ARCHIV
FÜR
NATURGESCHICHTE
GEGRÜNDET VON A. F. A. WIEGMANN,
FORTGESETZT VON W. F. ERIC HS ON.
!N VEllBm DUNG MIT
PROF. Dr. LEUCKART IN GIESSEN
UND
PROF. Dr. R. WAGNER IN GÖTTINGEN
HERAUSGEGEBEN
VON
Dr. f. H. TROSCHEI.,
PROFESSOR AN DER FRIBDRICH-WILHELMS-UNIYERSITÄT ZU BONN.
SECHS UND ZWANZIGSTER JAHRGANG.
Erster Band*
Mit dreizehn Tafeln.
Berlin,
Nicolais che Verlagsbuchhandlung.
(G. Parthey.)
1860, .
Inhalt des ersten Bandes.
Seite
Beobachtungen über die Entwickelung der Cirripedien. Von Dr.
August Krohn. Hierzu Taf. I. Fig. 1 — 3 . . 1
Beschreibung einer Oestridenlarve aus der Haut des lUenschen.
Von Dr. Ed. Grube. Hierzu Taf. I. Fig. 4. 5 . . 9
Ueber eine neue Art Trigla aus China, welche in die Abthei-
lung der Lyren gehört. Beschrieben von Prof. Dr. Kaup 17
Ueber zwei vermuthlich neue Chilenische Enten und über Frin-
gilla barbata Mol. Von Dr. R. A. Philippi . . 24
Skizzen aus dem zoologischen Garten in London. Von Dr.
Albert Günther. L Die kaltblütigen Wirbelthiero . 29
Polypen und Quallen von Santa Catharina. Philomedusa Vog-
tii n. sp. Von Fritz Müller. Hierzu Taf. IL Fig. 1. 57
Ueber die Schale und die Larven des Gasteropteron Meckelii.
Von Dr. August Krohn. Hierzu Taf. IL Fig. 2 und 3 64
Tetrapedos, neue Sauriergattung. Von Prof. Jan in Mailand.
Briefliche Mittheilung an den Herausgeber. Hierzu Taf. IL
Fig. 4—12 69
Beschreibung neuer oder wenig bekannter Anneliden. Von Dr.
Ed. Grube. Fünfter Beitrag. Hierzu Taf. III— V. (Poly-
noe , Spinther , Amphinonie , Staurocephalus, Phyllodoce,
Syllis, Sylline , Spiophanes, Heterocirrus , Cirratulus, Cly-
mene, Maldane, Terebella, Amphicteis, Polycirrus, Sabella^
Serpula, Saenuris ...... 71
Ueber einen neuen Fisch. Briefliche Mittheilung an den Her-
ausgeber. Vom Fürsten zuSalra-Horstmar . . 119
Alepidosaurus, ein Meerwels. Von Dr. A. Günther . 121
Anabas trifoliatus n. sp. Von Prof. J. Kaup. Hierzu Taf. VI.
Fig. A 124
Hoplarchus, neues Genus der Familie Labridae. Beschrieben
und abgebildet von Prof. J. Kaup. Hierzu TaL VI. Fig. 1. 128
Ueber die Chaetodontidae. Von Prof. J. Kaup . . 133
Seite
lieber Kalkablagerung in der Haut der Insekten. Von Franx
Leydig in Tübingen. Hierzu Taf. VII. Fig. 1 — 3 . 157
Bithynis, ein neues Genus der langschwänzigen Krebse von ür.
R. A. Philipp! in Santiago .... 161
Uel)er Distoma appendiculatum R. Von Dr. G. R. Wagen er.
Briefliche Mittheilung an Prof. Dr. R. L e u c k a r t. Hierzu
Taf. VIII und IX 165
Beitrag zur Phyllopoden- Fauna der Umgegend Berlins, nebst
kurzen Bemerkungen über Cancer paludosus Müll. Von
Dr. B. V. Dybo WS ki. Hierzu Taf. X . . .195
Leptopterygius, neue Gattung der Discoboli. Vom Heraus-
geber. Hierzu Taf. VII. Fig. a— d . . .205
Uebersicht der bis jetzt bekannten Arten der Fulgorinen - Gat-
tung Poiocera Lap. Von Dr. A. Gerstaecker. Hierzu
Taf. XI und XII 210
Ueber die Locustinen - Gattung Gryllacris Serv. Von Dr. A.
Gerstaecker . . . . . . 225
Beschreibung zweier neuen Chilenischen Vögel aus den Ge-
schlechtern Piocellaria und Capriniulgus. Von Dr. R. A.
Philipp! und L u d w. Landbeck in Santiago . . 279
Notiz über eine neue Antilope. Von Dr. J. E. Gray . . 285
Die Gattung Cornuspira unter den Monothalamien und Bemer-
kungen über die Organisation und Fortpflanzung der Po-
lythalamien. Von Prof. Max Schultzein Bonn . 287
Das Kolonialnervensystem der Mooslhiere, nachgew!esen an Se-
rialaria Coutinhi! n. sp. Von Fr!tz Müller in Desterro.
Hierzu Taf. XIII 311
Ueber Oxybeles gracilis Blkr. Von Dr. C. L. 1) oleschall.
Uebersetzt vom Herausgeber ..... 319
Auszug aus den Untersuchungen am Miltelmeere. (Siphonopho-
ren, Sipunculus, Doliolum). Von Dr. VV. Ke ferste in und
E. Ehlers 324
Ueber das Ammengeschlecht Corymorpha und seine Arten, nebst
den von diesen aufgeammten Medusen. Von M. Sars.
Uebersetzt vom Herausgeber ..... 341
Beobachtungen über die Entwickelung der
Cirripedien.
Von
Dr. August Krohii.
(Hierzu Taf. I. Fig. 1-3).
Die Resultate, die wir in neuerer Zeit, Dank sei es
den Arbeiten von B n r ni e i s t e r ^ ) , S p e n c e ß a t e ^ )
und Darwin ^) , über die Entwiclielung der Cirripedien
erhalten haben, sind so erfreulich, dass wir uns schon jetzt
eines Ueberblickes der mannichfaltigen Umwandlung-en, die
das Jun^e von der Geburt bis zur vollendeten Gestalt er-
fährt, rühmen könnten, 'wäre nicht eine fühlbare Lücke noch
unausg-efüllt. Es ist nämlich noch immer nicht bekannt,
durch welche Zwischenstufen die während der ersten Ent-
Avickelungszeit mit den Jugendformen der Entomostraceen,
namentlich der Copepoden, in so vielen Beziehungen über-
einstimmende Larve , in die spätere cyprisähnliche Gestalt
übergeht. Es war mir während meines Aufenthaltes in
Funchal , so wie später in Messina vergönnt , einigen Auf-
schluss über diese noch unaufgeklärten V^erhältnisse zu er-
halten. Ehe ich meine Beobachtungen darüber mittheile,
halte ich es für nöthig, zuvörderst die Gestalt, in welcher
die Larve während der ersten Entwickelungsperiode er-
scheint, zu beschreiben, und hierauf noch einzelne Organe,
die ihr in der spätem cyprisähnlichen Form eigen , näher
zu besprechen.
Auf einer gewissen Entwickelungsstufe, nachdem die
1) Beiträge zur Naturgesch. der Kankenfüsser. 1843.
2) On the development of Ihe Cirripedia in Annais of natural
history, Vol. 8. 2. ser., 1851. p. 324.
3) iMonograph on the sub-class Cirripedia 2 Vol. 1851 et 1854.
Archiv f. Naturg, Jahrg. XXVI. 1. Bd. 1
2 K r 0 h n :
Larve seit dem Ausschlüpfen aus dem Ei , an zwei - bis
dreimal sich gehäutet, unterscheidet man an ihr einen brei-
ten , vorne häufig abgestutzten, nach hinten zu sich ver-
schmächtigenden Yorderleib , auf den zwei über einan-
der nach hinten sich erstreckende schmächtige Fortsätze
folgen (Fig. 1). Der obere Fortsatz hat die Form eines
gerade gestreckten , oft sehr langen Stachels , der untere
stärkere läuft allmählich verjüngt in ein gabelförmig ge-
theiltes Ende aus , und ist , namentlich in späteren Stadien,
einer Beugung und Streckung fähig. Ich bezeichne ihn
vorläulig als schwanzförmigen Anhang ^). Der Leib ist auf
der Rückseite von einem Panzer oder Schilde bedeckt, des-
sen Vorderecken in zwei dünne , an den Spitzen mit ein-
zelnen gekrümmten Borsten versehene Ilörncr ausgezogen
sind 2). An der Unterseite ist der Leib mit drei Paar Ru-
derfüssen und einem mitten zwischen den letzteren frei vor-
springenden rüsselariigen Fortsalze versehen. Dicht hinter
dem Yorderrande des Rückenschildes schimmert aus der
Tiefe ein kleines , von dunkelem Pigment umhülltes , mit
einer vorragenden Linse versehenes Auge hindurcii. Es
ruht dieser Ocellus mitten auf dem Vorderrande eines deut-
lich demarkirten, dicht an der Bauchfläche gelagerten, den
Oesophagus ringförmig umfassenden Gebildes (Fig. 3), das
ich für nichts anderes als für die Centralmasse des Nerven-
systems oder für den Schlundring halten kann. Die Ru-
derbeine, von denen das vorderste Paar einfach, das mitt-
lere und hinterste in zwei Aeste getheilt sind, sind reich-
lich mit langen theils einfachen, theils zierlich geliederten
Borsten besetzt (Fig. 2). Mitten auf dem Ende des rüssel-
förmigen Fortsatzes ist der Mund angebracht, der in einen
engen, durch die Achse des Fortsatzes sich erstreckenden,
und durch die Oeffnung des Schlundringes in den Vorder-
leib sich einsenkenden Oesophagus führt. Der übrige Theil
1) Nacti den Ficpinen zu Bate's Abliandlung muss ich glauben,
dass dieser Foisclier den Starlielfojtsatz für eine Verlängerung des
gleich zu erwähnenden Rückenschildes ansieht, was gewiss unrichtig.
2) Burm eiste r und Darwin halten diese Hörner für Fühler,
aber mit Unrecht, wie sich später ergeben wird.
Beobachtungen über die Entwickelung der Cirripedien. 3
des Nahrungskanals durchzieht den Leib in gerader Rich-
tung, schwillt mitten in diesem Verlaufe zu einer rundlichen
Erweiterung an, und endet mit einem rückseits am Anfange
des schwanzförmigen Anhangs gelegenen After (Fig2) ^).
In der zweiten Entwickehingsperiode ist die Larve
bekanntlich in ähnlicher Weise wie die Gattung Cypris,
von einem zweiklappigen Panzer oder einer Schale umhüllt.
Sie besitzt zwei zusammengesetzte und ein einfaches Auge,
und ist an der Unterseite des hinteren, dem Thorax im aus-
gebildeten Thiere entsprechenden Leibestheils , mit sechs
Paar in zwei Aeste gespaltener Schwimmfüsse versehen.
Dem Ende dieses Leibestheils sitzt ein sehr kurzer schwanz-
artiger Fortsatz (Abdomen Darw.) an, der mit zweien den
Aesten der Schwimmbeine ähnlichen Anhängseln versehen
ist. Besonders erwähnenswerth sind noch zwei stark ent-
wickelte Gliedmassen, die vorne am Leibe, in der IN'ähe
der zusammengesetzten Augen, entspringen. Mit ihrer Hülfe
schreitet die Larve zu Zeiten einher, und mittelst ihrer
setzt sie sich zuletzt, wenn der Zeitpunkt ihrer letzten Me-
tamorphose herangerückt ist, auf fremden Körpern fest ^j.
Die beiden zusammengesetzten Augen liegen ganz seit-
wärts, dicht unter den entsprechenden Klappen der Schale,
in der vorderen , bei den Lepadiden später grösstentheils
1) Die Ilörner des Rückenschildes und den Slachelfortsatz ab-
gerechnet, konunen sonach die Cirripedienlarven sowohl im Aeussern
als auch im innern IJauc mit den Jugendgestalten der Cyclopiden, wie
selbige uns durch die ireniichc Abhandlung von Claus (Zur Ana-
tomie und Enlwickelungsgeschichte der Copepoden, dies Arcti. 1858.
p. 1) bekanntgeworden sind, nahe überein. Es zeigt sich diese üeber-
einstimmung nicht nur in der gleichen Zahl und einer analogen Be-
schatFenheit der Riideriusse , sondern auch in der Structur des Auges
(vergl. Claus 1. c. Fig. 64 u. 66), in der Anordnung des INahruugs-
schjauches und in der Anwesenheit einer dem rüssel förmigen Fort-
satze gleichzustellenden sogenannten Mundkappe. Dem schwanzför-
migen Anhange der Cirripedienlarven aber entspricht der hintere Lei-
besabschnitt der Kaupliusform der Copepodenlarven , wie sich später
herausstellen wird.
2) lieber diese Periode vergl. die äusserst genaue und gründ-
liche Darstellung von Darwin, (Vol. 2. p. 110— 123).
4 K r 0 h n :
in den Stiel auswachsenden Leibesportion. Sie bestehen aus
einer dunkelen Pignicntmasse, in welche mehrere rundliche
Krystallkörper tief eingesenkt sind, und einer äussern Hülle,
die in Form einer Cornea über die Krystallkörper sich hin-
überzieht, stimmen also im Baue mit dem Auge der Daphnia-
den überein.
Das einfache Auge liegt in der Mittellinie, höher ge-
gen den Rücken hin und etwas hinter den zusammenoresetz-
ten Augen. Es ist, wie sich später ergeben wird, der von
der früheren Periode her stammende Ocellus. Es besteht
aus einer derben, von einer schwarzbraunen Pigmentmasse
ausgefüllten Kapsel, enthält aber, wie es scheint, keine Linse
mehr und ist so auf ein bloss Licht und Dunkel unter-
scheidendes Organ reducirt. Bei der letzten Metamorphose
geht es in die junge Cirripedie über, Avie es denn bekannt-
lich selbst bei völlig ausgewachsenen Cirripedien, nament-
lich den Lepadiden, immer leicht nachzuweisen ist.
Die sechs Paare später zu den Ranken sich umgestal-
tender Schwimmfüsse bestehen aus einem Stiele, von dem
die beiden schon erwähnten Aeste abgehen, deren Endglied
mehrere sehr lange, zweizeilig gefiederte Borsten trägt.
Die beiden Anhängsel des Caudalfortsatzes oder Abdomens,
sind an den Enden mit granz ähnlichen Borsten besetzt.
Die beiden Gang- oder Haftbeine bestehen aus vier
Gliedern, von welchen das dritte zu einer Scheibe verbrei-
tert ist , während das sehr kurze Endglied der oberen Fläche
des scheibenförmigen Gliedes und zwar ganz seitwärts
unter einem rechten Winkel ansitzt (siehe Darwin PL 30.
Fig. 8). Beim Gehen, wobei die Beine abwechselnd bald
vorgestreckt, bald nachgezogen werden, drückt sich das
scheibenförmige Glied, gleich einem Saugnapfe, dem Ge-
genstande so fest an , dass selbst das Hinaufkriechen längs
polirten Flächen, wie die Wände eines Glases, dadurch
ermöglicht wird. Mittelst derselben scheibenförmigen Glie-
der heftet sich das junge Thier, wenn es sich zu seiner
letzten Metamorphose anschickt, auf fremden Körpern fest ^).
1) Wie schon Darwin nachgewiesen hat, findet bei dieser
Anheftung eine förmliche Verkittung mit dem fremden Körper mit-
Beobachtungen über die Entwickelung der Cirripedien. 5
Nach diesen Erörterungen gehe ich nun zu meinen
Beobachtungen über.
Den Uebergang in die cyprisähnliche Form habe ich
an zwei Larvenarten beobachtet, von vs^elchen die eine mir
während meines AiiFenlhaltes auf Madeira, in verschiedenen
Entwickelungsstadien zur Ansiclit kam. Sie stammt wahr-
scheinlich von einer Balanide.
Bei älteren Larven dieser Art (Fig. 1) ist der Vor-
derleib von ansehnlichem Umfange , der Rückenschild am
Vorderrande mit zwei massig langen Hörnern , am Hinter-
rande mit zwei schräge aufwärts gerichteten, bei jüngeren
Larven noch fehlenden Stacheln ausgerüstet. Der schwanz-
förmige Anhang ist halbweges etwa gegen sein Ende hin,
mit vier ansehnlichen, seitlichen, paarig vertheilten Dornen
bewehrt, und übertrifft , namentlich in seiner vorderen nun
verdickten Hälfte, den Stachelfortsatz um ein Ansehnliches
an Stärke. Bei noch weiter vorgerückten Larven erscheint
der Rückenschild vergrössert und stark gewölbt.
Eines Tages wurde eine grössere, noch weiter ent-
wickelte Larve derselben Art eingefangen, deren nähere
Untersuchung Folgendes ergab. Der Rückenschild zeigte
sich gegen früher in so weit verändert, als er nun tiefer
nach unten hinabrcichte, und so von beiden Seiten aus den
Leib umhüllte. Der schwanzförmige Anhang erschien in
seinem vorderen längeren, etwas über die erwähnten paa-
rigen Dornen hinausreichenden Abschnitte stark aufgetrie-
ben. An der Unterseite dieses Abschnittes Hessen sich
telst einer leimartig zälien , aus den Haftscheiben hervordringenden
Substanz statt. Dieser liittartige Stoffe oder das Cement wird den
Haftscheiben von zwei Kanälen (den Cenientgängen) zugeführt, die
sich durch die Achse der Gangbeine bis zu zwei im Leibe gelegenen
wurstförniigen Massen, die Darwin für die das Cement bereitenden
Drüsen ansieht, verfolgen lassen (siehe Darwin p. 116 u. 122). D a r-
win's Untersuchungen lehren ferner, dass die Verkittung während
des Wachsthums der Cirripedien ununterbrochen vor sich geht, und
dass in dem Maasse als die Anheftungsfläche (unteres Stielende der
Lepadiden oder Schalenbasis der Balaniden) sich vergrössert, auch der
Cementapparat sich immer weiter ausbildet.
6 K r 0 h n :
durch die Haut hindurch sechs dicht hinter einander
gereiliete Paare Fortsätze, von denen jeder aus einem
verhältnissmässig- langen Stiele und z^^ei von diesem ab-
gehenden kurzen, abgerundet endigenden Aeslen bestand,
unterscheiden. Dicht hinter dem letzten Paare schimmerte
nocii ein viel kürzerer Fortsatz mit z^vei den Aesten der
längeren Fortsätze ähnlichen Vorsprüngen hindurch. Beide
Vorsprünge so wie die erwähnten Aeste zeigten sich mit
dünnen Ausläufern oder Fäden besetzt , die sich als die
Anlagen eben so vieler Borsten zu erkennen gaben. Ueber
die Bedeutung dieser Fortsätze konnte ich nicht lange in
Zweifel bleiben; es waren ofienbar die in der Entwicke-
lung begriffenen Schwimmfüsse und die Anlage des Cau-
dalforlsatzes der späteren cyprisähnlichen Form. Es er-
gab sich sonach , dass der ganze aufgetriebene Theil des
schwanzförmigen Anhangs als die Anlage des künftigen
Thorax zu betrachten sei. Jederseits in orleicher Linie
mit dem früheren , nun grösser gew ordenen , von einem
sehr dunkeln Pigment umhüllten einfachen Auge , w urde
ein rundliches Gebilde unterschieden , das nu.-hrere zer-
streute gelbröthliche Pigmenlablagerungen enthielt. Es
drängte sich .mir sogleich die Vermnthung auf, dass beide
Gebilde wohl nichts anderes sein könnten, als die Anlagen
der zusammengesetzten Augen , was sich auch bald bestä-
tigte , indem es gerade an derselben Larve glückte , die
allmähliche Umbildung in die cyprisähnliche Gestalt zu
beobachten.
Am dritten Tage nach dem Einfangen der Larve, sah
ich den Rückenschild nach hinten zu so weit verlängert,
dass er nun auch die ganze vordere Abtheilung des schwanz-
förmigen Anhangs überdachte. Das einfache Auge zeigte
sich von noch grösserem Umfange , während die Pigment-
ablagerungen in den Anlagen der zusammengesetzten Augen,
nun dichter zusammengedrängt und von dunkler, schwärz-
licher Farbe erschienen. Die Schwimmfüsse hatten sich
weiter ausgebildet.
Am Morgen des vierten Tages fand ich das Thierchen
bereits umgewandelt, was, wie zu erwarten, nicht ohne
Abstreifung der früheren Larvenhülle erfolgt war.
Bcobachlungen lihor die Entvvickclimg der Ciiripedien. 7
Hatte sich nun nacli diesen Beobachtiiniien rnit Evi-
denz herausg-ostellt, dass beim Ueberoan^e in die zweite
Entwirkelung-speriode der Rückenschild in den zweikhip-
pioen Panzer, der ganze vordere Al)sclinitt des schwanz-
i()rniigen Anliangs in den Thorax sicli umwandele , so blieb
es doch noch ganz ungewiss , aus w eichen Theilen wohl
die Gang- oderllaftbeine sich hervorgebildet haben moch-
ten. Den näheren Aufschluss hierüber erhielt ich erst
später in Messina , an der Larve einer anderen nahe ver-
wandten Art, die in einem sehr weit vorgerückten Stadium
eingrefano-en wurde und deren Umwandlung- schon am Abend
desselben Tages erfolgte. An dieser Larve, in deren zu-
sammengesetzten Augen bereits die einzelnen in die Pig-
mentmasse eingebetteten Krystallkörper deutlich zu erkennen
waren, glaube ich mich bestimmt überzeugt zu haben, dass
die Haftbeine aus dem vordersten Paare der Ruderfüsse
hervorgehen. Das Ende jedes dieser Füsse zeigte sich
nämlich zu einer Scheibe verflacht, der ein Endglied ganz
in der Weise wie es an den Haltbeinen der Fall, anzusitzen
schien ^).
Nach den eben mitgetheilten Ergebnissen kann eine
von Bur meist er beobachtete Lepaslarve (1. c. p. 16. Tab. L
Fig. 3 et 4), die sowohl von diesem Forscher als auch von
Darwin (L c. p. 109) für den Repräsentanten einer der
cyprisähnlichen Form unmittelbar vorausgehende Entwickc-
lungsstufe angesehen wird, nicht mehr als solcher gelten.
Sie ist bereits, wie Burmeister's dritte Figur deutlich zeigt,
mittelst der Haftfüsse angeheftet, besitzt eine zweiklappige
Schale, weicht aber dadurch wesentlich ab, dass sie slalt
sechs nur drei Paar Schwimmfüsse hat, von welchen das
vorderste angeblich ungespallen ist. Ich kann demnach
diese Larve für nichts weiter als für ein verstümmeltes
]) Es erweist sii^li demnach die Ansicht von Ijuiineister
und Darwin, nacli welcher die llörner des Rückenschildes zu den
Ilafibeinen (prehensile anteiinae Darw.) sich umbilden sollen , als
irrthiiftilicli. Die Hörner werden, wie ich mich überzeugt, unverän-
dert mit der Larvenhülle abgeworlen. Was bei der Umwandlun<( aus
den beiden hintern liuderfiisspaaren wird, ist mir gänzlich unbekannt.
8 Krohn: Beobacht. üb. d. Entvvickel. tl. Cinipedieii.
oder, was noch wahrscheinlicher, für ein monströses Exem-
plar halten.
Ich erlaube mir am Schlüsse auf eine in Messina be-
obachtete noch jung-e Cirripedicnlarve , die wahrscheinlich
einer Lepadide angehört, aufmerksam zu machen. Der
Rückenschild ist, wie Fig-. 2 zeigt, fünfeckig-, auf der Ober-
seite mit einem starken, mit der Spitze nach hinten ge-
krümmten Stachel, an den Rändern mit mehreren symmetri-
schen, theils längeren, theils kürzeren Zacken bewehrt. Der
Stachelfortsatz des Leibes ist ungemein lang, der noch we-
nig entwickelte schwanzförmige Anhang läuft in ein spitzes,
nach oben umgebogenes Ende aus. Die Länge der Larve
beträgt 3 Mllm.
Erklärung der Abbildiiugeii.
Fig. 1. Muthniasslich von einer Balanide stammende Larve, von der
Rückseite. Von den Riiderfüssen sieht man nur das mittlere
Paar und den einen Vorderfuss vorgestreckt.
a. Rückenschild. — b, b. Hörner des Rückenschildes. — c.
Auge. — d. Stachelfortsatz des Leibes. — e. schwanzför-
miger Leibesanhang.
Fig. 2. Sehr junge Cirripedicnlarve, der Herkunft nach wahrschein-
lich eine Lepadide. Von der Rückseite,
a bis e wie in Fig. 1. — f. Nahrungskanal.
Fig. 3. Ein Theil des Vorderleibes der Larve von Lepas anatifera,
nach der ersten Häutung. Starke Vergrösserung.
a. die Centralmasse des Nervensystems. — b. der Ocellns. —
c, c. die beiden Hörner des Rückenschildes.
Bonn, den 19. September 1859.
Beschreibung einer Oestridenlarve aus der Haut
des Menschen.
Von
Dr. Ed. Grube.
(Hierzu Taf. I. Fig. 4 u. 5).
Nachdem die Frage über die Existenz eines Oestriis
hominis ausführlich von Ke ferst ein erörtert'"*) und durch
Sammlung und Prüfung der darauf bezüglichen Beläge da-
hin entschieden ist, dass es in Südamerika in der That Oe-
striden giebt, die nicht selten auch auf die Haut des Men-
schen ihre Eier absetzen, und deren Maden in ihr sich
weiter entwickeln, war es nun zunächst wünschenswerth,
dergleichen Larven genauer kennen zu lernen. Goudot
ist meines Wissens der einzige, der eine solche und zwar
einer Cuterebra angehörige beschrieben hat : die Beschrei-
bung ist nur kurz, nicht denen entsprechend, die wir von den
europäischen Gattungen besitzen und von keiner Abbildung
begleitet: ich werde später darauf zurückkommen, zunächst
aber, da ich so glücklich gcAvesen bin, eine aus der Haut
eines Menschen geschnittene Oestridenlarve , in Weingeist
zu erhalten, das Historische über diesen Fall berichten und
durch eine genauere Beschreibung den Anforderungen der
W^issenschaft zu entsprechen versuchen. Es ist Herr Dr.
von Frantzius dessen in Breslau unternommene Arbei-
ten der wissenschaftlichen Welt wohl bekannt sind, und der
nun in St. Jose in Costa ricca lebend und von dort aus
sein lebhaftes Interesse an der Zoologie bethätigend, die-
■") Verhandlungen des zoologisch-botanischen Vereins in Wien
Bd. IV. 1856. p. 637.
10 Grube:
ses in jenen Gegenden nicht seltene Thier meinem hochge-
scliätzten Collegen, Herrn Professor von M i d d e 1 d o r p f d. j.
eingeschickt hat. Indem ich darüber berichte und den
Brief des Herrn Dr. v. B'rantzius mittheile, entspreche
ich der gefälligen Aufforderung des ersteren.
„Den 24. Juli 1858, schreibt Dr. v. Fr an tz ins, hatte
ich zum ersten Male Gelegenheit die Dasselbeule bei einem
Menschen zu beobachten. Ein zwanzigjähriger junger Mensch,
der vor fünf Wochen eine Reise nach dem Hafen Puntare-
nas gemacht hatte, bemerkte sogleich nach seiner Rückkehr
eine kleine röthliche bohnengrosse Geschwulst in der Ge-
gend der linken falschen Rippen. Diese Geschwulst ver-
grösserte sich allmählich , und öffnete sich 8 Tage nach
seiner Ankunft in Alhalzuela , worauf beständig eine wäs-
serige Flüssigkeit heraussickerle (diese Flüssigkeit soll ge-
impft eine den Schutzblattern ähnliche Pustel erzeugen:
leider erfuhr ich dies zu spät, um diese Angabe durch den
Versuch zu prüfen). Erst vor einer Woche erkannte der
Vater des jungen Menschen , dass es eine Dasselbeule sei.
Letzterer hatte während der ganzen Zeit die Bewegungen
der Made deutlich gefühlt und ausserdem nur etwas Jucken
empfunden. Man konnte jetzt sehr deutlich in der Oeff-
nung das spitze Hintertheil der Made erkennen, die sich
schnell zurückzog, wenn man die Stelle berührte und nach
einiger Zeit wieder zum Vorschein kam.
Um das Thier unverletzt herauszuschaffen, führte ich
in die Oeffnung eine Hohlsonde ein, und schlitzte die beinahe
hühnereigrosse , harte, ziemlich geröthete Hautgeschwulst
mit einem gekrümmten spitzen Bistouris auf. Obgleich die
Oeffnung ungefähr einen Zoll lang war, so sass das Thier
mittelst seinem Borstenringe so fest in seiner Höhle, dass
ich einen ziemlich starken Druck zu beiden Seiten der Ge-
schwulst ausüben musste, um dasselbe vollständig heraus-
ziehen zu können. Die geAvöhnliche Methode der Einge-
bornen , die Thiere zu entfernen , besteht darin , dass sie,
ohne vorher die Oeffnung zu erweitern, durch blosses star-
kes Drücken die Geschwulst oder zugleich die Made zum
Zerbersten bringen, Avobei entweder die Made selbst, wenn
sie noch klein ist, oder deren Eingeweide weit herausschnei-
Beschr. einer üestridenlarve aus der Haut d. Menschen 11
len. In meinem Falle heilte die von mir gemachte Wunde
in wenigen Tagen wieder zu.
Nachdem ich die Made herausgezogen hatte , konnte
ich mich leicht überzeugen, dass es eine wahre Oestriden-
larve war. (Die Larve anderer Dipteren habe ich sehr
häufig in zahlreicher Menge in vernachlässigten eiternden
und übelriechenden Wunden beobachtet.) Sie hatte 9 Linien
Länge im zusammengezogenen Zustande nach dem Tode und
4 Linien Breite an der dicksten Stelle.
Der Name bei den Eingebornen für das Thier , wel-
ches die Dasselbeule erzeugt, ist Torcel (sprich Torssel),
wahrscheinlich von di^m specilischen Worte „torcer, sich
drehen, Avinden" abgeleitet, da die Larve sich in der
Beule beständig hin - und herwindet.
Das Vorkommen der Dasselbeule bei Menschen ist hier
eine so gewöhnliche Erscheinung, dass sich fast ein jeder
Eingeborne derartige Fälle gesehen zu haben erinnert. In-
dessen ist der Verbreitungskreis des Thieres ein auf die
wärmeren , niedrigen und feucht gelegenen Gegenden be-
schränkter , besonders in der Nähe grosser Viehheerden ;
jedoch findet sich dasselbe auch mitten im Urwalde , in
grosser Entfernung von Rindviehheerden. Leute aus hie-
siger Gegend haben an verschiedenen Orten Dasselbeulen
bekommen , sowohl jenseits der Gebirgskette am Sarasiqui
und San Carlosflusse, als auch in den niedrigen Thalebenen
des Rio grande und auf dem Wege nach Puntarenas. Die
Leute wissen hier sehr wohl, dass es eine Fliege ist, die
ihr Ei unter die Haut legt, woraus die Torcel entsteht. Bei
wiederholten Nachfragen bei Personen , die viel mit Rind-
vieh in Berührung kommen , was besonders bei den Be-
wohnern der an Viehweiden reichen Provinz Guanacaste
der Fall ist , hörte ich einstimmig die Meinung äussern,
dass dieselbe Fliege , welche das Rindvieh angreift und
hier die so häuhg vorkommenden Dasselbeulen erzeugt,
auch den Menschen verfolgt. Es ist daher unwahrschein-
lich, dass es eine besondere Art von Dasselfliegen giebt,
die ausschliesslich auf Menschen schmarotzt, und der der
Name Oestrus hominis zukommen sollte , besonders, da es
auch anderweitig bekannt ist, dass Oestruslarven , die auf
12 Grube:
bestimmten Thieren, wie z. B. beim Pferde oder Rind schma-
rotzen, aiisnalimsweise auch auf anderen Thieren vorkom-
men und sich sogar auch bis auf den Menschen verirren,
was in Europa freilich nur selten beobachtet wurde, wozu
aber in Amerika, wo die Dasselfliegen überhaupt häufiger
sind, weit melir Gelegenheit gegeben ist wegen der leichten
und unvollkommenen Bekleidung und der offenen Wohnun-
gen der Eingebornen. Auch mag der Umstand viel dazu
beitragen, das ungestörte Eierlegen dem Thiere zu erleich-
tern, dass in den hiesigen Gegenden die Leute während
der heissesten Tagesstunden in ihren Hängematten zu schla-
fen pflegen.
Was die Körperstellen betrifft , die vorzugsweise von
der Fliege zum Eierlegen gesucht werden, so ist es be-
sonders der Rumpf und Kopf. Bei einem Eingebornen ent-
stand an der Nasenspitze eine Dasselbeule, die einen wü-
thenden Schmerz verursachte , der ihn 14 Tage lang kein
Auge zuthun Hess und von dem der Gequälte erst erlöst
wurde, nachdem man die Torcel entfernt hatte."
Die Made, wie sie jetzt vor mir liegt, ist stumpfspin-
delförmig, hinten länger ausgezogen, etwas bäuchlings ein-
gekrümmt, mit flachem Bauche und sehr gewölbtem Rücken,
und hat eine schmutzig weisse Farbe mit etwas bräunlichem
Anfluge. Sie misst gerade gestreckt 9% Linien und an
der breitesten Stelle, am 5ten und 6ten Segmente SVa Linie
rhein. An dem winzigen Kopfe kann man zwei kleine mit
horniger Kuppe versehene Stummelchen an jeder Seite der
Stirn als Fühler betrachten, viel mehr fallen die schwarzen
hakigen abwärts gebogenen Kiefer ins Auge, zwischen de-
nen unter einer schwachen Wulst die Mundöffnung. Aus-
ser dem Kopfe unterscheidet man nur 10 freie Segmente,
das Ute hinterste ist eingezogen. Von diesen Segmenten
sind das Iste, den Kopf an Grösse kaum übertreffende, und
die hinteren 3 (resp. 4) stachellos, die übrigen 7 gürtel-
weise mit schwarzen gekrümmten Stacheln besetzt. Das 2te
und 3te Segment ist einfach und trägt bloss am Vorderrande
Stacheln, das 4te bis (incl.) 7te Segment aber durch eineRük-
kenquerfurche in ihrer' oberen Hälfte 2-ringelig; und jeder
Ring trägt Stacheln und zwar der hintere des 4ten Seg-
Beschr. einer Oestridenlarve aus der Haut d. Menschen. 13
ments entschieden grössere, am 5ten und 6ten beide gleich
grosse. Es ist immer nur der vordere Halbgürtel , der
sich an der Bauchseite fortsetzt , und hier wie oben aus 2
Reihen von Stacheln besteht, während der hintere ein Halb-
gürtel bleibt und seine Stacheln mehr 1 - als 2reihig aus-
sehen. Hinter ihm bemerkt man am 4ten, 5ten und 6ten
Segmente noch eine weniger ausgebreitete Ouerreihe von
Rückensfrachelchen ganz nahe der hinteren Segmentgrenze,
welche unbedeutender sind und sich durch die Richtung
der Spitze unterscheiden : bei den Gürteln und Halbgürteln
ist dieselbe nach hinten, bei diesen Querreihen hingegen
nach vorn gerichtet. Dem 7ten Segmente fehlt der hintere
Halbgürtel : es hat nur den vorderen vollen Gürtel und die
hinterste Querreih'e. Der Körper verdickt sich rasch bis gegen
das 5te Segment und verjüngt sich vom 6ten an wieder
langsamer , indem namentlich das lOte Segment eine ganz
cylindrische Form annimmt und eben so lang als breit wird.
Segment II bis IX incl. tragen eine sehr in's Auge
fallende Auszeichnung , nämlich R ü c k e n s c h i 1 d e r von
meist querovaler Form und braunschwarzer Farbe, und zwar
Segment II bis VI incl. und IX nur eines, die andern aber
deren zwei, eines hinter dem anderen. Bei Segment II bis
V incl. sitzt das Rückenschild auf der vorderen Partie des
Rückens, bei V auf dem vorderen Ringel , bei den übrigen
dagegen , auf denen zwei vorkommen , befindet sich das
stärkere dunklere rfngsum deutlicher abgesetzte querovale
auf dem hinteren Ringel , Avährend auf dem vorderen ein
lichterbraunes mehr kreisrundes und nicht so breites auftritt.
Am 4ten, 5ten, 6ten Segmente sehe ich ferner an der
Bauchwand je eine Querreihe von vier dunkelbraunen nie-
drigen Querhöckerchen, deren beide mittelste einander nä-
her als den äusseren stehen : an den übrigen Segmenten
sind sie nur angedeutet und ganz blass und klein wie
blosse Male. An der Rückenhälfte jederseits von den oben-
beschriebenen Schildern linden sich zwei ähnliche , weit
auseinander gerückte Male und an der Randkante der fla-
chen Bauchseite wiederum eins, das an Segment VI und VII
grösser und brauner ist, so dass ausser den Rückenschil-
dern also jederseits fünf hornige Stellen an jedem Segmente
14 Grube:
vorkommen ; sie erheben sich meist auf kleinen Beulen und
machen die Oberfläche uneben. Die des Rückens stehen
auf den vorderen Ringeln der Segmente.
Hintere Athemöffnungen sind jetzt gar nicht wahrzu-
nehmen: das Segment, das sie sonst trägt, ist hier ganz
eingezogen und zeigt nur eine quere, sternförmig gefaltete
von einer ansehnlichen Wulst umgebene Oeff'nung, die ich
nicht zu erweitern im Stande bin, so bleiben die in dem da-
hinter befindlichen Räume gelegenen Sligmen und der After
verborgen : übrigens sind sowohl der Ringwulst der OefT-
nung als der Rand des Endsegments von winzigen SpKzcheu'
rauh. — Vordere Athemöffnungen glaube ich auf der hin-
teren Grenze des Istcn Seoments zu sehen: ich linde hier
zu beiden Seiten des Rückens eine tiefe halbmondförmige
Querfurche oder Grube , auf deren Boden eine versteckte
von gelben Körnchen eingefasste Ouerspalle liegt. Auch
diese Partie lässt sich ^^ eder durch Hervorziehen noch durch
Erweiterung genauer untersuchen.
Nach der von Brauer gegebenen gründlichen Aus-
einanderselzung der verschiedenen Madenformen der Oe-
striden *") würde unsere Larve zu denen zu bringen sein,
welche mit deutlichen Kieferhaken bewaffnet sind, kann
also kein Hypoderma sein , mit deren Arten sie doch den
Aufenthalt in der Haut theilt. Unter den mit solchen Kie-
ferhaken versehenen, haben die Cephalomyien und Cephe-
nomyien freiliegende hornige Stigmenplalten an der abge-
stutzten Endfläche des letzten Segments, und unter dieser
springt noch ein dicker kurzer und stumpfer Zapfen nach
hinten vor , an welchem die Afteröffnung , Gastrus hinge-
gen versteckte Stigmen , allein der Raum , in dem diese
sich beflnden, ist durch eine Querspalte mit glatten ziem-
lich harten Lippen geöflnet, bei unserem Thiere ist sie eng
zusammengezogen und von weicher strahlig gefalteter Haut
umgeben. So bleiben noch die ebenfalls in der Haut le-
benden und mit Kieferhaken versehenen Larven der Gattung
■'^) Verhaiidhingen der zoologisch - botanischen Gesellschaft in
Wien 1858. p. 401.
Beschr. einer Oeslridenlarve aus der Haut d. Menschen. 15
Cutorebra zur Vergleichuiig übrig : ^vir besitzen von G o ii-
dot •") die Beschreibunu der Made von Cuterebra noxialis,
doch hat er das Hinterende nicht näher in's Auge gefasst,
ebensowenig die Beschafl'enheit der vorderen Stigmen, wel-
che nur bei Gastrus versteckter, bei den anderen an der
Oberfläche liegen. Auch die Gestalt ist nicht genauer be-
schrieben : unsere Larve ist weder nach hinten verdickt
wie bei den Gastrus und Cephalomyien, noch vorn dicker
als hinten und dabei gestreckt und walzig wie bei den Ce-
phenomyien, wo sich die grösste Breite zur Länge wie
1 : 4 bis 5 verhält, sondern ähnelt mehr den Hypodermen
in ihrer Gedrungenheit, nur mit dem Unterschiede, dass sie
nicht so kurz tonnenförmig, sondern hinten ausgezogen ist;
und mit einem cylindrischen Segmente endet. Ueber die
Gestalt und Verlheilung der Stacheln lässt sicli Goudot
dahin aus, dass die drei ersten Seo;mente mit schwarzen
Rauhigkeiten und sehr kleinen Häkchen besetzt seien , die
drei folgenden Segmente je 2 Gürtel von ebenfalls schwar-
zen aber stärkeren nach hinten gerichleten Häkchen tragen,
die 5 hinteren vollkommen o-latt seien. Dies stimmt mit
unserer obigen Beschreibung durchaus nicht überein, und
was man besonders erwägen muss, würden wohl, wenn bei
der iMade der Cuterebra noxialis hornige schwarze Rücken-
platten vorhanden gewesen wären, diese mit Stillschweigen
übergangen sein ? Dies lässt sich um so weniger anneh-
men, da sie bei keiner einzigen Larve der anderen Gattun-
gen beobachtet , also doppelt auffallend sind. Nur darin
scheinen noch beide übereinzustimmen , dass die Stachel-
chen nicht soAvohl wie bei den Gastrus, Cephalomyien und
Cephenomyien harte gelbliclic Papillen mit schwarzer hor-
niger Spitze , sondern durchweg hornig und schwarzge-
färbt sind.
Aus allem Angeführten geht hervor, dass unsere
Larve nicht zu Cuterebra noxialis gehört , dass also ausser
dieser (dem eigentlichen Gusano oder Nuche) , noch eine
andere südamerikanische , vielleicht nicht auf Costa ricca
■") Annales des sciences naturelles III. serie Zoologie 1845. III.
p. 221.
16 Grube: Beschr. einer Oestridenlarve ii. s. w.
beschränkte Oestride leben muss, die in der Haut von Rin-
dern und Menschen schmarotzt, und nach der Verschieden-
heit der Larve zu urtheilen , wohl gar einer anderen Gat-
tuno- angehört. Das Recht , sie zu benennen , wird dem
Entdecker der betreffenden Fliege zustehen, ich muss mich
l)eg-nügen Abbildung und Beschreibung der Larve gegeben
zu haben.
Erklärung der xibbihluiigen.
Fig. 4. Die Made unserer Oeslride von der Rückenseite, ver-
grössei't.
Fig. 5. Dieselbe von der Bauchseite, vergrössert.
Breslau im August 1859.
lieber eine neue Art Trigla aus China^
welche in die Abtheilimg- der Lyren gehört.
Beschriebe» von
Prof. Dr. Raup.
Ich theile die Triglen in folgende Abtheilungen:
A. Cavillonen.
Kleine Arten , welche die Länge von 4^ — 5 Zoll nicht
überschreiten. Ihre Lateral wie die ziemlich grossen Schup-
pen rauh. Der Kopf fällt steil ab, allein weder der Brust-
ring noch der Operkelstachel ist übertrieben lang.
Hierher: aspera , phalaena , papilio, sphinx , vanessa,
Richardson.
B. Seehähne oder S ee s ch walbe n.
Gleichen alle der Hirundo, zeigen einen schief abfal-
lenden Kopf, keine auffallende Stacheln am Praeoperkel,
Operkel und Brustring. Die Pectoral lang und breit, dunkel
mit lichteren Strahlen auf der Aussenseite ; auf der inneren
Seite nach den unteren Strahlen hin häufig auf der Innen-
seite mit einem dunklen weissgetüpfelten Fleck. Die La-
teral aus längeren glatten Tuben bestehend. Schuppen des
Körpers klein.
Hierher: fiirundo *") , microlepidota , Kumu, Peroni,
capensis.
C. Lyren.
Der Kopf fällt schief ab und die Schnauze ist mehr
oder weniger tief in zwei Lappen gespalten. Der Pecto-
ralring zeigt einen mehr oder minder dolchartig verlänger-
ten Stachel.
■••■) Dr. Rüppel hält den garrulus Risso seu poeciloptera Val.
für den jungen Fisch von hirundo, worin ich demselben beistimme,
Arch. für Naturg. Jahrg. XXVI. 1 Bd. 2
18 Kaup:
Hierher: armatii , Lyra, hemisticta Schleg. Fn. jap.
t. XIV B und t. XIV. 3 et 4, Bürger! Schleg-.
Da unter diesen meine neue Art sich befindet, so will
ich sämmtliche diagnosiren.
1) Die operkelstachlichte Lyre. Trigla armata Kaup.
Diagnose. Der dünne runde spitze Stachel des Oper-
kels so lang als der erste Stachel der ersten Dorsal.
Beschreibung. Eine kurze gedrängte Form mit gros-
sen Augen und stark gewölbten dornlosen Augendecken,
wodurch die Stirn sehr concav wird. Beide Schnauzen-
lappen wenig entwickelt , am Bande rauh wie eine Feile.
Das Praeoperkel nach unten mit zwei Dornen , wovon der
obere noch einen Abschnitt an dem unteren Theil der Wur-
zel hat. Brustringstachel kaum sichtbar. Die Hinterhaupts-
dornen sehr lang und nadelspitz.
Zwischen diese fast zum Hinterkopf gehend reichen
die Schilder, auf welchen die Stacheln der ersten Dorsal
stehen ; sie sind rauh, das erste convex , die folgenden in
der Mitte concav und sind vorn breiter als nach den hin-
teren zu. Auf den sechs vorderen stehen die 7 Stacheln-
Der 2te und 3te steht auf der 2ten Knochenschuppe. Die
vier hinteren Knochenschuppen ohne Stacheln reichen bis
zum ersten Strahl der zweiten Dorsal, die wie bei der Tr.
polyommata keine Spur von seitlicher Bewaffnung zeigt.
Alle 7 Stacheln der ersten Dorsal sind gerade. Der
erste so lang als der Operkelstachel, der zweite y^ länger
und der dritte der längste und stärkste, von dem 4ten bis
7ten werden sie allmählich kürzer. Der Stachel des Brust-
rings sehr kurz, allein spitz.
Die Pectoral scheint bis zu den ersten Strahlen der
2ten Dorsal gereicht zu haben. Die vorderen oder oberen
6 Strahlen waren hellfarbig mit dunklen braunpunktirten
Membranen , allein die unleren Strahlen wie Membranen
sind schwarz un regelmässig weiss gefleckt.
Die Lateral wie bei polyommata ohne einen Bogen
wie bei lyra zu bilden.
Die Farbe scheint röthlich gewesen zu sein , allein
die schmälere obere Hälfte längs der Lateral war dunkler,
Ueber eine neue Art Trigrla aus China, 19
als die lichtere untere Hälfte. Es zeigen sich weder Flecken
auf den Dorsalen noch auf dem Körper.
Ich kenne nur ein getrocknetes Exemplar von 90 Mm.
Länge aus einer chinesischen Insektenschachtel , in der
sich viele junge und kleine Fische aus China befanden..
Steht der hemisticta Schleg. am nächsten durch die
seitlich dornenlose Rückenkante nächst der 2ten Dorsal, von
der sie sich jedoch wesentlich schon durch die Diagnose
unterscheidet. ■ — '- '- — ^.
A . 12
2) Europäische oder brustdornige Lyre.Trigla Lyra Linn.
Diagnose. Der Brustring verlängert in einen dreikan-
tigen dolch ähnlichen oben fast durchaus gezähnelten Dorn,
der halb so lang als die Pectoral ist.
Bechreibung. Die gegabelte Schnauze auf jedem Lap-
pen mit 5 — 6 transparenten vorstehenden Dornen besetzt.
Augendecke schwach convex mit flacher Stirne , vorn und
hinten mit einem Dorne. Augen gross. Praeoperkel mit
einer gezähnelten Leiste , die in einen kurzen Dorn aus-
läuft. Dorn des Operkels ^/^ der Länge des Pectoraldorns.
Die Schilder der Dorsalen beginnen hinter den Dornen des
Hinterkopfes, sind alle tief concav und begleiten als 26
nach hinten gerichtete Dornen beide Dorsalen. Zwischen
beiden ein unbedeutender leerer strahlenloser Raum. Die erste
Dorsal zeigt den ersten Stachel gezähnelt, ebenso allein ge-
ringer den 2ten und 3ten; letzterer der längste. Von die-
sem nehmen die folgenden an Länge ab, bleiben jedoch bis
zum 7ten ungewöhnlich lang.
Die Lateral entspringt unter dem Hinterhauptsdorn,
fällt von da in einem Bogen abwärts und geht sodann ge-
rade bis zur Mitte des Schwanzes. Schuppen klein mit
3__4 Stacheln.
Roth (im Tode schmutzig strohgelb) mit schwarzen
Flecken auf der ersten Dorsal , die ich jedoch selbst nie
beobachtet habe. — * — — - — Der Kopf geht in die
ganze Länge über Syjmal. Gemein im Mittelmeer und der
Nordsee.
20 K a 11 p :
3) Die grossäugige Lyre. Trigla hemisticta Sclileg.
Fn. jap. p. 36. Tab. XIV. 11 und 111 Köpfe. Tab. XIV B
ganze Figur.
Diagnose. Der Stachel des Operkels ist breit durch
die flügeiförmigen Anhänge, etwas gekrümmt gewunden und
länger als der breite Pectoralstachel. Der Diameter des
grossen Auges hat fast die Länge des Operkelstachels oder
des 2ten Stachels der ersten Dorsal.
Beschreibung. Gleich der armata durch den Mangel
der Stacheln der 2ten Dorsal längs der Rückenkante, durch
die vorgerückten Schildchen der ersten Dorsal zwischen
die Dornen des Hinterkopfes, weicht jedoch durch die Bil-
dung des Operkelstachels, durch die zwei des Praeoperkels
und Färbung- der Pectoral u. s. w. ab.
Der Kopf von den Schnauzenlappcn bis zum Hinter-
hauptdorn gemessen, geht in die ganze Länge dreimal, wäh-
rend er bei armata nur 272 misst.
Die Schnauzenlappen feilartig rauh am Rande, sprin-
gen von oben gesehen nicht über die Contur des Kopfes
vor. Die obere Augendecke ohne Dornen und ohne Leiste
auf dem unteren Augenknochen. Der Praeoperkel mit einem
Dorne und unter diesem runde granulirte Ausschnitte ohne
Dornen zu bilden. Der Brustringdorn durchaus breit mit kur-
zer Spitze. Die Schildchen der ersten Dorsal und der Hin-
terkopf lassen einen Raum zwischen sich , der der Länge
des ersten Dorsalstachels gleich ist und das erste Schild-
chen überreicht nur etwas die Spitzen des Hinterkopfs. Die
Stacheln der ersten Dorsal ungewöhnlich stark, namentlich
die 2te bis 5te. Die 4te ist die stärkste und längste. Zwi-
schen dem letzten Strahl und dem ersten der 2ten ein
dornloser Raum von fast der Länge des ersten Dorns, wahr-
scheinlich ebenfalls wie bei armata mit vier Schildchen ver-
sehen.
Lateral mit schwachen Kielen, die sich rauh anfühlen,
zieht sich ohne einen Bogen zu bilden, längs des Rü-
ckens hin.
Beide Dorsale schwarz gefleckt , ebenso der obere
Theil der Körperseiten. Pectoral in der Mitte mit schwärz-
lichen Membranen, sonst strohgelblich. Ventral, Anal und
lieber eine neue Art Trigla aus China. 21
Caudal einfarbig- weisslich. Körper oben rothbraun untere
Hälfte ffelblich, — '- ^ .
^ A.ll
Japan nach Schlegel und Temmink.
4) Breitschnauzige Lyre. Trigla Bürgeri Schleg.
Fn. jap. tab. XIV. fig. 1 et 2.
Diagnose. Die breiten rauhen Schnauzenlappen un-
gewöhnlich breit , springen nach aussen vor und sind von
oben gesehen fast so weit nach aussen als die Contur der
Wangen. Augen klein.
Beschreibung. Diese Art gleicht lyra mehr als der
armata und heniisticta, indem beide Dorsale zusammenstos-
sen und regelmässig mit Dornen längs der Rückenkante
versehen sind.
Die obern Augendecken, wie bei allen exotischen, ohne
Stacheln, und lassen zwischen sich einen breiten Raum, der
breiter ist als der Längsdurchmesser des ganzen Auges. Der
Operkclstachel klein und unbedeutend ohne freien transpa-
renten Dorn. Der Stachel des Brustrings dagegen entwi-
ckelter, jedoch nicht so stark als bei lyra.
Die erste Dorsal ragt zwischen die Dornen des Oc-
ciput hinein, was bei lyra nicht der Fall ist. Die Dorn-
slrahlen sind schlank, massig dick und keine ist am vorde-
ren Rande gezähnelt. Der erste ist sehr lang und der
zweite der Längste. Zwischen der ersten und zweiten Dor-
sal ein höchst unbedeutender leerer Raum , der mit einem
gedornten Schildchen , wie bei lyra ausgefüllt ist. Die
Pectoral klein, so lang als der Körper über dem Anus hoch
ist. Wie armata und hemisticta sich in der Zahl der Dorsal
und Anal gleichen , so zeigen lyra und Bürgeri in dieser
fast keine Difl'erenz.
Die gerade Lateral hat wie der Körper grössere Schup-
pen und zeigt 3 — 5 kleinere Kiele. Der Kopf geht fast
dreimal in die Totalläno-e.
Die Farbe ist roth, Bauch, Anal und Ventral weisslich.
D . 9 . 16 .
— - — — — Japan.
A . 16
22 Kaup:
5) Trigia polyommata Richardson.
Proceeding 1839. p. 96.
Diese Art hat Aehnliclikeit mit armata und hemisticta,
indem die Dornen der 2ten Dorsal fehlen , allein ist zu
skizzenartig beschrieben, um deutlich die Differenz von bei-
den zu sehen.
Die Beschreibung lautet : Tr. polyommata has minute
cycloid scales, an unarmed lateral line and the dorsal pla-
tes confined to the first dorsal , there being no dilatation
whatever of the interspinous bones of the second dorsal.
All the spines of the hcad ai'e stilettoshaped , and one
whose base occupies the whole anterior end of the infraor-
bitar on each side , projects boldly beyond the snout, and
gives the fish a very different aspect from any other known
gurnard. — Van Diemensland.
Letzteres Kennzeichen von vorstehenden Schnauzen-
lappen scheint auf eine Form zu deuten, die diese noch
entwickelter als Bürgeri hat. Bei allen übrigen sind sie
nicht auffallender entwickelt als die der Tr. lyra. Diese
Art bedarf einer genaueren Beschreibung.
D. Me erhabne.
Zeigen wie die Seehähne und Lyren einen schief
abfallenden Kopf und eine dornige Seitenlinie. Rumpf ohne
quere Reihen von Poren.
Hierher : 1) Trigla milvus Lac. (cuculus Bloch, Blochi
Yarr., rodinogaster Nardo).
2) lucerna Brunn. ( obscura Linn. Bonap. , cuculus
Risso, filiaris Otto).
3) gurnard US Linn.
E. P or en trigl en.
Zeichnen sich durch eine Menge von vertikalen Linien
aus, die nach hinten , wie die Zweige einer Fichte , kleine
Porentuben haben.
Trigla lineata Linn. (adriatica Gm., lastoviza Br.).
Trigla cuculus Linne (pini BL, lineata Mont., hirundo
Risso. (Die Radienformel passt jedoch nicht.)
lieber eine neue Art Trigla ans China. 23
Ich weiss nicht, wohin die pauciradiata Benn. von
Trebizond gehört. Sie soll nur sechs Dornstrahlen in der
ersten Dorsal haben. Da die letzte häufig- sehr klein ist,
so fragt es sich , ob diese nicht übersehen wurde. Hätte
sie nur 6, so wäre dies allerdings die geringste Zahl, die
unter Triglen vorkommt. In der Zahl der Radien der 2ten
Dorsal und Anal kommt sie mit hirundo überein. Ich habe
Ursache zu zweifeln , ob diese Art als Art existirt und
nicht eine zufällige Monstrosität ist.
Darmstadt, den 19. August 1859.
Heber zwei yermuthlich neue Chilenische Enten und
über Fringilla barbata lol.
Von
Dr. R. A. Philipp!,
Prof. der Zool. und Botanik in Santiago.
Zwei in diesem Winter erhaltene Enten finde ich in
den mir hier zugänglichen Büchern nicht beschrieben.
1. Anas iopareia Ph. '").
Dimensionen.
Länge des Vogels von des Spitze des Schnabels bis
zum Ende des Schwanzes mit dem Bandmaass ge-
messen 22 Zoll.
Länge des Oberschnabels . . . 25V2 Linie.
Breite desselben am Grunde
„ „am breitesten Theile
„ seines Nagels
Höhe desselben am Grunde
Länge des Tarsus ....
„ der Mittelzehe (mit dem Nagel)
„ der Aussenzehe . ,
„ der Hinterzehe
Die ganze Körperbildung stellt diese Ente zwischen
A. specularis King und A. oxyura Licht. Der Schnabel ist
fast genau wie bei A. specularis nur weit höher, so dass
er beinahe eine gerade Linie mit der Stirn bildet; vorn
ist er nur wenig breiter als hinten; die Firste ist schwach
concav, und der schmale Nagel greift an der Spitze hakenartig
über den Unterkiefer über. Die Firste bildet am Grunde mit
■"■) ios Rost, naqnd Wange.
Philippi: Ueb. zwei verinuthlich neue Chilenische Enten. 25
den Seitentheilen beinahe einen rechten Winkel , und die
letzteren sind hier vollkommen eben. Die Nasenlöcher sind
oval, wie bei den genannten Arten beschaffen. Die Beine
stehen massig weit nach hinten , und die Hinterzehe hat
jinen breiten Hautsaum. Der Schwanz ist kurz und spitz,
etwas länger und spitzer als bei A. specularis, aber kür-
zer und stumpfer als bei A. oxyura. Was nun die Färbung
betrifft, so haben die Federn meist einen braunen oder
schwarzen Grund mit einem mehr oder weniger breiten
rostbraunen Rand , der oft noch weiss gesäumt ist, an den
einzelnen Körpertheilen ist bald mehr der schwarze , bald
mehr der rostfarbene, bald mehr der weisse Theil über-
wiegend. Die Oberseite des Kopfes und Nackens ist braun,
doch unterscheidet man deutlich den rostgelben Rand der
Federn ; die Seiten derselben sind rostbraun , und die Fe-
dern der Wangen zeigen jede einen schwarzen Fleck.
Kehle und S e i t e n des Halses sind blass rostfarben und
ungeileckt; der unlere Theil des Nackens etwas dunkler
aber heller als der obei'e Theil. Die Augenlieder und ein
schmales Halssband am unterern Ende des Halses, welches
Avenig auffallend ist , sind weiss. Die Brust ist rostbraun
und schwarz gefleckt, der Bauch anfangs weiss mit schwar-
zen Flecken, später fast ganz weiss, und gehen diese Fär-
bungen allmählich in einander über, indem der anfangs
schmale weisse Saum der Federn allmählich immer breiter
wird, und den rostbraunen Theil und zulelzt selbst den
schwarzen der Federn zurückdrängt. Die Seiten der Brust
sind dunkelbraun, fast schwarzbraun, mit rostgelbem Saume
der Federn. Die Seiten des Leibes bis zum Schwänze sind
schwarz und weiss gesprenkelt, Jede Feder ist nämlich
schwarz mit einer weissen schwarz gesprenkelten Quer-
binde und einem eben solchen Rande. Die Federn des
Rückens sind schwarz , metallisch glänzend, nach dem Na-
cken hin mit schmalem rostgelben Saume. Dieser hat die
Färbung der oberen Seite des Kopfes. Die Schwanzfedern sind
oben braunschwarz mit schmalem rostgelben Saume , unten
grau; die äusseren haben einen helleren bräunlichen Saum.
Die unteren Deckfedern des Schwanzes so wie die letzten
Federn des Unterleibes sind weiss, in der Mitte schwarz, mit
26 Fhil i ppi :
weissen Sprenkeln. Die Schwung-federn der ersten Ordnung
sind braunschwarz , die der zweiten Ordnung sind grün
schillernd und ein Paar derselben haben einen schmalen,
weissen Saum. Ein rigentlicher Spiegel fehlt. Der Ober-
schnabei ist im Leben braungelb mit schwärzlichem Nagel,
der Unterschnabel gelbroth. Die Füsse sind ebenfalls gelb-
roth mit schwarzen Nägeln. Das beschriebene Exemplar
ist ein Männchen.
2. Erismatura mttata Ph.
Dimensionen.
Länge von der Spitze des Schnabels bis zum Ende
des Schwanzes .... ITy^ Zoll.
Länge des Oberschnabels . . . 17 V2 Linie.
Breite desselben am Grunde . . 9 „
„ „ am breitesten Theile nahe 10 „
„ seines Nagels . . , . V/j y^
Höhe des Schnabels am Grunde . 8% »
„ des Tarsus .... 15 „
Länge der Mittelzehe .... 26 „
Die Bildung und Verhältnisse des Körpers sind ziem-
lich wie bei E. ferriiginea Eyton bei Gay Vol. L p. 458,
welche Ente in hiesiger Gegend Pato tripoca heisst (nach
Gay soll ihr Name Pato pimpillo sein). Unsere Art hat
aber einen etwas kürzeren Schnabel, und die Kante, welche
am Grunde die Firste von den Seitentheilen trennt, ist ab-
gerundet. Die Färbung des Oberkopfes ist braun, doch
haben die Federn des Hinterkopfes einen rostgelben Rand
und ist diese braune Färbung durch eine horizontale, von
der unteren Seite des Schnabels beginnende Linie scharf
nach unten begrenzt. Eine Aveissliche fein grau gewellte
Binde verläuft horizontal von der halben Höhe des Ober-
schnabels dicht unter dem Auge fort nach dem Nacken hin,
vereinigt sich jedoch nicht mit der der entgegengesetzten
Seite; sie ist so breit wie der braune Streifen unter der-
selben. Die Kehle ist weisslich , mit feinen graubraunen
Wellen , die an den Seiten des Halses breiter werden, und
eben so viel Raum einnehmen als der weisse Grund , auf
dem NacKen dagegen die weisse Farbe ganz verdrängen. Der
Ueber zwei verniuthlich neue Chilenische Enten. 27
untere Theil des Halses ist hellbraun mit feinen weissen
Wellen. Brust und Bauch erscheinen hell rostgelb mit
schwarzen Wellen, indem jede einzelne Feder grau, gegen
die Spitze hin schwarz und mit einer breiten rostgelben
Franze versehen ist. Der Unterleib ist heller, fast weiss-
lich , indem die schwarze Färbung an der Spitze der Fe-
dern allmählich verschwindet , und auch der rostfarbene
Saum weniger auffallend ist. Die Seiten sind schwarz und
braungelb gewässert, ähnlich wie die Brust. Der Rücken ist
schwarzbraun mit feinen weissen Punkten gesprenkelt. Die
Schwungfedern und die Deckfedern derselben sind einfach
schwarzbraun, ohne anders gefärbte Ränder, mit tief schwar-
zem Schafte, und so sind auch die Schwanzfedern einfarbig
braun, mit schwarzem Schaft jedoch etwas blasser; sie sind
3V2 Linie breit. Die letzten unteren Deckfedern sind ganz
weiss. — Der Schnabel ist oben schwarz, unten roth; die
Füsse sind schwarz. — Das beschriebene Exemplar ist ein
Männchen.
Der bedeutend kürzere Schnabel und die weisse Binde
unter den Augen unterscheidet diesen Vogel sogleich von
der jungen nicht ausgefärbten E. ferruginea.
Ueber Friiigilla barbata lol.
Wenige Vögel sind in Chile so gemein wie der sog.
lilguero oder Silguero *") , der Repräsentant unseres deut-
schen Zeisigs : man hält ihn auch überall in der Gefangen-
schaft, und führt viele Vögel nach Peru aus. Molina hat
diesen Vogel Fringella barbata genannt, s. dessen Saggio
sulla storia naturale del Chili. Bologna 1782. p. 247, wo frei-
lich die Beschreibung falsch genug ist. Bei Gay Vol. I.
p. 352 finden wir diesen Vogel als Chrysomitris campestris
Gould aufgeführt ; aber nur das Männchen , welches sich
durch das schwarze Kinn vom Weibchen unterscheidet, kurz
beschrieben. Dieses schwarze Kinn hat unstreitig Mol in a
■"■) In Spanien wird dieser Wamen dem Stieglitz beigelegt,
und der Zeisig heisst dort Verderol.
28 Philippi: Ueb. zwei vermuthlich neue Chilenische Enten.
Veranlassung zum Namen barbata gegeben; der Spanier
hat nämlich , um Kinn und Bart zu bezeichnen , nur das
eine Wort: barba. Nach Desmurs a. a. 0. bei Gay
(Herr Desmurs hat bekanntlich die Vögel bei Gay be-
arbeitet) ist dieser Vogel die Fringilla campestris Spix Av.
bras. tab. 59, welches Werk ich nicht nachsehen kann. Als
Synonym citirt er Fr. barbata Mol. Warum hat er nicht
der Priorität folgend, die Art Chrysomitris barbata genannt?
— Herr Hartlaub hat in der Naumania für 1853, welches
Werk mir im Mai Herr Celebor in Valparaiso auf kurze
Zeit borgte, die von mir aus Voldivia gesendeten lilgueros
für eine verschiedene Art gehalten , und a. a. 0. als Gri-
ihagra flavospecularis beschrieben, indem wahrscheinlich der
schlechte Zustand, in Avelchem meine Vögel in Deutschland
ankamen, ihm nicht erlaubt hat, die Identität mit Molina's
Fringillas barbata oder Spixens Fr. campestris zu erkennen.
Ebenso wenig hat Herr Cassin diesen Vogel erkannt, er
beschreibt ihn U. S. Naval Astron. Exped. Vol. II. p. 181
als Chrysomitris marginalis Bonap. , und bildet tab. XVII
Männchen und Weibchen ab. Es ist ihm nicht in den Sinn
gekommen, dass dies der so gemeine lilguero sein könnte.
Wenn nun, Avie sich wohl voraussehen lässt, seine Abbil-
dung und Beschreibung wirklich die Chr. marginalis Bonap.
darstellt, so stellt sich die Synonymie des lilguero so heraus:
Chrysomitris barbata.
Fringilla barbata Mol. 1782.
Fringilla campestris Spix.
Chrysomitris campestris Gould, Desmurs bei Gay 1. c.
Chrysomitris marginalis Bonap. , wenigstens bei Cas-
sin 1. c.
Grithagra flavospecularis Hartlaub 1. c.
Santiago, den 31 . Juli 1859.
Skizzen aus dem zoologischen Garten in London.
Von
Dr. Albert Günther.
I. Die kaltblütigen Wirb elthiere.
Als im Jahre 1849 der erste Versuch in der Menage-
rie der zoologischen Gesellschaft in London gemacht wurde,
diese an Artenzahl so reichen Thierklassen durch eine um-
fassendere Sammlung zu repräsentircn, stellte es sich bald
heraus, dass ein grosser Theil derselben mit grösserer Leich-
tigkeit die Gefangenschaft ertragen könne, als man anfangs
erwarten zu dürfen glaubte. Anfängliche Verluste an Thie-
ren wurden so viele Gewinne an Erfahrungen, nahmen an
Häufigkeit ab, und waren zuletzt auf den gewöhnlichen Ab-
gang, der sich in jeder Menagerie in den Classen der Säu-
gethiere und Vögel herausstellt, reducirt *"'). Viele Thiere,
welche ich bei einem früheren Besuche in London vor fünf
Jahren gesehen , fand ich später w ieder, und manche von
ihnen befinden sich noch im besten Wohlsein. Die Samm-
lung erw^eckte die lebhafte Theilnahme von Naturforschern
und auswärtigen Sammlern. Das Publikum selbst findet
bei der zweckmässigen Ausstellung, ein grosses Interesse
""') Selbst dieses Verhältniss halte ich für ein noch zu ungün-
stiges. Reptilien erfordern bei weitem nicht dieselbe Sorgfalt in der
Art und Zeit der Fütterung, oder denselben ausgedehnten Raum wie
Säugethiere und Vögel. Der Trieb nach freier Bewegung ist in sehr
beschränktem Grade vorhanden. Die erste und wichtigste Bedingung
zu ihrem Wohlbefinden ist eine Temperatur, die dem Clima, welchem
sie entstammen, möglichst angepasst ist. Ich werde später noch Ge-
legenheit haben, auf darauf bezügliche Unvollkommenheiten des Gar-
tens zurückzukommen.
30
Günther
an Thieren , deren Leben ihm sonst mehr oder weniger
völlig- verborg-en , oder nur aus der Erinnerung von den
Erzählungen der Kinderschriften bekannt ist, und die Be-
sucher überfüllen das Lokal zur Zeit der allwöchentlichen
Fütterungen. Welchen Werth eine solche Sammlung für
den Naturforscher hat, brauche ich nicht auseinanderzuset-
zen , und um das Interesse der Leser des Archivs in An-
spruch zu nehmen, glaube ich nur eine Liste der gegen-
wärtigen Sammlung geben zu dürfen.
Schildkröten.
Chelydra serpentina.
Testudo graeca.
Emys mobiliensis.
Emys picta.
Crocodilus americanus.
Alligator mississipensis.
Grmmatophora barbata.
Iguana rhinolophus.
Cyclodus gigas.
Lacerta ocellata.
Lacerta viridis.
Podarcis muralis.
Emys guttata.
Emys rubriventris.
Emys decussata.
Malacoclemmys concentrica.
Saurier.
Ascalabates mauritanicus.
Scincus officinalis.
Pseudopus Pallasii.
Clothonia Johnii.
Trogonophis Wiegmanni.
Seps tridactylus.
Anguis fragilis.
Python Sebae.
Python regius.
Python molurus.
Python reticulatus.
Boa constrictor.
Chilabothrius inornatus.
Corallus hortulanus.
Crotalus durissus.
Clotho arietans.
Vipera berus.
Naja haje.
Cenchris piscivorus.
Schlangen.
Zamenis hippocrepis.
Coluber guttatus.
Colubcr quadrivittatus.
Coluber Blumenbachii.
Tropidonotus fasciatus.
Tropidonotus viperinus.
Tropidonotus natrix.
Tropidonotus ordinatus.
Philodryas viridissimus.
Oxyrhopus trigeminus.
Calopisma Reinwardtii.
Skizzen aus dein zoologischen (Jaiten in London.
31
Biifo viridis.
Bufo calamita.
Bufo pantheriniis.
Alytes obsteh'icans.
Rana esculenta.
Rana mugiens.
Ceratophrys corniita.
Salamanclra maculosa.
Gasterosleus.
Mugil capito.
Perca fluviatilis.
Blennius palmicornis.
Blennius pholis.
Crenilabrus cornubicus.
Zoarces viviparus.
Motella vulgaris.
Batrachier.
Salamandra atra.
Amblystoma luridum.
Triton cristatus.
Triton tacniatiis.
Amphiuma tridactylum.
Lepidosiren.
Fische.
Salmo fario.
Pleuronectes platessa.
Pleuronectes flesus.
Rhombus maximus.
Conger vulgaris.
Hippocampus.
Die gewöhnlichen Cyprinoi-
den Englands.
Esox lucius.
Diese Thiere sind in zwei Gebäuden untergebracht:
dem R e p t i 1 i e n h a u s e, das für diesen Zweck allein her-
gerichtet ist, und dem W a ss er t hi er h a u se , das neben
Fischen und Wasserreptilien noch die Salzwasser-Aquarien
für niedere Thiere enthält. Betreten wir das erstere , so
befinden wir uns in einem länglich-viereckigen Räume von
etwa 50' Länge, 24' Breite und 15' Höhe; eine Reihe Be-
hälter von ihren Bewohnern entsprechender Grösse nimmt
drei Seiten desselben ein. Die Temperatur soll durch heis-
ses Wasser, dass mit einer Dampfmaschine in vielfach ge-
wundenen Röhren durch den Boden der Käfige geleitet wird,
auf demselben Stande von 70° F. erhalten werden *"'). Das
■••') Diese Temperatur ist an und für sich zu niedrig für tropi-
sche Thiere ; allein sie bleibt in den Käfigen gar nicht auf diesem
Grade stehen, da, namentlich während des Winters, eine beträchtliche
Abkühlung an den freien Raum des Gebäudes, der nicht geheizt ist,
stattfindet. Die erstrebte gleichmässige Temperatur selbst aber ist an-
32 Günther:
Licht fällt von oben herein. Die Kälig-e sind vom Boden
vier Fuss entfernt , und haben alle eine gleiche Höhe von
fünf Fuss. Ihre vordere Seite ist durch eine einzige Glas-
scheibe abgeschlossen, welche dick genug ist, um nicht nur
einen Druck von Seiten grösserer Schlangen, (welchen diese
Thiere in der That nie versuchen) , sondern auch einen
etwaigen Stoss von aussen aushalten und die vollständigste
Besichtigung der Thiere gestattet. Der Zugang zu den Kä-
figen ist verschieden hergerichtet ; die grossen Behälter ha-
ben auf der hinteren Wand eine grössere und eine kleinere
Fallthüre , durch welche der Wärter hineingehen oder das
Futter U.S.W, ohne die geringste Störung für das Thier hin-
einbrino-en kann. Bei den kleineren Käfio-en vertritt die
Glasscheibe die Stelle der Fallthüre. In den Behältern end-
lich , welche die giftigen Schlangen enthalten , bleibt die
Glasscheibe fest verschlossen und ihre Thüren sind seitlich
angebracht, d. h. ein solcher Behälter ist nur durch seinen
Nachbarbehälter zugänglich. Dadurch ist einem etwaigen
Entschlüpfen der Schlange vorgebeugt. Durch ein anderes
kleines Loch auf dem Dache des Behälters , das für die
Schlange unzugänglich ist, wird das Futter hineingebracht,
oder, wie das z. B. beim Reinigen der Käfige nothwendig
ist, die Schlange veranlasst, sich in den Nachbarbehälter
zu begeben. Ein Wasserbehälter, der einen halben Fuss
tief ist und dessen W^asser durch darunter befindliche Röh-
ren Winters erwärmt wird, nimmt etwa ein Drittel des Bo-
dens ein ; der Rest ist mit einer Schicht feinen Kieses '"*)
belegt. Die Schlangen haben einen wollenen Teppich (bei
zufechten, indem, von den natürlichen Veihällnissen aus zu schlies-
sen , es viel zweckmässiger erscheint , die Temperatur während des
Tages zu erhöhen und in der Nacht sinken zu lassen. Thatsache ist,
dass die Sterblichkeit während des Winters eine Dreifache zu der
des Sommers ist. Der Zoologe kann in dieser Beziehung im bota-
nischen Garten vieles lernen.
""■) Dieser Kies hat schon viele der Thiere getödtet: in mehr
als der Hälfte der Schlangen, die ich untersuchte, fand ich die Cloake
damit verstopft, sie müssen ihn mit der Beute zugleich verschlingen.
Bei anderen Vortheilen, die der Kies als Bedeckung des Bodens ge-
währt, weiss ich kein besseres Material vorzuschlagen.
Skizzen aus dem zoologischen Garten in London. 33
weitem das Reinlichste) , unter den sie sich verkriechen
können, die Saurier und Betrachier einen Haufen Moos.
Der hintere Raum des Gei)äudes enthält ein kleines
Zimmer für den AVärter '"'). Die allgemeine Fütterung der
Thiere dieses Hauses findet einmal wöchentlich gegen Abend
statt: das Futter besteht in Fröschen, Eidechsen, Sperlin-
gen , Enten , weissen Mäusen (besonders jungen) , Meer-
schweincheYi und Kaninchen. Die Abendfütterung hat man-
che Vortheile ; nicht nur ist diese Zeit dem Publikum die
gelegenste , sondern manche der Thiere ergreifen oft ihre
Beute erst in der Nacht, oder einige tödten sie zwar, aber
nur um sie erst mit Einbruch der Dunkelheit zu verschlino-en.
Wir wenden uns nach diesem allgemeinen Ueberblick
zu den Bewohnern des Hauses und beginnen mit dem er-
sten Behälter der Reihe links bei unserem Eintritte. Die
Etiketten belehren uns , dass darin Chilabothrius inornatus
und Corallus hortulanus, Landsleute von den westindischen
Inseln, hausen, obwohl zunächst nichts von ihnen zu sehen
ist. Es ist kein Teppich im Behälter , worunter sie sich
verkrochen haben könnten , und so suchen wir endlich in
den Verzweigungen der Aeste, von welchen einige in den
Käfig gestellt sind. Da ist denn auch im obersten und
dunkelsten Winkel ein runder Knäuel von einer Grösse,
dass er offenbar nicht von einer Schlange gebildet sein
kann. Er bleibt aber unbeweglich, und nicht einmal der
einzige Kopf, welcher zwischen der compakten Masse von
Windungen hervorsiehl, giebt das geringste Lebenszeichen
auf unser ungestümes Klopfen gegen das Glas. So , und
an demselben Platze lagen sie schon vor fünf Jahren, heute
jedoch wollen wir den Knoten sich entwirren lassen. Kaum
hat der Wärter den Schieber, um ihn zu öffnen, berührt, so
beginnt der zuerst sichtbare Kopf sein Spiel mit der Zunge,
eine zweite und dritte spielt zwischen den Windungen
durch , ein Heben und Sinken des Klumpens durch das
■") Die zoologische Gesellschaft hat das Glück Wärter in ihrem
Dienste herangezogen zu hahen , die durch ihre Beohachtungsgabe,
durch ihre Vorliebe zu der Abtheilung, die sie bedienen, ja durch
ihre wirklichen Kenntnisse den Besucher in Erstaunen setzen.
Arch. für Naturg. Jukrg.XXVl. 1 Bd. 3
34: Günther:
nun aufgeregte Athmen wird siclitbar und lässt das bald fol-
gende Gegenbild gegen jenen trägen Klumpen ahnen; denn,
kaum hat der Wärter mit seinem Stöckchen eine der Schlan-
gen berührt, so entwirrt sich der Knäuel mit einer Schnel-
ligkeit , dass das Auge nicht zu folgen im Stande ist ; an
jedem Aste gleiten sechs bis sieben Fuss lange Schlangen
herunter, lautlos und nicht zischend, wie wir es von an-
deren Arten gewohnt sind, und zertheilen sich durch den
Käfior; es sind sechse f) an der Zahl, unter denen jedoch
der Corallus hortulanus nicht ist. Dieser bleibt ruhig auf-
gerollt in einer anderen Ecke, geschieden von der anderen
Species, deren Ruheplatz er immer mied, und welche auch
ihn zu vermeiden scheint, da selbst bei Gelegenheit einer
Aufregung , wie die eben beschriebene , sich nie ein Chi-
labothrius auf den Ast verirrt, den er sich zum Ruheplatze
auserwählt hat. — Nach Verfluss von etwa einer halben
Stunde fängt eine Schlange an, langsam zum alten Ruheort
zurückzukehren ; ihr folgt eine zweite , dritte und sofort,
bis in kurzer Zeit derselbe Klumpen , in dem wir sie ge-
troffen haben, wieder gebildet ist. Beide Species ruhen
nie auf dem Boden aus: es sind offenbar Baum -Beiden.
Dass sie zusammenliegen, ist ein Beweis, dass die Tempe-
ratur des Käfigs für sie zu nieder ist , obgleich hoch ge-
nug , um ihnen ihre Gesundheit zu erhallen. Sie werden
mit Sperlingen gefüttert, und aller Wahrscheinlichkeit nach
sind Vögel ihre gewöhnliche Nahrung im freien Zustande.
Bei einer mehr angemessenen Temperatur würden sie ge-
wiss regelmässiger fressen : selten fängt mehr als eine
während des Tages einen Sperling; während der Nacht
werden zwei oder drei weitere gefressen, so dass die Hälfte
^'") Vor wenigen Tagen hat der Knäuel durch den Tod einer
Schlange , um ein paar Windungen abgenpniii.en. Das Thier starb
an einer sehr gewöhnlichen Krankheit unter den Schlangen, wobei
die Zahnränder mit übel aussehenden und leicht blutenden Geschwü-
ren bedeckt sind. Solche Thiere sterben gewöhnlich, und da die
Krankheit sehr häufig ist, so ist es beim Ankaulen einer Schlange im-
mer gerathen, das Maul zu untersuchen. Eine der Schlangen hat vor
einigen .Jahren gegen 30 lebendige Jungen geboren, die aber 'bald
starben.
Skizzen aus dem zoologischen Garten in London. 35
der Schlangen immer vierzehn Tage oder drei Wochen
fastet. Sie saufen sehr wenig , und häuten sich , wie alle
Boiden, viermal des Jahres.
Die Bewohner des zweiten Käfigs sind ein Boa con-
strictor vom südamerikanischen Continent und eine Zamenis
hippocrepis von Nord -Afrika. Die erste ist das schönste
Exemplar, das ich gesehen, und über acht Fuss lang. Seine
und der übrigen Pythonen Lebensart im freien Zustande
und ihr indolentes Benehmen in der Gefangenschaft sind zu
wohl bekannt, um hier eines weiteren Berichtes zu bedür-
fen. Zamenis" hippocrepis ist am Bauche schön dunkel ro-
senroth , was man an AVeingeistexemplaren nicht mehr zu
sehen bekömmt; sie nährt sich ziemlich regelmässig von
Sperlingen, beisst gerne, und versucht nie zu klettern.
Im dritten Käfig sind mehrere Exemplare von Python
regius.
Der vierte und grösste Behälter des Hauses enthält
ein Paar Python Sebae. Das Männchen ist acht Fuss lang,
das Weibchen neunzehn, und schon seit Jahren in der Me-
nagerie. In den zwei letzten Jahren, während des Monats
August, begatteten sie sich beinahe täglich. Die Folge,
in diesem Jahre, war eine beträchtliche Anschwellung des
Weibchens, die jedoch mehr tympanitischer Natur gewesen
zu sein scheint. Sie fressen sehr unregelmässig , sowohl
was die Zeit, als die Quantität betrifft: das Weibchen frass
einmal von selbst neun Enten bei einer Fütterung; frisst
es nach einer langen Zeit zum ersten Male wieder, so be-
festigt der Wärter an das Thier, welches die Schlange zu
verschlingen beschäftigt ist , ein oder zwei andere frisch
getödtete. Sie lässt sich dadurch nicht stören , und fährt
ruhig zu schlingen fort, bis sie am Ende der Beihe ange-
kommen ist. Bei keiner der Schlangen bemerkte ich eine
Einspeichelung der Beute. Nie werden sie auf gewaltsame
Weise zum Fressen genöthigt , wie man dieses in vielen
Menagerieen sieht , auch wäre dieses bei dem Weibchen
nicht rathsam, da es zu Zeiten ziemlich wild ist. Als eines
Tages der Wärter mit einem Arbeiter in den Behälter stieg,
um eine Reparatur vorzunehmen, schien das Geräusch und
die Gegenwart von zwei Menschen den Schlangen zu un-
36 Günther:
bequem zu werden. Das Männchen verkroch sich unter
grässlichem Zischen unter den Teppich, während das Weib-
chen sich zum Ang-riffe anschickte, und unglücklicherweise
neben der Thüre seine zum Sprunge fertige Stellung ein-
nahm, so dass der Rückzug von vorne herein abgeschnit-
ten war. Die beiden Gefangenen verhielten sich unbeweg-
lich in ihrer Ecke , und entgingen dadurch einem Kampfe,
der, in Betracht der Werkzeuge, die sie bei sich hatten,
wahrscheinlich in dem Tode der Schlange geendigt hätte.
So jedoch begnügte sich diese, mehreremal den Kopf nach
ihnen zu schnellen, und nach einer halben Stunde zog sie
sich ganz zurück.
Die beiden letzten Käfige dieser Reihe enthalten Sau-
rier von sehr verschiedener Verwandtschaft : Clothonia
johnii , Cyclodus gigas , Scincus officinalis, Grammatophora
barbata , Lacerta ocellata und viridis, Cliamaeleo vulgaris.
Für alle ist in einem Gefässe ein beständiger Vorrath von
Mehlwürmern vorhanden, der Winters wie Sommers täglich
erneuert werden muss, da sie nicht, wie die Schlangen, sich
einem freiwilligen Fasten unterziehen. Die Clothonia', wie
die Scincus sind während des Tages stets unter dem Kies;
da die erstere jedoch noch einer substantielleren Nahrung,
als der von Insekten, bedürfen, so werden sie zur Zeit der
allgemeinen Fütterung hervorgeholt. Sehr junge Mäuse
ergreifen sie sofort, ähnlich wie wir es nachher bei Pseu-
dopus finden werden. Der Wärter sagte mir jedoch, dass
sie hie und da dieselben vor dem A^erschlingen vollständig
mit Speichel überziehen, ich selbst habe es nie gesehen.
Der Cyclodus gigas befindet sich nun schon seit drei Jah-
ren in der Menagerie und hat in dieser Zeit an Länge und
besonders an Umfang ersichtlich zugenommen; er ist nun
über fünfzehn Zoll lang. An trüben Tagen ist er meist
unter dem Moose verborgen, während er bei Sonnenschein
langsam und mit leicht wellenförmiger Biegung des Lei-
bes im Käfig herumkriecht und öftere Mahlzeiten an Mehl-
würmern und klein gehacktem Fleische hält. Er beisst
nicht, selbst wenn man ihn in der Hand hält, und sucht nur
durch Drehen des Schwanzes, in dem er eine beträchtliche
Kraft besitzt, und der nicht bricht, zu entkommen. Im Kiese
Skizzen aus dem zoologischen Garten in London. 37
sah ich ihn nie graben. Das Exemplar der neiiholländi-
schen Grammatopliora barbata ist über achtzehn Zoll lang;
bei trübem Wetter leistet es dem Cyclodns unter dem Moose
Gesellschaft , bei heiterem spazirt es ziemlich schwerfällig
im Kätig herum , um sich zuletzt am sonnigsten Platze
durchwärmen zu lassen ; dabei richtet es den vorderen
Theil seines Körpers hoch auf den Hinterbeinen auf und
spreitet den Halskragen aus , um ihn in seiner ganzen
Weite den Sonnenstrahlen auszusetzen; der Kragen wird
mit Hülfe der Zungenbein-Hörner ausgedehnt.
Will man es fangen, so schlägt es den Halskragen
ein und sucht in einer Art von nichts weniger als schnel-
lem Trabe zu entgehen. Es scheint nicht auf Bäume zu
klettern, und eher auf felsigem Grunde zu leben ; höchstens
richtet es sich an einem Aste etv/as in die Höhe; in einer
solchen Stellung sah ich es auch einmal den Kragen im
Affekte aufrichten. Ein Chamäleon war im Begriffe , auf
den Boden herabzusteigen und entschlossen , den nächsten
Weg zu dem Gefässe mit den Mehlwürmern zu nehmen,
schritt es bedächtig mit einer Hand auf den Nacken der
Grammatophora. Diese suchte zuerst durch Bewegungen
des Kopfes das Chamäleon wegzudrängen , das aber ruhig
mit der ZAveifen Hand sich an dem Kragen selbst festhielt. Die
Grammatophora gerieth dadurch in die grösste Aufregung :
sie warf die Kopf rechts und links, entfaltete bald die eine
Seite ihres Kragens, bald die andere, und setzte diese Be-
wegungen noch fort, nachdem das Chamäleon längst seines
Weges gegangen war. — Von dem Faulthiere unter den
Sauriern, dem Chamäleon, sind immer einige Exemplare in
der Menagerie; sie gehören der gemeinen Species an'").
*) So bekannt die Lebensart des Chamäleons ist, so wenig Ge-
legenheit hat man in Deutschland, dieses Thier im Leben zu sehen,
was bei der Leichtigkeit der Anschaffung und dem Interesse, wel-
ches das Thier gewiss verdient, an irklich zu rerwundern ist. Nach
London \Aerden jedes Jahr vielleicht hundert dieser Thiere impor-
tirt, meist von Mogador, und ebenfalls nach Liverpool, und das Stüclt
zu fünf Schilling verkauft. Zum Transporte ist die kleinste Schachtel
geeignet. Abgezehrte Thiere, bei denen die Muskeln an der Seite
38 Günther:
Die Seite dem Eingange in das Haus gegenüber, ist
von zwei grösseren Behältern eingenommen, deren Haupt-
bewohner eine ganze Reihe von halbgewachsenen Boa con-
strictor sind. Sie wurden vom verstorbenen Secretär in
Paris gekauft, und ihre Abkunft von Westindien ist keines-
wegs sicher. Sie haben alle eine blassere Färbung, als
das oben erwähnte grosse Exemplar, und eine geringere
Anzahl der Schildchen um das Auge Hesse in einigen von
ihnen die Boa imperator des Daudin vennuthen. Allein
diese Art scheint mir nach den Exemplaren, die ich hier
davon gesehen, eine höchst zweifelhafte zu sein. Dem sei
wie ihm wolle , die gegenwärtigen unterscheiden sich von
der wahren Boa constrictor nicht im geringsten im Beneh-
men : träge , selbst wenn sie gereizt werden , langsam im
Verschlingen ihrer Beute *"") , ungesellig bilden sie einen
auffallenden Gegensatz gegen Chilabothrius. Unbelästigt
von ihnen sind in denselben Behältern Exemplare der ge-
wöhnlichen Ringelnatter und ein Leguan. Den letz-
teren habe ich vorläufig als Iguana rhinolopus bestimmt;
er ist über drei Fuss lang und ein Weibchen, wie man aus
den Eiern , welche sich durch die Bauchdecken durchfüh-
len lassen, ersieht.
Er kam auf einem Westindienfahrer, was jedoch noch
kein Beweis für das Vaterland sein kann. Trotz dem, dass
er voll gewachsen ist, ist die hornartige Schuppe auf der
des Knochenkamnics auf dem Kopfe geschwunden sind, erholen sich
nie wieder, während die anderen jahrelang- aushalten, wenn man sie
Winters in einem Treihhause unterbringt. Sie fressen viel und oft.
■") Die verminderte Fressiust dieser Riesenschlangen ist viel-
leicht Folge der Einsperrung in einem engen Räume. Ein fünf Fuss
langes Exemplar einer Boa constrictor entwischte im Hause eines
hiesigen Thierhändlers, und war gegen sechs Monate verschwunden.
Eines Tages entdeckte man sie hinter einer Kiste in einem Räume,
wo eine Menge kleiner tropischer Vögel frei fliegt. Sie erschien
auf's beste genährt, und die ihren Excrementen beigemengten Federn
bewiesen, wie ein schon lange bemerkbarer Abgang der Vögel ent-
standen war; der Händler schätzte ihn auf über 40 Stück. Dajsselbe
Thier kaufte ich unmittelbar nachher; es frass aber dann nur wenig'
trotzdem, dass es öfters frei im Zimmer herumkriechen konnte.
Skizzen aus dem zoologischen Garten in London. 39
Schnauze nur wenig- erhöht ; ich weiss nicht ob das ein
Geschleclitsunterschied ist. Die Unterscheidung- der Species
dieses Genus ist noch eine sehr unvollkommene , und ge-
naue Bestimmung- des Fundortes und Geschlechts der In-
dividuen in den verschiedenen Sammlungen ist unerläss-
lich. Da dieses Exemplar noch nicht lange gefangen scheint,
so ist es sehr störrig , und eine Verletzung am Fusse
scheint es am Klettern zu hindern ; um es bei Kräften zu
erhalten, ist man genöthigt, es zum Fressen der Weintrau-
ben , mit denen man die Leguane gewöhnlich hier füttert,
zu zwingen; dabei hat sich der Wärter besonders vor dem
Schwänze in Acht zu nehmen , mit dem er sichere und
tüchtige Schläge versetzen kann. — Tropidonotus natrix
ist bis jetzt die einzige Schlange, deren Eier erfolgreich
bis zum Ausschlüpfen der Jungen erhallen wurden.
Entlang der dritten Seite des Hauses steht eine Reihe
kleinerer Behälter, von denen der erste zwei Exemplare
der grünen Varietät von Ceratophrys cornuta beherbergt.
Sie gehen nicht häufig in das Wasser , und liegen den
grössten Theil des Tages ruhig im Kiese, in den sie sich
einwühlen , so dass nur der Kopf von ihnen sichtbar ist.
Stört man sie heraus, so blasen sie sich zu einer grossen
Kugel auf , für deren Fortbewegung die schon ohnedem
krötenartigen Beine zu kurz sind , weshalb ein weiterer
Stoss sie ganz aus dem Gleichgewichte bringt , und sie
sich über und über kollern. Eine Fortsetzung dieser Be-
handlung lassen sie sich jedoch nicht lange stillschweigend
gefallen , sie stossen ein lange anhaltendes Wehegeschrei
aus, ähnlich dem, das man unter ähnlichen Umständen von
Pelobates fuscus hört; sie sperren dabei ihren ungeheuren
Rachen unter demselben stumpfen Winkel auf, wie es ein
Hippopotamus zu thun im Stande^ ist, und beissen in einen
vorgehaltenen Stock mit einer solchen Kraft, dass, wie schon
Tilesius erzählt, Spuren der Zähne zu sehen sind. Wie
alle grossen Frösche linden sie ihre Hauptnahrung in ihren
nächsten Verwandten, und eine Rana temporaria, zwei Drit-
tel ihrer eigenen Grösse , wird , sobald sie sie mit einem
einzigen Rucke ihres Körpers ergreifen können, gefasst
und in wenigen Minuten verschlungen. Ich kenne keinen
40 ^ '"i n t h e r :
anderen Frosch , der einen so weiten Schlund und Ma-
gen hätte.
Im nächsten Behälter sind einige Bewohner der Kü-
sten des Mittelmeers : Ascalabotes mauritanicus, Trogono-
phis Wiegnianni, Seps tridactyliis und Tropidonotus viperi-
nus. Während der erstere mit wunderbarer Geschwindig-
keit an den Wänden herumläuft , sind die zwei nächsten
immer unter dem Kiese verborgen , so dass für die Schlan-
gen ein unbestrittener Theil des Territoriums übrig bleibt.
Diese haben ganz die Lebensweise unserer Ringelnatter,
scheinen aber weniger oft ins Wasser zu gehen : sie wer-
den mit Fröschen gefüttert. Es ist ein Paar : das Männchen
ist sehr dunkel gefärbt, beinahe schwarz, während das
grössere Weibchen eine hellbraune Farbe mit den charak-
teristischen Flecken hat. Sie vollzogen beinahe täglich
die Begattung während der Monate Juli, August bis in den
September. Die Rumpfe beider lagen in gerader Linie hart
neben einander, und nur der hintere Theil war so ge-
krümmt , dass sich die Cloaken berührten. Eine lebhafte
wellenförmige Bewegung in der Richtung vor. vorne nach
hinten war entlang der Seite des Männchens bemerkbar,
während das Weibchen regungslos dalag. Die Begattung
erwies sich nicht fruchtbar.
Der dritte Käfig enthält Saurier, die sich unter allen
Thieren des Hauses am besten befinden, da für sie der Tem-
peraturgrad der richtige zu sein scheint : vier Exemplare
von Pscudopus pallasii aus Ungarn von zwei bis drei Fuss
Länge. Sie sind auch bei weitem am gefrässigsten ; um sie
aus dem Kiese oder unter dem Teppiche, unter dem sie
gewöhnlich verborgen liegen , hervorzulocken, ist nur das
geringste Geräusch am Käfige nöthig ; sofort strecken sie
ihre Köpfe hervor und bewegen ihre lebhaften Augen nach
allen Seiten, um zu sehen, ob die Stunde der Fütterung da
ist. Zeigt man ihnen nun irgend einen kleinen weissen
Gegenstand , den sie aus der Ferne für eine weisse Maus,
ihr gewöhnliches Futter halten können, so gerathen sie
schon in eine grössere Aufregung, indem sie theilweise
hervorkommen und sich gegenseitig wegzudrängen suchen,
wenn sie einander im Wege sind. Der Genuss der Fütte-
Skizzen aus dem zoologischen Garten in London. 41
rung wird ihnen jedoch nur einmal wöchentlich zu Theil,
was ganz genug- ist, da sie jedesmal unglaubliches leisten,
obgleich ich noch nie eine gesättigt sah, Sie stürzen sich
auf die Hand des Wärters , die ein Dutzend junger Mäuse
oder Vögel hält, und reissen sie ihm heraas, bevor er Zeit,
hat, sie fallen zu lassen. Dabei ereignet es sich, dass eine
Maus von zwei Pseudopus ergriffen wird : keiner lässt los,
der eine reisst nach rechts, der andere nach links, der eine
erhebt sich , um dann mit dem Gewichte seines Körpers
dem anderen das Stück zu entreissen : vergebens, sie zer-
ren und zerren bis die Maus in zwei Theile zerreisst, und
nun jeder das seinige mit der grössten Eile verschlingt.
Beide sind jedoch bei diesem Streite zu kurz gekommen,
da unterdessen die anderen rasch aufgeräumt haben ; hat
aber einer seine Beute noch nicht ganz verschlungen und
ragt ein Theil derselben aus dem Maule hervor, so wird
er von den übrigen verfolgt und jener Kampf kann noch
einmal beginnen , ja sogar zwischen dreien geführt wer-
den. Lange nachdem alles verschlungen ist, suchen sie
noch im Käfige herum, ob nicht noch etwas übrig geblie-
ben, oder richten sich am Glase auf, um nach den Bewe-
gungen des Wärters zu sehen , der durch das Bitten der
Zuschauer oft zu einer nachträglichen Mahlzeit bewogen
wird. Das Bild ist nicht unähnlich dem einer Familie jun-
ger Hunde oder Füchse, die man für Vertheilung ihres
Futters selbst sorgen lässt und hätte die Natur dem Pseu-
dopus eine Stimme gegeben, so ginge es gewiss auch nicht
ohne starkes Gekläffe ab. Sie ergreifen übrigens ihre Nah-
rung wie eine Eidechse, unterwerfen sie einem hastigen
kräftigen Beissen, um die Knochen zu zerbrechen, und ver-
schlucken sie ganz. Sperlinge, die etwa eine Woche alt
sind, sind das grösste Thier, das sie verschlucken können.
In der Mitte dieses Sommers wurden zwei Philodryas
viridissimus dem Garten zum Kaufe angeboten. Trotz der
gerade herrschenden sehr hohen Temperatur zeigten sie
sich äusserst indolent und stellten sich so steif, dass jede
starke Berührung den schlanken Körper zerbrechen zu kön-
nen schien. In den Käfig gebracht, bewegten sie sich lang-
sam, bis sie eine Ecke erreichten, wo sie dann den Kopf
42 Günther:
und den vorderen Theil des Körpers in die Höhe richteten
und unbeweglich liegen blieben. „Die grünen Schlangen
sterben alle ," war die Meinung des Wärters , der schon
viele der verwandten indischen Arten gehabt zu haben
schien. Er hatte denselben immer Zweige und Reiser in
den Käfig gegeben, ohne dass sie sie zu ihrem gewöhnlichen
Ruheplatze gewählt hätten. Da jedoch schon das grüne
Kleid der Schlangen vermuthen Hess, dass sie sich nur auf
lebenden und belaubten Pflanzen wohl befinden werden, so
gab man ihnen diesesmal zwei starke Hortensien in den
Käfig. Kaum war die Störung vorüber, als eine der Schlan-
gen den Kopf nach den Pflanzen wendete , und Zweig für
Zweig , Blatt für Blatt zu betrachten schien. Plötzlich —
und das Auge hatte kaum Zeit zu folgen — schoss sie in
die Pflanze , wand sich einigemal durch die Zweige und
rollte sich endlich an einem Orte zusammen, wo ihr Kör-
per beinahe ganz auf grüner Unterlage ruhen konnte. Die
ganze Bewegung war so schnell und unerwartet , dass,
während ich auf diese Schlange mein Augenmerk gerichtet
hatte, ich nicht bemerkte, dass die andere dasselbe Manöver
gemacht , und nun musste ich selbst auf diesem kleinen
Räume erst suchen , bis ich sie im Laubwerke unterschei-
den konnte. Seitdem befinden sich beide aufs beste, und
nie mehr hat man sie auf dem Boden gesehen; nur hie und
da streckt eine den vorderen Theil ihres Körpers über die
Pflanze heraus , und ist dann einem grünen unbelaubten
Zweige sehr ähnlich. Der Versuch , sie mit kleinen Frö-
schen zu füttern, war ohne Erfolg, weshalb man ihnen kleine
Eidechsen (Lacerta vivipara) geben musste : ein im repti-
lienarmen England etwas seltenes und theures Futter. Ob-
gleich man sie bis jetzt noch nicht fressen sah , so kann
man doch nicht daran zweifeln, dass ihnen diese Nahrung
zusagt, da die Eidechsen von Zeit zu Zeit verschwinden,
während der Magen der Schlangen beträchtlich ausgedehnt
ist. Wahrscheinlich waren sie im freien Zustande an Sau-
rier-Kost gewöhnt, an die von Baum-Eidechsen (Anolis).
Andere Exemplare mögen Baum-Frösche, andere Vögel vor-
ziehen. Ich habe oft an unseren Schlangen eine indivi-
duelle Vorliebe für eine besondere Art der Nahrung beob-
Skizzen aus dem zoologischen Garten in London. 43
achtet, und es scheint mir als ob dieses von der Lokalität,
an der die Schlange lebte, und wo sie besonders eine ge-
wisse Thierart als Nahrung vorfand , abhänge *"*). Seit
kurzem theilt mit diesen prächtigen Schlangen ein Oxyrho-
pus trigetninus die Wohnung , von dem ich glaube, dass er
sich mehr auf dem Boden aufhalten , und desshalb die an-
deren wenig stören werde.
Die Geschichte von Crotalus durissus ist zu wohl be-
kannt , als dass wir sie hier weiter zu betrachten nothig
hätten. Ueber den Wechsel der Zahl der Ringe fehlt mir
noch alle Erfahrung. — Von Cenchris piscivorus sind fünf
Exemplare in der Sammlung, von welchen vier ganz schwarz
sind , während das fünfte und kleinste braun und gefleckt
ist. Sie sind ausserordentlich träge, so dass man selten
eine in Bewegung sieht; sie liegen zusammengerollt und
vereinzelt; sie fressen wenig, durchschnittlich alle vierzehn
Tage einen Frosch, sehen aber nichts desto >Aeniger ziem-
lich wohl beleibt aus. Manchmal beissen sie einen Frosch,
ohne ihn zu ergreifen , und der Tod desselben erfolgt in
kurzer Zeit; gewöhnlich aber fangen sie ihre Beute nach
Art der nicht -giftigen Schlangen, und verschlingen sie
sogleich , ohne das Thier vorher sterben zu lassen ; hier
"") Unbedeutendere Abweichungen oder Modifikationen in der
Lebensweise können auch ganz auf zufälligen Umständen beruhen.
Die grösste Coronella laevis, die ich besass und wegen ihrer Zahm-
heit lange behielt, frass nur Eidechsen, nie eine Maus oder einen
Frosch, obwohl sie nach ihnen, wie nach jedem anderen Thiere biss.
Nachdem ich sie lange mit Eidechsen von gewöhnlicher Grösse ge-
füttert hatte, gab ich ihr, um ihre ungewöhnliche Kraft zu piüfen»
ein ungemein grosses und starkes Exemplar von Lac. agilis. Sie er-
grifp es sogleich 5 allein nach einem langen Kampfe, wobei die Ei-
dechse durch die Windungen der Schlange mehreremal erstickt schien,
und doch immer wieder ihren schon zum Verschlingen erfassten
Kopf losriss — änderte sie die Art des Angriffs und packte die
Eidechse am Schwänze; dieser brach ab und wurde gefressen. Von
dieser Zeit an begnügte sich diese Schlange imiuer nur den Schwanz
der Eidechsen abzubrechen, ohne einen weiteren Angriff auf die
schwanzlosen Thiere zu machen; Thiere. die mit abgebrochenem
Schwänze in ihren Käfig gebracht wurden, beachtete sie nicht mehr.
