ke:
iR
ARCHIV
NATURGESCHICHTE.
f Sn
GEGRÜNDET VON A. F. A. WIEGMANN,
FORTGESETZT VON W. F. ERICHSON.
IN VERBINDUNG MIT
PROF. DR. GRISEBACH IN GÖTTINGEN,
PROF. DR. von SIEBOLD IN FREIBURG, PROF. A. WAGNER
IN MÜNCHEN UND DR. LEUCKART IN GÖTTINGEN
HERAUSGEGEBEN
voN
Di. F. H. TROSCHEL, .../
PROFESSOR AN DER FRIEDRIC “ MS-UNIVERSITÄT ZU BONN.
\ Mile)
RO
z \
FUNFZEHNTER JAHRGANG.
Erster Band.
2 Mit acht Kupfertafeln.
THREE |
BERLIN, 1849.
VERLAG DER NICOLAL'SCHEN BUCHHANDLUNG,
Lj
; 5 "mon
BL Dr Br oa
AEHO “ yalın
er onndinıanar ni
BERINRTPRERFERUIT ENTE
Be nunaam a an „HA m deu Me r
Ben: ande 7 u ÜRAnSU at nd und
Be} 5 ” Syn
=; /d ya
PN „‚scmoa
. 5 wre yT. anaanersf Baer ni
& a Br. “= A
Sa San RE R
, er % \ han an
Be
i A f
> Gorar TE
r-
»
4
Inhalt des ersten Bandes.
Ueber das Bohren der Mollusken in Felsen u. s. w. und die Ent-
fernung von Theilen ihrer Schalen. Von Albany Hancock
Ueber die Fortpflanzung des Känguruh. Von Dr. Leisering.
Bemerkungen über die Beschaffenheit des Knochengerüstes des
Seebären und des Seeotters. Von Prof. A. Wagner.
Nachträge von Creplin zu Gurlt’s Verzeichnisse der Thiere, in
welchen Endozoen gefunden sind. Dritter Nachtrag .
Zur Anatomie von Ornithorhynchus und Tachyglossus. Von Prof,
Mater in Bonn ;..0% 41,8.) Ba SER
Untersuchungen über die Ecken er Infusorien, in Dr.
Fr. Stein. (Hierzu Taf.I. und 1) . ». 2.2.2...
Zur Kenntniss der Fauna von Island. VonDr.Rud. Leuckart
in Götlingen. Erster Beitrag (Würmer). (Hierzu Taf. 11.)
Die Uebereinstimmung der Muschelschalen und Perlen in ihrem
krystallinischen Bau und nach andern mineralogischen Kenn-
zeichen mit Kalkspath und Arragonit, Mitgetheilt von Dr. Ja-
EranNosggoraihi. 2 aa ee et Sn
Ueber die Mundtheile einiger Heliceen. Vom Herausgeber,
BIER ENG) 2ER Sr ae Se
Einige Worte über das Quinary-System. Von. J. Kaup .
Ueber das Bohren der Mollusken in Felsen u.s. w. und die Ent-
fernung ihrer Schalen. Von Albany Hancock. (Schluss.)
Ueber die Entwickelung des Tergipes lacinulatus. Von Dr. Max.
Sigm. Schultze in Greifswald. (Hierzu Taf. V.) . . .
Ueber die Mikrostonieen , eine Familie der Turbellarien. Von
Demselben. (Hierzu Taf.Vl,) -. » » .»..
Ueber die Fortpflanzung durch Theilung bei Nais Beokikeibae
EeDemselben, . 2 .... ERER 5: Te
Ueber die Lachs-Arten Schwedens. (Aus einem Briefe des Prof,
Nilsson in Lund an den Prof. Sundewall in Stockholm.)
Aus dem Schwedischen, Von Creplin, » », 2 20“
Seite
vi Inhalt des ersten Bandes.
Ueber die Entwickelung der Mollusca acephala. Von Dr. S. L.
Loven. Aus dem Schwedischen von Dr. F. C. H. Creplin
Chaetopterus pergamentaceus Cuv. beschrieben von Rud. Leu-
ckart in Göttingen. . .. . SU x
Bemerkungen über den Bau des Orang- ug: -Schädels, Von
Prof. Mayer in Bonn. . . - Be:
Ueber einige Anguillulen und die Eotwickelnng von Gordius
aquaticus. Von Prof. Ds, Ed, Grube in Dorpat. (Hierzu
Garni). . . Zu Br Su: ee Tin
Ueber die Bewaffnung der kieiöuhogen 2 Fische. Vom Her-
Ansgieber Lam. . 0%. ae ©
Ueber die Begrenzung der Familie der PIORETER Vom Her-
ausgeber., (Hierzu Taf. VI.) . - » + lei an, one
Seite
312
340
352
358
376
382
P
Es haben mancherlei Umstände dazu beigetragen, das
Erscheinen dieses ersten Heftes des neuen Jahrganges bis
gegen den Ablauf des Jahres zu verzögern, und ich fühle
es wohl, wie durch ein solches Stocken ein Misstrauen so-
wohl bei den Lesern, als bei den Mitarbeitern hat erweckt
werden können. Manche von diesen Umständen sind leicht
zu errathen, andere darf ich verschweigen, weil ich es für
angemessener halte, durch die That zu beweisen; » dass die.
Hefte sich nunmehr rasch einander folgen sollen. So hoffe
ich wird diese Zeitschrift bald das Vertrauen wiödergewinnen.
Noch in diesem Jahre wird das zweite Heft, welches bereits
unter der Presse ist, ausgegeben werden. Ebenso wird in
den nächsten Wochen das vierte fast vollendete Heft des
vorigen Jahrganges erscheinen.
Die Einrichtung des Archiv’s für Naturgeschichte bleibt
ganz unverändert. Es wird im ersten Bande theils Origi-
nal-Aufsätze enthalten, die dann auch mit Abbildungen be-
gleitet sein können , theils in Uebersetzungen oder Auszügen
Mittheilungen von interessanten Erscheinungen der ausländi-
schen naturhistorischen Literatur, wobei vorzüglich auf sol-
che Abhandlungen Rücksicht genommen werden soll., die in
weniger zugänglichen Zeitschriften veröffentlich, oder in min-
der verbreiteten Sprachen abgefasst sind. Eigentliche Recen-
sionen sind ausgeschlossen. Ferner soll diese Zeitschrift
- kein Organ für Zänkereien von Autoren sein, und hege ich‘
die Hoffnung, nicht in den Fall zu kommen, dergleichen An-
forderungen zurückweisen zu müssen. In solchen Fällen je-
doch, wo ein Autor wünscht, eine wissenschaftliche Wider-
legung gegen einen in diesem Archive erschienenen, seine
Arbeiten betreffenden Ausspruch ‚»sei es in einem Aufsatze,
oder in einem Jahresberichte, einzurücken, glaube ich es
schuldig zu sein, die Aufnahme zu gewähren, sobald er sich
Archiv [, Naturgesch, XV. Jahrg, 1. Bd. 1
völlig frei von jeder Persönlichkeit hält. Natürlich kann ich
hierbei noch weniger als sonst eine Verantwortlichkeit für
die wissenschaflliche Tüchtigkeit des Inhaltes übernehmen.
Der zweite Band ist für die Jahresberichte bestimmt. Der °
Hauptvorzug, welchen sich diese zu erwerben haben, ist die
VoHständigkeit, die, wie es die Erfahrung gezeigt hat, sehr
schwer auch nur annähernd, zu erlangen ist. Wenn doch hierzu
die Schriftsteller selbst etwas mehr, als es bisher geschehen ist,
ihre Hülfe gewähren wollten! Es muss ihnen ja selbst daran
liegen, nicht übergangen zu werden. Damit ist nicht ge-
meint, sie sollen ihre Bücher einsenden, es würde schon viel
gewonnen sein, wenn die Verfasser durch ein güliges Schrei-
ben an mich oder an die entsprechenden Bearbeiter der Jah- -
resberichte auf solche Werke aufmerksam machen wollten,
in denen sich in unseren Bereich fallende Abschnitte finden,
die nach dem Titel nicht unmittelbar darin vermuthet werden
können. Sehr erwünscht würde es freilich sein, wenn Au-
toren von Aufsätzen in weniger verbreiteten Zeitschriften,
zumal wenn diese nicht ausschliesslich der Naturgeschichte
gewidmet sind, einen Separalabdruck mittheilen wollten, was
gewiss nicht als ein grosses Opfer gelten kann. Dann aber
würde es namentlich von Wichtigkeit sein, Dissertalionen und
Gelegenheitsschriften, die ja gewöhnlich durch den Buchhan-
del nicht bezogen werden können, und daher nur zu leicht
übersehen werden, von den Autoren zu erhalten. Bei der-
gleichen Schriften ist das Uebergehen in den Jahresberich-
ten um so gefährlicher, als sie dadurch leicht ganz der Ver-
gessenheit anheim fallen.
Möchten diese Wünsche doch bei dem wissenschaftli-
chen Publicum Berücksichtigung finden; ich bitte darum im
Interesse unserer Zeitschrift und der Wissenschaft.
Bonn, im October 1849.
Troschel.
ir
Ueber das Bohren der Mollusken in Fel-
sen u. Ss. w. und die Entfernung von Theilen
ihrer Schalen.
Von
Albany Hancock.
Uebersetzt aus den Annals and Magazine of natural history. (Second
series Vol. II. P. 225. October 1848.)
Wenige Gegenstände aus dem Gebiete der Malacologie
haben so viel Streit verursacht, als die wohl bekannte Bohr-
fähigkeit, welche manche Muscheln besitzen. Man hat zahl-
reiche Versuche gemacht, die Art zu erklären, wie diese Ge-
schöpfe ihre Wohnungen herrichten; und dies ist in der That
von hohem Interesse, nieht nur in wissenschaftlicher Bezie-
hung, sondern auch weil es so einflussreich auf menschliche
Einrichtungen ist, wie Alle, die mit Wasserbauten in Verbin-
dung stehen, nur zu gut wissen. Die Verwüslungen, welche
durch einige von diesen Thieren, namentlich den Bohrwurm
(Teredo), angerichtet werden, sind zuweilen von erschreck-
licher Ausdehnung , und geschehen mit kaum glaublicher
. Schnelligkeit.
Von den Theorien , durch welche man versucht hat,
diese Erscheinungen zu erklären, ist die am allgemeinsten
angenommene, dass das Thier mit der Schale wie mit einer
Feile oder mit einem Bohrer reibt; eine andere Theorie nimmt
ausschliesslich ein auflösendes Mittel an, besonders, wenn
‚die Höhlen in Kalkfelsen vorkommen; und eine dritte, wel-
che besondere Aufmerksamkeit erregt hat, wurde von Gar-
„ner vorgeschlagen, in seinem bekanuten Aufsatze über die
4 Hancock: Ueber das Bohren der Mollusken iu Felsen etc.
Anatomie der Muscheln, der in dem zweiten Bande der Trans-
actions of the zoological sociely veröffentlicht ist. Diese
Theorie erklärt die Erscheinung durch Wimperbewegung, wel-
che beständige Wasserströme gegen die Masse treibt, unter-
stützt in der Wirkung, durch den langen Thierkörper und zu- N,
weilen vielleicht durch Feilen der Schalen.
„In einer kurzen Noliz, die ich in den Annals of natu-
ral history Vol. XV. P.114 bekannt gemacht habe, kam ich
auf die Meinung, dass das Thier selbst das Bohrwerkzeug
bilde, und dass die Theile desselben, welche mit dem Grunde
der Höhlung in Berührung kommen, mit einer besondern Be-
waffnung versehen seien. Aber bevor ich weiter in diese
Ansicht eingehe, wird es besser sein zu untersuchen, wie
‘ weit etwa eine der obigen Theorien richtig sei ').
Erstens also, werden die Höhlungen durch die mecha-
nischen Wirkungen der Schale gemacht? Nur von den Bohr-
würmern. hat man es behauptet, dass sie nach Art eines
Bohrers bohren, und man hat ihnen daher eine drehende Be-
wegung zugeschrieben. Bei der Untersuchung ergiebt sich, dass
die Durchbohrungen der Bohrwürmer fast cylindrisch sind,
vollkommen kreisrund , häufig sehr gewunden und stets an
ihrem unteren Ende genau abgerundet. Das Thier, welches -
in Teredo norvegica nach William Thompson (Edin-
burgh new phil. Journ. 1835) zuweilen fast zwei und einen
halben Fuss lang ist, nimmt den ganzen Kanal von einem
Ende zum andern ein, und Home giebt an, es sei an die
Kalkröhre an dem Ende, wo die Röhren liegen, angeheftet.
Diese Anheftung allein reicht hin, zu zeigen, dass eine voll-
ständige Drehung nach derselben Richtung nicht stattfinden
könne, namentlich nicht am Anfange der Höhlung; aber die
Schwierigkeit wird sehr vermehrt, wenn die Richtung des
Bohrens in Betracht gezogen wird, die, wie oben erwähnt,
oft ungemein gekrümmt ist, indem -sie sich von einer Seite
‘) Seit der Aufzeichnung dieser Mittheilung erfahre ich durch
den dritten Theil der history of british mollusca, dass die Verfasser die-
ses Werks Garner’s Theorie annehmen, indem sie sie etwas modifi-
ciren ; sie betrachten das Feilen der Schalen als die Hauptsache, und
die durch das Thier hervorgebrachten Strömungen als Nebensache.
und die Entfernung von Theilen ihrer Schalen. 5
zur andern in der auffallendsten Weise wendet, und nach je-
der möglichen Richtung sich biegt. Man findet häufig, dass_
sie sich plötzlich im rechten Winkel wendet, und bald dar-
auf wieder in eine mit dem Anfange parallele Richtung zu-
rückkehrt; so bildet sie drei Seiten eines Parallelogramms
mit sehr scharfen Winkeln. "In einer solchen Höhlung muss
natürlich die Drehung eine sehr beschränkte sein, undes
ergiebt sich, dass die Schalen nicht. wie ein Bohrer wirken
können.
Für diese Thatsache giebt jedes von Teredo durchbohrte
Stück Holz den Beweis. Manche Bohrmuscheln haben den
vorderen Theil ihrer Schalen bedeckt mit Dornen oder erha-
benen Streifen, woraus die Meinung entstanden ist, dass diese
Schalen geschickt seien in den Massen, in welche sie ein-
dringen, zu feilen. Eine solche Meinung kann indessen für
solche nicht beibehalten werden, deren Schalen glatt und mit
einer hinfälligen Epidermis bekleidet sind, wieSaxicava, Li-
ihodomus und Gastrochaena, und nach einer geringen Ueber-
legung wird es deutlich sein, dass die Schalen mit Dornen
und erhabenen Streifen ebenfalls für die Arbeit unfähig sind,
welche man ihnen zugeschrieben hat. Der Grund der Höh-
lungen aller bohrenden Muscheln, — Pholas sowohl wie Te-
redo, — ist regelmässig abgerundet oder ausgeschöpft, in
einer Weise, dass es kaum von :dem Feilen der Schalen die-
ser Gattungen hervorgebracht sein kann , gewiss nicht ohne
eine ausgedehnte drehende Bewegung; aus den oben erwähn-
ten Gründen scheint es aber völlig klar, dass bei Teredo die
Drehfähigkeit eine sehr begrenzte ist. Auch bei Pholas scheint
nicht eine solche Drehung stattzufinden, wie wir später zu
zeigen versuchen werden. In der That, es scheint ganz un-
möglich, den Theil der Schalen von Pholas crispata, den man
gewöhnlich als feilend angesehen hat, in Berührung mit dem
Grunde der Höhle zu bringen; folglich kann schwerlich bei
dieser Species der Theil als Bohrwerkzeug betrachtet wer-
den, selbst, wenn man voraussetzen wollte, dass die Dornen
fähig wären , weicheren Sandstein, Schiefer , Kreide, Holz,
Kalkstein zu zerfeilen. Bei Xylophaga haben wir einen vor-
trefflichen Beweis, dass die vorderen Theile der Schalen nicht
in Berührung mit dem Grunde der Höhle kommen. Diese
ue
’
6 Hancock: Ueber. das Bohren des Mollusken in Felsen etc.
Gattung hat den Aufenthalt und das allgemeine Ansehen von
Teredo, aber ist von ihm durch zwei accessorische Schal-
stücke unterschieden} welche so gelegen sind, dass sie die
Möglichkeit der Berührung des vorderen Theils ausschliessen.
Dass sie ganz scharf und vollständig sind, und.nicht die ge-
ringste Abnutzung zeigen, liefert einen neuen Beweis, dass
sie nicht für einen ‘solchen Zweck benutzt werden. Es muss
erwähnt werden, dass fast alle diese Thiere nur weichere
Substanzen, wie Kreide und Schiefer, durchdringen; aber es
darf auch nicht vergessen werden, dass diese Körper Kie-
seltheilchen enthalten, und dass Pholas striata, und die mei-
sten Teredines in dem härtesten Eichenholz bohren. ‘An der
Küste von Northumberland wird P. erispata nicht selten in
schiefrigem Sandstein gefunden — einem Malerial, das ganz
geeignet ist, eine viel härtere Schale anzugreifen, als sie be-
sitzt. Diese Species kommt auch in dichterem Kalkstein der-
selben Gegend und an der Küste von Durham vor, und P.
daetylus, P. parva und P. papyracea kommen im Lias vor,
der hart und fest ist. Es kann indessen nicht zweifelhaft
sein, dass die oben erwähnten weicheren Substanzen Scha-
len zu zerreiben vermögen. Ich besitze Exemplare von P,
dactylus, welche am Rücken der Schalen ganz glatt: gewor-
den sind, weil sie in Berührung mit den Seiten der Höhlung
gekommen waren, während die Dornen vorn unverletzt ge-
blieben sind. Dies kommt oft bei P. crispata und P. candida
vor, die in Nord-England häufig im Schiefer gefunden wer-
den. Aber der enischeidendste Beweis, dass die Schalen
nicht als feilende Werkzeuge gebraucht werden, liegt darin,
dass ihre vorderen Theile häufig mit einer zarten Epidermis
bedeckt sind. Montagu sagt, dies sei immer bei schönen
Exemplaren von Teredo navalis der Fall. Ich habe neuer-
lichst mehr als eine Art dieser Gattung untersucht, und finde,
dass der gestreifte Theil der Schale, der gewöhnlich als der
wirkende angesehen wird, zuweilen mit einer feinen gelbli-
chen Epidermis bedeckt ist, welche leicht mittelst der. Spitze
eines Federmessers entfernt werden kann. Die Pholaden ha-
ben auch eine zarle, runzlige Epidermis, welche die vorde-
ren dornigen Theile der Schalen überzieht. Sie ist zuweilen
unvollständig, aber mehr oder weniger von ihr ist immer vor-
N
+ und die Entfernung von Theilen ihrer Schalen, 7
handen; an guten Exemplaren bedeckt sie die Dornen selbst,
Alle britischen Arten haben sie. Ich habe sie sehr schön
an Exemplaren in Alder’s Kabinet gesehen, besonders an
P. cerispata, P. dactylus und P. papyracea. Diese Epider-
mis ist so zart, dass sie durch die Waschbürste zerstört
’ rd, und das ist der Grund, weshalb sie so selten erwähnt
worden ist. Vor einigen Jahren sprach Gray die Existenz
einer Epidermis an diesen Schalen aus. Hiernach ist es un-
nöthig, noch weiter über diesen Punkt zu sprechen, denn es
kann keinen sirengeren Beweis dafür geben, dass die Dor-
nen nicht als Reibewerkzeug angesehen werden dürfen. Aber
noch eine andere Thatsache wurde mir bekannt, und da sie
sich auf P. candida bezieht, dieselbe Art, welche Osler.als
mit ihren Schalen bohrend beschreibt, so darf ich: sie, wohl
nicht mit Stillschweigen übergehen. An der Küste von Northum-
berland ist diese Art, alt und. jung, häufig überzogen: mit
einem dünnen, dunklen Niederschlag, der oft die ganze
Schale, mit Einschluss der Dornen, ‚bedeckt. Am Rücken der
Schalen, gegen die Wirbel hin, ist.der Ueberzug häufig durch
das Reiben gegen die Seiten der Höhlung abgenutzt, und die
Schale ist hier ‘oft fast durchgerieben.. Es ist, also gewiss,
dass in diesen Fällen kein Abfeilen durch die vorderen Dor-
nen. stattfinden kann.
Es verdient auch bemerkt zu werden, dass die Phola-
den unmittelbar nachdem sie die Eltern verlassen zu boh-
ren beginnen. Ich habe aus den Höhlungen die Brut von P.
erispata, elwa den fünfzigsten Theil eines Zolls lang, genom-
men, als es kaum mehr war als der Nucleus, von ausseror-
dentlicher Dünnheit, glänzend glatt und bis auf zwei oder
| drei hervorwachsende Dornen noch dornenlos. Sie haben
sich dessen ungeachtet regelmässig gebildete Höhlungen ‚ge-
macht. Wie? — die Vertheidiger des mechanischen Reibens
der Schalen ‘möchten wohl viel Schwierigkeit finden , es zu
erklären.
Die Höhlungen haben zuerst nur '/,, Zoll im Durchmes-
ser; aber das Bohrloch erweitert sich in dem Maasse, als
die Schale wächst und tiefer eindringt; und da diese unten
mehr zunimmt als oben, so wird es von conischer Form, den
Apex nach oben gerichtet. Worauf ich hier die Aufmerksam-
8 Hancock: Ueber das Bohren der Mollusken in Felsen etc.
keit zu richten wünsche, ist das, dass die Höhlung sich nicht
nur vertieft und unten im Durchmesser wächst, sondern dass
sie auch oben weiter wird, so dass die Oeffnung bei alten
Individuen oft bis auf ‘, Zoll Durchmesser sich erweiter!.
Wäre die Schale das einzige Bohrwerkzeug, dann könnte dies N
nicht stattfinden , denn die Röhre schliesst oben die Siphonen
ein, und nachdem die Schale einmal durch diesen Theil der
Höhlung gegangen ist, kann sie nicht wieder umkehren, um
ihn zu erweitern. Es ist daher klar, dass die weiche fleischige
Wand der Siphonen diesen Theil der Röhre erweitert, und
hieraus ergiebt es sich, dass nicht eine harte oder dornige
Schalenoberfläche nöthig ist, um dieSubstanzen zu zerstören,
in welche diese Thiere eindringen, und dies spricht zu Gunsten
der Meinung, dass die Schalen keine Bohrwerkzeuge seien.
Manche Naturforscher, die sich überzeugt hielten, dass
die Schale dieser Thiere zu weich sei, um die harten Mas-
sen, in welche sie eindringen, zu zerschneiden oder zu zer-
feilen, und die bemüht waren, die Erscheinung zu erklären,
haben ihre Zuflucht zu der Theorie einer Auflösung genom-
men. Die vorherrschende Meinung indessen ist, dass Teredo
und Pholas durch Feilen mittelst ihrer Schalen bohren , wäh-
rend Saxicava und ihre Verwandte mit Hülfe einer auflösen-
den Säure, die vom Thier ausgesondert wird, eindringe.
Osler hält diese Meinung in seinem Aufsatze in den Philo-
sophical Transactions für 1826 fest, aber trotz der sorgfäl-
tigsten Nachforschung konnte er keine Spur einer solchen
Säure entdecken. Ich habe auch versucht, die Gegenwart
eines Auflösemittels nachzuweisen, aber ebenfalls ohne Er-
folge. Nachdem ich ausser Zweifel geselzt halle, wie später
gezeigt werden soll, dass der vordere Theil des Thieres das
Bohrinstrument sei; und in der Ueberzeugung, dass wenn eine
Säure existire, sie durch Schläuche in der Haut dieses Thei-
les abgesondert werden müsse, entfernte ich diesen von dem
lebenden Thier, legte den so entfernten Theil auf Lackmus-
papier, und presste ihn zwischen zwei Glasplatten, um die
Flüssigkeiten auszudrücken; ich wiederholte diesen ‚Versuch
häufig, aber niemals gelang es, eine Säure zu entdecken.
Noch eine andere Methode wendete ich für diesen Zweck an. -
Einige Exemplare von verschiedener Grösse wurden aus"den
und die Entfernung von Theilen ihrer Schalen, 9
Höhlen genommen und in ein Gefäss mit frischem Seewasser
gelegt, das vordere Ende ‘des Thiers in Berührung mit Lack-
muspapier. Hier blieben sie über eine Woche: drei oder
vier hefteten sich mit ihrem Byssus an die Papierschale und
‚blieben mit dem aushöhlenden Theil des Thieres in dieser
A eerahnn einige Tage hindurch; aber das Resultat war wie-
der negativ — nicht der geringste Flecken war zu sehen.
Osler bekennt aufrichlig, dass wenn Saxicava irgend-
wie nichtkalkige, Substanzen durchbohrend gefunden würde,
dies misslich für die Theorie sein würde. Nun haben einige
Beobachter angegeben, und Garner und Clark sind unter
ihnen, dass diese Art ihre Operationen nicht auf Kalkfelsen
beschränke. Ich habe mich selbst über diesen Punkt noch
nicht vergewissern können ; aber Clavagella, welche den Man-
tel vorn geschlossen und verdickt hat, wie Saxicava, und
von welcher man nicht annehmen kann, dass sie mit Hülfe
der Schale bohre, ist, nach Broderip, gefunden in Sand-
sein (siliceous grit) wie der in der Kohlenformation. We-
nige werden zweifeln, dass das Werkzeug in diesen beiden
Gattungen dasselbe ist; und wenn wir glauben wollen, dass
alle Acephalen durch dieselben Mittel aushöhlen, und dass ein
Auflösungsmittel die Wirkung hervorbringt, dann müssen’ wir
zugeben, dass seine Kräfte von ausserordentlicher Nalur seien ;
denn während es fähig sein muss Kalkstein, Schalen, Schie-
fer, schiefrigen Sandstein, Sandstein (siliceous grit) und Holz
aufzulösen, scheint es unfähig, die Schale des Thiers anzu-
greifen, welches dasselbe absondert.
Es ist von den Naturforschern, welche die Existenz ei-
nes»solchen unbekannten Auflösungsmittels vertheidigen, her-
. vorgehoben worden, es möchte auf solchem Wege angewen-
det werden, dass es die Kalkhülle des Thieres nicht be-
rühre, und die Lebensthäligkeit wiederstehe gewöhnlich der
chemischen Einwirkung. Dies ist schwer zu verstehen; und
es ist ganz gewiss, dass die Schale einer lebenden Saxicava
rugosa nicht die eindringende Kraft eines anderen Individuums
derselben Species hindern kann. Osler sagt, dass wenn
die Löcher communiciren, häufig ein Thier sich mit seinem
Byssus an ein anderes heftet, und dass dieses in solchem
Fall durch das’ Augreifende stels verletzt wird; und auch,
10 Hancock: Ueber das Bohren der Mollusken in Felsen etc,
dass es häufig unter solchen Umständen vorkommt, dass das
eine durch die Schale des anderen hindurchdringt. Und die-
ser Schriftsteller nimmt an, dass wenn ein Thier so verwun-
det ist, eine feste gelbe Substanz, welche es aussondert, hin-
reiche, um dem ferneren Fortschreiten des Eindringers zu
iderstehen. Es befremdet, dass wenn diese Substanz, wel
Obaron lederartigem oder hornigem Ansehen ist, das Vor-
schreiten des Thiers verhindert, die Epidermis nicht sollte
beim ersten Angriff dasselbe gethan haben. Ich habe nichts
zur Bestätigung von Osler’s Annahme gesehen, obgleich ich
häufig beobachtet habe, was er beschreibt; aber ich kann
leicht begreifen, dass die Einwirkung aufhören muss, sobald
die Schale des Thieres, an welche sich der Byssus in der
vorher angegebenen Weise befestigte, zerstört ist; das wird
deutlich werden, wenn wir das Thier und die Art, wie ich
mir das Piuiahbliren denke, betrachten werden. Okler be-
hauptet ferner, dass das Häutchen, welches nothwendig der-
selben Einwirkung ausgesetzt war, unverletzt bleibt, und über
der Bresche hängt. Dies geschieht gewiss zuweilen, aber
in-allen Fällen, die ich gesehen habe, ist die Epidermis ganz
zerstört gewesen. Ich kann jedoch nicht begreifen, dass
dies’die Auflösungstheorie, wie Osler annimmt, begünstigt;
im Gegentheil es scheint zu beweisen, dass Reibung ange-
wendet worden sei, denn wie sollte ein Auflösungsmittel, das
unfähig ist, die Epidermis zu zerstören, die Schale hinter
derselben erreichen ? Dies kann nur durch die Annahme er-
klärt werden, dass die Epidermis durch Reibung zerrissen
und zur Seite geschoben worden ist, um die Oberfläche der
Schale blosszulegen.
Wenn, wie: das häufig der Fall ist, die Höhlungen com-
munieiren, sind die Ränder des Uebergangs der Commünica-
tion immer sehr scharf, was in der That der Reibungstheo-
rie das Wort redet; denn wenn ein Auflösungsmittel ange-
wendet worden wäre, würden wahrscheinlich diese Ränder
mehr oder weniger abgerundet sein. Dasselbe ist der Fall,
wenn die Höhlen von Teredo in einander gehen, was zuwei-
len vorkommt. Auch wenn die Schale von Saxicava durch
einen Angreifer völlig durchschnitten ist, dann ist die Schnitt-
fläche ganz eben und bildet scharfe und vollkommene Win-
und die Enifernung von Theilen ihrer Schalen. 11
kel mit der inneren und äusseren Oberfläche der Schale. Die
Ränder kleiner durchsetzter Höhlungen bleiben auch. völ-
lig scharf.
Man findet nicht selien auf dem Grunde der Höhlun-
gen von Saxicava einen feinen Niederschlag, offenbar von
m Scheuern der Aushöhlung. Wenn derselbe mit einer
| Federspitze vorsichtig aufgehoben und in Essigsäure getaucht
wird, dann erfolgt Aufbrausen, Ein ähnlicher Absatz am
Rücken der Schalen von Gastrochaena braust auch, wenn er
ebenso behandelt wird. Und wenn ein wenig von derselben
Säure auf den innern Theil des Thieres von Saxicava ge-
bracht wird, — auf den Theil, wo Osler richtig vermuthet,
dass das Aushöhlungswerkzeug gelegen sei, — dann erfolgt
dasselbe; ein überzeugender Beweis, dass Kalkmasse an ihm
anhing, und eineStütze für die Meinung, dass das Bohrwerk-
zeug nicht eine auflösende Säure besitze. Diese Versuche
sprechen zu Gunsten mechanischer Wirkung.
Und ausserdem, wie ist ein Auflösungsmillel wirksam
unter Wasser anzuwenden? Ein Weg spricht für sich
selbst. Die Oberfläche einer Saugscheibe möchte, fest ange-
heftet an den aufzulösenden Theil, die nöthige Flüssigkeit ab-
sondern und zugleich applieiren : aber gerade in diesem Fall
zeigt sich eine Schwißrigkeit; denn in genauem Verhältnis
mit der abgesonderlen Menge würde sich die Festheftung der
Scheibe vermindern, und dadurch dass das umgebende Ele-
ment in Berührung mit dem Auflösungsmittel käme, würde es
verdünnt werden. Sollte etwa das Auflösungsmittel von öli-
ger Nalur sein, oder von solcher Beschaffenheit, dass es sich
mit Wasser nicht vermischt? Wenn das der Fall ist, wie
soll es auf eine*Masse wirken, die mit Wasser gesättigt ist?
Bei Saxicava wächst noch die Schwierigkeit, denn sie be-
sitzt keine solche Saugscheibe; sie unterscheidet sich in die-
ser Hinsicht von Pholas und Teredo.
Die Höhlungen von Saxicava an den Küsten von Northum-
berland und Durham durchbrechen zuweilen die weichen
porösen Theile des Zechstein (magnesian limestone), die
vollständig mit Wasser gesältigt sind. Man sollte doch den-
ken, dass hier eine auflösende Absonderung so verdünnt
würde, dass sie unwirksam gemacht wäre, Es ist eine ganz
19 Hancock: Ueber das Bohren der Mollusken in Felsen etc.
gewöhnliche Erscheinung, dass Lithodomus und einige andere
Bohrmuscheln sich in Corallen einbohren, von denen manche
wegen ihrer Textur grosse Wassermengen enthalten müs-
sen. Fryer in Whitley besitzt ein durchlöchertes Korallen-
stück, mit so grossen Zellen, dass die Seiten der Gänge dem
n diesem Falle ist es geradehin unmöglich zu begreifen, wie
ein Auflösungsmittel an den dünnen Wänden, welche die Zel-
len trennen, wirken sollte, da dieselben nothwendig. so mit
Wasser erfüllt sind, dass es sich überall mit der von dem
Thier abgesonderten Flüssigkeit mischen, und ihre Kraft zer-
stören muss. Turton hat die Meinung, dass die Pholaden
mit Hülfe von Phosphorsäure . bohren. Er kam hierauf, als
er den Aufenthalt von P. dactylus, P. parva und P. candida
an der Küste von Devonshire beobachtet hatte, wo nach sei-
ner Angabe Alle in einer weichen, sandigen durch Kalk ver-
bundenen Masse bohren, aber nach Montagu kommen alle
diese Species in Holz vor. An der Küste von Northumber-
land bohren P. candida und P. crispata, wie vorhin erwähnt
Durchschnitt eines Bündels kleiner Krähenfedern gleichen.
in Schiefer, die letzte zuweilen in schiefrigen Sandstein, und-
Hogg hat diese beiden Species in Holz bei Seaton gefunden.
Es kann jedoch kein Zweifel sein, dass alle Pholaden durch
dieselben Mittel bohren, und da P. striata in das härteste
Eichenholz bohrt, so ist es klar, dass seine Bohrfähigkeit der
von Teredo gleich kommt, und wegen der grossen Ueberein-
stimmung der beiden lässt sich leicht annehmen, dass das
Werkzeug bei beiden dasselbe ist. Nun, seit der Entdeckung
äusserst feiner Sägespäne in dem Körper von Teredo, können
wir nicht leugnen, dass er mechanisch bohrt; und wir müs-
sen daher schliessen, dass Pholas dasselbe thut, wenigstens
wahrscheinlich. Mancher hat freilich die Natur der kaum
sichtbaren Sägespäne, wie sie Everard Home im Innern
von Teredo gefunden hat, bezweifelt; aber ich habe die Ge-
legenheit gehabt, eine grosse Anzahl von Exemplaren zu un-
tersuchen, und kann seine Genauigkeit vollkommen bestäligen,
ebenso die von Hatchett, welcher ihm diese Substanz ge-
geben, und sie chemisch völlig unverändert gefunden hatte.
In einigen Fällen habe ich das zerstörte Holz von den halb-
verwesten und aufgetrockneten Körpern dieser. Thiere, ge-
.
und (die: Entfernung von Theilen ihrer Schalen. 13
nommen, es nimmt fast ein Drittheil des wurmförmigen Theils
des Thieres ein. In einem Stück Tannenholz , welches ich
besitze, und welches mit Teredo erfüllt ist, enthält jedes In-
dividuum mehr oder weniger von den mikroscopischen Sä-
gespänen, welche von hellgelber Farbe sind wie das Holz,
Te weich und breiartig, wenn sie nass sind. Sie trennen
sich leicht in Wasser, und zeigen ein körniges Ansehen;
im trock'nen Zustande brennen sie mit einer Flamme, ver-
kohlen und geben einen Geruch, genau wie verbrannles Holz.
N Ich habe auch dieses gepulverte Holz aus Thieren genommen,
welche in Mahagoni bohrten. In diesem Falle sind die Sä-
gespäne dunkelroth, wie die Farbe des Holzes. EverardHome
ist nicht geneigt zu glauben, dass das Thier das Holz zur
Nahrung benutzt und in der That, sein unveränderter Zustand
beweist dies. Der Durchgang des zerstörten Holzes scheint
nolhwendig durch die grosse Länge und gewundene Richtung
der Röhre, welche, wie wir gesehn haben, -ganz durch den
Bohrwurm erfüllt ist. Die theilweise Anheftung des Sipho-
nalendes an die Kalkröhre würde auch auf dem gewöhnlichen
Wege den Austritt verhindern.
Die Theorie von Garner, dass die durch Wimpern
erzeugten Wasserströme hinreichend wären, die Höhlungen
auszuarbeiten, scheint schr unzureichend diese interessante
Erscheinung zu erklären.
Zuerst muss erinnert werden, dass die Höhlungen mit
grosser Schnelligkeit angefertigt werden. Thompson be-
hauptet in dem vorhin erwähnten Aufsatz, dass man weiss,
Teredo habe den Kiel eines Schiffes int vier oder fünf Mona-
ten zerstört, und ein Stück Tannenholz soll in Zeit von 40
} Tagen durchsiebt sein '). Saxicava und seine Verwandten,
wie auch die Pholaden, machen ihre Höhlungen in pyramida-
ler Gestalt, nach unten sich erweiternd, mit dem Wachsthum
des Thieres; das Bohren muss also aufhören, sobald die Schale
- ihre volle Grösse erlangt hat, oder die Höhlungen würden mit
parallelen Seiten sich fortsetzen. Hieraus ergiebt sich, dass
die Höhlungen dieser Thiere das Werk einer sehr begrenz-
ten Periode sind — der des Wachsthums, — auch darf nicht
) Penny Cyclopaedia Vol, XXIV, p. 224,
44 Hancock: Ueber das Bohren der Mollusken in Felsen etc.
vergessen werden, dass die gewöhnlichen Wimperströme so
ausserordentlich schwach sind, dass man sie nur mit Hülfe
eines Vergrösserungsglases wahrnehmen kann. Aber Garner
setzt voraus, dass ihre Schnelligkeit, und somit ihre Wirk-
samkeit damit vergrössert wäre, dass sie durch den langen
Körper des Thieres hervorgebracht wären. Sollten die Ströme Ih
ewöhnlichen Siphonalströme sein, — und dies.scheint
Garner’s Meinung, so ist es schwierig zu begreifen, wie sie
ihre gewöhnliche Functionen erfüllen sollten; und wie das
zarte Gewebe der Kiemen nicht verletzt werden sollte, wenn
das Wasser in der angenommenen Weise über ihre Ober-
fläche hinströmen sollte.
Der Fuss von Pholas ist unzweifelhaft gewimpert, aber
die äussere Wand der Siphonalröhren, welche, wie oben ge-
sagt, den Ausgang der Höhlung erweitert, ist es nicht; auch
der Mantel ist es nicht, und er ist, wie wir später sehen wer-
den, ein sehr wichtiges Bohrwerkzeug. Der Fuss der Ace-
phalen ist gewöhnlich, vielleicht immer, mit Wimpern besetzt;
in ihrer Gegenwart ist also nichts Besonderes, sie haben
wahrscheinlich den Zweck, die Oberfläche zu reinigen, und
mögen in dieser Rücksicht den bohrenden Mollusken von
grossem Nutzen sein. Garner scheint jedoch seine Theorie
besonders auf Saxicava und ihre Verwandten anzuwenden.
Aber der Mantel von Saxicava rugosa ist vorn völlig ge-
schlossen, und es ist daher kein Ausgang für die Ströme an
der Stelle, wo die grösseste Reibung erfordert wird, weiter
hinten ist eine kleine Oeffnung für den Fuss und Byssus.
Aber wenn die Ströme durch diese Oeflnung gehen sollten,
würde die Anheftung des Byssus zerstört, und die Operalio-
nen aufgehalten werden. Auch Gastrochaena hat keinen vor-
deren Ausgang, ebensowenig Clavagella. Es giebt keine
Wimpern an dem vorderen Theile des Thieres von Saxicava
— da wo das Bohrwerkzeug sich befinde. Am Ende des
Fusses, der klein und schmal ist, sind gewiss Wimpern, wie
bei den übrigen Acephalen, aber man kann keinen Augen-
blick glauben, dass die hierdurch erzeugten Ströme die Aus-
höhlung bewirken können.
Einige Gasteropoden, Patella, Hipponyx u. a. machen be-
kanntlich Höhlen in Felsen und andern harten Gegenständen.
find die Entfeinüng von Theilen ihrer Schalen. 15
An der Küste von Northümberland senkt sich Patella vulgata
zuweilen einen halben Zoll in weichere Steinarten, und Gar-
ner versichert, dass sie oft zolltiefe Höhlen bildet. John
Edward Gray spricht in seinem schätzbaren Aufsatz über
die Oeconomie der Mollusken (Philosophical Transactions für
833) die Meinung aus, dass diese Höhlen durch die Auflö-
sungsfähigkeit des Thieres hervorgebracht worden, indem.
nicht beobachtet hatte, dass Patella oder bohrende Acephalen
in andere als Kalkfelsen und solche, die durch Kalk verbunden
waren, ausser Holz und Lehm eindringen. Jedoch bei Cul-
lercoats, wo Felsen verschiedener Art vorkommen, beschränkt
sich Patella nicht auf solche, welche Kalk enthalten, sie senkt
sich ebenso in Schiefer und schiefrigen Sandstein ein, und
macht zuweilen auch flache Eindrücke in die weniger festen
kieseligen Sandsteine. Der Gedanke an ein Auflösungsmit-
tel scheint daher unhaltbar. Freilich bohrt Patella nicht in
feste kieselige Gesteine, aber auch in sehr harte Kalksteine
dringt sie niemals tief ein; in die vorhin erwähnten weicheren
Felsen senkt sie sich um so tiefer ein, je weicher sie sind.
Garner ist der Meinung, dass auch diese Vertiefungen
durch die Wirkung der gewimperten Kiemen hervorgebracht
werden, aber man findet in der Regel einen erhabenen Rand
zwischen dem Mantel und Fuss; und gerade hier liegen die
Kiemen, und da müssten also die Ströme am stärksten sein;
würden. die Verliefungen durch Kiemenströme hervorgebracht,
dann müsste doch an der Stelle dieses Randes eine Verlie-
fung sein. Die Höhlen von Patella variiren sehr in verschie-
‚denen Massen. In hartem Stein bildet sich nur ein blosser
Kreis, der dem Rande des Mantels entspricht; in weichen
Kalkstein sinkt der Mantel tief ein und lässt den Theil, wel-
chen der Fuss berührt, zuweilen mehr als '/; Zoll vorstehen,
In festen Schiefern sind die Vertiefungen häufig ganz flach,
aber in den zerreiblichen zerstört der Fuss den Stein, und
macht eine tiefe Höhle in der Mitte der Vertiefung ; die Ober-
fläche dieser Höhlung hat ein rauhes und zerfressenes Anse-
hen und ist umgeben von einem glatten erhabenen Rande,
der ein wenig tiefer liegt als die’ allgemeine Oberfläche des
Steins; dieser Rand ist durch den Mantel hervorgebracht ').
*) Die Gestalt der Schale von Patella hängt von der Verschieden-
16 Hancock: Ueber das Bohren der Mollusken in Felsen etc.
Die untere Oberfläche des Fusses von Patella ist mit
Wimpern bedeckt, aber wie oben angeführt, sinkt dieser
Theil des Thieres nicht so tief in den Felsen ein, als der
Mantel, ausgenommen wenn die Oberfläche unfer der Wir-
kung dieses kräftigen Saugnapfes abbricht. Am Mantel giebt
es keine Wimpern, obgleich das Umgekehrte nach Garner’s-
jr erwartet werden müsste. Die Wimpern am Fuss sind
vo durchaus nicht diesem Thiere eigenthümlich; ich habe sie auch
bei Doris, Limapontia, Purpura und Littorina gefunden, und
es verdient bemerkt, zu werden, dass diese Wimpern viel
grösser und kräftiger als bei Patella sind, wo sie so klein
sind, dass es der grössten Sorgfalt und stärksten Vergrösse-
rung bedarf, um sie zu bemerken. Wir wollen einnıal an-
nehmen, diese Ströme wären fähig, die Massen, in. welche
diese Thiere eindringen, zu zerstören, und dass eine Patella
an Schiefer oder einen andern Felsen geheftet in denselben
eindringen wollte. Was bewirken die Ströme, welche stets
an der Oberfläche neben der Schnecke stattfinden — diese
Ströme die zehntausendmal kräftiger sind als die kleinen mi-
kroscopischen Strömungen, die das Thier hervorbringt? Müsste
nicht die Ebbe und Fluth, vermehrt durch das Rollen der
Wellen, die Oberfläche des Felsens schneller zerreiben, als
die verhältnissmässig schwachen Wimperströme der Kiemen
und des Fusses? Bestände die Bohrfähigkeit in diesen Strö-
men, sollte dann nicht die Patella viel mehr auf einer Er-
höhung zu stehen kommen, als halb eingebettet in einer Ver-
tiefung? Dasselbe gilt von Pholas und noch mehr von Teredo,
denn sicher kann niemand behaupten, das die zerstörende
Wirkung des Wassers an den Planken eines ‚Schiffes, wel-
ches etwa 10 Knoten in der Stunde segelt, geringer sei, als
die fast unmerklichen Strömungen, welche Teredo erzeugt,
und die doch während einer Reise von Indien einige Zoll in
das Holz eindringen. Ich besitze glücklicherweise drei oder
vier Stücke, welche wohl als hinreichend betrachtet werden
heit der Höhlungen ab; wenn sie flach sind, behält die Schale ihr ge-
wöhnliches Wachsthum; wenn ‚die Mitte erhaben ist und der dem Man-
tel entsprechende Rand tiefer, dann wird die Schale viel höher; da-
gegen ist sie viel flacher, wenn der Fuss in der Mitte der Höhlung
sich. tief einsenkt,
und die Entfernung von Theilen ihrer Schalen. 17
müssen, zu beweisen, dass Patella sich mechanisch einbohrt,
‚ohne Hülfe von Wasserströmen. Das erste von diesen ist
von einer kleinen Patella, sie senkt sich nur ein wenig in
die Oberfläche einer riesenhaften Art derselben Gatiung von
der Küste Amerika’s, und zeigt kleine Kratzstreifen strahlen-
en vom Mittelpunkt nach dem Umfange. Ich habe in der
Sammlung des Herrn Fryer ein anderes Exemplar „dieser
riesenhaften Patella gesehen, welche mit ähnlichen Eindrük-
ken versehen ist, deren einer noch deutlicher gekratzt ist.
In diesem Exemplar ist die ganze Oberfläche des Eindrucks
mit strahligen Linien vom äussersten Umfange bis zu einer
- Stelle in der Nähe des Centrums bedeckt. Die Linien oder
Schrammen liegen gruppenweise und sind so klein, dass man
sie nur durch eine kräftige Lupe sehen kann. Zuerst glaubte
ich, diese Linien möchten irgendwie mit der Structur der
Schale in Verbindung stehn, obgleich ich nicht erklären konnte,
wie. Seitdem habe ich von der Küste in der Nachbarschaft
der Tyne Exemplare von dem Bohren der gewöhnlichen Pa-
>. tella in Schiefer und Kalkstein erhalten, welche sehr deutlich
mit denselben strahligen Streifen und Schrammen versehen
waren. Dies beweist hinreichend, dass die strahligen Linien
in den früheren Fällen nicht von der Structur abhängig sind ;
und dass der Fuss und der Mantel des Thieres die Fähigkeit
besitzen, diese Substanzen mechanisch zu zerstören; aber
gewiss nicht durch Wimperströmungen, wenn diese nicht für
fähig erklärt werden sollten, eine schrammige Oberfläche zu
erzeugen ; und gesetzt den Fall, wie soll man sich denn den
weiteren Verlauf der Strömungen in den erwähnten Fällen
denken, da sie sich nothwendig im Centrum unter dem Fusse
treffen müssen? ').
‘) In der History of the British Mollusca wird angegeben, es be-
finde sich in Mr. Canning’s Sammlung ein Exemplar von Pholas, wel-
ches seine Höhlung in Wachs angelegt hat; ein Umstand, der der von
den Verfassern jenes Werkes aufgestellten Meinung wenig günstig ist,
Wasserströme können sehr wenig Einfluss auf eine solche Substanz ha-
ben, und sie würde der feilenden Schalenoberfläche sehr hinderlich sein,
. s0 dass die Operationen verzögert oder ganz eingestellt werden müssten.
(Fortsetzung folgt).
Archiv f, Naturgesch. XV, Jahrg. 1. Bd. ‘2
on Ku
V “u f
‘ : i
ein \ Dr.keisering, En
Inspektor des Berliner Zoolog. Gartens.
Seit der Zeit, wo man die Beutelthiere und die. eigen-
thümliche, von. unsern gewöhnlichen Begriffen über die Säu-
gethiergeburt so abweichende Art und Weise ihrer Fortpflan-
zung kennen lernte, war ‚es eine Hauptaufgabe der Forscher
diese zu ergründen , und ganz besonders war. es der Ueber-
gang des Embryo’s in den Beutel der Mutter, der zu den
sonderbarsten Annahmen Veranlassung gab. Mehrfach .hatle
man sich mit der Anatomie der weiblichen sowohl, «als
männlichen Geschlechtstheile dieser Thiere beschäftigt, aber
selbst eine gründlichere Kenntniss dieser Theile klärte den
myslischen Vorgang der Geburt d. h. das Hineinkommen. des
Embryo’s in den Beutel nicht auf; man beschränkte sich Hy-
pothesen über Hypothesen aufzustellen, ohne den eigentlichen
Weg, auf dem einzig und allein nur alle physiologischen Räth-
sel enthüllt werden können, einzuschlagen, den Weg der ge-
nauen Beobachtung und besonders des Versuchs. °
Betrachtet man die Sache aber etwas genauer, so ist dies
zu entschuldigen; die Schwierigkeiten, mil welchen Reisende
in uneivilisirten Ländern zu kämpfen haben, sind-mitunter so
gross, dass von,ihrer Seite, selbst bei dem regsten Eifer,
dergleichen zeitraubende Beobachtungen , welche geeignete
Localitäten u. s. w. erfordern, nicht gemacht werden kön-
nen. Die relative Seltenheit dieser dann und wann nach
Europa gebrachten Thiere und besonders der Umsland , dass
man oft vergeblich in der Gefangenschaft auf eine Begattung
warlen kann, und findet diese wirklich stall, sich dann. er-
folglos zeigt, erklärt es, dass sich fast nur ausschliesslich
Gelehrte derjenigen Städte, in denen bedeutende Vivarien ge-
ef
Leisering: Ueber die Fortpflanzung des Känguruh, 19
halten werden, mit solchen Untersuchungen beschäftigen konn-
ten. Besonders ist dies in neuster Zeit in London und Paris
geschehen ; in London von Owen, in Paris von Geoffroy $t.
Hilaire.
Der treffliche englische Gelehrte Owen, dieser fleissige
-und unermüdliche Forscher, welcher schon früher die aller-
genausten anatomischen Untersuchungen über die Geschlechts"
organe der Marsupialien gemacht hatte, gab durch seinen,
im Jahre 1833 bei einem Känguruh im Garten der zoologi-
schen Gesellschaft zu London angestellten Versuch, so viel
Aufschluss über den Vorgang der Geburt, dass das Wie jetzt
wohl nicht mehr zweifelhaft sein konnte. Leider wurde, die
eigentliche Geburt, — der Uebergang in den Beutel — da
sie in der Nacht stattfand, nicht beobachlet, auch starb das
Junge, kurze Zeil nachdem es in den Beutel gelangt war.
Die Beobachtung Owens ist daher durch unvorhergesehene
Zufälle nicht ganz vollständig und ich freue mich, dass. ich
siein Einigem ergänzen kann, muss aber, um mich vor dem
Vorwurfe der Unvollständigkeit zu verwahren, einige Worte
‚über die Art meiner Beobachtung vorausschicken.
Meine Stellung als Inspector des zoologischen Gartens
verpflichtet mich, über die darin gehaltenen Thiere zu’ wachen,
ihre Wartung, Pflege etc. anzuordnen und sie bei Krankheits-
fällen zu behandeln. Zu directen Versuchen bin ich von der
Actien-Gesellschaft des zoologischen Gartens weder autori-
sirt noch vielleicht dazu befähigt. Beobachtungen, wie sie
aus dem 'blossen Anschauen gemacht werden können, habe
ich gemacht und mache sie noch täglich. Versuche konnte
ich mir nur dann zu machen erlauben, wenn dies ‚auf eine
Weise ausgeführt werden kann, wobei dem Leben oder der
Gesundheit der Thiere nicht die mindeste' Gefahr droht.
Von den Thieren, von welchen die Rede sein wird — Hal.
gigant. — besitzt der zoologische Garten jetzt nur zwei Exem-
plare, ein ganz altes Männchen und ein junges Weibchen;
um so mehr war es mein Wunsch, ‘Alles anzuwenden, um
eine Vermehrung herbeizuführen und nicht durch ein öfleres
Besichligen, vielleicht gar Herausnehmen des Jungen aus dem
Beutel dies aufs Spiel zu selzen und sogar auch die Mutter
zu gefährden, besonders da diese ungemein scheu und ängst-
% Leisering:
lich ist. — Es konnte daher die über ein Jahr dauernde Be-
obachtung nur aus einiger Entfernung gemacht werden, und
ist weder das Mutterthier noch das Junge jemals von mir
berührt worden. Herr Geheimrath Lichtenstein, der Gründer
des zoologischen Gartens, machte es mir schon beim Eintritt
A Wirkungskreis zur besondern Pflicht, die Kängu-
ruh und deren Geschlechtsleben sorgfältig zu überwachen,
und alle mir darin auffallenden Erscheinungen zu notiren; ich
kam um so lieber dem Verlangen dieses, um die Wissen-
schaft so hochverdienten Mannes nach, als es grade seit ei-
ner Reihe von Jahren sein lebhaftester Wunsch gewesen war,
über das Geschlechtsleben der früher auf der Pfaueninsel bei
Potsdam befindlichen Känguruh von den dortigen Beamten
nähere Aufschlüsse zu bekommen; ja er hatte sogar für die
Zeit, in welcher der Uebergang in den Beutel zu erwarten
war, eigne Leute unausgesetzt Tag und Nacht zur Beobach-
tung angestellt, aber Alles ohne Effolg. u)
Um dem Leser einen vollständigeren Ueberblick zu ge-
währen, willich Owens Beobachtung t) hier in Kürze anführen:
Ein weibliches Känguruh (Maerop. maj.), dessen Junges
vom vorigen Jahre schon den Beutel verlassen hatte, begat-
tete sich am 27ten August 1833, und man war gewiss, dass
es sich bei der Begattung im ungeschwängerten Zustande
befand. Der Beutel wurde 6 Tage nach dem Coitus jeden
Morgen und Abend untersucht und zwar bis zum 5ten Oclhr.
7 Uhr v.M., an welchem Tage man den Fölus an der rechten
obern Zitze hängend, entdeckte. — Die Uterinaltragezeit ist
demnach 39 Tage. — Am folgenden Tage um dieselbe Zeit
wurde eine grössere Menge der nassen (moist) braunen Ab-
sonderung, welche dem Beutel eigenthümlich ist, bemerkt,
und die einen anfangenden grössern Blutandrang zu diesen
Theilen bezeichnete; auch bemerkte man, dass das Weibchen
zu verschiedenen Zeiten den Kopf in den Beutel steckte, um
die Absonderung aufzulecken. Weitere Veränderungen. zeig-
ten sich nicht. Da die Geburt in der Nacht stattfand, so
1) On the generation of the Marsupial Animals, with a Descrip-
tion of the impregnated uterus of the Kangaroo. — Philosophical Trans-
actions of the royal Society of London for the year 1834. London 1834,
{
Ueber die Fortpflanzung des Känguruh. 21
konnte die Art des Ueberganges in den Beutel nicht beobachtet
werden, und ebensowenig war blutiger oder albuminöser Aus-
fluss auf der Streu zu entdecken, noch war eine Spur davon
auf dem Felle zwischen der Vagina und der Beutelöffnung
anzutreffen. Das Junge selbst glich einem Regenwurm- in
der Halbdurchsichtigkeit seiner Bedeckungen, haftete fast am
Ende der Zitze, athmele kräftig aber langsam, und beweg;
die Vorderfüsse wenn es berührt wurde. Der Körper war
“ nach dem Bauche zu gekrümmt und der. kurze Schwanz zwi-
schen den Hinterfüssen eingeklemmt, die um ‘, kürzer als
die Vorderfüsse, aber an denen schon die Theilungen deut-
lich waren. Die ganze Länge von der Nase bis zum Schwanz-
ende betrug, wenn der Körper ausgestreckt war, 1 Zoll 2
Linien. Am 9ten Octbr. war das Junge schon sichtlich ge-
wachsen und athmete- kräftig; Owen entfernte es von der
Zitze aus folgenden Gründen:
1. Um die Art des Zusammenhanges zwischen‘ dem
Fötus und der Mutter zu bestimmen.
2. Sich von der Art der Brustabsonderung in dieser
Periode zu überzeugen.
3. Zu versuchen, ob ein so kleiner Fötus eigne Kräfte
entwickele, um die Zitze wieder zu erlangen und
4. Die Handlungen der Mutter aus demselben Grunde
zu beobachten, die inslinktmässig denjenigen analog sein
könnten, durch welche der Fötus ursprünglich zur Zitze ge-
bracht war.
Der Fötus war’fest an der Zitze ; als er davon entfernt
wurde, erschien ein kleitter Tropfen weisslicher Flüssigkeit,
eine seröse Milch, an der Spitze derselben. Das Junge be-
wegle die Extremitäten heftig, nachdem es entfernt war, aber
machte keine sichtliche Anstrengung, seine Füsse an die Be-
deckungen der Mutter zu heften, noch fortzukriechen, sondern
schien hinsichtlich seiner fortschreitenden Bewegung vollkom-
men hülflos; es wurde auf den Grund der Tasche gesetzt, die
Mutter freigelassen und eine Stunde beobachtet.
Sie zeigte unmittelbar Symptome des Unbehagens, bückte
sich, um die Oeffnung der Vagina zu lecken und kratzte die
Aussenwände des Beutels, zog endlich die Seiten der Beutel-
öffnung mit ihren Vorderpfoten zurück, steckte den Kopf in
©
f
22 Leisering:
die Höhle und bewegte ihn darin in verschiedenen Richtun-
gen; Alles dies geschah sitzend ; lag das Mutterthier, so 'be-
kümmerte ‚es sich um den Beutel nicht, wurde es dagegen
wieder durch unangenehme Empfindungen gereizt, so, erhob
es sich und wiederholte die Procedur des Beutelöffnens u. s. w.
Nachdem dies ungefähr ein Dutzend mal geschehen, legte,
sich. das Thier und schien sich behaglich zu finden.
Owen folgert nun:
The freedom with which the mother Teen mh, her
mouth the orifices both of Ihe-genital passage and pouch,
suggested at once a means adequate to the removal of the
young“ from the one to the other; while at ihe same time
her employment of the fore paws indicated Ihat their assi-
stance in Ihe transmission of the foetus need not extend be-
yond the keeping open the entrance of the pouch while the
foetus was being introduced by the mouth, ‘when it is thus
probably conducted to, and held over a nipple until the mo-
ther feels that it has grasped the sensitive extremity of the
part from which it is to derive its sustenance.
Diese Art der Transmission ist nach Owen auch mit
der Analogie verträglich, da das Maul sehr oft auch von den
gewöhnlichen Quadrupeden in Gebrauch gezogen wird (von
Hunden, Katzen, Mäusen), um ihre hilflosen Jungen fortzu-
bringen.
Nachdem das Weibchen ungefähr eine halbe Stunde in
Ruhe gelassen war, wurde es wiederum untersucht und das
Junge nicht am Grunde der Tasche, wohl aber 2 Zoll von der
Zitze entfernt gefunden. ‚Der Versuch, es wieder an die Zilze
zu bringen, misslang. Bei der Untersuchung 2 Tage nach-
her war das Marsupium leer, und das Junge überhaupt (auch
in der Streu) nicht zu finden, da es wahrscheinlich von der
Muiter zerstört war.
Für Owen war dies um so unerwarteter, als der Ober-
wärter (headkeeper) des zoologischen Gartens schon zweimal
einen 1 Zoll langen Brustfötus von der Zitze genommen und
wieder angesetzt hatte, welcher auch später im Wachsthum
fortiuhr. Ebenso war der Collie'sche Versuch glücklich aus-
gefallen (Zoological Journal No. XVII. p. 239). Ferner hatte
Morgan ein ähnliches Experiment mit einem Brustfötus von
m
%
Ueber die Fortpflanzung des Känguruh. 63
ungefähr der Grösse eines norwegischen Lemmings gemacht,
welcher nach 2 Stunden Trennung die Zitze wieder in den
Mund nahm und keine Nachtheile von der Entfernung empfand.
So weit Owen.
Dass die Begattung der Känguruh im freien Zustande an
gewisse Zeiten gebunden ist, wie wir dies bei allen wild le-
benden Thieren beobachten, ist sehr wahrscheinlich, und
scheint auch aus Peron’s Bericht (Voyage 8. I. 249. und Oken
Allg. Nat. Gesch. 7. Bd. 2. Abth.) hervorzugehen , welcher
von den, auf der Insel Bernier, an der Küste Endracht von
Neuholland von ihm gesehenen gestreiften Känguruh — Hal.
fasciatus — sagt, dass zu Ende Juni alle Weibchen ein
ziemlich grosses Junges mit sich im Beutel herumtrugen. In
der Gefangenschaft ist dem, wenigstens bei Hal. gigant., nicht
so, die Begattung kann zu fast allen Jahreszeiten stattfinden;
und das Männchen überhaupt zeigt sich sehr oft geschlechtslustig.
Ich hatte im Spätsommer ') 1846 öfter Gelegenheit, die
höchst interessanten Kämpfe von 2 Männchen zu sehen, wenn
sie sich beide in den Besitz ein und desselben Weibchens
setzen wollten. Sie richteten sich ihrer ganzen Länge nach
in die Höhe, so dass sie auf die Zehen zu stehen kamen,
gingen gegen einander los und suchten sich mit den Hinter-
füssen kurz ausgeführte, aber kräftige Schläge unter den
Bauch beizubringen, oft fassten sie sich mit den Vorderfüssen
bei diesen Kämpfen über die Schultern, ähnlich wie es rin-
gende Menschen thun und versetzten sich dann mit den Hinter-
füssen diese heftigen Stösse. Zuweilen sogar war der Schwanz
ihr einziger Stülzpunkt, und sie erhielten sich dann einige
Augenblicke schwebend auf diesem.
Das begattungslustige Männchen nähert sich dem Weib-
chen und sucht es gewissermassen erst durch Schmeicheleien
zur Begallung zu bewegen; es streichelt mit den Vorderfüs-
*) Im Spätsommer 1846 besass der zoolög. Garten 2 ausgewach-
sene Männchen, ein altes erblindetes Weibchen und dessen weibliches
Junge, das im Frühjahr 1844 noch im Beutel der Mutter gewesen sein
soll. Das jüngere Männchen vergiftete sich leider im Dec. 1846 mit
Phosphorlatwerge, die der unzähligen Ratten wegen gelegt und von
diesen verschleppt war, und das alte Weibchen starb, warscheinlich in
Folge der Misslandlungen bei der Begattung, im Sept. 1846.
N
24 Leisering:
sen den Hals desselben, nähert sich mit dem Kopfe dem Kopfe
des Weibchens und reibt ihn hier auf und ab, dann versucht
es mit dem einen oder andern Vorderfusse den Schwanz des
Weibchens zurückzubringen u. s.w. Gewöhnlich lässt sich _
das Weibchen diese Liebkosungen einige Zeit gefallen und
entfernt sich, wenn es zur Begaltung. keine Lust hat, dann I
mit, grossen Sprüngen. Das Männchen verfolgt es auf ‚dem
ER und oft währt diese Jagd minutenlang ja bis zu einer
halben Stunde. Sobald das ermüdete Weibchen ein wenig
rastet, fängt dasselbe Spiel von neuem an, und dauert mit
En Unterbrechungen öfter ‘Stunden ja halbe Tage lang
fort. Gelingt es dem Männchen nicht, auf diese gütliche Weise
das Weibchen zur Begattung zu bringen, so fasst es dies oft
recht unsanft an, reisst es heflig herum, so dass von unse-
rer Seite öfter eingeschritten werden musste.
Die Begattung selbst wird bei dem Känguruh wie. bei
den meisten andern vierfüssigen Thieren ausgeführt. Das
Weibchen stützt sich mit den Vorderfüssen auf die Erde und
das Männchen umfasst mit seinen Vorderfüssen die Seiten
desselben; sie währt gewöhnlich ziemlich lange.
Im Sommer 1847 zeigte sich das in der Anmerkung, er-
wähnte junge weibliche Känguruh, welches jetzt 3 Jahr alt
war, wider alles Erwarten tragend, d. h. der Beutel wurde
mehr und mehr ausgedehnt, die Ränder desselben färbten sich.
gelb und späterhin wurden ‚deutliche Bewegungen des Jun-
gen. bemerklich. Plötzlich hörten diese Bewegungen auf und
2 Tage nachher wurde der todte Fötus von der Mutter ‚aus
dem Beutel entfernt; er stank bereits sehr und hatte an den
Bauchwänden schon eine grünliche Färbung angenommen.
Haare waren an keiner Körperstelle zu bemerken. Die Grös-
senverhältnisse waren folgende:
Länge der Wirbelsäule vom Atlas bis zum Kreuz 4'/, Zoll,
— des Kopfes 2, Zoll,
— .. — Oberschenkels 2,
— . — Unterschenkels 3'/,”,
— .— Fusses 3,
— — Oberarmes 1!/,
— — Unterarmes 174",
— der Hand 5%”.
Ueber die Fortpflanzung des Känguruh, 25
Am:15ten August 1847, gegen Abend, als ich zum Kän-
guruhhause kam, fand ich den Wärter dort, das weibliche
Känguruh betrachtend ; er meldete mir sogleich, dass er das
Thier für krank hielte, da es nicht sogleich zum Fressen ge-
kommen sei: Es habe, stets auf den beiden Hinterfüssen und
Pe dem Schwanze sitzend, aufmerksam nach den Geschlechts-
„theilen gesehen, habe dann die Bauchwandungen öfter -“
presst, sei mit der Schnautze nach den Geschlechtstheilen ge- °
fahren und habe dort geleckt, die Nase sei feucht geworden,
aber es sei kein Blut gewesen, sondern die Feuchtigkeit habe
vielmehr ‘wie bluliges Wasser ausgesehen; dann sei es zum
öfteren mit der Schnautze, gleichsam wischend, vonder: Va=
ginalöffnung zum Beutel gefahren und habe den. Kopf ins den
Beutel gesteckt, indem es mit den Vorderfüssen die Oeffnung
erweitert habe. Der ganze Vorgang sei vielleicht eine kleine
Viertelstunde her, und er hätte, es vorgezogen, da er nicht
gewusst, wo ich genau zu finden sei, nicht davon zu ge-
hen, um mich zu suchen, sondern mich lieber abzuwarten.
Ich fand das Thier in der beschriebenen Stellung sitzend bald
den Beutel, bald die Vagina genau betrachtend, letztere öfter
leckend und dann mit dem. Kopfe in den Beutel fahrend und
ihn darin auf- und abbewegend; manchmal hielt es mit
den Vorderlüssen den Eingang offen, manchmal hatte es den
“Kopf in demselben, ohne sich dieses Hülfsmittels zu bedie-
nen. Von Feuchtigkeiten konnte ich nichts bemerken, be-
sonders nicht Blut, auch war auf der Stelle, wo das Thier
gesessen halte, die, nachdem dasselbe in den Stall gegangen
war, besichtigt wurde, Nichts zu finden. Das Thier besuchte
ich am Abende noch einige Male, es sass trauriger und un-
aufmerksamer wie gewöhnlich, kam nicht zum Futter heran,
und schien nur dann und wann den Beutel mit Aufmerksam-
keit zu betrachten und leckte hier und an der Vagina zum
öftern. Am andern Morgen ‚war ihm nichts anzusehen, es
frass sein Fulter wie gewöhnlich, sprang draussen in, seinem
Raume munter umher, kurz, es schien gar nichts mit ihm vor-
gefallen zu sein ; es kümmerte sich auch wenig um den Beutel,
Da ich durchaus keine Alınung gehabt halte ‚ dass das
Weibchen tragend sei, und obschon es’öfter auf die oben
beschriebene Weise vom Männchen zur Begattung aufgefor-
26 Leisering:
dert und in seinem Raume stundenlang getrieben, aber keine
wirkliche Begattung beobachtet war, so kam mir dieser Vor=-
gang doch so sonderbar vor, dass ich jetzt mit verdoppelter
Aufmerksamkeit das Weibchen zu beobachten mich entschloss.
