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ARCHIV
FÜR
NATURGESCHICHTE
GEGRÜNDET VON A. F. A. WIEGMANN,
FORTGESETZT VON W. F. ERICHS ON.
IN VERBINDUNG MIT
PROF. DK. LE UCK ART IN LEIPZIG
HERAUSGEGEBEN
Dk. f. 22. TKOSCHBZ.,
PROFESSOR AN DER FRIEDRICH-WILHELMS-UNIVERSITÄT ZU BONN.
ACHT UND DREISSiaSTER JAHRGANG.
£rster Band.
Mit 12 Tafeln.
Berlin,
N i c o 1 a i s c h e V^e r 1 a g s b n c h h a n d 1 u n g.
(A. Effert und L. Limltiitv.)
1872.
Inhalt lies ersten Bandes.
* Seit'-»
lieber Selbstbefruchtung bei Trematoden. Von Dr. 0.
von Linstow in Ratzeburg-. Hierzu Tafel I. Fig. A— C . 1
Zur Anatomie und Entwickelungsgeschicbte des Echino-
rliynchus angustatus Rud. Von Dr. 0. von Linstow. Hierzu
TaM I. Fig. 1—33 6
Zur Fischfauna von Süd-Australien. Von Dr. C. B. Klun-
zinger. Hierzu Tafel II . 17
Die Metamorphose von Rhyphus punctatus F. und Rhy-
phus fenestralis Scop, Vom Forstmeister Th. Beling zu
Seesen am Harz 48
Sechs neue Taenien. Von Dr. 0. von Linstow. Hierzu
Tafel III 55
Ueber die Fortpflanzungsorgane der Aale. Von G. Bal-
same Crivelli und L. Maggi. Uebersetzt aus den Memorie
del R. Istituto Lombarde di scienze e lettere Vol. XII. p. 229.
Milano 1872 59
Ueber Cubanische Crustaceen, nach den Sammlungen Dr.
J. Guudlach's. Von E. v. Martens. Hierzu Tafel IV— V. 77
Ueber Ascaris cristata nov. spec. Von Dr. 0. von
Linstow. Hierzu Tafel VI 148
Verzeichaiss der von Dr. Gundlach auf der Insel Cuba
gesammelten Rüsselkäfer, Fortsetzung. Von Dr. E. Suffrian,
Geheime rath in Münster . . 15(i
Ueber die Respirationsorgane der Araneen. Von Dr.
Philipp Bert kau in Cöln. Hierzu Tafel VII .. . 208
lio^q
iV
Seite
Beobachtungen über mehrere Parasiten. Von Dr. 0.
Bütschli. Hierzu Tafel VIII u. IX 234
Uebersicht der Glyptodonten. Von H. Burmeister . 250
Staurotypus ma aioratus n. sp. Von Joh. von Fischer
in St. Petersburg. Hierzu Taf. X 265
Beschreibungen von Planarien des Baikal gebietes. Von
Prof. Dr. Ed. Grube in Breslau. Hierzu Tafel XI u. XII . 273
Die Familie der Echinocidariden. Von Troschel 293
TkI.
Heber Selbstbefriichtiing bei Trematoden.
Von
Dr. med. 0. tou Liastow
in Ratzeburg.
Hierzu Tafel I. Fig. A— C.
Die Entwickelungsgeschichte der Trematoden liegt
in L e 11 c k a r t's classischem Werk (Die menschlichen Para-
siten etc.) in ihren Grundzügen klar vor iins^ nach der die
geschlechtsreifen Thiere Eier produciren, deren Embryonen
sich meistens in sogenannte Ammen verwandeln, in denen
die schon durch ihre Saugnäpfe als Trematoden erkenn-
baren geschwänzten Jugendformen gebildet werden, die
selbstständig in Thiere, meistens Wasserbewohner, ein-
wandern, um nach Verlust ihres Schwanzes sich einzu-
kapseln, und endlich mit dem Wohnthier in ihren defi-
nitiven Wirth übergehen, in dem nach Auflösung der
Kapsel der Insasse sich zur Geschlechtsreife entwickelt.
Nunmehr erfolgt die Begattung, welche nach Leu-
ckart ^) zwischen je zwei Individuen vollzogen wird, mit
Ausnahme gewisser Distomen, bei denen ein direkter Zu-
sammenhang zwischen männlichen und weiblichen Ge-
schlechtstheilen beobachtet ist. Die Befruchtung geschieht ^)
vor Ablagerung der Eischale, so dass vollkommene, mit
1) L. c. I, pag. 478.
2) Ibid. pag. 482.
A-rchiv f. Naturg. XXXVIII. Jahrg. 1. Bd.
2 L i n 8 1 0 w :
ihrer Schale versehene Eier, in denen die Enabryonalcnt-
wickelung bereits begonnen hat, selbstredend als befruch-
tete angesehen werden müssen.
Meine Untersuchungen hiesiger Crustaceen Hessen
mich im Oktober dieses Jahres bei Gammarus pulex eine
Trematoden-Species finden, die von der oben aufgestellten
Regel eine Ausnahme macht. Es waren Distoraeen, die
nach Art der allgemein bekannten Jugendformen einge-
kapselt, aber doch vollkommen geschlechtlich entwickelt
waren. In einer Anzahl von Exemplaren war in dem
Cirrusbeutel eine höchst auffällige, zitternde Bewegung
der Spermatozoen sichtbar, wie ich sie nie, auch nicht
bei Samen von Säugethieren, lebhafter gesehen habe, und
in Thieren anderer Kapseln fanden sich nicht nur die
männlichen wie auch die weiblichen Geschlechtsorgane
völlig ausgebildet, sondern auch reife, in der Embryonal-
entwickelung begriffene Eier. Für die Art, die ich nir-
gends beschrieben finde, schlage ich den Namen
Distomum agamos
vor. Das Thier ist 1 Mm. lang, 0,5 Mm. breit, der Mund-
saugnapf und der Körper sind unbewaffnet; ersterer ist
kreisrund ; der Bauchsaugnapf, der etwa die Mitte des
Leibes einnimmt, ist halbkreisförmig umgrenzt, von dem
dreifachen Querdurchmesser jenes. Der Darm, aus dem
Schlundkopf entspringend, ist auf die gewöhnliche Weise
gegabelt, die Dotterstöcke nehmen die Seiten der hin-
teren Körperhälfte ein ; hinter dem ßauchsaugnapf liegen
die beiden Hoden und der mit dem langen Cirrus verse-
hene Cirrusbeutel (dieser würde wohl richtiger Samen-
blase benannt, da er offenbar als Ansammlungsort des
von den Hoden secernirten Samens dient), während die
weibliche Geschlechtsöffnung sich zwischen beiden Saug-
näpfen findet. Der Eier- oder Keimstock ist von den
weiblichen Geschlechtsorganen zuerst, zu einer Zeit, wo
schon der Same gebildet i:>t, als halbmondförmiges Organ
sichtbar, das seitlich am Bauchnapfe liegt (Fig. A). Die
Eier sind verhältnissmässig gross, gelb von Farbe, wenig
zahlreich; höchstens 67 konnte ich bei einem Exemplar
zählen. Am Ende des Leibes ist eine von halbkugligen
üeber Selbstbefruclitung bei Treinatoden. 3
Wülstchen umgebene ExcretionsÖffnnng mit dreischenk-
liger Mündung sichtbar (Fig. C); ohne dass ich ein dazu-
gehöriges Gefässsysfem auffinden konnte. Sowohl die
Bildung der Geschlechtsorgane als auch die Befruchtung
und Eibildung geht nun in der kugelförmigen Kapsel, in
der das Thier sich umherwälzt, vor sich, denn an diesen
Kapseln, wie ich überhaupt das Thier immer nur in sol-
chen gefunden habe, die ich zur Untersuchung der In-
sassen durch Druck aufs Deckglas sprengen musste, sieht
man Exemplare ohne Sexualorgane, dann solche, in denen
die männlichen und die Anfänge der \veiblichen (Fig. A)
ausgebildet sind, und endlich solche, in denen die Ge-
schlechtstheilc vollkommen und auch reife Eier sich zei-
gen (Fig. B); die Entwickelung der männlichen Organe
geht der der weiblichen immer voran. Die Begattung
kann also nur in dieser für das Thier undurchdringlichen
Kapsel vollzogen werden, und dürfte dadurch erleichtert
sein, dass hier der Cirrus auffälliger Weise hinter dem
Bauchsaugnapf liegt, und zwar getrennt durch denselben
von der Vulva, im Gegensatz z. B. von Distomum dimor-
phum, bei dem sowohl die männliche wie die weibliche
Geschlechtsöffnung sich hinter dem Bauchsaugnapf be-
finden. Bei den Arten nämlich, bei denen der Cirrus in der
Nähe der weiblichen Geschlechtsöffnung liegt, tritt gewiss
keine Selbstbegattung ein, da das männliche Glied kaum
willkürlich bewegt werden kann, sondern die Annäherung
der betreffenden Punkte durch Bewegungen des Leibes
bewerkstelligt werden muss. Die Kapselwände müssen
bei der in diesem Falle nöthigen Leibeskrümmung die
besten Stützpunkte geben. Ohne Beispiel ist nun solche
Selbstbegattung bei den Platyelminthen keineswegs, die
im vorliegenden Falle zwar nicht beobachtet ist, aber doch
wohl mit Bestimmtheit vermuthet w^erden kann, da die
Copulationsorgane vorhanden, die Individuen durch die
Einkapselung von einander getrennt sind, und die Ent-
wickelung vom gänzlichen Fehlen der Sexualorgane bis
zum Auftreten der reifen Eier in diesen Kapseln beob-
achtet ist; vielmehr dürfte sie für das ganze umfangreiche
Geschlecht der Tänien die Regel sein, und bildet Leu-
4 * Linstow:
ckart ^) ein Glied von Taenia echinococcus im Momente
der Selbstbegattung ab. Die reifen, mit doppeltcontou-
rirter Sehale versehenen Eier, wie sie in dieser Species
gefunden sind, hält übrigens auch Leu ckart, eine der
grössten Autoritäten in der Helminthologie, für ein Zei-
chen der Reife bei den Trematoden, so dass dieselben
erst nach vollendeter Entwickelung und vollzogener Be-
gattung auftreten, üebrigcns scheint es mehr als wahr-
scheinlich, dass Gammarus pulex nicht der definitive
Wirth dieses Parasiten ist, da die Kapsel, um die Eier
frei zu machen, erst aufgelöst werden muss, was, wenn
man nach Analogieen schliessen darf, wahrscheinlich durch
den Magensaft eines Wirbelthieres geschehen wird. Fast
immer ist bekanntlich der Wohnort der geschlechtsreifen
Trematoden derartig gewählt, dass die Eier nach aussen
gelangen können; bei den meisten Arten gelangen sie
vom Darm direkt ins Freie, bei Distomum hepaticum,
macrourum u. s. w. müssen sie vorher die Gallengänge
passiren, bei Distomum cylindriciim treten sie durch die
Luftw^ege, bei Distomum cygnoides durch die Harnw^ege
nach aussen, und so wird wahrscheinlich bei der uns vor-
liegenden Art ein Wohnungswechsel der Art eintreten,
dass nun auch hier die Eier auf eine der eben genannten
Weisen herausbefördert werden können. Auf ein späteres
freies Leben, etwa in einem Darmkanal, deuten übrigens
auch noch die Saugnäpfe, von denen das hintere sehr
kräftig entwickelt ist. Ausser der Einkapselung ist auch
der Fundort dieses Distomum als eines geschlechtsreifen
auffällig ; die Arten leben bekanntlich fast ausschliesslich
in Vertebraten; eine einzige entwickelte mit zahllosen
Eiern versehene Species fand ich bei Anodonta cygnea 3),
und Di es in g führt 2) drei Arten an, die in Acalephen
wohnen ; letztere sind mir aber unbekannt, und sind es
vielleicht unentwickelte Jugendformen.
1) L. c. pag. 339, tig. 98.
2) Systema helminthum II, pag, 361 — 362.
3) Aspidogaster conchycola.
üeber Selbstbefruchtung bei Trematoden. 5
Interessant wäre es, den definitiven Wirth dieses
Parasiten zu erfahren, auch in Bezug auf die Frage, ob
durch besondere Umstände es nothwendig für die Erhal-
tung der Art ist, dass die Geschlechtsreife schon in dem
Zwischenträger eintritt. Vielleicht wird der Gammarus
pulex von einem den hiesigen See im Herbste auf der
Wanderschaft besuchenden Zugvogel verzehrt, der nur
kurze Zeit hier verweilt, und nun trotz seines kurzen
Aufenthaltes die Eier unseres Trematoden hier hinterlässt.
Schliesslich darf ich daran erinnern, dass Leuckart
in seinem Bericht über die Naturgeschichte der niederen
Thiere aus den Jahren 1866 — 67 eingekapselte Distomen
in Ephemerenlarven erwähnt (pag. 117), die auch ge-
schlechtsreif waren.
Ratze bürg im Oktober 1871.
Znr Anatomie und Entwickeliingsgeschichte des
Gchiuorhynchas angustatiis Rud.
Von
Dr. med. 0. von Liustow
in Ratzeburg.
Hierzu Tafel I. Fig. 1—33,
Nach den neuesten helminthologischen Untersuchun-
gen scheinen in der Regel die Eingeweidewürmer in ge-
schlechtslosem oder jugendlichem Zustande in einem, in
geschlechtsreifem aber in einem anderen Thiere zu leben,
dem ersteres zur Nahrung dient, und hat es ein grosses
Interesse, für die einzelnen Wurmspecies diese Wohn-
thiere zu ergründen.
Bei den Acanthocephalen ist man mit der Auffin-
dung dieser Wohnthiere noch nicht w^eit gekommen, und
ist besonders ^) für Echinorhynchus proteus bekannt, dass
sich seine Eier im Gammarus pulex entw^ickeln. Nunmehr
ist es mir gelungen, die Eier auch von Echinorhynchus
angustatus zur Entwickelung zu bringen, wie gleich be-
richtet wer.den soll.
Das reife, befruchtete Ei dieses Thieres hat einige
Aehnlichkeit mit dem von Pagenstecher ^) beschrie-
1) Greeff, Archiv für Naturgeseh. 1864, Th. I, p. 98—140,
tab. II — III, erzog ferner Ech. polymorphus aus Gregarina miliaria. r
2) Zur Anatomie v. Ech. prot. Zeitschr. für wiss. Zool. Bd. XIII,
pag. 413, tab. XXIII^XXIV.
L in stow: Z. Anat. u. Entwickelungsig. d. Ech. angustatus. 7
benen des Echin. proteiis; es ist von spindelförmiger Ge-
stalt, und besteht aus drei Membranen, die den Embryo
umhüllen; die äussere ist hyalin und zart, die mittlere
sehr dickwandig, oben und unten abgeschnürt, und an
den beiden Enden mit einem zarten Faden versehen, der
aber bei Weitem nicht die Länge und Mächtigkeit er-
reicht wie der von Pagenstecher für Ech. proteus
abgebildete; die innere ist wiederum zart und umschliesst
den Embryo an den Seiten eng, nur oben und unten sich
über denselben erhebend.
Der Embryo ist länglich-eiförmig, und zeigt am
Kopfende eine dunkle, strichige Zeichnung, die vielleicht
von kleinen Häkchen herrührt, welche analog den Haken
der Tänienembryonen bei der weiteren Entwickelung mit
der primitiven Haut abgeworfen w^erden. In der Mitte
des Embryonalkörpers zeigt sich schon früh ein spindel-
förmiger, dunkler Körper, aus welchem sich später alle
inneren Theile des Wurms entwickeln, während aus der
übrigen hellen Umgebung jenes Kernes nur die Körper-
hüllen des erwachsenen Thieres entstehen.
Die Eier, und intakte, von denselben strotzenden
AVeibchen that ich in ein Glasgefäss, in denen sich ver-
schiedene kleine Wasserthiere befanden, von denen die
W^ürmer bald verzehrt w^aren. Phryganiden- und Libellen-
larven, verschiedene Egelarten, Gamnaarus pulex, Gaste-
rosteus pungitius verzehrten die Eier zu Hunderten ohne
Erfolg ; das Thier aber, in dem sie mit einer gewissen
Regelmässigkeit zur Entwickelung kommen, ist Asellus
aquaticus ^). Es ist übrigens nicht nöthig, dass dieses
Thierchen direkt den weiblichen Wurm und somit die
Eier verzehrt, denn auch durch Wasser, indem sich nur
letztere befinden, werden sie mit dem Echin. angustatus
inficirt, wenn sie einige Zeit in demselben leben. Im
Wasser tritt keine Embryonalentwickelung ein.
Die Entwickelung in Gammarus pulex ist eine äus-
1) Erst nach Vollendung dieser Arbeit fand ich, dass schon
Greeff (1. c. pag. 370) gelegentlich die Wasserassel als Wirth des
Jugeudzustandes von Ech. angustatus anführt.
8 Linstow:
serst rapide. Ich fand ein männliches Exemplar, das
am 5ten Tage mit eingezogenem Rostellum bereits 5 Mm.
lang war, und in dem sich alle Geschlechtsorgane ent-
wickelt fanden, so dass es sich in keiner Weise von einem
geschlechtsreifen Männchen aus dem Barsche äusserlich
unterschied. In einem Exemplar von Asellus aquaticus
fand ich drei junge Echinorhynchen von resp. 3, 572 und
6 Mm. Länge, so dass diese Gäste fast den ganzen Raum
der Leibeshöhlc einnahmen. Sonderbarer Weise fand
ich unter den gezüchteten Würmern nur Männchen.
Die Rüsselscheide entsteht sehr frühzeitig, und bildet
sich von der Basis aus, von wo aus auch die Retractoren
des Rüssels entstehen, indem sie vom Grunde der Scheide
aus schlingenförmig emporwachsen. Die Cutis des Kopf-
endes ist Anfangs geschlossen, und stülpt sich nach Bil-
dung der Anfangs nach vorn offenen Scheide des Rüssels
dieser entgegen, um später in sie hineinzuwachsen, wo-
durch der Rüssel entsteht. Noch während die Anlage
des Rostellum frei vor der Scheide desselben liegt, bilden
sich an der Innenwand des ersteren eigenthümliche Zellen
mit einem kleineren stumpfen und einem längeren spitzen
Ausläufer, in denen die Haken entstehen, deren Wurzel-
ast zuerst verhältnissmässig viel grösser ist als bei aus-
gewachsenen Thieren, da er gleich so lang angelegt ist,
wie er später bleiben soll, während der Hakenast sich
vergrössert, und so zu sagen aus der Bildungszelle heraus-
wächst, wodurch die Spitze frei wird.
Nach Anlage der Rüsselscheide entsteht in derselben
zuerst das meistens als Gehirn bezeichnete Centralnerven-
system, über dessen Existenz manche Forscher noch nicht
einig zu sein scheinen. Carus *) drückt sich (1863) über
diesen Punkt zweifelhaft aus, während Linde mann das
an der Basis des Rüssels von vielen Autoren angegebene
Nervenganglion für einen Beobachtungsfehler (!) hält ^),
1) Handbuch der Zoologie von Peters. Carus und Gerst-
äcker, IL Band, p. 457.
2) Lindemann, Zur Anatomie der Acanthocephalen (Mos-
kau 1865) p. 490.
Zur Aiiat. und Entwickoluugsgeöch. des Echiuorh. angustatiip. 0
was einigermassen unerklärlich ist, da dieses doch bei
einigen Arten ein sehr in die Augen fallendes Organ ist.
Zu einer Zeit wo die Muskeln noch nicht von dem Grunde
der Rüsselscheide emporgewachsen sind, sieht man das
Gehirn sehr deutlich als einen eiförmigen Körper am an-
geführten Orte liegen; die Ganglienzellen sind unipolare,
bipolare, und vielleicht auch apolare, und werden von
einer zarten Membran zu jenem ovalen Haufen zusam-
mengehalten, der zahlreiche doppeltcontourirte Nerven
entsendet. Die einzelnen Ganglienzellen sind gross, fein
granulirt und schliessen einen oder mehrere Kerne mit
glänzendem KernkÖrperchen ein. Schon am 5ten Tage ist
die Bildung vollendet. Zwei besonders auffallende Nerven-
bündel verlassen die Rüsselscheide an ihrem untersten
Ende, um nach hinten zu verlaufen und sich dann in die
Längsmuskeln zu verlieren. Bei Ech. acus, wo das Ge-
hirn nicht am Grunde der Rüsselscheide, sondern am
unteren Drittel desselben liegt, treten die beiden Haupt-
nervenstämmc auch hier aus der Rüsselscheide heraus,
und sie sind es, welche Lindemann^) als Kanäle be-
schreibt und abbildet, was wohl daher kommt, dass die
Scheide dieser beiden Nervenstämme sehr stark ist. Sehr
schön bildet Pagenstecher das Gehirn von Ech. pro-
teus ab 2), nur sind die Kerne der Ganglienzellen dort
scharf dunkel gezeichnet, wie ich sie bei Ech. ang. nicht
fand. Bald nach Bildung des Gehirns wachsen die er-
wähnten Muskelschlingen um dasselbe empor, und ver-
decken dasselbe gänzlich. Beim erwachsenen Thiere, wie
es sich im Barsch findet, kann man es aber sehr schön
zur Anschauung bringen, wenn man den Rüssel sammt
dieser Scheide aus dem Thiere herauszieht, und letztere
kurz vor ihrer Basis quer durchschneidet; aus dem klei-
nen abgeschnittenen Stumpf lässt sich dann durch einen
leisen Druck das Gehirn unverletzt hervortreiben.
Am Grunde der Rüsaelscheide bemerkt man zu
einer frühen Periode jene grossen Zellen, die Pagen-
1) L. c. pag. 492, tab. XI, tig. 2 a.
2) L. c. tab. XXIII, fig. la.
10 Li n stow:
Stecher ^) beschreibt und abbildet, und welche derselbe
für drüsige Gebilde hält.
Die Lemniscen entstehen in den Ringmnskeln, bei
anderen Arten, z. B. Ech. acus in den Längsmnskeln, als
solide, mit parallelen Einschnürungen versehene Organe,
so dass die Contouren runde Vorsprünge zeigen, neben
dem oberen Ende der Rüsselscheide liegend, und treten
sie noch vor Bildung der Haken des Rüssels auf. Die
Struktur der Lemniscen unterliegt bei den einzelnen
Arten den grösstcn Verschiedenheiten; so liegt mir eine
kleine Species aus Blicca bjoerkna ^) vor, bei der die Länge
der Lemniscen die des Körpers übertrifft, so dass die-
selben sich am Plinterleibsende zurückbiegen, um in der
Leibeshöhlc Platz zu finden, und zeigen sie an mehreren
Stellen grosse drüsige Einlagerungen. Bei Ech. ang.
enden die Lemniscen, die etwa die Länge der Rüssel-
scheide haben, blind, im Gegensatz zu einigen Abbil-
dungen Wes tru mb's 2), wo sie nach unten dünnere Aus-
läufer zeigen. Auf Durchschnitten sieht man, dass die
Lemniscen bei ausgewachsenen Thieren die Form von zu-
sammengedrückten Cylindern haben, und, von den Mus-
keln umgeben, zwischen Rüsselscheide und der Ring-
muskelschicht liegen. Die Bedeutung dieser Organe ist
noch immer nicht klar. Jetzt w^erden sie meistens für
Excretionsorgane gehalten, da die Seitengefässe mit ihnen
in Verbindung stehen, doch kann ich nicht läugnen, dass
ich die ältere Ansicht für wahrscheinlicher erachte, nach
der sie die Funktion eines Darms haben, wofür ich die
Beobachtung anführen kann, dass ich bei mehreren Exem-
plaren von weisser Farbe die Lemniscen in Ueberstimmung
mit dem Darminhalt der Barsche, in dem£sie lebten, ^von
röthlich-gelber Färbung gefunden habe, so dass sie also
zur Nahrungsaufnahme zu dienen scheinen. Lindemann
hält sie für Elweissdrüsen, denn was derselbe tab. X. fig. 2 b
abbildet, dürften doch wohl Lemniscen sein. Die äusseren
1) L. c. fig. Ib.
2) De helminthibus acanthocephalis. tab. III, fig. 18 u. 19.
3) Echinorhynchus clavaeceps.
Zur Anat. und Entwickelungsgesch. des Echinorh. angustatus. 11
Bedeckungen bestehen aus drei Schichten; zu äusserst
ist die homogene Cuticula, dann folgt eine dunklere, fein
gekörnte Schicht, und hierauf eine breitere, hellere, die
eine radiäre Streifung zeigt, und der Sitz des Gefäss-
apparates ist. Auf letztere folgt eine helle, schmale Schicht
von Ringmuskeln, und auf diese die mächtige Lage von
Längsmuskeln. Die Muskeln zeigen auf dem Durchschnitt
eine radiäre Zeichnung und ein dunkles, feingranulirtes
Centrum i). Die Embryonen werfen ihre primitive Haut
ab, und schon bei vier Tage alten Exemplaren findet
man dieselbe als zartes, homogenes Häutchen, das nur
noch am hinteren Ende dem Körper anhaftet. Die Seiten-
gefässe sind, wie man an feinen Durchschnitten deutlich
sieht, keineswegs wandungslos, was Schmidt 2) behaup-
tet, wohl aber die von denselben rechtwinklig nach beiden
Seiten abgehenden Nebengefässe. Diese Gefässe ent-
wickeln sich aus Zellen mit glänzenden Kernen, die in
einer Anordnung auftreten, dass man aus derselben schon
die Richtung der späteren Gefässe erkennt, welche da-
durch entstehen, dass die Zellen an den zugewandten
Polen mit einander verschmelzen. Die von Pagen-
stecher^) abgebildeten Zellen scheinen mir die eben
beschriebenen, und nicht „Zellen in den Muskelbündeln^
zu sein. Diese Gefässe werden die Bedeutung haben,
die von den Lemniscen aufgenommene Ernährungsflüssig-
keit nach allen Theilen des Körpers zu leiten.
Von der Basis der Rüsselscheide entspringt als so-
lides, cylindrisches Muskelbündel das bekannte Ligamen-
tum Suspensorium, welches den beiden Floden zum Auf-
hängebande dient. Pagenstecher fand bei Ech. pro-
teus die Hoden von dem Lig. susp. ganz umschlossen, so
dass sie in demselben liegen, was bei Ech. angustatus
nicht der Fall ist, wie man bei jungen Exemplaren dcut-
1) Schneider, »lieber den Bau der Acanthocephalen« im
Archiv für Anat. u. Phys. 1868, pg. 584—597, behandelt ausführlich
den Bau der Muskulatur.
2) Handbuch der vergleichenden Anatomie, pg. 130.
3) L. c. tab. XXIII, fig. 5 a.
12 Linstow:
lieh sieht ; so fand ich bei einem gezüchteten Exemplar
den ersten Hoden nicht hinter sondern neben der Rüssel-
scheide, von deren Grunde einige Mnskelbündel des Lig.
susp. sich zurückbogen, um sich von einer Seite her an
dem Hoden zu befestigen; hier passt also Schmidt'»
Beschreibung nicht, wenn derselbe sagt ^): ;,Die Samen-
secretion scheint in der Wandung des Lig. susp. vor sich
zu gehen, d. h. dieses Organ ist Hoden". Die beiden
Hoden findet man bei ganz jungen Thieren mitunter noch
zu einem vereinigt, der sich später durch Abschnürung
in der Mitte theilt. In den Hoden werden die Samen-
fäden gebildet, die sehr viel länger sind, als sie Pagen-
stecher für Ech. proteus abbildet. Aus dem Endothel
der Hoden entstehen doppeltcontourirte, gekernte Zellen,
die sich allmälich unter Vereinfachung der Contour ver-
grössern, und zu Mutterzellen werden, indem sie in ihrem
Innern als Tochterzellen die Bildungszellen der Sperma-
tozoen entwickeln.
Jeder der Hoden mündet in ein Vas deferens, das
einige ampuUenförmige Anschwellungen zeigt, und sich
ungefähr in der Mitte der Entfernung zwischen Hoden
und Hinterleibsende mit dem anderen Vas deferens zu einem
gemeinschaftlichen Vas efferens vereinigt, welches knrz vor
seiner Mündung eine haibkugelförmige Auftreibung zeigt.
Neben diesen Ausführungsgängen liegen sechs „ac-
cessorische'^ Drüsen, welche aus je einer Zelle entstehen.
Je drei vereinigen ihre Ausführungsgänge zu einem ge-
meinschaftlichen Bündel, und diese beiden Bündel münden
links und rechts von der gleich zu schildernden Samen-
blase und dem Vas efferens, um das Sekret in die Bursa
copulatrix zu führen. Da die männlichen Echinorhynchen
zur innigeren Vereinigung der Begattungsorgane einen
Kitt absondern, welchen man bei manchen Weibchen,
z. B. den von Ech. acus, nach der Copula als schwärz-
lichen, abstreifbaren, fingerhutförmigen Ueberzug am Hin-
terleibsende findet; so dürfte es nicht unpassend sein, in
diesen Drüsen die Kittorgane zu suchen, da jener Ueber-
1) L. c. pag. 140.
Zur Anat. imd Entwickelungsgesch. des Echinorh. aiig:n8tatus. 13
zugbei begatteten Weibchen ans derselben dunkeln, kör-
nigen Masse besteht wie der Inhalt dieser sechs Drüsen.
Bei manchen langgestreckten Arten, wie Ech. acus, liegen
diese Drüsen in einer Reihe hinter einander, und die
Hoden vor ihnen. Der Beweis für die lichtige Deutung
dieser Organe liegt übrigens schon darin, dass die Aus-
führungsgänge nicht in den Cirrus, sondern links und
rechts seitlich von der Samenblase ins Innere der Bursa
münden, so dass bei der Copula das Sekret sich zwischen
die Innenwand dieser und den Körper des von derselben
umfassten Weibchens ergiesst. Die Bezeichnung „Samen-
blase'', welche Schmidt i) den unteren Anschwellungen
der Vasa deferentia giebt, möchte ich einem anderen Or-
gan ertheilen, das dem Vas efferens anliegt. Es ist eine
starkwandige, sehr muskulöse Blase, die offenbar zur An-
sammlung des Samens und Austreibung desselben beim Coi-
tus dient, denn ich fand sie öfters prall mit Samen gefüllt.
Das dicke, obere Ende der Samenblase ist bei ganz jungen
Exemplaren oft eiförmig abgeschnürt.
Diese Verhältnisse sind nur bei ganz jungen Thieren
tibersichtiich; später legen sich die Kittdrüsen als bohnen-
förmige, dunkle Körper eng an einander, und sind die
Ausführungsgäuge dann halbmondförmig gekrümmt, an
die sich die Samenblase von Aussen anlegt.
Der Cirrus des Männchens ist spindelförmig, und
hat die Bursa copulatrix zwei muskulöse Saugscheiben.
Der weibliche Genitalschlauch wird von den Muskel-
bündeln des Ligam. susp. umfasst, doch kann ich die
Ausdrucksweisc nicht für gerechtfertigt halten, nach der
„die Innenwand des Lig. susp. als Ovarium fungirt'', denn
auf Durchschnitten sieht man überall klar, wie die Mus-
kelbündel des Lig. susp. sich deutlich von dem scharf-
contourirten Genitalschlauch unterscheiden lassen, un(J
verlieren sich dieselben, nachdem sie Anfangs letzteren
als Hülle gedient haben, im weiteren Verlaufe nach hinten
bald ganz, so dass man also nur sagen kann, der weib-
liche Genitalschlauch entspringe von der Basis der Rüs-
1) L. c. pag. UO.
14 Linstow:
seischeide, und werde im Anfange von dem Lig. suspens.
umgeben; bei anderen Arten z.B. Eeb. acus entspringen
Lig. susp. und der Genitalschlnuch gesondert neben ein-
ander von der Basis der Rfisselscbeide. In dem Endothel
des als Ovarium fnngirenden oberen Tbeiles des Schlauches
bilden sich kleine, doppcltcontourirte, gekernte Zellen, die
nach ihrem Heraustreten aus demselben noch nicht gleich frei
werden, sondern durch einen kurzen Stiel mit demselben zu-
sammenhängen, wie solches schon W e s t r u m b ^) für Ech.
porrigens abbildet. Bald lösen sich diese Zellen los, wer-
den grösser, verlieren ihre doppelte Contour, und bilden
dann, indem sie zu Mutterzellen werden, in ihrem Innern
die Zellen aus, welche sich zu den Eiern umgestalten. Der
Thell des Genitalschlauchs, in welchem sich dieses zu-
trägt, und den ich Ovarium nannte, mündet, sich ver-
engend, in die kurze, trichterförmige Tuba, die in den
cylindrischen, starkwandigen, unten mit Drüsenzellen be-
kleideten Uterus führt, welcher sich in die enge, stark-
wandige Vulva fortsetzt, die Anfangs den Umfang des
Uterus besitzt, bald aber ein viel kleineres Lumen be-
kömmt, und kurz vor ihrer Mündung wieder etwas an-
schwillt, wo sich zwei kleine Saugscheiben befinden, als
Analoga der männlichen ähnlichen Gebilde. Die Mutter-
zellen, von denen oben die Rede war, bewegen sich in
dem Ovarium und durch die Tuba hindurch in den Uterus,
können aber wegen der engen Verbindungsötfnung zwi-
schen diesem und der Vulva letztere nicht erreichen. Die
Tochterzellen gestalten sich allmälich in die etwas um
ihre Längsachse gekrümmten, spindelförmigen Eier um,
deren allmähliche Entwickelung die Abbildungen veran-
schaulichen.
Auf eine Weise nun, .die mir nicht klar geworden
ist 2)^ treten die Eier aus dem Genitalschlauch in die Lei-
beshöhle hinein, denn man sieht bei intakten, reifen Weib-
1) L. c. tab. II, fig. 30 u. 31.
2) Leider konnte ich Gre eff's Arbeit »lieber die Uteriisglocke
und das Ovarium der Echinorhynchen«, 1. c. pag. 861 — 374, tab. VI,
nicht benutzen, und kenne dieselbe nur im Auszuge.
Zur Anat. und Entwickelungsgesch. des Echinorb, angustatus, 15
chen stets zahllose Eier neben dem Ovarialschlauch in der
Leibeshöhle hin- und herflottiren, und solche älteren, von
Eiern strotzenden Weibchen gleichen überhaupt oft nur
noch Eiersäcken^ von denen sich bei einzelnen Arten
durch ringförmige Einschnürungen der Haut Glieder nach
Art der Tänien losstossen, wie ich es u. A. bei dem in
Strix flammea v^ohnenden Ech. tuba fand. Die Acantho-
cephalen haben mit den drei Hauptklassen der Einge-
weidewürmer auffallende Aehnlichkeiten, so dass sie gleich-
sam ein Bindeglied zwischen ihnen bilden : die Hoden
erinnern an die der Trematoden ; das Fehlen von Mund
und After sowie das Vorhandensein von Rostellum und
Haken, und das Abstossen der mit reifen Eiern gefüllten
Glieder der Weibchen ist eine Aehnlichkeit mit den Tä-
nien ; die Seitengefässe sowie die Entwickelung ohne
Metamorphose haben sie mit den Nematoden gemein.
Es wäre nach Obigem noch die Frage aufzuwerfen,
ob sich die Eier auch in der freien Natur in Asellus aqua-
ticus entwickeln, was man wohl unbedingt bejahen kann,
denn das Wesen sowohl dieser Thiere als auch der Eier
kann doch im Aquarium kein anderes werden, als es im
Freien ist, und hat die Wasserassel bei der grossen Häu-
figkeit, mit der unser Echinorhynchus in den Barschen
und Hechten des hiesigen See's vorkommt, sicher Gele-
genheit genug, die fraglichen Eier in sich aufzunehmen.
Auffallend ist, dass in dem genannten Thiere die
jungen Acanthocephalen fast dieselbe Grösse wie die ge-
schlechtsreifen des Barsches erreichen, und dass nur Männ-
chen in ersterem gefunden wurden. — Die im Asellus
aquaticus ausschlüpfenden Embryonen bohren sich durch
die Darmwand hindurch, um in die Leibeshöhle zu ge-
langen; sonst müsste das Wohnthier durch die Ausfüllung
des Darmlumens von Seiten des grossen Insassen unfehl-
bar sterben.
10 Linstow: Z. Anat. u. Ent.wickelimgsg. d. Ech. angustatus.
Erklärung der Abbildungen.
Fig. 1 — 3. Durchschnitte; Vergr. CO. 1. Durch Rüsselscheide und
Lemniscen. a. Cuticula, b. Cutis, c. Gefässhaut, d. Riug-
muskeln, e. Längsmuskeln.
j 2. Durch das Ligamentum Suspensorium.
7) 3. Durch die Vulva; auch die Seitengefässe zeigen sich.
» 4. 2°^/i. Bildung der Lemniscen in den Muskeln.
r> 5. ^^%. Bildung der Hauptgefässe.
)' 6. ^^°/i. Gestielte Eibildungszellen.
» 7 — 10. ^^^/j. Freie Eibildungszellen.
;. 11—14. 8ö%. Bildung der Eier.
j> 15. ^^°/i- Freier junger Embryo.
» 16. ^^"/j. Endothel des Ovarium mit Eibildungszellen.
« 17. ^°/i- Hinterleibsende des Weibchens mit Vulva.
» 18. ^'Vi- Hinterleibsende des Männchens mit Cirrus.
V 19 — 24. ^^^/i Bildung der Samenzellen.
» 25. ^^°/i. Freier Samenfaden.
» 26. ^^7i- Ganglienzelle mit Nerv.
j> 27. ^°%. Muskeldurchschnitt.
» 28. ^'^o/i. Hakenbildungszelle.
» 29. "^"/i. Bursa copulatrix mit Cirrus und Saugnäpfen.
» 30. 20^^ Hinterleibsende eines reifen Männchens, a. Hoden
b. Kittdrüsen, c. Samenblase, d. Vas deferens, e. Vas efferens.
» 31. ^^/i. Hinterleibsende eines ganz jungen Männchens aus
Asellus aquaticus, die beiden Hoden sind noch zu einem
vereint; Buchstaben wie oben.
> 32. ^%. Weiblicher Genitalschlauch, a. Büsselscheide, b. Ova-
rium, c. Tuba, d. Uterus, e. Vulva.
» 33. ^^^li. Mittlerer Theil desselben; Buchstaben wie oben.
Zur Fischfauna Ton Süd-Australien.
Von
Dr. €. B. Klunzinger.
Hierzu Tafel II.
Yon dem Director des botanischen Gartens in Mel-
bourne, Freiherrn Dr. v. Müller, -wurde ausser vielen
andern Sammlungen dem k. Naturaiienkabinet in Stutt-
gart auch eine beträchtliche Anzahl von Fischen Über-
macht, deren Bestimmung ich übernahm. Es fand sich
darunter eine verhältnissmässig grosse Zahl neuer und
zum Theil sehr interessanter Arten. Die bekannten zähle
ich hier nur namentlich oder mit einigen Zusätzen auf.
Pereid ae.
Enoplosus arinatus White.
In zahlreichen Exemplaren von Port Philip, Mur-
ray-River 1). Name: striped dory. Grösse 20 Cm.
ÄntJnas rasor Rieh, Varietas extensa Klz.
Die zwei vorhandenen Exemplare stimmen wohl
mit Serranus rasor Richards, überein, sie sind aber beide
1) Damit scheint die Mündung dieses Flusses gemeint zu sein,
denn die meisten Fische, als deren Fundort Müller den Murray-
River angab, sind ächte Meerfische.
Archiv f. Naturff. XXXVni. Jahr?. 1. Bd. 2
18 Klunzinger:
um ein gutes nieder ei% ihre Höhe ist SVs — 374^)- Bei
einem Exemplar ist die Strahlenzahl, wie Richardson
und Günther angegeben, D. ^0^21; beim andern aber
11/,
/23, während sie sonst unter sich gleich sind, ein-
schliesslich der Färbung (eine rothe bogige Längsbinde
oberhalb der Seitenlinie). Auch bei Anthias squamipinnis
Pet. aus dem Rothen Meere beobachtete ich eine niedere
und eine schlanke Form. Die Länge obiger Exemplare
ist 20 Cm., Hobson Bay.
Apogon cotispersus n. sp,
D. 71/9, A. Vg, P. Vis, L. lat. 27, L. tr. 31/2. 7, Höhe
3, Kopf 31/2, Breite 2V4, Auge 3, Stirn 1, Schnauze IV2,
Praeorb. 3, 3. Rückenst. 2, Schwanzfl. 4V2.
Körper eiförmig, etwas hoch. Kinn nicht oder
kaum vorragend. Die Zähne in mittelmassig breiter Binde
in beiden Kiefern, kurz, conisch. Augen mittelmässig.
Der Oberkiefer reicht fast bis zu der Höhe (Vertikale) des
hintern Augenrandes. Unterer Rand der Prä- und Sub-
orbital knochcn nicht gezähnt. Der abgerundete Rand
des Vordeckcls überall, die vordere Randleiste nicht ge-
zähnt (Untergattung Apogon). An der Suprascapula ist
keine Zähnelung bemerklich. Die Figuren der Seiten-
linie bilden eine einfache, flache, breit dreieckige
L ä n g s e r h ö h u n g. Die R ü c k e n s t a c h e 1 n stark, be-
sonders der 3. und 4., 2. Rückenflosse etwas höher als die
1. und als die Afterflosse. 2 Rücken- und die Afterflosse
mit leicht gerundetem Endrand. Die Bauchflossen reichen
fast bis zu den Afterstrahien, die Brustflossen sind eher
etwas kürzer. Schwanzflosse abgestutzt oder leicht ge-
rundet.
Farbe (in Spiritus)|bräunlich'mit zerstreuten schwarzen
Fleckchen am vorderen Theil des Körpers besprengt, be-
sonders über den Brustflossen und am Kopf. Flossen farb-
los oder mit leichter schwärzlicher Tingirung. Die Bauch-
1) In Bezug auf Abkürzungen und Ausdrucksweise verweise ich
auf die Einleitung zu meiner »Synopsis der Fische des Rothen
Meeres«. Verh. der zool.-botan. Gesellschaft in Wien 1870.
Zur Fischfauna von Süd-Australien. 19
flössen, besonders in ihrer hintern HUlfte, schwärzh'ch.
Grösse 11 Cm.
Diese Art unterscheidet sich vonApog. monochrous
Bleek. hauptsächlich durch stärkere Rückenstacheln, klei-
neres Auge, von Ap. bifasciatus Rüpp. durch x\n. ^J^j
andere Seitenb'nienfiguren, stärkere Bezahnung des Vor-
deckclrandes und andere Färbung. Apog. maculosus C. V.
ist, nach der unzureichenden Beschreibung, verschie-
den in der Färbung, und hat K.xi. ^ji.
Ambassis *) urotaenia ßleek.
Der einzige Unterschied unserer Exemplare von
obiger Art ist: II D. V8— 9, A. V8— 9, während Bleeker's
Art 9 — 10 Strahlen hat. Amb. Agassizi Steind. stimmt
in der Strahlenzahl, unterscheidet sich aber durch etwas
grössere Höhe des 2. Rückenstachels (372 in der Körper-
länge ohne Schwanzflosse). Bei unsern Exemplaren von
6 Cm. ist die Höhe 4Y2, bei den Exemplaren von B lec-
ker von 9 Cm., 4raal in jener Länge enthalten. Also
überall leichte Inconstanzen, so dass ich nicht anstehe,
auch dieArt vonSteindachner zu urotaenia zu
stellen. Die Seitenlinie ist bei unsern kleinen Exemplaren
sehr rudimentär, nur an einigen der vorderen Schuppen
zeigen sich Vertiefungen, bei dem etw^as grösseren Exem-
plar von Bleek er (in der Stuttgarter Sammlung) ist
die eine Hälfte derselben entwickelt, die hintere fehlt.
OUgorus macquariensis C. V.
Vom Murray-River, Hobson Bay — Grösse 30 Cm.
Arripis georgianus C. V,
Viele Exemplare von Port Philip, Murray-River,
Hobson Bay, 10—20 Cm.
Arripis solar Rieh.
Hobson Bay. 30 Cm.
1) Ich folge in dieser Zusammenstellung' der Günther'schen
Familieneintheilung und überhaupt der Nomenclatur in Günther's
Fischwerk, worin das Nähere nachzusehen ist.
20 Klunzinger:
Dules novemactdeatus Steindachner ^) Var. alta KIz.
Auch hier völlige Uebereinstimmung mit St ein-
dach ner's Art, mit alleiniger Ausnahme der Körper-
höhe, diese ist bei unsern Exemplaren SYs, und die
Kopflänge ist beträchtlich kleiner, als die Körperhöhe.
Fundort nicht speciell angegeben.
•
Dules ambiguus Rieh.
Murray-River. 45 Cm.
Par a du les n. gen.
R. br. 6. Eine Binde feiner Sammtzähne in beiden
Kiefern, an Vomer und Gaumen, an letzterem aber oft
wenig deutlich (abfällig?). Eine Rückenflosse mit 8 — 10
Stacheln, Afterflosse mit 3 Stacheln. Schuppen fein cte-
noid, Kiemcndeckel mit 2 Stacheln, Vordeckel g a n z-
r and ig (hierdurch von Dules wesentlich unterschieden),
Paradules ohscurus Klz.
D. 9—10/8, A. V6--7, P. 9—10, G. 17, Höhe 31/2, Kopf
33/4, Auge 3, Stirn IVs, Präorb. 2, Schnauze IV5, 2. Rük-
kenstachel 2, Schwanzfl. 4^5—5, L. lat. 28—30, L. tr.
2V2 • 10. Körper länglich elliptisch. Kopfprofil leicht
parabolisch, oder fast gerade. Am Kopf ist Schnauze, Vor-
derstirn und Präorbitalbein unbeschuppt. Mund klein,
der Oberkiefer reicht hinten nur bis zur Vertikale des
vorderen Augenrandes. Pr äor bi tal bei n fast quadra-
tisch, nur am Hinterrand oder hinteren Unterwinkel
gezähnt. Kiemendeckel mit 2 Stacheln. Die Seiten-
linie unvollständig, in Form eines kurzen Längsstrichs,
die auf vielen der betreffenden Schuppen fehlt. Ihre
Krümmung wie die des Rückens. Die Rückenstachcln
ziemlich stark, der 1. klein, der 2. viel höher. Die
Rückenflosse ist tief ausgeschnitten; der letzte Stachel
höher, als der vorletzte. Die Rückenflosse beginnt erst
1) Zur Fischfauna von Port Jackson in Australien. Sitzungs-
ber. d. Wien. Akad. 1866.
Zar Fißchfauna von Süd Australien. 21
Über dem" hinteren Drittel der Brustflossen. 3. Afterstachel
etwas höher als der 2. Der gliederstrahlige Theil der
Rücken- und Afterflosse ziemlich gleich hoch. Die Bauch-
flossen beginnen unter dem Ende des L Viertels der
Brustflossen, und reichen zum After, die Brustflossen rei-
chen nicht so weit. Schwanzflosse abgestutzt oder leicht
gerundet. Die Insertion der Kiemenhaut an dem Isthmus
ist unter oder etwas vor dem Winkel des Vordeckels.
Farbe in Weingeist : dunkelbraun. Flossen grau-
grün. Die Bauchflossen aussen, die Afterflosse vorn, oft
auch die Spitzen der Rücken- und Afterflosse dunkler.
Am Grund der Schwanzflosse ein dunkles Querband, das
sich nicht an den Rand fortsetzt. 4V2 Cm. Fundort :
Yarra Sagoon.
Paradules leetus KIz.
D. 78—9, A. V6-7, Höhe 4, Kopf 4, Auge 3,
Schnauze 1, Stirn ''l, Präorb. 2, 2.-3. Rückenst. 2V3,
Schwanzfl. ?
Gestalt gestreckter als bei der vorigen Art. Prä-
orbitalbein dreieckig, ganz ungezähnt. Keine
deutlichen Stacheln am Kiemendeckel. Der 2. Rückenstachel
etwas mehr als 2mal so hoch, als der 1.; 2. und 3. Stachel
gleich hoch. 2. Afterstachel etwas höher, als der 3. Sonst
wie die vorige Art. Farbe : hellgelbgrau. Am Grund
der Schwanzflosse auch eine dunklere Querbinde. Flossen
hyalin. 5 Cm. Murray-River.
Pristiponiatidae.
Therapon ellipticus Rieh.
Murray-River, Hobson Bay. 25 Cm.
Mullidae.
Üpeneiohthys porosus C. V.
Der Fundort ist nicht specieli angegeben. 30 Cm.
Sparidae.
Chrysophrys ausiralis Gth.
Hobson Bay. 30 Cm.
22 Klunzinger:
Pagrus major Schi gl.
Hobson Bay. 30 Cm.
Girella Simplex Rieh.
Nach den mir vorliegenden zwei Exemplaren, wo-
von das eine 20 Cm., das andere 30 Cm. misst, ist es
kein Zweifel, dass die Form mit ganzrandigen Zähnen
die Jugend ist, während die Alten ausgezackte
Zähne bekomme n. Zugleich wird dieS chwanzflosse
mit dem Alter tiefer ausgeschnitten. Die Färbung
des älteren Exemplars ist heller. Sonst kein Unterschied.
Bei beiden ist der Gaumen vorn bezahnt, die Zahlen und
Dimensionen sind gleich, die Zahnzacken sind kurz und
gleich lang. Auch bei dem jüngeren Exemplar zeigen
sich einige Seitenzähne gezackt, die übrigen sind aber
gerade abgeschnitten.
Das jüngere Exemplar ist vom Murray-Iiiver, das
ältere von Bass-Strait.
Untergattung von Girella: Gir ellichthtj s Klz.
Am Vomer eine Gruppe kleiner Zähne, Gaumen
unbezahnt, Kiemendeckel ganz beschuppt, die Wangen
mit kleinen, zum Theil von Haut bedeckten Schuppen,
Präorbitalbein, Stirn und Schnauze etwas runzlig und
porös, aber nackt. Sonst wie Girella.
Girella fGirellichthysJ zehra (Rieh.?) Steindachner.
D. iVi3, A. Vii, P. 18, C. 17, L. lat. c. 80, L. tr.
12/35, Höhe 31/6, Kopf 5, Breite 2V2, Auge 3^/4, Stirne
IV2 : 1, Schnauze P/o : 1, Präorb. 1, hintere Rückenstacheln
31/2; Schwanzfl. 4V3.
Stimmt genau mit Steindac hner's Beschreibung.
Fundort; Murray-River, Grösse 26 Cm.
Haplodactylus maeandratus EUis.
Sciaena maeandrata Ellis, Richards. Vide: Transact.
zoolog. society III, Seite 83, ? Haplodactylus arctidens
Richards.
D. I6V18, A. 3/7, P, 9/e, C. 17, L. lat. 100, L. tr. ^Yao;
Zur Fischfauna von Süd-Australien. 23
Höhe 4V2 (bei einem andern Exemplar 5V2), Kopf 5V2,
Auge 5V2> Stirn IV2 : 1, Schnauze 2 : 1, Präorb. 1, 4. Rük-
kenstachel 2V2, Schwanzfl. öVa— 6.
Gestalt elliptisch, Kopfprotil convex, vorn an der
stumpfen Schnauze sehr abschüssig. Zähne oben in
gegen 6, unten in etwa 5 undeutlichen Reihen. Die klei-
neren jüngeren Zähne sind deutlicher dreispitzig, als die
älteren, bei welchen die Mi t telsp it ze verhältnissmässig
viel breiter und höher ist, als die S ei t en spitzen,
welche indess auch bei erwachsenen nicht ganz fehlen.
Die haarförmigen Vomerzähne bilden eine schmale Quer-
platte, Gaumenzähne fehlen. Der hinten ziemlich
gewölbte Oberkiefer reicht nur bis unter die Höhe des
vorderen Nasenlochs ; die beiden Nasenlöcher gleich gross.
Stirne fast flach. Kopfschuppen sehr klein, sie bedecken
nur die Wangen sammt Postorbitalgegend und den grössten
Theil des Kiemendeckels. Nackt dagegen ist Nacken,
Stirn, Schnauze, Kinngegend, Präorbitalbein und die Um-
gebung des Auges, ferner Zwischen- und Unterdeckel
und der hintere und vordere Theil des Kieraendeckels.
Am Vordeckel ein ziemlich starker, aber nicht sehr vor-
ragender Dorn. Körperschuppen ziemlich klein, ganz-
randig. Seitenlinie fast gerade, ihre Figuren bilden Längs-
striche. Rückenflosse tief ausgeschnitten, ihre Stacheln
kräftig, doch schlank. Ihre vorderen Gliederstrahlen von
Höhe der höchsten Stacheln, dann nehmen die Strahlen
an Höhe ab, daher der Rand schräg, geradlinig. Die
kurze Afterflosse beginnt unter der Basis des 4. Glieder-
strahles der Rückenflosse, und endigt schon unter der des
11. Sie hat eine sichelförmige Gestalt durch Verlänge-
rung ihres 2. und 3. Gliederstrahles, welche noch etwas
höher sind, als die höchsten Gliederstrahlen der Rücken-
flosse, Die drei Afterstacheln sind schwach und kurz,
jeder folgende ist mehr als doppelt so hoch, als der vor-
hergehende. Die Brustflossen eiförmig oder stumpfwinklig.
Sie reichen mit dem längsten Strahl, welcher der 6. ge-
gliederte Strahl ist, bis zur Plälfte der Bauchflossen. Die
Bauchflossen beginnen etwas hinter der Mitte der Brust-
flossen, sie sind sichelförmig zugespitzt, reichen nicht bis
24 Klunziuger:
unter den 10. Rückenstachel und lange nicht (bei den
vorh'egcnden grossen Exemplaren) bis zum After. Schwanz-
flosse abgestutzt oder leicht ausgeraiidet.
Farbe: braun, mit hellen weissen gyrösen, unregel-
mässigen, mehrfach in einander fliessenden, dunkle Stellen
umsäumenden Flecken oder Streifen. Am Bauch ist die
weisse Farbe vorherrschend und das Braune erscheint in
Form gyröser Linien oder Flecken; zuweilen ist der
Bauch ganz weiss. Weisse gyröse Linien zeigen sich
auch am Kopf; an den Flossen sind sie nebelartig, ver-
schwommen. Die Brust- und ßauchflossen zeigen solche
Gyren nur an der Basis. Diese Art stimmt wohl zu der
Beschreibung, welche El lis gibt, namentlich auch betreff's
der Farbe. Doch fragt es sich, ob Haplodact. arctidens
Richards, verschieden ist. Bei dieser Art wird von Ri-
chardson eine Spur von Gaumenzähnen angegeben, die
Seitenlappcn der Zähne sollen bei erwachsenen undeutlich
sein, und die Färbung wird etwas verschieden angegeben,
nämlich: dunkelbraun, graufleckig marmorirt, besonders
deutlich am Bauch, wo die Hauptfarbe lichter ist.
Grösse 45 Cm. Port Philip, Hobson Bay,
Squaniipinnes.
Histiopterus reourvirostris Rieh.
Murray-River, Hobson's Bay, — Name: Butterfisch
— 40 Cm.
Drepane punciata L. Gmel.
Port Philip. — 15 Cm.
Cirrhitidae.
Chilodaciylus maoropterus Forst.
Port Philip. 30 Cm.
Chilodaciylus asper Klz.
R. br. 6, D. 1727, A. %, P. %, L. Ut. 55, L. tr.
51/2.16, Höhe SVe, Kopf 41/6, Auge 4%, Stirne VU : 1,
Schnauze 2:1, Präorb. 1, 6. Rückenst. 3V4, höchste Rük-
kenstrahlen 3^4; höchste Afterstrahlen 2, 4. Schwanzfl. 5.
Zur Fischfauna von Süd- Australien. 25
Körper eiförmig elliptisch, Kopfprofil parabolisch,
doch etwas ge seh wuii gen, indem die Stirne leicht vor-
ragt und die Hintcrhauptgegend etwas eingesenkt ist.
Lippen sehr stark entwickelt. In beiden Kiefern eine
Binde dichter, aufrechter nicht gebogener, conischer Zähne
(keine am Gaumen). Der Oberkiefer reicht bis unter den
vorderen Augenrand. An der Stirn jederseits am vor-
deren oberen iVugenwinkel eine leichte höckerartige
Vorragung. Am Kiemendeckel ein stumpfer Stachel
und dahinter ein entwickelter Deckellappen. Hintere
Augenhöhlenränder rauh knochig. Stirn, Schnauze, Prä-
orbitalbein und Randtheil des Yordeckels unbeschuppt,
Wangen mit kleinen, Kiemendeckel mit kaum grösseren,
Schuppen besetzt. Stirnhaut rauh. Die Schuppen des
Körpers und Kopfes ganzrandig, in ihrem hinteren
Theil sehr rauh. Die Schuppen der Körperseiten
ziemlich gross. Die Seitenlinie folgt der Rückenkrüm-
mung. Die Figuren derselben sind kurz baumartig, sie
liegen auf verhältnissmässig kleinen Schuppen. Rücken-
stacheln sehr kräftig, der 6. ist der höchste. Die
Flosse ist ausgeschnitten, die Gliede rstrahl en erheben
sich aber nicht so hoch als die höchsten Stacheln und
nehmen hinten allmählich an Höhe ab. Der 2. After-
stachel ist der dickste, der 3. der längste, aber
dieser ist viel kürzer, als der 2. und 3. Gliederstrahl,
welche auch höher sind, als die Rückenstrahlen und selbst
die Rückenstacheln. Der Endrand dieser Flosse erscheint
winklig oder schräg abgestutzt. Die Rücken- und After-
flosse haben eine Schuppenscheide. Brustflossen kaum
länger als hoch (wenn ausgebreitet). Die einfachen
Strahlen sind nur yrenig über ihre Membran
verlängert, der 2, ist ein wenig länger, als der 1., er
ist ietwa um Ve oder Vs länger, als die gespaltenen Strahlen,
und reicht bis zur After höhe. Die Bauchflossen
beginnen unter der Mitte der Brustflossen und reichen
bis zum After, sie sind stumpf. Schwanzflosse tief halb-
mondförmig ausgeschnitten, die äusseren Strahlen sind
mehr, als um V2 länger, als die mittleren, die A-ussen-
winkel sind stumpf gerundet.
26 K 1 u n z i n g e r :
Farbe: braungelb, Flossen ebenso; die Membran
der Brust- und strahligen Rückenflosse heller gelb. Dek-
kellappen schwarz.
Grösse: 40 Cm.
Diese Art steht von den bekannten Arten dem Chilod.
quadricornis Gth. am nächsten, unterscheidet sich aber
durch die Kürze der einfachen Brustflossenstrahlen, die
Länge des 6. Rückenslachels, das Fehlen der Stirn- und
Schnauzenhörner, sowie durch Farbe.
Chilodactylus nebulosus Klz.
D. 1V24, A. 3/9—10, P. Ve, L. lat. 55, L. tr. V12,
Höhe 32/3, Kopf 41/2, Breite 2 V2> Auge 4, Stirn 1, Schnauze
IV2 : 1, 5.--7. Rückenst. 31/2, Schwanzfl. 51/2.
Körper elliptisch, Kopfprofil leicht parabolisch.
In beiden Kiefern eine schmale Binde conischer Zähn-
cheu. Der Oberkiefer reicht bis unter den vorderen
Augenrand. Kopfschuppen klein, etwas lanzettlich, wie
bei der vorigen Art vertheilt. Stirn ohne Vorragung.
Körperschuppen kau m merklic h rauh. Seitenlinie
fast völlig gerade ; ihre Figuren bilden einfache schräg
aufsteigende Striche. Rückenstacheln mittel-
mässig, ziemlich nieder, nicht höher, als die Giieder-
strahlen. Die Strahlen der Afterflosse ein w^enig höher,
als die der Rückenflosse, ihr Rand schräg, fast senkrecht
abgeschnitten. Der 2. einfache Strahl der Brustflosse
ist der längste, aber nur um etwa Vc länger, als der längste
gespaltene, und reicht nur bis z urHöhe der Spitze
der Bauchflosse, welche unter der Mitte der Brust-
flosse beginnt, und den After nicht erreicht. Schwanz-
flosse tief ausgeschnitten, die äusseren Strahlen sind um
V2 länger, die Spitzen sind nicht sehr spitz.
Farbe: gelblich mit dunklen nebligen Querb i n den,
8 — 9 an der Zahl, die breit vom Rücken beginnen, und
meist etwas schräg nach vorn laufen; die 3., 4. und 5.
biegt sich bogig oder winklig nach vorn um und bildet je
einen mehr weniger zusammenhängenden Län g sstre if,
deren oberster dicht unter der Seltenlinie zum Auge, der
2. über der Brustflosse zum unteren Augenrand läuft.
Zur Fischfanna von Süd-Australien. 27
der 3. unvollkommenste und undeutlichste zieht sich eine
Strecke über dem Bauche hin. Die strahlige Rücken-
und die Schwanzflosse hat einige neblige dunkle Flecken,
und sie sind gegen den Rand zu dunkler. Die Säume
der Flossen, ausser der Brustflosse, weiss. Brustflosse
grüngrau, Bauch- und Afterflosse dunkel.
Grösse: 16 Cm. Queens cliff.
Diese Art steht der vorigen nahe, unterscheidet sich
aber durch Dimensionen, Strahlenzahlen, Farbe und vieles
andere.
Latris hehateia Rieh.
Hobson Bay. 40 Cm.
Triglidae.
Scorpaena panda Rieh.
Port Philip. 30 Cm.
So orpaena ambigua n. sp.
D. 12V8, A. 3/5, P. 20, C. 15, L. lat. 67, L. tr. V20,
Höhe 3^6; Kopf 3V2, Auge 3, Stirne P/ö — IVs» Schnauze
1^ Präorb. 2, 3. Rücken st. IV4, höchste Rückenstrahlen 2,
Schwanzfl. 6^/q.
Diese Art ist äussert ähnlich der Scorpaena pandus
Rieh., unterscheidet sich aber dadurch, dass die nackte
Occipitalgrube blos seitlich ist, während die
Mitte des Occiput nicht vertieft und wohl beschuppt ist,
wodurch diese Art den Uebergang zu der Gattung Se-
bastes, die also nicht streng abzuscheiden ist, bildet. Ferner
hat diese Art viel kürzere Brustflossen, welche
kaum bis zum Anfang der Afterflosse reichen (bei Sc.
pandus reichen sie bis zur Mitte derselben). Endlich sind
auch die Kopf schuppen offen, nicht so von Haut
bedeckt Im Uebrigen ist kein Unterschied. Beide Arten
haben viel Aehnlichkeit mit Pterois.
Farbe: bräunlich, dunkel gefleckt und marmorirt.
Gegen unten sind die Seiten heller, ungefleckt. Flossen
gräulich bis grünlich, Schwanzflosse hinten dunkler.
Hobson Bay. 40 Cm.
28 Klnnzinger:
Sebastes peraoides Rieh.
? Port Philip. 35 Cm.
Pentaroge marmorata C. V.
? Port Philip. 20 Cm.
Platycephalus tas^nanms Rieh.
? Port Phih'p. 30 Cm.
Platycephalus speculat o r a. sp.
Höhe 14, Kopf 4, Kopfhöhe 372 in seiner Länge,
Kopf breite IV2 in seiner Länge, Auge 4V2, Slirne
2, Präorb. 2, Schnauze IV2 > 1, 2. Rückenstachel 2 : 1,
Schwanzfi. 7, L. lat. 85, D. 77—12, A. 13, P. 17. Ist
sehr ähnlich dem Platyc. insidiator Fk., unterscheidet
sich aber durch viel grösseres Auge, daher engere Stirn
und niederes Präorbitalbein, sowie parallele Supraorbital-
leisten (bei jenen sind sie nach hinten convergirend).
Der Vorderrand der Zunge ist ferner hier lappig vor-
ragend (dort spateiförmig abgestutzt). Es finden sich
12 Rückenstrahlen (dort 13), und die Anzahl der Schup-
penreihen entsprechend der Seitenlinie ist geringer. Sonst
kein Unterschied, die Stacheln am Vordeckel wie dort,
es sind 2, wovon der untere ein wenig länger.
Farbe ist ebenfalls ein wenig verschieden, die Flossen
sind hier mehr gleichmässig grün als grau, nicht braun ge-
fleckt. Oberseite des Körpers röthlichbraun, unten weiss.
Grösse: 30 Cm. Hobson-Bay.
Trigla polyommata Rieh.
Hobson Bay. 35 Cm.
Lepidotrigla vatiessa Rieh.
Hobson Bay. 20 Cm.
Tracbinidae.
Kathetostoma laeve Bl. Sehn.
Hobson Bay; ? Port Philip. 40 Cm.
Zur Fischfauna von Süd-Australien. 29
Sillago punctata C. V.
Port Philip. 40 Cm.
Aphritifi ürvilUi C. V.
D. 7— 8Ao, A. 24—25 (Nach C. V. blos 6 Rücken-
stacheln). ? Hobson Bay, Murray-River. 25 Cm.
Sphyraenidae.
Sphyraena novae Hollandiae Gth.
Queens cliff. 35 Cm.
Dinolestes n. gen. ^).
Körper sehr compress, massig lang. Seitenlinie
nicht unterbrochen. Mund ziemlich weit, mit starken
Zähnen. Im Zwischenkiefer seitlich eine Reihe kleiner,
vorn gegen die Mitte zwei Paar starke Fangzähne hinter-
einander, im Unterkiefer eine Reihe conischer Zähne,
von denen jederseits die 2 — 3 hintersten sehr gross, und
entfernt stehend, sind. Die letzteren und die vorderen
Zwischenkieferzähne haben zum Theil Ersatz zahne
neben sich. Gaumenzähne klein, in schmaler Binde.
Vomer be zahnt, seine Zähne bilden eine jederseits
nach hinten in einen Schenkel verlängerte dreieckige
Gruppe. Auch hier zAvei Rückenflossen, wovon die 1.
schwachstachlige kurz, die 2. gliederstrahüge aber viel
länger ist. Noch länger, als diese, ist die After-
flosse. Die Bauch flössen weit v orn inserirt, gleich
hinter der Basis der Brustflossen. Schuppen ziemlich
gross, cykloid, abfällig, die der Seitenlinie haften fester
an. Kopf überall beshuppt. Schwanzflosse gabiig.
7 Kiemenhautstrahlen.
Diese Gattung, die sich eng an Sphyraena anschliesst,
unterscheidet sich von dieser sehr wesentlich. Die (von
Günther angegebene) Diagnose der Famile Sphyrae-
nidae ist etwas zu ändern, damit diese Gattung auch hier
eingereiht werden kann.
1) Von SeLVog schrecklich und Xrjar^g Seeräuber.
30 Klunzinger:
Dinolestes Mülleri i) Klz. (Tafel III.)
D. Vi5, A. 25, P. 16, V. 1/5, C. 17, L. lat. c. 70, L.
tr. c. 7i2, Höhe 5V4, Kopf 4, Breite 2V2, Auge 5, Stirne
lYö, Schnauze 2V3 ^ 1; Präorb. (am hintern Ende unter dem
Auge) 4, 2. Rückenst. 4, 2. Rückenfl. vorn 2, Schwanzfl. 6.
Körper compress, Kopfprofii gerade, Unterkiefer
stark vorstehend. Augen rund, ziemlich gross ; Stirne
und Schnauze in die Quere wenig gewölbt, ohne Längs-
leisten. JSasenlöcher dicht aneinander. Unterrand des
wenig abgegrenzten (dreieckigen ?) Fräorbitalbeines ge-
rade. Oberkiefer hinten schräg gerundet, aber ohne Ein-
schnitt, er reicht bis unter den vordem Augenrand, Vor-
deckelleiste deutlich, Kiemendeckel gegen oben rundlich
lappig vorgezogen. Die Figuren der Seitenlinie bestehen
in einem einfachen, ziemlich langen flachen Strich, Die
1. Rückenflosse kurz und nieder und schwach stachlig,
die 2. ist davon um die doppelte Länge der 1. entfernt,
und vorn mehr als doppelt so hoch als die 1., hinten
wird sie alimählig niederer; die 1. Rückenflosse beginnt
über dem hintern Drittel der Brustflosse, die 2. ziemlich
gegenüber der Afterflosse, letztere ist ähnlich der 2. Rük-
kenflosse, aber um mehr als die Hälfte länger. Die Brust-
flosse reicht bis zur Höhe der Mitte der 1. Rückenflosse,
die Bauchflossen entspringen nur wenig hinter der Basis
der Brustflossen und reichen fast soweit als die Brust-
flossen. Beide bleiben weit vom After entfernt. Schwanz-
flosse gegabelt, die äusseren Strahlen fast doppelt so lang,
als die mittleren.
Farbe: silbrig, oben schwärzlich. Flossen hell. Grösse
38 Cm. Hobson Bay.
Scombridae (et Carangidae).
Scomher janesaha Bleek.
Hobson Bay. 30 Cm.
1) Nach dem Freiherrn Dr. von Müller zu Melbourne, von
dem die Sammlung herrührt.
Zur Fiscbfauna von Süd- Australien. 31
Scomher tapeinocephalus Bleek.
Port Philip. 20 Cm.
Cyitus australis Rieh.
?. Port Philip. 30 Cm.
Zetis japomcus Krusenst.
Fundort ?, 30 Cm.
Tracnurus traöhurus Linne.
liobson Bay. 25 Cm.
Caranx georgianus C. Val.
Port Philfp, Hobson Bay. 25 Cm.
Clobiidae.
Eleotris cyprinoides C. Val.
Miuray-RIver. 5 Cm.
Callionymus calauropomus Rieh.
Port Philip. 20 Cm.
Cristiceps tristis n. sp.
Br. 6, D. V29/5, A. V24, P. 11, V. 3, C. 9, Höhe 5V2,
Kopf 4V2, Breite 2V2, Auge 5, Schnauze IV2 : 1, Stirne
IV4, 1- — 2. Rückenstr. (ohne Membran) 2, 1. Stachel der
2. Abtheilung der Rückenfl. 3, Gliederstrahlen IV2,
Schwanzfl. 6V2.
Körper länglich^ stark zusammengedrückt,
Kopfprofil fast gerade. Schnauze ziemlich lang, Lippen sehr
entwickelt, beide Kiefer gleich lang. In beiden Kiefern
und am Vomer eine Binde haarförmiger Zähnchen, die
Binde besonders vorn am Zwischenkiefer breit. Der
Oberkiefer reicht bis unter die Mitte des Auges oder
noch etwas weiter. Orbitalcirrus über der Mitte des
Auges inserirt, er ist etwas platt und hat einige kleine
Seitenästchen oder Franzen, und ist so hoch oder etwas
höher als das Auge. Nasencirrus klein^ röhrig
mit einem platten Lappen oben. Kopf und Nacken völlig
32 Klunzinger:
scbuppenlos und gLatt. Der vordere abgesetzte Theil der
Rückenflosse sitzt am Hinterhaupt über dem Vordeckel
und vordersten Theil des Kiemendeckels, er ist um ein
gutes höher, als der folgende, mit ihm durch die Mem-
bran verbundene Theil, der von ihm um die Länge des 1.
Abschnitts entfernt ist. Die Rückenstacheln sind ziemlich
kräftig und die Flossenmembran bildet je hinter ihrer
Spitze einen Lappen, besonders am 1. Abschnitt. Die
Flossenmembran zieht' sich vom hintersten Gliederstrahl
der Rückenflosse zur Basis der Schwanzflosse hin. Die
unter dem 9. Stachel des 2. Abschnitts der Rückenflosse
beginnende Afterflosse ist ein wenig niederer, als die
Rückenflosse; die Flossenmembran hinter ihrem letzten
Gliederstrahl ist nur klein und reicht lange nicht zur
Afterflosse. Die kurze, ziemlich hohe Brustflosse reicht
bis zur Afterflosse, ebenso der längste mittlere der drei
fadenförmigen Strahlen der Bauchflossen, der innerste
Strahl derselben ist nicht ganz halb so lang, als der mitt-
s-lere. Körperschuppen sehr klein, aber deutlich, lederartig,
glänzend, ganzrandig, meist nicht dachziegelartig deckend.
Die Seitenlinie, welche aus einfachen Strichen be-
steht, die von Strecke zu Strecke sich folgen, steigt vom
obern Ende der Kiemenöffnung horizontal oder leicht
gesenkt geradlinig bis etwa unter den 8, Stachel der 2.
Rückenflosse, steigt dann steil herab und läuft von
der Höhe des 10. — 11. Stachels an gerade horizontal in
der Körpermitte bis zum Schwanz. An dem absteigenden
Theil sind die Striche oft sehr undeutlich. Der Schwanz
ist sehr schlank, seine Höhe ist etwa Vß der grössten
Körperhöhe — Schwanzflosse schmal, leicht gerundet.
Farbe: gleichmässig schwarzbraun, Grösse 16 Cm.
Murray-River.
Von dem ähnlichen Cr. argentatus unterscheidet
sich diese Art durch 5 Rückenstrahlen, etwas höheren
Körper (dort ist die Höhe 5), höheren Orbitalcirrus und
gleich massige F-irbung. Doch wäre es möglich, dass
diese beiden Formen identisch wären.
Zur Fischfauna von Süd-Australien. 33
Clinus marm oratus n. sp.
R. br. 6, D. 44, A. 30, P. 13, V. 3, C. 10, Höhe 5
(vor dem After), Kopf 6, Breite 2, Auge 4, Stirn VJ2,
Schnauze 1, Präorb. 3, Rückenflosse vorn 5, hinten 2V2,
Schwanzfl. 8.
Körper lang gestreckt, compress. Kopfprofil para-
boh'sch, vorn an der Schnauze etwas mehr gekrümmt.
Schnauze stumpf, kurz. Zähne in beiden Kiefern vorn
in einer Binde seitlich in einer Reihe, sehr kurz und
stumpf. Voraer, nicht Gaumenbeine, bezahnt. Der
Oberkiefer reicht unter die Augenmitte. x\ugen mittel-
mässig, mit einem winzigen einfachen Cirrus an
ihrem oberen Rande. Stirnbrücke schmäler, als das Auge.
Kopf sammt Hinterhaupt völlig schuppenlos. Der übrige
Körper mit kleinen, wenig deutlichen, sich nicht decken-
den runden Schuppen, Von der Seitenlinie zeigt sich
nur der vor d erst e Tli eil, der bis zur Spitze der
Brustflosse gerade verläuft, dann die Tendenz zeigt, ab-
wärts zu steigen, aber sofort verschwindet. Sie hat die
Form dicht aneinander gereihter Längskiele. Die Rük-
kenflosse beginnt schon über dem Kiemendecke], die vor-
dersten biegsamen Stacheln sind die kürzesten und von
den andern nicht abgesetzt, erst hinter der Mitte
werden die Stacheln merklich höher, besonders die
5 vorletzten, welche indess ebenfalls ungetheilt
bleiben, hinten ist sie mit der Schwanz f los sen-
basis durch Membran verbunden. Afterflosse ähnlich,
ebenfalls mit blos einfachen biegsamen Stacheln, sie be-
ginnt etwa unter dem 14. Rückenstachel, die Membran
hinter ihrem letzten Stachel erreicht die Schwanzflosse nicht.
Brustflosse eiförmig, reicht nicht bis zum After. Bauch-
flosse mit drei ungetheilten Strahlen, von denen der mitt-
lere längste bis zur Mitte der Brustflosse reicht, der
äussere wenig kürzer, der innerste sehr kurz ist. Ihre
Insertion ist jugalar, dicht hinter der Kiemenhaut. Schwanz-
flosse länglich gerundet.
Farbe ; braun mit dunkleren Flecken marmorirt,
Kehle zuweilen weiss gesprenkelt. Flossen dicht schwärz-
Archiv f. Naturg. XXXVIII. Jahr^. 1. Bd. 3
34 Klunzinger:
lieh gesprenkelt, marmori'rt mit einigen helleren Stellen.
Brustflosse heller, dunkler gefleckt. Grösse 15 Cm. Port
Philip. Diese Art schliesst sich zunächst an an Clinus
cottoides 0. V. und despicillatus Rieh., ist aber ver-
schieden.
flugilidae.
Äther inich thy s esox n. sp.
D. 7Vii, A. Vi2; P. 12, L. lat. 45, L. tr. 8, Höhe 7,
Kopf 33/4, Auge 4, Schnauze IV2 : 1> Stirn 1, Präorb. 2,
2. Rückenst. IV2, Schwan zfl. 8.
Körper gestreckt, lanzettlich, ziemlich compress.
Kopfprovil gerade. Schnauze sehr vorgestreckt,
spitz, Zwischenkiefer sehr vorstreckbar mit langer Apo-
physe, die bis zur Augenmitte reicht. Kopf oben sonst
flach. Mund sehr schräg. Die Munds p alt e reicht blos
bis zur Mitte der Schnauze, der schmale, fast säbel-
artig gekrümmte Oberkiefer aber fast bis unter die Augen-
mitte. Eine schmale Binde kleiner, aber deutlicher, Zähn-
chen in beiden Kiefern, nicht weit nach hinten sich er-
streckend. Der weit hinten gelegene Vom er ist ge-
zähnt, nicht aber sind es die Gaumenbeine, Kopf be-
schuppt ? (die Schuppen dann ausgefallen ?). Schuppen
ziemlich gross, ohne deutliche Seitenlinie. Die 1. Rük-
kenflosse hat schwache, niedere Strahlen und beginnt
in d er K örp er rai tte (abzüglich der Schwanzflosse),
die 2. Rückenflosse ist von der 1. um die doppelte Länge
dieser letzteren entfernt und hat dieselbe Höhe und Länge,
die Afterflosse ihr ähnlich und gegenüber lie-
gend. Die Brustflosse reicht nicht ganz bis unter den
1. Rückenstachel, die Bauchflossen sind etwas vor der
Höhe der Spitze der Brustflosse inserirt und reichen fast
bis unter den letzten Rückenstachel, aber lange nicht
bis zum After; sie sind etwa um V4 kürzer, als die Brust-
flossen, Schwanzflosse gabh'g, die äusseren Strahlen der-
selben nicht ganz doppelt so lang, als die mittleren.
Farbe: oben dunkel, unten silbrig, mit breitem silbrig
blauen Längsband längs der Körpermitte. Grösse 14 Cm.
Port Philip.
Zur Fischfauna von Süd-Australien. 35
Diese Art stimmt mit keiner der bekannten Arten,
am nächsten noch steht ihr Atherinichthys jacksoniana
Q. Gaim.
Agonostoma Forstert Bl. Sehn.
Port Philip. Hobson Bay. 40 Cm.
Mugil gelatin 0 sus n. sp.
L. lat. 42, L. tr. 12, D. 4V8, A. Vs, P. 15, Höhe 51/2,
Kopf 5, Breite IV2, Auge 5, Stirn 2 : 1, Schnauze IV2 : 1,
Präorb. 2V4, 2. Kückenst. 2V5, Schwanzfl. 4V3.
Körper länglich, ziemlich compress. Kopfprofil vorn
an der Schnauze etw^as convex, Stirne in der Quere
wenig convex. Oberlippe massig hoch, ihre Höhe vorn
ist etwa 4V2nial im Auge enthalten, jede Hälfte desselben
ist um V4 länger, als das Auge, der Winkel, unter dem
die Hälften der Ober- und Unterlippe zusammenstossen,
ist ein stumpfer. An beiden Lippen eben noch mit blossem
Auge wahrnehmbare Cilien. Unterkieferknoten einfach.
Vomergrube tief, Präorbitalbein am Unterrand gerade,
nicht ausgeschnitten. Oberkiefer hinten sehr
schmal, nicht unter dem Präorbitalbeine versteck-
bar, erreicht nicht ganz unter den vorderen Augenrand.
Auge mit sehr entwickeltem vorderen und hinteren Lid,
und vor und hinter ihm eicie gelatinöse Masse. Die
Kehle zwischen den Schenkeln des Unterkiefers tritt als
länglich lanzettlichc Figur zu Tage. Deckelrand gleich-
massig bogig. Körperschuppen ansehnlich, alle mit Längs-
strichen, auch die Striche an den Seiten der Brust sind
wenig schräg. Der L Stachel der L Rückenflosse liegt
in der Körpermitte (abzüglich der Schwanzflosse), er ist
kurz und stark, die andern schlank und biegsam.
2. Rückenflosse wie die Afterflosse von Höhe und Länge
der 1. (wenn man die hinter dem letzten Stachel folgende
Membran hinzurechnet) und tief ausgerandet, die After-
flosse ist der 2. Rückenflosse etwas vorgerückt.
Brustflosse kurz, dreieckig, von IY2 Kopflänge, sie reicht
lange nicht bis unter die L Rückenflosse. Bauchflossen
nur wenig kürzer, als die Brustflossen, sie beginnen vor
36 Klunzinger:
deren Spitze und reichen bis unter den 2. oder 3. Rücken-
stachcl. Schwanzflosse tief gegabelt, die äusseren
Strahlen doppelt so lang, als die mittleren. Gabelspitzen
spitzig.
Farbe : wie gewöhnlich bei Mugil, oben grau, sonst
silbrig. Brustflosse gegen hinten schwärzlich, Hinterrand
aber hyalin. 2. Rücken- und Schwanzflosse gegen den
Rand dunkler. Grösse 45 Cm. ? Murray-River.
Am nächsten steht diese Art dem Mugil haemato-
chilus Schlgl., unterscheidet sich unter anderem durch
sein geradrandiges Präorbitalbein und seine tief gega-
belte Schwanzflosse.
Poiuacentridae.
Helia stes lividuh n. sp.
L. lat. 30, L. tr. IV2/I2, D. ^Vis, A. 2/15—16, P. 21,
Höhe 2V2, Kopf 41/3, Breite 2^4, Auge 8V2, Stirn 172:1,
Präorb. I72, Schnauze 1^/4 : 1, 5. — 7. Rückenstachel 4,
Schwanzfl. 472-
Körper eiförmig, Kopfprofil sehr convex. Mund
klein, wenig schräg ; beide Kiefer mit einer Reihe kleiner
conischer oft etwas stumpfer Zähnchen besetzt. Der
Oberkiefer reicht kaum bis zum vorderen Augenrand.
Am Kopf ist nur die Schnauze, der vorderste Theil
des Präorbitalbeins und der Rand theil des Vor-
deckels nackt. Körperschuppen gross. Die Seiten-
linie bildet einen Bogen, ist hinten dem Rücken näher
und hört unter der Mitte des gliederstrahligen Thciles der
Rückenflosse auf; die Figuren bestehen in leicht gewölbten
Längsstrichen, die in sehr kurze Zweige auslaufen. Die
Rückenstacheln massig stark, von den G 1 ieder s tra hl en
sind die mittleren die höchsten, um 72 höher, als
die höchsten Rückenstacheln. Afterflosse ähnlich, etwas
niederer, nur mit mehr gerundetem, nicht zugespitztem
Endrand. Beide Flossen sind hoch hinauf beschuppt.
Die Brustflossen reichen nicht ganz, die zugespitzten Bauch-
fiossen gerade bis zum After. Schwanzflosse gegabelt,
die äusseren Strahlen doppelt so lang, als die mittleren.
Farbe: grünlichbraun. Oberer Winkel der Basis
Zui- Fischfanna von Süd-Australien. 37
der Brustflosse schwärzlich, Spitze der Bauchflossen duakel.
Grösse 21 Cm. Port Philip.
Diese Art unterscheidet sich von allen andern be-
kannten durch die grössere Anzahl der Gliederstrahleu in
Rücken- und Afterflosse.
Labridae.
Lahrichthys tetrioa Richards.
Unsere Exemplare stimmen wohl mit der Beschrei-
bung von Richardson überein. An den Wangen finde
ich drei Reihen von Schuppen, gegen unten selbst noch
die Spur einer vierten. Günther gibt nur zwei Reihen
an, Richardson in der Voy. Ereb. u. terror drei, in
den Proceedings zwei Reihen, Die Exemplare von Ri-
chardson waren verfärbt^ wie auch bei einigen unserer
Exemplare. Bei nnsern frischen sieht man aber folgende
Färbung: Körper rosa oder graulich, oft mit einem dunklen
Fleck an jeder Schuppe, oder es sind deren Ränder
dunkel. Hinter der Brustflosse zeigt sich am Körper ein
breites schwärzliches, undeutlich umschriebenes
Qu er band, welches den Körper wie in zwei Theile
theilt. An weniger frischen Exemplaren ist dasselbe wenig
wahrnehmbar. Brust- und B a u c h f 1 o s s e sind hoch
gc\b, orange, un gefleckt, erstere hat ihre ganze Basis
schwarz gefärbt (bei nicht frischen Exemplaren ist
auch das wenig mehr deutlich). Die übrigen Flossen
sind orange roth und mit zerstreuten schwärzlichen Flecken
getigert, an der Afterflosse sind die Flecken mehr ver-
wischt. Einen schwarzen Endrand haben sie nicht. Ein
grosses Exemplar zeigt mehr die von Günther ange-
gebene Färbung, indem es sehr dunkle Rücken- und After-
flosse hat, ohne Fleckuug; auch die Schwanzflosse ist
ohne Fleckung. Offenbar sind das blosse Varietäten, von
denen man die eine etwa ti(j7'ipin?u's, die andere fusci-
pi'nnis heissen kann.
Odax semifasciahis C, Val.
? Hobson Bay. 25 Cm,
38 Klunzinger:
Odax Hyrtlii Stcindachn.
Murray-River. 20 Cm. Name: Stranger.
Odax halteatus C Val.
Port Philip. 15 Cm.
Cladidae.
Phy siculiis palmatus n. sp.
R. br. 7, L. lat. c. 120, L. tr. (unterhalb der 1. Rük-
kenfl.) c. 1^30, D. 756 (?); A. c. 50, Höhe 41/2, Kopf 4V2,
Auge 4 — 5, Stirne 1 — V/i : 1, Schnauze 1 — IV2 ; 1, Präorb.
2, 1. Rückenfl. 2—3, Schwanzfl. 8.
Körper länglich elliptisch. Kopfprofil leicht para-
bolisch. Am Kopf ist nur der vorderste Theil der Schnauze
nackt, das Präorbitalbein und Stirn beschuppt. Unterkiefer
zurückstehend. Am Kinn ein spitzer Bartfaden, kürzer oder
etwas länger, als das Auge. Der Oberkiefer reicht bis
unter oder etwas hinter den Hinterrand des Auges. In
beiden Kiefern eine ziemlich breite Binde gleich grosser
haarförmiger Zähnchen, keine an Gaumen und Vomer.
Die 1. Rückenflosse beginnt gleich hinter der Basis der
Brustflosse, die 2. ist von der 1. nur durch einen sehr
kurzen Zwischenraum getrennt und beginnt gegenüber
der Afterflosse. Schwanzflosse völlig getrennt, Bauchflosse
etwa von halber Kopflänge, so lang als die Brustflosse.
Ihre Basis ist schmal, aber flach, nicht stielförmig.
Schwanzflosse gerundet.
Farbe: bräunlich, Rücken-, After- und Schwanzflosse
braun gerändert. — 50 Cm. Port Philip, Hobson Bay.
Diese Art hat äusserste Aehnlichkeit mit Pseudo-
phycis breviusculus Richards., unterscheidet sich aber
durch die von der Basis flachen Bauchflossen, sowie durch
grössere Zahl der Schuppen an Seitenlinie und Qüer-
linie. Es ist indessen möglich, dass diese beiden Formen
doch gleich sind.
Gadopsidae.
Gadopsis marmoratus Rieh.
Murray-River. 15 Cm.
Zur Fischfauna von Süd-Australien. 39
Ophidiidae.
Ge7iy pterus tig erinus n. sp.
Höhe 8, Kopf 5, Auge 6V2, Stirne 1, Schnauze
IV*: 1, Präorb. c. 3, Höhe der Rückenflosse in der Kör-
permittc 2 in der dortigen Körperhöhe.
Körper schlank, lang gestreckt, hinten zugespitzt,
Kopfprofil fast gerade, wenig gesenkt, vorn an der sehr
stumpfen Schnauzenspitze fast senkrecht abfallend. Unter-
kiefer zurückstehend. Im Zwischenkiefer ist eine äussere
Reihe stärkerer, etwas entfernt stehender Zähne, und ein
inneres schmales Band haarförmiger. Im Unte rkief er
befindet sich eine äussere Reihe grösserer und eine in-
nere Reihe (nicht Binde) zerstreuter kleiner.
Vomer mit einer Grruppe kleiner, Gaumen-
beine mit einer Reihe ziemlich grosser Zähn-
chen. Der hinten hohe Oberkiefer reicht um halb Augen-
länge hinter das Auge. Körper und der grösste Theil
des Kopfes mit kleinen, von Haut bedeckten Schüppchen
besetzt, die Schnauze, Kiefer, Präorbitalbein und der vor-
dere Theil der Stirn von der Augenmitte an unbeschuppt.
Die Seitenlinie ist fu r chen a rtig, nicht sehr deutlich,
sie läuft fast gerade bis zur Körpermitte, biegt sich dann
abwärts und hört auf. Am Kiemendeckel, der nur rudi-
mentär beschuppt ist, zeigt sich hinten ein Dörnchen,
der Deckellappen dahinter ist mit der Schulterhaut ver-
wachsen und bildet damit eine Tasche. Die eine Rücken-
flosse beginnt über der Mitte der Brustflosse, sie ist hinter
ihrer Mitte am höchsten, die Afterflosse beginnt etwas
vor dem Ende ihres ersten Drittels. Schwanzflosse klein,
gerundet, mit Rücken- und Afterflosse verbunden. Die
am Glossohyalbein entspringenden Bauchflossen bilden j e
zwei bis nahe zur Basis getrennte Fäden, deren
äusserer um V2 länger ist, als der innere, etwas die Brust-
flosse an Länge übertrifft, und etwa Y2 so lang, als der
Kopf ist.
Farbe: braun, mit a nseh nlich en schwarzen Flek-
ken zerstreut getigert, Bauch heller. Flossen ähnlich, fein
hell gesäumt.
40 Klunzinger:
Diese Art steht dem Genypterus blacodes Forsi.,
MülL, Tschudi sehr nahe, und Ist vielleicht nicht davon
zu sondern. Die Farbe ist indess etwas anders, sowie
die Zähne, wie es scheint.
Pleuronectiilae.
Pseudorh ombus Mülleri n. sp.
D. 90, A. 73, V. 6, L. lat. 66, Höhe 2^4, Kopf 5,
Auge 4, Schnauze 1, Rkfl. 41/2, Schwanzfl, 7 1/2.
Körper eiförmig elliptisch, Kopfprofil convex. Zähne
nur in beiden Kiefern, in 1 Reihe, klein, ein wenig
ungleich. Maul schräg, Kiefer vorn gleich lang,
Oberkiefer länge 3 in der Kopflänge. Die Augen
dicht über einander, die Stirno linear, gräthig, das untere
Auge lie gt e twas vor. Der Durchmesser des vorderen
Bogens der Seitenlinie IV3 in der Kopflänge enthalten.
Dieser ist nicht halbkreisförmig, sondern mehr rhomboi-
disch, winklig. Die Rückenflosse beginnt etwas vor
dem Auge, die Strahlen sind etwa vom 10. —70. ziemlich
gleich hoch. Schuppen mittelmässig, gewimpert. Brustflosse
schmal, lV2in der Kopflänge enthalten, Bauchflossenlänge
fast 3mai in der Kopflänge. Die Rücken- und Afterflosse
nur durch einen kleinen Zwischenraum von der Schwanz-
flosse getrennt.
Farbe : gleichmässig düster, braun. 15 Cm. Hob-
son Bay.
Diese Art stimmt mit keiner der bekannten Arten,
am nächsten steht sie dem Ps. Russellii Gray.
RJiomhosolea monopus Gth.
Hobson Bay. 15 Cm.
Ammotretis rostratus Gth.
Port Philip, Hobson Bay. 20 Cm.
Siluridae.
Copidoglanis tandanus Mitchell.
Hobson Bay, Murray-Rivcr. 40 Cm. Name: Por-
cupine Fish.
Zur Fischfaima von Süd-Australien. 41
Galaiidae.
Qalaxias obtusus n. sp.
R. br. 6, D. 11, A. 14, P. 11, V. 7, Höhe 8, Kopf
7, Auge 4, Stirrie IV2 : 1, Schnauze 1, träorb. 2, Rkfl.
IV2, Schwanzfl. 7^4.
' Körper schlank, compress, mit wenig gekrümmter
Bauch- und fast gerader Rückenh'nie. Kopf wenig
länger, als der Körper hoch. Stirne breit, flach.
Schnauze stumpf, Maul etwas schräg, Kiefer gleich
lang. Eine Reihe kleiner Zähne in beiden Kiefern, an
den Gaumenbeinen und zwei Reihen auf der Zunge. Der
Oberkiefer reicht bis unter den vorderen Augen-
rand. Hinterrand des Kiemendeckels vertikal. Auge
ziemlich gross. Der ganze Körper nackt. Die Rücken-
flosse entspringt gleich hinter dem Anfang des hin-
teren Gesamratkörperdritteis, ge^-enüber der Afterflosse,
ist aber etwas kürzer und niederer, als diese. Beide
Flossen leicht gerundet. Der freie Theil des Schwanzes
ist von Länge der Afterflosse. Schwanzflosse leicht aus-
gerandet oder abgeschnitten. Die Bauchflossen stehen in
der Mitte zwischen vorderem Augenrand und Basis der
Schwanzflosse; die Brustflossen sind so lang, als sie, und
viel kürzer, als die Hälfte des Abstandes zwi-
schen Brust- und Bauchflosse.
Farbe : graugelb, gegen oben mit bogigen oder wink-
ligen dunkleren Schattirungen, die unter der Loupe fein
punktirt erscheinen. Grösse 12 Cm. Yarra Sagoon,
Am nächsten steht diese Art dem Galaxias macu-
latus Jen., aber die Dimensionen und Strahlenzahlen sind
etwas anders.
Galaxias r ostratus n. sp.
R. br. 6, D. 11, A. 14, P. 14, V. 7, Höhe 8V2, Kopf
5V2, Auge 4V2, Stirne IV2 : 1; Schnauze IV2 : 1, Präorb.
2, Rkfl. IV5, Schwanzfl. 8.
Körper sehr schlank, Kopf P/i^ial länger, als
d e r K ö r p e r hoch. Stirne breit, flach. Kiefer gleich
lang, mit je einer Reihe etwas hackiger Zähne, ebenso
42 Klunzinger:
Gaumenbeine, Zungenzähne in zwei Reihen. Auge
kürzer, als die Schnauze. Oberkiefer reicht fast
bis unter die Augenmitte. Körper und Kopf nackt
Die Rückenflosse entspringt im Anfang des hintern
Körperdrittels, ein wenig vor der Afterflosse ; sie ist
etwas kürzer, doch nicht niederer, als diese. Der freie
Theil des Schwanzes ist von der Länge der Afterflosse.
Schwanzflosse leicht ausgerandct. Die Bauchflossen stehen
in der Mitte zwischen der Basis der Schwanzflosse und
dem vorderen Augenrand. Die Brustflossen so lang, als
sie und viel kürzer, als die Hälfte des Abstandes zwischen
Brust- und Bauchflosse.
Farbe : gleichförmig braungelb, Flossen hell, üeber
die Basis der Schwanzflosse läuft ein dunkler Querstreif
oder Fleck. Grösse 13 Cm. Murray-River.
Diese Art steht den Galaxias scriba C. V. am näch-
sten, doch auch hier stimmen Strahlenzahlen und Dimen-
sionen nicht ganz überein.
Scopelidae.
Aulopus purpurisatus Rieh.
Murray-River. 50 Cm. Name: Gournard.
Scombresocidae.
Scombresox Forsieri C. Val.
Hobson Bay. 30 Cm.
Hemiramphus intermedius Cant.
Hobson Bay. 30 Cm.
(lonorrhynchidae.
Gonorrhynchus Greyi Rieh,
Hobson Bay. 20 Cm.
Clupeidae.
Engraulis heterolohus Rüpp.
Hobson Bay. 10 Cm,
Zur Fischfauna von Süd-Australien. 43
Chatoessus oome Rieh.
Murray- River. 30 Cm.
Symbranchidae.
Clnlobrmiohus dorsalis Rieh.
Murray-River. 8 Cm.
Sluraeuidae.
Ayiguilla australis Rieh.
Hobsoii Bay. 65 Cm.
Muraenichthys macropterus Bleck.
Port Philip. 40 €m.
Sclerodermi.
MonacantJius rudis Rieh.
Port Philip. 20 Cm.
Monaoanthus granulosus Rieh.
Port Philip. 20 Cm.
Monacantlms convexirostris Glinth.
Port Philip. Hobsoii Bay. 20 Cm.
Mo7iaca7ithus maculatus Rieh.
D. 30, A. 29. Unterscheidet sich von M. spilome-
lanuriis blos durch gerades oder leicht concaves oberes
Kopfprofil, durch etwas grössere Körperhöhe und einfa-
chere fleckige Färbung.
Port Philip. 5 Cm.
Ostraciontiuae.
Araca7ia aurita Shaw.
? Port Philip. 10 Cm.
Gymnodontes.
Diodoii maculatns Lac.
Port Philip. Hobson Bay. 15 Cm.
44 Klunzinger:
Atopomycterus nychthemeriis Cuv.
Murray-River. 15 Cm.
Tetrodon liichei Freminv.
Port Philip. 20 Cm.
Tetrodon Hamütoni Rieh.
Port Philip. Miuray-River. 15 Cm.
Syiignathidae.
Solenognathus spinosissimus Günth.
Port Philip. 35 Cm.
Syngnathus modestu^ Günih,
Port Philip. 10 Cm.
Htppoeampus abdominalis Lesson.
Port Philip. 20 Cm.
Hippocampus breviceps Peters.
Port Philip. 4 Cm.
Leptoichthys ßstularitis Kaup.
Port Philip. 40 Cm.
Phyllopteryx folialus Shaw,
Port Philip. 35 Cm.
Gastr 0 toheiis gräcilis n. sp.
D. 43, P. 13, Körperringe 19 + 60, Höhe 38, Kopf
5V2, grösste Körperhöhe IV3 in der grössten Körperbreite,
Rückenbreite 2 in der Bauchbreite, Schnauze 7 : 1 (und
V2 der Kopflänge), Schwanz 2V3mal länger, als der Rumpf
ohne Kopf.
Körper äusserst schlank, vorn depress, hinten com-
press und allmählich fast fadenförmig ausgezogen. Schnauze
lang, gerade, compress, etwa halb so hoch, als der Kopf
in der Augengegend; vom Kopf ist er nicht abgesetzt.
Die Stirne senkt sich allmählich gegen die Schnauze herab
bis gegen das ziemlich grosse Nasenloch, von da an trägt
Zur Fischfauna von Süd-Australien, 45
der Schnabel oben eine Längsfirste. Auge gross, es
nimmt fast die ganze Kopfhöhe ein. Stirne und Hinter-
haupt fast flach, runzlig; seitliche Occipitalleiste wenig
vortretend, aber einen verticalen Theil des Hinterhaupt-
schildes abtrennend. Ein kleines fast quadratisches
abgegrenztes Nackens c bilde h en macht sich oben be-
merklich, und daneben je die nach oben offene Kiemen-
Öffnung. Kiemendeckel doppelt so lang, als hoch
mit deutlicher Längs 1 eiste, sonst runzlig. Die Kanten
und Längsleisten der Schilder am Rumpf treten sehr
wenig vor, nur die Seitenschilder sind durch die De-
pression sehr schräg und haben eine vorstehende Leiste
oder Seitenlinie, welche am vorderen Theil des Schwanzes
allmählich sich verliert. Der Durchschnitt des Rumpfes
ist etwa quer elliptisch, der des Schwanzes gegen hinten
recht- und viereckig. Die Schilder sind runzlig bis netzig.
Rü cken f 1 osse sehr lang, sie beginnt am 11. Segment
des Rumpfes und hört am 9. des Schwanzes auf. Die
Bruttasche des Männchens reicht bis zum 17. Segment
des Schwanzes.
Farbe: braun. Obere Seite mit kleinen schwarzen
Punkten und Flecken. Untere Seite und der grösste
Theil des Schwanzes einfarbig braun.
Port Philip. 12 Cm.
Petroiuyzontidae.
Mordacia mordax Rieh.
Murray-River. 12 Cm.
Corcharüdae.
Galeits canis Rondel.
Murray-River. 25 Cm. Name: Yung sherk.
AcantJdas vulgaris Risso.
? Port Philip. 50 Cm.
Fristiophorus nudipinms Günth.
Port Philip. 80 Cm.
46 Klunzinger:
Rajidae.
JRaja Lamprieri Rieh.
Murraj-River. 40 Cm. (Gesammtlänge).
Baja dentata ^) n. sp.
Breite IV2 in der Gesammtlänge, Länge der Scheibe
(bis zum Ende der Basis der Brustflossen) IY3 in der
Scbeibenbreite, Schwanz fast so Lang, als die Scheibe,
Auge 12 in der Scheibenlänge, Stirne 1, Schnauze 3 : 1.
Scheibe unregelmässig rhombisch, ihre Länge (wenn
bis zum hintern abgerundeten Ende der Brustflossen ge-
messen) nicht viel geringer, als die Breite. Der Schnau-
zenwinkel ist stumpf und steht nicht vor. Die
vorderen Seiten der Brustflossen geradlinig, die hinteren
leicht gekrümmt mit abgerundetem Seiten- xmd
Hinter wink el. Augen mittelmässig, ihr Läng sd uro h-
messer gleicht der Breite der Stirne. Diese ist
conc av. Der Schnauzenknorpel schmal (seine Breite 3
im Auge) hinten gegen die Stirn verbreitert er sich.
Der Abstand der Nasenlöcher von einander gleicht ihrer
Entfernung von der Schnauzenspitze. Der Scheibenrücken
ist überall rauh durch sehr kleine Dörnchen. Stär-
kere Dornen finden sich folgende: eine Reihe längs
des Supercilienr andes in einem Bogen, eine Reihe
in der Mittellinie des Scheibenrückens bis zum Schwanz,
wo sie dann in abwechselnder unregelmässiger Doppel-
reihe stehen. Auch zeigen sich grosse Dornen auch an
den Seiten des Schwanzes, besonders am Anfange des-
selben. Eine Gruppe mittelmässiger Dörnchen liegt am
Schnauzenknorpel. Alle diese Dornen stehen auf keiner
aufi"allenden Basalplatte. Die Mundzähne stehen in 42
Längsreihen, und haben eine nichtsehr scharfe Spitze.
Die Nasenklappen sind am freien Theil ihres Hinterrandes
gefranst. Die Bauchflossen lang, ihr Aussenrand gebuchtet,
der vordere Theil desselben mit vorstehenden Zacken.
Schwanz sehr depress, seine Seitenränder mit einer leich-
1) Wegen der stark gezackten Bauchflossen.
Zur Fischfauna von Süd-Australien. 47
ten Hautfalte. Schwanzspitze compress, ohne deutliche
Schwanzflosse. Die beiden Rückenflossen, die dicht hinter
einander kurz vor dem Schwanzende liegen, sind gleich
lang, gleich hoch, gerundet. Der kurze Zwischenraum
zwischen diesen beiden Flossen trägt einige Dornen gleich
denen am übrigen Schwanzrücken.
Färbe : grau, unten weiss.
Port Philip. 50 Cm.
Diese Art stimmt mit keiner der bekannten Arten,
am nächsten steht sie der R. Lampieri Rieh.
Rhinidae.
Hhina sqtiatma Linne.
Hobson Bay. 25 Cm.
Die Metamorphose yod Bhypliiis piinetatus F, und
ßhyphus fenestralis Seop.
Vom
Forstmeister Tb. Beiing
zu Seesen am Harz.
Der Ausspruch P. Fr. Bouche's in der Einleitung
zu seiner Naturgescliiclite der Insekten, Berlin 1834, ,,die
Kenntniss der ersten Stände der Insekten liegt noch
sehr im Dunkeln'' gilt heute noch und es ist seitdem ver-
hältnissmässig wenig zur /Aufhellung solchen Dunkels
geschehen. Insbesondere sind es cauch die Zweiflügler,
deren Metamorphose noch vieler Aufklärung bedarf nnd
auffallender Weise kennt man von vielen dieser Insekten-
Ordnung angehörigen Arten, selbst solchen, die überall
häufig sind und mitunter massenweise auftreten, weder
die Larve und deren Lebensweise, noch die Puppe. Es
hat dies wohl seinen leicht erklärbaren Grund in dem
Umstände, dass exakte Beobachtungen über das vielfach
im Verborgenen dahinlaufende Leben und Treiben der
Insekten nicht blos viel Zeit und unverdrossene Beharr-
lichkeit, sondern auch ein gut Theil Glück insofern er-
fordern, als es dem Beobachter gelingen rauss, zur rechten
Zeit am richtigen Orte einzutreffen.
Seit mehren Jahren beschäftige ich mich während
meiner Waldbesuche und meiner dienstlichen Mussestun-
den eifrig und nicht ohne Erfolg mit Beobachtungen über
das Leben der Insekten, und sind es, soweit die Zwei-
Die Metamorphose von Rhyph. punctatus u. Rhyph. fenestralis. 49
flügler dabei in Betracht kommen, auch vorzugsweise die
Gattungen Sciara und ßibio, denen ich specielle Auf-
merksamkeit zugewendet habe, so ist es mir nebenbei doch
auch gelungen, die seither unbekannt gebliebenen früheren
Stände verschiedener anderen Dipteren zu erkunden. Be-
seelt von dem Wunsche zur Aufklärung der so höchst
interessanten Lebens- und Verwandelungs-Vorgängc in
der Insektettwelt nach Kräften beizutragen, beginne ich
hier die Veröffentlichung einer Reihe von Beobachtungen
mit dem Bemerken, dass sich die Mittheilungen nur über
meines Wissens Neuerforschtes oder über Vervollständi-
gung und Berichtigung älterer Beobachtungsresultate, wo
solche nöthig scheint, erstrecken, und selbstverständlich
der grossesten Sorgfalt und Zuverlässigkeit sich befleis-
sigen werden.
1. lihyphus punctatus Fabr.
Larve: 13 Mm. lang; 1 Mm. dick, elfgliederig,
fusslos, rund, nach beiden Enden hin etwas verdünnt,
hart, glatt, glänzend, weiss, jedes Glied mit einem breiten,
gebräunten, nur die Gliedereinschnitte verhältnissmässig
schmal freilassenden Bande rings umgeben, innerhalb
dessen unbestimmte heller und dunkler braune, meist in
die Länge gedehnte Zeichnungen wechseln. Die braunen
Zeichnungen innerhalb der gedachten Bänder der ersten
drei Glieder sind anfänglich erheblich dunkler, als dieje-
nigen in den Bändern der übrigen Glieder ; je näher die Zeit
der Verpuppung heranrückt, desto mehr gleicht sich dieser
Unterschied in der Färbung aber aus. Innerhalb der ge-
bräunten Bänder der ersten drei Glieder treten übrigens
auch ziemlich grosse kreisrunde ungefärbte Partieen als
helle Flecken hervor. Kopfschild gelbbraun, glänzend,
vierseitig, nach vorn verschmälert, etwas vor der Mitte
an jeder Seite mit einem kleinen schwarzen länglichen
augenförmigen Flecken, oben auf mit zwei braunen, nach
hinten convergirendcn und schliesslich ganz nahe zusam-
mentretenden, den Hinterrand nicht ganz erreichenden
schmalen Streifen oder Linien, unterhalb am Hinterrande
jederseits mit einem halbovalen; schwarzbraunen Flecke.
Arcliiv f. Naturg-. XXXVIII. Jahrg. 1. Bd. 4
50 Beling:
Ende des letzten oder Aftergliedes mit fünf in ein Fünf-
eck gestellten sehr stumpfen häutigen Spitzen oder Zähn-
chen endend und innerhalb derselben nach oben hin mit
zwei kleinen in einer Horizontallinie stehenden punkt-
förmigen schwarzen Stigmen.
Puppe: 7 — 8 Mm. lang, am verdickten und buckelig
hervorgehobenen Thorax 1^5 Mm., gleich hinter demselben
1 Mm. dick, rund, schlank, nach hinten allmählich ver-
dünnt, etwas glänzend, bräunlich gelb. Thorax mehr
oder weniger dunkel schwarzbraun verwischt gezeichnet,
resp. gefleckt, auf der Mitte der Oberseite unfern der
etwas erhabenen Mittelnaht jcderseits mit drei in einem
Dreieck stehenden Härchen, dahinter in einiger Entfer-
nung mit je einem stark nach hinterwärts gebogenen
Härchen; seitwärts am Thorax weit nach vorn hin noch
je ein Härchen und vor der durch eine erhabene Quer-
linie zwischen den beiden Augen gebildeten Stirnleiste
zwei von unten nach oben divcrgirende, an der Spitze
in der Regel nach auswärts gekrümmte Härchen. Hinter-
leib neunringelig, jeder Leibesringel mit Ausschluss der
ersten beiden und der letzten zwei mit je zwei Kränzen
kurzer, wie der Hinterleib bräunlich gelb gefärbten.
Dornen oder Stacheln umgeben, deren erster oder
vorderer jedoch nur halb an der Unterseite vorhanden
ist, während die Fortsetzung an der oberen Seite fehlt
und daselbst durch sechs Stacheln vertreten wird, welche
dergestalt ungleich vertheilt sind, dass die äusseren
zwei an jeder Seite näher bei einander stehen, als die
übrigen. Innerhalb der Stachelkränze enden einzelne
Stacheln mit nach rückwärts gerichteten, fast anliegenden
Wimperhaaren. Vorletzter Leibesring mit sechs Stacheln
an der Unterseite, von denen die äusseren die längsten
und stärksten sind. Letzter Leibesring an jeder Seite
nach vorn hin mit einem Stachel, am Ende mit vier in
einem Viereck stehenden Stacheln und innerhalb dieses
Vierecks mit vier kleinen gleichfalls In ein Viereck ge-
stellten Zähnchen. Bei der frisch ausgekommenen Puppe
jeder Leibesring auf der Mitte des Rückens mit ge-
schwärzter, nach vorn hin zugespitzter, den Vorderrand
Die Metamorphose von Rhyph. punctatus ii. Rhyph. fonestralis. 51
des Ringes nicht ganz erreichender Längslinie ; ausserdem
sind an den Gh'edern oder Leibesringen noch dunkle,
mehr oder weniger deuth'che, mitunter kaum in die Augen
fallende Längszeichnungen vorhanden, welche den Leibes-
zeichnungen der Larve entsprechen. Späterhin wird die
Puppe im Allgemeinen dunkler und mehr gleichförmig
braun, die Zeichnungen verschwinden bis auf die immer
deutlich hervortretende schwarzbraune Färbung des Tho-
rax. Von dem Kuhdung, in welchem die Larve lebt und
die Puppe sich ausbildet, bleiben immer mehr oder we-
niger zahlreiche feine Theilchen an derselben haften, so
dass dieselbe fast nie ganz rein erscheint.
Die Larven wurden von mir zuerst am 20. November
1870 in einem noch ziemlich frischen Kuhfladen auf einer
Angerweide in der Nähe der hiesigen Stadt gefunden
und waren damals noch nicht ganz ausgewachsen, mit
fast der ganzen Länge nach schwarzbraun durchscheinen-
dem Darminhalte. Im Frühjahre 1871 fanden sich die
Larven noch an mehreren anderen Stellen und mitunter
sehr zahlreich im Kuhdung des vorangegangenen Herbstes
auf dem Felde und auch im Walde. Am 19. April 1871
wurden in einem vorjährigen Kuhfladen innerhalb eines älte-
ren Fichten- oder Rothtannen-ßestandes die ersten Puppen
gefunden, aus denen, mit nach Haus genommen und in einem
kühlen Zimmer aufbewahrt, vom 24. desselben Monats an die
fertigen Insekten hervorgingen, während die im Monat März
nach Haus getragenen, in demselben Zimmer in ihrem Nah-
rungsmittel aufbewahrten Larven schon vom Beginne des
Monats April an fertige Insekten geliefert hatten. Zu Ende
des Monats Mai und im Anfange des Monats Juni, wo
es im Freien noch immer Larven im Kuhdung gab, dauerte
bei kühler Sommerwitterung den angestellten sorgfältigen
Beobachtungen zufolge die Puppenruhe 8 — 10 Tage.
Bis jetzt ist meines Wissens über die Metamorphose
von Rh. punctatus nichts veröffentlicht worden.
2. Rhyphus fenestralis Scop.
Larve: 15—17 Mm. lang, in der Mitte 1,2 Mm.
dick, walzig fadenförmig, nach dem Kopfende hin etwas,
52 Beling:
nach dem Afterende hin stärker spindelförmig verdünnt,
also in der Mitte am dicksten, vierzehngliederig, hart-
häutig, fusslos, nackt, glänzend, wasserhell, durchschei-
nend, die letzten drei Glieder kürzer und erheblich dün-
ner als die vorhergehenden, am Afterende mit einem
Kranze von fünf kleinen, weissen, häutigen, nach auswärts
gespreizten Zähnen versehen. Die Leibesglieder mit
breiten, mehr oder weniger intensiv rothbraunen Querbän-
dern rund umgeben, welche nur wenig von der weissen
Grundfarbe in einem schmalen Saume zunächst den Glie-
dereinschnitten frei lassen. Innerhalb dieser Bänder der
vorderen drei Leibesringe tritt die rothbraune Färbung
am dunkelsten In verschiedenen unbestimmten Zeichnun-
gen auf; in den blasseren Binden der übrigen Leibes-
ringe machen sich dunklere Längsstreifen bemerkbar.
Noch nicht ausgewachsene oder zur Verpuppung noch
nicht fertige Larven sind in der Regel bis auf die dunkler
gezeichneten vorderen drei Leibesringe gelblich oder
schmutzig fleischfarben. Kopfschild vierseitig, nach vorn
verschmälert, hinten gerade abgestutzt, hornig, schmutzig
gelb, glänzend, am Hinterrande fein schwarz gesäumt,
etwas vor der Mitte an jeder Seite mit einem kleinen
punktförmigen, augenähnlichen schwarzen Flecke.
Puppe: 8 Mm. lang, am Thorax 1,8 Mm., hinter
demselben 1,3 Mm. dick, neungliederig, nach Iiinten etwas
spindelförmig verdünnt, gelbbraun. Scheiden etwas heller,
bis zum Ende des dritten Gliedes reichend. Kopfende
schräg von oben nach unten abgestutzt. Rückenschild
etwas buckelig hervorgehoben, vorn an jeder Seite mit
einer seichten Grube und unterhalb dieser mit einem ohr-
förmigen Vorsprunge, in der Mitte, resp. der hinteren
Hälfte mit einigen (meist vier) nach rückwärts gerichteten,
mitunter fast anliegenden Haaren an jeder Seite neben
der als eine erhabene Linie hervortretenden Rückennaht ;
in der Mitte der oberhalb der Augen sich scharf marki-
renden horizontalen Stirnkante mit zwei längeren, nach
oben hin divergirenden Haaren. Dritter bis achter Leibes-
ring am hinteren Rande auf erhabener Linie mit einem
zierlichen Stachelkranze umgeben, innerhalb dessen ein-
Die Metarnorphose von Rbyph. punctatus u. Rhyph feuestralis- 53
zelne Stacheln stärker hervortreten; am vorderen Rande
der Leibesringe auf der Bauchseite sechs in einer Reihe
stehende kurze Dornen oder Stacheln, von denen die
äussersten zwei an jeder Seite die stärksten und unter
sich durch kleinere Zw^ischenräume getrennt sind als der
zweite vom dritten, der dritte vom vierten und der vierte
vom fünften Dorne, deren Entfernungen der angeführten
Reihenfolge nach sich ziemlich gleichen. Letzter Leibes-
ring mit vier starken, rundum gestellten Dornen und
innerhalb dieser am After mit vier schwächeren, in einem
Viereck stehenden Dornen, von denen die oberen zwei
kürzer sind als die unteren beiden.
Larven und Puppen fand ich am 17. September 1870
an und in faulen Steckrüben und Kartoffeln, welche
einige Wochen zuvor aus dem Keller geholt und auf die
Miststätte geworfen waren. Am 3. Oktober sass an den
Rüben auch ein Image von Rhyphus fenestralis und führte
sofort auf die Vermuthung, dass die vorhin beschriebenen
Larven und Puppen dieser Mücke angehörten, was sich
denn auch später bestätigte, indem sich aus den in Ver-
wahrung genommenen Puppen noch viele Mücken der
genannten Art entwickelten.
Am 8. Mai 1871 wurden in einem kleinen Fasse
mit angefaulten Kartoffeln, welches den vorangegangenen
Winter hindurch im Keller gestanden hatte, wiederum
ausgewachsene Larven und Puppen, so wie auch Puppen-
hüllen, denen die Imagines im Frühjahre bereits ent-
schlüpft w^aren, gefunden. Ein Theil dieser Kartoffeln
wurde den Sommer hindurch in einem grossen Blumen-
topfe unter Gesträuch im Garten aufbewahrt. Um die
Mitte des Monats August waren in den Kartoffeln viele
ausgewachsene Larven und auch einzelne Puppen vor-
handen. Von da bis zum Schlüsse des gedachten Monats
angestellte vielfache und sorgfältige Beobachtungen er-
gaben die Dauer der Puppenruhe zu 6 — 10 Tagen. Die
Generation ist unzweifelhaft eine mehrfache und min-
destens eine doppelte.
Die Larven des Rhyphus fenestralis unterscheiden
sich sogleich von denen des Rhyphus punctatus durch die
54 Bclmg: Die Metamorphose v. Rh. punctatus u. Rh. feneetralis.
bei letzterem um drei grössere Anzahl der Körperab-
schnitte oder Glieder und durch den bei diesem nach
hinten hin in den letzten drei Gliedern stark verschmä-
lerten Leib. Die Angabe Bouche's in seiner Naturge-
schichte der Insekten, 1. Lieferung, Seite 43, dass das
Aftersegment bei der Larve von Rh. fenestralis mit zwei
kurzen Fleischspitzen ende, ist nicht zutreffend, auch ist
die von der Larve gegebene Abbildung auf Taf. III,
Fig. 20 insofern nicht richtig, als dieselbe ausser dem
Kopfe zwölf Leibesabschnitte zeigt, während in Wirklich-
keit deren vierzehn vorhanden sind.
Weitere Unterscheidungszeichen der Larven sind
die im Allgemeinen rothbraune Zeichnung und Färbung
bei Rh.' fenestralis und die mehr schwärzlichbraune bei
Rh. punctatus.
Sechs neue Taenien.
Von
Dr. 0. ?on Linstow
in Ratzeburg.
Hierzu Tafel IIL
1. Taenia pachyeephala n. sp.
In Anas histrionica fand sich diese Art, einer Ente
die nur höchst selten im Winter auf dem hiesigen See
vorkommt; ein Mal nur habe ich dieselbe von Fischern
erhalten, die das Exemplar tout auf dem Eise gefunden
hatten. Die Taenie ist sehr zart und klein, 10—12 Mm.
lang, grösste Breite 0,5 Mm. Der Scolex ist beträchtlich
verbreitert, von dreieckiger Form, und schon mit blossem
Auge als punktförmiger Körper sichtbar; das Rostellum
ist in einen langen Hals ausgezogen und die Saugnäpfe
sind scheibenförmig und auflPallend gross. Die Girren,
0,2 Mm. lang und mit nach der Basis gerichteten Borsten
besetzt, stehen einseitig, und sind im Verhältniss zur
Grösse des ganzen Thieres von so bedeutenden Dimen-
sionen, dass die Taenie schon dem unbewaffneten Auge
einen gleichsam rauhen Eindruck macht, die Zahl der
Haken ist 10, ihre Länge beträgt 0,049 Mm., und haben
dieselben in Form und Grösse Aehnlichkeit mit denen
der Taenia sinuosa Zeder (Krabbe i) tab. YII, fig. 152),
welche auch 10 Haken und lange Girren besitzt, welche
letzteren aber (ibid. fig. 153) von denen unserer Art
durchaus verschieden sind, wie auch bei jener Art der
Scolex ganz anders gebaut ist,
1) Krabbe, Bidrag til Kundskab om Fuglenes Baendelorme
56 V. L i n s 1 0 w :
2. Taenia puncta n. s"p.
In ungeheurer Menge fand ich diese Taenie bei Cor-
vus corone und in einzelnen Exemplaren bei Corvus ne-
bula, die wohl nur eine Varietät ersterer ist. Der Scolex
ist queroval, ebenso die Saugnäpfe, und ist jener nur
wenig breiter als der folgende Proglottidenkörper, so
dass ein sogenannter Hals fehlt. Die Länge der glänzend
weissen Taenie beträgt bis zu 60 Mm., die grösste Breite
2 Mm. Die Zahl der Haken ist 20, und zwar finden
sich 2 Reihen von je 10 von verschiedener Grösse und
Form; die kleineren messen 0,034 Mm., die grösseren
0,04 Mm. Die Geschlechtsöffnungen stehen abwechselnd,
jedoch nicht ganz regelmässig, so dass mitunter 2 auf
einander folgende nach derselben Seite sehen. Der
Cirrusbeutel ist eiförmig, und ist ohne Vergrösserung
als weisser Punkt in den Proglottiden abwechselnd links
und rechts sichtbar.
3. Taeiiia pigmentaia n. sp.
Der Wirth dieser grossen, bis 250 Mm. langen und
1 Mm. breiten Taenie ist Anas marila. Der Scolex hat
an seiner Basis keine Einschnürung, aber etwas weiter
nach hinten verschmälert sich der Körper, um dann wieder
ganz allmählich an Breite zuzunehmen. Der innere Rand
der Saugnäpfe ist mit schwarzem Pigment versehen, was
ihnen ein characteristisches Aussehen giebt. Die Haken,
10 an der Zahl und 0,047 Mm. lang, sitzen auf einem an
der Spitze knopiförmig angeschwollenen Rostellum, und
sind von schlanker, grader Form, fast ohne Hebelast.
4. Taenia cuneata n. sp.
In Gallus domesticus findet sich diese eigenthüm-
liche Species, die nur 2 Mm. lang; und 1 Mm. breit ist, wo-
rin sie mit der Taenia proglottina Davaine, die auch im
Haushuhn lebt, verwandt ist, deren Länge nur 1 Mm.
beträgt. Während diese Art aber 80 Haken führt, zeigt
unsere deren nur 12, die von sehr graziöser Form sind
und eine Länge von 0,032 Mm. haben. Der Körper der
Taenie ist, da die Proglottiden nach hinten beständig an
Sechs neue Taenien. 57
Breite zunehmen, keilförmig, und findet man ziemlich
constant die Zahl von 12 Proglottiden; im letzten Gliede
sind die Eier als reif zu erkennen, während am 6 — 10. Gliede
die sehr kleinen, etwa 0,01 Mm. langen, abwechselnd
rechts und links gestellten Girren sich zeigen, die am
vorderen Rande des Gliedes stehen, das an der betreffenden
ötelle etwas vorgewölbt ist. Der Scolex ist wenig auf-
getrieben, und die Öaugnäpfe sind längsoval.
5. Taenia parviceps n. sp.
In Mergus serrator lebt diese 110 Mm. lange und 2
Mm. breite Taenie. Der sehr kleine Scolex ist queroval,
ebenso die Saugnäpfe. Die winzigen Häkchen sind 0,012
Mm. lang, und erreicht der Hcbelast die Länge des Ha-
kenastes, während der Wurzelast sehr klein und schmal
ist. Die Haken sind so klein, dass man sie bei schwachen
Vergrösserungen, während der Scolex unverletzt ist,
leicht übersieht. Die Geschlechtsöffnugen sind einseitig,
an's Yorderende jedes Gliedes gestellt.
Hieran darf ich eine Beschreibung von
Taenia naja Dujardin
aus Sitta europaea fügen, w^eil diese Art in Krabbe's
vorzüglichem Werke fehlt, und aus den D iesing'schen
Diagnosen nicht viel zu machen ist. Die schön gedornten
einseitig gestellten Girren erwähnt bereits Dujardin^);
die Form der Haken, deren Zahl ich nicht angeben kann,
weil das Rostellum unvollständig besetzt war, doch ver-
muthe ich, dass es 10 sein werden, ist eine eigenthümlich
langgestreckte, und zwar ist es der Wurzelast, der so
verlängert ist; die Länge des ganzen Hakens beträgt
0,052 Mm.
6. Taenia hepatica n. sp.
In der Leber eines Warmblüters ist bisher noch
keine Taenie gefunden worden, um so interessanter war
es mir daher, aus Gysten der Leber von Mus decumanus
1) Histoire natur. d. Helm. 570, tab. IX, 1. 2,
58 V. L in stow: Sechs neue Taenien.
einige bis 56 Mm, lange und 4 Mm. breite Bandwürmer
herauszubefördern, die im äusseren Habitus etwas der
Taenia crassicoliis gleichen. Sie haben einen doppelten
Hakenkranz von je 17 Haken, die 0,278 und resp. 0,389
Mm. lang sind; diese 34 Haken sind sehr gedrungen,
und ist das Ende des Hakenastes auffallend stumpf.