4.4 Günther:
also ist das Gift aug-enscheinlich nicht wesentliches Hülfs-
mittel zum Ergreifen der Beute. Ich habe bei Klapper-
schlangen und bei Puff-Addern oft zu beobachten versucht,
ob der Giftzahn beim Verschlingen der Beute noch in Thä-
tigkcit sei oder nicht: bei den letzteren konnte ich nicht
darüber ins Reine kommen, allein bei den ersteren sah ich
mehreremal auf's deutlichste (namentlich wenn sie grössere
Thiere, Avie Meerschweinchen, verschlangen), dass dieser
Zahn wirklich , wenn auch nicht ganz aufgerichtet , doch
in das Thier eindrang, und wesentliche Dienste beim Hin-
unterwürgen desselben leistete. Es ist aber dann, bei der
lebhaften Thätigkeit aller Muskeln des Kopfes, kaum anders
möglich, als dass auch noch eine beträchtliche Quantität
Gift durch den Zahn ausfliesst, und durch diese Beimischung
wird der Verdauungsprecess ungemein befördert : ja, diese
nachträgliche Beimischung des Giftes wird ebenso noth-
wendig sein , als die des Speichels in anderen Thieren;
Es kann uns also nicht wundern , in Cenchris piscivorus
eine Giftschlange zu finden, deren Giftapparat nicht dieselbe
Bestimmung hat, die uns zunächst bei den eigentlichen
Vipern auffällt.
Einen auffallenden Gegensatz zu diesen trägen „Was-
ser-Vipern" bilden ihre gefährlichen Nachbarn, zwei pracht-
volle Exemplare der schwarzen Varietät von Naja haje. Bei
ihrer Bebhaftigkeit und Grösse (sie sind nahezu 6' lang)
bedürfen sie eines ziemlich grossen Raumes; die Gläser
des Käfigs sind bis zu einem Drittel der Höhe mit Oelfarbe
undurchsichtig gemacht, sowohl um den Schlangen , die bei
ihrer Reizbarkeit in beständiger Aufregung erhalten sein
würden, mehr Ruhe zu verschaffen, als auch um sie, wenn
sie aufgeregt werden sollen , eher zu veranlassen, sich in
die Höhe zu richten und über den dunkeln Theil des Gla-
ses herauszusehen. Das thun sie nun auch immer auf die
geringste Veranlassung; kommen sie bei einer solchen Ge-
legenheit oder bei der Butterung einander zu nahe, so fan-
gen sie an mit einander zu kämpfen : sie wenden sich ge-
gen einander mit aufgerichtetem Körper, dehnen ihre Hälse
so weit als möglich aus, und eine suchte sich immer höher
als die andere aufzurichten, während sie stets gegeneinan-
Skizzen ans dem zoologischen Garten in London. 45
der beissen; aiiffallenderweise verwunden sich diese bei-
den nie; als aber ein drittes Exemplar vor einiger Zeit zu
ihnen gebracht wurde , entspann sich ein Kampf, in wel-
chem dieses gebissen worden sein musste, denn es war den
folgenden Morgen todt. Von den Thieren, die zu ihnen
gebracht werden , tödten sie alles , selbst wenn sie nichts
davon fressen. Die Bewegung zu beissen wird mit einer
ausserordentlichen Schnelligkeit ausgeführt, und obwohl
man die Schlange das Thier berühren sah , so kann man
doch nicht glauben , das es wirklich gebissen sei , bis es
nach wenigen Secunden in kurz dauernde Convulsionen
verfällt. Das Maul wird dabei nur sehr wenig geöffnet,
und die Verwundung wird mehr in der Art eines Ritzens,
als eines Einstechens zugefügt, wie wenn man etwa mit
einer senkrecht gehaltenen Nadel an der Seite eines Thie-
res herunterführe, statt dieselbe in den Körper desselben
einzustechen; ebenso verhält es sich bei den Klapperschlan-
gen, während die Viper und die Puff-Adder das Thier mit
den Kiefern fasst, und so die Giftzähne eindrückt. Sie lie-
gen oft und lange im Wasser, gehen aber nur Winters ganz
unter die Teppiche.
Von der gemeinsten indischen Schlange, Coluber Blu-
menbachii, ist nur ein Exemplar in der Menagerie, es ist
über 6' lang , scheu und bissig und hält sich meist unter
dem Teppiche verborgen. Ich glaube aus seinem schlanken
Körperbaue schliessen zu müssen , dass es sich in seiner
Lebensweise sehr den Herpelodryas nähert , und es wäre
passend, ihm auch in der Gefangenschaft Gelegenheit zum
Klettern zu geben. Obgleich seine ganze Färbung mehr
glänzend ist, ist sie doch nicht verschieden von der, wel-
che wir an Weingeistexemplaren beobachten.
Die unschädlichen nordamerikanischen Schlangen sind
mit Ausnahme eines einzigen grossen Tropidonotus fascia-
tus, welcher sich durchaus nicht mit anderen vertragen
will , und förmlich Jagd auf Schlangen von seiner eigenen
Grösse macht, in einem Behälter zusammen. In einer Tem-
teratur , welche die ihres Vaterlandes eher übersteigt , als
ihr gleich kommt, befinden sie sich ausserordentlich wohl,
fressen regelmässig und häuten sich alle 3 — 4 Wochen. An
46 Günther:
trüben Tagen liegen die verschiedenen Species : Coluber
gnttatus und cfuadrivittatus, Tropidonotiis ordinatus und
fasciatus und hie und da Calopisma Reinwardtii friedlich
zusammen. Bei der Fütterung ist es interessant zu sehen,
wie jede Art ihr Lieblingsfutter sich fängt: die Tropidono-
tus die Frösche , die C. guttatus die Mäuse, die C. quadri-
vittatus *"') die Mäuse und Sperlinge. Alle jagen ihrer Beute
nach , ohne zu warten , bis sie ihnen nahe genug kommt,
um sie ergreifen zu können. Die Tropidonotus verschlin-
gen die Frösche lebendig, unmittelbar nach dem Ergreifen,
während die beiden Coluber- Arten die gefangenen Thiere
mit einer oder zwei Windung<:n des vorderen Theils ihres
Körpers erwürgen und nicht zu schlingen anfangen , bis
jedes Lebenszeichen aufgehört hat. Man sieht auch hie
und da einen Tropidonotus einen Frosch umschlingen, allein
dieses geschieht nur, um ihn festzuhalten, wenn er an
einem ungeschickten Platze gepackt ist, und die Schlange
ihn entweder von vorne oder von hinten zu verschlingen
anfangen will. Diese Verschiedenheit in der Art sich der
Beute zu bemächtigen , steht im Zusammenhange mit der
verschiedenen Natur derselben: selbst wenn es für die
Schlange möglich wäre einen Frosch durch Ersticken zu
tödten , wäre dieses gar nicht nothwendig , da die Nackt-
heit seiner Haut das Festhalten mit den Zähnen , und die
Schlüpfrigkeit derselben das Hinabgleiten durch den Schlund
. ') Diese beiden Coluber -Arten müssen ausserordentlich nützli-
che Thiere in ihrem Vatcrlande sein: die erstere nährt sich beinahe
ausschliessli<;h von Mäusen und ist zu klein, um oft Vögel fangen zu
können, während sie die erstem so gierig verfolgt, dass sie einer
Maus hinler einen Schrank nachlief, sie rückwärts hervorzog und dann
verzehrte. Ein C, quadrivittatus frass bei mir sieben Mäuse hinter-
einander in wcnigei- als einer halben Stunde ; er ist sehr zahm und
nimmt das Thier aus der Hand ; lasse ich ihn es nicht sogleich er-
greifen, so folgt er mir durch das ganze Zimmer. Da ich später
leichter Vögel als Mäuse für ihn bekommen konnte, so gewöhnte er
sich so an dieses Futter, dass er jetzt im zoologischen Garten, wohin
er für einige Zeit gebracht wurde, immer zuerst auf die Sperlinge
Jagd macht, und oft zwei nach einander frisst.
Skizzen aus dem zoologischen Garten in London. 47
erleichtert , während die Schlange weder vor Bissen , noch
vor gewaltigen Bewegungen des Thieres etwas zu befürch-
ten hat. Ganz anders verhält es sich mit einem warmblü-
tigen Thicre, das von einer Schlange gefangen wird : seine
Bedeckung mit Haaren und Federn erschwert nicht nur das
Festhalten mit den Zähnen , sondern besonders auch das
Schlingen ; dabei macht es energische muskulöse Anstren-
gungen , sich den Griffen der Schlange zu entwinden, und
viele würden mit Leichtigkeit durch Beissen ihre Freilas-
sung bewerkstelligen , wenn nicht die Umschnürung der
Schlange ihr Athmcn und jeden Versuch zu Beissen unter-
bräche. Calopisma Reinwardtii ist nur gelegentlich mit den
anderen Schlangen unter dem Teppiche ; die meiste Zeit
liegt er auf dem Boden des Wasser-Behälters, wo er ge-
wiss mehrere Stunden aushalten kann, ohne an die Ober-
fläche des Wassers kommen zu müssen, um Athem zu ho-
len. Die Grundfarbe seines Bauches ist ein prächtiges dunk-
les Rosen-Roth. Er ist sehr träge und war gegen 6 Wo-
chen in der Menageric , bevor er zum ersten Male frass.
Er nährt sich von Fröschen, deren er sich, wie die Tropi-
donotus , bemächtigt, und um die er mit diesen oft sehr
heftig kämpft.
In dem anstossenden Käfige ist ein sehr grosses Exem-
plar der nordafrikanischen Puff-Adder (Echidna mauri-
tanica), das einzige, welches viele andere, die ihm zur Ge-
sellschaft gegeben wurden, überlebt hat. Derjenige, wel-
cher die Vipern die Kröten unter den Schlangen genannt
hat, ist gewiss gerechtfertigt, wenn er dieses Bild von der
Puff- Adder entlehnte: in einen flachen Knäuel aufgerollt,
liegt sie tagelang bewegungslos an derselben Stelle , und
ist aus einiger Entfernung in der Farbe kaum von dem
Kiese, auf dem sie liegt, zu unterscheiden. Der Versuch,
sie durch Lärm an ihrem Käfige aufzuregen, hat höchstens
den Erfolg, dass sie ihren ohnedem schon unförmlich dicken
Leib zu der Dicke einer Mannesfaust aufblässt. Fängt man
an, sie mit einem Stocke zu reizen, so zischt sie fürchter-
lich, und erhebt dabei ihren Kopf so , dass sein vorderer
Theil schief nach unten geneigt ist. Ohne je ihren Ruhe-
platz gänzlich zu verlassen , schnellt sie dabei hie und da,
48 Günther:
aber selten genug, ihren Kopf einige Zoll weit vor '^). Die
Meerschweinchen , welche man ihr zum Futter giebt, sind
oft stundenlang mit ihr zusammen, bis sie zuletzt alles Miss-
trauen gegen die Schlange aufgeben , und durch einen
kaum bemerkbaren Biss ihren augenblicklichen Tod finden.
Die getödteten Thiere bleiben den Abend über liegen und
werden erst des Nachts gefressen.
Der letzte Behälter des Hauses ist beinahe ganz zu
einem Wasserbehälter umgeschaffen, und nur ein kleiner
Raum um denselben bleibt trocken; er dient besonders
zum Aufenthalte einer Reihe Wasserschildkröten , deren
scheinbar einförmige Lebensweise bis jetzt keine Veran-
lassung bot, ihrer Pflege eine besondere Aufmerksamkeit
zu widmen *"*''*). Bei weitem mehr, als durch sie, findet sich
*) Die Pufr-A<Ider ist die trägste Giftschlange, welche ich zu
beobachten Gelegenheit gehabt habe , und ihre Gefährlichkeit im
freien Zustande wird cfadiirch bedeutend gemindert , dass sie weder
angreift, noch im Stande ist , sich weit voizuschnellen. Ich besich-
tigte einst die ganz frisch eingefangenen Thiere an Bord eines Schif-
fes von Mogador; eine der Kisten, welche neben andeien Schlangen
noch eine Naja haje enthielt, inusste sogleich wieder geschlossen
werden, da diese durch die erste OefTnung einen Angriff versuchte;
in einer anderen Kiste waren zwanzig bis dreissig Pulf-Addern, von
diesen machte nicht eine einen Versuch zu beissen oder zu entwi-
schen, während ich die grössten mit einem Stocke heiausholte.
""■■") Schildkröten werden mit Ausnahme solcher Species, die durch
Grösse oder ein besonderes Aussehen sich auszeichnen, nie eine be-
deutende Rolle in Menagerien spielen, selbst in solchen nicht, wo
der Geschmack des Publikums nicht allein zu Ralhe gezogen wird.
Doch dürfte selbst ein geringes Material, wenigstens im zoologischen
Garten , eine bessere Verwendung finden, als nur die einer Ausstel-
lung, wobei man nicht mehr lernt als in einem Museum. Es wäre
ein billiger Versuch , die nordamerikanischen Species in einem der
vielen kleinen Teiche des Londoner Gartens auszusetzen, wo sie bei
einigermassen zweckmässiger Einrichtung der Beobachtung ebenfalls
zugänglich wären. Dort könnten sie sich ihr Winterquartier selbst
bereiten , statt dass sie , wie jetzt, weder schlafend noch vollständig
wach erhalten werden. Ich sehe noch keinen Grund, warum nicht
wenigstens die nördlichen Arten hier ebenso wie in Kord-Amerika
mit Erfolg versucht worden ist, zur Fortpflanzung gebracht werden
könnten. Zur Erhaltung tropischer Arten während eines oder meh-
Skizzen aus dem zoologischen Garten in London. 49
das Publikum durch einen riesenhaften Ochsen fr osch an-
gezogen, der sich in einer Ecke in ein Stück weichen Ra-
sens eingebettet hat. Er behauptet diesen Platz mit grosser
Hartnäckigkeit, selbst gegen den Wärter, wenn er ihm den
Rasen wechseln will ; eine Schildkröte , welche ihn belä-
stigt, schiebt er unwillig mit dem Vorderarme bei Seite;
sinkt die Temperatur, so geht er ins Wasser. Seine Nah-
rung bilden andere Frösche und Sperlinge, welche er dem
Wärter aus der Hand nimmt und noch lebend hinunter-
schlingt. Da es ein Weibchen ist, so hat man von ihm nie
eine Stimme gehört.
Das Reptilien haus, welches die erwähnten Thiere
enthält , bildet einen Anbau zu einem grösseren Gebäude,
dem früheren Museum der zoologischen Gesellschaft; ein
zweiter Anbau ist auf der anderen Seite dieses Gebäudes,
und etwa die Hälfte davon wird von zwei grossen Behäl-
tern eingenommen, die zum Aufenthalte für Python molurus
und reticulatus hergerichtet sind; beide Behälter sind mit
dicken Baumzweigen ausgefüllt , wodurch den Thieren die
vollere Benutzung ihres Raumes ermöglicht wird. Der Bo-
den der einen ist ganz mit Wasser gefüllt, der des anderen
trocken. Der Python reticulatus von Ceylon ist eines der
ältesten Thiere in der Menagerie. Vor 14 Jahren von Cey-
lon gebracht, hatte er nur die Hälfte einser jetzigen Länge,
die 21 Fuss beträgt. Der Wärter sagt, dass er schon seit
mehreren Jahren kein Wachsthum mehr an ihm bemerkt
habe; sicher ist, dass er in dieser Zeit nicht mehr mit
derselben Regelmässigkeit gefressen hat, und bevor seiner
letzten Mahlzeit, welche in drei Enten bestand, hat er neun
Monate gefastet : die , so viel ich weiss, längste Periode, in
der eine Schlange futterlos blieb, ohne darunter zu leiden.
Obgleich diese Riesenschlange ebenfalls im gereizten Zu-
stande beisst , ist sie bei weitem nicht so wild , als Py-
thon Sebae ; sie geht häuüg ins Wasser und verweilt tage-
lang darin.
rerer Winter ist ihie Uebersiedelunfj in ein Treibhaus oder in ein
Gebäude mit den Bedingungen eines solchen unumgänglich noth-
wendig.
Archiv f. Naturg. Jahrg. XXVI. 1. Bd. 4
^
50 Günther:
In einem kleinen Glaskasten, in demselben Zimmer,
sind die verschiedenen Species unserer europäischen Frösche,
Kröten, Salamander u. s. w. untergebracht; ihre Lebens-
weise ist hinlänglich durch die deutschen Beobachter auf-
gehellt *"').
Um den Rest der Reptilien und die Fische zu besich-
tigen , müssen wir in einen anderen Theil des Gartens, zu
dem Wasserthier- Hause gehen; da wir auf dieses
Gebäude voraussichtlich später noch einmal zurückkommen
werden, so genüge es hier zu sagen , dass es ein Glasge-
bäude etwa von der Grösse des Reptilienhauses ist , und
dass es nebst einigen anderen Behältern die Salz- und
Süsswasser- Aquarien (sechszehn an Zahl) enthält. Eine
seiner kürzeren Seiten ist durch ein Gitter abgeschlossen,
hinter dem wir um und in einem grossen Bassin ein halbes
Dutzend Alligatoren und viele Wasserschildkröten träge her-
umliegen oder schwimmen sehen. Unter den letzteren fällt
uns besonders eine 3' lange Chelydra serpentina auf, die
jedoch, nach ihrem indolenten Benehmen zu schliessen, wohl
nicht lange eine Chelonia mydas überleben wird. Die Al-
ligatoren stammen alle von demselben Transport und zei-
gen schon den allmählichen Uebergang von der gestreck-
ten Schnauze der jüngeren Individuen zu der breiten der
älteren : das kleinste ist etwa 2' lang, das grösste 6'. An
sonnigen Tagen liegen sie mit geschlossener Pupille über
und neben einander, indem der Klumpen wie ein Ganzes
nach und nach dem fortschreitenden Schatten zu entgehen
sucht, und der Sonne durch den Behälter folgt. Kleineren
Störungen oder den Zuschauern schenken sie nicht die ge-
ringste Aufmerksamkeit , es bedarf des Wärters , der dicht
an sie herantritt und sich stellt als ob er einen ergreifen
wollte. Dann stürzen sie sich mit einem höchst eigenthüm-
lichen Geräusche , das die Mitte zwischen Grunzen und
Bellen hält , in das Wasser , und setzen dasselbe noch so
'"') Bei der Farbenpracht tropischer Frösche , der Leichtigkeit
ihrer Anschaffung und Transports ist man in der That erstaunt, auch
nicht eine jener niedlichen Hylae von Süd -Amerika in der Mena-
gerie zu finden. ,
Skizzen aus dem zoologischen Garten in London. 51
lange fort, bis jede Störung aufgehört hat. Dasselbe Ge-
räusch hörte ich von Alligatoren, die eben über den Ocean
herübergebracht worden waren untl in ihren Behältern ans
Land gebracht wurden. Sie sind ziemlich zahm, d. h. sie
versuchen nicht zu beissen, höchstens mit dem Schwänze
zu schlagen. Frösche und Fische fangen sie gierig des
Morgens oder Abends , belästigen aber die Schildkröten
nicht. Beinahe den ganzen Winter bringen sie im Wasser
zu, das auf 60° F. erhalten wird.
Eines der Aquarien enthält die beiden englischen Spe-
cies von Triton : T. cristatus und palmatus. Die letztere
Art ist jedoch gewiss identisch mit dem deutschen T. tae-
niatus , denn als eine Sendung von mehreren Exemplaren
des T. cristatus und taeniatus die in der Umgebung von
Bonn gesammelt w orden w aren , ankam und zu den ande-
ren gebracht wurde , w aren die englischen T. palmatus
nicht mehr von den deutschen zu unterscheiden. Beide Ar-
ten pflanzen sich im Aquarium fort, einige Dytiscus haben
jedoch unter der Nachkommenschaft stark aufgeräumt.
Die seltensten Reptilien der ganzen Sammlung sind
zwei Amphiuma tridactylum. Das Schiff , auf welchem ein
Matrose die beiden Thiere in einem Kästchen, dessen Boden
etwas Wasser hielt , mitbrachte , kam , w ie ich mich selbst
überzeugte, von Süd-Carolina. Trotz dieser scheinbar un-
zweckmässigen Behandlung kamen zwei in ganz gutem Zu-
stande an , während ein drittes kurz vor Beendigung der
Reise starb. Sie wurden in ein gewöhnliches Aquarium
gebracht, in welchem sie lange herumschwammen, oft an
die Oberfläche kamen und Luftblasen ausstiessen. In der
Nacht fingen sie zw^ei Goldfische , von denen jeder etwa
vier Zoll Länge gehabt haben mochte , worauf sie in das
Aquarium des zoologischen Gartens gebracht wurden , in
dem sie sich noch , nach beinahe zwei Jahren , aufs beste
befinden. Die Länge beider beträgt zwei Fuss wenigstens,
ein Wachslhum in der Länge ist nicht bemerklich , wohl
aber in der Dicke. Ihr Aquarium ist 5' lang, 2V2' tief und
2' breit ; der Grund ist mit Kies belegt, und mit einer nöthigen
Anzahl der gewöhnlichen Wasserpflanzen bewachsen; an bei-
den Enden sind grosse Steine angebracht, zwischen w eichen
52 G ü n t h e r :
die Amphiiima den Tag über liegen. Von selbst kommen
sie nur des Nachts aus ihren Schlupfwinkeln, um langsam
ihrer Nahrung nachzugehen; hie und da steigen sie auch
in die Höhe, und versuchen aus dem Aquarium herauszu-
kommen, was auch einem einmal gelang; das Thier be-
gnügte sich jedoch in ein anderes Aquarium hinüberzu-
steigen und auf die darin befindlichen Goldfische Jagd zu
machen. Während des Sommers kann man sie stets mit
Leichtigkeit hervorholen: der Wärter befestigt einen Wurm
in die Gabel eines Stocks und lässt ihn vor dem Loche, in
dem er das Thier vermuthet , spielen. Dieses ist immer
zur Fütterung bereit und kommt auch sogleich hervor: in-
dem es verschiedene Mal danach schnappt, wird es in sei-
ner ganzen Länge sichtbar, hat es aber den Wurm einmal
gefasst, so kehrt es sogleich an seinen früheren Ort zu-
rück. Die Bewegungen beim Schwimmen sind die eines
Aales, wobei zugleich dieFüsschen mit zur Hülfe gebraucht
werden ; kriecht es langsam auf dem Boden des Wassers,
so werden die Füsschcn als Stütze und als Bewegungsor-
gane benutzt. Trotzdem , dass ich sie oft und lange beob-
achtet habe , konnte ich nie zur Ueberzeugung gelangen,
dass sie beim Aufsuchen ihrer Nahrung durch den Tastsinn
oder den Gesichtssinn allein geleitet würden; ich glaube
dass sie den letzteren jedenfalls , wenn auch in unterge-
ordnetem Grade besitzen. Täuscht man sie z. B. indem
man mit dem Stocke allein eine Bewegung vor ihrem Loche
macht, so strecken sie zwar den Kopf heraus, ziehen ihn
aber sogleich zurück, wenn sie sehen, dass kein Wurm
an dem Stocke befestigt ist. Der oben erwähnte Versuch
des einen Thieres, aus dem Aquarium herauszusteigen, blieb
vereinzelt und fiel in die erste Zeit seines Aufenthalts im
Behälter, an den es sich noch nicht gewöhnt hatte : er be-
weist aber doch (wie auch die Art des Transportes) , dass
diese Thiere eine Zeit lang ausser dem Wasser , oder bei
einem sehr dürftigen Vorrathe aushalten können. Bei ihren
gewöhnlichen abendlichen Excursionen suchen sie meist
nach Nahrung, verfolgen die Fische und steigen in unre-
gelmässigen Zwischenräumen für einen Moment an die
Oberfläche augenscheinlich nicht um Luft einzunehmen, son-
Skizzen aus dem zoologischen Garten in London. 53
dern um welche aiiszustossen , was sie auch hie und da
unter dem Wasser thun. Oft ist eine Luftblase an ihrer
Kiemenöffnung bemerkbar. Während des Winters verber-
gen sie sich, ohne an die Oberfläche zu kommen oder zu
fressen. Ihre Hauptnahrung sind Regenwürmer, von denen
sie ein Dutzend der grössten auf einmal verzehren ; auf
Fische sind sie sehr begierig, und ihre Kiefer und ihr
Schlund sind so ausdehnbar, dass sie, wie oben erwähnt,
Goldfische von vier Zoll Länge verschlucken können. Die
Barsche , welche mit ihnen zusammen sind , sind zu ge-
wandt und kennen die Gefahr zu wohl , als dass sie von
ihnen ergriffen würden. Die Thiere sind gegen einander
sehr gleichgültig, befinden sich aber oft zusammen in dem-
selben Schlupfwinkel. Da noch mehrere Exemplare durch
dieselbe Quelle zu erwarten sind, und die vegetativen Ver-
hältnisse dieser Thiere vollständig geordnet erscheinen,
so ist nicht zu viel verlangt, dass in dem gegenwärtigen
Aquarium das Dunkel ihrer Fortpflanzungsgeschichte etwas
aufgehellt werden sollte.
Der Proteus, der jahrelang im Besitze der zoologi-
schen Gesellschaft war, starb vor kurzem, beinahe zum
Skelette abgezehrt; er hatte jedoch, da er in einem dunklen
Baume aufbewahrt war, seine Farbe vollkommen erhalten.
Für die Ueberwinterung der Lepidosiren, deren nun nach
und nach gegen ein Dutzend ankam, sind beide Häuser
zu kalt.
Es wäre überflüssig , einen vollen Bericht über die
verschiedenen Fische des Gartens zu geben, da sie Species
angehören , die ein jeder in seinem Aquarium beobachten
kann , oder über welche bereits die genauesten Berichte
gegeben sind *'^), und ich begnüge mich die folgenden Be-
'") Es ist zu bedauern , dass von Seiten der zoologischen Ge-
sellschaft noch kein Versuch gemacht worden ist, ausländische Fische
einzuführen, der für den ersten Anfang auf ihrem eigenen Grund
und Boden und in ihren ausgedehnten x\quarien gemacht werden
könnte. England ist zwar reich genug an Süsswasser- und See-
fischen, allein bei der grossen Vorliebe der Engländer für den Fisch-
fang wäre es als ein schöner Gewinn für .ihre Seen zu betrachten,
wenn es gelänge, unseren Wels dahin zu verpflanzen.
54 Günther:
obachtiingen mitziitheilen. Trotz dem , dass Gasterosteiis
tracliiirns ebensowohl als linriis in England sich finden, ist
die letztere Varietät allein in dem Aquarium. Im Früh-
jahre bekamen die älteren Männchen ihre lebhaften Farben
und kämpften heftig um bestimmte Plätze ; von einem Nest-
bau , wozu Material genug vorhanden gewesen wäre, war
jedoch nichts zu sehen. Englische Beobachter schweigen
auch oränzlich über diesen Georenstand. Die Weibchen setz-
ten ihre Eier vereinzelt ab , und diese verschwanden, be-
vor sich der Embryo entwickele. Die Barsche laichen
regelmässig jedes Jahr, doch kommen aus unbekannten Ur-
sachen, die Jungen nicht immer zum Vorschein. Am zwei-
ten oder dritten Tage sinkt der Laich zu Boden; was oben
sich schwimmend erhält, ist nicht befruchtet ; die Zeit des
Auskriechens des Embryo variirt nach der Gunst oder Un-
gunst der Witterung von 9—^17 Tagen; die Jungen haben
anfangs durch ihre eigenen Aeltern viel zu leiden , doch
entkommen noch so viele , dass später eine Versetzung
nothwendig wird. So sind nun Barsche, die in vier auf-
einander folgenden Jahren gezogen wurden, in den Aqua-
rien; die einjährigen sind ZAvei Zoll lang, die zweijähri-
gen variiren bereits von vier bis sechs Zoll, so dass von
dieser Zeit an die Jahresunterschiede in der Grösse sich
verwischen und von dieser allein nicht mehr auf das Alter
des Fisches geschlossen werden kann. Der Wärter ver-
sichert mich auch, dass sowohl die Männchen als Weibchen
im 2ten Jahre fortpflanzungsfähig seien.
Die verschiedenen Arten von Blennius sind die un-
terhaltendsten und angenehmsten Fische in einem Seewas-
ser-Aquarium ; kaum hat man sie in ein solches gesetzt,
so suchen sie sich eine bequeme Nische oder Höhlung zu
ihrer künftigen Residenz aus ; sie untersuchen dieselbe
von allen Seiten, bewegen sich eilends herum, halb schwim-
mend, halb mit Hülfe ihrer Bauchflossen gehend, kopf-
aufwärts oder köpf- abwärts , mit dem Bauche aber immer
gegen die Wand gekehrt, wobei es gleichgültig ist, ob die
Wand senkrecht oder überhang-end ist. Erscheint ihnen
der Platz passend, so legen sie sich recht eigentlich darin
auf die Lauer : kein anderes Thier darf sich ihm nähern,
Skizzen aus dem zoologischen Garten in London. 55
ohne dass es angegriffen und mit kräftigen Bissen verjagt
wird, so dass die Garneelen (Orangen vulgaris und Palae-
mon squilla) von nun an in weitem Umkreise den gefähr-
lichen Platz zu umschwimmen genölhigt sind. Da es zu
unbequem wäre , für sie immer einen Vorrath von kleinen
Crustaceen (Talitrus und Gammarus) , ihre Hauptnahrung
im freien Zustande, zu halten, so füttert man sie mit klein
gehacktem Fleische. Sie sind aber ausserordentlich ge-
hässig und erfordern täglich eine ein- oder zweimalige
Fütterung; ihre lebhaften Augen sind in steter Bewegung,
und sobald man sie einige Male gefüttert hat, nehmen sie
das Futter vom Finger weg oder beissen in diesen so ener-
gisch, dass man die Zähnchen fühlen kann. Blennius pal-
micornis scheint nicht ganz so zahm zu werden, als pho-
lis, ersetzt aber dieses durch buntere Farben ; die Hörnchen
über den Augen stehen im Wasser ganz aufrecht und un-
beweglich.
Crenilabrus cornubicus (und tinca) erscheint nach dem,
was ich in zwei aufeinanderfolgenden Jahren gesehen, nur
im Monat August an der Küste, um später wieder in grös-
sere Tiefen zurückzukehren. Um diese Zeit sieht man ihn
dann auch alle Aquarien durch seine Farbenpracht und
durch die Lebhaftigkeit, mit welcher er kleine Seethierchen
verfolgt, beleben; leider aber erhält er sich nicht lange
darin , da ihm wenigstens ein gewisser Vorrath lebenden
Futters nothwendig zu sein scheint, und er nie längere
Zeit ohne Futter sein kann""). Im freien Zustande, und
besonders in den Aquarien , wird er sehr leicht eine Beute
der Actinien, während die Blennius selbst der Anthea ce-
reus immer entschlüpfen; der sehr schleimige Ueberzug
der letzteren Fischart scheint das Anhaften der Tentakeln
zu verhindern.
■") Die Seefische (wenigstens die Fleischfresser unter ihnen)
fressen im Allgemeinen mehr als Süsswasserfische und dauern nur
viel kürzere Zeit ohne Kahning aus. Crenilabrus zeigt schon nach
einem Tage sich sehr hungrig, und in meinem Aquarium frassen sie
einer Trigla gurnardus die Brustflossen ab, als ich es eines Tages
unterliess, sie zu füttern.
56 Günther: Skizzen ans dem zool. (»arten in London.
Die Hippocampus brevirostris wurden von Lissabon
gebracht und sind in einem kleinen Aquarium für sich zu-
sammen. Mit ihrem Schwanzende um einen Zweiff o-e-
klammert , haben sie das Ansehen von dürren knotigen
Aesten. Zuweilen lösen sie sich ab, ringeln den Schwanz
krampfhaft ein, und bewegen sich langsam, in beinahe auf-
rechter Stellung, mit einer vibrirenden Bewegung ihrer
Flossen durch das Wasser. Finden sie nicht bald einen
anderen Zweig, um sich daran zu befestigen, so sinken sie
matt zu Boden , auf dem sie unbehülflich fortkriechen.
Ihre Nahrung besteht wahrscheinlich in kleinen Thieren,
welche sie mit ihrem röhrenförmigen Maule unter Seegras
oder aus Felsenritzen hervorholen. Da sie mehr zur Be-
quemlichkeit der Zuschauer, als zu ihrer eigenen ausge-
stellt sind , so dürften sie in ihrer Gefangenschaft nicht
lange leben.
Polypen und Quallen von Santa Catharina.
Phiiomeduso Vogtii n. sp.
Von
Fritz lüUer.
(Hierzu Taf. II. Fig. 1.)
Die Schirmquallen werden von den mannichfachsten
Sehmarotzertliieren heimg-esucht. Inlusorien wimmeln in
den Hoden der Tamoya ; Trematoden und andere Eing-e-
weidewürmer finden sich oft in Menge in der Gallertsub-
stanz verschiedener Arten; Asseln, Amphipoden und ein
glasheller Palaemon bewegen sich in dem Schleime der
Scheibe und der Arme , deren Nesselfäden anderen Kru-
stern raschen Tod bringen, und eine im Verhällniss zum
Wohnthiere riesige Krabbe (Libinia?) pflegt zwischen den
vier die Armplatte der Rhizostomiden tragenden Säulen zu
sitzen. Vor allen merkwürdig aber unter diesen Schma-
rotzern und wohl werth einer besonderen Beschreibung er-
schien mir der actinienähnliche Polyp , dem die folgenden
Zeilen gewidmet sind, theils als das erste parasitisch lebende
Thier dieser Gruppe, theils weil seine fast quallenartige
Durchsichtigkeit einen leichten und sicheren Einblick in
seine übrigens sehr einfachen anatomischen Verhältnisse
gestattet.
Philomedusa Vogtii, wie ich das Thier benenne *), er-
"■) Den Gattungsnamen wählte ich nach der Lebensweise ; durch
den Artnamen sei es mir gestattet, meine Hochachtung Hrn. C. Vogt
zu bezeigen, in dem ich neben dem geistvollen Naturforscher zu-
I gleich den rüstigen Kämpfer für die Principien verehre, deren Unter-
drückung auch mich aus der alten Heimath scheuchte und eine neue
an den gastlichen (Jestaden von Santa Catharina suchen Hess.
58 Müller:
scheint, wenn sie die Leibeshöhle mit Wasser aufgeschwellt
hat, als cylindrischer Schlauch von etwa 30 Mm. (selten bis
über 50 Mm.) Läng-e und etwa 5 Mm. Dicke. Das Hinter-
ende ist in der Regel schwach verjüngt, kuglig abgerun-
det oder mehr weniger trichterförmig eingezogen. Am
vorderen Ende steht ein Kranz von zwölf kurzen (gegen
4 Mm. langen), plumpen, cylindrischen Tentakeln mit
abgerundeter geschlossener Spitze, die bald in einer Ebene
ausgebreitet, bald schief nach vorn gestreckt, besonders häufig
aber nach hinten zurück gebogen getragen werden. Die
Tentakel sind sämmtlich von nahezu gleicher Länge ; doch
kann man, obschon diese Ungleichheit oft durch verschie-
denen Contractionszustand derselben verwischt wird, sechs
längere und sechs mit ihnen abwechselnde etwas kürzere
unterscheiden. Zwischen je zwei Tentakeln beginnend
durchziehen zwölf seichte Längsfurchen die Oberfläche
des Körpers und stossen in der Mitte des Hinterendes strah-
lig zusammen. Die Färbung des Thieres beschränkt sich in
diesem Zustande auf eine weissliche Trübung; bei stärkster
Contraction, die ihm die Gestalt einer Feige mit zwölf Längs-
furchen und zahlreichen Querrunzeln zu geben pflegt, con-
centrirt sie sich zu einem schmutzigen , mehr oder weniger
ins Röthliche ziehenden Gelb. Die Fühler erscheinen biswei-
len schwach röthlich gefärbt, und innen an ihrer Basis pflegt
ein undurchsichtiger, hellgelber Ring zu liegen; weniger
constant finden sich ähnliche Flecken aussen an ihrer Basis
und bräunliche Flecken zwischen ihnen.
Die ganze Oberfläche des Körpers trägt einen kurz-
haarigen Flimmerüberzug, sowie auch überall, in be-
sonderer Menge jedoch an den Tentakeln, länglich schmale
Nesselzellen von 0,012 bis 0,016 Mm. Länge sich finden.
Die Form des Mundes ist eine sehr wechselnde.
Wenn die Tentakel schief hinterwärts gebogen sind, pflegt
er als weit offener Trichter zu erscheinen , umgeben von
elf durch scharfe Furchen geschiedenen Wülsten, die ebenso
viel Tentakeln vorliegen. Einer der kürzeren Tentakel bleibt
dabei ohne vorliegende Wulst, während die den beiden be-
nachbarten entsprechenden Wülste sich durch ihre Breite
auszeichnen , wie denn überhaupt den längeren Tentakeln
Polypen und Quallen von Santa Catharina. 59
breitere, den kürzeren schmälere Wülste entsprechen. Der
Mund erscheint selten fast rund, meist in die Länge gezo-
gen in der Richtung des durch den wulstlosen Tentakel
gehenden Durchmessers. Diesem Tentakel entsprechend
bleibt zwischen den beiden anliegenden Wülsten eine ziem-
lich tiefe Rinne, an deren äusserem Ende jede dieser Wülste
sich in einen kleinen zungenförmigen Fortsatz auszieht.
Ein dritter ähnlicher Fortsatz liegt zwischen diesen beiden,
dem wulstlosen Tentakel gegenüber. Diese drei Fortsätze,
meist weiss und undurchsichtig, fallen besonders ins Auge,
wenn bei schief vorwärts gerichteten Tentakeln der Mund
fast geschlossen ist; die Wülste, die nichts sind, als eigen-
thümliche AuflDlähuno-en der Leibeshöhle, sind dann ziem-
lieh abgeflacht und die zungenförmigen Fortsätze erheben
sich, gerade vorgestreckt, über deren INiveau.
Die Mundwülste, die sie trennenden Furchen und die
an den zungenförmigen Fortsätzen beginnende Rinne zie-
hen sich fort in den kurzen, etwa die doppelte Länge der
Tentakel erreichenden M a gen, die unmittelbare Fortsetzung
des Mundtrichters. Die Ränder der Rinne scheinen sich
in der ganzen Länge des Magens zu einer vollständigen
Röhre zusammenlegen zu können. Im Grunde steht der
Magen durch eine weite Oeffnung in Verbindung mit der
Leibeshöhle, in die man nicht selten vom Münde aus hin-
einsehen kann. Wenn er sich schliesst durch Aneinander-
legen seiner Wände, erscheint er platt; schmal in der Rich-
tung des durch die Rinne gelegten Durchmessers, breit in
darauf senkrechter Richtuno- o-esehen. In letzterer seitli-
eher Ansicht sieht man, dass er auf der Seite der Rinne
weiter in die Leibeshöhle hineinragt, als auf der entgegen-
gesetzten.
Die weite L e i b e s h ö h 1 e ist durchweg mit Flimmer-
cilien bekleidet. Um den Magen herum ist sie durch mus-
culöse Wände in 12 Kammern getheilt, die den Tentakeln
entsprechen und in deren Höhle sich fortsetzen. Die Schei-
dewände reichen nicht vollständig bis zum Vorderende,
vielmehr bleibt hier in jeder ein rundes Loch als Commu-
nication zwischen je zwei benachbarten Kammern. Auf
diese W'eise wird an der Basis der Tentakel eine Art Ring-
60 Müller:
canal um den Mund hergestellt. Selten sieht man an an-
deren Stellen die Scheidewände von Lücken durchbrochen.
— Nach hinten setzen sich die Scheidewände, den Längs-
furchen folgend, fort bis ans Ende des Körpers, bilden aber
jenseits des Magens nur sehr niedrige Vorsprünge in die
weite Leibesliöhle. Sie scheinen aus zwei Lamellen gebil-
det; wenigstens erscheinen sie, gerade von aussen betrach-
tet, als zwei dunkle durch einen hellen, schmalen, mittle-
ren geschiedene Streifen.
Von der Insertion am Magen bis zu Anfang des hin-
tersten Drittels oder Viertels der Länge sind die Schei-
dewände eingefasst von einem breiten wellig oder krau-
senartig gefalteten gelblichen, ziemlich undurchsichtigen
Saume, dessen frei in der Leibeshöhle flottirender Rand
wulstig verdickt ist. An diesem etwa 0,1 Mm. breiten Rande,
den eine hellere Linie scharf gegen die Krause absetzt, ist
die Flimmerbewegung, besonders lebhaft und es sind ihm
reichliche Nesselzellen von doppelter Länge und Dicke der
in der äusseren Haut sich findenden eingelagert. Diese
zwölf Krausen verhalten sich verschieden in ihrer Er-
streckung nach vorn und hinten und zeigen dabei in noch
deutlicherer Ausprägung die schon in der Bildung des
Mundes angedeutete bilaterale Symmetrie in Bezug auf eine
durch die Achse des Körpers und die Mundrinne gelegte
Ebene. In ihrer Erstreckung nach hinten betrachtet er-
scheinen, wenn man von der Seite der Mundrinne aus zählt,
constant als die längsten das Iste, 3te und 5te Paar der
Krausen, von mittlerer Länge das 6te Paar , als die kürze-
sten das 2te und 4te Paar. Diese beiden letzten Paare da-
gegen reichen am weitesten nach vorn, indem die betref-
fenden Scheidewände am Magen nur etwa bis zu dessen
Mitte herabsteigen ; das 3te, 5te und 6te Paar inseriren sich
am Magengrunde , während die beiden Scheidewände des
ersten Paares noch über den Magen hinaus eine nach innen
geschlossene Kammer bilden. — Die verdickten Ränder der
Krausen glaube ich als Analoga der Mesenterialfäden der
Actinien betrachten zu dürfen, die hier nur die Eigenthüm-
lichkeit haben, in ihrer ganzen Länge angeheftet zu sein.
Die Krausen selbst dürften sich als Bildungsstätten der Ge-
Polypen und Onallen A'on Santa Catharina. 6|
schlechtsstoffe ausweisen, von denen ich bis jetzt an zahl-
reichen, seit fast einem Jahre untersuchten Thieren noch
keine unzweideutigen Spuren auffand.
Bei grösseren Actinien pflegt nur das Hervorspritzen
feiner Wasserstrahlen beim Anfassen die Anwesenheit klei-
ner Oefl"nungcn der Leibeshöhle zuverralhen; bei unserem
Thiere sind diese Oeffnungen selbst mit Leichtigkeit wahr-
zunehmen. Sie zeigen sich schon dem blossen Auge als
12 radiäre Reihen heller Punkte am hintersten
Theile des Körpers, die mit den Längsfurchen abwech-
seln. Ihre Zahl wächst mit dem Alter und stiegt bei den
grössten Exemplaren bis gegen 20 in einer Reihe. Ihr
Durchmesser ist verschieden ; die grösste Oeffnung, die mir
vorkam, war 0,1 Mm. lang und halb so breit. Unter dem
Mikroskope kann man die durch die Flimmercilien der Lei-
beshöhle unihergetriebenen Partikelchen bisweilen aus ihnen
austreten sehen. Durch Contraction der Leibeswand wer-
den sie natürlich geschlossen, sind aber auch selbständiger
Verengerung und Schliessung fähig; sich verengend er-
scheinen sie von einem hellen Hofe umgeben ; sind sie ge-
schlossen, so zeigt sich an ihrer Stelle ein heller Fleck.
Die Mitte des Hinterendes ist bei dem wassergefüll-
ten Thiere vollkommen geschlossen; bei rascher Contraction
verschliesst sich dagegen hier eine weite Oeffnung
zum Austritte des Wasser s ""), durch die dabei nicht
selten Theile der Krausen vorfallen. Bei einem grossen
Exemplare , das ich zu bequemerer Beobachtung in ein
Reagensgläschen brachte , sah ich, nachdem es sich wieder
aufgeschwellt hatte, einen schmalen Strang vom Ende einer
■") Ebenso bei Cerianthus (vergl. Jules Hain;e in den Ännales
des Sciences nat. 4. ser. Toni. I. p. 341), mit welchem Polypen der
obenbeschiiebene manche Verwandtschaft hat. Freilich stimmt die Zahl
und besonders die Stellung der Tentakeln nicht, deien Cerianthus eine
doppelte , Philomediisa eine einfache Reihe besitzt. Uebrigens wäre
in Betreff der systematischen Stellung zu berücksichtigen, dass die
Thiere, wie oben steht, noch nicht geschlechtsreif beobachtet sind.
Max Schnitze.
62 Müller:
der längeren Krausen straff nach der Mitte des Hinteren-
des herübergespannt, der, wie ich wusste , vorher nicht
vorhanden gewesen war. Nach einer durch Erschütterung
des Glases bewirkten neuen leichten Conlraction des Thie-
res begann der Strang sich vom Hinterende zu entfernen
und mit ausserordentlicher Langsamkeit und unter Bewah-
rung seiner geradlinigen Form sich zusammenzuziehen; er
erwies sich so als ein bei der ersten Contraction einge-
klemmtes , bei der durch die neue Contraction bewirkten
Erschliessung der Endöffnung wieder frei gewordenes Stück
der betreffenden Krause.
Ich fand die Philomedusa Vogtii zuerst vereinzelt an
Olindias (nov. gen. Eucopidarum) an der Unterfläche der
Scheibe sitzen, später in Menge an Chrysaora, wo sie an
den Armen, in den Geschlechtshöhlen , im Magen und seinen
Nebentaschen sich aufhält. Von einer einzigen Qualle der
letzteren Gattung habe ich schon über 20 unserer Polypen
abgelesen. — Die den Quallen entnommenen Thiere pflegen
Stücke der Fangfäden, der Genitalien, der Magenfäden u. s. w^
des Wohnthiers im Magen zu haben und in ihrer Leibes-
höhle trifft man oft Nesselzellen der Qualle an. Sie ver-
tragen , wie die Actinien , gut die Gefangenschaft, können
monatelang hungern und lassen sich auch andere als Qual-
lenkost, namentlich Anneliden , schmecken. Hat man eine
grössere Zahl in demselben Gefässe , so werden bisw^eilen
kleinere von grösseren verschluckt und leben in deren
Leibeshöhle wenigstens Avochenlang weiter, wie es scheint
ohne gegenseitige Störung des Befindens.
Die Thiere vermögen mit jeder beliebigen Stelle des
Leibes sich anzuheften , wahrscheinlich mittelst der Nes-
selfäden, die überhaupt auch in den Fangfäden der Quallen
grössere Dienste als Haftorgane, wie durch ihr Gift zu lei-
sten scheinen. Sie klettern nicht selten an der Wand der
Glasgefässe empor und pflegen sich dann mit dem Munde
anzusaugen. Ehe sie zu behaglicher Ruhe sich aufgeschwellt,
ist ihre Gestalt eine sehr wechselnde , je nachdem dieser
oder jener Körpertheil stärker contrahirt ist, je nachdem die
Tentakel eingezogen oder vorgestreckt sind u. s. w. • —
Alle ihre Bewegungen sind sehr träge ; sie bleiben , in
Polypen und Quallen von Santa Catharina. 63
Ruhe gelassen, Tage lang auf dem Boden des Glases lie-
gen oder an derselben Stelle der Wand hängen , ohne an-
dere Bewegungen als Contractionen der Ringmuskeln, die
von Zeit zu Zeit in langsam fortschreitenden Wellen von
vorn nach hinten verlaufen.
Erklärung der Abbildung.
Taf. II. Fig. 1.
Philomeclusa Voglii in ausgedehntem Zustande, 3nial ver-
grössert.
Desterro, im Mai 1859.
lieber die Schale uud die Larven des
Gasteropterou Meckelii.
Von
Dr. August Krohu.
(Hierzu Taf. II. Fig. 2 u. 3).
Mit Ausnahme delle Chiaje's, der dem Gasteropte-
ron ein Schalenrudiment zuschreibt, sind wohl die meisten
neueren Zoologen, sei es, dass sie delle Chiaje's Ent-
deckung übersehen oder nicht haben bestätigen können, der
Ansicht, dass diese Gattung im Gegensatze zu den übrigen
Aceren ohne Schale sei -""). In der That, zur Stütze ihrer
Ansicht können sie sich noch auf das Zeugniss eines so
ausgezeichneten Beobachters wie Souleyet berufen, der
sich mit Entschiedenheit dahin ausgesprochen, dass nicht
die geringste Spur einer Schale bei Gasteropterou anzu-
treffen sei. (Voy. de la ßonite. Zoolog. T. 2. p. 465).
Dass d. Chiaje trotzdem Recht hat, kann ich nach
Untersuchungen, die ich schon vor mehreren Jahren an
frischen Thieren in Neapel angestellt , bezeugen. Ich bin
nun kürzlich durch die Güte meines geehrten Freundes
Prof. Troschel, der so gefällig war, mir einige wohler-
haltene Weingeistexemplare zu weiterer Untersuchung zu
überlassen , in den Stand gesetzt worden , nicht nur die
Anwesenheit der Schale von neuem zu bestätigen , sondern
auch die früheren Beobachtungen bedeutend zu vervoll-
ständigen.
") In Philippi's Handbuche der Conchyliol. und Malakozool.
(p. 232) findet sich die auffallende Angabe , dass Doridiuni keine
Schale besitze, während doch schon d. Chiaje ein Rudiment der-
selben bei allen Arten dieser Gattung nachgewiesen hat.
Krohn: Ueb. d. Schale u. d. Larve v. Gasteropt. Meck. 65
Was d. Chiaje über das von ihm entdeckte Scha-
lenrudiment anführt, beschränkt sich auf die kurze Angabe,
dass es als zartes, schwach schillerndes Häutchen den Bo-
den eines Hohlraums von ovalem Contour überzieht , der
sich auf der Rückseite des Abdomen, dicht unter der die
Visceralmasse umhüllenden Haut - oder Manteldecke findet.
(Descrizione degli animali inverlebrati d. Sicil. citer. T. 2.
p. 86. Tab. 55. Fig-. 4). Ferner wird im Abschnitte über
die Entvvickelung der Argonauta desselben Schalenrudi-
menls gelegentlich gedacht, und seine häutige Consistenz
den kalkigen Kiemenschildern der Aplysien, Dolabellen etc.
gegenüber hervorgehoben (T. 1. p. 46).
Die Schale des Gasteropteron ist in der That von
membranöser Beschaffenheit, durchaus homogen, einem Chi-
tinhäutchen ähnlich und so äusserst fein, dass sie sich im
Wasser bei der geringsten Erschütterung , in unzählige
zarte Fältchen wirft, woraus denn ihr Irisiren bei auffal-
lendem Lichte zu erklären. Sie liegt, wie schon aus den
obigen Angaben d. Chiaje's zu ersehen, zwischen dem
Mantel und der Ueberzugshaut der Eingeweide, ist also
gleich der Schale der dem Gasteropteron nächst verwand-
ten Gattung Doridium , eine innere. Indess ist sie nicht
auf den engen Bezirk beschränkt, den ihr d. Chiaje an-
weist, indem sie vielmehr in fast continuirlicher Ausbrei-
tung die ganze Visceralmasse umhüllt und nach vorn gegen
den Kopf zu , genau so weit wie der Mantel zu reichen
scheint. Da nun der Mantel auf der Rückseite bis zur
Basis des Fühlerlappens sich erstreckt, auf der Bauchseite
dagegen schon in einiger Entfernung hinter dem Kopfe,
sich der Ueberzugshaut der Eingeweide dicht anlegt , so
muss wohl die Mündungsebene der häutigen Schale in einer
gegen die Achse des Kopfes geneigten Richtung, von oben-
und vorn nach unten und hinten herabsteigen.
Ueberraschend ist nun , dass diese in einem so gros-
sen Bezirke als bloss zarte Membran erscheinende Schale,
zuletzt plötzlich in eine äusserst kleine, gewundene, kal-
kige Spitze ausläuft. Es liegt diese Spira rechterseits auf
der Visceralmasse und zwar der Bauchseite näher, in einer
Linie etwa, die in senkrechter Fortsetzung nach oben, auf
Archiv f. Nalurg. Jahrg. XXVI. Bd. 1. 5
66 K r 0 h n :
den After treffen würde. Sie besteht aus circa anderthalb
Umläufen mit rascher Erweiterung gegen die Mündung hin
(s. Fig. 1 u. 2j , ist von der Durchsichtigkeit eines leicht
angeschliffenen Glases , durch die Anwachsstreifen zierlich
quergestreift, und misst ihrem längeren Durchmesser nach,
ungefähr einen halben Millimeter. Ihre Stellung ist so,
dass der Mündungstheil nach oben, die Rückseite nach hin-
ten si^ht *"•).
Dicht hinter der Spira liegt der nach vorne umge-
schlagene Endlappen der Leber , in der Gestalt eines nie-
drigen pyramidalen, über die Oberfläche des Eingeweide-
pakets vorspringenden Wulstes , dessen Spitze nach vorn
und etwas nach oben gewendet ist. Es ist das , wie mir
scheint, eine schwache Andeutung jener spiraligen Drehung,
die der Visceralmasse bei den übrigen Aceren in höherem
Grade eigen.
Gelegentlich sei hier angeführt, dass dicht unter dem
After eine sehr deutliche , bisher übersehene kleine Oeff-
nung sich findet. Sie scheint direkt in einen weiten, auf
der Rückseite der Visceralmasse, und zwar rechterseits über
den übrigen Eingeweiden gelagerten Sack zu führen, der
nach vorne zu bis in die Gegend des Herzens reicht und
dessen obere Wandung mit zahlreichen, niedrigen , in die
Höhle vorspringenden Querfalten versehen ist. Soul eye t
erwähnt dieses Sackes als eines Organs von noch unbe-
kannter Bedeutung (1. c. p. 468. PI. 26. Fig. 4 et 15. y).
Meiner Meinung nach, kann es nach seinem Baue und sei-
ner muthmasslichen Ausmündung in der Nähe des Afters,
nur die Niere sein, während Souleyet eine verästelte
rothe Drüse , deren Function zu ermitteln bleibt , für die
Niere angesprochen hat.
Bekanntlich hat G egenba ur eine von Vogt in Nizza
""■) Bei aller Verschiedenheit kommt die Schale von Doridium
mit der des (jasteropteron doch darin überein, dass ihre hinterste ge-
wundene Partie kalkig, die vordere grössere ganz häutig und nach
vorne hin gerade so weit als der Mantel, unter welchem sie verbor-
gen, zu reichen scheint (Cantraine, Malacol. mediterran, p. 73. Tab. 2.
Fig. 2. Mem. d. l'Acad. d. Bruxelles. Toni. 13).
lieber die Schale und die Larve von Gasteropteron Meckelii. 67
beobachtete junge Schnecke , deren Entwickelimg vom Ei
bis zum Verschwinden des Segels verfolgt werden konnte,
auf Gasteropteron gedeutet. (^Zeitscbr. für wissensch. Zool.
Bd. 7. p. 162.) Diese Vermuthung ist, trotz des darauf ver-
wendeten Scharfsinnes , jetzt nicht mehr haltbnr, aus dem
einfachen Grunde , weil die Sclialenspitze von Gasteropte-
ron, wie oben nachgewiesen , spiralig eingerollt ist, wäh-
rend das von Vogt beobachtete Thierchen im Larvenzu-
stande, eine ganz gerade, konische Schale besitzt. Ich kann
nun noch weiter hinzufügen, dass die Larve von Gastero-
pteron auch in ihrer übrigen Bildung sehr abweicht.
Für die Larve eines Gasteropteron nämlich muss ich
jetzt, nachdem ich längere Zeit geschwankt, eine Cephalo-
phorenlarve halten , die mir in Messina im Winter 1853,
zweimal zur Ansicht kam, beide Male auf derselben schon
weit vorgerückten Entwickelungsstufe. Folgendes ist eine
treue Zusammenstellung dessen, was meine damaligen No-
tizen über dieselbe enthalten.
Der lebhaft rothgefärbte Leib ist mit einer spiraligen,
aus anderthalb Windungen etwa bestehenden , 'glashellen,
dünnen Conchylie bekleidet. Am Kopfe lassen sich ausser
dem aus zwei länglichen Hälften bestehenden Yelum , die
beiden schwärzlichen Augen und im Vorderleibc die Hör-
kapseln, jede einen einzigen grossen, sphärischen Otolithen
enthaltend, unterscheiden. Die Radula des Zungenvor-
sprungs scheint mit vier Längsreihen hakenförmig umge-
bogener Zahnplättchen bewehrt. Vor allem aber fällt an
der Bauchseite ein mächtiger, rundlicher, flacher Lappen,
der zu den Seiten und hinten weit über den Leib vorragt,
in die Augen. Er ist gelblich gesprenkelt, sonst aber
farblos, und läuft am äussersten Hinterende in einen ganz
kurzen Zapfen oder Zipfel aus, dessen Spitze einzelne län-
gere Cilien trägt, während der ganze Lappenrand mit fei-
neren Wimpern besäumt ist. Obwohl dieser Lappen aus-
ser in der Gestalt auch in Bezug auf die Anordnung der
Muskulatur, mit der Flosse der Pteropoden, namentlich der
Gattung Tiedemannia , übereinzukommen scheint, so sähe
ich ihn doch nie nach Art der Flossenflügel sich bewegen.
Gewöhnlich ist er so um die Schale herumgeschlagen, dass
68 Krohn: Heb. d. Schale u. d. Larve von Gasteropt. Meck.
er sie verdeckt, und nur selten sieht man ihn wagerecht
ausgespannt. Die Larve bewegt sich nur mittelst des Segels.
Hiernach wird man wohl nicht anstehen, meiner An-
sicht, dass diese Larve ein Gasteropteron sei , beizupflich-
ten. Es sprechen zu ihren Gunsten , um nur das Haupt-
sächlichste hervorzuheben , der bereits stark ausgebildete,
wenngleich noch unthätige Schwimmfuss, ferner die in Ge-
stalt und Beschaffenheit mit der Schalenspitze ausgewach-
sener Thiere übereinstimmende Schale, endlich die rothe
Leib es färbe ^').
Somit ist denn die Abkunft des überaus merkwürdi-
gen Nizzaer Weichthiers, das nicht nur die Schale vor dem
Erscheinen der inneren Organe abstreift, sondern auch
seine ganze Entwickelung noch innerhalb der EihüUe durch-
läuft, wiederum in Frage gestellt.
Erklärung der Abbildungen.
Fig. 1. Schalenspitze oder Larvenschale des Gasteropteron, grössten-
theils Profilansicht.
„ 2. Dieselbe, grösstentheils in der Rückenlage.
Bonn, den 6. Februar 1860.
'') Die oben mit so vielem Nachdruck betonte Nichtbetheiligung
des Schwimmfusses an der Locomotion mag doch wohl nur temporär
sein. Denn bei allen Cephalophoren ist das spätere, meiner Ueber-
zeugung nach überall homologe Locomotionsorgan, sei es Kriech-
fuss oder Flosse, in den vorgerückteren Entwickelungsstadien schon
befähigt, zu Zeiten in Function zu treten.
Tetrapedos. neue Sanriergattung.
Von
Prof. Jan
in Mailand.
Briefliche Mittheilung an den Henuisgeber.
(Hierzu Taf. II. Fig. 4—12).
Die beifolgende Zeichnung stellt einen höchst interes-
santen Saurier dar, der unbezweifelt ein neues Genus bildet,
welches in die INähe von Hysteropus zu stellen ist. Da
dasselbe vier ruderförmig gebildete Füsse hat , so nenne
ich dasselbe Tetrapedos *), und die Art, dem Dr. An-
drew Smith zu Ehren, Tetrapedos Smithii , da derselbe
im Sinne hatte die Ceylonischen Reptilien zu bearbeiten,
wie aus der Vorrede von Kelaart's Prodromus Faunae zey-
lanicae p. V hervorgeht.
Die Abbildung, welche ich liefere, ist so genau, dass
eigentlich jede Beschreibung überflüssig ist. Ich beschränke
mich daher darauf, die Gattungscharaktere hervorzuheben,
welche zum Unterschiede von Hysteropus folgendermassen
gestellt werden können:
Tetrapedos. Vier zehenlose, kurze, ruderförmige
Füsse; Schuppen glatt; vor dem After keine Poren; zwei
sehr kleine Ohröffnungen; unten ein deutliches Augenlied,
welches sich über das Auge zieht, das obere Augenlied
kaum angedeutet; die mit dichten Schuppen besetzte Zunge
legt sich in eine Vertiefung des Gaumens, welcher an die-
ser Stelle rhomboidal erscheint; keine Gaumenzähne.
^) ntjäos palmula remi, gubernaculum.
70 Jan: Tetrapedos, neue Sauiiergattung.
Die Farbe dieser Echse ist eisengraii, unten lichter
ins Gelbliche spielend; die Schuppen haben dunklere Schat-
tirung-en. Am Körper sind 24, am Schwänze 20 Schuppen-
reihen vorhanden.
Fig-. 4 stellt ein Exemplar in natürlicher Grösse dar.
Der im Verhältniss zur Grösse des Thieres sehr lang-e
Schwanz zeichnet sich durch seine cylindrische Form und
sein stumpfes Ende aus, und unterscheidet die Gattung von
Heteropus, bei welcher Gattung- der Schwanz spitz zuläuft.
Bei einem anderen Exemplare ist der Schwanz viel kürzer,
weil der Schwanz nachgewachsen ist, wie man deutlich an
der Beschuppung desselben erkennt.
Fig. 5 zeigt den Kopf im Profile mit Mundspalte, Nas-
loch, Auge und OhröfFnung. Es sind eigentlich nur drei
Labialschilder vorhanden, wovon das erste sehr lang ist.
Fig. 6 zeigt die Beschildung der Oberseite des Kopfes.
Fig. 7 ebenso die Unterseite des Kopfes.
In Fig. 8 sind die Schuppen vergrössert abgebildet,
um die Schatlirung derselben anzudeuten.
Fig. 9 stellt den geöffneten 3Iund mit der schuppigen
Zunge und dem rhombisch vertieften Gaumen dar.
Fid. 10 zeigt die Afterspalte nebst den beiden Hin-
terfüs sehen.
Fig. 11 giebt ein deutliches Bild von einem Vorder-
füsschen.
Fig. 12 ebenso von einem Hinterfüsschen.
Alle diese Figuren sind, mit Ausnahme von Fig. 4 ver-
grössert ; die daneben befindlichen Linien zeigen die na-
türliche Grösse an.
Das Vaterland dieser Eidechse ist Ceylon. Exemplare
werden im Museum zu Mailand aufbewahrt.
Beschreibuug neuer oder wenig bekannter Anneliden.
Von
Prof. Dr. Ed. Grube
in Breslau.
Fünfter Beitrag (s. dieses Archiv Jahrg. 1846. 1848
und 1855).
(Hierzu Taf. III-V.)
Polynoe Sav.
P. clypeata Gr. Taf. III. Fig. 1.
Eumolpe squamata delle Chiaie Memor. IV. tab. LVII.
flg. 8. 17.
Corpus oblongiim, posteriora versus haud attenuatum,
margaritaceum, segmentis 27 supra Stria media transversa
fusca vel brunnea, in confmiis macula minuta ornatis. Ely-
tra utrinqne 12 ovalia. obsoleta, limbata, nitida, vix vel nihil
imbricata, dorso medio anoque semper libero, papillis minu-
tissimis sparsa , plurihus maioribus rotundatis, saepe fuscis
nunquam fimbriata, e. primum ceteris paulo minus. Lohns
capitalis suborbiculatus , fronte bifida, tentacula 3 ferente,
oculis ad marginem lateralem setis satis magnis, anterioribus
a posterioribus diametros 2 distantibus. Tentaculum impar et
media teniiia, sub apice filiformi inflata, annulo fusco ornata,
impar articulo basilari brevi, media processibus frontis insi-
dentia , illud dupla lobi capitalis longitudine vel longius,
haec lobo capitali paulo longiora, t. lateralia impari magis vel
multo magis prominentia , crassa (subtus dimidia lobi capi-
talis latitudine), sensim attenuata, papillis filiformibus e Ion-
72 Grube:
gitiuline ordinatis obsita. Cirri tentaculares, dorsuales, ana-
les t. mediis similes , superiores tentacularium aeqiie ac t.
lateralia prominentes vel breviores, c. dorsuales articulo
basilari crasso insidentes setas vertrales plus minus exce-
dentes , c. ventrales sub apice tumiduli marginem pinnae
haud pttingentes , c. anales dorsualibus proximis longiores,
longitudiiie tentaculi imparis. Setae dorsuales , fasciculum
minutum componentes pallidae, brevis, lineares, leniter cur-
vatae, seriebus arctis spicularum niinimarum asperulae, s,
ventrales alterum tanluin magis prominentes, fulvae, duplo
fortiores, rectae, sub apice antrorsum ineurvo, satis longo,
simplici, paulo sinuatae, dentibus longioribus utrinque fere
12nis, arctis servatae.
Long. 9 lin. (interdum 18 lin.) , lat. max. cum setis
3,5 lin. (5 lin.).
Vorkommen im Mittel - und adriatischen Meere und bei
den Scilly-Inseln.
Diese Art, die bisher mit P. squamata zusammenge-
worfen ist, unterscheidet sich von ihr durch die beständig
ungefranzten , gleiclimässig ovalen Elytren , die am ge-
streckten lebenden Thiere nicht einmal immer die vor und
hinter ihnen gelegenen erreichen , an Weingeistexemplaren
letztere gewöhnlich überdecken. Lepidonotus IVahlbergi,
L. Johnstoni und L. striatus Kinb. haben zwar uno-efranzte
Elytren, sollen aber glatte seitliche Fühler besitzen , wäh-
rend sie bei unserer Art mit feinen meist in 6 oder meh-
reren Längsreihen stehenden Fäserchen besetzt sind. Die
Länge der Fühler variirt bei verschiedenen Exemplaren,
ja sogar die Form der äusseren Fühler, die mitunter schlank
und gleich den anderen unter der Spitze angeschwollen
sind; jedenfalls aber würde unsere Art zu der Gattung
Lepidonotus Kinh . zu rechnen sein. Oersted's sogenann-
ter innerer ßauchcirrus hat bei unserer Art die Form einer
ganz kurzen stumpfen Papille und fehlt den vordersten 7
oder 8 Rudern.
P. areolata Gr. Taf. IIL Fig. 2.
Corpus oblongum , posteriora versus attenuatum, seg-
meniis 37, supra carneis, subtus coeruleo griseis , Stria me-
Beschreibunff neuer oder wenig bekannter Anneliden. 73
'o
dia longitudinali maxime splendente. Elyfra utrlnque 15
imbricata, dorsiim omnino , setas magna ex parte tegentia,
ex renifornii subtetragona, margine posteriore et externe
dense fimbriatis , parte anteriore siipra albida, margine ex-
cepto dense verriiciilata , posteriore (libera) fusca, areolata
areolis rhombicis et hexogonis^ marginem versus magnitu-
dine crescentibns, crista humili in spinam exeiinte armatis,
e. postrema angustiora, minus spinosa, e. priinum orbicula-
tum , circumcirca spinosum et fimbriatum. Lobus capitalis
suborbiculatus, fronte bifida , tentacula 3 ferente, oculis ad
marginem lateralem sitis, anterioribus a posterioribus plus
diametros 3 distantibus. Tentacula sub apice haud tumida,
media sub processibus frontis et impari alfixa, laevia , lon-
gitudine lobi capitalis, dimidia imparis , impar floccosum,
lateralia fusca vix floccosa, aeque cum impari prominentia,
subtus dimidia lobi capitalis latitudine angustiora. Cirri dor-
suales floccosi, forma t. imparis, setas paulo excedentes, ar-
ticulo basilari nigro, ventrales tenuissimi. Setae dorsiiales
numerosae vix curvatae, divaricatae, pcctinibus spinularum
obsitae, saepe sorde tomentosae, s. ventrales vix fortiores
sub apice brevi bidente paulo latiores dentibus utrlnque
12nis, minus arctis serrulatae dorsualibus paulo magis pro-
minentes.
Long. 9 lin., lat. max. cum setis plus 3 lin.
Vorkommen im Mittel - und adriatischen Meere.
An keinem Exemplare waren die Fühler- und After-
cirren , selten ein Rückencirrus oder der unpaare Fühler
erhalten. Diese Art würde zur Gattung Harmothoe Kinb.
gehören, ähnelt mehr der U. scabra als der H, spinosa Kinb.,
welcher die flockigen Rückencirren und der flockige un-
paare Fühler fehlt, unterscheidef sich aber von beiden
durch die gefelderten mit spitzen Kielen versehenen Ely-
tren. A^on allen Arten des Mittelmeers scheint die Eumolpe
scutellata Risso's *") die einzige nahe stehende, sie soll aber
nur 12 Paar Elytren besitzen, diese die Mitte des Rückens
■"■) Hist. naturelle des productions de l'Europe nieridionale Tom.
IV. p. 414.
74 Grube:
nicht decken, die Farbe des Körpers soll braunroth schwarz-
g-efleckt sein.
Der innere Bauchcirrus verhält sich wie bei der vo-
rigen Art.
Spinther Johnst. Char. emend.
Corpus ovale dorso plus minus convexo, seg-inentis mi-
nus numerosis. Lobus capitalis fronte incisa ut cetera
segmenta utrinque serie setarum dorsuali et processu late-
rali, setas uncinatas gereute miinitus. Cirri, branchiae nulla.
Oculi 4 circa tuborculum tentaculiimve , segmento buccali
insidens , collocati. Os inferum , prope marginem anticum
situm, parvum; pharynx exsertilis hre\is^ semitubulosa, siib-
tus Cava. Anus posticus.
Intestinum rectum planatum.
Sp. miniaceus Gr. Taf. III. Fig. 3.
Corpus ovale, postice paulo magis attenuatum, minia-
ceum vel cinnabarinum cute tenuissima , segmentis minus
distinctis 18 ad 22. Setae dorsuales tenerrimae, antrorsum
curvatae, simplices apice truncato-bicuspide, ordines trans-
versos simplices componentes , a dorso medio usque ad
marginem pertinentes, membrana tenerrima quasi muco con-
iunctae, marginem versus longiores, processus segmentorum
laterales teretes , obtusi , subconici, longiores quam crassi,
setis compositis uncigeris 2 fortioribus armati, unco ma-
xime curvato. Cirri, branchiae nulla. Oculi 4 circa ten-
taculum brevissimum locati, segmento buccali insidentes.
Os inferum, prope marginem anticum situm, parvum, pharynx
exsertilis semitubulosa , subtus cava , apiceni versus paulo
attenuata, longitudine segmentorum 3 Anus posticus.
Long. 2 ad 3 lin., lat. cum setis 1 lin.
Bei Triest an rothen Schwämmen gefunden.
Die Gattung Spinther wurde von Johnston 1845*'^)
(Ann. of nat. bist. Vol. XVI. p. 9) aufgestellt und eine Art
Sp. oniscoides nach einem einzigen in der Belfastbay ge-
fundenen und ihm in Weingeist zugeschickten Exemplare
ebenda beschrieben und pl. II. fig. 7 — 12 abgebildet.
Beschreibung neuer oder wenig bekannter Anneliden. 75
Er sagt selbst, dass seine Beschreibung nicht vollständig
sein könne, und ich darf daher weder auf alle seine ein-
zelnen Angaben noch alle seine Figuren ein zu grosses
Gewicht legen; so giebt er zwar die Form der Borsten
übereinstimmend mit seinen Nachfolgern, aber weder Au-
gen noch Fühler an ; er beschreibt den Borstenhöcker des
Seitenrandes so auffallend anders , dass man vermuthen
muss, er habe eine andere Art vor sich gehabt, oder an-
nehmen, dass das von mir beschriebene Thier nur zu einer
Yierwandten Gattung gehöre. Fünf Jahre später führte Sars*)
in seiner Ausbeute von der Lofodenreise eine Annelide
unter dem Namen Oniscosoma arcticum auf, welche so
sehr mit der meinigen übereinstimmt , dass ich beide für
identisch halten müsste , wenn auch an ihm die intensiv-
rothe Färbung wie an dem meinigen beobachtet wäre, doch
schweigt gerade darüber die Beschreibung gänzlich ■""**). S ar s
giebt 20 Borstenreihen und nur 2 Formen von Borsten an,
zweizackige und sichelförmige, ohne sich näher darüber
auszulassen , ob letztere zusammengesetzt oder einfach
seien. Die haarförmig-en von Johns ton abg-ebildeten wer-
den nicht erwähnt, die Grösse des Thiers nicht angeführt.
Vor kurzem endlich lehrt uns Stimpson in seinen Marine
Invertebrata of grand Manan •^*^''*"') einen neuen Bingelwurm
kennen, für den er die Gattung Crt/pfo/io^a errichtet , in
dem ich aber wiederum ein<'n Spinther oder ein Onisco-
soma erkenne , obwohl er nur zwei Augen gesehen hat
und auf die Form der Rückenborsten nicht näher eingeht.
Stimpson's Art Cryptonota citrina ist wohl entschie-
den, auch wenn man von der Zahl der Augen absieht, nicht
die meinige, sie ist citronengelb gefärbt wie die Schwämme,
an denen sie vorkommt , hat eine Länge von 0,45 Zoll,
wogegen meine grössten schon mit Eiern angefüllten Exem-
plare nur 3 Lin. massen, und der Mund soll um Vö der
Länge vom Vorderende abstehen. Johnston's Spinther
'"') Magazin for Naturvidenskaberne. 1850.
*"*) Oniscosoma arcticum ist, wie ich so eben von Hrn. Prof.
Sars erfahren habe, licht strohgelb, und daher wohl eine andere Art.
"**) Snüthsonian Contributions to knowledge. 1853. : Atfvn
76 Grube:
oniscoides ist V2 Zoll lang und (ob erst im Weingeist so
geworden?) sahnegelb, hat etwa 30 Borstenreihen und
dreierlei Borsten, und eine sehr auffallende Form von un-
teren Borstenhöckern mit einem Cirrus , wenn dies anders
ein wirklicher Cirrus ist.
Von meiner Art kann ich nur sagen, dass sie schwer
zu untersuchen und namentlich darüber schwer ins Reine
zu kommen ist, ob die Reihe der Rückenborsten durch eine
wirkliche Membran oder nur durch den zähen Schleim, der
auch den Körper bedeckt, verbunden ist. In diesen Rei-
hen habe ich durchaus keine haarförmigen Borsten auffin-
den können, wohl aber entdecke ich ein Paar etwas stär-
ker als haarförmige gerade in den Fortsätzen des Seiten-
randes, welche die zusammengesetzten Borsten mit krumm-
hakigem Anhange tragen; von letzteren ragt immer nur
eine und oft recht lang hervor, eine zweite kürzere ist im
Innern verborgen. Auch die Verhältnisse der Augen und
des äusserst kurzen Fühlers treten nicht immer gleich deut-
lich hervor, die Leibeswand ist so dünn, dass man sie bei
der Untersuchung nur zu leicht verletzt und das Thier
zerstört, aus dessen Leibeshöhle dann eine Menge mennig-
rother Eierchen hervordrangen. Indem ich die Leibeswan-
dungen nun vollends auseinander zerrte , gelangte ich zu
der interessanten Entdeckung, dass das gerade Darmrohr,
dem wahrscheinlich ein kurzer Magen vorhergeht und das
erst im 6. oder 7. Segment beginnt, durch eine Menge ein-
facher dünner nicht ganz der halben Körperbreite entspre-
chender Coeca gefiedert ist; ich konnte jederseits deren 16
heraus präpariren, und zwar vereinten sich die vordersten
4 jederseits zu einem gemeinsamen in den Darm münden-
den Gange. V^^enn dies Verhalten des Darmkanals ganz an
die Aphroditen und Polynoen erinnert, so weicht der Bau
des Rüssels, den ich nur einmal ausgestreckt gesehen habe,
entschieden davon ab; ich kenne kaum einen ähnlichen,
denn er ist wie eine und zwar auf der Unterseite offene
Halbrinne gestaltet, durchaus ohne Kiefer und ohne Papil-
len. Die Eierchen , welche die Leibeshöhle vollkommen
erfüllten , waren mitunter in die Höhlung der borstenfüh-
renden Fortsätze des Seitenrandes getreten, und schienen
Beschreibung neuer oder wenig bekannter Anneliden. 77
dort durch eine Oeffnung- entweichen zu können. Sollten
die kuglig aufgeschwollenen Girren, die Johns ton ab-
bildet, vielleicht in irgend einer Beziehung dazu stehen?
Wenn endlich die länglich runde vorn hinter der Mundöff-
nunff auso-eschnittene , sich nach hinten bis etwa in's 6te
Segment erstreckende weissliche Masse, welche sich hier
in zwei lange bis fast ans Ende des Körpers laufende Fä-
den auseinander begiebt, und welche ich nur bei einem
Thiere durch die Bauchwand durchschimmern sah , wie ich
vermuthen muss, das Nervensystem ist, so lernen wir hier
eine für die Anneliden ganz neue Form kennen , welche
durch die ungemeine Verkürzung an das Nervensystem ge-
wisser Insektenlarven aber auch an die Dendrocoelen erin-
nert. Johns ton stellt seine Gattung Spinther ohne Be-
denken zu den Aphroditeen, Sars möchte sie Euphrosyne
annähern, wenn ihr nicht die Kiemen fehlten. Ich würde
in dem blossen Mangel der Athmungsorgane, da wir doch
auch die Lumbriconereis nicht von den Eunicen und Dio-
patren trennen, kein Hinderniss erblicken, mich aber we-
gen dieser Form des vermuthlichen Nervensystems und
Darms dafür entscheiden , doch nur vorläufig diese Anne-
liden den Amphinomeen anzureihen, bei denen sonst nirgends
zusammengesetzte Borsten vorkommen, denen sie aber am
meisten im ganzen Habitus entsprechen.
Amphinome Brug.
A, incarunculata Peters.
Corpus vermiforme , gracilius , sordide carneum, fere
alterum tantum latius quam altum, segmentis 119, supra in
longitudinem striatis , fere alterum tantum latioribus quam
longis. Lohns capitalis ex pentagono rotundatus, subtus os
versus sulco medio bipartitus, fronte integra truncata ; ten-
taculum impar longitudine lobi capitalis, proxime marginem
frontalem inter oculis anteriores oriens , eum longo exce-
dens , t. posteriora (inferiora) impari breviora , anteriora
brevissima limbo frontali coniuncta. Caruncula minima, ova-
lis, margine integre, parti postremae lobi capitalis insidens,
ne primum quidem segmentum tegens. Segmenta buccalia 4.
78 Grube: i'-ur ijrfndi.rfi-)go8
Setae albae apice simplici, nee bidente , nee erenulato, Si
fasciculi dorsualls plus minus sursum verg-entes, ventralibns
paiilo tenuiores, miilto longiores, inagis niiinerosae, ventra-
les a latere protentae , paucae. Cirri dorsuales branehiis
alterum tantum longiores, setis suis paulo breviores, c. veji-
trales brevissimi, verrucaetormes. Branchiae cirratae filis
brevibus simplicibus vel a basi bifureis , nee medium dor-*/
sum nee proximas attingentes, a seg-mento 3io ineipientes.
Long. 3 une. 7,5 lin., lat. eum tubereulo setarum ven-
tral. 2,5 lin.
Das untersuehte Exemplar , das dem Wiener Univer-
sitätsmuseum gehört und aus Westafrika stammt, weicht in
einigen Stücken von Peters' Einschreibung ab, unterstützt
aber die Aufstellung seiner Art. Die Karunkel ist so win-'
zig, dass sie wenig in's Auge fällt.
A. stylifera Gr.
Corpus vermiforme, angustum , alterum tantum latius
quam altum, carneum , segmentis 142, mediis duplo latiori-
bus quam longis. Tentacula paenc aeque longa. Carun-
cula ovalis, ut A. complanatae segmenta 3 tegens. Segjnenta
buccalia 4. Setae nee crenulatae nee denticulatae: s, fasci-\
culi dorsualis numerosae, breves cirrum suum circumdantes,
sursum speetantes , flavidae apice simplici ; ventrales paulo
crassiorcs, a latere protentae, parallelae, fasciculum tenuem
styliformem componentes, albae apice bidente fusco corneo.
Cirri dorsuales fusci, setis suis multo longiores, saepe gy-
ris 2 adscendentes, c. ventrales dimidia setarum suarum lon-
gitudine. Branchiae fuseae , ut in A. complanata confor-
matae, ramosae stirpe brevissima, setis dorsualibus longio-
res, cirro breviores, segmenti Imi nullae.
Long. 10,7 une. lat. max. 3,5 lin., cum setis 4,5 lin.
Das Exemplar , das dieser Besehreibung zu Grunde
liegt, gehört dem Wiener üniversitätsmuseum, dem es ohne
Angabe des Fundortes zugekommen ist. Besonders eigen-
thümlich ist das Ansehen der unteren Borstenbündel.
Staurocephalus Gr. Char. emend.
Corpus vermiforme, segmentis minus numerosis, cir-i^'
Beschreibung neuer oder wenig bekannter Anneliden. 79
ris ani 4. Lohns capitalis ex qiiadrangulo vel pentagono
rotiindatiis, ociiloiiiin paribus 2, tenlacula lateralia utrinque
2, inferiora latiora , apice rotundato. Segmentum buccale
nudum, pharynx exsertilis rnaxillis niaioribus 2, planitie lata
fiindo oris adiacentibus , sese langenübiis, ordinibiis longi-
tudinalibiis miiioriim 4 armata. Finnae iinireiiies , in lingu-
las 2 exeiintes, cirro dorsiiali et ventrali munitae, fascicu-
lis setariim 2; setae simplices et compositae. Branchiae
nuJlae.
St. rubrotnttatus Gr. Char. emend.
Corpus breviijs vermilorme , supra leniter convexum,
subtiis planum , segmenüs 52 — 70 vitta duplici coccinea or-
natis, mediis 5-es vel 6-es latioribns quam longis. Lo-
hns capitalis ex quadrato rotundatus, fronte arcuata , lon-
gitudine segmentorum proximorum 2, latitudine '/^ eorum
aequante, oculi fusci rotundi , quadrati (antice dilatati) in-
star locati, anteriores maioris; tentacula 4, utrinque 2, an-
teriora margini laterali affixa, maiora, lata, lobifonnia apice
rotundato , latitudine lobi capitalis longiora , posteriora a
margine paulo remota, superiora, breviora, angustiora, basi
ab oculis anterioribus ad posteriores patente. Segmentmn
buccale nudum, proximo paulo longius, plus minus distincte
biannulum; maxillae maiores inferiores 2, elongatae subtri-
anorulae maroine anteriore interiore teniter rotundato sub-
tilissime serrulato, maxillae alteri adiacente , postice longe
acuminatae, divergentes, m. ceterae minutae utrinque series
longitudinales 2 componentes erectae , triangulae , altiores
quam latae marginibus longis dentibus 2 acute serratis, se-
riei interioris 28 , exterioris , postice in laminam oblongam
transeuntis , 21. Pinnae uniremes, cum cirris % — '/j 1'^*^-
tudinis corporis aequantes, in lingulam superiorem et infe-
riorem excurrentes fasciculis setarum 2: setae tenerrimae
f. superioris paiicae (önae ad 8nas) capillares, tum acutis-
simae tum obtusae, inferioris niimerosae (ad 24nas) brevio-
res, compositoe , falcigerae, appendice quasi falciformi an-
gustissima, acie recta , apice bidente limbato; acicnla 1.
Cirrus dorsualis lingulam superiorem paulo excedens, inter-
dum subnodulosus , centralis pinnae magis appressus , ea
80 Grube:
paulo brevior, illo crassior. Cirri ani 4, superiores longio-
res, latitiidinem segmenti postremi aeqiiantes.
Long. 0,55 unc. (speciminis contracti segmentorum fere
70) lat. 0,55, cum setis 0,12.
Exemplare von 0,1 Zoll Länge hatten nur 25 Segmente.
Im adriatischen Meere bei Triest , Fiume und Cherso
gefunden.
Die zuerst von mir im Archiv für Naturgeschichte
Jahrg. XXL p. 97 gegebene Beschreibung dieser Annelide
war nach einem unvollständigen Exemplare entworfen und
enthält mehrere unrichtige Charaktere. Indem diese hie-
durch beseitigt werden und nun auch die Beschaffenheit
der Kiefer ermittelt ist , unterliegt keinem Zweifel , dass
letztere uns bestimmen muss, die Gattung Staurocephalus den
Euniceen anzureihen. Ihr ganz nahe steht Anisoceras Gr.
Oerst. ■''''■), vielleicht nur als Untergattung aufzustellen, und
nicht mehr generisch zu trennen; der Bau der Ruder, des
Kopflappens, die Gestalt der Borsten ist dieselbe, nur sind
die Fühler länger, die unteren waren bei Ätiisoceras rubra
spiralig aufgerollt, die oberen bei A, vittata und bioculata
nach aussen von den vorderen Augen sitzenden rosenkranz-
förmig gegliedert, aber auch bei einigen Individuen meines
Staurocephalus, bei dem die oberen Fühler hinter den vor-
deren Augen sitzen, zeigt sich mindestens eine Andeutung
davon, obwohl bei der Kürze dieser Organe nur zwei Ein-
schnürungen wahrnehmbar sind; etwas ähnliches nur in
noch schwächerem Grade zeigen manche Rückencirren von
St, rubrovittatus, wenigstens setzt sich die Spitze etwas ab :
in den Oersted'schen Handzeichnungen von A. vittata und
bioculata tritt dies deutlicher hervor. Jedenfalls aber liegt
in der Anordnung des Kieferapparates eine Verschiedenheit.
Zwar finden wir überall ein Paar auf dem Boden des Rüs-
sels liegende plattgedrückte, am Innenrande theilweise ein-
ander berührende, mit dem schneidenden Rande nach vorn
gerichtete Stücke, levre inferieure Aud. und. Edw. bei Eu-
nice, Onuphis u. a., aber ausser dieser kommen bei St. ru-
*) Videnskabelige Meddelelser fra den naturhistoriske Forening.
1857. p.34.
Beschreibung neuer oder wenig bekannter Anneliden. 81
brovittatus vier Längsreihen kurzer emporgerichteter säge-
zähniger Kiefer vor, während hei Anisoceras rubra, soviel
ich erkennen konnte, statt dieser zwei schmale lange ge-
sägte Laden existiren ; die Oersted'sche ZeicJinung dieser
Theile von A. bioculata ist nicht ganz entscheidend. Die
Abbildung B' r. Müller's im Archiv für Naturgeschichte
1858. tab. VI, die ich mir als Anisoceras zu bezeichnen er-
laube, ähnelt den beiden von 0 er st e d abgebildeten Arten
dieser Gattung: von dem dazu gehörigen Thier bemerkt
jedoch der Verfasser , dass seine Kiefer in etwa 100 ein-
zelne Zähne zerfallen , die in vier Längsreihen geordnet
seien , ohne jedoch anzugeben , ob die Ränder derselben
glatt, wie auf der Zeichnung von A. striata, oder sägeför-
mig, wie bei St. rubromttatus sind. Was endlich delle
Chiaie's bereis Ruclolphii betrifft, so habe ich schon an dem
oben erwähnten Orte (p. 35) darauf aufmerksam gemacht,
dass sie sich den Anisoceras anschliesse; er spricht nur
von zwei Paar Kiefern , die man auch in der Abbilduno-
durch die Rückenwand des Vordertheils durchschimmern
sieht, und nennt die einen ,,gli uncini superiori ," die an-
dern ..mascelle inferiori;" es wäre aber wohl möglich, dass
jene aus je zwei dicht an einander liegenden Rogen von
einzelnen auf einander folgenden Platten bestehen *"*).
Schliesslich muss ich noch hinzufügen, dass ich eine
Annelide von 0,1 Zoll Länge bei Triest erhalten habe, wel-
che so sehr mit Staurocephalus übereinstimmt, dass ich sie
für eine Jugendform dieser Gattung halten möchte, obschon
sie mancherlei abweichendes besitzt: namentlich waren die
vier Fühler gleich beschaffen und die unteren im Verhält-
nisse zum Kopflappen viel kleiner, letzterer so breit als
das Mundsegment mit breit gerundeter Stirn, an der wie an
den Fühlern einzelne zarte Haare sassen, — ich zähle an
dem Stirnrande etwa 15 — , von den Augen konnte ich
nur die hinteren erkennen, und diese standen weit hinter
den oberen Fühlern , die Kiefer schimmerten als schwarze
Rogenlinien durch, von den 21 Ruderpaaren schienen dem
'■'') Memoiie su la storia e notom. degli anini. senz. vert. del
legni di INapoli. Vol. HI. 1828. tab. XLIll. fig. 19.
Arch. für Naturg. Jahrg. XXVI. 1 Bd. 6
82 G I- u b e :
ersten die Borsten gänzlich zu fehlen , an allen vermisste
ich die Rückencirren. Flimmerbewegung war an mehreren
Stellen des durchweg weisslichen Körpers sichtbar, näm-
lich in der Nähe der Ruder, am Stirnrande und an den
Fühlern , bei den ausgewachsenen Thieren habe ich sie
bloss am Vorderrande der unteren Fühler bemerkt. Eine
ähnliche Thierform bildet auch Oersted als Junges der
Änisoceras bioculata ab : auch hier fallen die Stirnhaare
und der Mangel der Rückencirren auf, doch sehe ich nur
zwei Fühlerchen.
Von der inneren Organisation der erwachsenen Stau-
rocephalus kann ich angeben , dass der Darm ein gerades
an den Segmentgrenzen etwas eingeschnürtes Rohr ist, und
dass es wenigstens drei Längsgefässe giebt, ein contracti-
les Bauchgefäss und zwei contraclile seitliche über der Ba-
sis der Ruder hinlaufende, welche mit jenem in jedem Seg-
mente durch Queräste in Verbindung zu stehen scheinen.
Die Farbe des Blutes war roth.
PhyllojJoce Sars.
Ph. (Eulalia) macroceros Gr. Taf. III.
Fig. 4.
Corpus prasinum, utrinque valde attenuatum, segmen-
tis plus 88, triplo fere latioribus quam longis, linea trans-
versa subdivisis, mediis dupla fere longitudine et latitudine
ceterorum. Lobus capltalis suborbiculatus, fronte paulo pro-
ducta attenuata , oculis area magna ovali fusca circumda-
tis 2. Tentacula 5 longitudine insignia , illo dimidio fere
longiora, impar in fronte ante oculos insertum, longitudine
segmentorum anteriorum fere 8, cetera haud breviora. Seg-
mentum buccale supra vix distinguendum. Cirri tentacula-
res utrinque 4, ei proximisque 2 albidis affixi, articulis ba-
silaribus crassis insidentes, inferiores s, 2di ceteris latiores,
oblique lanceolati , longitudine segmentorum 7 , (superiores
eiusdem segmenti haud conservati), ceteri filiformes, s, buc-
calis breviores , s. 3ii longiores, segmcnta 11 aequantes,
pinna minima subiacente. Pharynx exertilis , quantum vi-
dere licuit, papillis filiformibus dense obsita. Pinnae (cum
Beschreibung neuer oder wenig bekannter Anneliden. 83
setis) segmentorum anteriorum et posteriorum latitudinem
corporis paene aequantes, mcdioriim ea breviores, cirri dor-
suales ex oblique cordiformi lanceolati, extrorsum inclinati,
c. ventrales horizontales reniformes extrorsum in apicem
producti, pharetrae setarum late lanceolatae, in apices 2 ex-
euntes , cirros ventrales vix excedentes, fasciculo setarum
bipartito, flabelliformi, setae fere 25-nae vel 30-nae, spi-
niferae, stipite supra vix incrassato, spina subtus haud an-
gustiore, longa, leniter curvata.
Long, speciminis minoris 0,35 unc. , longioris haud
completi (segment. 71) fere 1 unc. lat. cum setis 0,155 unc.
Gefunden im Quarnero.
Die Beschreibung ist, abgesehen von der Färbung, erst
nach der Aufbe^Vahrung im Weingeiste gemacht. Diese Art
erinnert durch die Grösse der dunkeln Area der Augen,
an der vorn die eigentliche Pupille zu sitzen scheint, an
Ph. macrophthalmos Gr. Oerst. , durch die grössere Breite
des einen Fühlercirrus an Ph. flavescens Oerst. , doch sind
beides Phyllodocen im engern Sinne , nicht Eulalien, be-
sitzen nur vier Fühler. Die Aftercirren waren nicht er-
halten.
Ph. (Eulaliaj punctifera Gr. Taf. III. Fig. 5.
Corpus albidum supra olivaceo -griseo vittatum, me-
dium versus fulvescens, viridi vittatum, segmentis plus 105,
anteriorihus triplo, mediis duplo fere latioribus quam longis,
bis alterum tantum longioribus et latioribus quam illis. Lohns
capitalis ex cordiformi rotundatus, antice pellucidior, punctis
fuscis 2 ornatus, postice vix incisus, oculis 2 orbiculatis, dia-
metro % latitudinis eins aequante, pupilla distincta : tentacula
5 subulata , paria latitudinem eins aequantia, impar paulo
brevius, frontem paululum excedens, inter oculos insertum.
Segmentum buccale supra vix distinguendum. Cirri tenta-
culares utrinque 4, segmento buccaii proximisque 2 affixi,
albido hyalini, medio Stria brunnea '/^ longitudinis aequante,
ornati; longissimi (superiores s. 2di) duplam latitudinem
corporis vel longitudinem segmentorum 5 animalis vivi (9
alcohole servati) aequantes, ceteri diniidio fere iis breviores,
pinna minuta postremis subiacente. Pinnae (cum setis) la-
84 Grube:
titudine corporis dimidio fere breviores, cirris albidis, ple-
rumqiie piincfo medio olivaceo ornatis. Cirri dorsuales
oblique cordiformes vel late lanceolati, vix petiolati, oxlror-
sum spectanles. c. ventrales oblique lanceolati ; setae flabelli
instar expansae, spinigerae, ad 30-nas, stipite supra vix in-
crassato, spina subtus liaud angustiore, longa , laevi, leni-
ter curvata , c. ani brevissimi, longitudine segmcntorum
postremorum 2.
Long, vivae 1,2 unc. , lat. max. cum .cirris sitisque
0,1 unc.
Gefunden bei Cherso.
Unter den bekannten Eulalien finden wir bloss noch
bei E. sanguinea herzförmige Rückencirren, über die Länge
ihrer Rückencirren, die aucli auf drei Segmente vertheilt
sind und die Gestalt ihrer Borsten ist nichts bekannt, doch
scheint die blutrothe Farbe sie hinlänglich zu unterschei-
den. Von den anderen Arten liegt die Vergleichung mit Ph,
(Eul.) saxicola Qfg. --) am nächsten ; sie ist grünlich oder
röthlichweiss, vorn mitunter selbst braunroth, aber die Rü-
ckencirren nicht herz-, sondern stumpf- und breitblatt-
förmig und deutlich gestielt, die Fühler viel kürzer als der
Kopflappen breit, der unpaare weit vor den Augen ange-
setzt und äusserst kurz , endlich die Grätenanhänge der
Borsten an der Schneide fein gesägt.
Ph. alho- Vit lata Gr.
Corpus supra albo et brunneo transverse vitlatum,
linea media longitudinali fusca, albo interrupta, subtus fus-
cum, segmentis c. 60 triplo fere latioribus quam longis, me-
dium versus magnitudine crescentibus. Lobus capitalis sub-
orbiculatus, fronte late rotundata, postice vix incisus, ocu-
lis ovalibus nigris 2, diametro % fere latitudinis eius.
Tentacula 4 alba, longitudine lobi capitalis. Segmentum buc-
cale supra vix distinguendum. Cirri tentaculares utrinque 4,
ei et segmento 2do affixi, albi, articulo basilari brunneo,
ut tentacula anguste-lanceolati, longo acuminali, superiores
longiores latitudinem paene duplum segmenti sui aequantes.
Pinnae cum setis dimidiam fere segmentorum latitudinem
'■') Guerin Mag. de Zoolog. 1843. Annelid. p. 2. pl. 1.
Beschreibung neuer oder wenig bekannter Anneliden. 85
aequantes. Cirri dorsuales ex cordiformi ovales erecti,
dorsum liberum linqiientes, briinnei , apice obtuse albido,
c. ventrales obtuse trig-oni , iis multo minores, albidi, pha-
retras setarum paulo excedentes ; setae haud numerosae,
fere 8nae , spinigerae, stipite supra incrassato, spina bre-
vissima , angustissima. Cirri ani lanceolati , tentacularibus
minus aeuminati.
Long. 0,3 unc., lat. cum setis 0,1 unc.
Gefunden bei Martinsica (P'iume) , 1 Exemplar.
Phyllodocen mit herzförmigen Rückencirren sind sonst
noch Ph. laminosa^ Ph. Rathkii und Ph. flacescens Oerst.
(Parelti), bei allen dreien sitzen die Fühlercirren an drei
Segmenten und haben eine fadenförmige, nicht eine schmal
lanzett- oder spindelförmige Gestalt, bei Ph. flavescens sind
sie weniger zusammengedrängt, der obere des 2ten Seg-
ments ebenfalls schmal lanzettförmig, aber der Handzeich-
nung nach, aus der ich die Art allein kenne, fast viermal
so lang als sein Segment breit, die andere fadenförmig und
fast dreimal so lang als die übrigen breit , Leib und Rük-
kencirren sind hellgelb , Fühler und Fühlercirren grünlich,
die Basis des hintern Fühlercirrus und die ersten drei Rük-
kencirren braun.
Syllis Sav.
S. variegata Gr. Taf. IIL Fig. 6.
Corpus ex griseo brunnescens, nitens, cute crassiore,
segmentis fere 120, nonnullis anteriorum supra iigura trans-
versa rotundata , brunneo limbata, medio coarctata ornatis,
mediis (animalis alcohole servati) 5-plo , celeris 4-plo et
3-plo latioribus quam longis. Lobus capitalis rotundato-tri-
angulus, segmentis proximis nunc ^quidem haud angustior;
fori frontalis ad basin coniuncti , eo y^ vel 75 longiores,
cum eo segmenta 5 aequantes, oculi 4 figuram late tetrago-
nam exhibentes anteriores paulo maiores , paulo latius di-
stantes ; tentacula ut cirri tentaculares et dorsuales monili-
formes, impar dupla tororum longitudine , inter oculos an-
teriores insertum, a fronte remotum articulis fere 24, pa-
via eo '/^ fere breviora, articulis 15 vel 17. Cirri tentacu-
lares superiores et dorsuales segmenti 2di impari haud minus
86 Grube:
prominentes, illi articulis fere 22, hi, omniiim longissimi 27.
Cirrorum dorsiialium singuli tantum anteriores et posteriores
latitudinern segmentorum aeqiiantes, medii pleriimque lati-
tudine dimidia breviores . articulis lere 15. Pinnae cum
setis \/n fere latitudinis corporis aequantes vel breviores,
setae 8-nae, quasi falcigerae, falci recta acie haud concava,
apice simplici, haud bidente.
Long, (animalis alcohole servati) 0,5 unc, lat. cum se-
tis 0,04 unc.
Gefunden bei Cherso, 1 Exemplar.
Die Rückenzeiclmungen, die man freilich nur an eini-
gen vorderen Segmenten sieht, stellen ein braunumschrie-
benes breitgezogenes in der Mitte stark eingezogenes Oval,
fast von Brilenform, dar.
S. zebra Gr, Taf. III. Fig. 7.
Corpus iit tentacula cirrique albicans , segmentis plus
190, anterioribus supra Stria transversa brunnea duplici
ornatis, altera in confinio sita, margines laterales attingente,
altera media, breviore, s. anterioribus et mediis 6- vel 7-plo,
posterioribus 3-plo latioribus quam longis , haud breviori-
bus quam illis. Lobus capitalis ex orbiculato trapezoideus,
postice angustior excavatus segmento 2do fere '/j angu-
stior, longitudine proximorum 3; tori frontaUs eadem fere
longitudine, longiores quam lati, a radice divergentes, oculi
4 trapezii lati instar locati, rotundi, anteriores alterum tan-
tum maiores, vix latius distantes, posteriores paene tangen-
tes; tentacula arcte annulata, paria dupla tororum longitu-
dine, impar paribus paulo longius , inter oculos anteriores
insertum , articulis fere 30. Cirri tentaculares superiores
aeque ac t. impar, cirri dorsuales segmenti 2di longius pro-
minentes, proximos longitudine non superantes , articulis
plus 40. Cirri dorsuales dimidia segmenti sui crassitudinc,
arcte annulati, anteriores latitudine eins longiores, proximi
eam aequantes vel breviores, posteriores , (latitudine seg-
mentorum per se decrescente) iterum longiores plerumque
cum brevioribus (fere 20-articulis) sine lege alternantes.
Pinnae anteriores cum setis vix Vg latitudinis corporis ae-
quantes , posteriores paulo longiores , cirri ventrales phare-
tram setarum paulo excedentes , dimidia crassitudine eius,
Beschreibung neuer oder wenig bekannter Anneliden. 87
setae sub-8nae, quasi falcigerae, falce brevi, acie recta,
apice bidente.
Long-. 1,9 iinc. (segmenta postrema desunt), lat. max.
ad segm. 33miim cum setis 0,8 unc.
Gefunden bei Cherso, 1 Exemplar.
Die Fühler, Fühlercirren und Rückencirren sind so
kurzgegliedert, dass man höchstens noch die Spitze rosen-
kranzförmig- nennen kann. Die Rückenzeichnung dieser
Art unterscheidet sie von der ebenfalls quergestreiften mit
dichtgegliederten Girren versehenen S. tnttata, bei der an
den Segmentgrenzen selbst immer zwei lineare Querstreifen
dicht hintereinander und in der Mitte des Segments ein mit-
ten etwas verdickter ebenso die ganze Rückenbreite ein-
nehmender vorkommen.
SyUiae Gr.
Corpus, numerus tentaculorum, lohus capitalis, pinnae^
setae Syllidis generis , sed tori frontales inter se omnino
coaliti, tentacula cirrique tentaculares et dorsuales haud ar-
ticulati, c. ventrales nulli.
S. rubropunctata Gr. Taf. III. Fig. 8.
Corpus vermiforme, gracile , vivae albidum , maculis
dorsi minutis laete aurantiacis per series longitudinales 2
vel 4 dispositis , segmentis 110 — 124 triplo fere latioribus
quam longis. Lohus capitalis transverse ovalis, sulco lon-
gitudinali divisus, maculis mediis 3, trianguli instar locatis,
aurantiacis ; tori frontales inter se omnino coaliti , subtus
tantum sulco lineari divisi , longitudine et latitudine lobi
capitalis , cum eo longitudinem segmentorum 3 aequantes,
oculi 4 nigri, rectanguli lali instar dispositi, anteriores paulo
maiores, vix paulo magis distantes , posteriores paene tan-
gentes; tentacula ui cirri minime articulata, ante oculos in-
serta , paria longitudine segmentorum 9 , impar non bre-
vius (?). Segmentum buccale supra vix distinguendum :
cirri tentaculares dimidia tentaculorum longitudine, inferio-
res haud visi. Cirri dorsuales pinnarum illos aequantes vel
breviores dimidiam corporis latitudinem, pharetrae pinnae
fere ^/^ eins aequantes, c. 'centrales nulli. Setae sub 12-nae,
flabellum componentes, tenerrimae, brevissimae quasi falci-
88 Grube:
gerae, stipite siipra incrassato , curvato, faice paene recta,
minima, apice simplici.
Long-, speciminis segmentorum 110 fere 14 lin., (nunc
quidem 11 lin.), lat. max. cum setis 1 lin.
Gefunden bei Porto re. 2 Exemplare.