In den ersten 14 Tagen bis 3 Wochen war gar keine Ver-
änderung wahrzunehmen, weder am Beutel selbst, noch in
dem übrigen Betragen des Weibchens; dann stellte sich für
den Beobachter , der es sich zur Aufgabe gemacht hatte,
fortwährend einen und denselben Theil genau zu betrachten
heraus, dass der Beutel an Umfang zunahm , aber nur sehr
allmählig, die Ränder des Beutels nahmen eine gelbliche Farbe
an, die später immermehr ins dunkelgelbliche überging und
endlich, Anfangs November, war die erste Bewegung des
Jungen deutlich wahrzunehmen. Je mehr der Beutel am äus-
sern Umfange zunahm, um so mehr wurden auch die Bewe-
gungen deutlicher und stärker, bis sie endlich am 7ten Fe-
bruar 1848 ganz aufhörten und der Schwanz des Fötus aus
der Oeffnung der Tasche zum Vorschein kam ; am 8ten wurde
das Junge todt in der Streu gefunden.
Die Grössenverhällnisse dieses Fölus, der schon an vie-
len Körperstellen behaart war, waren folgende:
Länge des Kopfes 3,
Entfernung der Schnauzenspilze vom vordern Rande des
Afters bei möglichster Streckung des Thiers 10%,
Länge des Oberschenkels 2%/,* ,
— — Unterschenkels 5'/,*,
— — Fusses 51,%,
— — Oberarmes 1Y,”, ’
— — Unterarmes 21/,,
— der Hand 1%,
Von der Nasenspitze über Kopf und Rücken bis zur
Schwanzwurzel gemessen 12”,
Länge des Schwanzes 7'/,.
Kurze Zeit hierauf — 12 Tage — fing das Männchen
das Weibchen wiederum an zu treiben, es wurde jedoch eine
Begattung am 26sten Februar wirklich erst gesehen. Der Ue-
bergang in den Beutel musste, nach Owens Beobachtung, dass
die Uterinaltragezeit bei Hal. gigant. 39 Tage währt, Nun,
wenn angenommen wird, dass eine Begaltung gleich, Schon
Ueber die Fortpflanzung des Känguruh. 97
am 20sten Februar Statt hatte, vom 31sten März bis 5ten April
stattfinden. Es wurde aber weder von mir noch von dem
Wärter etwas gesehen, was damit in Zusammenhang zu brin-
gen war; es zeigte das Weibchen weder Traurigkeit, Man-
gel an Fresslust, noch waren Spuren von Blut oder sonsti-
gen Flüssigkeiten bemerklich; wohl aber wurde am 28sten,
April, obgleich der Beutel noch schr geringe Ausdehnung
zeigte, schon eine Bewegung bemerkt. Der Beutel dehnte
sich immer mehr aus, die Ränder desselben nahmen erst eine
gelbliche, dann dunkelgelbe Färbung an, die Bewegung, die
sich erst als ein ganz leises, kaum wahrnehmbares Klopfen
zu erkennen gab, nahm immer mehr zu, so dass man
später ganz (deutlich sehen konnte, dass sich das Junge
frei im Beutel bewegte, denn ein runder Gegenstand , der
nur der Kopf sein konnte, fuhr oft mit grosser Schnellig-
keit an den Marsupialwandungen hin, und dann zeigten sich
einzelne, wahrscheinlich durch die Füsse hervorgebrachte
Eindrücke; es schien öfter, als wenn das Junge Burzelbäume
schlüge. Diese leiztgenannten Bewegungen waren von Ende
Juli bis gegen den 20sten August besonders bemerklich, die
Tasche war aber bis dahin geschlossen geblieben. Am 26sten
August wurde zuerst bemerkt, dass der Beutel etwas offen
war und es zeigten sich die Ohren des Jungen; die Alte be-
leckte die Ränder des Beutels und den Kopf des Jungen.
Am 14ten September erst wurde der Kopf wirklich
hervorgesteckt; die Multer zeigte sich etwas krank, welcher
Zufall aber einzig dem Jagen des Männchens und nicht dem
Loslassen des Jungen von der Zitze, der zweiten. Geburt,
wie sie Geoffroy St. Hilaire annimmt, beizumessen ist.
Das Herausstecken des Kopfes wurde erst nur sehr selten
und nur auf ganz kurze Zeit bemerkt, das Junge zog den-
selben beim geringsten Geräusch oder sonstigen äussern Ver-
anlassungen sogleich wieder zurück; auch hatte das Welter
Einfluss darauf; bei trübem Wetter blieb das Thierchen oft
den ganzen Tag unsichtbar.
In den letzten Tagen des Seplembers zeigle sich das
Männchen wieder so brünstig und trieb die Mutter so stark,
dass ich für das Junge zu fürchten begann. Der Versuch .
sie abzusperren, musste aber wieder aufgegeben werden, ‘da
08 Leisering:
sie sich sehr ungeberdig, zeigte, um wieder nach dem Männ-
chen zu kommen, und sich selbst leicht hätte Schaden zufü-
gen können. \
Vom ersten October an wurde ein weiteres und an-
haltenderes Vorstrecken des Kopfes, besonders des Morgens,
‚beobachtet, ja das Thierchen machte sogar schon einen Ver
_ such Grashalme ins Maul zu nehmen. Am 7ten October steckte
das Junge die Vorderfüsse bis eiwa zum Knie heraus und
am 14ten wurde ein Hinterfuss zuerst draussen gesehen. Am
20sten steckte es mit dem halben Vorderkörper draussen.
Ueberhaupt war es interessant zu sehen, wie das Thierchen
bald eine Extremilät, bald die andere erst kürzere Zeit, dann-
immer länger der atmosphärischen Luft ausselzte, gleichsam
um sich nach und nach an dieselbe zu gewöhnen, und so
zum gänzlichen Verlassen seines Schutzortes vorzubereiten.
Das Junge wurde in seinem Beutel immer mehr und
mehr selbstständig; es-nahm Ausgangs October sehr häufig
Heuhalme zu sich, die es kaute und verschlang; früher wa-
ren dies nur einzelne, seltene Hälmchen gewesen. Mehrere
Male sahe ich deutlich, dass es sich kratzte und hörte den
durch, das Kratzen verursachten Schall.
Da das junge Känguruh sich nun schon auf diese Art
zu geberden begann, so sah ich von Tag zu Tag seinem Her-
auskommen aus dem Beutel entgegen. Von der Mitte No-
vembers an bemerkte ich oft, dass wenn ich plötzlich in den
Stall trat, beide Hinterfüsse aus dem Beutel steckten, was
mich zu der Vermuthung brachte, dass es von Zeit zu Zeit
schon den Beutel verlassen, bei dem Geräusch aber, das die
zwei Thüren, welche ich öffnen musste, um in den Stall zu
kommen, verursachten, zurückkehren müsste. Beobachtungen,
welche ‘von mir sowohl als von dem Wärter durch die Fen-
ster vorgenommen wurden, führten zu keinem Resultate.
Endlich am 29sten November überraschte der Wärter
das Thierchen im Stall, neben der Muller sitzend, er konnte
sich ihm nähern und es selbst streichem. Mir gelang es
nicht, dasselbe vor dem 24sten December draussen zu sehen,
ebensowenig fand es der Wärter in der Zeit vom 29sten No-
vember bis zum 24sten December ausserhalb des. Beutels.
Von jetzt ab war es täglich eine kürzere oder längere’ Zeil
Ueber die Fortpflanzung des Känguruh. 99
draussen und am 24ten Januar wurde es zum letzten Male
im Beutel der Mutter bemerkt. Regelmässig war es in der
letzten Zeit bei Tage draussen, wenn aber der Abend nahte,
ging es zurück und verblieb im Beutel bis zum andern Mor-
gen. Das Junge selbst schien nach dem 24sten Januar oft
‚noch grosse Lust zu haben, in den gewohnten Aufenthaltsort
'zu schlüpfen, würde aber stets von der Mutter zurückgewie-
sen.‘ Das Saugen gestattete die Alte aber noch längere Zeit
nachher; das Junge näherte sich der Mutter, steckte den Kopf
in den Beutel und sog dann recht herzhaft; das Saugen von
aussen bemerkte ich auch oft, als das Thierchen noch in den
Beutel zurückging.
Das Hineinkommen in den Beutel geschieht nicht durch
'einen einfachen Sprung, wie es Geoffroy St. Hilaire angiebt,
wobei sich die Multer, um die Beutelöffnung zu erweitern,
mit dem Kopfe zur Erde bücken soll, sondern es wird stets
auf folgende, in drei Momente zu zerlegende Weise ausge-
führt.
Sobald das Thier Lust verspürt in den Beutel der Mut-
ter zu gehen, in deren Nähe es sich stets aufhält, so nähert
es sich ihr, und falls sie in Bewegung ist, wartet es, sie be-
gleitend, den Moment ab, wo sie rastet. Dann plötzlich
‚steckt es:
1. den Kopf in den Beutel ,
2. bewegt ihn mit einem Rucke nach unten und erwei-
tert so den Eingang und giebt sich
3. mit den Hinterfüssen einen so kräftigen Sloss, dass
es förmlich in die Tasche hineingeschnellt wird.
Dass auf diese Weise der Kopf auf den Grund des Beu-
. tels kommt, ist klar; dann dreht sich das Thierchen gewöhn-
lich sehr rasch um, so dass es oft unmittelbar nach dem
Hineinkommen den Kopf wieder zur Oeflnung hinausstreckt,
‚ungeachtet die Hinterfüsse öfter noch 6—8 Zoll hinausragen;
- in dieser Lage sieht man es mitunter stundenlang.
Es versteht sich von selbst, dass jenachdem das Junge
mehr oder weniger Irifiige Gründe hat, in den Beutel der
Multer zu kommen, diese Bewegungan mehr. oder weniger
rasch ausgeführt werden. In grosser Eile fallen die beiden
ersten Momente fast zusammen, sind jedoch immer noch zu
30 Leisering:
unterscheiden und die ganze Operation ist in kaum einer
Secunde ausgeführt, so dass man sie wohl füglich einen Sprung
nennen kann. Bei langsamer Ausführung sind jedoch.alle 3
Momente ganz deutlich zu unterscheiden.
Einer wie grossen Ausdehnung die Wandungen des
Marsupiums fähig sind, wird man daraus abnehmen kömen
dass in dem ursprünglich doch nur sehr 'mässigen Beutel
sich zuletzt ein Thier aufhält, das, von der Schnauze bis zum
After gemessen , wohl an 2 Fuss lang ist 1); rechnet man
noch dazu die ungeheuren Hinterfüsse und den gewaltigen
Schwanz, so kann man abnehmen, wie der Beutel mit dem
Jungen in die Augen springen und der Mutter zur Last wer-
den muss. Jedoch schien diese nie‘ recht eigentlich ‚Be-
schwerden davon zu haben, ihre Sprünge wurden mit der
Last zwar etwas schwerlälliger, doch immer noch. sehr kräf-
lig, und sicher ausgeführt, |
Die Marsupialwände blieben , wenn das. Junge: von Zeit
zu Zeit den Beutel verliess, sehr ausgedehnt, und hingen,
wenu dasselbe sich nicht darin befand, wie ein grosser lee-
rer, Sack am Bauche; etwa 8 Tage nachdem es gar nicht
mehr hineingegangen war, halten sie ihre alten Dimensionen
wieder angenommen und sich so zusammengezogen, dass
man das Thier sehr genau beobachten musste, um sich über-
haupt von dem Dasein der Tasche durch blossen Anblick zu
überzeugen.
t) Ich bin leider, nachdem ich diesen Aufsatz bereits beendet
hatte, jetzt auch in den Stand gesetzt, die Grössenverhältnisse dieses
Thieres anzugeben, denn es starb am ?ten März 1849 beinahe plötzlich.
Es war bis zum Morgen dieses Tages vollkommen gesund gewesen,
mit einem Male zeigte es sich im Hintertheile steif, sprang mit grosser
Anstrengung, atlımete sehr beschleunigt und war in wenigen Stunden todt.
Die Messungen ergaben:
Länge von der Schnautze bis zum After 261“ (Kopflänge 5%")
— des Schwanzes 21”
— — Oberschenkels 7'/,”
— — Unterschenkels 111%”
— — Fusses 9"
— _- Vorderfusses vom obern Rande des Schulterblattes bis zur
Zehenspitze, gestreckt, 101%”.
Umfang des Schwanzes dicht am Alter 6
Es)
Ueber die Fortpflanzung des Känguruh. 51
Wenn es überhaupt erlaubt ist, aus so wenigen Anhal-
tepunkten allgemeine Folgerungen zu ziehen, so will ich ver-
suchen dies zu thun; die Seltenheit der in Rede stehenden
Thiere im Allgemeinen mag dies entschuldigen, und vielleicht
andere Beobachter auf dies und jenes aufmerksam machen.
1. Die Begattung derin der Gefangenschaft
lebenden Känguruh ist nicht an die Jahreszeit \
gebunden, sie kann ohne Rücksicht auf diese
stattfinden und fruchtbar sein.
Die Begattung, welche das im Sommer 1847 im Beutel
befindliche Junge ins Leben rief, hat, der Grösse des Jungen
nach zu urtheilen, im Frühlinge und zwar zu Anfange
desselben, stattgefunden.- Genau kann ich den Tag, an wel-
chem der todte Fötus herausgeworfen wurde, nicht angeben,
doch ist dies Ausgangs Juni geschehen.
Der gardien surveillant des animaux beobachtete zu
Rosni am 26sten Mai eine Begattung, welche sich fruchtbar
erwies. (Annal. des scienc. nat. 1826. p. 340.) — Die Be-
galtung, der der Fölus, welcher am 1öten August in den
Beutel gebracht und am &ten Febr. herausgeworfen wurde,
seinen Ursprung verdankt, hat im Sommer stattgefunden.
Owen liess zu seinem Versuch die Begattung am 27sten
August stallfinden, und sie zeigte sich erfolgreich.
Die Begaltung, die das jetzt; ausgelragene Junge her-
vorbrachte, fand in den letzten Tagen des Februar, also im
Winter statt.
Eine fruchtbare Begattung habe ich bei Hal. Benetti im
Herbste 1846 beobachtet.
2. Owen’s Annahme, dass der Embryo von
derMutter selbst, und zwar mitHülfe des Maules,
in den Beutel gebracht wird, ist richtig.
Dass der am 1öten August vom Wärter und von mir
beobachtete Vorgang der Uebergang des Jungen in den Beutel
gewesen, ist wohl nicht zu bezweifeln. Leider bin ich bei dem
eigentlichen Uebergange nicht zugegen gewesen, aber nach
so kurzer Zeit dazu gekommen, dass ich die Handlungen des
Weibehens noch beobachten konnte, wie sie wahrscheinlich
damit beschäftigt war, den Fötus an die Zitze 'zu bringen.
Es ist durchaus kein Grund vorhanden, in die oben angeführ-
-
33 Leisering:
ten Wahrnehmungen des Wärters den leisesten Zweifel zu
setzen, da‘er mir als ein durchaus wahrer, und was noch
mehr ist, als ein sehr fähiger, scharf beobachtender Mann be-
kannt ist, der dazu den Vortheil hat, ganz vorurtheilsfrei zu
sein und diese zufällige Beobachtung ganz ohne eine vorge-
fasste Meinung machte. Aufmerksam wurde der Wärter zuerst
dürch das Nichterscheinen der Mutter zum Fressen; bei der
nähern Beobachtung fand er, dass sie auf die Geschlechtsor-
gane ihre Aufmerksamkeit ‘gerichtet halte, und dass ruck-
. weise Zusammenziehungen der Bauchmuskeln stattfanden. Diese
Zusammenziehungen, welche er nur als schwach angiebt, fin-
den wir bei ‚der Geburt aller Säugelhiere als Wehen, und
wir ‚sehen sie auch hier als nothwendig eintreten, um die
Frucht, wenn sie auch noch so klein ist, auszutreiben; sie
sind um so nöthiger, als sie hier durch den Schmerz, den
sie verursachen, die Mutter auf einen Vorgang aufmerks“.a
machen müssen, bei dem sie selbst eine so wichtige Rolle zu
spielen hat, nämlich den Fölus zu fassen und in den Beutel
zu transmilliren. Dass beim Herausgange des Fötus sich eine
Flüssigkeit mit nach Aussen drängt, ist so natürlich, und
wird so ‚sehr von der Analogie erfordert, dass das Feucht -
oder ‘vielmehr Nasssein der Schnaulze nur eine Folge der
mitausgepressten Flüssigkeit sein’ kann. Auch ist es nicht
zu. verwundern, dass diese Flüssigkeit nur in so geringer
Quantität ergossen wurde, dass sich bei der nachherigen Un-
tersuchung nichts mehr vorfand, da eben zur Austreibung
eines so. kleinen Fölus ein geringes Quantum ausreichend ist.
Blut war es nicht, denn dies hätte sich an ‘der Schnautze
deutlich markirt und wäre längere Zeit daran haften geblie-
ben; auch hätte man jedenfalls Spuren davon auf dem schwach
begrasten Boden finden müssen; ebenso wären, wenn. die
Flüssigkeit zähe oder gallertarlig gewesen, selbst bei einem
geringen Ergusse, Spuren davon zurückgeblieben. Es kann
also nur eine seröse, vielleicht dem Schafwasser analoge
Flüssigkeit gewesen sein.
Dass der Fölus selbst von dem Wärter nicht gesehen wurde,
hat nichts: Auffälliges, wenn man bedenkt, dass er überhaupt
nur ein sehr kleiner Gegenstand ist; dass er zwischen den
Lippen gänzlich verborgen werden kann; dass das Ueber-
Ueber die Fortpflanzung des Känguruh. 33
führen gleichsam wischend von einem Theile zum ‘andern ge-
'schah und endlich, dass der Wärter, unbekannt mit der Wich-
tigkeit des ganzen Vorganges, ihm nicht so seine Aufmerk-
samkeit zugewendet hat, ale es vielleicht andern Falles ge-
. schehen wäre. be
£» 3. DieAnwesenheitdesFötusim Beutel zeigt
‚sich ganz deutlich durch allmähliges Ausdehmen mr
2 letztern, und durch die immer stärker wer-
denden Bewegungen desBrustfötus, schonlange
vor dem Herausstecken des Kopfes aus der Beu-
telöffnung.
Ich habe bis jetzt. fünf Mal Gelegenheit gehabt, ein
Känguruh, welches einen Fötus im Beutel trug, zu beobach-
ten: nämlich die 3 hintereinander folgenden, so eben beschrie-
benen Schwangerschaften. des jungen Riesenkänguruhweib-
chens und zweimal bei einer kleinern Art, dem Hal. Bennet.
und zwar auch bei ein und demselben Weibchen; das erste
Mal im Winter und Frühjahr 1847, und das zweite Mal im
gegenwärtigen Augenblick (Ausgangs Febr. 1849). Jedes
Mal habe ich den Beutel anschwellen und späterhin deutliche,
sogar lebhafte Bewegungen des Jungen gesehen; bei dem
ersten und zweiten Fall der beobachteten Schwangerschaft
des Riesenkänguruhs wurde das Junge todt aus dem Beutel
geworfen, einmal war die Haut noch haarlos, das andre Mal
spärlich behaart; bei dem äten Trächtigkeitsfalle des Riesen-
känguruhs und dem ersten des Hal. Bennet. sah ich, dass
beim ersten Herausstecken des Kopfes dieser und die Ohren
vollständig behaart waren, die Vergrösserung des Beutels und
die Bewegungen des Jungen war aber schon Monate lang
vorher fast Jedermann, der die Thiere sah, aufgefallen. Um
so auffälliger musste mir daher erscheinen, wenn ich von
Geoffroy St, Hilaire 1) lese: „Heute, am ten Dechr., giebt
man mir Nachricht, dass das eine unserer Känguruhweib-
chen, welches der jardin du roi der Munifizenz der Frau Herzo-
ginn von Berry verdankt, ein Junges trägt, das jetzt sichtbar
*) Sur quelques eirconstances de la gestation des femelles de
- Kanguroos, et sur les moyens qu’elles meltent en oeuvre pour nourvir
leurs petits suspendus aux tlines. Ann. des scienc. nat, 1826, Tom, 9. p. 340.
Archiv f, Naturgesch. XV, Jahrg, 1. Bd. 3
»
34 Leigering:
und frei in seinem Beutel ist. Die Umstände der Trächtig-
keit sind merkwürdig und dies hat mich veranlasst, es jetzt
zur Kenntniss der Gesellschaft zu bringen. ‘Es war 'am letz-
ten Juni als ihre Hoheit die Menagerie durch ein Känguruh-
paar bereicherte. Das Männchen starb in den letzten Tagen
des Juli. Man haite von der Begattung Nichts gewusst, aber
tern morgen würde Blut auf der Streu dessWeibähens
a ommen, und heute morgenssah man den Beutel, wel-
cher bis dahin fest verschlossen gewesen war, sich öffnen
und das Kleine den Kopf nach aussen stecken.“ '
Offenbar , wenigstens so verstehe ich es, hat man von
dem Dasein des Jungen: erst Noliz genommen, als es den
Kopf wirklich aus dem Beutel steckte, es sich also schön in
einer sehr weit vorgeschrittenen Periode der Entwickelung
befand. “Dies zeugt von einem grossen Mangel an Aufmerk-
samkeit der bei den Thieren beschäftigt gewesenen Leute,
und wenn eine solche Wiedererzählung aus der Feder ei-
nes Geoffroi St. Hilaire kommt, den man als Autorität zu
achten gewohnt ist, so kann es leicht zu Irrthümern führen
und für die Wissenschaft nachtheilig werden.
4. Eine sogenannte zweite, oderMarsupial-
geburt, wie sie Geoffroy St. eng annimmt,
\
existirt nicht.
Dass ein Gefässzusammenhang zwischen Brustfötus und
Zitze, dessen Aufhebung nach Geoffroy St. Hilaire eben die
zweite Geburt sein soll, nicht besteht, haben sowohl die Mor-
gan’schen und Collie'schen Beobachtungen, die Hunter'schen
Sectionen, wie besonders der Owen’sche Versuch zur Genüge
bewiesen.
Wie lange der Fötus fest an der Zitze haftet, ehe er
freiwillig davon ablässt, weiss ich nicht; in der ersten Zeit
hat er die Kraft nicht, sie wieder zu erlangen, ‘wie Owen
gezeigt hat, und die schwach wahrnehmbaren Bewegungen
können: recht gut von ihm, noch än der Zitze hängend, aus-
geführt werden ; später, aber lange bevor er den Kopf aus
dem Beutel steckt, sind sie der Art, dass man deutlich sieht,
wie er sich ganz frei in dem Marsupium herumtummelt, und
könnten von ihm in dieser Weise nicht ausgeführt werden,
wenn er noch an der Zilze festsässe. Der Kopf ist bestimmt
r
Ueber die Fortpflanzung des Känguruh. 35
durch seine runde Form, wenn er an den Marsupialwänden
hingleitet, zu erkennen, und zeichnet sich immer von den Ein-
drücken, welche die Füsse und andere Körpertheile machen,
aus. Ja man sieht sogar, wie. das Thierchen sich gänzlich
umdreht.
Po = Nie haben wir vor Eintritt dieser Bewegungen oder nach
demselben einen Erguss von Blut, weder an dem Li a
thier, noch an Orten, wo es sich aufhält, wahrnehmen kön-
nen, so sorgfältig auch darnach gesehen «worden ist.
Sehr wahrscheinlich haftet der Fötus eine Zeitlang un-
unterbrochen an der Zitze und verlässt diese erst, sobald er
Kräfte genug besitzt, sie von selbst wieder zu erlangen, denn
nie habe ich ‚gesehen, dass sich die Mutter während der
Tragezeit im Beutel, auf eine Weise mit dem Maule beschäf-
tigt, woraus man schliessen könnte, dass sie ihm diesen Dienst
erwiese. Jedoch ist dies eine Annahme, die nur durch di-
recte Untersuchungen zu beweisen ist.
5. Ein charakteristisches Zeichen, dass sich
ein Junges im Beutel befindet, ist die Gelbfär-
bung der Ränder der Beutelöffnung.
Dass diese Gelbfärbung , die sich ganz bestimmt und
zwar schon sehr frühe, vielleicht einige Wochen nach dem
Uebergange des Fötus in den Beutel zeigt, und die ich für
eines der sichersten Zeichen halte, welche auf das Dasein ei-
nes Jungen hinweisen, von dem Kothe, den der Fötus absetzt,
herrührt, ist wohl nicht in Abrede zu stellen.- Auf welche
Weise dieser aber herausgeschafft wird, ist mir bis jetzt im-
mer nicht recht klar geworden, obgleich nicht zu bezweifeln
ist, dass dies von der Mutter, wenigstens in einer vorge-
schrittenern Periode der Schwangerschaft, mit Hülfe des Mau-
les geschieht. Sowohl ich, wie der Wärter, haben nur sehr
selten gesehen, dass die Mutter sich mit dem Beutel beschäf-
tigt, den Kopf hineinsteckt, leckt u. s. w.; .die Seltenheit die-
ser Wahrnehmungen ist mit der doch gewiss häufig werden-
den Operation des Beutelreinigens nicht in Einklang zu bringen.
- Wollte man auch annehmen, dass der Fötus nur sehr selten
Koth absetze, der von der Mutter gelegentlich, ohne dass es
beachtet wäre, fortgeschafft würde, so scheint diesem doch
die immer intensiver werdende Färbung und besonders das
36 Leisering:
Breiterwerden des gefärbten Randes, das auf öfter wieder-
holten Absatz schliessen lässt, zu widersprechen.
Mir ist es daher wahrscheinlich, dass die faeces, die
der Milchnahrung wegen sehr dünnflüssig sein müssen, in der
ersten Zeit, durch die hinten sehr viel höhere Stellung‘ der
Thiere begünstigt, von selbst abfliessen; späterhin aber, wo
ötus durch sein Gewicht den Beutel herunterzieht, würde
die Oeffnung immer viel höher liegen, als der Grund des
Beutels, so dass ein Abfliesen dadurch unmöglich wird, und
dann mag die Reinigung vielleicht in der Nacht, bei grosser
Ruhe, vorgenommen werden und so unbeachtet geblieben sein.
Nie habe ich gesehen, dass das Junge, wenn es den Beutel
verlassen hatte, unrein gewesen wäre, sondern habe mich
stets über die Glätte der Haare und sein reinliches Aussehen
gefreut.
Die Farbe, welche die Ränder in der ersten Zeit als
einen einfachen Strich zeigen, ist hellgelb, späterhin wird sie
immer dunkler und dunkler, so dass sie zuletzt braungelb
erscheinen ; der einfache Strich wird am Ende ein Rand von
3 Finger Breite und darüber; er ist dann jedoch nie scharf
begrenzt, sondern gehtverwaschen in die Farbe der ihn um-
gebenden Theile über.
6. Die Uterinaltragezeit ist eich Owen’s
Versuch bei Hal. gigant. 39 Tage.
Die Summe der Uterinal- und Marsupialtra-
gezeitist nach meiner Beobachtung (bis dahin,
wo das Junge für immer den Beutel verlässt), 11
Monate. x
Die Marsupialtragezeit würde demnach al-
lein betragen eirca 43 Wochen.
Von dem Tage der Begattung bis dahin, wo
das Junge zuerst den Kopf aus dem Beutel steckt,
vergehen circa 7 Monate; von dieser Zeit bis
dahin, woes den Beutel zumerstenMale verlässt,
eirca 9 Wochen; theils im Beutel, theils ausser-
halb desselben, lebt das junge Thier ungefähr
ebensolange.
Die einzelnen Daten zu dieser Berechnung finden sich
in der Beobachtung selbst; ich habe sie nur ungefähr an-
Es
u le
Ueber die Fortpflanzung des Känguruh. 37
stellen können, da ich natürlich nicht. ganz gewiss sein kann,
ob nicht das Junge schon einige Tage vorher den Kopf aus
dem Beutel gesteckt, nicht einige Tage vorher den Beutel
verlassen hat u. s. w. Solche Beobachtungen aber mit einer
Schärfe zu machen, dass man diese Facta auf den Tag be-
stimmen kann , sind, wenn nicht geradezu unmöglich, doch
in so-hohem Grade schwierig, dass sie wohl ohne die gröss\
ten Opfer nicht ausgeführt werden könnten. Wie oben er-
wähnt, habe ich das Junge wirklich in Verdacht, dass es
aus dem Beutel schon vor dem 29sten Novbr. gegangen ist,
da ich es einige Zeit vorher, wenn ich in den Stall trat,
stets in einer Lage traf, die es gewöhnlich anzunehmen pflegte,
wenn es unter meinen Augen in den Beutel schlüpfte. Ebenso
ist in Anschlag zu bringen , dass das theilweise wie gänzli-
che Verlassen des Beutels in die kalte Jahreszeit fällt, und
diese nicht ohne Einfluss geblieben sein mag, obgleich ich
sehr darauf hielt, dass selbst in den kältesten Tagen die Tem-
peratur des Stalles nie unter 9—10 Grad R. kam.
Beobachlungen, welche vom gardien-surveillant des ani-
maux zu Rosni (s. Geoffroy St. Hilaire a.a. 0.) gemacht wor-
den sind, bestätigen annähernd meine Angaben. Er sah näm-
lich, dass ein Weibchen am 6ten Mai 1825 belegt wurde, sie
gebar, d. h. sie brachte ein Wesen im Embryonenzustande
in den Beutel am folgenden 6ten Octbr. Diese Begebenheit
wurde durch Blut und eine schleimige oder gallertartige Flüs-
sigkeit, welche vermischt, bald sehr flüssig, bald mehr oder
weniger klebrig waren und unter der Form von Fäden sich
zeigten, angezeigt. Das Weibchen blieb zwei Tage in die-
sem Zustande. Nachher blieb die Tasche bis zum Januar 1826
fest verschlossen, dann kam der Fötus mit dem Kopf zum
Vorschein. Am 25sten März verliess er zum ersten Male
den Beutel.
Durch Owen’s Versuch ist nachgewiesen, dass die Ute-
rinaltragezeit 39 Tage währt; es können daher die Anzei-
chen, die der gardien-surveillant am ten Octb., also fünf
Monate nach der Begattung gesehen hat, auf die Geoffroy
St. Hilaire so grosses Gewicht legt und für den Vebergang
des Embryo’s in den Beutel hält, nichts weiter als Zeichen
einer zufälligen Krankheit oder eines sonstigen, mit dem Ge-
38 Leisering: Ueber die Fortpflanzung des Känguruh.
schlechtsleben in keinem Zusammenhange stehenden Vorgangs
gewesen sein, und ist der. wirkliche Uebergang in den Beu-
tel übersehen worden. i
Ich übergebe diesen Aufsatz der Oeffentlichkeit aus dem
Grunde, da, so viel mir bekannt ist, ähnliche Beobachtungen
über die Fortpflanzung der Känguruh nicht vorliegen,- und
| vielleicht, wenigstens bis dahin, wo sie durch vollstän-
ah digere und gründlichere ersetzt worden sind, eine Lücke
ausfüllen möchten. Dass sie die Schärfe nicht haben, die man
von ihnen verlangen könnte, liegt in den Eingangs angege-
benen Gründen. Ueberhaupt wird der zoologische Garten in
seinem jelzigen Zustande, einem Zustande, worin er fort-
während um seine Existenz zu kämpfen gezwungen ist, er
seiner gänzlichen Auflösung täglich entgegen sieht, ‘nie ein
Institut werden, woraus die Wissenschaft schöpfen kann. Es
ist ein unerfreuliches Zeichen, dass unter den vielen gelehr-
ten Männern, welche Berlin aufzählen kann, sielt des Gartens
so sehr wenige mit Rath und That annehmen und seine reich-
lichen Quellen zum Nutzen der Wissenschaft benutzen. Ge-
lehrte Naturforscher hier zu sehen gehört zu den seltensten
Erscheinungen, und machte Herr Geh. Rath Lichtenstein durch
seinen häufigen Aufenthalt nicht gut, was durch andere Ge-
lehrte versäumt wird, so würde er Monale lang verwaist stehen.
Bemerkungen über die Beschaffenheit des
f "Hinochengerüstes des Seebären und des
HR Seeotters. ER
en en
Von
Prof. A, Wagner in München. |
Abgedruckt aus den Münchener Gelehrten Anzeigen No. 80—82. April 1849.
Durch die Gewogenheit Sr. Kaiserlichen Hoheit des
Herzogs von Leuchtenberg hatdie hiesige zoologisch-
zootomische Sammlung 3 aus dem kamtschatkischen oder Beh-
rings-Meere herstammende Skelete des Seebären (Phoca s.
Olaria ursina) und ein Skelet des Seeotters aus denselben
Gewässern erhalten. Die Felle und noch mehr die Skelete
dieser fernen Meeresbewohner gehören zu den allerseltensten
Vorkommnissen in unsern Sammlungen und um so dankba-
rer dürfen wir daher dem hohen Geber für dieses werthvolle
Geschenk sein.
I. Der Seebär (Otaria ursina).
Die 3 Seebären, deren Skelete nunmehr in unserer
Sammlung aufbewahrl werden, sind in den Jahren 1838 und
1839 an der St. Paulsinsel, die nebst der St. Georgsinsel den
Hauptaufenthaltsort dieser Thiere abgiebt, erlegt worden. Der
Schädel des grössten Exemplars hat eine Länge von 6%,
der.des miltlern misst 6“ und der des kleinsten Individuums
5", Dass letzteres ein sehr junges Thier war, zeigt die ganze
Beschaffenheit seines Knochengerüstes, insbesondere auch
noch der Umstand, dass die Eckzähne nur schwach eniwik-
kelt und der hintersie oder sechste Backenzahn des Ober-
kiefers eben erst im Durchbruche begriffen ist.. Es ist Schade,
dass von den beiden andern Individuen das Geschlecht nicht
angegeben ist, da in dieser Beziehung eine auffallende Grös-
D
40 5 ‚ Wagner:
senverschiedenheit besteht, indem die Männchen eine Länge
von 7 Fuss erlangen, während die Weibchen nur halb so
gross werden.
Da nun das Skelet unsers mittlern Exemplares schon die
Länge von 3 Fuss, also die des erwachsenen Weibchens,
rreicht, während gleichwohl das flache Dach des Schädels,
d ute Erhaltung der Nähte und die unversehrte Beschaf-
- fenheit der Kauflächen der Zähne es ausser Zweifel setzen,
dass dieser Schädel von keinem alten Thiere herrührt, so
werde ich wohl nicht irren, wenn ich ihn einem halbwüch-
sigen Männchen zuschreibe. Mit um so grösserem, Rechte
darf ich zuletzt annehmen, dass unser grösstes Skelet von
einem Männchen herrührt, das jedoch ebenfalls noch lange
nicht sein volles Wachsthum. beendigt hatte, da die Länge
seines Knochengerüstes (vom Alveolenrande der Schneide-
zähne an bis zur Spitze der Schwanzwirbel gemessen) erst
31/, Fuss beträgt.
Zu diesem Rathen hinsichtlich der Bestimmung des Ge-
schlechtes, dem diese uns zu Theil gewordenen Exemplare
angehören mochten, bin ich gezwungen, da Angaben über die
etwaigen Geschlechtsdifferenzen, die sich in der Form des
Schädels vorfinden könnten, uns ganz abgehen. Alles, was
sich überhaupt in der Literatur über die Beschaffenheit des
Knochengerüstes der nordischen Seebären vorfindet, ist eine
kurze Notiz, die Johannes Müller) nach Schädeln, die
Chamisso aus Kamtschatka mitbrachte, mitgetheilt hat. We-
der Cuvier, noch Nilsson in seiner meisterhaften Arbeit über
die Robben, noch auch Blainville in seinem neuesten grossen
osteographischen Werke hatten irgend einen Theil von die-
sem Thiere vor sich. Die ganze Kenntniss, die wir bisher
vom Knochengerüste der Seebären erlangt haben, ist ledig-
lich von Individuen aus der südlichen Halbkugel entnommen.
Es bleibt selbst zweifelhaft, ob die reiche Leidner Sammlung
das Knochengerüste des nordischen Seebären besitzt, denn
obgleich Schlegel?) auch die aleutischen Inseln unter den
#) Dies Archiv für Naturgeschichte. VII. 1. S, 331.
2) Fauna japonica, Mammalia, decas 3. p. 8.
Bemerk. ü.d. Beschaffenh, d. Knochenger. d. Seebären u. d, Seeotters. 41
verschiedenen Lokalitäten aufführt, von denen die dortigen bei-
den Skelete, die Schädel und Felle herrühren,, so ist doch
von ihm nicht ausdrücklich bemerkt, dass unter den Exem-
plaren von jenen Inseln auch Theile des Skelets befindlich
waren. Mithin sind die von J. Müller erwähnten Schädel die
einzigen, von denen man die Versicherung hat, dass sie aus
dem kamtschatkischen Meere herrühren. Indem unsere Ske-\
lete ebenfalls von daher stammen, kann ich nicht bloss die
Beschaffenheit des ganzen Knochengerüstes erörtern, sondern
auch zur Lösung der Frage, ob die Seebären der nordischen
Halbkugel der nämlichen Art als die der südlichen Erdhälfte
angehören, einen nicht unwichtigen Beitrag liefern. Es konnte
diese Frage bisher nicht zur Evidenz gebracht werden aus
Mangel an den erforderlichen Vergleichungsmitteln, denn wie-
wohl die Zoologen, die sich mit dieser Aufgabe befassten,
Schädel und zum Theil auch ganze Skelete von südlichen
Seebären vor sich hatten, so fehlten ihnen doch, wie vorhin
erwähnt, die Skelete solcher Thiere aus den kamtschatkischen
Gewässern. Diese Frage erregt aber ein um so höheres In-
teresse, da es sich .von der Identität von Thieren handelt,
die zwei ganz getrennte und zwar durch einen ungeheuern
Zwischenraum von einander geschiedene Verbreitungsbezirke
einnehmen, denn während in der südlichen Halbkugel der
Wohnungsdistrikt der Seebären von den Polarküsten an bis
gegen den 30° südlicher Breite, und zwar auf diesem Raume
in seiner ganzen Ausdehnung um die südliche Erdhälfte her-
um sich erstreckt, folgt alsdann' ein unermesslicher Zwi-
schenraum, indem die nördlichen Seebären erst in dem Beh-
ringsmeere zum Vorschein kommen, während der nördliche
Theil des grossen Ozeans gar keine Spur von ihnen aufzu-
weisen hat.
Bevor ich jedoch auf eine nähere Vergleichung eingehe,
halte ich mich zuerst für verpflichtet, den Nachweis zu geben,
dass unsere Skelete wirklich dem ächten Seebären, wie ihn
‚Steller beschrieben hat, angehören. Im Ganzen sind es nur
2 Arten, die uns aus diesen Gewässern bekannt sind , näm-
lich der Steller’sche Seelöwe (Otaria Stelleri Less.) und
der Steller’sche Seebär (Ursus marinus Stell., Phoca s.
Otaria ursina). Vom ersteren kennen wir den Schädel und
43 Wagner: ) mu
‚ das ganze Knochengerüste nach den Beschreibungen, die uns
J. Müller und Schlegel geliefert haben. Als die hervorste-
chendsten Merkmale des Schädels vom Steller’schen Seelöwen
lassen sich folgende ‚bezeichnen: 1) der.Interorbitaltheil er-
weitert sich ganz allmählig in den Hirnkasten; 2) der Gau-
menrand ist quer und liegt in der Mitte zwischen dem hin-
n Backenzahn und dem ‚Hamulus pterygöideus; 3) der
letzte oder sechste Backenzahn des Oberkiefers geht frühzei-
tig verloren. Lauter Merkmale, die durchaus nicht auf die
- vor uns liegenden Schädel passen, daher diese auch nicht
der Otaria Stelleri zugewiesen werden können.
Ueber die von Kamtschatka durch Chamisso mitgehrach-
ten Schädel des wahren Steller’schen Seebären macht J. Mül-
ler die Bemerkung, dass bei ihnen der Schädel zwischen den
Augenhöhlen sich plötzlich zum Hirnschädel erweitere, und
dass auf sie die Beschreibung, welche Nilsson vom südlichen
Seebären gegeben, so: wie auch die von Fr. Cuvier gelie-
ferte Abbildung des letzteren passe. Schlegel fügt nach ja-
panischen Exemplaren bei, dass der Schädel des Seebären in
vielen Stücken mit dem des Steller’schen Seelöwen überein-
stimme, dass er sich aber von letzterem durch die Länge des
hintern Orbitaleylinders, den die Stirnbeine bilden, so wie
durch das ständige Vorkommen des sechsten Backenzahns im
Oberkiefer unterscheide. Müller wie Schlegel sehen die nörd-
lichen Seebären für identisch mit den südlichen an und da
uns über den Schädelbau der letzteren mehrere Notizen vor-
liegen, so bin ich dadurch in den Stand gesetzt, Vergleichun-
gen zwischen beiden vorzunehmen, wiewohl es sich bald
zeigen wird, dass die. bisher publicirten Angaben für mein
Vorhaben in mehreren Stücken nicht ausreichend sind.
Um mit aller Sicherheit Vergleichungen der Schädel
der nördlichen Seebären mit denen der südlichen vornehmen
zu können, wäre es freilich erforderlich, dass man dazu
Exemplare gleichen Alters und Geschlechtes, also ‚gleicher
Grösse, vor sich liegen hätte. Mit dem Alter gehen nämlich
bei den Ohrrobben höchst auffallende Veränderungen in den
Formen des Schädels vor sich, so dass man, wenn dieser
Vorgang nicht durch die Erfahrung constatirt wäre, leicht
verleitet werden könnte aus jungen, mittelwüchsigen und al»
>
.
R
Bemerk. ü.d, Beschaffenh. d. Knochenger. d. Seebären u. d. Seeotters. 43
ten Schädeln drei ganz verschiedene Arten zu bilden. ' Man
betrachte nur in der Fauna japonica die 22. Tafel der Mam-
malia, um sich von der ausserordentlichen Veränderung des
Schädels mit dem Alter eine klare Vorstellung zu bilden.
Das früher flache Hinterhaupt steigt alsdann hoch über den
'Gesichtstheil empor und trägt eine starke Scheitelleiste, wäh-
rend der breite Interorbitaltheil zugleich mit den Nasenbei=\
nen sich immer mehr verschmälert und in die Länge sich
streckt, indem gleichmässig der Hirnkasten vorn ‘sich ver-
kleinert. Wenn nun gleich bei den Seebären diese Verän-
“derungen nicht: so ganz enorm wie bei den Seelöwen sind,
schon aus dem Grunde, weil sie die Grösse der letztern nicht
erreichen, so sind sie doch, nach Cuv,iers !) Angaben, im-
mer noch auffallend genug, um bei.Vergleichungen einer
sorglältigen Berücksichtigung unterstellt zu werden. Ehe ich
jedoch eine solche übernehme, will ich zuerst eine Beschrei-
bung unserer Schädel vorlegen, wobei ich zunächst an den
grössten mich halte und hauptsächlich nur solche Merkmale
hervorhebe, die zur Unterscheidung der verschiedenen Arten
von Ohrrobben von Bedeutung sein können.
Der Hirnkasten ist gerundet mit flacher Dachung, ohne
Spur von einer Scheitelleiste; die halbbogenförmigen Linien
weit auseinander gerückt. Der Interorbitaltheil des Stirnbeins
(Zwischenbalken von Nilsson genannt) ist beträchtlich lang,
etwas gewölbt und erweitert sich plötzlich in den Hirnkasten.
Jeder Seitenrand hat in der Mitte-einen spitzen Vorsprung
(Orbitalfortsatz), der vorwärts in eine aufgewörfene Leiste
ausläuft; der- hintere Theil des Zwischenbalkens ist breiter
als der vordere, welch letzterer an den Seiten stark ausge-
schweift ist. Die beiden Stirnbeine sind unter sich durch
eine Naht geschieden und greifen mit vorspringenden spitzen
Winkeln rückwärts zwischen die Scheitelbeine, vorwärts zwi-
schen die Nasenbeine ein; letztere laufen vorwärts sehr breit
aus. Die Oberkieferbeine ‚legen sich breit an die Nasenbeine
an, über die sie noch etwas hinausgreifen, und ihr Orbital-
fortsatz ist schmal zusammengedrückt und zugespilzt. Der
knöcherne, Gaumen ist längs der Oberkieferbeine concav ge-
4) Rech. sur les össem, foss. V, 1. p. 220.
m
- 44 Wagner:
wölbt, längs der Gaumenbeine verflacht. Die letzteren. sind
vorwärts in einen tiefen Winkel zur Aufnahme des spitz aus-
laufenden Gaumentheils der Oberkieferbeine ausgeschnitten
und ihre spitzen Seitenzipfel endigen gegenüber dem Vorder-
rande des obern fünften Backenzahnes. Der hintere Gau-
menrand ist spitz und sehr tief ausgeschnitten, so dass die
‚Spitze dieses Abschnitts ziemlich nahe dem Hinterrande des
sechsten. oder letzten obern Backenzahns gegenüber liegt; hin-
terwärts verlaufen die Gaumenbeine einfach ohne Seitenleiste
in den Hamulus pterygoideus. Der Unterkiefer ist ohne
merklichen Winkel und der zwischen diesem und dem Ge-
lenkfortsatz befindliche Fortsatz ist breit, flach und horizon-
tal nach innen gewendet.
Die beiden andern Schädel verhalten sich in den eben
besprochenen Beziehungen gerade so wie der grosse, nur
sind ihres geringern Alters wegen die. halbbogenförmigen Li-
nien noch weiter auseinander gerückt und bei dem jüngsten
Schädel ist überdiess der Zwischenbalken verhältnissmässig
kürzer.
Die Zähne sind bei allen Schädeln in gleicher Anzahl
und Vertheilung vorhanden, nämlich $ Schneidezähne, +:$
Eckzähne und $:$ Backenzähne.
Im Oberkiefer sind die 4 mittlern Schneidezähne klein,
seitlich schmal zusammengedrückt und durch eine tiefe Quer-
kerbe in 2 schneidende Zacken zerspalten; die beiden seit-
lichen sind weit grösser und eckzahnarlig. Die Eckzähne
sind am grossen Schädel ausserordentlich entwickelt, indem
sie eine Länge von 10“ und an der Basis eine Breite von
54 haben ;"ihre innere Seite ist stärker gewölbt als die äus-
sere, vorn sind sie etwas abgeplattet, hinten laufen sie längs
der hintern Krümmung in eine scharfe Schneide aus. Die
4 erstenBackenzähne sind einfache, etwas rückwärts gebogene,
kegelförmige Zacken, deren Basis auf der Innenseite verdickt
ist. Die 2 letzten Backenzähne sind flacher und haben hin-
ter dem Hauptzacken noch eine zweite kleine Spitze.
Im Unterkiefer sind sämmtliche 4 Schneidezähne klein,
quer und seicht ausgerandet. Die untern Eckzähne sind
ebenfalls bedeutend gross, aber schmäler als die obern, doch
auf beiden Seiten gewölbt,: wobei. die äussere zwei seichte
Bemerk. ü.d. Beschaffenh, d. Knochenger. d. Seebären u, d, Seeotters. 45
Längsfurchen zeigt; der hintere Rand ist schneidend. Die 4
vordersten Backenzähne entsprechen ziemlich den obern, ha- -
ben jedoch vorn eine kleine accessorische Spitze, die indess
am letzten oder fünften kaum angedeutet ist.
Noch füge ich schliesslich etliche Maassangaben bei, die
ich von dem grössten unserer Schädel abgenommen habe.
Ganze Länge des Schädels 6 gu
Breite, grösste, des Hinterhaupts 3.6
Breite zwischen den Jochbögen 18
Breite des Zwischenbalkens am hintern Ende 1 3
Breite des Zyischenbalkens zwischen den
Orbitalfortsätzen 1 5%
“ Breite des Zwischenbalkens vor denletztern 0 11
Breite zwischen den Orbitalfortsätzen ‘der
Oberkieferbeine 110
Länge der Stirnbeine längs ihrer Naht 38
Länge des Gaumens längs der Mittenahtt 2 6
-. Länge des Gaumens bis zum Hamulus
pterygoideus 38
Entfernung des letztern vom hintersten
Backenzahn ' 15
Entfernung des letztern von der Spitze
des Ausschnittes des hintern Gau-
menrandes
Breite des Gaumens zwischen den ersten
Backenzähnen 08
Breite des Gaumens zwischen den letzten
Backenzähnen 0 10
Vergleichen wir nunmehr nach den vorliegenden An-
gaben die von unsern 3 Schädeln angeführten charakteristi-
schen Merkmale mit denen, die im Allgemeinen von dem
Schädel der Otaria Stelleri schon vorhin von uns bezeichnet
worden sind, so ergiebt es sich sogleich, dass wir es hier
- mit zwei verschiedenen Arten, zu Ihun haben. Sehen wir
weiter zu, so werden wir dann uns bald überzeugen, dass
unsere Schädel sich auch nicht der Olaria jubala zuweisen
A lassen, schon aus dem einzigen Grunde nicht, weil bei die-
ser der hintere Gaumenrand quer ist und bis zu den Hamu-
lis pterygoideis reicht, Somit sind wir auf die Otaria ursina
46 i "Wagner: N sa
von selbst hingewiesen und die von J. Müller, Schlegel und
Nilsson angegebenen specifischen Merkmale für letztere wür-
den im Allgemeinen auf unsere Schädel‘ passen, wenn nicht
die beiden letztern, so wie auch Fr. Cuvier') vom hintern
Gaumenrand, den sie als bogenförmig angeben, aussagten,
dass er in der Mitte zwischen dem Hamulus,und dem hin-
" tersten ‚Backenzahn liege, während an unsern Exemplaren .
die Spitze des Ausschnitts'nur wenig von der Querlinie, die
man sich zwischen den Hinterrändern des letzten Batkenzahns
jeder Seite denken kann, entfernt ist.
Ob nun die durch das Wachsthum herbeigeführten Ver-
änderungen in der Form des Schädels sich auch in der Art
auf den Gaumen erstrecken, dass er hinterwärts zu einer
grössern Ausdehnung gelangt und dadurch zugleich der spitz-
winklige Ausschnitt in einen bogenförmigen sich umbildet,
kann ich nicht versichern, da G. Cuvier 2), der eihzige,
welcher einige Details über die durch das Alter veranlassten
Veränderungen in der Schädelform des südlichen Seebären
aufzählt, über diesen Punkt schweigt, und nur von den jun-
gen Schädeln des letztern (Phoca pusilla) bemerkt, dass bei
ihnen im Vergleich mit Phoca monachus der Gaumen schmä-
ler, weiter nach hinten verlängert und durch einen spitzern
Winkel ausgeschnitten ist. Wahrscheinlich sind es die näm-
lichen Schädel der Phoca pusilla, von denen Blainville 3)
hervorhebt, dass bei ihnen der Gaumen sehr tief ausgeschnit-
ten sei, indem ‚er eine lange und tiefe Oeffnung bilde. In.
letzterer Beziehung würden sich unsere Schädel auch der Ota-
ria Lamarii annähern, von der ohnediess Schlegel der Mei-
nung ist, dass sie von der Otaria ursina nicht zu trennen sei.
Es wäre also wohl möglich, dass unsere Schädel mit Been-
digung ihres Wachsthums eine solche Ausdehnung des Gau-
mens erlangten, wie sich selbige bei den alten Exemplaren
der südlichen Otaria ursina einstellt und wie man sie aus den
Bemerkungen von J. Müller für die nördlichen Seebären eben-
falls folgern darf.
*) Mem. du Museum d’hist. nat. XL. p. 207. tab. 15. fig. 1.b.
2) A. a. 0. S. 221. |
3) Ost&ographie. Fasc. 10. Phoca p, 25.
Bemerk. üb. d. Beschaffenh. d. Knochenger. d. Seebären u. d. Seeolters. 47
» Bedenklicher hinsichtlich der specifischen Identifieirung
würde die Differenz in der Form des vordern Randes der
'Gaumenbeine sein. Nach der Abbildung, die Fr. Cuvier auf
Tab. 15. fig. 1.b. vom Gaumen des alten südlichen Seebären
gegeben hat, greift dieser Vorderrand bei demselben zun-
genförmig in den Hinterrand der Oberkieferbeine ein, wäh-
rend bei unsern Schädeln gerade das Gegentheil staltfindet,
indem die: Oberkieferbeine mit einer scharfen Spitze’ sich
zwischen die Gaumenbeine eindrängen. Da J.Müller erklärt,
dass seine alten, aus dem kamtschatkischen Meere herrüh-
renden Schädel mit der Abbildung von Fr. Cuvier stimmen‘,
so dürften wir darnach annehmen, dass in der That mit dem
Alter eine solche Veränderung in den Begränzungslinien der
Oberkiefer- und Gaumenbeine vor sich geht, wie sie letzte-
rer hingezeichnet hat.
Eine dritte Differenz würde in der Form der Backen-
zähne liegen. Wie Fr. Cuvier sagt, charakterisiren sich diese
Zähne bei den südlichen Seebären dadurch, dass sie bestän-
dig eine Spitze vor und eine andere hinter dem Hauptzacken
haben; ein Merkmal, das in der vonQuoy und Gaimard !)
"gelieferten Abbildung allerdings mit grosser Bestimmtheit
„ hervortritt. Wenn unsere Schädel in dieser Beziehung eine
geringere Entwicklung der accessorischen Spitzen zeigen, so
könnte diess immerhin nur Folge ihres jugendlicheren Alters
sein, und eine vorzunehmende Vergleichung ‚der Chamisso’-
schen Schädel ist daher nolhwendig, um hierüber zu einer
Entscheidung zu gelangen.
Andere Differenzen, die sich noch zwischen unsern Schä-
deln und den von dem südlichen Seebären gelieferten Schä-
delabbildungen wahrnehmen lassen, können wohl sämmtlich
auf Rechnung des verschiedenen Alterzustandes gebracht
werden, indem alle Abbildungen des Schädels des letztern
nach erwachsenen Individuen gefertigt worden sind. Die
‚ Wichtigste unter diesen Veränderungen ist, nebst der Ent-
wicklung der Leisten, die, welche der Interorbitaltheil der
Stirnbeine (der Zwischenbalken) erleidet, indem sich dessen
») Voyage de la Corvette l’Astrolabe sour le commandem, de M.
Dumont d’Urville. Atlas zool, tab, 15.
\
48 Wagner:
Hintertheil dermassen verschmälert, dass alsdann seine andere
Hälfte selbiges an Breite weit übertrifft. Es ist dies eine Form-
veränderung, die, wie man von der Otaria jubala und Otariä
Stelleri mit Bestimmtheit weiss, lediglich Folge des Alters ist.
Aus dem bisher Gesagten glaube ich demnach nicht
bloss zu dem Schlusse berechtigt zu sein, dass — wie diess
ausser Zweifel ist — unsere 3 Schädel von der $t. Paulsin-
sel die jüngern, bisher unbekannten Alterszustände des äch-
ten Steller’schen Seebären aus dem Behringsmeere repräsen-
tiren, sondern dass auch die Differenzen, welche zwischen
ihnen und den Schädeln des südlichen Seebären ‘gefunden
wurden, wahrscheinlich nur auf Rechnung der Altersverschie-
‘denheiten zu bringen sein möchten. Jedenfalls hoffe ich jelzt
genug Anhaltspunkte gegeben zu haben, um nach meinen An-
gaben sichere Vergleichungen mit solchen Schädeln des süd-
lichen Seebären, die einer gleichen Altersstufe als die unse-
rigen angehören, vornehmen und: dadurch die Vermuthung
von ihrer specifischen Identität in Evidenz setzen zu können.
Diese Entscheidung wird allerdings zunächst durch die
Vergleichung der Schädel gewonnen werden’ müssen, da wir
in gedachter Beziehung von dem übrigen Skelete wenig zu
hoffen haben, indem Schlegel die Erklärung gegeben hat, dass
er überhaupt, abgesehen von den Schädeln, zwischen dem
Knochengerüste der Otaria jubata, Stelleri und ursina weder
in der Zahl noch in der Conformation der Knochen einen
imerklichen Unterschied gefunden habe und dass es auch in
der Zahl der Wirbel, der Rippen und Brustbeinstücke, (näm-
lich 15 Rippenpaare, 5 Lendenwirbel und 9 Stücke des letz-
teren) mit dem Skelet von Phoca übereinstimme. Auch Blain-
ville weiss von den Ohrrobben keine Differenzen in dem Kno-
chengerüste des Rumpfes und der Gliedmassen anzugeben,
So weit ich mir in dieser Beziehung ein Urtheil erlauben
darf, da ich lediglich auf die Vergleichung meiner Skelete
mit den von Blainville und Schlegel gelieferten Abbildungen
des Knochengerüstes der Otaria jubata und Otaria Stelleri
beschränkt bin, scheint in der That am knöchernen Rumpf-
gerüste unserer Exemplare von der nördlichen Otaria ursina
keine wesentliche Differenz von den beiden andern Arten
vorzukommen,
Bemerk. üb. d. Beschaffenh. d. Knochenger, d. Seebärenu. d. Seeotters. 49
Unsere drei Skelete haben die gleiche Anzahl von Wir-
beln miteinander gemeivu, nämlich 7 Halswirbel, 15 Rücken-
wirbel, 5 Lendenwirbel und 14—15 Becken- und Schwanz-
wirbel, von denen die letzten noch sehr klein und knorpelig
sind. Es sind diess dieselben Zahlenverhältnisse, die Blain-
- Ville von den Robben überhaupt angiebt.
Von 15 denRippenpaaren sind wie bei allen Ohrrob-
ben 9 ächte und 6 falsche. Das Brustbein besteht bloss aus‘
8 Stücken und nicht aus 9, wie Schlegel wohl unrichtig. an-
giebt, indem Blainville ebenfalls nur 8 Stücke aufzählt, und
seine Abbildung des Brustbeins der Olaria juabata (Tab. 7)
ist hiemit in Uebereinstimmung. Auch in den Formen der
einzelnen Knochen kommt das Brusibein- der letztgenannten
Art mit dem unserer Skelete überein; wenn jedoch Blainville
vermuthet, dass der knorpelige Anhang des Schwertfortsatzes
sich nicht spatelarlig auszubreiten scheint, so ist an seinem
Exemplare wohl nur jener verstümmelt, denn an den unseri-
gen ist sein Ende spatelarlig erweitert.
U. Der Seeotter. Lutra s. Enhydris marina.
Unter allen Thieren, welche ihres Felles wegen gejagt
- werden, ist weitaus der Seeotter das werthvollste. Bei
seiner Kostspieligkeit, bei der beschränkten geographischen
Verbreitung und bei der durch einen schonungslosen Ver-
heerungskrieg herbeigeführten reissenden Verminderung die-
ser Thiere gehören sie zu den allergrössten Seltenheiten in
den Sammlungen, denn wie Blainville noch vor Kurzem be-
richtet hat, besitzt das pariser Museum weder Felle, noch ir-
gend ein Stück von dem Skelete des Seeotters. Hinsichtlich
der Kenntniss des letzteren hat: man sich längere Zeit mit
den dürftigen Notizen von E. Home behelfen müssen, bis im
Jahre 1836 Martin eine über das ganze Knochengerüste sich
erstreckende, wenn auch sehr kurz gehaltene Beschreibung
lieferte, wobei jedoch die Angabe der Zahl der Becken- und
Schwanzwirbel fehlte. Das Geschenk eines Seeotter -Skele-
tes, das unsere Sammlung ebenfalls der Gewogenheit Sr.
} Kaiserlichen Hoheit des Herrn Herzogs von Leuchtenberg ver-
dankt, ist ihr daher von nicht minderem Werthe als das der
Seebären, und indem sie schon von früherer Zeit her ein
Archiv f, Naturgesch. XV. Jahrg. 1. Bd. 4
50 Wagner:
grosses ausgestopftes Exemplar von dem berühmten Reisen-
den v. Langsdorff erhalten hat, ist"in ihr nunmehr dieses
merkwürdige Thier: in doppelter ‚Beziehung aufs Beste re-
präsenlirt.
Unser, Skelet rührl von einem noch nicht vollständig
erwachsenen Thiere her, indem seine ganze Länge nur 3
beträgt, während unser ausgestopftes Exemplar im ei-
nen ganzen Fuss länger ist. . Veber seine Beschaffenheit will
ich nur einige kurze Bemerkungen beifügen, theils um einige
Angaben von Martin zu ergänzen, theils um di systematische
Stellung des Seeotters ie den Fischottern und Robben
näher zu bestimmen.
Dass der Schädel und das Gebiss im Wesentlichen
nach dem Typus des Fischotters und nicht nach dem der Rob-
ben gestaltet ist, habe ich schon in meiner Fortsetzung von
Schreber’s Naturgeschichte der Säugethiere angegeben. Die
Wirbel sind in folgender Anzahl und Vertheilung vorhanden:
7 Halswirbel, 14 Rückenwirbel, 6 Lendenwirbel, 3 Kreuzwir-
bel und 21 Schwanzwirbel, also auch hier wieder, mil Aus-
nahme der etwas geringeren Anzahl der Schwanzwirbel, die
Norm, welche bei den Fischottern obwaltet '). Martin be-
streitet die Richtigkeit von Home’s Angabe, dass 14 Rip-
penpaare vorhanden seien und setzt sie bloss auf 13 an,
allein in diesem Falle hat er Unrecht, denn es sind wirklich
14 Rippenpaare vorhanden und zwar ist auch das letztere
noch beträchtlich lang, indem sein knöcherner Theil allein
5% misst.
In den Vordergliedmassen findet in allen ihren
Theilen gar keine Aehnlichkeit mit den Robben statt, sondern
sie sind ganz wie die der Fischottern gebaut, nur dass die
Ober - und Vorderarmknochen weit stärker und die Hände
auffallend verkürzt sind.
Auch das Becken ist durchaus ein Olter-, nicht ein
") In der Fortsetzung von Schreber’s Säugethieren habe ich die
Anzahl der Schwanzwirbel von Lutra vulgaris nach unserem Skelet nur
zu 23 angegeben; seitdem habe ich ein zweites von einem frisch er-
legten Thiere anfertigen lassen, das in Uebereinstimmung mit Dauben-
ton’s Angabe 25 Schwanzwirbel hat.
“
Bemerk, üb. d. Beschaffenh. d. Knochenger. d. Seebären u, d. Seeotters. 51
Robbenbecken, indem die Pfanne nicht wie bei letzteren im
obern Drittel desselben, sondern wie bei ersteren etwas un-
terhalb der Mitte liegt, dabei der obere Seitentheil schmal,
der untere breit ist, doch nicht in dem Maasse wie bei den
_Fischottern , weshalb auch das eiförmige Loch mehr in die
Länge gezogen ist als bei diesen.
An denHintergliedmassen ergiebt sich eine etwas »
grössere Abweichung von der gewöhnlichen Otterform, wäh-
rend gleichwohl die Verschiedenheit vom Robbentypus auch
hier eine durchgreifende ist, was sich schon gleich im Län-
genverhältniss der Haupttheile ausgesprochen zeigt, indem
weder der Oberschenkel so ungemein kurz und platt, noch
auch der Fuss so übermässig gestreckt ist. Im Ganzen sind
die Ober- und Unterschenkelknochen verhältnissmässig kür-
zer als bei den Fischoltern, dabei aber viel stärker, und wäh-
rend bei diesen der Oberschenkel fast so lang als der Un-
terschenkel, ist dagegen beim Seeötter der erstere merklich
kürzer. In dieser Beziehung, so wie in der slärkern Ver-
breiterung des Femurs liegt eine enlfernte Annäherung an
die Robben, an welche allenfalls auch noch die grössere Strek-
kung des Hinterfusses erinnern dürfte, der übrigens in sei-
nen einzelnen Theilen ganz von dem der lelzteren abweicht
und sich weit mehr dem regelmässigen Bau der Fischottern
anreiht. Ausser der schon erwähnten grössern Länge und
Stärke des Hinterfusses bei dem Seeotter giebt sich als haupt-
sächlichste Differenz das relative Längenverhältniss der Zehen
zu erkennen, denn während bei ihm die Zehen von innen
nach aussen an Länge fortschreitend zunehmen, sind dagegen
beim Fischotter die 3. und 4. Zehe fast gleich lang und die
seillichen kürzer als diese. Mit dem Hinterfusse der Robben
zeigt sich auch im Längenverhältniss der Zehen keine Ue-
bereinslimmung, indem bei . den ungeöhrten Seehunden die
Mittelzehe die kürzeste, bei den geöhrten alle Zehen fast
gleich lang sind.
Wie nach seinem äussern Baue, so auch nach seinem
Knochengerüste zeigt sich der Seeotter als ein ächtes Glied
der Gruppe der Oltern, so dass er mit den Robben nur in
einer sehr entfernten Beziehung steht,
Nachträge von Creplin zu Gurlt’s Ver-
zeichnisse der Thiere, in welchen Endo-
zoen gefunden worden sind *).
Dritter Nachtrag.
(Abgeschlossen am 12. April 1849.)
I. Homo et Mammalia.
ad 1. Homo !).
Vermiculi (?) tenuitate fili linei duplicati, longitudine \/,“ vel
*) Siehe dies Archiv 1845. I. S.223—336; 1846. I. S. 129-160.
und 1847. I. S. 289—300.
t) Die in meinem ersten Nachtrage (s. dies Archiv, J. 1845. I.
8.326), aus dem Menschen aufgeführte „Trematodi (?) sp.“ war, nach
Siebold’s, gewiss richtiger Meinung, nichts Anderes, als Fliegenma-
den, und ist deshalb zu streichen.
Folgendes möchte ich mir noch erlauben , über die beim Men-
schen vorkommenden Endozoehn zu bemerken:
Ascaris alata Bellingham ist schwerlich eine eigene Art, sondern
nichts, als eine junge Ascaris Jumbriceides mit ödematös aufge-
triebenem Kopfende.
Ascaris vermicularis. — Da die Männchen dieser Ascaris so selten ge-
funden werden, dürfte es von Interesse sein, zu wissen, dass das
Greifswalder zoologische Museum deren 2 Specimina besitzt, die
ich nebst einem dritten — welches mir später verloren ging —
am 25. April 1822 aus einer grossen Menge von Weibchen her-
vorsuchte. Mehlis hat in seinem mir zugeschickten handschrift-
lichen Kataloge ebenfalls 2 Männchen seiner Sammlung aufge-
zeichnet. — Vielleicht mögen die Männchen doch nicht so sel-
ten sein, wie man glaubt; bei ihrer ungemeinen Kleinheit und
Feinheit aber dürfte man sie wohl häufig übersehen haben.
Distomum hepaticum et lanceolatum. — Von beiden besitzt das hiesige
Museum durch Mehlis Exemplare aus dem Menschen , welche
durch Erbrechen ausgeleert worden sind.
Polystomum venarum, — Ist wahrscheinlich identisch mit dem von
Creplin: Nachträge zu Gurlt’s Verzeichniss der Thiere, etc. 53
etiam minore, reperli in muco spisso supra posteriorem
partem linguae magna copia.
Delle Chiaie (s. Froriep's Neue Not., Bd. IV. v. J. 1837.
= 8. 245), als P, sanguineum (früher im Compendio di Elminto-
grafia umana, ed. 2. Nap. 1833. P. sanguicola) bezeichneten und"
charakterisirten Polystomum, worüber ich mich schon im Artikel
Eingeweidewürmer der Ersch- und Gruber’schen -Encykl.
S. 290. N. 26. Anm.22 ausgesprochen habe.
Bothriocephalus latus. — Als eine Merkwürdigkeit will ich hier an-
führen, dass das Greifswalder zoologische Museum ein schönes
Specimen dieses Wurmes besitzt, welches einem hiesigen etwa
65jährigen Schiffer, der seines Wissens vorher nie an einem
Bandwurme gelitten hatte, am 6. September 1847 von freien
Stücken abgegangen und von Hrn. Dr. Glubrecht hierselbst dem
Museum ‘verehrt worden ist. Dieser brachte es mir am Tage
nach dem Abgange, in Wasser gelegt, zu; ich fand die Länge
des frischen Wurms, welchem jedoch die vorderste Körperstrecke,
wie das vollständige Hinterende, fehlten, = 5‘ 5“, die Breite
hinter der Mitte = 5“, am abgerissenen Vorderende 15/5“ und
am hintern Ende 3%/, Paris. M. Nach dem Gebrauche der
Odier’schen Cur gingen dem Patienten am 13. September noch
zwei Fragmente des Wurmes, bestehend in schmalen vorderen
Gliederstrecken von einigen Zoll Länge ab. Der noch lebende
+ Mann ist in Alt- Vorpommern geboren, wohnt seit einigen und
30 Jahren in Greifswald, hat in früheren Jahren manche Küsten,
unter anderen die französischen und russischen, befahren, sich
aber nie eine längere Zeit hindurch in den fremden Gegenden
aufgehalten und war beim Abgange des Wurmes seit 7 Jahren
nicht von Hause gekommen. Vom letztern oder vielmehr von
einem seines Gleichen hat sich nachher nichs weiter bei ihm
gezeigt.