Beiderseits geht durch alle Glieder ein Längsgefäss von
grossem Lumen, dessen Wandungen weisslich durch-
scheinend schon mit blossem Auge gesehen werden.
Trotz der Körpergrösse zeigt sich von einer Geschlechts-
entwicklung keine Spur, die hier auch unnütz wäre, da
die Eier doch nicht nach aussen kommen könnten, und
halte ich die Thiere für Taenienlarven, also für Formen,
die in ihrer Entwicklung den Cysticerken entsprechen,
woran, wenn auch diese Art der Entwicklung speciell
für Taenien bisher noch etwas Unerhörtes ist, doch zu
denken wohl erlaubt ist, besonders in Hinblick auf die
verwandte Art Triaenophorus nodulosus, deren Larven
sich in ähnlicher Form, in genau solchen Cysten und in
derselben Entwicklung in der Leber des Barsches, des
Stichlings u. s. w. finden. Den Namen Taenia hepatica
schlage ich daher nur als einen provisorischen vor, da
die entwickelte Taenie wahrscheinlich in der Katze, dem
Hunde, dem Iltis, Wiesel u. s. w. zu suchen sein wird.
Erklärung der Abbildungen.
Fig. 1- Vergrösserung 90. Haken von Taenia hepatica.
» 2. Vergr. 90. Girren von Taenia pachycephala.
» 3. Vergr. 90. Scolex von derselben.
» 4. Vergr. 500. Haken von derselben.
» 5. Vergr, 90. Scolex von Taenia puncta.
» 6. Vergr. 50. Haken von derselben.
i> 7. Vergr. 90. Scolex von Taenia pigmentata.
i 8. Vergr. 500. Haken von derselben.
» 9. Vergr. 90. Scolex von Taenia cuneata.
» 9a. Natürliche Grösse derselben Tänie.
» 10. Vergr. 500. Haken von derselben.
» 11. Vergr. 90. Scolex von Taenia parviceps.
» 12, Vergr. 500. Haken von derselben.
» 13. Vergr. 90. Scolex von Taenia naja.
> 14. Vergr. 500. Haken von derselben.
Heber die Fortpflaiizuugsorgane der Aale. ^
Von
G. Balsamo €ri?elli und L. Maggi.
üebersetzt aus den Memorie del R. Istitiito Lombardo di scienze
e lettere Vol. XII, p. 229. Milano 1872.
Aristoteles war der erste, welcher behauptete, dass
sich die Aale aus dem Schlamm erzeugen ; Andere meinten,
sie erzeugen sich aus der Verwesung von Leichen, oder
aus dem Detritus ihrer Haut, die sie durch das Reiben
gegen die Felsen abgestossen haben. Einige meinten,
da sie in verschiedenen oviparen Fischen kleine faden-
förmige Würmer beobachtet hatten, aus diesen entständen
die Aale. Diese Meinung scheint sehr verbreitet zu sein,
und ist noch die im Volke herrschende. Fast alle ein-
heimischen Fischer halten daran fest, dass je nach dem
Fisch, aus welchem die Aale hervorgehen, deren Varietät
entstehe, mit eigenen unterscheidenden Charakteren. Nicht
allein die Fischer des Sees von Orta, der durch die
Menge der Aale berühmt ist, sondern auch die von an-
deren Gegenden, meinen, dass die Fische, aus denen die
Aale entstehen, seien: die Forelle, die Schleihe, Piota
oder Scardola. Sie versichern, dass aus der Forelle die
Aale hervorgehen, welche eine grössere Dicke errei-
chen, und bei denen der Bauch weiss ist, wogegen die
aus der Schleihe entstehenden eine gelbe, und die aus
der Scardola eine weissliche Unterseite haben.
Viele andere Autoren schliessen aus der Beobach-
tung, dass sich in dem Körper der Aale häufig kleine
60 Crivelli und Maggi:
Würmer finden, das die Aale vivipar seien, ohne dass sie
sich jedoch der Mühe unterzogen hätten, das Organ an-
zuzeigen, in welchem solche Junge sich gebildet haben
könnten, zumal da es schon bekannt war, dass im Ab-
domen der Aale Parasiten häufig sind, und besonders
Ascaris labiata.
Der erste Schriftsteller, welcher die Geschlechts-
organe des Aales< beobachtet zu haben glaubte, war
Leu wenhoek, und er veröfi'entlichte seine vermeintliche
Entdeckung in seinem Werke : Arcana naturae. Aber
nach genauer Prüfung kann man sich überzeugen, dass
das von Leu wenhoek für das Ovarium gehaltene
Organ, nach der von ihm selbst angegebenen Lage,
nichts anderes ist, als die Schwimmblase. In diesem Or-
gane sah^Leuwenhoek kleine fadenförmige Wiesen von
der Dicke eines Haares, welche er für die Jungen des
Aales hielt. Aber nicht Leuwenhoek allein war es,
der die Parasiten für junge Aale nahm, wir nennen unter
andern Endes Des Longchamps und Joannis.
Nach Leuwenhoek behauptete Vallisnieri die
weiblichen Geschlechtsorgane des Aales gefunden zu haben.
Seine vorgebliche Entdeckung wurde zuerst der Academie
zu Bologna im Jahre 1710 mitgetheilt, und im Jahre
1712 in den Ephemeriden der Leopoldinischen Academie
der Naturforscher veröffentlicht. Die Bologneser Anatomen
zweifelten an der Richtigkeit der Entdeckung des Vallis-
nieri, und Valsalva meinte, dass der vermeintliche Uterus
die krankhaft afficirtc Schwimmblase sein möchte, welche
den Anschein gewähre, als wenn sie Eier enthielte.
Die Bologneser Professoren Monti und Mondini
hatten im Jahre 1783 Gelegenheit, einen Aal zu unter-
suchen, der dieselbe Erscheinung zeigte wie sie von Val-
lisnieri beobochtet war, und publicirten ihre Beobach-
tung in den Atti dell' Academia di Bologna. Monti
veröffentlichte in diesen Atti seine Abhandlung De anguil-
larum ortu et propagatione, und erörterte, was seit Ari-
stoteles bis auf seine Zeit veröffentlicht war; und der-
selbe Monti veranlasste den Professor Mondini, den
oben erwähnten Aal zu untersuchen. Mondini that dar,
Ueber die Fortpflanzungsorgane der Aale. 61
dass das vorgebliche Ovarium, beschrieben von VaUis-
nieri, nichts anderes war, als die Schwimmblase In
einem pathologischen Zustande. Durch die Untersuchung
des in Rede stehenden Aales wurde Mondini angeregt,
die Anatomie des Aales genau zu studiren. In seiner
Abhandlung De anguillae ovarlis ist die anatomische Be-
schreibung, welche er davon gab, sehr genau und von
guten Abbildungen begleitet. Obgleich Siebold be-
hauptet, der erste, welcher die weiblichen Geschlechts-
organe des Aales richtig beschrieben habe, sei 0. F.
Müller gewesen, ist die Beschreibung von Müller
doch unvollkommen, und Mondini konnte nicht die
Abhandlung von Müller gekannt haben, der sich be-
sonders mit Eingeweideüwürmern beschäftigte. Die Ab-
handlung des Professor Mondini ist lateinisch geschrie-
ben, und in den Acten einer sehr renommirten Academie
veröffentlicht; trotzdem wird sie niemals von den Au-
toren citirt, die über denselben Gegenstand geschrieben
haben. In der That bemerken wir, dass die Autoren,
welche über den Aal geschrieben haben, noch in der
jüngsten Zeit, Rathkc die Entdeckung der weiblichen
Geschlechtsorgane zuschreiben, obgleich das was Rathke
beschrieb, vollkommen mit dem übereinstimmt, was Mon-
dini vierzig Jahre früher publicirt hatte.
Der Autor, welcher sich nächst Mondini mit der
Naturgeschichte der Aale ausführlich beschäftigt hat,
war Spallanzani. Er hat zwei Arbeiten über die Aale
1792 veröffentlicht, etwa 10 Jahre nach der Publication
von Mon dini.
In der ersten Schrift beschreibt Spallanzani die
Thäler des Comacchio und deutet die klimatischen, den
Aalen schädlichen Umstände an; und da er von den
Vögeln spricht, die sie sich zur Beute machen, wirft er
die Frage auf, ob es mehrere Species von Aalen giebt;
und schliesst damit, dass er es einem erfahrenen und
selbst prüfenden Naturforscher überlässt, die Frage zu
beantworten. Hierauf versichert er, dass nach eingezo-
genen Erkundigungen niemals Aale gefunden werden,
die mit Eiern versehen sind oder Foetus enthielten.
62 Crivelli uud Maggi:
In der zweiten Schrift beschäftigt sich Spallan-
zani mit der Frage: „ob die Aale sich im süssen Wasser
oder im Meere fortpflanzen/ und bleibt durchaus dabei,
dass ihre Fortpflanzung im Meere stattfinde. Bei Be-
handlung der Frage, „ob die Aale ovipar oder vivipar
seien," deutet er auf die vermeintliche Entdeckung von
Leuw^enhoek und von Vallisnieri hin, und kommt
dann auf die Abhandlung von Mondini zu sprechen,
und sucht die Beobachtungen des Professors von Bologna
zu bestreiten, die sich auf die Entdeckung der Repro-
ductionsorgane der Aale beziehen. Die in dieser Ab-
sicht von Spallanzani gemachten Bemerkungen sind
jedoch nicht der Art, um Mond in i das Verdienst zu
nehmen, in den Franzen, welche er beschreibt, die wahren
Ovarien erkannt zu haben, und in der That bestätigen
die neueren Entdeckungen die des Mondini.
Weiter setzt Spallanzani, nachdem er über die
Meinung von Redi berichtet hat, nämlich dass die Aale
niedersteigen, um sich ihres Samens im Meerwasser zu
entledigen, seine eigene Ansicht auseinander, mit folgenden
Worten: „Wenn ein süsses Gewässer, sei es ein Graben,
ein Sumpf, ein Teich nicht unmittelbar oder vermittels
irgend eines Flusses mit dem Meere communicirt, dann
ist es gewiss, dass es niemals von Aalen bewohnt wird,
und dass wenn mau einige hinein setzt, sie wohl an
Volumen und Gewicht zunehmen, aber ohne sich jemals
zu vermehren."
Im Jahre 1803 veröffentlichte Carlo A mor e tti seine
Beobachtungen über Aale, bei Gelegenheit des Fanges
eines Aales in einem Kanäle der W^iesen von Desio. Amo-
retti kannte die Abhandlungen von Mond ini und Spal-
lanzani, und machte in Folge der Versicherung des
Letzteren, dass Mondini sich in der Deutung der weib-
lichen Organe geirrt haben würde, die Anatomie. Amo-
retti kündigt an, dass er einen weissen, mehr als einen
Zoll langen und etwa zwei Linien breiten Körper ge-
funden habe, welcher an der Oberfläche mit Kügelchen
bestreut war; diese hält er für Eier. Er giebt eine Ab-
bildung von diesem Organ. Aber sowohl aus der Be-
lieber die Fortpflanzungsorgane der Aale. 63
Schreibung wie aus der Figur kann man nicht wohl er-
sehen, welches Organ er zu beschreiben beabsichtigt, und
vielleicht hat auch er, wie Vallisnieri, eine krankhafte
Erscheinung unter den Augen gehabt.
Amor et ti beschäftigt sich auch mit der Frage, ob
alle Aale wegen der P'ortpflanzung ins Meer wandern.
Er untersucht die Verhältnisse des Ausflusses sowohl des
Sees von Orta, wie des Sees von Civote, und des Sees von
Oggionno, Verhältnisse durch welche die Aale nicht durch
die Ausflüsse zum See aufsteigen können, und ist geneigt
anzunehmen, dass die Aale sich in den genannten Seen
fortpflanzen. Die Meinung Amoretti's, dass die Aale
sich nicht immer zur Fortpflanzung ins Meer begeben,
verdient bestätigt zu werden.
Es ist gewiss, dass viele unserer kleinen Seen, welche
doch Aale enthalten, Ausflüsse haben, durch welche das
Aufsteigen dahin schwierig ist. Zu denen, von welchen wir
wissen, dass das Aufsteigen der Aale Schwierigkeit dar-
bietet, obgleich sie Aale in Menge enthalten, gehören
ausser den von Amoretti citirten noch die von Sarti-
rana bei Merate und von Brinzio in Valcuvia.
Von 1803 bis 1824 ist nichts von einer Publication
über die Reproduction der Aale bekannt geworden.
Rathke in seinem Werke „Beiträge zur Naturgeschichte
des Thierreichs" hatte schon viele Rücksicht auf den
weiblichen Geschlechtsapparat der Aale genommen. Die
Richtigkeit seiner Beobachtungen wurde durch neue
Studien im Jahre 1838 vollkommen bestätigt. In dieser
Abhandlung bestätigt er seine Ansicht, die beiden langen
gefranzten seitlichen Körper seien die Eierstöcke der
Aale. Seine Beschreibung dieser Organe stimmt voll-
ständig mit dem überein, was Mondini in seiner Ab-
handlung sagt und abbildet. Die Bestätigung, dass die
gefranzten Körper die Ovarien seien, erhärtete Rathke
von neuem in einer Note 1850 in Müller's Archiv für
Anatomie.
Die Ansichten und die Beobachtungen von Rathke
waren schon seit 1842 durch Hohnbaum-Hornschuch
bestätigt, der eine gute Figur der genannten gefranzten
64 Crivelli und Maggi:
Körper gab; in welchen er deutlich die Eier beobachtete.
Derselbe behauptete, dass zusammen mit den Eiern, in
den gefranzten Körpern Nuclei und Nucleoli vorkämen,
von denen er glaubte, dass sie den Hoden repräsentirteu.
Eine ähnliche Meinung hatte auch 1848 Schleusser
geäussert, der jedoch erklärte, er könne noch nicht mit
Bestimmtheit die Existenz eines männlichen Apparates
bei den Aalen behaupten. Andere Autoren, unter denen
Owen, hielten es für möglich, dass die Aale zwitterig
sein könnten, eine Meinung^ die mit Zweifel auch schon
von Spallanzani geäussert war. Siebold scheint
ferner geneigt anzunehmen, es könne bei den Aalen eine
Vermehrung durch Parthenogenesis stattfinden ; aber dafür
fehlt der Beweis.
Aus allem dem Vorhergehenden geht also hervor,
dass, wenngleich bis jetzt die weiblichen Geschlechtsorgane
der Aale wohl erkannt sind, es doch Niemandem gelang
die männlichen Geschlechtsorgane nachzuweisen. Das ist
jetzt der Zweck unserer Studien.
Die Wichtigkeit eines Organes ist durch seine Be-
ständigkeit angezeigt. In einer grossen Zahl von Aalen
aus dem Ficinus, über fünfzig, von verschiedenen Grössen
und Farben, liess sich beständig ein Organ beobachten,
worin wir sogleich seine Wichtigkeit erkannten; und
durch seine Lage, durch seine Gestalt, durch seinen
Bau, durch seinen Inhalt konnten wir es als ein wirklich
männliches Geschlechtsorgan bestimmen, und daher eine
sichere Kenntniss der Reproductionsorgane der Aale bei-
bringen. In der Thal ist die Lage dieses Organs die-
selbe, welche bei den übrigen P'ischen durch die wahren
Hoden oder Milch eingenommen wird, d. h. seitlich vom
Darrakanal und unabhängig von ihm. Seine Gestalt,
nämlich die eines ausgezackten Bandes, mit langen
Säumen in einigen Individuen, ähnelt der der gelben
Körper des männlichen Frosches, in welchen wir schon
die Spermatozoen gesehen haben. Es war sogar dieses
Criterium, welches sogleich bei der Untersuchung den
Weg zeigte.
Sein Bau, bestehend aus einer Hülle, aus einem Inhalt,
Ueber die FortpflanzuDgsorgane der Aale, 65
und aus Arterien und Venen, unterscheidet sich in nichts
von dem sogenannten Milch der Fische.
Der Inhalt ferner erweist sich als eine Flüssigkeit,
in der sich die Spermatozoen bewegen, was genügt, um
das Organ, welches wir beständig in den Aalen gefunden
haben für einen wirklichen Hoden zu erklären. Hiernach
wenden wir uns jetzt zu der Beschreibung der Reprodu-
ctionsorganC; wobei wir sowohl unsere eigenen Unter-
suchungen, wie die Anderer^ soweit sie neuerlich von
uns bestätigt sind, benutzen;, und sprechen dann von ihrer
Fortpüanzungs weise.
Beschreibung der Fortpflauzuugsorgane.
Die Fortpflanzungsorgane der Aale sind in weibliche
und männliche geschieden.
We ibliche Organe.
Die weiblichen Geschlechtsorgane der Aale bestehen
aus den Ovarien, welche ihrerseits die Eier enthalten.
Ovarium. Beim Aal wie bei Petromyzon haben
die Ovarien keinen Eileiter, und sind daher geschlossene
Organe, oder vielmehr Organe von bekannter Secretion,
die zu den geschlossenen Drüsen gehören. 8ie sind con-
stand an Zahl, Lage und Ausdehnung, und lassen sich
leicht auch an ihrer Gestalt, Structur und Farbe eikennen.
Sie haben ihren eigenen Gefässapparat, eigene Nerven,
und unveränderliche Beziehungen zu den übrigen Theilen.
Die Ovarien sind immer in doppelter Znhl vorhanden.
Sie liegen eins jederseits von der Wirbeisäule, rechts und
links, in der Bauchhöhle.
Sie beginnen seitlich von der Leber, durchlaufen
die ganze Bauchhöhle, halten sich unter und hinter der
Schwimmblase, wo sie sich dann in einen einzigen Körper
vereinigen, um sich eine kurze Strecke in den oberen
Theil des Schwanzes fortzusetzen.
Sie haben die Gestalt eines dünnen Bandes, schmal
an seinen Enden, in der Mitte verbreitert, quergefaltet,
mit viel stärkeren P^alten am oberen hinteren Rande,
Archiv für Natnrg. XXXVUI. Jahrg. 1. Bd. 5
66 Crivelli und Maggi:
weniger am unteren vorderen Rande, so dass einige
Falten die Gestalt eines Fächers annehmen; und die
Ovarien bestehen aus einer Vereinigung vieler Fächer,
quer auf den Körper des Thieres gestellt, und stark ver-
einigt an ihrem schmaleren Tlieilc, so ihren dorsalen Rand
bildend, mit dem sie sich an dem Rücken des Thieres
befestigen; leicht vereinigt an dem breiteren Theile des
Fächers bilden sie einen freiea Rand, der in die Bauch-
höhle herabhängt und daher auch der ventrale Rand ist.
Die Ovarien zeigen andererseits zwei Seiten, eine äussere
und eine innere ; die ersterc sieht nach innen und unten,
die andere nach aussen und oben.
Die Ovarien bestehen aus einer häutigen Hülle und
einem Inhalt. Die häutige Hülle ist aus Bindegewebe
gebildet, aus deren innerer Wandung sich Sepimcnte
erheben, die ebensoviele geschlossene Kammern bilden,
die alle einen eigenen Inhalt haben. Der Inhalt ist aus
Fettkügelchen, welche aus dem Stroma entstehen, und
aus der Ovula zusammengesetzt.
Die Farbe der Ovarien ist im Allgemeinen, wenn
die Aale jung sind, von glänzendem Weiss, aber wenn
sie sich der Geschlechtsreife nähern, werden sie weiss-
rosenroth.
Die sehr zahlreichen Arterien, welche beiderseits
von der Aorta ausgehen, richten sich quer zum Körper
des Aales, und verbreiten sich mit ihren zahlreichen
Zweigen in die Ovarialmasse. Diese Arterien können
Ovarial'Arterien heissen. Den Ovarial-Arterien entspre-
chen die Ovarial-Venen, die nachher zu dem grossen
Plexus venosus ventraiis zusammen fliessen.
Die zu den Ovarien gehenden Nerven werden vom
intercostalis abgegeben.
Die Ovarien sind mit ihrem dorsalen Rande vermittels
einer schwachen Falte des Peritoneums an dem dorsalen
Theil des Körpers befestigt. Ihr oberes Ende liegt eine
gewisse Strecke neben der Leber, darauf der linke Eier-
stock neben dem Magen, der rechte neben dem Darm,
ihr mittlerer Theil verläuft dann längs der Schwimm-
blase; ihr unteres Ende wendet sich dann zur Seite der
Ueber die Fortpflanzungsorgane der Aale. 67
Niere und zur Harnblase, dann vereinigen sie sich mit
einander.
Was die Eier betrifft, so haben wir bestätigt, was
bereits Rathke beobachtete. Die Eier sind in grösster
Menge vorhanden, und finden sich zu allen Jahreszeiten,
aber variireu nach den Monaten in der Entwicklung.
Die grössten, sagt Rathke, welche ich im Mai und
Juni gemessen habe, hatten einen Durchmesser von etwa
Vi5 Linie. JSolange das Ei klein ist, und wenn man es
von dem umgebenden Fett befreit hat, zeigt es sich im
Allgemeineu sehr durchsichtig und farblos, und lässt
leicht in seinem Innern das Purki n j e'sche Bläschen
w^ahrnehmen. Später ist das Ei dicker, und daher mehr
in der Entwicklung vorgeschritten, verliert ein wenig
von seiner ursprünglichen Durchsichtigkeit, und nimmt
im Allgemeinen eine weisse Farbe an; und in seinem
Innern beiiiCikt man gewöliniich viele Eiweisskörnchen
und Fettkligeichen, welche den Dotter bilden. Wenn
diese Eier sich lange Zeit im Wasser befinden, dann
werden sie undurchsichtig in Folge der Coagulation ihres
Inhaltes.
Männliche Organe.
Die männlichen Geschlechtsorgane des Aales be-
stehen aus den Hoden, in denen wiederum das Sperma
enthalten ist.
Die Hoden sind Organe von bekannter Secretion,
aber ohne Ausführungsgang.
Die Aale haben einen einzigen Hoden; indessen in
gewissen Fällen konnten wir einen Anfang eines zweiten
Hodens an der linken Seite des Darmes anzeichnen, gleich-
sam an Lage gleich dem unteren Ende des ersten, so
dass man die Existenz zweier Hoden annehmen könnte,
von denen einer rudimentär bliebe. Es ist auch besonders
zu beachten, dass der entwickelte Hoden immer an der
rechten, der rudimentäre an der linken Seite liegt, und
dass der erstere sich constant nicht nur bei alten, sondern
auch bei jungen Individuen findet, während der rudimen-
täre sich mit Sicherheit nur bei alten zeigt. Aus diesem
68 Crivelli und Maggi:
Grunde beschäftigen wir uns für jetzt nur mit dem ent-
wickelten Hoden, und überlassen die Entzifferung des
zweiten künftigen Untersuchungen.
Die Lage des Hodens ist constant in allen Individuen,
welches auch ihr Alter sein möge. Er liegt immer rechts
vom Darme, und hängt an der Innenseite des Peritoneums,
welches sich an die Schwimmblase anlehnt.
Der Hoden beginnt in manchen Individuen fünf bis
sechs Millimeter hinter der Gallenblase, in anderen viel
weiter hinten. Er erstreckt sich bis in die Nähe der
Cloake, oder endigt unter der Niere.
Der Hoden steht in Verbindung mit der über ihm
liegenden Schwimmblase; zur rechten liegt das rechte
Ovarium, zu seiner linken der Darmkanal; unter ihm die
Bauchwand. Sein oberer Rand hängt mittels des Peri-
toneums an der Schwimmblase, übrigens hängt er frei
in die Bauchhöhle hinab.
Im Allgemeinen ist er von- milchweisser Farbe;
bei jungen Individuen ist er glänzend weiss. Zuweilen
ist er durch die Menge Fett, weiche er enthält, blassgelb^
und dann kann man mit der Lupe die Fetttröpfchen
bemerken.
Die Gestalt des Hodens ist im Allgemeinen die
eines zarten an seinem oberen Rande schmalen Bandes,
welches sich verlängert und verdickt, insofern es der
unteren Hälfte der Bauchhöhle entspricht, wo es auch
beginnt sich an seinem freien Rande verschiedentlich mit
Franzen zu besetzen; und von solcher Gestalt ist der ganze
untere Rest des Hodens. So kann man an dem Hoden
des Aales einen zarten und schmalen Theil unterscheiden,
der das vordere Drittel der Länge des Organes einnimmt,
und einen dicken und breiten Theil, der die beiden hinteren
Drittel bildet. Ferner kann man zwei freie Blätter be-
merken, ein rechtes nach dem rechten Eierstock gerich-
tetes, und ein linkes nach dem Darmkanale zu gelegenes;
einen oberen geraden, wie bereits gesagt, mittels des
Peritoneums an der Schwimmblase anhängenden Rand,
und einen unteren in der Leibeshöhle freien Rand. Dieser
letztere ist gefranzt; er kann vielmehr ausgezackt, zungen-
Ueber die P'ortpflanzuDgsorgane der Aale. 69
förmig oder gesäumt genannt werden, oder das eine und
das andere zugleich, jenachdcm die Fortsätze Zacken, Zun-
gen oder Säume sind, welche von diesem Rande ausgehen,
quer auf die Richtung des Darmkanals, um frei in der
Leibeshöhle zu flottiren. Aber nicht allein die Bildung
dieser Fortsätze variirt, wie es schon durch die verschie-
denen Namen angedeutet ist, sondern auch ihre Länge
und ihre Zahl zeigt Verschiedenheiten bei verschiedenen
Individuen und je nach dem Lebensalter. Sie sind lang
in sehr entwickelten Aalen, und zuweilen sind einige so
lang, dass sie über den L)arm gebogen bis auf den linken
Eierstock reichen. Nicht so ist es bei jungen Aalen.
Was ihre Zahl betrifft, so entspricht sie ihrer Länge,
und daher dem Alter. Sie sind bei wenig entwickelten
Aalen wenig zahlreich, zahlreich dagegen bei sehr ent-
wickelten, und wir zählten bis zwölf.
Der Hoden besteht aus einer häutigen Hülle und
aus einem Inhalt. Die häutige Hülle wird durch das
Peritoneum gebildet, unter welchem ein Bindegewebe
liegt, welches in den Franzenfortsätzen Scheidewände
abgiebt, welche Kammern bilden, deren jede einen eigenen
Inhalt hat. Der Inhalt variirt nach dem Alter der In-
dividuen; er besteht bei den Jungen aus Fetttröpfchen,
und bei den Geschlechtsreifen aus einer mit Fetttröpfchen
gemischten Flüssigkeit, welche wir im Vergleich mit
anderen Fischen für das Sperma halten.
Die Arterien, welche zum Hoden gehen, sind zahl-
reich. Gleichzeitig mit den Querästen, welche von der
Aorta zur Ovarialmasse abgehen, treten zum Hoden eben-
soviele Gefässchen, die sich, kaum eingetreten in das
Organ, in grössere und kleinere Aeste zertheilen, und
mehr oder weniger entwickelt bis in das Ende jedes
Testicular- Astes oder Raumes vordringen. Den Acterieu
entsprechen ebensoviele Venen, welche sich dann in den
Plexus venosus ventralis ergiessen, parallel den venösen
Aesten des Eierstocks.
Die Nerven kommen vom intercostalis.
Das Sperma ist eine weissliche Flüssigkeit, mit
Fetttröpfchen gemischt und enthält bei völliger Reife
70 Crivelli und Maggi:
die Spcrmatozoen. Im Allgemeinen sind die Samentbier-
chen der Aale sehr klein, und ihre Bewegung ist meist
schnell und dauernd, wenn sie in einer indifferenten
Flüssigkeit untersucht werden. Sie haben einen ver-
dickten Theil, den Körper des Samenfadens, und einen
fadenförmigen Anhang, eine Art Schwanz. Der Körper,
von Gestalt eines sehr verlängerten Ellipsoides, von zier-
lichem ümriss, ist stark lichtbrechend, und misst, bei einer
Vergrösserung des Hartnack'schen Mikroskopes ge-
messen, etwa 0,0012 Mm. im Querdurchmesser, der durch
den Längsdurchmesser drei bis vier Mal übertroffen wird.
Der Schwanz nimn^t von seiner Insertion schnell an Dicke
ab, und wird ein so zarter Faden, dass man seine Länge
nicht ganz verfolgen kann. Diese Spcrmatozoen ähneln
gewissermassen denen von Petromyzon flnviatilis.
Bei einigen Aalen haben wir noch den Körper der
Spermatozoen zur Kugelform anschwellen sehen, und an
ihm in der Lage des Schwanzes eine Art Schwanzstummel,
sehr dick im Vergleich zu dem fadenförmigen Anhange;
identisch denen, welche Dufoss e bei Serranus beobachtet,
und für eine Spermatozoenform in rückschreitendem Sta-
dium erklärt hat. Dass auch bei den Aalen, wie bei
Serranus, wenn solche Korper vorkommen, vorauszusetzen
sei, dass da schon wahre Spermatozoen angenommen
werden müssten, können wir noch nicht entscheiden;
was wir beobachtet haben ist, dass auch unter ähnlicher
Bedingung die Samenfäden eigenthümliche Bewegungen
haben, unter welchen Purzelbäume und Wendungen.
Ausserdem lassen einige dieser eigenthümlichen Formen
der Spermatozoen beim Heben und Senken der Linse
unter dem Mikroskop einen centralen ziemlich dunklen
Kern wahrnehmen.
Unter den zur Beobachtung der Spermatozoen des
Aales günstigen Bedingungen können wir für jetzt die
folgenden nennen: Vor Allem ist es nöthig, dass das
Sperma von einem reifen und noch lebenden Individuum
genommen wird. Wir untersuchten es von grossen Aalen,
und unter diesen von solchen mit sehr entwickeltem
Hoden, mit sehr langen Zacken und von milchweisser
lieber die Fortpflanzungsorgane der Aale. 71
Farbe. Zweitens ist es nützlich eine indifferente Flüssig-
keit anzuwenden, als welches wir Salzwasser benutzten.
Was die Jahreszeit betrifft, so können wir nur
sagen, das wir es im Herbst 1870 und im März 1871 sahen.
Es erfordert jedoch w^ eitere Prüfung, welche Jahreszeit
die günstigste sei.
Art der Fortpflanzung.
Da die Aale Eierstock und Hoden in einem und
demselben Individuum vereinigt haben, haben wir sie
Hermaphroditen genannt; und sie sind von einem voll-
kommenen Hermaphroditismus, da ihnen nicht nur ein
Ausführungsgang des Hodens fehlt, sondern auch jedes
Communicationsmittel aus dem Innern in das Aeussere,
durch w^elches das Sperma ausgeworfen werden könnte.
Deshalb kann der Same allein die Eier befruchten, welche
er innerhalb der Leibeshöhle desselben Individuums findet.
Dazu kommt noch, dass wir verschiedene Male an
dem männlichen gefranzten Körper der Aale eine Art
Kapsel beobachtet haben, welche Spermatozoen enthielt,
an dem Ende eines Hodenlappens lag und mit dem
übrigen Theil des Organes nur mittels eines Blutgefässes
zusammenhing, welches sich in einigen Individuen schon
atrophisch zeigte, so dass sich voraussetzen lässt, dass
diese Kapsel sich später ablösen, und, nach Art einer in
der Leibeshöhle umher schweifenden Sperniatophore,
sich später über die Eier entleeren werde.
Bei den Aalen werden die Eier jedenfalls in der
Bauchhöhle befruchtet, wie bei den Salmonen, bei den
Stören und bei Petromyzon. Wie sich die Eier nach
der Befruchtung verhalten, ob sie in der Leibeshöhle
bleiben, oder abgelegt w-erden; mit anderen Worten, ob
die Aale lebendig gebärend oder Eier legend sind, diese
Frage beantworten wir dahin, dass wir sie aus verschiedenen
Gründen unter die eierlegenden Thiere bringen.
Weder wir, noch irgend Jemand vor uns, konnte
die wirklichen Jungen im Innern der Aale wahrnehmen.
Dann haben wir unter den Eingeweiden der Aale bisher
kein Organ gefunden, welches für die Aufnahme der
72 Crivelli und Maggi :
Jungen bestimmt sein könnte, sei es ein Uterus, oder
ein Qviduct, oder ein Aequivalent desselben, -svie es
allgemein bei den Viviparen der Fall ist. Ferner, weil,
wie aus der folgenden Ijeschreibung hervorgehen wird,
eine Beziehung der Entwicklung zwischen den männ-
lichen und weiblichen Reproductionsorganen der Aale,
und ihrem excretorischenGenito-urinar-Apparat stattfindet;
verschieden von der der viviparen Thiere, weil bei
diesen vielmehr eine Beziehung zwischen der Entwick-
lung des Genito-urinar-xApparats und der der Embryonen,
als zwischen jenem und den Reproductionsorganen besteht.
Nun, die Gleichzeitigkeit der angegebenen Organe der
Aale kann nur die Noth wendigkeit eines wohlentwickelten
Apparates zur Ausscheidung der Eier bald nach ihrer
Befruchtung darthun, und führt zu der Vermuthung ihrer
Oviparität.
Anatomie des excretori sehen Genito-Urinar-
Apparates der Aale.
An die Bestimmung der Fortpflanzungsweise der Aale
schliessen sich sogleich die Untersuchungen über den Weg,
welchen die befruchteten Eier aus dem Innern des Mutter-
thieres nehmen, um nach aussen zu gelangen.
Rathke sagt, er habe anfänglich vergebens nach
einem solchen Wege gesucht; aber endlich, als er jede
Seitenhälfte des Körpers in der Nähe des Ortes, wo der
obere Theil des Darmes sich dicht an die grosse und
zarte häutige Urinblase mittels der Bauchwand der
Körperhöhle anheftet, habe er zwischen diesen beiden
Organen, an der inneren Seite der Bauchwand, eine
seichte und überaus kleine Furche gefunden, welche nach
beendeter Leichenstarre eine kleine Sonde durchliess.
Daraus schloss Rathke, dass die Aale zwei besondere
ausserordentlich enge Oefifnungen an der Bauchwand
besässen, welche aus der Bauchhöhle nach aussen führen.
Eigentlich sind diese OefFnungen zwei kurze trichter-
förmige Kanäle, welche nach aussen, in geringer Ent-
fernung hinter dem After, in eine enge Grube inner-
üeber die Fortpflanzung^organe der Aale. 73
halb der Hautbedeckung convergiren; eine Grube, welche
den Ausgang für die Producte des Harnorganes bildet.
Rathke meinte auch, dass ihre grosse Enge dazu
diene, den Eintritt des Wassers von aussen in das Innere der
Leibeshöhlc zu verhindern, aber dass wahrscheinlich diese
Oeffnung sich erweitere, wenn das Product der Ovarien
nach aussen entleert werden solle; jedoch diese Erweite-
rung ist schwer zu erkennen.
Als wir es unternahmen, diese x\rt von Genito-urinar-
Apparat wie er von Rathke bei den Aalen beschrieben
ist, nachzuuntersuchen, haben wir ihn sehr deutlich ge-
funden, und leicht wieder erkennbar, wenn man unserer
Anweisung folgen wird.
Bei vielen Aalen haben wir die Uretral-OefFnung,
welche sich in die Kloake unter dem After öffnet, sehr
weit gefunden, so dass sie nicht nur eine Schweinsborste,
sondern auch eine massige Sonde durchliess. Wenn wir
dann die Uretra der Länge nach von aussen nach innen
spalteten, indem w^ir die untere Wand durchschnitten,
sahen wir an der oberen Wand etwa 4 bis 5 Mm. unter
dem Harngange eine Oeffnung, die in einen quer zwi-
schen der Blase und der Niere liegenden Kanal führt,
welcher mittels zweier weiten Seitenöffnungen, rechts
und links, die durch die äussere Wand der Blase und
der Niere gebildet werden, in die Bauchhöhle führt.
Schreiten wir nun zu der Bestimmung dieser ein-
zelnen Theile, mit Rücksicht auf ihre Lage und ihre
Function, so ist, unseres Erachtens, die Oeffnung an der
oberen Wand der Uretra Uretro -Vagi n al-0 e ff nung
zu nennen; der Querkanal zwischen Blase und Niere, in
welchen obige Oeffnung einführt, der Vaginal-Kanal;
und die beiden seitlichen inneren Oeffnungen, die auch
durch die äussere Wand der Blase und der Niere gebildet
werden, und sich in die Bauchhöhle münden, müssen
folglich A b dominal - Vaginal- Oeffnungen genannt
werden, oder Ute r o-Vaginal-Oeffnung, wenn man
die Bauchhöhle der Aale während ihrer Fruchtbarkeit
gleichbedeutend mit dem Uterus anderer Thiere be-
trachten will.
74 Crivelli und Maggi:
Es ist indessen zu bemerken, dass die Abdominal-
Vaginal-Oeffnungen sich im Allgemeinen nur bei Aalen
mit entwickeltem Eierstock und Hoden zeigen. In solchen
sind sie sichtbar mit blossem Auge und zeigen einen vor-
springenden Saum. Bei jungen Aalen sieht man sie nicht.
Als grössten Durchmesser dieser Oeffuungen haben wir
2 bis 3 Millimeter gefunden.
Auch die Uretro-Vaginal-Oeffnung ist nur bei ent-
wickelten Aalen bemerkbar, und nur in denen, in welchen
man den Vaginal-Kanal beobachten kann. Deswegen
nennen wir die Aale reif, welche bei der anatomischen
Untersuchung, ausser den von der Entwicklung der Ge-
schlechtsorgane entlehnten Charakteren, auch die der ex-
cretorischen Organe des Genito-Urinar- Apparates zeigen,
wie wir sie angetroffen haben.
lieber die Form des Darmes der Aale als Merk-
mal für die Unterscheidung unserer Arten.
Einige Autoren nehmen mehrere Arten auch unter
unsern Aalen an. Wir haben schon angegeben, dass
unsere Fischer, und namentlich die des Sees von Orta
mehrere Arten zu bezeichnen pflegen, je nachdem sie
nach ihrer Meinung von verschiedenen Fischarten her-
stammen. Die, welche aus der Forelle entstehen sollen,
sind weiss am Bauche und blau am Rücken; die aus der
Schleihe haben einen blassgelben Bauch^ und die aus der
Piota sind weisslich am Bauch und von grüner Farbe
am Rücken. Es ist auffallend, dass sich diese Meinung
über die Abstammung von anderen Fischen unter allen
Fischern verbreitet findet.
Lassen wir diese vulgäre Auffassung bei Seite, und
wenden uns zur Prüfung der Ansichten der Naturforscher,
so finden wir, dass einige annehmen, es gebe unter unseren
Aalen die beiden von Yarrell aufgestellten Arten, An-
guilla acutirostris und Anguilla latirostris. Indessen so-
wohl De Filippi wie Canestrini sind der Ansicht, dass
die beiden von Yarrell aufgestellten Arten nur einfache
Varietäten sind, und auch wir können nach allen unseren
Beobachtungen uns nicht für die Annahme dieser beiden
üeber die Fortpflanzungsorgane der Aale. 75
Formen als Species entscheiden. In Hinsicht auf die neue
Art aus Dalraatien, die Anguilla eurycera genannt ist,
stimmen wir vollkommen mit Canestrini übercin, dass die
Merkmale des einzigen Exemplares -aus Dalmatien nicht
entscheidend für die Aufstellung einer neuen Art seien.
Wir ziehen aus unseren Beobachtungen das Resultat,
dass in der That unter den einheimischen Aalen zwei
Formen vorkommen, die man für zwei verschiedene Species
zu halten berechtigt ist, und die sich dadurch unterschei-
den, dass die eine einen graden Darm hat, die wir An-
guilla orthoentera genannt haben, die andre einen ge-
wundenen Darm, welche Anguilla anacamptoentera ge-
nannt werden mng. Diese Verschiedenheit des Darmes
lässt sich auch an äusseren Charakteren erkennen. Wir
haben uns in der That überzeugt, als Maasseinheit die
Entfernung des Mundes von dem Anfang der Flosse ge-
nommen, dass, wenn die Afteröffnung näher dem
vorderen Drittel liegt, der Darm gewunden ist;
dass dagegen, wenn die Afteröfifnung näher der Mitte
des Körpers liegt, als dem vorderen Drittel, der Darm
gerade ist.
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XXII. Bd. 1. 1856.
lieber Cubanisclie €rustaeeen
nach den Sammlungen Dr. J. Gundlach's.
Von
E. V. Härtens.
(Hierzu Taf lY— V.)
Dr. Job. Gundlach, durch verschiedene naturhistori-
sche Forschungen im Gebiet seiner Adoptiv-HeimatCuba
längst rühmlichst bekannt, hat vor einiger Zeit dem
zoologischen Museum in Berlin eine Sammlung von Cru-
staceen übergeben, welche theil weise von D. Fe lipe Po ey
zusammengebracht war und auch auf der grossen Pariser
Ausstellung figurirt hatte; grossentheils getrocknete Stücke
aus den höhern AbtheiJungen enthaltend, doch auch man-
che Spiritusexemplare, gewährte sie bei der speziellen
Untersuchung und Bestimmung behufs der Einreihung
in die allgemeine Sammlung mir hinreichend viel Interesse,
so dass ich dem Wunsche des Gebers, etwas darüber zu
veröfifentlichen, gerne nachkomme. Seitdem hat derselbe
noch eine zweite Sendung von Spiritusexemplaren ge-
schickt und denselben auch speciellere Angaben über das
Vorkommen derselben, namentlich solcher aus dem süssen
Wasser, beigefügt, Angaben, deren Mangel ich früher leb-
haft bedauert habe. So möge die Arbeit sich denn in
dieser Plinsicht an einige frühere in den Jahrgängen
1868 und 1869 dieses Archivs anschliessen.
Manche der grösseren und auffallendem Crustaceen
78 V. Martens:
von Cuba hat schon gegen Ende des vorigen Jahrhunderts
D. Antonio Parra in einer hauptsächlich die Fische
behandelnden Schrift Descripcion de diferentes piezas de
historia natural, Havana 1787. 4. mit 72 illuminirten Kupfer-
tafeln, kennbar beschrieben und abgebildet; in neuerer Zeit
hat S a u s s u r e im ersten Theil seiner Memoires sur l'histoire
naturelle de Mexique, 1858, 4. neben mexikanischen auch
manche Crustaceen aus Cuba beschrieben und abgebildet,
sowie Giierin in Kamen de la Sagra's historia fisica, poli-
tica 7 natural de la isla de Cuba (es existirt davon auch
eine Ausgabe in französischer Sprache) 1856 ein Ver-
zeichniss der ihm aus Cuba bekannten Crustaceen mit
Beschreibung und Abbildung mehrerer neuer Arten ge-
geben. Diese drei Originalquellen sind im Folgenden
regelmässig angeführt, auch wenn Guerin die Art nur
einfach nennt, dagegen andere Werke nur dann, wenn
sie Beschreibungen enthalten, die zur Bestimmung der
vorliegenden Stücke gedient haben, so namentlich die un-
entbehrlichen systematischen Werke von fl erbst und
Miln e-Ed war d s; in Beziehung auf Herbst konnten
glücklicher Weise die Originalstücke Herbst's im Ber-
liner Museum grösstentheils noch herausgefunden werden
und haben zu mehreren Bemerkungen Anlass gegeben.
Ich hoffe in einem bald folgenden Theile auch noch
mehrere neue Isopoden derselben Sammlung beschreiben
und auf die geographische Verbreitung der hier ange-
führten Arten etwas näher eingehen zu können ; auch hat Dr.
J. Gundlach selbst seine Forschungen über die Crusta-
ceen Cuba's fortzusetzen in Aussicht gestellt.
Die im Folgenden aufgeführten Arten sind eben
nur diejenigen, welche das Berliner Museum von dem-
selben bereits erhalten hat und sie stellen allerdings den
grössern Theil der bis jetzt von da bekannten dar; auf
die übrigen von Guerin oder Andern aus Cuba ange-
führten ist hier nicht eingegangen, da ich ihren Angaben
nichts hätte hinzufügen können.
Ueber cubanische Crustaceen. 79
Decapoda.
Braohyura.
Oxyrhyncha,
Leptopodia sagittaria F. Parra 56, 3 aranna. Herbst
III 55, 2. Leach zool. miscell. II pl. 67. Desm. 16, 2. Gu^rin
iconogr. 11, 4.; cub. p. XII. M. E. I. p. 276. Ein Männ-
chen. Auch von Guadeloupe (Herbst III S. 28), dem mexi-
kanischen Meerbusen (ME), ferner von Madeira und den
kanarischen Inseln angegeben; von Brasilien ist weder
diese noch eine andere Art der Gattung bekannt. Eine
zweite Art, L. ornata Guilding Transat. Linn. soc. XIV.
1823, Guerin cub. p. XIII in St. Vincent und Cuba, eine
dritte, L. calcarata Say, in Südkarolina. Nach Milne-
Edwards und Lucas in Orbigny's voyage dans l'Auierique
m^ridionale soll L. sagittaria sogar in Chile vorkommen;
ihre Abbildung Taf. 4 Fig. 3 zeigt aber keine Dornen
an den Scheeren und Füssen.
2. Lihinia distincta Guerin cub. p. XII. — Parra
Taf. 50 Fig. 1 Cangrejo peludo. Ein Männchen und ein
Weibchen; bei ersterem überragt die äussere dornartige
Ecke des Basalgliedes der äussern Fühler bedeutend (etwa
um 2. Mill.) die innere, welche knotenförmig abgerundet
ist ; beim Weibchen tritt die äussere nicht weiter nach
vorn vor, als die innere, ist aber auch spitzig Taf. IV Fig.
la Ib; Spalte des Unteraugenhöhlenrandes ganz eng.
Sechs Stacheln in der Mittellinie des Cephalothorax, näm-
lich zwei in der Magengegend, ziemlich weit auseinander,
drei in der Herzgegend, wovon der erste schwächer,
Einer in der Enddarmgegend. Seitlich je zwei in der
Magengegend, der innere schwächer, beide nahe dem
ersten der Mittellinie, und je zwei in der Mitte der Kiemen-
gegend; je ein Stachel in der obern Mitte des iVugen-
höhlenrandes; hinter dem Auge zieht sich eine Reihe von je
4 Stacheln nach hinten und aussen nahe dem Seiten-
rande in ungefähr gleichen Abständen von einander, die
drei hintern derselben auf der Kiemengegend, die beiden
80 V. Martens:
letzteren mit den zwei einwärts davon stehenden derselben
Gegend ein gleichseitiges Viereck bildend ; zwischen dem
ersten und vierten der gcnnnnten Reihe läuft eine zweite
Reihe von je 4 Stacheln in einem nach aussen und unten
gerichteten sehwachen Bogen noch näher dem Scitenrande
der Kiemenregion, welcher selbst unbewaffnet ist ; zwei
einander nahe Stacheln am Rand der Pterygostomgegend;
ein Stachel zwischen Mundviereck und Augenhöhle, einer
in der Mitte des Unterrandes der letztern, nach innen
von derUnteraugenhöhienspalte. Keine Stacheln auf den
Postabdominalsegmenten. Diese Anordnung der Stacheln
bei beiden Exemplaren gleich. Schnabel (Rostrum) ziem-
lich schlank, mit einer schmaldrciseitigen Vertiefung
zwischen und vor den Augenhöhlen, die Stiele der änssern
Fühler bedeutend überragend und am Ende in zwei stark
divergirende Spitzen getrennt. Das erste Fusspaar beim
Männchen nur wenig (etwa 7?) kürzer als das zweite, seine
Scheere gckörnelt, die Finger mit ungefähr 20 stumpfen
Zähnen, in ihrer hintern Hälfte klaffend; beim Weibchen
das erste Fusspaar verhältnissmässig kleiner, die Scheeren
glatt, die Finger nicht gezähnelt. Da übrigens das vor-
liegende weibliche Exemplar zugleich nur halb so gross
als das männliche isl, so muss unentschieden bleiben, ob
diese Unterschiede mehr dem Geschlecht oder melir dem
Alter angehören. Cephalothorax beim Männchen 96 Mill.
lang, 76 breit, zweites Fusspaar 166 Mill. lang; beim Weib-
chen beziehungsweise 66, 50 und 94. Guerin kannte auch
nur das Weibchen; er stellte die Art daher unbedenklich
in die erste der beiden von Milne Edwards unterschiedenen
Abtheilungen der Gattung Libinia; das vorliegende Männ-
chen scheint zu zeigen, dass die Enge oder Weite der
Untenaugenhöhlenspalte ein zuverlässigerer Charakter ist,
als das Vorstehen der äussern Ecke des Basalgliedes
der Fühler.
3. Chormus keros Herbst. I. 18, 102 und II. 52, 1.
M. E. L S. 315. Guerin cub. p. XI. (Taf. IV Fig. 2).
Ein Schild, doppelt so klein als der von Herbst Fig. 102
abgebildete, dessen Original sich im Berliner zoologischen
Museum (No. 3037) findet. Dasselbe zeigt jederseits
Ueber cubanische Crustaceen. 81
zwischen dem ersten grossen Stachel über dem Auge und
den beiden grössern der andern Seitenränder zwei kleine
stumpfe Stacheln, während die Herbst'sche Abbildung
nur links zwei, rechts Einen darstellt. Das cubanische
stimmt damit überein; die Hörner des Schnabels zeigen
bei dem Herbst'schen Exemplar zwei dichte Reihen von
Haaren, die eine an der Innen-, die andere an der Unter-
seite. Die äussern Kieferfüsse sind an dem cubanischen
Exemplar erhalten und zeigen am dritten Glied eine
schief nach vorn und innen laufende kielartige Anschwellung,
welche in der illustrirten Ausgabe von Cuvier's regne
animal, Crustaces pl. 29. fig. 2b nicht dargestellt ist.
Die ebenda gegebene Darstellung des ganzen Thieres
unterscheidet sich ferner von dem Herbst' chen, wie von
dem Gundlach'schen Exemplar erstlich dadurch, dass die
Schale nach hinten etwas breiter wird und zweitens dass
die Hörner des Schnabels etwas convergiren. Auch aus
Key West bei Florida kennt Gibbes nur zoUgrosse Exem-
plare und zweifelt ob sie jung oder eine eigene Art
seien (Proc. Am. Assoc. 1850 S. 172).
4. Mithrax spinosissimus Lam. M. Edw. in Guerin's
Magasin de Zoologie 1831, pl. 7. von Martinique, bist. nat.
crust. I. p. 321. Guerin cub. p. X.
Rückenschild, Oberrand der Scheeren und Füsse
bestachelt, keine Körnelung auf dem Rückenschild.
Ein grosses Männchen 184 Mill. lang, 189 breit,
Scheeren 215 „ lang, 83 hoch.
Ein Weibchen 126 „ lang, 128 breit,
Scheeren 85 „ lang, 20 hoch.
Ein Männchen 103 „ lang, 106 breit,
Scheeren 77 „ lang, 22 hoch.
Beide getrocknet ziegelroth, der Schild rein.
5. Mithrax aculeatus Herbst I, 19, 104. M. E. I p.
321; Cuv. ed. ill., crust. 27, 1, ~ Parra 51, 1. Con-
grejo denton.
Rückenschild und Füsse bestachelt; ersterer dabei
dicht gekörnt; Scheeren glatt mit nur wenigen stumpfen
Stacheln am hintern Ende ihres Oberrandes, beim Männ-
chen stark,
Aroliiv f. Naturg. XXXVIII. Jahrg. 1 Bd. 6
82 V. Märten s:
Ein Männchen 104 Mill. lang, 113 breit,
Scheeren 114 „ lang, 35 hoch.
Getrocknet grau, öfters mit rothen Flecken von
Polytrema besetzt, ebenso Exemplare aus Caracas, von
GolJmer gesammelt. Herbst's Originalexemplar (Berl.
zool. Mus. 2040) ist ein Weibchen, ebenso den Scheeren
nach zu urtheilen das bei Parra und Cuvier 1. c, abge-
bildete. Mithrax verrucosus M. Edw. 1. c. pl. 4, ebenfalls
von Martinique, scheint mir davon kaum verschieden; die
Abbildung stellt ein Männchen dar, die Scheeren sind
ganz ohne Dornen, die Hörner des Schnabels noch kürzer.
6. Mithrax hispidus Herbst I. 18, 100 (Weibchen).
M. Edw. I p. 332 ; Saussurc p. 7 (von Guadeloupe) ; M.
spinicinctus Lam., Desm. 23, 1. 2; Guerin iconogr., crust.
7, 5 (Weibchen). Parra 44, Cangrejo Santoya (Männchen).
Oberseite desSchildes,ScheerenundFüsse ohne Dornen
und ohne Körnelung ; nur die Arme mit starken stumpfen
Dornen, aber schon das Handwurzclglicd glatt. Scheeren
beim Männchen stark. Gesammtumriss des Rückenschildes
mehr dreiseitig.
Ein Männchen 80 Mill. lang, 92 breit,
Scheeren 86 „ lang, 34 hoch.
Ein junges Männchen 27 „ lang, 24 breit.
Getrocknet blassbraun.
An den vorliegenden Exemplaren nur 12 — 14 Zähne
in der Scheere; Milne Edwards gibt „ungefähr 20^^ an;
bei dieser und den beiden vorhergehenden Arten klaffen die
Scheeren des erwachsenen Männchens stark und hat der
bewegliche Finger nur einen oder zwei starke stumpfe
Zähne, während die zusammenhängende Reihe von Zähne-
lungen an beiden Fingern erst mit der löffeiförmigen Aus-
höhlung beginnt ; der unbewegliche Finger zeigt jenen
grossen Zähnen gegenüber mehrere kleinere. Die Abbil-
dung bei Herbst 1 Taf. 18 Fig. B stimmt recht gut mit
der Scheere von M. aculeatus und scheint mir viel mehr
diese darzustellen als die von Herbstia condyliata, wozu
sie im Text citirt wird. Ein kleiner Haarbüschel am
Beginn der Aushöhlung ist an beiden Fingern bei altern
und Jüngern Männchen vorhanden, während Milne Edwards
lieber cubanische Crustaceen. 83
ihn dieser Art abspricht. Mithrax cornutus Saussure von
den Antillen ist mir nicht bekannt und scheint bedeutend
verschieden.
7. Mithrax sculptus M. Edw. Mag. Zool. 1831 pl. 5
(Martinique); his. nat. crust. 1. p. 322. Guerin cub. p. XI.
M. minutus. Saussure crust. Antill. p. 9. pl. 1. Fig. 1. —
Petiver pterigr. Americ. 20, 6; Cancer coronatus Herbst
I, 11, 63 (ziemlich gross), Mithraculus coronatus White
cat. crust. ßrit. Mus. 1847. S. 7. Mithraculus sculptus
Stimpson not. N. Am. Crust. p. 117.
Zahlreich ; die Sculptur etwas variabel, in der Regel
sind die Erhabenheiten des Rückenschildes mehr in die
Länge gezogen und stimmen daher besser zu der Abbil-
dung bei Saussure als zu derjenigen bei Milne Edwards;
ersterer will seine Art dadurch unterscheiden, dass der
Rückenschild vorn glatt sei; dieses zeigt sich aber in dem-
selben Grade an der Abbildung des M. sculptus von
Milne Edw^ardg. Bei Jüngern Exemplaren ist derselbe aller-
dings auch vorn mehr höckerig. Auch von Surinam und
Venezuela (Caracas) im Berliner Museum.
8. Othonia anisodon, sp. n. Taf. IV Fig. 3.
Zwei unvollständige Exemplare in Spiritus; die
Seitenränder des Rückenschildes sind mehr gerade, als
bei 0. mirabilis Herbst (Gerstäcker in Troschels Archiv
für Naturgesch. 1856) so dass der Gesammtumriss dem-
jenigen von Micippe cristata ähnlich wird, und von den
sechs Zähnen dieses Randes (denjenigen der die äussere
Augenecke bildet, mit eingerechnet) sind der zweite und
vierte besonders stark, der dritte aber viel schwächer.
Der zweispitzige Schnabel ist verhältnissmässig etwas
grösser als bei mirabilis ; die Augenhöhle übereinstimmend;
die Kiemengegend ebenfalls mit runden Körnern besetzt.
Sc beeren und Füsse (beim Weibchen) unbewaffnet und
schwach.
I. II.
Breite des Rücken Schildes am Vorderrand 10 7V2 Mill.
Grösste Breite desselben in der hintern Hälfte 12^2 9 ,.
Länge desselben ? 10 V2 j»
Bell hat diese Gattung nach Exemplaren von den
84 V. Martens:
Gallapagos aufgestellt. White catal. Crust. Brit. Mus. gibt
dagegen für dieselben Arten Westindien nach der Sammlung
Scri vener als Vaterland an. Ihre Entdeckung in Cubagibt
ein neues Beispiel des Vorkommens verwandter Arten von
diesseits und jenseits der Landenge von Panama. Othonia
aculeata Gibbes (als Hyas), Proc. Am. Associat. advanc.
scienc.III 1850 p. 171 von Florida scheint ähnlich, doch ist die
eigenthüraliche Kleinheit des dritten Zahns nicht erwähnt.
9. Periceracornuta{UeYhst),M. Edw. I p. 335, pl. 14
bis Fig. 5; Cuv. ed. ill. 30, 1 (Männchen); Hughes nat. bist,
of Barbadoes, 2b, 3. horncd crab. Parra 50, 2 (Männchen)
und 3 (Weibchen) Cangrejo cornudo. — Cancer cornudo
Herbst lII. 59. 6 (Weibchen); Maja taurus Lam.
Das Weibchen hat nichtnur weit schwächere Scheeren,
sondern auch nach dem Originalexemplar Herbstes (Berl.
zool. Mus. 70) zu schliessen, stärker divergirende Hörner
und einen reineren Rückenschild. In allen drei Rücksichten
stimmt Parra's Figur 3 damit überein.
P. spinosissima Saussure von Guadeloupe findet
sich nicht unter unsern Exemplaren.
10. Perioera trispinosa Latr. ; Guerin iconogr. 8, 3;
M. Edw. I p. 336; Saussure p. 10; — Browne bist, of
Jamaica 482. (Taf. IV Fig. 4a und 4b).
Zwei männliche und drei weibliche Exemplare, bei
den beiden männlichen (4a) ist der hintere Seitcndorn
stärker \ind mehr abgeflacht, auch derjenige in der Mitte
des Hinterrandes stärker; bei einem der Weibchen (4b) sind
dicgennnntenSeitendornenkürzer, mehr vertikal zusammen-
gedrückt und enden zweispitzig. Die Hürner des Schnabels
divergiren beim Weibchen weit stärker; endlich ist die
äussere Ecke des Basalgllcdes der äussern Fühler beim
Männchen in einen stärkern, die innere Augenhöhlenecke
weit überragenden Dorn ausgezogen, beim Weibchen zwar
auch dornförmig, aber viel schwächer, kaum von oben
sichtbar und nicht weiter nach vorn ragend als die innere
Augenhöhlenecke. Das zweite Weibchen gleicht in den
stark divergirenden Hörnern noch dem ersten, das dritte
hat die Hörner ganz wie die Männchen und beide treten
in den zwei andern Charakteren auch näher an das Männchen
lieber cubanische Crustaceen. 85
heran, so dass die anfänglich geboten scheinende Tren-
nung in 2 Arten unmöglich wird. Die erwähnte Abbil-
dung bei Guerin steht in allen drei Charakteren zwi-
schen den vorliegenden Exemplaren ungefähr in der Mitte.
11. Pericera hiccruiiio. Latr.; M. Edw. 1, p. 337; Gue-
rin cub. p. XII. (bicornuta); Saussure pl. 1. Fig. 3 (Taf. IV
Fig. 5) Milnia bicornuta Stimpson nat. Am. Crust. p. 59;
Crust. of the Golfstreara p. 111.
3 Weibchen, trocken, Rlickenschild nur 20 Mill.
lang und 15 breit, Scheeren schwach und glatt, Hörner
verhältnissmässig kürzer als in Saussure's Abbildung
eines grössern Exemplars, nämlich nur Ye der ganzen
Länge des Rückenschildes einnehmend. Bei dieser Art
bildet, wie Saussure richtig bemerkt, die äussere Ecke
des Basalgliedes der äusseren Fühler zugleich die innere
Augenhöhlenecke. Das hiesige zoologische Museum hat
dieselbe Art auch aus Surinam erhalten. Ein männliches
Exemplar, ebenfalls aus Westindien, zeigt grosse roth-
fleckige Scheeren mit Einem grossen stumpfen Zahn am
beweglichen Finger, ähnlich denen von Mithrax.
12. ÄGantlienyx Petwerii M. Edw\ I, p. 343; Guerin
cub. p. XI. — P<?tiver pterigr. Americ. 20, 8.
Zahlreiche trockne Exemplare, Männchen und Weib-
chen; Ruckenschild der grössten 15 Mill. lang und 10 breit;
Scheeren eines Männchens dieser Grösse 11 Mill. lang
und 4 hoch, eines Weibchens gleicher Grösse nur 5 Mill.
lang und 2V2 hoch. Ein ebenfalls getrocknetes Exem-
plar von Matanzas ist auf dem Rüchen roth marmorirt,
an den Beinen rothgefleckt. Im Allgemeinen hat diese
Art viel Aehnlichkeit mit der des Mittelmecrs, lunulatus
Risse. Der Schnabel ist bei manchen Exemplaren ver-
stümmelt und unvollkommen restaurirt, bald stärker ab-
wärtsgebogen, bald am Ende ausgeschnitten.
13. Lambrus crenulatus Saussure l. c. pl. 1. Fig. 4.
Ein Männchen, gut mit Saussure's Abbildung über-
einstimmend, aber grösser, Rückenschild 21 Mill. lang,
ohne die Seitenstacheln 24 breit, Armglied 24V2 lang,
Schoere 29; die Finger roth, an der Spitze schwärzlich.
Verwandt mit L. angulifrons Latr. aus dem Mittelmeer,
86 V. Martens:
White, catal. crust. Brit. Mus. 1847 erwähnt zweier
Lambrusarten von Westindien, L. crenatiis und lupoides,
die er aber meines Wissens nirgends beschrieben hat.
NB. Für Parthenope horrida L. wird von Milne
Edwards als Vaterland neben dem indischen auch der
atlantische Ocean angegeben und die „lazy crab" von
G. Hughes, natural history of ßarbadoes 1750, pl. 25.
Fig. 1 dazu citirt; diese Abbildung hat freilich auf den
ersten Anblick einige Aehnlichkeit mit Parthenope; ver-
gleicht man aber die Beschreibung S. 262, so findet man
die schiefe Aushöhlung und Zähnelung der Scheeren-
spitzen, wie sie für die Gattung Mithrax bezeichnend
ist, hervorgehoben und in der Figur lässt sich denn auch
ein grosses Männchen von Mithrax spinosissimus erkennen.
Parthenope kommt unseres Wissens nur in Ostafrika und
Indien vor.
Cyclometopa,
14. Carpilius coraU{nuslj.\ Herbst I, 5, 40; M. E. I,
p. 381;Guerin cub. p. VI; Alph. M. E. Caneeriens (Nouv.
Arch. Mus. 1866) p. 71 f. — Parra 45, 2 Cangrejo moro
Colorado.
Ein Männchen, getrocknet, Rückenschild 154 Mill.
breit, 128 lang^ grössere (rechte) Schcere 104 lang, 62
hoch, mit starken stumpfen Zähnen. Die ziegelrothe Farbe
nimmt den grössten Theil des Rückenschildes ein und
endigt nach hinten auf demselben in drei Lappen, wie
es bei den erwähnten Abbildungen angedeutet ist; etwas
blasser roth sind die obern Parthieen der Scheeren und
Füsse, die übrigen Theile sind blassgelb, nicht weiss, und
namentlich gilt das auch von den kleinen theils länglichen
theils runden Flecken auf dem Rückenschild, welche
sich auch in der Magengegend nicht so in zwei Gruppen
sondern, wie an dem Herbst'schen.
Nach Parra 1. c. scheint während des Lebens die
Farbe dieser Flecken in der That gelb zu sein. Das
hiesige zoologische Museum besitzt auch ein getrocknetes
etwas dunkler gefärbtes Exemplar dieser Art von Puerto
Cabello in Venezuela,
lieber cubanische Crustaceen. 87
15. Äctaea seligera (Xantho) M. E. I, p. 390; Alph.
M. E. Canceriens p. 271. pl. 18, Fig. 2.
Zwei kleine getrocknete Männchen, a) Rückenschild
12 Mill. breit, 8V2 lang; b) Rückenschild 18 Mill. breit,
12 lang.
16. Menippe ocellata (Pseudocarcinns) M. E. I.
p. 409. — Parra 45, 1. Cangrejo moro.
Zwei Männchen. I. II.
Breite des Rückenschildes . . . 138 73
Länge „ „ ... 97 55V2
Länge der Scheere 145 70
Höhe ^ „ 75 36
Die Schecren ungefähr gleich, bei dem grössern die
linke, bei dem kleinern die rechte etwas grösser. Es er-
gibt sich aus den obigen Maassen, dass auch bei dieser
Art wie bei einigen Palaemon (Arch. f. Naturgesch. 1868
8. 32) und vermuthlich bei vielen andern Crustaceen die
relative Grösse der Scheeren mit der absoluten Grosse
des Individuums zunimmt, indem hier bei dem grössern
die Scheerenlänge die Körperbreite etwas übertriJÖft, bei
dem kleinern hinter derselben etwas zurücksteht. Die
beiden Scheerenfinger zeigen bei dem kleinern jederseits
eine gut ausgeprägte Seitenfurche, bei dem grössern ist
diese Furche am beweglichen Finger auf eine Punktreihe
reduzirt. An beiden sind beide Stirnlappeu etwas ein-
geschnitten, sodass die Stirne eigentlich vierlappig ist.
Das vorletzte Fussglied ist immer dicht behaart, an
dem kleinern Exemplar auch die Enden der zwei vor-
hergehenden Glieder auf der Oberseite. Zahlreiche kleine
runde röthliche Flecken bedecken den ganzen Rückenschild
sowie Carpus und Palma des grössern, zeigen sich da-
gegen beim kleineren nur spärlicher auf der vorderen Hälfte
des Rückenschildes.
Bei dieser Gelegenheit mögen einige andere Bemer-
kungen über Arten derselben Gattung beigefügt werden:
M. Panope Herbst (Cancer) Bd. II [. S. 40 Taf. 54
Fig. 5. = M. granulosa Strahl Troschel's Archiv 1861 S.
164, 165 ist von M. ocellata sehr verschieden durch die
Körner auf den vordem seitlichen Parthieen des Rücken"
88 V. Martens:
Schildes, sowie der Anssenseite von Carpus und Scheerc.
Diese Körner sind scharf begränzt und stehen etwas weit
auseinander^ an Carpus und Scheere sind sie grösser als
auf der Hand und zeigen am Originalexemplar im Berliner
zool. Museum (Nro. 2298) noch Spuren der rothen Fär-
bung, welche Herbst erwähnt. Der Rückenschild ist
20 Mill. breit, 15 lang, die Scheeren 14 lang, 10 hoch;
Herbstes Abbildung ist wie die mancher anderer Arten
in demselben Theile seines Werkes vergrössert (S. 2B).
Der Fundort ist nach einer älteren Etikette im Berliner
Museum Tranquebar und das Exemplar ursprünglich von
Daldorf stammend.
Menippe Rumphii. Das Original zu Herbst's Cancer
Rumphii, Bd. m. S. 63. Taf. 49. Fig. 2 im Berliner
zoologischen Museum (Nro 149), mit seiner Beschreibung
genau übereinstimmend, während die Abbildung manches
zu wünschen übrig lässt, ist allerdings eine Art dieser
Gattung, aber nicht die von Milne Edwards als Pseu-
docarcinus Rumphii beschriebene, sondern soweit sich aus
seiner Beschreibung schliessen lässt, dessen Ps. Belangen ;
denn die Seitenzähne sind, wieHerbst selbst auch angibt,
stumpf und schwach; die Höcker 2 F. und 1 M. nach Dana's
Terminologie sind stark entwickelt, 2 M. schwächer und
jederseits aus zwei Anschwellungen nebeneinander beste-
hend, w^orin die innere gerade hinter 1 M. liegt. Die Gegend
des vorderen Seitenrandes ist chagrinartig rauh und mit
vielen kleinen runden Vertiefungen versehen. Der letzte
Seitenzahn setzt sich, wie allgemein in dieser Gattung,
als Kante eine Strecke auf dem Rückenschild fort und
von deren innerem Ende läuft die schon von Herbst er-
wähnte übrigens sehr seichte Furche, eine Reihe runder
Vertiefungen enthaltend, in nach aussen und vorn convexem
Bogen gegen 2 M. zu. Grösse des Horbs t'schen Exem-
plars: Rückenschild 33 Mill. breit, 23 lang; Scheere 24
lang, 14 hoch. Nach Her b s t's Angabe soll das Vaterland
Ostindien sein. Es scheint mir das aber etwas zweifelhaft,
da ich sein Originalexemplar nicht als Art von drei theils
kleineren theils grösseren Exemplaren unterscheiden
möchte, welche Fr. Sello im südlichen Brasilien ge-
Ueber cubanische Crustaceeii. 89
sammelt hat (ßerl. zool. Mus. 148, 2303 und 2304) und
welche wiederum mit Dana's Beschreibung seiner M.
Rumphii von Rio Janeiro, Crust. S. 179, vortrefflich
stimmen. Der einzige Unterschied ist, dass bei allen drei
Brasilischen die chagrinartige Rauhigkeit der Gegend
des vordem Seitenrandes auf ein Miniraum reduzirt ist.
Bei Herbst's Exemplar zeigt sich diese Chagrinirung
nanjentlich an 2, Dana's 2 L. und 3 L. entsprechenden
Stellen, auffällig stärker, aber auch nur in der rechten
Seitenhälfte, während in der linken dieselbe gleich-
massig ist; an den brasilischen Exemplaren sind dieselben
Stellen als leichte Anschwellungen beiderseits markirt,
aber ohne stärkere Rauhigkeit.
Milne Edwards betrachtete seine Gattung Pseudo-
carcinus (=• Menippe De Haan) als dem indischen Ocean
angehörig und gab für M. ocellata „Patrie inconnuc" an;
Dana zweifelte auch noch an der brasilischen Herkunft
seiner Menippe und S. J. Smith, der an den amerikanischen
Fundorten nicht mehr zweifeln konnte, verrauthet doch,
die dortige Art möchte verschieden von der ächten indi-
schen Rumphii sein. Die Exemplare des Berliner Museums
weisen nun auch für M. ocellata die amerikanische Heimat
sicher nach. Was die von Mi'l ne Edwards beschriebene
Rumphii sei, bleibt mir zweifelhaft; die 4 Höcker nahe
der Stirne sprechen für unsere brasilische x\rt, die be-
deutende Grösse der Scheeren (pattes anteriennes extre-
raement grosses) und die Vaterlandsangabe „ocean Indien"
stimmt mehr mit einer ähnlichen aus Ostafrika als Pseu-
dozius erhaltene Art, doch dürften auch bei der Brasi-
lianerin alte Männchen sehr grosse Scheeren haben, so
gut wie bei M. ocellata.
17. Panopeus HeristüM. Edw. I, p. 403; Sidney Smith
Proc. Bost. Soc. nat. bist. XIL 1869. p. 276.
a) Rückenschild 34 Mill. lang, 50 breit, Scheere 36
lang, 19 hoch. Altes Männchen.
b) Rückenschild 27 Mill. lang, 37 breit, Scheere 25
lang, 12 hoch. Jüngeres Weibchen.
Bei allen vorliegenden Exemplaren ist die Stirne
deutlich gekörnt und die Aussenseite des Carpus gerun-
90 V. Martens:
zeit, doch letzteres bald mehr, bald weniger. Die Con-
vexität und das Breitenverhältniss des Rückenschilds varii-
ren ein wenig; die Seitenzähne sind auch bei den jüng-
sten Exemplaren, deren Rückenschild nur erst IIV2 Mill.
breit ist, verhältnissmässig ebenso scharf als bei den alten.
P. occidentalis Saussure von Guadeloupe, 1. c. pl. 1.
Fig. 6, wovon ein kleineres Exemplar aus den Händen des
Autors im Berliner zoologischen Museum vorhanden, ist
allerdings nahe verwandt, aber weicht doch ab 1) durch
den Mangel der Granulation an der Stirne und 2) durch
die Spur eines zweiten Höckers am Carpus über der
Einfügung des Scheerenrückens. Hierin mit P. Herbstii
d. h. unsern cubanischen Exemplaren übereinstimmende
finden sich im Berliner zoologischen Museum auch von
der Küste Venezuela's, Puerto Cabello, von J. Appun
eingesandt.
P. serratus Saussure, 1. c. 1, 7 ebenfalls von Guade-
loupe, steht wieder diesem Occidentalis sehr nahe, zeichnet
sich aber durch erhabene Querfalten in der vorderen
Hälfte des Rückenschildes aus. Das Berliner zoologische
Museum besitzt aus dem südlichen Brasilien durch Seil o
und von Olfers ähnliche Exemplare, welche wohl dieser
Art zugerechnet werden dürfen ; ^ die Querfalten sind
meist gekörnt, übrigens sehr variabel, die Stirne nicht
deutlich gekörnt, der Rückenschild etwas weniger breit,
die Seitenzähne durchschnittlich kürzer, die Scheeren
stärker, der Carpus mehr oder weniger runzlig, meist
ohne Spur eines zweiten Höckers, die Grösse bedeutender
als bei Saussure, Rückenschild 26 Mill. lang, 34 breit,
Scheeren 29 lang, 16 hoch.
P. Americanus Saussure, i. c. 1. 8. (ein unpassender
Name, da alle Arten aus Amerika), auch von Guadeloupe,
ist kleiner, ebenfalls weniger breit und hat stumpfe abgerun-
dete Zähne ; da auch die kleinsten cubanischen spitzige Zähne
haben, so war ich geneigt, dieses für ein haltbares Artkenn-
zeichen zu halten, finde aber unter denen von Puerto Cabello
nun auch ein ganz kleines Exemplar mit stumpfen lappenför-
migen Zähnen, das aber desshalb nicht mit Americanus ganz
zusammenfällt; weil sein Rückenschild die breite Form
üeber cubanische Crustaceen. 91
des P. Herbstii hat, 9 Mill. Länge auf ISVz Breite.
Sidney Smith spricht und beschreibt am angeführten
Ort noch mehrere Arten.
Es ist hier schwer zu entscheiden, ob man Eine
Art mit manchfaltigen, namenth'ch auch lokalen Varia-
tionen, oder mehrere mit nur schwachen und sich ver-
schieden kombinirenden Unterschieden annehmen soll.
Jedenfalls sind all diese genannten unter sich weit
näher verwandt, als mit P. limosus Sav.
Die Farbe ist an der getrockneten mehr oder weniger
röthlich, oft namentlich auf den Scheeren dicht roth punk-
tirt oder ein rothes Maschenwerk. Auch bei dieser Art
zeigen die jungen Exemplare eine oder zwei deutliche
Furchen auf dein beweglichen Finger, die aber bei
älteren zu Punktreihen werden oder ganz schwinden.
Ich glaube, dass auch bei den europäischen Xantho-arten
ein ähnlicher Wechsel eintritt und daher die Anwesen-
heit der Furchen mit Unrecht als Artunterschied zwischen
X. tuberculata und florida geltend gemacht worden ist.
Die Gattung Chlorodius, auf Cuba nach Gu6rin
durch Chi. longimanus M. E. vertreten, fehlt in der
Gundlach'schen Sammlung. Die genannte Art lebt nach
Milne Edwards auch an den Küsten von Portorico
und eine zweite, Chi. Floridanus Gibbes = Americanus
Saussure ist von Florida über Haiti bis Aspinwall (Bradley)
bekannt, also auch auf Cuba zu erwarten.
18. Füumnus an ? acw/ea^ws /Sai/ Journ. Acad. Philad.
Guerin iconogr. pl. 3 Fig. 2. M. E. I, p. 420 (Taf.V Fig. 6)
nat. bist. I, p, 449. M. E. I.
Nur ein Rückenschild ohne Kieferfüsse und Post-
abdomen vorhanden, allem Anscheine nach dieser Gattung
angehörig, und zu keiner der mir bekannten Artbeschrei-
bungen passend. Stirne zweilappig und jeder Lappen
mit 5 spitzigen Zähnen besetzt; die äussere Hälfte des
obern Randes der Augenhöhle ist mit drei, die innere
und die äussere Ecke derselben mit je einem spitzen
Zahn versehen. Am vordem Seitenrand stehen ferner vier
noch stärkere, auch spitzige Zähne, von denen der erste
und zweite sich sehr nahe und auf einer gemein-
92 V. Martens
Schaft liehen Anschwellung stehen. Die Ober-
seite des Riickenschildes trägt zahlreiche ziemlich lange,
grade und steife, braungelbe Haare, welche übrigens
doch so weit voneinander abstehen, dass sie die Skulptur
des Rückenschildes nirgends verdecken. Diese besteht auf
den vordem seitlichen Parthieen (Hepaticalgegend) aus
mehreren spitzigen Stacheln, kürzer als die Seitenstacheln,
zwei solche auf dem Felde 2 L, zwei (links) oder drei
(rechts) auf 1 L nahe dem Doppelzahn des Randes, einer
auf 3 L und drei auf 4 L. Die Felder 2 M und 3 M,
letzteres mit der gewöhnlichen schmalen Spitze nach vorn,
sind durch seichte Furchen deutlich bezeichnet und fast
glatt, nur mit einzelnen ganz kleinen Höckerchen. Der
grösste Theil der hintern Hälfte des Rückenschildes ist
mit zahlreichen, stumpfen Höckerchen besetzt, nur die
dem hinteren Seitenrand nächsten Parthieen glatt. Der
untere Augenhöhlenrand trägt an seiner innern Hälfte
zwei grössere, nach aussen kleinere spitze Zähne. Die
Gegend unter dem vorderen Seitenrand ist mit Höcker-
chen besetzt, woran einzelne spitzig, dornförmig werden.
Die Farbe des Schildes und all seiner Stacheln und
Zähne an dem offenbar verbleichten Exemplare weiss.
Länge des Rückenschildes 15, Breite 19 Mill.
Die Abbildung bei Guerin und die Beschreibung
bei Mi Ine Edwards gibt weniger Zähne und Stacheln
und ist namentlich die Stirne nach der Abbildung bei
Guerin abweichend. Say's Beschreibung passt besser,
doch nennt er die Seitenzähne schwarz und erwähnt
auch des Doppelstachels an der Seite nicht.
19. Eriphm gonagra Fabr. M. E. I, p. 426 pl. 16
Fig. 16. 17. Cancer g. Bosc. bist. nat. d. Crust. ed. 2. 1828
pl. 2. fig. 3.
Ein Weibchen, getrocknet, röthlich gelb, fleckig,
die Finger roth. Schon von Fabricius aus Jamaica
angegeben, von Petiver pterigraphica Americ. 20,4 von
Barbados, auf Key West bei Florida von Dr. Wustcr-
mann, in Carolina von Bosc gesammelt, nach Süden bis
Rio Janeiro bekannt.
20. Lupa {Neptunus) diacantha Latr. M. E. I, p. 451.
'Ueber cubanische Cnistaceen. 93
Dana p. 272. Saussure p. 18 Alph. M. E. Arch. Mus. X.
p. 316. pl. 30 Fig. 1. Parra 49, 1 Cangrejo Xaiva.
Männchen und Weibchen verschiedenen Alters; die
Curve des vordem Seitenrandes bei kleinern Exemplaren
durchschnittlich etvv^as stärker gebogen als bei grössern,
die mittelsten Stirnzähne bei den grössten am meisten
verkümmert, das üeberwiegen des letzten (neunten) Seiten-
zahnes über die vorhergehenden bei grösseren Individuen
stärker als bei kleineren, und ebenso die relative Grösse
der Scheeren, indem deren Länge bei grössern, Weibchen
sowohl als Männchen, die halbe Breite des Rückenschildes,
den grossen Seitenzahn nicht eingerechnet, übertrifft, bei
ganz kleinen, z. B. einem Männchen mit 50 Mill. breitem
Rückenschild, dahinter zurückbleibt. Die grössten Gun d-
lach'schen Exemplare haben den Rückenschild 71 Mill.
lang und (ohne Seitenzähne) 133 breit.
Sogenannte sterile Weibchen mit dreieckigem Post-
abdomen, dessen Breite zwischen der des normalen Weib-
chens und des Männchens in der Mitte steht, kommen
mehrfach vor.
Auch von Puerto Cabello (Venezuela) durch Appun
im Berliner zoologishen Museum vertreten ; ferner Haiti,
Mexiko und bekanntlich an der brasilianischen Küste bis
Rio Janeiro zu Haus.
21. Lupa (Ärenaeus) cribraria Lam. M. E. I, p. 452.
pl. 17. Fig. 1. Dana 18. 2.
Scheint seltener zu sein, da nur Ein kleines Exemplar
(Männchen) eingeschickt worden. Rückenschild 62 Mill.
breit (ohne Seitenzahn), 37 lang. Ebenfalls auch in Rio
Janeiro, wo ich selbst sie bekommen. Im Pariser Museum
auch von Veracruz und Guadeloupe.
22. Lupa (Aclielous) spimmana Latr. M. E. I, p. 452.
Dana I, p. 273^ Alph. M. Edw. Arch. Mus. X. p. 341.
pl. 32. — Parra 49. 3.
Der Rückenschild ist mit Ausnahme der erhabenen
meist granulirten Stellen von einem dichten kurzen Haar-
filz bedeckt, was auch schon Parra angibt. Von den
acht Stirnzähnen, welche dieser Art zugeschrieben werden,
stehen die äussersten schon auf dem obern Augenhöhlen-
94 V. Martens:
rand, die nächst innern bilden die innere Augenhöhlen-
ecke und nur 4 stehen im Stirnrand unabhängig von der
Augenhöhle; von diesen letztern sind bei einem grossen
männlichen Exemplar die beiden der linken Seite nicht
vorhanden.
Rückenschild 86V2 Mill. breit, 531/2 lang.
Auch von Martinique im Pariser Museum; ferner in
Südkarolina und Brasilien beobachtet, ßosc, der diese
Art unter dem Namen Portanus hastatus zu verstehen
scheint, sagte, sie gehe ebensoviel als sie schwimme, ent-
fliehe aber schwimmend, und sie finde sich auch in Flüssen,
soweit das Salzwasser hinauf gehe, ja selbst in ganz
süssem Wasser (bist. nat. d. Crust. ed. 2. 1828 S. 227
und 234).
23. Lupa {ÄGhelcus) rubra Lam. M. E. I, p. 454. Alph.
M. E. Arch. Mus. X. p. 345 pl. 33. Fig. 1.
Der vorigen ziemlich ähnh'ch, der Rückenschild auch
grossentheils behaart, (die Haare sind bei den getrockneten
regelmässig nach vorn gelegt), aber die vordem Seiten-
ränder biegen sich viel stärker nach hinten, so dass der
Rückenschild die sechsseitige Gestalt der Thalamiten er-
hält, die Seitenzähne sind abwechselnd kleiner und grösser
und das Schenkelglied (femur) der Schwimmfüsse en-
digt an seinem untern Rande mit einem Zahn. Es be-
finden sich in der Gu ndla c h'schen Sammlung nur zwei
kleine Weibchen, beim grösseren der Rückenschild 24 V2
Mill. breit und lang. Bei beiden sind die vier mittlem
Stirnzähne stumpf abgerundet, die beiden äussern kaum von
dem vorhergehenden getrennt; von den Seitenzähnen, na-
mentlich der sechste und achte sehr klein, so dass, wenn sie
von den Haaren etwas verhüllt sind, sie beim Zählen
übersehen werden können; denkt man dieselben ganz weg,
so hat man genau die Zähne von Thalamita erythrodac-
tylus Lam., wie auch schon Alph. Milne Edwards an-
deutet; bei andern Thalamiten werden noch mehr Zähne
redimentär, so dass man eine vollständige Reihe von den
regelmässigen neunzähnigen Lupen mit starkem letzten
Seitenzahn bis zu der vierzähnigen Th. Admete Herbst
durch Schwinden oder umgekehrt von dieser zu jener
lieber cubanische Crustaceen. 95
durch Einschallen kleiner Zähne und Grösserwerdcn der
eingeschalteten mit Beispielen belegen kann. Bei unsern
Exemplaren ist der zweite Zahn kaum kleiner als der
erste. Der Zahn am Unterrand des Schenkelglieds der
Schwimmfüsse ist bei diesen kleinen Exemplaren sehr
schwach.
24. Lupa forcej)s Fabr. Leach zool. miscell. I, pl. 54
M. E. I, p. 456. Gu^rin cub. p. VII. Alph. M. E. Arch.
Mus. X. p. 352. pl. 28. Fig. 1. — Parra 51. 3. Xaiva de
horquilla, kopirt bei Herbst III 55. 4.
Vier Männchen von der Grösse des bei Parra ab-
gebildeten und zahlreichere junge Exemplare in Spiritus.
Saussure 1. c. S. 18 hat eine neue Art aus Cuba,
Lwpa ancepSf Fig. 11 aufgestellt, von der er übrigens selbst
sagt, sie repräsentire vielleicht den Jungenzustand von
L. forceps; doch seien die Scheeren um so viel kürzer
dass eine völlige Umänderung der Form anzunehmen
wäre, wenn man sie nicht für verschieden halten wolle.
Es ist nun allgemeine Regel bei den Decapoden und hier
auch schon wiederholt bemerkt, dass die Grösse der
Scheeren mit der Grösse der Individuen unverhältniss-
mässig zunimmt ; aber nicht nur die Grösse, sondern
auch die artliche Eigenthümlichkeit ihrer Gestalt tritt
bei grössern (altern) Individuen greller hervor, so habe
ich es an Palaemon bemerkt (dieses Archiv 1868 S. 32,
1869 S. 23) und diese Lupa gibt ein weiteres Beispiel.
Unter den G undlach'schen Exemplaren finden sich
Exemplare, welche ganz gut mit Saussur e's Abbildung
seiner anceps stimmen, bei allen ragen die äussern Kiefer-
füsse weiter nach vorn vor, als der Stirnrand, was für
forceps charakteristisch ist und von Alph. Mi Ine Ed-
wards sogar als Gattungscharakter benutzt wurde, um
diese Lupa von allen andern zu trennen. Bei den kleinsten
männlichen Exemplaren (A) sind die Finger kürzer als der
Palmartheil und die ganze Scheere nicht länger als der
Rückenschild von vorn nach hinten; bei etwas grössern,
dem von Saussure abgebildeten Exemplar ungefähr ent-
sprechend, B und C, sind die Finger immer noch kürzer
als der Palmartheil der Scheere, aber die Länge der
96 V. Märten s:
ganzen Scheere schon der Breite des Rückenschildes fast
oder ganz gleich; endlich bei noch etwas grössern, D,
sind die Scheeren ebenfalls so lang als der Rückenschild
breit, aber die Finger doch schon länger als der Palraar-
theil. E endlich ist die ausgebildete Lupa forceps, die
Scheeren länger als der Rückenschild breit und die Finger
viel länger als der Palmartheil.
Exemplare Rückenscbild Sc
lang breit
ohne Seitenzähne
A 9 12
B 11 171/2
C 12 18
D 14 2OV2
E 25 42
Die Kanten des Palmartheils sind bei den Jüngern
auch verhältnissmässig stärker und werden schwächer,
je mehr der Palraartheil gegen die Finger zurücktritt;
die Furchen an den Fingern sind bei den kleinsten, A,
noch sehr stark, bei den grössern schwächer und fehlen
schon bei D. Ebenso wird der vorderste Stachel des
Palmartheils an der Einlenkung des beweglichen Fingers
successive schwächer, während der benachbarte seitliche
auch bei der erwachsenen forceps gross bleibt. Die Lage
der Kanten und Zähne an den Scheeren, sowie die
Charaktere der Stirne und des Seitenrandes sind bei
jungen und alten, anceps und forceps, dieselben. Die
Maasse sind alle von Männchen genommen, doch sehe
ich keinen bedeutenden Unterschied zw^ischen Männchen
und Weibchen.
Die Scheeren der jungen sind demnach denen der
übrigen Lupa- Arten, erwachsen oder jung, ähnlicher, als
diejenigen der erw^achsenen, und die auf der Scheere
beruhende Arteigenthümlichkeit tritt im Lebenslaufe des
Individuums später hervor als die auf der Länge der
Kieferfüsse beruhende.
Catometopa.
2b,Eptlobocera Cubensü, Stimpson Ann. Lyc. nat. bist,
N.-York. \iL 1862 p. 234 (Taf. IV Fig. 7 a b).
lieber cubanische Criistaceen. 97
Drittes Glied des äussern Kieferfusses (meroite du
hectognathe Alpli. Mi Ine Edwards) breiter als lang
(Verhältniss von 10 zu 7), sein Innenrand gerade, nicht
nach aussen zuHickweichend, sondern die Linie des Innen-
randes des vorhergehenden Gliedes unmittelbar fortsetzend,
kürzer als der Aussenrand, die innere Hälfte des Vorder-
randes zur Aufnahme des folgenden Gliedes seicht aus-
geschnitten; Palpe dieses Kieferfusses das zweite Glied
etwas überragend. Rückenschild ganz glatt, mediane
Längsfurche auf der Stirnc sehr schwach ; Protogastral-
höcker nur schwach, glatt, beide Querleisten der Stirne
nicht gekerbt, die obere schwächer. Vordere Scitenränder
mit zahlreichen kleinen stumpfen Zähnen. An der Innen-
seite des Carpalglieds zwei kleinere und ein grosser Zahn,
Zwei Exemplare, ein Weibchen, trocken, und ein
junges unvollkommen erhaltenes Männchen in Spiritus,
alle aus süssem Wasser ; Rückenschild des erstem 39 Mill.
breit, 25 lang. Der Gesaramthabitus, das Epistom, die
Scheeren uud Füsse ganz wie bei den andern Arten von
Boscia, so dass diese neue Art nicht wohl als Gattung
getrennt werden kann, obwohl die Form der Kieferfüsse
(Fig. 7 b) sie, wenn wir nach Milne Ed ward s bestimmen,
zu den Thelphusen und nicht zu den Boscien verweisen
würde. Die Form des dritten Gliedes der äussern Kiefer-
füsse ist allerdings bei B. Cubensis ähnlich derjenigen
bei Thelphusa, aber auch bei der typischen Art der Bos-
cien, dentataLatr., nicht eigentlich länger als breit (Milne
Edwards bist. nat. crust. pl. 18. Fig. 16.), nur nach
vorn sich gleichmässig verschmälernd und daher den Ein-
druck des Länglichen machend. Am ähnlichsten unserer
Art ist B. Americana Saussure, 1. c. pl. 2. Fig. 12, von
Haiti, dessen betreffendes Kieferfussglied (Fig 7 c) nach
der Abbildung 12a einen nach aussen zurückweichenden
Innenrand zeigt und daher die halbeiförmige Form des
Typus treuer beibehält, während sie bei dem unsrigen
ungleichseitig viereckig ist. Der Palpus dieses Kiefer-
fusses reicht bei ß. dentata nach Exemplaren des Berliner
Museums aus Caracas (2122) weit nicht zur Hälfte, in der
Abbildung bei Milne Edwards, Fig. 16^ ungefähr bis
Archiv f. Naturg. XXXVUI. Jahr?. 1. Bd. 7
98 V. Härtens:
zur Hälfte der Länge des zweiten Kieferfussgliedes, bei
B. Americana nach Saussure's Abbildung bis nahe an
dessen Ende, bei unsern B. Cubensis, bis über dasselbe
hinaus, ebenso bei Thelphusa.
Der ümriss des Riickenschildes und die Form der
Scheeren der ß. Americana passt sehr gut zur unsrigen,
nur scheint die Stirne mehr zweilappig und die Längs-
furche derselben nach der Abbildung tiefer zu sein,
während sie im Text rudimentär genannt wird. Ebenso
sind die Seitenränder nach dem Text nur fein gekörnt,
nach der Abbildung ebenso gezähnelt wie bei unserer
Cubensis. Wenn Saussure sagt, seine Art habe nicht
4, sondern 5 Stachelreihen an den letzten Fussgliedern,
drei vordere und zwei hintere, so passt dieses aller-
dings auch auf B. Cubensis, aber überhaupt auf alle mir
bekannte ßoscien, während die Thelphusen nur 4 haben,
statt der fünften (vordem untern) nur eine glatte, auf
die Mitte der Unterseite gerückte Leiste. Cardlsoma hat
nur die 4 Stachelreihen ohne fünfte Leiste, dagegen Ge-
carclnus (ruricola) sogar sechs.
Zwei mit Saussure's Abbildung und Beschreibung
von Americana recht gut passende weibliche Exemplare
erhielt das Berliner zoologische Museum duch Hrn. Ber-
kenbasch aus Mexiko, vielleicht Puebla; sie zeigen aller-
dings in den kaum vorhandenen Spuren von Zähnelung
am Seitenrand, der tiefer gefurchten zweilappigen Stirn
und der mehr dreieckigen Gestalt des dritten Glieds der
äussern Kieferfüsse sich von unserer Cubensis verschieden.
Nach einer schriftlichen Mittheilung von Hrn. Gund-
lach fand derselbe diese Süsswasserkrabbe in dem Ya-
terasflüsse Im Regierungsbezirk Guantänamo im östlichen
Theil Cuba's. Sic wird jaiva de Santa Maria genannt,
wegen einer hellen Zeichnung auf dem Rückenschild, in
welcher man die heilige Jungfrau erkennen will. Neben
ihr und häufiger findet sich nach demselben auch die
bekanntere centralamerlkanischc Süsswasserkrabbe Boscia
(Pseudothelphusa, Potamia) dentata Latr., jaiva de aqua
dolce oder jaiva de rio genannt, in Bergflüssen des west-
Ueber cubanische Crustaceen. 99
liehen Theils der Insel und auch im Flachland im Al-
mendaresfluss bei Habana.
26. Gecarcinus ruricola L. Sloane voy. I, pl. 2. Herbst
I, 3, 36; IIL 49, 1. Desm. 12, 2. M. E. I, p. 26; Cuv.
ed. ill. pl. 21; Ann. sc. nat. c. XX. pl. 202. pl. 8. P'ig. 1. —
Gu^rin cub. p. VIII. Parra Taf. 58 Cangrejos Ajaes
terrestres.
Rückenschild herzförmig, in der Mitte etwas ver-
tieft bis 116 Mill. breit und 80 lang, getrocknet schön
amaranthroth, mit mehr oder weniger blassgelb gemischt;
drei der 4 vorliegenden Rückenschilde gleichen in den
meisten Details der Herbst'schen Abbildung, nur hat
einer derselben noch je einen grössern Flecken auf
jeder Seite der Magengegend; bei dem vierten sind um-
gekehrt die seitlichen Parthieen roth, und die Magen-
gegend blassröthlich gelb. Ein Theil des Hinterrandes
zu beiden Seiten nach innen von den Hinterfüssen ist
bei allen vier blassgelb, bei dreien unter den einen auch
der grösste Theil des abwärts gebogenen Theils der Stirne.
Ein kleineres Exemplar, fast ganz kirschroth, nur
mit je zwei blassgelben Flecken jederseits in der hintern
Hälfte des Rückenschildes, dieser 50 Mill. lang, 37 breit,
zeigt die Stacheln in der obern und untern Reihe der
Endglieder der Füsse bedeutend schwächer als in den
beiden vordem und den beiden hintern; in der Form des
dritten Glieds der äussern Kieferfüsse zeigt sich keine
Annäherung an die mehr kreisähnliche Curve bei dem
noch kleineren G. dcpressus Saussure aus Haiti, L c.
pl. 2. Fig. 14, doch macht dieses Exemplar nicht ganz
unwahrscheinlich, dass die folgende Art der Jugendzustand
von ruricola sei.
27. Gecarohius lateralis Fremino. Guerin iconogr. 5. 1,
cub. p. VIII. — M. E. II. 27 pl. 18. Fig. 1—6.
Bleibt bedeutend kleiner, das grösste der vier vor-
liegenden Männchen zeigt nur 42 Mill. in der Breite und
33 in der Länge des Rückenschildes ; an den Endgliedern
der Füsse ist an der Stelle der obern und untern Dorn-
reihe nur eine glatte Leiste vorhanden. Der vordere
Seitenrand ist etwas stärker ausgeprägt. Die Färbung scheint
lÖO V. Marteiis:
etwas constanter: die vordem ^3 des Rückenschildes sind
constant dimkelkirschioth (bei getrockneten Exemplaren),
zuweilen mit vereinzelten kleinen hellen Flecken; nur
an de,n Seitenrändern und im hintern Drittel tritt die
hellere Färbung bald mehr bald weniger zusammenhän-
gend auf.
Gec. ruricola lebt nach Gundlach's brieflicher
Mittheilung in Wäldern in selbstgegrabenen Erdlöchern;
unter grossen Steinen. Er wird nicht gegessen, da sein
Genuss die Krankheit ,,Cigantera" bewirken soll, die
bisweilen tödtlich wird. In Santiago de Cuba sucht man
.dessen ungeachtet im Frühjahr die Weibchen auf, reisst
dass Rückenschild ab und nimmt die Eierstöcke heraus,
welche dann selbst auf den Märkten unter dem Namen
„caro^^ verkauft und ohne Schaden gegessen werden.
G. lateralis lebt nach demselben ebenfalls unter Steinen
in den Wäldern, und auch er hält es für möglich, dass
es nur der Jugendzustand von ruricola sei.
28. Cardisoma guanJmmi Latr. M. E. II p. 24, Ann. sc.
nat. c. XX. p. 204; Guerin cub. p. VIll; Saussurc p. 21. —
Parra 57, Cangrejos terrestres. Vgl. die folgende Art.
29. Cardisema quadratum Saussure 1. c. p. 22. pl. 2.
Fig. 13; Sidney Smith in den Transact. Connect. Acad.
II 1869. p. 16.
Ein trocknes Männchen, die Form des Rücken-
schildes sehr mit carnifex übereinstimmend, nur wenig
breiter (59 Mili.) als lang (52), der vordere Seitenrand
ist als scharfe, etwas erhabene Linie ausgeprägt und
bildet bis nach vorn zur Augenhöhle eine entschiedene
Gränze, von der auswärts die Seitengegend, wenn auch
gewölbt, doch entschieden nach unten abfällt; ein kleiner
Zahn steht hinter der äussern Augenhöhlenecke, welche
selbst eine grössere bildet; die Oberfläche des Rücken-
schildes ist von rechts nach links fast eben, nur nahe am
Seitenrand etwas sich senkend. All das passt besser auf
carnifex als auf guanhumi. Dagegen sind die Armglieder
an den beiden vorstehenden Kanten der etwas ausge-
höhlten untern Fläche gezähnelt wie bei guanhumi,
während bei carnifex die innere vordere Kante glatt ist.
lieber cabanische Crustaceeu. 101
Ferner ist allerdings die obere Kante des Palmartheils
der Scheeren und der abgerundete Rücken des beweg-
lichen Körpers mit etwas spitzigen kleinen Höckern bc-
besetzt, wie bei guanhumi, während bei carnifcx (nach
den Exemplaren des Berliner Museums) kaum Spuren
davon vorhanden sind. Auch scheinen die Füsse nicht
so stark behaart gewesen zu sein, wie bei carnifex. Das
Basalglied der äussern Fühler ist etwas weniger als bei
den andern Exemplaren von guanhumi und carnifex, doch
immer noch breiter als lang. Die Protogastralhöcker
der Stirne springen nicht mehr vor als bei diesen
beiden Arten. Die grössere (linke) Scheere klaift bei
weitem nicht so sehr, wie bei guanhumi.
Saussure 1. c. vermuthet in dieser Art den Jugend-
zustand von guanhumi, auf seine Beobachtung des Vor-
kommens und des Mangels kleiner Exemplare von charak-
teristischen guanhumi g^estützt; unser Exemplar ist nun
allerdings schon merklich grösser als das von ihm be-
schriebene, ohne dass es sich merklich mehr dem normalen
guanhumi näherte, doch immer noch kleiner als guanhumi.
Auch S. Smith hält sie nicht für Jugendzustand.
Nach Gundlach's brieflichen Mittheilungen lebt
Cardisoma guanhumi das ganze Jahr hindurch in selbst-
gegrabenen Löchern an sumpfigen und mehr oder weniger
salzigen, mit Mangle (Rhizophora) bewachsenen Stellen
der Küste. Beim Beginn der Regenzeit zieht diese Krabbe
in ungeheurer Menge landeinwärts, doch selten weiter
als eine Meile; er hat die Wege fast bedeckt von ihnen
gesehen. Sie wandert aber nicht allein zu sumpfigen
Gegenden und Gruben süssen Wassers, sondern selbst
in Wälder, Gärten und Gebäude. Auch thut sie als-
dann Schaden im Felde, indem sie die noch weichen
Maisähren zerstört und die Körner frisst. In Hühner-
ställen zerbricht und frisst sie die Eier, und tödtet selbst
junge Hühnchen, um sie zu verzehren. In den Häusern
steigt sie an den offenen Thüren in die Höfe und klettert
auf Stühle, Tische u. s. w. Dagegen wlvd sie auch von
den Menschen gegessen und bisweilen zuvor mit Mais-
körnern, Palm samen lind dgl. gemästet. Es ist sonderbar^
102 V. Martens:
dass man nie kleine Krabben dieser Art findet, da doch
die Weibchen mit Eiern unter dem Schwanz landein-
wärts wandern. Die Farbe dieser Art ändert sehr ab.
Die Männchen haben grössere Scheeren als die Weib
eben, und bald ist die rechte, bald die linke grösser.
C. quadratum lebt an gleichen Stellen wie guanhnmi,
wandert aber nicht.
30. üca una (Marograve) Latr. Scba III 20, 4., kopirt
bei Herbst I, 6, 38 als Cancer cordatus, schlecht. Can-
grejos Ajaes de Mangliar Parra Taf. 69. Fig. 1 Männchen,
P^ig. 2 Weibchen. — Uca una Latr. Guerin icon. 5, 5
(Weibchen), üca una (Weibchen) und U. laevis (Männchen)
M. Edw. II p. 22; Ann. sc. nat. c. XX p. 206, ersteres
ebenda pl. 10. Fig. 1 abgebildet und letzteres Arch. Mus.
d'hist. nat. VII pl. 16. Fig. 1 abgebildet. Cuv. ed. ill.
pl. 19 Fig 2. Gerstäcker Troschel's Archiv für Naturge-
schichte XXII 1856 S. 145. U. laevis Guerin cub. p. VII.
U. una Latr., Martens in Troschel's Arch. XXXV 1869
S. 12. ü. cordata (L.) Smith Transact. Connect. Acad. II
1869 p. 15 (Männchen).
Die zwei Gu nd 1 a c hi sehen Exemplare, ein Männ-
chen und ein Weibchen, bestätigen, was schon Ger-
stäcker nachgewiesen, dass die früher als artlich betrach-
teten Unterschiede geschlechtliche sind: das Männchen
hat ungleiche Scheeren, starke behaarte Füsse, einen brei-
teren Rückenschild mit sehr stumpfem vordem Seiten-
rand und die Gegend unterhalb desselben glatt; das Weib-
chen gleiche, kleine Scheeren, einen schmäleren Rücken-
schild mit schärferem vorderem. Seitenrand und unterhalb
desselben granulirt. Mit Ausnahme des letzten sind die Unter-
schiede des Männchens solche, welche auf weiterer Entwick-
lung und DifFcrenzirung beruhen, und daher vcrmuthlich
in der Jugend noch nicht oder nur in minderem Grade
vorhanden. Die Granulation der unteren Seitengegend
ist dagegen als Geschlechtscharakter und zwar weiblicher
unerwartet, meines Wissens ohne ähnliches Seitenstück
bei andern Crustaceen, und es wäre interessant zu er-
fahren, ob dieselbe auch schon in der Jugend vorhanden ist.
Smiths ausführliche Beschreibung unterscheidet sich
Ueber cubanische Crustaceen. 103
nur dadurch von unserem Männchen, dass er den Ein-
schnitt am Uebergang des Stirnrands in den obern
Augenhöhlenrand nicht erwähnt hat, und die äussere Ecke
des letztgenannten abgerundet nennt, während sie bei
allen mir vorliegenden eckig ist.
Lebt nach Gundlach's Mittheilung in Erdlöchern
an sumpfigen, mit Mangle (Rhizophora) bewachsenen
Stellen am Gestade; das Wasser ist daselbst oft mit
Süsswasser gemischt. Diese Angabe bestätigt meine im
Jahrgang 1869 dieses Archivs S. 13 ausgesprochene Auf-
fassung, dass Uca mehr zu den Brackwasserkrabben als
zu den eigentlichen Süsswassercrustaceen gehöre.
31. Ocypode arenaria Say, M. Edw. Ann. sc. nat. b)
XVIII p. 143.; Guerin cub. p. YII. 0. albicans Bosc
bist. nat. crust. ed. 1828 p. 244 und 249 pl. I Fig. 1. ;
Catesby II pl. 35.
/ Ein trocknes Männchen, Rückenschild breiter (34 Mill.)
als lang (26), Seitenränder sehr fein gezähnelt, beide Flächen
der Scheeren mit runden körnerförmigen, nicht spitzigen
Höckerchen besetzt, Palmartheil der grössern (linken)
Scheere so hoch wie lang; eine gut ausgeprägte erhabene
gekörnte Leiste an der Innenfläche desselben, nahe der
Basis des beweglichen Fingers, analog der von O. Fabricii
(Hilgendorf in V. d. Decken's Reisen in Ostafrika Bd. III,
Crustaceen Taf. 3 Fig. l.)> aber mehr nach oben gerückt.
Die obern Ränder der Schenkelglieder der Gangfüsse
durch den Ansatz von Haarbüscheln etwas gekerbt, doch
nicht förmlich gezähnt, die beiden untern Ränder der-
selben, sowie die obern und untern der folgenden Glieder
kontlnuirlich behaart ; die Endglieder gegen ihre Spitze
hin lanzettförmig verbreitet.
Nach den in der oben citirten späteren Monographie
von Milne Edwards angegebenen Kennzeichen hat die
Bestimmung als ai^enaria keinen Zweifel; die ausführ-
lichere Beschreibung in dessen früherem Werke jedoch,
bist. nat. d. Crust. 11 p. 44, enthält einige auf unser
obiges Exemplar nicht passende Angaben, so ragen bei
letzterem die äussern Augenhöhlenecken nicht mehr nach
vorn vor, als der mittlere auch vorgebogene Theil dea
104 V. Märten s:
obern Angenhöhlenrandes; der äussere Aiibschnitt des
uütern Augenhöhlenrandes ist kaum als solcher vorhanden,
die Scheerenflächen haben keine stachelförmigen ZUhne,
und namentlich zeigt die x\bbildung Taf. 19 Fig. 13 eine
bedeutend schmälere, ziemlich fjuadratische Form des
Rückenschildes. Aber in seiner zweiten iVrbeit citirt er
selbst diese seine eigene Abbildung nicht mehr und nennt
den Rückenschild „assez large/^
Guerin nennt sowohl 0. arenaria, als rhombca von
Cuba; die Beschreibung der letztern in Milne Edwards'
erstem Werk passt in einigen Charakteren besser auf
unser Exemplar, die in der zweiten Arbeit gar nicht.
Nach Bosc lebt diese Art in Carolina „sur les berds de
la mer ou des rivieres oü remonte la maree;^ nach Say
an sandigen Gestaden,
32. Gelasimvs voöater Herbst III 59, 1, vgl. dieses
Archiv XXXV 1869 S. 6. G. vocans M. E. II pr. 54
Cuv. ed. ill. 18, 1, G. palustris M. Edw. Ann. sc. nat.
c. XVIII^ 4, 13. — Gelasiraus sp. Saussure 1. c, p. 24.
Zahlreiche Exemplare in Spiritus und trocken;
Saussure bemerkt, dass bei jüngeren Exemplaren der
untere Augenhöhlenrand mehr gebogen sei, dass die
jungen Weibchen nur kleine Scheeren, die jungen Männ-
chen schon eine grosse haben. G u n dl ach' s Exemplare
bestätigen dieses und ein weibliches Exemplar, dessen
Rückenschild 22V2 Mill. breit 16 Hill, lang ist, zeigt, dass
auch alte WeibcJ^en nur kleine, gleiche Scheeren haben;
die Stirne dieses Weibchen ist merklich schmäler als die
gleich grossen Männchen. Der unbewegliche Finger der
grossen Scheere trägt nahe seiner Spitze zuweilen einen
zweiten grössern Zahn, in der Regel nicht, und die letzten
2 — 3 Zähnchen bilden eine bald mehr bald minder schief
von den andern zurückweichende Reihe; bei einem Exem-
plar sind die Zähnchen der grossen Scheere fast ganz ver-
kümmert. Diese Art lebt ohne Zweifel im Brackwasser,
so ist sie wenigstens in Brasilien gefunden worden und
auch von der sehr nahestehenden G. pugilator sagt Bosc:
sur les bords de la mer ou des rivieres dans lesquelles
il remonte la maree.
Ueber cubanif^che Crustai.-een. 105
33. Pmnateres Giierini M. Edw. Ann. sc. nat. c) XX
p. 219. pl. 11. Fig. 9.
Mehrere Weibchen in Spiritus. Kieferfüsse und
Scheereu, wie M. Edw. sie beschreibt. Die Form des
weichen Klickenschildes, nahezu anderthalbmal breiter als
lang, ist dieselbe wie bei P. ostreae Say Journ. iVcad. nat.
Sc. PhiLad. I p. 64. pl. 4. Flg. 5^ welcher nach L. Gibbes
auch bei Florida vorkommt (Proceed. Am. Associat. adv.
scienc. III 1850 p. 179), nach Say's Beschreibung aber
behaarte Scheeren hat; seine Kieferfüsse sind noch nicht
untersucht. P. pinnophjlax Bosc bist. nat. d. Crust. p.
294 pl. 6. Fig. 3. aus Chama Lazarus von den ameri-
kanischen Küsten scheint auch mit unserer Art überein-
zustimmen.
34. Grapsiib (Goniopsis) cruentatus Latr. M. E. II
p. 85. Ann. sc. nat. c) XX. p. 164 pl. 7. Fig. 2. Guerin
cub. p. VIII. Goniopsis ruricola (Degeer) Saussure p. 30.
pl. 2 fig. 18.
Ein Männchen, Rückenschild 55 Mill. breit, 44 lang,
Stirn zwischen den Augen 27, an ihrem untern Rande
26 Mill. breit. Rückenschild (getrocknet) dunkelpurpur-
roth, nach hinten heller, mit blassgelben Punkten und
kleinen Strichen, welche namentlich auf der Kiemen-
gegend zahlreicher werden. Arme und Füsse ntehr ziegel-
roth, die Hand nur an ihrer Oberseite noch röthlich,
sonst blass gelb, auf den Schenkelgliedern runde blass-
gelbe Flecken.
Die von Saussure 1. c. S.31 angegebenen Unterschiede
zwischen seinen Exemplaren von Cuba und zweien von
Mexiko scheinen nicht konstant zu sein, denn auch unser
cubanisches zeigt an den seitlichen Stirnlappen nicht mehrere,
sondern nur eine gekörnte Leiste, der äussere Ausschnitt
des ünteraugenhöhlenrandesistdreieckig, nicht quadratisch,
und am ianern Ausschnitt desselben berühren sich beide
Lappen, lauter Unterschiede, welche Saussure für den mexi-
kanischen gegen den cubanischen anführt; dagegen stimmt
es m der Breite der Stirne, der Länge der Augenstiele
und der gefleckten Färbung des Rückenschildes zu den
cubanischen gegen die mexikanischen. Die Scheereu
106 V. M a r t e n s : *
tragen an ihrer i\ussenseite nur oben, an der Innenseite
überall einzelne Höcker, ihr unterer Rand ist mit grösseren
Höckern besetzt.
Das Berliner zoologische Museum besitzt ausserdem
ein Exemplar dieser Art von Caracas (Venezuela) durch
Herrn Gollnier, und zwei von Liberia, Westafrika, beide
kleiner. Bei keinem sehe ich wesentliche Differenzen
von den westindischen ; der äussere Einschnitt des untern
Augenhöhlenrandes ist bei demjenigen von Caracas
seichter und mehr abgerundet, die Färbung fast einfarbig;
bei jenen aus Liberia ist der innere Einschnitt jenes
Randes etwas weiter, die Höcker auf dem niedergebogenen
Theil der Stirne fliessen in Querlinien zusammen, der
mittlere eingebogene Theil des Stirnrandes ist glatt und
die Färbung des Rückenschildes mehr kleinfleckig; andere
wesentliche Unterschiede finde ich nicht und stehe an
die genannten für spezifisch zu halten.
Bei allen mir vorliegenden Exemplaren ist der Lappen
des untern Augenhöhlenrandes, welcher den innern Ein-
schnitt nach innen begrenzt, blass gefärbt, wie der übrige
Theil desselben Randes.
35. Grapsus pictus Latr. Desmarest 16, 1. M. E. II,
86. Cuv. ed. ill. 22, 1. Guerin cub. p. VIIL G. maculatus
(Catesby) M. E. Ann. sc. nat. c) XX p. 167 pl. 6 Fig. 1.
Saussure 1. c. p. 32. — Parra 48, 3. Cangrejo de Arrecife. —
In der ausführlichen Beschreibung, welche Saussure
gibt, findet sich nur wenig, was auf das von Gundlach
eingesandte männliche getrocknete Exemplar nicht passt;
bei diesem ist der Rückenschild 54 Mill. lang, in seiner
Mitte 59 breit, zwischen den äussern Augenhöhlenecken
43, die Stirne (zwischen den innern Augenhöhlenecken) 24.
Der Rückenschild ist also nicht besonders breit zu nennen.
Die Falten der Kiemenregion sind einigermassen erhaben,
die beiden mittlem Stirnlappen bilden eine in einer ge-
raden Linie laufende mit Höckern besetzte Querkante,
aber die äussern sind etwas weiter nach vorn gerückt.
Die obere Kante des Armgliedes ist mit zwei Stacheln
bewaffnet, beide nahe dem vordem Ende und der vorderste
grösser, die untere Kante mit vier, welche auf deren
lieber cubanische Crustaceen. 107
ganze Länge vertbeilt sind, die beiden vordem grösser
und zwischen ihnen ein rudimentärer fünfter. An den
Fingern liegen die Höcker am äussern Rande der ein-
ander zugewandten schiefen Flächen, welche in die löffel-
förmige Aushöhlung endigen.
Gatcsby hat noch keine regelmässige binäre Nomen-
clatur und daher sein von Milne Edwards wieder einge-
führter Name maculatus kein Prioritätsrecht. Herbst's
Cancer tcnuicrustatus. Bd. I S. 113 Taf. 3 Fig. 33, 34 ist
nach den Originalexemplaren im Berliner zoologichen
Museum (Nro. 555 und 557) nicht diese w^estindische Art,
sondern eine nahe verwandte ostindische, G. rudis M. Edw.;
in der That kommt eines seiner Exemplare nach der
Etikette im Museum auch von Tranquebar.
Guerin führt noch Grapsus lividus M. Ed. II. p. 85
aus Cuba an. Derselbe ist sonst auch von Martinique
und Florida (Bartlett bei Gibbes) bekannt und unterscheidet
sich von pictus, rugulosus und cruentatus durch den
Mangel des Dorns am vordem Ende der Schenkelglieder,
von rugulosus, mit w^elchem er in Färbung und Form des
Rückenschildes Aehnlichkeit hat, ferner auch durch die
längliche Gestalt des dritten Glieds der äussern Kiefer-
füsse und die nicht löffeiförmig ausgehöhlten Scheeren-
spitzen.
36. Grapstis (Leptograpsus) corrugaCus, sp. n. (Taf. V
Fig. 8.
Rückenschild nahezu quadratisch, (12 Mill. lang,
14 breit) mit geraden Seitenrändern und ziemlich stark,
doch allmählig abwärtsgebogener Stirnc, Stirnrand fast
gradlinig, vom Lappen des untern Augenhöhlenrandes
weiter entfernt bleibend, als beim vorigen. Am Seiten-
rand hinter der zahnförmigen äussern Augenhöhlenecke
kein zweiter Zahn (im Gegensatz zu allen andern Grapsus-
arten VVestindiens). Rückenschild, Arme und Scheeren,
sowie Schenkclglieder der Füsse mit zahlreichen er-
habenen scharfen Runzeln besetzt, dieselben laufen auf dem
Rückenschild, einige über die ganze Breite desselben von
links nach rechts und dann an beiden Seiten etwas nach
vora sich wendend, andere kürzere dazwischen eingc-
108 V. Martens:
schaltet, an den Schenkelgliedern in schiefer Riclitung, so
dass wenn dieselben an die Seite des Körpers angeschmiegt
werden^ sie ungefähr quer laufen, und die Verlängerung
der Runzeln des Rückens bilden, indem dann die seitlichen
Parthicen, an denen die Riickenrunzeln sich nach vorn
wenden, von den Schenkelgliedern verdeckt werden ;
ähnlich verhält es sich mit dem Armglied. Carpus gra-
nulirt mit einem D.orn an der Innenseite. Drei längere
und einige kürzere Längskiele an der Aussenfläche der
Scheereri ; ihre Innenfläche glatt, Finger klaffend, stark
gezähnt, ihre Spitzen löffelförmig ausgehöhlt. Oberrand
der Schenkelglieder mit einzelnen starken kurzen Haaren
und nahe seinem Ende mit einem massigen oder schwachen
Zahn, ünterrand derselben glatt, an seinem Ende nur
ganz unregelmässig und schwach gezähnelt. Oberrand
der zwei folgenden Fussglieder mit einzelnen langen
Haaren wie bei Grapsus crinipes Dana. Endglieder mit
starken Dornen, die äussersten stärker, etwas gekrümmt,
an der Spitze bernsteingelb.
37. Grapsvs fLepiograpsus) rugulosus M. Edw.
Ann. sc. nat. c) XX p. 172. von Brasilien. Metopograpsus
dubius Saussurc 1. c. p. 29. pl. 2. Fig. 16 von St. Thomas.
Aus Cuba von Gundlach liegen mir nur kleinere
männliche Exemplare vor, Rückenschild 14 V2 Mill. breit,
11 lang, Stirn 8 breit; in Rio Janeiro habe ich selbst
grössere gesammelt, Rückenschild 18 Mill. breit, 13 lang,
Stirn 11 breit. Der Habitus Ist der des europäischen G.
varius Fabr., aber hinter der zahnförmigen äussern Augen-
höhlenecke steht nur noch ein zweiter, kein dritter
Seitenzahn. D.er ganze Rückenschild ist quergerunzelt,
die Stirn wenig gesenkt, mit leicht welligem glattem
Rand, die 4 Stirnhöcker der Protogastralregion schwach
ausgeprägt. Die Scheeren, an beiden Flächen, sowie am
obern abgerundeten und untern Rande glatt, nur an
der Aussenfläche nach innen zu eine scharfe glatte Kante,
von der Gegend des Carpalgelenkes nahe dem Unterrand
bis fast zur Spitze des unbeweglichen Fingers verlaufend ;
die Scheerenspitzen löffelförmig. Die Schenkelglieder der
Füsse au ihrem Ende oben mit einem, unten mit mehreren
Ueber cubanische Crustaceen. 109
Zähnen besetzt, ihr unterer Rand, sowie der obere und
untere der folgenden Fussglieder mit einzelnen langen
Haaren besetzt. Färbung blassgcib mit zahlreichen dunkel-
rothen den Falten entsprechenden Qucrlinien auf dem
Rückenschild; mehrere der brasilischen Spiritus-Exemplare
sind in der vordem Hälfte dunkler braun, und alle haben
den Rücken der Schecren und einen vcrhältnissmässig
grossen Flecken der Aussenscite an der Basis des unbe-
weglichen Fingers braun. Bei den cubanischen (getrock-
neten) ist diese braune Färbung nicht (mehr?) zu
erkennen.
Es ist mir wahrscheinlich, dass Saussure's Metopo-
grapsus dubius, 1. c. pl. 2 Fig. 16 dieselbe Art ist, Be-
schreibung und Abbildung passt, auch, was er selbst
von der Gattung aussagt, widerspricht nicht, nur bleibt
es räthselhaft, wie er sie Metopograpsus nennen konnte,
da diese durch die Vereinigung des Stirnrandes mit dem
untern Augenhöhlenrand charakterisirt ist, was bei unsern
Leptograpsus nicht zutrifft, von Saussure aber für seine
Art weder positiv noch negativ erwähnt wird.
38. Grapsus {Leptograjpsus) miniatus Saussure (als
Metopograpsus) 1. c. p. 28 pl. 1 Fig. 17 von St. Thomas.
Sehr ähnlich dem vorigen, aber Seitenränder mehr
convex, daher die Stirne weniger breit (3 Mill.) als die
Hälfte der Breite des Rückenschildes (8 Mill.); Füsse lang
und schlank. Zwei Männchen.
39. Grapsus (LeptograpsusJ graci'lts Saussure (als
Metopograpsus) 1. c. p. 27 pl. 2. Fig. 15 von St. Thomas.
Sehr ähnlich dem vorherge-henden, aber von den
Stirnhöckern (lobes protogastjiques) fehlen die zwei äussern
und der bewegliche Finger der Scheeren trägt auf seinem
Rücken eine Reihe kleiner Höcker. Unter den vorliegenden
trockenen Exemplaren von Cuba, Männchen und Weibchen,
finden sich grössere, als bei der vorhergehenden Art,
Rückenschild bis 19 Mill. breit, 14 lang, Stirne 11 breit.
Die Färbung ist auch bei den getrockneten in der vordem
Hälfte des Rückenschildes dunkler, im Uebrigen über-
einstimmend.
Es ist räthselhaft, wie Saussure diese Arten zu
110 V. Mart.ens:
Metopograpsiis stellen konnte, welche Gattung durch die
Verbindung des Stirnrandes mit dem untern Augenhöhlen-
rande, die bei den vorliegenden Exemplaren nicht Statt
findet, charakterisirt ist. Da er übrigens dieses wesent-
lichen Charakters gar nicht erwähnt, dagegen Alles, was
er im Text sagt und was in der Abbildung zu sehen ist,
auf die vorliegenden ebenfalls westindischen Exemplare
passt, so stehe ich nicht an, auch die Saussur€*schen für
Leptograpsus zu halten. Derselbe unterscheidet drei Arten,
konnte aber von gracilis und dubius, wie es scheint, nur
Weibchen, von miniatus nur Männchen erhalten. Die mir
vorliegenden Exemplare zeigen von gracilis aus Cuba,
wie von rugulosus aus Rio Janeiro Männchen und Weib-
chen, sein miniatus ist mir noch nicht vorgekommen.
40. Sesarma Uicordi M. Edw. Ann. sc. nat. c) XX.
p. 183. S. cinerea (Bosc.) Guerin cub. p. YIII.
Männchen und Weibchen, zahlreich, bei dem grössten,
einem Weibchen, Rückenschild 20 Mill. lang, 21 breit,
Stirne 11 breit, die Scheeren nur IIV2 lang. Beim grösstcn
Männchen sind die Dimensionen des Rückenschildcs
beziehungsweise I8V2, und 10, die Scheeren aber 13 lang.
Diese Art scheint nahe verwandt mit cinerea Bosc,
wovon mir übrigens kein sicher bestimmtes Exemplar vor-
liegt, und früher nicht von ihr unterschieden worden zu
sein; sie hat mit ihr gemeinsam den Mangel eines zweiten
Seitenzahns, die kleinen Höcker auf dem Epistom, die
kurzen, steifen, nicht sehr zahlreichen Haare an den
Füssen, aber die Scheeren sind an beiden Flächen glatt,
nur der breite Rücken des beweglichen Fingers durch
seichte Vertiefungen und Erhöhungen etwas rauh, während
sie bei S. cinerea nach Milne Edwards 1. c. ziemlich
stark granulirt sein sollen, und der Rückenschild ist etwas
gewölbt. Die Mittelfurche der Stirn zwischen den zwei
mittlem Höckern ist wohl ausgebildet, dagegen diejenige
zwischen den mittlem und äussern, schwach und nur ganz
kurz angedeutet; vor den Höckern ist die Stirne vertikal
und granulirt, ihr Rand in der Mitte merklich eingebuchtet,
an den Seiten ist er scharf und horizontal, und an den Ecken
verlängert. Carpus stark gerunzelt, mit einem eckigen
üeber cubanische Crustaceen. 111
Vorsprung an der Innenseite. Sckenkelglieder der Füsse
mit scLiippenförmigen Erhöhungen auf ihrer obern Fläche;
die nächsten Glieder (tibia) mit zwei erhabenen Längslinien
daselbst, welche sich aber nicht auf das folgende Glied
(tarsus) fortsetzen. (Ebenso ist es bei andern Arten dieser
Gattung.) Auf dem Rückenschild ziemlich zahlreiche auf-
rechte kurze Haare zerstreut. Dr. Hilgendorf hat das
Vorhandensein einer gekerbten Längsleiste auf dem Rücken
des beweglichen Fingers als Artkennzeichen bei den Se-
sarmen eingeführt (v. d. Decken, ostafrikanische Reisen,
Band III, Crustaceen Taf. 3 Fig. 3 a. d.); eine solche
fehlt Männchen und Weibchen unserer Art. Die Färbung
der getrockneten Exemplare ist blassgelb mit kleinen un-
gleichmässigen rothen , Flecken, welche in der Regel
wenig zahlreich sind, bei einigen Exemplaren aber doch
so zahlreich, dass dieselben eher roth mit blassgelben
Flecken zu nennen sind. S. cinerea lebt nach Bosc sur le
bord et dans les eaux saumätres de la Caroline, und
unter Baumstämmen, i«t also eine Brackwasserkrabbe, wie
so viele Sesarmen, und so dürfte auch S. Ricordi in ähn-
lichen Verhältnissen leben. Saussure 's S. miniata von
St. Thomas ist vielleicht dieselbe Art, nur gibt er die Stirne
etwas schmäler an.