An beiden Exemplaren waren nicht alle vorderen An-
hänge erhalten, und der Ursprung der erhaltenen wegen
ihrer Brüchigkeit schwer zu unsersuchen, so dass hier eine
spätere Beobachtung leicht etwas zu verbessern hätte. Ein
Rüssel schimmert durch und zwar reichte der hintere hart-
wandige Theil vom 12ten bis ITten Segmente. Der gänz-
liche Mangel der Baucheirren, verbunden mit der Verwach-
sung der Stirnlappen und dem Mangel der Gliederung an
den Girren rechtfertigen die Sonderung von den eigentli-
chen Syllis. Die SylHs macrocerus Gr. Oersd. -"*) könnte auch
dahin gezogen werden , wenn sie nicht deutliche Baucheir-
ren besässe.
Das eine Exemplar der S rubropunctata zeigte vier,
das andere zwei Längsreilien von hoch orangerothen Fleck-
chen, sie kamen, soviel ich mich erinnere auf jedem, we-
nigstens der vorderen Segmente vor.
Spiophaues Gr.
Corpus vermiforme, subteres, segmentis brevibus. Lo-
tus capitalis segmento buccali penitus impressus , postice
attenuatus , tentaculo postico brevi 1, oculis nullis. Seg-
mentum buccale setis nudum, cirris tentacularibus 2 dor-
sualibus , labo capitali distentis. Pharynx exsertUis bre-
vis (?). Fasciculi setarum utrinque distichi, e basi labii
foliacei progerminantes , segmentorum omnium subaequales,
nee vero in omnibus pariter locati, in prioribus dorsuales,
in ceteris ad latera descendentes. Setae simplices , un-
cini nulli.
Sp, Kroyeri Gr. Taf. V. Fig. 1.
Corpus vermiforme, subteres, (animalis alcohole ser-
vati) colore carneo , segmentis plus 66, duplo fere latioribus
'■^) Videnskab. Meddelelser fra d. naturhist. Farening. 1857. p. 185.
Beschreibung neuer oder wenig bekannter Anneliden. 89
quam longis, anterioribus 5 longitiidine et latitudine minore
inter se convenientibiis, a ceteris clifferentibiis. Lobus ca-
pitalis segmento biiccali petiitiis impressiis, s. Sdiim attin-
g-ens, fronte triincata iitrinqne in processiim brevem obtn-
sum exeiinte, tentaculum posticiim 1, lobo capifali paiilo bre-
vius, styliforme; oculi nulli. Segmeniiim buccale setis nu-
dum, proximis 2 (iunctis) paiilo breviiis : cirri tentaculares 2^
dorsiiales , parte lobi capitalis posteriore distenti , crassi,
longitiidine segmentoriim fere 3, sulco longitudinali exarati.
Fasciculi setarnm utrinqiie distichi, e basi labii foliacei pro-
venientes, f, segmenti 2di et proximorum 3 utrinqiie omnino
dorsuales , labiis interioribus minoribus late lanceolatis, di-
midia latitudine inter se distantibus, exterioribus supra in
laciniam acuminatam excurrentibus , f. ceteri ad parietem
corporis lateralem provecti, dorso latius libero, labiis utrin-
que sese tangentibus, superiore maiore, late lanceolato, in-
feriore in cristam liumilem mutato, fasciculi superiores seg-
menti iOni et sequentium plica dorsuali transversa coniuncti.
Setae simplices, fasciculi superioris capillares, leniler cur-
vatae , altitudinem labii sui vix excedentes , flabelli instar
expansae, ad 7-nas , s. inferiores magis numerosae seriem
transversam componentes, breviores, paulo fortiores, fuscio-
res, splendidae, sinuatae.
Long, ad 0,750 unc. , lat. max. 0,055 unc. (segmenta
postrema deerant).
Aus dem Meere von Grönland.
Die Beschreibung ganz nach einem Weingeistexemplare,
dessen Körper nicht vollständig war, woher die Frage, ob
er hinten in einige Fädchen, einen Kranz von Papillen oder
einen Napf ausläuft, nicht beantwortet werden konnte. Diese
neue Gattung gehört jedenfalls in^ die Nähe von Nerine
und Spio.
Heterocirrus Gr.
H. frontifilis Gr. Taf. IV. Fig. 1.
Corpus vermiforme, subteres, segmentis plus 34, aeque la-
tis, longKudine crescentibus, anterioribus 15 vitellinis, ceteris
supra et subtus viridibus , latere vitellinis , aeque latis ac
90 Grube:
longis, vel long"ioribus. Lohns capitalis rotundato-rhomboi-
deus, segmento buccali penitus impressus; oculi 4, anterio-
res maiores transversi siibreniformes, posteriores piinctifor-
mes, vix minus distantes, illos paene tangentes. Segmentum
buccale frontem lobi capitalis excedens , cirri tentaculares^
ante frontem affixi, basi sese tangentes, virides vase rubro
perlucente, longissimi, crassi, sulco exarati, in spiram laxe
adscendentem contorti , segmentis 14 longiores. Segmenta
proxima 3 branchifera , alteruni tantum latiora quam longa.
Fila branchialia utrinque 3 , margini laterati alTixa , paene
aeque longa, longitudine segmentorum fere 7, viridia, an-
teriora 4 basin versus vitellina. Tubercnla setigera utrinque
disticha, minutissima ; setae superioris capillares, anteriores
latitudinem corporis superantes, 3-nae, inter papillam supe-
riorem et inferiorem prodeuntes, setae t. inferioris breves,
duplo fortiores, leniter curvatae, 2-nae ad 6-nas, flabellum
componentes, papillis similibus, 4 adiacentibus , setae supe-
riores a segmento 5to, inferiores iam a 3io (i. e. 2do bran-
chifero) incipientes.
Long, animalis postice mutilati segmentorum 34 fere
0,8 unc, lat. sine setis 0,05 unc.
Gefunden an Steinen bei Cherso. 1 Exemplar.
Unterscheidet sich schon durch den Ansatz der Füh-
lercirren von H. saxicola Gr. *'^).
Cirratulus Lam.
C. tenuisetis Gr. Taf. IV. Fig. 2.
Corpus vermiforme ex quadrangulo subteres , dorso
convexo, venire piano angustiore brunneum, segmentis c. 270,
parte laterali setifera tori instar incrassato, mediis 5-plo fere
latioribus quam longis. Lohns capitalis a segmento buccali
sulco paulo separatus , cum eo conum obtusum componens,
oculis nullis. Segmentum 2dum nudum, longitudine 3-pla,
3ium (iam setigerum) dupla proximorum. Fila hranchialia
■") S. Archiv für Naturgesch. 1855. p. 108. Tn Bezug auf Hete-
rocirrvs saxicola inuss ich noch hinzufügen, dass die Zahl der Kie-
menpaare zwar gewöhnlich auch auf drei beschränkt ist, bei man-
chen Exemplaren aber auf vier und fünf steigt.
Beschreibung neuer oder wenig bekannter Anneliden. 91
in nullo segmento seriem transversam coinponentia, in sin-
g-ulis tantum (4nis — lOnis nudis interiectis) vel in binis
ternisve Visa alba, vase rubro perlucente; longiora {segmen-
torum 22di ad 38mum) 0,2 unc. longa , cetera plerumque
dimidia tantum longitndine vel breviora. Setae superiores
et inferiores capillares, tenerrimae, fasciculos tenuissimos
componentes, ad confinia segmentorum posteriora prodeun-
tes, cum toris sensim descendentes, denique utraeque omnino
ventrales; s. superiores longiores, nunquam latitudinem seg-
mentorum superantes 12-nae, inferiores dimidio breviores,
3-nae ad 4-nas, initio in media tororum altitudine insertae;
uncini nulli.
Long, specim. alcohole servati 1,65 unc, lat. paene
0,5 (sine setis).
Cherso. 1 Exemplar.
Die Beschreibung ganz nach dem Weingeistexemplare.
Die Angabe der Färbung nach dem Leben.
Clymene Sav.
CL leiopygos Gr. Taf. IV. Fig. 3.
Corpus vermiforme, subteres, utrinque attenuatum, ex-
tremitate postica ipsa iterum incrassata, segmentis plus 25,
ex subfusco carneis , ambitu horizontali 6-gono, zona setas
continente alba, omnibus (buccali et extremo excepto) setas
capillares et uncinos aculeosve gerentibus, longitudine seg-
mentorum usque ad 3ium repente crescente, a 4to ad 6tum
imminuta ceterorum subaequali paulo maiore quam 6ti, po-
stremis 3 brevissimis , trapezoideis , latitudine maxima in
segmento 6to et proximis 5 observata, sequentibus ad confinia
niaxime coarctatis. Segmentum buccale paulo longius quam
latum, convexo-conicum nudum, labio oris postico profunde
sulcato. Lamina frontalis (lobus capitalis) eo multo angu-
stior, a latere haud prominens, y^ brevior, ovalis, integra,
minus distincte circumscripta, sulcis longitudinalibus 2, po-
stico transverso iunctis. Fasciculi setarum capillarium et
fori uncinigeri segmentorum anteriorum 8 ante medium, po-
steriorum 15 pone medium insorti ; setae capillares tener-
rimae, fasciculos tenues componentes, dimidiam corporis la-
92 Grube:
titudinem aequantes , f. anteriores et posteriores ea paiilo
longiores, uncini rostrati ang-uliim rectum exhibentes, rostro
siiuplici, pectines compoiientes; segtnenium 2dum pro uncinis
aciileo brevi singiilo , 3ium aciileis 2 armatum, postremum
patelliforme , marginc integro, ano coni medii instar pro-
minente.
Long. 1 unc., lat. max. 0,055.
Cherso. 1 Exemplar.
Ich besitze von dieser Clymenc zwei Bruchstücke, die
nicht ganz zusammen passen, so dass wahrscheinlich noch
ein kleines Mittelstück fehlt, das vordere hatte 9 Segmente
und mass 0,4 Zoll in der Länge, das hintere 16 und mass
0,6 Zoll.
lahlane Gr.
Corpus vermiforme, fasciculis setarum inferioribus to-
risque uncinigeris superioribus munitum , segmcntis minus
numerosis, longioribus , ut Clymenes, medium versus lon-
gitudine crescentibus. Lohns capitalis a segmento buccali
minus distinctus, laminam frontalem referens. Segmentum
buccale nudum; pharynx exsertilis crassa ovata vel incras-
sata. Segmentum postremum nudum , liaud infundibuli in-
star expansum, lamina ventrali instructum, ano dorsuali.
M. glebifex Gr. Taf. IV. Fig. 4.
Corpus vermiforme , teres , posteriora versus sensim
attenuatum, pallide carneum, nitens, paulo iricolor, interdum
subtus brunneo adspersum, segmentis21, (setigeris 19), prio-
ribus 5 aeque longis , Vj tantum longioribus quam latis,
proximis subito longitudine crescentibus, alterum tantum. et
duplo longioribus quam latis, posterioribus (a 15to) decre-
scentibus , biannulis , postremis 2 paulo tantum longioribus
quam latis. Segmentum buccale cum lobo capitali (laminam
superam frontalem referente) coalitum, nudum; lamina frontalis
valde inclinata,suborbicularis,anguste limbata, limbo utrinque
incisura media bipartito, parte anteriore integra, posteriore
subtiliter crenulata, sulcis longitudinalibus nullis. Pharynx
exertilis ovata vel antice incrassata, longitudine segmento-
rum priorum 2. Segmentum postremum in cuneum subtus
paulo convexum , lamina ventrali limbata munitum exiens,
Beschreibung neuer oder wenig bekannter Anneliden. 93
limbo utrinqiie semel inciso, ano dorsiiali. Ordo setarum
et uncinoriim inversus : tori uneinigen superiores, fasciciili
setarum inferiores, deorsum spectantes. Tori oblong-i, ante-
riores ceteris iiiagis prominiili, uncini seriem simplicem com-
ponentes, rostrati, rostro simplici fiisco, segnientorum me-
dioriim ad 20-nas, ceteroriim pauciores, s. peniiltimi et Ultimi
nulli ; setae capillares tenerrimae 4-iiae ad 6-nas, ciliari-
serratae ex toris ipsis progerrninantes, longiores latitiidinem
corporis aeqiiaiites, supra siibtilissime serrulatae, breviores
laeves, segmenti ultimi niillae.
Long, maiorum 1,4 unc. ad 1,9 iinc, lat. 0,05 — 0,06.
Tuhi membranacei , gracilitati corporis respondentes,
iimo agglutinato valde incrassati, glebulas fiisiformes vel
cylindratas ad 2 unc. longas, 8 lin. crassas referentes.
Bei Martinsica und Portore (2 Stunden von Fiunie) hin
und wieder zahlreich auf schlammigem Meeresboden.
Kleinere Exemplare von 1 Zoll Länge hatten nur 15
Paar Borstenbündel, bei einigen war die Färbung mehr kup-
ferroth , die Flecken der Bauchseite dunkler und zahlrei-
cher, besonders auf der Afterplatte.
So sehr diese Annelide das Gepräge der Clymenen an
sich trägt, musste ich sie doch schon wegen der Stellung
der Borsten zu einer besonderen Gattung erheben. Bei
allen Clymenen und Ammochares , wie bei den Terebellen,
Pectinarien, Arenicolen und ihren Verwandten, bilden die
Bündel der Haarborsten die obere, die Kämmchen der Haar-
borsten die untere Zeile, bei den Sabellen, Serpulen und
Sabellarien findet dies nur in dem vorderen Körpertheile
statt, während in dem hinteren längeren das Umgekehrte
eintritt , und bei Maldane finden Avir den bisher noch bei
keiner Annelide beobachteten Fall, dass in der ganzen Länge
des Körpers die Haarborsten über den Hakenborsten stehen,
ja sogar nach unten gerichtet sind. Ausserdem bestimmt
mich dazu die dem Kopftheile ganz analoge Bildung des
Endsegments , an v, elchem nur umgekehrt die der Stirn-
platte entsprechende Platte an der Bauchseite liegt und den
an der Bückenseite befindlichen After von unten her nach
hinten überragt. Auch diese Platte ist schmal gesäumt und
ihr Saum mitten am Seitenrande etwas eingeschnitten.
94 Grube:
lieber die innere Organisation kann ich folgendes mit-
theilen: Der verdauende Kanal ist ein gerades Rohr, an
dem man einen vorderen nur drei Segmente einnehmenden,
den Rüssel, und einen hinteren ungleich längeren Abschnitt,
den eigentlichen Darm unterscheidet ; jener wiederum be-
steht aus zwei Theilen, von denen sich beim Hervortreten
aus der Mundöffnung der erste umstülpt, und so die Aus-
senwand des Rüssels bildet, der zweite in den ersten hin-
einschiebt, das innere Rohr des Rüssels darstellend. Der
ausgestülpte Rüssel ist dicker als der Vordertheil des Kör-
pers, aussen durchaus glatt und ohne Wimperbesatz, das
Innenrohr dünn und von der Aussenwand bedeutend ab-
stehend, eingezogen erscheint er längsgestreift und blutroth
gefärbt. Der eigentliche Darm sieht gelb aus , nimmt im
leeren Zustande etwa y^ der Leibesdicke ein und befestigt
sich hin und wieder durch fadenförmige Ligamente an die
Leibeswand. Man sieht an seiner Wandung zwei bis zu
dem sechstletzten Segment verfolgbare bläulich rosenrothe
contractile Längsgefässe , die ansehnlichsten Stämme des
ganzen Gefässsystems , ein Rücken- und ein Bauchgefäss,
an denen aber keine Aeste in's Auge fallen. Jenes con-
trahirt sich in der Richtung von hinten nach vorn, dieses
umgekehrt, die Contractionen waren bei schwach gedrück-
ten Exemplaren nur sehr langsam, dem Darme fehlte ebenso
das grobmaschige Gefässnetz als die beiden seitlichen leb-
haft pulsirenden herzartig erweiterten Gefässäste der Are-
nicolen und Terebellen. Das Rückengefäss Iheilt sich hin-
ter der Stirnplalte in zwei Aeste , welche unter derselben
bis an den Vorderrand laufen und hier scharf nach aussen
umbiegen. An den Seitenwänden des Körpers zeigt sich
ein kaum halb so dicker geschlängelter verästelter Längs-
stamm: er spaltet sich vor jedem Borstenwulste gabiig und
die Aeste der Gabel vereinen sich wieder hinter demsel-
ben. Die Seitenzweige dieses Längsstammes bilden ein zar-
tes Gefässnetz für die Körperwandung, während einzelne
herabsteigende in ein zweites unterhalb des ersten be-
findliches noch dünneres Längsstämmchen münden; der-
gleichen entspringen sowohl von dem ungetheilten Seiten-
stamme, als von seinen Gabelästen. Ausserdem bemerke
Beschreibung neuer oder wenig bekannter Anneliden. 95
ich noch zwei ganz feine den ganz durchscheinenden Ner-
venstrang einfassende Längsgefässe ; doch konnte ich über
den Zusammenhang derselben mit den anderen, so wie über
das Verhältniss des grossen Bauch- und Rückengefässes
zu den übrigen aus Mangel an Zeit keine direkten Beob-
achtungen mehr anstellen. Dagegen sah ich noch in der
Leibeshöhle kleine graulich weisse Körnchen, deren Durch-
messer etwa Vä des oberen Seitengefässes der Wandung
gleichkam, theils einzeln, theils in Massen wie ein Gerinn-
sel hin- und herfliessen, ähnlich denen in den Fühlern der
Terebellen. Viel grösser sind die Eierchen , die ich bei
mehreren Exemplaren ebenfalls in der Leibeshöhle antraf,
und von denen die ansehnlicheren im Durchmesser etwa
V3 des leeren Darms massen , an ihnen konnte ich eine
äussere Dolterhaut, Dotterkörnchen und Keimbläschen un-
terscheiden.
Auch die bei den Terebellen und ihren Verwandten
vorkommenden an der Bauchwand mündenden Blindsäck-
chen fehlen nicht; sie hatten hier die Gestalt eines engen
am blinden Ende stark angeschwollenen, mitunter dick keu-
lenförmigen Kanals von dunkelrothbrauner Farbe, zeig-
ten sich an den vier ersten und ein paar hinteren der bor-
stentragenden Segmente und schienen nahe dem Nerven-
strang zu münden. Den Nervenstrang konnte ich vorn
nicht verfolgen , doch habe ich einmal am vorderen Rande
der Slirnplatte einen queren Aveisslichen Körper durchschei-
nen gesehen, den ich für das vordere Ganglion eines Mund-
ringes halten möchte.
Die meisten Exemplare bewegten sich , aus ihren
Röhren genommen, nur langsam, einige aber krümmten sich
stärker; wenn sie in der Röhre steckten, war diese vorn
durch die Stirn-, hinten durch die Afterplatte vollständig
geschlossen.
Terebella L. Sav.
T. cretacea Gr. Taf. IV. Fig. 5.
Corpus vermiforme , antice minus tumidum , sectione
anteriore, setas capillares gereute, supra et subtus ex brun-
neo grisea , dorso plus minus sanguineo imbuto, lateribus
96 Grube:
cinereis siipra incrassatis, toris iincinigeris ipsis albido ci-
nereis, limbo briinneo-coccineo cinctis , sectione posteriore
subtiis ex griseo brutmea dorso gyris areolato, albido, quasi
cretaceo; segmentis \üus 31^ anterioribus triplo vel qiiadriiplo
latioribiis quam lougis , s. 2do et Bio lobo laterali muiiitis,
s. posterioribus (unde a ITmo) sensim brevioribus. Scuta
ventralia sectionis anterioris minus distincte circumscripta,
a toris paulo distantia, lohi segmenti 2di minores 3tii duplo
altiores altiusque aliixi, latiores, sordide sanguinei, margine
supcro paulo excavato. Tentacula pallide ochracea, maxime
numerosa, circa '/^ vel ^/^ longitudinis corporis aequantia.
Fasciculi setarum capiUarium utrinque 16, a segmento 4to,
tori uncinigeri a 5to incipientes, crassi , usque ad s. lOmum
altitudine crescentes, tum sensim decrescentes descendentes,
pectine uncinorum duplici a 22to dimidio humiliores; uncini
pinnulae haud visae rostro simplici muniti. Branchiae utrin-
que 3, segmento 2do, 3io, 4to insidentes pallide ochraceae,
si sanguine vacuae, latitudine corporis vix longiores, ra-
mosac cirratae stirpe brevi bipartita, ramo utroque brevi
bifurco, ramis secundi ordinis longioribus iterum bifurcis
vel simplicibus, vel elongatis serieque ramulorum biCurco-
rum obsitis.
Long, animalis postice mutili sogmentorum 37 fere 1
unc, lal. max. sine setis fere 0,1 unc.
Gefunden bei Cherso ; nur 1 Exemplar.
Die felderartige Zerklüftung des Rückens an der hin-
teren Körperhälfte ist auch im Weingeiste noch sehr
deutlich.
T. turrita Gr. Tat". IV. Fig. 6.
Corpus vermiforme , antice haud tumidum , sectione
anteriore, setas capillares gereute, ex carneo pallide brun-
nea , toris uncinigeris limbo subtus acuminato , supra in
arcum dilatato cinnamomeo cinctis, arcu paene circulari,
fasciculum setarum amplectente, sectione posteriore fulva ;
segmentis plus 57 brevibus, medium versus longioribus, s.
2()mo et proximis 7 paene aeque longis ac latis. Scvta v>en~
iraäa 15, satis distincta fusco marginata , a toris uncinige-
ris dimidia fere latitudine distantia , media aeque fere lata
ac longa, anteriora latiora , breviora, posteriora longiora,
Beschreibung neuer oder wenig bekannter Anneliden. 97
angustiora. Tentacula alba plus 20, extensa segmentis 40
longiora. Fasciculi setarum capiltarium iitrinqiie 17, teniiis-
simi styliformes, ut tori, a segmento 4to incipientes, setae
leviter geniculatae, anguste limbatae; tori uneinigen Sectio-
nis anferioris ampli nee vero tiunidi , faseieiilos attingentes,
brevionim qiioqiie segmentonim nunquam sese tangentes,
tori sectionis posterioris in pinnnlas mutati; uncini minimi,
rostro simpliei. Branchiae lucidc brunneae , vasis minus
rubro perlucentibus, utrinque 2, segmento 2do et 3io in-
sidentes, anterior altior longitudine segmentorum 7 vel 8
(animalis vivi), quasi turritae, stirpe alta ramis, spiram ad-
scendentem gyrorum fere 4 componentibus, brevibus dicho-
tomis vel trichotomis, in ranuilos simplices vel bifurcos ex-
euntibus.
Long, animalis postice mutili segmentorum 57 fere
0,99 unc, lat. max. 0,05 unc.
Gefunden bei Cherso, nur 1 Exemplar.
An dem lebenden Thiere waren die Kiemen sehr auf-
fallend : ihre im Verhältnisse zu der Höhe des Stammes
ziemlich kurzen in einer Spira an ihm aufsteigenden Aeste
bildeten mehrere Kreise übereinander : an dem 0,15 Zoll
hohen Stamme der vorderen unterschied ich vier solcher
Astkreise oder Etagen, von denen der Radius der untersten
etwa 74 der Stammhöhe mass , die übrigen immer kleiner
wurden. Bei der Aufbewahrung in Weingeist hat sich die-
ses Ansehen nicht erhalten, auch sind die Zeichnungen des
Vorderkörpers verschwunden. Die Hakenborsten stehen an
einem der vorderen Wülste, den ich mikroskopisch unter-
sucht habe, in zwei Reihen.
T. spiralis Gr.
Corpus vermiforme, plerumque in spiram gyrorum plu-
rium contortum , parte anteriore minus tumida , ex brunneo
carnea flavicante, posteriore alba: segmentis plus 110 bre-
vibus, toris uncinigeris priorum (corpore contracto) sese
tangentibus , ceterorum crassitudine sua vel paulo minus
distantibus. Scuta ventralia 13; priora aequa latiludine
cetera sensim angustiora. Tentacula alba, numerosa (plus 20)
dimidio corpore plerumque breviora. Fasciculi setarum ca-
pillarium utrinque 22 ad 25, a segmento 4to incipientes an-
Archiv f. Nalurg. Jahrg. XXVI. Bd. 1. 7
98 Grube:
teHores aliquot subfiisci, ceteri argentei, tori uneinigen a s.
5to incipientes, tumidi sensim descendentes, anteriores (prio-
ribus 4 exceptis) scuta ventralia tangcntes , 5-vel 6-plo,
sequentes 2-pIo , posteriores alterum tantum altiores quam
lati; uncini minimi : pinniilae niillae. Branchiae utrinque 2,
segmento 2do et 3io insidentes, latitiidinem corporis dimi-
dio superantes, maxime conlractiles, sanguineo-rubrae, ra-
mosae , stirpe brevissiina , bipartita, ramis brevibus iteriim
dichotomis , ramis secimdi ordinis praelongis seriem ramu-
lorum bif'urcorum vel simplicium brevium emittenlibus.
Long, animalis maioris vivi contracti 2,5 unc, lat. max.
0,06 unc.
Gefunden bei Cherso, 2 Exemplare.
Zwischen den Borstenhöckern und Wülsten der Ha-
kenborsten des Tten bis ITten Segments (incl.) war eine
kleine Papille sichtbar.
T. zostericola Oersd. ?
Oersd. de regionibus marinis p. 68.
Corpus vermiforme , gracile , antice vix tumidulum,
(alcohole servatum, pallide carneum) pariete laterali paulu-
lum incrassato, segmentorum priorum 4 cum dorsuali con-
fluente , inde discedente , dorsuni liberum linquente , dorso
media initio angustissimo, mox latitudine crescente, segmen-
tis fere 51, prioribus 3 brevissimis , ceteris aeque longis,
anterioribus earum alterum tantum latioribus quam longis,
posterioribus aeque latis ac longis. Scuta ventralia satis
distincta 12, rectangula , latitudine decrescente , longitu-
dine a 9no (aeque lato ac longo) crescente. Tentacula ma-
xime numerosa , dimidio corpore longiora. Fasciculi seta^
rum capillarium tenuissimi utrinque 15, a segmento 4to ;
tori uncinigeri a 5to incipientes , scuta ventralia paene tan-
gentes , altitudine decrescentes , anteriores alterum tantum
altiores quam lati, segmenti 19ni et ceterorum in pinnulas
minus extensas mutati. Setae capillares anguste limbatae,
uncini minimi rostro bidente. Branchiae utrinque 2 , Seg-
mente 2do et 3io affixae, minutae, brevissimae, saepe dimi-
diam segmenti sui latitudinem haud excedentes, ramosae,
stirpe brevissima in ramos 2 multo longiores divisa , utro-
que ramulos 3 vel plures raro simpljces plerumque brevis-
Beschreibung neuer oder wenig bekannter Anneliden. 99
sime bifurcos vel magis divisos emittente; branchia seciinda
miilto brevior quam prima.
Long, animalium (alcohole servatorum) minoriim 7 ad
9 lin., maioris miitilati segmentoriim 23, 9 lin. , lat. 0,1 unc.
Dänemark, mehrere Exemplare.
Für diese Art ist sehr charakteristisch das Verhalten
der etwas verdickten Seitenwände, welche anfangs sich auf
dem Rücken vereinigen, dann hinter dem letzten kiemen-
tragenden Segmente sich unter einem sehr spitzen Winkel
auseinander begeben , uud so den Mittelrücken frei lassen.
Die Beschreibung nur nach Weingeistexemplaren.
T. gracilis Gr.
Corpus vermiforme , gracile antice pauIo inflatum (al-
cohole servalum albidum) segmentis fere 126 , supra trans-
verse dense striatis , difücile distinguendis , parüs tumidae
4-plo et 5-plo latioribus quam longis, mediis (pone 31mum)
elongatis aeque latis ac longis , vix longioribus quam illis,
dimidio angustioribus, postremis brevissimis. Scuta ventra-
lia 13 , paene aeque lata , posteriora 5 repente angustata,
postremum quadratum. Tentacula plus 20, Yj, corporis lon-
giora. FascicuU setarum capillarium utrinque 17 vel 18 a
segmento 4to , pectines uncinorum a 5to incipientes, cum
illis toris communibus planis inserti, torulis angustis supe-
rioribus interieclis, scuta ventralia haud tangentes, in seg-
mentis prioribus aliquot a fasciculo setarum papilla minuta
separati usque ad p. 6tum longitudine crescentes, a 13mo
decrescentes', sensim descendentes , in segmento 19no iam
omnino ventrales, ad lineam ventris mediam accedentes, a s.
llmoduplices. Uncini minimi. i>rawc/iwxe utrinque 2, segmento
2do et 3io affixae , ramosae , stirpe brevi , bipartita, ramis
longis simplicibus vel dichotomis seriem ramulorum sim-
plicium vel apice extrema bifurcorum emittentibus, anterior
altior (conlracta dimidiam dorsi latitudinem excedens).
Long. 3 unc. 8 lin., lat. 0,1 unc, partis tumidae
0,155 unc. '
Von den Scilly-Inseln, wo sie Prof. V. Carns in zwef
Exemplaren gefunden.
Ich war zweifelhaft, ob ich dieses Thier für einerlei
mit der sonst äusserst ähnlichen T. pectmata halte» sollte,
100 Grube:
bei der, wie ich mich jetzt überzeugt habe, die Hakenbor-
sten auch in doppelten Reihen vorkommen , aber entweder
gleich anfangs oder doch wenigstens vom 5ten Wulste an,
so auftreten ; doch kann ich bei dem hier beschriebenen
Thiere hinter dem 22ten Segmente an keinem der Borsten-
wülste oben noch ein Bündelchen Haarborsten entdecken,
auch sind seine Kiemen sehr viel zusammengesetzer, frei-
lich beide Exemplare auch merklich grösser als das eine,
das ich von T. pectinata besitze.
T. rosea Gr.
Corpus vermiforme , minus elongatum, roseum, ante-
riora versus paulo tumidum, segmentis plus 90 brevissimis,
toris uncinigeris plerumque sese tangentibus, partis tumi-
dulae crassitudine sua inter se distantibus. Scuta ventralia
omnia toros tangentia , 4-plo vel 5-plo latiora quam longa,
a segmento 13mo subito angustissima, magis distantia, tum
in sulcum ventralem transeuntia. Tentacula alba, linea
paene miniacea percurrente numerosa (plus 20) , longiora
dimidium corpus aequantia. Fasciculi setarum capillarium a
segmento 3io incipientes, usque ad postremum patentes, ar-
gentei , tori uneinigen minus tumidi, a segmento 4to inci-^
pientes , altitudine sensim decrescentes , descendentes , a
3 fere 30mo omnino ventrales , solo sulco vertrali separali
(hie 4-plo fere latiores quam longi); series uncinorum du-
plices. Branchiae utrinque 2 , segmento 2do et 3io insi-
dentes, sanguineae, graciles, frutescentes , ramosae, ramis
stirpis spira^ ad apicem adscendentibus , Serie simili ramu-
lorum brevium plerumque simplicium obsitis.
Long. 0,75 unc, lat. maxima 0,1 unc.
Gefunden bei Cherso.
Diese Art gehört zu den wenigen mit zwei Paar Kie-
men versehenen, deren Haarborstenbündel bis an das Ende
des Körpers fortlaufen, ist aber auch nach der Aufbewah-
rung in Weingeist von den anderen Arten durch die Kürze
sämmtlicher Segmente zu unterscheiden.
T. pustulosa Gr. Taf. IV. Fig. 7.
Corpus vermiforme, antice tumidulum, croceum, ex qua-
drangulo cylindratum, dorso pustuloso, pariete laterali incras-
Beschreibung neuer oder wenig bekannter Anneliden. 101
sato sulco longitiidinali lineali a ventrali separate ; segmentis
plus 31, prioribus brevibus 4-plo, posterioribus alterum tan-
tüm latioribiis quam long-is, paulo longioribus quam illis,
sulco ventrali munitis. Scuta ventralia per totam latitudi-
nem et longitudinem segmentorum patentia, vix hoc nomine
designanda , plerumque sulco transverso lineari bipartita,
sensim angustiora, a segmento 19no fere haud distinguenda.
Lohns capitalis parvus minime sinuosus , tentacula crocea
plus 24, (contracta) longitudine segmentorum fere 20, seg-
mentum buccale punctis ocularibus plurimis ornatum. Fas-
ciculi setarum capillarium a s. 3io incipientes , usque ad
postremum s. conservatorum patentes , tori uneinigen a s.
5to incipientes, in 4to adumbrati, oblongi , angusti, scuta
ventralia tangentes, inier se distantes, sensim minores ova-
les a fasciculis setarum minus remoti, paene in pinnulas mu-
tati, semper laterales, pectine uncinorum simplici. Bran-
chiae croceae , vasis sanguineis perlucentibus , utrinque 2,
segmento 2do et 3io insidentes, cirratae, fasciculo filorum
simplicium constantes, fila e dorso ipso progerminantia, loco
insertionis minimo transverso, oblongo vel lineari, contracta
longitudinem segmentorum 7 haud superantia (in aliis multo
breviora) , Yj diametri tentaculorum , branchiae Imae ad
10-na, 2dae ad 7-na.
Long, animalis maioris postice mutili segmentorum 31
alcohole servati 0,8 unc, lat. max. 0,1 unc.
Gefunden im Qwarnero bei Porto re und Martinsica. 3
Exemplare, keins vollständig.
Sehr ausgezeichnet durch die Form der Kiemen und
die Farbe des Körpers, von T. lutea durch Zahl und Form
der ersteren verschieden. Ein kleines Exemplar besitzt
nur vier Fäden in der vorderen und drei in der hinteren
Kieme. Weniger auffallend am lebenden Thiere waren mir
die kleinen Pustelchen, mit denen der Rücken bedeckt ist,
und die ich bei der Nachuntersuchung an den Weingeist-
exemplaren, theils vorragend, theils eingesunken, ganz deut-
lich erkenne.
Eine lappländische Terebella , von viel ansehnliche-
rer Grösse, 2,5 Zoll lang, obwohl nur 41 Segmente erhal-
ten waren, welche Professor v. Baer bei Triostrowa ge-
102 Grube:
sammelt hatte, über deren Färbung ich aber keine An-
gabe erhalten , stimmt mit der oben beschriebenen so sehr
überein , dass ich sie für keine andere Art halten möchte.
Dasselbe gilt von einer grönländischen Terebella, von der
kleine aber vollständige Exemplare von etwas über 1 Zoll
Länge 70 bis 89 Segmente besitzen ; an den letzten sind
Haarborsten nicht mehr erkennbar aber von ihrem Höcker-
chen noch eine Andeutung vorhanden, auch die Pustelchen
des Rückens verschwinden gegen das Ende des Körpers,
sind dafür aber an den vorderen um so ausgeprägter; der
Rücken dieser Segmente ist durch eine Querfurche in zwei
Ringel getheilt, die Bauchschilder gehen, indem ihre Grenz-
furche meist ganz verschwindet , unmittelbar in die dicke
polsterartige Seitenwand über, an deren hinterster Partie
der lang und schmalgezogene Wulst der Hakenborsten
seinen Platz findet. Der After erscheint durch sechs Ein-
kerbungen strahlig gefurcht.
T. flexuosa Gr. Oersd. Taf. V. Fig. 2.
Corpus vermiforme, antice paulo latius, segmentis fere
60, anterioribus 6 brevissimis 5-plo vel 4-plo latioribus
quam longis , sequentibus longitudine sensim crescentibus
iOmo et proximis fere aeque latis ac longis, ceteris iterum
brevioribus; 30mo iam duplo fere latiore quam longo. Seg-
mentum buccale utrinque lobo magno ovali cum altero sub-
tus coalito , antrorsum vergente, s. 3ium minore appresso,
triangulo, supra latiore altius in dorso incipiente, ventrem
vix attingente munitum. Scuta ventralia 16 , albida tetra-
gona, a toris lateralibus vix distantia , media paulo latiora
quam lata, anteriora sensim latiora et breviora, laminae la-
terales 16 albidae ovales, subtus angustatae, fasciculos setarum
torosque uncinigeros amplectentes, anteriores sese tangentes,
posteriores inter se distantes. Tentacula plus 23, brevia, stirpe
branchiarum dimidio tenuiores , longitudine segmentorum
fere 10. FascicuH setarum capillarium utrinque 15, a seg-
mento 4to , tori uncinigeri a 5to incipientes , ut illi, usque
ad 6tum descendentes, aeque parvi, 15tus et ceteri in pin-
nulas breves, satis distantes mutati. Setae fasciculorum bre-
ves, haud numerosae, pectines uncinorum ubique simplices,
uncini rostrati , rostro ut parte infera bidente. Branchiae
Beschreibung neuer oder wenig bekannter Anneliden. 103
ramosae iitrinqiie 1 , segmento 2do affixa longitudine seg-
mentoriim f'ere 6, stirpe crassa diametro 1 tantum ab altera
distante, dimidia branchiae ipsius altitudine, in ramos 2 di-
viso, rami longiores statim in ramos secundi ordinis 2 bre-
viores divisi, hi in fasciculos 2 ramulorum in 4 ad 6 sim-
plicium vel apice extrema bifurcorum , aeqne longe promi-
nentium exeuntes, rami stirpis in nonnullis animalibus sim-
pliciores , raniulos 3 ad 4 plerumque simplices emittentes.
Tubus animalis ex limo confectns, cinereus, maxime singu-
laris : compactus, depressus, in aequo procurrens, flexuosus,
flexibus 6 arctis, aequalibus, latitudine sensim crescentibus.
Long, animalis alcohole servati 1,5 unc,, lat. max. 0,1
unc, long, tubi (ad lineam rectam) 1,7 unc, lat. 0,15 unc,
lat. flexuum maximorum 0,5 unc.
Aus dem Meere bei Grönland.
Die Röhre dieser merkwürdigen nur mit einem Kie-
menpaare versehenen Terebella ist aus so fein geschlämm-
tem Materiale verfertigt und so compact , dass sie an die
Röhren mancher Sabellen erinnert, doch ohne deren Bieg-
samkeit, überdies ganz breitgedrückt, sehr verschieden von
der, welche 0. Fr. Müller von T. cristata abbildet, auch
besitzt letztere Art 17 Borstenbündel, unsere Art nur 15.
Amphicteis Gr.
Corpus vermiforme, antice tumidulum, posteriora ver-
sus sensim attenuatum, segmentis minus numerosis. Lohns
capitalis tentacula subtus affixa plus minus tegens, tentacula
plura seriem transversam componentia. Segmentujn buccale
nudum, s. 2dum utrinque flebello setarum maiorum prover-
sarum, 3ium dorso branchiis ornatum; 3ium, 4tum et sequen-
tia, fasciculo setarum breviorum laterali et plerumque pin-
nula uncinigera sub eo posita, posteriora sola pinnula mu-
nita. Setae capillares simplices, uncini minutissimi dentati.
branchiae filiformes. Cirri anales in nonnullis visi. Vermes
tubifices, tubus e\ limo confectus *"*).
■'^) Die Gattung Crossostoma Gosse (Ann. of nat. 'bist. Second
series Vol. XVI. 1855. p. 310) ist mit Amphicleis idealisch, letzterer
104 Grube:
Die Gattung- Amphicteis hatte ich *"*) nach der Be-
schreibung- der Amphitrite Gunneri von Sars '"""*) errich-
tet; mittlerweile ist mir auch die Gelegenheit zu Theil ge-
worden, ein Thier aus dem Meere von Grönland selbst zu
untersuchen, welches ich für eben jene Art zu halten geneigt
gewesen wäre, wenn nicht Sars über die Anwesenheit
von Flösschen im vorderen Körpertheil schwiege. Leichter
würde ich darüber hinwegkommen, dass an den Flösschen
des hinteren Körpertheils die er knuder nennt, die Form
etwas anders dargestellt und der Häkchen nicht Erwäh-
nung gethan wird, mit denen auch ihr Rand besetzt ist,
diese Häkchen sind so klein, dass wenn man sie nicht be-
sonders beachtet und stärkere Vergrösserungen anwendet, sie
wohl übersehen werden können. Jedenfalls hat mir dieses
Exemplar , dessen Beschreibung ich der Sicherheit wegen
und weil ich mehrere Arten zu unterscheiden habe, unter
dem Namen A. groenlandica sogleich hier folgen lasse, vor-
treffliche Dienste für die Beurtheilung der vordersten Kör-
persegmente und ihrer Anhänge geleistet, die ich früher in
grösserer Uebereinstimmung mit Pectinaria glaubte : Das
weit vorspringende Blatt des Yorderendes (Tab. III. Fig. 3LL')
entspricht allerdings di^m am Rande gezähnten Lappen der
Pectinarien, den Rathke als „Schirm der Tentakeln" be-
zeichnet, und der nach ihm das vorderste Ganglienpaar des
Mundringes enthält , doch ist die hintere Hälfte L' nicht
scharf gegen das Mundsegment und namentlich dessen Un-
Nanie aber der ältere (Arch. für IVatuigesch. 1850. p. 330 und Fami-
lien der Anneliden 1851. p. 137). Die Species , welche Gosse be-
schreibt (1. c.p.310. pl. VIII. Fig. 7—12), Crossostotna Midas scheint
am ähnlichsten meiner Ä. groenlandica, unterscheidet sich aber von
ihr durch die Bildung des Kopflappens , des kiemenlragenden Seg-
ments und des Köchers der Haarborsttn, der oben in einen stumpfen
cirrusartigen Fortsatz ausläuft. vSie hat ebenfalls acht Kienienfäden
und zwei Aftercirren.
'") Familien der Anneliden p. 82. 137.
"""■) Beskrivelser og jagttagelser over nogle i havet ved den Ber-
genske kyst levende dyr p. 50. pl. 11. Fig. 50.
■••■"") Rathke Beiträge zur vergleichenden Anatomie, Danzig
1842. p.56. Tab. V. Fig. 2, a. Fig. 3, b.
Beschreibung neuer oder wenig bekannter Anneliden. 105
terlippe abgegrenzt. Bei beiden Gattungen bedeckt dieser
Kopflappen die an seiner unteren Fläche sitzenden Fühler
und den Mund. Auf den Kopflappen folgt bei Pectinaria
sogleich das Segment , das auf dem Rücken die bei-
den starken nach vorn gerichteten Stachelkämme und nach
aussen von jedem einen fühlerförmigen Zipfel trägt und
mit seiner schmäleren Bauchwand die Mundöfl'nung von un-
ten begrenzt, das Mundsegment (I. c. Fig. 1 c, Fig. 3 c, e); bei
meiner Am.phicteis aber , wo man geneigt sein würde , das
mit den grossen nach vorn gerichteten Borstenfächern ver-
^sehene Segment, jenem gleich zu stellen, schiebt sich zwi-
schen diesem und dem Kopflappen noch ein oben breiter
und eben gegen den Kopflappen nicht überall scharf abge-
grenzter , an der Bauchfläche noch breiterer Ring ein, in-
dem hier eine durch eine Querfurche abgesetzte Unterlippe
von ihm abgeht, und dies wäre bei Amphicteis das Mund-
segment. Seinen mittleren Rückentheil muss man zwischen
dem Kopflappen L und den beiden Köchern der grossen Bor-
stenfächer suchen , es ist die vorn ausgeschnittene drei-
eckige Fläche (Fig. 3. 51). Die Seitentheile des 2ten Seg-
ments verdicken sich zu ansehnlichen Wülsten und bilden
die Köcher für jene ansehnlichen nach vorn gerichteten
Borstenfächer oder Borstenbündel; letztere breiten sich
nemlich bei einigen Amphicteis in derThat scheinbar mehr
fächerförmig aus (wie Fig. 6) , obwohl die Basis des Fä-
chers immer eine gekrümmte Linie ist , während sie bei
anderen ein mitlen hohles Bündel darstellen und die Linie,
die die Ursprünge ihrer Borsten beschreiben , ein in sich
geschlossenes Oval ist (wie Fig. 3). Hinter jedem dieser
Köcher entspringen die vier Kiemenfäden, von denen man,
da sie abgerissen waren , in unserer Figur 3 nur die An-
satzstellen wahrnimmt, ein Zufall, der, so unangenehm er
sonst ist, hier doch die Uebersicht der anderen Theile er-
leichtert. Zwischen beiden Gruppen der Kiemenfäden be-
merkt man eine fast quadratische Fläche (Fig. 3. pl), nicht
etwa, wie ich anfangs glaubte, ein Stück der Rückenwand
des 3ten Segmentes selbst, welches beide Gruppen von
einander trennt, sondern vielmehr eine nach vorn sich über-
legende breite Falte, welche sie verbindet und dabei zu-
im Grube:
gleich einen Theil des 2ten Segmentes und namentlich des-
sen hintere Grenzfurche verdeckt. Nach aussen von den
Kiemenfäden sitzt ein kleines seitlich lortgestrecktes Bor-
stenbündel, an welchem man dieses 3te Segment am leich-
testen erkennt , während es nach innen davon und an der
Bauchseite wenig abgegrenzt ist. Viel schwerer sind diese
Verhältnisse bei den winzigen nur 3 bis 4 Linien langen
sehr zarten Arten des kaspischen Meeres zu untersuchen,
mit denen ich gerade den Anfang gemacht hatte. — • Was
die Flösschen (Pinnulae) betriflt, so konnte bei A. groenlan-
dica auch ihre Gestalt mit grösserer Sicherheil erkannt wer-
den. Sie sind abgestutzt dreieckig oder trapezisch (der
breitere Rand der freie mit Häkchen besetzte) , sitzen nahe
unter den Borstenbündeln , etwa nur um die Breite ihrer
Köcher abstehend und sind der Seitenwand des Körpers
anliegend nach hinten gerichtet, weiterhin, wo die Borsten-
bündel aufhören, fallen sie leichter in's Auge, obwohl sie
schmäler werden , sie rücken mehr an die Bauchseite, be-
halten im Allgemeinen ihre Form , laufen aber an ihrem
oberen Rande in ein abgesetztes sie wenig überragendes
spitzes Fädchen aus. Die Uncini, die längs dem freien
Rande der Flösschen sitzen, sind ovale an dem einen Längs-
rande kammzähnior eingeschnittene Plättchen.
A. groenlandica Gr. Taf. V. Fig. 3.
Corpus vermiforme, antice subfusiformi-dilatatum, po-
steriora versus productum, sensim attenuatum, nunc quidem
pallide carneum , dorso utrinque margine ventris latioris
tumido limbato, limbo partis anterioris utrinque Va latitudinis
aequante, segmentis 34, longitudine lömum versus crescenti-
bus , a 20mo decrescentibus , intermediis fere alterum tan-
tum latioribus quam longis , 7mo 8vo 9no latissimis, 5-plo
fere latioribus quam longis, venire segmenti 18mi et cete-
rorum sulco longitudinali bipartito, s. anteriorum Stria trans-
versa alba ornato. Lobus capitalis magnus trapezoides po-
stice rotundatus, antice latior , taeniis tunüdis transversis 2
bipartitus , parte frontali sulcis seposita , 5 - gona , antice
truncata (fovea media longitudinali angusla) ; tentacula 11
Visa, longiora illo haud breviora. Segmcntum buccale haud
ita latius, labio oris inferiore sulco seposito, s. 2dum latius,
Beschreibung neuer oder wenig bekannter Anneliden. 107
antioe profunde excavatuni , partem s. buccalis medium
recipiens, pharetris flabellorum setarum validis oblique pro-
tinus versis, s etae sp'imfonues ^ complanatae , fragiles, utrin-
que ad 24, inferiores longiores, fronte paulo minus promi-
nentes s. 3ium cum secundo paene coalitum, quarto brevius,
branchias utriusque fasciculi plica quadrata coniungens,
fasciculo setarum laterali parvo marginem lateralem paulu-
Jum excedente. Segmentum 3ium, Atum, 5tum utrinque fa-
sciculo setarum s. 6tum et proxima 13 et hoc et pinnula un-
cinigera inferiore, s. 20dum et cetera solis pinniiles minuta.
Setae fasciculorum ad 15nas, spinis flabellorum similes, minus
rigidae, dimidio vel y^ tenuiores y^ minus prominentes, pinnu-
lae trapezoideae ad basin angustiores, subventrales, lacinia
inferiore longiore , anteriores latiores, a pharetra setarum
diametro eius distantes, posteriores paulo magis prominen-
tes, e margine supero cirrum parvum acutum emittentes;
uncini minutissimi 4-dentati, dentibus longis acutissimis, p.
anteriorum ad 100 -nos vel plures. Segmentum postremum
cirros anales 2 gerens , cirri dorsuales, longitudine seg-
mentorum proximorum 3.
Long. 1,5 unc, lat. max. 0,2 unc. (sine setis).
Aus dem Meere von Grönland, nur 1 Exemplar, des-
sen Kiemen leider nicht erhalten waren.
Mit der Abtheilung von Amphitrite Gunneri von Sars
verglichen erscheint der Körper weniger spindelförmig, am
kiementragenden Segmente weniger eingeschnürt, die mitt-
leren Segmente im Verhältnisse gestreckter, der Randwulst
breiter, die Aftercirren kürzer, die Flösschen der hinteren
Segmente mehr heruntergerückt , so dass der Cirrus ihres
Rückenrandes weit weniger in's Auge fällt, vor allem aber
ist es der durchgehende Mangel der Flösschen unter den
Bündeln der Haarborsten bei A. Gunneri, der beide Arten
unterscheidet.
A. invalida Gr. Taf. V. Fig. 4.
Corpus brevius vermiforme, antice tumidulum, nunc
quidem albidum, pellucens, posteriora versus minus produ-
ctum, limbis dorsi lateralibus saepe minus tumidis, segmen-
tis 40 — 48, brevius, latioribus (7mo, 8vo, 9no) longitudinem
fere 5 aequantibus, posterioribus a 19no sensim angustiori-.
108 Grube:
bus et brevioribus. Lohns capitalis cum segmento buccali
long-itudinem proxiniorum 2 aequaiis , parte frontali (quan-
tum videre liciiit) angustiore, aritice trim'cata vel paulo cava >
tentacula 8 visa , brevia. Segmentum 2dum septimo '/^ fere
angiistiiis, setae flabelli utriusque 16 — 30, frontem longe ex-
cedentes, tenerae, ceteris vix dimidio latiores, flexiles, pal-
lidae , vix splendidiilae. Filia braiichialia utriusque fasci-
culi 4, plica alta maxime pellucida cum altero coniuncta,
extensa setis flabellorum longiora, longitudine segmentorum
fere 11, crassitudine longitudinem segmenti aequante. Seg-
mentum 3ium 4tum 5tum utrinque fasciculo setarum s. 6tum
et proxima 12 et hoc et pinnula uncinigera, s. i9mum et ce-
tera solis pinnulis munita. Setae capillares interdum di-
midia corporis latiludine haud breviores, pallidae, tenerri-
mae ad 8-nas vel plures , pinnulae anteriores humillimae
(potius paene plicae appellandae) difficile distinguendae,
uncini ovales acie dentibus 4 acutis serrata, p. anteriorum
ad 30-nos, posteriorum pauciores. Cirri anales haud visi.
Tubi teretes membranacei, crusta limi grisea obducti,
posteriora versus haud attenuati aperti.
Long. 0,4 unc. , lat. max. (ad segmentum 17mum)
0,055 unc. (sine setis); long, tubi 1,5 unc, lat. 0,75 unc.
Von Herrn Professor v. B a e r im kaspischen Meere
entdeckt.
Die Segmente von A. invalida sind alle kurz, nicht
einige mittlere gestreckter wie bei A. Gunneri, Kopflappen
und Mundsegment kürzer, die Borsten der Fächer entschie-
den viel weiter vorragend, sehr zart, nicht goldig und stark
glänzend. Man müsste von A. Gunneri jüngere Exemplare
haben , um die Vergleichung noch erfolgreicher anzustel-
len ; es ist aber leicht möglich, dass A. invalida keine be-
deutendere Grösse erreicht , wenigstens bemerkte ich in
dem einen Exemplare dieser Art ovale Körperchen mit einem
hellen Fleck in der Leibeshöhle , die ich nur für Eier hal-
ten kann, wonach denn Thiere dieser Grösse wenigstens
schon geschlechtsreif wären. Der durchschimmernde Darm-
kanal zeigte einen vorderen weiteren Abschnitt , der am
vorletzten Borstenbündel aufhörte, und einen hinteren en-
Beschreibung neuer oder wenig bekannter Anneliden. 109
gen , am letzten Borstenbündel in eine Schling-e gelegten,
weiterhin geraden.
A. brivispifiis Gr. Taf. V. Fig. 5-
Corpus breviiis vermiforme , A. invalidae simile, se-
ctione anteriore y^ longiore quam posteriore (solis pinnulis
munita). Lohns capitalis et segmentum buccale 2duni et
3ium A. invalidae liaiid dissimilia , eadem longitudine, ten-
tacula haiid observata. Setae flabellorum maxime differen-
tes : paucae, 8-nae tantum, frontem haud excedentes, aureae,
rigidae, latius spiniformes , breviter acuminatae , radiantes,
protiniis versae. Fila branchialia ulrinque 4, plica nulla (?)
coniuncta, spinis multo longiora , longitudine segmentorum
fere 8, crassitudine longitudinem segmenti aequante. Seg-
mentum Sium 4tum 5tum utrinque fasciculo setarum, s. 6tum
et proxima 13 et hoc et pinnula minuta uncinigera, s. 20dum
et cetera solis pinnulis munita. Setae capillares tenerrimae,
pallidae, latitudine corporis dimidia minus prominentes ad
8-nas vel pliires; cirri anales haud visi.
Tubus animalis teres materie et magnitudine cum A.
invalida congrueiis.
Long. 0,3 unc, lat. max. 0,05 unc. (sine setis).
Ebenfalls von Professor v.Baer im kaspischen Meere
entdeckt.
In der Zartheit des Körpers mit A. invalida überein-
stimmend, von ihr wie von A. groenlandica durch die kurze
breite Gestalt und die geringe Zahl der strahlig auseinan-
der laufenden stachelförmigen Paleen des 2ten Segments,
welche überdies so sehr gegen die haarförmig-feinen Bor-
sten der seitlichen Bündel der anderen Segmente abstechen,
auf den ersten Blick zu unterscheiden.
A, acutifrons Gr. Taf. V. Fig. 6.
Corpus vermiforme, nunc quidem fuscius carneum, an-
tice paulo dilatatum, posteriora versus productum, sensim
attenuatum dorso angustius limbato, venire inde a segmento
16mo sulco longitudinali diviso , segmentis 28, anterioribus
mediisque longitudine haud ila differentibus, triplo fere la-
tioribus quam longis, s. 16to aeque fere lato ac longo, pro-
ximis 4 paulo longioribus quam latis , ceteris longitudine
decrescentibus , latitudine vix unquam duplam longitudinem
110 Grube:
adaequonte. Lohns capitalis fronte late aciiminata, tentacula
plura. Segtnentum buccale illo paiilo longiiis , bianniilum,
latitudine crescens , longitucline proxima 2 aequans , labio
utrinque in lobulum curvatiim exeunte. Setae flabellorum seg-
menti 2(li spiniformes, sensim aciiminatae , splendentes, au-
reae, lobuni capitalem attingentes , dimidiam segmenti sui
latitudinem aequantes, uliinqiie 12 ad 16; pharetrae eorum
multo n.inus quam A. groenlandicae prominentes. Branchiae
haud conservatae, bases utrinque plica transversa alta pel-
lucida coniunctac. Segmentum 3ium et 4tum utrinque solo
fasciculo setarum, s. 5tum et proxima ii et hoc et pinnula
uneinigera, cetera H solis pinnulis munita , posiremum in
Processus 2, pinnulas menlientibus cirrosque 8 exiens, cirri
segmento suo paulo longiores. Setae haud ita tenerae, spi-
nis anterioribus fere ^/^ angustiores, vix breviores, tlavae,
splendentes, plerumque 6-nae, flabelli instar expansae.
Long. 0,4 unc, lat. max. 0,06 (sine setis).
Aus dem Meere von Grönland.
Diese Art, von der nur 1 durch den Weingeist stark
contrahirtes Exemplar vorliegt, weicht von allen durch die
breit dreieckige Stirn des Kopflappens und durch die grosse
Zahl der Aftercirren ab, erinnert durch die Kürze der Sta-
chelfächer und geringere Zahl ihrer Stacheln an A. brevi^
spinis, wird aber in beidem von ihr noch übertroffen. Ich
kann übrigens mit Sicherheit jederseits nur die Ansätze von
zwei Kiemenfäden unterscheiden, vielleicht besitzt diese Art
weniger Kiemen.
Polycirrus Gr.
P. aurantiacus Gr. Taf. IV. Fig. 8.
Corpus aurantiacum, vermiforme, antice maxime infla-
tum, posteriora versus sensim attenuatum, segmentis circiter
82 minime sulcis annularibus separatis, medium versus lon-
gitudine crescentibus , duplo fere latioribus quam longis,
prioribus 20 scutis torisve ventralibus paribus munitis. Scu-
tum ventrale segmenti buccalis impar, oblongum, antice trun-
catum, ceteris longius, cetera paria transversa, anteriora 8,
primo excepto, paene alterum tantum latiora quam longa,
Beschreibung neuer oder wenig bekannter Anneliden. 111
utrinque sese proxima vel taiigentia , spatio medio paulo
angustiore distenta , toros parietis lateralis tangentia , se-
quenüa repente decrescentia, a linea ventris media miilto-
que magis inter se distantia; pos^rema minima , a segmento
21mo omnino nulla. Lobus capitalis valde flexuosus, mi-
nus quam P. Medusae extensus. Tentacula maxime nu-
merosa , comam niagnam componentia , plurima tenuissima,
nonnulla paulo crassiora sulco longitudinali munita. Fasci-
culi setarum capillarium utrinque 40 , a segmento 2do inci-
pientes, tenuissinü, priores 8 ex pharetra, margine tororum
lateralium superiore inserta prodeuntes, tori scutis ventra-
libus minores, orificio adumbrato muniti ; fasciculi proximi ii
pharetrae paulo maiori inferti, pinnula minima uncinigera a
scutis ventralibus separati, prioribus saepius paulo longio-
res, latitudinem ventris hie aequantes, ceteri 2i brevissimi,
vix distinguendi, ex pinnula uncinigera orti ; pinnulae unci-
nigerae utrinque 72 , a segmento 21mo usque ad extre-
mum visae, minutae; setae capillares lineares, uncini rostro
simplici.
Long, ad 3 imc, lat. max. 0,5 unc.
Nicht selten bei Porto re und Cherso in Steinlöchern.
Hüllt sich in einen durchsichtigen Schleim , phospho-
rescirt mit orlänzend violettem Lichte.
Der sehr dünnwandige Körper zerreisst so leicht, und
geht so leicht in Fäulniss über, dass ich kaum zwei voll-
ständige Exemplare mit nach Hause gebracht habe. Der
Darmkanal beginnt mit einem dünnen, nur im Mundsegmente
selbst erweiterten Rohre, welches durch die ersten 7 bor-
stentragenden Segmente hindurchgeht, im 8ten vergrössert
sich der Durchmesser des Kanals um das Zweifache, er
bekommt eine gelbe Farbe und diese rührt von einem aus
unregelmässigen mit einander zusammenhängenden Klümp-
chen bestehenden, ihn umkleidenden Fettgewebe her. Von
solcher Beschaffenheit ist der Darmkanal in den nächsten fünf
Segmenten , darnach wird er allmählich dünner und läuft
so, ohne jedoch weiter jenes Gewebe zu zeigen, in gera-
der Linie bis zum Ende des Körpers fort. Der vordere
Theil des Darmkanals ist nicht bloss an den Grenzen der
Segmente, sondern auch dazwischen durch Fäden an die
112 Grube:
Rückenwand l)ofestigt. Gefässc vermag- ich nirgends zu
erkennen , wolil al)er farblose spindelförmige Körperchen,
die durch die ganze Leibeshöhle wie auch durch die Füh-
ler hin und her strömen. Im Isten , 2ten und 3ten der
borstenlragenden Segmente befindet sich je 1 Paar dünner
einfacher Blindschläuche, welche etvva die Länge von drei
Seofmenlen haben, mit ihrem vorderen Ende an der Bauch-
wanduno- befestigt sind, und dort wahrscheinlich münden.
So wiederholt sich auch hierin die Organisation der Tere-
bellen, an die schon der erste Anblick eines Polycirrus so
lebhaft erinnert.
Die hier angeführten Beobachtungen habe ich an sehr
jungen und durchsichtigen Individuen von 0,2 und 0,15
Zoll Leibeslänge gemacht, an denen die Zahl der (in dieses
Mass nicht hineingerechneten) Fühler noch nicht mehr als
24 betrug, und die sich 'dieser Organe auch zum Empor-
kriechen an der Wand von Gläsern bedienen konnten. Viele
derselben lösten sich beim Sterben ab, an grossen kräfti-
gen Thieren spielen sie meist fortwährend, sich verlängernd,
verkürzend, verdünnend, verdickend, hin und her pendelnd,
sich wellenförmig hin und her schlängelnd . der eine so,
der andere anders sich bewegend. Was das Aufblähen des
Körpers betrifft, so beschränkt sich dieses zwar nicht aus-
schliesslich aber doch vorzugsweise auf die vordersten 13
Segmente und findet jedenfalls hier am stärlisten statt.
SabcUa L. Sav.
S. brevibarbis Gr.
Corpus vermiforme, gracilius, latitudine anteriore fere
y,<^ longitudinis aequante (branchiis exceptis), teres, ex vi-
ridi album, segmentis circiter 70, inter setas capillares pe-
ctinemque uncinorum puncto nigro ornatis, sectionis ante-
rioris iunctis longioribus quam latis. Branchiae aeque lon-
gae , ^/^ totius animalis vel segmenta fere 23 aequantes,
albae, viridi imbutae, vittis anguslis 6 ex aureo brunneis
pictae, supra basin brunnescentes: fila branchialia utrin-
que 15, semiorbem componentia, usque ad apicem brevis-
sime barbata, paene dentata, longitudine barbularum duplam
Beschreibung neuer oder wenig bekannter Anneliden. 113
filoriim latitudinem non excedente, saepius minore, mem-
brana basilari , (fila coniung-ente) hiimilliina , pinniiJis dor-
sualibus oculisve niillis; filiiin supremiiin (i. e. Imiim dor-
siiale) briinneum. Tentacula 2 alba, longitudine Yj fere
filoriim branchialiiim aeqiiante. Collare ex viridi albiim,
brunneo linibatum, bipartitum, iitrinqiie bilohiim, lobo ven-
tral! altiore , animalis vivi mobilissinio. Anus postremiis.
Setae capillares argenteae , angustissime limbatae; paleae
nullae. Tori uncinigeri sectionis anterioris transversae ob-
longae, posterioris siilco longitudinali bipartitae, ovales,
priores horum , singuli alternm tantum latiores quam longi,
ceteri per se breviores. Mutatio setarum in segmento 9no
observata (m. s. %). Sanguis viridis.
Long. 1 unc, branchiarum 0,4 iinc, corporis 0,8 imc. ;
lat. ant. 0,05 unc.
Tubus animalis 2,5 unc. longus, diametro 0,1 unc, pa-
riete haud ita crasso, ex limo confecto , extremitate acumi-
nata cauli Zosterae affixus.
Gefunden bei Pischio, nahe Cherso ; nur 1 Exemplar.
Serpula L. Phil.
S. (VermiliaJ galeata Gr. Taf. IV. Fig. 9.
Corpus vermiforme , gracilius , subgriseum , lateribus
ferrugineis pallio pallidius aurantiaco , segmentis lere 107,
sectione anteriore, y^ corporis excedente. Branchiae aeque
longae, pallide puniceae, vittis 3 ex violaceo albescentibus
ornatae , longitudinem sectionis anterioris aequantes; fila
branchialia dextrae 20, sinistrae 21, Stylus operculi sinister,
pallide aurantiacus, processibus nnllis arniatns. Opercnlum
quasi glandiforme , dimidio superiore recte imposito, semi-
globoso, in apicem uncinatum exeunte, olivaceo, d. inferiore
pallide aurantiaco paulo breviore (?). Setae capillares haud
limbatae , segmentorum postremorum , productae , sectionis
anterioris flavae, fasciculos magnos componentes. Muta-
tio setarum in segmento 8vo observata.
Long. 1,55 URc. branchiarum 0,255 unc, corporis 1,29;
lat. 0,095, long, operculi cum stylo 0,35 unc.
Gefunden bei Porto re, nur 1 Exemplar.
Arch. für Naturg. Jahrg. XX VI. 1 Bd. 8
114 Grube:
Die Röhre dieser Vermilia war leider nicht erhalten.
Der Deckel ähnelt am ersten V. multicristata, doch ist seine
obere Hälfte nicht conisch zugespilzt, sondern hclmförmig-
gerundet mit plötzlich abgesetzter Spitze, in der Mitte der
Höhe des Deckels ist er von zwei Ringfurchen umgeben,
die die Grenze der oberen und unteren Hälfte unbestimmt
machen.
Saenuris Hoffmr.
S. barbata Gr. Taf. IV. Fig. 10.
Corpus filiforme, utrinque attenuatum, pellucidum, san-
guine laete rubro, segmentis fere 90, mediis paulo latioribus
quam ceteris, contractis plus alterum tantum latioribus quam
longis. Lobus capitalis ex triangulo rotundatus. Setae seg-
mentorum anteriorum 9 superiores capillares, inferiores un-
cini, s. ceterorum superiores et inferiores uncini; setae ca-
pillares lineares, 3-nae, latitudine corporis haud ita brevio-
res, uncini infra cornei, subfusci, supra pellucidi, acumine
bidente, haud limbato, superiores singuli, inferiores 2-ni.
Long, ad 2,15 unc, lat. 0,03 unc.
Lebt in dem schlammigen Roden des Vranasees auf
der Insel Cherso, in einer Tiefe von 31 Faden.
Erklärung der Abbildungen.
Alle Figuren sind vergrössert.
Tafel III.
Fig. 1. Der vorderste Theil von Polynoe clypeata , von unten ge-
sehen.
1. a. Eine der Elylren, von oben gesehen.
1. b. Ein Stück von einem der beiden äusseren Fühler, stärker
vergrössert , um deutlicher die Reihen von fadenförmigen
Papillchen zu zeigen, mit denen sie besetzt sind.
1. c. Ein Ruder desselben Thieres.
Fig. 2. Eine der mittleren Elytren der rechten Seite von Polynoe
areolata, von oben gesehen.
Fig. 3. Horizontaler Durchschnitt von Spinther miniaceus (nach ein-
zelnen Beobachtungen zusammengesetzt).
Beschreibung neuer oder wenig bekannter Anneliden. 315
p. Der aus der Mundöffnung herausgestreckte halbrinnenför-
niige Rüssel, von unten gesehen.
s. Die unteren stumpf-conischen iJoistenhöcker mit je zwei
Ilakenborsten (von denen aber nur die eine stärker her-
vortritt) , dahinter treten die haarförmigen Borsten des
oberen breit ausgespannten und bis fast an die Mittellinie
des Rückens tretenden Borstenfächers hervor.
n. Das Organ, das ich für den Centraltheil des Nervensystems
halte mit zwei aus seinen hinteren Ecken hervortretenden
langen Fäden.
i. Der hintere längere durch Blindsäcke gefiederte Theil des
Darmkanals, (der vordere nicht erhaltene ist durch punc-
tirle Conture angedeutet),
3. a. Verticaler Querdurchschnitt von einem der mittleren Seg-
mente desselben Thieres. Die Leibeshöhle rings um den
Darm ist mit Eierchen erfüllt, die sogar bis in die Höh-
lung der unteren Borstenhöcker treten.
3. b. er. Eine der zusammengesetzten Hakenborsten dieser Anne-
lide, ß. eine der gabiigen, dem Rücken angehörigen.
Fig. 4. Vordertheil von Phyllodoce (Eulalia) macroceros, von oben
gesehen.
Von den vier Fühlercirren der linken Seite sind ausser
dem auffallend breiten blattförmigen noch der erste dem
Mundsegmente angehörige und der hinterste dem 3ten
Segmente angehörende erhalten , von dem oberen des
2ten Segments sieht man nur das dicke Grundglied.
4. a. Einer der blattförmigen Rücken - und Baucheirren des-
selben Thieres.
4. b. Eine seiner Borsten.
Fig. 5. Vordertheil von Phyllodoce (Eulalia) punctifera, von oben
gesehen.
5. a. Eines ihrer mittleren Ruder.
Fig. 6. Vordertheil von Syllis variegata, von oben gesehen.
6. a. Einige der nächstfolgenden Segmente mit ihrer charakte-
ristischen Rückenzeichnung.
6. b. Eine der Borsten.
Fig. 7. Vordertheil von Syllis zebra, von oben gesehen.
7. a. Ein paar Borsten derselben Annelide.
Fig. 8. Vordertheil von Sylline lo7igocirrata, von oben gesehen.
8. a. Derselbe von unten gesehen , um die Verwachsung der
durch ein blosse Längsfurche getrennten Stirnposter zu
zeigen.
8. b. Eine der Borsten dieser Annelide.
1J6 Grube:
Tafel tV.
Fi"". 1. Vordertheil von Heterocirrus frontifilis, von oben gesehen,
c. Die beiden Fühlercirren.
b. Die drei Kienienfäden jeder Seite.
1. a. Der obere und untere Borstcnhöckei eines Segmentes mit
den ihnen eigenlhümlichen Papillen.
Fig. 2. Ein verticaler Querdurchschnitt von einem der vorderen
Segmente von Cirratulus tenuisetis : die beiden Borstenbün-
del jederseits treten aus der Seitenwand hervor.
2. a. Ein ähnlicher Durchschnitt von einem dei- hinteren Seg-
mente: die Borstenbündel treten an der Bauchwand hervor.
Fig. 3. Voidertheil von Clymene leiopygos, von oben gesehen.
3. a. Das llinlerende deiselben Clymene , von unten gesehen.
p. Das glattrandige schüsseiförmige Endsegment, aus des-
sen Hohllläche der kegelförmige After hervortritt.
3. b. Ein paar Hakenborsten aus einem der Hakenkämme.
Fig. 4. Vordertheil von Maldane glebifex mit ausgestrecktem Rüssel,
von der linken Seite.
4. a. Hinterende derselben Annelide, von unten gesehen, a.
Der After.
4. b. Das Endsegment allein halb seitlich und von oben , um
seine Rückenplatte zu zeigen, a. Der After.
4. c. Eine der Hakenborsten dieser Annelide aus ihrem Wulste
herausgenommen.
Fig. 5. Ein paar Segmente aus der hinteren Leibesabtheilung der
Terebella cretacea, der durch Furchen gefelderte Rücken ist
in der Zeichnung nach unten gekehrt, die nach der Bauch-
seite laufenden Platten mit den Wülsten der Hakenborsten
nach oben.
Fig. 6. Ein paar Segmente der vorderen Leibesabtheilung der Te-
rebella turrita, seitlich gesehen.
Fig. 7. Vordertheil von Terebella pustulosa, von der Seite und obeu
gesehen.
b. b. Die aus einfachen Fäden bestehenden Kiemen, 1 die
polsterartig verdickte den Rücken einfassende Seilen-
wand , aus der die Borstenhöcker und Wülste der Ha-
kenborsten u hervortreten,
Fig. 8. Vordertheil von Polycirrvs auranliacus, von der Bauchseite.
Fig. 9. Deckel von Serptda (Vermilia) galeata.
Fig. 10, Vordertheil von Saenvris barbata , von oben gesehen, v**
das vorn in zwei Aeste gespaltene Rückengefäss auf dem
Darme.
10. a. Ein paar Hakenborsten dieser Annelide.
Beschreibung neuer oder wenig bekannter Anneliden. 117
Tafel V.
Fig. 1. Vordertheil von Spiophanes Kroyeri, von der Rücken seite.
et Die Fühlercirren des Mundsegments, L der in dasselbe
eingedrückte, zwischen ihnen befindliche Kopdappen, t
sein Fühler, Svi das 6te Segment, mit welchem der
Körper breiter und die Stellung der Borstenbündel und
ihrer blattartigen Lippen eine andere wird.
Fig. 2. Terebella ßexuosa, Vordertheil von der Rückenseite.
1' Die seitlichen an der Bauchfläche verbundenen Lappen
des Mundsegments, 1^ die seitlichen Lappen des 3ten Seg-
~ ments, Sn der Mitteltheil des 2ten Segments, auf dem die
Kiemen sitzen.
2. a. Die flach gedrückte aus gleichartigem Schlamme gemachte
in einer Ebene hin und her gewundene Röhre dieser Te-
rebella in natürlicher Grösse.
Fig. 3. Amphieleis groenlandica, Vordertheil von der Rückenseite.
L. Der vordere (Stirn-) Theil des Kopflappens, über den
die an seiner Unterfläche sitzenden Fühler t hinausra-
gen, L' der hintere Theil desselben; auf der Grenze bei-
der Thcile der beiden wulstigen queren Fallen. Si das
Mundsegment, Sil das zweite Segment mit seinen ge-
waltigen Borstenköchern, b die Ansätze der zum 3ten
Segmente gehörenden Kiemen, pl die durchsichtige nach
vorn überliegende Falte , die die beiden Gruppen der
Kiemenfäden mit einander verbindet, f*- das Borstenbü-
schelchen desselben Segments.
3. a, Ansicht des Vorderthells von der linken Seite, weniger
vergrössert.
1. Die Unterlippe des Isten oder Mundsegments, durch eine
Furche von ihm abgesetzt, Svi das 6te Segment, das-
jenige , an welchem zuerst unter dem seitlichen Bor-
stenbündel ein Flösschen (Pinnula) auftritt.
3- b. Die Segmente der hinteren Körperabtheilung, die nur Pin-
nulae trägt, von der linken Seite gesehen : an jeder die-
ser Pinnulen läuft der obere Rand in ein Fädchen aus.
3. c Die hintersten Segmente und das Endsegment mit seinen
zwei Girren.
Fig. 4. Amphicteis invalida, Vordertheil von oben gesehen.
b. Die vier Kiemen jeder Seite , pl die sie verbindende
durchsichtige Falte.
4. a. Dasselbe Thier, ganze Figur, minder vergrössert von oben.
4. b. Ein paar Uncini ihrer Pinnulen sehr staik \ergrössert.
118 Grube: Besch. neuer od. weniff bekannter Anneliden.
o
Fig. 5. Ampkictei's brevispinis, von oben gesehen, vergrössert.
sp. Die acht auffallend kurzen stark glänzenden Stacheln
an jeder Hälfte der Vorderseite des 2ten Segments.
Bei A. invalida und Irevispinis kann die breitere Körper-
gestalt theils davon herrühren, dass diese Arten zartere
Wandungen besitzen , theils davon , dass sie in minder
starkem Weingeiste gelegen haben mögen.
5. a. Röhre von A. brevispinis in natürlicher Grösse.
Fig. 6. Amphicteis acutifrons, Vordertheil von unten gesehen, ver-
grössert.
6. a. Die letzten Segmente der hinteren Körperabtheilung und
das Endsegment mit seinen zwei seitlichen (den Pinnulen
entsprechenden) Fortsätzen und acht Cirren.
Heber einen neuen Fisch.
Briefliche Mittheilung an den Herausgeber.
Vom
Fürsten zu Salm-Horstmar.
Ich habe in einem kleinen Bache bei Coesfeld, genannt
der Hühner-Bach (der in der Qi^elle im Sükerhok entspringt
und oberhalb Coesfeld in die Berkel mündet) einen merk-
würdigen Fisch entdeckt ; — dieser kleine Fisch hat die
Grösse eines Stichlings Gasterosteus aciileatus und ober-
flächlich betrachtet auch das Ansehen eines Stichlings. —
Er unterscheidet sich aber sehr specifisch vom Stichling,
indem
1) sein Unterkiefer oder dessen Spitze weit zurücksteht
im Verhältnisse zur Spitze des Oberkiefers; der Un-
terkiefer ganz anders ist;
2) sich an der Spitze des Unterkiefers ein merk-
würdiger m eissei förmiger Zahn befindet, dessen
Schärfe fein gekärbt unter der Lupe erscheint. Im
Profile ist der Zahn so H .
Ich fand diesen Fisch todt auf dem Sande des Baches
liegen , vor einigen Jahren. Ich habe das Exemplar aber
leider nicht aufbewahrt, weil ich zur Zeit diesen
Fisch für einen Stichling hielt und mir vornahm
gleich lebende Exemplare zu verschaff'en, denn ich kannte
die Anatomie des Stichlings nicht. Wie gross war
meine Ueberraschung, als ich lebende Stichlinge untersuchte
und bei ihnen weder den meisselförmigen Zahn noch das
Yerhältniss von Ober- und Unter-Kiefer fand. — Ich gab
dem Fischer Auftrag einen solchen Fisch unter den Stich-
lingen zu suchen. Er brachte mir eine Masse Stichlinge,
erklärte aber, dass er keinen solchen, wie ich ihn ver-
120 Sa 1 m -M o rstma r : Uebei einen neuen Fisch.
langte, finden könne. Ich gab mich nun selbst an die Ar-
beit, allein mit gleichem Erfolge wie der B'ischer, und aus
sehr einfachen Gründen , denn die Zahl der Stichlinge ist
uno-eheuer und wenn sich also diese neue Fischart nur
in wenigen Exemplaren darunter findet, so kann man
nur durch einen glücklichen Zufall diesen Fisch finden, da
Grösse und Ansehen so gleich sind, besonders bei der
Kleinheit Beider.
Ich werde mir aber alle Mühe geben, diesen merk-
würdigen Fisch noch einmal zu bekommen, ihn dann in
Spiritus setzen und gleich an Sie schicken.
Ich bitte aber einstweilen diese Notiz in einem zoolo-
gischen Journale mitzutheilen, damit das Factum wenigstens
nicht verloren geht für die Wissenschaft.
Coesfeld bei Munster, d. 26. Febr. 1860.
Alepidosaurus ^ ein Meerwels.
Von
Dr. Albert Günther.
C II vi er hat in seiner Familie Scomberoidei viele ver-
schiedenartige Fisclie zusammengestellt, während er andere,
die den typischen Formen sehr nahe stehen, daraus weg-
liess. Andere Geschlechter, die von späteren Zoologen ent-
deckt wurden, und in diesem oder jenem Punkte eine Ue-
bereinstimmuug mit einem Scomberoiden zeigten, mussten
die unnatürliche Gruppirung vermehren. Zu den letzleren
gehört Alepidosaurus ferox , der durch Lowe beschrieben
wurde (Proceed. Zoolog. Soc. 1833. p. 104. Transact. Zool.
Soc. I. p. 124. pl. 19 et p. 395. pl. 59. Vol. II. p. 181). Die-
ser gründliche Naturforscher , dem wir die zuverlässigsten
Nachrichten über die Fauna Madeira's verdanken, täuschte
sich in diesem Falle über den Bau der Rückenflossen-Strah-
len. Dieselben sind nicht die ungegliederten Knochen der
Acanthopterygier , sondern sie sind weich, und ihre Glie-
derung erscheint nur darum undeutlich, weil die einzelnen
Gelenke durch grosse Zwischenräume von einander ge-
trennt sind, und jeder Strahl, trotz seiner Länge, nur aus
wenigen Gliedern besteht. Die Abwesenheit der Stachel-
flosse wäre zwar an und für sich noch kein Beweis für
die Stellung unseres Fisches unter ^enWeichflossern ; meh-
rere ächte Acanthopterygier entbehren einer solchen, aber
andere Charaktere helfen uns dann, die natürliche Stellung
derselben zu erkennen, und der Platz, wo die Stachel-Flosse
stehen sollte , ist nicht von der weichen Dorsalis einge-
nonimen, wie dies bei Alepidosaurus der Fall ist. Die
Stachelflosse ist in jenen nur verkümmert (Brama).
Nehmen wir nun noch hiezu die Gegenwart der Fett-
122 Günther:
flösse in Alepidosaurus, und die abdominale Stellung- seiner
Bauchflossen , welche aus einem unverzweigten und neun
verzweig-ten Strahlen bestehen, so können wir nur zu dem
Schlüsse kommen, dass dieser Fisch ein ächter Weichflos-
ser ist. Die Schwimmblase ''fehlt, wie vielen anderen Phy-
sostomi.
Den Aufschluss , zu welcher Familie der Physostomi
Alepidosaurus zu stellen sei, habe ich an seinem Skelete *"")
gewonnen. 1) Das Suboperculum fehlt; es ist er-
setzt durch den Zwischendeckel, der an Grösse dem Oper-
culum gleichkommt. 2) Der Rand der Oberkinnlade
ist allein durch das Zwischenkieferbein gebil-
det; es ist seiner ganzen Länge nach mit einer Reihe klei-
ner Zähne bewaffnet , es ist sehr schwach und nur vorne
erweitert es sich zu einer beinahe durchsichtigen Lamelle.
3) Das Oberkieferbein i st v erklimm er t : während
es in Süsswasser -Welsen mit kurzem Schädel im Längs-
durchmesser verkürzt ist, ahmt es hier, in Alepidosaurus,
die langgestreckte Form der Schädelknochen zwar nach,
ist aber nicht dicker als eine Nadel und bleibt nur bei
sorgfältiger Präparation des Schädels erhalten.
Diese osteologischen Charaktere weisen , trotz aller
Verschiedenheit der Form, ganz entschieden auf eine nahe
Verwandtschaft unseres Fisches mit den Siluroiden hin ; dazu
kommt noch , dass er schuppenlos und ein Raubfisch ist,
dass er, wie die meisten Arten dieser Familie, eine Fett-
flosse hat, und dass er, wie alle, der Blinddärme entbehrt.
Die Verwandtschaft giebt sich sogar in einigen weniger
bedeutenden Merkmalen zu erkennen, z. B. durch den äus-
seren Brustflossenstrahl , welcher verstärkt und gezähnelt
ist. Wir haben also in Alepidosaurus das erste Beispiel
eines Meer -Welses; und will man nicht die Einheit der
Süsswasserwelse durch die Beifügung von Alepidosaurus
''^) Eine ausführliche Beschreibung des Skelets, werde ich im
Verlaufe meines „Catalogue of fishes" geben. Im Allgemeinen zeich-
net es sich durch einen auffallenden Mangel der erdigen Bestandtheile
aus , wie die Muskeln durch die äusserst gerin^^e Enlwickelung des
Bindegewebes.
Alepidosaurus, ein Meerwels. 123
stören , so mag* man eine eigene Familie — Alepidosauri-
dae — mit den Charateren des Geschlechtes bilden, welche
dann ihren Platz unmittelbar neben den Siluroiden einneh-
men wird.
Es ist zu erwarten , dass Alepidosaurus ferox nicht
die einzige Art dieser Gruppe bleiben wird. Der Fisch,
welchen Richardson nach einem Schädelfragment von
Van -Diemens -Land als Alepisaurus sp.? beschrieben hat
(Voy. Ereb. et Terror. Ichthyol, p. 34. pl. 22. lig. 1— 4) ist
identisch mit dem von Madeira, wie ich mich durch eigene
Untersuchung überzeugt habe , und so weit sich die Cha-
raktere aus dem vorhandenen Materiale ermitteln lassen.
Seine Behauptung, dass Alepidosaurus zu den Sphyraeni-
dae gehöre , beruht auf einer sehr oberflächlichen Unter-
suchung. — Allein Herr Lowe erzählt mir von einer
anderen , unserem Fische sehr ähnlichen Art , welche die
Fischer in Madeira nicht selten in grosser Tiefe an der
Angel fangen. Die Verbindung der Wirbel , der Knochen
des Schädels und der Muskel-Segmente ist jedoch so lose,
dass der Fisch durch seine eigenen Anstrengungen sich
zu befreien, in Stücke zerbricht, und die Fragmente, welche
man von ihm an die Oberfläche zu bringen im Stande ist
an der Luft zerfallen , wie wenn sie durch Kochen aufge-
löst worden wären.
London im März 1860.
Auabas trifoliatiis n. sp.
Von
Prof. J. Kaup.
(Hierzu Taf. VI. Fig. A).
Wenn man ang-iebt, dass ein Süsswasserfisch zugleich
auf dem Festlande und auf seinen weit entfernten Inseln
vorkomme, so darf man wohl so lange zweifeln, bis die
Identität äusserlich und innerlich nachgewiesen ist. Die
Grossherzogliche Sammlung erhielt in diesem Jahre von
Java zwei Anabas scandens durch den Herrn Militärarzt Dr.
Wienecke, die auch ich für A. scandens ansah. Um
den merkwürdigen Ohrapparat zu sehen, entfernte ich den
ganzen Kiemendeckel und einen Theil des Kopfes und fand
zu meinem Erstaunen, dass dieser Apparat bedeutend einfacher
bei dem javanischen scandens , als an dem Indischen des
Festlandes ist, wie er C. V. pl. 205 abgebildet ist *"'). Meine
zwei Exemplare können nicht zu dem macrocephalus ßlkr.
gehören, der ebenfalls auf Java vorkommt, weil sie in den
Kopfdimensionen von der Abbildung nicht abweichen , die
C u V i e r und Valeniennes in dem VII. Bande auf PI. 193
gegeben haben.
Meine Angabe, das der javanische scandens von dem in-
dischen anatomisch verschieden ist, stellt alle Angaben, was
Verbreitung betrifft, in grosse Frage und es ist anzunehmen,
dass alle Exemplare auf Inseln, nahe oder weit entfernt vom
indischen Festlande, nicht zu dem eigentlichen scandens
■") Ob dieser Kopf mit Anabates sennal bezeichnet der wirkli-
chen Perca scandens Daldorf angehört , bleibt vorderhand fraglich,
da C u V i e r und V a 1 e ii c i e nn es nicht erwähnen, dass sie Indivi-
duen aus der Nähe von Tranquebar gehabt haben.
Kaiip: Anabas trifoliatiis. 125
Daldorf gehören; ja es ist sogar erlaubt zu zweifeln, ob
der chinesische scandens nicht ebenfalls einer anderen Art
zugerechnet werden kann.
Alles dies lasse ich aus Mangel an Exemplaren einst-
weilen auf sich beruhen und gehe auf den javanischen scan-
dens zurück. Aeusserlich sind beide Exemplare dem scan-.
dens täuschend äiinlich und die Strahlenformel selbst: D.
17__18/9. A. 10/9. P. 15. C. 20 zeigt sehr unwesentliche
Abweichungen. Meine Angabe der Caudal könnte sich eben-
falls auf 16 reduciren lassen, allein ich habe nach oben
wie unten zwei rudimentäre Strahlen , die unter Haut und
Schuppen verborgen liegen , dazu gezählt. Das einzige
wesentliche Kennzeichen, das ich fand, ist, dass der Körper
verlikal etwas höher ist und vom ersten Analdorn aufwärts
15 Schuppen zählt, während bei dem indischen nur 12 — 13
zu zählen sind. Bei meinen Exemplaren geht die Late-
ral des Schwanzes nicht oder nur bis zu der Schuppen-
reihe , auf welcher die grössere Lateral sich endigt. Bei
dem indischen geht die Lateral des Schwanzes zwei Schup-
pen weiter unter der eigentlichen Lateral nach vorn hin.
Ob dieses ein festes Kennzeichen ist, bezweifle ich, da die
Länge oder Kürze der Schwanzlateral Variationen unterwor-
fen zu sein scheint.
Vergleicht man hingegen das labyrinthförmige Blätter-
organ über den Kiemen mit dem, Avelches Cuvier und Va-
lenciennes auf PI. 205 mit der Bezeichnung Anabas sen-
nal gegeben haben , so stellt es sich heraus, dass dieses
bedeutend einfacher, weniger gefaltet und nur mit drei ein-
fachen Blättern, wovon das kleinste auf dem zweiten und
dieses auf dem 3ten liegt, versehen ist. Bei den indischen
sind vier solcher übereinander liegender Blätter, die kom-
plicirtere und an den Rändern viel zahlreichere Falten und
Buchten zeigen.
Bei dieser Gelegenheit muss ich darauf aufmerksam
machen, dass man das Faktum, welches v. Daldorf und
John in Tranquebar an der Perca scandens beobachtet
haben , dass dieselbe Bäume erklettert , um in dem ange-
sammelten Wasser der Blätter eine Zeit lang zu leben,
vielfach bestritten hat.
126 Kaup:
Hamilton in seinen Fischen des Ganges läugnet es
sogar und sagt, dass es eine Zufälligkeit gewesen sei, dass
Daldorf den Fisch fünf Fnss hoch an dem Stamme eines
Borassiis flabelliformis gefunden habe"-). Daldorf er-
zählt jedoch die Art und Weise, wie er klettert und sagt,
dass, ehe er den Fisch aus einer Spalte der Rinde genom-
men habe, er sich anstrengte noch weiter zu klettern. Aehn-
liches erzählt John, der sagt, dass man ihn in der Taaiul-
sprache Pannei-eri nenne, was Baumkletterer bedeute. In
Pondichery wird er noch heute nach Leschenault Pane
ere genannt. Unter den neueren Reisenden erwähnen Cu-
vier und Valenciennes, die nicht abgeneigt sind, die
Daldorf'sche Angabe für wahr zu halten, auch Reinwardt
und sagen von ihm, dass dieser nichts Aehnliches von dem
javanischen Anabas scandens erwähnt habe, ebenso wenig
Leschenault bei den Exemplaren , die er in Pondichery
gefunden hat.
Da die zwei Arten, mein Anabas Irifoliatus und ma-
crocephalus Blkr., die in Java vorkommen, nicht zu Anabas
scandens gehören, so fällt der Gewährsmann Reinwardt von
selbst weg , denn es ist eine Möglichkeit , dass nur eine
Art, die vorzugsweise ausgerüstet mit sehr komplicirtem
Labyrinthorgane ist, die Eigenschaft hat, Bäume zu besteigen.
Zu bedauern ist es, dass weder D ald orf noch J o hn
sagen konnten, dass sie diesen Fisch ausserhalb des Was-
sers mehrmals auf den Teichen nahestehenden Palmen haben
klettern gesehen; allein ich glaube, dass sie die Beobach-
^) Man könnte sich das Aulfinden eines Fisches an der Rinde
einer Palme, 5 Fi;ss hoch über dem Spiegel des Teiches, nur durch
eine vorhergegangene 5 Fuss hohe Ueberschwemraung erklären , von
der jedoch die Erzählung von Daldorf keine Silbe erwähnt. Eine
5 Fuss tiefe Ueberfluthung ist jedoch nicht so schnell, wie ein Re-
genguss verlaufen , um einen Anabates trotz seines Apparats lebend
zu erhalten. Hier ist von keinem Zufall die Rede und wenn Hamil-
ton oncn gegen Daldorf auftreten \Aollte, so hätte er ihn unum-
wunden beschuldigen müssen, dass er der Welt ein Märchen aufge-
bunden hat. Gegen dieses würde jedoch der Tamul'sche und Mala-
barische Name Pannei-eri und Pane-ere streiten. Ohne allen Zweifel
klettert der Anabes scandens in der Nähe von 'franquebar.
Anabas trifoliatus. 187
tung nicht wiederholen wollten, weil es bei Tranquebar ein
bekanntes Factum ist und das Volk diesen Fisch ja den
Kletterfisch nennt.
um einen Reisenden einer Unwahrheit zu bezüchtig-en,
namentlich wenn seine Erzählung ans Wunderbare streift,
dazu gehört die grösste Vorsicht, namentlich, wenn man
ihn nicht durch eigene Beobachtung widerlegen kann. Ist
der Ganges Anabates anatomisch von der Perca scandens
Daldorf bei Tranquebar verschieden, etwa wie der javani-
sche von dem, welchen Cuvier und Val en ciennes un-
ter dem Namen A. scandens abgebildet haben, so fällt die
Beschuldigung von Hamilton, dass John und Daldorf
eine einseitige und zufällige Beobachtung gemacht hätten,
auf ihn selbst zurück. Bis dahin sind die Akten leider
nicht geschlossen und die Exemplare aus den verschiede-
nen Flüssen Indiens und Chinas nicht genau genug
untersucht *"*).
Berichte von sonst glaubwürdigen Männern zu be-
zweifeln, ist selbst bei der Lebensweise, einer und dersel-
ben Art nicht gni zu heissen , denn es giebt Arten, die
sich den Verhältnissen der verschiedenen Länder eines Welt-
theils anpassen. So ist unsere scheuste Taube, die Rin-
geltaube, Columba palumbus, in Paris und den holländischen
Städten fast halbes Hausthier, die sich bis auf wenige Schritte
nahe kommen lässt, während bei uns sie auf tausend Schritte
entflieht. Ich habe sie von höheren Häusern auf ihren
Nestern brütend gesehen, während sie in unseren Waldun-
gen, einigemal am Neste gestört , dieses sogleich verlässt.
Die Entgegnungen des Reisenden Tschudi gegen die Be-
obachtungen des liebenswürdigen Schomburgk, dass der
Vultur papa in Peru in Gesellschaft mit den kleineren Geiern
auf einem und demselben Aas sich nähre, und dass die
Schomburgk'sche Erzählungen längst vor ihm von vielen Or-
nithologen angelührt, Indianer-Märchen seien, nach welchen
^) Bleeker unterscheidet bereits: 1) scandens mein trifolia-
tus ; 2) macrocephahis, Java, Sumatra, Bintang et Borneo ; 3) oligo-
lepis, Borneo; 4) niicrocephalus, Amboina ; 5) variegatus, Celebes.
128 Kaup: Hoplarchus, neues Genus der Familie Labridae.
derVultur papa sich zuerst sättige und später erlaube, dass
auch diese ihren Hunger stillen , werden sich sicher als
ungerecht herausstellen. Landessitte — Landesart kauft
man auch bei vielen Vogelspi^cies sagen. Selbst wenn der
Ganges Anabates identisch mit dem von Tranquebar wäre,
so könnte doch zwischen beiden ein Unterschied in der
Lebensart sein.
Darm Stadt im März 1860.
Hoplarchus^ neues Genus der Familie Labridae.
Beschrieben und abgebildet
von
Prof. J. Kaup.
(Hierzu Taf. VI. Fig. 1).
Diagnose. Zähne in mehreren Reihen, die klein, kurz
und konisch sind. Die vordere Reihe besteht aus Zähnen,
die alle von gleicher Grösse und etwas stärker und
an den Spitzen gebräunt sind ; die oberen etwas länger
als die unteren. Die Schlundzähne gleichen einer Katzen-
kralle und sind ebenfalls am Ende gebräunt. Lateral deut-
lich unterbrochen mit einfachen Porenröhren.
Beschreibung. Schon allein diese vorangesandte Diag-
nose unterscheidet dieses Genus von allen bis jetzt bekann-
ten Genera , bei denen bis jetzt kein Genus unterschieden
worden ist, bei welchen nicht grössere Zähne am Anfange
des Kiefers sich zeigen. Zu obigen Charakteren kommt
jedoch noch eine Summe von Kennzeichen, die dieses Ge-
nus auszeichnet. So lallt der Kopf nach der Schnauze hin
plötzlich ab , ohne jedoch die schneidende Stirnkante der
Novacula und Xyrichthys anzunehmen , die Stirn ist viel-
mehr so breit oder noch breiter als der Diameter des Au-
ges. Der Präoperkel ohne alle Zähnlung ist vor seinem
Kaup: Hoplarchiis, neues Genus der Familie Labridae. 129
unteren Winkel schwach oder sehr bedeutend ausgebuchtet
mit 2 bis 3 Gruben. Wang-en und der ganze Operkel mit
Scliuppen bedeckt. Schnauze von den Augen an, so wie
der Unterkiefer nackt. Das hintere Nasenloch, grösser als
das vordere, sitzt nahe hinter demselben und beide stehen
dem Schnauzenrande näher als dem Auge. Ihre Körperge-
stalt scheint bei allen Arten ziemlich hoch zu sein. Die
Lateral mit einfachen nicht verästelten Porenkanälen zieht
bis gegen das Ende der weichen Dorsal, bricht hier plötz-
lich ab und setzt sich auf dem Schwänze fort. Die Sta-
cheln der Dorsal und Anal zeigen kleine Läppchen an den
Membranen , die über die Stacheln vorragen ; die Stacheln
sind meist stark, namentlich die der Anal. Alle weiche
Flossen und Flossentheile ungewöhnlich verlängert. Die
Schuppen am Rande rauh und sehr fein gezähnelt. Ich
kenne in natura nur zwei Arten des Älünchener Museum,
von denen jedoch leider Nichts bekannt ist, und von wel-
chen man nicht weiss , in welchem Meere sie gefangen
wurden.
1. Uoplarchus pentacanthus Kp.
Taf. VL Fig. I.
Mit fünf Stacheln in der Anal, wovon der 5te fast so
lang ist , als die halbe Körperhöhe. Diese Art hat durch
die fünf Stacheln der Anal einige, jedoch nur weit entfernte
Aehnlichkeit mit einigen Acantholabri , bei welchen die
Stacheln nicht so entwickelt vorkommen , denn bei Palloni
hat der 5te Stachel die Länge von einem Drittel der Kör-
perhöhe, während er bei dieser Art fast die Hälfte beträgt.
Die Stirn ist schwach convex. Augen gross und ihr
Diameter ist gleich der Breite der Stirn und gleich der
Länge vom Augenwinkel bis zum Rande des Zwischenkie-
fers in gerader Linie gemessen. Die Wangen sind mit
10 bis 11 Reihen kleiner Schuppen bedeckt und lassen die
untere Hälfte unbedeckt. Der Präoperkel zeigt am Rande
Spuren von Schuppen, ist vor dem Winkel deutlich ausge-
buchtet und mit 3 nach unten offenen Narben versehen,
wovon die obere an der Bucht und die 2 unteren an dem
Archiv f. Natura-. XXVI. Jcalu-o-. 2. Bd. 9
130 Kaup:
rund vorspringenden Winkel stehen. Zwei Närbchen am
Rande einer faltigen Erhöhung nächst den Lippen.
Der Zwischenoperkel mit einer oder zwei Reihen Schup-
pen. Operkel höher als breit mit 12 Reihen, 6 bis 11 in
ei^er jeden, scharf von oben nach vorn laufender kleiner
Schuppen und kleinem häutigen Läppchen am winkeligen
Ende. In vertikaler Höhe mögen etwa 24 und in der ho-
rizontalen Richtung gegen 40 gewesen sein. Ihre Zahl
konnte nicht ganz genau ermittelt werden , da der grösste
Theil der Schuppen fehlt und die Zahl nur nach den Zel-
len, worin das Wurzelende steckt, gegeben werden konnte.
Die Lateral kann aus 18 bestanden haben. Die letzte der-
selben steht unter dem 3ten weichen Strahle der Dorsal.
Auf dem Schwänze haben sich alle 5 Schuppen der Late-
ral erhalten.
Die Dorsalstacheln nehmen von vorn nach hinten an
Länge zu, so dass der löte der längste von allen ist; er
zeigt eine Länge gleich dem doppelten Diameter des Au-
ges. Der 4te Strahl der weichen Dorsal ist mit dem 5ten
der längste und hat eine Länge , die fast der Körperhöhe
gleich ist. Von der 6ten nehmen sie schrittweise bis zur
letzten an Länge ab.
Die Analstacheln sind sehr entwickelt und am vorde-
ren Rande gefurcht; die erste hat etwa ein Drittel der
Länge vom letzten. Die weichen Strahlen derselben, die an
den Spitzen sich nicht erhalten haben, werden wahrschein-
lich ähnlich wie die der weichen Dorsal verlängert gewe-
sen sein.
Die Caudal, lang und zugespitzt, hatte eine Länge gleich
der Höhe des Körpers unter dem ersten Strahle der wei-
chen Dorsal gemessen. ^/^ ihrer Länge war beschuppt.
Die Ventral zeigt den Isten und 2ten Strahl spitz
verlängert, so dass die Spitze des ersten Strahls den 4ten
Stachel der Anal erreicht; sie ist an der Wurzel gelblich
und gegen das Ende hin schwarz. Die schwarze Pecloral
scheint halbe Rumpflänge gehabt zu haben.
Die Grundfarbe scheint schmutzig gelbbraun gewesen
zusein, während Kopf und Flossen schwarz erscheinen. Vom
Iloplarchus, neues Genus der Familie Labridae. 131
Auge Über die Wange eine breite lichtere grau violette
Binde.
D. 15/12. A. 5/9. P. 16. C. 10/8. Vaterland? Süd-
Amerika.
2. Hoplarchus planifrons Kp.
Diagnose: Stirn breiter als der Diameter des Auges
und vollkommen eben. Drei Analstacheln von normaler
Länge.
Beschreibung : Diese Art weicht weniger von der all-
gemeinen Bildung der Labridae ab, allein gehört nach der
Zahnbildung, dem steilabfallenden Kopfe und der deutlich
unterbrochenen Lateral mit einfachen Porenkanälen in die
Nähe der Art, die hier unter dem Namen pentacanthus be-
schrieben ist.
Ausser den Kennzeichen der Art unterscheidet sich
dieselbe durch folgende Kennzeichen :
1) Da die Stirn flach ist, so scheinen die kleineren
Augen noch höher zu stehen, indem sie sich am Rande der
Stirn befinden, die etwas breiter als der Diameter des Au-
ges ist; auch fällt das Profil steiler ab.
2) Die Schuppen des Kopfes sind wie die des Kör-
pers grösser, so dass auf den ganzen Wangen nur drei
Reihen Schuppen zu sehen sind; noch grösser sind die
Schuppen des eigentlichen Kiemendeckels, der mit etwa
10 Schuppen bedeckt ist, zu welchen etwa noch 7 kommen,
die auf dem Inter- und Suboperkel liegen. Die grösseren
zeigen unzählige concentrische feine Ringe. Der Präoper-
kel zeigt nur auf dem unteren horizontalen Rande zwei
deutliche Narben in der Nähe des schwach vorspringenden
Winkels. Der vertikale Rand zeigt zwei minder deutliche?
die weit von einander stehen.
3) Die Zahl der Schuppen in einer vertikalen Reihe
ist 10 und die in horizontaler Richtung ist etwa 22.
4) Die vertikale Höhe geht dreimal in die Körper-Länge.
5) Weder die Dorsal - noch Analstacheln sind so ent-
wickelt , wie bei der vorigen Art , auch sind die weichen
Flossen nicht so verlängert, denn weder die Pectoral noch
die "Ventral erreicht den Anus und der weiche Theil der
132 Kaup: Hoplarchus, neues Genns der Familie Labiidae.
Dorsal und Anal überreicht kaum V3 der Caudal, die wahr-
scheinlich schwach ausgeschnitten war.
Die Grundfarbe ist dunkelbraun , gegen den Rücken
hin schwarzbraun und gegen den Kopf hin lichtbraun. Wei-
cher Theil der Dorsal und der Caudal mit dunklen und
lichteren Flecken. Pectoral und Ventral lichtbraun, letztere
nach den Spitzen hin dunkler. D. 15/10. A. 3/8. P. 14.
C. 10/8.
In dieses Genus scheinen noch zwei Bloch'sche Arten
aus Surinam zu gehören, die ich in dem grösseren Fisch-
werke von C u V i e r und Valenciennes nicht aufgenom-
men finde. Es sind die Arten :
3.
Labrus punctatus Bloch 295. fig. 1.
Bloch et Seh. Syst. p. 251. nr. 37.
Diese Art gleicht noch am meisten meiner ersten Art
durch die Verlängerungen aller weichen Flossentheile und
Flossen, allein unterscheidet sich wesentlich durch die Ra-
dienformel. D. 15/10. A 4/8 und durch die Zeichnung.
4. Labrus meJagaster El. 296. fig. 1.
Bloch et Seh. Syst. p. 246. nr. 16.
Sie gleicht am meisten meiner zweiten Art planifrons
und die Radienformel ist folgende : D. 15/10. A. 3/7. F. 12.
C. 19.
Auf den Bloch'schen Charakter , dass der Operkel,
Zwischen- und Unteroperkel ohne alle Schuppen sind, kann
man kein grosses Gewicht legen, weil die grossgeschupp-
ten Labridae leicht die Schuppen verlieren. Die linke Seite
meines planifrons zeigt den eigentlichen Operkel vollkom-
men glatt und durchsichtig , so dass auch nicht die Spur
von Schuppen mehr wahrzunehmen ist , während derselbe
auf der rechten Seite deutlich mit Schuppen versehen ist.
