren speciellen Theiien durchgegangen zu werden.
Die Familie der Oribatiden , wie sie der Verf. hier feststellt,
entspricht in ihrem Umfange der Latreille'schen Gattung Oribata und
dem grössten Theile vonHermann's Gattung Notaspis. Sie zeichnet
sich vor den übrigen Acarinen - Familien durch die harte, hornige
Körperbedeckung und ausserdem sehr wesentlich durch das Vorhan-
densein zweier napfartiger Respirationsöffnungen an der Basis der
Oberseite des Cephalothorax, welche einem langen borstenartigen
Organe seinen Ursprung geben, aus. An dieser Eigenthümlichkeit
lassen sich auch die oft ganz heterogen gebildeten Jugendzuslände
aller Oribatiden als solche erkennen. Die Entwickelung der Embryo-
nen beginnt schon im Mutterleibe und ist beim Ablegen des Eies be-
reits so weit vorgeschritten, dass das Ausschlüpfen bald nachher er-
folgt; das junge Thier zeigt, wenn es das Ei verlassen hat, stets nur
drei Fusspaare , indem nämlich das zweite der Reihenfolge nach in
dieser Periode noch fehlt; allein die Gattung Hoplophorus Koch, eine
auch in anderen Beziehungen abweichende Form, macht hiervon eine
Ausnahme und schlüpft sogleich mit 4 Fusspaaren aus. Das noch
fehlende 2te Fusspaar erscheint erst nach der ersten Häutung, nach
welcher sich so wie nach jeder folgenden überhaupt die ganze
Körperform wesentlich ändert, bis das Thier seine bleibende Gestalt
320 Gerstaecker: Bericht üb. d. Leistungen in d. Entomologie
mit der Geschlechtsreife erhält. Es finden jedoch hier zwei Modifika-
tionen statt; bei der einen Ablhcilung der Oribatiden, welche sich im
erwachsenen Zustande durch seitliche laniellöse Fortsätze des Cepha-
lothorax auszeichnet, sind die Larven bis zur letzten Häutung von
ganz heterogener Körperfonn ; bei der zweiten hingegen, wo jene
Anhänge fehlen, sind sie dem erwachsenen Thiere schon von Jugend an
mehr oder weniger ähnlich und nähern sich ihm bei jeder folgenden
Häutung immer mehr. Zu diesem Uesultate hat der Verf. natürlich
nur durch genaue Verfolgung der allmähligen Entwickelung einer
Reihe von Arten gelangen können ucd hat auf diese Weise folgende
von Koch aufgestellte Gattungen und Arten als Jugendzustände ande.
rer nachgewiesen : Nothrus doliaris, Murcia acaroides und trimaculata
Koch sind I>arvcnzuslände von Oribates, Celaeno spinosa K. von Pe-
lops acromios, Celaeno plicata K. ebenfalls von Pelops spec, Hypoch-
thonius rufulus K. von Leiosoma ovata , Hypochthonius pallidulus K.
ebenfalls von Leiosoma spec , Damaeus torvus K. von D. genicula-
tus, Kothrus palliatus und bistriatus K. von N. palustris , N. furcatus
und segnis K. von N. bicarinatus, ]N. runcinatus und sinuatus K. von ri.
horridus. Alle diese Larvenzustände lassen sich abgesehen von der
geringen Grösse durch hellere Färbung und wenig resistente Körper-
Bedeckung erkennen ; die meisten zeichnen sich ausserdem durch tief
quergefurchte Überfläche aus und alle sind bis zur letzten Häutung
monodactyl, abgesehen davon, ob sie im erwachsenen Zustande eine
oder drei Klauen am letzten Tarsenglied führen. — Nachdem der
Verf. so die Embryologie der Oribatiden abgehandelt und die ihm
bekannt gewordenen Jugendzustände sorgfältig beschrieben hat, geht
er in einem folgenden Abschnitte zur anatomischen Beschreibung des
ausgebildeten Individuum über. Beim Eingehen auf die einzelnen
Theile des Hautskelets hebt er besonders diejenigen Eigenthümlich-
keiten hervor, welche den passendsten Anhalt zu einer natürlichen
Systematik der Familie liefern; als solche werden u. a. die seitlichen
lamellösen Fortsätze des Cephalothorax , welche die eine der beiden
Hauptabtheiiungen unter den Oribatiden charakterisiren , ferner die
Form der in den beiden Respirationsöffnungen sitzenden Borsten, in
Gleichem auch die der beiden Borsten , welche an der Basis des Ce-
phalothorax zwischen jenen Oelfnungen entspringen, (vom Verf. als
„poils interstigmataires" bezeichnet) hervorgehoben. Von sekundärer
"Wichtigkeit in Bezug auf die Systematik ist dem Verf. die Bewaffnung
der Tarsen mit l oder 3 Klauen; als rein specifische Merkmale da-
gegen betrachtet er die Bekleidung, z. B. des Hinterleibs mit Bor-
sten oder andern Hautfortsäten, welche von Koch unrichtiger Weise
als genereller Charakter angesprochen worden ist. Von deutlich
ausgeprägten Sinnesorganen ist dem Verf. nichts aufgestossen ; in den
beiden „poils interstigmataires" glaubt er Tastorgane zu erkennen, da
während des Jahres 1855. 321
bei Berührung derselben mit einer Nadi-l das Thier sich zusammen-
kauerte. Eine Spur von Anoden ist nicht vorhanden; dass dieses Or-
gan nicht in den beiden napfartigen Oeü'nungen an der Basis des
Cephalothorax ru suchen ist, wie es von früheren Autoren gesche-
hen , zeigt die anatomische Untersuchung; es mündet nämlich ihre
innere ÜelTnung in einen Luftsack und in 4 dünne Tracheenstämme,
welche die ganze entsprechende Körperhälfte mit Luft versehen. Aus-
ser diesem Respirationssystem ist dem Verf. von inneren Organen nur
der Tractus intestinalis und der Genitalapparat näher bekannt gewor-
den. Der erstere besteht aus einer Speiseröhre, die sich nach unten
in einen mit Längs- und Querfalten versehenen Kropf erweitert, aus
einem meist stark entwickelten Chylusmagen, der sich von der Spei-
seröhre durch eine riogartige Einschnürung deutlich absetzt, aus einem
kurzen und ziemlich dünnen Intestinum und einem Uectum, das fast
die Länge des Magens hat; der ganze Tractus geht in ziemlich gera-
der Richtung vom 31unde zum After. Von besonderem Interesse ist
es auch, dass der Verf. in der Leibeshöhle der Oribatiden oft Grega-
rinen angetroffen hat; es fanden sich zwei Arten, von denen die eine
als Gregarina oribatarum beschrieben und abgebildet wird; ausser-
dem wurde im Magen eine kleine Art der Gattung Angiostoma auf-
gefunden, welche der Verf. als A. annulata abbildet.
Die Systematik der Oribatiden betreffend, so nimmt IN'icolet,
wie schon oben erwähnt, zwei Hauplablheilungen an. !3ei der ersten
finden sich lameilöse Anhänge auf der Oberfläche oder an den Seilen
des Cephalothorax. Die ihr angehörenden Gallungen zerfallen wie-
der in solche, wo der Hinterleib flügelartige, bewegliche Ausbreitun-
gen hat (Pelops Koch und Oribata Latr.) und in solche, wo diese
Ausbreitungen fehlen {^Leiosoma n. g. , Cepheus Koch und Kotaspis
llerm.). — Die neue Gattung Leiosonia (schon mehrfach vergebener
Käme!) unterscheidet sich von den beiden folgenden dadurch, dass
die drei Klauen der Tarsen nicht gleich lang sind, sondern dass wie
bei Pelops und Oribata die mittlere Klaue grösser als die seitlichen
erscheint. — Die zweite Uauptablh eilung, welche der Dornen oder
lamellösen Anhänge des Cephalothorax entbehrt, umfasst Galtungen
mit tridactylen und monodaclylen Tarsen; erstere sind : Eremaeus Koch
und INothrus Koch, letztere : Damaeus Koch, Tegeocranus n. g , //er-
mannia n. g. und Hoplophora Koch. Die Gattung Tegeocranus un-
terscheidet sich von Damaeus durch die Beine, welche kürzer sind
als der Körper, Hermannia von Hoplophora dadurch, dass der Cepha-
lothorax mit dem Abdomen verschmolzen und unbeweglich ist. — Die
Zahl der bei Paris bis jetzt aufgefundenen Oribatiden beläuft sich
auf 56, die sich folgcndermassen auf die einzelnen Gattungen vcr-
theilen : Pelops 5, Oribates 15, Leiosoma 6, Cepheus 3, Notaspis 3,
Eremaeus 3, Kothrus G, Damaeus 5, Tegeocranus 3, Hermannia 3 und
Archiv f. Naturgesch. XXll. Jahrij. 2. Bd. Y
322 Gerstaecker: Bericht üb. d. F^eislungen in d. Entomologie
Hoplophora 3; eine beträchtliche Anzahl derselben sind hier zum er-
sten Male beschrieben. — Sammtliche Arten sind auf zehn die Ab-
handlung begleitenden Tafeln in stark vergrössertcm Massstabe abge-
bildet; dieselben enthalten zugleich Darstellungen der anatomischen
Verhältnisse , aller dem Verf. bekannt gewordenen Jugendzustände,
der embryonalen Entwickelung derselben und zahlreicher für die Sy-
stematik wichtiger Details; alle Abbildungen sind von vorzüglicher
Schönheit. — Möge diese in acht wissenschaftlichem Sinne ausge-
führte Arbeit zur Erweiterung unserer Kenntnisse über diese eben so
interessanten als schwierig zu beobachtenden Thiere bald mit einem
zweiten Theile fortgesetzt werden !
Hydraclinidae. (Josse machte „TVotes on some new or
little-known marine animals," Annais of natural historyXVI. p. 27fF.)
eine neue Acarinen-Gattung Halacarus bekannt, welche er irrthüm-
licher Weise der Familie der Oribatiden zurechnet, wie sich dies
schon aus ihrer Lebensweise im Meere, ausserdem aber aus ihrer
ganzen Organisation ergiebt. Von den vier Fusspaaren stehen zwei
am vorderen und zwei am hinteren Ende des Leibes, und alle sind
am Tarsus mit zwei einfachen, gekrümmten Klauen versehen. Durch
das klauenartige Endglied der Palpen würde sich die Gattung der Fa-
milie der Hydrarachnen beigesellen, für welche Stellung zugleich ihr
Aufenthalt im Wasser spräche; freilich weicht sie in anderer Hin-
sicht auch wieder wesentlich ab. Der Rüssel, welcher kopfähnlich
abgesetzt ist, erscheint fein zugcspizt und umschliesst zwei dünne,
fadenförmige Mandibeln ; die Augen sind zu zweien vorhanden, seitlich
gelegen. — Die beiden vom Verf. beschriebenen und auf Taf, III ab-
gebildeten Arten : H. rhodosligma y.j" und clenopus y^j" lang, schei-
nen mehr als specifisch verschieden zu sein, und könnten nach den
Abweichungen, welche sie in der Form des letzten Palpengliedes,
der Beine und der Tarsenklauen darbieten, füglich generisch getrennt
werden. Uebrigens hat der Verf. die hierauf bezügliche Litteratur
wenig durchgearbeitet und es scheint daher die Neuheit der beschrie-
benen Formen keineswegs verbürgt. — Als neue Art wird von ihm
ausserdem Pachygnathus nolops *-/q^" lang (ebenda p. 306. Taf. 8) be-
schrieben und abgebildet.
R. M. Bruzelius, Beskrifning öfver Hydrachnider som före-
komma inom Skäne. Lund 1854. — Diese Arbeit ist dem Ref. nicht
weiter bekannt geworden als durch Anzeige ihres Titels in der Üfver-
sigt af Kongl. Vetensk. Akad. Förhandl. p. 174.
fiarcopiides. Eine mit vorzüglichen Abbildungen ausge-
stattete Abhamllung über die Anatomie, Physiologie und Entwicke-
lungsgeschichte der Krätzmilbe lieferte Bourguignon in den Me-
moires presentes par divers savans ä l'academie des sciences de l'In-
während des Jahres 1855. 323
stitut imperial de France, Sciences math. et phys. Tome XII. p. 1 — 168,
unter dem Titel : „Traite entomologique et pathologique de 1a gale de
l'homme."
Pyciiog^oiiiclao.
Krolin, Uober das Herz und den Blutlauf in den Py-
cnogoniden (dieses Archiv XXI. p. ö ff.). — Der Verf. be-
släligt das Vorhandensein eines deiillichen Herzens, welches
von Zenker zuerst bei Nyniphon nachgewiesen wur»le, auch
an einer Phoxichilus-Art. Es ist durch zwei Paare seitlicher
tiefer Einbuchlungen in drei Kammern getheilt , welche von
vorn nach hinlen an Grösse abnehmen. Auf dem Grunde
jeder Einbuchtung findet sich eine für den Durchlritt des
rückkehrenden Blutes bestimmte Oeffnung, so dass also vier
solcher Mündungen bestehen. Die vordere Kammer erwei-
tert sich vor dem Augenhügel bedeutend und steht wahr-
scheinlich mit der Leibeshöhle in Verbindung.
Von Gosse wurde (Annais and magaz. of nat. hist. XVI. p.30)
Flioxichilidmm olivaceum als neue Art aus der VVeymouth-ßay in Eng-
land beschri eben.
Bericht über die I^eislung^cii in der IVatur«
geschlclite der itiederiB Tliiere während der
Jahre 1954 und 9 955.
Von
Itr« Rud. lienekart,
Professor in Giessen.
Von Compendien über vergleichende Anatomie haben
wir zu erwähnen :
Owen Lectures on comparative anatomy and physio-
logy of the invertebr. Animals 1855.
Rymer Jones, general ouUines of Ihe animal King-
dom 1855 , beide in zweiter, dem Stande unserer heutigen
zoologischen Kenntnisse — namentlich über niedere Thiere —
jedoch nur unvollkommen angcpasster Auflage. (Vgl. hierzu
die Recension in the Brit. and lor. Medico- Chirurgie. Review
1856. Juli p. I fl'.)
0. Schmidt, Handbuch der vergleichenden Anatomie
Jena 1855 , als Leitfaden für Studierende sehr empfehlens-
werth , erschien in dritter, vermehrter und verbesserter
Auflage.
J. Bona Mayer macht „Aristoteles Thierkunde" zum
Gegenstande einer besonderen Darstellung (Berlin 1855) und
liefert damit einen äusserst wichtigen „Beitrag zur Geschichte
der Zoologie, Physiologie und alten Philosophie."
Entwickelt nicht nur in eben so scharfsinniger, wie gelun-
gener Weise die Principien der Aristotelischen Naturforschiing und
deren Zusammenhang mit der ganzen philosophischen Weltanschauung
des grossen Slagiriten , sondern erschliesst uns auch durch eine spe-
cielle Erörterung der einzelnen Haupistellen ein tieferes und besseres
Verständniss der Aristotelischen Werke.
L e u c k a r l : Bericht üb. d. Leist. in d. Naturgeschichte u. s. w. 325
Giebel's Abhandlang „über den Arlbegriff^« (Zeitschrift
für die gesaminten Nadirwissenschaflen 1855. VI. S. 437) be-
rücksichl nur die höheren Thicre und dürfte aueh für diese
kaum irgend etwas Neues von Bedeutung enthalten.
Nouvelle Classification zoologiquc basee sur les appareils
et les fonctions de la reproduction , par Dr. E. Guitton,
Rev. et Mag. de zool. 1854. p. 49, 113, 177, 241, 305, 353,
401, 449, 497 und 577.
Verf. glaubt das einzig natürliche Princip der Classification in
der Art der Fortpflanzung und dem Baue der Geschlechtsorgane ge-
funden zu haben, und sucht die Berechtigung seiner Ansicht durch eine
specielle Anwendung derselben auf die Systematik der VVirbelthiere,
besonders der Säugethiere nachzuweisen. Die Wirbellosen werden
dabei nur ganz oberflächlich berücksichtigt — aber dieses Wenige
genügt vollständig, um den Standpunkt des Verf. und die Bedeutungs-
losigkeit seines Principes zu kennzeichnen. Zuunterst kommen die
Infusorien und Helminthen, die durch Urerzeugung entstehen, auf diese
die Radiaten, die durch Theilung oder Knospung sich vermehren, so-
dann die Mollusken mit ihrem Hermaphroditismus und schliesslich die
Articulaten, die auf doppeltgeschlechtlichem Wege ein „unvollständiges
Ei" produciren oder mit anderen Worten eine 31etamorphose durch-
laufen.
lieber die chemische Zusammensetzuno- der skeletbilden-
den Substanzen auch bei niederen Thieren (Arthropoden, Mu-
scheln, Hornpolypen) vgl. Fremy, Annal. chim. phys. XLXXX.
Derselbe untersucht in Gemeinschaft mit Valencien-
nes die chemische Zr.samnienselzung der thierischen Eier
und findet, dass diese in den einzelnen Gruppen sehr auffallende
Verschiedenheiten darbietet. Journ. Phar. 1854. p. 321fr.
Claparede liefert eine Zusammenstellung der neueren
Untersuchungen und Entdeckungen über die Befruchtung des
thierischen Eies, resp. das Eindringen der Samenkörperchen
in dasselbe. Bibl. univ. de Geneve 1855. T. XXIX. p. 214.
Ebenso eine kritische Darstellung der gegenwärtigen An-
sichten über den Generationswechsel, eben das. 1854. XXVI
p. 229.
Der von Allen Thompson verfasste Artikel Ovum
in Todd's Cyclopaedia of Anal, and Physiol. Supplem. ent-
hält (p. 0—42} gleichfalls eine vollständige Zusatnmenstellung
326 Leuckart: Bericht üb. d. Leistungen in d. Naturgeschichte
der älteren und neueren Beobachtungen über diesen Gegenstand
und erläutert dieselben mit zahlreichen, trefflich ausgeführten
Holzschnitten.
Auch von Quatrefa ges erhielten wie eine Abhand-
lung über den Generationswechsel und die Entwickelungs-
formen der Thiere im Allgemeinen. Les metamorphoses, exlr.
de la Revue des deux Mondes 1855. T. III u. IV.
Eine populäre, höchst elegant geschriebene Darstellung, die
auch wissenschaftlich nicht ohne Werth ist , obwohl sie weder neue
Thatsachen bietet, noch auch besondere neue Gesichtspunkte eröffnet.
Verf. unterscheidet dreierlei verschiedene Entwickelungsformen : die
Entwickelung im Eie ohne freie Metamorphose (transforraation), die
Entwickelung mit freier Metamorphose (metamorphose proprement
dite) und die mit Generationswechsel (geneagenese). Die letztere wird
mit Car penter u. A. als ein blosses Wachsthumsphänomen betrach-
tet, während andererseits die Existenz einer Metamorphose bei gewis-
sen Thieren, wie das schon früher vom Ref. geschehen ist, auf eine
unzureichende Ausstattung des Eies zurückgeführt wird. (Beiläufig
mag hier übrigens erwähnt sein, dass auch schon vor Ref. manche
Zoologen eine solche Ansicht ausgesprochen haben. So, wie ich
sehe, Joly, Cpt. rend. 1843. p. 47 und besonders Tiedemann bei
Besprechung der Herold'schen Entwickelungsgeschichte der Schmet-
terlinge in den Heidelberger Jahrbüchern 1810. S. 80.)
Ehrenberg berichtet über die fast vier Jahre fort-
lebenden mikroskopischen Thiere in der Erde desMonla Rosa,
Monalsber. der Berl. Akad. 1855. S. 225.
Valenciennes spricht über das Bohrvermögen zahl-
reicher wirbelloser Thiere, besonders Echinodermen und Mol-
lusken , Cpt. rend. T. XXXIX. p. (340 (l'Inst. 1854. p. 351).
Ueber denselben Gegenstand handelt M. de Serres Ibid.
p. 865. T. XL. p. 1313 (l'Inst. 1855. p. 234).
Dareste liefert eine Zusammenstellung zahlreicher
eigener und fremder Beobachtungen über die von Thieren
und Pflanzen abhängenden rolhen und weissen Meeresfärbun-
gen, Ann. des sc. nat. 1855. T. HI. p. 179—242.
Solche Meeresfärbungen rühren her von Algen (versch. Arten
des Gen. Trichodesmium), Entomostraken (Cetochilus auslralis) , De-
capoden (Grimotoe), Noctilucen und verwandten Thieren, von ßacil-
larien, Protococcen , von Salpen, Appendicularien und Infusions-
tliierchen,
Lcydig's „kleinere Millhcilungen zur thierischen Ge-
der niederen Thiere während der J. 1854—1855. 327
webslehre" inMüller's Arcli. 1854. S. Q96-347 enlhalten manche
wichtige und inferessanle Mittheilungen über den feineren Bau
gewisser Wirbellosen und werden unten , so weit sie uns
hier angehen, noch besonders angezogen werden.
J. Müller, über verschiedene Formen von Seethieren,
Archiv 1854. S. 69 ff. Taf. IV— VI ist nach einer früheren Mit-
theilung in den Monatsber. der Berliner Akademie (1853)
schon in dem vorjährigen Berichte berücksichtigt.
C. Metten h ei mer's Abhandlung „über den Bau und
das Leben einiger wirbellosen Thiere aus den deutschen Mee-
ren" in den Abhandlungen der Senkenberg, naturf. Gesellsch.
in Frankfurt 1854. S. 1-18 enthält Beobachtungen über Me-
dusa aurita , Thalassema eclüurus, Aphrodite aculeata, Nocti-
luca miliaris und Lucernaria (n. sp. ?). Wir werden später
auf dieselben zurückkommen.
Der achte Band von Gay, bist, fisica y politica de
Chile Paris 1854 behandelt die niederen Thiere von Chili
(Würmer und Radialen). Die hier beschriebenen neuen Spe-
cies sind an den betreifenden Stellen unseres Berichtes auf-
geführt.
Gleiches gilt von Stirn pson, Synopsis of the marine
Invertebrata of Grand Manan , Smithson. Contributions to
knowledge VI. 1854, so wie: on some remarkable marine
invertebrata , inhabiting the shores of South Carolina in den
Proc. Bost. Soc. (V. p. 110—117) und Descriptions of some of
the new marine invertebrata from the Chinese and Japanese
Seas , in den Proc. Acad. of Philad. VIJ. 1855. May and
June. (Sonst hat der Jahrgang dieses Journals von uns
noch nicht benutzt werden können.)
Gosse, a manual of marine Invertebrata for the british
Isles Part I. London 1855 ist mir nicht zu Gesicht gekommen,
soll aber ausser den Crustaceen auch die Würmer und Ra-
dialen behandeln.
Wright's Verzeichniss der bei Dublin vorkommenden
Zoophyten in den Proc. Dubl. Univ. zool. Assoc. 1854. (Rev.
nat hisL L p. 244) führt auf; 1 Coryne, 5 Tubularinen, 25
Sertularinen , 7 Campanularinen , 3 Pennatulinen , 1 Ocel-
line, 7 Actinien, 56 Bryozoen.
3 28 Leuckart: Bericht nb. d. Leistungen in d. Naturgeschichte
Die Notes on new species and localilies of microsc.
organisni. by Bailoy in den Smithson. Contrib. 1855. T. VII
betreffen fast nur Diatomeen und andere Pseudoinfusorien.
1^ e r Ml e s
(mit Einschluss der Helminthenj.
Huxley macht einige Angaben über das sog. Wasser-
gefässsystem der niederen Würnjer und erklärt dasselbe für
einen Respirationsapparat , der vielleicht auch zugleich zur
Ausscheidung des Harnes diene. On the vascular System of
the lower Annulosa. Rep. br. Assoc. (held 1854) 1855.
p. 109.
Die „Bemerkungen über einlote H'dminlhen und Meer-
Würmer" von Grube in diesem Arch. 1855. 1. S. 137 — 159.
Taf. VI u. VII, so wie der „Zoologisches" überschriebene Auf--
satz von Leydig in Müller's Arch. 1854. S. ii84 enthalten
Beobachtungen über Strudel- und Rundwürmer, die später
noch besonders berücksichtigt werden sollen.
Die Naturgeschichte der Eingeweidewürmer •'•*) , ihre
Wanderungen und EntwickeUingsgeschichle wird von v. Sie-
bold besprochen, Band- und Blasenwünner. Leipzig 1854.
S. 1. (Eine ähnliche Darstellung is! einige Jahre früher auch
vom Ref. erschienen: Parasitismus und Parasiten in Vierordl's
Arch. für phys. Heilkunde XI. 199— Q59.)
Von welcher Bedeutung die Parasitenlehre für die prak-
tische Medicin sei, geht besonders deutlich aus den» interes-
santen Aufsatze von Griesinger üher die Enlozoenkrank-
heiten des Orients hervor: Vierordt's Archiv 1854. S.554ff.
*) Wir bedauern, den Lesern unseres Archives die Jahresbe-
richte über Eingeweidewürmer von 1847 — 1854 , die sich der frühere
Herr Verfasser ausdrüclilich vorbehalten hatte , schuldig bleiben zu
müssen , hoben aber den gegenwärtigen Herrn Berichterstatter ge-
beten , die wichtigsten der in dieser Zeit erschienenen Arbeiten
nachträglich noch in so weit zu besprechen, als sie für die Ent-
wiciielung unserer heutigen hclminlhologischeu Kenntnisse massgebend
gewesen sind. Die Red.
df.i niederen Tlucre während der J. 1854—1855. 329
(Die I3eobachlunoen unseres Verf. bctrefTen besonders An-
eliyloslomum duodenale und Dislomum haemalobium, welches
lelzlere unter anderen neuen Helminthen des Menschen von
Bilharz in Cairo entdeckt ist, Zeitschrift für vviss. Zool. IV.
S. 53-77. Taf. V.)
Die mensehlichen Eingeweidewürmer behandelt Kü-
chenmeister: die in und an dem Körper des lebenden
Mensclien vorkoiniiienden Parasiten 1. 1855.
Gros, Eludes helminlhologiques in der Gazette des
hopilaux 1854 sind Ref. nicht zu Gesicht gekommen.
Der Rapport sur le concours pour le grand prix des
sciences physiques pour 185^ par QuatJefages in den
Ann. lies sc. nat. 1854. I. giebt ausser einer gedrängten Ue-
bersicht über die geschichtliche Entwickelung unserer hel-
mintliülogischen Kenntnisse eine Analyse zweier von der Kais.
Akademie gekrönten helminlhologischen Preisschriften, als de-
ren Verf. sich van Beneden und Küchenmeister erge-
ben haben. Wir werden auf diese Arbeiten unten, bei den Tre-
niatoJen und Cestoden zurüekkommen und bemerken nur noch,
dass die eine derselben, die von van ßencden, aufKosten
der k. Akademie gedruckt und (nach brieflicher Miltheilung
des Herrn Verf.) in Kürze erscheinen wird.
Da ird's Catalogue ofEnlozoa; with Plates 1853 ist mir
nicht zugekommen , dagegen finde ich in den Ann. nai. bist.
XV. p. 69. (Proc. Zool. Soc. 1853.) die Beschreibung von
einer Anzahl neuer Helminthen aus der Sammlung des Brit-
tischen Museums, die der Verf,, wie es scheint, aus diesem
Werke zusammengestellt und entlehnt hat. Wir werden spä-
ter, bei den einzelnen Helminthengruppen, diese Formen auf-
fühen.
Gastaldi beschreibt in (\en Cenni sopra alcuni nuovi
elminti della Rana esculenta, Torino 1854. mit 2 Taf. eine
Anzahl neuer Würmer aus den Ordnungen der Trematoden
und Cestoden , die weiter unten an den betreffenden Stellen
noch besonders erwähnt werden. Die Beobachtungen des
Verf. müssen unser Interesse um so mehr erregen, als sie ein
neues Beispiel liefern, wie die Schmarotzer gewisser Thiere,
hier des gemeinen Wasserfrosches, nacli dem geographischen
Vorkommen in auffallender Weise wechseln.
330 Leuckart: Bericht üb. d. Leistungen in d. Naturgeschichte
Krämer puhlicirt (illuslr. med. Ztg. !II. Heft 6) eine
Reihe „fragmentarischer Notizen und Abbildungen zur Hel-
minthologie/^ besonders über Nematoden.
Ebenso liefert Creplin in den Abhandlungen der na-
turf. Gesellschaft zu Halle 1853. I. eine Beschreibung der Ein-
geweidewürmer des Dicholophus crislatus.
,%iiiielicles«
1« Cliaetopodes«
Polychaeti s. Branchiati. An die Spitze unseres Be-
richtes stellen wir die hübsche Abhandlung von Max Mül-
ler „über Sacconereis helgolandica" in .1. Müller's Arch. für
Anat. 1855. S. 13—23. Taf. U u. HI.
Enthält eine sehr sorgfältige Beschreibung des Baues und der
Entwiciielung einer schon in dem letzten J. B. (S. 326) erwähnten Wurm-
forni, die, wie wir seitdem durch Krohn (Müller's Arch. 1855, S. 489)
erfahren haben, zu Autolylus prolifer gehört und die geschlechtlich
entwickelte Generation dieses Wurmes darstellt. Das Männchen , das
von Müller nur vermuthungsweise als solches in Anspruch genom-
men wurde, ist am Kopfe mit zwei kräftigen zangenartigen Anhängen
versehen und auch sonst noch in mehrfacher Beziehung vom Weib-
chen verschieden. Spermatozoen finden sich nur in den drei ersten
Körpersegmenten. Die Jungen entwickeln sich bekanntlich in einem
grossen Sack am Bauche des Weibchens. Sie tragen während der
späteren Zeit des Larvenlebens drei schwach entwickelte Wimper-
reifen.
Aus einer nachträglichen Bemerkung von J. Müller (Archiv
1855. S.490) erfahren wir, dass schon Slabber einen Borstenwurm
mit Eiersack beobachtet und als Scolopendra marina abgebildet habe.
Von C. Mettenheimer erhalten wir einige Notizen
über den inneren Bau von Aphrodite aculeata, besonders die
Beschaffenheit des Darmkanales , Abhandl. der Senkenberg.
Gesellsch. 1. S. 8.
Unter dem Rückenfilze trägt die Haut der Aphrodite zahlreiche
kleine hohle Kegel, die an der Spitze offen sind und nach unserem
Verf. zum Ein- und Ausströmen des Wassers in die Leibeshöhle
dienen.
Huxley liefert unter der Ueberschriff : on a herma-
phrodite and fissiparous species of tubicolar annelid (Edinb.
der niederen Thiere während der J. 1854 — 1855. 331
ncw Phil. Joiirn. 1855. p. 113. c. Tab.) eine Darstellung {\cs
äusseren und inneren Baues von Prolula Dysderi n. sp.
Die Enden der Kiemenfäden tragen eine kleine Anschwellung,
in die zahlreiche kleine längliche Körperchen ( vielleicht Nesselor-
gane Ref.) eingelagert sind. Ausser den Blutgefässen hesitzt Protula
in der Mittellinie der Bauchfläche einen flimmernden Längskanal, der
nach der Vermuthung des Verf. in der Nähe des Afters nach Aussen
führt. Eine ähnliche Bildung fand Verf. bei Phyllodoce (Ref. verweist
hier auf den Flimmerkanal von Amphicore J. B. XX. S.316). Eier
und Samenkörperchen entwickeln sich ohne Hülfe besonderer Organe
von den Querscheidewänden der Leibeshöhle und zwar in demselben
Thiere neben einander, die Samenfäden in den (2) vorderen, die Eier
in den (12) hinteren Fächern des Mittelkörpers. Die ungeschlecht-
liche Fortpflanzung geschieht in ähnlicher Weise, wie bei Filograna,
indem die hintere Hälfte des Körpers sich absetzt und durch Entwicke-
hing eines Kopfgliedes zu einem selbstständigen Thiere wird. An
einen Generationswechsel ist nicht zu denken : die Mutter zeigt zur
Zeit der Prolification bereits kleine, aber doch unverkennbare Eier.
Gosse ist nach eigenen Beobachtungen im Stande, diese An-
gaben Huxley's vollständig zu bestätigen. Ann. nat. bist. XVII.
p.3l2.
Quatrefag-es, sur la generation alternante des Syllis,
Annal. des sc. nat. 1854. II. p. 142-151. PI. IV.
Eine specielle Darlegung der schon früher in aphoristischer
Kürze publicirten Beobachtungen über die ungeschlechtliche Fortpflan-
zung zweier Syllisarten, S. armillaris (? Ref.) und Spec. dub. (Mit
Syllis prolifera Krohn — J. B. XX. S. 319 — scheint keine dieser
Arten identisch zu sein ) Verf. deutet seine Beobachtungen jetzt im
Sinne des Generationswechsels, bezeichnet aber sonderbarer Weise
das Geschlechtsthier dabei immer als Amme. Uebrigens ist dieses
Geschlechtsthier, das immer nur in einfacher Zahl seiner Mutter an-
hängt, nicht nur durch die Generationsflüssigkeiten, die es enthält, son-
dern auch durch mancherlei andere äussere und innere Eigenthüm-
lichkeiten ausgezeichnet. Es soll sogar ohne Pharynx sein und einen
einfachen cylindrischen Darm besitzen, der nach der Ablösung allmäh-
lich immer mehr atrophire. Die erste Bildung des Sprösslings wurde
vom Verf. nicht beobachtet, doch vermuthet derselbe jetzt, dass er
nicht durch eine Theilung des mütterlichen Körpers, sondern vielmehr
durch eine Knospung am Hinlerleibsendc seinen Ursprung nehme.
(Die Beobachtungen von Krohn, wie auch die vom Ref. und ande-
ren ausserfranzösischen F'orschern sind dem Verf. unbekannt ge-
blieben.)
Auch Gosse beobachtete eine — von Syllis prolifera und Au-
332 Leuckart: Bericht üb. d. Leistungen in d. Naturgeschichte
tolytus verschiedene — Syllis im Theilungsakte (S. tubifex Gosse), so
dass man fast vermuthen sollte , dass alle Arten dieses Geschlechtes
eine Prolification besässen. Ann. nat. bist. XVI. p. 31.
Max Schultze liefert in den Abhandlungen der na-
turforschenden Gesellschaft zu Halle 1855.111. S. 2l3— 223.
Taf. IX eine neue ausführliche Darstellung seiner — schon im
vorigen J. B. S. 320 erwähnten — Beobachtungen „über die
Entwickelung von Arenicola piscatorum mit Bemerkungen über
die Entwickelung anderer Kiemenwürmer. ^
Von den letzteren erwähnen wir hier namentlich die Beobach.
tungen des Verf. über die Larven der viviparen Nereis diversicolor
und des Autolytus prolifer (Sacconercis helgolandica Max Müll.), die
mit den verschiedenen Larvenzusländen der Arenicola auf der beige-
gebenen Tafel abgebildet sind.
lieber die nach dem Loven'schcn Typus sich entwickelnde
Larve von Phyllodoce vgl. die gelegentliche Bemerkung von
M. Müller, Arch. für Anat. u. Physiol. 1855. S. 17. Anm.
Ref. berichtet „über die Jugendzustände einiger Anne-
liden" (dieses Arch. 1855. I. S.Ö3. Tab. II, übersetzt in Ann.
nat. hisl. XVL p. 259).
Mit Bemerkungen über die schon von Busch gesehenen (J. B.
Bd. XX. S. 321) Larven von Nerine longirostris, über Mesotrocha
(Chaetopterus) und den Jugendzustand von Alciope Uaynaudii.
M. Müller verfolgt die weitere Entwickelung der bis-
her nur im Larvenzustandc bekannten Mesotrocha und über-
zeugt sich, dass dieselbe zu Chaetopterus gehöre. Silzungsber.
der Berl. Akad. 1855. S. 395, ausführlich in Müller's Arch.
1855. S. 1—13. Tab.I.
Die flügelartig entwickelten Rückenanhänge von Chaetopterus
(zehntes Fusspaar) entstehen dicht hinter den Ruderorganen der Larve.
J. Müller beschreibt drei Arten des von ihm schon
früher aufgestellten Larvengeschlechles xMitraria unii macht
den Versuch, diese sonderbaren Thierformen auf den Loven'-
schcn Typus der Annelidenentwickelung zu reduciren. Gleich-
zeitig wird auf die Aehnlichkeit der Mitrarien mit dem Eh-
renbergischen Rotiferengenus Cyphonautes hingewiesen. Arch.
1854. S. 88. Tab. V. u. VI.
Gänzlich räthselhaft bleibt dagegen die von J. Mull er als
Actinotrocha bezei- hnete Thierform , für die sich einstweilen über-
haupt noch keine ) eziehungen ausfindig machen h^sen. Ebendas. S. 84.
der niederen Thiere während der J. 1854—1855. 333
Ebenso Cyclopelma longiciliatum, über dessen zusammenge-
setzten Bau J. Müller mehrfache neue Angaben macht. Ebendas.
S. 96.
Leydig vermehrt die Zahl der auf der äusseren Haut
flimmernden Kiemenwürmer durch Entdeckung- einer kleinen
Serpula (n.sp.) n:it Wimperkränzen, die er vom Mantel eini-
ger miltelmeerischen Aseidien ablas. Müller's Arch. 1855.
S.313.
In Stimpon's Synopsis of the marine inverlebrata of
Grand Manan werden 42 Chätopoden (mit 22 neuen Arten)
aufgeführt und beschrieben.
Auch Gay beschreibt in der Hisforia fisica di Chile
T. VIII. p. 15 — 34 eine Anzahl neuer Chätopoden und liefert
von mehreren derselben eine Abbildung.
Peters berichtet über die von ihm an den Küsten von
Mossambique aufgefundenen Anneliden (17 Arten unter denen
11 neu). Berl. Monatsber. 1854. S. 610 und dieses Archiv
1854. I. S. 38.
Ebendaselbst (1855. I. S.8I — 136. Taf. Ill-V) veröf-
fentlichl auch Grube einen sehr reichhaltigen Aufsatz mit
„Beschreibungen neuer oder wenig gekannter Anneliden."
Für die Familie der Aphroditen verweisen wir auf die
wichtige Abhandlung von Kinberg nya slägten och arter
af Annelider, Ofvers. k. Vetensk. Förhandi. 1855. T. XII.
p. 381, wo folgende neue Arten charakterisirt sind:
Aphrodite alta Rio Jan. ; A. longicornis La Plata ; Aphrogenia
(n.gen.) a/6a St. Thomas ; Laetmonice (n. gen.) ßlicornisW eslk. von
Schweden; Iphione (n. gen.) orn/rt Honululu ; Lepidonolus Pomareae
Tahiti ; L. socialis Ins. Eimeo ; L. Jacksoni Port Jackson ; L. marga^
ritaceus Quayaquil ; L. Johnstotti Panama; L. Wnklbergi Port ISatal ;
L. coeruleus Rio Janeiro ; L. hataicns llonululu ; L. slriatus Port Jack-
son; L. indicus Bangka ; Holosxjdna (n.gen.) Virgini llonululu; H.
australis La Plata; //. pntagonica Älagclhäns - Str. ; //. parva Valpa-
raiso; //. bretisetosa St. Franzisko ; Antinoe (n. gen.) aequisela VotI
Katal ; A Waahlii Fori iavkson ; A. pulckcllus La Plata; A. microps ^\o
Janeiro; llarmolhoe (n. gen.) spinosa Magelhäns - Mr. ; Herma.
dioH (n.gen.) Magclhnensi IMagclhäns - Str. ; //. longicirralus eben-
dah. , Panihalis (n. gen.) Oersledi j'chwedcn; Evpompe (n. gen.)
Gr?i6ei Quayaquil ; Sthenelais (n. gen.) //c/e/ifle Valparaiso ; St. arlU
culala Rio Janeiro; Sigalion Edwardsi La Plata; Le antra (n. gen.)
334 Leuckart: Bericht üb. d. Leistungen in d. Naturgeschichte
Quairefagesi La Plata; Psamniülyce (n. gen.) Petersi Mossambique ;
Fs. ßava Klo Janeiro.
Die neuen Genera tragen nachstehende Diagnose:
Aphrogenia (e tribu Aphroditaceoruin). Oculi parti basali tenta-
culi impositi, laterales; tela tomentosa nulla; setae pedum dorsualium
uncinatae, nee glochideae, pedum ventralium paucae, bidentatae,
Laelmcniee (e tribu Aphroditaceorum). üculi pedunculis suffulti
margini anteriori lobi cephalici adnatis; dorsum tela tomentosa tectum;
setae pedum ferentiuni glochideae, ventralium semipennatae.
Jphione (e tribu Iphioneorum). Oculi quatuor, lobus oepbalicus
in arliculos antennarum basales productus, lobo longiores; elylrorum
paria Iredecim ; setae dorsuales subulatae, ventralibus serralis appro-
ximatae. Hierher auch als Spec. Eumolpe murirata Blainv.
Halosydna (e tribu Polynoinorum). Bases antennarum margine
anteriore lobi cephalici producti ; elytrorum paria 15— 21, dorsum non
omnino tegentia ; corpus elongatum.
Antinoe (e tribu Polynoinorum). Bases antennarum sub margine
lobi cephalici, antice incisi , iuxta tentaculum affixae; elytrorum pa-
ria i')f — 15, dorsum obtegentia ; corpus breve.
Harmolhoe (e tribu Polynoinorum). Bases antennarum sub ten-
taculo affixae, incisuram lobi cephalici occupante; elytrorum paria 15,
dorsum obtegentia ; corpus haud longum. Hierher auch Lepidonote
scabra (Fabr.) Oerst.
liermadion (e tribu Polynoinorum). Antennae ut in Harmothoe;
elytrorum paria 15, partem mediam dorsi et segmenta posteriora non
tegentia; setae inferiores infra apicem serratae; corpus elongatum.
Panthalis (e tribu Acoeteoriim). Dentes niedii contigui ; pedun-
culi oculorum partem anticam lobi cephalici occupantes, longitudine
tentaculi; elytrorum paria 39, primis tribus planis dorsum tegentibus,
reliquis campanulatis, dorsum medium nudum relinquentibus.
Eupompe (e tribu Acoeteorum). Pedunculi oculorum partem
anticam lobi cephalici occupantes, tentaculo parum breviores; elytro-
rum paria 93, plana, tenuia, inverse s. antrorsum imbricata; pars an-
lica et media dorsi nuda, postica tecta.
Sthenelais (e tribu Sigalioninorum). Lobus cephalicus rotundatus ;
media parte impressa tentaculum excipiens validum, cuius basi anten-
nae affixae; oculi quatuor; setae trium ordinum : setaceae, serrulatae;
subulatae, serrulatae ; articulatae, bidentatae. Papillae elytrorum dor-
sum tegentium simplices.
Leanira (e tribu Sigalioninorum). Lobus cephalicus rotundatus,
sulco medio tentaculum excipiens; antennae nullae; palpi longissimi ;
oculi duo ; setae superiores spiraliter serrulatae, inferiores subulatae,
pectinato-canaliculatae; elytra anteriora dorsum non omnino tegentia,
papillis nullis.
der niederen Thiere während der J. 1854—1855. 335
Psammolyce (c tribu Sigalioninorum). Lobus ccplialicus antice in
basem productus crassam tentaculi longi; antennae nullae; oculi
quatuor (duo?); setae superiores simplices, gracilliinac, serratae, in-
feriores composilae, apice bidcntato-fissae ; elytra medium dorsum non
tegentia, arenosa, margine longe funbriata.
Weitere neue Arten aus der Familie der Aphroditeae: Polynoe
chilensisy V. virens , P. faiciciilosa aus Chili, Gay 1. c. p. 15 — 17.
Tab. I. flg. 1 — 3. Polynoe glauca Peters a. a. 0. Pol. malleata von
Triest , P. tula und P. vitata aus Sitcha , Grube a. a. 0. S. 81-83
Acoeles lupina Süd-Carolina, Stimpson, Proc. Bost. Sog. V. p. 116.
Volyodontes gulo (Rüpp.) n. sp. »us dem Reihen Meere, Grube a.
a. ü. S. 83 — 90. Eine Form, die zwischen Polyod. maxillosus Ranz.
und Acoeles Pleei Aud. et Edw. in der Witte steht, so dass es Verf.
jetzt für natürlich hält, die beiden Gen. Polyodonles und Acoe-
tes unter dem gemeinschaftlichen Namen Polyodontes, mit einander
zu vereinigen und dafür eine neue Diagnose aufzustellen, die fol-
gender Massen lautet: Corpus vermiforme, depressum, elytrophorum,
elytris segmento 2do, oio, öto et ceteris imparlbus affixis , segmentis
interiectis cirros dorsuales gerentibus , lobus capitalis lentaculis fron-
lalibus 1 vel 3, lateralibus inferioribus 2, oculis peliolatis 2 munitus,
segmentum buccale utrinque cirris tentacularibus 2 protentis instru-
clum , pharynx exsertilis ex cylindrato depressa bilabiata, margine
antico papillis brevibus coronato, media maxime producta, filiformi,
maxillis uncinatis serratis 4; pinnae fasciculis setarum 2 vel 3, cirro-
que ventrali et dorsuali aut elytro instructae , interdum papillis dor-
sualibus ornatae, setae simplices, superiores pectinalim collocatae,
fortiores, minus prominentes, praeter eas interdum fasciculus setarum
capillarium, s. inferiores penicillum minutum componentes , tenerae
fortioribus longiores. An diese Diagnose schliesst sich sodann eine
neue Charakteristik der drei bekannten Species : P. maxillosus Ranz.,
P. gulo (Rüpp.) Gr. und P. Pleei (Aud. et Edw.) Gr.
Sigalion ooulatnm, Peters a. a. 0. S. 38.
Pholoe iectttf Stimpson 1. c. p 31.
Palnnjra debilis Villa franca , Grube a. a. 0. S. 90. Taf. III.
flg. 4.
Aus den übrigen Familien der Rückenkiemer haben wir folgende
neue Arten zu erwü'men:
Chloeia egena hab.? Grube a. a. 0. S. 92.
Notopygos crinila Grube von St. Helena, eine schon in den „Fa-
milien der Anneliden" aufgeführte (J. R. XX. S. 324) neue Form,
die hier (a. a. 0. S. 93) charakterisirt wird. Für das Gen. n. stellt
Verf. folgende Diagnose auf: Corpus ex ovali oblongum, validum,
depressum, segmentis magnis, ano dorsuali , a segmento postremo re-
moto , lobus capitalis crassus, subtus per longitudinem sulco divisus,
336 Leuckart: Bericht üb. d. Leistungen in d. Naturgeschichte
tenlaculis anticis 5, oculorum paribus 2, os inferum, segmenla bucca-
lia caruncula dorsuali ornata; tubercula seligera ulrimque disticha,
cirro dorsuali et ventrali niunita , sursum speclantia , setae siinpliccs,
penicillos magnos componentes, branchiae dorsuales , cirratae, ad ba-
sin penicillorum superiorum sitae.
Amphinomc inrarunculata , Peters a. a. 0. S. 39.
Zu den Amphinomeen scheint auch das sonderbare nov. Genus
Cryplonota zu gehören, das Stimpson, der dasselbe neu auf-
stellt, folgendermassen charakterisirle: Body broat, oval; segmerts very
narrow; head minule, papilliform, placed ad about ihe anterior fourth of
the length of the animal ; single median lentacle short much narrower
than the head; eyes tvvo at the base of the lentacle. Back entirely
covered by the crowded dorsal setae , leaving only a median line of
Separation, which terminales anteriorly at Ihe head and posteriorly not
far from the margin. The dorsal pinnae are thus transverse in the
middle and longitudinal at the extremilies of the body, as if radiated
from the Iwo points forming the extremilies of the dorsal line. The
ventral pinnae are short and provided with strong hooked setae.
They completely Surround the ventral surface of the animal. The
moulh is at about the anterior sixth of the animal below, and from
it the anterior feet radiale, as from the head abovc. The branchiae
probably ressemble those of Euphrosyne, to v\'hich genus this has
perhaps the nearest relations. Sp. Cr. citrina, Stimpson 1. c. p. 36.
Diopatra longissima hab. ? Grube a. a. 0. S. 94. Tab. III. fig. 6.
Eunice afra , E. punclalay E, simplex, E. mossamhica^ Peters
a.a. 0. S. 39. 40. Eunice üersledif E. vivida j Stimpson 1, c. p. 35.
Eunice aenea y Gay I.e. p. 19. Tab. I. fig. 4.
Lysidice punctata Triest und Villa franca , Grube a. a. 0.
S. 93.
Evonelle (n. gen.) bicarinala, Stimpson I.e. p. 34 ist sehr
nahe mit üenone verwandt.
I^ereis abyssicola, F^. Irisy N. denticulalay ?i, grandis, Stimpson
ebendas. p. 33. 3i. Nereis Gaxji, Gay 1. c. p. 22. Tab. I. fig. 5.
Eichwald beschreibt N. brevimana Johnst. in dem Rigaer
Correspondenzblatt VI. S. 108 und Grube die N. (Heteronereis) he-
teropoda Cham, et Eyseuh. a. a. 0. S. £6.
Dendro nereis (n. gtn.) arborifera ^ Peters a. a. 0. S. 40.
Das neue Genus unterscheidet sich von Kereis dadurch, dass die Girren
des 13^ — 23. Körperringes zu grossen Kiemenbüscheln verästelt sind.
Lycaslcs quadraticeps, Gay 1. c. p. 25. Tab. I. fig. 7.
Staurocep halus (n. gen.) rubrovütalus Iriestf Grube a.a.O.
S. 97. Tab. III. fig. 8—12 , eine Art, bei der die Kopflappen der Ne-
reiden in ansehnliche Seitenanhänge ausgewachsen sind.
der niederen Thiere während der J. 1854—1855. 337
Nephthtjs ingens, Stimpson 1. c. p. 33.
Fhtjllodoce transallantica, Gay 1. c. p. 2G.
Lcpadorrhynchus (n. gen.) brevis aus dem Älittelmeere,
Grube a. a. 0. S. 100. 101. Tab. III. fig. 13—16. Gleichfalls schon
früher ( Farn, der Anneliden ) vom Verf. kurz charakterisirt. Bei
einigen Exemplaren waren die beiden ersten Segmentanhänge in kneip-
zangcnantige Haftapparate verwandelt; wie Verf. — wohl mit Recht —
vcrmuthet, eine Auszeichnung der männlichen Individuen.
Oxydromus (n. gen.) fasciatus ^ Grube a. a. 0. S. 98 — 99.
Tab. IV. fig. 1 u. 2. Triest und Villa franca. Mit Castalia verwandt,
aber mit 5 Fühlern und ohne oberes Borstenbüschel und Züngelchen.
Ghjcera carnea , Gay 1. c. p. 28. Tab. II. fig. 1. Gl. virides^
cens Stimpson 1. c. p. 33. Ueber Glycera Meckelii Aud. ? (oder
Gl. fallax Quat.) vgl. Grube a. a. 0. S. 101—104.