41. Sesarma (AratusJ Pisonis M. Edw. IIp.76. pl. 19 Fig.
14 15; Ann. sc. nat. c) XX. p. 187. Guerin cub. p. IX. Martens
Trosch. Arch. XXXV 1869. S. 19 Taf. 1. Fig. 4 (Scheere).
Mehrfach, trocken und in Spiritus, bei einem die
Fundortsangabe: Cuasa bacoa en los mangles, also in den
Rhizophorasümpfen, wie Uca und demnach beide auch
hier Brackwasser- oder submarine Arten, wie ich es 1. c.
schon in Bezug auf Brasilien ausgesprochen.
Grösstes Exemplar, ein Weibchen: Rückenschild
21 lang, zwischen den äussern Augenhöhlen 22, über dem
dritten Fusspaar aber nur 17 Mill. breit, Scheeren 14 lang,
mit schönen schwarzen Haarbüscheln an der Aussenflächc.
Einige der getrockneten glänzend dunkelbraun, etwas
marmorirt, andere matt weiss. Alle vorliegenden Exem-
plare sind Weibchen; das Glied des Postabdomens ist in
das verletzte eingekeilt, wie bei den andern Sesarmen.
112 V. Martens :
42. riagiisia sqiiamosa Herbst I 20, 113. M. E. II
p. 94. Ann. sc. nat. c) XX. p. 178. Dana I p. 368.
PI. depressus (sie). Öay Jouni. Ac. Philadelpb. I. p. 100.
PI. Sayi De Kay.
Drei Männchen und ein junges Weibchen.
Es ist mir nicht möglich zwischen diesen von Cuba,
zwei von Brasilien, einigen von Madeira, lauter Männchen,
und einem Weibchen und Männchen aus dem rothen
Meer, von Ehrenberg gesammelt, konstante Unterschiede
zu finden. Herbst's Originalexemplar scheint nicht mehr
vorhanden zu sein, in seiner Figur fällt die Breite des
Rückenschildes auf, welche dessen Länge beträchtlich
übertrifi't, etwas mehr als bei den vorliegenden Exemplaren,
bei denen übrigens hierin auch kleine Schwankungen
vorkommen; bei den jungen Weibchen sind beide gleich
(16 Milk); Exemplare aus der Südsee (PI. Orientalis
Stimps.) konnte ich nicht vergleichen.
Oxyst07na,
43. Calappa 7narmorata Fabr. M. E. I, 104; Guerin
cub. p. XIII.
Parra 47, 2. 3, Cangrejo gallo. — Herbst II 40, 2
Cancer flaramens. Die Zeichnung der vorliegenden Exem-
plare wie in Parra' s Fig. 3.
44. Hepatus princeps Herbst II 38, 2 Calappa an-
gustata F. H. fasciatus Latr. Desm. 9, 2.; M. E. II 117;
Cuv. ed. 111. 13, 2 (mehr nur punktirt) ; Guerin cub. p. VI
Calappa angustata Fabr. ; Hepatus calappoides Bosc crust.
ed. 2. p. 209. Parra 48, Cangrejo gallo chiro.
Eines der cubanischcn Exemplare von Gundlach
gleicht durch die etwas breiten und ziemlich zusammen-
hängenden Querbänder des Rückenschildes sehr gut der
Herbst'schen Abbildung. Bei andern werden es nur Quer-
reihen ganz kleiner Flecken, wie in der Abbildung bei
Cuvier; Parra zeichnet nur ganz kleine Flecken ohne
Ordnung in Querreihen und ähnlich finde ich es bei einem
der Gundlach'schen Exemplare. Die Füsse bleiben
dabei quergebändert. Rückenschild bis 85 Mill. breit
und 59 lang. Bei erwachsenen seltener und schwächer,
bei jüngeren (aus Brasilien) häufiger und relativ stärker
lieber cubanische Crustaceen. 113
finden sich kleine runde Höcker gruppenweise in der
Magen- und Kiemengegend, so dass ich sehr geneigt bin,
H. taberculatus Saussure 1. c. Fig. 9. für den Jugendzu-
stand und nicht für eine eigene Art zu halten, welche in
der Mitte zwischen dieser quergcbänderten und der folgen-
den augenfleckigen Art stehen würde.
54. Hepatus decorus Herbst II, 37, 6. — Parra 46, 2. —
H. Vanbeneden u. Hecklots notic. earcinol. Fig.
Ein Rückenschild aus Cuba von Gundlach 100 Mill.
breit, 68 breit. Die Flecken wieder etwas anders an-
geordnet als auf all den drei auch unter sich verschiedenen
Abbildungen, übrigens auch auf beiden Öeitenhälften ver-
schieden, indem mehrfach auf einer Seite zwei Flecken
getrennt, auf der andern verbunden sind. Die Ausfüllung der
Flecken ist bei diesem wie bei dem Herbst'schen Original-
exemplar nicht gleich der Grundfarbe, sondern'ein blasseres
Roth. Die Zähne des Seitenrandes ebenso unregelmässig.
Das Herbst'che Originalexemplar zeigt noch einige
schwache Höckerreihen auf dem Rückenschild. Zwischen-
formen nach der vorigen Art hin sind mir nicht bekannt,
obwohl der Unterschied nur in der Zeichnung liegt.
46. Persephone punctata Browne sp. M. E. II p. 127
alsGuaia, Gu6rin cub. p.X. Bell Trans. Linn. soc. XXI. 292.
Cancer Mediterraneus Herbst II 37, 2. P. Latreillei und
Lamarckii Leach nach Bell. 1. c. Parra 51, 2 Cangrejo
tortuga.
Männchen und Weibchen, trocken und in Spiritus,
Rüekenschild bis 48 Mill. lang (nach Guerin bis 54)
und 44 breit, Scheeren 35 Mill. lang, 11 hoch. Schceren
rechts und links, sowie zwischen Männchen und Weibchen
gleich. Die vorliegenden getrockneten Exemplare zeigen
die rothen Flecken des Rückenschildcs nicht so deutlich
und nicht so quadratähnlich, wie andere ebenfalls trockene
aus Brasilien, .durch von Ol fers erhalten; zugleich ist
ihre Körnelung durchgängig stärker und die drei Spitzen
an ihrem hintern Ende bedeutend schwächer.
Guerin 1. c. führt noch Ilia punctata (Herbst) und
Myra fugax (F.) als cubanisch an; beide sind unter sich
ähnlich und schon mehrmals mit einander verwechselt
Archiv f. Naturg. XXXVIII. Jahrg. 1. Bd. 8
114 V. Martens:
worden (M. E. I p. 126); ein Exemplar aus der Herbst'-
schen Sammlung, (Berl. zool. Mus. 2187), welches das
Original zu Herbst's Beschreibung Band I S. 89 zu sein
sclieint, ist die ächte Ilia punctata von Mi Ine Edwards^
die in der That eine westindische Art sein soll. Da-
gegen stellt die Abbildung bei Herbst I, 2, 15. 16. offen-
bar Myra fugax dar und auch hiezu ist ein Original in
der Berliner Sammlung vorhanden, nro. 2190. Die Gat-
tung Myra ist aber sonst nur in Indien und Australien
gefunden und so dürfte auch G u er in s Angabe derselben
aus Cuba wieder eine Verwechslung mit Ilia punctata sein.
' 47. Ebalia fLithadia) Cubensis sp. n. (Taf. V Fig. 9)
Der Rückenschild hält etwa die Mitte zwischen
Lithadia Cumingii Bell Trans. Linn. soc. XXI pl. 33 Fig. 6
und Oreophorus nodosus Bell ebenda 33, 8. Der ej;was
mehr breite .als lange Gesammtumriss und die drei sehr
stumpfen horizontalen Zähne des vordem Seitenrandes
gleichen denen von Oreophorus nodosus, die tiefen Gruben
auf dem Rückenschild in ihrer Anordnung auffallend denen
von Lithadia Cumingii, nur si/id die hintern merklich
kürzer, jede derselben in etwa halber Länge durch einen
Damm im Niveau der sonstigen Schalenoberfläche in zwei
getheilt und die hintern Theile nach innen zu durch einen
schmalen Streifen in der Mittellinie vereinigt. Der Hinter-
rand hat keine Vorsprünge.
Das Armglied der Scheere ist auf seiner Unterseite
gekörnt und sein äusserer Rand in eine flügeiförmige
Kante zugeschärft; seine Oberseite in ihrer innern Hälfte
mit grössern Höckern besetzt; über der Einfügung des
Carpalglieds ein starker stumpfer Vorsprung. Carpalglied
vieleckig, auf der untern Seite gekörnt, auf der obern
glatt. Am Handglied der vordere (obere) Rand glatt, kiel-
förmig, die Unterseite zeigt ein längliches gekörntes Feld
von der Artikulation mit dem Carpalglied bis zur Basis
des beweglichen Fingers, und ist im übrigen Theil glatt;
an der Oberseite nahe dem Innenrande eine grobgekörnte
Leiste. Unbeweglicher Finger mit einer Seitenfurche,
beweglicher mit einem Knoten an seiner Rückenseite nahe
der Basis.
lieber cubanische Criistaceen. 115
An den übrigen Fusspaaren der obern Rand der
Tibial- und Dorsalglieder mit starken zahlreicben Dornen,
der untern Kand der Fcmoral- und Tibialglieder mit
feinern Knötchen besetzt.
Acussere Kieferfüsse ähnlich denen von Lithadia, der
Palpus am Ende noch mehr abgerundet, das zweite Glied
mit einer seichten Längsgrube in seiner Mitte. Pterygoi-
dalgegend dicht gekörnt. •
Am Abdomen des Weibchens das dritte bis sechste
Segment in Ein Stück verwachsen, in der Mitte gekörnt,
zu beiden Seiten der Mitte fünf kleine Gruben, die äusseren
Parthieen mit unregclmässigeren und seichteren Vertie-
fungen,
Ein trockenes Weibchen, Rückenschild 11 M. lang,
13 breit, in der Mitte blassroth, im Uebrigen weiss;
Scheeren 5 Mill. lang, 27-2 hoch. Als selten bezeichnet.
L. cadaverosa Stimpson Crust. of the Gulf Stream
im Bulletin of the Museum of comparative zoology, Cam-
bridge, II. 2. p. 159 scheint der Beschreibung nach dieser
Art ziemlich ähnlich (abgebildet ist sie nicht) aber in ein-
zelnen Details, z. ß. den zwei starken abwärts gerichteten
Zähnen des Seitenrandes verschieden zu sein.
Es möge erlaubt sein, die Beschreibung einer zweiten
südamerikanischen Art einzufügen:
Ebalia fLitJtadiaJ Brasüiensis n. Taf. V Fig. 10.
Ein starker abwärts gerichteter Zahn jederseits am
vordem Seitenrande, hinter demselben eine Einbucht und
darauf zwei schwächere nicht abwärts gerichtete Läpp-
chen, deren zweites die Grenze zwischen dem vordem
und dem hintern Seitenrand bildet; ein ähnliches stumpfes
Läppchen, in der letzten Strecke des hintern Seiten-
randes (posterior branchial lobe bei Bell, 3 R. bei Dana)
Hinterrand (Intestinalgegend M. E., 2 P. Dana) aus
jederseits einem grossen abgerundeten Lappen gebildet.
Beweglicher und unbeweglicher Finger an der Innen-
und an der Au.ssenseite mit je einer Längsrinne versehen.
Farbe blassroth. Länge des Cephalothorax 0,014, Breite
0,015, Höhe 0,0105 Mill., Hand 0,0075 Mill. lang, wovon 0,09
116 V. Härtens:
auf die Finger, 0,0035 hoch. Bai von Rio Janeiro, in 5
Fäden Tiefe, auf Thongrund.
Gleicht im allgemeinen Aussehen der einzigen bis
jetzt bekannten Art dieser Gattung, Lithadia Cumingii
Bell Transact. Linn. soc. XXI 1855 p. 305, pl. 33 Fig. 6,
unterscheidet sich aber von derselben durch die ange-
gebenen Merkmale. Die granulirte und stark höckerige
Oberfläche des Cephalothorax zeigt jederseits zwei tiefe
ebenfalls granulirte Einsenkungen, die eine nahe dem
vordem Seitenrande und diesem parallel, vorn und hinten
erweitert, in der Mitte schriial und hinter der Mitte nur
durch eine schwache Brücke von der Einbuchtung des
vordem Seltenrandes hinter dem abwärts gerichteten Zahn
getrennt; die zweite im hintern Tlieil des Cephalothorax,
die regio cardiaca (1. P.) von den branchialcs (3. R.)
sowohl als von der intestinalis (2. P.) abtrennend und den
Hinterrand oberhalb der Einfügung des fünften Fusspaars
erreichend. Gestalt der äussern Kieferfüsse und der
Hände wie in der angeführten Abbildung von L. Cumingii,
die erstem schwächer granulirt als die Aussenseite des
Abdomens ; dieses ist sehr breit und gewölbt, eine geräu-
mige Brusthöhle bildend; sein viertes, fünftes und sechstes
Glied unter sich verwachsen zu einer grossen Platte,
welche durch zwei Längsfurchen und ein mittleres
schmales und je ein doppelt so breites äusseres Feld ge-
theilt %vird.
Ana m u r a.
48. Dromia lator M. E. II. p. 174. Guerin p. 13.—
Parra 46. Cangrejo cargadore (Lastträger, daher der Name
lator).
Grösstes Exemplar (Männchen) 84 Mill. breit, 74 lang.
( lUickenschild).
Mittleres Exemplar (Männchen) 59 Mill. breit, 52 lang.
Kleinstes Exemplar (Männchen) 17 Mill. breit, 18 lang.
Es passt daher nur auf die grösseren Exemplare,
wennMilneEdwards diese Art in die Abtheilung setzt,
deren Rückenschild viel breiter als lang ist. Uebrigens
Ueber cubanische Crustaceeu. 117
ist dieöc Art der ciiropäiöclicn D. vulgaris M. E. recht
ähnlicli. An einem der kleinen Exemplare zeigt sich
nach Wegbiirstiing des Haarüberzuges, dass nur die zwei
Zähne hinter der äussern Augcnhohlenecke spitzig sind,
diese selbst und die zwei hintern ganz stumpf.
Hypoconcha sabulosa Herbst, beide bei Guerin
als cubanisch angeführt, und Homola spinipes Guilding,
fehlen in der G undlach' sehen Sammlung.
49. Alhunea Paretii Guörin Revue et Mag. zooi.
1853 p. 48 pl. 1 Fig. 10.
Rückenschild 28 Mill. lang, 26 breit. Die iVugen-
träger spitziger als bei der sonst nahe verwandten A.
symnista F. Dieselbe Art besitzt das Berliner Museum
auch aus Caracas Alb. scutellata ebenfalls aus Venezuela.
50. Bemipes Citbensis Öaussure 1. c. 36, pl. 2 Fig. 19.
Petiver Pterigraph Americ. 209 (von Barbados).
Zahlreiche Spiritusexemplare. Zuweilen zeigen sich
dunkle wellenförmige Längsstreifen auf dem Rückenschild.
Diese Gattung ist beiden Oceanen gemein; R.
testudinarius Latr. fand ich wiederholt im indischen
Archipel, z. B. auf Batjan (Molukken) und bei Larentuka
(auf Flor es).
51. Pagurics fClibanariusJ Cuhensis Saussure l. c.
p. 39. Vgl. Cancer sclopetarius Herbst II 1791 S. 23.
Taf. 23 Fig. 3 und P. vittatus Bosc bist. nat. crust. ed. 2.
1824 p. 327 pl. 12 Fig. 1.
Mittelzahn des Stirnrandes am Rückenschild spitzig.
Augenstiele länger als die Stiele der äussscrn Fühler
und gleich der vordem Breite des Rückenschildes; die
Schuppe an der Basis der Augenstiele relativ länger
und spitziger als bei P. cinctipes. Der Palpus der äussern
Antennen das letzte Stielglied derselben nur eben noch
erreichend. Scheeren gleich, mit spitzigen Höckern ver-
sehen. Die zwei folgenden Fusspaarß ziemlich behaart,
ihr Tarsalglied lang, mit stumpf erhabener Längsleiste
zwischen zwei Punktreihon. Farbe der vorliegenden
Spirituscxemplare gleichmässig hellgelb, die Scheeren-
spitzen und die Spitzen des zweiten und dritten Fuss-
paares schwarz.
118 V. Mai'tens:
Das Originalexemplar des Cancer sclopetariiis Herbst
ist leider nicht Diebr im Berliner Museum nachzuweisen.
Seine Abbildung stellt eine langtarsige x\rt mit Einem
breiten Farbenstreifen über alle Glieder des zweiten und
dritten Fusspaars vor; dieser Farbenstreifen ist in der
Abbildung blau, nach dem Text ^^sächsisch grün". Das
dritte Glied des Fühlcrstiels soll nach aussen in eine
kleine Spitze endigen, was ich von keinem Clibanarius
kenne. Ein Vaterland gibt Herbst nicht an. In dem
Farbenstreifen stimmt damit auffällig ein Exemplar eines
langtarsigen Clibanarius, das ich selbst zu Rio Janeiro
gesammelt; die Farbe selbst des Streifens ist freilich in
Spiritus nur ein dunkleres Roth. Formunterschiede von
Cubensis finde ich an demselben nicht. Pagurus vittatus
Bosc, aus Carolina, hat w-eisse Längslinien an den Füssen
und ebenso gezeichnete — drei helle Längslinien an der
Aussenseite der drei letzten Glieder des, zweiten und
dritten Fusspaars — befinden sich, leider ohne Fundorts-
angabe, im Berliner zoologischen Museum. Pag. tubereu-
losus M. E. n p. 229 soll, wie es scheint, keine Haare
an den Scheeren haben, was auf keinen der bisher ge-
nannten passt, und die Farbe w^ird kurzweg als röthlich,
gelb gestreift_, angegeben. Die Abbildung, Ann. sc. nat.
seconde serie. vol. YI pl. 13 Fig. 1, stimmt ziemlich in
den Verhältnissen zu unserer Art; die Zeichnung ist da-
selbst nicht angegeben.
Saussure beschreibt an seinem Cubensis braunviolette
Längsbänder (in der Mehrzahl) in der ganzen Länge der
Füsse. Wenn diese Zeichnung als Artunterschied brauch-
bar ist und sich an Spiritusexemplaren immer erhält, so
müsste ich aus den vorliegenden Exemplaren eine eigene
Art machen.
52. Vagurus fCalciniisJ einet ijjcs Guerin bei Ramen
cub. Crust. p. XIV pl. 1 Fig. 12—14.
Drei Spiritusexemplare, die in der Färbung genau
mit dieser Abbildung übereinstimmen; abcft' der Palpus
der äussern Fühler erreicht nicht ganz die halbe Länge
der Augenstiele und die Scheeren sind glatt, ohne Höcker,
an der Spitze löffelförmig und die linke ist an allen viel
lieber cubanische Crustaceen. 119
gröbser. Da alle klein sind, der Rückenscliild nur 8 Mill.
lang, die grössere Scheere 6 lang und 4 hoch, so beruhen
diese Unterschiede vielleicht auf dem Jüngern Alter. Die
Farbe ist mehr oder weniger scharlachroth (an einem ge-
trockneten Exemplar mehr violett) mit zahlreichen gelb-
weissen Punkten, die Enden der Scheeren und ein oder
zwei Querbänder am Ende der Füsse blassgelb, die
Scheerenspitzen ganz blass, die Fussspitzen schwarz.
53. Fagurits insignis Saussure 1. c. 37. pl. 3 Fig. 20.
Nächstverwandt mit dem folgenden P. granulatus,
die Höcker an den Scheeren sind wie bei diesem mit
einem ausgebildeten Halbkreis von Haaren umgeben, aber
diese Höcker selbst sind durchschnittlich spitziger und
mehr einfach als bei granulatus; die Spitzen der Scheeren
bei jungen und alten Exemplaren schwarz und glatt.
Die Augenstiele sind nicht so lang als der Rückenschild
vorn breit ist, und kürzer als die Stiele der äussern
Fühler, bei Einem ganz kleinen Exemplare dagegen so
lang als der Rückenschild vorn breit, und etwas länger
als die genannten Fühlerstiele: die Basalschuppe der
Augcustieie hat mehrere (2 — 4) spitzige kleine Zähnchen;
die Cornea nimmt ein Viertel der Länge der Augenstiele
ein, also mehr als bei P. granulatus. An allen fünf vor-
liegenden Exemplaren ist die linke Scheere die grössere,
doch ist der Unterschied nicht bedeutend. Das zweite
und das dritte Fusspaar sind glatt, mit zerstreuten Büscheln
von wenigen starken Borsten; nur an der Aussenseite der
zwei letzten Glieder des dritten linken Fusses finden
sich ähnliche Höcker und Haarreihen wie an den Scheeren,
und hier auch eine auffällige Längskante in der Mitte der
Aussenseite, welche durch Querreihen von meist drei
Höckern dachziegelartig geschuppt erscheint; die Aussen-
seite dieses Fusspaars kommt beim Zusammenschmiegen des
Krebses in die Schneckenschale neben die Scheere zu
liegen und bleibt von aussen sichtbar, womit zusammen-
hängt, dass sie auch deren äusseres Ansehen theilt.
Rückenschild bis 54 Mill. lang und 22 breit, linke Scheere
24 Mill. lang und ebenso hoch; eine einzelne Scheere, die
entweder zu dieser Art oder zu granulatus gehört, ist
120 V. Martens:
sogar 88 Mill. laug und 44 hoch. Das zweite und das
dritte Fusspaar haben Querbänder und feinere Nctzlinien,
welche beide an 8pIritusexempLiren lebhaft ziegelroth sind.
54. Pagurus granulatus Ollvler M. E. II 225; Guerin
cub. p. 14. Petrochirus g. Stimpson Proc Acad. Nat. Sc.
Phlladelph. 1858. — P. miliarius Bosc bist. nat. d. crust.
ed. 2 1828 p. 325 pl. 12 Fig. 1. — Parra Taf. 61 Macäö
Augenstiele lang, länger als die Stiele der äussern
Fühler und als die vordere Breite des Rückenschilds;
ßasalschuppe der Augenstiele mit Einem starken Zahn.
Scheeren stark, ihre Aussenselte zeigt Gruppen von 3 — 7
stumpfen Höckern, welche von einem Halbkreis anliegen-
der Haare umgeben sind, ähnlich wie auf dem Rückenschild
von Plagusia squamosa; dao, rechte Scheere etwas grösser,
die Spitzen beider Scheeren stumpf, von derselben Skul-
ptur und Farbe, wie die Scheere selbst (bei Alten; junge
mir nicht bekannt). Am zweiten und dritten Fusspaar
ähnliche Anordnung von Haaren, doch durchschnittlich
in flacherem Bogen; an keinem dieser Füsse eine auf-
fallende Seltenkante.
Färbung in Spiritus einfarbig braun.
Cephalothorax mit den welchen Seitenflügeln 50 Mill.
lang, rechte Scheere 51 Mill. lang, 29 hoch ; eine einzelne
noch grössere (auch rechte) Scheere 88 Mill. lang und
44 hoch.
Stimpson hat eine eigene Gattung Petrochirus,
für Pagurus granulatus errichtet 1858 p. 71), die Unter-
schiede desselben von Pagurus im Sinne Dana's. (Pagurus
B, b M. E.) sind aber unbedeutend und der vorliegende
P. insignis Ist einerseits dem granulatus, andrerseits dem
ostindischon punctulatus so ähnlich, dass die Trennung sich
nicht empfiehlt ; die Anordnung der Haare an den Scheeren
ist wie bei granulatus, die Scheerenspitzen, das Ueber-
wlegen der linken Scheere und die Form der Augenstiele
wie bei punctulatus ; die Bildung der Basalschuppe des
Augenstiels genau In der Mitte zwischen beiden (bei einem
Exemplar des P. granulatus von La Guayra zeigt der ein-
zige Zahn noch ein Seitcnzähnchcn nahe seiner Spitze).
üeber cubaiiische Crustaceen. 121
55. Coenohita Diogenes Latr., M. E. II p. 240 pl. 22
Fig. 11 — 13. Catesby nat. bist. Carolina II 83, 1.2. Guerin
cub. p. XV. Cancer clypeatns Herbst 11 23 2. jung (non
C. clypeat. M. E.)
2 Exemplare in Spiritus.
Diese Art nähert sich dem C. clypeatus M. E. durch
die Aiigcnstielc, die z^var nicht cylindrisch, sondern pris-
matisch, doch nicht so stark zusammengeprcsst, ^vie bei
C. rugosus sind, stimmt aber in der Anwesenheit eines
doppelten Haarpolstcrs und der nicht abgetrennten Fühler-
schuppe mit C. rugosus liberein und entfernt sich dadurch
von clypeatus. V^l. Hilgendorf in v. d. Deckens Reisen
in Ostafrika, Bd. III S. 98, 99. Lebt mehr auf dem
Trocknen als im Wasser.
56. Percellana armata Gibbes Proceed. Am. Assoc.
aderane sc. III 1850. S. 190. — P. galathina Bosc bist,
nat. d. crust. ed. 2. 1828 p. 297. 298 pl. 6. Fig. 2. (Taf.
y Fig. 11) Guerin cub. p. XVI pl. 2 Fig. 1.
Mehrere Exemplare in Spiritus.
Die Beschreibung von Gibbes passt vollkommen;
Guerins Abbildung derjenigen Art, welche er erst als
neue egregia nannte und dann im Text mit galathina
Bosc identifizirt, weicht dadurch ab, dass der Carpus quere,
die Scheeren starke schiefe Runzeln zeigen und ersterer
an seinem innern oder vordem Rande vier Zähne trägt,
während an den 7 mir vorliegenden Exemplaren stets nur
3 vorhanden sind, mit Ausnahme eines einzigen, das an
Einem Arme, der übrigens verletzt und restaurirt scheint,
4 zeigt. Uebrigens scheint G uerlns Abbildung nicht sehr
genau gezeichnet, da sie z. B. am Vorderrand des Schenkel-
glieds des dritten Fusspaares links starke Zähne zeigt,
rechts aber keine; endlich ist der Dorn hinter dem
äussern Augenrande (Epibranchial-Dorn) bei dieser nicht
gezeichnet, wohl aber bei der folgenden P. amoena, welche
sich nach dem Text nur durch die Glätte des Rücken-
schilds und der Scheeren, nicht durch An- oder Abwesen-
heit von Seitenzähnen unserscheiden soll. Bosc's Be-
schreibung von galathina ist ungenügend kurz und nennt
die Schale längsgestreift, was wohl Schreibfehler für
122 V. Martens:
queri^eötrcift ist; dca die Art desslialb mit GalatCca strigosa
verglichen wird (dalier besser galateina zu schreiben); die
Abbildung ist ziemlich roh und zeigt mehr Zähnchen am
Carpiis.
57. Fercellana Sagrai Gueriu cub,. p. XVI pl. 2.
Fig. 5.
Ein Exemplar in Spiritus passt recht gut zu Guerins
Abbildung, nur zeigt es einen deutlichen, wenn auch
stumpfen Epibranchialzahn. Nach Guerins Text würde
CS demnach nicht zu dieser 'Art, sondern zu P. punctata
Guerin gehören, aber dessen eigene Abbildung von pun-
ctata, Guerin iconogr. 18, 1 zeigt auch keinen Epibranchial-
zahn und bedeutende Differenzen in der Gestalt der Stirne,
der Schccren, sowie in der Färbung. Der Aussenrand
der Scheeren ist an unseren Exemplaren mit Haaren besetzt.
58. Fercellana Gundlaclii sp. n. (Taf. V Fig. 12).
Ein Exemplar in Spiritus. Stirne abgerundet drei-
lappig. Cephalothorax in seiner vordem Hälfte querge-
runzelt, in der hintern glatt, mit seichten die Regionen
andeutenden Furchen, ohne Epibranchialzahn. Carpus und
Hand mit flachen kreisförmigen Höckerchen besetzt, Carpus
flach gedrückt, so lang wie der Palmartheii der Hand,
mit zwei höckerigen Längskanten, die eine den hintern
oder äussern Rand bildend und in einem stumpfen Zahn
endigend; vorderer (innerer) Rand ohne Zähne. Ränder
der Hand 'glatt und etwas w^ulstig. Beide Fingerspitzen
hakenartig gegeneinander gebogen. Cephalothorax 5 Mill.
lang, 4 breit.
Macrura,
Loricata.
59. Scyllarus latus Latr. Savigny Descr. Eg. 8, 1
M. E. H p. 284.
Ein männliches Exemplar von 310 Mill. Länge
(äussere Fühler mitgerechnet), aus der Sammlung von
Gundlach Nro. 67, zeigt sich in allen von Milnc Ed-
w^ards hervorgehobenen Unterschieden zu latus und nicht
zu aequinoctialis gehörig; die Höcker des Rückenschilds
sind stark behaart, in der Magengegend stehen awei
üeber cubanische (Jrubtaccen.
123
stumpfe, aber ziemllcli starke Höcker Jiinter einander, die
Zähnclungcn des 8oitcnrandcs sind deutlich ausgeprägt,
das drittletzte Glied der äussern Fühler ist so lang wie
breit und trägt starke Zähne, drei an seinem vordem,
zwei neben einander am inneren Rande, (bei aequinoctialis
nur 1 — 2 am vordei'n und alle schwächer), das letzte
Glied ist beinahe so lang wie breit, 40:45 Mill. (bei
aequinoctialis 26: 82, Unterschied zwischen beiden Ver-
hältnissen nahezu Vis, also nicht viel).
60. ScijUarus aequinoctialis Fabr. M. E. II p. 285
pl. 24. Fig. 6; Gucrin p. XVII; Parra 54, 1 Langostino.
Ein Weibchen, 284 Mill. lang. Der Vorderrand des
drittletzten Glieds der äussern Fühler rechts mit 2, links
mit nur 1, dem innern Zahn. Die rothen Flecken auf
dem ersten iVbdominalsegment scheinen für diese Art
charakteristisch. Unglücklicherweise besitzt das Berliner
Museum nur Weibchen von dieser Art, auch aus Brasilien
und Centralamerika, und nur Männchen von Sc. latus.
61. Scijllarits (Ärctus) GundlaGkis^. n. (Taf. V Fig. 13)
Ein kleines Weibchen, 39 Mill. lang, sehr ähnlich
mit dem europäischen Sc. arctus F., aber in Folgendem
unterschieden:
Sc. arctus
Drei einfache Stacheln
in der Medianlinie der vor-
dem Hälfte des Rücken-
Sc. Gundlachi.
Keine einfachen Stacheln
in der Medianlinie des
Rückenschilds, sondern nur
Schildes; ein aus einem drei je aus einem Höcker-
Höckerpaar bestehe nderVor- paarbestchendeVorsprünge,
Sprung in der Mittellinie zwei vor der Cervicalfurche,
gleich hinter der Cervical- den beiden hintern Stacheln
furche. von arctus entsprechend,
und einer gleich hinter
derselben.
Erstes Glied des Stiels Dasselbe etwa zweimal
der innern Fühler etwa drei- solang als breit,
mal so lang als breit.
Die Doppelreihe schup- Dieselben nicht von ein-
penförmiger Höcker, welche ander getrennt, in der hin-
vom inneren Augenhöhlen- tern Hälfte des Rücken-
12*
M a r t e n s :
Schildes unmittelbar anein-
ander liegend, an der Cer-
vicalfurche durch eingeschal-
tete ähnliche Höcker ver-
bunden.
'/a
Dasselbe reichlich
der Länge des Segments
in der Mittellinie einneh-
mend.
Nur zwei Paare
Fiederblättchen.
von
rande nach hinten und aussen
sich erstreckt, durch einen
gleich breiten glatten Zwi-
schenraum von der Ilöcker-
reihe am Seitenrand des
Rückenschildes getrennt.
Das glatte Feld im
vorderen Theil der 4 ersten
Abdominalsegmente V4 oder
weniger der Länge des Seg-
ments in der Mittellinie ein-
nehmend.
Die Sculptur in der
Mitte des zweiten bis fünften
Segments das Bild eines
gefiederten Blattes mit 3 — 4
Paaren von Fiederblättchen
bildend.
Das Mittelstück der
Schwanzflosse (telson) da,
wo sein kalkiger Theil in den
häutigen übergeht, jeder-
seits zwei Stacheln darbie-
tend, einen am Seitenrand,
einen mehr nach innen hinter
den grossen schuppenför-
migen Höckern.
62. Ibacus ayitarcticus Fabr. Rumph 2, C. Herbst H
30, 2. M. E. H p. 288. — Parra 54, 2 — ? Ib. Parrae M.
E., Guerin p. XVH.
Milne Edwards 1. c. unterscheidet die cubanische
Art als L Parrae von der indischen. An dem Exemplar
der G undlach'schcn Sammlung Nro. 68, einem Weib-
chen, kann ich keinen Unterschied von einem antarcticus,
den ich selbst in Ostindien erhalten, und zwar einem
männlichen, linden. Der Dorn an der Basis des letzten
Fusspaares, die Furchen der Femoralglieder, die Länge
der Tarsalglicder und die Behaarung sind dieselben, und
das cubanische Exemplar gehört demnach nach den von
Diese Stacheln fehlen
vollständig.
lieber cubanischo Criistaceen. 125
Milne Edwcirds ang-egebenen Unterschieden zu I. ant-
arcticus und nicht zu dessen Parrae. Doch passt auch
Tarra's Figur dazu. Entweder leben zwei Arten in
Westindien oder ist I. Parrae keine besondere Art. Auch
Gibbes Proceed. Am. Assoc. 1850 S. 193 kommt zu
einem ähnlichen Resultat.
G3. Palinurus longimanus M. E. II. p. 294. Guerin
p. XVII. Parra 55, 1 caraaron de lo alto.
Durch das unverhältnissmässig grosse und etwas
scheerenförmige erste Fusspaar ausgezeichnet. Das von
Gundlach erhaltene Exemplar, ein Männchen, ist von
der Stirn zur Schwanzflosse einschliesslich 134 Mill lang,
das erste Fusspaar ist reichlich ebensolang, sein vorletztes
(Tarsal) Glied 49 lang, fast so lang als das Femoralglied,
und am vordem Ende 15 hoch, das sichelförmige End-
glied in gerader Linie gemessen 17 Mill. lang, die obern
Fühler etwa 200, die untern 75. Auf der Unterseite
zeigt der hintere Rand des letzten Brust- und der sechs
vordem xAbdominalsegmente jederseits ziemlich nahe der
Mittellinie einen spitzigen Stachel.
64. Taliniirus guttatus Latr. M. E. II p. 297, pl. 23.
Fig. 1.
Ein Weibchen in Spiritus.
Die sehr detaillirte Beschreibung des P. echinatus
von S. Smith, Transact. Connecticut Acad. IL p. 20 von
Pernambuco passt in beinahe allen Einzelnheiten, nament-
lich auch in der Anordnung der Stacheln, auf das vor-
liegende Exemplar; nur ist an unserm (Mq Querfurche
der Abdominalsegmente auch am dritten, vierten und
fünften nicht unterbrochen, das zweite Fusspaar ist ein
klein wenig länger als das dritte und ich vermisse die
beweglichen Stacheln am Endglied des vierten Fusspaars
völlig. Dagegen liegt mir eine ostindische Art vor,
welche bei grosser Aehnlichkeit sich in Folgendem
unterscheidet.
Palinurus guttatus M. E. Palmur us femoristriga n.
von Cuba. von Amboina.
Rückonschild zwischen Mehrere (3—5) starke
den Tuberkeln mit Boffen kurze Borsten auf den
126
Martens:
reihen von Haaren
ähnlich wie bei
squamosa bekleidet.
filz-
Plagusia
Stacheln am Antennular-
segment doppelt solang als
die Entfernung ihrer Spitzen
von einander, unter sich
parallel.
Am Vorderrand nach
aussen von der Augenhöhle
zwei grosse und dazwischen
ein sehr kleiner Stachel
über der Einfügung der
äussern Fühler.
Hinter jedem der beiden
grossen Stacheln über dem
Auge lässt sich eine ziem-
lich regelmässige Längs-
reihe von 8 nach hinten
immer kleiner werdenden
Stacheln bis zum Hinter-
rande des Rückenschildes
verfolgen, drei davon vor,
fünf hinter der Cervical-
furche.
Der äussere Endfaden
der innern Fühler von der
Basis an dicker als der
innere.
Der Palpus der äussern
Kieferfüsse ohne Flagellum.
Epistom mit je zwei
kleinen Zähnchen zwischen
den drei grössern.
kleinen Höckerndes Rücken-
schildes, die Zwischenräume
zwischen denselben ohne
Haare.
Dieselben kürzer und
divergirend.
Ebenda zwei kleine und
ein grosser Stachel.
Dieselben Stacheln vor-
lianden, aber nicht in einer
Linie, der zweite und dritte
bedeutend mehr nach ein-
wärts gerückt, hinter der
Cervicalfurche die Stellung
der Reihenfolge gar nicht
mehr zu erkennen.
Beide Endfäden in ihrem
ersten Theil gleich dick.
Derselbe mit einem halb-
federförmigcn Flagellum
ähnlich dem der vorherge-
henden Kieferfüsse.
Epistom mit je drei
kleinen behaarten Zähnchen
zwischen den drei grössern.
Vnrderrand des grossen
Derselbe glatt.
lieber cubaiiische Crustaceen. 127
Seitenzahns der Abdominal-
segmente gekerbt oder ge-
zähnelt.
Ilinterrand des vor- Derselbe fast glatt und
letzten Segments stark ge- mit langen Haaren besetzt,
kerbt und scbwacL beliaart.
Femoralglleder mit run- Femoralglieder wie die
den Flecken. Tarsalglieder mit Längs-
bändern.
Beides nach Weibchen nahezu gleicher Grösse.
Da Mi Ine Edwards für seinen gattatus Westindien
als Vaterland nennt, in der Beschreibung nur die vor-
letzten Glieder der Füsse gestreift nennt, und auch in
der Abbildung die Femoralglieder gefleckt zeichnet, so
halte ich die cubanische Art für den ächten guttatus
desselben. Ist dieses richtig, so lässt seine ^Abbildung
einiges zu wünschen übrig; namentlich ist die Form des
ersten Glieds der äussern Fühler verzeichnet, indem dessen
Innenseite sich haarförmig zu verlängern scheint und in
Figur 2 ist der Stachel am ersten Glied des fünften
Fusspaars nicht gezeichet. Wenn dagegen De Haan von
P. guttatus sagt, dass die Zwischenräume zwischen den
Stacheln auf dem Rückenschild glatt seien, Fama japonica,
p. 159, so könnte er unseren ostindischen femoristriga mei-
nen, dagegen passt auf keinen von beiden, dass die Furchen
der Abdominalsegmente unterbrochen sein sollen. Heller
Novara~Exp. p. 95. hat die Worte spatium iiiter spinas
lacve für guttatus vermuthlich von De Haan entlehnt.
Die scheerenförmige Bildung am Gelenk zwischen
dem vorletzten und letzten Glied des fünften Fusspaars,
welche Smith für das Weibchen seines echinatus be-
schreibt, findet sich in gleicher Weise bei den W^eibchen
unseres guttatus und femoristriga. Ich finde dieselbe
übrigens im hiesigen zoologischen Museum auch an den
Weibchen von P. vulgaris, wo schon Milne Edwards
sie angegeben, argus, penicillatus, dasypus, ornatus undja-
ponicus, glaube daher, dass es die Regel in dieser Gattung
ist; bei japonicus ist sogar am Männchen der Fortsatz
am vorletzten Glied schon in etwas ähnlicher Weise vor-
128 V. Martens:
banden, ohne dass ihm aber ein Fortsatz am letzten ent-
spricht. Aebnlicb finde ich es bei einem kleinen Weib-
chen von P. Lalandei; welches demnach die einzige Art
wäre, die eine Ausnahme bildete, doch stehen mir keine
grösseren Weibchen zu Gebote, so dass vielleicht mit
dem Alter auch hier noch der andere Fortsatz sich ent-
wickelt. Bei dem Weibchen von P. trigonus Siebold
ist die Umbildung zu einer Scheere vollkommen, indem
das Endglied nicht über dieselbe hinaus sich verlängert;
ebenso bildet es De Haan ab ; wie es hier beim Männchen
ist, weiss ich nicht. Bei den andern genannten Arten
und bei P. frontalis, longimanus und fasciatus zeigt das
Männchen keinen Ansatz zur Scheerenbildung am letzten
Fusspaar.
65. Palinurus Argus Latr. M. E. II 300.
Zwei Paar Zähne auf dem Antennalring, das hintere
weiter vom vordem entfernt, als die Zähne desselben
Paars unter sich. Abdominalsegmente mit Querfurche,
die auf dem zweiten, dritten und vierten in der Mitte
unterbrochen ist, auf den andern nicht. Kleine Exem-
plare, in Spiritus einfarbig braun.
66. Palinurus sp. {or nahes Oliv.?)
Stirnrand grade abgeschnitten. Auf dem Antennal-
ring 4 grössere Stacheln uiid mehrere kleinere dazwischen;
zwei grössere und mehrere kleine Stacheln am vordem
Seitenrand über der Einfügung der grossen Fühler.
Rückenschild mit grössern nicht sehr zahlreichen Stacheln
und dazwischen kleinen mehr oder weniger spitzigen
Plöckerchen besetzt, nach hinten so dicht, dass keine
Zwischenräume bleiben, während vor der Cervicalfurche
glatte oder fein gekörnte Zwischenräume sich finden.
Die Abdominalsegmente ohne Querfurche, ihre Seiten-
zähne ganzrandig, nach hinten von ihnen ein gezähnelter
Lappen. Keine Dornen am hintern Ende.
Ein kleines Männchen, in Spiritus, einfarbig braun.
Es ist meines Wissens bis jetzt keine amerikanische
Art mit uugefurchten Abdominalsegmenten beschrieben
w^ordcn. Die vorliegende kommt dem ostindischen or-
tfeber cubanische Crnstaceen. 12Ö
natus Fabr. so nahe, dass ich ausser der Farbe keinen
bestimmten Unterschied anzugeben wusste.
Pah'nurus wird von den Spaniern auf Cuba ;,langosto/'
Scyllarus und Ibacus ^langostino" genannt; vom altrömi-
schen locusta für den Palinurus des Mittelmeers.
Astacina.
67. Camharus Cubensis Erichson Arch. f. Naturgesch.
1846. S. 98 C. consobrinus Saussure 1. c. S. 41. Taf. 3.
Fig. 21; Guerin cub. p. XYIII.
Männliche und weibliche Exemplare verschiedener
Grösse, aus süssen Gewässern. Bei den Männchen nur
am dritten, nicht auch am vierten Fusspaar ein Hacken;
die ersten Abdominalfüsse sind eigenthümlich gebildet;
obwohl nur aus Einem Stück bestehend, lassen sich doch
gegen ihr Ende zu zwei mit einander verwachsene Theile
unterscheiden, ein äusserer, der in eine stumpfe Spitze
endigt und dessen Vorderrand nahe derselben merklich
anschwillt, und ein innerer, welcher nach hinten den
vorigen überragt, nach innen eine ebene ovale Fläche
bildet, welche sich an die des Anhangs der vordem
Seite anlegt, und an seinem Ende zwei Lappen zeigt,
einen an das Ende des äussern Theils angelegten und
einen zweiten kürzeren frei nach vorn vorstehenden, mehr
abgerundeten. Die Anhänge des ersten Abdominalsegments
der Weibchen sind verhältnissmäsig länger als bei Astacus
fluviatilis und sehr schlank. Die Zahl der Zähnchen
am seitlichen Einschnitt des mittleren Schwanzstücks
(telson) variirt von drei bis fünf, selbst zwischen beiden
Seiten desselben Individuums. Die Scheeren sind mit
ganz flachen Höckern besetzt. Am beweglichen Finger
zeigt sich zu beiden Seiten der Schneide, sowie auf dem
Rücken je eine, am unbeweglichen zu beiden Seiten der
Schneide je eine, am Unterrand zwei etwas vorstehende,
doch abgerundete glatte Längsleisten. Meist sind beide
Scheeren von gleicher Grösse, doch sah Gundlach auch
Exemplare, an denen die linke viel grösser war. Der
Schnabel (rostrum) zeigt stets nahe seiner Spitze einen
Seitenzahn (Seitenspitze); dieser ist ziemlich stumpf, doch
Archiv für Naturg. XXXVIII. Jahrg. 1. Bd. 9
130 V. Martens:
variirt seine Ausbildung sowie diejenige der mittleren
oder eigentlichen Schnabelspitze etwas. Die Verlängerung
der Mittelspitze über die beiden Seitenspitzen übertrifft
in der Regel nicht oder kaum die Entfernung beider
Seitenspitzen von einander, nur bei einigen Weibchen
ist sie etwas länger. Länge des grössten Männchens von
Schnabelspitze zu Schwanzspitze 62 Mill., Länge der
Scheeren 25, Breite der stärkeren 7, der schwächeren
6 Mill.
Die Originalexemplare Erichson's, durch Otto in
Cuba gesammelt, zeigen denselben Bau der ersten Abdo-
minalfüsse des Männchens; die Weibchen sind noch etwas
grösser als das oben gegebene Maass.
Saussure hat von seinem Carabarus consobrinus
nur den Schnabel abgebildet pl. 3. Fig. 21; hiernach,
sowie nach zwei dem Berliner zoologischen Museum über-
gebenen trockenen Exemplaren ist dessen Schnabel etwas
spitziger, die Verlängerung der mittleren Spitze über die
Seitenspitze merklich länger als die Entfernung beider
Seitenspitzen von einander. Die beiden mitgetheilten Exem-
plare sind Vv^eibchen und Saussure's Beschreibung ent-
hält nichts über die männlichen Abdominalanhänge; es
muss daher noch unentschieden bleiben, ob beide in Eine
Art zusammenfallen. Eine neue Zusendung von Crusta-
ceen, welche Dr. Gundlach dem Berliner Museum ge-
macht, macht übrigens wahrscheinlich, dass in Cuba noch
eine zweite Art von Cambarus, die zwar im Schnabel
mit Cubcnsis übereinstimmt, aber im Geschlechtsapparat
abweicht.
Ich benutze diese Gelegenheit, um eines mexika-
nischen Flusskrebses zu erwähnen, welchen das Berliner
zoologische Museum vor kurzem zugleich mit C. Aztecus
und typischem C. Montezumae, angeblich aus Puebla, er-
halten hat und den ich als Cambarus Montezumae var.
tridens bezeichne. Es liegen mir davon ein Männchen
und sechs Weibchen vor, welche bei sonstiger Ueberein-
stimmung mit A. Montezumae durch den dreizahnigen
Schnabel von ihm abweichen; an jeder Seite tritt nämlich
etwas hinter der Spitze ein Seitenzäh neben auf, doch ist
Ueber cubamsche Crustacoeu.
131
dasselbe bei den verschiedenen Exemplaren nicht gleich
stark und sogar an einzelnen auf einer Seite mehr als
auf der anderen entwickelt, was den Werth dieses Unter-
schiedes schw^ächt. Bei dem einzigen Männchen dieser
Form ist übrigens noch der Fortsatz am zweiten Glied
des zweiten und dritten Fusspaars verhältnissmässig be-
deutend schwächer als bei dem unbezweifelten Montezumae.
Von A. consobriuus Saussure, aus Cuba, w^ovon ich
Exemplare aus Saussure's Hand im Berliner Museum
vergleichen konnte, unterscheidet er sich nicht nur durch
die weit mehr vorgezogene Mittelspitze des Schnabels,
sondern auch durch die Körner und Stacheln an Scheere
und Carpus, worin er A. Aztecus gleicht, während beide
bei Montezumae unbewaffnet sind, und noch mehr dadurch,
dass am Seiteneinschnifct des mittlem Schwanzflossenstückes
(telson der Engländer), nicht nur ein, sondern 3 — 4
Zähnchen stehen, nach innen zu an Grösse abnehmend.
Die von Erichson im Archiv für Naturgeschichte 1846
S. 99 beschriebenen zwei Astacusarten aus Mexiko kann
ich leider in den Berliner Sammlungen nicht mehr er-
mitteln; Erichsons Beschreibung nach hat keiner von
beiden einen dreizähnigen Schnabel und stimmt keine
seiner Arten mit einer von Saussure oder der mir vor-
liegenden mexikanischen überein, wie folgende Zusammen-
stellung zeigt:
Ein hakenförmiger
Fortsatz am zweiten
Glied der folgenden
Fusspaare beim
Männchen
Scheere
Carpus am
Innenrand
Cnbensis Erichs.
Aztecus Sauss.
Wiegmanni Erichs.
Mexicanus Erichs.
Montezumae Sauss.
dritten allein
dritten allein
dritten und vierten
dritten allein
zweiten und dritten
flach-gekörnt
gekörnt
gekörnt
dicht gekörnt
punktirt, sonst glatt
gezahnt
gezahnt
gezahnt
nicht gezahnt
nicht gezahnt
Plagen hat in seiner gründlichen Monographie der
nordamerikanischen Astaciden, lUustrated Catalogue of the
museum of comparative zeology, No. IIJ. Cambridge 1870,
die Verschiedenheit der erwähnten männlichen Anhänge
erstlich zwischen den einzelnen Arten und zweitens
132 V. Martens:
von zwei Formen innerhalb derselben Art hervorgehoben.
Unsere cubanische Art lässt sich zu keiner der drei
Gruppen, welche er in der Gattung Cambarus unter-
scheidet, genau genommen bringen, da die Form jener
Anhänge mit keiner recht stimmt; von der Gruppe von
acutus unterscheidet sie auch noch der Mangel des
Hakens am vierten Fusspaar. Die zweite Männchenform,
mit gegliederten Anhängen und minder entwickelten
Sclieeren finde ich unter den Gundlach'schen Exem-
plaren nicht vertreten, doch deutet die Bemerkung Sau s-
sure's, dass Männchen mit minder entwickelten Scheeren
vorkommen, auf das Vorhandensein einer solchen.
Cambarus sowohl als Palaemon wird von den Spaniern
auf Cuba „camaron^ genannt.
68. Callianidea GtmdlacJd n. (Taf. V. Fig. 13.)
Obwohl in einigen Prunkten merklich von der ty-
pischen Art;der Gattung (Milne Edw. II p. 319 pl. 25»^*«
Fig. 8 — 14) abweichend, sind doch die Unterschiede
nicht so bedeutend, dass ich eine eigene Gattung darauf
gründen möchte.
Rückenschild länglich, ziemlich stark zusammenge-
drückt; Cervicalfurche scharf ausgedrückt, an den Seiten
unterhalb derselben eine zweite ungefähr ihr parallele
Furche, welche nahe dem Vorderrande sich mit ihr ver-
einigt. Schnab el platt, abgerundet, wohl die Augen,
aber kaum das erste Glied der äussern Fühler nach vorn
überragend, sein vorderer und seitlicher Rand
mehrfach tief eingekerbt, wodurch eckige Läppchen
entstehen, in den Einkerbungen stehen längere Haare;
der Seitenrand des Schnabels verlängert sich nach hinten
in eine glatte scharfe Kante, welche die obere Fläche des
vorderen Theils des Rückenschildes von dessen seitlichen
Parthieen trennt und nach hinten kurz vor der Cervical-
furche aufhört. Obere Fläche des Schnabels mit kleinen
runden Höckern besetzt, seine Mittellinie nur in der
hintern Hälfte kielartig erhoben, dieser Kiel verliert sich
auf dem Rückenschild selbst sehr bald, viel früher als
die Seitenkanlen.
Ueber cubanische Crustaceen. 13
Erstes und zweites Fusspaar ähnlich denen von CalHa-
nassa; am ersten rechte und Unke Scheere gleich, Carpus
nur wenig kürzer als der Palmartheil der Hand, vorn
eben so hoch, aber nach liinten viel niedriger werdend;
einzelne Borstenhaare an den Seiten der Scheere, stärkere
Borstenbiindel an dem oberen Rande und an den Seiten
der Finger; beide Finger ziemlich an einander schliessend,
der bewegliche nicht aufFälh'g hakenförmig. Am dritten
Fusspaar alle Glieder etwas mehr platt und weniger
schlank als am vierten, doch das vorletzte (Tarsus) immer
noch doppelt so lang als breit, und nach vorn nicht
breiter werdend, während es bei Callianassa breiter als
lang und bei C. typus M. Edw. nach vorn sich sehr ver-
breitert; sowohl an seinen beiden Rändern, als an seiner
äussern Fläche stehen Haarreihen. Dieses Tarsalglied
ist am dritten und vierten Fusspaar etwas länger als das
vorhergehende Tibialglied, etwas kürzer als das Femoral-
glied. Das fünfte Fusspaar ist noch schlanker, aber nicht
kürzer als das vierte; sein Tarsalglied ist 5— 6 mal länger
als breit und sogar länger als sein Femöralglied, etwas
sichelförmig gekrümmt, und an seiner Spitze behaart,
das Klauenglied sehr klein, von den Haaren versteckt.
Die sechs ersten Abdominalsegmente sind oben glatt,
mit nur schwacher Andeutung einer stumpfen Längser-
hebung an den Seiten; das letzte ist ebenfalls glatt, ohne
Ausschnitt, abgerundet viereckig, etwas breiter als lang;
die breiten Seitenblätter, w^elche mit ihm die Endflosse
bilden, ebenso lang, die innere oval mit einem mittleren
Längskiel, die äussere noch breiter, mit zwei etwas ge-
bogenen Längskielen und ein Stück ihres Randes, w^o die
Kiele auslaufen, mit vielen kleinen Zähnchen versehen.
Der Rand all dieser Schwanzflossenblätter lang behaart.
Abdominalfüsse des ersten Paars beim Weibchen
schlank, platt gedrückt, spitz endigend. Diejenigen des
zweiten, dritten und vierten Segments blattförmig, ihre
beiden Endzweige gleichgebildet, am Aussenrande mit
einer membranartigen Erweiterung, auf welcher sich ga-
belnde Linien fächerförmig ausbreiten; der Aussenrand
dieser Membran behaart. Die Kiemen au der Basis der
134 V. Martcns:
Tlioraxfüsse unter dem Rückenschilde normal, am fünften
Paar rudimentär.
Länge vom vorderen Ende des Schnabels zum hintern
Rande der Schwanzflosse 84 Mill., zum hintern Rande
des Cephalothorax 31^ Länge der Scheere des ersten Fuss-
paars 13, Höhe derselben 6 Mill.
Nur ein Weibchen in Spiritus vorhanden. Leider
sagt Milne Edwards nicht, ob er beide Geschlechter
von Callianidea bei seiner Beschreibung kannte. Die
AbdominaltÜsse unserer Art stehen gewissermassen in
der Mitte zwischen denen seiner Gasterobranches und
denen der normalen Thalassiniden, sie sind complicirter
als letztere, aber ihre Anhänge sind nicht büschelförmig,
wie Milne Edwards sie für Callianidea beschreibt und
abgebildet, sondern in einer Ebene und durch eine Haut
vereinigt, die gegabelten Linien in dieser Haut sind
nämlich sehr wahrscheinlich den gegabelten Fäden bei
Callianidea typus entsprechend. Die vorspringende ge-
kerbte und höckerige Stirn- und die Formen des dritten
und fünften Fusspaars bieten übrigens weitere Unterschiede
von Callianidea, von einem Werthe, den man heut zu
Tage meist schon als generisch betrachtet.
Callianidea typus ist nach der Angabe von Milne
Edwards an der Küste von Neu-Irland von Quoy und
Gaimard gefunden, Callianisca elongata (Gu erin), welche
er vorläufig noch trennt. Spätere als dieselbe Art betrachten,
von den Marianen, und im britischen Museum sollen
philippinische Exemplare von Callianidea typus sein, also
derselben indisch-australischen Fauna zugehörig. Guerin
selbst aber führt in seiner -späteren Bearbeitung der Crus-
taceen von Cuba p. XVHI seine elongata unter diesen
Cubanern an und vereinigt Callianidea typus damit; die
von ihm daselbst gegebene Abbildung passt gar nicht zu
unserer Art, dagegen ziemlich gut zu Callianidea typus,
und ebenso erhielt das Berliner zoologische Museum auch
ein mit dieser Art übereinstimmendes Exemplar von
Naturalienhändler Wessel in Hamburg als aus den An-
tillen stammend.
Ueber cubauische Crustaceen. 135
Carides.
69. Alya scalva Leacb. M. p]dw. IL p. 348. pl. 24.
Fig. 15—19.
Ich finde keinen wesentlichen Unterschied zwischen
diesen cubanischcn Exemplaren und den mexikanischen,
welche das Berliner Museum früher durch Deppe erhalten
hat; die zwei vorliegenden Exemplare sind Männchen.
Von Guerin's Atyoida Poeyi unterscheiden sie sich neben
der Stärke des dritten Fiisspaars, was Geschlechtscharakter
sein könnte, wesentlicher durch die Form des Schnabels^
oben flach, mit zwei Seitenkielen wie bei Astacus. Länge
des Cephalothorax 17, des Abdomens 35, des dritten Fuss-
paars 19.
69^. Atya occidentalls Newport Ann. Mag. Nat. Hist.
XVIII 1857 p. 158.
Ein grösseres V^^eibchen dieser Gattung (die drei
betreffenden Masse 21, 44 und 23) hat nicht nur das
dritte Fusspaar ganz unbedeutend grösser als die beiden
folgenden, nur V2 Mill. länger als das fünfte Paar, und
kaum stachlig (Gattung Atyoida Randall), sondern die
Seitenkiele des Schnabels laufen auch nicht in eine Spitze
aus, sondern verlieren sich am Seitenrand, und der Schnabel
wird an seiner Spitze zusammengedrückt mit zwei Zähn-
chen am ünterrande, keine am obern ; dieser letztere
Charakter ist der einzige, der es von Atj'-oida Poeyi
Guerin cub 2, 7 unterscheidet. Ich wage nicht nach
dem Einen Exemplar über dieSpecies abzuurtheilen, bin
aber nach sonstigen Erfahrungen geneigt, die Differenz
im Sehnabel für spezifisch zu halten.
Sämmtliche Exemplare von Atya fand Gundlach in
süssen Gewässern.
70. CaricUna AmeriGanal Guerin cub. p. 18 Taf. 2
Fiff. 13.
Obwohl das eine Artkennzeichen, worauf Guerin
Werth legt, die Erweiterung und Zähnelung an den
Femoralgliedern des dritten und vierten Fusspaars an den
Gundlach'schen Exemplaren nicht eintrifft, so passt doch
136 V. Martens:
sonst Giierin's Figur in allem Uebrigen so sehr, dass
ich Anstand nehme, sie als Art zu trennen. Die genannten
Exemplare sind bis 20 Miil. lang, auch die Zähnchen
an dem Unterrand des Schnabels sind sehr schwach.
Das erste Fusspaar ist wie bei Atya, am zweiten die
Scheere ebenso, aber der Carpus nicht mehr Vförraig
sondern länglich und stielrund, wie gewöhnlich in dieser
Familie. Bei C. Mexicana Saussure 1. c. pl. 4. Fig. 26
ist auch der Carpus des zweiten Fusspaars noch mehr
Vförmig und der Schnabel ganz zahnlos.
71. Hippolyte Cubensis n. (Taf. Y. Fig. 14.)
Schnabel kurz, das erste Glied des Stiels der obern
Fühler kaum überragend, nach hinten als Kiel sich auf
etwa 2/3 des Rückcnschilds erstreckend; 3 — 4 Zähne auf
diesem Rückenkiel, 3 auf dem Schnabel selbst, an seinem
Unterrande 3—4 sehr kleine Zähnchen. Am Vorder-
rande des Rückenschildes ein Stachel über, einer unter
der Einfügung der äussern Fühler (Antennal- und Bran-
chiostegaldorn, nach Stimpson, dieselben wie bei den
europUichen Palaemonen). Innerer Endfaden der obern
Fühler die Fühlerschuppe etwas überragend, äusserer
bedeutend länger als das ganze Thier. Erstes Fusspaar
kurz, die Fühlerschuppe nicht überragend, Falmartheil
der Hand angeschwollen, lV2mal so lang als die Finger,
72 oder Vs so lang als das Carpalglied; die Fingerspitzen
breit, schwarz; alle folgenden Fusspaare sehr lang und
schmal, Carpus des zweiten Paars geringelt, das fünfte
das längste, nach vorn gelegt den Rückenschild um dessen
ganze Länge überragend. Rückenschild 18, Abdomen
26 Mill.
Von den bei Dana beschriebenen Arten kommt
PL brevirostris, S. 566, Taf. 36 Fig. 5 derselben am nächsten,
unterscheidet sich aber durch den Mangel der Zähne am
Unterrande des Schnabels, und die geringere Anzahl am
obern Rande.
72. Palaemon {Leander) vidgaris Say.
Habitus des europäischen P. squilla, Schnabel un-
gefähr so lang als die Fühlerschuppen, oben mit 7 — 8
Zähnen, wovon 2 noch auf dem Rückenschilde selbst stehen,
Uebcr cubanischc Crustacceii. 137
unten 3 Zähne. Aeussere Kieferfüsse nach vorn gestreckt
das Ende der Fühlerschuppc bei weitem nicht erreichend,
zweites stärker und länger. Finger des zweiten Fuss-
paars ein wenig kürzer als der Palmartheil der Scheere.
Nur kleine Exemplare, von Schnabelspitze zu Schwanzspitze
27 MilL, docli ein Weibchen schon mit Eiern, in Gund-
lachs Sammlung, unter Exemplaren von Xiphocaris. Meines
Wissens der erste westindische Repräsentant der Palae-
monen der ersten Section von Milne Edwards (Leander
Stimps.). Say kennt ihn südwärts bis Ostilorida.
73. Palaemon [Macrohi^aGldori) Jamaice7isis Herbst.
M. E. II. 398. Guerin cub. p. XX. Saussure 1. c. p. 49.
Martens Troschels Archiv XXXV 1869 S. 22. Parra 55. 2.
Camaron de Agua dulce.
Ein grosses männliches Exemplar aus süssem Wasser,
von der Schnabelspitze zur Sch^vanzspitze 262 MilL,
zweites Fusspaar 410, beide Scheeren gleich, Hand 219,
davon auf die Finger 109 Mill. Ein grosser Zahn auf der
Schneide jedes Fingers, der des unbeweglichen näher der
Basis; Breite des Palmartheils 30, Höhe 25 Mill. Das
grösste Exemplar dieser Art, das ich bis jetzt gesehen.
74. Palaemon {Macrohr ach ion) Fdustinus Saussure
1. c. p. 53 pl. 4. Fig. 30.
Mehrere Männchen und Weibchen in Spiritus, das
grösste von Schnabelspitze zu Schwanzspitze 94 Mill., Länge
des zweiten Fusspaars 122, Palmartheil der grossen Scheere
26 Mill. lang, 15 beit, Finger 20 Mill. lang. Bald die
rechte, bald die linke Scheere die grössere.
Sehr nahe dem P. spinimanus M. E. (dieses Archiv
1869 S. 26), durch den mit dem Stiele der obern Fühler
gleich langen Schnabel und durch die dichte, lange Behaar-
rung an der Hand.
74^. Zwei männliche Individuen, von G und lach selbst
als Varietät des eben behandelten bezeichnet, stimmen
im Schnabel vollständig überein, haben aber schwach ent-
wickelte gleiche, fast cylindrische Scheeren; das Brachial-
glied ist merklich länger als das Carpalglied, Palmartheil
der Hand und Finger unter sich gleich und bedeutend
länger als das Carpalglied; dieses Fusspaar gleicht dem-
138 V. Martens:
nach ziemlich demjenigen von Pal. Montezumae Saussure
1. c. Taf. 4. Fig. 29, aber der Schnabel hat mehr Zähne (14).
Der Körper des Individuums ist so gross wie der unserer
grössern Faustinus. Obwohl nun sonst bei bereits er-
wachsenen Individuen die Gestalt und die Gleichheit oder
Ungleichheit der Scheeren spezifische Charaktere zu sein
pflegen (dieses Archiv XXXIV 1868 S. 31), so möchte
ich doch hier ausnahmsweise das fragliche Individuum als
Faustinus mit abnorm gleichen und cylindrischen sozusagen
jugendlich gebliebenen Scheeren betrachten.
75. Falaemoii Mexicaaus Saussure 1. c. p. 52 pl. 4.
Fig. 27.
Aus süssen Gewässern.
Diese Art ist so nahe oder noch näher mit dem
brasilischen P. forceps verwandt, als Faustinus mit spini-
manus. Der Schnabel ist aufwärts gebogen, überragt ein
wenig die Fühlerschuppen, zuweilen kaum merklich und
hat oben 8 — 10 Zähne, einen noch auf dem Rückenschild
selbst, zwei ganz nahe der Spitze; wo der letzte der-
selben stark entw^ickelt ist, bildet er die Spitze selbst
und wir zählen daher einen Zahn weniger am obern
Rand; unten 5 Zähne, von Haaren verhüllt. Dies zweite
Fusspaar minder verlängert als bei forceps. Das grösste
Exemplar (ein Weibchen) zeigt folgende Maasse: Schnabel
26 Mill. Cephalothorax ohne denselben 31, Abdomen, 65,
zweites Fusspaar 74, davon Brachialglied 15, Carpal-
glied 21, Palmartheil der Hand 13, Finger verletzt, nach
andern Exemplaren zu schliessen eben so lang.
Pal. Amazonicus Heller (Sitzungsberichte Wien. Acad.
XLV. p. 418 Fig. 45 ist sehr wenig verschieden. Merk-
würdiger Weise sind alle eilf Exemplare der ersten
Gundlach'schen Sendung Weibchen, die vier einer
zweiten Sendung alle Männchen, als ob Männchen und
Weibchen von einander getrennt lebten, während unter
seinem Faustinus unter 14 13 Männchen und nur 1 Weib-
chen sich befinden. Ebenso sind unter den brasilischen
Exemplaren von P. forceps und spinimanus des Berliner
Museums die grosse Mehrzahl des erstem Weibchen, des
lieber cubanische Criistaccen. 139
letztern Männchen. Beide Artenpaare kommen an den-
selben Fundorten vor.
76. Alphc7is lutariws Sanssuvc I. e. p. 45 pl. 3 Fig. 24.
llalopsyclie 1. ejiisd. Revue zool. 1857 und Guerin cub.
p. XVIII.
Von Saussure richtig beschrieben, aber in seinen
Abbildungen sind Fig. 24 d und 24 e nicht die beiden
Maxillcn, wie es in der Erklärung heisst, sondern der
zweite und erste Kieferfuss; bei 24 e könnte sogar beim
Zeichnen eine Verwirrung eingetreten sein, da die Gliede-
rung des Stamms und der auswärts gewandte runde
Fortsatz auffällig dem Stiel der obern Fühler und dem
einwärts gewandten Auge ähneln.
77. Xiphocaris gen. nov.
Körper seitlich zusammen gedrückt, doch die Rücken-
seite sowohl am Cephalothorax als an allen Abdominal-
segmenten abgerundet (nicht gekielt); am Cephalothorax
die Cervical- und Cardiacobranchialfurche nur schwach
ausgedrückt, die andern fehlen; am Vorderrand Ein
Stachel über der Einfügung der äussern Fühler (Anten-
nalstachel). Schnabel sehr lang (länger als der
Cephalothorax) und dünn, aufwärts sich biegend, nahe
seiner Basis nur am obern, dann nur am untern
Rande gezahnt. Obere Fühler mit zwei langen Geissein,
die äussere nahe ihrer Basis merklich breiter als die
innere; Fühlerschuppe der äussern Fühler mit nur Einem
Zahn am Aussenraude, nahe dessen vorderem Ende (wäe
bei Palaemon und vielen andern Gattungen im Gegen-
satz zu Oplophorus). Mandibcl nicht tief zweitheillg, der
obere Ast stark gezähnt, ohn c Palpus. Aeussere Kiefer-
füsse fussförmig lang (länger als das erste Fusspaar).
Erstes und zweites Fusspaar mit Scheeren, das erste
kürzer (nach vorn bis zum Ende der gezahnten Parthie
des Oberrandes des Schnabels ragend), aber stärker als
das zweite ; am zweiten das Vorderarraglied sehr verlängert,
dünn, das Carpalglied kürzer als das Handglied, nicht
geringelt." Die drei folgenden Fusspaare mit einfacher
Endklaue. Alle fünf Paare der Brustfüsse mit Anhängen
(appendices palpiformes M. Edw., epipoda Stimps.). Vor-
140 V. Martens:
letztes Abdominalsegment doppelt so lang, als das vorher-
gehende, stielrund (ohne untere Seitenränder).
Xiphocaris elongata. Hippolyte elongata Guerin in
Ramon de le Sagra Cuba Crust. p. XX Taf. 2. Fig. 16.
1856. Oplophorus Americanus Saussure 1. c. p. 56 pl. 4.
Fig. 31. 1858 (hier ist das zweite Fusspaar nicht nur
länger, sondern auch kräftiger als das erste gezeichnet,
was bei unsern Exemplaren nicht zutrifft). Hippolyte
elongata Guerin in Ramon de le Sagra, Cuba p. XX.
Taf. 2 Fig. 16.
Mehrere Exemplare in Spiritus aus Cuba in der
Gun dlach'schen Sammlung. Schnabel 14, Cephalothorax
ohne denselben 10, Abdomen 30 Mill.
Von Oplophorus unterscheidet sich diese Gattung
sofort durch die Bildung der Fühlerschuppe, und den
Mangel der Dornen auf den Abdominalsegmenten; auch
die ßezahnung des Schnabels weicht sehr ab. Derselbe
erinnert mehr an Xiphopeneus Smith (Transact. Con-
necticut Acad. 1869) aus Brasilien, aber dieser hat wie
Peneus, auch am dritten Fusspaar eine Scheere. Hippolyte,
worunter auch sehr langschnablige Arten vorkommen,
unterscheidet sich durch die Ringelung des Carpus am
zweiten Fusspaar. Nach der Anordnung von Mi Ine
Edwards wäre diese Gattung der Fussanhänge wegen zu
den Peneiden zu stellen, nach derjenigen von Dana der
geringen Stärke des zweiten Fusspaars wegen zu den
Alpheinen neben Hippolyte.
78. Feneus Brasiliensis Latr. M. E. II. p. 414.
Schnabel oben m'it 9 — 10 Zähnen, wovon unten der
4te von hinten ungefähr über dem Augenhöhlenrande
oder ein wenig dahinter mit zwei, beide dem letzten der
oberen gegenüber. Er reicht nach vorn bis zur Mitte
oder dem Ende des zweiten Glieds des Stiels der obern
Fühler. Sowohl der Mittelkiel als die beiden Seiten-
kiele des Rückenschilds erstrecken sich nach hinten bis
beinahe zum Hinterrande des Rückenschilds; der Mittel-
kiel ist bei grössern Exemplaren in der hintern Hälfte
mit einer medianen Längsfurche versehen. Ein Dorn
am Basalglicd des ersten und zweiten, keiner an dem
Ueber cubanisclie Crustaceeü. 141
des dritten und der folgenden Fusspaare. Mittelstock der
Schwanzflosse mit einer starken mittlem Längsfurche,
am Ende in eine biegsame Spitze ausgehend, ohne Seiten-
zähne. Cephalothorax mit Schnabel 39 MilL, Abdomen
71, drittes Fusspaar 50 Mill., nach vorn bis zur Spitze
der Fühlerschuppe reichend. Mi Ine Edwards führt als
einzigen Unterschied dieser Art von dem nahe verwandten
ostindischen P. canaliculatus Olivier an, dass er drei Zähne
am untern Rande des Schnabels haben soll, während
alle 22 Exemplare aus Cuba verschiedenen Alters, welche
Gundlach dem Berliner Museum zugeschickt hat, nur
zwei haben. Gibbes (Procecd. Am. Assoc. adv. sc. III
p. 198. 1850) beschreibt einen Peneus von Südcarolina
als P. Brasiliensis; was er davon sagt, passt auf die
vorliegenden Exemplare, aber die Zahl der Zähne am
Schnabel gibt er nicht an. Nach S. Smith findet sich
dieselbe Art auch an der Westküste von Florida (also
westindisches Meer) und bei Bahia, aber auch er sagt
nicht, ob mit 2 oder 3 Zähnen am Unterrande des Schnabels.
Der ostindische canaliculatus hat nur Einen Zahn unten,
was sich aus der Vergleichung mit P. caramote bei
Mi Ine Edwards ergibt, und für den japanischen von
De Haan bestätigt wird; auch an Exemplaren des Ber-
liner Museums von Java und Amboina, letztere von mir
gesammelt, finde ich nur Einen. Da ich an allen ostindi-
schen Exemplaren, 'die mir zu Gebote stehen, hierin keine
Variation finde, so scheint allerdings die Zahl der Zähne
einen artlichen Unterschied zu bilden, doch so, dass der
indischen Art nur 1, der amerikanischen 2 bis 3 am Unter-
rand zukommen.
79. Peneus setifer L. Seba III 17, 2. = Herbst II,
34. 3 (vers.) M. E. II, 414; Saussure 1. c. p. 54. P. fluvia-
tilis Say Journ. Ac. Philad. I. p. 236.
Ein Exemplar in Spiritus.
Grösser, 156 Mill. lang, durch den längern Schnabel
und die nur bis zur Hälfte des Rückenschildes gehenden
Nebenkiele unterschieden; auch diese Art hat zwei Zähne
am Unterrande des Schnabels; Say gibt an, dass auch
zuweilen drei und vier daselbst vorkommen. Sein Artname
142 V. Martens:
fluviatilis ist ans Seba entlehnt, der keine linneische No-
menclatur hat^ und wie Say selbst zugibt, wenig passend,
da die Art im Brackwasser lebt.
Saussure ist zweifelhaft, ob er seine Peneus von
der mexikanischen Küste und von Cuba zu setifer zählen
dürfe, da der Schnabel nicht ganz so lang sei, als
die Fühlerschuppe. Bei dem vorliegenden von Gundlach
ist er sogar etwas länger, dagegen bei andern aus Rio
Janeiro auch etwas kürzer. Das Mittelstück der Schwanz-
flosse geht bei allen in einen langen spitzigen Dorn aus.
80. Sicyonia carinata Olivier. M. Edw. Ann. sc.
nat. a) XIX. p. 344 pl. 9. Fig. 44.
Dreizehn Exemplare verschiedener Grösse (Länge
von Schnabelspitze bis Schwanzspitze von 29 — 83 MIll.)
zeigen constant nur 2 Zähne auf dem eigentlichen Rücken-
schild und den dritten (von hinten an gerechnet) zwar
auch noch hinter dem vordem Rand desselben, doch
schon auf der höhern Erhebung, mit welcher der Schnabel
beginnt; dieser dritte entspricht dem vierten in der Ab-
bildung von Saussure und dessen zweiter, immer von
hinten gerechnet, fehlt allen unsern Exemplaren. Die
Form der Schnabelspitze wechselt etwas, was in der Be-
schreibung grössere Unterschiede darzustellen scheint,
als bei Vergleichung der Exemplare der Fall ist; ausser
jenem ersten trägt nämlich der Schnabel noch drei Zähne,
zwei davon an der Spitze, einer über dem andern; wenn
von diesen zweien der obere länger ist, so erscheint er
als die Spitze selbst, der untere als der Unterseite an-
gehörig und man erhält die Formel ; oben 2, unten 1
Zahn; ist der untere Endzahn länger, so erscheint der
obere zurückstehend und es ergibt sich die Formel:
oben 3, unten kein Zahn. Saussure zeichnet noch zwei
Zähnchen mehr am Schnabel. Der Cephalothorax trägt
einen Antennal- und einen Hepaticalstachel, wie die
grossen Süsswasser-Palaemonen. Die Abdominalsegmente
zeigen an den Seiten neben den schleifenartigen Furchen
eine regelmässige Körnelung.
Saussure hat eine eigene Art, S. cristata, 1. c. 55.
pl. 3. Fig. 25, von Cuba, aufgestellt, welche einen Zahn
lieber cubanische Crustaceen. 143
mehr auf dem Rückenschild und zwei mehr am Schnabel
hat, im Uebrigen der carinata gleicht Es ist nicht un-
möglich, dass es nur eine individuelle Variation von der
eben besprochenen Art sei; jedenfalls darf der Name
niclit bleiben, da schon früher (1833) De Haan eine
japanische Art S. cristata genannt hat.
81. Stenopus liispidus Olivier. M. Edw. IL p. 407.
pl. 25. Fig. 13; Cuv. ed. ill. 50, 2.
Mehrere Exemplare in Spiritus, alle einfarbig braun
und weichschalig, daher auch die Stacheln weich anzu-
fühlen. Schnabel unten ohne Zähne/ nur ganz nahe
der Spitze ein kleines Zähnchen, oben mit etwa 8 starken
Zähnen, wovon 4 auf dem Rückenschilde selbst. Carpus
und Hand des dritten Fusspaars prismatisch, indem neben
der obern und der untern stark gezahnten Kante auch in
der Mitte jeder Seitenfläche eine Längsanschwcliung mit
einer einfachen Reihe von Zähnen auftritt.
Ich weiss keinen erheblichen Unterschied zwischen
diesen cubanischen Exemplaren und den indischen anzuge-
ben, welch letztere ich bei Amboina selbst gesammelt habe
und die mit der Abbildung in der Zoology of the voyage
of H. M. Ship Samarang, Crust. pl. 12. Fig. 6. (von Borneo
und den Philippinen) stimmen. Nur erscheinen die in-
dischen im Leben bunt roth gezeichnet, in Spiritus blass
orange und mehr hartschalig, endlich scheint Carpus und
Hand des dritten Fusspaars bei ihnen mehr seitlich zu-
sammengedrückt, minder vierseitig; doch ist dieser letztere
Unterschied gering und fliessend. Im Allgemeinen gibt
aber die oben erwähnte Abbildung in Cuv. ed. ill. den
Habitus unserer cubanischen Exemplare weit besser. Es
soll mich nicht wundern, wenn noch Artunterschiede
zwischen beiden gefunden werden. Im Mittelmeer lebt
eine ähnliche, doch nach Hell er (Crust. südl. Eur. S. 229)
hinreichend verschiedene Art. gt. spinosus Risso.
Eine zweite Art, angeblich auch aus Westindien,
hat das Berliner zoologische Museum von Hrn. VVessel
in Hamburg erhalten; da sie noch unbeschrieben scheint,
so möge sie hier kurz charakterisirt werden.
144 V. Härtens:
Stenopus semilaevis n.
Cephalothorax bestachelt. Abdomen glatt. Schnabel
kurz, den Stiel der obern Fühler nicht überragend, zu-
sammengedrückt nach hinten als Kiel bis in die Nähe der
scharf ausgeprägten Cervicalfurche verlängert, oben' mit
4 Zähnen, unten ohne Zahn. Carpus (Antibrachium) des
dritten Fusspaars vierkantig, wie beim vorigen, aber die
Scheere zusammengedrückt, mit glatten Seitenflächen
und nicht so sehr verlängert, einschliesslich der Finger
doppelt so lang als hoch; ihre obere Kante schärfer als
die untere und glatt, die untere gekerbt; die Finger halb
so lang als der Palmartheil, der Rücken des beweglichen
Fingers kantig, gekerbt. Länge von Schnabelspitze zu
Schwanzspitze 12 Mill. Länge der dritten Fusspaars 13,
Höhe seiner Scheere 3 Mill.; viertes kürzer.
Bildet durch die mehr starke;^, als langen Scheeren
den Uebergang zur Gattung Spongicola De Haan und
erinnert im Habitus dadurch auch an Pontonia, wenn
man davon absieht, dass bei letzterer es das zweite und
nicht das dritte Eusspaar ist, welches die grossen Scheeren
trägt. Die Bedornung des Cephalothorax ist aber wie
bei Stepopus hispidus. Bei dem einen Exemplar sind
beide Scheeren gleich, bei einem zweiten etwas kleinern
die rechte bedeutend schwächer.
Stomapoda.
82. Squilla ricbr olmeata Dana crust. I, p. 618 pl. 41.
Fig. 2. ~ ?. S. dubia M. Edw. II p. 522, Gibbes Broc.
Am. Assoc. III. 1850 p. 200.
Eine grössere Anzahl Exemplare in Spiritus erlaubt
die Variationen innerhalb der Art etwas zu verfolgen.
Die Anzahl der Zähne an den Raubfüssen schwankt
zwischen fünf und sechs (die Endspitze eingerechnet,
wie es Milne Edwards, Dana und A. thun); wo nur
fünf, was häufiger scheint, fehlt der erste, der auch sonst
bei weitem der kleinste ist; an Einem Exemplar zeigt
der rechte Raubfuss sechs, der linke ist merklich kleiner
und hat nur vier, er dürfte nachgewachsen oder verkümmert,
jedenfalls als abnorm zu betrachten sein. An den Ab-
dominalsegmenten enden nicht nur, wie Dana richtig
Ueber cnbanische Criistaceen. 145
angibt, alle Längskiele des vorletzten und jcderseits die
drei äussern des drittletzten Segments mit einem spitzigen
Dörnclien, sondern an einigen Exemplaren auch noch
die mittleren dieses Segments oder auch jederseits die zwei
äussern des viertletzten. Oefter zeigt sich in der Mittellinie
der Abdominalsegmente eine Spur eines neunten Kiels,
stets schwächer und kürzer als die andern, und nirgends
mit einer Spitze endigend. Auf der Oberfläche des
Mittelstücks der Schwanzflosse (telson) stehen zerstreut
seichte Grübchen ; der Längskiel desselben ist bald glatt,
bald etwas höckerig oder gekerbt; zu seiner Seite tritt
bald eine Reihe sehr schwacher Höckerchen auf, wie in
D an a's Abbildung, bald eine eben so schwache zusammen-
hängende Längsleiste, bald endlich ist keins von beiden
zu bemerken. Am variabelsten ist die Zahl der Zähn-
chen am Hinterrande dieses Stücks, doch auch zwischen
bestimmten Gränzen: Dana gibt 8 spitzige Zähne da-
selbst in der Beschreibung an, in seiner Abbildung sind
auf der einen Seite vier, auf der andern (rechten) drei,
indem der zweite fehlt. An den meisten der vorliegenden
Exemplare sind nur drei jederseits vorhanden, indem der
erste jederseits stumpf bleibt; bei einigen Exemplaren
ist er aber auch etwas spitzig, so dass im Ganzen 8 her-
auskommen. Die Zahl der stumpfen Zähnchen oder
Höckerchen zwischen den beiden mittlem spitzigen End-
zähnen variirt im Allgemeinen, wie Dana richtig angibt,
zwischen 4 und 6, d. h. zwei oder drei jederseits, zu-
weilen ist es aber auch nur einer jederseits, der dann in
der Regel, doch nicht immer ein kleines Nebenhöcker-
chen an seiner Seite zeigt, so dass, wenn man dieses mit-
zählt, wieder 4 herauskommen; endlich ist zuweilen an
einer Seite ein Höckerchen mehr als an der andern, so
z. B. an einem Exemplar auf der einen Seite 3, auf der
andern 4, das Maximum, das ich gesehen, und an einem
andern ist nur an der einen Seite Ein Höckerchen, an
der andern gar keines vorhanden, was als Abnormität
gelten kann. Die absolute Gesammtzahl der Höckerchen
zwischen den genannten zwei Zähnen ist somit, je nach
den Exemplaren, 1, 2, 4, 5, 6 oder 7; wahrscheinlich
Archiv für Naturg. XXXVIII. Jahrg. 1 Bd. 10
146 V. Martens:
dürften weitere Exemplare auch noch die Fülle von 3
und 8 ergeben. In ähnlicher Weise schwankt die Zahl
der Zähnchen zwischen dem mittlem und dem letzten
seitlichen spitzigen Zahn, welche Dana zu (jederseits)
4 angibt, an den vorliegenden Exemplaren zwischen 3Y2
(drei mit einem Nebenhöckerchen), 4, 5 und 6.
Dana gibt ausser dem Seitenstachel am Antennal-
segment noch einen solchen am Augenstiel an; ich finde
einen solchen weder in seiner Abbildung, noch an den
vorliegenden Exemplaren von Cuba.
Sq. dubia M. Edw. „des cotes d'Am^rique" ist
vielleicht dieselbe Art; doch stimmt damit nicht, dass er
der vorhergehenden Art, scorpio, abgerundete Erhöhungen
statt der Kiele auf dem vorletzten Abdominalsegment
zuschreibt und seine dubia dieser höchst ähnlich nennt,
hauptsächlich nur die Zahl der Zähne der Raubfüsse,
sechs statt fünf, als Unterschied anführend. Die Squilla
dubia von Charleston, Gibbes 1. c, ist wegen ihres be-
nachbarten Fundortes noch wahrscheinlicher unsere Art.
83. Squilla {Pseudo squilla) stylifera Lam. M. Edw.
IL 526. Guerin iconogr. 24, 1.
Eine indische Art, durch Milnc Edwards von
Isle de France angegeben und von mir auf Amboina ge-
sammelt; aber das von Gundlach erhaltene Exemplar
stimmt vollständig, sowohl zur Beschreibung als Abbil-
dung. Meines Wissens das erste Beispiel einer Art
dieser Unterabtheilung von den atlantischen Küsten Ameri-
kas. Doch ist zu bemerken, dass Gibbes 1. c. S. 200, diese
Art auch im zoologischen Kabinet zu Charleston fand,
wo sonst hauptsächlich nur Crustaceen aus Südkarolina
selbst oder auch Westindien sich fanden.
Sq. ciliata Owen Zool. Beech. voj. p. 90 pl. 27 Fig. 5
von den Sandwichinseln scheint in keiner Weise ver-
schieden; nur beschreibt Owen die zweistachlige Basalplatte
der Seitenflossen als innere Seitenflosse (inner lamella).
Sq. empusa De Haan fn. jap. 516. 1833 (nicht empusa
Say 1818) ist dieser Art ungemein ähnlich, auch in den
Kielen der beiden letzten Abdominalsegmente, und nur
durch die noch breitere und vorn gerade abgeschnittene
Kostralplatte verschieden.
Ueber cubanische Crustaceen. 147
84. Gonodactylus chiragra L. Petiver Pterigraphia
(nicht Petrigr.) Americcarica Nro. 373 tab. 20. Fig. 20 (von
Barbados). Herbst IL 34. 2. M. E. II. p. 528.
Ich finde au den G u ndlach'schen Exemplaren
keinerlei stichhaltige Unterschiede von solchen aus Ost-
indien, namentlich von Amboina, wo ich sie selbst ge-
sammelt habe. Der Stachel der Stirnplatte ist verhalt-
nissmässig kürzer als bei den freilich durchschnittlich
auch absolut grössern indischen. Von den sechs Längs-
höckern des sechsten Abdominalsegments gehen bei Einem
nur die beiden äussern, bei einem zweiten fünf (nur der
linke innerste nicht) in einen feinen Stachel aus; es er-
öffnet das die Wahrscheinlichkeit einer grössern Reihe
von Variationen, wie ich deren in der That an denjenigen
von Amboina mehrere derartige bemerke. Die Farbe ist
bei den cubanischen (in Spiritus) einfarbig braungrün,
mit schwachen Spuren hellerer Flecken; unter den Am-
boinesen finden sich neben ähnlich gefärbten noch andere,
welche in Spiritus mehr grün, mehr gelb oder stärker
gefleckt sind; an den Raubfüssen hat sich öfter die vio-
lette Farbe kenntlich erhalten.
In der Bearbeitung der Crustaceen der v. d. D e c k e n-
schen Reise, S. 103, hatte ich geglaubt, die Verbreitung
dieser Art auf das Gebiet des indischen und stillen Oceans
vom rothenMeer bis Chile einschränken zu können; die
von Gundlach erhaltenen Exemplare beweisen nun,
dass sie allerdings auch im tropischen Theil des atlan-
tischen Oceans vorkommt; aus dem Mittelmeer ist mir
aber immer noch kein spezieller Fundort für sie bekannt
und namentlich möchte ich vermuthen, dass auch Olivi's
Cancer scyllarus, zoologia Adriatica p. 50 und 60, der
häufig im Schlamme der venetianichen Lagunen sich finde,
wo er sich Löcher von 3 — 4 Fuss Tiefe macht, gar nicht
dieser Gattung angehöre, sondern vermuthlich Gebia
litoralis Risso sei, welche Olivi nach der kurzen linnei-
schen Diagnose der unvollkommenen Scheeren wegen als
scyllarus bestimmte, wie auch schon mein seliger Vater,
Reise nach Venedig, II. 1824 S. 495, angenommen hat.
Heber Ascaris eristata nov. spec.
Von
Dr. 0. Tou Linstow
in Ratzeburg.
(Hierzu Taf. VI.)
Die Hechte des Ratzeburger Sees enthalten constant
eine Ascaris-Art, welche, im Winter klein und ohne ge-
schlechtliche Entwicklung, im Sommer aber erwachsen,
besonders zahlreich in den älteren Exemplaren auftritt.
Die bis jetzt bekannten Nematoden von Esox lucius sind
Cucullanus elegans, Ascaris adiposa, Ascaris mucronata
und Ascaris acus, von welchen die erste Species hier
nicht in Frage kommt, die zweite aber, im Fett lebend,
eine durchaus zweifelhafte und unbestimmbare Art ist,
und, vielleicht zu A. acus gehörend, auch in Schneider's
Monographie der Nematoden nicht zu finden ist. Mit
Ascaris acus und mucronata aber ist die von mir gefundene
Species verwandt, und andererseits doch, wie der Ver-
gleich zeigen wird, specifisch von ihnen verschieden, noch
mehr aber von den übrigen bekannten Ascaris -Arten.
Die Länge des erwachsenen Wurms beträgt beim
Männchen bis 32, beim Weibchen bis 50 Mm., die Dicke
bis 1 Mm., und zwar ist das Schwanzende dicker als das
Kopfende.
Nach Schneider, der die Ascarisarten in 3 Unter-
abtheilungen theilt, nämlich in Arten, welche zeigen:
a. Lippen mit Zahnleistcn, keine Zwischenlippen,
b. Lippen mit Zahnleisten und Zwischenlippen,
c. Lippen ohne Zahnleisten mit Aurikeln und Zwi-
schenlippen,
V. Linstow: lieber x^BCaris cristata. 149
gehören die 3 Arten, welche hier verglichen werden
sollen, sämmtlich in die letzte Klasse.
Die Oberlippe von A. cristata hat eine Pulpa von
annähernd paralleler Begrenzung, nur nach vorn ist sie
etwas ausgebuchtet, wo sich zwei Papillen befinden,
während dieselbe bei A. acus rhombisch und bei A.
mucronata oval ist. Der Lobus, d. h. der in den
sogenannten Löffel der Vorderlippe hineinragende Theil
entspringt breit und verschmälert sich dann, während er
bei acus schmal entspringt und sich allmählich verbreitert,
und bei mucronata ganz fehlt. Die Lobuli haben runde
Vorwulstungen oder Verbreiterungen, die bei acus und
mucronata fehlen. Es fehlen die strichförmigen Aus-
strahlungen der Lobuli in den Vorderrand des Löffels,
welche bei acus und mucronata vorhanden sind. Zur
genauen Vergleichung füge ich die Masse der einzelnen
Theile der Oberlippe hier an, wobei ich bemerke, dass
ich bei A. acus und mucronata Schneider's ^) Abbil-
dungen zu Grunde lege.
Grösste Breite Basis der Länge der Gerader Vor-
der Oberlippe. Oberlippe. Oberlippe. derrand des
Löffels.
A. cristata . . 0,1 0,04 0,07 0,02
A. acus ... 0,1 0,038 0,11 0,03
A. mucronata 0,15 0,1 0,08 0,046
(in Millimetern).
Die grösste Breite der Oberlippe verhält sich zu
deren Länge
bei cristata etwa wie IV2 : 1
bei acus wie 1 : 1
bei mucronata wie 2:1
Die Lippenbasis zum geraden Vorrande des Löffels
bei cristata wie 2 : 1
bei acus wie IV4 • 1
bei mucronata wie 2 : 1
Die grösste Breite der Oberlippe zu der ihrer Pulpa
1) Schneider, Monographie der Nematoden, tab. II, fig. 8
und 10.
150 V. Linstow:
bei cristata wie 1,8 : 1
bei aciis wie 1,5 : 1
bei mucronata wie 1,7 : 1
Schneider zeichnet den äussern Theil des Löffels
bei beiden Arten geradlinig, und bildet derselbe sowohl
mit dem Vorderrande als auch mit dem bogenförmigen
Seitenrande der eigentlichen Lippe Ecken, während die
Contouren der Oberlippe von cristata überall sanft ge-
rundet sind. Die übrigen Unterschiede ergeben sich am
besten aus einer Vergleichung meiner Fig. 13 mit den
beiden Schneid er'schen Abbildungen.
Die Unterlippen sind, zum Unterschiede von A.
mucronata, und in Uebereinstimmung mit A, acus, unsym-
metrisch (Fig. 14) ; über ihre Form bei den beiden ge-
nannten Arten ist mir nichts bekannt.
Die starke Seitenmembran entspringt rund neben
den Unterlippen (Fig. 14), und verläuft, an Breite nur
wenig abnehmend, längs des ganzen Thieres. während
bei mucronata dieselbe am Kopf breit beginnend, schon
am Halse verschwindet ^), und bei acus „schwach ist wie
Schneider angiebt 2), ohne dass wir über den Verlauf
etwas erführen; nach Diesing^) sind die Seitenmem-
branen jedoch auch hier auf den Kopf beschränkt.
Die Seitenlinien haben einen keilförmigen Querschnitt
mit gerundeter Spitze (Fig. 17) und schliessen ein stark-
wandiges Seitengefäss ein.
Das Schwanzende ist kegelförmig mit abgerundeter
Spitze, beim Männchen kürzer als beim Weibchen.
Die Quermuskeln der Körperwand entspringen häufig
rechtwinklig aus den Längsmuskeln, oder ein Muskel-
strang biegt rechtwinklig um. Zwischen den Muskeln,
die sich noch lange nach Zerstückelung des Thieres con-
trahiren, liegen ovale, drüsenartige Körper.
Der Oesophagus ist ein sehr starkwandiges, cylin-
drisches Rohr, ohne Anschwellung an seinem unteren
Theile, und geht derselbe sich abschnürend in das aus
1) Schneider 1. c. pag. 46. 2) 1. c. pag. 47.
3) Systema helminthum IL pag. 185.
Ueber Ascaris cristata. 151
polyedrischen Zellen mit Kern und Kernkörperchen ge-
bildete Darmrohr über; an der Uebergangsstelle findet
sich eine rundliche Drüse mit eingelagerten Kernen, ein Or-
gan, das vielleicht als Speicheldrüse aufzufassen ist, und
ausserdem entspringt liier ein neben dem Darm verlaufen-
der Drüsenschlauch von etwa Vs der ganzen Körperlänge,
mit einem feinen Hohlraum in der Axe und rundem Ende.
Leuckart^) fand dieses Organ, welches er als Blind-
schlauch bezeichnet, bei Asc. acus und giebt von dem-
selben an, es in der angegebenen Ausdehnung nur bei
A. acus gefunden zu haben, und ist dasselbe nach der
Abbildung ^) zu urtheilen von derselben Länge wie bei
A. cristata. Schneider 3) fasst dieses Organ, das er
bei A. spiculigera, nasuta, osculata, lobulata, mucronata,
acus erwähnt, als eine Fortsetzung des Oesophagus auf,
was es in dem vorliegenden Falle entschieden nicht ist,
da es mit jenem nur indirekt zusammenhängt, und auch
nicht die charakteristische Muskelstreifung des Oeso-
phagus zeigt. Eigenthümlich ist, dass alle genannten
Arten Wasserthiere bewohnen.
Der Darm endet rund und entspringt aus demselben
das weit dünnere Rectum, welches an seinem vorderen
Viertel drei gekernte, einzellige, auffallende Drüsen zeigt,
die mit dünnem Ausmündungsgange dem Rectum auf-
sitzen und flügeiförmig von demselben abstehen. Diese
Drüsenzellen sind schon bei der unten zu schildernden
Larve sehr deutlich und in die Augen fallend, und
scheinen dieselben bei der Larve von A. acus zu fehlen,
wenigstens macht Leuckart*), ein Beobachter, von dem
wir mit Gewissheit annehmen können, dass ihm diese
Gebilde nicht entgangen wären, bei Beschreibung der
Larve von A. acus nicht auf dieselben aufmerksam.
Vor der männlichen Cloake, aus der man die Spicula
häufig mit den Spitzen hervorragen sieht, liegt ein quer-
ovaler Saugnapf mit wulstigen Rändern (Fig. 19, a). Zwei
Reihen Papillen zeigen sich an der Bauchseite des Männ-
1) Die menschlichen Parasiten II, pag. 118. 2) ibid.
fig. 88. 3) 1. c. pag. 193. 4) 1. c. pag. 116, fig. 88.
152 V. Linstow;
chens, von je 20 Papillen gebildet, von denen jederseits
4 liintcr der Cloake, 1 zwischen dieser und dem Saug-
napf, und 15 vor letzterem liegen. Die 9 vordersten einer
Reihe sind viel grösser als die anderen (vid. in Fig. 19
Papillen 3 bis 8, von hinten gezählt). Der Saugnapf ist
ein Organ, das meines Wissens bei Ascariden noch nicht
beobachtet ist.
Das Spiculum des Männchens ist gebogen und ent-
springen von demselben zwei membranartige Flügel, von
denen der eine sich in der hinteren Hälfte über den
Körper des Spiculum^s herumschlägt; es entspringt von
einem grossen, eiförmigen Bulbus, an welchen sich nach
hinten Musculi exsertores, nach vorn Mm. retractores
spiculi ansetzen, und glaube ich zwischen den Bündeln
der letzteren auch einzelne Nervenfäden gesehen zu haben
(Fig. 15). Der quergestreifte Körper des Spiculum bildet
nicht dessen äusserste Spitze, sondern die durchsichtigen
Membranen (Fig. 16).
Der ausgebildete Same (Fig. 18 a) ist kugelförmig,
unbeweglich, mit centralem, glänzenden Kern und kleinen
Stäbchen besetzt, die im microskopischen Bilde im Cen-
trum jedes Samenkörpers kreisförmig, an der Peripherie
linear erscheinen. Ganz anders sieht der Same im Innern
der weiblichen Genitalien aus; hier besteht derselbe aus
zwei morphologisch verschiedenen Elementen; der stäb-
chentragende, dunklere Theil ist halbkuglig, während
der andere, blasse, feingestreifte bald kugel-, glocken-,
ei-, sanduhrförmig erscheint, und eine eigenthümliche Be-
wegung zeigt, die ich nur mit der von schwimmenden
Quallen vergleichen kann, und durch die ein steter
Wechsel der Form hervorgerufen wird (Fig. 18 b.).
Die erste Anlage der Eier (Fig. 1) in dem mit auf-
fallenden, in gleichen Abständen hinziehenden, parallelen
Längsinuskeln versehenen Ovarium besteht aus polyedri-
schen Zellen mit hellerem Kern und Kernkörperchen ;
diese Zellen wachsen nun und werden kegelförmig mit
abgerundeter Basis (Fig 2 — 3), wobei die einzelnen Körper
um eine Achse geordnet sind, doch habe ich nirgends
eine eigentliche Rhachis auffinden können. Nun lösen
lieber' Ascaris cristata. 153
sich die Eianlagen los, und bilden eiförmige Körper mit
Anfangs feiner, dann stärkerer Umhüllungsmembran (Fig. 4),
und in diesem Zustande ist es, in dem sie befruchtet werden,
denn mit ihnen zusammen findet man zahllose Samen-
körper, die man hie und da auch in einer Lage bemerkt,
aus der hervorgeht, dass sie eben im Begriff waren, sich
ihren Weg in's Innere des Ei's zu bahnen. Nach der
Befruchtung sammelt sich der dunkle Eiinhalt im Cen-
trum, und so entsteht eine durchsichtige Zone, welche
das dunkle Innere umgiebt, und aus ersterer bildet sich
die dicke Eihaut (Fig. 5), welche sehr stark ist, im
Gegensatz zu den Eiern von A. acus, welche Art nach
Schneider 1) dünnschalige Eier besitzt. Nunmehr be-
ginnt die bekannte Dotterfurchung (Fig. 6 — 8), welche
indessen im Weibchen nie bis zur Ausbildung des Em-
bryo's im Ei fortschreitet. Die weibliche GeschlechtsöfFnung
liegt bei einem 50 Mm. langen Thierc etwa 12 Mm. vom
Kopfende entfernt.
Die Eier legte ich in ein Gefäss mit Wasser, um
ihre weitere Entwicklung zu beobachten, doch nach 24
Stunden schon war das Wasser trübe und übelriechend
geworden; ich goss es daher vorsichtig ab und ersetzte
es durch neues, that auch Elodea canadensis (Wasserpest)
mit hinein, und nun blieb das Wasser frisch und geruchlos.
In den nächsten Tagen konnte ich die Entwicklung nicht
verfolgen, doch als ich am 4ten Tage nachsah, fanden
sich in sämmlichcn Eiern lebhaft sich bewegende Em-
bryonen (Fig. 9), und sind dieselben in diesem Zustande
monatelang in den Eischalen am Leben geblieben.
An dem Embryo unterscheidet man einen spitzen,
bauchständigen Bohrzahn, Oesophagus, Darm, mitunter
den Drüsenschlauch, immer aber die Afteröffnung, und
besonders die Seitenraembranen, die sich beiderseits an
dem durchsichtigen Körper von Anfang bis zu Ende
verfolgen lassen. Während nun die mit einem Bohrzahn
bewaflnete Larve von Ascaris acus nach Leuckart 2) als
Trichina cyprinorum in der Leber und den Mesenterial-
1) 1. c. pag. 286. 2) 1. c. pag. 116.
154 V. Linstow:
häuten von Alburnus lucidus^ nach Diesing^) ferner
im Peritoneum und Mesenterium von Tinea chrysitis, Leucis-
cus erythrophthalmus und Cyprinus carpio lebt und sich die
vermuthliche Larve von Ascaris mucronata mit Lippen, ohne
Bohrzahn, nach Schneider 2) in den Fettstreifen von
Leuciscus erythrophthalmus findet, glaube ich die Larve
von A. cristata in Abramis brama entdeckt zu haben.
An der äusseren Darmwand dieses Fisches zeigen
sich sehr häufig vsreisse Pünktchen, w^elche eine Ascariden-
larve enthalten, die in allen Theilen vollständig mit der
A. eristata stimmt. Die Thiere sind bis 3 Mm. lang,
und 0,05 Mm. breit; einen ßohrzahn zeigen sie nicht,
sondern 3 unvollständig ausgebildete Lippen (Fig. 11);
die Cuticula, Cutis und Muskelschicht unterscheidet man
deutlich, und harmoniren der Oesophagus, die Bauch-
speicheldrüse, der lange Drüsenschlauch (Fig. 11 a), der
aus Zellen bestehende Darm, das Rectum mit den 3 flügei-
förmig abstehenden, einzelligen Drüsen, die Afteröffnung
(Fig. 12), die von Anfang bis zu Ende sich hinziehenden
Seitenmembranen vollständig mit den beschriebenen Theilen
von A. cristata.
Durch das Herausnehmen des Darmes aus dem Brassen
platzen die die Larven enthaltenden Kapseln oft in Menge
und man sieht dann auf der äusseren Darmwand ein
lebhaftes Gewimmel kleiner Würmchen, wie sich auch
die grössern Exemplare im Darm des Hechts sehr lebhaft
zu bewegen pflegen. Die jüngsten Exemplare im Hecht
lassen sich von den Larven aus den Follikeln am Darm
des Brassen in nichts unterscheiden.
Fütterungsversuche wollte ich mit den Eiern, in
denen sich die Embryonen entwickelt hatten, machen,
indessen erklärten mir die Fischer, das sei unmöglich,
da sich die Brassen im Sommer, die am Grunde des See's
leben, nur einige Stunden im Hause am Leben erhalten
Hessen, und selbst im Fischkasten nach 1—2 Tagen
stürben; im Winter, wo es möglich sein soll, kann man
keine Eier des Wurms bekommen, da die Exemplare im
1) 1. c. pag. 115. 2) 1. c. pag. 295.
üeber Ascaris cristata. 155
Hecht alle nur die ersten Anfänge der Geschlechtsent-
wicklung zeigen. Diese Fütterungsversuche, sowie um-
gekehrt solche der wurmhaltigen Kapseln aus dem Brassen
an Hechte würden übrigens kaum ein brauchbares Re-
sultat geben wegen der grossen Häufigkeit des Wurms,
denn ich schneide fast nie den Darm eines Hechts auf,
ohne die A. cristata darin zu finden.
Erklärung der Abbilduugen.
Tafel VI.
Fig. 1—4. Vergrösserung 350. Eibildung.
» 4. Vergr. 350. ein befruchtungsfähiges Ei.
» 5. Vergr. 350. Eischalenbildung.
» 6—8. Vergr. 350. Dotterfurchung.
» 9. Vergr. 350. Ei mit Embryo.
» 10. Vergr. 350. Freier Embryo, a. Drüsenschlauch.
» 11. Vergr. 350. Kopftheil der Larve, a. Drüsenschlauch.
» 12. Vergr. 350. Schwanztheil der Larve, a. einzellige Drüsen
des Rectums.
» 13. Vergr. 350. Oberlippe.
* 14. Vergr. 350. Unterlippe.
» ' 15. Vergr. 90. Spiculum mit Bulbus, Muskeln und Nerven.
» 16. Vergr. 350. Spitze des Spiculum.
» 17. Vergr. 350. Durchschnitt durch Seitenmembran, Seitenlinie,
Seitengefäss (a) und Muskeln.
» 18. Vergr. 350. Same, a. aus den männlichen, b. aus den weib-
lichen Sexualorganen.
» 19. Vergr. 35. Männliche Cloake. a. Saugnapf, b. Geschlechts-
öffnung und After, c. Spiculum.
Verzeichniss der vou Dr. Guudlach auf der Insel
Ciiba gesammelten Rüsselkäfer.
(Fortsetzung. Siehe Jahrg. XXXVII. S. 150.)
Von
Dr. E. Suffrian,
Geheimerrath in Münster.
Unter den Vorräthen der letzten Gundlach'schen
Sendung hat sich noch ein grosser der Gattung Ster-
nuchus angehörender Hylobide vorgefunden, welcher
von mir früher übersehen, und im vorigen Jahrgange
dieses Archivs Bd. 1. S. 166 als no. 41^ einzuschalten ist.
Mit Rücksicht auf die von Schönherr gegebene Diag-
nose seines St. insular is kann diese neue Art diag-
nosirt werden als
4P (53). St. pectoralis m. Ovatus nigro-piceus,
squamulis albidis parce adspersus, fronte canaliculata, tho-
race crebre punctato antice angustato et constricto, elytris
profunde punctato-striatis pone humeros unidentatis, in-
terstitiis convexiusculis punctulatis transversim rugulosis,
metasterni angulis posticis acuminato-productis. Long.
41/2'"; lat. 21/3'".
Ein mehr durch seine Grösse als durch seine Fär-
bung ausgezeichneter Käfer, in der Länge — den kürzeren
Rüssel abgerechnet — dem grössten mir vorliegenden
Stücke des Conotrachelus serpentinus Schh. gleichend,
sonst aber im Habitus dem St. insularis Schh. nahe
verwandt. Der wenig gekrümmte Rüssel ist vorn etwas
erweitert, bis zu den am Ende des vorderen Drittels an-
Suffrian: Verz. d. auf d. Insel Cuba gesammelten Rüsselkäfer. 157
gehefteten Fühlern glänzend und nur fein punktirt. Von
da ab nach der Stirn zu werden die Punkte allmählich
stärker bei abnehmendem Glänze des Zwischengrundes,
und verfliessen zuletzt um die Augen zu feinen Runzeln;
die Augen selbst sind durch eine schmale Längsfurche
getrennt. Die Fühler selbst erreichen mit dem etwas ge-
krümmten Schafte die Augen, an den Gliedern der
Schnur ist das erste dreimal kürzer, aber am obern Ende
dicker als der Schaft, das zweite etwa halb so lang als
das erste, die folgenden noch kürzer aber allmählich
breiter, alle mit zerstreuten und wenig abstehenden Borsten-
häärchen besetzt, dunkel röthlichbraun, die gestrecktei-
förmige, kurz zugespitzte Keule noch etwas dunkler. Das
Halsschild kaum halb so lang als hinten breit, flach ge-
wölbt und hinterwärts etwas niedergesenkt, mit dem, zwei
stumpfe Höcker tragenden Seitenrande an der Wurzel
wieder ein wenig eingezogen, vor dem vorderen Seiten-
höcker plötzlich verschmälert und seitlich tiefer, oben
flacher eingeschnürt, dicht aber ungleichmässig punktirt,
mit einer nur schwach angedeuteten Mittellinie ; die Punkte
mit überaus feinen weisslichen Schuppenhäärchen besetzt,
die Farbe, wie die des ganzen Körpers, dunkelpechbraun.
Das längliche Schildchen bis zu der kurz abgerundeten
Spitze ziemlich gleichbreit, ebenfalls dünn beschuppt.
Die hochgewölbten Deckschilde seitlich und hinterwärts
stärker, nach vorn flacher abfallend, und hier dann zum
Anschlüsse an den leicht zweibuchtigen Hinterrand des
Halsschilds nochmals quer niedergedrückt, mit breit
buckelig zugerundeten Schultern über das Halsschild
hinausreichend, vor der abgerundeten Spitze schwach zu-
sammengedrückt. Die Oberfläche punktstreifig, die Punkte
grob und grübchenartig, erst auf dem letzten Drittel
etwas feiner, dafür aber hier die über die ganze Oberseite
nur sehr sparsam vertheilten Schuppenhäärchen etwas
dichter und deutlicher, sodass die vordere Quergränze
dieses deutlicher beschuppten Theils schon dem blossen
Auge bemerkbar wird. Die Zwischenräume sehr schwach
gewölbt, fein punktirt und noch feiner querrunzlig, kaum
glänzend. Ausserdem trägt jede Flügeldecke noch an
158 Suffrian:
der Seite schräg hinter und unter der Schulterbeule einen
grossen gleichfalls in Gestalt einer stumpfen Beule quer
vorspringenden Höcker im äussersten Punktstreifen,
welcher letztere sich hier spaltet und mit einem Arme
über, mit dem andern unter dem Höcker sich hinziehend,
beide erst vor ihm, aber nur undeutlich, wieder zusammen-
treffen lässt; der Höcker selbst ist dabei unten sehr
fein punktirt, oben glatt und kahl. Die Unterseite ist
gleichfalls punktirt, dünn gelblich behaart: die zwei vordem
ßauchringe zusammen den drei hintern gleich, die Quer-
furche zwischen dem gleich breiten 3ten und 4ten, sowie
vor ersterem und hinter letzterem kenntlich und tief. Die
Hinterbrust kurz und breit, hinten in Gestalt einer Mond-
sichel flach ausgerandet, ihre Hinterenden breit dreieckig
zugespitzt und vorgezogen, nicht auf der Fläche des
Rumpfes aufliegend. Die Beine ziemlich dicht punktirt
und dünn weisslich beschuppt, die Mittelschenkel mit
einem schwächeren, die Hinterschenkel mit einem stärkeren
Zahne besetzt. Die Schienen auf der Aussenseite längs-
streifig, ein w^enig einwärts gekrümmt, die vorderen etwas
länger, alle auf der Innenseite mit abstehenden, greisen
Häärchen gewimpert, daselbst über der Mitte mit einem
kräftigen, gerade abstehenden Zahne besetzt und von da
ab bis zur Spitze durch kleine Höcker rauh ; die Spitze
selbst unten abgeschrägt, die längere Vorderseite am
Unterrande mit einem Kamme von schwarzen steifen
Häärchen gesäumt und in einen scharfen Hornhaken
ausgezogen. Das erste Fussglied mit seiner stark ver-
schmälerten Wurzel auf der abgeschrägten Fläche befestigt,
deren innerer Rand sich dann auch noch in einen derben
abstehenden Zahn verlängert. Das dritte Fussglied sehr
breit, tief gespalten und an Länge den beiden vorher-
gehenden zusammen gleich, das lange Krallenglied mit
verhältnissmässig sehr kurzen Krallenhäkchen.
Die nun folgenden Gattungen bilden die Phanero-
gnathen mit getrennten Vorderhüften nach Lac ordai-
re's Anordnung, bei denen ich die Reihenfolge der ver-
Verz, d. auf d. Insel Cuba gesammelten Rüsselkäfer. 159
schiedenen Gruppen nach dem 7ten Bande von Lacordai-
re's Genera etc. beibehalte, ohne mich in der Vertheilung
der Arten auf die einzelnen Gattungen diesem Werke
auch da anzuschliessen, wo mir dieselbe bei dem genannten
Autor nicht ausreichend genug begründet scheint.
XX. Derelomus Schh.
54. D. albidus Mus. B er. Oblongus flavo-testaceus
glaber, elytris subtiliter punctato-striatis, thorace subtilius
elytrorum interstitiis densius punctulatis. Long. IV4'";
Jat. V2'".
Von der Gestalt eines kleinen, gestreckten, oben
ziemlich flachen Erirhinus , über doppelt länger als
breit, einfarbig bleichgelb, nur die Augen schwarz, und
auch diese auf ihrer Mitte verwaschen ins Bräunliche
fallend. Der Rüssel massig gebogen, das lange Wurzel-
glied der Fühler bis an die Augen reichend, oben leicht
keulenförmig, die Fühlerkeule gestreckt eiförmig. Das
Halsschild so lang als hinten breit, seitlich nach vorn im
Bogen verschmälert und leicht eingeschnürt, flachgewölbt
und mit einer dichten sehr feinen Punktirung bedeckt.
Das schmal-elliptische Schildchen doppelt länger als breit.
Die sehr flach gewölbten Deckschilde um die Hälfte länger
als breit, regelmässig und gleichmässig punktstreifig, die
flachen Zwischenräume dicht aber doppelt stärker als das
Halsschild punktirt. Das Pygidium vollständig bedeckt.
Auf dem fein und zerstreut punktirten Hinterleibe ist die
gerade liegende Naht zwischen dem ersten und zweiten
Ringe kaum wahrnehmbar, und der zweite Ring reichlich
so breit, wie die beiden folgenden zusammengenommen.
Die Beine sind von massiger Länge, und die Schenkel
nur schwach verdickt.
Der von Dr. G. im Bezirke Cardenas im Januar
und Februar gefundene Käfer war in seinem Verzeichnisse
noch mit dem handschriftlichen Synonym D. irregularis
Chv. bezeichnet.
160 Suffrian:
XXI. Euerges Schh.
55. E. diraidiatus Chv. Rufus, elytris pone medium
luridc fuscis, subtilissime ptinctulatis. Long, ^e'" ; lat. 74'"-
Dieser von Dr. G. nur in einem einzelnen Stücke
eingesandte Käfer war in seinemVerzeiclinisse als Dere-
lomus dimidiatus Chv. aufgeführt worden, kann aber
nach dem Bau seiner Fühler dieser Gattung durchaus
nicht angehören. Mit grösserem Rechte glaube ich ihn
der Gattung Euerges Schh. zuzählen zu dürfen, wie-
wohl er auch von dieser wieder durch die an der Wurzel
nicht verdünnten Schenkel abweicht, wenn man überhaupt
nach Lacordaire's Vorgange einen derartigen Bau der
Schenkel als ein wesentliches Merkmal für die Begrän-
zung von Gattungen gelten lassen will. Etwas Bestimm-
teres wird sich jedoch erst feststellen lassen, wenn das
Thier erst in einer grössern, das Zerbrechen eines und
des andern Stückes gestattenden Anzahl von Exemplaren
vorhanden ist.
Aeusserlich zeigt der vorliegende Käfer einige habi-
tuelle Aehnlichkeit mit einem winzigen Rhynchites; seine
Farbe ist fuchsroth, und nur die grössere Hinterhälfte der
Flügeldecken von einer nach vorn nur schlecht und ver-
waschen begränzten schmutzig bräunlichen Färbung ein-
genommen, die bei andern Stücken auch wohl ins Schwärz-
liche fallen mag. Der lange Rüssel massig gekrümmt,
auch die Fühler von nur massiger Länge, verhältniss-
mässig derb, an der Wurzel des Rüssels dicht an den
leicht quereirunden Augen in einer kürzeren Grube be-
festigt, gekniet; das Wurzelglied derb und kräftig, das
erste Glied der Schnur länglicheiförmig, das zweite kurz
kegelförmig, die folgenden quer kreiseiförmig, nach oben
allmählich breiter, die drei letzten eine stark abgesetzte,
fast der Fühlerkeule mancher Psclaphiden ähnliche Keule
bildend, deren unteres Glied das vorhergehende Fühler-
glied um mehr als das doppelte an Länge und Breite
übertrifft; das mittlere bei gleicher Breite nur wenig
kürzer, von dem ersten durch einen deutlichen Zwischen-
raum getrennt, das Endglied schmaler aber nicht kürzer,
Verz. d, auf d. Insel Cuba gesammelten Eüsselkäfer. 161
kegelförmig zugespitzt, hell rotbgclb. Die ziemlich flache
Stirn mit vereinzelten Punkten besetzt, der Nacken glatt,
aber nicht glänzend. Das Halsschild etwas breiter als
lang, nur sehr leicht quer übergewölbt, mit wenig vor-
gezogenem Vorderrande und abgerundeten Vorder- und
Hinterecken. Das Schildchen leicht zugerundet. Die Deck-
schilde um die Hälfte länger als breit, sehr flach gewölbt,
mit aufgeworfener Naht ; der Vorderrend seicht ausge-
buchtet, mit abgerundeten aber doch etwas vortretenden
Schultern, dicht und fein punktirt, vorn innerseits der
Schulterbeule ein aus einem schwachen Längseindruck
hervortretender Ansatz eines feinen Punktstreifens. Von
demPygidium zeigt sich, vielleicht in Folge der Behandlung
des Stückes beim Aufstecken, nur ein glänzend rothgelb-
licher Rand, Die Unterseite ist etwas heller geröthet
als die obere, und dabei glänzend, mit geraden Hinter-
rändern der einzelnen Bauchringe, die beiden ersten nicht
erheblich breiter als die beiden folgenden. Die Beine
kurz und derb, die Schenkel, besonders die der Vorder-
und dann wieder der Hinterbeine breit verdickt, an der
Wurzel nicht eigentlich gestielt, die Schienen nach dem
unteren Ende zu breit dreieckig erweitert. Die drei obern
Fussglieder kurz und breit, das langgestielte Krallen-
glied mit ziemlich weit gesperrten, einfachen Krallen -
häkchen.
XXH. Genus nov.
Der folgende kleine Käfer, welcher in Dr. Gund-
lach's letzter Sendung sich nicht wieder vorgefunden hat,
ist von Herrn Lacordaire meinem Freunde R i e h 1 als
eine neue Cryptorhynchlden-Gattung und Art bezeichnet
worden. Ueber 'die Stellung derselben hat Hr. L. sich
jedoch nicht näher ausgesprochen, wahrscheinlich weil
die geringe Grösse und der nicht ganz unbeschädigte
Zustand des einzigen vorliegenden Stückes ihm keine
genauere Untersuchung gestattete. Durch dieselbe Rück-
sicht halte ich mich verpflichtet, mich auch der Ertheilung
eines eignen Namens an die an sich unzweifelhafte neue
Gattung zu enthalten, es möge dies Demjenigen vorbe-
Archiv f. Naturg. XXXVIII. Jahrg. 1. Bd. H
162 Suffrian:
hcalten bleiben, der im Besitz einer grössern Anzahl von
Exemplaren eins derselben der Zergliederung zum Opfer
zu bringen und danach auch die Merkmale der neuen
Gattung festzustellen im Stande ist, wahrend ich mich
darauf beschränke, die Art für ein späteres Wieder-
erkennen thunlichst zu sichern.
56. ? grisescens m. Elongatus nigricans, antennis
tarsisque obscure ferrugincis, thorace antice angustato
crcbre punctato, eljtris foveolato-strialis, interstitiis linea-
ribus elevatis, femoribus muticis. Long, ^j^"' ; lat. ^W",
Ein kleiner, gestreckter, bei oberflächlicher Betrach-
tung einem schmalen O r c h e s t e s nicht unähnlicher
Käfer, durch die Eigenthümlichkeit seiner Sculptur aber
sehr ausgezeichnet. Die Farbe des Käfers ist ein mattes,
wie mit einem Anfluge von Grau leicht überdecktes
Schwarz, als ob der Körper durch Abreiben einer vorhanden
gewesenen grauen Behaarung eine solche Färbung erhalten
hätte. Der massig lange Rüssel ist nur sehr wenig ge-
bogen, nach vorn kaum erweitert, flach gewölbt, überall
feinpunktirt und längsstrichelig, an der Wurzel durch
einen flahen Quereindruck vom Kopfe geschieden. Von
den kurzen gedrungenen Fühlern ist nur wahrzunehmen,
dass ihre Rinnen vor der Mitte des Rüssels beginnen und
sich in grader Richtung oberwärts erstrecken, ihr Wurzel-
glied unterwärts bis zu den kräftigen Augenlappen des
llalsschilds reicht, ihre Keule kurz und breit eirund ist,
und die dieser vorhergehenden Glieder sich gleichfalls
stark zusammendrängen. Der Kopf selbst ist dicht und
dabei fein runzlig punktirt; von den Augen ist Nichts zu
sehen, und sie liegen wahrscheinlich unter den stark vor-
tretenden Seitenlappen des Halsschilds verborgen. Das
Halsschild selbst ist etwas länger als breit, aus dem W^alz-
lichen nach vorn kegelförmig verschmälert und daselbst
leicht eingeschnürt; die Oberfläche mit dicht zusammen-
gedrängten, stellenweise zu Runzeln zusammenfliessenden
Punkten bedeckt, mit schwacher Spur einer feinen ein-
geschnittenen Längslinie, die man aber nur wahrnimmt,
wenn man bei schwacher Vergrösserung den Käfer etwas
vom Auge entfernt hält. Das überaus winzige Schildchen
Verz. d. auf tl. Insel Cnba gesammelten Rüsselkäfer. 163
doch noch als dreieckig erkennbar. Die Deckschilde vorn
nur wenig breiter als das PTalsschild, auch hinterwärts
nur wenig verbreitert, hinton ganz kurz verschmälert
und zugerundet, reichlich doppelt länger als breit, längs-
streifig: diese Streifen bilden verhältnissmässig breite
aber nur flache Furchen, in denen sich je eine Reihe
von ziemlich grossen, aber auch nur flachen, durch feine
Querbrücken getrennten Grübchen befindet, und zwischen
denen die Zwischenräume nur als feine, linienförmige
Längsrippen stehen geblieben sind. An den Seiten der
Deckschilde ist diese Sculptur deutlicher ausgeprägt als
auf dem Rücken. Auf der Unterseite ist die Rüssel-
rinne der Vorderbrust nicht sehr tief, ohne scharfe Seiten-
ränder, und zwischen den Vorderfüssen erheblich verengt,
hinter diesen verschwindend, im Uebrigen die Unterseite
dicht und deutlich-, auf den beiden ersten Ringen sowie
dem letzten grubig punktirt. Der erste, breite Bauch-
ring ara Hinterrande ausgebuchtet und tief eingedrückt,
der zweite fast eben so breit, die beiden folgenden schmal
und bandförmig, von einander und den angränzenden durch
tiefe, grade Querfurchen getrennt, der fünfte wieder
breit und an dem ins Pechbräunliche fallenden Hinter-
rande querrnnzlig punktirt. Die Beine, besonders die
hintern, schlank mit länger ausgezogenen Schenkel wur-
zeln, die Hüften ungewöhnlich kräftig, die Schenkel wenig
aufgetrieben, je mit einem kurzen stumpfen Zähnchen be-
setzt; die Schienen gerade, durch feine weissliche und
röthliche Schüppchen etwas uneben, unten mit einem kräf-
tigen Hornhakcn, nebst den Fussglicdern röthlicb, wenn
auch stellenweise nur röthlicb durchscheinend, das röthliche
Krallenglied verhältnissmässig lang, mit sehr feinen, an-
scheinend nicht verwachsenen Krallenhäkchen.