Echinococcus hominis. — Siebold behauptet (Handwörterb. d. Phy-
siol., Bd. II. S. 681), es komme beim Ech. veterinorum „niemals
die Vermehrung der Echinokokkus-Blasen durch Einschachtelung«
vor. Ein Fall davon ist jedoch zu meiner Kenntniss gelangt,
welcher mir vom Hrn. Prof. Haubner zu Eldena gütigst mit-
getheilt worden ist, Dieser fand nämlich einmal in einem Rinde
(s0 viel ihm jetzt noch erinnerlich ist, in dessen Lunge) einen
Echinokokkus -Balg von der Grösse einer grossen Wallnuss, in
welchem sich 6—8 Innenblasen von der Grösse einer Linse bis
zu der einer Erbse befanden. Echinokokken selbst hatte er in
der Flüssigkeit der Muttereyste nicht gesehen, und die kleinen
* Cysten nicht auf solche untersucht,
54 Ereplin: Nachträge zu Gurlv's Verzeichniss der Thiere,
(S. die medieinische Wochenschrift, der Arzt, St. 181.
Ss. 399—400.)
Ante 2. Simia (Pithecus) Satyrus.
Trichocephalus dispar R. ‘) Int. coec. (Mayer.)
(S. Mayer, Beiträge zur Anatomie der Entozoen,
S. 15, 12.) ’ F
Pr ad 4. Cercopithecus ruber. N
“. Strongylus bifurcus Crepl. n. sp. (proxime describenda).
Int. (Gurlt.)
ad 6. Macacus Cynomolgus.
Pentastomum tornatum Cr. Omentum maius. (Gurlt.)
(Vgl. die folgende Nummer.)
ad. 8. Cynocephalus Mormon.
Pentastomum tornatum Cr. (Linguatula Diesingii 2) van Be-
neden.) Peritonaeum. Van Beneden. (L’Institut, 1848,
N. 751. Fror. Not. 3ter R., Bd. VII, N. 5, übers. aus dem
Bull. de !’Acad. roy. d. sc. etc. de Belgique, 1848, N. 3.)
Omentum et mesenterium. Schultze (in theatro anato-
mico Gryph. d. 29. m. Octobr. a. 1846).
10,a. Cynocephalus (Sphingiola,
Trichocephalus paliformis R. Int. (Otto.)
ad. 33. Canis familiaris.
Cysticercus cellulosae R. Sub tunica oculi coniuncliva reper-
tus a Cuniero.
(S. dessen Annales d’Oculistique, ‘Vol. VI, p. 277, nach
Rayer, Archives de Med. comparee, T. I, p. 130.)
ad 36. Canis Lupus.
Strongylus annulatus Sieb. Trachea.
(S. Siebold, Lehrb. d. vergl. Anat. d. wirbell. Thiere,
S. 114.)
») Da Mayer die Männchen der beim Orang-Utan von ihm ge-
fundenen Trichocephalus - Art als „gerade gestreckt, mit ganz geringer
hakenförmiger Krümmung am hintern Ende“ angiebt, so hat man wohl
Ursache, mit Siebold* (s. dies Arch. 1842. II. S. 345) an der Iden-
tität derselben mit Ir. dispar, zu zweifeln. Auch das Männchen des
diesem sehr ähnlichen Tr. (Simiarum) paliformis hat einen spiralig-
eingerollten Hinterleib.
2) Diese Benennung ist unsystemalisch und war deshalb umzu-
ändern, Auch soll man Eingeweidewürmer nicht nach Menschen nennen.
bei welchen Entozoen gefunden worden sind, 55
ad 44,a. 9. Felis Leopardus.
Bothriocephalus maculatus Rud. Leuckart, qui speeimen
reperit in int. tenui.
(S. dies Arch., 1848, 1, S. 28.)
ad 53. Mustela Martes.
" Prichosomum. ‚aerophilum Cr.?) Trachea, (Creplin.) v\
ad 62. Erinaceus europaeus. P ö
Die Taenia compacta Rud. ist, wie ich glaube, ganz zu
verwerfen. Bloch allein hat sie gefunden, sie aber
so beschrieben und abgezeichnet, dass sie mir vor-
kommt wie eine Taenia tripunctata mit abgerissenem
Vorderende und einem auf Täuschung beruhenden
Hakenkranze. Dujardin erwähnt ihrer gar nicht.
ad 83. Mus decumanus.
Ascaris sp. n. (Asc. dispari R. aff.) Int. colon. (D. 2. et 20.
Febr. et 6. Mart. 1849.) (Creplin.)
1) Die Nr. 41,b. vor F. Leopardus im zweiten Nachtrage ist in
44, a, umzuändern,
2) Dujardin nennt diesen Wurm Eucoleus aörophilus (durch
einen Schreibfehler a@rophilum). Die Gattung Euwcoleus aher, welche
gr aus ihm und einem Trichosomum aus den Lungen des Igels' wegen
vermeintlichen Fehlens des sonst allen Trichosomen und auch Tricho-
cephalen zukommenden einfachen hornichten Penis, statt dessen nur die
lange, exsertile Scheide eines solchen vorhanden sein sollte, errichtet
hat, kann nach meinen Beobachtungen nicht bestehen. Ich sah näm-
lich an den zwei Männchen, die ich im Marder am eben vergangenen
7. April, nebst sieben Weibchen, fand, die lange, dicht bestachelte, ey-
lindrische Scheide aus dem Schwanzende hervorstehen und bei dem
einen sehr deutlich das vordere Endstück des Penis durch den Hinter-
heil des Körpers scheinen. Die Bestachelung der Scheide verhin-
derte sein deutliches Erkennen auch in dieser, und er war bei bei-
den Individuen zurückgezogen. Indem ich aber weiter mit dem einen
Männchen manövrirte, schob sich der Penis in der Gestalt eines klaren,
platten, sehr dünnen , dann auf eine Strecke allmählich etwas verbrei-
terten, nach dem stumpflichen Ende aber wieder verschmälerten Stilett,
ziemlich lang aus dor Scheide gerade hervor, und diese zeigte ihre
Oellnung mit einem Kranze nach aussen gerichteter Stacheln umgeben.
— Es dürfte wohl keinem Zweifel unterliogen , dass eben so gut, wie
an dieser Species, auch wohl am Bucoleus (Erinacei) tenuis Duj. der
Penis existire,
56 Creplin: Nachträge'zu Gurlt’s Verzeichniss der Thiere,
ad 86. Mus Musculus. !)
Trichosomum. Int. er. (Froelich.)
(S. D. Naturforscher, St. 25, S. 100.)
ı) Bemerkung über die Ascarides (Murium) tetraptera et
(ones Nitzsch. Es herrscht bei diesen beiden bis,dahin bekannten
” Askariden der Mäuse, zu denen‘ ich ganz vor kurzem erst, wie oben
bemeldet, eine neue und einer ganz anderen Gruppe der Ascarisgattung,
als jene, angehörende im Mus decumanus entdeckt habe, keine kleine
Verwirrung, welche Rudolphi zuerst erweckt, Nitzsch durch seine
genaueren Untersuchungen der Hauptsache nach gehoben hat, Schmalz
und Dujardin aber vermehrt haben.
Rudolphi vermengte nämlich die beiden Arten, welche die
Hausmaus im Dickdarm beherbergt, welches mir offenbar aus seiner
Beschreibung der Ascaris obvelata, mit, welchem Namen er die neue,
von ihm aufgestellte Species (Entoz, Hist, nat. II, 1. p. 155—156) be-
zeichnete, hervorzugehen scheint, wie es auch gewiss aus der Mög-
lichkeit hervorgeht, dass er die vonFrölich (im Naturforscher St. 25.
S. 99—100) beschriebene, pfriemenschwänzige „Ascaris vermicularis ß.
Muris“ mit seiner kurz- und stumpfschwänzigen Art zusammenstellen „
konnte.
Nitzsch berichtigte diesen Irrthum , indem er (in der Ersch -—
und Gruber’schen Encyklopädie, Art. Ascaris), den einen Mäuse- Spul-
wurm von dem anderen trennend, den ersteren Ascaris ozyura nannte,
zur Bezeichnung des andern aber den Namen Ascaris tetraptera vor-
schlug. Er selbst aber irrte darin, dass er annahm, es habe Rudol-
phi in seiner Ascaris obvelata — allein — diese tetraptera beschrie-
ben, welches dieser, meines Bedünkens, so wenig gethan hat, dass,
wenn er den Schwanz der A. obvelata & nicht „caudam brevem, obtu-
siusculam“ genannt, ich annehmen würde, dasser bloss Nitzschens
A. oxyura unter Augen gehabt hätte. Auch in der Synopsis ist die
Sache von Rudolphi nicht besser dargestellt worden.
Schmalz hat in seinen Tabulae Anatomiam Entozoorum illu-
strantes einige, aber nicht alle, Figuren copirt wiedergegeben, welche
Nitzsch seinem Aufsatze in der genannten Encyklopädie beigefügt
hatte. So hat er übler Weise die Zeichnungen des Kopfendes der
Asc. tetraptera vom Rücken oder Bauch und von vorn her angesehen
weggelassen. Daher,sieht man bei ihm nichts von denSeitenflügeln
des Kopfes, welche sich so sehr durch ihre Kürze und Breite von dem
Rücken- und dem Bauchflügel unterscheiden und von Nitzsch
ganz vortrefflich gezeichnet worden sind; und es erhellt demnach auch
aus den von Schmalz copirten Figuren gar nicht, warum Nitzsch
die in Rede stehende Art Asec. teiraplera benannt hat.
bei welchen Entozoen gefunden worden sind. 57
Taenia leptocephala Cr. Int. indeque penetrans in ductum
choledochum. (Creplin.)
(Siebold führt [in diesem Archive, 1835, I, $.83,
Anm.] an, dass er eine von T. pusilla verschiedene
Taenia n. sp. im Ductus choledochus der Hausmaus
B: ?
2, EN
Dujardin stellt (Hist. nat. d. Helm. p. 140) die Ascaris oxyura N.
(von deren Kopfende Nitzsch ausdrücklich sagt, „mit drei sehr deut-
lichen, rundlichen Klappen,“) zu den Oxyuren, denen auch vorher schon
Bremser die Rudolphische unklare Species hinzugefügt hatte. Er
nennt sie, wie Bremser die letzterwähnte, Oxyuris obvelata und
setzt zu dieser als Synonyme A. oxyura N. und obvelata R. Die A.
tetraptera aber bezeichnet er unter den Ascariden (a. a.0. $.165), als
ob die von Nitzsch so trefllich bestimmte und beschriebene Species
Zweifeln unterläge, mit einem Fragezeichen und nennt sie auf franzö-
sisch Ascaride de la Souris. Als alleinigen Finder dieser Ascaris führt
er Nitzsch an; er selbst hatssie nicht gesehen, und es geht auch aus
seiner Beschreibung hervor, dass er Nitzschens Worte über dieselbe
entweder nicht aufmerksam gelesen oder nicht verstanden, und die dem
‚Artikel in der Encyklopädie hinzugefügten Zeichnungen gar nicht be-
rücksichtigt, sondern sich bloss an die gehalten, welche Schmalz von
denselben aufgenommen hat, und die keine vollständige Vorstellung von
der Ascaris telraptera verschaffen können.
In dem (zweiten) Wiener Endozoenverzeichnisse, welches W e-
strumb seinem Werke über die Acanthocephalen angehängt hat, wird
von diesen Würmern Ozyuris obvelata (Brems.) aus Mus. amphibius,
arvalis, Musculus, Rattus et silvalicus (auch aus Arctomys Citillus) an-
geführt, wobei es denn zweifelhaft bleibt, wiefern beide genannte Spe-
cies unter obigem Namen von Bremser — wie unter dem Namen
Ascaris obvelata von Rudolphi — vermengt worden seien, oder
welche von ihnen bei den einen und den anderen der genannten Na-
gethiere unter demselben zu verstehen sein mögen.
Ich meinestheils fand die Asc. tetraptera nur in der Hausmaus,
sie aber, wie zugleich auch die Asc. oxyura, in deren Darme, die
letztere dagegen für sich allein im Darme des Hypudaeus aryalis. Alle
von mir gefundene Ascarides oxyurae waren weibliche.
Nach dem Obigen dürften denn wohl die Namen Ascaris obve-
lata und Oxyuris obvelata für die in Rede stehenden Species aus dem
Systeme zu entfernen und statt ihrer stets die von Nitzsch so zweck-
mässig gegebenen Namen anzuwenden, die viergeflügelte , stumpfge-
schwänzte Art nämlich mit Asc. tetraptera und die zweigeflügelte, lang-
und spitzgeschwänzte , ebenfalls eine wahre Ascaris, mit Asc. oxyura
zu bezeichnen sein.
58 Creplin: Nachträge zu Gurlt’s Verzeichniss der Thiere N
nicht selten angetroffen habe. Ich vermuthe, (dass
- diese auch die T. leptocephala gewesen sein werde.)
post. 96. Helamys cafer.
Cysticereus dub. (Olto.)
ad 110. Myrmecophaga didaetyla.
chinorrhynchus Ech. moniliformi Brems. aff. (Rudolphi).
acceperat e Surinamo Cuti mecum communicavit in
‚litteris ad me seriptis). i
ad 114,b. Phacochoerus africanus.
Trichocephalus erenatus R. Int. coec. (Otto.)
ad 115 aut 116. Dicotyles torquatus aul la-
biatus. („Sus Tajassı L.*)
Strongylus dentatus R. (Rudolphi in Üitteris.)
ad 119. Equus Caballus.
Spiroplera megastoma R., Var. major, quae Gur Io et mihi
obvenit in ventriculo Ba libera, a Mehlisio etiam re-
perta est in Equi int. crasso. ;
ad 124. Camelus Dromedarius.
Der Trichocephalus des Dromedars ist nach den Beob-
achtungen Leuckart’s, welcher ihn in einem zu Schönbrunn
im Anfang der 1820ger Jahre, untersuchten Dromedare fand,
„dem Tr. affinis R. beizugesellen.* (S. Neue Jen. allg. Lit. Z.,
1843, $. 403.) Nitzsch nannte ihn nach der von ihm,
wie von Leuckart, bestachelt gefundenen Penisscheide, in
einem Briefe an mich vom 16. Febr. 1827, Tr. echinophallus.
ad 126, Cervus Alces.
Amphistomum conicum R. Rumen. (lam a Gurltio notatum.)
(Von mir nicht gefunden, sondern nur in Rudolphis
Sammlung gesehen. Die Exemplare waren von Hrn.
v. Baer aus Königsberg eingesandt worden.)
ad 129. Cervus Gapreolus.
Cysticercus. Musc. spinal. colli ac longiss. dorsi. (Renner.)
In Rudophi’s Sammlung.)
ad 143. Capra Hireus.
Strongylus hypostomus Ru d.
Ich sah inRudolphi’s Sammlung (1828) einen männ-
lichen und zwei weibliche Strongyli mit der Aufschrift: „Stron
gylus hypostomus (?), ex int, colo Caprae bengalicae qua-
«
bei welchen Entozoen gefunden worden sind. 59
dricornis iun., 1822, Maio 15.“ Durch‘ das Glas angesehen,
schienen sie mir dieser Art zu sein, welche Hr. Pr. Gurlt
ja auch in der gemeinen Ziege gefunden hat.
Im Verzeichnisse des eben Genannten ist zwar die Tae-
nia expansa als in der Ziege vorkommend, aufgeführt wor-
den; aber es ist wohl noch nicht erwiesen, dass jenes Vor-
kommen wirklich Statt finde. (Vgl. Rudolphi, Synops., p.
140—141.) Die Wiener Helminthologen geben in ihrem gros-
sen Verzeichnisse nur eine Taenia dubia, als. einmal von ihnen
in der Ziege gefunden, an. Dujardin erwähnt keiner T.
expansa oder sonstigen Tänie der Ziege. - In dem Verzeich-
nisse der Helmithensamnllung der königl. Thierarzneischule
in Berlin komaft ebenfalls gar keine Ziegen-Tänie vor.
ad J. Ovis Aries.
Strongylus fertuus Cr. 2.
1) Diese Species ist schon im Gurlt’schen Verzeichnisse aufge-
führt worden. Ich nenne sie.,hier nur von neuem, um erstlich zu
bemerken, dass Mehlis, dhe er den Wurm selbst gesehen halte, an
seiner Verschiedenheit vom Str. hypostamus zweifelte (s. Isis, 1831.
S. 77), dass ihm aber der Zweifel völlig gehoben worden, nachdem
ihm durch Hrn. Prof. Gurlt Exemplare des Wurms zugeschickt wor-
den waren, welches er mir im October 1831 brieflich mittheilte und
auch öffentlich ausgesprochen haben würde, wenn ihn nicht der Tod
daran gehindert hätte. Zweitens aber zweifelte nun auch neuerdings
Dujardin (Hist. nat. d, Helm. p. 256), an der Verschiedenheit beider
Species. Er hatte den Str. cernuus nicht gesehen , würde sich jedoch
aus den Abbildungen desselben auf Tab. VI. und durch deren Verglei-
chung mit denen des Str. hypostomus auf Tab, VII. in Hrn. Gurlts
Lehrb. d. path. Anat. d, Haussäugethiere baben überzeugen können, wie
gross die Verschiedenheit beider ist. Er erwähnt aber das GurIt’sche
Werk beim Str. hypostomus (Sclerostoma hypost. Duj.) eben’ so wenig,
wie bei Str. Filaria, contortus, filicollis, venulosus, dentatus und elongatus.
Mit dem ersten hält er den Str. Vitulorum (Str. mieryrus Mehl.,
Gurlt T. VI. Fig. 50-54) für wahrscheinlich identisch, der andere
und dritte sollen auch nur eine Art ausmachen, den vierten stellt
er zum Str. radiatus, den fünften hat er nur in einem nicht vollstän-
digen Männchen und einem nicht erwachsenen Weibchen, in Weingeist,
untersuchen können, und der sechste endlich ist kein anderer, als
Mehlis’ Str. paradoxus (s. Gurlt, $. 358. Taf. VI. Fig. 44—49.) Der
Str. armatus wird als Sclerostoma equinum aufgeführt, Gurlt bei dem-
selben eitirt, vom Str. (Equi) tetracanthus Mehl. aber (Gurlt, 8.365
"356 Fig. 23-32) keine Notiz genommen,
60 Creplin: Nachträge zu Gurlt’s Verzeichniss der Thiere,
Distomum hepaticum Abildg. repertum Dresdis mense Mar-
tio a. 1789 in Ovis duorum fere annorum Sinu Venae por-
tae, qua de causa species hic denuo addueitur. Y
(8. Riem, Auserles. Samml. ökon. Schr., Bd. 1, $. 58.)
ad 148. Bos Taurus domesticus.
N atoideum (1 longum, tenuitate fili) in Vaccae humore
uli aqueo. Deguilleme.
(S. Rayer, Archives de Med. com., T.I, p. 132, aus
Memm. et Obss. sur la chir. et la med. velerin. p.
Gohier, 1813, T. Il, p. 435.)
ad 150. Phoca foetida.
Schistocephalus dimorphus Cr. statu evoluto. (Bothr. nodosus
R.) Int. (Creplin.)
ad 150 et 151. Phoca foetida et groenlan-
dica.
Ophiosioma dispar R., species delenda.
($. meine Bemerkungen in diesem Archive, Jahrg. 1844,
I, S. 129.)
154,a. Halicore Dujung.
Ascaris. Venlric. (ete.?) (Owen. Rueppell.)
(Nach Brandt, Bull. de la classe phys.-math. de P’Ac.
imp. d. sc. de St. Petersb. T. V, p. 192.)
- 154,b. Rhytina Stelleri.
Helminthes ('/,‘ longae), diela Lumbriei. Ventric., duod.,
gland. ventrieuli. (Steller.)
(S. Novi Comment. Ac. sc. imp. Petropolit. T. II, p. 311.)
ad 158. Delphinüs Phocaena.
Strongylus infleous Rud. — In Rudolphi’s Sammlung sah
ich neben einem Glase mit grossen Strongylis dieser Art
(1 22) aus der einen Lungenvene dieses Delphins, von
Prof. Bakker in Gröningen gefunden, ein anderes mit
dgl., doch, mit einem ? bezeichnet, von eben demselben
im Darmcanale des Delphins gefunden.
Der Angabe des Distomum philocholum m., in meinem
isten Nachtrage ist noch hinzuzufügen: E schola veterin.
Berol. — Rudolphi schrieb mir einmal, dass er Disto-
men in der Leber des Meerschweins gefunden habe, und
erwähnt derselben auch in seinem Grundrisse der’ Physiol,y
bei welchen Entozoen gefunden worden sind. 61
1, 2, S. 163. Ferner schreibt Siebold (s. dies Archiv.,
1842, II, S. 354), er habe ein neues Distom in den erwei-
terten Gallengängen von Delph. Phocaena gefunden. End-
lich erwähnt Deslongehamps (im Diction. class. d’hist.
nat., T. V. Art. Distome) ein von ihm im Darme des
© Meerschweins gefundenes Distom, D. Pristis von ihm benannt,
welches er dort auch — unzulänglich — charakterisirt. Eben
dies Distom wird nun aber wieder, und zwar mit einer kur-
zen Beschreibung, ebenfalls vonDeslongehamps (aus der
Eneyclopedie methodique), von Dujardin (Hist. nat. d.
Helm., p. 433,) aus Gadus Merlangus, als in diesem Fische
von Deslongchamps gefunden, aufgeführt, bei welchem
Fisch'es denn auch vom Hrn. Prof. Gurlt angezeichnet wor-
den ist. Welches der beiden angegebenen Thiere das wirk-
liche Aufenthaltsthier dieses Distomes nun sei, vermag ich
eben so wenig zu entscheiden, als wiefern die von Rudol-
phi und von Siebold gefundenen Würmer mit dem Disto-
mum philocholum übereinstimmen mögen.
158,c. Delphini sp.
Endozoon (Monostomum? Blainville.) Cysti inclusum in
lardo.
(8. Fror. Not., Dcebr. 1825, N. 256.)
158,d. Monodon monoceros.
Strongylus alatus Rud. Leuckart. Cavum cranii, proba-
biliter sinus venosi. (Matt.)
(@S. dies Archiv 1848, I, S.26, Taf. II, Fig. III, A—D. '))
‘) In dem beschreibenden Texte steht immer unrichtig Fig. I. statt
Fig, I. Der Verf. des Aufsatzes sagt, der Wurm entferne sich in
mehrfacher Beziehung von den übrigen Species der Gattung Strongylus
und schliesse sich zum Theil durch Gestalt und Lebensart an das von
Dujardin aufgestellte Geschlecht „Lepturus,“ welches nur ein Schreib-
fehler sein kann, statt „Stenurus.“ Als einzige Species desselben steht
bei Dujardin der Strongylus inflerus (minor) Rud., welchem der
von Leuckart (man vergl. nur Mehlis’ Beschreibung in der Isis,
1831. 8.88—90, und die. dieselbe erläuternden Figuren) beschriebene
im Allgemeinen so ähnlich ist, dass, wäre nicht die Schwanz- und
äussere Genitalienbildung des Männchens als in verschiedenen Stücken
abweichend von der des genannten. Strongylus oder Stenurus angege-
ben, ich ihn ohne Bedenken für einerlei Art mit jenem halten würde,
62 Creplin: Nachträge zu Gurlt’s Verzeichniss der Thiere,
1. Aves
ad 16%. Falco Albicilla.
Filaria abbreviata R. (Jäckel) ')
ad 164. Falco apivorus.
Distomum. Bursa Fabr. (Idem.) : Br
Dan ad 175. Falco lagopus. m. j
Holostomum macrocephalum Cr. Int. ar
- " ad 187. Falco pygargus.
Taenia crenulata (F. Th. S. Schultze.)
2 Lobend anzuerkennen ist es, dass Dujardin den Str. inflexus Rud.
A. (d. i. den in der Paukenhöhle des Delphins vorkommenden, klei-
nern, s. Rud., Entoz. Hist. nat. II, 1. p. 227), von den Strongylis ge-
trennt und aus ihm eine eigene Gattung gebildet hat (— ob. er mit
eben so vielem Rechte auch mit dem inflexus B., nämlich dem grösse-
ren, in den Bronchien und Lungenblutgefässen des Delphins hausenden,
so verfahren habe , scheint mir noch einigen Zweifeln zu wnterlie-
gen —) da das Mäntchen nicht die ununterbrochen gerandete
Bursa der männlichen Strongyli, sondern eine durch Unterbrechung des
Randes vorn offene schirmähnliche Hautausbreitung als Schwanzende
besitzt. Dies wird auch bei dem Leuckart'schen Stenurus wohl der
Fall sein; denn, "wenn ich nicht irre ‚ so. beruht die eine, flossenar-
tige Längslamelle, welche sich, nach L. in der Mittellmie des Bauches,
wo die beiden seitlichen Lappen der Schwanzverbreiterung angeblich
zusammenstossen, erheben soll, wie dieses Zusammenstossen selbst auf
einer Täuschung , und die Flosse ist nichts Anderes, als die beiden
(nach Mehlis s. g.) Flügel, deren jeder vom Vorderrande der dort
öffen bleibenden Schwanzausbreitung zu. den Seiten der Bauchfläche,
eine Strecke weit eben so am Körper hinauflaufen werden , wie dies
Alles nach Mehlis auch beim Str. inflexus der Fall ist. Erhöbe sich
an der angeführten Stelle eine einfache Längslamelle,, einer Flosse
ähnlich, mitten auf dem Bauche, von dort eine Strecke weit nach dem
Kopfende zu hinaufsteigend, so würde eine solche Bildung eine, so
viel ich wüsste, bei den Nematoideen unerhörte Anomalie sein. Eine
wirkliche Verschiedenheit der Leuckart’schen Species vom Sten. in-
flexus scheinen mir indessen die ungemein langen Spicula und die drei-
lappige, mit anders gestellten und gestalteten Rippen versehene Schwanz-
verbreiterung beim Männchen der erstern darzubieten.
1) Jäckel’s — gewiss nicht immer richtige — Angaben von
Entozoen in Vögeln aus Franken gefunden, stehen in der Isis, 1848.
20 f. Nur einmal wird von ihm das Organ des Vogels, welches
die gefundene Wurmspecies beherbergte, genannt.
bei welchen Entozoen gefunden worden sind, 63
Diese schon im Gurlt’schen Verzeichniss angeführte
Tänie ist zwar als bestimmte Species auch von Dujardin
aufgenommen worden; aber mich haben mehrfache Beobach-
tungen der Taenia globifera in verschiedenen Zuständen ihrer
zufälligen Beschaffenheit überzeugt, dass die T. crenulata für
© niehts Anderes zu halten ist, als für eine durch Verderbniss,
widernatürliche Zusammenziehung und dadurch tiefe Quer-
runzelung enistellte T. globifera, dergleichen ich öfters, und
noch im November voriges Jahr im Falco Buteo zu mehre-
ren Exemplaren gefunden habe.
‘ad 191. Faleo Tinnuneulus.
Spiroptera fallax [?] (Jäckel.)
Phyjsaloptera alata R. (Idem.)
ad 194. Strix Aluco.
Der aus Strix Aluco, Bubo et flammea bemeldete Echi-
norrhynchus Tuba R. muss als Species sicher gestri-
chen werden, worüber ich mich in diesem Archiv
1848. I. p. 163 ausgesprochen habe. (Vergl. indessen
Dujardin, Hist. nat. d. Helm., p. 508.
Holostomum macrocephalum Cr. Int.
ad 197. Strix dasypus.
Taenia candelabraria Goeze. (Jäckel.)
ad 198,b. Strix Nyctea.
Holostomum macrocephalum Cr. Int. (Creplin.)
ad 199. Strix Otus.
Ascaris vesicularis Fro el. [!?] @Jäckel.)
Echinorrhynchus globicaudalus Zed. ') (Creplin.)
200,a. Strix pygmaea. Bechst. (Str. aca-
dica L:)
Holostomum macrocephalum Cr. Int. (Otto.)
# 206,a. Psitlacus pertinax.
Ascaris truncala Zed. Int. (Creplin.)
ad 231. Lanius Collurio.
Ascaris, Cystes in peritonaeo. (Creplin.)
2) Der Echinorrhynchus aequalis Zed. (non Rud.) ist ohne Zwei-
fel auch kein anderer, als Ech, globicaudatus,
64 Creplin: Nachträge zu Gurlt’s Verzeichniss der Thiere,
ad 235. Corvus Caryocatactes. |
Nematoideum. Int. (Creplin.) |
Taenia (Fragmm.) Int. (Idem.)
ad 237. Corvus Cornix.
Distomum microcephalum Cr. sp. n. armata. Int. (Idem.)
— Ich muss hier noch bemerken, dass ich in meinem ersten '
Nachtrage, als in der Luftröhre der Nebelkrähe von mir ‚gefun-
den, irrthümlich den Strongylus trachealis Nathus. angege-
ben habe. Es war nämlich der Syngamus trachealis Sieb.,
welchen ich fand. Dujar.din wirft zwar beide Species als
synonym, unter dem Namen Syngamus trachealis zusammen;
aber Siebold hat ja die Unterschiede derselben längst aus-
einandergesetzt und mit Recht für die Vereinigung seiner,
wie der Nathusius’schen, mit der Gattung Strongylus ge-
sprochen und somit zugleich die auf einem blossen Irrthume
von seiner Seite beruhende Gattung Syngamus wieder aufge-
hoben, welche Dujardin jetzt ohne alle Noth in seinem
grossen Werke von neuem in’s Leben gerufen und in sein
System gebracht hat. — Es fehlt aber nun noch an einer
zweckmässigen Benennung dieser beiden Strongyli tracheales,
und schlage ich deshalb für den Syngamus trachealis Sieb.
den Namen Sirongylus pictus und für den Str. trachealis
Nathus. den Namen Strongylus variegatus vor.
ad 240. Corvus glandarius.
Distomum globicaudatum C r. =D. cirratum R. 9 Int. (Creplin.)
ad 244. Corvus Pica.
Ascaris spiculigera R. [?] (Jäckel.)
ad 244. Coracias Garrulus.
Ascaris depressa Zed. [?] (Idem.)
ad 253. Alauda arvensis.
Distomum inflatum. [Species mihi incognita.] (Idem.)
ad 265. Turdus musicus.
Echinorrhynchus Iransversus R. Int. (Creplin.)
ad 268. Turdus torquatus.
Echinorrhynchus transversus R. (?) Int. (Schilling.) :
ad 282. Fringilla CGoccothraustes.
Taenia nasigera Cr. n. sp. Int. (Creplin.)
(Num eadem species, quam in hac ave Viennenses re-
pererunt?)
bei welchen Entozoen gefunden worden Sind, 65
ad 295. Muscicapa Grisola.
. Ascaris depressa Zed. [!?] (Jäckel.)
ad 301. Saxicola Oenanthe.
Taenia platycephala R. Int. (Schilling.)
ad 305. Sylvia atricapilla.
"* Distoma clathratum Deslongch. Ves. fell. (Dujardin.)
(Vgl. die nachfolgende Bemerkung zu N. 329, Cypselus
Apus.) 2 j
ad 309. Sylvia fluviatilis. =
Taenia platycephala R. Int: (Schilling.)
j ad 316. Sylvia Rubecula.
Echinorrhynchus polymorphus Brems. (Jäckel.)
317,a. Sylvia Tithys.
Filaria abbreviata R. (ldem.)
ad 329. Cypselus Apus.
Distoma clathratum Deslongch. Ves. fell. (Deslongchamps.)
Dujardin giebt dies Distom als von ihm in der Gal-
lenblase der Sylvia atricapilla (s. oben) gefunden an, ohne
zu erwähnen, aus welchem Thiere Deslongchamps es
bekommen habe, den er jedoch aus der Encyclopedie me-
thodique mit dem dort. (Vers, p.265, n. 35) von demselben
‚gegebenen Art-Charakter des Distomes eilirt.
ad 357. Caprimulgus europaeus.
Distomum inflatum. [Sp. mihi incogn.] (Jäckel.)
ad 351. Perdix saxatilis.
Taenia linea Gze. ist im Gurlt’schen Verzeichnisse
aus dem Darme des Steinfeldhuhns aufgeführt worden. Ich
wüsste jedoch nicht, von Wem sie in demselben gefunden
sein sollte, und vermulhe, dass die unrichtige Angabe der
- T. Linea von Rudolphi in dem Index systemalicus seiner
Synopsis, p. 747, beim genannten Vogel dazu Veranlassung
gegeben habe, wo aber doch nicht gesagt worden ist, dass
sie bei ihm im Darme vorkomme. In der Synopsis selbst,
p- 157, n. 51, ist von T. Linea nur ihr Vorkommen in Per-
dix cinerea et Colurnix, und zwar in deren Darme , ange-
merkt. — Sie scheint auch im Rebhuhne selten zu sein.
Goeze und Zeder fanden sie in dem gemeinen Vogel, Je-
f der, nur einmal, Rudolphi nie, ich selbst auch nur einmal
Archiv f, Naturgesch. XV. Jahrg, 1. Bd, 5
66 Creplin? Nachtväge zu Gurli’s Verzeichnis der Thiere,
(2 kleine Individuen im Aug. 1822), und in Wien kam sie
bei 644 Rebhühnern nur 33mal vor. _Eigentlicher zu Hause
zu gehören scheint sie in der Wachtel, in welcher Ru-
dolphi sie in Italien in 6 von 7, die Wiener Helmintholo=
gen in 20 von 56 untersuchten Individuen fanden. — Meh-
ve erwähnt ihrer in seinem handschriftlichen „Verzeichnisse » ”
nicht, und Dujardin führt sie auch bloss nach Goeze
Rudolphi an, des Wiener Verzeichnisses nicht ge-
TERERL,
Das „Cestoideum. dubium * welches Bremser allein
einmal in der Perdiv saxatilis angetroffen hat, und von wel-
‚chem Rudolphi (Synops., p. 558. n. 23) spricht, ist, wenn
auch wohl eine Taenia (juvenilis) , doch sicherlich von der
T. Linea verschieden. Ich sah die zwei vonRudolphi be-
schriebenen, ein paar Linien langen, ziemlich breiten, Speci-
mina im Jahr 1828 in seiner Sammlung unter der Aufschrift:
„Tetrathyridium, nov. genus Cestoideorum capite Taeniae,
eorpore haud, ex int, [Rudolphi giebt an: ex „abdomine“]
Perd. sax., Bremser.“ Ihr ziemlich kurzer, niedergedrück-
ter, unbewaffneter Kopf halte 4 grosse seitliche Oscula, und
der Körper zeigte sich wenigstens ziemlich regelmässig quer-
gserunzelt, wenn auch, so viel ich durch das Glas sehen
konnte, nicht eigentlich gegliedert.
ad 370. Ardea cinerea.
Bothriocephalus dubius, fortasse piscinus. Int. ten. (Creplin.)
ad 374. Ardea minulta.
Das Distomum spathulatum ‘) R. hat Dujardin zu ei-
nem Holostom umgestempelt. _ Obgleich aber Ru dolp,hi selbst
schon (Synops. p. 104) die Meinung vortrug, dass Nitzsch
es seinen Holostomen beigesellen würde, muss ich doch aus
der Abbildung des Wurms inBremser’s Icones Helminthum
schliessen, dass er ein wahres Distom sei. Bremser allein
hat ihn übrigens, so viel bekannt ist, gefunden, und zwar,
') So nämlich, und nicht — mit Rudolphi — spatulatum, muss
dies Wort hier geschrieben werden, da es von Spathula, nicht von Spa:
tula, abgeleitet ist; so auch mein Holostom der Falken und Eulen, nicht
mit Dujardin, Spatula, sondern Spathula,
bei welchen Entozoen gefunden worden sind. 67
wie es scheint, nur das einzige Exemplar desselben, welches
er abzeichnen lassen und Rudolphi beschrieben hat.
ad 378. Ardeastellaris.
Der Dispharagus brevicaudatus Duj. ist eine Spiroptera
Rud. und durfte nie zu Strongylus gerechnet werden.
7 Schistocephalus dimorphus Cr. statu utroque. Int. ten.
(Creplin. ’y
Taenia. Int. ten. (Otto.)
(Die von mir in dem ersten Nachtrage angeführte Tä-
nie bestand nur in Fragmenten. Von Otto dagegen empfing
ich zur Untersuchung ein beinahe 3‘ langes, hinten etwa
37,4 breites Exemplar mit dem Kopfe, welches in meinem
Diarium vorläufig beschrieben steht und sich jetzt im königl.
zoologischen Museum zu Breslau befinden wird.)
ad 381. Grus cinerea.
Ich habe hier nur zu bemerken, dass die beim Kranich
in Betrachtung gekommenen Exemplare_des von mir beschrie-
benen Monostomum microstomum nicht von mir gefunden wor-
den sind, sondern von Laurer, und zwar nicht in der
Bauchhöhle, sondern an der Luftröhre des Kranichs, in der
Höhle des Brustbeins. (S. meine Novae Obss. de Entoz.,
p- 50.)
ad 382. Ciconia alba.
Nematoideum. Inter tun. ventric, (Creplin.)
ad 383. Ciconia nigra.
Sitrongylus variegalus Cr. (Str. trachealis Nathus., non Syn-
gam. trach. Sieb.) Trachea (Nathusius Z, 2) (Crep- °
lin. 9).
Holostomum excavatumNitzsch. Int. ten. (Nathusius, Creplin.)
&
«
4
Distomum echinatum Z ed. Int. ten. (Nathusius.)
Trematodum (Holostomum ?) Int. (Creplin.)
389, a. Scolopax major. Gmel. (Sc. media
Frisch.)
Taenia Filum Goeze. Int. (Schilling.)
ad 401. Tringa Glareola.
Distomum, (Jäckel.)
ad 404. Tiinga minuta (Leisl.)
Taenia (Filum Goeze. ?) Int. (Schilling.)
68. Creplin: Nachträge zu Gurlt’s Verzeichniss der Thiere,
ad 406,b. Tringa Schinzii.
Echinorrhynchus (sp. n.?) Int. ten. (Creplin.)
406, c. Tringa Squatarola.
Echinorrhynchus polymorphus Brems. (Jäckel.)
406,d. Tringa Temminckii.
Taenia. Int. (Schilling.)
ad 411. Charadrius Hiaticula.
Nematoideum. (Filaria Q?) Cav. pect. (Otto.)
Taenia (vaginata R. ?) Int. (Schilling.)
ad 414. Charadrius pluvialis.
Ascaris semiteres Zed. Int, in quo, sec. Dujardin, Vien-
nenses eam repererunt.
ad 419. Haematopus Ostralegus.
Monostomum lineare R. Int. coec.- (Creplin.)
Distomum brachysomum Cr. Int. (Idem.)
ad 421. Fulica atra.
„Strongylus trachealis.* (Jäckel.)
Monostomum mulabile. Ist von mir bisher in diesem
Wasserhuhne nicht gefunden worden, obgleich man dies nach
der Angabe in Hrn. Prof. Gurlt’s Verzeichnisse schliessen
‚müsste. Die Exemplare des von mir als Monosiomum micro-
siomum aus diesem Vogel beschriebenen Wurms halte Bar-
kow gefunden. (S. meine Novae Obss. de Entoz. p. 49.)
ad 422. Gallinula chloropus.
Holostomum. (Jäckel.)
ad 425. Rallus Porzana.
Distomum holostomum R. (Idem.)
ad 431. Sterna Hirundo.
Schistocephalus dimorphus Cr. statu non evoluto (Bothrioceph.
solidus R.) Int. (Schilling.)
ad 436. Colymbus arcticus.
Schistocephalus eodem statu. Int, (Creplin.)
ad 440. Colymbus (Podicipes) eristatus.
Schistocephalus eod. st. Int. (Idem.) h
ad 442. Colymbus septentrionalis.!)
“>
x
2) Die in Hrn, Gurlt’s Verzeichnisse angeführte Ascaris varie-
re}
bei welchen Entözoen gefunden worden sind, 69
Distomum inflatum, (Sp. mihi incogn.) (Jäckel.)
Holostomum spathaceum Duj. (Idem.)
Schistocephalus non evolutus. Int. (Creplin.) Proventr., Ven-
tric. (Schilling.)
. ad 443. Colymbus (Podieipes) subcristatus.
Schistocephalus eod. st. Int. (Creplin.) ,
444,a. Podicipes arcticus Boje.
Ligula sparsa R. Int. (Schilling.)
ad 445,a. Larus argentatoides.
Schistocephalus statu evoluto. (Schilling.)
ad445,b. Larus argentatus (nonL. glaucus.)
Ligula alternans R. Int. (Schilling.)
Schistocephalus st. evol. Int. (Creplin.)
ad 446. Larus canus.
Amphistomum longicolle R. Int. Mus. zool. Gryph.
Schistocephalus st. non evol. Oes. Int. (Creplin.)
ad 447. Larus capistratus.
Schistocephalus st. evol. Int. (Schilling)
ad 449. Larus fuscusL. (L. flavipes Mey.)
Strongylus purpureus. (Sp. mihi incogn.) (Jäckel.)
Ascaris depressa Zed. [!?] (Idem.)
Echinorrhynchus polymorphus Brems. (Idem.)
Ligula alternans R. (Idem).
ad 453. Larus medius.
Holostomum platycephalum Cr. (2?) Bursa Fabr. Int, (Schil-
ling.)
ad 456. Larus ridibundus.
Ascaris spiculigera R. (Jäckel.)
Holostomum spathaceum Duj. (Idem.)
Bothriocephalus. (Idem.)
Bothriocephalus dendriticus Nitzsch, Int. (Nilzsch.)
gata ist = Asc. spieuligera, wie ich dies in meinen Novae Obss. de
Entoz., p- 22 sq., auseinandergesetzt habe. — Wenn dagegen Dujar-
din meint, dass meine Ascaris (Podicipedum) annuligera (s. meinen er-
sten Nachtrag, ad 440,) mit A. spiculigera zusammenfalleu müsse, so irrt
er darin, worüber ich mich gelegentlich einmal näher aussprechen werde,
70 Creplin: Nachträge zu Gurlt’s Verzeichniss der Thiere,
ad 462. Halieus Carbo,
Nematoideum. Crypta proventric, (Olto.)
Ligula simplieissima R. Oes. Int. (Creplin.)
Ligula sparsa R. Int. (Idem.)
ad 468. Anas acuta.
Se nodularis R. (Str. uncinatus Lund). Inter tun,
(Lundahl.) °)
Taenia sinuosa, in Gurlt’s Verzeichnisse nach Ru-
dolphi, bei dieser Ente aufgeführt, scheint doch noch nie
in derselben angetroffen worden zu sein. Rudolphi sagt,
Goeze habe sie in ihr gefunden. Dieser aber nennt am an-
geführten Orte (bei Zeder, Erster Nachtr., $. 296) nicht Anas
acuta, sondern Anas fuscaL., die er auf deutsch „eine ge-
meine wilde Ente“ nennt. Da nun Anas fusca in Deutsch-
En
) Hr. Dr. Dahlbom in Lund hat die Güte gehabt, mir aus dem
im vorigen Jahr in Helsingfors erschienenen 1sten Hefte einer neuen
Zeitschrift, betit. Notiser ur Sällskapets pro Fauna et Flora fennica
Förhandlingar, einen kleinen (deutsch geschriebenen) Aufsatz mitzuthei-
len, welcher dort S. 233—287 abgedruckt steht und unter der Ueber-
schrift: Helminthologische Beiträge, I, „Bemerkungen über
zwei neue Strongylus-Arten“ von Carl Lundahl enthält *). Es ma-
chen aber diese beiden, ‘deren eine Hr, L. Str. uneinatus, die andere
Str. aculus, nennt, eine einzige, und zwar längst bekannte Art aus,
nämlich nichts Anderes, als Strongylus nodularis R., welchen Rudol-
phi jedoch selbst und früherZeder und Frölich nicht gut beschrie-
ben haben. (Dujardin beschreibt ihn nur nach Rudolphi), Ich
denke gelegentlich eine möglichst ausführliche Beschreibung dieses
Wurms zu liefern, in welcher ich denn auch auf die Lundahl’schen
Beschreibungen zurückkommen werde. Hier will ich nur noch bemerken,
dass Hr. L, ausser in den im Verzeichnisse angegebenen Enten nebst
der weissslirnigen Gans, aus welchen der Str. nodularis noch nicht be-
kannt war, ihn auch noch in Anas. nigra (Str. uncin. et ac.), fusca
(Str. acut.) und Penelope (Str. uncin.) gefunden hat, in welchen er
auch in Deutschland vorgekommen ist. j \
*) Im Begriffe stehend , diesen Nachtrag abzusenden, finde ich
im Intell, Bl, z. Allg. Lit. Z., 1849, No. 5. 8,40, das bemeldete erste
Heft der genannten Zeitschrift auch angeführt, Es bildet, einem Zu-
satze zu dem von mir mitgetheilten Titel zufolge, einen Anhang zu den
Acta Soc, Seientiar. Fennicae und ist nun auch bei Voss in Leipzig
(geh, für 24%, Thlr.) zu haben.
bei welchen Entozoen gefunden worden sind. 71
land keineswegs als „gemein“ bezeichnet werden kann, unter
dem Namen der gemeinen Wildente aber wohl Anas Boschas
fera verstanden zu werden pflegt, so ist es mir wahrschein-
lich, dass Goeze, wie andere Helminthologen, die T. si-
nuosa in der letztgenannten Ente gefunden habe. — Im Wie-
ner Verzeichnisse geschieht keiner T. sinuosa aus der Spiess-
ente Erwähnung. Eben so wenig finde ich sie aus dersel-
ben im (geschriebenen) Verzeichnisse der Mehlis’schen Hel-
minthensammlung, welches ich besitze. — In unserem Mu-
seum befindet sie sich aus Anas Boschas domestica et fera
und Anser domesticus,. vielleicht auch aus Anas Fuligula.
Ich erlaube mir bei dieser Gelegenheit noch die Be-
merkung, dass Dujardin mit Unrecht glaubt, Taenia trili-
neata Batsch — die er nicht gesehen hat — sei nur eine
Abart der T. sinuosa. Sie ist von ihr durchaus verschieden
und eine wohl begründete Species.
ad 469. Anas Boschas domeslica.
Taenia trilineata Bl. Im J. 1848 auch von mir in der Haus-
ente gefunden.
ad 472. Anas Clangula.
Monostomum mutabile Zed, (Jäckel.)
ad 474. Anas Crecca.
Sitrongylus nodularis R. (Str. acutus Lund.) Inter tun. venlr.
(Lundahl.)
ad 476. Anas Fuligula. y
Strongylus nodularis R. (Str. aculus Lund.) Ibidem. (Idem.)
- Monostomum asperum Nitzsch. Sinus nasalis. (Nitzsch.) (Num
eadem sp. ac M. flavum Mehl. ?)
(8. Leuckart, Zool. Bruchst., I, S. 37.)
Taenia laevis Bl. (Jäckel.)
ad 477. Anas fusca
Momostomum verrucosum Zed. (Jäckel.) 4
ad 482. Anas Marila.
Monostomum attenuatum R. Int. coee. (Creplin.)
ad 484. Anas mollissima.
"Spiroptera crassicauda Cr. (Jäckel).
Strongylus nodularis R. (Sir. acutus Lund.) Inter tun. ventr.
h (Lundahl.)
ı
72 Creplin: Nachträge zu Gurlt’s Verzeichniss der Thiere,
ad 485, b. Anas nigra.
Ascaris spieuligera R. (Jäckel.)
Holostomum gracile Duj. Int. (Creplin.)
ad 494. Anser albifrons.
Spiroptera Anthuris R. [?] (Jäckel.)
„Strongylus trachealis“ [Nathus.?] (Idem.) %
Strongylus nodularis (Str. uncinalus Lund.) Inter tun. ventr.
(Lundahl.)
ad 496. Anser cygnoides.
Ascaris (9) dub. Oes. (Creplin.)
ad 500. Cygnus musicus.
„Strongylus trachealis.“* (Jäckel.)
Monostomum mutabile Zed. (Idem.)
ad 503. Mergus Merganser, 504.M. Serra-
tor, 505. Alca Torda, et 507. Uria Troile,
Schistocephalus statu non evolulo. In N. 503 et 505 rep.
(Schilling) , in 504 et 507 (Creplin.) \
I. Amphibim
536,a. Uromastix acanthinura,
Strongylus leplosomus h. sp. Os et orificia nasi int, (Gervais,)
(S. Ann. d. sc, nat., 3eme serie, Zool., T. X, 1848,
Octbr. p. 204.)
ad 544, Boa Constrietor,
„Taenia decrescens n.sp. aBoa Constrietore Dresdae deorsunm
dejectaa cel.Reichenbach, Prof., Iunio 1822, Iransmissa.*
Diese Worte fand ich (Gi. J. 1828) auf der Etikette eines.
Glases mit Bandwürmern in Rudolphi’s Sammlung ge-
schrieben,
546, c. BoA sp, non indicata,
Pentastomum proboscidaum R. (Van Beneden.) D
(L’Institut, 1848, N. 751.)
ad 578. Tritontaeniatus.
Ascaris leptocephala R. ist wahrscheinlich nichts, als Hedru-
ris androphora Nitzsch. ’
(Vgl. Nitzsch im Arlikel Ascaris der Ersch- u, Gru-
ber’schen Eneyklopädie.)
bei welchen’ Entozoen gefunden worden sind, 73
Amphistoma unguiculatum R. ist nur ein A. subelavalum R.
Juvenile.
(S. den Artikel: Eingeweidewürmer in der eben
genannten Encyklopädie.)
Iv Pisces
ad 612. Squalus griseus.
Bothriocephalus verticillatus R. (Otto.)
617,b. Squali sp.
Tristomum Squali Blanchard. Branchiae. (Jul. Verreaux.)
(S. Ann. d. sc. nat., 3eme serie, Zool., T. VIII, p. 327
—328. — Le Regne anim., nouv. €d., Zooph., pl.
36 bis fig. 3, 3,a.)
ad 625. Acipenser Sturio.
Tristomum elongatum Nitzsch. non solum reperi in bran-
chiis, sed eliam in labio et externe ad cranium Acipense-
rum, firme' ibi affıxum.
ad 629. Orthagoriscus Mola.
Tristomum papillosum Dies. Branchiae. (Koelliker.)
(8: Berichte v. d. k. zoot. Anst. zu Würzburg, 2ter Be-
richt f. d. Schulj. 1847—48, v.Kölliker, S. 21—27,
mit Abb.)
ad 643. Gadus Aeglefinus,
Ascaris dub. Musculi. (Otto.)
Bothriocephalus. (Otto) in intestino repererat fragmenta, quae
mihi B. rugosi R. esse videbanlur.
648,a. Gaduselongatus Voigt.
(Lota elongata Risso.)
Aus diesem Fisch empfing ich von Otto, in einem
Stückchen Membran (von der Peritonäälhaut 9) eingehüllt, ein
kleines Nematoideum und eine solche Tetrarrhyn-
chus-Capsel, wie sie häufig bei Esox Belone vorkommt.
ad 650. Gadus Lota.
Cestoideum eysticum dub. (Triaenophorus?) Hepar. (Hellenius.)
(S. Rudolphi, Entoz. Hist. nat. II, 2, p. 237.)
ad 657. Gadus Morrhua.
Nematoideum, Inter culem et musculos, (Olto.)
74 Creplin: Nachträge zu Gurlv’s Verzeichniss der Thiere ,
ad 660. Gadus virens.
Nematoideum [?] („Gordius.“), (Marlin.)
(8. Kongl. Vet. Acad. Handl. för är 1771, p. 261.)
ad 663. 'Pleuronectes Flesus.
Echinorrhynchus gibbosus R. cysticus sub peritonaeo ad he-
ar et inter tun. intest. (Creplin.) m
678,a. Echeneis Remora.
Distomum. Ves. fell. (Ehrenberg,) nn
(8. Rudolphi, Grundr. d. Physiol., II, 2, S. 163.)
ad 679. Cobitis Barbatula.
Cysticercus. [?] Periton. (Bellingham.)
(S: Siebold, in diesem Archiv, 1845, II, $. 233.)
ad 691.. Salmo alpinus.
(„Taenia longicollis R. Hepar,“ in Hrn. Prof. Gurlt’s Ver-
zeichniss ist: umzuändern in:)
Cestoideum dub. Cyst. in cute thoracis et ad intest. (Marlin.)
Taenia longicollis ist bisher aus S. alpinus noch gar
nicht bekannt. S. die Anmerkung zu S. Fario.
ad 695. Salmo Eperlanus.
Zu ‚der Angabe im Gurlt’schen Verzeichnisse , „Dub.
Nematoideum, Abdomen“ könnte auch wohl hinzugefügt wer-
den: Vesica natat., Hepar, Testiculi, Intest., Caput. Martin.
Ves. nat. Acharius.
@gl. Rud. Entoz. Hist. nat. I. p. 128—9, N. 441-3.)
Monostomum gracile R.
Dieser im Stinte allein von Acharius, und zwar nebst
der von ihm so genannten „Fasciola intestinalis,* einer Tae-
nia dubia, vom Peritonäum umhüllt gefundene Wurm ist ganz
problematisch und hätte von Rudolphi nicht. als ein’Mono-
stom aufgeführt werden sollen.
ad. 697. Salmo Fario.
Nematoideum |?) („Gordius.“) Abdom. (Martın.)
Von der Taenia longicollis ist es nicht erwiesen, dass
sie in dieser Forelle vorkomme. ?)
1) Es ist eine blosse Vermuthung oder ein Irrthum Rudolphi's,
dass sie in der Leber des $, alpinus et Fario — von Martin (s. Rud.
bei welchen Entozoen gefunden worden sind. 75
ad 704. Salmo Salar.
Tetrarrhynchus grossus R. Igt. rect. (Drummond.)
($S.Siebold in diesem Archiv, 1839, II, S. 167, wo auch
schon erwähnt wird, dass Drummond seinen Te-
trarrhynchus solidus (s. meinen 2ten Nachtrag ad
r Nr. 704) im Gekröse des Lachses gefunden habe.)
Bothriocephalus (a B. proboscideo R. diversus) imperfectus
eyslicus inter tun. ventr,, in mesenterio et ad intestinum.
(Creplin.) x
ad 710. Salmo Trutta.
Cysticum dub. (Bothriocephalus ?) Hepar. (Frölich.)
($. D. Naturforscher, St. 24, $. 127—129.)
ad 711,c. Esox Lucius.
Nematoideum (microscopicum). Cystes parielis interioris ven-
trieuli. (Creplin.)
Distomum globiporum R. (?) Intest. (Mus. Scholae veterin,
Berol).
ad 719. Cyprinus Alburnus.
Nematoideum. Int. (Otto,)
Echinorrhynchus tuberosus Zed, Int. (Idem.)
ad 728. Cyprinus Carpio.
Echinorrhynchus globulosus R. Int: (Creplin.)
Synops. p. 149. n.21) — gefunden worden sei (vgl. seine Entoz. Hist.
mat. II. 2. p. 241). Aus Martin’s eigenem und von Rudolphi im
letztgenannten Werke citirten Aufsatze in den Vet. Acad. Handl. för är
1760, Anmärkningar öfyer den s& kalladespitelske fisk etc, betitelt, geht
erstlich durchaus nicht hervor, dass M. überhaupt irgend einen Wurm,
weder in den beschriebenen Tuberkeln, noch in der Leber, eines spi-
telsk“-kranken S. Fario, und zweitens eben so wenig, dass er in der
Leber eines mit jener Seuche behafteten S. alpinus, einen Wurm an-
getroffen habe. Des $almo Fario erwähnt er nur als mit jener Tuber-
kelkrankheit behaftet gewesenen Fisches, ohne von einem bei einem
solchen gefundenen Wurme‘zu sprechen. Von den Forellen, in denen
er die oben bemeldeten Nematoideen angetwollen, sagt er nicht, dass
sie krank gewesen seien
Auch ausser Martin ist es von keinem bekannt, dass er in
den genannten beideh Forellen die in Rede stehende Tänie gefun-
den habe, .
«76 Creplin: Nachträge zu Gurlt’s Verzeichniss der Thiere,
ad 736. Cyprinus leses,
Nematoideum (mieroscopicum). „ Cystes in superfieie. hepatis.
(Creplin.)
post. 748. Gymnetrus Cepedianus. Risso.
Echinorrhynchus (vasculosus R.%) Cav. abdom. (Otto.)
ad 782. Sparus erythrinus.
Dr Polyporus Chamaeleon Grube. — Ich habe diesen an-
geblichen Wurm in meinem ersten Nachtrage aufgeführt, weil
der verstorb. Leuckart (Neue Jen. allg. Lit. Z., Jahrg. I,
S. 281,) erklärt hatte, Siebold, welcher denselben als 2
lang vermuthet und gemeint hatte, er möchte das abgerissene
Vorderende eines Cephalopodenarms gewesen sein- (s. dies
Archiv, 1841, Bd. II, S. 300—1.), habe sich hierin geirrt; er
selbst habe das von Grube vergrössert abgebildete, nur ein
paar Linien lange Thier gesehen, und es sei nicht das „vor-
dere Fragment eines Cephalopodenarms“, obzwar allerdings
sehr dubiös, Siebold aber spricht auf’s neue in seiner Vergl.
Anatomie (8.368, Anm. 3.) von demselben und erklärt es
hier hauptsächlich nach den von Grube in seiner Haut ge-
fundenen und nur Thieren aus der Classe der Cephalopoden
eigenthümlichen Chromatophoren, doch, versteht sich, auch
nach seiner übrigen Form, bestimmt für den abgerissenen
Arm eines Loliginen. _Achnlich äussert. sich Kölliker
(Berichte üb. d. Kön. zoot. Anstalt zu Würzburg, zweiter Ber.
v. K., S. 80.), indem er sagt, der Polyporus Chamaeleon sei
offenbar nichts Anderes, als das abgerissene und verstüm-
melte Ende eines Cephalopodenarms.
ad 787. Sparus Raji.
Nematoideum (Filaria 9) (Olto.)
Distoma Okeniü Koell. Hoc, repertum a cel. Koelliker in
cavo branchiali huius piseis in cyslibus inclusum, non est
nisi Monostoma filicolle‘R., cuius porum ventralem Rudol-
phi praetervidit.
(S. Kölliker, a. a. 0. S.55—58, mit Abbild. , und
vgl. Rudolphi, Synops., p. 85 et 347—348, n. 18.)
799,a. Labrus suillus.
Nematoideum [?], quod intraverat per dorsum, („Gordius-“)
«Martin.)
ur
bei welchen Entozoen gefunden worden sind, 177
(S. Kongl. Vet. Acad. Handl. för är 1771, p. 261.)
ad 809. Perca cernua.
Distomum globiporum R. Int. (Creplin.)
ad 811. Perca fluviatilis.
Echinorrhynchus claviceps Zed. (?) 2 Int. (Creplin.)
; ad 826. Coryphaena Hippuris.
Ophiostoma lepturum R. Species delenda.
(S. meine Bemerkung in dies. Arch., 1844, I, S. 129.)
vIoL. Inseetz=
1. Coleoptera.
ad 852,a. Lucanus Capreolus.
Ein kleiner Rundwurm, von Frölich einmal „in ziem-
licher Anzahl“ aus dem After eines Käfers der genannten
Art herausgedrückt, wurde von ihm ohne Weiteres eine As-
earis, und zwar A. Lucani, genannt und als solche auch
von Rudolphi unter dessen zweifelhafte Ascariden (Syno-
psis, p.60 et 304, N. 140) aufgenommen, wie sie nach ihm
ebenfalls im Gurlt’schen Verzeichniss als eine Ascaris dub.
angeführt ist. Aber Frölich’s ganze Beschreibung von den
gefundenen Würmchen, die er nur mit blossen Augen be-
trachten konnte, besteht darin, dass sie „kaum 2‘ lang, äus-
serst fein, durchsichtig, am Hinterende nadelförmig zugespitzt«
gewesen seien ($. D. Naturforscher, St. XXIX, S. 51, N. 25.).
Daraus ergiebt sich nicht, dass er in ihnen in der That As-
cariden vor sich gehabt habe.
4. Neuroptera.
Nach Siebold’s merkwürdigen Beobachtungen ver-
lassen die Cercarien in einer gewissen Periode ihres Lebens
die bis dahin von ihnen bewohnten Wasserschnecken, gehen
in's Wasser und suchen dort lebende Insectenlarven auf,
um sich in sie einzubohren. S. nennt als die Larven, bei
denen er jenes Hineinbohren beobachtet hat, solche von
Ephemeriden und Perliden. — In verschiedenen Arten
‚von Ephemera, Phryganea, Libellula und Agrion
lIraf er Distomen an, von denen er vermulhet, dass sie
78 Creplin: Nachträge zu Gurlv’s Verzeichniss der Thiere,
ebenfalls aus Cercarien, die sich früher in deren Larven ein-
gebohrt haben, entstanden seien (S. Handwörterb, d. Physiol.,
II, S. 669— 670.).
vide Wolluseä
ad 1. Cephalopoda,
‚quorum sequentia in appendicibus suis venosis obtulerunt En-
dozoon vel polius Utriculum germiniferum endozoicum, aKöl-
likero interim nominatum „Dieyema paradoxum ,“ nimirum
Eledone, Sepia, in quibus Krohn et Koelliker,
' Octopus, in quo hic atque Erdl et
Loligo sagitlata ,
Sepiola macrosoma, in quibus Koelliker solus, id re-
pererunt,
(8. Kölliker, a. a. O. S. 59—66, mit Abbild.)
958,a. Argonaulta Argo.
Distomum Pelagiae Koell. Labia. (Koelliker.)
(S. Kölliker, ebendas. S. 53—55, mit Abb.)
2. Gasteropoda.
ad 963. Helix alternata.
Distomum Pericardium. (Leidy.)
(S. Proceedings of Ihe Acad. of Nat. Sc, of Philadel-
phia, Vol. Ill, N. 8, March, et Apr. 1847, p. 220.)
ad 964. Helix Pomatia. ;
Cercaria. (Siebold.)
(S. Handwörterb. d. Physiol. II, $. 669, und. vgl. Sie-
bold, vergl. Anat. p. 257, Anm.)
ad 967. - Limnaeus stagnalis. y
Filaria ( ? — 2“ louga, capillaris). Cavum corporis, (Baer.)
@. Nova Acta Leop., XII, 2, p. 615.)
t) „Helix putris. Dub. Tentacul.“ im Gurlt’schen Verzeichnisse
wird auszulöschen sein, da das in den Tentakeln gefundene Dubium
dort schon richtig als Leucochloridium paradoxum Carus unter No. 962,
Sueeinea amphibia (Draparn = Nelix putris L.) aufgeführt steht. Die,
dadurch vacant werdende Nr. 964 habe ich mir erlaubt, hier durch die
Helix Pomatia auszufüllen, statt ihr die Nr.963,b, in meinem ?ten
Nachtrage zu geben, die ich hiernach umzuändern bitte,
bei welchen Entozoen gefunden worden sind, 79
967,a.. Physa fontinalis.
Distomum cysticum, (Idem.)
(S. ebendas. S. 656.)
ad 967,b. Paludina impura.
Cercariae species 8 diversae. (Idem.)
...@. das. S. 655.)
Distomum. („In organisirten Keimstöcken.“) (Idem.)
(S. das. S. 651.)
ad.968. Paludina vivipara.
Cercariae sp. (Idem.)
@&. das. 8. 617.)
968,a. Ancyluslacustris.
Distomum. (Idem.) („In unorganisirten Keimstöcken.“ „Ein
Individuum gab in 15 leblosen Patronen von etwa 1,“
Länge 200 ganz kleine Distomen.“)
..@. das. 8. 656-657.)
3. Acephala.
ad 970. Anodonta ventricosa.
Aspidogaster Conchicola Baer. Pericardium.
; 970,a. Anodonta anatina.
Aspidogaster Conchicola B. Pericardium.
Distomum duplicatum B. Ren aliaque organa.
Bucephalus polymorphus B.
970,b. Anodonta cellensis.
Aspidogaster Conchicola B. Pericard.
Bucephalus polymorphus B.
970,c. Anodonta Chaixiana.
Malacobdella (2) viridis Moqu.-Tan.d. (Hirudo viridis Rang.)
Cavilas branchialis. (Rang.)
(S. Moquin-Tandon, Monogr. de la fam. des Hiru-
dinees, nouv, €d., p. 383 sq., aus den Nouv. Ann. du
Musee d’hist. nat., T. IV, 1835, p.317, wobei das
Thier auf Pl. XXIX unter Fig. 4 auch abgebildet steht.)
971,c. Unio pictorum,
Aspidogaster Conchicola B. Pericard.
> Bucephalus polymorphus B.
n
80 Creplin: Nachträge zu Gurlt’s Verzeichniss der Thiere etc.
Helminthes hic memoratae, exceptis iis Numeri 970, c,
a cel. de Baer in Acephalis nominalis repertae sunt,
(8. die oft cit. Nova Acta Leop. XII, 2.)
971,d. Tellina (baltica).
Cercaria. (Siebold.)
ai (@&. Handwörterb. d. Physiol., II, S. 669 4, vgl. Sie-
’ bold, Vergl. Anat. p. 157, Anm.)
971,e. Venus exoleta.
Malacobdella [?] grossa Blainv. Moqu.-Tand., (Hirudo
grossa O. Fr. Mll. Sub pallio. (0. Fr. Müller.) |
(8. Zool. dan., p.40, Tab. XXI, vgl. Blanchard, Ann.
d. sc. nat., 3eme ‚serie, 1845, T. IV, p, 374-375.)
x Zoophytx
Ante 974. Pelagia noctiluca.
Distoma Pelagiae Ko ell. n. sp. Ventric., cava genit., corpo-
ris substantia. (Koelliker, Krohn.)
(S. Kölliker, a. a. O. S.53—55, mit Abbild.)
*) Siebold sagt dort auch, dass Cercarienschläuche in Anodon-
ten und Unionen gefunden worden seien. Ich wüsste jedoch nicht, "von
Wem, und Siebold selbst scheint sie ebenfalls in denselben nicht an-
getroffen zu haben.
Druckfehler im, zweiten Nachtrage, Archiv, 1847, I, 8.299, 2.4 v.u. ,
Forhandlingen 1. Forhandlinger.
m
Zur Anatomie von Ornithorhynchus und
Tachyglossus.
Von
Prof, Mayer in Bonn.
Ich glaube hierzu aus eignen Untersuchungen einige
Data liefern zu können; will jedoch hierbei nur solche Er-
gebnisse dieser Untersuchung anführen , welche die frühern
von Home, Knox, Cuvier, Meckel, Owen und Andern
nicht bloss bestätigen, sondern noch etwas zu ihnen hinzu-
zufügen im Stande sind.
Ornithorhynchus paradoxus.
Der Larynx ist von Meckel nicht ganz richtig be-
schrieben worden. Den Körper des Zungenbeines bildet ein
kleiner, dreieckiger Knochen. Die vordern und hintern Hör-
ner sind platt. Der Schildknorpel ist in zwei schmale Ringe
getrennt. Meckel giebt an, dass der obere Ring des Schild-
knorpels sich hinter dem Oesophagus schliesse. Diese Aus-
sage ist nicht richtig, denn ich fand, dass die Schenkel der
Ringe sich zwar seillich verlängern, aber ohne sich zu schlies-
sen, wie bei den übrigen Säugethieren. Nach Henle soll
der Schildknorpel nicht aus zwei Ringen bestehen; allein er
verwechselt den obern Ring mit dem Zungenbein. Die ge-
nannte Form des Körpers des Zungenbeines finde ich auch
j bei Phalangista Balantia. Nur der Schildknorpel ist, wie ge-
sagt, in zwei Ringe getrennt. Der obere Ring steht mit dem
untern Horn des Zungenbeines durch einen knorpeligen Fort-
salz jn Verbindung. Der untere Ring, welcher etwas schmä-
ler ist, setzt sich an den Ringknorpel an. Der Ringknorpel
ist stark und an seiner vordern und hintern Seite breit. Die
Giesskannenknorpel sind im Verhältniss gross, aber rundlich.
Der Kehldeckel ist mässig und abgerundet. Die beiden Stimm-
bänder treten wenig vor. Die Ringe der Luftröhre treten,
wie bei den Vögeln, gegenseitig ineinander.
Archiv f. Naturgesch, XV, Jahrg, 1. Bd, 6
82 Mayer:
In Betreff des Herzens, welches bereits Cuvier richtig
beschrieb, erwähne ich bloss, dass auch ich die eine venöse
Klappe des rechten Ventrikels grösstentheils muskulös antraf,
also die Vogelähnlichkeit hier ebenfalls bestätigen kann. Aus-
ser dem Musculus papillaris, der an sie hingeht, sind jedoch
noch zwei Dis drei andere Musculi papillares zugegen. Im
inken Ventrikel sind aber zwei venöse Klappen, welche ganz
membranös sind, vorhanden. Auch fand ich das foramen
ovale ebenfalls geschlossen.