Syllis sienura, Gay 1. c. p. 24. Tab. I. fig. 6. ; S. spongicola
Triest, Grube a. a. 0. S. 104.; S. tubifex , Gosse Annais nat. bist.
XVI. p. 31. Eine zweite ebendaselbst von G. beschriebene neue Art
des Gen. Syllis, S. longiselCy gehört zu Exogone Oerst.
Crithida (n. ge».) thaUassina, Gosse (ibid. XVI. p. 308) ist
ein männliches Individuum von Autolytus prolifer (Sacconereis hel-
golandica M. Müll. s. oben S. 330).
Vergl. über Autolyliis ferner noch Grube a. a. 0. S. 105.
Leucodore ciliala Johnst var. minuta (?) Grube ebendas. 106.
aus Dicppe.
Ueterocirrus (n. gen.) saxicola, Gr. a. a. 0. S. 108. Tab. IV.
fig. 11, bei Villa franca. Eine neue, vielleicht mit Lumbricus cirratu-
lus Delle Ch. identische Wurmform, die Verf. zwischen Spio und Cir-
ratulus stellen möchte.
Cirralulus Blainvillei Gr. (Girronereis filigera Bl. , wahrschein-
lich auch Lumbricus filigerus Delle Gh.), a. a. 0. S. HO. Triest. — •
C auslraliSf Gay 1. c. p. 29.
Äonis villalaf Gr. a. a. 0. S. HO. Vaterland unbek.
Die von mir beschriebene Aonls Wagneri (J. B. XVI. S. 361)
ist nach Grube eine Spio, vielleicht Sp. crenaticornis Wont. Ebenso
erkennt derselbe die von ihm früher (Act. Echin. Wurm, des Mittelm.
S. 69) beschriebene Aricia Latreillei jetzt als n. Sp. ; A. laevigala^ a.
a. ü. S. 112. Tab. IV. fig. 6—S.
Das neue Gen. Clytia Gr. unterscheidet sich von Aonis durch
den Mangel der ansehnlichen Lippenblälter an den ßorstcnbündcln und
die freie Bildung der Kopflappen. Nov. sp. Cl. simplex bei Villa franca,
a. a. 0. S. 114. Tab. IV. fig. 9. 10.
Ophelia glabra^ Stimpson 1. c. p. 33.
Siphonostoma grande und S. minulum ^ Gay 1. c. p. 35. 36. —
Archiv f. Nnturgesch. XXIl. Jahrf . 2. Bd. \y
338 Leuckart: Bericht üb. d. Leistungen in d. Naturgeschichte
Siph. asperum, Tee iure IIa (n. g.) flaccida (Siph. vaginiferum?),
Brada (n. gen.) granosa, Br. stihlaevis , Stirn pson 1. c. p. 32. Die
beiden neu aufgestellten Genera dürften kaum von Siphonostomum zu
trennen sein.
Arenicola nalalu Chelsea, (jlirard Proc. Bost. Soc. V. p. 88;
A. cristala y durch ihre colossale Grösse ausgezeichnet, Stimpson
ibid. p. 114.
Die Gruppe der Capitibranchiatae hat keinen so grossen
Zuwachs an neuen Arten erhalten.
Grube beschreibt ausser Terebella nebulosa Mert. und T. lutea
Hisso als neu: T. viminalis von Palermo, T. Iriserialis aus Sicilien
und Villa franca, T. coraUina Villa fr. und T. pectinala aus dem Mit-
telraeere. A. a. 0. S. 115— 120. Terebella brunnea n sp. , Stimpson
1. c. p. 31.
Lumara (n. gen.) ßava, Stimpson ibid. p. 30 dürfte trotz
der Anwesenheit von Augen auf dem ersten Wimperringe kaum von
den zweikiemigen Terebellen zu trennen sein.
Das neue Gen. C alymmatop s Peters ist eine Terebella, de-
ren Kiemen von dem Rande einer eigenen blattförmigen Duplicalur
entspringen. C. granulalus, Peters a. a. 0. S.41.
Polycirrus (n. gn.) Medusa, Grube a. a. 0. S. 120 ist von
unserem Verf. schon früher (Farn, der Anneliden S. 137) kurz charak-
terisirt worden.
Crossostoma (n. gen.) Midas , Gosse Ann. nat. bist. XVI.
p. 310. Tab. VIII. p. 7 — 12 ist mit Amphitrite Gunneri Sars (Amphicteis
Gr.) identisch.
Sabellaria pewnafa n. sp. aus Wossambique, Peters a. a.Ü. S.42.
Sabella mossambica , Peters ebendas. S.42. — S. Zonalis,
Stimpson I.e. p. 30 (= Tubularia penicillis 0. Fabricius).
Eriographis borealis, Gr. Fam. der Annel. S. 139, ist wie Verf.
jetzt hervorhebt (Arch. 1855.1, S. 122j, identisch mit der vonKoch
in Renieri's Nachlass beschriebenen Myxicola infimdibuliim (auch wohl
Trombetta divisa Ben. und Sabella infundibulum Delle Ch.).
Protula media, Stimpson ibid. — Pr. Dijsderi, H u x 1 e y Edinb.
new phil. Journ. 1855. p. 155. Tab. I.
Vermilia serrula, Stimpson I.e. p. 29, nur nach demGehäuse
beschrieben.
Der Deckel von Serpula (Galeolaria) caespitosa Lain. wird ab-
gebildet bei Grube a. a. 0. V. fig. 4.
Spirorbis chilensis , Gay 1. c. p. 34. — Sp. quadrangularis,
Stimpson 1. c. p. 30.
Unter dem Namen Sloa stellt M. de S er res ein neues Genus
Spirorbis -artiger Tibicolen auf, die parasitisch auf den dicken Scha-
der niederen Thiere während der J. 1854—1855. 339
len oceanischer Bivalven leben und dieselben nach verschiedenen
Richtungen hin durchsetzen (Ann. des sc. nat. 1855. IV. p. 238). Die
Gehäuse dieser Thiere charakterisirt Verf. mit folgenden Worten :
Tube testace contourne en spirales orbiculaire et irreguliere , d'une
foruie discoide, renflee et convexe ; dernier tour detache du premier,
et se prolongeant parfois en un tube droit; Ouvertüre ovalaire, ter-
minee par un opercule solide, calcaire, conique et surcharge. Verf.
unterscheidet drei verschiedene Arten: St. ammonitiforniis , St. spi-
rulaeformis und St. perforans. (Das Thier von Sloa ist vom Verf.
nicht beobachtet — es dürfte die Aufstellung eines neuen Genus dem-
nach einiges Bedenken haben, um so mehr als die Anwesenheit eines
kalkigen, mit dichten Spirallinien gezeichneten Deckels fast mehr auf
eine Schnecke, als auf einen Borstenwurm hindeutet. In der That be-
schreibt d'ürbigny — nach einer Angabe Sh utt 1 e wo rt h's ibid.
p. 319 — einen Vermetus (Spiroglyphus Daud.) corrodens, der, wie
Stoa, die Schalen zahlreicher tropischer Muscheln durchlöchert.)
Gosse beschreibt (Ann. nat. bist. XV. p. 33. Tab. IV) ausser
Othonia Fabricii Johnst. (Amphicora Sabella Ehrbg.) noch zwei an-
dere neue — augenlose — Arten dieses Geschlechtes, 0. Bairdii und
0. Johnstoni, und charakterisirt das Gen. folgendermassen :
„GilUfants two, composed of several soft, thick curled-inward,
pectinated , ciliated stems set like a star around Ihe mouth ; body
composed of twelve to thirty-five segments, all furnished with lateral
pencils or bristles, buth without hooks (? Ref.). Animal inhabits a
membranous tube, open at both ends, which it öfter forsakes.«
Die von Grube als neu beschriebene Fabricia gracilis, a.a.O.
S. 123, dürfte wohl mit Amphicora mediterranea Leyd. (J. B. XX.
S. 328) zusammenfallen.
Oligochaeti s. Lumbricini. Die Gruppe der Regenwürmer
hat in dem jungen belgischen Zoologen d'üdekem einen
fleissigen und geschickten Bearbeiter gefunden. Wir verdan-
ken demselben eine ganze Reihe von vortrefflichen Monogra-
phieen, die unsere Kenntnisse über den Bau und die Ent-
wickelungsgeschichte dieser Thiere bedeutend gefördert haben.
Die erste dieser Monographieen ist die schon im vorig.
J. B. erwäiinte „histoire nat. de Tubifex des ruisseaux" in den
Mem. couronn. de l'Acad. roy, de Belgique T. XXVI. 38 S.
und 4 schön ausgeführte Tafeln. Sie enthält ausser einer hi-
storischen Einleitung eine vollständige, sehr detaillirle Ana-
tomie und Entvvickelungsgeschichle, so wie schliesslich eine
zoologische Charakteristik des Gen. Tubifex und insbesondere
des T. rivulorum.
340 Leuckart: ßericht üb. d. Leistungen in d. Katurgeschichte
Die „schleifenförmigen Drüsen« werden vom Verf. in derselben
Weise beschrieben, wie von Gegen baur (J. B. XX. S. 329) , nur
dass die beiden grossen Flimmerkanäle, die letzlerer gleichfalls diesen
Drüsen zurechnet, hier — und zwar gewiss mit Recht — als Samen-
leiter in Anspruch genommen werden. Das Gefässsystem besteht aus
einem Rückenstamme und einem Bauchstamme, die in den einzelnen
Segmenten durch seitliche Gefässbögen unter sich zusammenhängen.
Der siebente Gefässbögen ist stark erweitert und fungirt als Herz.
Auch einige andere Gefässbögen (besonders die des 10 — 12. Ringes,
die neben den Geschlechtsorganen liegenj, zeigen in ihrer Entwicke-
lung gewisse Abweichungen. Besonders interessant sind die Mitthei-
lungen unseres Verf. über den Bau der Generationsorgane, der frei-
lich sehr verwickelt ist nnd auch vielleicht nicht in jeder Beziehung
vollständig erkannt wurde. Der Hoden erscheint als eine unpaare
sackförmige Drüse, die am weitesten nach vorn liegt und zur Zeit
der Reife ihren Inhalt in die Leibeshöhle ausleert. Von da gelangen
die Samenfäden in die mächtig entwickelten Samenleiter, deren Ende
mit einer trompetenförmig erweiterten , freien OefTnung versehen ist.
Vor der äusseren Geschlechtsöffnung , die jederseits am elften Ringe
gelegen ist, zeigen diese Samenleiter eine ansehnliche flaschenförmige
Erweiterung (Geschlechtskloake Verf.), der in der Mittellinie eine für
beide Leitungsapparate gemeinschaftliche, langgestreckte und beutel-
artige Samenblase anhängt. Rechts und links von dieser Samen-
blase findet man die beiden schlauchförmigen Ovarien mit den Eikei-
men. Die Reifung der letzteren geschieht in einem besonderen un-
paaren Fruchthälter, der die Samentasche einschliesst, ohne damit aber
in offener Communication zu stehen. In ähnlicher Weise scheinen
die Ausführungsgänge dieses Fruchthälters die äusseren Erweiterungen
der Samenleiter scheidenartig zu umgeben. Die beiden grossen Blind-
säcke vor der Geschlechtsöffnung betrachtet Verf. als Schalcndrüsen ;
ihr Inhalt soll nicht, wie man wohl angenommen hat, aus Spermato-
phoren, sondern aus fadenförmig verfilzter Schalensubstanz bestehen
(? Ref.). Die Eier sind bekanntlich immer zu mehreren in eine ge-
meinschaftliche Schalenhaut eingeschlossen und besitzen — im Ge-
gensätze zu den Eiern der Regenwürmer — eine sehr beträchtliche
Grösse.
Die Beobachtungen (rUdekem's beschränken sich übri-
gens nicht auf dieses eine Genus; wir erhielten von dem-
selben auch eine zweite nicht minder wichtige und interes-
sante Abhandlung: developpement du lombric terrestre (Ibid.
T. XXVII), eine gekrönte Preisschrifl, deren Hauptresultate
schon vor dem Drucke durch den Berichterstatter, Prof. van
Beneden, in den Bull, de l'Acad. de roy. de Belgique T, XX.
der niederen Thiere während der J. 1854—1855. 341
No. 11 uns bekannt geworden sind. (Obwohl die Piiblikalion
dieser Abhandbjng cigenllicli erst in das Jnhr 1856 fällt,
nelimen wir doch keinen Anstand , darüber hier gleichzeilig
mit dem ßerichte v a n Ben e d e n's zu rel'eriren.)
Zum ersten Male erhalten wir hier eine genügende, wenn auch
vielleicht nicht ganz vollständige Darstellung vom Baue der Ge-
schlechtsorgane bei dein ilegenwurmc, diesem so gemeinen und so
vielfach untersuchten Geschöpfe , zum ersten Male namentlich auch
eine Beschreibung der Ovarien, die von allen früheren Beobachtern,
bis auf unseren Verf. , übersehen und irrlhümlicher Weise in diesem
oder jenem Theile des männlichen Geschlechtsapparates gesucht wur-
den. Die Hoden bestehen (wie in neuerer Zeit auch wohl ziemlich
allgemein angenommen wird) aus den bekannten drei Drüsenpaaren,
die sogleich bei Eröfl'nung des Wurmes oberhalb des Magens aulfal-
len. Dieselben haben eine einfache sackförmige Bildung und enthal-
ten Samenmasse auf den verschiedensten Stufen der Entwickelung,
Zwischen diesen Hoden liegen vier paarweise gruppirte , flimmernde
Trichter, deren vielfach gefaltete Wandungen sich mit ihrer konischen
Spitze in gleichfalls flimmernde Kanäle fortsetzen. Diese Kanäle sind die
Samenleiter. Am Anfange sind dieselben knäuelförmig gewunden, bis
sie schliesslich einen gestreckten Verlauf annehmen und sich jederseits
zu einem einfachen Gange vereinigen, der im 15. Segmente ausmündet.
Die freie Trichterötfnung soll übrigens nach der Darstellung unseres Verf.
keineswegs zur Aufnahme der Samenfäden dienen; Verf. beschreibt
vielmehr an jedem Hoden einen besonderen kurzen Ausführungsgang,
mittels dessen diese Drüse in den Hals der Trichter einmünden, die
beiden ersten Hoden in den Hals des vorderen Trichters, der letzte
Hode in den des zweiten. Die Ovarien sind (und Meissner, wie
Schmidt und Ref. haben bereits Gelegenheit gehabt, diese That-
sache zu bestätigen, Zeitschr. für wiss. Zool. VI. S. 238) zwei kleine
birnförmige Drüsen, die im zwölften Körperringe neben dem Nerven-
strange gelegen sind und nach hinten in einen Ausführungsgang sich
verlängern, deren Ausmündung und letzte Endigung unserem Verf.
unbekannt geblieben sind. Zu den Hoden und Ovarien gesellen sich
sodann noch einige accessorische Gebilde, unter denen besonders die
Samenlaschen und Schalendrüsen zu nennen sind. Die ersteren , die
in früherer Zeit gewöhnlich für Hoden gehalten wurden, liegen im
neunten und zehnten Segmente. Sie stehen mit dem männlichen Ap-
parate in keinem Zusammenhange, sondern werden bei der Begattung
von Aussen gefüllt, obgleich Verf. über die Ausmündung derselben
und die Uebertragung der Samenmasse im Unklaren geblieben (Ref.
hat an der vorderen Bauchseite der Regenwürmer zur Brunstzeit nicht
selten kleine spindelförmige Gebilde angfclroü"en , die mit Samenläden
342 Leuckart: Bericht üb. d. Leistungen in d. Naturgeschichte
gefüllt waren und wohl als Spermatophoren zu betrachten sein dürf-
ten. Sie scheinen dieselben Gebilde zu sein, die man früher als Pe-
nis ansah und die nach den Beobachtungen von F.Müller und Hoff-
meister bei Criodilus zu einer sehr ansehnlichen Ausbildung ge-
langen.) Die „Schalendrüsen," die paarweise im 8 — 11. Segmente an-
getroffen werden, sind eigentlich blosse vergrösserte Borstensäckchen.
Sie enthalten eine Anzahl sehr kräftiger Borsten, die nach Aussen
vorgestreckt werden können und bei der Begattung als Stimulations-
apparate fungiren, ausserdem aber auch grössere und kleinere rund-
liche Ballen einer zähen, gelblichen Substanz , die nach der Vermu-
thung unseres Verf. zur Fabrikation des Cocons dienen. Die Bildung
dieses Eibehälters hat Verf. übrigens ebenso wenig direkt beobachten
können, wie das Ablegen und die Befruchtung der Eier ; er glaubt
indessen mit Bestimmtheit annehmen zu dürfen, dass die Uebertragung
der bei den Hirudineen bekannten Verhältnisse auf die Regenwürmer
unzulässig sei.
Die Entwickelung der Regenwürmer zeigt nur wenig auffallende
Verhältnisse. Wir verweisen für die Vorgänge derselben auf das
Original und erwähnen bloss, dass die Ausbildung des Embryo vom
Kopfe immer weiter nach hinten schreitet. Die erste Anlage des
Kopfes lässt sich schon sehr frühe als eine Verdickung des Blastoderma
erkennen. Die Bildung der schleifenförmigen Kanäle geschieht gleich-
falls frühe, viel früher, als die der Blutgefässe, die sich kaum ein-
mal bei dem ausschlüpfenden jungen Wurme erkennen lassen. Die
Eier der Regenwürmer sind Anfangs bekanntlich ausserordentlich
klein , aber die Masse derselben wächst während der Entwickelung
durch Absorption des Eiweisses, das neben den Eiern in der Schalen-
haut des Cocons eingeschlossen ist , so dass der junge Wurm beim
Auskriechen ganz ansehnlich ist. Uebrigens kommt in der Regel nur
ein einziges Ei in dem Cocon zur Entwickelung, da die übrigen,
meist schon frühe, absterben.
Auf diesen ersten, dem Gen. Lumbricus gewidmeten Abschnitt
der d'Udekem'schen Monographie folgt eine, zum Theil freilich mehr
aphoristisch gehaltene Darstellung vom Baue der Geschlechtsorgane
und der Entwickelung der übrigen vom Verf. beobachteten Lumbrici-
nen : Enchytraeus vcrmicularis und E. galba, Chaetogaster diaphanus,
Nais proboscidea , Tubifex rivulorum und Euaxcs obtusirostris. Die
Generationswerkzeuge von Tubifex sind von unserem Verf. schon in
der vorher erwähnten Monographie dargestellt worden ; wir beschrän-
ken unsere Bemerkungen daher auf die übrigen hier erwähnten
Species.
Enchytraeus besitzt einen unpaaren Hoden , der , wie überall
bei den Lumbricinen, im vorderen Abschnitte des Körpers liegt und in
seiner Bildung mit der unpaaren Samenblase von Tubifex überein-
der niederen Thicre während der J. 1854—1855. 343
stimmt. Wie die letztere von dem Uterus, so wird bei Enchytraeus der
Hoden vom üvarium umgeben , aus dem jederseits ein kurzer und
trichterförmiger Ausführungsgang hervorkommt. Mit diesem Ausfüh-
rungsgange an derselben Stelle (im 12. Segmente) öCfnet sich der Sa-
menleiter, der eine sehr beträchtliche Länge hat und mit einem drü-
sigen Anfangstheile aus dem vorderen Abschnitte des Hodens her-
vorkommt. Die Schalendrüsen erreichen eine beträchtliche Entwicke-
lung und liegen vor den Geschlechtsorganen (Speicheldrüsen der frü-
heren Autorenj. Sie enthalten ein faseriges Sekret, das zur Umkapse-
lung der einzelnen Eier dient.
Bei Chaetogaster fehlen die Cicschlechtsdrüsen, indem Sperma-
tozoon und Eier hier frei in der Leibeshöhle (im zweiten und dritten
Körpersegmente) ihren Ursprung nehmen. Zur Ausfuhr der ersteren
dienen zwei ansehnliche Samenleiter mit einem freien Flimmertrich-
ter am Ende und einer Drüsenanschwellung vor der JHündung. Auf
welche Weise die Eier nach Aussen gelangen, ist Verf. unbekannt
geblieben, er vermuthet ein Platzen des betreffenden Segmentes. Die
abgelegten Eier sind einzeln in eine Kapsei eingeschlossen, die auch
hier von zwei Drüsensäcken abgesondert wird , und mittelst eines
kurzen Stieles auf fremden Gegenständen befestigt.
Nais proboscidea konnte nur unvollständig untersucht werden,
doch glaubt sich Verf. davon überzeugt zu haben, dass Hoden und
Eierstock in ähnlicher Weise, wie bei Enchytraeus, in einander ein-
geschaclilelt sind. Vor den Geschlechtsorganen liegen ein Paar beu-
teiförmige Drüsensäcke (Hoden v. Siebold), deren faseriger Inhalt
auch hier zur Umhüllung der Eier. Letztere werden, wie bei Chae-
togaster, einzeln an fremden Gegenständen befestigt und sind am vor-
deren freien Pole mit einem kleinen cylindrischen Aufsatz (nach der
Abbildung mit einer Oeffnung am Ende, etwa einer Micropyle? Ref.)
versehen.
Die Geschlechtsorgane von Euaxes hat Verf. nicht selbst unter-
sucht; er versucht es indessen, die Darstellung von Menge mit sei-
nen Erfahrungen an den übrigen Lumbricinen in Einklang zu bringen.
Eine dritte Abtheilung unseres Werkes giebt eine vergleichende
Uebersicht über den Bau der Geschlechtsorgane bei den Lumbricinen
im Allgemeinen , aus der wir hier nur das Eine hervorheben , dass
der Verf. bei allen von ihm untersuchten Arten die Anwesenheit
eines Sattels, d. h. einer ringförmigen Schicht von Drüsenzellen in
der Nähe der Geschlechtsapparate nachweisen konnte.
Die Description d'une nouvelle espece d'enchytraeus par
(rUflekein cßuU. Acad. roy. de Belg. T. XXL No. 11 u. 12.
mit 1 Tal. Abbild, handelt iJber die Arten des Gen. Enchy-
traeus. Verf. beschreibt dabei eine neue belgische Form,
344 Leuckart: Bericht üb. d. Leistungen in d. Naturgeschichte
die er wegen der Anwesenheit eines deutlichen Muskehna-
gens als E. ventriculosus bezeichnet.
Die Beschreibung dieser Art beschränkt sich nicht bloss auf den
äusseren Bau, sondern berücksichtigt in gleicher Weise auch die in-
nere Organisation , bes. den Darm, die Nieren (Schleiienkanäle), das
Nervensystem und die Geschlechtsorgane.
Meissner macht (Zeilschrift für wiss. Zool. VI. S. 238)
die Bemerkung, dass die Samenbehäller von Lumbricus, die
jederseits in der Furche zwischen dem 9. und 10 , wie zwi-
schen dem 10. und 11. Ringe durch eine feine Oeffnung nach
Aussen münden, bei der Begattung nicht bloss mit Sperma
gefüllt werden , sondern auch die Eier aufnehmen. Im In-
nern dieser Blase geht nach der Darstellung unseres Verf.
auch die Befruchtung vor sich, indem sich die Samenfäden
in die nackte, linsenförmig abgeplattete Dottermasse einboh-
ren. (Die Darstellung M.'s steht mit d'Udekem in sofern
im Widerspruche, als letzterer die Eier noch im Cocon, bis
zur Ausbildung der Embryonen, von einer Dotterhaut umhüllt
sein lässt.)
Nach den Beobachtungen von Leidy pflanzt sich Sty-
laria fossularis den Sommer über ausschliesslich durch Thei-
lung fort. Erst im Herbste, wo die Fähigkeit dieser unge-
schlechtlichen Vermehrung erlischt, bekommen die Individuen
zwitterhafte Geschlechtsorgane. A flora and fauna within
liv, Anim., Smithson. Contrib. V. p. 11. Anm.
New p ort findet die Angaben von Bonn et und S p al-
le n z a n i über das Reproductionsvermögen von Lumbricus
terrestris vollkommen bestätigt. Ann. nat. bist. Xill. 1854.
p. 423. (Proc. Linn. Soc.)
Von systematischen Arbeiten haben wir zu erwähnen:
Nouvelle Classification des Annelides setigeres abran-
ches par d'Udekem (Bullet. Acad. roy. de Brux. T. XXII.
No. 10).
Enthält eine Schilderung des äusseren und inneren Baues der
Lumbricinen und ihrer Familien, so wie eine kurze Charakteristik der
vom Verf. beobachteten Genera und Arten. Verf. unterscheidet vier
Familien : die der Lumbricinen, Tubificinen, Enchylräen und Naidinen,
von denen die drei ersten sich ausschliesslich durch befruchtete Eier
fortpflanzen} während sich die vierte auch zugleich auf ungeschlecht-
der niederen Thiere während der J. 1854 — 1855. 345
lichem Wege vermehrt, wesshalb Verf. auch geneigt ist, die ganze
Ordnung zunächst in zwei Unterordnungen Agenimes und Gemmipares
zu verlheilen. Beschrieben werden folgende Arten : Tubifex riculo-
rum (Saenuris variegata llofTin.) d'üd., T. Benedetiii n. sp., T. hyalinus
n. sp. , T. elongatus n. sp. , Enchylraeus vermicutaris HolTm., ß. galba
Hoffm., E. veniriculosus d'Ud. , Dero digitata Müll., D. oblusa n. sp.,
Nais proboscidea Müll., N. elinguis Müll., iV. barbata Müll., JV. ser^
pentina Müll,, N. appendiculala n. sp., Chaetogasler diaphanus Grylh.,
Ch. Linnei Baer, Cli. Mülleri d'Ud. (Kais vermicularis Müll.).
Auch Gay beschreibt einige neue Lumbricinen: Nais Carolina^
Lumbricus luteus, L. voldiviensis Hisl. fis. di Chile VIII. p. 39 — 43.
Von Grube erhalten wir eine Beschreibung von Lumbricus lit-
teralis n. sp., der ersten im Salzwasser (bei Villa fanca) lebenden
Art des Gen. Lumbricus. Dieses Arch. 1855. I. S. 127. Taf. VI.
fig. 7—10.
Noch interessanter ist die ebendas. (S. 129) beschriebene und
(Taf. IV. fig. 11 — 15) abgebildete Alma (n. gen.) nilotica Rüpp, , die
durch Habitus und Lebensweise am meisten an Euaxes erinnert, auf
der hinteren Körperhälfte aber mit Rückenkiemen versehen ist. Cor-
pus vermiforme, segmentis brevibus , numerosis, posticis branchiferis,
lobus capitalis ex trigono rotundatus, tentaculis nullis; setae simplices,
brevissimae, binae, utriusque distichae, branchiae breves, bifurcae vel
subramosae, marginibus dorsi affixae. Sp. nilotica lebt in den schlam-
migen Gräben der Umgegend von Cairo nach den Nilüberschwem-
mungen.
Anhangsweise erwähnen wir hier noch den von Gay
und Blanchard beschriebenen Feripatus Blainvillei n. sp.
Hist. fis. di Chili VIII. p. 57. Tab, III. fig. 2.
3. Oepliyrei.
Was wir über den Bau dieser Thiere und ihre Nalur-
geschichte erfahren haben, beschränkt sich auf einige Mit-
Iheilungen von MeUenheimer über Tiialassema echiurus
(Echiurus vulgaris) in den Abhandlungen der Senkenberg.
Gesellschaft 185^. L S. 6. Tab. I. fig. 16 und von Philips
über Priapulus, Rep. br. Assoc. 185^. p. 70.
Letzterer, der einen Priapulus lebendig zu beobachten Gelegen-
heit hatte, macht auf die abwechselnden Zusaramenziehungen und Er-
weiterungen des Schwanzanhanges aufmerksam und glaubt diese von
einer wechselnden Anlüllung mit Flüssigkeit herleiten zu müssen.
Etwas reichhaltiger sind unsere Erfahrungen über die
346 Leuckart: Bericht fib. d. Leistungen in d Naturgeschichte
Zoologie dieser Thiere ausgefallen. Wir erwähnen hier vor-
zugsweise:
0. Schmidt, über Sipunculoiden (Gephyrea Quatref.)
Zeilschrift für die gesaminte Naturwissenschaften 1854. Ilf.
S. 1. Tab. I. II.
Enthält Beschreibungen und Abbildungen von Phascolosoma gra^
nulalnm Lt., Siptmculus capitatus Rathke, Lesinia farcimen n. gen.
etn. sp. , Priapulus caudalus. Zool. Dan., Echiurus vulgaris Sav. , mit
einigen Notizen über den inneren Bau von Lesinia , Priapulus und
Bonellia. Bei letzlerer wird die respiratorische Bedeutung der in die
Kloake einmündenden baumförmigen Organe in Abrede gestellt. Verf.
hält dieselben für Secretionsorgane.
Das Gen. nov. Lesinia (Schmidt 1. c.) unterscheidet sich
von Phascolosoma durch die Abwesenheit des einstülpbaren vorderen
sog. Rüssels. Sp. L. farcimen bei Lesina.
Sipunculus nudus n. sp. und S. cylindricus n. sp.; Gay bist. ßs.
di Chile VllL p. 55. Tab. U. fig. 7 u. 8.
Stimpson beschreibt (Proc. Bost. Soc. V. p. 113) zwei neue
amerikanische Formen aus der Familie der Echiuren : Tkalassema ame~
ricanum und A ncistropus (n. gen.) sanguineus. Die erstere ist
durch die mächtige Entwickelung ihres Rüssels ausgezeichnet, wäh-
rend die andere dieses Rüssels entbehrt und sich hierdurch, wie auch
durch die Abwesenheit der hinteren Borstenkränze von Echiurus, dem
sie sonst (auch in anatomischer Beziehung) sehr ähnlich ist, unter-
scheidet. Die Charakteristik des neuen Gen. lautet, wie folgt:
A ncistropus St. Corpus elongatum, utriculare, cylindricum,
papillosum ; uncinis duobus anticis instructum. Proboscis nulla. Os
Simplex, terminale , in tubulum membranaceum protractile. Anus in
extremitate corporis caudali locatus.
Das Gen. Ochetostoma Lt. fällt nach J. Müller, der das Ori-
ginalexemplar zu untersuchen Gelegenheit fand, mit Thalassema zu-
sammen. Archiv für Anat. und Phys. 1855. S, 97.
Slernaspis fossor n. sp. , Stimpson Synops. Inv. Gr. Man. p. 29.
Peripalus Blainvillei n. sp. , Gay 1 c. p. 59. Tab. HL fig. 2.
3* Cliaietog^iiatlii*
Für die kleinere Gruppe der hieher gehörenden Thiere
haben wir dieses Mal nur die Abhandlung von Busk über
den Bau der Sagitta bipunctala in den Quarterly Journ. Micr.
Soc. 1855. 4. T. Xlll. p. 14. Fl. II. anzuführen, die in allen
wesentlichen Punkten die Angaben von Krohn und Wilms
der niederen Thiere während der J. 1854—1855. 347
bestätigr, für unsere deutschen Leser aber kaum etwas Neues
von Erheblichkeit enthalten dürfte.
4« Xeinatodes»
Gordiacei. Die Erweiterungen, die unsere Kenntniss
über den Bau der Nematoden erfahren haben, beziehen sich
zunächst und vorzugsweise auf die Gruppe der Gordia-
ceen, über welche wir zwei vortreffliche, in anatomischer,
wie histologischer Beziehung gleich wichtige Arbeiten von
Meissner erhalten haben:
Beiträge zur Anatomie und Physiologie von Mermis al-
bicans, Zeitschrift für wiss. Zool. V. S. 207—285. Tab. XI—
XV. und:
Beiträge zur Anatomie und Pliysiologie der Gordiaceen,
Ebendas. Vli. S. 1—145. Tab. 1— VIII mit Untersuchungen
über Mermis nigrescens (S. 8) und Gordius (ß. 47).
Die wesentlichste Auszeichnung der Gordiaceen besteht be-
kanntlich in der Bildung des Verdauungsapparates. Ein eigentlicher
Darmkanal (mit After) fehlt. Statt dessen besitzen die Gordiaceen
einen sehr ansehnlichen sog. Zellenkörper (Feltkörper), d. h. einen
zelligen Schlauch, der sich durch die ganze Leibeshöhle hinzieht und
diese sogar bei Gordius so vollständig ausfüllt, dass die übrigen Ein-
geweide davon umschlossen werden und in besonderen Aushöhlungen
desselben gelegen sind. Bei Qlermis nigrescens enthält dieser Zellen-
körper im Innern noch ein freies Lumen; in den übrigen Fällen bei
Mermis albicans und Gordius, ist derselbe dagegen ganz parenchyma-
tös und von einer dicht gedrängten Menge grosser, fast pflanzlich
aussehender Zellen -gebildet. Ein unmittelbarer Zusammenhang mit
der engen Mundöffnung findet sich nur bei Gordius, der einen kurzen
und einfachen trichterförmigen Oesophagus besitzt, während sich bei
Mermis ein complicirt gebauter, sehr eigenthümlicher Leitungsapparat
zwischen Mund und Zellenkörper einschiebt. Von einem Blutgefässsy-
steine ist nirgends eine Spur; höchstens, dass man die bei M. albicans
frei zwischen den Organen in der Leibeshöhle befindliche geringe
Menge Flüssigkeit als Blut beanspruchen könnte. Dagegen besit-
zen die Gordiaceen ohne Ausnahme einen sehr ansehnlich cutwickel-
ten Secretionsapparat. Bei Gordius stellt derselbe einen einfachen
Längsschlauch dar, der der Bauchfläche des Körpers angenähert ist
und an beiden Enden durch eine Oelfnung nach Aussen führt. Mermis
besitzt dagegen drei solcher Längsschläuche, einen ventralen und zwei
seilliche, die dicht auf dem liautrauskclscblauche aufliegen und der
348 Leuckart: Bericht üb. d. Leistungen in d. Naturgeschichte
äusseren Oeffnungen entbehren. Das Secret wird hier nicht in flüs-
siger Form ausgeschieden, sondern in Form von rundlichen, festen
Concrelionen in die Zellen des betreffenden Organes abgelagert. Von
besonderem Interesse ist die Entdeckung eines sehr ansehnlich ent-
wickelten Nervensystemes, das bisher bei den Nematoden mit Sicher-
heit noch niemals aufgefunden wurde, obgleich es nach den Unter-
suchungen unseres Verf. wohl nirgends bei diesen Thieren fehlen
dürfte. Der Hauptcentraltheil dieses Nervensystems besteht aus einem
ganglionären Schlundringe, der sich bei Gordius gleich hinter der
Mundöffnung, im Umkreise des kurzen Oesophagus findet, bei Mermis
aber etwas nach hinten , am Anfangstheile des Zellenkörpers ange-
troffen wird. Bei Mermis ist dieser Theil auch sehr viel deutlicher,
als bei Gordius, und noch mit zwei Paar accessorischen Ganglien
(Hirnganglien M.) versehen, die vor demselben liegen und mit den
sechs Papillen des vordem Körperendes, die unser Verf. deshalb auch
für Sinnesorgane halten möchte, zusammenhängen. Aus diesem Schlund-
ringe entspringt nun weiter ein System von Längsstämmen , das sich
nach hinten bis in das Schwanzende des Körpers hinein verfolgen
lässt und hier (wenigstens bei Mermis) eine zweite ganglionäre Ver-
dickung zeigt. Im Verlaufe der Längsstämme lassen sich dagegen
keine Ganglienkugeln nachweisen. Die Nervenstämmchen , die aus
diesem Bauchstrange unter rechtem Winkel hervorkommen , sind sehr
zahlreich und dürften von früheren Beobachtern wohl für Ringmus-
kelfasern (die den Nematoden fehlen) gehalten sein. Gordius be-
sitzt nur einen einzigen Längsnervenslrang, der in der Mittellinie der
Bauchtläche herabläuft und dicht oberhalb des Hautmuskelschlauches
angetroffen wird. Bei Mermis findet sich ausseidem auch noch ein
medianer Rückenstamm. Mermis albicans zeigt noch insofern eine
Abweichung, als der Bauchstamm hier durch zwei Seitenstämme ver-
treten ist, die zwischen den beiden seitlichen und dem mittleren Se-
cretionsorgane herablaufen. Dazu kommt aber noch ein besonderer
dünner ßauchnervenfaden oberhalb des ventralen Secretionsorganes,
ein N. splanchnicus, der bei M. nigrescens mit dem Hauptstamme, der
übrigens die gleiche Lage hat, verschmolzen ist. Als besondere Aus-
zeichnung besitzt Gordius noch einen eigenen Faserstrang, der zwi-
schen dem Bauchnervenfaden und dem Drüsenschlauche herabläuft,
aber keinenfalls nervöser Natur ist. Verf. ist über die Bedeutung die-
ses Gebildes (Bauchstrang M.) in Zweifel geblieben. (Durch seine La-
gerung in der Nähe des Nervensystems und die Anwesenheit einer
eigenen Scheide erinnert derselbe einigermassen an die Chorda der
Wirbelthiere; möglich, dass derselbe in ähnlicher Weise auch als
elastischer Apparat bei den Bewegungen des Gordius in Betracht
kommt. Ref.) Männliche und weibliche Organe, die überall auf
zweierlei Individuen vertheilt sind, haben bei Gordius den gleichen
der niederen Thiere während der J. 1854—1855. 349
Bau, Sie bestehen aus zwei langen und geraden Röhren, die in den
Zellkörpcr herablaufen und eine kurze Strecke vor dem Hinterleibs-
ende zu einem gemeinschaftlichen Canale zusammenkommen. Die Ge-
schlechtsorgane von Mcrmis sind compiicirter gebaut und schliessen
sich mehr an die Bildung der übrigen Nematoden an. Sie bestehen
in den männlichen Individuen nur aus einem einzigen Canale. Die
(JeschlechtsölTnung der Weibchen liegt etwa in der Mitte des Körpers,
die der Männchen am hinteren Leibesende. Die männlichen Mermithen
besitzen auch zwei Spiculae, wie die übrigen männlichen Nematoden,
während die Rolle dieser Gebilde bei dem männlichen Gordius theiU
durch die gegabelte Form des Hinterleibsendes, theils auch durch
zahlreiche papillenförmige Haftwärzchen im Umkreise der Geschlechls-
öll'nung vertreten ist. Die Spermatozoen der Gordiaceen sind steck-
nadelförmig , aber bewegungslos, wie die der übrigen Nematoden.
Die Eier entstehen durch Ausstülpung aus einer ursprünglich einfachen
Zelle und hängen später noch gruppenweise, in grösserer Menge, zu-
sammen. Der Stiel, der diesen Zusammenhang vermittelt, stellt nach
der Abtrennung eine Micropyle dar, durch welche die Samenkörper-
chen in das Innere des Eies einschlüpfen. Die Entwickelung der
Embryonen geht bei Mermis nigricans fast bis zur vollkommenen Aus-
bildung im Innern des mütterlichen Körpers vor sich. Bei den übri-
gen Arten beginnt dieselbe erst später, nachdem die Eier abgelegt
sind, was bei Mermis (einzeln) in die feuchte Erde, bei Gordius (zu
Strängen oder Klumpen vereinigt) in das AVasser geschieht. Die aus-
gebildeten Embryonen von Gordius haben eine von den Aelteren sehr
abweichende Gestalt. Sie sind kurze, plumpgebaute Würmer mit einem
einstülpbaren doppelten Hakenkranze und einem projectilen Stilette
am vorderen Körperende. Verf. beobachtete, wie diese Geschöpfe
durch die Thätigkeit ihrer Bohrapparate in das Innere von Epheme-
renlarven u. a. Wasserbewohner eindrangen und sich im Innern die-
ser Wirthe eine Strecke weit vorwärts bewegten, um sich später an
dieser oder jener Stelle einzukapseln. Ueber die weitern Schicksale
dieser Embryonen, die einstweilen noch immer ihre ursprüngliche Ge-
stalt besitzen, haben die Untersuchungen des Verf.'s keinen Aufschluss
gegeben.
Ueber die Einwanderungen der Mermithen in ihre Wirthe sind
schon früher v. Siebold (Uebers. der Arb. und Yeränd. der schles.
Ges. f. valerl. Cultur 18J0. S. 38 ; auch Zeilschrift für wiss. Zool. Y.
S. 201) ähnliche direkte Beobachtungen bekannt geworden.
Ueber das Vorkommen der Gordiaceen in Insekten hat
V. Siebold zu verschiedenen Zeiten Mitlheilungen gemacht:
Entomolog. Ztg. 1848. S. 'i92; 1850. 8.329; 1854. S. 103.
Ebenso Fraiienfeld in den Wiener zool.-bot. Verhandlun-
gen 111. S. 124 und Mahler ebendas. V. S. 76.
350 Leuckart: Bericht üb. d. Leistungen in d. Naturgeschichte
Von besonderem Interesse ist die Mittheilung v. Siebold's von
dem Vorkommen eines lebenden Gordius im üarmkanale des Menschen
— wohin derselbe freilich wohl nur durch ein zufälliges Verschlucken
mit dem Trinkwasser gelangt sein dürfte — (a. a. 0. 1855. S. 107).
Auch in Succinea fand v. Siebold Mermis albicans in grosser Menge
(Zeitschrift für wiss. Zool. V. S. 206). Ref. will hier erwähnen, dass
er im verflossenen Sommer auch bei Gammarus pulex eine anderthalb
Zoll lange Mermis (Fil. attenuata) angetroffen hat.
Ueber das durch eine gleichzeitige, massenhafte Aus-
wanderung von Mermis nigrescens bedingte Phänomen des
sog. Wurmregens berichtet van Beneden, Bull. Ac. roy.
de Belgique T. XX. No. 7.
Die Beobachtungen und Angaben Krämer's über Mer-
mis nigrescens und Gordius aquaticus (\^\. med. Zeitg 111.
S. 285 ff.) können den umfassenden und sorgfältigen Unter-
suchungen Meissner's gegenüber kaum auf eine nähere Be-
rücksichtigung Anspruch machen.
Das ebendas. beschriebene und abgebildete M erinlhoidiutn
(n. gen.) tnucronalum Chironomi plumosi ist augenscheinlich nur eine
unentwickelte, noch mit ihrer Schwanzspitze versehene Mermis al-
bicans.
Die Diagnose der Gen. Gordius und Mermis wird nach den Un-
tersuchungen Meissner's durch v. Siebold folgendermassen fest-
gestellt (Zeitschrift für wiss. Zool. VII. S. 142) :
Gordius. Corpus longissimum filiforme. Os tractus intestina,
lis coeci minimum , terminale, subcentrale. Apertura genitalis maris
et feminae caudalis, pene nullo.
Mermis. Corpus longissimum filiforme. Os tractus intestina-
lis coeci minimum, terminale, centrale. Apertura genitalis maris pene
corneo, duplice munita , ante extrcmitatem caudalem sita. Apertura
genitalis feminae in regione corporis media.
Als gute Arten werden aufgeführt bei Gordius — statt der 118,
die hier Diesing unterschieden haben will — 3 : G. aquaticus L. ,
G. subbifiircus v. Sieb., G. tricuspidalus Leon Duf. (G. gratianopolen-
sis Charv.), über die man auch Meissner a. a. ü. VII. S. 47 ver-
gleichen möge; bei Mermis — statt I) i esing's 17 Arten — deren 2:
M, albicans v. Sieb, und M. nigrescens üuj.
Die von Gay (bist, di Chile VIII. p. 109) und Baird (Annais
nat. bist. XV. p. 71) beschriebenen neuen Arten bedürften grösslentheils
noch einer kritischen Prüfung: Gordius cAiZe^Jsts Gay, G. p/aii/wra Baird
von Jamaica (?j , G. verrucosus Baird von Afrika (?) , G. violaceus
der niederen Thiere wälircnd der J. 1854— -1855. 351
Baird , aus Carabus violaceus und G. puslulosus B. aus Blaps obtusa,
G. sphaerula von Indien und G. fasciatus von Amerika.
Auch Äloebius beschreibt einen mit Gordius nahe verwand-
ten Schmarotzer aus Biabbera gigantea von Angustura : Chordodes
(Crepl.) pilosus n., Zeitschr. für wiss. Zool. VI. S. 430. Tab. XVII.
Ueber das Vorkommen von Gordiaceen in Nord -Amerika be-
richten Leidy und Girard Proc. Acad. nat. sc. Vol. V. 1850. p. 98
und VI. 1851. No. 11. Vgl. auch Leidy Flora and fauna wilhin liv.
anim. in den Smithson. Contrib. to knowledge Vol. V. p. 6. Anm.
Mermis spiralis n. sp. aus einer Locustine von Rio Janeiro und
M. rigidus n. sp. von unbekanntem Herkommen, Baird 1. c. p. 71.
Strongyloidei. Dass das Vorkommen eines Nerven-
systems bei den Nematoden nicht bloss auf die Gruppe der
Gordiaceen beschränkt sei , konnte schon nach den Unter-
suchungen Meissner's (s. o.) nicht länger bezweifelt wer-
den , zumal derselbe auch bei verschiedenen Spuhlwürmern
mehrfache Spuren eines solchen Apparates aufgefunden halte.
Allerdings ist schon vor Meissner von Otto,Blan-
chard u. A. den Nematoden ein Nervensystem zugeschrie-
ben worden (es hat sich jetzt sogar herausgestellt, dass die
von diesen Forschern beschriebenen Längsstämme wirklich
dem Nervensysteme angehören), allein es fehlte noch immer
an dem histologischen Nachweise , dass solches auch mit
Recht geschehen sei. Es muss desshalb als sehr verdienst-
lich erscheinen, wenn wir sehen, dass das Nervensystem der
Nematoden von Wedl zum Gegenstande einer eigenen Un-
tersuchung gemacht wird, Sitzungsber. der kais. Akad. der
Wissensch. XVII. S. 298. Cum tab.
Die Anordnung dieses Apparates ist im Wesentlichen dieselbe,
wie bei den Nematoden. Es findet sich auch hier ein ganglionärer
Schlundring, der den vorderen Theil des Oesophagus umfasst, aber
nur sehr wenig deutlich ist, mit einem mittleren Bauch _ und Rücken-
strange und einem Schwanzganglion oberhalb des Alters gegen die
Rückenseite hin (das aber nicht immer nachgewiesen werden konnte).
Nur in sofern bestellt eine Abweichung von den Gordiaceen, als die
Längsstränge nicht fasrig sind, sondern aus zahlreichen, zusammen-
hängenden Ganglienzellen gebildet werden. Die peripherischen Ner-
ven entspringen unter rechtem Winkel. Bei manchen kleineren Ne-
matoden konnte das Nervensystem übrigens nur bruchstückweise er-
mittelt werden.
Von Leydig erhielten wir einige Angaben über den
352 Leiickart: Bericht üb. d. Leistungen in d. Naturgeschichte
inneren und äusseren Bau von Oticholaimiis rivalis n. sp., 0.
echini n. sp. und Enophis n. sp. „lieber einige Rundwür-
mer^' in Müllers Arch. 1854. S. Q9I. Tnb. XI. fig. 8- 13.
Das Schwanzende von Enoplus enthält in beiden Geschlechtern
ein drüsiges Urgan, dessen Secret in Form einer hellen klebrigen
Substanz hervortritt und zum Ankleben dient. (Aehnliche Drüsen
finden sich bei verschiedenen anderen Nematoden, auch bei Asc. lum-
bricoides, dessen Männchen überdiess noch mit 6—8 weitern Drüsen-
säcken neben der GeschlechtsöfTnung versehen ist.)
Für Enoplus vgl. man ferner auch die Abhandlung von
Berlin, über einen neuen Wurm aus der Gruppe der An-
quillulae, ebendas. 1853.
Lieberkühn liefert ebendas. 1855. S. 3 14—336. Tab.
Xll. XIH : „Beiträge zur Anatomie der Neniatoden" mit einer
sehr sorgfältigen Darstellung vom Baue des merkwürdigen
Genus Tetrameres Crepl. (Tropisurus s. Tropidocerca Dies.).
Das in den Drüsen des Vormagens bei Fulica und Anas schma-
rotzende Weibchen nimmt durch die mächtige Entwickelung der Ge-
nitalien (im geschlechtsreifen Zustande) eine sehr eigenthümliche Ge-
stalt an; es verwandelt sich in ein plattgedrücktes Sphäroid, aus dem
an zwei gegenüberliegenden Punkten Kopf und Schwanz hervorragen.
Vier Längsfurchen, die an dem hügligen Mittelkörper hinlaufen, ent-
sprechen den vier Längsmuskelsträngen , zwischen denen sich die
Körperbedeckungen nach Aussen vorgedrängt haben. Die Mundhöhle
ist tonnenförmig ; der Magen stark erweitert und mit Blutkörperchen
angefüllt, deren Farbestofi' fast alle inneren Organe durchtränkt hat.
Ein wulstförmiger Schlundring scheint dem Nervensysteme anzugehö-
ren. Die Geschlechtsorgane bestehen aus zwei mehrfach gegliederten
langen Röhren, die eine kurze Strecke vor dem After durch ein gemein-
schaftliches Endstück ausmünden. Eine beuteiförmige Anhangsblase
fungirt als Samenblase, doch finden sich die Samenkörperchen auch
in den inneren Geschlecktswegen weit verbreitet. Die Eier sprin-
gen mit einem Deckel auf und enthalten einen cylindrischcn Embryo,
der sich nach hinten etwas verjüngt und schliesslich in vier kleine
Spitzen ausläuft. Das vordere Körperende trägt gleichfalls eine Spitze,
die eingezogen und wieder vorgestossen werden kann. Das muth-
massliche Männchen dieses sonderbaren Wurmes ist lang und faden-
förmig (6 Mill. , während das Weibchen nur 3 misst) und mit vier
Längsreihen von Stacheln besetzt, deren Spitzen nach hinten gerichtet
sind. Der Magen hat die gewöhnliche Bildung und enthält niemals
lUutkörperchen. (Das Männchen lebt auch nicht im Innern der Ma-
gendrüsen, sondern frei im Schleime des Prorentriculus.) Das Sa-
der niederen Thiere während der J. 1854 — 1855. 353
raengefäss ist einfach vorhanden und mündet zugleich mit dem Mast-
darme durch den After nach Aussen. Uechts und links liegen neben
dem After zwei besondere Uell'nungen für die beiden Spicula, die
eine ungleiche Entwickelung besitzen und je in einer eigenen Scheide
stecken. Aehnlich fand es Verf. bei einer Anzahl anderer Ascarisarten,
nur dass die Oeffnungen der Spicula bisweilen mit dem After zusam-
menfallen.
Ob die beschriebene Species mit Tetrameres haemachrous Cr.