XXIII. Constrachelus Schh.
57. C. serpentinus Schh. 1. 1. IV. p. 400 no. 9.
Unter derselben Nummer (165) sind von G. zu verschie-
denen Zeiten auch zwei verschiedene Thiere eingesandt
worden, deren Verhältniss zu einander noch erst zu er-
mitteln ist. Das eine derselben, welches von ihm schon
164 Suffrian:
vor Jahren an Herrn Riehl und durch dessen frenndUche
Mittheilung auch in meine Sammlung gelangt ist, ent-
spricht genau der bei Schönherr a. a. O. von Bohe-
man gegebenen Beschreibung, namentlich in dem flach-
gewölbten, unscheinbar gekielten Halsschilde und der
sehr charakteristischen hinteren Erhöhung des 2ten und
4ten Zwischenraums; hinzuzusetzen wäre nur noch, dass
auch der hintere TheiJ der Naht in gleicher Weise kiel-
artig erhöht ist, dass die bräunlichen Schüppchen auf
den Zwischenräumen dem blossen Auge als bräunliche
Längslinien bildend erscheinen, und dass (wenigstens bei
den vorliegenden Stücken) der grobpunktirte und glän-
zende erste Bauchring auf der Mitte in Gestalt einer
flachen Längsmulde eingedrückt ist. An der Richtigkeit
der Bestimmung zweifle ich jedoch nicht.
Der zweite Käfer befand sich in der letzten (j.'schen
Sendung, und war hier mit dem Namen C. verticalis
Schh. bezeichnet. Er zeigt jedoch keine Spur von dem
weisslichen Doppelfleck auf der Stirn, den diese Art nach
der Beschreibung bei Schönherr haben soll, und den
sie auch wirklich hat, gleicht vielmehr fast vollständig der
oben angeführten Art, ist aber um die Hälfte grösser
(etwa einem Balaninus nucum L. an Grösse gleich), das
Halsschild etwas flacher, hinter dem Vorderrande stärker
eingeschnürt, hinten jederseits der etwas deutlicheren Kiel-
linie leicht eingedrückt, die Rippen auf den Deckschilden
breiter und flacher; die bräunlichen Längslinien auf den-
selben sind auch hier deutlich wahrzunehmen und auf
den Schultern, innerseits des gemeinsamen Vorderrandes
der 3ten und 4ten Rippe zu einem dichten bräunlichen
Schuppenflecke 'zusammengeschoben. Die Unterseite ist
stärker beschuppt und weniger glänzend als bei dem
erstgenannten Thiere, von dem Eindruck auf dem ersten
Bauchringe aber nur eine schwache Andeutung vorhanden,
der Schenkelzahn dagegen merklich derber und zugleich
spitzer als bei dem ersteren Käfer.
Ueber das Verhältniss beider zu einander werden
weitere Beobachtungen zu entscheiden haben; einstweilen
bin ich geneigt, sie für die verschiedenen Geschlechter
Verz. d. auf d. Insel Ciiba gesammelten Rüsselkäfer. 165
einer Art, und zwar das zuletzt charakterisirte für das
d^ zu halten. Das letztere fand Dr. G. in den Bezirken
Cicnfugos und Cardenaa, im Monate Juli.
58. C. verticalis Schh. 1. 1. IV. 451. no. 55. Der
ächte Käfer dieses Namens, von dem mir auch nur ein
früher von G. an PIcrrn Rieh 1 gesandtes Stück, aber sehr
gut erhalten, vorliegt, ist um die Hälfte kürzer, aber
nur wenig schmaler als die kleinsten Stücke des vor-
hergehenden, zeigt daher einen sehr abweichenden Ha-
bitus, und ist durch den grossen, aus weissen Schuppen
gebildeten Doppelfleck auf der Stirn sehr leicht kennt-
lich. Die ganze Oberseite ist mit vereinzelten bräunlich-
gelben Borsten besetzt, die auf dem sehr fein gekielten,
grobpunktirten Halsschilde mehr senkrecht stehen, auf
den Deckschilden mehr hinterwärts gerichtet sind, und
sich besonders auf dem, dem Abreiben weniger ausge-
setzten abschüssigem Hinterende bemerkbar machen. Die
geraden Zwischenräume sind viel stärker als bei dem
vorhergehenden kielartig erhöht und glänzend, an den
ungeraden die Vorderenden des 7ten und 9ten gleichfalls
als kurze und bald abbrechende Kiellinien kenntlich.
Die beiden von Boheman a. a. O. erwähnten, aber ziem-
lich unscheinbaren gelblichen Schuppcnfleckchon an der
Wurzel der Deckschilde liegen auf und an dem Vorder-
ende der ersten Kiellinie jeder Flügeldecke, neben welcher
innerseits auch das Vorderende des ersten Zwischenraumes
schw^ach erhöht ist. Auf den schmalen Parapleuren be-
merkt man auch jederseits eine kräftige, regelmässige
Punktlinie,
59. C presbyta m. Brunneo-nigricans, squamulis
nigris cinereisque variegatus, thorace carinato, ruguloso-
punctulato, antice valde constricto, elytris bifariam punc-
tato-striatis, macula postica albida comrauni utrinque emar-
ginata, interstitiis alternis carinatis, femoribus dentatis.
Long. 3'"; iat. IV3'".
Den kleineren Stücken des C. serpentinus an
Grösse gleich, von allen Verwandten an der eigenthüm-
lichcn Zeichnung der Deckschilde leicht zu unterscheiden.
Der lange Rüssel ist massig gekrümmt, schwarzbraun,
166 Suffrian:
vorn kahl aber nicht glänzend, hinterwärts immer stärker
mit Punkten und greisen Schuppen bedeckt. Auch die
hingen, schlanken Fühler sind tief gebräunt. Das Hals-
schild mit der Mitte des Vorderrandes zwischen den
x\ugen stark hogig vorgezogen, daselbst besonders seitlich
tief eingeschnürt und dahinter im Bogen eiweitert, fein
runzlich punktirt und auf der Ilachen Mitte längskielig,
mit gelblichen und greisen Schuppen ziemlich dicht be-
deckt, von denen dann zwei gebräunte und hinterwärts
divergirende schlecht begränzte weissliche Längslinien
noch etwas stärker hervortreten. Das eingesenkte kleine
Schildchen halb eiförmig und ziemlich kahl. Die Deck-
schilde vorn fast doppelt breiter als das Halsschild,- mit
abgestumpft-rechteckig vorstehenden Schultern, beinahe
doppelt länger als breit, oben flach gewölbt, und hinten
wie seitlich stark abfallend, mit schmutzig gelbgreisen,
bei alten Stücken mehr oder weniger unscheinbar ge-
wordenen Schüppchen ziemlich dicht bedeckt, grob dop-
peltpunktstreitig; die geraden Zwischenräume kielig er-
höht, die ungeraden auf dem Rücken flach, je weiter
seitlich, desto mehr flach aufgewölbt, an der Wurzel jeder-
scits zwei etwas deutlichere Schuppenflecke, der innere
auf der Basis der ersten Kiellinie, die entsprechende
hellere Längslinie des Halsschilds fortsetzend, der äussere
zwischen der zweiten und dritten Kiellinie liegend. Ausser^
dem tragen die Deckschilde vor der Wölbung noch einen
gemeinsamen grossen weissen Querfleck, der sich jedcr-
scits bis zur zweiten Kiellinie erstreckt, sich mit dem Con-
vergiren dieser Kiellinien hinterwärts etwas verschmälert,
in der Mitte aber vorn und hinten in Gestalt einer bi-
concaven Linse tief ausgebuchtet ist. Ausserhalb desselben
lassen sich die greisen Schüppchen auch bei abgeschwächten
Stücken deutlicher als auf der übrigen Obeifläche wahr-
nehmen. Die punktirte Unterseite ist schwächer beschuppt
als die obere, der vordere Theil des zweiten ßauchringes
seicht quer eingedrückt, der hintere in schwachem Bogen
hervortretend, der letztere mit zwei sehr flachen Erhö-
hungen nebeneinander. Die Rüsselrinne ist zwischen
den Vorderhüften kaum verengt; die etwas heller ge-
Verz. d. auf d. Insel Cuba geBainmclten Rüsselkäfen 167
bräunten Beine sind gleichfalls mehr oder weniger be-
schuppt, die Schienen, besonders die vorderen, leicht ge-
schweift, und die (Schenkel mit einem derben, kräftigen
Zahne besetzt.
In den Bezirken Cienfuyob und Trinidad im April
und Mai gefunden.
60. C. Lineola ni. Lactc brunneus, vix giiseo-squa-
mu latus, thorace punctato-rugoso, carinulato, anticc con-
stricto, elytris bifariam punctato-striatis, iinea obliqua
humerali albida notatis, interstitiis alternis carinatis, femo-
ribus dentatis. Long. 2 — 2V2'"; iat. 1 — VU'"-
Erheblich kleiner als der vorhergehende, und eine
durch ihre reinliche Färbung sehr zierliche Art. Der
massig gekrümmte Rüssel vor den Fühlern etwas flach
gedrückt, glatt und glänzend, hinter ihnen mit einer deut-
lichen, von zwei feinen Längsfurchen begränzten Kiel-
linie, welche bis zur IStirn reicht: letztere etwas mehr
von feinen Schüppchen bedeckt. Die Fühler lang und
dünn, bei dem vorliegenden kleinern Stücke (cT?) bis
an das Vorderendc des Rüssels gerückt, sodass der vor
ihnen liegende Theil nur etwa der Breite des Rüssels
gleich kommt und ihr rückwärts gelegtes Wurzelglicd
etwa dessen hinterem Thcile an Länge gleich kommt; bei
dem grösseren ($?j Stücke reicht der vordere Theil des
Rüssels an Länge um mehr als das Doppelte über die
Breite des Rüssels hinaus, und die Fühler selbst sind
merklich dünner als bei dem ersteren. Ihre Farbe ist
hell braungelb. Der Halsschild ist mit seinem leicht wul-
stigen Vorderrande etwas vorgezogen, dahinter oben schwä-
cher-, seitlich stärker verengt, weiter hinterwärts seitlieh
mit schwacher Rundung kegelförmig erweitert, nur vorn
etwas stärker bräunlich beschuppt; der sonst abgeflachte
Rücken dicht und deutlich runzlig punktirt, mit einer
jederseits abgekürzten, etwas dunkl^rn und glänzenderen
Kiellinie besetzt: bei dem muthmasslichen ^ zeigen auch
die Seiten Andeutung einer weisslichen, sich an die
Schulterlinien anschliessenden Beschuppung. Ebenso ist
das etwas eingesenkte, schmal halb elliptische Schildchen
mit feinen greisen Schüppchen besetzt. Die sehr flach
168 Suffrian:
gewölbten Deckschildc vorn fast doppelt breiter als das
Halsschild; mit hinterwärts leicht abgeschrägten, stark
heraustretenden Schultern, vor der ziemlich steil ab-
fallenden hinteren Wölbung kurz verschmälert und kaum
zusammengedrückt, etwa I74 mal länger als vorn breit,
hellbraun, überall mit einer feinen und dünnen, den
Untergrund nicht deckenden greisen Bc&chuppung bestreut,
grob doppelt punktstreilig; die geraden Zwischenräume
kielartig erhöht, von den ungeraden nur der erste ganz
flach, die folgenden von der Mitte ab sich nach vorn
allmählich erhebend und bis zur Wurzel etwa die halbe
Höhe der geraden erreichend. Auf dem schräg abge-
schnittenen Rande der Schulter (eigentlich dem schräg
nach vorn gebrochenen Vorderende der dritten Kiellinie)
eine das dritte Streifenpaar vorn abschliessende dicht
weiss beschuppte Linie. Unterseite und Beine gleichfalls
braun, letztere dichter weisslich beschuppt, mit kräftig
gezahnten Schenkeln und deutlich geschweiften Vorder-
schienen; die Rüsselrinne zwischen den Vorderhüften
wenig verengt.
In den Bezirken Cienfugos und Bayamo, von April
bis Juli.
61. C. albicans Chv. Oblongo-ovatus nigricans,
brunneo-squamosus, antennis tibiis tarsisque ferrugineis, tho-
racis vittis duabus incurvis, eiytrorum fascia lata niveo-
squamosis, elytris punctato-striatis, interstitiis alternis cari-
natis, secundo et quarto interruptis, femoribus albo-annu-
latis bidentatis. Long. 2'" ; lat. ^/g'".
An Gl estalt und Habitus etwa unserm Phytone mus
variabilis gleich kommend, auch dem in Mexico (und
Texas) einheimischen Con. leueophaeatus Chv. nicht
unähnlich, von letzterem aber durch die abweichende
Farbenvertheilung und die doppelt gezähnten Schenkel
leicht zu unterscheiden. Die Grundfarbe ein, aber nur
auf der ziemlich kahlen Unterseite und einigen erhöhten
Stellen des Halsschilds zum Vorschein kommendes Schwarz,
auf der ganzen Oberseite mehr oder weniger dicht mit
angedrückten heller oder dunkler bräunlichen Schuppen
bedeckt, zwischen denen auf der Stirn und mehr noch
Verz. d. auf d. Insel Cuba gesammelten Rüsselkäfer. 169
in einzelnen eingedrückten Stellen des Halsschilds ver-
einzelte kürzere bräunliche Häcärchen zu bemerken sind.
Der stark gekrümmte Rüssel ist je weiter nach der ge-
bräunten Spitze zu desto kahler^ auf der ganzen Ober-
seite mit feinen Längsrunzeln besetzt, auf der Mitte ge-
kielt, zwischen den Augen quer eingedrückt, die nahe
hinter der Spitze des Rüssels angehefteten Fühler lang
und schmal, mit sehr scharf begränzten Fülilerrinnen. Das
abgestutzt-kegelförmige Halsschild hinter dem Vorderrande
stark eingedrückt, mit deutlichen Augenläppchen, hinten
zweibuchtig, oben flach gewölbt und dabei recht uneben,
vor der Mitte breit gekielt und diese Kiellinie an beiden
Enden stark verschmälert, auch seitlich und hinter ihr
einige symmetrisch vertheilte flache Beulen, welche, wie
die Kiellinie selbst, glänzend schwarz und schuppenlos
erscheinen. Seitlich jederseits eine etwas gekrümmte, aus
weissen Schüppchen bestehende, hell bräunlich gesäumte,
in der Mitte nach Aussen erweiterte Längsbinde. Das
etwas eingesenkte schmale Schild chen schwarz und glanz-
los. Die Dcckschilde doppelt länger als breit, vorn
merklich breiter als das Halsschild, oben sehr flach ge-
wölbt, seitlich und hinterwärts stark abfallend, grob
punktstreifig, die graden Zwischenräume fein kielförmig
erhöht, die beiden obern derselben auf der weissen
Schuppenbinde unterbrochen, die äusseren daselbst wenig-
stens abgeschwächt, die bräunlichen Schuppen der Ober-
fläche mehr oder weniger deutlich ins Fuchsröthliche
oder Gelbliche übergehend; auf der hintern Hälfte eine
gemeinsame, auf der Naht und hinten verengte, seitlich
breitere und stärkere weisse Schuppen-Querbinde, deren
Aussenenden, etwas abgeschwächt, auch wohl unterbrochen,
sich zwischen den drei äussern Rippen bis zu den Schultern
vorstrecken, und letztere da treffen, wo die Seiten-
binden des Halsschilds je mit einem etwas dichtem Schup-
penfleckchen abbrechen. Die Unterseite glänzend schwarz
und nur vereinzelt punktirt, die Rüsselrinne zwischen den
Vorderhüften stark verengt, die Bauchringe durch tiefe
Querfurchen geschieden, und daher stark gewölbt; auf
der Mitte des ersten bei den vorliegenden Stücken ein
170 Suffrian:
schwächerer, des letzten ein stärkerer halbmondförmiger
Eindruck; letzterer wahrscheinlich und vielleicht auch
der erstere ein Geschlechtsmerkmal.
XXIV. Cleogenus Schh.?
62. Gl.? grossulus m. Breviter ovatus ater niti-
dulus, rostro basi strioiato, thorace subconico crebre pun-
ctato, elytris profunde punctato-striatis, interstitiis conve-
xiusculis, fcmoribus obsolete dentatis. Long. Vjoj lat. 1'".
Der vorliegende Käfer war vor Jahren von Dr. G.
an Herrn Rieh! unter der no. 1123 eingesandt worden;
seine letzte Sendung brachte jedoch unter derselben
Nummer eine ganz andere, überhaupt nicht hierher ge-
hörige Art, und ich habe daher von der ersteren nur
jenes einzige Stück aus der Riehl'schen Sammlung vor
mir, welches aber in seinem wohlerhaltenen Zustande
vollständig zu ihrem Wiederkennen ausreicht. Nach Ha-
bitus und Sculptur gleicht dieselbe am meisten einem
kleinen C halcodermus, und war desshalb auch von
Herrn R. vorläufig in diese Gattung gestellt worden, zu
welcher sie aber schon wegen ihres hinten gelappten
Halsschilds nicht gehören kann. Am besten scheint der
Käfer mir noch in der Gattung Cleogenus Schh. unter-
gebracht v/erden zu können, wiewohl auch deren Merk-
male, wie sie von Lacordaire 1. 1. VH. 67 festgestellt
worden sind, nicht in allen Punkten zutreffen wollen.
Etwas Sicheres wird sich allerdings erst bestimmen lassen,
wenn die Art in mehreren Stücken und zwar in beiden
Geschlechtern vorliegt.
An Grösse gleicht dieselbe etwa unser d Gymnetron
campanulae oder kleinern Stücken des G. Graminis,
ist aber auf dem Rücken der Deckschildc hochgewölbt,
und nach vorn stärker kegelförmig verschmälert. Der ver-
hältnissmässig kurze und derbe Rüssel ist wenig gekrümmt,
vor der Spitze abgeflacht und glatt, der grössere obere
Theil der Länge nach mit feinen eingegrabenen Linien
gestrichelt, übrigens, wie der ganze Käfer, schwarz und
kahl. Die auch nur kurzen Fühler nahe vor der Spitze
des Rüssels eingefügt, die Augen getrennt durch eine
Verz. d. auf d. Insel Tuba gesammelten Rüsselkäfer. 171
schmale Erliöhiing, die sich iii gleicher Breite auf der
Oberseite des Rüssels zwischen den beiden kräftigsten
jener Längslinien fortsetzt. Das Halsschild ist mit dem
Vorderraudc nicht vorgezogen, seitlich schwach gelappt,
nach vorn mit wenig gekrümmten Seiten kegelförmig
verschmälert, aber nicht eigentlich eingeschnürt, hinten
wieder ein wenig eingezogen, an dem etwas eingesenkten
Hinterrande jcderseits des Schildchens tief ausgebiichtet
und dadurch einen stumpf-dreieckigen, buchtig heraus-
tretenden Hinterlappen bildend; die Oberfläche gleich-
massig und derb punktirt, auf der Mitte eine längliche
punktfreie, aber nicht erhöhte, hinterwärts verschmälerte
Stelle. Das schmale Schildchen tief eingesenkt. Die
gewölbten Deckschilde hinter der Mitte noch etw^as er-
weitert und dann sehr kurz und breit zugerundet, mit
sehr stark abfallender Wölbung, die stumpfen Schultern
wenig hervortretend, die Wurzel jederseits des Schildchens
mit einem breiten Lappen in die Ausbuchtung des Hals-
schilds eingreifend. Die Punktstreifen sehr regelmässig
und derb, aus w^eit getrennten, grübchenartigen Punkten
gebildet, die bis zu den Hinterenden in gleicher Stärke
verlaufen. Die fein und zerstreut punktirten Zwischenräume
oben mehr flach, seitlich, besonders an den Vorderenden
leicht gewölbt, was bei schräger Beleuchtung etwas
stärker in die Äugen fällt. Unterseite und Beine gleich-
falls schwarz; die Vorderbrust, deren Längsrinne nur
bis zu den einander vollständig berührenden Vorder-
hüften reicht, durch letztere geschlossen wird und sich
auch hinter ihnen nicht weiter fortsetzt, dicht und grob
punktirt; der dritte und vierte Hinterleibring stark auf-
gewölbt, der zweite so lang als beide zusammen; die
massig verdickten Schenkel an der Wurzel merklich
verschmälert, vor den Knieen mit einem kurzen, scharfen
Zähnchen besetzt, die schmalen Schienen gerade, beson-
ders die vordem an der Wurzel innerseits etwas ausge-
buchtete, unten ohne vorspringende Ecken ; von den Fuss-
gliedern besonders das dritte sehr breit.
172 Suffrian:
XXV. Rhyssomatus Scbh.
66. Rh. crispicollis Sclih. 1. 1. IV. 367. no. 3.
Die a. a. O. von Boheman gegebene Beschreibung ist
treffend und gut: es könnte ihr etwa noch hinzugesetzt
werden, dass die eigenthümliche Strichelung des Hals-
schildcs jcdcrselts der feinlängskieh'gen Mittellinie schräg
von vorn und aussen nach hinten und innen geht, die
Stricheln selbst aber mehr oder weniger gekrümmt sind,
soW'ie dass — wenigstens bei dem vorliegenden ötücke —
auf dem ersten Bauchringe hintei' dessen breitem, fein
kielig gesäumten Mittelzipfel sich ein schwacher, rund-
licher Eindruck zeigt. Vielleicht Geschlechtsmerkmal.
Im Bezirke Cardenas.
64. Rh. ebeninus Schh. Chalcodermus eb. Schh.
L c. IV. 391. no. 13. In der Beschreibung von Bob e man
bei Schönherr a. a. O. wird der Schenkelzahn als
jparvus bezeichnet, und so finde ich ihn auch bei zwei
mir vorliegenden Stücken dieser Art: bei einem dritten,
etwas kleinern Stücke Ist er an den Vorderschenkeln
erheblich grösser als an den hinteren, auch als an den
Vorderschenkcln der grösseren Stücke, was man daher
wohl als Geschlechtsmerkmal (des J'l) ansehen darf. Die
grubige Punktirung des Halsschildes ist nicht bei allen
Stücken gleich dicht und stark ; bei zweien jener Stücke,
dem kleinern und einem der grössern, ist sie merklich
stärker aber weniger dicht als bei dem andern grösseren,
zeigt auf der Mitte Spuren einer glatten, stellenweise
sanft erhöhten Mittellinie, und hinten jederseits derselben
einen grössern punktfreien Fleck. Speclfische Merkmale
aber vermag ich darin nicht zu erkennen.
Bei Schönherr a. a. O. ist diese Art als ein
Chalcodermus aufgeführt, und unter diesem Gattungs-
namen hat sie, wie die folgende, auch Dr. Gundlach
eingesandt. Es ist jedoch schon von Lacordaire (Gen.
Col. VII. 68) nachgewiesen worden, dass von allen den
Merkmalen, durch welche Schönherr die beiden (eigent-
lich von Herrn C h e v r 6 1 a t errichteten) Gattungen Rhys-
somatus und Chalcodermus zu unterscheiden sucht,
auch nicht ein einziges als stichhaltig gelten kann, und
Verz. d. auf d. Insel Cuba gesammelten Rüsselkäfer. 173
wie geringen Wertli jener Autor auf das einzige von
ihm selbst aufgefundene Merkmal an den „corheilles^
der Hinlerschienen legt, zeigt der von ihm gebrauchte
Ausdruck, er habe an diesen eine Differenz gefunden,
„gm per m et de les reconnaitre (i, e, les deux geiiresj."
Zur Beibehaltung der Gattung Chalcodermus schien mir
desshalb eine ausreichende Veranlassung nicht vorhanden
zu sein.
Dr. Gundlach fand den vorlegenden Käfer in den
Bezirken Bayarao und Cardenas im Juli.
65. Rh. pupillatus Chv. Brunnens parce griseo-
pilosus, thorace crebre punctato, elytris pone humeros
obtuse dilatatis, profunde punctato-striatis, interstitiis pun-
ctulatis, femoribus dentatis. Long. 2'"; lat. 1'".
Dem vorhergehenden im Habitus, auch dessen klei-
nerem Stücke an Grösse gleich, von ihm aber durch
die bräunliche Färbung, die dichtere aber weniger grobe
Punktirung, und die vereinzelte kurze greise Behaarung
der Oberseite verschieden. Der Rüssel wenig gekrümmt,
vorn fein punktirt aber nicht grade glänzend; hinterwärts
ist die zerstreute Punktirung deutlicher, und zwischen
den Augen zeigt die Stirn ein paar, deutliche feine Kiel-
linien darstellende Längsrunzeln, und der Nacken ist
mit einer dichten und kräftigeren Punktirung besetzt.
Das flach gewölbte Halsschild breiter als lang, nach vorn
kegelförmig verschmälert und hinter dem Vorderrande
seitlich breit eingedrückt, mit jederseits leicht ausge-
schnittenem Hinterande; die Oberfläche dicht aber nicht
tief punktirt. mit feinrunzlig punktirtem, massig glänzendem
Zwischengrunde, auf welchem vereinzelte, aus den feinen
Pünktchen hervortretende kurze gelblichgreise Häärchen
bemerkbar werden. Das kleine Schildchen schmal eiförmig.
Die Deck Schilde eirund, vorn jederseits hinter den abge-
schrägten Schultern in Gestalt eines kurzen, breiten
•Zähnchens erweitert, mit gekrümmt abfallender, das
Pygidium bedeckender Spitze, innerseits der stumpfen
Schulterbeulen leicht eingedrückt, grob punktstreifig, die
Punkte dicht aneinander gerückt und durch mehr oder
weniger deutliche Querbrücken geschieden, welche auf
174 Snffrian:
die schmalen, gekerbten Zwischenräume übergreifen;
letztere fein punktirt, mit ähnlichen Häärchen, wie das
Halsschild bedeckt, und von geringem Glänze. Die Unter-
seite kaum punktirt, der breite erste Bauchring flach
dreieckig eingedrückt, welcher Eindruck mit seinem
schwächern Hinterende auch noch auf den zweiten Ring
übergreift. An den kurzen Beinen sind die massig ver-
dickten Schenkel mit einem gleichfalls kurzen aber scharfen
Zahn besetzt, mit den Schienen dicht punktirt und mit
feinen greisen Häärchen bedeckt; die Vorderschienen
zeigen innerseits in der Mitte ein kurzes aber deutliches
Zähnchen, die mittlem sind daselbst nur schwach doppelt
ausgerandet. •
XXVI. Acalles Schh.
Die hierher gehörigen Arten sind von Schönherr
unter seine beiden Gattungen Acalles und Tylodes
vertheilt worden. Hr. Lacordaire hat jedoch schon
(a. a. O. VIT. 194) darauf hingewiesen, dass zur Unter-
scheidung beider Gattungen nur ein einziges einigermassen
ausreichendes Merkmal in der Beschaffenheit der Fühler-
sch^iur vorhanden ist, in welcher sich bei Acalles die
beiden, bei Tylodes die drei oder vier untern Glie-
der gegen die folgenden verlängern. Lacordaire's Be-
denken gegen die Beibehaltung beider Gattungen er-
scheinen mir daher wohl begründet, zumal die Regeln
einer richtigen Logik erfordern würden, bei Festhaltung
derselben auch wiederum die Tylodcs-Arten mit drei
verlängerten Basalgliedern der Fühlerschnur generisch
von denen zu trennen, bei welchen vier dieser Glieder
verlängert sind, und auch Schönherr selbst in der
Vcrtheilung der Arten unter seine beiden Gattungen
geschwankt, und in Bd. VHI eine ganze Reihe von
Arten zu Tylodes versetzt hat, die er früher (Bd. IV)
als Acalles-Arten aufgeführt hatte. Geht man der
Sache auf den Grund, so ergiebt sich leicht, dass nur
der Habitus, wie bei Schönherr so oft, die Veran-
lassung zur Sonderung beider Gattungen gegeben hat; ich
habe daher auch kein Bedenken, sie wieder zu vereinigen,
rVerz, d. auf d. Insel Cuba gesammelteu Rüsselkäfer. 175
und behalte für die Gattung den Namen Acalles
bei, der uns durch die zahlreichen hieher gehörigen
Europäischen Arten der geläufigere ist.
66. A. apicalis Schh. 1. c. IV. 326. no. 1. Der
von Boheman a. a. O. gegebenen Beschreibung habe ich
weiter Nichts hinzuzufügen, als dass die grössten vor
mir liegenden Stücke des anscheinend nicht seltenen
Käfers den grössten Stücken unseres Crypt. Lapathi
Fabr. an Länge gleich kommen, die kleinsten aber unsern
Ac. hypocrita Creu tz. nur etwa um die Hälfte über-
treffen, auch der dunkle Rückenfleck der Deckschilde
nach Grösse und Schärfe der Begrenzung mancherlei
Abänderungen unterliegt.
Der Käfer findet sich in vielen von mir verglichenen
Sammlungen, und wurde von Dr. G. in den Bezirken
Cardenas, Cuha, Guantänamo an trockenen Zweigen im
März und April gesammelt.
67. A. t er r OS US Chv. Oblongo-ovatus niger fusco-
squamosus parce setulosus, antennis tarsisque ferrugineis,
thoracis profunde punctati latcribus elytrorumque apice
squamulis silacels tectus, elytris profunde punctato-striatis,
interstitiis convexiusculis. Long. 1 — ^^W" '^ lat. Y2^^^ Vs'"-
Dem unten beschriebenen A. stipulosus nicht un-
ähnlich, aber etwas kleiner, in der Mitte der Deckschilde
mehr bauchig erweitert; die Vv-eiteren Abweichungen
beider Arten zeigen sich theils in der Färbung, theils in
der Sculptur und der Beschaffenheit der Dörnchen auf
der Oberseite. Die Farbe ist zwar auch ein schmutziges,
glanzloses mit bräunlich gieisen Schüppchen dicht be-
decktes Schwarz, aber auf den breiten Seiten des Ilals-
schildcs fallen diese Schüppchen bei unbeschädigten
Stücken deutlich ins Hellgelbgreise, oder vielmehr das
Halsschild ist überall gelbgreis und zeigt nur auf seiner
Mitte eine nach vorn dreieckig verschmälerte schwärzliche
Längsbinde. Gleiche Schüppchen tragen die Schenkel
und Schienen, sowie die kleinere, nach vorn ziemlich
scharf begränzte Hinterhälfte der Deekschilde, von wo
aus seitlich längs den beiden äussersten Punktstreifen
sich ähnliche Schuppen bis zum Hinterrande des Flals-
176 , Suffrian:
Schilds emporziehen. Bei abgeriebenen oder durch Nässe
verdorbenen Stücken werden diese hellen Schuppen meist
unscheinbar, oder lassen nur an der Spitze der Deck-
schilde und vorn an der Gränzllnie des Hinterflecks eine
mehr oder weniger kenntliche Spur zurück. Die Sculptur
der Oberseite tritt erst bei den abgeriebenen Stücken deut-
lich hervor. Sie bildet auf dem Halsschilde ziemlich grobe,
grübchenartige Punkte mit glanzlosem Zwischengrunde,
ist aber auch bei den besser erhaltenen Stücken auf der
schwärzlichen Mitte des Halsschilds kenntlich. Ebenso
bilden die Punkte auf den Dcckschilden gleichmässige
grobe Punktstreifen, deren gleich breite matte Zwischen-
räume oben flacher, seitlich mehr gewölbt erscheinen.
Die emporgerichteten kleinen Borsten stehen auf Kopf
und Halsschild mehr senkrecht, auf den Deckschilden
etwas mehr nach hinten geneigt, sind länger als bei A.
stipulosus, gelblich und nach der Spitze zu deutlich
verdickt.
Im Bezirke Cardenaa.
68. A. stipulosus M. Ber. Oblongo-ovatus niger
cinereo-squamosus parce setosus, antennis tarsisque ferru-
gineis, thorace profunde punctato anlice constricto, ely-
tris bifariam punctato-striatis, interstitiis convexiusculis,
alternis latioribus. Long. IV4— IV2'"; lat. '^k—^U".
Der vorliegende Käfer ist von Dr. G. bald als ein
Acalles, bald als ein Tyl ödes eingesandt worden, aber
wenn man auch die nach dem oben Bemerkten höchst
entbehrliche Gattung Tylod es beibehalten will, kann er
nach dem Bau seiner Fühler doch nur den eigentlichen
Acalles- Arten beigezählt werden. Die Grösse ist die
der kleineren Stücke unseres Ac. Camelus, nur ist er
an den Seiten sanfter gerundet, hinter den Schultern
weniger erweitert, die Farbe bis auf die hell rothgelben
Fühler und Fussglieder ein schmutziges Schwarz> mit dicht
anliegenden helleren oder dunkleren greisen Schüppchen
bedeckt, unter denen an den abgeriebenen Stellen die
eigentliche glanzlose Körperfärbung hervortritt: ausserdem
aber zeigen sich auf dem Halsschilde und den Dcck-
schilden vereinzelte kurze aufrechte greise Borsten, die
Verz. d, auf d. Insel Cuba gesammelten Rüsselkäfer. 177
sich aber auch sehr leicht abzureiben scheinen und daher
nur selten auf der ganzen Oberfläche vorhanden sind.
Der ziemlich kurze und dicke Rüssel ist an der Spitze
etwas flach gedrückt und schuppcnlos, die Fühler von
massiger Länge, das erste und zweite Glied der Schnur
ziemlich gleich lang, und erheblich länger als die folgen-
den, auch, besonders das erstere, oberwärts verdickt, die
Keulen eiförmig, und die beiden zunächst liegenden
Glieder dicker als die mittleren der Schnur. Das Hals-
schild breit quer übergewölbt, vorn stark herabgesenkt und
dadurch jederseits eine stumpfe Anschwellung bildend,
grob und dicht punktirt, mit matt runzligem Unter-
grunde, die Punktirung aber nur bei abgeriebener Be-
schuppung deutlich. Die vor der Wurzel etwas einge-
zogenen Deckschilde eng an das Halsschild angeschlossen,
hinter den abgeschrägten Schultern erweitert und dann
wieder hinterwärts stark verschmälert, grob punktstreifig,
die Streifen paarweise einander genähert, wodurch die
geraden Zwischenräume etwas breiter als die ungeraden
erscheinen ; alle übrigens matt und glanzlos, überaus fein
in die Quere gerunzelt. Auch die Unterseite mit den
zahnlosen Schenkeln und Schienen ist schwärzlich, mehr
oder weniger greis beschuppt, dadurch s-tellenweise wie
mit feinen Höckern besetzt; der erste Bauchring bei einem
etwas schmaleren (ob </?) Stücke in der Mitte des Hinter-
randes sanft ausgebuchtet.
In den Bezirken Cardenas und Trinidad unter todten
Stämmen im November.
69. A. lateritius m. Oblongo-ovatus niger rufo-
squamulosus, setulis albidis parce muricatus, antennis tar-
sisque ferrugineis, thorace profunde punctato-rugoso antice
angustato et constricto, elytris punctato-striatis, interstitiis
convexiusculis. Long. 2'"; lat. ^Vi2'"«
Von dem Habitus des A. terrosus, aber im Verhält-
niss etwas gestreckter, das Halsschild hinten vor seiner
Verengung etwas weniger verschmälert, hinter dem
Vorderrande weniger eingeschnürt, und ausserdem durch
die ziegelrothe Schuppendecke von jenem ausreichend
verschieden. Der wahrscheinlich abgeriebene Rüssel ist
Archiv f. Naturg. XXXVIII. Jahrg. 1. Bd. 12
178 Suffrian:
auf der grösseren Vt)rderhälfte schwarz und etwas glän-
zend, fein und zerstreut punktirt, hinterwärts sich ver-
breiternd und daselbst jederseits der Mittelfirste mit einer
Längsreihe gröberer Punkte besetzt, Stirn und Nacken
mit einer dichten, festhaftenden röthlichen Schuppendecke
bekleidet. Die Fühler sind hellrothgelb mit einer breit
eiförmigen Keule. Das Halsschild ist etwas länger als
breit, von dem flach gewölbten Mittelfelde ab hinter-
wärts niedergesenkt und etwas verengt, nach vorn im
Bogen verschmälert, leicht quer eingedrückt und dann
noch hinter den Augen seitlich tiefer eingeschnürt, an
den abgeriebenen Stellen glänzend schwarz, grob runz-
lig punktirt, zwischen den röthlichen Schuppen mit ver-
einzelten grade aufgerichteten kurzen weisslichen Borsten
besetzt. Von einem Schildchen Nichts wahrnehmbar.
Die gestreckt-elliptischen Deckschilde sind vorn quer nie-
dergedrückt, sodass der ganze Körper hier etwas zusammen-
geschnürt erscheint, hinter den abgerundeten Schultern
schwach im Bogen erweitert, vom letzten Drittel ab kurz zu-
gerundet: die durch die Schuppen meist verdeckten an-
scheinend ziemlich groben Punktstreifen werden fast
nur an den abgeriebenen Stellen durch das Hervortreten
der leicht gewölbten, schwarzen Zwischenräume kenntlich,
auf denen hinten einzelne Ueberreste von je einer Längs-
reihe vereinzelter schräg hinterwärts gerichteter kurzer
weisslicher Borsten sichtbar werden. Die Unterseite und
die bei dem einzigen mir vorliegenden Stücke der Riehl-
schen Sammlung nicht eben gut erhaltenen Beine sind
gleichfalls mit dichten rothen Schuppen bedeckt, durch
welche hindurch man nur auf dem ersten, zweiten und
letzten Hinterleibsringe eine grobe, grübchenartige Punk-
tlrung wahrnehmen kann; die massig verdickten Schenkel
zahnlos, die Fussglieder rothgelb; wenn gleich nicht ganz
so hell wie die Fühler.
70. A. miserabilis m. Piceus, antennis pedibusque
dilutioribus, undique spinulis erectis muricatus, thorace
confertim granulato-punctato antice constricto, elytris pro-
funde punctato-sulcatis, interstitiis convexis rugosis, parce
griseo-squamulosis. Long. P"; lat. V2'".
Verz. d. auf d. Insel Cuba gesammelten Küsselkäfer. 179
Ein imsclieinbarer, in der letzten Zeit von Dr. G.
nicht -wieder eingesandter Käfer, der mir daher nur aus Hrn.
Riehls Sammlung zum Vergleichen vorliegt, übrigens
durch Grösse und Habitus am nächsten an unsern A. mi-
sellus Schh. erinnert. Die Farbe ist pechbraun mit
heilem Fühlern und Fussgliedern, auch die Schienen in
der Mitte etwas lichter durchscheinend, die ganze Ober-
seite nebst den Beinen mit (stellenweise abgeriebenen)
greisen und die Oberfläche etwas rauh machenden Schüpp-
chen besetzt, zwischen denen sich überall etwas längere,
greisgelbe und an Kopf und Halsschild bogig nach vorn,
auf den Deckschilden hinterwärts gerichtete schwach
keulenförmige Dörnchen emporheben. Der Kopf ist flach
zugerundet, der gebogene Rüssel ist massig lang, kräftig,
an dem kahlen Vorderende etwas abgeflacht, hinterwärts
mehr gewölbt und schuppig. Augen und Fühler, wie
bei den verwandten Arten. Das Halsschild wenig länger
als breit, nach vorn im Bogen verschmälert und schwach
eingeschnürt, dicht punktirt, aber so, dass der Zwischen-
grund sich in Gestalt deutlicher abgerundeter, an den
abgeriebenen Stellen glänzender Körnchen emporhebt.
Von einem Schildchen habe ich nichts wahrnehmen können.
Die Deckschilde etwas länger als breit, vor der Spitze wenig
verschmälert, und dann kurz zugerundet, mit stark ab-
fallender Wölbung, kräftig längsgefurcht und in den
Furchen mit je einer Längsreihe dicht aneinander ge-
rückter grübchenartiger Punkte besetzt, zwischen denen
die hochgewölbten, aber nicht eigentlich kielartigen
Zwischenräume stellenweise gelblich durchscheinen. Die
greisen Schüppchen auf diesen Zwischenräumen sehr
ungleichmässig vertheilt, letztere selbst fein runzlig punk-
tirt, aus welchen Pünktchen die erwähnten kleinen Borsten
reihenweise hervortreten. Die nicht sehr starken Schenkel
ungezähnt, nebst den Schienen gleichfalls durch Schüpp-
chen und Börstchen rauh, eben so auch die Oberseite der
Fussglieder, mit stark verbreitertem dritten Gliede der
letzteren. Die grob punktirte Unterseite des Körpers ohne
auffallende Eigenthümlichkeiten.
71. A. plebejus m. Oblongo-ovatus niger, pedibus
iSO Suffrian:
piceis, capite thoraceque punctato-rngoso parce setulosis,
rostro nitidulo apice piinctulato basi bifariam grosse pun-
dato, elytris profunde pimctato-striatis, interstitifs con-
vexiusculis laevibus. Long. IV2'"; ^^t. 3/4'".
Auch von dieser in der letztern Zeit von Dr. G.
nicht wieder eingesandten Art kann ich nur ein einzelnes
älteres Stück aus Hrn. Riehls Sammlung vergleichen,
und die Beschreibung desselben wird später noch mancher
Ergänzung bedürfen/ zumal der Rüssel fest in die Brust-
rinne eingeklemmt, wahrscheinlich sogar eingetrocknet
ist, und der Versuch, ihn freizulegen, in der Unthun-
lichkeit, das einzige vorhandene Stück dem Zerbrechen
auszusetzen, bald seine Gränze finden musste. Farbe und
Beschaffenheit der Fühler, die Dicke des Rüssels und die
Stärke seiner Krümmung muss daher ungewiss bleiben ;
seine freiliegende Oberseite ist schwarz, glänzend, mit
einem leichten Strich ins Pechbräunliche, und auf der
vorderen Hälfte mit feinen Punkten ziemlich dicht be-
deckt; weiter oberwärts zeigt sich auf ihm eine schwache
und stumpfe Kiellinie, die je weiter nach oben, desto
deutlicher wird, sich zunächst am Kopfe vollständig aus-
bildet, und hier jederseits von einer kurzen mit einer
Reihe gröberer Punkte besetzten Längsfurche begleitet'
ist. Der grob runzlig punktirte Kopf ist von massiger
Breite, mit vereinzelten aufgerichteten Schüppchen und
Dörnchen besetzt. Das vorn breit und deutlich einge-
schnürte Halsschild nicht ganz so lang wie breit, an den
Seiten breit gerundet, hinterwärts wieder etwas verengt
und eingesenkt, grobrunzlig punktirt, mit gelblich greisen
Schuppen und bogig nach vorn gerichteten, kurz keulen-
förmigen Dörnchen bedeckt, die aber nur dann deutlich
ins x\uge fallen, wenn man den Käfer von der Seite aus
betrachtet. Die eiförmigen Decksclulde vorn nicht breiter
als das Halsschild, dann stark im Bogen erweitert und
hinten ziemlich kurz zugerundet, an der Wurzel mit
dem Hinterrande des Halsschilds zusammen tief einge-
schnürt, oberseits länger. Die Naht etwas abgeflacht,
mit regelmässigen Längsreihen grober grübchenartiger
Punkte besetzt, die fast flachen Zwischenräume glatt und
Verz. d. auf d. Insel Cuba gesammelten Rüsselkäfer. 181
glänzend, wie abgerieben, besonders nach den Seiten hin
schmal und durch die Querbrücken der Punkte maschen-
artig verbunden, vor der Spitze und an den liinterenden
des Seitenrandes mit üeberresten ähnlicher Dörnchen,
wie die vorderen Theile des Körpers, dieselben aber
hinterwärts gerichtet. Auch die Unterseite ist grob punk-
tirt, die Beine sind pechschwarz, mit etwas helleren
Schienen und Füssen, die ungezahnten Schenkel und die
Schienen sind gleichfalls puuktirt, und zeigen dabei ver-
einzelte Schuppen und Dörnchen.
Die Riehi'sche Sammlung enthält auch noch einen,
dem oben beschriebenen sehr ähnlichen Käfer, welcher
sich kaum anders als durch die etwas geringere Grösse
und noch dichter an einander gerückte etwas in die Quere
gezogene Grübchen der Deckschilde unterscheidet. Wei-
tere Abweichungen, soweit der meist dicht mit festanlie-
genden Schüppchen überdeckte Körper eine Untersuchung
gestattet, finde ich nicht; der vordere Theil des etwas
mehr gelockerten Rüssels erscheint glänzend pechbraun
und nach der Spitze zu mit immer feineren und mehr zer-
streuten Pünktchen besetzt. Vorläufig halte ich diesen
Käfer nur für eine Form oder für das andere Geschlecht
der ober beschriebenen Art.
72. A, ptochoides m. Piceus, sordide luteo-
squamulosus pareeque spinulosus, antennis tarsisque ferru-
gineis, thorece granulato lateribus rotundato, elytris pro-
funde punctato-striatis, interstitiis convexis porcatis. Long.
P" ; lat. V,"\
Gleichfalls von derGrösse und dem Habitus unseres A.mi-
sellus, und von letzterem kaum anders als durch ein etwasstär-
ker gerundetesHalssehildund stärker gewölbte, wie zerhackte
Zwischenräume der Deckschilde verschieden. Der undeut-
lich längsrunzlige Rüssel von massiger Länge und Krüm-
mung, nach der Spitze zu etwas verbreitert und abge-
flacht, daselbst auch schwächer beschuppt, aber nicht
kahl. Die Mundtheile, soweit sie wahrzunehmen sind,
und die Fühler hellrothgelb. Das Halsschild nicht länger
als breit, nach vorn stark verschmälert, daselbst kaum
halb so breit wie in der seitlich stark zugerundeten Mitte,
182 Suffrian:
dicht und deutlich punktirt, der Zwischengrund in Gestalt
feiner Körnchen erhöht und mit kurzen, dicken schräg
nach vorn gerichteten Dornschüppchen besetzt, hinten
mit schwacher Spur einer haardünnen, eingeschnittenen
Längsh'nie. Die Deckschilde etwas länger als hinter der
bauchig erweiterten Mitte breit, mit stark verengter Wur-
zel, deutlich punktstreifig ; die aus groben, dicht ge-
drängten Punkten gebildeten Streifen fast furchenartig
vertieft, die gewölbten Zwischenräume durch das Ein-
greifen der quer gezogenen Punkte jener Furchen ge-
kerbt, wie in Körnehen aufgelöst, die hinterwärts gerich-
teten kurzen Dörnchen nur noch an den Seiten und hinten
unter der Wölbung sichtbar. An den beschuppten Beinen
die Schenkel zahnlos, und die unteren Schienenenden
durchscheinend geröthet.
Aus der Riehl'schen Sammlung ein einzelnes, von
Dr. G. früher unter der no. 631 eingesandtes Stück.
73. A. sulcifronsm. Subglobosus nigricans brun-
neo-squamosus, fronte sulcata, thorace brevi lateribus late
rotundato antice profunde constricto punctato-rugoso, ely-
tris sulcatis, interstitiis elevato-granulatis, femoribus den-
tatis. Long. P/3'"; lat. Vj^'".
Ein Käfer von sehr eigenthümlichem Habitus, in
der äusseren Erscheinung mehr den von Schönherr zu
Tylodes gebrachten Arten ähnlich, kurz und dick,
Halsschild und Deckschilde bauchig gerundet, letztere
fast eben so breit wie lang, und nur an der Spitze etwas
zusammengedrückt. Der Rüssel massig lang und ge-
krümmt, vorn undeutlich punktirt und längsrunzlig, wenig
abgeflacht, die Punkte und Runzeln hinterwärts deutlicher
aber nicht dichter ; die Fühler hell rostroth, ihr zweites
Glied an der Spitze doppelt breiter als unten, etwas kür-
zer als das dritte, aber doch mehr wie doppelt länger als
das 4te ; die Augen ziemlich weit getrennt, Stirn und
Nacken mit einer breiten und tiefen scharf eingedrückten
Längsfurche. Das Halsschild ist in der seitlich breit zu-
gerundeten Mitte fast doppelt breiter als lang, hinterwärts
und noch mehr vorn stark verschmälert, vorn durch eine
besonders oben tiefe und breite Querfurche eingeengt.
Verz. d. auf d. Insel Ciiba gesammelten Rüsselkäfer. 183
auch das Mittelfeld durch einen vor der Mitte des Hin-
terrandes liegenden, nach vorn hin zugespitzten Eindruck
in zwei flache rundliche Wülste getheilt ; die Oberfläche
runzlig punktirt, mehr oder weniger mit theilweise abge-
riebenen röthlichen oder bräunlichen Schuppen bedeckt,
dazwischen etwas glänzend. Die Deckschilde an der
Wurzel verengt und eingesenkt, hinterwärts bauchig er-
weitert, daher fast kugelig, und erst wieder an der Spitze
deutlich verschmälert; die Oberfläche gestreift -punkt-
streifig, die stark erhöhten Zwischenräume besonders bis
gegen die Mitte hin mit glänzend schwarzen, die Schup-
pendecke durchbrechenden Höckern besetzt, die sich
hinterwärts immer mehr verlieren. Unterseite und Beine
mit ähnlichen, gelbgreisen Schuppen bekleidet, die Schenkel
in der Mitte mit einem massigen Zähnchen.
Ausser dem oben beschriebenen Stücke enthält Hrn.
Riehl's Sammlung noch ein zweites, welches früher Dr.
G. unter der No. 299 eingesandt hat, und welches eine von
ihm später auch nicht wieder mitgetheilte Form bildet.
Es unterscheidet sich von dem ersteren durch einen gelb-
lichen Schuppeufleck auf der Mitte des Halsschilds, wel-
cher jederseits von einer unscheinbaren gelblichen Längs-
binde begleitet ist, und durch eine Querreihe weisslicher
Schuppcnfleckchen hinter der Mitte der Deckschilde, durch
welche eine schon dem blossen Auge wahrnehmbare unter-
brochene Querbinde gebildet wird. Vielleicht ist dies die
Grundform des Käfers.
74. A. bullatus Grm. Schh. 1. 1. IV. 340. n. 15.
Der hier von Boheman gegebenen, im Allgemeinen
treffenden Beschreibung ist noch hinzuzusetzen, dass die
kleinen Schuppen, mit denen die ganze Oberseite des
Körpers bedeckt ist, sich vielfach in Gestalt kleiner hin-
terwärts gerichteten Dörnchen schräg aufrichten (was
man aber nur dann deutlich wahrnimmt, wenn man den
Käfer unter einem sehr schrägen Winkel von der Seite
her betrachtet), dass sie am Halsschilde längs dessen Vor-
derrande sich fast senkrecht erheben, und dass die Scheibe
desselben kurz vor der Mitte zwei Häufchen längerer
und dichter gestellter, fast dornartiger Schüppchen trägt,
184 Suffrian:
welche bei oberflächlicher Betrachtung als Höckerchen er-
scheinen, sich aber schon bei einer massigen Vergrösserung
in ihre wahren Bestandtheile auflösen lassen. Ein Paar
ähnliche aber schwächere Schlippenbüschel finden sich
am Vorderrande des Halsschilds hinter den Augen. Die
kielartige Erhöhung der geraden Zwischenräume ist be-
sonders bei dem zweifen und vierten bemerkbar, und
auf diesen liegen auch die bei Schönherr erwähnten, aber
nicht immer deutlichen vorderen dunkeln Längsfleckchen.
Im Bezirke Cardenas gefunden.
75. A. laticoliis Schh. 1. 1. IV. 341. n. 16. Die
beiden mir zum Vergleiche vorliegenden Stücke dieser
Art sind zwar nicht, wie die von Boheman bei Schön-
herr mitgetheilte Beschreibung angibt, etwas grösser,
sondern etwas kleiner als die vorhergehende Art, aber
ich glaube doch an der Richtigkeit der G.'schen Bestim-
mung nicht zweifeln zu dürfen, da die Beschreibung im
Uebrigen sehr wohl zutrifft und daher auch nur einer
geringen Ergänzung bedarf. Der Hinterrand des Hals-
schilds und der Vorderrand der Deckschilde sind gemein-
sam tief quer eingedrückt, als wenn der Körper hier
nochmals zusammengeschnürt wäre, die erhöhten geraden
Zwischenräume und am meisten davon der zweite an
ihrem Vorderende, dicht hinter der eingesenkten Wurzel,
höckerförmig aufgetrieben und von da ab hinterwärts
sehr merklich abgeschwächt, was Boheman durch die
Worte „mterstitus alternis abrupte costatis^ hat aus-
drücken wollen, während die Erhöhung des 6ten und 8ten
Zwischenraumes kaum anders als bei der Betrachtung
des Käfers von der Seite her wahrgenommen werden
kann. Der hellere hintere Theil der Deckschilde ist von
dem vorderen durch eine deutliche, fast schuppenlose
Querlinie geschieden, die daher auch etwas vertieft er-
scheint. An den Fühlern ist das dritte Glied der Schnur
nur etwa halb so lang aber stärker keulig verdickt als
das zweite, darin fast dem ersten gleich, das 4te von den
nächstfolgenden nicht verschieden.
Im Bezirke von Cardenas an dürren Zweigen im
März, April und Juni.
Verz. d. auf d. Insel Cuba gesnmmelten Rüsselkäfer. 185
76. A. Interrupt US m. Breviter avatus nigricans
griseo-squamosus parce spinulosus, antennis tarsisque fer-
rugineis, thorace lato antice angustato et profunde con-
stricto, elytris punctato-striatis, interstitiis alternis inter-
rupto-costatis, femoribus acute dentatis. Long. P/3"';
lat. 1"'.
Von der Grösse des vorhergehenden, aber trotz
seiner grossen Aehnlichkeit mit ihm doch von ihm be-
stimmt verschieden. Im Allgemeinen kann ich mich für
ihn auf die oben angeführte, vonBoheman bei Schön-
herr gegebene Beschreibung des A. laticollis beziehen
und dieselbe durch die Angabe vervollständigen, dass
der Rüssel an der Spitze massig abgeflacht^ etwas ver-
breitert und geschwärzt ist, dass an den Fühlern das
dritte Glied der Schnur halb so lang ist als das zweite,
aber grösser als die folgenden, und dass die ganze Ober-
seite mit kürzeren auf dem Kopfe rückwärts gerichteten,
an dem erhöhten Vorderrande, dem Hinterrande und in einer
undeutlichen Querreihe über der Mitte des Halsschilds
gerade aufstehenden, überall aber nur sparsam vertheilten
ßörstchen besetzt ist, die sich auch noch sparsamer bei
den Deckschilden auf den erhöhten Stellen der Zwischen-
räume und ganz vereinzelt auf den nicht erhöhten Zwi-
schenräumen vorfinden. Aber auch sonst fehlt es nicht
an Abweichungen. Der bei dem vorhergehenden tief
ausgerandete und dadurch zweihöckerig erscheinende
Yorderrand des Halsschilds ist zwar auch erhöht, aber
ungetheilt; eine abgekürzte Mittellinie vor der Naht ist
schwach kielig erhöht, und zeigt jederseits eine auch
nur schwach aufgetriebene, geschwärzte, mit einigen Schup-
pendörnchen besetzte Stelle. Das kleine, rundliche Schild-
chen ist gelblich- weiss beschuppt. Die Deckschilde
sind dicht bräunlich-greis beschuppt, zwischen welchen
Schuppen sich schwärzliche Dörnchen sparsam empor-
heben, dabei ziemlich grob gepaart -punktstreifig, die
graden Zwischenräume stark kielartig erhöht, der 2te
und 4te besonders auf der vorderen Hälfte mehrfach un-
terbrochen, das Vorderende des zweiten stärker höckerig
aufgetrieben und geschwärzt. Unterseite und Beine, wie
186 Suffrian:
bei der vorhergehenden Art; an den Schenkeln finden
sich neben den Schuppen auch noch vereinzelt abstehende
Dörnchen, und vor der Mitte sind dieselben mit einem
scharfen, dreieckigen Zahne besetzt. An den Füssen ist
das Krallenglied merklich heller als bei A. laticollis.
Im Bezirke Cardenas im Juni unter Genist gefunden.
Der vorstehend beschriebene Käfer war in Dr. Gund-
lach's letzter Sendung unter der No. 617 enthalten. In
einer frühern Sendung von Hrn. Riehl befand sich unter
derselben Nummer eine ganz verschiedene, nämlich die
nächstfolgende Art. Dagegen enthielt diese letztere
Sammlung ein Stück der vorliegenden, welches G. früher
unter der No. 370 eingesandt hatte ; dasselbe unterscheidet
sich von dem oben beschriebenen nur durch die einfarbig
greise Beschuppung, welche auf dem Halsschilde theil-
weise abgerieben ist und dadurch einen deutlich punk-
tirten glanzlosen Untergrund hervortreten lässt. Dagegen
ist von den schwärzlichen Fleckchen auf dem Halsschilde
und den Vorderenden der ersten Rippen auf den Deck-
schilden Nichts wahrzunehmen. Weitere Unterschiede
finde ich nicht. Vielleicht ist das Stück etwas durch
Einfluss des Wetters verdorben.
17. A. brunneus m. Breviter ovatus laete brun-
neus, antennis tarsisque dilutioribus, thorace lato, lateribus
dilatato antice constricto, obsolete albido-trivittato, ely-
tris punctato-striatis, interstitiis convexiusculis punctulatis.
Long. P/a'"; lat. 1'".
Ein hübscher zierlicher Käfer von der Grösse und
dem Habitus der beiden nächst vorhergehenden Arten,
aber durch seine Zeichnung und vielmehr noch durch
die zahnlosen Schenkel sogleich von ihnen zu unterschei-
den. Der deutlich gekrümmte Rüssel ist vor den Fühlern
glatt und glänzend hellbraun, hinterwärts etwas verbrei-
tert, auch stärker bräunlich beschuppt, so aber dass der
Untergrund sichtbar bleibt, und daselbst fein gekielt, und
erst die Stirn mit dichten Schuppen bedeckt. An den
schlanken Fühlern ist das dritte und vierte Glied der Schnur
von gleicher Grösse, knopfi'örmig und wenig länger als
breit, aber doch noch merklich länger als die folgenden,
Verz. d. auf d. Insel Cuba gesammelten Rüsselkäfer. 187
so dass die Art zwischen den eigentlichen Acalles-Arten
und den sogenannten Tyloden eine Ucbergangsform zu
bilden scheint. Das Halsschild breiter als lang, vorn
durch eine tiefe Querfurchc zusammengeschnürt, dahinter
an den Seiten plötzlich mit starker Krümmung auf das
Doppelte verbreitert und hinten wieder ein wenig ver-
engt, oben flach gewölbt, vor der Mitte des Hinterrandes
der Länge nach leicht eingedrückt, dicht und deutlich
punktirt, hell zimmtbraun, mit drei halb verloschenen
aus weisslichen Schüppchen gebildeten und nach vorn
allmählich verschwindenden Längsbinden, deren deutlichste
auf dem Längseindrucke in der Mitte sich befindet. Die
flach gewölbten Deckschilde vorn etwas eingezogen und
zugleich eingesenkt, dahinten noch ein wenig erwei-
tert, hinten nur kurz verschmälert und zusammenge-
drückt, punktstreifig; die flach gewölbten Zwischenräume
durch eine feinere Punktirung und Beschuppung matt,
die geraden vorn ein wenig erhöht, alle aber mit ver-
einzelten schräg hinterwärts gerichteten Dörnchen be-
setzt. Die Farbe zimmtbraun, auf jeder Flügeldecke
hinter der Mitte eine den Seitenrand erreichende, inner-"
seits abgekürzte weissliche Querbinde, welche durch
scharf begrenzte, ziemlich grosse Schuppenflecke gebildet
wird, deren sich je einer auf den vier äusseren Zwischen-
räumen vorfindet. Die beschuppte Unterseite dunkler ge-
bräunt mit lichteren Rändern des Hinterleibes; an den
helleren Beinen die Schenkel zahnlos und wieder mit
theilweise haarförmigen Schüppchen besetzt, die Schienen
durchscheinend, ins Röthliche fallend.
78. A. magnicollis Schh. 1. 1. IV. 341. n. 18.
Das einzige von G. eingesandte Stück dieser Art zeigt
einige Abweichungen von der, von B o h e m a n bei Schön-
herr a. a. 0. gegebenen Beschreibung. Es ist nur we-
nig kleiner als das vorliegende Stück des A. bullatus
Grm., hinter dem stärker eingeschnürten Vorderrande des
Halsschilds aber viel mehr erweitert, so dass die abge-
gerundeten Seiten des Halsschilds mehr als breite stumpfe
Flügel, besonders von hinten aus betrachtet, erscheinen,
und die Oberfläche seines breiten Mittelfeldes durch zwei
188 Suffrian:
stumpfe, in der Mitte unterbrochene Längswülste in drei
Längsfelder zerfällt. Auf dem vordem Theile dieser
Längswülste befinden sich die von Boheman erwähnten
(sammtschwarzen) Längshöcker; ausserdem sind Vorder-
und Seitenrand des Halsschilds mit kurzen aufgerichteten
schwärzlichen Schuppenbörstchen besetzt. Auf den Deck-
schildon sind die geraden Zwischenräume erhöht^ die da-
durch gebildeten Längsrippen aber in der Mitte unter-
brochen, und dadurch entstehen auf jeder P'lügeldecke
drei vorn erhöhte gleichfalls schwärzliche Längslinien,
deren innerste und deutlichste den entsprechend gele-
genen Längswulst des Halsschilds fortsetzt; auch von
den hinteren Fortsetzungen ist die der ersten Rippe (auf
dem zweiten Zwischenräume) am deutlichsten ausgebildet.
Der gelblich gefärbte Theil der Flügeldecken umfasst
nur das hintere Drittel derselben unter der Wölbung, ist
nach vorn scharf begrenzt, etwas gewölbt, und zeigt auf
der Mitte noch eine feine, jederseits bis zur zweiten Rippe
reichende, gleichfalls scharf gezeichnete Querlinie. An
den Fühlern ist das dritte Glied der Schnur kaum halb
so lang als das zw^eite, das 4te dem 5ten gleich, und
jedes der letzten ein wenig länger als an der Spitze breit.
79. A. frontalis m. Nigricans, squamulis albis
et ferrugineis variegatus, antennis ferrugineis, fronte fo-
veolata, thorace amplo 4-tuberculato antice angustato et
profunde constricto, elytris punctato-striatis, interstitiis
alternis elevatis basi tuberculatis, femoribus acute dentatis.
Long. 3'^'; lat. IVs'".
Dem äusseren Ansehen nach am nächsten dem A.
interruptus verwandt, aber fast doppelt länger, und
durch die tiefe runde Stirngrube von allen anderen Arten
der Gattung sehr abweichend. Der massig gebogene
Rüssel ist nach der Spitze zu etwas verbreitert, schuppen-
los und nur fein punktirt mit glattem Zwischengrunde ;
nach dem Kopfe zu wird die Punktirung dichter und
kräftiger, die ßeschuppung merklicher, und der obere
Theil des Rüssels daselbst jederseits von einer scharfen
Kante begränzt, zwischen welcher und einem schmalen
Mittelkiele sich eine ebenfalls nur schmale Längsfurche
Verz. d. auf d. Insel Cuba gesammelten Rüsselkäfer. 189
hinzieht. An den rothgelben Fühlern ist das zweite Glied
der Schnur länger als das vorhergehende, das dritte etwa
dem dritten Theile des zweiten gleich und etwas länger
als das vierte, aber auch letzteres noch etwas grösser als
das • nächstfolgende. Zwischen den Augen eine grosse,
fast kreisrunde und scharf begränzte Grube, welche durch
einen feinen aber gleichfalls scharfen und dabei glänzen-
den Längskiel im Innern noch in zwei kleinere Grübchen
getheilt ist. Das Halsschild ist um die Hälfte breiter
als lang, vorn durch eine tiefe Einschnürung verschmälert,
und vor derselben mit einem kräftigen Lappen über die
Stirn vorgezogen, hinter ihr stark erweitert und dann an
den Seiten fast geradlinig bis zu den Hinterenden ver-
laufend. Der Hinterrand jederseits leicht ausgebuchtet,
und auch das Mittelfeld nur schwach aufgewölbt. Die
Oberfläche fein und dicht punktirt, an den nicht abge-
riebenen Stellen mit einer dichten aus rothgelben und
weissen Schüppchen hestehenden Decke bekleidet, vor
der Mitte nahe hinter der oben genannten Einschnürung
eine leicht gebogene Querreihe von vier aufrechten mit
Schuppenbüscheln besetzten, an den abgeriebenen Stellen
glänzend schwarzen Höckern ; von diesen sind die beiden
mittleren etwas stärker, etwas vvciter hinterwärts gerückt
und auch etwas weiter von einander getrennt, als jeder
derselben von seinem ScitenhÖcker, welche letzteren etwas
mehr schräg nach vorn und aussen, dahin gerichtet
sind, wo das Halsschild sich plötzlich erweitert. Das
kleine, runde Schildchcn schwarz und mit einzelnen weiss-
lichen Schuppen besetzt. Die Deckschilde vorn etwas
breiter als das Halsschild und daselbst etwas eingesenkt;
die rechtwinkligen Schultern abgerundet, hinter ihnen
die Seiten fast parallel bis zum letzten Drittel der Länge
verlaufend, dann im Bogen verschmälert, zuletzt plötzlich
verengt, von oben ab und seitlich zusammengedrückt,
so dass sich jederseits dicht vor der Spitze eine flache
Beule bildet, und unter letzterer die Spitze selbst stumpf
abgerundet erscheint. Die Oberfläche selbst regelmässig
und grob doppelreihig punktstreifig, die geraden Zwischen-
räume als gekielte Rippen erhöht, der zweite und vierte
190 Siiffrian!
hinter ihrer Basis mit einem stärkeren, der 6te auf der
Schulterbeule mit einem schwächeren Höcker besetzt.
Von den ungeraden Zwischenräumen sind der erste und
dritte breit und flach, hinten etwas uneben, der 5te und
7te als schwache Kiele erkennbar; der auf dem umge-
schlagenen Rande stehende neunte aber ist wieder flach.
Dabei ist die Oberfläche mehr oder weniger gleichmässig
mit röthlichgelben und weisslichen Schüppchen bedeckt
und dadurch bunt. Auf dem erhöhten 4ten Zwischen-
räume findet sich da, wo er vor dem Eindrucke unter
der Wölbung als Rippe abbricht, auch noch ein schwä-
cherer Längshöcker. Der Untergrund ist überall runzlig
punktirt und dadurch matt. Die nur vereinzelt beschuppte
Unterseite grob zerstreut punktirt, ziemlich glänzend, der
erste Hinterleibsring und der vordere Theil des zweiten
breit und flach niedergedrückt. Die drei hinteren Ringe
ziemlich gleichbreit, die Querfurche zwischen ihnen,
sowie vor dem dritten Ringe breit und tief. Die Beine
in gleicher Weise mit Schuppen besetzt wie die Ober-
seite, die etwas aufgetriebenen Schenkel je mit einem
derben und scharfen Zahne besetzt.
Im Bezirke Ouantänamo gefunden im September.
80. A. squamiger m. Nigricans undique rufo-
squamosus, antennis tarsisque fusco-ferrugineis, rostro ni-
gro punctato basi 4-striato, thorace late rotundato antice
angustato et constricto, elytris punctato-striatis, intersti-
tiis convexiusculis, alternis vix elevatis, femoribus muticis.
Long. 31/2'"; lat. 11/4"^
Ein sehr eigenthümlicher, durch den dichten, die
ganze Oberseite bedeckenden Ueberzug von rothen Schup-
pen auffälliger Käfer, von dem mir zwar nur ein einziges
und nicht aufs Beste erhaltenes Stück aus Hrn. Riehl's
Sammlung vorliegt, der aber auch nach diesem immer
noch zum Wiedererkennen ausreichend sich beschreiben
lässt. An Länge gleicht er etwa dem A. bullatus, ist
aber nicht ganz so breit, das Halsschild wenig schmaler
als der breiteste Theil der Deckschilde, der hintere Theil
der letzteren bauchig zugerundet. Der ziemlich lange
Rüssel ist massig gekrümmt, schuppenlos und glänzend
Verz. d. auf d. Insel Cuba gesammelten Rüsselkäfer. 191
schwarz, auf dem vorderen Theile mit zerstreuten aber
deutlichen Punkten besetzt; auf dem oberen Theile jeder-
seits zwei an den Fühlerwurzeln auslaufende, oberwärts
dreieckig erweiterte und verflacht punktirte Längsfur-
chen, zwischen denen sich auf der Firste des Rüssels
eine feine Kiellinie emporhebt; der Kopf selbst zwischen
den Augen schwach quer eingedrückt, und über diesem
Sattel ein kurzes Längsgrübchen. Die schmutzig gelb-
braunen Fühler derb und kräftig, die beiden unteren
Glieder der Schnur fast gleich lang, das 3te kaum halb
so lang als das 2te, aber merklich länger als die folgen-
den. Das Halsschild nur etwa halb so lang als an der
breitesten Stelle breit, vorn stark verengt, und massig
eingeschnürt, hinter der Einschnürung plötzlich stark im
Bogen erweitert und noch vor der Mitte am breitesten,
hinterwärts mit zugerundeten Seiten sich verengend, oben
flach gewölbt, an den abgeriebenen Stellen vereinzelt
punktirt und mattschwarz, hier und da, wie auch auf der
Stirn, mit eben so vereinzelten kurzen aufgerichteten
schwärzlichen Schuppendörnchen bestreut. Vom Schild-
chen ist Nichts wahrzunehmen. Die hinterwärts schwach
bauchig erweiterten Deckschilde sind kaum um Ye länger
als breit, vorn ein wenig eingezogen, erst vor der Spitze
etwas zusammengedrückt und verengt, längsstreifig und,
wie sich nach Abreibung der Schuppen zeigt, die Streifen
durch grobe wenn auch nicht tiefe Punkte gebildet, die
Zwischenräume an solchen Stellen matt schwarz, dicht
und fein narbig punktirt, im Uebrigen flach gewölbt, die
geraden etwas stärker erhöht, was aber nur bei seitlicher
Beleuchtung des Käfers gut zu bemerken ist. Auf dem
hinteren Theile der Deckschilde vereinzelte schräg hin-
terwärts gerichtete Schuppendörnchen, die aber nicht wie
die des Halsschilds schwärzlich sind und nur durchschei-
nend ins Gelbliche fallen, sondern überhaupt diese letztere
Färbung zeigen. Die ungezahnten schwärzlichen Schenkel
und die Schienen sind eben so wie die Unterseite, soweit
das deckende Gummi eine Betrachtung der letzteren ge-
stattet, dicht mit röthlichen Schuppen bedeckt.
192 Suffrian;
XXVII. Anaicis Schh.
81. A. fulvicornis Ciiv. Ater, antennis tarsisque
ferrugineis, rostro basi punctulato, thorace crebre punctato,
elytris profunde punctato-striatis, interstitiis convexiusculis
vix subtillssime punctulatls. Long. 1"; lat. Ys'".
Von der Grösse und dem Habitus des bekannten
A. aereus Schh., aber durch Färbung und Sculptur
gleich ausgezeichnet, und in beiden Beziehungen von
dem abweichend, was bei Lac. a. a. 0. VII. 98 als das
Typische der bis jetzt bekannten Arten dieser Gattung
angenommen wird. Der wenig gekrümmte Rüssel etwas
plump, vorn^ leicht abgeflacht, am oberen Theile fein
punktirt, der Kopf auf der Stirn eben so fein gerunzelt,
mit einem kleinen, rundlichen Grübchen, auf dem Nacken
die Punktirung wieder etwas deutlicher. Die Fühler hell
rolhgelb. Das schmale Halsschild vorn nur undeutlich
verengt, die Mitte desselben seitlich eben so schwach
zugerundet, der Voiderrand unscheinbar bräunlich ge-
säumt, die vorderen Seitenlappen stark vorgezogen und
einen Theil der Angen bedeckend. Die glänzend schwarze
Oberfläche mit einer dicht gedrängten siebartigen Punk-
tirung bedeckt, die sich nur vor der Einschnürung am
Vorderrande etwas abschwächt. Das schwarze Schildchen
klein und nur mit Mühe wahrnehmbar. Die gestreckten
Deckschilde etwa 2V4nial länger als das Halsschild, mit
den abgerundet-rechtwinkligen Schultern auch seitlich
über dasselbe hinausreichend, hinterwärts kaum erweitert,
vom letzten Drittel ab sich aber allmählich verschmälernd
und zuletzt stumpf zugerundet, ebenfalls glänzend schwarz.
Die sehr regelmässigen Punktstreifen aus grossen, grüb-
chenartigen und etwas in die Länge gezogenen Punkten
gebildet, die besonders an den Seiten durch leichte Längs-
eindrücke verbunden, anscheinend in schwache Längs-
furchen eingedrückt sind, die Zwischenräume erhöht, durch
das Eingreifen jener Grübchen wie gekerbt, mit einer überaus
feinen Punktirung bestreut. Unterseite und Beine gleichfalls
glänzend schwarz, jene vereinzelt punktirt, die Querlinie
hinter dem 2ten, 3ten und 4ten Hinterleibsringe liegt
Verz, d. auf d. Insel Cuba gesammelten Rüsselkäfer. 193
furchenartig eingesenkt, daher die drei mittleren ßauch-
ringe kräftig aufgewölbt; die schwach aufgetriebenen
Schenkel zahnlos, die Fussglieder röthlichgelb, und gegen
das Licht auch die Schienen bräunlich durchscheinend.
XXVlll. Uiosomus Schh.
82. U. imraundus Schh. 1. 1. IV. 317. n. 1. Die
von Boheman bei Schönherr a. a. 0. gegebene Be-
schreibung ist treffend und gut, und zu ihr etwa nur zu
bemerken, dass auch auf dem Rücken der Deckschilde
die daselbst vorhandenen Punktstreifen nicht wohl zu ver-
kennen sind. Die Punktstreifen sind überhaupt Doppel-
streifen, aus grossen grübchenartigen Punkten gebildet;
die geraden Zwischenräume sind erhöht, und dies ist be-
sonders bei dem zweiten und vierten der Fall, welche
gleichzeitig wie zerhackt und dadurch mit den von Bo-
heman erwähnten Höckern besetzt erscheinen. Weniger
deutlich zeigt sich dies bei dem 6ten Zwischenräume, dessen
Höcker im Verhältniss nur schwach entwickelt sind; der
schmale 8te Zwischenrauni bildet nur eine schwache, un-
zertheilte Läugsrippe und zugleich den schmalen Seiten-
rand der Flügeldecken, welche hier gebrochen ist, so
dass das 5te Streifenpaar auf der Unterseite des Thieres
liegt und nur beim Umwenden desselben wahrgenommen
werden kann. Die Schenkel zeigen auf der Unterseite
nicht weit vom Knie eine breite /Ausbuchtung, vor wel-
cher sich das bei Boheman genannte unscheinbare Zähn-
chen befindet.
Im Bezirke von Cardenas gefunden.
83. U. furo m. Ovatus niger dense albido-squa-
mosus, antennis ferrugineis, rostro breviore, fronte im-
pressa, thorace profunde canaliculato bituberculato, antice
angustato et transversim impresso, elytris convexis obso-
lete punctato-striatis triseriatim tuberculatis, femoribus
subdentatis. Long. 2V4 — 2V2'"; lat. 1 — VJq"\
Von Lacordaire ist dieser Käfer Hrn. Riehl als
einer neuen Cryptorhynchiden- Gattung angehörig be-
Archiv für Naturg. XXXVIII. Jahrg. 1. Bd. 13
194 Suffrian:
zeichnet worden, ohne dass er sich über deren Stellung
näher ausgesprochen hatte ; mir erscheint jedoch unge-
achtet seiner etwas geringeren Grösse die habituelle Ueber-
einstimraung mit dem Vorhergehenden so gross zu sein,
dass ich bei der Geringfügigkeit der zwischen beiden
vorhandenen Abweichungen ihre generische Trennung
nicht für gerechtfertigt erachten kann. Solche Abwei-
chungen finde ich nur in dem Bau des Rüssels, welcher
verhäJtnissmässig etwas breiter und flacher, auch in sei-
nem vorderen Theile verkürzt, aber an der Wurzel
nicht eingedrückt ist. Die Fühler selbst kommen dadurch
etwas näher an die Spitze zu stehen, und die leichte
seitliche Einbiegung des Rüssels zieht sich noch ein
wenig über die Anheftungsstelle der Fühler hinaus. Die
gelbrothen Fühler sind nicht völlig so dick wie bei der
vorhergehenden Art, die beiden unteren Glieder der
Schnur gleich lang, das erste aber oberwärts stärker ver-
dickt als das 2te, das dritte nur halb so lang als jedes
der vorhergehenden. Die Keule eiförmig. Der Rüssel
selbst ist bei einem der vorliegenden Stücke auf der
vorderen Hälfte abgerieben, daher schwärzlich, auch mit
einer dichten runzligen Punktiruug bedeckt, bei einem
anderen, wie der ganze Hinterkopf, dicht weiss beschuppt;
die Stirn breit und flach, der Länge nach eingedrückt.
Das Halsschild ist fast so lang als hinten breit, auf der
Mitte mit einer breiten und tiefen Längsrinne, der Vor-
derrand schräg nach vorn in die Höhe gezogen und durch
die vertiefte Mittellinie des Halsschilds in zwei deutliche
Höcker getheilt, hinter denen sich ein tiefer, das Hais-
schild hier auch seitlich verschmälernder Quereindruck
hinzieht; hinter diesem auf der Mitte der Scheibe noch
zwei kräftige durch die Mittelrinne getrennte Längshöcker,
und auf der Aussenseite eines jeden ein schwächerer, an-
scheinend den Seitenrand bildender Längswulst; jener,
wie die beiden Höcker im Vorderrande, je mit einem
Büschel aufgerichteter gelblicher Schuppendörnchen be-
setzt. Von der Punktirung des Untergrundes sind wegen
der dicht anhaftenden weissen Schuppendecke nur ge-
ringe Andeutungen wahrzunehmen. Das kleine Schildchen
Verz. d. auf d. Insel Cuba gesammelten Rüsselkäfer. 195
lialbeirund und gleichfalls weiss. Die Deckschilde läng-
lich-eiförmig, hoch gewölbt, nach beiden Enden schräg
abfallend, vorn so breit wie das Halsschild, dann hinter-
wärts schwach bauchig erweitert, nachher wieder ver-
schmälert und vor der Spitze durch einen stärkeren Ein-
druck verengt, mit breit und stumpf abgerundeter Spitze.
Die Oberfläche grob punktstreifig, die Streifen seitlich
und hinten deutlich als Doppelstreifen erkennbar, auf
der Mitte durch Verbreiterung der geraden Zwischenräume
getrübt, von letzteren der zweite, 4te und 6te theilweise
zu Höckerreihen aufgetrieben; solcher kegelförmiger,
bei einem vorliegenden nicht abgeriebenen Stücke je mit
einem deutlichen Börstchen-Büschel besetzter Höcker fin-
den sich auf dem zweiten Zwischenräume zwei, dem
vierten drei, dem sechsten wieder zwei aber merklich
schwächere, neben welchen die Schulterbeule jederseits
noch einen kleineren vereinzelten und kaum bedornten
Höcker bildet. Der 8te Zwischenraum erscheint auch
hier als eine ungetheilte, den Seitenrand darstellende
Rippe, durch welche das 5te Streifenpaar auf die Unterseite
herabgedrängt worden ist. Unter der Wölbung bricht
dieselbe ab, und bringt dadurch die erwähnte starke Ver-
schmälerung der Flügeldecke hervor. Die Farbe auch der
Deckschilde ist durch deren dichte Beschuppung weiss ;
bei dem am besten erhaltenen Stücke fällt dieselbe auf
der Scheibe verloschen ins schmutzig-gelblichbraune, was
mir aber nur eine Wirkung äusserer Einflüsse zu sein
scheint. Auf dem Zwischengi'^unde finden sich noch ver-
einzelte Börstchen, und der hintere Rand der Flügel-
decken ist auch noch mit abstehenden Schüppchen ge-
wimpert. Die schwach verdickten Schenkel sind auf der
Mitte mit einem kleinen Zahne besetzt.
Die beiden mir von dieser Art vorliegenden Stücke
zeigen ausserdem noch einige Abweichungen von ein-
ander. Bei dem kleineren, in Beziehung auf die Bedeckung
des Körpers weniger gut erhaltenen in Hrn. Riehl's
Sammlung fehlen die Borstenbüschel auf den Höckern
der Deckschilde fast ganz, und sind, w^ie eine abgeriebene
und den fein genarbten schwarzen Untergrund zeigende
196 Suffriant
Stelle am vorderen Theile der Naht erkennen lässt, wahr-
scheinlich nur durch Abnutzung verloren gegangen. Da-
durch erscheinen denn auch jene Höcker selbst in er-
heblich abgeschwächter Gestalt. Dagegen treten, wenn
man das Thier von der Seite betrachtet, auf der äusseren
Hälfte der Flügeldecken auch die ungeraden Zwischen-
räume als feine Längsrippen hervor, und an den Beinen
sind die Schenkel und Schienen mit abstehenden ßörst-
chen dicht besetzt, während bei dem grösseren, jedenfalls
unbeschädigten Stücke der letzten G.'schen Sendung die
Höcker anscheinend grösser, die seitlichen ungeraden
Zwischenräume nicht erhöht, und an den dicht weiss be-
schuppten Beinen die abstehenden dornartigen Schüppchen
kürzer und in viel geringerer Anzahl vorhanden sind.
Diese letztere Verschiedenheit ist schon bei schwachem
Glase augenfällig, und ich möchte sie, wie die abweichende
Sculptur der Deckschilde für eine Geschlechtsverschie-
denheit halten.
Im Bezirke von San Cristohal gefunden.
84. U. laticaudis m. Elongatus nigricans, squa-
mulis cinereis obtectus spinulisque brevibus parce muri-
catus, antennis ferrugineis, thorace bicristato antice an-
gustato, elytris obsolete punctato-striatis bifariam seriato-
tuberculatis, apice divaricatis, femoribus muticis. Long.
IV2'"; lat. V2'".
Auch diesen Käfer hat Lacordaire Hrn. Riehl
als eine, einer neuen zunächst zu Ulo so mus zu stellenden
Cryptorhynchiden-Gattung angehörende Art bezeichnet;
ich finde jedoch ausser den habituellen Verschiedenheiten,
die sich besonders in dem mehr gestreckten Körper, den
unbedeutenden Punktstreifen und den auseinander ste-
henden Wülsten an der Spitze der Deckschilde ausspre-
chen, als erhebliche Abweich^mg von Ulosomus nur
den Mangel eines Schildchens vor; aber letzteres fehlt
auch nicht wenigen Aca lies- Arten, und wird auch für
die Gattung Pseudomus weder von Schönherr noch
von Lacordaire selbst für wesentlich angesehen; der
letztere Autor bemerkt vielmehr (1. 1. VII. 102) bei der
eben genannten Gattung ohne irgend ein Bedenken;
Verz. d. auf d. Insel Cuba gesammelten Rüsselkäfer. 197
^Ecusson petit, arrondij parfois nul'^. Der sofortigen
Errichtung einer neuen Gattung scheint es mir daher
auch für die vorliegende Art nicht zu bedürfen, dieselbe
vielmehr füglich unterbleiben zu können, bis das Auffinden
mehrerer Stücke genauere Untersuchungen ermöglicht,
zumal auch die Beschreibungen der beiden noch von
Schönherr aufgeführten, mir aber nicht bekannten ülo-
som US -Arten darauf hinzudeuten scheinen, dass auch
zwischen diesen beiden und dem U. immundus Schh.
nicht unbedeutende habituelle Verschiedenheiten obwalten.
Unser Käfer ist nun gestreckt, mehr als doppelt so
lang wie breit, über den ganzen Körper mit einer greisen
oder vielmehr erdfahlen Beschuppung bedeckt, von der
ich zweifelhaft bin, ob diese die natürliche Farbe, oder
dieselbe nur aus einer durch Witterungseinflüsse hervor-
gerufenen Verfärbung einer ursprünglich mehr gelblichen
Schuppendecke entstanden ist. Der massig lange Rüssel
an der Einlenkungsstelle der Fühler jederseits nur leicht
und weniger merklich, als bei ü. immundus, ausge-
buchtet, über derselben mit einer abgekürzten, einge-
drückten Längslinie, übrigens dicht beschuppt; die ziem-
lich schlanken Fühler hell rostgelb, das erste Glied der
Schnur etwa 2/3 des Wurzelgliedes gleich, und abgesehen
von dem länger verdünnten unteren Theile des letzteren
dessen Bau im Kleinen wiederholend, das folgende gleich-
falls verkehrt-kegelförmig, kaum halb so lang als das
vorhergehende, die folgenden noch kürzer, und nach der
länglich eiförmigen Keule zu eng zusammengeschoben.
Das Halsschild etwas länger als hinten breit, mit über-
stehendem, zugleich etwas emporgerichtetem, mit kurzen
aufgerichteten Döruchen besetztem Vorderrande, hinter
letzterem an den Seiten eingedrückt und dadurch ver-
engt, dahinter mit höckerigem, stellenweise mit ähnlichen
Dörnchen besetztem Seltenrande erweitert, und dann gleich-
breit bis zu dem leicht ausgeschweiften Hinterrande fort-
ziehend. Von Punkten sind bei der dichten Schuppen-
decke nur undeutliche Spuren zu bemerken, dagegen
zeigt das Mittelfeld zwei auf ihrem Kamme mit kurzen
Dörnchen besetzte Längserhöhungen, und ist auch weiter
198 Suffrian:
hinterwärts noch mit vereinzelten Dörnchen bestreut. Die
gestreckten Deckschilde um 2/3 länger als breit, gleich
breit und so breit wie das Halsschild, erst unmittelbar
vor der Spitze bei steil abfallender Wölbung plötzlich
auf die Hälfte verengt, an der Wurzel zwischen den
länglichen Schulterbeulen quer eingedrückt, mit schwachen
Andeutungen vorhandener aber durch die Schuppen ver-
deckter Punktstreifen, von denen der zweite und vierte
Zwischenraum jeder Flügeldecke als deutliche, stellen=
weise mit aufgerichteten Dörnchen besetzte Höckerreihen
erkennbar sind. Die kräftigere innere erweitert sich vor
der Spitze zu einem flach erhöhten, schräg nach oben
und aussen gerichteten, mit gelblichen Dörnchen besetzten
W^ulste^ wodurch die Dcckschilde hier wie mit zwei kurzen
breiten Hörnchen bewaffnet erscheinen, zwischen denen
das kielförmig erhöhte Hinterende der Naht in die unter-
wärts liegende, gleichfalls kurz bedornte breite Spitze
der Deckschilde ausläuft. Weiter nach vorn wird die
Naht nur durch eine unordentliche Reihe ähnlicher Dörn-
chen bemerklich gemacht. Von einem dritten (eigentlich
dem 6ten) erhöhten Zwischenräume zeigen sich nur hinten
vor der Spitze einige Ueberreste. Unterseite und Beine
sind in gleicher Weise beschuppt und bedornt wie die
Oberseite, und die Schenkel ohne Zähnchen.
XXIX. Euscepes Schh.
85. E. porcellus Schh. 1. 1. Vm. 430. n. 1. Die
von Boheman bei Schönherr a. a. 0. mitgetheilte
Beschreibung ist im Allgemeinen treffend; nur vermisse
ich bei allen (zehn) mir vorliegenden Stücken die dort
angegebene Längsrinne auf dem Halsschilde, die daher
wohl nur auf einer zufälligen Individualität des von jenem
Autor beschriebenen Stückes beruhen mag. Das Aeussere
des kleinen Käfers ist sehr veränderlich, und wird theil-
weise von den Witterungsverhältnissen abhängig sein.
Exemplare, welche der Boheman'schen Beschreibung
am besten entsprechen, hat Dr. G. früher unter der
no. 744 an Herrn Riehl mitgetheilt; der hintere, hell
Verz. d. auf d. Insel Cuba gesammelten Rüsselkäfer. 199
beschuppte TJieil der Deckschilde ist bei beiden, bei dem
einen derselben auch der vordere scharf gegen die Mitte
abgcgränzt, und das letztere, theilweise abgeriebene Stück
lässt auch noch erkennen, dass die helle Färbung der
Flügeldeckenwurzel und Spitze nicht ausschliesslich von der
Färbung der Schuppen herrührt, sondern der Substanz der
Flügeldecken cigenthümlich ist. Ein Exemplar der G.'schen
Sendung mit derselben no. 744 ist über die ganze Ober-
fläche der Deckschilde regellos gelb beschuppt, aber auch
stellenweise abgerieben, und zeigt an allen diesen Stellen
einen schv^ärzlichen Untergrund. Stücke, bei denen die
gelben Schuppen ganz oder doch fast ganz fehlen, oder
auch (ob durch Missfärbung der Varietätenbildung ?)
durch schw^ärzliche ersetzt worden sind, hat G. wieder-
holt unter der no. 1415, aber gleichfalls mit richtiger Be-
nennung eingeschickt, und ich finde zwischen ihnen und
den (in geringerer Anzahl vorliegenden) normalen Stücken
keinen weiteren Unterschied. Bei ihnen ist von der
gelben Flügeldeckenbasis nichts mehr wahrzunehmen,
sie ist meist abgerieben und lässt den punktstreifigen
Untergrund deutlich hervortreten; von der hellen Färbung
der Hinterhälfte zeigt sich wenigstens die vordere Gränz-
linie noch mehr oder weniger deutlich, während der
hintere Baum nur noch zuweilen einen Ueberrest lichter
Färbung erkennen lässt. Im Uebrigen ist die Aehnlich-
keit des Thieres mit einem A call es unverkennber, und
der von Schönherr angeführte Sammlungsname Ac al-
les tripartitus Moritz ohne Zweifel von der Verthei-
lung der Schuppenfärbung auf den Deckschilden entlehnt.
XXX. Pseudomus Schh.
86. Ps. viduus 1. 1. IV. 265. n. 2. Der hier von
Boheman gegebenen Beschreibung habe ich nur bei-
zufügen, dass bei den beiden mir vorliegenden Stücken
die vor der Mitte der Deckschilde liegende weisse Quer-
binde in vereinzelte (2 — 5) Schuppenflecken aufgelöst, an
der Naht aber weit unterbrochen ist, dass die grübchen-
artige Punktirung der Deckschilde nur auf dem Rücken
200 Suffrian:
einfache Punktstreifea bildet, seitlich aber in immer
tiefere Längsfurchen eingedrückt ist, dass daher auch
nur die oberen Zwischenräume als wirklick flach bezeichnet
werden können, und dass endlich von jenen beiden an
Länge völlig gleichen Stücken das eine (der RiehFschen
Sammlung angehörende) hinter den Schultern erheblich
breiter und hinterwärts dann auch wieder stärker ver-
schmälert ist als das andere, welche Verschiedenheit wahr-
scheinlich auf dem Geschlechtsunterschiede beruht.
Dass Schönherr für die a. a. O. zuerst beschrie-
bene Art von den drei ihm bekannt gewordenen Samm-
lungsnamen (Ps. viduus Dej., signatus Klug und tri-
signatus Grm.) grade den am wenigsten passenden ge-
wählt hat, kann man sich wohl nur aus der fast übertrie-
benen Rücksicht auf dessen Autor erklären, die in seinem
Werke überhaupt so vielfach hervortritt und die wohl mit
dessen verdienstlichen Bemühungen für die VerÖff'ent-
lichung seines Rüsselkäferwerkes zusammenhängt.
In den Bezirken von Cardenas und Matanzas gefundea.
87. Ps. notatus Schh. 1. 1. IV. 266. n. 3. Auch
bei dieser Art kann ich im Allgemeinen auf die von
Boheman a. a. 0, gegebene treffende Beschreibung
verweisen. Die Farbe der Deckschilde ist jedoch nicht
pechbraun, sondern wie bei der vorigen Art schwarz, und
auch nicht glänzend, sondern durch die feine Punktirung des
Grundes matt, und dabei mit sehr vereinzelten röthlich-
gelben Schüppchen besetzt. Nur eines der vorliegenden
Stücke zeigt hinter der Mitte des Rückens jederseits eine
verwaschen bräunlich durchscheinende Stelle, die ich für
das Ergebniss einer unvollkommenen Ausfärbung halten
möchte, üebrigens gehören alle mir vorliegenden Exem-
plare zu Schönherr's Var. /5 mit einem grossen weiss-
lich gelben Doppelfleck an der Wurzel jeder Flügeldecke,
welche Form ich für die Grundform halte. Das Schild-
chen ist merklich kleiner als bei der vorhergehenden
Art. Letztere wird von der gegenwärtigen an Länge
nur wenig übertroffen, dagegen zeigen alle von mir
verglichenen Stücke des Ps. notatus den hinter den
Schultern stark und breit erweiterten Umriss, wie er
Verz. d. auf d. Insel Ciiba gesammelten Rüsselkäfer. 201
oben bei dem RiehPschen Stücke des Ps. viduus er-
wähnt ist. In den Sammlungen findet sich die vorliegende
Art auch unter den Namen Ps. caly cinus Mus. B. und
Ps. posticatus Mus. B.
Gleichfalls im Bezirke von Cardenas einheimisch.
88. Ps. apiatus Schh. 1. 1. VIII ^ n. 5. Die Be-
schreibung dieser Art hat Boheman bei Schön herr
a. a. O. mit gewohnter Genauigkeit gegeben. Der Käfer
ist lang und gestreckt, auch auf dem Rücken merklich
flacher gewölbt als die beiden vorhergehenden, auf den
Deckschilden mit einer gleichen dünnen Beschuppung,
wie der vorige, bestreut, die sich aber sehr leicht abzu-
reiben scheint. Der grosse ziemlich scharf begränzte ge-
meinsame Hinterfleck der Deckschilde ist bei ganz rein
erhaltenen Stücken sechszipfelig, und streckt vier dieser
Zipfel (zwei auf jeder Seite der Naht) fingerartig nach
vorn, dann noch einen auf jeder Flügeldecke längs der
Naht und derselben parallel nach hinten; die zarten Enden
dieser Zipfel sind aber bei älteren Stücken meist durch
Abreiben oder Abnutzung geschwunden. Unbeschädigte
Stücke zeigen auch noch einen grossen aus weisslichen
Schuppen bestehenden Querfleck auf jeder Flügeldecke
am Ende des ersten Viertels ihrer Länge, von denen bei
den abgeriebenen Exemplaren kaum noch vereinzelte
Atome übrig geblieben sind.
Mit dem vorigen im Bezirke von Cardenas gefunden.
89. Ps. rugifer m. Ovatus modice convexus niger
parce albido- squamosus, antennis ferrugineis, thorace obconico
antice obsolete constricto punctato flavo-variegato, scutello
albo, elytris foveolato-striatis, interstitiis planis rugosis,
macula basali alteraque ante apicem flavo-squamosis, fe-
moribus dentatis. Long. 872"'; lat. P/3'".
Von dem Habitus der nächst vorhergehenden Arten,
aber fast doppelt grösser, und ausserdem durch die matten,
grob gerunzelten Deckschilde leicht kenntlich. Der fast
gerade Rüssel fein aber deutlich und nicht sehr dicht
punktirt, jeder Punkt mit einem weissen Schuppenhäärchen
besetzt, welche aber vorn meist abgerieben und nur hinten
durchweg erhalten sind, und den Zwischengrund mehr
202 Suffrian:
oder "weniger glänzend erscheinen lassen. Die Augen
etwas weiter getrennt als gewöhnlich, die Fühler hell
röthlichgelb. Das Halsschild nicht so lang als hinten
breit; über die Mitte leicht quer aufgewölbt, nach vorn
kegelförmig verschmälert und breit aber sanft eingedrückt,
ziemlich dicht punktirt und die Punkte stellenweise zu
Runzeln verfliessend, mit wenig glänzendem Zwischen-
grunde. Die schwarze Farbe durch vereinzelte gelbliche
Schuppen gedämpft, und der über den Augen etwas vor-
gezogene Vorderrand leicht verwaschen gebräunt. Auf
dem hinteren Theile verdichten sich die Schuppen zu
einer fast bis zur Hälfte der Halsschildslänge nach vorn
reichenden weisslichgelben Mittel-Längslinie, eine ähnliche
kürzere zeigt sich jederseits zunächst vor der Schulter-
beule, und ausserdem lassen sich bei dem vorliegenden
Stücke (ob allgemein ?) noch vier Fleckchen oder Schup-
penbüschelchen erkennen, welche auf der Querwölbung
des Halsschilds, in einer Linie mit der vorderen Spitze
der weisslichen Mittellinie und zu zwei jederseits der-
selben eine lockere Querlinie bilden, und deren beide
inneren schon dem blossen Auge ohne Mühe wahrnehm-
bar sind. Das halbkreisförmige Schildchen dünn weisslich
beschuppt und durch diese Farbe seiner Schüppchen
deutlich gegen die gelbliche Mittellinie des Halsschilds
abstechend. Die gestreckt eiförmigen Deckschilde hinter
den abgerundeten Schultern noch etw^as bauchig erweitert
und dann hinterwärts allmählich verschmälert, etwa lV2DQal
länger als breit, oben massig gewölbt, die Punktstreifen
grob, aus grübchenartigen Punkten gebildet, mit flachen,
durch gleichfalls flache und nur wenig schmalere Quer-
brücken zwischen den Punkten gitterartig verbundenen,
durch deutliche Runzeln und Höckerchen matten Zwi-
schenräumen; letztere dabei mit sehr vereinzelten gelb-
lichen Schüppchen bestreut, die sich auf jeder Flügeldecke
an deren Wurzel und Spitze zu einem grösseren Flecke
verdichten; dort ein ziemlich grosser Querfleck nahe am
Schildchen auf dem ersten bis dritten Zwischenräume,
auch die dazwischen liegenden Grübchen des zweiten und
dritten Punktstreifens bedeckend, vor der Spitze eine ge-
Verz, d. auf d. Insel Cuba gesammelteu Rüsselkäfer. 203
lockerte und theilweise zerrissene Querbinde, vom Beginn
der hinteren, kleineren Hälfte ab schräg nach hinten und
aussen ziehend, und mit einem der Naht parallelen Zipfel
fast die Spitze selbst erreichend. Die ebenfalls deutlich
punktirt-runzligen Beine mit mehr ins Weissliche fallen-
den Schuppen besetzt, die aber den Untergrund nicht
völlig verdecken; die Vorderschienen innerseits leicht ge-
schweift, der Zahn an den Vorderschenkeln kräftig und
spitz, an den hintern kürzer und stumpfer, die Fussglieder
röthlich durchscheinend, mit rothgelbem Krallengliede.
Im Bezirke von Bayamo, im Juni.
90. Ps. cacuminatus Schh. 1. 1. VIII^ 390. n. 6.
Ein früher von Dr. G. eingesandtes Stück inHrn. Riehl's
Sammlung stimmt bis auf das weisstilzige Schildchen ge-
nau mit der bei Schönherr a. a. 0. von Boheman
gegebenen Beschreibung überein; ein anderes in seiner
letzten Sendung enthaltenes zeigt aber noch bestimmter,
dass jene Beschreibung nach einem abgeriebenen Stücke
entworfen worden ist. Denn bei diesem letzteren ist
ausser dem weissfilzigen Schildchen auch noch die Ober-
fläche der Deckschilde mit vereinzelten, stellenweise zu
kleinen Büscheln zusammengedrängten weissen und gelb-
lich weissen Schuppen bedeckt, ohne dass jedoch dadurch
die Färbung dem blossen Auge gegenüber sich erheblich
änderte.
In den Bezirken von Cardenas) Trinidad und Ba-
yamo im Mai und November.
91. Ps. fistulosus Schh. 1. 1. IV. 268. n. 5. Die
mir vorliegenden Stücke stimmen mit Boheman's Be-
schreibung bei Schönherr a. a. 0. gut überein, und
lassen daher die Vermuthung des Autors: ^sjyecinien de-
scriptum forte detriium" nicht als wahrscheinlich anneh-
men. • Die Schuppen an der Basis des Halsschilds bilden
nicht sowohl, wie die Diagnose dort angibt, pimciairia
alho-sqiiamosa, sondern, wie des Autors Beschreibung
besagt, drei aus ihrem Zusammendrängen hervorgegan-
gene Flecke. In der Riehl'schen Sammlung ist der Be-
nennung der Art das Synonym Ps. turgidus Mus. Ber.
beigefügt; in der letzten G.'schen Sendung führt diesen
204 Suffrian:
Namen ein kleiner mit der No. 1175 bezeichneter Käfer,
welcher kaum die Grösse desPs. ca cum in atus erreicht,
den ich aber doch — abgesehen von seiner weit gerin-
geren Länge (er ist kaum halb so lang als Ps. fistu-
losus) nicht von dem vorliegenden unterscheiden kann.
Ein etwas glänzenderes, auf den Deckschilden etwas deut-
lichere Spuren einer zerstreuten weissllchen Beschuppung
zeigendes Stück ist von G. ganz ohne Namen unter dier
No. 1404 eingesandt worden; weitere Abweichungen finde
ich jedoch nicht. Der oben beschriebene Käfer führte
bei ihm die No. 170-
In den Bezirken von Cardenasy Bayamo, Cuha vom
März bis Juli.
92. Ps. maximus m. Ovatus convexus ater niti-
dissimus, squamulis pilisque albidis undulatis adspersus,
antennis ferrugineis, thorace subconico lateribus antice
profunde constricto parcius punctato, elytris foveolato-
seriatis, interstitiis transversim rugulosis^ femoribus den-
tatis. Long. 2V2— 472"'; lat. 1— 2V4'".
Ein grosser schöner Käfer, dessen Länge sich
bis auf 4'" und 4V2'" ausdehnt, von dem mir aber auch
ein aus einer früheren G. 'sehen Sendung herrührendes
Stück von nur 2VV" Länge vorliegt. Abgesehen von
dieser Grösse steht er im Habitus dem Ps. viduus und
notatus am nächsten. Der ziemlich lange, massig ge-
bogene Rüssel ist, wieder ganze Käfer, glänzend schwarz,
flach gewölbt, mit einer nach unten hin mehr zerstreuten,
oberwärts dichter zusammengedrängten Punktirung be-
setzt, auf dem Rücken mit einer feinen glänzenden Längs-
linie, die nach den Augen zu deutlicher hervortritt und
hier in einen zarten Längskiel ausläuft. Zwischen den
bräunlichgelbcn Fühlern zeigt eins der vorliegenden
Stücke noch eine schwache abgekürzte eingedrückte Längs-
linie. Ueber den Augen ist der Hinterkopf dicht und
derb siebartig punktirt. Das Halsschild ist aus breiter
Basis nach vorn kegelförmig verschmälert, wenig abwärts
geneigt, hinter demVorderrande oben breit quer eingedrückt,
welcher Eindruck sich seitlich hinter den iVugen zu einer
kräftigen Einschnürung entwickelt. Die Oberfläche spie-
Verz. d. auf d. Insel Cuba gesammelten Rüsselkäfer. 205
gelgläazend schwarz, mit sehr vereinzelten Punkten be-
streut, die am Vorderrande etwas dichter und deutlicher
werden; dabei zeigen sich überall mehr oder weniger
deutliche Ueberreste einer meistens abgeriebenen weiss-
lichen ßeschuppung, die sich bei dem Exemplare
der Riehl'schen Sammlung hinterwärts auf der Mitte
und an den Seiten zu drei lockeren, aber doch schon
ohne Glas erkennbaren weisslichen Längslinien zusammen-
drängen. Das glänzend schwarze Schildchen halb ellip-
tisch, mit seinen Rändern tief eingesenkt. Die Deck-
schilde hinter den abgerundeten Schultern noch etwas
im Bogen erweitert und dann hinterwärts mit schrägen
Seiten fast gradlinig verschmälert, vor der breit zuge-
rundeten Spitze leicht zusammengedrückt, die glänzende
Oberfläche mit Längsreihen vereinzelter rundlicher Grüb-
chen von nicht überall gleicher Grösse besetzt, die breiten
mehr oder weniger deutlich querrunzligen und fein punk-
tirten Zwischenräume mit unregelmässig vertheilten weiss-
lichen Schuppenhäärchen bestreut, die sich häufig zu eben
so unregelmässig vertheilten und zugleich sehr lockeren
welligen weisslichen Querbinden zusammengeschoben ha-
ben, auch selbst bei den auf dem Rücken abgeriebenen
Stückennach der Spitze zu noch meist deutlich vorhanden
sind. Unterseite und Beine gleichfalls glänzend schwarz
und mit einer ähnlichen aber mehr gleichmässig ver-
theilten Beschuppung besetzt, der erste, zweite und letzte
Bauchring mit vereinzelten feinen Punkten bestreut und
der erste zugleich bei einem der vorliegenden Stücke
mit einer flachen Längsmulde versehen, und die Schenkel
mit einem breiten, übrigens nicht sehr grossen Zahne
bewaffnet.
Ausserdem bietet der Bau der Beine bei den vor-
liegenden Stücken noch eine sehr bemerkenswerthe Ver-
schiedenheit dar. Bei dem etwas breiteren (und am besten
erhaltenen) Stücke in Hrn. Riehl's Sammlung ist der
Schenkelzahn stumpfer und daher anscheinend breiter,
die Schienen sind gerade, kaum merklich geschweift ; bei
einem anderen aus Dr. G.'s letzter Sendung ist der Schen-
kelzahn ungleich schärfer und spitzer, die Vorderschienen
206 Suffrian:
sind anf der Innenseite leicht doppelt ausgeschweift, und
daselbst in der Entfernung einer reichlichen Schienen-
breite über dem das untere Schienenende beschliessen-
den, fast quer nach innen gerichteten Haken mit einem
breit dreieckigen, schräg nach innen gerichteten, röthlich
durchscheinenden Zahne besetzt. Ich glaube nicht zu
irren, wenn ich in dieser Verschiedenheit einen Geschlechts-
unterschied finde, und dies letztgenannte Stück, bei wel-
chem sich zugleich die oben erwähnte Längsmulde auf
dem ersten Bauchringe findet, für das c/ halte. Das zu
Anfang mit bezeichnete Zwergexemplar würde dagegen
wiederum ein $ sein.
93. Ps. bimacu latus m. Ovatus convexus ater
nitidus squamulis albidis parce adspcrsus, antennis ferru-
gineis, rostro carinato, thorace subconico profunde pun-
ctato, lineata media obsoleta laevi, elytris foveolato-striatis,
interstitiis vix punctulatis, macula ante medium trans-
versa alba. Long. 2^4"' ; lat. V/4".
Von der Gestalt des vorhergehenden, aber merklich
kleiner, einem grösseren Stücke des Ps. fistulosus
gleichkommend, aber durch die dichte grobe Punktirung
von allen anderen Arten sehr verschieden. Der lange ge-
krümmte Rüssel ist vor der Spitze kaum etwas abge-
flacht und erweitert, fein punktirt und bis auf die kahle
Spitze selbst eben so fein beschuppt, seiner ganzen Länge
nach fein aber deutJich gekielt, zwischen den sehr ge-
näherten Augen das gewöhnliche Grübchen der Gattung.
Der Oberkopf wieder fein und dicht punktirt, und die
Fühler eben so rostroth wie bei den verwandten Arten.
Das Halsschild merklich kürzer als hinten breit, über der
Mitte ziemlich hoch quer aufgewölbt und nach vorn und
hinten mit leichter Krümmung abfallend, nach vorn zu-
gleich kegelförmig verschmälert und hinter den Augen
schwach zusammengedrückt, grob- und besonders gegen
den Vorderrand hin dicht punktirt mit glänzendem Zwi-
schengrundc;, jeder Punkt mit einem feinen, weisslichen
Schüppchen besetzt, vor der Mitte des Hinterrandes und
jederseits vor der Mitte der Flügeldecke ein aus mehr
zusammengedrängten Schuppen gebildetes weisslich€S
Verz. d. auf d. Insel Cuba gesammelten Rüsselkäfer. 207
Fleckchen. Ausserdem zeigt sich auf der Mitte eine
jederseits abgekürzte schwache glatte Längslinie, die aber
eigentlich nur durch ein rcgelmässigeres Gefüge des Zwi-
schengrundes gebildet zu sein scheint. Das Schildchen
halb elliptisch und etwas gewölbt, klein aber deutlich,
glänzend schwarz. Die länglich-eiförmigen Deckschilde
hinter den abgerundeten Schultern noch etwas im Bogen
erweitert und von da ab bis zur Spitze mit fast gerad-
linigen Seiten verschmälert, vor letzterer leicht zusammen-
gedrückt, auf dem Rücken hochgewölbt, schwarz, mit den
gewöhnlichen Reihen tiefer Grübchen besetzt, deren seit-
liche in breite Längsfurchen eingedrückt erscheinen; die
glänzenden Zwischenräume besonders nach den Seiten zu
so schmal, dass sie den Querbrücken selbst gleichkommen
und die Oberfläche dadurch hier ein regelmässig gegit-
tertes Ansehen erhält; der äusserste Streifen neben der
flachen Ausrandung in der Mitte der Flügeldecke so
schmal, dass er fast verschwindet und auch weiter hinter-
wärts nicht wieder die Grösse des Vorderrandes erreicht.
Auch in dem vorletzten Streifen sind die hinteren Grüb-
chen etwas kleiner, wenn auch eben so tief, wodurch sich das
hintere Ende des vorletzten Zwischenraumes kielartig
emporhebt. Der kaum punktirte Zwischengrund glänzend
schwarz, überall mit vereinzelten feinen, weisslichenSchüpp-
chen bestreut; an dem Hinterrande des ersten Viertels jeder
Flügeldecke auf dem dritten Zwischenräume, theilweisenoch
die anstossendenGrübchen einschliessend, ein dichter weisser
Schuppenfleck. Unterseite und Beine in derselben Weise
beschuppt wie die Deckschilde, der letzte Bauchring sehr
grob punktirt, die Schenkel derb und kräftig gezähnt.
(Fortsetzung folgt.)
lieber die Respirationsorgane der Araneen.
Von
Dr. Philipp Bertkau
aus Cöln.
(Hierzu Tafel VII.)
Schon bald nachdem durch Latreille eine auf
die Verschiedenheit der Respirationsorgane gegründete
Eintheilung der Arachniden in Cuvier's Regne animal
aufgenommen war und dadurch eine gewisse Sanktion
erhalten hatte, erkannte man das Unnatürliche dieser Ein-
theilung, die zum grossen Theil auf falschen Voraus-
setzungen basirte. Nach dieser Eintheilung nämlich
gehörten die Araneae zu den Lungenaracbniden, indem
sie durch 2, seltener 4 Lungen, die sich auf der Unter-
seite am Anfange des Abdomens befinden, athmen sollten.
Nun fand aber schon 1834 Leon Dufour bei Dysdera
und Segestria dicht hinter den beiden Lnngenstigmen
zwei andere, ebenso gebildete, die aber nicht zu Lungen,
sondern zu höchst eigenthümlichen Tracheen führten, und
Duges^) bestätigte die Beobachtung Dufour's. Einige
Jahre später entdeckten Menge 2) und Grube 3), ohne
von den Arbeiten von Dufour und Duges Kenntniss
zu haben, ein ähnliches Tracheensystem bei Argyroneta
1) Vorgetragen in der Acad. d. Sc. und abgedruckt in dem
Feuillet. de l'Acad, d. Sc; Seance du 9 fevrier 1835.
2) Neueste Schriften der Naturforschenden Gesellschaft in Dan-
zig. Bd. IV, Heft I. 1843, pag. 20—24.
3) Müller's Archiv 1842, p. 300. Aus brieflicher Mittheilung
an den Herausgeber.
Bert kau: lieber die Respirationsorgane der Araneen. 209
aqnatica; Menge ausserdem ein weniger entwickeltes
bei Salticus und Micryphantes^ wo es sich ara Ende des
Hinterleibes befindet, während er noch bei Epeira, Tege-
naria, Linyphia, Lycosa und selbst Thomisus jede Spur
desselben vcrmisste. Wie indessen v. Siebold ^) nach-
wies, besitzen nicht nur die letztgenannten Gattungen, son-
dern auch Tetragnatha, Drassus, Clubiona, Theridium, Dolo-
medes ein wenig entwickeltes Tracheensystem, bestehend
in vier einfachen, unverästelten Röhren, zu welchen eine
Spalte am Ende des Hinterleibes, dicht vor den Spina-
w^arzen, den meist verdeckten Eingang bildet, und v. Sie-
bold hielt sich für berechtigt, dasselbe verkümmerte Tra-
cheensystem allen übrigen Spinnen (mit Ausnahme na-
türlich der Tetrapneumones, von Dysdera, Segestria, Ar-
gyroneta, Salticus und Micryphantes) zuzusprechen.
Die bis dahin gewonnenen Resultate in spekulativer
Weise benutzend, versuchte dann Leuc kar 1 2) den Nach-
weis zu liefern, dass die sog. Lungen der Arachniden
nur eine besondere Modifikation der dieser Tluerordnung
eigenthümlichen Tracheen seien. Seit jener Zeit sind
keine Erweiterungen unserer Kenntnisse von den Respi-
rationsorganen der Arachniden geliefert worden. Um so
weniger will ich meine auf diese Organe gerichteten
Untersuchungen länger der Veröffentlichung vorenthalten,
zumal da sich dieselben auf eine grosse Zahl von Gat-
tungen und Species ausdehnen.
A. Die sog. Lungen.
Alle Araneen besitzen auf der Unterseite des Ab-
domens, dicht hinter dem schmalen Stiel, der Cephalo-
thorax und Abdomen verbindet, zwei Stigmen. Dieselben
sind meist gegen die Längsrichtung des Körpers etwas
schräg gestellt und weiter geöffnet, als es sonst wohl
bei den Stigmen der Lisekten der Fall ist. Der Rand
derselben, namentlich der vordere, ist von einem wulst-
förmig aufgeworfenen Saum umgeben, der an dem äusse-
1) V. Siebold, Vergl. Anat. der wirbell. Thiere, p. 535.
2) Zeitschrift für wissenschaftl. Zoologie I, 1849, pag. 246—254.
iirchiT f. Naturg. XXXVIII. Jahrg. 1. Bd. 14
210 Bertkau:
ren, weiter aufklaffenden Ende besonders stark entwickelt
ist und ein Schliessen des Spaltes verhindert. In der
Verbindungslinie der inneren Ecken der Stigmen ist die
Haut zarter und bildet eine Falte, so dass der Irrthum
Menge's ^), der annimmt, ein einziger gemeinschaftlicher
Spalt führe zu beiden Lungen, wohl verzeihlich ist.
Diese Stigmen führen nun zunächst in einen Hohl-
raum (Lufthöhle), der von der sich ins Innere des Hinterleibes
einstülpenden Haut gebildet wird. Dicht über dem Stigma,
welches selbst ja von einem festen, fast hornigen Rande um-
säumt wird, ist die Haut äusserst zart, durchsichtig und lässt
keinerlei Struktur erkennen. Die an dem hinteren Stigmen-
rande ansetzende Haut geht gewöhnlich flach über dasselbe
fort, so dass seine Oeffnung geschlossen erscheint. Bald in-
dess gewinnt die Haut dadurch an Festigkeit, dass ihr
kleine, bisweilen verästelte Chitinstäbchen eingelagert
sind, wodurch sie manchmal das Ansehen gewinnt, als
sei sie mit Sternhaaren besetzt. Bei den grösseren Arten
ragen diese Gebilde als ßörstchen über die Fläche der Haut
hervor, wie schon Leuckart bei Epeira bemerkt hat.
So bildet das Stigma den Eingang zu einem kurzen Sack,
dessen untere, dem vorderen Stigmenrande angeheftete
Wand der Haut des Abdomens dicht aufliegt, während
der Boden fast senkrecht auf dieser Haut steht, aber
noch mehr gegen die Längsrichtung des Körpers geneigt
ist, als das Stigma selbst.
Der Grund des Sackes ist nicht geschlossen^ sondern
wie ein Ofenrost mit parallel gestellten Spalten versehen
(f Fig. 1 u. 2). Die Stäbe, zwischen denen jene Spalten
sich befinden, sind von fester Beschaffenheit, indem sie
in ihrer ganzen Länge zum grossen Theile aus jener
festeren Substanz bestehen, welche auch die übrigen Ein-
lagerungen bildet, welche letzteren indess auch hier nicht
fehlen, vielmehr in der Form kleiner verästelter Borsten
in den Luftraum hineinragen.
Jede Spalte bildet den Eingang zu einem äusserst
flach gedrückten Säckchen von dreieckiger Gestalt mit
1) A. a. 0. pag. 21.
lieber die Respirationsorgane der Araneen. 211
abgerundeter Spitze (Fächer, b in Fig. 1). Am Eingange
ist die Weite dieser 8äckcben natürlich dieselbe wie die
des Spaltes; bald jedoch verengern sie sich, indem die
beiden Seitenwände einander näher rücken, so sehr, dass
man bald keine doppelte Wand mehr erkennen kann,
vielmehr ein einfaches Blatt zu sehen glaubt. Ihre Wand
wird gebildet von einer zwar zarten, aber festen Chitin-
haut, der zahlreiche Körnchen ein- und aufgelagert sind.
Bei einzelnen (namentlich bei Tegenaria domestica sehr
deutlich zu erkennen) hören die Körncheneinlagerungen
in einiger Entfernung vom Ende auf, das hier in eine
lange glashelle Spitze ausgezogen ist. So lange sie mit
Luft erfüllt sind, zeigen sie bei durchfallendem Lichte
eine schwarze, ins Violette übergehende Farbe ; auffallen-
des Licht lässt sie rein weiss erscheinen. Ist die Luft
ausgetrieben, was aber wegen der ausserordentlichen Enge
der Säckchen nur sehr schwer und selten ganz vollständig
zu bewerkstelligen ist, so ist die Farbe ein blasses Gelb,
in dem die Einlagerungen als kleine schwarze Pünktchen
erscheinen.
Die Zahl der Fächer ist bei den verschiedenen Spin-
nen sowohl, wie bei derselben Spinne in den verschie-
denen Lebensaltern verschieden; im Allgemeinen ist mit
der Entwicklung des Tracheensystems eine Verkümme-
rung der Lungen verbunden. So haben die Lungen bei
Dictyna nur 4 — 5, allerdings lange und stark aufgetrie-
bene Fächer, Segestria 10— 12, Thomisus, Xysticus gegen
20, Agelena dagegen und Epeira 60 — 70. Die grösseren
Arten besitzen nicht nur grössere, sondern auch viel
zahlreichere Fächer als die kleineren.
Das Wachsthum des Luftsackes und die Entwick-
lung neuer Fächer findet an der der äusseren Stigmen-
ecke genäherten Spitze (c'Fig. 1) Statt. Bei einer jungen
Lycosa z. B. ist die Breite des Luftsackes dieselbe wie
die des Stigmas und es finden sich nicht mehr als etwa
10 Fächer. Mit dem Wachsthum der Spinne wächst auch
der Luftsack und zwar stärker als das Stigma, so dass
seine Spitze bald weit von demselben entfernt ist. Die
erste Anlage eines Fächers zeigt sich in Auftreibungen
212 " Bertkau:
des Bodens des Luftsackes, von denen die jedesmalig
jüngste dicht neben der nächst älteren entsteht und durch
Intussusception neuen Bildungsmaterials wächst. Anfangs
ist das Lumen des Fächers ziemlich weit, verringert sich
aber bald durch Verdickung der Wand. Das Ende des
Luftsackes unterscheidet sich von diesen seinen Ausstrah>
lungen. nur durch die andere Richtung, die es verfolgt.
Der ganze beschriebene Apparat liegt nun theils in
einer seichten Vertiefung der Haut, die von aussen stärker
gewölbt erscheint, theils ragt er in den Fettkörper des Ab-
domens hinein. Die Vertiefung der Haut, in der er Platz
findet, hat an der Ausscnseite einen scharf vorspringenden
Rand (m Fig. 1 links), der namentlich in seinem unteren
Theile kräftigen Muskeln Ansatzstellen gewährt. Selten
Ist er auch an der inneren Seite mit derselben Deutlich=
keit ausgeprägt; letzteres ist besonders bei einigen The-
ridien der Fall. Die Körperhaut ist an dieser Stelle von
hellerer Farbe und durchsichtig, so dass das ganze Organ
gelb oder röthlich durchscheint. Es fehlen ihr an dieser
Stelle entweder alle Haare und sie ist nur w^ellenförmig
gerunzelt (dies ist z. B. bei Zilla, Fig. 1, der Fall), oder
sie hat einen Ersatz für den Mangel der gewöhnlichen
Haare in einer eigenthümlichen Modifikation derselben,
die in verästelten, sich auf der Haut verbreitenden, nicht
über dieselbe erhebenden Verdickungen besteht. Diese
Haare sind übrigens wie die gewöhnlichen von einem
Kanal durchzogen (Fig. 3). Sie finden sich besonders
schön und reich bei Oletera, Dolomedes, Ocyale, Lycosa,
während sie bei den Thomisiden, Aüiden, überhaupt den
kleineren Arten fehlen; bei Epeira verschmelzen mehrere
derselben zu Querleisten. — Es ist oben bemerkt worden,
dass je ein Stigma zu jeder Lunge, und nicht ein gemein-
schaftlicher Spalt zu beiden führe. Die beiden Lungen
treten aber doch in Kommunikation mit einander und
zwar durch ein Band (g Fig. 1 u. 4), das als Anhang
des Luftsackes an der inneren Ecke der beiderseitigen
Stigmen erscheint und von derselben Haut gebildet ist
wie dieser. Sein hinterer Rand gewährt in seiner gan-
zen Ausdehnung, namentlich aber in der Mitte zwischen
üeber die Respirationsorgane der Araneen. 218
beiden Stigmen kräftigen Muskeln geeignete Stützpunkte,
In anderen Fällen (z. B. Thomisus Fig. 4) treten zwei
stärkere, dicht neben den Stigmen befindliche Anheftungs-
stellen von Muskeln deutlicher hervor.
B. Die Tracheen.
Dicht hinter den beiden Stigmen, die alle Spinnen
besitzen und die zu den eben beschriebenen Lungen führen,
finden sich bei einigen zwei ähnlich gebildete, die ent-
weder ebenfalls zu Lungen führen (Mygaliden oder Te-
trapneumones), oder zu Tracheen; das letztere ist, so weit
unsere jetzigen Kenntnisse reichen, bei den Gattungen
Dysdera, Segestria und Argyroneta der Fall. Ich gebe
hier noch einmal eine Darstellung der Tracheen von Dys-
dera und Segestria nach meinen Beobachtungen, weil
die Beschreibung von Du g es etwas dürftig ist, und weil
doch das Yerständniss der übrigen Arten, bei denen ent-
wickelte Tracheen noch nicht bekannt sind, durch Ver-
gleich mit diesen bedeutend erleichtert wird. Zu Gebote
standen mir D. crythrina und D. rubicunda ; Segestria
bavarica, S. perfida und S. senoculata, während mir das
Tracheensystem von Argyroneta aquatica, die in der Um-
gegend Bonns zu fehlen scheint, durch die Beschreibung
Menge's bekannt geworden ist; nach derselben scheint
es übrigens näher mit dem von Dysdera als Segestria
verwandt zu sein.
Auf die Stigmen, die ganz wie die Lungenstigmen
gebildet sind, setzt sich zunächst eine schlaffe, struktur-
lose Membran, ganz wie bei den Lungen, die aber auch
hier bald durch Einlagerung stabähnlicher Chitingebilde
an Festigkeit gewinnt. Der sehr kurze, von der struk-'
turlosen Haut gebildete Gang führt nun zu einem kräf-
tigen, sich noch etwas verbreiternden Tracheenstamm
(Hauptstamm), der flach gedrückt ist, so dass sein Quer-
schnitt nicht kreisrund erscheint, sondern einer Ellipse
gleicht 1). Die Wand dieses Hauptstammes ist durch die
1) Danach ist auch die Abbildung Blanchard's (Annales d.
Sc. nat. 1849, Tome 12, pl. 7, fig. 5) zu berichtigen.