Die rechte Lunge hat drei Lappen, die linke bildet nur
einen Lappen, wie es auch bei Hystrix der Fall ist.
Der Magen ist dünnhäulig und bildet einen länglichova-
len Sack. Die Cardia ist ohne Klappe. In der Nähe der
Cardia geht. die Höhle des Magens durch eine runde Oeffnung
in einen zweiten darmähnlichen kurzen Magen über, an des-
sen Ende die eigentliche Pylorusklappe sich befindet. Die
Milz ist breit und keilförmig. Eine kleine runde Nebenmilz .
ist zugegen. Das kurze Duodenum hat starke Querfalten.
Einen Zoll vom Pförtner mündet der Duetus choledochus, und .
ihm fast gegenüber der Duelus pancreaticus des sehr dünnen,
breiten Pancreas, welche beide dicke Kanäle bilden, in das
Duodenum ein. Der-Dünndarm, welcher allmählig enger wird
und eine glatte Oberfläche zeigt, ist 4 Fuss lang; der Dick-
darm misst 1 Fuss 4 Zoll. Er ist zweimal weiter, als der
Dünndarm und zeigt einen Zoll langen dünnen wurmförmigen
Fortsatz. Die Vasa mesaraica laufen strahlig, ohne besondere
Bogen; die Iymphatischen Drüsen sind sehr klein und zahl-
reicher gegen die Darmschlingen hin. Die Nieren sind oval.
Das Nierenbecken eng, die Calices, deren Zahl 5—6, weit.
Die Substanz der Nieren deutlich röhrig. Die Nebennieren
von der Grösse einer Bohne, sind äusserlich dunkelbraun,
wie die Nieren, im Innern gelblich; das Parenchym dersel-
ben einfach und nicht röhrig. Die Ureteren münden mit dem
Vas deferens ausserhalb der Harnblase, am Anfange
der Harnröhre, aus, wo zwei kleine Papillen an der Stelle
des Caput gallinaginis sich befinden. Die Urethra ist ein
ziemlich weiter Canal von der Grösse einer Federspule. Sie
mündet mit ovaler Spalte in die Kloake, in welche auch un-
mittelbar das Rectum übergeht. In der Kloake befindet sich
Zur Anatomie von Omithorhynchus und Tachyglossus. 83
nach vorn, in einer eignen Tasche verborgen, der Penis, des-
sen Eichel in vier Stacheln oder Spitzen ausläuft. In der
Ausmündungsöffnung der Urethra befindet sich nach vorwärts
ein kleines Loch, welches zu einem engen Kanal führt. Die-
ser Kanal verläuft im Penis und endet mit 4 Oeffnungen un-
ter und hinter der Eichel, nicht‘an der Spilze der vier Sta-
cheln der Eichel. Es fliesst somit bei Ornithorhynchus‘ der
Harn aus der Urethra in die Kloake. Der Samen aber, indem
wahrscheinlich, in Folge starker Contraclion, der Ausgang
der Urelhra in die Kloake sich schliesst, und so ein conti-
nuirlicher Kanal der hintern Urethra mit der vordern des
Penis sich herstellt, in diese bis zu ihrer Ausmündung an
der Basis der Eichel, nicht aber bis an die Spitzen der War-
zen der Eichel, wie Meckel behauptet.
Echidna Hystrix.
Ich.halle Gelegenheit ein lebendes, aus England kom-
mendes Thier zu sehen. Es kugelte sich zusammen, wie der
Igel, doch bewegte es sich munter und lief auch lebhaft; sah
inieh mit scharfen Augen an ‘und spritzte den Urin in ei-
nem langen Strahl gegen mich. Ausserdem habe ich zwei
weibliche Echidnen untersucht , wovon ein Exemplar ganz
ausgewachsen 1 Fuss 5 Zoll, das andere nur 1 Fuss von
der Schnauze bis zur Schwanzspitze mass. Das Gewicht des
Erstern beträgt vier ein halb Pfunde bürg. Gewicht. Ich er-
wähne hauptsächlich auch hier nur, was ich in Meckel
(Ornithorhynchi paradoxi desceriptio analomica) nicht bemerkt
oder anders beschrieben finde.
Die Zunge besitzt ausser den reihenförmig stehenden,
hornarligen, borstigen Zähnchen auch Geschmackspapillen ,
und zwar zwei an dem Seitenrande der Wurzel der Zunge
sich befindende papillde capitatae.
Der Larynx ist wenig entwickelt. Die Epiglottis' besteht
nur aus zwei in der Milte zusammenstossenden Falten der
Schleimhaut. Das Gaumensegel ist schmal, harthäutig und
‚die Uvula ebenfalls dünn. Die beiden Choannae bilden eine
rundliche Oeflnung.
Im Larynx ist nur ein breites, faliiges Stimmband vor-
34 Mayer:
handen. Der Ventrieulus Morgagni fehlt, aber an der Basis
des Kehldeckels ist eine kleine Grube bemerklich.
Das ‘Herz neigt sich mit seiner Spitze nach links. Der
Herzbeutel ist ziemlich derb. Das Herz etwas länglich. Der
rechte Ventrikel weit und dünnhäutig, der linke Ventrikel
stark muskulös. In jenem nur eine" Valvula oslii venosi, mit
einem Muscul. papillaris, welche aber fast ganz membranös
ist; ausserdem 7—8 trabeculae carneae darin. “Unter der
Eintrittsstelle der Vena cava inferior liegt eine starke Quer-
falte. -Im ostium art. pulmonalis 3 Valvulae semilunares mit
starken Nodulis Morg. Im linken Ventrikel sind 2 Musc. pa-
pillares, welche sich an die eine Klappe, Valv. mitralis, an-
setzen. In der Aorla ebenfalls 3 Valvulae semilunares. Das
foramen ovale ist geschlossen. Der Bogen der Aorla ist, wie
bei den meisten höhern Säugelhieren gebildet. Aus ihm ent-
springt zuerst der truncus anonymus, der sich in die art.
subelavia und carotis dextra spaltet, worauf sodann die Ca-
rotis sinistra und endlich die art. subclavia sin. entspringt.
Die Glandula thymus ist sehr entwickelt. Die Lunge, ent-
sprechend dem engen Thorax, klein. Die rechte Lunge hat'
4 Lappen, wovon einer die Mitte beider Lungen einnimmt,
die linke Lunge 2 Lappen. Die Theilung der ‚trachea ist
dichotomisch.
Die Klappe am Eingange in den Oesophagus besteht aus
2 Falten. Seine innere Fläche hat Längenfalten., Das Zwerg-
fell umschliesst die Cardia mit einem starken Muskelbündel.
Der Magen ist 4 Zoll lang, 2 Zoll breit, rundlich, ohne sehr
voriretenden fundus oder saccus caecus; geht aber allmählig
in eine schmale port. pylorie. aus. Die stachlichen Zotten
der Schleimhaut des Magens setzen sich etwas über die Car-
dia fort. Sie besteht aus Läppchen, die wieder in kleinste
acini zerfallen, und interlobulärer Gefässsubstanz zwischen
denselben. DieLeber hat 5Lappen. Die Gallenblase ist lang
gezogen. Der .ductus choledochus mündet 1: Zoll vom Pylo-
rus in das Duodenum ein. Auf ihm liegt das Ende des
Ductus pancreaticus. Das Omentum maius bildet einen sehr
grossen Sack. Das foramen Winslowii ist halbrund. Die
Milz ist bei dem grössern Exemplar sehr schmal, aber sehr
lang. Bei dem kleinen Exemplar war die Milz ebenfalls lang
Zur Anatomie von Ormithorbynchus und Tachyglossus. 85
und schmal, hatte aber noch einen Fortsatz, welcher quer
lag, wie bei den Marsupialia, und bis zum Rectum, woran
er befestigt, herablief. Das Pankreas ist braun, dünn und
bildet drei Lappen, wovon zwei am Duodenum, der dritte
neben dem Mastdarmanfange liegen. Der Dünndarm ist 6'/,
s lang, der Diekdarm 2'/, Fuss. Letzterer ist dagegen
Anfangs noch einmal so weit, als jener, während kein Cae-
cum, wohl aber ein beträchtlicher proc. vermiformis von 6
Linien Länge vorhanden ist. '
Die mesaraischen Drüsen sind bei dem grössern Exem-
plare nur in geringer Zahl, bei dem kleinern Exemplare da-
gegen häufiger vorhanden, aber sehr klein, oval, kaum eine
Linie messend ; zahlreicher sind sie gegen den Bogen der
Gedärme hin. j
Die innere Oberfläche des Dünndarms ist fein, zotlig
und glatt, die des Diekdarms hat oben Querfalten, nach un-
ten aber blose feine Wärzchen.
Die weiblichen Genitalien betreffend bemerke ich nur,
dass an den Ovarien, wie bei den Marsupialia die einzelnen
Ovula oder Follikel grösstentheils getrennt zu Tage treten.
In dem linken Ovarium zähle ich drei grössere (linsengrosse)
und 7—8 kleinere, runde Ovula, welche in dem Stroma noch
eingewachsen sind. Rechts ist die freie Trennung der Ovula
weniger ausgesprochen. Uebrigens sind beide Tuben und
beide Ovarien sich ziemlich gleich an Grösse. Dieses gilt
für das grosse ausgewachsene gelbhaarige Exemplar von
Echidna. Bei einer kleinern Echidna hystrix mit aschgrauen
Haaren sind beide Ovarien noch platt und die Ovula noch
nicht entwickelt. Aber auch hier sind die Ovarien und Tu-
ben beider Seiten sich gleich. Die Tuba uterina fängt mit
einer beträchtlichen Erweiterung an, bleibt weit und gewun-
den und mündet etwas verengt in das nicht viel weitere Cornu
uteri. Beide Cornua uleri nehmen die Harnblase zwischen
sich und münden mit einfacher rundlicher Oeffnung in die
Vagina, welche zwischen den zahlreichen Falten eine Menge
Schleimöffnungen zeigt, aus. Längs der Tuba und des Ute-
rus läuft ein sehr geschlängeltes Gefäss, wohl die arleria
spermalica? Im Grunde der Vagina zwischen den Orificia
uterina liegen die zwei Papillen oder ostia der Ureteren, also
86 ' Mayer:
schon ausserhalb der Harnblase und nicht in dieser
selbst, wie auch bei Ornithorhynchus, Die Vagina oder der
Canalis urethro-vaginalis mündet mit vorspringendem Orificium
in die Kloake, welche jelzt bloss vom Rectum gebildet wird,
ein. Am obern Rande der Geschlechts-After-Oeffnung liegt in
einer Tasche die mit vier Papillen versehene Clitoris. Eine A
‚terdrüse mit einem Gang in das Ende des Rectums ist vorhanden.
S Die Nieren sind oval, die Nebennieren klein, dunkel-
braun und rundlich. Die Milchdrüse, oder das Organ, wel-
ches dafür wohl gehalten werden kann, hat dieselbe Lage
und Beschaffenheit, wie bei Ornithorhynchus paradoxus. In
der Mitte der Bauchwandung befindet sich zu beiden Seiten
eine kleine runde Stelle, an welcher eine grosse Anzahl fei-
ner Oeffnungen, aus denen jedoch grössientheils auch Haare
hervorragen, zu Tage treten, Dieselben Hautlalgöffnıngen
finden sich an der Haut des ganzen Körpers, wo sie selbst
grösser oder weiter sind. Es führen jedoch jene zahlreichen
(40—50) Oeffnımgen zu gelben, 6—8 Linien langen und 1
Linien breiten Blindsäcken oder Blinddärmchen. Ihre Zahl
ist gegen 30; die ganze Drüse hat die Grösse eines Fünf-
groschenstückes. Es ist diese Stelle der Brusiwarze. platt
und mit Haaren, welche aus jeder Oeffnung hervortreten,
versehen. Also ist eine eigentliche papilla mammae_ nicht
vorhanden. Ebenso findet sich bei der weiblichen Echidna
das Rudiment des Sporns des Männchens wie bei Orni-
thorhynchus vor. An der Wurzel der Planta pedis der
kleinen Zehe gegenüber zeigt sich eine halbmondförmige
Hautfalte, unter welcher eine Oeffnung oder Tasche sich be-
findet. Bei einem darauf angewendeten Drucke tritt aus dieser
Tasche eine runde Warze, welche in der Mitte eine Pa-
pille trägt, zum Vorschein. Die Basis der Warze ist elwas
knorplig.
Das Auge ist klein, ebenso die Augenlieder und die
Niekhaut. Die Pupille rund. Das Corpus eiliare schmal. Die
Linse klein und plall. Die Choroidea dünn. Die Relina
schwach. Kein Marsupium, wie im Vogelauge.
Das Gehirn zeigt eine nicht geringe Entwickelung. Sein
Gewicht betrug fünf Quint, also übertrifft es das des Orni-
thorhynchus, welches nach Meckel 2 Drachmen wog, um
-
Zur Anatomie von Ornithorhynchus und Tachyglossus, 87
das Doppelte. Es ist das grosse Gehirn 1 Zoll 7 Linien lang,
1'/, Zoll breit, 1 Zoll hoch. Es sind drei Gyri anteriores,
drei Gyri posteriores und drei Gyri medii inferiores zu zäh-
len. Das Corpus callosum ist dünn, aber normal lang, der
Fornix beträchtlich. Die Ventriculi laterales weit. Corpus
rsiziatum und Thalamus mässig; Conarium und Corpora qua-
drigemina klein, einander gleich. Im Innern des Corpus siria=,
-ium ein sehr dieker runder Quer-Balken als Quer-Com-
missur, Das kleine Gehirn, welches nur. etwas vom hintern
Lappen des grossen Gehirnes bedeckt ist, ist 1 Zoll breit,
6 Linien lang. und 5 Linien hoch. Es besteht aus zwei Sei-
tenlappen und dem Wurm. Seine Blätter sind zart und schmal.
In dem 11—12 Aeste tragenden Stamme des Lebensbaumes
erkennt man das Corpus serralum. Die Pons Varolii ist sehr
schmal. Das Corpus pyramidale dick, dessen Kreuzung lang.
Das Corpus olivare stark, weniger das Corpus restiforme.
Der Neryus olfactorius bildet einen sehr mächtigen Gy-
rus. Der Nervus oplieus ist dünn. Das Infundibulum und
die ovale Glandula piluitaria sind mässig. Der Nervus Ill, IV und
VI, dünn. Der Nervus V. ziemlich stark, aber einfach, da
das foramen rolundum und ovale. mit der fissura orbit sup.
zusammenfallen, Die übrigen Nerven verhältnissmässig. Der
Neryus Xllist stark und geht wohl mit dem Nervus IX, X und XI
durch einen grossen, hinter dem kleinen foramen iugulare
liegenden Riss. Der ram, ethmoidalis des N. V. ist stark und
läuft in einem knöchernen Halbkanal neben dem wulstigen
Siebbein zur Nasenhöhle und hier in einem Halbkanal frei
am innern Rande des mit dem Oberkieferbeine verwachsenen
Nasenbeines aus. Die foramina infraorbitalia, 3—4, sind
fein und liegen nach vorn am Kieferrande.
Vergleichen wir das Gehirn der Echidna mit dem ver-
wandter Säugelhiere, so zeigt sich ein bedeutend höherer
Grad der Entwickelung desselben. Schon sein Gewicht zu
dem des Körpers, welches nach Meckel bei Ornithorhyn-
chus paradoxus sich wie 1 : 130 verhält, da es Irolz des
grossen Gewichtes der Stachelhaut wie 1 : 115 sich stellt,
zeigt einen höhern Stand an, als den des Gehirnes des Or-
3 nithorhynchus. Es ist zwar auf dieses stalische Verhältmiss
5 des Gehirnes zum Körper kein absoluter Werth zu legen, und
88 Mayer:
es gilt nur in der beschränkten Sphäre des Genus, indem
wir jasehen, dass jenes Verhältniss beim Kaninchen wie 1: 140,
beim Biber wie 1 : 290 ist: Auch erwähnt Meckel hier
kaum die Windungen, welche wir bei Echidna, an Zahl und
Dicke, den Windungen an dem Gehirn des Hundes und selbst
einiger Affen gleich stellen können, und welche somit dieses
‘Gehirn bei weitem höher stellen, als das Gehirn’der Nager,
, der Dasypoden, desIgelsu.s.f. Dass es mehr
als doppelt so gross und gewichtig, als das des Ornithorhyn-
chus, ist bereits bemerkt; auch steht es auf einer viel höhern
Stufe der Bildung in Beziehung auf innere Organisation, Es
scheint mir das Gehirn der Echidna in dieser Hinsicht durch
seine Länge, seine Breite nach hinten, die Zahl seiner Win-
dungen, so wie durch die Zahl der Blätter des’ kleinen Ge-
hirnes und dadurch, dass das grosse Gehirn das kleine
theilweise deckt, selbst eine höhere Entwickelung als das der
Faulthiere, bei welchen das Cerebellum noch ganz frei liegt, zu
zeigen. Weit übertrifft es aber das Gehirn der Gürtelthiere,
bei welchen die Windungen kaum merklich, ebenso das des
Bibers, bei welchem die Gyri kaum angedeutet sind. (Es sind
eigentlich nur drei Lobi beim Biber, bei Dasypus nur zwei
vorbanden). In dem Gehirne des Letztern ist das Corpus
callosum nur kurz, bei Dasypus sexeinelus nur eine sehr
schmale Markbinde, wie wir solche beim- Igel wahrnehmen ;
wogegen der Maulwurf ein grosses, mit dem Corpus striatum
in der Mitte zusammenhängendes und den Seitenventrikel in
zwei Räume abtrennendes Corpus callosum besitzt.
Ueber die Anatomie von Ornithorhynchus und Echidna
ist übrigens nur das, was Mieckel und Owen geleistet haben,
von Bedeutung. Im Artikel Monotremata der Todd’schen
Encyclopädie stützt sich Owen theils auf eigne Untersuchun-
gen, theils aber auf die vonMeckel, und in Betreff des Gehir-
nes der Echidna auf Eydoux und Laurent in der Voyage de
la Favorite 1839. Tom. V. p. 161.
Es sind hauptsächlich zwei Punkte, worüber ich noch
einige Bemerkungen der obigen Beschreibung der Eingeweide
des Ornithorhynchus und der Echidna hinzuzusetzen habe,
nämlich der des Baues des Gehirnes und der der weiblichen
Genitalien, namentlich der Ovarien.
ni
’
k
Zur Anatomie von Ormnithorhynchus und Tachyglossus. 89
Das Gehim- des Ornithorhynchus paradoxus hat Mec-
kel, wie es scheint, genau untersucht. Ju der Abbildung
sieht man keine Windungen’ verzeichnet. Im Texte heisst
es: in facie superiore haemisphaerii cerebri sulei quidam vix
perspicui, forsan non nisi a spiritu vini produeli. Wir wol-
dieses dahin gestellt seinlassen, glauben aber, dass Win-
dungen auch bei Ornithorhynchus Anrlbüs vorhanden sind,
da sie bei der verwandten Echidna so schön entwickelf vor-
kommen. Owen stimmt in dieser Hinsicht Meckel bei,
indem er an dem von ihm untersuchten Ornithorhynchus über
das Dasein der Windungen des Gehirns nichts meldet. Er
stützt sich also hierin nur auf Meckel und hat somit seine
Behauptung kein besonderes Gewicht. Ich zweifle nicht, dass
später eine genaue Besichtigung des Gehirnes von Ornitho-
rhynchus auch bei ihm die Windungen auffinden wird.
Ein ähnliches Verhältniss hat es mit dem Corpus cal-
losum. Meckel findet es wirklich bei Ornithorhynchus
paradoxus. Corpus callosum adest quidem sed breve, quum
haud quatuor lineas longitudine aequet. Owen bemerkt
hierzu mit Recht, dass dieses Mass schon ein grosses genannt
werden müsse, bei der Länge des Gehirnes von 14 Linien.
Owen will aber, das Corpus callosum soll dem Ornithorhyn-
chus ganz fehlen. Er sagt: Wohl erhaltene Exemplare von
Ornilhorhynchus setzen mich in den Stand, diese Frage zu
entscheiden. Es ist weder Corpus callosum noch septum lu-
eidum vorhanden. Ich muss auch diese Aussage als un-
glaublich bezeichnen, zumal man Meckel in dieser Hin-
sicht wohl vertrauen darf und.an den in den starken Weingeist
der Seeschiffe gelegten Thieren Gehirn und Corpus callosum
sehr hart und brüchig sind, also leicht zerreissen, wie es
auch Meckel eingesteht
Was nun das Gehirn der Echidna betrifft, so hat Owen
keine eigene Untersuchung, sondern liefert in dem erwähn-
ten Arlikel nur Abbildungen der Untersuchung von Ey-
doux und Laurent, Da aber hier von dem Corpus callosum
die Rede ist, wenigstens als einer kurzen Quercommissur, so
kann Owen doch der Echidna dieses Organ im Ernste nicht
mehr absprechen wollen. Ueberhaupt aber beweist das grosse
Volumen des Encephalums bei Echidna, die Zahl und
90 Mayer;
Tiefe seiner Windungen, die Länge des Corpus callosum, das
Bedecktsein der Corp. quadrigemina von ihm, die Grösse des
Cerebellums, u. s f. noch mehr, nämlich eine Annäherung
seiner Bildung zu dem Typus der höhern Thiere, selbst der
Quadrumanen.
Eine andere Controverse betrifft den Bau der weibli- .
Genitalien. Meckel gesteht selbst, dass’ seine Unter-
ng dieser Organe nur unvollköfimen sei. Auch lässt
sich in dessen Abbildung der weiblichen Genitalien das Ova-
rium gar nicht erkennen. Uebrigens, was uns hier zunächst
berührt, bildet Meckel diese Theile auf beiden Seiten in
gleicher Grösse ab. Owen dagegen bildet das rechte Ova-
rium klein und fast verkümmert ab, ebenso die Tuba dextra,
wogegen diese Theile links sehr entwickelt dargestellt wer-
den. Er legtauf diesen Unterschied ein grosses Gewicht, die
Analogie mit’ dem Baue der Geschlechtstheile der Vögel da-
rin erkennend. Ich konnte bei der jungen Echidna keinen
Unterschied in Grösse und Entwickelung der Ovarien und
Tuben wahrnehmen; bei dem ausgewachsenen Exemplare wa-
ren die Tuben ziemlich gleich, und das linke Ovarium ent-
hielt mehre vorgeschrittene Ovula, das rechte war aber eben-
falls gut entwickelt zugegen. So scheint mir zwar ein ge-
ringes Ueberwiegen der linken Seite des weiblichen Ge-
schlechtsapparates in Betreff der Ovarien obzuwalten, welches
jedoch nicht von der Art ist, dass das rechte Ovarium nicht
ebenfalls, und in gehörigem Grade an dem Generationspro-
cesse Antheil nehmen und somit nur eine geringe oder tem-
poräre Aehnlichkeit mit dem Typus der Bildung dieser Theile
bei den (meisten) Vögeln, bei welchen das linke Ovarium
und der linke Oviduct fast völlig verkümmert sind, sich bei
Ornithorhynchus und Echidna auszusprechen.
Ich glaube. daher, dass bei Echidna namentlich und so-
mit auch bei dem verwandten Ornithorhynchus die hervor-
gehobene Vogel-Aehnlichkeit mehr als partiell oder unter-
geordnet angesehen werden müsse, überhaupt aber nicht von
der Bedeutung sei, dass diesen Thieren eine ganz niedrige,
der Klasse der Vögel zunächst‘ stehende Stelle in der Scala
der Säugelhiere angewiesen werden dürfte, sondern glaube
vielmehr aus den angegebenen Daten über den Bau der Or-
s
Zur Anatomie von Ornithorhynchus und Tachyglossus. 9
gane dieser Thiere zum Schlusse berechtigt, dass die Stelle
‚ derselben mit der der ihnen verwandten Beutelthiere und
Wurmzüngler selbst bis zur untersten Stufe der Affenbildung
hinaufgerückt werden. müsse.
Wir dürfen es also als Schlusssalz aussprechen, dass
kin. auf einer weit höhern Stufe von Organisation steht
als Ornithorhynchus. . Sie könnte Ornithorhynchus terrestris
Heissen im Gegensatz des Ornithorhynchus paradoxus F-
ticus, da ihr die Schwimmhaut der Füsse fast völlig mangelt.
Ihre schöne Gchirnentwickelung, die Nägel an den Füssen,
die Lage des Herzens nach links sichern ihr eine höhere
Stufe, so dass sie wenigstens höher steht ‘als die Vermilin-
guia, deren Zunge sie besitzt.
Noch erwähne ich, dass die sogenannten Beutelknochen
bei Echidna nicht kurz und breit, sondern lang und gröss-
tentheils schmal sind. "Das Ligamentum teres des Pfannen-
gelenkes fehlt wirklich ganz, und die Stelle des acetabulums,
wo es sich anheften sollte, wie schon Meckel erwähnt, ist
eine Oeffnung. Diese ist bloss mit Fettmasse ausgefüllt. —
Als eine bemerkenswerthe Erscheinung verdient noch
berührt zu werden, die Ausmündung der Ureteren ausserhalb
der Harnblase, nämlich in dem Anfange der Urethra bei
Ornithorhynchus und Echidna, gemäss welcher die Anfüllung der
Blase mit Harn bei diesen Thieren nur durch einen Rückfluss
desselben von der Urethra in die Harnblase, sonderbarer Weise,
geschehen kann.
Untersuchungen über die Entwickelung
der Infusorien.
hi FRE 00,
Dr. Friedrich Stein, “
r Privatdocenten an der Universität zu Berlin.
(Hierzu Taf. I und II.)
1. Zur Entwickelungsgeschichte der Vorticella
microstoma Ehbg.
Aus der Gattung Vorticella habe ich besonders Vort,
mierostoma Ehbg. zum Gegenstand anhaltender Beobachtun-
gen gemacht, da diese in stinkenden Pfützen und faulenden
Infusionen überall sehr gemein und unter den so schwer zu
bestimmenden Arten dieser Gattung am leichtesten und si-
chersten, nicht bloss im erwachsenen Zustande, sondern auch
in den frühern Lebensstadien zu erkennen ist. Hat man eine
Infusion, in welcher dieses Thierchen häufig enthalten ist,
so lasse nlan sie, am zweckmässigsten in einem Gefässe mit
grosser Oberfläche, die man aber vor dem Bestäuben schüt-
zen muss, mehrere Tage lang ruhig stehen. Alsdann wird
man sich leicht zu allen Jahreszeiten von der Richtigkeit der
folgenden, von mir selbst sehr oft controllirten Beobachtun-
gen überzeugen können. Es hat sich nämlich dann an der
Oberfläche der Infusion ein grauer, nebelartiger Ueberzug
gebildet, auf den ich ganz besonders die mikroscopische Ana-
lyse zu richten empfehle. Er zeigt sich unter dem Mikro-
scope bei einer 300maligen Linearvergrösserung aus den aller-
feinsten Körnchen zusammengesetzt, zwischen welchen die
Jugendzustände verschiedener Infusorien von der winzigsten
Kleinheit, so wie Monaden und Vibrionen ihr Wesen zu trei-
ben pflegen. An zusammengetriebenen Haufen dieser Körn-
chen setzt sich unsere Vort. microstoma gern an, und man
wird an ihnen Individuen von der verschiedensten Grösse an-
treffen. Die grössten Individuen, welche ich beobachtete
Stein: Untersuchungen über die Entwickelung der Infusorien. 93
(vergl. Fig. 1. und 2.), zeigten eine Körperlänge von 1/5,‘
Ihr contractiler, sehr dünner Stiel war bald 2—3mal länger,
als der Körper (Fig.2.), bald kürzer (Fig. 1.), oder er fehlte
ganz, und dann sass das Thierchen mit der zugespitzten Ba-
sis des Körpers fest. Daraus geht schon hervor, wie auch
its durch Ehrenberg bekannt ist, dass der Stiel ein spä-
teres Product ist, als der Körper, und dass jener aus der Ba-
sis des Körpers hervorwachsen und diesen allmählig immer
weiter von seinem ursprünglichen Anheftungspunkte entfernen
muss. Der Körper ist im völlig ausgestreckten Zustande um-
gekehrt eiförmig, vorn gerade abgestuzt, und von der Mitte
aus nach vorn zu verengert, kurz vor dem gerade abgestutz-
ten Ende aber wieder ein wenig erweitert, ohne dass jedoch die-
ser erweitete Vorderrand, wie bei den andern Vorlicellen-
arten der Fall ist, einen wulstarligen Umschlag bildete ı).
Der abgestutzte Vorderrand schlägt sich nach innen und
hinten auf eine sehr kurze Strecke um, wendet sich dann wie-
der nach vorn, so dass dadurch eine ringförmige, dem Vorder-
rande des Körpers parallele Furche entsteht, in der auf der
einen Seite die weite runde Mundöffnung liegt, und endigt
dann, eine kleine Strecke über den Vorderrand des Körpers
hinaus vortretend, in der runden, deckelarligen, sogenannten
Slirnebene, deren Rand mit langen, der Willkühr unterwor-
fenen Wimpern besetzt ist. Die bei Vort. microstoma fast
plane Stirnfläche ist dem Vorderrande des Körpers nicht pa-
rallel, sondern gegen die der Mundöffnung gegenüberliegende
Stelle des Vorderrandes mehr oder weniger stark geneigt.
Schnellt das Thier seinen Stiel spirallföürmig zusammen, so
contrahirt sich auch der Körper zu einer Kugel, was dadurch
zu Stande gebracht wird, dass sich der ganze Vorderrand
des Körpers viel tiefer nach innen umrollt und damit den
sich gleichfalls contrahirenden Stirntheil in der Axe des Kör-
pers nach der Mitte zu hinabzieht.. Eine Vorstellung von
verschiedenen Graden der Contraclion geben unsere Fig. 7,
*) Ich gebe hier, wie überall im Folgenden, wo ich auf die Or-
ganisation der Infusorien eingehe, durchaus nur meine individuelle An-
schauungsweise und binde mich daher auch nicht streng an die bisher
befolgte Terminologie.
14
le
94 Stein:
Fig. 10. a. b. c. d. und Fig. 15, wobei in den beiden letztern
Figuren nur von der Hülle abzusehen ist, welche das contra-
hirte Thier umschliesst.
Die Mundöffnung führt in eine längliche, bis fast zur
Mitte des Körpers hinabreichende Mundhöhle oder Bade
röhre, in welcher man sehr deutlich lange, feine Cilien
N sieht. Die Mundhöhle geht hinten in einien sehr an
Darmkanal über, der freilich seim - Vorhandensein nur da-
durch zu erkennen giebt, dass die verschluckten Nahrungs-
mittel, wenn sie durch ihn hindurchgelin, enge lang gezo-
gene Ballen bilden. Gegen den Grund des Körpers verwan-
delt sich die Form eines solchen Ballens plötzlich in eine runde
um, und der runde Ballen wendet sich von hier aus mehr oder
weniger weit nach vorn. Es liegt nahe, zu schliessen, dass
der Darm, im hinteren Ende des Körpers angekommen, nicht
nach vorn umbiege, sondern dass er hier offen endige, und
dass die durch den Darm hinabgedrungenen Nahrungsmiltel
durch das offene Ende in die Körperhöhle gelangen. Die
Körperhöhle ist von einer homogenen, farblosen, weichen Sub-
stanz erfüllt, welche durch feine eingestreute Körnchen von °
verschiedener Grösse (Eier nach Ehrenberg) getrübt wird.
In diesem Körperparenchym sieht man bald zahlreichere kleine,
bald sparsamere grössere Nahrungsballen (Magenblasen Ehbg.),
die unter sich wieder verschiedene Grössen zeigen. Aus-
serdem fällt noch dicht unter der Basis der Mundhöhle eine
wasserhelle blasenartige Stelle (Samenblase Ehbg.) auf, welche
rhythmisch sich bis zum Verschwinden verkleinert und dann
allmählig wachsend, ihren frühern Umfang wieder erreicht.
Ferner bemerkt man stels, wenn nicht eine grosse Anzalıl
von Nahrungsballen dies verhindert, einen verschieden gekrümm=-,
ten, bandförmigen, körnigen, dunklern Körper (Hoden Ehbg.);
den ich mit dem alleemeinen, keine bestimmte Deutung an-
ticipirenden Namen Nucleus bezeichnen will. Seine Con-
luren treten gewöhnlich erst dann recht scharf hervor, wenn
das Thier abgestorben ist.
Zweierlei Fortpflanzungsweisen sind bei unserer Vorli-
cella leicht zu beobachten, die freiwillige Theilung, welche
stets nur der Länge nach erfolgt, und die Knospenbildung,
welche aber seltener eintritt, als die Theilung. Hinsichtlich
Untersuchungen über die Entwickelung der Infusorien. 95
dieser beiden Foripflanzungsweisen habe ich den Umstand
besonders hervorzuheben, dass sie keineswegs auf den er-
wachsenen Zustand beschränkt sind, sondern auf jeder Ent-
wickelungsstufe eintreten können. Ich habe sehr häufig In-
ividuen unserer Vorlicella, die noch nicht halb so gross
waren, als die grössten in derselben Infusion vorkommenden
Individuen, ja bisweilen noch viel kleinere, sowohl in der
freiwilligen Theilung, als in der Knospenbildung angetroffen.
In Fig. 3. ist ein ziemlich erwachsenes Thier, in der Längs-
theilung begriffen, dargestellt, in Fig. 4. nur ein halb so gros-
ses. Will sich eine Vorticelle theilen, so zieht sie zunächst
den Körper auf ihrem ausgestreckt bleibenden Stiel auf die
oben beschriebene Weise kugelförmig zusammen; alsdann
streckt sie sich mehr und mehr in die Breite, und bald kann
man nun die eingezogene Stirn und den eingestülpten Vor-
dertheil des Körpers nicht mehr unterscheiden. Der band-
förmige Nucleus ist inzwischen auch in eine quere Lage ge-
kommen, nnd er wird zuletzt durch die Einschnürung, wel-
che zuerst von der Mitte des vordern Endes des zusammen-
gezogenen Körpers aus beginnt, der aber später auch eine
enigegenwachsende Einschnürung von der Insertionsstelle des
Stiels aus folgt, in der Mitte durchgeschnürt, so dass jedes
neu entstehende Individuum eine Hälfte des Nucleus enthält.
Der Theilungsprozess kommt dadurch zu Stande, dass in der
Theilungsrichlung die feinen Körnchen: des Parenchyms ver-
schwinden und zwar in grösserer querer Ausdehnung nach
den beiden Endpuncten der Theilungsrichtung hin, als nach
der Mitte zu, so dass sich die Thöilangerichtäng als eine
lichte, aus zwei, mit ihren Spitzen aufeinanderstehenden Drei-
bohen zusammengeselzte Zone markirt. Bevor diese lichte Zone
völlig resorbirt wird, hat sich bereits eiwas hinter dem vor-
dern, eckig Yprspringenden Ende jeder Hälfte eine halbmond-
förmige Höhlung (vergl. Fig. 3.) gebildet, auf deren convexer
Basalfläche, welche die künftige Stirnebene der neuen Thiere
wird, deutliche Wimper mit langsamer, undulirender Bewe-
gung wahrzunehmen sind. Endlich bildet sich kurz vor der
vollendeten Theilung eine von der Mitte der obern Fläche
- der halbmondförmigen Höhlung nach der über ihr liegenden,
vorspringenden Spitze verlaufende Rinne aus, und damit ist
D
96 Stein:
das Vorderende jedes neuen Individuums vollständig ausor-
ganisirt. Es hat jelzt den Anschein, als sässen zwei voll-
ständige, auf die gewöhnliche Weise contrahirte Vorlicellen-
körper, mit ihren benachbarten Seiten dicht an einander ge-
drückt, auf einem Stiel. h
Sobald beide Individuen vollständig von einander ge-
ie sind, was durch die von jedem der beiden in der
Vorderhälfte völlig ausorganisirten Individuen angestelltem
Versuche sich auszusirecken und dann wieder zusammenzu-
ziehen, endlich erreicht wird, so sucht das eine die Spitze
des gemeinschaftlichen Stiels allein zu behaupten und völlig
ausgesireckt und mil seinen Stirnwimpern wirbelnd, Nahrung
herbeizuziehen, während das andere, rechtwinklig vom Stiel
abgebogen, meistens die Slirn und: den Vorderrand des Kör-
pers eingezogen behält (vergl. Fig. 5.). Dieses schickt sich
nun an, seinen Gefährten zu verlassen und an einem anderen
Orte aus seinem Hinterende einen eigenen Stiel zu produci-
ren. Zu dem Ende bildet sich elwas über der Basis des
Körpers in einer schon ursprünglich vorgebildeten ringförmi-
gen Einschnürung , welche die Basis des Körpers als einen
kurzen, umgekehrien Kegel von dem übrigen Körper absetzt,
ein lebhaft undulirender Wimperkranz. Vermittelst abwech-
selnder kurzer, heftiger Contraclionen und Expansionen reisst
sich nach und nach das Thier aus seiner bisherigen Verbin-
dung los und schwimmt nun, mit dem hintern Ende des Kör-
pers voran vermittelst des hier entstandenen Wimperkreises,
aber mit steis eingezogen bleibendem Vorderrande (Fig. 6.)
[rei im Wasser umher. Früher oder später selzt es sich
wieder an einer geeigneten Stelle mit dem wahren Hinterende
des Körpers fest, der Wimperkranz wird dann resorbirt, und
es wächst an der Anheftungsstelle ein neuer Stiel aus der
Körperbasis hervor. Individuen, welche sich it ihrem Hin-
terende festgeselzt, aber noch keinen Stiel hervorgelrieben
haben, hat Dujardin) für selbstständige Infusorienformen
gehalten und daraus eine neue Gatlung, Scyphidia, gebildet.
Diesing?) ist noch weiter gegangen und hat auf diese un-
*) Hist. nat. des Zooph. Infusoires p. 538. Taf. XVi. Fig. 4.
*) Systematische WVebersicht der Foraminifera monostegia und
N
Untersuchungen über die Entwickelung der Infusorien. 97
haltbare Galtung die besondere Familie der Scyphidieae ge-
gründet, wobei ihn eine irrthümliche Auffassung der von Du-
jardin gelieferten Abbildung geleitet hat. Er hat nämlich
die mit Wimpern besetzte innere Mundhöhle für eine aper-
iura oris spiralis gehalten.
> Das auf dem Stiele zurückgebliebene zweite Individuum
scheint auch nicht mehr lange auf seinem Stiele zu bleiben,
was ich daraus schliesse, dass ich sehr häufig nicht.'bloss
ältere Individuen (Fig. 2.), sondern. eben so .oft auch junge
(Fig. 7.) allein auf einem Stiele antraf, welche mit dem auf
ein nächstens erfolgendes Loslösen von dem Stiele hindeuten-
den hinteren Wimperkranz versehen, waren.
Die Knospen entstehen immer als einfache warzenför-
„ mige Auswüchse an den $eilen. des abgesetzten Basaltheiles
des Körpers (Fig. 1. und 8.), welche bald eine ‚eiförmige Ge-
stalt annehmen, aber nicht bis zur Grösse des Mutterkörpers
heranwachsen. Wenn sie noch einen sehr geringen Umfang
haben, kommt bereits die Organisalion des Stirntheils und
des ein- und ausstülpbaren Vorderrandes auf dieselbe Weise
zu. Stande, wie ich es vorhin bei der Entstehung zweier
neuen Individuen im Verlaufe des Theilungsprocesses be-
‚schrieb. Kaum hat sich das Mundende vollständig ausgebil-
del, so entsteht auch schon der Wimperkranz vor dem. hin-
tern Ende (vergl. Fig. 8.), und das junge Individuum verlässt
nun den ihn immer noch bedeutend an Grösse übertreffenden
Mutterkörper. Häufig sah ich zwei gleich grosse, durch Knos-
pung entstandene Junge dicht neben einander an einem Mut-
terkörper sitzen und sie auch in sehr kurzen Zwischenräu-
men denselben verlassen.
So wie ich aus diesen Beobachtungen die Veberzeutung
gewonnen ‚hatte, dass Theilung und. Knospenbildung: durchaus
nicht an den,erwachsenen Zustand eines Infusionsthieres ge-
bunden seien, so kam ich auf die gewiss sehr nahe liegende
Idee, dass diejenigen Individuen, welche das Maximum der
einer ‚Art zukommenden Grösse erreicht hätten, eine andere
Rolle zu spielen haben würden, als sich ferner durch fort-
Bryozoa anopisthia S. 33 (abgedruckt aus den Sitzungsberichten der
Kais, Acad. der Wiss. zu Wien Heft 5):
Archiv f, Naturgesch. XV, Jahrg, 1. Bd, 7
I
»
68 Stein:
gesetzte Theilung (mit der aber kein ferneres (Grösserwerden
verbunden‘ wäre) zu vermehren, und dass Theilung und Knos-
penbildung nür eine Vernehrungsart für den nichterwachse-
nen Zustand der Infusörien sein möchten, welchen man dem
Larvenzustande derjenigen wirbellosen Thiere vergleichen _
Pen die einem Generätionswechsel unterworfen sind. War
diese Idee richtig, 'so mussten die-erwachsenen Infusorien
auf irgend eine Weise Keimstöffe produeiren , aus welchen
Junge hervorgingen, die sich durch eine Reihe von Thei-
lungsprocessen allmählig Zum erwachsenen Zustände "heran-
bildeten. Diese Keimstoffe, 'dies lehrten weitere Beobachtun-
gen, mussten eine sehr geringe ‘Grösse besitzen und 'selbst
unter ‘den stärksten Verörössertngen des Mikroscops wohl
kaum anders, \denn als feine Körner 'erscheinen.
Ich komnte nämlich ‘die Vort. microstoma bis zu einer
sehr geringen Grösse 'herab verfolgen. Thierchen, deren
Körper nur "4, lang wär, 'gäbeh ‘sich noch ganz 'unzwei-
felhaft dürch das Zusimmenschnellen ihres’ Sliels ünd den Um-
riss ihres Körpers als zu Vort. mierostoma gehörig zu erken-
nen. In Fig.9. sind bei a. 'b. e. d. junge Individuen von
Y—yın Körperlänge dargestellt. Neben solchen Indivi-
.duen 'traf’ich 'aber noch viel kleinere zwischen ‘der feinen
Körnermasse, welche (die Öberfläche meiner Infusionen über-
208 (vergl. Fig.'9. ‘e. 'e.). Diese ‚sassen auf ‘einem äusserst
feinen ‘Stiel, (der nichtmehr contractil ‘war, auf dem aber der
Körper pendelartig’hin und her schwankte. Der Körper die-
ser Individuen war 41/450“ lang, ünd an seinem abge-
stützten Vorderende waren Winmper 'nicht mehr überzeugend
zur Anschauung zu bringen. Diese-Formen, welche ich stets
mit älteren Individuen von Vort. 'microstoma Zusammen an-
Araf, "halte ich \ohne'Bedenken für die jüngsten Entwickelungs-
stufen ‘dieses 'Thieres , wofür sie "auch Ehremberg bereits
anerkannt und abgebiklet hat. Dass sie zu Vort. 'mierostoma
gehören , schliesse ich 'besetiders auch daräus, ‚dass sie sich
häufig von’ der Körmermasse loslösten (Fig. ‘9. 'f.), “frei im
Wasser tuinherschwämmen und auf dieselbe Weise den Kör-
per ausreckten und zusammenziehend .contrahirten, wie ältere
unzweifelhafte Vorticellen, (die ebenfalls häufig mit ihrem Stiele
von dem Anheftungspuncte: losreissen und den ausgestreckt
Untersuchungen über die Entwickelung der Infusorien. 09
bleibenden Stiel mit sich ziehend, vermittelst ihres Stirnwim-
perkranzes umherschwimmen. Beim Umherschwimmen jener |
jüngsten Vorticellen glaube ich auch deutlich, namentlich an
den beiden Vorderecken, Wimpern unterschieden zu haben.
Will man nun nicht zur Generatio aequivoca seine Zu-
" Aucht nehmen, so muss man aus diesen Beobachtungen auf
eine äusserst geringe Grösse der Keimstoffe schliessen, wel-
chen die Vorticellen ihren Ursprung verdanken. Ohne Zwei-
fel ist Ehrenberg, sich auf ähnliche Beobachtungen stüt-
zend, zu demselben Schluss gekommen, und dieser ist wohl
die Veranlassung geworden, dass er die feinen Körnchen im
Leibesparenchym der Infusorien für (deren Eier in Anspruch
nahm, obwohl er gewiss niemals‘ aus diesen Körnern junge
Infusorien ‚auf eine, jeden Zweifel an seine Täuschung aus-
schliessende Weise, hat hervorgehen sehen. So sehr ich nun
Ehrenberg darin beistimmen zu können glaubte, dass die
Keimstoffe der Iufusorien hinsichtlich ihrer Grösse im Allge-
‚meinen, wohl mit den gröbern Parenchymkörnern überein-
‚stimmen könnten, so wagte ich doch nicht, ihm darin zu
folgen, die Parenchymkörner selbst für die Keimstoffe ‚der
Infusorien anzusehen, und zwar deshalb nicht, weil sie in
‚demselben Thiere eine zu verschiedene Gestalt und Grösse
‚zeigen, weil sie ferner schon in den jüngsten Individuen vor-
«handen sind, und weil ich niemals ‚ein Ausscheiden ‚derselben
‚aus dem Leibe der Infusorien beobachten konnte.
Meine Untersuchungen über die gregarinenarligen Thiere,
‚die ohne Zweifel den Infusorien sehr nahe verwandt ‚sind,
‚brachten mich nun auf die Vermuthung, dass sich viel-
Jeieht ‚die Infusorien ‚auf ‚ähnliche Weise fortpflanzen möch-
‚ten, wie ich es für jene Thiere nachgewiesen habe °). Ich
fand nämlich, dass. sich je zwei erwachsene Gregarinen kug-
Jlig zusammenziehen, ‚dann sich dicht aneinanderlegen und
„durch Ausscheidung eines gallertarligen ‘Stoffes, der allmählig
_ serhärlet, mit ‚einer kugelförmigen ‚Cyste umgeben. Darauf
werden die Körperwandungen ‚der ‚beiden ‚eneystirten Indivi-
duen resorbirt, der ‚beiderseitige Körperinhalt fliesst zu ei-
nem Ballen zusammen und dieser verwandelt sich an seiner
Bi
#) Müllers Archiv 1848 $, 182 folg.
100 { "Stein:
Oberfläche in zahllose Sporen, während der centrale Theil
des Ballens verflüssigt wird ‚und wahrscheinlich zuletzt das
Platzen der Cyste und dadurch den Austritt der Sporen ver-
mittelt 1). Sollte eine ähnliche Entwickelungsweise bei den
Infusorien stattfinden, so musste vor allen Dingen der Eney-_
ungsprozess nachgewiesen werden. Dies gelang mir auch
A bald und zwar bei sehr verschiedenen Infusoriengat-
tungen.
Hinsichtlich der Vort. mierostoma führten meine 'Be-
mühungen zu folgenden Resultaten. Sowohl zwischen der
feinkörnigen Masse an der Oberfläche der Infusion, als auch
an den Wanduugen des dieselbe enthaltenden Gefässes fand
ich so häufig, dass ich ‘noch jetzt nicht begreife,, ‘wie ‘das
hat bisher übersehen werden können, kugelrunde Cysten, von
welchen die grössten '/,,‘“ im Durchmesser massen, also eine
Grösse hatten, die etwa der halben Länge des Körpers er-
wachsener Individuen gleichkommt (vergl. Fig. 13. 14. 15.).
Die Hülle dieser Cysten war von deutlichen doppelten Con-
tourlinien begränzt und bestand aus einer elastischen, homo-
genen, durchsichtigen und farblosen Substanz, dem äusseren
Ansehen nach ganz derjenigen gleich, welche die Cystenhülle
der Gregarinen bildet. Der Inhalt dieser Cysten liess kaum
einen Zweifel übrig, dass ich es mit eneystirten Vorticellen
zu thun halte; jede Cyste umschliesst aber nur einen Vorti-
cellenkörper, nicht zwei Individuen, wie es bei den Gregari-
nen allgemein der Fall ist. Ich erkannte nämlich in den
meisten Cysten mit grosser Leichtigkeit den characteristischen
bandförmigen Nucleus. In vielen Cysten (vergl. Fig. 13.)
sah ich über allen Zweifel deutlich den kugelförmig contra-
hirten Körper der Vorticellen, und daran unterschied ich den
nach innen eingerollten Vorderrand des Körpers und die einge-
zogene Stirn, die Mundhöhle. als eine geschlängelte Furche
und die contractile Stelle, welche auch jetzt noch abwech-
selnd sich zusammenzieht und ausdehnt. Niemals ist an den
eneyslirten Vorticellen auch nur eine Andeutung von den run-
den Nahrungsballen, die in den freien Vorlicellen wohl nie
t) Die letztere Bestimmung füge ich hier nach neueren Beob-
achtungen hinzu,
Untersuchungen über die Entwickelung der Infusorien. 101
vermisst werden, zu unterscheiden. In anderen Cysten (Fig. 1%)
ist das eingezogene Vorderende des Körpers und die Stirn
nicht mehr wahrzunehmen, die contractile Stelle ist aber noch
vorhanden und sie nimmt nicht selten beim Ausdehnen eine
doppelbrodartige Gestalt an. Innoch anderen Cysten (Fig. 15)
ist auch die contractile Stelle geschwunden, und die Cyste
erscheint nun von einem gleichartigen, viel opakern grobkör-
nigeren Inhalte ausgefüllt, zwischen dem der bandförmige Nu-
eleus nicht mehr bestimmt nachzuweisen ist. In unserer Fig. 15.
ist leider durch eine falsche Auffassung des Kupferstechers
dies eigenthümliche Ansehen des Inhalts sehr wenig naturge-
treu dargestellt und ausserdem auch irrthümlich ein Nucleus
angedeutet worden. Weitere Veränderungen habe ich nie
mit dem Cysteninhalte vor sich gehen sehen. Wohl aber
traf ich bisweilen ganz’ leere, noch vollständig kugelrunde
Cystenhüllen, die dann aber an irgend einer Stelle’ einen un-
regelmässigen Riss wahrnehmen liessen, durch welchen der
Inhalt herausgelangt sein musste. Endlich fand ich auch
freie kuglige Körnerhaufen, die in Grösse und Ansehen dem
Inhalte der zuletzt erwähnten Cysten so täuschend ähnlich
waren, dass ich sie recht wohl für den aus den Cysten her-
ausgetretenen Inhalt ansehen konnte. Diese freien Körner-
kugeln bestanden aus zweierlei Substanzen, nämlich aus einer
homogenen Grundsubstanz und aus zahllosen, in derselben
eingebetteten, dunkelcontourirten Körnchen. Neben diesen
Körnerkugeln fanden sich grössere , unregelmässig scheiben-
förmige Körnergruppen, die ebenfalls von einer durchsichti-
gen Grundsubstanz zusammengehalten wurden, in der aber
die einzelnen Körnchen weiter unter einander abstanden.
Ohne Zweifel waren diese scheibenförmigen Körnergruppen
aus den eben erwähnten Körnerkugeln dadurch hervorgegan-
gen, dass deren Grundsubstanz sich durch Aufnahme von
Wasser ausgedehnt und dadurch die Körnchen weiter ausein-
andergetrieben halte. An der Oberfläche der Infusion ver-
fliessen die scheibenförmigen Körnergruppen nach und nach‘
zu einer zusammenhängenden Schicht von 'Körnern und an
diesen erscheinen, wie ich oben berichtete (man vergl. auch
Fig. 9), die jüngsten Entwickelungssiufen der Vorticellen»
Diese feinen Körnchen, die ich auch häufig in künstlichen
102 "N Stein: iM iny
Infusionen dem Erscheinen der Infusorien vorausgehen ‚sah;
würden‘ hiernach als Keimkörner änzusehen sein, ‚und der
Eneyslirungsprozess der. Vorticellen würde, wenn die von
mir beobachteten ‚Momente wirklich so aufeinander folgen,
wie sie eben ‚ geschildert wurden , denselben Zweck haben,
wie, bei den Gregarinen, nämlich die Umwandlung des eney-
Er. Vorlicellenkörpers in ‚Sporen. Die äusserst geringe
Grösse der Vorticellensporen würden uns nunmehr ‘das Er-
scheinen von Vorticellen auch in den scheinbar sorgfältigst
verschlossenen Gefässen erklärbar machen, ohne dass. wir
zu einer generalio aequivoca unsere Zuflucht zu nehmen
brauchten.
Ich will nun aber äuch die Bedenken nicht verschwei-
gern, welche sich mir 'bei weiter fortgesetzten Untersuchungen
gegen diese Auffassungsweise des Encystirungsprozesses der
Vorticellen aufgedrängt haben. Ich fand nämlich nach und
nach Vörticelleneysten 'von sehr viel geringerer Grösse und
zwar durch alle Grössenverhältnisse herab bis zu einem Dürch-
messer von %/,,0; diese mussten also aus Vorticellen her-
vorgegangen sein, die ich bisher für Jugendzustände ange-
sehen hatte. Diese Beobachtung nöthigte mich, entweder die
ursprünglich gehegie Idee, dass die Vorlicellen sich durch
eine Reihe nach einanderfolgender Theilungsprozesse erst zu-
letzt auf die Stufe erhöben, auf welcher sie Keimstoffe zu
produciren im Stande seien, aufzugeben, oder ich musste die
oben entwickelte Ansicht von der Bedeutung des Enöysti-
rungsprocesses fallen lassen ünd mich nach‘ einer anderen
umsehen. Eine solche war, ohne dass ich einen Irrihum in
meinen Beobachtungen vorauszusetzen brauchte, noch recht
gut denkbar. Die Cysten nämlich, welche ich für am weite-
sten in der Umwandlung vorgeschritten und mit einem kugel-
förmigen Sporenballen erfüllt ‚angesehen hatte, könnten mög-
licher Weise von den anderen, mit einem unveränderten Vor-
ticellenkörper erfüllten und von mir für‘ jünger gehaltenen
Cysten nur dadurch verschieden sein, dass in ihnen ein Vor-
ticellenkörper eingeschlossen war, der sich schon vor der
Eneystirung durch sehr grobe Parenchymkörner ausgezeich-
net und bei der Eneystirung so stark kuglig contrahirt hatte,
dass Stirn, Mundhöhle , die contractile Stelle und der Nucleus
Untersuchungen über die Entwickelung der Infusorien, 103
nicht mehr unterschieden werden konnten und so: der ganze
Körper das Ansehen einer gleichförmigen Körnerkugel: an-
nahm. Die leeren Eysten wären dann so zw‘erklären, dass
der eingeschlossene: Vorticellenkörper später: seine Cyste wie-
der: freiwillig verlassen hätte, um von Neuem wieder einen
Stiel zu produeiren und seine gewöhnliche Lebensart fortzu-
setzen, und ‘der Encystirungsprozess hätte. dann die. Bedeu-.
tung, dass ein äusserer schädlicher, das Leben der Vorticel-
len bedrohender Einfluss, z. B. Wassermangel oder. ein im
Wasser vor sich gehender Zersetzungprozess die Vortlicellen
genöthigt hätte, sich dagegen durch Einhüllung: in eine Cyste
zu schützen.
Dass wirklich solche äussere Einflüsse, wie Wasserman-
gel und in einem sehr starken Fäulnissprozess begriffene In-
fasionen, die Vorlicellen sich auf eine Zeib lang, bis wieder
dem Leben günstigere ‘Umstände eintreten, zu encystiren
nöthigen können, schliesse ich aus einer anderen Reihe von
Beobachtungen. An einem sehr heissen Sommertage nahm
ich eine grosse Partie von conjugirten Spirogyra princeps
Link mit nach Hause. Schon unterweges fingen diese Confer-
ven an in Fäulniss überzugehen ; ieh überzeugte ‚mich aber
noch Abends, dass sie mit zahllosen jungen Individuen der
Vortic. nebulifera Ehbg. besonders in den dureh die Conju-
gationswarzen gebildeten Winkeln besetzt waren. Diese In-
dividuen zeigten aber nicht mehr die gewöhnliehen lebhaften
Bewegungen , sondern ihre Stiele waren in eng aneinander-
schliessende 'spiralige Windungen conirabirt und auch der
Vordertheil des Körpers war eingezogen. Am anderen Tage
halten sich die immer noch auf ihren contrahirten ‚Stielen
sitzenden Körper mit einer Cysle umgeben. Dergleichen ‚auf
einem spiralförmig contrahirten Stiele sitzende ‚Cysten bildet
auch Vort. mierostoma, und ich habe sie häufig, dach: nicht
immer, mit den ungeslielten in derselben Infusion angetroffen.
Jene Cysten scheinen aber doch auch ausser demStiele noch
von den ungestielten Cysten wesentlich versehieden zu sein.
- Ihre Hülle ist nämlich faltig’und runzlig, während sie bei den
ungeslielten ganz glatt ist; die ganze Cyste ist ferner‘in der
Regel mehr oval, als rund, und innerhalb der Oyste unter-
scheidet man meistens den unveränderten Vorlicellenkörper.
r
104 Stein:
Untersucht man den feuchten braunen Ueberzug, welcher sich
durch Verdunstung des Wassers der Infusion über dem Ni-
veau ‚derselben an den Gefässwandungen abselzt‘, so trifft
man auch darin neben ungestielten runden Cysten ovale ge-
stielte (vergl. Fig. 10. a—d), deren Stiel aber gewöhnlich
nicht mehr spiralig contrahirt, sondern unregelmässig hin und
gewunden ist. Innerhalb ‚dieser Cysten sah ich den
Vorticellenkörper nicht selten so stark zusammenzuckend sich
contrahiren, dass der obere Theil der Cyste leer wurde (vgl.
Fig. 10. d.). Dabei verändert auch häufig die Cyste selbst
ihre ovale Gestalt in eine umgekehrt birnförmige (Fig. 10. b),
und ich sah dabei deutlich, dass die Basis des Vorticellen-
körpers mit dem Stiele ohne Unterbrechung, zusammenhing.
Dass diese Vorticellen sich nur wegen Wassermangels ency-
stirt hatten, schliesse ich daraus, dass sich mehrmals diese
Cysten unter meinen Augen an der Spitze öffneten. Der ein-
geschlossene Vorticellenkörper arbeitete sich dann mit-einer
gewissen Ansirengung aus seiner Cyste hervor (vergl. Fig. 11).
Sobald das vordere Ende des Körpers zur auseinanderge-
drängten Cystenspitze herausgetreten war, begann auch schon
die Stirn und ‘ihr Wimperkranz sich zu entfalten und das
Thier erregte dann‘ den gewöhnlichen Wirbel im Wasser.
Nicht lange mehr währte es,'so hatte sich der Körper völlig
zu seiner gewöhnlichen Gestalt ausgereckt, und die Cyste er-
schien nun als ein unregelmässiger, faltiger, eiförmiger, vorn
schief abgestutzter Napf (Fig.12.), der nur an der, Gränze
von Körper und Stiel der Vorticelle festhing, und in welchem
der Vorticellenkörper, wenn er beunruhigt wurde, zusammen-
schnellend auf ähnliche Weise zurückfuhr, wie eine Vagini-
cola auf den Boden ihres Bechers. Wahrscheinlich lösen
sich die so freigewordenen Vorlicellenkörper von ihrem Stiel,
um an: einer anderen Stelle sich wieder festzusetzen.
Aus diesen Beobachtungen ‘könnte man nun folgern,
dass auch die runden ungestielten Cysten nur ephemere Ver-
puppungen eines von seinem Stiele gelösten Vorlicellenkör-
pers seien, der später ebenfalls in unveränderter Gestalt wie-
der daraus hervorschlüpfen werde, wenn die seine Existenz
begünstigenden äussern Umstände wieder eingetreten. seien.
Die vorgeblichen Veränderungen im Innern der ungestielten Cy-
Untersuchungen über die Entwickelung der Infusorien, 105
sten würde man dann entweder auf die von mir oben ver-
suchte Weise erklären oder sie auf Rechnung einer Täuschung
von meiner Seite bringen. Haben aber diese Folgerungen
mehr Wahrscheinlichkeit für sich, als meine zuerst ausge-
sprochene Ansicht, dass in den ungestielten Cysten der ein-
lossene Vorticellenkörper in Sporen umgewandelt werde?
Ich glaube auf diese Frage mit Nein antworten zu könnem
und zwar umso mehr, da ich, gar keine äussere Veranlas-
sung auffinden kann, welche die von ihrem Stiel gelösten
Vorlicellenkörper bestimmt haben könnte, sich zum Schutze
ihrer Exislenz, zu encysliren. Denn die runden ungeslielten
Cysten schwimmen frei ih derselben Infusion, in der tausend
jüngere und ältere Vorticellen ganz munter und. wohl ihr We-
sen treiben.
Ich glaube daher schliesslich aus meinen Beobachtungen
nur dies Endresullat ziehen zu können, dass die Vorticellen
aus Sporen ihren Ursprung nehmen, sich dann durch Thei-
lung und Knospenbildung vermehren, bis sie von einer ge-
wissen Grösse ab, die aber etwa um das Vierfache kleiner
sein kann, als die Grösse der unter den günsligsten äussern
Lebensbedingungen herangewachsenen Individuen, die Fähig-
keit zur Sporenproduction erlangt haben. Diese kommt da-
durch zu Stande, dass das dazu befähigte Individuum- sich
' von seinem Stiele löst, dann mit einer kugligen Cyste um-
giebt, worauf die vorhandenen Organe des Körpers resorbirt
werden und mit dem innern Körperparenchym verfliesen. Aus
dieser Masse geht eine homogene ‚gallertarlige Grundsubstanz
und zahllose in derselben eingebettete Sporen hervor , deren
. Grösse und Gestalt mit unsern gegenwärligen oplischen Hülfs-
milleln nur annäherungsweise bestimmt werden können.
Wahrscheinlich geht der Anfang zur -Sporenbildung von dem
bandförmigen Nucleus aus.
ö lch verkenne nicht, wie viel Hypolhetisches ‚noch in
dieser Ansicht enthalten ist; ich habe sie aber nicht zurück-
halten wollen, weil ich hoffe, dass dadurch umsichtigere For-
scher veranlasst werden dürften, auf der von mir angereg-
ten Bahn weiter vorzudringen, um einen. für die allgemeine
- Pliysiologie gewiss höchst wichtigen Punkt endlich ins Klare
zu bringen,
106 Stein:
In der Hoffnung, bei verwandten Gattungen: zu) einem
Sichereren und mehr befriedigenden Resultate, zu gelangen,
- ging ich an die Untersuchung der Vaginicola erystallina ; al-
lein hier) stiess ich auf ganz neue, völlig unerwartete und
wunderbare Erscheinungen, von welchen ich in dem folgen-
den Abschnitt Bericht erstatten will. el:
ur Entwickelungsgeschichte der Vaginicola
4 >= „erystallina Ehbg.
Die Vaginicolen sind ungestielte, langgeStreckte Vorti-
cellen, welche im Grunde einer becherförmigen, homogenen,
biegsamen Hülse festsitzen, über deren Vorderrand das vor-
dere Ende des Thieres Inebt oder weniger weit im ausge-
streckten Zustande hinausragt. Von den drei bekannten Ar-
ten der Gait. Vaginicola sind zwei, nämlich Vag. eryslallina
und decumbens, sehr häufig bei uns anzutreffen, die dritte,
Vag. tincta seltener. Vag. decumbens fand ich besonders
zahlreich auf den Gehäusen junger Planorbisarten, bisweilen
60 und mehr Exemplare auf einer einzigen Schale, was ich
hier desshalb erwähne, weil diese zierliche Infusorienform
bisher anderwärts nicht gefunden worden ist. Sie ist aber
auch bei uns an Wasserlinsenwurzeln ziemlich gemein. Zum
Studium der Entwickelungsgeschichte eignet sich Vag. ery-
stallina am besten, da sie sehr gemein und ihr Becher völlig
farblos und krystallhell ist, während er bei den andern Ar-
ten meist trübe, ocherfarbig oder rostbraun ist.
Die grössten Exemplare der Vagin. erystallina traf’ ich
auf den Wurzeln der Wasserlinsen ; die an Vaucherien und dün-
nern Conferven’ sitzenden werden kaum halb so gross. Auch
unterscheiden sie sich von den erstern dadurch, dass ihr Be-
cher nicht sitzend ist, wie es der von Ehrenberg angege-
bene Character der Gattung Vaginicola verlangt, sondern mit-
telst ‘eines deutlichen Stieles festsitzt (vergl. Fig. 16—-19.),
der nur wenig kürzer ist, als der von Cothurnia imberbis
Ehbg. Auch Dujardin !) hat diese mit einem gestielten
Becher versehenen Formen der Vag. erystallina beobachtet,
und ist dadurch bestimmt worden, die Gattung Cothurnia,
t) Infusoires p. 564.
Untersuchungen über die Entwickelung der Infusorien. 107
welche nur auf das Vorhandensein eines Stiels am Becher
gegründet ist, einzuziehen. Nach dem, was ich über die Ent-
wickelung der Cothurnia imberbis beobachtet habe, kann ich
ihm hierin nicht bestimmen, gebe aber zu, dass der Galtungs-
character‘ von Cothurnia wegen jener kurzgestielten Vagini-
enform einer Abänderung bedarf. Anfangs hielt ich die
kleinen, mit einem gestielten Becher versehenen Vaginicolen
für specifisch verschieden von den grössern, mit sitzendem
Becher; allein ich fand nach und nach ‘zwischen den beiden
extremen Formen zahlreiche Uebergänge. .
An den kleinsten, von mir bis jetzt aufgefundenen Exem-
plaren der Vag. erystallina war der Becher kaum 'y,,“ lang,
und der grösste, etwas über der Basis gelegene Breitendurch-
messer maass '/,,0‘. Exemplare, deren Becher Yu!‘
lang und '/y““ breit ist, wie sie in Fig. 16. und 17. darge-
stellt: sind, finden sieh im Mai und Juni sehr häufig auf dün-
nen Conferven, oft 5—6 in geringer Entfernung von einan-
der auf demselben Faden. Die grössten Exemplare auf Con-
ferven (ähnlich Fig. 19.) zeigen eine Becherlänge von 1/,,'
und eine Breite von 1,“ Die grössten Exemplare auf den
Wurzeln der Wasserlinsen haben einen Becher von !/,— 4"
Länge und '/y Breite (ähnlich Fig. 24.). Die beobachteten
Gränzwerthe für die Länge des Bechers sind also 1,,—1/4
und für die Breite Y/as— Yo".
Bei diesen bedeutenden Grössendifferenzen zeigen doch
alle Individuen eine völlig übereinstimmende: Organisation,
welche von der der Vorticellen in keinem wesentlichen Puncte
verschieden ist. Die Gesammtform des auf dem Boden des
Bechers: befestigten, dem Vorticellenkörper entsprechenden
Thieres ist eine viel schmächtigere, einem langgezogenen Cham-
pagnerglase ähnliche.‘ Der Vorderrand des Körpers ist nach
i aussen wulstförmig umgeschlagen (Fig. 24.); die auch hier
wie ‚ein schiefer‘Deckel vortretende und mit einem Wimper-
kranz am Rande besetzte Slirn ist mehr oder weniger ge-
wölbt. Die mil zarten Wimpern beselzte Mundhöhle reicht
fast bis auf ein Drittel in die Körperhöhle hinab; auch kann
man öfter deutlich einen vengen, Jaran sich schliessenden
Darın bis gegen den Grund des Körpers hinab verfolgen.
Die Nahrungsballen erscheinen a als einzelne grös-
u
"x
108 Stein: \
sere Kugeln; doch sieht man auch sehr häufig indem Kör-
perparenchym unzählige kleine und grössere grüne Kügelchen
vertheilt, welche bald verschluckte, grüne, monadenartige
Ike bald Pflanzenchlorophylikörner sein mögen. Aus-
serdem erscheint in den farblosen Individuen etwas unter und
neben dem Ende der Mundhöhle eine blasenarlige contractile
in der homogenen, die Leibeshöhle erfüllenden
_— Substanz sehr feine Körnchen. Ein Nucleus ist ebenfalls vor-
handen, aber bisher übersehen worden, da er nur selten
deutlich erscheint; er ist Bio bandförmig, sondern scheiben-
förmig.