Ich würde unbedingt diese Art mit meinem planifrons für
identisch halten, wenn bei letzterer das Profil nicht steiler
abfiele, die Wangen nicht mit einer geringeren Zahl von
Schuppen versehen und die Färbung eine andere wäre. Bei
melagaster geht das Schwarz des Bauchs bis zum Anfange
Kaiip: lieber die Chaetodontidae. 133
der weichen Analslrahlen und erstreckt sich nicht bis zum
Rücken , während bei planifrons Brust , Bauch und Seiten
deutlich gelblichbraun sind. Ist die Angabe des Vaterlan-
des Surinam richtig, so scheint es mehr als wahrscheinlich,
dass die zwei Arten des Münchner Museums ebenfalls aus
den süd-amerikanischen Meeren stammen.
Heber die Chaetodoutidae.
Von
Prof. J. Raup.
Die ünlerlamilie Chaetodontinae der Familie Chaelo-
donlidae besieht grösstentheils aus dem Genus Chaetodon,
wie es Cuvier und Valenciennes aufgel'asst haben
wollten. Dieses Genus umfasst 61 Arten , die man genau
untersuchen muss , um einzusehen , dass sie kein einziges
Genus, sonders dass sie vielmehr Glieder von verschiede-
nen Genera sind. Ehe ich an die Ausscheidung der ]\o-
minalspecies gehe, sind vor allen Dingen folgende drei
Arten zu entfernen : Die erste Art ist Ch. strigfatus Lanjjs-
dorf, aus welcher ich das Genus Therapaina bilde, das ich
durch grosses Auge, deutlich gezahneilen Präoperkel, hohe
Dorsaldornen ohne Schuppenbekleidung, deutliche schwach
gebogene Lateral bis zur Schwanzflosse reichend, charak-
terisire. Die zweite Art ist Ch. Kleini Bl. t. 218. Herr
Professor Peters schrieb mir, dass er den Chaetodon Klei-
nii Bl. für idenlisch mit melaslomus Bl. und Schneider halle,
und dass sich von letzterem zwei Exemplare, ein grösse-
res und kleineres , noch in der Bloch'schen Sammlung be-
linden, wovon das kleinere mit dem Namen Kleinii bezeich-
net sei. Da es nur halb so gross als die Bloch'sche Ab-
bildung ist, so passt es nicht zu derselben.
Die Abbildung von B loch ist genauso gross wie die,
welche Klein von seinem Rhombotides dentatus, Taf. X. lig.2
gegeben und es ist daher wahrscheinlich, dass Bloch das
134 Kaup:
kleine Exemplar vergrössorn , und dass er zu den 13 Sta-
cheln der Dorsal nach dem Muster der Klein'schen Abbil-
duno- noch vier weitere Stacheln dazu fabriciren liess.
Die 17 Stacheln der Dorsal sind zwar von Klein in
der Beschreibung wie Abbildung angegeben , allein es ist
die Frage, ob nicht die Abbildung von einem schlechten
Zeichner gemacht und nach dieser erst später die Beschrei-
bung gebildet ist *"*).
Was für die Peters'sche Annahme spricht, ist, dass der
Totalhabitus und die Zahl der Stacheln und Strahlen der
Analflosse vollkommen mit der des melastomus überein-
stimmt.
Was nun die Lateral betrifft, die bei Bloch zur Cau-
dal geht, bei Klein wie bei melastomus gegen das Ende
der Dorsal hin sich verliert, so glaube ich nicht, dass man
diesem Kennzeichen grossen Werlh beilegen kann , da sie
bei Bloch fehlerhaft gezeichnet sein kann.
Ch. Kleinii Bloch ist desshalb mit der grössten Wahr-
scheinlichkeit zu streichen und der Name melastomus Bl.
et Sehn, dieser Benennung Kleinii vorzuziehen.
In der Berliner Sammlung befand sich nach Herrn
Peters der chrysozonus Kühl et van Hasselt unter der
Benennung ocellatus, nach der Etiquelte und weil Lich-
tenstein diesen in seinem Verzeichnisse von 1822 nicht
erwähnt, so ist er nicht durch Bloch, sondern später durch
den Grafen v. Borck in das Berliner Museum gekommen.
Der chrysozonus hat allerdings Aehnlichkeit in der
Lateral mit dem Bloch'schen ocellatus , zeigt ähnliche dicke
Lippen, ähnlichen Augenfleck auf dem weichen Theile der
Dorsal, allein chrysozonus hat 9 Dorsalslacheln und ver-
längerte zugespitzte schwarze Ventrale. Sollte der eigent-
liche ocellatus Bloch in die Nähe als Art zu chrysozonus
gehören? oder ist es eine ebenso fabricirle Art wie der
Kleinii ? !
""■} Dem vagabundus giebt Klein Tab. IX. fig. 2 ebenfalls 17
Stacheln in der Abbildung wie Beschreibung, und diess belegt meine
Angabe, dass Klein nach schlechten Abbildungen seine Beschrei-
bungen gemacht hat.
Ueber die Chaetodontidae. 135
Bloch citirt Seba 25. fig" 11 , aus welchem Cuvier
seinen sebanus gemacht hat und der der junge von auriga
ist. Wäre es wohl möglich, dass Bloch einem einfarbigen
Chactodon, wie melastomus , den er nach dem Muster von
Seba 25. hg. 11 zustutzen Hess, die Ocelle noch drein gab?
Bloch mag in seiner Zeit diess Verbesserungen ge-
nannt haben, die man streng genommen in jetziger Zeit an-
ders taufen würde.
Die dritte Art ist die häufig mit capistratus verwech-
selte ocellatus Bloch , die eine unterbrochene Lateral und
dicke Lippen zeigt. Seit Bloch sie beschrieben und ab-
gebildet hat, ist sie nicht wieder aufgefunden worden. Bei
beiden letzteren Arten wird es nöthig sein, sobald sie wie-
der aufgefunden sind, sie auf die Schlundzähne hin zu un-
tersuchen, ob sie nicht zu den Labridae gehören.
Zu diesen kommen noch folgende Arten, die doppelt
und dreifach als Arten aufgeführt, allein keine wirkliche
sind, sondern zu Species gehören, die längst beschrieben
waren.
I) Ch. virescens C. Y. = melastomus Bl. et Sehn, nacli
Dr. Peters in seinen Fischen von Mosambique ; die näm-
liche Art ist in den Proceed. 1831 als flavescens von Ben-
nett aufgeführt.
2) Ch. reticulatus C. V. = Ch. collaris Bloch. Er-
sterer Name bezeichnet frische Spiritus - und letzterer ge-
trocknete Exemplare.
3) i semilarvatus et lunatus = lineolatus Quoy et
4) ( Gaimard.
5) )
j! / baronessa C. V., larvatus Ehr., Karraf C. V. =:::: tri-
„ i angulum K. et H.
8) Sebae C. V. = vagabundus Linn. nach Bleeker
und mir.
9) decussatus C.V. = pictus Forsk.
10) ) marginatus Ehr., Abhortani C. V., dorsalis Bwdt.
II) \ = melanotus Bloch et Sehn. Rüppell und Bleeker
12) ) vereinigen schon die 2 ersten mit dorsalis Reinw.
13) lunula C. V. = fasciatus Forsk.
136 K a n p :
14) ) scbanus, setifer =r aurig-a Forsk. nach Rüppcl,
15) I Bleeker und mir.
16) i labiatus K. et H., melanopiis C. V. = chrysozo-
17) \ niis K. et H. nach BIccker.
Von diesen 17 sind 16 doppelte, ja mitunter dreifache
Aufführungen von bekannten Arten. Diese 16 und die 3
oben erwähnten machen 19 Arten, die von den 61 Cuvier'-
schen Arten abzuziehen sind.
Es bleiben demnach noch 42 Cuvier-Yalenciennes'sche
Arten.
Zu diesen 42 Arten kommen noch folgende 12, die die
Herrn D e s j a r d i n s , ß e n n e 1 1 in den Proceedings,
Schlegel in der Fauna japonica und ßleeker in den
Nat. T. Ned. Ind. beschrieben haben.
1) Ch. zoster Benn. Proc. 1831. Mauritius.
2) Ch. xanthocephalus Benn. Proc. 1832.
3) Ch. festivus Desj. Benn. Proc. 1833. Mauritius.
4) Ch. chrysurus Desj. Benn. Proc. 1833.
5) Ch. aureus Schleg. Faun. jap. 42. lig. 1.
C) Ch. oligacanthus Blkr. Java etc.
7) Ch. oxycephalus Blkr. Ternate.
8) Ch. polylepis Blkr. Amboina.
9) Ch. selene Blkr. Solor.
10) Ch. semeion Blkr. Cocos, Celebes etc.
11) Ch. Talii Blkr. Banda.
12) Ch. xanlhurus Blkr. Amboina.
Diese 12 Arten, von welchen ich nur den aureus nach
der schönen Abbildung der Fauna japonica kenne, sind fer-
ner noch in die Unterfamilie Chaetodontinae unterzubrin-
gen, was ich später bei näherer Kenntniss dieser Arten
thun werde, wenn es nicht von den Autoren dieser Arten
selbst geschieht.
Die Chaetodontinae zerfallen in folgende leicht auf-
zufindende und zu charakterisirende Genera :
Ites Genus Citharoedus Kp.
Zwei Bündel Zähne am vorderen Rande des Ober-
und Unterkiefers, wovon die unleren höher und mehr ent-
wickelt sind. Beide Reihen lassen den Mundwinkel völlig
lieber die Chaetodonlidac. 137
frei, ohne dass sie sich über diesen in den Mund hinein
ziehen. Mehr als 10 Dorsalstacheln und nur 3 Stacheln
in der Anal. Cith. Meyeri, ornatissimus etc.
2tes Genus Coradion Kp.
Rudimentäre kaum sichtbare Zähnchen auf einer run-
den Stelle vorn im Gaumen. Die im Unterkiefer ebenfalls
sehr kurz, stehen in einem Winkel mit der Spitze nach
vorn. Lippen dick. Lateral bis zur Caudal. ^Veni-
ger als 11 Dorsaldornen (9 — 10). Coradion chrysozonus et
Bennetti.
3tes Genus Eteira Kp.
Vier Stacheln in der Anal. Grosse Zahl Dorsaldornen
und sehr geringe Zahl -welcher Dorsal- und Analstrahicn.
Et. Iriangularis, Taunayi, Leachi, plebeja.
4tes Genus Chaetodon Kp.
Zähnchen bis zum und über den Mundwinkel hinaus
in den Mund hinein. Mehr als 10 Dorsalslacheln, nur 3 in
der Anal. Ch. slriatus Linn. etc.
5tes Genus Linophora Kp.
Ecke der Dorsalflosse fadenförmig verlängert. Schnauze
gestreckt. 3 Analdornen. Körper oval. L. auriga, ephip-
pium, principalis.
Um der Unterfamilie Chaetodonlinae ihren Rang an-
zuweisen, ist es nothw endig die ganze Familie Chaetodon-
tidae oder Cuvier's grösseren Theil der Squammipenncs
zu betrachten. Diese Familie charakterisirt sich durch en-
gen Mund nicht bis zu den Augen geöfl'net, durch die feinen
borstenartigen Zähnchen in vielen Reihen, und dass die ver-
tikalen Flossen mehr oder weniger mit Schuppen bedeckt
sind. Durch diese Charaktere zusammengenommen , fallen
die Genera Brama , Pempheris und Toxotes als nicht hier-
her gehörig hinweg, da sie den Mund bis unter die Augen
geöffnet und Palatinzähne haben. Auch in dieser Familie
beginnt, wie bei so vielen niedrig stehenden, die letzte
Subfamilie mit einer ventrallosen Form, denn der Stachel
von Psettus und die äusserst rudimentären Yenlral-Slrahlen
können kaum für eine Ventralfiosse angesehen w erden, denn
138 Kaup:
Psettiisarten, denen bei allen übrigen Charakteren der Dorn
vollkommen mangeln würde, müssten trotzdem in dieses Ge-
nus versetzt werden. In diesem Genus ist die Dorsal und
noch mehr die Anal ganz abnorm entwickelt und diese ma-
chen die Arten viel höher als lang.
An diese typische Form schliesst sich Platax unmittel-
bar an, bei welcher jedoch die Ventral plötzlich und über-
trieben entwickelt ist.
In natürlicher Reihenfolge schliessen sich an Platax
Pomacanthus *") und Holacanthus an. Platax und Holacan-
thus unterbreche ich durch das Genus Centropyge, das ich
aus H. tibicen mit 4 Analstacheln bilde.
Betrachten wir diese 5 Genera , so ist in den Hola-
canthusarten und namentlich in den mehr ovalen, wie dux,
mit nicht ulrirten Dorsal- und Analfiossen, die höchste Form
erstrebt, die in dieser ünterfamilie erreicht werden konnte.
Psettus als niedrigste Form zieht alle übrigen Genera
zu sich herab ; ich nenne die Unterfamilie Psettinae.
Die nächste Subfamilie, die am meisten Verwandtschaft
mit Holacanthus zeigt, sind die Chaetodon Cuv. oder meine
Chaetodontinae. Die Beweglichkeit der Dorsaldornen, nicht
mehr anliegend und unbeweglich, und dass diese in einem
sanften Bogen längs des Rückens, mit Membranen verse-
hen, stehen, ist schon bei Holacanthus erreicht und bleibt
auch in dieser Unterfamilie als eine Errungenschaft stehen.
Nur das Genus Linophora mit seiner fadenförmig endigen-
den Dorsal erinnert an die niederen Formen von Holacan-
thus, Pomacanthus und Platax, ebenso einige Arten des Ge-
nus Eteira, wie E. triangularis und Leachi. Bei allen Chae-
todontinae ist die Schnauze vorspringend und nur bei den
höchsten Arten des Genus Citharoedus fällt die Stirn, wie
bei Ephippus und Dipterodon, steil ab und die Schnauze
tritt zurück. So unwichtig die Zahl der Analdornen bei
anderen Genera, wie z.B. bei CentrarchusCuv. ist, so zeigt
doch Eteira und später das Genus Scatophagus, dass sie im
") balleatus, cingulatus und quinquecincUis C. Y. sind Varietäten
von Taiu.
lieber die Chaetodontidae. 139
Verbände mit anderen Kennzeichen ein gutes Geniismerk-
mal in dieser Familie abgeben.
In der nun folgenden Unterfamilie, deren intimere
Verwandtschaft unter sich einleuchten muss, und die aus
den Genera Therapaina (strigatus Langsd.), Chelmon, Hen-
jochus und Zanclus besteht , sehen wir ebenfalls wenig
Streben, den gestachelten Theil der Dorsal von der weichen
Flosse zu trennen ; am w enigsten in dem Genus Zanclus,
w^o ausser den vorderen zwei Stacheln der abnorm verlän-
gerte 3te und die 4 folgenden fast in der Weichheit den
übrigen weichen Strahlen gleichen und sich nur durch ihro
Einfachheit und ungegliedertes Wesen unterscheiden.
Die chagrinartige Haut, die abnorme Höhe des Kör-
pers und die Einfachheit der Dorsalstrahlen stellt Zan-
clus als die Psettus ähnlichste Form ans Ende seiner Un-
terfamilie.
Nächst diesem Genus stellen sich die Henjochusarten
als die Formen, welche den Chaetodon sehr ähnlich sehen
und sich durch die mehr oder mindere Verlängerung des
4ten Dorsalstachels auszeichnen. In diesen Formen ist
schon deutlicher der gestachelte Theil der Dorsal von den
weichen Strahlen getrennt. Von diesem Genus bin ich
nicht vermögend die Taurichthys C. V. zu trennen, die sich
nur unterscheiden, dass der 4te Stachel der Dorsal unbe-
deutend länger als die folgenden ist.
Der Stachel über den Augen ist kein generisches Kenn-
zeichen, da er auch bei Henjochus vorkommt.
Das 3te Genus , das wie Centropyge , Eleira und der
später zu erwähnende Scatophagus 4 Stacheln in der Anal-
flosse hätte, ist bis jetzt noch nicht bekannt.
Bei dem 2ten Genus Chelmon mit mehr ovalem Kör-
per sind die Stacheln der Dorsal gleichmässiger entwickelt
und stehen bei longirostris in einem schwachen Bogen,
während die quergebänderten, wie rostratus und truncatus
(Chaet. truncatus Kner) , steiler aufsteigen , überhaupt hin-
ten höher sind und steiler zur Caudal abfallen.
Bei allen genannten Genera , wie Chelmon , Henjo-
chus und Zanclus , sind Arten , v/elche die obere Augen-
140 K a II p :
kreise gestachelt oder mit einem Hörnchen versehen ha-
ben. Chelmon zeigt Analogieen in der Zahnbildung, in der
geringen Zahl der Dorsalstacheln mit dem Genus Coradion
(Ch. chrysozonus K. et H.) Die Länge des Rüssels und die
zugespitzte Pectoral der Chelmons erinnert an den Yogei-
typus und seine Industrie mit Wassertropfen Insekten her-
abzuschiessen an die Larven des Myrmeleon.
In dem ersten Genus Therapaina (strigatus Langsd.)
ist der gestachelte Theil mit "vvohl enlAvickelten Stacheln
versehen, die frei von Schuppen und mit deutlichen Mem-
branen versehen sind.
Ich nenne diese Subfamilie einstweilen, bis das na-
mengebende 3te Genus entdeckt ist, Henjochinae.
Die 2te Unterfamilie bilden die Genera Ephippus, Dre-
pane und Scatophagus. Ich nenne sie Drepaninae.
Scatophagus zeigt wie Centropyge und Eteira 4 Sta-
cheln in der Anal, Drepane die längste Pectoral in der gan-
zen Familie und bei Ephippus mit gewölbter Stirn und steil
abfallendem Profile ist die Dorsalflosse in zwei deutlich
getrennt.
Die erste Unterfamilie, die ich Dipterodonlinae nenne,
zeigen ebenfalls freie Dorsalstacheln mit schuppenlosen Mem-
branen. Bei Dipterodon mit Sargus -ähnlichen Schneide-
zähnen und Ephippus -ähnlicher Stirn und Profil ist die Dor-
sal deutlich getrennt, was bei Pimelepterus nicht der Fall
ist. Diese Unterfamilie ist die mangelhaftest bekannte von
allen, denn sie zeigt nur 2 Genera.
Nach diesen Voraussendungen wage ich es die Chac-
todontidae wie folgt zu ordnen :
I. Subfamilia. Dipterodontinae : 1. Dipterodon. 2
3 4 5. Pimelepterus.
II. Subf. Drepaninae: 1. Ephippus. 2. Drepane. 3. Sca-
tophagus. 4 5
III. Subf. Henjochinae : 1. Therapaina. 2. Chelmon.
3 4. Henjochus. 5. Zanclus.
IV. Subf. Chaelodontinae: 1. Cilharoedus. 2. Coradion.
3. Eteira. 4. Chaetodon. 5- Linophora.
V. Subf. Psettinae : 1. Holacanthus. 2. Pomacanlhus.
3. Centropyge. 4. Platax. 5. Psetlus.
lieber die Chaetodontiilcie. 141
Die Ichtli^ologen , welche nicht glauben können oder
wollen , dass eine jede Familie u. s. w. ein in sich abge-
schlossenes Ganzes bildet-, das in sich und durch sich ge-
ordnet werden könne, die leider nicht zugeben, dass jede
Familie u. s. w. ihr Wurzel- und Blütheglied besitzt, und
dass in allen Formen einer Unterfamilie, Familie ein Stre-
ben von niederer zur höheren Gestaltung zu erkennen ist,
und die lieber zugeben , dass die Natur spiele und ohne
feste Gesetze agire — wollen und können meine Versuche
als nutzlose Spielereien betrachten und mögen sich an die
kritische Ausscheidungen der Nominalspecies halten, an de-
nen ich wenigstens beweise, dass ich die Arten zu unter-
scheiden verstehe. Möglich , dass die Zoologen, wenn die
Lücken später ausgefüllt werden, den Glauben erhalten, dass
die Natur nicht spielt.
IV. Subfamilie Chaetodoutiiiae.
Erstes Genus Citharoedus Kp.
Zähne in zwei Bündeln im vorderen Theile des Ober-
und Unterkiefers, die den Mundwinkel frei lassen. Die des
Unterkiefers bedeutend länger als die des Oberkiefers , die
kurz und mehr rudimentär sind. Die Stirn fällt in diesem
Genus am steilsten ab und die Schnauze springt selten vor.
Die Lateral endigt in der Nähe des Endes der Dorsal, die
mehr als 10 Stacheln besitzt und sich stets stumpf und nie-
mals fadenförmig verlängert. In der Anal nur 3 Stacheln.
Durch letzteren Charakter unterscheiden sie sich von Eteira,
durch stumpfen Kopf und Dorsalflosse von Linophora und
durch die Zahnbildung von Coradion und Chaetodon.
Man kann sie , wie später die Chaetodon , nach der
Zeichnung weiter eintheilen:
a) Mit Längs- oder schief von unten nach oben und
hinten gehenden Streifen.
1) C. Meyeri BI. Syst. p. 223.
Operkel violett mit weissem vertikalen Streifen. Keine
parallele orange Streifen zwischen Pectoral und der Kehle.
D. 12/26. A. 3/21. Molukken.
142 K a u p :
2) C. ornatissimiis Sol. Cuv. p. 22.
Operkel orangefarbig-. Drei parallele Streifen zwischen
rectoral und der Kehle. D. 12/26. A. 3/19. Otahcitc.
Var. Mit mehr wagerecht gehenden Längsstreifen. Au-
genslreifen nur bis zur Spitze der Brust, 2ter nur zum Rande
des Operkels. D. 13/21. A.3/20.
3) C. vittatus Bl.
Ende des Rückens mit keilförmigem gelbbegränzlen
schwarzen fast vertikalen Fleck , der sich etwas auf den
Schwanzrücken fortsetzt. Auf der weichen Dorsal selbst, die
strohgelb ist, zwei fast parallele Linien vor dem breiten gelb-
lichen Rande. Auf der Mitte der Caudal ein breites schwar-
zes gelbbegränztes Band. Auf der bräunlichen Anal eine
schwarze gclbbegiänzte Schleife. Rand schwarz und weiss
gesäumt.
4) C. austriacus Rüpp. Wirbelth. t. 9. fig. 2.
Dorsal schwarz auf beiden Seiten gelbbegränzt. Anal
schv/arz mit gelbem Rande. Caudal schwarz, gelbbegränzt
und mit zwei gelben Flecken auf beiden Kanten und weiss-
lichem Endsaume. Afrika.
5) C. lucluosus C. V. p. 37.
Fast schwarz mit derSlreifung der vorigen. D. 14/17.
A. 3/16.
6) C. taunigrum C. V. p. 38.
Zwei schwarze Streifen der Caudal bilden die Form
eines liegenden T oder Hammers. Alle übrigen Flossen
bleich. D. 13/21. A. 3/20.
b. Mit senkrechten Linien oder Querbinden.
7) C. octofasciatus Bl. 215. hg. 1.
üeber die Stirn zu den Lippen ein schwarzer Längs-
slreifen. Augenstreifen in die Brust hinein, 2ter über den
Operkel und Brust zur Ventral. Der 3te vor, der 4te hin-
ter dem Anus, der 5te, Gte und 7te über die hintern Thcilc
der Dorsal und Anal. Der 7te über die Schwanzwurzel.
Der 8te bildet den Rand der an der Dorsal nach innen
weiss gesäumt ist. Hinter der schmalen 2ten schwarzen
Schwanzbinde eine bräunliche. D. 11/22. A. 3/17.
Ueber die Chaetodontidae. . 143
c. Seiten mit Chevrons geziert.
8) C. Iriangulum K. et H.
Mit kurzer plötzlich vorspringender Schnauze. Diese
ist wie Stirn und Kinn schwarz. Lippen bräunlich. Augen-
streifen auf beiden Seiten weiss begränzt, zieht sich bis zur
Ventral. Sein vorderer weisser Streifen als schmales Streif-
chen zur halben Brust. Sein hinterer noch breiterer weisser
Streifen von dem 2ten Dorsalstachel bis zur Ventral. Die-
sen begränzt ein dunkler Streifen , der vom 3ten Dorsai-
stachel über den Operkel zur Ventral zieht. Er ist von
der Pectoral herab mit gelbem Streifen begleitet, der später
horizontal bis über die Analdornen zieht. Auf diese auf-
fallende Kopfzeichnung folgen die Chevrons, die nach oben
zu der Dorsal hin nach hinten sich brechen und in Punkte
sich auflösen ; die nach hinten sich erhebende Dorsal bildet
einen steil abfallenden Winkel und hat eine schwarze und
gelbe Linie vor dem grauen Rande. Das schiefe von hin-
ten nach vorn gehende schmale hellbräunliche Schwanz-
band zieht sich als senkrechte Linie in das obere Drittel
der Caudal. Anal mit zackiger schwarzer Randlinie, die
gelb umrandet ist und weisslichen Endsaum hat. Die hohe
Caudal fast gerade abgestutzt zeigt am Rande zwei schwarze
Linien, dann ein strohgelbliches Band und am Rande einen
grauen Saum. Die Grundfarbe des Körpers ist nach hinten
hin olivenfarbig. Pectoral hellbräunlich. Ventral gelblich.
D. 11/26—27. A. 3/21—22. Java, Afrika.
Es ist mir räthselhaft , wie Herr v. Bleeker diese
Art mit collaris Bloch zusammenbringen konnte und hier
ist ein Fehler von Kühl und Ha s seit früher begangen
zu vermuthen.
9) C. Mertensi C. V. p. 47.
Die Schnauze noch etwas mehr vorspringend. IVur
einen Augenstreifen , der schmal ist. Ein breites oranges
Band über den hinteren Theil des Körpers, das sich ver-
schmälernd in die Anal hineinzieht, die schwärzlich be-
gränzt ist. Ueber die Mitte der Caudal eine gelbe Binde.
Der hintere Winkel der Dorsal etwas spitzer.
d. Mit halbrunden Flecken in Reihen über der Pecto-
ral, Ventral und Analgegend.
144 K a u p :
10) C. pnnctatofasciatiis C. V. p. 28.
Mit ungewöhnlich kleinem Munde und sehr starken
Anal- und Dorsalstacheln. Oberlippe schwarz. Augenstrei-
fen unvollständig, in der Mitte gelb, am Rande schwarz be-
gränzt. Der obere läuft spitzwinkelig zu und ist von aussen
gelb begränzt. Der untere schmalere setzt sich, am Auge
breiter werdend , in dieses fort. Vor dem ersten Dorsal-
dorne ein schwarzer gelbbegränzter Fleck. Dorsal und
Anal mit schwarzem , schwefelgelbem und orangefarbigem
Saume. Caudal gelb mit schwarzem, schmalen halbmond-
förmigen Bande vor der hinteren ncutralfarbigen Hälfte.
Sieben breite vertikale Binden bis zu den Punktreihen.
j). 13—14/22—24. A. 3/19—20. Amboina.
e. Einfarbig ohne Streifnng oder wo die Schuppen
nur mit dunklen Rändern umgeben sind und Maschen eines
Netzes bilden.
Zu letzteren gehört :
11) C. collaris Bl., reticulatus C. V. pl. 171.
Schnauze schwarz, ebenso ein breites Stirnband, wel-
ches eine graue Binde zwischen beiden Augen freilässt.
Unter den Auffen eine breite zur Ventral ziehende Binde.
Dorsal linienartig. Anal breiter, schwarz gesäumt. Schwanz-
wurzel schwarz. Vor dem Rande der Caudal mit zwei pa-
rallelen Linien. D. 12/27. A. 3/22. Otaheite.
Zu den fast einfarbigen ohne Sfreifung und Punktrei-
hen gehört:
12) C. melastomus Bl. Seh. Syst. p. 224.
Der Augenstreifen zieht vom ersten Dorsaldorne bis
zu den schwarzen Ventralen. Dorsal und Anal am Rande
mit feinem schwarzen v^eiss gerändertem Saume. Schwanz
gelblich mit breitem schwärzlichen Endsaume- Lippen
schwarz. Stirn convex, so breit wie der Diamefer des Au-
ges. Bei manchen Exemplaren sieht man nach dem Schwänze
hin erloschene Punkte auf jeder Schuppe einen , die Reihen
bilden und bei anderen zwei erloschene dunklere Binden
über die vordere und mittlere Hälfte des Rumpfes.
D. 13/21—22. A. 3/17— 20.
Wäre die Angabe von 3/14 Analstrahlen nicht, so
lieber die Chaetodontidae. 145
Aväre ich geneigt melamystax Bl. Seh. p. 224 hier zu die-
ser Art zu ziehen. Molukken und Mosambique.
Unter diesen fast streifenlosen Formen giebt es schliess-
iicli Formen, die einen grossen schwarzen, runden oder
ovalen Fleck unter den Dorsaldornen haben, durch den die
Lateral zieht.
Die am länorsten bekannte Art ist:
Cith. unimaculatus Bl. 201. fig. 1.
Kürzer, allein etwas höher als melastomus. Der runde
schwarze Fleck unter dem 9ten — 12ten Dorsalstachel.
Augenstreifen geht nicht ganz bis zur Ventral, die gelb-
lich ist. lieber den Augen ein lichterer Winkelstreifen,
der die schwarze Farbe von der bräunlichen der Schnauze
scheidet, lieber den Auo-en ist die Stirn concav und vor
dem ersten Stachel convex. Alle Schuppen in der Mitte
mit erhabenen Punkten. Der senkrecht abfallende Theil der
Dorsal, der Wurzel des Schwanzes und die Anal mit brei-
ter schwarzer Borde. Caudal bräunlich ohne Binden.
C. speculum K. et H., C.V. p. 73.
Gleicht nach Valepciennes dem vorigen sehr, ist
jedoch brillant goldgelb und zeigt den schwarzen Fleck viel
grösser. Ihr fehlt die schwarze Schwanzbinde und der
schwarze Rand der Dorsal und Anal. D. 13/? A. 3/? Java.
C. spilopleura Reinw. Cuv. Val. p. 74.
Diagnose. 14/17 Dorsalstrahlen.
Beschreibung. Gestreckter und mehr oval, als die drei
vorhergehenden. Der Kopf fällt steiler ab und die Schnauze
springt nicht vor. Die Stirn ist breiter als der Diameter des
Auges. Der schmale Augenstreifen , fein lichter begränzt,
geht nicht zum ersten Dorsaldorn und endigt am Rande des
Kiemendeckels. Praeoperkel deutlicher am vertikalen Rande
gezähnelt und am horizontalen deutlicher faltig gekerbt.
Der schwarze ovale Fleck steht weiter nach hinten. Die
Schuppen sind länger als hoch mit etwa 7 erhabenen Ripp-
chen auf dem Fächer der Wurzel, der bei unimaculatus, wo
die Schuppen höher als lang sind, 15 zeigt. Vertikal zeigt
der Körper 24 und horizontal gegen 45 Schuppenreihen.
Den Schuppen fehlen die glänzenden Punkte in der Mitte,
Archiv f. Isalurg. XX Vi. Jahrg. 2. Bd. 10
146 K a u p :
die den unimaculatus auszeichnen. Bei hellem Lichteinfalle
sieht man unter der Lateral über der Mitte jeder Schuppe
ein dunkles Streifchen, die zusammen dunkle Längsstreifen
bis zum Schwänze hin bilden. Valenciennes beschreibt
noch einen schwarzen Fleck in der Dorsal , den mein
Exemplar von Mosambique aus dem Hamburger Museum
nicht besitzt. Es zeigt, wie das von den Molukken, weder
an der Dorsal, Caudal, Anal noch Schwanzwurzel schwarze
Borden oder Bänder, allein die Schuppenränder der Pecto-
ral- und Ventralregion sind schwärzlich. Operkel mehr
silberfarbig. Pectoral mehr bräunlich als die Caudal. Die
Ventral ist an den Wurzeln der Strahlen gelblich mit lich-
teren gelblich an den Rändern und bläulichen Membranen.
Molukken und Mosambique.
Es kommen so viele Arten in dieser Familie vor, die
Indien und Afrika zugleich angehören, äass ich glaube, dass
man später alle indische Arten in Afrika und umgekehrt
finden wird.
Zweites Genus Coradion Kp.
Kurze, kaum sichtbare Zähnchen hinter den dicken
Lippen, die im Unterkiefer einen spitzen Winkel nach vorn
hin bilden. Hinteres Nasenloch hoch am Rande der dorni-
gen Augendecke gelegen. Praeoperkel deutlich gezähnelt.
Die Lateral mit deutlichen Porenröhren bricht sich winke-
lig unter dem 6ten Stachel, geht längs des Rückens herab
und zieht über die Mitte des Schwanzes zur Caudal. Zeigt
unter allen Chaetodontinae die geringste Zahl Dorsalstacheln
und die grösste Zahl weicher Strahlen. Ventral sehr lang
bis zum 2ten Analstachel reichend.
1) Coradion chrysozonus Kp.
Chaetodon chrysozonus et labiatus K. et H., C.V.
p. 82. 83.
Chaetodon melanopus C. V. p. 84.
Lippen und Stirnstreifen , wie Augenstreifen bis zur
Brust und der Ventral schwarz. Fast so hoch als lang. Auf
der Mitte des 8ten bis 12ten Strahls der weichen Dorsal
eine schwarze licht begränzte und dunkel eingefasste Ocelle.
Ueber die CJiaetodontidae. 147
Auf dem Ende des Schwanzes eine schwärzliche Binde.
Ventral schwarz mit komprimirtem bläulichen Stachel.
D. 9/29. A. 3/20—21. Java.
Dr. V. Bleeker sieht den chrysozonus mit unzähli-
gen gelben Punktstreifen der Länge nach, den labiatus mit
zwei vertikalen gelben Bändern und den melanopus mit
einer Ocelle auf der Anal für eine und dieselbe Art an und
wir müssen ihm als einem so vortrefflichen Beobachter fol-
gen, obgleich wir nicht alle Belegstücke für diese Behaup-
tung haben.
2) Coradion Bennetti Kp.
Chaetodon Bennetti C. V. p. 84.
Chaetodon vinctus Bennetti.
Fast zweimal so lang als hoch. Die schwarze blau-
bcgränzte Ocelle gross, oval und erstreckt sich über das
hintere Drittel des Rückens. Ueber und unter der Pectoral
zwei blaue nach hinten schief aufsteigende Streifen. Zeigt
ebenfalls nur 9 Stacheln. Sumatra.
Drittes Genus Eteira Kp.
Megaprotodon Guich. (part.).
Diagnose. Vier Stacheln in der Anal.
Beschreibung. Oblonge Gestalten mit grosser Zahl
Dornen in der Dorsal und Anal und ungewöhnlich gerin-
ger Zahl weicher Strahlen. Die Zahnbildung wie bei Ci-
tharoedus und die Ecke der Dorsal meist ungewöhnlich ver-
längert, wie bei Linopliora. Durch beide Charaktere kom-
men die vier bis jetzt bekannten Arten in überspringende
Verwandtschaft zu beiden Geschlechtern.
Die Schuppen des Körpers sind höher als lang. Die
Caudal breitet sich am Rande sehr aus und ist daselbst
schwach bogenförmig.
Nur den heissen Meeren der alten Welt angehörig.
C u V i e r und Valenciennes bringen die Arten unter drei
verschiedene Abtheilungen.
1) Eteiria triangularis.
Chaetodon triangularis Rüpp. Atl. pl. 9. fig. 3 mit
guter Abbildung.
148 K a 11 p :
Chaetodoii strigangulus Sol. C. V. p. 42. PI. 172.
Manuscriptname.
Diagnose. Dorsal am Winkel zugespitzt, allein die
Schwanzspitze nicht erreichend, und ohne Ocelle. Seiten
mit Chevrons. Caudal schwarz mit gelber Einfassung und
schwarzer Linie vor dem weisslichen Rande.
Beschreibung. Stirn schief abfallend und grünlich.
Von dem grösseren vorderen Nasenloche mit Läppchen nach
hinten ein gelbliches Streifchen zur Oberlippe hin. Der
breite Stirnstreifen zur Brust reichend , breit gelblich weiss
begränzt. Gegen 20 Chevrons auf den Seiten.
Variirt. Die Cuvier-Valenciennes'sche Abbildung zeigt
schw^arze Flecken; ein Exemplar von den Molukken zeigt
zwei längliche gelbliche Flecken nächst der Lateral: bei
dem von Valenciennes abgebildeten Exemplare ist die
schwarze Einfassung in der weichen Dorsal und Anal brei-
ter, während sie bei meinen Exemplaren feine Linien dar-
stellen; auch die Gestalt der Chevrons namentlich nach dem
Schwänze hin variirt.
Ich ziehe den Rüppell'schen Namen vor, da dieser
Reisende zuerst eine gute Abbildung und Beschreibung
gegeben hat und dieser nicht wissen konnte, dass Sol an-
der ihn im Manuskripte bereits beschrieben hatte. Etwas
anderes wäre es, wenn dieser strigangulus irgendwo dia-
gnosirt wäre. Die alleinige Anführung des Namens kann
nicht massgebend sein. D. 14/15. A. 4/14.
Die Angabe von 5/14 Analstachel scheint auf einem
Fehler zu beruhen, da die von Vale n ciennes gefertigte
Abbildung ebenfalls nur vier zeigt. '
2) Eteira Taunayi Kp.
Ch. Taunay Q. et G. Freyc. voy. T. 62. fig 5.
Ch. trifascialis Q. et G. nach Bleeker.
Ch. bifascialis C. V. p. 48.
Megaprotodon bifascialis Guichen, nach Bleeker.
Ein breites vertikales Band von der hinteren Hälfte der
weichen Flosse zieht bis zum Rande der hinteren Hälfte der
Anal herab. D. 14/16. A. 4/16. Insel Guam.
Die Abbildung von Q. et G. ist nicht genau und die
Chevrons sind vergessen.
Ueber die Chaetodontidae. 149
3) Eteira Leachi Kp.
Chaet. Leachi C. V. p. 49.
Das zugespitzte Jiintere Ende der Dorsal erreicht fast
das Schwanzende. Es ist der 5te Strahl, der so verlängert
ist. Zeichnung nicht anzugeben.
Von beiden Arten sagt Valenciennes, dass die
unteren vorderen Zähnchen viel länger und in Häkchen
vorn verlängert sind , was nicht bei trianguJaris der Fall
ist, wo zwar die unteren Zähnchen, wie bei allen Citharoedi
verlängert, allein keine eigentlichen Häkchen bilden. Es ist
diess sicherlich kein Hauptcharakter dieses Genus.
4) Eteira plebeja Kp.
Ch. plebejus Brouss. C. V.
Eine schwarze weiss umgränzte Ocelle auf der obe-
ren Hälfte der weichen Dorsal. Dorsal und Anal an den
Enden abgerundet. Ohne Chevrons. D. 14/17. A. 4/15.
Südsee.
Viertes Genus Chaetodon Kp.
Die Schnauze springt stets rüsselartig vor. Die be-
deutend kürzern Zähnchen stehen zwar aufrecht, allein ge-
hen bis zum Mundwinkel und häufig über ihn hinaus in den
Mund hinein. Die Lateral endiort geo-en das Ende des wei-
chen Theils der Dorsal. Diese wie die Anal endig-en in einen
stumpfen Winkel. Die Anal, wie bei den meisten Genera,
zeigt nur drei Stacheln. Mehr als 10 Stacheln in der Dorsal.
Die Ventral erreicht den Anus.
Sie sind mit Ausnahme von Europa über alle Meere
heisser Länder verbreitet.
Man kann sie wie die Citharoedi eintheilen:
a. Mit Längs- oder schief von unten nach oben und
hinten gehenden Streifen.
1) Chaetodon Frehmli Benhetti C. V. p. 24.
Mit 7 blauen etwas schiefen Linien, von welchen die
erste mit der 3ten vor dem Ende der 2ten sich wieder ver-
bindet. Auf dem Nacken vor dem ersten Dorsaldorne ein
schwarzer Fleck. Ein breites schwarzes Band zieht vom
hinteren Theile der Dorsal zur Basis des Schwanzes. Die
Caudal mit zwei vertikalen schwarzen Linien und weisser
Borde. Sandwich-Inseln.
150 Kaup:
2) Chaetodon fasciatus Forsk., liinulaC.V. 1. 173,
biocellatus C.V.
Der breite Stirnstreifen geht über die Ang-en zum ho-
rizontalen Rande des Praeoperkels und ist nach oben hin
mit breiter weissen Binde eingefasst. Unter den 6 — 7 ersten
Stacheln ein schwarzer Fleck mit zwei weissen Streifen
und weisser Einfassung , der zuweilen fehlt (Rüpp. Atl.
t. 9. iig. 1.).
Auf den Seiten braun aufsteigende Streifen. Auf dem
weichen Theile der Dorsal mit zwei schwarzen Streifen
und schwarzem Saume. Anal mit schwärzlichem Saume
und lichterem Rande. Caudal vor dem Ende mit schmaler
schwärzlicher Binde. Ch. biocellatus, wahrscheinlich das
Männchen, zeigt auf dem weichen Theile der Dorsal und
auf der Schwanzwurzel zwei weiss oder gelb umgebene
Ocellen. D. 12/24. A. 3/18—19.
3) Chaetodon ocellicaudus C. V. p. 69.
Augenstreifen geht bis zur Kehle; nur auf dem Schwänze
eine weiss umgebene Ocelle. D. 12/20. A. 3/17.
4) Chaetodon melanotus Bloch Sehn. Syst. p.224.
Ch. dorsalis Reinw. Rüpp. Atl. T. 9. fig. 1,
marginatus Ehrenb. C. V. p. 57 , Abhortani
C. V. p. 58.
Mit schmalem schvA^arzen Augenstreifen und schwar-
zem Kehlflecke. Rücken nach der Dorsal hin schwarz.
Auf der Wurzel des Schwanzes zwei schwarze Flecken;
vor der neutralfarbigen hinteren Hälfte der Caudal eine
schwarze Linie. Ueber der Anal ein schwarzer Fleck. Dor-
sal und Anal feurig orange mit dunklerer Einfassung vor
dem lichteren Rande. D. 12/20—23. A. 3/18—19. Indien
und Afrika.
5) Chaetodon Reinwardti Kp. , Ch. melanotus
Reinw. C. V. p. 71.
Gleicht dem vorigen, allein zeigt schwarze Ventralen
und geringe Zahl weicher Analstrahlen. D. 12/25. A. 3/13 (?).
Valenciennes vergleicht ihn in der mehr senkrechten
Stirn mit collaris , was man bei melanotus Bloch mit mehr
schiefer Stirn nicht kann. Molukken. Bleeker hat ihn
leider bis jetzt nicht wieder aufgefunden. Leydener Mus.
Ueber die Chaetodontidae. 151
b. Mit senkrechten Linien oder Qiierbändern.
a. W\X senkrechten schmalen Linien auf den verti-
kalen Rändern der Basis der grossen Schuppen-
reihen.
6) ChaetodonfalcuIaBl. pl.426. fig-. 2. C.V. p. 41.
Gelb. Augenstreifen geht bis zum Rande des Kiemen-
deckels. Auf dem Rücken zwei schwarze fast dreieckiofe
Flecken. Erster vom Isten bis 5ten Stachel , zweiter von
den drei letzten Dorsalstacheln in ein Drittel des Rückens
ziehend. Zwischen diesen Flecken 11 — 12 schwarze fast
senkrechte Linien. Auf der Schwanzwurzel eine schwarze
Binde ; weicher Theil der Dorsal schwarz gesäumt. Anal
ähnlich gesäumt mit schwarzer Linie näher dem Schwänze
zu, die nicht zur Hälfte der Anal geht. Zeigt den längsten
Rüssel, der etwas mehr als zweimal so lang ist als der
Diameter des Auges.
Bloch wie sein Zeichner haben sich nicht die Mühe
genommen, diese Art aus der Flasche herauszunehmen, um
sie zu beschreiben oder abzubilden; daher lässt es sich
erklären, dass die Beschreibung wie Abbildung so höchst
fehlerhaft sind. D. 12/25. A. 3/30. Coromandel, Mosambi-
que. Der irrig gezähnelte Praeoperkel bewog Lacepede
ihn zu Pomacentrus zu stellen,
7) Chaetodon mesoleucus Forsk. , hadjan BI. et
Sehn. Rüpp. Neue Wirbelth. Tab. 9. fig. 1.
C. V. p. 56.
Weiss, vom 4ten Dorsalstachel abgeschnitten schwärz-
lich mit 12 — 14 schwarzen Linien. Augenstreifen schmal,
reicht nur bis unter das Auge. Caudal mit weissen halb-
mondähnlichem Querband und Saum. 13/22—24. A. 3/19—22.
Afrika ; bis dahin nicht in indischen Meeren aufgefunden,
was jedoch später der Fall sein wird*
8) Chaetodon lineolatus Q. et G., lunalus et se-
milarvatus Ehr. C. V. 40. 57. 39. Rüpp. Neue
Wirbelth. tab. 9. 3.
Bläulichweiss mit 10 violetten Linien vom 3ten Dor-
salstachel an. Augenstreifen sehr breit bis zum Rande des
Kiemendeckels. Auf dem vorderen Rande des Augenstrei-
fens über den Augen ein dreieckiger weisser Fleck. Dorsal,
152 Kaup:
Anal und Caudal gelb. Ein schwarzer Streifen vom 6tcn
Dorsalstachel, auf beiden Seiten gelb begränzt, zieht längs
des Rückens über die Schwanzvvurzel etwas in die Anal
hinein. Caudal vor der lichten Borde mit zwei schwarzen
Linien. Afrika und Molukken. D. 12/25—27. A. 3/21. Eh-
renberg gab bei lunatus die Zahl (15) der weichen Anal-
strahlen sicher zu gering an.
Hierher gehört noch 9) Ch. dizoster C. V. von der
Insel Bourbon nach einer Zeichnung beschrieben. YII. p. 527,
10) Chaetodon ulietensis C. V. p. 40.
Mit gestreckter und spitzer Schnauze ; hinterer Theil
der Dorsal am höchsten. Ausser den linienartigen Streifen
zwei weniff markirte Binden. Eine von der Mitte der
Stacheln, die andere auf den weichen Stralilen der Dorsal
beginnend. Schwanzwurzel mit einem Bandflecke. Der Au-
genstreifen schief und die Stirn hat lichte Querstreifchen.
Nach einer Zeichnung von Parkinson. Insel ülietea.
ß. Mit breiten und weniger zahlreichen Band-
streifen.
11) Chaetodon strialus Linn. Seba 25. fig. 9. Bl.
205. fig. 1.
Weiss mit zwei breiten schwarzen Binden; die erste
vom ersten bis vierten Dorsaldorne, die zweite unter dem
g — loten Dorsaldorne bis zum Anus und in die Anal hin-
einziehend. Der Augenstreifen schmal, schief bis fast zum
ersten Dorsaldorne und bis zum Rande des Operkels. Dor-
sal braun mit dem hinleren Quersireifen zusammenfliessend,
gegen das Ende hin mit weissen Streifen und breitem,
zackigen, schwärzlichen Bande, das weiss gesäumt ist.
Anal ähnlich gefärbt, allein der äussere weisse Saum ist
gelblich gesäumt. Die Caudal an der Wurzel mit bräunli-
chem Bande, als Fortsetzung der bräunlichen Dorsalfarbe,
auf diese folgen bei meinem Exemplare drei Buchstaben -
ähnliche rothbräunliche Figuren, auf diese die weisse Gruud-
farbe des Schwanzes , auf diese das breite nach hinten
schAvarzbegränzte Band, das nach vorn hin zackig ist; auf
dieses Band folgt eine gelbliche Binde mit grauer Borde.
Ventral schwarz , nach der Wurzel hin weisslich. Ueber
die lichteren Theile graue und über die Bänder schwärz-
Ueber die Chaetodonlidae. 153
liehe Streifen der Länge nach bald nach oben, bald nach
unten hin gerichtet, bald durchlaufend, häufig unterbrochen
und Gabelform annehmend. D. 12/20. A 3/16. Antillen.
12) Chaetodon modestus Schleg. Fn. jap. 41. 2.
Mit schwarzem Fleck auf den oberen Strahlen der
weichen Dorsal. Noch höher als striatus mit stärkeren und
längeren Dorsaldornen; der mittlere Analdorn jedoch schwä-
cher und kürzer. Farbe weiss ohne longitudinale Linien
mit zwei breiten gelbbraunen Bändern und einer schmäle-
ren und blasseren Augen- und Schwanzbinde. Die erste
breite Binde geht von dem 2ten bis Tten Dorsalstachel zur
Ventral , die 2te geht vom 8ten Dorsalstachel herab und
bedeckt bis auf die weisse Borde der Dorsal und Anal den
ganzen Hinterkörper. Die Caudal schwach gabelförmig aus-
geschnitten. D. 11/22. A. 3/18. Japan und China, aus
letzterem erhielt ich zwei getrocknete Exemplare. Sollte
wohl Bloch diesen gekannt und ihn mit striatus verwech-
selt haben, indem er bei letzterem auch Japan als Yater-
jand angiebt?
c. Mit Winkelstreifen, wovon die oberen nach oben
und die übrigen nach unten gerichtet sind.
«. Mehr rund mit entwickelteren Dorsalslacheln, wo-
durch sie sich den vorhergehenden annähern und
namentlich dem striatus, bei dem die Chevrons
nur unregelmässig sind.
13) Chaetodon capistratus Linn. Bloch 205. 2.
Seba 25. lig. 16.
Vor der Wurzel des Schwanzes, halb auf dem Schwänze,
halb auf der Dorsal ein grosser, runder, schwarzer, breit und
deutlich weiss umgränzter Fleck. Durch diesen Fleck zeich-
net sich diese Art von allen aus. Die schwärzlichen zum
Theil Punktstreifen slossen spitze Winkel bildend nach vorn
zusammen, mit Ausnahme von den oberen und unteren, die
einfach nach vorn hinlaufen. Eine braune Linie, begleitet
von w eissem Rande, umgiebt den weichen Theil der Dorsal
und Anal. In der Mitte des Schwanzes zwei zackige pa-
rallele braune Linien. Der schmale Augenstreif braun, weiss-
lich begränzt. Antillen. D. 12—13/19. A. 3/17.
ß. Mit Linien, die schief vom Kopfe nach den Dor-
154 Kaup:
saldornen hinziehen. An die hinterste stossen
die von der Anal aufwärts steigenden.
14) Chaetodon vagabundus Linn. Bloch 204. fig. 2.
Mit 6 Streifen vom Kopfe ausgehend, an die 6te schlies-
sen sich 11 von unten und hinten her kommend winkelig
an. Vom 8ten Dorne ein schwarzer Streifen, der sich nach
hinten verbreitet, über den Schwanz herabzieht und sich
zum Theil in die Anal versenkt; nächst diesem Streifen
ist die Dorsal gelb mit schwarzer in der Mitte bläulicher
Borde vom 8ten Dorne an bis zur Ecke der weichen Dor-
sal. Die ebenfalls spitzwinklige Anal mit schwarzer Borde,
die durch eine gelbe Linie von dem blassen Rande geschie-
den ist. Schwanz in der Mitte mit mondförmigem Fleck und
vor dem weisslichen Rande mit schwarzer Binde. D. 13/25.
A. 3/22. Afrika, Molukken, Otaheite.
15) Chaetodon pictus Forsk.
Mit schwarzen weichen Dorsal- und Analstrahlen.
Diese Art verhält sich zu vagabundus wieRüppel's au-
striacus zu vittatus. Die lichteren Querstreifen auf der
Stirn, die im Spiritus leicht verschwinden , können diese
Art nicht von decussatus unterscheiden, indem der vaga-
bundus ebenfalls mit lichteren Stirnstreifen abgebildet wird.
Renard I. fig. 126. D. 13/25. A. 3/21. Afrika, Asien, Mo^
lukken, Otaheite.
16) Ch. nesogallicus C. V. p. 63.
Gleicht sehr dem vagabundus, allein hat auf der Mitte
der weichen schwarzen Dorsal eine schwarze weiss umfasste
Ocelle. Nur eine wenig markirte schwarze Linie auf der
Basis des Schwanzes. D. 13/24. A. 3/22. Bourbon.
d. Mit Längsstreifen schwarzer Punkte.
17) Ch. miliaris Q. et G. Yoy. de Freyc. pl. 62. fig.5.
C. V. p. 26.
Schnauze wenig verlängert. Mit Reihen von grösse-
ren und kleineren Flecken auf gelblich weissem Grunde.
D. 12/22. A. 3/19. Sandwich-Inseln.
18) Chaetodon citrinellus Brouss. C. V. p. 27.
Renard L fig. 59.
Der Augenstreifen liegt viel schiefer, als bei der vo-
rigen und auf beiden Seiten weiss begränzt. Längs den
Ueber die Chaetodontidae. 155
Dorsaldornen ist der Rücken rothbraun. Die Anal mit
schwarzer Borde und einem gelben Streifen auf dem inne-
ren Rande der schwarzen Borde. Weder auf der weichen
Dorsal noch Schwanz mit Zeichnung. D. 14/21. A. 3/16.
Insel Guam, Otaheite, Molukken.
e. Fast einfarbig.
19) Chaetodon princeps C. V. p. 33. Ren. fig.58.
Mit sehr vorspringender oben concaver Schnauze.
Grundfarbe gelblich. Alle Schuppen gross und rhomboidal
und der Reflex der Ränder bildet ein Netz von breiten Ma-
schen. Die Augenstreifen fast senkrecht. Ein breites Band
auf dem weichen Theile der Dorsal zwischen zwei weissen
Linien. Anal mit weisser Borde vor einer schwarzen Linie.
Caudal mit schwarzem Bande, auf dasein weisses folgt mit
schwarzer Einfassung und grauem Rande. D. 13/21. A. 3/19.
Neu-Irland, Molukken.
20) Chaetodon bimaculatus Bl. pl. 219. 1.
Silberfarbig mit grauen Reflexen an den höheren als
breiten Schuppen. Der schmale Augenstreifen , Rücken
der Oberlippe, runder Fleck über der Lateral auf den er-
sten Strahlen der weichen Dorsal , eckiger Fleck am Win-
kel und Rande derselben schwarz. Augenstreifen oberhalb
der Augen an den Rändern, seitliche Oberlippe , Streifchen
bis zu den Nasenlöchern, Membran des Operkels , Wurzel
der Pectoral, von dem Ende der schwarzen Augenstreifen
an längs den Stacheln bis zu den weichen Dorsalstrahlen,
Schwanz, Caudal, Anal, Ventral schön hochgelb. Auf der
Caudal eine bläuliche Querlinie und grauer Rand. Auf der
Anal vor dem Rande eine bläuliche von beiden Seiten dun-
kel begränzte Linie. Nur die Pectoral neutralfarbig und
transparent. D. 12—13/21. A. 3/17. Süd -Amerika. Ein
prachtvoll erhaltenes Exemplar im Hamburger Museum.
Fünftes Genus Linophora Kp.
Mit der gestreckten oben concaven Schnauze und der
Zahnbildung der ächten Chaetodon zeigen sie einen mehr
oblongen Körper und haben die ersten Strahlen der wei-
chen Dorsal bis über den Schwanz hinaus fadenförmig ver-
längert. Von Eteira unterscheidet sie die Zahnstellung und
die drei Stacheln der Anal.
156 Kaup: lieber die Chaetodontidae.
1) Chaetodon auriga Forsk. , setifer Bl. 425,
sebaniis C. V. Seba 25. 11.
Mit sehr breitem Augenstreifen namentlich unter dem
Auge, wo er nach vorn weiss begränzt ist. Vom Kopfe
steigen 5 nach oben hin sich verbreitende schwarze Strei-
fen. Von der Anal aus steigen 8 — 9 schwarze Streifen auf-
wärts und schliessen sich wie bei vagabundus winkelig an
die letzte obere Linie an. Nach dem hinteren Theile hin
bilden sich noch durch kürzere Streifen vom Rücken und hin-
ten her kommend und durch längere Streifen vom Schwänze
her zwei mehr spitze Winkel. Der Rand der oberen
Strahlen der weichen Dorsal wie der abfallende Rand der-
selben schwarz. Fast im Winkel der weichen Dorsal die
ovale schwarze lichtblau begränzte Ocelle ; die fadenförmige
V^erlängerung grossentheils gelb. Anal mit feiner schwarzer
und einer weissen Linie vor der gelblichen Borde, die die
Grundfarbe der ganzen Anal hat. Caudal gelb mit drei
schwärzlichen Linien vor der grauen Borde. D. 13/24.
A. 3/21.
Forskai beschrieb seine auriga ohne Ocelle und auf
der Stirn mit 4 gelben Querbindchen. Er giebt 6 Streifen
statt 5 vom Kopfe ausgehend an. Afrika, Molukken.
Ich habe bis jetzt noch kein Exemplar ohne Ocelle
gesehen.
2) Chaetodon ephippium C. V. fig. 174.
Ohne Augenstreifen, schwarzer Fleck am oberen Rande
des Operkels. Vom 6ten Stachel an ein grosser schwarzer
Sattelfleck, der breit lichtbegränzt ist. Fünf parallel lau-
fende Streifen auf der Bauchseite. Den Faden bildet der
3te, 4te und 5te weiche Dorsalstrahl, den bei der vorigen
der 5te allein bildet. Anal und Dorsal nach dem Rande hin
mit schwarzen Linien. Caudal ohne Zeichnung. Molukken,
Olaheite. Zeigt dieselbe Radienformel.
3) Chaetodon principalis C. V. Ren. II. fig. 239.
Nach einer höchst rohen Zeichnung von Renard,
welche auf der weichen Dorsal und Anal einen grossen
weissgetüpfelten ^Fleck und auf dem Bauche Längsstreifen
zeigt. Bis dahin nicht wieder aufgefunden.
lieber Kalkablageruiig iu der Haut der Insecten,
Von
Franz Leydig
in Tübingen.
(Hierzu Taf. VII. Fig. 1, 2, 3.)
In der grossen Abtheilung- der Arthropoden enthält
die Haut der meisten Crustenthiere in bedeutender oder ge-
ringerer Menge Kalk, wodurch die Härte und Festigkeit
ihres Panzers in besonderem Maasse erhöht wird. Man be-
trachtet auch vom systematischen Gesichtspunkte aus diese
kalkige Beschaffenheit der Haut mit als ein wichtiges Un-
terscheidungsmerkmal zwischen Krebsen und Insecten; den
letzteren so wie den Spinnen scheinen solche mineralische
Einlagerungen durchaus zu fehlen. Ich habe indessen eine
recht merkwürdige Ausnahme kennen gelernt, von der ich
hier Anzeige zu machen mir erlaube.
Wer sich auch nur einigermassen mit der Athmung
der Insecten beschäftigt hat, der weiss von Fliegenlarven,
welche im Wasser lebend, eine fernrohrartig aus- und
einstülpbare , mit einem Borstenkranze versehene Athem-
rölire besitzen. Die bekannteste und wegen ihrer Grösse
zu Demonstrationen sich gut eignende Larve ist die von
StraUomys chamaeleon ; sie ist auch der Gegenstand unserer
Mittheilung. Die Larve lebt während des ganzen Sommers
in Pfützen und Wassergräben , namentlich in solchen gern,
welche mit vielen Pflanzen durchwachsen sind. Der treff-
liche S w a m m e r d a m m ■"* ) hat eine sehr vollständige
■"•) Bibel der IVafur. Uebersetzung, Leipzig 1752. S. 258 — 275.
Taf. XXXIX-XLII.
158 I.eydig:
Naturgeschichte von der Larve, Puppe und dem vollkom-
menen Insecte gegeben , trotzdem , dass er das Thier als
„eine Art von Geschöpfen" ansieht, „die mit der dunkeln
Decke des Fluchs umhüllt sind." Wenn unser holländischer
Zergliederer in der Einleitung zu der „sonderbaren Ge-
schichte" der abzuhandelnden Fliege auf „gar seltene und
unerhörte Dinge ," welche hier vorkommen , hindeutet, so
möchte sich das auch auf die Structur der Haut beziehen
lassen, zu der ich vorderhand bei Insecten kein weiteres
Beispiel kenne.
Beim Einschneiden in die Larve fiel es mir auf, dass
unter der Scheere die Haut schwach knirschte , wie wenn
sie kalkig incrustirt wäre : dies bestätigte sich schon inso-
fern, als ich zu einem abgetrennten Hautstücke Essigsäure
brachte und eine starke Gasentwickelung darauf erfolgte.
Unter dem Mikroskope nahm sich nun die Haut sehr eigen-
artig aus: sie war übersät mit scharf und dunkel gerande-
ten Höckern, die sofort nach ihrem Aussehen das Recht in
Anspruch nehmen konnten , für K a 1 k c o n c r e t i o n e n zu
gelten (fig. 1). Es lässt sich unter dem Mikroskope wahr-
nehmen, dass sie es sind, welche bei Zusatz von Essig-
säure Luftbläschen entwickeln, während sie dabei nach und
nach vollständig verschwinden. Die unversehrten Kalkcon-
cremente (fig. 1 a) sind 0,0057 — 0,00856'" gross; dazwischen
stehen da und dort einzelne grössere, welche etwa 0,0171
— ^0,02'" im Durchmesser haben. An der Bauchseite schei-
nen sie im Allgemeinen etwas kleiner zu sein als an der
Rückenfläche und fehlen sogar an den weichen Gelenk-
stellen der Körpersegmente; hingegen ist der Kopf um vie-
les harlschaliger geworden als der übrige Leib , da hier,
indem Concrement an Concrement stösst, gleichsam eine
zusammenhängende Incrustation erzeugt wird.
Sehen wir uns die Kalkconcremente näher an, so zei-
gen sie ein schaliges Gefüge, wobei die Blätter so geord-
net sind, dass jedes Concrement einen mittleren Fleck auf-
zeigt (vergl. fig. 1) , der eine Art Krater oder Lücke zwi-
schen den hier zusammenstossenden Kalklamellen vorstellt.
Hat man den Rand eines umgeschlagenen Hautstückes zur
Ansicht (fig. 3) , so zeigen die über die Haut vorspringen-
Ueber Kalkablagerung in der Haut der Insecten. 159
den Kalkhöcker (a) in ihrer Lage eine Richtung nach hin-
ten, ganz ähnlich wie Schuppen; auch scheinen bei dieser
Ansicht die Kalkhöcker einfach geschichtet. Betrachtet man
ein Hautstück von der inneren Seite, so tritt an den Kalk-
concrementen ausser ihrer schaligen Zusammensetzung noch
ein gewisses slrahliges Gefüge hervor. Ferner ist anzu-
geben, dass auch in den von den bisher ins Auge gefassten
grossen Kalkconcrementen freigelassenen Zwischenräumen
noch kleine körnige Kalkablagerungen sich vorhanden zeigen.
Natürlich musste man sich fragen, in welcher näheren
Beziehung die Kalkkörner zu den Elementen der Haut ste-
hen, ob Theile der letztern selbst verkalkt seien oder ob
die Höcker sich nur auflagern u. dergl. Hierüber erhielt
ich folgenden Aufschluss. Hautstücke, welche einen Tag
lang in Essigsäure gelegen waren, hatten keine Spur mehr
von den Kalkhöckern (fig. 2) , sondern anstatt derselben
überzog eine zellige Zeichnung die Oberfläche ; man glaubte
auf den ersten Blick zweifellose meist sechseckige Zellen
zu sehen mit Kern und Kernkörperchen. Prüft man aber
durch verschiedene Einstellung des Mikroskops die anschei-
nenden Zellen , so ergiebt sich, dass es Vertiefungen sind ;
der Ring, welcher den Nucleus (b) vorgespiegelt halte, war
gewissermassen ein zweiter Absatz in der trichterförmigen
Vertiefung und der Nucleolus (c) war die Stelle, wo die
Grube sich zum Porenkanale verengt hatte. Denn an Quer-
schnitten (flg. 3) wurde es klar, dass die geschichtete- Cu-
ticula (b) auch hier von starken Kanälen durchsetzt sei,
welche nach der freien Fläche hin sich erweiternd die
zellige Zeichnung hervorgerufen hatten. Die Kalkconcre-
mente sassen unmittelbar, in diesen Gruben , füllten sie
nicht nur aus, sondern überragten sie noch, die Hautfläche
zahn- oder schuppenartig bedeckend.
Zum Schlüsse dieser Mittheilung kann ich mir das
Vergnügen nicht versagen, wörtlich anzuführen, was unser
Swammerdamm über die Haut der obigen Larve ge-
sagt hat, da auch daraus von Neuem hervorgeht, ein wie
sorgfältiger Beobachter dieser Mann war. Seine Worte
sind : -die Haut kommt mehr mit den schäligen Thieren,
als mit der Würmer und Raupen ihrer überein. Sie ist
160 Leydig: lieber Kalkablagerung in d. Haut der Insecten.
ziemlich hart, und sieht wie Chagrinleder aus; folglich ist
sie mit unzählig vielen sehr kleinen und beinahe gleich
grossen Körngen wie besäet. Diese stehen so dichte an-
einander, dass man beynahe keinen leeren Zwischenraum
gewahr wird. Sie sind da merklich kleiner, wo die Ringel
des Bauchs zusammenlaufen , als auf der Mitten. Dieses
verursacht, dass das Fell daselbst schmeidiger ist und der
Wurm kann sich desto gemächlicher beugen und bewegen.
Betrachtet man diese Körngen aber mit einem Glase, das
die Vorwürfe am allermeisten vergrössert, so wird man erst
recht ihres Baues inne. Ich stelle ihn an einem kleinen
Stückgen besonders vor lig. 4 a. Man sieht daselbst das
Fell zwischen dem einen und dem andern Körngen mitten
inne, auf der Mitte sind sie am dicksten und ragen am
meisten hervor. Auf den Seiten oder Rändern scheint es,
als ob sie aus kleinen zusammeno-efü^ten Rino-eln bestün-
den, die mit verschiedenen unregelmässigen Spitzgen zu-
sammenstossen. Solches giebt ihnen eine grosse Festig-
keit. Sie sind hornbeinig und sehr stark, so dass ich ganz
nicht zweifle, man könne recht festes Holz, als z. E. Eben-
oder Palmenholz, im Drechseln mit diesem Fell poliren, so
wie man besagte Arten von Holz und Helfenbein mit Cha-
grinleder sehr wohl poliren kann."
Erklärung der Abhihluiigeii.
Taf. Vn.
Fig. 1. Hautstück der Larve von Stratiomys chaniaeleon im frischen
Zustande und von oben, Vergrösserung SOOnial.
a. Die Kalkkörner.
Fig. 2. Hautstück desselben Thieis von oben nach dem Auszug des
Kalkes durch Essigsäure, Vergrösserung SOOmal.
a. Zellige Sculptur, welche eigentlich aus trichterförmi-
gen Vertiefungen besteht, so das.?
b. einen Absatz oder Wulst in der Verticfing vorstellt und
c die Oeffnung des Porenkanals.
Fig. 3. Halbschematischer Durchschnitt durch die Haut.
a. Die Kalkkörner.
b. Die Culicula, in ihr die nach oben trichterartig erwei-
terten Porcnkauale.
Bithynis % ein neues Genus der langschwänzigen
Krebse.
Von
Dr. R. A. PhUippi
in Santiago.
Vor einigen Tagen fand ich bei einem Freunde einen
Korb voll getrockneter Krebse , welche man ihm von dem
Flusse la Ligua her geschickt hatte , und auf den ersten
Blick erkannte ich zu meinem Erstaunen , dass diese Krebse
noch nicht beschrieben sind, und einem neuen Geschlechte
angehören müssen. Ein grosser Theil der Beine, die Spitzen
der Fühler u. s. w. waren zwar abgebrochen, doch liess
sich das Thier noch vollständig untersuchen.
Der ganze Krebs ist hart, wie einAstacus, das Kopf-
bruststück ist auf dem Rücken von vorn nach hinten
massig gewölbt, ziemlich stark punktirt, übrigens glatt. Der
vordere Rand ist abgestutzt; die Stirn ragt in Gestalt einer
an den Seiten ganzrandigen, oben gekielten Spitze hervor,
welche so lang ist, wie das erste Glied der inneren Füh-
ler; der erwähnte Kiel hat oben 5 bis 6 stumpfe Zähnchen.
Zwischen der Augenhöhle und dem Ursprünge der äusseren
Fühler steht jcderseits noch ein kurzer Dorn. Das erste
Glied der inneren Fühler ist platt gedrückt etwa an-
derthalb Mal so breit wie lang ; sein äusserer Rand ist grad-
linigt ; hat etwas vor der Mitte einen kleinen Zahn und
endigt mit einem spitzen Zahne, der ziemlich weit über den
Ursprung des zweiten Gliedes hervorsteht. Dieses ist in der
inneren Hälfte des Vorderrandes und in einer Wölbung des-
selben eingefügt; es hat nach aussen und innen einen
*) Bid^wis, eine Nymphe.
Archiv f. Naturg. XXVI. Jahrg. 1. Bd. 11
162 Philippi:
langen Zahn und ist mit Einschluss dieser Zähne fast so
lang" wie der innere Theil des ersten Gliedes. Das dritte
Glied ist etwas kürzer als das zweite, und trägt die innere
Geissei auf einem Vorsprunge. Die äussere Geissei ist an
ihrem Ursprünge von einer dreieckigen Schuppe begleitet, und
in einer Strecke , etwa so lang wie das dritte Glied, einfach,
dann theilt sie sich aber in zwei Aeste, von denen der innere
(der mittlere der drei Geissein) der schwächere ist. Die
äusseren Fühler sind zur Seite der inneren und nur
wenig tiefer eingelenkt. Ihr erstes Glied trägt eine zwei-
gliedrige Schuppe , welche etwa zweimal so lang wie der
Stiel der äusseren, und den dritten oder vierten Theil län-
ger als der Stiel der inneren Fühler ist; das untere Glied
dieser Schuppe hat auf der Oberseite eine breite, seichte
Furche. Das zweite und dritte Glied dieses Stieles sind
kurz, beinah so breit wie lang. Die Geissei muss — nach
der Dicke ihres unteren Theiles zu urtheilen — wenig-
stens die Körperlänge erreicht haben. Die Augen sind
kurz gestielt und können sich nicht in die Augenhöhle zu-
rückziehen.
Die beiden ersten Fusspaare tragen Scheeren. Das
erste ist das dünnste und kleinste; die vier ersten Glie-
der sind so lang, dass sie fast die Spitze der Schuppe der
äusseren Fühler erreichen , und entsteht diese Länge na-
mentlich durch das vierte Glied ; die drei folgenden Glie-
der, welche das Thier — wie es scheint — zurückgeschla-
gen trägt , sind zusammengenommen ein wenig länger als
die vorhergehenden, und zwar ist das fünfte Glied so lang
wie das vierte mit dem halben dritten zusammen, die bei-
den letzten Glieder bilden eine kleine Scheere, deren Dau-
men und Index gerade sind. Die ersten vier Glieder sind
dicht mit spitzen Warzen besetzt, die folgenden glatter, die
Scheere stark behaart. Das zweite Fusspaar ist das
grösste von allen und ungleich: die linke Scheere ist län-
ger als der ganze Körper, die rechte etwa so lang wie der
hinter ihrer Insertion liegende Theil desselben; im übrigen
sind beide gleich gebildet und überall dicht mit stumpfen
Dörnchen besetzt. Bis zum vierten Gliede nimmt die Länge
und Dicke der Glieder allmählich zu; das fünfte Glied ist
Bithynis, ein neues Genus der langschwanzigen Krebse. 163
das dickste, beinah verkehrt kegelförmig, jedoch aussen
mehr grade, innen mehr convex. Die linke Hand ist bis
zum Ursprünge des Daumens so lang wie das Kopfbrust-
stück und ziemlich walzenförmig; die Finger sind wenig
kürzer, gleich dick, cylindrisch, aber innen mit einer Reihe
entfernter, stumpfer, kurzer, cylindrischer Höcker, etwa
5 — 7 an der Zahl, besetzt, die sich beim Schliessen der
Scheere nicht berühren, indem die Spitzen der Finger sich
nach innen hakenartig umbiegen. Die Dornen, welche die
ganze Scheere bedecken, verwandeln sich gegen die Spitze
derselben in schief nach vorn gerichtete, stumpfe Höcker.
Die rechte Scheere ist kaum halb so lang wie die linke,
sonst ähnlich gebildet. Die folgenden Fusspaare
nehmen allmählich an Länge ab und enden mit einer ein-
fachen Klaue; sind ebenfalls dicht mit scharfen Höckern
besetzt, welche auf der inneren Kante des zweiten, dritten
und vierten Gliedes länger und spitzer und daher wahre
Dornen zu nennen sind. Der Hinterleib ist unbedeu-
tend länger als das Kopfbruststück, nicht zusammengedrückt,
sondern halbcylindrisch, und wenn er nach unten umgebo-
gen ist, zeigt er von vorn nach hinten eine gleichmässige
Rundung. Er ist glatt, ohne alle Furchen und Höcker ; das
Endglied ist stumpflich, so lang wie das vorhergehende
Glied, über der Basis mit einem Grübchen versehen, in
dehi kurze Haare stehen, nach der Spitze hin stehen zwei
Paar Zähnchen. Die Flossen sind länglich oval, wie es
scheint nur kurz gewimpert , grobpunktirt; die äussere
zweigliedrig. Die äussern Kaufüsse reichen bis an
das Ende der Schuppe der äusseren Fühler; sie sind beinah
cylindrisch, mit Bündeln von Borsten besetzt und enden in
eine spitze, schwach gekrümmte Klaue; ihr zweites Glied
ist so lang wie die folgenden zusammengenommen und nach
innen gebogen, so dass die übrigen Mundtheile frei gese-
hen werden können. Die Geissel ist platt und so lang wie
dieses zweite Glied. Beim zweiten Kaufüsse ist das vor-
letzte Glied in zwei gleiche Lappen gelheilt. Der obere
ist nach innen gewimpert und dem letzten Gliede ähnlich,
aber mit schneidender Kante , während dieses eine abge-
stutzte, breite Kante trägt; sein Taster ist breit und beinah
164 Philippi: Bithyiiis, ein neues Genus d. langschw. Krebse.
röhrenförmig. Die übrigen Mundtheile haben mir nichts
Auffallendes dargeboten.
Länge des Kopfbniststücks der Bithynis 3 Zoll; Breite des-
selben 1% Zoll.
„ „ Hinterleibes 3 Zoll 4 Linien ; Breite desselben
13 Linien.
„ „ ersten Fusses 3 Zoll.
„ „ zweiten Fusses der linken Seite 9 Zoll 3 Linien.
„ der Hand allein 5 Zoll; Breite derselben 1 Zoll 4 Li-
nien; Länge der Finger 2 Zoll 8 Linien.
„ des zweiten Fusses der rechten Seite 4 Zoll 6 Linien.
„ „ dritten Fusses c. 4 Zoll.
Ich bekenne, dass ich nicht weiss, in welche Abthei-
lung der langschwänzigen Krebse ich dies Thier bringen
soll. Grösse, Härte der Schale, Stirn des Kopfbruststückes
erinnern an die Astaciden, von denen unsere Bithynis sich
durch die grosse Schuppe des Stieles der äusseren Fühler
unterscheidet. Von den Crangoniden unterscheidet es
sich durch die Bildung der ersten Fusspaare, von den Pa-
lämoniden durch die Bildung des Stirnschnabels, von
den Penäiden durch die des Hinterleibes u. s. w. Zu den
Alpheiden kann man sie aber auch nicht wohl rechnen.
Ich muss es den Naturforschern, denen eine reiche geordnete
Sammlung und mehr Literatur zu Gebote steht, überlassen,
die Stellung dieses neuen Krebses im Systeme genauer zu
bestimmen. Vielleicht gelingt es mir, besser erhaltene und
sogar frische oder in Weingeist aufbewahrte Exemplare zu
untersuchen.
Der Art habe ich vorläufig den Namen Bithynis lon~
gimana gegeben.
Santiago de Chile, den 20sten April 1860.
lieber Distoma appendicnlatum R.
Von
Dr. G. R. Wagener.
Briefliche Mittheilung an Prof. Dr. R. Leiickart.
(Hierzu Taf. VIII und IX.)
Die Angaben über Distoma appendicnlatum, unter wel-
chem Artnamen sehr verschiedene Species von den Auto-
ren verstanden werden, sind sehr lückenhaft.
In den nachfolgenden Zeilen soll versucht werden,
die Arten genauer zu bestimmen , woraus sich von selbst
ergeben wird , dass der einziehbare Schwanztheil dieser
Thiere *") in allen bis jetzt bekannten Arten in nichts einem
Cercarienschwanze ähnlich sieht, und da sich bis jetzt im-
mer mit seinem Auftreten eine grosse Gleichförmigkeit in
der Organisation dieser Distomenarten vorfand, man füg-
lich diese merkwürdigen Formen im Systeme zu einer
Gruppe vereinigen kann, wie es vonDujardin (Hist. nat.
des helminthes pag. 420) schon geschehen ist (jedoch mit
Ausschluss von Dist. excisum (1. c. p. 430), das er mit D.
nodulosum, laureatum, Gasterostoma fimbriatum (= D. cam-
panula) in die Untergattung Crossodera stellt).
Die nachstehenden Angaben beruhen theils auf Un-
tersuchung ganz frischer Exemplare theils auf Vergleichung
der in der Rudolphi'schen Sammlung sich vorfindenden Spe-
cies, welche letztere mit dankenswerther Bereitwilligkeit
vom Director des hiesigen zoologischen Museums, Prof. Dr.
Peters, mir zu diesem Zwecke überlassen wurden.
") Diesing benützt ihn nicht als Eintheilungsgründ in seinem
S'yst. 'helminthum. •. • •. .-^ . . *
166 W a g c n e r :
Es sind bis jetzt nur vier Distömenspecies mit zu-
rückziehbarem Schwänze bekannt:
1) Distoma ventricosum R.
2) Dist. excisum R.
3) Dist, iornatum R.
4) Disl rufoviride R.
Alle übrigen, welche noch von Rudolph i und D u-
jardin als Distomen mit zurückziehbarem Schwänze auf-
geführt werden, sind entweder auf die oben genannten zu-
rückzuführen oder aber sie haben gar nichts mit dieser
Thiergruppe zu thun.
1. Distoma ventricosum R.
Fundort. Der Magen vieler Clupeiden.
Leeuwenhoek fand es dort zuerst, später auch
Herrmann. —Von Rudolphi ist es als Distoma appen-
diculatum, ocreatum, crenatum , ventricosum beschrieben
worden. In seiner Synopsis Hess er den vorletzten Namen
eingehn, das darunter bezeichnete Thier auf D. appendicu-
latum beziehend.
Dujardin (1845 I.e.) beschreibt dasselbe Thier un-
ter Dist. appendiculatum , unter Dist. ocreatum dagegen
giebt er die Charakteristik Rudolph i*s.
Mayer (Beiträge zur Anatomie der Entozoen 1841)
beschreibt das Thier ebenfalls unter dem Namen von D.
appendiculatum.
Eysenhardt (Verhandl. d. Gesellsch. naturf. Freunde
in Berlin 1829. p. 148) will dies Distom mit den anderen
Appendiculaten , welche er zusammen als eine Species D.
varium ansieht, identificiren.
Von Busch (Beobachtungen über niedere Seethiere
p. 99. Taf. XV. flg. 13) ist in neuerer Zeit eines Distomes
unter dem Namen D. crassicaudatum in Sagitta lebend er-
wähnt. Das noch nicht geschlechtlich entwickelte Thier
sieht in der Abbildung einem Dist. ventricosum, das seinen
Schwanz eingezogen hat, in allen Beziehungen sehr ähnlich.
Grösse des erwachsenen Thieres ungefähr 5 Mm.
Pie Form seines Körpers ist cylindriscb. VoUstäa-
lieber Distoraa appendiculatum. 167
dig" ausgestreckt, setzt sich der Schwanz des Thieres durch
einen Einschnitt vom Körper ah. — Mit eingezogenem
Schwänze erscheint der Hinterleib des Thieres geschwol-
len und dunkel. — Der Hals des Thieres spitzt sich nach
dem Kopfe hin zu. Die Bauchseite zwischen den beiden
Saugnäpfen ist ausgehöhlt.
Die Farbe des frischen Thieres ist bei durchfallen-
dem Lichte grünlich.
Die Saugnäpfe. Der Kopfnapf ist bedeutend klei-
ner als der Bauchnapf. Letzterer ist am Rande von einer
Reihe kl^einer Erhabenheiten umgeben, welche von der äus-
seren structurlosen Haut gebildet werden.
Die Haut des Thieres ist dick. Sie ist in etwas sich
deckende Querfalten mit scharfem freien Rande gelegt, da-
her erscheinen die Conturen des Thieres gezackt.
Die Querfalten werden nach dem Hinterleibsende zu
immer kleiner. Auf dem einziehbaren Schwänze sind sie
ganz verschwunden. Die Haut des Thieres erscheint dort glatt.
Die Haut selber erscheint ganz structurlos. Selbst
die feine epitelartige oder netzförmige Zeichnung, die man
sehr schön auf der Haut von Dist. megastomum und tere-
ticolle sieht, die sich auch vielleicht auf stumpfe kurze Pa-
pillen beziehen lässt, Hess sich nicht aufweisen.
Unter der Haut liegt noch eine Schicht von schief
sich durchkreuzenden Fasern, welche den Falten
der Oberhaut nicht folgt.
Dieser von v. S i e b o 1 d Corium genannten Schicht folgt ;
Die Muskulatur. Als erste Schicht derselben er-
scheint eine starke Lage von Querfasern, worauf eine nicht
ganz so starke Schicht von Längsfasern folgt.
Diese beiden Schichten bilden einen Schlauch, der die
Eingeweide enthält und im Schwänze öfters stark querge-
runzelt ist.
Dieser Schlauch enthält bei vielen Trematode n eine
klare Flüssigkeit, in welcher die Eingeweide zu schweben
scheinen. In diesen Fällen sieht man häufig zellenartige
Körper mit Ausläufern nach allen Richtungen , welche sich
an die Eingeweide und an das Gefässsystem befestigen. Die
Form dieses Gewebes erinnerten junges Bindegewebe. Nach
168 Wagen er:
dem Vorgange Vir chow's fasstWalter (Archiv für Natur-
gesch. 1858. Beiträge zur Anatomie und Histologie einzel-
ner Tremaloden I. Bd. p. 287) diese s. g. Saftzellen als ein
Canalsystem auf, in dem Circulation stattfindet und erwei-
tert noch diese Anschauung dadurch , dass er das Ange-
heftetsein der Ausläufer dieser Bindesubstanzzellen an das
Excretionsorgan für eine Communication mit demsel-
ben ansieht ■*"*).
Bei Dist. ventricosum gehen innerhalb des Schlauches
nicht weit unterhalb des Bauchnapfes beginnend, viele Bün-
del von Muskelfäden von der ganzen Peripherie herkom-
mend ab, welche sich nach unten hin begeben und die Zu-
rückzieher des Schwanzes zu sein scheinen. Sie verlieren
sich nämlich gerade an der Einschnürung, welche den zu-
rückziehbaren Schwanz vom Körper des Thieres abgrenzt.
Sie scheinen losgelöste Faserzüge der zu innerst gelegenen
Längsmuskelschicht zu sein.
Die Verdau ungs Organe. Der kuglige Schlund-
kopf geht unmittelbar in den Kopfnapf über.
» Der dickwandige Schlund (den Dujardin übersah)
theilt sich nach kurzem Verlaufe dicht über dem Bauch-
napfe in die leicht wellig zu beiden Seiten des Thieres her-
ablaufenden Blinddärme. Diese folgen genau den äusseren
Conturen des Thieres , indem sie auch beim Schwanzan-
satze wie diese eine Einbiegung in ihrem Verlaufe erfah-
ren. Im Schwänze selber erreichen sie nicht ganz die
Schwanzspitze.
Das Excretionsorgan besteht aus einem langen auf
der Schwanzspitze ausmündenden Stamme , der etwas über
der Hälfte des Thieres sich in zwei Arme theilt , welche
mehrere Biegungen machend sich auf der Rückseite des
'•■) In der eben citirten Mittheilung Walters wird die Aus-
mündiing des Excretionsorgans als in der Mitte des Schvvanznapfes
liegend angegeben. Dass sie auf dem Rücken des Thieres dicht
über dem Rande des Schwanznapfes liegt, geht allein schon
daraus hervor , dass bei der Cerkarie dort der Schwanz sich anfügt.
Am erwachsenen Thiere lässt sich dort auch die Oeffnung mit einer
starken Lupe aufweisen. - ■ -
lieber Distoma appendiculatum. V69'
Schlundkopfes zu einer Schleife vereinigen, wie schön
V. Siebold hervorhob.
Die Wandungen des Excretionsorganes haben, wie die
des Darmes , deutliche Doppelconturen. Ihre Innenfläche
ist häufig mit dunklen Körnern dicht besetzt, welche fest
ihnen anhaften, während andere frei in der das Excretions-
organ ausfüllenden durchsichtigen Flüssigkeit schweben und
durch die Contractionen des Thieres bewegt werden.
Eigenthümlich ist dem Stamme des Excretionsorganes
das Vermögen entweder regelmässige Varicositäten zu bil-
den oder seine Wandungen in feine sehr regelmässig lie-
gende Falten zu legen.
DieLage d es Excr e t i ons organ es. Im Schwänze
verläuft es in der Mittellinie desselben. Im Körper dage-
gen tritt es der Bauchseite sehr nahe, so dass fast alle
Windungen des Eileiters auf seiner Rückseite zu liegen
kommen. Wo er sich theilt nehmen die beiden Arme wieder
die Richtung nach der Rückseite des Thieres , so dass die
beiden Arme die letzten Glieder des Geschlechtsapparates
umfassen.
Die Geschlechtsorgane.
Die Eiweissdrüse früher Dotier stock genannt.
Sie erscheint in Form zweier dunkler oder weisser (je
nach der Beleuchtungsart) quer liegender ovaler Säcke, die
ziemlich in der Mitte des Thieres auf der Bauchseite zu
sehen sind. In der Mittellinie des Thieres berühren sie
sich fast.
Ihr Inhalt besteht aus Zellen , deren Kerne ziemlich
dicht mit fetttropfenartigen Bildungen bedeckt ist.
Die sehr kurzen Ausführgärige dieser Drüsen gehen
etwas nach der Rückenseite des Thieres hin. Dort verei-
nigen sie sich sogleich mit dem Ausführungsgange des
durchsichtigen kugligen Eierstockes.
Der Eierstock ist ebenfalls ein ovaler mit Zellen
gefüllter Sack , fast von der Grösse des halben Eiweissor-
ganes. In seinem dem Rücken des Thieres zugekehrten
Grunde sieht man die kleinsten Zellen seiner Wand zu-
nächst liegen. Der helle den Keimfleck umgebende Hof
erscheint am spätesten. Er liegt gerade in der Mittellinie
170 Wagen er:
des Thieres dicht über und auf der Rückseite der Eiweiss-
stöcke.
Bei anderen Distomen lindet sich am Zusammenflusse
dieser Organe die s. g. Vesica seminalis externa , die man
als eine Aussackung des Eileiterantangs ansehen kann. Bei
dieser Distomenspecies und ihren bis jetzt bekannten Ver-
wandten fehlt diese Aussackung stets. Man sieht Zoosper-
men an der Stelle des Zusammenflusses des Eiweissslockes *"*)
mit dem Eierstocke lebhaft die Produkte beider Drüsen
durcheinander treiben.
Der Eileiter oder Eier gang ist als der gemein-
schaftliche Ausfüjirgang aller zum Geschlechtsorgansysteme
wesentlichen Drüsen anzusehen. Er enthält das befruchtete
Ei mit allem für die Entwickelung des Embryo nöthigen
Zubehör.
In neuerer Zeit ist von R. Leuckart der direkte
Zusammenhang der Hoden mit dem Anfange des Eileiters
in Abrede gestellt.
Es ist nicht zu leugnen, dass dieser Anschauung die
Verbindung der Hoden mit der Vesica seminalis externa
und das Vorhandensein eines Penis , einen wesentlichen
Stützpunkt bietet im Vergleiche zu der von v. Siebold
vorgetragenen Ansicht in der für die Erkenntniss der Or-
ganisationsverhältnisse der Trematoden Epoche machenden
Anatomie des Distoma globiporum.
Es ist die Möglichkeit zuzugeben, dass es so, wie R.
Leuckart angiebt, in vielen Fällen sein kann.
So wie V. Siebold den Zusammenhang der Hoden
mit dem Anfange des Eileiters bei D. globiporum darstellt,
sah ich ihn auch bei einem Dislom, was Rudolphi schon
gesehen hat und unsicher auf Distoma fallax bezog. Mit
diesem hat es indess nur eine sehr geringe Aehnlichkeit,
da ihm der den Kopfnapf des D. fallax umgebende Stachel-
kranz fehlt. Beide Distomen kommen in üranoscopus scaber
zuw^eilen zusammen vor und zwar besonders im oberen
Theile des Darmes.
*) Diesen INamen gab Reichert diesem Organe, das mit dem
^'araeu Ootterstock nicht mehr belegt werden kann.
Ueber Distoma appendiculatum. 171
' Der Verlauf des Eileiters ist folgender: das
Rohr entsteht etwa in der Längsaxe des Thieres, wie schon
gesagt, zwischen den Eiweissdrüsen und dem Eierstocke. Es
wendet sich sodann, je nach seiner AnfüIIung, in mehr oder
minder zahlreichen kurzen Windungen zur Seite ziemlich
dicht an der unteren Grenze der Eiweissdrüse hinge-
hend , kehrt sodann wieder nach der Mittellinie zurück und
steigt jetzt häutig secundäre Schleifen bildend zum Schwänze
herab.
Bis hieher liegt der Eileiter der Bauchseite des Thie-
res sehr nahe.
Nachdem das Rohr ungefähr das erste Drittel der
Schwanzlänge durchwandert ist, wendet es sich aufsteigend
auf die andere Seite des Thieres, den Stamm des Excre-
tionsorganes auf seiner Rückseite liegen lassend.
Immer secundäre Schleifen bildend, nähert der Eileiter
sich immer mehr der Rückseite des Thieres , bis er über
den Eiweissstock zu liegen kommt.
Hier geht er plötzlich mit einer grossen Windung an
der unteren Seite des Eierstockes vorbei zur anderen Thier-
hälfte über und füllt in kurzen quer durch das Thier ge-
lagerten zahlreichen Windungen den ganzen Raum aus, der
ihm vom Darme , den unter dem Rücken liegenden Hoden
und dem der Bauchseite anliegenden Stamme des Excre-
tionsorganes gelassen wird.
Unter dem oberen Hoden steigen seine Windungen
wieder in die Höhe. Auf seiner Rückseite ruht die Yesica
seminalis externa. Nach und nach werden seine Windun-
gen kürzer und bald dicht unter dem Rücken des Thieres
sich hinziehend, wendet er sich kurz vor der auf der Bauch-
seite liegenden GeschlechtsöfTnung herab. Dort mündet er
aus unter der Schleife des Excretionsorganes mit dem Penis
zusammen sich hinziehend.
Die Hoden sind zwei kuglige schief nach innen und
dicht über einander liegende Organe , welche sich unter
dem Rücken lagern.
Ihnen schliesst sich eng die über ihnen liegende Ve-
sica semnaäs externa an, welche, zuweilen in jwei TheUe
yf2 Wägen er:
geschnürt, mit dem Penis zusammen in einem Beutel sich
befindet '''').
Der Penis ist sehr lang und macht in seinem Ver-
laufe zahlreiche Schleifen.
Der Sack, in dem er liegt, folgt ihm in seinen Win-
dungen nicht, sondern überbrückt direkt die welligen Aus-
weichungen.
Die dadurch entstehenden Zwischenräume sind von
einer fasrigen , zuweilen zellig erscheinenden Masse aus-
gefüllt, deren Bedeutung unerklärt blieb. Es findet sich
dieses Gewebe, das oft an s. g. einzellige Drüsen erinnert,
in dem Cirrusbeutel einer Menge Distomen.
Den Penis ausgestülpt zu sehen, ist bis jetzt nicht ge-
lungen. Seine Oberfläche ist mit glänzenden schon von
Dujardin bemerkten Knötchen besetzt, deren ich ungefähr
sechs Längsreihen zählte. Sie werden nach der Spitze des
Penis zu kleiner. Kurz vor dem Austritte des Penis und der
Geschlechtspapille, die dicht am unteren Rande des
Kopfnapfes sich befindet, hören die Knötchen auf. Es tre-
ten an deren Statt feine Querstreifen. Dann scheint der
Eileiter mit ihm in einen gemeinschaftlichen Vorhof auszu-
münden, dessen Wand fein punktirt erscheint.
Dieser Vor ho f hat seine Ausmündung in der Ge-
schlechtspapille.
Die Eier des Distoms sind, wie die seiner Verwand-
ten, sehr klein. Einzeln erscheinen sie fast farblos mit
leichtem gelblichen Anfluge. In Massen sind sie schön
röthlich gefärbt.
2. Distoma excisumB..
Fundort. Dieser Trematode findet sich im Magen
verschiedener Scomberarten. Er ist von Rudolph! zu-
erst gefunden und beschrieben worden.
■"■) V. Siebold giebt p.l43Anin.9. seines Lehrbuchs der vergl.
Anatomie bei D. appendiculatum mehrere Hoden als vorhanden an.
Dies ist sicher nicht der Fall. Keins der mir bekannten Appendicula
hat- mehr wie zwei- Hoden. ~
lieber Distoma appendiculatum. 173
Die Grösse des Thieres erreicht etwa 11 Mm. Sein
Querdurchmesser noch nicht 1 Mm.
Die Form des Körpers ist im Allgemeinen cylindrisch.
Bei vollständiger Streckung setzt sich, wie bei der vorigen
Art, der Schwanz durch einen tiefen Einschnitt vom übri-
gen Körper ab. Der Hals ist rund, ohne Aushöhlung auf
der Bauchseite.
Der Körper des Thieres ist durch drei Anschwellun-
gen ausgezeichnet. Die oberste umfasst den Raum zwi-
schen den beiden Saugnäpfen ; die mittlere ist dicht unter
dem Bauchnapfe am stärksten; die letzte und unterste ist
am meisten entwickelt. Sie umfasst das letzte Drittel des
Leibes bis zum Ansätze des Schwanzes. Ist letzterer einge-
zogen, so ist die Anschwellung sehr stark.
Die Farbe des frischen Thieres ist grünlich, wie bei
Dist. ventricosum geben die Windungen des stark mit Eiern
erfüllten Eileiters dem Thiere ein rothgelbes Ansehn. Es
ist möglich, dass die grünliche Farbe durch die letztere
erscheint.
Die Saugnäpfe. Der Kopfnapf ist noch einmal so
gross als der Bauchnapf. Er zeichnet sich durch zwei
Einschnitte an seiner Bauchseite aus , welche einen koni-
schen Zapfen begrenzen, dessen Spitze die GeschlechtsöfF-
nung trägt.
Die Haut des Thieres zeigte ebenfalls keine Structur,
doch ähnelt sie durch die etwas sich deckenden scharf ge-
randeten Falten, wodurch die Ränder des Distomes wie ge-
sägt erscheinen, sehr der Haut von Distoma ventricosum.
Diese Falten finden sich bei dieser Species auch auf dem
Schwänze, wenn auch weniger ausgeprägt.
Die Muskulatur ist ebenfalls der vorigen Species
sehr ähnlich.
Die Verdauungsorgane. Der Schlundkopf ist
sehr stark, lang und fast cylindrisch.
Legt man die lebendigen Thiere ins Wasser, so springt
meist mit einem Rucke der Kopfnapf los und an ihm hängt,
wie ein Stift, der herausgerissene Schlundkopf.
Ein Schlund war nie sichtbar. Die beiden Darmschen-
kel schliessen sich unmittelbar dem starken Schlundkopfe
l74 W a g e n e r :
an. Sie steigen seitlich neben dem Schlundkopfe wie zwei
hohe Schultern in die Höhe, den Raum zwischen Schlund-
kopf und Leibesvvand ausfüllend. Dann erst gehen sie
herab mit leisen Schwankungen in ihrem Verlaufe der Kör-
percontur folgend.
Die Wände des Darmes bilden so wenig wie die der
vorigen Species Anschwellungen und Ausbuchtungen, wie
sie der Darm verschiedener anderen Distomen, so Distoma
veliporum, zeigt *"*). Die blinden Enden des Darmes er-
reichen fast die Schwanzspitze.
Das Excretionsorgan bildet auch bei dieser Art
einen Stamm m.it zwei zu einer Schleife sich vereinigen-
den Armen. Seine Ausmündung liegt auf der Schwanz-
spitze. Sein Stamm steigt in der Axe des Schwanzes ge-
rade in die Höhe. Seine Wandungen zeigen meist eine
Menge dicht und ziemlich regelmässig angeordneter kleiner
Ausbuchtungen, welche ihm das Aussehen eines knorrigen
Stockes geben. An seinen Wänden sitzen dunkle kleine
Körnchen fest, welche ihn bei auffallendem Lichte schnee-
weiss erscheinen lassen.
Sobald der Stamm den Schwanz verlässt, wendet er
sich in seinem weiteren Verlaufe der Rückseite des Thie-
res zu. Seine Ausbuchtungen der Wände werden gerin-
ger und hören endlich ganz auf. Die Theilung tritt unge-
fähr am Ende des ersten Drittels der ganzen Thierlänge
ein. Die Schleife liegt auf der Rückseite des Kopfnapfes.
Die Geschlechtsorgane. Auf der Rauchseite
fallen gleich acht mannigfach gewundene unverzweigte
weisse Schläuche^ auf, die auf einen Punkt sich vereinigen.
Dies ist die Eiweissdrüse. Sie liegt dicht unter den Rauch-
decken. Unter denselben sich hinwindend, umgreifen diese
Schläuche nach beiden Seiten hin symmetrisch sich verthei-
lend den Darm und von einigen lassen sich die blinden
Enden bis unter die Rückenhaut verfolgen. Hiren Inhalt
bilden fetttropfenartige meist um blasse Kerne vereinte
■") Der bluthaltige Dann von Dist. nigroflavum zeigt so starke
Ausbuchtungen, dass man an den verzweigten Darm von Dist. hepa-
ticum erinnert wird, oder an den der Polystomeen.
lieber Distoma appendiculatum. 175
Gebilde, wie man es gewöhnlich in diesem Organe auch bei
anderen Trematoden findet.
Der Eierstock liegt gleich hinter der Vereinigungs-
stelle dieser Schläuche ; er ist kuglig und der Axe des
Thieres mehr genähert.
Der Eileiter hat ebenfalls keine Vesica sem. interna,
obgleich man Zoospermen in seinem Ursprünge sich be-
wegen sieht. Sein Verlauf ist im Wesentlichen genau so,
wie er oben bei Dist. ventricosum auseinandergesetzt wurde.
Abgesehen von den secundären Windungen , welche je
nach der Anfüllung des Eileiters mannigfachen Schwankun-
gen unterliegen , steigt er erst nach unten herab bis un-
gefähr zur halben Länge des Schwanzes. Er hält sich da-
bei dicht an die Bauchseite, dem Stamme des Excretions-
organes seine Rückseite zuwendend. Dann geht er den
Weg auf der anderen Seite des Thieres wieder zurück.
Kaum hat er den Scliwanz verlassen, so wendet er sich der
Rückseite des Thieres zu. Seine kurzen quergelagerlen
Windungen lassen Eier- und Keimstock auf ihrer Bauch-
Seite liegen.
Zwischen Hoden und Eierstock füllen sie den leerge-
büebenen Raum nicht ganz aus, weichen an beiden Hoden
seitlich aus und gehen in immer kürzer werdenden Win-
dungen nach oben immer an der Rückenseite des Thieres
sich haltend.
In der Höhe des Schlundkopfes tritt der Eileiter zwi-
schen den Darmschenkeln herab zur Bauchseite, den Darm
auf der Rückseite lassend und steigt zum Bauchrande des
Kopfnapfes empor, wo er in der oben bezeichneten Ge-
schlechtspapille mit sammt dem Penis ausmündet. Kurz
vor seiner Ausmündung scheint der Eierschlauch seine
Structur zu verändern. Eine deutliche Längsfaserschicht
tritt an seiner äusseren Fläche auf und auf der Innenfläche
seines Rohres erscheinen Knötchen, ähnlich denen des Pe-
nis von Dist. ventricosum. Dieser Schlauch mündet in
einen anderen sehr dickwandigen ein, der mit dem des
Penis sich verbindet und der stark gerunzelt ist. So schien
es zu sein.
Die beiden Hoden sind kuglig. Sie liegen schief
176 W a g e n e r : -
Übereinander der Mittellinie des Thieres zu geneigt und dich't
unter dem Rücken.
Wie bei so vielen anderen üistomen entwickeln sich
die in der Mitte des Organes gelegenen Zellen zuerst zu
Samenfäden. Es entsteht hiedurch der Anschein, als hätten
die Hoden ein Epitel.
Der Penis ist sehr lang. Seine Samenblase ist bei-
nahe so gross wie die Hälfte des Penis, der Grund dersel-
ben liegt auf dem ersten Hoden. Der Sack, der den Penis
und die Samenblase umhüllt, schiiesst sich gewöhnlich nicht
dicht an letztere an und enthält auch zellenartige Körper.
Der Penis liegt in seinem ganzen Verlaufe der Rückenseite
sehr nahe. Er tritt zwischen die Darmschenkel hindurch
zur Geschlechtspapille.
Die Eier von D. excisum sind sehr klein, einzeln
wenig gefärbt, in Massen übereinander liegend stark rothgelb.
3. Distoma tornatum Rudolphi *'"').
Rudolphi erhielt diese Art zuerst von Ol fers aus
Coryphaena equisetis, späterhin von Natter er aus Cory-
phaena hippuris.
Fundort. Wie seine Verwandten im Magen von
Coryphaena-Arten.
Die Grösse des erwachsenen Thieres ist 12 Mm. bei
einer Rreite von ungefähr 1 Mm.
Die Form des Körpers ist cylindrisch. Der Hals ver-
jüngt sich nach dem Kopfe zu. Der Interporalraum ■'""*"') ist
etwas ausgehöhlt. Der zurückziehbare Schwanztheil ist fast
noch einmal so lang als der eigentliche Körper. Etwas
über seiner Mitte wird er durch eine Ringfurche in zwei
Theile gctheilt.
Farbe im frischen Zustande ist nicht bekannt.
Die Saugnäpfe. Der Bauchnapf ist noch einmal so
gross als der Kopfnapf.
""■) Ist nur an Weingeistexemplaren untersucht worden.
'■•") So nenne ich in der Kürze denjenigen Theil der Bauchseite,
der zwischen den Saugnäpfen liegt.
Ueber Distonia appendiculatuni. 177
Die Haut des Thieres ist dick und in scharfgeran-
dete sich etwas deckende Falten gelegt. Sie hören plötz-
lich an der Schwanzöffnung des Oberkörpers auf. Der
lange Schwanztheil erscheint ganz glatt.
Die M u s k u 1 a t u r bot Nichts bemerkenswerthes.
Die Verdauungsorgane beginnen mit einem ver-
hältnissmässig kleinen kugligen Schlundkopfe, der sich un-
mittelbar dem Kopfnapfe anschliesst. Hierauf folgt ein kur-
zer ihn an Länge nicht übertreffender Schlund. Die bei-
den Darmschenkel, in die er leitet, sind weite Röhren mit
zuweilen unregelmässig ausgebuchteten Wandungen. Sie
folgen in ihrem Verlaufe den Körperconturen, immer der
Rückseite näher liegend. Vro die Hauptmasse der Gene-
rationsorgane liegt, weichen sie mit drei Windungen, de-
ren oberste die stärkste ist, nach dem Rücken hin aus. So
wie die beiden Blinddärme in den Schwanz des Thieres
eintreten, bietet ihr Verlauf nur geringe Schwankungen dar.