214 Bertkau:
Stäbchen besonders verstärkt. Bei Segestria bleiben diese
unverbunden und unregelmässig angeordnet; bei Dys-
dera und Argyroneta aber verschmelzen sie auf der In-
nenseite der Röhre zu einem Ringe, der spiralig verläuft
und dem Spiralfaden der Insektentracheen ganz analog
ist. Zwar lässt er sich nicht auf seine ganze Länge ab-
rollen, zerreisst vielmehr gewöhnlich, nachdem drei oder
vier Windungen aufgewickelt sind ; auch befinden sich
die Windungen dicht bei einander und sind hin und
wieder durch Querbrücken mit einander verbunden ; im-
merhin aber wird man darin eine Analogie des Spiral-
fadens sehen; wie dieser ist er dazu bestimmt, die Elasti-
cität der Tracheen zu erhöhen. Der grössere Theil des
Hauptstammes geht nach vorn (Ccphalothoraxstamm),
während ein kleinerer Anhang in Gestalt eines längeren
(Dysdera) oder kürzeren (Segestria) Beutels nach hinten
abgeht (Abdominalstamm). Nach der Zeichnung, die
Menge von den Tracheen bei Argyroneta entwirft (Taf. I,
Fig. 7 u. 10) fehlt dieser Anhang hier ganz.
Bei Dysdera und Argyroneta gehen nun die beiden
Cephalothoraxstämme, dicht an einander geschlossen,
durch den schmalen Stiel, der Cephalothorax und Hin-
terleib verbindet, in den ersteren und erreichen hier ihr
Ende, indem sie kopfförmig anschwellen (Fig. 5) und eine
überaus grosse Zahl feinwa.ndiger, unverästelter Röhrchen
auvssenden. Bei Segestria bleiben die Hauptstämme im
Abdomen, schwellen auch nicht in der Weise an wie
bei Dysdera und Argyroneta, schicken aber ebenfalls
von ihrem ganzen vorderen Theile dieselben zartwandigen
Röhrchen aus, die nun ihrerseits, in zwei kräftige Bündel
vereinigt, grossen Theils in den Cephalothorax hinauf-
steigen; nur wenige gehen zu den im vorderen Theile
des Hinterleibs befindlichen Organen ab. Von dem Ab-
dominalstamm gehen ebenfalls sehr zahlreiche Röhrchen
zu den Organen des Hinterleibes aus. Auch bei Dysdera
entbehrt dieser Stamm der Andeutung eines Spiralfadens
und unterscheidet sich auch noch dadurch von dem Cc-
phalothoraxstamm, dass er in seinem ganzen Verlauf, nicht
bloss an der Spitze, die Röhrchen entlässt. Diese von
Ueber die Respirationsorgane der Araneen. 215
den Hauptstämmen ausgehenden Röhrchen gehen unver-
ästelt und ohne mit einander in Anastomose zu treten,
allmählich an Weite abnehmend bis in die äussersten En-
den des Körpers. Die des Cephalothorax begeben sich
in Bündeln von 30 — 40 Stück in die verschiedenen Glicd-
maasseji : in die Beine, das Kinn, die Unterkiefer mit den
Tastern, den Epipharynx, die Oberkiefer ; bald verlaufen
sie gerade, bald vielfach gewunden zwischen den Muskel-
bündeln her. Mit blossem Auge ist ein einzelnes Röhr-
chen nicht sichtbar, in grösserer Menge vereinigt glänzen
sie mit demselben weissen Lichte, welches die Lungen
bei auffallendem Lichte zeigen, so lange sie mit Luft er-
füllt sind ; bei durchfallendem Lichte erscheinen sie schwarz,
so lange sie mit Luft erfüllt sind ; ist dieselbe ausgetrie-
ben, so sind sie nur noch mit Mühe wchrnehmbar. Ihr
Querdurchschnitt ist kreisförmig und selbst mit der stärk-
sten Vergrösserung lässt sich keine Spur eines Spiral-
fadens in ihnen entdecken.
Die Hauptstämme sind bei Dysdera und Segestria
un verbunden; bei Argyroneta befindet sich nach der Dar-
stellung Menge's ein elastisches Band am Grunde der
Hauptstämme, welches die einzelnen Stämme auseinander
halten soll (Taf. I, Fig. 7 und 10 v) i). Wahrscheinlicher
ist, dass sich an dieses Band Muskeln anheften, welche
das Erweitern oder Verengern der Stigmen und Haupt-
stämme zu bewerkstelligen haben, wie es bei den Lungen
der Fall ist. Auch muss ich noch bemerken, dass bei
Dvsdera und Segestria die Röhrchen nicht den Gift-
kanal in der Klaue bis nahe zu seiner Ausmündungsstelle
begleiten, wie Menge es von Argyroneta angiebt. Zwei-
felhaft erscheint es mir auch bei der letzteren Spinne
deshalb, weil nicht gut Platz für dieselben da ist, weil
man ferner ihren Zweck nicht recht einsieht, da das Blut
nicht bis in das Klauenglied hinein cirkulirt und endlich,
weil wegen der faserigen Struktur der Wand des Gift-
kanals die Möglichkeit einer Täuschung nahe liegt.
Die Mygaliden und die angeführten drei Gattungen
1) Nicht 0, wie es in der Figuren erklärung (pag. 63, fig. 10)
heisst.
216 Bertkau:
sind die einzigen bis jetzt bekannten, welche 4 Stigmen
haben ; alle übrigen Spinnen (auch Micryphantes und
Salticus nicht ausgenommen, von denen Menge und
nach ihm V. Si eb old 1) und Leuckart^) zwei Stigmen
am Hinteiieibsende angiebt) besitzen dicht vor den Spinn-
warzen einen längeren oder kürzeren Quorspalt, welcher,
da er zu zwei symmetrisch gebildeten Tracheen führt,
wohl aus der Verschmelzung zweier seitlicher Stigmen
entstanden ist. Das durch diesen Spalt mit der Luft in
Verbindung stehende Tracheensystem zeigt so grosse Ver-
schiedenheiten, dass sich kaum etwas Allgemeines darüber
sagen lässt und ich daher zu den einzelnen Gattungen
übergehen werde.
Am engsten an die vorhin beschriebenen, speciell
an Dysdera und Argyroneta, schliesst sich die Gattung
Dictyna Sund. an. Von diesen kleinen Spinnen hatte
ich D. benigna in grosser Menge, D. latens und variabilis
spärlicher zur Verfügung; alle drei leben auf niederem
Gebüsch auf Blättern, wo sie ein sehr kunstloses, aus
wenigen Fäden bestehendes Gespinnst machen. Fig. 7
stellt den unteren Theil des Tracheensystems dar.
Der Spalt ist ziemlich breit; sein vorderer Rand
wird von derselben Haut gebildet, die den grössten Theil
des Hinterleibes überzieht und hier nur reichlicher mit
Haaren besetzt ist, die das deutliche Erkennen aller Ver-
hältnisse etwas erschweren. Der Spalt führt nun zunächst
in eine geräumige, plattgedrückte Höhle, deren untere
Wand von einer festen, in den vorderen Stigmenrand
allmählich übergehenden Haut gebildet wird. Namentlich
an den beiden Ecken des Spaltes verleihen hornartige
Leisten (r p'ig. 7) diesem Theile eine besondere Festigkeit.
Vom vorderen Ende der Lufthöhle gehen zwei seitliche
starke Tracheenstämme aus, welche platt gedrückt sind
und, nach aussen gebogen, durch den Hinterleib in den
Cephalothorax steigen, nachdem sie im ersten an drei Stellen
kleinere Aestchen haben abgehen lassen, die eine grosse Zahl
der unverästelten Röhrchen aussenden, wie bei Dysdera
1) A. a. 0. pag. 535. 2) A. a. 0. pag. 253.
üeber die Respirationsorgane der Araneen. 217
der Kopf des Hauptstammes. Gleich nachdem sie in den
Cephalothorax eingetreten sind, lösen sie sich gleichfalls
in eine grosse Zahl von Röhrchen auf, die zu den Extre-
mitäten hinlaufen. Die Gestallt der im Allgemeinen flach
zusammengedrückten Hauptstämme erleidet in der Nähe
der Verzweigungen einige Aenderung, indem sie hier
mehr cylindrisch werden. Die Wandung derselben ist
ganz wie bei Dysdera durch Leisten elastisch gemacht,
die aber hier noch weniger wie dort spiralig verlaufen,
sieh verästeln und cylindrische Stäbchen, senkrecht zur
Oberfläche gestellt, tragen, die sich in ihrer regelmässigen
Anordnung in der ganzen Längenausdehnung der Stämme
verfolgen lassen. Dieselbe Struktur hat auch der vordere
ausgebuchtete Rand der Lufthöhle, während ihre obere
Wand von einer strukturlosen, schlaffen Haut gebildet
wird, die diese Beschaffenheit erst verliert, nachdem sie
hinter dem vorderen Stigmenrande hervorgetreten ist und
schon den Schutz der Körpertheile zu überneMmen hat.
Unter den von den Hauptstämmen ausgehenden
Aesten sind zwei ganz kurz; der mittlere ist länger, zweigt
sich ungefähr in der Mitte des Hinterleibes ab und ent-
sendet in der Nähe der Lungen seine Röhrchen. Da die
Länge der Hauptstämrae die Entfernung der Spalte von
dem Cephalothorax bedeutend übertrifft, so biegen sie
sich nach aussen und aufwärts und dann wieder nach
der Mittellinie und abwärts, um so den Cephalothorax
zu erreichen. Abgesehen von der Zahl der Röhrchen,
die hier allerdings viel geringer ist, als bei den drei
ersten Gattungen steht dieses Tracheensystem hinter jenen
in keiner Beziehung zurück.
Ein schon weniger entwickeltes Tracheensystem
findet sich bei den Gattungen Erigone Sav. und Micry-
phantes Koch. Bei Micryphantcs hat es übrigens schon
Menge aufgefunden, wenn auch nicht richtig darge-
stellt. Fig. 9 giebt eine Abbildung von M. rubripes,
mit dem die übrigen im Allgemeinen übereinstimmen.
Der vordere Rand des Stigmas ist hier doppelt geschweift
und von der starken Körperhaut gebildet, die auch hier
wieder an den Enden eine hornige Beschaffenheit an-
218 Bertkau:
nimmt. Auch hier ist zunächst ein kleiner Hohlraum
vorhanden, der sich aber rasch verschmälert. Dicht ober
dem Stigma, an dem scharfen Rande des flachgedrückten
Hohlraumes, geht beiderseits eine einfache, unverästelte
Röhre ab (a Fig. 9), die in eine feine Spitze ausläuft.
Oberhalb der Stelle, wo die beiden dünnen Röhren aus-
gehen, spaltet sich die Lufthöhle in zvrei gerade, kurze,
aber breite Stämme (b Fig. 9), die ebenfalls abgeplattet
sind und deren Wand durch senkrecht gestellte Stäbchen
ungefähr dieselbe Struktur besitzt, wie die Hauptstämme
bei Segestria. An dem Aussenrande setzen sich diese
Stäbchen auch auf die Wandung der Lufthöhle bis dicht
vor den Ecken des Stigmas fort, während oben und unten
die Haut der Lufthöhle dieselbe Beschaffenheit zeigt wie
bei Dictyna.
Von der Mitte ihrer Länge an schicken diese Haupt-
stämme nun die Röhrchen aus, die zum Theil im Ab-
domen bleiben, zum Theil in den Caphalothorax gehen
und sich in die Extremitäten verbreiten. Diese Tracheen
zeigten Erigone dentipalpus, Micryphantes rubripes, cras-
sipalpus, camelinus, bicuspidatus und andere Micryphantes-
Arten, die specifisch wohl noch nicht recht unterschieden
sind. Ein ähnliches Tracheensystem fand ich bei einer
kleinen grünen Spinne, die in der Augenstellung und
ihrer Lebensweise mit Dictyna übereinstimmt, von Koch
aber noch nicht abgebildet und beschrieben ist. Dagegen
besteht bei M. flavoniaculatus das Tracheensystem in 4
einfachen Schläuchen, wie sie bei den meisten Spinnen
vorkommen; auf diesen Unterschied werde ich weiter
unten zurückkommen.
Ein ebenfalls vollkommen ausgebildetes Tracheen-
system findet sich bei den xYttiden, wo es Menge bei
Salticus beschreibt. Alle Gattungen, die ich habe unter-
suchen können (es waren dies Dendryphantes, Salticus,
Euophrys, Heliophanus) haben ein ziemlich übereinstim-
mend gebautes Tracheensystem, welches in zwei sich wenig
verzweigenden Stämmen an einer Spalte vor den Spinn-
warzen seinen Ursprung nimmt und in Absätzen eine
grosse Zahl von Röhrenbüscheln entsendet. Als Beispiel
lieber die Respirationsorgane der Araneen. 219
wähle ich Dendryphantes muscosus, wo diese Verhältnisse
wegen der Grösse der Spinne am besten zu erkennen
sind (Fig. 10). Auch hier ist der vordere Rand der Spalte
stark verdickt und eben solche hornige Leisten (r Fig. 10)
finden sich hier wie bei Dictyna. Die Leisten neigen
vorn etwas zusammen, und hier nehmen zwei platte Tra-
cheenstämme ihren Ursprung, die in ihrem Verlauf nach
vorn immer eine Hauptrichtung erkennen lassen, während
kurze Seiteuäste eine verschiedene Richtung verfolgen.
Die Struktur ihrer Wand ist dieselbe wie bei Mi-
cryphantes. Diese Struktur beginnt auf der oberen Wand
der Lufthöhle in Gestalt eines V; hinter dieser Stelle
ist die obere Wand zart und gewinnt erst jenseits des
vorderen Stigmenrandes jene Festigkeit, die sie zum
Schutz der inneren Organe befähigt. Auf der unteren
Wand der Lufthöhle gehen die Einlagerungen der Stäb-
chen noch näher an das Stigma heran und hören ohne
scharfe Grenze auf.
Die beiden Stämme gehen, wenig divergirend, nach
vorne bis zum Anfang des Hinterleibes und schicken aus
kurzen Seitenästeu, so wie an ihrem Ende büschelförmig
die zartwandigen Röhrchen aus. Wenn auch nicht unter
allen Verhältnissen optisch wahrnehmbar, so scheint sich
doch in diesen Röhrchen die innere Differenzirung eines
Spiralfadens anzubahnen ; wenigstens bemerkt, man an
den mit Luft erfüllten Röhrchen feine, quer zur Längs-
richtung verlaufende Linien, die sich aber der An-
schauung entziehen, sobald die Luft durch eine Flüssig-
keit ersetzt ist. Im Verhältniss zur Grösse des ganzen
Thieres sind diese Röhrchen die weitesten, die ich bei
den verschiedenen Arten gefunden habe. An Zahl kom-
men sie wohl denen von Micryphantes gleich, bleiben
aber auf den Hinterleib beschränkt und erreichen folglich
auch nicht die Länge der bei den bisherigen Arten.
Meine Darstellung weicht in einigen wesentlichen
Punkten von der Meng e's bei Micryphantes und Salticus ab,
worüber ich mich noch aussprechen muss. Bei ihm heisst
es (Neueste Schriften etc. p. 23) folgendermassen : „Seit
ich die Tracheen bei Argyroneta gefunden, habe ich bei
220 ' Bertkau:
mehreren Spinnen danach gesucht, und sie nur noch
bei Salticus und Micryphantes angetroffen. Es ist zu ver-
muthen, dass, wenn sie bei einer Art einer natürlichen
Gattung vorkommen, sie auch den übrigen nicht fehlen
werden. Ich habe Salticus scenicus und Blancardi unter-
sucht und sie bei beiden ganz gleich gebildet gesehen.
Die von Micr. rurestris waren denen von Salticus sehr
ähnlich, beide aber von denen bei Argyroneta sehr ver-
schieden. Es fehlen nämlich hier die Kanäle und sind
nur zwei Tracheenstämme vorhanden, welche nicht am
Anfange des Hinterleibes, sondern am Ende, nahe vor
den Spinnwarzen ausmünden. An ihrem Grunde ent-
springen zur Rechten und Linken Röhren-Bündel, sie
selbst gehen nach vorne, zertheilen sich zuletzt ruthen-
förmig und verbreiten sich auf den Organen des Bauches.
In der Brust habe ich keine Spur derselben gefunden."
Tracheenstämme nennt Menge die Gesammtheit der bei
Argyroneta von dem Kopf der Hauptstämme (die er Ka-
näle nennt) ausgehenden Röhrchen. Nach seiner Vor-
stellung, in die man sich schwer hineindenken kann, wür-
den demnach die Röhrchen unmittelbar am Stigma be-
ginnen, ein Theil würde sich rechts und links wenden,
die Hauptmasse, Anfangs vereinigt, nach vorne gehen
und sich dann zertheilen. Von diesem allem findet sich
nun keine Spur, bei Micryphantes eben so wenig wie bei
Salticus. Zunächst sind hier keine zwei getrennten Stig-
men, sondern eine gemeinsame Spalte vorhanden. Die
Hauptstämme (Kanäle nach seiner Bezeichnung) existircn
hier eben so gut wie bei Argyroneta, wenn sie auch nicht
mit derselben Leichtigkeit wahrzunehmen sind. Ausser
dem mit a bezeichneten Ast gehen bei Micryphantes
keine Röhrchen in der Nähe des Stigmas ab, und bei
Salticus entspringen dieselben aus den kurzen Seiten-
ästen. Wenn er auch bei Micryphantes im Cephalothorax
keine Röhrchen entdecken konnte, so hat er eben Un-
glück gehabt: am einfachsten und mit der geringsten
Mühe kann man sich von ihrer Anwesenheit dadurch
überzeugen, dass man ein einzelnes Bein unter dem Mi-
kroskop betrachtet; die Röhrchen sind bei frisch getöd-
Ueber die Respirationsorgane der Araneen. 221
teten Thieren noch mit Luft gefüllt und fallen durch ihre
schwarze Farbe sofort in die Augen; eine Verwechselung
mit Muskelfasern hat man bei einiger Vorsicht nicht zu
besorgen. Am ehesten ist noch ein Irrthum hinsichtlich
der Duplicität der Stigmen möglich. Die weit aufklaffen-
den Enden des Spaltes mit ihrem breiten Verdickungs-
saum lassen leicht die verbindende Ritze übersehen und
die sich nur am Aussenrande der Lufthöhle fast bis zu
dem Stigma hinziehende Struktur der Tracheenstämme
begünstigt diesen Irrthum, indem man glauben könnte,
es gingen von den beiden kreisförmigen Oeffnungen rechts
und links zwei engere Stämme aus, die sich vereinigten
und dann wieder in zwei weitere Stämme spalteten, was
allerdings immer noch ganz anders wäre, als wie Menge
die Sache darstellt. Bei genauem Zusehen und nament-
lich bei einer Betrachtung des Objekts von verschiedenen
Seiten her wird man indess die üeberzeugung gewinnen,
dass sich die Sache so verhält, wie ich es beschrieben
habe.
Bei allen bisherigen Gattungen Hessen sich durch
die verschiedene Struktur ihrer Wand ausgezeichnete
Hauptstämme unterscheiden, von denen an bestimmten,
meist beschränkten Stellen die feinen Röhrchen büschel-
förmig ausgingen; eine weitere Verkümmerung, zugleich
mit einer räumlichen Reducirung des ganzen Apparates
verbunden findet bei den Thomisiden Statt. In dieser
Familie haben die Gattungen Thomisus, Xjsticus, Arta-
mus und Philodromus am Ende des Hinterleibes eine
schmale Spalte, die zu einer kleinen Lufthöhle führt, von
der vier Aeste ausgehen (Fig. 11, Thomisus calycinus).
Die beiden seitlichen (a) sind schwächer als die mittleren
(b), alle vier aber schicken auf ihrem ganzen Verlauf,
der auch hier auf den Hinterleib beschränkt bleibt, hin
und wieder Aeste ab, die sich wieder verzweigen, oder
unverzweigt in eine fadenförmige Spitze auslaufen. Die
beiden Gattungen Thomisus und Xysticus haben noch in
dieser Familie am höchsten entwickelte Tracheen, wäh-
rend bei Artamus und Philodromus schon ein Rückschritt
bemerkbar ist, der sich in einer geringeren Zahl der hier
222 Bertkau:
unverästelten Seitenzweige, so wie in einer geringe-
ren Längenentwickelung dieser und der Hauptstämme
zeigt.
Die Wand der Hauptstämme ist ebenso construirt wie
die der Seitenzweige: eine dünne, aber feste Membran,
der kleine punktförmige Körnchen eingelagert sind, ist
äusserlich von einer weichen glashellen Haut überzogen.
Ausserdem findet sich in ihnen, wie in den Lungenfächern
und den Hauptstämmen der früheren Gattungen, die Luft
^ zwischen den Körnchen in feinzertheiltem Zustande, wäh-
rend sie in den von den Hauptstäraraen der früheren Gat-
tungen ausgehenden Röhrchen eine ununterbrochene
Säule bildet.
Der Struktur der Wand nach dem der Thomisiden
gleich ist das Tracheensystem der übrigen Spinnen, steht
aber in seiner Entwicklung auf noch niedrigerer Stufe,
indem 4 einfache Röhren vorhanden sind. Eine schmale
Spalte vor den Spinnwarzen führt zunächst in einen flach
gedrückten Luftraum, der im Allgemeinen ebenso gebildet
ist, wie der entsprechende Theil von Micrjphantes oder
Dendryphantes : eine hornige Leiste am vorderen Stig-
menrande und zu beiden Seiten des Luftraumes giebt auch
hier dem Skelete eine grössere Festigkeit. An dem vor-
deren Ende entspringen, Anfangs in einer Ebene liegend,
vier einfache Röhren, welche bandartig abgeplattet sind
und keine Spur eines Spiralfadens, vielmehr nur unregel-
mässig zerstreut feine Körnchen in ihrer Membran ent-
halten. So lange sie mit Luft erfüllt sind, die in ihnen
ebenfalls in dem fein zertheilten Zustande ist, erscheinen
sie bei aufi'allendem Lichte weiss und die der grösseren
Arten sind schon mit blossem Auge wahrzunehmen. Ist
die Luft ausgetrieben, so fallen sie wegen des geringen
Brechungsunterschiedes nur wenig in die Augen; immer-
hin aber lässt sich an den Körncheneinlagerungen ihr
Verlauf vom Ursprung an verfolgen. Dass die Luft durch
Druck ausgetrieben werde und bei aufgehobenem Drucke
zurückkehre, wie v. Siebold i) angiebt, kann ich nicht
1) A. a. 0. pag. 536, Anmerk. 10.
Ueber die Respirationsorgane der Araneen. 223
bestätigen. L<ässt man nicht die Flüssigkeit, in der sich
das Präparat befindet, vollständig verdunsten, so füllen
sich die einmal entleerten Kanäle nicht wieder mit Luft,
was jedenfalls auf eine geringe Elasticität der Wand hin-
weist. Ueberhaupt kann man nicht eigentlich von einem
Austreiben der Luft reden; wenn man das Vordringen
der Flüssigkeit unter dem Mikroskop beobachtet, so sieht
man nie sich irgendwo Luftbläschen ansammeln, was wohl
nur so zu erklären ist, dass sich die Luft, deren Menge
ja in den flach gedrückten, schmalen Röhren gering ist,
in der Flüssigkeit löst.
Bei aller Uebereinstimmung in diesen allgemeinen
Verhältnissen zeigen sich bei den verschiedenen Gattun-
gen im einzelnen gewisse Abweichungen. Selten treten
die 4 Röhren gleich am Grunde als gleichwerthig auf;
am häufigsten sind die beiden rechts und links von der
Mittellinie gelegenen mit einander verwachsen, so dass
in diesem Falle von der kurzen Athemhöhle eigentlich
zwei seitliche Röhren ausgehen, die sich früher oder
später in zwei schwächere spalten. So ist es der Fall
bei Tegenaria, Philoica, Agelena, Clubiona, Drassus, Cheir-
acanthium, Melanophora, Lycosa, Dolomedes, Sparassus.
Weniger häufig ist eine Verschmelzung der beiden in-
neren Röhren, so dass in diesem Falle drei Röhren von
der Athemhöhle ausgehen, von denen sich die mittlere,
kräftigere bald in zwei Aeste spaltet; dies letztere Ver-
hältniss findet namentlich bei kleineren Arten von Epeira,
Theridium und besonders deutlich bei Zilla calophylla
(Fig. 13) Statt. Gewöhnlich sind die äusseren Röhren
schmäler, aber länger, wogegen die inneren breiter sind,
dafür aber kürzer bleiben, oft sogar um das Doppelte
und dreifache ihrer Länge von den äusseren übertroffen
werden.
Bei den grösseren Epeira-Arten und ebenfalls bei
Zilla calophylla verbreitern sich die kurzen mittleren Röh-
ren bald nach ihrer Trennung von dem gemeinsamen Ur-
sprung blattförmig, und ihr vorderer Rand lässt 3—4
kleine Vorsprünge sehen, die man als den Beginn einer
weiteren Verästelung ansehen kann.
224 Bertkau:
Bei der Kleinheit dieser Organe und bei ihrer ausser-
ordentlichen Zartheit ist es mir nie gelungen, ihren Ver-
lauf im ganzen Hinterleib zu verfolgen ; so viel steht aber
fest, dass sie, wie sie in der Nähe der Spinnwarzen ihren
Ursprung nehmen, so auch die Spinngefässe noch vs^eiter-
hin begleiten. Die äusseren gehen bis zu den Lungen,
kehren dann um und laufen dicht vor den Spinnwarzen
in eine feine Spitze aus, wogegen die inneren in der Nähe
der Lungen mit einem stumpferen Ende aufhören. Eine
angenäherte Vorstellung von ihrem Verlauf kann man
bei den kleineren Theridien und bei Tetragnatha extensa
gewinnen. Die crsteren kann man unterm Mikroskop
betrachten, wo sie den Verlauf der schwarzen Fäden be-
quem verfolgen lassen. Bei Tetragnatha extensa, nament-
lich den wohlgenährten Exemplaren, ist die Haut des Ab-
domens so durchsichtig, dass die weissen Tracheen, die
eine Strecke lang dicht unter derselben verlaufen, schon
mit blossem Auge sichtbar sind. Die äussere läuft, von
der Spalte an sich der Seitenlinie des Abdomens nä-
hernd, bis ungefähr zur Mitte, wo sie in der schrägen
schwarzen Linie, dicj sich; hier vom Rücken her berab-
zieht, aufwärts steigt, um sich dann ins Innere zu ver-
lieren. Die innere läuft mehr an der Unterseite des
Leibes hin und lässt sich bis vor die Lungen verfolgen,
wo sie ebenfalls unsichtbar wird. Neben Tetragnatha
extensa ist Sparassus virescens die einzige Art, bei der
ich (an einzelnen günstigen Exemplaren) die Tracheen
äusserlich habe wahrnehmen können.
Bei Oletera, Dysdera und Segestria habe ich nach
diesen einfachen Tracheen am Hinterleibsende vergeblich
gesucht. Wenn dieser Umstand zu der Annahme berech-
tigt, dass sie hier überhaupt fehlen, so liegt auch die Ver-
muthung nahe, die Spalte sei aus der Verschmelzung
zweier Stigmen entstanden, die den beiden hinteren Stig-
men bei den Mygaliden, Dysdera, Segestria und Argy-
roneta entsprechen ^). Diese Verschmelzung, die sich bei
1) Diese Ansicht scheint mir natürlicher zu sein, als die
Leuckart's, der annimmt, dass die Spinnen in der Norm drei
lieber die Respirationsorgane der Araneen. 225
allen Spinnen zeigt, bei denen die Tracheen am Hinter-
leibsendc entspringen, ist nach der Verrückung der Stig-
men eine einfache Forderung der Oekonomie geworden.
Demnach würden also die Spinnen eigentlich 4 Stigmen
besitzen, zwei vorn am Hinterleib und entweder zwei
dicht dahinter oder in einiger Entfernung davon am Ende
des Hinterleibes, in welchem letzteren Falle zugleich die
laterale Duplicität verloren geht. Das erste Stigmenpaar
führt nun immer zu Lungen, das zweite entweder zu
Lungen oder Tracheen. Bei letzteren lassen sich immer
je zwei Hauptstämme unterscheiden, von denen bei Dys-
dera und Segestria der eine (b Fig. 6) nach vorn geht
und den Cephalothorax, der andere (a) nach hinten geht
und den Hinterleib mit Röhrentracheen versieht; bei den
übrigen, bei denen sich eine Spalte am Hintcrleibsende
befindet, müssen natürlich beide Stämme nach vorn ge-
hen (a und b Fig. 9— 13) wo der äussere dem nach hinten
gerichteten von Dysdera und Segestria entspricht.
Es hat nun etwas Befremdendes, Lungen und Tra-
cheen bei denselben Thieren zu finden ; ähnliche Lungen
sind in dem ganzen Thierreich nicht bekannt, und über-
dies ist man nicht gewohnt, bei den wirbellosen Thieren
Lungen anzutreffen. Die Schwierigkeit, alle Verhältnisse
klar zu durchschauen, hat übrigens lange Zeit die wahre
Natur der bisher als Lungen bezeichneten Organe ver-
kennen lassen. Aeltere Anatomen , wie Treviranus i),
Meckel ^), Brandt und Ratzeburg ^) nahmen sie für Kie-
men, wobei sie den dem Stigma unmittelbar aufsitzenden
Paare von Stigmata besitzen, alle drei hinter einander an der Bauch-
fläche des Abdomens, die beiden ersten im vorderen Theile, das
dritte am Ende. Da nämlich bei keiner Spinne sich wirklich alle drei Stig-
menpaare, wenn auch noch so verkümmert, vorfmden, so muss ein-
mal das mittlere Paar, in anderen Fällen das hintere Paar ganz
ausgefallen sein, was jedenfalls viel verwickelter ist, als eine ein-
fache Verlegung.
1) lieber den Innern Bau der Arachniden, Nürnberg 1812 p. 7
und Vermischte Schriften, Göttingen 1816, p. 25.
2) Cuvier's Vorlesungen üb. vergl. Anatomie. Th. 4 p. 290
3) Mediz. Zoologie, p. 89.
Archiv f. Naturg. XXXVIII. Jahrg. l.Bd. 15
226 Bertkau:
Luftsack vollständig ignorirten, seinen Boden (f Fig. 1)
als Kiemenband bezeichneten und die Lungenfächer für
einfache Blätter (Kiemenblätter) annahmen, die von aussen
von der durch die Spalten zwischen den einzelnen Kie-
menblättern eingetretenen Luft umspült werden sollten.
Zwar vermochten weder Treviranus noch Meckel den Ver-
lauf der Lungenarterieu bis zu den vermeintlichen Kie-
men zu verfolgen ; aber bei einer so total verkehrten
Auffassung darf es gar nicht Wunder nehmen, wenn
Newport ^) auf den Blättern kernlose Zellen und ein zartes
Kapillargefässsystem entdeckt haben wollte, welches von
einem an dem Ursprung der Blätter hinlaufenden Ast
der Lungenarterie seinen Ursprung nehmen sollte ; wahr-
scheinlich hat er sich durch die Faserbildung in der
Chitinhaut des Lungenskelets täuschen lassen.
Der erste, der diese irrthümliche Auffassung berich-
tigte, war J. Müller, zunächst bei den Skorpionen 2),
dann auch bei den Araneen ^). Derselbe bewies durch
ein eben so nahe liegendes, wie überzeugendes Experiment,
dass es bei unverletzten Lungensäcken unmöglich sei,
durch das Stigma Luft in den inneren Körperraum hin-
einzutreiben, dass dabei vielmehr stets der Luftsack an-
schwelle. Da es ihm übrigens eben so wenig wie seinen
Nachfolgern gelang, auf der Wand der Lungen fächer
die ^Ausbreitung eines Gefässsystems zu entdecken, so
blieb die einzige Vermuthung, dass das von den Lungen-
arterien herbeigeführte Blut sich frei in die Körperhöhle
ergösse und so die Platten umspüle, ohne in besondere
Gefässe eingeschlossen zu sein. Diese Vermuthung hat
durch Untersuchungen französischer Anatomen ihre Be-
stätigung gefunden. Allerdings sind die Beobachtungen
B 1 a n c h a r d's '*), der zwar die vergleichende Anatomie v.
Siebold's citirt, aber mit ihrem Inhalt gar nicht ver-
traut zu sein scheint, aus letzterem Grunde von geringer
Bedeutung für die Beantwortung der uns interessirenden
1) Philosoph, transact. for the year 1843. p. 295 pl. 14.
2) Meckel's Archiv 1828 p. 39, Taf. 2, Fig. 11-13.
3) Isis 1828 p. 709, Taf. 10, Fig. 4—6.
4) Annales d. Sc. nat. 3me serie. 1849 tome XII. p. 316.
Ueber die Respirationsorgane der Araneeii. 227
Frage. Aber so viel lässt sich aus den Injectionsversucben
Blanchard's mit Sicherheit entnehmen, dass sich das
Blut aussen um die Lungenfächer ergiesse. Zu demselben
Resultate führen die von C 1 a p a r e d e i) an lebendigen
Jungen von Lycosa saccata angestellten Beobachtungen.
Uebrigens bemerkt Menge 2) ganz richtig, dass man
weder den x\us- noch Eintritt von Luft wahrnehme, w^enn
man bei lebendigen Thieren den Spalt mit Wasser be-
feuchtet, und eben so wenig eine Bewegung bei Spinnen,
die eine Zeit lang wie todt im Wasser gelegen haben
und sich nun an der Luft allmählich erholen. Aber diese
Umstände rechtfertigen keineswegs die weiterhin von ihm
ausgesprochenen Zweifel an der „angeblichen^ Respira-
tion,^ beweisen vielmehr nur, dass das Einziehen der atmo-
sphärischen Luft und das Ausathmen der Kohlensäure nicht
in periodischen Stössen vor sich gehe. Wenn man nun
die Enge der Lungenfächer bedenkt, so wird man sich
über dieses Verhältniss gar nicht wundern können. Die
sehr kräftigen, an dem verbindenden, Gange (g Fig. 1
und 4) und an dem Rande der Körperhaut angebrachten
Muskeln müssen bei ihrer Zusammenziehung den Lungen-
sack ausdehnen und zugleich eine Erweiterung der zu
den Lungenfächern führenden Spalten herbeiführen. Die
atmosphärische Luft füllt dann den Luftsack und die ein-
zelnen Fächer vollständig an, wobei dann der Austausch
zwischen ihr und der Kohlensäure durch Diffusion Statt
haben mag. Und ganz in derselben Weise wird die Ath-
mung durch die Tracheen vor sich gehen.
Dass somit die vorderen Athmungsorgane keine Kie-
men, sondern eher Lungen, d. h. Organe sind, bei denen
die Vermehrung der athmendcn Fläche auf einer inneren
Einstülpung beruht , kann nun nicht mehr bezweifelt
werden. Im übrigen aber haben sie mit den Lungen
der höheren Thiere nichts mehr gemeinsam, als dass die
athmenden Flächen auf einen geringen Raum zusammen-
1) Memoires d. 1. Societe d. Phys. et d'Hist. nat. de Geneve^
tome XVII, Ire partie. 1863.
2) A. a. 0. pag. 22.
228 Bertkau:
gedrängt sind: weder treten die einzelnen Fächer mit
Ausnahme ihres gemeinsamen Ursprunges aus der Luft-
höhle weiterhin in Kommunikation, noch gicbt es eine
die Gesammtheit der Fächer umgebende gemeinsame Haut,
so dass sich diese als Zellen desselben Sackes auffassen
Hessen. Es wurde daher auch Leuckart nicht schwer,
nachzuweisen, dass die sog. Lungen vollkommen genau
in den Bau der Tracheen hineinpassen, allerdings der
Tracheen, wie sie bei den Araneen üblich sind; nicht in
Gestalt cylindrischer, baumartig verästelter, sondern band-
förmig abgeplatteter Rohren, die des Spiralfadens voll-
ständig entbehren und büschelförmig von einem durch
seine Struktur ausgezeichneten Hauptstamme ausgehen.
In der That lassen sich die einzelnen Theile der Lungen
mit den entsprechenden der Tracheen in vollkommene
Analogie setzen: der als Luftsack bezeichnete Theil ent-
spricht dem Hauptstamme, der ja auch mit einer zarten
Haut dem. Stigma aufsitzt; die einzelnen Fächer sind ein
Analogen der von dem EnJe des Hauptstammes ausge-
henden Röhrchen. Aus diesem Grunde scheint es daher
auch angemessen, den Namen „Lungen'^, der von den
höheren Thieren her eine falsche Vorstellung begünstigt,
mit einem den thatsächlichen Verhältnissen mehr Rech-
nung tragenden zu vertauschen; ich schlage daher für
diese Organe den Namen „Fächertracheen '^ vor, den man
nach den vorhergehenden Auseinandersetzungen gewiss
billigen wird.
Die gew^onnenen Resultate sind nun recht geeignet,
Anhaltspunkte für die Beantwortung einiger systematischen
Fragen zu liefern. Vielleicht wird man eine Berücksich-
tigung der Respirationsorganc bei der Systematik aus
demselben Grunde für unangemessen halten, aus welchem
Duges die Eintheilung der Arachniden in Lungen- und
Tracheenarachniden bemängelte: leur Situation int^rieure
les rend peu propres ä fournir des caracteres zoologiques.
Aber hierauf ist doch zu entgegnen, dass das natürliche
System kein Repertorium für jede dem jedesmaligen
Forscher unbekannte Gattung oder Art, sondern der ge-
naue und übersichtliche Ausdruck unserer zeitweiligen
Ueber die Respirationsorgane der Araneen. 229
Kenntniss vom Gesammtbau der Organismen sein soll.
Deshalb benutzt es auch nicht nur die äusserlich erkenn-
baren, sondern auch die inneren Organisationsverhältnisse,
und keine einzelne, gesonderte Organe ausschliesslich,
sondern immer nur im Zusammenhang mit den übrigen,
so jedoch, dass den wichtigeren Organen auch ein grös-
seres Gewicht bei der Klassifikation eingeräumt wird.
Die Wichtigkeit der Respirationsorgane wird nun wohl
Niemand in Abrede stellen; auch ist mit einer anderen
Ausbildung derselben überdies ja eine Aenderung des
Cirkulationssystems wiegen der Abhängigkeit beider von
einander verbunden ^). Selten aber wird man eine Ver-
schiedenheit der inneren Organe und die Bildung äusser-
lich wahrnehmbarer Theile so Hand in Hand gehen sehen
wie hier. Dazu kommt nun ferner noch eine überein-
stimmende Bildung der Respirationsorgane bei unzweifel-
haft zusammengehörigen Arten, wogegen die Abweichun-
gen innerhalb einer Familie solche Gattungen und Species
treffen, deren systematische Stellung schon aus anderen
Gründen sehr bedenklich geworden ist. Wenige Andeu-
tungen werden genügen, um die Richtigkeit der aufge-
stellten Behauptungen einsehen zu lassen.
Die Mygaliden, welche durch den Besitz von nur
4 Spinnwarzen, durch die eigenthümliche Bildung der
Mandibeln ausgezeichnet sind, besitzen zwei Paar Fächer-
tracheen. Die Attiden, welche in den Federhaarbüscheln
ihrer Klauen, dem ungezähnten Klauenglied der Mandi-
beln, die der Wimperhaare entbehren, dem eckigen Cc-
phalothorax und in ihrem ganzen Habitus und ihrer ganzen
Lebensweise so unverkennbar den Stempel der Familien-
ähnlichkeit aufgedrückt tragen^ dass schon Aristoteles
sie als Springspinnen zusammenfasste, besitzen auch in
1) Blanchard kommt durch eine Vergleichung des Cirkula-
tionssystems bei Epeira und Tegenaria mit dem von Segestria zu dem
Bchluss, dass dasselbe bei den mit Tracheen versehenen Arten auf
einer niedrigeren Stufe steht als bei bloss mit Lungen athmenden
(die einfachen Tracheen am Ende des Hinterleibes waren Blan-
chard noch nicht bekannt).
230 Bertkau:
den wohl entwickelten Tracheen des Hinterleibes ein ge-
meinsames Kennzeichen. Die Drassiden, die in den der
Afterkralle entbehrenden, mit Federhaarbüscheln verse-
henen Klanen ein sie geg^n die anderen Familien deut-
lich abgrenzendes Merkmal besitzen, haben vorn am Hin-
terleib zwei wohl entwickelte Fächertracheen, am Ende
desselben die einfachen Röhrentracheen.
Ich komme nun zu den Abweichungen innerhalb der
Familien. Da sind zunächst die Thomisiden. Von diesen
hatten Thomisus, Xysticus, Artamus und Philodromus
verästelte, Sparassus und Thanatus aber unverästelte
Röhrentracheeu. Nun ist schon das ganze Aussehen
eines lang gestreckten Sparassus oder Thanatus ein ganz
anderes als das eines in die Breite gezogenen Xysticus
etc. Wie ich ferner schon früher ^) gezeigt habe, ist die
Klaue der Oberkiefer bei den ersten Gattungen gezähnt,
bei Thanatus und Sparassus ungezähnt. Ein weiterer
Umstand, der wenig für die Natürlichkeit der Thomlsiden-
Familie in dem bisherigen Umfang spricht, ist die Klauen-
bildung der Füsse. Während Thanatus und Sparassus,
und allerdings auch Philodromus und Artamus in zwei
Federhaarbüscheln Ersatz für den Mangel einer After-
kralle haben, entbehren Thomisus und Xysticus auch der
Federhaarbüschel. Immerhin aber wird man die Ueber-
zeugung gewonnen haben, dass die Unterschiede in der
Tracheenbildung mit anderen zusammenfallen.
In der Familie der sechsäugigen Dysderiden haben
wir hoch entwickelte Tracheen bei den Gattungen Dys-
dera und Segestria, während bei Scytodes die gewöhn-
liche Spalte am Hinterleibsende zu vier einfachen Röh-
rentracheen führt. Ich brauche hier nur auf meine früher 2)
ausgesprochenen Zweifel hinzuweisen, um sofort den nö-
thigen Schluss ziehen zu lassen. Ferner sind schön ent-
wickelte Tracheen bei Dictyna und einem Theil der
Arten von Micryphantes vorhanden. Von der ersten
Gattung sagt O h l ert 3) : „Durch die Bildung der After-
1) Dieses Archiv XXXVI. Jahrg. 1. Bd., 1870, pag. 112u. 115.
2) A. a. 0. pag. 105 u. 114.
3) Verh.dcsZool.-bot. Vereins in Wien, Bd. IV, Jahrg. 1854, p. 241.
Ueber die Respirationsorganc der Aiaiieen. 231
kralle weicht Dietyna so weit von allen Theridides ab,
dass sie kaum unter ihnen bleiben kann, und richtiger
zu den Agelenides gestellt würde. Jedenfalls würde sie
den Uebergang zu den letzteren bilden." Auch besitzt
Dietyna den Basalfleck am Oberkiefer, der sonst bei den
Theridides nicht vorkommt. Die schon vielfach ange-
fochtene Gattung j\?icryphantcs Koch, die auf den sub-
tilen Unterschied in der Augenstellung begründet ist, ist
in ihrem von Koch angewandten Umfange ganz unna-
türlich. (S. die Auseinandersetzungen Ohlert's a. a. O.
pag. 241 u. 242.) Von besonderer Bedeutung für unsere
Frage ist es ohne Zweifel, dass Erigone und Micryphan-
tes (mit Ausnahme von M. flavomaculatus), deren Unter-
scheidung von den übrigen Theridides bisher auf sehr
unbestimmten und schwankenden Kennzeichen beruhte,
durch den Mangel der Tasterkralle sich scharf und be-
stimmt von allen anderen Theridides absondern.
Die angestellten Betrachtungen werden keinen Zweifel
darüber gelassen haben, dass diese Familien von den
ihnen beigemischten fremden Elementen gereinigt werden
müssen, für die die Aufstellung neuer Familien noth-
wendig geworden ist. Sparassus und Thanatus (wahr-
scheinlich auch Micrommata, die ich nicht habe untersu-
chen können) würden dann eine den Uebergang von
den Thoraisiden zu den Lycosiden vermittelnde Familie
bilden. Scytodes würde vorläufig, bis genauere Unter-
suchungen über amerikanische Gattungen (Nops u. a.)
vorliegen, als einziger Repräsentant einer Familie da-
stehen, während ein eingehenderes Studium der Gattungen
Dietyna, Erigone und namentlich Micryphantes im Koch'-
schen Öinne die Grenzen der für diese Gattungen zu er-
richtenden Familie zu bestimmen hätte. Ob sich etwa
die merkwürdige Argyroneta aquatica dieser Familie ein-
reihen liesse, bleibt ebenfalls noch eine offene Frage.
Diese Familien, nach ihren Hauptvertretern benannt,
würden etwa durch folgende Merkmale charakterisirt sein.
Farn. Scytodtdes. 6 Augen. Afterkralle fehlt;
keine Federhaarbüschel. Mandibeln klein ; kein Basalfleck,
232 Bertkau:
keine Wimperhaare ; die Klaue aus breiter Basis plötzlich
verschmälert und ungezähnt. Zwei Fächertracheen vorne,
4 einfache Röhrentracheen am Ende des Hinterleibes.
1. Gattung : Scytodes.
Farn. Micrypha7i tides. 8 Augen; Afterkralle vor-
handen und gezähnt ; r^ ohne, $ mi| oder ohne Taster-
kralle. Mandibeln mit Basalfleck, ohne Wimperhaare;
Falzrand mit Zähnen ; Kralle gezähnt. Vorne am Hinter-
leib zwei schwach entwickelte Fächertracheen ; vor den
Spinnwarzen eine breite Spalte, die zu einem wohl ent-
wickelten Tracheensystem führt, bestehend aus platt ge-
drücktem Hauptstamm mit Verdickungsleisten und von
diesem ausgehenden cylindrischen Röhrchen.
Vorläufige Gattungen: Dictyna, Erigone, Micry-
phantes.
Fam. Sparassides. 8 Augen. Afterkralle fehlt,
statt derselben zwei Federhaarbüschel, d^ ohne, $ mit
Tasterkralle; Mandibeln mit Basalfleck, Kralle schwach
gezähnt. Vorn am Hinterleib ein Paar Blättertracheen ;
am Ende vier unverästelte Röhrentracheen. Gattungen:
Thanatus, Sparassus (Micrommata ?). Die Berechtigung
dieser Familie dürfte vielleicht wegen des durch Arta-
mus und Philodromus von Thomisus und Xysticus ver-
mittelten Ueberganges am ehesten in Zweifel gezogen
werden.
Mit Annahme dieser Familien würde sich dann
eine übersichtliche Anordnung der Arachniden nach der
Verschiedenheit ihrer Athmungsorgane folgendermaassen
gestalten.
2 PaarFächertracheen: Mygalides (Tetrapneu-
mones).
1 Paar Fächertracheen, 1 Paar büscheliger
Röhrentracheen mit getrennten Stigmen: Dysderi-
des und Argyroneta.
1 Paar Fächer trachoen, 1 Paar büscheliger
Röhrentracheen mit gemeinsamer Oeffnung: Mi-
cryphantides und Attides.
Heber die Respirationsorgane der Araneen. 233
iPaar Fächertracheen; 1 Paar baumartig
vcrästclter Röhrentracheen mit gemeinsamer Mün-
dung: Thomisides.
1 Paar Fä c hertr ac he en, vi er einfach e Röh-
re n mit gemeinsamer Oeffnung : Scytodides, Drassides,
Agelenides (mit Ausschluss von Argyroneta), Epeirides,
Theridides (grossentheils), Sparassides, Lycosides.
Erklärung der Abbildungen.
Tafel VIT.
Fig. 1. Fächertracheen von Zilla calophylla. s Stigma, f Grund,
c Spitze, b Fächer des Luftsackes, g Verbindender Gang
zwischen den beiderseitigen Organen, m Ansatzstellen der
Muskeln.
» 2. Einzelne Fächer, stärker vergrössert.
i> 3. Haar auf der Haut des Abdomens über den Fächertra-
cheen von Oletera picea.
» 4. Fächertracheen von Xysticus viaticus. Die Buchstaben
haben dieselbe Bedeutung wie in Fig. 1.
» 5. Kopf des Cephalothoraxstammes der Röhrentracheen von
Dysdera erythrina.
» 6. Rechte Röhrentracheen von Segestria Bavarica. a Abdo-
minal-, b Cephalothoraxstamra.
» 7. Röhrentracheen von Dictyna benigna. r Yerdickungsleiste
des Randes der Lufthöhle.
T> 8. Stück eines Hauptstammes von Dictyna, stärker vergrössert.
B 9. Röhrentracheen von Micryphantes rubripes.
»10. » » » Dendryphantes muscosus.
»11. » » D Thomisus calycinus.
» 12. j) » B Melanophora subterranea.
» 13. » D j> Zilla, calophylla.
Die Buchstaben a und b in einer Fig. 6 entsprechenden Be-
deutung; r wie in Fig. 7.
Beobachtungen über mehrere Parasiten.
Von
Di\ 0. BütscUi
in Frankfurt a. M.
(Hierzu Taf. VIII u. IX.)
1. Der Verbindung skanal des Hoden und der
weiblichen Organe bei Distomum endo-
lobum, Duj.
(Siehe Taf. VIll Fig. VllL)
Im 1. Heft des Jahrgangs 1871 des Archivs für
Anat. u. Physiologie theilt Stieda Beobachtungen über
Amphistomum conicum mit, welche die bis jetzt allge-
mein adoptirte Ansicht, dass bei vielen Trematoden ein
Kanal existire, der die männlichen mit den weiblichen
Organen in directe Verbindung setze, so dass eine innere
Selbstbefruchtung möglich sei, wenigstens für diesen Tre-
matoden widerlegen und es sehr wahrscheinlich machen,
dass bei Distomum hepaticum sich ein Gleiches finde.
Es wird dann weiter nachgewiesen, dass dieser Verbin-
dungskanal beider Geschlechtsdrüsen, der nach seinem
ersten Entdecker als Laurer'scher Kanal bezeichnet
wird, auf der Rückenfläche des Amphistomum frei aus-
mündet und dass er in Wirklichkeit die Vagina dieses
Saugwurms sei. Da dieses Verhalten, wenn es sich be-
wahrheitet und eine allgemeine Verbreitung unter den
Trematoden besitzt, unsere seitherigen Vorstellungen über
die Begattung und die Beschaffenheit der Geschlechts-
Bütschli: Beobachtungen über mehrere Parasiten. 235
Organe bei diesen Würmern gründlich umgestalten würde,
so halte ich es für nicht überflüssig, hier eine, wenn
auch nur kleine, diesen Gegenstand besprechende Unter-
suchung mitzutheilen, die ich im Laufe des vergangenen
August anzustellen Gelegenheit hatte.
Die von mir an Distomum endolobum gemachte Be-
obachtung beschränkt sich im Wesentlichen auf den Nach-
w^eis des von Stieda beschriebenen Kanals bei diesem
Trematoden, wn'e denn nicht nur die allgemeinen Lage-
verhältnisse dieses Kanals, sondern auch die Anordnung
der gesammten w^eiblichen Geschlechtsorgane sehr viel
AehnHchkeit mit den von Stieda bei Amphistomum ge-
schilderten Verhältnissen besitzen. Ohne mich auf eine
weitläufigere Beschreibung einzulassen, vorweise ich auf
die dieser kurzen Notiz beigegebene Abbildung, die die
Vereinigungsstelle der 4 Kanäle, des Laurer'schen Kanals
(1), des aus dem Ovarium kommenden Kanals (ok), des
Dottergangs (d) und des Eileiters oder Uterus, wenn
man so will (ovd), darstellt ; diese 4 Kanäle stossen nicht
unmittelbar in einem Punkt zusammen, sondern es findet
wohl eine Vereinigung des Laurer'schen Kanals mit dem,
aus dem Ovarium kommenden kurzen Kanal statt, von
deren Vereinigungsstelle führt dann ein kurzer Kanal
nach der Verbindungsstelle des Dottergangs mit dem
Eileiter.
Was ich über die nähere Beschaffenheit des sog.
Laurer'schen Kanals sagen kann, ist nur weniges; von
seiner Verbindungsstelle mit dem Ausführungsgang des
Ovariums aus läuft er ziemlich direct, nur eine Ausbiegung
nach hinten machend, quer durch den Körper des Thieres
nach der Rückenfläche und mündet hier in der Mittellinie,
soweit ich mich erinnere, ungefähr in der Höhe der ge-
genüberliegenden Geschlechtsöffnungen auf der Bauch-
seite, in der Oeffnung (m) aus. Der Kanal ist von
einer vcrhältnissmässig recht starken Ringmuskulatur um-
kleidet und war mit sehr beweglichen Spermatozoon
deutlichst gefüllt; Spermatozoon fanden sich jedoch auch
im Ausführungsgang des Ovariums und im obern Ende
des Eileiters.
236 Bütschli:
Aus dieser kurzen Mittheilung geht hervor, dass
die von Stieda bei Amphistomum beschriebenen Ver-
hältnisse auch noch anderwärts bei den Trematoden vor-
kommen und dass sie demnach wahrscheinlich noch eine
weitere Verbreitung besitzen werden.
Lage und Beschaffenheit dieses Laurer'schen Kanals
scheinen mir auch bei diesem Distomum für die Stieda'-
sche Deutung desselben als Scheide zu sprechen.
2. lieber das Männchen des Trichosomum
crassicauda Bellingh.
(Siehe Taf. VIII Fig. I— VII.)
Durch Leuckart wurde zuerst auf der Naturfor-
scherversammlung in Frankfurt a. M. 1867 ^) das eigen-
thümliche Verhältniss bekannt, in welchem sich das reife
Männchen des Trichosomum crassicauda zu seinem Weib-
chen befindet; er wies nach, dass die schon einige Jahre
früher von Walter ^) zum ersten Male gesehenen kleinen
Würmer, die sich im Uterus (nach Walter irrthümlich
in der Leibeshöhle) finden, die erwachsenen geschlechts-
reifen Männchen dieses Trichosomum seien. Diese Be-
obachtung Leuckart's findet sich nur in Form einer
kurzen Notiz, die jedoch sämmtliche hier einschlägigen
Verhältnisse mit völliger Genauigkeit angibt, in dem
Tagblatt der erwähnten Naturforscherversammlung, dem
Leuckart'schen Jahresbericht für die Jahre 1866 und 67
und dem bekannten Parasitenwerk dieses Forschers. Ei-
genthümlicher Weise hatte Herr Dr. A. Schmidt in
Frankfurt a. M. mehrere Male neben den weiblichen
Thieren in der Harnblase der Ratte auch grosse männ-
liche Thiere gefunden und die hierdurch eventuell noch
möglichen Zweifel an der Richtigkeit der Leuckart'schen
Untersuchungen, ausserdem das hohe Interesse und die
Neugierde, die ein so exceptioneller Fall wie der Para-
sitismus des Männchens in dem Weibchen, denn mit an-
1) Tagblätter der Frankfurter Versammlung 1867. S. 55.
2) Walter, 5. Bericht des Offenbacher Vereins für Natur-
kunde 1864. S. 76—77.
Beobachtungen über mehrere Parasiten. 237
dem Worten lässt sich dieses Vorkommen doch eigcnth'ch
nicht bezeichnen, in mir erregten, bestimmten mich diese
Erscheinungen noch einmal zu prüfen und durch einige
Abbildungen zu erläutern. Diese Untersuchungen liessen
mich zu meiner grossen Genugthuung die Angaben meines
verehrten Lehrers in allen Punkten bestätigen, wie im
Verlauf dieser Mittheilung sich genügend ergeben wird.
Die von mir gesehenen Weibchen, deren Uterus
mit Eiern ganz erfüllt war, erreichten nie mehr als 17 Mm.
Länge und die in ihnen gefundenen Männchen hatten als
Maximum eine Länge von 2,5 Mm. Leuckart fand bis
zu 5 Männchen in dem Uterus eines Weibchens, ich fand
deren einmal 4, gewöhnlich jedoch nur 2 bis 3, meistens
sah ich diese Männchen mit dem spitzeren Kopfende
nach dem Hinterende des Weibchens schauend im Uterus
liegen, jedoch bemerkte ich auch Ausnahmen von dieser
Regel; jedenfalls geschieht die Einwanderung der Männchen
durch die Vagina in den Uterus mit dem Kopfende vor-
an, wodurch sich die eben erwähnte Lagerung der Männ-
chen im Uterus erklärt, denn ein Umwenden möchte ihnen
bei der verhältnissmässig geringen Breite des Uterus
schwer fallen.
Betrachten wir nun den anatomischen Bau des Männ-
chens etwas näher; der Bau des Darmkanals entspricht
vollständig den für die Trichotracheliden characteristi-
schen Verhältnissen, an den verhältnissmässig kurzen
muskulösen Thcil des Oesophagus schliesst sich ein langer
Zellkörper, der bei dem Männchen regelmässiger gebaut
ist, als bei dem V/eibchen, jede Zelle mit deutlichem
Kern. An diesen Oesophagus, der wohl nicht viel we-
niger als die Hälfte der Körperlänge erreicht, schliesst
sich der Darm, dessen Vorderende etwas aufgetrieben
ist, sich jedoch nicht mit seiner breiten Fläche dem Zell-
körper direct anlegt, sondern mittels eines schmalen fa-
denartigen Theils, in dem die Chitinröhre des Oesophagus
zur Darmintima läuft. Das Epithel des Darms ist deut-
lich, enthält ziemlich grosse Kerne und eine beträchtliche
Menge feiner Körnchen, die den dadurch verdunkelten
Darm von den neben ihm verlaufenden Hoden und Samen-
238 Bütschli:
leiter unterscheiden. Ein beträchtliches Stück vor dem
Hinterende des Thieres vereinigt sich der Darm mit dem
Samenleiter zur Geschlechtskloake ; von einem besonderen
Abschnitt, der als Rectum sich deuten Hesse, habe ich
nichts bemerkt.
Die männlichen Geschlechtsorgane bestehen aus
einem Hoden und einem Samenleiter, die beide die Lei-
beshöhle von dem vordem Ende der Geschlechtskloake
bis zu dem Hinterende des Zellenkörpers fast vollständig
durchlaufen. Das blinde Ende des Hodens liegt da, wo
sich der Samenleiter und Darm zur Geschlechtskloake ver-
einigen (Taf. Vni Fig. II) und scheint in einen sich
mehr und mehr verfeinernden Faden auszulaufen. Bis
in dieses blinde Ende des Elodens hinein verfolgte ich
deutlich die gekernten Zellen, die den Inhalt des Hoden-
schlauchs bilden. Der feinere Bau des Hodens entspricht
dem, was über den Hoden der Trichosomen und Tricho-
cephalen bis jetzt überhaupt ermittelt ist; die Keimzellen
der Spermatozoen, ich sehe hier wie auch im Ovarium
überall nur deutliche Zellen, liegen der Wand des Ho-
dens an, so dass sie in demselben einen weiten Hohlraum
frei lassen (s. Fig. IV); es scheint mir diese Zellenlage
wenigstens an vielen Stellen nicht ein-, sondern mehr-
schichtig zu sein, was Leuckart auch vom Hoden des
Trichocephalus dispar erwähnt *). Wie sich aus diesen
Keimzellen die Spermatozoen hervorbilden, habe ich nicht
verfolgt, hierzu eignet sich begreiflicher Weise dieses
Objeet auch nur wenig ; hingegen fand ich deutlich schon
an dem Hoden selbst ein der Membrana propria dicht
anliegendes Epithel, das sich zwar nur durch seine, bei
Zusatz verdünnter Essigsäure als dunkle Strichelchen er-
scheinende Kerne erkennen lässt. Ob sich dieses Epithel
über den gesaramten Hodenschlauch bis an sein blindes
Ende verfolgen lässt, habe ich nicht festgestellt.
Etwa hinter dem Anfang des Darmes biegt sich
der Hoden in den Samenleiter über, oder es ist vielmehr
der Samenleiter, welchem die Biegung angehört und der
1) Leuckart, Die menschlichen Parasiten. Bd. II. S. 480.
Beobachtungen über mehrere Parasiten. 239
sich eine kurze Strecke nach der Umbiegimg mit dem
Hoden vereinigt. Das Epithel des Hodenschlauchs setzt
sich in d^s des Samenleiters fort, erscheint an diesem
nur deutlicher und lässt jetzt auch ein deutliches Proto-
plasma um die Kerne erkennen (Fig. III). Bei reifen
Männchen sah ich den Samenleiter strotzend mit Sper-
matozoen gefüllt, die sich an ihrem dunkeln, scharf her-
vortretenden Kernkörperchen leicht erkennen lassen; im
Samenleiter platten sie sich gegenseitig zu polygonalen
Körpern ab, entleert haben sie hingegen eine ovale, manch-
mal jedoch auch mit einem Schwänzchen versehene Ge-
stalt; um das Kernkörperchen sieht man einen hellen Hof,
ohne Zweifel der Kern (Flg. V). Die Geschlechtskloake
läuft als ein gleichmässig w^eiter mit zelligen Wänden
versehener Schlauch zum abgerundeten Hinterende, wo
sie durch eine anscheinend sehr feine Oeffnung ausmündet,
ßegattungsorgane sind, wie schon L euckart hervorhebt,
bei der Lebensweise des Männchens höchst unnöthig, sie
sind denn auch ausgefallen.
Das Integument des männlichen Thieres zeigt wie
das des Weibchens eine feine Ringelung und ebenso
finden sich wie beim Weibchen breite Längslinien, ja
noch viel breitere * als bei diesem. Ich habe die Lage
dieser breiten Längsfelder (Fig. VI) nicht genau feststellen
können, nach der Analogie mit dem weiblichen Bau sind
es jedoch Seitenfelder, die hier eine so grosse Ausdehnung
in der Quere erlangen, dass die Muskelfelder als verhält-
nissmässig schmale Bänder erscheinen, in welchen ich
eine Reihe hinter einander stehender kleiner kernartiger
Gebilde gesehen habe. Von Muskelzellen konnte ich bei
dem Männchen nichts wahrnehmen, die Muskelfelder
zeigen eine einfache fibrilläre Längsstreifung. Die Sei-
tenfelder sind wie bei dem Weibchen aus einer grossen
Zahl kleiner Kernzellen gebildet (Fig. VI). Dies ist Alles
was ich bis jstzt über das Männchen dieses interessanten
Wurms ermitteln konnte und ich habe hier nur noch
einer Beobachtung zu gedenken,, die schon Leuckart
als entscheidend für die Beurtheilung der geschlechtlichen
Bedeutung dieser männlichen Thiere hervorhebt, nämlich
240 Bütschli:
die, dass Weibchen; welche durch Zufall von einer Ein-
wanderung dieser Zwergmännchen verschont blieben, zwar
Eier ausbilden, dass diese Eier jedoch nicht zur Entwicke-
lung gelangen. Auch ich habe diese Beobachtung ge-
macht, jedoch fand ich, dass die Eier ihre Furchung ur-
sprünglich ganz regelmässig begannen, bis zum Stadium
des maulbeerförmigen Dotters sich entwickelten, worauf
aber der weitere Fortschritt sistirte und der Dotter in
eine fettartige Masse zerfiel. Die Schalenbildung war
während dieser Zeit anscheinend ganz regelmässig ver-
laufen.
An diese Betrachtung der Männchen von Tricho-
somum crassicauda will ich einige Bemerkungen über
das Weibchen anfügen. Um den muskulösen Theil des
Oesophagus kann ich deutlich einen Nervenring von fase-
riger Beschaffenheit wahrnehmen. In Betreff der Mus-
kulatur muss ich mich der von Leuckart über die
Muskulatur des Trichocephalus dispar geäusserten Ansicht
anschllessen, wie Leuckart Trichocephalus so kann ich
dieses Trichosomum für keinen Holomyarier halten, son-
dern ich finde hier eine Zusammensetzung jedes Muskel-
feldes aus zahlreichen langgestreckten, spindelförmigen
bis faserartigen Muskel-Zellen, in wekhen ich zwar von
Kernen nichts wahrgenommen habe, die ich jedoch in
der Flächenansicht deutlichst verfolgen kann. Eberth^)
hat uns mit der eigenthümlichen Beschaffenheit der Sei-
tenfelder unseres Wurmes bekannt gemacht; es finden
sich nämlich in dem Vordertheil des Körpers, jedoch
deutlich erst ungefähr an der Vagina beginnend, kegel-
förmige bis halbkugelige Erhebungen des Integuments
über den Zellen der Seitenlinien, wie ich jedoch glaube
nicht über allen. Diese Erhebungen sollen nachEberth
mit einem centralen Grübchen verbunden sein. Ich möchte
es jedoch für wahrscheinlich halten, dass nicht Grübchen
sondern Oeffnungen in der Haut vorliegen, was ich daraus
zu folgern glauben darf, dass bei Ausübung einigen Druckes
auf das Thier aus diesen vermeintlichen Grübchen eine
1) Eberth. Untersuchungen über Nematoden S. 61.
Beobaehtuügen üfcer metrere Parasiten. 24l
secretarlige helle Masse hervortritt, während sonst an
keiner Stelle sich etwas Aehnliches zeigt. Wahrschein-
lich liegen demnach hier einzellige Drüsen vor, die ihr
Secret durch die OefFnungen auf der Höhe der kegel-
förmigen Erhebungen ergiessen (s. Fig. III). üebrigens
finde ich diese kegelförmigen Erhebungen in allen mög-
lichen Abstufungen in Bezug auf die Höhe der Erhebung,
bis schliesslich die Oeffnung oder Eberth's Grübchen in
der Ebene des Integuments liegt, von der früheren Erhe-
bung sich keine Spur mehr wahrnehmen lässt. Das Ova-
rium läuft fast bis zum Hinterende des Thieres, überall
ziemlich gleich breit, an das anscheinend stumpf abge-
rundete Hinterende desselben schliesst sich jedoch noch
ein kurzes nach vorn gerichtetes zipfelförmiges Stück an.
Wie schon Eberth ^) erwähnt, besitzt das Ovarium bis
zu seinem blinden Ende ein sehr deutliches Epithel. Als
Keime der Eier habe ich nur deutliche Zellen gesehen,
die das ganze Ovarium zu erfüllen schienen, nicht nur,
wie nach Analogie mit den übrigen Trichotracheliden
zu erwarten wäre, auf der Rückenseite des Ovars liegen.
Einzelne ohne Regelmässigkeit vertheilte Keimzellen ent-
wickeln sich durch Vergrösserung und Bildung zahlreicher
Dotterkörnchen zu den Eiern.
3. Einige Beobachtungen über den Dispharagus denu-
tatus Duj. des Leuciscus erythrophtalmus.
(Siehe Taf. VIII Fig. IX-XI.)
Dieser von Dujardin^) entdeckte Nematode findet
sich in den genannten Weissfischen des Mains recht häufig
und seine Untersuchung hat mir einige Ergebnisse ge-
liefert, die nicht ohne alles Interesse scheinen. Man be-
gegnet den Weibchen dieses Nematoden im Dünndarm
des Weissfisches viel häufiger als dem Männchen, von
dem ich nur ein Exemplar zur Untersuchung hatte
und über das ich daher auch nicht viel mehr als die
1) Eberth, a. a. 0. S. 53.
2) Dujardin, Histoire naturelle des helminthes p. 69, Taf. 3,
Fig. 9.
Archiv f. Naturg;. XXXVIII. Jahrg. 1. Bd. 16
242 Bütschli:
Stellung der Schwanzpapillen mitzutheilen vermag. Be-
kanntlich zeiclinet sicli die Dujardin'sche Gattung Dis-
pharagus dadurch aus, dass der Oesophagus aus zwei
Abschnitten besteht, der vordere, helle und schmale ist
muskulös, an ihn schliesst sich der hintere körnige breitere
Abschnitt, der bei unserm Thier keine Spur von Muskeln
zeigt und dessen eigenthümlichen Bau wir sogleich näher
betrachten werden. Der muskulöse Abschnitt des Oeso-
phagus besteht selbst wieder aus zwei in ihrer Dicke et-
was verschiedenen Theilen ; einem dünneren und kürzeren
vorderen Abschnitt und einem hinteren dickeren und
längeren Theil. Der erstgenannte Theil besitzt ein weiteres
Lumen als der letztere. Der hintere körnige Abschnitt des
Oesophagus ist ein Repräsentant des sog. Drüsenmagens
mehrerer Nematoden und wohl auch dem Zellkörper der
Trichotracheliden vergleichbar. Inder Mittellinie wird dieser
Theil des Oesophagus von einer zarten Chitinröhre durch-
zogen und zeigt in grösserer oder geringerer Deutlichkeit
eine Art Querstreifung, die eine Zeichnung hervorruft, als
wenn derselbe aus einem Cjlinderepithel zusammengesetzt
wäre. Nähere Untersuchung lässt jedoch nichts von Zellen
erkennen; es war mir durch kein Mittel möglich einen
Kern in diesem Abschnitt des Oesophagus zur Ansicht
zu bringen und bei Anwendung von Druck überzeugt
man sich nicht schwer, dass die gesammte Körnermasse
dieses Abschnitts sehr leicht verschiebbar ist, sie fliesst
so ungehindert durch denselben hin, dass von einer Zell-
gränze keine Rede sein kann. Die feine Körnermasse
ist nicht gleichmässig in diesem Theil des Oesophagus
verbreitet, an seinen äussern Rändern läuft ein schmaler
heller Streif, der manchmal und namentlich im vordem
Theil des körnigen Oesophagus gegen den Innern dun-
keln Theil in einer recht scharfen Linie abgesetzt ist.
Vielleicht hängt dies mit einer sogleich zu erwähnenden
Eigenthümlichkeit dieses Oesophagusabschnitts zusammen.
Wenn derselbe nämlich stark gepresst wird, so sieht man
an den Rändern in den Medianlinien hin ein feines ge-
fässartiges Gebilde hinlaufen, weniger sicher bin ich dar-
über, ob solche Gefässe auch in den lateralen Theilen
Beobachtungen über mehrere Parasiten. 243
des körnigen Oesophagus sich finden, jedoch habe ich
Bilder gesehen, die sich so deuten Hessen. Wie diese
gefässartigen Bildungen sich im vordem und hintern
Theil des körnigen Oesophagus verhalten, ist mir nicht
zu ermitteln gelungen. Derartige Kanäle im Oesophagus
sind bekannt von Eustrongylus gigas, wo sie in der Drei-
zahl im vordem Ende beginnen, sich in ihrem Verlauf
nach hinten mehrfach theilen, so dass schliesslich 6 — 10
derselben auf einem Querschnitt stehen ^). Der vor-
dere muskulöse Theil des Oesophagus senkt sich, sich all-
raählig verschmächtigend, eine Strecke weit in den kör-
nigen Theil hinein (s. Fig. X).
Um den hinteren, dickeren Abschnitt des muskulösen
Oesophagus findet sich nun ein reich entwickeltes Cen-
tralnervensystem, wenn man, was ich übrigens sehr be-
zweifle, die Gesammtheit der in dieser Gegend den Oeso-
phagus umhüllenden Zellen mit diesem Namen belegen darf.
Nach hinten erstreckt sich dieser Zellenbeleg eine kleine
Strecke über den Porus des Gefässsystems hinaus und
scheint sich hier mit den Längslinien in Verbindung zu
setzen; etwas vor der Mitte dieser zelligen Scheide findet
sich der sog. Nervenring, ein deutlich fasriges, ziemlich
breites Band, das von der Bauchseite nach dem Rücken
etwas schief nach vom aufsteigend auf eine Verdickung
der zelligen Scheide auf der Rückenseite des Oesophagus
zuläuft, in welcher ich auch deutliche Zellen beobachtet
habe (Fig. X g). Von der hinteren Grenze dieser Ver-
dickung entspringt ein fadenartiges Gebilde, das nach
der Medianlinie des Rückens läuft und sich in dieser,
indem es sich vorher gabelt, verliert. Ob dieses Gebilde
wirklich ein oder mehrere Nervenfasern repräsentirt oder
ob hier nur eine der die Leibeshöhle vieler Nematoden
so reichlich durchziehenden bindegewebartigen Fasern
vorliegt, vermag ich nicht zu entscheiden; ähnliche von
dem Nervenring ausgehende Fasern habe ich bei freile-
benden Nematoden der Gattung Dorylaimus Duj. häufig
beobachtet und werde hierauf in einer spätem Abhand-
1) S. Schneider, Monographie der Nematoden, p. 193.
244 Bütschli:
lung über die freilebenden Nematoden der Gegend von
Frankfurt a. M. ausführlicher zurückkommen. Die grosse
Menge von Zellen, die den Oesophagus vor und hinter
dem Nervenring scheidenartig umhüllen, können meiner
Ansicht nach nur theilweise dem Centralnervensystem
zugerechnet werden, wahrscheinlich finden sich darunter
auch solche, die mehr eine drüsenzellenartige Beschaflfen-
heit haben und die vielleicht mit dem Gefässsystem in
näherer Verbindung stehen, auch hierüber muss ich auf
die spätere ausführliche Besprechung dieses Gegenstands
verweisen. Ohne Zweifel finden wir jedoch auch bei un-
serm Dispharagus Zellen, die sich in nähere Verbindung
mit dem Gefässsystem setzen, ich meine nämlich das
beutelartige Gebilde (Fig. X b), das eine Anzahl Kerne
einschliesst und das von der erweiterten, vielleicht als
Ampulle zu deutenden Stelle des Gefässsystems nach
hinten gleichsam herabhängt; nach hinten zu setzt es
sich seitlich mit den Seitenlinien in Verbindung und vor
ihm bemerkt man noch kleinere, ebenfalls Kerne ein-
schliessende ähnliche Massen.
Wir haben soeben Gelegenheit gehabt der Seiten-
linien zu erwähnen, dieselben stellen körnige, nicht sehr
breite Felder dar, in welchen man an den Rändern je
eine Reihe kleiner Kerne herablaufen sieht, während in
der Mittellinie sich eine Reihe in weiteren Abständen
stehender grössere ovaler Kerne findet, sie besitzen dem-
nach dieselbe Structur, wie ich sie schon früher von ge-
wissen Oxyuriden zu schildern Gelegenheit hatte ^). Durch
die Mitte der Seitenfelder verlaufen die geschlängelten,
nicht sehr breiten Gefässe, die durch den schon erwähn-
ten Porus (P) auf der Bauchseite ausmünden; ob auch
noch vor dem Porus in den Seitenlinien ein Ast des Ge-
fässsystems aufsteigt^ vermag ich nicht zu sagen.
In Betreif der weiblichen Geschlechtsorgane habe
ich nicht besonders viel zu bemerken, dieselben sind
zweitheilig entwickelt, ein Zweig läuft nach vorn, der
andere nach hinten, beide aus einer stark muskulösen
1) Zeitschrift f. w. Zoologie Bd. XXI S. 272.
Beobachtungen über mehrere Parasiten. 245
nach hinten laufenden Vagina entspringend. Es findet
sich im Verlaufe jeder weiblichen Geschlechtsröhre ein
ziemlich langer Uterus, eine Tuba mit Samenblase und
schliesslich das Ovar; das blinde Ende des letzteren, das
mit deutlichen Kernzellen erfüllt ist, besitzt eine Eigen-
thümlichkeit darin, dass die sich gewöhnlich im blinden
Ende des Ovar's findende sog. Terminalzelle hier sehr
stark entwickelt ist und sich von dem übrigen Ovarium
durch eine Einschnürung absetzt (s. Taf. VIII Fig. IXj. Die
Kerne eines das Ovarium auskleidenden Epithels verfolgt
man bis fast in das blinde Ende desselben (Fig. IX k).
Von einer Rhachis sah ich nichts, auch nehmen die Eier
im untern Ende des Ovar's hier nicht die von vielen
Nematoden bekannte geldroUenartige Lagerung ein, son-
dern liegen immer zu mehreren neben einander, indem
sie sich gegenseitig polyedrisch begrenzen. Ausgezeich-
net sind die Eier durch die ungemein geringe Entwicke-
lung die in ihnen die Dotterkörnchen finden, der Dotter
bleibt daher stets hell und durchsichtig und es eignet sich
diese Species daher wohl recht gut zu Untersuchungen der
Entwickelung. Das Hinterende des Weibchens verschmälert
sich vom After ab nur wenig und endet ziemlich stumpf
abgerundet, welche Rundung jedoch noch ein kurzes ke-
gelförmiges Spitzchen trägt. Das obere Ende des ziem-
lich langen Rectum's ist durch Faserzüge mit den Seiten-
linien verknüpft und von drei einzelligen Drüsen umge-
ben. Die Muskulatur ist die eines Polymyarier's, die ein-
zelnen spindelförmigen Muskelzellen zeichnen sich häufig
dadurch aus, dass sie sich in ziemlich regelmässig auf-
einanderfolgenden Abständen quer falten und so ein
höchst eigenthümliches Aussehen der Muskulatur hervor-
rufen.
Von dem Hinterende des Männchens hat Duj ardin
schon eine, bis auf die Zahl der Papillen recht gute Abbil-
dung gegeben *), ich finde vor dem After in nach vorn
sich allmählig vergrössernden Abständen 9 Paar ziemlich
stark vorstehender , hinter dem After hingegen 5 Paar
1) Dujardin, a. a. 0. PI. gl.
246 Bütschli:
allmählich sich verflachender Papillen. Diese Papillen
besitzen eine faserig körnige Pulpa, durch die ich bei
einigen sehr deutlich einen hellen etwas geschlängelten
Faden verfolgen konnte, der sich in dem vordem Theil
der Pulpa mit einem kernartigen Gebilde in Verbindung
zu setzen schien (s. Fig. XT.). Denselben Faden konnte
ich noch ein Stück weit vor seinem Eintritt in die Pa-
pille verfolgen.
Die Spermatozoon sind sehr kleine, unregelmässige
bis viereckige Körperchen, von dunkelm, glänzendem
Aussehen mit hellem, verhältnissmässig grossem Kern
und einem oder mehreren dunkeln Kernkörperchen.
4, Parasitische Pflanze aus dem Magen von
Asellus aquaticus.
(S. Taf. IX Fig. I-II.)
Hauptsächlich durch die Bemühungen von J. Ley-
d y ') wurden wir mit einer ziemlichen Anzahl den Darm
von Insekten und Myriopoden bewohnender, pflanzlicher
Organismen bekannt, die wohl sämmtlich ziemlich nahe
verwandte Pilzarten darstellen, über deren Lebensge-
schichte jedoch bis jetzt nur sehr mangelhafte Beobach-
tungen vorliegen.
Bei der Untersuchung der Asellus aquaticus im
Frühling des vergangenen Jahres fand ich den vorderen
Theil des sog. Chylusdarmes bei vielen der untersuchten
Thiere mit einer dichten Masse algenartig erscheinender
Fäden angefüllt, die sich jedoch bei der Oeffnung des
Darmes und der Entwirrung der verflochtenen Masse als/
nur verhältnissmässig wenig Individuen einer pilzartigen
Pflanze angehörig erwiesen. Ein solches Individuum
habe ich in seiner ganzen Ausdehnung, d. h. soweit nicht
schon einzelne Stücke von den Fäden abgerissen waren,
was sehr leicht geschieht, auf Taf. IX Fig. 1 abgebildet.
Wir sehen auf dieser Abbildung deutlich, wie die ge-
1) Leidy, A flora and fauna within living animals. Smith.
Contrib. to Knowledge. V. 5. S. 17.
Beobachtungen über mehrere Parasiten. 247
sammte reiche Verästelung der aus langgestreckten Glie-
derzellen zusammengesetzten Fäden, von einer eigenthüm-
lich modificirten Zelle, die gleichsam einen Stiel reprä-
sentirt, getragen wird (Fig. I st). Diese Zelle scheint
nach ihrer Anheftungsstelle an der Wand des Darmkanals
zu in zwei dicht an einander liegenden Ausläufern aus-
gewachsen zu sein. Das entgegengesetzte Ende dieser
Zelle trägt nicht weniger als 7 strahlcnartig geordnete
Fäden, die sich selbst wieder nach sehr kurzem Verlauf,
häufig nur aus einer einzigen Gliederzelle bestehend, ver-
ästeln, indem sie wie die Figur zeigt in 2, 3 bis 6 Aeste
auseinander fahren. Auch diese Aeste können sich von
neuem verzweigen, jedoch finden wir bei unserra Exem-
plar nur einen einzigen derartigen Fall. Die freien Enden
der Zellfäden zeigen keine besonderen Eigenthümlichkeiten,
die Terminalzellen spitzen sich ein klein wenig zu und
sind nicht selten etwas aufgebläht.
Die die Fäden zusammensetzenden Zellen lassen
hauptsächlich zwei Modifikationen ihrer Ausbildung unter-
scheiden, entweder sie besitzen einen wandständigen Pro-
toplasmabelag mit einer ziemlichen Menge feiner Körn-
chen in demselben {Fig, II a) und einem wasserhellen Zell-
saft im Innern, oder die gesammte Inhaltsmasse der Zelle
besteht aus einer hellen Flüssigkeit, in der sich neben
feinen Körnchen auch eine zieijiliche Menge grösserer
heller Bläschen oder Tropfen findet (Fig. II b). Der ge-
sammte Zellinhalt ist, wie schon zu erwarten war, stets
ganz farblos. Die Grössenverhältnisse der Zellen sind
ziemlich schwankend, ich fand ihre Längenausdehnung
zwischen 0,043 und 0,08 Mm. variirend, hingegen die
Breite ziemlich constant 0,01 Mm.
Ueber die Fortpflanzungsverhältnisse unserer Pilz-
form habe ich nichts zu ermitteln vermocht, wenn man
nicht etwa die Wahrnehmung, dass der hintere Theil
des Magens, in dessen Vordergegend sich die ausgebil-
deten Individuen fanden, mit einer grossen Zahl kurzer,
aus wenig Gliedern bestehender Fäden erfüllt war, hier-
herziehen will.
In diesem Jahr habe ich, jedoch vergeblich diese
248 B ü t s c h 1 1 :
Pflanze in dem Darm der Wasserrasseln gesucht, ich
sehe mich daher genöthigt diese Untersuchung, die ich
gerne in einer vollständigen Gestalt mitgetheilt hätte, in
ihrem jetzigen mangelhaften Aussehen der Beurtheilung
der Fachgenossen vorzulegen.
Gelegentlich möchte ich noch mit einigen Worten
einer eigenthüralichen Erscheinung gedenken, die mir bei
der Untersuchung des Darmkanals von Porcellis scaber
mehrfach auffiel und über deren Erklärung ich bis jetzt
noch keinen Aufschluss erhalten konnte. Ich fand näm-
lich in der Wand der hintern Gegend des Chylusdarmes
dieses Thiers und zwar wie es mir schien, je in eine
Epithelzelle desselben eingeschlossen, sonderbare cysten-
artige Gebilde in verschiedenster Grösse, von welchen
ich auf Taf. IX Fig. III eines abbilde. Der Inhalt der
Zellen, in welche jene elgenthümlichen Körper einge-
schlossen waren, zeigte eine strahlige Anordnung; der
erwähnte Körper selbst bestand aus nicht weniger als 4
in einander steckenden Blasen, die inneren von bräun-
licher Färbung, die äussern hingegen farblos und in der
innersten dieser Blasen fand sich stets ein unregelmässig
gestalteter dunkelbrauner Körper. Nicht selten fand ich
auf der Aussenfläche der inneren Blasen eine beträcht-
liche Menge feiner Körnchen gleichsam niedergeschlagen,
namentlich sah ich dies häufig auf der zweitäussersten
Blase. Wie schon erwähnt fand ich diese elgenthümlichen
Körper in der verschiedensten Grösse, die umfangreichsten
waren mit blossem Auge deutlich erkennbar. Wie ge-
sagt ist es mir nicht möglich über die Bedeutung dieser
sonderbaren Gebilde jetzt schon eine Ansicht zu äussern,
jedoch wird es wohl keinem Zweifel unterliegen, dass
hier eine parasitische Bildung vorliegt.
Frankfurt a. M., November 1871.
Berichtigung.
Durch ein Versehen wurde iri der Figur X das Centralnerven-
system des Dispharagus denutatus um den körnigen hintern Theil
des Oesophagus gelagert gezeichnet. Dasselbe umgibt, wie aus der
Beschreibung hervorgeht, den vorderen Theil des hintern Abschnittes
des muskulösen Schlundes.
Beobachtungen über mehrere Parasiten. 249
Erklärung der Abbildungen.
Taf. VIII. (Fig. I— VII von Trichosomum crassicauda.)
Fig. I. Männchen von Trichosomum crassicauda Belligh. o Mund,
oph Oesophagus, i Darm, cl Kloake, t Hoden, vd Samen-
leiter.
T> IL Vereinigungsstelle von Darm (i) und Samenleiter (vd) zu
Kloake (cl), dazwischen sieht man das blinde Ende des
Hodens (t).
t III. Verbindungsstelle des Hodens (t) mit dem Samenleiter (vd).
» IV. Ein kleines Stück des Hodens im optischen Längsschnitt.
> V. Zwei Spermatozoon.
» VI. Ein kleines Stück der Leibeswand des Männchens, ms Mus-
kelfeld, sl Seitenfelder.
* VII. Zwei der Erhebungen der Haut über den Zellen der Seiten-
felder beim Weibchen im optischen Längsschnitt, aus der
einen tritt die erwähnte helle secretartige Masse in Tropfen aus.
» VIII. Vereinigungsstelle des Eileiters (ovd), des Dotterganges
(d), des Laurer'schen Kanals (L) und des aus dem Ovarium
kommenden Kanals (k) (bei Distomum clavigerum Rud-),
m die Mündung des Laurer'schen Kanals auf dei* Rücken-
seite des Thiers.
B IX. Das blinde Ende eines Ovariums von Dispharagus denu-
tatus, k Epithelkern.
9 X. Ein Stück des Oesophagus von Dispharagus denutatus mit
der zelligen Scheide, dem Nervenring c der Anschwellung
g auf der Rückenseite, dem Gefässporus P, der ampullen-
artigen Erweiterung des Gefässes a, den mit dem Gefäss-
system in Zusammenhang stehenden zelligen Massen b,
k grosse Kerne der Seitenlinien.
» IX. Eine Schwanzpapille des Männchens von Dispharagus de-
nutatus.
Taf. IX.
Fig. I. Parasitische Pflanze aus dem Chylusdarm von Asellus
aquaticus.
» II. Zwei Gliederzellen derselbe^ stärker vergrössert.
» III. Eigenthümliches, in den Zellen des Chylusdarmes von Poi'-
cellis scaber eingeschlossenes Gebilde.
IJebersicht der Glyptodonten.
Von
H. Burmeister.
In seiner Zeitschrift für die gesammten Naturwissen-
schaften Bd. III der neuen Folge (1871), hat Hr. Prof.
Giebel S. 250, bei Gelegenheit der Vorlage des sie-
benten Heftes meiner Anales de Museo Publico de Buenos-
Aires im Naturwissenschaft!. Verein für Sachsen und
Thüringen (Sitzung vom 8. März) sich über die verwandt-
schaftlichen Beziehungen der Glyptodonten dahin ausge-
sprochen, dass ihre Bildungsverhältnisse die Aufstellung
einer eigenen Familie der Edentaten zwischen den Gravi-
graden und Effodientien vollkommen rechtfertigen, und
für diese angeblich neue Familie den Namen Dinochla-
midea (zu schreiben: Dinochlamydea) vorgeschlagen. Mein
Herr Amtsnachfolger hätte sich diese Mühe, und der
Wissenschaft seinen neuen Namen, ersparen können, wenn
er mit dem Inhalte des ersten Bandes der Anales vertraut
gewesen wäre ; er würde darin S. 183 gefunden haben,
dass ich ganz dasselbe sage und die neue Familie schon
mit dem Gruppennamen: 'Biloricata belegte. Ich stützte
meine Ansicht auf folgende fünf Punkte:
1. Auf die kolossalen Dimensionsverhältnisse des
Körpers, im Vergleich mit dem der Armadillos.
2. Auf die ungetheilte, gürtellose Beschaffenheit
des Rumpfpanzers.
3. Auf die Anwesenheit eines besonderen, ebenfalls
sehr dicken Brustpanzers.
Burmeister: üebersicht der Glyptodouten. 251
4. Auf die grosse Verschiedenheit im Zahntypus,
der bei allen nach Form und Zahl der Zähne derselbe ist.
5. Auf die grosse Verschiedenheit im Bau des Skeletes.
Wogender Anwesenheit des zweiten oder Brustpanzers
nannte ich diese neue Gruppe Biloricata, im Gegensatz
gegen die von Illiger mit dem Namen Loricata belegten
Armadillos der Gegenwart, und schloss m^ine Aufzäh-
lung der genannten Unterschiede mit einem Passus, den
ich hier aus dem Spanischen in's Deutsche übertrage:
^ Wegen solcher Unterschiede ist es nicht gestattet, diese
Thiere, welche Owen nach der Form ihrer Zähne sinn-
reich Glyptodon genannt hat, mit den lebenden Arma-
dillos in dieselbe Gruppe (Unterfamilie) zustellen; denn
sie treten zu letztern ganz in dasselbe Verhältniss, wie
die kolossalen Gravigraden zu den lebenden Faul-
thieren; die wissenschaftliche Classifikation verlangt also
für diese ebenfalls kolossalen Effodientien eine besondere
Gruppe, welche ich nach dem eigenthümlichen Bau ihres
Panzers glaube passend benannt zu haben."
Hierin ist so ziemlich dasselbe gesagt, was Hr. Pr.
G. a. a. O. äussert. Das dritte Heft der Anales, welchem
die ausgezogene Stelle angehört, erschien aber im Jahre
1866, also 5 Jahre vor Prof. G. Besprechung des siebenten
Heftes, auf dessen Inhalt seine Betrachtung sich grün-
det. In derselben sind überdies einige Irrthümer ent-
halten :
1) Der Orbitalrand ist nur bei einer Gattung der
Glyptodonten (Panochthus) nach hinten geschlossen, bei
allen anderen offen.
2) Eine völlige Verschmelzung der Wirbel in allen
Gegenden der Wirbelsäule hat nicht Statt, sondern es
bleiben stets isolirt der Atlas und gewöhnlich auch der
sechste Halswirbel; ferner ist eine nie fehlende Gelen-
kung zwischen dem zweiten und dritten Rückenwirbel
vorhanden, und eine biegsame Stelle zwischen dem letzten
Rücken- und ersten Lendenwirbel. Endlich sind die vor-
dersten 6 oder 7 Schwanzwirbel stets für sich beweglich
und unverwachsen.
3) Dass die als Eigenthümlichkeit der Glyptodonten
252 Burmeister:
hervorgehobenen Berührungsflächen der Sternocostalkno-
chen auch bei Armadillos vorkommen, lehrt das von mir
dem Hallischen Zool. Mus, einverleibte Skelet von Dasypus
villosus. Auch D. gigas hat sie.
4) Dass der Schwanz ein Stemmschv^anz sei und
als Bohrapparat diene, wie Prof. G. annimmt, mag er
nachweisen ; Gründe dafür kann ich in seinem Bau nicht
entdecken.
Um nun diese Notiz, welche das übereilte, auf einer
lückenhaften Kenntnissnahme von meinen Arbeiten be-
ruhende Verfahren meines ehemaligen Zuhörers und spä-
teren Kollegen mir abnöthigt, für die Leser dieses Archivs
werthvoller zu machen, will ich hier kurz zusammenstellen,
was meine zehnjährige Beschäftigung mit den Glyptodonten
mir erfahrungsgemäss eingetragen hat, obgleich schon
mehrmals das Skelet dieser Thiere in Reichert's Ar-
chiv, Jahrg. 1865 und 1872 von mir besprochen ist.
Die Glyptodonten bilden ihrem ganzen Körperbaue
nach eine den lebenden Armadillos zunächst stehende
Gruppe der Edentaten, welche sich vermöge des Gesetzes
der Analogie, in den massiven Bildungsverhältnissen sich
aussprechend, den Gravigraden nähert, sonst aber nur
eine einzige besondere Eigenschaft, den absteigenden Fort-
satz am Jochbogen, mit ihnen gemein hat. Dieser Fort-
satz ist indessen bei den Glyptodonten viel grösser und
namentlich viel dicker, als bei den Gravigraden, und
diente zum Schutz der kräftigen Backenmuskulatur beim
Wühlen im Boden, welches die Thiere mit ihrer auffallend
breiten, aber abweichend vom Typus der Armadillos
kurzen dicken Nase bemerkstelligten, wobei ihnen die
zum Scharren tauglichen langkralligen Vorderfüsse be-
hülflich waren. Eigentliche Grabthiere, die in selbst ge-
grabenen Höhlen lebten, wie die Armadillos, waren sie
nicht; ihr kolossaler, viel mehr sphärischer als cylin-
drischer Körper spricht dagegen; auch macht der unge-
mein feste, an manchen Stellen über 1 Zoll dicke Panzer
das Verstecken in Erdlöchern unnöthig ; die Thiere duck-
ten sich vielmehr am Boden in offenen Gruben nieder,
zogen die Beine an, klemmten den mit einem festen
Uebersicbt der Glyptodonten. 253
Schilde gepanzerten Kopf in die vordere OefFnung des
Rumpfpanzers, und waren schon durch das enorme Ge-
wicht ihres schweren Körpers vor den Nachstellungen
selbst starker Feinde gesichert. Unter diesen stand Ma-
chaerodus neogaeus oben an; seine langen Eckzähne mit
schneidenden Kanten zeigen darauf hin, dass er solche
gepanzerte Thiere überwinden konnte und da auch die
grossen Gravigraden mit einer harten, Knochenwarzen
einschliessenden Haut, wie ich nachgewiesen habe (in
Reichert's Archiv Jahrg. 1865. S. 334) bedeckt waren,
so hilft uns eben dieser Umstand wohl mit zur Erklärung
der Eigenthümlichkeiten dieses kräftigsten aller bekannten
Raubthiere.
Der Schädel der Biloricaten oder Glyptodonten
weicht übrigens im Gesammtbau durch seine kurze, fast
kubische Form ebenso sehr von dem der lebenden Arnia-
dillos, wie von dem der fossilen Gravigraden ah ; seine
sehr kurze aber breite, weit geöffnete Schnauze weist auf
eine sehr kräftige fleischige Nase hin und die ganz un-
gemein kleine Hirnhöhle ebenso sehr, wie der über alle
Maassen grosse, namentlich hohe Unterkiefer, welcher das
Ueberwiegen der vegetativen Funktionen andeutet, auf
ein höchst stumpfsinniges, gleichgültiges Geschöpf. Das
Gehirn hatte wahrscheinlich keine Windungen, wenigstens
zeigen sich keine Spuren von Eindrücken derselben in
die innere Oberfläche der Schädelhöhle ; wohl aber ergiebt
sich aus der Betrachtung dieser Höhle, dass ein enorm
grosser Riechkolben vorhanden war, welcher zu der sehr
langen und weiten inneren Nasenhöhle in Beziehung steht.
Das grosse Gehirn war von geringem Umfang und das
kleine nach Verhältniss gross, wie sein Eindruck in dem
Umfang der Schädelhöhle lehrt. — Die massig grossen
Augenhöhlen haben einen nur bei einer Gattung (Pa-
nochthus) geschlossenen Orbitalrand, bei allen andern
sind sie nach hinten weit geöffnet. Eine von der hinteren
Orbitalecke ausgehende, scharfe, schief nach hinten über
den zur x\ugenhöhle gehörigen Theil des Stirnbeines
herablaufende Leiste bedeckt eine tiefe Furche, welche
der fissura orbitalis superior entspricht, und dem nervus
254 Burmeister: ^
opticus nebst dem ramus ophthalmicus das trigeminus zur
Aufnalime diente. Das Ausgangsloch jenes (for. opticum)
durchbohrt, wie bei den Armadillos, das Siebbein; letz-
terer trat mit seiner grösseren den ersten und zweiten
Ast umfassenden Portion durch eine grosse Oeffnung (fo-
ramen rotundum) im Flügel des Keilbeines aus der Schä-
delhöhle und theilte sich ausserhalb derselben in Zweige,
hier in einer besonderen scharf umschriebenen Vertiefung
am Keilbein gelagert, welche vom Eindruck eines grossen
Ganglions herzurühren scheint. Der dritte hinterste Ast
hatte dagegen seinen besonderen Ausgang durch ein etwas
kleineres Loch (foramen ovale) hinter dem vorigen weiter
nach oben.
Während alle anderen Schädelknochen bald mit ein-
ander verwachsen und die Nähte sich schon zeitig ver-
lieren, bleibt das Felsenbein beständig durch Nähte ab-
gesondert; es wurde nach aussen und unten von einer
gewölbten Kapsel zur Bildung der Trommelhöhle bedeckt,
welche mit den benachbarten Knochen nur lose verbunden
war und darum an allen bisher gefundenen Schädeln fehlt,
lieber dem Felsenbein befindet sich in der Schläfenbein-
schuppe eine weite Höhle, durch welche die Orteria occi-
pitalis in die Schädelhöhle hineindrang, dagegen ist kein
äusserer Gehörgang bemerkbar, er fehlt mit der beschrie-
benen Kapsel, bis auf eine kleine Stelle des Umfanges,
welche sich am Rande des Schläfenbeines neben dem
Felsenbein erkennen lässt.
Von ganz enormer Länge ist der knöcherne Gaumen;
sein hinterer Rand reicht bis zur Basis des Hinterhauptes,
unter der die ebenfalls sehr weiten Choanen liegen. Je
acht aus drei fast rhombischen Prismen zusammengesetzte,
wurzellose, sehr lange Zähne kommen allen Glyptodonten
zu, doch w^eichen die verschiedenen Gattungen, und selbst
die Arten einer Gattung, merklich in der Ausführung
des allen gemeinsamen Typus von einander ab.
Der Unterkiefer unterscheidet sich durch die Höhe
des hinteren aufsteigenden Astes und seine Neigung nach
vorn sehr wesentlich von dem der Armadillos und übrigen
Säugethiere; die Glyptodonten haben wahrscheinlich den
Uebersicht der Glyptodonten. 255
relativ kräftigsten Unterkiefer von allen. Seine Zähne
ähneln im Allgemeinen denen des Oberkiefers, sind aber
stets etwas schmälerund in Beziehung auf die drei rhom-
bischen Prismen entgegengesetzt ausgeführt, d. h. an den
oberen Zähnen ist das vorderste Prisma das breiteste und
das hinterste das dickste, an den unteren dagegen jenes
das dickste und dieses das breiteste; stets sind die zwei
ersten Zähne etwas kleiner als die folgenden und abwei-
chend geformt.
Das vorderste Ende beider Kiefer ist zahnlos, doch
die zahnlose Strecke des Unterkiefers viel länger als die
des Oberkiefers. An letzterem bildet diese Strecke zwei
kleine abgerundete Vorsprünge, welche dem Zwischen-
kiefer angehören. Hinter ihnen öffnen sich die grossen
foramina incisiva. Diese Gegend ähnelt mehr dem Typus
der Faulthiere, als dem der Gürtelthiere, daher ich ver-
muthe, dass der Zwischenkiefer, wie bei jenen^ auf die
Gaumenfläche beschränkt war und die Seitenränder der
Nasenmündung dem Oberkiefer angehören.
Die Eigenthümlichkeiten der Wirbelsäule habe ich
schon in meinem ersten Aufsatze in Reiche rts und Du
Bois Raimonds Archiv zur Genüge besprochen, daher
ich sie jetzt nur kurz andeute. Die Wirbelsäule besteht
aus fünf Hauptstücken, die einzeln in sich keine Beweg-
lichkeit besitzen, indem ihre ursprünglich getrennten
Wirbel allmählich mit einander verwachsen. Freie für
sich bewegliche Wirbel giebt es nur im Halse und am
Anfange des Schwanzes. Dort ist zuvörderst der Atlas
immer selbstständig und für sich beweglich. Auf ihn
folgt das aus vier oder fünf verwachsenen Wirbeln be-
stehende Mittel nackenstück (os mediocervicale) und
diesem im Falle von vier verwachsenen Halswirbeln ein
freier sechster Wirbel, oder im andern Falle fliesst auch
dieser sechste Halswirbel später mit dem Mittelnacken-
stück zusammen. Der siebente Halswirbel bildet mit den
beiden ersten Rückenwirbeln wieder einen zusammenhän-
genden Abschnitt der Wirbelsäule, das Hinternacken-
stück (os postcervicale), welches mit dem darauf folgen-
den, aus 9—11 verwachsenen Wirbeln gebildeten Rücken-
256 Burmeister:
röhr (tubus dorsalis) durch eine sehr bewegliche Gelen-
kung in Verbindung steht. Darauf beruht hauptsächlich
die Beweglichkeit des Kopfes, sein vor- und rückwärts
Gehen, und das Einklemmen in die vordere Panzeröffnung.
Alle diese verwachsenen Wirbel haben keine verdickten
Wirbelkörper, sondern ihre untere W^and ist die dünnste
des gesammten Umfanges. Dasselbe gilt noch von den
Lenden- und Kreuzbeinwirbeln, welche alle zusammen
ein einziges grosses Knochenrohr darstellen, woran das
Becken in der Mitte und am Ende sich fest anheftet.
Vor der mittleren Anheftungsstelle befinden sich 6 — 8
Lendenwirbel, von denen der vorderste durch eine eigen-
thümliche elastische Verbindung mit dem Rückenrohr
zusammenhängt. Der Theil dieses gemeinsamen Lumb o-
sacral tubus, welcher das Becken trägt, besteht aus 9
oder 10 Wirbeln, von denen die drei vordersten an die
Darmbeine stossen, der hinterste mit den Sitzbeinen durcb
lange sehr kräftige Querfortsätze sich verbindet. Er allein
hat einen förmlichen, sehr starken Wirbelkörper, ähnlich
dem der darauf folgenden freien Schwanzwirbel, deren
Zahl 6—9 zu sein pflegt. An sie reihet sich bei mehreren
Arten mit langem Schwanz noch eine Anzahl verwachse-
ner, in ein gemeinsames Panzerrohr eingeschlossener
Wirbel, welche die Menge aller vorhandenen Schwanz-
wirbel bis auf 21 steigert. Weniger als 11 und mehr als
21 habe ich bis jetzt nicht wahrgenommen.
Alle Glyptodonten haben sehr dünne, oben flache,
unten drehrunde Rippen, aber kräftige Sternocostalknochen,
die durch mehrere Berührungsflächen fest aneinander hän-
gen. Das Brustbein besitzt ein sehr breites Manubrium,
mit dem das erste sehr kurze und sehr breite Rippenpaar
innig verbunden ist, sogar verwachsen sein kann, ohne
ein dazwischen tretendes Sternocostalstück ; auch das zweite
Rippenpaar stösst noch an das Manubrium, hat aber schon
einen Sternocostalknochen. Ihm folgen noch 4 — 5 Paare
mit directer Verbindung des Brustbeins, dessen auf das
Manubrium folgende 4 — 5 isolirte Abschnitte sehr klein
und kurz sind, während ein ziemlich grosser proc xiphoi-
deus vorhanden gewesen zu sein scheint. In allen diesen
Uebersicht der Glyptodonten. 257
Verhältnissen harmoniren die Glyptodonten mit den Ar-
madillos. Auch das Becken hat analoge Formen, ist aber
durch seine enorme Grösse dem aller anderen Säuge-
thiere relativ überlegen ; denn auf ihm und zwar auf den
Darmbeinkämmen und einem besonderen hohen Sitzbein-
flügel jederseits ruhet allein der an allen übrigen Punkten
frei über dem Körper schwebende Panzer^ mit dessen
Oberfläche er nur lose durch Zellgewebe verbunden ge-
wesen zu sein scheint.
Sehr kräftige Extremitäten trugen diesen schweren
mehr kugeligen als ovalen, nie cylindrischen Körper
Die vorderen, viel kürzeren und schwächeren, haben nie
mehr als vier Zehen, welche ziemlieh lange, etwas ge-
bogene Krallen trugen ; aber die fehlende Zehe ist bald
die innerste (Panochthus, Hoplophorus), bald die äusserste
(Glyptodon). Hiermit verbindet sieb ein anderes höchst
merkwürdiges Verhältniss : der Oberarmknochen hat im
Fall, wo der Daumen fehlt, die bekannte Brücke zwischen
der Epitrochlea und der vorderen Mittelfläche, welche
auch allen Armadillos zusteht; in dem andern Falle mit
mangelndem Kleinfinger fehlt alle Spur dieser Knochen-
brücke gänzlich. Jene Gestalten sind überhaupt etwas
hochbeiniger und beträchtlich langfüssiger, als diese.
An den sehr kräftigen Hinterbeinen ist der Schenkel
enorm dick und breit wegen der grossen Trochanteren,
von denen der trochanter tertius, welcher bei den Arma-
dillos die Mitte des Knochens einnimmt, an das untere
Ende gerückt und mit dem äusseren Gelenkknorren ver-
bunden ist. Das viel kürzere Schienbein hat völlig oben
wie unten zusammengewachsene tibia und fibula, die ein-
ander an Stärke ziemlich gleich stehen. Der kurze aber
breite Fuss war nicht plantigrad, obgleich der Hacken
nur wenig über dem Boden erhaben ist; er ähnelt durch
seine kurzen Zehen mit breiten hufförmigen Krallenglie-
dern etwas dem Typus des Elephantenfusses. Die eine
Gattung Glyptodon hat alle 5 Zehen in normalem Ver-
hältniss zu einander, den anderen beiden fehlt die Innen-
zehe ganz, und selbst die iVussenzehe ist bei Panochthus
gegen die anderen drei im Rückstande.
Archiv f. Naturg. XXXVUI. Jahrg. 1. Bd. 17
258 Burmeister:
Vom Panzer, der diese Thiere bedeckte, können
hier nur einige der allgemeinsten Eigenschaften bespro-
chen werden, weil ein näheres Eingehen auf seinen Bau
und dessen Verschiedenheiten uns zu weit abführen würde
von dem eigentlichen Zweck dieses Aufsatzes, die bis
jetzt bekannten Arten aufzuzählen und sie scharf zu un-
terscheiden. Darum genügt es, zu erwähnen, dass nicht
bloss der Rumpf in seinem dicken sphärischen oder ovalen,
aber niemals schildförmigen Panzer steckte, sondern dass
auch der Scheitel, die Backen, die Aussenfläche der Pfo-
ten vom Ellenbogen und Knie abwärts, die Brust und
der ganze Schwanz gepanzert waren ; letzterer ohne Aus-
nahme mit einer Anzahl (6—7) beweglicher Panzerringe
am Grunde, die wie die Glieder eines Fernrohres in ein-
ander passen, nur sehr viel kürzer sind. Die grössten-
theils sechseckigen Platten dieser Panzerthcile hingen
durch Nähte oder zwischengelagertes Bindegewebe fest
aneinander, und waren, mit Ausnahme derer der Brust,
auf der freien Aussenseite eigenthümlich skulptirt und zu
äusserst von Hornschildern bedeckt, welche nach der
Form der Oberflächenskulptur der Panzerplatten in Ge-
stalt und Grösse sich richteten. Nur die Brustpanzer-
platten steckten im Zellgewebe unter der Cutis und sind
deshalb stets von 3 — 6 grossen centralen Löchern durch-
bohrt, welche den Blutgefässen und Nerven zum Durch-
gange dienten. Mitunter sassen auch steife Borsten in
den Panzerplatten, welche zu dem Ende Gruben von
2 — 3 Linien Durchmesser und ähnlicher Tiefe führen, in
welchen die Matrix der Borsten eingeschlossen war. In-
dessen scheinen diese Borsten nur an gewissen Stellen
des Körpers gesessen zu haben und nicht bei allen Indivi-
duen derselben Art gleich stark oder zahlreich gewesen
zu sein. Eine besondere Eigenthümlichkeit des Panzers
der meisten Glyptodonten liegt in der Andeutung einer
Zerklüftung der vorderen Seitenränder, unmittelbar neben
und hinter den Vorderpfoten. Hier sind die 3 — 4 unter-
sten Platten jeder Querreihe mit ihren Rändern nicht
durch Nähte verbunden, sondern übereinander geschoben,
so dass eine gewisse Biegsamkeit des Randes einwärts
Üebersicht der Glyptodonten. 259
und auswärts dadurch ermös^licht wird. Es Ist diese Ei-
genschaft, auf welche Nodot seine Gattung Schistopleu-
rum gründet, allen von mir untersuchten Arten eigen,
mit alleiniger Ausnahme der Gatt. Hoplophorus, die
diesen Bau entschieden nicht gehabt hat. **"
Da es mir vergönnt war, acht fast vollständige
Panzer zu untersuchen, von denen 6 in unserem Museum
sich befinden, so kann ich nachweisen, dass alle früheren
Abbildungen fehlerhaft sind, indem ihnen, mit alleiniger
Ausnahme der Nodot's, die untere Hälfte der Seiten
fehlt, welche die angegebene Zerklüftung zeigt. Ausser-
dem ist, wie auch in Nodot's Abbildung, die Anzahl
der Querreihen der Platten des Panzers nie richtig dar-
gestellt, sondern stets deren zu wenig, weil die Platten
einzeln zu gross. So hat Nodot's Figur nur 28 Platten-
reihen, obwohl unser Panzer derselben Art deren 35 zeigt;
in Pouchet's Figur von Hoplophorus euphractus sind
33 Plattenreihen angegeben, unser Panzer hat 42; — rich-
tiger ist das Verhältniss in Owen's Figur von Gl. clavi-
pes, aber der Rand ist auch in diesem Bilde ganz un-
richtig dargestellt; ingleichen der Schwanz, dem die Ringe
an der Basis fehlen.
Was nun die bisher aufgestellten Arten betrifft, so
sind dieselben, weil grösstentheils auf einzelne Panzer-
platten gegründet, ohne Noth vervielfältigt worden; denn
die Platten eines und desselben Panzers haben an den
verschiedenen Stellen seines ümfanges ein sehr verschie-
denes Ansehen und abweichende Grösse. Die grössten
Platten sitzen in der Kreuzgegend, die kleinsten in den
Seitenlappen des vorderen Eingangs; letztere betragen
nur den vierten bis sechsten Theil des ümfanges der
ersteren. Auch die Platten des Randes und die der Ringe
des Schwanzes weichen von den übrigen in vielen Punkten
ab. Ich bin daher in die Nothwendigkeit gerathen, die
meisten der früher aufgestellten Arten, deren Nodot
allein 14 unterscheidet, zu verwerfen und die mir be-
kannten auf anderen Eigenschaften neu zu, begründen.
Hiernach ist zwar die Menge der Arten kaum geringer,
als die von Nodot angenommene, aber meine Begrenzung
260 Bürmeister:
und Gruppirung ist eine ganz andere, zumal da dieselbe
sich vorzugsweise auf anatomische Merkmale des Skelets
gründet, welche Nodot nicht berücksichtigen konnte,
weil ihm die mir zu Gebote stehenden reichen Hülfs-
mittel fehlten.
Zuvörderst theilen sich die Glyptodonten in zwei
scharf unterschiedene ünterabtheilungen nach dem Bau
ihrer Füsse.
T. Die Einen haben vier Zehen an allen
Füssen, indem ihnen sowohl vorn als auch hinten die
innerste Zehe, oder der Daumen und die grosse Zehe
des Menschen fehlen.
Diese Gruppe zeigt noch mehrere wichtige ander-
weitige Uebereinstimmungen. Es gehören dahin:
1. Der relativ grössere Kopf mit stark gewölbter
Stirn, aber kleinerer Nase, kleineren Augenhöhlen, aber
nach vorn sehr hohem Jochbogen, dessen erhabenste
Ecke sich der hinteren Orbitalecke sehr nähert.
2. Die früher besprochene Brücke am Oberarm
zwischen Epitrochlea und Mittelfläche.
3. Relativ etwas höhere Extremitäten und schlan-
kere Füsse mit längeren Zehen, deren Phalangen nur
massig verkürzt sind.
4. Das erste Rippenpaar ist nicht mit dem manu-
brium sterni fest verwachsen, sondern durch Knorpel oder
Gelenkung verbunden gewesen.
Diese Gruppe theilt sich in 2 Gattungen:
1. Gatt. FoMOchtlius Nobis. Die hintere Orbitalecke
ist mit dem Jochbogen durch eine feste Knochenbrücke
verbunden. Die Panzerplatten haben auf der äusserei;i
Oberfläche eine gleichförmige, kleinwarzige Skulptur;
nur die Randplatten und einige Reihen vor ihnen besitzen
ein grösseres Mittelfeld. Die vorderen Seiten des Panzers
sind zerklüftet und ein sehr grosses Brustschild ist vor-
handen. Der lange Schwanz steckt zur Hälfte in einem
Rohr, das mit grossen Seitenrosetten geziert ist. Die
äusscrste kleinste Zehe der Hinterfüsse ist ^Q^fin die übri-
gen im Bau zurück. Der Körperbau ist sehr plump und
Uebersicht der Glyptodonten. 261
die Form des Panzers kurz sphärisch, mit verlängertem
hinteren Anhange.
Je nach dem Bau der Schwanzspitze lassen sich
wieder zwei Untergattungen aufstellen.
1. Untergatt.. Doedycura Nobis. Die Spitze des
Schwanztubus ist kolbig erweitert, und der Panzer über-
haupt enorm dick ; die Thiere haben die kolossalsten Di-
mensionen.
1. Art. Glypt, giganieus Serres, Pouchet. Journ.
d'auat. et de la phys. de Ch. Robin. Juli. 1866. — Anal.
del Mus. Publ. IL 140. — Gl. clavicaudatus Nobis, Anal,
del Mus. Piibl. I. 191.
E« ist nicht unmöglich, dass unter dieser Art 2 Species
stecken, indem die bekannten Schwanztuben in Grösse
und Bau etwas von einander abweichen. Ein kürzlich
hier gefundenes halbes Skelet hat mich mit dem Schädel
und den Extremitäten der kleineren Form bekannt ge-
macht. Darnach sind die übrigen Skelettheile ebenso
verschieden von denen des Panochthus tuberculatus, wie
das Becken beider Arten, und rechtfertigen die Aufstel-
lung einer Untergattung sehr wohl.
2. Untergattung. Panochtkus Nobis. Die Spitze des
Schwanztubus ist konisch zugerundet und der ganze
Panzer, wie auch das Skelet, etwas zierlicher als in der
vorigen Gruppe.
2. Art. Glypt. tuberculatus Owen, Pan. tub. Nobis.
Anal. etc. I. 192. IL 147.
Mit nur 2—3 Reihen von Platten am Umfange des
Panzers, deren Mitte ein grösseres Feld zeigt.
3. Art. Pa7i. hullifer Nobis. Anal. etc. IL 149. —
Mit 6 — 8 solcher Plattenreihen am Umfange, deren Fläche
ein grösseres, gewölbtes Mittelfeld besitzt.
2. Gatt. Hoplophorus Lund. Die hintere Orbital-
ecke Ist vom hohen Jochbogen durch eine schmale Lücke
getrennt. Die Panzerplatten sind dünn und haben auf
der äusseren Oberfläche ein 6 — 8eckiges Mittelfeld, um
welches ebensoviel kleinere fünf- oder sechseckige Rand-
felder herumliegen. Keine Gegend des Randes zeigt die
früher beschriebene Zerklüftung. Ein besonderer Brust^
262 Burmeister:
panzer ist bis jetzt nicht wahrgenommen. Der Körper
ist gestreckt oval, viel kleiner und der Skeletbau zier-
licher als bei den übrigen Gattungen.
4. Art. HopL euphractub Lund. Anal. etc. II. 219.
— Glypt. gracilis Nodot, Descr. etc. pag. 97. pl. IL fig. 2, 3.
5. Art. Hopl. ornatus Nobis, Anal. etc. ibid. 219 u.
224. 2. Gl. ornatus Owen, Anal. etc. I. 205. 8. — Hopl.
euphractus Pouchet, 1. c.
6. Art. Hoplophorus elegans Nobis, Anal. etc. II.
219 und 224. 3.
7. Art. Hoplophorus pumilto Nobis, x\nal. etc. I. 77.
4. und 204. 7. II. 222 und 224.
Ob hierher Hoplophorus minor Lund.?
lieber die Unterschiede dieser 4 Arten, welche neben
der Grösse in Einzelnheiten der Skulptur des Panzers
liegen, muss ich auf die angezogenen Stellen meiner
Anales verweisen.
IL Die Anderen haben nur vorn vier Ze-
hen, und hinten fünf; aber die dort fehlende Zehe
ist die äussersle, nicht die innerste oder der Daumen.
Diese zweite Gruppe bildet nach meinem Dafürhalten
nur eine einzige Gattung, deren übereinstimmende Bil-
dungsverhältnisse folgende sind.
3. Gatt. Glyptodon Owen. Der hochgewölbte, dicke,
fast sphärische oder ovale Panzer hat auf jeder Platte
ein sechseckiges Mittelfeld und ringsumher 6 andere Fel-
der. Im mittleren Theile der Panzeroberfläche sind die
ßandfelder jeder Platte ebenso gross, wie das Mittelfeld;
aber nach den Seiten hin bis zum Rande wird das Mittel-
feld allmählich imm^r grösser gegen die stets kleiner
werdenden Randfelder, bis diese sich zuletzt fast ganz
verlieren. Die Zerklüftung der vorderen Seitenränder
des Panzers ist vorhanden, gleichwie auch ein grosses
ßrustpanzerschild. — Am Skelet ist der Schädel von ge-
ringerem Umfange, die Stirn nicht gewölbt, sondern mit
dem Scheitel in gleicher Flucht, und die Nasenmündung
viel welter, also war auch die fleischige Nase grösser.
Die etwas grösseren Augenhöhlen bleiben hinten weit
offen, denn der Jochbogen ist nach vorn sehr schmal,
üebersicht der Glyptodonten. 263
schmäler als hinten. Das erste Rippenpaar ist mit dem
raanubriiim sterni fest verwachsen. Dem Oberarm fehlt
die beschriebene Knochenbrücke zwischen Epitrochlea
und Mittelflächc ; der Vorderarm ist etwas kürzer und
der Fuss sehr kurz, namentlich verkürzen sich die Pha-
langen zu dünnen Scheibchen. Am Rumpf zeigt die
Brusthöhle einen etwas grösseren Umfang, als in der
ersten Gruppe, aber die Beckenhöhle ist etwas kleiner«
Der Hinterfuss ähnelt dem Elephantentypus am meisten.
Will man Nodots Gatt. Öchistopleurum festhalten,
so ist das nur nach der Schwanzform zulässig; in allen
anderen Punkten stimmen beide Gruppen mit einander
überein.
1. Untergatt. Glyptodon Owen. Der lange Schwanz
endet mit einem nach vorn kolbigen, sanft zugespitzten
Panzerrohr und hat vor demselben sieben (ob mehr ?)
bewegliche Ringe mit flachen Panzerplatten, von denen
jede ein ovales oder kreisrundes Mittelfeld ziert.
8. Art. Gl. clampes Owen. Anales etc. 1. 195. 3.
Es ist möglich, dass auch unter dieser Art mehrere sehr
ähnliche Species stecken, aber mit den bisherigen Hülfs-
mitteln lassen sich dieselben nicht scharf unterscheiden.
Am meisten Anrechte auf eine besondere Art scheint
mir zu haben:
9. Art. GL reticulatus Owen's — worüber Anales
etc. I. 205. 9 und Nodot, a. a. 0. pag. 91 zu vergleichen.
2. Untergatt. Söhistopleurum Nodot. Der kurzko-
nische sehr dicke Schwanz ist mit neun Ringen gepan-
zert, deren obere Randplatten sich in hohe, konische
Warzen oder Spitzen erheben, und endet mit einem kurzen
zehnten, geschlossenen, ovalen Endringe. Eine besondere
Beweglichkeit dieser konischen Ringplatten, welche Nodot
annahm, findet nicht Statt; der von ihm beschriebene,
sonderbare Bau ist eine krankhafte Bildung gewesen.
Wir haben hier im Museum drei sehr gut unter-
scheidbare Arten.
10. Art. GL asper Nobis. Anales I. 200. Körper-
form kurz oval, fast sphärisch ; die Panzerplatten mit sehr
rauher, stachelig granulirter Oberfläche, — Diese Art
264 Bur meisten üebersicht der Glyptodonten.
ist identisch mit Schist. typus Nodot's, und wurde von
mir früher Gl. spinicaudus genannt, ehe ich die beiden
folgenden sehr ähnlichen Arten aufgefunden hatte.
11. Art. OL elongatus Nobis, Anales etc. I. 202. —
Körperform länglicher, entschieden oval ; die Skulptur
der Panzerplatten weniger rauh, vielmehr glattkörnig
granulirt.
12. Art. Gl. laevis Nobis, Anales, I. 204. — Körper-
form fast ganz sphärisch; die Panzerplatten glatter, ohne
förmliche erhabene Granulation, vielmehr nur mit einge-
drückten Grübchen.
Dies sind die Arten der Glyptodonten, welche sich
nach den mir vorliegenden Präparaten und Skelettheilen
des hiesigen Museums mit Sicherheit unterscheiden lassen;
die übrigen nominellen Species übergehe ich, weil ich
über sie nichts mit Bestimmtheit anzugeben weiss.
Buenos- Aires, den 9. Juni 1872.
Staiirotypns marmoratus n. Sp.
Von
Job. Ton Fischer
in St. Petersburg.
Hierzu Taf. X.
Caput magnum, pyramidatum, ante elongatum, ro-
stratum, sub scuto ne retrahendum, supra planum, squa-
ma rbomboidali obtectum, colore supra fusco, ex flavo
albidis maculis quasi marmoratum, infra e griseo fusco
ejusdem coloris maculis intermixtum. — Gula 2-barba-
tula. ~ Collum longum, cjlindricum, supra colore fusco
pallidis maculis intermixtum, infra pallide spadiceo ma-
culis striis*que albidis marmoratum. Scutum ovatuni ante
leviter truncatum, pone latius, supra convexum, tricari-
natum, limbo posteriori leviter serratum, supra caudam
profunde emarginatum depressumque^ colore spadiceo ni-
gris maculis sfriisque hie et illic divergentibus striatum
et marmoratum, limbo ex flavo albidis maculis cinctum.
Sternum breve, ante rotundatum, pone angulatum, planum
squamis pectoralibus mobilibus, 7-squamatum, ex albe
flavum fusco marmoratum maoulatumque. Corpus cute
nuda obtectum colore e griseo atro. Pedes palmati, cute
nuda obtecti, breves. P. antici quinque P. postici quatuor
unguiculis acutis, curvatis, colore fusco, armati. Cauda
brevis sub scuto ne prostat, conica, superficie rugosa, fine
Cornea. Colore corporis extremitatumque.
Habitat. Mexico, Tejas.
266 V.Fischer:
Vorliegende neue Art steht dem Staurotypus trlpor-
catiis Wiegmann so nahe, dass ich dieselbe früher für
ein junges Thier der letzteren Art ansah, doch nachdem
ich junge Exempl. von S. triporcatus in den Händen gehabt
fand ich, dass der Schwanz und die Extremitäten, sovs'ie
der Kopf bei denselben verhältnissmässig viel grösser
und länger als bei S. marmoratus sind. Auch waren die
Unterscheidungscharaktere hervortretend.
Durch Vergleich mit mehreren Exemplaren dieser
Art fand ich diese Charaktere constant. Die Consistenz
der Schale zeugt von einem verwachsenen Thier, da bei
jungen dieselbe stets unter den Fingern federt.
Hält man gleich grosse Exemplare von S. marmo-
ratus und S. triporcatus aneinander, so ist eine Verwech-
selung kaum möglich.
Mit S. Salvinii Gray kann genannte Art gar nicht ver-
wechselt werden. Gestalt und Bau zeugen von grössten
Verschiedenheiten.
Hinsichtlich der Benennung war ich lange unent-
schlossen, ob ich dem Thier den x\rtennamen marmoratus
oder dityscoides geben soll. Im Schwimmen und Laufen
erinnert diese Art sehr an die Wasserkäfergattung Dityscus.
Die kurzen Beine veranlassen das Thier beim Entkom-
men sprung- und stossweise fortzuschreiten. Jedoch fand
ich diese Bewegungsart auch bei andern Cheloniern, wie
Clemmys leprosa u. a. Dagegen blieb die Benennung
marmoratus haltbar, da selbst bei fast schwarzen Exem-
plaren die marmorirten Stellen deutlich zu erkennen sind.
Im Laufe der Beschreibung wird sich der Unterschied
zwischen dieser und den verwandten Arten bald zeigen.
Von oben gesehen ist der Kopf in der Hinterhaupts-
gegend kolbenförmig verdickt, fällt von den beiden Mund-
winkeln zur rüsselförmig verlängerten Schnauze stark
ab und erscheint nach derselben zu stark gespitzt. (Bei
St. triporcatus dagegen gedrungener).
Von der Seite gesehen ist er oben flachgedrückt,
zum Kinn von der Nasenscheibe unter sehr spitzem Winkel
abfallend und mit der Kehle unter stumpfem, abgerun-
deten Winkel zusammentreffend. Die Oberseite desselben
Staiirotypus marmoratus n. Sp. 267
von einem hautüberzogenen Knochenschilde bedeckt, wel-
ches rhombenförmig ist und mit dem einen spitzen Winkel
tief ins Hinterhaupt greift. Alle Seiten des Rhomben
geradlinig.