Nirgends überzeugender, als 'bei Vag. cryslallina, lässt
sich der Nachweis führen, (dass freiwillige Theilung und Knos-
penbildung auf allen Entwickelungsstufen eintreten. Die Knos-
penbildung, die gar nicht so selten zu beobachten, aber noch
bisher unbeachtet geblieben zu sein scheint, findet ‘ganz so
wie, bei Vort. mierostoma an der Basis des Körpers statt;
auch hier lösen sich die Jungen, wenn sie noch‘ sehr klein
sind, vom Mutterthier ab, und auch hier entstehen häufig
gleichzeitig zwei Knospen dicht neben einander. In Fig. 18.
ist eine Vaginicola abgebildet, an deren Basis ‘zwei durch
Knospenbildung hervorgegangene Junge sitzen, welche im
Begriff sind, das Mutterthier zu verlassen, wie der an ihrem
Hinterende entwickelte Wimperkranz andeutet.
Was die Theilung betrifft, so’ sind 'in Fig. 16 und 17.
sehr junge Exemplare, deren Becher nur */,,‘“ lang ist, dar-
gestellt, und bereits zeigt sich in Fig. 16. die Längstheilung
vollendet, in Fig. 17. aber hat sich das eine der ‘beiden aus
der Längstheilung hervorgegangenen Individuen schon eiför-
mig zusammengezogen, und im Anfang des hintern Drittels
ist aus einer ringförmigen Einschnürung ein Wimperkranz
hervorgewachsen. ' Der hinter dieser Einschnürung gelegene
Theil des Körpers ist breiter, als der vor ihm gelegene, so
dass das ganze zusammengezogene Thier einer in ihrem Napfe
steckenden Eichel gleicht. Man vergleiche Fig. 19., wo ein
viel älteres Exemplar auf derselben Bildungsstufe darge-
stellt ist, während Fig. 24. ein 'erwachsenes Exemplar mit
zwei ausgestreckten, aus der Längstheilung hervorgegangenen
Thieren darstellt. Bald nachdem sich der hintere’ Wimper-
e
N DI
Untersuchungen über die Entwickelung der Infusorien. 109
kranz. gebildet hat, löst sich das Thier aus seiner Verbindung
mit dem Becher, es dreht sich noch innerhalb‘ des Bechers
um, und sucht den Ausweg aus demselben , der ihm nicht _
selten längere Zeit durch das andere, ausgestreekt bleibende,
oder doch‘ nur theilweis zurückgezogene Individuum ver-
schlossen bleibt. Hat das abgelöste Thier das Freie gefunden,
so streckt es sich länger aus und schwimmt nun ganz nach
der Weise abgelöster ‚Vorlicellenkörper mit dem Hinterende
voran im Wasser umher. Wahrscheinlich sondern diese freien
Vaginicolen, nachdem sie sich an einem anderen Orte wieder
festgesetzt haben, aus der Basis ihres Leibes die Subslanz
zu einem neuen Becher ab, was ich daraus schliesse, dass
ich einige Male Vaginicolen antraf, die in einem sehr. kur-
zen, flach napfförmigen: Becher sassen.
Die Vaginicolen ‚erlangen schon auf einer frühen Ent-
wickelungsstufe, noch lange, bevor sie nur ihre milllere Grösse
erreicht haben, die Fähigkeit, eine höchst seltsame Meta-
morphose einzugehen, die ich lange irrthümlicher Weise für
eine Vorbereitung zum Sporenbildungsprozess ansah und des-
halb mit dem: Encyslirungsprozess ‚der 'Vorlicellen parallel
stellte. Ein Zufall: führte mich auf die Entdeckung, dieser
Metamorphose. Ich. hatte nämlich im vorigen Jahre gegen
Ende des Maies eine Parlie dünner Confervenfäden in der
Absicht eingesammelt, daran die Vag. crystallina aufzusuchen,
um sie meinen‘ Zuhörern vorzeigen zu können. Zu meiner
Freude fand ich diese Fäden zu Hause so reichlich mit jenen
Thierchen besetzt, ‘dass ich fast jedes Mal, wenn ich einige
Fäden unter das Mikroscop brachte, mehrere Exemplare ‘auf
einmal im Gesichtsfelde halte. ‚ Meine beabsichtigte Demon-
siralion verzögerle sich zufällig um mehrere Tage, und als
ich nun die Thierchen zeigen wollte, war ich 'sehr erstaunt, an
meinen Conferven erst nach längerem Suchen hin und wieder
einzelne Vaginicolen anzutreffen. Dafür aber fielen mir sehr
häufig überaus zierliche, seltsame Körperchen (vergl. Fig. 20.
21.) auf, welche ich früher noch nie gesehen hatte, und in
denen ich bald eine Form derjenigen merkwürdigen Gebilde
erkannte, welche Ehrenberg für selbstständige Infusorien-
formen angesehen und unter dem Galtungsnamen Acineta an
das Ende der bacillarienarligen Infusorien gestellt hat. Jeden
410 x Stein:
Gedanken, dass: das Auftreten dieser Gebilde zufällig sein
könne und mit dem Verschwinden der Vaginicolen in keinem
Zusammenhange stehe, musste ich aufgeben, so: wie ich die
Formenverhältnisse jener Körper näher ins Auge fasste und
mit dem'Bau der in ihrer Gesellschaft vorkommenden nz
nicolen verglich. :
Sie bestanden nämlich aus einem Yrysteileelläigirkurn
ten, halbeiförmigen Becher , der vonder untern Hälfte
‘eines Vaginicolenbechers nur dei verschieden war, dass ver
sich von der Basis wach vorn zu 'stelig erweiterte. Vom
war (dieser Becher nicht offen, sondern mit 'einem sehr ei-
genlhümlichen, dachförmigen Verschluss versehen , "welcher
wie aus dreieckigen, mit den ‚Spitzen 'sehr stark gegen ein-
ander geneigten Feldern, «die eine unmittelbare Forlsetzung
der Beeherwandungen bildeten, zusammengesetzt schien. Of-
fenbar war dieser dachförmige Verschluss des Bechers nichts
weiter, als die obere Hälfte eines Vaginicolenbechers, wel-
che aus ihrer ursprünglichen Lage gewaltsam gegen die Axe
des Bechers zusammengezogen worden’ war, wodurch sich
eine Anzahl vom 'Gipfel des dachförmigen Verschlusses strah-
lenförmig auseinanderlaufender Falten und "Zwischenräume
bilden musste, die sich zum Theil bis zur Basis )des ganzen
Bechers hinab. erstrecken. In dieser gewaltsamen Zusam-
menfaltung wird die vordere Hälfte des'Vagimicolenbechers
durch eine gallertartige zähe Substanz gehalten, 'welche über
die vorderen Ecken des dachförmigen Verschlusses als ein
abgerundeter, viel weniger stark contourirter Hof hervortritt.
Die Höhe der geschlossenen Becherchen betrug ‘meistens
Yo Yuo(, ihre (grösste Breite Y,,— 1/45) doch" 'habe ich
auch hin und wieder noch kleinere‘ ‚gefunden. Die Länge
des Bechers der grössern Vaginicolen, “welche ich im ihrer
Gesellschaft traf‘, betrug durchschnittlich 1/4 und ihre
grösste Breite '/,,“. Hieraus’ geht (abermals ‘hervor, «dass (die
geschlossenen Becherchen aus ‚einer ‚Umwandlung ‘der grös-
sern 'Vaginicolen hervorgegangen sein müssen.
Der inhalt’ der geschlossenen 'Becherchen' bestand bei
‚den Exemplaren, welche mir zuerst‘ unter die Augen kamen,
aus einem bald rundlichen, bald ovalen, bald birnförmigen, an-
scheinend völlig bewegungslosen Körper, der ‚den Becher nicht
Untersuchungen über die Entwickelung der Infusorien, 111
vollständig ausfüllte, ‚sondern mit seinem abgestutzten Vor-
«derende an dem ‘dachförmigen: Verschluss 'innig angeheftet
war, im Uebrigen aber frei in die Höhlung des Bechers hin-
abhing. Derselbe Stoff, welcher die vormalige obere Hälfte
«des Bechers 'dachförmig zusammengezogen erhält, und den
kurzweg die Bindesubstanz nennen will, hält auch den
eingeschlossenen Körper in seiner schwebenden Lage. Der
Körper selbst besteht aus einer begränzenden,, zarten, struc-
turlosen Hülle, welche eine farblose , homogene Grundmasse
umschliesst, in der zahllose, theils feine, theils 'gröbere bläs-
‚chenartige Körner eingebettet liegen. ‘Ausserdem bemerkt
man in ihm stets, aber nicht immer ‘an derselben 'Stelle, ei-
nen scheibenförmigen, granulösen Nucleus, und bald neben,
bald über , bald unter demselben eine wasserhelle, in unbe-
stimmten Intervallen sich langsam contrahirende, bläschenar-
tige Stelle.
‘Von (den beiden Vorderecken des Körpers gehen strah-
lenartig sehr feine, biegsame, gewöhnlich gerade ausgestreckte,
am Ende in sein kleines Knöpfchen angeschwollene Fäden
‚aus, welche die von der Bindesubstanz ausgefüllten Zwischen-
räume des dachförmigen Verschlusses durchdringen und frei
in die Aussenwelt hinaustreten. Sie sind 'hohle, unmittelbare
Fortsätze des Körpers, nach ihrer Basis zu merklich dicker
‚und lassen hier deutlich im Innern dieselben feinen Körn-
‚chen, wie im Körper erkennen. Diese Fäden können'sich lang-
‚sam verlängernund verkürzen. Ihrerelative Länge uud ihre An-
zalıl ändern sich ‘daher bei länger anhaltender Beobachtung,
indem theils ‚aus ‘dem Vorderende ‘des Körpers 'neue' Fäden
hhervortreten, theils ausgestreckte wieder eingezogen werden.
Man: sieht beständig einzelne Fäden, ‘die kaum über die Con-
touren der Bindesubstanz hinausreichen,, ‘während ändere um
mehr als ‚eine ganze, ja bisweilen um die doppelte ‚Becher-
länge ‚darüber hinausgehen: Ja man findet Exemplare, die
‚gar keine ausstrahlenden Fäden ‘zeigen. ‘Niemals habe ich,
wenn (die Fäden eingezogen waren, ‘etwa imInnern des Kör-
pers oder an seiner Oberfläche , eine Spur derselben wahr-
nelimen können, wie der Fall sein müsste, 'wenn sie etwa,
wie das Fühlhorn einer /Schnecke, eingezogen würden, son-
dern ‘wenn der Körper keine ausstrahlenden ‘Fäden zeigte,
n
112 Stein:
so. erschien seine Oberfläche völlig eben und das. Innere m-
verändert, wie bei völlig ausgestreckten Fäden. Daraus schliesse
ich, dass die Fäden ähnliche, nur viel feinere Fortsätze sind,
als die-sogenannten Füsse der Arcellinen und Amoebaeen.
Nicht selten geräth irgend ein kleines, bewimpertes Infu-
sionsthierchen, z. B. Trichodina grandinella, junge Chilodon x
cinatus, Cyclidium glaucoma und dergleichen»zwischen die
en ihienaen und gleichsam langsam vortastend sich ver-
längernden Fäden. Alsdann verwirrt es sich leicht zwischen
denselben, ‚indem einzelne Fäden an ihm kleben bleiben und
während es sich nun durch heftiges Wirbeln mit seinen Wim-
pern wieder zu befreien sucht, reisst es jene Fäden seilwärls
und es kommt dadurch mit immer mehr neuen, benachbarten
Fäden in Berührung. Zuletzt ist es so zwischen den Fäden
eingewickelt, dass seine ‘eigene Wimperbewegung ‘dadurch
gehemmt wird, und es stirbt nun nach und nach ab. Diese Er-
scheinung macht oft'ganz den Eindruck, als wenn das zwischen
den Fäden hängenbleibende Infusionsthierchen vermittelst der-
selben von dem im Becherchen eingeschlossenen Körper ge-
fangen werde. Aber immer sah ich das abgestorbene In-
fusionsthierchen zwischen ‘den bunt durcheinander gewirr-
ten Fäden ‚fortdauernd hängen bleiben; niemals wurde es
etwa durch Einziehen der Fäden, ‚dem im Becher eingeschlos-
senen Körper genähert. Ehrenberg hat eine ganz ähnliche
Beobachtung bei einem unsern Körpern ‚sehr nahe stehenden
Gebilde, das sicherlich auch nur eine Verwandlungsslufe‘ ei-
nes andern Infusionsthiers: ist, nämlich bei seiner Podophrya‘
fixa, gemacht und diese auch: so gedeutet, als werde das
zwischen. den Fäden hängen bleibende Infusionsthierchen von
dem Körper, von welchem die Fäden ausstrahlen, gefangen’ und
ausgesaugt. Ein solches Aussaugen ist bei unsern Körpern
nicht denkbar,‘ da der in dem Becherchen eingeschlossene
Körper mit keiner Mundöffnung versehen und ven der Aus-
senwelt durch die den Verschluss des Bechers vermittelnde
Bindesubstanz abgeschlossen: ist. : Viel eher könnte man an-
nehmen, dass ein Aussaugen durch das knopfförmig' ange-
schwollene Ende der Fäden stattfinde; allein dieses ist’ doch
so zart, dass man nicht begreift, wie es die viel festere Kör-
perhülle eines gefangenen Infusionsthieres soll: durchbohren
£
Untersuchungen über die Entwickelung der Infusorien. 113
können. Man kann daher in dem Hängenbleiben von Infu-
sorien zwischen den ausstrahlenden Fäden entweder nur ei-
nen Zufall erblicken, oder man muss, und das scheint mir
das Wahrscheinlichste, annehmen, dass die Fäden ein Ver-
theidigungsmiltel sind, durch welches fremde Thiere abgehal-
werden, sich dem im Becher eingeschlossenen Vagini-
colenkörper'zu nahen und ihn zu verletzen. Br
Die geschlossenen Becherchen, deren Organisations-
verhältnisseich bisher so umständlich auseinandergeselzt habe,
sind, offenbar dieselben Gebilde, welche Ehrenberg unter
dem Namen Acinela mystacina in seinem grossen Infusorien-
werke abgebildet und beschrieben und durch folgende Dia-
gnose characlerisirt hat: Acineta corpusculo ovato, subglo-
boso, obsolete cornuto, tentaculorum faseieulis duobus elon-
galis, pedicello simplice, graciliore. Bestimmter noch, als
aus dieser Diagnose, geht dies aus Ehrenbergs Abbildun-
gen (besonders aus Fig. X 8. und y. auf Taf. XX.), obgleich
sie nicht detaillirt genug sind, und aus den Angaben über
ihre Grösse und ihr Vorkommen in Gesellschaft der Vagini-
cola erystallina hervor. Ehrenberg hielt seine Acineta
mystacina für ‚eine selbstständige Infusorienform, den Be-
cher für den Panzer derselben, die ausstrahlenden Fäden für
- Tentakeln, und die gröbern blasenartigen Körner, von deren
solider Natur ich mich durch Zerquetschen auf das Beslimm-
teste überzeugt habe, für Magenblasen, obwohl es ihm nie-
mals gelang, die Acineta zur Aufnahme von Farbstoffen zu
bewegen. Einen Mund vermuthet er an dem vordern Ende,
den Nucleus spricht er als Samendrüse und die feinen Körn-
chen im Innern des Körpers als Eier an. Die contractile
Stelle wurde nicht erwähnt.
Nachdem ich die Ueberzeugung gewonnen habe, dass
Ehrenbergs Acineta mystacina keine selbstständige Infu-
sorienform, sondern eine Metamorphose der Vaginicola ery-
stallina sei, bemühte ich mich, die Art und Weise, wie diese
Metamorphose zu Stande kommt, noch näher zu ermitteln.
Ich fand bald unter den vielen geschlossenen Becherchen,
welche ich durchmusterte, solche, welche einen viel grösse-
ren, fast die ganze Becherhöhle ausfüllenden Körper“ ein-
schlossen (Fig. 20.), von dessen vorderem Ende entweder
Archiv f, Naturgesch. XV, Jahrg. 1. Bd. 8
114 t " Sitein:
nur sehr wenige ausstrahlende Fäden‘ (an dem in der..eben
erwähnten Figur dargestellten Exemplare. z. B. nur drei),
oder durchaus. gar keine ausgingen. Der eingeschlossene
Körper war in diesem Falle mit gröberen, scheibenförmigen,
dunkelgerandeten Körnern von sehr verschiedener Grösse er-
füllt, er erschien deshalb viel opaker und der Nucleus
‚schimmerle meistens nur sehr schwach hindurch-oder war
Pr ic wahrzunehmen. Sodann fand ich Becher, deren
g vordere Hälfte schon stark einwärts gezogen war, die aber
einen ovalen Körper umschlossen, an dem deutlich das hin-
tere Drittel durch eine ringförmige Furche von dem übrigen
Körper abgeselzt war, und der in jeder Beziehung einem ge-
wöhnlichen, stark ‚contrahirten-Vaginicolenkörper glich, wenn
sich an diesem der hintere Wimperkranz entwickelt. Von der
ganzen vorderen Oberfläche dieses Körpers ging eine zähe,
durchsichtige Substanz aus, welche sich bis über die zusammen-
gezogenen Wandungen des Bechers hinaus erstreckte. ‚Nach
diesen Beobachlungen muss man sich den Umwandlungspro-
zess einer Vaginicola in die Acinetenform folgendermaassen
denken. Die Vaginicola zieht sich im Grunde ihres Bechers_
auf die gewöhnliche Weise zusammen, alsdann entsteht zu
Anfang des hinteren Drittels die ringförmige Einschnürung,
in welcher sich ein Wimperkranz entwickelt. Mittelst des-
selben löst sich das Thier aus dem Grunde des Bechers,
schwimmt ‚dann , zusammengezogen bleibend, nach vorn bis
zur Bechermündung, und indem es aus der Substanz seines
Körpers die glasarlige, klebrige Bindesubstanz ausscheidet,
dreht und wendet es sich so, dass die Bindesubstanz mit den
benachbarten Wandungen der oberen Hälfte des Bechers in
Berührung kommt. Nun senkt sich ‚das Thier allmählig nach
dem Grunde des Bechers zu, und die obere Hälfte der Be-
cherwandung wird in demselben Grade nach innen und ab-
wärts gezogen und verwandelt sich so in den dachförmigen
Verschluss des nun um die Hälfte kürzer gewordenen und
geschlossenen Bechers, welcher jetzt 'von dem kuglig zusam-
mengezogenen Vaginicolenkörper , dessen hinterer Wimper-
kranz nunmehr eingeht, ausgefüllt wird.
Ich habe bisher nur die Metamorphose kleiner, auf dün-
nen Conferven sitzender Vaginicolen in Acineten geschildert,
Untersuchungen über die Entwickelung der Infusorien. 115
Den viel grösseren Exemplaren der auf Wasserlinsenwurzeln
vorkommenden Vaginicolen entsprechen grössere und etwas
anders geformte, aber in keinem wesentlichen Puncte ver-
schiedene Acineten. Ich. beobachtete diese ebenfalls häufig,
besonders während des Spätsommers, Herbstes und Winters,
ich habe ihre allmählige Hervorbildung aus den Vagi-
nicolen durch alle Stadien, deren bildliche Darstellung mir
hier nicht vergönnt war, sehr umständlich verfolgt. Diese
Acinelen erscheinen als sehr langgestielte Becher (Fig. 25.),
die vorn ganz auf dieselbe Weise verschlossen sind, wie die
aus den kleineren Exemplaren der Vaginicolen hervorgegan-
genen Acineten. Der Becherstiel sitzt auf seiner Unterlage
häufig mittelst einer scheibenförmigen Ausbreitung fest, ist
dann, seiner grössten Ausdehnung nach, sehr eng, und er-
weitert sich vorn allmählig zum eigentlichen Becher, welcher
allein den contrahirten Vaginicolenkörper umschliesst. Die
in Fig. 25. abgebildete langgestielte Acinetenform der Vag.
erystallina gehört noch nicht zu den längsten, welche ich
beobachtete; sie ist aus einer Vaginicola hervorgegangen,
deren Becher etwa die Grösse des in Fig. 24. abgebildeten
Exemplars besass. Die grössten langgestielten Acineten, wel-
che ich sah, waren fast '/,‘“ lang, also wesentlich länger,
als die Becher der grössten beobachteten Vaginicolen, die,
wie schon bemerkt wurde, kaum '/“ Länge überschreiten,
Diese grössere Becherlänge der in die Acinetenform überge-
gangenen Vaginicolen rührt daher, dass der ganze hintere
Theil des Bechers der Vaginicole während der Metamorphose
sich zu einer immer enger werdenden Röhre zusammenzieht,
welche in demselben Verhältnisse an Länge zunimmt, als sie
an Umfang abnimmt. Nur der Theil, welcher nach vollen-
deter Metamorphose den eigentlichen, den zusammengezoge-
nen Vaginicolenkörper umschliessenden Becher bildet, zeigt
noch an der Stelle, wo er am breitesten ist, den Umfang des
ursprünglichen Vaginieolenbechers an. Was das Zusammen-
ziehen des hinteren Theiles des Bechers in eine enge, sliel-
ärlige Röhre bewirke , habe ich noch nicht ermitteln können;
das ganz allmählig stattfindende Verengern des ursprünglichen
eylindrischen, an der Basis bauchig erweiterten Bechers habe
ich aber durch alle Stadien verfolgt. Das Ausstrahlen der
116 Stein:
Fäden aus dem contrahirten Vaginieolenkörper begann immer 1
erst, nachdem der ursprüngliche Becher die eben beschrie-
bene Metamorphose vollständig beendigt halte. Becher, wel- |
che vorn bereits geschlossen, hinten aber nur erst wenig
stielförmig verengert waren, zeigten eine Länge, welche In
Becherlänge gewöhnlicher grosser Vaginicolen kaum übertraf.
“ Der Umstand, dass die Acinetenformen derauf anfessen-
Fi linsenwurzeln lebenden Vaginicolen etwas anders gestaltet
sind, ‚als die der auf dünnen Conferven sitzenden, könnte
ahermäs zu der schon oben zurückgewiesenen Ansicht Ver-
anlassung geben, dass doch wohl unter der Benennung Vag.
erystallina zwei verschiedene Arten zusammengeworfen seien. |
Allein ich fand neben sehr langgeslielten Acinelen mit gros- |
sem terminalen Becher auch viel kürzer gestielte, mit klei-
nerem Becher. Eine dergleichen Acinetenformen von Was-
serlinsenwurzeln habe ich in Fig. 26. abgebildet. Nach und
nach fand ich so viele Zwischenglieder zwischen den beiden
exiremsten-Formen, dass jeder Gedanke, als gehörten die
kurzgestielten und die langgestielten Acinetenformen zu zwei
speeifisch verschiedenen Vaginicolen, aufgegeben werden
musste. Vielmehr ging aus diesen Beobachtungen dasselbe Re-
sultat, zu welchem ich hinsichtlich des Eneystirungsprozes-
ses der Vorticellen gelangt war, hervor , dass nämlich die
Fähigkeit zur Umwandlung in die Acinetenform nicht an die
äusserste Gränze der Grössenentwickelung der Vaginicolen
geknüpft ist, sondern schon auf einer viel früheren Entwik-
kelungsstufe eintreten kann. 3
Nachdem ich gezeigt habe, auf welche Weise die Be-
‘cherform der Acinela mystacina aus dem Becher der Vag.
erystallina hervorgeht, habe ich noch nöthig, auf die merk-
würdige, Verwandlung aufmerksam zu machen, die mit dem
Vaginicolenkörper während der Metamorphose in die Acine-
tenform vor sich geht. Es wurde bereits erwähnt, dass der
hintere Wimperkranz wieder schwindet. Ebenso gleicht sich
auch die ringförmige Einschnürung, aus welcher er hervor-
. wuchs, wieder aus, und der Vaginicolenkörper gleicht nun
einem einfachen, homogenen, ovalen Körper, an dem: weder
eine Spur des eingezogenen Slirntheils und seines Wimper-
kranzes, noch: eine Andeutung' des früheren Mundes in der
Untersuchungen über die Entwickelung der Infusorien. 117
Mundhöhle aufzufinden ist... Von aller früheren Organisation
ist nur der Nucleus, die contractile Stelle und das mit grö-
bern und feinern Körnern durchwirkte, aber keine Spur von
Nahrungsballen mehr zeigende Körperparenchym übriggeblie-
ben, welches von der ursprünglichen Körperhaut der Vagini-
nunmehr allseitig umschlossen wird. Diese Umwand-
lung kann nur dadurch zu Stande gekommen sein , dass die
Mundhöhle, die eingezogene Stirn und der nach innen Jum-
gerollte Vorderrand des stark kuglig contrahirten Vaginico-
lenkörpers resorbirt wurden, und dass die über die einge-
zogene Stirn aneinanderstossenden Körperwandungen mitein-
ander zu einem vollständig geschlossenen Sack verwuchsen.
Man wird nun sehr gespannt sein, das fernere Schick-
sal der in die Acinelenform um&ewandelten Vaginicolen ken-
nen zu lernen. Erst in der neuesten Zeit, als die meine
Abhandlung begleitenden Tafeln bereits gestochen waren, ist
es mir gelungen, endlich nach einer langen Reihe sehr müh-
samer und zeitraubender Beobachtungen darüber etwas völlig
Sicheres und Befriedigendes zu ermitteln. Gewisse Verände-
rungen, die auch in den Tafeln dargestellt sind, fielen mir
gleich Anfangs auf, aber gerade diese haben mich lange in
der Irre umhergeführt, weil ich sie mit ähnlichen Verände-
rungen im Innern der Vorlicelleneysten für gleichbedeutend
hielt. Die groben Parenchymkörner werden nämlich nach
und nach aufgelöst; dieser Auflösungsprozess schreitet: von
der Peripherie aus nach dem Centrum zu fort, und statt der
gröberen Körner erscheinen in der homogenen Grundsubstanz
sehr feine Pünktchen. Der ganze Körper wird dadurch weit
blasser und durchsichliger, und der‘scheibenförmige Nucleus
und die contraclile Stelle ireten nun weit schärfer und deut-
licher hervor. Jetzt beginnen auch die ausstrahlenden Fäden,
die vorher nur sparsam erschienen, oder ganz fehlten, von
dem vorderen Ende in grosser Anzahl nach allen Seiten hin
sich auszudehnen. Je mehr geschlossene Becherchen mit
ausslrahlenden Fäden ich verglich, um so mehr fiel es mir
auf, dass der eingeschlossene Körper in Betreff seines Um-
fangs ausserordenlliche Verschiedenheiten darbot (man vgl.
Fig. 20—23.). Während der eingeschlossene Körper, wenn
er nur wenig ausstrahlende Fäden zeigte und im Innern voll
.
118 Stein:
grober Körner war, den Becher fast vollständig ausfüllte,
nahm er, wenn die eben beschriebenen Veränderungen an ihm
mehr oder weniger weit vorgeschritten waren, nur noch den
vordern Theil des Bechers ein, wobei seine ursprüngliche
Kugelform in eine kürzere- oder längere Birnform überging,___
(Fig. 21. 22). Ich fand ferner geschlossene Becherchen, die
‚ noch einen ganz kleinen kugelförmigen Körper mit sehr
en ausstrahlenden Fäden enthielten (Fig. 23.). Endlich
sah ich auch geschlossene Becherchen, die keinen Körper
mehr enthielten; doch erschienen noch Reste eines solchen
in Form von zerstreuten Körnchen, die die äusserste Spitze
des Vorderendes einnahmen. Hieraus folgt, dass der einge-
schlossene Körper nach und nach seinen Inhalt verliert und
sich auf ein immer kleiner ;werdendes Volumen zusammen-
zieht, bis zuletzt nur noch die völlig zusammengeschrumpfte,
ursprüngliche Körperhaut übrig bleibt, welche der Verwesung
anheimfällt und deren letzte Reste in Gestalt der vorhin er-
wähnten zerstreuten Körnchen erscheinen.
So leicht diese Umwandlungen des eingeschlossenen
Körpers zu verfolgen waren, so schwierig wurde es mir, die
wahre Ursache der allmähligen Volumenverminderung zu er-
gründen. Lange, ich will dies nicht verschweigen, trug ich
mich mit einem Gedanken herum, welcher Ehrenbergs
Anschauungsweise von der Fortpflanzung der Infusorien so
nahe‘ stand, mit dem Gedanken nämlich, dass die feinen
Pünktchen im Innern des Körpers Sporen seien, welche durch
eine ‚Contraction der Körperwandungen ausgetrieben würden.
Die ausstrahlenden Fäden hielt ich demgemäss-für durch die
gallertarlige Grundsubstanz des Körpers verbundene Sporen-
stränge, welche etwa, wenn sie mit fremden Körpern in Be-
rührung kämen, an denselben hängen blieben und dadurch
von ihrem Bildungsheerde getrennt würden, um später zu
keimen.. Allein niemals gelang es mir, das wirkliche Ab-
reissen dieser Fäden zu beobachten. Ebenso wenig sah ich
aus dem knopfförmigen Ende der Fäden, wo ich nun eine
Oeffnung zu vermuthen begann, so viele Zeit und Mühe ich
auch auf eine solche Beobachtung verschwendete, ein Aus-
treten der vermeintlichen Sporen.
Da machte ich endlich bei andern, erst von mir aufge-
g"
EUGERIEEREBE
Untersuchungen über die Entwickelung der Infusorien. 119
fundenen Acinetenformen, welche aus der Metamorphose von
Arten der Gattung Epistylis hervorgehen, die folgenreiche
Entdeckung, dass sich der Nucleus derselben zu einem be-
wimperten , dem ihn umschliessenden Acinetenkörper völlig
anie Infusorium entwickelt, welches, wenn es vollstän-
ig ausgebildet ist, noch eine Zeit lang zwischen der Kör-
nermasse des Acinetenkörpers langsam rotirend umherschwimmt
und zuleizt, gewöhnlich am vordern Ende zwischen den bei-
den Hauptgruppen der ausstrahlenden Fäden die Wandungen
des Acinetenkörpers durchbricht und sehr behende frei im
Wasser umherschwimmt. Diesen Vorgang entdeckte ich’ zu-
erst an der Acinetenform der Epist. anastatica; das sich aus
dem Nucleus entwickelende Junge gleicht ungemein der Tri-
chodina grandinella Ehbg., ja ist wahrscheinlich mit dersel-
ben identisch. Ebenso sah ich in den Acinetenformen der
Epistylis grandis, Epist. berberiformis und Ep. nutans, dem
Mutterthier, wie der ursprünglichen Epistylis völlig unähnliche
bewimperte Junge sich entwickeln und den Acinetenkörper
verlassen. Die Acinetenformen der Epist. barba und plicati-
lis, so wie der Opercularia articulata wurden ferner bisher
so weit von mir verfolgt, dass ich mit Sicherheit für sie die-
selbe Entwicklungsweise voraussagen kann. Endlich sah ich
Millionen Exemplare von Chilodon uncinatus sich auf eine
eigenthümliche, Weise metamorphosiren und ihren Nucleus zu
einem bewimperten Infusorium werden, welches mit Ehr en-
bergs Cyclidium glaucoma identisch ist. Ueber alle diese
Gegenstände, so wie über andere, nach einem andern Prin-
eipe erfolgende Entwickelungsweisen an Infusionsthieren ,
werde ich ausführlich in einem grösseren selbsiständigen
Werke handeln, das erscheinen soll, sobald mir die zu sei-
ner Ausstallung erforderliche äussere Unterstülzung zu Theil
werden wird.
Nach diesen Entdeckungen ging ich mit neuer Zuver-
sicht zu einem nochmaligen, anhaltenden Studium der Acine-
tenform unserer Vaginicola erystallina zu Anfang September
dieses Jahres zurück, nachdem ich bis dahin ohne Aussicht
auf weiteres Vordringen meine Beobachtungen über diese
Gattung hatte rulıen lassen. Glücklicher Weise bot unser
Thiergarten mir diesmal besonders zahlreich die grossen,
'
P-
e
120 Stein:
langgeslielten , geschlossenen Becher dar, und unter, ihnen
fand ich Exemplare, welche mir ‚endlich den ersehnten Aul-
schluss gaben. Leider konnte ich die Resultate dieser Beob-
achtungen nicht mehr in die Abbildungen, welche schon vor
langer Zeit gestochen waren, aufnehmen. lien
Auch bei der Acinetenform der Vaginicola 'erystallina
entwickelt sich der scheibenförmige Nucleus, welcher bei dem
“ grössten Exemplare durchschnittlich 14,’ misst, zu ‚einem
bewimperten Infusorium, aber nicht, wie bei den Acineten-
formen der Epistylisarlen, innerhalb des Acinetenkörpers,
sondern der Nucleus wird durch ganz unmerkliche Contra-
clionen der Wandungen des Acinetenkörpers allmählig durch
die körnige Parenchymmasse ‚immer weiter nach vorn ge-
drängt, bis er durch eine Spalte des dachförmigen Verschlus-
ses in die weiche, gallertartige Bindesubstanz tritt. Diese treibt
er blindsackartig vor sich her, bis er ganz und gar aus dem
eigentlichen Acinetenkörper herausgetreien ist. Hier ‚bleibt
er ruhig liegen, und er gleicht nun einer körnigen, opaken
Scheibe, deren Hinterrand an den Vorderrand des Acinelen-
körpers gränzt und an diesen durch den von der Binde-
substanz herrührenden gallerlartigen Ueberzug geheftet: ist,
Die erste Veränderung, welche mit dem so aus dem Acine-
tenkörper ausgestossenen und in einer besondern Gallerttasche
steckenden Nucleus vor. sich geht, besteht darin, dass in ihm
eine in sehr kurzen Intervallen abwechselnd sich ausdehnende
und zusammenziehende, durchsichtige, blasenartige Stelle ent-
steht. Diese contractile Stelle liegt, in dem jetzt mehr ova-
len Nucleus immer näher dem einen Seitenrande. An dem
einen Ende des Nucleus, welches das künftige vordere wird,
sieht man ziemlich gleichzeitig eine seichte Einkerbung, ent-
stehn. Neben derselben entwickeln sich später die ‚ersten
längern Wimpern. Der Nucleus ist nunmehr ein. wirklicher
Embryo geworden; man unterscheidet an ihm langsame und
schwache Krümmungen und Windungen und erkennt. seine
gesonderten Körperwandungen bei den Krümmungen an zar-
ten, sich kreuzenden Linien auf seiner Oberfläche. Die län-
gern Wimpern an dem eingekerbten und schief abgestulzten
Vorderende sicht man durch die Gallerthülse. hindurch jelzt
sehr deutlich schwingen. Der ganze ovale Körper ist durch-
e
he
Untersuchungen über die Entwickelung der Infusorien. 191
sichliger geworden, indem die gröbere Körnermasse resor-
birt worden ist. So ausgebildet verlässt das Junge seine
Gallerthülse und eilt nun im Wasser so schnell davon, dass
esin einem Augenblick aus dem Gesichtsfelde verschwunden ist.
Das weitere Schicksal dieses frei herumschweifenden
n habe ich noch nicht ergründen können. Ich glaube
jedoch nicht, dass es noch weitere Metamorphosen eingeht oder
gar eine neue, ihm wieder unähnliche Brut hervorbringt;
vielmehr ist es mir äusserst wahrscheinlich geworden, dass
sich jenes Junge an Wasserlinsenwurzeln festsetzt und eine
becherförmige Hülse absondernd, wieder zu einer gewöhnli-
chen jungen Vaginicola eryslallina wird. Ich schliesse dies
daraus, dass ich in Gesellschaft der geschlossenen Becher,
an welchen ich die eben beschriebenen Beobachtungen machte,
junge, mit der Brut der geschlossenen Becherchen völlig
übereinslimmende und nur unbedeutend grössere Infusorien
fand, welche an den Wasserlinsenwurzeln mit ihrem Vorder-
ende umhertastend, langsam auf- und niederschwammen,
gleichsam als suchten sie eine passende Stelle, um sich fest-
zuselzen. An diesen Infusorien glaubte ich ausser den längern
Wimpern am abgestutzten Vorderende noch überaus kurze
und zarte auf der übrigen Körperoberfläche zu unterscheiden.
' Hiernach würden im Entwickelungsverlaufe der Vagin. ery-
slallina mindestens drei völlig von einander verschiedene
Grundformen zu unterscheiden sein, nämlich die gewöhnliche
Vaginicolenform, die Acinetenform und die bewimperte Brut
der lelzteren; Generalionen aber würden unbestimmt viele
nit einander abwechseln können, da ja die in die Acineten-
form übergehende Vaginicole das Product einer sehr langen
Reihe vorausgegangener Theilungsacle sein kann.
Sehen wir schliesslich noch einmal auf die geschlosse-
nen Becher zurück, deren eingeschlossener Körper seinen Nu-
eleus zur Umbildung in eine bewimperle Brut ausgelrieben
hat, so ist klar, dass dadurch das Volumen dieses Körpers
merklich verringert worden sein muss, und wir begreifen
nun, warum die ursprüngliche Kugelgestalt des Körpers mit
der Zeit in eine Birngestalt von geringerem Volumen über-
geht. Da der Körper, wenn er die Birnform angenommen
hat, wieder einen Nucleus zeigt, so müssen wir auf einen
r
122 Stein:
Wiederersatz desselben auf Kosten der übrigen Körnermasse
schliessen, und da der Körper mit der Zeit bis zum völligen
Verschwinden zusammenschrumpft, so müssen wir schliessen,
dass eine Acinetenform nach und nach mehreren Jungen das
Dasein giebt, und zwar einer um so grössern Anzahl, je grö
ser die Acinetenform oder, was dasselbe bedeutet, je-älter
die Vaginicola war, welche sich in die Acinetenform ver-
wandelte. — W; RR
3. Zur Entwickelungsgeschichte der Epistylis
nutans Ehbg.
Die Gattung Epistylis Ehbg. wird von Thieren gebildet,
deren Körper wesentlich die Organisation der Vorlicellen -
und Vaginicolenkörper zeigt, aber am Ende eines krystallhel-
len, steifen, nicht zusammenschnellenden Stieles sitzt, der
Anfangs unverästelt ist, später aber in Folge der eigenthüm-
lichen Entwickelungsweise dieser Gattung, sich in ein mei-
stens dichotomisch verästeltes Bäumehen umwandelt, dessen
Aeste in besonderen Thierchen endigen, welche in Form und
Grösse alle mit einander übereinstimmen.
Epistylis nutans wird das ganze Jahr hindurch, auch
milten im Winter unter dem Eise, auf den Wurzeln der Was-
serlinsen in den Bassins des Thiergartens sehr häufig an-
getroffen. Man kann sie lange Zeit im Zimmer erhalten.
Eine Partie Wasserlinsen, welche reichlich damit besetzt war
und im September eingesammelt wurde, zeigte noch im
späten Frühjahr an ihren inzwischen ganz in Verwesung
übergegangenen Wurzeln einzelne mehr oder weniger voll-
ständig mit lebenden Thieren beseizte Bäumchen. Die von
mir beobachteten grössten Bäumchen waren nicht über
hoch, Ehrenberg beobachtete sie bis zu %/,“ Höhe. Jedes
Bäumchen besteht aus einem längeren oder kürzeren Stamme,
der sich am Ende regelmässig wiederholt dichotomisch ver-
zweigt. Doch geht die Verästelung nicht an allen Stellen
gleich weit, sondern einzelne Zweige, namentlich die mehr
nach aussen gelegenen , endigen früher in Thierchen, wäh-
rend der andere Gabelast gleicher Ordnung sich noch ein-
oder mehrmals gabelt, bevor er Thierchen trägt. Daher
Untersuchungen über die Entwickelung der Infusorien. 123
liegen die Thiere eines Bäumchens nicht alle, wie bei man-
chen andern Epistylisarten, z. B. bei Ep. anaslalica, in
derselben Ebene,, sondern in sehr verschiedenen Höhen. Die
Dicke des gemeinsamen Stammes beträgt kaum "/,60“, seine
öhe ist sehr variabel; so betrug sie z. B. bei einem Bäum-
ne 17,4‘, bei einem zweiten '/,,‘, bei einem dritten '/,,
Stamm und Aeste zeigen dicht aufeinanderfolgende, unge-
wöhnlich tief eindringende ringförmige Einschnürungen , die
jedoch am Stamme nicht selten ganz fehlen oder erst kurz
vor seinem obern Ende hervorlreten (vergl. Fig. 27.). Diese
tiefe Ringelung der Aeste ist ein leicht in die Augen fallen-
des Kennzeichen der Art. Der Stamm und sämmtliche Aeste
werden ferner von einem sehr deutlichen centralen Kanal
durchlaufen. Ob dieser eine blosse Höhlung ist, oder ob er
von einer weichen homogenen Substanz erfüllt wird, wie es
mir öfter hat erscheinen wollen, weiss ich nicht mit Be-
stimmtheit anzugeben.
Die Thierchen selbst sind langgezogene, umgekehrt eiför-
mige, am vordern Ende gerade abgestulzte Körper von höch-
slens '/0“ Länge. Der Vorderrand schlägt sich nach in-
nen und hinten zur Bildung eines sehr eigenthümlich gestal-
teten Stirntheils um, Dieser bildet nämlich nicht, wie bei
Vorticella und Vaginicola, einen einfachen schief aufgesetzten
Deckel, unter dessen hervorstehendem Rande die Mundöffnung
liegt, sondern er zerfällt in eine schiefe, deckelartige, soli-
; dere und opake Oberlippe, deren Rand mit einem Kranz lan-
ger Wimpern versehen ist, und in eine sehr zarthäutige, durch-
sichtige, am Rande ebenfalls mit Wimpern besetzte Unter-
lippe. Zwischen beiden liegt die sehr weite Mundöffnung,
welche in die fast bis zur Hälfte des Körpers hinabreichende
Mundhöhlung (von Ehrenberg als erster Magen oder auch
fraglich als Schlundkopf gedeutet) führt, die sehr deutlich
mit einzelnön langen Wimpern ausgekleidet ist. Nach Eh-
renberg würden dies auch 3—4 bewegliche Falten oder
Zähne sein können. Die Mundhöhle erweitert sich stetig nach
hinten zu, und aus ihrem gerade abgeslutzten Grunde ent-
springt auf der der Oberlippe zugekehrten Seite ein sehr
enger Darmkanal,, der bis tief hinab in den Körper verfolgt
werden kann, Dicht unter dem Boden der Mundhöhle liegt
124 . Stein:
eine kleine, blasenarlige contraciile Stelle und neben dersel-
ben, aber weiter nach aussen, sieht man einen feinkörnigen,
scharf umschriebenen Fleck und diesem gegenüber, aber et-
was höher, liegt auf der Rückseite des Thieres ein ähnlicher,
kleinerer, rundlicher Fleck. Diese beiden Flecke sind di
Enden eines sich auf der einen Seite um die Munde)
krümmenden bandförmigen Nucleus, den man.in seinem
ln Verlaufe meistens nur sehr schwer übersieht, den ich
. aber bei. abgestorbenen Thieren öfters ganz bestimmt erkannt
zu haben glaube. Ehrenberg hat den grossen Fleck für
eine eiförmige männliche Sexualdrüse gedeutet.
Die Bewegungen der Thiere auf ihren steifen Stielen
sind sehr eigenthümlich ; sie können sich nämlich nicht, wie
die Vorticellen, wenn sie beunruhigt werden, kuglig contra-
hiren, sondern sie ziehen bloss Ober- und Unterlippe wie
eine gewöhnliche einfache Stirn ein, der Körper schnellt
dabei auf seinem Stiel ein wenig rückwärts, indem sich das
Hinterende des Körpers vermiltelst einiger ringförmigen Ein-
faltungen verkürzt, and alsdann fährt der ganze Körper, in-
dem er sich um seinen Anheftungspunkt krümmt, heftig zuk-
kend nach unten und rückwärts gegen denStiel hin, mit dem
er dann einen spitzen, knieförmigen Bogen bildet (Fig. 27.).
An diesen sonderbaren, rückwärts übernickenden Bewegun-
gen, erkennt man ebenfalls leicht die Epist. nutans.
Die Thiere eines Bäumchens und damit auch die Aeste,
desselben vermehren sich durch Längstheilung der schon vor-
handenen Thiere. Diese Längstheilung geht ganz so , wie
bei den Vorticellen, vor sich. Noch ehe die von vorn und
hinten einander entgegenkommende Einschnürung bis zur
vollständigen Sonderung zu zwei neuen Individuen vorge-
rückt ist, sieht man schon, wie die von einander getrennten
Basalenden der neuen Individuen auf ganz kurzen parliellen
Stielen sitzen, die also bald nach dem Beginn des Theilungs-
processes aus den frei werdenden Körperbasen ausgeschieden
werden müssen. Ist die Längstheilung vollendet, so sind die
besondern Stiele jedes Individuums immer noch sehr kurz.
Bei ihrer weitern Verlängerung, die natürlich immer nur an
der Stelle, wo sie mit dem Thierkörper zusammenhängen,
erfolgt, eilt häufig das eine Individuum dem andern voraus,
I EREDEEGLLETEE WEL ET UOTE EEE
v
Untersuchungen über die Entwickelung der Infusorien. 195
und das Individuum auf dem längern Stiel schickt sich dann
auch früher zu einer neuen Theilung an, als sein Gefährte von
derselben Generation, und die Folge davon ist eben, dass die
Thiere eines Bäumchens nicht alle in gleicher Höhe liegen.
Nicht immer endigen die sämmtlichen Aeste eines Bäum-
öns in Thieren, sondern einzelne Aeste sind von den Thie-
ren, welchen sie selbst ihren Ursprung verdanken, verlassen
worden. Dem Ablösen der Thierchen scheint niemals die
Bildung eines Wimperkranzes am hintern-Körperende voraus-
zugehen, wenigstens erinnere ich mich nicht, je die Bildung
eines solchen beobachtet zu haben. Die abgelösten Thierchen
bleiben ausgestreckt und schwimmen mitltelst ihres Stirnwim-
perkranzes im Wasser umher, um an einer andern Stelle spä-
ter die Grundlage eines neuen Bäumchens zu werden. Sehr
häufig traf ich einzelne Individuen, welche eben erst ein Ru-
diment eines Stiels aus ihrer Basis ausgeschieden hatten.
Ebenso häufig fand ich Stämmchen, die nur erst zwei (Fig. 27.)
oder drei Thierchen trugen. Bei einem Exeniplar mit drei
Thierchen waren die beiden Gabeläste erster Ordnung gleich
lange, am Ende des einen Gabelastes aber sass nur ein ein-
zelnes Individuum, am Ende des andern sassen zwei mit
ganz kurzen gleich langen Stielen zweiter Ordnung. Bei
einem zweiten Exemplar mit drei Thierchen waren die bei-
den Gabeläste erster Ordnung ungleich lang, auf dem länge-
ren Aste sassen zwei Individuen mit kurzen Stielen, auf dem
kürzeren Aste aber ein eben in der Längstheilung begriffenes
Individuum. Auf einem Exemplar mit fünf Thierchen waren
die beiden Gabeläste erster Ordnung wieder gleich lang; der
eine von ihnen trug ein einzelnes Individuum, der andere
aber zwei gleich lange Gabeläste zweiter Ordnung. Auf bei-
den Gabelästen zweiter Ordnung sassen zwei Individuen mit
sehr kurzen Stielen. Man sieht aus diesen wenigen Beispie-
len, wie ungleich das Wachsthum der einzelnen Individuen
ist, und wie daraus nolhwendig eine unregelmässig baumför-
mige Verästelung des Stammes resultiren muss.
Alle Individuen eines und desselben Bäumchens sind
nahebei gleich gross, die grössten Thierchen, welche ich
fand, waren '/,,“ lang. Ich fand aber auch Bäumchen mit
kleineren Individuen bis unter die Hälfte jener Länge herab,
126 Stein:
und dann waren auch stets Stamm und Aeste desselben ver-
hältnissmässig dünner. Einmal fand ich kleine, auf gauz kur-
zen Stielen stehende Epistylis von nur !/,‘ Länge (Fig. 38.),
die sich durch die eigenthümlichen, rückwärts zuckenden Be-
wegungen noch deutlich als zur Ep. nutans, gehörig auswie-
sen. Ferner fand ich häufig auf Wasserlinsenwurzeln in.Ge-
sellschaft älterer Bäumehen von Epist. nutans sehr kleine
und überaus feinäslige Bäumchen, von sehr. verschiedener
Höhe (vergl. Fig. 36 und 39.) und mit entsprechenden sehr
kleinen , kaum über '/330“ langen Thierchen an den Enden
der Zweige. _ Bei der geringen Grösse derselben war ihre
feinere Organisalion nicht mehr zu erkennen, und nur dann
und wann glaubte ich an dem abgesiutzten vorderen Ende
des anscheinend ganz bewegungslosen Körpers Wimper zu
unterscheiden. Deutlich sah. ich aber auch hier (vergl. be-
sonders Fig. 36.), dass die Verästelung des Bäumchens durch
Theilung der einzelnen, noch so sehr kleinen Individuen zu
Stande kommt. Mit ihnen zusammen beobachtete ich Bäum-
chen (Fig. 37.), deren Stamm schon merklich dicker war,
und deren Thiere bereits Y/,;.‘“ lang waren. Der Wim-
perkrauz trat hier unverkennbar hervor; auch wurden be-
reits im Innern kleine rundliche Nahrungsballen sichtbar.
Diese leiztern Bäumchen sind auch vonEhrenberg beob-
achlet worden, und er hat sie unter dem Namen Epistylis
botrytis als besondere Art aufgeführt. Von beiderlei Bäum-
chen sah ich die Thierchen sich nach und nach ablösen und
sehr behend umherschwimmen. Dass sie sich später eben-
falls festsetzen, um für sich neue Colonieen zu gründen, un-
terliegt keinem Zweifel, da ich solche kleine Thierchen bald
einzeln, bald zu zweien, dreien, vieren bis zu sehr vielen
auf verästelten Stämmen antraf. Da nun die Thierchen auf
verschiedenen Exemplaren dieser zartäsligen Bäumchen selbst
schon bedeutende Grössendifferenzen zeigten, während sie
doch an deuselben Bäumchen stets gleich gross waren (die
in der Theilung begriffenen Individuen natürlich abgerech-
net), so glaube ich, dass man diese zartäsligen Epistylisco-
lonieen nicht für eine selbstständige Art ansehen darf; man
muss sie vielmehr für die allerfrühsten Jugendzuslände einer
Epistylisart ansehen, die eine viel bedeutendere Grösse er-
N e w n 7
Untersuchungen über die Entwickelung der Infusorien. 197
reicht. Dass sie die Jugendzustände unserer Epistyl. nulans
bilden, kann ich freilich nicht überzeugend nachweisen, allein
wegen ihres gleichzeiligen Vorkommens mit erwachsenen
Bäumchen dieser Art, ist es immerhin sehr wahrscheinlich.
Gleichzeitig mit jenen zarläsligen Epistyliscolonieen traf ich
n Wasserlinsenwurzeln nur noch ziemlich häufig Epist.
anastalica, viel seltener E. flavicans und E. grandis. Die von
mir abgebildeten zartästigen Bäumehen könnten daher auch
die Jugendzustände von einer dieser drei genannten Arlen
sein, mit einiger Wahrscheinlichkeil aber wegen ihres sehr
häufigen Vorkommens, doch nur von derEE. anastalica. Das
unter Fig. 39. abgebildete Bäumchen dürfte sogar mit grös-
serem Rechte zu E. anastatica zu ziehen sein, da an dem-
selben die Thierchen alle in einer Ebene liegen, wie es bei
ausgebildeten Exemplaren dieser Art der Fall zu sein pflegt.
Mögen nun aber die zartäsligen Bäumchen die Jugendzustände
von E. nulans oder E. anastalica sein, den Schluss darf man
sicherlich aus den mitgetheilten Beobachtungen ziehen, dass
die Epistylisarten, gleich den Vorticellen und Vaginicolen,
sich auf allen Entwicklungsstufen durch Theilung fortpflan-
zen können. Da ferner die Individuen eines Bäumchens alle
dieselbe Grösse haben und damit die Stärke der Aeste in einem
angemessenen Verhältnisse ‚steht, und da die verschiedenen
Bäumchen hinsichtlich der Stärke ihrer Aeste und der Grösse
ihrer Thierchen von einander sehr verschieden sind, so muss
man annehmen, dass jedes Individuum, das sich von einem
Bäumchen ablöst, während der Periode des freien Umher-
schweifens merklich grösser wird und demnach beim Fest-
selzen einen Stiel aus seiner Körperbasis ausscheidet, welcher
dicker ist, als der Stamm des Bäumchens war , von dem es
‚sich abgelöst hat.‘ Damit ist die Grundlage zu einem dick-
äsligeren und grössere Individuen tragenden Bäumchen ge-
legt. Die Bäumchen mit verschieden dicken Stämmen sind
hiernach als eben so viele, mit einander. abwechselnde Gene-
ralionen einer Epistylisart anzusehen.
Forschen wir nun nach der Art und Weise, wie die
allerersten Anfänge zu Epistyliscolonieen herv onehrächt wer-
den mögen. Es geschieht dies, wie bereits oben angedeutet
wurde, ebenfalls durch Acinelen , welche aus der Umwand-
128 Stein:
lung: jüngerer oder älterer, von ihren Stielen abgelöster Epi-
stylisindividuen hervorgehen. Ob die Acinetenform, welche
ich jelzt beschreiben werde, wirklich zur 'Epist. nutans ge-
hört, wage ich zwar nicht mit Beslimmtheit zu behaupten, ja
es stellen sich dieser Annahme sogar einige Bedenken ent-
gegen, allein da sie ihrem ganzen Baue’ nach einer Epi
lisart angehört und nicht mit mehr Recht zu einer anderen
Art als E. nutans gezogen werden kann, so mag sie so lange
als. die Acinetenfor m-dieser Art gelten, bis ihre noch zu er-
miltelnde Entstehungsweise ‚einen untrüglichen Beweis über
die Epistylisart giebt, aus deren Umwandlung sie hervorgeht,
Die vermeintliche Acinetenform der E.. nutans scheint
bisher ganz ‚unbeachlet geblieben zu sein, obwohl sie sehr
gemein ist. Ich beohachtelg sie, zu allen JapRaaen be-
sonders aber im Herbsge und4Winter in Zausenlen von Ex-
emplaren auf den: Wurz&$n dergAYassinsen dessdhiergar-
tens. Bisweilen fand ich auf einer einzigen Wasserlinsen-
wurzel dreissig und mehr Exemplare dicht neben einander.
Ihren Dimensionen nach sind selbst die auf derselben Was--
serlinsenwurzel vorkommenden Exemplare sehr von einander
verschieden; man lasse sich dadurch aber ja nicht verleiten,
die grösseren Exemplare für ältere, die kleineren für jüngere
Zustände zu halten und so den Acineten selbst ein Wachs-
Ihum, eine Weiterentwickelung zuzuschreiben. Dass dem
nicht so sein kann, lehren auf eine recht schlagende Weise
die ebenfalls so ungemeine Grössendifferenzen zeigenden Aci-
netenformen der Vaginicolen. So wenig dort die verschie-
den grossen Acinelenformen aus einander hervorgehende
Entwickelungsstufen sind, eben so wenig kann dies hier der
Fall sein, sondern die verschiedene Grösse der Acineten
rührt lediglich daher, dass die Epistylisindividuen verschie-
dene Grösse halten, aus welchen die Acineten hervorgingen.
Es ist also auch bei den Epistylisarten die Fähigkeil in die
Acinetenform überzugehen, nicht an das Maximum der Grösse
geknüpft, welche die Art erreichen kann, sondern diese kann
schon bei einer geringen Grössenentwickelung eintreten. Von
welcher Grösse ab diese Fähigkeit eintritt, das würde sich
nur aus sehr langen Beobachtungsreihen annäherungsweise
aus der beobachteten geringsten Grösse der Acineten bestim-
=
Untersuchungen über die Entwickelung der Infusorien. 129
men lassen, wenn es überhaupt nach abwärts eine solche
Gränze giebt. Denn es ist nicht geradezu unmöglich, dass
den Individuen jeder Generation von Epistyliscolonien (diese
Ausdrücke in dem Sinne genommen, wie dies oben geschah)
iese Fähigkeit zukäme.
Alle Exemplare unserer Acinetenform (vergl. Fig. 28—
34.), welches auch ihre Grösse sein möge, besitzen einen
geraden oder gewöhnlicher schwach bogenförmig gekrümm-
ten steifen, farblosen, fadenförmigen Stiel, dessen eines Ende
ohne Spur irgend einer Erweiterung der Oberfläche der Was-
serlinsenwurzel aufsitzt, während das andere, meistens ein
wenig erweiterte Ende den eigentlichen Acinetenkörper trägt.
Der Stiel gleicht in Form, Consistenz und im ganzen Ansehen
völlig dem Stile einer gewöhnlighen Epjstylisart, nur ist er im
Verhältniss zur Grösse des Achtfetenkörpers, welchen er trägt,
sehr dün#sund zwar viel dfihner, als der Stiel einer gewöhn-
lichen Epistylisart sein würde, deren Körper die Grösse des
Acinetenkörpers hätte. In unseren Figuren hat der Kupfer-
stecher die Dicke der Stiele leider zu gross ausgedrückt,
namentlich in Fig. 28. und 30., während in Fig. 31. und 32.
die verhältnissmässige Dicke naturgemässer dargestellt ist.
In der Axe des Stiels erkennt man einen deutlichen,
engen Kanal, der bei der für unsere Abbildungen gewählten
Vergrösserung sich nur durch eine dunkle Linie ausdrücken
liess. Dieser Axenkanal im Stiele spricht zu Gunsten der
Annahme, dass unsere Acinetenform zu Epist. nutans gehört,
deren Stielgerüst ja durch einen sehr deutlichen Axenkanal
ausgezeichnet ist. Die Länge des Stiels ist sehr variabel;
in der Regel ist aber der Stiel länger, als der Acinetenkör-
per, in welchem er endigt; nicht selten ist er doppelt so
lang und darüber. Die grösste beobachtete Länge betrug
fast '/,,“, meistens ist er ’/,,— Yo“ lang; unter 1/0‘ Länge
beobachtete ich keine. Die Dicke der Stiele schwankt zwi-
schen Y;,.,—Ys;0'; die dieksten Stiele haben auch hier die
Exemplare mit dem grössten Acinetenkörper.
Der Acinetenkörper selbst hat im Allgemeinen eine um-
gekehrt eiförmige oder birnförmige Gestalt. Doch ist diese
Gestalt nicht eine bleibende, unveränderliche, sondern sie
geht unter den Augen des Beobachters durch zwar langsame,
Archiv f. Naturgesch. XV. Jahrg. 1. Bd. 9
130 Stein: | u
aber doch sehr merkliche Contraciionen der äusseren , be-
gränzenden Hülle, welche sich an den verschiedensten Stel-
len theils 'einschnürt ‚“theils aufbläht, in später zu beschrei-
bende, oft ganz unregelmässige Formen über, Der umschlos-
sene körnige Inhalt accommodirt sich allen diesen Verände-
rungen der äusseren Hülle. Unter den mir a j
denen Acinetenformen zeigt keine so auffallende und einan-
Be“ so schnell folgende Gestaltsveränderungen ; man vermag
‚Gegentheil bei den meisten nur dann und wann schwache
Spuren von Veränderungen an den Contouren ihres Körpers
zu erkennen. Nur in der Ruhe erscheint unser Acineten-
körper umgekehrt eiförmig (Fig. 28); durch Einschnürung
seiner Mitte ‚geht er allmählig in dieBirnform (Fig. 29.) und
aus‘ dieser in die abgerundete Würfellorm, ja selbst in völ-
lige Kugelgestalt (Fig. 33.) über, wobei jedoch das Volumen
immer dasselbe bleibt (unsere Figuren stellen natürlich Aci-
netenformen von verschiedener Grösse dar). Häufig be-
schränken sich die Contraclionen ‘auch nur auf das vordere
Ende, das sich dann gerade abslutzt oder tief bogenförmig
einschnürt (Fig. 32.) oder sich in drei vorragende Lappen
abtheilt (Fig. 29.). Bei diesen Gestaltsveränderungen bleibt
die. äussere Oberfläche des Acinelenkörpers bald glatt und.
straff gespannt (Fig. 28. 29.), bald entstehen seichtere oder
tiefere, ganz unregelmässig durcheinanderlaufende, wellen-
förmige Vertiefungen (Fig. 30. 31. 32.). Noch ist zweier Be-
wegungen zu gedenken, die auf,den Ursprung unseres Aci-
netenkörpers hinzuweisen scheinen. Ausser den Contractio-
nen nämlich, die den äussern Umkreis des Acinelenkörpers
verändern, sah ich namentlich bei grossen , kräftigen Ex-
emplaren, den ganzen Acinetenkörper sich auf seinem:steifen
Stiele um seinen Anheftungspunct nach abwärts ‚ und rück-
wärts krümmen und so mit dem Stiel ein Knie bilden ‘(in
Fig. 28 und 32 ist diese Richlung der Bewegung angedeutet),
was nicht selten ziemlich plötzlich und mit einem Ruck ge-
schah. Diese Bewegung hat grosse Aehnlichkeit mit „den
charaeteristischen niekenden Bewegungen, welche die Indi-
viduen der Epist. nutans auf ihren Stielen. vollführen ,. was
ein Grund mehr ist, unsere Acinetenform zu Ep. nutans zu zie-
hen. Ferner sah ich häufig den Acineten körper in derRich-
Untersuchungen über die Entwickelung der Infusorien. 481
tung seines. Stiels ziemlich energisch dergestalt sich- rück-
wärts:bewegen, dass der Basaltheil des Körpers eine tief
herabhängende mülzenartige Falte um den nun in den Kör-
per hineingeschoben erscheinenden Endtheil des Stieles bil-
ete, (vergl. Fig. 30.). Ein ähnliche, nur rapidere Bewegung
Soli auch die Epistylisindividuen auf ihren Stielen.
Die grössten Acinetenkörper sind nicht über ''/,,' langy,
eine Grösse, welche mit der Grösse der entwickeltsten Indi- »
viduen «der Ep. nulans im contrahirten-Zustande so genau
übereinstimmt, dass die Annahme nich! sehr gewagt erschei- D
nen kann, es gehe der Körper unserer Acinetenform Aus ei-
nem eontrahirten Epistylisthierchen auf dieselbe Weise her-
vor, wie der Acinelenkörper der Vaginicolen aus dem con-
trahirten Vaginicolenthierchen. Die kleinsten Acinetenkörper
waren kaum oo‘ lang. Zwischen diesen Extremen der
Grösse finden sich alle möglichen Variationen.
Die Hülle des Acinetenkörpers ist eine ziemlich feste,
elaslische, durchsichtige und farblose, völlig structurlose Mem-
bran, die in ihrem ganzen Ansehen völlig mit der Zellen-
membran übereinstimmt. Man kann sich davon leicht und
völlig sicher überzeugen, theils durch Zerqueischen des Aci-
nelenkörpers, iheils und noch besser durch Beobachtung sol-
eher, gar nicht selten auf den Wasserlinsenwurzeln vorkom-
menden Exemplare, die eine Verletzung erlitten haben‘, in
deren Folge der eingeschlossene körnige Inhalt zerstört wor-
den ist, "An solchen Exemplaren sieht man auch‘, dass’ die
Membran im hintern: Theile des Körpers stärker ist, als in
dem vorderen, ja man überzeugt sich, dass die selbst an
solchen Exemplaren noch theilweise vorhandenen: ausstrahlen-
den Fäden zarte Blindröhrchen sind‘, ‘welche durch Ausstül-
pung des vorderen zarteren Theils der Körperhülle gebildet
werden,
Die ausstrahlenden Fäden, die auch hier in einem Knöpf-
chen endigen, erscheinen stets in zwei büschelförmigen Grup-
pen, die eine mehr oder weniger hervortretende höckerartige
Auftreibung einnehmen, welche jederseils an dem vordern
Ende des Körpers liegt. Die Fäden zeigen diesölben Bewe-
gungen, wie die der Acinetenform der Vaginicolen; auch sieht
man eben s0 häufig. Infusorien zwischen ihnen hängen blei-
132 Stein:
ben, bisweilen grössere, als der Acinetenkörper selbst, z.B.
ausgewachsene Stylonychia pusiulata. Quetscht man den
Acinetenkörper, so wird schnell ein Theil der zahlreichen Fä-
den eingezogen; doch sah ich sie selbst «dann niemals alle
verschwinden , und beim Nachlassen des Druckes dehnten
sich die eingezogenen oder verkürzten rasch wieder aus.
efters traf ich Exemplare , namentlich grosse, welche gar
ne ausstrahlenden Fäden zeigten und auch bei längerer
Beobachtung keine aussendeten (Fig. 28.), obgleich sie kräf-
tig, namentlich die rückwärts nickenden Bewegungen vollzo-
gen. Vielleicht waren das solche, die erst kürzlich aus der
Metamorphose eines Epistylisindividuums hervorgegangen wa-
ren. An schönen, grossen Exemplaren, welche ich in dem
Augenblick, wo ich dies schreibe, wieder vor mir habe, sehe
ich übrigens die ausstrahlenden Fäden auch sich heben und
senken, ihre Enden sich willkührlich umbiegen, winden und
um fremde Gegenstände, die ihnen nahen, herumschlingen.
Dies beweist aber doch immer weiter nichts, als dass die
ausstrahlenden Fäden Organe sind, welche feindliche Angriffe
von dem eigentlichen Acinetenkörper fern halten sollen. Sie
als Organe zum Ergreifen von Nahrungsmitteln in Anspruch
zu nehmen, ist hier völlig unstatthaft, da man sich von der
gänzlichen Abwesenheit eines Mundes auf das Bestimmteste
überzeugen kann. Abgesehen davon nämlich, dass nirgends
eine Spur von Oeffnung in der äussern Hülle des Acineten-
körpers zu entdecken ist, so sieht man ‚auch beim Quetschen
alle Faltungen, die etwa die Hülle vorher zeigte, völlig ver-
schwinden, und der Körper zeigt dann eine von einer ganz
scharfen , kräftigen Contourlinie begränzte umgekehrte Ei-
oder Birnform und man hat Mühe, in der ganz glatten, straff
gespannten und prall von dem körnigen Inhalte erfüllten Kör-
‘ perhülle eine Ruptur zu bewirken. Bei der völlig sicher
conslalirten Abwesenheit eines Mundes könnte man nun noch
an eine Nahrungsaufnahme denken, wie sie kürzlich Ko el-
liker ') bei Aclinophrys sol, einem den Acineten nahe
1) Zeitschrift für wissenschaftliche Zoologie von v. Siebold
und Koelliker. ‘I. $S.203. WasKoelliker über den Bau dieser selt-
samen Thierform mitgetheilt hat, erschien mir, als ich seine Abhandlung
ed az 2 2 En u 2
Untersuchungen über die Entwickelung der Infusorien. 133
stehenden infusoriellen Gebilde, beschrieben hat, das höchst
wahrscheinlich eben so wenig eine selbstständige Infusorien-
form ist, wie die Acineten; allein eine solche Nahrungsauf-
nahme kann bei unserer Acinetenform unmöglich stattfinden,
da ich unter den Tausenden von Exemplaren, die ich nach
und»nach mit aller nur möglichen Sorgfalt beobachtete, nicht
ein einziges fand , welches im Innern nur irgend eine Spur
aufgenommener Nahrungsstoffe hätte erkennen lassen.
Das Innere unseres Acinetenkörpers fand ich stets ganz
ähnlich beschaffen, wie bei der Acinetenform der Vagini-
colen. In einer homogenen, farblosen, weichen Grundsubstanz
lagen nämlich bald nur sehr feine Körnchen , bald feinere
und gröbere, dunkelcontourirte, farblose Körner eingestreut.
Die letzteren liessen sich isolirt in grössere Scheiben ausein-
anderquetschen und können bei ihrer völligen Homogeneität
unmöglich für von aussen aufgenommene Nahrungsballen oder
etwa für Magenblasen gehalten werden. Sie sind ihrem ganzen
Ansehen nach nichts weiter als Feitkörner, welche nach und
nach, um zu Neubildungen zu dienen , verflüssigt werden.
Ausserdem bemerkt man in den Acinetenkörpern mit feinkör-
nigem Inhalte sofort, in denen mit grobkörnigem häufig erst
nach einer schwächern oder slärkern Compression noch zwei
wesentliche Bestandtheile , nämlich eine contractile, wasser-
„helle Blase, die eine der Vorderecken einnimmt, und einen
las, so unerhört, dass ich mich, auf meine Untersuchungen der ver-
wandten Acineten gestützt, lebhafter Zweifel gegen die Richtigkeit sei-
ner Darstellung, trotz der grossen Achtung, die ich vor dem Beobachtungs-
talente dieses ausgezeichneten Forschers hege , nicht erwehren konnte.