Ihre blinden Enden gehen bis in die äusserste Schwanzspilze
hinein.
Das ExG retionsorga n bildet einen langen dünnen
Stamm, der sich deutlich, in der Längsaxe des Thieres ver-
laufend , bis an den Körper des Thieres verfolgen liess.
Dort verdeckten ihn die zum Geschlechtsapparate gehörigen
Organe. Doch liess sich zwischen Vesica sem. externa
und dem ersten Hoden bei vielen Exemplaren ein starker
durchsichtiger sich theilender Schlauch seilen, der auf der
Rückseite des Darmes zu liegen schien und zum Kopfe
aufstieg. Jedenfalls bezieht dieser Schlauch sich auf das
Excretionsorofan.
Die Geschlechtsorgane. Auf der Bauchseite,
dicht über der Einzugsstelle für den Schwanz , sieht man
eine Figur , welche an eine Ophiure errinnert. Es sind
sechs lange unverästelte mannigfach^sich vdndende Schläu-
che, welche von einem Punkte in der Milfellinie des Thie-
res ausgehen.
Es ist dies die Ei w eiss drüs e. Drei ihrer Schläu-
che ziehen weit hinab in den Schwanz, während die ande-
ren dicht unter der Haut hinwegglcitend über den Darm
nach dem Rücken sich hin begeben.
Archiv f. Nalurg. XXVI. Jahrg. 1. Bd. 12
178 W a g e n e r :
Der Eierstock ist ein kugliges Organ, Er liegt der
Rückseite näher. An der Berührunffsslelle dieser beiden
Organe entspringt der Eileiter. In kurzen nicht sehr
eng an einander liegenden Schleifen steigt er in den Schwanz
hinab. In der Mitte desselben ^vendet er, sich auf die an-
dere Seite begebend , wieder nach oben. Im Körper des
Thieres angekommen, streicht er mit verhällnissmässig ge-
rinjren Bieo^uno^en unter dem Rücken hin. Ueber dem un-
teren Bauchnapfrande macht er seine letzte Windung. Durch
die Darmschenkel hindurch tretend, geht er geraden Wegs
in die G esch 1 e ch ts p a p ill e, welche sich dicht am un-
teren Rande des Kopfnapfes auf der Bauchseite befindet.
Die beiden kugligen Hoden liegen unter der
Rückseite dicht übereinander, der obere der Mittellinie des
Thieres näher als der andere.
Der Penis ist lang und auf eine kurze Strecke hin
mit breiten kurzen Papillen besetzt.
Seine Samenblase ist gross, oval und öfter durch
Abschnürungen in mehrere Abtheilungen getheilt. Penis
und Samenblase umschliesst ein Sack. Ob Eiergang und
Penis in einem Yorhofe zusammenmünden ?
Wie der Eiergang so tritt auch der Penis zwischen
den Darnischenkeln zur Geschlechtspapille.
Die Eier sind leicht bräunlich gefärbt.
4. Di Stoma rufoviride R.
Fundort. Rudolphi entdeckte das Distom im Ma-
gen von verschiedenen Congerarten. Einige Specimina fand
er auf und in anderen Fischen. Er bezog diese jedoch auf
Distoma appendiculalum und nicht auf D. rufoviride.
Man findet öfters in Cephalopoden und anderen nie-
deren Seethieren kleine noch nicht geschlechtsreife Indi-
viduen dieser Trematodenart, welche durch das Zurückzie-
hen des Schwanzes sich unkenntlich machen. Nähere Be-
sichtigung lässt sie indess bald erkennen.
Grösse. Das Thier erreicht in der Länge 9 Mm.,
in der Breite fast 2 Mm. Seine kurze gedrungene Gestalt
lieber Distonia appendiculatum. 179
zeichnet es vor seinen meist sehr schlanken Verwand-
ten aus.
Form. Das Thier ist im Allgemeinen cylindrisch.
Der Hinterleib ist stärker als der einem Kegel mehr äh-
nelnde Hals. Bei ganz zurückgezogenem Schwänze ist der
Hinterleib um das Zweifache stärker als der Hals.
Die Farbe des frischen Thieres ist grünlich , die
übereinanderliegenden Schlingen des Eierleiters , welche
sich namentlich hinter dem Bauchnapfe anhäufen, schimmern
als orangegelber Fleck durch die Bedeckungen des Thieres,
daher der Rudolphi'sche Name.
Die Saugnäpfe. Der Kopfnapf des Thieres ist der
kleinere. Sein oberer Rand bildet eine lingernagelförmige
Lippe , mit welcher das Thier tastende Bewegungen aus-
führt. Der sehr tiefe Bauchnapf ragt fast gar nicht über
die Bauchfläche hervor. Der Interporalraum ist nicht aus-
gehöhlt.
Die Haut ist durchsichtig, struclurlos so weit wie sie
hat untersucht werden können. Sie ist dick und auf dem
Körper unregelmässig quer gerunzelt. Die Falten bilden
keine Ringe um den Leib , sondern sind kurz. Auf dem
zurückziehbaren verhältnissmässig kurzen Schwänze fehlen
sie ganz.
Die Muskulatur ist der von Dist. ventricosum sehr
ähnlich, doch sind die Schwanzretractoren weit feiner und
anscheinend weniger zahlreich. Sie entspringen von der
inneren Peripherie des Muskelschlauches in der Höhe des
Dotterstockes.
Die Verdauungs organe beginnen mit einem ver-
hältnissmässig kleinen kugligen Schlundkopfe, der unmit-
telbar mit der Kopfnapfhöhle in A^erbindung slehL Ein
kurzer, ihn an Länge nicht übertreffender Schlund sefzt ihn
mit dem Darme in Verbindung. Der Darm ' ist sehr ent-
v»'ickelt, anfangs von geringerer aber sonst gleichmässiger
Weite. In seinem Verlaufe folgt er den Körpergrenzen,
v>eicht jedoch den Geschlechtsorganen mit einer weilen
Biegung nach dem Rücken zu aus. Die blinden Enden des
Darmes hören an der Einzugsstelle für den Schwanz auf,
ohne in diesen weiter einzudringen.
180 Wagen er:
Das Excretionsorgan bildet ein Schlauch, dessen
Wand^mgen in viele feine ()"er{altcn gelegt sind. Zuweilen
sind seine Wandungen auch mit dunklen feinen Körnchen
belegt. Sein S(anim mündet an der Spitze des retractilen
Schwanzes aus , in dessen Axe er sich hält. Bei seinem
Eintritte in den Körper des Thieres zieht er sich bald an
die Bauchseite. Er theilt sich in zwei Arme etwas unter
dem Bauchnapfe, geht über die innere Seite der beiden
Hoden hin zum Rücken , wo sie über dem Kopfnapfe sich
zu einer Schleife vereinig-cn.
Die Geschlechtsorgane. Ungefähr in der Mitte
zwischen Bauchnapf und Schwanz liegt abseits von der
Mittellinie unter den Bauchdecken die E i w ei ssd rüs e.
Sie besteht aus 6 bis 8 kurzen dicken, am Ende kolbig an-
geschwollenen Blindschläuchen. Sie sind etwas gewunden
in ihrem Verlaufe. Drückt man das Thier zwischen zwei
Glasplatten, so erscheint dieEiweissdrüse wie eine Rosette.
Fast von ihr bedeckt mehr nach dem Rücken zu liegt der
kuglige Eierstock. Zwischen beiden entspringt der Ei-
leiter, ohne, wie schon in den drei früher beschriebenen
Arten, eine Vesica seminalis interna zu bilden.
Der Verlauf dieses Organes ist im Wesentlichen der
schon bei den drei vorher beschriebenen Arten angegebene.
Die ersten Windungen steigen herab bis fast zum Beginne
des Schwanzes, wenden sich dann , ohne in diesen einzu-
dringen , hinter das Excretionsorgan auf die andere Seite
des Thieres hinüber, wo das Eirohr die Bauchseite verlässt
und zur Rückseite sich wendet. Vom Rücken her häufen
sich die Windungen zwischen den Hoden und dem Eier-
stocke an. In der Höhe des unteren Bauchnapfrandes löst
sich die letzte Windung los und dicht unter dem Rücken
fortziehend senkt sie sich in die Geschlechtspapille,
welche sich in der Mitte des Interporalraumes betindet.
Die beiden kugligen Hoden liegen auf der Bauch-
seite zu beiden Seiten des unteren Bauchnapfrandes. Hin-
ter ihnen gehen die Arme des Excretionsorganes vorbei.
Der Penis ist weit kürzer als in den drei anderen
Species. Er ist mit kurzen Papillen besetzt, ungefähr sechs
in einer Querreihe. Er steckt in einem Cirrusbeutel, der
Ueber Dislouia appendiculatuni. 181
mit einer bald faserigen , bald zelligen Masse erfüllt ist.
Eierschlaiich und Penis münden in einem Vorliofe aus. Die-
ser erst öffnet sich in der Geschlechtspapille.
Die Eier sind klein. Einzeln schwach ffelb o-efärbt
erscheinen sie in Massen gelblichroth.
Aus den angeführten Thatsachen crgiebt sich:
Dass allen diesen Distomen ein retractiler, vom Kör-
per dnrch eine Furche abgesetzter Schwanz zukömmt.
Dass drei von ihnen mit Sicherheit (Dist. tornatum
höchstwahrscheinlich, ein Excretionsorgan haben, dessen
Stamm sich in zwei über dem Kopfnapfe sich zu einer Schleife
vereinigende Arme theilt.
Dass der Verlauf des Eileiters bei allen derselbe ist,
d. h. er wendet sich erst nach unten und zieht von daher
direkt zur Geschlechtsöffnun"- hinauf.
Dass allen nur eine Eiweissdrüse zukommt (welche
nicht über das ganze Thier verbreitet ist, sondern eine aus
zwei bis acht in einem Punkte auf der Bauchseite sich ver-
einigenden Blindschläuchen bestehende Drüse ist).
Dass ihnen allen eine \es. seminal. interna fehlt.
Für die nachfolgenden Bemerkungen sind die von
Rudolphi selbst bezeichneten Exemplare seiner Sammlung
benutzt worden.
Da manche der von Rudolphi aufD. appendiculatum
bezogenen Specics nur in einem oder wenigen Exemplaren
vorhanden waren, so musste in Rücksicht auf das Interesse
der Sammlung vorsichtig verfahren werden. Es musste
deshalb von näheren Angaben in Bezug auf Organisation
abgesehen werden. In jedem Falle aber Hess sich mit Si-
cherheit angeben , ob man es mit einem appendiculatum oder
nicht zu thun hatte.
1) Distoma caudiporum Ent. Zeus faber. Dies Distom
wurde schon von Rudolphi selber auf Dist. rufoviride
bezogen. Die nähere Untersuchung ergab die Richtigkeit
der Yermuthung Rudolph i's.
182 AV a g c n e r :
2) D. clavatum Veiitric. Scomber pelamys von Cha-
misso gefunden und an Rudolph! gegeben.
Grösse. 25 Mm. lang, am kuglig aufgetriebenen
Schwänze 4 Mm. breit, am Leibe 2 Mm. breit, der grosse
Bauchnapf 3 Mm. breit, der Kopfnapf 1 Mm. breit.
Farbe. Das Thier war durch den Weingeist weiss
geworden. Der zu den Seiten des Thieres verlaufende Darm
schimmert roth durch. Eine Darmerweiterung muss das
ganze kuglige Ilinterleibsende ausfüllen, da dies ganz pur-
purfarben erschien.
Die Form des Körpers ist cylindrisch, an der Bauch-
seite verschmächtigt. Der Interporalraum ausgehöhlt , das
Schwanzende kuglig aufgetrieben. Eine schwächere Auf-
Ireibung befindet sich da, v»o der Bauchnapf aufsitzt.
Die Haut ist glatt, stark doch nicht regelmässig in
quere Fallen gelegt.
Vor dauungs Organe. Der Schlundkopf ist klein un-
mittelbar dem Darme und Kopfnapfe ansitzend. Der Darm
verläuft zu beiden Seiten des Bauches in vielen Windungen.
Im Schwänze bis zu dessen Spitze scheinen seine blinden
Enden sehr stark anzuschwellen. Es Hessen sich keine
Grenzen zwischen den Blinddärmen mehr auffinden. Auf
der Schv/anzspitze befand sich ein länglicher Schlitz, muth-
masslich die OefTnung des Excretionsorganes.
Von Geschlechtsorganen und eingezogenem Schwänze
war keine Spur zu finden.
3) Bist, appendiculatum Int. Ophidium Vasalli. Die
mit dieser Aufschrift bezeichnete Flasche enthielt :
a) eine jugendliche Tetrarhynchen-Form noch ohne
Sauggruben und Stacheln auf dem Rüssel mit spitzem
ScIiAvanze ;
b) einen querdurchrissenen Tetrarhynchenrüssel;
c) zwei noch geschlechtslose Distomen.
Grösse. Länge 2 Mm. Breite ungefähr 0,3 Mm.
Form platt. - Die grösste Breite des Leibes fiel in die
Gegend des Bauchnapfes, der um die Hälfte grösser als der
Kopfnapf war. Letzterer hatte eine kleine lippenförmige
Verbreiterung an seinem oberen Rande.
Haut glatt.
Ucbcr Distoma appendictilatiim. 183
Verdau untTSorgane. Der kleine kuglige Scliliind-
kopf geht unmittelbar in den Kopfnapf und Darm über. Der
weite Darm geht mit seinen beiden Blindsäcken bis in die
Schwanzspitze hinein. Das unter dem Rücken liegende
Excretionsorgan bildet eine Schleife, deren Aeste aus
dem Stamme ungefähr in der Mitte des Thieres entspringen.
Worauf diese Species zu beziehen ist, weiss ich nicht.
4) Dist. ocreatum und appendiculatum,
beide Ventric. Clupea Alosa.
5) Dist. crenatum Int. Gasterosteus aculeatus.
6) Dist. appendiculatum Int. Salmo salar,
sind : Dist. ventricosum.
Als Distoma rufoviride erwiesen sich folgende :
Distoma appendiculatum aus Intest. Trigla hirnndo.
Stom. Accipenser sturio.
Intest. Pleuronectes maximus.
Intest. Osmerus saurus.
Intest. Ophidium barbatum.
Dorsum Rnja clavata.
Dies ist jedenfalls, wie schon Rudolphi vermuthete,
aus todten Fischen oder aus deren Eingevveiden auf Raja
zufällig gekommen.
Stom. Raja marmorata.
Intest. Centronofus glaucus.
Intest. Zeus aper.
Dist. appendiculatum Intest. Pleuronectes passer und
Pleuronectes linguatula ist kein Distom mit zurückziehbarem
Schwänze.
In den Seitenschwimmern sind mit Sicherheit drei Ar-
ten von Distomen vorgefunden.
Eine Art von diesen ist von Rudolphi Dist. atomon
genannt. Ueber sie folgendes :
Die von Rudolphi selbst bezeichnete Flasche ent-
hielt sechs schon vom Weingeiste stark gebräunte Exemplare.
Länge 2 Mm.
Form stark abgeplattet, woran vielleicht frühere nJ*
184 • Wa g en e r :
dem Pressscliicber gemachte Untersuchungen schuld sind.
Der Hals ist nach dem Kopfe zu etwas zugespitzt.
S a u g n ä p f e. Der Bauchnapf ist noch einmal so gross
als der Kopfnapf.
Die Geschlech tspapille liegt ziemlich inderMitle
des Interporalrauines.
Die Haut erscheint ganz glatt, weshalb sie doch
früher Stacheln gehabt haben kann.
Verdauungsorgane. Der Schlundkopf erschien
sehr gross und fügte sich unmittelbar dem Kopfnapfe an.
Ihm schliesst sich ein kurzer Schlund an, der in der Höhe
des Bauchnapfes in die bis an das Schwanzende reichenden
Darmblindsäcke einmündet.
Vom Excretionsorgane sah ich nur die Ausmün-
dung an der Schwanzspitze.
Geschlechtsorgane. Die Eiweissdrüse ist in Form
von ziemlich grossen dunklen Kugeln über Rücken und
Bauch ausgebreitet, lässt aber den Hals frei.
Die Hoden sind gross, eiförmig, liegen in der Mitlel-
linie des Thieres übereinander in der unteren Thierhälfte.
Der Eierstock ist rund und liegt unter dem Rücken
über den ersten Hoden. Zwischen ihnen entsteht der Ei-
leiter. Er macht anfangs unter dem Rücken viele kleine
Windungen, tritt dann in drei grossen schief zu derQuer-
axe des Thieres liegenden an die Bauchseite in die Höhe.
Die letzte derselben steioft gerade auf unter die Rückseite
sich von dort in die Geschlechtsöffnung einsenkend.
Einen Penis sah ich nicht.
Die Eier sind auffällig gross und schv*ach gelblich
gefärbt.
Es ist möglich, dass diese Species mit der von Du-
j ardin gefundenen Dist. Soleae identisch ist, indem die
Maasse, die Lage der Hoden und die Grösse der Eier un-
gefähr übereinstimmen.
Die zweite sichere Art ist von mir in Pleuronectes
flesus gefunden.
Grösse. Ungefähr 1 Mm. lang, 0,5 Mm. breit.
Form. Der Körper ist eine dünne ovale Scheibe.
üeber Distoma appendlculatum. 185
Die Saugnäpfe von ganz gleicher Grösse. Der
Bauchnapf liegt ungefähr in der Hälfte des Thieres.
Die Haut ganz mit kleinen Stacheln bedeckt.
Yer dauungsorgan e. Der kuglige Schlundkopf
setzt sich direkt an den Kopfnapf an. Der Schlund erreicht
die Mitte des Inierporalraums , der dann folgende zwei-
schenklige Dann ist weit und endet in der Höhe des
Bauchnapfes.
Vom Excr etionso rga n e ist nur die Mündung auf
der Schwanzspitze gesehen.
Geschlechtsorgane. Die Eiweissdrüse be-
steht aus einer Menge kleiner Säckchen, die in Form von
zerstreuten dunklen Flecken Rücken und Bauchseile des
Halses einnehmen. Sie hören auf in der Höhe wo der Darm
anfängt.
Der Eierstock ist kuglig , kleiner als der Hoden.
Er liegt unter dem Rücken am Rande des Thieres mit sei-
ner Innenseile den einen Darmschenkel berührend.
Der Eileiter entsteht gerade hinler dem Bauchnapfe.
Seine kurzen Windungen füllen den ganzen Hinlerleib des
platten Thieres aus. Seine Hauplrichlungen Hessen sich
nicht mit Sicherheit erkennen.
Die beiden kugligen Hoden liegen am Rande des
Thieres zu beiden Seilen des Bauchnapfes in einer Höhe
mit ihm. Der eine von ihnen liegt gleich unter dem
Eierstocke.
Zwei dunkle Linien laufen convergirend von den bei-
den Dollerslöcken zum Bauchnapfe herab. Man kann sie
für die 'Ausführgänge der Eiweissdrüse hallen. Sie liegen
unter dem Rücken.
Die Eier sind klein und hellgelb.
Vom Penis habe ich nichts bemerken können.
Die drille Art ist von Rudolph! 1817 in Pleuro-
nectes manca gefunden. Er nannte sie D. areolatum.
Die untersuchten Weingeist exemplare waren sehr wohl
erhalten.
Die Grösse 4 Mm. in der Länge, in der Breite 1 Mm.
Die Form. Das Thier ist plalt nach dem Kopfe zu sich
186 W a g e n e r :
etwas verjüngend, die Seilenränder des Thieres schärfen sich
etwas zu. In gleicher Höhe mit dem Baiichnapfe und in
der Milte des Hinterleibes verbreitert sich der Leib etwas.
Saugnäpfe. Der Kopfnapf ist halb so gross wie
der Bauchnapf. Dicht über dem letzteren liegt die Ge-
schlechts p a p i lle. Der Interporalraum ist sehr tief aus-
gehöhlt.
Die Haut ist in ihrer ganzen Ausdehnung dicht mit
Stacheln besetzt, deren Basis eine napfförmige Anschwel-
lung, deren Spitze aber einen breiten Pinsel bildet. Das
Fasernetz des Coriums hat sehr breite Querfasern , die im
Allgemeinen den Stachellinien entsprechen.
Verdauungsorgane. Der Schlundkopf ist läng-
lich, ungefähr das erste Drittel des Schlundes bildend. Er
steht unmittelbar mit dem Kopfnapfe in Verbindung.
Der dickwandige Schlund reicht bis zur Geschl^echts-
papille. Der zweischenklige Darm reicht bis in die Schwanz-
spitze des Thieres.
Das Excretionsorgan mündet auf der Schwanz-
spitze aus. Der sehr weite Stamm schien bis zurJMitte des
Hinterleibes zu reichen.
Die Geschlechtsorgane. Die Eiweissdrüse
ist sehr entwickelt. Sie liegt an beiden Seiten des Thie-
res, den Darm vom ßauchnapfe bis zum Schwanzende ganz
(auf der Bauch- und Rückenseite) umhüllend und die Sei-
ten des Thieres auftreibend. Sie besteht aus grossen dicht
aneinanderliegenden Säckchen , deren gemeinschaftlicher
Ausführgang zwischen Hoden und Keimstock auf dem Rük-
ken sich befindet.
Von den drei kugligen Organen, welche die Körper-
wand etwas hervortreiben und die über der Mitte des Hin-
terleibes in der Längsaxe des Thieres übereinander gela-
gert sind, ist das oberste der Eierstock. Zwischen ihm
und dem ersten Hoden fängt der Eileiter an, der in drei
bis vier Schleifen schräo- die Längsaxe des Thieres schnei-
dend schliesslich vom Rücken her in die GeschlechtsöfTnung
einfällt.
Die beiden Hoden liegen über einander von einzel-
üeber Distoma appendicuiatiim. 187
nen nach der Mittellinie vorgeschobenen Trauben des Ei-
weissstockes von einander getrennt.
Eine Vesica sem. interna wurde nicht bemerkt. Die
Ves. sem. externa war sehr gross, lag dicht unter dem
Bauchnapfe unter der Rückseite mit gewundenem Ausführ-
gange, dessen letzter Theil den Penis enthalten muss, zur
GeschlechtsölTnung gehend.
Die Eier sind sehr gross, haben einen stumpfen und
einen spitzen Pol. Ersterer springt mit einem Deckel auf.
Sie sind kaum etwas gelblich gefärbt.
U eh er Distoma microstomum hat Rudolphi sehr dürf-
tige Angaben hinterlassen. In seiner Sammlung war es
nicht mehr aufzufinden.
Im Darme von Pleuronectes flesus kommt noch ein
Dislom vor, das mit einem aus Pleuronectes passer stam-
menden und von Bremser an Rudolphi geschickten
grosse Aehnlichkeit hat. Rudolphi bezog es auf Dist.
appendiculatum.
Das letztere , was in Weingeist sich befand, war von
dem frischuntersuchten aus Pleuronectes flesus darin un-
terschieden, dass ihm die Stacheln auf der Oberhaut fehl-
ten, und dass es nicht gelb gefärbt war.
Grösse. Das frische Thier aus Pleuronectes flesus
war etwa 0,7 Mm. lang.
Die Form seines Körpers glich einem Eie.
Die Saugnäpfe waren auffällig gross und stark.
Der Kopfnapf mochte um ein Drittel kleiner als der Bauch-
napf sein. Letzterer in der Mitte der Thierlänge.
Die Haut war in ihrer ganzen Ausdehnung mit klei-
nen kurzen schuppenartigen Stacheln bedeckt und von klei-
nen Pigmentzellen gelb gefärbt. Namentlich um den Kopfnapf
herum befanden sich jene zottenartigen Körper, welche von
mir schon in der Abhandlung ,.,die EntwickeUing der Ce-
stoden" nach eigenen Untersuchungen beschrieben worden
sind. Leydig fiihrt sie als muthmassliche Hautdrüsen auf.
Sie gehören in ihrer Struclur zu den s. g. einzelligen
Drüsen, indem sich nachweisen lässt, dass sie Kern und
Kernkörper besitzen und nach aussen münden. Sie sind
188 \V a g e n e r :
bei Cesloden und Trematoden sehr verbreitet, doch giebt
es in diesen beiden Thierkhissen auch Species, welche sie
entweder gar nicht oder nur in ihrer Jugend besitzen.
Verdauungsorgane. Der Sclilundliopf ist birn-
förmig unmittelbar dem Kopfnapftrichter ansitzend. Ein bis
zum Bauchnapfe reichender Schlund mit dicken Wandun-
gen mündete in einen eben so beschaffenen Darm, dessen
blinde Enden bis in die Schwanzspitze reichten.
Von Excretionsorganen war nur die Mündung
auf der Schwanzspitze sichtbar. Vor dieser lag eine dunkle
aus Körnern bestehende Kugel.
Die Geschlechtsorgane. Der Eiweissstock lag
in Form von kleinen Kugeln dicht unter der Haut über die
Seilen des Thieres verbreitet. Er berührte in seiner Aus-
dehnung Koplnapf und Schwanz, Hess auf dem Bauche die
Mittellinie frei, ebenso auf dem Rücken jedoch etwas
weniger.
Der Eierstock lag unter dem Rücken über dem
Bauchnapfe. Er ist kleiner als jeder der Hoden.
Der Eier schlauch füllte den Hinterleib in grossen
wenig zahlreichen Schleifen aus, seinen Lauf vom Rücken
her in die Geschlechtspapille endend.
Die beiden Hoden sind gross. Sie liegen zu beiden
Seiten des Bauchnapfes , der der Keimstockseite indessen
etwas tiefer.
Der Penis war in einem Sacke mit der Ves. sem.
ext. eingeschlossen. Die Vesica seminalis externa war gross
und eingeschnürt und setzte sich unmittelbar an den Pe-
nisanhang an.
Die Geschlechtspapille befand sich in der Mitte
des Interporalraumes.
Der Penis ist kurz und gerade. Hiermit würden die
Angaben Rudolphi's von Dist. atomon übereinstimmen;
doch stimmt weder Körperform, Lage der Hoden, Grösse
des ganzen Thieres noch die seiner Näpfe und die Lage
des Eileiters von Dist. atomon mit dem in Rede stehenden
überein. Er ist in zwei ziemlich gleich grosse Abiheilun-
gen getheilt, deren untere mit kurzen, breiten, glänzenden,
engslehenden Papillen, deren obere mit Häärchen besetzt ist.
Uiher Distonia appendiculalnm. 189
Eier habe ich nicht mit Sicherheil in dem frischen
Thiere sehen können. Der Eileiter erschien fast gar nicht
gefärbt. Die in ihm sichtbaren Linien wurden durch die
gelbe Pigmentirung der Haut so undeutlich, dass man sie
auch auf Eileiterwindungen beziehen konnte.
Distoma gracilescens Intest. Lophius piscatorius ist ein
Gasterostoma, wie schon früher nachgewiesen wurde, und
kein J). appendiculatum, Avie Rudolphi anscheinend durch
den an der Schwanzspitze mündenden langen Penis beirrt,
vermuthete.
Disf. apertum Intest. Mullus imberbe, in dem Ru-
dolphi ebenfalls ein Dist. appendiculatum vermuthet, ge-
hört auch nicht dazu.
Die Originalflasche enthielt mehrere Exemplare, deren
eines querdurchschnitten war, auf welches letztere Ru-
dolphi's Beschreibung passt.
Grösse. Etwas über 1 ]\lm. lang und an der brei-
testen Stelle des Leibes ungefähr 0,3 — 0,4 ]\Im. breit.
Form. Abgeplattet, besonders nach dem Schwänze
zu. Die Bauchseite ist eben, der Rücken etwas gewölbt.
In der Mitte des Halses verbreitert sich das Thier etwas.
In der Mitte des Hinterleibes kommt noch einmal eine Ver-
breiterung vor , welche nach dem abgerundeten Schwänze
zu wieder bedeutend abfällt.
Die Saugnäpfe sind ziemlich von gleichem Umfange
und massiger Grösse.
In der Mitte des Intcrporalraumes befindet sich die
Geschlechtspapille.
Die Haut ist bestachelt, doch ziemlich weit vor dem
Schwanzende wird dieselbe glatt.
Ter da uungs 0 r gan e. Der Schlundkopf sitzt nicht
unmittelbar dem Kopfnapfe an, sondern etw^as von ihm
entfernt. Der Schlund selber theilt sich in die beiden Darm-
schenkel ungefähr in der Mitte des Interporalraumes.
Die Blinddärme folgen in ihrem Verlaufe den äusse-
ren Conturen des Thieres bis fast in das Schwanzende.
Vom Excretionsorgane war nur die auf der
Schwanzspitze liegende Oeffnung sichtbar.
100 yy a ^ e 11 c r :
Geschlechtsorgane. Die Eiweissdrüse liegt
in vielen einzelnen dunklen Kugeln über die Rückseite ver-
breitet dicht unter der Haut noch etwas auf die Bauchseite
herübergreifend.
Am Halse fängt die Drüse mit der ßifurcation des Dar-
mes an und hört an den blinden Enden desselben auf.
Die Ausführgänge vereinigen sich un(er dem Rücken
zwischen dem Eierstocke und erstem Hoden, dem seitlich
eine kleine Ves. semin. interna anliegt.
Der Eierstock ist bedeutend kleiner als der Hoden.
Er liegt dem obersten Hoden dicht an und über ihm dicht
unter dem Rücken, den Raum zwischen Hoden und Bauch-
napf mit dem Eileiter ganz ausfüllend.
Der Eileiter macht ungefähr vier in der Queraxe
des Thieres liegende Windungen , deren Lär.ge die Breite
des Bauchnapfes nur um ein geringes überfrilTt. Die
letzte unter dem Rücken liegende Windung sieigt in der
Älittellinie des Thieres in die Höhe nach dem Kopfe zu und
senkt sich in die Geschlechtsöffnung ein , die sich genau
über der Darmtheilungstelle befindet.
Die Hoden sind oval im Querdurchmesser einer auf
dem anderen gelagert und gross. Sie füllen den Raum
zwischen den Darmschenkeln fast ganz aus.
Der Penis ist sehr klein. Ebenso die Ves. seminal.
externa. Beide liegen in einem Sacke.
Vistoma affine Int. Perca cirrhosa Rudolphi ist eben-
falls kein D. appendiculatum , wie Dujardin unrichtiger
Weise vermulhet.
Erklärung der Abbildungen.
Taf. VUI.
Fig. 1 — 7. Distonia venliicosuni aus dem Darme von Cliipea alosa.
„ 1. Angabe der natürlichen Grösse.
„ 2. Das Ei 410mal vergrössert,
„ 3. Das ganze Thier von der Bauchseile gesehen.
a. Der kleine Kopfnapf.
b. Der grössere Bauchnapf.
üeber Distoma appemliculalum. 191
Fig. 3. c. Die Gesohlechtsöffnung auf einer Papille gerade über dem
Schlundkopfe f sitzend.
d. Die aus zwei Hälften bestehende Eiweissdrüse unter den
Bauchdeeken liegend.
e. Der helle Punkt , in welchem man gewöhnlich Samen-
thiere sich bewegen sieht und der der Ves. seminalis
interna entspricht. Er liegt auch dicht unter den Bauch-
deeken.
f. Der Schlundkopf.
f. Der Schlund.
f". Der Darnischenkel.
g. Der Stamm des Excretionsorganes.
g'. Die beiden unter der Rückseite über dem Kopfnapf sich
vereinigenden Arme desselben,
g". Oeffnung des Evcietionsorganes am Schwanzende.
h,h. Die beiden Hoden. Der untere ist unter den Windungen
des Eileiters versteckt,
i. Der lange Penis, der unter der Rückseite liegt,
i'. Die in zwei Thcile geschnürte äussere Samenblase.
k. Das zurückziehbare Schwanzende.
1 . Das Loch im llinlerleibe das den zurücktretenden Schwanz
aufnimmt und sich dann schliesst.
In solchen Fällen ercheint der Hinterleib des Thieres
überaus stark, und da hiedurch besonders die in den
Schwanz eintretenden Organe allerlei Knickungen und
Quetschungen erleiden, so ist es in diesem F'alle unmög-
lich eine klare Einsicht in die Organisalionsverhältnisse
zu bekommen,
m. Die losgelösten Fasern oder Faserbündel der inneren
Längsfaserlage des Muskelsackes, welche zum Zurück-
ziehen des Schwanzes verwendet zu werden scheinen.
Älanche dieser Faserbündel entspringen mit zwei Wur-
zeln von der Leibeswand,
o. Der Eierstock.
Fig. 4. Ein Stück des oberen Theiles des eingezogenen Penis. In
der A.\e sind die glänzenden Knötchen sichtbar. An seinen
beiden Seilen liegen die vielleicht s. g. einzelligen Drüsen
entsprechenden zelligen Körper. Die vier hellen Linien ent-
sprechen den im Durchschnitte gesehenen Häuten. Ungefähr
200mal vergrössert.
Fig. 5. Schematischer Querschnitt des Thieres dicht über dem Bauch-
napfe.
B. Bauchseite. 3]an sieht die Höhlung des Interporalraumes.
K. Rückseite. Die Buchstaben bedeuten dasselbe.
1 1)2 W a g e n e r :
Fi». 6. Scheniatischer Querschnitt dicht über der Einzugsstelle des
Schwanzes.
„ 7. Falten der structuilosen Haut.
m'. Die dickere Querniuskelschicht.
ni". Die dünnere Längifaserschicht.
Fig. 8 — 14. Distouia excisurn.
„ 8. Natürliche Grösse.
„ 9. Das Ei 410mal vergrössert.
„ 10. Das ganze Thier.
a. Der Kopfnapf.
b. Der Bauchnapf.
c. Die im unteren Rande des Kopfnapfes sich befindende
Geschlechtspapille.
d. Die aus acht Blindschläuchen bestehende Eivveissdrüse.
e'. Anfang des Eileiters, der hinabsteigt.
e". Der wiederaufsteigende Theil.
e"'. Dessen weitere Fortsetzung.
e"". Der zur Geschlechtspapille sich hinbegebende.
f. Der lange Schlundkopf.
f". Der diesem unmittelbar folgende Darm.
g. Stamm des Excretionsorganes mit den Varicositäten.
g'. Seine über dem Kopfnapfe gelegene Schleife.
h. Die beiden der Bauchseite nahe liegenden Hoden.
i. Der Penis.
i'. Die Vesica seminal. externa.
k. Der zurückziehbare Schwanz.
1. Das Loch durch das er zurückgezogen wird.
0. Der Eierstock.
Fiff. 11. Der ausmündende Theil muthmasslich dem Eierstocke an-
gehörend, doch weist seine Structur auf den Penis hin.
90mal vergrössert.
„ 12. Querdurchschnitt durch den Halstheil,
„ 13. Querdurchschnitt durch den mittleren Theil des Leibes.
„ 14. Querdurchschnilt durch das liinterleibsende.
Fig. 12 — 14 sind schematisch.
R. Die Rückenlläche.
B. Die Bauchfläche.
Die Buchstaben wie oben.
Tafel IX.
Fig. 1 — 5. Distoma tornatum.
„ 1. Katüi liehe Grösse. ♦
I) 2. Das Ei 410mal vergrössert.
Ueber Dislonia appendiculatum. 193
Fig. 3. Das ganze Thier.
a. Der Kopfnapf.
b. Der Bauchnapf.
c. Die Geschlechtspapille am oberen Ende des ausgehöhlten
Interporalraumes liegend.
d. Der aus sechs Blindschläuchen bestehende Dotterstock,
e'. Der beginnende absteigende Eierschlauch.
e". Sein wiederaufsteigender Theil.
e"'. Dessen weiterer Verlauf.
e"". Sein letztes Ende.
f. Der kurze Schlundkopf.
f. Der noch kürzere Schlund.
f. Der Dann mit seinen blinden Endeu.
g. Stamm des Excretionsorganes.
g'. Seine muthmasslichen zwei Arme.
h,h. Die beiden Hoden.
i. Der mit kleinen Knötchen besetzte Penis.
i'. Die Vesica seminalis externa.
k. Der lange Schwanz.
1. Das Einzugsloch des Hinterleibes.
]'. Die muthmasslich zweite Einzugsstelle im Schwänze selber.
0. Ovarium.
Fig. 4. Schematischer Querschnitt am Halse.
„ 5. Schematischer Querschnitt in der Gegend der Dotterstöcke.
R. Rückenfläche.
B. Bauchfläche.
ßuchstabenbezeichnung wie in Fig. 3.
Fig. 6 — 10. Distoma rufoviride.
„ 6. Natürliche Grösse.
„ 7. Das Ei 410mal vergrössert.
„ 8. Das ganze Thier.
a. Der Kopfnapf.
a'. Die nageiförmige Oberlippe.
b. Der Bauchnapf.
c. Die Geschlechtsöffnung.
d. Die aus sechs kurzen dicken Blindschläuchen bestehende
Eiweissdrüse. »
e'. Der Anfang des Eileiters, der herabsteigt,
e". Der aufsteigende Theil desselben.
e'". Weiterer Verlauf desselben,
e"". Letztes Ende zur Geschlechtsöffnung gehend,
f. Schlundkopf,
f. Schlund.
f". Die beiden Blinddärme, die nicht bis in den zurückzieh-
bareu Schwanz eindringen.
Arch. für Naturg. XXVI. Jahrg. 1. Bd. 13
l94 Wagener: lieber Distoma appendiculatum.
g. Excretionsorgan.
g'. Seine Schleife.
h. Die beiden Hoden^ die unter der Bauchseile liegen.
i. Der Penis,
i'. Die Ves. seminalis externa,
i". Der Penissack.
k. Der einziehbare Schwanz.
1. Das Loch am Hinterleibe, wodurch er zurücktritt,
m. Die Zurückzieher des Schwanzes,
o. Der Eierstock.
Fig. 9. Der Penis und der Eileiter ungefähr 200mal vergrössert.
c. Die Geschlechtsöffnung, die in den Vorhof führt.
i. Der kurze an seiner äusseren Fläche mit Knötchen be-
setzte Penis,
i'. Die Vesica seminalis externa,
i". Der Penissack.
e"". Letztes Eierstockende.
Fig. 10. Schematischer Querdurchschnitt in der Gegend der Eiweiss-
drüse.
B. Bauchfläche.
R. Rückenfläche.
Die Buchstaben bedeuten dasselbe wie vorher.
Fig. 11 — 12. Distoma clavatum Rudolphi aus Scomber pelamys, na-
türliche Grösse.
Fig. 11. Von der Bauchseite gesehen.
Fig. 12. Von der Seite gesehen.
a. Kopfnapf von der Seite und vom Bauche her gesehen.
b. Bauchnapf.
f". Der rothgefärbte Darm.
Beitrag zur Phyllopoden - Fauna der Umgegend
Berlins^ nebst kurzen Bemerkungen über Cancer
paludosus Müll.
Von
Dr. med. Benedict v. Dybowski.
- (Hierzu Taf. X.)
Im Jahre 1859 fand ich während der Osterferien in
der Umgegend Berlins eine Branchipns - Art , welche bis
jetzt noch von Niemand näher beschrieben ist, obgleich sie
schon früher zu wiederholten Malen von verschiedenen
Forschern ebendaselbst eingesammelt und dem zoologischen
Museum unter dem Namen Branchipus stagnalis übergeben
w^urde. So hat sie unter Anderen Prof. v. Nordmann in
der fossa „Sieboldiana" des Berliner Thiergartens vor meh-
reren Jahren gefischt ^). Der Branchipus stagnalis aber,
obwohl in die Berliner Fauna aufgenommen 2), scheint nicht
mehr darin angetroffen zu werden; wenigstens habe ich
bis jetzt vergebens nach ihm gesucht.
Was die Stellung dieser neuen Species unter den bis
jetzt bekannten anbetrifft, so findet sie ihren Platz unter
denjenigen, welche Prof. Grube 3) zu der Abtheilung mit
„appendicibus fronlis longioribus'' rechnet, und zwar ist
sie am nächsten verwandt mit dem Branchipus birostratus
Fischer *).
1) Auf der Etiqiiette des Gläschens im hies. zool. Museum ist
dieser Fundort angegeben.
2) Sc hö dl er, die Branchipoden der Umgegend von Berlin. S. 5.
3) Grube, dieses Archiv 1853. S. 143.
4) Fischer, Middendorf's Sibirische Reisen. Bd. II. Th. 1.
196 V. Dyb 0 wski:
Branchipus Grubii nov. sp. ^)
Diagnose. Die Basalanhänge der Hörner (Stirn-
fortsälze Grube -) sind bei dem Männchen lang, bandartig,
1) Dankerfüllt über die vielfachen wissenschaftlichen Anregun-
gen und das besondere Wohlwollen, welches mir von Seiten meines
hochverehrten Lehrers, Herrn Staatsraths Prof. Grube stets zu Theil
geworden, gestatte ich mir, diese neue Species unter dessen Namen
in das System einzuführen.
2) Absichtlich habe ich die Bezichnung „Stirnanhang" vermei-
den wollen, weil man unter dieser Benennung sehr heterogene Ge-
bilde veislanden hat. Wenn wir £. B. alle Anhänge der Hörner,
welche die Naturforscher von der Stirn entspringen lassen , über-
blicken, so sehen wir bald ein, dass sie unmöglich in eine Kategorie
gestellt, um so weniger also Stirnanhänge genannt werden können.
Bei B)anchipus stagnalis ist der hufeisenförmige Anhang zwischen
den Zangen nur ein Appendix der vereinigten Basaltheile der Hör-
ner, dasselbe bei Br. torvicornis ; bei Br. Josephinus sind sie pa-
pillenartige Hervorragungen auf der Unterfläche der Hörner ; bei Br.
diaphanus, birostratus, claviger hinwiederum sind es Anhänge auf der
Oberfläche der Basaltheile der Ilörner. Keiner von den bis jetzt ge-
nannten Anhängen kann als Stirnfortsatz angesehen werden, vielmehr
sind sie alle ohne Ausnahme Anhänge der Höruer , die bald an der
Basis derselben , bald in ihrem weiteren Verlaufe entspringen. Sie
können nach der Verschiedenheit ihrer Ursprungsstelle in folgende
Kategoriecn eingethcilt werden :
1) Fortsätze, welche von der Oberfläche der Hörner entspringen
(Tentakeln).
Br. diaphanus. Budge: Verhandl. des naturhist. Vereins
des Rheinl. Tab. I. (ig. 1. 3. (Auct.).
Br. stagnalis (die inneren Fühler. Auct.).
Br. claviger. Fischer 1. c. Tab. VII. fig. 12 a. 14.
Br. birostratus. Fischer ibid. fig. 1 h.
Br. torvicornis. Waga, Annal. de la societeentomolog.de
France 1842. Tab. II. fig. 3 g.
Slreptocephalus similis. Baird, Ann. of nat. bist. 1854.
Br. Josephinus. Grube 1. c. Tab. VIII. fig. 2a. 3.
Br. Grubii. Fig. 1 d. 2.
2) Fortsätze , welche an der unteren Fläche der Hörner ent-
springen :
a) von den Basaltheilen: Br. .Josephinus. Grube 1. c. fig.
2 a', 3 a' ;
b) von den Hörnern selbst: Br. birostratus. Fischer 1. c
fig. 15. 16.
Beitrag zur Phyllopodeii-Fauna der Umgegend Berlins. 197
mit zahlreichen seitlichen bedornten Forlätzen, 30 — 34, ver-
sehen und werden zusammeng-erollt zwischen den Basal-
theilen der Hörner getragen; beim Weibchen sind sie kurz,
spitz, lanzettförmig und liegen halbmondförmig nach aussen
ffcboo-cn zwischen den Hörnern. Die Bruttasche ist bei
dem Weibchen kurz und von ungefähr herzförmiger Gestalt.
Beschreibung. In seiner Gestalt ähnelt das Männ-
chen mit dem mächtigen Kopfe bei dem ersten Anblicke
am meisten dem Branchipus diaphanus. Die Grösse des
erwachsenen Individuums beträgt 15, sogar 16 Par. Lin.,
von denen die etwas grössere Hälfte auf den fusslosen Theil
des Körpers kommt.
Der Kopf ist bei beiden Geschlechtern von abgerun-
det-dreieckiger Gestalt. Das einfache Auge hat seine Stel-
lung gegenüber der vordersten Ecke des Dreiecks ; die ge-
stielten Augen nehmen die seitlichen Ecken ein und über
diesen Augen entspringen die Antennen , welche nicht ge-
gliedert sind und ziemlich abgerundet enden; an der Spitze
derselben sieht man kleine dünne stachelartige Fortsätze
und unterhalb derselben drei längere Härchen.
Zu jeder Seite des Kopfes entspringen die Hörner
(modificirte Antennen), welche aus folgenden Theilen be-
stehen :
Bei dem Münnchen:
a) Das Basalglied (Fig. l.a.), eine mächtige Muskel-
anhäufung, überzogen von einer glatten Chitinhaut. Es in-
serirt sich am seitlichen Theile des Kopfes und verläuft
bogenförmig nach unten. An den unteren Flächen des
Kopfes vereinigen sich die Basalglieder brückenartig mit
einander (Fig. I.e.); der vordere Rand dieser Verbindung
erhebt sich in einen konischen schief abgestumften Zapfen,
welcher beinahe parallel dem Basaltheile der Hörner ver-
läuft und bei der natürlichen Stellung des lebendigen Thie-
res nach unten und hinten gerichtet ist.
o) Fortsätze, welclie von dem vereinigten Theile der Basalglie-
der der Hörner entspringen.
Br. stagnalis (der hufeisenförmige Fortsatz. Auct.)
Br. torvicornis. Waga 1. c. flg. 3 f.
Br. Grubii. Fig. I. c.
198 V. Dybowslii:
b) Die eigentlichen Zangen (Fig. 1. b ; Fig. 3). Sie
sind mit den Basallheilen gelenlvartig verbunden und ver-
laufen bei der natürlichen Lage an dem lebenden Thiere
zunächst in der Richtung der Längenachse des Körpers,
-wenden sich dann unter einem stiimpTen Winkel nach in-
nen, um von beiden Seiten sich einander so entgegen zu
laufen , dass sie noch theilvvcise über einander zu liegen
kommen. Die Zangen sind von hornartiger Consistenz, ihre
Form ist in der ersten Hälfte des A^erlaufes (Fig. 3. a b)
unregelmässig dreikantig , die innere obere Kante (d) ge-
zähnelt und convex , die untere eingebogen und bildet an
dem Uebergange in die zweite Hälfte (b c) einen knieför-
migen Höcker (b). Die zweite Hälfte ist zusammengedrückt
und endet etwa ähnlich wie bei Branchipus claviger (Fisch.
1. c. tab. VIIL flg. 3. d) mit einem seichten halbmondförmi-
gen Ausschnitte (e).
c) Die Basalanhänge der Hörner (Stirnfortsätze Grube ;
tentakelförmige Organe Fischer). Diese entspringen über
den Hörnern und bilden (ungefähr ein Fünftel des ganzen
Körpers) lange , bandartig zusammengedrückte Fortsätze,
welche bei lebenden Thieren in sich selbst einorerollt zwi-
sehen den Basallheilen getragen werden; ausgebreitet ver-
laufen diese Fortsätze sichelförmig nach innen (Fig. 1. d.
Fig. 2) 5 sie verschmälern sich gegen ihre Enden und lau-
fen in eine krallenförmige Spitze aus (Fig. 2. 4). An den
Rändern bemerkt man seitliche Fortsätze, welche lang "und
mit kleinen dornarligen Spitzen besetzt sind (Fig. 4. a).
Diese seitlichen Fortsätze sind an dem Aussenrande der
Basalanhänge etwas länger und zahlreicher (Fig. 2) ; denn
die Zahl beträgt daselbst 19 — 20, an dem Innenrande da-
gegen nur 11 — 14. (Hire relative Länge und das Verhält-
niss zu einander sind in der Abbildung angegeben.) Im
Innern der Anhänge verlaufen von der Basis aus Muskel-
stränge, welche den Tentakeln ein gestreiftes Aussehen
verleihen.
Bei den Weibchen wiederholen sich alle die genann-
ten drei Theile, nur sind sie hier anders gestaltet. Das
Basalglied stellt einen konischen Zapfen dar, statt der mäch-
tigen Zangen hndet sich nur ein dünner spitzer Fortsatz
Beitrag zur Phyllopoden-Faima des Unigegcnd Berlins. 199
und zuletzt vertreten zwei dünne, spitze, sichelförmig ge-
stellte Fortsätze die bandartigen langen Anhänge des Männ-
chens (Fig. 6, 1).
Die Füsse nehmen bis zum siebenten Paare an Grösse
zu, von da fangen sie wieder an lil einer zu werden. Das
erste Paar ist verhältnissmässig am breitesten, das letzte
Paar ist das schmälste. Im Uebrigen bieten die Füsse nichts
Bemerkenswerthes dar. — An den beiden ersten fusslosen
Körpersegmenten findet sich beim Weibchen und Männchen
eine sackförmige Erweiterung „Bruttasche" , welche bei
beiden Geschlechtern von fast herzförmiger Gestalt , bei
dem Weibchen aber bedeutend grösser ist; sie dient beim
Männchen zur Aulbewahrung des Receptaculum seminis und
der beiden Penis, beim Weibchen zur Aufbewahrung der
Eileiter und der Drüsentaschen. Die folgenden sieben
Segmente verschmälern sich allmählich gegen die Schwanz-
flosse zu, welche dicht mit seidenartigen Seilenborsten be-
setzt ist.
Von den inneren Theilen will ich nur die Geschlechts-
organe kurz berühren. Sie bestehen beim Männchen ^)
aus keimbereitenden Theilen, Hoden (Fig. 5. a), welche bis
zum vorletzten Segmente zu verfolgen sind ; daran schliesst
sich das Receptaculum seminis (Fig. 5. b) , eine blasenför-
mige Erweiterung des Samenstranges (c) , welcher zuletzt
in den Penis (d) ausläuft. — Die weiblichen Geschlechts-
organe zerfallen in drei Theile: a) die Ovarien, welche
an dem drittletzten Segmente enden , zuweilen aber auch
etwas weiter nach unten hinabsteigen ; nach oben hin rei-
chen sie beinahe bis zum letzten fusstragenden Körper-
segmente (Fig. G. a' a'). Die Eier in dem Eierstocke sind
weisslich gefärbt, während«die reifen dunkelgelb sind, b)
Die Eileiter. Diese entspringen nicht von dem oberen
Ende des Eierstocks, sondern wie es schon Leydig bei
ßr. stagnalis (Zeitschrift für die wissensch. Zoologie Bd. IH.
1) Das Auspijipariren der keiinbereilenden Organe im Ganzen
ist beim Männchen unmöglich. Aber die durchsichtigen Integuniente
der jüngeren Thiere lassen bei schwachen mikroskopischen Vergrös-
serungen das ganze hier angegebene Verhältniss sehr gut übersehen.
200 V. Dyb owski:
S. 300) erwähnt hat, etwas unterhalb (Fig. 6. c). Der Ei-
leiter stellt eine flaschenförmige Erweiterung dar , welche
schief nach oben verläuft und in (c) die Drüsentasche, an
deren oberem Ende, mündet. Die beiderseitigen Drüsen-
taschen verlaufen convergirend nach unten, um durch eine
gemeinschaftliche Oeffnung zu münden. An die Drüsen-
taschen setzen sich Muskeln an, w^elche durch ihre abwech-
selnde Zusammenziehung dieselben in beständiger Bewe-
gung erhalten.
Die Farbe des Weibchens ist im Grundtone grünlich-
gelb, die äusseren Ränder der Füsse und Zangen sind horn-
farbig , der fusslose Theil kupferröthlich und die beiden
Schwanzfortsätze grünlich. Das Männchen ist goldorange-
farbig, alle Ränder der Füsse, der Kopfanhänge und des
Schwanzes sind dunkler tingirt. Die Beschaffenheit des
Wassers übt aber einen merklichen Einflnss auf die Fär-
bung; so fand ich z. B. Exemplare in dem trüben Wasser
eines schlammigen Grabens auf dem Wege nach dem Fin-
kenkruge, Avelche ganz verblichen aussahen. Ueber ihre
Lebensweise und die Art der Begattung kann ich gar nichts
angeben , da die Thiere in der Gefangenschaft bald un-
tergehen.
Die Zeit des Vorkommens ist April und Mai; der tro-
ckene Sommer von 1859 tödtete sie bald darauf. Im Herbste
habe ich sie vergeblich gesucht, obgleich ich zu derselben
Zeit in Breslau den Br. stagnalis massenliaft angetroffen
liabe. Sie leben in ziemlich liefen Gräben; ich habe sie
in der Jungfernheide und beim Finkenkruge gefunden; am
ersten Orte kommen sie mit Limnetis brachyurus und Daph-
nia pennata zusammen vor.
#
Branchipus p aludosus (Cancer paludosus Müll.).
Es wurden zwei Arten von Branchipus in Grönland
voilvommend angenommen , nämlich Br. stagnalis (Cancer
stagnalis Fabr.) und Br. paludosus (Cancer paludosus Müll.).
Die erstere führte Fabricius an, wenn man aber seine
Beschreibung in der Fauna Grönlandica liest, so kann man
sich bald überzeugen, dass es gar kein Br. stagnalis ist.
Beitrag zur Phyllopoden-Fauna der Umgegend Berlins. 201
S. 247 des genannten Werkes beschreibt er die Hörner mit
folgenden Worten , die des Weibchens : „de capitc versus
OS duo styli perpendiculariter pendent" und S. 248 die des
Männchens : „illius longiores , annulis tribus praeter tubu-
lum et setam terminalem constantes." Der genaue Fabri-
cius würde unmöglich die inneren Antennen des Br. sta-
gnalis und den hufeisenförmigen Fortsatz übersehen haben,
wenn er einen solchen vor sich gehabt hätte. Weiter be-
schreibt er die Brultasche des Weibchens als lang, was für
den stagnalis gar nicht passt. Dieses genügt uns schon,
um mit Wahrscheinlichkeit die von ihm beschriebene Bran-
chipus-Species nicht für stagnalis zu halten. Die Frage,
welche sich uns nun zunächst aufdrängt, ist die, ob der
Br. stagnalis Fabr. nicht der paludosus Müll. sei. Dieses
kann ich mit ziemlicher Gewissheit bejahen ^) ; es sprechen
nämlich dafür die anhangslosen Hörner, die unter allen
Branchipoden nur bei Br. paludosus und ferox vorkommen,
und die lange ßruttasche des Weibchens , die den ferox
ausschliesst. Der Br. paludosus Müll. Zool. Danica Vol. II.
p. 10 und Herbst, Naturgeschichte der Krabben Bd. II.
S. 118 wurde bereits von Prof. Grube a. a. 0. zu dem
Middendorfianus hinzugezogen. Ich habe gleichfalls Ge-
legenheit gehabt, drei Exemplare , zwei Weibchen und ein
Männchen, dieser Species aus Grönland zu untersuchen und
kann die Vermuthungen Grube's bestätigen. Nur muss
ich Folgendes hinzufügen. Fischer beschreibt einen mem-
branartigen Fortsatz an der vorderen Seite des Kopfes, er
sagt aber nur, dass er häufig, also nicht constant, vor-
komme-); wenn ich nun seine Figur 18, welche den Kopf
1) J. Schiüdte in seiner Abhandlung „Uebersicht der Land-
Süsswasser - und Ufer-Arthropoden Grönlands" führt auch nur eine
Species, Br. paludos., an und zieht den Cancer stagnalis Fab. zu dem
paludos. Ml. (Uebersetzung inderBerl. enlom. Zeitschr. 1859. p. 157.)
2) Fischer a. a. 0. S. 153 : „an der Stirne bemerkt man häufig,
besonders beim Männchen, eine vorspringende dreieckige dünne Haut-
falte oder einen Stirnlappen Bei einigen Exemplaren
stellte er sich beim leichten Drucke eines Glasplättchens als eine
dünne nach vorn gerade abgeschnittene Membran dar, die seitwärts
mit je einem Basaltheile der llörner, nach hinten mit den Scilenthei-
len des Kopfes und der Stirne zusammenhing.
202 V. Dybowski:
eines Weibchens darstellt, ansehe, so scheint es mir, dass
diese Membran nur durch Abheben des Chitinüberzuges,
verursacht durch Spirifus-Maceration, entstanden ist. Diese
Vermuthung gewinnt noch mehr an Wahrscheinlichkeit, da
uns kein Fall bekannt ist, in welchem die tentakelförmigen
Anhänge bei Männchen und Weibchen in gleichem Masse
ausgebildet wären und auch kein solcher , wo sie beim
Männchen nicht constant vorkämen. Ich finde weiter die
Gestalt der Hörner bei den g^rönländischen und die Reihe
von Dornen auf der Unterfläche mit dem Middendortianus
fast übereinstimmend, so dass ich es schon jetzt wage, den
Middendorfianus zu dem paludosus hinzuziehen. Das Defi-
nitive hierüber überlasse ich späteren Forschungen , weil
dazu die Original - Exemplare von Midde ndor f noch zu
vergleichen Avären.
Branchipus paludosus Müll.
Folgende ^Synonyme würden auf den paludosus zu be-
ziehen sein.
Syn. Cancer stagnalis Fabr. Fauna Groenlandica.
p. 247.
Cancer paludosus Müll. Zoolog. Danica. Vol. II.
p. 10.
Cancer paludosus Herbst , Naturgeschichte der
Krabben. Bd. II. S. 118.
Br. Middendorfianus Fisch. Middendorfs Si-
birische Reisen. Bd. II. S. 153.
Die Diagnose hat Prof. Grube a. a. 0. gegeben. Das
Einzige, was dabei zu ändern sein möchte, wäre, das Vor-
kommen der „Stirnfortsätze" noch als fraglich zu setzen.
Die Beschreibung werde ich nur auf diejenigen Theile
beschränken , welche als entscheidende diagnostische Mo-
mente angesehen werden müssen. Diese sind : 1) die Hör-
ner. Sie erreichen bei dem Männchen (Fig. 7) eine bedeu-
tende Länge ; der Basaitheil ist nämlich wenig kürzer als
die Hälfte des fusshalligen Körpers. Die Chilinhaut, wel-
che dieselben überzieht, ist glatt; auf der unteren Fläche
gegen den inneren Rand findet sich eine Reihe von dorn-
artigen Spiizen , welche schon in dem ersten Viertel des
Beitrag zur Phyllopoden-Faiina der Unigegend Berlins. 203
Basaltheiles ^) anfangen und allmälilicli grösser \yerdend
sich bis zum Zangengliede fortsetzen. Ihre Zahl beträgt 21 ;
die ersten 17 stehen in eine Reihe geordnet, die 4 letzten,
"welche die längsten sind, stehen in zwei Reihen neben ein-
ander. Die Zange (Fig. 7. b) ist hornartig tief chagrinirt.
Die Hörner der Weibchen stimmen im Baue mit denen des^
Br. Middendorf. 1. c. fig. 18 überein , nur sind auf den mir
vorliegenden Exemplaren keine seitlichen Zähnelungen
wahrzunehmen , was möglicher Weise darin seinen Grund
haben kann , dass jene Exemplare nicht gut erhalten sind.
2) Die Fühler sind nicht gegliedert und tragen an ihren
Spifzen feine Härchen. 3) Die Bruttasche des Weibchens
ist lang, hülsenförmig (Fig. 8). Die Schwanzflossen sind
mit 36 seitlichen gefiederten Fortsätzen besetzt.
Erklärung der Al)1)il(!uugcu.
Taf. X.
I. Branchipus Grubii. Männchen in natürlicher Grösse.
Fig. 1. Der Kopf des Männchens derselben Species. a. Basalglied
der Hörner. b. Zangen. c. Brückenarlige Verbindung der
Basalglieder (konischer, schief abgesturnpiler Zapfen), d. Ba-
salanhäijge der iiörner (tentakelt'öiJinge Organe; Sliinfort-
salze).
„ 2. Das tentakelförniige Organ; der Basalanhang; vergrössert.
„ o. Die Zange der llörner. a. Einlenkungssteile. b. Knieför-
miger Höcker, d. Die gezähnelte lianle. e. Der halbniond-
förniige Einschnitt.
„ 4. Ende des tentakelförniigen Anhanges beim Männchen, stark
vergrössert.
5, 5. Der fusslose Theil des Älännchens. a. Hoden, b. Becepta-
culuni seniinis. c. Vas deferens.^ d. Penis.
„ 6. Derselbe Theil eines Weibchens, a. Eierstock, b. Eileiter,
c. Austriilsstelle des Eileiters, d. Drüse der einen Seite ;
auf der anderen wurde sie nicht ausgeführt, e. Ohrförmige
seitliche Erweiterung der Bruttasche auf der linken Seite
des Thieres. f. Drüseutasche mit Eiern gefüllt.
1) Nach Fischer a. a. 0. S. 153 fangen sie im zweiten Drittel
des Gliedes an.
204 V. Dybowski: Beitrag zur Phyllopoden-Fauna 11. s.w.
Fifif. 6. 1. Hörn eines \^'eihchens nach einem aufbewahrten Präparate
gezeichnet, a. Basalglied. b. Zangenglied, c. Tentakelför-
miger Anhang.
II. Branchipus paludosus. Männchen in natürlicher Grösse.
„ 7. Der Kopf eines Männchens, a. Basaltheil der Zangen, b.
Die Zange selbst.
„ 8. Der fusslose Theil eines Weibchens.
Zu Fig. 5. Bei einer Länge des Männchens von 8 Par. Lin.
war die Länge des Bläschens (b) 1,2 Mil., die Breite 0,7 Mil. Die
Breite des Hodens in der Höhe des ersten Schwanzringes beträgt
0,3 Mil.
Zu Fig. 6. Die grösste Breite des Eileiters in dessen Mitte bei
einem 7 Par. Lin. langen Weibchen betrug 0,5 Mil.; die grösste
Breite der Drüsentasche, in welcher nur drei Eier vorhanden waren,
1,25 Mil.
Leptoptcrygius^ neue Gattung der Discoboli.
Vom
Herausgeber.
(Hierzu Taf. VII. Fig. a— d.)
Zähne im Zwischen- und Unterkiefer hechelförniiof, in
der äusseren Reihe etwas grössere. Fleischige Lippen. Drei
und eine halbe Kieme. Die Kiemenöffnungen sind klein und
durch eine breite häutige , durchsichtige Brücke getrennt.
Die Kiemenhaut enthält vier Strahlen. Die Saugscheibe am
Bauche wie bei Lepadogaster. Rückenflosse und Af-
terflosse bilden longitudinale Leisten, die sich mit der
Schwanzflosse vereinigen, ohne deutliche Strahlen.
Als ich den kleinen Fisch, das einzige mir zu Gesicht
gekommene Exemplar dieser merkwürdigen kleinen Galtung,
in Messina am 30. August 1853 lebend erhielt, bewegte sich
derselbe sehr lebhaft und schnell in der mit Seewasser ffe-
füllten Schale umher. Seine Bewegungen waren mehr krie-
chend als schwimmend; denn er benutzte stets seinen Schei-
benapparat am Bauche um sich darauf schnell fortzuschie-
ben. Der Fisch betrug sich so seltsam, dass er sogleich
meine Aufmerksamkeit erregte. Auch Prof. Cocco, der
damals noch lebte, und der die Fischfauna Messina's vor-
trefflich kannte, staunte über das kleine Thier, und erklärte
es für neu, da er niemals seines Gleichen gesehen hatte.
Ebenso interessirte sich Johannes Müller dafür, und
hat mich später mehrmals gemahnt, den neuen Fisch zu be-
schreiben. Erst jetzt komme ich dazu, ihn in die Wissen-
schaft einzuführen.
Die obige Gattungsdiagnose , welche ich nach dem
Schema der von MüIIcf und mir in den Horae ichtholo-
20ß T r 0 s c h e 1 :
gicae von Lcpadogastcr gegebenen entworfen habe , zeigt,
dass unser Fisch in den meisten wesentlichen Punliten mit
Lepadogaster übereinstimmt , und sich nur durch die Ver-
kümmerung von Rücken - und Afterflosse unterscheidet.
Diese Abweichung ist aber allerdings so gross, dass es
keinem Zweifel unterliegen kann, der Fisch müsse eine
neue Gattung bilden, die ich Leptopterygius nenne.
Nur ein einziger Fisch ist bisher beschrieben worden,
von dem ich es für möglich halte , dass er mit dem unse-
rigen congenerisch sei, nämlich Lepadogaster Willdenowii
Risso. Derselbe ist aber, wie es scheint, seit Riss o nicht
wieder gefunden worden, wenigstens ist mir in der ichthyo-
logischen Literatur über ihn nichts bekannt geworden. Da-
her lässt sich wohl annehmen, dass er wie die von mir
beobachtete Art sehr selten sei. — Ich muss es dahin ge-
stellt sein lassen , wie genau oder ungenau Beschreibung
und Abbildung Risso's seien. Voraussetzen lässt sich wohl,
dass wir der Beschreibung mehr trauen dürfen, als der mit
dieser nicht ganz übereinstimmenden Abbildung. Zur Ver-
gleichung mit unserem Fische wiederhole ich hier die Ris-
so'sche Beschreibung.
L, Willdenowii.
Lepadogaster WilldenowH Risso Ichthyologie de Nice
p. 75. pl. IV. flg. 10.
L. luleo virescens, rubro punctatus; pinnis imparibus
connexis.
Point d'appendices sur les narines. La couleur de
ce Lepadogaslere, sans clre riebe et brillante, n'offre pas
moins un agreable ensemble. Le dessus du corps est feuille
moi'te , plus ou moins fonce par des undulations sur les-
quelles sont semes assez regulierement des points rouges
tres fins. Le museau est arrondi , et aussi large que la
tele. La bouche ample, les machoires garnies de dents
aigues. La langue rüde , couverte d'asperiles. Les yeux
d'un brun rougeätre, la prunellc noire. Les nageoires pe-
clorales ont six rayons chaque ; les pectoihoraciques rou-
geätres , quatre chacune ; la dorsale petile en a dix-huit;
Fanale quatorze; ces deux nageoires se rennissent ä la
caudale, qui en a dix. La langueur de ce poisson est de
Leptopterygiiis, neue Gattung der Discoboli. 207
#
soixante millimelres, siir dix de largeiir. On le*trouve siir
Ics bords de la mer de IVice, dans le mois de juillet.
Vergleichen ^vir diese ßesciireibiing mit der Abbil-
dung, so fällt sogleich in die Augen, dass die Schnauze
spitz und viel schmaler als der Kopf abgebildet ist , Aväh-
rend sie doch nach der Beschreibung rund und ebenso
breit wie der Kopf sein soll, was so ziemlich auf die fol-
gende neue Art passt. Die rothen Punkte , welche in der
Beschreibung sehr fein genannt werden und auf Undula-
tionen angebracht sein sollen, erscheinen auf der Abbilduno;
ziemlich gross und unregelmässig vertheilt. Ueberhaupt
ist die Abbildung- sehr roh und daher verdächtio-.
Sieht man hiernach von der Abbildung gänzlich ab,
und hält sich nur an die Beschreibung, so bleiben doch
immer zwei Punkte, die mich bestimmen unseren sogleich
zu beschreibenden Fisch für eine andere Species zu halten,
nämlich der Mangel der Fäden an den vorderen Naslöchern
und die deutlich entwickelten Strahlen in den senkrechten
Flossen, die doch immer so deutlich sein mussten, dass sie
Risso zu zählen vermochte.
L» Coccoi n. sp.
Ich nenne diesen Fisch zu Ehren des verstorbenen
Professor Cocco in Messina, der sich um die sicilianische
Fischfauna so verdient gemacht hat.
Der Kopf ist wenig länger als breit; die Schnauze
breit abgerundet , der Zwischenkiefer ein wenig über den
Unterkiefer vorragend. Der Kopf ist 4V3mal in der ganzen
Länge des Fisches enthalten. So messe ich jetzt an dem
in Weingeist aufbeAvahrten und durch ihn contrahirten
Exemplare; die nach dem lebenden Thiere entworfene Zeich-
nung ergiebt das Verhältniss des Kopfes wie 1 zu nahe 5,
was ich auf die Veränderung im W^ingeiste schiebe. Der
Körper wird vom Kopfe an nach hinten allmählich schma-
ler, bewahrt aber überall fast dieselbe Höhe.
Die Augen liegen hinter dem ersten Drittel der Kopf-
länge und sind etwa um drei Augendurchmesser von ein-
ander so wie von der Schwanzspitze entfernt.
Beide Naslöcher bilden niedrige an der Spitze offene
Röhren. Von dem Hinterrande des vorderen erhebt sich
208 T r 0 s c h e 1 :
ein spitzer Tentakel. Die hinteren Naslöcher liegen zwi-
schen den Augen ; jedes war am lebenden Thiere um einen
Augendurchmesser vom Auge entfernt, am Weingeistexem-
plare ist diese Entfernung geringer.
Die Mundspalte reicht fast bis unter das Auge. Die
Kiefer sind mit fleischigen Lippen versehen. Im Zwischen-
kiefer und im Unterkiefer steht eine schmale Binde he-
cheiförmiger Zähne, von denen die der äusseren Reihe ein
wenig grösser erscheinen. Weder am Gaumen noch auf
der Zunge kann ich Rauhigkeiten bemerken.
Die Kiemenspalten liegen vor den Brustflossen wie
bei Lepadogaster , und sind durch eine breite häutige,
durchsichtige Brücke getrennt, in welcher jederseits vier
Kiemenhautstrahlen vorhanden sind. — Es linden sich je-
derseits ganz wie bei Lepadogaster, 3^/2 Kiemenstrahlen,
ohne Kiemenspalte hinter dem letzten Kiemenbogen. Die
Kiemenblättchen sind mit zwei Reihen seillicher Fortsätze
versehen, und gleichen ganz üederspaltigen Blättern. Ich
habe in Fig. d zwei solche Blättchen von dem letzten Kie-
menbogen abgebildet. Auch hierin stimm.t unser Fisch im
Allgemeinen mit Lepadogaster überein. Die Dornfortsätze
an der concaven Seile der Kiemenbogen sind kurze stumpfe
Dörnchen.
Die Saugscheibe am Bauche ist genau so wie bei Le-
padogaster gebildet, und ist doppelt. Der Yorderrand der
vorderen aus der Verwachsung der Bauchflossen entstan-
denen Scheibe bildet einen breiten Vorsprung, der durch
einen Einschnitt jederseits von der Basis der Bauchflossen
abgesetzt ist; der Hinlerrand ist abgerundet, und jederseits
ausgeschweift. Jede Bauchflosse enthält vier breite Strah-
len. Die Brustflossen , welche sich an den Hinterrand der
Bauchflossen anfügen , enthalten gleichfalls Strahlen , die
mir auf etwa 14 sich zu belaufen schienen. Sie sind jedoch
schwierig zu zählen , weil sie in der Haut verborgen lie-
gen. Die zweite Scheibe ist quer oval, mit polygonalen
niedrigen Wärzchen besetzt , und lässt im freien Hinter-
rande Strahlen sehen, die einfach zu sein scheinen, und
sich nicht genau zählen lassen.
Hinter der Bauchscheibe zieht sich eine Längsfurche
Leptopterygius. eine Gattung der Discoboli. 209
bis zum After, die schon am lebenden Thiere sichtbar war,
und die zum Anhängen beizutragen scheint. Hinter dem
After liegt eine Papilla genitalis.
Rücken- und Afterflosse bilden einen häutigenKamm,
in welchem sich nur hinten Spuren von Strahlen wahr-
nehmen lassen , und vereinigen sich beide ohne sichtbare
Grenze mit der Schwanzflosse. Die Afterflosse beginnt so,
dass der After in der Mitte zwischen der Saugscheibe und
dem Anfange der Afterflosse liegt; die Rückenflosse be-
ginnt früher , in der Mitte der ganzen Länge des Fisches
ohne Kopf. Im Ganzen zähle ich 17 bis 18 Strahlen am
Ende des Schwanzes, die vielleicht alle der abgerundeten
Schw^anzflosse zuzuzählen sind.
Die Farbe ist gelb mit Querbinden , die aus zahlrei-
chen braunen Punkten bestehen und sich am Schwänze in
eine Art Netzwerk umändern. Die Haut ist glatt und
schuppenlos. Durch den Weingeist hat sich die Haut in
feine senkrechte Falten gelegt , die am lebenden Thiere
nicht vorhanden waren.
Ganze Länge des Fisches 37 Mm.
Länge des Kopfes 8 Mm.
Breite des Kopfes 6 Mm.
Höhe des Kopfes 4 Mm.
Höhe des Körpers am Anfange der Rückenflosse 5 Mm.
Vaterland : Messina.
Erklärung der ^Abbildungen.
Taf. VII.
Fig. a. Leptopterygius ^Coccoi von der^Seite^gesehen, wenig vergr.
„ b. Der Kopf von oben gesehen, mit den Augen und Kaslöchern.
„ c. Leptopterygius Coccoi von der Bauchseite gesehen , etwas
mehr vergrössert.
,. d. Zwei Kiemenblättchen, stark vergrössert.
Archiv f. Naturg. XXVI. Jahrg. 1. Bd. 14
Uebersicht der bis jetzt bekannten Arten der
Fnigoriuen - Gattung Poiocera Lap.
Von
Dr. A. (Serstaecker.
(Hierzu Taf. XI u. XII.)
Die Bereicherung, welche der ebenso formenreichen als
farbenprächtigen Familie der Leuchlzirpen in der letzten
Zeit erwachsen ist, ist so vorwiegend durch Ostindische,
meist in den Englischen Sammlungen befindliche Arten be-
wirkt worden, dass man glauben sollte, Süd-Amerika stehe
in seinem Reichthum an Arten dieser Familie dem südli-
chen Asien beträchtlich nach ; und doch trifft dies , wenn
man die kleineren Formen berücksichtigt, gar nicht und
selbst für die grösseren und ansehnlichen kaum zu, wenn
man den Reichthum solcher Sammlungen aufdeckt , die im
Gegensatz zu den Englischen ihre Schätze vorwiegend aus
der neuen Welt bezogen haben. Die neuerdings an die
hiesige Entomologische Sammlung erfolgte Zusendung meh-
rerer der Gattung Poiocera Lap. angehörender, zum Theil
sehr ausgezeichneter Arten veranlasste mich zufällig, den
ziemlich ansehnlichen Bestand dieser Gattung specieller auf
die bisher bekannt gemachten Beschreibungen zu prüfen
und es stellte sich dabei das überraschende Resultat heraus,
dass von 34 überhaupt vorhandenen Arten sich fast die
Hälfte als neu erwies. Hätte es sich nun schon an und für
sich verlohnt, eine so ansehnliche Reihe von Novitäten be-
kannt zu machen, so erregte die bei der Durcharbeilung
der bisherigen Literatur gewonnene Erfahrung, dass durch
Doppelbeschreibungen das Artregister in dieser Gattung un-
verhältnissmässig gesteigert worden sei , zugleich den
Ge rs ta ecke r : Uebersicht der Fulgorinen-Gatlung Poiocera. 211
Wunsch, auch die bereits bekannt gemachten Arten in sy-
nonymischer Beziehung zu sichten und die Gattung über-
haupt , so weit es möglich war , monographisch zu behan-
deln. Leider konnte dies wegen der Unbekanntschaft mit
einer nicht unbeträchtlichen Anzahl der von anderen Au-
toren beschriebenen Arten nur in unvollständiger Weise
geschehen und am wenigsten war es möglich , etwa eine
Eintheilung der Arten in natürliche Gruppen, wie sie sehr
zu wünschen gewesen wäre , vorzunehmen , da hierzu die
meisten der früheren Beschreibungen der erforderlichen
Genauigkeit entbehrten. Da es mir jedoch für jeden Fall
erwünscht schien , die mir in natura nicht bekannt gewor-
denen Arten hier nicht ganz unberücksichtigt zu lassen,
und wäre es auch nur, um eine Uebersicht des gegenwär-
tigen Bestandes der Gattung zu geben , so schien es mir
am geeignetsten , eine Aneinanderreihung der Arten nach
einem leicht fasslichen, sowohl die Bestimmung als das Auf-
finden erleichternden Merkmal, welches andrerseits auch
aus den Beschreibungen der nicht vorliegenden Arten fest-
zustellen war, nämlich nach der Zeichnung^ und Färbung
der Hinterflügel vorzunehmen. Dass bei einer auf so un-
tergeordneten Merkmalen basirten, analytischen Gruppirung
der Arten wiederholentlich nahe verwandte getrennt und
heterogene einander genähert werden mussten , versteht
sich von selbst; indessen lässt sich doch so viel zu Gun-
sten des von mir gewählten Eintheilungs-Momentes sagen,
dass es zum grossen Theil wirklich sich nahe stehende
Arten mit einander vereinigen iässt und alle anderen etwa
zu einer natnrgemässen Gruppirung verwendbaren Charak-
tere an Prägnanz übertrifft.
Was den der Gattung Poiocera Lap. zu gebenden Um-
fang betrifft, so sei zunächst erwähnt, dass die von Spi-
nola (Annales d. 1. soc. entom. Vlll) davon abgetrennte
Gattung Calyptoproctus, welche von Walker (List of Ho-
mopterous Insects in the collection of the British Museum)
und von A. Dohrn (Catalogus Hemipterorum) ebenfalls
angenommen worden ist, als jeder Begründung entbehrend
hier wieder mit Poiocera vereinigt worden ist. Die Ver-
längerung des letzten Abdominalsegments bei den Weibchen
21 2 G e r s l a e c k e F :
mehrerer Arten, welche Spinola zur Begründung jener
Gattung den alleinigen Anlass gab, ist nämlich erstens ein
relativer Charakter, indem er bald prägnanter, bald wenig
bemerkbar auftritt; zweitens ein Charakter, der bei einer
nur im männlichen Geschlecht vorliegenden Art eine Gat-
tungsbestimmung nicht zulässt , da die Männchen der Ca-
lyptoproctus- Arten denen der Poioceren vollkommen ana-
log geformt sind; drittens endlich ein Merkmal, das schon
deshalb von keiner Bedeutung ist , weil es in nahe ver-
wandten Gattungen, wie Dilobura Spin, ebenfalls sporadisch
auftritt. Das Weibchen der von Stäl (Berlin. Entomol.
Zeitschr. III. p. 315. no. 2) freilich sehr ungenau beschrie-
benen Dilobura tosta , einer aus Surinam stammenden und
im hiesigen Museum befindlichen Art, zeigt z.B. ganz das
stark verlängerte, scharf dreikielige letzte Hinterleibsseg-
ment, wie es bei Calyptoproctus elegans Oliv, vorkommt,
ohne dass der ßeschreiber diesen sehr wesentlichen Cha-
rakter erwähnt hätte. — Auf Grund desselben Charakters
will Schaum (Ersch und Gruber, Allg. Encycl. d. Wis-
sensch. 51. Bd. p. 66) die von White (Annais of nat. bist.
XVIII. p= 25. pl. I) aufgestellte Gattung Paralystra ebenfalls
mit Calyptoproctus , und da er diese Gattung nicht gelten
lässt, mit Poiocera Lap. vereinigt wissen, nach meiner An-
sicht jedoch durchaus mit Unrecht; denn die a.a.O. und au.s-
serdem im List of Homopt. Insectspl. III gegebene Abbildung
der Paralystra Emma White zeigt weder im ganzen Habitus
noch besonders in der Flügelbildung irgend welche nähere
Uebereinstimmung mit einer der mir bekannten Poiocera-
oder Calyptoproctus -Arten, bei denen der Vorderrand der
Flügeldecken durchweg gerade verläuft. Soll die White'sche
Gattung mit einer bereits bestehenden vereinigt werden,
so bliebe nur die Wahl zwischen Episcius und Dilobura
Spinola, die übrigens unter einander durch keinen wesent-
lichen Charakter abAveichen und mit Paralystra nicht nur in
der Form der Flügeldecken , deren Vorderrand stark ge-
schwungen ist, sondern auch besonders in der unebenen,
rindenartigen Oberfläche und der cigenthümlichen Zeich-
nung derselben durchaus übereinstimmen. Die Bildung des
letzten Hinterleibssegmentes beim Weibchen würde nach
Uebersichl der Fulgorinen-Gattung Poiocera. 213
dem oben angeführten Beispiel dieser Vereinigung nicht
widersprechen und es könnte sich nur darum handeln , ob
die sehr aulTallend kurze und breite Form des Kopfes der
Paralystra Emma unter der Gattung Dilobura zulässig wäre.
Da die von Stal (a. a. 0. p. 314. no. 2) beschriebene Dilo-
bura verrucosa von den übrigen Arten der Gattung sich
ebenfalls durch sehr verkürzten, wenngleich nebenbei noch
sehr schmalen Scheitel unterscheidet, möchten nach meiner
Ansicht auch der Aufnahme der White'schen Art keine
gewichtigen Gründe entgegen zusetzen sein; von Poiocera
ist sie aber in jedem Falle auszuschliessen.
Von einzelnen zur Gattung Poiocera gebrachten Arten
glaube ich die von Er ich so n in Schomburg's Reisen in
British Guyana beschriebene P. porphyrea sowohl nach
ihrer Flügel- als Kopfbildung davon ausscheiden zu müs-
sen; letztere stimmt am besten mit derjenigen der Asiati-
schen Aphana- Arten überein, während der geschwungene
Vorderrand der Flügeldecken, die Unebenheit und Färbung
ihrer Oberfläche, endlich auch die Form und Färbung der
Hinterflügel die Art zur Gattung Episcius Spin, stellt. Nach
der Aehnlichkeit, welche die Erichson'sche Art mit der von
StoU flg. 23 abgebildeten Fulgora sanguinea Oliv, aus Su-
rinamdarbietet, würde auch letztere aus der Gattung Aphana,
wohin sie Walker undDohrn stellen, zu entfernen und
der Gattung Episcius einzuverleiben sein , wenn man , wie
mir dies räthlich scheint, kein absonderliches Gewicht auf
die Kürze oder Länge des Scheitels legt , welche bei fast
allen Fulgorinen- Gattungen auff'allenden Schwankungen un-
terworfen ist. — Von mir in natura unbekannt gebliebenen
Arten habe ich die vom Cap stammende und sich schon
hierdurch von selbst ausschliessende L. coccinea Oliv. , so
wie die von Walker (a. a. 0.) beschriebenen P. limpida,
obliqua und setifera , die wohl eher zur Gattung Cladodi-
ptera gehören möchten, nach den für sie aufgestellten Merk-
malen ausgeschieden, dagegen die von B urm eis ter (Ge-
nera Insect.) der Gattung Lystra beigezählten Arten : L. mul-
tipunctata, costata und cruenta (letztere mit L. venosa Germ,
identisch) wegen ihrer augenscheinlich näheren Verwandt-
schaft mit Poiocera nach Sc ha um' s Vorgang unter diese
214 Gerstaecker:
Gattung mit aufgenommen. Bei einer derartigen Abgrän-
zung der Gattung kommen für dieselbe im Ganzen 48 von
verschiedenen Autoren bekannt gemachte Arten in Betracht,
deren Zahl jedoch nach Abrechnung der doppelt und selbst
dreifach beschriebenen auf 35 herabsinkt. Von den 4 von
Guerin in Duperrey, Voyage de la Coquille beschriebe-
nen Arten ist nämlich 1 mit einer Fabricius'schen Art, von
den 16 von Germar in Thon's Archiv II, 2 beschriebe-
nen 2 mit Guerin'schen , die von Laporte in den Anna-
les d. 1. soc. entom. I beschriebene mit einer Germar'schen,
von den 2 von Perty im Delectus animalium aufgestellten
1 mit einer Germar'schen, von den 5 vonSpinola in den
Annales d. 1. soc. entom. YIII beschriebenen 2 mit Ger-
mar'schen, von den 10 von Walker im List of Homopte-
rous Insects beschriebenen 2 mit Germar'schen , von den
3 von Stal in der Öfversigt afKongl. Vetensk. Akad. För-
handl. XII diagnosticirten 2 mit Germar'schen, die eine von
Guerin in Ramon de la Sagra's Historia fisica de la isla
de Cuba mit einer Walker'schen und von den 3 von Bur-
meister in den Genera Insectorum aufgestellten 1 mit
einer Germar'schen Art identisch. In der nachfolgenden
Uebersicht, welche sich im Ganzen über 50 Arten erstreckt,
sind demnach 15 ganz neue hinzugekommen, von denen nur
eine vielleicht mit einer Spinola'schen Art identisch sein
könnte ; drei andere mussten ausserdem , weil ihre Namen
mit anderen collidirten, neu benannt werden.
I. Hinterflügel dunkel gefärbt, mit glashelleni Mondfleck vor
der Spitze.
1) P. perspicillata. Capite latiore , abdomine subtus
nigro- fascialo , genubus posticis flavis : alis posticis prope
basin albido -notatis, macula hyalina ovata. Long. corp.
7 — 8V2 lin., expans. elytr. 18 — 21 lin. — Patria: Rio (v.
Olfers), Bahia (Gomes), Surinam (Cordua).
Poiocera perspicillata Spinola, Annales d. I. soc. entom. VIII,
p. 277. no. 1.
Lystra perspicillata Fabricius, Syst. Rhyngot. p.59. no. 13.
Cicada perspicillata Fabricius, Entom. syst. IV. p. 27. no. 1.
FuUjora perspicillata Oiivier, Encycl. meth. VI. p.574. no. 34.
Cicada atrata Fabricius, Entom. syst. IV. p. 31. no. 19.
üebersicht der Fulgorinen-Gattung Poiocera. 215
Lystra lucttiosa Guerin in Duperrey , Voyage de la Coquüle,
Zoologie II, 2. p. 188.
Stell, Cigales p. 19. pl. I. fig. 5.
Exemplare dieser gemeinen Art mit je izwei scliim-
melgrauen Flecken auf Pro- und Mesonotnm, wie sie schon
von Fabricius in der Besciireibuiig seiner Cicada atrata
hervorgelioben worden, kommen nicht selten vor und schei-
nen sogar die allein gut conservirten zu sein. Die helle
Färbung wird durch kleine dicht stehende und fast das An-
sehn kurzer Härchen darbietende Gebilde hervoro-erufen,
von denen es jedoch zweifelhaft sein möchte, ob sie nicht
eher als wachsartige Sekretionen denn als wirkliche Haut-
gebilde anzusprechen wären: auf dem Scheitel und der Ba-
salhälfte der Flügeldecken sind sie gleichfalls, hier jedoch
ganz vereinzelt vorhanden.
2) P. turca. Capite angustiore, abdomine subtus femo-
ribusque posticis totis flavis: alis posticis prope basin san-
guineo-notalis , macula hyalina semilunari. Long. corp. 7
lin., expans. elytr. 19V2 ^in. — Patria : Brasilia (Sello), St.
Catharina (v. Langsdorf).
Cicada turca Fabricius, Entom. syst. IV, p.40. no.56.
Flata turca Fabricius, Syst. Rhyngot. p.51. no. 26.
Lystra Dianae Germar, Thon's Archiv II, 2. p. 55. no. 28.
Die in den obigen Diagnosen hervorgehobenen Un-
terschiede zwischen den beiden vorstehenden Arten sind
auffallend genug, um sie trotz ihrer Aehnlichkeil stets leicht
zu unterscheiden ; der Kopf von P. turca ist so beträchtlich
schmaler als von P. perspicillata, dass er scheinbar fast nur
der halben Breite des letzteren gleichkommt, während er
in Wirklichkeit zwei Drittheile desselben misst. Der hya-
line Fleck der Hinterilügcl ist bei der ersten Art nach aus-
sen stets convex und daher eiförmig; bei der zweiten con-
cav und daher von der Form des Neumonds; die Wurzel
der Hinterflügel, abgesehen von den bei beiden Arten roth
gefärbten Aderschwielen bei P. perspicillata weisslich , bei
P. turca roth getüncht. Fernere Merkmale für P. turca lie-
gen in dem viel schmaleren Thorax und den sehr scharf
hervortretenden Winkelleisten auf dem Mesonotum, so wie
auch in dem weiter ausgedehnten , schärfer abgegränzten
216 Gers tae ck er :
und lichter braun gefärbten Spitzcnfeld der Flügeldecken,
dessen Adern kleine knotenartige Verdickungen in Form
zerstreuter sclnvarzer Pünktchen darbieten. Bei den vier
mir vorliegenden Exemplaren ist der Hinterleib einfarbig
gelb, nicht wie G e r m a r für seine P. Dianae angiebt, schwarz
und gelb gebändert. Fabricius, dessen Charakteristik
sonst sehr wohl auf die vorliegende Art, dagegen gar nicht
auf die Germar'sche Lystra turca passt, weicht nur durch
die Angabe, dass die Pünktchen an der Spitze der Flügel-
decken weiss seien, ab.
3) P. stoica. Nigra, capite pleurisque obscure rufis,
elytrorum maculis numerosis abdomineque sanguineis : alis
saturate fuscis , macula hyalina ovala. Long. corp. 8 lin.,
expans. elytr. 20y2 1'"- — Patria : Brasilia (Nernst.).
Ganz von der Grösse , Gestalt und der breiten Kopf-
form der P. perspicillata. Der Kopf mit rothbraunem Schei-
tel und hellerer, fast rostrothor Stirn: erslerer stark ver-
tieft, mit parallelen Rändern, letztere besonders oben deut-
lich gewölbt, seicht gerunzelt, über dem Clypeus mit stark
erhabener, glatter, in der Mitte leicht gebuchteter Quer-
leiste; von den drei Stirnleisten fehlt die mittlere ganz,
während die schrägen seitlichen nur sehr schwach ange-
deutet sind. Pro- und Mesonotum schwärzlich und dunkel
blutroth gemischt, fein gerunzelt, die Mittelleiste des er-
steren abgekürzt und schwielig erweitert, die beiden Gru-
ben tief; letzteres mit stark ausgeprägten , glatten vorde-
ren Boffenleisten und orloich erhabenem mittleren Länos-
kiel. Mesonotum schwarz, bläulich bereift, jederseits mit
ofrossem, dunkel blutrothen Fleck. Flüireldecken bläulich
schwarz, auf dem Spitzenfelde nicht lichter, mit circa fünf-
zig grösseren und kleineren, runden, ziemlich oleichmässio^
vertheilten, blutrothen Flecken, die auf der Unterseite sich
noch lebhafter ausnehmen, als oben; nahe der Wurzel bil-
den einige dieser Flecke durch Zusammenfliessen eine durch-
gehende, fast gerade Querbinde, welche auf der Oberseite
mit Grün getüncht, unten dagegen rein purpurroth erscheint.
Hinterflügel sehr satt schwarzbraun , besonders über die
Mitte hin, während der Analrand und einige Strahlen nahe
der Wurzel lichter erscheinen; der durchsichtige Fleck
üebersicht der Fulgorinen-Gattung Poiocera. 217
vor der Spitze ziemlich klein, länglich oval. Brust und
Beine purpurschwarz, pflaumcnartig bereift; an ersterer be-
sonders die Schulterblätter, an letzteren die Hinterschen-
kel mehr ins Blutrothe fallend. Hinterleib mit Ausnahme
des schwärzlichen und ebenfalls roth gefleckten Basalrin-
gres hell blutroth.
Aus Brasilien.
4) P. oculata. „Fusco- nigra, abdomine apice flavo,
elytris fascia basali guttisque coeruleis , alis nigris, macula
ocellari albo -hyalina.'^ — Patria: Brasilia.
Lystra oculata Gennar, Thon's Archiv H, 2. p. 55. no. 29.
Von Ger mar aus der v. Winthem'schen Sammlung
beschrieben, mir unbekannt; sie soll von der Gestalt der
vorhergehenden Arten, jedoch etwas grösser sein.
5) P. maculata. Capite , thorace elytrisque ochraceo-
nigroque variegatis, abdomine sanguineo, alis nigro-fuscis,
basi pallide coeruleo-notatis, macula hyalina minuta. Long,
corp. 7 — 81in., expans. elytr. ll'/j — 19 lin. — Patria: Ba-
hia (Sello).
Poiocera maculata S]p\no\?i, Annal. d.l soc. entoni. VHI. p. 278.
no. 2.
Lystra maculata Guerin in Üuperrey , Voyage de la Coqnille,
Zoologie, II, 2. p.l87. pl. X. fig. 8 (1830).
Lystra spilota" Germar, Thon's Archiv II, 2. p. 55. no. 32 (1830).
Von den vorhergehenden Arten durch den viel län-
geren, vorn stärker als hinten gerundeten Scheitel, dessen
Oberfläche kaum vertieft ist, ziemlich auff'allend abweichend.
Der Hinterleib ist unten stets, zuweilen jedoch auch ober-
halb ganz hell blutroth , bei anderen Individuen aber fast
ganz schwarz mit schmalen rothen Spitzenrändern der ein-
zelnen Segmente. Der hyaline Fleck vor der Spitze der
Hinterflügel ist klein, zuweilen selbst sehr klein und scheint
nachGuerin's Beschreibung mitunter sogar fast ganz ein-
zugehen.
Im hiesigen Museum von Bahia, bei Guerin von Bio
de Janeiro.
6) P. pallida. ,,Flavo-pallifla, abdomine rubro, pun-
ctulis nigi'is, infra luteo : elytris pallidis, flavo -nigroque
variegatis, alis nigricantibus, lunula apicali vitrea." Long.
218 Gerstaecker:
corp. 8 lin., expans. elytr. 18 lin. — Patria : Brasilia (Rio
de Janeiro).
Poiocera pallida Spinola, Annal, d. 1. soc. entom. VIII, p. 279.
no. 3.
Lystra pallida Guerin in Duperrey, Voya^e de la Coquille,
p. 188.
Aus Brasilien, mir unbekannt.
7) P. specularis. ,,Brunnea, fusco-maculata , abdo-
mine ferrugineo, alis macula ovata albo-hyalina." — Pa-
tria : Surinam.
Lystra specularis Germar, Thon's Archiv II, 2. p. 55. n. 30.
Stoll, Cigales, pl. XXIII. fig. 123.
Aus Surinam, mir ebenfalls unbekannt; nach Ger-
mar's Angabe etwas kleiner, nach Stoll's Figur beträcht-
lich grösser als P. perspicillata.
8) P. irrorata. ,,Capite thoraceque nigris, elytris pi-
ceis , apice dilutioribus, flavo - irroratis , alis nigris, lunula
vitrea : abdomine flavescenle, basi nigro, supra maculis sex
nigris ornato, pedibus nigris, genubus posticis rubris." Long,
corp. 10 lin., expans. elytr. 2b% lin. — Patria: Bolivia
(Chiquitos).
Poiocera irrorata Blanchard in d'Ürbigny, Voyage dans l'Ame-
rique merid. VI, 2. p. 221. no.775, Insect. pl. 31. fig.l.
Aus Bolivia. Der folgenden Art nach der bei Blan-
chard gegebenen Abbildung sehr nahe verwandt, aber
beträchtlich grösser und schon durch den Mangel der gros-
sen Flecke am Vorderrande der Flügeldecken und die Fär-
bung der Hinterbeine hinlänglich unterschieden.
Anmerkung. Die vorstehende Art ist von Blanchard P.
irrorata (P. arrosee) und nicht P. arrosa benannt, wie dies
von Erichson im Jahresberichte irrthümlich angegeben
und von Schaum, Walker und Dohrn nachgeschrieben
worden ist.
9) P. Germari. Capite thoraceque nigris, flavo -ma-
culatis, elytris rufo-fuscoque variis, marginis antici macu-
lis tribus maioribus apiceque late flavis, hie albo-punctatis:
alis basivsanguineo-notatis, macula hyalina semilunari, an-
gusta , abdomine infra femoribusque posticis totis pallide
üebersicht der Fulgorinen-Gattung Poiocera. 219
flavis. Long-, corp. 7 lin., expans. elytr. I9V2 ^^^' — P*^-
tria : Brasilia (v. Olfers).
Lyslra titrca Germar, Thon's Archiv II, 2. p. 55. 110. 31 (excl.
synonym.).
Von den zunächst stehenden , sehr verwandten Arten
unterscheidet sich die vorliegende durch drei grosse, quer
ovale, schmutzig gelbe Flecken am Vorderrande der Flü-
geldecken, die ziemlich zahlreiche weisse Punktirung auf
dem blass gelbbraunen Spitzenfelde derselben, die roth ge-
waschene Basis und den schmalen Mondfleck der Hinter-
flügel, so wie endlich durch die Färbung der Beine. An
den Vorder- und Mittelbeinen sind nämlich die Schenkel
ausserhalb vor der Spitze in weiter Ausdehnung röthlich
gelb, die Schienen mit zv»ei gelben Ringen gezeichnet; an
den Hinterbeinen sind die Schenkel fast ganz und die Schie-
nen mit Ausnahme der breiten Spitze und der beiden schar-
fen Kanten blass grünlich gelb gefärbt. Nach allen diesen
Merkmalen kann diese von Germar als L. turca Fabr. be-
schriebene Art nicht auf die Fahr i ciu s'sche gleiches Na-
mens bezogen werden. — In Brasilien einheimisch.
10) P. pavonina. Capite thoraceque nigris, rufo-ma-
culatis, abdominis apice, pleuris femoribusque posticis san-
guinis: elytris nigro-viridibus, crebre miniaceo-maculatis,
apice fasciaque arcuata ultra medium sordide flavis, viridi-
venosis : alis basi albo-notatis, macula hyalina semilunari,
maiore. Long. corp. 8 lin., expans. elytr. 20 lin. — Patria :
Caraccas (Gollmer).
Der Kopf kaum breiter, aber im Scheitel deutlich län-
ger als bei der vorigen Art, matt schwarz, dicht wurmar-
tig gerunzelt; der Scheitel leicht concav mit parallelen
Rändern, die drei senkrechten Stirnleisten deutlich erhaben,
fast scharf, die seitlichen nach vorn von einer seichten Fur-
che begränzt; die Querleiste oberhalb des Clypeus scharf,
leicht gebogen. Pro- und Mesonotum matt schwarz, dunkel
blutroth gefleckt, uneben, der Quere nach fein gerunzelt,
ersteres mit glatter Längsleiste und kleiner, punktförmiger
Grube jederseits, letzteres mit sehr feinem mittleren Längs-
kiel und winklig gebrochenen, nur massig ausgeprägten
Bogenlinien; die Spitze hell rostroth mit weissem Punkte.
220 Gerstaecker:
Die Flügeldecken bis über die Mitte hinaus tief schwarz-
grün mit zahlreichen mennigrothen, grösseren und kleine-
ren runden Flecken und dunkler braunrothen , mitunter
grün angelaufenen Adern; dieses Feld wird nach aussen
durch eine ziemlich breite , stark S - förmig gekrümmte,
weder den Vorder- noch Hinterrand ganz erreichende,
schmutzig gelbe, von hellgrünen Adern durchzogene Quer-
binde begränzt, welche ihrerseits wieder von dem schmut-
zig gelbbraunen Spitzenfeld durch einen schwarzbraunen
Schatten, auf dem einige gelbe Tupfen stehen, abgeschie-
den wird. Die Hinterflügel besonders über die Mitte hin
lief schwarzbraun , längs des Hinterrandes bis zur Spitze
lichter, nahe der Basis mit einer milchweissen Makel, vor
der Spitze mit grosser, halbmondförmiger Glasmakel. Auf
der Unterseite ist die Färbung der Flügel viel intensiver,
auf der vorderen die Fleckung fast purpurroth , die Quer-
binde mehr grasgrün. Die Brust und Beine schwarz, er-
stere mit blutrothen Pleuren und weissen Flecken, an letz-
teren die Mittelschenkel unterhalb, die hinteren ganz und
heller blutroth. Der Hinterleib ist unterhalb schmutzig
wachsgelb , oberhalb auf den beiden ersten Segmenten tief
schwarz , im Uebrigen blutroth mit je zwei schwarzen
Flecken an der Basis des dritten und vierten Segmentes.
Aus Caraccas.
11 j P. undata. ,, Nigra, ferrugineo- varia, abdomine
apice rufo , subtus fulvo , operculis fulvis , pedibus nigris,
femoribus ferrugineo-vittatis; alis anticis viridi-nigris, apice
fuscis, fascia undata flava ornatis: alis posticis nigris, albo-
maculatis et fasciatis." Long. corp. 7 lin. , expans. elytr.
22 lin. — Patria : Columbia.
Poiocera undata Walker, List of Homopterons Insecfs in the
collection of the British Museum, p. 295. n. 27.
Aus Columbien. Nach der \Y a 1 ker'schen Beschrei-
bung muss diese mir unbekannte Art der vorigen sehr nahe
stehen , von der sie sich durch den Mangel der rothen
Flecke auf den Flügeldecken, durch den rostgelb geran-
deten Scheitel , die Färbung der Schenkel u. a. unter-
scheidet.
12j F. multifaria, „Fulva, scutelli iateribus nigro-qua-
üebersichl der Fulgorinen-Gattung Poiocera. 221
drimaculatis, abdominis lateribus fiilvis, albo-giittatis, pe-
dibiis fiilvis, tibiis anterioribus nigro-niaculatis : alis anticis
fuscis, viridi-maculatis, apice fiilvis, alis posticis nigro-
fuscis, maciila limpida subapicali ornatis.'^ Long. corg. S'/j
lin., expans. elytr. 22 lin. — Patria ignota.
Poiocera multifaria Walker , List, of Homopt. Ins. etc. p. 295.
no. 28.
Eine mir ebenfalls unbekannte Art.
13) P. fastuosa. Capite thoraceque nigris , abdomine
basi excepta pedibusque posticis corallinis : elytris viridi-
nigris, apice dilute brunneis, fasciis duabus maculisque tri-
bus marginis antici laete flavis : alis saturate fuscis , basi
albo-notatis, macula hyalina rnaxiina. Long. corp. 8 lin.,
expans. elytr. 21 lin. — Patria: Mexico (Ehrenberg).
Eine durch Färbung und Zeichnung gleich ausgezeich-
nete Art, in Grösse, Form und Kopfbildung der P. per-
spicillata gleichend. Kopf und Thorax tief schwarz, leicht
glänzend , ersterer auf dem Scheitel undeutlich heller ge-
fleckt, auf dem unteren Theil der Stirn ins Pechbraune
übergehend ; der Scheitel stark ausgehöhlt, die Stirn dicht
gerunzelt, mit schwach markirten Seiten- und sehr ver-
kürzter und abgeflachter Mittelleiste, während die Querleiste
oberhalb des Clypeus stark erhaben, fast scharf, glänzend,
stark gebogen und in der Mitte tief eingeschnitten ist. Das
Pronotum ist auf der hinteren Hälfte dicht gerunzelt, vorn
beiderseits von der kurzen , glänzend glatten Mittelleiste
breit grubig vertieft; dasMesonotum innerhalb der schwach
markirten und seitlich gebrochenen Bogenlinien fein nadel-
rissig, matt und merklich vertieft, die Mittellinie erhaben,
glänzend; die Spitze hat eine rostfarbene Spitze, das Me-
tanotum blutrothe Seitenflecke. Das Basalfeld der Flügel-
decken ist schwarzbraun mit metallisch grünem Schimmer
und hell strohgelber Binden- und Flecken-Zeichnung, näm-
lich einer schiefen und breiten Querbinde dicht hinter der
Basis, welche den Vorderrand nicht erreicht , sondern vor
diesem quer abgestutzt ist, einer zweiten schmaleren, nach
aussen concaven auf der Grenze zum Spitzenfeld, aus einer
Anzahl kleiner zerstreuter Punkte und endlich aus drei gros-
sen Flecken am Vorderrand, von denen der erste (zunächst
222 G e I' s t a e c k e r :
der Basis) durch die Längsadern eigentlich in drei, die
beiden folgenden in zwei hintereinander stehende Flecke
aufgelöst sind. Auf der Unterseite ist die Färbung matter,
der Grund mehr schwärzlich, die Flecken und Binden fast
weisslich. Die Hinterflügel satt rauchbraun, an der Spitze
lichter , der Analrand durchsichtig grau , die Basis breit
milchwciss gewaschen; der Glasfleck vor der Spitze sehr
gross, dicht an den Vorder- und Hinterrand stossend, fast
halbkreisförmig mit geschwungenem Aussenrande. An der
Brust sind die Pleuren , an den Mittelbeinen die Basis der
Schenkel blutroth, an den Hinterbeinen Schenkel und Schie-
nen grell corallenroth ; alles Uebrige schwarz. Der Hinter-
leib unten brennend corallenroth , oberhalb die beiden er-
sten Segmente tief schwarz, die folgenden sattgelb mit ro-
then Spitzenrändern und einem schwarzen Punkt jederseits
der Mittellinie.