(Spiroptera inflata Mehl.) identisch sei , ist schwer zu entscheiden,
doch macht Verf. darauf aufmerksam, dass die betreffende Wurm-Form
jedenfalls in mehreren Arten existire. So schmarotzt z. 13. in Corvus
cornix eine nahe verwandte (durch Bildung der Mundhöhle und Mund-
öffnung , der Schwanzspitze und Eischalen aber doch bestimmt ver-
schiedene) Species.
Davaine macht (l'Instit. 1855. p. 330; Cpt.rend. 1855.
T. 41. P. 435) die interessante Entdeckung, dass die unter
dem Namen „Nielle du ble" in Frankreich bekannte Krankheit
des Weizens durch Milliarden kleiner Nematoden (wohl Vi-
brio trilici Ref.) bedingt werde, die unter der Schale des
Kornes sich entwickeln.
Wird das kranke Korn gesäet, so erwachen die Würmer aus
dem Scheintodte, in den sie durch das Austrocknen der Frucht ver-
setzt wurden, zu neuem Leben. Sie verlassen dann ihre Hülse und
besteigen die jungen Halme , die inzwischen aufgegangen sind, um
hier schliesslich geschlechtsreif zu werden und ihre Eier in das Fa-
renchym der einstweilen noch unvollständig entwickelten ßlüthe abzu-
setzen. Unter dem Einflüsse dieser Eier und der daraus horvorschlü-
pfenden Jungen entwickelt sich dann die Frucht zu einer Art Galle,
deren Inhalt fast ausschliesslich aus lebendigen Geschöpfen besteht.
Meissner macht den Versuch, seine Beobachtungen
über die Bildung der Eierstockseier bei den Gordiaceen auf
die übrigen Nematoden zu übertragen und zieht die Anwe-
senheit der sog. Rhachis im Eierstocke in Zweifel, Zeitschrift
für wiss. Zool. V. S. 275. Auch später wird diese Ansicht
gegen ßischoff (Widerlegung des behaupteten
Eindringens der Spermatozoiden in das Ei , Giessen 1854)
aoch aufrecht erhalten und das Eindringen der kugelförmi-
gen Samenkörperchen durch die Mikropyle behauptet, (eben-
das. VI. S. 208 ff.) , während Bisch off dagegen in einer
neuen Abhandlung über Ei- und Samenbildung bei Asc. my-
slax ebend. S. 37 7 ff.) den Irrthum der Meissner'schen Anga-
Archiv f. Naturgesch. XXII. Jahrg. 2. Bd. X
354 Leuckart: Bericht üb. d. Leistungen in d. Naturgeschichte
ben specieller nachzuweisen sucht. Eine weitere Berücksich-
tigung dieses Streites wurde uns hier zu weit führen, doch
glaubt Ref. noch so viel anführen zu dürfen, dass er sich in
fast allen Punkten ganz entschieden auf Bischof f's Seite stel-
len inuss. Namentlich glaubt derselbe mit Bischoff behaup-
ten zu können, dass die Eier der betreffenden Nematoden erst
allmählich durch Umlagerung des Keimbläschens entstehen und
beständig ohne Mikropyle sind. (Von Bedeutung für diese
Verhältnisse ist auch das bei einigen Arten, Asc. lumbricoi-
des und A. megalocephala, zu beobachtende Vorkommen einer
männlichen Rhachis. Ref.)
Aehnliche Beobachtungen macht W^edl über die Ent-
wickelung der Eierstockseier bei einem Spulwurme aus dem
Lungensacke von Tropidonotus natrix, dessen Junge sich eine
Zeit lang (wie auch die Jungen von Ascaris nigrovenosa)
bei künstlicher Fütterung mit Speisebrei im Leben erhalten
Hessen. Wiener Sitzungsber. XVI. S. 404.
Ebendas. (S. 40Q) publicirt Verf. einige Mittheilungen
über die Eihülle von Hedruris androphora.
Er CO 1 an i und Vella suchen die Frage nach derEnt-
wickelung und Wanderung der Nematoden auf experimentel-
lem Wege zu erledigen (Cpt. rend. T. 38. p. 79. und Ann.
nat. bist. Vol. XIV. p. 156, l'lnst. 1854. p. 245).
Die Eier und Embryonen der Kematoden besitzen eine grosse
Tenacität und bleiben selbst nach völliger Auftrocknung und mehrtä-
giger Aufbewahrung in Spiritus lebend. Eine eigentliche Metamor-
phose findet nicht statt, obwohl sich z.B. die Bewaffnung von Stron-
gylus armatus erst spät, nach fast schon vollendeter Entwickelung,
bildet. Die in den Darm eines Thieres importirten Eier bleiben zwi-
schen den Zotten hängen und verweilen hier eingebettet in die
Schleimhaut so lange, bis die Embryonen sich entwickeln und von
da schliesslich wieder in den Darm zurückkehren. Solche eingebet,
tete Embryonen findet man z. B. im Darme der Kaninchen (Oxyuris),
im Blinddarme des Pferdes (Strongylus) u. s. w. (Sollte hier keine
Verwechselung mit eingekapselten Nematoden stattgefunden haben?
Ref.) Asc. megalocephala entwickelt sich nach den Experimenten
der Verf. in den Lungen der Hunde.
In einem zweiten Berichte (CpL rend. T. 39. p. 43) refe-
riren die Verff. über die Fortsetzung ihrer Experimente.
Sie machen die Beobachtung , dass die Embryonen der vivipa-
der niederen Thiere während der J. 1854—1855. 355
ren Nematoden, so wie die Eier clor übrigen Arten nicht an denjeni-
gen Orten, an denen die Mutter sie absetzte, zur vollen Entwickelung
gelangen, sondern vorher eine Zeit lang im Freien zubringen müs-
sen. Bei einigen Nematoden, deren Eier im Darmschleime stationär
geblieben waren, erfolgte nach üebertragung in das Wasser eine ra-
sche Entwickelung. Auch in einem faulenden Strongylus auricularis
konnten die Verf. die Entwickelung der Eier verfolgen. Die Em-
bryonen dieses Wurmes lebten mehrere Wochen hindurch im Wasser.
Aehnliche Embryonen fanden die Verf. oftmals in unreinem Wasser,
auf Hühnerhöfeu u. s. w. , wesshalb dieselben denn auch glauben, dass
viele sog. Vibrionen und Anguilluliden junge Nematoden seien.
An diese letzten Beobachtungen schliesst sich auch die Angabe
von Nelson (über die Fortpflanzung von Ascar. mystax in den Phil,
transact. 1852. II. p. 584) und Bischoff (Widerlegung a. s. w.
S. 33) , dass die Entwickelung der Eier von Ascaris mystax sogar
bei Aufbewahrung in Terpentinöl und Spiritus vor sich gehe.
Ebenso beobachtete Ric hter (nach brieflicher Mittheilung an Kü-
chenmeister, Parasiten des Menschen I. S. 226, und an Ref.), dass
die Eier von Asc. lumbricoides erst nach fast jahrlangem Aufenthalte
im Wasser einen Embryo im Innern entwickeln. Das Ausschlüpfen
dieser Embryonen scheint aber erst nach der Ueberführung in den
Darmkanal vor sich zu gehen. (Versuche , die Ref. in Betreff dieser
Frage mit Richter'schen Embryonen anstellte, haben leider kein ent-
scheidendes Resultat geliefert.)
Ercolani, Storia genetica e metamorfosi delle Stron-
gilo armalo. Con lavola. Torino 1854 (Dal giornalo di Vele-
rinaria 1853. X.) ist Ref. nicht weiter bekannt geworden.
Vulpian, note sur les hematozoaires filiformes de la
grenouble commune, Cpl. rend. Soc. bioi. 1854, I. p. 123.
In allen Fällen, in denen Verf. die oben erwähnten Parasiten be-
obachtete (8 Mal unter 40 Fröschen), fand ders. in der Nähe des Her-
zens zugleich eine ausgebildete lange Filarie mit zahllosen Embryo-
nen im Fruchthälter, die mit jenen Blutwürmern auf das Vollkommenste
übereinstimmten.
Wenn wir auch vielleicht noch immer weit davon entfernt
sind, die Lebensgeschichtc und Wanderungen der Nematoden
vollständig zu kennen -^ wichtig in dieser Beziehung sind noch
die schon 1852 publicirten Beobachtungen S t e i n's in der
Zeitschrift für wiss. Zool. IV. S. 196 — , so leidet es doch
keinen Zweifel, dass wir dem Ziele viel näher sind , als
Gros, der seine abenteuerlichen Behauptungen über die Me-
tamorphose der „aus Tremalodeneiern hervorkommenden'*
356 Leuckart: Bericht üb. d. Leistungen in d. r<(aturgeschichte
Opalinen in Nematoden immer auf's Neue wiederholt und so-
gar behauptet, dass die eingekapselten Rundwürmer niemals
von ihres Gleichen, sondern beständig von anderen Thicren
abstammten! Ann. des sc. nal. 1854. T. II. p. 3(3—39; Cpt.
rend. T. 38. p. 1069. Ausführlich im Bull. Soc. imper. de
Moscou 1855. p. 204—220.
lieber den Bau und die Naturgeschichte der bei dem
Menschen schmarotzenden Nematoden handelt Küchenmei-
ster in seinem Werke von den in und an dem Körper des
lebenden Menschen vorkommenden Parasiten 1. S. 224—359.
Tab.VlI— Vlil.
Wir verweisen hierbei namentlich auf die Untersuchungen über
Trichocephalus und Trichina spiralis, so wie über Oxyuris vermicu-
laris (-^, der nach Zenker's hier mitgetheilten Beobachtungen kei-
neswegs so selten ist, wie man wohl hier und da annimmt. Die Tri-
china spiralis hält Verf. für den Jugendzusland von Trichocephalus. Ob-
gleich auch Meissner dieser Ansicht ist (Zeitschr. von Henle und
Pfeuffer 1854. S. 248), glaubt Ref. dennoch, dass hier ein Irrthum
obwalte. Es ist wahr, die Abbildung, die Luschka, der unsere
Trichina zuerst genauer untersuchte (Zeitschr. für wiss. Zool. III. S. 69)
von dem Verdauungsapparate unseres Thiers geliefert hat, erinnert in
hohem Grade an den Darm von Trichocephalus, allein Uef. glaubt
sich davon überzeugt zu haben , dass die perlschnurförmigen An-
schwellungen, die den Anfangstheil des Tractus auf der Abbildung
von Luschka so auffallend auszeichnen, keineswegs dem Oesopha-
gus zugehören, wie bei Trichocephalus, sondern blosse zufällige Ein-
schnürungen des Chylusdarmes darstellen, die nicht selten sogar feh-
len und gelegentlich auch in der hinteren Hälfte des Darmes vor-
kommen. Der muskulöse Oesophagus ist kurz und wenig auflallend.
Dass die Trichina mit Mund und After versehen ist, was Luschka
in Abrede stellt, ist schon von K. berichtigt worden. Ref. will auch
noch hinzufügen, dass er die von Luschka gezeichnete zwei klei-
nen blindfadenartige Ausstülpungen am Darmkanale niemals gesehen
hat. Dass dagegen der von Luschka aufgefundene Blindschlauch
die erste Anlage der späteren Geschlechtsorgane sei, kann kaum be-
zweifelt werden. Sein vorderes dünnes Ende enthält häufig einen
gelblichen Zellenhaufen (das „kernartige Gebilde" früherer Beobach-
ter) und läuft schliesslich in einen dünnen Strang von Zellen aus.
Robin hatte Gelegenheit, eine in Paris exlrahirle, le-
bende Filaria medinensis zu untersuchen. Cpt. rend. Soc. biol.
1855. 11. p. 35.
Im Innern des Wurmes fand Verf. nur einen mit junger Brut
der niederen Thiere während der J. 1854—1855. 357
erfüllten Oviduct, sonst aber keinerlei Eingeweide, auch keinen Darm,
obwohl die Embryonen solchen sehr deutlich erkennen Hessen. Die
MundöfTnung ist von drei kleinen Papillen umgeben. (Meissner hat
bei den ausgewachsenen Filarien inzwischen den Zellenkörper der
Gordiaceen entdeckt.)
Ueber die Kennlniss der Allen von dem Medinawurme, beson-
ders dessen Identität mit den „feurigen Schlangen« der Juden in der
Wüste vgl. die litterar. -historischen Untersuchungen von Küchen-
meister, Parasiten S. 305 ff.
Ueber die durch das Vorkommen von Anchylostomum
duodenale Dub. (Strongylus 4-denlatus v. Sieb.) im mensch-
lichen Dünndarme erzeugten Krankheiten berichtet Griesin-
ger. Vierordt's Arch. 1854. S. 554.
Wie Küchenmeister, so liefert auch Wedl und
Krämer eine Abbildung und Beschreibung des männlichen
Oxyuris vermicularis, Patholog. Histol. S. 780 und illustr. med.
Zeitg. III. S.281. Ebendas. macht Letzterer auch einige An-
gaben über die Eier von Oxyuris curvula und über Ascaris
maculosa q^.
Neue Arten sind nur wenige beschrieben. So (abgesehen von
den oben schon erwähnten Gordiaceen) :
Hemipsilus amphacanthus (Rayera hispida Rob. ?) , eine frei le-
bende Anguilluline von Dieppe, Grube dieses Arch. 1855. I. S. 152.
Tab. VI. fig. 7—9.
Dacnitis micropogonis ; Gay bist, di Chile VIII. p. 105.
Rhabditis (?) tesludinis y Kai vre Cpt. rend. Soc. biol, 1854. I.
p. 126.
Oxyuris allodapa n. sp. aus Dicholophus cristatus, Creplin a.
a. 0., Ascaris pterophora n. sp. ebendaher.
Pseudalius filum lebt nach den Beobachtungen von Davaine
nur im rechten Herzen und den Lungenarterien des Delphins. Der
in den Bronchien schmarotzende Wurm ist davon verschieden und
bildet nach unserem Verf. ein neues Gen. Heteroderma. Eine
Beschreibung dieser beiden Würmer vgl. Cpt. rend. Soc. biol. 1854. I.
p. 117.
Ascaris similis aus dem Magen eines antarctischen Seehundes;
A. laevissima von unbekanntem Herkommen um\ Asc. bifaria aus Korea,
Baird Ann. nat. bist. XV. p. 69.
Asc. bicuspis aus Scyllium Catulus, Wedl Sitzungsber. der Wien.
Acad. XVI. S. 388. Ebend. Beobachtungen über Ascar. riyida Duj., JV«-
mnloideum natricis Crepl. (Strongylus denudatus Rud. ?) , über ein
Trichosoma aus der Harnblase der zahmen Katze und mehrere ge-
358 LeucUart, Bericht üb. d. Leistungen in d. Naturgeschichte
schlechtslose, bei Fischen eingekapselte Formen (Arten des Diesing'-
schen Gen. Agamonema). Auch bei Pecten Jacobaeus fand unser \erf,
einen geschlechtslosen, mehrere Centimeler langen Nematoden.
Die von Kraemer gelieferten Abbildungen von Trichina canis
und Tr. falconis Nivi bieten fürReduction dieser Jugendformen leider
keinerlei bestimmte Anhaltspunkte (111. med. Zeilg. VI. S. 293.)
Lieberkühn bildet zwei Nematodenformen aus dem Regen-
wurme ab, eine grössere (Mem. cour. Acad. roy. Brux. T. 111. P. XXYL
PI. XI. fig. 13) und eine kleinere (fig. 12), welche letztere sich durch
den Besitz eines langen und dünnen nadeiförmigen Schwanzanhanges
auszeichnet.
Auch d'Udekem liefert eine Abbildung der beim Regenwurm
schmarotzenden Nematoden und beobachtet einige Phasen ihrer Ent-
wickelung. Develop. du lombric. 1. 1. p. 40. Tab. II. fig. 22. 23.
&• Acantliocepliala*
Alles, was wir für diese Ordnung zu erwähnen haben,
beschränkt sich auf eine Beobachtung Wedl's über die Eier
von Echinorhynchus pristis und Ech. pumilio (a. a. 0. S. 402)
und auf Di esin g's Ech. lamelliger n. sp. , der sich durch
die Segnrientirung seines Leibes und die Anwesenheit von
viereckigen Lamellen an den mittleren Segmenten sehr aut-
fallend auszeichnet (Wiener Sitzungsber. XIL S. 681. Tab. I).
Piatodes.
!• Hirudinei*
Fermond, monographie des sangsues medicinales Pa-
ris 1854 — in deutscher Uebersetzung von Schmidt: die
Blutegelzucht oder Anlegung künstlicher Blutegelsümpfe. Wei-
mar 1855 — ist Ref. nicht zu Gesicht gekommen, scheint
aber mehr die Bedürfnisse des Pharmaceuten und Mediciners,
als die des Naturforschers zu berücksichtigen. Ein Gleiches
gilt wohl auch von
Laurent, memoire sur Thirudiniculture. St. Germain-
en-Lage 1854.
Gegenbaur untersucht (Würzburger Verhandl. d.phys.
med. Gesellsch. VI. S. 329) die Schleifencanäle der Hirudi-
neen und überzeugt sich , dass dieselben im Wesentlichen
den Typus der Seitendrüsen bei den Regenwürmern wie-
derholen=
der niederen Thierc Während der J. 1854^1855. 359
Die auffallendste Verschiedenheit dieser Canäle besteht darin,
dass dieselben nicht völlig isolirt neben einander verlaufen, sondern
unter sich in Communication treten und dadurch tu einer eigenthüm-
lichen Labyrinlbildung Veranlassung geben. Die inneren stark flim-
mernden Mündungen der einzelnen Canäle (auf die wahrscheinlich
auch die längst bekannten rosetten- und arabeskenartigen Flimmer-
organe gewisser Hirudineen zurückzuführen sind) , flottiren mittelst
eines kurzen hohlen Stieles frei in der Leiheshöhle.
Faivre entdeckte in den Magenwandungen des Blut-
egels ein System anastomosirender Nervenfasern mit einge-
sprengten Ganglienzellen. Observalions histologiques sur le
grand Sympalhique de laSangsu medicinale. Ann. des sc. nat.
1855. IV. p. 249. (I'Inst. 1855. p. 428.)
Nach demselben Verf. finden sich zwischen Darm und
Leibeswand des Blutegels nicht selten Eier eines noch unbe-
kannten Parasiten. Cpt. rend. Soc. biol. 1854. I. p. 143.
Ueber die Blutegelfauna Chili's vgl. Gay bist, fisica di Chile
T. VIII. p. 47 fF. Tab. II. Von neuen Arten sind hier beschrieben :
Hirudo cylindrica n. sp. p. 47. Tab. II. fig. 3. — H. lessellata
n. sp. p. 47. — H. gemmata n. sp. p. 48. Tab. II. fig. 4.
Blenno b della depressa n. gen. et n. sp. p. 49.
Glossiphonia triserialis n. sp. p. 50.
Temnocephala chilensis n. gen. et n. sp. p. 52. Tab. II. fig. 5.
Die neuen Genera Blennobdella und Temnocephala tragen fol.
gende Diagnose :
Blennobdella Gay (e fam. Hirudineorum). Corpus oblongum,
depressum ; annulis distinctissimis. Oculi nuUi.
Temnocephala Gay (e fam. Branchiobdelleorum). Corpus ob-
longum, antice in digitis divisum; annulis parum distinctis. Oculi duo.
AVahlberg beschreibt gleichfalls zwei neue Arten des Gen.
Sanguisuga , S. javanica und S. chloronata , von denen die erste in
Java zu medicinischen Zwecken gebraucht wird. Öfvers. K. Vetensk.
Akad. Förh. XII. p. 233.
Durch die Untersuchungen von Peters (Berl. Monatsber. 1854.
S. 607. und dieses Arch. Bd. XXI. Th. I. S. 35) hat sich herausgestellt,
dass das Gen. Bdella sich weder durch die geringere Augenzahl, noch
auch durch die Abwesenheit der Zähnelung an den Kiefern von Hirudo
unterscheidet. Als einziges wesentliches Merkmal dieses Genus bleibt
die tiefe Längsfurche der Oberlippe, die sich nach hinten erweitert,
um die Kieferscheiden zu umfassen. Obgleich sich nun eine Andeu-
tung dieser Furche gleichfalls schon bei Hirudo findet , glaubt Verf.
dennoch die Savigny'sche Gattung beibehalten zu müssen, besonders
360 Leuckart: Bericht üb. d. Leistungen in d. Naturgeschichte
da dieselbe nur auf Afrika beschränkt zu sein scheint. Als neu be-
schreibt Verf. dabei Bd. aequinoclialis aus Mossambique u. s. w. , so
wie Bd. trifasciata Ehrbg.
Unter dem Namen ßlonopus tnedusicola beschreibt Go s s e (Ann.
nat. bist. XV. p. 227. PI. VIII. B) eine neue lüeine bei Willsia stellata
schmarotzende Blutegelform, die Bef. jedoch für einen mit Dist. pa-
pillosum Dies. (D. Beroes) verwandten Plattwurm halten möchte. Die
Charakteristik des neuen Gen. Monopus lautet wie folgt: Body soft,
subcylindrical, depressed; anterior sucker imperfect; posterior a circular
disk (at the extremity of a short thick truncate column) , distant one
third of the length fiom the anal extremity, oij the ventral side. Eyes
eight, set arount the frontal margin of the anterior disk. (Später
werden die Augen „hyaline" genannt ; die beigegebene Abbildung
zeigt statt der Augen acht Papillen am Kopfrande.) Intestinal canal
straight, simple ; anus terminal. (Die letzte Angabe würde allerdings,
wenn sie vollständig begründet wäre, die Stellung des Gosse'schen
Thierchens bei den Hirudineen sichern.) Das Thierchen ist nicht eine
Linie lang und von pellucider Beschaffenheit. Die vordere Hälfte ist
geringelt.
Malacobdella auriculae n. sp. aus Auricula Brugieri bei Gay
bist. fis. di Chile T. VIIL p. 67.
3. Treinatodest
Für die Anatomie der Tremaloden verweisen wir auf die
Beobachtungen G. Wagen er's über verschiedene Dislomeen
(Müller's Arch. 1852. S. 555. Tab. XVI), auf Kölliiier über
Tristoma papiilosum in dem zweiten Ber. von der zootom.
Anstalt zu Würzburg 1849. S. 21; Thaer de polystomo ap-
pendiculato dissert. inaug. ßerol. 1851 (Müller's Arch. 1850.
S. 602) und auf Auberl über das Wassergefässsystem , die
Geschlechtsverhältnisse, die Eibildung des Aspidogasler con-
chicola, in der Zeitschrift für wiss. Zool. VI. S. 349— 376.
Tab. XIV u. XV. von denen aber nur die letztere Abhandlung
in den Bereich unseres Jahresberichtes fällt.
Verf. bestätigt die — nach des Ref. Wissen zuerst von H.
Meckel (Müllers Arch. 1846. S. 2) festgestellte — Thatsache, dass
das sog. Wassergefässsystem der Trematoden mit den Excretionsorga-
nen zusammenhänge und als peripherischer Theil dieses Apparates
zu betrachten sei. Ein Nervensystem wurde nicht aufgefunden. Es
soll nach unserem Verf. fehlen. Der Genitalapparat zeigt den ge-
wöhnlichen Typus der Trematoden, einen Hoden mit zweien Vasa de-
ferentia, von denen das eine in den Anfangslheil des Fruchthalters
der niederen Thiere während der J. 1854-— 1855. 36l
einmündet. Der Keimstock bezeichnet Verf. als „Eierstock«* ; er macht
darauf aufmerksam, dass es nicht bloss das Keimbläschen sei, wel-
ches in diesem Gebilde seinen Ursprung nehme, sondern das ganze,
einstweilen aber noch dolterlose Ei. Die Zahl der Dotterstöcke ist
sehr ansehnlich. Von besonderem Interesse ist die Beobachtung, dass
der Embryo von Aspidogastcr — wie schon nach Dujardin's An-
gaben über denselben sehr wahrscheinlich war — auf direktem Wege,
ohne Metamorphose und Generationswechsel, sich entwickelt. Nur
ist anfangs der Saugnapf klein und einfach, wie bei Distomum; ein
Umstand, der — in gleicher Weise, wie die Lage der Geschlechts-
öffnung — gegen die neuerlich von Keber (Mikr. Unters, über die
Porosität der Körper 1854. S. 45) vorgebrachte Behauptung spricht,
dass der Bauchsaugnapf unserer Thiere eigentlich ein „Rückenschild«
sei. Bei dem jungen Aspidogaster beobachtete unser Verf. vor dem
Saugnapfe ein Paar feste und scharf contourirte, eingekapselte Kügel-
chen, offenbar dieselben Gebilde, die Vogt früher (Ann. des sc. nat.
1849. T. XII. p. 198) als wahrscheinliches Gehörorgan in Anspruch
genommen hatte. Verf. hält diesen für „Sesecretionsorgane, die den
Primordialnieren der höheren Thiere entsprächen."
Wedl macht einige Millheilungen über den inneren Bau
von Monostomum foiiacum, nach denen — so wenig erschö-
pfend dieselben auch sind — die Stellung dieses Thieres un-
ter den Tremaloden völlig gerechtfertigt erscheint. Wiener
Silzungsber. XVI. S. 380. (Der in die Seiten des Körpers her-
ablaufende „Streik ist nach den Untersuchungen des Ref.,
die übrigens nur an Weingeistexemplaren angestellt sind, in
seiner grösslen , unteren Hälfte Hauptstamm des Excretions-
organes, oben, bis zu der von Wedl angenommenen Spal-
tung, wahrscheinlich Nervensystem.)
G. Wagen er veröffentlicht einige Notizen über die
Eier und Embryonen von Monostomum (M. filum Duj.?) aus
Exocoetus. Müller's Arch. 1854. S. 10. Anm.
Die Eier springen mit einem Deckel auf und enthalten einen
Embryo ohne Wimpern, dessen Kopfende mit einem Kranze von 6 — 10
feinen Stacheln oder Haken umgeben ist. Der Wurmkörper konnte
nur in Bruchstücken aus seiner Cyste hervorgezogen werden.
Ganz ähnliche Eier und Embryonen beobachtete Da-
vaine in einer Cyste aus der luemenhöhle von Sciaena
aquila , ohne jedoch die Anwesenheit eines Wurmes in der
Cyste zu erkennen und die Natur der Eier bestimmen zu
können. Cpl. rend. 1854. I. p. 141.
362 Leu Chart: Bericht üb. d. Leistungen in d. Naturgeschichte
Auch Wedl macht einige Mittheilungen über die Eier
von Monostomum foliaceum, Disloma polymorphum, D. signa-
tum und D. mentulalum. Wiener Sitzungsber. XVL S. 399.
Im Innern des noch von der Eischale umhüllten Embryo von D.
signatum wurde eine deutliche Flimmerbewegung wahrgenommen.
Unsere Kenntnisse von der Entwickelungsgeschichte der
Trematoden waren bereits zur Zeit des letzten, über Hel-
minthen in diesem Archive veröffentlichten Jahresberichtes
(Bd. XVI. 184S) zu einem gewissen Abschlüsse gelangt. Schon
damals konnte es als ausgemacht angesehen werden, dass
die Trematoden, wenn auch vielleicht nicht ganz allgemein,
so doch in der bei Weitem grösseren Mehrzahl der Fälle auf
dem Wege eines complicirten Generationswechsels ihren Ur-
sprung nehmen. Man hatte die Cercarien als die Larvenfor-
men der Dislomeen erkannt, man hatte die Entwickelung der-
selben im Innern von schlauchförmigen sog. Sporocysten oder
auch besonderen , mit Mund und Darm versehenen, unver-
kennbaren Thieren (Redia de Filippi's) verfolgt; man sah
sich durch eine Reihe von weiteren Beobachtungen berech-
tigt, diese Sporocysten oder Redien in eine mehr oder min-
der direkte Beziehung zu den aus den Eiern der Trematoden
hervorkommenden infusorienartigen Embryonen zu setzen.
Durch die seitherigen Beobachtungen ist diese Anschau-
ungsweise im Allgemeinen vollkommen gerechtfertigt worden.
Hier und dort ist allerdings ein Zweifel an der Richtigkeit
derselben aufgetaucht, allein immer nur bei solchen Zoolo-
gen, die sich principiell, wie es scheint, gegen die Fort-
schritte unseres Wissens und Erkennens abgeschlossen haben.
Wir werden uns weiter unten davon überzeugen, dass gele-
gentlich selbst heute noch solche Zweifel laut werden.
Unter den Helminthologen , die sich neuerdings durch
ihre Untersuchungen auf diesem Gebiete ein grosses Verdienst
erworben haben, nennen wir vor allen Anderen van Bene-
den, de Filippi, de la Valette und G. Wagen er.
Die Untersuchungen des Ersteren, die derselbe in sei-
ner grossen, von der Akademie gekrönten Preisarbeit nie-
dergelegt hat^ sind einstweilen nur durch den vonQuatre-
der niederen Thiere während der J. 1854—1855, 363
fages darüber abgeslatleten Bericht bekannt geworden (Ann.
des sc. nat. 1854. 1. p. 23 ff.).
Obgleich wir uns die näheren Mittheilungen über diese Unter-
suchungen bis zur Publication des betreffenden Werkes vorbehalten
müssen, wollen wir hier doch wenigstens so viel hervorheben , dass
es nach den Beobachtungen unseres Verf. auch Trematoden giebt,
die sich auf direktem Wege, ohne Generationswechsel, ja selbst ohne
Metamorphose entwickeln. So namentlich die zu der Gruppe der Po-
lystomeen gehörende Udonella Caligorum (Amphibothrium Kroyeri Lt.),
die von Siebold freilich — aber irrthümlicher Weise — für einen
mit Branchiobdella verwandten Blutegel hält. (Gleiches gilt auch,
wie wir neuerlich durch G. Wagener und Ref. erfahren haben,
von Gyrodactylus, ja wahrscheinlicher Weise sogar von der ganzen
Gruppe der Polystomeen.)
de Pili ppi hat seine reichen Erfahrungen über Trenia-
todenentwickelung in zweien den Memoiren der Turiner Aka-
demie (Tom. XV. u. XVI) einverleibten Monographieen be-
kannt gemacht (Mem. pour servir ä l'hist. genetique des Tre-
matodes. Turin 1854 und deuxieme mem. etc. Tur. 1855),
von denen sich die erste auch in den Ann. des sc. nat. 1854.
II. p. 255—285. PI. 10 u. 11 abgedruckt findet.
In der ersten dieser j^Jonographieen berichtet Verf. über fol-
gende (mit provisorischen Namen bezeichnete, meist neue) Ent-
wickelungsformen: Cercaria microcotyla aus faludina vivipara und
achalina , C. vesiculosa Dies, aus Faludina vivipara , Cercaria ma^
crocerca aus Cyclas Cornea, C. gibba aus Lymnaeus pereger ^ Ccrc.
echinatoides aus Faludina vivipara, Cerc. neglecta aus Lymnaeus pere^-
ger, Disloma paludinae impurae ^ D. lymnaei auricularis , besonders
ausführlich über C. microcotylea und C. echinatoides. Die zweite Mo-
nographie enthält Beobachtungen über Cercaria armata (?) aus Lym-
naeus palustris, C. virgula aus Faludina impura^ C. coronata aus Z»/m-
naeus palustris und slagnalis , über Flanorbis vorlex , über Diplodiscus
Diesingii und Distoma buccini mutabilis, Cerc. echinocerca aus Bucci..
num Linnaei und Distoma renale aus Helix aspera.
Wie der Verf. in den angehängten allgemeinen Betrachtungen
(auch Ann. des sc. nat. 1855. T. III. p. 111) weiter auseinander setzt,
gehören die hier beschriebenen Cercarien zu zwei verschiedenen Typen,
die sich durch mancherlei Eigenthümlichkeiten ihrer Organisation und
Entwickelungsweise von einander unterscheiden. Die Cercarien des
ersten Typus (C. microcotyla, vesiculosa, macrocerca, gibba, armata und
virgula) sind ohne Ausnahme mit einem Mundstachel versehen und
entwickeln sich in einfachen Sporocyston, die, wie Verf. bei C. vir-
gula auf das Entschiedenste beobachtete, durch Metamorphose aus
364 Leuckarl: Bericht üb. d. Leistungen in d. Naturgeschichte
einem infusorienartigen Embryo hervorgehen und sich nicht selten
(wie die Sporocysten von C. vesiculosa) durch Theilung vermehren.
Bei der Einkapselung umgeben sich diese Cercarien durch Abtrennung
ihrer Oberhaut mit einer dünnen Hülle , unter der sie zu wachsen
fortfahren. Die Cercarien des zweiten Typus entbehren des Mund-
stachels, sind dafür aber oftmals (C. echinatoides, coronata) mit einem
Stachelliranze versehen. Sie entwickeln sich in Redien mit Magen-
schlauch und flimmernden Canälen (C. coronata) und bilden bei der
Verpuppung durch die secretorische Thätigkeit einer eigenen subcutanen
Zellenschicht dickwandige Kapseln, in denen sie ohne weitere Ent-
wickelung bis zur Ueberführung in den Darmkanal eines anderen
Wirthes verharren. Ueber die Entwickelung der Redien lauten die
Beobachtungen unseres Verf. verschieden. Während er anfangs (C.
echinotoides) geneigt war, dieselben gleichfalls aus einer einfachen
Metamorphose von infusorienartigen Embryonen herzuleiten, glaubt er
späterhin, freilich nur auf Grund einer einzigen und noch dazu un-
vollständigen Beobachtung (C, coronata) den Angaben von Siebold's
über die endogene Bildung der Redien sich anschliessen zu müssen.
Von besonderem Interesse ist die Beobachtung, dass es zahlreiche
Distomen giebt , die sich gleich Anfangs zu ihrer späteren schwanz-
losen Form entwickeln. (Die erste Beobachtung dieser Art ist übrigens
schon vor Filippi von v. Siebold bei den Sprösslingen von Leu-
cochloridium gemacht (D. holostomum). Vergl. Zeitschrift für wiss.
Zool. IV. S. 425.) Auch bei diesen Arten sind übrigens die Ammen
bald Sporocysten, wie in der Mehrzahl der Fälle , bald Redien (D.
Paludinae impurae).
Für die Reduction der Cercarien auf die dazugehörenden aus-
gebildeten Trematoden bieten die Beobachtungen unseres Verf. nur
geringes Material. Nur so viel wird in dieser Beziehung ausser Zweifel
gestellt, dass Diplodiscus Diesingii die Larvenform von Amphistomum
subclavatum im Darmkanale der Tritonen ist. Verf. beobachtete an
manchen Exemplaren dieses Wurmes, die wohl erst vor Kurzem ein-
gewandert waren , noch die beiden grossen , mit deutlichen Linsen
versehenen Augenflecken, die den schon auf einem frühen Entwicke-
lungssladium aus seiner Redia ausschlüpfenden und längere Zeit frei
lebenden Diplodiscus so auffallend auszeichnen. Für C. virgula, die sich,
wie C. armata, in Larven von Perliden u. a. derartigen Insekten ver-
puppt, vermuthet Verf. die ausgebildete Form in dum D. maculosum der
Schwalben. Uebrigens glaubt Verf., dass es eine Anzahl von Cercarien-
formen (besonders des zweiten Typus) gebe, die vielleicht niemals,
oder doch nur selten, zur vollständigen Entwicklung gelangten und
bloss durch die Forlpflanzungsfähigkeit ihrer Ammen erhalten würden.
Er macht sogar den Versuch, das sonderbare Dist. tardum, das er ge-
nauer beschreibt und als eigene, durch ein Paar seitliche Saugnäpfe
der niederen Thiere während der J. 1854—1855. 365
ausgezeichnete Form (Tetracotyle) erkennt, mit diesen Vorgängen
in Zusammenhang zu bringen und vermuthet, dass dieses merkwürdige
Geschöpf, das Verf. in manchen Redien (C. echinaloidcs) zwischen
den Cercarien antraf, dazu bestimmt sei, später neue Uedien hervor-
zubringen. (? Nach brieflicher Miltheiiung von G. Wagen er ist
Tetracotyle ein selbstständiges, zu den Holostomeen gehörendes Thier,
dessen Seitennäpfe später verkümmern. Was deFilippi bei diesem
Thiere als Darm beschreibt, ist Excretionsorgan. Ref.) In anderen
Fällen entsteht im Innern der Redien unmittelbar eine neue Redie
(C. coronata), wie es früher schon von V. Carus beobachtet worden
ist. (Zur Kenntniss des Generationswechsels 1849. S. 12.)
Die mit zwei vorzüglich gelungenen Kiipfertafeln aus-
gestaltete treffliche Inauguraldissertation von de la Valette
St. George „Symbolae ad Trematodum evolutionis histo-
riam« Berol. 1855
enthält nach einer Einleitung über die Embryonalzustände der
Trematoden, in welcher Verf. auch u. a. die Möglichkeit einer direk-
ten Entwickelung bei diesen Thieren hervorhebt und durch die Be-
obachtung eines mit rudimentären Saugnäpfen versehenen Distomum-
embryo wahrscheinlich zu machen sucht, eine sehr sorgfältige Be-
schreibung von C. echinifera (= C. echinatoides de Fil.), C. echinata,
C. spinifera aus Planorbis corneus, C. armata, C. ornata aus Planor-
bis, C. pugnax (= C. microcotylea de Fil.), C. vesiculosa, C. graci-
lis , C. furcata, C. ocellata aus Lymn. slagn. , C. cristata ebendaher
und G. ephemera (^flava). Verf. hat sich auf das Bestimmteste über-
zeugt, dass die Cercarien nur ein einziges, dem Excretionsapparalo
zugehöriges Gefässsystem besitzen , dessen Zweige sich in manchen
Fällen auch in den Schwanz hinein erstrecken. Bei den Redien ent-
deckte Verf. eine unpaare, neben dem Kopfende gelegene Oeffnung
zum Ausschlüpfen der Cercarien. Ein besonderes Interesse verdienen
die von unserem Verf. (mit geringerm Glücke auch schon früher von
de Filippi 1. 1. p. 19) angestellten Fütterungsversuche, die in allen
denjenigen Fällen ein günstiges Resultat lieferten, in denen mit einge-
kapselten Trematoden experimenlirt wurde, während die freien Cer-
carien jedes Mal dem Verdauungsprocesse unterlagen. Schon eine
halbe Stunde nach der Fütterung konnte Verf. (bei Warmblütern, bei
Kaltblütern später) das Ausschlüpfen der Trematoden aus ihren Cysten
beobachten. Die Cerc. echinifera scheint im Darmkanale der Sper-
linge reif zu werden {^Disl. echiniferum de la Val.j, obgleich man
hier bisher noch kein bestachcltes Distomum angetrofl"en lial, während
sich Cerc. echinata nach den Experimenten unseres Verf. in das Disl.
echinatum der Enten und die Cerc. ephemera in das Monostomuni fia.
vum der Sumpfvögel verwandelt.
366 Leuckart: Bericht üb. d. Leistungen in d. Naturgeschichte
Unter den auf Tab. II abgebildeten Cercarien finden sich auch
die durch ihre Formen sehr ausgezeichneten C. dichotoma, C. setifera
und C. elegans, die J. Müller im Mittelmeere aufgefischt und schon
früher (Arch. für Phys. 1850. S. 496) beschrieben hat.
lieber die Beobachtunoren G. Wagrener's werden wir
erst später, wenn die von der Niederländischen Akademie
inzwischen gekrönte Arbeit dieses ausgezeichneten Helmin-
thologen erschienen sein wird, ausführlicher berichten. Was
wir bis jetzt darüber wissen, beschränkt sich auf eine kurze,
der zweiten Abhandlung von deFilippi (p. 24) angehängte
Mitlheilung.
Wagen er unterscheidet bei den Distomeen zwei verschiedene
Entwickelungstypen. Im ersten Falle entsteht aus den Eiern ein Em-
bryo ohne Flimmerhaare, der sich in einfacher Weise durch Vcrgrös-
serung, oft auch durch gleichzeitige Verästelung, in eine Sporocyste
verwandelt. Im anderen Falle zeigt der Embryo ein Flimmerkleid,
auch im Innern flimmernde Gefässe und mitunter selbst (Monotom. ca-
pitellatum) einen Darmkanal mit Pharyx. Die Amme nimmt dann im
Innern des Embryo ihren Ursprung und erscheint in der Regel als
eine Redie mit Darm und Flimmergefässen,
Weiter erfahren wir durch diese Mittheilung, dass die C. ma-
crocerca deFil. zu Dist. cygnoides gehöre, dessen Entwickelung Verf.
durch alle einzelnen Phasen hindurch verfolgen konnte. Ebenso ist
Dist. duplicatum wahrscheinlicher Weise die Larvenform von D. tere-
ticolle und Cerc. histrionella die von Dist. ferox. In der Haut von
Diplodiscus fand Verf. die bekannten Stäbchen der Turbellarien (die
auch de Filippi gesehen hat, ohne sie jedoch als solche zu erken-
nen). Das Gefässsystem von Diplodiscus mündet jcderseits in der
Schwanzspitze nach Aussen.
Ausserdem erwähnen wir hier noch der mit schönen
Abbildungen ausgestatteten Abhandlung von Lacaze-Du-
thiers über eine neue^ in Ostrea schmarotzende Art des
Larvengenus Bucephalus (B. Haimeanus) und deren Entwicke-
lung in verästelten Sporocysten. Ann. des sc. nat. Ib54. I.
p. 294. Tab. VI. (In Betreff des B. polymorphus und dessen
Entwickelung vgl. hierbei Hessling, in den Münch. illustr.
med. Zeitg. L S. 311. Taf. XII.)
Trotz diesen Beobachtungen fährt Di es in g immer noch
fort, die Cercarien als ausgebildete, wenn auch geschlechts-
lose Trematoden zu betrachten. Das Abwerfen des Schwan-
zes und die Entstehung in besonderen, andersgebauten Thieren
der niederen Thiere wahrend der J. 1854—1855. 367
kann derselbe freilich nicht läugnen; er sucht diese Thatsa-
chen mit seiner Anschauungsweise durch die Hypothese in
Einklang zu bringen, dass jener Schwanz sich nach Abtren-
nung vom Vorderleibe durch Ausdehnung und Sporenbildung
im Innern in eine Sporocyste oder Redie verwandele. Wie-
ner Sitzungsber. IS53. XV. S. 377.
Ueber den Bau und die Naturgeschichte der im mensch-
lichen Körper schmarotzenden Trematoden handelt Küchen-
meister in seinem Werke über die menschlichen Parasiten
I. S. 179—223.
Verf. behandelt hier ausser den bekannten Dist. hepaticum und
lanceolatum, so wie den immer noch problematischen Dist. ophthal-
mobium und Monoslomum lentis auch die von Bilharz in Aegyp-
ten neuerlich (Zeitschr. für Zool. IV. S. 59 ff.) entdeckten D. hetero-
phyes und D. haematobium, das letztere nach eigenen Untersuchungen
an Weingeistexemplaren.
Fasciola giganlea n. sp. aus den Gallengängen der Gieraffe,
3 Zoll lang, Cobbold Edinb. new phil. Journ. 1855. I. p. 262.
Tab. VII.
Dist. microcephalum n. sp. aus dem Magen von Acanthias vul-
garis, Baird Ann. nat. bist. XV. p. 74.
Auch Wedl beschreibt einige neue eingekapselte Trematoden,
unter denen namentlich die eine Art, Monoslomum bipartitumy aus der
Kiemenhöhle von Thynnus vulgaris unsere Aufmerksamkeit in Anspruch
nimmt. Form und Bau errinnert an das getrennt geschlechtliche Di-
stomum Okenii Köll. (13er. der zootom. Anstalt zu Würzburg S. 55)
aus der Kiemenhöhle vou Brama Raji, wenigstens an das Weibchen
mit seinem ansehnlichen, durch die Geschlechtsorgane mächtig aufge-
triebenen Hinterleibe. Wie Dist. Okenii lebt auch Wedl's Monosto-
mum häufig zu zweien in derselben Cyste, doch wird vom Verf. nicht
angegeben, ob diese beiden Exemplare etwa in Form und Bildung
verschieden seien. Die übrigen beobachteten Formen waren noch
nicht geschlechtsreif; sie wurden bei Rhombus laevis (in Flossen und
Darmwand, ein Monostomum) und bei Belone vulgaris (im Herzbeu-
tel, ein Distomum) gefunden. Gleichzeitig macht Verf. einige Anga-
ben über Dist. megastoma Rud. und D. polymorphum Rud. Wiener
Sitzungsber. XVI. S. 378 ff.
Gastaldi beschreibt gleichfalls mehrere eingekapselte neue
Distomumarten und zwar aus den Muskeln des Piemontesischen Was-
serfrosches : D. tetracystis, D. diffusocalciferum und D. accrvocalciferuni,
und lieferte davon eine durch Abbildungen erläuterte Beschreibung
(Cenni etc. p. 4 — 7.) Die erstere dieser Arten ist durch die Anwe-
368 Leuckart: Bericht üb. d. Leistungen in d. Naturgeschichte
senheit von vier wenig entwickelten, contractilen Drüsen ausgezeich-
net, die sich mittelst eines Ausführungsganges in die Mundhöhle
öffnen; sie ist wohl dieselbe, deren Jugendzustände von de Filippi
beobachtet und als Cercaria microcotylea beschrieben wurden (siehe
oben). Bei der zweiten Art ist die Haut mit zahlreichen ovalen Kalk-
körperchen versehen, wie sie bekanntlich sehr allgemein bei den Ce-
stoden vorkommen, hier und da aber auch sonst schon bei Trematoden
beobachtet sind (bei Diplostomum rhachieum). Die dritte Art, deren
Benennung — wohl nicht ganz passend — von dem mit Körnern an-
gefüllten Hauptstamme des Excretionsorganes hergenommen ist, lässt
trotz ihres eingekapselten Zustandes und ihrer Isolation in den Cysten
einen Hoden und Oviduct mit Eiern erkennen (wie es auch Pon-
taille bei einem solchen Distomum aus Triton beobachtete, Ann. des
sc. natur. 1851. T. XV. p. p. 217).
Ebendaselbst liefert Gastaldi auch (p. 9 — 12) eine neue,
mehrfach berichtigende Beschreibung und Abbildung von Codonoce-
phalus mutabilis Dies. (Amphistoma urnigerum Rud.).
Diesing veröffenticht eine „Revision der Cercarieen,"
Wien. Sitzungsber. 1855. XV. S. 377-400.
Kachträge zu dem betreffenden Abschnitte in Diesing's Syst.
helminthum, mit Aufzählung und CharalUeristik der von Filippi
(1. Abhandlung) u. A. seither beschriebenen Arten. Verf. führt 30
Arten auf und vertheilt diese in 9 Genera, unter denen auch Leuco-
chloridinm sich befindet, obwohl die übrigen Ammengenera jetzt (als
isoliite, in Sporenbehälter umgewandelte Schwänze, vgl. oben S. 367)
getilgt und bei den zugehörenden Ccrcarien untergebracht sind.
Die Angaben Speyers über die bei Paiudina schmarotzenden
Cercarien (bei Gelegenheit der Zootomie der Faludina vivipara, In-
auguraldissert. Marburg 1855. S. 37) sind völlig unbrauchbar.
Grube beschreibt (dieses Arch. 1855. I. S. 137. Tab. VI. fig. 1)
einen eigenthümlichen Schmarotzer von Scoraber, der in vieler Be-
ziehung mit Octobothrium scombri übereinstimmt , aber nur vier in
einer Längsreihe stehende Saugnäpfe hat. (Wahrscheinlich, wie auch
Verf. anzunehmen geneigt scheint, ein verstümmeltes Exemplar dieses
Plattwurms.)
Ebendaselbst (S. 140) stellt Grube für das sehr interessante,
von GuidoWagener (Müllers Arch. 1852. S. 543) entdeckte darmlose
Trematodengenus Amp hip ly ches folgende Diagnose auf: Corpus ob-
longum, depressum , margine laterali longe plicato , anlice in foveam
angustam haud perforatam , postice in infundibulum plicatum exiens,
Vulva ventrali, apertura tubulata dorsuali ad basin infundibuli. Her-
maphroditi intestino nuUo, vasis reticulatis per totum corpus diffusis.
Sp. A. urna Wag. hab. intest. Chimaerae monst. Nizza.
der niederen Thiere während der J. 1854—1855. 369
3. Cestodes«
Die Ordnung- der Bandwürmer ist von allen Helminlhen-
griippen diejenige, über die sich unsere Anschauungen und
Kenntnisse seit 1847, seit dem Erscheinen des letzten Jah-
resberichtes über diese Thiere, am meisten umgestaltet ha-
ben. Wir bedauren, dass es uns der Raum unserer Blätter
nicnt gestattet, alle die einzelnen hier in Betracht kommen-
den, zum Theil sehr interessanten Beobarhlungen und Entdek-
kungen herbeizuziehen und auf solche Weise eine vollstän-
dige geschichlliche Entwickelung unserer heutigen Cestoden-
kennlnisse zu versuchen. Statt dessen müssen wir uns begnü-
gen, einige der wichtigsten der von 1848 — 1854 erschiene-
nen Arbeiten über Bandwürmer hervorzuheben und ihre Be-
ziehungen zu dem heutigen Standpunkte unserer Wissenschaft
mit wenigen Worten zu bezeichnen.
. Vor allen erwähnen wir hier die ausgezeichnete Ab-
handlung von van Beneden, les vers Cestoides on Aco-
lyles, Brux. 1850 (Mem. de l'Acad. roy. de Belg. T. XXV)
Avec 24 PI. , ein Werk, in welchem uns der Verf. nicht bloss
eine ganz neue, durch zahlreiche Arten repräsentirte Band-
wurmfauna aus dem Darmkanale der Plagiostomen vorführt,
sondern auch den anatomischen Bau dieser Cestoden und
ihre Entwickelungsgeschichte einer ausführlichen Darstel-
lung unterwirft, Verf. betrachtet die Bandwürmer als darm-
lose Trematoden und sucht diese Ansicht namentlich durch
eine speciellere Analyse des Geschlechtsapparates und die
Parallelisirung des bekannten Gefässsystems mit dem Excre-
tionsorgane der Trematoden zu unterstützen. Aus den Eiern
der Bandwürmer entsteht zunächst — und zwar, wie Verf.
meint, auf direktem Wege — der sog. Kopf (Scolex), der
eine Zeit lang isolirt lebt und sich erst späterhin durch forl-
gesetzte Knospenbildung in einen gegliederten Bandwurm
(Slrobila) verwandelt. Der letztere ist also kein einfaches
Thier, wie man früher gewöhnlich annahm, sondern eine
Colonie von zahlreichen Geschlechtsthieren (Progloltis) , die
sich nach einander an dem ammenarligen Kopfe entwickelt
haben und erst später , nach erlangter Geschlechtsreife, sich
abtrennen.