Die übrige Bedeckung des Kopfes, sowie des ganzen
Körpers und der Extremitäten mit Ausnahme des Schwanzes
ist eine feinwarzige Haut ohne Schuppen.
Färbung oben schwarzbraun mit braun-gelben Flecken
marmorirt; unten graulich-braun mit schmutzig-weissen
Tupfen. An den Wangen heller und umgekehrt marmorirt.
Der Kopf ist wenig einziehbar und im ruhigen Zu-
stande leicht nach unten gerichtet.
Nasenscheibe kreisförmig, auf einer 1,5 Mm.
langen Verlängerung der weichen, bräunlich-gelben
Schnauze liegend.
Nasenlöcher länglich-rund, rosshaarfein, mit dem
grössern Diameter stehend. Dicke der Scheidewand un-
gefähr 5 Nasenlochbreiten (bei S. trip. viel dünner).
Augen rund, hervorquellend, leicht nach oben ge-
richtet, im ersten Viertheil der Kopfhöhe und ersten
Drittheil der Kopflänge liegend. Nickhaut stark ent-
wickelt.
Iris hell-braun an jeder Seite sowie ober- als unter-
halb der Pupille, einen braunschwarzen Tupfen tragend.
Tympanum kaum bemerkbar, nur durch leichte
Vertiefung kenntlich.
Kiefer hornig, bräunlich-horngelb, sich bis zur
senkrecht vom hintern Augenwinkel gefällten Linie er-
streckend.
Oberkiefer vom Mundwinkel zur Spitze convex
aufsteigend, vorn mit einem Ausschnitt für den Unter-
kiefer versehen.
Unterkiefer seiner ganzen Länge nach bogig aus-
geschnitten, wodurch vorn ein spitzer hakiger Zahn
entsteht, der in den Einschnitt des Oberkiefers passt.
Hals ziemlich lang, dünn, stark-runzelig, braun-
schwarz mit bräunlich-weissen Tupfen, unten heller mit
schmutzig-weissen Flecken durchzogen.
Extremitäten. Alle vier Schwimmfüsse kurz,
268 V.Fischer:
fast nur mit dem Haud- und Fussgelenk unter der Rücken-
schale hervorrag-end, fein- warzig, bräunlich-grau-schwarz.
Stellung der Zehen divergirend mit grossen Schwimm-
häuten verbunden. Diese bis zur Krallenwurzel reichend.
Am freien Ende zwischen den Zehen mit kleinen Schüpp-
chen besetzt, daher gezähnt erscheinend. Vorderfüsse
an der innern Seite des Unterarms drei schmale, quer,
mit der Concavität nach aussen liegende, halbmondför-
mige, an Grösse zur Handwurzel abnehmende und um Ys
ihrer Länge von einander abstehende, hornige Schilder,
von horn-gelber Farbe, dunkel-braun gefleckt, tragend.
5 Zehen, 5 Krallen. Diese klein, gebogen, spitz, braun.
Hinterfüsse. An der Ferse ebenfalls einige, un-
regelmässig gestellte halbmondförmige Schilder. 5 Ze-
hen, 4 Krallen.
Schwanz sehr kurz, conisch, dick, mit feinen hor-
nigen Wärzchen besetzt, Spitze hornig. Angedrückt kaum
ein Drittheil der Inter-Caudalfurche erreichend. Von
der Färbung der Beine.
R ü c k e n s c h i 1 d. ümriss von oben : oval, nach hinten
erweitert (bei S. trip. verschmälert). Vorn leicht ge-
stutzt, hinten zwischen den Caudalen tief ausgebuchtet
und leicht eingedrückt. Hinterrand leicht gezähnt. Von
der Seite : bis zur Mitte der 3ten Vertebrale convex-wage-
recht, bei der 4ten leicht, bei der 5ten stark convex
abfallend. Von vorn : dachförmig, mit Unterbrechung durch
die Rückenleisten, wo das Scutum zwischen Mittel- und
Seitenkiel leicht ausgehöhlt ist. Ueber dem Kopf in der
MarginocoUargegend stark, bogig ausgerandet. Von hinten:
durch die geringe Höhe der Leisten daselbst vollständig
dachförmig. Der Rand hinten durch die ganze Breite
des Schildes gehoben, daher flach-bogig ausgeschnitten
erscheinend.
Sculptur. Von der Nuchale über die Mitte der
Vertebralen bis zur Grenze (Vorderrand) der Caudal-
plattcn ein gerader stumpfer und zu beiden Seiten des-
selben von der Marginocollar-, über die Costalen, bis
zum Aussenrande der Caudalplatten 2 minder hohe, je-
doch scharfe, bogige, mit der Convexität nach aussen gc-
Staurotypus marmoratus n. Bp. 269
richtete Längskiele verlaufend^ deren grösster Abstand
22,5 Mm. auf der Mitte der zweiten Costale ist. Vorn
und hinten ist der Abstand derselben IS^l Mm. Aus
vorliegenden Maassen folgt, dass die Seitengräthe sich
vorn rasch von einander entfernen um sich hinten sanft
wieder zu nähern.
Uebrige Sculptur der Platten ziemlich glatt mit
Spuren von concentrischen Furchen, sowie von diver-
girenden Strahlen versehen.
Bedeckung. Vertebralen. Itc V. gleicht einem
in die Länge gezogenem Sechseck, dessen Obertheil ab-
geflacht und die Hinterbasis in der Mitte ausgekerbt ist.
Marginocollarseiten und Basis ^leichlang, Nuchalseite
ein wfenig länger, dagegen die Costalseiten 2,75 Basis-
längen einnehmend. 2te, 3te und 4te einander gleich,
in die Breite gezogene Sechsecke, daher die beiden Verte-
bralseiten klein und ausgekerbt. Costalseiten alle gleich-
lang, 1,75 Basislängen. Die 4te Vertebrale durch die Ab-
dachung des Schildes hinten leicht abgeflacht, daher
fast fünfeckig. 5te Vertebrale ein in die Länge gezo-
genes, umgekehrtes und an seiner Spitze abgeflachtes
Fünfeck, dessen Basis an die 4te V. stösst. Costalseiten
2,3, Caudalseiten 2,0 Basislängen. Alle Seiten, bei allen
Vertebralen geradlinig.
Costalen an Grösse zum Schwänze abnehmend.
Ite C. ein Trapez mit stark bogiger (convexer) Basis,
die längste Seite; vordere Vertebralseite 2mal, obere
2,75, Inter-Costalseite l,8mal in der Basis enthalten. 2te
und 3te gestreckte Fünfecke mit parallelen Inter-Costal-
selten. Diese bei der 2ten Platte gleichlang 1,2 der Ba-
sislängen, bei der 3ten die hintere 0,75. Vertebralseiten
0^6 der Basis. 4te C. Trapez mit geknickter Basis, In-
ter-Costal- und hintere Vertebralseite 0,75 der Basis.
Obere Vertebralseite 0,4 Basislänge.
Limb US — 23 Platten (mit der Nackenpl.).
Nuchale transversalliegend, viereckig mit ausge-
kerbter Basis.
Die übrigen Marginalplatten viereckig an Grösse
zum Schwanz zunehmend. Margino femoral- sowie
270 V. Fischer:
Caudalplatten die grössten, Cau dalplatten, Trapeze
mit ihrer kleinern Basis zusammenstossend. Randseite
convex.
Sutur. Nur durch zusammenstossendc Axillar- und
Inguinalplatten bewerkstelligt.
Axillarplatte ein niedriges mit der Basis zur
Achsel gekehrtes, unregelmässiges Fünfeck, dessen Spitze
gestutzt ist.
Inguinal platte ein wenig grösser, ganz unregel-
raässig fünfseitig.
Sternum im Ganzen ziemlich plan, die Mitte der
Abdominalen und Femoralen leicht ausgehöhlt, Anale
plan, dagegen die Pectoralen leicht convex daselbst.
Kurz, bedeckt den Leib unvollkommen, reicht vorn, wo
es abgerundet ist, bis zur Mitte der zweiten M argin o-
brachialen, hinten, wo es zugespitzt, bis zum letzten
Drittheil der vorletzten Mar gino fem oralen. Ober-
fläche glatt. Auf jeder Platte eine den Seiten parallel-
laufende, folglich concentrische Furche.
Gularen und Brachialen fehlend.
Pectoralen rechtwinklige Dreiecke mit abge-
rundeter Spitze, convexer Hjpothenuse, geradlinigen
grössern (gemeinschaftlichen) und concaven kleinern Ka-
theten, bilden einen beweglichen, dreieckigen, vorn ge-
rundeten, leicht sphärisch convexen Lappen.
Abdominalen unregelmässig, kurz, dagegen sehr
breit.
Femoralen viereckig mit geraden Seiten. Sutu-
ral Seite ebenso lang wie die Abdominal- und Mar-
ginalseiten. Analseite 0,6 derselben.
Analplatte einfach (nicht doppelt, wie bei S. tri-
porcatus), rhombenförmig, mit einer kaum merklichen,
nicht bei allen Exemplaren vorhandenen, Längsfurche in
der Mitte. Das freie Ende winkelig-gcrundet. Hintere
Seiten 1,8 der vordem. Demnach das Sternum 7-plattig.
Färbung der Schale. Rückenschild hellbraun
mit braun-schwarzen Flecken und divergirenden Strahlen
marmorirt, in der Gegend der Rückenleisten heller, ins
Gelbliche. Grösste Ansammlung der Flecken auf den
Ötaurotypus tnärmoratus n. Sp. 271
Vertebralen, an der hinlern Basis, auf den Costalen in
der hintern Oberecke des Polygons.
Um das Scutum herum, den Limbus entlang zieht
sich ein heller Schein, da die Mitte jeder Marglnalplatte
einen gelblichen, mit schwarz-braunen Tupfen umsäumten
Fleck trägt. Caudalfurche von dunkeln Flecken umsäumt.
Sternum und Ster nalfl iigel, sowie die Unterseite
des Limbus gelblich-weiss, grau-braun marmorirt. Auf
der Caudalfurche ein dreieckiger brauner Tupfen. Am
Aussenrande der Pectoralen nahe der Basis ein länglicher
braun-schwarzer Fleck. In der Mitte der Abdominalen
ein rundlicher, mit dem Aussenrande verschmolzener,
grosser, gleichfarbener Tupfen. Anaiplatte in der End-
hälfte ebenfalls braun-schwarz.
Sehr oft variirt die Farbe, indem die ganze Schale
oben und unten braun-schwarz ist, dagegen bleibt die
Zeichnung stets dieselbe, nur auf dunklerm Grunde. Die
Flecken und Tupfen sind bei einer solchen dunkeln Varietät
tief-schwarz.
Maasse.
Millimeter.
Nasenscheibe, Länge 2,5
„ „ Breite 2,9
Hornlippen, Länge (vom Mundwinkel zur Mitte) 9,4
Augenspalte, Länge 3,2
Krallen, Länge '. 2 — 2,2
Schwanz, Länge 6,0
Rückenschild, Länge (von dem Nacken zur
Caud.) 63,0
„ nach der Wölbung auf
dem Mittelkiel . . . 69,3
Breite auf der Mitte der Ster-
nalfiiigel 48,0
» „ „ nach der Wölbung (da-
selbst) 62,0
Grösste Breite (daselbst) . . 48,0
Höhe. In der Mitte der Sternalfl. 22,0
Grösste Höhe (auf der 72, Länge
der convexen Pectoralen) . , 23,5
ft n
T) n
r> n
272 V.Fischer: Staurotypus marmoratus n. Sp.
Millimeter.
Brustschi Id, Länge nach der Mittelnath . . 38,5
Vorderlappen, Länge (n. d. Mittelnath) . . 13,0
^ „ Breite (am Sternalflügel) . . 19,0
Hinterlappen^ Länge (n. d. Mittelnath) . . . 16,9
^ „ Breite (am Sternalflügel) ... 15,0
Sternalflügel, Länge (an der kürzesten Stelle) 7,5
Ich erhielt das erste Exemplar dieser Art im Jahre
1870 durch Herrn Effeldt in Berlin, angeblich aus
Texas. In Mexiko soll man später auch einige gefangen
haben. Später habe ich mehrere in den Händen gehabt.
Die Lebensweise ist eine nächtliche, am Tage da-
gegen liegt das Thier auf dem Grunde des Behälters in
der dunkelsten Ecke. Erst gegen Abend wird es mun-
terer, schwimmt viel umher und frisst. Ausserhalb des
Wassers bewegt es sich wie ein Dityscus, sprungweise
das Weite suchend, scheint aber im Trocknen nicht lange
auszuhalten.
Während der ganzen Dauer der Gefangenschaft ver-
liess es das Wasser höchst selten und nur auf ganz kurze
Zeit.
Kleine Kerb- und Weich-Thiere bilden seine Haupt-
nahrung. Ausserdem frisst es auch sehr fein geschabtes
Fleisch. Die beständige Temperatur des Wassers muss
auf -f 22^ R. erhalten werden, da es sonst nicht frisst, son-
dern regungslos, mit geschlossenen Augen, wie erstarrt
auf dem Boden liegt.
Es beisst, trotz seiner Kleinheit, wüthend in den
vorgehaltenen Finger und bleibt an demselben so fest
hängen, dass man es emporheben kann.
lieber die Fortpflanzung ist mir Nichts bekannt.
Beschreibiiugeii vou Plauarieii des Baikalgebietes.
Von
Prof. Dr. Ed. Grube
in Breslau.
(Hierzu Taf. XI und XII.)
Die einzigen Nachrichten, die wir bisher über Pla-
narien des Baikalgebietes besassen, hat Gerstfeldt ge-
geben. Sie beziehen sich auf die von Maak in der An-
gara gefundenen Arten, die bei uns so verbreitete PL
torva 0. Fr. Müll, und zwei neue von Gerstfeldt auf-
gestellte: PL Ängarensis und PL guttata^ deren Beschrei-
bungen 1) er leider keine Abbildungen beigefügt hat.
Vor Kurzem hat nun Dr. Dybowski den Baikalsee
selbst in Angriff genommen und seinen dortigen Aufent-
halt mit rühmlichstem Eifer dazu benutzt, dieses gewaltige
Süsswasserbecken zu durchforschen und seine Fauna zu
Studiren. Er ist bis auf Tiefen von 300, ja 800 und 1000
Meter vorgedrungen, hat mit besonderer Vorliebe seine
Fisch- und Amphipodenfauna bearbeitet, mir aber eine
Reihe von Planarien zugestellt, welche ebenso wohl durch
ihre zum Theil auffallende Färbung als durch ihre Dimen-
sionen mein Erstaunen erregten, und durch beides mehr
an marine als an unsere bescheidenen Süsswasserformen
1) Ueber einige zum Theil neue Arten Platoden, Anneliden,
Myriapoden und Crustaceen Sibiriens, Memoires des Savants etran-
gers der Petersburger Akademie 1858 Tom. VIII, p. 261.
Archiv für Naturg. XXXVIII. Jahrg. 1. Bd. 18
274 Grube:
erinnern. Dybowski's Sendungen enthalten 10 Arten,
von denen 3 die oben genannten, auch in der Angara
vorkommenden, die übrigen neu sind. Es befinden sich
darunter Exemplare von Flanaria Angarensis und PL
fDicotylusJ pulvinar, welche im Weingeist über 60 und
70 M. bei etwa halb so grosser Breite messen und im
Leben gewiss eine Länge von 80 und 90 M. gehabt haben,
eine Grösse, die nur von wenigen Meerplanarien, von einzel-
nen Stylochrus-, Prostoceraeus-, Eurylepta- und Leptoplana-
Arten erreicht oder übertrofFen wird. Von den meisten
liegen zahlreiche Exemplare vor, so dass ich auch Ger st-
f el d t's Beschreibungen in einigen Stücken ergänzen kann.
Von allen füge ich Abbildungen hinzu, die freilich
die Thiere nur in starker Contraction wiedergeben und
man hat sie sich natürlich beim Kriechen viel gestreckter
zu denken, doch ist immerhin auch die Form der Con-
traction für die Species etwas charakteristisches und die
Exemplare sind meistens so wohl erhalten, als kämen
sie eben aus ihrem Elemente, selbst die Färbung dürfte
sich nach meinen sonstigen Erfahrungen zu urtheilen,
wenig verändert haben.
Alle hier beschriebenen Arten besitzen nur 1 Geni-
talöffnung (Sectio Monogonopora Dies.) und die Mund-
öff'nung in der Mitte des Bauches oder bald dahinter,
die Pharynxröhre, wo sie beobachtet werden konnte, war
cylindrisch. Augenpunkte waren bei der Mehrzahl der
Arten gar nicht zu entdecken, bei einigen derselben
nur an kleineren Exemplaren, sie scheinen hier also mit
dem Alter verloren zu gehen — ein Umstand, der die
Erkennung der nach der Beschaff'enheit der Augen auf-
gestellten Gattungen erschwert — , bei ein Paar Arten
waren sie an allen Exemplaren sichtbar und zwar in
mehrfacher Zahl jederseits eine einfache bis dreifache ge-
drängte Bogenreihe bildend, wie bei manchen Leptoplanen-
und Polycelis. Wenn man, wozu Schmarda geneigt
ist, die Gattung Polycelis dahin beschränkt, dass die
Augen nur am Seitenrande selbst stehen sollen, wie bei
P. nigra^ so würde man PL nigrofasciata und guttata zu
einer eigenen Gattung oder Untergattung Sorocelis er-
Beschreibungen von Planarien des Baikalgebietes. 275
beben müssen, da die Leptoplanen mit 2 GenltalöfFnungcn
versehen, überdies auch Bewohner des Meeres sind. Bei
PI. guttata und pulvinar kommen am Vorderrandc Haft-
gruben oder Haftnäpfe vor, eine Eigenthümlichkeit, die
sonst nur selten beobachtet ist, Fühler aber oder fühler-
artige Stirnfalten zeigen sich bei keiner der Baikalarten,
wie diese Organe denn überhaupt nur bei marinen Pla-
narieen ausgeprägt sind.
Planaria hepatizon Gr.
Contraeta latissime ovata vel ovalis, dorso leniter
convexo, margine piano, supra colore hepatico, concolor,
linea fusca per longitudinem bipartita, parte frontali an-
gusta a lateribus paulo seposita, haud producta, maculas
albas 2 ferente, saepius medio crenata, subtus plana, al-
bida concolor maculis ve subfuscis minutis, maxirae mar-
ginem versus obfuscata, regione frontali late fusca. Pu n eta
ocularia adultorum nuUa, in junioribus observata, in
maculis albis illis frontalibus acervulum componentla. Os
paulo pone medium situm, apertura genitalis aeque
longe ab eo atque a margine posteriore distans.
Im Baikalsee, in Tiefen von 50 bis 150 Meter.
Fast alle Exemplare dieser auffallend consistenten
Planarie sind sehr breit eiförmig, und zwar nach vorn,
etliche nach hinten verschmälert, sehr wenige breit
oval, fast kreisförmig, die Farbe leberbraun, selten dunkler
in's Grauliche, fast nie und meist nur bei letzteren fehlen
die beiden weissen Flecke hinter dem Stirnrande der
Oberseite, die bei der Mehrzahl gegen die braune Fär-
bung des Rückens lebhaft abstechen, zuweilen aber auch
so verwischt sind, dass sie wxnig in's Auge fallen. Sie
haben eine ovale Birnform und stehen auf einem schmalen,
gewöhnlich mitten eingekerbten, rechts und links durch
eine sch"wache Furche abgesetzten, unten leicht ausge-
höhlten, aber durchaus nicht verlängerten Stirntheil. Mit-
unter zeigt sich auch nach aussen von jenen beiden Fur-
chen eine weissllche fleckenartige Färbung, doch ist sie
immer viel schmäler.
Obwohl ich schon über 30 Thiere dieser Species
276 Grube:
untersucht hatte, tonnte ich doch niemals Augenpünkt-
chen unterscheiden, bis ich zuletzt an einige kleinere
Exemplare kam, und hier traten deutlich umschriebene
winzige schwarze Pünktchen verschiedener Grösse auf
den beiden inneren der weissen Stirnflecken hervor (die
grösseren oft von halbovaler Form) und über 30 auf jedem
Flecke, in ein längliches oder rundliches Häufchen grup-
pirt. Diese Pünktchen schienen mir immer kleiner als
bei PL nigro-fasciata. Demnach würde diese Art ent-
weder zu Anocelis Stimpson oder zu Sorocelis Gr. (vgl.
pag. 274) gehören, je nachdem man den jüngeren oder äl-
teren Lebenszustand mehr berücksichtigt.
Der Rücken ist durch eine feine schwärzliche, die
ganze Länge durchlaufende Linie halbirt; ich habe sie
kaum bei einem Exemplar vermissl, doch ist sie zuweilen
nur äusserst schwach ausgeprägt, wie eine zarte Furche
und ohne Pigment. Die platte Unterseite ist weisslich,
bei vielen sowohl kleineren als grösseren, und namentlich
gegen den Kand hin durch winzige graubraune Fleck-
chen, bisweilen auf der ganzen Fläche rauchfarbig, die
Stirnpartie in ziemlicher Ausdehnung gewöhnlich dunkler
braun. Aus der in der Mitte selbst oder nahe dahinter
gelegenen MundöfFnung tritt bei einigen eine weisse bis
3 M. lange Pharynxröhre hervor. Die Genitalötfnung
befindet sich ziemlich in der Mitte zwischen dem Munde
und dem Hinterrande.
Die meisten Exemplare erreichen eine Länge von
18 M. bei 11 M. Breite und 2,5 M. Dicke. Das grösste
aber misst 28 M. in der Länge, 21,5 in der Breite und
3,5 M. in der Dicke, seine Mundöffnung liegt 17 M. vom
Vorderrande, die Genitalöffnung 5,5 M. hinter dem Munde
und 5,5 vom Hinterrande entfernt. Eines der kleinsten,
nur 12 M. lang, ist fast kreisrund, da die Breite 11,3 M.
beträgt und nach vorn und hinten gleichmässig abnimmt;
ihm fehlt das schwarze Pigment der mittleren Rücken-
Unie und die dunkelbraune Färbung der Unterseite an
der Stirnpartie. Das Exemplar, an welchem ich die
Augenpünktchen entdeckte, gehört zu den kleinsten und
ist nur 11,5 M. lang und 8 M. breit.
Beschreibungen von Planai'ien des Baikalgebietes. 277
Längere Zeit war icli unschlüssig, ob ich eine an-
sebnlicli grosse, oben einfarbig braune, unten weisslisbe
Planarie, welche durch ihre zwar hinten breit gerundete,
nach vorn aber langsam und stark verjüngte Gestalt auf-
fallend abwich, zu dieser Art rechnen sollte. Sie hatte bei
einer Länge von 38,5 M. eine grösste Breite von nur
16 M. hinter der Mitte, und eine Breite von 11,5 M.
zwischen dem Iten und 2ten Viertel der Länge, und ihr
Mund lag 28 M. vom Vorderende entfernt, also beträcht-
lich weit hinter der Mitte, die (jfenitalöffnung 5 M. hinter
dem Munde. Aus dieser GenitalöfFnung ragte ein weisser
4 M. langer 2 M. breiter, jetzt etwas plattgedrückter
Körper vor, der wohl nichts anderes als das von v. Baer
beschriebene Begattungsorgan sein kann. Es scheint von
einem engen Kanal durchzogen. Diese Planarie drängte
zu einem Vergleich mit den einfarbigen Exemplaren von
PL guttata. Da sie aber weder eine Spur von Augen-
punkten noch von der mittlem Stirngrube erkennen liess,
die ich bei letzterer niemals vergeblich suchte, da ferner
die Farbe ganz den leberbraunen Ton der PI. kepattson
wiederholte, auch eine mittlere Längsfurche, wenn gleich
nicht schwarz gefärbt, vorhanden war, und auch die Con-
sistenz des Körpers mit jener übereinstimmte, konnte
ich kaum zweifeln, dass ich eine PL hepaiizon vor mir
hatte, die im Moment des Weiterkriechens mit gestreckter
Vorderhälfte gestorben war: Forschern, die diese Thiere
lebend zu beobachten Gelegenheit haben, möchte ich noch
eine genaue Vergleichung mit PI. nigrofasciata empfehlen.
Zu unserer Art gehören wohl auch die schwarzen
kugelrunden Eikapseln, welche nicht weniger als 4 M.
im Durchmesser haben und in demselben Glase lagen,
Planaria [Änocelis Stimps.) tigrina Gr.
Contraeta latissime ovata vel ovalis, paene orbicu-
laris, dorso paulisper convexo, supra umbrina, striis
transversis nigris medio multifariam interruptis 9 fere ad
12, parte frontalii medio plicata quasi crenata, minime a
lateribus seposita, lata utrinquc macula rotunda lucidiore
278 Grube:
vel subfulva ornata, vitta aiigusta nigra arcuata posteriore
circumdata; subtus ex subfusco albida, parte frontall medio
excavata. Puncta ocularia haud observata. Os proxime
post medium situm, aper iura genitalis ab co paiilo
minus quam a margine posteriore distans.
Im Baikalsee, in Tiefen von 50 bis 150 Meter.
Von Planaria tigrina liegen nicht eben viele Exem-
plare vor, diese sind in Form und Färbung aber so über-
einstimmend, dass ich sie mit grosser Sicherheit von PL
hepattzon unterscheiden kann, mit der diese Art viele
Aehnlichkeit hat. Der Umfang des Körpers ist bei den
meisten breit oval, Vorder- und Hinterhälfte gleich stumpf
gerundet, selten nach vorn etwas verschmälert, wie es
bei PI. hepatizoii häufig vorkommt, der mittlere Einschnitt
am Stirnrande geht tiefer als dort und es markirt sich
kein durch Seitenfurchen abgesetzter mittlerer Stirntheil.
In der Rückenfärbung erscheint niemals das leberfarbene
Braun jener Art, sondern ein viel düsteres Umbrabraun;
es fehlt die schwärzliche den Rücken halbirende Längs-
linie, dagegen treten schwarze Qucrlinien auf, welche
nahe oder an den Seitenrändern selbst beginnen und über
den Rücken laufen, doch nie ohne mehrfach unterbrochen
zu sein, die Streifen der mittleren Partie sind parallel,
an der Vorder- und Hinterhälfte des Rückens gekrümmt.
Die vordersten laufen concentrisch einer sehr markirten
schwarzen schmalen Bogenbinde, welche den breiten
Stirntheil von dem übrigen Rücken abgrenzt. Auf diesem
Stirntheil zu beiden Seiten seiner mittleren Einkerbung
steht ein ziemlich ansehnlicher hellerer rostgelblicher
oder weisslicher, zuweilen etwas verwischter Fleck von
runder Form, beide Flecke sind durch einen dreieckigen
hinten breiten dunkeln Zwischenraum getrennt. Augen-
punkte habe ich nirgend bemerken können. Der Rücken
ist sehr schwach gewölbt, der Rand eben, nicht dünn
genug, um durchscheinend zu werden, die Bauchseite
bräunlich weiss, ohne jede Spur von bräunlichen Färbun-
gen, wie sie bei PL hepatizon so häufig vorkommen,
ebenso fehlt eine braune Färbung der Stirnpartie an der
Bauchseite.
Beschreibungen von Planarieii des Baikalgebietes. 279
Diese Art erreicht lange nicht die Hälfte der Di-
mensionen, die wir bei der vorigen angegeben haben.
Das grösste Exemplar ist 12 M. lang und 10 M. breit,
das kleinste 9 M. lang und 8 M. breit : bei dem ersteren
die MundöfFnung 7 M. von dem Vorderrande und 2 M.
von der Genitalötfnung entfernt.
Ein drittes war, als es getödtet wurde, gerade im
Begriff eine hellbraune Eikapsel von etwa 2 M. Durch-
messer zu legen.
Planaria (Änocelis Stimps.) pardalma Gr.
Contraeta latius ovalis, vel retrorsum paulo attenuata,
foliacea, fronte medio crenata, supra gilva vel silacea ma-
culis variae formae, plerumque crenatis vel ex minoribus
compositis, saepe elongatis vel angulatis nigro-brunneis
dense conspersa, subtus albida. Puncta ocularia haud ob-
servata. Os submedium, apertura genitalis ab eo vix
minus quam a margine posteriore distans.
Im Baikalsee, in einer Tiefe von 50 bis 150 Meter.
Diese Art fand sich nur in sehr spärlichen Exem-
plaren zwischen den erst beschriebenen, und gehört wohl
zu den kleinsten, da keines eine Länge von 6 M. über-
schritt. In Gestalt und Färjbung zeigte sich eine grosse
üebereinstimmung; alle waren verhältnissmässig weniger
breit als PL tigrina, meist gleichmässig oval. Der Stirn-
rand etwas eingezogen mit kleiner Kerbe, von einem ab-
gesetzten ötirntheil und Augen keine Spur, der Rücken
fast flach zu nennen, der Rand ganz eben, zuweilen mit
leichten Ausbiegungen, die Oberseite licht ochergelb oder
matter, überall dicht mit dunkeln Flecken verschiedener Ge-
stalt überstreut, von denen viele gestreckt oder winklig ge-
knickt, die meisten am Rande gekerbt oder wie zusammen-
gerückte Fingertupfen aussehen, wie beim Pantherfell.
Der Mund liegt in der Mitte der weisslichen ganz ein-
farbigen Unterfläche, ein Rüssel war bei keinem Exem-
plar vorgetreten, die Geschlechtsöffnung ein wenig hinter
dem Munde, von ihm weniger als vom Hinterrande ab-
stehend.
280 Grube:
Länge 6 M., Breite 4,2 M., Entfernung des Mundes
vom Stirnrande 3 M., der Gcschlechtsöffnung vom Munde
etwa 1,2 M.
Planaria (Anocelis Stimps.) lanceolata Gr.
Contracia lanceolata, foliacea, fronte anguste truncata,
subtus sulco mediano longitudinali brevi raunita, margine
piano, fragilis, parte frontali band seposita, siipra pallide
brunnea, interdum leviter violascens, concolor, raro striis
longitudinalibus fuscis 2 vel 3 ornata, siibtus albida. Puncta
ocularia band observata. Os paulo pone medium situm,
apertura genitalis proxima, a margine posteriore raulto
longius distans.
Im Baikalsee in einer Tiefe von 50 — 150 Fuss.
Eine im Gegensatz zu den bisber bescbriebenen wie
es scheint leicht verletzbare und zerreissbare Art ; bei
vielen Exemplaren finde ich namentlich die Rückenhaut
längs den Seitenrändern aufgerissen, so dass der Inhalt
des Leibes hervorgedrungen ist, bei anderen ist der Rüssel
durch den Rücken herausgetreten, von noch andern gibt
es nur Vorder- und Hinterhälften. Die Gestalt dieser Art
ist eine von der vorhergehenden sehr abweichende, schmal
und langgestreckt lanzettförmig, vorn schmal abgestutzt,
etliche Exemplare sind etwas breiter und kürzer, manche
an den Seiten unterwärts eingekrümmt, viele schief ge-
dreht oder umgeknickt. Die Oberseite hat eine blass-
braune, mitunter leicht in's Violete fallende eintönige,
selten mit 2 dunkeln längs den Seitenrändern hinlaufenden
oder auch noch mit einem Mittelstreif gezierte Färbung, auch
bemerkt man wohl zuweilen noch eine Andeutung von
zarten bräunlichen ästigen Streifen am Hinterrande.
Mehrere kleinere Thiere, welche derselben Art anzuge-
hören scheinen, sind ganz bleich oder weiss. Augenpunkte
habe ich nie wahrnehmen können. Unterseite einfarbig
weiss, am Stirntheil eine leichte kurze mittlere Längs-
furche. Die Mundöffnung liegt bei manchen etwas vor,
bei andern hinter der Mitte, die Genitalöffnung sehr nahe
dahinter, weit vom Hinterrande,
Beschreibuugen von Planarien des Baikalgebietes. 281
Diese Art erinnert In ihrer Gestalt am meisten an
PL lactea, die doch aber bei mittelmässiger Streckung
nicht über 10 M. lang zu sein pflegt und nie eine gleich-
massig hellbraune Rückenfarbe zeigt, bei der vielmehr
nur die dendritisch verzweigte verdauende Höhle braun
oder violct durchschimmert. Die grössten Exemp^re der
PL lanceolata sind contrahirt 19 bis 23 M. lang, 4 M.
breit, bei jenen beträgt der Abstand des Mundes vom
Stirnrand 9 M., bei dem 23 M. langen dagegen 12 M.,
die Genitalöffnung liegt 2,5 M. hinter dem Munde, die
Schlundröhre ist öfter herausgetreten und bis 2,5 M. lang.
Planaria {Sorocelis Gr.) mgrofasciata Gr.
Contraeta ovalis, plerumque utrinque vel antrorsum
acuminata, pars frontalis a lateribus paulo seposita trian-
gularis seriebus punctorura ocularium 2 longitudinalibus,
postcriora versus leniter extrorsum curvatis, lineam me-
diam proximis. Pun cta ocularia utrinque fere 10 ad 24.
Dorsum leniter convexum, badium vel paulo pallidius,
fasciis nigris 4 (raro 3) plerumque stria quoque media,
eas secante ornatum. Fasciae angustae, paene aeque di-
stantes marginem lateralem haud attingentes, extremitatibus
saepius dilatatis. Pars ventralis alba fronte saepius infuseata.
Os proxime pone medium situm, ap er tura genitalis
ab apice corporis posteriore longlus quam ab orie distans.
Im Baikal, aus einer Tiefe von 50 bis 150 Meter.
Man kann diese Art, welche ebenfalls zu den klei-
neren gehört, und von der mir zahlreiche Exemplare ein-
geschickt sind, am wenigsten mit einer andern verwech-
seln, so charakteristisch ist Färbung und Zeichnung. Der
Körper hat die Form eines schmäleren oder breiteren, an
beiden Enden etwas verlängerten, wohl auch zugespitzten
Ovals. Besonders ist der durch 2 seitliche Furchen ab-
gesetzte Stirnthell vorgezogen, so dass er mit seiner vor-
deren Hälfte wie ein schmäleres Läppchen vorragt. Man
kann ihn, wenn man die Enden jener seitlichen Grenzen
verbindet, als abgerundet dreieckig bezeichnen, eine hin-
tere Begrenzung fehlt, er ist vorn nie eingekerbt, wohl
282 Grube:
aber auf seiner Unterseite mit einer Längsfurche ver-
sclien^ auch wohl rinnenartig ausgehöhlt, auf der Ober-
seite gewahrt man 2 längliche weisse nach vorn conver-
girende Flecken, welche von der Mitte der Länge eines
dunkeln, etwas breiteren an der Stirnspitze beginnenden
Mittelfeldchens ausgehen. Auf diesen weissen schmalen
Flecken stehen die schwarzen Augenpünktchen zu 2 oder
3 Längsreihen gruppirt, selten weniger als 16, bisweilen
24 und mehr. Sie sind entschieden länglich und fehlen
keinem Exemplar.
Die Oberseite des Körpers ist kastanienbraun mit
schwarzen Zeichnungen, welche fast regelmässig in einer
schwarzen Mittellinie und 4 sie rechtwinklig schneidendeh
schwarzen, den Seitenrand selbst nicht erreichenden und
ziemlich gleich weit auseinander liegenden Querbinden
bestehen. Der Abstand der ersten Binde vom Vorder-
und der letzten vom Hinterende kommt den Entfernungen
zwischen den einzelnen Binden selbst nahe, so dass der
Rücken in 5 Abschnitte von ähnlicher Länge zerfällt. In
der Ausdehnung der Querbinden von Rechts nach Links
finden Unterschiede statt. Die zweite pflegt die breiteste,
die dritte und erste minder breit, dagegen stärker zu sein,
und sie erscheinen zuweilen wie 2 durch eine lineare
Brücke verbundene Flecke oder als ein verschmolzener
querer Fleck. Die zweite löst sich zuweilen in 2 getrennte
Hälften auf, dasselbe gilt von der vierten, die an Breite
die dritte zu übertreffen pflegt. An einem sehr kleinen
Exemplar ist nur die zweite und dritte der 4 Querbinden
vorhanden. Die mittlere Längslinie ist bisweilen in ihrer
hinteren Hälfte nicht ausgeprägt, doch pflegt die End-
spitze des Körpers selbst schw^arz gefärbt zusein, andrer-
seits erscheint bei einzelnen Exemplaren noch eine rechte
und linke parallele, die Enden der ersten und zweiten
Querbinde verbindende Seitenlinie.
Die Unterseite des Körpers ist weiss, die äusserste
Vorder- und Hinterspitze oft schwarz gefärbt. Die Mund-
öffnung befindet sich in oder etwas hinter der Mitte, die
Genitalöftnung ihr etwas näher als dem Hinterendc. Bei
wenigen war die Pharynxröhre etwas ausgestreckt. Eine
Beschreibungen von Planarien des Baikalgebietes. 28 3
braunschwarze kugelrunde Eikapsel, die unter diesen Pla-
narien lag, hatte 2,5 M. im Durchmesser.
Die kleinsten Exemplare messen 5 M. in der Länge
und 2,5 M. in der Breite bis 7 M. in der Länge und
3,5 M. in der Breite, die mittleren und bei weitem mei-
sten 12 M. in der Länge und 6 M. in der Breite, die
grössten 20 M. in der Länge und 15 M. in der Breite
und eines sogar 22 M. in der Länge und 12,5 M. in der
Breite. Bei letzterem stand der Mund vom Vorderende
des Leibes 11 M. und von der Genitalöfi'nung 4 M. ab.
Jedenfalls bedarf PI. nigrofasciata einer noch eingehen-
deren Vergleichung mit FL hepatizon an lebenden Thieren.
Man könnte diese Art, da sie zahlreiche Augen-
pünktchen besitzt, zur Gattung Folycelis Ehrb. stellen,
wenn man nicht zu grosses Gewicht darauf legt, dass es
Ocelli ma7'ginalis sein sollen, wie sie bei PL nigra vor-
kommen und wie D i esing in die Gattungsdiagnose aufge-
nommen, im entgegengesetzten Fall müsste man wie be-
reits oben gesagt, sich zur Errichtung einer eignen Ab-
theilung Sorocelis entschliessen, charakterisirt durch 2
einfache oder mehrfache ßogenreihen von Augenpunkten
auf der Mitte des Vordertheils.
Planaria {Sarocelis Gr.) guttata Gerstf. char. emend.
Planaria guttata Gerstf. Mem. des sav. etrang. de
St. Petersbourg 1858, p. 262.
Contraeta ovalis vel oblonga utrinque obtusa, folia-
cea, margine aequo, fronte haud crenata, fovea minuta
media marginal! munita, parte frontali haud seposita, supra
lutea, pallide brunnea, olivacea, murina vel cervina vel
pallide ochracea, concolor vel subtilitcr fusce maculata,
ordinibus 2 guttarum vel macularum albarum per totam
corporis longitudinem patentibus: maculae minutae vel
majores subrotundae minime semper per paria dispositae;
2 albae frontales in omnibus observatae, margine interiore
et posteriore arcum punctorurp ocularium plerumque sim-
plicem ferentes. Pars ventralis alba. O s paulo pone me-
dium situm, apertura genitalis a margine corporis
posteriore longius quam ab ore distaus.
284 Grube
Theils dicht am Strande des Baikal, theils in grösseren
Tiefen gesammelt.
Als Gerstfeldt diese Planarie zu Gesichte bekam,
glaubte er zuerst der Beschreibung nach Planaria torva
Müll, vor sich zu haben, überzeugte sich dann aber durch
Vergleichung mit Exemplaren dieser Art selbst von der
Verschiedenheit beider, und fand sie theils in dem Zu-
sammenschliessen der beiden weissen Stirnflecke, (die er
Augenflecke nennt), was ihm bei PL torva nie begegnet
war, theils in dem ebenen Körperrand, während derselbe
bei den Weingeiatexemplaren von Fl. torva gekräuselt
erschien. Den ersten Charakter kann ich nicht anerken-
nen, ich sehe im Gegentheil bei allen dunkler gefärbten
Individuen, wiesie Ge rstfel dt beschreibt, diese weissen
Stirnflecke stets durch einen dunkeln Zwischenraum ge-
trennt und nur bei sehr bleichen fehlt derselbe. Viel
wichtiger erscheint, dassP/. ^orya joderseits nur 1 Augen-
punkt besitzt, bei Fl. guttata hingegen jederseits eine
ganze Reihe auftritt. Ausserdem hebt Gerstfeldt selbst
hervor, dass er bei PI. guttata nie eine Doppelreihe heller
Rückenflecken vermisst habe, die meines Wissens bei PL
torva nie beobachtet ist. Endlich bildet bei letzterer der
Stirnrand, worauf schon v. Baer aufmerksam macht ^),
einen stumpfen Winkel.
Auch PL guttata gehört zu den kleineren Arten,
Ihr blattförmiger noch jetzt zuweilen etwas durchschei-
nender Leib ist breiter oder schmäler oval, aber an den
Enden nicht, wie öfter bei FL nigrofasciaia zugespitzt,
und hat weniger consistente Wandungen als PL hepatizofi,
wie man daraus ersieht, dass bei manchen Exemplaren
die Pharynxröhre durch die Rückenwandung gedrungen
ist. Die Färbung variirt nicht unbeträchtlich, stimmt je-
doch darin bei allen Exemplaren überein, dass hinter dem
Stirnrande 2 grössere helle, rostgelbliche oder weisse
runde durch einen dunkleren rechts und links ausgeschnit-
tenen Zwischenraum getrennte Flecken vorkommen, längs
1) Beiträge zur Kenutniss niederer Thierc. Nov. Act. Caesariae
Leopold. Nat. Cuv. Vol. XIII. P. II. p. 705. Taf. XXXIII. F. 4—6.
Beschreibungen von Planarien des Baikalgebietes. 285
deren Innen- und Hinterrandc sich im Bogen eine ein-
fache Reihe von sehr dcuüichen runden Augenpunkten
hinzieht, so dass diese Bogen, wenn sie aneinander rückten,
die Schenkel eines x zusammensetzen würden. Die Zahl
der Augenpunkte in jedem Bogen beträgt meistens 7 bis
8, wobei dann die hintersten wohl auch in 2 Reihen ste-
hen, kann aber auf 5 und selbst 2 sinken, und ist in beiden
Bögen nicht immer dieselbe. Zuweilen sieht man nur
einen rechten und linken kurzen Bogenstrich von schwarzer
Farbe, ohne getrennte Punkte unterscheiden zu können.
Der Stirntheil ist in keinerlei Weise abgesetzt, der Stirn-
rand aber mit Ausnahme von ein paar Individuen, die
nur eine Andeutung davon tragen, bei allen durch eine
rundliche tiefe, von einem schwachen Wulst umgebene
Grube ausgezeichnet, welche den Eindruck eines Haft-
organs macht. Eine ähnliche Vertiefung gibt auch v.
Baer bei Planaria lactea an, O. Fr. Müller wollte hier
eine wirkliche Oeffnung gesehen haben. Die übrige Rücken-
seite ist bald einfarbig olivengrau oder bräunlich, sehr
fein schwärzlich punktirt, oder hellgelbbraun, mit grösseren
Tüpfelchen dicht überstreut, in beiden Fällen laufen nahe
der Mittellinie, die bisweilen auch durch einen lichten
Streif markirt ist, 2 Reihen von rundlichen Fleckchen, im
ersteren Fall sind sie gewöhnlich klein, wenig in's Auge
fallend, von rostgelber Färbung, so dass die Stirnflecke
viel mehr hervortreten, im andern Fall grösser, ganz ähn-
lich den beiden Stirnflecken, die man dann als das Ite
Paar dieser Reihen betrachten kann. Sehr selten erscheint
eine ganz blasse gelbliche Färbung ohne Fleckenreihen,
höchstens mit einer leichten Andeutung der Stirnflecken.
Die Zahl der Flecken mit Ausschluss der letzteren schwankt
in jeder Reihe zwischen 5 und 12, auch stehen sie sich
keineswegs Immer paarig gegenüber, sind vielmehr öfter
recht merklich ^QgQw einander verschoben. Die Bauch-
seite Ist weisslich; bei einem Exemplar bemerkte ich 2
breite weisse, die ganze Länge durchziehende Binden. Der
Mund liegt wenig hinter der Mitte, die Genitalöflfnung
wohl 3mal so weit vom Hinterende als vom Munde.
286 Grube:
Eine kugelige Eikapsel von etwas über 2 M. Durch-
messer scheint zu dieser Art zu gehören.
Ein olivengraues Exemplar mit 5 Paar rostgelben
Fleckchen hinter den viel grösseren weisslichen Stirn-
flecken 6 M. lang und 3 M. breit, und ein anderes von
7 M. Länge und 2,5 M. Breite sind die kleinsten, bei
letzterem liegt der Mund 3,8 M. vom Vorderrande und
2,7 von der GenitalöfFnung, das grösste Exemplar misst
16 M. in der Länge und 7 M. in der Breite; die meisten
sind etwa halb so lang und breit.
Auch diese Art müsste man zu Sorocelis (s. p. 274)
rechnen, sie schliesst sich jedenfalls in Bezug auf die
Augenstellung am nächsten an PL nigrofasciata an, an-
drerseits aber erinnert sie durch die mitten am Stirnrande
stehende Haftgrube an die Gattung Procotyla Leidig, die
freilich nur 2 Augen besitzt.
Planaria Angarensis Gerstf.
Planaria Angarensis Gerstf. 1. c. p. 261.
Contraeta ovalis, anteriora versus plerumque sensim
angustior, margine dense plicato crispata, coriacea, supra
plana, pallidius ex griseo brunnea, maculis minutis fuscis
ovalibus dense conspersa, pantherina, vel fuscior luteolo ma-
culata, vel omnino concolor griseo-brunnea vel alutacea,
subtus albida. Pars frontalis angustior, saepius producta,
late rotundata, albida, an^ice fumigata, ad basin quasi auri-
culata, albida, vitta transversa lata nigra a corpore sepa-
rata, raro ab eo haud distinguenda. Puncta ocularia
2, late inter se distantia ad auriculas collocata. 0 s sub
medium, apertura genitalis alterum tantum magis a
margine posteriore quam ab ore distans.
Gerstf eldt kennt diese Art nur aus der Angara,
alle von Dr. Dybowski eingesandten Exemplare stam-
men aus dem Baikalsee, wo sie in Tiefen von 50 bis 150
und 300 Meter, einzelne und zum Theil die grossesten selbst
aus einer Tiefe von 800 bis 1000 Meter heraufgeholt sind.
Alle Weingeistexemplare dieser blattförmigen Pla-
narie sind oval, nur eines auffallend breitoval, die meisten
Beschreibungen von Planarien des Baikalgebietes. 287
kleineren langsam nacb vorn verscbmälert, und haben
einen, wie eine Halskrause dicht gefalteten Rand, durch
welchen sich diese Art vor allen hier beschriebenen Arten
des Baikal auszeichnet. Die Haut ist von noch derberer
Consistenz als bei PL heimtizon, das ganze Thier von
lederartiger Consistenz wie auch schon G erstfei dt an-
gibt, schwer zerreissbar, kein einziges Exemplar ist schwe-
rer beschädigt, man sieht höchstens hier und da den Rand
verletzt. Der Stirntheil ist nicht durch seitliche Furchen
abgesetzt, bei kleineren Exemplaren vorgestreckt und
schmäler als die angrenzende Partie des Körpers, vorn
breit gerundet und rauchfarbig bräunlich, hinten weisslich,
und hier jederseits wie geöhrt und durch eine braun-
schwarze breite Binde von dem übrigen Rücken getrennt.
Nach innen von dem Yorderrande dieser Verbreiterungen
bemerkt man einen kleinen schwarzen Augenpunkt, von
dem der anderen Seite durch einen breiten Zwischenraum
getrennt, öfters nur sehr undeutlich, bei sehr grossen
Exemplaren vermisst man dies alles und kann gar keine
Augenpunkte erkennen, bei den jüngsten Exemplaren
dagegen sin-d sie am deutlichsten und scheinen zuweilen
sogar doppelt. Die mittelmässigen zeigen eine sanft braun-
graue Rückenfärbung, durch sehr zahlreiche dunkle rund-
liche Fleckchen gepanthert, oder mit nicht so dunkeln
verwischten Tapfen bedeckt, andere und namentlich die
grösseren sind ganz einfarbig, düster braun oder leder-
gelb ohne alle Zeichnungen und dann nur an dem ge-
krausten Rande erkennbar, aber auch bei kleinerem kann
eine ganz bleiche Färbung vorkommen.
Die Unterseite ist weisslich oder graulich, die Mund-
öffnung bald vor bald hinter der Mitte gelegen und die
Genitalöffnung steht viel weniger weit von ihr als vom
Hinterrande ab.
Ein kleines Exemplar, blass lehmgelb und ohne
Augenpunkte, ist nur 10 M. lang und hinter der Mitte
5,5 M. breit, das kleinste hat nur 6 M. Länge und 3 M.
Breite und ist mit deutlichen Augenpunkten versehen,
Mittelwüchsige haben eine Länge von 29 M. bei einer Breite
von 13 M. und einer Dicke von 3 M., ganz grosse 49 M.
288 Grube:
Länge bei 39 M. Breite und 7 M. Dicke und ein wahres
Riesenexemplar blass ledergelb und augenlos erreicht die
für eine Süsswasserplanarie unerhörte Länge von 64 M.
bei einer Breite von 39 M. und einer Dicke von 7 M.
Sein Mund war vom Vorderrande 35 M., von der Geni-
talöfFnung UM. entfernt. Auch der Rand des Leibes
hatte eine ansehnliche Dicke, und ich zählte an ihm gegen
40 Falten.
Planaria torvß (Müll.) Var. alhifrons Gr. ?
Contraeta oblonga, crassior, minus foliacea, postice
attenuata, saepius leniter acuminata, supra sordide nigri
cans, fronte late rotundata utrinque alba; subtus albida.
Os longius pone medium situm^ apertura genitalis
paene aeque longe ab ore atque ab extremitate corporis
posteriore distans.
In den kleinen Seen um den Baikal. Die gesam-
melten Exemplare sind spärlich, und die Erhaltung kaum
bei zweien befriedigend.
Eine sehr kleine Art, nur 4,5 M. lang, 2 M. breit
aber 1 M. dick, deren Mund 3,4 M. vom Stirnrande ab-
steht, Sie erinnert durch ihre Gestalt und Rückenfärbung,
namentlich durch die beiden weissen seitlichen Stirnflecke
an Mesostomum personatuiii^) 0. Schmidt, ist aber doch nicht
drehrund wie diese, sondern hat eine plattere weisse
Bauchfläche und einen gegen den starkgewölbten Rücken
abgesetzten schmalen Seitenrand. Ich möchte sie nur als
eine Yarietät von Planaria torva betrachten, bei unserer
einheimisclien PI. torva habe ich nie die weissen Rand-
flecken an der Stirn bemerkt und andrerseits konnte ich
bei einzelnen Baikal-Exemplaren die beiden auf dem Scheitel
der PI. torva stehenden winzigen weissen Fleckchen nicht
wahrnehmen, in deren jedem 1 Augenpunkt steht, während
sie bei anderen Exemplaren ganz deutlich sind.
Planaria fulvifrons Gr.
Contraeta ovalis teretiuscula raargine angusto corn-
1) Oscar Schmidt, die rhabdocölen Strudelwürmer p. 51.
Taf. IV. Fig. 10.
Beschreibungen von Planarien des Baikalgebietes. 289
planata, supra umbrina vel ex olivaceo brunnea, obsolete
fuscius maculata, parte frontaii haiid seposita pallide ochra-
cea, fascia transversa alba inter trientem longitudinis pri-
mum et secunduin apparente, a ceteio corpore sejuncta,
subtus pallidius brunnea parte anteriore alba. Puncta
ocularia 2 nigra aeque inter se atque a margine late-
rali distantia, a margine frontaii minus remota. Os. sub-
mediutti, apertiira genitalis proxime os sita.
Aus den kleinen Seen um den Baikal.
Da von dieser Art nur 2 vrinzige Exemplare einge-
sandt sind, von denen das eine mit ausgestreckter Sclilund-
röhre in der Mitte gebrochen, bin ich nicht im Stande
eine genügende Beschreibung derselben zu geben. Sie
ähnelt der Flanaria torva, welche nach Gerstfeldt in
der Angara vorkommt, hat namentlich auch wie diese 2
schwarze Augenpunkte und eine braune Färbung, zeigt
aber eine mehr drehrunde an Turbellarien erinnernde
Gestalt, doch mit schmalem zusammengedrücktem Rande,
wie ich sie nie an Weingeistexemplaren von P/, torva
wahrgenommen. Bei dem einen Exemplar ist dieser Rand
sogar vom Ende des ersten Drittheils an emporgeschlagen,
wodurch an dieser Stelle der vorn breitgerundete Körper
etwas verengt erscheint. Die Färbung weicht darin ab,
dass sie nicht gleichmässig düster, sondern der vordere
Theil blassochergelb und durch eine, wenig scharf be-
grenzte weisse Binde von dem hinteren dunkel umbra-
oder olivenbraunen undeutlich gefleckten geschieden ist.
An der lichterbraunen Bauchfläche sieht man an der ent-
sprechenden Stelle eine weissliche sich über den ganzen
Yordertheil hinziehende Färbung. Das Hinterende ist
oberhalb auch wieder gelblich und dem Vorderende ähn-
lich gefärbt.
Die Länge des besser erhaltenen Exemplars ist 3,2 M.,
die grösste Breite 1,3 M., die grösste Dicke 1 M., der
Absland des Mundes vom Vorderende 2 M.
Flanaria {Diootylus Gr.) pulvinar Gr.
Contraeta ex ovali oblonga, crassius foliacea, margine
non plicato, haud ita attenuato, mollis, minima fragilis^
Archiv für Naturg. XXXVJII. Jahrg. 1. Bd. 19
290 Grube:
supra ex Inteo ochracea^ snbtiis per medlam longitudlnem
paulo fuscior, vittis latis albidis 2 per totam longitudinem
decurrentibus subparallells, pone frontem arcu postice an-
gulo confluentibus tripartita. Pars frontalis neque
producta, neque a lateribus seposita, satis lata, utrinqiie
fovea profunda rotunda^ circumcirca tumida munita. Puneta
ocularia band observata. Os longius pone medium situra.
apertura genitalis aeque longe ab eo atque ab ex-
tremitate corporis distans.
Aus dem Baikalsee, ohne nähere Angabe der Tiefe.
Von dieser ausgezeichneten Art liegt nur ein Thier
vor, welches an Grösse den ansehnlichsten Exemplaren
der Planaria angarensis gleich kommt. Es hat eine lehm-
farbig-ochergelbe Färbung, weiche am dunkelsten in der
Mittelgegend der Bauchfiäche ist. Zwei breite weissliche
Längsbinden ziehen über die ganze Baucbfläche. Sie
scheinen nicht sowohl oberflächh'ch, als in der Dicke der
Wandung selbst zu liegen, gehen vorn hinter der Stirn
durch einen breiten Bogen in einander über, begeben
sich dann etwas aus einander, ebenso w^eit von einander
als von den Seitenrändern abstehend, ^ nähern sich in der
Mitte und verlaufen darnach ziemlich parallel bis an's
Ende, wo sie sich begegnen. Die Seitenränder sind durch-
aus nicht wellig gefaltet wie bei PL angarensis, sondern
eben, die Consistenz des Körpers durchaus nicht leder-
artig, wie dort, sondern weich und der ganze in der Mitte
merklich verdickte Körper polsterartig, seine Oberfläche
sehr glatt, und fast nirgend sieht man Spuren von Ver-
letzungen. Der Stirntheil ist weder verlängert nach seit-
lich abgesetzt, sein Vorderrand flach gerundet und sehr
charakteristisch dadurch, dass er jederseits etwas nach
der Bauchseite eine mit einem schwachen Ringwulst ein-
gefasste tiefe Grube trägt, während bei andern Arten wie
bei FL guttata nur eine einzige mittlere vorkommt; von
diesen Gruben beginnen die eben beschriebenen weissen
Längsbinden. Am Seitenrande, welcher eine ziemliche
Dicke besitzt, bald hinter jeder Grube bemerke ich eine
schwache Längsfurche oder Längsrinne von etwa 8 M.
Beschreibungen von Planarien des Baikal gebietes. 291
Länge, welche nicht zufällig zu sein scheint. Nach Augen-
punkten habe ich vergeblich gesucht.
Die Länge dieser Planarie betrug nicht weniger als
77,5 M.; die grösste Breite 31,5 M., an den Stirngruben,
welche durchaus den Eindruck von Haftorganen machen,
13 M., die Dicke in der Mitte des Leibes 4 M., der Ab-
stand der Mundöffnung, die sich eben zum Hervortreten
der Schlundröhre erweitert hatte, vom Stirnrande 50 M.,
von der Genitalöffnung 14,5 M. Die etwas ovalen Stirn-
gruben hatten einen grösseren Durchmesser von 1,5 M.
und eine Tiefe von mehr als 1 M.
Diese Planarie verdient jedenfalls zu einer eigenen
Gattung oder Untergattung Dicotylus erhoben zu werden,
da sie 2 so deutlich ausgeprägte Haftgruben an der Stirn
trägt; vielleicht gehört auch die hinter jeder derselben
befindliche Rinne des Seitenrandes und die entschieden
weit hinter der Mitte gelegene Geschlechtsöftnung zu den
generischen Charakteren.
Erklärung der Abbildungen.
Tafel XI.
Fig. 1. Planaria (Anocelis Sorocelis) hepaUzon Gr. von der Rük-
kenseite, Exemplar ohne Augenpunkte, um die Hälfte
vergrösser t.
» 1 a. Ein anderes Exemplar derselben Art von der Bauchseite
mit ausgestrecktem Pharynxrohr, ebenso vergrössert.
» Ib. Eine Eikapsel dieser Art, in natürlicher Grösse.
» 2. Planaria (Anocelis) tigrina Gr. von der Rückenseite, um
die Hälfte vergrössert.
» 3. Planaria (Anocelis) pardalina Gr. von der Rückenseite,
d'^l^mo,] vergrössert.
» 4. Planaria (Anocelis) lanceolata Gr. von der Rückenseite,
2mal vergrössert.
> 4 a. Ein anderes Exemplar derselben Art von der Bauchseite,
mit ausgestreckter Pharynxröhre. ebenso vergrössert.
292 Grube: Beschreibungen von Planarien des Baikalgebietes.
Fig. 5. Planaria (Dicotylus) pulvinar Gr. von der Bauchseite in
natürlicher Grösse. Man sieht nur die hinter dem linken
Haftnapf gelegene Rinne des vorderen Seitenrandes.
B 6. Planaria torva Müll. Var. albifrons Gr. von der Rücken-
seite, gegen 7mal vergrössert.
» 7. Planaria fulvifrons Gr. von der Rückenseite, gegen 8mal
vergrössert. Die Seiteuränder sind, wie sie an diesem
Exemplar erscheinen, emporgeschlagen gezeichnet.
Taf. XII.
Fig. 8. PZawana ^w^arewsisGerstf., ein mittelwüchsiges Exemplar
von der Rückenseite, 2mal vergrössert.
» Sa. Das grösste Exemplar derselben Art von der Bauchseite
in natürlicher Grösse.
B 9. Planaria (Sorocelis) nigrofasciata Gr. von der Rücken-
seite, 2mal vergrössert.
» 9a. Der Vordertheil desselben Thieres stärker vergrössert, um
die Augenpünktchen zu zeigen.
» 9 b. Ein anderes Exemplar derselben Art von der Bauchseite»
mit vorgestreckter Pharynxröhre, 3mal vergrössert.
» 10. Planaria (Sorocelis) guttata Gerstf. von der Rückenseite,
4mal vergrössert.
» 10 a. Der Vordertheil desselben Thieres stärker vergrössert,
um die Stellung der Augenpunkte zu zeigen.
» 10b. Der Stirnrand mit seinem mittleren Haftnapf, noch stärker
vergrössert.
» 10 c. Ein anderes Exemplar derselben Art mit kleineren Flecken
von der Rückenseite, 3mal vergrössert.
Die Familie der Echinocldariden.
Von
Troschel.
Wer sich jemals mit der gründlichen Bestimmung
von Echiniden befasst hat, wird sich überzeugt haben,
auf wie grosse Schwierigkeiten man dabei stösst, und ent-
weder wird man sich mit einer muthmasslichen Bestim-
mung begnügt, oder das Unternehmen muthlos aufgegeben
haben. Die Seeigel bieten zahlreiche und constante Merk-
male dar; also liegt die Schwierigkeit nicht an den Ob-
jecten selbst, sondern an der Ungenauigkeit und Unzu-
länglichkeit in der Benutzung der Charaktere. Dazu
kommt die Schwierigkeit, sich die sehr zerstreute Literatur
zugänglich zu machen.
Solche Werke, die das vorhandene Material voll-
ständig aufarbeiten, fehlen eigentlich ganz, denn der Ca-
talogue raisonne von Agassiz und Desor in den An-
nales des sciences naturelles reicht nicht aus, namentlich
für die Bestimmung der Species, die nur sehr kurz, oft
gar nicht charakterisirt sind, und Dujardin's und Hu-
pe's Werk „Histoirc naturelle des Zoophytes Echino-
dermes, Paris 1862^ fördert den Zweck wenig oder gar
nicht. Es wäre ein grosses Verdienst gewesen, wenn
diese Verfasser, denen ja in Paris so grosse Hülfsmittel
294 Troschel:
zu Gebote standen, mit niehr Sorgfalt und (xründlichkeit
zu Werke gegangen wären. So bleibt eine Arbeit über
die Echiniden, mit ausreichender Untersclieidung der
Species und naturgcmässer Gruppirung und Sichtung
der Gattungen, bei gewissenhafter Benutzung der Lite-
ratur, noch immer ein Desiderat.
Freilich haben mehrere Forscher neuerlich durch
einzelne Arbeiten einen rühmlichen Schritt zum Besseren
gethan, wie Lütken in Bidrag til Kundscap om Echini-
derne, Meddelelser for de naturh. Forening i Kjöben-
havn 1863, p. 69,Bölsche Zusammenstellung der bis jetzt
bekannten Echiniden aus der Gruppe der Diademiden,
Archiv für Naturgesch. 1865, p. 345, und Andere, aber
es fehlt immer noch ein durchgeführtes, auf gründlicher
Forschung beruhendes Werk über die ganze Abtheilung.
Ebenso ist die leonographie der Echiniden noch sehr im
Argen. Es gibt einige schöne bildliche Darstellungen,
wie die Abbildungen von Valenciennes in Voyage de
la Venus, aber die meisten sonstigen, namentlich älteren
Abbildungen genügen nicht den Anforderungen, die mau
gegenwärtig zu machen berechtigt ist, weil sie die Fragen
nach gewissen wichtigen Organen nicht beantworten. Wie
ersehnt ist ein vollständiges, iconographisches Werk über
die Echiniden! Wie dankbar würde es in weiten Kreisen
willkommen geheissen werden !
Ein solches Work herauszugeben kann jedoch nur
Jemand unternehmen, dem eine reiche Sammlung zu Ge-
bote steht. Ich selbst bin nicht in der Lage, und meine
Zeit ist ausserdem sowohl durch Berufsgeschäfte, wie
andere begonnene wissenschaftliche Unternehmungen zu
sehr in Anspruch genommen, als dass ich hoffen könnte,
dereinst noch einer solchen neuen Aufgabe gewachsen
zu werden. Ich habe mich jedoch mehrfach mit der Un-
tersuchung von Echiniden beschäftigt, und möchte nicht
gern die erlangten Resultate ganz unbenutzt bleiben lassen.
Daher veröffentliche ich hier meine gewonnenen Ansichten
über einige Gruppen, wie sie sich mir eben aufgedrängt
haben, ohne Anspruch auf abgeschlossene Vollendung,
nur in der Hoffnung, sie möchten künftigen Autoren als
Die Familie der Echinocidariden. 295
Vorarbeit nicht ganz werthlos sein. Ich denke später
Müsse zu finden, auch anderen Gruppen meine Aufmerk-
samkeit zu widmen.
Bei anderen Veranlassungen habe ich die angenehme
Erfahrung gemacht, däss von allen Seiten Material her-
beiströmt, von Freunden, von Sammlern und von Händ-
lern, wenn man angefangen hat zu publiciren. Diese Er-
fahrung hat nicht wenig au dem Entschlüsse beigetragen,
schon jetzt einen Theii meiner Ergebnisse drucken zu
lassen. Ich hoffe, dass manche Seeigel in meine Hände
gelangen werden, sei es zur x\nsicht und Bestimmung,
sei es zum Erwerb für das Bonner Museum, und dass
ich dadurch allmählich ein reicheres Material als Grund-
lage meiner Resultate werde rühmen können.
Was bei der Bearbeitung der Echiniden die grössten
Schwierigkeiten machen wird, das ist die Literatur. Zahl-
reiche Schriften sind über die Seeigel verfasst, seit den
ältesten Zeiten haben sie durch ihre wunderliche Gestalt
die Aufmerksamkeit der Beobachter auf sich gezogen;
es gibt auch viele mehr oder weniger gute Abbildungen.
Die Wissenschaft fordert nun mit Recht, soweit es mög-
lich ist, die richtige Feststellung der Synonymie; indessen
dieser Forderung stellen sich grosse Schwierigkeiten ent-
gegen. Von vielen, vielleicht den meisten älteren Be-
schreibungen und Abbildungen wird es kaum möglich
sein, die Genera zu bestimmen, denen sie einzureihen
sind, geschweige denn die Species. Dass nun unter den
Synonymen, wie sie von den Schriftstellern geführt wer-
den, viele sehr unsicher sind und bleiben werden, das
ist eine Folge von der Mangelhaftigkeit der Beschrei-
bungen und Abbildungen, und es ist doch auch wohl
nicht viel daran gelegen, ob sie noch richtig bestimmt
werden können. Indessen darf man sich dadurch nicht
verleiten lassen, in der Vernachlässigung der älteren Lite-
ratur zu weit zu gehen. Von vielen Arten älterer Schrift-
steller lässt sich ganz bestimmt oder doch höchst wahr-
scheinlich nachweisen, welcher Gattung der Neueren sie
angehören, und in vielen Fällen wird sich auch bei recht
sorgfältiger Untersuchung die Species nachweisen lassen.
296 Troschel:
Erschwert wird solche Nachforschung einmal dadurch,
dass die Original-Exemplare von den allerwenigsten äl-
teren Schriftstellern noch nachweislich sind, was um so
mehr zu bedauern ist, da sie gerade am sichersten und
leichtesten zur Entscheidung führen müssten. Ferner
muss ich leider bekennen, dass die Synonjmie, wie wir
sie in alten und neuen Büchern, welche über Seeigel
handeln, vorfinden, ausserordentlich im Argen liegt. Ob-
gleich sich, soweit ich es bemerkt habe, wenigstens zu-
weilen mit Bestimmtheit nachweisen lässt, dass Linne'-
sche und Lamarck'sche Arten entschieden fälschlich citirt,
selbst zu falschen Generibus gezogen worden sind, finden
wir doch so häufig diese falschen Citate wieder abge-
schrieben. Man sollte meinen, diese Annahme der Sy-
nonyme bei einer Reihe von Schriftstellern müsste be-
weisen, dass sie alle sie für richtig erkannt haben; eine
strenge Kritik beweist aber nur, dass viele Schriftsteller
sich gar nicht die Mühe genommen haben, die Citate
zu vergleichen, und die Beschreibungen zu prüfen, son-
dern dass sie nur leichtgläubig nachgeschrieben haben,
ohne sich zu überzeugen, ob solche Deutungen auch ge-
rechtfertigt waren.
Nachdem ich mich mehrfach von der Richtigkeit
meiner Behauptung überzeugt habe, darf ich wohl eine
kritische Beleuchtung aller wichtigeren Schriften über
Seeigel für höchst nothwendig erklären, um zu einer
brauchbaren Synonymie zu gelangen. Jedoch ist eine
Durchführung dieser Arbeit mit vielen Schwierigkeiten
verbunden, und erfordert grossen Zeitaufwand. Hierin
liegt der Hauptgrund, dass ich hier vorläufig nur mit
einer einzigen kleinen Gruppe von Seeigeln die Ver-
öffentlichung meiner Studien beginne.
Bereits im Juni des Jahres 1871 habe ich die regu-
lären Seeigel in eine Anzahl wohl zu unterscheidender
Familien zerlegen zu dürfen geglaubt, deren Schema in
den Sitzungsberichten der niederrheinischen Gesellschaft
für Natur- und Heilkunde p. 90 abgedruckt ist, und wel-
ches ich hier wiederhole:
Die Familie der Echinocidariden. 297
A. Höcker durchbohrt (Cidaris Lam.).
a. Höcker glatt (bei den lebenden); Ambulakral-
felder sehr schmal, ohne durchbohrte Höcker ;
Interambulakralfelder mit zwei Reihen grosser
durchbohrter Höcker; keine Ocularplatte erreicht
das Periproct ; Mundohren nicht geschlossen; Po-
renpaare in einer senkrechten Reihe ; keine Mund-
. einschnitte 1. Fam. Cidaridae.
b. Höcker crenulirt; Ambulakralfelder schmal, mit
durchbohrten Höckern; Interambulakralfelder mit
mehreren Reihen grosser durchbohrter Höcker;
alle Ocularplatten erreichen das Periproct; Mund-
ohren geschlossen, drei Porenpaare in schrägen
Querreihen; Mundeinschnitte deutlich, nicht tiefer
als breit 2. Fam. Diadematidae,
B. Höcker nicht durchbohrt (Echinus Lam.).
a. Höcker crenulirt ... 3. P^am. Salmacidae.
b. Höcker glatt.
a. Suturalporen ... 4. Fam. Mespiliadae.
ß. Keine Suturalporen.
* Vier Platten schliessen das Periproct.
5. Fam. Echinooidar idae.
** Viele Plättchen auf dem Periproct.
t Körper kreisförmig oder pentagonal.
I Drei Porenpaare in jedem Bogen.
— Mundeinschnitte seicht, keine Ocu-
larplatte erreicht das Periproct.
6. Fam. Eohiiiid ae.
= Mundeinschnitte tiefer als breit, zwei
Ocularplatten erreichen das Periproct.
7. Fam. Tr ip yi eust idae,
II Mehr als drei Poren in jedem Bogen.
8. Fam. Toxo pneustidae.
tt Körper elliptisch.
9. Fam. Echinometradae.
Es bedarf wohl kaum der Erwähnung, dass die ge-
nannten Familien nicht durch die kurzen Kennzeichen
obiger Uebersicht charakterisirt sind, sondern dass noch
andere Merkmale durchgreifend hinzutreten. Ich habe
298 Troschel:
mich hier mit der Angabe derjenigen Charaktere begnügt,
welche hinreichend sind, um jeden vorliegenden regulären
Seeigel in seine Familie zu verweisen, und werde bei
den einzelnen Familien die übrigen Differenzen erörtern.
Meinen ersten Versuch mache ich mit der Familie Echi-
nocidaridae, weil mir grade von ihr ein ziemlich reiches
Material zu Gebote steht.
Familie Echmomda9*idae.
Reguläre Seeigel von kreisförmiger Gestalt mit un-
durchbohrten, glatten Höckern, niedriger als hoch. Die
Ambulakralfeider schmal, mit zwei Höckerreihen. Die
Porenpaare der Ambuiacren bilden eine senkrechte Reihe,
die sich auf der Bauchseite verbreitert, und dort drei bis
fünf Poreupaare in, jeder schrägen Reihe erkennen lässt.
Das Peristom ist sehr gross, grösser als der halbe Durch-
messer der Schale^ pentagonal, mit abgerundeten Ecken.
Keine Mundeinschnitte. Die Säulen der Aurikeln (Mund-
ohren) getrennt. Ein Sphäridium (Loven) nahe dem
Peristom in einer Nische am Grunde der x\mbulacren.
Das Periproct ist durch vier dreieckige Platten geschlossen.
Füsschen zweierlei Art: die unteren mit Saugplatten, die
Dorsalen gefiedert.
Diese Familie entspricht Blainville's Section A,
sowie der Gattung Echinocidaris Desmoulins = Arbacia
Gray.
Es fällt für die Abtrennung und Sicherstellung der
Echinocidariden als dgene Familie sehr ins Gewicht,
dass nach den Untersuchungen Johannes MüUer's die
Echinocidaris in dem Verhalten der Saugfüsse, die auf
der Rückseite des Secigels> gefiedert sind und kiemen-
artig werden, eine Verwandtschaft mit den Spatangen
angedeutet ist, während sie anderseits mit den Diadema
und Cidaris einige Beziehung haben.
Da ein Hauptcharakter in den vier Platten liegt,
welche das Periproct bedecken, so wird zunächst zu un-
tersuchen sein, ob die Gattungen Teninotrema, Parasa-
lenia, Podocidaris und Trigonocidaris, welche Alexander
Die Familie der Eehinocidariden. • 299
Agassiz aufgestellt hat, und deDen er vier Analplatten
zuschreibt, dieser Familie angehören.
Die Gattung Temnotrema, Proceedings of the Aca-
deniy of natural scicnces of Philadelphia 1863, p. 358, ist
folgendermassen charakterisirt: „Small sea-urchin, almost
globular, wiih marked grooves at the suture of the plates,
as in Salmacis. Two principal vertical rows of tubercles;
smaller tubercles crowded irregularly over the rest of
the plate. Abactinal system pentagonal, with prominent
angles, the anal system conslsting of four plates as in
Echinocidaris. Spines like those of Salmacis, though finer
in Proportion and more deeply grooved. Pairs of pores
arranged in a singie vertical row'^.
Im Berliner Museum habe ich mich überzeugt, dass
Temnotrema sculpta A. Agass. nichts anderes ist, als der
Jugendzustand von Temnopleurus japonicus v. Martens.
Ein kleines Exemplar von 11 Mm. Durchmesser und
6 Mm. Höhe, vrelches A. Agassiz bei seiner Anwesen-
heit in Berlin im Jahre 1870 selbst als Temnotrema
sculpta bestimmt und anerkannt hatte, fiel mir dadurch
auf, dass es nicht vier, sondern fünf Platten zum Ver-
schlusse des Periproctes besitzt. Ein Exemplar von 19 Mm.
Durchmesser und 11 Mm. Höhe, das als Temnopleurus
japonicus richtig bestimmt ist, hat deren eine ganze Menge,
doch so, dass die vorderen Platten viel grösser sind als
die hinteren. Bei einem Exemplar voii 34 Mm. Durch-
messer und 17 Mm. Höhe ist die Zahl der Periproctplatten
noch viel grösser. Dass mit dem Wachsthum die Zahl
der Periproctplatten bei den Seeigeln, welche nicht der
Familie Echinocidaridae angehören, im Allgemeinen zu-
i:immt, Ist nicht zu bezweifeln. Wir erfahren bestimmt
durch Loven in seiner Abhandlung über den Bau der
Seeigel, welche so eben erschienen ist, Öfversigt af kongi
Vetenscaps Akademien« Förhandlingar 1871, Archiv für
Naturgeschichte 1873, p. 16, dass bei ganz jungen Seeigeln
das Periproct zuerst mit einer einzigea Platte bedeckt
ist, und dass sich allmählich mehrere hinzubilden. Es
ist daher anzunehmen, dass Alexander Agassiz junge
Exemplare von Temnopleurus japonicus vor sich hatte,
300 Troschel:
die sich auf einem Stadium befanden, wo ihr Periproct
mit vier Platten verschlossen war, was ihn verleitete, eine
neue Gattung darauf zu gründen. Diese Gattung muss
demnach eingezogen werden.
Eine andere Gattung Parasalenia stellte A. Agassiz,
Bull. Museum comp. zool. 1863, p. 22, auf, und gab ihr
folgende Diagnose : Resembles Salenia in having the abac-
tinal System raised. There are only four anal plates, as
in Echinocidaris, otherwise resembles Echinometra. The
genital and ocular plates are smooth. Pores in pairs,
forming an irregulär vertical line. Im Berliner Museum
liegen zwei kleine Seeigel mit ziemlich langen Stacheln,
die noch von der Handschrift Johannes Müller's als
Tetrapygus bezeichnet, und im Jahr 1870 von Alexan-
der Agassiz selbst als Parasalenia gratiosa bestimmt
worden sind. Die Gattung Parasalenia hat nach der
Diagnose von Agassiz als wesentlichen Charakter vor
Echinometra nur die vier Periproctplatten voraus. Wie
erstaunt musste ich sein, als ich bei beiden Exemplaren
sehr deutlich fünf Platten auf dem Periproct sah, nicht
vier, wie man nach Müller's Bezeichnung und nach
Agassiz' Beschreibung doch vermuthen musste. Diese
Sache interessirte mich um so lebhafter, als ich so eben
bei dem angeblichen Temnotrema dasselbe gefunden hatte,
und mich zu eigener grössten Ueberraschung überzeugen
musste, dass Temnotrema der Jugendzustand von Temno-
pleurus sei. Dieselben Gründe sprechen nun in der That
auch für die Identität der Parasalenia mit Echinometra.
Es ist bei der grossen Sachkenntniss und Zuverlässigkeit,
deren sich Alexander Agassiz rühmen kann, nicht
zu bezweifeln, dass ihm Exemplare mit vier Periproct-
platten vorgelegen haben, aber eben so sicher besitzen die
Berliner Exemplare fünf Platten zum Verschluss der
dorsalen Oeffnung. Die ein wenig vom kreisrunden ab-
weichende, also eUiptische Schale, die in Bogen gestellten
Porenpaare, die Höcker, die Stacheln, — Alles spricht
für eine junge Echinometra. So ist denn auch die Gat-
tung Parasalenia zu tilgen, und dadurch wird die At-
mosphäre der Familie der Echinocidariden vollends ge-
Die Familie der Echinocidariden. 301
reinigt. Die sogenannten Uebergangsformen sind ab-
gewiesen, nnd nicht nur die Echinocidariden bleiben
schärfer geschieden, sondern auch die crenulirten Höcker,
die geschlossenen Aurikeln, die elliptische Gestalt bleiben
Charaktere mit vollem. Werth für ihre Familien.
In welcher Beziehung die Echinometra Arbacia Lüt-
ken, Vidensk. Meddelelser naturh. Foren, i Kjöbenhavn
1863, p. 160, zu Agassi z' Parasalenia steht, vermag ich
nicht aufzuklären. Sie hat auch vier Periproctplatten.
Man könnte sagen, der Charakter der vier Peri-
proctplatten würde dadurch werthlos, dass junge Seeigel
aus anderen Familien ebenfalls vier Platten besitzen, dass
sie also während eines gewissen Stadium^^ ihres Lebens
Echinocidaris waren. Das ist jedoch nicht richtig. Echi-
nocidaris ist eben nur ein solcher Seeigel, bei dem die
Zahl der Periproctplatten bis- zum Ende seines Lebens
stets auf vier beschränkt bleibt, und der auch sonst noch
Charaktere besitzt, welche ihn hinreichend von allen
übrigen Seeigeln unterscheiden.
Ich rauss hier noch eines sehr interessanten Seeigels
erwähnen, der sich ebenfalls im Berliner Museum befindet,
und den dasselbe unter dem Namen Parasalenia von Go-
def froy in Hamburg erhalten hat. Herr Dr. v. Härtens
theilte mir mit, dass Alexander Agassiz ihm gesagt
hat, er wolle denselben als neue Gattung unter dem
Namen Cladosalenia beschreiben. Das Exemplar ist in
Weingeist aufbewahrt und vollständig gut erhalten. Das-
selbe hat sehr deutlich vier Periproctplatten. Die Geni-
talplatten sind in einer Weise geordnet, wie es mir noch
von keinem lebenden Seeigel bekannt ist. Vier von ihnen,
nämlich die Madreporenplatte, das hintere Paar, und die
hintere unpaarige Geschlechtsplatte haben eine solche Aus-
dehnung, dass nicht nur alle fünf Ocularplatten, sondern
auch die linke Platte des vorderen Paares vom Periproctrande
ausgeschlossen sind. Die Madreporenplatte und die linke
Platte des hinteren Paares stossen in einer Naht anein-
ander. Ich vermuthe, dass wir es hier auch mit einer
jugendlichen Form zu thun haben, und dass sich später
die jetzt noch ausgeschlossene Genitalplatte zwischen
302 Troaoheli
die beiden benachbarten Platten einschieben werde, um
dann auch den Periproctrand zu erreichen, und dass sich
zu den vier Periproctplatten noch weitere Platten hinzu-
bilden werden. Die Stachein sind dick, rund, stumpf,
gestreift, roth und weiss geringelt, was mich^ in der Ver-
muthuDg bestärkt, dies sei der Jugendzustand einer Art
der Gattung Acrocladia. Hierfür spricht auch einiger-
massen noch der Umstand, dass bei erwachsenen Acro-
cladien zwar die linke Genitalplatte des vorderen Paares,
alsovdie zunächst neben der Madreporenplatte liegende,
das Periproct erreicht, aber immer mit einem Rande, der
bei weitem kleiner ist^ als der der übrigen Genitalplatten,
woraus hervorzugehen scheint, dass diese Platte sich erst
später, wenn das Periproct grösser wird, hineinschiebt.
Dann beschreibt A. Agassiz im Bulletin of the
Museum of comparative zoology 1869 p. 258 noch eine
neue Gattung Podocidaris, die ebenfalls vier Analplatten
besitzt. Ich habe sie nicht gesehen, kann mich aber der
Annahme nicht verwehren, dies sei ebenfalls der Jugend-
zustand irgend welches anderen Seeigels. Die Mund-
öff"nuDg ist gross mit seichten Einschnitten ; ihre Haut ist
mit kleinen Platten bedeckt. Das dorsale Plattensjstem
liegt in einer Einsenkung. Es sind vier Analplatten vor-
handen, und grosse Genital- und Ocularplatten, die je-
doch nicht nackt sind, sondern kleine rudimentäre knopf-
förmige Stachein tragen; die Genitalöffnungen liegen
nahe dem Periproct. Die Ambulacren haben eine Poren-
reihe, die sich gegen das Peristoni nicht erweitert. Ob
die Höcker der grossen Stacheln durchbohrt sind, ist
nicht angegeben. Die Bestachelung der Schale wird sehr
eigenthümlich geschildert. Die grossen Höcker allein
tragen eine glatte Warze, während der übrige Theil der
Schale mit rudimentären Stachein bedeckt ist, die in re-
gelmässigen verticalen Reihen geordnet sind, von denen
vier in der Mitte der Interambulakralfelder ein erhabenes
Band bilden, begleitet von drei mehr oder weniger deut-
lichen; auf den Ambulakralfcldern stehn bloss zwei sol-
cher Reihen dicht an den Ambulacren. Diese rudimen-
tären knopfförmigen Stacheln sind scharf gesägt, und
Die Familie dev Echmocidariden. 303
stehen nicht auf Höckern, sondern entspringen direct von
der Schale, wie bei sehr jungen Seeigeln, und sind an
der Basis durch eine Leiste verbunden, die eine etwa
viereckige Grube zwischen je vier Stachelchen lassen.
Endlich stellt A. Agassiz ib. p. 263 noch eine Gat-
tung Trigonocidaris auf, die auch vier Analplatten besitzt,
von denen jedoch die eine viel grösser ist, als die an-
deren. Die Mundöfifnung ist nur von massiger Grösse
mit seichten Einschnitten, die Aurikeln sind offen ; die
Ambulakren sind einreihig; die Bildung von Leisten Ist
ähnlich wie bei Podocidaris. Es unterliegt wohl keinem
Zweifel, dass auch diese Gattung, schon wegen der klei-
neren Mundöffnung nicht in die Familie der Echinocida-
riden gehört. Es muss vorläufig dahin gestellt bleiben,
ob nicht auch sie ein Jugendzustand einer anderen Gattung
ist. Es scheint, als ob sie in die Familie Salmacidae gehöre.
Wenn wir somit die Familie der Echinocidariden
auf die Gattung Echinocidaris Desmoulins = Arbacia Gray
beschränken müssen, so kommen wir zunächst zu der Er-
örterung der Frage, ob die hierher gehörigen Arten in
so wichtigen Charakteren von einander abweichen, dass
es geboten oder doch erlaubt wäre, innerhalb derselben
Genera zu unterscheiden.
L. Agassiz hat bekanntlich die Gattung Echino-
cidaris in zwei Gattungen gespalten, Agarites und Te-
trapygus. Bei ersterer sind im oberen Theile der Inter-
ambukralfelder nackte,, stachelfreie Stellen vorhanden,
die einen Stern um den dorsalen Pol bilden; bei letz-
teren treten die Stachelreihen bis an die Genitalplatten,
ohne solche nackte Räume offen zu lassen. Dieser Un-
terschied erscheint jedoch mehreren neueren Autoren
nicht haltbar, weil sich Uebergänge finden. Bei einigen
Arten ist allerdings eine Anzahl der oberen Platten der
Interambulakralfelder sehr eigcnthümlich gebildet. Es
lassen sich auf ihnen zwei Abschnitte unterscheiden, von
denen der äussere in der Umgebung des Stachelhöckers
mit kleinen Granulen besetzt ist, der innere gar keinen
Stachelhöcker besitzt und durch feinere Granula gleich-
sam punktirt erscheint. Dieser letztere Theil ist von den
304 Troschel:
Autoren als nackt bezeichnet. Die Zahl der oberen Plat-
ten, welche mit dieser Sculptur versehen sind, wodurch
um den dorsalen Pol ein fünfstrahliger Stern gebildet
wird, ist verschieden bei den Species, meist 6 bis 8. Der
punktirte, nackte Theil nimmt an den oberen Platten die
Hälfte derselben ein, wird aber nahe der Peripherie klei-
ner, so dass es nicht leicht ist, genau zu bestimmen wo
er ganz fehlt, und wie viele Platten ihn überhaupt be-
sitzen. Zuweilen ist ein nackter kurzstrahliger Stern
vorhanden, wo sich die nackte Stelle nicht auffallend
durch die punktförmige Sculptur auszeichnet, z. B. bei
Echinocidaris grandinosa Val. und bei Echinocidaris lo-
cnlata Blainv. Man kann hier zweifelhaft sein, in welche
der beiden Genera man die Art bringen soll. Ein
anderer Charakter, auf welchen die Autoren bisher zu
geringen Werth gelegt haben, obgleich er nicht unbe-
achtet geblieben ist, liegt in dem Verhalten der Ocular-
platten. Loven sagt in seiner Abhandlung über den
Bau der Echinoideen, Ofversigt kongl. Yetensk. Akad.
Förhandlingar 1871, Archiv für Naturgeschichte 1873, p.63,
dass die Ocularplatten immer in der Jugend von dem
Periproct ausgeschlossen seien, dass sie sich aber später
zwischen die Genitalplatten einschieben, und alle oder
zum Theil den Rand des Periproctes erreichen. Ich glaube,
dass hierin ein sehr constantes Merkmal gefunden wird,
welches sich vortrefflich zu generischer Trennung eignet,
und welches ich auch hier, wie in anderen Familien be-
nutze. Es gibt Familien, bei denen stets alle Ocular-
platten von dem Periproct ausgeschlossen sind, die Cida-
riden, Salmaciden, Echiniden, bei den Diademiden er-
reichen alle Ocularplatten das Periproct, bei den Tri-
pneustiden erreichen immer zwei Ocularplatten das Peri-
proct, und bei den übrigen Familien scheint das Verhalten
der Ocularplatten nicht constant zu sein, indem alle Ocu-
larplatten vom Periproct ausgeschlossen sein können, oder
einige bis an den Rand desselben vordringen. Da dieses
Merkmal bei den Species ganz constant ist, so halte ich
es für besonders geeignet, nicht nur für Bestimmung der
Species, sondern auch für Gründung und Umgrenzung
Die Familie der Echinocidariden, 305
der Gattungen. In unserer Familie der Echinocidariden
sind die Ocularplatten bei den meisten Arten vom Peri-
proct entfernt, weil die Genitalplatten gross genug sind,
um sich mit ihren Seiten zu berühren, bei zwei Arten
jedoch dringen zwei Ocularplatten bis an den Rand des
Periprocts vor und trennen die benachbarten Genital-
platten von einander. Dies ist der Fall bei Echinocidaris
nigra und spatuligera. Ich halte mich um so mehr be-
rechtigt sie generisch den andern Arten gegenüber zu
stellen, als noch ein anderer Charakter hinzutritt. Wäh-
rend nämlich bei den anderen Arten auf jeder Platte der
Interambulakralfelder nur eine einzige Querreihe von
Stachelhöckern steht, in der Zahl 2 bis 6, so trägt Echi-
nocidaris nigra auf den Platten noch ausserdem kleinere
Stachelhöcker, die eine zweite Reihe über der Hauptreihe
bilden. Bei Echinocidaris spathutigera sind diese klei-
neren Höcker zwar sehr sparsam, von Valenciennes
in Voyage Venus Zoophytes pl. V, fig. 2 aber sehr deut-
lich abgebildet; beiden meisten der von mir untersuchten
Exemplare fehlen sie.
Zu meinem Bedauern bin ich gezwungen einen
neuen Gattungsnamen einzuführen, obgleich schon die
Namen Echinocidaris, Arbacia, Agarites und Tetrapygus
in unserer Familie figuriren. Echinocidaris Desm. und
Arbacia Gray sind vollkommen identisch, sie entsprechen
der Blainville'schen Section Echinus A. und dürfen daher
nicht in verschiedenem Sinne angewendet werden. Mit
dem Namen Arbacia ist zumal viel Unfug getrieben wor-
den. Agassiz und Desor wendeten ihn in dem Catal.
rais. auf eine fossile Gattung an; Alexander iigassiz
gebraucht ihn im Sinne von Tetrapygus. Verrill setzt
ihn für Echinocidaris nigra. Bei solcher willkürlichen
Verschiedenheit der Verwendung kann nur Verwirrung
die Folge sein. Echinocidaris spatuligera gehört in die
Gattung Agarites Agass. und Echinocidaris nigra in Te-
trapygus Agass. Daher würde keiner der beiden Agas-
siz'schen Namen nach der von ihm gegebenen Definition,
mit der meinigen zusammenfallen. Unter diesen Umstän-
den erhalte ich für die meisten Arten, die ausserdem allein
Archiv f. Naturg. XXXVIH. Jahr?. 1. Bd. 20
306 Troschel:
Inder Section A bei Blainville aufgezählt sind den
Namen E ohinocidarisy und gebe der neuen, hier zu-
erst in diesem Sinne und Umfange abgetrennten Gattung
den neuen Namen Pygomma M. wodurch ich auszudrücken
beabsichtige, dass sich die Augen dem After nähern.
Synopsis der Arten.
Wir treten nun an die Aufgabe, die Species durch
sichere Charaktere zu unterscheiden. Ich lasse vorläufig
die Synonymie dahin gestellt, und beabsichtige in einem
ferneren Abschnitt gründlich zu untersuchen, welche Ar-
ten die zahlreichen Autoren vor Augen gehabt haben,
soweit sich dies aus ihren Angaben ermitteln lässt. Dar-
aus wird sich dann die Zusammenstellung /der Synonymie
ergeben. Ich kenne aus eigener Ansicht folgende Arten.
1. Echinocidaris Desmoul.
Keine Ocularplatte erreicht das Periproct ; die Platten
der Interambulakralfelder tragen nur eine Querreihe von
Stachelhöckern.
Aus dieser Gattung unterscheide ich mit völliger
Sicherheit 8 Arten, die sich im Agassiz'schen Sinne in
zwei Abtheilungen bringen lassen, und die man als Sub-
genera ansehen kann.
a. Die oberen Platten der Interambulakralfelder haben
einen inneren stachellosen, fein punctirten Theil,
wodurch ein nackter Stern um den dorsalen Pol
entsteht. Agarites Ag.
1. E. punotulata Lam. Höcker der Ambulakral-
felder mit der Basis sich fast berührend, nach oben ver-
schwindend, wenige einzelne Granula zwischen den Hök-
kern ; der dorsale Stern erstreckt sich über fünf Platten;
an der Peripherie zwei (bei sehr grossen bis vier) grosse
Stachelhöcker auf jeder Platte der Interambulakralfelder,
welche mit ihren Basen sich berühren, und die ganze
Höhe der Platten einnehmen; auch an den oberen Platten
1) TivyT] Steiss, o^fj-a Augej
Die Familie der Echiiiocidariden. 307
nehiDcn diese Höcker fast die ganze Höhe der Plat-
ten ein.
2. E. Dufresnii Blainv. Elöcker der Ambulakral-
felder mit der Bcasis sich fast berührend, nach oben
schwindet die eine der beiden Reihen; wenige Granula
zwischen den beiden Höckern ; der dorsale Stern erstreckt
sich über sieben Platten; an der Peripherie drei grosse
Stachelhöcker auf jeder Platte der Interarabulakralfelder,
welche mit ihren Basen sich berühren, und die ganze
Höhe der Platten einnehmen ; an den oberen Platten neh-
men die Höcker der äusseren Reihe die ganze Höhe der
Platten ein, neben ihnen steht, mit Ausnahme der drei
obersten Platten noch ein kleinerer Höcker, der auf die
untere Hälfte seiner Platte beschränkt ist. Farbe des
n«ickten Sterns grün.
3. E. alternans n. sp. Die Höcker der Ambulakral-
felder stossen auf der Unterseite bis zur Peripherie an
einander, oberhalb sind sie kleiner und beide Reihen von
einander entfernt, zwischen ihnen sehr grobe, unregel-
mässigc Granula, eine der beiden Reihen schwindet oben ;
der nackte Stern erstreckt sich auf acht Platten ; an der
Peripherie drei Höcker auf jeder Platte der Interam-
bulakralfelder, oberhalb besteht die äussere Reihe alter-
nirend aus grösseren und kleineren Höckern, und nur
die Platten mit grösseren Höckern tragen noch einen
zweiten kleineren nach innen.
4. E. locidata ßlainv. Die Höcker der Ambula-
kralfelder berühren sich fast, lassen nur einen geringen
Zwischenraum, in welchem nur einzelne Granula bemerkt
werden; der dorsale Stern erstreckt sich über drei Plat-
ten; an der Peripherie drei Höcker auf jeder Platte der
Interambulakral Felder, welche sich mit ihren Basen be-
rühren und die ganze Platte einnehmen; an den oberen
Platten nehmen die" Höcker nur etwa zwei Drittel der
Plattenhöhe ein, der freie Theil der Platten ist mit sehr
groben getrennten Granula besetzt. Der nackte Theil
der obersten Platten, welcher den Stern bildet, ist mit
groben Querfurchen versehen. Man kann zweifelhaft sein,
ob diese Art zu der Gruppe Agarites gehört.
308 Troschel:
5. E. stellatus Blainv. ist mir nicht aus eigener
Anschauung bekannt. Ich kenne kein Exemplar, welches
sich auf die ßlainville'sche Beschreibung beziehen Hesse.
Aus ihr ergibt sich nicht, ob die Art zu Echinocidaris
oder zu Agarites gehört; es scheint zu ersterer Gruppe.
Aus den Beschreibungen von Lütken und Verrill er-
giebt sich : Höcker der Ambuiakralfelder werden oben sebr
klein, und schwinden bevor sie die Ocularplatten errei-
chen ; der dorsale Stern erstreckt sich bis zur Hälfte der
oberen Seite; an der Peripherie drei Höcker auf jeder
Platte der Interradialfelder, die sich nicht berühren (which
are not crowded. Verrill); Farbe des nackten Sterns roth.
b. An den oberen Platten der Interambulakralfelder
lässt sich kein fein punktirter Theil unterscheiden,
kein nackter Stern um den dorsalen Pol. Echino-
cidaris s. Str.
6. E. pustulosa Klein. Die Höckerreihen der Am-
buiakralfelder berühren sich nicht, sind durch einen mit
Granula leicht besetzten Raum getrennt, der an der Pe-
ripherie fast halb so breit ist, wie die Basen der Höcker;
beide Reihen werden oben durch höckerlose Platten un-
terbrochen; auf jedei Platte der Interambulakralfelder fünf
bis sechs Höcker, die fast die ganze Höhe ihrer Platten
einnehmen, dazwischen wenige Granula; auf den oberen
Platten der Interradialfelder sind die Höcker kleiner, neh-
men nur die Hälfte der Plattenhöhe ein und sind über
und unter sich mit groben Granula gepflastert.
7. E. aequituberoulaia Blainv. Die Höckerreihen
der Ambuiakralfelder berühren sich fast, haben nur we-
nige einzelne Granula zwischen sich, die eine Reihe
schwindet oben ganz; auf jeder Platte der Interambula-
kralfelder an der Peripherie vier bis fünf Höcker, die die
ganze Höhe ihrer Platten einnehmen, dazwischen nur ver-
einzelte Granula; auch auf den oberen Platten nehmen
die Höcker fast die ganze Höhe ihrer Platten ein, so
dass nur Raum für eine einfache Granula-Reihe bleibt.
8. E. grandmosa Val. Die Höckerreihen der Am-
buiakralfelder berühren sich nicht, auf dem schmalen
Zwischenraum stehen aber nur wenige Granula, beide
Die Familie der Echinocidariden. 309
Reihen werden oben durch höckerlose Platten unter-
brochen: auf jeder Platte der Interarabul^kralfelder an
der Peripherie vier bis fünf Platten, welche die ganze
Höhe ihrer Platte einnehmen, dazwischen nur vereinzelte
Granula ; auf den oberen Platten nehmen die Höcker
nicht die ganze Höhe ihrer Platten ein und lassen Raum
für sehr grosse, langstreckige, flache Granula.
9. E. austrcdis n. sp. Die Höckerreihen der Ani-
bulakralfclder sind durch einen Raum getrennt, der mit
zwei welligen, dicht geschlossenen Reiheü grober Gra-
nula besetzt ist, die durch die mittlere Zickzacklinie
von einander deutlich geschieden sind; beide Reihen er-
reichen ziemlich vollständig die Ocularplatten ; auf jeder
Platte der Interanibulakralfelder sechs Höcker, welche
an der Peripherie die ganze Höhe ihrer Platten einneh-
men, zwischen ihnen ziemlich viele einzelne Granula, die
zuweilen zwischen zwei benachbarten Höckern einer Platte
zusammenhängende Binden bilden; auf den oberen Platten
nehmen sie nicht die ganze Plattenhöhe ein und sind von
groben, convexen Granula pflasterartig umgeben.
2. Pygomma Trosch.
Eine oder mehrere Ocularplatten erreichen das Pe-
riproct.
a. DiQ oberen Platten der Interambulakralfelder haben
einen inneren stachellosen, fein punktirten Theil,
wodurch ein nackter Stern um den dorsalen Pol
entsteht. Pyg om m a.
10. F. spatuligerum Yal. Die Höckerreihen der
Ambulakralfelder berühren sich nicht, der unterhalb bis
zur Peripherie schmale, oberhalb der Peripherie ziemlich
breite Zwischenraum mit Granula besetzt, oben schwinden
beide Reihen. Der dorsale Stern erstreckt sich über
11 Platten. Auf jeder Platte der Interambulakralfelder
stehen an der Peripherie 4 bis 6 Höcker, von denen die
vier äusseren die ganze Höhe ihrer Platten einnehmen,
ausserdem zuweilen noch kleinere Höcker, die jedoch auch
fehlen können und wenige Granula j auf der Oberseite
310 Troschel:
sind alle Höcker kleiner, in der äusseren Reihe lassen
sie über sich Baum für grobe Granula, die übrigen inne-
ren Höcker stehen an der unteren Grenze des nackten
Theils der Platten, sind sehr klein.
b. Kein nackter Stern um den dorsalen Pol. Tetra-
pygus Ag. ^ ^ ^
11. P. nigrum Molina. Die beiden Höckerreihen der
x\mbulakralfclder berühren sich fast, nur eine Reihe Hök-
ker zwischen ihnen, die eine Reihe schwindet erst auf
den obersten 3 bis 4 Platten. Auf den Interambulakral-
feldern an der Peripherie vier grosse Höcker in einer
Querreihe, ausserdem einige kleine Höcker über ihnen
und mit ihnen alternirend; letztere werden oberhalb häu-
figer, bilden eine zweite obere Reihe auf jeder Platte.
In den Zwischenräumen überall Granula, welche die
Höcker meist in einreihigem Kranze umgeben.
Historisches.
Um die Synönyraie möglichst sicher festzustellen
habe ich die allermeisten älteren und neueren Schriften
über Seeigel genau verglichen. Es ist eine zeitraubende
und schwierige Arbeit gewesen, und ich will dorn Leser
ira Folgenden dieselben vorführen, soweit sie sich auf
unsere Familie beziehen, um zu zeigen, mit welcher Sorg-
falt ich diese Arbeit ausgeführt habe. Ich hoffe dadurch
den erlangten Resultaten grösseres Vertrauen zu ver-
schaffen, als wenn ich einfach bei den einzelnen Arten
die Synonymie zusammenstellen würde. Ich finde dadurch
zugleich Gelegenheit, die Gründe für meine Deutungen
darzulegen.
1705.
Die erste Abbildung eines Seeigels, die allenfalls
für eine Echinocidaris genommen werden kann, und auch
genommen worden ist, findet sich in der Amboin'schen Ra-
riteitkaraer von Rumphius Tafel XIV. Fig. A. Die Figur ist
von oben dargestellt, so dass man die Gestalt des Peristoms
nicht sieht, die Platten der Analöffnung fehlen, die Poren-
Die Familie der Echinocidariden. 311
paare auf den Ambulakren sind nicht angegeben. So fehlt
eigentlich jeder bestimmte Anhalt, ob wir wirklich eine
Echinocidaris vor uns haben. Die Ambulakren sind aller-
dings schmal, die Höcker sind so gestellt und in solcher
Zahl vorhanden, dass man wohl vermuthen könnte, diese
Abbildung sei einer Echinocidaris punctulata entnommen;
es bleibt aber eben nur Vermuthung. Im Text pag. 31
wird die Art Echinus saxatilis genannt. Sie wird in der
Grösse mit einer Wallnuss verglichen, hellroth und weiss
von Farbe, nicht leicht zerbrechlich, die Höcker gross,
die Stacheln ein Fingerglied lang, steif und scharf. Sie
halten sich in Höhlungen der Korallen auf, in denen sie
zuweilen derartig wachsen, dass man sie nicht heraus-
hohlen kann. Als Nahrung sind sie nicht beliebt, da
ihre Eier etwas bitter schmecken. Da nun Sicheres für
die Bestimmung der Gattung oder Art sich weder aus
der Figur noch aus dem Texte ergiebt, und da doch die
Vermuthung nahe liegt, Rumphius habe einen Seeigel
aus dem Meere bei Amboina abgebildet, wiewohl eine
besondere Vaterlandsangabe nicht gemacht wird, es jeden-
falls unwahrscheinlich ist, dass ihm ein Seeigel von den
Antillen, wo Echinocidaris punctulata lebt, zugekommen
sei, so erscheint es wohlgethan, die Bestimmung dieser
Figur so lange auszusetzen, bis es gelingt eine Art von
Amboina mit ihr zu identificiren. Da es ein unnützer
Ballast ist, solche unsicheren Synonyme weiter fortzu-
führen, so lassen wir lieber dieses Citat ganz auf sich
beruhen. Selbstredend kann auch der Name Echinus
saxatilis keinen Anspruch auf Berücksichtigung machen.
1734.
Von Klein's Dispositio naturalis Echinodermatum,
Gedani 1734, erschien eine französische Uebersetzung mit
nebenstehendem lateinischen Texte, mit dem Titel Ordre
naturel des oursins de mer, Paris 1754. Wie für die
Ordnung der Seeigel überhaupt, ist dies Buch auch die
erste Quelle für die Echinocidariden. Die Figuren C,
D und E der Tafel VI stellen unzweifelhaft Arten unserer
Familie dar, die Species zu bestimmen, wird gleichfalls
312 Troschel:
möglich. Dass es Echinocidarls sind, lässt sich nanient-^
Jich an der Grösse und Gestalt des Peristoms erkennen,
welches durch die ausgebuchtetc Form sich von allen
übrigen Seeigeln unterscheidet. Im Text heisst es:
Species V. Pustulosa.
a, Densa, quasi pustulis maturis, subdiaphanis, scabra;
ore magno, sinubus arcuatis. Tab. VI. C.
/?, rarioribus pustulis; ore sinuoso. Tab. VI. D.
y, rarissimis, ano et ore parvis; Thesauri Regii Dresd.
Tab. VI. E.
Aus diesen kurzen Angaben ist natürlich nicht viel
zu entnehmen; indessen scheint sich durch einen glück-
lichen Umstand die Sache völlig aufzuklären. Alexan-
der Agassiz hat mir bei seiner Anwesenheit in Bonn
im Jahre 1870 mitgetheilt, dass die Klein'sche Sammlung
der Echinodermen sich in Erlangen befinde. Ich wandte
mich daher an den Director des dortigen Museums, Herrn
Professor Ehlers, und erhielt von ihm auf die zuvor-
kommendste Weise nicht nur Auskunft, sondern er hatte
auch die Güte, mir die entsprechenden Stücke zur An-
sicht zu übersenden. Leider enthält die Sammlung kein
authentisches Original-Exemplar, d. h. ein durch Klein'-
sche Etiquette beglaubigtes. Die drei Exemplare stammen
jedoch nach ihrem ganzen Aussehen, wie Ehlers be-
merkt, aus der Klein'schen Zeit, und ich habe bei der
Uebereinstimmung mit den Abbildungen keinen Zweifel,
dass sie die Arten sind, welche Klein abgebildet hat.
Es sind zwei verschiedene Species, das eine Exem-
plar scheint wirklich für die Figuren C und D das Ori-
ginal zu sein, und ich fühle mich vollkommen berechtigt,
ihr den Namen E. pustulosus zu lassen. Die Ansicht des
Exemplars war mir sehr interessant, denn da ich diese
Art bisher nicht gesehen hatte, sie befindet sich nicht
in den Museen zu Bonn, Stuttgart und Berlin, so war ich
in Gefahr die Klein'schen Figuren anders zu deuten.
Die beiden anderen Exemplare sind entschieden die E.
punctulata, und geben also eine gute Sicherheit, dass
Fig. E auf diese Art bezogen werden muss. Diese dri-
durch erlangte Sicherheit für die Bestimmung der Klein'-
Die Familie der Echinocidariden. 313
sehen Arten wird auch später für die Arten anderer
Autoren maassgebend sein können, namentlich, wo die
Klein'schen Figuren citirt sind. Citirt wird bei den
meisten Autoren nur die Leske'sche Bearbeitung des
Klein'schen Werkes.
1758.
In dem berühmten Thesaurus von Seba, Locuple-
tissimi rerum naturalium Thesauri accurata descriptio et
iconibus artificiosissirais expressio per universam physices
historiam, lassen sich die Figuren der Tafel X des dritten
Bandes 8, 9, 10 und 15 als Echinocidaris erkennen, aber
sie gehören zu den mindest gelungenen des ganzen Werkes.
Die Figuren 8, 9 und 10 sollen sich nach Seba's Angabe
nur durch die Farbe unterscheiden, 8 soll rosenfarbig,
9 orange, 10 purpurfarbig sein ; Fig. 15 ist Echinus marinus
colore Kermesino venustus genannt. Es will mir scheinen
als wären die Figuren 8, 9, 10 am ersten noch auf Echi-
nocidaris punctulata, Fig. 15 auf Echinocidaris pustulosa
zu beziehen, jedoch ist dies mit Sicherheit nicht zu be-
haupten. So wird man sie denn als ziemlich überflüssiges
Citat bei diesen Arten weiter zu führen haben. Ebenso
wenig ist auf die Citate dieser P'iguren bei späteren Au-
toren ein hoher Werth zu legen.
1765.
Es erschien in diesem Jahre eine Encyclop^die ou
Dictionnaire raisonne des sciences, des arts et des metiers,
par une Societe de gens de lettres. Mis en ordre et
publie par M. . . fol. Ich erwähne dieses Werk hier nur
beiläufig, um an seine Existenz zu erinnern. Für die Ge-
schichte der Echinocidariden ist es ohne Einfluss. Es hat
im Tome XI, p. 717 einen Artikel „Oursin^ worin es heisst:
Nous croyons, avec Mr. D'Argenville, qu'on peut rapporter
tous les oursins sous six genres, savoir: 1. L'oursin de
forme ronde; on en voit de la Mediterranee et de l'Ocean,
de rouges, de verds, de violets. 2. L'oursin de forme
ovale; il y en a de la grande et de la petite espece. 3.
314 Troschel:
L'oursin de figure ä pans de couleur verte, il y a aussi
de rougeatres et de giise cendre. 4. L'oursin de forme
irreguli^re ; ce genre est tres-etendii, on connait des oiir-
sins grands et petits, faits en forme de tonneau, d'autres
en disque, d'autres applatis, formant une etoile, d'autres
faits comme des fesses, d'autres en coeur ä quatre ou
cinq rayons, et a doubles rayes. 5. L'oursin plat et etoil^.
6. L'oursin de couleur violettey de forme ronde ä piquans
faits en pignons de pommes de pin ; ce dernier vient de
i'ile de f'rance en Amerique.
Eine andere Ausgabe in 8^, Mis en ordre et public
par M. Diderot et d'Alembert ä Berne et a Lausanne
1780 enthält denselben Artikel in Tome XXIV. p. 192.
Der vierte Band der Folio-Ausgabe p. 212 enthält einen
Artikel Oursins de mer fossiles, worin der Verf. seine
Eintheilung in sechs Klassen mit deren Unterabtheilungen,
und die Uebersicht der Einthdlung von Klein giebt.
Offenbar zählt der Verf., wenn er überhaupt eine
Art unserer Familie gekannt hat, dieselbe in seine erste
Gattung, von runder Form. Auf Arten lässt er sich je-
doch gar nicht ein. Einige lebende Seeigel sind Tome VI
pl. 59 — 61 abgebildet, darunter aber keine Echinocidaris.
Band VIII, p. 160, bei dem Artikel H^risson de mer,
werden die Schriftsteller citirt, welche Seeigel beschrieben
oder abgebildet haben. Der Curiosität wegen sei hier
noch angeführt, dass im X. Bande dieser Encyclopedic
p. 860 in dem Artikel Multivalvees auch der Oursin figu-
rirt, während er im Band VIII, p. 160 zu den Fischen
gezählt wird.
1766.
Die zwölfte Ausgabe vonLinne's Systema naturae
enthält I. p. 1102 die Gattung Echinus. Er unterscheidet
schon reguläres und irreguläres, und führt unter den
reguläres elf Arten auf, unter denen jedoch keine Echi-
nocidaris enthalten ist.
1767.
Nicht unbeachtet möchte ich hier ein Buch lassen,
obgleich es nicht direct auf die Geschichte der Gattung
Die Familie der Echinocid ariden. 315
Echlnocidaris Bezug hat, nämlich Catalogue systematique
et raisonne des Curiosites de la iiature et de i'art, qui
composent le Cabinet de M. Davila. Paris 1767. Darin
findet sich 1. p. 408 ein Artikel Oursins.
Der Verf. theiit die Seeigel in sechs Genera, denen
er auch Namen gibt.
1. Seeigel von hemisphärischer oder sphäroidaler Form.
Cidaris.
2. Seeigel von ovaler Gestalt, an einer Seite ausge-
schnitten, an der Basis ein wenig abgeplattet und
oben gefurcht. Spatagus.
'S. Seeigel von ovaler Gestalt ohne Ausschnitt, und
sehr convex von dem Munde bis zur abgestutzten
Spitze, ßrissus.
4. Seeigel mit unregelmässigen Seiten {h pans irre-
guliers), breit und wenig gewölbt, und auf ihrer
convexen^ Partie mit einer Art Blume von fünf
Blättern geziert. Scutum.
5. Seeigel von platter Gestalt, auf beiden Flächen mit
fünf Blättern geziert, und von einigen länglichen
Löchern durchbohrt, oder nicht. Placenta.
6. Seeigel von derselben Form, aber bei denen die
Hälfte oder mehr des Umfanges strahlig oder rad-
artig gezähnt ist, während die andere Hälfte ganz
und abgerundet ist. ßotula.
Alle diese Gattungen sind ganz gut charakterisirt,
und man versteht vollkommen, was der Verf. gemeint hat.
Während die irregulären Seeigel, deren Diffe'renzen leich-
ter in die Augen fallen, in fünf Gattungen gespalten
werden, fasst er alle regulären noch unter dem Namen
Cidaris zusammen. Unter diesen würde auch Echino-
cidaris enthalten sein; es war ihm jedoch keine Art dieser
Gattung bekannt.
1778.
Als ein sehr wichtiges Buch für die Kenntniss der
Seeigel aus älterer Zeit ist immer Klein's Naturalis
dispositio Echinodermatum, aucta a Nathanaele Godofredo
Leske angesehen worden. Es ist die wichtigste ältere
316 Troschel:
Quelle. Als Cidarls pustulosa sind auf tab. XI, fig. A,
B, C, D Seeigel abgebildet, die zu Echinocidaris gehören,
und die von den späteren Autoren zuweilen als verschie-
dene Arten genommen sind. Trotz der ziemlich langen
Beschreibung würde doch die Art nicht völlig sicher zu be-
stimmen sein, wenn nicht die oben erwähnten Klein'schen
Originalexemplare die Zweifel beseitigten. Die Höhe
soll geringer sein als der halbe Durchmesser, die Höcker
reichen bis gegen das Periproct hinauf. Die Figuren A,
B, C stellen kenntlich E. pustulosa dar. Fig. D ist E.
punctulata. Er citirt Seba III, tab. X, fig. 8—10; fig. 15
sei eine grössere Varietät. Die Anordnung der Poren
beschreibt er nicht ganz richtig, indem er sagt, dass sie
nahe dem Munde 4 — 5 Paare in schiefen Reihen bilden.
Es sind vielmehr nur drei Porenpaare in einem Bogen.
1782.
Von dem Molina'schen Werke, Saggio suUa storia
naturale del Chili del Öignor Abate Giovanni Ignazio
Molina, Bologna 1782, erschien eine französische Ueber-
setzung, Essai sur l'histoire naturelle du Chili par M. l'Abbe
Molina; traduit par Gruvel. Paris 1789, und eine englische
Uebersetzung, The geographica!, natural and civil history
of Chili, by Abbe Don I. Ignatius Molina, illustrated by
a half sheet map of the country, with notes from the
spanish and french versions and an appendix containing
copious extracts from the Araucana of Don Alonzo de
Ercilla. Transtaled from the original Italian, by an Ame-
rican Gentleman. Vol. I, 1808. Aus dem Original- Werke
übersetze ich folgende Stelle p. 200 (französische Ausgabe
p. 175, englische p. 139) ins Deutsche, weil sie sich auf
Seeigel bBzieht, von denen uns der eine hier besonders
interessirt: „Von Seeigeln oder Seeeiern gibt es einige
Species, aber vor allen sind der weisse und der schwarze
zu nennen. Der weisse Seeigel (Echinus albus) ist von
kugliger Gestalt und hat etwa drei Zoll im Durchmesser;
Schale und Stacheln sind weiss, aber die innere Sub-
stanz ist gelblich und von vortrefflichem Geschmack. Der
Die Familie der Echinocidariden. 317
schwarze Seeigel (Echimis niger) ist etwas grösser als
der weisse und von ovaler Gestalt; das Aeussere und die
Eier sind schwarz ; er wird Teufels-Igel genannt, und
wird niemals gegessen.
Auf p. 348 in dem Abschnitt Vermes, Mollusca wer-
den dann die beiden erwähnten Seeigel folgendermassen
charakterisirt.
Echinus albus hemisphaerico globosus, ambulacris
denis, areis longitudinaliter verrucosis.
Echinus niger ovatus, ambulacris quinis, areis mu-
ricatis, verrucosis.
In der ganzen neueren Literatur findet sich kein
Zweifel darüber, dass die letztere Art, Echinus niger,
eine Echinocidaris ist, und sie wird von allen Schriftstellern
Echinocidaris nigra genannt. Ich zweifle auch nicht, dass
diese Ansicht als die richtige festgehalten werden muss.
Dass Molina diesen Seeigel eiförmig nennt, kann aller-
dings auffallen, da Echinocidaris rund ist, aber es lässt
sich vermuthen, dass dieser Forscher mit der eiförmigen
Gestalt die seitliche Ansicht bezeichnen wollte, die viel
länger als hoch ist, im Gegensatze zu dem viel höheren
Echinus albus, der sich auch in der Seitenansicht dem
runden nähert. Dass die weisse Art zehn, die schwarze
nur fünf Ambulakren haben soll, ist unglücklich ausge-
drückt, darf aber nicht als ein Widerspruch gegen die
Bestimmung der Art angesehen werden. Die schwarze
Farbe, das Vaterland und die Häufigkeit des dortigen
Vorkommens berechtigen wohl zu der Annahme, dass
Molina wirklich den unter dem Namen Echinocidaris
nigra allbekannten Seeigel gemeint habe. Er wird also
auch den Namen nigra behalten können und müssen.
1788.
In Linne's Systema Naturae ed. XIII. cura J. F.
Gmelin ist nur ein Echinus enthalten, welcher von den
späteren Schriftstellern bei der Gattung Echinocidaris citirt
wird, Echinus pustulosus p. 3179, No. 38. Bei der Berühmt-
heit des Linne'schen Werkes wird es nicht ohne Interesse
sein, zu prüfen, ob er wirklich eine Echinocidaris vor
318 Troscbel:
sich gehabt hat, und ob sich vielleicht aus seinem Texte
ein Schluss auf die Species ergeben dürfte. Dabei ist
nicht zu übersehen, dass diese Species von Gmelin hin-
zugefügt ist, und dass man nur diesen iVutor dafür ver-
antwortlich machen darf.
Die Diagnose der Art ist folgende: Echinus arearum
majorum medio sutura interstincto ; verrucarum seriebus
transversis plurimis medium versus numero increscenti-
bus, areis minoribus elevatioribus. Hieraus ergibt sich
nicht viel, denn diese Angaben möchten auf viele Seeigel
passen. Sie widersprechen nicht der Gattung Echino-
cidaris, sprechen aber auch in nichts für dieselbe. Die
Naht in der Mitte der grossen Felder, der Interradien,
bedeutet nicht viel ; dass viele Querreihen von Höckern
vorhanden sind ist richtig, würde aber auch von anderen
Seeigeln gesagt werden können, und dass sie nach der
Mitte an Zahl zunehmen könnte nur etwa, angenommen
dass Gmelin wirklich eine Echinocidaris vor hatte, die
Anleitung geben, dass es nicht eine E. punctulata war,
sondern eine andere Art. Bei punctulata sind auch in
der Mitte, Gmelin meint doch gewiss mit der Mitte die
Peripherie, nur vier höchstens sechs Höcker vorhanden,
und das hätte ihn gewiss nicht zu dieser Aeusserung ver-
leitet. Dass die kleineren Felder erhabener sein sollen,
ist gleichfalls kein Charakter von Werth, denn dies kommt
vielen Seeigeln zu und ist bei Echinocidaris nicht einmal
sehr auffällig.
Die Citate, welche dann folgen, müssen allerdings
auf Echinocidaris führen, und sie sind auch unzweifelhaft
die Ursache gewesen, dass man in G m e li n's E. pustulosus
eine Echinocidaris erkannt hat.
Zuerst wird Leske apud Klein echinod. p. 150, 1. 11
A, B, 0, D citirt. Diese Figuren stellen ohne Zweifel
Echinocidaris pustulosa dar, wie wir oben bereits aner-
kannt haben. Dann folgt unter den Citaten Phelsum
Zee-eg.
Leider kann ich d;es Buch nicht nachsehen, glaube
mich aber zu erinnern, dass damit nicht viel zu machen ist.
Von Seba Thesaurus wird III, tab. 10, fig. 8—10, 15
Die Familie der Echinocidariden. 319
citiri Auch in allen diesen Figuren ist Echinocidaris zu
erkennen, die Species glaube ich, wie oben erörtert, nur
mit Wahrscheinlichkeit so deuten zu dürfen, dass die
Figuren 8, 9 und 10 Echinocidaris punctulata darstellen,
15 dagegen pustulosa.
Das Vaterland, welches noch am besten über die
Species Aufschluss geben würde, ist Gmelin leider un-
bekannt gewesen.
Nun folgt eine weitere Besehreibung, die wir vor-
zugsweise zu prüfen haben, da uns alles Frühere nur auf
die Gattung Echinocidaris geführt hat.
Zuerst wird die Grösse und das Verhältniss der
Höhe zum Durchmesser angegeben : „vix pollicem altus,
diametri bipoUicaris.^ Die Höhe ist also etwas geringer
als der halbe Durchmesser, das passt auf Echinocidaris
pustulosa und aequituberculata.
Die Farbe „ex brunneo cinereus, in rubrum vergens,
areis minoribus dilutioribus, basi magis albida, verrucis
rubellis^ bedeutet zwar nicht viel für die Unterscheidung
der Species, schliesst aber doch E. pustulosa und aequi-
tuberculata nicht aus. Die mehr weissliche Basis stimmt
mehr für pustulosa, die röthlichen Höcker mehr für aequi-
tuberculata.
Auch die Beschreibung der Sculptur der Platten
und die Vertheilung der Höcker passt am besten zu E.
aequituberculata: „areis decem majorum disco aspero,
sutura utrinque granulis minimis cincta, extimo utrinque
verrucarum ordiue solitaria Verruca, altero duabus com-
posito, ut in medio senarium numerum assequatur, areis
minoribus verrucarum ordinibus 2, quibus linea serrata,
et granula minima interjacent.^ Die Platten in den In-
terradien sind also rauh, ihre Nähte jederseits mit kleinen
Granula umgeben, die obersten haben nur einen Höcker,
die zweiten zwei Höcker, und so nehmen die Höcker nach
der Peripherie bis sechs zu, in den Ambulakralfeldern
zwei Höckerreihen, zwischen denen sehr kleine Granula
liegen. Hierdurch sind die Arten mit oben nackter Stelle
in den Tnterradien ausgeschlossen, und wir werden auf
320 Troschel:
pustulosa oder aequituberculala geleitet. Die Zahl sechs
der Höcker an der Peripherie spricht mehr für pustulosa.
Wenn aber nun Gmelin folgen lässt ^^pororum in
ambulacris paribus 4 — 5, so ist das geradezu unbegreiflich.
Das lässt sich nur auf eine Art aus der Familie Toxo-
pneustidae deuten. Sollte Gmelin einen Toxopneustes
für identisch untergemischt und verwechselt haben ? Sollte
er somit Charaktere von sehr verschiedenen Arten ver-
einigt und dadurch eine Beschreibung geschaffen haben,
die widerspruchsvoll und räthselhaft ist? Vielleicht lässt
sich aus L e s k e's Beschreibung der Poren eine Aufklärung
finden. Derselbe sagt von den Poren, dass sie in einer
senkrechten Reihe verlaufen, und dass sie nahe dem
Munde 4 — 5 Paare in schiefen Reihen bilden. Möglich,
dass Gmelin dies von L e s k e entnommen und im Streben
nach Kürze die Hauptsache unberücksichtigt gelassen hat.
Uebrigens stehen auch am Munde bei keiner Echinocidaris
4 — 5 Poren in einer Reihe, sondern immer nur drei.
Allein E. nigra macht eine Ausnahme, sie hat deren vier
in jedem Bogen. An diese Art ist jedoch weder bei
Leske noch bei Gmelin zu denken.
Was endlich den Schluss betrifft „ore late sinuoso,"
so passt er wieder vollkommen auf Echinocidaris.
Wenn ich aus allen obigen Betrachtungen das Re-
sultat ziehe, so muss ich anerkennen, dass der Gmelin'-
sche Echinus pustulosus, trotz des einen Fehlers in Be-
treff der Anordnung der Poren, zu der Gattung Echino-
cidaris gehört. Bei der Feststellung der Species kann
ich nur zwischen Echinocidaris aequituberculata und
pustulosa zweifeln. Es ist nicht ganz unwahrscheinlich,
dass Gmelin die mittelmeerische aequituberculata ge-
meint hat. Dafür spricht die leichtere Zugänglichkeit
und das häufigere Vorkommen in den Sammlungen. Ent-
scheiden lässt es sich jedoch nicht, und ebenso gut wie
Klein kann auch er die wirkliche pustulosa vor sich ge-
habt haben. Wenn gleich sich aus den Citaten ergiebt,
dass Gmelin's pustulosus eine Sammelart war, dass er
mindestens zwei Arten, pustulosa und punctulata identi-
ficirte, so ist es doch aus seiner Beschreibung erweislich,
Die Familie der Echinocidariden. 321
dass diese sich auf eine Echinocidaris bezieht, da sie
Agarites ausschliesst. Ich werde also die Gmelin'sche
Art bei pustulosa citiren.
1797.