Aus Mexico.
14) P. meleagris. Atra, elylris fuscis, elevato- veno-
sis, crebre hyalino-punctatis, alis antrorsum late sanguineis,
macula hyalina elongata guttisque nonnullis dispersis orna-
tis. Long. corp. 6 lin., expans. elytr. 17 lin, — Patria:
Brasilia (v. Olfers).
Merklich kleiner als alle vorgehenden Arten. Kopf
und Thorax bräunlich schwarz, matt, grau bestäubt, erste-
rer im Yerhältniss zu seiner nicht bedeutenden Breite mit
ziemlich langem Scheitel, dessen Oberfläche nicht merklich
ausgehöhlt, aber uneben ist; es findet sich nämlich beider-
seits von dem feinen Mittelkiel ein runder Wulst und an
dessen Aussenseite je eine ziemlich tiefe Grube. Die Stirn
ist gleichfalls uneben, fein gerunzelt, über die ganze Mitte
licht braun gefärbt, der mittlere Längskiel stark abgekürzt
und sehr schwach markirt, die seitlichen ganz verstrichen,
die Querleiste ebenfalls sehr schwach, breit unterbrochen.
Am Pronotum ist der mittlere Lappen sehr deutlich abge-
setzt, von der Form eines halben Sechseckes, der feine
Mittelkiel und die Ränder rostfarben; dasMesonotum etwas
grober als jenes, der Quere nach gerunzelt, der Mittelkiel
fein, aber deutlich, ebenfalls rostfarben, die Bogenlinien
undeutlich. Das Metanotum hell blutroth mit schwärzlichem
Uebersicht der Fulgorinen-Gattung Poiocera. 223
Fleck jederseits vom Postsciitelliim. Die Flügeldecken
schwärzlich braun, gegen die Spitze hin lichter, rippenar-
tig geädert und daher rauh, rindenartig erscheinend; sie
sind mit sehr zahlreichen, zerstreuten, an der Spitze jedoch
dichter stehenden und hier etwas grösseren durchsichtigen,
leicht gelblich gefärbten Punkten besäet. Die Hinterflügel
schwärzlich braun, längs des Vorderrandes bis zum letzten
Drittheil hell blutroth, dahinter mit einigen unregelmässi-
gen glashellen Pünktchen; der Glasfleck vor der Spitze
schmal, langgestreckt, nach hinten etwas verengt, mit leicht
convexem Aussen- und etwas welligem Innenrande. Brust
und Beine schwarzbraun, die Hinterbrust und die Dornen
der Hinterschienen jedoch licht roth, letztere mit dunkeler
Spitze. Der Hinterleib ist unten ganz schwarz , oben hell
blutroth; die beiden ersten Segmente, eine Mittelbinde und
je vier Punkte auf den folgenden ebenfalls schwarz.
Aus Brasilien.
15) P. amoena. Thorace, pedibus elytrisque nigris,
his fascia obliqua ante apicem laete flava : capite, pectoris
laterihus, femoribus posticis, abdomine alarumque basi san-
guineis, his fascia angusta hyalina. Long. corp. 4 lin.,
expans. elytr. 10 lin. — Patria: Salto -grande Brasiliae
(Sello).
Eine der kleinsten Arten der Gattung. Der licht roth-
gelbe Kopf ist von der Breite des Pronotum , der Scheitel
sehr kurz, leicht ausgehöhlt, mit parallelen Rändern; die
Stirn oberhalb so gewölbt, dass sie vor dem Scheitelrand
von oben her sichtbar ist, schmutzig grau gelb, dicht und
fein gekörnt, ohne Spur von erhabenen Linien, der Cly-
peus licht roth. Das Pro- und Mesonotum kurz, tief und
fast matt schwarz, fein querrunzlig, mit feiner, leicht er-
habener, glänzender Mittellinie ; die Bogeniinien auf letzte-
rem nur schwach markirt. Die Flügeldecken tief schwarz-
braun, metallisch grün schimmernd, vor der etwas lichte-
ren und rein braunen Spitze mit schmaler, lichtgelber
Querbinde, die etwas schräg von vorn und innen nach hin-
ten und aussen verläuft und hinter ihrer Mitte leicht unter-
brochen ist. Die Hinterflügel satt rauchbraun, am Wurzel-
drittheil hell blutroth, mit graulichem, etwas durchsichtigen
224 Gerstaecker;
Analrand und schmaler , wasserhcUer Ouerbinde vor der
Spitze, die den Vorderrand beinahe erreicht und fast ge-
rade verläuft. An der Brust sind die Schulterblätter, an
den Hinterbeinen die Schenkel hell blutroth , das Uebrige
schwarz; der Hinterleib oben und unten lichtroth, an der
Basis fast gelblich.
Von Salto-grande in Brasilien.
16) P. punicea, Thorace pedibusque nigris , capite,
pectoris laleribus, femoribus posticis alarunique basi cocci-
neis: elytris fuscis, obscurius punclulatis, aus basi albido-
tinctis, macula hyalina parva, ovata. Long. corp. 4^/2 lin.,
expans. elytr. 12 lin. — Patria: Brasilia (v. Olfers).
Etwas kleiner als die folgende Art , der sie in Form
und Färbung sehr gleicht. Der Kopf wie bei dieser und
der vorigen sehr breit, das Pronotiim seitlich fast überra-
gend, der Scheitel kurz, zwischen den parallelen Rändern
leicht concav , die Stirn vor dem Rande derselben etwas
hervortretend, dicht und fein gekörnt, ohne alle Leisten;
von Farbe licht mennigroth , der Clypeus mehr scharlach-
oder corallenroth. Der Thorax bräunlich-schwarz, fast matt,
dicht und fein querrunzelig; auf dem Pronotum ausser der
stumpfen, schwieligen Mittellinie eine dickere quere Schwiele
nahe dem Vorderrand, beide von bräunlicher Färbung; auf
dem Mesonotum die ganze Mitte fahlbraun, die glatte Mit-
tellinie stumpf, die Bogenlinien verwischt. Das Metanotum
in der Mitte schwärzlich, seitlich corallenroth. Die schma-
len Flügeldecken gleichmässig und licht braun, etwas durch-
scheinend, in den Zwischenräumen der Adern dunkler ge-
tupft; die Hinterllügel satt rauchbraun, mit licht grauem,
an der Wurzel lebhaft roth gefärbtem Analrande , mehr
nach vorn mit weisslich getünchter Basis und kleinem eiför-
migen Glasfleck vor der Spitze. An den Hinterbeinen sind
die Schenkel und die Basis der Schienen , an der Brust
die mittleren Schullerbläüer und der grösste Theil der Hin-
terbrust, endlich auch der Hinterleib oben und unten leb-
haft scharlachroth.
H. Ilintcrflügei ohne glashellen Mondfleck vor der Spitze,
a) Minterflügel ganz rauchbraun.
17) P. dichroa. Nigra, capite, pectoris lateribus, ferne-
Uebersicht der Fulgorinen-Gattunp Poiocera. 225
ribns posticis abdomineque corallinis, alis basi fusco-dia-
plianis, sanguineo-tinctis. Long-, corp. b% lin., cxpans.
elytr. Ib^/o lin- — Patria: Brasilia (v. Ollers).
Lystra dichroa Germer, Thon's Archiv II, 2. p. 55. no.24 (1830).
Poiocera rubriceps StTil , üfvers. af Vetensk. Akad. Förhandl.
XII. p. 191. no. 2 (1856).
Aus Brasilien, eine der bekanntesten Arten; der vo-
rig-en selir ähnlich im ganzen Baue, durch beträchtlichere
Grösse, dunklere Färbung der Flügeldecken und den Man-
gel des Glasfleckens in den Hinterflügeln leicht zu un-
terscheiden.
18) P, sepulchralis. „Nigra, pectore postice utrinque
macula albo-mucorea, abdomine flavo , subtus medio longi-
tudinaliter nigro." Long. corp. 5 lin., expans. elytr. 1372 lin.
— Patria : Brasilia.
Poiocera sepulchralis Sta], Ofvers. af Vetensk. Akad. Förhandl.
XII. p.191. no.3.
Eine mir unbekannte Art aus Brasilien; soviel sich aus
der sehr kurzen Diagnose entnehmen lässt , sind die Hin-
terflügel bei dieser Art ebenfalls ganz dunkel gefärbt.
b) Hinterflügel auf der Basalhäjfte tief rauchbraun, auf der
Spitzenhälfte viel lichter, durchscheinend ^'').
19) P. carbonaria. Nigra, abdomine infra luteo, ely-
tris crebre viridi-punctatis, apice dilutioribus, fuscis, femo-
ribus posterioribus flavo-pictis. Long. corp. 4y2 lin., ex-
pans. elytr. 14 lin. — Patria: Brasilia (Sello, v. Olfers).
Von mittlerer Grösse, oberhalb ganz schwarz gefärbt.
Der Kopf schmaler als der Thorax , mit kurzem Scheitel,
dessen Oberfläche nur leicht vertieft und dessen Ränder
parallel sind, und flacher, wurmartig gerunzelter Stirn, auf
der nur von der mittleren Längsleis^te eine schwache Spur
zu bemerken ist. Auf demPronolum sind nur wenige aber
grobe Querrunzeln und ein feiner, vorn abgekürzter Mittel-
kiel bemerkbar; das Mesonotum innerhalb der sehr deutli-
chen, glänzend glatten Bogenlinien , beiderseits von dem
^'') Entweder in diese oder in die nächste Categorie scheint
auch die mir unbekannte Poiocera rufifascia Walker (List of Honiopt.
Insects p.229. no. 33) zu gehören.
Archiv für Naturg. KX.VE. Jahrg. 1. Bd. 15
226 Gerstaecker:
ebenfalls glänzenden Mittelkiel fein nadelrissig , matt, bei-
derseits glatt. Die Flügeldecken schwärzlich braun, bis zu
dem lichteren Spitzenfelde stark rippenartig geädert. Die
Adern bis über die Mitte hinaus durchweg schwarz, auf
der Gränze zum Spitzenfelde jedoch alle Queradern licht
gelb; zwischen diesen gelben Adern und der Wurzel ist
der schwarze Grund überall mit zahlreichen grünen Pünkt-
chen zerstreut besäet. Auf den Hinterflügeln ist gewöhn-
lich nur die Basalhälfte dunkel rauchbraun, die Spitzen-
hälfte dagegen durchsichtig und nur leicht braun getrübt;
es kommen jedoch auch Exemplare vor, an denen die Spitze
wieder ziemlich dunkel gefärbt ist und wo dieselbe nur
durch eine lichtere Binde, auf der überdem auch noch die
Adern dunkel umflossen sind , von der tiefbraunen Basis
geschieden wird. Die Brust matt schwarz, mit hellgrüner
Säumung der einzelnen Platten und der Hüften; beiderseits
mit weisser Sekretion bedeckt, die auch an der Basis bei-
der Flügelpaare zu bemerken ist. Die Beine schwarz; die
Mittelschenkel an beiden Seiten mit unregelmässigen gel-
ben Längsflecken, die Hinterschenkel aussen ganz gelb,
innen mit zw^i schwarzen Längslinien , die Hinterschienen
bis auf die schwarze Spitze grünlich gelb. Der Hinterleib
ist auf der ganzen Unterseite rothgelb, zuweilen selbst
mennigroth, welche Farbe zugleich als schmaler Saum die
Oberseite umzieht; das letzte Segment ist beim Weibchen
nur wenig länger als das vorhergehende und wie dies mit
einem feinen Mittelkiel versehen.
In Brasilien, wie es scheint, ziemlich häufig.
20) P. constellata. Capite, thorace pedibusque oliva-
ceis, abdomine miniaceo , elytris fuscis, rufo-venosis palli-
deque maculatis , margine antico viridi , trimaculato , apice
late cervinis, albo-guttatis. Long. corp. G'/j lin. , expans.
elytr. I9V2 lin. — Patria; Cuba (Müller;.
$ Abdominis segmento ultimo praecedente dimidio lon-
giore, unicarinato.
Lystra (PoioceraJ constellata Guerin in Ranion de la Sagra,
llistoria fisica etc. de la isla de Cuba VII. p. 179. (1857).
Poiocera basistella Walker, Lisi of Honiopt. Iiisects p. 297.
no. 30. (1850).
üebersicht der Fiilgorinen-ßattung Poiocera. 227
In Cuba und nach Walker auch in Jamaica einhei-
misch. Die Art würde nach Spinola zu seiner Gattung
Calyptoproctus gehören, da bei dem Weibchen das letzte
Abdominalsegment um die Hälfte länger als das vorherge-
hende ist und den Genitalring überdeckt; der scharfe Mit-
telkiel desselben erstreckt sich über das ganze vorletzte
und die hintere Hälfte des drittletzten Segmentes.
Anmerkung. Dass die von Guerin als L. constellata be-
schriebene mit der Walker'schen Art identisch ist, kann bei der voll-
kommenen Uebereinstimmung aller Merkmale gar nicht zweifelhaft
sein; die einzige abweichende Angabe, der Hinterleib sei bei P. ba-
sistella pechbiaun, beruht wohl ohne Zweifel darauf, dass Walker
ein Exemplar mit durch Fäulniss missfarbigem Hinterleib vor sich
gehabt hat. Trotzdem wird der Guerin'sche Name dem sinnlosen
Walker'schen vorzuziehen sein.
c) Hinterflügel an der Basis und Spitze rauchbraun , mit
durchsichtiger oder hell gef.irbter Mittelbinde.
21) P. cribrata. Capite , Ihoruce elytrisque obscure
cervinis, his punctis pallidis crebre adspersis , alis hyalino-
fasciatis , basi coeruleo-notatis, abdomine apice sanguineo,
pedibus flavo-nigroque variis. Long. corp. 472 lin., expans.
elytr. 14 lin. — Patria : Brasilia (v. Olfers).
Poiocera venosa WaUier, List ofHomopt. Insects p.298. no. 32.
Ein einzelnes Exemplar aus Brasilien. Der Name die-
ser von Walker ganz kenntlich beschriebenen Art musste
wiegen des früher von Germar an eine andere vergebe-
nen geändert werden.
22) P. fuliginosa. Alra, capite flavo-limbato, elytris
apicem versus nervis transversis albidis : alis medio late
hyalinis, basi cyanescenti- notatis, abdomine coccineo, basi
punctisque segmentorum nigris. Long. corp. 4'/2 ^^^"> ex-
pans. elytr. 14 lin. — Patria : Texas (Friedrich).
Fulgora fnliginosa 0\i\\er, Encyclop. method. VI. p. 574. no.39.
Lystra fuliginosa Germar, Thon's Archiv II, 2. p. 52. no. 6.
Nach Oliviers Angabe in Georgien einheimisch:
drei dem Museum aus Texas zugesandte Exemplare stim-
men mit der Beschreibung der Encyclopädie genau überein.
2'd) P. monacha. Atra , elytris ultra medium usque
subtilissime flavo- punctatis , apice dilutioribus fuscis, alis
32S .Ri9:K)Jo*l ^nuüÖriHraitia-efCok er:
lactfe©^fascia*rs.' Lorig^. €0T|)J 4V2 lin., expans. elytr. 121in.
rr^itPatria : Brasilia (Sello).
•)\s.\\i\Cuiyptxipi'bctus liictu'osus Spinola, Annal. d. 1. soc. eutoni. VIII.
9'j'i')ii'!P' 272. ^ne. 5. • -.M-nJi
.)i|/l |ii, Brasilien nieht selten. Beim Weibchen ist das letzte
Hinterleibssegment doppelt so lang- als das vorletzte, in
der Mitte des Hinterrandes flach ausgeschnitten, beiderseits
gerundet; die Mittellinie ebenso wie auf den beiden vor-
hergehenden Segmenten scharf gekielt. — Der Spinola'sche
Artname musste, da er schon früher von Guerin an eine
andere Art vergeben war, geändert werden.
^ ' '■ ' 2A) P. fnarginalis, Atra, abdomine anguste croceo-
timbato, eiytris margine antico guttisque numerosis testaceis,
alis lacteo-fascialis. Long. corp. 4V'3 Hn., expans. elytr.
I2V2 li"- — Patria: Brasilia (Virmond).
Mit der vorigen Art in Grösse und Form übereinstim-
me^pd und derselben überhaupt äusserst ähnlich, so dass ein
Hervorheben der Unterschiede zur Charakteristik genügt.
Die Stirn ist etwas stärker und deutlicher wurmartig ge-
runzelt, die drei Längskiele schärfer markirt , die Backen--
läppen licht pechbraun. Die Flügeldecken sind weniger ge-
schwärzt, mehr pechbraun, das Spitzenfeld kaum heller als
die grössere Basalhälfte ; auf dieser sind die gelben Pünkt-
chen etwas grösser, deutlicher markirt und der ganze Vor-
derrand bis nahe zur ersten Längsader blass knochengelb.
Auf den Hinterflügeln ist der dunkelbraune Basalfleck im
Verhältnisse grösser, der Analrand mit Ausnahme der Spitze
nicht milchweiss, sondern deutlich grau getrübt. Die drei
letzten Hinterleibssegmente haben rothgelbe Seiten- und
Spitzenränder, der letzte beim Weibchen einen besonders
breiten hinteren Saum.
Ein einzelnes Exemplar aus Brasilien.
25) P. tugubris. Nigro-olivacea, capite testaceo, ab-
domine subtus miniaceo, nigro-fasciato, alis hyalinis , mar-
gine anali late, poslico anguste nigro. Long. corp. 6 lin.,
expans. elytr. 17Va ^^^- — Patria: Brasilien.
Lystra luguhris Perty, Delect. animal. p. 177. tab. 35. fig. 5.
Calyptoproctus luguhris Spinola, Annales d. 1. soc. entom.YIII.
p. 270. no. 3.
Uebersicht dei' FnigX)piftöri-^G^attung Poiocera. 92§
Diese- ^eMn-eBmsiliarri^'ch^ Art ilst'iliir'eb(3nsO'' willig
wie Spibola bekannt g-eworden; sie weicht 'von 'cten »Vöi'-ä-
hergehendeudnrch den iii seiner ^anÄienAus^ehnimg^ischiM
schwarz Jg-esäumteii Binterrand s der^ 'Hinterflügel ■ ab. ' NöoK
der i Per*y'schön Abbildung 'ist - d'^r letzte' Hinterleibsriri^
des •Weibchens stark Verlängerti?' ls?.H'hjuiii'> 'jlniUllniHfl nsu
'■'' '26) P.' co/eeplra^a. Capite tli'oraefeff^e fÄscö-oHvaceJsj
a b d 0 m i w© i SU pr« er oee o ,' ' v i tta m a öw I a r i > ri i gl'a ; p e d i b iis n i gris^
trbiis anterioribös- ' flsvoi^annulatis : ? elytris oostato -- venoslis^
fuscis'^ ■ ferru§fine©< ^ adspersis , apice maeiilisi tf rbus nmgiiis
cervirnsi i - -alis iirea infiedia - da ves^jcn-li -iälba . Longi corp-; 4 '/^
-f+5!/5 liniyi expans- elytr* llii/g-^ii^l8^/y liiiii^ f'atria-^'Riö-Ja^
imU& I (Feldner)^ ' :La Giiayra (Haeb^rl4n), i Columbia' (StaTke)§
bfiü üjiVuar. la^if Alis posticis vitt^i 'ariteapicalipellucida; »^Ij
Var. b. Elytris abdomineqiie supra viridibusi * i'^i -^
-ovul'Mon eigethünilich gedrungenem Baue und mit breiten,
kurzen Flügeln. Der Kopf ist seÜr^vielischmalet-alsdeif
Thorax», der ScheiteL nur schwach vertieft, urtebeh , mit
fast gerade abgesehnittenemVorderrandev vor dem der »auf-^
gewoWenei obere 'St im ran d i hervorragt ; die Stirn dunkjok
bi'aun^iglänaend, sehr: grob wurmartig geiuinzelt;,! die jdrei
Längsleisjeh! scharf 'markirt. Der^horai ist wie 'der S^chei-t
tel ioberhölb- bräulnlieh: i oIivenfarbig>, idas Pronotum: etwas
hfeller, dicht gerunzelt^' rtiit 'voi*«' abgestutzter , ziemlich
stitraptfer Mittell^iste; «nd vier rundensxsclrvvärzlichen Gru4
benridasiMesofnotiimdunklerv: fast braun, :am Vorderrändd
Hiitisedi« rixstgelben iPunkteri, die Mittel ^' und die beideii
flogenleisten stark : erh ai) en, gläilzeod ,■ dei* Raum» zwüchea
ihnen. HadelriSsigi. .. ■) lElie ; Flügeldecken mit stark erhabenen',
rippejiartigeniiLäiig.sadernv ßJO; dass diel schmalen^ Zwischen.i.
räume derselben ^virkliche Furchen bilden«, schtviär^lidll
pec^Ubr^aun^i ;be^nders Iäng;s deni Rippen mit wstrothen-Punk-
tciu , liun^ , B'JjBckQft gesprenkielt : uad in den i iZwischenräomiin
ül:iprii|J,|jiiiit,i(^ichtem : m^F^chige« 'Adernetz von »restgelbej
It'a^rtlft ge!§<?hiieQk(^*(l^i?Jjm>Bßgii;uie des.aiemiioh schmalen S?pi1>l
Z5^infeide$j ßrschm]m diöi Flügeldecke,n!(diirch - das ^ Auifberei)
der starken Längsadern wiftigöhäicJstjülidjlfSJnd: .liier.'la4if
sen rostfarbeficp Ifteciei^ JgmmtV^J^Qfi'-dßiAii^imneT den
230 Gerstaecker:
Aiissenrand einnimmt, die beiden anderen, hinter einander-
stehenden dem Vorderrande genähert sind. Die Hinterflü-
gel mit querem weissgelben Spiegelfelde , welches an der
Wurzel schmal schwarzbraun getüncht ist, während es nach
hinten und aussen von einer breiten, gleichfalls dunkelbrau-
nen Randbinde eingefasst wird; am Anal- und Hinterrande
ist diese Binde stellenweise lichter gefärbt, mehr durch-
sichtig, nahe der Spitze durch die weiss gesäumten Quer-
äderchen gegittert. Brust und Beine matt schwarz, erstere
mit gelbgesäumten Schulterblättern und Hüften, letztere an
den Vorder- oder Mittelschienen mit goldgelbem Ringe vor
der Spitze. Der Hinterleib unten ganz schwarz, oben oran-
gefarben mit schwarzen Randflecken und einer aus fünf Fle-
cken bestehenden Mittelbinde, welche auf dem dritten und
vierten Ringe am breitesten ist.
Zwei übereinstimmende Exemplare der eben beschrie-
benen Stammform aus Brasilien.
Bei zwei anderen von La Guayra und Puerto Cabello,
obwohl sie entschieden dieser sehr auffällig gebildeten Art
angehören, zeigen sich Unterschiede in Färbung und Zeich-
nung, wie sie im Ganzen bei den Arten dieser Gattung sel-
ten vorkommen. Das erstere ist auf den Flügeldecken
merklich heller, auch auf dem Wurzelfelde fast rehfarben
und auf den Hinterflügeln wird die breite braune Rand-
binde vor der Spitze durch ein ausgedehntes glashelles
Feld unterbrochen. Letzteres ist in übereinstimmender
Weise auch bei dem zweiten, bedeutend kleineren Exemplar
aus Puerto Cabello der Fall, welches sich jedoch seinerseits
wieder durch graugrüne Färbung des Hinterleibs, stark grün
getünchte Flügeldecken und grünlich weissen Spiegel der
Hinterflügel auszeichnet.
27) P. olivacea, „Pallida, prothorace medio carinato,
elytris pallide olivaceis, striga transversa maculisque mar-
ginalibus et macuhi terminali nigris: alis nigris, lunula la-
tissima vitrea , virescente , abdomine pallido , medio nigro,
pedibus nigris." Long. corp. S'/j lin., expans. elytr. 20 lin.
— Patria: Santa Cruz, Boliviae.
Poiocera olivacea Blanchard in d'Orbigny, Voyage (Jaos i'Awer,
merid. VI, 2. p. 221. no. 776. pl. XXXL 6g. 2,
Uebersicht der Fulgorinen-Gatlung Poiocera. 231
In Form, Färbung und Zeichnung- nach der von Bl an-
chard gegebenen Abblildung mit der vorigen Art so we-
senllich übereinstimmend , dass man sie für identisch mit
derselben halten könnte; indessen zeigen sich doch, abge-
sehen von der viel bedeutenderen Grösse, hinreichende Un-
terscheidungsmerkmale. Zu diesen gehört erstens die Zeich-
nung der Flügeldeckenspitze, welche von dem Wurzelfelde
nur durch eine sehr schmale, lineare, zweimal eingeknickte
schwarze Binde abgegränzt ist und ausser der kleinen
Spitzeiimakel keine weitere dunkele Zeichnung erkennen
lässt; zweitens die viel breitere, nicht in Flecke getheilte
Hinterleibsbinde, endlich auch der stark dreikielige Prothorax
und die Färbung der Beine. — Von Santa Cruz in Bolivia.
28) P. satellitia. „Fulvo - viridis , metathorace nigro,
abdomine rufo , pedibus nigro - fuscis , viridi-vittatis, tibiis
tarsisque posticis ferrugineis : alis anticis viridibus, flavo-
maculatis, apice viridi-flavis, subhyalinis, nigro-5-maculatis,
posticis nigris , fascia arcuata alba ornatis." Long. corp.
7 lin., expans. elytr. 19 lin. — Patria : Venezuela.
Poiocera satellitia Walker, List of IJomopt. Insects p. 296. no. 29.
Eine mir unbekannte Art, die den vorigen beiden, wie
es scheint, verwandt ist.
d) Hinterflügel mit rolher Basal - und schwarzer Spitzen-
hälfte.
29) P. imperatoria. Obscure olivacea, fronte, verticis
margine, pronoti fascia basali, pectoris macula magna laterali,
femoribus posticis abdoaiineque miniaceis : elytris fuscis, vi-
ridi-rufoque reticulatis, maculis 19 fasciisque duabus ante-
apicalibus linearibus, arcuatis (interna interrupta) miniatis.
Long. corp. 11 V2 'in., expans. elytr. 33 lin. — Patria: Co-
sta. Rica (HofTmann).
Eine riesige Art in dieser Gattung und nicht nur durch
schöne Färbung, sondern auch ganz besonders durch die
auffalleude Form des Scheitels ausgezeichnet. Derselbe ist
nämlich bei massiger Kopfbreite fast halbkreisförmig, nur
um ein Dritttheil kürzer als das Pronotum, am Innenrande
der Augen gerade abgeschnitten , der bogenförmige^Vor-
derrand erst weit vor den Augen beginnend und sich nach
vorn immer mehr vom Hinterrande entfernend ; die Ober-
232 Gerslaecker:
fläche des Scheitels leicht concav, besonders geg^en den
aufgebogenen Vorderrand hin, uneben, mit kurzer, vorde-
rer Mittelleiste und darauf folgender breiter Grube. Wäh-
rend die hintere Hälfte des Scheitels die olivengrüne Fär-
bung des Thorax zeigt, ist der breite Spitzensaum gleich
der ganzen Unterseite des Kopfes hell mennigroth ; die mit
ihrem scharfen Rande über den Scheitel hervortretende Stirn
dicht und fein granulirt, matt glänzend , ohne Spuren von
Längsleisten , dagegen mit stark erhabener, zweitheiliger
unterer Querleiste. Das dunkel olivengrüne Pronotum ist
am Hinterrande mennigroth gesäumt, besonders auf der hin-
teren Hälfte stark querrunzelig, vorn leicht eingedrückt und
beiderseits mit einigen flachen Höckern versehen, längs der
Mitte deutlich gekielt; das Mesonotum mit geglätteter
schwärzlicher Basis , etwas schwächerem Mittelkiel und
wurmartig gerunzeltem Mittelfeld, welches gegen den Vor-
derrand hin geradlinig abgeschnitten und leicht vertieft ist.
Das Schildchen röthlich mit pechbrauner Spitze, das Meta-
notum tief schwarz. Die Flügeldecken schwarzbraun, mit
mennigrolhem, hier und da grün getünchten Adernetz dicht
durchzogen; auf dem Wurzelfelde stehen neunzehn mennig-
rothe Tropfenflecke und zwar vier im Vorderrande, drei
dicht hinter demselben, die übrigen in drei Längsreihen
vertheilt. Das Spitzenfeld, auf dem das Adernetz ausschliess-
lich mennigroth , fast gelb ist , dessen Spitzenrand jedoch
wie blauschwarz erscheint , wird von zwei linearen, stark
gekrümmten mennigrothen Querbinden durchzogen, von de-
nen die äussere ganz , die innere hinter der Mitte breit
unterbrochen ist und zwar gerade da , wo sie sich unter
einem spitzen Winkel nach innen wendet. Die Hinterflügel
sind auf der Wurzelhälfte satt zinnoberroth , an der äus-
sersten Wurzel, der Aussenhälfte und dem Hinterrande tief
schwarzbraun, fast reinschwarz; der Analrand zeigt eine
Mischung von Roth und Grün. Brust und Beine sind matt
schwarz, an ersterer jederseits ein grosser Fleck, an letz-
teren die ganzen Hinterschenkel und die Basis der Hinter-
schienen mennigrotli. Letztere Farbe zeigt auch der Hin-
terleib, an dem nur oberhalb das erste und die Mitte des
zweiten Segmentes geschwärzt sind , während die beiden
Uebcrsicht der Fulgorinen-Gattung Poiocera. 233
folgenden jederseits am Vorderrande drei schwarze Punkte
führen. Beim Weibchen sind die vier letzten Segmente in
der Mitte gekielt, das letzte von der Länge des vorher-
gehenden.
Von Costa Rica.
30) P. comhusta. Viridi-olivacea, capite ferrugineo,
pronoto flavo-limbato, elytris fiiscis, rufo-venosis et macii-
latis, fasciis diiabus anteapicalibus, altera angusta, arcuata.
altera lata, undnlala croceis : abdomine basi excepta femo-
ribusque sanguineis. Long. corp. 9 — 10 lin., expans. elytr.
25 — 29 lin. — Patria: Nova Granada (Goudot) , La Guayra
(Munter).
Lystra combusta Westwood, Arcana entomol. II. p. 90. pl.71.
flg. 2.
In der Form des Scheitels der vorigen Art am näch-
sten kommend , indem auch hier der Vorderrand erst weit
vor den Augen seine Rundung beginnt;* die Ausdehnung
in der Länge ist jedoch viel geringer, kaum der halben
Prothoraxlänge gleich, die Aushöhlung der Oberfläche be-
trächtlicher. Beim Weibchen ist der letzte Hinterleibsring
von der Länge des vorletzten und wie die drei vorherge-
henden in der Mittellinie gekielt; der Genitalring ragt frei
hervor.
Beide Geschlechter aus Neu-Granada und La Guayra.
e) Hinterflügel mit breit hellgefarbter, schwärzlich unigür-
teter Basis und durchsichtiger, aber angerauchter Spitze.
31) P. aegrota. Olivacea, pedibus elytrisque pallide
viridibus, his margine antico basi sanguineo : abdomine su-
pra (basi nigra excepta) alarumque basi late coccineis.
Long. corp. 4V2 lin-5 expans. elytr. 13 lin. — Patria : Co-
lumbia (Starke).
Kopf und Thorax licht olivenfarbig, etwas glänzend,
ersterer reichlich von der Breite des Thorax, mit ausgehöhl-
tem, parallel gerandeten Scheitel , über dessen Vorderrand
der scharfe obere Stirnrand hervortritt; die Stirn wurm-
artig gerunzelt, mit drei deutlichen, fast ganz senkrecht
verlaufenden Längslinien , von denen die seitlichen in der-
selben Höhe beginnen , wo die mittlere endet und mit
schwacher, dreibuckliger Querleiste oberhalb des an deri
234 Gerstaccker:
Basis stark zweischwielig-en Clypeiis. ProRotum mit schar-
fem Mittelkiel, vorn jederseits mit tiefer Grube, hinten seicht
querg-eriinzelt ; Mesonotum mit fein nadelrissigem Mittel-
felde, dessen Mittelkiel hinten zweitheilig und dessen Bo-
genlinien stark erhaben, glänzend und glatt sind; Metano-
tum schwärzlich, mit roth gemischt. Flügeldecken fahl und
fast durchscheinend gelblichgrün , mit spangrünem Geäder
und ziemlich grossen, aber sich schwach markirenden gutt-
gelben Flecken, die jedoch dem Spitzenfelde fehlen; das
Basaldritttheil des breiten Vorderrandes ist lebhaft blutroth,
mit einigen grünen Fleckchen und eine schwächere rothe
Färbung überzieht auch den hinteren Theil der Flügeldecken-
wurzel. Die Hinterflüofel sind über die kleinere Basalhälfte
hin hell mennigroth , im Uebrigen licht rauchbraun, jedoch
mit einem dunkleren , bindenförmigen Schatten auf der
Gränze zum Rothen, der den Vorderrand aber nicht er-
reicht. Die Brust*, die ganzen Beine , die Unterseite des
Hinterleibs mit Einschluss des Genitalringes sind hell gelb-
lichgrün , die Oberseite des Hinterleibs scharlachroth mit
schwarzer bis zur Mitte des zweiten Ringes ausgedehn-
ter Basis.
Von Puerto Cabello.
32) P. amabilis. Capite thoraceque cervinis , elytris
dilute sanguineis, fascia obliqua pallide flava , nigro-cincta
ornatis, apice dilute brunneis : alis dimidio basali abdomine-
que supra laete coccineis, hoc infra cum pedibus rufo-ci-
nereo. Long. corp. 4y2 lin., expans. elytr. ISy^ — 13 lin. —
Patria : Brasilia (v. Olfers).
Kopf und Thorax licht hirschbraun mit röthlichem An-
fluge, ersterer so breit wie der Thorax, mit kurzem, aus-
gehöhlten, parallel gerandeten Scheitel, vor dessen Vorder-
rand der obere Stirnrand sich dicht anlernt; die Stirn fast
rostfarben, fein wurmartig gerunzelt, mit fast ganz verlo-
schenen Längsleisten und kaum angedeutetcrQuerlinie ober-
halb des Clypeus. Das Pronotum mit feinem Mittelkiele,
ohne merkliche Eindrücke, hinten leicht querrunzlig; das
Mesonotum mit feinen, aber deutlich erhabenen Bogenlinien
und fein cisilir'em Mittelfelde; das Metar.otum scharlach-
roth , in der Mitte geschwärzt. Die Flügeldecken bis zum
Uehersicht der Fulgorinen-Galtung Poiocera. 235'
licht rehfarbonen und ziemlich durchsichtigen Spitzenfelde
hell blutroth , spangrün längsgeädert , auf der Gränze zu
diesem mit einer schmalen, schräg nach aussen und hinten
verlaufenden hellgelben Querbinde, die beiderseits schwärz-
lich begränzt ist, geziert. Die Hinterflügel mit lebhaft
scharlachrothem Wurzelfelde, welches nach hinten und aus-
sen von einem tief schwarzbraunen, vorn abgekürzten und
hier in das Rothe hineingebogenen Bande umgränzt wird ;
die Spitzenhälfte lichtbraun , doch auf der Gränze zum
Rothen fast hyalin. Brust, Beine und Unterseite des Hinter-
leibes sehr matt und hell blutroth, leicht grau bereift;
die Oberseile des Hinterleibes dagegen mit Ausnahme der
schmalen tief schwarzen Basis brennend scharlachroth, an
der Basis jederseits mit drei schneeweissen Punkten.
Diese kleine, sehr schön gefärbte Art stammt aus
Brasilien.
33) F. sanguinolenta. Ferruginea , elytris viridibus,
ante apicem croceo -fasciatis , margine antico ad medium
usque sanguineo : abdomine alarumque basi coccineis. Long,
corp. 4V'3 lin. , expans. elytr. 10 V2 ün. — Patria : Santa
Cruz, Boliviae.
Poiocera sanguinolenta ßlanchard in d'Orbigny, Voyage dans
rAiner. ineiid. VI, 2. p. 221. pl. XXXI. fig. 3.
Die Diagnose dieser mir unbekannten, aus Santa Cruz
stammenden Art habe ich nach der vonBlanchard gege-
benen Abbildung , mit der seine kurze Charakteristik fast
im geraden Gegensatze steht, angefertigt. j\ach ersterer
muss P. sanguinolenta der vorigen Art sehr ähnlich sein,
von der sie sich hauptsächlich durch geringere Grösse und
durch die Färbung der Flügeldecken unterscheidet; diese
sind dunkelgrün mit bis zur Mitte blutrothem Vorderrande
und schmaler rothgelber Querbinde vor dem geschwärzten
Spitzenfelde.
34) P. nuptialis. Capite thoraceque nigris, supra cro-
ceo-variis, pedibus sanguineo-maculatis, elytris aurantiacis,
viridi-venosis nigroque maculatis, apice subhyalinis, abdo-
mine alarumque area basali croceis. Long. corp. 4V3 lin.,
expans. elytr. 14 lin. — Patria: Brasilia (Virmond).
Der Kopf ist sehr schmal, kaum von zwei Dritttheilen
236 G e r s t a e c k e r :
der Thoraxbreite, schwarz, der kurze und kaum ausg-ehöhlte
Scheitel schmutzig gelb gefleckt; die Stirn oberflächlich
wurmartig gerunzelt, mit deutlichen, obwohl nicht scharfen
drei Längsleisten , von denen die beiden seitlichen dicht
über dem Clypeus durch eine feine Querfurche verbunden
werden; der Clypeus mit zwei glatten braunen Längsschwie-
len, dazwischen fein querriefig. Das Pronotum mit glattem
Mittelkiel und erhabener Querleiste vor dem Hinterrande,
im Uebrigen gerunzelt, gelblich gefleckt; das Mesonotum
mit sehr scharfen und glatten Bogenleisten, gelbgefärbtem
Mittelkiel, dicht gerieftem Mittelfelde und sieben grösseren
rothgelben Flecken, von denen vier am Vorderrande, drei
an der Spitze stehen; das Metonotum vorn goldgelb, hinten
schwärzlich. Die Flügeldecken bis auf das fast glashellei;
licht braun gewässerte Spitzenfeld lebhaft orangefarben,
die Längsadern überall, die Queradern von der Mitt^ s^rti
hellgrün; mit grossen, unregelmässigen schwärzbraunen
Flecken gescheckt, von denen die beiden grössten und inn
tensivsten auf der Gränze zum Spitzenfelde fast eine schiefe^
in der Mitte leicht unterbrochene Quevbinde darstellen., pipi
Hinterflügel mit grossem , satt goldgelben WurÄed^piegeJ,)
der ringsherum breit und intensiv schwarzbraun eingefasst
ist und der sich in eine gegen die Spitze hin immer mehr
sich verlierende rauchbraun^ Trübung fortsotzt^i i DieüBrust
und die vorderen Beifte matt schwiarzfian'iletzteren dise Spitzei
der Schenkel und zwei Schienenringe' breit cörallenroth-d
die Hinterschenkel röthg^lb mil ' breiter pechlvrauner Basis
an der Aussenseite ^ die Hinterschienen grünüürhgelb f diies
breite 'Spitze 'Hiidi die li Konten pechbiraun. n DeMHintörlieib
ist oben tibd iinten einfarbig : gx)ldgelbi! jj^mi&iü'i :Hb lUnuh
ODmiiA-Uis Bra^iliertnlJiiil uJiii/i iux dd lim njJToJQylnub bfli>.
ff >ir]35) ! iP^ '.flaviventris:^ f 'yGrisea ,: abdomine isbpra' flalwiDy
alis hyalinis, fascia media nigra, basi croceis.^'W-uiPatfijijü
Brasilia; ;sJ*i .^rriiin oiM^O-urKMii o;iu<i ) .viviiMi^im ,H ( 1^(-
,?JOßilit/»tJftt; flamt;eh,tfis' ßeJ'iBBivii'Pfciön'« ArcWvr'.II^ißb'pj 54-.! ina./3-2rj j
-ohdiEineitiir unbekannte 'Brasilianische iiVir!t,vv«lclwi^ nach
Ger m air's Angabea ; der vorigen) sehn )nah®i!(Steheri]^^m>ttss^
sich aben'i durch die Äew . Afördlerraad > nicht i eitreichende
Uebeisicht der Fulgoiinen-Gattung Poiocera. 237
gescheckten Beine und die olivengrauen Flügeldecken un-
terscheidet.
36) P. multiguttata. Cervinn, abdomine nigricante, ely-
tris basi viridi-venosis flavoque maculatis, ante apicem al-
bosparsum maculis tribus coccineis quartaque basali orna-
tis : alis basi coerulescentibus. Long. corp. 5 lin., expans.
elytr. 16'/, lin. — Patria: Parä (Sieber).
Lystra mulliyultala '" ßurmeister, Genera Insect. p.31. no. 2.
Von Parä. — Durch die von Burineister hervor-
gehobene Leistenbildung der Stirn sehr ausgezeichnet.
f) Hinterflügel mit schwarzer , meist farbig getünchter Ba-
sis und glasheller Spitze.
37) P. picta. Capite et mesonoto croceis , nigro-va~
riis, femoribus abdomineque sanguineis, pronoto elytrorum-
que basi viridibus , his flavo- maculatis, apice hyalinis,
fusco-tinctis : alis basi latius coeruleo-venosis. Long. corp.
8—10 lin. , expans. elytr. 21—30 lin. — Patria : Brasilia
(Virmond), La Guayra (Otto).
$ Abdominis segmento ultimo praecedente triplo lon-
giore, acute unicarinalo.
Lystra picta Germar, Thons Archiv II, 2. p. 54. no. 17. (1830).
Lystra flavopunctata Perty , Delectus animal. p. 176. Taf. 35.
flg. 4. (1834).
Foiocera flavopunctata Spinoia , Annal. d. I. soc. entom. VIIL
p. 279. no. 4.
Eine der bekannteren und mit die grösste Art der
Gattung, aus Brasilien und La Guayra. Wie bei P. multi-
guttata Burm. ist der obere Stirnrand in der Mitte schnep-
penartig zugespitzt, hier aber zugleich der vordere Schei-
telrand in der Mitte stark eingekerbt und spitzig zurück-
gedrängt. Auf der Stirn zeigt ^ich jederseits von der
durchgehenden, stumpfen mittleren Längsleiste nach unten
eine breite T-förmige Schwiele, beide auf schwarzem Grunde
durch hellgelbe Färbung ausgezeichnet. Eben so abwei-
chend von dem gewöhnlichen Typus ist die Sculptur des
Mesonotum, auf dem ausser der scharf ausgeprägten Mittel-
leiste und den ebenfalls stark erhabenen , hier fast recht-
winklig gebrochenen Bogenleisten sich noch zwei fernere
Längslinien auf dem Mittelfelde markiren, die hinten gabiig
238 Gerstaecker:
gespalten sind und durch den äusseren Gabelast sich mit
den Bogenleisten verbinden. Am Hinterleibe ist das vor-
letzte Segment seitlich, das letzte am ganzen Spitzenrande
hellgrün gesäumt; dieses beim Weibchen dreimal so lang
als das vorhergehende und nebst diesem und der hinteren
Hälfte des drittletzten in der Mittellinie scharf gekielt.
38) P. himacula. „Fulva , metathorace piceo , abdo-
mine subtus et apice fulvo, tibiis anticis nigro - maculatis :
elytris ferrugineis, maculis duabus flavis ad costam ornatis,
apice fulvis : alis fuscis, apice sublimpidis." Long. corp.
6 lin., expans. elytr. 21 lin. — Patria ignota.
Poiocera himacula Walker, List of Homopt. Insects p. 300. no.35.
Bei dieser mir unbekannten Art sind nach W a Iker's
Angabe die Hinterflügel bis über die Mitte hinaus braun
gefärbt und scliwarz geädert.
39) P. tricolor. Fusco-olivacea, pedibus nigris, flavo-
pictis, abdomine basi excepta coccineo : elytris crebre vi-
ridi-guttatis, apice cervinis, albo-punclatis. fascia lata hya-
lina, nigro-variegata : alarum basi coeruleo-venosa. Long,
corp. 6 lin., expans. elytr. 15 lin. — Patria : Mexico (Eh-
renberg).
Kopf und Thorax sind bräunlich olivenfarben, ersterer
ziemlich breit, mit kurzem, ausgehöhlten, parallelkantigen
Scheitel und sehr fein ciselirter, deutlich dreiriefiger Stirn,
ohne Querleiste oberhalb des Clypeus; die Mitte der Stirn
dunkler, fast grau, die Seiten heller, rostgelb. Das Pro-
notum nur sehr stumpf gekielt, fein querrunzlig, das Me-
sonotum mit feinem, glänzenden Kiel auf dem zart nadel-
rissigen Mittelfelde , das nur durch schwache Bogenlinien
begränzt ist; an der Aussenseite derselben jederseits ein
('ünkelbrauner Fleck. Das Metanotum ist tief sammetschwarz
gefärbt. Die Flügeldecken sind im Grunde schwarzbraun,
erscheinen jedoch durch das dichte hellbraune Adernetz,
welches nur wenig von der Grundfarbe übrig lässt, fast
rehfarben; auf der grösseren Wurzelfläche ist der Grund
ausserdem überall mit sehr zahlreichen hellgrünen, auf dem
ganz lichtbraunen Spitzenfelde mit sparsamen weisslichen
Punkten gesprenkelt. Eine sehr breite glashelle Querbinde
vor dem Spitzenlelde , die sich am Vorder- und Hinter-
Uebersicht der Fnlgorinen-Gattung Poiocerä. 239
rande erweitert, ist mit zwei zerschlitzten schwärzlichen
Makeln besetzt. Die glashellen Hinterflügel haben ein satt
schwarzbraunes, himmelblau geädertes Wurzelfeld, von
welchem noch einzelne blaue Adern auf den sonst schwarz
geäderten hyalinen Theil übergehen. Brust und Beine sind
schwarz und rostgelb gescheckt ; auf den Schenkeln zeigt
sich diese Scheciumg nur in einigen undeutlichen Makeln,
auf den Vorder- und Mittelschienen dagegen in zwei scharf
markirten gelben Ringen. Der brennend scharlachrothe
Hinterleib ist unterhalb durchweg breit schwarz bandirt, auf
der Verbindungshaut jedes Segmentes mit einer schwarzen
Makel versehen und oberhalb vom dritten Ringe an mit
mehreren quergestellten Punkten gezeichnet; eine volumi-
nöse weisse Wachssekretion verhüllt die Spitze.
Aus Mexiko.
40) P. lepida. Fusco- grisea, abdomine coccineo, ni-
gro-vario, elytris brunneis, coeruleo-punctatis , fascia lata
hyalina , nigro - sparsa : alis basi fuscis , coeruleo- venosis.
Long. corp. 3% lin. , cxpans. elytr. 12 lin. — Patria:
Brasilia.
Poiocera lepida Spinola , Annal. d. I. soc. entoni. VIII. p. 281.
no. 7.
Die von Spinola gegebene Beschreibung dieser Art
passt in allen Punkten so genau auf die vorhergehende,
dass man sie recht gut auf dieselbe beziehen könnte; nur
die Grösse ist zu auffallend abweichend und die Vaterlän-
der beider zu different, um eine Vereinigung ohne Vergleich
des Spinola'schen Exemplares vorzunehmen.
41) P. coraUina. Coccinea , capite thoraceque laete
miniaceis, hoc nigro-maculato, elytris dimidio basali testa-
ceo, nigro -punctato, apicali hyalino , fusco-venoso : abdo-
minis alarumque basi nigro - fusca. Long. corp. ö'/j lin.,
expans. elytr. 15 lin. — Patria: Caraccas (Gollmer).
Der Kopf sehr licht mennig-, fast orangeroth, von
mittlerer Breite, mit verhältnissmässig grossen und schräg
nach hinten gerichteten Augen und deutlich ausgehöhltem
Scheitel , der dadurch, dass die Stirn mit starker Wölbung
über seinen Vorderrand hervorragt, weniger kurz erscheint:
die Stirn sehr fein und seicht gerunzelt, ohne alle erha-
240 Gerstaecker:
bene Leisten. Das Pronotiim gelblich, stellenweise roth
getüncht, mit zwei vorderen und vier hinteren schwarzen
Punkten, der Mittelkiel fein, glänzend, die Oberfläche quer-
riefig; das Mesonotum mit deutlicher Mittel- und gleichen
Bogenleisten , im Mittelfelde fein ciselirl , orangefarbig mit
mehr gerötheten Stellen und folgender schwarzer Zeich-
nung: eine Querbinde am Vorderrande, die sich jederseits
fleckig erweitert, zwei Längsbinden zur Seite des Mittel-
kiels und drei Flecke jederseits vor der Spitze, von denen
die zwei inneren klein , punktförmig , der äussere grösser,
länglich dreieckig ist. Das Metanotum tief schwarz. Die
Flügeldecken kaum bis zur Mitte undurchsichtig , von
schwärzlicher Grundfarbe, welche aber durch die sehr
zahlreichen und starken Adern fast ganz verdeckt und
durch diese licht gelb, mit schwarzen und sparsamen ro-
then Pünktchen gemischt, erscheint; nur am Vorderrande
erstreckt sich die gelbe Färbung über die Mitte hinaus,
während sonst die grössere Spitzenhälfte glashell , jedoch
von braun umflossenen Adern, deren Anzahl auffallend ge-
ring ist, (man zählt nur neun Längsadern) durchzogen und
durch diese angeraucht erscheint. Die Hinterflügel im Ba-
saldrittlheile fast dintenschwarz, im Uebrigen glashell, sehr
schwach gebräunt. Brust, Hüften, Schenkel und Unterseite
des Hinterleibes brennend corallenroth; die Vorder- und
Mittelschienen lichtgelb, mit zwei schwachen, pechbraunen
Bingen, die Hinterschienen nur mit gebräunter Spitze. Auf
der Oberseite ist der Hinterleib dunkler, mehr carminroth,
längs der Mitte auf allen Segmenten bis nahe zum Spitzen-
ende tief schwarz; das Endsegment ist beim Weibchen fast
doppelt so lang als das vorhergehende, einkielig, die Spit-
zenhälfte licht grünlichgelb gefärbt.
Aus Caraccas.
42) P. Sermllei. Fusco-nigra, elytris sanguineo-tin-
ctis, apice hyalinis, alis basi late purpureo-nigroque mixtis :
abdomine infra nigro, croceo -limbato , supra dilute rufo.
Long. corp. ö'/j Hn-, expans. elytr. 16 lin. — Patria: Bra-
silia (v. Olfers, V. Langsdorf).
Lystra Servillei Guerin in Duperrey Voyage de la Coquille H, 2.
p. 187. pl. X. flg. 8. (1830).
Uebersicht der Fulgorinen-Gattung Poiocera. 241
Poiocera Sen?i7?ei Spinola, Annales d. 1. soc. entom.VIII. p.2^ .
no. 6.
Lyslra miniacea '"' Germar, Thon's Archiv II, 2. p. 54. no. 19.
(1830).
Aus Brasilien. Nach der ziemlich weiten Ausdehnung
der schwärzlich purpurrothen Basis der Hinterflügel mit dem
sie umgebenden schwarzbraunen Bande würde diese Art
ebenso gut oder fast besser in die Nähe von P, nuptialis,
amabilis u. s. w. passen , nur dass die Spitzenhälfte der
Hinterflügel bei ihr vollkommen wasserhell ist.
43) P. semilimpida. „Fulva, capite nigro -trimacu-
lato et unifasciato , mesothoracis scutello nigro -octomacu-
lato: abdojnine subtus basi luteo, pedibus fulvis , alis lim-
pidis, basi rufis, elytris dimidio nigris, flavo-bimaculatis et
unifasciatis." Long corp. 6 lin., expans. elytr. 16 lin. Pa-
tria : Parä Brasiliae.
Poiocera semilimpida Walker , Lisi of Homopt. Insects p. 300.
no. 36.
Von Parä; mir unbekannt.
44) P. conspersa. Fusco- nigra, abdomine coccineo-
limbato, elytris venis transversis maculisque numerosis fla-
vescentibus, apice hyalino-maculatis , alis basi late fuscis:
femoribus anterioribus compressis, dilatatis. Long. corp.
4% li»-? expans. elytr. liyj lin. — Patria : Bahia (Gomes).
Lystra conspersa Germar, Thon's Archiv II, 2. p. 55. no. 23.
(1830).
Poiocera Luczoti Laporte , Annales d. 1. soc. entoin. I. p. 222.
pl. 6. flg. 1. (1832).
Poiocera ruhrivitta Walker, List of Homopt. Insects p. 299.
no. 34. (1850),
Von Bahia. Eine durch gedrungenen Bau, breiten
Hinterleib , die an der Basis nach rückwärts ziemlich auf-
fallend erweiterten Hinterflügel , besonders aber durch die
zusammengedrückten, stark erweiterten Vorder- und Mit-
telschenkel ausgezeichnete und leicht kenntliche Art; die
entsprechenden Schienen sind im Vergleiche mit anderen
Arten ebenfalls deutlich erweitert.
g) Hinterflügel mit hellgefärbter Basis und glasheller Spitze.
45) P. venosa. Pallide olivacea, abdomine supra ely-
trorumque dimidio basali maiore dilute sanguineo , his re-
Arohiv. f. Naturg. XXVI. Jahrg. 1. Bd. 16
242 Geistaecker:
mole nigro-venosis, apice hyalinis : alis hasi corcinea , an-
gulo anali hie fusco, pedibus flavo-nigroque variis , genu-
bus sanguineis. Long. corp. 4 — 5V2 lin., expans. elytr.
11 — 14 lin. • — Palria: Brasilia (Virmond).
Lystra venosa Gerniar, Thon's Archiv II, 2. p. 54. 110. 20. (18c0).
Lystra cruenla "'' Burmeister, Genera Insect. p. 31. no. 1. (1838).
Poiocera divisa Walker, List of HojDopt. Insects p. 297. no. 31.
(1850).
In Brasilien eine der häufigeren Arten, Avelche in
mehrfacher Hinsicht als eine von dem Gattungstypus ab-
errirende anzusehen und vielleicht generisch abzutrennen
ist. Der ausserordentlich schmale, sich nicht um den Pro-
thorax herumlegende , sondern hinten fast gerade abge-
schnittene Kopf und ganz besonders die nirgends eine
Analogie lindende, sehr abnorme Aderung der Flügeldecken
zeichnen sie sehr aus. Zur Gattung Lystra , mit der sie
Burmeister vereinigte, gehört sie noch weniger als zu
Poiocera.
46) P. costala. Capite thoraceque olivaceis, abdomine
alarumque basi coccinea , his angulo anali anguste fusces-
cente: elytris sanguineis, nigro- maculatis, margine antico
virescente, apice griseis, nebulosis. Long. corp. 473 lin.,
expans. elytr. 12 lin. — Patria: Surinam (Cordua) , Bahia
(Sello).
Lystra costnta Fixhnc'ms, Syst. Khyngot. p. 59. no. 10. — •'" Bur-
meister, Genera Insect. p. 31. no.2.
Stoll, Cigales pl. VI. Hg. 30.
Ebenfalls eine der häufigeren und bekannteren Arten,
in Surinam und dem nördlichen Brasilien einheimisch; durch
den der Quere nach tief ausgehöhlten Scheitel sich auf-
fallend den Arten der Gattung Lystra nähernd, welchen sie
Bu r m e i s t e r auch beizählte.
47) P. elegans. Capile, thorace pedibusque testaceis,
his nigro-irroralis, abdomine supra nigro, viridi-maculato:
elytris basi purpureis ( vel roseis), apice hyalinis, fusco
variegatis , alis basi virescentibus. Long. corp. ö'/a ^^^-t
expans. elytr. 16 lin. — Patria : Surinam (Cordua), Brasilia
(Yirmond).
Lystra eleyans 0\\\\gy, Encyclop. niethod. VI. p. 574. no. 36. —
Germar, Thon's Archiv II, 2. p. 54. no. 18.
Uebersicht der Fulgorinen-Gattung Poiocera. 243
Calyptoproctiis elegans et lystroides Spinola , Annal. d. 1. soc.
entom, VIII. p. 269. no. 1 u. 2. pl. 3. fig. 5.
Stoll, Cigales pI.XXI. fig. 111.
In Surinam und dem nördlichen Brasilien häufig und
besonders in der Intensität und Ausdehnung- der rothen
Färbung- auf den Flügeldecken sehr schwankend ; während
bei manchen Exemplaren die Basalhälfte tief carminroth
erscheint, finden sich andere mit blass rosenrother und noch
andere mit sehr schmal rothgefärbter Basis, die nach aus-
sen durch einen schwarzbraunen Fleck begränzt wird. Auf
Exemplare mit blassrother Basalhälfte scheint mir Spinola's
Calyptoproctus lystroides begründet zu sein, der mir sonst
keine spezifischen Unterschiede darzubieten scheint.
48) P. tibialis. F'emoribus tibiisque anticis foliaceo-
dilatatis , abdomine viridi , ante apicem croceo-maculato,
elytris retrorsum late ferrugineis, antrorsum hyalinis, ir-
regulariter fusco - vittatis, alis basi flavo-viridibus. Long-,
corp. 6V2 iin-? expans. elytr. 16 lin. — Patria: Rio-Janeiro
(v. Langsdorf).
Lystra tibialis Gerniar, Thon's Archiv 11,2. p. 54. no. 21.
Calyptoproctus heteroscelis Spinola, Annal. d. 1. soc. entoin. VIII.
p. 273. no. 6.
O
Poiocera semipellucida Sta! , Ofveis. af Kongl. Vetensk. Akad.
Förhandl. XII. p. 191. no. 1.
Im südlichen Brasilien nicht selten und durch die stark
blattförmige Verbreiterung der Yorderschienen die leicht
kenntlichste Art der Gattung, trotzdem aber unter drei ver-
schiedenen Namen beschrieben; zu bemerken ist, dass auch
die Vorderschenkel zusammengedrückt und deutlich ver-
breitert sind , ganz in ähnlicher Weise wie es bei P. con-
spersa hervorgehoben wurde.
49) P. marmorata. Diiute prasina , nigro-maculata,
elytris hyalinis, fusco - variegatis , alis basi flavescentibus.
Long. corp. 5 lin., expans. elytr. I5V2 ^i"- — Patria: Geor-
gia (Francillon).
Calyptoproctus marmoratus Spinola, Annales d. 1. soc. entoin.
VIII. p.271. no.4.
Aus dem Nord -Amerikanischen Georgien; durch die
fast ungefärbten Flügel und Flügeldecken von den übrigen
Arten der Gattung merklich abweichend.
244 Gerstaecker: Uebers. d. Fu)g.-Gatt. Poiocera.
Als fünfzigste Art, über welche ich ungewiss bin,
welcher der im Obigen aufgestellten Abiheilungen ich sie
zuweisen soll, ist die schon gelegentlich angeführte P. ru-
fifascia Walker zu erwähnen.
50) P. rufifascia. „Nigra, capite et mesolhorace flavo-
fuscis, abdomine nigro-vittato et fasciato, lateribus ventre-
que flavis : pedibus nigris, tibiis flavo-bifasciatis, alis fuscis,
anticis rubro-fasciatis , basi subferrugineis , poslicis apicem
versus limpidis." Long. corp. 5 lin., expans. elytr. lölin.
— Patria: Columbia.
Poiocera rufifascia Walker, List of Homopt. Insects p. 299. no. 33.
Aus Columbien. Die Hinterflügel werden als dunkel-
braun mit weisslichgrünen Adern und glasheller Spitze,
deren Rand blassbraun gefärbt ist, angegeben.
Erklärung der Abbilduugen
auf Taf. XI u. XII.
Fig. 1. Poiocera stoica Gerst.
lieber die Locustinen - Gattung Gryllaeris Serv.
Von
Dr. A. (jierstaecker.
Keine Ordnung der Insekten hat in dem letzten an
systematisch- entomologischen Arbeiten so überaus frucht-
barem Jahrzehnte in Betreff der ausländischen Formen eine
so geringe Berücksichtigung gefunden oder vielmehr eine
so fast absolute Vernachlässigung erfahren, als die der Or-
thopteren im älteren Sinne; ja sie ist die einzige, welche,
man kann sagen , glücklicher Weise den sonst Alles ver-
schlingenden Catalogen des British Museum noch nicht zum
Opfer gefallen ist, um ebenfalls für eine eingehendere Be-
arbeitung unzugänglich gemacht zu werden. Der Grund
für diese Hintansetzung liegt keineswegs in dem Mangel an
unbeschriebenem und neu hinzugekommenem Material, wel-
ches in dieser Ordnung, natürlich im Verhältnisse zu ihrer
geringeren Artenzahl , ebenso reichlich vorhanden ist wie
in allen übrigen; vielmehr ist er einerseits in der vielen
Gruppen und Gattungen eigenthümlichen Gleichförmigkeit
der Arten, welche mindestens bei oberflächlicher Betrach-
tung wenig Ausgezeichnetes und zu einer Bearbeitung An-
regendes darbieten, andererseits aber auch in der Art und
Weise zu suchen , wie diese Insekten-Ordnung von einem
ihrer Hauptsystematiker, nämlich von Serville behandelt
worden ist. Wohl selten hat ein und dasselbe Feld der
Entomologie gleichzeitig eine so diametral verschiedene
Bearbeitung erfahren als die Orthopteren in den kurz nach
einander erschienenen Werken von Burmeister und
Serville. Jenes, auf eine nähere Charakteristik der Ar-
ten bekanntlich gar nicht angelegt und berechnet, regt
246 Gerstaecker:
durch die geistvolle Behandlung des Gegenstandes in sei-
nen allgemeineren Verhältnissen , durch die principiell und
streng durchgeführte Betrachtung der Einzelheiten von einem
höheren Gesichtspunkte und in ihrem organischen Zusam-
menhange , endlich auch durch scharfes Hervorheben des
Charakteristischen und Wesentlichen überall zu fernerem
Studium an; dieses, vorzugsweise oder fast ausschliesslich
der Artenbeschreibung gewidmet , leistbt selbst auf jenem
Felde keineswegs überall Befriedigendes und tritt dem wei-
ter Forschenden eher hindernd als fördernd entgegen. Ser-
ville beschreibt, was ihm gerade an einer Art in die Au-
gen fällt, ohne sich ein Urtheil über die Wesentlichkeit der
von ihm erwähnten Merkmale zu bilden. Für prägnantere
Formen, wie sie z. B. unter den Mantiden und Phasmiden
vorkommen, deren charakteristische Merkmale meistens der-
art sind, dass sie sich nicht leicht übersehen lassen, rei-
chen seine Beschreibungen in der Regel zu einer sicheren
Bestimmung aus ; wo es aber zur sicheren Unterscheidung
einer eingehenderen Untersuchung solcher Theile bedarf,
die wie z. B. die Genital- und Analringe des Hinterleibes
einerseits nicht immer ganz frei zu Tage liegen , anderer-
seits ihrer Complicirtheit und Mannigfaltigkeit halber erst
auf die Bedeutung ihrer einzelnen Abschnitte näher geprüft
werden müssen, da lässt er den Auskunft suchenden nur
allzuoft im Stiche. Und doch sind es neben zahlreichen
anderen plastischen Merkmalen gerade diese Theile, welche
wegen ihres eben so merkwürdigen als mannigfachen Baues
einer genaueren Untersuchung und Erörterung so werth,
für die sichere Unterscheidung nahe verwandter Arten so
wichtig und oft selbst allein massgebend sind. Gerade bei
den Orthopteren, wo Färbung und Zeichnung, diese die Art-
unterscheidung so allgemein erleichternden Merkmale, ent-
weder ihrer grossen Schwankungen halber nicht massge-
bend oder durch die nach dem Tode eingetretenen Verän-
derungen unkenntlich geworden sind, bieten diese so über-
aus charakteristisch geformten letzten Hinterleibsringe einen
doppelt willkommenen Anhaltspunkt für den Systemaliker
dar. Für die Libellen ist ihre Wichtigkeit längst anerkannt,
so dass bei Hage n's und de S e 1 y ss Artbeschreibungen
Uebei- die Locustinen-Gattung Gryllacris. 247
die Charakteristik der Genitalringe einen der wesentlich-
sten Theile bildet; sie mit gleicher Genauigkeit zuerst bei
den inländischen Orthopteren untersucht und dargestellt zu
haben, ist das Verdienst H. Fisch er's , in dessen Ortho-
ptera Europaea eine Reihe von Tafeln mit sorgsamen Ab-
bildunrren dieser Organe angefüllt ist, ^Yährend für die
ausländischen Formen ausser einigen von Burmeister
(Handbuch der Entomol. II.) und de Haan (Bydragen tot
de Kenniss der Orthoptera) gegebenen Hinweisen noch we-
nig in dieser Beziehung geschehen ist.
Ursprünglich war es ein anderes Interesse, das mich
dazu veranlasste, mir von der durch ServiUe (Annales
des scienc. natur.XXII. p. 138) errichteten Locustinen-Gat-
tuno- Gryllacris eine nähere Kenntniss zu verschaffen, näm-
lich dasjenige , welches sich allgemein an solche Formen
knüpft, die zwischen zwei sonst scharf geschiedenen Fa-
milien gleichsam als eine Art von Verbindungsgliedern auf-
treten. Den eigentlichen Laubheuschrecken durch die Tar-
senbildung und die Form des Kopfes zugesellt, nähert sich
diese Gattung, wie schon Burmeister (Handbuch der
Entomol. II. p. 717) sehr treffend bemerkt, durch die Bil-
dung der Sterna, den ganzen Habitus und besonders durch
die im Zustande der Ruhe horizontal dem Körper auflie-
genden und sich einander zum grossen Theile bedecken-
den Vorderflügel auffallend den Grabheuschrecken und zwar
zusammen mit der merkwürdigen Gattung Schizodactylus
Brülle, deren Gryllus - artiges Ansehen Serville sogar
verleitete , sie den Grylloden , obwohl ohne Berechtigung
zuzutheilen. Während ihr das Fehlen der Nebenaugen,
deren Stelle indessen fast durchweg durch hellere Stirn-
flecke angedeutet wird, mit der grossen Mehrzahl der Lo-
custinen V^ein ist , bekundet sie sich als abweichende
Form einerseits durch den Mangel der Spaltöffnung an der
Vorderseite des ersten Schienenpaares , andererseits durch
die stete Abwesenheit des Stimmorganes in beiden Vorder-
flügeln des Männchens. Stellten schon alle diese Eigen-
thümlichkeiten unsere Gattung als eine besonders merkwür-
dige hin, so waren die Ergebnisse, welche die .erst in
zweiter Reihe angestellte Betrachtung und Vergleichung
248 Gerstaecker:
ihrer Genital- und Analringe bei den verschiedenen Arten
lieferte, nur geeignet, das Interesse an derselben zu er-
höhen; denn abgesehen von der Brauchbarkeit der sich
hierbei herausstellenden, oft sehr prägnanten Unterschiede
für die Unterscheidung der Species zeigten sich hier zum
Theil so seltsame und auf den ersten Blick so wenig mit
einander harmonirende Bildungen, dass sie schon an und
für sich der Beachtung äusserst werth schienen. Letz-
teres gilt allerdings nur für die Männchen, während bei
den Weibchen die ganze Anlage dieser Ringe durchaus
uniform ist und sich nur in leichten Modifikationen der Form
an der Lamina subgenitalis und der Legescheide je nach
den Arten ergeht. Die auffallendsten Eigcnlhümlichkeiten
am männlichen Hinterleibe bieten die hintersten Dorsalringe
dar, und zwar einzelne derselben nicht nur durch sehr ver-
schiedene Form- und Grössenentwickelung , sondern auch
durch ein damit zusammenhängendes eigenthümliches Ver-
hältniss, in welches sie einerseits zum Hinterleibe als Gan-
zem, andererseits zu den ihnen zunächst liegenden Ringen
treten. Bei Gryl. lineolata und pardalina ist z. B. der achte
Dorsalring von ganz ausserordentlicher Grösse, bei ge-
trockneten Exemplaren der ersteren fast allen vorhergehen-
den zusammengenommen an Länge gleich , bei beiden Ar-
ten dadurch, dass er den neunten Ring unter seiner Wöl-
bung verbirgt , den Hinterleib abschliessend. Eine direkt
entgegengesetzte Bildung zeigt sich bei Gryl. ambulans,
wo der neunte Dorsalring nicht nur ganz frei liegt , son-
dern auch den achten um das Doppelte seiner Länge über-
trifft ; Mittelstufen zwischen diesen beiden Extremen end-
lich finden sich bei Gryl. Borneensis, ruficeps, tibialis u. a.,
wo das neunte Segment zwar ebenfalls frei liegt und den
Abschluss des Hinterleibes bewirkt, aber dem vorhergehen-
den nur an Länge gleich oder kürzer ist. Ebenso auffal-
lenden Verschiedenheiden ist die Grösse und Form der La-
mina supraanalis unterworfen, welche überall, wo sie vor-
handen ist, beim Männchen wenigstens scheinbar vom neun-
ten Segmente entspringt, während sie bekanntlich im Grunde
durch das elfte Segment gebildet wird. Bei einigen Arten
(Gryl. lineolata, pardalina) von auffallender Grösse und aus-
Ueber die Locustinen-Galtung Gryllacris. 249
gezeichneter Form, steigt sie bei anderen (Gryl. nigrilabris,
maculicoliis) auf einen geringeren Grad der Entwickelung
herab, bis sie bei wieder anderen (Gryl. ruficeps) ganz
verschwindet oder (Gryl. Borncensis, tibialis) durch eigen-
thümliche paarige Hornhaken ersetzt wird. Es bieten also
hier diese Analringe des Männchens in einer und dersel-
ben Galtung viel auiTallendere Unterschiede dar, als man
sie sonst bei ganzen Gruppen der Heuschrecken findet: und
doch hat Serville, der die Männchen von sieben ver-
schiedenen Arten vor sich gehabt hat , keiner dieser Bil-
dungen auch nur mit einem Worte erwähnt.
Die im hiesigen Museum vorhandenen Arten der Gat-
tung Gryllacris mit besonderer Berücksichtigung der er-
wähnten Organe darzustellen, ist der Zweck dieser kleinen
Abhandlung, von der ich nur bedauern kann, dass sie so-
wohl in Rücksicht auf das von mehreren Arten fehlende
Männchen als auch auf mehrere mir unbekannt gebliebene
Arten früherer Autoren nur fragmentarisch hat ausfallen
können. Nach dem oben Gesagten zeigen gerade die Männ-
chen vorzugsweise prägnante, plastische Charaktere, die
das Erkennen der Art erleichtern; da indessen ein Mangel
an anderweitigen, beiden Geschlechtern zukommenden Merk-
malen keineswegs in dem Grade vorhanden ist , als man
es nach den Beschreibungen Serville's etwa vermuthen
könnte, vielmehr schon die Form , Färbung und Zeichnung
der Hinterflügel, ganz besonders aber die Färbung und Be-
dornung der Beine , wenn sie nur gehörig beachtet wird,
ziemlich sicheren Aufschluss über die meisten Arten ge-
ben, so habe ich kein Bedenken getragen, auch die nur im
weiblichen Geschlechte vorliegende^n bekannt zu machen.
In Betreff derBedornung der Beine sei noch erwähnt,
dass dieselben an den Hinterbeinen besonders für die Art-
unterscheidung von Belang ist, indem hier sowohl die Zahl
der Dornenpaare als ihre Ausdehnung auf einen grösseren
oder kleineren Theil der Schenkel -Unterseite je nach den
Arten Verschiedenheiten darbietet; dass dagegen die Zahl
der beweglich eingelenkten Dornen an Vorder- und Miltel-
schienen mit einen Gruppencharakter bildet, da es sich
herausgestellt hat, dass alle geflügelten Arten stets fünf
250 G e r|S t a e c k e r :
solcher Dornenpaare, die iingeflügelten dagegen (mit einer
Ausnahme) nur vier besitzen. — Für die geographische
Verlheilung der Arten ist es nicht ohne Interesse , dass
auf dem südasialischen Archipel und den benachbarten Kü-
sten des Fesllandes, welchem Gebiete die grosse Mehrzahl
aller bekannten Arten angehört, sich nur geflügelte vor-
linden, ^Yährend in Neu -Holland, Afrika und Amerika ne-
ben solchen auch flügellose vorkommen.
A. Geflügelte Arten mit stets fünf längeren Dornenpaaren an Vor-
der- und Aiittelschienen.
I. Arten mit hellgefärbten, meist gelben Ilinterflügeln , deren
Queradern beiderseits schwarz gesäumt sind,
a. Auch auf den Fügcldecken sind die Queradern schwarz ge-
färbt.
1) Gryi lineolata. Testacea, nitida, capite, thorace pe-
dibusque anticis laete rufo-ferrugineis , fronte flavo-macu-
lata : tibiarum posleriorum basi virescente fuscoquc annu-
lata, alis posticis anguste nigro-fasciatis. Long. corp. 11 Iin=,
elytr. 11 lin.; alar. 12 lin. — Palria : Java. ^.
Gryllacris lineolata Serville , Ilist. nat. d. Orthopt. p. 396.
no. 9. ((^). — "de Haan, Bijdragen tot de Kennis der Or-
thoptera *) p. 219.
Kopf glänzend rothbraun mit etwas lichterem Scheitel
und grossem goldgelben Längsfleck zwischen den Fühlern,
der durch Zusammenfliessen der drei Ocellenflecke entstan-
den ist; das Gesicht unterhalb der Augen bis zum Clypeus
hin deullicii zerstreut punktirt und fein quer gerunzelt, die
übrige Oberfläche sehr glatt. Clypeus mit lichtgelber Spitze,
Oberlippe blutroth, Mandibeln rostfarben. An den Fühlern
ist das ßasalglied gebräunt, der zunächst folgende Theil
rostroth, welche Farbe allmählig in ein lichteres Gelb über-
geht. Prolhorax sehr glänzend rostroth, von der Breite
des Kopfes und wie dieser nur von massiger Entwickelung,
so dass das Ansehen des ganzen Thieres ein weniger ge-
drungenes ist. Vorderbeine in ihrer ganzen Ausdehnung
gebräunt, nur die fünf Dornenpaare der Schienen wie an
^) In: Yerhandelingen over de naluurlijKe geschiedenis derNe-
derlandsche overzeesche bezittingen. Zoologie, fol. Leiden 1839 — 44.
Ueber die Locustinen-Gattung Gryllacris. 251
den mittleren blassgelb ; an den Mittel - und Hinterbeinen
sind die Schenkel licht rostgelb, die Kniegelenke licht braun,
die Schienen fast weisslich gelb mit einem bräunlichen
Ringe unterhalb des Kniees , auf \Yelchen zunächst eine
grünliche Färbung folgt. An der Unterseite der Hinler-
schcnkel sind nur vier Paar sehr kurzer Dornen, ^velche
das Spitzendritttheil einnehmen, vorhanden, an' der Aussen-
seile der Hinterschienen fünf Paar ebenfalls kurzer, welche
die Mille kaum überschreilen; ihre Färbung ist roslroth
mit dunklerer Spitze. Die Flügeldecken sind merklich kür-
zer als die Hinterflügel , gegen die Spitze hin etwas ver-
schmälert; das Vorderfeld durchaus glasarlig mit dicken
schwarzbraunen, abe^ kaum gesäumlen Queradern, das Hin-
terfeld bis zur Mitte der Länge ziemlich satt gelb, von
hier ab albnählig blasser werdend , die Queradern auf der
Basalhälfte liefer schwarz und stärker verdickt als gegen
die Spilze hin. Alle Längsadern sind auf dem Hinterfelde
lebhaft gelb gefärbt, auf dem Vorderfelde dagegen, beson-
ders an der Wurzel , stark braun gesprenkelt. Die sehr
lichtgelb gefärbten Hinterflügel haben rostgelbe Längs- und
schwarze, schmal umflossene Queradern; lelziere bilden
acht ziemlich regelmässige besonders gegen den Aussen-
rand hin feine Querbinden. An dem blassgelb gefärbten
Hinterleib des Männchens ist das achte Segment fast so
lang als die vorhergehenden zusammengenommen, fast ei-
förmig, an der Basis sehr hoch gew^ölbt und in der Mittel-
linie stumpf gekielt , an der Spitze quer abgestutzt, bei-
derseits gerundet und etwas lappenarlig hervortretend. Die
von dem neunten Ringe entspringende Lamina supraanalis
ist ausserordenllich gross, von zwei Dritllheilen der Länge
des achten Ringes, senkrecht herabsteigend, von der Form
einer Sanduhr, ihr lindrand jedoch merklich breiter als die
Basis; von diesem Endrande entspringt unter einem rechten
Winkel eine gegen das Kopfende hin zurücklaufende, ho-
rizontale Platte, welche hinten gerundet, vorn dagegen sehr
tief dreieckig eingeschnitten, also zweilappig ist und die
sich mit ihren beiden Zipfeln wieder stark aufwärts biegt;
die Fläche dieser Platte, welche zwischen dem Hinterrande
und dem vorderen Einschnitte liegt, ist tief ausgehöhlt. Die
252 G e r s t a e c k e r :
Lamina subgenitalis zeigt an ihrem freien Rande zwischen
den beiden Griffeln zwei durch einen halbkreisförmigen
Einschnitt geschiedene stumpfe Spitzen.
Aus Java, von de Haan erhalten.
2) GryL pardalina. Testacea , parum nitida, pronoto
lineolis punctisque nigris signato, elytris angustius, alis la-
tius nigro-tessellatis, genubus infuscatis. Long. corp. 14 lin.,
elytr. 12 Vj lin. — Patria: Ceylon. ^ 5.
Der ganze Körper ist licht scherbengelb, wenig glän-
zend. Der Kopf plump, beträchtlich breiter als der Vor-
derrand des Prothorax, das Gesicht unterhalb der Augen
beiderseits seicht und lose punktirt; auf der Mitte der Stirn,
etwas unterhalb der Fühlerinserlion ist ein kleiner ovaler,
weisslich gelber Fleck zu bemerken. Die Mandibeln sind
schwarzbraun, der Clypeus und die Oberlippe rostroth, die
Fühler von der Körperfarbe mit lichtbraunem Basalgliede.
Auf dem Pronotum macht sich eine sehr zierliche schwarze
Zeichnung bemerkbar : eine kurze mittlere Längslinie stösst
nach hinten auf zwei noch kürzere und nach hinten ver-
breiterte; jederseits von diesen ein schwarzer Punkt, von
dem eine feine S-förmige Linie nach vorn und etwas nach
aussen geht, um an ihrem vorderen Ende abermals von
drei im Triangel stehenden Punkten begränzt zu werden;
endlich stehen am Yorderrande zwei kleine quere und nahe
am Hinterrand nach aussen von der Mittelfigur zwei Makeln
von der Form eines Winkelmaasses. Die Beine sind in
ihrer ganzen Ausdehnung und mit Einschluss der sehr
langen Dornenpaare an Vorder- und Miltelschienen licht
rostgelb; nur das Knieegelenk ist in geringer Ausdehnung
gebräunt und an den Hinterbeinen zeigen die Dornen eine
schwarzbraune Spitze; dieselben sind an den Schenkeln zu
9, an den Schienen zu 7 Paaren vorhanden und reichen bei
ersteren auf Va? bei letzteren auf y^ der Länge. Die Flü-
geldecken sind gegen die Spitze hin stark verschmälert,
überall mit gelbem Grunde und gleichfarbigen Längsadern;
die schwarzen 0"eradern sind am stärksten im Vorderfelde,
während sie an der Basis zunächst dem Hinterrande nur
schwach angedeutet sind und hier zum Theile selbst ganz
ihre Färbung einbüssen. Die Hinlerflügel sind so lang wie
lieber die Locustinen-Gattung Gryllacris. 253
die Flügeldecken, etwas matter gelb wie diese, durch breite
Säumung der Queradern dicht schwarz gewürfelt; die Quer-
binden , welche durch diese schwarzen Flecke gebildet
werden, sind nicht ganz regelmässig, acht bis neun an
Zahl , die der Peripherie zunächst gelegene beträchtlich
feiner als die übrigen. Am Hinterleibe des Männchens zeigt
das achte Dorsalsegment eine entsprechende Grössenaus-
dehnung wie hei der vorigen Art, ist 4V2 Hn. lang, ebenso
hoch gewölbt, nach hinten aber stärker verengt, so dass es
fast herzförmig erscheint ; die Spitze ist abgerundet mit
etwas aufgeworfenem, durch eine Furche abgesetzten Rande.
Die Lamina supraanalis ist bedeutend kleiner als bei der
vorigen Art , quer herzförmig, fast doppelt so breit als
lang, am Grunde stark verengt, am Yorrderrande kurz
dreieckig eingeschnitten; ihre Oberfläche ist mit Ausnahme
einer hinter dem Einschnitte liegenden Grube gewölbt. Die
fast halbkreisförmige Lamina subgenitalis zeigt in der Mitte
ihres freien Randes zwei gerundete und etwas wulstige
Vorsprünge.
Das Weibchen dieser Art liegt mir nur in einem Lar-
ven-Exemplare von 9 lin. Länge, mit einer 4^/y lin. lan-
gen Legescheide vor ; dasselbe stimmt in der Färbung des
Kopfes und Thorax mit der Imago überein, nur dass auf
letzterem die schwarze Zeichnung noch unvollständig ist
und sich auf die Makeln und Punkte beschränkt. Die auf
eine Länge von 3 Linien entwickelten Flügeldecken und
flinterflügel sind tief schwarz mit schmalem weisslichen
Saume; an sämmtlichen Schenkeln ist nicht nur die Spitze
in grösserer Ausdehnung , sondern auch die ganze untere
Kante gleichfalls schwarz, die Dornen an Vorder- und
Mittelschienen dagegen so wie die Schienenspitze und die
ganzen Tarsen an allen ßeinpaaren brennend karminroth.
Die Legescheide ist pechbraun, oberhalb an der ßasis ge-
schwärzt.
b. Auf den Fügeldecken sind die Quer- und Längsadein gelb.
3) Gryl, maculicoUis. Testacea , nitida , capite thora-
ceque nigro -pictis, alarum nervis transversis lata fusco-
limbatis. Long. corp. 11—12 lin., elytr. 11—12 lin., va-
gin. 8 — 10 lin. • — Patria: Java, Singapore. J" ^.
254 Gerstaecker:
Gryllacris maculicollis Serville, Annales d. scienc. nat. XXII.
(1831). p. 139. no. 1. ($). — Ilist. nat. d. Oithopt. p. 394.
no. 3. (cT $)• — Burmeister, Handb. d. Entom. II. p. 718.
no. 1. — de Haan, ßijdragen etc. p. 220. no.9. (<^).
La porte-enseigne Sloll, Sauterelles p. 2G. pl. XII, a. üg. 50.
Die bekannteste und, wie es scheint, die gemeinste
Art der Gritlung, welche zwar durch die Angaben der ci-
tirten Autoren hinreichend bestimmt , aber nicirt in ihren
Eio-enthümlichkeiten beleuchtet worden ist. Form und Ha-
bitus fast wie bei der vorigen Art, der Thorax jedoch
etwas breiter, so dass der Kopf ihn nur wenig an Breite
übertrifft; auf letzterem die Gesichtsfläche und clie Basis
des Clypeus seicht punktirt und dazwischen sehr fein ge-
runzelt, die Spitze der Mandibeln, ein Slirn- und vier
Scheitelflecke schwarzbraun, die Oberlippe und die Basis
der Mandibeln rostroth. Die Fühler von der Farbe des
Körpers, nur die Spitze des Basalgliedes leicht geschwärzt.
Die schwarze Zeichnung des Pronotum stimmt der Anlage
nach mit derjenigen der vorigen Art überein, ist aber
dicker und dadurch vermehrt, dass auch die winkligen
Aussenfurchen breit schwarz gefärbt sind; an der Mittel-
figur sind die beiden kleinen Striche zunächst der Basis
meist sowohl untereinander als mit der vor ihnen stehen-
den Einzellinie verbunden, während die beiden divergiren-
den Seitenlinien sich fast zum Vorderrande verlängern und
in der Mitte ihres Verlaufes nur mit einem, aber grös-
seren Fleck zusammenhängen. Die Beine mit Einschluss
der fünf Dornenpaare an Vorder- und Mittelschienen von
Körperfarbe , die Kniee und Fusslappen gebräunt ; an den
Hinterschenkeln 9 kurze , an den Hinterschienen 7 etwas
läno-ere, schwarzspitzige Dornenpaare, welche sich an er-
steren auf Vj, an letzteren auf y^ der Länge erstrecken.
Auf den gegen die Spitze hin deutlich verschmälerten Flü-
geldecken sind alle Längs- und Queradern wie die Grund-
farbe rostgelb, nur auf dem Vorderfelde einige gebräunt;
die Färbung und Zeichnung der Hinlerflügel wie bei der
vorigen Art , die acht dunkeln Binden ebenso unregelmäs-
sig, beim Weibchen etwas breiter als beim Männchen, das
ungefleckte Feld zunächst der Wurzel grau getrübt. Am
Ueber die Locustinen-Gattiing Gryllacris. 255
Hinlerleibe des Männchens hat das achte Dorsalsegment
dieselbe Form wie bei der vorigen Art, ist jedoch nur 3
Linien lang; sein Hinterrand ist ebenfalls gerundet, etwas
aufgebogen und nach vorn durch eine Randfurche begränzt.
Die Lamina supraanalis ist verhällnissniässig klein, übrigens
wie bei der ersten Art sanduhrförmig , oder da die untere
Hälfte dieser Sanduhr sehr klein ist, fast trapezoidal; ihr
Endrand gerade abgeschnitten , scharf. Die untere Fläche
des der Lamina supraanalis vorhergehenden neunten Seg-
mentes, welche gegen diese fast in einem rechten Winkel
und horizontal verläuft, ist leicht muldenartig ausgehöhlt,
mit drei feinen Längsleisten versehen, an ihrem der Lamina
subgenitalis zugewandten freien Ende abwärts gebogen und
am Endrande durch eine weite Ausbuchtung zweizipflig.
Die breite und fast halbmondförmige Lamina subgenitalis
ist in der Mitte ihres freien Randes fast nur eingekerbt,
so dass die beiden dadurch gebildeten Lappen eng beiein-
ander stehen.
Bei dem Weibchen ist die Lamina supraanalis klein,
schmal , stumpf lanzettlich, die Lamina subgenitalis trape-
zoidal, gegen das Ende hin verschmälert und hier in zwei
unter einem rechten Winkel divergirende stumpfe Spitzen,
deren Oberfläche polsterartig gewölbt ist, auslaufend ; eine
ähnliche mittlere Erhabenheit zeigt auch die Basis der La-
mina. Die Legescheide ist von dem abwärtssteigenden Ba-
saltheile abgesehen nur sehr flach gekrümmt, nach hinten
allmählig verschmälert , vor der Spitze am oberen Rande
wieder etwas erweitert und dann durch schräge Abstut-
zung stumpf zugespitzt.
Auf Java besonders einheimisch; das hiesige Museum
erhielt auch vor Kurzem ein weibliches Exemplar aus
Singapore.
4) Gryl. fuscifrotis. Rufo-ferruginea , nidida, pedibus
pallidioribus, anlcnnarum basi et fronte ad verticem usque
nigro-piceis , hac guttis tribus flavis signata ; alis posticis
remote nigro-tessellatis. Long, corp. 12 lin., elytr. 12 lin.;
vagin. 8 lin, — Patria : Java. $.
Gnjllacris tessellata? de Haan, Bijtragen etc. p. 220. no. 10.
Ganz von der Grösse und Gestalt der vorigen Art,
256 Gerstaecker:
von der sie zunächst durch dunklere Körperfarbe, den Man-
gel der schwarzen Zeichnung des Pronotum und die Fär-
bung des Kopfes und der Fühler abweicht. Am Kopfe sind
die Backen lichter , die Mandibeln , der Clypeus und das
Gesicht dunkler rostfarben, letzteres nach unten breit drei-
eckig eingedrückt und hier dichter mit feinen Querrunzeln
bedeckt als gegen die Augen hin , wo fast nur zerstreute
Punkte sichtbar sind ; der Clypeus ist grob punklirt, in der
Mitte stumpf gekielt , die Oberlippe fast blutroth gefärbt.
Die Stirn ist bis unter die Insertion der Fühler hinab und
mit Einschluss deren beider Basalglieder tief pechschwarz
und auf dunklem Grunde mit einem mittleren unteren und
zwei seitlichen oberen goldgelben Fleckchen, den Rudimen-
ten der Ocellen , gezeichnet ; auch der Yordertheil des
Scheitels ist noch pechbraun, welche Farbe sich nach hin-
ten gegen den Prothorax zu allmählig mehr verliert. Die-
ser ist einfarbig satt rostfarben, nach vorn leicht verschmä-
lert, so dass der Kopf ihn mit seinen Backen seitlich etwas
überragt. Die Färbung und Bedornung der Beine so wie
die Form und Färbung der Flügeldecken ganz wie bei
Gryl. maculicollis ; die blassgelbe Grundfarbe der Hinter-
flügel erstreckt sich hier auch auf die ungefleckte Basis, die
nicht grau, sondern vielmehr noch intensiver als der übrige
Theil des Flügels ist; die dunklen Fleckenbinden sind etwas
schmaler und regelmässiger als bei der vorigen Art , so
dass die gelbe Farbe bedeutend vorherrscht. Die Lege-
scheide des Weibchens ist beträchtlich stärker gekrümmt
als bei Gryl. maculicollis und vor der Zuschärfung der Spitze
oberhalb schwächer erweitert.
Von Java, aus der Charpentier'schen Sammlung, in
der die Art irriger Weise für Gryl. signatifrons Serv. be-
stimmt war , ohne dass sie sich auf deren Beschreibung
irgend wie beziehen Messe.
Anmerkung, de Haan a. a. 0. p. 220 beschreibt, wie es
scheint, die vorstehende Art ebenfalls als von Java stammend, citirt
aber zu derselben Locusta tessellata Drury II. pl. 42. Rg. 3 von der
Insel St. Johanna bei Madagascar. Dass die von de Haan beschrie-
bene von der Drury 'sehen Art spezifisch verschieden ist, geht aus
dem Vergleiche der Angaben, welche de Haan über die Genitalringe
Ueber die Locustinen-Gattung Gryllacris. 257
des Männchens macht, mit der Drury'sche Abbildung schon ganz ent-
schieden hervor; überdem würde ein gleichzeitiges Vorkommen an
der Ostküste Afrikas und auf den Sunda - Inseln , wenn es auch bei
Insekten anderer Ordnungen nicht gerade selten ist, für die vorlie-
gende Gattung kaum angenommen werden können , ein Irrthum in
Betreff des Vaterlandes bei Drury aber um so weniger zu vermuthen
sein, als die Angaben dieses Autors in Betreff der Lokalitäten sich
gerade durch Genauigkeit auszeichnen. Für die Identität der vor-
stehenden Art mit der de Haan'schen Gryl. tessellala, deren Name
geändert werden musste, sprechen die vom Autor hervorgehobenen
Merkmale; einen sicheren Aufschluss darüber könnte jedoch nur die
Ansicht des Männchens, welches mir nicht vorliegt, geben.
5j Gryl. heros. Capite thoraceque validissimis, rufo-
ferrugineis , abdomine pedibusqiie flavescentibus : elytris
basi albido-venosis, alis saturate flavis, late nigro-tessella-
tis, basi griseis. Long. corp. 17 lin., elytr. 18 lin., vagin.
14 lin., — Patria: Amboina. $.
Kopf sehr gross, mit Einschluss der Oberlippe, Man-
dibeln und Fühlerbasis dunkel rostroth, fast matt, die Stirn
mit drei kleinen hellgelben Ocellenflecken , der Scheitel
heller, mehr scherbengelb; das Gesicht zeigt nur sehr seichte
und zerstreute Punktirung, die kaum wahrzunehmen ist.
Das Pronotum ist auf seiner ganzen Oberfläche, besonders
dicht aber an den Rändern und Seiten aufrecht g-elblich
behaart, trübe rostroth, mit helleren, fast gelblichen Fur-
chen auf der Scheibe; der Vorderrand tritt in der Mitte
stärker als gewöhnlich stumpf schneppenartig hervor. Die
Beine wie der Hinterleib viel lichter als Kopf und Thorax
und zwar besonders die Hinterbeine, welche ganz blassgelb
gefärbt sind; die Schiendornen sind an den Vorderschienen
beträchtlich länger als an den mittleren, der oberste fast so
lang als die drei ersten Tarsenglieder zusammengenommen.
An den Hinterbeinen haben die Schenkel 9, die Schienen 7
kurze Dornenpaare mit schwarzbrauner Spitze. Die Flü-
geldecken sind in der Mitte ly^ lin. breit, satt gelb, auf
der Basalhälfte weiss, an der Spitzenhälfte gelb geädert. Die
Hinterflügel ebenfalls lebhaft, fast goldgelb , mit rostgelben
Längs- und tief schwarzen Queradern, welche breit schwarz
umflossen sind; die durch diese Flecke gebildeten Bogen=-
binden sind wenigstens bis zur sechsten (vom Aussenrande
Archiv für Naturg. XX VI. Jahrg. 1. Bd. 17
258 Gerstaecker:
her gerechnet) fast regelmässig und ununterbrochen und bis
auf die beiden äussersten breit, so dass das Schwarze fast
vorherrscht; das ungefleckte Feld zunächst der Wurzel ist
grau gefärbt. Die Lamina subgenitalis des Weibchens ist
quer herzförmig, zweilappig, jeder Lappen breit und rund-
lich. Die Legescheide ist fast gar nicht gebogen, beinahe
gerade, gegen die Spitze hin deutlich verschmälert, am
Ende lang aber stumpf zugespitzt.
Aus Amboina. Auch von dieser Art liegt mir nur das
Weibchen vor.
6) Gryl. tessellata. (Locusta tessellata Drury, Exotic
Insects IL p. 80. pl. XLIL fig. 3). Diese mir in Natur un-
bekannte Art von der Insel St. Johanna bei Madagascar,
welche von de Ha a n (a. a. 0. p. 220) auf die oben als
Gryl. frontalis beschriebene Javanische Art bezogen , von
Burmeister (Handb. d. Entomol. IL p. 718) als Varietät
mit ungeflecktem Thorax und Kopf von Gryl. maculicollis
angesehen wurde, ist nach der von Drury gegebenen Ab-
bildung eine von beiden sicher verschiedene. Der einfar-
bige Thorax scheidet sie von letzterer, die nicht braun ge-
färbte Stirn von ersterer; von beiden weicht sie ausserdem
durch die viel zahlreicheren schwarzen Fleckenbinden der
Hinterflügel , deren nach der Abbildung circa 12 ziemlich
regelmässige vorhanden sind, ferner dadurch, dass auch
das der Wurzel zunächst gelegene Feld dicht mit kleinen
schwarzen Flecken bedeckt ist , endlich und ganz beson-
ders durch die Form der von Drury sehr gut dargestell-
ten letzten Abdominalringe des Männchens ab. Nach de
Haan's Angabe hat das Männchen seiner Gryl. tessellata
kein verlängertes achtes Dorsalsegment und das letzte ist
(wie z, B. bei Gryl. Borneensis) abwärts gekrümmt und in
der Mitte mit zwei Dornen versehen. Die Drury'sche Ab-
bildung dagegen zeigt bei dem Männchen der vorliegen-
den Art der Hauptsache nach ganz dieselbe Bildung der
letzten Hinterleibssegmente , wie sie bei den drei ersten
Arten beschrieben worden ist, nämlich das achte ausser-
ordentlich verlängert und die unterhalb seiner Spitze frei
hervorragende Lamina supraanalis, letztere jedoch in einer
von Gryl. maculicollis wesentlich verschiedenen Form und
Ueber die Lociistinen-Gattung Gryllacris. 259
Grösse; in beider Hinsicht hält dieselbe etwa die Mitte
zwischen der Lamina supraanalis von Gryl. lineolata Serv.
und maculicoliis Serv.
c) Auf den Flügeldecken sind die Längs- und Queradern
dunkel gefärbt.
7) GryL podocausta. Lutea, capite piceo, antennarum
basi, prothoracis macula dilatata, femoribus apice tibiisque
basi et apice nigris. Long, elytr. 7 lin. , vagin. 4 lin. —
Patria : Java.
Gryllacris podocansta Hagenbach i- lit. — de Haan, ßijdra~
gen etc. p, 220. no. 12.
de Haan, der diese Art in beiden Geschlechtern aus
Java besass, giebt folgende Merkmale für dieselbe an : „Klein,
mit kreisrunden, durchsichtigen Flügeln, deren Qucradern
schwärzlich gesäumt sind; Flügeldecken abgestumpft, mit
schwarzen Längs- und Queradcrn. Kopf glänzend pech-
braun, sein Hinterrand, ein Mittelfleck zwischen den Füh-
lern und die Taster gelb; ebenso die Fühler, deren Basis
jedoch schwarz ist. Pronotum mit erweitertem schwarzen
Fleck, der Hinterrand breit gelb; Beine gelb, die Spitze
der Schenkel und Schienen so wie die Basis der letzteren
schwarz."
II. Arten mit dunkelen, bräunlich oder blauschwarz gefärbten
Hinterflügcln.
a) Die Queradern der Hinterflügel sind hell, weisslich
gesäumt.
8) Gryl. ruficeps. Pallide virescens, capite thorace-
que latis, rufo-brunneis , oculis extus nigro-limbatis ; pro-
noto trituberculato , margine apicali crenulato: alis dilute
fuscis, albido- tessellatis. Long. corp. 13 — 15 lin., elytr.
15 lin., vagin. 6 lin. — Patria : Ja^a. ^ 2-
Gryllacris ruficeps SerxiWe, Annales d. scienc. nat. XXII. (1831)
p. 139. no. 2. {^). — Hist. nat. d. Orthopt. p. 394. no. 4. (^).
— Guerin in Belanger, Voyage aux Indes orientales, Zoolo-
gie p. 495. Insectes pl. 4. fig. 2. (^). — de Haan, Bijdra-
gen etc. p. 220. no. 8.
Diese von Guerin (a. a. 0.) gut abgebildete, von
Serville dagegen ziemlich unkenntlich beschriebene Art,
ist durch die plumpe , dicke Form des Kopfes und Thorax,
260 Gerstaecker:
SO wie durch die Sculptur des letzteren leicht kenntlich.
Der Kopf ist mit Einschluss der Fühler , Mandibeln und
Oberlippe röthlich kastanienbraun, glänzend, die Augen am
ganzen Aussenrande tief schwarz gesäumt, von den drei
gelben Ocellenflecken der untere gross und deutlich, die
oberen linear und kaum markirt. Das Gesicht ist oberhalb
des Clypeus beiderseits sehr tief grubig eingedrückt, ober-
flächlich quergerunzelt und dazwischen zerstreut punktirt.
Der Thorax ist beträchtlich breiter als lang, von der Farbe
des Kopfes, ebenfalls glänzend , die gewöhnlichen Furchen
der Oberfläche sehr tief eingedrückt und diese daher stark
zerklüftet, der Vorderrand aufgewulstet, dicht gekörnt, in
der Mitte mit einem kleinen glänzenden Höcker , der mit
zwei grösseren, vor der Mitte der Scheibe gelegenen, kreis-
runden Erhabenheiten ein Dreieck bildet. Die Beine wie
der Hinterleib blass grünlichgelb, die Vorderschienen etwas
dunkler , mehr bräunlich ; die fünf Dornenpaare an den
Vorderschienen sind massig lang, der oberste kaum zwei
Tarsalgliedern an Länge gleichkommend , die an den Mit-
telschienen sehr beträchtlich kürzer; die sehr kurzen und
nur an der äussersten Spitze leicht gebräunten Dornen der
Hinterbeine sind an Schenkeln und Schienen zu sieben
Paaren vorhanden und reichen an ersteren kaum über die
Mitte hinaus. Auf den Flügeldecken ist das vordere Feld
ungefärbt, hyalin, die Adern sämmtlich grasgrün ; das hin-
tere Feld nach hinten immer intensiver gelb gefärbt und
gleichfarbig geädert. Die Hinterflügel haben eine wässrig
braune Grundfarbe, von der die weisslich gesäumten Quer-
adern und der blass graugelbe Aussenrand merklich abste-
chen. Beim Männchen ist der achte Hinterleibsring nur
etwa doppelt so lang als der vorhergehende, nicht wie bei
den ersten Arten nach abwärts geneigt und die folgenden
überkuppelnd , sondern horizontal gestellt und nur in der
Mittellinie etwas mehr nach hinten hervortretend als zu
beiden Seiten: der neunte Bing tritt vollständig frei her-
vor, krümmt sich, indem er gleichsam ein Pygidium dar-
stellt, nach abwärts und ist unterhalb mit einer Längsspalte
versehen; eine Lamina supraanalis tritt zwischen den bei-
den Reifen nicht hervor. Die Lamina subgenitalis ist quer,
lieber die Locustinen-Gattung Gryllacris. 261
breit herzförmig, ihr Endrand in der Mite nicht besonders
tief, aber weit ausgebuchtet.
Beim Weibchen ist die Lamina supraanalis klein, rhom»
bisch, mit tiefer Grube auf der Mitte ihrer Oberfläche; die
Lamina subgenitalis hat die Form eines gleichseitigen
Dreiecks mit abgestumpfter Spitze; die Legescheide ist kurz
und kräftig, ziemlich gekrümmt, nahe dem Oberrande mit
tiefer Längsfurche , welche vor dem stumpf zugespitzten
Ende aufhört.
In Java einheimisch; das Museum besitzt beide Ge-
schlechter aus der Hagenbach'schen und v. Charpentier'-
sehen Sammlung.
9) Gryl. nigripennis. Capite thoraceque angustis, rufo-
ferruginea, elytris elongatis, flavescentibus , alis nigro-
cyaneis , venis transversis extus albido - limbatis. Long,
corp. 13 lin., elytr. 17 lin., vagin. 9 lin. — Patria: Ma-
labar. $.
Kopf und Thorax sind im direkten Gegensatze zu der
vorigen Art auffallend schmal, letzterer deutlich länger als
breit, auf der Oberfläche nur mit schwachen Eindrücken;
beide sind glänzend rostfarben, ersterer zugleich mit Ein-
schluss der Fühler, Mandibeln und der Oberlippe. Das Ge-
sicht ist sehr zerstreut punktirt, oberhalb des Clypeus bei-
derseits leicht quer eingedrückt. Die Beine von der Körper-
farbe mit leicht gebräunter Schenkel- und Schienenspitze
und pechbrannem Klauengliede der Tarsen; die Dornen an
Vorder- und Mittelschienen nicht besonders lang und an
beiden fast gleich, die der Hinterschenkel und Hinterschie-
nen je zu 7 Paaren, an der äussersten Spitze braun, an
den Schenkeln die Mitte überschreitend. Flügeldecken und
Flügel auffallend lang, in ruhender Lage die Spitze der
ebenfalls langen Legescheide erreichend; die Flügeldecken
durchweg rostgelb geädert, im Vorderfelde aber mit fast
hyalinem Grunde. Die Flügel im Verhältnisse zu ihrer
Länge schmal , tief schwarzbraun mit lebhaft stahlblauem
Schiller; Längs- und Queradern durchweg schwärzlich,
letztere aber an ihrer Aussenseite (d. h. gegen den Flü-
gelrand hin) mit einer schmalen durchsichtigen Linie ge-
262 G e 1' s t a e c k e r :
säumt. Beim Weibchen ist die Lamina supraanalis klein,
fast pentagonal , mit ausgehöhlter Oberfläche, die Lamina
subgenitalis halbkreisrund; die Legescheide lang, sehr
kräftig, schwach gekrümmt, gegen die Spitze hin allmählig
verschmälert und stumpf, zungenförmig zugespitzt.