Archiv f. Naturgesch. XXII. Jahrg. 2. Bd. y
370 Leuckart: Bericht üb, d. Leistungen in d. Naturgeschichte
Zu einer sehr ähnlichen Anschauungsweise kommt auch v.
Siebold in seiner Abhandlung über den Generationswech-
sel der Cestoden, Zeitschrift für wiss. Zool. 1850. II. S. 198,
die auch in zoologischer Beziehung, besonders in ßelrelF des
Gen. Tetrarhynchus (Anihocephalus), sehr beachlenswerlh ist.
Verf. hebt aber noch weiter hervor, dass die Embryonen in
den Eiern der Cestoden ganz allgemein, so weit seine Un-
tersuchungen reichten, eine von den späteren ßandwurmkö-
pfen verschiedene Gestalt besässen, dass also zwischen dem
Embryonenzustande und dem des isolirt lebenden Kopfes noch
eine Zwischenstufe vorhanden sei, die wahrscheinlich bestän-
dig in einem von dem späteren Bandwurmträger verschiedenen
Thiere durchlaufen werde. Die Blasenwürmer hält Verf. , wie
er das schon früher (J. B. XV. S. 387) angedeutet — und auch
Ref. in diesem Arch. 1848. I. S. 7 ff. ausführlicher zu be-
gründen versucht halte — für verirrte und krankhaft (was-
sersüchtig) entartete Bandwürmer resp. Bandwurmammen, die
sich erst nachträglich in ihr blasig degenerirtes Schwanz-
ende hineingestülpt hätten.
An diese Abhandlung von v. Siebold's schliessl sich
sodann die Beobachtung von Stein, der (Zeitschr. für wiss.
Zool. 1852. IV. S. 205) äusserlich am Darme der Mehlkäfer
einen kleinen encystirten Bandwurm fand, welcher durch seine
Bildung an einen Blasenwurm erinnerte, auf seiner Schwanz-
blase aber noch deutlich die sechs stäbchenförmigen Embryo-
nalhäkchen erkennen Hess. Die Beobachtung jüngerer Ent-
wickelungsstufen Hess keinen Zweifel, dass der mit dem spä-
teren Hakenkranze versehene Bandwurmkopf sich im Innern
des ursprünglichen Embryonenkörpers bilde.
Dass dasselbe Gesetz auch für die echten Blasenwürmer
gelte, die Bildung der sog. Schwanzblase bei diesen Thieren
also keineswegs erst nachträglich vor sich gehe, war übri-
gens schon im vergangenen Jahrhunderte von Götze (Ver-
such einer Naturgesch. der Eingeweidew. 1782. S. 245) be-
obachtet und auch bereits vor Stein von G. Wagener,
Enthelminthica, Dissert. inaug. Berol. 1848. p. 30, zum zwei-
ten Male entdeckt worden.
Noch bevor übrigens Stein's Beobachtungen bekannt
der niederen Thiere während der J. 1854—1855. 371
geworden waren, halle eine andere wichtige Enldeckung die
allgemeine Aufmerksamkeil der Zoologen auf die Cestoden
hingewendet. Es war die Enldeckung von Küchen mei-
st er, dass sich die Finnen im Darnikanale geeigneter Thiere
mit Verlust ihrer Schwanzblase zu vollständigen, geglieder-
ten und geschlechtsreifen Tänien entwickelten, eine Enldck-
kung, durch welche der — noch immer vielfach geläugnete
— genetische Zusammenhang der Blasenwürmer mit den
Bandwürmern ausser allen Zweifel gesetzt wurde. Küchen-
meister hat seine ersten Beobachtungen über Band- und
Blasenwürmer vorzugsweise in zwei Schriften niedergelegt :
Ueber die Umwandlung der Finnen in Bandwürmer in
der Prager Vierleljahresschrift 1852. I. S. 106 ff. und
Ueber Cestoden im Allgemeinen und die des Menschen
insbesondere , hauptsächlich mit Berücksichtigung ihrer Ent-
wickelungsgeschichte , geogr. Verbreitung, Prophylaxe und
Abtreibung. Zittau 1853.
Verf. lieferte in denselben übrigens nicht bloss eine Dar-
stellung von der Umwandlung der Finnen in Bandwürmer, son-
dern sucht auch im Gegensalze zu y. Siebold die Blasenwür-
mer mit teleologischen und embryologischen Gründen als ganz
normale und constante Entwickelungszuslände gewisser Band-
wurmspecies nachzuweisen. Cyst. pisiformis gehört nach den
Beobachtungen und Experimenten unseres Verf. zu der Tae-
nia serrala — anfänglich war Verf. übrigens über die spe-
cifische Natur der aus Cyst. pisiformis gezogenen Bandwür-
mer etwas unsicher — , Cyst. fasciolaris zu T. crassicollis.
Ebenso wahrscheinlicher Weise Cyst. cellulosae zu T. solium,
deren Hakenbildung genau mit der der Schweinefinne über-
einstimmt. (Die zweite umfangreichere Schrift unseres Verf.
enthält in ihrem speciellen Theile eine Beschreibung der
menschlichen Bandwurmarten, unter denen eine neue haken-
lose., früher mit T. solium zusammengeworfene Species: T.
mediocanellata.)
Die Entdeckung Küchenm eis ter's wurde alsbald von
anderer Seite bestätigt und erweitert. Zunächst von v. Sie-
bold, der nach einem kurzen Referate über die von ihm
(mit Cyst. pisiformis, Coenurus und Echinococcus) angestellten
372 Leuckart: Bericht üb. d. Leistungen in d. Naturgeschichte
Experimente in der üebers. der Arb. und Veränd. der schle-
sischen Gesellsch. f. vaterl. Culfur 1852. S. 4S seinen Schüler
Lewald veranlasste (de Cyslicercorum in taenias melamor-
phosi Diss. inaug. Berol. 1852), die Umwandlung des Cyst.
pisiformis in Taenia serrata genauer zu verfolgen und weiter
auch selbst über denselben Gegenstand (Zeitschrift für wiss.
Zool. 1853. IV. S. 400), so wie über die aus Echinococcus
veterinorum gezogene kleine Tänie , T. Echinococcus v. S.,
(ebendas. S. 409) eine Reihe von Mittheilungen machte.
Auch van Beneden wiederholt die Küchenmeisler'-
schen Versuche (Ann. des sc. natur. 1854. I. p. 26) und
weiss sogar eine eigens von der Pariser Akademie zur Prü-
fung dieser Verhältnisse niedergesetzte Commission fast voll-
ständig — nur ein einziges Mitglied, Valenciennes, äus-
sert einige Bedenken — von der Richtigkeit seiner Anga-
ben zu überzeugen (l'Instit. 1855. p. 149; Cyst. rend. T. XL.
p. 997).
Obgleich nun nach solchen Erfahrungen die genetischen
Beziehungen der Blasenwürmer zu den Cestoden billiger Weise
nicht länger mehr bezweifelt werden konnten — in Die-
sing werden wir freilich später noch einen hartnäckigen
Gegner dieser Thatsachen kennen lernen — , so war damit
doch die Frage nach der Stellung der Blaseiiwürmer in dem
Entwickelungscyclus der Cestoden noch nicht entschieden.
Küchenmeister nahm dieselbe, wie oben schon angeführt
wurde, als normale Entwickelungszustände in Anspruch, die
sich unmittelbar aus dem sechshakigen Embryo hervorbilden
sollten.
In ähnlicher Vi^eise äussert sich vanBeneden in seiner
grossen helminthologischen Preisarbeit (1. c.) , bis jetzt leider
nur durch ein ziemlich aphoristisches Referat bekannt ge-
worden. Verf. , der die Entwickelungsgeschichte der Cestoden
jetzt unter dem Gesichtspunkte eines mehrfach wiederholten
Generalionswechsels auffasst , unterscheidet hier drei ver-
schiedene Zustände, den sechshakigen Embryo als Gross-
amme (Proscolex V. Ben.), den Cysticercus als Amme (Scolex)
und die einzelnen geschlechtsreifen Glieder des Bandwurms
als ausgebildeten Cestoden (Progloltides). Freilich scheint
der niederen Thiere während der J. 1854—1855. 373
es, dass dieses Schema in manchen Fällen wenig-er vollslän-
dio- einorehalten werde; wonio-stens vermulhet Verf., dass
sich der sonderbare Caryophyllaeus auf einem einfacheren,
mehr direkten Weg-e entwickle.
Anders nrlheilt dagegen v. Siebold, der den Blasen-
wurmzustand noch immer ( Zeitschrift für wiss. Zool. IV.
S. 407) für abnorm hält und seine frühere Anschauungsweise
nur in sofern modificirt, als er die Finnen jetzt nicht mehr
für „krank," sondern ^bloss für „entartet" erklärt. Derselben
Auffassung begegnen wir in der neuesten Abhandlung von
Siebold's „über die Band- und Blasenwürmer" Leipzig 1854,
übers, in den Ann. des sc. nat. 1855. IV. p. 48 IT., die übri-
gens in sofern auch ein allgemeines Interesse hat, als Verf.
hier seine zahlreichen, an verschiedenen Orten schon früher
publicirten Erfahrungen über die Wanderungen und die Meta-
morphose der Helminthen zusammenstellt.
Im Wesentlichen sind die hier über die Entwiclcelungsge-
schichte der Cestoden niedergelegten Ansichten dieselben , die Verf.
schon in seiner Abhandlung über den Generationswechsel ausgespro-
chen hatte, nur dass dabei noch die Angaben von Stein über die
EntWickelung des späteren Bandwurmkopfes im Innern des sechsha-
Itigen Embryo verwerthet sind. Auf die Ansichten von der Ent-
stehung der Blasenwürmer übt dieser Umstand in sofern Einfluss, als
Verf. jetzt die „hydropische Ansammlung von Wasser" nicht mehr in
dem Schwanzende des Scolex, sondern — wie das schon Stein an-
gedeutet hatte — innerhalb des zu der Schwanzblase (receptaculum
capitis V. Sieb.) umgewandelten Embryonalkörpers vor sich gehen
lässt. Die Ursache dieser Entartung ist unserem Verf. nach wie vor
eine „Verirrung," d. h. die Einwanderung des sechshakigen Embryo
in einen Wirth, der den Entwicklungsbedingungen desselben nur un-
vollständig entsprechen konnte. Nach den Gründen für eine solche
Auffassung sucht der Leser freilich vergebens ; Verf. hat eine nähere
Prüfung der betreffenden Frage unterlassen und eine Uechtferligung
seiner Anschauungsweise trotz der veränderten Sachlage für unnö-
thig — vielleicht auch unmöglich — gehalten.
Was der Verf. in dieser Abhandlung an neuen Beobachtungen
mittheilt, bezieht 'sich ausschliesslich auf die Umwandlung der Finnen
in Bandwürmern, auf einen Process, durch welchen es den Blasen-
würmern möglich wird, auch trotz ihres „hydropischen Receptaculum
unter günstigen Umständen noch das Ihrige zur Erzeugung geschlecht-
licher Cestoden beizutragen." (Verf. scheint bei solcher Auffassung
zu vergessen, was schon K. hervorgehoben halte, dass die als «ver-
374 Leuckart: Bericht üb. d. Leistungen in d. Waturgeschichte
irrt" und „hydropisch" bezeichneten Blasenwürraer fast ausschliesslich
in solchen Thieren vorkommen, die den Wirthen der dazu gehören-
den späteren Bandwürmer zur Nahrung dienen und überdiess in sol-
cher Menge vorkommen, dass es der Annahme einer weiteren Zufuhr
gar nicht bedarf, um die Zahlenverhältnisse der letzteren hinreichend
zu erklären.) Die Fülterungsversuche , über welche der Verf. be-
richtet, betreffen den Cyst. pisiformis, Cyst. tenuicollis, Cyst. cellu-
losae, Coenurus cerebralis und Echinococcus veterinorum. Es ge-
lang, alle diese Blasenwürmer, auch den Cyst. 'cellulosae , im Darm-
kanale der Hunde zu einem gegliederten, meist auch geschlechtsrei-
fen Bandwurrae zu erziehen. Am wenigsten günstig waren die Er-
gebnisse dieser Experimente bei dem Cyst. cellulosae , die in den
meisten Fällen missglückten und auch niemals zur Production eines
geschlechtlich entwickelten Wurmes hinführten. (Ref. sind, v^ie
auch K ü ch enm ei ster solche Fütterungen mit Cyst. cellulosae n i e-
mals geglückt.) Was den Verf. aber in hohem Grade überraschte,
war die Aehnlichkeit der aus Cyst. cellulosae im Hundedarme gezo-
genen Tänien sowohl mit der T. serrata als auch mit T. solium, eine
Aehnlichkeit, die Verf. veranlasste, die in seiner Sammlung aufbe-
wahrten Exemplare von T. solium genauer mit T. serrata zu ver-
gleichen und dann später zu der üeberzeugung brachte, dass der
gemeine Älenschonbandwurm mit T. serrata identisch
sei. Auch an den aus Cyst. tenuicollis und Coenurus hervorgegan-
genen „ellenlangen Tänien" konnte Verf. keinerlei specifische Unter-
schiede von T. serrata auffinden — er betrachtet alle diese Bandwürmer
als Repräsentanten derselben Art und trägt nicht einmal ein Bedepkcn,
denselben auch noch die T. marginata des Wolfes, die T. crassiceps des
Fuchses und die T. intermedia des Marders hinzuzugesellen. Alle
diese Tänien bieten, wie die Blasenwurmformen des Cyst. pisiformis,
C. tenuicollis, C. cellulosae und Coenurus, nach der Ansicht des Verf.
„blosse Raceverschiedenheiten dar , welche durch den verschiedenen
Boden bedingt werden, den die Jugendzustände derselben zu ihrer
weiteren Entwickelung vorfinden, je nachdem die Brut derselben ent-
weder in dieses oder jenes Thier einwandert« (S. 99). Obgleich man
vermuthen sollte, dass eine so gewichtige Behauptung, wie die eben
angeführte , wohl nicht ohne die triftigsten Gründe ausgesprochen
worden sei, vermisst man doch auch hier die scharfe und genaue Be-
weisführung, die wir sonst in den Schriften v. Siebold's zu finden
gewohnt sind. Verf. hat es sogar unterlassen, was doch am nächsten
lag, die Form, Zahl und Grösse der Haken bei den in Betracht kom-
menden Tänien einer sorgfältigen vergleichenden Analyse zu unter-
werfen; er würde im anderen Falle wohl schwerlich so schnell über
die Identität derselben abgeurtheilt haben.
Wir haben oben die Verdienste hervorgehoben, die sich
der niederen Thiere während der J. 1854—1855. 375
Küchenmeister durch seine Experimente um den Nach-
weis von der Bandwurmnatur der Finnen erworben hat. Wir
müssen ferner noch hinzufügen , dass es demselben im wei-
teren Verlaufe seiner Untersuchungen auch gelungen ist, durch
Verfütterung reifer Bandwurmeier an geeignete Thiere diese
letzteren mit Blasenwürmern zu inficiren.
Das erste Experiment dieser Art wurde bereits im Jahre
1853 mit T. Cocnurus angestellt. Verf. verfütterte die reifen
Endglieder dieses Bandwurmes an einem zweijährigen Ham-
mel und beobachtete 15 Tage später bei demselben die er-
sten Erscheinungen der Drehkrankheit. Bei der Section, die
am vierten Tage der Krankheit vorgenommen wurde, fanden
sich an der Oberfläche des Gehirns und im dritten Ventrikel,
theils frei, Iheils in Exsudatmasse eingebettet, 15 kleine
Blasen von der Grösse eines Hirse- bis Hanfkornes, die
Verf., und zwar, wie sich später herausstellte, mit Recht, für
junge Coenuren hielt. Vgl. Günsburg's Zeitschr. für kl. Me-
dicin 1853. p. 448 ; Ann. des sc. nat. 1854. 1. p. 33. (An
letzterem Orte findet sich ein Referat über die von Küch en-
meister inzwischen immer weiter fortgesetzten Cestoden-
untersuchungen, deren Zusammenstellung von der franz. Aka-
demie mit dem zweiten Preise gekrönt wurde.)
Auf Anregung der Königl. Sächsischen Regierung wur-
den diese Experimente später in Gemeinschaft mit Prof. Hau b-
ner fortgeführt und auch auf die übrigen Blasenwürmer un-
serer Hauslhiere ausgedehnt. (Vgl. Gurlt und Hertwig,
Magaz. für die ges. Thierarzneikunde 1854 und 1855 an
versch. St.) So wurde in vielfach wiederholten Versuchen nicht
bloss der Coenurus cerebralis aus Taen. Coenurus (a. a. 0.
1854. S.248U. 375, 1855. S. 114), sondern auch der Cysti-
cercus pisiformis aus T. serrata (ebendas. 1854. S, 367),
Cyst. tenuicollis aus T. e Cyst. tenuicolli (ebendas. S. 372)
und Cyst. cellulosae aus T. Solium (ebendas. 1855. S. lOO)
erzogen, während man dagegen durch Fütterung von T. ser-
rata oder T. e Cyst. tenuicolli niemals ein Schaf drehkrank
machen und durch T. Coenurus oder T. Solium niemals die
Kaninchenfinne produciren konnte, wie es doch wohl nach
der v. Siebold'schen Idcntitälslehre der Fall sein müsste.
376 Leuclcart: Bericht ob. d. Leistungen in d. Naturgeschichte
(A, a. 0. S. 368 Anm.) Die Versuche über die Erziehung
von Echinococcus veterinorum bei Schafen (ebendas. 1855.
S. 111) sind unseren Experimentatoren bisher noch immer
missglückt; das einzige Resultat, welches dieselben — in
zwei Fällen — nach Fütterung mit T. Echinococcus erzielten,
bestand in der Anwesenheit zahlreicher tuberkelartiger Knöt-
chen in der Leber, die unsere Verf. von der eingewanderten
aber frühzeitig abgestorbenen Cestodenbrut herleiten. Ganz
ähnliche Knötchen fanden sich auch nicht selten nach Fütte-
rung mit anderen ßandwurmeiern , und oftmals (besonders
nach Fütterung mit T. Coenurus und T. e Cyst. tenuicolli)
in den verschiedensten Körpertheilen , was wohl auf eine
weite Verbreitung der Embryonen im Körper der späte-
ren Finnenträger rückschliessen lässt. Sonst übrigens fehlt
es unseren Verf. an positiven Beobachtungen über die Wan-
derungen dieser Brut; es ist eine blosse Vermulhung, wenn
sie annehmen , dass die erste Einwanderung derselben aus
(Jem Darme durch den Ductus choledochus in die Leber und
von da auf direktem Wege weiter in die verschiedensten Or-
gane vor sich gehe.
Bei dem hohen wissenschaftlichen und praktischen In-
teresse, welches diese Experimente besitzen, konnte es nicht
fehlen, dass dieselben auch von anderen Beobachtern ange-
stellt und geprüft wurden.
Ref. hatte schon vor Veröffentlichung der Küchenmei-
ster'schen Erfahrungen (Okt. 1853) ein derartiges Experiment
eingeleitet und konnte gleichzeitig mit den ersten Publika-
tionen von Küc henmeister und Haubner (Gurlt's Mag.
1854. S. 258, Zeilschrift für wiss. Zool. VI. S. 139) über die
künstliche Erziehung des Cyst. fasciolaris aus den Eiern von
Taen. crassicollis berichten.
Ebenso war es van Beneden bereits vor Küchen-
meister und Haubner gelungen, ein Schwein durch Füt-
terung mit Taenia Solium finnig zu machen. Ann. des sc.
nat. L p. 109. (Cpt. rend. T. 38. p. 692).
Am häufigsten wurden die Experimente mit T. Coemirns
wiederholt und zwar grösstenihcils mit Küchenmeister'schen
Materialien, wie in Löwen (von van Beneden), in Copen-
der niederen Thiere während der J. 1854—1855. 377
hagen (von Eschriclil), in Giessen (vom Ref.), in Berlin
(von Gurlt),und in Wien (von Roll), und zwar an allen
genannten Orten mit dem günstigsten Erlolge. Vgl. Gurlt's
Magaz. 1854. S. 604, wie auch — für die drei erstgenannten
Versuchsorte — van Beneden, Bullet, acad. roy. de Belg.
T. XXI. No. 7; Tlnst. 1854. p. 347.
Gegenwärtig dürfte in Deutschland wohl kaum noch
irgend eine bedeutendere Veterinärschule existiren , an der
die Küchenmeister'schen Versuche nicht mehrfach geprüft und
bestätigt worden wären. Nur eine einzige Stimme hat sich
meines Wissens bis jetzt gegen Küchenmeister erhoben,
und auch diese nur gegen die eine , freilich immerhin sehr
wichtige Angabe, dass es zur Production gewisser Blasen-
würmer stets derselben zugehörenden Bandvvurmformen be-
dürfe und umgekehrt. May behauptet nämlich (Gurlt's Mag.
1855. S. 223), dass es ihm gelungen sei, aus Coenurus cere-
bralis die Taenia serrata und umgekehrt aus dieser Tänie
wieder (beim Rinde) den Coenurus zu erziehen. Ebenso soll
sich die Schweinefinne im Darme der Hunde mehrfach zu der
Taen, e Cyst. tenuicolli entwickelt haben* Indessen scheint
es Ref. in gleicher Weise, wie Küchenmeister (vergl.
K.'s Kritik der May'schen Versuche in Moleschott's Unters,
zur Naturgesch. des Menschen und derThiere I. S. 362), dass
sich Verf. bei den Bestimmungen seiner Präparate mehr-
fache Ungenauigkeiten und Irrlhümer zu Schulden kommen
liess und auch bei Anstellung seiner Experimente so wenig
mit der nöthigen Umsicht und Sorgfalt zu Werke gegangen
ist, dass die Resultate derselben in mehrfacher Beziehung
angefochten werden können. Namentlich gilt dieses von den
letzterwähnten Experimenten , bei denen Finnen verwendet
wurden, die vier und resp. zehn Tage in Wasser aulbewahrt
gewesen waren. Bei Anstellung derartiger Experimente darf
man überhaupt nicht Alles und Jedes , was man in dem ge-
fütterten Thiere vorfindet , von der vorhergegangenen Fütte-
rung ableiten wollen. Die Sicherstellung des Resultates ver-
langt in allen Fällen eine umsichtige Prüfung der in Betracht
kommenden Verhältnisse und wird im Allgemeinen um so
schwieriger, je längere Zeit zwischen der Fütterung und der
378 Leuckart: Bericht üb. d. Leistungen in d. Naturgeschichte
Section verstrichen ist. Die Taen. e Cyst. tenuicolli, die
Verf. aus seinen Schweinefinnen erzogen haben will, wurden
aber erst 4 und resp. 14 '/j Wochen nach der Fütterung ge-
funden.
Um übrigens die Identität des Cyst. cellulosae mit der
Taen. Solium über allen Zweifel zu erheben, hat Küchen-
meister einem zum Tode verurtheilten Delinquenten 72 Stun-
den vor der Hinrichtung und später zahlreiche Schweinefin-
nen (freilich auch schon 140 und 130 Stunden vorher 6 Stück
Cyst. pisiformis und 1 Cyst. tenuicollis) beigebracht. Bei der
Section fanden sich 10 junge, 4_6 Millimeter lange Tänien
mit kaum vernarbtem Hinterleibsende , die sich wenigstens
theilweise — die grössere Anzahl derselben war ohne Ha-
kenkranz — ganz unverkennbar als T. Solium auswiesen. Vgl.
Wiener med. Wochenschrift 1855. No. 1. oder Ann. des sc.
nat. 1855. Hi. p. 377.
Die Inauguraldissertation G o 1 d b e r g's : Helminthum
dispositio systematica. Berol. 1854
enthält in ihrem biologischen Theile eine ziemlich kritiklose
Zusammenstellung, resp. Uebersetzung der Arbeiten von Küchen-
meister, V. Siebold, Lewald u. A. , ohne alle selbstständigen
Untersuchungen. Der systematische Theil ist ein fast wörtlicher Ab-
druck aus üiesing's Syst. helminthum, nur dass die Gen. Cysticer-
cus, Coenurus und Echinococcus dabei ausgefallen sind. Für die
Bandwürmer mit Biasenwumizustand schlägt Verf. den neuen Genus-
namen Taeniea vor.
Berg, nonnulla de evolutione cestodum Gryph. 1854 ist
mir nicht zu Gesicht gekommen, soll aber gleichl'alls nur eine
Zusammenstellung der neueren Untersuchungen enthalten.
Ebenso wenig habe ich bisher die von Eschricht in
der Tidskrift for Yeterinairer 111 p. l publicirte Abhandlung
über die Entwickelung der Finnen und Bandwürmer einsehen
können. Ein Auszug dieser Abhandlung findet sich in He-
rin g's Repertor. der Thierheilkunde 1855. XVI. S. 89— 95.
Derselbe enthält eine kurze Geschichte der wichtigsten Ent-
deckungen über die Entwickelungsgeschichte und die Wan-
derungen der Cestoden und einen Bericht über die mit glück-
lichem Erfolge in Kopenhagen angestellten Experimente über
die künstliche Erziehung von Coenurus.
der niederen Thiere während der J. 1854—1855. 379
Während die Beobachtungen und Experimente von Kü-
chenmeisler ausschliesslich auf das Gen. Taenia Bezug-
haben, sind andererseits aber auch, von G.Wagen er, die
oceanischen Formen der Cesloden zum Gegenstande umfas-
sender Untersuchungen gemacht worden : „die Entvvickelung
der Cestoden nach eigenen Untersuchungen," in den Verh.
der K. L. C. Akad. XXIV. Supplement. Mit 22 Steindruck-
tafeln. '
Unter den vorausgeschickten Bemerkungen über den anatomischen
und histologischen Bau der Cestoden erwähnen wir namentlich der Be-
obachtungen über das sog. Gefässsystem, das sich (wie Verf. schon 1848
in den Enthelmintica beschrieben hatte) keineswegs auf die bekannten
Längs- und Querstämme beschränkt, sondern mit zahlreichen Verästelun-
gen Ifen ganzen Körper durchzieht und in den feinsten (oft w^andungslo-
sen) Zweigen deutliche Flimmerläppchen erkennen lässt. Die Samen-
fäden bilden sich in hellen Hohlräumen , die Verf. in gewissen ßil-
dungszuständen niemals vermisst hat. Ausser ihnen und den Keim-
stöcken unterschied Verf. sehr allgemein auch noch im Rande der Glie-
der Gebilde von rundlicher oder dendritischer Gestalt, deren Inhalt
mit dem Dotterinhalte der Eier übereinstimmte. An den Embryonen
von Telrarhynchus corollatus sah Verf. statt sechs Häkchen deren nur
vier. In anderen Tetrarhyncheneiern konnten keine Embryonen be-
obachtet werden.
Was uns Verf. in seinem Werke über die verschiedenen Ent-
wickelungszustände der Cestoden mittheilt, ist eine Fülle der schön-
sten und interessantesten Beobachtungen, für die wir demselben im
höchsten Grade verpflichtet sind. Freilich machen uns dieselben meist
nur mit einzelnen, früheren oder späteren Phasen aus der Entwicke-
lungsgeschichte bekannt, doch das ist ein Missstand, der in der Na-
tur solcher Untersuchungen liegt und nur durch jahrelangen Aufent-
halt an der Seeküste einigermassen aus dem Wege geräumt wer-
den kann. In vorliegendem Werke ist dieser Missstand aber um so
fühlbarer, als der Text desselben kaum mehr, als eine Erklärung
der allerdings mit Meisterhand gezeichneten Abbildungen darstellt. Mit
Absicht, wie es scheint, hat sich Verf. eines jeden weiteren Excur-
ses enthalten; er hat sogar unterlassen, seine Beobachtungen zu einem
allgemeinen Bilde zu verarbeiten und dadurch unsere Ansichten über
die eigentliche Geschichte der Cestodenentwickelung zu berichtigen
und zu erweitern.
Mag es dem Ref. erlaubt sein, seinen Bericht über dieses wich-
tige Werk in die Form einer solchen allgemeinen Uebersicht zu klei-
den ~ selbst auf die Gefahr hin, den subjectiven Ansicliten des
380 Leuckart: Bericht üb. d. Leistungen in d. Naturgeschichte
Verf. dadurch in dieser oder jener Beziehung vielleicht zu nahe zu
treten. '"
In der Bauchhöhle verschiedener Fische , auch eingehapselt in
der Leber und anderen Organen fand Verf. nicht selten (S. 50) kleine
ovale Säckchen von Älillimeterlänge und darüber, mit Kalkkörper-
chen und einem maschenreichen Gefässnetze. In einem Falle besass
dieses Säckchen auch ein Paar lange Sauggruben und Härchen auf
der äusseren Haut, während hinten ganz constant eine Ausmündung
des Gefässapparates mittels eines kurzen contractilen Schlauches be-
ohachtet wurde. Diese Gebilde (einfache Cestodenblasen W.) , sind
die frühesten Entwickelungsstufen, die unserem Verf. zu Gesicht ka-
men. Ueber die Beziehungen derselben zu den hakentragenden Embryo-
nen konnte nichts Näheres eruirt werden , dagegen überzeugte sich
Verf. auf das Entschiedenste und bei zahlreichen Arten , dass der
spätere Bandwurmkopf im Innern dieser Blasen seinen Urs^jrung
nimmt. Ueber die Art, wie dieser Kopf entsteht, fehlen genauere
Angaben, doch scheint Verf. anzunehmen, dass sich zunächst am vor-
deren Ende der Blase eine Einsenkung bildet, und dass im Grunde
dieser Einsenkung der spätere Kopf hervorknospet. Bei Cyst. fasciolaris
(S. 43) und pisiformis geht die Bildung des Kopfes nach unserem Verf.
auf dieselbe Weise vor sich, wie denn auch die sog. Schwanzblase die-
ser Thiere in jeder anderen Beziehung der oben erwäfmten „einfachen
Cestodenblase" gleichzusetzen ist. Auch die Entwickelung von Echi-
nococcus (S. 34) würde man hier anreihen können, wenn man die Brut-
kapseln desselben den erst erwähnten Einsenkungen gleichsetzen wollte.
Im ausgebildeten Zustande ist das Verhältniss des Cestodenko-
pfes zu seiner Älutlerblase resp. der Einsenkung derselben, ein ver-
schiedenes, mitunter sogar bei den einzelnen Arten desselben Ge-
schlechtes. So findet, man z. B. Tetrarhyncljen (S. 53), bei denen
sich die Einsenkung der Älutterblase nach Ausbildung des Kopfes voll-
ständig geschlossen zeigt und der Kopf selbst ganz isolirt im In-
nern liegt, neben anderen , bei denen der ursprüngliche Zusammen-
hang zwischen Kopf und Einsenkung und Älutterblase bleibt, und der
Kopf dann gelegentlich nach Aussen hervorgestreckt werden kann,
wie bei den Cysticercen. Zu diesen letztern gehört 'u. a. auch der
Anthocephalus elongatus, dessen beträchtliche Längenentwickelung
ausschliesslich auf Kosten der Schwanzblase zu schieben ist. Umge-
kehrt giebt es aber auch Tetrarhynchen mit kleinerer und schmächti-
ger Schwanzblase, die den ausgebildeten Kopf nicht einschliesst,
sondern als ein blosser Anhang desselben erscheint. In allen diesen
Fällen besitzt die Schwanzblase übrigens einen pulsirendeu Schlauch,
der nur im ersten Falle nach Ausbildung des Kopfes, wie es scheint,
verschwindet, um dann von einem neuen Schlauche im hinteren iso-
lirten £ade des Tetrarhynchuskopfes ersetzt zu werden. Durch die
der niederen Thiere während der J. 1854—1855. 381
Anwesenheit eines solchen pulsirenden Schlauches schlicssen sich
diese isolirten Tetrarhynchusköpfe nun an die zahlreichen, von un-
serem Verf. im Darme verschiedener Fische beobachteten Scolices an,
die ebenfalls wohl nur als isolirle Köpfe von Bothoiocephalen u. a.
derartigen Cesloden zu betrachten sein dürften. (Für die Annahme,
dass diese Scolices etwa direkt aus den Eiern ihrer Geschlechtsthiere
sich entwickelten, fehlt wenigstens einstweilen noch ein jeder bestimm-
ter Anhaltspunkt. Beachtenswert!! aber ist die Angabe unseres Verf.,
dass gewisse Formen dieser Scolices mit einziehbarem Kopfende einen
üebergang zu den Cysticercusblasen zu vermitteln scheinen.) Mit
dem ersten Gliede geht später auch dieser pulsirende Schlauch ver-
loren; nur bei Ligula (S. 22) und Caryophylläeus , die niemals Glie-
der bilden, bleibt derselbe zeitlebens.
d'üdekem beschreibt cBul!. Acad. roy. Belg. T. XXII.
No 10. Av. Tab.) zwei hakenlose neue Scolexformen aus der
Leibeshöhle von Tubifex rivulorutti und Nais proboscidea.
In beiden liess sich ein vielfach ierästeltes Gefässsystera mit
Foramen caudale und pulsirendem Endschlauche beobachten. Eine
Schwanzblase fehlt, wenn man nicht etwa den eigenthümlich gestiel-
ten Anhang an dem Hinterleibsende der zweiten Form, den Verf. nicht
SU deuten weiss , als solche in Anspruch nehmen darf. Die Thiere
lagen frei (d. h. ohne Cyste) und ausgestreckt in ihren W'irthen und
zeigten ziemlich energische Bewegungen.
Huxiey, on Ihe analomy and development of Echi-
nococcus veleiinorum. Ann. nat. bist. XIV. p. 379 — 393.
(Proc. zool. Soc. 1854) im Auszuge auch Quarlerly Journ.
Micr. soc. I. ,p. 239).
Die Echinococcuscysten bestehen aus zweien Häuten, einer äus-
seren vielfach geschichteten, elastischen Membran (Ectocyst) und einer
inneren Körnerschicht, die von Gefässen durchzogen wird (Entocyst).
Die erstere ist nach Verf. eine secundäre Umlagerung, die, wie die
Cysten der eingekapselten Distomen u. s. w. erst nachträglich durch
Exsudalion gebildet wird. Die gefässreiche Körnerschicht ist die Bil-
dungsstätte der eigentlichen Echinococcen , die Iheils unmittelbar auf
ihr, theils auch in eigenen kleinen Bläschen (secondary cysts), mit-
unter auch zugleich auf der äusseren Fläche derselben (? Ref.) her-
vorknospen; Im Innern dieser Echinococcen beobachtete Verf. (wie
früher schon Lebert und Virchow) eine deutliche Flimmerbewe-
gung, ohne jedoch die Gefässe , in denen die Flimmerhaare ange-
bracht sind, unterscheiden zu können. In den Echinococcusbläschen
Hessen sich dieselben jedoch deutlich nachweisen. Einzelne isolirte
Häkchen, die Verf. auf der inneren Cystenhaut vorfand , sollen nicht
von abgestorbenen und aufgelösten Echinococcusköpfchen herrühren,
382 Leuckar t: Bericht üb. d, Leistungen in d. Naturgeschichte
sondern an Ort und Stelle , gewissermassen als verunglückte Pro-
dukte einer Knospung, entstanden sein (?). Ebenso bestreitet Verf.
die Ansicht, dass die Kalkkörperchen der Echinococcen und Cesto-
den überhaupt als Concretionen zu betrachten seien; er hält diesel-
ben für Gebilde , die den sog. Angelorganen der Turbellarien u. a.
niederen Thieren entsprächen und nur hier und da abnormer Weise
verkalkten. (Kef. erinnert daran , dass diese Gebilde bei den Cysti-
cercen schon vor völliger Entwickelung des Kopfes als unverkenn-
bare Kalkkörperchen sich nachweisen lassen. Allerdings ist der
Kalk derselben an eine organische Substanz gebunden , allein das ist
meines Wissens schon lange und allgemein anerkannt.) Was der Verf.
über die Entstehung der Echinococcen aus einer verirrten und ent-
arteten Tänie beibringt und auch durch einige schematische Figuren
zu begründen sucht, ist wenigstens als veraltet zu bezeichnen. Die
neueren Entdeckungen auf diesem Gebiete scheinen dem Verf. unbe-
kannt geblieben zu sein, obwohl er die Litteratur über Echinococcen
sonst sehr sorgfältig zusammengetragen und benutzt hat.
Referent giebt (Annal. des sc. nat. 1855. T. 111.
p. 351. PI. lOj eine vorläufige üebersicht seiner Untersuchun-
gen über die Entvvickelungsgeschichle der Blasenwürmer
(besonders Cyst. pisiformis) und schildert dabei besonders
die allmählige Bildung des Bandwurmkopfes im Innern der
Schwanzblase. Wir werden im näclisten J. B. ausführlicher
auf diese Untersuchungen , die inzwischen in einem eigenen
Werke erschienen sind, zurückkommen.
Ercolani undVeUa beobachteten gleichfalls die er-
sten Zustände des Cyst. pisiformis und beschrieben dieselben
unter der Form eines umgestülpten Tänienkoples ohne Haken
und Schvvanzblase C? Ret.) Cpt. rend. T. 38 p. 780.
Davaine, rech, sur ies hydalides, les echinococques
et le coenure. Compt. rend. et mem. Soc. biol. 1855. 11.
p. 158—173.
Enthält nicht sowohl neue Beobachtungen, als neue Betrachtun.
gen über die Entwickelungsgeschichte der Echinococcen, die Verf.
unter dem Gesichtspunkte des Generationswechsels aufzufassen ver-
sucht, indem er die Mutterblase derselben (hydatide) als Amme und die
Köpfchen als ausgebildete Brut in Anspruch nimmt. Die Schwanz-
blase der Coenuren (und Cysticercen) hält Verf. für ein von jener Mut-
terblase verschiedenes Gebilde.
van Beneden berichtigt seine frühere Darstellung von
den Geschlechtsorganen der Cestoden und betrachtet jetzt,
der niederen Thiere während des J. 1854—1855. 383
Übereinstimmend mit M. S c h u 1 1 z e (V^rh. der VVürzb. physik.
med. Gesellsch. 1853. IV. S. 227) die hellen grossen Blasen der
Pro^lotliden als Hoden, die sog. Hautdrüsen als Theile des
Dolterstockes. Bull, de l'acad. de Brux. 1854 Mars, Tlnsl.
1854. p. '262. (Diese Beobachtungen stammen aus dem Jahre
1852 und sind bereits damals in der Brüss. Akademie deponirt
worden.)
Wedl beschreibt die Eier von Echinobothrium lypus,
Phyllobolhrium (Tetrarhynchus) gracile n. sp. , Echeneibo-
thriuin minimum und Taeiiia perfoliata,- und giebt auch einige
Notizen über die Entwickelung derselben, ohne diese jedoch
vollständig zu erkennen. Sitzungsber. der Wien. Akad.XVI.
S. 395. (Auch Wagener beschreibt einige interessante
Eiformen von Cestoden a. a. 0. S. 18.)
0. Schmidt, über den Bandwurm der Frösche und
die geschlechtslose Fortpflanzung seiner Proglottiden, mit zwei
Tafeln. Berlin 1855, bes. Abdruck aus der Zeitschr. für die
ges. Naturwissenschaften Bd. V.
Verf. glaubt durch seine Untersuchungen zu der Annahme be-
rechtigt zu sein , dass T. dispar auch in der Proglottidenform ge-
schlechtslos bleibe und die mit den sechs Hälichen bewaffneten Em-
bryonen nicht aus Eiern, sondern aus blossen einer Befruchtung durch
Samen nicht bedürftigen Keimen entwickele. (So sehr Ref. mit dem
Verf. darin übereinstimmt, dass die EmbryonalentWickelung der Ce-
stoden durch mancherlei sehr eigenthümliche Züge ausgezeichnet sei
— er verweist luerbei auf das betreffende Capitel seiner inzwischen
erschienenen Abhandlung „über die Blasenbandwürmer 1856" — kann
er doch die Ansicht von der ungeschlechtlichen Natur der Proglotti-
den um so weniger theilen, als auch die T. dispar mit Organen aus-
gestattet ist, die bei anderen Tänien in unverkennbarer Weise als
Penis und Vas deferens fungiren. Wenn Verf. niemals bei seinen
Untersuchungen die Anwesenheit von Samenfäden nachweisen konnte,
so scheint das zunächst nur dafür zu sprechen, dass T. dispar keines-
wegs zu den mit Leichtigkeit zu analysirenden übjecten gehört. Wir
würden diesem Umstände nur in dem Falle eine grössere Bedeutung
beilegen können, wenn es dem Verf. gelungen wäre, die Organisation
seines Wurmes, und namentlich die Bildung der Keimorgane, in einer
sonst völlig erschöpfenden Weise zu entziffern.)
Sehr aufl'allend und abweichend von den bisher be-
kannten Vorgängen der Ceslodenentwickelung sind die An-
gaben Brüll e's über die Fortpflanzung von Ligula. Obser-
384 Leuckart: Bericht üb. d. Leistungea in d. Naturgeschichte
vat. sur les Ligules , Cpt. rend. T. 39. p. 773 (l'Inst. 1854.
p. 365).
Nach unserem Verf., gebiert nämlich die Ligula des Cyprinus
alburnus, die derselbe in grosser Menge beobachten konnte, lebendige
Junge, die einige Millimeter messen und ihrem Aussehen nach mit den
Spermatozoen des Menschen verglichen werden (also wohl cercarien-
arlig sind Ref.). Die Entwickelung dieser Thierchen geschieht in
besonderen kleinen, neben der Seitenlinie gelegenen Taschen , die
einzeln durch eine Oeffnung nach Aussen führen. Eier, aus denen
sich diese Junge entwickelten , konnten nicht beobachtet werden.
(Möglich also, dass es sich hier um eine Brulbildung aus Keimkörnern
handelt Ref.) Ausser den beiden Längsgefässen besitzt L., wie unser
Verf. gleichfalls angiebt, ein sehr reichliches Netz von dünnen
Gefässen.
Für die menschlichen Cesloden verweisen wir hier auf
diebetreffenden Abschnlüe in Kü c h en m eisler's Werke
„über die in und an dem Körper des lebenden Menschen vor-
kommenden Parasiten" I. S. 8—178, wo auch die aus den
neueren Beobachtungen sich ergebenden pralUischen Gesichts-
punkte (in Betreff der Prophylaxe u. s. w.) eine g:ehörige
Würdigung gefunden haben , w ie denn überhaupt in diesem
Werke vorzugsweise den Bedürfnissen des Arztes Rechnung
getragen ist. Ausser den bekannten menschlichen Cestoden
finden hier auch T. mediocanellata Küchenm. und. T. nana
ßilh. ihre Berücksichtigung. Von Entwickelungsforn»en wer-
den ausser dem Cyst. cellulosae auch noch der Cyst. tenui-
collis und die zwei von unserem Verf. hier als Sp. scolici-
pariens und Sp. altricipariens aufgeführten Echinococcusfor-
men beschrieben. Der v. Siebohf sehen Lehre von der Iden-
tität der Taen. Solium mit T. serrala u. s. w., wird auf das
Knlschiedensle widersprochen, Iheils auf Grund der oben an-
geführten Fütterungsversuche, tlieils auf Grund der Verschie-
denheiten in der Zahl und Bildung der Haken, die Verf. auf
Tab. IV von allen hier in Betracht kommenden Formen ab-
bildet.
Die Abhandlung von S tich „über das Finnigsein leben-
diger Menschen, in den Annalen des Charilekrankenhauses 1854.
V. S. 154 hat ein fast ausschliesslich ärztliches Interesse.
Diesing, „über eine nalurgemässe Vertheilung der
Cephalocolyleen.«Wien.Sitzungsber. 1854. Bd.XlIl.S.556-6l6.
der niederen Thierc während der J. 1Ö54— 1855. 385
Enthält eine Darstellung vom Baue der Cestoden im AUgemei-
nen und im zweiten speciellen Theile eine Aufzählung und Charak-
teristik der naeh dem Erscheinen des I. Bandes des Systema helmin-
thum neu hinzugekommenen Gattungen und Allen. Eine beson-
dere Berücksichtigung finden dabei namentlich die von van ßene-
den in seinem klassischen Werke über die Bandwürmer der Uochen
und Haie (s. o. S. 309) beschriebenen Formen. Nach Methode, Form
und Inhalt darf die ganze Abhandlung als ein Nachtrag und Supplement
zu dem betreffenden Abschnitte aus dem Systema helminlhum unseres
Verf. angesehen werden. Neue Arten sind nicht beschrieben, dage-
gen wiederum zahlreiche neue Benennungen für Species und Genera
in Vorschlag gebracht worden. Den wichtigen neuen Entdeckungen
über die Entwicklung ist dagegen kaum irgend welche Rechnung
getragen; die verschiedensten Entvvickelungsstufen der Cestoden sind,
wie früher, einzeln, als Repräsentanten besonderer Arten und Genera,
aufgeführt worden.
Weit werthvoller, als dieser syslemalisclie Versuch, sind
die sechs meisterhaft ausgoführlcn Tafeln mit Ceslodenab-
bildungen, die Diesing- in dem neunten Bande der Denk-
schriften der Kaiserl. Akademie publicirt hat. Sie beziehen
sich auf die von unserem Verf. im Systema helminlhum T. 1
beschriebenen neuen Arten, die meist von Natter er in Bra-
silien gesammelt sind und fast alle zu den ausgezeichnetsten
Cestodenformen gehören. Wir lassen hier die Namen der-
selben folgen : Eustemma caryoplujllum, Rhopalophorus coro^
natus und horriclus, Gyrocotyle rugosa , Sparganum (Ligula)
reptans , Zygohothrium luegacephaiutn, Pterobolhrium hetera-
canthum , Syndesmobothrium fragile , Sciadocephalus megalo-
discus , Amphoteromorphus peniculus , Peltidocotyle rugosa,
Aspidocephalus scoleciformis, Peritrachelius insignis , Oncho-
cera reimilaia, Diaphanocephalus strongyloides und costatus
Rud., Deletrocephalus dimidiatus. Die beigegebenen Diagno-
sen sind Wiederholungen der älteren Beschreibungen, auf die
wir hier verweisen.
In G. Wagen er's oben besprochenem Werke werden ausser
zahlreichen Entwickelungsformen verschiedener Tänien, Tetrarhynchen
und anderer unbestimmter und neuer Cestoden ferner noch abgebildet :
Ligula rroglotlis n. sp. aus dem Dickdarme von Scymnus nicaeensis
(Tab. I. flg. 11—13), L. luba v. Sieb, aus Cyprinus tinca (fig. 14)
L. simplicissima aus Cyprinus Brama (Tab. II. fig. 15), Dibolhrium mi-
crocephalum aus Orthagoriscus (Tab. VII. fig. 77), Dib. sp. ? aus Cen-
Arcliiv f. Nnturgesch. XX[1. .lahrg. 2. Bd '/t
386 Leuckart: Bericht üb. d. Leistungen in d. Naturgeschichte
trolophus pompilius (fig. 78), D. hetefopleurum Dies, ebendah. (fig. 79),
D. fEchinobolhriumJ lypus v. Bened. aus Raja aspera (fig. 80) , D.
plicfilum aus Xiphias (Tab. Vlll. fig. 94) , Telrarlnjnclms viridis n. sp.
aus Seymnus nicaeensis (Tab. XIY. fig. 187), T. lingualis'i v. Ben. aus
Scyilium stellare (Tab. XV. fig. 191) , T. ruficoUis Eysenh. aus Baja
aspera (fig. 197), T. slriatus n, sp. aus Rlyliobalis aquila (Tab. XV.
fig. 202), T. sp.'i ausTrygon pastinaea (Tab. XX. fig. 252), T. sp.? aus
Trygon bucco (Tab. XXI. fig. 254), Telrabolhrium sp. ? aus Carcharias
Uondoletii (Tab. XXII. fig. 270) , T. verlicillalum aus Mustelus vulgaris
(Tab. XXII. fig. 274).
Auch Wedl liefert Abbildungen und Beschreibungen einiger
Cestoden : Äcanthobolhrium crassicoUe aus Trygon pastinaea, PhyUo-
holhrium gracile aus Torpedo marmorata , Rhynchobothrium lernte aus
Myliobatis aquila (= Tetrarhynchus slriatus Wag.), mit Bemerkungen
über Telr. longicoUis u. a. m. Sitzungsber. der k. Akad. der Wiss.
Bd. XVI. S. 371. Tab. I.
Baird charakterisirt folgende neue Cestoden: Tetrarhynchus
rvgosus aus einem Salmo, T. slrangulalus von einem unbekannten Wohn-
thiere aus Chusan , Taenia Bretnseri aus dem Bengalischen Crokodil,
T. caJva aus Lagopus scolicus, T. Goelzii aus?, 'f. Zedcri aus Apte-
nodytes , Bolhriocephalus antarclicus aus einem Robben. Ann. nal.
bist. XV. p. 74.
Als besonders interessant und wichtig für die Artenkennlniss
der Tänien erwähnen wir ferner noch einer mit schönen Abbildungen
ausgestalteten Abhandlung von Wedl in den Sitzungsber. der Wiener
Akad. Bd. XVIII. S.S. Verf. beschreibt hier sechszehn, grösstentheils
neue Formen, die er während eines mehrmonatlichen Aufenthalts an
der Theiss in Ungarn aufgefunden hat: Taenia micrancristrola n. sp.
aus Cygnus alratus, T. pyriformis n. sp. aus Gallinula crex, T. oma-
lancristrota n. sp. aus Plalalea leucorodia, T. globulns aus Scolopax gal-
linula, T. tnnllislriata Uud. aus Podiccps nigricollis, T. cheilancrislrota
breviroslris n. sp. aus Ardea slellaris, T. campylancristrola n. sp. aus
Ardea cinerea, 7'. Urceus n. sp. aus Ibis faicinellus, T. acanthoryncha
n. sp. aus Podicep^ nigricollis, T. ßlirostris aus Flalalea leucorodia,
T. cheilancrislrota longiroslris aus T. purpurea, T. macrorhyncha Rud.
aus Podiceps minor, T. inßata Rud. aus Fulica atra, T. papilla n. sp.
aus Ardea purpurea, T. macropeos n. sp. aus Ardea nycticorax , T.
anguslataB^uA. ausMeles taxus, letztere mit flächenständiger Geschlechls-
öfi'nung (wie T. perlata Götze).
Taenia brachyrrhynchus n sp. aus Dicholophus cristatus, Crc-
p 1 in a. a. 0.