In dem Atlas zu Voyage de la Perouse autour du
monde public par Millet-Mureau. Paris 1797 ist eine Tafel
No. 27 enthalten, auf welcher Seeigel abgebildet sind,
die ich nirgends citirt sehe. Leider kann ich in dem
vierbändigen Texte dieses berühmten Werkes keine Er-
wähnung dieser Tafel finden. Es ist aufiPallend, dass alle
Figuren sehr deutlich vier Periproctplatten zeigen, wo-
durch man auf den ersten Blick verleitet sein wird, sie
alle für Echinocidaris zu halten. Die Tafel enthält eine
obere und eine untere Abtheilung, und ist unterschrieben:
Oursins de la cote du N. O. de l'Amerique, die Seeigel
stammen also, nach dem Gange der Reise zu schlicssen,
aus Californien, wahrscheinlich von Monterey. Die obere
Tafel ist wohl nicht zu verkennen, ihre Figuren stellen
alle Podophora dar, die ja durch die niedrigen Stacheln
der Oberseite so sehr ausgezeichnet ist; aber vier Peri-
proctplatten sind deutlich zu sehen. Auf der unteren
Abtheilung sind zwei Arten abgebildet. Fig. 1, 2 und 3
ist wohl ein Toxopneustes. Zwei Ocularplatten, die beiden
hinteren, erreichen das Periproct; die Ambulakren sind
zwar nicht sehr deutlich dargestellt, scheinen aber meh-
rere Porenpaare in schrägen Reihen zu besitzen. Wieder
hat der Zeichner, Prevost, vier Periproctplatten ge-
macht. Die Figuren 5 bis 9 sind aber entschieden einem
Echinocidaris angehörig, und, wie die ganze Tafel, gar
nicht übel gezeichnet, und sogar in wesentlichen Details
kenntlich dargestellt. Der Mund ist gross, fünfeckig mit
ausgebuchteten, abgerundeten Ecken ; die Porenpaare in
einer schmalen, senkrechten Reihe, am Munde verbreitert;
auf den Ambulakralfeldern zwei Reihen Höcker, die nicht
ganz die Ocularplatten zu erreichen scheinen; vier Peri-
proctplatten; keine Ocularplatte erreicht das Periproct;
auf den Interambulakralplatten nur eine Querreihe von
Höckern auf jeder Platte, an der Peripherie deren fünf;
Archiv für Naturg. XXXVIII. Jahrg. 1. B«i. 21
322 Troschel:
kein nackter Stern um das Periproct ; die Stacheln (Fig. 8,
9) sind an der Spitze abgerundet, platt, gekielt, und man
sieht deutlich, dass der Zeichner das Lakirte hat andeuten
wollen. Da das Vaterland Nordwest-Amerika ist, so muss
die Art entv/eder grandinosa sein, oder neu. Dass auch
bei der Podophora und bei dem Toxopneustes vier Peri-
proctplatten dargestellt sind, lässt freilich auf eine Un-
genauigkeit des Zeichners schliessen; vielleicht lässt sich
dieselbe dadurch erklären, dass an den Exemplaren das
Periproct ausgebrochen, oder durch Stacheln verdeckt
war, und dass derselbe sich hat verleiten lassen, nach
dem Beispiel von der Echinocidaris den Mangel zu er-
gänzen (?).
1816.
Die erste Ausgabe von Lamarck's Histoire natu-
relle des animaux sans vertebres macht in sofern für die
Geschichte der Seeigel einen wesentlichen Fortschritt,
als in ihr 1) die Arten mit Diagnosen versehen sind, 2)
dass bei den meisten das Vaterland, wenn auch zuweilen
nicht richtig, angegeben ist, 3) dass die regulären Seeigel
in zwei Gattungen getheilt werden, je nachdem die Höcker
undurchbohrt (Echinus) oder durchbohrt (Cidarites) sind.
Die zweite Ausgabe dieses berühmten Werkes ist
von Duj ardin besorgt, soweit es die Echinodermen an-
geht, und der dritte Band, der die Seeigel enthält, 1840
erschienen. Dujardin hat, soweit es die uns jetzt inte-
ressirenden Arten angeht, nur eine Anzahl von Syno-
nymen hinzugefügt, und eine Anmerkung in Beziehung
auf die Gattungen Arbacia und Echinocidaris gemacht.
Von den Lamarck bekannten Arten sind nur zwei
der Gattung Echinocidaris angehörig, nämlich No. 18
Echinus punctulatus und No. 24 Echinus pustulosus.
Echinus punctulatus ist mit völliger Sicherheit zu
erkennen: orbicularis, convexo-conoideus, assulatus, pur-
purascens ; assulis punctulatis; fasciis pororum coloratis,
nudis, biporis ; verrucis dorsalibus perpaucis. Die con-
vexconoidische Gestalt und die sehr wenigen dorsalen
Höcker deuten die Art an.
Die Familie der Echinocidariden. 323
Auch das Synonym der ersten Ausgabe, Seba III,
tab. 10, flg. 10, a, b, iässt sich nicht füglich anders als
auf punctulata beziehen, so schlecht die Abbildungen
sind. Die Synonyme der zweiten Ausgabe sind von
Du j ardin richtig hierhergezogen.
Als Vaterland gibt Lamarck „Ocean des Grandes
Indes" an, ein offenbarer Irrthum, da die Art bei den An-
tillen lebt. Indessen kann diese falsche Angabe nicht
gegen die Deutung der Species sprechen.
Die weitere Beschreibung Iässt dann gar keinen
Zweifel mehr übrig. Die conoidische Form, die röthlich
aschgraue Färbung, die fein punktirten Interradien mit
einer Höckerreihe jederseits, die gegen die Basis zu vier
und endlich zu sechs Reihen werden, sind für Echino-
cidaris punctulata ganz charakteristisch.
Anders verhält es sich mit Lamarck's Echinus
pustulosus. Die Diagnose „E. hemisphaericus, assulatus,
albido-rubellus, ambulacris angustis, verrucarum seriebus
transversis versus marginem numero increscentibus^ Iässt
kaum eine Echinocidaris, viel weniger eine Species er-
kennen. Dass Lamarck in der ersten Ausgabe Leske
apud Klein p. 150, tab. XI, Fig. D citirt, während er kurz
vorher p. 364 bei E. punctulatus sagt, diese Figur könne
vielleicht diese letztgenannte Art darstellen, hilft auch
nicht weiter. Dass die Höcker in den Reihen nach dem
Rande hin allmählich an Zahl zunehmen sollen, schliesst
die Arten aus, bei denen die obere Mitte der Interradien
höckerlos ist. So scheinen also pustulosa, aequitubercu-
lata, australis und grandinosa übrig zu bleiben. In der
ersten Ausgabe ist kein Vaterland angegeben ; in der
zweiten Peru, und wenn man darauf einen Werth legen
wollte, so müsste man grandinosa den Vorzug geben.
Auf die Synonyme, welche Dujar di n der zweiten
Ausgabe hinzugefügt hat, ist natürlich nicht viel zu geben.
Dabei hat sich der Herausgeber offenbar durch den Na-
men pustulosus leiten lassen. Es wird bei dieser Un-
sicherheit am besten sein, das Citat fraglich zu pustu-
losus zu stellen.
Beiläufig sei bemerkt, dass sich Dujar din in der
324 Troschel:
Note 1 unter dem Text eine kleine Nachlässigkeit hat
zu Schulden kommen lassen, wenn er sagt ;,par la lar-
geur de ses aires ambulacraires qui est au moins triple
de Celle des autres aires*', da gerade umgekehrt die In-
terambulakralfelder viel breiter sind als die Ambulakral-
felder.
r
1824.
Der zweite Band der Encyclopedie m^thodique ist
den Zoophytes ou animaux rayonnes gewidmet, und Ton
D^slongchamps bearbeitet. Der Text hat gar keinen
Werth, da er ein wörtlicher Abdruck aus Lamarck's
Animaux sans vertebres ist. Wichtig sind also nur die
Abbildungen. PI. 141, fig. 6 und 7 sind im Text gar
nicht erwähnt. Die Figur 5 stellt eine Echinocidaris dar,
wie aus der Gestalt des Peristoms zu erkennen ist. Diese
Figuren sind Copien von Klein, Leske Tab. XI, Fig. A,
ß, also ergibt sich die Bestimmung als Echinocidaris pu-
stulosa von selbst.
1825.
Delle Chiaje beschrieb in Memorie sulla storia
e notomia degli animali scnza vertebre del Regno di Na-
poli im zweiten Bande, p. 364 einen neuen Seeigel unter
dem Namen Echinus neapolitanus. Die Diagnose lautet:
Corpore hemisphaerico, fusco, superne spinis subcom-
pressis, brevibus, apice cinereis, rotundato-ancipitibus, in-
terne longissimis, subulatis, omnibus striatis; fasciis decem,
rcctis, supra foveis porosis trifariam, subtus bifariam di-
gestis, poris geminis; tuberculorum areis majorum ovalibus;
ano valvulis quatuor triangularibus clause. Dass es sich
hierum eine Echinocidaris handelt, daranist kein Zweifel.
Die vier Analplatten sprechen dies deutlich aus, und die
Abbildungen tav. XXII, fig. 11—22 bestätigen es. Weder
Text noch Abbildungen ergeben eine Differenz von der
im Mittelmeer so häufigen iVrt, die unter dem Namen
E. aequituberculata allgemein bekannt ist. Was der Verf.
mit den Worten „supra foveis porosis trifariam, subtus
bifariam digestis" sagen will, ist mir nicht verständlich.
Die Familie der Echinocidariden. 326
In demselben Jahre erschien eine der wichtigsten
Arbeiten über die Seeigel von de Blainville im Dic-
tionnaire des sciences naturelles Tome 37, p. 59 — 103 als
Artikel Oursin, Echinus. In längerer Einleitung schildert
der Verf. den Bau und die Zusammensetzung der Schale.
Er unterscheidet die Coronalplatten und Terminalplatten,
schliesst die Seeigel mit durchbohrten Höckern aus, und
beschreibt dann auch die inneren Organe: die Kiefer mit
ihren Muskeln, den Darmkanal, das Herz, die Geschlechts-
organe, Nervensystem, ßewegungsorgane u. s. w. Diese
Einleitung macht einen guten Fortschritt in der Erkennt-
niss des Wesens der Seeigel gegen alle früheren Arbeiten
und bildet die Grundlage, auf der Desmoulins und
Andere später weiter gebaut haben. Was ferner die
Species-Unterscheidung betrifft, so ist auch hierfür diese
Arbeit als Hauptquelle anzusehen, obgleich es wohl schwer-
lich gelingen möchte, danach die Arten mit Sicherheit
zu bestimmen, namentlich, wenn man nur einzelne Arten
vor sich hat. Wir sehen ja auch, wie vielfach die Blain-
ville'sehen Arten verkannt und missverstanden sind. Nach-
dem ich ein gründliches Studium der Literatur durch-
gemacht und alle Blainville'schen Echinocidaris-Arten,
mit Ausnahme von stellatus vor mir gehabt habe, glaube
ich jedoch über die Bestimmung derselben ziemlich sicher
zu sein. Schätzenswerth ist die Unterscheidung von acht
Sectionen, welche die Grundlage für die späteren Gat-
tungen geboten haben. Hätte Blainville diesen Sec-
tionen Namen gegeben, dann wäre er der Gründer eines
grossen Theils der neuen Gattungen, zum Theil der Fa-
milien gewesen. Sein Verdienst ist es immerhin, eine
solche Unterscheidung zuerst vorgenommen zu haben.
Seine erste Section interessirt uns hier allein: A. Es-
peces parfaitement regulieres, ordinairement deprimees;
les aires tres inegales; les ambulacraires tres-etroites, bor-
dees par d^s ambulacres presque droits etcomposes, ädroite
et a gauche, d'une double serie de pores rapproches; les
auricules divisecs et spatulees. Er fügt hinzu das sehr
grosse Peristom und die vier Periproctplatten. Die Gat-
tung Echinocidaris ist dadurch vollkommen bestimmt.
326 Troschel:
Verf. unterscheidet in dieser Section sechs Arten:
E. pustulosus Lam., punctulatus Lam., loculatus, stellatus,
aequituberculatus und Dufresnii. Die vier letzteren sind
von ihm gegründet. Bei der Unterscheidung dieser Arten
bleibt man zuweilen rathlos. So citirt er Klein Leske's
Figur tab. XI D sowohl bei pustulosus Lam., wie bei
seinem loculatus. Das läset auf den Zweifel des Verf.
schliessen, auf welche von seinen beiden Arten er die
Figur beziehen sollte. Wir wollen die einzelnen Arten
etwas näher betrachten, indem wir die brauchbaren Cha-
raktere hervorheben.
1. E. pustulosus Lam. ,,Die beiden Höckerreihen
der Ambulakralfelder stehen gedrängt. Zehn Höcker-
reihen in den Ambulakralfeldern, auf dem Rücken wenig
markirt; Farbe grau-röthlich, Höcker roth^. Obgleich
diese Merkmale nicht viel errathen lassen, muss man die
Art für pustulosa Klein, Lam. nehmen, weil kein direkter
Widerspruch dagegen vorliegt. Gewonnen ist durch diese
Diagnose nichts, wenn man nicht in dem „tubercules des
aires ambulacraires serres'^ einen Gregensatz zu dem trös
serres anderer Arten sehen will. Die später vonBlain-
ville in seinem Manuel d'Actinologie gegebene Abbil-
dung beseitigt jeden Zweifel.
2. E. punctulatus Lam. Schale ziemlich klein, kreis-
förmig, etwas conoidisch, viel mehr Höcker an dem Um-
fange als auf dem Rücken. Die Zwischenräume fein
punktirt; zwei seitliche Reihen in der oberen Hälfte, die
sich gQgQii. die Peripherie in den Interambulakralfeldern
verdoppeln; Ambulakren schmal und purpurfarbig. Lässt
kaum ein Bedenken gegen die Richtigkeit zu. Das Vater-
land „Ocean des grandes Indes" ist irrthümlich.
E. loculatus Blainv. Die Nähte sollen sehr markirt
sein, zwei Reihen kleiner wenig gedrängter Höcker auf
den Ambulakralfeldern, höchstens vier auf den Interam-
bulakralfeldern ; die Doppelporen der Arabulak^^en in einer
einzigen Vertiefung und wie confundirt. Auffallender
Weise sagt Verf., er habe" diese Art nicht gesehen; wo-
nach hat er sie aufgestellt? Ich nehme sie für die an
Die Familie der Echinocidariden. 327
den südafrikanischen Küsten des atlantischen Oceans vor-
kommende Art, und lasse ihr den Blainville'schen Namen.
E. stellatus ßlainv. Die beiden Höckerreihen der
Ambulakren sind deutlich und getrennt, und vier grössere
in der ganzen Ausdehnung der Interambulakralfelder ;
die obere Oeifnung ohne deutliche Porenplatte; Farbe
rosenfarbig, mit einem hübschen Stern von dunklerem
Roth auf der Mitte der Schale. Nach dieser Beschreibung
müsste man die Art in die Abtheilung Echinocidaris s.
Str. bringen, da ausdrücklich gesagt ist, dass vier grössere
Höcker dans toute i'etendue des anambulacraires stehen.
Dagegen spricht freilich wieder der dunkelrothe Stern auf
der Mitte und die hinzugefügte Bemerkung, Verf. habe
diese Art nach einem Exemplar der Sammlung des Mu-
seums aufgestellt, die fälschlich mit punctulatus Lam. con-
fundirt worden sei. Alle späteren Schriftsteller haben
sie zu Agarites gesetzt, woraus ich schliessen möchte,
dass dies nach Vergleichung des Original-Exemplars, na-
mentlich durch Agassiz geschehen sei. Wenn sich
nicht durch dieses Exemplar die Sache mit Sicherheit
aufklären lässt, wird die Blainville'sche Art eine zweifel-
hafte bleiben. Das Vaterland ist nicht angegeben. Mir ist
kein Exemplar bekannt, welches sich hierauf beziehen Hesse.
E. aequituberculata Blainv. Es ist nicht zweifelhaft,
dass Blainville die mittelmeerische Art vor sich ge-
habt hat, obgleich er ihr Vaterland nicht kennt. Die
grossen Höcker, die vorstehenden Ambulakralfelder, welche
das Ansehen der Schale pentagonal erscheinen lassen,
die Farbe, Alles stimmt ganz gut. Die Art ist gewiss
identisch mit E. neapolitanus Delle Chiaje. Welcher
von beiden Arten die Priorität zukommt, wird schwer
zu entscheiden sein, da beide Autoren die Species in
demselben Jahre aufgestellt haben. Der Blainville'sche
Name ist aligemein angenommen, und daher wollen auch
wir ihn festhalten.
E. Dufresiiii Blainv. Die Höcker der Interambula-
kralfelder sind klein; auf jeder Seite der Interambula-
kralfelder auf der ganzen Oberseite nur zwei Höeker,
von denen der innere sehr klein, an der Peripherie stehen
328 Troschel:
vier auf jeder Platte ; ein nackter Stern von grüner
Farbe, die Höcker weiss. Die Farbe macht diese Art
kenntlich. Ich erkenne für sie zwei Exemplare, w^elche
meinem Freunde Dunker in Marburg gehören, und die
derselbe aus Valdivia erhielt, ßlainville giebt Terre
neuve als muthmasslichen Fundort an.
1826.
Unter den Echiniden, welche Risso im 5. Bande
seiner Histoire naturelle des principales productions de
l'Europe meridionale et principalement de celles des en-
virons de Nice et des Alpes maritimes aufzählt, scheint
'fast sein Echinus purpureus p. 227, No. 25 zu Echinoci-
daris zu gehören. Er bezeichnet ihn als hemisphärisch
mit ungetheilten Porenbändern, was wohl die Anordnung
in einer Reihe bedeuten soll; die Stacheln sind verlängert,
purpurfarbig. Man wird daher diese Risso'sche Art unter
die Synonyme der Echinocidaris aequituberculata auf-
nehmen können, wenn man sie nicht ganz der Vergessen-
heit übergeben will. Desmoulins hält ihn für identisch
mit Echinus vulgaris.
1830.
In Dictionnaire des sciences naturelles Tom. 60, p. 207
hat Blainville wieder einen Artikel, Oursin, Echinus.
Dies scheint nur ein Abdruck, resp. Auszug des früheren
Artikels Oursin zu sein.
1834.
Blainville zählt in seinem Manuel d'Actinologie
ou de Zoophytologie p. 226 unter Echinus Sect. A. die
sechs Arten auf, welche er im Dictionnaire des sciences
naturelles tome 37 aufgestellt hatte, in derselben Reihen-
folge und mit denselben Citaten, ohne Hinzufügung der
Beschreibung. Auffallender Weise ist auch hier wieder
die Figur Klein, Leske tab. XI, Fig. D sowohl bei pustu-
losus, wie bei loculatus citirt, wie früher. Die Abbildung
von Echinus pustulosus pl. 20, Fig. 2 ist werthvoll, weil
sie die Art, Echinocidaris pustulosa, recht deutlich er-
Die Familie der Echinocidariden. 329
kennen lässt. In Fig. 2 a ist richtig dargestellt, dass keine
Ocularplatte das Periproct erreicht.
Agassiz betrat in einer kurzen Notiz in Oken's
Isis 1834, p. 254 für das Stadium der Echinodermen eine
neue Bahn, indem er den Bau derselben eingehender zu
untersuchen begann, als es bisher geschehen war. Er
suchte nach der Gesetzmässigkeit in dieser Klasse, um
die Analogie der verschiedenartig ausgebildeten Theile
festzusetzen und eine allgemeine Terminologie schaffen
zu können. Hauptsächlich macht er in dieser vorläufigen
Notiz darauf aufmerksam, dass der Bau der Echinodermen
nicht ein einfach strahliger sei, sondern dass sich bei ihnen
überall ein vorn und hinten, ein rechts und links unter-
scheiden lasse. Wenn er auch dabei nicht ganz das
Richtige traf, so hat er doch dadurch -die erste Anregung
zu weiteren folgenreichen Untersuchungen gegeben. Er
deutete schon an, dass die von ihm angegebenen Ver-
hältnisse eine andere Feststellung der Genera erheischen,
und dass sie die Bestimmung der Arten ungemein er-
leichtern.
Unabhängig von ihm wurde sehr bald durch zwei
andere Autoren ein anderer wichtiger Schritt für die
Erkenntniss der Seeigel gethan, von denen der eine Des-
moulins eine hervorragende Bedeutung hat.
1835.
Das Jahr 1835 ist für die Geschichte der Echiniden
wichtig geworden, und ist das Geburtsjahr der Gattung,
welche der Familie der Echinocidariden zu Grunde liegt.
Es erschienen zwei Abhandlungen, von J. E. Gray im
April, von Desmoulins im August desselben Jahres.
Dabei ist jedoch nicht ausser Acht zu lassen, dass Des-
moulins die Tabelle vom Juli 1834 datirt.
J. E. Gray, Proceedings of the zoological society
of London, April 28, 1835, p. 57, verkündete seine An-
sichten über die Unterabtheilungen der Gattung Echinus
im Lamarck'schen Sinne, und theilt dieselbe- in vier Ge-
nera. Er hält sie für natürliche, und sehr geeignet, die
Unterscheidung der Arten dieser zahlreichen Gruppe zu
330 Troschel:
erleichtern. Die bis dahin benutzten Charaktere, wie die
Zahl der Platten und der Poren in den Ambulakren,
hält er für unbrauchbar, weil sie mit dem Wachsthum
der Individuen sich verändern. Die vier Gattungen sind:
Arbacia, Salenia, Echinus und Echinometra.
Von der Gattung Arbacia wird gesagt : Corpus de-
pressum; Areae ambulacrorura angustissimae : ambulacra
angusta, recta, singulo e serie simplici tesserarum bipo-
rosarum superpositarum efformato; tesserae ovariales et
interovariales mediocres ; anus valvis quatuor spiniferis
tectus.
Was kann deutlicher sein ? Die senkrechten Reihen
der Poren in den Ambulakren und die vier Periproctplatten
charakterisiren die Gattung hinreichend. Zum Ueberfluss
fügt er noch hinzu : Diese Gattung entspricht der Section A
von Blainville, und enthält Arbacia pustulosa (Echinus
pustulosus Lam.) und Arbacia punctulata (Ech. punctulatus
Lam.) etc. Ein Zweifel über den Umfang der Gattung
ist kaum möglich. Ich will das Verdienst Gray's dabei
nicht allzu hoch anschlagen, denn er hat eigentlich nur
der bereits von Btainville zehn Jahre früher unter-
schiedenen Gruppe einen Namen gegeben, aber nach den
allgemein anerkannten Gesetzen für die Nomenclatur
hat der Name seine volle Berechtigung. Gray's Ver-
dienst wird vielleicht noch ein wenig dadurch geschmä-
lert, dass er einige bereits von B 1 a i n v i 1 1 e ausgesprochene
Charaktere mit Stillschweigen übergeht, namentlich die
getrennten Säulen der Mundohren, und den grossen pen-
tagonalen Mund, aber sein Streben nach Kürze und Deut-
lichkeit wird ihn wohl geleitet haben. Er konnte die
Wiederholung dieser Merkmale füglich unterlassen, da
er ausdrücklich sich auf Blainville's Section A bezieht,
und die beiden ersten von Blainville erwähnten Arten
als ^ Typen seiner Gattung Arbacia nennt, die übrigen
durch sein etcetcra einschliessend. Nicht verständlich ist
mir, weshalb Agassiz und Desor später in ihrem Ca-
talogue raisonne den Namen auf eine andere fossile Gruppe
bezogen.
Des Moulins veröffentlichte die erste seiner drei
Die Familie der Echinocidarideii. 331
vortrefflichen und gründlichen Abhandlungen über die
Echiniden in der vierten Lieferung des siebenten Bandes
der Actes de la Society Linn^enne de Bordeaux, welche
am 15. August 1835 erschien, datirt aber die Arbeit vom
Juli 1834, um sich die Priorität zu sichern. In der Ta-
belle No. I charakterisirt er die Gattung Echinocidaris
folgendermassen: Bouche centrale, symmetrique, appareil
buccal osseux complet. Point de supports osseux, am-
bulacres complets. Cinq pores genitaux; Ouvertüre anale
du test perpendiculairement opposee ä la bouche; cinq
dents ; appareil masticatoire compose de 15 picces natu-
rellement separables, savoir: 5 machoires dont les deux
osselets sont soudes, et deux appareils intermaxillaires et
differents, forme chacun de 5 pieces mobiles et pareilles.
(Damit sind die regulären Seeigel charakterisirt, seine
Gattungen Echinometra, Echinus, Echinocidaris, Diadema
und Cidaris.) Dents trilamellaires; tubercnles spiniferes
non perforös (wodurch Diadema und Cidaris ausgeschlossen
werden); auricules imparfaites (apophyses rapproch^es
mais non soudees au sommet), pieces terminales anales au
nombre de quatre seulement. Forme generale circulaire,
bouche enorme, pentagonale, a cötes regulierement et ob-
tusement sinueux, a angles non fissures, appareil masti-
catoire comme dans les oursins, si ce n'est que les cornes
superieures des osselets sont largement separees, au lieu
d'^tre soudees. In der Tabelle No. II, in welcher er be-
absichtigt besonders die fossilen Seeigel zu unterscheiden,
lässt er einige der Charaktere der ersten Tabelle fort,
die an den fossilen Arten meist nicht zu beobachten sind.
Hier sind die Charaktere: Bouche centrale symmetrique;
point de supports osseux, ambulacres complets; 5 pores
genitaux, anus perpendiculairement oppose ä la bouche,
et beaucoup plus petit qu'elle; tubercules spiniferes non
perfores; forme generale circulaire, bouche enorme, pen-
tagonale, a cotes regulierement et obtusement sinueux, ä
angles non fissures, aires anambukcraires au moins triples
des ambulacraires.
Es fällt vielleicht auf, dass der Verf. in dieser zweiten
Tabelle einen Hauptcharakter weggelassen hat, nämlich
332 Troschel:
die vier Periproctplattcn. Er hat dies offenbar gethan,
weil bei fossilen Stücken das Periproct sehr oft verloren
gegangen ist, also für die Bestimmung der Gattung nicht
benutzt werden kann. Für die Gattung Echinocidaris
selbst fällt dies nicht ins Gewicht, da aus ihr noch keine
fossilen Arten bekannt geworden sind. Es spricht sehr
für die Natürlichkeit der Gattung, dass sie sich auch ohne
dieses Merkmal charakterisiren, und sicher von allen
übrigen Echiniden unterscheiden lässt.
Weiter im Texte p. 34 vrird den obigen Charakteren
der Tabellen noch hinzugefügt: Forme generale parfaite-
ment reguliere, circulaire, deprimee en dessus; surface
inf^rieure applatie, legerement concave ; ambulacres com-
plets, lanc^oles, droits, planes, bordes de chaque c6t6
d'une seule paire de pores; epines: les unes aciculaircs.
les autres terminees par une bouton Emaille, tj-es cadue,
subspatuliforme, en forme de fer de pique ä quatre aretes
inegales ; anus rigoureusement median. Verf. kennt 6 Arten,
alle lebend, von denen, eine an den französischen Küsten
vorkommt. Die Beschreibung der Arten ist für die dritte
Abhandlung vorbehalten. In einer Anmerkung p. 35
hebt er als die wesentlichsten Merkmale der Gattung
hervor : die Trennung der oberen Hörner der Knöchel-
chen am Kauapparat, die getrennten Säulen der Aurikel,
und die vier Periproctplattcn. Er giebt ferner an, dass
die Gattung der Section A von Blainville entspricht
und wundert sich, dass dieser Gelehrte nicht eine eigene
Gattung daraus gebildet hat.
Es entsteht nun die Frage, ob man dem Namen Ar-
bacia von Gray, oder Echinocidaris von Desmoulins
die Priorität zusprechen müsse. Beide haben offenbar
ganz unabhängig von einander die Gattung erkannt, beide
sind auf Blainville's Schultern dazu gelangt, beide
haben die Gattung vollkommen gleich umgrenzt, und
beide haben dieselben wesentlichen Charaktere benutzt.
In der Veröffentlichung geht Gray (April 1835) einige
Monate vor Desmoulins (August 1835) voraus. Es
kommt indessen hierbei noch der Umstand in Betracht,
dass Desmoulins p. 3 seiner Abhandlung sich ausdrück-
Die Familie der Echinocidariden. 333
lieh darauf beruft, um sich die Priorität zu wahren, dass
er seine Arbeit bereits im Juli 1834 abgesandt hatte, um
sie in den Suites ä ßuffon drucken zu lassen, und dass
er die Tabellen seiner Abhandlung vom Juli 1834 datirt.
Strenge genommen kann zwar das Datum erst von der
wirklichen Veröffentlichung gelten, aber in diesem Punkte
lässt sich auch die Publication des Gray'schen Artikels
schwerlich mit Sicherheit feststellen. Er hat seine Re-
sultate allerdings am 15. April der zoologischen Gesell-
schaft in London mitgetheilt, aber wann die Proceedings
erschienen sind, ist ungewiss. In neuerer Zeit wenigstens
geht meist eine längere Zeit hin, bevor sie gedruckt und
ausgegeben werden. So bleibt es zweifelhaft, welche
von beiden Abhandlungen früher in den Händen des
gelehrten Publicums war. Dazu kommt, dass doch auch
wohl Desmoulins schon früher seiner Societe Linneenne
de Bordeaux mag Mittheilung von seinen Untersuchungen
gemacht haben, obgleich dazu freilich ein sicherer Anhalt
fehlt, zumal der Verf. in Lanquais wohnte. Wenn ich
mich bei dieser Ungewissheit entschliesse, dem Desmou-
lins'schen Namen Echinocidaris den Vorrang zu geben,
so lege ich dabei noch in die Waagschale, dass fast alle
späteren Schriftsteller diesen Namen angenommen haben,
und dass er also den Zoologen der geläufigste ist.
In der zweiten Abhandlung, welche am 15. De-
cember 1835 und gleichfalls in den Actes de la Societe
Linneenne de Bordeaux erschien, behandelt Desmou-
lins im Allgemeinen den Bau der festen Theile derEchi-
niden, und auch diese Abhandlung verdient wegen ihrer
Gründlichkeit, mit der sie allen Vorgängern voraus eilt,
die grösste Beachtung. Ich hebe aus ihr hier nur dasjenige
hervor, was unmittelbare Beziehung auf die Gattung Echi-
nocidaris hat. Es wird p. 108 und p. 147 hervorgehoben,
dass Echinocidaris die einzige Gattung sei, bei der der
After wirklich genau in der Mitte liege, bei allen übrigen
sei er ein wenig zur Seite gerückt. Er wiederholt dann
p. 150, dass bei Echinocidaris der After rigoureusement
median sei, in der Mitte der vier gleichen Afterplatten.
Daran schliesst dann unser Verf. eine Bezeichnung für die
334 Troschel:
Verschiedenheit der Lage der das Periproct umgebenden
Platten, die er noch alle zehn für Genitalplatten nimmt.
Wenn die kleineren (Ocularplatten) vom Periproct aus-
geschlossen sind, nennt er den Apparat rosenförmig (rosa-
ciforme) ; wenn alle das Periproct berühren, sternförmig
(stelliforme) ; nur bei einer Art E. elegans sind alle zehn
Platten zu einem Ringe verschmolzen, in dem man nur
durch die Lupe die Platten und ihre hintere Verlängerung
unterscheiden kann, das nennt er randförmig (margini-
forme). Den Fall, wo ein Theil der Ocularplatten das
Periproct berührt, hat er nicht gekannt, oder doch nicht
berücksichtigt. Es wird dann hinzugefügt, bei Echinocidaris
sei der Apparat rosenförmig, was jedoch für E. nigra
und spatuligera nicht richtig ist. Bei der Beschreibung
der Platten, welche das Periproct bedecken, und die
Verf. einem Sphincter vergleicht, da nach Beendigung
seiner Function derselbe immer geschlossen bleibt, wird
p. 163 wiederholt, dass bei Echinocidaris nur vier Anal-
platten vorhanden sind, sehr gross, regelmässig, kreuz-
förmig gestellt, und dass der After genau die Mitte ein-
nimmt. Von den Platten, welche sich in der Mundhaut
finden, wird für Echinocidaris gesagt (p. 167), dass wie
bei allen Echinus, Echinometra und Diadema fünf Paare
rundlicher Schuppen nahe dem Munde und alternirend
mit den Zähnen vorhanden sind, durchbohrt für den
Durchtritt eines langen und kräftigen Tentakels. Ausser-
dem trägt die Mundhaut eine Anzahl undurchbohrter
Platten, die bei Echinocidaris ähnlich sind, wie bei Echi-
nometra atrata, nur weitläufiger gestellt, d. h. sie sind
quer verlängert, sehr klein, schwach, dünn, zahlreich,
wenig deutlich. In Betrefi" des Kauapparates giebt Verf.
für Echinocidaris an, dass er sich von dem der Echinus
und Echinometra nur dadurch unterscheide (p. 194), dass
1) die oberen Hörner der Knöchelchen kurz und weit
getrennt sind, anstatt an ihrem Ende verschmolzen zu
sein, 2) dass die Aurikeln unvollständig sind, indem die
Enden ihrer Apophysen sich kaum berühren, ohne ver-
schmolzen zu sein. Er findet dann in dem Kauapparat
einen vortrefflichen Charakter für die Unterscheidung
Die Familie der Echinocidariden. 335
seiner Gattungen der regulären Echiniden, die er in fol-
gendes Schenica bringt.
A. Obere Hörner der Knöchelchen verschmolzen. Echi-
nus und Echinometra.
B. Obere Hörner nicht verschmolzen.
a. Knöchelchen bis zur Mitte verschmolzen.
1. Zahn dreiblättrig Echinocidaris.
2, Zahn zweiblättrig ..... Diadema.
b. Knöchelchen bis zur Spitze ver-
wachsen Cidaris.
1837.
Kein Theil der ganzen Literatur über Seeigel hat
mir so viel Schwierigkeit gemacht zu beschaffen, wie die
dritte Abhandlung vor^ Desmoulins, welche gleich-
falls in den Actes de la Societe Linneenne de Bordeaux
enthalten ist, und zwar im 9. Bande. Diese Zeitschrift
scheint kaum in einer deutschen Bibliothek vollständig
vorhanden zu sein, . wenigstens blieben meine Nachsu-
chungen und Anfragen in Bonn, Berlin, Leipzig und
Göttingen vergeblich. Directe Anfragen in Bordeaux
blieben erfolglos. Endlich hat mir das Antiquariat von
Friedlaender und Sohn in Berlin ein vollständiges
Exemplar verschafft, wofür ich diesen Herren zu Dank
verpflichtet bin.
Die Abhandlung schliesst die Arbeit von Desmou-
lins noch nicht ab, vielmehr wird für die ausführliche
Beschreibung der Arten noch eine vierte und fünfte Ab-
handlung in Aussicht gestellt, die niemals erschienen ist.
Die vorliegende dritte Abhandlung ist der Erörterung
der Synonymie gewidmet, und besteht hauptsächlich aus
einer langen Tabelle, p. 211 — 413, mit fünf Spalten. In
der ersten steht der^ acceptirte Name, in der zweiten die
Synonymie der Autoren, welche Verf. selbst verglichen
hat, in der dritten die Synonymie der Autoren, welche
Verf. aus anderen entnommen hat, ohne sie selbst nach-
sehen zu können, in der vierten das Vaterland, die fünfte
ist Bemerkungen gewidmet.
In Betreff der Gattung Echinocidaris sagt Verf. in
336 Trosohel:
einer Note unter dem Text, sie sei synonym mit Arbacia
Gray, die in dem Pbilosophical magasine für October
1835, p. 329, 330 publicirt sei. Er habe die Priorität,
weil seine erste Abhandlung, worin'die Gattung aufgestellt,
bereits im Juli 1834 ausgearbeitet und im August 1835
veröffentlicht sei. Dabei ist freilich zu berücksichtigen,
dass wie wir oben bereits erwähnt haben, die Gray'sche
kleine Abhandlung bereits im April 1835 in den Pro-
ceedings of the zoological Society of London erschienen ist.
Es verdient besonders beachtet zu werden, dass Des-
moulins bei drei Arten angiebt, dass er sie nicht aus
eigener Ansicht kennt, bei E. punctiilata, stellata und
Dufresnii. Ihm waren also nur E. pustulosa, loculata und
aequituberculata bekannt.
Ein ferneres Kapitel derselben x\bhandlung enthält
dann ein Repertoir, in welchem er von 28 Schriften an-
giebt, wie die Arten auf seine Nomenclatur zu beziehen
sind. Diese Schriften sind nach den Autoren alphabetisch
geordnet, und sind mit Uebergehung derjenigen, welche
ausschliesslich fossile Arten behandelten, und soweit Echi-
nocidaris darin zur Sprache kommt, die folgenden: Agassiz
Prodrome, ßlainville Dictionnaire des sc. nat., Encyclo-
pedie methodique, Favanne, Klein, Lamarck, Leske,
Linne, Risso, Rumph, Seba. Die Bestimmung der Arten
beruht auf der subjectiven Ansicht von Desmoulins,
und ist nicht überall maassgebend. Der grosse Fleiss,
welchen der Verf. auf diese Arbeit verwendet hat, ver-
dient die vollste Anerkennung.
Philippi hat im Archiv für Naturgeschichte Taf V,
Fig. 8, als er über die Abweichung von der Symmetrie
bei den regelmässigen Echiniden und von ihrem Wachs-
thum sprach, einen Theil der Echinocidaris aequitubercu-
lata abgebildet. Die Analgegend ist ziemlich gut ausge-
fallen, die Höcker sind viel zu klein, und scheinen nur
die Warze derselben darzustellen. Es kam ihm nur dar-
auf an, die Anordnung in Reihen anzudeuten.
1840.
üeber die zweite Ausgabe von Lamarck's Histoire
Die Familie der Echinocidariden. 337
naturelle des animaux sans vertebres, worin Dnjardin
die Echinodermen bearbeitet hat, ist hier nicht viel zu
sagen, da die der Gattung Echinocidaris zufallenden Arten
bis auf die Hinzufügung einiger Synonyme unverändert
geblieben sind. Wir können einfach auf das verweisen,
was oben bei der ersten Ausgabe gesagt ist.
Grube beschrieb unter dem Namen Echinus nea-
politanus Delle Chiaje eine Echinocidaris in seiner Schrift
Actinien, Echinodermen und Würmer des Adriatischen
und Mittelmeers, Königsberg 1840, p. 31. Es ist unzweifel-
haft Echinocidaris aequituberculata. Grube findet den
After von drei harten Klappen umgeben, erwähnt jedoch,
dass Delle Chiaje deren vier zählte. Die Dreizahl
kann sich nur auf eine Monstrosität beziehen.
1841.
In Descrizione e Notoraia degli Animali Invertebrati
della Sicilia citeriore. Tomo IV, Napoli 1841, p. 34 be-
schreibt Delle Chiaje wieder seinen Echinus ncapoli-
tanus, diesmal in italienischer Sprache. Die Abbildnagen
Tav. 118, fig. 11—22 sind Copien des im Jahr 1825 er-
schienenen Werkes. Ueber die Deutung der Species
kann kein Zweifel bestehen.
1846.
In dem berühmten Catalogue raisonne des famillcs,
des genres et des esp^ces de la classe des Echinodermes
par L. Agassiz et Desor, welcher in den Annales des
Sciences naturelles, troisieme serie tome VI erschien, ist
p. 353 für unsei'o Gruppe der Desmoulins'sche Name
Echinocidaris gewählt, während der Gray'sche Name Ar-
bacia für fossile Arten verwendet worden ist. Letzteres
war eine nicht berechtigte Willkür, da die Gattungen
Echinocidaris und Arbacia sich vollkommen decken. Die
Verf. unterscheiden zwei Subgenera. Sie nennen dieje-
nigen Arten, welche einen nackten Stern auf der Oberseite
tragen, Agarites, die ohne solchen nackten Stern Tetrapygus.
Zu Agarites zählen sie punctulata, stellata, Dufresnii,
spatuligera und loculata. Ueber die Speciesbestimmung
von punctulata und spatuligera hege ich keinen Zweifel.
Ob die Verf. mit stellata dieselbe Art bezeichnet haben,
Archiv f. Naturg. XXXVIII. Jahrg. 1. Bd. 2Q
338 Troschel:
welche Blainville beschrieben hat, könnte zweifelhaft
sein, wenn es nicht sehr wahrscheinlich wäre, dass
Agassi z in Paris das Blainville'sche Exemplar in Händen
gehabt hätte. Ich muss in dieser Art Seeigel vermuthen,
die mit pimctulata nächst verwandt sind, und mit dieser
verwechselt werden konnten. Von den mir zugänglichen
Seeigeln kann ich keinen auf diese Art beziehen. Du-
fresnii und ioculata sind kaum charakterisirt, man wird
sie also ohne Schaden und unbedenklich als Synonyme
führen können.
Dass die Untergattung Tetrapygus ebenso, wie die
Gattung Agarites Verschiedenartiges enthält, habe ich
bereits oben p. 304 dargelegt. So wie bei dieser E. spa-
tuligera Val. wegen des anderen Verhaltens der Ocular-
platten auszuscheiden ist, so muss bei Tetrapygus E. nigra
von den übrigen aus demselben Grunde getrennt werden.
Sie, wie aequituberculata, pustulosa und grandinosa sind
übrigens gut zu unterscheidende Arten.
Valenciennes hat in Voyage autour du monde
sur la fregate la Venus par Du Petit Thouars Zoophytes
pl. V, fig. 2 eine vortreffliche Abbildung von Echinocidaris
spatuliger geliefert. Drei Ocularplattcn erreichen das
Periproct, auf den Platten der Interambulakralfelder an
der Peripherie stehen ausser der Reihe der grossen Höcker
noch einige kleinere Warzenhöcker, über und unter der
Hauptreihe; die Aurikeln berühren sich am Ende nicht;
die Rückenstacheln sind klein, oval, die übrigen meist
am Ende breit, spateiförmig. Die Eigenthümlichkeit der
Art ist also nicht zweifelhaft. Die Lage der Ocular-
plattcn nähert die Art an Echinocidaris nigra an, und
auch die Warzenhöcker ausser der Hauptreihe sprechen
für die Annäherung an E. nigra. Freilich scheint diese
Art einiger Variation unterworfen zu sein, da ich nicht
bei allen Exemplaren die Nebenhöcker auf den luteram-
bulakralplatten finde. Auch die Ocularplattcn dringen
nicht immer alle bis an den Rand des Periprocts vor,
zuweilen nur eine, die hintere der linken Seite.
1850.
Aradas, Monographia degli Echinidi di Sicilia. Ca-
Die Familie der Echinocidariden. 339
tani<a 1850 und 1851 in Atti della Accademia Gioenica
ist mir nicht zugänglich geworden. Darin könnte nur
von der Mittelmeerischcn Art Echinocidaris aequituber-
cnlata die Rede sein.
1851.
Busch schilderte in seinen „Beobachtungen über
Anatomie und Entwickelung einiger wirbellosen Seethiere.
Berlin 1851 '^ p. 88 die Entwickelung des Echinocidaris
neapolitanus nach künstlicher Befruclitiing.
1852.
Johannes Müller zählte in seiner vierten Ab-
handlung über die Larven und die Metamorphose der
Echinodermen p. 10 die Seeigel aus den Gattungen Echinus
und Echinocidaris auf, welche im Mittelmeer vorkommen,
darunter Echinocidaris aequituberculata Desmoulins. Er
fand ihn an der Dalmatischen Küste.
1854.
Die berühmte Abhandlung von Johannes Müller
„üeber den Bau der Echinodermen/ die soviel Einfluss
auf die bessere Erkenntniss der Organisation dieser Thiere
gehabt hat, hat sich nach ihrem ganzen Plane mit der
Unterscheidung von Gattungen und Species nicht be-
schäftigt, Ist auch für unseren Zweck nur kurz zu er-
wähnen. Von Echinocidaris ist darin nur die Rede p. 2G
bei der Besprechung der Füssohen, die bei allen Species
dieser Gattung zweierlei Art sind, auch ist daselbst die
Identität von Echinocidaris neapolitanus Delle Chiaje mit
E. aequituberculata anerkannt.
Gay hat in der Historia fisica j politica de Chile.
Zoologia Tomo VIII. Paris, Chile 1854, p. 417 die Gattung
Echinocidaris folgendermasscn charakterisirt: Corpus sub-
conicum, tenue; tubercula imperforata, basi laevigata; fo-
ramina ambulacrorum bifariam disposita; spinae cylin-
dricae, tenulstriatae. Os maximum. Membrana buccalis
lamlnis decem munita. Anus superus, laminis quatuor
aequalibus tectus. Es werden dann zwei Arten dieser
Gattung beschrieben, E. spatuliger und nigra, gegen deren
richtige Bestimmung sich nichts einwenden lässt. Verf.
citirt zu nigra, ausser Agassiz und Molina, noch E.
340 Troscliel:
piirpurascens Val. Voy. Venus, was wobl richtig sein
wird, und pustulosus Desra. (non Lam.), was gewiss irr-
thümlich ist.
1855.
Johannes Müller beschreibt in seiner siebenten
Abhandlung über die Metamorphose der Echinodermen
p. 10 eine der Gattung Echinocidaris verwandte Larve,
die er als die Larve von E. aequituberculata deutet, da
das die einzige Art der Gattung im Mittelmeer ist.
In einem Arrangement of the families of Echinida,
Proceedings zool. soc. of London 1855, p. 35, abgedruckt
in Annais of natural history 17, p. 279, vergl. auch Archiv
für Naturgesch. 1857, II, p. 218, unterscheidet J. E. Gray
die Familien Cidaridae, Diademidae, Arbaciadae, Hippo-
noidae, Echinidae und Echinometradae. Die Familie,
welche uns hier interessirt, ist die der Arbaciadae. Sie
hat nach Gray's Charakteristik undurchbohrte Höcker,
schmale Ambulakralfelder, die Ambulakren mit einer
einzigen Reihe Doppelporen, kreisförmigen Körper und
kurze, solide Stacheln. Alles richtig, nur die kurzen
Stacheln passen nicht. Die vier Analplatten, und viele
andere Charaktere sind nicht erwähnt. In dieser Familie
nimmt dann Gray zwei Gattungen an : 1) Agarites, mit
stachellosen Flächen auf den Interambulakralfeldern.
2) Arbacia, die Interambulakralfelder sind ganz mit Sta-
cheln bedeckt. Er acceptirt also einfach die Agassiz'schen
Subgenera, und ändert nur den Namen Tetrapygus Agass.
in Arbacia, beschränkt also seinen Namen Arbacia, den
er früher alle Arten dieser Familie umfassen Hess, auf,
einen Theil derselben. Der Name Echinocidaris bleibt
ganz unerwähnt. Wird durch diese Abänderung der
Name Arbacia, dessen Gültigkeit wir oben schon be-
leuchtet und in Zweifel gezogen haben, in ein besseres
Rechtsverhältniss gestellt? Ich glaube nicht. Vielmehr
hatte Gray nicht das Recht, den Nehmen Tetrapygus un-
berücksichtigt zu lassen, um seinen mindestens zweifel-
haften Namen Arbacia zu retten. Dass er als Autor selbst
diese neue Deutung vorgenommen hat, kann an dem
Rechte nichts ändern. Vor dieser Arbacia hat Tetra-
Die Familie der Echinocidariden. 341
pyguö jedenfalls die Priorität. Auf Species lässt sich
Verf. nicht ein.
1857.
M. Sars erwähnte in Bidrag til kundskahen om
Middelhavets Littoral-Faiina, Nyt Magazin for Naturvi-
dcnskabcrne p. 110 Echinocidaris aequituberculatus ohne
Beschreibung. Er sagt, diese dem Mittelmeer eigen-
thüraliche Art sei bei Neapel ziemlich häufig an den Felsen
zwischen ßalananen dicht unter dem Wasserspiegel, wo
sie nicht selten trocken sitzt. Die Farbe ist dunkelbraun
oder fast pechschwarz, die Höcker hellgelb, die Stacheln
braunschwarz oder braunviolett oder fast ganz schwarz.
In demselben Jahre beschrieb Philippi im Archiv
für Naturgesch. p. 130 vier neue Echinodermen des Chi-
lenischen Meeres. Darunter befindet sich Arbacia oder
Echinocidaris Schytei aus der Magellan-Strasse. Ich habe
keinen Seeigel gesehen, den ich für diese Art nehmen
könnte, und kann daher über die Berechtigung der Art
nicht urtheilen. lieber die Ocularplatten ist nichts ge-
sagt. Die wesentlichen Charaktere setzt Verf. in den
nackten Stern um das Periproct, vier Höcker auf jeder
Interambulakralplatte, und dass die Oeffnung der Eileiter
in einer Grube auf den ausgezeichnet runzligen Ovarial-
platten liegt. Allem Vermuthen nach ist die Art wirk-
lich eigeuthümlich, und gehört in die Gruppe Agarites.
Für die Eigenthümlichkeit spricht auch, dass die Höhe
etwas grösser ist als der halbe Durchmesser. — Daselbst
spricht Philippi auch über eine Art aus dem Norden
Chiles, die er für E. spathuliger hält. Dies ist jedenfalls
irrthümlich, da kein nackter Stern vorhanden sein soll.
Das Vaterland lässt auf grandinosa und nigra schliessen,
möglicherweise auf stellata im Blainville'schen Sinne.
Von E. nigra muss abgesehen werden, da Philippi diese
Art ausserdem als chilenisch aufzählt. Also werden wir
wohl nicht fehlgreifen, wenn wir die Philippi'schen Be-
merkungen auf grandinosa beaiehen.
1858.
Desor, Synopsis des Echinides fossiles. Paris 1858,
p. 112, giebt die Gattungscharaktere von Echinocidaris
342 Troschel:
Desra. Er sagt in einer Anmerkung, dass sich zwischen
den Agassiz'schen Untergattungen Agariies und Tetra-
pvgiis solche Uebergänge finden, dass- er genothigt ist,
sie vollständig aufzugeben.
1859.
Castelnau, Animaux nouveaux et rares, recueillis
pendant l'expedition dans les parties centrales de l'Ame-
rique du Sud, de Rio de Janeiro a Lima, et de Lima ä
Para verzeichnete in Partie VII, p. 97 drei Arten der
Gattung Echinocidaris, ohne Besehreibung. Diese sind
E. pustulosus von Brasilien, aequituberculatus, die er bei
Madeira gefunden hat, und grandinosus von Peru.
1861.
Grube führt in seiner Schrift „Ein Ausflug nach
Triest und dem Quarnero" p. 76 und 130 Echinocidaris
aequituberculata (P]chinus neapolitanus delle Chiaje) als
bei Cherso vorkommend an, ohne weitere Beschreibung.
1862.
Dujardin et Hupe, Histoire naturelle des Zoophytes
Echinodermes. Paris 1862. Ueber dieses Buch hat sich
die Kritik nicht eben günstig geäussert, und wenn ich
derselben auch keinesweges zu widersprechen vermag,
und es vollständiger und sorgfältiger bearbeitet gewünscht
hätte, so ist es doch nützlich, weil es mehr Material zu-
sammengetragen hat, als bisher irgendwo in eiilem
Buche vereinigt gefunden wird. Man kann es benutzen,
wenn man dabei gehörige Vorsicht anwendet. Was die
Gattung Echinocidaris betrifft, so berufen sich die Verf.
auf Desor, welcher Uebergänge zwischen den Agassiz'-
schen Agarites und Tetrapygus constatirt habe, um diese
Subgenera aufzugeben. Für die Arten nehmen sie den
Pacifischen Ocean als das vorwiegende Vaterland an, da
die meisten Arten an der Westküste Amerikas leben,
während einige auch im Mittelmeer und im Atlantischen
Ocean vorkommen. Sie zählen 10 Arten auf, die sie je-
doch nur oberflächlich charakterisiren und mit einer Sy-
nonymie begleiten, die grossentheils richtig genannt wer-
den kann. Die Arten sind E. stellata, punctulata, Du-
fresnii, spatulifera, loculata, aequituberculata, pustulosa.
Die Familie clor Echinocidariden. 343
ulgici, g-randinosa und Scythei. Nur bei stcllata, punctu-
lata, Dufiesnii und spatulifera sind einige charakterisi-
rendc Worte hinzugefügt^ die jedoch nicht ausreichend
sind, um die Arten erkennen zu lassen. Das ganze Buch
ist eine Compihation, und so sind auch die Arten von Echi-
nocidaris nicht auf eigener Beobachtung begründet, son-
dern aus den früheren Schriftstellern zusammengetragen.
Ucber die Flüchtigkeiten in der Synonymie nur
noch einige Worte. Bei E. aequituberculata wird citirt
Öars,Midd. Fauna Norw. 1857, p. 54, No. 30, sollte heissen
Middelhavets Littoral-Fauna, 1857, p. 110, No. 30. Das Wort
„Norvv." muss gestrichen werden. Die falsche Seitenzahl
54 statt 110 ist aus einem Separatabdruck entnommen.
Die Abhandlung erschien in Nyt Magazin for Naturvi-
denskaberne, und es wäre besser gewesen diese Zeit-
schrift zu citiren. Wer nicht in der Literatur bereits
Bescheid weiss, wird sonst das Citat nicht finden. Frei-
lich kommt in diesem Falle nicht viel darauf an.
Bei E. pustulosa steht Deslongchamps Encycl. me-
thod. t. 2, f. 591, was auf eine Abbildung schliessen lässt.
Es muss heissen p. 591.
Zu E. nigra wird citirt Echinus pustulosus Desmoullns
(non Lamarck), was ganz unbegründet ist, da Desmou-
lins bei seiner pustulosa Lamarck citirt. Dann wird die
Encyclopedie methodique pL 141, fig. 6, 7 citirt; sie ge-
hört als Copie von Klein doch gewiss zu pustulosus,
ist also hier gleichfalls zu streichen.
1863.
Alexander Agassiz veröffentlichte im Bulletin
of the Museum of Comparative zoology No. 2 ein Ver-
zeichniss der Echinoderms sent to difforent Institutions
in Exchange for other Specimens, with Annotations. In
demselben unterscheidet er die Gattungen Echinocidaris
Desm. = Agarites Ag. und Arbacia Gray (non Ag.) =
Tetrapygus Ag. Von Echinocidaris ist E. punctulata von
Süd-Carolina genannt und zwei neue Arten sind aufge-
stellt: 1) E. Davisii, von punctulata durch eine grössere
Anzahl von dicht zusammen gedrängten Höckern unter-
schieden; Stacheln ganz kurz, die Granulation um die
344 ~ Trüscbel:
Hauptliöcker sehr hervorragend; Farbe der Schale und
der Höcker dunkel violett, fast schVarz ; Höcker in den
Ambulakralfcldern sehr gedrängt, von Massachusetts, süd-
lich vom Cap Cod. 2, E. incisa Abactinal-System sehr
vorstehend, Nähte zwischen den Platten sehr deutlich;
Höcker gross, Stacheln kurz, stark, Farbe gelblich-braun,
von Guayamas, Panama. Von Arbacia werden angeführt
A. nigra und aequituberculata, erstere von Mejillones,
letztere von Fayal. Nach diesen kurzen Beschreibungen
ist es schwer zu bestimmen, ob die beiden neuen Arten
wirklich als eigene Arten bestehen können. E. Davisii
scheint nach Agassiz eigener späterer Ansicht nur Lo-
calvarietät von punctulata zu sein, E. incisa zieht Verrill,
s, unten, zu stellata. Von Davisii habe ich Exemplare,
die von Agassiz herrühren, im Stuttgarter Museum
gesehen.
Ueber die Gattung Parasalenia, welche A. Agassiz
daselbst p. 22 aufstellte, die durch die vier Analplatten
mit Echinocidaris, sonst mit Echinometra übereinstimmen
soll, habe ich mich schon oben p. 300 ausgesprochen, und
dieselbe als Jugendzustand von Echinometra anerkannt.
Sie gehört demnach nicht hierher.
Ln. demselben Jahre hat Alexander Agassiz auch
in Proceedings of the Academy of natural sciences of
Philadelphia p. 352 eine Synopsis of the Echinoids col-
lected by Dr. W. Stimpson on the North Pacific Explo-
ring Expedition, under the Command of Captains Ring-
gold and Rodgers bekannt gemacht. Daselbst p. 355 ist
w^ieder Parasalenia gratiosa genannt, und zwar in einer
Reihenfolge, zwischen Colobocentrotus und Echinometra,
welche zu erkennen giebt, dass Agassiz diese neue
Gattung näher zu Echinometra als zu Echinocidaris stellt,
also selbst nicht die vier Periproctplatten als ausreichen-
den Charakter ansieht, um seine vermeintliche Gattung
in die Familie der Echinocidariden zu stellen. — Arbacia
aequituberculata kommt hier wieder vor, mit Madeira
und den Cap-Verdischen Inseln als Vaterland. — Verf.
stellt p. 358 die Gattung Temnotrema auf, welche ich oben
p. 299 für den Jugendzustand von Temnopleurus erklärt habe.
Die Familie der Kchinocidarideu, 345
Lütkcn beschrieb in Vidcnskabelige Meddelelser
iVa den naturhistoriske Foreiiing i Kjöbenhavii for Aarct
1863, p. 97 die Echinocidaris pimctulata von Südcarolina
unverkennbar. Er fügt über diese und einige andere
Arten folgende Bemerkung hinzu, die bei der gründ-
lichen Keniitniss des Verf. wohl zu beachten ist:
^Nach Lamarck's Beschreibung ist" es kaum zwei-
felhaft, dass er jüngere Exemplare dieser Art vor sich
gehabt hat, obgleich er sie nach dem indischen Occan
verlegt. Die anderen von Lamarck und Blainvillc
beschriebenen Echinocidaris-Arten (E. stellata, Dufresnii,
loculata, aequituberculata und pustulosa) sind dagegen
noch sehr unvollständig bekannt. Was E. pustulosa be-
trifi't, so bemerkt Lamarck, dass Klein t. XI, fig. A, B,
C wahrscheinlich auch zu dieser Art gehört, aber dass
Fig. D (die einzige, welche er wirklich zu E. pustulosa
citirt), doch am besten das Individuum wiedergiebt, wel-
ches er vor Augen hatte, lieber diese Figur, welche
von Blainville sowohl bei E, pustulosa wie bei E. lo-
culata citirt wird, von der ich aber annehme, dass sie
E. punctulata darstelle, wird jedoch zwei Seiten vorher
bemerkt, dass sie vielleicht zu dieser letzten Art gehöre.
Man scheint hiernach vermuthen zu können, dass La-
marck's punctulata und pustulosa nur'eine und dieselbe
x\rt seien; und wenn die genannte Figur endlich von
Blainville mit Recht zu E. loculata gezogen worden
ist, würde diese Art dasselbe Schicksal haben. Und ist
nun E. Dufresnii, nach Blainville von Terre neuve,
nach Agassiz Desor Catal. rais. von Cumana (Antillen),
wirklich verschieden? — Klein's Figuren A — C, die
wie gesagt von Lamarck bei E. pustulosa citirt werden,
stellen meiner Meinung nach die mittelmeerische E. aequi-
tuberculata Blv. dar, und dasselbe gilt, wie ich glaube,
von der als Ech. pustulosus in Blainville's Act. t. 20,
fig. 2 (copiert in Cuvier's Regne animal t. 13, f. 3) gege-
benen Figur. Es besteht somit noch eine bedeutende
Unsicherheit in Beziehung auf verschiedene Arten dieser
Gattung; die Zahl der aufgestellten Arten wird wahr-
scheinlich zum Theil reducirt werden, xYus dem atlan-
3'i6 Troscbel:
tischen Ocean und seinen Buchten kenne ich nur zwei:
E. aequituberculata im Mittelmeer und vermuthlicii zu-
gleich an südeuropäischen Küsten des atlantischen Oceans,
und E. punctulata an den südlichen Freistaaten, und ich
bin sehr geneigt zu glauben, dass in Wirklichkeit da-
selbst nicht mehr als diese beiden Arten bekannt sind."
So sehr ich dieser Erörterung Lütken's nach dem
dermaligen Zustande der Kenntniss der Echinocidaris-
• Arten die Berechtigung zusprechen muss, zumal ich früher
dieselbe Ansicht hatte, so bin ich doch zu anderen Re-
sultaten gekommen. Mir sind ausser punctulata von den
Antillen und aequituberculata aus dem Mittelmeer und bis
nach den Azoren noch zwei Arten des atlantischen Oceans
bekannt, die ich für pustulosa und loculata halte. Erstere
scheint an der brasilianischen Küste zu leben, letztere
besitzt das Bonner Museum von der Goldküste. Die
Exemplare, die aus der Klein'schen Sammlung herstam-
men, und die mir Herr Prof. Ehlers anvertraut hat, wie
ich bereits oben aus einander gesetzt habe, zeugen dafür,
dass Klein punctulata und pustulosa besessen hat, und
dass pustulosa von aequituberculata verschieden ist. Das
letztere lässt sich auch an den Abbildungen erkennen,
wenn man erst auf die Differenz aufmerksam gewor-
den ist.
In demselben Aufsatze behandelt Lütken p. 128
die Echiniden der Westküste Amerikas. In der nament-
lichen Aufzählung der Arten w^erden Echinocidaris stel-
lata Blv,, longispina n. sp., purpurascens Val., spatuligera
Val., grandinosa Ag., Schythei Phil, genannt, von denen
Verf. jedoch nur longispina und purpurascens iniJKopen-
hagener Museum zu Gebote standen.
Die neue Art longispina wird fraglich mit stellata '
als identisch bezeichnet. Die Beschreibung ist im Ver-
gleich zu punctulata angefertigt, und zwar mit jüngeren
Exemplaren, da die Exemplare der neuen Art nur 30 Mm.
im Durchmesser hatten, und Verf. angiebt, dass sich einige
Merkmale mit dem Alter verändern. Die Höcker der
Ambulakralfelder sind oben kleiner, aber doch auch deut-
lich in zwei Reihen geordnet. Von den grossen mit der
Die Familie der I^]chinocidarideti. 347
Basis fast zusammeüstosscnden, aber doch von ciiizelacn
Granula umgebenen Interambiilakralhöckern stehen auf
joder Platte zwei, auf den vier oder fünf obersten nur
einer, es ist also ein nackter Stern vorhanden. Ueber
die Lage der Ocularplatten ist nichts g'esagt; indessen ist
es wohl kaum zweifelhaft^ dass die Art zu unserer Un-
tergattung Agarites gehört. Nach diesen Merkmalen ge-
hört die Art weder zu punctulata, noch zu Dufrcsnii,
alternans, oder loculata. Ob sie mit stellata zu vereinigen
ist, oder nicht, kann ich um so weniger entscheiden, als
ich keine echte stellata kenne, d. h. ein Stück, welches
ganz auf die von stellata gegebenen Beschreibungen passte.
Was die Farbe betrifft, so sagt Verf.: Wenn die Schale
von ihrem schwärzlichen Ueberzuge befreit ist, ist sie
hübsch gezeichnet, oder würfelig von dunklem rosenroth
und weiss oder hellroth; auf jeder Interambulakralplatte,
besonders mitten unterhalb des oberen Theils der Felder,
findet sich nämlich ein grosser, scharf begrenzter rother
Fleck, und von derselben Farbe finden sich an anderen
Stellen der Schale mehr oder minder deutliche Flecken
und Streifen, z. B. längs der Ambulakren unterhalb.
Diese rothe Farbe spricht allerdings für stellata. Ich
nehme also vorläufig an, dass longispina = stellata ist.
In derselben Abhandlung p. 157 hebtLütkcn her-
vor, dass wenn die drei Porenpaare der schrägen Reihen
eine senkrechte oder fast senkrechte Stellung annehmen,
dieselben eine fortlaufende oder nur wenig gebogene
Linie bilden, in der sich die trigeminate Anordnung we-
niger leicht erkennen lässt. So ist es bei Diadema und
bei den meisten Echinocidaris. Nur E. purpurascens Val.,
die er mit nigra Ag. identificirt, ist es anders; da stehen
in dem obersten Bogen 3, dann meist 4, in den untersten
5 — 6 Porenpaare in jeder Reihe. Ich erkenne diese An-
ordnung der Porenpaare bei E. nigra an. Bei E. spa-
thuligera ist es anders, sie sind trigeminat. Ich stimme
auch Lütken bei, dass dieser Umstand E. nigra nicht
in die Familie der 'polygeminaten Seeigel, also der To-
xopneustiden verweisen darf, sehe aber darin einen fer-
nereö Grund, dieselbe als eigene Gattung aufzufassen.
348 Troschel:
1867.
Verrill lieferte in Transactions of the Connecticut
Academy of arts and sciences Vol. I, Part 2 eine ausge-
dehnte Arbeit über die Radiata in the Museum of Yale
College, with descriptions of new genera and species.
Er beschreibt in dem Abschnitt über die Echinodermen
von Panama und der Westküste Amerikas p. 298 Echi-
nocidaris stellata^ zu welcher er Echinocidaris incisa A.
Agass. und lougispina Lütken als Synonyme zieht. Er
hat zahlreiche Exemplare vor sich gehabt von Californien
bis nach Chile hinab. Keine Ocularplatte erreicht das
Periproct, ein nackter Stern auf den Interambulakral-
fcldern, an der Peripherie 6 Reihen Höcker, die nicht
gedrängt stehen, die Höcker beider Reihen der Ambula-
kralfelder werden oben sehr klein und schwinden bevor
sie die Ocularplatten erreichen. Die Farbe ist an ge-
trockneten Exemplaren grau oder purpurbraun, in pur-
purweiss oder rosa abändernd, die untere Hälfte tief pur-
purfarbig, auf dem nackten Stern doppelte Reihen eckiger
Flecke. Es scheint, dass die rothe Farbe charakteristisch
für diese Art ist.
Dann folgt p. 300 die Beschreibung von Echinoci-
daris Spatuligera, welche die Species vollkommen kennt-
lich macht. Die Ocularplatten trennen meist die Geni-
talplatten, mit Ausnahme der beiden neben der Madre-
porenplatte liegenden. Von den Höckern auf den Inter-
ambulakialplatten über und unter der Hauptreihe, wie
sie Vale nciennes abbildet, thut Verf. keine Erwähnung.
Ich schliesse daraus, dass dieselben nur ausnahmsweise
vorkommen.
Arbacia nigra Gray wird ferner p. 301 erwähnt.
Zu ihm citirt Verf. Echinus purpurascens Val. und frag-
lich grandinosus Val.
In dem Abschnitt über die geographische Verbrei-
tung der Echinodermen an der Westküste Amerikas ver-
zeichnet Verrill die Arten, welche an den verschie-
denen Localitäten gefunden sind. In der Margarita Bay
und Cape St. Lucas, bei Acapulco, Mazatlan und in dem
Meerbusen von Californien, an der Westküste von Cen-
Die Familie der Echinocidariden. 349
tralamerika und in dem Meerbusen von Panama an der
Westküste von Ecuador und dem südlichen Tiieil von
Neu-Granada, bei Zorritos in Peru kommt nur Echino-
eidaris stellata vor; dagegen in Peru von Paita und süd-
wärts Ecliinocidaris stellata, spatuligera, nigra und gran-
dinosa; an der Küste von Cbili Echinocidaris spatuligera
und nigra; an der Südspitze von Südamerika und den
benachbarten Inseln Echinocidaris Schythei.
1866.
Stewart schrieb in Transactions of the Linnean
Society of London XXV, p. 365 über die Spicula der
Echinoideen. Er war nicht im Stande solche bei Arbacia
zu finden, obgleich er die Füsschen, den Darm, und die
Ovarien darauf sorgfältig untersucht hat.
1868.
Heller beschrieb in seiner Abhandlung „Die Zoo-
phyten und Echinodermen des Adriatischen Meeres,^ her-
ausgegeben von der zoolog.-botan. Gesellschaft in Wien,
p. 67 Echinocidaris aequituberculatus von Lesina und Lissa.
1869.
Charles Desmoulins hat sich in den Actes de
la Societe Linn^enne de Bordeaux 27. Bd. Juli mit den
Stacheln der Echinocidaris beschäftigt und sieht in dem
eigenthümlichen Anhange an der Spitze der grösseren
Stacheln, der glänzend, gleichsam lackirt erscheint, ein
Mittel zur Unterscheidung der Specics. Er besass die
Stacheln nur von vier Arten, deren Spitzen denn auch
stark vergrössert abgebildet sind. E. punctulata hat auf
dem fast spateiförmigen Anhange ausser einem Rand-
wulste noch ein bis drei Leisten an der Bauchseite, und
eine oder zwei Leisten an der Rückenseite. Bei E. lo-
culata ist der Anhang stumpf spiessförmig, unten mit
einer grossen Leiste nebst Rudimenten von Leisten oder
Riefen, oben nur mit Riefen. E. nigra hat an vielen Sta-
cheln einen schief gestellten Anhang, der oval und unten
mit einem Wulste umgeben ist; die ovale Scheibe ist mit
mehreren (3 — 7) unregelmässigen, unterbrochenen zuweilen
anastomosirten, parallelen Runzeln versehen, die von der
Basis nach der Spitze der Scheibe verlaufen, und ihr
350 Troschel:
das Ansehen einer Madreporenplatte der Seesterne geben.
Diese Art ist die einzige der hier beschriebenen, welche
nur undeutlich zwischen den Runzeln mit äusserst feinen
Punkten versehen ist. E. aequituberculata unterscheidet
sich von loculata dadurch, dass der Anhang an der Rük-
kenseite viel kürzer ist, kaum übergreifend, und dass die
Bauchseite mit einer dicken Wulst gerandct ist; an der
Bauchseite ist nur eine dicke Leiste in der Mitte, welche
ganz oder durch eine Längsfurche getheilt ist. — Von
grandinosa besitzt Verf. keine authentischen Exemplare;
die er dafür hält, sind ähnlich denen von E. nigra. —
Die interessanten und neuen Resultate dieser kleinen Ar-
beit fordern zu weiteren Untersuchungen der Stacheln
der Echinocidaris nicht nur, sondern der Seeigel über-
haupt auf. Es ist keinem Zweifel unterworfen, dass ein
genaues Studium derselben manche Eigenthümlichkeiten
erkennen lassen wird, die für die sichere Unterscheidung
der Arten von Einfluss sein werden.
Im Bulletin of the Museum of comparative Zoology
p. 253 berichtete Alexander Agassiz über die im
Tiefwasser zwischen Cuba und Blorida durch de Pour-
tales beim Schleppnetzfange erlangten Seeigel und Öee-
sterne. Er sagt in der Aufzählung der Arten, p. 257,
dass die gesammelten Exemplare ihn überzeugt haben,
dass seine Echinocidaris Davisli nur eine Localvarietät
von punctulata sei. Er bemerkt: „Alle Echinocidariden
sind schwierig zu unterscheiden, da dieselbe Species in
Zahl und Anordnung der Höcker sehr variirt; und die
Charaktere, durch welche Davisii von punctulata getrennt
war, finden sich bei der grossen Reihe junger Exemplare,
wie sie Po ur tales bei Cap Fear in Nord-Carolina ge-
sammelt hat, nicht beständig. Lütken betrachtet Echi-
nocidaris pustulosa Lam. als eine Nominal-Species; eine
ganze Anzahl Exemplare sind durch die Thaver-Expe-
dition von Brasilien mitgebracht worden. Es ist möglich,
dass eine noch grössere Reihe die Identität mit punctu-
lata nachweisen könnte, aber nach dem vorhandenen Ma-
terial muss ich sie als eine gute, eng mit aequitubercu-
lata verbundene Art betrachten. Ich bin gendgt, anzu-
Die Familie der Echinocidariden. 351
nehmen, dass die verschiedenen Arten der Westküste
sich in zwei, oder höchstens drei Species zusammenziehen
lassen,nämh*chE. stellataund nigra, vieileichtE.spatnligcra/'
So sehr ich dem Urtheil Agassiz' über die Iden-
tität von E. Davisii mit punctulata, nachdem ich ein von
Agassiz herstammendes Exemplar von Davisii im Mu^
seum zu Stuttgart gesehen habe, und über die Verschie-
denheit von E. pustulosa von punctulata, nach Ansicht
des Klein'schen Original-Exemplares, wonach sich sogar
die Möglichkeit der üeberoinstimmung ausschliesst, bei-
stimme, so wenig kann ich seinen letzten Ausspruch als
begründet annehmen, dass sich die westlichen Arten auf
zwei oder drei reduciren lassen. E. nigra und spatuli-
gera sind jedenfalls sehr eigenthümliche und leicht zu er-
kennende Arten. iVlle übrigen Arten in stellata zusam-
men zu fassen, ist gewiss unthunlich. E. Dufresnii und
alternans sind durch den nackten Stern mit stellata nächst
verwandt und gehören mit ihr in die Gattung Agarites,
aber ich glaube sie sind nicht identisch mit ihr ; E. gran-
dinosa gehört in die Gattung Echinocidaris und ich wüsste
nicht, wie die Variation so gross sein könnte, um sie mit stel-
lata oder einer der übrigen genannten Arten zu vereinigen.
Bei Echinocidaris punctulata wird Holmes P. F. pl. 2
citirt, und zwar Echinus punctulata fig. 5 und Anapesus
carolinus fig. 2. Leider kenne ich diese Schrift nicht.
Was Alexander Agassiz weiter unten in der-
selben Abhandlung p. 283 von dem Wachsthum der jun-
gen Echinocidaris angiebt (vergl. die üebersetzung in
unserem Archiv 1870, p. 132), ist sehr interessant, bezieht
sich aber weniger auf die Unterscheidung der Arten. Gegen
die Ausführung, dass die Trennung der Gruppen mit
nackten oder bestachelten Interambulakren nicht natür-
lich sei, und dass man sehr häufig junge Echinocidaris
punctulata finde, welche für junge Arbacia gelten könnten
und junge Arbacia aequituberculata, welche man für junge
Echinocidaris nehmen könnte, kann ich die Bemerkung nicht
unterdrücken, dass sie mir nicht beweiskräftig erscheint.
Zugegeben, dass die Thatsache richtig sei, so scheint mir
das früheste Jugendstadium nicht entscheidend zu sein.
352 Troschel:
Jugendziistände können scheinbar sehr ähnlich sein, und
sich doch sehr verschieden entwickeln, und man wird
exclusive und constante Differenzen der Erwachsenen
nicht abweisen können, selbst wenn sie sich aus Aehn-
lichem, scheinbar Gleichem entwickelt haben. Im Samen
und in den ersten Zuständen nach dem Keimen wird man
nahe verwandte Pflanzen, im Ei und den ersten Ent-
wickelungsphasen wird man Thiere vielleicht kaum unter-
scheiden können, während sie doch im ausgebildeten Zu-
stande bestimmte, oft grosse Verschiedenheiten darbieten,
die eine specifische Gleichstellung nicht erlauben. Das
wird von Arten, noch mehr von Gattungen gelten. Wen-
den wir es auf unseren Fall an. Die dem Peristom nächst
gelegenen Platten entwickeln sich beim jungen Seeigel
zuerst. Sie sind vollständig mit Stacheln besetzt, erst
die später entstehenden, dem dorsalen Pol genäherten
Platten haben bei Agarites den nackten Theii. Wie soll
man also bei gana jungen Exemplaren schon den Cha-
rakter wahrnehmen können, der sich erst später ausbildet?
An dem eben geborenen Säugethier kann man das spä-
tere Gebiss, an dem eben dem Ei entschlüpften Vogel
kann man die Befiederung nicht beobachten, weil beides
noch nicht existirt, und doch hat das Gebiss der er-
wachsenen Säugethiere, das Gefieder der erwachsenen
Vögel den grössten Werth für die Unterscheidung von
Arten und Gattungen. Aehnlich ist es auch bei den
niederen Thieren, und ich meine, Agassiz hätte d^m
bei seinen Schlussfolgerungen in seiner so schönen und
wichtigen Abhandlung über die Jugendzustände der See-
igel nicht genügende Rechnung getragen.
1871.
In der Abhandlung von Loven über den Bau der
Echinoideen, der in Ofversigt af kongl. Vetenskaps-Aka-
demiens Förhandlingar 1871, No. 8 erschien und von der
die Uebersetzung im Archiv für Naturgeschichte 187.3
p. IG abgedruckt ist, ist auch auf die Echinocidaris Rück-
sicht genommen. Zunächst ist hervorzuheben, dass Loven
ein eigenthümliches Organ nahe dem Peristom entdeckt
hat, welches er als Geschmacksorgan ansprechen möchte.
Die Familie der Echinocid ariden. 353
Es sind kleine Kügelchen^ die regelmässig angeordnet
sind, und die er Sphäridicn nennt. Echinocidaris weicht
dadurch von allen übrigen regulären Seeigeln ab, dass
in jedem Ambulakrum nur ein einziges Sphärid vorhanden
ist, das in einer runden Nische in der Naht, ganz nahe
dem Rande steht. Diese Eigenthlimlichkeit wird also
unter die Charaktere der Familie aufzunehmen sein und ist
ein neuer Zeuge für die Selbstständigkeit der Familie. Ich
habe mich bei mehreren Arten von der Richtigkeit über-
zeugt, ge Wissermassen bei allen, da wenn auch das Sphä-
rid seihst an den trockenen Exemplaren verloren ge-
gangen ist, doch die Nische, in welcher es sich befand,
überall leicht zu erkennen ist. — Weiter unten (Archiv
p. 63) spricht Verf. von dem Verhalten der Ocularplatten
zu den Scheitelplatten (Genitalplatten). Er sagt, anfäng-
lich seien die Ocularplatten ganz von der Analhaut ge-
trennt, weil sich die Genitalplatten berühren, später
schiessen sie zwischen die Genitalplatten hinein. Dass
in dieser Hinsicht bei den Arten und Gattungen con-
stante Verschiedenheiten herrschen, und dass das Ver-
halten der Ocularplatten daher einen vortrefflichen Gat-
tungscharakter, zuweilen sogar Familiencharakter abgiebt,
scheint er nicht erkannt zu haben, wenigstens hat er es
nicht ausdrücklich hervorgehoben.
1872.
Greeff sagt in seiner kleinen Schrift „Madeira
und die Canarischen Inseln in naturwissenschaftlicher be-
sonders zoologischer Beziehung, Marburg 1872^ p. 13,
dass dort ziemlich häufig einige Arten von Echinocidaris
vorkommen. Es ist zu vermuthen, dass es nur eine Art,
nämlich Echinocidaris aequituberculata ist, von der Verf.
auch einige Exemplare dem Bonner Museum verehrt hat.
Verrill giebt in Dana und Silliman American
Journal of science and arts III, 1872, p. 438 an, dass
Echinocidaris punctulata im Mexikanischen Meerbusen bis
Long Island Sound und Vineyard Sound vorkomme.
Während diese meine kleine Abhandlung bereits
im Druck war, kam mir durch die Güte des Verf., die
grosse mit prächtigen Abbildungen geschmückte Arbeit
Archiv für Naturg. XXXVIJI. Jahrg. 1. Bd. 23
354 Troschel:
von Alexander Agassiz zu: „Revision of the Echini
Parts I— II," welche in dem Illustrated Catalogue of the
Museum of comparative Zoology at Harvard College 1872
erschienen ist. Dem Verf. steht ein ungemein reiches
Material zu Gebote, und er hat auf einer Reise zu den
meisten Europäischen Sammlungen ausserordentlich viele
Arten, selbst in Original-Exemplaren, gesehen, so dass
ihm darin kein Anderer gleich kommt. So schien es
mir anfänglich wahrscheinlich, meine Publication werde
durch das Agassiz'sche Werk ganz überflüssig werden.
Bei näherer Einsicht des Werkes, soweit es sich auf die
Familie der Echinocidariden bezieht, sehe ich jedoch,
dass Agassiz zu etwas anderen Resultaten in der Be-
urtheilung der Arten gekommen ist, als ich, und ich muss
versuchen, meine gewonnene Ansicht zu rechtfertigen.
In dem vorliegenden Part I und II, dem noch Part III
und IV folgen sollen, sind die Arten noch nicht be-
schrieben, wenigstens nur zum kleineren Theil, nämlich
nur die von der Ostküste der vereinigten Staaten. In-
dessen in einem Abschnitt, Synonymy überschrieben,
ersieht man, dass Verf. in der Gattung Arbacia Gray,
welchem Namen er die Priorität giebt, nur 6 Arten un-
terscheidet, nämlich 1) Arbacia Dufresnii, wozu Echino-
cidaris Schythei Phil, gezogen wird, 2) Arbacia nigra,
wozu E. pustulosa Desm. 1837 und purpurascens Val. ge-
zählt werden, 3) Arbacia punctulata mit Einschluss von
E. Davisii Ag., 4) Arbacia pustulosa, womit aequituber-
culata, loculata, neapolltaiia und grandinosa identificirt
werden, 5) Arbacia spatuligera und 6) Arbacia stellata,
wozu incisa Ag. und longispina Lütk. gehören.
Gegen diese Synonymie habe ich nur bei Arbacia
pustulosa eine Einwendung, indem ich aequituberculata,
loculata und grandinosa für eben so viele verschiedene
Species halte. Ich halte die Differenzen für erheblich
genug, um sie zu unterscheiden, und werde darin bestärkt,
weil die geographische Verbreitung gleichfalls für Tren-
nung spricht; E. pustulosa lebt in Brasilien, aequituber-
culata im Mittelmeer, loculata an der africanischen Küste
und grandinosa an der Westküste Amerikas.
Die Familie der Echinocidariden. 355
Die bereits oben besprochenen Agassiz'schen Ge-
nera Parasalenia und Teranotrema, die ich aus der Fa-
milie Echinocidaridae ausweisen musste, hält auch Agas-
si z in dieser neusten Schrift nicht in der Familie fest.
Parasalenia stellt er als eigene Gattung dicht neben
Echinometra, und Temnotrema zieht er zu Tcmnopleurus,
indem er seine Temnotrema sculpta als Synonym zu Tem-
nopleurus Hardwickii bringt, wozu er auch Temnopleurus
japonicus Marl zieht.
Dagegen setzt er seine Gattungen Podocidaris und
Coelopleurus neben Arbacia in unsere Familie. Beide
sind hier beschrieben. Sie sind jedenfalls generisch von
Echinocidaris verschieden. Ob sie wirklich derselben
Familie angehören, muss ich vorläufig dahin gestellt sein
lassen, da ich keine Exemplare gesehen habe, und mich
nur auf die nun vorliegende Agassiz'sche Beschreibung
beziehen kann. Wir wollen sie hier etwas näher be-
trachten, da ich bei der Beschreibung der Species, die
im nächsten Jahrgange des Archiv folgen soll, nicht
wieder auf sie zurückkommen kann.
Von seinem Coelopleurus floridanus kennt Verf.
nur Fragmente der Stacheln, die er generisch feststellen
zu können glaubt, seit er in Paris den Keraiophorus Mail-
lardi Micheh'n von Isle de Bourbon hat studiren können.
Er meint seine Stacheln stimmen mit denen von Keraio-
phorus überein, unterscheiden sich jedoch in so weit,
dass sie einer anderen Species angehören. Es ergiebt
sich, dass die Gattung Coelopleurus noch auf sehr un-
sicherer Basis ruht. Die Charaktere der Gattung fasst
Verf. folgendermassen, wobei nicht ausser Acht zu lassen
ist, dass er nur die Stacheln kennt, und aus ihnen nur
die Identität des übrigen Thieres mit dem Seeigel von
Isle de Bourbon vermuthet: General appearance of Ar-
bacia; narrow poriferous zone, simple pairs ofpores above
ambitus, tubercles imperforate and not crenulate. Acti-
nostome small, not cuts ; tubercles of median ambulacra
have a broad bare space entirely covered by minute gra-
nulations, forming undulating zigzag lines from one side
of the interambulacrum to the other. The tubercles of
356 Trosehel:
ambulacra extend to the apex in two more or less irre-
gulär vertical rows. — Sr»tnral Impressions along median
line, at jnnction of anibulacral platcs only on the actinal
siae, do not extend to the ambitus. The spines, as far as
the are known from the only living species, are extraordi-
nary, far surpassing in length those of the Diadematidae
in Proportion to the test. They are long, ciirved trian-
gulär spines, tapering very gradually, wliile on lower
surfacc they resemble those of the other Arbaciadae, and
have the sanie cellular structure so characteristic of Ar-
baciadae. Outline of test less conical chan in x\rbacia.
Das kleine Peristom, die Sutural-Eindrüeke, und
die langen dünnen Stacheln, die den Fühlhörnern der
Cerambyeiden verglichen werden, passen wenig zur Gat-
tung Echinocidaris.
Der Gattungscharakter von Podocidaris ist schon
oben p. 302 mitgetheilt. Aus ihm ergiebt sich, dass die
Gattung Podopidaris nicht zur Gattung Echinocidaris ge-
hören kann, und es ist kaum anzunehmen, dass sie ein
Jugendzustand sei, der sich noch in eine wirkliche Echi-
nocidaris umwandeln könnte. Für die Verschiedenheit
spricht besonders die Gestalt des Peristoms mit wenig
tiefen aber ziemlich scharfen Einschnitten, ferner dass
sich die einfache Porenreihe der Ambulakren am Pe-
ristom nicht verbreitert. Für den Eintritt in die Familie,
neben Echinocidaris in weiterem Sinne, sprechen allein
die vier Analplatten. Die grössten Exemplare der Art,
Podocidaris sculpta, messen nur 11 Mm. im Durchmesser.
Verf, fügt in einer Note hinzu, das Genus reprä-
sentire Temnopleurus unter den Arbaciadae; es sei nahe
verwandt mit Glypticus, wo sich die primären Höcker
allmählich in unregelmässige Leisten umändern, und den
oberen Theil der Schale bedecken.
Die ausführliche Beschreibung der Arten der alten
Gattung Echinocidaris lasse ich im nächsten Jahrgange
folgen.
Monographie der Eurychorideii (Adelostomides Lac).
Von
Dr. Haag-Ruteuberg
in Frankfurt a. M.
Die Familie der Eiirychoriden ist eine der natür-
lichsten und bestbegrenzten Gruppen unter sämmtlichen
Tenebrioniden. Sie ist ausgezeichnet durch das Kinn,
das den Ausschnitt, In welchem es sitzt, vollkommen
ausfüllt, so dass nur die äussersten Spitzen der Man-
dlbeln und Taster sichtbar bleiben, durch den meistens
tief in das Brustschild eingelassenen Kopf, durch die
vollkommen getheilten Augen und endlich durch die
lOgliedrigen Fühler. Sie steht in nächster Verwandt-
schaft mit den Stenosiden und ihre kleineren Formen
zeigen auch grosse Aehnlichkeit mit dieser Gruppe, wie
z. B. Hcrpsis mit Stenosis oder Geophanus mit Hexagono-
cheilus, welch letztere Gattung ja auch getheilte Augen
und verbreitertes Halsschild hat, stets aber unterscheiden
sie sich durch die lOgliedrigen Fühler. Lacordaire
spricht (Genera d. Col. Band V. p. 100) von einem
neuen Leconte 'sehen Genu« Dacoderus und vermuthet,
dass dasselbe eine Zwischenform von Eurychoriden und
Stenosiden bilden dürfte. Nach der Beschreibung ist
nun allerdings die Kinnbildung wie bei Eurychora, da-
gegen sind die Augen ungetheilt und was die Fühler
betrifft, so konnte ich darüber nicht ins Klare kommen,
da ich das Genus in Natur nicht kenne und Lacordaire
Archiv f. Naturg. XXXVIU. Jahrg. 1. Bd. 24
360 t)r. Haag-Rutenberg:
in der Diagnose von 11 Gliedern spricht (4 — 10 trans-
versaux, 11 arrondi), in der Anmerkung dagegen sagt:
on voit qne le genre a coramnn avec les Adelostomides
des autennes de dix articles. Es ist also jedenfalls hier
irgendwo ein Irrthum untergelaufen, ich glaube aber,
und Lacordairc neigt sich auch zu dieser Meinung,
dass wegen des Vaterlandes Californien Dacoderus eher
zu den Stenosiden zu stellen sei, denn bis jetzt kennt
man keine Eurychoridenform aus der neuen Welt.
Lacordaire nannte die Gruppe die Familie der
Adelostomiden, Ich bin ihm darin nicht gefolgt, weil mei-
nes Erachtens nach eine Familie den Namen des Genus
führen muss, in dem die Familienkennzeichen am deut-
lichsten ausgeprägt sind. Eurychora ist nun ohne Zweifel
das Genus, in dem dies am meisten der Fall ist; neben-
bei ist es auch das an Arten bei weitem zahlreichste
und fast 40 Jahre früher aufgestellt, als Adelostomia.
Letztere Gattung dagegen umfasst nur die kleinsten
Arten der Familie und zeigt überdies noch Uebergangs-
formen zu anderen Gruppen auf; sie hat nur das für
sich, dass der einzige europäische Repräsentant der gan-
zen Familie in dasselbe fällt, dies ist aber, da wir nicht
specielle Entomologie treiben, kein Grund, die ganze
zahlreiche Familie danach zu benennen.
Ebenso habe ich die Familie nicht, wie Lacor-
daire, in 2 Theile, in ächte Adelostomiden und Eury-
choriden getheilt, sondern die Gruppe als eine ganze
behandelt, denn nach den neueren Entdeckungen ist diese
Lacordairc'sche Eintheilung unhaltbar, da sich bei den
kleinen Arten vollkommene Uebergänge von dem in das
Halsschild eingelassenen bis zum vollkommen freistehen-
den Kopfe nachweisen lassen.
Nach dem v. Har old und Gemminger'schen Cata-
log waren bis 1869 6 Gattungen und 25 Arten beschrie-
ben. Hierzu kommen die neueren Publicationen von
Fähraeus, Gerstäcker, Kirsch und Baudi, w^o-
durch die Anzahl der Gattungen auf 7 und die der Ar-
ten auf 32 stieg. Von diesen letzteren fallen durch
Synonyme 8 und als Varietäten 3 weg, so dass noch
Monographie der Eurychoriden. 36l
7 Gattungen und 24 Arten bleiben. In dieser kleinen
Arbeit nun werden 15 Gattungen und 55 Arten ohne
die Varietäten' aufgeführt, so dass der Zuwachs bei der
verhältnissmässig kleinen Familie nicht unbeträchtlich
genannt werden kann. Die Arten selbst sind fast sämmt-
lich auf Afrika beschränkt. Zwei finden sich in dem
anstossenden Theile Asiens, in Arabien und Syrien und
eine endlich in Europa. Schliesslich erlaube ich mir,
allen den Herren, die so freundlich waren, mich bei
dieser Arbeit mit Material zu unterstützen, meinen ver-
bindlichsten Dank auszuaprechen, namentlich den Herren
Fred. Bates, vom Brück, Deyrolle, Dohrn,
Gerstäcker, Gestro, Javet, de Marseul,
Kraatz, Pictet, Redtenbacher und Stäl.
Tabelle zur Bestimmung der Gattungen.
Endstacheln der Schienen deutlich (grosse Arten) . . 1
„ ' „ „ undeutlich (kleine Arten) . 6
1. Fühler dick und kräftig 2
„ verhältnissmässig dünn und kurz ... 4
2. Fühlerglied 3 so gross als 4 und 5 zusammen oder
grösser; Flügeldecken an den Thorax nicht an-
schliessend; letzterer seitlich vorgezogen und mit
* den abgerundeten Schultern einen deutlichen grossen
Winkel bildend I. Eurychora Thunb.
Fühlergl, 3 etwas kleiner als 4 und 5 zusammen, Thor,
an die Flügeid. dicht anschliessend, beider Basis
stark behaart 3
3. Epipleuren der Flügeid. von denselben durch einen
scharfen Rand getrennt . . II. Peristeptus n. gen.
nicht durch einen scharfen Rand getrennt
III. Pogonohasis Sol.
4. Hinterleibssegmente mit 2 Längskielen über die Mitte
IV. Steira Westw.
ohne diese Längskiele «5
5. Fühlerrinne kaum angedeutet
V. Lycanthropa Thoms.
„ sehr tief .... VI. Hidrosis Haag.
362 Haag-Rutenberg:
"6. Epipleur. d. Flügeid. mit einem kleinen schrägen
Leistchen an der Schulter i), Kopf mehr oder min-
der in den Thorax eingelassen 7
Epipl. ohne Leistchen, Kopf mehr oder minder
frei 13
7. Flügeid. nicht an den Thorax anschliessend
VII. Aspila Fähr.
„ ' an den Thorax anschliessend .... 8
8. Einzelne Fühlerglieder borstig, breit, becherförmig,
gleichsam auf kleinen Stielchen ineinandersitzend
X. Smiliotus n. g.
Einzelne Fühlerglieder von gewöhnlicher Form,
schnurförmig aneinander gereiht 9
9. 3. Glied so gross, als 4. und 5. zusammen
XII. Äcestus n. g.
„ „ kleiner, als 4. und 5. zusammen ... 10
10. Fühlerfurche schwach, Thor, am Hinterrand ohne
Ausschnitte IX. Psaryphis Er.
Fühlerf. tief, Thor, am Hinterr. mit Ausschnitten 11
11. Thor, seitlich kaum verbreitert, Flügeid. bedeutend
breiter, als derselbe XIII. Eutichus n, g.
Thor, seitlich verbreitert, Flügeid. so breit, wie
derselbe 12
12. Fühler dick, vom 3. Glied an viel breiter als lang
XL Flatysemus n. g.
Fühl, dünn, vom 3. Gl. an kaum breiter als lang
VIII. Geophanus n. g.
13. Epipleuren von den Flügeid. durch eine scharfe
Kante getrennt XIV. Adelostoma Dup.
Epipl. ohne Kante in die Flügeid. übergehend
XV. Herpsis n. g.
1) Dieses kleine feine Leistchen entspringt in der Regel unter-
halb der Schulter und zieht in einer glänzenden Linie schräg nach
unten nach der Wurzel der Hinterfüsse zu. Manchmal geht es
noch etwas weiter neben dem Rande hin und verbindet sich mit
einer der Punktreihen der Epipleuren, manchmal auch ist es kür-
zer und endet schon zwischen den Mittel- und Hinterfüssen. Wo
die Sculptur der Epipleuren rauh ist, ist es nicht leicht aufzufinden
und bedarf es einiger Hebung, dasselbe zu sehen.
Monographie der Eurychoriden. 363
1. Eurychora.
Thunb. nov. Jns. Sp. 1791 p. 116. Lac. Gen.
V. p. 95.
Ueber die Details der Gattung vgl. Lac. a. a. O.
Trotz vielfältiger Untersuchungen wollte es mir nicht
gelingen, die Geschlechtsunterschiede aufzufinden. Die
(^ scheinen im Allgemeinen kleiner als die $ zu sein,
die Fühler sind etwas schlanker und die Flügeldecken
etwas gestreckter ; ein bestimmter Unterschied aber, etwa
an den Hinterleibssegmenten oder an den Beinen ist
nicht aufzufinden. Die Gattung selbst ist keine scharf
begrenzte und die Unterschiede von den folgenden, Pe-
risteptus und Pogonobasis sind nur sehr geringe, so dass
es mir zweifelhaft erscheint, ob die 3 Gattungen neben
einander aufrecht erhalten bleiben können (vgl. weiter
unten die Gattung Peristeplus).
Die Arten sind auf Süd-Afrika beschränkt.
Uebersicht der Arten.
Börstchen an Beinen und Schienen schwarz .... 1
Borst, an Bein. u. Seh. heller oder dunkeler rostbraun 3
1. Flügeldeckennaht erhöht, besonders nach dem Schild-
chen zu 2. Batesi n. sp.
Flügeldeckennaht nicht erhöht 2
2. Fühler lang, gestreckt, besonders das 3. Glied
4. terrulenta n. sp.
Fühler kurz . 8. luctuosa n. sp.
3. Spitze der Flügeldecken ausgeschnitten
1. dilatata Er.
Spitze der Flügeid. nicht ausgeschnitten ... 4
4. Flügeldeckenrand mit deutlichen Stacheln . . 5
Ders. ohne Stacheln, höchstens undeutlich gekerbt 8
5. Epipleuren d. Flügeid. sehr fein punktirt, Käfer
lang behaart 14. murina n. sp.
Epipl. der Flügeldecken grob punkt., Behaarung
schwächer . ] 6
6. 6 — 9. Fühlerglied breiter als lang 17. crenata Sol.
364 Haag-Rutenberg:
6 — 9. Fhlgl. kaum breiter, od. schmäler als lang 7
7. 6 — 9. Fühlerglied kaum breiter als lang.
16. Fkhraei n. sp,
6 — 9. Fühlergl. schmäler als lang 18. similis n. sp.
8. Parapleuren des Thor, einzeln grob punktirt. . 9
Parapl. glatt, od. nur fein punktirt od. gekörnt 10
9. Epipleur. d. Flügeld. ähnlich grob punktirt
o. angolensis n. sp.
nur zerstreut punktirt 11. villosa n. sp.
10. Obers, d. Flügeld. dicht und grob punktirt
W.^ pundipennis n. sp.
— entweder nicht oder nur vereinzelt punktirt 11
11. Zwischen dem höchsten Punkte der Flügeldecken
und dem Seitenrande derselben zeigt sich eine mehr
oder minder starke Vertiefung längs dem letztern,
so dass der Seitenrand, wenn auch oft nur gering,
aufgebogen erscheint . 13
Diese Vertiefung fehlt, der Seitenrad ist nicht auf-
gebogen, vielmehr etwas nach unten gedrückt; die
Flügeld. erscheinen schwach kuglig gewölbt . 12
12. Fühler dünn und schlank . 13. convexmscida n. sp.
„ kräftig, kurz ...... 12. harhata Ol.
13. Flügeldeckennaht mit aufrecht stehenden langen Haa-
ren besetzt, bes. am Schildchen . 5. suturalis n. sp.
nicht oder nur einzeln behaart 14
14. Spitze d. Flügeld. vollkommen abgerundet
7. tumidula n. sp.
— mehr oder weniger vorgezogen 15
15. Flügeld. in d. Mitte d. Naht deutlich erhaben . 16
— fast flach 9. planata n. sp.
16. Flügeld. je mit 3 Reihen rostrother Haare
10. tricJioptera Gerst.
Hin und wieder behaart, aber nicht in Reihen
6. ciliata Fab.
\, Eur y cho r a äilat ata Er. Botunäata,parum nitida y
nigra vel nigro-picea, fulvo-ciliata; antennis compressis, ar-
ticulis 4 — 9 longitudine latioribus ; elytris disco convexis,
Monographie der Eurychoriden; 365
margine lato, elevato, apice suftiram versus oblique truncato.
— long. 13—18, lat. 10—13 mill.
Erich. Wieg. Arch. 1843 I. p. 240.
Benguela und Angola. Nicht selten.
Diese Art ist die einzige mir bekannte, deren Flü-
geldeckenrand an der Spitze stark ausgeschnitten ist und
sie ist daran auf den ersten Blick zu erkennen. Fühler
kräftig zusammengedrückt und nicht so gestreckt, wie
bei ciliata. Das 3. Glied ist so lang, als 4. und 5. zu-
sammengenommen, 4. — 9. gleich breit, etwas breiter als
lang, 10. grösser als das 9., an der Spitze beiderseits
abgeschnitten, glänzend. Kopf durchaus fein spitzig ge-
körnelt mit stark erhabener Stirne. Halsschild mit sehr
stark blätterartig ausgebreiteten, aber schwach aufge-
bogenen Rändern, vornen tief ausgeschnitten, hinten in
der Mitte vorgezogen und beiderseits schräg nach vornen
laufend, so dass der Winkel zwischen der Basis der Flü-
geldecken und den Halsschildseiten sehr auffallend her-
vortritt. Die Scheibe ist glatt, quereingedrückt, die ver-
breiterten Ränder dicht und fein gekörnelt. Flügeldecken
so lang als breit, mit fast gerader Basis, stark vorstehen-
den Schultern und durchaus sehr verbreitertem Rande,
der an der Spitze schräg nach innen ausgeschnitten ist.
Der höchste Punkt der Flügeldecken liegt kurz vor der
Mitte und verflacht sich gleichmässig nach allen Seiten;
aussör dem verbreiterten Rande, welcher dicht spitzig ge-
körnelt ist, zeigen die Flügeldecken fast kaum eine Spur
von Sculptur. — Bei meinen Exemplaren sind sämmtliche
verbreiterten Ränder mit kurzen wolligen gelblichbraunen
Haaren dicht bedeckt. — Die Parapleuren sind nur sehr
einzeln, die Epipleuren dagegen an ihrem äussern Rand
dicht spitzig gekörnelt.
Die Farbe des Käfers schwankt zwischen Schwarz
und Dunkelbraun.
Die ^ sind klein und haben ein kürzeres, seitlich
etwas mehr aufgebogenes Halsschild.
Bei den circa 30 Exemplaren, die mir vorlagen,
fand ich keins, das mit Ausschwitzungen bedeckt ge-
wesen wäre.
366 Haag-Rutenberg:
2. Eurychora Batest n. sp. Rotundata, obscure brun-
nea, parum nitida; antennarum artictdo 3^ tribus sequen-
tibusfere longiore; thorace triangulari, marginihus explanatiSj
obscure bnmneo ciliatis; elytris rotundatis, circuU formam
imitantibus, sutura marginibusque elevatiSy ciliatis; pedes
nigri, nigro-setosi. — long. 16—17, lat. 11 — 12 mill.
Süd-Afrika (Coli. Bates, Haag). Nolagi (Mus. Holm.).
Fühler zusammengedrückt, scliwara behaart ; drittes
Glied sehr lang, fast länger als die 3 folgenden zusammen;
diese länger als breit, bis zum 9. langsam an Länge abneh-
mend, das 10. nicht breiter als das 9., nur an der Spitze
leicht angeschwollen und zweiseitig abgestutzt. Kopf matt,
schwarz, durch spitzige Körnchen rauh erscheinend. Hals-
schild sehr breit und kurz, fast dreieckig, mit gradem,
nur beiderseits leichtgeschwungenem Hinterrande, ver-
breiterten, /aber neben nicht gerundeten, sondern grade
abgeschnittenen, kaum aufgebogenen Seiten. Der Kopf-
ausschnitt ist nicht sehr tief, zeigt aber in den Ecken
noch kleine Einschnitte ; die Yorderwiukel sind nicht sehr
scharf, die Hinterwinkei dagegen spitz ausgezogen und
an der äussersten Spitze abgerundet. Die Scheibe ist der
Queere nach vertieft, einzeln piinktirt, die Seiten dagegen
fein gekörnt ; der ganze Umkreis ist mit langen, aber
nicht sehr dicht stehenden bräunlichen Haaren besetzt.
Flügeldecken etwas breiter, als der Thorax, und
vollkommen kreisrund, kaum gewölbt, mit bis zum letzten
Dritttheil angeschwollener Naht, schmal abgesetztem, leicht
aufgebogenem nicht crenulirtem Seitenrand, welcher, ähn-
lich wie der Thoraxrand, behaart ist. Die Oberfläche ist fein
zerstreut punktirt, Parapleuren fein gekörnt, Epipleuren
sehr fein punktirt, am äussersten Rande fein gefältelt. —
Die Beine sind gestreckt und matt schwarz behaart.
Wenn der Käfer mit Ausschwitzungen bedeckt ist,
so ist er fast nicht zu erkennen. Diese, welche in einer
dichten schmutzigen mit Erdtheilen vermischten filzigen
Masse bestehen, setzen sich hauptsächlich in den langen
Wimpern des Thorax, des Flügeldeckenrandes und der
Naht fest und bilden dort dicke unförmliche Wulste, die
die ursprüngliche Form und Sculptur vollkommen ver-
Monographie der Eurychoriden. 367
bergen. ' Der Käfer ist aber dann immer an dem 3. lan-
gen Fühlergliede und den schwarz behaarten Beinen zu
erkennen.
3. Eurychora angolensis n. sp. OUongo-ovatay
nigra^ parum nitida; thorace hrevi, valde transverso, antice pro-
funde et late cmarginoio, lateribus foliaceis ; elytris hreviter ova-
libus, dorso transversim elevatis, lateribus nonnuUum dilatatis,
punctatis; parapleuris grosse, epipleuris minus . fortiter
punctatis. — icong. 12, lat. 8 mill.
Aus Angola. Meine Sammlung (Mouflet).
Fühler gestreckt; S.Glied so gross als 4. und 5. zu-
sammen genommen; 4. — 9. länger als breit, 10. nicht brei-
ter, aber länger als 9. und in der gewöhnlichen Weise
abgestutzt. — Kopf ziemlich dicht, rauh gekörnelt. Hals-
schild sehr kurz und sehr breit, ungefähr viermal breiter,
als in der Mitte lang, vornen sehr weit und tief ausge-
schnitten, so dass der Kopf vollkommen frei sitzt und
man zwischen dem Halse und dem Thorax bequem
durchsehen kann. Die Seiten sind breit blätterartig ver-
breitert, seitlich gerundet und sanft, in die Höhe ge-
bogen, der Hinterrand ist gerade, die Vorder- und Flin-
terwinkel fast spitzig. Die Scheibe, welche undeutlich
eingedrückt ist, ist sehr einzeln punktirt, die Seitenlap-
pen etwas uneben und undeutlich granulirt ; sämmtliche
Ränder sind mit kurzen gelben Härchen bekleidet. Flü-
geldecken so breit als der Thorax, sehr kurz eiförmig
mit vorgezogener Spitze. — Ueber die Mitte läuft eine
Quererhöhung, welche sich nach dem Schildchen und
der Spitze zu abflacht. Der Rand ist schmal abgesetzt
und etwas aufgebogen und leicht gefältelt; die Schultern
stehen bemerklich vor; die Scheibe ist sehr unregelmäs-
sig mit grösseren und kleineren Punkten bedeckt, der
Rand dünn und fein behaart. Parapleuren mit grossen,
aber wenig zahlreichen Punkten, Epipleuren dichter,
aber fein punktirt und längst dem Rande fein gefältelt.
Die Art erhält durch den weit ausgeschnittenen,
kurzen Thorax, an welchem die Seitenlappen wie Flügel
vorstehen und durch den in der Ruhe vollkommen frei-
368 Haag-Rutenberg:
stehenden Kopf ein von den verwandten Arten sehr
verschiedenes Aussehen, und ist daran, abgesehen von
den tief punktirten Parapleuren, leicht zu erkennen.
4. Eurychora terrulenta n. sp. Oblong o-ovata, ni-
gra, nitida ; articulo 3^ antennarum longitudine trihus sequenti-
hus aequali; thorace dilatato, laterihiis rotundatis, planis;
elytris hreviter ovalihus, fere planis, marginibus vix eleva-
tis, nigro ciliatis. — long. 17, lat. II mill.
Fühler in ähnlichem Längenverhältnisse, wie bei
Batesi, doch ist das 3. Glied gerade so gross, wie die
3 folgenden zusammengenommen und die Fühler er-
scheinen nicht so zusammengedrückt. Kopf durch feine
spitze Körnchen rauh erscheinend. Thorax ungefähr 3-
mal so breit, als in der Mitte lang, mit ziemlich gradem
Hinterrande, verbreiterten, aber seitlich gerundeten, kaum
aufgebogenen, kurz schwarz bewimperten Seitenrändern,
abgerundeten Hinter- und Vorderecken und auf der
Scheibe mit einem Quereindruck; diese ist einzeln gc-
körnelt, die Seiten dagegen sind durch ziemlich dichte
Runzeln uneben. Flügeldecken kurz eiförmig, fast flach,
mit kaum erhabenem, schwarz behaartem, Seitenrande.
Die Scheibe ist etwas uneben runzelig und einzeln mit
schwarzen Häärchen besetzt. Die Parapleuren sind ziem-
lich grob gekörnelt, die Epipleuren dagegen glatt. Die
Beine sind lang gestreckt, schwarz behaart.
Das einzige Exemplar des Stockholmer Museums,
welches mir zu Gesicht kam und welches von Wahl-
berg in Nolagi (Süd- Afrika) gesammelt wurde, ist so-
wohl oben wie unten durchaus mit einem erdgrauen
Filze so dicht bedeckt, dass man von der Sculptur abso-
lut nichts erkennen kann; die Art ist aber mit keiner
andern zu verwechseln, da die beiden anderen mir sonst
bekannten schwarz behaarten Arten — die E. luctuosa m.
und Batesi m. — auf den Flügeldecken gewölbt sind und
ganz andere Längsverhältnisse der einzelnen Fühlerglieder
aufweisen.
5. Eurychora suturalis n. sp. Oblongo-ovata, nigra,
opacüj parum flavobrunneo pilosa; capite earinato ; thorace mar-
Monographie der Eurychoriden. 369
ginihu^ foliaceis, elevatis, disco transvcrsim profunde sulcato,
medio laevi, lateribus gramdatis; elytris rotundatis, medio
elevatis, margine laterali plicato; parapleuris epipleurisque
opaciSy laevibus. — long. 20, lat. 13 mill.
Süd- Afrika. Meine Sammlung.
Die Fühler sind leider bei dem einzigen Exemplar,
welches mir zur A^erfügung steht, verstümmelt und nur
von dem einen derselben sind 4 Glieder vorhanden. Nach
diesen zu urtheilen sind dieselben kräftig, denn das 3.
Glied ist verhältnissmässig sehr kurz und wird wohl kaum
etwas länger sein, als 4 und 5 zusammen genommen.
Kopf gross, tief in den Thorax eingelassen, mit starkem
Längskiele auf dem Clypeus und kräftigen Augenschwie-
len ; vornen undeutlieh dicht, Stirne nur einzeln punktirt,
fast glatt.
Halsschild seitlich sehr stark verbreitert, vornen tief
ausgeschnitten, hinten beiderseits weit ausgebuchtet, mit
etwas vorgezogenen Hinterwinkeln; Scheibe matt, un-
punktirt, kräftig queer eingedrückt; Seitenlappen stark
gehoben, einzeln granulirt und mit gelblich braunen Börst-
chen besetzt; ausserdem ist der ganze Umkreis des Thorax
mit ähnlich gefärbten abstehenden Haaren bekleidet. Flü-
geldecken in ihrer grössten Breite, kaum breiter als das
Halsschild an der Basis, fast cirkelrund, mit zurückge-
zogenen, kaum angedeuteten Vorderecken und schwach
vorgezogener Spitze. Die Mitte ist erhaben und verflacht
sich allmählich gegen den Seitenrand, welcher sehr deut-
lich, ungefähr 3 mill. breit abgesetzt und gefältelt ist;
ausserdem ist er besonders an den Schultern in die Höhe
gebogen. Die Oberseite ist matt und zeigt nur an der
Naht einige wenige schwache Punkte ; auf der Scheibe
selbst stehen nur ganz vereinzelte Haare, dagegen ist
der Rand sehr dicht und die Naht, besonders nach dem
Schildchen zu, mit langen abstehenden lebhaft rostfar-
benen Haaren besetzt. Para- und Epipleuren matt und
gänzlich unsculptirt. Beine kräftig, durchaus fein mit
braunen Börstchen besetzt.
Die Art gleicht ungemein auf den ersten Blick der
703 Haag-Rutenberg:
ciliata F. var. major, sie unterscheidet sich aber von der-
selben
1) durch die Stirnschwiele,
2) durch das Haisschild, welches am Hinterrande
nicht so stark vorgezogen ist, wie bei ciliata,
3) durch die kreisrunden Flügeldecken,
4) durch die behaarte Naht und endlich
5) durch den abgesetzten gefältelten Flügeldecken-
rand.
6. Eu rychora ciliata Fab. Ovata, nigra, nitida ; tJio-
race valde transversa, laterihus foUaceis, rotundato-ampliatis ;
elytris latitudine vix latiorihus, dorso plus minusve elevatiSi
postice declivibus; marginihus vix elevatis, rufo ciliatis;
pedes fulvo-setosi.
Pimelia ciliata Fab. Spec. Ins. I. 1781 pg. 319.
JEkrychora ciliata Th unbg. Nov. Ins. spec. pg. 116.
IIL pg. 234.
Ol. Ent. III. 59 pg. 26 t. 2 f. 19. a. b.
Sol. An. Fr. 1837, pg. 157 t. 7 fg. 1-5.
Fähr. act. reg, sc. ac. holm. 1870 pg. 249.
Eurych. modesta Hbst. Käf. VIII pg. 37 t. 119 f. 10.
var. major, elytris dorso magis elevatis.
Eur. major SoL An, Fr. 1. c. pg. 158.
Eur. ciliata Hbst. 1. c. pg. 36.
long. 11—19. lat. 7—13 mill.
Cap. Sehr gemein.
Die gemeinste und bekannteste Art der Gattung.
Fühler gestreckt; erstes Glied doppelt so gross als das 2.;
dieses klein, knopfförmig, an der Basis etwas ausge-
schnitten; 3. Glied gut so lang, als 4 und 5 zusammen;
4. und 7. Glied gleich lang, etwas länger als breit; 8.
und 9. etwas kürzer, so lang als breit; 10. doppelt so
gross als 9., an de^- Spitze an beiden Seiten schief abge-
schnitten, mit gelblicher Schnittfläche. Bis auf die Spitze
des 10. Gliedes, welche glänzt, sind die Fühler matt und
'.mit kleinen gelblichen Börstchcn besetzt. Das Kopfschild
ist vornen halbrund ausgeschnitten, mit einigen undeut-
Monographie der Eurychoriden. 871
liehen Zähnchen in der Ausrandung. Die Stirne selbst
ist matt, kaum punktirt, nach vornen zu mit wenigen ein-
gestochenen Punkten. Thorax sehr breit, vornen mit tie-
fem Ausschnitte für den Kopf, hinten fast gerade, mit*
blätterartig verbreiterten, weit gerundeten, in die Höhe
gebogenen Seiten und einem undeutlichen Queereindruck
über die Scheibe. Die Sculptur ist sehr variabel. In der
Regel ist die Scheibe glatt und glänzend, die Seitentheile
dagegen durch Runzeln etwas uneben, nur hin und wieder
mit kleinen spitzigen Körnchen bedeckt. Sämmtliche
Ränder sind dicht mit längeren und kürzeren gelblichen
oder rostrothen Börstchen besetzt. Das Schildchen ist
klein, spitz dreieckig. Die Flügeldecken sind kaum länger
als breit, hinten mit etwas vorgezogener Spitze und von
ihrem höchsten Punkte an, der etwas vor der Mitte liegt,
nach der Basis und der Spitze zu abgeflacht, besonders
nach hinten, wo häufig in der Abflachung die Naht et-
was hervortritt. Der Rand ist kaum abgesetzt und überall
dicht mit Börstchen besetzt. Die Oberfläche ist in der
Regel glatt, doch sieht man hin und wieder einzelne
Punkte, in denen kleine Börstchen stehen.
Die Parapleuren des Thorax sind matt, etwas run-
zelig uneben und zerstreut undeutlich punktirt ; die Epi-
pleuren der Flügeldecken dagegen glänzend und nur hin
und wieder mit mikroskopischen Körnchen besetzt. Die
Beine sind normal, durchweg gelblich beborstet und be-
haart.
Das.^ ist kleiner und die Halsschildseiten sind im Ver-
hältniss zu den Flügeldecken etwas breiter. Die Aus-
schwitzungen bestehen in der Regel in blendend weissem
spinnwebartigem Ueberzug, der die ganze Oberseite des
Köpers dicht bedeckt.
Die Varietät major Sol., deren Type ich in der
Melly'schen Sammlung verglich, unterscheidet sich ausser
durch Grösse und etwas gewölbteren Flügeldecken in
Nichts von den typischen Exemplaren. Der Grössenangabe
nach muss die Herbst 'sehe ciliata zu dieser Varietät
gezogen werden; die modesta Hbst. ist wohl aus glei-
chen Gründen die typische ciliata Fab., dagegen glaube
372 Haag-Kutenb erg:
ich, dass pusilla Hbst. zu einer andern Art zu zie-
hen ist.
7. Eurychora tiimidtila n. si^. Ovata, nigra, partim -
nitida ; thorace transverso, laterihus foliaceiSy rotundato-amplia-
tis, crenulatis; elytris latitudine non latiorihis, dorso elevatiSy
marginihus distincte * crenulatis, rufo-ciliatis. — long. 14,
lat. 9 mill.
Cap. Meine Sammlung.
Der ciiiata sehr ähnlich, doch in folgenden Punkten
von ihr verschieden :
1) Das 3. Fühlerglied ist etwas gestreckter und
länger.
2) Die Seitenränder des Thorax sind mit deutlichen
spitzen Zähnchen besetzt.
3) Die Flügeldecken sind vollkommen kreisrund,
und hinten nicht vorgezogen. Ihr höchste Punkt liegt
genau in der Mitte und ihre Ränder sind leicht abgesetzt
und deutlich crenulirt.
8. Eurychora luctuosa n. sp. Ohlongo-ovata, atra,
parum nitida; thorace transversa , laterihus foliaceis, rotundato
ampliatis, atro-ciliatis ; elytris latitudine nonnullum longio-
ribus, dorso plus minusve elevatis, marginihus crenulatis^
atro-ciliatis. — long. 14 — 15, lat. 9 — 10 mill.
Süd-Afrika ; Malmesbury. Coli. Bates, Haag.
Fast vollständig von der Körperform der Ciüata,
aber auf den ersjten Blick dadurch von derselben unter-
schieden, dass sämmtliche Härchen und Börstchen am
ganzen Körper anstatt gelb oder rostfarben, tief schwarz
sind. Ausserdem sind die Fühler unter den gleichen
Längsverhältnissen etwas kürzer und kräftiger und der
Rand der Flügeldecken ist sehr schmal abgesetzt und
deutlich crenulirt. Parapleuren und Epipleuren matt, un-
punktirt, Segmente kaum sculptirt. Ausschwitzung dicht
weisslich, spinnwebartig.
9. Ell rychora plan ata n.Bi^. Ohlongo-ovata, nigra,
nitida; thorace minus transversa, laterihus foliaceis, denticu-
latis, vix recurvis, fulvo ciliatis; elytris hreviter ovalihus, in
dorso fere planis, vix punctatis, margine nonnullum incras-
Monographie der Eurychoriden. 373
sato, crenulato, fulvo ciliato ; parapleuris epipleurisque opacis,
fere laevibiis, — long. 13 — 16, lat. 7 — 10 raill.
Cap. Coli. Bates, Javet, Haag.
Drittes Fühlerglied fast etwas länger als 4. und 5.
zusammen genommen; 4—7. so lang als breit, 8 — 10. et-
was breiter als lang, letzteres zweiseitig abgestutzt ; die
Fühler erscheinen im Ganzen kurz und plump ; Cljpeus
rauh punktirt, Stirne glatt und m^tt. Thorax im Ver-
gleich mit den andern Arten schmal und seitlich nicht
so stark blätterartig verbreitert. Vorderrand tief ausge-
schnitten, Hinterrand beiderseits nach vornen gezogen;
sämmtliche Ränder ziemlich lang bräunlich bewimpert;
der Seitenrand sanft gerundet und sehr deutlich und
kräftig gezähnt. Flügeldecken eirund, an der Spitze
schwach vorgezogen, auf dem Rücken fast platt; Seiten-
rand etwas verdickt, in die Höhe gebogen, crenulirt und
mit braunen Börstchen besetzt; die Scheibe ist glänzend,
einzeln punktirt. Epi- und Parapleurcn matt und nur ganz
zerstreut mikroskopisch fein punktirt.
Von den verwandten Arten (ciliata, tumidula) aus-
ser anderm durch die flachen Flügeldecken und die kur-
zen anders gebildeten Fühler geschieden.
10. Eurycho ra trichoptera Gerst. Ovata, atravel
nigro-hrunnea, fulvo cüiata ; thorace laterihus foliaceis, erectis ;
elytris cordiformihus, disco convexiusculis, triseriatum fulvo-
pilosis, parapleuris minutissime granulatis, epipleuris vix
punctatis. — long. 12—16, lat. 8 — 11 mill.
Mozambique. Berliner Mus. Meine Sammlung.
Gerst. Monatsb. d. Berl. Ac. 1854 p. 531. Pet.
Reis. 1862 p. 276 t. 16 f. 5.
Fühler sehr gestreckt ; 3. Glied länger als 4. und 5.
zusammengenommen, 4^-9. länger als breit, allmählich an
Länge abnehmend. Thorax seitlich verbreitert und stark
in die Höhe gerichtet; Hinterrand in der Mitte gerade,
an den Ecken schief nach vorne abgeschnitten; Scheibe
stark eingedrückt und nur einzeln granulirt. Flügel-
decken kurz herzförmig, so breit als lang, etwas vor der
Hälfte queer gewölbt und nach dem Schildchen und der
374 Haag-Rutenberg:
Spitze zu schräg abfallend ; Schultern abgerundet, aber
deutlich; Spitze leicht vorgezogen; Scheibe kaum punk-
tirt, wenig glänzend, rings am Umfange rostgelb behaart
und auf jeder Flügeldecke drei Reihen ähnlicher Haare.
Parapleuren sehr fein granulirt, Epipleuren kaum punk-
tirt; Beine lang und schlank.
Die Art ist nur mit ciliata zu verwechseln, welcher
sie auf den ersten Blick sehr ähnlich sieht, doch unter-
scheidet sie von ihr, ausser der schlanken Fühlerbildung,
die eigenthümliche Flügeldeckenwölbung und die Be-
haarung.
11. Eurychora villosa n. sp. JBreviter ovalis, nigra,
nitida; thorace laterihus foliaceis, rotundatiSj longe hrunneo-ci-
liatis; elytris longitudine latitudine aequali, laevihus, alte medio
elevatis, marginihus non incrassatis, longe ciliatis ; parapleuris
profunde punctatis, epipleuris laevihus. — long. 14 — 15,
lat.,9— 10 mill.
Dama Rald. (Coli. Bates, Haag.)
Fühler kräftig, gedrungen; 3. Glied so lang als 4.
und 5. zusammen; 4. — 9. so breit als lang, 10. etwas kräf-
tiger. — Kopf gross, matt, sehr einzeln fein spitz ge-
körnelt. Halsschild seitlich blätterartig verbreitert, sanft
aufgebogen ; hinten fast gerade^ beiderseitig leicht ausge-
buchtet; Scheibe sehr tief queer gefurcht, glänzend, sehr
einzeln, die Seitentheile dagegen matt aber kräftig punk-
tirt Die sämmtlichen Ränder desselben sind mit langen
dichtstehenden Borsten besetzt. Flügeldecken so breit
als der Thorax, fast kreisrund, mit etwas vorgezogenen
Schultern. Genau in der Mitte sind sie hoch erhaben
und diese Erhabenheit verflacht sich ganz gleichmässig nach
allen Seiten. Die Scheibe ist glänzend, glatt, mit einigen
wenigen Punkten, theil weise in Reihen geordnet; der
Rand ist weder abgesetzt, noch verdickt, aber mit vielen
sehr langen braunen Borsten besetzt. Die Parapleuren
zeigen einzelne tiefe grubenförmige Punkte, zwischen
welchen mikroskopisch kleine Körnchen stehen; dagegen
sind auf den Epipleuren nur bei starker Vergrösserung
Monographie der Eurychoriden. 375
einzelne fast in Reihen geordnete Punkte zu erkennen.
Die Beine sind kurz und kräftig.
Diese Art ist wegen der tief punktirten Parapleuren
mit keiner andern zu verwechseln, denn angolensis m.,
welche ähnlich sculptirte Parapleuren hat, hat eine ganz
andere Form und ist unbehaart.
12. Eurychora harhata Ol. Ohiongo ovalis,nigra^
nitida; thorace laterihus foliaceis, rotundatiSy brunneo-ciliatis ;
elytris ohlongo-ovalibus, immarginatis, inaequaliter indistincte
punctatis, dorso serie-villosis; plarapleuris indistincte minu-
tissime granulatis, epipleuris vix punctulatis. — long. 10 — 18,
lat. 7— 10 mill.
Caffraria, Cap; gemein und in allen Sammlungen
vertreten.
Oliv. Ent. III. 1795 p. 26 t. 4 F. 7.
Herbst Käf. VIII. 1799 p. 38 t. HO F. 12.
Em, cinera Sol. An. Fr. 1837 p. 159.
— piisilla Herbst. 1. c. pg- 38 t. 4 F. 11.
var. major, elytris magis ohlongis et deplanatis, punctis
majoribus, distincte seriehispidis, epipleuris magis punctatis.
Eurychora hirta Winth. i. 1.
var. nitida, elytris brevioribus, marginibus pube ferru-
ginea dense tectis, in dorso vix pubescentibus, laxe punctatis.
Eurychora nitida m.
var. nitida, elytris magis in medio elevatis, basi fere
rectis, angulum cum thoracis basi vix formantibus, in dorso
gramdis minutis in seriebus dispositis, praesertim versus mar-
ginem, ohsitis.
Eurychora granulosipennis m.
Eine gemeine, aber äusserst variabele Art, von deren
extremsten Formen man kaum glauben könnte, dass sie
einer Art angehören. Bei dem vielen Material aber, welches
mir vorlag, war es mir nicht möglich, die Formen aus-
einander zu halten und ich kann, da die Uebergänge vor-
handen, nur eine einzige Species annehmen. Ich habe
übrigens den sehr abweichenden Formen Namen gegeben
und sie kenntlich gemacht.