Allein ich bin inzwischen so glücklich gewesen, eben so grosse (1/5
im Durchmesser haltende) Exemplare, als Koelliker zu seinen Un-
tersuchungen dienten, im Thiergarten an der Überfläche bestäubten Was-
sers zwischen Wasserlinsen aufzufinden und ich habe Alles, was Koel-
Jiker über die Organisation der Actinophrys sol beobachtete, ganz
ebenso gesehen. Fremde Stoffe fand ich nicht im Innern des Körpers
meiner drei Exemplare; doch zweifele ich nicht daran, dass solche oft-
mals in den so zarten Körper eindringen werden. Wohl aber ist mir
es immer noch zweifelhaft, ob die Aufnahme fremder Substanzen in
den Actinophryskörper als Nahrungaufnahme gedeutet werden kann. Ich
sehe in der vorgeblichen Nalırungsaufnahme nur ein mechanisches Ein-
dringen fremder Körper.
#
134 ‚Stein:
elliptischen, scheibenförmigen Nucleus, der: ziemlich die Mitte
‚des Körpers einnimmt (vergl. Fig.31—34.). ' Der Nucleus _
ist verhältnissmässig sehr klein, viel kleiner, als-die contrac-
tile Blase im. ausgedehnten Zustande; er ist nämlich in den
grössten Exemplaren durchschnittlich nur 2,“ lang. | Zwi-
schemdem übrigen, opakern Inhalt erscheint er alsı eine
scharf umschriebene, zart gerandete Scheibe, besteht 'aber
h nicht aus einer homogenen Substanz , wie man sie bei
einer. starken Compression des eakihrpers sieht, son-
dern aus sehr feinen Körnchen.
‚Gleich in der ersten Zeit, als ich unsere Ariskienfalm
kennen lernte, fiel es mir auf, dass manche Exemplare an-
scheinend mit einem viel grösseren, sehr scharf und dunkel
gerandeten Nucleus versehen waren. Ich halte jedoch, wie
ich erst viel später, bei Anwendung, geeigneter Compressio-
nen ‚erkannte, an solchen Exemplaren nur den: eigentlichen
Nucleus übersehen , und was ich für. einen grossen Nucleus
gehalten hatte, war ‚etwas: ganz Anderes. In ‚Fig. 28. ist
nur dieser grössere, wegen seiner. dunklen Contouren mehr
durch «die Körnermasse hindurchschimmernde Nucleus darge-
stellt, der hier noch ziemlich in der Mitte des. Körpers (liegt,
da wo der kleinere, eigentliche Nucleus, der von der groben
Körnermasse verdeckt ist , gewöhnlich angetroffen wird.‘ In
Fig. 29. sieht: man den kleineren und den grösseren Nucleus. |
Letzterer liegt nahe:an dem Vorderende des Acinetenkörpers”
und an dieser Stelle traf ich ihn am häufigsten und zwar auf
verschiedenen Entwickelungsstufen.
Am gewöhnlichsten erschien er als ein fast kreisrun-
der, scheibenförmiger Körper, der bei den grössten Acineten
einen Durchmesser von fast '/,,“’ hatte, bei den kleineren
verhältnissmässig kleiner war. Er besteht ausıderselben Masse,
wie der Inhalt des Acinetenkörpers, nur ist er. consistenter
und die Körnchen, welche in der Grundsubstanz liegen, ‚sind
kleiner und einander mehr genähert. Ebenso ähnelt er in
seiner Zusammensetzung dem eigentlichen Nucleus, nur sind
die Körnchen seiner Grundsubstanz gröber und von einander
entfernter. Ferner sieht man in ihm bald eine, bald zwei
sehr kleine, wasserhelle rundliche Stellen, die plötzlich ver-
schwinden und erst nach längerer Zeit wieder ‚erscheinen.
Untersuchungen über die Entwickelung der Infusorien. 135
Seine Entstehungsweise habe ich noch nieht hinlänglich be=
lauschen können; doch scheint eine, freilich noch vereinzelt
dastehende , Beobachtung darüber Licht zu verbreiten. ‘Ich
sah nämlich einmal völlig deutlich seinen hintern Rand mit
‚ dem ganz in seiner Nähe liegenden eigentlichen Nucleus durch
Siku schmale Brücke von derselben Substanz, wie der
letztere , zusammenhängen. ‘Daraus möchte ich schliessen,
dass der centräle Nucleus mit der Zeit eine doppelbrodartige
Gestalt annimmt, und dass dan die eine Hälfte sich zu dem
grösseren Nueleus entwickelt und zwar durch Aufnahme des
verflüssigten Theiles der Körnermasse des Aecinetenkörpers,
um sich zuletzt von der andern, als eentraler Nucleus weiter
‚fungirenden Hälfte abzuschnüren.
Die letzte Ausbildung, welche der grössere Nucleus, in-
nerhalb des Acinetenkörpers erreicht, besteht darin, dass sich
auf seiner Oberfläche Wimpern entwickeln, mittelst‘deren er
in eine anhaltende, wenn auch langsame Rotation versetzt
wird. Mein Erstaunen und meine Freude waren gleich gross,
als ich zum ersten Male das so ganz unerwartete und anzie-
hende Phänomen der Rotation an einem bis dahin mir immer
starr und regungslos erschienenen Gebilde entdeckte. Denn
nun war es ja ausser allem Zweifel, dass der grössere Nu-
eleus einen in der Bildung begriffenen Embryo darstellte.
3ei der Rotation verlässt dieser Embryo seinen Ort in der
Mitte des Vorderrandes. vom Acinetenkörper nicht , sondern
er dreht sich ohne Unterbrechung, immer an derselben Stelle
liegen bleibend, langsam im Kreise herum. Die Richtung der
Rotation ist in Fig. 29. durch den darüber ‘gezeichneten Pfeil
angedeutet. Der jeizt bald mehr oval, bald noch kreisrund
erscheinende Embryo ist von dem körnigen Inhalte des Aci-
netenkörpers durch einen schmalen lichten Hof geschieden,
in welchem man sehr deutlich die auf der Oberfläche des
Embryos stehenden langen Wimpern flottiren sieht‘, welche
die Ursache der Rotation sind. Ihre Vertheilung und Stel-
lung vermag ich nicht mit Sicherheit anzugeben, da es mir
noch nicht gelang, den Embryo unverletzt aus dem Acimeten-
körper herauszubringen. Was ich über den Embryo ermit-
teln konnte, beschränkt sicht meistens auf das, was ich durch
die Hülle des Acinetenkörpers hindurch zu beobachten ver-
136 Stein:
mochte. Beim Quetschen eines Acinetenkörpers mit rotiren-
dem Embryo blieb meistens ein Kranz langer, kräftiger Wim-
pern in der Gegend des vorderen Drittels erhalten; ich wage
aber nicht zu behaupten, dass dies die einzigen waren, da
es mir manchmal vorkam , als wären auch an dem hintern
Theil des Embryos sehr kurze, zarte Wimpern vorhanden, Das
Innere des Embryos bestand deutlich aus der schon beschrie-
nen granulösen Masse, in welcher jederseits neben der
_ Mitte eine kleine contractile Stelle zu unterscheiden war. In
‚der Mitte sah ich mehrmals einen elliplischen oder etwas
nierenförmigen, dunklern Fleck, welcher wahrscheinlich den
Nucleus des Embryos bildete.
Die Acinetenkörper mit rotirendem Embryo contrahir-
ten sich meistens sehr lebhaft und kräflig, und jedenfalls
wird durch solche Contractionen zuletzt die Geburt des ein-
geschlossenen Embryos bewerkstelligt, nicht aber durch des-
sen eigene Thäligkeit. Ein einziges Mal habe ich bis jetzt
bei unserer Acinetenform (bei einer andern gar nicht selten)
' den Geburtsact beobachtet. Ich sah, wie unter Contractionen
des Acinetenkörpers der Embryo die Hülle desselben in der
Mitte des Vorderrandes blasenartig vor sich hertrieb,, bis
diese blasenartige Hervorstülpung platzte, worauf der Embryo
hervorschlüpfte und durch die Thätigkeit seiner Wimpern
sich so schnell im Wasser. entfernte, dass ich ihn, allerMühe
ungeachtet, nicht wieder auffinden konnte. Wäre mir dies
gelungen, so würde ich sicherlich seine Form und nament-
lich seine Bewimperung genauer haben bestimmen können.
So wie der Embryo herausgetreten war, zog sich der
Acinetenkörper kräftig zusammen und die ausstrahlenden Fä-
den wurden theils bedeutend verkürzt, theils ganz eingezo-
gen. In diesem contrahirten Zustande verharrte der Acine-
tenkörper einige Zeit; dann aber begannen die gewöhnlichen
Bewegungen von Neuem, und die ausstrahlenden Fäden tra-
ten nach den verschiedensten Richtungen hintastend, nach
und nach wieder hervor. Der Acinetenkörper bot nun wieder
den gewöhnlichen Anblick dar, nur war natürlich sein Volu-
men verringert und die vorher glatte Hülle, welche nun ei-
nen ansehnlich kleiner gewordenen Inhalt zu umschliessen
hatte , bildete wellenförmige Erhöhungen und Vertiefungen.
Untersuchungen über die Entwickelung der Infusorien. 137
Die Stelle, an welcher der Austritt des Embryos stattgefunden
hatte, erschien wieder völlig geschlossen ; wahrscheinlich
waren beim Zusammenfallen der Acinetenhülle die Ränder
der Ruplur mit einander wieder in Berührung gekommen und
durch aus dem Innern hervorquellende Grundsubstanz ver-
" bunden worden.
Hieraus erklärt sich nun, wie die einen Acineten (z.B.
Fig. 28. 29.) eine glatte, straff a Hülle, die andern
(z. B. Fig. 31. 32.) eine stärker oder schwächer zusammenge-
fallene besitzen können. Die erstern besitzen noch die ganze
Quantität ihres ursprünglichen Inhalts, die letztern haben ei-
nen Theil desselben, und zwar zu einem Embryo umgestal-
tet, an die Aussenwelt abgegeben. Dass mit der einmaligen
Emission eines Embryos die Rolle der Acineten nicht ausge-
spielt ist, geht nicht bloss aus der eben erwähnten Beobach-
tung hervor, dass die Acineten mit zusammengefallener Kör-
perhülle fortfahren, dieselben Bewegungen zu vollführen, wie
die von Körnermasse strotzend erfüllten Formen; sondern auch
daraus, dass ich unter jenen Acineten Exemplare fand , die
. ebenfalls einen entwickelten, .rolirenden Embryo enthielten.
.Man muss annehmen, dass der Prozess der Embryonenbildung
in den Aecineten sich so oft wiederholt, als die Körnermasse
derselben "gestattet. {Dass dem so sei, geht daraus hervor,
dass ich häufig völlig ihres Inhalts entleerte und auf einen
sehr kleinen Raum zusammengeschrumpfte, bewegungslose
Acinetenhüllen, noch auf ihren steifen, unveränderten Stielen
befestigt, (Fig. 35.) auf Wasserlinsenwurzeln beobachtete.
Man darf sich dadurch jedoch nicht zu der Annahme verlei-
ten lassen, dass die Acineten mit dem grössten Körper (z.B.
Fig. 28.) in Folge der Umwandlung ihres Inhalts in Embryo-
nen nach und nach in die Acineten mit sehr kleinem Kör-
per (z. B. Fig. 34.) übergingen; sondern sowohl die verschie-
dene Dicke der Stiele der Acineten, wie auch die völlige
Erfüllung sehr kleiner Acinetenkörper mit Körnermasse (z.B.
Fig. 33.), deuten unverkennbar auf eine ursprünglich sehr
verschiedene Grösse der Aecineten hin,‘ welche nur von der
verschiedenen Grösse der Epistylisindividuen bedingt sein
kann, welche in die Acinetenform übergingen.
Dass die Acineten mit kleinem Körper auch nur im
138 e Stein:-
' Verhältniss zu ihrer Grösse stehende, also viel kleinere Em
bryonen, als die grossen Acineten, erzeugen, brauche ich
wohl kaum zu erwähnen. Wenn daher die Embryonen, wie
es doch wohl sehr wahrscheinlich ist, entweder unmittelbar
oder nach unbedeutenden Modificationen ihrer Form die Grund-
lage zu neuen, Epistylisbäumchen werden , so werden
je nach der Grösse der ihren Anfangspunet bildenden Em-
bryonen eine ursprünglich verschiedene Kräftigkeit haben müs-
und es ist dahernicht nöthig,| das in Fig. 37 abgebil-
dete Bäumchen von dem in Fig. 36. abgebildeten Bäumchen,
„ wie es oben‘ geschah, herzuleiten, sondern 'es kann eben so
gut unmittelbar aus einem Embryo. entstanden sein, der dann
' aber grösser gewesen sein muss, als derjenige, 'welchem das
in Fig. 36. abgebildete Bäumchen seinen Ursprung verdankt.
Schliesslich will ich noch die Bedenken aufführen, die
sich gegen die Annahme erheben, dass unsere nun hinläng-
lich besprochene Acinetenform wirklich zur Epistylis nutans
gehört. Zuerst ist zu erwägen, dass ich, wozu freilich ganz
besonderes Glück gehören würde, die Umwandlung eines Epi-
stylisthierchens in unsere Acinetenform nicht direct beob-
achtet habe. Doch muss man auch zugeben, dass eine sol-
che Umwandlung keine unwahrscheinlichen Annahmen vor-
aussetzt. Der Acinetenkörper geht höchst wahrscheinlich 'auf
die oben angegebene Weise aus einem Epistylisthiercheh
hervor; dies lehrt‘ die verwandte Gattung Vaginicola. Der
steife Stiel ist dem Stiel der Ep. nutans ganz analog gebil-
det; nurl'ist er verhätnissmässig viel dünner. Die geringere
Stärke des Stieles kann uns aber micht auffallen, wenn wir
bedenken, dass ja das’von seinem Bäumchen gelöste Episty-
lisindividuum, welches in die Acinelenform übergehen will,
aus seiner Körperbasis einen Stiel auszuscheiden hat, welcher
bloss ein in den’ Acinetenkörper umzuwandelndes Individuum,
nicht aber viele Aeste und Individuen zu tragen bestimmt
ist, der also deshalb’ viel dünner sein kann. — Ein zweites
Bedenken erregt die Gestalt des Nucleus, welche in unserer
Acinetenform elliplisch scheibenförmig ist, in den Epistylis-
thierchen aber von mir bandförmig gesehen. wurde. Man
vergesse aber hierbei nicht, dass Ehrenberg in der That
den Nucleus bei Epist. nutans scheibenförmig angiebt; meine
Untersuchungen über die Entwickelung der Infusorien, 139
Beobachtung eines bandförmieen Nucleus könnte also auf
einem Irrthume beruhen. Jedenfalls bedarf dieser Punct noch
einmal der allergenauesten Prüfung, die ich bei der nächsten
Gelegenheit vorzunehmen nicht unterlassen werde. — Ein
drittes und letztes Bedenken finde ich in dem Umstande, dass
mirWunsere Acinetenform nicht selten auf Wasserlinsenwur-
zeln in’einer so grossen Anzahl von Exemplaren und ähnlich
gruppirt vorgekommen ist, wie die ebendaselbst so gemeine
Vorticella nebulifera, zu der sie a doch wohl Niemand zu
ziehen wagen wird, während ich nur hin und wieder ein
vereinzeltes Bäumchen von Epist. nutans zu entdecken ver-
inochte. ;
Erklärung der Abbildungen.
(Sämmtliche Abbildungen sind nach einer 300maligen: Linearver-
grösserung eines, Schiek’schen Mikroskopes entworfen worden. Sie
wurden hereits im Januar dieses Jahres gestochen , und daher konnte
ich meine zum Theil sehr wichtigen Beobachtungen aus der folgenden
Zeit, die aber überall im Text berücksichtigt wurden , nicht mehr be-
nutzen. Sonst würden manche Figuren lehrreicher, ja zum Theil auch
noch naturgetrener ausgefallen sein. Meine oben angekündigte grös-
sere Arbeit über die Entwiekelungsgeschichte der Infusorien wird da-
her selbst in Bezug auf die in dieser Abhandlung besprochenen Gal-
tungen noch gar manche interessante und wichtige Aufschlüsse bringen.)
Die Fig. 1—15 beziehen sich auf die Entwickelungs-
geschichte von Vorticella microstoma Ehbg.
Fig, 1. Eine erwachsene Vort. microstoma mit einer ziemlich
ausgebildeten Knospe an der Basis ihres Körpers, Man sieht im In-
nern zahlreiche Nahrungsballen, die bewimperte Mundhöhle, den Ver-
lauf des Darms und das contractile blasenartige Organ.
Fig.:2. Ein erwachsenes Individuum, welches sich miltelst des
hintern Wimperokranzes von seinem Stiele zu lösen im Begriff ist, Das
contractile blasenartige Organ ist hier sehr ausgedehnt, und der hand-
förmige Nucleus tritt bei der geringen Menge grösserer Nahrungsballen
scharf und deutlich hervor,
Fig. 3. Ein ziemlich erwachsenes Individuum in der Längsthei-
Jung begriffen, Man sieht, wie der bandförmige Nucleus bei der Thei-
lung ebenfalls in der Mitte durchschnürt wird. Am vordern Ende je-
des. künftigen Individuums exkennt man eine Höhlung, deren Boden mit
Wimpern besetzt ist.
v
140 Stein: ;
Fig. 4. Ein viel jüngeres Individuum ebenfalls bereits in der
Längstheilung begriffen. -
Fig. 5.. Zwei aus der Längstheilung eines jüngeren Individuums
hervorgegangene Individuen auf einem Stiele, von denen das eine zu-
sammengezogen ist, bereits den hintern Wimpernkranz besitzt und sich
nächstens von seinem Gefährten trennen wird. Der gemeinsame Stiel‘
ist beim Stich zu dick ausgefallen. a
Fig. 6. Ein von seinem Stiele gelöstes, contrahirtes Individuum,
welches mit dem hintern Ende voran frei umherschweift, -
- DE Fig. 7. Ein jüngeres‘ contrahirtes und mit dem hintern Wimpern-
kranz versehenes, Individuum welches bereit ist, seinen Stiel zu ver-
lassen, N —
Fig. 8. Ein jüngeres Individuum mit einem entwickelten, durch
Knospung entstandenen Jungen, welches auch das Mutterthier näch-
stens verlassen wird.
Fig.9. a. b. c.d. Sehr junge, auf verschiedenen Entwickelungs-
stufen stehende Individuen , die mit ihren, im Stich viel zu dick ausge-
fallenen Stielen an einer Partie Körnermasse sitzen, welche die Ober-
fläche der Infusionen überzieht. Die Körnermasse ist nicht naturgetreu
wiedergegeben; statt der feinen Strichelchen müssten es rundliche
Körnchen sein. Bei e. e. sind die allerjüngsten Individuen dargestellt,
bei f. dergleichen von der Körnermasse losgelöste und frei umher-
schwimmende.
Fig. 10. Jüngere Vorticellen, deren contrahirter Körper sich mit
einer gallertartigen COyste umgeben hat. In der bei d. abgebildeten
Cyste schnellt der eingeschlossene Vorticellenkörper noch zusammen.
Die Stiele dieser eneystirten Vorticellen sind in Verwesung begriffen.
Fig. 11. Eine gestielte, noch weiche Cyste, welche der einge-
schlossene Vorticellenkörper an der Spitze gesprengt hat.
Fig. 12. Ein Vorticellenkörper, der sich aus seiner weichen,
gesprengten Cyste vollständig hervorgearbeitet und ausgestreckt hat.
Fig. 13. Eine runde, ungestielte Cyste, welche von einer alten,
frei umherschweifenden Vorticelle herrührt. Man erkennt im Innern
den stark kuglig contrahirten Körper mit dem Fa rn en Nucleus
und dem contractilen blasenarligen Organ.) !
Fig. 14. Eine eben solche Cyste; der eingeschlossene Vorti-
cellenkörper hat sich aber in eine homogene Kugel umgewandelt.
Fig. 15. Eine noch ältere Cyste, die einen grobkörnigen Inhalt
umschliesst, den ich als Sporenmasse zu deuten versucht habe.
Die Fig. 16—26. beziehen sich auf die Entwicke-
lungsgeschichte der Vaginicola erystallina Ehbg.
Fig. 16. Ein sehr junges Becherchen, von zwei durch Längs-
theilung hervorgegangenen Individuen bewohnt.
a
Untersuchungen über die Entwickelung der Infusorien, 141
®
Fig. 17. Ein eben solches Becherchen, dessen einer Bewohner
sich contrahirt und den hintern Wimperokranz entwickelt hat, mittelst
dessen er sich nächstens aus dem Grunde des Bechers löst und den-
selben verlässt.
Fig. 18. Eine ältere Vaginicole, die an ihrer"Basis zwei Knos-
en hervorgetrieben hat, welche zum Ablösen reif sind.
Fig. 19. Ein viel älterer Becher, als der in Fig. 17. abgebil-
dete, aber von zwei ähnlichen Individuen bewohnt. Man sieht in bei-
den das contractile, blasenartige Organ.
“ Fig. 20. Die Acinefenform der Vaginicolen oder ein geschlosse-
nes Becherchen, welches aus der Umwandlung‘der unter Fig. 19, ab-
gebildeten, aber nur von einem Thierchen bewohnten. Becher hervor-
geht. Das contractile blasenartige Organ erscheint sehr ausgedehnt,
der Nucleus ist durch die grobe Körnermasse verdeckt.
Fig. 21—23. Aeltere, allmählig leer werdende Acinetenformen.
In Fig. 21 und 22. erkennt man den scheibenförmigen Nucleus und die
helle contractile Stelle.
Fig. 24. Eine der grössten Vaginicolen; der Becher ist eben-
falls von zwei, aus der-Längstheilung hervorgegangenen Individuen
bewohnt.
Fig. 25 und 26. Die Acinetenformen, welche aus der Umwand-
lung der grössern Exemplare der Vaginicolen hervorgehen.
Die Fig. 277—39. beziehen sich auf die Entwicke-
lungsgeschichte der Epistylis nutans Ehbg.
. Fig. 27. Ein dickästiges, sehr grosse Individuen tragendes Bäum-
chen in den ersten Stadien seiner Entwickelung. Das linke Individuum
ist ausgestreckt und wirbelt im Wasser. Man sieht an demselben die
weilaufgesperrte, bewimperte Mundhöhle und den auf dieselbe folgen-
den engen Darm, neun Nahrungsballen, den bandförmigen, um die Mund-
höhle sich krümmenden Nucleus und ein kleines, contractiles, blasenar-
liges Organ. Das rechte Individuum hat sich contrahirt und die über-
nickende Stellung eingenommen. An ihm sind nur die beiden End-
puncte des Nucleus zu sehen.
Fig.,28. Die vermuthliche Acinetenform der Epistylis nutans.
Der Körper derselben zeigt noch keine ausstrahlenden Fäden, sein ei-
gentlicher Nucleus und die contractile Blase sind durch’die grobe Kör-
nermasse verdeckt; der dargestellte grössere scheibenarlige Nucleus ist
ein in der Bildung begrilfener Embryo.
Fig. 29. Eine eben solche Acinete mit a feern, Fäden;
in der linken Vorderecke liegtdie contractile Blase; daneben der in der
Bildung begriffene Embryo und unter dentwälbeih, in der Mitte, der
kleine, elliptische Nucleus. Der über dem Vorderrande stehende Pfeil
deutet die Richtung der Rotation des weiter entwickelten Embryos an,
142 ‘ Stein:
Fig. 30.. Eine eben ‘solche Acinete, deren Körper. in hefugen
Contractionen AOERR ist.
Fig, 31.. Eine Acinete, die den bewimperten Embryo ausgetrie-
ben hat und darum sichtbar zusammengeschrumpft ist, deren Produetions-
fähigkeit und Leben aber damit nicht erloschen ist.
Fig. 32. Eine sich langsam übernickend bewegende Acinete
derselben Art.
Fig. 33. Eine kleinere Acinete derselben Art, aber mit miälfe
kugligem Körper. sarlon
nn Fig: 34, Eine der aloe, aus der ln wadiung eines sehr
jungen Epistylisthierchens hervorgegangenen Acineten.
Fig. 35. ‚Eine Acinete,, deren körniger Körperinhalt. durch die
fortgesetzte Einbryonenbildung völlig aufgezehrt worden ist.
Fig. 36. 37. Die vermuthlichen jüngsten Bäumchen der Episty-
lis nulans.
Fig.'38. Ein einzelnes, junges, bereits übernickendes Epistylis-
thierchen, das erst einen sehr kurzen Stiel ausgeschieden hat.
Fig. 39. Ein jüngstes’ Bäumchen, welches wahrscheinlich zur
Epistylis anastatica Ehbg. gehört.
Berlin, im September 1849.
Nachschrift.
BerichtigungundErgänzung zur Entwickelungs-
geschichte der Vorticella microstoma.
Die Ansichten, welche ich in der vorstehenden Abhand-
lung über die Entwicklung. der Vorl. microstoma. vorgetragen
habe, waren aus Untersuchungen abgeleitet, welche’ ieh im Som-
mer des Jahres 1848 abgebrochen halte, um meine ganze Auf-
merksamkeit der Erforschung der so merkwürdigen und wich-
tige Aufschlüsse versprechenden Aecinetenformen verwenden
zu können. Mich selbst haben jene Ansichten, welche so ganz
und gar nicht mit den später aus der Beobachlung der Va-
ginicolen und Epistylisarten gewonnenen Resultaten in Ein-
klang zu bringen waren, niemals recht befriedigt, wie man.
dies auch. wohl der ganzen. Form ‚meiner Mittheilungen über
die Entwickelung jener Infusorienart angemerkt haben wird.
Die Einsicht, welche ich zur Zeit, als ich diese Mittheilun-
nt
Untersuchungen über die Entwickelung der Infusorien. 443
gen für den Druck niederschrieb, in den Entwickelungsgang
der Gattungen Vaginicola und Epistylis gewonnen-hatte, führte
mich zwar schon damals auf die Vermuthung, dass auch die
so sehr verwandten Vorticellen sich in. einge Acinetenform
verwandeln und mittelst derselben: fortpfllanzen möchten ; ich
gpher immer noch in der Meinung hefangen, dass, wenn
sich jene Vermuthung bestätigen würde, die Fortpflanzungs-
weise vermittelst der Aeinelenform doch nur eine unterge-
ordnete und‘ mit ‘der “durch Theilung und Knospenbildung
gleichwerthige sein werde, nicht’ aber eine Fortpflanzungs-
weise letzter Instanz, für die ich aus den, oben angeführten
Gründen die Fortpflanzung durch Sporen ansehen zu müssen
glaubte, Und darum nahm ich keinen Anstand, den Ency-
slirungprozess der Vorlicellen für eine Vorbereitung. zum Spo-
renbildungsprozess anzusprechen. ich konnte unmöglich ah-
nen, dass die Vorlicelleneysten, welche ich so oft, ohne eine
auffallende Veränderung an ihnen wahrzunehmen, beobachtet
halte, sich mir dereinst als das erste Stadium der Metamor-
phose in eine Acinetenform ergeben würden. Diese gewiss
höchst überraschende und folgenreiche Thatsache ‘habe ich
in diesen Tagen festgestellt, und es freut mich, den Ueber-
gang irriger Ansichten in die Wissenschaft wenigstens noch
in dem Momente‘ verhindern zu können, in welchem sie in
die Oeffentlichkeit zu treten im Begriff waren. Leider konnte
ich den Abschnitt über die Entwickelung der Vorticellen nicht
mehr umarbeiten, da‘der Druck meiner Abhandlung schon
bis zur Entwickelungsgeschichte der Galt. Epistylis vorge-
schritten war. Er wird aber auch in der Form, im welcher
er: vorliegt, immer noch lehrreich bleiben, da er zeigt, wie
schwer esist, auf diesen dunklen Gebieten, trotz: langer Beob-
achtungsreihen, einen’$chritt vorwärts zu Ihun, und’ wie leicht
man auf Abwege geräth, wenn man .den festen und siche-
ren Boden der Erfahrung verlässt und sich mit Analogieen
weiter. behilft
Ich halte mir für eine vierzehnlägige Ferienzeit, die ich
zu. Anfang October auf dem Lande im elterlichen Hause zu-
brachte, eine nochmalige Revision meiner Untersuchungen
über die Vort, mierostoma vorgeselzk Ich hoflle diese dort zu
einem beiriedigenderen Resultate fortführen zu können, ‚da
144 Stein:
ich wusste, dass ein grosser Mistpfuhl auf dem Hofe fast
das ganze Jahr hindurch zwischen dem grünen , hauptsäch-
lich von Euglena viridis, Phacus pleuronectes und Chlamido-
monas pulvisculus gebildeten Ueberzuge, zahllose , sehr kräf-
tig entwickelte Individuen von Vortic. mierostoma beherbergte.
Eine einzige Tasse voll Flüssigkeit aus diesem Pfuhle ‘ge-
schöpft, lieferte mir auch diesmal überreiches Material für
meine Zwecke und fesselle mich die ganze Ferienzeit über
“anhaltend an das Mikroskop. ‘Die Resultate: meiner Bemü-
' hungen, die ich ausführlich in meiner grösseren Arbeit schil-
dern werde, sind, kurz zusammengefasst, folgende:
1) An den ersten beiden Tagen fand ich nur selten
neben zahllosen, sehr kräftigen Individuen der Vort. mi-
crostoma einzelne der oben beschriebenen und in Fig. 13. u.
14. abgebildeten runden, ungestielten Cysten.
2) Mit’jedem folgenden Tage vermehrte sich die Zahl
der Cysten in einem immer mehr auffallenden Grade und
schon am fünften Tage lagen Tausende von Cysten von der
verschiedensten Grösse dicht neben einander an der Ober-
fläche der Flüssigkeit. Diese Cysten waren an der Stelle,
‚welche ‘dem Stirntheil des eingeschlossenen Vorlicellenkör-
pers entsprach, ein wenig blasenartig aufgetrieben und die-
ser Stelle gegenüber, also der Basis des Vorticellenkörpers
entsprechend, hing die Cyste mit einem Stiel zusammen, wel-
“ches, wie der in ihm verlaufende centrale geschlängelte Mus-
kel lehrte, der gewöhnliche Stiel der Vorticelle war. 'Ge-
wöhnlich war dieser Stiel gerade ausgestreckt, häufig aber
auch spiralig geschlängelt, oder selbst in enge Spiralwindun-
gen zusammengezogen. DieVorlicellen hatten sich also, ohne
ihren Stiel zu verlassen, kuglig contrahirt und den so con-
trahirten Körper mit einer Cyste umgeben. War die Cysten-
hülle erst jüngst abgesondert worden, also noch weich, so
trat der eingeschlossene Vorlicellenkörper bei einem gerin-
gen Druck leicht wieder aus seiner Cyste hervor, und ich
hatte dann die Anschauung, die in Fig 11. und 12. darge-
stellt ist. Hiernach ist die oben gegebene Deulung von Cy-
sten, die ‘sich unter meinen Augen öffneten, zu berichligen.
3) Vom siebenten Tage ab waren nur sehr selten noch
freie Vorticellen in meiner Flüssigkeit aufzufinden, ‚dafür aber
Untersuchungen über die Entwickelung der Infusorien. 145
überall Cysten und zwar häufiger ungestielte (von sehr ver-
schiedener Grösse), als gestielte. Der Stiel der letzteren
zeigte sich in der Auflösung begriffen, wie sowohl die ganz
verwischten Contouren desselben lehrten, als auch der cen-
trale Muskel, welcher in einzelne Stücke zerfallen war. Hier-
ich ergiebt sich die oben von mir aufgestelle Unterschei-
dung von gestielten und ungestielten, von grossen und klei-
nen Cysten als eine ganz unwesentliche. Uebrigens werden
auch gewiss, wie ich oben angab, viele ungestielte Cysten
unmittelbar durch von ihren Stielen gelöste und frei umher-
schwimmende Vorticellenkörper gebildet.
4) Mit der oben beschriebenen allmähligen Umwand-
lung des eingeschlossenen Vorlicellenkörpers in einen einfa-
chen kugligen Ballen von grobkörniger Substanz hat es seine
volle Richtigkeit. Allein dies ist keine Umwandlung der Kör-
persubstanz in einen Sporenhaufen. Die ursprüngliche Kör-
perhülle wird nicht resorbirt, sondern sie verwandelt sich
nur in einen, den körnigen Inhalt umschliessenden Sack.
5) Am fünften Tage fielen mir zum ersten Male, zu
meinem grossen Erstaunen und ganz gegen meine Erwar-
tungen, einzelne acinetenartige Gebilde auf, deren Zahl
mit jedem folgenden Tage so zunahm, dass ich bald in jedem
Tröpfchen Flüssigkeit mehrere Exemplare auf einmal zur An-
schauung bekam. Diese acinetenarligen Gebilde ergaben sich
bei näherer Beobachtung als identisch mit einer von Ehren-
berg unter dem Namen Podophrya fixa beschriebenen
und zur Familie der Enchelinen gestellten Infusorienform. Sie
bestanden nämlich aus einem sehr verschieden grossen, aber
Yas #4 jm Durchmesser selten überschreitenden, kugligen Körper,
der am Ende eines bald ganz geraden , bald unregelmässig
bogenförmig gekrümmten, steifen und hohlen Stieles sass ,
welcher fast noch einmal so lang war, als der Durchmesser
des Körpers. Von der ganzen Peripherie des Körpers gingen
nach allen Seiten hin in einem Knöpfchen endigende, aus-
strahlende Fäden aus, welche auf dieselbe Weise, wie bei
andern Acinetenformen bewegt wurden. Das Innere des Kör-
pers bestand aus einer homogenen, farblosen Grundsubstanz,
in der bald nur sehr grobe, dunkelgerandete Körner, bald
sehr feine eingebettet lagen. Etwas über der Mitte des Kör-
Archiv f, Natorgeschh XV, Jahrg. 1. Bd, 10
146 Stein:
pers befindet sich eine runde contractile Stelle, die gewiss kein
Mund ist, wofür sie Ehrenberg ansieht, und unter dersel-
ben, mehr oder weniger in der Mitte des Körpers ein bald
nierenförmig, bald oval erscheinender Nucleus. Der hohle
Stiel ist an seiner nicht fixirten, höchstens an der die Ober-
fläche der Flüssigkeit einnehmenden Körnermasse angehefte-
ten Basis merklich enger, als an seiner fast trichterfömig
erweiterten, in den Körper übergehenden Spitze, so dass er
mehr das Ansehen des Stiels der Acinetenform der Vagini-
colen, als das der Acinetenform der Epistylis nutans hat.
6) Verglich ich eine ältere, in der Umwandlung ihres
Inhalts weiter fortgeschrittene Vorticelleneyste mit dem Kör-
per einer Podophrya fixa, so fand ich die Aehnlichkeit über-
raschend gross, und es drängte sich mir lebhaft die Vermu-
ihung auf, es möchte die Podophrya fixa nicht bloss die Aci-
netenform der Vorticella mierostoma sein, sondern sie möchte
wohl gar aus einer Umwandlung der Vorticellenceysten her-
vorgehen. Ich beobachtete nun noch angestrengter die Vor- ,
ticellencysten und Alles, was ihnen oder einer Podophrya fixa
ähnlich war, und siehe da! meine Vermuthung bestätigte sich
vollkommen. Ich fand nämlich nun, und zwar keineswegs
selten, ovale Cysten mit grobkörnigem Inhalte, deren Hülle
durch vier bis fünf tiefe ringförmige Einschnürungen in eben
so viele mit scharfen Kanten vorspringende Falten zusammen-
gezogen war, während der eingeschlossene Körper ein voll-.
kommen glattes Oval bildete. An anderen Cysten mit quer-
faltigerHülle setzte sich schon die Hülle über dem einen Pole
des eingeschlossenen Körpers hinaus in einen hohlen kurz
kegelförmigen Schnabel fort. An noch anderen halte sich
der kurze Schnabel in einen längern hohlen Kegel ausgezo-
gen, während sich die queren ringförmigen scharfkantigen
Falten, welche die Cystenhülle um den eigentlichen Körper
bei den vorigen Cysten herumbildete, wieder zu verflachen
begannen. An diesen Cysten bemerkte ich stets etwas über
der Mitte des eigentlichen Körpers die contractile Stelle,
welche in den Cysten mit glalter Hülle ganz verschwunden
ist, in lebhafter Contraction. An noch anderen Cysien war
der kegelförmige Forisalz der Cystenhülle noch länger und
enger geworden, und er glich nun fast ganz dem Stiel der
Untersuchungen über die Entwickelung der Infusorien! 147
Podophrya fixa ; Faltungen der Cystenhülle über dem 'eigentli-
chen Körper waren bis auf schwache Spuren verschwunden und
dem Ursprunge des hohlen kegelförmigen Fortsatzes der Cy-
stenhülle gegenüber begannen die ersten ausstrahlenden Fä-
den hervorzulrelen. Hiermit lag der Umwandlungsprozess
‚einer Vorlicelleneyste in die Podophrya fixa klar vor mir. Es
verwandelt sich nämlich die Cystenhülle der Vorticellen, wahr-
scheinlich durch eine einseitige Ausdehnung des eingeschlos-
senen Inhalts, nach und nach in eine langgestielte Blase um,
deren Wandungen um den metamorphosirten Vorticellenkör-
per in Folge der Ausdehnung so dünn sind, dass sie von den
aus, dem Vorlicellenkörper entspringenden, ausstrahlenden
Fäden leicht durchbohrt werden können.
7) Neben der Podophrya fixa traf ich häufig acineten-
arlige Gebilde, welche keinen Stiel besassen, sonst aber ganz
einem von seinem Stiele abgetrennten Podophryenkörper glichen.,
Sicherlich sind diese stiellosen Podophryen aus den Vorlicel-
leneysten durch eine gleichmässige, allseitige Ausdehnung
des eingeschlossenen , metamorphosirten Vorticellenkörpers
hervorgegangen. Sie haben darum ein besonderes Interesse,
weil sie jedenfalls den Actinophrys sol vieler Autoren
bilden. Koelliker’s Aclinophrys sol, von dem'schon oben
in einer Anmerkung die Rede war, darf damit ja nicht ver-
wechselt werden.
8) Auf welche Weise die Podophrya fixa und die Ac-
linophrys sol, d. h. also die Acinetenformen der Vort. mi-
erostoma, Embryonen hervorbringen, habe ich noch nicht er-
mittelt. Einer seltsamen, zur Fortpflanzung in Beziehung ste-
henden Erscheinung habe ich aber noch zu gedenken , auf
die zuerst Koelliker bei seinem Actinophrys sol aufmerk-
sam gemacht hat. Es gehen nämlich sowohl die gestielten,
wie die ungestielten Podophryen häufig einen Conjuga-
tionsact ein. Der Körper jener gestielten, durch zufällige
Umstände einander genährten Podophryen legen sich nämlich
innig aneinander, plallen sich an der Berührungstelle allmäh-
lig bis zu einer Halbkugel ab und verschmelzen endlich, ein
queres, auf zwei Stielen ruhendes Oval darstellend, völlig mit-
einander. Welche Bedeutung man diesem Conjugationsacte
beilegen soll, weiss ich so wenig anzugeben, als Koelliker,
148 Stein: Untersuchungen über die Entwickelung der Infusorien.
Trifft man zwei ungestielte Podophryen im Conjugationsacte
an, so hat das ganz das Ansehen, als finde eine Querthei-
lung statt. Wie schon Koelliker vermuthet, sind gewiss
alle Angaben von Selbsttheilung des Actinophrys sol auf die-
sen Congujalionsact zu redueiren.
9) Schliesslich bemerke ich noch nachträglich, dass
schon Pineau vor einigen Jahren einen näheren Zusammen-
hang zwischen den Vorticellen und der Podophrya fixa (er
nennt sie mit Dujardin Actinophrys pedicellata) nachzu-
weisen versucht hat '). Er glaubt nämlich , dass die Podo-
phryen die Jugendzustände der Vorticellen seien. Später ent-
deckte er auch die gewöhnlichen Vorlicellencysten ?) und
zwar gestielte, wie ungeslielte. Diese Cysten sollen sich nach
Pineau allmählig vergrössern und zuletzt in ein Infusorium
umwandeln, welches er für eine Oxytrycha bestimmt. Den
Abbildungen nach zu urtheilen ist es aber nichts weiter, als
die so sehr gemeine Siylonychia pustulata Ehbg. Ich habe
wohl nicht nöthig, nach meinen vorausgegangenen Mitthei-
lungen, diese Angaben hier noch näher zu widerlegen.
Berlin, den öten November 1849.
') Annales des sc. natur. 1845. III. Serie Tom. III. p. 182. und
Tom. IV. p. 103.
2) Ibidem Tom. IX. p. 100.
Zur Kenntniss der Fauna von Island *).
Von
Dr. Rud. Leuckart in Göttingen.
Erster Beitrag.
Würmer.)
Hierzu Taf, II.
Apodes., Nemertini.
Amphiporus Neesii Oerst.
Unter vorstehendem Namen hat Oersted !) nach einem
bei den Faröern aufgefundenen Exemplar mit wenigen Wor-
ten eine neue schöne Nemertine beschrieben, die ich in meh-
rern vor mir liegenden Würmern wiedererkenne. Der grös-
seste derselben misst trotz einer Verstümmelung am hintern
Ende neun Zolle bei einer Breite von reichlich zweien Linien.
Ein anderes, gleichfalls verstümmeltes Individuum ist fünf Zolle
lang, ein drittes kleineres vier Zoll acht Linien bei einer
Breite von 1'/, Linien. Der Körper ist stark zusammenge-
drückt, platt, besonders an der Bauchfläche, mit abgerundeten
Seitenkanten. Das Kopfende, welches ohne Abschnürung oder
sonstige Grenze in den Leib übergeht, ist abgerundet oder
stumpf lanzettförmig. Die grösseste Breite und Dicke hat der
Wurm in seiner vordern Hälfte. Nach hinten verjüngt er sich
®) Die in den folgenden Beiträgen beschriebenen Thiere sind sämmt-
lich von dem Herrn Prof, C., Bergmann im Jahre 1846 an der süd-
westlichen Küste Island’s gesammelt und zur nähern Untersuchung mir
gütigst überlassen worden. Aufbewahrt werden dieselben in der Samm-
lung des hies. physiologischen Institutes.
*) Entwurf einer syst. Einth. der Plattwürmer. S. 95.
150 Leuckart:
allmählig. Das hintere Körperende ist ebenfalls abgestumpft,
wie das vordere, nur schmaler und dünner.
Die Haut zeigt zahlreiche, sehr dicht stehende und zier-
liche Querrunzeln, die häufig mit einander zusammenfliessen ;
daneben von Zeit zu Zeit eine seichte Einschnürung, wie eine
Ringfurche, die besonders an den Rändern deutlich ist.
Die Unterfläche des Leibes ist schmutzig weiss oder hell-
gelb, der Rücken violett, wie der Hauch einer reifen Pflaume.
Bei dem kleinern Exemplar ist der Rücken aber nicht einfar-
big violett, sondern schmutzig weiss gefleckt, besonders am
hintern Ende, wo diese Flecken zu unregelmässigen schmalen
.Längsstreifen zusammenfliessen. Auch bei den grössern Exem-
plaren schimmert hier die Grundfarbe des Körpers in einigen
unregelmässigen Längsflecken hindurch.
Augen fehlen. Ebenso ‚auch die seitlichen Kopfgruben.
Selbst Rüsselöffnung und Mund sind nur sehr undeutlich. Die
erstere ist ein kleines schmales Längsspältchen am vordern
Körperende. Dicht hinter demselben, an der Bauchfläche, lässt
sich noch eine andere kleine grubenartige Vertiefung wahr-
nehmen, ohne wulstige Ränder, der Mund. Der After er-
scheint als ein Längsspältchen am Hinterleibsende.
Das eine Individuum, das ich einer anatomischen Un-
tersuchung unterwarf, war ein Weibchen. Es enthielt in der
Leibeshöhle eine grosse Menge von Eiern mit dickem, hellem
Chorion, in denen sich die Keimbläschen aber nicht mehr
erhalten hatten. Die Masse der Eier, die besonders nach
hinten zu zunahm, hatte den zarlhäutigen Darmkanal so ver-
drängt, dass er sich kaum noch nachweisen liess. Damit
mag denn auch die Beschaffenheit des: Mundes in Einklang
stehen, der ja selbst, nach den Beobachtungen von Quatre-
fages) (von welchem übrigens die Mundöffnung irrthümli-
cher Weise ?) als Genitalöffnung gedeutet ist), in einzelnen
Arten zu bestimmten Zeiten vollständig zu schwinden scheint.
Wir haben in solchem Verhältniss eine Erscheinung, wie sie
t) Aunal.: des ‚science. nat. 1846. T. VI. p. 198.
2) Vergl. meinen Aufsatz: „Zur Kenntniss vom Bau der Nemerli-
nen“ in den Beiträgen zur Kenntniss wirbelloser Thiere vonFrey und
Leuckart. $, 71,
2 ee
Zur Kenntniss der Fauna von Island. 151
auch sonst bisweilen (namentlich bei niedern Thieren) wäh-
rend der Brunst und der Trächligkeit sich auffinden lässt:
durch die Entwickelung und die Grössenzunahme der Genila-
lien oder den Druck der von den Leibesdecken umschlosse-
nen Embryonen wird die räumliche Ausdehnung der übrigen
Eingeweide beschränkt, und öfters sogar in einem Grade, dass
darunter die anatomische und funclionelle Selbstständigkeit
leidet, Der in seiner Scheide eingeschlossene Rüssel (der
von Quatrefages als Darmkanal gedeutet ist) hat übrigens
an jener Atrophie des Verdauungsapparates nicht Theil ge-
nommen — vielleicht wegen seiner physikalischen Beschaf-
fenheit, — er ist unverändert geblieben und lässt als ein
ziemlich ansehnlicher Strang durch die Länge der Leibes-
höhle bis in das hintere Körperende sich verfolgen. Eine
Bewaffnung, wie sie andern Nemerlinen zukommt, scheint ihm
zu fehlen.
Sehr nahe verwandt unserm Wurme ist wohl der von
Fabricius beschriebene ') Gordius intestinalis, bei dem
aber die Längsbinde des Rückens in der Mitte eine Strecke
weit unterbrochen ist. Eben diese Art scheint übrigens auch
an der Isländischen Küste vorzukommen; es erwähnt wenig-
stens Olafsen 2) in seiner Beschreibung von Island eines
Gordius pallidus, capite caudaque nigris, der, wie ich vermu-
Ihen möchte, mit jener Fabricius’schen Art identisch ist.
— Eine andere gleichfalls dem von Ehrenberg aufgestell-
ten Gen. Amphiporus zugehörende Art ist von Goodsir 3)
als Serpentaria sp. innom. beschrieben worden. Sie bewohnt
die Schotlischen Küsten, besitzt eine ähnliche Färbung wie
A. Neesii, unterscheidet sich davon aber durch eine weit be-
deutendere Grösse und eine abweichende Form des Kopfes.
Das Gen. Serpentaria muss übrigens eingehen, um so mehr,
als dieser Name bereits von den Botanikern vergeben. ist.
Quatrefages hat auch das Gen. Amphiporus nicht anerken-
nen wollen, und die Arten desselben dem Gen. Polia Dell.
*) Fauna Groenlandica. p. 269. n. 244.
%) Reise durch Island. Aus dem Dän. übersetzt. Kopenhagen und
Leipzig. 1774. 1. S. 395.
®) Ann. of nat, hist. Vol. XV. p. 377.
152 Leuckart:
Ch. zugerechnet, doch gewiss mit Unrecht, wie namentlich
für unsere Art die abweichende Körpergestalt beweiset. Ueber-
haupt scheint mir die gesammte, von Quatrefages in An-
wendung gezogene Systematik der Nemertinen an manchen
Mängeln zu leiden. In ihr sind gerade diejenigen Momente,
auf die es bei der Beschreibung und Classification dieser
merkwürdigen Geschöpfe hauptsächlich anzukommen scheint,
Lage des Mundes und der Rüsselöffnung , Anwesenheit und
Abwesenheit der Rüsselbewaffnung und der Kopfgruben, zu
wenig berücksichtigt. Wie man die Bewaffnung des Rüssels
und die Art der Bewaffnung bei den Dorsibranchiaten berück-
sichligt, ebenso muss es auch bei den Nemerlinen geschehen.
Es ist unpassend, in demselben Genus bewaffnete und unbe-
waffnete Arten neben einander zu stellen u. s. w.
Nemertes fusca (Fab.) Mihi.
Die Beschreibung der Planaria fusca Fab. ), die Oer-
sted?), wenngleich zweifelnd, zu der N. olivacea Johnst.
zurechnet, passt in allen Stücken auf die vor mir liegenden
Exemplare einer ziemlich ansehnlichen,, bis fast zwei Zoll
langen Nemertine. Der Körper unseres Wurmes, der nur
wenig deprimirt und besonders im vordern Drittheile fast
völlig eylindrisch ist, hat reichlich die Breite von 1'/; Linie.
Nach hinten wird er allmählig schmaler und abgeplaltet, na-
mentlich an der Bauchfläche. Das Afterende ist stumpf zu-
gespitzt, der Kopf aber abgerundet und von der Mundöffnung
an nach vorn ein wenig abgeplattet. Die Seitengruben des
Kopfes, die leicht auffallen, sind sehr tief, besonders in der
hintern Hälfte. Die begränzenden Ränder springen wulst-
förmig vor und bilden eine förmliche Schnauze. An der
Spitze des Kopfes fliessen beide Seitengruben bogenförmig
zusammen und durchkreuzen die kurze und spaltförmige Rüs-
selöffnung. Der Mund liegt etwa °/, Linien hinter der Spilze
des Kopfes und erscheint als eine nicht unansehnliche läng-
lich ovale Oeffnung. Augenflecke fehlen.
Der Leib zeigt eine deutliche Ringelung, doch sind die
#) L. c. p. 324 n. 306.
2) A. a. 0. S. 89.
Zur Kenntniss der Fauna von Island. 153
Einschnitte zwischen den einzelnen Ringeln nur wenig tief
und erst bei genauerer Betrachtung sichtbar. Sie stehen etwa
'/, Linie von einander ab. Die Farbe ist bei den vorliegen-
den Spiritusexemplaren gelblich weiss, bisweilen mit einigen
dunklern unregelmässig verwaschenen Flecken.
5 Mit völligem Recht zieht Fabricius zu seiner Art die
sehr kenntliche Abbildung des „Strömischen Rödaal“ (As-
caris rubra Müll.) in Müller’s Abhandlung von den
Würmern des süssen und salzigen Wassers '). Dass aber
dieser Wurm, wie Müller angiebt, den Fischen gefährlich
sei und parasilisch in ihnen lebe, ist gewiss eine Fabel, die
auf einer Verwechselung unserer Art mit wirklichen Einge-
weidewürmern beruhen mag.
Nemertes annellata. nov. sp.
So ziemlich von der Körperform der vorher beschrie-
benen Art, doch noch weniger plalt und namentlich auch in
der hintern Körperhälfte beinahe drehrund. Der Hinterleib
verjüngt sich allmählig und ist stumpf zugespitzt. Das Kopf-
ende istkurz, von konischer Form, elwas abgestumpft und von
oben nach unten deprimirt, wie bei der vorigen Art. Die
seillichen Kopfspalten sind ganz ansehnlich, doch weniger
tief, als bei N. fusca und nicht von so aufgewulsteten Lippen
umgeben. An der vordern Spitze des Kopfes gehen dieselben
aber auch hier in einander über und kreuzen sich auf gleiche
Weise mit dem senkrechten, zum Austritt des Rüssels bestimm-
len Spältchen. Die Mundöflnung ist gross, oval, elwa /, Lin.
hinter der Kopfspitze gelegen.
Ringfurchen finden sich, wie bei der vorigen Art, sind
aber viel deutlicher und dichter. Sie folgen einander in re-
gelmässigen Abständen von /,—'/, Lin. Die Färbung ist
am Bauche schmutzig gelb, auf dem Rücken grau, doch ge-
hen beide Farben an den Seiten ohne scharfe Grenze in ein-
ander über. Das einzige Exemplar, das mir zur Untersu-
chung vorliegt, ist in mehrere Stücke zerbrochen (doch voll-
ständig) und hat am hintern Leibesende durch mehrere auf
) A. a. 0. 5. 118. Tab. Ill. fig. 1—3, (Vergl. auch Prodrom. Z00-
log. Dan, p. 213 n. 2587.)
154 Leuckart:
einander folgende seichte Einschnürungen — die aber wahr-
scheinlich erst im Augenblick des Todes entstanden, als das
Thier, wie es bekanntlich bei vielen Nemertinen so leicht ge-
schieht, sich zerstückelle — ein perlschnurförmiges Ausse-
hen. Die Länge dieses Individuums (von einem zweiten fand
ich bloss ein kurzes abgerissenes und von einer dicken Schleim-
kruste überzogenes Stück) betrug 1 Zoll 2 Lin. bei einer
vordern Breite von fast zwei Linien.
Polia canescens nov. sp.
Das einzige Exemplar dieses Wurmes, das ich unter-
suchen konnte, hatte eine Länge von fünf Linien und eine
überall ganz gleichmässige Breite von %, Linie. Der Körper
ist nur wenig deprimirt, an beiden Enden auf gleiche Weise
stumpf abgerundet. Man wäre in Verlegenheit, welches Ende
man für das vordere ansehen sollte, wenn nicht das eine
derselben an der Spilze eine sehr dislinete rundliche Oeff-
nung trüge, die man für die Rüsselöffnung zu halten berech-
tigt wäre. Eine Mundöffnung schien abwesend, wie es auch
Quatrefages für mehrere Arten des Gen. Polia — in dem
aber Q. offenbar die Typen mehrerer Genera vereinigt hat
— angiebt. Seilliche Kopfgruben fehlen. Ebenso die Augen-
llecke.
Die Farbe des Leibes ist hellgrau, nur die Hinterleibs-
spitze zeigt cine hellere weissliche Färbung. Auf dem Rücken
verläuft gleichfalls eine helle, wellenförmig. geschlängelte,
schmale und etwas firstenförmig vorspringende Binde, die,
wie ich mich überzeugt habe, von dem darunter verlaufenden
Rüsselkanal herrührt.
Scotia rugosa nov. gen. etnov. Sp.
Veranlassung zu der Aufstellung des vorbezeichneten
neuen Genus ') hat mir ein eigenthümlicher Wurm gegeben,
dessen Stellung unter den Nemerlinen mir allerdings höchst
zweifelhaft ist. Er ist einen Zoll lang, fadenförmig, an beiden
Enden sehr allmählig ein wenig verdünnt. Alle Individuen,
deren ich eine ziemliche Anzahl untersuchte, waren knäuel-
+) Von Scotia, die Regenrinne.
Zur Kenntniss der Fauna von Island. 155
förmig oder auch in einer flachen Spirale zusammengerollt,
und trugen auf dem convexen Rande ihrer Windungen eine
tiefe und breite Rinne, deren seitliche Ränder parallel neben
einander sich erhoben und, fast wie ein Jabot, sehr fein ge-
kräuselt erschienen; ein Aussehen, welches durch zahlreiche,
verhältnissmässig tiefe und sehr dicht neben einander ste-
hende Querfurchen hervorgebracht ist. Die Farbe ist hell-
gelblich und schmutzig weiss. Beide Körperenden sind ohne
Auszeichnung, so dass ich inı Ungewissen geblieben bin, wel-
ches das vordere und welches das hintere sei; doch möchte
ich das eine stumpfere und weniger verdünnte Ende für das
Kopfende halten, obgleich ich an ihm eben so wenig, wie an
dem entgegengesetzten, eine Oeffnung wahrnehmen konnte.
Eben so weiss ich nicht, ob die ausgehöhlte Fläche des Kör-
pers als obere oder als untere zu deuten sei. Bei dünnen
Querschnitten (Fig. 1.) sieht man, dass eine weite, der äus-
seren Gestalt conforme Höhle sich durch den ganzen Körper
hin erstreckt. Indessen ist es trotzdem mir niemals gelun-
gen, darin bestimmte Eingeweide wahrzunehmen, ein Um-
stand, der das Räthselhafte der ganzen Bildung !) noch ver-
mehrt. In der Leibeshülle, die besonders an der convexen
Fläche sehr dick ist, verlaufen Längs- und Querfasern. Die
ersten sind namentlich in dem Boden der Rinne entwickelt.
Aeusserlich findet sich eine zellige Epidermis.
Apodes. Hirudinei.
Piscicola marina (Müll.) Johnst.
Was die Zoologen als Piscicola piscium (Müll.) Lam.
(Hirudo geometra Lin.) in das System aufgenommen haben,
ist eine grössere Anzahl verschiedener Blutegelformen, die
durch ihren Aufenthalt auf der äussern Haut, so wie in der
Kiemen- und Mundhöhle von Fischen, die theils das Süss-
wasser, theils auch das Meer bewohnen, übereinstimmen, und
auch immerhin demselben Genus angehören mögen. Schon
*) Dass unser Wurm übrigens wirklich ein selbstständiges Thier
sei, und nicht etwa das Fragment eines Darmes oder dergl., wird durch
das Aussehen und den Bau hinlänglich bewiesen.
156 Leuckart:
0. Fr. Müller, der uns eine sehr genaue Beschreibung der
einen aus dem Rachen von Esox lucius gesammelten Art (Hi-
rudo piscium M.) gegeben hat !), wusste solches. Er trennt
davon wenigstens, als eine besondere Art (Hir. marina), den
durchBaster °) von einem Seefische abgelesenen, sehr nahe
stehenden Wurm, den dieser selbst für identisch mit der an
Flussfischen lebenden Pisc. piscium ‘gehalten hatte. Fabri-
cius ®) beschreibt gleichfalls unter dem Müller’schen Namen
einen Wurm, den er auf der Haut von Cotius scorpio ge-
funden hatte, obgleich er sehr wohl erkannte, dass Müller’s
Darstellung auf seine Art nicht völlig passte. Erst in neue-
rer Zeit ist man auf die Verschiedenheiten der einzelnen Ar-
ten des Gen. Piscicola aufmerksam geworden. Nachdem zu-
erst Thompson in seinem Verzeichniss der Irischen Wür-
mer *) eine eigeneP. marina aufgeführt hat, hat auch John-
ston 5) die Selbstständigkeit derselben anerkannt. Wie es
aber scheint, sind selbst unter dieser Art — wie unter der
P. piscium, neben der bereits Templeton °% noch eine P.
percae unterschieden hat — noch mehrere verschiedene For-
men versteckt. Der Wurm wenigstens, den ich in Folgen-
dem mitMüller und Johnston einstweilen unter dem Na-
men der P. marina beschreiben will, stimmt weder mit der
P. piscium von Fabricius, noch mit der P. marina John.
in jeder Beziehung überein.
Die. Länge der grössten von mir untersuchten Individuen
beträgt 10°, die Breite %/,. Der Leib ist, wenn auch nicht
völlig ceylindrisch, doch nur sehr wenig abgeplattet und über-
all von ziemlich gleicher Breite. Von Zeit zu Zeit zeigt der-
selbe eine mehr oder minder seichte ringförmige Einschnü-
rung. Eine grosse Anzahl zarter Querfurchen theilt ausser-
dem den ganzen Leib in eine Menge schmaler Ringe. Am
vordern und hintern Ende, wo die Saugnäpfe befestigt sind,
») Histor. verm. Vol.1. P.2. p. 44. n. 172.
2) Opusc. subs. Vol. I. Lib. 1. p. 82.
?) L. e. p. 321. n. 301.
*) Rep. p. 272.
5) Ann. of nat. hist, Vol. XVI. p. 441.
5) Loud. Mag. Vol, IX p.236
|
|
Zur Kenntniss der Fauna von Island. 157
findet sich eine’ ansehnliche sphineterartige Einschnürung. Die
hintere Einschnürung ist stärker, so dass der dahinter ge-
legene Saugnapf, der bald flach und schüsselförmig ist, bald
auch stark gewölbt und glockenartig,, fast wie gestielt er-
scheint. Die Grösse des Saugnapfes übertrifft die Breite und
Dicke des Leibes. Seine Fläche steht bald senkrecht auf der
Längsachse des Körpers, bald auch stark dem Bauche zuge-
neigt. Der Mundsaugnapf ist kleiner , nur wenig breiter als
der Leib, und von einer mehr tutenförmigen Gestalt (Fig. 2.).
Sein vorderes Ende ist schräg nach hinten abgestulzt, so
dass die obere Lippe die untere um mehr als das Doppelte
an Länge übertrifft. Die Lippenränder sind etwas aufge-
wulstet und am Rande fein gekerbt. Der Scheitel der Ober-
lippe ist stark und buckelförmig gewölbt. Augen fehlen oder
sind doch wenigstens bei den untersuchten Individuen nicht
sichtbar. Die Farbe ist bei den in Spiritus aufbewahrten Exem-
plaren schmutzig weiss, während des Lebens indessen wahr-
scheinlich dunkler.
Bei vielen Exemplaren ragt etwa 1'/, Linie hinter dem
Kopfende in der Mittellinie des Bauches ein dicker, länglich
ovaler penisartiger Anhang hervor.
Aus der Mund - und Kiemenhöhle von Anarrhichas lupus.
Annelides. Nematoidei.
Hemipsilus trichodes. nov. sp.
Die Aufstellung des Nematodengenus Hemipsilus ver-
danken wir den Untersuchungen von de Quatrefages ').
Die dazu gehörenden Arten mögen von den frühern Zoolo-
gen unter dem Genusnamen Anguillula (namentlich als An-
guillula marina Auct.) beschrieben sein. Was das neue Ge-
nus auszeichnet, ist das Vorkommen einer besondern Bor-
stenbewaffnung am Vorderleibe, die bei Anguillula (und Rhab-
ditis Duj.) fehlt 2). Die Lebensart der dazu gehörenden Wür-
#) Ann. des sc. nat. 1846. T. VI. p. 131.
2) Doch sehe ich bei einzelnen Anguillulaarten unseres süssen Was-
sers am vordern Leibesende neben dem Munde zwei sehr feine und
zarte Borsten — unstreitig die ersten Spuren der bei Hemipsilus wei=
- ter ausgebildeten Bewallnung.
158 Leuckart:
mer ist dieselbe, wie bei den Anguillulaarten, doch scheint
das Vorkommen derselben sich auf den Ocean zu beschrän-
ken. Die von Quatrefages beobachleten Formen — die
übrigens nicht näher speeifieirt sind — gehören wenigstens,
gleich der unsrigen, der See an.
Bei:dem H. trichodes hat der Leib eine Länge von 5
Linien. Er ist haarförmig, überall gleich breit und nur an
den Enden ein wenig verdünnt. Der Kopf (Fig. 3. A.) ist
abgestulzt und am Rande von einem einfachen Kranze. kur-
zer und spitzer Borsten umgeben, die mit besonderer Wur-
zel in die Hautbedeckung eingepflanzt sind. Ein zweiter
Kranz von Borsten findet sich im Umkreis der centralen Mund-
öffnung, ist aber weniger deutlich, als der erste, nicht etwa
weil die Borsten kleiner sind, sondern deshalb, weil sie mit
ihren Spitzen convergiren und wie ein kurzer conischer Auf-
satz des Kopfes aussehen.
DieMundöffnung führt zunächst in eine besondere ovale
Höhle, wie bei Rhabdilis, wie Dujardin dieselbe als Pha-
ıynx beschrieben ') hat, in eine Mundhöhle, die sich nach
hinten verengt und das vordere, fast rüsselarlig hervorra-
gende Ende des Oesophagus aufnimmt. Der Oesophagus
selbst ist stark muskulös, ziemlich lang und ohne eine hin-
tere Anschwellung (die bei Rhabditis vorkommt). Der Darm
ist bräunlich gefärbt und entbehrt des vordern Blindsackes.
Die äussere Haut ist weiss, durchscheinend und elastisch.
Wie am Rande des Kopfes, so ist dieselbe auch am ganzen
Vordertheil des Leibes mit einer Anzahl spitziger Borsten be-
setzt, die aber nicht bloss an Grösse hinter den Kopfborsten
zurückstehen , sondern auch, wie es scheint, der Wurzeln
entbehren und blosse spitzige Fortsätze der äusseren Bedek-
kungen darstellen. Auch sie stehen, wenngleich ziemlich
weit von einander entfernt, in Querreihen unter einander,
nicht, wie Quatrefages angiebt, einzeln an den Seiten,
wie die Borsten der ‘Chaetopoden. Die Zahl der Querreihen
ist etwa 6—7, doch ist sie schwer zu bestimmen, weil die
ohnehin schon kleinen Spitzen an Grösse nach hinten zu im-
mer mehr abnehmen.
») Hist, nat, des Helm, p. 239.
Zur Kenntniss der Fauna von Island. 159
Das Hinterleibsende (Fig. 3. B.) ist stumpf zuge-
spitzt, bei Männchen und Weibchen auf gleiche Weise. Der
After ist terminal. Eine kurze Strecke davor, an der Bauch-
fläche , liegt in beiden Geschlechtern die Genitalöffnung. Bei
den Weibchen ist sie eine quere, von wulstigen Rändern um-
gebene Spalte; bei den Männchen, deren Hinterleibsende nach
dem Bauche zu in einer flachen Spiralwindung eingerollt ist,
eine etwas grössere höckerige Scheibe, aus der eine kurze,
steife und gerade Spicula hervorragt. Etwas weiter nach
oben befindet sich, ebenfalls an der Bauchfläche, bei den
männlichen Individuen. noch eine kleine warzenförmige Er-
höhung, die äusserlich mit einigen kurzen Borsten verse-
hen ist.
Annelides. Lumpbricini.
Lumbricus flaviventris nov. sp.
k
Von dieser Art, die sich auf keine der von Hofmei-
ster ') aufgestellten und scharf charakterisirten Species zu-
rückführen lässt, liegt mir nur ein einziges und noch dazu
verletztes Individuum zur Untersuchung vor, so dass es mir
unmöglich ist, davon eine hinreichend genaue Beschreibung
zu liefern. Was ich davon beobachtete, ist Folgendes.
Der Körper, der eine Länge von fast zwei Zollen hal,
ist cylindrisch, nach hinten elwas abgeplattet und überall von
einer gleichen Breite (°/, Linie). Das Kopfende von kolbi-
ger Gestalt und nach vorn ein wenig verengt. Die Oberlippe,
die eingezogen war und keine vollständige Untersuchung er-
laubte, schien verhältnissmässig ziemlich breit und kurz, und
war von dem folgenden ersten Leibesringe, den sie an
Läuge etwas übertraf, nur undeullich abgesetzt. Ueber den
Gürtel kann ich Nichts angeben. Der Wurm war gerade an
dieser Stelle, so slark verletzt, dass ich mich nicht einmal
von dem Vorhandensein eines derartigen Gebildes überzeu-
gen konnte, Was aber unsere Arl besonders auszeichnet,
ist die Stellung der Borsten, die nicht paarweise an den Seiten
des Rückens und Bauches vereinigt sind, wie sonst gewöhn-
*) Die bis jetzt bekannten Arton aus der Familie der Regenwür-
mer, Braunschw. 1845.
160 Leuckart:
lich, sondern einzeln slehen (soies espacees Sav.). Stalt
zwei Reihen von Borstenpaaren finden sich jederseils vier
Reihen einzelner Borsten. Der Zwischenraum zwischen den
beiden mittlern Reihen (zwischen den beiden Rücken- und
Bauchborsten) ist übrigens immer noch, und namentlich in
der hintern Hälfte des Körpers, etwas beträchllicher, als der
Zwischenraum zwischen den beiden obern oder den bei-
den unlern.
Der erste, auf die Oberlippe folgende Leibesring ent-
behrt der Borsten, wie wahrscheinlich bei allen Arten des
Gen. Lumbrieus, wenigstens bei L. agricola, communis und
puter. An dem zweiten Segmente fehlte bei dem vorliegen-
den Exemplare die untere Bauchborste, während dafür statt
einer einfachen obern Bauchborste deren vier vorkommen,
die dicht neben einander stehen. Sollte dieses ein constan-
tes Merkmal sein, so würde es unsern Wurm gar leicht von
allen übrigen Arten des Gen. Lumbricus unterscheiden. In-
dessen können darüber erst fernere Untersuchungen an einer
grössern Anzahl von Individuen entscheiden, weil es bekannt
ist, dass die Zahl der Borsten bei den Regenwürmern nicht
selten an dieser oder jener Stelle etwas varürt. Namentlich
findet sich gerade an den obern Bauchborsten des zweiten
Leibessegmentes, wie ich mich bei L. communis überzeugt
habe, sehr häufig eine derarlige Vermehrung. Was die Ge-
stalt der Borsten betrifft, so sind diese nur ganz wenig ge-
krümmt und fast gerade.
Die Rückenfläche unseres Wurmes ist bräunlich, nach
dem Konfende zu dunkler; der Bauch mit Oberlippe und er-
stem Leibesring farblos. Zahl der Ringe etwa 120.