Aus Malabar, vonMelly; nur das Weibchen bekannt.
b) Die ünindfaibe ist an den Queradern gerade am dunkel-
sten, während die Mitte jedes Feldes heller, selbst hyalin
erscheint.
10) Gryl. nigrUabris. Laele ferruginea , nitida, labro
nigro, tarsorum apice infuscalo: elytris concoloribus , alis
nigris, dilutius fasciatis guttisque hyalinis adspersis. Long,
corp. 14 lin. , eiytr. 18 lin. , vagin. 14 lin. — Patria : Sin-
gapore. (^ $.
Von der kräftigen, etwas gedrungenen Statur der Gryl.
maculicollis , jedoch beträchtlich grösser, besonders auch
mit stärker entwickelten Flügeln ; glänzend, licht rostgelb,
mit lief schwarzer Oberlippe und an der Spitze gebräunten
Mandibeln und Tarsen. Der Kopf ist nicht breiter als der
Thorax, das Gesicht fast eben, zerstreut punktirt und sehr
seicht gerunzelt ; das ßasalglied der Fühler rostroth. Der
Thorax etwas breiter als lang, mit stark aufgewulstetem,
in der Mitte stärker hervortretendem Spitzenrande und be-
sonders nach den Seiten hin stark vertieften Furchen. Die
Dornen der vorderen Schienen rostroth mit hellgelber Spitze,
am ersten Paare etwas länger als an den mittleren; an den
Hinterschenkeln neun, an den Schienen sieben Dornenpaare
mit breiter pechbrauner Spitze, verhältnissmässig lang. Die
Flügeldecken durchweg von sattgelber Grundfarbe , mit
rostgelben Adern ; die Hinterflügel dunkelbraun, blau schil-
lernd, mit dunkelbraunen , und nach der Wurzel hin hel-
leren Längs- und schwarzen Queradern; in der Nähe der
letzteren ist die Grundfarbe am dunkelsten , gegen die
Mitte der einzelnen Zellen hin lichter und bei den in der
vierten bis neunten Querreihe liegenden zeigt das Centrum
sogar einen milchweissen Tupfen. Das der Basis zunächst
liegende Feld, in welchem die Queradern fehlen, zeigt eine
gleichmässig wässrig braune Farbe. Am Hinterleibe des
Männchens bildete das vergrösserte , kuppeiförmige achte
üeber die Lociistinen-Gatttmg Gryllacris. 263
Segment das Pygidium , ohne indessen an Grösse dem der
beiden ersten Arten gleichzukommen; es ist ein wenig län-
ger als breit , hinten stumpf abgerundet, in der Mitte fast
abgestutzt, mit feinem, aufgebogenen Rande. Die kleine,
senkrecht herabsteigende Lamina supraanalis ist quer vier-
eckig, jederseits in eine scharfe Spitze endigend ; von der
Mittellinie ihrer nach vorn gewandten Fläche setzt sich eine
längliche, scharfkantige Erhabenheit, die sich am Ende
herzförmig erweitert, auf die Unterseile des neunten Dor-
salringes fort, welche in eine breite, trapezoidale, schräg
aufgerichtete, zweizipfelige Platte ausläuft. Die Lamina sub-
genitalis ist gross, quer viereckig, mit bogenförmigem End-
rande , welcher jederseits von einer mittleren Einkerbung
eine warzenartige Anschwellung zeigt.
Beim Weibchen ist die Lamina supraanalis klein, quer,
hinten gerundet, oberhalb eingedrückt; die Lamina subge-
nitalis gleichsam aus zwei hinter einander liegenden Plat-
ten, die durch einen kleinen Balken verbunden sind, zu-
sammengeselzt , einer vorderen (oder unteren) kleinen,
trapezoidalen, und einer viel längeren hinleren (oder obe-
ren), welche gegen die Spitze hin verschmälert und am
Ende in zwei zugespitzte, stark polsterartig aufgetriebene
Zipfel getheilt ist. Die Legescheide ist von ausserordent-
licher Länge, indem sie der Körperlänge ganz gleich kommt,
sehr schlank und bis zu der schräg abgestutzten Spitze
gleich breit, längs des Oberrandes fein gefurcht; rostgelb
mit tief brauner Spitze.
Von Singapore , beide Geschlechter von Jagor ein-
gesandt.
11) Gryl. Servillei. Fulva , capite anlennisque fuscis,
illo macula frontali nigra , pronoto nigro , fusco-limbato :
elytris obscure fuscis, maculis tessellatis pellucidis. Long,
elytr. I2V2 ^^^-> vagin. 9 lin. — Patria : ßorneo. (Doeson).
Gryllacris Servillei de Haan, Bijdragen etc. p. 220. no. 7.
Das von de Haan allein gekannte Weibchen dieser
Art wird in folgender Weise charakterisirt: Kopf und Füh-
ler dunkelbraun, ersterer mit einem ausgedehnten schwar-
zen Fleck zwischen den Fühlern: Vorderrücken schwarz mit
braunem Rande ; Hinterleib und Beine gelblich , behaart,
264 Gerstaecker:
die Hinterbeine mit dunkler Spitze. Flügeldecken mit stum-
pfer Spitze, gelb, an der Basis dunkler, Hinterflügel tief
schwarzbraun mit durchsichtigen Flecken gescheckt, wel-
che in der Mitte in Querreihen gestellt sind. Legescheide
gekrümmt, schmal, schräg zugespitzt.
12) GryL fumigata. Flava, capitis fascia laterali pro-
notique fusci margine nigris : pedibus luteis, femoribus
apice, tibiis basi tarsisque extremis nigro-coeruleis, fasciis
transversis pallidioribus. Long, elytr. 181in. — Patria: Java.
Das von de Haan allein beschriebene Männchen hat
dunkel stahlblaue Hinterflügel mit helleren Querbinden, be-
haarte , gleichbreite und am Ende schief abgestutzte Flü-
geldecken mit dunkelbraunen Adern. Das letzte Dorsal-
segment des Hinterleibs ist beiderseits etwas gebuckelt,
das letzte Ventralsegment sehr kurz mit haarigen Griff'eln.
III. Arten mit hell- oder ganz ungefärbten Hinterflügeln, deren
Queradern nicht dunkel umflossen sind,
a) Beine zum Theil schwarz gefärbt.
13) Gryl. Borneensis. Lutea, capite, antennarum basi,
thoracis marginibus , pectoris lateribus , femoribus apice ti-
biisque nigris , labro tarsisque laete sanguineis : alis ely-
trisque elongatis, flavescentibus, fusco-venosis, his macula
magna basali, alteram aurantiacam includente, atra. Long,
corp. 131in., elytr. 23 lin. — Patria: Borneo (Sarawak). ^.
Gryllacris Borneensis de Haan, Bijdragen etc. p. 219. no. 1.
pl.l9. fig. 7. (d^).
Durch die ausserordentliche Entwickelung der Flügel
wie durch die lebhafte Körperfärbung die ausgezeichnetste
aller bis jetzt bekannten Arten der Gattung und durch
beide Merkmale auffallend an gewisse Phaneroptera-Arten
erinnernd. Der kleine, schmale Kopf ist tief und glänzend
schwarz mit goldgelben Ocellenflecken , von denen beson-
ders der untere ovale sich markirt, mennigrothem Clypeus
und blutrother Oberlippe und Mandibeln; an letzteren ist
die Basis und Spitze schwarz, die Maxillartaster schwärz-
lich pechbraun. Das Gesicht ist über dem Clypeus quer
eingedrückt, zerstreut punktirt. Die Fühler von der Basis
bis auf etwa fünf Linien ihrer Länge tief und glänzend
schwarz, dann allmählig pechbraun und in der grösseren
Ueber die Locustinen-Gattung Gryllacris. 265
Endhälfte immer lichter rostgelb werdend; sie sind sehr
dicht behaart und lassen besonders längs der Spitzenhälfte
einzelne ihrer kleineren Glieder verdickt und dunkler ge-
färbt erscheinen, so dass es den Anschein hat, als bestän-
den sie wie bei den Cerambyciden aus langgestreckten,
dünnen Gliedern. Der Prothorax ist klein, ein wenig län-
ger als breit, goldgelb, ringsherum schwarz gesäumt, und
zwar besonders breit an der Basis; Meso- und Metathorax
oberhalb, die Pleurae und die Aussenseite der Hüftstücke
schwärzlich pechbraun. Die Beine safrangelb , die Spitze
der Schenkel und die Schienen tief blauschwarz, die äus-
serste Spitze der letzteren und die ganzen Tarsen hell
corallenroth; die Dornen an den vorderen Schienen ziemlich
kurz , schwarz mit roslrother Spitze , das unterste kurze
Paar ganz rostroth; an der Unterseite der Hinterschenkel
innen 5 bis 6 , aussen noch weniger sehr kurze schwarze
Dörnchen, die kaum bis zur Mitte reichen, an den Hinter-
schienen acht Paar grössere , welche bis nahe zum Kniee
heraufreichen. Die Flügeldecken im letzten Dritttheile am
breitesten, stumpf abgerundet, sehr licht gelblich getrübt,
am Vorderrande mit gelblichem, sonst mit braunem Geäder;
die das Vorderfeld abgränzende Längsader tief schwarz
und die hinter ihr liegende Zellenreihe dunkel rauchbraun,
die ganze Basis etwa auf ein Dritttheil der Länge tief pech-
schwarz mit einem grossen durchsichtigen, goldgelben
Fleck. Die Hinterflügel den Flügeldecken an Länge gleich,
um mehr als die Hälfte länger als breit, noch heller gelb-
lich getrübt als jene, dicht an der Wurzel schmal pech-
braun , die Längsadern gelb , die Queradern fein, dunkel-
braun, nicht umflossen, wenn auch eine sehr leichte graue
Trübung ihrer Umgebung nicht zu verkennen ist. An dem
blass strohgelben Hinterleibe des Männchens ist das achte
Dorsalsegment nicht länger als das vorhergehende, hinten
in der Mitte leicht ausgeschnitten; das neunte, hinter ihm
frei hervorragende, noch kürzer, nach unten herumgebogen,
hier in der Mittellinie gespalten und am Ende dieses Spal-
tes jederseits mit einem langen, klauenartigen, scharf zu-
gespitzten Dorn bewaff'net. Eine Lamina supraanalis fehlt ;
die Lamina subgenitalis kurz , quer , dreimal so breit als
266 G e IS ta e c k e r :
lang, mit flach ausgeschnittenem Endrande und daher stumpf
zweilappig; die Griffel schmal kegelförmig, kaum halb so
lang als die Raife. Die Seiten der Kückensegmente sind
je mit einer Reihe schmaler, die Ventralplatten mit zwei
Reihen ovaler schwarzbrauner Flecken gezeichnet.
Aus Borneo, von Jagor eingesandt.
14) Gryl. tibialis. Ferruginea , capite supra, pronoto
tibiarumque dimidio basali maiore nigris, his apice cum
tarsis genubusque rufis; elytris hyalinis , basi retrorsum
flavescentibus, alis albidis, flavo-venosis. Long. corp. 10 —
11 lin., elytr. 15 lin., vagin. 10 lin. — Patria: Java. </ J.
Gryllacris lihialis Serville, Hist. nat. d. Orthopt, p. 393. no. 2.
(5). — de Haan, ßijdragen etc. p. 219.
Der Kopf überragt den Prothorax beträchtlich an Breite
und ist zugleich von ansehnlicher Länge, sein ganzer von
oben sichtbarer Theil tief pechschwarz, der äussere Augen-
rand und eine von diesem bis zum Ursprünge der Ober-
kiefer herabsteigende Binde jederseits schwärzlich braun;
das langgezogene Gesicht und die Stirn bis oberhalb der
Fühler glänzend und hell rostgelb, zuweilen mit zw ei bräun-
lichen Makeln, sehr sparsam punktirt, die Oberlippe und
Palpen gleichfarbig, die Mandibeln rostroth mit dunkeler
Spitze. Der Prothorax ist so lang als breit, mit Ausnahme
des schmutzig gelb gefleckten Seitenrandes und zweier
rostrolher kleiner Makeln auf der Scheibe tief und glän-
zend schwarz; das Meso- und Metanotum pechbraun, der
Hinterleib und die Schenkel licht rostgelb. An allen drei
Beinpaaren ist die grössere Basalhälfte der Schienen tief
schwarz, die breite Spitze nebst den ganzen Tarsen so wie
auch das Knieegelenk an Schenkel und Schienen in ge-
ringer Ausdehnung sehr lebhaft rostroth. Die Dornen der
vorderen Schienen , welche am ersten Paare beträchtlich
länger sind , erscheinen mit Ausnahme des untersten ganz
rostgelben Paares tief schwarz mit feiner gelber Spitze ; an
den liinterschenkeln sind sieben Paar kurzer schwarzer
Dornen, welche die Mitte ein wenig überschreiten, an den
Hinterschienen acht Paar ziemlich starker vorhanden , von
denen die fünf oberen schwarz, die drei unteren rostroth
gefärbt sind. Die Flügeldecken sind mehr denn doppelt
üeber die Locustinen-Gattung Gryllacris. , 267
SO lang als der Hinterleib, mit Ausnahme der intensiv gelb
gefärbten und ebenso geäderten Basis des Hinlerfeldes
hyalin und dunkelbraun geädert, ganz besonders im Vor-
derfelde , gegen welches der Spitzenlheil des Hinterfeldes
noch merklich gelb getrübt erscheint. Die Hinterflügcl sind
länger als breit, sehr licht gelb, fast weisslich, alle Längs-
und Queradern gelb, nur an der Spitze des Vorderrandes
etwas gebräunt. Am Hinterleibe des Männchens sind das
achte und neunte Dorsalsegment fast gleich lang, von dop-
pelter Länge der vorhergehenden , ersteres schräg nach
hinten, letzteres fast senkrecht nach unten abfallend, kup-
penförmig; in der Mitte seines Hinterrandes ist das neunte
Segment etwas zipfelartig ausgezogen, verdickt, leicht ein-
geschlitzt und innerhalb mit einem aus zwei mittleren Lei-
sten und zwei zu ihrer Seite stehenden sehr scharfen und
geraden Dornen zusammengesetzten hornigen Apparat ver-
sehen. Die Lamina subgenitalis verhältnissmässig sehr
gross, im Ganzen trapezoidal , doch mit gerundeten Seiten
und Winkeln, am Endrande mit zwei schmalen, zapfenarti-
gen Vorsprüngen versehen; die Griffel stumpf, länger als die
Hälfte der am Grunde dicken, schmal kegelförmigen Ralfen.
Beim Weibchen ist die Lamina subgenitalis gerundet,
etwa halb eiförmig , das ihr vorhergehende Bauchsegment
sehr eigenthümlich gestaltet, nämlich am Vorder- und Hin-
terrande tief winklig ausgeschnitten , so dass seine beiden
Hälften in der Mitte nur durch eine schmale Brücke verbun-
den sind; die Legescheide von Körperlänge, ganz gerade,
sehr schmal, allmählig und stumpf zugespitzt, pechbraun.
In Java einheimisch.
15) Gryl, combusta. Testacea, nitida, capite vittis
duabus flexuosis, in fronte inter se Connexis, antennis, man-
dibulis , pronoti marginibus vittaque media nee non tibiis
anticis nigro- fuscis : elytris dilute fuscis, albido- venosis,
alis grisescentibus. Long. corp. 14 lin. , vagin. IOYj lin.,
elytr. 17 lin. — Patria: Sidney. $.
Der Kopf ist auffallend gross, sehr viel breiter als der
Thorax und wie bei der vorigen Art von beträchtlichem
Längsdurchmesser, licht knochengelb, glänzend; auf dem
Hinterkopfe verläuft jederseits von der oberen Augenspitze
268 G e r s t a e c k e r :
eine pechbraune Xinie gegen den Vorderrand des Thorax
und zwischen der Insertion der Fühler zwei parallele pech-
schwarze Längsbinden , die ebenfalls am Thoraxrande be-
ginnen, auf der Stirn durch eine ziemlich breite Querbinde
mit einander verbunden werden, sich dann unter der Füh-
ler Insertion bis zum unteren Augenwinkel nach aussen bie-
gen und von hier aus bis zur Basis der Mandibeln abwärts
steigen, indem sie sich oberhalb des Clypeus noch stark
nach innen erweitern. Die ganze Gesichtsfläche, auf wel-
cher zwischen diesen beiden schwarzen Binden ein grosser
dreilappiger Fleck der Grundfarbe übrig bleibt , ist ziem-
lich dicht narbig punctirt und flach gerunzelt; die Ober-
lippe gegen die Spitze hin carminroth , die Mandibeln mit
Ausnahme der Basis an der Aussenseite pechschwarz , die
Palpen blass knochengelb ; an den Fühlern die beiden ßa-
salglieder ebenfalls gelb, das erste jedoch an der Basis mit
schwarzem Fleck, der borstenförmige Theil vom Pechschwar-
zen allmählig in ein lichteres Braun übergehend. Der Tho-
rax ist breiter als lang, nach hinten stark verengt, schmut-
zig rostgelb, die Mitte des Vorderrandes schmaler, die
ganze Basis und die Seitenränder breiter , so wie endlich
auch eine in der Mitte verbreiterte Rückenbinde schwärz-
lich pechbraun; die Eindrücke und Aufwulstungen der Ober-
fläche sind durchweg stark markirt. Mittel- und Hinter-
brust, Hinterleib und Beine sind licht knochengelb; an den
Vorderbeinen ist die Spitze der Schenkel besonders an der
Innenseite und die ganzen Schienen mit Ausnahme der
hinteren Fläche pechschwarz, an den beiden hinteren Paa-
ren dagegen nur die Hinterseite der Schienen nahe der
Basis und dann wieder unterhalb der Mitte licht pechbraun
bandirt. Die fünf Dornenpaare an Vorder- und Mittel-
schienen licht rostgelb gefärbt, an den vorderen beträcht-
lich länger. An den Hinterschenkeln finden sich im Gan-
zen nur vier Dornen, von denen die beiden hintersten paa-
rigen klein und hellgefärbt sind und auf einen tiefen, bo-
gigen Ausschnitt der Unterseite folgen, die beiden übrigen
an der Aussenseile weit von einander entfernt stehen und
schwarzbraun gefärbt sind ; die Hinterschienen sind mit
sechs Paar alternirenden , massig grossen, gelblichen Dor-
üeber die Locustinen-Gattung Gryllacris. 269
nen besetzt, welche die unteren zwei Dritttheile der Länge
einnehmen. Die Flügel überragen den Hinterleib fast um
die Hälfte ihrer Länge, sind fast gleich breit, an der Spitze
schräg abgestutzt, auf der Basalhälfte von wässrig brauner
Grundfarbe , welche gegen die Spitze hin immer lichter
wird und durchweg blassgelb, fast weisslich geädert. Die
ebenfalls langgestreckten Hinterflügel sind licht grau, fast
milchig getrübt und haben gelbliche Längs- und sehr feine
weissliche Queradern. Am Hinterleibe des Weibchens ist
die siebente Ventralplatte verlängert, fast um die Hälfte
länger als die vorhergehende und als sie selbst breit ist;
die Lamina subgenitalis sehr viel breiter , fast bis auf den
Grund breit rechtwinklig eingeschnitten und daher zwei-
lappig, die beiden Lappen scharf dreieckig. Die Legescheide
ist ausserordentlich lang, fast geradlinig, sehr schmal, stumpf
zugespitzt.
Aus Neu-Holland ; nur das Weibchen bekannt.
16) Gryl, brachyptera. Rufo -ferruginea , subnitida,
tibiis Omnibus nigris , basi apiceque cum tarsis laete ruüs,
anterioribus spinis ferrugineis : elytris alisque abbreviatis,
fusco-venosis. Long. corp. 12 lin. , elytr. S'^Iin-? vagin.
6^/2 lin. — Patria: Luzon. ^.
Der Kopf ist kurz und nicht breiter als der Thorax,
mit Einschluss der Fühler und Mundtheile ganz rostfarben,
glänzend, das Gesicht nur sehr fein und zerstreut punk-
tirt; der Prothorax fast quadratisch, seitlich hinter der Mitte
etwas erweitert, hell rostfarben, gelblich behaart, rings-
herum licht roth gerandet, mit abgekürzter mittlerer Längs-
furche. Mittel- und Hinterbrust, Abdomen und Schenkel
rostfarben, die Spitze der letzteren, die Basis und Spitze
der Schienen so wie die Tarsen besonders lebhaft und hell
rostroth , der ganze mittlere Theil aller Schienen dagegen
tief schwarz. Auffallend ist die Färbung der Dornen der
Vorder- und Mittelschienen, welche trotz ihres Ursprungs
von schwarzem Grunde dennoch licht rostgelb gefärbt und
an den Vorderschienen beträchtlich länger sind; an den
Hinterschenkeln überschreiten die sieben kurzen pechbrau-
nen Dornenpaare kaum die Mitte des Unterrandes, während
die acht ziemlich entwickelten der Hinterschienen, von denen
270 Gerstaecker:
nur das unterste rostgelb mit dunkler Spitze, die übrigen
schwarz mit röthlich durchscheinender Spitze sind, nur das
oberste Fünftheil der Schienen frei lassen. Die Flügeldecken
und Hinterflügel sind so kurz, dass sie zurückgeschlagen nicht
einmal die Hinterleibsspitze erreichen ; erstere sind stumpf
zugespitzt, sehr leicht graugelb getrübt, grösstentheils rost-
gelb, am Hinterrande jedoch dunkelbraun geädert; letztere
leicht milchig getrübt , fast durchsichtig , an der Wurzel
rostgelb , sonst überall schwarzbraun geädert , die Quer-
adern fein und nicht dunkler gesäumt. Beim Weibchen
ist die Lamina supraanalis klein , stumpf dreieckig zuge-
spitzt, mit stark gewulstetem Endrande und vertiefter Ober-
seite; die Lamina subgenitalis halbkreisförmig, mit in der
Mitte lappenartig hervortretendem Endrande, der sich ge-
gen die Oberfläche der Platte zurückschlägt. Die verhält-
nissmässig kurze Legescheide ist leicht gebogen, gleich von
der Basis an allmählig schmaler werdend , ziemlich scharf
zugespitzt, satt rothbraun.
Von Luzon , nur im weiblichen Geschlechte vorlie-
gend; durch die auff'allende Kürze der Flügel in Verbindung
mit der sehr markirten Färbung der Beine sehr ausgezeich-
net und leicht kenntlich.
17) Gryl. punicea. Coccinea, nitida, capite cum an-
tennis, pronoto, femorum apice tibiisque nigris : fronte coc-
cineo-trimaculata, elytris dilute fuscis, alis hyalinis. Long,
corp. 8 lin. , elytr. 7y2 lin. , vagin. 4 lin. — Patria: Cey-
lon. 2'
Der Kopf ist kaum breiter als der Thorax , ziemlich
kurz, mit Einschluss der Mandibeln und Fühler tief und
glänzend schwarz, wie Ebenholz ; der Vorderrand des Cly-
peus und die Oberlippe dunkel pechbraun, die Tarsen lich-
ter mit rothbraunem Endgliede. Die drei gleich grossen,
ovalen Ocellenflecke hell carminroth; Gesicht, Clypeus und
Oberlippe mit ziemlich grossen Punkten zerstreut besetzt.
Der Prothorax breiter als lang, ebenfalls glänzend schwarz,
zu beiden Seiten mit zwei dunkel carminrothen Flecken
und oberhalb nahe der Basis mit einigen dunkelroth durch-
scheinenden Stellen; die beiderseits stark abgekürzte, tiefe
Mittelfurche stösst nach hinten auf eine ebenfalls tiefe, aber
Ueber die Locustinen-Gattung Gryllacris. 271
feinere Querfurche. Die Mittel- und Hinterbrust, der ganze
Hinterleib, alle Hüften und die Schenkel mit Ausnahme der
Spitze sind hell carmoisinroth; während die Schienen an
allen drei Beinpaaren mit Ausnahme der äussersten Spitze
ganz dunkel pechbraun erscheinen , greift diese Färbung
auf die Schenkel in verschiedener Ausdehnung über, indem
die hintersten nur am Spitzendritttheile, die mittleren we-
nigstens oberhalb fast bis zur Mitte, die vorderen innen
sogar bis nahe der Basis damit getüncht sind, jedoch überall
so, dass die Unterseite davon ganz frei bleibt. An den
vorderen Beinpaaren sind die Schiendornen pechbraun mit
gelber Spitze, das unterste Paar ganz rostfarben; die Hin-
terschenkel sind unterhalb nur mit fünf tief schwarzen und
kaum die Mitte erreichenden Dornenpaaren bewaffnet und
zwar sind die beiden dem Kniee zunächst stehenden kräftig
und gross, die drei übrigen sehr kurz. An den Hinter-
schienen sieben Dornenpaare von der Grundfarbe, bis zum
letzten Vierltheil der Länge reichend; die Tarsen an allen
Beinen hell carminroth mit pechbraunen Klauen. Die den
Hinterleib beträchtlich überragenden Flügeldecken sind
gleichmässig wässrig braun getrübt, pechschwarz geädert;
die Hinterflügel glashell, längs des Aussenrandes sehr leicht
getrübt, mit, sehr feinen braunen Längs- und Queradern.
Weder die Lamina supraanalis noch dieL. subgenitalis sind
von den entsprechenden Segmenten deutlich abgesetzt, er-
stere kurz und quer dreieckig , oberhalb mit tiefer Grube,
letztere quer rhombisch, mit leichler Einkerbung und Ver-
tiefung in der Mitte ihres Hinterrandes. Die Legescheide
ist kurz, an der Basis sehr breit , ganz allmählig verengt
und scharf zugespitzt, leicht gekrümmt, mit Ausnahme des
hellrothen Ursprunges dunkel pechbraun.
Aus Ceylon; nur das Weibchen von Nietner eingesandt.
b) Beine ganz rostfarben.
18) Gryl. amplipennis. Ferruginea, nitida, capitis ma-
culis duabus subocularibus, vertice pronotique disco fusco-
brunneis : elytris alisque vitreis , fusco-venosis, his apice
angustius, illis ad medium usque latius infuscatis. Long,
corp. 13 lin., elytr. 16 lin. , vagin. 10 lin. — Patria: Ma-
labar. $.
272 Gerstaecker:
Der Kopf ist im Verhältnisse zum Thorax gross, brei-
ter als dieser, hell rostfarben, der hochgewölbte Scheitel
in weiter Ausdehnung so wie ein fast viereckiger Fleck
unterhalb der Augen dunkelbraun , die Oberlippe rostroth,
die Mandibeln mit gebräunten Kanten. Der Thorax klein,
besonders kurz, mit Ausnahme zweier grosser, licht gelber
Flecke nahe am Seitenrande ziemlich satt und rein braun
gefärbt, auf der jVlilte der Scheibe mit drei im Triangel
stehenden rostgelben Punkten, von denen der vordere dop-
pelt ist. Der Mittel- und Hinterrücken des Brustkastens
und die Oberseite des Abdomen sind ebenfalls licht pech-
braun gefärbt, an letzterem jedoch der Spitzenrand der
einzelnen Segmente rostgelb ; von letzterer Farbe sind zu-
gleich die Beine, nur dass an den Vorderschienen die Dor-
nen vor der weisslichgelben Spitze breit pechbraun gerin-
gelt sind. An den Hinterschenkeln erreichen die sechs mit
Ausnahme des hintersten sehr kurzen Dornenpaare gerade
die Mitte der Länge, während die sieben Paare an den Hin-
terschienen bis zum letzten Viertheil heraufsteigen; an bei-
den sind die Spitzen stark gebräunt. Die Flügeldecken
sind über das ganze Vorderfeld hin und ebenso längs des
Hinterrandes vollkommen hyalin, dunkelbraun geädert; über
die Milte hin erstreckt sich eine wässrig braun gefärbte
Längsbinde von der Spitze bis auf zwei Dritttheile der
Länge. Die Hinterflügel sind länger als breit, ebenfalls
ungefärbt , jedoch gegen den Aussenrand hin leicht ge-
trübt, überall braun geädert; während die Queradern sonst
überall sehr zart und daher kaum sichtlich gefärbt sind,
nehmen sie am Vorderrande und zwar besonders an der
Spitze desselben ganz die Stärke und dunklere Färbung
der Flügeldecken an. Beim Weibchen ist die Lamina su-
praanalis klein, halbkrcisrund, verdickt, oberhalb durch eine
Furche getheilt, die Lamina subgenitalis länger als breit,
kurz eiförmig, an der Basis der Quere nach ausgehöhlt; am
Spitzentheile mit einer von zwei zarten Längsleisten be-
gränzten Binne versehen und stumpf abgerundet. Die Le-
gescheide ist lang und schmal , fast gerade, sehr allmählig
verengt und zugespitzt, rostfarben mit brauner Spitze.
In Malabar einheimisch.
lieber die Locustinen-Gattung Gryllacris. 273
19) GryL phryganoides. „Alis elongatis, obtusis, ner-
vis fulvis : elytris apice obtusis , pellucidis , basi liiteis:
corpore, antennis, vagina pedibusque luteis, vagina peran-
gusta, elongata." Long, elytr. 13 lin. , vagin. bVz ^i"- —
Patria: Java. $.
Gryllacris phryganoides de Haan, Bijdragen etc. p. 219. no. 2.
Eine mir unbekannte Art aus Java; dasselbe ist mit
folgenden, von Serville beschriebenen Arten der Fall:
20) Gryl. signatifrons. Rufo-ferruginea, nitida, frontis
macula distincta testacea, elytris alisque hyalinis, fusco-ve-
nosis. Long. corp. 16 lin. — Patria : Java. 5.
Gryllacris signatifrons Serville, Hist. nat. d. Orthopt. p. 393.
no. 1.
21) GryL translucens. Rufo-ferruginea, nitida, ver-
tice , fasciis duabus subocularibus thoraceque nigro-fuscis,
hoc testaceo-variegato : elytris alisque hyalinis, fusco-ve-
nosis. Long. corp. 10 lin. — Patria: Java. J" $.
Gryllacris translnc-ens Serville, Hisf. nat. d. Orthopt. p.394:.
no. 5.
Diese von Java stammende Art scheint der Gryl. am-
plipennis, nach der Beschreibung zu urtheilen, nahe ver-
wandt zu sein, ist jedoch von geringerer Grösse und würde
sich durch das nicht braun gefärbte Mittelfeld der Flügel-
decken , dessen wenigstens Serville nicht erwähnt, un-
terscheiden ; über die Form der letzten Hinterleibsringe des
Männchens sind vom V^erf. keine Angaben gemacht worden.
22) Gryl. personata. Testacea, capite infra mandibu-
lisque nigris, macula frontali , prothoracis marginibus ma-
culisque duabus disci approximatis, femoribus elytrorumque
nervis rufescentibus. Long. corp. 9 lin. — Patria . Java. cT-
Gryllacris personata Serville , ^Annal . d, scienc. nat. XXII.
p. 139. no. 3. — Hist. nat. d. Orthopt. p. 395. no. 6. — de
Haan, Bijdragen etc. p. 220. no. 13.
Von Java, lieber die Grösse dieser Art sind die An-
gaben Serville's schwankend, indem er sie einmal auf
zwölf, das andere Mal nur auf neun Linien veranschlägt;
die Bildung der männlichen Hinterleibsringe ist unerörtert
geblieben.
23) GryL pallidula. Testacea, elytris pellucidis, fusco-
Arohiv f. Natarg. XXVI. Jahrg. 1. Bd. 18
274 G e r s t a e c k e r :
venosis, basin versus leviter infuscatis, alis liyalinis, roseo-
tinctis. Long-, corp. 6V2 ^i"- — Patria: Java. (^.
Gryllacris pallidula Serville , Hist. nat. d. Orthopt. p. 395-
no. 7.
24) Gryl. rubrinervosa. Rufo-ferruginea, niaciila fron-
tali testacea , elytris siibpellucidis , riifo - venosis , alis vix
roseo-tinctis. Long-, corp. 6 — 7 lin. — Patria ignota. d^.
Gryllacris rubrinervosa Serville, Hist. nat. d. Orthopt, p, 395.
no. 8.
Von geflügelten Arten, über deren Hinterflügel - Fär-
bung keine näheren Angaben gemacht worden sind, so dass
sie keiner der obigen Abtheilungen mit Sicherheit zuge-
wiesen werden können, sind noch folgende aufgestellt
worden :
25) Gryl. verticalis. „Unicolor, vertice capitisque fa-
stigio fusco-nigro, hoc ocellis maculiformibus testaceis : alis
quattuor fusco-reticulatis." Long. corp. H lin., vagin. 12 lin.
— Patria : Brasilia. $.
Gryllacris verticalis Burmeister , Handbuch der Entoniol. IL
p. 718. no. 2.
26) Gryl. oceanica. „Pallide rufo-lutea, macula testa-
cea inter oculos minima, labro brunneo-luteo , mandibulis
brunneo -rufis, palpis testaceis: elytris quasi translucidis,
tibiis Omnibus in medio infuscatis , abdomine supra infus-
cato, infra testaceo." Long. corp. S'/j lin. — Patria: In-
sula Hamoa.
Gryllacris oceanica Le Guillou, Revue zool. p. 1. soc. Cuvier.
1841. p.293. no. 11.
27) Gryl. dubia. „Rufo - lutea, macula media testacea
oculos atlingente, labro rufo-brunneo, mandibulis testaceis :
elytris crassioribus, tibiis anticis in medio nigris, abdomine
supra et infra testaceo." Long. corp. 10 lin. — Palria: In-
sula Viti.
Gryllacris dubia Le Guillou, ibidem p. 293. no 12.
28) Gryl. frontalis. „Unicolor, fronte tota fusco-ni^
gra." Long. corp. 15 lin. — Patria ignota.
Gryllacris frontalis Burmeister, Handbuch der Entomol. H.
p. 718, no. 3,
Ueber die Locustinen-Gattung Gryllacris. 275
Eine vollständig unbekannte Art, die von Burmei-
ster nur auf die von Roesel (Insektenbelustigung II.
tab. 18. flg. 7) gelieferte , sehr unvollkommene Abbildung
einer, wie es übrigens scheint, der Gattung sicher angehö-
renden Heuschrecke gegründet worden ist.
29) Gryl. ? gladiator. — Burmeister citirt die Lo-
custa gladiator Fabricius, Entom. syst. II. p. 42. no. 34 als
fragliches Synonym unter Gryllacris maculicollis Serv., von
der sie wohl durch Fabricius ausdrückliche Angabe:
„Caput testaceum, immaculatum-' ausgeschlossen wird; da
der Prothorax bei einfarbigem Kopfe mit schwarzer Zeich-
nung versehen sein soll , würde noch eher eine Anwen-
dung auf Gryl. pardalina (2. Art) geschehen können , die
aber ebenfalls nur durchaus hypothetisch wäre. Dass übri-
gens die Fabricius'sche Art der Gattung Gryllacris ange-
hört, scheint aus seinen Angaben über dieselbe ziemlich
sicher hervorzugehen. Als Vaterland wird Tranquebar
angegeben.
ß. Ungeflügelle Arten mit kürzeren und an Zahl meist vermin-
derten Dornenpaaren an Vorder- und Alittelschienen.
I. Hinterschienen ohne alle Dornen an der Kückseite, dreh-
rund.
30) Gryl. ambulans. Tibiis anterioribus biseriatim
quadrispinosis , testacea , nitida , fronte , prothoracis disco
segmentisque corporis ante apicem fusco-brunneis. Long,
corp. 10 — 13 lin., vagin. 8 lin. — Patria: Tasmania. </ $•
Gryllacris ambulans * Erichson , Wiegmann's Archiv f. Na-
turgesch. VIII, 1. p. 249. no. 214.
Der Kopf ist gross , viel breiter als der Thorax, mit
stark gewölbtem und gleich den Backen licht knochengelb
gefärbten Scheitel; die Stirn in weiter Ausdehnung ge-
bräunt, von den goldgelben Ocellenflecken der untere be-
sonders gross, fast kreisrund; die Palpen und die Mandi-
beln an der Basis licht gelb, ihre Spitze jedoch pechbraun.
Ueber die drei Thoraxringe zieht sich eine deutliche mitt-
lere gelbe Längslinie; der Prothorax ist nur in der Mitte
sattbraun und auch hier mit zwei queren gelben Eindrük-
ken versehen, die beiden folgenden Binge so wie die drei
276 Gerstaecker:
oder vier ersten des Hinterleibs mit Ausnahme der schma-
len Ränder fast ganz braun; auf den folgenden Ringen
herrscht die gelbe Grundfarbe wieder vor und das Braune
beschränkt sich mehr auf die Mitte des Hinterrandes. An
den licht gefärbten Beinen sind die vorderen Schienen je
mit vier kurzen Dornenpaaren, die kaum bis zur Mitte hin-
aufreichen, besetzt und selbst von diesen geht an den Mit-
telschienen das oberste zuweilen ein, so dass nur drei vor-
handen sind ; die Hinterschenkel nur mit zwei bis drei
Paar kurzer Dornen nahe der Spitze, die Hinterschienen ganz
drehrund , derb und verhältnissmässig kurz , ohne irgend
welche Bedornunof.
Beim Männchen ist das achte Hinterleibssegmcnt den
vorhergehenden an Länge und Form gleich , das neunte
fast doppelt so lang , mit scharfem und breit abgesetzten
Rande endigend , jederseits ganz nach aussen in einen ab-
wärts gewendeten Lappen auslaufend, unterhalb dessen die
kurzen Raife entspringen ; keine Lamina supraanalis vor-
handen , die Lamina subgenilalis dagegen gross , mit breit
gespaltener Basis und aufgerichteter, trapezoidaler, unter-
halb ausgehöhlter, oberhalb dagegen dick vierwulstiger
Endplatte.
Beim Weibchen ist die Lamina supraanalis klein, oval,
ausgehöhlt, die Lamina subgenilalis breit, von der Form
eines halben Achteckes, längs der Mitte gespalten, und
jede Hälfte zwischen dem aufgebogenen Spaltrand und dem
wulstigen Aussenrande tief ausgehöhlt. Die Legescheide
kräftig, leicht gebogen, allmählig und stumpf zugespitzt.
Aus Van-Diemensland, von Schayer.
II. Hinterschienen in gewöhnlicher Weise zweireihig gedornt.
31) Gryl. CaroUnensis. Tibiis anterioribus biseriatim
quadrispinosis, ferruginea, nitida, femoribus poslicis levi-
ter infuscatis. Long. corp. 7 lin., vagin. 4 lin. — Patria:
Carolina. $.
Klein , fast vom Habilus einer Pterolepis, licht rost-
gelb, glänzend. Der Kopf nur wenig breiter als der Tho-
rax, mit stark gewölbtem Scheitel, die Stirnhöhe kaum
länger als Clypeus und Oberlippe zusammengenommen.
Fühler und Mundtheile von Körperfarbe, nur die Spitze der
lieber die Locustinen-Gattung Gryllacris. 277
Mandibeln gebräunt. Prothorax quer viereckig-, nach hin-
ten verengt , mit kleiner Grube auf der Mitte der Scheibe
und den gewöhnlichen Eindrücken. Die Lamina supraana-
lis des Weibchens klein, fast kreisrund, die Lamina sub-
genitalis deckeiförmig, fast von der Form eines Halbkrei-
ses, die Legescheide sehr kräftig und breit, säbelförmig
gekrümmt, scharf .zugespitzt. An den Vorder- und Mit-
telschienen reichen die vier Dornenpaare etwas über die
Mitte hinauf; die Hinterschenkel mit drei bis vier sehr
kurzen Dornen jederseits nahe der Spitze, die Hinterschie-
nen mit sieben Dornenpaaren , die sich auf V^ der Länge
erstrecken.
Aus Carolina, von Cabanis.
32) Gryl. glomerina. Tibiis anterioribus biseriatim
quadrispinosis, testacea, capite thoraceque nigro-, femori-
bus brunneo variegatis, abdomine fusco-fasciato. Long. corp.
6 lin., vagin. 4V2 li^^- — Patria: Promont. bon. spei. $.
Kopf und Thorax sind licht gelb, glänzend, ersterer
nicht merklich breiter als der Vorderrand des letzteren, mit
stark gewölbtem Scheitel und einem halbkreisförmigen Ein-
druck am Vorderrande der Stirn ; der Clypeus , die Mitte
der Oberlippe und die Spitze der Mandibeln gebräunt, eine
V-förmige Zeichnung zwischen den Fühlern, ein Fleckchen
jederseits unter den Augen und ein Halbkreis auf dem
Hinlerkopfe schwärzlich pechbraun. Der Prothorax ist brei-
ter als lang, nach hinten stark verengt, in der Mitte des
Vorderrandes mit einem breiten, trapezoidalen schwärzlichen
Fleck, der einige helle Flecke der Grundfarbe einschliesst,
einer schmalen Querbinde an der Basis und zwei von die-
ser seitlich ausgehenden , oberhalb des Seitenrandes nach
vorn verlaufenden Bogenlinien von, gleicher Farbe. Meso-
und Metanotum so wie alle Hinterleibsringe sind an der
Basis dunkelbraun, an der Spitzenhälfte licht grünlichgelb
gefärbt , während die Unterseite der ganzen Brust durch-
aus'blassgelb erscheint. An den Beinen ist die Oberseite
"der Schenkel und die Aussenseite der Schienen hell ge-
bräunt, die Tarsen fast pechbraun gefleckt; die Hinter-
schenkel sind aussen etwa mit neun , innen dagegen mit
zwölf sehr kurzen braunen Zähnchen besetzt, welche min-^
278 Gerstaecker: Ueb. <1. Locustinen-Gatt. Gryllacris.
destens sich auf % der Länge erstrecken, die Hinterschie-
nen dagegen nur mit sechs Paaren von gleicher Färbung.
Die fast ganz gerade und auffallend breite Legescheide des
Weibchens ist bräunlich rostfarben , matt, auf der Aussen-
seite mit einem stumpfen Längskiel und zwei tiefen Fur-
chen ober- und unterhalb derselben versehen. Die Spitze
ist von unten her gerundet abgestumpft,, und der Oberrand
kurz vor derselben leicht ausgeschweift.
Vom Cap.
33) Gryl. sphinx. Tibiis anterioribus biseriatim quin-
quespinosis, tota flavescens , abdominc pallidiore. Long,
corp. lOlin., vagin. 71in. — Patria: Promont. bon. spei. ^.
Der Kopf ist klein, schmal, der Scheitel stark gewölbt,
mehr rostfarbig, das Gesicht blassgelb, zerstreut punktirt ;
der Prothorax nur wenig breiter als lang, nach hinten ver-
engt. An Vorder- und Mittelschienen überschreiten die
fünf Dornenpaare die Mitte der Länge; die Hinlerschenkel
sind aussen mit vier, innen mit fünf sehr kurzen braunen
Dörnchen längs des Spitzendritttheils bewaffnet , die Hin-
terschienen mit sechs Paaren, welche die Mitte etwas über-
schreiten. Die Legescheide des Weibchens ist lang , fast
bis nahe zu der scharf zugeschliffenen Spitze von gleicher
Breite, nahe dem oberen Rande mit durchgehendem, stum-
pfen Längskiel.
Ebenfalls vom Cap stammend.
Beschreibung zweier neuen Chileniscben Vögel aus
den Gescbiechtern Proceilaria und Caprimnigus.
Von
Dr. R. A. Philippi und Luilw. Landbeck
in Santiaffo.
1. Caprimulgtis andinus Ph. et L.
Herr Des Miirs beschreibt in Gay's historia fisica
y politica de Chile zwei Arten von Caprimulgus : 1) Ca-
primnigus Gould = C. parvulus Gould und C. conterminus
Peale nach Cassin ; 2) C. exilis Less. = C. acutus Gm.,
C. pruinosus Tschudi und C. peruvianus Peale. Nach Bo-
naparte wäre diese Art mit semitorquatus zu vereinigen.
Peale beschreibt noch einen C. aequicauda, welcher nach
Cassin (Archiv 1852. 2. p. 19) einerlei mit C. bifascia-
tus ist, während Hartlaub geneigt war, ihn für C. acu-
tus oder exilis zu nehmen. Siehe das. 1851. 1. p. 112.
(Burmeister unterscheidet dagegen in den „Vögel Bra-
siliens" C. acutus, pruinosus und semitorquatus als drei ver-
schiedene Arten !) Das Museum von Santiago besitzt von
diesen beiden Arten nur den C. bifasciatus und eine dritte
Art , die sich von beiden leicht durch die Phrase : torque
ferrugineo, fasciaque ferruginea in remigiis quatuor prima-
riis unterscheidet. Wir unterlassen aber jeden Versuch
einer Diagnose, da eine solche sich — namentlich bei die-
sem schwierigen Genus — nicht wohl entwerfen lässt, wenn
man nicht die verwandten Arten zur Vergleichung vor Au-
gen hat.
280
Philipp! und Landbeck:
Dimensionen.
Läng-e von der Spitze des Sein
Schwanzes
Länge des Schnabels
Länge des Schwanzes
Flügelspannung
Länge des Flügels vom Buge bi
Spitze ....
Länge des Schienbeins
Länge des Tarsus
Länge der Mittelzehe
Länge der Aussenzehe
Länge der Innenzehe
Länge der Hinterzehe
Die Flügel enden einen halben Zoll vor der Schwanz-
spitze.
Der Schnabel ist schwach und niedrig , aber hinten
ziemlich breit , an der Spitze hakenförmig übergebogen;
der Unterschnabel ist im Ganzen etwas abwärts gebogen, mit
der Spitze aber aufwärts gekrümmt. Die Wurzelhälfte des
Oberschnabels ist mit einer Art Wachshaut bedeckt, auf
welcher einzelne schwarze Borstenfederchen stehen , und
auf jeder Seite des Oberschnabels zeigen sich von der
Wurzel bis zum Mundwinkel acht steife, y^ bis 1 Zoll lange,
schwarze Borsten. Die Farbe des Schnabels ist braun. Die
Iris ist dunkelbraun. — Die Grundfarbe der Oberseite ist
ein lichtes Grau , unterbrochen durch schwarze Punkte,
Tüpfel, Striche und Binden, und einige grössere, rostgelbe
Flecke. In der Mitte des Scheitels sind die schwarzen Flecke
zu einer Binde gehäuft , welche sich am Genick in zwei
Arme theilt und den Hinterkopf umgiebt. Unmittelbar daran
stossend geht eine rostfarbige Querbinde bogenförmig um
den Hinterkopf und vereinigt sich mit einem breiten, rost-
farbenen Kehlbande. Der grössere Theil der Schulterfe-
dern ist in der Mitte schwarz, so dass zwei breite, schwarze
Längsstreifen entstehen. Die Federn auf dem Rande des Vor-
derarms sind seidenartig, langhaarig und einfarbig rostgelb.
Sämmtliche Deckfedern der Oberseite des Flügels sind gelb-
ich mit schwarzen Tüpfeln und Flecken und auf der Spitze
Beschreibung zweier neuen Chilenischen Vögel. 281
der Aiissenfahne befindet sich an den grösseren Deckfe-
den. ein dreieckiger, rostgelber Fleck, welcher bei der
grössten Dauinenfeder auf beiden Seiten den dritten Theil
der ganzen Länge einnimmt. Die Schwungfedern sind
braunschwarz, auf der breiten Fahne atlasartig behaart, von
der fünften an auf der schmalen Fahne rostroth getüpfelt
und gefleckt, auf der breiten Fahne aber regelmässig rost-
gelb und schwarz gebändert. Die vier ersten Schwung-
federn haben dagegen auf zwei Fünftel ihrer Länge vor der
Spitze ein zwei Linien breites , fetwas bogig nach hinten
sich ziehendes, rothgelbes Querband. Die erste und dritte
Schwungfeder sind gleich lang. Die Unterseite des Flü-
gels ist schwarz und rostgelb gefleckt und gebändert. Die
oberen Deckfedern des Schwanzes und die vier mittelsten
Schwanzfedern sind lichtgrau, schwarz getüpfelt und un-
deutlich schwarz gebändert. Die übrigen Schwanzfedern
sind an der Spitze ebenso getüpfelt, haben aber an der
schmalen Fahne elf schwarze und ebenso viele rostfarbio-e
Querbänder; auf der breiten Fahne zählt man ein Paar we-
niger, so dass nur zwei Bänder über die ganze Breite der
Fahne gehen. Der Schwanz ist jedoch bei dem vorliegen-
den Exemplare nicht ganz gleich gefärbt. Die drei äusser-
sten Schwanzfedern der linken Seite haben nämlich auf der
Innenfahne nahe an der Spitze einen sechs Linien grossen,
silberweissen Fleck, während auf der rechten Seite die
vierte einen solchen Fleck hat und die übrigen schwarz
und rothgelb getüpfelt sind. Letztere Federn sind auch
länger und der Schwanz würde daher eine schwache Gabel
bilden , wenn die andere Seite des Schwanzes nicht abge-
rundet wäre. Vermuthlicli ist dies ein Üebergangszustand.
Die Gegend um die Ohren , das Jiinn und die Brust sind
graugelblich mit sehr feinen, schwarzen Querbändern; die-
selbe Färbung, nur weit gröber, zeigt sich auf dem Bauche.
Die Schenkel und die unteren Deckfedern des Schwanzes
sind einfach rostgelb. Die Füsse sind hornbraun und der
Nagel der Mittelzehe ist gekämmt.
Dieser Vogel findet sich in der Cordillere der Pro-
vinz Santiago und soll an einigen Stellen derselben nicht
selten sein.
282 Philipp i und Landbeck:
2. Thalassidroina Segethi Ph. et L.
Obwohl im Stillen Meere mehrere Arten Thalassidroma
leben, welche der Ornithologie Chile's angehören dürften ,
so ist gleichwohl nur eine Art: Th. oceanica Kühl im Gay'-
schen Werke als Chilenischer Yogel aufgeführt und be-
schrieben, was sich aus dem Umstände erklären lässt, dass
diese Vögel nur die hohe See bewohnen, von Schifi'en aus
schwer zu fangen sind und nur zuweilen , v/enn sie durch
Stürme verschlagen sind, in den Häfen oder selbst im Bin-
nenlande erbeutet werden, weshalb sie auch in den Samm-
lungen verhältnissmässig selten sind. Um so interessanter
ist es uns, nicht nur die Fauna Chile's, sondern auch die
Wissenschaft mit einer neuen Art dieses Geschlechts be-
reichern zu können. Wir verdanken dieselbe Herrn Dr.
Carl Segeth, und bezeichnen sie kurz folgendermassen :
Thalassidroma Segethi, uropygio, basi caudae abdomi-
neque albis, reliquo corpore omnino nigro-fusco.
Dimensionen .
Länge von der Spitze des Schnabels bis zum Schwanz-
Der nackte Theil des Unterschenkels beträgt 7 Linien.
Die Flügel überragen die Schwanzspitze um einen Zoll.
Schnabel und Füsse sind glänzend schwarz, die Iris
braun. Die Zehen sind auffallend breit und flach und die Nägel
glatt und rund; die Hinterzehe ist durch ein rudimentäres,
am Tarsus einwärtsstehendes Nägelchen repräsentirt. — Kopf,
Hals, Rücken , Kehle und Brust, so wie die obern Deckfe-
dern der Flügel sind dunkelschwarzgrau , doch ziehen die
letzteren etwas ins Bräunliche. Die Rücken- und Mantel-
Beschreibung zweier neuen Chilenischen Vögel. 283
federn haben eine weisse Einfassung-, die sich aber wohl
im Verlaufe des Sommers durch Abreiben verliert , die
Schwung-- und Schwanzfedern sind tief schwarz. Die In-
nenseite der vier äussersten Schwanzfedern jederseits ist
an der W^urzel weiss. Dieselbe weisse Farbe haben auch
die oberen Deckfedern des Schwanzes, die Mageng-egend, der
Bauch, die Weichen und der After. Die untern Deckfedern
des Schwanzes sind an der Wurzel weiss und übrigens
schwarz mit weisser Spitze. Die kleinen Deckfedern auf
der Unterseite der Flügel sind schwarz , so wie der g-anze
Flügelrand , alle übrigen Deckfedern sind weiss. Der
Schwanz ist wenig- abgerundet und in der Mitte etwas aus-
geschnitten.
Vorstehende Beschreibung ist nach einem sehr gut
erhaltenen Vo^el im Winterkleide entworfen. Man wird
leicht aus derselben ersehen, dass keine der Beschreibun-
gen der übrigen Arten damit übereinstimmt. Einige Aehn-
lichkeit hat unsere Art wohl mit Th. fregatta , allein sie
weicht doch so bedeutend von ihr ab, dass eine Verwechselung
beider unmös^lich ist. Grösser ist vielleicht die Aehnlich-
keit mit ein paar von T s c h u d i und L e s s o n beschriebenen
Arten, allein eine genauere Unteruchung zeigt bald erheb-
liche Verschiedenheiten. Am nächsten kommt sie wohl der
von Titian Peale in der United States Explor. Exped.
beschriebenen Th. lineata , welche Peale innerhalb der
heissen Zone des Stillen Oceans, namentlich auf der Insel
Upocu in Felslöchern brütend fand. Diese Art stimmt mit
der unserigen in der Grösse, der Form der Füsse und all-
gemeinen Färbung überein, weicht aber darin ab, dass bei
ihr die Kehlfedern weiss mit schwarzer Spitze, die Brust-,
Bauch- und Weichenfedern aber weiss in der Mitte und an
der Spitze schwarz sind , während bei Th. Segethi Brust -
und Kehlfedern einfach schieferschwarz, Bauch- und Weichen-
federn aber einfarbig weiss sind , ausserdem sind auch die
oberen Deckfedern des Schwanzes einfach weiss, während
sie bei Th. lineata schwarze Schaftstriche haben.
Ueber die Verbreitung dieses Vogels oder seine nä-
here Heimath können wir keine bestimmte Nachweisung
geben, aber Landbeck glaubt, diesen Vogel mit Bestimmt-
284 Philippi und Landbeck: Beschr. zweier neuen Vogel etc.
heit am 6ten Mai 1852 in der Nähe von Feuerland unter
55M7' Südl. Br. und 65M1' Länge in Gesellschaft von Th.
oceanica in ziemlicher Anzahl bemerkt zu haben.
Nach den langen Beinen und der verkümmerten Hinter-
zehe müsste unser Vogel der neuen Gattung B on ap a rt e's
„Oceanites^ beigezählt werden, es scheint aber eine gene-
rische Trennung nach solchen unbedeutenden Abweichungen
kaum gerechtfertigt.
Ich benutze diese Gelegenheit, um Ihnen mitzutheilen,
dass meine Erismatura vittata wohl nichts weiter als E.
ferruginea ist; es ist entweder das Winterkleid dieser Art,
oder das Kleid des zweiten Jahres. Ich habe Männchen und
Weibchen mit dieser sehr abweichenden Färbung, letztere
mit vollkommen ausgebildeten Eiern erhalten. Keiner der
hiesigen Jäger kann mir über das Verhällniss der E. vittata
zur ferruginea Auskunft geben. In diesem W^inter haben
wir in Santiago ziemlich häufig die Dafila bahamensis ge-
habt, die sonst sehr selten ist und wohl nicht in jedem
Jahre hier vorkommt. Es ist ein Irrthum bei Gay, wenn
es daselbst heisst, dieser Vogel hiesse Pato jergon grande ;
diesen Namen führt die Anas pyrrhogaslra Meyen, welche
hier gemein ist, und wenn die Jäger die Dafila bezeichnen
wollen, so nennen sie dieselbe „pato jergon de garganta
blanca" „mit weisser Kehle." Noch gröber und mir voll-
kommen unbegreiflich ist der Irrthum. p. 331 : Turdus fus-
coater d'Orb. sei der „Zorzal, einer der gemeinsten Vögel
Chile's von der Provinz Coquimbo bis Valdivia." Der Tur-
dus fuscoater kommt vielleicht gar nicht in Chile vor, oder
doch nur in den nördlichen Provinzen Copiapo und Coquimbo ;
wir besitzen ihn von Taena in Peru. Dagegen ist Turdus
falklandicus der Zorzal, und dieser ist allerdings ein über-
aus häufiger Vogel in fast ganz Chile. (Philippi.)
Notiz über eine neue Antilope.
Von
Dr. J. E. Gray.
(Im Ausziige mitgelheilt nach Annais and Mag. of nat. hist.
Vol. IV. third series p. 296).
Das britische Museum in London empfing kürzlich durch
Mr. Samuel Stevens eine Anzahl Antilopen-Köpfe und
Hörner von Awan Bahr il Gazal (6° 70' N. ßr.) in Central-
afrika, welche durch Mr. P ethe rik nach England gebracht
waren , der in jenen Gegenden Elfenbein und dergl. ge-
sammelt hatte.
Die unter denselben befindliche neue Art nennt der
Verf. nach seiner Gemahlin, die ihn in seinen Studien be-
kanntlich vielfach unterstützt hat, und die sich auch der
wissenschaftlichen Welt durch Herausgabe der „Figures of
Molluscous Animals , selecled from various authors; etchcd
for the use of students by Maria Emma Gray" in fünf
Bänden bekannt gemacht hat,
Kobus Maria.
Auf den Wunsch des Verfassers , der uns den schö-
nen Holzslock für diesen Zweck anvertraut hat, wiederho-
len wir hier die Abbildung des männlichen Kopfes mit den
Hörnern, und fügen die kurze Beschreibung in der Ueber-
setzung hinzu.
286
Gray: Notiz über eine neue Antilope.
Der Kopf des Männchens ist schwärzlichbraun ; Lippen,
Kinn, Kehle, Augenrand, Umfang- der Ohren und die Ohren
weisslich ; Seiten der Nase bräunlich; das Haar auf den
Wangen, an der Seite des Unterkiefers, der Kehle und am
oberen Theile des Nackens, so weit es vorhanden ist, lang
und storr; die Hörner lang, ziemlich schlank, breit leier-
förmig, mit starken Querhöckern und gekrümmten Spitzen.
Der Kopf des Weibchens ist braun; Kinn und Kehle,
Basis der Ohren und zwei kleine Flecken (einer über der
Stirn, der andere hinter dem Unterrande des Auges) w^eiss-
lich ; das Haar am Kopfe schwarz mit braunen Spitzen, an
der Unterseite der Wangen, Unterkiefer und Nacken sehr
lang. Keine Hörner.
Die Gattung Corniispira imtcr den Monothala-
niien und Bemerkungen über die Org<ani$ation und
Fortpflanzung der Polythalamien.
Von
Prof. Max Schultze.
in ßonn.
Die von der Ray society in London herausg'egebene
Abhandlung von Williamson „On the recent Foramini-
fera of great Britain" 1858, veranlasst mich zu einigen Be-
merkungen über die von mir aufgestellte Rhizopoden-Gat-
tung Cornuspira.
Ich habe den Namen einigen bis dahin unbekannten,
wie es scheint in vielen Meeren sehr verbreiteten kalkscha-
ligen Rhizopoden gegeben, deren Gehäuse durchaus einer
kleinen PI a no r b i s - Schale gleicht, und, wie in meinem
Buche „über den Organismus der Polythalamien" Leipzig
1854 auf p. 40 zu lesen, die neue Gattung folgendermas-
sen charakterisirt : „Schale kalkig, wie ein Planorbis -Ge-
häuse gewunden, solide oder feinporös, scheibenförmig, auf
beiden Seiten gleich, eine einfache, ungetheilte Höh-
lung einschliessend. Eine grosse Oeffnung am Ende der
Windungen." Die Gattung gehört also wegen des Mangels
jeder Kammerabtheilung den M on o t h a 1 a mie n an, wie
ich im Gegensatze zu den Polythalamien diejenigen
unter den beschälten Rhizopoden (Foraminiferen)
nenne, bei denen innere Scheidewände oder Andeutungen
zu solchen fehlen. Ich beschrieb auch zwei Species dieser
Gattung, Cornuspira planorbis und perforata und bildete die-
selben auf Taf. IV. lig. 21 und 22 ab. Mir waren damals
Exemplare von der Küste von Mozambique, von Triest und
288 Schnitze:
von den Antillen bekannt. Lebende Exemplare hatte ich
nicht gesehen, aber in Weingeist aufbewahrte Hessen
die thierische Erfüllung der Schale, den Rhizopodenkörper,
deutlich erkennen.
Weitere gelegentlich angestellte Nachforschungen ha-
ben mir Exemplare derselben Gattung noch von manchen
anderen Orten zugeführt und habe ich später in Triest auch
zahlreiche lebendige Individuen beobachtet, welche mun-
ter umherkrochen. Man kann sich dieselben fast aus jeder
frisch dem Meere entnommenen Spongie verschaffen, bei
deren Zerzupfen stets massenhaft kleine beschalte und un-
beschalte Rhizopoden zum Vorschein kommen. Es ist gar
nicht nöthig Spongien zu nehmen, die aus dem Grunde
des Meeres stammen, bei denen die Verunreinigung durch
Sand und Schlamm auch die Ursache der gleichzeitig ge-
fundenen Rhizopoden sein könnte, auch die dicht unter der
Oberfläche des Meeres wachsenden Arten , wie z. B. die
an dem Holzwerke der Badeanstalten im Hafen von Triest
häufige Grantia (Sycon ciliatum Risso) liefern beim Zerzu-
pfen grosse Mengen namentlich jugendlicher Mono- und
Polythalamien.
Auch im fossilen Zustande sind Cornuspiren aufge-
funden worden und von Reuss "') beschrieben.
Williams on nun fand auch mehrere Arien an den
englischen Küsten. Er verwirft aber den Namen Cornu-
spira und setzt duinr Spirillina, dahinter als Autor Ehren-
berg. Die Stelle, wo Ehrenberg zuerst eine SpirilUna
beschreibt, und welche auch Williamson citirt , findet
sich in den Abhandlungen der Akademie der Wissenschaf-
ten zu Berlin aus dem Jahre 1841. In der Abhandlung :
„Verbreitung und Einfluss des mikroskopischen Lebens in
Süd- und Nord-Amerika" ist auf p. 402 die Gattung „Spi-
riliina, Kieselspirale," den Polygastrica untergeordnet, fol-
gendermassen charakterisirt: „Genus e familia Arcellino-
rum? Lorica tubulosa spiralis silicea , Planorbem referens.
■"■) Zuletzt in d. Sitzuiigsb. d. Wiener Akad. d. Wiss, 1860.
Die Foraniinifercn der w estphälischen Kreidefoiniation , besonderer
Abdruck p. 33.
Die Galtung Coiniispiia unter den Monothalamien. 289
(r= DiiflujTia loiica siliceB) ;•' lind ^veitcr unten steht der
Zusatz „Säure wirkte nicht auf die Schale." Wir haben
es hiernach und nach der auf Taf. III. i\g. 41 von Eh-
renberg- gegebenen Abbildung der einzigen am ange-
führten Orte von iliin beschriebenen Species „Spirillina vi-
vipara," mit einer unserer Cornuspira in der Gestalt ähn-
lichen , aber , nach E h r e n b e r g's wiederholter Versiche-
rung, kieseligen nicht kal k ige n Schale zu thun. Da
meine Gattung Cornuspira aber für Thiere mit Kalksch ale
gegründet ist, auch nach E h r e n b e r g's Nomenclatur nicht
zu den Polygastricis , sondern zu den P o 1 y t h a 1 a m i e n
(besser Monothalamien) gehört, so kann dieselbe unmöglich
für identisch mit Spirillina Ehrbg. gelten. Und da Wil-
liams on's Spirillinen Fo r a m i n i f er en also ka Ik s c h a-
lig sind, müssen sie Cor/m.«/?irr/ und nicht S/>in7/ma heissen.
Wenn die angeführte von Ehrenberg gegebene
Abbildung sc'mev SpirilUna vivipara der Art ist, dass Wil-
li amson ein gewisses Recht hatte, dieselbe mit meinen
Cornuspira- Abbildungen zusammenzustellen und sich der
Yermuthung hinzugeben, Ehren berg könnte sich in Be-
treff desKieselerdegehaltes getäuscht haben, in welchem
Falle auch ich an der Identität beider nicht zweifeln würde;
so muss die Scheidung beider Gattungen doch auf das
Bestimmteste festgehalten werden, seit Ehrenberg neuer-
dings mehrere neue Species seiner Gattung Spirillina be-
schrieben, und dieselbe jetzt den Polycyslinen, also
wieder Organismen mit Kiesel panzer, untergeordnet
hat -''•). Es sind diese Beschreibungen w^eit späteren Da-
tums als mein Polythalamienbuch , und da Ehrenberg
bei Gelegenheit derselben meine ihm, wie wir gleich se-
hen werden , wohlbekannte Gattung Cornuspira nicht er-
wähnt , so kann darüber kein Zweifel sein , dass er die
Gattung Spirillina als von Cornuspira durchaus verschieden
aufrecht erhält, und dass Williamson daher anf die
Zustimmung E h r e n b e rg's nicht rechnen kann, wenn er
*) Monatsbericht der Aliad. d. Wiss. zu Berlin 1857. p. 574,
560. 1858. p.35. Vergl. auch ebenda p. 332.
Archiv f. Naturg. XXVI. Jahrg. 1. Bd. 19
290 Schnitze :
beide Gattiingsnamen als Synonyme nebeneinander stellt. Es
giebt iin Meere Planorbis- ähnliche Rhizopodenschalen k al-
kiger Natur, diese sind als Cornvspira mihi von ähnli-
chen Schalen aus Kieselerde, den Spi rillinen Ehrbg. zu
trennen.
Ehrenberg hat allerdings gegen meine Gattung
Cornuspira auch etwas einzuwenden gefunden ^), Es sol-
len überall häufige Jugendzustände grösserer
Po 1 y tlial am i en sein, welche ich als neue Gattung zu-
samniengefasst habe. Dieser wird somit jede Berechtigung
abgesprochen. Und der Leichtsinn , mit dem ich diesen
Fehler begangen , sei um so grösser, als ich selbst einge-
standen habe, dass die Agathistegier in frühester Jugend
von meinen Cornuspiren nicht zu unterscheiden seien.
In der That ist es schwer zu glauben, dass Eh-
renberg es mit dieser, wie wir sehen werden, vollstän-
dig unhaltbaren ßehauplung ernstlich gemeint habe. Es
handelt sich hier, wie erhellt, nicht um Deutungen oder
Ansichten über organische Structur, nicht um die Organi-
sation der Rhizopoden oder dergl. , über welche Dinge
Ehrenberg's und meine Ansichten bekanntlich sehr weit
auseinander gehen, und über welche mit Ehrenberg
zu streiten um so weniger in meiner Absicht liegen kann,
als derselbe neue Beobachtungen über die Weichtheile der
Rhizopoden zur Widerlegung meiner Angaben nie beige-
bracht hat. Hier handelt es sich vielmehr nur um Scha-
lenbildung, hier bewegt sich Ehrenberg auf einem Ge-
biete, in welchem er wirklich fortgesetzt eifrig thätig war
und den Rufeines bedeutenden Kenners beanspruchen kann.
Um so auffallender und unvorsichtiger ercheint die
Abfertigung, mit welcher die Gattung Cornuspira beseitigt
werden soll. Dieselbe lautet wörtlich : „die kalkschaligen
Planorbis -ähnlichen kleinen Gestalten, welche vielartig und
nicht selten nur in Meeresverhältnissen vorkommen , habe
ich theils als kleine Wurmschalen von Annulaten-Würmern,
wie Scrpiila Spirorbis , erkannt, theils waren es entschie-
"'j MonalsberUhlc u. s. w. 1858. p. 332.
Die Gattung- Cormispira unter den Monothalamien. 291
dene Jiigendzustände von Polythalamien verschiedenster
Geschlechter. Neuerlich hat Hr. Prof. Max Schnitze aus
diesen überall häufigen Jugendzuständen der grösseren
Polythalamien das neue Genus Cormispira gebildet, während
doch der Autor selbst sagt (p. 10) , dass die Agathistegier
in frühester Jugend von seinen Cornuspiren nicht zu un-
terscheiden sind , und ein lebendes Thier zu beobachten
nicht Gelegenheit gehabt hat. Sie hätten also fraglich als
junge Agathistegier nicht als neue Gattung verzeichnet wer-
den sollen. Aber — sie vermehrten seine Monothalamier."
Ehrenberg behauptet also, dass die Cornuspiren
Jugendzuslände grösserer Polythalamien verschiedenster Ge-
schlechter seien. Namen dieser Geschlechter sind nicht
genannt mit Ausnahme der Agatiiistegier, auf die ich selbst
bereits aufmerksam gemacht hatte, also auch wohl Gründe
gehabt haben muss , trotz der Verwandtschaft den Unter-
schied aufrecht zu erhalten. Da zusammenhängende Ent-
wickelungsreihen von Polythalamien bisher erst sehr wenig
bekannt sind, auf die wir bei Prüfung der Behauptung Eh-
renberg's zurückgehen könnten, so sind wir in Betreff
der Frage nach der Form der Jugendzustände grösserer
Polythalamien wesentlich darauf angewiesen, diese aus den
Schalenformen der Erwachsenen abzuleiten, w^as mit gros-
ser Sicherheit geschehen kann. Meine zahlreichen Beob-
achtungen lebender junger Polythalamien an den Küsten
des adriatischen Meeres und auf Helgoland, das Studium
ihres allmählichen Wachsthumes , ferner zahlreiche ver-
gleichende Messungen der Schalen jüngerer und älterer
Individuen derselben Species haben zu dem Resultate ge-
führt, dass die Gestalt und Grösse namentlich des inne-
ren Raumes der jüngsten Kamnvern sich später wesent-
lich nicht ändert, und dass also jede Polythalamie in der
Jugend einmal so aussah , w ie später ihre älteste erste
Kammer oder der Complex mehrerer derselben gefunden
wird. Es brauchte das eigentllich gar nicht besonders be-
wiesen zu werden , sondern folgt aus dem Wachsthums-
vorgange der Polythalamien von selbst, dass man z. B. bei
einer gewundenen Rotalide nur die Form der innersten
ältesten Kammern anzusehen braucht , um die Form des
292 Schnitze:
JiiQfendzustandes zu kennen. Bei dicksclialioen Alien hilft
man sich durch Anschleifen. Es ist ganz dasselbe wie bei
einer gekammerten Nautilusschale oder , m enn man von
den Kammerscheidcvvänden absieht, ^^ie bei jeder Schnek-
kenschale. Wenn die Cornuspiren also Junge grösserer
Polylhalamien sein sollten, so mussten diese letzteren einen
Anfang der Schalenbildung zeigen wie eine Cornuspira,
das Centrum der Windung grösserer Polythalamien , und
zwar aus verschiedenen Geschlechtern nach
Ehrenberg, muss einer Cornuspira gleichen. Wie am
angeführten Orte meines Buches über die Polythalamien
angegeben ist, kommen die beiden von mir beschriebenen
Species der in Rede stehenden Gattung bis zu einer Grösse
von 6 — 7 Windungen vor. Es sind Planorbis- ähnliche
Gehäuse ohne alle K am merabth eilung im Innern.
Giebt es nun gekammerte Rhizopodenschalen, Polythalamien,
deren Centrum eine solche Cornuspira ist ? Das hatte E h-
renberg zu beweisen, wenigstens einen einzigen sicher
constatirten Fall der Art hatte er anzuführen, wenn er mit
Erfolg gegen die Berechtigung der Gattung Cornuspira
kämpfen wollte. Ehrenberg hat keinen angeführt und
konnte keinen anführen, denn es giebt f actisch keine
Polythalamie mit solcher Schale. Das weiss E h-
renberg so gut wie ich, und es dürfte desshalb zwei-
felhaft sein, ob seine Behauptungen nur „unvorsichtige" zu
nennen seien.
Was nun aber die bereits von mir mit jungen Cor-
nuspiren verglichenen jungen „Agathistegier," d. h. Milio-
liden betrifft, so ist Eh renb e rg's Verfahren, dieselben zur
Beseitigung der Gattung Cornuspira herbeizuziehen, geradezu
lächerlich. Ich bin es schon gewohnt, dass E h re nb e rg
mein Buch über die Polythalamien nur citirt, wenn er es zu
Angriffen benutzt, meinen Namen aber verschweigt, wenn
seine Untersuchungen eine Bestätigung der meinigen er-
gaben. Ich habe früher schon einmal gegen dieses Ver-
fahren protestirt, indem ich einige Beispiele von demselben
veröirentlichte ^''). Das scheint Nichts geholfen zu haben, und
*) »lüllei's Aicliiv n. s. w. 1856. p. 167.
Die Gattung Coinuspiia unter den Monüllialaniicn. 293
will ich den früheren noch eins aus der neuesten Zeit hinzu-
fiiiren. In den Monatsberichten der Akademie zu Berlin vom
Jahre 1857 p. 690 schreibt Ehrenberg, dass durch die von
Herrn B eis sei in Aachen entdeckte Methode, künstliche
Kieselsteinkerne zu bilden, Structurverhältnisse der Schale
erkannt seien, „die bisher ungcahnet waren, wie bei
SlderoUna calcUrapoides die Stacheln sich als Hüllen für
starke Gefässsysteme ergeben." So ganz ungeahnet
waren diese Structurverhältnisse bisher nicht, vielmehr von
mir ganz klar und deutlich bei derselben Species beschrie-
ben. In meinem Buche über die Polythalamien heisst es
p. 13 in dem Capitel, welches über die Slructur der Scha-
len handelt und die von innen nach aussen führenden Ca-
näle (Gefässsyslem Ehrenberg) ausführlich berücksichtigt :
„Endlich erhalten manche Schalen ein stacheliges oder stern-
förmige.'; Ansehn dadurch , dass einzelne Canäle sich in
Form von langen feinen Röhren über die Oberfläche der
Schale erheben, oder dass ganze Bündel derselben zu
dickeren Fortsätzen der Schale auslaufen. So bei Rosalina
Iniperatoria , bei den Calcarinen und besonders auf-
fallend bei Siderolina calcUrapoides dem schon von W a 1 c h
und Knorr abgebildeten zierlichen Stern von Mastricht."
Das beiläufig.
Meine Angaben über die Entwickelung der Milioliden
(Agathistegier d'Orb.) sind so ausführlich und bestimmt,
dass jeder Möglichkeit einer Verwechselung der Jungen mit
Cornuspiren , so bald sie nur ein gewisses Aller erreicht
haben, vorgebeugt ist. In der ersten Jugend sehen sie sich
sehr ähnlich , aber sobald mehr als eine einzige vollstän-
dige Windung ausgebildet ist, treten charakteristische Ver-
schiedenheiten hervor. Bei den Milioliden zeigt sich in
diesem Alter stets die erste oder schon die zweite Kam-
me r a b t h e i 1 u n g, und die Zahl dieser Abtheilungen nimmt
nun mit jeder halben Windung um eins zu , so dass Mi-
lioliden mit 6 — 7 Windungen schon aus 12 und mehr Kam-
mern bestehen. Cornuspiren mit so viel Windungen haben
dagegen — und das ist das Charakteristische — nicht die
geringste Andeutung von Kammerscheidewänden, und be-
kommen sie auch nicht bei noch mehr Windungen, wie
294 Schnitze:
aus der von Reu ss beschriebenen Cornuspira crcfacea der
westphälischen Kreide erhellt, an welcher 10 — 15 Windun-
gen gezählt wurden.
Man sieht daraus nach was für Grundsätzen Ehren-
berg Gattungen einzieht, etwa wie wenn der Conchylio-
loge die Gehäuse von Planorbis und Spirula wegen der
Aehnlichkeit in der Windung in ein Geschlecht zusammen-
fassen wollte, oder wie wenn sich Jemand daran machte
alle die Entomostraca, deren Junge nicht von einander zu
unterscheiden sind , in eine Gattung zu vereinigen. Ich
denke, es leuchtet darnach ein, dass die Zurechtweisung
Ehrenberg's, ich hätte die Cornuspiren fraglich als
junge Agathistegier nicht als neue Gattung
verzeichnen sollen , jeden Grundes entbehrt, und dass der
Zusatz: „Aber — sie vermehrten seine Monothalamier !",
welcher beim Leser den Verdacht hervorrufen soll , ich
hätte einer vorgefassten Meinung zu Liebe der Natur Ge-
walt anthun wollen, auf die Wahrheitsliebe seines Urhebers
kein sehr günstiges Licht wirft.
Die gereizte Stimmung, in der sich Ehrenberg of-
fenbar der ganzen von mir aufgestellten Abtheilung der
Monothalamier gegenüber beiludet, drückt sich weiter sehr
deutlich in einer dem Citate meines Buches auf p. 332 der
Monatsberiche u. s. w. v. J. 18.58 angehängten Anmerkung
aus. Sie lautet von Anfang an : „ich kann nur wiederho-
lentlich bedauern *) , dass in diesem Werke die Difflugien
und Arcellen der Polygastern mit den Polythalamien ver-
wechselt worden und jede physiologische Basis für eine
Systematik der verwandten Formen dadurch anstatt in Fort-
bau, in Widerspruch (sie !) versetzt wird. Der Name Mi-
lioliden hat auch wieder eine neue unberechtigte Anwen-
'•) Ein erstes Klagelied über dasselbe Thema steht in der Schritt:
„Ueber den Grünsand und seine Erläuterung des organischen Lebens,"
p. 123. Wen es interessirt, den Eindruck kennen zu lernen, den mein
Buch über die Polythalamien auf Ehrenberg gemacht hat, dem em-
pfehle ich die Seiten 121 — 127 dieser Schrift als nebenbei recht amü-
sante Leetüre.
Die fialtung Cornuspira unter den Monothalamien. 205
dung- daselbst erfahren, da er bei d'Orbig-ny nur eine
Ablheilung der betreffenden Agathistegier bezeichnet und
was die Monothalamier M. Schul tze's anlangt, so lässt
seine Darstellung es völlig ohne Beweis , dass sie nicht
nach Abzug der Polygastern , sämmtlich nur Junge der
übrigen Polythalamien sind, zumal von keiner dieser For-
men die Fortpflanzung ausser Zweifel gestellt ist, und dass
einige von den Jungen anderer nicht zu unterscheiden sind,
ausdrücklich angegeben wird."
Wenn nun auch Ehrenberg voraussichtlich nicht
erleben wird, seine Ansicht von der Kothwendigkeit einer
Trennung der Arcellen und Diiflugien als Polygastern von
Gromia, Lagijnis, Euglypha und anderen von mir in der Fa-
milie der Lagyniden zusammengefassten Rhizopodeu zur
Geltung zu bringen, auch die Cornuspiriden wird un-
angetastet stehen lassen müssen , so kann ich ihm doch
vielleicht durch die Anführung folgender interessanten That-
sache bezüglich einer Familie der Monothalamien das Ge-
fühl einer gewissen Genugthuung bereiten. Die Orbuli-
niden, die einzige Gattung Orbulina umfassend, werden
wahrscheinlich eingezogen werden müssen , aber freilich
nicht weil die Orbulinen , wie Ehrenberg prophezeit,
als Junge von Polythalamien erkannt sind. Neuere Beob-
achtungen deuten darauf, dass Orbulina eine abgelöste
und s e 1 b s t s t ä n d i g fortlebende Kammer einer
G lobig erina sei. Die ersten hierauf bezüglichen Beobachtungen
hat Pourtales gemacht und in Siliman's American Journal
Vol.XXVI. 1858. p. 96 (abgedruckt in den Ann.and Mag. of
nat. history 1858. Vol. II. p. 235) publicirt. Nachdem der
genannte Forscher auf die auch von anderen bereits bemerkte
grosse Aehnlichkeit in der Structm* der Schalen von Orbu-
lina und Globigerina aufmerksam gemacht hat, berichtet er,
dass er in Tiefgrundproben des Meeres, welche bekannlich
Polythalamien aus den beiden genannten Galtungen besonders
zahlreich enthalten .(wie solche auch die häufigsten pela-
gisch gefischten, also an der Oberfläche des Meeres schwim-
mend lebenden Arten sind), häufig Orbulinen fand,
welche je eine Globigerina im Innern enthielten.
Und eine Bestätigung dieses Vorkommens theilte mir Dr.
296 Schnitze:
A u g". K r 0 h n mit, welcher ohne von den P o u r l a 1 e s'schen
Beobachtungen zu wissen , ganz dasselbe in Madeira sah,
und zwar an lebenden Orbulinen, welche mit dem feinen
Netze an der Oberfläche des Meeres gefischt
waren.
Da nun die eine grössere Oeffnung der Orbulina-
Schale, welche Ehrenberg mit d'Orbigny als etwas
Constantes ansieht, auch nach Ehrenberg schwerlich so
gross wird , dass eine Clobigerine mit einer ganzen Zahl
von Kammern und langen Staclieifortsätzen der Schale,
welche nach Pourtales bis an die innere Fläche der
Orbulinaschale reichen , hineinspaziren kann, auch die Ein-
wanderung im Jugendzustande und Entwickelung in der
Orbuline nach Art der Gallwespen für die Polythalamien
unerhört und bei der zweifellos , wie die Schalenstructur
erweist, grossen Verwandtschaft beider Gattungen höchst
unwahrscheinlich ist; so wird die Globigerine , wie auch
Pourtales und Krohn glauben, in der Orbulina ent-
standen sein! Pourtales lässt eine weitere entwickelungs-
geschichtliche Verbindung beider unerörtert. Mir scheint
die Annahme am wahrscheinlichsten , dass die letzte Kam-
mer der Globigerine, wenn sie ein gewisses Alter, eine
gewisse Grösse erreicht hat, sich ablöse, wie die Proglot-
tide von der Taenie, und nach längerer oder kürzerer Zeit
freien Lebens die Fortpflanzung besorge. So entsteht in
ihrem Innern die Globigerine.
Dass Polythalamien lebendige Junge gebären die der
Mutter gleichen, habe ich nach Gervais's ersten Mitthei-
lungen an einer Miliolide erwiesen '"). Neuerdings habe
ich die gleiche Art der Fortpflanzung an mehreren Exem-
plaren einer Rotalide beobachtet, wie ich unten des Nähe-
ren mittheilen will. Gewöhnlich, so scheint es, geht die
Fortpflanzung der Polythalamien, das Gebären lebendiger
Jungen, vor sich, ohne dass die einzelnen Kammern selbst-
ständig werden. Bei den Globigerinen aber, deren Kam-
mern von kugliger Gestalt sich nur mit einer kleinen Stelle
der Kugeloberfläche berühren können, an welcher Stelle auch
*) Müllers Archiv f. Anal. u. Phys. 1856. p. 165.
Die (jattung Coninspira unter den Monolhalamien. 297
durch mechanische Verhältnisse sicher sehr leicht ein Ab-
lösen stattfinden kann, scheint der Fortpflanzung die Isoli-
rung einer oder mehrerer Kammern vorauszugehen. Bei
der V 0 1 1 s t ä n d i g gleichen S t r u c t u r der 0 r b u 1 i n a-
und der G lo b i geri na- Schalen halte ich diese Erklärung
des eigenthümlichen Fundes von Pourtalcs und Krohn
Tür die einfachste und natürlichste.
Bei der Annahme einer Abstammung der Orbulinen
von den Globigerinen kommt nun auch Ehrenberg in
Betreff der grösseren Oeffnung der Orbulinenschale zu sei-
nem Rechte. Da die Kammern der Globigerinen wie bei
den Rotalidcn durch je eine grössere Oeffnung communi-
ciren, wird die abgelöste Kammer auch eine solche zeigen
müssen. Wenn ich aber an vielen Orbulinen eine grössere
Oeffnung vcrmisste , worüber sich Ehrenberg so sehr
entsetzt, zumal d'Orbigny dieselbe bereits erkannt und
abgebildet habe, was für mich, beiläufig gesagt, nicht die
geringste Bedeutung hat , so will ich nur andeuten , dass
möglicherweise nach längerem freien Umherschwiramen
der Orbulina die Oeffnung sich verkleinern oder obliteriren
kann, und zweitens dass vielleicht gerade mit der Ablösung
der letzten Kammer der Globigerine eine beginnende Oblitera-
tion der Communicationsöffnung in Verbindung steht. Jeden-
falls kommt, wie ich gegen Ehren berg bemerken muss,
desshalb nicht viel auf diese, übrigens auch vonAnde-
ren'"*j v er misste Oeffnung an, weil^die ganze Oberfläche
der Orbulina mit zahllosen grösseren und kleineren Poren
durchsetzt ist, aus denen die Protoplasmafäden hervortreten,
und weil dieselben, wie Polystomella strigilata lehrt, auch
ohne Aufnahme grosser Bissen ins Innere des Rhizopoden-
körpers Nahrungsstoffe sammeln können. Wem freilich,
wie bei Ehrenberg der Fall zu sein scheint, das Ver-
ständniss für die Natur eines einfacheren Organismus als
seine „vollkommenen Organismen" sind, abgeht, wer trotz
Opalinen, Taenien u. s. w. vor dem Gedanken eines „mund-
losen Thieres" sich entsetzt wie etwa vor einem Menschen,
'-'") Willianison sagt auf p. 2 seiner angeführten Schrift, dass
die Oeffnung oft nicht sichtbar sei.
298 S chu 1 tz e:
der seinen Kopf unter dem Arme trüge, für den sind solche
Bemerkungen nicht geschrieben.
Ich habe kürzlich einige Beobachtungen über die Na-
tur des Rhizopodenkörpers einem Aufsatze einverleil)!, wel-
cher über Zellen und Protoplasma im Thierkörper handelt
und in dem Archiv für Anatomie u. Physiologie herausge-
geben von Reichert und du Bois-Reymond unter
der Aufschrift „über Muskelkörperchen und das was man
eine Zelle zu nennen habe" in Kurzem erscheinen wird.
Ich glaube in demselben die schwierige Frage nach der
Natur der sogenannten „Sarkode des Rhizopoden-
körpers" bedeutend vereinfacht zu haben, indem ich nach-
wiess, dass diese Substanz als identisch zu betrachten sei mit
dem Protoplasma der Zellen, mit dem sie denn auch den
Namen Iheilen müsste. Es dürlte hier der Ort sein, einige
Andeutungen über die Verwandtschaft der genannten Sub-
stanzen zu geben.
Protoplasma ist Zellsubstanz oder wie die Botaniker
sagen Zelleninhaltssubstanz, aber nicht immer die ganze
Zelleninhaltssubstanz. Es ist eine d ickbreii g e Masse,
aus einer homogenen , glasartigen Grundsubstanz und
aus eingebetteten Körnchen bestehend , seiner chemischen
Beschaffenheit nach eiweissartig. In vielen namentlich grös-
seren Pflanzenzellen sondert sich das Protoplasma der
Zelle von einem wässerigen anderen Theile des Zellen-
inhaltes scharf ab. Der wässerige Thcil tritt zuerst in so-
genannten Vacuolen des Protoplasma auf, bis er bei w eite-
rem Wachsthume der Zelle, bei welchem das Protoplasma
sich nicht entsprechend mehrt, den grössten Theil des in-
neren Raumes ausfüllt. Dann bildet das Protoplasma nur
noch eine dünne Schicht an der inneren Oberfläche der
Cellulosewand , umhüllt den Kern und zieht meist in ein-
zelnen Strängen durch die Zellenhöhle. Das Protoplasma
ist die wichtigste Substanz der Zelle, in ihm concentriren
sich die Functionen derselben, in ihm ganz besonders äus-
sern sich alle die chemischen und morphologischen Ver-
änderungen, welche die verschiedenen Phasen des Zellen-
lebens bezeichnen. Das Protoplasma ist zugleich, sofern es
an seiner und aus seiner Oberfläche mancherlei mcmbra-
Die Gattung Cornuspira unter den >Ionolhalan;ien. 299
nöse und andere Stoffe bereiten kann, ganz ausschliesslich
wie es scheint die gewebebildende Substanz. Das Pro-
toplasma ist auch contractu. Nur durch solche An-
nahme lassen sich die Bewegungen desselben im Innern
der Zellen, z. B. der bekannten Tradescantia-Zellen, ja ich
glaube selbst der Charen erklären. Die Natur der Bewe-
gung, die Körnchenströme, das Anaslomosiren der Fäden
bei Anwesenheit eines Protoplasmafadennetzes in der Zelle,
Alles spricht dafür, dass der Grund der Bewegung in dem
Protoplasma selbst, nicht aussen liege. Nur durch An-
nahme einer Contractilität des Protoplasma sind die Ge-
staltveränderungen einzelner Zellen , die amoebenartigen
Bewegungen der Gregarinen , der Lymphkörperchen im
Blute , einzelner Bindegewebszellen , der Herzzellen von
Embryonen u. a. zu verstehen.
Bei dieser Contractilität des Protoplasma sind Gestalt-
veränderungen der ganzen Zellen durch Anwesenheit einer
starren Zellenmembran natürlich gehindert oder ganz unmög-
lich gemacht. Je weniger vollkommen aber die Oberfläche
des Protoplasma zu einer Membran erhärtet ist, je nä-
her die Zelle dem ursprünglichen membranlosen Zustande
sich befindet -"*) , a u f w e 1 c h e m sie n u r e i n n a c k t e s
P r 0 1 0 p 1 a s m a k 1 ü m p c h e n mit Kern darstellt, um
so freier und ungehinderter können sich die Bewegungen äus-
sern. Ist eine solche Zelle nun gar ein Organismus für sich,
so tritt uns die proleische Gestaltveränderung, der in der
Contractilität des Proloplasmaklümpchen bedingte Wechsel
der äusseren Form am auffallendsten entgegen. So kommen
wir zu den Amoeben, deren Einzeliigkeit mindestens
sehr wahrscheinlich ist, da sich Uebergänge zu den Gre-
garinen verfolgen lassen. Man. hat die contractile Blase
als ein Hinderniss für diese Anschauungsweise, für die Deu-
tung der Amoeben als einzelliger Wesen anführen wollen.
Ich kann ein principielles Hinderniss darin nicht finden.
Denn ist das Protoplasma contractu, wie kaum noch be-
*) Siehe über diese Ausdrucks - und Anschauungsweise den er-
wälintcn Aufsatz von mir in dem Archiv für Anatomie und Physiolo-
gie „über Muskelkörperchcn u. s. \v."
SOO S c !i u 1 t z e :
zweifelt werden kann, so ist die Möglichkeit der Ausbildung
einer besonders conlraclilen - Stelle , eines rythmisch sich
contrahirenden Hohlraumes gegeben ^^■).
Als solches nacktes , freies, contractiles Protoplasma
deute ich nun auch die contractile Substanz aller
grösseren Rhizopoden. üb sie aus einer Zelle oder
aus mehreren Zellen entstanden ist, bleibt zunächst
gleichgültig. Sie ist Protoplasma, und damit ist ihr
Wesen und ihr Ursprung bezeichnet. Es ist gar nicht un-
wahrscheinlich, dass sie in einzelnen Fällen durch zusam-
menfliessen mehrerer nackter Protoplasmaklümpchen mit
Kern, d. h. also aus mehreren Zellen entstanden sei. Aber
dieses Zusammenlliessen ist jedenfalls ein so vollständiges,
dass nur noch die Zahl der in diesem Falle wahrschein-
lich persistirenden Kerne die der früher dagewesenen be-
sonderen Zellen andeuten könnte, im Protoplasma
selbst ist eine Scheidung in Zellen nicht anzunehmen!
Denn wie das Zusammenlliessen der Fortsätze ausserhalb
der Schale ein vollständiges ist, wie die Beobachtung jeder
Gromie lehrt und seit meinen ersten ausführlichen Angaben
mehrfach bestätigt worden ist, wie dieses Zusammenfliessen
ganz dem der Protoplasmafäden in den Pflanzenzellen gleicht :
*) Auch lässt sich mit dieser Anschauinig sehr ^^ohl die That-
sache verbinden, dass es Amoeben giebt, welche nur an einer be-
stimmten Körpersteile Wahrung aufnehmen. Die Kindenschicht des
Protoplasma braucht sich nur in Hinneigung zur fllembianbiidung ein
wenig zu verdichten , so wird die Aufnahme von äusserlich angren-
zenden fremden Körpern ins Innere schon weniger leicht vor sich ge-
hen. Bleibt aber, wie es in solchem Falle geschehen wird, eine
Stelle der Rinde des Protoplasma in der ursprünglichen Weichheit,
so wird diese nun „Mund." Ja es kann zur festen Membranbildung
kommen, und die Zelle behält ihren „Mund," es bleibt eine Oelfnung
in der Zellenmembran, durch welche Protoplasma mit der Aussen-
welt communicirt. Als solche Zellen mit Membran und Oelfnung in
der letzteren können die Difllugien, Euglyphen und alle Wonolhala-
mien gedeutet werden. Solche Zellen kommen auch in höheren Or-
ganismen vor, £. Brücke und nach ihm Brettaner und Stei-
nach haben die Darmepithtlzellen so aufgefasst, und, wie ich meine,
ganz richtig.
Die Gattung Cornuspira unter den Monolhalaniien. 301
SO ^uir(lon natürlich, wenn mehrere ursprünglich getrennte
Protoplasninklümpchen zur Bildung der contractilen Masse
eines Rizopodenkörpers beilragen sollen , diese zu einer
homogenen Masse vollständig verschmelzen müssen.
Denn fliesst überhaupt einmal Protoplasma zusammen, wird
die Selbstständigkeit, die ein Klümpchcn oder ein Faden
dieser Substanz während des Lebens besitzt und mit einer
gewissen Hartnäckigkeit nach aussen zu bewahren sucht,
überwunden, so kann nachträglich von einer Selbst-
ständigkeit der einzelnen zusammengeflossenen Proto-
plasmamassen nicht mehr die Rede sein.
Um ein sicher constatirles Beispiel von solchem Zu-
sammenfliessen hüllenloser Zellen zu geben, führe ich das
Aelhalium septiciwt unter den Myxomyceten an. Nach
de B a r y's '"*) Angaben, die ich bestätigen kann, bestehen
die in der Lohe sich befindenden Gebilde dieses Namens aus
einer Substanz wie die Amoeben , es sind, wie man sich
vollkommen klar ausdrücken kann, nackte Protoplas-
maklumpen, natürlich mit den zugehörigen Kernen. Sie
sind bald gross, bald klein, theilen sich und fliessen zu-
sammen, wie das Terrain, auf dem sie sich gerade bewe-
gen und innere Zustände der Substanz , die der Beobach-
tung entzogen sind, mit sich bringen. Die amoebenartigen
Bewegungen sind an jedem freien Rande unter dem Mikro-
skope wahrzunehmen, und trilFt man es günstig, dass man
recht lebenskräftio-e Substanz in einem Schälchcn mit Was-
ser isoliren kann , so bietet diese das merkwürdigste
Schauspiel von der Welt. Das Klümpchen Protoplasma,
wir wollen es von der Grösse einer Erbse nehmen, breitet
sich bald membranartig auf dem Glase aus , treibt Fort-
sätze, die sich netzförmig verbinden , und überzieht nach
wenigen Viertelstunden eine Fläche von einigen Quadrat-
zollen mit einem Netzwerk, das hier grobmaschiger dort
filigranartig fein , in steter, wenn auch langsamer Verän-
derung begrifTen , den Beobachter mit Staunen erfüllt. So
kriecht das Protoplasmaklümpchen von der Stelle, die man
*) Zeitselir. f. wissenscli. Zoologie. Bd. X. p. 88.
302 Schnitze:
ihm angewiesen, selbstständig fort. Dann verschmelzen ein-
zelne Theile des Netzwerkes wieder zu dickeren Ballen,
lösen sich ganz ab, um für sich von Neuem das Spiel zu
beginnen. Oder theilt man künstlich, so stört auch das bei
vorsichtiger Handhabung der Instrumente und wenn die
Substanz recht lebenskräftig ist, die Bewegungen nicht.
Wie schon de Bary angiebt, so fliessen oft getrennte
Aethalien zusammen. Das kann man in kleinen Schälchen
beobachten. Zu einer gewissen Zeit des Lebens kommt
dies Zusammenfliessen in besonders grossartigem Maass-
stabe vor, wenn es sich nämlich um die Sporenbildung
handelt, zu welcher meist recht grosse Massen von Pro-
toplasma verwandt werden.
Von solchen Massen Protoplasmas, wenn sie auch, wie
sich bei Aethalium direkt erweisen lässt, nicht durch Ver-
grösserung einer einzigen Zelle, sondern durch Zusammen-
fliessen vieler entstanden sind , behaupte ich nun , dass
man nicht sagen dürfe, sie beständen aus Zellen. Sie
sind aus Zellen entstanden aber jetzt bestehen sie nur
aus Protoplasma. Potentia enthält die Masse Zellen, in-
sofern die Kerne , die in ihr persistiren , zu irgend einer
Zeit einmal zu einer Abthcihing des Protoplasma in ^\irk-
lich getrennte Zellen Veranlassung geben können (wie bei
Aethalium bei langsamem Eintrocknen); aber re vera sind
keine Zellen in dem Protoplasma zu unterscheiden, denn
die Körnchen desselben können von Kern a zu Kern b und
Aveiter zu Kern x, y und z wandern , ohne an einen be-
stimmten Kern gebunden zu sein, wie es doch der Fall sein
müsste, wenn man von Zellen als constituirenden Gebilden
der in Rede stehenden Masse sprechen wollte.
So nun, meine ich, verhält es sich auch mit der Pro-
toplasmasubstanz der Rhizopoden. Man hat sie bisher
Sarcode genannt, und in der That hat sie nach dem
Obigen Vieles von dem, was sich Dujardin unter dieser
Substanz dachte. Wenn ich jedoch vorschlage, sie von
jetzt ab Protoplasma zu nennen, so glaube ich auf die
Zustimmung der Fachgenossen rechnen zu dürfen. Das
Wort Sarcode hatte sich von vorneherein so sehr in Op-
position mit der Zellentheorie gesetzt, dass wir es, wenn
Die (jattiing Coniuspira iinler den Monothalainien. 303
Avir CS auch als ein bezeichnendes und für die Rhizopo-
densubstanz nicht schlecht gewähltes anerkennen mussten,
doch ffern mit einem anderen vertauschen werden, in wel-
chem der Triumph der Z eil en th eori e auch über
diese niedersten organischen Gebilde ausge-
drückt liegt. Auf den Namen kommt es zwar eigentlich
nicht an, wenn man denselben aber so wählen kann , dass
derselbe einen dem zu bezeichnenden Gegenstande ent-
sprechenden tiefen inneren Sinn birgt, wie ich das von dem
Worte „Protoplasma" behaupte, in welchem das Ge-
heimniss eines ganzen Organismus angedeutet ruht, so wird
man diesen einem weniger sinnvollen vorzuziehen haben.
Freilich wird mit diesem Tausche Ehrenberg we-
nig gedient sein, welcher sich vor einem aus einem beleb-
ten Protop las maklümpchen bestehenden Organismus
ebenso entsetzen wird, wie er es vor einem nach der bis-
herigen Nomenclatur aus Sarcode bestehenden gethan.
Wenn nun nach dem Voranstehenden die contractile
Rindensubstanz der grossen Rhizopoden so gut wie der
kleinen aus einem in Z e 1 1 e n n i c h t z e r 1 e gb a r e n, wenn
auch in Betreff seiner Entwickelung auf eine oder mehrere
Zellen zurückzuführenden Protoplasma besteht, so ist damit
noch nicht gesagt, dass nun nothwendig der ganze in der
Schale eingeschlossene innere Theil des Rhizopodenkörpers
auch aus derselben Substanz bestehen müsse. Ich habe
schon in meinem Buche über den Organismus der Polytha-
lamien darauf aufmerksam gemacht, dass man bei allen
grösseren Rhizopoden einen inneren meist gefärbten, mehr
ruhenden Theil von dem äusseren farblosen, ausschliess-
lich Fortsätze treibenden, beweglichen zu unterschei-
den habe- Beide Theile grehen allmählicr in einander über
und sind bestimmte Anhaltspunkte über wesentliche Ver-
schiedenheiten der inncrn Organisation aus meinen Beobach-
tungen nicht gewonnen worden. Farbstoffbläschen, grössere
Körner und Kernchen, welche die Masse undurchsichtig
machen, zeichnen die innere Substanz von der äusseren aus,
aber eine Zusammensetzung aus Zellen oder gar die Diffe-
renzirung bestimmter Organsysteme habe ich auch an die-
sem Theile des Rhizopodenkörpers nicht wahrnehmen kön-
304 Schultze:
neu. Ehrenberg nimmt eine solche DilTerenziriing an,
spricht z. B. von einem den Rhizopodenkorper durchzie-
henden Darmkanal, der natürlich doch eine besondere
von der umgebenden Substanz verschiedene Wand haben
müsste. Bevi'eise für die Existenz einer solchen sind nie
beigebracht , und muss ich nach häufig und bis in die
neueste Zeit wiederholten Beobachtungen lebender na-
mentlich durchsichtiger Polylhalamien die Existenz
eines solchen auf das Bestimmteste bestreiten.
Auch] davon , dass jüngeren , durchsichtigen Formen
von Cornuspira , Miliola und Rotalia, Avie ich schon früher
behauptet habe, eine contractile Blase fehle, habe
ich mich wiederholt und wie ich glaube auf das Bestimm-
teste überzeugt.
Dennoch besteht, wie ich anführte, eine auch bei den
Süsswasserrhizopoden , selbst den Amoeben , angedeutete
Verschiedenheit zwischen Rinden- und Marksubstanz. Die-
selbe könnte, wenn die Organismen aus einer Zelle ent-
standen sind, auf die bei vielen jungen, membranlosen Zel-
len zu beobachtende Verschiedenheit der Rindenschicht des
Protoplasma und der Innern Partieen zurückgeführt werden.
Ich meine die Verschiedenheit , w eiche z. B. bei den von
Remak auf Taf. XI. hg. 17 seines Werkes über die Ent-
wickelung der Wirbelthiere abgebildeten Embryonalzellen
besteht, dahin gehend, dass die hyaline Grundsubstanz des
Protoplasma sich hier wenigstens siellenweise über den die
Körnchen einschliessenden Theil erhebt. In der That beob-
achtet man dergleichen bei vielen namentlich sich bewe-
genden jungen Zellen (ich erinnere an die von Lieber-
kühn beschriebenen beweglichen Zellen des Blutes). Re-
mak hat in dem angeführten Falle das Hervortreten der
hyalinen Substanz als Abheben einer Membran gedeutet,
in welchem Punkte ich mit dem geehrten Forscher nicht
übereinstimmen kann.
Sind aber mehrere oder viele Zellen zur Bildung
eines Rhizopodenkörpers zusammengetreten, wie wir solchen
Fall als gar nicht unwahrscheinlich bezeichneten (wie also
der Fall sein würde, w enn der Rhizopodenkorper aus einer,
einem sich furchenden Eie ähnlichen, sich theilenden Eizelle
Die Gattung Cornuspira unter den Monolhalamien. 305
hervorginge) , so hätten wir nach unserer neuen Proto-
plasma-Theorie in Betreff des weiteren Verhaltens der Zel-
len folgende Möglichkeit zu constatiren. Ich erinnere wie-
der daran, dass die von mir gegebene Definition der Zelle
lautet : „ein nacktes Protoplasmaklümpchen mit Kern," und
dass ich die Membran als etwas zum Be^rifF der Zelle
durchaus nicht Nothwendiges betrachte. Es ist also ein
Haufen kleiner Zellen gegeben, aus denen einRhizopoden-
körper sich bilden soll. So brauchen nur die periphe-
rischen Zellen untereinander zu verschmelzen, um das
später in Zellen nicht mehr zerlegbare, den inneren Kör-
per wie eine Schicht flüssigen Wachses umgebende Proto-
plasma, die sogenannte Sarkode, zu bilden. Nach dem
Centrum zu aber kann sich die Selbstständigkeit der Zellen
in allmähligem U eher gange erhalten, sie können
eine Membran bekommen , Gewebe verschiedener Art bil-
den, wie sie aus den Furchungszellen des Eies eines höheren
Thieres hervorgehen, ja die Theorie erlaubt die An-
nahme, dass Herz, Blutgefässe, Darm, Nieren, Gehirn,
Nerven, kurz Alles, was nur gewünscht wird, innen in voller
Entwickelung functionirt, während aussen die einfachste
Form lebensfähiger Substanz persistirt — also der ganze
so complicirte Organismus sich wie ein Aetha-
lium auf einem Haufen stinkender Lohe herum-
wälzt. Dass eine in ihren Consequenzen so entsetzliche Ver-
bindung höchster und niederster Organisation in der Natur
nicht Platz greife, dafür sind die Schranken der Typen auf-
gerichtet. Wir sind weit davon entfernt den Typus der Pro-
tozoen bereits so weit verstanden zu haben, dass wir sagen
könnten : bis hieher und nicht weiter geht innerhalb des-
selben die Differenzirung der Organsysteme. Dass dieselbe
aber eine gewisse und sehr bestimmte niedere
Gränze habe, lässt sich nach der Analogie der übrigen
Typen erschliessen.