Unter dem Namen Ligiila ranarum beschreibt Gastaldi (Cenni
etc, p, 8. Tab. II. fig. 1) einen sehr ausgezeichneten, bis 17 Cent,
langen Cestoden, den er 20 Mal in 100 Fällen zwischen den Muskeln
der niederen Thiere wahrend der J. 1854—1855. 387
des Piemontesischen Wasserfrosches antraf. Der Schmarotzer besitzt
am vorderen Körperende einen Saugnapf, zeigt aber ausser einem
ansehnlich entwickelten Gefässsysteme keinerlei innere Organe. Er
stellt natürlicher Weise einen unreifen Jugendzustand dar, der wohl
erst nach Ueberführung in den Darm eines anderen Thieres zur ge-
schlechtlichen Entwickelung gelangt.
Die von Kraeraer (111. med. Zcitg. III. S. 295) beschriebene
Proglottis neonati, die etwa 12 Stunden nach der Geburt einem sonst
gesunden Kinde in grosser Menge abging, gehört wahrscheinlich in
die Kategorie der Pseudohelminthen. Jedenfalls ist die Yermuthung,
nach der die betreffenden Bildungen „isolirte zwerghalte Glieder einer
Taeuia (solium)« seien, entschieden eine irrige.
4« Turbellarii.
Pianterieae« J. Müller beobachtete die schon frü-
her (J. B. XX. S. 344) von ihm beschriebene Larvenform mit
Räderiappen bei einer zweiten marinen Planaria, die in ihren
späteren Entwickelungsstadien als ein Stylochus (St. luteus
n. sp.) erkannt wurde. Archiv für Anat. 1854. p. 75.
Girard, researches upon Nemerleans and Planarians
T. 1. Philad. 1854 ist ein Separatabdruck der bereits im vo-
rigen J. B. von uns angezogenen Abhandlung über Entwicke-
lung von Planocera elliptica.
Leydig beschreibt einige neue oder nur unvollständig
gekannten Strudelwürmer und macht über den Bau derselben
manche interessante Mitlheilung, Müller's Arch. 1854. S. 284.
Taf. XI.
Slenostomum Coluber n. sp. (Tab. XI. fig. 1). Das sog. Wasser-
gefässsystem besteht nach Verf. aus zwei Längsgefässen, die beide am
Hinterleibsende durch eine gemeinschaftliche, OefFnung ausmünden und
im Kopfe schlingenförmig in einander übergehen. (Vgl. hierzu meine
Mittheilungen über das Wassergefässsystem von St. leucops im J. B. XX.
S. 350.) Die Anwesenheit von Wimpergrübchen ist nicht hervorge-
hoben. Augenflecken fehlen.
Derostomum Catenula Leyd. (Tab. XI. fig. 2). Die von Dujes
entdeckte und seitdem nicht wieder gesehene Catenula lemnae , in
der unser Verf. eine Kette zusammenhängender kleiner Strudelwürmer
erkannte , die je mit einer unpaaren Ololithenkapsel und einem eige-
nen Nahrungskanal versehen waren. Letzterer bestand aus einem
ziemlich langen und schlanken, flimmernden Schlünde und einem wei-
ten und schlauchartigen, blind geendigten Magen. (Ref. kann übri.
388 Leuckart: Bericht üb. d. Leistungen in d. Naturgeschichte
gens den Vorschlag des Verf., die Calenula dem Gen. Derostomum
einzureihen, auf keine Weise billigen. Unter den l.'is jetzt bekannten
Turbellariengenera möchte überhaupt wohl keines sein, dem wir dieses
interessante ihierchen anschliessen könnten; der Genusname Catc-
nula darf mit Fug und Recht wohl bleiben.)
Monocelis bipunclala n. sp. mit zwei isolirtcn Augenflecken
(ohne Linsen) vor dem unpaaren Gehörorgane , aus dem Busen von
Genua.
Die ebendaselbst beschriebene Planaria gonooephala Duj. ist
von ü.ersted's PI. cornula, die Verf. damit vereinigen möchte, be-
stimmt verschieden.
Von Grube erhielten wir eine sorgfältige Beschreibung und
Abbildung von Thysanozoon Brocchi (Risso) Gr. mit einer Diagnose
des betreffenden Genus (= Eolidiceros Quatref.) und den bis jetzt be-
kannten zwei Species: Th. Diesingii Gr. und 'i h. Brocchi. Dieses
Arch. 1855. L S. 140. Tab. VL fig. 4. 5.
Ebenso eine sehr gelungene Abbildung von Orthostomum ru-
brocinctum , Grube ebendas. Tab. VL fig. 6.
Stimpson charakterisirt eine Anzahl chinesischer Seeplana-
rien: Eunjlepla interrupla n. sp., E. gnttato^mavginala n.'sp., E. ful-
minala n. sp. , Stylochus corniculalus n. sp. , Sl. reticulalus n. sp.,
Leptoplana sparsa n. sp., L. acuta n. sp., L. obscura n. sp. , L. trul-
laeformis n. sp^, L. cöllaris n. sp. Proc. Acad. Phil. 1855. June.
Auch Girard beschreibt einige neue Turbellarien, Synopsis of
Grand Manan by Stimpson: Tijphlolepta acuta und Leptoplana elli-
psoides. L. c. p. 27. Tab. IL fig. 16.
Gay's bist, fisica di Chile T. VIII enthält gleichfalls die Be-
schreibung einiger neuen Planarien : VohjceUs leneoliger und P. rosei-
maculata (p. 72) und Pohjcladus Gaiji (p. 70. Tab. IIL fig. 1), die
letztere eine colossale Landplanarie, mit weissem Streifen auf dem
schwarzen , gelbgesäumten Rücken. Der Beschreibung der letzteren
Art sind (von Blanchard) auch einige anatomische Bemerkungen
beigefügt.
ivemertini. Den inneren Bau der Nemertinen betref-
fend, so erklärt sich jetzt auch Grube für die Richtigkeit
der Rathke'schen Deutung von Rüssel und Dann. Der Rüssel
soll, wie Verf. vermuthel, nicht bloss dazu dienen, die Beute
zu ergreifen und zu tödten , sondern auch sie auszusaugen
und das Fluidum dann in den Mund zu bringen. (Scheint aber
doch bei der Bildung des Rüssels in den bevvafTnelen Arten
kaum anzunehmen. Ref.) Dieses Arch. 1855. I. S. 144.
üeber die von Busch als Alardus caudalus beschriebene
I
der niederen Thiere während der J. 1854 — 1855. 389
junge Nenierline und ilir Vorkommen im Innern von Pilidium
vergl. J. Müller Arch. 1854. S, 78.
üie Frage, ob die Anwesenheit des Alardus im Innern des im-
mer noch so rälhsclhaften Pilidium auf ein genetisches Yerhäitniss
dieser beiden Thiere hindeute , wird vom Verf. mit besonderer Be-
tonung der Schwierigkeiten, die solcher Annahme entgegenstehen,
erörtert.
J. Müller berichtet gelegentlich (Arch. 1854. S. 83) über die
grossen, bei Tricst vorkommenden iS'cmertinen: Meckelia somalotomus
Valenchiia ornata, Meckelia urlicans n. sp., die letztere (Subgen. nov.
Cnidon), mit kolossalen Nesselorganen in den Wänden des Rüssels.
Grube beschreibt ausser den schon früher von demselben be-
obachteten Meckelia annulata (= Meckelia Knerii Dies. J.ß.XX. S. 354)
und ISemertes purpurea Johnst. als neu: 31eckelia auranliaca ^ Opino-
cephalus attripunctalus und Kemerles lactea, die erste und letzte aus
der Bucht bei Villa franca , die dritte aus dem Ochotskischen Meere.
Dieses Arch. 1855. 1. S. 146-153. Tab. VII. Cg. 1— 4.
Girard beschreibt folgende neue Nemertintn:
Poseidon affi7iis , Nareda (n. gen.) superba ^ Omaloplea Slimp-
sonii, S t i m p s 0 n Inv. of Gr. Manan p. 28.
^ Das neue Genus Nareda charakterisirt sich nach Gi rard durch
folgende Kennzeichen: Body elongated, sub-cylindrical. Head obtu-
sely tria,ngular in front, neck slightly conlracted ; one pair of roun-
ded ocelli.
Ebenso charakterisirt Stimpson aus den Chinesischen Gewäs-
sern : Nareda serpenlina n. sp. , Meckelia piperala n. sp. , M. cingu-
lata n. sp. , M. albo- vittala n. sp. , M. sinensis n. sp. , M. rubella
n. sp. , M. nigra n. sp. Proc. Acad. Phil. 1855. Juny.
Valencinia phalaerata und Borlasiu rufescetis nn. sp. aus Chili,
bei Gay 1. c. VIII, p. 63 u. 64.
Ueber Prorkynchus ßuviatilis eine neue deutsche Süsswasserne-
mertine vgl. Leydig, Müllers Arch. 1854. S. 290. iaf. XI. fig. 7.
üb das von Grube unter dem Namen Lif /t ocr i/p^ws (n. gen.)
prasinus beschriebene Geschöpf, das derselbe mit Nemertinen u. a.
Würmern aus den Spalten und Höhlungen der Kreidefelsen bei Dieppa
hervorzog, gleichfalls in diese Gruppe gehört , muss Ref. mit Verf.
unentschieden lassen, doch ist er der Ansicht, dass dasselbe noch
viel weniger den Gephyreen zugezählt werden könne. Es dürfte
nach Ansicht des Ref. einstweilen sogar noch zweifelhaft sein , ob
es sich h er überhaupt um ein selbslständiges Thier und nicht bloss
um ein ihierisches Organ handelt. Ref. gesteht wenigstens, dass Be-
schreibung und Abbildung auf ihn eher den Eindruck eines isolirten
Nemertinenrüsscls machen , als den eines vollständigen Thicres. Die
390 Leuckart: Bericht üb. d. Leistungen in d. Naturgeschichte
grüne Färbung scheint diese Deutung allerdings kaum zu unterstützen,
doch giebt es auch sonst pigmentirte Kemertinenrüssel, wie Ref. z.B.
einen solchen bei einer neuen, schwarzbraunen Meckelia in Nizza
beobachtete. Das Pigment war in diesem Falle bräunlichgrau. Die
Diagnose, die Grube seinem problematischen Geschöpfe giebt, ist
folgende:
Lithocrijplus n. gen. Corpus paene filiforme, molle, inerme,
stricturis duabus transversis tripartitum , ore antico, ano postico, cam-
panulae instar amplificato, tubo intestinali recto, parte anteriore pro-
tractili, papillis obsita. Sp. L. prasinus Gr. Dieses Arch. 1855. I.
p. 154. Tab. VII. fig. 5-8.
Ciliaii,
1» Rotiferi.
Wir haben im vergangenen Jahresberichte (XX. S. 357)
der Ansicht von Lancaster erwähnt, nach der die Räder-
thiere, wie früher schon von Biir meist er und Dana be-
hauptet war, den Crustaceen zuzurechnen seien. Seitdem ist
ein anderer weit gewichtigerer Vertheidiger dieser Ansicht
aufgetreten, Leydig, der, nach einer gründlichen Unter-
suchung des Räderthierbaues die betreffenden Geschöpfe fortan
als „Wimperkrebse'* bezeichnet wissen will und seinen Vor-
schlag durch eine ganze Reihe von Gründen zu unterstützen
sucht (Zeitschrft für wiss. Zool. VI. S. 108}. C. Vogt, der
diese Gründe einer Critik unterwirft (einige Worte über die
systematische Stellung der Räderthiere, ebendas. VII. S. 193),
kommt jedoch zu dem Resultate, dass die Stellung der Rä-
derthiere bei den Würmern immer noch als die natürlichste
erscheinen möchte.
Obgleich nun dieser Versuch von Leydig in der That
wohl verfehlt sein dürfte, so kann doch darüber kein Zweifel
obwalten, dass die Arbeit unseres Verf. (über den Bau und die
systematische Stellung der Räderthiere, a. a. 0. S. 1—^120.
Taf. 1 — IV) zu dem Wichtigsten gehört, was seit Ehren-
berg's klassischen Untersuchungen über die Räderthiere
veröffentlicht ist. Durch zahlreiche und umfassende Beobach-
tungen (von fast 50 verschiedenen Arten) sieht sich Verf.
im Stande, nicht bloss unsere Kenntnisse über diese Thiere
der niederen Thiere während der J. 1854—1855. 391
mit einer Fülle von neuen, mehr oder minder wichtigen Thal-
saciien zu bereichern, sondern auch ein vollständiges und
getreues Bild von den Organisalionsverhälllnissen derselben
zu entwerfen, wie wir es bisher noch nicht besessen haben.
Ein besonderes Interesse gewinnt die Arbeit noch durch die
Bestätigung der BrighlwelUDalrymple'schen Entdeckung über
die Gescblechtsverhällnisse der Räderhiere, über die wir be-
reits im letzten J. B. (S. 360) referirt haben.
Die Existenz von Doppel- und Vielräderthicrcn im Sinne Eh-
ren berg's wird von unserem Verf. in Abrede gestellt. In allen
Fällen, >vo überhaupt ein Räderorgan entwickelt ist — es giebt auch
Formen ohne solche, nur mit wimpernder Mundspalte — bildet dieser
einen zusammenhängenden , einfachen ^Yimperkrcis , dessen beide
Schenkel in die Älundöffnung hineinführen. Dagegen finden sich nicht
selten noch gewisse accessorische "NVimpcrsäume oder auch Wimper-
läppchen. Die äussere Haut des Körpers besteht aus einem mehr oder
minder festen Chitinpanzer. An dem Verdauungsapparate, der jedoch
nur bei den weiblichen Kotiferen gefunden wird, unterscheidet Verf.
einen Schlundkopf mit Kiefern, Schlund, Magen und einen Darm, der
an der Basis des Fusses auf der Rückenfläche durch einen After resp.
Cloake ausmündet. In manchen Fällen fehlt aber auch Darm und
After, so dass der Magen dann blindsackartig geschlossen ist (Notom-
mata myrraeleo, N. anglica, iV. Sieboldii n. sp. , Ascomorpha helvetica
und A. germanica n. sp.). Als Blut ist die helle, mitunter auch röth-
lich oder gelblich gefärbte Flüssigkeit zu betrachten , die in der —
nach Aussen völlig abgeschlossenen — Leibeshöhle enthalten ist und
hier und da auch deutliche Körperchen erkennen lasst. Die Seiten-
kanäle mit den Flimmerläppchen und der centralen Blase betrachtet
Verf. als Respirationsorgan. Das centrale Nervensystem besteht aus
einem ziemlich ansehnlichen, bisweilen auch gelappten Schlundgang-
lion, von dem eine Anzahl symmetrisch entwickelter Nervenstämmchen
ausstrahlen, ohne sich jedoch zu einem Schlundringe oder einem un-
paarcn Bauchstrange zu vereinigen. Ein Theil dieser Nerven tritt an
die Haut und zwar an bestimmte, durch die Anwesenheit von eigen-
thümlichcn starren Borsten ausgezeichnete Stellen , die bald nur auf
der Kopffläche, bald auch an den Seitcnlhcilen des Körpers oder in
der Mittellinie des Rückens vorkommen. In ihrer speciellen Ent-
wickelung sind diese Stellen manchfach verschieden; sie sind bald
grubenartig vertieft, bald auch auf besondern relractilen Hörnchen
^(den sog. Siphonen oder Respiiationsröhren, durch die man früher
irrthümlicher Weise das Wasser in die Leibeshöhle eindringen Hess)
gelegen. Dass diese Gebilde als Sinnesorgane fungiren , kann wohl
kaum bezweifelt werden ; Verf. hält sie für Taslorgane — man könnte
392 Leuckart: Bericht üb. d. Leistungen in d. Naturgeschichte
dieselben mit Bezugnahme auf die schönen Entdeckungen von M.
Schultze in den Berl. Monatsber. Wov. 1856. auch vielleicht als
Geruchsorgane in Anspruch nehmen und aus der anatomischen Bil-
dung derselben gar mancherlei Momente für solche Deutung hervor-
heben Weitere Sinnesorgane der Räderthiere sind die schon von
Ehrenberg für Augen gehaltenen Pigmentflecken, in denen Verf.
bei vielen Arten- conslant in den paarig vorhandenen Augenflecken)
eine Linse nachweisen konnte. Die Muskeln haben nicht selten eine
sehr entschiedene Querstreifung, wenigstens an manchen Stellen. Im
neugeborenen Räderthiere fand Verf. in der Gegend der Cloake oftmals
einen Haufen von Körnern oder krystallförmigen Bildungen , die er
für Harnconcremcnte hält und in den Enddarm verlegt. Der Eierstock
liegt unterhalb des Darmes. Die männlichen Individuen besitzen einen
birnförmigen Hoden und einen muskulösen, geraden Ausführungsgang
(Penis) , dessen Anfangslheil von einer Drüsenmasse umgeben ist.
Verf. beobachtete die männlichen Exemplare der schon oben erwähn-
ten schönen und grossen Notommata Sieboldii , die nicht bloss durch
ihre geringere Grösse und ihren abweichenden inneren Bau, sondern
namentlich auch durch zwei Paar armartiger Fortsätze von konischer
Gestalt von den Weibchen verschieden w^aren. Durch eine scharfsinnige
Interpretation älterer Angaben macht Verf. es übrigens sehr wahrschein-
lich, dass solche Rotiferenmänncben auch schon früher mehrfach beob-
achtet sind, und dass namentlich Enteroplca hydatina Ehrbg. das Männ-
chen von Hydatina senta, so wie Kotommata granularis das von INot.
Brachionus (Brachionus urceolaris Weisse) sein dürfte. In Betrefl" der
Entwickelung bemerkt Verf., dass die Rotiferen in vielen Fällen eine
Metamorphose durchliefen.
Unter den Einzeln - Darstellungen unseres Verf. erwähnen wir
als besonders ausführlich und wichtig die Beschreibungen \on Slepha-
noreros (S. 5— U), Nolommata luyrmcleo (S. 20—24), A'. Sieboldii
(S. 2-1— 33), A. cenuura (S. 33-37), Urachionus (S. 47— 53) und
Eucfilanis (S. 56- GO).
An diese ausgezeichnete Arbeit , niif die wir später
noch einmal in dem systematischen Theile unseres Berichtes
zurückkommen werden, schliesst sich sodann die nicht min-
der interessante Abhandlung von Cohn über die Fortpflan-
zung der Räderthiere an, Zeitschrilt für wiss. Zool, VII.
S.4::i 1—486. Taf. XXfll u. XXIV.
Was uns Cohn hier mittheilt, dient grösstentheils zur Bestä-
tigung der Angaben Leydig's, nicht bloss in Betreff der über die
Natur von Enteroplea hydatina und Notommata granularis ausgespro-
chenen Vermuthung, sondern namentlich auch in Betreff der Leydig'-
schen Darstellung vom Baue der Räderthiere im Allgemeinen, die
der niederen Thiere während der J. 1854 — 1855. 393
Verf. an Ilydatina scnta, Brachionus urceolaris u. Br. militaris zu prü-
fen Gelegenheit fand. Aus der sehr detaillirten Beschreibung unse-
res Verf. heben wir besonders hervor, dass sich derselbe bei Br. mi-
litaris auf das Bestimmteste davon überzeugen konnte, wie die con-
tractile Blase, die hier eine sehr beträchtliche Grösse und eine zwei-
liammerige Bildung hat, nicht bloss ihren Inhalt im Augenblicke der
Contraction nach Aussen entleert, sondern sich auch bei der nach-
folgenden Erweiterung von Aussen wieder füllt. Die Harnconcre-
mente L e y d i g's finden sich nach unserem Verf. ausschliesslich
bei männlichen lläderthieren und nicht in dem Darme, der hier fehlt,
sondern in einem eigenen sackförmigen Behälter, der an der Wand
des Hodens festgewachsen ist. AVenn Leydig diesem Gebilde bei
neugeborenen Bäderlhieren eine weitere Verbreitung giebt, so rührt
das daher, dass L., wie Verf. nachweist, bei einigen Brachionusarten
männliche Individuen ausschlüpfen sah, ohne dieselben als solche zu
erkennen. Auf diese Fälle stützt sich L. auch (wenigstens zumTheil),
wenn er den Rotiferen eine Metamorphose zuschreibt; die männlichen
Brachionusarten sind nicht bloss sehr viel kleiner, als die zugehö-
-renden Weibchen , sondern auch sonst sehr abweichend gebaut, na-
mentlich ohne Panzer und mit kurzem , slummelförmigem Schwänze,
der sich nur wenig von dem cyllndrischen Leibe absetzt.
Von besonderem Interesse ist die Beobachtung unseres Verf.,
dass die männlichen Eier der Rotiferen an Grösse beträchtlich hinter
den weiblichen zurückbleiben und immer nur — worauf auch schon
Dalrymple und Leydig bei ihren Formen hinwiesen — von be-
sonderen Individuen producirt werden. Ja, nach den Angaben unse-
res Verf. sollen auch die sog. Wintereicr von eigenen Individuen ge-
legt werden, doch widerstreitet dem die Beobachtung von Leydig,
dass man die (sonst vivipaare) Kotommata Sieboldii durch eine mehr-
tägige Hungerkur beliebig zur Produclion von Wintereiern veranlas-
sen könnte (a. a. 0. S. 29). Mit dieser Beobachtung fällt auch, nach
der Ansicht des Ref., die Hypothese unseres Verf., dass die gewöhn-
lichen dünnschaligen Eier der Rotiferen keine v/irklichen Eier, son-
dern blosse „ungeschlechtliche Fortpflanzungskörper'' darstellten, und
dass die Individuen, die dergleichen Keime producirten, nicht sowohl
Weibchen , als vielmehr geschlechtslose Ammen seien. Schon die
Entwickelung und Organisation dieser dünnschaligen Eier dürfte zur
Widerlegung dieser Hypothese hinreichen, denn die Keime der Aphi-
den, mit denen Verf. dieselben zusammenstellt, verhalten sich, wie
die übrigen bis jetzt bekannten Keimkörner, in dieser Beziehung ganz
anders. (Nach B u r n e t t sollen gerade umgekehrt die Wintereier
der Rotiferen als Keimkörner zu betrachten sein, Silliman's Amer.
Journ. 18J4. p. 78.) Eine andere Frage ist es, ob die Eier der Ro-
tiferen vor ihrer Entwickelung beständig der Befruchtung bedürfen
394 Leuckart: Bericht üb. d. Leistungen in d. Naturgeschichte
und nicht vielleicht, wie die der Daphnien — denen Verf. unrichtiger
Weise denselben Generationswechsel zuschreibt, den er den Rotifercn
vindiciren möchte — gelegentlich spontan sich entwickeln, doch dürfte
es einstweilen noch an jedem Materiale zur Entscheidung dieser
Frage fehlen.
Gosse „on Ihe struclure , functions and honiology of
the mandiicalory organs in the Class Rotifera«, Proc. roy.
Soc. 1855. p. 245 (Ann. nat. bist. XV. p. 357, l'Inst. No. 1 131.
1855. p. 311).
Verf. liefert eine detaillirte Darstellung von der Zusammenset-
zung dieser — bisher nur ungenau erforschten — Gebilde bei Bra-
chionus und verfolgt die Abänderungen derselben bei den übrigen
Arten der Räderthiere. Er weist nach, dass sich alle hier vorkom-
menden Verschiedenheiten auf einen gemeinschaftlichen Plan zurück-
führen lassen und sucht die betreffenden Theile mit den Kiefern der
Insekten zu parallelisiren. Auf Grund dieser Analogie glaubt Verf.
an eine systematische Beziehung der Rotiferen zu den Insekten, ob-
wohl er andererseits auch die Verwandtschaft derselben mit den Bryo-
zoen hervorhebt.
Auch Cohn hat in der vorher erwähnten Abhandlung den Kie-
ferapparat von Hydatina und Brachionus zum Gegenstande einer beson-
ders genauen Untersuchung gemacht.
Die Systematik der Rotiferen bedarf gegenwärtig- einer
gründlichen Revision, die freilich ihre grossen Schwierigkeiten
hat, so dass selbst Leydi g, der doch nach seinen Arbeiten
dazu vielleicht noch am ersten berufen war , davon Umgang
genommen hat. Manche der von Ehrenberg aufgestellten
Genera, wieNotommata, Eosphora, Diglena u. a. sind entweder
gar nicht oder doch wenigstens in ihrer bisherigen Umgren-
zung nicht mehr zu gebrauchen.
Leydi g hält es für das Natürlichste, die Rotiferen nach ihrer
Körperform , ob diese cylindrisch , ob sackförmig oder zusammen-
gedrückt, einzutheilen und in den so gebildeten Gruppen die weiteren
Unterscheidungsmerkmale von der Beschaffenheit, An- oder Abwesen-
heit des Fusses zu entlehnen. Für die weitere Ausführung dieser
Ideen verweisen wir auf S. 113 — 117 a. a. 0.
Die von Leydig neu beobachteten Arten sind folgende : Flos-
cularia appendioulala (wahrscheinlich identisch mit der im letzten J.
ß. erwähnten F. cornuta) , Nolommala Sieboldü (am besten wohl mit
dem Genusnamen Ascomorpha Pcrty zu bezeichnen) , N. tardigrada ,
Euchlanis hyalina (?}, E. U7iisetala. Polyarthra trigla Ehrbg. und P. pla-
typtera sind nach unserem Verf. identisch. Die Floscularia appendi-
der niederen Thiere während der J. 1854 — 1855. 395
culala beobachtete ich hier um Giessen ohne Gallerthülle, so dass
ich fast annehmen möchte, dass dieses Thier, wie die Stentoren. bald
mit, bald ohne Scheide angetroffen werde.
Nachträglich mögen hier noch die von Schniarda in den
Denkschriften der kais. Akad. zu Wien 1850. I. beschriebenen neuen
Rotiferen erwähnt werden : Heptaglena (n. gen.) digitata^ Amphi-
b 0 lidin a (n. gen.) mcgalolrochay Amtraea longicornis , Brachionus
diacanlhus. Die neuen Genera werden in folgender Weise charak-
terisirt:
Heptaglena Schm. Aniraal ex hydatineorum familia, ocellis
7 sessilibus, 1 occipitale, 6 frontalibus in duos acervos dispositis, pede
furcato,
Amphibolidina Schm. Animal ex Philodinaeorum familia,
proboscide et pede simplice, bullis (glandulis) circa pharyngem dispo-
sitis rubris insigne.
Weisse bemerkt, dass die von ihm beschriebene ßlastigorceca
lunaris mit Bothriocerca affinis Eichw. identisch sei ; ebenso Triarthra
cornuta Weisse und Tr, breviseta Gosse. Zeitschrift für wiss. Zool. YII.
S. 341.
Limnias anmdalus n. sp., ßailey Smithson. Contrib. VII. p. 4-
2» Bryozoa.
Huxley stellt die Bryozoen mit zahlreichen anderen
Zoologen zu den Mollusken und glaubt namentlich auch eine
nahe Verwandtschaft derselben nnt den Brachiopoden nach-
weisen zu können. (Bekanntlich hat schon Hancock auf
einige Analogieen im Baue dieser beiden Gruppen aufmerk-
sam gemacht. Vgl. J. B. XX. S. 3ö5.)
VonBusk erhielten wir eine hübsche Abhandlung über
den Bau und die Funktionen der sog. Avicularien und Vibra-
cularien, Transact. microsc. Soc. 1854. 11. p. 26.
Diese Gebilde sind weiter verbreitet als man früher annahm,
finden sich aber doch nur bei den Arten mit einer klappenförmig be-
weglichen Lippe an der Oeffnung der Thierzelle (Cheiloslomata Busk).
Sie zeigen in ihrer Form und Verbindung mit den Thierzellen man-
cherlei auffallende Verschiedenheiten, die von der Systematik mit
Nutzen verwerthet werden können. Bei den Avicularien trägt die
Innenfläche des unbeweglichen Fortsatzes ein Büschel feiner und stei-
fer Borsten, die dem schon früher (im letzten J. B.) erwähnten pro-
blematischen Körper im Innern aufzusitzen scheinen und vielleicht als
Gefühlsorgane zu deuten sind. Der functionelle Werth dieser Gebilde
besieht vorzugsweißc in der Abwehr von Feinden, der der Vogel-
396 Leuckart: Bericht üb. ^. Leistungen in d. Naturgeschichte
köpfen auch vielleicht im Ergreifen von Kahrungsstoffen. Bei den
Solenariaden und Lunulithcn kommen die Yibracularien möglicher
Weise auch als Bew^egungsorgane in Betracht.
Kingley beschreibt die Avicularien (lobacco-pipes) von No-
tamia bursaria als neue, bisher unbekannte Gebilde, Annais nat. hist.
1854. XIII. p.347.
Was wir sonst über Bryozoen zu erwähnen haben, ist
ausschliesslich systematischer Art. Vor allen anderen ge-
hört hieher der zweite Band des schon im vorioen J. B. er-
wähnlen „Catalogue of marine Polyzoa in ihe Collection of
the british museum" 1854 mit den Familien der Membranipo-
riden, Celleporiden, Eschariden, Vinculariaden und Solenaria-
den , deren einzelne Arten , wie in dem ersten Bande —
freilich nur nach Form und Bau ihrer Hautgebilde — be-
schrieben und abgebildet sind. Das Werk von Busk ist das
vollständigste, welches wir über Bryozoen besitzen und für
ein specielleres Studium dieser Thiere unentbehrlich, wie aus
der nachfolgenden Uebersicht wohl deutlich hervorgeht.
Polyzoa infundibulata.
¥. Clieilo^ioanata. (Aperture of the cell filled wilh a
thin membranaceous or calcareous velum ; a crescenlic mouth
with a moveable lip.)
§ Art iculata.
§§ üniserialari a.
Farn. C a tenicellidae (Cells connected by flexible joints).
Gen. C atenicella. Cells arising one from the upper and back
part of another by a short corneous tube , all facing the same way,
and forming dichotomously divided branches of an erect phyloid po-
lyzoary; cells at each bifurcation geminate ; each cell with Iwo late-
ral processes usually supporting an avicularium. Ovicells either sub-
globose and terminal , or galeriform and placed below the opcning
of a cell in front.
C. lorica n. sp.* — C. venlricosa n. sp.* — C. haslala n. sp.*
— C. aitrila n. sp. — C. amphora n. sp.* — C. plagiostoma n. sp.*
— C. cribraria n. sp.* — C. margarilatea n. sp.* — C. formosa n.
sp.* — C. perforala n. sp. — C. ringens n. sp. — C. elegans n. sp.*
— C. cornula n. sp.* — C. umbonata n. sp.* — C. gibbosa n. sp.*
— C. laurina n. sp. — C. carinaia n. sp.* Alle Arten aus der
Südsee.
Gen. Älysidivm n. Cells connected hy short corneoua tubes,
der niederen Thiere während der J. 1854—1855. 397
of which Iwo arise from a Single cell at cach bifurcalion. Avicula-
ria Single and anterior or double and lateral (or altogether wanting?j
A. parasilicum n. sp. Südafrika. — Alysidium Lafontii (Aud.)
Spanische Küste.
Gen. C alpidium n.* Cells wilh an avicularian on each side,
with two or more, nsually three, distinct aperlures,
arising one from the upper pari of anolher in a linear series, all fa-
cing the same way and forming dichotomously divided branehes of an
erccl phytoid polyzoary; cells at the bifurcalion single.
C. ornatum n. sp.* Bass-Str.
§§ Bi-mnltiserialaria.
Fam, S alicornariadae. (Cells disposed around an imagi-
nary axis, forming cylindrical branehes of a dichotomously divided,
erect polyzoary.)
Gen. Salicornar ia. Front of cell much depressed, surroun-
ded by an elevated ridge, by which the surface is divided into more
or less regulär rhomboidal or hexagonal spaces ; no aperture. Avicu-
laria disposed irregularly.
S. farciminoides Johnst, Europ, Küsten. — S. gracilis Busk.
Engl. — S. temiirostris n. sp.* Südsee. — S. mahinensis n. sp. Falk-
lands.Inseln.
Gen. Nellia n. Front of cell conV^ex , with a distinct raised
border; a large aperture. üvicells ?
JV. oculata n sp."" — N. simplex n. sp.* Beide aus der Tor-
res-Str. u. s. w.
Fam. Cellula riadae. (Cells disposed in the same plane,
forming linear branehes of a dichotomously divided , phytoid , erect
polyzoary.)
Gen. Cellularia Busk. Cells bi-triserial, more than four in
each internode; oblong or rhomboidal, contiguous; perforated behind.
Without avicularium or vibraculum , unless rarely the former on the
Upper and outer angle of the cell.
C. cuspidala (C. monolrypa n. sp.*) Busk. Südsee. — C. Peachii
Busk. Engl. Küste. — C ornala n. sp. Algoa-Bay.
Gen, Menipea Lamx. Cells oblong or elongated and atlenua-
ted downwards ; imperforate behind, with a sessile avicularium fre-
quently absent on the upper and outer angle, and one or two sessile
avicularia on the front of the cell below the aperture.
M. fuegensis n. sp. Falklands-lns. u. s. w. — M. ternata (Ell.
nnd Sol.) Engl. Küsten. — itf. cirrala (Esp.) Lamx. Südafr. — M.
Iriseriata n. sp. ebendah. — M, mulliseriata n. sp. Vaterl. unbek. —
M. patagonica d. sp. Falklands.Ins.
398 Leuckart: Bericht üb. d. Leistungen in d. Naturgeschichte
Gen. Scrup ocellaria v. Ben. Cells rhomboidal, with a si-
iius on the outer and hinder aspect; each furnishcd with a sessile
avicularium at Ihe upper and outer angle, and with a vihraculum
placed in the sinus on the outer and lowcr part behind. Aperture
ovale or subrotund , spinous above, with or without a pedunculate
operculum. Cells biserial and nuinerous in each internode.
S. cervicornis n. sp.* Cumberlands-Ins. — Sc. dindema n. sp.*
Moreton-Bay. — Sc. scrupea Busk. Engl. Küste. — -Sc Macandrei
n. sp. Span. Küste. — Sc. cyclostoma n sp.* Bass-Str. — Sc. ferox
n. sp.* Ebendah. — Sc. scruposa (Fall.) v. Ben. Europ. Küste.
Gen. Cnnda Lamx. Cells rhomboidal, sinuated on the outer
side for the lodgment of a vibraculum. No avicularium on the upper
and outer angle.
C. arachnoides Lamx. Südsee. — C. reptans (L.) Busk. Engli-
sche Küste.
Gen. Emma Gray. Cells in pairs or triplets, Opening more
or less oblique, subtriangular, partially fiUed up by a granulated cal-
carecus expansion. A sessile avicularium (sometimes absent) on the
outer side below the levei of the opening.
E. crystallina G. — E. tricellata n. sp.*"' Beide in der Bass-Str.
§ Inarticulata s. Continua.
§§ Uniserlalaria.
Farn. Scrupariadae. (Cells uniserial. Junctions rigid or of
the same consistence as the cells. Polyzoary usually loosely adnate.)
Gen. Scruparia Ok. Cells decumbent ; aperture oblique,
subterminal. Branches given off from the front of a cell below the
aperture.
Sc. chelala (L.) Busk. Europäische und Austral. Küsten.
Gen. Hippolhoa Lamx. Cells decumbent, adherent; branches
given off from the sides of the cells.
//. calctiularia Johnst. Europ. Küsten. — //. divaricata Lamx.
Europ. Küsten. — //. patagonica n. sp. Patagonien.
Gen. Aetea Lamx. Cells tubulär, ercct, scattered, rising from
a creeping fistular fibre a,dnate to a foreign base. Aperture terminal
or subterminal.
Aet. angnina (L.) Lamx. Europäische Küste u. s. w. — Ael.
dilalata n. sp.* Torres-Str. — Ael. lignJata n. sp. Patagonien, — AeL
truncala n. sp. Küste Arran.
Gen. B e an i Or iohnst. Polyzoary confervoid , subcorneous or
calcarecus. Cells arising one from another by a slender filiform tube
given off from the lower part of the cell, which is open in front;
the edges of the opening furnished with hollow spinous processes
der niederen Thiere während der J. 1854—1855. 399
arching over ihe opcning. Moulh terminal with a denticle on
each side.
B. mirabilis Johnst. Engl. Küste. — B. amlralis n. sp. Patagon.
Küsten.
§§ B i - ni II 1 1 i s e r 1 a I a r i a.
Fain. Far r- iniin ariadae. (Cclls disposed round an imagi-
nary axis, alternate, forming cylindrical branches of an erect, dicho-
toinously divided, continuous polyzoary.)
Gen. Farciminaria n. Corneous, flexible; margin of cell
much raised ; aperture occupping the whole front of the cell. Ovicell
cucullate.
F. aculeata n. sp. Neuseeland.
Farn. Gemellaridae. (Cells apposite in pairs.)
Gen. Gemellaria v. Ben. Cells jointed back lo back; all
the pairs facing the same way. Aperture oval, slightly oblique; at
the bifurcation each cell of the primary pair giving off one of the
secundary pair.
G. loricata (L.) Sav. Europ. Küsten.
Gen. Didymia n.* Cells joined side to side. Aperture large,
oval, wholly anterior. Cells all facing the same way. At a bifur-
cation each cell of the primary pair giving off one of the secundary
pair at the summit.
D. Simplex n. sp.* ßass-Str.
Gen. Diinetopia n.- Cell joined back to back. Aperture
oblique; each pair looking in a direction at right angles with that
of the next. At a bifurcation the pair being disjoined , each of the
disjoined cells gives off a secundary pair.
D. spicata n.sp.* — D. cornula n, sp.* Beide in der ßass-Str.
Gen. Notamia Busk. A pair of tabacco-pipe shaped avicu-
laria visible above each pair of cells, each arising from the inferior
tubulär Prolongation of one of the cells in the pair next above.
iV. bursaria (L.) Flem. Engl. Küste.
Farn. C aber eadae. (^Polyzoary dichotomously divided into li-
gulate, bi-multiserial branches; on the backs of which are vibracula
or avicularia, one common to several cells; avicularia sessile.)
Gen. Caberea Lamx. Cells bi-nmltiserial, in the latter case
quincunclal. Back of branches covered with largo vibracula, which
are placed obliquely in Iwo rows , diverging in an upward direction
Irom the middle like , where the vibracula of eithcr side decussate
with those of the other. Avicularia, when present , sessile on the
front of the cell.
C. rudis n. sp.* ßass-Str. — C.Boryi n. sp.* Cumberlands-Ins.,
400 Leuckart, Bericht üb. d. Leistungen in d. Naturgeschichte
Palagonien u. s. w. — C Hookeri (Flem.) ü. — ? T. lala n. sp.*_
Australien.
Gen. Amastigia n. An avicularium to about each tiiree cells
on the back of the branches. No vibracula.
A. nuda n. sp. Terra del Fuego.
Fam. Bi cellar iadae. (Polyzoary dlchotomoiisly divided into
narrow ligulate, bi-or multiserial branches. No vibracula. Avicula-
ria, when present , pedunculate and articulated. Polyzoary erect
phytoid.)
Gen. Bicellar ia Bl. Cells turbinate , distant. Aperture di-
recled more or less upwards. Several spines, marginal or dorsal.
B. ciliata {L.) \i\. Europ. Küsten. — B. gracilis n. sp.** I3ass-Slr.
— B. grandis n. sp. Ebendah. — B. tuba n. sp.- Ebendaher.
Gen. Halop hila Gray. Cells contiguous, altenuated dounwards,
niuch expanded upwards vvith a large piain aperture; unanned.
H. Johnstoniae Gr, Bass-Str.
Gen. Bugula Ok. Cells elliptical (viewed behind), closely
conliguous, bi-multiserial ; aperture very large; margin simple, not
thickened. Avicularia, when present, pedunculated and articulated
(Irequently coloured red or blue.)
B. nerüina (L.) Ok. Engl. Küste, Austral., Rothes Meer u. s. w.
— B. flabellala (Gr.) Busk. Europ. Küsten. — B. aticnlaria (L.) Ok.
Europ. Küsten. — B. plumosa (Pall.) Busk, Engl. Küste. — B. denlala
(Lamx.) Busk. Austral., Süd-Afr. — B. Murrayana (Johnst.) Busk.
Engl. Küste.
Fam. Flu slradae. (Polyzoary flexible, expanded, foliaceous,
erect, sometimes decumbent and losely attached. Cells multiserial,
quincuncial or irregulär.)
Gen. Flustra (L.) Lamx. Cells contiguous; on both sides of
the frond.
Fl. foliacea L. Europ. Küsten. — FL papyracea Ell. Engl. Küste.
— FL truncala L. Engl. Küste. — FL oclodon n. sp. Spanische Küste.
— Fl. denticulala n. sp. Austral.
Gen. Carbnsea Gr. Cells contiguous, on one side only of
the frond.
C. papyracea (Pall.) Gr. Engl. Küste, — C, fhciformis n, sp.
Tasmania ; C. armala n, sp. Südafr. — C. crlbriformis n. sp.^' Cum-
berland's Ins. — C. dissimüis n, sp. Tasmania. — C. episcopalis n. sp.
Bass-Str. — C. bombycina (L.) Busk. Südafr. — C. ovoidea n. sp.
Patagonien. — C. elegans n. sp. Tasmania. — C. indivisa n. sp. Neu-
seeland.
Gen. Diachoris n.* Cells disjunct, each connected with six
der niederen Thiere während der J. 1854 — 1855. 401
others by tubulär processes ; frond somelimes partially adnate and
decumbent.
D. crotali n. sp.* Bass-Str. — D. magellanica n, sp. Älagellans-
Str. — D. inermis n. sp. Neuseeland.
¥sLm. M embraniporidae. (Polyzoary membranaceo-calcare-
ous or calcareous, expanded, encrusting, sometimes foliaceous, con-
torted and suberect. Cells horizontal, quineuncial or serial.)
Gen. M embr anip or a Johnst. Polyzoary incrusting or sub-
erect, foliaceous and contorted, spreading irregularly. Cells more or
less irregularly disposed or quineuncial, wilh raised margins ; a grea-
ter or less extend of the front membranaceous and flexible.
M. membranacea (L.^ Bl. Europ. IMeere. — itf. /n'/osa (L.) Johnst.
Europ. Meere. — M. coriacea (Esp.) Gr. Europ. Meere. — iW. nmbo-
natu n. sp. Vandiemensland. — M. lineata (L.) ßusk. Europ. Meere.
M. Flemmingii Busk (Flustra membranacea Zool. Dan.) Europ. Meere.
— M. Rozieri (Aud.) Busk. Rio de Janeiro. — HL Rosselii (Aud.)
Busk. Orkney. — M. calpensis n. sp. Gibraltar. — M. slenosloma n. sp.
Tasmania. — M. cervicornis n. sp. hab. ? — 31. Lacroixii {S?i\.) Busk.
Europ. Meere. — M. cyclops n. sp. Neu-Seeland. — M. monostachys
n. sp. Brittische Küste. — M. mngnilabris n. sp. Algoa-Bay. — M.
galeata n. sp. Ealklands-lns.
Gen, Lepralia Johnst. Polyzoarium adnate, crustaceous, sprea-
ding froni a centre in a more or less circular form; composed of con-
tiguous or connected, calcareous decumbent cells, the vvalls of which
are complet in frond.
I. Armatae.
A. Species having avicularia.
a. Median and Single.
* Avicularium superior (above the month).
L. Brogniartii (Aud.) Busk. Engl. Küsten.
** Inferior (below the raouth).
L. Landsb orovii iohnsl. Engl. Küsten. — L. galeala n. sp. Falk-
lands-lns. — L. reticulata Macgillivay. Engl. Küste. — L. marionensis
n. sp. Marion-Ins. — L. auriculata l\?iss. Orkneys u. s. \v. — L. con~
cinna n. sp. Covelands-Ins. — L. verrucosa Thomps. Schottland. — L.
violacea Johnst. Engl. Küste.
ß. Avicularia either double or, if singlc, on one side of
the cell ; on every cell or irregularly distributed on
th e polyzoary.
L. spinifera Johnst. Ins. Wight u. s. w. — L. trispiyiosa Johnst.
Engl. Küste. — L. coccinea (Zool. Dan.) Johnst. Irland u. s. w. — I.
linearis Hass. Engl. Küste , Mittelländ. Meer. — L. alala n. sp. Cap
Archiv f. Naturgescb. XXII. Jahrg. 2. Bd. AA
402 Leuckart: Bericht üb. d. Leistungeu in d. Naturgeschichte
Hörn. — L. monoceros n. sp. Magellans- Str. — L. bicristala n. sp.
Cap Hörn. ~ L. margaritifera Quoy et Gaim. Tierra del Fuego.
B. Species having vibracula.
L. ciliata [L.^ Johnst., ßritt. Mittelmeerische, Amer. Küsten
L. Gntlyae Landsbor. Engl. Küste. — L. Hyndmanni Johnst. Engl. Küste.
— L. personata n. sp. Falklands-Ins. — L. depressa n. sp. Aegei-
sches Meer. — L. Lyallii n. sp. Neu-Seeland.
n. Inarmatae.
a. With oral spines.
L. variolosa Johnst. Engl. Küste. — L. nitida (Fabr.) Johnst.
Engl. Küste. — L. annulala (Fabr.) Johnst. Engl. u. schott. Küste. —
L. bispinosa Johnst. Engl. Küste. — L. Peachii Johnst. Engl. Küste.
— L. ventricosa Hass. Engl. Küste. — L. melolonlha Landsbor. Engl.
Küste. — L. innominata Couch. Engl Küste. — L. punctata Hass.
Eng. Küste.
ß. With an unarmed mouth.
L. figularis Johnst. Engl. Küste. — L. pertusa Johnst. Engl.
Küste. — L. Pallasiana (Larax.) Busk. Engl. Küste. — L. cucuUata
n. sp. ? Aegeisches Meer. — L. Ihbiosa n. sp. Falklands - Ins. — L.
labrosa n. sp. Engl. Küste. — L. simplex Johnst. Engl. Küste. — L.
adpressa n. sp. Chiloe, — L. Maliisii (Aud.) Patagonien u. s. w. —
L. granifera Johnst. Engl. Küste. — L. hyalina (L.) Thonips. Engl.
Küste. — L. discreta n. sp. Falklands - Ins. — L. annularis (Pall.)
Busk. Cap der guten Hoffnung.
Farn. C elleporidae. (Polyzoarium composed of cells more or
less vertical to Ihe axis or plane, heaped together, or irregularly
overlying eaeh other.) * v
Gen. Cellepora L. Polyzoarium calcareous, rigid, adnate or
erect; composed of urceolate, suberect , contiguous ceils, heaped to-
gether irregularly or arranged quincuncially. An ascendent rostrura
on one or both sides of the mouth, furnished with an avicularium.
* Adnate, globose or spreading.
C. pumicosa L. Europ. Meer. — C. Hassallii (Johnst.) Gr. Engl.
Küste. — C. vitrina Johnst. Engl. Küste. — C. bispinata n. sp. Tas-
mania. — C. tnamiüata n. sp. Patagonien.
** Erect.
C. ramulosa L. Engl. Küsten. — C. Skenei Ell. et Sol. Engl.
Küste. — C. fusca n. sp. Bass-Str.
Fam. Eschar idae. (Polyzoarium erect, rigid, foliaceous and
expanded, lobate or reticulated. Cells disposed quincuncially in the
same plane, on one or both sides of the polyzoarium.)
Gen, Eschara Ray. Polyzoarium foliaceous and expanded,
der niederen Tliiere während der J. 1854—1855. 403
or branched and sublinear. Cells disposed on both surfaces, back to
back, immersed, coalescent, horizontal to the plane of Ihe axis.
* Polyzoary iiiore or less expandcd, foliaceous.
E. foliacea (Ell.) Lamk. Engl, und Millelländ. Meer. — E.
contorta n. sp. Algoa.Bay.
** Polyzoary divided into branching lobes.
E. urceolala n. sp. Algoa-Bay. — E. platalea n. sp. Bass-Slr. —
£. lichenoides Seba Bass-Str. — E. fuegensis n. sp. Tierra del Fuego.
E. decussala M. Edw. Australien. — E. flabellaris n. sp. Algoa-Bay.
— E. gracilis Lamx. Bass-Str. — E. giganlea n. sp. Patagonien. —
E. cervicornis (Ell. et Sol.) Busk. Eng. Küste.
Gen. Retepora Lam. Polyzoarium foliaceous , calcareous, reti-
culated. Cells immersed, opening on one surface alone.
R. cellulosa (Cav.) Lamx. Mittelländ. Meer. — R. icamana Busk.
Engl. Küste. — R. phoenicea n. sp. Bass-Str.
Farn. Vin cul ariadae. (Polyzoarium rigid, calcareous, anar-
ticulated ; cells disposed alternately around an imaginary axis, forming
dichotomously dividing branches. Surface of polyzoary not areolated.)
Gen. Vincularia Bl. Branches of polyzoarium not tubulär;
front of cells surrounded by .a raised border , arcuate above, nearly
straight below. Ovicells immersed, opening above the mouth of the
cell upon which they are placed.
V. ornata n. sp. Patagonien.
Farn. Setenariadae. (Polyzoary more or less regularly or-
bicular, convex on one side, plane or concave on the other, probably
free. Furnished with large and powerful vibracala probably loco-
motive, often having araneous particles affixed in the centre of the
under surface.)
Gen. Cupularia Lamx. Each cell throughout the polyzoa-
rium with a vibracular cell al the apex.
C. guineensis n. sp. Neu-Guinea. ~ C. Owenii (Gr.) Busk. Afri-
kan. Küste. — C. Lowei n. sp. Madeira. — C. stellala n. sp. Philip-
pinen. ~ C piriformis n. sp. St. Vincent.
Gen. Lunulites n. Cells arranged in series radiating from the
centre and bifurcating as they advance; vibracula in linear series al-
ternating with those of the cells.
L. gibbosa n. sp. Cap Capricorn. — L. capuUis n. sp.* Ebendah.
— L. philippinensis n. sp. Philippinen. — L. cancellala n. sp. Ebendah.
Gen. Selenaria n. Only a certain number of cells dispersed
throughout the polyzoary furnished with vibracula. The front of each
cell, so furnished, covered by a cribriform calcareous expansion ; olhers
arched above, contracted below ; under surface of polyzoary marked
with grooves.
S. maculala n. sp.* Bass-Str.
404 Leuckart: Bericht üb. d. Leistungen in d. ]Xaturgeschichte
(Die mit n. ^sp.* bezeichneten Arten sind bereits früher von
Busk in den Voy. of Rattlesnake — vgl. J. B. XX. S. 444 — be-
beschrieben worden.)
Weitere neue Arten beschrieb Busk in dera Quarterly Journ.
Microsc. Soc. XI. p. 254 (Tab. I u. II); Salicornia horealis von West-
grönland ; Menipea arclica ebendaher ; Membranipora Sophiae aus der
Assistance-Bay ; Lepralia scululata Westgrönland; Tubulipora ventri-
cosa ebendaher; Discophora ciliata Assistance-Bay und Westgrönland.