Ob der von Olaffsen ') und Mohr 2) erwähnte L.
terresiris aus dem nördlichen Island zu unserer Art gehört,
lässt sich natürlich nicht mit Sicherheit behaupten. Weit eher
könnte man solches von dem Fabricius’schen L. terre-
stris ®) vermuthen. Dafür spricht wenigstens die Angabe,
a), Luc: All... 5.,52;
2) Forsog til en Islandsk Naturhistorie, Kiobenhavn 1786, p. 113.
n. 260.
%) L. c. p. 276. n, 258.
Zur Kenntniss der Fauna von Island. 161
dass der Grönländische Regenwurm den kleinern seines Ge-
nus zugehöre und durch eine bräunliche Färbung sich aus-
zeichne. Auch könnte man unsere Art mit grösserem Rechte
als eine andere sonst bekannte, octofariam aculealus nennen,
wie es Fabrieius ihut — doch auch ©. Fr. Müller °)
von unsern gewöhnlichen Arten.
Peloryctes arenarius (Müll.) Mihi.
In dem vorliegenden Wurm, dessen zoologische Charak-
tere mich zu der Aufstellung eines neuen Genus ?) veran-
lasst haben, glaube ich mit Bestimmtheit den Lumbricus are-
narius von Müller ®) und Fabricius *) wiedererkannt zu
haben. Er gehört nach der Beschaffenheit seiner Borsten und
Haut zu der Gruppe der Saenuriden, während er durch seine
gedrungene Form und grössere Dicke, durch die Kürze sei-
ner Segmente und die Entwickelung eines Sattels sich den
eigentlichen Lumbricen anschliesst und mehr als irgend eine
andere Art den Uebergang zwischen beiden vermittelt.
Der Körper hat eine verschiedene Länge. Ich finde
Individuen von '/,,—1'/, Zoll bei einer Dicke von reichlich
’/, Linie. Nach hinten verdünnt sich der Körper in den mei-
sten Fällen ganz allmählig. Auch die vor dem Sattel gele-
genen Segmente sind gewöhnlich etwas dünner. Nur bei ei-
nigen wenigen Individuen, die augenscheinlich im Zustande
einer starken Contraclion sich befinden, ist der Leib von ei-
ner gleichmässig eylindrischen Form. Die mittlern Körper-
ringe sind die längsten, und auch am wenigsten deutlich von
einander geschieden, aber immer noch kürzer, als breit. Die
vordern und hintern Segmente dagegen sind viel schmaler
und durch tiefe Ringfurchen von einander getrennt. Die Zahl
der Segmente variirt nicht ganz unbeträchtlich. Die grössern
besitzen deren etwa 90.
Die Oberlippe übertrifft an Länge den ersten Körper-
ring fast um das Doppelte, wie etwa das folgende zweite
r *) Prodrom. p. 215. n. 2602.
\ 2) Von zykog Schlamm und dorrrw grabe.
‘ ®) L. e. p. 216. n. 2614.
*%) L. ©. p. 280. n. 264.
. Archiv f. Naturgesch. XV. Jahrg. 1. Ba. 11
162 benckart: )
Segment. Sie hat eine stumpfe conische Gestalt, ist vorn
abgerundel und nach hinten gegen den folgenden Ring sehr
deutlich begrenzt. Die quereMundöffnung wird von ihr, wie
von einem Schirm, bedeckt. — Der Gürtel ist kurz, kaum län-
ger als breit und von den anliegenden Ringen scharf abge-
setzt. Seine Länge mag etwa der Länge von drei Segmenten
entsprechen. Er beginnt hinter dem zehnten, oder, wie ich
in einem Falle zählte, dem eilften Segmente (nicht hinter dem
achten, wie Fabricius angiebt). Auf seiner Milte ragt bei
fast allen Individuen, die ich untersuchte, an der Bauchfläche
jederseits neben der Medianlinie ein verhältnissmässig ganz
ansehnlicher birnförmiger Anhang hervor, ein Penis, der,
wie ich mich überzeugt habe, mit dem langen, vielfach ge-
wundenen Vas deferens in Verbindung steht und nur der her-
vorgestülpte Endtheil dieses Kanales ist. Die Vulva befindet
sich an dem zehnten Segment, das dem Gürtel vorausgeht.
Als eine Querspalte, die von wulstigem Rande umgeben ist,
liegt sie hier an der äussern Seite des untern Borstenbü-
schels. Sie führt in einen flaschenförmigen Behälter, dessen
Anwesenheit überall, wie es scheint, den weiblichen Genital-
apparat der Saenuriden auszeichnet ).
Die Borsten stehen in vier Längsreihen, nicht in zweien,
wie fälschlich 2) von Müller und Fabricius angegeben
wird. Die beiden untern Reihen sind der Medianlinie des
Bauches ziemlich nahe gerückt. Wie der gesammte Körper,
ebenso halten übrigens auch die Borsten nach ihrer Form und
Anordnung die Mitte zwischen Lumbrieus und Saenuris. Sie
sind nicht zweizähnig, wie bei lelzterer, sondern stumpf zu-
gespitzt und am Ende etwas gebogen, doch schlanker und
länger, als beiLumbrieus. Auch stehen sie in grösserer An-
zahl neben einander, wenigstens in dem vordern Theile des
Leibes, wo deren je 4 oder 5 angetroffen werden. Nach
hinten. nimmt die Zahl ab, bisauf zwei. Ja bisweilen stehen
#) Vergl. Wagner's Zootomie. Th. II. S.*341.
2) Wie hier, so scheint mir auch bei allen übrigen Saenuriden die
Angabe von der Stellung der Borsten in nur zwei Reihen irrthümlich
zu sein (so bei Lumbrieus vermicularis Müll., L: rivalis Fabr, , L. li-
neatus Ratlıke, L, minutus Müll.).
Zur Kenntniss der Fauna von Island. 163
sie hier selbst einzeln. In dem ersten Fall sind die Borsten
am Grunde durch eine quere Hautfalte mit einander verbun-
den, wie bei Saenuris. Der vorderste Körperring entbehrt
der Borsten.
Die Farbe des Wurmes ist bei den vorliegenden Spiri-
tusexemplaren weisslich, während des Lebens röthlich weiss,
wie Fabricius bemerkt. Mehrere der von mir untersuch-
ten Individuen waren verstümmelt; ein Umstand, der die An-
gabe von Fabricius bestätigt, dass unser Thier leicht zer-
brechlich sei.
Lumbriconais capilata (Fab.) Leuck.
Unter den Isländischen Würmern erwähnt Olaffsen
eines Lumbrieus litloralis minor (annulis cireiter 40, papillis
vix apparentibus), den Fabricius *) als synonym seinem
L. capitalus zurechnet. Ich selbst habe nun freilich diese Art
unter den von Bergmann gesanımelten Vorräthen nicht auf-
gefunden, indessen erwähne ich ihrer, um daran eine Be-
merkung anzuknüpfen. Schon an einem andern Orte ®) habe
ich angeführt, dass dieser L. capitalus mit der von Oer-
sted beschriebenen Lumbriconais marina übereinzustimmen
scheine. Auch jetzt muss ich noch bei dieser Ansicht ver-
harren, obgleich ich seitdem gesehen habe, dass Oersted
selbst, freilich etwas zweifelnd, jene Fabricius’sche Art
seiner Glycera capitata zurechnel *).
Die Beschreibung von Fabricius passt allein auf die
Oersted’sche Lumbriconais marina oder eine andere sehr
nahe verwandte Art. Wohl schwerlich würde Fabrieius
in seinem Wurm einen Rückenkiemer (Nereis -Fabr.) ver-
kannt, wohl schwerlich die diesen eigenthümliche Bildung des
Kopfes und der Ruderfüsse übersehen haben. Wohl schwer-
lich würde er sonst die letztern als maxillae seligerae haben
%) L..c. 1. S. 325,
2). L. c. p. 279. n. 263.
#) Beiträge zur Kenntniss wirbelloser Thiere. Von Frey und
Leuckart. S, 151.
%) Det kongelige Danske videnskabernes selskabs nalurvidensk, Af-
handlinger, Tiende Deel, 1843, p. 169.
164 Leuckart:
bezeichnen können. Ueberdies haben die Angaben von Fa-
bricius über die Körpergestalt seines Wurmes, so wie über
die eigenthümliche Verschiedenheit der Borsten in den vor-
dern und hintern Leibessegmenten — die Fabricius aller-
dings nicht ganz richtig erkannt hat — nur für Lumbrico-
nais Gültigkeit. Für die Oersted’sche Glycera würden sie
falsch sein.
Annelides. Branchiati.
Siphonostomum vaginiferum Rathke.
Das interessante Genus Siphonostomum Olto (dem auch,
wie schon Rathke bemerkt, die Amphitrite plumosa Müll.
— Flemmingia muricata Johnst. — zugehört) ist in neuerer
Zeit hauptsächlich durch die Untersuchungen von Rathke
an Arten bereichert ') und auch analomisch 2) näher bekannt
geworden. Zu den von dem genannten Naturforscher neu
beschriebenen Arten gehört nun auch die voranstehende Spe-
eies, die um Island eben nicht selten zu sein scheint.
Die Beschreibung unseres Wurmes, die Rathke gege-
ben, ist vollkommen genau. Ich kann ihr nur hinzufügen,
dass die von mir untersuchten Individuen bei einer Länge
von 11,—2 Zoll eine verhältnissmässig etwas grössere Dicke
besassen, als es Rathke angieht.
Der innere Bau desS$. vaginiferum stimmt mit dem des
plumosum, mit dem, was Rathke bekannt gemacht hat, in
allen wesentlichen Punkten überein. Nur einiges Wenige habe
ich hier anzumerken.
Die vorliegende Art ist mit einem deutlichen optischen
‘) Beiträge zur Fauna Norwegens. S.208. ff. — Das Chloraema
Edwardsü Duj. (Instit. 1838. p. 316.) ist ollenbar gleichfalls ein Sipho-
nostomum , vielleicht auch die von Johnston (Ann. of nat. hist. Vol.
IV. p. 371.) beschriebene Trophonia (?) Goodsirii, die übrigens durch
den Mangel der Kopfeirren sich auszeichnen soll (?). Travisia Forbesii
Johnst, die man nach ihrer Gestalt mit dem $. inhabile Ratlıke ver-
gleichen möchte, scheint mir dagegen dem Gen. Ammotrypane Rathke
zuzugehören und namentlich der A. oestroides R. nahe zu stehen.
®) Schriften der naturforsch, Gesellschaft zu Danzig. Bd. Ill. Hit. 4.
S. 84,
Zur Kenntniss der Fauna von Island. 165
Apparat ausgerüstet, der dem S. plumosum, nach Rathke,
fehlt. Schon bei äusserer Betrachtung wird derselbe durch
seine schwarze Färbung sichtbar, sobald man nur die Cirren
des Kopfes gehörig auseinander breitet. Er sitzt dicht auf
der Oberfläche des Gehirns ') in der Mittellinie des Vorder-
randes und erscheint als eine nicht unansehnliche ovale Pig-
mentmasse mit einem lichtbrechenden Kern im Innern. Da-
neben findet man jederseils einen zweiten kleinern Augen-
punkt, der, abgesehen von der Grösse, mit dem dazwischen
gelegenen mitllern in jeder Hinsicht übereinstimmt und na-
mentlich gleichfalls einen hellen dioptrischen Körper um-
schliesst.
Bei Siph. plumosum sollen, nach den Beobachtungen des
schon mehrlach genannten berühmten Naturforschers, die
Nerven der Bauchkette nicht von den Ganglien, sondern
von den Verbindungssträngen derselben den Ursprung neh-
men. Für unsere Art indessen muss ich diesen Bau in Ab-
rede stellen. Ich habe mich auf das Deutlichste überzeugt,
dass ein jedes Bauchganglion, und nicht elwa bloss die vor-
dern, jederseits einen ansehnlichen Nervenstamm abgiebt, in
dessen Scheide sich sogar noch eine Strecke weit die Masse
der Ganglienkugeln hineinerstreckt.
Was übrigens die Untersuchung des Bauchstranges er-
schwert, ist die Anordnung des Hautmuskelschlauches,
der, wie wir gleich sehen werden, in einem eigenthümlichen
Lagerungsverhältniss zum Ganglienstrange steht. Die Fasern
des Muskelschlauches lassen sich leicht erkennen, obgleich
sie nur fein sind. Sie bilden zwei verschiedene Schichten,
eine äussere und eine innere. Die erstere, deren Fasern quer
oder auch wohl schräg von einer Seite zur andern verlaufen,
stellt mit Hülfe einer membranösen , doch structurlosen Zwi-
schensubstanz eine geschlossene Hülle dar, welche die Ein-
geweide umgiebt und nur den Bauchstrang ausschliesst. Da-
her nun kommt es, dass derselbe gar leicht übersehen oder
doch nur undeutlich erkannt wird. Was Ralhke für Sei-
*) Aehnliche,, dicht auf dem Hirn aulsitzende Augenllecke besitzt
auch Hermella, wie Quatrelages entdeckt hat. Vgl. Ann. des sc,
nat. 1848. 1.X. p. 47.
166 Leuckart:
tennerven gehalten hat, sind bloss quere Muskelbündel ge-
wesen, die mit dem Ganglienstrang sich kreuzen und nir-
gends so regelmässig sind, als eben an der Bauchfläche. —
Die Fasern der innern Schicht sind Längsfasern. Doch nicht
bloss hierin, auch dadurch unterscheiden sie sich von den
Fasern der äussern Schicht, dass sie nicht eine continuirliche
Hülle um den Körper bilden, sondern in vier parallelen Bän-
dern und Binden zusammen liegen, von denen die beiden
schmalsten am Bauch, die beiden breitesten am Rücken bis
in das Hinterleibsende hinablaufen. Die seitlichen Zwischen-
räume zwischen obern und untern Muskelbändern sind ziem-
lich ansehnlich. Sie nehmen die Wurzelscheiden der Bauch-
borstenbüschel auf, die nach innen hineinragen. Zwischen
den untern Muskelbändern in der Medianlinie des Bauches
liegt der Ganglienstrang mit dem darüber hinlaufenden Vas
venlrale, zwischen den obern das Vas dorsale.
Die Anordnung des Blutgefässsystemes ist die-
selbe, wie bei Siph. plumosum. Nur ist das Herz, das in
der Mittellinie auf dem Oesophagus aulliegt, etwas länger und
dünner und ohne hintere Einschnürung. Das Blut hat eine
gelblich weisse Färbung.
Auch der Darmkanal stimmt in seinem Bau mit dem
von S. plumosum überein, wenn man nicht elwa darin einen
Unterschied sehen will, dass bei dem untersuchten Exemplare
der Oesophagus verhältnissmässig etwas länger ist. Die Wan-
dungen des Darmes entbehren der Fasern. Sie erscheinen
siruclurlos, mit einer dicken Epithelialschicht auf der innern
Fläche. Ebenso structurlos sind die Wände der weiten und
ansehnlichen Beutel zu den Seiten des Oesophagus, die Rathke
als Speicheldrüsen gedeutet hat, nur zeigen sich darin neben
vielen sehr kleinen Pünktchen als Einlagerungen noch grös-
sere, sehr eigenthümliche kernartige Bildungen. Dass übri-
gens die fraglichen Gebilde wirkliche Speicheldrüsen seien,
scheint mir keineswegs entschieden. Eine Ausgangsöffnung
in die Mundhöhle konnte ich nicht auffinden. Dagegen glaube
ich bemerkt zu’haben, dass sie mit dem Basaltheil der beiden
Kiemenbüschel in Verbindung stehen. Aus diesem Grunde kann
ich denn auch die Vermuthung nicht unterdrücken, dass sie den
sogenannten Poli’schen Blasen der Echinodermen zu verglei-
Zur Kenntniss der Fauna von Island. 167
chen sein möchten. Anatomisch zeigen diese Theile übrigens
noch darin eine Abweichung von $. plumosum, dass sie nicht
durch eine Längsscheidewand in zwei gleiche Hälften zer-
fallen sind, sondern nur aus einem einzigen weilen Sacke
bestehen. An der untern Fläche desselben fand ich noch
ein dünnes cylindrisches Rohr, welches eng damit verbun-
den schien.
Sehr eigenthümlich bei unserm Wurm sind die eylindri-
schen, am Ende flaschen- oder knopfförmig erweiterten An-
hänge, die Rathke an den cirrenförmigen Haulauswüchsen
aufgefunden hat. Rathke betrachtet dieselben als Epider-
moidalgebilde, die mit den Cirren, denen sie aufsitzen, in
unmittelbarem Zusammenhange ständen und auch an dem äus-
sern freien Ende eine Oeffnung besässen. Was ich selbst
beobachtet, hat aber zu einem sehr verschiedenen Resultate
geführt,
Auf dem Haulmuskelschlauch , zwischen ihm und der
Epidermis, sind überall, in der ganzen Ausdehnung des Kör-
pers, zahlreiche ovale scharf begrenzte Körperchen gelegen,
die, den Blättern vergleichbar, mit dem einen Pole je auf ei-
nem sehr langen und dünnen Stiele aufsitzen, der oft viel-
fach gewunden und geschlängelt ist. Deutlich unterscheidet
man an diesem eine äussere Hülle und einen innern Kanal,
der, wie auch gewöhnlich das ovale Endkörperchen selbst,
von einer grumösen, augenscheinlich geronnenen Masse er-
füllt ist. In der Regel lässt sich der gefässarlige Sliel eine
lange Streke weit verfolgen, dann aber erscheint er meistens
wie abgerissen oder entzieht sich auf andere Weise der Unter-
suchung. Einige Male indessen habe ich sehr deutlich gese-
hen, dass er aus den grössern Blutgefässen des Hautmuskel-
schlauches hervorkam , dass er also wirklich nichts Anderes
ist, als ein blindgeendigter Gefässzweig, der durch seine
grössere Lange und durch die kolbenförmige Erweiterung am
Ende von den sonst bei den Branchiaten nicht so gar selten
(bei Arenicola am Vas ventrale, bei Amphilrite, Ammotrypane
an den Vasa obliaqua communicanlia u. s. w.) vorkommenden
Gefässausstülpungen sich unterscheidet,
Die an den seitlichen Haulauswüchsen nach aussen her-
vorragenden Anhänge sind hitin Aber ganz dieselben Gebilde.
168 Leuckart:
Nicht nur, dass man den Stiel derselben nach innen bis unter die
Hautschicht verfolgen kann, auch nach ihrem Baue stimmen
sie mit den eben beschriebenen subeutanen Gebilden vollkom-
men überein. Nur die Form des erweiterten Endes ist etwas
verschieden. Es ist ohne jene solche scharfe Grenze gegen
den Stiel, meist gestreckter und an der Spitze abgeplattet
oder auch grubenförmig vertieft, nie aber, wie Rathke an-
giebt, wirklich offen. Dass solche Verschiedenheiten uns nicht
in unserer Deutung beirren können, muss wohl um so eher
anerkannt werden, als dieselben in den verschiedenen Ver-
hältnissen des Vorkommens wohl eine hinreichende Begrün-
dung finden möchten.
Dass übrigens analoge Gebilde auch bei andern Sipho-
nostomum - Arten vorkommen (obgleich sie vielleicht bloss
bei unserer Art nach aussen hervorragen), scheint sehr wahr-
scheinlich. Für diese Vermuthung spricht auch wirklich eine
Beobachtung von Costa '), wonach bei Siph. diplochaitos
Otto unter den äussern Bedeckungen zahlreiche eigenthüm-
liche Röhren gefunden werden (die Costa als Hautdrüsen
beschreibt), in denen ich kaum etwas Anderes sehen kann.
Rathk e möchte diese Gebilde als Secretionsorgane be-
trachten , bestimmt zur Aussonderung des Schleimes, der in
beträchtlicher Menge den Körper unseres Wurmes bedeckt.
Nach meinen Beobachtungen gewinnt diese Annahme um so
mehr an Wahrscheinlichkeil, als derartige blinde Gefässenden
auch sonst wohl den Mechanismus der Ausscheidung bei den
Branchiaten vermitteln, und durch ihren Bau dazu ganz be-
sonders befähigt werden. Möglich, dass dieselben aber auch
(und namentlich da, wo sie äusserlich frei hervorragen, wie
bei unserer Art, und unmittelbar von dem Wasser umspült
werden) irgendwie bei dem Process der Respiration eine Rolle
spielen, obgleich sie für solchen Zweck nicht so passend an-
geordnet sind, wie die Ambulacra der Echinodermen , die
übrigens gleichfalls — wenn bei ihnen ein direkter Zusam-
menhang mit dem Blutgefässsystem staltfindet, wie nicht un-
wahrscheinlich ist — als Ausstülpungen des Gefässapparales
angesehen werden können.
t) Ann, des sc. nat. 1841, T. XVIl. p. 273.
Zur Kenntniss der Fauna von Island. 169
Thelepus Bergmanni nov. gen. et nov. sp.
Veranlassung zur Aufstellung dieses neuen Genus ') hat
mir ein interessanter Wurm gegeben, der leider nur in einem
einzigen und noch dazu verstümmelten Exemplare mir unter
den Vorräthen Bergmann’s, nach dem er genannt ist,
aufstiess. Um so mehr ist solches zu bedauern, als derselbe
manchfache sehr abweichende und eigenthümliche Verhält-
nisse darbietet, die es verbieten, ihn bei einem andern be-
kannten Genus der Branchiaten unterzubringen.
Der Leib des Wurmes, wie er vor mir liegt, hat reich-
lich die Länge eines Zolles und ist stark bogenförmig ge-
krümmt (Fig. 4. A.). Er zerfällt in zwei hinter einander ge-
legene Hauptabschnitte, von denen der erste, der bei Weitem
der grössere ist und eiwa drei Viertheile der ganzen Länge
einnimmt, in fünf Segmente getheilt ist. Nach hinten neh-
men diese an Grösse zu, so dass das erstenur etwa ein Drit-
theil so lang ist, als das letzte. Der hintere Abschnitt da-
gegen, der nach dem Ende allmählig sich zuspitzt und schon
an seinem Anfang weil weniger dick ist, als der vorherge-
hende Leibestheil, zeigt eine Anzahl von 19 sehr schmalen
Ringen, deren vordere die längsten sind.
Die Segmente des ersten Abschnittes haben eine eylin-
drische Gestalt, verdicken sich am Ende keulenförmig und
sind bogenartig nach dem Rücken zu gekrümmt. Dicht vor
dem hintern Rande tragen sie jederseils zwei unmittelbar
über einander gelegene kurze und warzenförmige Fusshöcker,
von denen der untere, der eine länglich ovale Form hat, den
obern runden an Grösse fast um das Doppelte übertrifft.
Die Fusshöcker haben einige Aehnlichkeit mit den sog.
Afterfüssen der Raupen. Sie sind, wie diese, sehr kurze Cy-
linder, deren freies Ende abgestulzt ist und in der Mitte eine
grubenartige Vertiefung trägt. Die Form dieser Verliefung
richtet sich nach der Gestalt der Füsse; in den obern Füs-
sen ist sie rundlich, in den untern länglich. Aus diesen Ver-
tiefungen nun ragen die Borsten unseres Wurmes hervor, die
in den obern, wie unlern Füssen zu einem Bündel an einan-
*) Von 3n)4, Warze und zoüg, Fuss.
170 Leuckart:
der gereiht sind. Die Borsten der oben Fusshöcker sind
Pfriemenborsten von haarförmiger Gestalt, mit zugespilztem
Ende, das sich etwas knieförmig biegt und an zweien ge-
genüberliegenden Rändern mit einem schmalen leistenartigen
Saume versehen ist. Nach der Spitze schwindet dieser Saum
allmählig, wodurch dann der ganze betreffende Theil der
Borsten das Aussehen einer Lanzenspitze oder eines zwei-
schneidigen Messers bekommt (Fig.4. B.). Die untern Fuss-
höcker enthalten Borsten von einer sehr abweichenden Ge-
stalt, sog. Hakenborsten. Sie sind kurze ovale Plättchen
(Fig. 4. C.), die am vordern Rande dicht hinter einander zwei
nach unten zu gekrümmte Zähne tragen, einen obern kür-
zern und einen untern längern und stärkern. Das entgegen-
gesetzte hintere Ende der Plättchen hat zwei kurze und ge-
rade neben einander stehende Muskelfortsätze von verschie-
dener Form, einen viereckigen und einen dreieckigen.
Auch die Segmente des hintern schwanzartigen Anhan-
ges tragen an den untern, dem Bauche zugekehrien Seiten-
flächen zwei Fusshöcker, nur viel geringer an Grösse und
einander viel näher "gerückt, namentlich an den äussersten
Ringen , wo sie in einen einzigen kleinen Höcker allmählig
zu verschmelzen scheinen. Borsten sind mit unbewalfnetem
Auge (auch mit Hülfe der Loupe) daran nicht wahrzunehmen,
doch möchte die wirkliche Existenz derselben wohl kaum be-
zweifelt werden können.
Das Endglied des Leibes ist abgerundet und zeigt auf
seiner äussersten Spitze eine rundliche Oeffnung, von der nach
en Seiten hin radiale Falten ausstrahlen. Cirren und son-
stige Körperfortsätze fehlen an den einzelnen Segmenten.
Von eigenthümlicher Beschaffenheit erscheint die Haut
unseres Thieres. Sie besitzt sehr zahlreiche und verhält-
nissmässig tiefe Längs- und Querfurchen , die dicht neben
einander stehen und die ganze Körperfläche in eine grosse
Menge viereckiger kleiner Felder zertheilen. Besonders auf-
fallend ist eine Furche, «ie oberhalb der Fusshöcker jeder-
seits in der ganzen Länge der Segmente hinabläuft und die
Rückenfläche des Wurmes von der Bauchfläche desselben
scheidet. Auf letzterer sind die Längsfurchen viel zarter,
als am Rücken, wo denn auch deshalb die einzelnen Haut-
Zur Kenntniss der Fauna von Island. 171
facetten eine viel grössere Deutlichkeit besitzen und weit
zierlicher erscheinen. Sehr häufig lässt sich auch hier in
der Mitte der Facelten eine kleine punktförmige Vertiefung
unterscheiden, vielleicht die Oeffnung einer Hautdrüse. Auf
den Segmenten des Hinterleibes sind die Furchen,, und na-
mentlich die Längsfurchen , noch weniger tief, so dass man
sie kaum mit Deutlichkeit wahrnimmt.
Die Farbe unseres Thieres ist hellbraun oder röthlich
mit einem eigenthümlichen sammetartigen Silberschimmer.
Nur in der Mittellinie des Bauches verläuft eine hellere schmale
Längsbinde.
Ueber die Beschaffenheit des Kopfes kann ich leider nichts
angeben; dem von mir untersuchten Individuum fehlte der-
selbe. Deshalb ist es mir auch unbekamnt, ob die von mir
beobachtete Zahl der Vorderleibssegmente die normale ist,
oder ob nicht vielleicht auch hier ein Defect stattgefunden
hat. Wenn man übrigens nach der Beschaffenheit der Bor-
sten eine Vermuthung äussern darf, so besitzt unser Wurm
einen Kopf mit Tentakeln oder Kiemen, gleich den sogenann-
ten Capitibranchiaten. Die nähern Verwandten unseres Wur-
mes lassen sich indessen gegenwärtig wohl kaum bestimmen,
um so weniger, als die Form und Entwicklung der Körper-
segmente, wie ich sie im Vorigen beschrieben habe, bei kei-
nem andern Kiemenwurm in gleicher oder ähnlicher Weise
beobachtet sind. Nur das will ich noch hinzufügen, dass eine
Heteronomität des Körpers auch sonst bisweilen bei den Ca-
pitibranchiaten vorkommt, namentlich bei dem Gen. Hermella
und Amphitrite, obgleich hier der Hinterleib (den ich an ei-
nem andern Orte ') als Postabdomen bezeichnet habe) weit
weniger entwickelt ist, als bei Thelepus.
Terebella cirrata (Müll.) Cuv.
Derselbe Wurm, den zuerst Linne als Nereis cirrosa
aufführte, den O. Fr. Müller 2) dann später (mil der Ne-
reis eonchilega Pall.) dem neuen Gen. Amphilrile einver-
+) Beiträge u. s. w, von Frey und Leuckart $. 152
2) Von den Würmern u. s. w. $. 188.
172 Leuckart:
leibte und als A. eirrata bezeichnete, mit einem Namen, wel-
chen wir auch bei Fabricius ') antreffen, derselbe Wurm
liegt hier in grösserer Anzahl vor mir. Er stammt eben da-
her, wo die von Linne und Müller untersuchten Exem-
plare gefunden worden, und stimmt auch sonst im Wesent-
lichen mit den Beschreibungen der drei genannten Zoologen
überein. Weniger gilt dieses aber von den Beschreibungen
der Terebella cirrala bei den spätern Zoologen, die, wie es
scheint, unter diesem Namen mehrere verschiedene Arten zu-
sammengeworfen haben. WederMontagu °), noch Rath-
ke ®) haben die echte T. cirrata Müll. vor sich gehabt.
Der Körper unseres Wurmes ist im Allgemeinen ceylin-
drisch mit abgeflachtem Bauch und stark gewölblem Rücken.
Im vordern Viertheil ist er, und meistens ziemlich plötz-
lich, so stark verdickt, dass er dadurch ein fast keulenför-
miges Aussehen bekommi. Das hintere Ende ist sehr allmäh-
lig zugespitzt. Die grössesten Individuen, die ich beobach-
tete, halten eine Länge von etwa 3 Zoll 4 Linien, bei einer
durchschnittlichen Breite von 2 Linien, die im vordern ver-
diekten Ende bis über 3 Linien stieg. Die Zahl der Ringel
beträgt einige achtzig. Alle, auch die hintern, die allerdings
viel näher stehen, sind deutlich von einander abgeselzt und
auf dem Rücken je durch eine oder zwei Querfurchen noch-
mals gegliedert. Die mittlern Ringel sind die längsten, län-
ger selbst, als die vordern, bei denen die Grenzen, auf der
Rückenfläche wenigstens, überdiess elwas verwischt und min-
der deutlich erscheinen. Die Bauchfläche des Körpers ist
übrigens nicht eben, sondern hohlkehlenartig in einer tiefen
und weiten Längsrinne nach innen einzezogen, die nur nach
vorn allmählig etwas seichter wird. An dem verdickten Lei-
bestheile ist dieselbe endlich völlig verschwunden. Hier
(zwölf Segmente hindurch) ist dann der Bauch vollkommen
flach und in der Mittellinie, Jen Ringen entsprechend, mit
einer Reihe viereckiger Schilder *) verschen, die jederseits
") L. c. p. 285. n. 269.
?) Transaet. of the Linn. Soc. Vol. XIl. p. 342.
») Beiträge zur Fauna Norwegens S$. 220.
*) Montagu nennt diese Schilder, die auch bei andern Capitibran-
‘
Zur Kenntniss der Fauna von Island. 173
durch eine Längsfurche gegen die Seitentheile der Segmente
sich absetzen (nur dem ersten vollständıgen Segmente fehlt
ein solches Schild). Hinter dem zwölften Segmente treten
diese Furchen zur Bildung der Hohlkehle des Bauches zu-
sammen, lassen im Anfang aber immer noch zwischen sich
eine firstenartige Erhebung, die Andeutung jener Schilder,
erkennen. Die fusstragenden Seitenflächen des Körpers sprin-
gen wulstartig neben der Hohlkehle hervor und um so mehr,
je tiefer diese ist. Gegen den Rücken sind dieselben eben-
falls durch eine Längsfurche abgesetzt, die aber, gleich der
Bauchrinne, nach vorn allmählig schwindet.
Wie die grössere Anzahl ') der Capitibranchiaten, so
besitzt auch unser Wurm einen deutlichen und distincten
Kopf, der allerdings auf den ersten Blick von dem Kopfan-
hang der Rückenkiemer sich auffallend unterscheidet, trotz-
dem aber als ein vollständiges Analogon desselben zu be-
trachten ist. Dieser Kopf liegt, wie bei den letztgenannten
Würmern, am Vorderende des Körpers oberhalb der Mund-
öffnung. Er gleicht einem kurzen und flachen, fast schei-
benarligen’Aufsatze, mit vorderer, etwas abgedachter Fläche,
welche die Tentakel trägt (Scheitel), und firstenförmig vor-
springendem Rande. Von besonderer Entwicklung ist der
untere Rand der Kopfscheibe , der die Mundöffnung schirm-
arlig überragl, wie eine Oberlippe, und meistens etwas ge-
kräuselt ist. An den Mundwinkeln endigt diese Oberlippe
jederseils mit einer abgerundeten Ecke, ohne sich, wieRathke
es angiebt, unmittelbar in die bogenförmigen Seitenränder
der Kopfscheibe fortzusetzen.
Unterhalb der Mundöffnung, die eine ansehnliche Quer-
spalte ist, ‘liegt in der Medianlinie des Bauches eine Haut-
falte von der Gestalt eines Paralleltrapezes,, dessen Seiten-
ränder in schräger Richtung nach vorn und innen verlaufen.
Bei unserer Untersuchung ergiebt sich diese Falte als der
ventrale sehr entwickelte Theil eines förmlichen, wenn auch
ehiaten vorkommen, „dorsal plates“. Offenbar hat er die Bauchlläche
unseres Wurmes für den Rücken gehalten.
*) Es ist falsch, wenn man, wie es noch heute oft geschieht, den
Capitibranchiaten einen eigentlichen Kopf abspricht.
174 Leu ckart:
sonst nur sehr rudimentären Segmentes, das ich fernerhin
mit dem Namen des Mentalringes bezeichnen’ werde. Man
sieht deutlich, wie der Hinterrand der Falte nach den Sei-
ten hin in eine schmale Leiste sich fortsetzt, die zwischen
dem ersten vollständigen Körperring und dem Rande der
Kopfscheibe in der Halsfurche sieh emporschlägt und in
der Medianlinie des Rückens sich ringförmig schliesst. Rathke
scheint die ventrale Falte dieses Segmentes (die Mentalplatte)
als Unterlippe gedeutet zu haben ; indessen mit Unrecht. Die
Unterlippe ist eine andere quere Leiste, die auf der Innen-
fläche der Mentalplalte aufsitzt und äusserlich nur wenig; her-
vorragt. Sie deekt den Eingang in die Mundhöhle von un-
ten und ist nach hinten bisweilen noch durch eine zweite
parallele Querfalte begrenzt.
Die Tentakel stehen vor dem bogenförmigen Hinterrande
der Kopfscheibe in. einigen unregelmässigen concentrischen
Reihen auf der vordern Scheitelfläche, lassen aber wohl kaum
eine Trennung in zwei seitliche Büschel, wie sie Rathke
von seiner Art angiebt, wahrnehmen. Ihre Zahl ist sehr an-
sehnlich, etwa 60--70. Die kleinsten stehen neben den Mund-
winkeln, die längsten, die an den: Spiritusexemplaren unse-
res Wurmes etwa die halbe Länge des Körpers haben , auf
der Mitte des Scheitels.
Die büschelförmigen Kiemen bilden drei Paare, die auf
die ersten drei Leibessegmente (mit Ausschluss des Mental-
singes) vertheilt sind. Eine so starke Verästelung, wie Rathke
sie angiebt und auch Montagu abnildet, habe ich nie an
ihnen wahrgenommen. In der Regel bestehen sie je aus ei-
nem Büschel: langer und einfacher Fäden, die dicht. neben
einander auf einer kurzen kegelförmigen Hervorragung, wie
auf einem gemeinsamen Stamm, aufsitzen und sich nicht wei-
ter verästeln.
Dieselben drei Leibesringe, an denen diese Kiemen: be-
festigt sind, Iragen auf dem Vorderrande jederseits noch ei-
nen kurzen bogenförmig abgerundeten Hautlappen, der über
das vorhergehende Segment frei hervorragt. An dem vor-
dern Ring ist dieser Anhang am grössesten und auch am
nächsten an der Medianlinie des Bauches gelegen. Es scheint
last, als seien diese Gebilde die ersten Andeulungen einer
a URL u an
Zur Kenntniss der Fauna von Island. 175
Entwicklung, die an dem Mentalring zu der Bildung des er-
wähnten mittlern Hautlappens geführt hat.
Das erste Borstenbündel ist am dritten Körperringe (mit
Ausschluss des Mentalringes) zwischen dem eben erwähnten
Anhang und der Kieme gelegen. Es stehet auf einer kleinen
warzenförmigen Erhöhung. Gleiche Borstenfusshöcker besit-
zen auch die folgenden sechszehn Segmente; die übrigen ent-
behren derselben. Nach hinten nehmen übrigens diese Hök-
ker an Grösse und namentlich an Länge beträchtlich zu. Die
Borsten, die sie enthalten, sind zweierlei Art. Die einen
sind sehr dick, völlig gerade und am Ende quer abgestutzt ;
die andern schlanker, zugespitzt und etwas knieförmig gebo-
gen, wobei sie dann mit einem schmalen Saume sich verse-
hen. Die Hakenfusshöcker stehen unterhalb der Borstenfuss-
höcker, dem Bauche zugekehrt. Sie beginnen am vierten
Segmente, also später, als die Borstenfusshöcker , und er-
scheinen als firstenförmige Querfalten, die in den hintern
Segmenten allmählig etwas kürzer und höher werden.
Die Höckerborsten, die in einer einfachen Kammreihe
stehen, sind (Fig. 5.) kurze Scheibchen , deren Vorderrand,
der nach aussen hervorragt, an der einen Seite einen mäch-
tigen zurückgekrümmten Zahn trägt, über welchem noch drei
kleine Zähne befestigt sind. Der Hinterrand ist schräg ab-
gestulzt. An den hintern dadurch entstandenen Vorsprung,
der unter den Zähnen liegt und durch einen tiefen Ausschnitt
davon getrennt ist, legt sich eine lange Horngräthe,, doch
ohne damit in direetem Zusammenhang zu stehen.
Die Farbe unseres Wurmes ist schmutzig gelb, am Hin-
terleibsende dunkler, fast bräunlich.
Die Röhren, in denen die Thiere leben, sind eng und
diek, doch bröcklich und bestehen aus Schlamm, in dem eine
Menge verschiedener Diatomeen enthalten ist.
Terebella parvula, nov. sp.
Unter diesem Namen beschreibe ich hier eine andere
neue Art des Gen. Terebella, die schon auf den ersten Blick
durch ihre geringe Grösse auffällt und auch sonst in mehr-
facher Hinsicht sich auszeichnet. Zur Untersuchung liegen
mir nur zwei Individuen vor, von denen das eine noch dazu
176 Leuckart:
an dem Hintertheil des Leibes verstümmelt ist. Die Länge
des vollständig erhaltenen Exemplares beträgt einen Zoll.
Der Leib ist drehrund , im vordern Drittheil strak er-
weitert, nach hinten allmählig zugespitzt. Zahl der Ringel,
die in der Mitte ihre grösste Länge haben, etwa fünfzig. Die
Cirren der Kopfscheibe sind sehr zahlreich, von verschiede-
ner Länge. Wie bei der vorigen Art stehen die kürzesten
zu den Seiten der Mundöffnung. Die längsten reichen bis
über die Mitte des Körpers hinaus, und mögen während des
Lebens wohl eben so lang sein als der ganze Leib.
Die Oberlippe ist, wie bei allen Terebellen, sehr an-
sehnlich entwickelt, schirmförmig. Sie ist stark bogenlörmig
gekrümmt, so dass die seitlichen Enden, welche die Mund-
öffnung und Unterlippe zwischen sich nehmen, nahe bei ein-
ander liegen. Von unten sind diese Enden durch die etwas
aufgewulstete Mentalfalte bedeckt. An den Ecken springt
diese letztere ziemlich scharf vor. Auch ist sie in der Mitte
jederseits ein wenig ausgerandet. Die ersten eilf oder drei-
zehn Leibesringe tragen in der Medianlinie des Bauches ein
viereckiges Schildchen , welches durch eine Querfurche ge-
gliedert ist, und in den hintern Segmenten allmählig an Länge
zunimmt, während die Breite geringer wird.
Unsere Art besitzt, wie einige andere Arten des Gen.
Terebella, nur zwei Paare von Kiemen. Das erste derselben
ist bei weitem das ansehnlichere und besteht aus einem dik-
ken Büschel geweihartig verästelter Fäden. Die Fäden des
zweiten Paares sind viel kürzer und weniger zahlreich. So
wenigstens bei dem einen von mir untersuchten Individuum,
Das andere besitzt noch ein Rudiment eines dritten Kiemen-
paares, in Gestalt einiger kurzer und eylindrischer, dicht ne-
ben einander stehender Hervorragungen. Vielleicht, dass man
aus diesem Umstande erschliessen kann, dass die vorlie-
genden Individuen bloss unausgebildete Geschöpfe seien und
einer andern Art mit drei Kiemenpaaren zugehören. Gewiss
aber ist auch in diesem Falle unsere Art von der echten T.
eirrata verschieden, wie schon die Beobachtung beweist, dass
die kleinen, kaum grössern Exemplare der letziern Art, die
ich untersuchen ‘konnte, bereits vollkommen mit den ausge-
wachsenen übereinstimmen,
Zur Kenntniss der Fauna von Island. 177
Die Hakenborsten stehen, mit Ausnahme der drei vor-
dern Segmente, denen sie fehlen, jederseils in einer firsten-
förmig hervorragenden Querreihe. In den hintern Segmen-
ten wird diese Hervorragung fast warzenförmig. Die Haken-
borsten selbst unterscheiden sich von denen der T. cirrata,
welchen sie übrigens unverkennbar ähneln (Fig. 6.) , vor-
nämlich dadurch , dass oberhalb des Hauptzahnes nur noch
ein einziger kleiner Zahn hervorragt, während die Spitze des
Hinterrandes fast kinnarlig vorspringt- und zwischen ihr und
dem Hauplzahn noch ein anderer slumpfer Forlsatz sich vor-
findet. Pfriemenborsten beginnen am dritten Ringel und sind
in den folgenden vierzehn Segmenten, wo sie in gleicher
Weise vorkommen, oberhalb der Hakenfusshöcker angebracht.
In ihrer Gestalt gleichen sie den zugespilzlen Pfriemeuborsten
von T. eirrala.
Bei dem einen der von mir untersuchten zwei Indivi-
duen, demselben, welches das dritte Kiemenrudiment besitzt,
steht oberhalb der Fusshöcker am fünften und sechsten Seg-
ment noch jederseits ein ziemlich langer fadenförmiger An-
hang, ein förmlicher Cirrus, von dem ich bei dem andern
Exemplare keine Spur bemerken konnte, obgleich sonst (auch
in der Form der Borsten) eine grosse Uebereinstimmung
zwischen beiden herrschte.
Die Farbe unseres Wurmes ist schneeweiss. Das Ge-
häuse habe ich nicht beobachtet.
Amphitrite Eschrichtii Rathke,
Unter dem vorstehenden Namen hat Rathke ') von
der bekannten A. auricoma Müll. eine andere nahe verwandte
Art des Gen. Amphitrite abgeschieden und kurz diagnosti-
eirt. Das auffallendste Merkmal der neuen Art ist die Ab-
wesenheit der kleinen dreieckigen Läppchen an der dicht hin-
ter den Paleenkämmen sich hinziehenden Falte. Nach die-
sem Kennzeichen gehören die vor mir liegenden zwei Indi-
viduen zu der neuen Art. Ich lege sie bei der nachfolgen-
#) Beiträge u. 5. w. 8.219,
Archiv (, Naturgesch. XV. Jahrg. 1, Bd. 12
178 Leuckart:
den Beschreibung zu Grunde, obgleich sie in anderer Be-
ziehung mit der A. auricoma ') sehr übereinstimmen.
Das Gen. Amphilrite zeichnet sich bekanntlich, wie Her-
mella u. a. m., durch die Anwesenheit einer sehr ansehnli-
chen Borstenbewaffnung am Vorderende des Körpers aus.
Wie man sich leicht überzeugen kann, steht dieser
Borstenkamm bei Hermella auf der Endfläche eines beson-
dern, in der Mitte gespaltenen Kopflappen, desselben Anhanges,
der weiter hinten an der Bauchfläche mit den dicht vor der
Mundöffnung befestigten Tentakeln versehen ist. Eine we-
sentlich gleiche Lage hat man bisher dem Stachelkamm bei
Amphitrite zugeschrieben. Auch hier sollte er dem Kopfan-
hang des Körpers eingepflanzt sein.
Erst vor Kurzem hat Grube 2) auf das Irrthümliche
dieser Annahme aufmersam gemacht und bemerkt, dass bei
Amphitrite der Stachelkamm, abweichend von Hermella 3), dem
') Vergl. Rathkein den Danz. Gesellschaltsschriften. A. a. 0. $.56.
2) Wiegmann’s Arch. 1848. Th. 1, S. 36.
%) In den „Beiträgen zur Kenntniss wirbelloser Thiere von Frey
und Leuckart“ S. 153. habe ich eine Hermella beschrieben, die ich
mit der von Cuvier nur kurz und unzureichend charakterisirten Am-
phitrite ostrearia für identisch hielt — hauptsächlich deshalb, weil sie,
wie diese, nicht in solchen Massen gesellig wohnt, wie es von A. al-
veolata und andern Arten bekannt ist. Nachdem aber Grube neuer-
lich (Arch. f. Naturg. 1848. 1. 5.38.) uns durch eine sehr treifliche
Arbeit über das Gen. Sabellaria (Hermella Sav.) bereichert hat, habe
ich das Irrthümliche dieser Vermuthung eingesehen. Grube glaubt,
dass meine H. ostrearia vielleicht seiner Sab. longispina zugehöre, doch
kann ich ihm darin nicht beistimmen. Allerdings ist dieselbe unter
allen bekannten Arten der eben erwälnten H. longispina am ähnlichsten
(auch in der Zahl der Paleen, die im äussersten Kreise 20 beträgt, in den
beiden innern je 10), aber doch in einiger Beziehung verschieden.
Theils in der grössern Menge der Kiemen, die an allen Segmenten vor-
kommen, wenngleich in verschiedener Entwicklung — die vordern Seg-
mente besitzen die längsten — , theils in der nochmaligen Zäbnelung des
mittlern grossen Zahnes an den Paleen des äussern Kranzes. Dieselbe
ist ganz allgemein und ausserordentlich auffallend. Die grössten Zähne
stehn an der Basis und nehmen von da allmählig an Entwicklung ab.
Sie schliessen sich in ihrer relativen Grösse unmittelbar an die beiden
zunächst an den Seiten des mittlern grossen spiesslörmigen Zalınes ge-
Zur Kenntniss der Fauna von Island. 179
ersten vollständigen Körpersegment zugehöre. Bei sorgfälti-
ger Prüfung wird man dieser Behauptung von Grube seine
Anerkennung nicht versagen, wenn auch vielleicht der erste
Anschein gar sehr zu Gunsten der ältern Annahme sprechen
möchte.
Das vordere Körperende unserer Amphifrite, die in Ge-
stall und Anordnung (wie Zahl) der Ringel der A. auricoma
vollkommen gleicht, ist nicht, wie sonst gewöhnlich bei den
Capitibranchiaten, gerade oder elwas schräg nach der Bauch-
seite abgestumpft, sondern keilförmig an beiden Flächen, am
Rücken, wie am Bauche abgedacht. Dadurch entstehen zwei
Begrenzungsflächen am vordern Körper, eine obere (dor-
sale) und eine untere (ventrale), die elwa unter einem rech-
ten Winkel auf einander stossen. Die ersie, der sogenannte
Nacken, trägt die bekannten Borstenkämme, während die un-
tere, die der vordern Körperlläche der übrigen Capitibran-
chiaten entspricht, mit dem Kopfanhange versehen ist.
Dieser Kopfanhang stellt nun bei unserer Amphitrite,
wie bei Terebella, eine flache Scheibe dar, die eine quer-
ovale Form hat und in der Medianlinie des hintern Randes
mit einem kleinen Ausschnitte versehen ist, in dem die Mund-
öffnung liegt. Auf der vordern Fläche der Kopfscheibe ste-
hen die Tentakel, kurze cylindrische Fortsätze von ziemlich
ansehnlicher Dieke, die übrigens während des Lebens gewiss
auch hier einer beträchtlichen Verlängerung fähig sind. Sie
nehmen vornämlich die Seitentheile der Kopfscheibe ein, doch
konnte ich mich nicht davon überzeugen , dass sie, wie es
Rathke von A, auricoma angiebt, jederseils nur ein einzi-
ges, auf einem gemeinsamen Stiel aufsitzendes Büschel bil-
den. Ihre Zahl beträgt jederseits eiwa 12—14.
An den Seiten und vorn ist der Rand der Kopfscheibe,
der bei Terebella eine einfache Firste darstellt, zu einer
ansehnlichen, blaltarligen Haulfalte entwickelt, zu den so-
genannten Schirme '), der in der vordern Medianlinie seine
legenen Zähne an. Die Gestalt der Paleen im mittlern Kreise stimmt
mit der der innern Paleen überein. Offenbar ist meine Art eine neue,
die wegen der Gestaltung der äussern Paleen fortan H. spinnlosa heis-
sen mag
%) Die Relation des Schirmes zu der Kopfscheibe, wie auch zu den
180 Leuökart:
grösseste Breite hat und die Tentakel überdacht. Der Form
der Kopfscheibe entsprechend , hat er einen bogenförmigen
Verlauf. Er reicht bis an die Seitenecken der Mundöffnung
und ist am freien Rande in eine Anzahl (25—30) mässig
grosser lanzettförmiger Läppchen zerfallen, die in einfacher
Reihe neben einander stehen.
Die Mundöffnung,, die in einem Ausschnitte der Kopf-
scheibe liegt, wie schon“erwähnt ist, erscheint als eine quere
Spalte, die oben und unten von einem leistenförmigen Wulste,
von den beiden Lippen, begrenzt wird. Die obere dieser
Lippen ist kaum ansehnlicher, als die untere; ein Verhält-
niss, welches sich von dem bei Terebella beschriebenen sehr
unterscheidet.
Hinter der Unterlippe liegt in einer tiefen Furche, durch
welche der Kopf sich hier von dem folgenden ersten Körperseg-
ment abgrenzt, noch eine schmale und kurze Hautfalte, die den
zur Aufnahme des Mundes bestimmten Ausschnitt der Kopf-
scheibe schliesst und das Rudiment eines eigenen Menlalrin-
ges zu sein scheint, eines verkümmerten Segmentes, das wir
schon oben bei Terebella gefunden haben. Zu diesem Men-
talring gehören auch wahrscheinlich noch zwei platte halb-
mondförmige Lappen, die gleichfalls in der Halsfurche gele-
gen sind und von den Seilenschenkeln des Schirmes fast voll-
ständig bedeckt werden. In diesem letztern Umstand ist viel-
leicht der Grund zu suchen, weshalb Rathke bei seiner Art
dieser Anhänge nicht erwähnt, obgleich auch dasselbe von
der mittlern dazwischen gelegenen Querfalte gilt.
Die platte und abschüssige Nackenfläche unseres Wur-
mes, die Rathke für den obern Theil des Kopfes hält, ist
nichts als die dorsale Fläche des ersten vollständigen Kör-
perringes, die allerdings (offenbar wegen der Beschaffenheit
der Borstenkämme) eine etwas auffallende Gestaltentwicklung
darbietet. Eine bogenförmig nach vorn gekrümmte schmale
Tentakeln und der Muudöfllnung, verhindert es, dieses Gebilde mit der
Oberlippe der Terebellen zu vergleichen, wie es Rathke gethan hat
(Beiträge u. s. w. S. 221.), der denn auch dadurch zu der Annahme ge-
zwungen ist, dass bei Amphitrite die Stellung der Tentakeln eine ganz
andere sei, als bei Terebella u. s. w
MEET EBERLE DET
| Zur Kenntniss der Fauna von Island. 181
Falte (die Nackenfalte) mit glattem, höchstens etwas gekörn-
tem Rande begrenzt dieselbe nach hinten gegen das zweite
Dorsalsegment. Die Paleenkämme stehen etwa in der Mitte
der Nackenfläche und bilden, wie bei A. auricoma, zwei seit-
liche in der Mittellinie durch einen kleinen Zwischenraum
gelrennte Reihen mächtiger goldglänzender Borsten. Die Ge-
stalt und Anordnung derselben ist wie bei A. auricoma. In
dem einen Individuum zähle ich jederseits acht, in dem an-
dern neun solcher Borsten. Die äussersten derselben sind
am breitesten, die mittlern am längsten. Vielleicht, so möchte
ich wenigstens daraus abnehmen, sind die am meisten nach
innen gelegenen Paleen, die an Länge und Breite zurückste-
hen, die jüngsten. Die frühern Stadien des Lebens würden
dann vielleicht eine noch geringene Gesammtzahl von Paleen
erkennen lassen.
Der Bauchtheil des ersten vollständigen Körperringes,
der der Rückenfläche entspricht, ist in der Mitte des Vorder-
randes tief bogenförmig ausgeschnitten, um den hintern Ab-
schnitt der Kopfscheibe mit dem Munde und dem Mentalringe
zu umfassen. Die Seitentheile haben eine ansehnlichere Ent-
wicklung und bilden eine wulstige (fast dreieckige) Hervor-
ragung zu den Seiten der Kopfscheibe, die allein sichtbar ist,
wenn, wie ich es bei dem einen etwas kleinern Individuum
sehe, das folgende zweite Segment am Bauche das vorher-
gehende erste überdeckt. Diese Seitenwulste (Seitenlagen
des Kopfes nach Rathke) gehen aber nicht unmittelbar in
die dorsale Nackenfläche des zugehörenden Ringes über,
sondern sind durch eine vorspringende Längsfirste, die Fort-
setzung der Nackenfalte, davon getrennt. Offenbar war es
auch diese Eigenthümlichkeit, die Rathke verhindert hat,
die Relation der Nackenfläche zu dem ersten Körpersegment
zu erkennen. Verhältnisse der Art sind allerdings auch sonst
bei den Kiemenwürmern selten, mögen aber hier bei der durch
die Anwesenheit der Paleen bedingten abnormen Entwicklung der
Nackenfläche wohl ihre morphologische Rechtfertigung finden.
Das vordere Ende jener Längsfirste, die den dorsalen
und ventralen Theil des ersten Segmentes Irennt, läuft in ei-
nen ziemlich langen conischen Cirrus aus, der dicht neben
den äusserslen Paleen steht (und von Rathke als ein Anhang
182 Leuckart: |
des Kopfes beschrieben ist). Der zweite Körperring (den
Rathke für den ersten hielt) trägt ‚gleichfalls am vordern
Seitenrande einen Cirrus, der aber etwas kleiner ist, als der
des vorhergehenden Segmentes , obgleich er sonst in Lage
und Form demselben vollständig entspricht. Dicht daneben,
auf der Bauchfläche, erhebt sich ein anderer kurzer und hök-
kerförmiger Fortsatz, weiter nach innen, doch etwas vom
Vorderrande entfernt, auf der Mitte des Segmentes, noch ein
dritter halbmondförmiger Hautlappen. Ob übrigens diese letz-
tern Anhänge, von denen Rathke Nichts erwähnt, nur bei
unserer Art vorkommen oder auch bei A. auricoma, wage
ich bei dem Mangel eigner Beobachtungen nicht zu entscheiden.
In der Medianlinie des Bauches mündet an diesem zwei-
ten Segmente die von Rathke beschriebene vierlappige Drüse,
deren Secret zur Anferligung des Gehäuses verwandt wird.
Man sieht sie hier und in dem folgenden Segmente als weiss-
liche Masse durch Wie zarte irisirende Körperhaut , durch-
schimmern. Ein kleines vorspringendes Schildehen von vier-
eckiger Gestalt bezeichnet die äussere Mündungsstelle.
Alle übrigen Verhältnisse gleichen bei unserer Art so
vollständig den entsprechenden Verhältnissen bei A. auricoma,
dass ich, mit Bezug auf die Rathke'sche Beschreibung,
eine Darstellung unterlasse. Nur muss ich erwähnen, dass
schon das vierte Segment, welches das hintere Kiemenpaar
trägt, jederseits unterhalb der Kiemen, am Bauche, mit einem
kleinen Büschel von Pfriemenborsten versehen ist, der nur
wenig hervorragt, und sich deshalb, wie es scheint, den
Untersuchungen von Rathke entzogen hat. Die Hakenbor-
sten, die in einfacher Reihe neben einander sitzen und von
einer besondern Quererhebung getragen werden (welche ich
nach ihrer Gestalt der Schneide eines schmalen Beiles ver-
gleichen möchte), beginnen erst am siebenten Segmente. Sie
stehen unterhalb der Pfriemenborstenbüschel, der Ventral-
fläche zugekehrt. Die Form der Hakenborsten ist schon von
Rathke beschrieben worden. Sie sind (Fig. 7.) dreieckige
Plättchen, die mit der einen abgestumpften Ecke auf der
Epidermis aufsitzen und am enigegenliegenden freien Rand
eine Bewaffnung von fünf allmählig an Grösse zunehmenden
Zähnen haben. Die Pfriemenborsten sind ansehnlich. dick,
| Zur Kenntniss der Fauna von Island. 183
namentlich in den mittlern Segmenten, gerade und laufen in
eine dünne, mit seitlichem Saum versehene Spitze aus.
Die beiden Individuen, die ich untersuchte, hatten eine
etwas verschiedene Grösse. Das eine mass 1’2‘' bei einer
Breite von 3'/,“ im Vordertheil des Körpers, das andere 1
1°“ bei einer grössten Breite von 2'/,',
Das Gehäuse unserer Art hat schon Rathke beschrie-
ben. Das des grössern Individuums, welches übrigens seine
Spitze vorloren hat, ist fast gerade, das des andern in dem
untern verjüngten Theile etwas bogenförmig gekrümmt. Es ist
sehr fest und aus kleinen, zierlich an einander. gefügten Stein-
chen von schwarzer, gelber und weisser Farbe gebildet.
Wenn Island nur diese einzige Art des Gen. Amphi-
irite besitzt, so möchte wohl auch zu ihr, nicht zu A. auri-
coma, die nach Isländischen Exemplaren beschriebene Sabella
granulala Lin. gehören. Auch die von Fabricius mit ge-
wohnter Schärfe beschriebene ') A. auricoma ist unsere Art,
wie schon daraus hervorgeht, dass die Nackenfalte derselben
ganz einfach als margo poslicus prominens bezeichnet wird.
Sabella reniformis (Müll.) Mihi.
Die von Müller unter dem Namen der „nierenförmigen
Amphitrite* beschriebene ?) Art des Gen. Sabella, die er
selbst später als Tubularia penicillus aufführt 3), istvon den
neuern Zoologen nicht wieder beachtet worden. Grube %
glaubt, dass dieselbe seiner Sab. lanigera nahe verwandt sei,
während andere Forscher ohne Weiteres sie der Sab. peni-
eillus Auct, einreihen , unter welchem Namen indessen, wie
man jetzt weiss, mehrere verschiedene Arten bezeichnet wer-
den, die eben so wohl unter sich differiren, als sie auch von
der Müller’schen Art unterschieden werden müssen.
Die Beschreibung und Abbildung der „nierenförmigen
Amphitrite* ist nach Isländischen Exemplaren (von König)
und stimmt in allen wesentlichen Puneten so vollständig mit
#) L. c. p. 289. N. 272.
?) Von den Würmern u. s. w. $. 19.
®), Prodromus zoolog, Dan. p. 254. N. 3063:
#) Wiegmann's Arch, 1846, 1. S. 53.
184 Leuckart:
dem Bau der vor mir liegenden Individuen überein, dass ich
nicht umhin kann, diese der Müller'schen Art zuzurechnen
und hier als die Repräsentanten einer eignen Art unter dem
alten zuerst ihnen zuertheilten Namen zu beschreiben.
Die drei Individuen, die mir bei meinen Untersuchun-
gen zu Gebote standen, hatten eine verschiedene Grösse.
Das kleinere misst 1'/, Zoll, ein zweites 1%/,, während das
dritte, das verstümmelt ist, auf eine Länge von reichlich 2
Zoll zurückschliessen lässt. An dem mittlern zähle ich bis
über 100 Leibesringe, von denen aber die letzten 30-40 so.
dicht stehen, dass sie sich kaum mit Bestimmtheit gegen’
einander abgrenzen lassen. Der Körper ist schlank, in seiner
ganzen Länge gleich breit (etwa 1 Linie), am Ende zuge-
spitzt und vom Rücken nach dem Bauche zusammengedrückt.
Die Kiemenbüschel sind gleich gross und stossen in
der Medianlinie des Rückens dicht auf einander. Sie bilden
eine einfache Strahlenscheibe, die nur in der Mitte des Bau-
ches einen Einschnitt hat und denn dadurch, wie schon Mül-
ler hervorhebt, eine nierenförmige Gestalt bekommt. Die
Zahl der Kiemenfäden ist verschieden; das grösseste Indi-
‘ viduum trägt deren 22, das miltlere 19, das kleinste 15.
Ihre Länge ist verhältnissmässig sehr gering, geringer als
bei irgend einer andern Art. Die längsten (des grössesteh
Individuums) messen nicht mehr als 4Linien. Sie stehen in
der Mitte des Rückens, dem Innenrande der Kiemenbüschel
zugewandt. Die kleinsten trifft man am entgegengesetzten
Rande der Scheibe, neben dem Baucheinschnitte. Die Fie-
derchen sind sehr zahlreich und verhältnissmässig lang, so
dass sie den Strahlen ein zierliches Aussehen geben. Sie
tragen ein deutliches Flimmerepithelium und stehen auf der
Innenseile des Schaftes etwas alternirend dicht neben einan-
der. In der Mitte des Schaftes haben sie ihre grösste Länge.
Die Farbe der Kiemen ist weiss, mit schmalen hellröthlichen
Flecken, die in den einzelnen Strahlen einander entsprechen
und die ganze Scheibe dadurch gebändert erscheinen lassen.
Der unterste dieser Flecke findet sich eine Strecke vor der
Basis, ein zweiter elwas weiter nach oben, gewöhnlich in
gleichen Abständen auch noch ein dritter und vierter, fünfter
und sechster kleinerer Fleck. Auf der Aussenfläche des Schaftes
u”
Fu
Zur Kenntniss der Fauna von Island. 185
finde ich an den meisten Strahlen, da, wo diese Flecke ste-
hen, einen kleinen und rundlichen vorspringenden Punkt von
tief schwarzem Aussehen, den ich unbedingt für einen Au-
genpunkt halten würde, wenn es mir nur gelungen wäre, in
ihm einen lichtbrechenden Kern wahrzunehmen. Am con-
stantesten ist von diesen Punkten der untere, seltener ist
(namentlich an den Strahlen des grössesten Individuums)
noch ein zweiter und dritter Punkt vorhanden. Es ist mir
nicht bekannt, dass etwas Aehnliches schon sonst beobachtet
wäre; auch habe ich vergeblich bei einigen andern, mir zu
Gebote stehenden Arten von Sabella (namentlich bei Spiro-
graphis Spallanzani) darnach gesucht. Auch Müller erwähnt
dieser Punkte nicht, obwohl sie leicht auffallen. Die Kie-
menblätter, auf denen die Strahlen aufsitzen, sind kurz und
von einer röthlichen Färbung. Sie sind halbzirkelförmig ein-
gerollt und stossen mit ihren dorsalen Rändern dicht an ein-
ander. Die Fühler, die ich mit Grube ') jetzt für verküm-
merte Kiemenfäden erkannt habe, sind sehr kurze Cirren und
nur bei sorgfältiger Beobachtung zu entdecken.
Es ist in neuerer Zeit bei fast allen näher untersuchten
Capitibranchiaten die Existenz eines Kopfanhanges, den man
früher diesen Würmern absprach , nachgewiesen worden.
Auch die Sabellen, glaube ich, besitzen ein solches Gebilde,
wenn auch nur in einem Rudimente.
Wo sonst bei den Capilibranchiaten ein Kopfanhang
vorkommt, da ist er beständig der Träger von cirrenarligen
Fäden, die in den meisten Fällen als Kiemen functioniren,
wenn auch vielleicht nicht ausschliesslich als solche. Wir
können nun allerdings aus diesem Verhältniss nicht ohne -
Weiteres darauf zurückschliessen, dass überall, wo am Vor-
derende des Leibes bei den Capitibranchiaten derartige Fä-
den beobachtet werden, dieselben auf einem Kopfanhange
aufsitzen — es wäre ja denkbar, dass sie dem ersten Lei-
bessegmente oder selbst einer grössern Anzahl verkümmerter
Segmente angehörten, — allein beständig muss uns die Mög-
lichkeit einer solchen Anordnung gegenwärtig sein und zur
sorglälligen Analyse auffordern. Bei unserer $. reniformis
1) Wiegmann’s Arch. 1848, I. $.37
186 Leuckart:t
ist diese Analyse nun aber durch die geringe Grösse des
Körpers sehr erschwert. Sie führt zu keinem überzeugenden
Resultate. Andere grössere Arten dagegen lassen deutlich
erkennen, wie auch die Sabellen durch die Anwesenheit ei-
nes Kopfes den übrigen Capitibranchialen sich anreihen, wie
auch bei ihnen die Kiemenbüschel die Anhänge einer eignen’
Kopfscheibe bilden.
Zu solcher Annahme hat mich vornämlich die Untersu-
chung der Spirographis Spallanzani geführt. Hier sieht man,
wie die beiden Kiemenblätter einem eignen Basaltheile aufsitzen,
einer kurzen Scheibe, die von den freien. kragenförmigen
Anhängen des ersten Segmentes umfasst ist und als eine
unmittelbare Fortsetzung der Leibesmasse erscheint, Inder
Medianlinie des Rückens, wo die beiden Kiemenblätter an
einander stossen, ist diese Scheibe mit einer Längsfurche
versehen, amı entgegengeseizten Bauchrande aber zur Auf-
nahme der Mundöffnung tief ausgeschnilten, so dass: ‚ihre
Hauptmassen zu den Seiten dieser 'Oeffnung gelegen sind.
Diese Scheibe kann ich nach ihrer Anordnung und Lage nun
für nichts anderes halten, als für ein Kopfrudiment, das sich
nach vorn in die beiden seitlichen Kiemenblätter auf dieselbe
Weise fortsetzt, wie der Kopf bei Hermella ') in die beiden
paleentragenden Blätter.
Die Mundöffnung liegt an dem ventralen Rande der
Kopfscheibe , zwischen den beiden Kiemenblättern. Sie: ist
oben und unten durch eine quere lippenförmige Hautfalte
begrenzt, die zwischen den Kiemenblättern sich ausspannt.
Die untere dieser Lippen steht in der Mittellinie des Bauches
mit zwei nach dem Rücken zu aufsteigenden wulstförmigen
Fortselzungen des ersten Leibessegmentes in Verbindung und
bekommt dadurch eine V-förmige Gestalt.
Kehren wir aber jetzt nach dieser Abschweifung, die nur
für die Sabellen die Anwesenheit eines eignen Kopfes und
den Zusammenhang desselben mit den Kiemenbüscheln nach-
weisen sollte, zurück zu der Betrachtung unserer 8. renifor-
mis, Dass auch sie eine ganz entsprechende Anordnung
darbiete, wie ich sie oben von S. Spallanzani beschrieben,
?) Vergl. Grubea. a. 0. 8.55.
Zur Kenntniss der Fauna von Island. 187
davon habe ich mich, nachdem ich ein Mal den Bau des Kop-
fes erkannt hatte, vollständig überzeugt. Die einzige Diffe-
renz finde ich in der Gestalt der Unterlippe, die hier noch
weit mehr in einem Winkel nach unten gebogen ist, so dass
die beiden Schenkel fast parallel an einander liegen und die
Mundöffnung, als eine Längsspalte, zwischen sich nehmen.
Die Oberlippe ist dadurch weit rudimentärer geworden. Sie
erscheint als ein kleiner dreieckiger Wulst zwischen dem
Anfang der Unterlippenschenkel.
Der Halskragen ist ein niedrer nach aussen umgeschla-
gener Saum, in der Mittellinie des Rückens und Bauches ge-
schlitzt und jederseits mit einem tiefen bogenförmigen Aus-
schnitt versehen. Auf solche Weise ist derselbe in vier
Lappen zerfallen, zwei dorsale und zwei ventrale, von denen
die erstern die kleinern sind.
Ich kann den Halskragen für Nichts halten, als für das
eigenthümlich entwickelte Rudiment eines eignen Segmentes,
des Mentalringes, der auch bei andern Kiemenwürmern, wie
wir schon oben bei Terebella u. s. w. gesehen haben, vor-
kommt. Mehr, als irgendwo anders, hat er hier seine ur-
sprüngliche Ringform behalten. Auch ist die Abgrenzung
gegen den folgenden, den ersten vollständigen , Leibesring
sehr deutlich, namentlich an der Bauchfläche.