So also können sich innerhalb des Protozoentypus
aus den einfachsten, nur aus dem Protoplasma einer
einzigen Zelle bestehenden Thierformen , leicht andere
höhere Formen entwickeln , bei denen eine gewisse oder
ziemlich vollkommene Selbstständigkeit einzelner constitui-
Archiv für Naturg. XXVI. Jahrg. 1. Bd. 20
306 Schultze:
render Zellen vorhanden ist und auch Andeutungen be-
stimmter Organsysteme auftreten. Aber bei allen Pro-
tozoen, und das möchte ich für charakteristisch halten,
waltet wenigstens in gewissen Bezirken des Körpers und
behufs Erfüllung gewisser Functionen die Keigung der
Zellen vor, zu einer grösseren Protoplasmamasse
zusammenzuschmelzen, in welcher dann nur die
Zahl der persistirenden Kerne etwa noch den Ursprung der
Masse aus Zellen andeutet. Bei einigen Formen ist es die
Rinde des Körpers, wo solche Masse vorkommt, — es sind
Rhizopoden, unter denen nach Job. Müller's und
namentlich E. HaeckeTs neuen, durch mündliche Mitthei-
lung mir grossentheils bekannt gewordenen wichtigen Un-
tersuchungen die Radiolarien, die Acanthometren und die
Polycystinen den höchsten Platz einnehmen dürften , inso-
fern bei ihnen in der oben angedeuteten Weise wirklich
Zellen persistiren. Bei anderen Protozoen könnte aus-
sen eine geschichtete Lage mehr oder weniger selbststän-
diger Zellen vorhanden sein, wie bei den Infusorien,
während innen der Körper ausgefüllt ist von dem nicht
in Zellen zerlegbaren, aus verschmolzenen Zellen entstan-
denen Protoplasma. Als solches nämlich deute ich die
weiche Centralsubslanz der Infusorien, in welche die Bis-
sen eingedrückt werden. Sie ist der weichste Theil des
Infusorienleibes, gehört aber zu demselben ebenso gut wie
die Rindensubstanz, und kann den Namen Chymus den
Lach mann ihr beilegte, nicht führen.
Von diesem Gesichts^punkte aus möchte ich an die Deutung
der Organisation der Infusorien gehen , und lebe ich der
Ueberzeugung, dass wir so zu einem befriedigenden Abschluss
in der schwierigen Angelegenheit kommen. Doch muss
ich auf eins aufmerksam machen, was nicht
unwichti g ist, da SS nämlich die Theorie auch
die Annahme einzelliger Infusorien erlaubt.
Denn eine Zelle kann auf der Oberfläche Wimpern be-
kommen, eine Zelle kann eine härtere Rindenschicht
und eine weiche Marksubstanz mit Vacuolen , Kern , ver-
schiedensten Körperchen, FarbstofTbläschen u. s. w. ent-
halten. In einer Zelle kann, wie die jungen Mus-
Die Gattung Cornuspira unter den Monothalaniien. 307
kelfaserzellen lehren, die Peripherie des Protoplasma
in echte Muskelsubstanz umgewandelt sein , wäh-
rend das Centrum der Zelle noch von gewöhnli-
chem Protoplasma eingenommen wird. Dass im Pro-
toplasma einer Zelle eine sogenannte contractile Blase
entstehen könne , bedarf freilich noch weiterer Untersu-
chungen, scheint aber nicht mehr unwahrscheinlich. End-
lich, dass eine Zelle , also hier ein Proloplasmaklümpchen
mit erhärteter und bewimperter Rinde, an einer oder
zwei Stellen seinerOberflächeder erhärteten Rinde
und der Wimpern entbehren könne, einen „Mund" habe,
von welchem aus feste Stoffe in die innerste, weichge-
bliebene Protoplasmamasse hineingedrückt werden und einen
„After" zur Ausleerung derselben , diesen Punkt habe ich
oben bereits besprochen, und glaube ich, dass die Mög-
lichkeit solchen Vorkommens zugegeben werden muss.
Zum Schlüsse finde nun noch die bereits oben er-
wähnte neue Beobachtung über die Fortpflanzung einer Po-
lythalamie aus der Familie der Rotaliden hier eine Stelle.
In einem Glase mit Meerwasser und etwas Sand, wel-
cher aus einer Tiefe von etwa 20 Fuss bei Helgoland ge-
sammelt worden und gut ausgeschlämmt war, hielt ich seit
dem Herbste 1857 eine kleine Anzahl Gromien (Gromia
Dtijardinii) , MilioUden und Rotaliden lebendig. Im Juni 1859,
nachdem das Glas durch meinen kurz vorher von Halle
nach Bonn bewirkten Umzug stark geschüttelt worden und
dann mehrere Wochen dicht verschlossen gestanden hatte,
bemerkte ich unter zahllosen die innere Fläche des Glases
überziehenden Bacillarien einige braungelbe Körper, die
mit der Lupe als kleine Rotaliden erkannt wurden. Die-
selben hatten früher diese Stellen nicht eingenommen, sas-
sen aber jetzt, wie eine durch einige Tage fortgesetzte
Controlle lehrte , entweder ganz unbeweglich fest , oder
veränderten ihren Anheftungspunkt , der aussen auf dem
Glase mit einem schwarzen Ringe umgeben worden war,
nur um Theile einer Linie. Die Grösse der Thiere betrug
etwa Vs'"- Ich löste eins der Thiere mit einem Pinsel ab, was
nur mit ziemlicher Gewalt gelang, reinigte es durch wieder-
holtes Abpinseln von den anhängenden kleinen Bacillarien,
308 Schnitze:
und konnte jetzt seine Gestalt namentlich bei auffallendem
Lichte deutlich erkennen. Es war eine Rotalide , und am
besten zur Gattung Rotalina zu stellen. Fäden traten an
ihrer Oberfläche auch nach längerem Warten nicht hervor.
Der gelbbraune Inhalt namentlich der grösseren Kammern
zeigte eine eigenthümliche, schon mit einer scharfen Lupe
bemerkbare grobkörnige Beschaffenheit, über dessen
eigentliche Natur der Undurchsichtigkeit der Schale wegen
nicht ins Klare zu kommen war. Ich ging daran die Schale,
deren Kammern ich noch zählte, es waren ihrer 10, mit
Nadeln zu zerstückeln, und erstaunte nicht wenig, als nach
dem Ablösen der ersten Schalenbruchstücke, kleine drei-
kammerige Polythalamien zum Vorschein kamen,
deren denn nach möglichst vollständigem Zerdrücken und
Zerzupfen der Mutter ihrer 20 — 30 ans Licht der Welt ge-
bracht wurden. Sämmtliche kleine Polythalamien waren
von gleicher oder nahezu gleicher Grösse , und bestanden
aus drei untereinander zusammenhängenden fast kugligen
Kammmern, von denen die erste , innerste die grösste und
braungelb war, mit grossen fetttröpfchenähnlichen Farbstoff-
bläschen erfüllt , die anderen beiden sich farblos zeigten.
Ihre Schale erschien sehr dünn, brüchig, kalkhaltig, be-
sondere Structur, als regelmässig gestellte Poren, war in
ihr nicht wahrzunehmen. Die künstliche Geburt schien den
Jungen zu früh gekommen zu sein, denn ein Ausstrecken
von Fortsätzen war an denselben trotz stundenlangen War-
tens nicht zu beobachten.
Natürlich war ich auf die Ereignisse an den übrigen
an der Glaswand sitzengebliebenen Rotaliden sehr gespannt.
Dieselben wurden einer strengen Controlle unterworfen,
täglich mit der scharfen Lupe gemustert, und nachdem mir
an einigen derselben die grobkörnige Beschaffenheit des
Inhaltes aufgefallen war, hatte ich die Freude, an zweien
derselben zu beobachten, dass in ihrer Umgebung plötzlich
eine erst dichte dann allmählich sich zerstreuende Ansamm-
lung kleiner Körnchen auftrat, welche mit dem Pinsel ab-
gehoben und unter das Mikroskop gebracht, sich als eben-
falls dreikam merige kleine Polythalamien ergaben,
genau von derselben Gestalt und Grösse, wie die aus dem
Die Gattung Cornuspira unter den Monolhalamien. 309
Mutterthiere herausgelösten , nur dadurch von letzteren
verschieden, dass an allen auch die zweite Kammer bereits
anfing sich gelb zu färben.
Wir haben hier also einen neuen Beweis dafür, dass
Polythalamien lebendige Junge gebären, und diese zur Zeit
der Geburt sich auf einer verhältnissmässig hohen Stufe
der Enlwickclung befinden. In der That wächst die Span-
nung , wie sich die Geoponus fortpflanzen mögen, von de-
nen Ehrenberg behauptet, sie trügen ihre Eier in klei-
nen Körbchen mit sich herum.
Noch ist zu bemerken , dass ich vergleichende Mes-
sungen der Kammern der jungen Thiere und der innersten
Kammern der Mutterthiere angestellt habe, und die Maasse
durchaus übereinstimmend fand. Die erste centrale Kam-
mer ist durchaus kuglig und hat einen Durchmesser von
0,0112 — 0,0150 P. L. So variirt sie bei verschiedenen
Individuen, die beiden folgenden sind nicht mehr ganz kuglig,
und ist die dritte, etwas grösser als die zweite, der Durch-
messer variirt zwischen 0,0052 und 0,009 F. L.
Die Species habe ich nicht benannt, sie steht der Ro-
talina nitida von Williamson (fig. 106, 107 u. 108 sei-
nes oben angeführten Werkes ) am nächsten. Grössere
dichtstehende OefTnungen der Schale fehlen, die Schale
ist ziemlich undurchsichtig, wie] aus lauter kleinen un-
regelmässigen Partikelchen zusammengesetzt, nicht so zwar
wie bei der von mir beschriebenen Rotalina silicea, auch löst
sich die Schale in Säuren, aber es fehlt ihr doch das ho-
mogene, elegante Aussehen der meisten anderen Rotaliden.
Einzelne grössere aber mehr gezacklrandige als scharf runde
Löcherchen durchbohren die ziemlich dicke Schale.
Von grossem Interesse musste es se\n den Zustand
der Mutter nach der Geburt zu untersuchen. In dem einen
Falle sah mit der Lupe die Schale wie geplatzt aus und
beim Abheben mit dem Pinsel erhielt ich auch nur Bruch-
stücke. Im anderen Falle dagegen glaubte ich die Schale
ganz und unverletzt erkannt zu haben. Ich brachte sie
auch auf denObjectträger aber beim Reinigen von den un-
endlich zahlreich aufsitzenden kleinen Diatomeen ging sie
verloren. Doch glaube ich mit Sicherheit eine gelbbraune
310 Schul tze: Die Gatt. Cornuspira unt. d. Monothalaniien.
Erfüllung in den inneren Kammern erkannt zu haben, wor-
aus zu schliessen wäre, dass nicht der ganze Rhizopo-
denkörper zur Bildung der Jungen verwandt worden sei.
Wir wollen alle weiteren Vermuthungen über das Zustan-
dekommen des Fortpflanzungsgeschäftes unausgesprochen
lassen und mit dem Wunsche schliessen, es möchten Andere
die Gelegenheit aufsuchen, über die Fortpflanzung der Po-
lythalamien weitere Beobachtungen anzustellen.
Das Kolonialnervcnsystem der Jloosthicre^ nacbge-
wieseu an Serialaria €oiitinliii n. sp.
Von
Fritz Müller
in Deslerro.
(Hierzu Taf. XIII).
Bei Thieren, die auf gemeinsamem Thierstock zu Ko-
lonieen vereinigt leben, beobachtet man häufig Bewegun-
gen des ganzen Stockes oder einzelner Thiere , die zwar
willkührlich , nicht aber vom Willen der Einzelthiere ab-
hängig, sondern von diesen wie auf höheren Befehl aus-
geführt erscheinen. Dies gilt auch von den Moosthieren.
Bei einer Pediceliina, deren Thierzelle von einem S'/j Mm.
langen starren auf dickerem beweglichen Sockel stehenden
Stiele getragen wird, dauern die Bewegungen dieses Stie-
les tagelang nach dem Verluste des Thieres unverändert
fort; bei einer weit kleineren Art derselben Gattung, die
als Schmarotzer auf Moosthieren und Hydroiden hier sehr
häufig ist, beginnen die in ganzer Länge beweglichen Stiele
schon auf das Lebhafteste sich zu bewegen, wenn das Thier
an ihrer Spitze kaum als Knospe, angedeutet ist. Ich er-
innere auch an die bei Mimosella gracilis von Hincks
beobachteten gemeinsamen und gleichzeitigen Bewegungen
der doppeltfiedrig angeordneten Thierzellen. Wo nun über-
haupt bei solchen Thieren , wie es bei den Bryozoen der
Fall ist, Nerven sich nachweisen lassen, da ist mit Grund
zu vermuthen , dass nicht nur bei jedem Einzelthiere als
Sitz des Einzelwillens, sondern dass auch in dem Thier-
stocke als Sitz der Kolonialverwaltung ein Nervensystem
312 ai ü 1 1 e r :
bestehen werde. Der Nachweis freilich dieses Nervensy-
stems wird für die Mehrzahl der Moosthiere von äusserster
Schwierigkeit sein ; um so schwieriger, je reducirter, ver-
kalkter, undurchsichtiger, — um so leichter, je entwickel-
ter, weicher, durchsichtiger der Thierstock ist. In dieser
Beziehung nun dürfte nicht leicht eine ausgezeichnetere
Art zu finden sein, als eine im Meere von Santa Catharina
nicht eben seltene Serialaria, deren Thierstock aus bis über
zolllangen , dünnhäutigen fast vollkommen durchsichtigen
Gliedern besteht. Hier ist denn nun auch in der That ein
Kolonialnervensystem so leicht erkennbar , mit so überra-
schender Deutlichkeit in die Augen fallend , wie ich Aehn-
liches sonst nur an dem Nervensysteme der Salpen gesehen
zu haben mich entsinne.
Die Darstellung des Kolonialnervensystems als einzi-
gen Zweck dieses Aufsatzes betrachtend, beschränke ich die
vorauszuschickende Beschreibung des Thieres auf das zum
Erkennen der Art und zum Verständnisse des Folgenden
Nothwendige , und übergehe namentlich den inneren Bau
der Einzelthiere.
Der sparrig verästelte , nach allen Seiten über span-
nenweit zwischen Tangen sich ausbreitende Thierstock der
Serialaria Coutinhii mihi *") besteht aus walzenförmigen
Gliedern, die bis über 40 Mm. Länge bei 1,35 Mm. Dicke
erreichen, und, von Glied zu Glied sich verjüngend, bis zu
0,1 3Im. dicken Endzweigelchen herabsinken. Die Veräste-
lung des Stockes erscheint im Allgemeinen trichotomisch
in der Weise, dass vom Ende jedes Astes drei ungleich
starke Zweige abgehen , die beiden stärkeren nahezu in
gleicher Ebene mit dem Aste, der dritte schwächere einen
Winkel von etwa 60^ mit der Ebene der beiden anderen
bildend. An den äussersten Verzweigungen verfolgt man
leicht die Entstehung dieser Verästelungsweise: am Ende
*) Die Art benannte ich nach Herrn Dr. Joao Jose Con-
ti nho, früheren Präsidenten den Provinz Santa Catharina, dem ich
die Müsse zu wissenschaftlichen Arbeiten , und dem also die Wissen-
schaft dankt , was mir etwa hier zu ihrer Förderung zu leisten ver-
gönnt sein sollte.
Das Kolonialnervensystem der Moosthiere. 313
des Astes tritt zunächst ein einzelner neuer Trieb als ge-
rade Fortsetzung des Astes auf (fig. 1, a'), wird aber spä-
ter (tig. 1, a") durch einen zweiten (fig. 1, b') , der bald
darauf neben ihm entspringt, mehr und mehr zur Seite ge-
drängt , so dass der Winkel zwischen diesen Zweigen oft
bis über 120^ steigt. Der dritte, wieder jüngere Zweig
(fig. 1, c) zwischen den beiden älteren , irt einer auf der
Ebene derselben senkrechten Ebene sich entwickelnd, pflegt
jene Ebene der beiden älteren kaum merklich hinabzu-
drängen, so dass dieselben eben nahezu in gleicher Ebene
mit dem Aste bleiben. Bisweilen, doch immer erst viel
später, und nachdem sich die früheren längst weiter ver-
ästelt haben , tritt dem dritten gegenüber noch ein weit
schwächerer vierter Zweig auf (fig. 1, d) ; selten selbst ein
fünfter, eine Zahl, die ich noch nicht überschritten sah.
Das relative Alter der Zweige bleibt meist sehr deutlich
ausgeprägt in ihrer Dicke und Länge, so wie in dem Grade
ihrer weiteren Verästelung.
Die Glieder des Stockes sind weich, biegsam, doch dabei
elastisch , etwa wie ein unterbundenes mit Wasser straff
gefülltes Darmstück; ihre in kochender Kalilauge nicht
gelöste, also wohl aus Chitin bestehende zarte aber dabei
feste Hülle ist, wie der fast flüssige Inhalt, von fast was-
serheller Durchsichtigkeit; eine leichte gelbliche Trübung
wird durch ein unmittelbar unter der Hülle gelegenes Pig-
ment bedingt. Die jüngsten Zweige zeigen sich weniger
durchsichtig, während bei den älteren vielerlei thierische
und pflanzliche Schmarotzer oft den Einblick hindern.
[Späterer Zusatz : Nach Beobachtungen an anderen
clenostomen Bryozoen vermuthe ich , dass die einzelnen
Glieder durch eine von der Hülle ausgehende quere Schei-
dewand getrennt sind.]
Der Stock haftet an Tangen u. s.w. mittelst sehr ver-
einzelter Wurzelfäden, die bald am Ende der Aeste an
Stelle der Zweige (fig. 2, a) , bald an unbestimmten Stellen
des Stammes, besonders zwischen den Thierzellen ent-
springen (fig. 2, b) und deren Ende sich flächenartig und
lappig auf dem Tange ausbreitet.
Die Thierzellen stehen in Längsreihen am oberen
314 Müller:
Theile der Zweige , deren unterer Theil in verschiedener
Erstreckung leer bleibt, bald in ununterbrochener dicht-
gedrängter Folge, bald mit einzelnen kurzen Lücken, bald
(an den ältesten , bisweilen selbst thierlosen Aesten) nur
in einzelnen wenig zahlreichen Gruppen. Sie erscheinen
einheitswendig (wie bei Serialaria cornuta und lendigera
Lam.) an den jüngsten Endzweigelchen, an den übrigen
aber in zwei mehr oder weniger diametral gegenüberste-
henden Reihen. Es treten nämlich zuerst zwei dicht ne-
beneinanderstehende Reihen auf, nach aussen von diesen
bilden sich zwei neue Reihen jüngerer Zellen; ihnen folgt
wieder nach aussen ein dritter, ein vierter Nachwuchs u. s. f.,
während die altern Thiere absterben und endlich auch ihre
Zellen abfallen. Wenn, wie es an alten Aesten vorkommt,
bei diesem Vorrücken der jungen Rrut der Durchmesser
überschritten wird, schlägt natürlich scheinbar die Ordnung
um, indem nun die Knospen sich nach innen von den bei-
den Reihen reifer Thiere finden. — Die Zellen sind häutig,
in voller Ausdehnung gegen 0,6 Mm. lang und von 0,2 Mm.
auf 0,1 Mm. Durchmesser verjüngt; sie sitzen mit kuglig
abgerundeter Basis schief auf , nach der Spitze des Zwei-
ges zu sich neigend und tragen am Ende, beim Uebergange
in die Tentakelscheide einen Kranz 0,04 bis 0,05 Mm. lan-
ger, zarter, flacher, farbloser Borsten. Bei tiefem Zurück-
ziehen des Thieres wird ein volles Drittel der Zelle ein-
gestülpt , und diese nimmt dann eine mehr eiförmige Ge-
stalt an. Die alten Zellen ohne Thiere, deren Vorderende
stets eingestülpt ist, erscheinen kürzer und dicker und von
ellipsoidischer Form.
Das Thier, das einen Kranz von acht 0,3 Mm. langen
Tentakeln trägt, ist in der Zelle so gelagert, dass die
Darmseite der Spitze, die Schlundseite dem Ursprünge des
Zweiffes sich zuwendet; bei tiefem Zurückziehen richtet
sich der eingestülpte Zeilentheil schief nach der Darmseite,
um hier auf die Mitte der nicht eingestülpten Zellenwand zu
stossen; von da wendet sich die Tentakelscheide quer nach
der Schlundseite und steigt an dieser bis zum Zellen-
grunde nieder.
Die Beachtung dieser Lagerungssverhältnisse, so wie
Das Kolonialnervensystcm der Moosthieic. 315
der Richtung in der sich die neuen Thierknospen bilden,
erleichtert wesentlich das rasche Zurechtfinden an kleinen
Stückchen, wie sie in den Gesichtskreis des Mikroskops
fallen; die weiteren Verhältnisse der Einzelthiere sind nicht
von Belang- für die Aulfassung des Kolonialnerven-
systems, zu dessen Darstellung ich jetzt mich wende.
Das Nervensysteni jedes Zweiges besteht
aus einem an dessen Ursprung liegenden an-
sehnlichen Ganglion, aus einem von diesem
ausgehenden den Zweig der Länge nach durch-
ziehenden Nervenstamme, der sich am oberen
Ende in Aeste theilt für die Ganglien der hier
entspringenden Stengelglieder, und aus einem
reichen Nervenplexus, der dem Stamme auf-
liegt, und diese Ganglien, so wie die Basal-
ganglien der Einzelthiere verbindet.
Die Basalganglien der Zweige (fig. 3 — 5, G) liegen
genau an der Grenze zwischen Ast und Zweig und in der
Achse des letzteren; sie sind meist von kugliger Form,
oder auch etwas in die. Länge gezogen und mehr spindel-
förmig und von körnigem (kleinzelligem ?) Gefüge. Blass
und durchscheinend in den jüngsten Zweigelchen, erhalten
sie bald eine schwach gelbliche Färbung und werden un-
durchsichtig. Ihre Grösse steigt von 0,03 Mm. Durchmes-
ser (in einem ganz jungen erst 0,2 Mm. langen Zweigel-
chen gemessen) bis über 0,1 Mm. Durchmesser.
Vom Basalganglion läuft in gerader Linie und mit fast
gleichbleibender Dicke (je nach dem Alter 0,01 bis 0,05 Mm.)
ein Nerven stamm bis nahe ans Ende des Zweiges
(flg. 3 — 5, S), jedoch nicht in der Achse, sondern sich der
Seite der Oberfläche mehr oder weniger nähernd, an wel-
cher die ersten Thierknospen sich bilden, und die ich kurz-
weg als die obere bezeichnen will. Meist ist es ein-
fach, bisweilen in zwei dicht aneinanderliegende oder stel-
lenweise etwas auseinderweichende Stämme getheilt, selten
nur (in alten Aesten) auf kürzere oder längere Strecken
in einen langmaschigen Plexus mit 3 bis 4 Hauptstämmen
aufgelöst. Er ist von blasser Farbe und hat zarte glatte
Contouren.
316 Müller:
Die Basalganglien und die Hauptnervenstämme sind
bei günstiger Beleuchtung oft schon mit der Loupe recht
gut wahrzunehmen.
Der oberen Seite des Nervenstammes liegt, bald ihn
dicht überdeckend, bald in weiteren Maschen ihn überspin-
nend, ein Plexus dünnerer Nerven auf (fig. 3 — 5, P), der sich
seitlich nach der Ursprungslinie der Thierzellen ausbreitet
und besonders reich am Ende des Zweiges zwischen den
Basalganglien der folgenden Stengelglieder entwickelt. In
diesem Endplexus scheint jedoch ausser den Aesten zu den
eben bezeichneten Ganglien auch wenigstens noch eine
bogige Brücke zwischen je zweien derselben dem Systeme
des glatten Hauptnervenstammes anzugehören. Die Nerven
des Plexus unterscheiden sich nämlich von dem Hauptstamme
besonders dadurch, dass ihre Oberfläche durch aufgelagerte
kernhaltige Zellen uneben und mehr oder weniger knotig
oder höckerig erscheint. Chromsäurelösung macht diese
Zellen schwinden; die Nerven erhalten dadurch schärfere
nun gradlinige Contouren , denen noch die Kerne jener
Zellen als kleine stärker lichtbrechende Körnchen aufsitzen.
— Es ist dieser Plexus besonders entwickelt an dem mit
Thierzellen besetzte^ Theile der Zweige und namentlich
von äusserster Complication in alleren Aesten, an denen
schon eine Reihe successiver Generationen sich gefolgt sind.
Nach dem Ursprünge der Zweige pflegt er seitlich nicht
über den Nervenstamm hinauszugehen und ist dann kaum
von ihm zu unterscheiden; bei der Ansicht von oben er-
scheinen dann beiderseits unebene Contouren, während die
Seitenansicht oben die unebenen Contouren des Plexus,
unten die glatten des Nervenstammes zeigt. In diesem
thierlosen Theile der Zweige vermisst man bald alle peri-
pherischen Nerven, bald sieht man einzelne meist rücklau-
fende Fäden, bald auch findet sich ein ziemlich entwickel-
ter Plexus , der dann aber vertical vom Stamme aufwärts
sich ausbreitet, während die Ausbreitung des Plexus zwi-
schen den Thierzellen mehr oder Aveniger horizontal ist.
In Bezug auf letzteren Plexus sei noch erwähnt , dass man
bisweilen, doch nicht constant, seine Fäden unter der Ur-
Das Kolonialnervensystem der Moosthiere. 317
Sprungslinie der Thierzellen sich zu einem etwas stärke-
rem Grenzstrang zusammenfliessen sieht.
Es bleibt mir der Zusammenhang des eben geschil-
derten Kolonialnervensystems mit den Einzelthieren zu be-
sprechen. Dieser Zusammenhang ist nicht immer leicht zu
erkennen. Damit die zu untersuchende Gegend nicht von
den meist dicht gedrängten Thierzellen verdeckt werde,
müssen diese seitlich liegen ; dann aber fällt dieselbe Ge-
gend theils dicht an den Rand des cylindrischen Zweiges,
theils fast in dieselbe Ebene mit dem Haulpigmente und
wird aus beiden Gründen oft fast undurchsichtig ; ausser-
dem pflegt der Magen des zurückgezogenen Thieres stö-
rend in den Weg zu treten. Indessen lassen sich doch
fast an jedem Zweige ein oder das andere Tliier oder
leichter noch Knospen herausfinden , an denen dieser Zu-
sammenhang unzweideutig zu erkennen ist. An der Grenze
zwischen Zweig und Thierzelle, halb in jenen, halb in diese
hineinragend , liegt ein kugliges Ganglion von 0,04 bis
0,05 Mm. Durchmesser (in jungen Knospen kleiner) , das
einerseits mit den Nerven des Plexus in Verbindung steht,
während ich nach der anderen Seite einen von ihm zum
Darme gehenden Nerven beim erwachsenen Thiere einige-
mal gesehen zu haben glaube und bei Knospen mit Be-
stimmtheit gesehen habe. Den vorauszusetzenden Zusam-
menhang dieses Basalganglions mit dem Oesophagealgan-
glion vermochte ich nicht nachzuweisen.
Auch die Wurzeln, mögen sie nun am Ende der Aeste,
oder in der Reihe der Thierzellen, oder sonstwo am Aste
entspringen, haben ihr Basalganglion und ihren sie durch-
ziehenden Nervenstamm. Bei ihrem ersten Auftreten sind
die Einzelthiere und die Zweige des Thierstocks durch
nichts Wesentliches ausser dem Orte ihres Ursprungs, die
Wurzeln aber von beiden nicht einmal hierdurch unter-
schieden und es iindet Leuckart's geistvolle Lehre vom
Polymorphismus, auf diese drei verschiedenen Gebilde eine
ungezwungene Anwendung.
Es steht zu erwarten, dass ein ähnliches Kolonialner-
vensystem auch andern Moosthieren mit besonderm von den
Thierzellen geschiedenen Stocke zukommen werde, wäh-
318 aiüller: Das Colonialnervensystem der Moosthiere.
rend , wo Zelle aus Zelle sprosst, wenigstens im Grunde
der Zellen liegende und durch Nervenfäden mit einander
verbundene Ganglien sich vermuthen lassen. [Späterer Zu-
satz : Die Basalganglien der Zweige und ihren Nervenstamm
habe ich bei verschiedenen Moosthieren mit reusenarligem
Verschlusse der Zellen, Ctenostomata Allm., erkannt; in
keiner der übrigen Abtheilungen vermochte ich aber bis
jetzt unzweideutige Spuren des Kolonialnervensystems auf-
zufmdenj.
Erklärung der Abbildungen.
Fig. 1. Bruchstück einer Kolonie von Serialaria Coutinhii F. Müll.
6mal vergr. Mit a ist der erste, mit b der zweite, mit c der
dritte, mit d der vierte am Ende des vorhergehenden Sten-
gelgliedes sprossende Zweig bezeichnet. W junge Wurzeln.
Fig. 2. Zweig mit Wurzeln, 12mal vergr. a auf Tang (T) haftende,
b jüngere W^urzeln, c warzenförmige AVurzelknospe.
Fig. 3. — 5. Kolonialnervensystem der Serialaria. Fig. 3
u. 4 sind 90mal, fig. 5 ist öOmal vergr. Fig. 3 stellt das Ner-
vensystem aus dem Gelenk A in fig-1,' fig. 4 dasselbe aus
dem Ende eines erst zwei noch unvcrästelte Endzweige tra-
genden Astes dar. Es bezeichnet in diesen Figuren : G Ba-
salganglion der Zweige, g Basalganglion der Einzelthiere,
S Kervenstamm der Zweige , P IVervenplexus der demselben
aufliegt, R Grenzstrang desselben an der Ursprungslinie der
Einzelthiere. Fig. 4 zeigt Kervenstamm und Plexus von
oben, fig. 5 von unten.
Frg. 6. Thierknospe von 0,06 31m. Durchmesser, g Basalganglion.
e Anlage des Thieres.
Fig. 7. Aeltere Thierknospe. g Basalganglion. e Anlage des Thie-
res. n Werv von jenem zu diesem. P Nerven des Kolonial-
nervcnplexus. Fig. 6 u. 7 sind 90mal vergrössert.
Desterro, im Januar 1860.
Heber Oxybeles gracilis Blkr,
Von
Dr. C. L. Doleschail.
Aus Natuurkundig- Tijschrift voor Nederlandsch Indie
Deel XY. p. 163 übersetzt vom Herausgeber.
Aeusserst merkwürdig ist die durcli Q uoy und Gai-
mard Avährend ihrer Reise auf dem Astrolabe, und später
durch Bleeker beobachtete Erscheinung, dass lebende
Fische in der Magenhöhle anderer Thiere , namentlich in
der Magenhöhle einiger Strahllhiere vorkommen. Diese
Erscheinung wird um so merkwürdiger für den Zoologen,
als bisher noch kein Beispiel von dem Parasitismus eines
Wirbelthieres bekannt war. Diese ganze Erscheinung klingt,
so lange man sich nicht von der Wirklichkeit überzeugt
hat, sehr räthselliaft , und selbst wenn man die Sache mit
eigenen Augen geschaut hat, bleibt dies Vorkommen sehr
unerklärlich. Während seiner Reise in den Molukken hatte
Bleeker Gelegenheit, zwei dieser Arten von Seesternen
zu finden, in denen sich der genannte Fisch aufzuhalten
pflegt; sie werden aber auch leer befunden.
Zu Batavia scheinen die beiden Thiere nicht vorzu-
kommen , Grund genug , dass diese geheimnissvolle Sache
so lange im Dunkel geblieben ist.
Hier in Amboina ist die Thatsache den meisten Fi-
schern bekannt. In der Hoff'nung, durch sie in den Besitz
mehrerer dieser Thiere zu kommen, habe ich sowohl selbst
einige Ausflüge auf das Meer gemacht , als auch Preise
ausgesetzt , und habe auch wirklich bald Gelegenheit ge-
funden, viele dieser Seesterne in meinen Besitz zu bringen.
820 D 0 1 e s c Ii a 1 1 :
Insofern ist es also kein Zufall, dass ich mit diesen
eigenthümlichen Verhältnissen einig-ermassen bekannt ge-
worden bin. Obgleich noch unvollständig damit bekannt,
glaube ich doch meine vorläufigen Bemerkungen über den
Oxybeles miltheilen zu müssen.
Dass man auch hier von in Weingeist aufbewahrten
Exemplaren nicht viel Aufklärung erwarten durfte, verstand
sich von selbst. Das Wasser der Bai ist zwar krystallhell
und gestattet die Thiere selbst in beträchtlicher Tiefe auf
dem Grunde des Meeres zu sehen , aber es ist doch nicht
möglich, hier dem Leben dieser Thiere nachzuforschen.
Ich glaubte die eingesammelten Seesterne zu Hause
in Seewasser längere Zeit beobachten zu können. Aber
ich wurde in meiner Erwartung getäuscht, da die Seesterne
und mit ihnen auch die Fische bald starben. Von dieser
Art der Beobachtung musste ich also abstehen und es blieb
nur noch ein Weg übrig , nämlich so viele dieser Thiere
lebendig fangen zu lassen, als nur möglich war. Und hierin
habe ich mich nicht getäuscht. Die Bai von Amboina ist
an diesen Thieren so reich, dass man bei schönem Wetter
und stiller See in kurzer Zeit eine beträchtliche Menge
sammeln kann.
Die Resultate meiner Nachforschungen sind in Kurzem
folofende: Der Fisch steht zu dem Seestern in einem be-
stimmten Verhältniss , welches kein Gegenstand der Beob-
achtung werden kann. Warum das Fischchen immer gerade
die Magenhöhe einer und derselben Art von Seesternen'
aufsucht, und nicht von verschiedenen Arten, ist ein Ge-
heimniss. Es ist bekannt, dass einige Krebse aus der Gat-
tung Pagurus leere Schneckenhäuser bewohnen, aber man
findet am Strande eine und dieselbe Art des Pagurus in den
Gehäusen der verschiedensten Gattungen und Arten. Oxy-
beles gracilis dagegen habe ich noch nicht in einer ande-
ren Seestern -Art gefunden, als in Culcita discoidea *'^).
*) Fierasfer lärarirlesii oder Oxybeles ßrandesii Blkr. bewohnt
freilich nicht allein Culcita discoidea, sondern auch mehrere Tripang-
arten, wie Tripang edulis und Tripang ananas. Anmerk. von Bl eeker.
Ueber Oxybeles graciiis. 321
Weshalb gerade in dieser, und in keiner anderen Art, das
ist ein Rälhsel und wird wolil immer ebenso unbegreiflich
bleiben , als warum in der Nähe der Haifische immer eine
Art Fische gefunden wird, warum alle Thiere stets diesel-
ben Parasiten ernähren und nur ausnahmsweise andere.
Der Fisch ist durch seine eigenthümliche Organisation ver-
urtheilt den grössten Theil seines Lebens in der Höhle
eines anderen Thieres zuzubringen.
Das Fischchen hat B 1 e eke r unter dem Namen Oxybe-
les graciiis in Natuurkündig Tijdschrift VII. p. 162 be-
schrieben.
Niemals ist es mir oder sonst Jemand hier am Orte
gelungen, den genannten Fisch in einem anderen Zustande,
frei im Meere schwimmend zu fangen ""'), Um es kennen
zu lernen, muss man also den Seestern selbst geöffnet ha-
ben. (Ob dieselbe Art von Oxybeles auch in Holothurien
gefunden worden ist, ist mir unbekannt.) Soviel ist daher
gewiss, dass dieses Thierchen den grössten Theil seines
Lebens in der Magenhöhle dieser Seesterne zubringt, und
nur selten sich ausser derselben zeigt (wahrscheinlich des
Nachts). Dass dies aber von Zeit zu Zeit geschieht, ist
mir zweimal deutlich offenbar geworden , zu der Zeit, als
mir viele dieser Thiere lebend gebracht wurden , und ich
zwei in dem Augenblicke beobachtete , wo das Fischchen
mit einem Theile seines Körpers noch ausser der Höhle des
Seesternes und im Begriffe des Einkriechens sich befand.
Hierdurch ist es mir deutlich geworden, dass das Fischchen
nicht immer in der Höhlung des Seesterns verbleibt, aber
zugleich auch, wie und auf welche Weise es hineinkommt.
Dies geschieht längs einer der Furchen , welche sich an
der Unterseite der Arme befinden und nach der Mundöff-
nung führen. Diese Furchen nämlich können sich durch
das Zurückziehen der Füsschen so weit öflnen , das darin
Raum genug für den kleinen Körper des Oxybeles übrig
'^) Mehrere meiner Exemplare von Fierasfer Brandesii und alle
von Fierasfer graciiis und Fierasfer lumbricoides sind mir unter an-
deren Fischen zugekommen, und wahrscheinlich im Meere frei schwim-
mend gefangen. Bleeker.
Archiv f. Naturg. IXVI. Jahrg. 1. Bd. 21
322 D o 1 e s c h a 1 1 :
bleibt. Hierdurch ist zu gleicher Zeit bewiesen , dass das
Fischchen nicht (falls Jemand es behaupten wollte) zufällig
als Nahrung in die Magenhöhle kommt, und durch Zufall
am Leben bleibt. Von einem Zufalle kann hier nicht die
Rede sein.
Schneidet man eine lebende Culcita auf, dann sieht
man, dass das Fischchen frei in der Leibeshöhle des Thieres
sich aufhält und sich frei bewegt. Nimmt man es heraus,
d. h. aus der Höhle des Seesterns, dann gewahrt man, dass
es sogleich den durch die Sonne beschienenen Ort verlässt
und Schatten sucht. Legt man die beiden noch lebenden
Hälften der Culcita in Seewasser, dann wird man bald se-
hen, dass das Fischchen danach trachtet, um in die Höhle
des Seesternes zu gelangen. Dem Lichte ausgesetzt, ist
es ängstlich und seine Iris zieht sich aufs höchste zu-
sammen.
Es ist mir niemals vorgekommen, dass ich zwei B'isch-
chen zu gleicher Zeit in einem und demselben Seestern
gefunden hätte.
Bei den meisten Fischchen fand ich die Magenhöhle
leer, nur bei einem angefüllt. Der Mageninhalt hatte das
Ansehen eines Fettklumpens und bestand aus halbverdauter
Muskelmasse. Unter dem Mikroskope konnte ich nament-
lich die in Auflösung begriffenen quergestreiften Muskelfa-
sern unterscheiden. Ob diese Muskelfasern von einem
Weichthiere oder von einem Wirbelthiere abstammten, kann
ich nicht mit Bestimmtheit sagen; jedoch bin ich der Mei-
nung, dass es die Muskelsubstanz eines Fisches war, we-
gen der vollkommenen Uebereinstimmung der Elementar-
theile mit den Muskeln derjenigen Fische, welche ich mi-
kroskopisch untersucht habe.
Durch diesen Umstand wird also bewiesen, dass sich
der Fisch nicht von dem Chylus des Seesternes ernährt,
sondern wohl von einer mit der der übrigen Fische analo-
gen Nahrung lebt. Ob er aber die Fischchen verschlingt,
die dem Seesterne selber zur Nahrung dienen, muss noch
durch fernere Untersuchungen ermittelt werden.
Durch meine Beobachtungen ist nun festgestellt:
1. Dass Oxybeles gracilis kein wahrer Parasit ist.
Ueber Oxybeles gracilis. 323
2. Dass er den grössten Theil seines Lebens in der Ma-
genhöhle von Culcita discoidea zubringt.
3. Hiefür zeugt auch die ungewöhnlich bleiche Farbe des
Fischchens.
4. Dass er aber auch, sei es um Nahrung zu suchen,
oder wegen der Fortflanzung sich nach aussen bege-
ben kann.
5. Dass er sich dann wieder längs der Furche an der
Bauchseite der Anne nach der Mundhöhle begiebt.
6. Dass er sehr empfindlich gegen das Licht ist.
7. Dass er sich von anderen Thieren ernährt.
Im süssen Wasser bleiben die Thiere etwa eine halbe
Stunde am Leben.
Das Pigment, w^elches sich auf ihrem Peritoneum be-
findet, zeigt unter dem Mikroskope die schönsten sternför-
migen Pigmentfleckchen, die man sich denken kann.
Ich füge hier noch die Bemerkung hinzu, dass der
Fisch eine Schwimmblase besitzt.
Auszug aus den Untersuchungen am Mittelmeere.
Von
Dr. W. Keferstein und E. Ehlers.
(Abgedruckt aus den Nachrichten von der Universität und
der Gesellsch. der Wissensch. zu Göttingen 1860. No.23,
25 und 26.)
l. Auszug aus den Beobachtungen über die
Siphonophor en von Neapel undMessina, ange-
stellt im Winter 1859—60.
a. Bau der Siphonophoren.
Alle Theile der Siphonophoren werden von zwei aus
Zellen bestehenden Häuten, einer äusseren und einer
inneren, gebildet, zu denen an einzelnen Theilen noch
eine Zwischensubstanz hinzukommt, welche nicht aus
Zellen besteht, strukturlos ist und als das Ausscheidungs-
produkt der beiden Zellenhäute angesehen werden muss *»').
Diese Grundorganisation lässt sich sowohl bei den jüng-
sten und einfachsten Gebilden, als bei dem allerkomplicir-
testen Nesselknopf nachweisen , und der wahre Bau wird
^■) Nachdem wir im Januar 1860 diese Grundorganisation ent-
deckt und auch brieflich nach Deutschland gemeldet hatten , sehen
wir nach unserer Rückkehr, dass Prof. C. Claus schon vor uns
dieselbe Beobachtung angestellt hat (cfr. dessen vorzügliche Abhand-
lung : „lieber Physophora hydrostatica etc. in v. Siebold und Kölliker
Zeitschr. für wiss. Zoologie. Bd. X. Heft 3. April 1860), und machen
desshalb auf die Priorität in keiner Beziehung Anspruch, überdies da
sich auch bei Leuckart (Siphonoph. von Nizza im Archiv f. Na-
turgeschichte 1854. I. p. 369. Note) sehr richtige Angaben über diese
Verhältnisse finden.
Keferstein und Ehlers: Auszug a. d. Unters, am Mittelm. 325
bei den zusammengesetzteren Theilen erst klar, wenn man
sich ihre Entstehung aus zwei Bildungshäuten als leitendes
Moment dienen lässt.
Der äusseren Haut allein kommt die Eigenschaft
zu in ihren Zellen Nesselkapseln zu bilden und sie hat
mehr den Charakter einer blossen Decke, obgleich auch die
Geschlechtsprodukte in ihr bereitet werden. In der i n -
neren Haut bilden sich Muskelfasern, elastische Bän-
der, Drüsenzcllen u. s. w. Aus der Zwischensubstanz
bestehen bei weitem zum grössten Theile die festeren und
elastischen Gebilde , wie die Schwimm - und Deckstücke,
die Schwimmglocken der Geschlechtsstücke , die dickere
Region des Stammes; während bei den übrigen Organen
ihr Auftreten auf dünne Lamellen beschränkt ist , oder sie
auch ganz fehlt.
Während wir in Betreff des Baus des Luftsacks der
von Leuckart gegebenen Darstellung anhängen, bemer-
ken wir, dass die Physophora Philippii im Stande ist will-
kürlich aus ihrem Luftsack Luft austreten zu lassen.
Von dieser schönen Siphonophore hatten wir ausser mehre-
ren kleineren zwei sehr grosse und kräftige Exemplare,
die drei Tage in unseren Gläsern lebendig blieben, und
bei diesen sahen wir alsbald wie sehr häufig eine Menge
Luftblasen aus dem Luftsacke entleert wurden , besonders
wenn man das Thier reizte oder festzuhalten suchte , als
ob es sich dadurch die Flucht erleichtern wollte. Am un-
teren Theile des Luftsacks entstand dann eine ringförmige
Einschnürung , ein Theil der Luft wurde dadurch in das
obere Ende des Stammes gedrängt und gelangte dort gleich
über den jüngsten Knospen der Schwimmstücke nach aus-
sen. Am abgeschnittenen Stammende konnte man unter
dem Simplex an der angegebenen Stelle diese Oeffnung in
Form einer Einziehung der Haut erkennen''^).
Die Entwickelung der Schwimmstücke ha-
ben wir bei allen uns vorgekommenen Siphonophoren, mit
Ausnahme von Abyla, wo wir es versäumten, beobachtet,
und sie überall dieselbe gefunden. An der einfach kol-
^) Also ganz ähnlich wie bei Physalia.
326 Ke ferslein und Ehlers:
benförmigen aus jenen zwei Bildungshäuten bestehenden
Knospe, verdickt sich die äussere Haut an der Spitze und
treibt so die innere zu einer Rückeinstülpung vor sich her,
bis vom früheren centralen Hohlräume nur ein ringförmi-
ger Raum übrig bleibt, der aber endlich bis auf das Ring-
gefäss und die vier Radiärkanäle ausgefüllt wird. Im
„Knospenkern" (Claus) der also eine Verdickung der
äusseren Haut ist , bildet sich nun der Hohlraum des spä-
teren Schwimmsacks und von ihm existirt später nichts
mehr , als die Epithelauskleidung dieses. Zwischen der
äusseren und inneren Haut am Umfancre des Schwimmstücks
beginnt sich nun die strukturlose Zwischensubstanz abzu-
lagern und überwiegt bald die Masse der äusseren und in-
neren Haut, von deren ersterer am reifen Schwimmstücke
nur die Epithelbekleidung noch gebildet wird, während die
Wände des Gefässsystems und die Muskulatur des Schwimm-
sacks von der innern Haut zusammengesetzt werden.
Der Bau und die Entwickelung- der Deckstücke
ist ganz wie bei den Schwimmstücken , nur mit den dar-
aus entspringenden Veränderungen, dass bei ihnen keine
Schwimmhöhle gebildet wird.
Die drei Abtheilungen der Polypen, Basalstück,
Magen , Rüssel , werden durch das verschiedene Massen-
verhältniss der äusseren und inneren Haut charakterisirt.
Am Basalslücke verdickt sich die äussere Haut gewaltig
und in ihren Zellen entstehen viele grosse Nesselkapseln^
die aber nie zur Reife gelangen. An der üebergangsstelle
des Basalstücks in den Magen bildet eine plötzliche Ver-
dickung der inneren Haut die ringförmige Falte , die hier
den Abschluss der Körperhöhle gegen den Magen bewirkt.
Am Magen und Rüssel ist die äussere Haut nur ein dünner
Ueberzug, während im ersteren die innere Haut besonders
dick ist und jene reihenweis gestellten Hohlräume enthält,
deren umgebende Zellen wohl den Verdauungssaft absondern.
Die Entwickelung der Nesselknöpfe an den
Fangfäden, die wir bei allen uns vorgekommenen Si-
phonophoren genau beobachteten, hat uns lange beschäftigt,
doch müssen wir wegen des Specielleren auf die Abhand-
jung selbst verweisen. Die Spiralwindungen des Nessel-
Auszug aus den Untersuchungen am Mittelmeere. 327
Strangs und Endfadens sind stets linke (Scäotrope Li-
sting; also wie bei der rechten Schraube der Technik),
während der Stamm selbst bei Forskalia und Rhizophysa
rechts gewunden ist. Die aus der Innern Haut bestehen-
den Wände des Centralkanals werden neben dem Nessel-
strange zu dem Systeme der elastischen Bänder, während
sie im Endfaden zu der so wirksamen Muskulatur sich um-
bilden. Bei Agalma Sarsii wächst vom Stielende her über
den Nesselstrang ein glockenförmiger Mantel, der also eine
Bildung der äusseren Haut ist. In einem Stadium der
Entwickelung gleichen die Nesselknöpfe von Physophora
Philippii denen von Agalma Sarsii, da sie auch diesen Man-
tel haben, dann aber bekommt das Stielende an einer Seite
eine Aussackung und wächst ganz am Mantel entlang,
während sich das Ende des Nesselstrangs in die Höhe hebt,
so dass zuletzt der zweilappige Endfaden am oberen Theile
des Nesselkopfes hervorkommt. Darauf bildet sich zwi-
schen den Bildungshäuten jener Stielaussackung die struk-
turlose Zwischensubstanz und umwächst von rechts und
links her den Mantel, bis nur die Endlappeu noch hervor-
ragen, unter denen die schwächste Stelle bleibt, aus wel-
cher der Nesselstrang hervorgeschleudert wird. Ausser
dem Mantel ist hier also noch eine Hülle hinzugekommen,
die aus der Zwischensubstanz besteht, überzogen von einem
Epithel der äusseren Haut.
Bei Agalma Sarsii und rubrum sind grosse Ver-
schiedenheiten zwischen den Ne ss e 1 kn öp f en der
Jugendformen und denen der reifen Thiere beobachtet und
das Agalma minimum von Graf fe mit grosser Wahrschein-
lichkeit als ein Jugendzustand von Ag. rubrum erkannt.
Die Entwickelung der Ness^elkapseln in Zellen
ist von Leydig bei Hydra entdeckt; bei den Siphonopho-
ren ist das leicht zu verfolgen. Im Zelleninhalte differen-
zirt sich eine ovale Masse, an der man bald eine äussere
Haut bemerkt; von einem Pole her bildet sich ein cylin-
drischer Hohlraum auf etwa 2^3 der Länge der Nesselkapsel
und erhält eine besondere Haut — der spätere Stiel des
Nesselfadens — und im übrigen noch soliden Theile diffe-
renzirt sich der Nesselfaden selbst. Beim Hervorschnellen
S2S Keferstein und Ehlers:
des Fadens hebt sich von der Kapsel erst ein kleiner Deckel
ab, dann tritt durch völlige Umstülpung- der Stiel hervor
und aus diesem v\^ird der Faden hervorgetrieben , nach
dessen Austritt die Kapsel ein bedeutend geringeres Volu-
men, wie vorher, hat.
In Betreff der Entvvickelung der Geschlechts-
stücke, deren morphologische Uebereinstimmung- mit der
Medusengeneration der Hydroidpolypen man wohl als aus-
gemacht ansehen darf, erwähnen wir vorerst die Entwicke-
lung einer Meduse aus einer Knospe, die wir wiederholt
am Magen der Cytaeis pusilla Gegenbau r beobachteten,
obwohl wir unsere Bemerkungen über Medusen einer an-
deren Arbeit vorbehalten. Die Entwickelung ist genau so
wie sie oben für die jüngeren Zustände der Schwimmstücke
angegeben ist, wie auch die beiden Bildungshäute dieselbe
Verwendung finden. Nachdem aber der Schwimmsack ge-
bildet ist, erheben sich im Grunde desselben die beiden
Häute zu einer neuen Vorstülpung, die sich endlich an
ihrer Spitze öffnet und den Magen darstellt. Die Entwicke-
lung der Geschlechtsslücke der Siphonophoren geht nun
gerade auf dieselbe Weise vor sich und in der äusseren
Haut des klöppeiförmigen Magens bilden sich die Ge-
schlechtsprodukte. Bei Velella öflnet sich dieser Magen an
seiner Spitze und die Geschlechtsstücke sind wahre Medu-
sen (Gegenbaurj, während bei den Calycophoriden und
den männlichen Geschlechtsstücken der meisten Physopho-
riden diese Oeffnung nicht eintritt , die Geschlechtsstücke
aber sonst gerade wie Medusen gebildet sind und frei
herumschwimmen können. Auf dem niedersten Zustande
der Entwickelung bleiben die traubentörmig zusammensit-
zenden weiblichen Geschlechtsstücke der Physophoriden
stehen, denn hier bildet sich nicht einmal eine Schwimm-
höhle, sondern die Glocke , oft mit einem unregelmässigen
Canalsysteme , umschliesst dicht das einzige Ei und öffnet
sich nur an ihrer Spitze , um das reife Ei befruchten und
dann heraustreten zu lassen.
b. Die beobachteten Siphonophoren.
1) Abyla pentagona (0- et G.) Eschsch.
2) Diphyes Sieboldii Köll.
Auszug aus den Untersuchungen am Mittelmeere. 329
3) Diphyes turgida Gegenb.
4) Diphyes conoides nov. sp.
Schwimmstücke schlank , das vordere zugespitzt, im
Ganzen von der Form derjenigen von D. Sieboldii. Am
hinteren Schwimmstücke eine Rille für den Austritt des
Stammes, deren Wände hinten sich zu zwei gleich langen
Spitzen verlängern. Der Fortsatz des vorderen Schwimm-
stücks an dem das hintere befestigt ist , solide und kurz,
viel höher als lang. Das hintere Schwimmstück umfasst
eine rundliche Vorwölbung jenes Fortsatzes , so dass die
Zusammenfügung ähnlich wie bei D. quadrivalvis wird. —
Deckstücke trichterförmig. — Stämme eingeschlechtlich.
— Neapel.
5) Diphyes ovata nov. sp.
Schwimmstücke eiförmig , ohne Kanten und Spitzen.
Das vordere hat oben hinten eine tiefe Einsenkung zur
Aufnahme des hinteren Schwimmstücks, die Schwimmhöhle
ist lang und eng , so dass im Schwimmstücke ein grosser
Theil solide bleibt. Ein gefässartiger Saftbehälter läuft bis
in die Spitze. — Das hintere Schwimmstück hat an seiner
Unterseite eine tiefe Rille, Lappen am Ende fehlen. Vorne
auch ein kleiner Saftbehälter. — Deckstücke sattelartig,
ähnlich denen von Praya. — Die Glocken der Geschlechts-
stücke mit einer dicken, auch unten vorspringenden Längs-
rippe. — Messina.
6) Diphyes quadrivalvis (Lesueur) Gegenb.
7) Praya cymbiformis (d. Ch.) Leuck.
8) Praya filiformis (d. Ch.) K. et E. (= P. Diphyes Aut.)
Schwimmstücke fast gleich gross , das etwas kleinere
liegt in einer flachen Einsenkung des grösseren, und auch
dies nur mit seinem oberen Theile , während unten die
Schwimmstücke auseinander stehen. Der Saftbehälter endet
in jedem Schwimmstücke mit einer runden Blase. Deck-
stücke nierenförmig , an der einen Seite herzförmig und
nicht in zwei Lappen gespalten. Glocken der Geschlechts-
stücke kegelförmig, ohne alle Kanten.
9) Hippopodius gleba (Forsk.) Leuck.
10) Vogtia pentacantha KölL
330 Keferstein und Ehlers:
11) Apolemia uvaria (Lesueur) Eschsch.
12j Agalma rubrum C. Vogt.
Als eine Jugendform möchten wir hierher das von Ed.
Gräffe als Agalma minimum beschriebene Wesen ziehen,
da wir in Messina wiederholt eine kleine Siphonophore
beobachteten , deren jüngere Polypen Fangfäden wie Ag.
rubrum hatten, während die älteren solche trugen, wie sie
Gräffe bei seinem Ag. minimum beschreibt.
13) Agalma Sarsii Köll.
14) Forskalia contorta (Edw.) Leuck.
15) Forskalia ophiura (d. Ch.) Leuck.
16) Forskalia Edwardsii Köll.
Schwimmslücke keilförmig, das scharfe Ende breit ab-
gestutzt. Der Stamm macht weite rechte (dexiotrope) Spi-
ralwindungen. Polypen auf langen Stielen, die über vier-
mal so lang sind als sie selbst und auch die Taster stets
an Länge übertreffen. Nesselknöpfo mit V^ bis 2 Win-
dungen ihres nur blassrothen Nesselstrangs. Stämme von
2 — 3 Fuss Länge mit einer gewaltigen Fülle von Deck-
stücken. — Messina sehr häufig.
17) Forskalia formosa nov. sp.
Schwimmstücke am hintern Ende durch einen tiefen
Einschnitt in zwei Lappen getheilt, von denen der eine
stets länger als der andere ist. Stamm mit sehr deutlichen
Spiralwindungen. Polypen auf kurzen Stielen, welche die
Länge des Polypen nicht viel übertreffen und stets viel
kürzer als die Taster sind. Taster sehr lang wurmförmig.
Nesselknöpfe mit 2V2 — 3 Windungen des brennend rothen
Nesselstrangs. Stämme bis 2 Fuss lang, stets von sehr
zartem Aussehen. — Messina ziemlich selten.
18) Physophora Philippii Köll.
Unterscheidet sich von der Ph. hydrostatica von Nizza
dadurch , dass hier die Polypen an kurzen Stielen sitzen,
und dass an den eiförmigen Nesselknöpfen jederseits oben
ein Seitenlappen sitzt.
Bei jungen Exemplaren ist die Stammerweiterung ein
Stück einer linken Spirale, bei älteren verwischt sich diese
Spiralwindung mehr und sie ist fast sackförmig. — An den
Tastern stets ein Tastfaden.
Auszug aus den Untersuchungen am Mittelmeere. 381
Vom Luftaustritt aus dem Luftsack ist oben berichtet.
19) Athorybia rosacea (Forsk.) Eschsch.
20) Rhizophysa filiformis (Forsk.) Lam.
21) Physalia caravella Eschsch.
Nach Spiritusexemplaren dieser Art und der Ph. utri-
culus muss man den grossen Luftsack auch hier wie den
erweiterten Stamm ansehen , dessen weitester Theil noch
Andeutungen eines Stücks einer linken Spiralwindung zeigt
und die Anhänge trägt, die nach der einen Seite hin an
Alter zunehmen. Der Kamm der Luftblase würde der Ge-
gend des Stammes entsprechen, wo die Schwimmstücke ste-
hen müssten, und nimmt man das Loch oben im Luftsacke
hinzu, so hat man eine sehr grosse Uebereinstimmung mit
dem Bau einer jungen Physophora, die noch ohne Schwimm-
stücke ist.
22) Velella Spirans (Forsk.) Lam.
23) Porpita mediterranea Eschsch.
IL Untersuchungen über die Anatomie des
Sipunc ul US.
Die nachfolgenden Untersuchungen sind besonders
am Sipunculus nudus , der im Sande des Pausilipps bei
Neapel gemein ist , angestellt , und in Messina , wo auch
die schwärmenden Jungen unseres Wurmes zur Beobach-
tung kommen, lieferte der S. tesselatus Raff. ^) viele will-
kommene Ergänzungen. Wie die Anatomie aller Thiere,
die an der Grenze ihrer Classe stehen, so kann auch die
des Sipunculus auf ein besonderes Interesse rechnen.
Unser Verhältniss zu unseren Vorgängern Pallas,
delle Chiaje, Grube, Peters, Krohn findet sich
in der Abhandlung selbst genau dargestellt, hier müssen
*) Von dieser Art haben wir nur ein Exemplar untersuchen
können und dieses erhielten wir in Messina durch die Güte unseres
Freundes Dr. E. Häckel, dem es die Fischerknaben zufällig ge-
bracht hatten.
332 Keferstein und Ehlers:
wir uns der Kürze wegen begnügen, nur die Namen dieser
früheren Beobachter zu nennen.
Die äussere Haut besteht aus einer bindegewebi-
gen Cutis, einem Epithel, in dessen Zellen bei den
pigmentirten Arten, wie z. B. beim S. tesselatus, das Pig-
ment enthalten ist, und einer mächtigen durch Maceriren
sich leicht ablösenden Cuticula. Die Cuticula ist von
vielen Porenkanälen durchsetzt, welche die Ausfüh-
rungsgänge von eiförmigen in der Cutis liegenden Haut-
drüsen von 0,08 Mm. Grösse bilden. In der Basis der
Hautpapillen des Bussels liegen diese Hautdrüsen beson-
ders gehäuft.
Unter dieser äusseren Haut liegt die Körpermus-
kulatur, die wie bekannt aus Ring- und Längsmuskeln
in regelmässiger Anordnung zusammengesetzt ist.
Die Leibeshöhle ist von einer trüben weinrothen Lei-
besflüssigkeit erfüllt, welche man, da ein specielles
Circulationssystem fehlt, für das Blut ansehen muss. Diese
Leibesflüssigkeit ist äusserst reich an körperlichen Elemen-
ten, von denen wir fünf Sorten unterscheiden : Ij runde oder
brodförmige Blutkörper, 2) körnige Zellen, die häufig blasse
sternförmige Ausläufer zeigen; 3) Körnerhaufen 0,1 Mm.
gross, aus 0,005 Mm. grossen runden Körnern bestehend ;
4) Zellenhaufen, bis 0,4 Mm. gross, aus 0,04 grossen äus-
serst blassen Zellen zusammengesetzt; 5) topfförmige Kör-
per, deren Mündung von grossen Wimpern umsäumt ist,
mittelst welcher sie in der Leibesflüssigkeit hin- und her-
schiessen. Krohn hält diese Wesen für Parasiten, wir
haben sie aber , wie auch die übrigen körperlichen Ele-
mente , bei nur 2 Mm. langen Jungen auf etwas niederer
Entwickelungsstufe , gefunden. — Seewasser scheint dem
Blute nicht beigemischt zu sein , denn wenn wir dasselbe
sehr vorsichtig in einem Schälchen aufgefangen hatten,
zeigten sich beim Eintrocknen keine Kochsalzkryslalle. —
Zu gewissen Zeiten sind der Leibesflüssigkeit Eier in sehr
grosser Anzahl beigemengt; wahrscheinlich treten sie durch
den zweilippigenPorus, der sich am Hinterende des Thie-
res findet, ins Freie.
Der so merkwürdige Verlauf des Verdauungs-
Auszug aufi den Untersuchungen am Mittelmeere. 333
traktus ist bereits von J. F. Meckel und von Grube
genau beschrieben. Der ganzen Länge nach verläuft im
Darme eine Wimp er furch e, die von aussen als ein
brauner Streifen in der Mitte mit w^eisser Linie erscheint
und die von delle Chiaje und Grube für ein Blutge-
fäss , von Peters für den Eierstock gehalten wurde, die
wir aber bei den 2 Mm. grossen Jungen besonders deutlich
in ihrer wahren Natur erkannten.
Den vorderen Theil des Darms begleiten die beiden
schlauchförmigen Drüsen, welche delle Chiaje
und Grube für zu einem Wassergefässsysteme gehörige
Polische Blasen beschreiben und die sich durch ihre rothen
in Zellen entstehenden Concretionen deutlich als drüsige
Organe manifestiren. — Etwa 30 Mm. hinter dem After sitzt
auf dem Darme ein kleines Divertikel und ganz nahe
der Afteröffnung trägt der Darm die zwei Gruppen b ü -
seh elför mi g er Körper, die vielleicht die Andeutung
der bei Bonellia und den Holothurien hier vorkommenden
Respirationsorgane sind.
Das Nervensystem besteht aus einem dicken der
Körperwand anliegenden ßauchstrang, der im Hinterende
eine ganglienartige Anschwellung hat , und im Vorderende
sich zum weiten Schlundringe theilt, flössen Schenkel in
das obere Schlundganglion oder Gehirn eintreten. Das
Hirn hat eine Bisquitform und an seiner Hinterseite trägt
es räthselhafte kleine cylindrische Läppchen. Vom Hirne
strahlen verschiedene Nerven aus , die besonders zu den
Retracloren des Rüssels treten. Der Bauchstrang giebt
jederseits entsprechend jedem Ringmuskel einen Seitennerv
ab , der mit gleichbleibender Dicke auf dem Ringmuskel
entlang läuft und sich mit dem der anderen Seite zu einem
Nervenringe vereinigt, von welchem die feineren Nerven
austreten und sich zu den Muskeln begeben oder zu den
Hautdrüsen gehen , von denen jede einen Nervenast er-
hält. Der Bauchstrang besteht aus zwei in einander lie-
genden Abtheilungen, die äussere ist nur aus dicht anein-
ander stossenden klaren Zellen zusammengesetzt, bei der
innern kommen ausser Körnchen auch noch einige faserige
Elemente hinzu, die Hülle des Ganzen besteht aus platten
334 Keferstein und Ehlers:
Zellen und trägt aussen in gesonderten Haufen Büschel
von Cilien. Krohn hält die äussere Abtheilung des Bauch-
strangs für ein Blutgefäss, welches den eigenthümlichen
Nervenstrang völlig umhülle , da aber zwischen der Hülle
und der inneren Abtheilung gar kein Hohlraum , sondern
dicht gedrängt jene Zellen existiren, so können wir dieser
Meinung nicht beistimmen und haben überhaupt von Blut-
gefässen nichts gefunden.
Was die Geschlechtsverhältnisse betrifft, so
ist der Sipunculus ein Zwitter. Die Hoden sind jene
beiden langen schlauchförmigen Drüsen, welche vor dem
After nach aussen münden : die stecknadelförmigen Zoo-
spermien, die einen sehr kleinen Kopf haben, entstehen in
den Hodenzellen auf die gewöhnliche Weise. — Die Eier
entstehen in rundlichen in der Cutis liegenden Schläuchen,
welche an ihrer Oberfläche wimpern. Haben die Eier hier
eine gewisse Grösse erreicht , so durchbrechen sie ihre
Schläuche und treten durch die Oeffnungen der Körpermus-
kulatur, die bei der regelmässigen Kreuzung der Ring-
und Längsmuskeln übrig bleiben , in die Leibesfiüssigkeit,
wo sie ihre Reife erreichen, bis sie wohl durch den Porus
im Hinterende ins umgebende Wasser gelangen. In Betreff
der Entstehung der Eier schliesst sich also der Sipunculus
nahe an jene Würmer an, wie Alciope, Tomopteris, wo die
Eier und bei ersteren, (welche Zwitter sind) auch die Zoo-
spermien als Weiterbildung der Zellen unter der äusseren
Haut entstehen.
III. Anatomie undEntwickelung vonDolioIum.
Die merkwürdigen Thatsachen über die Fortpflan-
zungsweise der vonQuoy und Gaimard entdeckten Tu-
nikatengattung Doliolum^'^) sind durch Krohn, ganz
^^) Den Namen Doliolum hatte schon vorher A. W. Otto
an ein anderes Wesen aus dem Alittelrueere , seinem Doliolum medi-
terraneum , vergeben , das als das Haus der Phronima sedeutaria seit
ForsUSl bekannt ist, dessen Abstammung aber mit Sicherheit noch
Auszug aus den Untersuchungen am Mittelmeere. 335
besonders aber durch Gegenbaur bekannt geworden,
während sich mit der Anatomie ausser diesen beiden ge-
nannten Forschern auch noch H u x 1 e y und Leuckart
beschäftigten.
Man kann sich den Bau unseres Thiers , das wir in
Messina vom Januar bis April d. J. täglich beobachteten,
dadurch versinnlichen , dass man es sich vorstellt wie ein
an beiden Enden offenes Fässchen mit doppelten Wänden,
deren Zwischenraum von den Eingeweiden und dem Blute
gefüllt ist, und, die unbedeutenden Verbindungsfäden ab-
gerechnet, nur an den Körpermündungen mit einander ver-
bunden sind. Die Athemhöhle , in welche der Mund und
After , wie die Geschlechtswerkzeuge münden und die
durch die darin ausgespannten Kiemen noch beschränkt ist,
wird also von der inneren Haut begränzt, während die
äussere Haut die eigentlich äussere Körperhaut bildet.
Beide Häute haben gleichen anatomischen Bau. Bei ganz
jungen Individuen bestehen sie aus mehreren Lagen von
0,01 Mm. grossen runden Zellen, später bilden diese Zellen
nur eine Lage und im ausgebildeten Zustande findet man
eine dünne durchsichtige Haut mit vielen sternförmigen
und runden Zellen oder Zellenrudimenten.
Die Muskeln sind vollständige Ringe wie Tonnen-
bänder und liegen an der Innenseite der äusseren Haut,
mit dieser nicht verwachsen, sondern nur durch feine Fa-
sern an sie geheftet. Sie bestehen aus mehreren Lagen
einer Menge 0,003 Mm. feiner Fasern, in denen keine Kerne
zu entdecken sind.
Die Kiemen bilden eine doppeltwandige Scheidewand
quer durch die Athemhöhle , ihr^ Hohlraum communicirt
frei mit dem Blutsinus und jederseits eine Reihe cilienum-
säumter Löcher gestatten dem Wasser den Durchtritt. Ent-
nicht ausgemacht scheint. Schon delle Chiaje unterschied von
diesem Wesen drei Arten nach der äusseren Skulptur. Uns scheint
es zu einem salpenähnlichen Thiere zu gehören , da es genau den
mikroskopischen Bau wie der Cellulosemantel der Salpen hat, auch
chemisch nur den Gehalt von Spuren von Stickstoff anzeigt und in
Natron ganz unlöslich ist.
336 Keferstein und Ehlers:
weder ist die Kiemenscheidewand eine Ebene und hat je-
derseits fünf Löcher (Dol. Müllerii) oder vier Löcher (Ge-
neration B), oder die Scheidewand bildet eine stark gebo-
gene Fläche, die Convexität nach hinten und hat jederseits
bis über 40 Löcher (Dol. denticulalum und Generation C).
Das Herz und der Herzbeutel sind im Ganzen wie
bei den Salpen gebildet und die Richtung der Contractio-
nen wechselt ebenso wie da. Die Blutkörper sind spär-
lich; sie sind kuglig , 0,010 — 0,012 Mm. gross und zeigen
mit Essigsäure einen Kern. Bei der Generation B befindet
sich an der Hinterseite des Herzbeutels ein eigenthümliches
frei durch die Bauchwand nach aussen mündendes roset-
ten förmig es Organ. Im ausgebildeten Zustande be-
steht es aus einem Körper, welcher aus sechs der Länge
nach an einander gehefteten Lappen zusammengesetzt wird,
und aus einer Mündung, welche von einem breit abstehen-
den Kragen umgeben ist. Es besteht aus grossen runden
Zellen. Ob der Hohlraum dieses Organs wirklich mit dem
des Herzbeutels im Zusammenhange steht, war nicht aus-
zumachen. Wegen der Funktion könnte man der Analogie
der Lage nach an das bekannte Excretionsorgan am Herz-
beutel der Pteropoden und Heteropoden denken.
In Betreff des Ver d auun g sa p par a t s müssen wir
auf die Abhandlung selbst verweisen.
Das Nervensystem besteht aus einem grossen mit
runden Zellen zusammengesetzten Gehirn , über dem bei
Dol. denticulatum häuüg ein brennend gelber Pigmentfleck
in der äusseren Haut liegt, und aus den davon ausstrah-
lenden Nerven. Von den letzteren erwähnen wir hier nur
die Endigungen. Ausser den Nerven, die mit den Mus-
keln in einem kleinen dreieckigen Ansatz verschmelzen,
enden eine grosse Zahl frei in der äusseren Haut in run-
den 0,015 Mm. grossen Zellen mit 0,004 Mm. grossem Kern»
Meistens hat die Nervenfaser sich vor diesem Ende in '6 — 5
Zweige getheilt, die dann alle in nahe zusammenliegenden
Zellen enden. Solche Nervenendigungen sind über
den ganzen Körper verbreitet, aber besonders schön sieht
man sie in den Zacken, welche die vordere und hintere
Körperöffnung umgeben. Der Keimstock der Generation B
Auszug aus den Untersuchungen am iMittelmeere. 337
enthält besonders ausgebildete Nervenenden : jederseits
tritt in ihn ein starker Nervenstanim ein, theilt sich einmal
und jeder dieser vier Aesle tritt zu einer Gruppe in der
äusseren Haut liegender Ganglienzellen , die auf ihrer nach
aussen gekehrten Fläche mit langen steifen Borsten besetzt
sind. Gerade solche wie die zuerst bescliriebenen Nerven-
endigungen fanden wir bei Salpa democratica-mucronata.
und ganz ähnliche auch bei Pterotrachea und Firoloides,
hier die Ganglienzellen auch mit Haaren besetzt.
Als Nase möchten wir eine hohle Verlängerung des
Gehirns nach vorne ansehen, die sich auf der Rückenseite
im Schlundwimperbande mit einer stark wimpernden Erwei-
terung öffnet. Sie kommt allen Arten und Generationen zu;
dies ist nicht der Fall mit dem Gehörorgane, das wir
nur bei den verschiedenen Arten der Generation B fanden.
Es ist dies ein hohles Bläschen, eine Einstülpung der äus-
seren Haut, auf dessen Wand eine körnige Verdickung sitzt,
die den runden, festen, aus organischer Substanz bestehen-
den Otolithen trägt, zu welchem ein starker Nerven-
zweig tritt.
Was die Geschlechtsorgane betrifft, so ist Doiio-
lum ein Zwitter. Die Mündungen des Hodens und Eier-
stocks liegen unmittelbar neben einander, unten an der
linken Seite im vorletzten Zwischenmuskelraum. Der Eier-
stock ist ein rundlicher Körper, der vor seiner Mündung
nach hinten liegt, er enthält bis sechs Eier in allen Ent-
wickelungszuständen. Der Hoden ist länglich, kolben-
förmig und liegt von seiner Mündung nach vorn , neben
dem Endostyl. Häufig waren Eier und Samen in demselben
Individuum zu gleicher Zeit reif. ^
Die grössten Merkwürdigkeiten bietet die Ent Wicke-
lung durch die Aufeinanderfolge verschiedener Genera-
tionen. Aus dem Eie der geschlechtlichen Generation, die
wir mit A bezeichnen, entwickelt sich ein Doliolum, das in
der Jugend an der Bauchseite einen grossen Schwanz trägt,
wie die Larven der Ascidien , das geschlechtslos ist, aber
an seiner Rückenseite hinten einen grossen Keimstock ent-
wickelt : diese Generation bezeichnen wir mit B. Sie hat
neun Muskelringe, den Otholithen und das rosettenförmige
Archiv, f. Naturg. XXVI. Jahrg. 1. Bd. 22
338 Keferslein und Ehlers:
Organ am Herzbeutel. An ihrem Keimstock entsteht die
dritte Generation, auch ungeschlechtlich, die wir C nennen.
Diese Generation besteht aber aus zweierlei Wesen,
einmal die Sprossen in der Mittellinie des Keimstocks Cm, die
ähnlich aussehen wie die Generation A, die einen Keim-
stock an der Bauchseite tragen und an diesem Knospen
entwickeln , die Geschlechtstheile haben und eben wieder
die geschlechtliche Generation A sind , und zweitens die
Sprossen der Seiten des Keimstocks Ci, die Gegenbau r
zuerst beschrieb, und die auf den ersten Blick von sehr
verschiedenem Baue von den übrigen Generationen erschei-
nen. Diese Lateralsprossen haben keine Geschlechtstheile
und auch keinen Keimstock und es ist uns unbekannt ge-
blieben, ob sie überhaupt eine weitere Fortpflanzung be-
sitzen.
Von allen Generationen beobachteten wir verschiedene
Arten , die uns bei der Generation B aber nicht gelangen
auf die geschlechtlichen also namengebenden Formen zu
reduciren , wir bezeichnen sie desshalb vorläufig mit ^B,
^B u. s. w.
Generation A.
Vorn 12, hinten 10 Lappen an der Körperöff'nung; 8
Muskelringe. Mündung der Geschlechtstheile im vorletzten
Zwischenmuskelraum , an der linken Seite unten. Gehirn
im dritten Zwischenmuskelraume.
Dol. denticulatum Quoy et Gaimard.
Dol. Ehrenbergii Krohn.
Kiemen in einer stark nach hinten eingeknickten Schei-
dewand, jederseits mit bis 45 Kiemenlöchern. Nase im er-
sten Zwischenmuskelraume. Darm stark nach oben und
rechts gebogen. Messina, Januar bis April. Sehr häufig.
Dol. Müllerii Krohn.
Kiemen in einer ebenen Querscheidewand , jederseits
mit 5 Löchern. Nase im zweiten Zwischenmuskelraume. Darm
wenig gebogen. Messina, Januar bis April. Selten.
Auszug- aus den Untersuchungen am Mittelnieere. 339
Generation B.
Vorn 10, hinten 10 Lappen an der KörperöfFnung, 9
Mnskelringe. Kieme ein ebenes Septum mit jederseits 4
Löchern. Nase im dritten , Gehirn im vierten Zwischen-
miiskelraume. Otholith im dritten Zwischenmuskelraume an
der linken Seite. Am Herzbeutel das rosettenförmigc Or-
o-an. Keimstock an der Rückenseite im siebenten. Zwi-
sclicnmuskelraiime entspringend.
Dolioliim gen. ^B.
Bis 10 Mm. lang , langgestreckt , so dass die grösste
Breite nur y^ der Länge beträgt. IngestionsölTnung trom-
petenförmig erweitert. Muskelringe so breit wie ihre Zwi-
schenräume , oder breiter. Meistens schlaff und die Haut
faltig. Sehr häufig (ist das Dol. Troschelii Krohn).
Doliolum gen. ^ß-
Bis 4 Alm. lang, von Tonnengestalt. Muskelringe höch-
stens so breit wie ihre Zwischenräume. Das Thier ist
straff. Der Darm läuft gestreckt. After im letzten Zwi-
schenmuskelraume. Sehr häufig.
Doliolum gen. 3B.
Wie .ß, aber mit scharf nach oben gebogenem Darme.
After im sechsten Zwischenmuskelraume. Selten (ist das
Dol. Nordmannii Krohn).
Doliolum gen. ^B.
Bis 7 Mm. lang, von Tonnengestalt, Muskelringe breiler
als ihre Zwischenräume, bis zur gegenseitigen Berührung.
Darm gestreckt. Selten.
Generation Cm.
In allen Theilen der Generation A ähnlich , nur dass
die Geschlechtstheile fehlen und im sechsten Zwischenmus-
kelraume an der Bauchseite der Keimstock sitzt , dessen
ßasaltheil der Stiel selbst ist, an dem das Thier am Keim-
stocke von B befestigt war. Die beiden beobachteten Ar-
ten konnten auf die geschlechtlichen Formen reducirt wer-
den, da an ihren Keimstöcken hinreichend grosse Knospen
waren, um zu sehen, welche der geschlechtlichen Arten
dies waren.
840 Keferstein u. Ehlers: Auszug a. d. Unters, am Miltelmeerc,
Dol. denticulatum gen. Cm.
Kiemen in einer stark geknickten Scheidewand, mit je-
derseits bis über 40 Kiemenlöchern. Nase im ersten, Ge-
hirn im dritten Zwischenmuskelraume. Darm gebogen. Sehr
häufig.
Dol. Müllerii gen. Cm.
Kiemen in einem ebenen Septum, jederseits mit 5 Lö-
chern. Nase im zweiten, Gehirn im dritten Zwischenmus-
kelraume. Selten.
Heber das Ammengeschlecht Corymorpha und seine
Arten^ nebst den von diesen aufgeammten Kledusen,
Von
n. Sars.
Uebersetzt aus Forhandl. i Vid. Selsk. i Christiania for
1859 vom Herausgeber.
Im Jahre 1835 machte ich (Beskr. og Jagtt. over Dyr
ved den Bergenske Kyst p. 6 — 10. Tab. 1. Fig. 3) einen von
mir in der Nähe von Bergen entdeckten kolossalen neuen
Hydroiden unter dem Namen Corymorpha nu^ons, bekannt.
Später wurde dieselbe Form bei den Orkney-Inseln von den
englischen Naturforschern Forbes und Goodsir gefun-
den (Annais of nat. bist. 1840. Vol. V. p. 309).
In einer im Jahre 1853 erschienenen inhaltsreichen
kleinen Schrift (The marine Invertebrata of Grand Manon)
von dem amerikanischen Zoologen und Weltumsegler W.
Stimpson wird berichtet (p. 9) , dass meine Corymorpha
nutans in grosser Menge bei Grand-Manan, Fundybay vor-
komme. Da er indessen keine nähere Beschreibung von
dem von ihm beobachteten Thiere giebt, und da sich, wie
wir unten zeigen werden, in den nordischen Meeren meh-
rere, einander sehr ähnliche, aber doch specifisch verschie-
dene Formen von Corymorpha finden , muss es noch für
zweifelhaft angesehen werden, ob die amerikanische wirk-
lich mit C. nutans identisch ist.
Das eben Erwähnte war Alles , was über diese Hy-
droidengattung veröfFentlich war, von welcher man dem-
nach annahm, dass sie auf die nordischen Meere beschränkt
342 S a r s :
sei , imd von welcher nur eine cinzig-e Art bekannt war,
bis Prof. Steenstriip im Jahre 1854 (Vidensk.Meddelelser
fra den naturhist. Forening i Kjöbenhavn, 1854. p. 46) eine
zweite und zwar tropische Art dieser Gattung- von Rio-Ja-
neiro unter dem Namen Corymorpha Januarii bekannt machte.
Ferner ist ein von 0. Schmidt bei Loppen in Fin-
marken beobachteter und in seinem Handatlas der vergleichen-
den Anatomie , Jena 1854. Tab. 9. Fig. 2 abgebildeter Hy-
droide , welchen er , ohne ihn näher zu beschreiben , zu
einer neuen Gattung unter dem Namen Amalthaea uvifera
macht, ganz sicher eine , und wie es scheint , neue Art
meiner Gattung Corymorpha. Es ist daher nicht richtig,
wenn Leuckart in seinem Jahresberichte (Archiv für Na-
turgeschichte 1854. il. p.443) ihn mit der von mir (Reise
i Lofoten og Finmarken p. IM) im Jahre 1850 aufgestell-
ten Myriothela arctica identiliciren will, welche nicht allein
specifisch, sondern auch generisch verschieden ist.
Endlich hat Alder (Catalogue of the Zoophytes of
Northumberland and Durham 1857. p. 18) nachgewiesen,
dass ein von Johns ton (Hist. of ßrit. Zooph. p. 463.
Fig. 79 a) unvollständig beschriebener und zur Gattung Hy-
dractynia gebrachter Hydroide eine neue Art Corymorpha,
C. nana Alder, sei.
Ausser der längst bekannten Cor. nutans habe ich zu
verschiedenen Zeiten an der nordischen Küste noch drei
andere neue Arten gefunden, wodurch also die Artenzahl
der Gattung auf 7 steigt, von denen 6 nordisch (drei so-
gar arktisch) und eine tropisch sind.
In Hinsicht auf die Bestimmung der Arten haben die-
selben soviel Gemeinsames in der Form des Körpers und
der Tentakeln, und die Anzahl der letztern scheint so we-
nig- bestimmt und dabei nach dem Alter veränderlich zu
sein, dass es überaus schwierig bleibt diese Formen ge-
nügend zu unterscheiden und zu kennzeichnen. Das beste
und sicherste Merkmal geben nach meiner Erfahrung die
von ihnen producirten Medusensprossen. Nach Form und
Bau von diesen, und mit Hinzufügung einiger anderen frei-
lich minder sicheren Verhältnisse habe ich versucht , die
von mir beobachteten Arten zu charakterisiren.
üeber das Amniengeschlecht Coryinorpha. 343
1. Corymorpha nutans Sars.
Sars , Beskr. og laglt. over Dyr ved den ßergenske
Kyst 1835. p. 6 Tab. 1. Fig. 3, a— f.
Forbes and Goodsir, Annais of Nat. Hist. 1840.
Vol. 5. p. 309.
Johns ton, History of Brit. Zooph. p. 54. Tab. 7.
Fig. 3—6.
Proles hydriformis 3 — 4 pollicaris , lentaculis inferio-
ribus filiformibus longissimis uniserialibus 40 — 50, superiori-
bus brevissimis numerosissiniis sparsis; pedunculis gemmi-
geris circiter 15 — 20, tenuibiis , longiusciilis, ramosis, ra-
mulis alternantibus apice genimis medusinis numerosis mi-
nimis dense accumulatis obsitis.
Proles medusiformis decidua , pallio campanulato apice
conico , canales quatiior radianles exhibente, antice aperto
margine oblique truncato ibiquc bulbis quatuor marginali-
bus aequidistantibus ornalo , quorum unus solummodo in
cirrum cylindricum porrectum evolvitur.
Im Jahre 1830 fand ich zuerst diese Art bei Glesvaer
bei Bergen in einer Tiefe von 30 — 40 Faden auf schlam-
migem Sande, später bei Manger 8 — 10 Faden tief auf Sand-
boden, und endlich auf meiner ersten nordischen Reise im
Jahre 1849 bei Reine auf den Lofoden an Vestfjorden ein
Paar Exemplare, die der folgenden in grosser Menge vor-
kommenden Art beigemengt waren, in 40 — 50 Faden Tiefe,
auf sandgemischtem Schlamme.
2. Corymorpha Sarsii Steenstrup.
Corymorpha nutans, Sars Reise i Lofoten og Fin-
marken, Nyt Magazin for Naturvid. 1850. Vol. 6. p. 135.
Corymorpha Sarsii, Steenstrup Meddel. fra d. na-
turh. For. i Kjöbenh. 1854. p. 48.
Proles hydriformis 2—3 pollicaris, tentaculis inferiori-
bus filiformibus longissimis uniserialibus 30 — 40, superiori-
bus numerosissimis brevissimis sparsis ; pedunculis gemmi-
gcris 8 — 10 , tenuibus , brevissimis, apice divisis, gemmis
medusinis paucis maximis obsitis.
Proles medusiformis decidua, pallio elongato-campanu-
lato apice rotundato, canales quatuor radiantes exhibente,
antice aperto , margine recto ibique bulbis seu cirris mar-
344 Sars:
ginalibiis enascenlibus qiiatiior aequidistantibus , omnibus
acqiialibus, ornato.
Diese von mir im Jahre 1849 entdeckte Form ist bis-
her nur in Yestfjorden bei den Lofoden gefunden, Y2 Meile
ostwärts von Reine (67^ 57' N. B.) in einer Tiefe von 40 — 50
Faden auf schlammigem Sandboden, wo sie recht häufig
ist, und oft mit den langen Tentakeln in den Maschen des
Schleppnetzes verwickelt heraufgezogen wird.
3. Corymorpha uvifera (Amalthaea) Schmidt.
Amalthaea uvifera, 0. Schmidt Handatlas der vergl.
Anat. Tab. 9. Fig. 2.
Bei der Insel Loppen in Finmarken auf 1 Faden Tiefe,
sandigem Grunde. Von den beiden vorhergehenden Arten
unterscheidet sich diese Form durch ihre geringere Grösse
(1" oder wenig mehr) , kürzere untere und weniger obere
Tentakeln. In Beziehung auf ihre Medusensprossen scheint
sie C. Sarsii zunächst zu stehen, da sie nach Schmidt's
Abbildung vier gleichgrosse Randknoten hat, welche jedoch
hier verhältnissmässig weit grösser sind als bei jener Art.
4. Corymorpha? annulicornis Sars, nov. spec.
Proles hydriformis ^/'^ pollicaris, tentaculis inferioribus
filiformibus longioribus annulosis 20, superioribus 8 — 10
uniserialibus brevissimis apice globoso; pedunculis gemmi-
geris brevissimis, gemmis medusinis maioribus et pauciori-
bus obsitis.
Frolcs medusiformis decidua, pallio breviter campanu-
lato, canales quatuor radiantes exhibente, antice aperlo,
margine bulbo seu cirro marginali unico magno , conico
elongato vel cylindrico, introrsum flexo, caeterisque tribus
indistinctis, ornato.
Diese kleine sehr distincte Form , welche ich jedoch
nicht ohne einigen Zweifel in die Gattung Corymorpha stelle,
ist mir nur ein einziges Mal bei Floröe, Bergens Stift in
zwei Exemplaren auf 30 — 40 Faden Tiefe und schlammigen
Grunde vorgekommen. Sie weicht in mehreren Rücksich-
ten, nämlich durch die geringelten und mehr contractilen
unteren Tentakeln, die geringe Anzahl der nur einen ein-
zigen Kreis bildenden und in einen Knopf endenden oberen
lieber das Aiiimengeschlecht Coryniorpha. 345
Tentakeln, ziemlich weit von den übrigen Arten der Gat-
tung ab und nähert sich an Tubularia, so dass sie wirklich
ein verbindendes Glied zwischen diesen Ammengeschlech-
tern zu bilden scheint.
5. Corymorpha nana Alder.
Hydractinia spec. , Johns ton Hist. of Brit. Zooph.
p. 463. Fig. 79, a.
Corymorpha nana, Alder Catalogue of the Zooph. of
Northumberland and Durham p. 18. Tab. 7. fig. 7, 8.
Sehr klein (nur Vj Zoll lang), kolbenförmig, nach un-
ten viel schmaler; die unteren langen Tentakeln 15 — 20 an
Zahl, die oberen kurzen und wenig zahlreichen (nach der
Abbildung etwa 10) in einen einzigen Kreis oder Kranz
gestellt, wie bei meiner C. annulicornis. Medusensprossen
unbekannt. An der Küste von England.
6. Corymorpha Januarü Steenstrup.
Steenstrup, Yidensk. Meddel. fra d. naturh. For.
i Kjöbenhavn 1854. p.46.
Bei Rio -Janeiro. Dies ist die grösste bekannte Art
der Gattung (6" lang) und ausgezeichnet durch die grosse
Anzahl der unteren oder langen Tentakeln (etwa 80) und
der sprossentragenden Stiele (etwa 40) , deren Medusen-
sprossen durch den schief abgeschnittenen vordersten Rand
ihrer Kuppen denen von C. nutans zu gleichen scheinen,
und durch die vier fast gleichgrossen Randknoten den von
C. Sarsii aufgeammten.
7. Corymorpha glacialis Sars, nov. spec.
Proles hydriformis 4 — 5 pollicaris , tentaculis inferiori-
bus üliformibus longissimis uniserialibus 40—50, superiori-
bus numerosissimis brevissimis sparsis ; pedunculis gemmi-
geris 30 — 35, brevioribus, crassis, indivisis aut solummodo
ramulis nonnullis brevissimis, gemmis medusinis paucis mi-
noribus sparsis, singulis aut pluribus accumulatis, obsitis.
Proles medusiformis sessilis (nunquam decidua), pallio
ovali absque canalibus radiantibus et bul!)is (cirris) margi-
nalibus, undiqne clauso, in aliis animalibus, altricibus ova,
in aliis spermatozoa includens.
Diese durch ihre Medusensprossen merkwürdige und
346 Sai-s:
von allen vorhergehenden abweichende Gestalt ausgezeich-
nete Art fand ich auf meiner letzten nordischen Reise im
Sommer 1857 im Varangerfjorden bei Nadsoe (70^ N. B.j,
wo sie selten und einzeln in 60 — 80 Faden Tiefe vor-
kommt, aber ziemlich häufig in 80 — 120 Faden Tiefe, auf
weichem Thonboden und steinigem Grunde , festgewachsen
mit ihrem untersten Ende an Sandpartikeln oder zuweilen an
feine rothe Algen.
In Verbindung damit theilte darauf der Verfasser die
Beschreibung einer neuen bei Floröe , Bergens Stift, ge-
fundenen freischwimmenden Meduse mit , welche so grosse
Aehnlichkeit mit einigen der von Corymorpha aufgeammten
Medusensprossen zeigt , dass es ihm wahrscheinlich vor-
kommt, dass sie von einer Art dieses Ammengcschlechles
stammt. Sie grehört zu der von Forbes aufgestellten Gat-
tung Steenstrupia, von deren vier bekannten Arten (S. rw-
bra Forb., S. ßaveola Forb., S. lineata Leuck. und die von
Steenslrup beobachtete von Coryne fritillaria Stp. auf-
geammte Art, welche mit dem Namen S. fritUlariae be-
zeichnet werden kann) sie durch folgende Charaktere ab-
weicht:
Steenstrupia globosa Sars, nov. spec.
Proles hydriformis ignota.
Proles medusiformis V3 pollicaris , pallio globoso-cam-
panulato, hyalino, margine anteriore oblique truncato, po-
stice rotundato absque appendice; bulbis marginalibus qua-
tuor, rubris, aequidistantibus , de quorum uno prominente
longe maiore cirri marginales tres longissimi, basi bulbosa
connati , de caeteris tribus vcro nulli , exeunt ; proboscide
cylindrica rubra , extra marginem pallii non porrecta, ore
simplici.
SehlussbemerkuDgen.
Das Ammengeschlecht Corymorpha bietet in mehreren
Hinsichten ein nicht geringes Interesse dar. Es war einer
lieber (his Animengeschlechl Corymorpha. 347
der ersten Ilydroidcn, bei welchem die wichtige physiolo-
gische Tiialsache nachgewiesen wurde (193^)-, dass die zu
dieser Thiergruppe gehörenden Formen niclits Anderes sind,
als eine vorhergehende Generation oder sogenannte Am-
men von Medusen , nämlich von den niederen Medusen
(Cryptocarpae Esch. , Gymnophthalmata P'orl). , Graspcdota
Gegenb.j, welche sich also im Wege des Generationswech-
sels entwickeln.
Sie zeichnen sich ferner durcli ihre colossale Grösse
im Verhältnisse zu allen anderen bisher bekannten Hydroi-
den aus, so wie dadurch, dass sie immer einzeln oder so-
lilär vorkommen, niemals zusammengesetzt, oder mehrere
Individuen zu einer Colonie vereinigt. Die Colonienbildung
scheint nämlich sonst die Regel bei den Hydroiden zu
sein: alle bisher bekannten Gattungen und Arten, selbst
die, welche man lange Zeit für einzelne gehalten hat, sind
durch neuere Untersuchungen als proliferirende und daher
Colonien bildende erkannt werden ^'').
Die einzigen bisher bekannten beständig solitären (also
niemals proliferirenden oder Colonien bildenden) Hydroi-
den sind die von mir aufgestellten beiden Gattungen Co-
rymorpha und Myriothela (Reise i Lof. og Finm. p. 134,
und ausführlich beschrieben in Forhandl. ved de skand.
Xaturforskcres Tde Mode i Christiania 185G. p. 194 — 201).
Die Gattung Hydra (die bekannten Süsswasserpolypen),
welche ausserdem von allen anderen Hydroiden durch das
Vermögen sich von der Stelle zu bewegen , und durch die
Production von hydraförmigen, dem Muttcrlhiere gleichen-
den, a b fa 1 1 end e n Sprossen, abweicht, verbindet auf eine
besondere Weise die solitären mit den coloniebildenden
Hydroiden , indem sie bald , wenn sie nämlich keine Brut
Ich habe so bereits vor mehreren Jahren unsere gewöhnliche,
bisher als ein einzelnes Thier beschriebene Coryne squaniata Müll.
(Clava mnlticornis For>k.) als prolifcrirend an ihrer Basis, und somit
Colonien bildend erkannt , eine Beobachtung, welche auch vor Kur-
zem durch Wright CEdinb. Thilos. Journ. 1857. Vol. VI. p. 79) be-
stätigt worden ist.
o48 S a r s :
hat, solitär ist, bald, wenn sie proliferirt oder Knospen
treibt, eine zeitweilige Colonie darstellt, welche sich nach
kurzer Zeit auflöst , indem sich die durch die Prolification
entstandenen hydralörmigen Jungen allmählich von dem
Mutterthiere ablösen.
Aus den oben mitgetheilten Beobachtungen wird man
gesehen haben, dass die Gattung Corymorpha Medusen von
sehr verschiedener Beschafl'onhcit aufammt. Fünf von den
bekannten Arten produciren nämlich vollkommen wohl or-
ganisirte Medusen , welche sich von ihrem Ammenthiere
ablösen und ein vollständig umherschwimmendes Leben
führen , in welchem Zustande sie erst Gencrationsorgane
entwickeln und sich fortpflanzen. Sie zeigen sich also zu
der grossen Gruppe der sogenannten niederen Medusen
(Cryptocarpae Esch. , Gymnophthalmata Forb. , Craspedota
Gegenb.) gehörig. Eine Art dagegen, Corymorpha glacia-
lis, producirt statt dessen Medusen, welche schon sogleich
mit Generationsstofl'en ausgerüstet , aber übrigens äusserst
einfach und unvollkommen gebaut und bestimmt sind si-
tzend oder in beständiger Verbindung mit ihrem Ammen-
thiere zu bleiben , bis sie , nachdem sie ihre Geschlechts-
stoffe entwickelt und ausgeleert haben , sich auflösen und
vergehen.
Man sieht hier ein neues Beispiel, wie sehr ähnliche
Ammenthiere eine sehr verschiedene Medusenbrut aufam-
men können. Die Wissenschaft entbehrt nicht anderer ähn-
licher Beispiele. So z. B. producirt nach van Beneden
Tubularia Dumorlieri Vanb. vollkommene abfallende, T. la-
rynx Ell. et Sol. (T. coronata Vanb.) unvollkommene ses-
sile Medusen. Ebenso animt nach meinen eigenen Beob-
achtungen Podocoryna carnea Sars und P. Tubulariae Sars
vollkommene abfallende, P. Sarsii Steenstr. und P. fucicola
Sars dagegen unvollkommene sessile Medusen auf. Bei-
derlei sprossen bei allen diesen Hydroiden, wie bei Cory-
morpha, als Knospen von derselben Stelle an den Ammen-
thieren hervor , sie haben dieselbe Entwickelungsweise,
dieselbe Form und Organisation bis zu einem gewissen
Stadium, worauf die, welche bestimmt sind sessil zu blei-
ben , in ihrer Entwickelung stocken, während die, welche
lieber das Ammengosclilecht Corymorpha. 349
ein selbstständiges freies Leben zu führen bestimmt sind,
sich weiter zu dem vollkommenen Medusentypus entwickeln.
Durch diese complicirten Verhältnisse vermehren sich
in hohem Grade die Schwierigkeiten , die Hydroiden nach
ihrer geschlechtlichen Generation zu classificiren, die Me-
thode, welche allerdings am meisten mit den in der Zoolo-
gie gewöhnlich angenommenen Principien übereinstimmt,
und welche auch von Gegenbaur in seinem übrigens
vortrefflichen „Versuch eines Systems den Medusen" (Zeit-
schrift f. wiss. Zoologie 1856. Vol. 8. p. 202—272) in An-
wendung gebracht ist , indem er zu jedweder Medusenart,
so weit es bekannt ist , die Ammenform (den Hydroiden)
hinzufügt, wovon sie abstammt. Aber, abgesehen davon,
dass eine solche Classification für die Zeit, wo wir noch
nicht die Ammen der mannichfaltigen Medusen, und umge-
kehrt nicht die von vielen Hydroiden aufgeammten Medu-
sen kennen, sich nicht vollständig in der Praxis ausführen
lässt, würden wir durch diese Methode dahin kommen, alle
von Hydroiden aufgeammten sessilen Medusen von den von
ähnlichen Ammen hervorgebrachten frei lebenden zu tren-
nen, und sie in verschiedene Abtheilungen zu stellen, un-
geachtet sie in der Wirklichkeit nahe zusammengehören.
Gegenbaur hat auch nicht versucht die ersteren zu klas-
sificiren , ja er übergeht sie sogar ganz mit Stillschweigen
in der von ihm gegebenen systematischen Uebersicht der
Medusen. Und doch können diese sessilen Medusen in kei-
ner Weise von der grossen Gruppe der freischwimmenden
niederen Medusen geschieden werden , von denen sie nur
niedere Formen sind, die auf einer niederen Stufe der für
beide gemeinschaftlichen Entwickelung stehen geblieben sind.
Als einen schlagenden Beweis für beider Homologie kön-
nen wir endlich anführen , dass sich vollständige Ueber-
gangsformen zwischen ihnen finden. So haben nach Lo-
ven die von Laomedea geniculata Müll., und nach Stre-
thil Wright die von L. dichotoma W\ aufgeammten ses-
silen weiblichen Medusensprossen Strahlgefässe und ent-
wickelte, bewegliche (contractile) Randfäden (wogegen die
männlichen bei diesen beiden Arten nach Schultze und
Wright keine Strahlengefässe besitzen und weniger und
350 Sars:
kürzere Randfäden haben); die gleichfalls sitzenden von
Syncoryna ramosa Loven aufgeammten Medusensprossen
haben auch Strahlengefässe und Randknoten oder rudimen-
täre Randfäden, und die Kuppen bei den letzten zeigen
noch eigenthümliclie Bewegungen von Systole und Diastole.
Diese drei Medusensprossen von Hydroiden stehen also,
oborleich sie sessil sind , auf einer höheren Stufe der Ent-
Wickelung als dieselben bei Corymorpha glacialis und die
oben erwähnten Arten von Tubularia und Podocoryna, die
der Strahlgefässe und Randfäden ermangeln und unbeweglich
sind. — Durch Classification der Hydroiden allein nach der
geschlechtlichen Generation oder den von ihnen aufgeammten
Medusen würde man gleichfalls auf eine unnatürliche Weise
dazu kommen die ähnlichsten Ammenformen w^eit von ein-
ander zu trennen, was um so weniger richtig sein würde,
als die Art bei diesen Thieren offenbar nicht vollständig
durch die geschlechtliche Generation repräsentirt wird, die
oft minder vollkommen organisirt ist , und sozusagen ein
viel kleineres Stück ihrer Entwickelungsgeschichte um-
fasst als die Ammengeneration. — Wir thun daher unzwei-
felhaft recht , wenn wir das Verfahren aufgeben, w elches
wir bei der Classification der höheren Thiere gewohnt sind,
nämlich den Artbegriff als vollständig ausgedrückt in zwei
Einzelwesen, dem geschlechtsreifen Männchen und Weib-
chen, zu betrachten. Sowohl bei den Thieren, die wir hier
behandeln, als auch bei allen anderen, die dem Gesetze des
Gererationswechsels unterworfen , und deren verschiedene
Entwickelungsstufcn durch verschiedene mit eigenthümlichen
Eigenschaften begabte Einzelwesen dargestellt sind , wird
der Artbegriff erst vollständig durch Aufnahme der Merk-
male sämmtlicher in cyclischer Entwickelung auf einander
folgender Generationen.
Es wird unzweifelhaft bei dem jetzigen Standpunkte
der Wissenschaft sowohl leichter als zweckmässiger sein,
die Hydroiden (Ammenthiere) für die Classification der nie-
deren Medusen zu Grunde zu legen, und zu jeder Art der-
selben die von ihr aufgeammten Medusen hinzuzufügen,
aber auch bei dem Aricbarakter gebührende Rücksicht auf
Ueber das Amrnengeschlecht Corymorpha. 351
beide Generationen, ,.ProIes hydriformis" sowohl als ..Proles
medusiformis,'^ zu nelimen.
Dass man inzwischen, wie früher, Ibrtfährt, alle neu
beobachteten Ammenformen (Hydroiden) sowohl , als die
freischwimmenden Medusen, oder beide Generationen, jede
mit einem eigenen provisorischen Namen zu bezeichnen,
gereicht keinesweges, so wie leider das ganze übrige Heer
von Synonymen, zu einer weiteren Beschwerde für die Wis-
senschaft. Nichts ist leichter, als später, wenn die andere
zugehörige Generation bekannt wird, beide Formen zusam-
menzutragen, und sie entweder mit einem einzigen defini-
tiven, oder wie man z. B. bei den Salpen thut , mit einem
doppelton Speciesnamen zu bezeichnen.
Bonn , Druck von C, Georgi.
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C.P-Sctoidtlük.
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