Ebenso :
Onohophora hirsula nov. gen. et n. sp. Neu-Seeland; 0. tu~
hulosa aus dem Aegeischen Meere, 0. wiMtic/i n. sp. Philippinen (? oder
Australien) XII. S. 322. Tab. III. IV.
Onchophora: cells ventricose, coalescent; not bordered by a
raised margin. Ovicells inconspicuous. (Zu diesem Genus bringt
Busk auch zahlreiche, bisher bei Cellaria aufgeführte fossile Formen.)
Farella gigantean. sp. Tenby ; Anguinella palmala, y. Ben. XIII.
p. 93. Tab. V u. VI.
Auch Hincks, Gosse und Stimpson beschrieben neue
Bryozoeen.
Halia n. gen. e fam. Scrupariad. Hincks Ann. nat. bist. XV.
p. 128.
Polypidom adherent , creeping, corneous, branched; cells de-
cumbent, adnate, irregularly disposed along the fibre, to which they
are attached at the base or by a short stallt. Sp. n. H. praelenuis
Hincks.
Derselbe Verf. liefert 1. c. auch eine Beschreibung des bis da-
hin unbekannten Thieres von Beania mirabilis.
Nolella n. gen. e fam. Vesiculariad. Gosse ibid. XVI. p. 35.
Cells erect, subcylindrical , springing singly, but closely, from
an undefined polymorphous incrusting mat; tentacles eighteen, forming
a bell.
iV. stipata n. gen. 1. c. Tab. IV. fig. 29.
Tubulipora crales n. sp. , T. divisa n. sp. , Idmonca pruinosa n.
sp., Crisia cribraria n. sp., Hippolhea rugosa n. sp., Lepralia Candida
n. sp., L. crassispina n. sp., L. labiata n. sp. , L. rubens n. sp., Ge~
mellaria dumosa n. sp. , Fluslra solida n. sp. Stimpson Synops.
Invertebr. Gr. Manan p. 17—19.
Die voranstehenden Referate beziehen sich ohne Ausnahme auf
marine Bryozoen; in Betreff der Süsswasserformen haben wir nur zu
erwähnen, dass Leidy eine verbesserte Diagnose seines Genus Ur-
natella (J. B. XX. S. 373) aufgestellt und eine neue nordamerikani-
sche Art des Gen. Plumatella, PI. vesicalaris , beschrieben hat. Proc.
Acad. Philad. VII. p. 191.
der niederen Thiere während der J. 1854—1855. 405
Die Charakteristik von Urnalella lautet jetzt folgendermassen:
Coenoecium consisting of a series of segments up to eighteen in
number, and fonning free, semi-erect, curved stcms, altached only by
the base of the Iowest segment. Segments, exccpting the three last
ones, simple urniform; the antepenultimate and the penultimate ob-
long, with simple or Compound branches of the same form ; the last
segment or active polype is campanulate and is supplied with cylin-
drical, ciliated armes arranged in a circle around the mouth.
Ecliinodermata*
Unser diesjähriger Bericht über Echinodermen erscheint,
im Vergleiche mit dem früheren, ausserordentlich arm.
Was die Gruppe dieser Thiere im Ganzen betrifft, so
haben wir nur auf Krohn's „Beobachtungen über Echino-
dermenlarven« (Müller's Arch. 1854. S. 208) hinzuweisen, die
sich vorzugsweise auf Spatangoidlarven und auf Tornaria (J.
B. XX. S. 382) beziehen.
1« Holotliurida.
Ueber den Bau und die Entwickelung der mit einer
einfachen Micropyle versehenen Holothurieneier vgl. ausser
den früheren Angaben J. Müller's (vierte Abhandlung über
Echinodermenentwickelung S. 42) die Beobachtungen vom
Referenten in Bischoff's Widerlegung des .... Eindrin-
gens der Spermatozoiden S. 39 und von Leydig in Müller's
Arch. 1854. S. 306, so wie die Bemerkungen J. Müller's
ebendas. S. 60.
Stimpson beschreibt in seiner Synopsis Inv. Gr. Manan p. 16
als neu : Ocmis Ayresii.
Ebendaselbst erfahren wir, dass Bothryodaclyla grandis und B.
affinis Ayr. (J. B. XX. S. 389) zu Penlacta frondosa Jag. gehören,
dass ferner Duasmodactyla Ayr. mit Thyonidium und Trochinus Ayr.
mit Chirodota identisch sei. Dagegen bildet Chirodota arenata nach
unserem Verf. den Typus eines besonderen Genus, für welches der-
selbe den Namen Caudina in Vorschlag bringt.
406 Leuchart: Bericht üb. d. Leistungen in d. Naturgeschichte
3« Ecliinifla.
Ueber den feineren Bau von Echinus esculenlus erhal-
ten wir durch Leydig MiUheilungen. Müller's Arch. 1854.
S. 309.
Wir heben daraus die Bemerkung hervor, dass die Leibeshöhle
mit ihrem Inhalte, nach der Meinung des Verf., dem Wassergefässsy-
stem zugerechnet werden müsse, da sie nicht bloss dieselben körperli-
chen Elemente enthalte, wie jenes Gefässsystem, sondern auch fast
allenthalben mit Flimmerhaaren ausgekleidet sei. Auch die äussere
Oberfläche der meisten inneren Organe ist mit Flimmern besetzt.
Ebenso auf der äusseren Haut die Pedicellarien. Die Angabe von
Krohn, dass die Ambulacralbläschen ein deutliches Gefässnetz ent-
hielten, bezeichnet Verf. als irrlhümlich.
J. Müller publicirt als siebente Abhandlung über die
Metamorphose der Echinodermen seine Untersuchungen „über
die Gatlungen der Seeigellarven" mit neun Kupfertafeln. Ber-
lin 1855. (Abh. der k. Akad. d. Wissensch. in Berlin 1854.)
Die hier mitgetheilten Untersuchungen sind grossentheils schon
früher (Arch. 1853. S. 472, J. B. XX. S. 392) im Auszuge bekannt ge-
macht; sie beziehen sich auf die Larven des Gen. Echinus und spe-
ciell des Ech. brevispinosus, auf eine der Gattung Echinocidaris ver-
wandten Larve , auf die Larven der Spatangoiden und des Echinocya-
mus pusillus (vgl. über letztere auch Arch. für Anat. 1855. S. 67).
Für die speciellere Kenntniss der Pluteusformen und die systematischen
Beziehungen derselben ist diese Abhandlung von grossester Wich-
tigkeit.
Krohn's neue Beobachtungen über Spalangoidlarven (Müller's
Arch. 1854. S. 208) und deren Entwickelung sind schon oben kurz
erwähnt worden.
Robert berichtet über das Vorkommen des Echinus
lividus in selbsigegrabenen Steinhöhlen (Compt. rend. T. 39.
p. 639) und veranlasst dadurch einige Bemerkungen von Va-
lenciennes über das Bohrvermögen von Cidaris Savignyi
u. a. niederen Thieren.
Gray, Catalogue of the Echinidae or Sea-Eggs ist mir
ebenso wenig zu Gesicht gekommen , wie desselben Verf.'s
List of british Badiata (1848).
Der erste Band des Catalogue u. s. w. behandelt die irregulä-
ren Seeigel und enthält eine vollständige Charakteristik der bekannten
Genera und Species. Die neuen Arten (wohl dieselben, die J. B. XX.
S. 396 von uns erwähnt wurden) sind besonders abgebildet.
der niederen Thiere während der J. 1854—1855. 407
Ein Gleiches gilt von A r a d a s, Monographia degli Echi-
nidi vivent e fossili di Sicilia , Catania 1850 u. 1851. (Be-
sonders abgedruckt aus den Atti della Academia Gioenica.)
Peters veröffentlicht seine Untersuchungen „über die
an der Küste von Mossambique beobachteten Seeigel und ins-
besondere über die Gruppe der Diademen« (J. B. XX. S. 394)
in den Abhandlungen der K. Akad. der Wissensch. in Berlin
1854, mit einer Tafel Abbildungen.
Michel in erkennt in dem Spatangus (Schizaster Agass. )
atropos Lam. den Typus eines neuen Genus Moera und beschreibt
zwei weitere neue Arten dieses Geschlechtes : M. Lachesis aus Te-
xas und 31. Clotho aus Californien. Revue et mag, de Zoologie 1855.
T. VII. p. 245.
Diagnosis gen. nov. Moera Mich. Teste ovale, globuleux,
gibbeux, subpolygonal; cinq sillons dorsaux etroits , allonges , pro-
fondement enfonces, vesiculeux inlerieurement, et au fond desquels
se trouvent les ambulacres , composes de deux doubles rangees de
pores disposes dans un silloh anguleux. Les trois parties interambu-
lacraires anterieure et posterieure sont creusees vers l'appareil api-
cial. Ambulacre impair plus large, avec quatre pores genitaux. Tu-
bercules nombreux, disposes cn lignes se dirigeant plus ou moins
regulierement vers le centre de chaque plaque. Radioles un peu
courbes, transparentes ayant de cinq ä sept millimetres de longueur ;
Celles inferieures plus courtes , terminees en spatule. Sommet apicial
subcentral. Bouche bilobee, submarginale, ayant le bord epais. Anus
posterieur median ellipsoide, termine en pointe en haut et en bas. La
bouche et l'anus fermes par des pieces mobiles. Deux fascioles,
l'une sous- anale, venant rejoindre les deux ambulacres pairs ante-
rieurs ; l'autre, plus large, suivant exactement le bord des ambu-
lacres.
A. d'Orbigny dringt (Rev. et mag. de Zool. 1854. p. 16) auf
Restitution der im Jahre 1732 von Breyn aufgestellten Genusnamen
Echinometra (statt Echinus und Cidaris) , Echinoconus (statt Conulus
oder Galerites), Echinocorys (statt Galea oder Ananchytes) , Echinan-
thus (statt Clypeaster oder Echinolarapas}, Echinospatagus (statt Spa-
tangus und Toxaster), Echinobrissus (statt Nucleolites) und Echino-
discus (statt Rotula Ag.). Nach denselben Gesetzen der Priorität will
er auch das Agassiz'sche (fossile) Genus Disaster fortan als Collyrites
Desm. (1837) benannt wissen.
3. Asterida.
In der schon oben erwähnten siebenten Abhandlung
408 Leuckart: Bericht üb. d. Leistungen in d. Naturgeschichte
Über Metamorphose der Echinodermen liericlitet J. Müller
über das Wassergefässsystem von Bipinnaria , das aus zwei
ursprünglich gelrennten , grossen und wimpernden Säcken
besteht , die durch den Rückengrund ausmünden, A. a. 0.
S. 34.
Ebendaselbst beschreibt J. Müller eine zweite, neue
Art des Larvengenus Brachiolaria , das sich durch die An-
wesenheit von Papillen in der ganzen Länge der Arme un-
terscheidet. A. a. 0. S. 35 (Arch. für Anat. u. Physiol 1854.
S. 95).
Die Bipinnarien scheinen sich nach demselben Verf. (Arch.
für Anat. und Physiol. 1855. S. 87) bald zu Seesternen mit
After (Archasterida), bald auch zu afterlosen Alten (Astero-
peclinida) zu entwickeln. In Betreff der nordischen B. asle-
rigera wird nach der Gestalt der Stacheln ein Zusammenhang
mit Solaster furcifer vermuthet.
Krohn beschreibt die Müller'sche Tornaria in einem
weiter vorgerückten Stadium. Müller's Arch. 1854. S. 24. Tab. X.
fig. 1.2. Vergl. hierzu die Bemerkungen J. Müller's eben-
das. 1855. S. 87 , wo auch die Möglichkeit einer Beziehung
der „wurmförmigen Asterienlarve" (J. B. XX. S. 398) zu Tor-
naria besprochen wird.
Nach den Beobachtungen vonStimpson besitzt Ptera-
sler mililaris unter der Rückenhaut fünf Interambulacralkanäle,
die durch den Porus analis ausmünden und durch letzleren
in derselben Weise, wie die sog. Lungen der Holothurien ab-
wechselnd mit Wasser gefüllt und entleert werden. Synops.
Inv. of Gr. Manan p. 15.
Ebendaselbst werden (p. 14) als neue Arten beschrieben: Asie-
racanthion liltoralis und A. albulns.
4. Opliiurida.
J. Müller entdeckt, wie früher den Steinkanal der
Ophiuren, so auch jetzt die äussere Ausmündung desselben,
die am linken Rande des einen mit dem Umbo versehenen
Mundschildes gelegen ist. Arch. für Anat. 1854. S. 591 und
siebente Abhandlung über die Metamorph, der Echinodermen
S. 33.
der niederen Thiere während der J. 1854—1855. 40P
Auch bei den Ophiurenlarven ist ein Rückenporus vorhanden
und keineswegs abwesend, wie von unserem Verf. früher (J. B. XX.
S. 404) vermuthet wurde. Siebente Abhandl. über die Met. derEchi-
nod. S. 32.
Lütken lieferte eine „vorläufige Uebersicht der Ophiu-
ren des grönländischen Meeres," Videnskab. Meddelelser 1854.
p. 95 — 104, übersetzt (von Creplin) in der Zeitschrift für
die gesammten Naturwissenschaften 1855. Bd. V. S. 97.
Wichtig nicht bloss wegen der Aufstellung einer Anzahl neuer
Arten, sondern namentlich auch wegen der präcisen Charakteristik der
betreffenden Gattungen und mancher kritischen Bemerkung überMül-
ler-Troschel's Asteridenwerk.
Als grönländisch werden aufgeführt: Amphiura Holboelli n. sp.,
Ophiura squamosa n. sp. , Oph. nodosa n. sp., Oph. albida Forb., Oph.
coriacea n. sp. , Oph. Sarsi n. sp., Oph. arclica n. sp. , Ophiocten
(n. gen.) Kroyeri n. sp., Ophiopholis scolopendrica M. Tr., Ophiacanlha
groenlandica M. Tr., Ophiolhrix fragilis.
Die ersten vier Gattungen, Amphiura, Ophiura, Ophiocten und
Ophiopholis werden folgender Maassen umgrenzt:
A. Schlaijgensterne, deren Hautdecke auf der Rückenseite der
Scheibe aus zahlreicheren kleineren Schuppen und 10 grösseren Ra-
dialzellen besteht, welche Schuppen und Platten von keiner ober-
flächlichen Bekleidung überzogen sind.
1) Amphiura Forbes (pro parte). Die Scheibe hat keinen Aus-
schnitt und keine Papillenreihe am Grunde der Arme ; die Mundschilder
sind klein, die Mundwinkel weit und ohne Papillen. Das erste Paar
Armfüsse sitzt an dem für solche gewöhnlichen Platze. (Die Arme
sind sehr lang, dünn und sehr beweglich.)
2) Ophiura (Linck. Agass.) Forbes (p.p.)« Am Grunde der Arme
findet sich ein Ausschnitt in der Rückenseite der Scheibe , welcher
mit einer in der Mitte unterbrochenen kammförmigen Papillenreihe
besetzt ist. Die Mundschilder sind überaus gross und besetzen einen
grossen Theil der Armwinkel, die Mundwinkel sind eng und die brei-
ten dreikantigen Stücke zwischen ihnen mit Papillen gerandet. Das
innere Paar Armfüsse sitzt dicht am Mundwinkel, welcher die Form
eines Y dadurch bekommt , dass die Poren von jenem sich in ihn
hinein öffnen. (Die Arme sind steifer und von Mittellänge.)
B. Schlangensterne, deren Schuppen und Radialplatten mit der
Rückenseite der Scheibe ganz oder theilweise mit Flecken, Körnern
oder Stacheln bedeckt sind.
3) Ophiocten Ltk., verhält sich hinsichtlich der Ausschnitte im
Scheibenrande der Papillen, Mundwinkel und des ersten Paares Arm-
füsse wie die Gattung Ophiura, doch mit dem Unterschiede, dass die
410 Leuckarl: Bericht üb, d. Leistungen in d. Naturgeschichte
Ausschnitte weniger tiefe Ausbuchtungen des Scheibenrandes sind
und ihr Papillenkamm in der Mitte nicht unterbrochen ist. Die Schup-
penbekleidung auf dem Rücken ist mit flachen Körnern und runden
strahlenförmig geordneten Flecken bedeckt, so dass nur ein Theil der
Radialplalten sichtbar wird. Die Arme sind lang, dünn mit Platten
bedeckt und tragen kurze platte Stacheln.
4) Ophiopholis Müll, et Tr. (p. p.). Die Schuppenbekleidung auf
dem Scheibenrücken ist zum Theil mit Körnern, zum Iheil mit run-
den, strahlenweise geordneten Flecken bedeckt. Die Mundwinkel sind
schmal und mit Mundpapillen besetzt; die Rückenplatten der Arme
mit einem Halbkreise von Plättchen gerandet; ihre Seitenstacheln
kurz und platt. Die Ausschnitte im Scheibenrande, und die Papillen-
kämme fehlen, während die Mundschilder verhältnissmässig klein sind.
(Ebenso bei Ophiacantha und Ophiothrix.)
Das von Gould in der Fauna von Messachusets beschriebene
Euryale scutatum Bl. ist nach Stimpson (Synops. Inv. Gr. Man
p. 12) eine neue Art: Eur. Ägasshii St.
5. Crinoidea.
Nach Stimpson findet sich Alecto Eschrichii M. Tr. auch an
der nordamerikanischen Küste. Synops. Inv. Gr. Man. p. 12.
Für die Kenntniss fossiler Crinoiden sehr wichtig sind die „Be-
merkungen über die Petrefakten der älteren devonischen Gebirge am
Rheine" von Zeil er und Wirtgen, Verh. des naturhist. Vereins
der pr. Rheinlande 1855. S. 1.
Coeleiiterata.
üeber die Coelenteraten im Allgemeinen haben wir die-
ses Mal Nichts zu berichten. Ebenso wenig über die erste
Gruppe dieser Thiere, die Rippenquallen oder C t e m o p h o r e n.
Hydrasinedusae.
Die Entwickelungsgeschichte der Hydrasmedusen wurde
durch Gegen baur behandelt: zur Lehre vom Generations-
wechsel und der Fortpflanzung bei Medusen und Polypen,
Würzbg. 1854. 68 S. mit 2 Tafeln Abbildungen (Separatab-
druck aus den Verhandlungen der physic. medic. Gesellschaft
ZU Würzbg. IV. S. 154 ff:).
der niederen Thiere während der J. 185^—1855. 4U
Die Beobachtungen, die Verf. in dieser interessanten Abhand-
lung mittheilt, liefern mancherlei neue Materialien für die Naturge-
schichle unserer Thiere und werden weiter unten noch näher zu be-
rücksichtigen sein (sind zum Theil auch schon in dem letzten J. B.
angezogen). Sie führen unseren Verf. zu einer Reihe von allgemei-
nen Resultaten, die mit den vom Ref. schon früher mehrfach ent-
wickelten Anschauungen in allen wesentlichen Punkten übereinstim-
men. Die schliesslich beigefügte tabellarische Darstellung aller bis
jetzt über den Generationswechsel der Medusen bekannten Thalsachen
ist leider sehr wenig vollständig, wie eine Vergleichung mit unserem
letzten J. ß. zur Genüge nachweist. ^
Ueber den Bau der Gallerlscheibe der Medusen vergl.
ausser Virchovv, Archiv für palholog. Anat. Vlll. S. 558
besonders Max Schullze, Silzungsber, der naturf. Gesell-
schaft zu Halle III. S. 18 (oder Müller's Arch. 1856. S. 311).
Durch die hier milgetheilten Untersuchungen ist es ausser Zwei-
fei gestellt, dass die Substanz dieser Gallertmasse (wie früher schon
von Ref., Gegenbaur und Kolli ker behauptet war) nach ih-
ren histologischen Charakteren der Gruppe des Bindegewebes zuzu-
rechnen sei.
1. itcalepliae.
Die Gruppe, die wir unter dem vorstehenden Namen
hier aufführen, umfasst nur die sog. höheren Scheibenquallen
(Phanacocarpae Eschsch. , Gymnophlhalmata Forb.) und kei-
neswegs die ganze Menge dieser Thiere. Die kleineren sog.
nacktäugigen Medusen werden später, in der Ordnung der
Hydroiden , ihre Berücksichtigung finden.
Mettenheim er berichtet über die Eier und Embryo-
nen (,,flimmernde Eier«) von Medusa aurita, so wie über den
Bau der ßrutsäcke bei den weiblichen Thieren. Abhandlun-
gen der Senkenb. Gesellschaft 1854. I. S. 2.
Gegenbaur, über die Brut von Cassiopeia a. a. 0.
S. 2ff.
Die Beobachtungen unseres Verf. reichen bis zur Ausbildung
der Polypenform und sind ihrem wesentlichen Inhalte nach schon im
vorigen J. B. {%. 416) erwähnt w^orden.
Die Beobachtungen Gegenbau r's schienen eine
neue Bestätigung für die Ansicht zu sein, dass sich alle hö-
heren Medusen auf dem Wege des . Generationswechsel aus
412 Leuckart: Bericht üb. d. Leistungen in d. Naturgeschichte
einer einfachen polypenförmigen Amme entwickelten. Spä-
tere Untersuchung^en von Krohn haben aber gezeigt, dass
Pelagia noctiluca ohne Vermitlelung einer Ammengeneration
durch direkte Metamorphose des flimmernden Embryo ent-
steht. Müller's Arch. 1855. S. 491. Tab. XX.
Der flimmernde Embryo von Pelagia besitzt bei seiner Geburt
bereits Mund und Verdauungshöhle. Die Scheibe entsteht durch Aus-
wachsen des vorderen Körperrandes; sie ist anfangs stark gewölbt
und achtlappig, wie bei den Jugendzuständen von Medusa, Cyanea u. a.
Durch die Bildung von Nebensäcken (anfangs 8, später 16) verwan-
delt sich der Larvenmagen in den späteren Centralraum des Gastro-
vascularapparates. Das embryonale Flimmerkleid geht erst mit der
Abplattung der Körperscheibe verloren.
Peach macht die Beobachtung, dass gewisse kleine
Fische sich bei nahender Gefahr gern in die Genitaltaschen
von Cyanea flüchten. Ann. nat. bist. XIV. p. 462. (Proc. Linn.
Soc. 1854.)
3. Hydroidea.
Wenn wir iiier in der Ordnung der Hydroiden nicht
bloss die früher ausschliesslich mit obigem Namen bezeich-
neten Polypoiden , sondern auch die sog. nacktäugigen Me-
dusen auff'ühren, so geschieht das desshalb, weil gegenwär-
tig wohl noch schwerlich Jemand an dem genetischen Zu-
sammenhange dieser beiderlei Thierformen zweitein kann.
Wir verweisen hierbei namentlich auf Gegenbaur's oben
erwähnte Abhandlung, in der das Vcrhällniss der Medusen
zu den Hydroiden eine sehr gründliche Besprechung findet
und nach zahlreichen neuen Beobachtungen (Medusensprossung
an Hydroiden S. 9 — 21 , Entwickelung der Medusenbrut zu
neuen Hydroiden S. 21 — 30) mit aller Entschiedenheit von
dem Standpunkte des Generationswechsels aus gedeutet wird.
Auch die sog. Geschlechtsorgane der Hydroiden, die immer
nur bei gewissen Arten, hier aber, wie es scheint, constant
vorkommen, finden in diesem Sinne ihre Erklärung; Verf.
weist nach (S. 30 — 50), dass dieselben durch eine Reihe von
Zwischenformen auf das Innigste an die frei lebenden Medusen
sich anschliessen und desshalb denn auch mit vollem Rechte
als Analoga derselben betrachtet werden dürfen. Unter sol-
der niederen Thiere während der J. 1854—1855. 413
chen Umständen, so schliesst Verf., ganz wie Ref. das sclion
früher gethan halle, „ist also bei allen Hydraspolypen ein Go-
neralionswechsel zu slatuircn , der bald in ausgebildetem
Grade, bald nur in der Anlage — gleichsam versuchsweise —
zu Stande kommt.« Um den Unterschied zwischen diesen beiden
Formen des Generationswechsels (mit frei lebenden Geschlechts-
thieren oder Medusen und mit sessilen Geschlechtslhieren oder
Geschlechtskapseln) bervorzuheben, schlägt Verf. vor, den letz-
tem als einen „unvollkommenen Generationswechsel" zu be-
zeichnen. In diesem Sinne spricht derselbe bei den betreffenden
Thieren auch von einer „unvollkommenen ersten" und „unvoll-
kommenen zweiten Generation.« Ref. will über diese Auf-
fassungsweise nicht mit Verf. rechten, glaubt aber , dass die
Eigenthümlichkeiten jenes sog. „unvollkommenen" Generations-
wechsels in der von ihm aufgestellten Theorie des Polymor-
phismus bereits vor Verf. ihre Erledigung gefunden halten.
(Vgl. hier auch J. ß. XX. S. 431.)
Dass es unter den sog. nacktäugigen Medusen auch Ar-
ten giebt, wie wir schon im letzten J. B. (S. 420) gesehen
haben, die sich ohne Generalionswechsel entwickeln, wie Pela-
gia, kann uns von der Vereinigung dieser Scheibenquallen
mit den Hydroiden nicht abhalten , obwohl diese Thatsache
späterhin vielleicht noch einmal in der Systematik der Hydras-
medusen ihre Berücksichtigung findet.
Proles medusiformis. Die Beobachtungen Gegen bau r's
über die Entwickelung von Trachynema (a. a. 0. S. 50 — 55)
sind nach einer früheren Mittheilung bereits im letzten J. B.
S. 420 angezogen worden.
Gleiches gilt von den Millheilungen über Knospenbil-
dung bei Cunina prolifera a. a. 0. S. 55—58. (J. B. XX.
S. 422), so wie über die Entwickelung der von Lizzia Köl-
likeri und Oceania armata abstammenden Brut zu Hydroidpo-
lypen, a. a. 0. S. 21—30.
J. Müller macht darauf aufmerksam, dass Arachnilis albida Sars
bereits von Tilesius gekannt und als Nereus hydravhna abgebildet
sei. Archiv für Anat. 1854. S. 97.
Ebendas. wird für Kölliker's Gen. n. Nausitlioe der von J.
Müller schon 1852 aufgestellten Geschlechtsnamen Octogonia in
Anspruch genommen.
414 Leuckart: Bericht üb. d. Leistungen in d. Naturgeschichte
Forbes beschreibt eine Aequorea aus dem Schottischen Meere,
die — nach einem kritischen Excurse über die Forskal'sche Medusa
aequorea und die verwandten Formen — als Aequorea Forskalea Per.
et Les. bestimmt wird. Ann. nat. bist. XIV. p. 294. (Proc. Zoolog.
Soc. 1851.)
Proles hydriformis. Von AI Im an erschien eine ausführ-
liche, in anatomischer, wie auch histologischer Beziehung
sehr wichtige Abhandlung über Cordylophora: on the Analomy
and Physiology of Cordylophora in den Phil. Transact. roy.
So'c. Vol. 143. p. 367—384. Fl. 25 u. 2ö.
Die Leibessubstanz von Cordylophora besteht nach unserem Verf.
(und ebenso fand es derselbe auch bei allen übrigen Uydroiden) aus
zwei verschiedenen Lagen, einer äusseren (ectoderm) und einer inne-
ren (endoderm) , die beide einen unverkennbaren Zellenbau haben.
Der Polypenstock, der dem Ectoderm aufliegt, ist structurlos und darf
wohl als ein Secretionsproduct desselben betrachtet werden. Das
Endoderm erreicht im Innern die Polypenköpfe, der sog, Magenhöhle,
seine stärkste Entwickelung und bildet hier mehrere vorspringende
Längswülste. Die Auskleidung der gemeinschaftlichen Körperhöhle
stellt eine unmittelbare Fortsetzung dieses Endoderm dar. Ebenso
auch die Auskleidung der Tenlakelhöhlen, die keineswegs fehlen, wie
man auf den ersten Blick vielleicht annehmen möchte. Flimmerhaare
konnte Verf. trotz der bekannten Erscheinung des sog. Kreislaufs im
Körperstamme (coenosarc) nirgends auffinden. Männliche und weibliche
Genitalkapseln sind auf demselben Stamme neben einander angebracht.
Sie sind ganz gleichmässig gebaut und erscheinen als abgeschlossene,
ovale Bläschen, in deren Achsen ein bruchsackartiges Divertikel der
Körperhöhle hineinhängt, während sich in den Wandungen ein System
verästelter Kanäle verbreitet, die gleichfalls aus diesem Hohlräume
hervorkommen. Die Eier, die sich in jeder Kapsel in mehrfacher An-
zahl entwickeln, durchlaufen nach der Befruchtung einen Furchungs- ^
process und verwandeln sich schliesslich in sog. Planulae, die nach
Aussen hervorbrechen und sich wieder in kleine Polypenstöcke um-
bilden. Zum Schlüsse versucht Verf. die theoretische Deutung die-
ser Erscheinungen. Er stellt die verschiedenen Reproductionsarten der
Hydroiden (Medusenbrut und Genitalkapseln) zusammen und spricht
sich in der schon im vergangenen J. B. (S. 431) näher angezogenen
Weise für die Medusennatur der Genitalkapseln aus.
W. Thompson hebt die Analogie in dem Fortpflan-
zungsprocesse der Pflanzen und Hydroidpolypen hervor und
beschreibt dabei die belrefTenden Vorgänge an Campanularia
gelatinosa , C. geniculata und C. volubilis. Ann. nat. hist.
XIV. p.3l3 (Proc. Bot. Soc. Edinb. 1854.}
der niederen Thiere während der J. 1854 — 1855. 415
Bei der ersten Art entstehen im Innern der reproduetiven Indi-
viduen („thecapsule of femalc individual) gewöhnliche Eier mitKeim-
bläschen, die sich allmählich in flimmernde Embryonen verwandeln,
bei der zweiten dagegen statt der Eier — und homolog mit densel-
ben (? Ref.) — medusoide Anhänge mit einem Embryo , in der drit-
ten Art endlich förmliche kleine Medusen , die sich nach ihrer Ent-
wickelung schliesslich abtrennen und ein selbstständiges Leben be-
ginnen.
Die Beobachtungen Cegenbaur's über die Medusen-
sprossung an Hydroiden beziehen sich auf Syncoryne cleo-
dorae n. sp., Cainpanularia sp. dub. und Eudendrium ranjo-
sum. A. a. 0. S. 9—21.
Der Sitz dieser Knospung ist bei der ersten, auf dem Gehäuse
von Cleodora 3-cuspidata schmarotzenden Form — wie bei Perigony-
mus Sars — der gemeinschaftliche Stamm des Medusenstockes.
Sessile Geschlechtsthiere, sog. Geschlechtsorgane fand derselbe
Verf. bei der schon von Kölliker beschriebenen Tubularia (J. 13.
XX. S. 437) und bei zwei neuen Arten des Gen. Campanularia. A. a.
0. S- 30—50.
Besonders interessant ist der letztere Kall, insofern hier die
Geschlechtsthiere sich nicht an besonderen proliferirenden Individuen
entwickeln, wie bei den übrigen Campanularien , sondern in direkter
Weise an dem gemeinschaftlichen Stamme hervorkommen, dabei aber,
nach Art der proliferirenden Individuen von einer festen Kapsel um-
schlossen sind. Der hohle Zapfen im Innern dieser Organe ist in
vier Längskanäle zerfallen, die wir wohl den vier Radialgefässen der
Hydrasmedusen vergleichen dürfen (Kef.). Dasselbe beobachtete Verf.
auch bei den Geschlechtskapseln der zweiten (mit C. gelatinosa v.
Ben.) verwandten Campanularia. Die KöUiker'sche Entdeckung von
dem polypenförmigen Jugendzustande der proliferirenden Individuen
(J. B. XX. S. 439) wird vom Ref. bestätigt.
Ueber die Fortpflanzung von Serlularia pumila handelt
Lindström, Overs. k. Velensk. Ak, Forhandl. XII. p. 3ü5.
Tab. XIII.
Die proliferirenden Individuen produciren immer nur ein einzi-
ges, männliches oder weibliches, medusoides Geschlechtsthier.
Leydig's „Bemerkungen über den Bau der Hydren« in
Müller's Arch. 1854. S. 270 beziehen sich vorzugsweise auf
die mikroscopischen Structurverhaltnisse dieser Thiere.
Verf. liefert die unzweifelhaftesten Beweise von dem Irrthume
der im vor. J.B. (S. 433) angezogenen Ecker'schen Angaben. Er zeigt,
dass eben sowohl die Haut, als auch das unter der Haut liegende ei.
416 Leuckart: Bericht üb. d. Leistungen in d. Naturgeschichte
gentliche Leibesparenchym der Hydra einen Zellenbau besitze. Die
Zellen der Haut sind ziemlich platt und im Innern mit einem deut-
lichen Kerne versehen, während der übrige Körper aus grossen Zellen
gebildet wird, die mit ihren Wänden unter sich zu einem INetz- oder
Fachwerke verwachsen sind und ausser dem wandständigen Kerne noch
einen Haufen brauner oder (bei H. viridis) grüner Körnchen enthalten.
Die Wandungen des Fachwerkes scheinen einer selbstständigen Con-
tractilität zu entbehren und einen elastischen Apparat darzustellen, der
sich freilich wohl vielfach bei den Bewegungen des Thiers, die zunächst
nur von dem contractilen Zelleninhalte (Sarcode) ausgehen, bethei-
ligt. Das oben geschilderte Körperparenchym begrenzt unmittelbar den
inneren Höhlenraum des Körpers (den auch Leydig ausschliesslich
als Leibeshöhle in Anspruch nimmt), nur dass sich an gewissen Stellen
noch ein sehr zartes Flimmerepithelium erkennen lässt. In der Haut
liegen, und zwar eingeschlossen in Zellen, zwei Arten von Nessel-
organen, kleine, cylindrische (die bei Coryne ausschliesslich vor-
kommen) und grössere von birnfömiger Gestalt. Die OefFnung in
der Fussscheibe, deren Anwesenheit von vielen neuern Beobachtern
geläugnet wurde, hat unser Verf. (wie früher schon Hancock, des-
sen Untersuchungen derselbe nicht gekannt hat) wieder aufgefunden.
Allman, on the structure of Hydra viridis. Report bri-
tish, assoc. (held 1853) 1854. p. 64.
Verf. spricht sich hier von Neuem auf das Entschiedenste ge-
gen Eck er aus und beschreibt die Zellen ebensowohl des Ectodermes,
als auch des Endoderms in einer mit Leydig wesentlich übereinstim-
mender Weise. Die Anwesenheit von Flimmerhaaren im Innern wird
in Abrede gestellt.
Ayres beschreibt die drei bis jetzt bekannten nordamerikani-
schen Arten des Gen. Hydra: H. gracilis Agass. , H, carnea Ag. und
H. temiis n. sp. Die erstere und letztere ist grün, wie H. viridis, wäh-
rend H. carnea in ihrer Färbung mit H. fusca übereinstimmt, Proc.
Best. Soc. 1854. p. 104.
E. Forbes hebt in einer kurzen Notiz (Ann. nat. bist. XIII.
p. 32) die schon im letzten J. B. von Bef, angemerkte Identität von
Spadix purpurea Gosse mit Älyriothela arctica Sars hervor (vergl. J.
B. XX. S. 443).
Ein mit Älyriothela nahe verwandtes , aber doch bestimmt ver-
schiedenes Thier ist Acaulis (n. gen.) primarius f Stirn pson Sy-
nops. mar. Inv. Gr. Man. p. 10. Tab. I. fig. 4, das vom Verf. in
zweierlei Entwickelungszuständen beobachtet wurde. Im ersten, jün-
geren Zustande gleicht dasselbe einer Myriothela mit verkürztem Hin-
terende und zahlreichen isolirten Medusenknospen zwischen den acht
langen Tentakeln und den Mundanhängen. In dem späteren Zustande
I
der niederen Thiere während der J. 1854 — 1855. 417
waren die Polypen mit breiter Basis befestigt und ohne Tentakelkrani,
dafür mit weiter entwickelten Medusenknospen versehen.
Von Steenstrup erhielten wir die Beschreibung einer neuen
tropischen Form des Gen. Corymorpha, C. Januarii Steenst., die sich
nicht bloss durch ihre colossaie Grösse, sondern auch die beträchtli.
chere Anzahl der Tentakeln und eine abweichende Bildung der Me-
dusenknospen von der arctischen Cor. nutans Sars (Ellisia flos maris
Forb. et Goods.) unterscheidet. Vetenskab. Meddelels. 1854. p. 4G.
und — von Creplin übersetzt — Zeitschrift für die ges. Naturwis-
sensch. 1855. V. S. 198.
Ebendaselbst hebt Verf. hervor, dass Sars unter der Bezeich-
nung Cor. nutans wahrscheinlicher Weise zwei verschiedene Species
beschrieben habe, von denen die eine wohl als Cor. Sarsii bezeich-
net werden dürfte. (Nach gefälliger brieflicher Mittheilung des Herrn
Prof. Steenstrup hat Sars bei der letzten Versammlung der skandi-
navischen Naturforscher in Christiania die Richtigkeit dieser Bemer-
kung selbst zugegeben.)
Tubularia rhiloensis n. sp., Gay bist. fis. di Chile VIII. p. 45^.
Eudendrium cingulatum n. sp. , Stimpson 1. c. p. 9.
Die Charaktere des Gen. Cordylophora werden durch AI Im an
in folgender Weise festgestellt : Polypi tentaculis numerosis sparsis
leretibus. Capsulae genit-ales subsessiles in ramulis ultimis pone po-
lypös affixae. Polyparium pergamentaceum, ramosum, stolone fisluloso
repente fixum. Embryo liber, subcylindricus universe cilialus. Sp.
C. lacustris Allm. hab. in aquis dulcib. Angl. (Phil. Transact. 1. c.j.
Unter den von Stimpson bei Grand Manan gefundenen (13)
Sertularinen finden sich folgende neue Formen :
Flumularia lenerrima St. , Sertularia laliuscula St. , S. producta
St., Grammaria (n. gen.) rolmsta St., Gr. gracilis St. (L. c. p. 8).
Das neue Gen. Grammaria trägt folgende Diagnose:
Polypidom reclilinear, elongated, cylindrical , composed of ag-
gregated tubes, generally without branches, which, when they occur,
are of the same character , as that, from which they spring. Cells
arranged on all sides, in more or less regulär and equidistant longi.
tudinal rows, giving a section of the stem a star-like appearence.
(Die Polypen werden ebenso wenig beschrieben, wie die prolifirenden
Zellen.)
Weitere neue Arten sind : Sertularia imbricata aus Grönland,
Busk Quarterly Journ. micr. Soc. 1855. XI. p. 254 und S. alala aus
Schottland, Hincks Ann. nat. bist. XV. p. 127. PI. II.
Ebendaselbst liefert Hincks auch eine Beschreibung der Ach-
selzellen von Campan. integra mit Abbildung des Thierstocks, 1. c,
p. 130. Tab. III.
Archiv f. Naturgesch. XXll Jahrg 2 Dd. BB
418 Leuckart: Bericiit üb. d. ieistimgen in d. Naturgeschichte
S* Siplionopliora»
Zunächst erwähnen wir hier zwei Abhandlungen über
die Siphonophoren von Nizza:
Rech, sur les animaux infer. de la Medilerranee. Par
Ch. Vogt. Prem. mem. Sur les Siphonophores de la mer
de Nice. Geneve 1854. Mit 21 Tafeln in Farbendruck. (Se-
paralabdruck aus den Mem. de Plnstit. Genevois T. 1.) und
R. Leuckart zur näheren Kenntniss der Siphonopho-
ren von Nizza. Berlin 1854. Mit 3 Kupferlafeln. (Separat-
abdruck aus dem Archiv für Naturgeschichte 1854. Th. 1.
S. 249 ff.)
Die erste Abhandlung enthält Beschreibungen von Velella Spi-
rans, Physophora hydrostatica, Agalma rubra Vgl. (Agahnopsis pun-
ctata Köll ) , Ag. punctata Vgt. (= Apolemia uvaria), Stephanomia
(Korsl^alia Köll.) contorta , Hippopodins luteus Vgt., Fraya diphyes
Vgt., Galeolaria aurantiaca Vgt. {= Diphyes quadrivalvis Gegenb.),
Abyla trigona Vgt. (= Abyla pentagona) und Diphyes sp. ? (= Diph.
acuminata Lt.; nach Verf. der inännlirhe Stamm von Abyla). Beson-
ders sorgfältig ist die Darstellung der drei zuerst genannten Arten.
Die übrigen Formen sind, wie es scheint, von unserem Verf. nur
flüchtig upd obernächlich untersucht worden, so dass die Beschreibung
derselben nicht bloss sehr lücUenhalt, sondern auch vielfach unrichtig
ist, wie Ref. in der oben erwähnten zweiten Abhandlung, die denselben
tJegensland behandelt, zur Genüge gezeigt hat. (Herr Vogt scheint
freilich zu glauben, dass er durch absprechende Urtheile , durch Ver-
dächtigung, Hohn und Spott gegen seine wissenschaftlichen Gegner die
eigenen Inthümer und Fehler bemänteln könnte — auch gegen Uef. hat
Verf. dieses iManoeu\re in Anwendung gebracht — , allein nachgerade
weiss man zur Genüge, was man von solchen Reminiscenzen aus der
Paulskirche zu hallen hat.) Wie Ref. undGegenbaur (vgl. J. B.
XX. S. 449), so sah auch Verf. von dem gemeinschaftlichen Stamme
der Abvia die hinteren Anhangsgruppen sich ablösen und nach Art
der Eudoxien frei umherschwimmen. Er bestreitet demnach auch die
Essentiellität der sog. monogaslrischen Diphyiden, hat aber von die-
sen Geschöpfen eine so wenig vollständige Erkennlniss, dass er kein
Bedenken liägt, die Eudoxia campariula Lt. als den Jugendzuäland der
Galeolaria aurantiaca zu beschreiben. Von besonderem Interesse sind
die Beobachtungen über die Entwickelung der bei Velella statt der
sog. Geschlechtsorgane hervorknospenden Medusetfbrüt, die Verf. bis
zur Ablösung beobachten konnte. Die Vernfitithung, dass das Forskal*-
che Gen. Rataria zu Velella gehöre und den Jugendzustand dieser
der niederen Thiere während der J. 1854—1655. 419
Siphonophore darstelle, ist vollkommen begründet, wie Ref. durch eine
ganze Suite der schönsten Enlwickelungsformen, die er der Güte des
Herrn Prof. ßurmeistcr verdankt, bestimmt beweisen kann.
Die Arbeit des U e f . behandelt ausser den von Vogt beschrie-
benen Formen (von denen freilich die Physophora hydroslatica nicht
selbstsländig untersucht werden konnte) noch Agalma Sarsii Köll., Ag.
claratum n. sp. und Forshalia ophiura n. sp. Die Galeol. aurantiaca
Vgt. glaubt Verf. in der Physophora filiformis von Delle Chiaje und
die Praya diphyes in der Physalia cymbiformis desselben Forschers
wieder erkannt zu haben; er bezeichnet diese beiden Arten demnach
als Gal. Oliformis und Praya cymbiformis. Ebenso führt derselbe den
mittelmeerischen Hippopodius (H. neapolitanus Köll., H. luteus Vogt)
mit Rücksicht auf den ursprünglichen Forskal'schen Piamen als Hip-
popodius gleba auf. Der jedesmaligen Beschreibung ist eine kurze
Diagnose der Arten, so wie eine, den neueren Kenntnissen angepasste
Charakteristik der Genera und Familien vorausgeschickt. Solcher Fa-
milien unterscheidet Verf. drei: 1) Calycophoridae mit den Diphyiden
und Hippopodiiden , 2) Physophoridae und 3) Velellidae. Von einzel.
nen neuen Angaben heben wir hier nur die Beobachtung hervor,
dass der zweizeilige Schwimmkegel der Hippopodiiden an einer eige.
nen, von dem übrigen Körperslamme verschiedenen Achse befestigt
ist, so wie ferner die Bemerkungen über den Mechanismos der Kes-
selknöpfe (S. 19).
Was die Auffassung des Siphonophorenbaues im Allge-
meinen betrifft, so sind die Verff. der voranslehenden Ab-
handlungen wenigstens insofern derselben Ansicht , als sie
sich beide sehr entschieden [ür die Polyzootie der betreffenden
Geschöpfe aussprechen. (Auch Velella ist bei Herrn Vogt jetzt
plölzlich zu einem Thierstocke avancirt.) Herr Vogt behaup-
tet sogar, die polypenartig zusammengesetzte Natur der Si-
phonophoren zuerst entdeckt zu haben und beschuldigt Ref,,
dass er diese Ansicht von ihm entlehnt habe. Es scheint
übrigens, als wenn Herr Vogt bei solcher Behauptung zu-
nächst nur seine französischen Leser im Auge gehabt hat,
denn dem deutschen Publikum gegenüber ist es in der Wirk-
lichkeit doch etwas gar zu stark, wenn derselbe seine Rei-
sebilder „Ocean und Miltebneer*' zwei Jahre voraus dalirt,
um seine Priorilätsreclamalion zu begründen. (lieber die
geschichtliche Entwickelung dieser Ansicht vergl. J. ß. XX.
S.451.)
Von einem Polymorphismus, wie ihn Ref. noch in
420 Leuckart: Bericht üb. d. Leistungen in d. Naturgeschichte
oben erwähnter Abhandlung den Siphonophoren zuschreibt
(S. 121 ff.) und auch Gegenbaur im Wesentlichen jetzt an-
erkennt (zur Lehre vom Generationswechsel u. s. w. S. 49),
will aber Herr Vogt Nichts wissen; er erklärt die Annahme
desselben mit dürren Worten für Unsinn („ce serait choquer
le bon sens"). Nur die schwärmenden Geschlechtsanhänge
und die Taster (ausgenommen freilich bei Physophora, bei
denen Herr V. dieselben für Deckslücke aussiebt) sollen
neben den polypenförmigen Schluckmäulern individuelle Bil-
dungen repräsentiren — als wenn sich diese von den übrigen
sog. „Organen" des Siphonophorenkörpers in irgend einer
wesentlichen Weise unterschieden!
Auch Qualrefa gas spricht sich nach Beobachtungen
. an Physalia gegen die Zulässigkeit eines Polymorphismus aus.
Er nennt die Lehre des Ref. (ohne dieselbe aber, wie es
scheint, anders als aus dem Vogl'schen Verdammungsurtheile
zu kennen) eine „offenbare Ueberlreibung« und glaubt sogar,
dass man nicht einmal die zusammengesetzte Nalur der Si-
phonophoren mit zwingenden Gründen beweisen könne. Trotz-
dem erklärt derselbe schliesslich die sog. Saugröhren und die
Gesrhiechlsbläschen für Individuen (individus nourriciers et
proligercs) — streng genommen freilich eine Inconsequerlz,
da Verf. die physiologische Selbstständigkeit der Exislenz
zum Crilerium der Individualilät macht und nicht einmal die
Knospe einer Hydra vor ihrer vollständigen Entwickelung als
Individuum gelten lassen will.
Die eben erwähnte Abhandlung von 0 u a t r efra ges:
mem. sur I'organisation des Physalies ist in den Annal. des
sc. nat. 1854. II. p. 107— 142. PI. III u. IV (auszugsweise
auch l'Instil. 1854. No. 1072, Cpt. rend. T. XXXIX. p. 2)
publicirt.
Verf. überzeugte sich, wie Huxley (dessen Beobachtungen
unserem französischen Zootnmen unbekannt geblieben sind), dass der
Luftsack der PhysaÜen ^virkUch durch eine üefFnung nach aussen führt.
Er sah die Luft aus dieser üeffnung hervortreten , fand den Behälter
aber nichts desto weniger eine Viertelstunde späte!« wieder gefüllt und
schliesst aus dieser Beobachtung auf eine ziemlich regelmässige Ent-
leerung und Füllung zu respiratorischen Zwecken (? Ref.). Die Exi-
stenz besonderer geschlossenen „Tentakelbläschen'' wird in Abrede
der niederen Thiere während der J. 1854 — 1855. 421
gestellt; Verf. erklärt diese Gebilde für gewöhnliche Saugröhren (mit
RlundfTönung) und staltet auch die übrijren, echten Saugröhren mit einem
Tentakel aus. Leberwülste, wie sie Ol fers und U e f . im Innern der
sog. Saugröliren beschrieben haben, konnte Verf. nicht auffinden; da-
für aber erklärt er die zahlreichen kleinen Schläuche, die man früher
wohl für unentwickelte , einstweilen noch mundlose Saugröhren ge-
halten hatte, für frei nach Aussen herabhängende Leberschläuche.
(Ref. kann dem Verf. in allen diesen Behauptungen nicht Recht ge-
ben. Er hat sich durch nochmalige Untersuchungen auf das Be-
stimmteste überzeugt, dass die Tentakel niemals an der Basis
der Polypen stehen, sondern mit besonderen geschlossenen — freilich
sonst sehr polypenartigen — Schläuchen, den sog. Tenlakelbläschen,
zusammenhängen. Ebenso sind die Leberwülste im Innern der Poly-
pen ganz unverkennbar. Was die schembar unentwickelten Polypen
betrifft, so dürften diese, wie das von Ref. auch schon anderwärts
ausgesprochen ist, grossentheils mit den sog. Tastern der Physopho-
riden übereinstimmen.) Die gruppenförmig zusammenhängenden Ge-
nitalbläschen beschreibt Verf. — gleichfalls übereinstimmend mit
Huxley — als kleine medusenartige Glöckchen. Geschlechtsstoffe
konnten in denselben niemals aufgefunden werden; Verf. vermuthet,
dass sie sich vor der Geschlechtsreife abtrennen und zu wirklichen
Medusen entwickeln.
Polypi«
1. Calycozoa.
Metlenheimer beschreibt ein Lucernaria (n. sp.?) mit
acht gleich weil entfernten Armen, wie L. auricula, aber ohne
Randkörperchen (vielleicht L. campanulata Lam.) , die er in
Helgoland beobachtete. Abhandliing(?n der Senkenberg. Ge-
sellsch. V. S. 15. Tab. l. fig. 5—11.
Der innere Bau ist nicht ganz richtig erkannt. Die vier hob.
len, hier dunkelrothen Längsmuskeln mit den aufsitzenden Fäden
beschreibt Verf. als Ovarien, während er die wfrklichen Ovarien
(resp. Hoden), die in der Kopfscheibe gelegen sind, als Seitensäcke
der Älagenhöhle in Anspruch nimmt. Die Nesselkapseln werden für
Spermatozoen gehalten. (Es scheint, dass dem Verf. die älteren Be-
obachtungen von Sars n. A. unbekannt geblieben sind.)
Nachlräglich mögen hier auch noch die — im lelzlen
J. B. übersehenen — Beobachtungen R. Owen's über den
Bau von Lucernaria inauriculala n. sp. erwähnt sein, Rep. br.