Die Art ist vor allen Dingen daran zu erkennen,
Archiv f. Naturg. XXX Vin. Jahrg. 1. Bd. - 25
376 fiaag-Rutenberg:
dass die Wölbung der Flügeldecken eine ganz andere
ist, wie bei den übrigen Arten (sie ist hier nur mit con-
vexiuscula m. zu vergleichen). Die Flügeldecken sind
nämlich wenig gewölbt und senken sich seitlich ganz
gleichmässig gegen den Rand zu, ohne dass sich längs
dem letzteren eine Längsvertiefung bildet, wie z. B. bei
ciliata, dilatata etc. Der Rand scheint in Folge dessen
eher etwas herabgezogen, als aufgerichtet. Ausserdem
ist die Fühlerbildung eine nicht gewöhnliche, indem die-
selben etwas platt gedrückt erscheinen und das 4. bis 9.
Glied bedeutend breiter als lang ist, was dem ganzen
Fühler ein plumpes Aussehen gibt. Endlich hilft bei
reinen Exemplaren die auf den Flügeldecken in Reihen
stehende lange Behaarung zur Erkennung, da eine derartige
Pubescenz meines Wissens ausser bei villosa m. und tri-
choptera Gerst. bei keiner andern Art vorkommt. Fühler
kurz, plump; 3. Glied etwas länger als 4. und 5. zu-
sammengenommen, 4.-9. breiter als lang, das letzte ab-
gestutzt, an der Spitze glänzend und gelblich tomentirt.
Kopf gewöhnlich. Halsschild seitlich sehr stark ver-
breitert, hinten fast grade, in der Mitte queervertieft; seit-
lich stark in die Höhe gebogen, daselbst undeutlich gra-
nulirt und rings herum mit langen rostgelben Haaren
besetzt.
Flügeldecken fast kreisrund, die Schultern sehr stark
abgerundet, die Spitze etwas vorgezogen, die Wölbung,
wie oben angegeben. Die Scheibe ist durch kleine Längs-
fältchen etwas uneben, einzeln punktirt, rings herum rost-
roth behaart und zeigt auf jeder Flügeldecke zwei mehr
oder minder deutlich röthliche Haarreihen, zwischen
welchen hin und wieder noch einzelne Börstchen stehen.
Die Beine sind kräftig, die Parapleuren sehr fein
gekörnt und die Epipleuren äusserst fein punktirt.
Diese Beschreibung selbst ist nach der S o Herrschen
Type entworfen ; es unterliegt aber wohl keinem Zweifel,
dass Soli er die Olivier'sche Art nochmals beschrieb.
Letztere war ein unausgefärbtes Exemplar, wie mir ein
ganz gleiches aus der Bates*schen Sammlung vorliegt
und die Beschreibung ist durchaus treffend.
Monographie der Eurychoriden. 371^
Die Art variirt nun in jeder Beziehung; in der Grösse
von 10—18 MilL, in der Behaarung, die manchmal ganz
verschwindet, in derPunktirung, die die verschiedenartigste
Stärke annimmt und endlich und hauptsächlich in der
Form der Flügeldecken, von denen mir üebergänge von
den plattesten gestrecktesten Formen bis zu fast kreis-
runden erhabenen vorliegen.
Var. hirta, ist durchgängig gross, die Flügeldecken
sind sehr platt, fast vollkommen herzförmig, zeigen wie
auch deren Epipleuren^ eine recht deutliche Punktirung
und sind endlich die Haarreihen sehr kräftig.
Y3iX..nitid aisiYon mittlerer Grösse, glänzend schwarz,
wenig punktirt; die Flügeldecken sind kurz, nach hinten
und vornen steiler, wie gewöhnlich abfallend und ebenso
wie der Thorax, am ganzen Kände mit dichter, lebhaft
rostrother Behaarung eingefasst. Sie stammt von den
Diamantfeldern und dem Limporapo-Flusse.
Var. granulosip en^nis ist die abweichendste und ich
bin wirklich noch im Zweifel, ob hier nicht eine gute
Art vorliegt. Ich besitze aber nur ein Exemplar und
ziehe es desshalb vor, es vor der Hand als Varietät zu
betrachten.
Die Flügeldecken sind bei diesem Exemplar an den
Schultern fast nicht abgerundet, sondern schliessen fest
an den Thorax an. Sie sind ferner sehr kurz und in der
Mitte verhältnissjnässig hoch erhaben. Ihre Scheibe ist
endlich, besonders am Rande, auf der Naht und auf einem
Streifen dazwischen mit Körnchen bedeckt. Die Art_wurde
von Dr. Fritsch in Curumann gesammelt.
Die Art pusillallhst. scheint mir hierherzuziehen
zu sein. Zu ciliata passt sie nicht recht, wegen der
Grösse und Punktirung; ohne aber der Beschreibung
Zwang anzuthun, passt sie recht gut auf diese Art und
da doch nicht mehr festzustellen sein wird, was Herbst
unter pusilla verstand, so mag sie hier als synonym ein-
gereiht werden.
13. Eurychora co nv e xiu scul a (Bohem i. 1.) n. sp.
Oblongo-ovalis, nigra^ opaca ; antennis gracilibuSj articulo fertio
378 Haag-Rutenberg:
trihus sequentihus longitudine aequali; tJiorace lateribus fo-
liaceis, pvrectis ; elytris cordiformihus^ elevatis, vix pundatis^
parce flavo puhescentibus ; xmrapleuris epipleurisque opacis, im-
punctatis; pedihus gracilihus. — long. 12 — 13, lat. 8 mill.
Süd-x\fnka. Wiener Museum und meine Sammlung.
Diese Art hat im Körperbau grosse Aehnlichkeit
mit der barbata, hat aber eine ganz andere Fühlerbildung,
ist ausserdem matt, kaum punktirt und sehr sparsam
behaart.
Fühler gestreckt, 3. Glied so lang als 4., 5. und
6. zusammengenommen, 4.-9. länger als breit, langsam
an Länge abnehmend. Kopf rauh punktirt, mit starken
Augenschwielen. Thorax vornen tief ausgeschnitten, seit-
lich verbreitert, aber verhältnissmäsig nicht sehr stark,
die Basis desselben beiderseits sehr vorgezogen, so dass
der Winkel zwischen Schultern und Thorax sehr gross
erscheint; auf der Scheibe queer eingedrückt und wie es
scheint unsculptirt. Flügeldecken kaum breiter, wie das
Halsschild, herzförmig, gleichmässig gewölbt, ähnlich wie
bei barbata ohne Spur von abgesetztem Rande; Schultern
sehr zurückgezogen und abgerundet, Spitze leicht vor-
gezogen, Oberfläche matt, Punktirung nur bei starker Ver-
grösserung zu bemerken, der Rand mit einzelnen aufrecht-
stehcnilcu gelblichen Haaren besetzt. Parapleuren ' und
Epipleuren matt, glatt; Beine sehr gestreckt, an den Schen-
keln fein greis, an den Schienen rostroth behaart.
Die Ausschwitzungen dieser Art bestehen in schnee-
weissen und gelblichen Flocken, die besonders am Thorax
stark auftreten.
14. Eurychora muri^za n.sip. Ovata, atra, opaca,fla'
vopilosa, tota indumento griseo dense tecta, antennis gracilihus,
articido tertio trihus sequentihus longitudine fere aequali;
thorace laterihus foliaceis^ elevatis^ spiculosis ; elytris convexis,
ovatis, thorace nonniJiil latiorihus, opacis, parce graniüatis,
longe pilosis, margine denticidato; epipleuris minutissime gra-
nulatis. — long 11, lat. 7 mill.
Eine sehr auffallende Art, ausgezeichnet durch ihren
gelblich grauen Ueberzug, welcher nicht von Ausschwit-
Monographie der Eurychoriden. 379
Zungen herrührt, durch ihre glcichmässig lange bräunliche
Behaarung und durch ihre glcichmässig gewölbten Flügel-
decken. Am nächsten der Form nach Verwandt ist sie
mit Fahraei und punctipennis, von beiden unterscheidet
sie sich aber auf den ersten Blick durch die fehlende
Punktirung der Flügeldecken.
Fühler gestreckt, 3. Glied länger als 4. und 5. zu-
samraengenommen_, 4. — 9. Glied länger als breit; Kopf
mit starken Augenschwielen; Thorax seitlich verbreitert, die
Seitenlappen aufgebogen, nach vörne stark verschmälert;
Hinterrand fast grade, nur vor den Ecken leicht ausge-
buchtat, Seitenr^nd spitz gezähnt, Mitte queer eingedrückt.
Kopf und Thorax sind mit einem dichten graugelben
Ueberzuge und letzteres ausserdem überall mit langen
aufrechtstehenden Haaren bedeckt, so dass eine Sculptur
nicht zu erkennen ist, doch scheint der stark aufgebogene
Seitenrand des Halsschildes granulirt zu sein.
Flügeldecken nicht viel breiter als der Thorax, sehr
kurz, fast kreisrund, in der Mitte ziemlich hoch gewölbt.
Die Wölbung senkt sich allmählich gegen die Seiten und
geht in den Rand über, so dass die Flügeldecken, ähnlich
wie bei barbata und convexiuscula kugelförmig gewölbt
erscheinen; Seitenrand spitz crenulirt, Oberfläsche an-
scheinend matt, nur hin und wieder mit einzelnen Granu-
lationen besetzt; die ganze Scheibe ist ausserdem mit
langen Haaren bedeckt. Die Parapleuren sind deutlich, die
Epiplcuren dagegen nur verwischt punktirt. Beine normal.
Ausser dem graulichen Ueberzuge zeigt das einzige
Exemplar, welches mir vorliegt, und welches aus dem
Stockholmer Museum stammt (von Wahl b er g in Nolagi,
Südafrika, gesammelt) noch Spuren von einer schnee-
weisen Ausschwitzung.
15. Eurychora punctipennis n. sp. OUongoovalis,
nigra, nitida, thorace lateribiis foliaceis, minus elevatis, angulis
posticis prorectis, elytris globosis, irregulariter rüde punctatis,
parce fulvo Jiirtis; parapleuris granulaüs, epipleuris forte
punctatis. — long. 10, lat. 6 mill.
Benguela. Meine Sammlung.
380 Haag-Rtitenberg:
Diese Art ähnelt in der Körper-, besonders Flügel-
deckenform sehr der murina m., doch fehlt ihr die reich-
liche PubescenÄ, die Hinterecken des Halsschildes sind
vorgezogen und die Flügeldecken grob punktirt. Fühler
massig gestreckt, 3. Glied so gross wie 4. und 5. znsammen-
genommen, diese so wie das 6. etwas länger als breit,
langsam an Länge abnehmend, 7. — 9. etwas breiter als
lang, das 10. in der gewöhnliche Weise abgestutzt. Kopf
verworren rauh punktirt. Halsschild vcrhältnissmässig
nicht sehr breit, vornen tief ausgeschnitten, seitlich massig
verbreitert und nicht sehr stark aufgebogen, nach vornen
im Halbkreis verengt, hinten beiderseits weit ausgeschnitten,
so dass die Hinterwinkel vorstehen, gleichsam als wollten
die sie Flügeldecken umfassen. Die Oberfläche ist queer
eingedrückt, seitlich auf den Lappen undeutlich punktirt
und granulirt und theilweise, besonders am Rande mit
rostfarbenen Borsten besetzt. Der Seitenrand ist undeut-
lich crenulirt. Die Flügeldecken sind kaum breiter als der
Thorax, fast kreisrund, kuglich gewölbt, ohne abgesetzten
Seitenrand, mit zurückgezogenen aber doch deutlichen
Schultern, und lejcht vorstehender Spitze. Die Oberfläche
ist grob, fast in Reihen punktirt, auf der Scheibe einzeln,
am Rande dicht mit rostfarbenen Börstchen besetzt.
Parapleuren matt, deutlich granulirt, Epipleuren glän-
zend, sehr grob punktirt; Beine ziemlich kräftig, dicht
mit rostfarbenen Börstchen bedeckt.
1 6. Eur y 6h ora Fi hraei n . sp. Breviter ovata^ nigra,
nitida, parce pubescens ; antennarum articulis5—9 transversis;
thorace marginihus lateralihus foliaceis, elevatis, serratis, disco
transversum - sulcato ; elytris antice subdepressis, margine
denticulato^ punctatis; parapleuris minutissime granulatis,^
epipleuris seriatim punctatis. — long, 9, lat. 5 M.
EurycJiora crenata Fahr, (nee Sol.) 1. c. pg. 250.
CafFraria. 1 Exemplar aus dem Stockholmer Museum.
Von der Grösse der crenata Sol. aber in den Flügel-
decken weniger parallel und vcrhältnissmässig viel breiter.
Fühler wie bei crenata, nur sind die Glieder vom 3.
bis zum 9. nicht so stark quer. Kopf ohne Längs-
Monographie der Eurychoriden. 381
Schwiele, mit schwachen Augenkielen, verworren runzlich
punktirt. Halsschild wie bei crenata. Flügeldecken breiter
als dasselbe, sehr kurz, kaum breiter als lang, gewölbt,
vornen etwas niedergedrückt, seitlich mit kleinen Stacheln
besetzt, auf der Scheibe einzeln verworren punktirt und
hin und wieder mit Häärchen besetzt. Vorderecken deut-
lich, aber nicht aufgebogen. Parapleuren sehr fein ge-
körnt; Epipleuren fast reihenweise grob punktirt. Beine
dünn und klein.
Fahraeus hielt diese Art für crenata Sol. und
stellte demgemäss die Diagnose.
17. Eu rychora crenata So\. Parallela, depressa^ dbs-
cure hrunnea; fhorace laterihus foliaceis, vix elevatis^ spiculosis;
elyfris thorace fere angiistiorihus^ pardllelis, deplanafis^ hume-
ris producUs, recurvis, rüde punctatis, margine spictdosis]
parapleuris epipleurisque grosse punctatis. — long. 8—11;
lat. 4—5 mill.
Cap.; wie es scheint nicht selten.
Eurychora crenata Sol. An. Fr. 1837 pg. 159.
— terrestris Fahr, act. reg. sc. Holm 1870 p. 250.
— punctata Dj. Cat. 1837 p. 201.
— mucarea Ghev. i. 1.
Kopf gross, von der gewöhnlichen Form, sehr grob
zusammenfliessend punktirt, mit starken Augenschwielen
und einem Längskiele. — Halsschild seitlich stark ver-
breitert, vornen tief ausgeschnitten, hinten beiderseits nur
leicht gebuchtet^ nach vornen wenig, nach hinten kaum ver-
schmälert, oben stark queer eingedrückt, die punktirten und.
am Rande stachelichten Seitenlappen sind nur wenig ge-
hohen. Fühler gedrungen, 3. Glied so gross als 4. und 5.
zusammengenommen, 4. — 9. etwas breiter als lang. Bei
den kleinen, wie es scheint, männlichen Exemplaren,
sind die Glieder 4 — 9 etwas gestreckter. Flügeldecken
fast schmäler, als das Halsschild, IV2 mal so lang als
breit, bis zu 2/3 parallel und dann plötzlich zusammenge-
zogen, oben fast flach, hinten schwach abfallend. Die
Schultern stehen spitz hervor und sind etwas in die Höhe
gebogen, der Rand ist ringsum mit Stacheln besetzt und
382 Haag-Rutenberg:
die Oberfläche ist dicht und tief punktirt ; zwischen den
Punkten, besonders nach dem Rande zu, stehen einzelne
bräunliche Haare. Parapleuren granulirt und punktirt;
Epipleuren grob, fast reihenartig punktirt.
Die Art ist nur mit der folgenden zu verwechseln
und an ihrer Kleinheit, ihren tief punktirten, parallelen,
niedergedrückten Flügeldecken leicht zu erkennen.
Fähraeus hat am a. 0. irrthümlich die von mir als
Fähraei beschriebene Art für crenata Fab. gehalten und
demgemäss seine crenata als terrestris beschrieben. Es lag
mir sowohl seine, als die Solier'sche Type vor.
18. Eu rychora similis n. sp. Praedenti simülima, sed
differt antennis articulis 4 — 9 longiorihus quam latiorihtis,
humeris rotundatis^ punctaüone elytronim minus forte. —
long. 8, lat. 4 mill.
Cap. Meine Sammlung.
Der vorhergehenden Art täuschend ähnlich und mit
ihr leicht zu verwechseln. Sie unterscheidet sich aber
in folgenden Punkten:
1) sind die mittleren Fühlcrglieder länger als breit.
2) sind die Schultern abgerundet und nicht, wie bei
crenata, vorgezogen und umgebogen;
3) sind die Flügeldecken in der Mitte etwas gewölbter
und ist die Punktirung derselben schwächer und besteht
aus grossen und kleinen Punkten gemischt.
II. Peristeptus.
negiotenTog , umkränzt.
Mentum, palpi, oculi ut in genere Eurychora ; antennae
rohustae; articulo tertio duobus sequentihiis, simid sumtis,
longitudine aequali vel hreviore; tJiorace transverso, antiee
profunde emarginato, marginihus lateralihus foliaceis^ ad basin
fere recto, ab elytris non disjimcto; scutello mimdissimo;
elytris oblongo ovalibitSj margine acuto ab epipleuris disjunctiSy
ad basin dense villosis.
Aus der Diagnose ist ersichtlich, dass dieses Genus
die Charactere von Pogonobasis zeigt, nämlich kürzeres
Monographie der Eurychoriden. 383
3. Glied der Fühler, dichtes Anschliessen des Thorax an
die Flügel und endlich die wollige Behaarung an der
Basis der Flügeldecken. Von Pogonobasis unterscheidet
es sich aber sofort durch den scharfen Flügeldeckenrand,
der ganz wie bei den kleineren Arten von Eurychora ge-
bildet ist. Es bildet demgemäss den Uebergang von Eury-
chora zu Pogonobasis und in Wirklichkeit ist die Aehn-
lichkeit der Arten mit diesen beiden Gattungen so gross,
dass die betreffenden Autoren selbst über das zu wählende
Genus im Unklaren waren, denn Gerstäcker z. B. stellt
die Art laevigata zu Pogonobasis, Fähraeus dagegen
die Art ovata, welche auf den ersten Blick kaum von
laevigata zu unterscheiden ist, zu Eurychora. Der Unter-
schied zwischen Peristeptus und den kleineren Arten von
Eurychora, z. B. crenata, similis etc., welche auch schon
eine ganz ähnliche Fühlerbildung zeigen, ist auch in
Wirklichkeit unbedeutend und beschränkt sich lediglich
auf das Fehlen des seitlichen Winkels zwischen Thorax
und Flügeldecken, d. h. die Basis des Thorax ist bei Pe-
risteptus fast gerade und schliesst ziemlich eng an die
Flügeldecken an. Auf die .Fühlerbildung an und für
sich ist im Ganzen bei dieser Familie wenig Werth zu
legen, denn wir haben bei Eurychora gesehen, wie sehr
die Längsverhältnisse der einzelnen Glieder differiren.
Die Aehnlichkeit auf der andern Seite mit Pogonobasis
ist ebenfalls sehr gross, besonders in der Körperform
und es ist lediglich die Randleiste der Flügeldecken, welche
die beiden Genera unterscheidet. In dieser Beziehung
nun kenne ich allerdings keinen Uebergang. Trotzdem
habe ich lange geschwankt, ob hier eine neue Gattung
aufzustellen sei, oder ob nicht durch diese Uebergangsform
die Zusammengehörigkeit von Eurychora und Pogono-
basis bewiesen wäre. Schliesslich entschloss ich mich zu
Ersterem und zwar hauptsächlich desshalb, weil noch
keine Ucbergänge von Peristeptus zu Pogonobasis bekannt
sind, weil ferner, falls diese aufgefunden werden, die
Gattungen immerhin als Unterabtheilungen bestehen bleiben
müssen und endlich weil die drei Gattungen, wie es scheint,
an ganz verschiedenen Theiien Afrikas auftreten, nämlich
384 Haag-Rutenberg:
Eurycbora im Süden, Peristeptus mehr im Südosten (Mo-
zambique, Abyssinien etc.) und Pogonobasis hauptsächlich
im Nordwesten (Senegal und Aegypten.)
üebersichtder Art^n.
3. Fühlerglied so gross als 4. und 5. zusammengenommen 1
^ „ kaum grösser als das 4. 5. platessa Gerst.
1. Flügeldecken kurz, kaum länger als breit
4. Gestroi n. sp.
Flügeldecken gestreckter, IV2— 2 mal länger als
breit 2
2. Flügeldeckenrand, wenn auch fein, aber deutlich
crenulirt 3
Flügeldeckenrand glatt .... 1. laevigatus Gerst.
3. Punktirung auf den Flügeldecken schwach
2. ovatiis Fahr.
Punktirung auf dem Flügeldecken stärker.
3. cribratus Gerst.
1. Feristeptus laevigatus Gerst. Oblongo-ovalis,
niger, nitidus; thorace laterihus explanatis, crenulatis, antice
profunde marginato, postice fere recto, ad angulos leviter si-
nuato; elytris disperse punctatis, parce fulvo pilosis; para-
pleuris minutissime granulatis, epipleuris punctatis. — long.
10, lat. 4V2 M.
Pogon. laevigata Gerst. Monatsb. Berl. Ac. 1854. p.
531. Pet. Reis 1862. p. 277 t. 16. F. 7.
Mozambique, Zambesi; Berliner Mus., Bates, Haag.
- Fühler kräftig, 3. Glied so lang als 4. und 5. zu-
sammen, diese bis zum 9. langsam an Länge abnehmend,
fast so breit als langj Kopf gross, durch eingestochene
Punkte rauh, vornen im Ausschnitt mit zwei kleinen Spitzen ;
Thorax seitlich massig verbreitert, nicht stark in die
Höhe gebogen, nach vornen etwas mehr, als nach hinten
verengt, hinten fast gerade, nur vor den Hinterecken leicht
ausgebuchtet; Oberseite glänzend, undeutlich queer ein-
gedrückt, auf der Mitte sehr einzeln punktirt, auf den
Lappen hin und wieder crenulirt; der ganze Umkreis, be-
Monographie der Eurychoriden. 385
sonders die Basis, ist mit lebhaft rostrothen ßörstchen be-
setzt: der Seitenrand spitzig gezähnt. Flügeldecken so
breit wie der Thorax, nicht ganz zwei mal so lang als
breit, seitlich nur wenig bauchig, bis zum letzten Drittel
fast parallel, Oberseite leicht gewölbt, glänzend, einzeln
punktirt und behaart, nur an der Basis und besonders an
den leicht abgerundeten Schultern stärker behaart; Sciten-
rand nicht crenulirt; Epipleuren weitläufig grob punktirt.
2. Peristeptus ovatus Fähr. Oblongo-ovatus, ater,
opacus ; thorace marginibus explanatis, reflexis ; elytris punc-
tatis; thorace elytrorumque marginibus lateralibus denticula-
tis. — long. 10— IIV2 lat. 51/2— 6V2 mill.
Eurych. ovata Fahr. 1. c. p. 250.
Caffraria. Mus. Holm. (v. Wahlbg. gesammelt).
Gleicht dem vorigen sehr, so dass eine nähere Be-
schreibung nicht nothwendig ist; nur ist er etwas grösser,
nicht glänzend und die Seiten der Flügeldecken* sind
deutlich gezähnt.
3. Peristeptus cribratus Gerst. Oblongo- ovatus ^
niger, parce fulvo-pilosus, elytris subnitidis, profunde punc-
tatis. — long. 12, lat. 7 mill.
Mozambique. Berl. Mus.
Es liegt mir augenblicklich die Type nicht vor ;
nach meinen Notizen hat sie ganz dieselbe Körperform,
wie die vorhergehenden, ist aber etwas grösser und sind
die Punkte auf den Flügeldecken viel kräftiger.
^..Peristeptus Gestroi n. sp. Breviter ovatus, niger ^
nitidus., parce pubescens; elytris latitudine vix longioribus,
punctatis, marginibus lateralibus non denticulatis ; epipleuris
parce punctatatis. — long. 10—13. lat. 6 — 8 M.
Abyssinien. Coli. Bates, Haag.
Diese Art ist in den Flügeldecken ganz anders ge-
bildet, wie die vorhergehenden. Diese sind nämlich
kaum länger als breit und der ganze Käfer erhält dadurch
ein kurzes, plumpes Aussehen. Fühler und Kopf genau
wie bei laevigatus; Hälsschild ganz ähnlich gebildet, doch
ist es seitlich etwas stärker verbreitert und weniger auf-
386 Haag-Rutenberg:
gebogen; auch ist die Mitte stärker queer eingedrückt, so
dass sich an der Basis ein kleiner Wulst bildet. Flügel-
decken sehr kurz, leicht gewölbt, deutlich einzeln punk-
tirt, mit glattem, höchstens hin und wieder ganz undeut-
lich gek-erbtem Seitenrand. Behaarung, wie bei den übrigen
Arten. Epipleuren einzeln fein punktirt, Parapleuren mit
ein bis zwei Reihen grober Punkte längs den Segmenten,
auf der übrigen Fläche nur einzeln punktirt.
Herrn Dr. Oestro vom Museum in Genua gewidmet.
5. Peristeptus platessa Ger st. Minore ovdliSy niger,
parcepüosiis, minus nitidus, deplanatus; antennis articulo tertio
quartovix longiöre; thorace lateribus explanatis, denticulatis :
elytris ovalibus, parce p)'^'>ictatiä, margine acute denticidatis ;
epipleuris vage punctatis. — long. 6 — 7, lat. 4 mill.
Eurycliora platessa Gerst. Wieg. Arch, f. Nat. XXXII.
Bd. 1 pg. 59.
Zanzibar. See Jipe. Mus. Ber., meine Sammlung.
Die kleinste Art der Gattung, an der flachen Ge-
stalt, den kurzen Fühlarn und dem scharf crenulirtcu
ganzen Umfange nicht zu verkennen. Fühler 3. Glied
kaum grösser als das 4., 4. — 9. breiter als lang. Hals-
schild seitlich verflacht, am Rande sehr spitz gezahnt, in
der Mitte queer eingedrückt; Flügeldecken dicht an den
Thorax schliessend, fast flach, kurz eiförmig, seitlich spitz
crenulirt, einzeln punktirt; Behaarung rostfarben, an der
Basis stärker. Epipleuren vereinzelt punktirt; Beine klein
und kurz.
111. Pogonobasis.
Sol. An. Fr. 1837. p. 161. — Lac. 1. c. p. 96.
Die Unterschiede von den verwandten Gattungen
sind weiter oben besprochen worden. Vergl. auch Lac.
a.a.O. Wenn Lacordaire daselbst meint, diese Tbiere
seien nicht den Ausschwitzungen unterworfen, so irrt er,
denn dieselben kommen zwar selten vor, sind aber vor-
handen und bestehen in dichten gelb und weissem flockigem
Schimmel. Sämmtliche Arten haben grosse Aehnlichkeit
unter einander, sind, wie es scheint, fast sämmtlich häufig
Monographie der Eurychoriden'. 387
und sind den verschiedensten Variationen unterworfen.
Sie finden sich am Senegal, in Acgjpten und in Arabien.
üebersicht der Arten.
4. — 9. Fühlcrglied viel breiter als lang 1. verrucosa Er.
4. — 9. Fühlerglied kaum breiter als lang 1
1. Halsausschnitttief, die Vorderecken weit vorgezogen 2
„ zwar scharf, aber wenig tief, die Vorder-
ecken weniger vorgezogen ... 5. JRaffrayi n. sp.
2. Käfer kurz^ gedrungen, Halsschildseiten stark ver~
breitert 3
Käfer lang, gestreckt, Halsschildseiten weniger ver-
breitert , . . ^ . 4. ornata Sol.
3. Flügeldecken deutlich stark punktirt.
^2. rugulosa Guer.
Flügeldecken matt runzelig ... 3. opaca n. sp.
l.Pogonohasis verrucosaEr, Ohiongo ovalis, nigra,
opaca, parce fulvo-pubescens ; thorace hrevi, margine düatato,
leviter elevato,parce gramdato ; elytris suhovatis, dense fortiter-
que punctato-rugosis, graniilis acutis, sparsis, praecipue versus
latera asper aus, punctis suturam versus anterius suhseriatis;
parapleuris minutissime granulatis; epipleuris rüde riigoso
punctatis. — long. 9—12, lat. 5V2 — 7 milL
Er. Wieg. Arch. 1843. I p. 240.
ßenguela und Angola. Gemein. Ein Stück in der
Marseul'schen Sammlung soll vom Cap. stammen ; ich
halte aber diese Angabe für einen Irrthum.
Die Art ist von allen andern durch die breiten mitt-
leren Fühlerglieder zu unterscheiden, deren 5. — 9. viel
breiter als lang sind ; ausserdem durch die grobe rauhe
Punktirung der Flügeldecken, die nurRaffrayi in ähn-
licher Weise aufzuweisen hat. Manchmal sieht man auf
den Decken längs der Naht wie eine kleine Leiste hin-
laufen.
l.Pogonohasis rugulosa Gu er. Ohlongo-ovalis, ni-
gra, parce pilosa, subnitida; thorace lateralitervalde explanato,
B88 Haag-Rutenber^:
elytris suboratis^ distincte grosse punctatis; parapleuris
minutissime granulatis, epipleuris rüde punctatis. — long.
9—12, lat. 5—7 raill.
Pogonohasis rugul, Guer. Ic. regn. an. p. 113. t. 28.
F. 10. — Gast. Hist. nat II p. 192.
E. opatroides. Sol. 1. cit p. 163. t. 7 F. 6—8.
Die bekannte sehr gemeine Art vom Senegal, die,
was Körperform betrifft, nur mit der vorhergehenden
und folgenden Art verwechselt werden kann, von beiden,
sich aber hinlänglich, von ersterer durch die Fühlerbildung
und Sculptur, von letzterer durch die Sculptur unter-
scheidet. Sehr häufig aber findet man diese Art mit or-
nata Sol. verwechselt; die Unterschiede dieser beiden Arten
werde ich bei ornata auseinandersetzen.
Unter den vielen Exemplaren, die mir vorlagen,
fanden sich auch einige als von Egypten und Arabien
stammend, bezettelt. Ich halte beides nicht für wahr-
scheinlich.
3. Po gonohasis opaca n. sp. Statur a praecedentis,
cinerea, opaca, parce puhescens; elytris anterius indistincte
rugoso-punctatis, posterius rugosis, opacis, sine uUa puncta-
tione; epipleuris rüde punctatis. — long. 11, lat. 6 mill.
Arabia. Meine Sammlung.
Vollkommen von derselben Gestalt, wie die vorher-
gehende Art, doch in folgendem verschieden:
1) der ganze Käfer dunkel matt grau,
2) die Flügeldecken zeigen auf der vorderen Hälfte
undeutliche eingedrückte Punkte, welche durch leder-
artige Runzeln verbunden sind; auf der hinteren
Hälfte sieht man keine Spur von Punkten, dort ist
die ganze Fläche verschwommen runzelig.
Die Behaarung wie bei den übrigen Arten, an der
Basis des Thorax und der Flügeldecken stärker auftretend.
Es könnte diese Art immerhin möglicherweise eine
Varietät von rugulosa sein, da ich ausser der Sculptur
keine Unterschiede auffinden konnte. Da aber gar keine
Uebergänge vorlagen und ausserdem das Vaterland ein
anderes ist, so habe ich dieselbe vor der Hand als selbst-
ständrg aufgestellt. .
Monographie der Eurychoriden. 389
4. Pogonohasis ornata Sol. Elongata, nigra, parce
puhescenSf nitida; thorace laterihiis minus explanatis, aequa-
liter rotundatis; elytris distinde pundatis. — - long. 8 — 11,
lat. 4V2— 5V2 mill.
Pogonohasis ornata Sol. 1. c. p. 163.
— elongata Klg. Dj. Cat. ed. 3 p. 201.
var. major, pundis elytrorum majoribm.
Diese in Aegypten sehr häufige Art stimmt in der
Punktirung vollkommen mit rugulosa überein und wird
sehr häufig mit ihr verwechselt.
Sie unterscheidet sich aber in folgenden Punkten:
1) ist ornata viel gestreckter und länger, besonders in
den Flügeldecken, welche lang eiförmig sind, während
die von rugulosa nur eiförmig sind ;
2) ist der Seitenrand des Thorax bei ornata nicht s.o
verbreitert wie bei rugulosa, seitlich auch fast ganz
gleichmässig gerundet, während er bei rugulosa nach
vornen zu mehr verengt ist, als nach hinten;
3) sind die Schultern bei rugulosa mehr vorgezogen,
als bei ornata;
4) ist das Vaterland der letzteren Aegypten und sind
mir keine Exemplare, welche sicher vom Senegal
stammen, bekannt.
Beide Arten nun vaiirren sehr bedeutend, sowohl in
Grösse, als in Form und Punktirung. In den normalen
Formen sind sie leicht auseinander zu halten, aber es ist
oft schwer, kleinere schlankere cT der rugulosa von grös-
seren breiteren $ der ornata zu trennen. So steckt
z. B. selbst in der Gory'schen (jetzt durch Melly Genfer-
Museums-) Sammlung ein von Soli er stammendes als
ornata sibi bezetteltes Stück der rugulosa.
Die grossen Stücke mit starker Punktirung kommen
in Cordofan vor, sie entsprechen der var. a von Soli er.
Ein ebenso grosses Stück, mit etwas schwächerer
Punktirung, aber etwas breiteren Halsschildseiten, von
Bahr el Abiad aus dem Stockholmer Museum, kann ich
vor der Hand auch nur als eine Varietät dieser Art an-
sehen.
390 ^ Haag-Rutenberg:
5. Pogonohasis Baffrayi n. sp. Elongata, nigra,
opaca, parcepilosa; ihorace parum lateraliter düatato, antice
minus excavato, angulis anticis parum prominulis, parce tuher-
culato, medio transversim impresso; elytris elongatis, paral-
lelis, rüde densissimeque punctatis; parce pilosis; para-
pleuris disperse granulatis, epipleuris punctatione elytrorum.
long 9l^— 11, lat. 5—51/2 mill.
Abyssinien, von Raffraj gesammelt. Bogos (Keren)
von Beccari gesammelt. Meine Sammlung.
Fühlerbildung wie bei ornata, Kopf gross, sehr grob
zusammenfliessend punktirt, mit stark vertieften Augen
und in Folge dessen hoher Augenschwiele; Halsschild sehr
klein, kaum doppelt so breit als der Kopf, mit ganz schmal
abgesetztem schwach aufgebogenem Seitenrand bei dem </
und etwas stärker verbreitertem bei dem $, der Hinter-
rand ist fast grade und nur am Schildchen etwas vorge-
zogen, der Vorderrand scharf, aber verhältnissmässig nicht
tief eingeschnitten, so dass die Vorderecken wenig vor-
stehen; Scheibe des Halsschildes in der Mitte queer ein-
gedrückt, mit einzelnen gleichmässig vertheilten Granu-
lationen besetzt, Seitenrand gekerbt und fast ganz gleich-
mässig abgerundet. Flügeldecken breiter als der Thorax,
über doppelt so lang als breit, auf der Scheibe niederge-
drückt, seitlich fast parallel, mit vorgezogenen, aber gleich-
mässig abgerundeten Schultern ; auf der Scheibe sehr dicht,
tief punktirt, mit einzelnen Häärchen besetzt, welche an
der Basis dichter stehen ; Naht glatt. Parapleuren einzeln
granulirt; Epipleuren wie die Flügeldecken punktirt;
zwischen den Punkten sieht man auch, ähnlich wie auf
dem Rücken, einzelne kleine Granulationen.
Eine sehr ausgezeichnete Art, die in der Körperform
mit den grösseren gestreckteren Exemplaren von ornata
übereinstimmt, dabei aber die Sculptur von verrucosa zeigt.
Am auffallendsten aber ist die Bildung des Thorax, die
sehr schmal gleichmässig abgesetzten Seiten desselben,
vornen der kleine Ausschnitt mit den kaum vorstehenden
Vorderecken und endlich die eigenthümliche Granulation
der Scheibe. '
Monographie der Eurychorideii. 391
IV. Steira.
Westw. Gu^r. Mag. Zool. 1837. t. 176.
Die Gattung Steira ist eine der bestgeschiedensten
der ganzen Gruppe, hauptsächlich ausgezeichnet durch
die eigenthümliche Bildung- der Vorder- und Mittelbrust,
der Bauchsegmente, und durch die zahnförmig verbrei-
terten Vorderschienen, welches letztere Merkmal nur
wenigen andern Gattungen eigen ist. Die Vorderbrust ist
an ihrem vorderen Rande durch eine tiefe Furche abge-
schnürt; der Prosternalfortsatz ist zwischen den Vorder-
hüften schmal, verbreitert sich etwas nach hinten und
zeigt eine tiefe Rinne; der Raum zwischen den Hüften
der Mittelbrust ist etwas abgeplattet und beiderseits durch
eine hohe Kante begrenzt, welche sich bis zum drittletzten
Bauchsegmente hinzieht und sich hier mit der tief ein-
geschnittenen Naht dieses Segmentes verbindet. Dieselben
tiefen etwas gebogenen Einschnitte sind auch zwischen
den beiden letzten Bauchsegmenten vorhanden und ist
besonders derjenige zwischen dem 3. und zweitletzten der
tiefste. Diese Einschnitte sind nicht etwa sexuell, — wie
es mir überhaupt bei circa 20 untersuchten Exemplaren,
ausser vielleicht der bemerkbaren Kleinheit des cT und
der vielleicht etwas tieferen Abdominaleinschnitte beim
$ nicht gelingen wollte, einen Geschiechtsunterschied auf-
zufinden — sondern finden sich bei beiden Geschlech-
tern vor.
Die Voderschienen sind kurz, kräftig nach vornen
verbreitert und in einen nicht sehr spitzen Zahn ausge-
zogen.
Die Fühlerfurchen sind schwach angedeut'et.
Wenn Westwood a. a. O. sagt, die Augen seien
dorsales, so ist dies eben ein einfacher Irrthum, denn
die Augen sind jiicht anders gebildet, als bei den andern
Gattungen, d. h. zweitheilig, nur ist das untere Auge, welches
am Hinterrande der Fühlergrube sitzt, wegen des tief
eingelassenen Kopfes häufig bedeckt und nicht so leicht
zu sehen.
ArcMv f. NatTirg. XXXVIII. Jahrg. 1. Bd. - 26
S92 Haag-Rutenberg:
Die Gattung ist, wie es scheint, auf das südliche
Afrika beschränkt.
U eher sieht der Arten.
Flügeideckenrand sehr stark verbreitert und nach unten
gebogen 3. StUi n. sp.
Flügeldeckenrand wenig , verbreitert und nach aufwärts
gebogen 1
1. Die Rippen der Flügeldecken vereinigen sich kurz
vor der Flügeldeckenspitze ... 1. costata West.
Dieselben vereinigen sich ungefähr am 3. Viertel
der Naht 2. Dohrni n. sp.
l.Steira costata ^^ est w. Eotundata, depressa, ohscure
brunnea; capite carinato ; thorace explanato^ parce scrahroso^
in dorso hicarinato^ carinis postice divergentibus; elytris valde
deplanatis, scahrosis, sutura nonnullum^ duabusque costis, cir-
culmn fere imitantibm, elytrorumque apicem suhatingentibus
alte elevatis. — long. 9—11, lat. 6V2 — 9 mill.
Cap. Fast in allen verglichenen Sammlungen.
Westw. Guer. Mag. zool. 137. t. 176.
Eurychora complanata. Dj. Edit. III. pg. 201.
Die bekannteste Art der Gattung und Type derselben.
Kopf in dem tiefen Ausschnitt des Thorax sitzend, nach
vornen stark verbreitert, dicht rauh gekörnt, mit durch-
laufender, vornen schwächer werdender Läugsleiste und
starken bogenförmigen, mitten auf der Stirne sich ver-
einigenden Augenschwielen. Der Thorax* ist viel breiter
als lang, vornen sehr tief zur Aufnahme des Kopfes aus-
geschnitten, seitlich stark blätterartig verbreitert, hinten
beiderseitig etwas ausgebuchtet, aber dicht an die Flügel-
decken anschliessend. Ueber die Mitte der Scheibe laufen
zwei sehr stark erhabene, hinten divergirende Längsleisten.
Die verbreiterten Seiten sind durch kleine Runzeln etwas
uneben und dicht mit kleinen spitzigen Körnchen besetzt,
während die Mitte der Scheibe nur letztere Körnchen
allein zeigt.
Die Flügeidecken sind so breit wie das Halsschild,
Monographie der Eurychoriden. 89ä
breiter als lang, so dass sie mit dem Thorax fast einen
Kreis bilden. Sie sind sehr flach, haben einen schmalen,
etwas aufgebogenen Seitenrand und eine ziemlich kräftig
erhöhte Naht. Ausserdem zeigt jede derselben eine stark
erhöhte, nach auswärts halbmondförmig gebogene Längs-
leiste, welche sich nahe an der Flügeldeckenspitze mit
der correspondirenden fast vereinigt. Diese Leisten sind
so stark erhöht, dass sie die Flügeldeckenspitze über-
ragen und diese desshalb, von oben gesehen, unsichtbar
ist. Die Sculptur ist dieselbe wie auf dem verbreiterten
Rand des Halsschildes; ausserdem bemerkt man noch in
den Schulterecken ein kurzes erhabenes Fältchen. Der
umgeschlagene Rand der Flügeldecken zeigt grobe ein-
gedrückte Funkte, die diese Parthie etwas uneben er-
scheinen lassen, die Vorderbrust ist nur einzeln gekörnt,
die Mittelbrust und der Hinterleib etwas dichter. Ich be-
sitze eine sehr hübsche Varietät, bei welcher die beiden
gebogenen Rückenrippen stark geschlängelt sind.
2. Steira JDohrni n. sp. Botunäata, depressa, obscure
hrunnea] thorace ex^ylanato^ scahroso; in dorso hicarinato,
carinis postice diver gentihus ; elytris deplanßtis^ breviter ro-
tundatis^ scabrosis, singulo in disco carina curvata elevata
instrudo, elytrorum apicem non attingente, cum opposita
conjunda fere circulum immitante, suturaque partim alte
elevata, — long. 10—12, lat. 8—91/2 mill.
Süd-Afrika; Ovumbo, Coli. Dohrn, Haag.
Tn der Gestalt der vorhergehenden Art ungemein
ähnlich und auf den ersten Blick mit ihr zu verwechseln,
aber durch die Sculptur und die Lage der Rippen scharf
geschieden. Kopf und Halsschild vollkommen, wie bei
costata gebildet; letzteres ebenso am Hinterrande fein
gezackt und mit gelblichen Börstchen besetzt, dagegen
sind die verbreiterten Seitenränder nicht durch Runzeln
uneben, sondern genau so, wie die Scheibe, dicht mit
einzelnen spitzigen Körnchen besetzt. Die Form der
Flügeldecken ist gleichfalls genau, wie bei costata, doch
laufen die beiden gebogenen Rippen mehr über die Mitte
der Scheibe und vereinigen sich, nicht wie bei costata,
394 Haag-Rutenberg:
erst kurz vor der Flügeldeckenspitze, sondern ungefähr
schon am 3. Viertel der Naht, so dass natürlich der
Kreis, welchen sie einschliessen, kleiner erscheint, der
Raum dagegen zwischen dem Vereinigungspunkt und
der Flügeldeckeuspitze weitaus grösser. Die Naht ist nur
bis zum Vereinigungspunkt erhöht. Die Sculptur ist in-
sofern anders, als auf der Oberseite die runzeligen klei-
nen ^Erhabenheiten von costata nicht vorhanden sind,
dagegen hier die kleinen spitzigen Höckerchen viel dich-
ter stehen und sich zwischen Rippe und Rand hin und
wieder zu kleinen Gruppen vereinigen. Der umgeschla-
gene Rand derselben zeigt keine eingedrückten Punkte,
sondern nur kleine spitze Höckerchen , die übrige Unter-
seite i&t ungefähr wie bei costata.
3. Steira Stkli n. sp. Eotundata, obscure hrunnea,
minus depressa\ thorace laterihus valde explanatis, dorso
carinis dualms ininus elevatis^postice divergentibus, scahroso;
elytris multo laüorihus^ quam longiorihus, scabrosis, lateribus
välde explanatis, deflexis, singiäo carina minus curvata in-
strudo, elytronim ap)icem non attingente, cum opposita con-
juncta, sutura partim elevata. — long. 13, lat. 12^2 miH.
Ich sah nur 1 Exemplar aus dem Stockholmer
Reichsmuseum, von Wahlberg in Kuisip in Süd- Afrika
gesammelt.
Eine sehr ausgezeichnete Art, bedeutend grösser,
wie die vorhergehenden und fast kreisrund. Der Kopf
ist wie bei costata gebildet,^ doch sind die Augenschwie-
len etwas kräftiger. Das Halsschild erscheint durch die
sehr starke seitliche Verflachung viel breiter wie bei den
anderen Arten, dagegen sind die Rückenleisten weniger
erhaben und nicht so stark nach hinten divergirend. -^
Die Flügeldecken sind viel breiter als lang ; sie sind
seitlich sehr stark verbreitert (ungefähr den dritten
Theil ihrer ganzen Breite) und der äussere Rand ist nicht,
wie bei costata und Dohrni etwas aufgebogen, sondern
stark heruntergezogen und dadurch erhält diese Art
ein ganz anderes cassidenartiges Aussehen, indem sie
mehr gewölbter erscheint. Die Rippen auf der Scheibe
Monographie der EurychorideD. 395
liegen weniger nach aussen, sind nicht scr stark sichel-
förmig gebogen und stossen an der Naht nicht direct
auf einander, sondern biegen sich hier etwas einwärts
und vereinigen sich mit der bis zu diesem Punkte er-
höhten Naht. Die Flügeldecken zeigen, wie der Thorax,
sehr feine dicht stehende spitzige Körnchen, die nur auf
dem verbreiterten Rande etwas runzelig zusammenfliessen,
haben auch das kleine charakteristische Fältchen in der
Nähe der Schultern und sind an ihrer äussersten Spitze
leicht ausgeschnitten. Umgeschlagener Rand der Flügel-
decken nicht allzudicht punktirt und mit kleinen feinen
gelblichen Börstchen in den Punkten besetzt; die übri-
-gen Theile ähnlich, wie bei den Vorhergehenden.
V. Hidrosis.
i) LÖQCoaig (das Schwitzen).
Haag. Deutsch. Ent. Zeit. 1875, p. 120.
Fühler kurz, gedrungen; 1. Glied das grösste, dop-
pelt so gross, als das 2.; dieses knopfförmig, etwas grös-
ser als das 3.; 3. — 6. klein, knopfförmig, gleichgross,
7. — 9. unmerklich sich vergrössernd, 10. doppelt so gross
als die vorhergehenden, an der Spitze schief abgeschnitten.
Fühlerfurchen sehr tief eingeschnitten, nach hinten diver-
girend. Die Mundtheile und Augen sind gebildet, wie
bei Steira. Halsschild viel breiter als lang, vornen ausge-
schnitten, doch nicht so stark, als bei Steira, seitlich ver-
breitert, Hinterrand beiderseits ausgebuchtet. Hinterecken
ausgezogen; Oberseite mit Längserhabenheiten. Die Flü-
geldecken sind schmäler, als der Thorax, niedergedrückt,
mit stark vorspringenden Schultern, stachlichem Rand
und mehreren mehr oder minder deutlichen ähnlich ge-
bildeten Rückenleisten. Die Vorderschienen sind kurz,
kräftig, nach vornen verbreitert und daselbst schräg ab-
geschnitten, einen undeutlichen Zahn bildend.
Diese Gattung, deren Type die Steira crenato-costata
Redt, ist, unterscheidet sich von Eurychora und ver-
wandten Gattungen durch die Fühlerbildung, von Steira,
welcher sie am nächsten steht, durch die tiefen Fühler-
396 Ilaag-ßutenberg:
furchen, die schmäleren Flügeldecken, durch die stach-
lichte Randleiste und das Fehlen der eigenthümlichen
Bildung auf Mittelbrust und Segmenten. Die Arten schei-
nen weniger auszuschwitzen, wue Eurychora, ich konnte
nur bei einzelnen Exemplaren Reste eines feinen weiss-
lichen Schimmels finden; wahrscheinlich aber waren die-
selben abgerieben. Die Gattung scheint sich auf Aegyp-
ten und Algier zu beschränken, denn ich vermuthe, dass
der Angabe Redtenb achers, dass Steira crenato-
costata, welche gelegentlich der Reise der Novara ge-
sammelt- wurde, vom Cap stamme, ein Irrthum zu Grunde
liegt. Sämmtliche Exemplare, die ich besitze, und die
ich von den verschiedensten Seiten erhielt, stammen aus
Aegypten und Syrien; die 2. Art ist die Eurych. Levail-
lanti, vom Djebel-Amour in Algier.
X.Hidrosis crenato-costata Redt., oblong o-ovalis,
depressa, hrunnea; thorace transverso, lateribus dilatato, po-
stice hisinuato, supra bicarinato; elytris thorace angustiori-
bus, deplanatis, hiimeris productis, acutis, margine duplici
duabusque costis plus mimisve distinctis spiculosis. — long.
7—8, lat. 4—5 mill.
Syrien, Aegypten. — Fast in allen verglichenen
Sammlungen (Type im Wiener Museum).
Steira crenato-costata Redt. Reise Nov. 1868 II.
pg. 120.
Steira aegyptiaca Kirsch. Berl. Ent. Zeit. 1870 p. 389.
Eur. squalida Baudi. Deut. Ent. Zeit. 1875 p. 65.
Kopf nach vornen verbreitert, clypeus leicht ausge-
schnitten, Stirne mit kleinen Längsleiste.n, durchaus sehr
fein mit kleinen Körnchen besetzt. Thorax seitlieh stark
verbreitert, nach hinten vorgezogen, beiderseits stark
ausgeschnitten mit etwas nach hinten gerichteten Hinter-
ecken; Scheibe durch einige Eindrücke etwas uneben,
mit 2 hinten verschwindenden, in der Mitte etwas aus-
einandergehenden feinen Längskielen. Die Sculptur
ist ähnlich, wie die des Kopfes. Schildchen gross und
deutlich. Flügeldecken schmäler als der Thorax, bis
zum letzten Dritttheil fast parallel und dann rasch zu-
Monographie der Kurychöriden. 397
gernndet Der Seitenrand besteht aus zwei dicht überein-
anderliegenden Leistchen, welche an den stark spitzig
vorstehenden Schultereckcn beginnen, an der Flügel-
deckenspitze etwas divergiren und von welchen die obere
ans einzelnen kleinen Stacheln besteht und wie stark ge-
sägt erscheint. Unmittelbar neben diesen Randleisten zieht
sich eine ähnliche an der Basis etwas stärker geschwun-
gene nach der Spitze zu verschwindende weniger stark
gezähnte Rückenleiste> hin und zwischen dieser und der
etwas angeschwollenen Naht sieht man in der Regel auf
der hintern Hälfte noch Spuren einer dritten ähnlichen
Rippe. Die Sculptur der Flügeldecken besteht in nicht
sehr dicht, theihveise fast in Reihen stehenden grob ein-
gedrückten Punkten, zwischen welchen mikroskopisch
feine Körnchen stehen. Ausserdem zeigen reine Exem-
plare an den Rändern der Flügeldecken einzelne längere
gelbliche Haare, welche sich an der Basis derselben,
ähnlich wie an der Basis und dem Vorderrande des
Thoraxes etwas dichter stellen. Die Epipleuren der Flü-
geldecken sind grob, fast reihenweise punktirt. Vorder-
und Mittelbrust und Segmente mehr oder weniger fein
gekörnt.^
Die (/ sind kleiner und auf den Segmenten in. der
Mitte etwas stärker gekörnt.
lieber die Synonymie vergl. Haag a. a. 0.
2. Hidrosis Levaillantii Luc. JEJlongafa, depressa,
obscure-brunnea ; thorace transverso, lateribus explanatis,postice
bisimiato, siipra inaecjualis, breviter bicarinato; elytris elon-
gatis, scabrosis, carina laterali simplici, tribusque costis plus
mimisve distindis spiculosis, — long. 7, lat. 3V2 Qiilh
Eurychora Levaillantii Luc. An. France 1850. Bull,
pg. 7; Recap. Rev. Zool. 1853 pg. 33. t. 1
fg. 6-7.
Von Djebel-Amour in Algier.
Von Lucas an beiden a. 0. sehr ausführlich be-
schrieben. Die Art unterscheidet sicji von der vol'her-
gehendcn hauptsächlicli durch ihre langgestreckte Form,
398 Haag-Rutenberg:
die einfache Randleiste und die rauhe Sculptur der Flü-
geldecken.
Ich sah nur ein Exemplar in der Bat es' sehen
Sammlung und erkannte daraus, dass diese Art in diese
Gattung einzureihen sei. x\us der ausführlichen Beschrei-
bung selbst wäre dies nicht zu erkennen gewesen, da
Lucas auffallender Weise gerade die 3 charakteristischen
Kennzeichen dieser Gattung, nämlich Fühler, Fühlerrinne
und Vorderschienen nicht erwähnt.
Yl. Lycanthropa.
Thoms. Mus. scient. 1860 pg. 20.
Zygas, Pasc. Somn. of Entom. IL 1866 p. 487.
Die Gattung ist, trotz ihrer eigenthümlichen runden
und flachen Gestalt nicht scharf von Eurychora geschie-
den. Von Steira allerdings, mit welcher sie Lacordaire
(Anmerkg. pg. 98) und Thomson vergleichen, unter-
scheidet sie sich sehr gut durch die Fühlerbildung, von
Eurychora dagegen, mit welcher sie dieselbe vollkommen
gemein hat, müsste sie durch andere Merkmale abge-
schieden werden. Die einzige obigen Autoren nur be-
kannte Art, die cimicoides Quens., nun unterscheidet sich
allerdings durch ihre kreisrunde Form und besonders
durch ihre vorgezogenen Schultern gut von derselben,
die andern aber unterdessen bekannt gewordenen und
hier beschriebenen Species zeigen diese Merkmale weit
■v^eniger entwickelt und erschweren das Auseinander-
halten beider Gattungen. Ein Unterschied jedoch ist con-
stant und sehr in die Augen fallend, das sind die ver-
hältnissmässig sehr dünnen und zarten Fühler dieser Gat-
tung, während dieselben bei Eurychora, Pogonobasis etc.
weitaus massiver und kräftiger sind. Bei dieser Gelegen-
heit will ich erwähnen, dass es ein Irrthum ist, wenn
Thomson die Fühler als elfgliedrig angibt, sie haben ein-
fach, wie bei allen Eurychoriden nur zehn Glieder.
Uebersicht der Arten.
Hinterer Rand des Thorax auf den Seiten ausgeschnitten
und nach vorne gezogen 1
Monographie der Euryclioriden. 399
Hinterer Rand des Thorax fast gerade, höchstens seitlich
ausgerandet, aber nicht nach vornen gezogen . . 3
1. Flügeldecken an den Schultern vorgezogen, zusam-
mengenommen viel breiter als lang
1. cimicoides Quens.
Flügeldecken an den Schultern nicht vorgezogen,
zusammengenommen kaum breiter als lang oder so-
gar länger als breit 2
2. Flügeldeckenrand kaum abgesetzt und aufgebogen
2. denticollis n. sp.
derselbe sehr bemerklich abgesetzt und aufgebogen
3. depressa n. sp.
3. verbreiterter Rand der Flügeldecken quergefältelt
4. plicata n. sp.
derselbe nicht quergefältelt ... 5. plana n. sp.
1. Lycanthropa cimic oides Quens.
Eurych. cimicoides. Quens. Schönh. Syn. S. L.
p. 137 not. t. 2 f. 5.
EurycJi. rotundata Gast. Hist. nat. 11 pg. 192.
Lyc. cimicoides Quens. Thoms. 1. c. pg. 20.
Zygas. cimicoides Quens. Pasc. 1. c. pg. 487.
Lac. Gen. F. pg. 98 not.
Rotundata, nigra vel nigrohrunnea, opaca, parum pu-
bescens, thorace valde dilatato, inaequali, laterihus foliaceis,
crenulatis, elytris thorace latiorihus, latiorihus quam longio-
rihus, medio suhconvexis, laterihus explanatis, praesertim
versus humeros, dorso punctatis disperseque granulatis. —
long. 6V2— 11, lat. 6—9 mill.
Cap. Fast in allen Sammlungen vertreten.
Die Art ist die bekannteste der Gattung und unter-
scheidet sich von den anderen x\rten auf den ersten Blick
durch die sehr kurzen breiten Flügeldecken und durch
den besonders an den Schultern stark verbreiterten und
daselbst vorgezogenen Rand derselben. Kopf tief in den
Thorax eingelassen, zwischen Stirn und Cljpeus mit
einem breiten flachen Quereindruck; Augen nicht vertieft
sitzend, etwas vorstehend, kurz eiförmig mit kleinem
Augenkiel, Kopfschild verbreitert, mit einer starken
400 Haag-Rutenberg:
Ausrandung in dQr Mitte. Fühler schwach und dünn,
3. Glied so lang als 4. und 5. zusammengenommen, die
folgenden an Länge langsam ab- und an Breite zuneh-
mend, letztes, Glied etwas grösser, als das 9., nach zwei.
Seiten abgestutzt, glänzend. Thorax vornen tief, fast wink-
lich, ausgeschnitten sehr queer, mit sehr stark verbrei-
terten nicht aufgebogenen Seiten und gekerbtem Seiten-
rande. Der Hinterrand ist in der Schildchengegend sanft
ausgeschnitten und von da ab nach vornen gezogen, so
dass der Winkel, welchen er mit der Basis der Flügel-
decken macht, recht bemerkbar ist. Scheibe mit^ tiefem
Quereindruck, fast nicht sculptirt, Seitentheile einzeln
mit spitzigen Granulationen besetzt. Flügeldecken breiter,
als der Thorax, zusammen viel breiter als lang, seitlich
gerundet, die hintere Spitze kaum vorstehend, Seitenrand
stark verbreitert, an den Schultern abgerundet und da-
selbst etwas vorgezogen und aufgebogen. Mitte des
Rückens erhöht, der Rand fein crenulirt, die ganze Ober-
fläche schwach punktirt und einzeln mit kleinen Granu-
lationen besetzt. Frische Exemplare sind dürftig mit lan-
gen weichen Haaren bedeckt, welche sich am Umkreise
des Thoraxes und der Flügeldecke dichter stellen. Un-
terseite durchaus einzeln und fein punktirt, die Segmente
etwas kräftiger; Beine dünn, etwas gestreckt.
Die Art variirt etwas in der Seulptur, indem die
Granulationen der Flügeldecken und der Thoraxseiten
.manchmal stärker hervortreten.
Die (/ scheinen sich durch eine kleine Anhäufung
von Granulationen auf der Mitte des ersten und zweiten
Abdominalsegmentes auszuzeichnen. Ich besitze auch
ein von Mouflet in Benguela gesammeltes Exemplar,
das sich durch etwas gestrecktere Flügeldecken aus-
zeichnet, aber sonst keine weiteren Verschiedenheiten
bietet.
2. Lycantliropa denticollis Chev. i. 1. Ovalis,
nigra vel nigropicea, opaca, parum puhescens ; thorace trans-
verso, lateribus explanatis, recurvis, acute sed irregidariter
dentatis, elytris longitudine vix latiorihus, humcris nonnuUimi
Monographie der Eurychoriden. 401
dilatatis, subreflexis, medio suhconvexis^ punctatis et disperse
granidatis, marginibus dentictdatis ; subtus iit in praecedenti.
long. 8—9, lat. 6—7 mill.
Cap. Coli Bates, Mus. Vind., Haag.
Die Art unterscheidet sich von cimicoides durch
das schmälere, seitlich mehr aufgebogene, daselbst sehr
spitz gezähnelte Halsschild und durch die Flügeldecken,
welche kaum breiter als lang und deren Ränder nur äus-
serst wenig verbreitert sind. Kopf wie bei der vorigen
Art; Fühler' lang und dünn, 3. Glied so gross als 4., 5.
und 6. zusammengenommen. Thorax kürzer als bei cimi-
coides, vornen tief ausgeschnitten, die Seitenränder stark
verbreitert und leicht in die Höhe gebogen, der Rand
selbst mit zahlreichen scharfen grossen und kleinen Zähn-
chen besetzt; Scheibe stark queer eingedrückt, einzeln
punktirt. Flügeldecken nur wenig breiter als der Thorax,
so lang als breit, seitlich mehr parallel, hinten nicht so
abgerundet, wie bei cimicoides, sondern deutlich in eine
gemeinsame Spitze sanft auslaufend. Basis fast gerade,
Seitenränder sehr schmal abgesetzt, mit ähnlichen Spitz-
chen wie der Thorax besetzt, Oberfläche leicht aber
gleichmässig gewölbt, fein punktirt, mit einzelnen grös-
seren Granulationen bedeckt. Der ganze Käfer ist über-
dies, wie die vorige Art, einzeln mit längeren Härchen
besetzt, die an den Rändern dichter stehen. Unterseite
wie bei cimicoides.
3. Lycanthropa depressa n. sp. Ovdlis, obscure
bnmnea, opaca, parum pubescens; thorace transverso, la-
teribus dilatatis, crenulatis; elytris vix devatis, longioribus
quam latiorihus, lateribiis dilatatis, reflexis^ crenulatis, dorso
punctatis et disperse granidatis. — long. 7V2— 10, lat.
51/2— 7 mill.
Cap. Coli. Bates, Javet, Marseiil Mus. Holm, Mus.
Vind., Haag.
Fühler dünn und schlank, 3. Glied etwas länger als
4. und 5. zusammengenommen. Kopf und Halsschild ge-
bildet und sculptirt, wie bei cimicoides, doch ist hier der
Rand etwas ungleichartiger gezähnelt. Flügeldecken
402 Haag-Rutenberg:
kaum breiter, als der Thorax, länger als breit, oben kaum
gewölbt, Rand leicht verbreitert und etwas in die Höhe
gebogen, besonders nach den Schultern zu ; diese selbst
nicht vorgezogen, sondern eher etwas zurücktretend.
Sculptur, Behaarung und Unterseite wie bei den vor-
hergehenden Arten ; doch ist diese Species fast stets mit
einer weisslichen oder erdfarbigen Ausschwitzung dicht
überzogen, was ich bei keiner der anderen Arten gefun-
den habe.
Die Art unterscheidet sich, abgesehen von der Füh-
lerbildung, von cimicoides durch die schmalen parallelen
Flügeldecken, von denticollis durch die seitlich deutlich
abgesetzten und etwas aufgebogenen Flügeldeckenränder
und von beiden noch ausserdem durch ihre auffallend
flache Gestalt, von den folgenden plana und plicata, end-
lich durch den seitlich nach vorne vorgezogenen Hinter-
rand des Thoraxes.
</ mit einer kleinen Anhäufung von Granulationen
auf der Mitte des l. und 2. Abdominalsegments.
4. Lycanthropa plicata n. sp. .Ovdlis^ nigro-hrun-
netty suhnitida, depressa, parum pubescens ; capite ut in cae-
teris, thorace lateraliter valde dilatafo, foliaceo, hast fere
recto, angiäis posticis suhrecurvatis ; elytris thorace non lati-
orihus, depressis, laferihus explanatis plicatisque^ supra gra-
nulationihus mimdissimis acutis, majorisbusqiie intermixtis,
instructis. — long. 9V2, lat. >6V2 mill. '
Cap. Meine Sammlung.
Fühler verhältnissmässig dicker erscheinend, als bei
den vorhergehenden Arten; 3. Glied so lang als 4.-6.
zusammen. Kopf wie bei cimicoides, die Vertiefung aber
vor den Augen ist äusserst flach und kaum bemerkbar.
Thorax tief ausgeschnitten mit sehr stark wagrecht ver-
breitertem Seitenrande. Hinterrand fast grade, die Ecken
spitz, etwas zurückgebogen; Scheibe leicht queereinge-
drückt und dürftig punktirt, Seitenflügel fein spitz gra-
nulirt, ihr Rand gekerbt. Flügeldecken so breit als der
Thorax an seiner Basis, mit demselben ein vollkommen
Monographie der Eurychoriden. 403
regelmässiges Eirund bildend; hintere Spitze kaum vor-
gezogen. Seitenrand verbreitert, besonders nach der
Schulter zu, daselbst aber nicht vorgezogen; Basis fast
grade und eng an den Thorax anschliessend, so dass gar
kein Winkel bemerkbar ist. Der Rücken ist nieder-
gedrückt, mit dem Thorax fast eine Fläche bildend, zer-
streut sehr fein spitzig granulirt und stellenweise durch
etwas grössere Granulationen uneben; der Rand ist auf
seiner Verbreiterung eng queergefältelt und crenulirt.
Behaarung ist bei meinen Exemplaren fast nicht bemerk-
bar, nur am Rande des Thorax und der Flügeldecken
befinden sich einige dichter stehende gelbe Härchen. Die
Unterseite ist wie bei den anderen Arten, nur dass hier
auf dem äusseren Rand der Epipleuren die kleinen Queer-
fältchen auftreten.
' ^ mit Granulationen auf dem 1. und 2. Abdominal-
segmente.
Die Art kann wegen ihrer niedergedrückten Form
und dem seitlich nicht vorgezogenen Hinterrand des
Thorax nur mit der folgenden verwechselt werden, wel-
che diese Eigenschaften mit ihr gemein hat, von dieser
aber unterscheidet sie die Grösse und die Sculptur des
Flügeldeckenrandes.
5. Lycanthropa plana, n. sp. Breviter ovalis, hrun-
nea, äepressa, parum nitida, tJiorace lateraliter valde foliaceo,
lateribus cremdatis, hasi fere recto ; elytris tliorace paululum
laüorihus, margine vix dilato, in dorso gramdationihus minu-
tissimis piliformihus instructis. — long. 6V2, lat. 5 mill.
Cap. Meine Sammlung.
Diese Art Ist, wie schon bei der vorhergehenden
erwähnt Ist, mit keiner andern, als mit dieser zu ver-
wechseln und ich beschränke mich darauf, die Unter-
schiede zwischen beiden aufzuführen. Die Fühler sind
hier sehr fein, klein und dünn und das 3. Glied ist nur
so lang, als 4. und 5. zusammengenommen. Die Flügel-
decken sind an der Basis zwar nicht breiter als der Thorax,
erweitern sich aber etwas nach hinten und bilden mit
404 Haag-Rutenberg:
dem Thorax ein regelmässiges kurzes Eirund. Ihre Mitte
ist nicht so flach, wie bei depressa, sondern leicht gleich-
massig erhaben, ihre Seiten sind kaum verbreitert und
nicht quergefältelt. Endlich sind die Beine weitaus
schmäler und dünner.
Yll. Aspila.
Fahr. Col. Caffr. act. reg. ac. sc. holm 1870 p. 251.
Ausführlich a. a. O. Vergessen ist der kleinen Epi-
pleurenleiste Erwähnung zu thun.
1. Aspila hicosata. Fähr. Ohiongo ovata, atra, opa-
Cüy epistome late emarginato, hidenticulato ; tJiorace hrevi,
granulato-pundato, lateribus valde explanatiSj reflexo-margi-
natis, regulariter rotundato ampliatis, posüce in dentem pro-
dudis ; scutello trianguläre ; elytris profunde^ densissime punc-
tatis, ovalihuSj Jmmeris parum ptromimdis, a thorace dis-
junctis^ supra antice depressis, margine laterali carinisque
duabus disci distincte cremdatis; parapleuris granulatis, epi-
pleuris profunde densissimeque punctatis] pedes nigrobrun-
nei. — long. 7— 8V2, lat. 2V3~4 mill.
Caffraria. Mus. Holm. (Type), Mus. Vindob.
Fähr. 1. c. p. 251.
Die Art hat das Aussehen einer kleinen Pogono-
basis und ist sehr kenntlich an ihrer Punktirung, den
beiden Flügeldeckenleisten und an der Bildung des
Thorax, der nicht an die Flügeldecken anschliesst, son-
dern mit denselben einen starken Winkel bildet.
Till. Geophanus 11. gen.
yewqjavrjQ, wie Erde aussehend.
PsarypMs Lac. a. a. O. p. 98 (nee Erichs.).
ürda, Buq. i. 1.
Fühler dünn ; 3. Glied etwas kleiner als 4. und 5.
zusammengenommen; die folgenden etwas breiter als
lang, an Länge langsam abnehmend; Endglied grösser,
knopfförmig, an der Spitze beiderseits abgeschnitten.
Monographie der Eurychoriden. 405
Kopfschild ausgerandet. Halsschild seitlich verbreitert,
vornen tief ausgeschnitten, den Kopf aufnehmend, Hinter-
rand fast grade mit 2 kleinen Ausschnitten, welche dem
Rande des Eindrucks auf der Scheibe correspondiren.
Fühlerfurchen tief, deutlich auf den Selten der Vorder-
brust fortgesetzt. Flügeldecken parallel, an den Thorax
anschliessend. Parapleuren derselben breit, mit einer klei-
nen Leiste, welche von der Schulter aus schräg nach
unten verläuft. Segmente an Länge abnehmend, die bei-
den letzten an ihrer Basis mit einem tiefen Quereindruck.
Beine klein und dünn ; Schenkel unten schwach gerinnt
zur Aufnahme der Schienen; Tarsen kurz und dünn,
erstes Glied der Hintertarsen fast doppelt so lang, als
die beiden folgenden zusammengenommen.
Die Gattung hat grosse äussere Achnlichkeit mit
Psaryphis und Platysemus, von beiden ist sie aber durch
die dünneren Fühler und von ersterer ausserdem durch
die tiefen Fühlerrinnen gut geschieden.
Lacord. hat am angeführten Ort« diese Gattung
als Psaryphis Er. diagnosticirt, denn er kannte die Psa-
ryphis nana Er. nicht und benutzte zur Beschreibung der
Gattung die in den Sammlungen verbreitete ürda pyg-
maea Reiche (den jetzigen Geophanus confusus Fahr.), von
welcher Erich, a. a. O. sagt, es sei eine 2. Art von
Psaryphis. Erichs on hatte sich hierin getäuscht, denn
die beiden Gattungen Geophanus und Psaryphis bieten sehr
bedeutende Unterschiede. Dass Lacord aire diese Spe-
cies vor Augen hatte, geht deutlich aus seiner Be-
schreibung hervor. Er gibt z. B. die Flügeldecken auf
den Seiten gerandet an und beschreibt den Thorax als
fortement echancre en avant und den Kopf als a moitie
libre — alles Angaben, welche auf Geoph. pymaeus Reh.
gut passen — während Er i c hs o n bei der Beschreibung von
Psaryphis ausdrücklich sagt: die Flügeldecken fallen an
den Seiten rundlich ab, ohne einen scharfen Rand zu
bilden und weiter: und die Halsschildseiten sind nach
vornen nicht so verlängert, dass sie den Kopf umfassen,
daher ist der Kopf frei, wie bei Adelostoma. — L'acor-
daire hat ohne Zweifel die Erichs on 'sehe Beschrei-
406 Haag-Rutenberg:
bung der Gattung nicht nachgesehen, denn sonst hätte
er diese widersprechenden Angaben nicht machen können.
üebersicht der Arten.
Rücken der Flügeldecken mit Leisten 1
„ „ ^ ohne Leisten
3. sepulchralis n. sp.
1. Seiten der 'Flügeldecken fast paro-llel
1. confusus Fähr.
„ j, „ gerundet 2. tristis n. sp.
l. Geophanus confusus Fahr,
Psaryphis confusa Fähr. 1. c. pg. 252.
„ pygmaea Erich. Wieg. Arch. 1843 I.
pg. 242.
„ pygmaea Buq., Lac. Gen. Atl. t. 49 f. 2.
üräa pygmaea, Buq., Reiche, Gory. i. 1.
„ longiuscula Chev. i. 1.
OlilonguSy suhlinearis, niger vel nigro-piceuSj opacuSy
parce pubescenSj capite thoraceque scahriSj hoc marginihus
lateralihus foliaceiSj suhdeplanatis, crebre denticulafis; ely-
tris parallelis, suhseriatim profunde punctatis, sutura leviter
margine laterali carinisque duahus dorsalibus magis elevatis,
crenidatis. - long. 4V2— 6, lat. 2V2— 3 mill.
Die bekannteste Art der Gattung, in allen Samm-
lungen vertreten und wie es scheint nicht selten. Sie ist
hauptsächlich unter dem Namen Psaryphis oder Urda
pygmaea Buquet verbreitet und auchErichson erwähnt
ihrer am angeführten Orte, ohne sie näher zu beschrei-
ben. Erst Fähr ae US gab eine ausführliche Beschreibung
von derselben in seiner Ins. Caffr. und zwar unter dem
Namen Psaryphis eonfusa, unter welcher Bezeichnung die
Art schon längere Zeit von Bo bemann in den Samm-
lungen verbreitet worden war. Diese letzteren Exemplare,
welche aus Caffrarien stammen, sind zwar durchgängig
etwas grösser, als diejenigen, die sich am Cap und am
Natal vorfinden und welche hauptsächlich als Psaryphis
pygmaea in den Sammlungen figurircn, ich war aber
nicht im Stande bei einer grossen Anzahl von Exem-
Monographie der Eurychoriden. 407
plaren irgend ein anderes Unterscheidungsmerkmal auf-
zufinden. Die angeführte Abbildung in Lac. Atlas zu den
Gen. ist gut und kenntlich. Die Art unterscheidet sich
hauptsächlich von den verwandten durch die starken und
deutlichen Rippen, welche sich übrigens manchmal auch
verflachen und dann besteht der Unterschied zwischen
ihr und Pin. tristis nur in der andern Bildung der Flügel-
decken. Mit sepulchralis ist sie aus weiter unten anzu-
führenden Gründen nicht zu verwechseln.
2. Geophanus tristis n. sp. Oblongo-ovalis, niger,
opams, parce puhescens, capite thoraceque scahriSy inaequa-
libus, hoc marginibus lateralihus foliaceis, subdeplanatiSj ro-
tundatis, marginibus lateralibus dentictdatis ; elytris oblongo-
ovalibus, subseriatim, praesertim in lateribus, profunde punc-
tatis, indistincte unicarinatis, lateribus crenulatis, in dorso
disperse lanuginosis ; suhtus punctis majoribns pilum ferren-
tibus, sat dense impressus; pedibus obscure-ferrugineis. —
long. 5, lat. 2V2 mill.
Vom Cap. Seltener als die vorhergehende Art. Mus.
Genf, Coli. Haag.
Die Art hat grosse Aehnlichkeit mit der vorher-
gehenden, unterscheidet sich aber vor allem durch ihre
in den Flügeldecken bauchigere Gestalt und die Rippen-
bildung. Kopf und Halsschild sind ähnlich, wie bei dem
vorhergehenden, doch sind hier die Halsschildseiten gleich-
massiger gerundet und nicht so stark verbreitert und
aufgebogen, auch sind die Längserhabenheiten des letz-
teren nicht so scharf, sondern verw^ischter, wie bei con-
fusus. Die Flügeldecken selbst sind etwas breiter als der
Thorax, eiförmig, nicht parallel und erscheinen kürzer
als bei ersterer Art. Die Leiste auf der Scheibe ist wenig
und besonders nur nach vornen angedeutet und die 2. Leiste
zwischen der ersteren und dem gekerbten Rande fehlt
gänzlich. Die Punktirung ist endlich nicht so regelmäs-
sig, wie bei confusus, sondern etwas verwischter und in
einanderfliessender. Die Behaarung besteht in einzelnen
zerstreuten langen greisen Haaren, die übrigens gerade
wie bei confusus nur bei reinen Exemplaren sichtbar
Arcliiv f. Naturg. XXXVIU. Jahrg. l. Bd. 27
408 Haag-Kutenberg:
sind. Unterseite mit ziemlicJi dicht stehenden eingedrück-
ten Punkten besetzt, deren jeder ein kleines gelblich
glänzendes Börstchen- trägt, ganz ähnlich wie bei con-
fusus. Beine klein und dünn, und wie die Mundtheile und
das letzte Fühlerglied bräunlich.
3. Geophanus s ep ul cJi r ali s ^oh. Ohlongus, niger,
opacus^ parte piibescens, capite tJioraceque scahris^ inaequa-
libus, Jioc marginihus lateralibus modice foliaceis, lateribus
leviter rotimdatis, crebre denticulafis, elytris parällelis, sca-
bris, epipleuris subseriatim profunde punctatis, disperse la-
nuginosis; pedibus obscure-ferrugineis. — long. 6, lat.
2V2 mill.
N'Gami. Mus. BeroL, Mus. Holm.
Wiederum den vorhergehenden sehr ähnlich, aber
an den vollkommen leistenlosen Flügeldecken leicht zu
erkennen. Fühler noch dünner, als bei confusus, die mitt-
leren Glieder kaum breiter als lang, Endglied und Taster
bräunlich. Kopfschild schwäch ausgerandet, mit erhabe-
nem Mittelkiel und beiderseits einer bogenförmige Stirn-
schwiele. Halsschild bedeutend breiter als lang, vornen
tief ausgeschnitten, mit abgerundeten Vorderecken, hin-
ten fast grade, gleichfalls mit abgerundeten Hinterecken
seitlich verbreitert und sanft gerundet, der Rand dicht
gekerbt, auf der Scheibe uneben durch drei Längsein-
drücke. Flügeldecken 90 breit als der Thorax, parallel,
nicht ganz doppelt so lang als breit, auf dem Rücken
etwas niedergedrückt. Der ganze Käfer ist durchaus
gleichmässig rauh reibeisenartig gekörnelt und nur auf
der Scheibe der Flügeldecken stehen die Körnchen stel-
lenweise in unregelmässigen Reihen. Die ganze Ober-
fläche ist einzeln mit langen weichen gelblichen Härchen
besetzt und bei frischen Exemplaren ist eine leichte weiss-
liche Ausschwitzung bemerkbar. Unterseite ähnlich, wie
bei den vorhergehenden. Die Epipleuren der Flügel-
decken zeigen einzelne grössere in Reihen stehende
eingedrückte Punkte und sind haarlos, die übrige Unter-
seite dagegen ist viel schwächer punktirt und mit kurzen
Monographie der Eurychoriden. 409
gelblich glänzenden Börstchen bedeckt. Beine schmächtig
und klein, dunkelbraun.
IX. Psaryphis.
Erichs. Archiv 1843, p. 241.
Da, wie schon oben erwähnt, Lac. irrthümlieh eine
andere Gattung anstatt Psaryphis beschrieben hat, so
folgt desshalb hier nochmals eine genauere Diagnose.
Kopf fast frei, wenig in das Brustschild eingelas-
sen, nach hinten eingezogen, vornen ausgebuchtet. Thorax
doppelt so breit als lang, vornen wenig ausgeschnitten,
hinten gerade, seitlich fast gleichmässig gerundet. Flü-
geldecken länglich, fast parallel, nicht ganz doppelt so
lang als breit, mit abgerundeten Schultern und desshalb
nicht so fest an den Thorax anschliessend, als bei den
verwandten Genera's. Oberfläche nicht flach, sondern
leicht gewölbt. Epipleuren der Flügeldecken massig breit,
mit dem kleinen schon öfter erwähnten Querleistchen an
der Schulter. Beine klöin und dünn. Stacheln der Schie-
nen kaum bemerkbar.
Hauptsächlich unterscheidet sich diese Gattung von
Geophanus durch die hier nur schwach auf der Vor-
derbrust angedeuteten Fühlerfurchen und durch die
Fühler selbst, w^elche zwar hier dasselbe Längenverhält-
niss haben, aber viel massiver und dicker sind. Es sind
nämlich sämmtliche Glieder vom 3. anfangend gut dop-
pelt so breit als lang, das 10. aber ist nicht wie bei Geo-
phanus, breiter als das 9., sondern ist nur ebenso breit als
dieses, nur etwas länger. Durch die etwas gewölbten
Flügeldecken endlich, den nicht fest anschliessenden
Thorax und den wenig eingelassenen Kopf wird der
Habitus dieses Genus ein ganz anderer als bei Geophanus.
Ich kenne nur die typische Art, die auf Angola
und Benguela beschränkt und dort selten zu sein scheint.
1. 'Psaryphis nana Er. Ohlonga, nigra, opaca,
sparsim puhesöens, capite thoraceque inaequalibus, scahris, hoc
laterihus modi'ce explanaüs, leviter rotundatis, denticulatis ;
elytris oblong o ovalibus, minus depressis, lineatim dense sca-
410 Haag-Rutenberg:
hroso-punctatis, margine laterali denticulato, dorso carinis
duahus indistinctis instructo. — long. 4 — 5, lat. 2 — 272 miH.
Wieg. Arch. 1843. I. p. 241.
Mus. Ber. (Type). Coli. Bates^ Haag (v. Mouflet ge-
sammelt).
Kopf vornen mit einem Längskicle und zwei bogen-
förmigen Vertiefungen über den Augen. Thorax uneben
durch einen Längseindruck und zwei flachen Gruben neben
demselben. Flügeldecken mit zwei wenig bemerkbaren
geschwungenen Leistchen. Der ganze Käfer ist matt,
schwarz, hin und wieder mit einigen länglichen gelb-
lichen Haaren besetzt und ziemlich dicht gleichmässig
grob punktirt.
X. Smiliotus.
GfÄihwTogf messerartig.
Kinn herzförmig, hinten leicht, vörnen tief ausge-
randet; letztes Glied der Maxillartaster länglich eiförmig;
Kopf tief in den Thorax eingelassen, oberhalb der Fühler
winklig vorgezogen, und etwas aufgebogen, nach vornen
zugerundet, in der Mitte tief halbmondförmig ausgeschnitten.
Augen klein, oberhalb länglich, in einer Vertiefung sitzend,
unterhalb klein, punktförmig, am Ende der tiefen Fühler-
rinne sitzend und schwer zu sehen. Fühler kräftig und
dick. Erstes Glied verkehrt kegelförmig, zweites Glied
etwas kleiner, wie das dritte, doppelt so breit als lang,
4: — 7. Glied ungefähr von der Grösse des 2., 8. und 9.
Glied etwas länger und schmäler, 10. Glied doppelt so
lang als das 9., aber nicht schmäler, beiderseits an der
Spitze abgestutzt, glänzend. Sämmtliche Glieder mit Aus-
nahme des ersten und letzten sind breit, becherförmig ge-
bildet, zeigen an ihrem oberen Rande einen kleinen gelb-
lichen Borstenkranz und sitzen auf kleinen Stielchen in-
einander. Thorax queer, vornen tief ausgeschnitten, seitlich
ziemlich gleichmässig gerundet, hinten correspondirend
eine Vertiefung auf der Scheibe gleichfalls scharf wink-
Monographie der Eurychoriden. 411
Hg ausgeschnitten, die Ecken der Ausrandung in Form
eines kleinen Ausschnittes in den Thorax hineinreichend.
Flügeldecken kaum breiter als das Halsschild, eng an
dasselbe anschliessend, mit fast parallelen Seiten, vor-
stehendem Rande, erhabenei^ Naht und einer scharfen messer-
artigen Leiste über die Scheibe. Epipleuren derselben
breit, mit einer kleinen Leiste, welche vom Schulter-
buckel aus schräg nach der Mittclbrust zieht. Fühlerfurche
am untern Theil des Kopfes sehr tief, auf der Vorderbrust
weniger ausgeprägt, aber sehr deutlich. Prosternalfort-
satz die Hüften etWas überragend, Abdominalsegmente
rasch an Länge abnehmend, das vorletzte sehr schmal,
das letzte dreieckig. Beine kräftig, etwas zusammenge-
drückt erscheinend ; sämmtliche Schenkel nach innen ab-
geflacht und sämmtliche Schienen nach aussen mit einer»
doppelten Reihe Börstchen besetzt; Stacheln derselben
sehr klein.
Eines meiner Exemplare hat auf dem ersten Abdo-
minalsegment einen dreieckigen Eindruck und an dem
vorletzten und letzten eine Quervertiefung; wahrscheinlich
sind hierdurch die Geschlechtsverschiedenheiten ausge-
drückt.
Das Genus ist auffallend durch seine Fühler- und
Thoraxbildung. Letztere hat es mit Acestus, dem es über-
haupt im äussern Habitus sehr gleicht, gemein, aber die
verschiedene Fühlerbildung lässt eine Verwechselung
nicht zu.
Ich kenne nur eine Art aus Caffrarien.
1. Smiliotus steiroides n. sp. Elongatiis, bruneus
vel nigro hrunneus, opacus, parce pilis minutissimis tectiis,
capite thoraceque inaequalihus, pimctatiSy hoc lateribus ex-
planatis, margine crenulato, elytris oblongis, subparallelis ,
sutiira leviter, margine .singidaque costa in dorso cum op-
posita conjtmcta alte elevatiSj crenulatis. — long. 6, lat.
3 mill.
Caffraria, Meine Sammlung.
Zu den Genusdiagnosen ist noch folgendes hinzu-
zufügen. Kopf neben der Vertiefung, in welcher die
412 Haag-Rutenberg:
Augen sitzen, mit zwei Längserhabenheiten, welche sich
nach vornen verbinden, einen dreieckigen Raum einschlies-
send, überall mit nicht sehr dicht stehenden, eingestochenen,
kleine gelbliche Börstchen tragenden Punkten bedeckt.
Thorax vornen tief ausgeschnitten, die Vorderecken abge-
rundet, die Hinterwinkel fast rechtwinklig, aber nicht
spitzig. Die Scheibe wird fast ganz von einer grossen
ziemlich viereckigen Grube eingenommen, welche in ihrer
Mitte selbst noch eine von zwei kleinen Längserhaben-
heiten begrenzte Vertiefung zeigt. Ausserdem sieht man
noch beiderseits derselben schon fast auf dem verbreiterten
Rande je einen punktförmigen Eindruck. Die Seiten-
ränder sind äusserst fein crenulirt, die Sculptur der Ober-
seite aber ist dieselbe, wie die des Kopfes. Die Flügel-
decken sind nicht ganz doppelt so lang als breit, haben
etwas abgestutzte Vorderecken und laufen die Seiten fast
bis zur äussersten Spitze, wo sie sich rasch zurunden, pa-
rallel. Ihre Scheibe ist stark niedergedrückt, zwischen
den Rippen vertieft erscheinend. Ausser der Naht, die
schwach erhöht ist, und dem vorstehenden fein crenu-
lirten Rand zieht sich von der Schulter eine scharf messer-
artig erhabene Leiste über die Scheibe, parallel dem Rande
und näher demselben, als der Naht, und vereinigt sich
fast am Ende mit der correspondirenden. Der Raum
zwischen dieser Leiste und dem Rande fällt ziemlich steil
nach abw^ärts, besonders an dem Ende, wo er fast die
Flügeldeckenspitze verdeckt. Die Sculptur besteht in
nicht sehr dicht stehenden groben eingedrückten Punkten,
zwischen welchen ebenso wie auf Naht, Rippe und Rand
mikroskopisch kleine gelbliche Börstchen stehen. Unter-
seite der Vorderbrust mit Ausnahme der Fü bierfurche,
welche glatt ist, ebenso sculptirt wie die Oberseite des
Thorax, Epipleuren der Flügeldecken grob in Reihen
punktirt, Mittelbrust, Segmente und Beine fein gekörnelt
und mit goldglänzenden kleinen Börstchen besetzt.
Die Art gleicht durch ihre Rippenbildung einer
kleinen länglichen Steira und ich habe desshalb den
Namen gewählt.
Monographie der Eurychoriden. 413
XI. Platysemus.
TtXaTvorjfxoQ^ mit breitem Saume.
Kopf und Augenbildung wie bei den vorhergehenden
Gattungen. Fühler dick und kräftig; 1. Glied kegelförmig,
2. Glied länger als breit, nicht ganz so lang, als 3. und
4. zusammengenommen, 3. — 9. Glied kurz, breiter als lang,
an Länge langsam, aber an Breite zunehmend, so dass das
9. fast doppelt so breit als lang ist, 10. ungefähr doppelt
so lang als das 9. und etwas breiter als dasselbe, an der
Spitze nach zwei Seiten abgeschnitten, glänzend. Thorax
queer, nicht ganz doppelt so breit als lang, vornen ziem-
lich tief, gleichmässig, nicht winklig, ausgerandet, Hinter-
rand in der Mitte ausgeschnitten mit zwei kleinen Aus-
buchtungen in den Ecken des Ausschnittes; Seitenrand
leicht verbreitert und aufgebogen. Flügeldecken gestreckt,
parallel, an den Thorax anschliessend, gerippt. Proster-
nalfortsatz bis hinter die Vorderhüften reichend; Fühler-
gruben tief, weit in die Vorderbrust ziehend. Epipleuren
nicht übermässig breit, an der Schulter mit der kleinen
queeren Leiste. Abdominalsegmente wie bei dem vorher-
gehenden Genus mit Quereinschnitten auf der Naht des
letzten und vorletzten Segments im männlichen Geschlechte.
Beine klein und schwach; die Schenkel unten abgeplattet,
die Scliienen nach aussen zu abgeflacht mit scharfen Kanten
beiderseits, an ihrem Ende sind ein kleiner Borstenkranz,
aber keine Stacheln bemerkbar.
Dieses Genus ist mit den vorhergehenden nahe ver-
wandt, unterscheidet sich aber von Smiliotus, Geophanus
und Acestus, mit welchen es den Ausschnitt am Hinter-
rande des Thorax gemein hat, durch die Fühlerbildung,
von Psarjphis aber, dem es in der Fühlerbildung sehr
nahe steht, durch die tiefe Fühlerfurche und das Vor-
handensein des oben erwähnten Ausschnittes.
1. Platysemus hengiielensis n. sp. Elongatiis
niger, opacus, seaber, parce setiäosuSj capite thoraceque in-
aequalihus, hoc laterihus crenulaüs, elytris elongatis, sutura.
414 Haag-Rutenberg:
margine duahusque costis in singulo plus minusve elevatis. —
long. 6, lat 2V2 mill.
Beüguela. Meine Sammlung, von Mouflet gesammelt.
Kopf auf der Stirne mit einer dreieckigen Erhöhung,
deren beide Seiten durch die Rinnen, in welchen die
Augen sitzen, gebildet werden und deren Spitze sich in
einen Kreis über den Clypeus fortsetzt. Halsschild seit-
lich gleichmässig gerundet, auf der Scheibe mit zwei
durchgehenden und beiderseits mit kleineren, vornen ab-
gekürzten Längskielen. Flügeldecken doppelt so lang als
breit, parallel, oben flach, mit kaum erhöhter Naht, vor-
stehendem Seitenrand und zwei über die Scheibe lau-
fenden nicht sehr hervorstehenden Längskielen, deren
erster an der Basis beginnt und vor der Spitze endet,
und deren 2. erst etwas von der Basis entfernt anfängt,
sich aber hinten etwas weiter nach der Spitze erstreckt.
Die Sculptur besteht auf Kopf, Thorax und Decken gleich-
mässig aus kleinen dicht aber imregelmässig stehenden
spitzigen Körnchen, zwischen welchen hin und wieder
kleine gelbliche, aufrechtstehende Börstchen sichtbar sind.
Vorderbrust und Segmente ähnlich sculptirt, Epipleuren
der Flügeldecken unregelmässig reihenweise punktirt.
XII. Acestus.
oKsoTog, ungestachelt.
Kinn vornen nicht ausgerandet, nach hinten verengt
und daselbst gerade abgeschnitten. Fühler verhältniss-
mässig schlank, 1. Glied kegelförmig, 2. knopfförmig,
so lang als breit, 3. Glied gestreckt, so lang als 3. und
4. zusammengenommen, 4. bis 9. Glied knopfförmig, fast
gleich gross, sämmtlich etw^as länger als breit, 10. Glied
fast doppelt so lang ajs das 9., nach der Spitze zu etwas
breiter werdend, daselbst abgestutzt, glänzend. Fühler-
furchen tief, weit in die Vorderbrust reichend. Die Bil-
dung des Kopfes, des Thorax und der Flügeldecken ist
fast dieselbe, wie bei Smiliotus, und auch sind hier die Aus-
schnitte am hinteren Rand des Thorax vorhanden. Unter-
Monographie der Eurychoriden. 415
seite gleichfalls wie bei Smiliotus gebildet, doch sind die
Füsse etwas schmächtiger und erscheinen nicht so zu-
sammengedrückt.
Auch bei diesem Genus scheinen die Männchen sich
durch eine dreieckige Abplattung auf dem ersten und
Querfurchen auf der Naht des vorletzten und letzten Ab-
dominalsegmentes auszuzeichnen.
Die Gattung, die wie gesagt sehr nahe mit Smiliotus
verwandt ist, unterscheidet sich von demselben durch die
gänzlich abweichende Fühlerbildung.
Flügeldecken sehr kurz beborstet . . elongatus n. sp.
Flügeldecken ziemlich lang behaart . lanuginosus n. sp.
1. Acestus elongatus Gory. Elongatus , niger,
opacus, parce minutissime setulosus, capite thoraceque inae-
qualihus, hoc lateribus explanatis, margine crenulato, elytris
ohlongis, subparallelis, sutura leviter, margine dudbusque costis,
prima cum opposita conjuncta, alte elevatis^ crenulatis. —
long. 6—7, lat. 8—33/4 mill.
TJrda elongata Gory, Reiche i. coli.
Cap. Mus. Genf, Coli, ßates, Haag.
Ausser der Fühlerbildung, gleicht diese Art in Be-
treff der Formation und Sculptur des Kopfes, Halsschildes,
und Flügeldecken dem Smiliotus steiroides m. derart,
dass eine Wiederholung der Beschreibung- überflüssig er-
scheint. Der Hauptunterschied zwischen beiden ist, dass
sich zwischen der ersten scharfen Rückenleiste, welche
sich fast am Ende der Flügeldecken mit der correspon-
direnden vereinigt und dem Rande noch eine zweite
scharfe crenulirte Leiste hinzieht, welche aber die Naht
nicht vollkommen erreicht, so dass daselbst ein kleiner
Zwischenraum frei bleibt. — Ebenso ist die Sculptur der
Unterseite eine ganz gleiche.
2. Acestus lanuginosus n. sp. Elpngatus niger,
opacus, pilis longis sparsis flavis tectus, capite thoraceque,
inaequali, hoc lateribus modice explanatis, denticulatis, ely-
tris oblongis, sublineatim rüde punctatis, sutura, margine
duabmque costis in singulo^ prima cum opposita conjuncta,
416 Haag-Rutenberg:
modice elevatis, leviter crenulatis ; pedibus obscure hrunneis. —
long. 6^2, lat. 3 mill.
Nur ein Exemplar im Stockholmer Museum aus
Svakop Yon Wahlberg gesammelt.
Form des Kopfes wie beim vorhergehenden, doch
sind die Augenschwielen weniger bemerkbar und die Sculp-
tur besteht aus kleinen, unregelmässig aber dicht anein-
ander gedrängten Körnchen. Thorax vornen nicht so scharf
winklig ausgeschnitten, sondern mehr halbkreisförmig,
so dass der Kopf weniger eingelassen erscheint ; Hinter-
rand fast gerade mit den betreffenden dem äusseren Rande
des Eindrucks correspondirenden Einschnitten. Seiten
massig verbreitert, sonst gleichmässig gerundet, nicht auf-
gebogen, crehulirt, Vorder- und Hinterecken kaum abge-
rundet, fast scharf. Der Eindruck auf der Scheibe ist
etwas flacher als bei elongatus und die Grübchen beider-
seits sind grösser und nicht so scharf begrenzt; die Sculp-
tur ist wie die des Kopfes. Flügeldecken gestreckt, etwas
breiter als der Thorax, von der Form derer des vorher-
gehenden, aber etwas gewölbter und zwischen den Rippen
nicht vertieft erscheinend, Naht breit, aber schwach er-
höht, Rand kräftig crenulirt, erste Rückenleiste sich mit
der correspondirenden verbindend, aber nicht scharf messer-
artig vorstehend, sondern nur schwach angedeutet; zweite
Rippe ähnlich wie die erste, etwas naher am Rande als
an derselben hinlaufend, und sich mit der correspondi-
renden nicht verbindend. Die Sculptur besteht aus groben
in unregelmässigen Reihen stehenden Punkten, welchen
sich zwischen der zweiten Rippe und dem Rande einzelne
Körnchen zugesellen. Der ganze Käfer ist überdies noch
mit einzelnen aufrechtstehenden ziemlich langen weichen
gelblichen Härchen besetzt, welche am Rande des Thorax
und den Flügeldecken sich etwas dichter stellen.
Unterseite wie beim Vorhergehenden; die Beine
sind dunkelbraun, aber nicht so kräftig wie bei elongatus.
Die Aehnlichkcit zwischen dieser Art und elongatus
ist bei Weitem nicht so bedeutend, als zwischen diesem
und dem Smiliotus steiroides. Sie unterscheidet sich haupt-
sächlich von diesen beiden durch das weniger verbreiterte,
Monographie der Enrychoriden. 417
seitlich nicht, aufgebogene Halsschild, durch die zwischen
den Rippen nicht vertieften Flügeldecken und endlich
durch die viel schwächer erhabenen Leistchen und die
andere Sculptur des Kopfes und des Thorax.
XIU. Eutichus.
ivrelxsog, wohl befestigt.
Kinn länglich viereckig, hinten und vornen ausge-
buchtet, die Mundtheile so verdeckend, dass nur die
äusserste Spitze der Mandibeln und Taster sichtbar ist;
letztes Glied der Maxillartaster gelblich, klein; Kopf gross,
nicht in den Thorax eingelassen, vornen verbreitert, hinten
stark zusammengezogen, mit zwei gebogenen tiefen Rinnen,
die sich vornen fast vereinigen und an deren Basis die
Augen sitzen. Diese selbst sehr klein, vollkommen ge-
theilt, aber sehr schwer, wegen der ungemein rauhen
Sculptur zu sehen; Fühler unter dem Kopfschild einge-
fügt; 1. Glied das grösste, dick, knopfförraig, 2. Glied
etwas kleiner als das 1. aber immer noch grösser, wie
die folgenden; diese bis zum 9. länger als breit, sehr all-
mählich an Länge abnehmend, 10. Glied wiederum gross,
so gross, wie 8. und 9. zusammen genommen, birn-
förmig, schwach abgestutzt. Thorax breiter als lang, seit-
lich nicht verbreitert, nach hinten mehr als nach vornen
verengt, an der Basis gerade, vornen leicht ausgebuchtet,
Vorderecken leicht abgerundet. Hinterecken spitz. Schild-
chen klein und undeutlich. Flügeldecken bedeutend breiter,
wie der Thorax, fast doppelt so lang als breit, lang ei-
förmig, auf der Scheibe platt, längs der erhabenen Naht
stark niedergedrückt, an der Spitze vorgezogen und
dann nach einwärts abfallend, die äusserste Spitze wieder-
um etwas vorgezogen ; seitlich abgerundet, Epipleuren
sehr breit, einwärts abfallend. Das kleine schräge Leist-
chen ist auch hier vorhanden, aber schwer zu sehen.
Prosternalfortsatz umgeschlagen^ Mittelbrust mit einer
kleinen Ausrandung zur Aufnahme desselben. Segmente
in der gewöhnlichen Weise gebildet, d. h. die drei
ersten gross, an Länge abnehmend, das vierte sehr klein
418 Haag-Rutenberg:
und das fünfte dreieckig. Beine klein, die Schienen, wie
stets, viereckig; Tarsen klein.
Es ist dies ein sehr ausgezeichnetes Genus und mit
keinepi der ganzen Familie zu vergleichen.
1. Eutichus Wahlbergi n. sp. Ohlongus,ater,opa-
cus, parce seUilosus ; capife rüde inaequaliter punctato, thorace
lateraliter crenato, disco trisulcato, scrobiculato ; elytris, rüde
densissimeque punctatis et foveolatis; ad latera suhseriatim
scrohiculato-punctatis, in disco depressis^ sutura elevata ; para-
pleuris epipleurisque punctatione disci; pedes nigro-hrunnei. —
long 8, lat. 31/2.
Süd- Afrika. Svakop von Wahlberg gesammelt. Mus.
Holm, ßerol.
Da die Körperform schon oben beschrieben, so habe
ich nur noch einige Worte über die Sculptiir dieser so
sehr ausgezeichneten Art hinzuzufügen. Die ganze Ober-
fläche ist sehr grob, rauh, grubenartig, dicht punktirt
und in jeder Grube und auf den Flügeldecken in den
Kämmen die durch die Gruben gebildet w^erden, sitzt
eine kurze dicke Borste. Die Stirn ist zvvischen den
tiefen Augenfurchen, deren Grund glatt erscheint, grob
rissig gekörnt und etwas erhaben; über die Scheibe des
Thorax laufen drei breite, vornen verkürzte tiefe Längs-
eindrücke, deren äussere sich an der Spitze etwas nach
dem Rande zu biegen; die Flügeldecken endlich sind
plattgedrückt, längs der Naht stark vertieft, grob rauh
sculptirt, und von der Hälfte derselben an nach aussen
zu, bis dahin, wo die Epipleuren abfallen, laufen um die-
selben, an der Spitze sich gegenseitig vereinigend, vier
tiefe Punktreihen hin^ zwischen sich scharf crenulirte
Kämme bildend. Die Epipleuren fallen schräg nach innen,
sind sehr breit und wie die Parapleurcn von ähnlicher
Punktirung, wie die Scheibe der Flügeldecken.
XIY. Adelostonia.
D u p o n c h e 1. An. soc. Linn. Paris VI. 1827 p. 338.
S ol. 1. c. (ex parte).
Folyscopus Waitl. Reise nach Spanien II. p. 73.
Monographie der Eurychoriden. 419
Die einzige Gattung der Familie, von welcher eine
Art in Europa auftritt, ausgezeichnet durch den frei-
stehenden Kopf. Ich habe die vonGuerin beschriebene
Art rugosum generisch getrennt, wegen des fehlenden
Raudies der Flügeldecken, das Thier macht aber im Gan-
zen bei seiner Stenosisartigen Gestalt einen fremden
Eindruck.
Uebersicht der Arten.
Leisten des Thorax sich vornen und hinten nähernd
3. ahhreviatum n. sp.
f, „ . „ entweder parallel oder sich in der
Mitte nähernd . 1
1. je 2 Leisten auf den Flügeldecken
2. abyssinicum n. sp.
J® ^ 7i 75 » » 2
2. Randleiste gekerbt 4. pygmaeum n. sp.
„ nicht gekerbt 7. siilcatum und Varietäten.
1. Adelostoma siilcatum Dup. Suhnigrum velrufo
ohscurum, fronte antice carinata\ thorace hicarinato; elytris
tricarinatis ; totum confuse rugosum, piUsque minutissimis
parce ornatum, — long. 5 — 10, lat. IV4— 3V2 mill.
Dup. 1. c. p. 338 t. 12.
Sol. 1. c. p. 167 t. 7 Fig. 302.
Jacq. Duv. gen. Col. IIL t. 61 F. 302.
carinatum Esch. Zool. Atl. IV. p. 12.
costatum Waltl. Reise Span. p. 74.
Var. a. carinatum Sol. carinae dorsi elytrorumque
minus elevatae, tuherculis thoracis distinctiorihus.
Sol. 1. c. p. 168.
Var. h. cristatum Esch. Fronte tota carinata.
Esch. Zool. Atl. IV. 1831. p. 12.
Var. c. nitidum Haag, carinis omnibus magis ele-
vatis tuherculis multo distinctiorihus.
Var. d. cordatum Sol., major, thorace lateraliter
magis rotundato, elytris hreviorihus, ovalihus.
Sol. \. c. p. 169. '
Var. e. parallelum Bch. i. L, major, thorace magis
rotundato, elytris hreviorihus, parallelis.
420 Haag-Rutenberg:
Var. f. deplanatuni Haag, e maximis, thorace ma-
gis rotundato, elytris elongatis, dorso depressis^ parallelis.
Spanien, Algier, Egypten, Cypern, Syrien, ü eberall
gemein.
Eine äusserst variabele Art, von welcher mir aus den
genannten Gegenden eine grosse Reihe von Exemplaren
vorlag. Trotz der Mühe, welche ich mir gab, wollte es
mir indess nicht gelingen, die einzelnen Arten zu be-
grenzen, da überall zahlreiche üeberga'nge vorhanden
sind und es drängte sich mir schliesslich die Ueberzeu-
gung auf, dass wir es hier, trotz der verschiedenen For-
men, nur mit einer einzigen allerdings sehr veränder-
lichen Art zu thun haben.
Der Thorax, der mir übrigens nicht mit vollkommen
parallelen Seiten vorgekommen ist, variirt auf das un-
endlichste und geht langsam von leichter ganz gleich-
massiger Seitenrundung bei den kleineren Exemplaren^
bis zur vollständigen Herzform bei den grösseren über;
die Flügeldecken sind theils walzenförmig, seitlich voll-
kommen parallel und ändern ab, bis zur kurzen Eiform
oder werden gestreckt und niedergedrückt; die Sculptur
ist in der Regel mehr oder weniger verschwommen run-
zelig; ganz unabhängig von der Grösse des Thieres aber
wird sie stärker oder schwächer, nicht selten sogar löst
sie sich in einzelne Granulationen, in einer Varietät sogar
in glänzende Körnchen auf; die Rippen endlich variiren
sowohl in Stärke als Lage ; je nach der mehr oder min-
deren Eiform der Flügeldecken sind sie parallel oder
leicht gebogen, auf dem Thorax stehen sie häufig näher
und auf dem Kopf endlich verlängert sich die Kante in
einer Varietät bis über den Scheidel.
Bei der Bearbeitung dieser Gruppe habe ich mein
sämmtliches Material meinem Freunde von Heyden
zur Revision übergeben, aber auch er konnte keine
durchgreifenden Unterschiede der Varietäten auffinden.
Die Art ist in einem grossen Theile des Mittelmeer-
beckens, besonders auf der südöstlichen Hälfte desselben
weit verbreitet und gemein und häufige Arten sind be-
kanntlich am meisten der Veränderlichkeit unterworfen.
Monographie der Eurychoriden. 421
Es bleibt mir mm noch übrig, die einzelnen Varie-
täten zu betrachten.
1) sulcatiimDuY). Es gehören hierzu die kleinen und
mittleren- Formen mit seitlich gleichmässig gerundetem
Thorax, parallelen theils auf dem Rücken niedergedrück-
ten, theils walzenförmigen Flügeldecken. Die Punktirung
ist in der Regel normal, die Rippen ziemlich scharf.
Man findet sie in Spanien, Algier, wo die Formen etwas
grösser werden, Aegypten und Syrien.
2) carinattim Sol. Der vorigen Form ganz ähnlich,
nur sind die Rippen sowohl des Thorax, als der Flügel-
decken schwächer, die Punktirung aber stärker. Diese
Varietät, von der schon der Beschreiber So Her a.a.O.
vermuthet, dass es kaum eine lokale Form sei, ist eine
ganz individuelle, und wo costatum sich findet, ist auch
carinatum, aber seltener. Solier selbst, dessen Type von
costatum aus der MarseuTschen Sammlung mir vorlag,
bestimmte in der M eil y 'sehen Sammlung ganz genau
dieselbe Varietät als carinatum und in sämmtlichen Samm-
lungen herrscht hierin der grösste Wirrwar; hauptsäch-
lich findet man, weil eben Solier das Vaterland so an-
gibt, die Thiere aus Spanien, einerlei ob costatum oder
carinatum, als costatum, und die aus Aegypten als cari-
natum bestimmt.
3) Var. nitidum Haag. Eine sehr ausgezeichnete
Varietät aus Algier, die mir aus dem Stockholmer Museum
nur in 1 Exemplar vorlag. Sie hat die gewöhnliche Grösse,
ist aber glänzend, die Rippen sind sehr hoch und scharf
und die Sculptur löst sich auf dem Thorax in kleinere,
auf den Flügeldecken in grössere kräftige Körnchen auf.
4) Var. cristatumEsch. Die Leiste des Kopfschil-
des, die man schon bei einzelnen Exemplaren der vorher-
gehenden Varietäten auch auf der Stirn ganz leicht ange-
deutet findet, ist hier auf dem ganzen Kopfe scharf und
deutlich. Die Flügeldecken sind nicht sehr gestreckt.
Marocco, Tanger.
-5) Var. parallelum Rehe i. 1. Eine kräftigere
grössere Form mit seitlich stärker gerundetem Thorax und
422 Haag-Rutenberg:
hältnissmässig kurzen, aber parallelen Flügeldecken.
Cypern und Syrien.
6) Var. cordatum So\. Diese Form ist allerdings in
ihren Extremen von der Stammform sehr verschieden.
Das Halsschild wird, besonders bei den grösseren Exem-
plaren, vollkommen herzförmig, die Flügeldecken nehmen
eine kurze Eiform an und die Sculptur wird lichter
und löst sich öfter in einzelne Granulationen auf. Hier
liegen mir aber die vollkommenen Uebergänge vor. Aegyp-
ten und Syrien, hier besonders häufig.
7) Var. deplanatum Haag. Eine der abweichendsten
Formen. Sie ist sehr gross (9 — 10 mill.), hat das herz-
förmige Halsschild von cordatum, langgestreckte parallele,
auf dem Rücken niedergedrückte Flügeldecken, starke
Rippen und endlich eine sehr kräftige Sculptur. Syrien,
Aegypten, aber selten.
2. Adel 0 Stoma ahyssinicum n. sp. Elongatum,
atrum, opacum, depressum. Capite carinato, thorace cordiforme,
medio hicarinato, diffuse granidato ; elytris thorace latiorihtis,
oilongo-ovalihuSy depressis, rüde punctatis granulatisqtie^
sutura, margine, duahusque costis in singtdo, postice confluen-
tihus, elevatis; pedes nigropicei. — long. 5, lat. 2 mill.
In Abyssinien von Raffray bei Asmara gesammelt.
Meine Sammlung.
Fühler von der gewöhnlichen Bildung; Kopf gross,
vornen ausgeraudet, hinten stark verschmälert, mit kleinen
Augenschwielen, aber kräftigem Längskiele bis an die
Basis; verworren rauh granulirt. Halsschild breiter als
lang, vornen stark erweitert, hinten eingezogen, voll-
kommen herzförmig ; vornen nur sehr schwach ausgerau-
det, hinten fast gerade, Seitenrand undeutlich crenulirt ;
Oberseite wie der Kopf sculptirt mit 2 durchlaufenden sich
in der Mitte etwas nähernden Leistchen. Flügeldecken
breiter als der Thorax, lang regelmässig eiförmig; Naht,
Rand und 2 Leisten auf einer jeden, welche etwas nach
auswärts gebogen sind, erhaben; Zwischenräume undeut-
lich, aber grob granulirt und punktirt. Beine kurz, dun-
kelbraun.
Monographie der Eurychoriden. 423
3. Aäelo Stoma ahhreviatum n. sp. Oblongum,
nigropiceiim, opamm ; capite antice carinato^ dcnse granulato ;
tJwrace longitudine latiore, laterihus nonmdlum dilatatis,
recurvis, hicarinato, gramdato; elytris thorace patdlo latio-
rihus, hrevihiis, sutiira vix elevata, singulo trihiis carinis,
primo et tertio apice confliientibus, instructis ; parce seriatim
punctatis; suhtiis grosse punctatum, parce pilosum, — long.
4, lat. P 4 mill.
Bengnela. Mus. Berolin.
Kopf klein, vornen rundlich ausgeschnitten. Augen-
schwielen kurz, aber hoch ; Längsschwielc nicht ganz bis
zur Basis reichend; durchaus dicht körnig punktirt. Tho-
rax etwas breiter als lang, seitlich leicht verbreitert und
aufgebogen, hinten gerade, vornen unbedeutend ausge-
schnitten, seitlich nicht gezähnt ; über die Scheibe laufen
2 sehr scharfe Leisten, die sich vornen und hinten etwas
nähern ; die Oberseite überall dicht und fein gekörnt.
Flügeldecken Vj^K^dX so lang als breit, kurz, etwas brei-
ter als der Thorax, bis zu ^3 parallel, dann kurz zuge-
rundet. Naht kaum erhaben, dagegen aber sehr stark
3 Längskiele, von welchen sich der \. und 3. an der
Spitze verbinden und den 2. einschliessen; längs densel-
ben läuft auf beiden Seiten eine Reihe grösserer Punkte,
zwischen welchen man wieder eine undeutliche 'Punkti-
rung mit einzelnen Körnchen untermischt, bemerkt. Un-
terseite grob, dicht blatternarbig sculptirt, sehr sparsam
behaart. Beine sehr klein und kurz.
^. Adelostoma pygmaeitm n. sip. parallelum, nigrum
opacum, totum distincte gramäattmi ; capite carmato ; thorace
laterihus nonmdlimi explanatis, recurvis, hicarinato j elytris
in dorso deplanatis, stdura, margine, trihusque carinis in
singiüo crenatis; pedes picei. — long. 4, lat. IV2 mül.
Das Vaterland kann ich nicht bestimmt angeben.
Ich kaufte seiner Zeit diese Art mit der Mou fle t'schen
Sammlung. Wahrscheinlich ist sie desshalb aus Benguela.
Fühler gewöhnlich. Kopfschild am vorderen Rande
etwas verflacht, vornen mit nicht sehr grossem rundlichem
Ausschnitt, am Vorderrande bräunlich durchschimmernd ;
ArchiT f. Natiirg. XXXVIU. Jahrg. 1. Bd. 28
424 Haag-Rutenberg:
Augenschwielen kräftig, desgleichen die Längsscheibe,
welche aber nicht bis zur Basis läuft ; Oberfläche dicht, aber
nicht sehr stark granulirt. Thorax so breit als lang, die
Seiten etwas verbreitert und schwach aufgebogen, bräun-
lich durchschimmernd; vornen mit leicht vorgezogenen
Ecken und Mitte, an der Basis gerade ; die nicht ge-
kerbten Seitenränder sind in ihren ersten vier fünftel fast
parallel, nur leicht nach hinten divergirend, von da sind
sie plötzlich in einem stumpfen Winkel eingezogen und-
bilden mit der Basis eine spitze Ecke ; Oberseite gleich-
massig granulirt mit 2 parallelen dicht nebeneinander-
stehenden durchlaufenden Längskielen. Flügeldecken, an
der Basis so breit als der Thorax, seitlich ganz leicht
lang eiförmig gerundet, auf dem Rücken etwas nieder-
gedrückt, ungefähr doppelt so lang, als breit; der crenu-
lirte Rand und die Naht sind massig erhaben, dagegen
sehr stark 3 Längskiele, deren äusserster bis zur Spitze
läuft und deren beiden innere unterhalb des Endbuckels
aufhören, sich aber daselbst nicht vereinigen ; bei starker
Vergrösserung erscheinen dieselben leicht crenulirt; die
Sculptur der Oberfläche besteht aus einzelnen dicht ge-
drängten grösseren Granulationen. Unterseite grob punk-
tirt. Beine kurz, bräunlich.
XV. Herpgis.
r; €Q\pLg, das Kriechen.
Fühler sehr kurz und gedrungen; 2. und 3. Glied
gleichgross, die folgenden langsam an Länge abnehmend,
aber sämmtlich doppelt so breit als lang, das 10. so gross
als 8. und 9. zusammengenommen, viereckig, vorne ab-
gestutzt; Thorax hinten und vornen vollkommen gerade;
Flügeldecken wenig breiter als der Thorax, walzenför-
mig, ohne Seitenrand ; das übrige wie bei Adelostoma.
1. Ilerpsis rugosa Gory. Elongata, opaca, nigra vel
ohscure hrunnea; prothorace subcylindricOy rugoso, lateribus
indistmcte crenatis, dorso bicarinato ; elgtris thorace pauUo
latioresj confuse et dense nigosis; granulis elytrorum inter-
Monographie der E urychorideii. 425
dum lineas formantihus; pcdihus riifo-öbscuris. — long.
5—51/2, lat. 2 mill.
Ad. rugosum Gory. Gu6r., Sc reg. an, p. 112,
t. 128, f. 12.
Sol. 1. c. p. 170.
Var, a. parva Sol., paullo minor y elytris nonnullum hre-
vioribus.
Adel, parvum. Sol. 1. c. p. 170.
Senegal. Mus. Genf (Type), coli. Marseul (Type),
coli. Bates, Haag.
Die Art ist an ihren gestreckten walzenförmigen
Flügeldecken, welchen der Seitenrand fehlt, leicht zu
erkennen. Sie macht offenbar den Uebergang zu den
Stenosiden. Es lagen mir die Typen der beiden Arten
sowohl aus der Gory 'sehen als auch der Soli e raschen
Sammlung vor und ich habe sie in Folge dessen zusam-
mengezogen, da mir die letztere kaum eine Varietät der
erstercn zu sein scheint, sondern vielleicht nur das andere
Geschlecht. Bei parva sind die Flügeldecken ein klein
wenig kürzer, sonst aber kann ich keinen Unterschied
auffinden und was S 0 1 i e r über die kleinen erhabenen
Zwischenräume der Flügeldecken sagt, ist genau auf
rugosa anzuwenden, vielleicht dass individuell bei der
Type der parva diese kleinen Leistchen etwas erhöhter
erscheinen. Alles Uebrige ist bei beiden Arten vollkom-
men gleich.
l^achtrag.
Während des Druckes dieser Monographie wurden
mir von Herrn Fred. Bates noch folgende zwei neue
Arten freundlichst mitgetheilt.
Hidrosis incostata n. sp. Ovalis, hrunnea, parce
pubescei^s, depressa; thorace transverso, lateribus dilatato,
antice profunde emarginato, posfice hisinuatOj supra vix ca-
rinatOj gramdato ; elytris tJioracis latitudine, parum convexiSj
Jmmeris productis, actitis, incostatis; margine duplici spicu-
loso; disperse mimdissime granulatis, — long. 6, lat. 4 mill.
Kanak (Cap. verde). — Coli. Bates, Haag.
426 Haag-Rutenberg:
Kopf und Fühler wie bei crenatocostata: Thorax
sehr hreit, fast vier mal so breit als in der Mitte lang,
seitlich stark verbreitert, nicht aufgebogen; vornen tief
ausgeschnitten, hinten in der Mitte gerundet vorgezogen,
so dass der Hinterrand beiderseits weit ausgeschnitten
erscheint; Hiuterecken spitzig und etwas nach hinten ge-
richtet, aber nicht so stark wie bei cren. cost. Der verbreiterte
Seitenrand ist scharf und spitzig, seitlich gezähnt, oben
deutlich granulirt und zwar bedeutend stärker als auf
der Scheibe, auf welcher die beiden Längskiele kaum zu
bemerken sind. Flügeldecken so breit, wie der Thorax
an der Basis, kurz eiförmig, nach der Naht zu leicht ge-
wölbt, mit fast gerader Basis, aber scharfen, etw^as auf-
gebogenen Schultern. Der Seitenrand besteht aus zwei
dicht nebeneinander laufenden mit kleinen Spitzen be-
setzten Leistchen, welche an der Schulter entspringen
und langsam bis zur Flügeldeckenspitze divergiren. Die
Scheibe ist zerstreut fein granulirt und zeigt zwei bis
drei Reihen einzelner grösserer Körnchen. Parapleuren
grob, aber zerstreut punktirt und dazwischen undeutlich
granulirt. Sämmtlichc Ränder, sowohl des lialsschildes,
wie der Flügeldecken sind mit einzelnen gelblichen Haaren
dünn besetzt.
Die Art hat grosse Aehnlichkeifc mit crenato-costata,
unterscheidet sich aber, ausser der verscihiedenen Sculptur
von derselben, durch den kürzeren, hinten seitlich nicht
so stark ausgeschnittenen Thorax, welchem die Mittel-
leisten fast fehlen und durch die verhältnissmässig kür-
zeren, nach der Naht zu gewölbten Flügeldecken, welche
'nicht schmäler sind, als das Halsschild und keine crenu-
lirten Rippen haben. Mit Levaillanti ist die Art nicht
zu verwechseln.
Ädelo Stoma Bat esi n. sp. Elongata, nigra, opaca;
thorace hicarinato, antice lateraliter valäe explanato^ postice
subito contrado, angulis posticis aciitis\ elytrls hicarinatis,
carinis postice - confluentihus ; supra indistincte pimctatis,
granulisqile minimis ohsitis. — long. 5—6, lat. 2V2 mill.
Yemen. — Coli. Bates, Haag.
Monographie der Eurychoriden. 427
Fühler verliältiiissmässig dünn, die einzelnen Glieder
vom 3. bis 9. kaum breiter als lang. Kopf rauh punktirt,
mit starker Stirnleiste und Augenschwielen. Halsschild
sehr breit, über doppelt so breit, als in der Mitte lang;
vornen leicht ausgeschnitten mit etwas vorgezogener Mitte,
hinten beiderseits leicht ausgebuchtet; seitlich nach vornen
ungefähr auf -/s der Länge sehr stark verbreitert, von
diesem Punkte an aber plötzlich fast in einen rechten
Winkel eingezogen; PJinterecken spitzig; verbreiterter
Theil des Thorax leicht aufgebogen, sein Rand etwas
wellig geschwungen und leicht bräunlich durchscheinend;
Oberfläche undeutlich dicht punktirt und granulirt mit
zwei Längskielen über die Scheibe, welche nach hinten
zu fast unmerklich divergiren.
Flügeldecken an ihrer breitesten Stelle kaum breiter,
als der Thorax, lang eiförmig; Naht und Rand leicht er-
haben, dagegen laufen über die Scheibe zwei nach aus-
wärts gebogene, ziemlich kräftige Kiele, deren innerer
an der Basis und deren äusserer etwas unterhalb der
Schulter beginnt und welche sich unterhalb des End-
buckels verbinden, um von da ab als eine einzige Leiste
sich mit der Randleiste zu verbinden. Oberfläche rauh,
undeutlich punktirt und granulirt und sehr sparsam mit
äusserst kleinen gelblichen Iläärchen besetzt, welche
übrigens nur bei günstiger Beleuchtung zu sehen sind.
Parapleuren mit ähnlicher Sculptur, wie die Oberfläche.
Diese hübsche Art ist wegen ihrer eigenthümlichen Thorax-
bildung mit keiner anderen zu verwecheln.
Ve rzeichoiss.
Äcestus 362, 414, elongatus 415, lanuginostis 415.
Adelostoma 362, 418, ahbreviatum 423, ahyssinicum 422, Ba-
tesi 4:26, carinatum 4:19, 421, corclatum 4:19, 422, crista-
tmn 419, 421, deplamtum 421, 422, nitidimi 419, 421,
parallelum 4:19, 421, parvum 425, pygmaeum 423, rugo-
sum 425, sulcatmn 419.
428 Haag '-Rutenberg: Monographie der Eurychoriden.
Äspüa 362, 404, hicostata 404.
Etirychora 361, 363, angolensis 367, harbatd 375, Batest 366,
ciliata 371, cimicoides 399, cinerea 375, complanata
392, convexiuscula ^ll,crenata 381, dilatata 364, FaJiraei
380, gramäosi pennis 375, 377, Äi^^a 375, 377, Levaillanti
397, luctuosa 372, ma/or 371, modesta 371, mucorea 381,
murina 377, m^i(^a 375, 377, o«;a^a 385, planata 372, ^?a-
^e55a 386, punctata 381, punctipennis 379, pusilla 375,
rotundata 399, similis 382, sqtialida 396, suturalis 368,
terrestris 381, terrulenta 368, trklwptera 373, tumidula
372, z;27?05a 374.
Ftttkhm 362, 417, Wahlhergi 418.
Geophanus 362, 404, 406, confusus 406, sepulchralis 408,
^^'s^^^s 407. .
Herpsis 362, 424, rugosa 424.
Hidrosis 361, 395, crenato-costata 396, incostata 426, Levail-
lanti 397.
Lycanthrojm 361, 398, cimicoides 399, denticoUis 400, c^e-
pressa 401, plicata 402, ^Zawa 403.
JPeristeptus 361, 382, cribratus 385, laevigatiis 384, - Gestroi
385, owt^a 385, platessa 386.
Flatysemus 362, 413, henguelensis 413.
Pogonohasis 361, 386, crihrata 385, elongata 389, läevigata
384, ö^^aca 388, ojMtroides 388, ornata 389, Baffrayi
390, rugtdosa 387, 388, verrucosa 387.
Folyscoptis 418, costatus 421.
Fsarypliis 362, 409, confusa 406, wa?ia 405, 4:09,piygmaea 406.
Smiliotu^ 362, 410, steiroides 411.
^Sifeira 361, 391, aegyptiaca 396, crenato-costata 396, costata
392, Do^rni 393, /S^??: 394.
ZJrc?« 404, elongata 415, longiuscula 406, pygmaea 405, 406
-^^05 398, cimicoides 399.
Druck von Carl öeorgi in Bonn.
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