Assoc. Birmingh. 1849. p. 78.
Die hohlen Längsmuskeln werden als Geffissc ia Aaspruch gc.
422 Lcuckart: Bericht üb. d. LeistuDgcn in d. Tfaturfeschichte
nommcn, die in der Mitte des Kusses , wie an den Enden der einzel-
nen Tentakel ausmündeten und eine körnige Flüssigkeit enthielten.
Die Generationsorgane sollen innen Samenkapseln, aussen aber Eier
einschliessen.
Stirn pson fand die Lucernaria quadricornis Müll, an der nord-
ameriUanischen (Synops. Inv. Gr. Man. p. 8), Gosse an der brilti-
schen Küste (Ann. nat. bist. XVI. p. 313).
3. Jkntliozoa«
Von anatomischen Untersuchungen erwähnen wir beson-
ders J. Heime, memoire sur le Cerianlhe. Ann. des sc.
H^at. 1854. L p. 341— 389. Tab. Vll u. VIII.
Eine vollständige , zoologisch . anatomische Beschreibung eines
sehr interessanten, mit Edwardsia nahe verwandten röhrenbewohnen-
den Polypen, aus der wir hier zunächst Folgendes hervorheben. Das
Gehäuse besteht ausschliesslich aus verfilzten Fadenzellen , die bei
unserem Thiere in reichlicher Menge und mit zahlreichen Verschie-
denheiten in Form und Grösse vorkommen. Herzen und Ganglien
konnten nicht aufgefunden werden. Ebenso wenig Gefässe. Dagegen
beobachtete Verf. sehr deutlich die auch von anderen Polypen be-
kannte CIrculation von körnigen Elementen in den Tentakeln und den
Seitentaschen der Leibeshöhle. Die Scheidewände zwischen diesen
Seitenlaschen sind zahlreich, aber nur kurz, so dass sie das Hinter-
leibsende nicht berühren. Der Magen ist unten weit offen und, wie
bei den Actinen, mit zwei Läogsfurcben versehen , die seitlich durch
ein Paar Falten begrenzt werden. Aber nur die eine dieser Längs-
furchen zeigt hier, bei Cerianthus, ihre volle Entwickelung. An die
beiden Seitenwfilste derselben schliessen sich nach hinten zwei ei-
genthümlich modificirte Scheidewände, die bis zu einer Oeffnung des
hinteren Leibesendes hinführen. Ueber die Bedeutung dieses merk,
würdigen Apparates ist Verf. in Zweifel geblieben. Die Mesenterial-
filamente sind hohle Röhren und sollen ein Secret liefern, das die
Verdauung unterstützt. Die Tentakel tragen vor ihrem Ende an der
inneren Fläche eine deutliche Oeffnung. Cerianthus ist ein Zwitter,
indem Eier und Samenkörperchen gleichzeitig neben einander an den
unteren Enden der Scheidewände bereitet werden. Sie entstehen in
Kapseln, wie bei den übrigen Anthozoen, aber männliche und weib-
liche Kapseln sind ohne alle Ordnung vertheilt. Eine eigentliche freie
Metamorphose fehlt, wie bei Actinia. Die Larven verweilen eine
längere Zeit in der Leibeshöhle und werden erst geboren, wenn sie
mit Mund und vier ungleich langen Tentakeln versehen sind, durch
deren Hülfe sie sich schwimmend umherbewegen. (Ref. hat schon
im vorigen J. B. S. 4G1 erwähnt, dass diese Larven von Busch un.
ter dem providorispheu Ifaiuen Dioathuj» &ol41i^ l^eschriebea si»d.)
der niederen Thiere während der J. 1854-^1855. 423
Die Entwickelung der Actinien wurde von Lacaze
Duthier und gleichzeilig von J. Haime untersucht, wel-
che beide in den Conipl. rend. T. 39. p. 434 u. 437 eine Ue-
bersicht ihrer Beobachluncren geben. (Uebersetzt in den Ann.
nat bist. XV. p. 7a c. XIV. p. 395.)
Der Embryo ist anfangs infusorienartig und mit Flimmerhaaren
versehen, die sich (nach Haime) auch noch eine Zeit lang an dem
bereits festsitzenden Thiere unterscheiden lassen. Mund und Leibes,
höhle entstehen durch Aushöhlung des Körperparenchyms. Die Bil-
dung der Scheidewände im Innern geht der Entwickelung der Ttnta-
kel voraus. Lacaze Duthier, der diese Vorgänge besonders ge.
nau untersuchte, beobachtete anfangs nur zwei solche Scheidewände,
die den Körper in ^wei ungleiche Hälfte theilten, sah diese Zahl aber
bald durch neue Theilung der Hälften auf 4 und 6 steigen. (Auch
Haime berichtet, dass zwei Scheidewände sich früher und stärker
als die übrigen entwickelten. Sie liegen nach seiner Darstellung ein.
ander gegenüber und entsprechen den beiden Commissuren der Mund.
Öffnung, so dass sich in diesem Verhältnisse eine förmliche seitliche
Symmetrie ausspricht.) Der Mund ist inzwischen etwas in die Länge
gezogen und mit seinen Winkeln nach der Mitte der beiden primiti-
ven Körperhälften gerichtet. Nachdem die Zahl der Scheidewände auf
12 gestiegen, tritt die Bildung der Tentakel auf, die gleich anfangs
in sechsfacher Anzahl hervorkommen. Ebenso die Mesenterialfäden.
Haime bestätigt die Existenz getrennter Geschlechter bei den
Actinien, giebt aber an, bei A. pedunculata bisweilen in einem weib-
lichen Thiere einzelne Spermatozoenkapseln gefunden zu haben und
umgekehrt in einem männlichen Thiere einzelne Eikapseln.
An diese letzte Angabe schliesst sich eine zweite Ab-
handlung von J. Hai m e an, Observations sur quelques points
de l'organisalion des Actinies, ibid. p. 595.
Die Beobachtungen betreffen die Poren gewisser Actinien, die
Warzen von A. coriacea, die für förmliche Saugnäpfe erklärt wer.
den, die blauen Pigmenlöecke an der Kopfscheibe von A. equina,
die Tentakel , Geschlechtsorgane und Mesenlerialülamente , und zwar
besonders das Verhältniss dieser Gebilde zu den verschiedenen Cyclen
der Scheidewände im Innern der Leibeshöhle. Der obere dickere
Theil der Mesenterialfilamente soll mit dem unteren gewundenen Ende
derselben in keinem unmittelbaren Zusammenhange stehen, auch einen
verschiedenen Bau haben. Die Actinien mit durchlöchertem Mantel
besitzen sogar noch eine dritte Art solcher Filamente, die nur mit
ihrem einen Ende den Scheidewänden aufsitzen , sonst aber frei in
der Leibeshöhle flottiren und leicht nach Aussen (durch Mund und
For«D) hervortreten.
424 Leuckartj Bericht üb. d. Leistungen in d. Katurgeschichte
Valenciennes giebt eine vorläufige Uebersicht ober
eine von ihm verfasste Monographie der Gorgoniden; Cpt.
rend. T. 41. p. 7 (Hnst. 1855. p. 239, Ann. riat. bist. T. XVI.
p. 177.)
Den zoologischen Theil dieser Arbeit werden wir weiter un-
ten besprechen ; einstweilen sei hier nur so viel erwähnt, dass Verf.
die Bildung der Kalkkörperchen und die Beschaffenheit des Achsen-
sUelets, zum Gegenstande besonderer delaillirter Untersuchungen ge-
macht hat. Letzteres ist in chemischer Beziehung ebenso wohl von
der gewöhnlichen Hornsubstanz, wie von dem Arthropodenchitin ver-
schieden und stellt eine eigene Substanz (Cornein) dar.
Von H ollard, der sich bekanntlich auch um die Anatomie
der Aclinien sehr verdient gemacht hat (vgl. J. B. XX. S. 456),
erhielten wir unter dem Titel : Eludes zoologiques sur le genre
Actinia eine vortreffliche Beschreibung mehrerer diesem Ge-
nus zugehöriger Arten mit einer Darstellung vom Baue der
Actinlen im Allgemeinen, ihrer Naturgeschichte und ihrer Ver-
wandtschaften. (Rev. et Mag. de Zool. 1854. p. 225, 285 u. 623.)
Wir entlehnen aus dieser Arbeit nachfolgende Uebersicht.
Genre Actinia. Animaux cylindraces, largement appuyes par
leur disque inferieur sur le sol inonde , deployant autour de la bou-
che de nombreux tentacules simples et tubuleux, coniques ou fusi-
formes, disposes sur plusieurs rangs au-dessus de chacun des ordres
de loges qui rayonnent entre le canal alimentaire et la region cylin.
drique du tronc. , Bouche ellipsoide , offrant ä chaque extremile de
son grand diametre un double bourrelet commissurial.
Sect. A. Especes ä cycles tentaculaires reguliers, ayant le par-
lie cylindracee du tronc munie de vesicules adhesives (Gen. Cri-
brina Ehrbg.).
Hieher die vom Verf. beschriebene A. senilis L. (A. holsatica
Müll., A. coriacea Cuv.) ; A. pedunculata Penn. (A. bellis EH.), A.
pentapetalata Pen. (A. dianthus EH.).
Sect. B. Especes ä cyles reguliers, ä peau depourvue de ve-
sicules adhesives.
Sp. A. equina L. (A. mesembryanthemum EH.).
Sect. C. Especes ä tentacules plus ou moins irregulißrement
distribues sur le disque qui les porte, ces appendices elant d'ailleurs
Ires longs et imparfaitement retractiles sous l'abri des parties supe-
rieures du corps (Genr. Anthaea Johnst., Anemonia Rissoj.
Sp. A. viridis L. (A. cereus Rapp., A. edulis Risse).
Go85e mdchte (Proc. Lina. Soc. IL p. 372, Ana. nat. hist. XVI.
der niederen Thiere während der J. 1854 — 1855. 425
p. 293) die Actinien über drei Genera vertheilen : Sagarlia , ßunodes
und Actinia (s. st.) und zwar nach folgenden Charakteren:
Sogar lia n. gen. Actiniae basi adhaerentes; tentaculis coni.
eis facile relractilibus ; sphaerulis marginalibus nullis. Corpus ever-
rucosum, filamenta capsulifera e poris emittens; filis urticantibus bre-
vibus, pilorum fasciculis dense armatis. Sp. britt. : A. viduata, Troglo-
dytes, Aurora, Candida, rosea, nivea, venusta, parasitica, bellis, dian-
thus, vielleicht auch A. aurantiaca und pulchella.
Bunodes n. gen. Actiniae sphaerulis marginalibus nullis;
corpus verrucosum ; oute coriacea; filamentis missilibus nullis; filis
urticantibus longis simplicibus; tentaculis plerumque crassis , conicis,
obtusis. Sp. britt.: A. gemmacea , thallia, clavata, crassicornis, monile
(crassicornis iuv. ?), Chrysoplenium ?, alba?, miniata?.
Actinia s. st. Sphaeru lae capsuliferae ad disci marginem
seriatae; corpus everrucosum , poris filamentisque missilibus destitu-
tum; cute laevi. Sp. britt.: A. mesembryanthemum , margaritifera,
Chiococca.
Jordan, some account of the Actiniadae found upon the Coast
near Teigumouth, Devon. Ann. nat. bist. XV. p. 27
enthält Beschreibungen von Act. mesembryanthemum, A. alba,
A. Troglodytes, A. aurantiaca n. sp. (bekanntlich hat schon Delle
Chiaje eine A. aurantiaca beschrieben Re f.), A. pulcherrima n.sp.?
(mit A. rosea Gosse verwandt); A. parasitica, A. clavata (var. rosa-
cea Gosse) ; A. coriacea ; A. dianthus ; A. Cereus.
Auch Gosse beschreibt diei neue brittische Actinien: A. au~
rora, A. venusta und A. thallia Ann. nat. bist. XIV. p. 280.
In Gay's bist. fis. de Chile VIII. p. 454 werden 16 Actinien
aufgeführt, unter denen 6 neue: A. capillatay A. ostraearum, A. tae-
niatOf A. annulata, A. cinerea und A. punctata»
An der Küste von Grand Manan fand Stimpson (Synopsis etc.
p. 7) unter 6 Actinien 3 neue : A. carneola (Tab. I. fig. l), A. ohlrun^
cata und A. sipunculoides , von denen die letztere durch eine sehr
schlanke Form und die geringe Entwickelung ihrer Sohle ausge-
zeichnet ist.
Weitere von Stimpson beschriebene Actinien sind:
Actinia radiata Japan; A. nigropunctata Ousima ; A. inornata
China; A. multicolor China; A. napensis Loo Choo , Cancrisocia
(n. gen.) expansa China ; Proc. Act. Phil. 1855. May. Die letzte Art
bildet eine, wie es Ref. scheint, mit Act. carciniopados nahe ver-
wandte Form , deren Genuscharaktere nach unserem Verf. folgender-
massen lauten : Tentacula simplicia elongata, omnlno retractilia. Basis
valde dilatata, pellicula oblonga, coriacea, separabili instructa. Haec
velamentum dorsale cancri (G. Dorippe) format.
426 Leucfcart: Bericht üb. d. Leistungen in d. Kati^rgeschichte
Coryaeles heterocera n. sp. , Thompson Ann. nat. hist. XV.
p. 314:
Gosse stellt ein mit Edwardsia nahe verwandtes neues Gen.
Peachia auf (Proc. Linn. Soc. II. p. 372, Ann. nat. hist XV. p. Q93
und charakterisirt dasselbe folgendermaassen : Corpus elongalum, suh-
cylindricum, pyriforme s. fusiforrae, ditrematum, liberum; tentaculis
paucis, brevibus (disci diamelrum haud superaplibus) , crassis conicis
uniseriatis; oviductu in tuherculura conicum desinenle.
Sp. n. P. haslata Gosse. Corpore roseo, lineis aequalibns pal-
lidis, tentaculis 12 albo.hyalinis , seriebus 2 paralU-lis macularum sa-
gillalarum, bruunearum nolalis, disco circulis duobus macularum brun-
nearum Y-formium cincto , oviductus papillis unmerosis aggregalis.
(Vielleicht gehört zu diesem Genus auch Actinia chrysanlhellvm
Peache.)
Edwardsia collaris n. sp. , E. brevicornis n. sp. , E. jlat.ala n.
sp , E. rubricollum n. sp., E. crelata n, sp. aus den Chinesischen Ge-
wässern, Stirn pson, Proc. Acad. Phil. 1855. May.
Das früher als neu .von Gosse aufgestellte Genus Scolacan.
thus soll nach den neueren Bemerkungen des Verf. (Ann. nat. hist.
XVI. p. 294) mit Edwardsia zusammenfallen, obwohl man nach Kör.
perform und Durchbohrung des hinleren Leibesendes — wie Uef.
auch schon im vorigen J. B. XX. S.464 hervorgehoben hat — eine
Identität mit Ceriaothus Delle Ch. vermuthen sollte.
Nach J. Haime bildet übrigens dieses Genus Cerianthus mit
Moschala Ren. (und llyanlhus torb.) den Typus einer eigenen von den
Actinien wohl zu unterscheidenden Familie, die 1. c. p. 351 und 388
folgendermaassen charakterisirt wird:
Fam. C erianthidae. Zoanthaires malacodermes simples, li-
bres, depourvus d'une cavile pedieuse contraclile, ayant les tentacules
simples, inseres les uns au pourlour du disque peristomien, les au.
tres pres du bori labial, et dont toutcs ou presque toutes les lames
meseuleroides ne se prolongent pas jusqu'au fond de la cavite vis-
cerale.
Genre Cerianthus Delle Ch. Coralliaire simple, habitent dans
un tube feutre et flexible, qu'il secrele ä la surface de sa peau.
Corps cylindroide, libre posterieurement , oü il presente une petite
Ouvertüre centrale. Tentacules marginaux simples similaires, cylin-
dro.coniques, adhesifs et non retractiles; la bouche entourqe d'ap.
pendices labiaux en meme nombre que les precedents, mais beaucoup
plus petits qu'eux.
Sp. C. membranaceus (Tubularia membranacea Gmel.) C. cornu-
copiae Delle Ch. Corps lisse, presentant une ou deux bandes latera.
les claireS} disque tentaculifere entoure d'une lique üoBceej tenlsftiU«
der niederen Thiere während der J. 1854-^1855. 427
leg Ir^a* nombreux, grßles , anneles. Long. 15—20 Centim. Hab.
Äliltelineer.
In die Nähe von Cerianthus gehört wahrscheinlicher Welse auch
die nordamerikanische Aclinia producta, Stimpson Proc. Bost. Soc.
V. p. 110, die im Schlamme lebt und ihren Körper bis auf 8 — 10 Zoll
verlängern kann, so wie die schon oben erwähnte A. sipunculoides
desselben Verf.
Anthelia lineata n. sp., Cornularia auranliaca n. sp., Alryonium
agaricum n. sp., Nephlhya coccinea n. sp., Veretillum clavalum n. sp.
aus den Chinesischen und Japanischen Gewässern beschrieben von
Stimpson 1. c.
Valenciennes theilt (vgl. Cpt. rend. T. 4l. p. 12) die Gruppe
der Gorgoniden nach der Beschaffenheit des Achsenskelets in zwei
Familien:
A. Farn, des Gorgonacees; Taxe ne faisant pas efTervescence
par l'action de Tacide chlorhydrique.
B. Fam. des Gorgonellacees; Taxe ou le sclerobase faisant
efFerveßcence dans l'acide chlorhydrique.
In der ersten Familie unterscheidet derselbe:
Gen, Gorgonia: les cellules des Polypes s'ouvrent sur un petit
tubercule du sclereqchyrae saillant sur la tige. Mit 15 Arten.
Gen. Plexaura: les cellules ouverles par un trou simple
perce sur le sclerenchyme, sans saillies ni levres. Älit 25 Arten.
Gen. E u n i c e a : les cellules en saillies tubuleuses sur le
sclerenchyme et ouvertes sous une sorte de levre plus ou moins con-
tractee. Mit 8 Arten.
Gen. Pterogorgia: Cellules en serie, ouvertes des deux cotes
d'une tige comprimee. Mit 4 Arten.
Gen. Phycogorgia: Sclerobase dilate en feuillets membraneux
semblables ä un fucus et couvert d'un sclerenchyme crible de pores
cellulaires. 1 Art.
Gen. Hymenogorgia: le sclerenchyme etale en lames folia-
cees sur un sclerobase ä tiges simples, rameuses , arrondies, greles,
non reunies. 1 Species.
Gen. Phyllog 0 rg ia: Sclerenchyme etale en expansions folia-
cees sur un sclerobase ä rameaux frequemment anastomoses. 2 Arten.
Gen. Rhipidigor gia: Sclerenchyme sur des branches ar-
rondies du sclerobase, formant, par leurs frequentes anastomoses un
reseau flabelliforme. Mit 8 Arten.
Zu der iweiteo Familie gehören die Genera:
lunceella: ä tiges droites en bagueltes, couvertes 4e cellu«
les polypiferes eparses sur le sclerobase. 6 Arten.
428 Leuckarl: Bericht üb. d. Leistungen in d. Naturgeschichte
Ctenocella: ie sclerobase s'allongeant en baguettes droites
et peclinees d'un seule cotc de la tige principale. l Art.
Gorgonella: Ie sclerobase ramifie en fines branches rameu-
ses et Ires divisees. 5 Arten.
Die Arten sind namentlich aufgeführt, aber nicht näher charak-
terisirt. Unter ihnen viele nn. sp.
Poriferae.
S chä ff er liefert einige Bemerkungen über Spongilla
fluvialilis in den Verb, des nat. Vereins der pr. Rheinl. 1855.
S. 49. Die Spongilla wird für eine Colonie einzelliger Algen
erklär!, die in ein Netzwerk von lüeselnadeln eingebettet sei.
Ehrenberg scheint die Sarkode der Spongien für
Amöben zu halten, die „nur parasitisch in abgestorbenen
Spongillen- Schwämmen, wie Fliegenmaden in Pilzen, oder
wie Cercarien in Schnecken , Schlupfwespenlarven in Raupen,
massenhaft vorkommen." Berl, Jahresber. 1855. S. 273.
Carter entdeckt die Spermalozoen von Spongilla^ Ann.
nat. bist. XIV. p. 334. Tab. XI.
Telhyum pyriforme n. sp. , Gay bist, de Chile VIII. p. 472.
Protozoa.
Ehrenberg veröffentlicht die ausführlichen Resultate
seiner Untersuchungen „über das organische Leben des Mee-
resgrundes bis in 10,800 und 12,000 Fuss Tiefe.« Berl. Mo-
natsber. 1854. S. 54—75.
Die untersuchten Grundproben enthielten : (42 Polygastern ,)
40 Polycystinen und 19 Polylhalamien , von denen (10 Polygastern,)
17 Polycystinen und 9 Polythalamien neu waren. Die Schalen zeigten
einen unversehrten organischen Inhalt, der sich zum Theil nach Auf-
lösung der äusseren Hülle isolirt darstellen liess; ein Umstand, der
unseren Verf. zu dem Schlüsse berechtigt, dass die betreffenden Ge-
schöpfe wirklich an Ort und Stelle gelebt haben.
^Weitere Ermittelungen über das Leben in grossen Tie-
fen des Oceans« (Ebendas. S. 305—328) geben eine üeber-
sicht über die von Ehrenberg in Grundproben des Aegei-
schen Meeres (bis 1380 Fuss Tiefe) aufgefundenen Thier-
reste.
der nlederea Thiere während des J. 1854—1855. 429
In einer drillen hieher gehörigen Abhandlung (ebendas.
1855. S. 175) wird „über den Meeresgrund aus 12,900 Fuss
Tiefe« berichlet.
Was unser Verf. in den voranslehenden Arbeiten mit-
theill, bildet ein Glied aus der Kelle jener umfangreichen Un-
tersuchungen über das Fnikroskopische Leben, diß unseren
Verf. schon seit länger als einem Decennium beschälligen und
in dem inzwischen erschienenen Prachlwerke: „Älicrogeologie;
das Erden und Felsen schafTende Wirken des unsichtbar klei-
nen selbslsländigen Lebens auf der Erde« (Leipzig 1854 mit
41 Kupferlafeln in gr. Folio) einen vorläufigen Abschluss ge-
funden haben. Verf. bezeichnet dieses Werk selbst als einen
„zweiten , praktischen« Theil seines berühmten Buches über
die Organisation der Infusorien und in der Thal darf es sich
demselben in jeder Beziehung als ein würdiges Seitenstück
anschliessen. Wie uns in jenem Werke zum ersten Male die
ganze unermessliche Fülle der mikroskopischen Formenwelt
entgegentrat, so zeigt uns die „Microgeologie« in plastischen
Zügen die unermessliche Entfaltung des mikroskopische» Le-
bens und seine Bedeutung für die mannichfachsten atmosphä-
rischen und tellurischen Erscheinungen. In ihren Resultaten
grossartig, sind die Untersuchungen unseres Verf. im Ein-
zelnen nicht minder klassisch zu nennen.
Cohn's Aufsatz über „die mikroskopische Well« im
elften Bande der „Gegenwart« 1855. S. 706-811 ist eine im
besten Sinne populäre Darstellung unseser heutigen Kenntnisse
über die mikroskopischen, pflanzlichen und thierischen Or-
ganismen, in welchen nicht bloss deren Bau, Entwickelung
und Lebensweise , sondern auch deren Beziehungen zu dem
Erdkörper und seinen Bewohnern in einer ebenso anziehen-
den, wie belehrenden Weise behandelt werden.
Schneider's „Beiträge zur Naturgeschichte der Infu-
sorien« in Müller's Arch. 1854. S. 191 ff. (auch lateinisch;
Syinbolae ad infusoriorum bist. nat. Dissert. inaug. Berol. 1854
so wie ins Englische übers. Ann. nat. bist. XIV. p. 311) ent-
halten Beobaclilungen über Polyloma uvella und Dilflugia
enchelys und werden weiter unten noch besonders von uns
angezogen werden.
430 Leuckart: Berklit fib. d. Lei^rungen iu d. Nalnrgeschichte
Die „Uniersuchunoren über die Entwickelungsgeschichte
der mikroskopischen Algen und Pilze« von Cohn (Nov. Act.
Acad. C. L. Vol. XXIV. P. I. 1854. S. I01-25b> bewegen
sich auf dem Grenzgebiete des thierischen und pflanzlichen
Lebens und verdienen die volle Aulmerksanjkeil auch der
Zoologen. Wir werden später, bei den Flagellalen, mehr-
fach Gelegenheit finden, auf diese wichtige Arbeil zurück-
zukommen.
Durch die Beobachtungen und Experimente von Mor-
ren (de l'absorption de l'azole par les animalcules et les
algues, Cpl. rend. T. 38. p. 932) ist das interessante Faktum
festgestellt, dass die Infusorien (Verf. nennt die Monadinen,
Cyplomonadinen, Asiasiaeen und Enchelysarten) ebensowohl
slickslolThallige Substanzen aus dem Wasser absorbiren, als
auch im Sonnenscheine Sauerstoff ausscheiden. So lange den-
selben stickstoffhaltige Substanzen (thierische Stoffe, auch ge-
wisse Ammoniaksaize) in hinreichender Menge geboten wer-
den, bleiben sie beweglich, während sie im anderen Falle iu
einen Ruhezustand verfallen, in dem sie allerdings gleich-
falls noch eine stickstoffhaltige Nahrung bedürfen, gleichzei-
tig aber auch nach gewöhnlicher Pllanzen-Arl mehr Kohlen-
säure aufnehmen.
1« Infusoria*
Wie wir bereits in dem vorjährigen Berichte erwähnten,
hat Stein seine Beobachtungen und Entdeckungen über In-
fusorien inzwischen in einem selbstständigen Werke „die In-
fusionslhiere, auf ihre Entwickelungsgeschichte untersucht",
Leipzig 1854 (in Quart 265 S. Vi Kuplertafeln) niedergelegt.
Der l^auplinhalt dieses wichtigen Werkes besteht aus den schon
früher hervorgehobenen Untersuchungen über die zu der Gruppe der
Vorlicellinen und Acineten gehörenden ThierFormen , die hier von
Neuem ausluhrlich dargelegt und mit zahlreichen weiteren Beobach-
tungen (Trichodina, Ophrydium u.a.) bereichert sind. Dazu kommen
dann ferner noch Untersuchungen über Colpoda cucullus, Chilodon
cucullus , Opalina, Paramaecium bursaria (Loxodes) , Wassula ambiqua
und Glaucoma scintillans, sowie über Volvox und Chlorogonium eu.
chlorum, überall mit besonderer Berücksichtigung der Entwickelungs-
rerhältnisse.
Bei der Darstellung seiner Untersuchungen hat Verf. den hi^to«
der ttiedereti Thiere während der J. 1854—1855. 431
Tischen Weg eingeschlagen; wir halten im Interesse des Lesers und
auch des Werkes eine mehr systematische Anordnung gewünscht, bei
der die allgemeineren Uesullate mehr hervorgetreten wären und der
Leser nicht genölhigt würde, den Verf. auf allen den Kreuz- und
Querwegrn zu begleiten , die doch einmal eine jede Untersuchung
zurücklegen muss, bevor sie an ihrem Ziele anlangt.
Eine grosse Uolle in dem vorliegenden Werke spielt die sog.
Acinetenlheorie, nach der die Acineten, wie bekannt (J. B. XXL
S. Ö8), als Äletamorphosenslufen in den Enlwickelungskreis der Vor-
ticellinen gehören sollen. Verf. beschreibt zahlreiche neue, zum Theil
höchst interessante Formen von Acineten, sucht diese beständig auf
bestimmte Vorticellinen zurückzuführen, hat aber niemals auf direktem
Wege, weder die Umwandlung von Vorticellinen in Acineten, noch
das Auswachsen der von den letzten stammenden Schwärmspröss.
Imge in Vorticellinen beobachtet.
Bei Colpoda und Glaucoma sah Verf. nach der Einkapselung
ein Zerfallen in zwei und mehr (Colpoda) Theilsprösslinge , die sich
bisweilen (Colpoda) noch in ihrer 31utlercyste von neuem einkapsel-
ten. Chilodon producirt dagegen im encystirten Zustande einen
Schwärmsprössling, der sich unter Theilnahme (durch Äletamorphose?)
des Kerns bildet, wie das auch nach unserem Verf. bei Loxodes der Fall
ist. In Betreff der Cystenwand hebt Verf. hervor, dass dieselbe nach
ihren Reaktionen entweder Cellulose oder doch ein der Cellulose
nahe verwandter Stoff zu sein scheine.
Wir bedauren uns hier auf diese wenigen Notizen beschränken
zu müssen, die kaum im Stande sind, einen Ueberblick über die rei-
che Fülle neuer Ihatsachen zu bieten, die in jedem Abschnitte dieses
Wichtigen Werkes uns enlgegentieten. Was in d^scriptiv zoologischer
Beziehung hier noch hervorzuheben wäre, soll später in dem syste-
matischen Theile unseres Berichtes angegeben werden.
Ausser Stein hat sich in neuerer Zeit besonders Lach-
mann mit den Infusionslhierchen abg-pgeben. Wir erhielkn
von demselben eine sehr ausgezeichnete liiauguraldisserlalion;
de infusoriorum imprimis vorlicellinorum slructura. ßerol. 1855
(ülverselzt und mit manchen wichtigen Zusätzen berfichert in
Älüller's Arch. I85ö. S. 340 3.^9. Taf. XIII, XIV), deren
reicher Inhalt uns den Verf. als einen ebenso fleissigen, wie
genauen Beobachter kennen lehrt.
Verf. bestreitet (und gewiss mit Recht) die Lehre von <!er Ern-
zelligkeit der Infusionsthierchen ; er vindicirt denselben eine ziemlich
zusammengesetzte Struktur, deren vollständige Analyse b«i der Ua-
432 Leuckart: Bericht üb. d. Leistungen in d. Naturgeschichte
zulänglichkeit unserer optischen Hülfsmitlel dermalen aber noch nicht
möglich sei. Die Centralmasse des Inlusorienkörpers besteht nach der
Darstellung unseres \erf. aus einer weilen , mit Chylus und Nah-
rungssloffen erfüllten Leibeshöhle, in die vom Munde aus meist, wie
bei den Polypen, ein kurzes iiohr (Oesophagus) herabhängt. (Nur
bei Trachelius Ovum setzt sich dieses Rohr wirklich, wie schon Eh-
renberg behauptete, in einen baumartig verzweigten Darmkanal fort.)
Ein After lionnte überall nachgewiesen werden, doch bietet die Lage
desselben vieleVerschiedenheiten. Derselbe findet sich bei denVorticellen
z. B. in der weiten sog. Pharyngialhöhle (vestibulum) neben dem Munde,
bei anderen Arten am hinleren Körperende u. s. w. Der Inhalt der
Leibeshöhle zeigt bei allen Arten eine continuirliche Rotation, wie
das von Loxodes längst bekannt ist. Auch bei einer Anzahl Mona,
dinen und Cryptomonadinen wurde eine Nahrungsaufnahme beobach-
tet, wie denn Verf. auch kein Bedenken trägt, diese und andere der-
artige mit contraktiler Blase versehenen Geschöpfe (auch Euglena,
bei der Verf. diese Blase gleichfalls auffand) für Thiere zu halten.
Bei den Actineten fungiren nach der Entdeckung Lachmann's — und
Ref. kann dasselbe bestätigen — die Strahlen als Saugröhren, durch
deren Endöffnung der Körperinhalt der gefangenen Thierchen in die
Yerdauungshöhle hinüberlrilt. Was den Slrudelapparat der Vorlicel-
linen betrifft, so besteht dieser überall aus einer spiraligen Doppel-
reihe von blimmerhaaren , deren Anordnung von früheren Beobach-
tern, auch von Stein, nur unvollkommen erkannt worden. Mit der
conlractilen Blase sah Verf. bei mehreren Arten , bes. Stentoren , ein
ziemlich complicirtes Gefässsystem im Zusammt^nhange; er hält diesen
Apparat für allgemein verbreitet und erklärt den Inhalt derselben tür
eine Blulflüssigkeit. Die Bildung der Schwärmsprösslinge geht überall
nach unserem Verf. im Innern des Nucleus oder eines Nucleusstückes
vor sich und keineswegs auf die von Stein beschriebene Weise.
Dass diese Sprösslinge von ihren Multerthieren meist verschieden aus-
sehen, ist bereits bekannt, aber neu und wichtig zur Beuilheilung der
Stein'schen Actinelentheorie ist die Ihalsachc, dass die Schwärm-
sprösslinge der Acineten wieder zu Acineten und nicht etwa zu Vor-
ticellinen auswachsen.
Dasselbe beobachtet auch Cienkowsky, note sur la theorie
des Acinetes de Mr. Stein, Bull. phys. math.de l'Acad. St. Fetersbg
Wo. 307. T. XllL p. 297. Cum tab.
V. Siebold liefert durch Publikation eines Auszugs ^us
Guanzali's Osserval. e sperienze inlorno ad un prodigioso
animalaccio delle infusioni (Opuscoii soelti T. XIX. I7i6.
p. 3 — 21) den Nachweis, dass dieser Forscher schon Ende
des vergangenen Jahrhunderts die Einkapselung eines Infu-
der niederen Thiere während der J. 1854—1855. 433
sionslhierchens , Proteus (Amphileptus rnoniliger) sehr genau
beobachtet habe. Zeitschrift für wiss. Zool. VI. S. 432.
Bei (lieser Gelegenheit möchte Ref. auch auf Göze's
Beobachtungen über „Infusionslhiermülter" (Anhang zu Bon-
net's Abhandl. aus der Insektologie 1774. S.417) hinweisen,
die noch älter sind und in gleicher Weise zeigen, dass den
früheren Forschern auch die Bildung von Schvvärnisprösslin-
gen nicht gänzlich entgangen ist.
Cienkowsky, über Cystenbildung bei Infusorien, Zeit-
schrift für wiss. Zool. VI. S. 301. Taf. X u. XI. (Bull. Acad.
St. Petersbg. 1855. p. 301. Anni.)
Verf. beobachtete den Einkapselungsprocess fast bei allen von
ihm untersuchten Infusorien , sobald er dieselben für einige Zeit in
einer mit Wasserdunst geschwängerten Athmosphäre absperrte. (Auf
ähnliche Weise hat auch Ref. die Einkapselung künstlich hervorru-
fen können. Vgl. J. B. XXI. S. 92.) Bei Wassula (deren Arten : N. or-
nata , viridis, aurea nach Verf. nur verschiedene Altersstufen reprä-
sentiren) zerfällt der Inhalt der Cyste in mehrere rundliche Kugefn
oder Zellen (Sporen Verf.), in denen — wie das Stein auch bei Vor-
ticella microstoma gesehen hat, J. B.^XXI. S. 88 — zahllose kleine
monadenartige Gebilde ihren Ursprung nehmen. Das Ausschwärmen
derselben geschieht mittelst schlauchartiger Auswüchse , die von den
Sporen aus die Cystenwand durchbrechen. Auch in der Cyste von
Stylonychia pustulata u. a. sah Verf. mehrere rotirende Kugeln ent-
stehen. In anderen sehr ähnlichen Cysten beobachtete er Trictioda
lynceus, die nach der Vermuthung unseres Verf. wohl die Jugend-
form verschiedener Stylonychien und Oxytrichen darstellen dürfte.
Auch Schneider liefert einige Angaben über den Encysti-
rungsprocess bei Infusorien, Stylonychia pustulata, Euplotes Charon,
Pontotrichum lagenella. MüUer's Arcb. 1854. S. 200.
A 1 1 m a n n , on the structure of ßursaria. Report br.
Assoc. (held 1853) 1854. p. 65.
Ohne etwas Neues von Bedeutung beizubringen , entscheidet
sich Verf. nach seinen Beobachtungen an Bursaria für die Einzellig-
keit der Infusionsthiere. Auch macht derselbe einige Angaben , die
darauf hindeuten, dass er — ohne, wie es scheint, von den Unter-
suchungen S te in's zu wissen — die Geburt von Schwärmsprösslingen
beobachtet habe.
In einer zweiten Abhandlung über Bursaria Icucas (Rep.
br. Assoc. 1855. p. 105 , Quarterly Journ. inicr. Soc. 1855.
No. XI. p. 177) wiederholt Allmann die — früher schon
Archiv C Naturgesch. XXII. Johrf . 2. Bd. CC
434 Leuckart: Bericht üb. d. Leistungen in d. Naturgeschichte
von 0. Schmidt, J. B. XXI. S. 93, gemachte und seither
auch von Anderen wie z.B. Lachmann bestätigte — Ent-
deckung von der Anwesenheit von Angelorganen bei Infuso-
rien. (Die Angabe , dass diese Angelorgane bei Zusatz von
Essigsäure u. s. w. ihre Fäden nach Aussen hervorschnellen,
ist nach den Beobachtungen des Ref. unschwer zu bestätigen.)
Busch veröffentlicht einige „Beiträge zur Anatomie
von Trichodina ,« Müller's Arch. 1855. S. 357. Taf. XIV. A.
und beschreibt dabei die von Lach mann (s. o.) für alle
Vorticellinen nachgewiesene spiralige Bildung des Strudel-
apparates. In einigen Exemplaren wurde statt des bandar-
tigen Nucleus ein rundlicher, mit Körnern erfüllter Schlauch
gefunden.
Auch Davaine beschreibt den vorderen Wimperkranz
von Trichodina als eine Spirallinie und zwar nach Exempla-
ren, die er in der Harnblase von Tritonen auffand. Cpt. rend
Soc. biol. 1854. L p. 170.
Das Vorkommen von Trichodinen in der Harnblase nack-
ter Amphibien ist auch von Gros beobachtet, dessen Torqua-
tina nichts, als dieses Infusorium ist. In der neuen, schon
oben erwähnten Abhandlung dieses Forschers (Bull. Soc. im-
per. de Moscou 1855. p. 204—247. Tab. 1 u. II) wird aus-
führlich dargestellt , wie sich dasselbe aus den Epithelial-
Zellen der Harnblase entwickle und nach einiger Zeit sodann
in eine Opaline verwandeln. (Auch Stein denkt übrigens
an einen genetischen Zusammenhang zwischen den Tricho-
dinen und Opalinen, Infusionsthiere S. 178.) Dass letztere
nach unserem Verf. aber auch gelegentlich aus Trematoden-
eier ausschlüpfen und durch Einkapselung schliesslich in die
sog. Trichinen des Frosohdarms übergehen sollen , ist schon
oben (S. 355) von uns hervorgehoben.
" lieber den Bau der neuerlich so vielfach untersuchten
Noctiluca miliaris erhielten wir eine Abhandlung von Hux-
ley (Quarterly Journ. Micr. Soc. 1854. p. 49. C. tab,) und
Webb (Ibid. 1855. p. 102).
Ersterer entdeckte bei unserem Thiere eine hornige Mundbe-
waffnung in Gestalt einer gezähnelten Platte. Die Existenz von Va-
cuolen wird in Abrede gestellt; Verf. glaubt sich von der Anwesen-
der niederen Thiere während der J. 1854 — 1855. 435
heit eines scharf begrenzten Darmapparates hinter der MundöfTnung über-
zeugt zu haben und beschreibt auch eine besondere unter dem Munde
gelegene Afteröffnung. Die passendste Stellung von.Noctiluca ist
nach H. nicht bei den Rhizopoden, sondern unter den Infusorien, wo
es freilich eine besondere Familie ausmache.
Webb bestätigt die Anwesenheit einer hornigen Mundbewaff-
nung, beschreibt diese aber als einen konischen Zapfen, der sich von
Zeit zu Zeit aufrichte und gegen die Mundöffnung einschlage. Er be-
stätigt auch die Anwesenheit eines förmlichen Darmkanals und be-
schreibt an demselben zahlreiche Aussackungen, die nach ihrer Fül-
lung eine verschiedene Grösse und Lage besitzen und früher wohl
für Vacuolen gehalten wurden. Die Fasern, die den Körper der Wo-
ctilucen nach allen Richtungen durchziehen, sollen sich an derAus-
senfläche dieser Aussackungen festsetzen.
M ettenheim er's kurze Beschreibung von Noctiluca
miliaris (Abhandl. der Senkenberg. Gesellsch. 1. S. 13) ent-
hält eben nichts Neues.
J. Müller macht auf die Existenz von leuchtenden Kör-
perchen aufmerksam , die ganz das Ansehen einer encyslir-
ten (geissellosen) Nocliluca haben und in dem Mltlelmeere
häufig statt der gewöhnlichen Noclilucen vorkommen. Berl.
Monatsber. 1855. S. 245. Anm.
Weisse liefert „eine infusorielle Selbstbeurtheilung" (Zeit-
schrift für wiss. Zool. Vil. S. 340) und bemerkt darin bezüglich der
von ihm als neu beschriebenen Infusorien, dass Epistylis virgaria W.
wahrscheinlich nur den Jugendzustand von Ep. anastatica darstellte,
dass Actinophrys ovata W. wohl nur als veränderte Form von A. Sol
zu betrachten sei, dass endlich Acinela cothurnala W. = A. diadenja
St., Orcula trochus W. = Acineta Vort. microstomatis St., Cyclidium
lineatum W. = Coccudina crystallina Perty. Syringogyra viridis W.
ist eine Alge (Spirulina) und Conchularia paradoxa W. ein eben aus
dem Winterei hervortretender Embryo von Alcyonella.
Für die Gen. Epistylis und Opercularia ist nach Stein nicht
Anwesenheit von einerlei oder zweierlei Individuen charakteristisch,
wie Ehrnberg wollte, sondern der Umstand, ob das Peristom mit
Wimpern besetzt ist oder derselben entbehrt. (Infusionsthiere S.Sff.)
Nach diesem Criterium ist Ehr en b er g's Epistylis berberina dem Gen.
Opercularia zu überweisen (S. 99).
Ebenso unterscheiden sich die Gen. Carchesium und Zoolham-
nium nur dadurch, dass bei ersterem jeder Stiel mit besonderem Mus-
kel beginnt, während bei letzterem alle Stielmuskeln zu einem ge-
meinschaftlichen Systeme zusammenhängen. (Stein ebendas. S. b2.)
436 Leuckart: Bericht üb. d. Leistungen in d. Naturgeschichte
Von neuen Arten erwähnen wir zunächst nachträglich noch
Epistylis pusilla, Schmarda Denkschriften der K. Akad. zu Wien I.
Sodann :
Epishjlis crassicollis .vom Flusskrebs, Stein a. a. 0. S. 233.
Opercularia slenostoma auf Wasserschnecken, Stein a. a. 0.
S. 74; Op. vncrosloma auf dem Flusskrebse, Stein ebendas. S. 232 ;
Op. Lichtensteinii auf Wasserkäfern, Stein ebendas. S. 225.
Carchesium pinnatifidum aus dem Mitlelmeere , J. Müll er Berl.
Monatsber. 1855. S. 252. Anm.
Zoolhamnium parasila auf Ephemerenlarven (Carchesium pyg-
maeum Ehrbg. ?}, Stein a. a. 0. S.85; Z. affine auf Gammarusarten
des Süsswassers und der Ostsee (Z. arbuscula Ehrbg. ?j Stein ebendas.
S. 218.
Spirochona Scheulenii auf Gammarus aus dem Brakwasser von
Amsterdam, Stein a. a. 0. S. 216.
Cothurnia Sieboldii, C. Astacif C. curva, alle drei auf dem Fluss-
krebse, Stein a. a. 0. S. 229 ff. C. (?) perlepida , Bailey Smith-
son. Contrib. Yll. wird nur nach der Form und Beschaffenheit des
Panzers charakterisirt.
Scyphidia physarum n. sp. , Lachmann de infus, struct. p. 22.
Adnot. (Müilerls Arch. 1856. S. 348. Anm.) Ebendas. auch Beschrei-
bung der Vorticella (Scyphidia) limacina 0. Fr. Müll, und Bemerkun-
gen über die Dujardin'schen Arten des Gen. Scyphidia.
Vaginicola grandis Ferty ist nach Stein kaum von V. crystal-
lina verschieden (a. a. 0. S. 38).
Lachmann entdeckt ein Paar Stentorinen, bei denen der vor-
dere mit, der Wimperspirale ( und After ) versehene Körpertheil in
einem stabförmigen Fortsatz ausgewachsen ist und bildet daraus das
Gen. Chaetospira. Hieher als Arten CA. MüUeri und CA. muci^
colüf beide aus dem Thiergarten bei Berlin. Aehnliche Formen be-
obachtete Verf. auch an der Norwegenschen Küste (Vorticella ampuUa
0. Fr. Füll.) Müller's Arch. a. a. 0. S. 364, 366.
In die Nähe dieser Thiere gehört auch vielleicht das Gen. Tin-
tinnus Ehrbg. , das wegen der vollständigen Bewimperung und der
Bildung des Verdauungsapparates mit den Vorticellinen nicht länger
vereinigt bleiben kann. Vgl. Lachmann ebendas. S. 349. Anm.
Nassula ambigua n. sp.. Stein a. a. 0. S. 248.
Bursaria blallarum n. sp. aus dem Darmkanal der Schabe, Stein
a. a. 0. S.42. Anm.
Opalina lumbricif Stein (^Leucophrys striata und L. nodulata Duj.)
a. a. 0. S. 185; 0. armata n. sp. ebendas.
Cyclidium giaucoma Ehrbg. (Enchelys Duj.) ist nach Stein
der niederen Thiere während der J. 1854—1855. 437
keine selbstständige Infusorienarl, sondern der Schwärmsprössling von
Chilodon. A. a. 0. S. 135.
Leydig beobachtete auf der Haut des grünen Armpolypen ein
kleines (0,004'") sehr bewegliches Infusorium mit rundlichem , vorn
leicht abgeschnittenem Körper und zartem Stiele. Müller's Arch. 1854.
S.271. Anm.
Die von Stein entdeckten neuen Acineten sind ohne systema-
tische Namen geblieben. Wir müssen für dieselben auf das üriginal-
werk selbst verweisen.
Fla^ellata. Colin überzeugt sich von der Richtig-
keit der Ehrenberg'schen Angabe , dass viele, selbst sehr
kleine Monadinen, wenn sie längere Zeit in gefärblein Was-
ser cullivirt werden , Indigopartikeln aufnehmen — ähnliche
Beobachtungen macht Lachmann, s. oben S. 432 — ; er
glaubt desshalb, dass eine Anzahl der Ehrenberg'schen Mo-
nadinen immerhin als Thiere zu betrachten seien, obwohl er
andererseits wieder zugiebl, dass dieselben in Bau, Bewe-
gung und Entwickelung von gewissen Pilzschwärmsporen
nicht zu unterscheiden seien. Entwickelungsgesch. der mikr.
Pilzen und Algen a. a. 0. S. 162.
Schneider beschreibt in den „Beiträgen zur Naturge-
schichte der Infusorien« (Müller's Arch. 1854. S. 191) den
Bau und die Entwickelungsgeschichte von Polytoma uvella
Ehrbg.
P. besitzt im Innern ihres weichen, von einer dünnen Zellhaut
umgebenen Körperparenchyms einen Kern mit Kernkörperchen, zwei
contractile Yacuolen und zahlreiche amylonartige Körnciien, die aller
Wahrscheinlichkeit nach am Orte ihrer Ablagerung entstanden sind
und gelegentlich in einen blauen oder grünen Farbestoff übergehen.
Die Forlpflanzung geschieht (wie bei Chlorogonium) durch Theilung
innerhalb der Zellhülle, wobei in der Regel vier Schwärmsprösslinge
gebildet werden. Ausser dem Schwärmzustande besitzt unser Geschöpf,
das Verf. wegen der Beschaffenheit der Hüllhaut (Abwesenheit von
Cellulose) und Anwesenheit der contraktilen Vacuolen für ein Thier
hält, einen Ruhezustand , aus dem es nach vorhergegangenem Auf-
trocknen durch Erregung einer Fäulniss wieder erweckt werden kann,
üeber die chemische Beschaffenheit der Cystenwand wird Nichts mit-
getheilt.
Nach Cohn's Untersuchungen ist Polytoma uvella dem Gen.
Chlamydomonas einzureihen und von den übrigen Volvocinen nur
durch Farblosigkeit und Aufenthalt in faulendem Wasser ausgezeichnet.
Kntwicklungsgesch. u. s. w. S. 137.
438 Leuckart: Bericht üb. d. Leistungen in d. Naturgeschichte
lieber Bau und Entwickelung von Gonium pectorale und
die Volvocinen im Allgemeinen vgl. Cohn a. n. 0. S. 163 ff.
Der Entwickelungsgang von Gonium ist im Wesentlichen der-
selbe, wie bei den übrigen Volvocinen, ein Wechel von ruhenden und
beweglichen Zuständen. In letzterem Zustande besitzt Gonium auch,
wie von Volvox schon in unserem vorjährigen Berichte erwähnt wurde
(XXI. S. 100), eine contraktile Blase, deren Anwesenheit nach unse-
rem Verf. aber noch kein hinreichender Beweis für die thierische
Natur der Volvocinen ist.
Auch Stein beobachtet die ruhenden Zustände von Volvox und
glaubt in diesem Geschlechte eine zweite Art, V. minor, unterschei-
den zu können. Infusionsthiere S. 42.
Derselbe bestätigt die Beobachtungen von Weisse
über die Brulbilduug bei Chlorogonium euchlorum. Ebendas.
S. 188.
Die Untersuchungen W eis se's über den Lebenslauf der
Euglenen sind schon im vorjährigen Berichte XXI S. 101 er-
wähnt worden.
Nach den Untersuchungen von Angslröm (Öfvers. af
Kongl. Vetensk. Akad. Förh. 1853. p. 246 und Poggendorf's
Annalen 1854. S. 475) verhält sich der grüne FarbestofF der
Euglenen (und Spongien) in Bezug auf das Lichtspectrum,
das demselben entspricht, genau wie das Chlorophyll der Al-
gen und abweichend von dem der Phanerogamen.
Henfrey glaubt sich davon überzeugt zu haben, dass
der sog. „rothe Augenfleck" gewisser Infusorien und Schwärm-
sporen nur eine optische Erscheinung sei und bei genauer
Einstellung des Focus als farbloses Körnchen erscheine. Ann.
nat. bist. Vol. XIV. p. 232. (Proc. Linn. Soc. 1853.)
Cohn beschreibt die merkwürdige pilzartige Anlhophysa
Mülleri Bory (Volvox vegetans Müll., Epistylis? vegetans
Ehrbg. , Stereonema Kützing) und deren Köpfchen, die aus
einer grösseren Zahl von Monaden- oder Cercomonaden-ähn-
lichen Geschöpfen zusammengesetzt werden, wie das früher
schon Dujardin beobachtet hatte. Die losgelösten Köpfchen
bewegen sich mittelst ihrer Geissein und sind sehr wahr-
scheinlich = Uvella uva Ehrbg. Entwickelung der mikr. Al-
gen und Pilze S. 110 ff.
Uvella bodo gehört nach der Mehrzahl ihrer Geissein zu dem
Gen. Fbacelomonas. Stein a. a. 0. S. 191.
der niederen Thiere während der J. 1854—1855. 439
Nach den Unlersuclningen von Kölliker und Scan-
zoni ist Donne's Trichomonas vaginalis keinesweges eine
abgestossene und veränderte Flimmerzelle , wie man bisher
gewöhnlich annahm , sondern wirklich ein selbslständiges
Wesen.
Die Beschreibung D 0 n n c's wird von unseren Beobachtern voll-
komme|i bestätigt. Trichomonas besitzt einen ovalen oder birnförmi-
gen Körper mit einem stielförmig verdünnten, wenig cdntraktilen
Ende und einigen Flimmerhärchen und längeren Fäden am entgegenge-
setzten Ende. Eine 31undöfTnung konnte nicht beobachtet werden.
Das Körperparenchym ist feinkörnig, ohne Kern und contraktile Blase.
Das Vorkommen dieses Geschöpfes ist nach unserem Verf. sehr häufig
und steht keineswegs in einer specißsche Beziehung zu syphilitischen
Affectionen, obwohl leucorrhoische Zustände die Entwickelung dessel-
ben allerdings begünstigen. Cpt. rend. 1855. p. 107Ö. (Ann. nat. bist.
XV. p. 464 oder l'Inst. 1855. p. 167.)
Davaine beobachtete in den frischen Fäcalmassen von
Cholerakranken mitunter (ein ]\]al auch bei einem Diarrhoi-
schen und einem Typhuskranken) grosse Mengen von Cerco-
monaden, die beim Erkalten rasch abstarben. Cpt. rend. Soc.
biol. 1854. 1. p. 129.
De Filippi bemerkt, dass er bei seinen Fütlerungs-
versuchen mit encystirten Trematoden die Kapseln der ab-
gestorbenen Exemplare im Mastdarme der F'rösche gewöhn-
lich mit Monaden (und Opalinen) erfüllt gesehen habe , ob-
gleich es ihm unmöglich gewesen sei, in der Cyslenwand eine
Oeffnung nachzuweisen. Mem. pour servir ä l'hist. gen. des
Trematodes I. p. 28.
AVas die Vibrionen betrifft, so sind diese nach Cohn's Un-
tersuchungen mit aller Bestimmtheit dem Pflanzenreiche zu überwei-
sen. Bacterium tcrmo (Vibrio lineola Ehrbg. ) ist die bewegliche
Schwärmform eines mit Palfnella und Tetraspora verwandten Wasser-
pilzes (Zoogloea Cohn), während Vibrio spirillum (Spirochaeta pli-
catilis) dem Gen. Spirulina zugehört und Vibrio bacillus sich mit an-
deren verwandten Formen dem Gen. Beggiatoa (üscillaria) anreiht.
Entwickelung u. s. w. a. a. 0. S. 117 ff.
2. llliix,opo(la.
Von Auerbach erhielten wir eine ausführliche Arbeit
über den inneren Bau oder, wie Verf. sagt, „die Einzelligkeit
der Amöben", mit Beobachtungen über zahlreiche, zum Theil
440 Leuckart, Bericht üb. d. Leistungen in d. Naturgeschichte
neue Arten, Zeilschrift für wissensch. Zool. VII. p. 365— 430,
Taf. XIX-XXII.
Verf. überzeugt sich , dass der Körper der Amöben von einer
sehr zarten und strulUurlosen, äusserst dehnbaren Membran überzogen
ist, die sich sogar noch an den Pseudopodien nachweisen lässt; er
findet im Innern derselben ganz constant einen bläschenförmigen Kern
mit Kernkörperchen (bei den Arcellen deren mehrere , selbst viele),
und glaubt damit den histologischen Nachweis von der Einzelligkeit
dieser Thiere geliefert zu haben. Die NahrungsstofFe gelangen mit
Durchbrechung der Zellenwand in das Innere des Leibes und werden
auch auf dieselbe Weise wieder ausgestossen. Ausser den Nahrungs-
stoffen findet man im Innern noch Fettkörnchen u. a. organische Sub-
stanzen, bei einer Art (.4. büimbosa n. sp.) auch Amylumkügelchen,
so wie nicht selten eine oder zwei pulsirende Vacuolen. Durch über-
mässige Anhäufung von Fettkörnern gehen die Amöben (wie andere,
echte Infusionsthierchen) öfters zu Grunde. Die Fortpflanzung geschieht
vorzugsweise durch Theilung. In einem Falle (A. bilimbosa) konnte
Verf. auch eine Einkapselung der kuglig zusammengezogenen Thier-
chen beobachten.
Claparede berichtet über Aclinophrys Eichhorni, Mül-
ler's Arch. 1854. S. 398. Taf. XV (übersetzt in Ann. nat. hist.
XV. p.2Il.)
Actinophrys besitzt, wie schon Ehrenberg und v. Siebold
wussten, eine contraktile Blase, wie solche auch bei anderen Uhizo-
podeU) Anioeba und Arcella (bei letzterer sogar in vielfacher Anzahl)
vorkommt. Aber diese Blase (Herz nach Verf.) liegt dicht unter der
Rindenschicht des Leibes, so dass sich letztere bei den Erweiterun-
gen derselben buckeiförmig aufbläht. Mund und After fehlen, wie bei
den übrigen Rhizopoden ; die Nahrungsaufnahme geht beliebig an
jeder Stelle vor sich, wie auchKölliker angab, aber nicht dadurch,
dass sich die Nahrungsstoife mechanisch eindrücken, sondern viermehr
durch die Bildung temporärer Fortsätze („durch Herausschleudern einer
schleimigten Masse«, wie Verf. sagl)^ die bald als einfache stumpfe
Zapfen, bald als verästelte fingerförmige Ausläufer erscheinen, die
fremden Gegenstände umfliessen und mit der Beute schliesslich wie-
der eingezogen werden. Bei der sehr langsamen ürtsbewegung schei-
nen solche Fortsätze nicht gebildet zu werden, üb Actinophrys aus-
ser der Theilung noch eine andere Fortpflanzungsart besitze, ist Verf.
unbekannt geblieben. Die Anwesenheit einer äusseren Hüllhaut, wie
eines Kernes wird (auch für Amoeba u. s. w.) in Abrede gestellt —
Verf. hält es daher auch für ungerechtfertigt, die Actinophrysarten als
„einzellige Thiere« zu bezeichnen. Auch für die polygastrischen In-
fusorien stellt er die Berechtigung einer derartigen Auffussung in
Abrede.
der niederen Thiere während der J. 1854 — 1855. 441
Auch Stein mncht einige Mitlheiliingen über Aclino-
phrys Eichhorni, Infusionslhiere S. 151.
Die Nahrungsaufnahme wurde nicht direkt beobachtet, doch ver-
muthet Verf. , dass dieselbe durch die Contraklionen der von ihm
gleichfalls aufgefundenen contraktilen Blase vermittelt werde. Die
Copulation wurde dagegen häufig beobachtet, einmal (bei A. osculata
n. sp.) von sieben Exemplaren. Uebrigens führt diese Vereinigung
nach unserem Verf. niemals zu einer vollständigen Verschmelzung,
sondern nur zur Bildung eines Familienstockes.
B OS well sah eine Actinophrys mit ausgespreilzten Strahlen auf
der Überfläche des Wassers fortschwimmen (Transact. micr. Soc. II.
p. 25).
lieber Diftlugia Enchelys vergl. Schneider in den
Beiträgen zur Naturgesch. der Infusorien, MüUer's Arch. 1854.
S.204.
Im hinteren Ende der Leibessubstanz liegt ein röthlicher run-
der Nucleus mit weissem Nucleolus, ein Gebilde, das Verf. auch bei
Amoeba auffand und bei allen Rhizopoden vermuthet. Die Nahrungs-
aufnahme erfolgt wahrscheinlich durch den Euss. Die Fortpflanzung
ist eine doppelte, durch Knospung des Fusses, wobei nicht bloss Dop-
pelthiere, sondern öfters auch zusammenhängende Gruppen von 3—5
Individuen entstehen, die leicht für copulirte Thiere gehalten werden
könnten, und durch Sporenbildung. In letzterem Falle theilt sich die
Körpersubstanz nach Rückziehung des Fusses in zwei und vier fett-
artig aussehende ruhende Kügelchen , die durch Zerfallen der Hüll-
haut schliesslich frei werden. Leider konnten die weiteren Schick-
sale dieser Gebilde nicht verfolgt werden.
Carp enter erörtert den Bau. der Foranjiniferenschaie:
structure des roranvinileres, l'lnsL 1854. p. 154.
Verf. hebt hervor, dass die Vermehrung der Kammern bei den
Foraminiferen durch eine Knospung vermittelt werde, die je nach
den einzelnen Formen in Richtung und Ausdehnung mancherlei mehr
oder minder constante Verschiedenheiten darbiete. In vielen Fällen hat
jede einzelne Kammer ihre besonderen Wandungen, wie bei den Nummu-
liten, so dass dann immer doppelte Scheidewände zwischen denselben
vorkommen , wählend in anderen Fällen diese Scheidewände einfach
sind. Verf. glaubt sogar die ganze Klasse der Foraminiferen hiernach in
zwei Gruppe scheiden zu können, in denen auch gleichzeitig dieEnt-
wickelung des Kanalsystems gewisse Verschiedenheiten darbiete.
Eine besondere Berücksichtigung verdienen die wichti-
gen und reichen Beobactitungen von Max Schultze „über
den Organismus der Polytlialaniien (Foraminiferen) nebst Be-
442 Leuckart: Bericht üb. d. Leistungen in d. Naturgeschichte
merkung-en über die Rhizopoden im Allgemeinen." Leipzig-
1854. 68 S. in Folio mit VII illuminirten Kupfer(afeln.
Zerfällt in zwei Abschnitte; historische Einleitung, allgemeine
Betrachtungen des Baues und der Lebenserscheinungen der Rhizopo-
den, Bemerkungen zur Systematik und Beschreibung der im lebenden
Zustande beobachteten Arten. Was wir hier zunächst hervorzuheben
haben, bezieht sich ausschliesslich auf den zweiten Theil dieses aus-
gezeichneten Werkes, auf das wir weiter unten nochmals zurückkom-
men werden.
Die Angaben, die Dujardin einst über den Bau der Forami-
niferen gemacht hat, sind durch die Untersuchungen unseres Verf. in
allen wesentlichen Zügen bestätigt worden. Die schalentragenden
Rhizopoden schliessen sich, auch in ihren grossesten Formen, durch
Bau und Lebenserscheinungen genau an die Arten d«s Genus Amoeba
an. Der Leib ist ohne innere und äussere Organe. Er besteht aus
einer Sarkodemasse mit Körnchen und Fetttröpfchen, an der weder
eine Hülle, noch (mit Ausnahme von Gromia oviformis) ein Kern, noch
eine pulsirende Blase entdeckt werden konnte. Die Fähigkeit der
Fseudopodienbildung kommt übrigens ausschliesslich, wie es scheint,
auf die helleren peripherischen Schichten des Körpers. Das wunder-
bare, periodisch wechselnde Spiel dieser Pseudopodien wird vom Verf.
durch Wort und Bild auf anschauliche Weise dargestellt; man glaubt
sie vor sich zu sehen, diese Thierchen , mit ihrer Atmosphäre von
Sarkodefäden, die hier sich unter den Augen des Beobachters ver-
ästeln, dort zu einem Maschenwerke oder zu einem zackigen Sterne
zusammenfliessen und schliesslich wiederum verschwinden. In jedem
einzelnen Faden sieht man während seines Wachsthums eine regel-
mässige Strömung von auf- und absteigenden Körnchen, die in
raschem Strome einander nachfolgen. Die Nahrung besteht vorzugs-
weise aus Diatomeen , deren Farbestoff Verf. auch noch im Innern
des Rhizopodenkörpers nachweisen konnte. Wo die Löcher der Schale
zu klein sind, um feste Nahrung durchzulassen, geht die Verdauung aus-
serhalb der Schale in der Sarkodemasse der im Umkreise der Nahrung
zusammenfliessenden Pseudopodien vor sich. Von einem complicirten
Röhrensysteme in der Substanz des Gehäuses fand Verf. bei den von ihm
untersuchten Arten keine Andeutung. Ebenso wenig konnte er die
Zusammensetzung der Schale aus einzelnen Spiculis bestätigen. Wohl
aber entdeckte er eine Art (Polymorphina silicea), deren Schale nicht
aus Kalk, sondern aus Kieselerde besteht. In Betreff der Frage nach
der einfache^ oder polyzootischen Natur der gekammerten Rhizopo-
den entscheidet sich Verf. dahin, dass die Schale immer nur von einem
einzigen Individuum bewohnt sei. Die Kammern sind nach unserem
Verf. blosse Abtheilungen eines gemeinschaftlichen Thierleibes, obwohl
der niederen Thiere während der J. 1854—1855. 443
dieselben, wie Verf. zugiebt , in manchen Fällen einen hohen Grad
von Selbstständigkeit erreichen.
Die „Beobachtungen über die Fortpflanzung der folylha-
lamien" dessen Verf., Silzungsber. der naiurf. Gesellsch. in
Halle 1855. Aug. (Müller's Arch. 1856. S. 1Ö5. Taf. Yl), dür-
fen wir als Nachtrag zu dein voranstehenden Werke ansehen.
Verf. sah aus dem Ueberzuge einer schon seit 8 — 14 Tagen unbe-
weglichen Äliliola etwa vierzig junge Thiere dieser Art mit einkammriger
Schale hervorkommen und überzeugte sich, dass der ganze Inhalt des
Mutterthieres verschwunden war. Bei einer neuen Nonionina mit
Kieselpanzer (N. silicea) fand Verf. in den Kammern der letzten Win-
dung zahlreiche runde, mit einer Kieselhülle umgebenen Kugeln, die
er gleichfalls für Junge hält und mit gewissen, schon früher (ürga-
nism. der Foram. S. 27) von ihm in mehreren Arten beobachteten
schwarzen Kugeln in Zusammenhang bringen möchte.
Ehrenberg ist über diese letzlern Kugeln (die auch
Ref. in abgestorbenen Rhizopoden häufig beobachtete) sehr
abweichender Meinung. Er hält dieselbe — wie es Ref.
scheint, mit Recht -- für anorganische Bildungen (Eisensi-
likatkugeln), die sich erst nach dem Tode bildeten und sich
oftmals bis zur völligen Ausfüllung der Kammern anhäuf-
ten. Berl. Monalsber. 1855. S. 173.
Diese Angabe Ehren b er g's hängt mit der Entdeckung
zusammen, das der sog. Grünsand aus Sleinkernen verschie-
dener Polythalamien bestehe (ebendas. 1854. S. 384) , bei
denen in wohlerhaltenen Exemplaren mitunter sogar die Ver-
bindungsröhren zwischen den einzelnen Kammern und die
allerfeinsten Canäle der Zellenwände ausgefüllt sind (eben-
das. 1855. S, 87). Durch Hülfe derartiger Objecto war es
unserem Verf. möglich, den Verlauf und die Bildung der
Schalenkanäle bei verschiedenen Polylhalamienformen (be-
sonders den schwieriger zu untersuchenden Helicosteginen,
Orbitoiden, Orbiluliden, Nummliliten und Alveolinen) genauer,
als das früher vielleicht möglich war, zu untersuchen. (Eben-
das. 1855. S. 292, 487 u. 55-2.)
Für die Einzelnheiten verweisen wir auf das Original ; wir
wollen hier bloss hervorheben, dass dieses Canalsyslem in vielen
Fällen äusserst complicirt ist und entschieden complicirter , als man
— vielleicht mit Ausnahme von Carter (vgl. J, B. XXI. S. 105)
früher anzunehmen geneigt war, üeber die Bedeutung dieses CanaU
444 Leuckart: Bericht üb. d. Leistungen in d. Naturgeschichte
System lässt uns Ehrenberg im Unklaren; er sieht die Anwesen,
heit derselben einstweilen nur als einen Beweis von der „zusam-
mengesetzten Organisation" der Polythalamien an und spricht sich
bei dieser Gelegenheit denn auch mehrfach sehr entschieden gegen
die Zusammenstellung der Polythalamien „mit dem Proteus der Poly-
gastern« aus. Neue Thatsachcn werden hier freilich nicht beige-
bracht , ein einfaches Berufen auf die im Jahre 1838 erschienene
Arbeit unseres Verf. dürfte heutigen Tages wohl nur den wenigsten
Zoologen ein genügender Beweis sein.
M. Schulze spricht in Betreff jenes Canalsystems die (bis auf
Weiteres gewiss vollkommen berechtigte) Ansicht aus, dass dasselbe
dazu diene, die contraktile Substanz des Polythalamienkörpers nach
Aussen gelangen zu lassen und in der Schale selbst nach den ver-
schiedensten Richtungen zu verbreiten. Sitzungsber. der naturf. Ge-
sellsch. in Halle. Aug. 1^50.
An diese Untersuchungen Ehrenberg's schliesst sich die
Darstellung von Carter über die Bildung und den Verlauf
des in der Schalenwand von Alvcolina luelo (fossil) befind-
lichen Canalsystemes. -Ann. nat. bist. 1854. S. XiV. p. 99.
Tab. III.
Carpenter beginnt die Herausgabe seiner umfassen-
den Untersuchungen über Polythalamien , Researches on the
Foraniinifera ; Part I. General introduction and Monograph of
the Genus Orbitolites (Proc. roy. Soc. 1855. N. 14. p. 47 ff.
oder Ann. nat. bist. XVI. p. Q07).
Die scheibenförmig abgeplattete Schale von Orbitolites besteht
aus zahlreichen rundlichen Zellen , die in concentrischen Reihen um
eine grössere Centralzelle angeordnet sind und eben sowohl durch
radiäre, wie auch durch concentrisch verlaufende Canäle unter sich in
Zusammenhang stehen. In vielen Fällen bilden diese Zellen nur eine
einzige Schicht, in anderen aber mehrere über einander liegende und
gleichfalls -durch Canäle zusammenhängende Schichten, Doch scheint
es kaum , dass diese zwei Typen specifisch verschieden seien. Die
Poren, aus denen die Pseudopodiep hervorgestreckt werden , stehen
nur am Rande, bald in einer einzigen Reihe, bald in mehreren. Der
Inhalt dieses Gehäuses besteht aus einer von SarkoJe gebildeten Masse,
ohne gesonderte Organe , mit der Fähigkeit der Pseudopodienbildung.
Was die Fortpflanzung betrifft, so möchte Verf. gewisse kleine Sar-
kodehallen, die mitunter einzelne Zellen anfüllen, für Sporen (gem-
mes) und andere kleine, in feste Hüllen eingeschlossene Körper für
Eier halten.
Auch Jeffreys publicirt Beobachtungen über Forami-
der niederen Thierc wahrend der J. 1854-— 1855. 445
niferen, Notes on Foraminifera, Proc. roy. Soc. 1855. Juny,
Ann. nat. bist. XV. p. 209.
Verf. bestätigt die Annahmnc von der einfachen Struktur des
Rhizopodenkörpcrs, ebenso auch die Existenz von Sporen, kann aber ,
die von Carpenter als Eier beschriebenen Bildungen nicht als
solche anerkennen. Er hält dieselben vielmehr lür die Ueberreste
der abgestorbenen Thiere. (Sind wohl die oben erwähnten Eisen-
silicatkugeln.) Die Ortsbewegung ist äusserst langsam, kaum y^ Zoll
in 24 Stunden, auch giebt es Arten, die durch dünne Sarkodefäden
zeitlebens angeheftet sind (Lobatula, Rotalia, Planorbulina).
lieber briltische Foraminiferen vgl. W illianison, Rep.
hr. Assoc. (held 1854) 1855. p. 113.
Was die Systematik der Foraminiferen betriflt, so glaubt
Jeffreys dieselben in fünf Familien theilen zu können: La-
genadae, Nodosariadae, Vorticiolidae, Textuilariadae und Mi-
lioladae. L. c. p. 211.
M. S. Schultze liefert nach einer kritischen Prüfung
der früher aufgestellten -einzelnen Familien eine vollständige
systematische Uebersicht über die Rhizopoden und stellt da-
bei folgendes Schema auf (a. a. 0. S. 37 — 53):
A. IVuda. Gattungen: Amoeba (Woctiluca?).
B. Te§ta€ea*
I. Molothalamia. Gehäuse einkammrig; das Thier unge-
theilt, der einfachen Höhlung der Schale entsprechend.
1. Farn. Lagynida. Eine beuteiförmige , kalkige oder mem-
branöse, nicht fein poröse Schale mit grosser Oeffnung. Gatt. Arcella,
Difflugia, Gromia u. s. w.
2. Farn. Orbulinida. Eine kuglige kalkige Schale ohne grös-
sere Oeffnung, an der ganzen Oberfläche fein durchlöchert. Galt,
ürbulina d'Orb.
3. Fam. Gornuspirida. Eine kalkige Schale, wie ein Planor-
bis- Gehäuse gewunden, mit einer grossen Oeffnung. Gatt. Cor-
nuspira.
II. Poly t halamia. Gehäuse vielkammrig , das Thier aus
Segmenten gebildet, welche durch Brücken unter einander zusam-
menhängen.
A. H elicoidea. Die Kammern in einer Spirale angeordnet.
4. Fam. Miliolida. 'Jede Kammer nimmt eine halbe Windung
ein, die einzelnen Windungen entweder in einer Ebene oder in ver-
schiedenen Ebenen aufgewickelt. Die Schale besitzt nur eine grös-
sere Oeffnung am Ende der letzten Windung; feinere Poren fehlen,
Qm. Uniloculina^ Biloculina^ Miliola u. s. w.
446 Leuckart: Bericht üb. d. Leistungen in d. Naturgeschichte
5. Fam. Ttirbinoida. Die Kammern sind in der Art spiral ge-
ordnet, dass das Gehäuse einer Helix oder Turbo gleich sieht. Die
Windung ist nur auf einer Seite der Schale sichtbar. Einige sind so
in die Länge gezogen, dass die Kammern wie in zwei Reihen alter-
iiirend neben einander liegen. Die Schale besitzt eine grössere Oeff-
nung an der letzten Kammer und ist fast immer an der ganzen Ober-
fläche fein durchlöchert.
Hieher als meist artenreiche Gruppen die Rotalida, Uvellida,
Te:xtilarida, Cassidulinida.
6. Fam. Nautiloida. Die Kammern sind in der Art spiral ge-
ordnet, dass das_^(iehäuse im Allgemeinen einem Mautilus oder Am-
monites gleich sieht. Die Windung ist auf beiden Seiten de? Schale
sichtbar oder auf beiden Seiten verdeckt. Die vordere Wand der
letzten Kammer besitzt eine grössere oder mehrere kleinere Oeffnun-
gen, der übrige Theil der Schale ist meist fein durchlöchert.
Auch hieher eine Anzahl kleinerer Gruppen : Cristellarida , Ko-
nionida (mit den Kummulilen), Peneroplida, Polystomellida.
7. Fam. Alveolinida. Kuglige , ei- oder gerstenkornförmige
Schalen, aus spiraligen Röhren zusammengesetzt, deren jede einer
Cornuspira gleicht und mit einer besonderen Mündung am Ende der
Windung versehen ist. Die Röhren hängen alle unter einander durch
Verbindungsöffnungen zusammen und sind ausserdem durch unvollstän-
dige Querscheidewände (nach Art der Nonioninen) abgelheilt. Die
Lage dieser nur in geringer Anzahl vorhandenen Querscheidewände
und der Verbindungsöffnungen ist durch Linien, welche in der Rich-
tung von Meridianen über die Schale laufen , bezeichnet. Gatt.
Alveolina.
8. Fam. Soritlda. Scheibenförmige, vielzellige Schalen, nur
im Centrum mit einer Andeutung einer helicoiden Windung, sonst cy-
cloid d. h. gleichmässig am ganzen Scheibenrande fortwachsend. Die
braun durchscheinenden , fein porösen Schalen aus kleinen Kammern
gebildet, die in der Richtung gerader oder bogenförmiger Radien unter
einander zusammenhängen und am Scheibenrande jede mit einer grös-
seren OelTuung versehen sind. Gatt. Sorites, Orbitolites u. s. w. auch
Cycloline.
B. Rhab doidea. Die Kammern in einer graden oder wenig
gebogenen Linie, in einfacher Reihe über einander gethürmt.
9. Fam. Nodosarida. Stabförmige Gehäuse, deren Kammern
in einer Reihe über einander liegen und durch eine grosse OefFnung
unter einander zusammenhängen ; eine eben solche üeffnung an der
letzten Kammer. Die Schale meist dick, wahrscheinlich immer von
feinen Porencanälen durchbohrt. Galt. Glandulina, Nodosaria u. s. w.
C So r oid ea. In unregelmässigen Haufen gruppirte Kammern.
10. Fam. Acervulinida. Meist kuglige, ganz unregelmässig an
der niederen Thierc während der J. 1854—1855. 447
einander gelagerte, ziemlich gleich grosse Kammern mit fein durch-
löcherter Schale und einigen grösseren Oeffnungen an unbestimmten
Stellen. Gatt. Acervulina.
Ueber die systematische Ycrlhcilung der Soritinen , Helicosori-
nen (Orbitoiden) und Helicotrochinen (INummuliten) handelt Ehren-
berg, Monatsber. der Berl. Akad. 1855. S. 288. Anm.
Einzelne Arten :
Auerbach beschreibt ausser Amoeba radiosa E. et Duj. und
A. piinceps Ehrbg. e'\ue Am. bilimbosa n. sp. und ^. actmophora n. sp.
und bemerkt, dass Am. guttula Perty — nicht E. — wahrscheinlich
nur den Jugendzustand von A. princeps darstelle.
kmocha porrecla n. sp., (Schultz e Organism. der Uhizopoden
S.S. Taf. VII. fig. 18) ist möglicherweise, wie Verf. vermuthet, der
Jugendzustand einer späterhin beschälten Rhizopode. Ebendaselbst
Taf. VII. fig. 20 Amoeba globularis n. sp. und fig. 21 ^. polypodiOf alle
drei aus dem Salzwasser des adriatischen Meeres.
Amoeba vermicularis Weisse ist nach neueren Angaben des
Verf. wahrscheinlich A. limax Duj. Zeitschrift für wiss. Zool. VII.
S. 341.
. Actinophrys oculala n. sp.. Stein Infusionsthiere S. 157.
Arcella Okeni Perty fällt nach Weisse (a. a. 0.) mit Arcella
uncinatn W. zusammen.
^\n M. Schult ze's grossem Rhizopodenwerke werden weiter fol-
gende lebend beobachtete Arten beschrieben (S. 54-68) und abgebildet:
Gromia or i/o rmis Duj., Gr. Dujardiniin. sp., Lagynis (n. gen.)
ballica n. sp. , Squ amulina (n. gen.) laevis n. sp., Miliola obesa
n. sp., M. Ancoiietisis n. sp., M. cyclostoma n. sp., M. tenera n. sp.,
Rotalia Venela n. sp. , R. Freyeri n. sp. , Rosalina varians n. sp.,
Polymorphina silicea n. sp. , Texlilaria picta n. sp. , Polyslomella stri-
gilata d'Orb., P. gibba n. sp., P. Stella borealis (Ehrbg.) Seh., Acer-
vulina (n. gen.) iwÄaerejis n. sp., A. globosa n.sp., A. acinosa n. sp.
Dazu kam später noch die schon oben erwähnte Konionnina
silicea.
Die Diagnosen der neuen Genera sind folgende:
Lagynis Seh. (e fam. Lagynidum;, einkammrig; Schale mem-
branös, elastisch, retortenförmig ; Körper farblos, durchsichtig, aus
einer grossen Schalenöfl'nung wenige, äusserst feine, hier und da ver-
ästelte Fortsätze aufsrndend.
Squ amulina Seh. (e fam. Lagynidum). Schale einer plan-
convexen flachen Linse gleichend , mit der planen Ebene festgehef-
tet, kalkig, eine einfache, ungelheille Höhlung einschlitssend. Eine
grössere Oeffnung auf der convexen Seile ; feine Poren fehlen.
Acervulina Seh. (e fam. Acervulinidumj. Vielgestaltige, un-
.448 Leuckart: Bericht üb. d. Leistungen in d. Naturgeschichte
regelmässige, freie oder angeheftete Gehäuse, aus stark gewölbten
Kammern zusammengesetzt, die durch weite Oeffnungen untereinander
zusammenhängen. Schale dick und gleichmässig durchlöchert. Einige
grössere Oeffnungen pflegen an wechselnden Stellen der Schalenober-
fläche in den Winkeln zweier sich berührender Kammern vorzu-
kommen.
Nach der Schale allein charakterisirt der Verf. (S. 40) das neue
Genus Cornus])ira (e fam. Cornuspir.). Schale kalkig, wie rin
Planorbisgehäuse gewunden, solide oder fein porös, scheibenförmig,
auf beiden Seiten gleich, eine einfache, ungetheilte Höhlung ein-
schliessend. Eine grosse Oeflnung am Ende der Windungen. Nn. sp.
C. planorbiSf C. perforata.
Ehrenberg beschreibt gleichfalls 10 neue Foraminiferen :
Aspidospira profundissima , Ä. abyssicola , Globigerina lernata,
GrammoUomum sp. duh., Gr. pupilla Orci, t haner ostomum atlantictim,
Planidina ohsciira , thjgostomum Orphei , Spiropleuriles (n. gen.)
nebiUosus , Sp. platyslomus , Vvigerina plicata, säramtlich aus der Tiefe
des Meeres. Berl. Monatsber. 1854. S.247.
Das neue Gen. Spiropleurites trägt folgende Charaktere:
Cellularum serie primum spirali, dein erecta, apertura laterali ad ba-
sin cellulae mediam, alterna in cellulis alternis.
Schliesslich sei auch noch auf die prachtvollen Abbildungen fos-
siler Polythalamien in der Microgeologie, bes. Taf. 21—32 ver-
wiesen.
An die Rhizopoden reihen wir hier anhangsweise noch
eine Reihe von sonderbaren , kieselpanzerigen Geschöpfen,
deren nähere Kenntniss wir besonders den Untersuchungen
von J.Müller verdanken. Zünächsi 6\e Polycysiinen, die zu-
erst von Ehrenberg entdeckt (ßerl. Monatsber. 1847. S. 54)
und in zahlreichen Formen beschrieben sind , von den übri-
gen Zoologen aber bisher fast ganz allgemein als isolirte
Skelettheiie anderer Organismen betrachtet wurden , bis es
Müller gelang, dieselbe lebend (im Hafen von Messina) zu
beobachten. Vgl. Berliner Monatsber. 1855. S. 251 und be-
sonders 671.
J. Müller beobachtet fünf verschiedene Formen: Haliomma po^
lyacanlhnnif H. hexacanthum, Eucyrlidium zanclaeum, Dictyospyris
messanensis , Podocyrlis charybdaea , die alle fünf als neue Species
Ehrenberg'scher Gattungen erkannt werden. Sie leben, wie alle
Polycystinen am Grunde des Meeres, werden von da aber gelegentlich
durch Strömung und andere Bewegungen der See emporgetrieben.
Der Inhalt der Eieselschale besteht aus einer weichen dunkelgefärb-
der niederen Thiere Während des J. 1834^—1855. 449
ten, meist braunen Substanz, die nicht immer das ganze Gehäuse aus-
füllt und beim Zerquetschen einzelne Zellen erkennen lässt. Dazu
kommen noch äusserst zarte und durchsichtige Fäden , die von der
durchlöcherten Schale ausstrahlen und (wie die Strahlen von Acli-
nomelra und Actinophrys) wohl als direkte Fortsetzungen des Kör-
pers betrachtet werden dürfen. Eine Bewegung konnte an diesen Fä-
den niemals beobachtet werden; sie waren weich, aber ausgestreckt.
Ehrenberg selbst fügt zu den zahlreichen, schon früher auf-
gestellten und charakterisirten Polycystinen zwei neue Genera Ceno-
sphaera und Spongodiscus und dreissig neue Species hinzu, ßerl. Mo-
natsber. 1854. S. 240-247.
In der Microgeologie ist besonders Taf. 36 für die Kenutuiss der
Polycystinenschalen wichtigf.
Den Polycystinen lassen wir Huxley's Thalassicollen
(J. ß. XXI. S. 96) folgen, die gleichfalls von J. Müller
beobachtet wurden. Ebendas. 1855. S. 229 ff.
Die Thalassicollen, die zuerst vonMeyen untersucht wurden
(Sphaerozoum Meyen) sind gallertartige, im Meere flottirende Körper-
chen, in deren Substanz eine wechselnde Anzahl grösserer, von einem
Kieselskelete umgebener Zellen eingelagert ist. Dieses Kieselskelet
besteht bald aus einzelnen, isolirten Spicula , die an die Kieselnadeln
der Spongien sich anschliessen (TlialassicoUa Müll.), bald auch aus
einer dünnen und zerbrechlichen gefensterten Sciiaie {CoUosphaera
Müll.). Meist finden sich in der Nähe der grossen Zellen — zwi-
schen den Spicula oder dicht unter der Schale — auch noch kleinere
hellgelbe Zellen , die dann und wann in der Zweitheilung angetrof-
fen wurden und möglicher Weise auch allmählich in die grossen
Zellen sich verwandeln, obwohl sie chemisch (in ihrem Verhalten
gegen Jod und Schwefelsäure) davon verschieden sind.
Ueber die Natur dieser merkwürdigen Bildungen wurde aber
ebenso wenig etwas Bestimmtes ermittelt , wie über die Entstehung
und Fortpflanzung derselben.
Nach der Bildung des Skelets könnte man bald (Thalassicola)
an eine Beziehung zu den Spongien, bald auch (SphaerocoUa) zu den
Polycystinen denken — man könnte sich sogar versucht fühlen, Col-
losphaera geradezu für eine Colonie von Polycystinen zu halten, aber
einstweilen fehlt, bei dem scheinbaren Mangel einer jeden Eigenbe-
wegung, sogar noch der Nachweis, dass die betreffenden Bildungen
überhaupt als Thiere anzusehen seien. Was die Th. nucleata lluxl.
anbetrifft, die des Kieselgerüstes entbehrt und nur einen einzigen
Kern in ihrer Gallerlmasse einschliesst, so dürfte diese mit den übri-
gen Thalassicollen wohl schwerlich zu vereinigen und vielmehr den
gleichfalls schon von Meyen beschriebenen, freilich nicht minder
räthselhaften Physematien zugehören.
Archiv f. Naturgesch. XXII. Jahrg. 2 ßd. DD
450 Leuckartt Bericht üb. d. Leistungen in d. r^aturgeschichte
Nach Müll er's weiterer Entdeckung giebt es übrigens
auch solitäre pelagische Kieselorganismus mit Gallerthülle an
den Körpern: Acanthometra n. gen. Ebendas. S. 248— 251
und S. 674—670 (letzten Ortes nach Beobachtungen von Cla-
parede).
Diese in mehrfachen Formen (A. mtiltispina M. aus dem Mittel-
meer, A. echinoides CK, A. pallida Cl. und E. arachnoides Cl. von der
Bergenschen Küste) beobachteten miiirosUopischen Organismen bestehen
aus einem starrem, mehr oder weniger pigmentirten Körper, von dessen
häutig begrenzter Oberfläche eine Anzahl Strahlen abgehen, die an
die Strahlen von Actinophrys erinnern, sich aber — nach Claparede
— leise krümmen, verlängern und verkürzen und dadurch eine, frei-
lich nur sehr langsame Ortsbewegung herbeiführen. Im Innern des
Körpers entdeckt man zellige Einlagerungen, die sich (bei A. echi-
noides) in chemischer Beziehung genau wie die kleinen Zellen von
Thalassicolla verhalten. Das Kieselgerüste besteht aus einer Anzahl von
langen und spiessförraigen, bisweilen (A. arachnoides) verästelten Na-
deln, die im Mittelpunkte des Körpers mit keilförmig zugeschnittenen
Enden auf einander stossen und in verschiedener Anordnung von da
bis über die Oberfläche des Körpers ausstrahlen. In manchen Fällen
sind diese Kieselnadeln mit einem Centralkanal versehen , durch den
ein weicher tentakelartiger Strahl hindurchläuft. Zwischen den Sta-
cheln liegt eine mehr oder weniger mächtige Gallertschicht, die von
den Strahlen durchsetzt wird. Wenn diese Schicht sehr stark ausge-
bildet war, fehlten die Strahlen mitunter vollständig.
Ueber Entwickelung und Verwandtschaft von Actinometra Hess
sich ebenso wenig, wie bei Thalassicolla etwas Bestimmtes feststellen,
doch scheint es fast, als wenn die sonderbaren von Müller im Darm-
kanale von Comatula früher entdeckten Kieselgerüste (die von spätem
Forschern als Bacteriastrum und Actiniscus bezeichnet wurden) zu
einer verwandten Thierform gehörten.
3. Crregrarinae.
Was wir in neuerer Zeit über Gregarinen erfahren ha-
ben, verdanken wir vorzugsweise den Untersuchungen von
L i e b e r k ü h n, der seine Beobachtungen über diese Geschöpfe
und besonders deren Entwickelungsgeschichte in mehreren
Abhandlungen niedergelegt hat. Die Hauptarbeit desselben ist:
Evolution des gregarines par N.Lieb er kühn, T. XXVI
des Mem. couronn. de l'Acad. roy. de Belgique 1855. p. 1
—46. PI. 1— XI. (Eine gedrängt Uebersicht über den Haupt-
der niederen Thiere während der J. 1854 — 1855. 451
Inhalt dieser Abhandlung- enthält das Referat von van Be-
neden, Bull. Acad. de Bclg. T. XX. No. 12. oder rinstilut.
1854. p. 190.
Verf. behandelt zunächst die Frage, ob zum Zwecke der Einkapse-
lung und Sporenbildung bei den Grcgarinen stets eine Copulation von
zweien Individuen vorhergehen müsse, wie das Stein (vergl. J. B.
XXI. S. 107) behauptet hatte, und kommt zu dem Resultate, dass
schon ein einzelnes Tliier für diese Vorgänge genüge. Bei dem Ucgen-
wurme, dessen Gregarinenfauna den Verf. zumeist beschäftigte, fand der-
selbe Gregarinenkapseln , die nur einen einzigen Kern enthielten und
offenbar auch nur von einem einzigen Individuum abstammten. Ueberdiess
beobachtete Verf. nicht selten, wie die zwei, in einer gemeinschaft-
lichen Cyste eingeschlossenen Ballen, die St. als die Körper zweier
ursprünglich isolirter Individuen ansieht, sich ohne weitere Verschmel-
zung selbstständig in Psorospermien (Pseudonavicellen) umbildeten. Die
Art dieser Umwandlung zeigt übrigens mancherlei Verschiedenheiten.
Bald wird dieselbe durch einen förmlichen Theilungsprocess vermit-
telt, bald geht sie ohne solchen vor sich. Im ersten Falle zerfällt
der körnige Cysteninhalt in immer kleinere und zahlreichere Ballen,
die sich dann durch Verflüssigung der Körner und Umbildung einer
äusseren Hülle in Psorospermien verwandeln , während sich im an-
deren Falle gleich von Anfang an (im Umkreise des fast unverän-
derten Cysteninhaltes) eine Anzahl gelber Bläschen bildet, die zur
Umwandlung in Psorospermien nur einer äusseren festen Hülle be-
dürfen. Wicht selten kann man alle die einzelnen Phasen der Psoro-
spermienentwickelung in derselben Cyste neben einander beobachten.
Was aus den reifen Psorospermien weiter wird, war bisher nicht
beobachtet; es war eine blosse Vermuthung, wenn die früheren Un-
tersucher eine direkte Metamorphose derselben in neue Gregarinen
annahmen. Nach L. ist diese Vermuthung eine unrichtige. Er beob-
achtete, dass der diaphane Inhalt der Psorospermien nach einer län-
geren Zeit der Ruhe in immer zahlreichere und kleinere Theilchen
zerfällt, die sich schliesslich zu einem kugligen Haufen zusammen-
ballen. Solche Kugeln fand Verf. nicht selten neben leeren Psoro-
spermien noch frei im Innern der Umhüllungscysten. Grösse, Form
und mikroskopische Beschaffenheit dieser freien Kugeln sind nun nach
L. genau dieselben , wie bei den bekannten contraktilen Körperchen,
die, einzeln oder auch zu grösseren Haufen zusammengeballt, in der
Leibeshöhle der Regenwürmer vorkommen und von den früheren Be-
obachtern für Blut- oder Lymphkörperchen gehalten wurden. Verf.
glaubt sich daher berechtigt, diese letzteren als eine weitere Entwicke-
lungsstuCe der aus den Psorospermien stammenden Kugeln anzusehen ;
er erklärt dieselben für „amöbenartige Geschöpfe", und lässt sie sich
schliesslich wieder in Gregarinen verwandeln. In der That exisliren
452 Leuckart: Bericht üb. d. Leistungen in d. Naturgeschichte
nun, nach den Beobachtungen des Verf., mancherlei auffallende Älit-
telformen zwischen diesen Amöben und gewissen Gregarinen des Re-
genwurmes, namentlich auch Gregarinen ohne darstellbare Umhüllungs-
membran, die nach Amöben^rt stumpfe und spitze Fortsätze bilden
und langsam wieder einziehen.
Die Psorospermien der Kaninchen (die früher bekanntlich so
häufig für Entozoeneier gehalten wurden), entwickeln sich nach den
Beobachtungen des Verf. (p. 27—35) auf eine sehr ähnliche Weise.
Sie entstehen in eigenen Cysten, und zwar durch Zerklüftung des fein-
körnigen Inhaltes und bilden in ihrem Innern schliesslich eine scharf
begrenzte Kugel. Hier und da wurden diese Kugeln auch frei von
unserem Verf. beobachtet. (Man vergleiche hierbei auch die Beobach-
tungen G. Wagner's, Entw. d. Cestoden a. a. 0. S.40.)
Für diePsorospemiencysten der Fischkiemen sucht Verf. schliess-
lich (p. 36 — 38) nach eigenen und fremden Beobachtungen den glei-
chen Entwickelungsgang nachzuweisen.
Die späteren Arbeiten unseres Verf. beziehen sich
hauptsiiclilich auf die Bildung und Enlwickelungsgeschichte
der Psorospermien. Müller's Arch. 1854- S. 1 — 24.
Tab. I n. II, mit Forlsetzung ebendas. S. 349 -368. Tab. XIV.
oder Bull. Ac. roy. de Belg. T. XX. No.3 und No. 7. Cl'Inslil.
1854. p. 230 u. 340.)
Enthalten meist Beobachtungen über die Psorospermien der
Frösche und F'ische und dürfen gewissermassen als Nachträge zu der
vorhergehenden Abhandlung betrachtet werden. Als besonders wich-
tig dürfen wir hervorheben, dass es Verf. jetzt gelungen ist, für die
amöbenartige Katiir der jungen Gregarinen die unzweideutigsten Be-
weise zu liefern. Verf. konnte sich nicht bloss in vielen Fällen von
der Anwesenheit solcher amöbenartiger Körperchen im Innern der
reifen Psorospermien überzeugen; er sah diese Körperchen auch (bei
Fröschen, S. 3, und Gobio , S. 354) aus den klaffenden Schalen der
Psorospermien ausschlüpfen und nach Amöbenart sich fortbewegen.
Sie sind diaphane Geschöpfe von homogener Beschaffenheit und bis-
weilen mit einem Kerne versehen , von echten Amöben jedoch da-
durch verschieden, dass sie niemals eine feste Nahrung in sich auf-
nehmen. Auffallend ist die grosse Aehnlichkeit dieser Gebilde mit
den farblosen Blutkörperchen, die (wie viele andere Ihierische Elemen-
tartheile Ref.) dieselben amöbenarligen Fortsätze zu bilden im Stande
sind (S. 12). Verf. gesteht sogar (S. 363), dass er ausser Stande sei,
diese beiderlei Bildungen nach ihren physikalischen Eigenschaften zu
unterscheiden.
Dass sich die Psorospermien überall nur im Innern eines grega-
rinenartigen Geschöpfes entwickeln, wie Verf. gleichfalls früher schon
der niederen Thiere während der J. 1854—1855. 453
behauptet hatte, erhält nicht minder seine Bestätigung. Nur darf man
nicht überall bei diesen Geschöpfin (wie bei den echten Gregarinen)
Kern und derbe, deutlich nachweisbare Umhüllungshaut voraussetzen.
Das amöbcnarlige Wesen, das sich (in einfacher \nzahl oder zu -meh-
reren) im Innern der Psorospermien entwickelt hat, wächst allmählich;
CS bildet sich in ihm eine feine immer reichlicher werdende Körnchen-
masse aus, die Bewcgnngsfähigkcit erlischt und jetzt erscheint es als
eine starre mannichfaltig geformte Substanz, deren Inhalt sich in
Kügelchen ballt und schliesslich in neue Psorospermien verwandelt.
Wie schon Leydig nachgewiesen halte, geht die BilduRg dieser
Psorospermien hier im Innern der Furchungskugeln (mitunter in mehr-
facher Zahl) vor sich.
Eigenlhümlich verhalten sich die Psorospermienbehälter auf
der Haut von Gasterosteus (S. 354), in denen die amöbenartigen Keime
durch Umwandlung der Psorospermien selbst — unter gleichzeitigem
Schwund der Umhüllungsmembran — ihren Ursprung nehmen.
Die Psorospermien der Kaninchen gehen (S. 7) bei längerer
Aufbewahrung im Wasser eine eigenthümliche Veränderung ein, in-
dem sich der Kern derselben theilt und neue Psorospermien mit dia-
phanen Körperchen im Innern bildet. In manchen Fällen entwickeln sich
diese diaphanen Körperchen auch unmittelbar im Innern des Kernes.
In mancher Beziehung abweichend sind die Resultate,
die A. Schmidt in Franlifurl über Gregarinen gewonnen
hat. „Beitrag zur Kenntniss der Gregarinen und deren Ent-
wickelung", in den Abhandl. der Senkenberg. Gescllscljafl
1854. Mit einer Tafel.
Verf. untersuchte die Gregarinen der Regenwürmer und be-
schreibt von diesen ausser Älonocyslis agilis St. noch M. magna n.
sp. , M. crislata n. sp., M. nemaloides n. sp. (aus Lumbr. agricola)
und M. porrecla n. sp. (aus L. rubellus). Eine Verschmelzung zweier
Individuen glaubt Verf. bei äI. agilis , die derselbe vorzugsweise be-
obachtete, in Abrede stellen zu dürfen. Er betrachtet, wie Li eber-
kühn, die Gregarinenkapseln mit zwei Kugeln als Uesultale eines
Klüftungsprocesses. Auch bei einer freien Gregarine wurde einmal
die Abschnürung eines kugligen Stückes beobachtet. Die Enlwicke-
lungsgeschichle der Pseudonavictlltn ist Verf. unbekannt geblieben ; er
findet auch nach sorgfältiger Untersuchung der in der Leibeshöhle des
Kegenwurms enthaltenen Flüssigkeit keinen Grund, die periodisch ver-
änderlichen Lymphkörperchen für Thiere und Abkömmlinge der Gre-
garinen zu halten. Dagegen glaubt derselbe die M. agilis durch alle
Wachsthumsstufen hindurch bis zu kleinen unscheinbaren Zellen ver-
folgt zu haben, die theils frei in der Hodenflüssigkeit, theils auch
einzeln in den Enlwickclungszellenhaufcn der Samenfäden vorkom-
454 Lßuckart: Bericht fib. d. Leistungen in d. Naturgeschichte etc.
men. Die peripherischen Zellen dieser Haufen, die sonst in lange Sa-
menfäden auswachsen, verwandeln sich bei Anwesenheit der jungen
Gregarinen im Innern der Centralzelle, in ein kurzes Haarkleid, das
später von den Parasiten abgestreift wird; ein Vorgang, der auch
schon früher beobachtet und als Häutung der Gregarinen beschrieben
war. (Ref. hat durch die Güte des Verf. Gelegenheit, einige dieser
Entwickelungsphasen beobachten zu können )
Auch d'Ddekem giebt gelegentlich einige Notizen über die
Psorospermienbehälter der Regenwürmer, so wie über eine riesen-
hafte Monocystis aus dem Flimtilerlrichter (Monocyslis magna Seh,).
Wie es scheint, hält derselbe die kleine Monocyslis des Hodens (M.
agilis) für die Jugendform der letzteren, er behauptet wenigstens,
dass letztere anfangs im Hoden lebe und erst von da allmählich bei
zunehmender Grösse herabsteige. Developpemenl du lumbric I. c.
p. 12. Tab. I. 7—17.
Leydig beobachtet eine Slylovhynchus n, sp. im Darmkanale
einer mit Scirus elaphusDuj. verwandten Milbe. Alüller's Arch. 1850.
S. 447. Anfn.
Zum Schlüsse unseres Berichles erwähnen wir noch
einer Arbeit von Kloss „über Parasiten in der Niere von
Helix", Abh. des Senkenb. Vereins 1854. S. 190— QI3. Taf.
XV u. XVI , die ein Gebilde betriff!, das sich möglichenfalls
— ein bestimmles Urlheil über die Nalur desselben dürfte
einstweilen kaum njöglich sein — den Gregarinen anschliesst.
Verf. beobachtete zwischen den Nierenzellen verschiedener He-
lixarten kleinere und grössere dolterartigc Kugeln, die in eine be-
sondere, meist mit Borsten besetzte Cyste eingeschlossen waren, und
trotz ihrer Bewegungslosigkeit — wenn wir die Verwandtschaft mit
Gregarinen festhalten dürfen — als thierische Geschöpfe betrachtet
werden müssen. Diese Kugeln zerklüften sich , wenn sie eine be-
stimmte Grösse erreicht haben ; sie zerfallen in zahlreiche kleine,
scharf begrenzte Bläschen, die als Keimkörner bezeichnet werden und
ausser einem Kerne im Innern schliesslich eine Anzahl von 4—6 be-
weglichen stäbchenartigen Körpern erkennen lassen. Diese letzten er-
innern an Lieberkühn's Amöben (obgleich die Bewegungen der-
selben nach Verf. einen anderen Typus zeigen), während die „Keim-
körner" wohl den Pseudonavicellen gleich gesetzt werden könnten.
In günstigen Fällen sieht man die Stäbchen ausschlüpfen und nach
einiger Zeit zur Ruhe kommen, wobei die stäbchenförmige Gestalt in
eine kuglige sich verwandelt.
Druck von Carl Georgi irt Bonn.
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