Die Dorsalfläche des Leibes ist platt, namentlich im
vordern Theile, und in der Mittellinie mit einer Längsfurche
versehen. Die convexe Ventralfläche dagegen Irägt eine
Reihe viereckiger hinter einander gelegener Schilder, die
den einzelnen Seginenten entsprechen und in dem vordern
Abschnitt des Körpers der Quere nach, weiter hinten in der
Länge nochmals getheilt sind. Die mittlern Segmente sind
die längsten.
Die vordere Abtheilung des Leibes mit dorsalen Bor-
sienfusshöckern ') umfasst — ausser dem Mentalring, der al-
') Wo, wie es häufig der Fall ist, von den Beobachtern die Stel-
lung der Fusshöcker anders angegeben wird (wie von Ratlıke — a,
#.0. — bei S. penicillus und volutacornis), da scheint eine Verwech-
selung von Rücken- und Bauchlläche, ‘die bei den Würmern so leicht
zu entschuldigen ist, slattgefunden zu haben.
188 Leuckart:
ler derartigen Anhänge entbehrt — eilf Segmente. Die Ha-
kenfusshöcker beginnen übrigens erst am zweiten dieser Seg-
mente, so dass'das erste derselben allein mit den Borstenfuss-
höckern versehen ist. Der Wechsel der Fusshöcker, durch den
die frühern dorsalen Borstenhöcker zu den ventralen (und
umgekehrt) werden, findet am zwölften Ringel Statt.
Die Gestalt der Borsten ist sehr wechselnd, je nach der
Länge derselben, und nicht bloss in den beiden Arten der
Fusshöcker verschieden. Schon die Borstenfusshöcker des
Vorderleibes zeigen zweierlei Formen von Borsten, theils die
gewöhnliche Form mit langer, knieförmig gebogener und ge-
säumter Spitze, iheils auch (mehr dem Bauche zugewandt)
eine andere Form mil gerader (Fig. 8. A.) oder wenig ge-
krümmter (Ibid. B.) kurzer Spitze und mit einem doppelten
Saum. Die entsprechenden Borsten des Hinterleibes dage-
gen haben eine übereinstimmende Gestalt. Sie sind stärker
gekrümmt (Ibid. C.) und am convexen Rande mit einem brei-
tern und kürzern Saume umgeben. Die Hakenfusshöcker des
Vorderleibes enthalten zwei dicht gedrängte Querreihen von
Borsten, eine obere und eine untere. Die Borsten der er-
sten sind gerade mit schaufel- und beilförmigem, zugespitztem
Ende (Ibid. D.), während die der andern Reihe unter rech-
tem Winkel geknickt sind und in eine vorgekrümmte Haken-
spitze auslaufen (Ibid. E.). In den hintern Leibesringen fin-
det sich nur eine Reihe von Borsten von gleicher Gestalt. Sie
ähneln (Ibid. F) dem geknickten Endtheil der letztbeschriebe-
nen Borsten, entbehren aber eines Schafles und sind mit ih-
rer Basis unmittelbar auf der Epidermis aufgewachsen, so
dass sie blosse locale Entwicklungen der Haut darstellen.
Die Farbe des Leibes ist weiss, wenigstens in der
grössern hintern Abtheilung, während die Segmente des Vor-
derleibes, namentlich am Rücken, schön kirschroth erscheinen.
Das Gehäuse unseres Wurmes ist lederarlig, weiss und
durchscheinend, von der Form und Länge des Leibes.
Die von Fabricius beschriebene ') Tubularia penicil-
lus, die der Verf. mit unserer Müller’schen Art für iden-
tisch hält, ist offenbar eine andere, Ausser den Verschie-
%) L. c. p. 438. N. 449.
|
Zur Kenntniss der Fauna von Island. 189
denheiten in der Form der Schale und in dem Habitus,
die aus der Beschreibung sich ergeben, beweiset solches
namentlich die Angabe von Fabricius, dass die Kiemen-
fäden seiner Art je zu zweien an der Basis mit einander
verwachsen seien, was für unsere $. reniformis geradezu
falsch wäre.
Pomatoceros tricuspis. Phil.
Obgleich ich unter den von Bergmann gesammelten
Vorräthen keine Exemplare dieser Serpulacee aufgefunden
habe, nehme ich doch keinen Anstand, hier die Beschrei-
bung dieser Art einzuschalten. Theils, weil eine nähere Cha-
rakteristik derselben noch fehlt, theils auch, weil ich ver-
muthe, dass die von Olafsen als isländisch erwähnte ')
Serpula triquetra (unter welcher Bezeichung, wie wir jetzt
durch Philippi ?2) wissen, von den ältern Zoologen drei
verschiedene Arten — Serpula triquetra, Vermilia triquetra
und Pomatoceros Iricuspis —, die in der Gestalt ihrer Schale
übereinstimmen, zusammengefasst wurden) eben die voran-
stehende in dem Nordmeer weit verbreitete Art ist. Ich gebe
hier die Beschreibung nach Exemplaren , die ich um Helgo-
land gesammelt und in dem von mir gelieferten Verzeich-
niss ®) der dort vorkommenden niedern Thiere fälschlich als
Vermilia triquetra aufgeführt habe.
Der Körper unseres Thieres, der (mit Ausschluss der
vorderen Anhänge) etwa 9 Linien misst, bestehel, wie bei
allen Serpulaceen (und Sabellen), aus zweien durch eine ab-
weichende Stellung derFusshöcker von einander verschiede-
nen Abtheilungen, aus einer vordern und einer hintern, de-
ren erstere wohl überall die kürzere ist. Bei Pomaloceros,
und überhaupt bei allen Serpulaceen, ist diese Anordnung in-
dessen weit auffallender, als bei den Sabellen, und zwar vor-
nämlich deshalb , weil hier die Borsten und Fusshöcker des
Vorderleibes viel mächtiger entwickelt sind, als in der hin-
tern Abtheilung des Körpers.
‘JA. a. 0. I. 5. 221.
*) Wiegmann’s Arch, 1844, I. S. 186.
®) Beiträge u. s. w. $. 147.
190 x Leuckart:
Der Leib ist stark und ziemlich gedrungen, elwa 3/4
Linie breit und nur im hintern Drittheil etwas verschmälert.
Das Ende ist zugespitzt, der kurze fast quadralische Vorder-
leib durch die weit abstehenden Fusshöcker etwas breiter,
als der übrige Körper. Die Depression von oben und unten
ist weniz stark, doch ist der Rücken gewöhnlich flacher, als
der Bauch. Auf den ersten Blick ist man übrigens in Ver-
legenheit, welche Fläche man als Rücken, welche als Bauch
deuten soll, um so mehr, als der Körper bald nach die-
ser, bald nach jener Fläche eingerollt ist; die anatomische
Untersuchung indessen wird uns gar bald überzeugen, dass
die durch die Anwesenheit des sogenannten Deckels ausge-
zeichnete Fläche der Rücken ist. Die enigegengesetzie Fläche
enthält den Ganglienstrang, der hier , wie bei Sabella , die
Form einer Strickleiter hat. Von den ältern Zoologen ist der
Deckel nicht sellen als ein ventrales Gebilde gedeutet wor-
den. Ich selbst war früherhin dieser Ansicht ®), habe mich
aber jetzt von dem Irrthümlichen derselben überzeugt.
Die Zahl der Ringel am Körper ist sehr ansehnlich,
etwa 80—90. Die zwischenliegenden Einschnitte sind an den
Seitenrändern des Körpers am deutlichsten, lassen sich aber
auch meistens an der Bauchfläche nachweisen. Die Rücken-
fläche ist gewöhnlich ganz glatt. Die längsten Segmente sind
die vordern. Doch auch sie sind immer noch sehr viel brei-
ter, als lang.
Die Kiemen , die dem Drittheil des Körpers an Länge
gleichkommen, bilden einen einfachen rundlichen oder schei-
benförmigen Fächer am Vorderende, der aus zwei seillichen
vollkommen gleich entwickelten Hälften sich zusammenselzt.
In jeder dieser Hälften finden sich etwa 18 Strahlen, die an
der Basis zu einem gemeinsamen halbzirkelförmig eingeroll-
ten Blatt verwachsen sind. Beide Blätter stossen in der Mit-
tellinie des Rückens auf einander, sind aber doch weiter von
einander getrennt, als bei Sabella, unstreilig wegen der an-
sehnlichen Entwicklung des Deckels, den sie zwischen sich
nehmen. Morphologisch ist dieser Deckel, wie die Fühler
der Sabellen, nichts als ein umgewandelter Kiemenstrahl.
1) Beiträge u, s, w, $. 153.
en RE
Zur Kenntniss der Fauna von Island. 191
Zwischen den ventralen Enden der beiden Kiemenblät-
ter liegt der Mund, eine quere Spalte, die nach oben und
unten von queren lippenförmigen Hauffalten begrenzt ist. Die
Oberlippe ist die ansehnlichere und in der Medianlinie ein
wenig gespalten. Ueber das Verhältniss der Kiemenblätter
zum Kopfe konnte ich wegen der geringen Grösse unseres
Wurmes kein sicheres Resultat gewinnen, doch glaube ich
nach «er Analogie mit Sabella, zu der Annahme berechligt,
dass ein eigener Kopf auch hier vorkommt, dass er die Ge-
stalt einer flachen nierenförmigen Scheibe hat und die Kie-
men blosse Anhänge dieses Gebildes darstellen, deren mäch-
tire Entwicklung auch hier mit der Reduction des Kopfes in
einem morphologischen Zusammenhang stehen.
Auf der innern (ventralen) Fläche der Kiemenfäden ste-
hen in doppelter Reihe dieht neben einander die kurzen und
dünnen Fiederchen, haarförmige Anhänge, die mit einem
deutlichen Flimmerüberzug versehen sind. Die Kiemenfäden
selbst sind fast überall von gleicher Länge, an den Enden
der beiden Bögen kaum kürzer, als in der Mitte, doch lässt
ein geringer Unterschied, namentlich an den ventralen Enden
sich nicht verkennen. Ueber die Kiemenblätter hinaus sind
übrigens die Fäden eines jeden Büschels noch eine Strecke
weit an der äussern Fläche durch eine dünne schirmartige
Zwischenmembran zusammengehalten, wie die Arme der Octo-
poden oder die Fühler von Campanulina tenuis van Ben.
Der Deckel von Pomatoceros, dessen morphologische
Bedeutung schon oben angeführt wurde, ist in der Regel ein
unpaares asymmelrisches Gebilde und stehet in den meisten
Fällen auf der rechten Seite. - Seltner findet er sich auf der
linken Seite; nur in einigen wenigen Exemplaren beobachtete
ich eine gleichmässige Entwicklung rechts und links, wobei
dann beide Deckel in der Miltellinie an einander stiessen und
vollkommen symmetrisch ausgebildet waren.
Der eigenthümliche Bau des Deckels ist von Philippi
beschrieben , doch, wie ich sehe, nicht ganz erschöpfend.
Man unterscheidet an ihm einen Stiel und ein oberes knopf-
förmiges Ende (Fig. 9. A.). Der Stiel ist ein eylindrischer,
vom Rücken nach dem Bauche abgeplalteter dicker Stab, fast
von der Länge der Kiemenfäden, der etwas $-förmig nach
192 R Leuckart:
der Ventralfläche gebogen ist und nach ‚oben an Umfang,
namentlich aber an Breite allmählig zunimmt. Das obere
Ende ist quer abgestutzt und trägt den eigentlichen Deckel,
ein kurzes und dickes, nach dem Bauche zu gekrümmtes Blatt,
an dem man eine dorsale, eine ventrale und eine vordere
(oder obere) Fläche zu unterscheiden hat. Die dorsale Flä-
che liegt mit der dorsalen Fläche des Stieles in gleicher
Flucht, während die ventrale, nach dem Munde zu gekrümmte
Fläche unter einem fast rechten Winkel auf die gleichnamige
Fläche des Stieles aufstösst. Die vordere Fläche ist mit dem
Vorderleibsende parallel '). Die Breite des Deckels ist nicht
grösser, als die des Stieles am obern Ende, der durch Quer-
gliederung sich dagegen abgrenzt, sonst oben mit seiner ‚gan-
zen Masse darin übergeht. Die beiden seitlichen Ecken des
Stielendes sind übrigens nicht abgerundet, sondern beide in
eine kurze lanzetförmige Spitze ausgezogen, die den Deckel
zwischen sich nehmen. Ausgezeichnet ist auch die Vorder-
fläche des Deckels, die eine beinahe runde Scheibe darstellt
und in der Nähe des dorsalen Randes drei von einem ge-
meinschaltlichen Basalwulste entspringende zugespitzte Hör-
ner trägt , zwei äussere paarige, und einen innern unparen.
Wie es aber scheint, gehen diese Hörner leicht verloren,
wenigstens habe ich zahlreiche Individuen getroffen, die der-
selben enibehrten. Beim Zurückziehen des Thieres in die
Schale dient dieser Deckel zum Verschliessen der vordern
Oeffnung. Er besitzt zum grössern Schulze eine beträchtliche
Härte, die er durch die Menge der eingelagerten Kalksalze
gewinnt.
Der Kragen unseres Wurmes, d. i. der freie lappige
Rand des Mentalringes, ist sehr ansehnlich entwickelt und
nach aussen umgeschlagen. Durch eine mittlere ventrale oder
dorsale Fissur, die auf dem Rücken namentlich sehr tief ist,
wird er in zwei symmetrische Seitenhälften getheilt, die in
der Mitte lief ausgebuchtet und auch sonst gewöhnlich am
Rande mehr oder minder fingerförmig geschlitzt ist.
Die vordere Abtheilung des Leibes bestehet aus sechs
‘) Philippi nennt den Deckel von Pomatoceros „halbkugelför-
mig#, während ich ihn weit eher prismatisch finde,
y
Zur Kenntniss der Fauna von Island., 193
Ringen, die durch die Entwicklung ihrer Fusshöcker und Bor-
sten sich auszeichnen. Die Pfriemenborsten sind die dorsa-
len. Sie stehen auf einem kleinen warzenförmigen Höcker
in einer Querreihe und fallen durch Länge und Glanz sehr
leicht in die Augen. Sie sind steil und gerade, nur an der
Spitze, wo sie einen schmalen Saum tragen, etwas geknickt,
Unter diesen Höckern stehet eine längere firstenförmige Quer-
erhebung mit einer einfachen Reihe kleiner dreieckiger Ha-
ken (Ibid. B.), die mit der einen Ecke auf der Epidermis be-
festigt sind, am entgegengelzien freien Rande aber eine An-
zahl von 8S—10 spitzen, abwärts gekrümmten Zähnen tragen.
Was aber den Vorderleib noch mehr auszeichnet, als
die Entwicklung der Borsten , ist eine ansehnliche Hautfalte,
die an der Basis der dorsalen Lappen des Kragens ihren Ur-
sprung nimmt und von da jederseits oberhalb der Borsten-
fusshöcker herabsteigl, immer mehr der Bauchfläche sich zu-
wendend, bis sie am Anfang des siebenten Segmentes bo-
genförmig nach unten läuft und in der Medianlinie des Bau-
ches mit der Hautfalte der entgegengesetzten Seile sich ver-
bindet. Die Rückenfläche des Vorderleibes ist mit einer
mittlern Längsfurche versehen, die nach hinten an Tiefe im-
mer mehr abnimmt.
In dem siebenten Segment tritt ein Borsienwechsel ein,
wie bei Sabella. Die Pfriemenborsten werden ventrale, die
Hakenborsten dorsale. In der Form der Borsten indessen geht
keine Veränderung vor sich, nur werden die Pfriemen kür-
zer und weniger dick und, wie auch die Haken, an Zahl ge-
ringer. Ebenso nehmen auch die Fusshöcker an Grösse ab.
Die Farbe unseres Wurmes ist während des Lebens
hellrotli, an den Mentallappen , besonders an den fingerför-
migen Spitzen derselben, schön blau. Auch der Deckel ist
häufig blau gefärbt. Die Kiemenfäden sind prächtig weiss
und roth gebändert, seltener weiss und blau; die Verbindungs-
haut zwischen denselben roth.
Das Gehäuse ist bekannt.
Fabricia affinis. nov. spec. (?)
Schon vor geraumer Zeit hat Ehrenberg unter dem
Namen der Amphicora Sabella einen kleinen Kopfkiemer be-
Archiv f, Naturgesch. XV, Jahrg, 1. Bd. 13
194 Leuckart:
schrieben !), der unsere nordischen Meere bewohnt und vor-
nämlich durch die Anwesenheil eines doppelten Augenpaa-
res, eines vordern und eines hintern, sich auszeichnet. Das
Gen. Amphicora indessen muss eingehen. Wenn wir auch
den Beobachtungen Ehrenberg’s die erste genauere Kennt-
niss dieses Thierchens verdanken, so war doch schon vor-
her vonBlainville 2) nach der von Müller und Fabri-
eius beschriebenen Tubularia Fabrieia ein neues Anneli-
dengenus Fabricia aufgestellt worden, der offenbar die Eh-
renberg’sche Art zugehört.
Von der Müller’schen Art (Fabricia stellaris Bl.) ist
die Amphicora Sabella übrigens verschieden , wie man bei
einer Vergleichung der vorliegenden Beschreibungen (trotz
der nicht völlig ausreichenden Charakteristik von Fabri-
eius ®)) leicht ersehen wird. In meinem Verzeichniss der
Helgolander Fauna *) ist sie denn auch deshalb unter einem
neuen Namen, F. quadripunctata, aufgeführt und beschrieben.
Wenn ich nun aber gegenwärtig eine dritte Art des Gen.
Fabricia, aus Island, hier anführe, so geschieht solches nicht
ohne Bedenken. Ich wage nicht mit Bestimmtheit diese für
verschieden von der F. A-punclata zu erklären. Sie stimmt
damit in ihrem Bau so vollkommen überein, dass fast allein
eine Verschiedenheit in Grösse und Färbung, vielleicht nicht
hinreichend, beide von einander unterscheidet.
Die Exemplare, die mir zur Untersuchung vorliegen,
haben mit Einschluss der Kiemen, kaum eine Länge von 1'%
Linie. Sie scheinen gedrungener, als die früher von mir
beobachleten Exemplare vonF. 4-punctata, sind in den vor-
dern und hintern Segmenten ziemlich plötzlich verdünnt und
besitzen einen verhällnissmässig elwas längern dreieckigen
Schwanzanhang, der auch hier ein hinteres Augenpaar trägt.
Die beiden ersten Körperringe sind auf der Bauchfläche je-
derseits am Vorderrande etwas ausgeschnitten und zusammen
eben so lang, als die drei letzten borstentragenden Segmente.
*) Mittheilungen der Gesellschaft naturf. Fr. in Berlin, 1836. S. 2.
2) Diet. des sc. nat. Art. Fabricia.
2) L. ec. p. 440. N. 450.
Aa 0. 8.151.
Zur Kenntniss der Fauna von Island. 195
Die milllern Segmente sind die längsten und zerfallen je
durch eine seichte Ringfurche in zwei hinter einander lie-
gende Theile. Die beiden dreieckigen Mentalfortsätze,, die,
wie bei F. 4-punclata auf dem ventralen Vorderrand des ersten
borstenlosen (aber augentragenden) Körperringes aufsitzen,
sind verhältnissmässig etwas länger und scheinen blosse lo-
cale Entwicklungen eines besondern Mentalringes, den ich
auch als eine schmale Falle im Umkreis der Kiemen wirklich
erkannt zu haben glaube.
Die Zahl der Segmente, die Anordnung der Kiemen,
Borsten und Augen ist wie bei F. 4-punclala.
Ueber die Kiemenbüschel will ich noch anmerken, dass
sie auch hier, wie bei den Serpulaceen und Sabellaceen mor-
phologisch gewiss als Anhänge eines rudimentären Kopfes
zu deuten sind.
Die Farbe ist in der hintern grössern Hälfle des Lei-
bes weisslich. Die vordern Segmente und Kiemen sind braun.
Gehäuse unbekannt.
Die von Schmidt ') beschriebene Amphicora Sabella
scheint mit der F. 4-punctala identisch zu sein. Schmidt
giebt übrigens die Zahl der borstentragenden Ringe auf zwölf
an, während ich nur deren eilf beobachtete, wie bei F. affı-
nis. Er dentet auch das vordre kiementragende Leibesende
als das hintere und glaubt demgemäss in unsern Würmern
die Typen für eine neue Unterordnung der Chätopoden zu
sehen, die, vielleicht vereint mit der Müller’schen Nais
(Proto Ok.) digilata, zwischen die Lumbrieinen und Kopfkie-
mer einzuschalten sein möchte. Schon an einem andern Orte2)
habe ich gegen eine solche Deulung mich ausgesprochen.
Was ich damals behauptete, hat in der nochmaligen spätern
Untersuchung der Fabricia bei mir nur eine Bestätigung ge-
funden. Auch habe ich weder jetzt noch früher Individuen
angelroffen, die, wie es Schmidt von den Weibchen be-
hauptet, zwei hinter einander gelegene Augenpaare auf dem
vordern Segment besassen.
—_
’) Neue Beiträge zur Naturgesch, der Würmer. Jena 1848, $. 81,
2) Göltingische Gel. Anz. 1849, N. 50. $. 491.
196 Leuckart:
Cirratalus borealis Lam.
Die diesem Wurm zugehörenden Individuen, die ich be-
obachtete, hatten eine sehr verschiedene Grösse, 5 Linien,
9 Linien bis zu 1 Zoll 8 Linien. Die grösseste Breite des
leiztern Exemplares betrug 1°/, Linie, die des ersten kaum
1/, Linie.
Die Form des Körpers, wie die Anordnung der Glied-
fäden (Kiemen) und Borstenbüschel ist durch Fabrieius, der
unsern Wurm als Lumbrieus cirratus Müll. beschreibt '),
durch Johnston ?) dessen Cirr. medusa gleichfalls nicht
verschieden ist, Oersted ®) und Rathke*) bekannt. Sehr
ungenügend aber ist unsere Kenntniss von der Bildung des
Kopfes.
Milne Edwards und Audouin °) geben darüber für
Cirratulus Folgendes an: La tele est ä peine distinete des
segmens suivans, et ne consiste qu’en petit tubercule analo-
gue a la leyre superieure des lombries. La bouche, situee
au-dessous, est pourvue d’une petite trompe membraneuse,
dont la fente est longitudinale, mais ne presente ni tentacules,
ni machoires. Un ou deux des segmens qui suivent cette
ouverture, sont tr&s grands et completement depourvus d’ap-
pendices. Oersted lässt den Kopf überall ohne Berücksich-
tigung. Er beschreibt nur die beiden folgenden Segmente,
die, wie er sagt, länger seien, als die übrigen, und der An-
hänge entbehrten. Fabrieius endlich giebt unserm Wurm
vorn nur ein einziges grösseres Segment, welches den Kopf
(caput anguslato-rolundalum) trage.
Was ich selbst hierüber bei der oben verzeichneten Art
beobachtet habe, ist Folgendes. Vor dem ersten cirrentra-
genden Segment, welches sich bekanntlich durch die Zahl und
Länge seiner Fäden auszeichnet, befindet sich zunächst noch
4) L. c. p. 281. N. 266.
2) Mag. of Zool. and Bot. T. II. p. 71.
®) Det kongl. Dans. Vidensk. Selsk. Afhandl, Vol. X. p. 206. und
Wiegmann’s Arch. 1844. Th.l. S. 109.
#) Beiträge u. s. w. 8.180.
5) Ann, des sc. nat. 1833. T. XXIX. p. 408.
Zur Kenntniss der Fauna von Island. 197
ein vollständiges, doch an der Bauchfläche verschmälertes
Ringel (Fig. 10. A. B. und €. a.), das übrigens nicht bloss
der Cirren, sondern auch der Borsten entbehrt. Vor dem-
selben lässt sich auf dem Rücken noch das Rudiment eines
andern Segmentes unterscheiden (Ibid. A. und C. b.). Es ist
von halbmondförmiger Gestalt und nach vorn gekrümmt,
schliesst sich aber nicht ringförmig in der Medianlinie des
Bauches, sondern hört schon vorher, in den Seitentheilen
des Leibes, auf.
Der Kopf, der jetzt folgt, ist ein ganz ansehnliches Ge-
bilde, das an Länge die beiden oben beschriebenen Segmente
übertrifft. Er ist, vom Rücken aus betrachtet, von dreiecki-
ger Gestalt (Fig. 10. A.) mit abgerundeten Ecken und aus
zweien Abschnitten zusammengesetzt. Der hintere dieser Ab-
schnitte ist ein gewölbter Querwulst, der das halbmondför-
mige Rudiment des nachfolgenden Segmentes bogenartig um-
fasst (Ibid. c.) und mit seinen vorragenden seitlichen Enden
die hintern Ecken des Kopfanhanges bildet. Der vordere
Kopfabschnitt (Ibid. d.) ist nach dem Bauche zu geneigt (Ibid.
C.), blattarlig und überwölbt die Mundöffnung, gleich einem
Schirme, wie bei Amphitrite u. s. w. Auf der Grenze, zwi-
schen ihm und dem Nackenwulste, liegen jederseits in ein-
facher, schräg nach hinten und aussen gerichteter Reihe die
kleinen schwarzen Augenpuncle, elwa sechs an der Zahl.
Betrachtet man den Kopf von der Bauchseite (Ibid. B.),
so fällt zunächst die Mundöffnung auf, eine weite, doch nur
kurze Längsspalte, die an den Seiten und vorn von einem
dicken aufgewulsteten Saume in hufeisenförmiger Gestalt um-
geben ist (Ib. e.). Offenbar ist es diese Masse, welche Ed-
wards und Audouin für einen kurzen Rüssel gehalten
haben, die aber solche Deutung um so weniger zulässt, als
sie nach oben unmittelbar in die Unterfläche des Kopfschir-
mes übergeht und mit dem Oesophagus in keinerlei Zusam-
menhang sieht. Das hintere Ende der Mundöffnung stösst
übrigens nicht sogleich an den Vorderrand des oben be-
schriebenen vollständigen Halsringels (Ibid. a), sondern ist
davon durch einen breiten Querwulst, durch eine Art Un-
terlippe (Ibid. f.) getrennt, die an den Seitenenden in den
Nackenwulst übergehet und mit diesem zusammen wohl
198 Leuckart:
bisweilen als ein eigenes vollständiges Ringel mag gedeu-
tet, sein,
Die cirrentragenden Segmente des Körpers nehmen bis
etwa zum hinlern Drittheil des Leibes gleichmässig (ohne
solche Oscillationen, wie sie Fabricius erwähnt) an Länge
zu. Später dagegen verkürzen sie sich ziemlich plötzlich und
allmählig so stark, dass sie sich kaum noch von einander
unterscheiden lassen. Das Körperende ist quer abgestutzt,
ohne Anhänge, und enthält die Afteröffnung.
Aricia (Scoloplos) yuadricuspidata (Fab.). Mihi.
Schon Oersted ') hat in der Nais 4-cuspidala Fab. 2)
eine Aricine erkannt, die mit dem Lumbrieus armiger Müll.
eine grosse Aehnlichkeit hat und auch mit diesem unter dem
Genusnamen Scoloplos Blainv. zusammengestellt wurde. Durch
eigene Untersuchung habe ich mich von der Richtigkeit die-
ser Gruppirung überzeugt.
Das grösseste der vor mir liegenden Exemplare, wel-
che nach der Beschreibung von Fabricius ziemlich leicht
sich erkennen lassen, hatte etwa die Länge eines Zolles und
bestand aus ungefähr hundert sehr schmalen Gliedern. Der
Rücken ist, besonders stark in der vordern Hälfte, abgeplat-
tet und gegen ®/, Linie breit. Nach hinten verschmälert er
sich allmählig bis an das Leibesende, welches, nach den An-
gaben von Fabricius und Oersted, mit vier kurzen cy-
lindrischen Anhängen versehen ist, die aber bei den vorlie-
genden Individuen fehlen (abgerissen scheinen).
Das vorderste, aller Anhänge entbehrende Körperseg-
nrent ist quer abgestumpft und auf der Milte mit einem kur-
zen und zugerundeten nabelartigen Höcker versehen, der die
an der Ventralfläche gelegene, von einem aufgeworfenen Wulste
umgebene quere Mundöffnung in ähnlicher Weise bedeckt,
wie der Kopfanhang der Nereiden (Lumbrieinen u. s. w.) und
offenbar das Rudiment eines besondern Kopfes darstellt. Au-
gen und Antennen fehlen. An den einzelnen Segmenten un-
terscheidet man (Fig. 11.), wie bei allen Aricinen, jederseits
1) Kongle Dansk. Vidensk. Selsk. Aflı. 4. c. p. 200.
%) L. c, p. 315. Nr, 296,
Zur Kenntniss: der Fauna von Island. 199
neben der Medianlinie des Rückens — Fabricius hielt ir-
riger Weise den Rücken unseres Thieres für die Bauchflä-
che — eine längere, mit Cilien besetzte Kieme von zungen-
förmiger Gestalt und nach aussen davon zwei cylindrische
Fusshöcker, deren äusserer der kleinere ist und die Rücken-
fläche seitlich begrenzt.
Die Kiemenanhänge beginnen bei unserer Art am fünf-
ten Segment und sind, mit Ausnahme der vordern und hin-
tern, die sich etwas verschmälern, so ziemlich von gleicher
Gestalt und Entwicklung. Die inneren (oder oberen) Fusshök-
ker sind durch einen kurzen Zwischenraum von den Kiemen
getrennt und stehen eben so weit auch von den äussern (oder
untern) Fusshöckern ab. Sie fehlen nur dem ersten Körner-
ringe. Die vordern Segmente, etwa 16 an der Zahl, tragen
übrigens die untern Fusshöcker nicht, wie die hintern Seg-
mente, auf der Rückenfläche, sondern unterhalb derselben,
an der Seite, von wo dieselben erst allmählig weiter empor-
rücken.
Beiderlei Fusshöcker tragen Borstenbüschel, deren Bor-
sten eine doppelte Gestalt haben. Die einen sind haarförmig,
schlank und gegen das Ende hin zugespitzt, von einem ei-
genthümlichen Aussehen, als ob sie fein geringelt wären. Wie
man bei näherer Betrachtung deutlich sieht, rührt dieses da-
her, dass die Borsten an zwei gegenüberliegenden Seiten mit
einer Reihe scharfer und kurzer Zähnchen beselzt sind 1).
Die andern Borsten sind pfriemenförmig, minder lang und
überall von gleicher Dicke. Sie endigen mit zwei kurzen, stum-
pfen Zähnen, nachdem sie sich vorher eiwas gebogen haben.
Besonders vorherrschend sind diese leiztern Pfriemen-
borsten in den äussern Fusshöckern der 16 vordern Ringel,
wo sie die übrigen Borsten fast vollständig verdrängt haben.
Von ihnen rührt auch die dunklere Färbung dieser Höcker
her, die in den Segmenten 6—11 am augenfälligsten erscheint,
weil gerade hier die Zahl der betreffenden Borsten am an-
sehnlichsten ist. In den übrigen Fusshöckern (besonders in
den obern) stehen die Pfriemenborsten nur ziemlich einzeln.
*) Bei A. Mülleri Ratlıke (Lumbr. armiger Müll.), wo solche Zähne
nach Rathke (u. a. 0. S. 178.) fehlen sollen, sind sie vielleicht nur
feiner,
800 Leuckart:
Die Farbe unserer Spiritusexemplare ist bräunlich, wäh-
rend des Lebens heller, auf dem Rücken röthlich.
Leucodorum muticum noy. sp.
Von den übrigen bekannten Arten ‘des Gen. Leucodo-
rum Johnst. unterscheidet sich diese neue Art durch den
gänzlichen Mangel der beiden langen Kopfeirren. Dass diese
Anhänge bei den zur Untersuchung vorgelegenen Exemplaren
bloss zufällig verloren gegangen seien, ist bei der grossen
Menge der untersuchten Thiere kaum glaublich und wird
auch dadurch widerlegt, dass sieh niemals irgendwo: die Spur
einer etwaigen Verstümmelung vorfand. Sonst aber stimmt
der Bau des Körpers mit den. gewöhnlichen beiden Arten
des Gen. Leucodorum ‘(namentlich bei L. ceilialum Johnst.)
vorkommenden Verhältnissen überein.
Der Kopf (Fig. 12. A.) bestehet aus einem kegelförmi-
gen, vorn abgestumpften und etwas ausgerandeten Anhang,
der in der Mittellinie des Rückens aus dem vordern Leibes-
segment hervorwächst und die Mundöffnung überdeckt. An
der Basis trägt derselbe jederseits am äussersten Rande ei-
nen grossen dunkelbraunen Augenpunkt. Anhänge fehlen
dem Kopfe, doch finden sich unterhalb, ähnlich wie bei Ne-
reis, zwei seitliche Fortsälze (palpi Oerst.), die eine rund-
lich-ovale Form haben, an Länge aber hinter dem Kopfe
zurückstehen.
Der Körper, der etwa die Länge eines Zolles hat, zeigt
eine Anzahl von {ungefähr 40—50 Segmenten. Er ist von
oben nach unten platt gedrückt und hat im vordern Drittheil
(mit Ausnahme der ersten Ringel) seine grösste Breite von
etwa '/, Linie. Nach hinten, wo er schmaler wird, erscheint
er verhältnissmässig weniger platt.
! Die einzelnen Segmente (Ibid. B.) haben an der Grenze
von Rücken und Seitenfläche eine aufgerichtete, etwas nach
innen gekrümmte Kieme von cylindrischer Form und mässi-
ger Länge, die deutlich mit Flimmercilien besetzt ist. An
den Seitenflächen befinden sich zwei Paar Borstenbüschel je-
derseils, ein dorsales und ein ventrales, von denen das obere
dicht unter den Kiemen hervorkommt.
Zur Kenntniss der Fauna von Island. 201
Die vier ersten Körperringe sind schmal, ihre Kiemen
blosse kurze, höckerförmige Hervorragungen. Die Borsten
in beiden Büscheln zeigen gleiche Form und Entwicklung.
Sie sind lang, zugespilzt, am Ende etwas gebogen und ab-
geflacht. Das fünfte Segment ist noch schmaler, aber län-
ger. Es entbehrt der Kiemen und trägt statt der beiden
Borstenbüschel jederseits eine Querreihe von elwa sieben
kammförmig neben einander stehenden Pfriemen, die durch
eine verhältnissmässig sehr ansehnliche Dicke sich auszeich-
nen (und durch ihr Vorkommen einigermaassen an die Pa-
leenkämme der Amphitrite erinnern). Die Gestalt dieser Bor-
sten ist einfach. Sie sind rund und gerade und nur am Ende,
das sich conisch verdünnt, etwas halbmondförmig gekrümmt
(Ibid. C.). Zwischen je zwei dieser Borsten findel sich im-
mer noch eine andere, weit dünnere Borste, die aber in ih-
rer Gestalt mit den anliegenden übereinstimmt ').
Hinter dem fünften Segmente erscheint der Körper be-
trächlich breiter. Doch nicht bloss diese abweichende Form
ist es, die hier die Leibesringe auszeichnet; ein noch auf-
fallenderer Unterschied spricht sich in der Gestaltverschieden-
heit der Borsten in den untern Büscheln 2) aus. Stalt der
schlanken, zugespitzten Borsten finden sich hier Pfriemen
dlbid. D.), deren abgestutzies Ende ziemlich stark gekrümmt
ist und mit zwei ungleich entwickelten Zähnen endigt. Den
dreieckigen Zwischenraum zwischen beiden Zähnen füllt eine
dünne blaltarlige Lamelle. Eine eben solche Lamelle ist auch
zwischen dem innern, stärkern Endzahn und dem anliegenden
concaven Rande des Schaftes ausgespannt. Eine Ausnahme
von dem eben Angeführten aber bildet der sechste Körper-
ring. In diesem gleichen die Borsten der untern Büschel
den Borsten der obern noch vollkommen. Die Zahl der Bor-
*) Von einer Verbindung dieser beiderlei Borsten, wie sie Oersted
bei Leucod. coecum abbildet(Wiegmann’s Arch. a. a. 0. Tab. II. Fg.16.),
konnte ich mich nicht überzeugen.
2) Den frühern Beobachtern, auch Oersted ist dieser Umstand —
gewiss eine Eigenthümlichkeit des ganzen Gen. Leucodorum, die an die
entsprechenden Verhältnisse der sog. Capitibranchiaten und mancher
Naiden (z. B. Stylaria) erinnert, die wir auch schon bei Aricia getroffen
haben — entgangen.
902 Leuckart:
sten nimmt übrigens nach dem Hinterleibsende zu gleichmäs-
sig in den obern und untern Bündeln ab. Von sieben sinkt
dieselbe allmählig bis auf drei und zwei.
Die Schwanzspitze unseres Wurmes habe ich nirgends
beobachtet. Farbe bräunlich, wie bei Aricia, Aonis u. s. w.;
ebenso auch, wie hier, der Leib in eine flache Spirale auf-
gewunden. Offenbar ist auch die Lebensweise unseres Wur-
mes eine ganz gleiche.
Phyllodoce (Eulalia) viridis (Müll,) Johnst.
Die von Müller unter dem Namen der „grünen Ne-
reide“ aus den Isländischen Gewässern beschriebene und ab-
gebildete Art ') des Gen. Plıyllodoce ist, wie schon John-
ston 2) und Oersted ®) angegeben haben und auch Rath -
ke*) vermulhel, identisch mit der Phyllodoce clavigera Milne
Edw. et Aud. Die von den letzgenannten französischen Zoo-
logen angemerkten Unterschiede zwischen beiden Arten be-
ruhen, wie mir die Untersuchung der vorliegenden Exem-
plare, die nach Fundort, Gestalt und Bau mit der Müller'-
schen Art übereinstimmen, gezeigt hat, lediglich auf einer
fehlerhaften Angabe des ältern Beobachters. Die Ph. viridis
besitzt dieselbe unpaare Stirnantenne, dieselbe Form der obern
Cirren an den Segmenten, dieselbe Anordnung der Tentakel,
wie Ph. clavigera.
Die Grösse der untersuchten Exemplare war verschie-
den, von kaum einem Zoll bis zu zwei Zoll sechs Linien 5).
Die längsten halten reichlich die Breite von einer Linie und
bestehen aus einer Anzahl von etwa 90 Segmenten.
Bei der Genauigkeit der von Edwards und Audouin
*) Von den Würmern u. s. w. 5. 162. Tab. XI.
?) Ann. of nat. hist. Vol. IV. p. 228.
») L. c. p 188. und Annulat. Dan. Consp. Fasc. I. p. 27.
%) A. a. 0. 5.170. — Ich kann übrigens Rathke nicht beistimmen,
wenn er die vonFabricius beschriebene Nereis viridis für verschieden
hält und der Phyli. laminosa M. E. u. A. zurechnen möchte.
5) Um Helgoland erreicht diese Art niemals eine so beträchtliche
Grösse. Auch von Nereis pelagica und Polynoe cirrata sind die Helgo-
Jander Individuen beträchtlich kleiner, als die Isländischen.
Eee
Zur Kenntniss der Fauna von Island. 803
gelieferten Beschreibung der Ph. clavigera scheint eine noch-
malige Darstellung kaum nöthig. Ich will mich daher begnü-
gen hier einige Bemerkungen über die sogenannten Tentakel
unseres Wurmes anzufügen,
Dass diese Gebilde trolz ihrer abweichenden formellen
Entwicklung blosse melamorphosirte Gliedfäden sind, wird
bei einer nähern Betrachlung ausser Zweifel gestellt, Sie
sind die Cirren der drei ersten Körpersegmente.
An dem leizten dieser drei Segmente ist ein einziger
Tentakel befestigt. Nach seiner Lage stimmt dieser so voll-
“ kommen mit dem dorsalen Cirrus des folgenden Ringels über-
ein, dass man die morphologische Identität von beiden nicht
verkennen kann, um so weniger, als man nach dem Bauche
zu an demselben Segmente noch jederseits einen deutlichen
untern Cirrus wahrnimmt, der in Form und Grösse von den
ventralen Cirren der nachfolgenden Segmente sich nicht un-
terscheidet und an seiner obern Basis sogar noch einige,
wenn auch nur sehr wenige Borsten trägt. An den folgen-
den drei oder vier Ringeln ist die Zahl der Borsten gleich-
falls noch gering. Erst allmählig wächst dieselbe, und gleich-
zeitig damit auch ein besonderer luberkelförmiger Fusshöcker.
Das vorhergehende zweite Körpersegment besitzt zwei
Paare von Tentakeln. Hier ist nicht bloss der dorsale Cir-
rus, sondern auch der ventrale dazu umgewandelt worden,
doch steht der letztere an Grösse dem erstern noch immer
nach. Dass beide Cirren weiter, als gewöhnlich, nach der
Rückenfläche emporgesliegen sind und nicht mehr mit den
übrigen in einer Flucht liegen, kann bei der Häufigkeit so]-
cher Lagenumänderungen unsere Deutung nicht stören. Auch
nicht der Umstand, dass die Borsten zwischen beiden Cirren
jetzt vollständig geschwunden sind, was ja an den vordern
Segmenten des Körpers bei den Branchiaten eine Regel ist.
Die beiden bis jetzt betrachteten tentakeltragenden Seg-
- mente sind, wenn auch nur von geringer Entwicklung, doch
immer noch als deutliche Ringel zu erkennen. Weil weniger
gilt dieses von dem davor gelegenen ersten Segmente, das
— wie der Mentalring mancher Kopfkiemer — kaum anders
erscheint, als eine schmale Falte, namentlich an der Bauch-
fläche. Damit mag es denn auch im Zusammenhang stehen,
904 Leuckart:
dass hier von den beiden seitlichen Cirren nur der eine, der
dorsale, zur Entwicklung gekommen und in einen Tentakel
umgewandelt ist. Der ventrale Cirrus fehlt vollständig.
Die Augen der von mir untersuchten Exemplare waren
zwei grosse dunkle Flecke auf dem Scheitel. Nur bei einem
einzigen kleinern Individuum fand ich nach aussen davon, doch
nür auf der einen Seite, noch einen zweiten punktförmigen
Augenfleck. Aehnliche Unregelmässigkeiten in der Zahl der
Augen sind bei unserm Thier auch schon von Rathke (so -.
wieEdwards und Audouin) beobachtet worden. Bald fan-
den diese nur zwei grosse Augen, bald auch daneben noch
zwei kleinere.
Phyllodoce Mülleri. Mihi.
Die „gefleckte Nereide* Müller’s '), eine Art, die, wie
die vorige, nach Isländischen Exemplaren beschrieben wor-
den, ist bisher den Zoologen nur sehr unvollkommen be-
kannt gewesen. Mancherlei verschiedene Arten sind mit dem
Müller’schen Namen bezeichnet. Sehr erwünscht war es
mir deshalb unter den zur Untersuchung mir vorliegenden
Isländischen Würmern auf eine Art zu stossen, in der ich,
nach der Müller’schen Beschreibung, die gefleckte Nereide
wieder erkannle.
Dass ich den Namen dieser Art nach ihrem ersten Ent-
decker geändert, mag in den Zuständen der Synonymie seine
Entschuldigung finden. Nur die von Johnston ?) beschrie-
bene Ph. maculata ist die alte Müller’sche Art; was Oer-
sted°) unter demselben Namen beschreibt, die Ner. maculata
Fab. *) scheint mir davon verschieden. Unrecht ist es auch,
wenn Rathke die Müller’sche Art in der Ph. laminosa Sav.
vermuthet.
Das vor mir liegende Individuum, nach dem ich die
folgende Beschreibung entworfen habe, besitzt bei einer mitt-
lern Breite von 1 Linie die Länge von fast 2 Zoll. Es ist
') A. a. 0. $. 156. Tab. X.
2) L. €. p.227. Pl. VII. Fg. 1—3.
®) Det kongle Dansk. u. s. w. Vol. X. p. 191.
») L. c. p. 198, Nr. 281.
“
Zur Kenniniss der Fauna von Island. 905
vom Rücken nach dem Bauche ziemlich stark abgeplattet und
an beiden Enden ziemlich gleichmässig verschmälert. Der
Kopf ist kurz, nicht länger als breit, und am vordern Ende,
wo die zwei Paar kurzer Antennen sitzen, abgerundet. Zwi-
schen den beiden grossen Augen ist der Scheitel in der
Mitte stark eingedrückt, so dass die Seitentheile der Basis
buckelförmig vorspringen.
Die Segmente, deren Zahl sehr ansehnlich (160—180)
ist, sind überall scharf von einander abgesetzt und durch
tiefe Ringfurchen geschieden. Eigenthümlich ist das Ausse-
hen der Bauchfläche. Hier nämlich verlaufen zu den Seiten
der Medianlinie zwei parallele flache Längswulste (wahr-
scheinlich von zwei bandförmigen Längsmuskeln herrührend),
die mit den Furchen zwischen den Segmenten sich kreuzen
und dieselben an den Kreuzungspunkten verwischen. Daher
kommt es, dass am Bauche die Grenze der einzelnen Seg-
mente nicht durch eine zusammenhängende Querfurche an-
gegeben ist, wie auf dem Rücken, sondern durch drei kurze
neben einander liegende Quereindrücke, einen mittlern und
zwei seitliche.
Die obern Cirren der einzelnen Segmente (Fig. 13.)
sind von ansehnlicher Grösse und auf der Fläche von der-
selben unregelmässigen Herzform , wie bei Ph. laminosa.
Auch ihre Stellung und Befestigung ist dieselbe, wie dort.
Sie silzen auf einem kurzen, aber ziemlich umfangreichen
Stiele, der dicht oberhalb des Fusshöckers, der eine ovale,
weuig hervorragende Masse ist, entspringt. Der untre Cir-
zus (den Müller unrichtiger Weise als borstentragend dar-
stellt) überragt den Fusshöcker nur wenig. Er ist ebenfalls
platt, blattartig und von ovaler Form. In derMitte des Kör-
pers haben die obern Cirren ihre grösste Grösse. Nach hin-
ten verschmälern sie sich ein wenig, während sie nach vorn
in jeder Dimension an Grösse abnehmen. Eine Abweichung
in der Form, wie sie bei Ph. laminosa Sav. am ersten obern
Cirrus vorkommt, wird aber nicht wahrgenommen.
Dicht hinter dem Kopfe stehen die cylindrischen Ten-
takel, vier an der Zahl, wie bei der vorigen Art. Dass sie
auch dieselbe morphologische Bedeutung besitzen, lässt sich
schon von vorn herein vermulhen. Schon die blosse Analogie
206 Leuckart:
musste uns darüber ausser Zweifel setzen, 'selbst wenn es nicht
gelänge, durch specielle Untersuchung davon den directen
Nachweis zu liefern.
Die Segmente, die mit den Tentakeln versehen sind,
erscheinen hier viel weniger entwickelt und kürzer !) als bei
Ph. viridis, so dass die Analyse weit schwieriger ist, als
dort. Die Tentakel sind jederseits am Halse dicht zusammen-
gedrängt, lassen aber trotz dem dieselbe Stellung erkennen,
wie wir sie schon früher angegeben haben. Der hintere
Tentakel zeigt an der Ventralfläche auch noch ganz deutlich
einen untern Cirrus (vielleicht selbst Borsten). Der dazu
gehörende Körperring ist nur sehr kurz, faltenförmig, doch
immer noch länger als der vorhergehende Ring, welchem die
beiden am weitesten nach oben und unten zu gelegenen Ten-
takel zukommen. Der obere derselben erreicht von allen
die grösseste Länge und überragt, wenn er zurückgeschlagen
wird, die folgenden fünf Segmente. Vor diesen beiden Ten-
takeln, fast an dem äussersten Rande des Kopfes, steht je-
derseits noch ein einfacher unpaarer Tentakel. Ein beson-
deres Segment, zu dem derselbe gehöre, habe ich vergeblich
gesucht. Es scheint verloren gegangen zu sein — nach ei-
nem Geselze der Morphogenese, dessen Spuren wir auch
schon in anderen Fällen vorfanden 2), das aber bei den Bran-
chiaten noch keineswegs jene typische Bedeutung hat, als
bei den Arthropoden, wo es in grosser Ausdehnung (bei
den Crustaceen) angewendet ist. Die Borsten haben die be-
kannte, allen Arten des Gen. Phyllodoce gemeinschaftliche Form.
Die Farbe ist hellbräunlich, am Bauche lichter. Auf
dem Rücken verläuft jederseits neben der Basis der obern
Cirren eine dunklere Längsbinde, die aber bisweilen — nach
der Abbildung und Beschreibung von Johnston — vielfach
unterbrochen ist, was ich in ähnlicher Weise auch bei Syllis
t) Anders bei Ph. maculata (Fab.) Oerst., von der Fabricius
(in Uebereinstimmung die Abbildung von Oersted) angiebt: collum
eapite longius.
2) Auf ähnliche morphogenetische Vorgänge haben wir gewiss auch
überall da zurückzuschliessen, wo hinter dem Kopfe eine grössere An-
zahl von Tentakeln sich befindet, wie z.B, bei Nereis u, s. w,
Zur Kenntniss der Fauna von island. 207
armillaris Oerst. sehr häufig gefunden habe. Ebenso dunkel
sind die dorsalen Querfurchen zwischen den Segmenten.
Rüssel und Schwanzspitzen habe ich nicht beobachtet.
Nereis (Heteronereis) grandifoolia Rathke.
Die unter dem voranstehenden Namen von Rathke
nach Norwegen’schen Exemplaren beschriebene ') schöne Ne-
reile kommt auch an den Isländischen Küsten vor. Sehr
wohl erhaltene Individuen von daher liegen vor mir.
Von der Beschreibung Rathke's entfernen sich diesel-
ben nur in einigen sehr unbedeutenden Verhältnissen, in der
Zahl der Tüpfeln auf dem vorgestreckten Rüssel, in der Fär-
bung, die auf der Dorsalfläche der 16 — oder, wenn man
den Halskragen mitrechnet, 17 — vordern Segmente kupfer-
rolh ist, auch hier und da in der Form der Rückenplalten
u. s. w. Alle diese Verschiedenheiten aber sind zu gering,
als dass man sie für mehr als individuelle halten könnte.
Sehr wahrscheinlich gehört auch die Heteronereis ar-
ctica Oersted’s?) zu unserer Art. Der einzige Unterschied
beruhet darin, dass bei ihr die. Gestaltveränderung der Rük-
kenplatten nicht am achtzehnten Ringel beginnt, wie ich es,
übereinstimmend mit Rathke, bei den vorliegenden Indivi-
duen finde, sondern erst am zwanzigsten. Ich weiss nicht,
ob diese Angabe Oersted’s sich nur auf die Untersuchung
eines einzigen Exemplares stützt, jedoch ist es sehr leicht
möglich, dass auch bei unsrer Art der Anfang jener Umfor-
mung, obgleich er plötzlich geschieht und nicht allmählig
vorbereitet wird, in einer grössern Menge von Individuen um
einige Ringel wechsele.
Nereis pelagica Lin.
Schon Olafsen ®) und Mohr *) fanden diese von Mül-
ler unter dem Namen der „warzigen Nereide* beschriebene >)
) A. a. 0. S. 155.
2) L. c. p. 179.
») A. a. 0. 11. S.210.
*%) L. c. p. 118. N. 276,
%) A. a. 0. S. 110, Tab. VII.
208 Leuckart: Zur Kenntniss der Fauna von Island.
Art um Island. Nach den mir zur Untersuchung überlasse-
nen ‚Vorräthen muss sie daselbst sehr häufig sein.
Der Beschreibung von Rathke !) weiss ich nichts hin-
zuzufügen, als dass die vorliegenden Exemplare zum grossen
Theil durch eine sehr ansehnliche Grösse sich auszeichnen.
Sie messen bis zu 8—10 Linien.
Polynoe (Lepidonote) cirrata (Fab.) Sav.
Polynoe (Lepidonoie) punctata (Müll) Sav.
Dass diese beiden Arten um Island vorkommen, weiss
man schon durch Müller, dessen „Nache 2) und gedüpfelte
Aphrodite ®)* damit identisch sind. Die Beschreibung der
erstern ist sogar nach Isländischen Exemplaren entworfen.
Auch Mohr‘) erwähnt beider in seinem Verzeichniss der
Isländischen Thiere. Olafsen 5) dagegen kennt bloss eine
„Scolopendra corpore lalo, squamoso, pedibus utriusque vi-
ginti quinque,“ in der aber, wie es scheint, beide Arten zu-
sammengeworfen sind. Wenn übrigens Müller % und Fa-
brieius ”), denOlafsen nur bei der A. punctata eitiren, so
scheint sich dieses vorzugsweise auf die dem, Werke beige-
gebene (schlechte) Abbildung zu beziehen. Dass die P. cir-
rala Olafsen entgangen sei, ist kaum anzunehmen, da die-
selbe, wie schon bei Müller erwähnt wird, und wie ich
selbst aus den Isländischen Vorräthen ersehe, ungleich häufi-
ger sein muss, als die P. punctata.
‘) A. a. 0. S.158.
2) A. a. 0. S. 180. Tab. XIV.
3) Ebenda S. 170. Tab. XII.
#) L. ce. p- 117. 0.273 und 274.
%) A. a. O0. II. S.210.
6), Prodromus etc. p. 218. N. 2642.
”) L. c. p. 311. N. 291.
Die Uebereinstimmung der Muschelschalen
und Perlen in ihrem krystallinischen Bau
und nach andern mineralogischen Kenn-
zeichen mit Kalkspath und Arragonit.
Mitgetheilt von
Dr. Jakob Nöggerath.
Geh. Bergrath und Professor.
Die Monographie des Kalkspaths, welche wir dem fran-
zösischen Mineralogen Grafen von Bournon verdanken,
ist unslreitig die ausgeführteste, welche in der mineralogi-
schen Litteratur über irgend ein ausgezeichnetes polymor-
phisches Mineral vorhanden ist. Ungeachtet darin 616 ver-
schiedene Krystallformen des Kalkspaths abgebildet und be-
schrieben sind, so dürften damit alle Formen dieses Minerals
doch noch lange nicht erschöpft sein, und es wird kaum
eine bedeutende Mineralien-Sammlung exisliren, welche nicht
noch neue Beiträge zu den Forschungen des Grafen von
Bournon zu liefern vermöchte.e Das Werk hat aber den-
noch einen bedeutenden Werth, da es ein vollständiges Ver-
zeichniss, von guten Bildern begleitet, von allen den Formen
des Kalkspaths liefert, welche bis zur Zeit der Erscheinung
des Buchs mit grosser Mühe und nicht unbeträchtlichem Auf-
wande halten zusammengebracht werden können, in welche
sich alle spätern Entdeckungen ergänzend leicht einreihen las-
sen. Das ziemlich kostbare Werk, dessen vollständiger Titel
folgender ist:
Trait© complet de la chaux carbonatee et de l’arrago-
nile, auquel on a joint une introduction a la mineralo-
gie en general, une theorie de la crislallisation, el son
Archiv f, Naturgesch, XV. Jahrg, 1. Bd, 14
210 Nöggerath: Die Uebereinst. der Muschelschalen u. Perlen
application, ainsi que celle du calcul ä la determination
des formes cristallines de ces deux substances. Par
M. le Comte de Bournon. Ill. Vol. Londres, 1808. 4.
dürfte nur in wenigen Exemplaren in deutschen Bibliotheken
vorhanden sein. Es behandelt aber noch mit vieler Gründlich-
keit einen seinem nähern Zweck etwas entfernter liegenden
Gegenstand, nämlich denjenigen, welcher in der Ueberschrift
der gegenwärtigen Mittheilung angegeben ist. Ich bin sehr
zweifelhaft darüber, ob die höchst interessanten Vergleichun-
gen der Muschelschalen und Perlen mit dem Kalkspath, wel-
che Graf von Bournon angestellt hat, irgend durch eine
gelegentliche Bearbeitung zur Kenntniss der deutschen Zoo-
logen gelangt sein mögen, für welche sie aber eine belang-
volle Bedeutung haben müssen. Obgleich das Buch schon
vier Decennien alt ist, und auch sonst schon Beobachlungen
über ähnliche Gegenstände gemacht sind '), so hielt ich es doch
noch interessant genug, dass die bezüglichen reichen Unter-
suchungen des Grafen von Bournon über diese dem
Zoologen wie dem Mineralogen gleich wichtige Materie voll-
ständig dem deutschen zoologischen Publikum vorgelegt wer-
den. Ich ersuchte daher den Herrn Stud. med. Otto We-
ber, der mir freundschaftlich zur Seite steht, und welcher
mit dem erforderlichen Sachwissen ausgerüstet ist, einen ge-
nauen, aber gedrängten Auszug derjenigen Abschnitte des
ı) Dahin gehört ein Aufsatz von M. L A. Necker: „Ueber die
mineralogische Beschaffenheit der Land-, Fluss- und Seemuscheln“ in
Annales des sciences nalurelles und in Edinb. new philos. Journal.
April „— July 1839, übersetzt in Froriep, Neue Notizen aus dem
Gebiete der Natur- und Heilkunde Bd. XI, S. 310f. Auf diese Arbeit
werde ich in einer spätern Note zurückkommen. Ferner verdienen hier
die gelegentlichen Bemerkungen von Haidinger über die dem Kalk-
spath entsprechenden Theilungsflächen in den Stacheln der leben-
den, nicht fossilen Cidaris, angeführt zu werden. Vergl. „Ueber ei-
nige neue Pseudomorphosen“ abgedruckt in den Abhandlungen der k.K.
böhmischen Gesellschaft der Wissenschaften. Prag 1841. S.6 und 7.
Auch schliessen sich hier die interessanten Beobachtungen von Hessel
über die bestimmte Lage der Kalkspath - Rhomboeder in versteinerten
Crinoideen u. s. w. an, indem diese Geselzmässigkeit nur eine weitere
Ausbildung der Krystall- Tendenz ist, welche schon in dem festen Ge-
rüste des Thieres vorhanden war. Vergl. Hessel, Einfluss des orga-
“in ihrem kryslallin. Bau u. and. mineral. Kennz, mit Kalkspath. 211
Grafen von Bournon’schen Werkes in deutscher Sprache
zu bearbeiten, welche sich über den in Rede stehenden Ge-
genstand verbreiten. So sind denn 39 gedruckte Quartsei-
ten des Originals, ohne alle Beeinträchligung des wirklichen
Gehalts, von ihm auf den engen Raum der folgenden Blätter
gebracht und von mir selbst: mit dem französischen Texte
genau verglichen und nach ihrer Richtigkeit und Vollstän-
digkeit geprüft worden. Indem ich dadurch von Neuem die
Aufmerksamkeit auf diesen Berührungspunkt der Zoologie mit
der Mineralogie zu lenken bestrebt bin, hoffe ich, auch ohne
eigene Verdienstlichkeit dabei, der Wissenschaft einen klei-
nen Dienst geleistet zu haben,
Grafvon Bournon betrachtet die Schale der Conchy-
lien einzig und allein als Product der Krystallisation von
kohlensaurem Kalke, welchem vorzüglich als färbende Materie
eine geringe Menge von Gelatine beigegeben ist, und der nur
in Bezug auf die Gesammtform durch die Gestalt des thieri-
schen Körpers, seine Krümmungen und Häute bei seiner Ab-
lagerung beschränkt und bedingt wird.
Vorzüglich geeignel, um auf dem Bruch den rhomboe-
drischen Blätterdurchgang des kohlensauren Kalkes zu zeigen,
sind namentlich vermöge der bedeutenderen Schalendicke
grössere Exemplare von Strombus gigas; man sieht densel-
ben hier ebenso schön, wie nur irgend bei einem Stücke blätt-
rigen Kalkspaths, ebenso wie auch die Winkel der rhomboe-
drischen Flächen 101° 3% und 870 28° betragen N).
Es musste nalürlich von Interesse sein, zu untersuchen,
welche Rolle die thierische Gallerte bei der Bildung der Scha-
len spiele; Bournon erhielt folgende Resultate:
nischen Körpers auf den unorganischen u. s. w. Marburg 1826. Vie-
les hierüber ist, mit neuern Beobachtungen bereichert, zusammengestellt
in Blum, Nachtrag zu den Pseudomorphosen des Mineralreichs. Stuttg.
1817. Auch verdient hier verglichen zu werden: Ueber die Silicißcation
organischer Körper u. s. w. von L. von Buch in den Abhandl. derk,
Akademie der Wissenschaften zu Berlin vom Jahre 1828. Berlin 1831, N.
*) Bekanntlich weichen die verschiedenen Varietäten des Kalk-
spaths in den Winkeln etwas von einander ab, Die oben angegebe-
men ebenen Winkel sind die Annahme von Hauy. N.
212 Nöggerath: Die Vebereinst. der Muschelschaleh u. Perlen
Vollkommen weisse Stücke von Strombus gigas, wie auch
von Cypraea ligris, lösten sich in verdünnter Salpetersäure
ausserordentlich schnell und olne die geringste Trübung,
noch weniger einen Niederschlag hinterlassend; durch Glühen,
wobei sie nur einen unbedeutenden Geruch verbreiteten, ver-
loren sie ohne Farbenveränderung nur %,o00 ihres Gewichts;
gefärbte Stücke hingegen, namentlich braungefleckte von der
Porzellanschnecke, zeiglen bei der ebenfalls sehr schnell er-
folgenden Auflösung eine leichte Trübung in Salpetersäure
und nach 24 Stunden einen nur sehr geringen Niederschlag
leichter gelblicher Flocken; beim Glühen wurden sie anfangs
grau, später weiss und verloren unter viel stärkerem Geruche
36/000 von ihrem ursprünglichen Gewicht, und cs scheint
demnach, dass die Galatine nur einen sehr unbedeutenden
Bestandtheil der Conchylienschalen ausmacht, welcher bei
gefärblen höchstens 5/00 Dis %ıo0, bei ungefärbten dagegen
nur ein Minimum der Gesammtimasse belrägt.
Somit beständen denn in der That diese Gehäuse fast
einzig und allein aus reinem blättrigen und fasrigen Kalk-
spathe, der bei einzelnen wenig gefärbten Conchylien, z. B.
bei Purpura lapillus, dem mineralischen absolut analog ist.
Die Halbdurchsichtigkeit, der Glanz und der ganze Habitus
ist der nämliche; jeder Mineraloge würde ein kleines Frag-
ment von dieser Conchylie für einen reinen Kalkspath an-
sprechen müssen.
Interessant ist in dieser Beziehung auch die Beobach-
lung, dass wenn man ein Stück des Gewindes von Tridacna
gigas quer abschneidet und polirt, vermöge der feinen
concentrischen, halbelliptischen Schichten ein Ansehn her-
vorgerufen wird, welches vollkommen dem eines halben
Querschnittes eines ovalen Stalaktiten gleicht. Am auffallend-
sten zeigt die Identität des mineralischen und des die Con-
chylienschalen zusammensetzenden Kalkspatlıs ein Stück der
völlig ausgefüllten ersten Windungen von Magilus antiquus
von v. Bournon mit dem ältern Namen Serpula helicina be-
nannl); die Masse ist durchscheinend wie der weisseste Ala-
baster.
Das mittlere speeifische Gewicht des kohlensauren Kalkes
der Muschelschalen beträgt, wie Bournon aus einer Reihe
in ihrem krystalliu. Bau u. and. mineral. Kennz. mit Kalkspath. 213
von Beobachtungen entnimmt, 2,779, während die Extreme
2,700 und 2,800 ergeben '). Uebrigens bedingt das Dasein
der Färbung der Schalen keinen wesentlichen Unterschied in
dieser Beziehung.
In Betreff der Phosphorescenz ist bemerkenswerth, dass
die Conchylienschalen, auf einer Schaufel erhitzt, mit einem
schwachen bläulichweissen Lichte zu leuchten pflegen , ver-
steinerungsreiche Kalkfelsarten hingegen meist mil einem
starken, gelblich orangefarbenen Lichte phosphoreseiren; wäh-
rend der zwischen primiliven Gesteinen vorkommende koh-
lensaure Kalk, ebenso wie der sogenannle körnige Kalkstein
(Marmor) und der Dolomit, nicht weniger viele krystallisirte
Kalkspathe, durchaus keine Phosphorescenz darbieten. Immer
hört dieselbe auf, wenn der Kalk der Glühhitze ausgesetzt
gewesen, und da namentlich bei bituminösen versteinerungs-
reichen Kalksteinen die Phosphorescenz am unbedeutendsten
zu sein pflegt, so möchten diese Umstände die Vermuthung
nicht unwahrscheinlich erscheinen lassen, dass der Gehalt an
organischen Substanzen einen wesentlichen Grund für diese
Erscheinung abgebe.
Als Typus für die Structur der Muschelschalen theilt
Bournon eine nähere Beschreibung der Schale von Strom-
bus gigas mit. Am deutlichsten zeigt sich, nach ihm, diese
Structur in der Nähe der Axe, an den dickeren Theilen des
Gewindes.
Es besteht diese Schale aus einer grossen Menge dün-
ner, paralleler Schichten, die sich in drei besondere, wohl
unterscheidbare Schichtensysteme Irennen und so drei dicke
Lagen bilden. Eine jede derselben, abgesehen davon, dass
sie aus den dünnen Schichten, welche auf den Blätterdurch-
*) Bournon hält die Zahlen für das specifische Gewicht der Mu-
schelschalen, welche in den beiden Extrem - Zahlen ganz eben so von
de la Beche ermittelt worden sind, im Verhältniss zu denjenigen
des Kalkspaths für etwas hoch. Dieses dürfte doch keineswegs der
Fall sein, wenn man mit jenen Extremzablen diejenigen für den Kalk-
spath vergleicht, wie solche von mehreren neuern Mineralogen ange-
geben sind. So finden wir z. B. das spec. Gewicht des Kalkspaths an-
gegeben von Naumann 2,6 bis 2,8, von Blum 2,64 bis 2,75, von
Haidinger 2,5 bis 2,8. N.
914 Nöggerath: Die Uebereinst der Muschelschalen u, Perlen
gang gar keinen Einfluss äussern, zusammengesetzt, ist aus
dicht aneinander schliessenden Blättchen, die auf ihrer schma-
len Seite stehen, so dass ihre Köpfe auf der Oberfläche der
Lagen erscheinen, gebildet. Bei der dünneren äusseren Lage
ist die Richtung dieser Blättchen eine entgegengeselzte gegen
die der beiden unlern; schlägt man daher ein Schalstück
durch, so erblickt man bei ihr die Blättchen von der Seite,
bei den beiden unteren Lagen dagegen von ihrer. breiten
Fläche, oder umgekehrt. Betrachtet man sie in der letzten
Stellung, so zeigt sich, dass die Blältchen eine entgegenge-
setzte Neigung haben, woher es aussieht, als ob sie sich
kreuzten und gewissermassen ein Nelz bildeten. Derartige,
den Ebenen der Blättchen folgende Brüche erlauben, wenn
die Stücke eine hinreichende Dicke besitzen, am leichtesten
die rhombische Form der kleinsten Theile zu erkennen; oft
sind die Kanten derselben scharf und gross genug, um ohne
Mühe gemessen zu. werden. Da auf diese Weise die Lage
der Blätter, nicht bloss die Haupllagen, sondern auch in je-
der einzelnen Schicht, verschiedene Neigungen haben, so er-
hält dadurch die Schale eine bedeutende Festigkeit. Aus
diesem Umstande, so meint Bournon, würde auch das ge-
ringe Uebermass, welches der kohlensaure Kalk der Muschel-
schalen an Schwere und Härte gegen den gewöhnlichen
Kalkspath zeigt, zu erklären sein '). Eine solche Anordnung
der Schichten in drei Hauptlagen wiederholt sich je nach dem
Alter oder dem verschiedenen Anwachsen einer Schale meh-
reremale.
Die Knoten an den Windungen von Strombus gigas be-
stehen zunächst aus der höhlenarlig ausgebauchten ersten
Schale des Thieres, und aus einer innern, diese Höhle aus-
füllenden Kalkmasse, welche aus in einander steckenden Ku-
gelsegmenten gebildet ist, so dass sie eine grosse Aehnlich-
keit mit der Hälfte der einzelnen Körner von Erbsensteinen
1) Was die spec. Schwere betrifft, so ist, nach der vorigen Note,
wohl keine Abweichung gegen den Kalkspath vorhanden. Uebrigens
kann auch das geschilderte Verhältniss des Gefüges weder auf die spe-
eifische Schwere noch auf die Härte der Muschelschalen einen Einfluss
ausüben, wohl aber kann ein solcher Bau eine grössere Festigkeit der
Schalen bedingen. N.
in ibeem krystallin. Rau u, and. mineral. Kennz, mit Kalkspath. 215
zeigen. Oft schliessen die Segmente nicht dicht aneinander,
sondern lassen einen kleinen leeren Raum zwischen sich und
sind dann nicht selten mit, jedoch wegen ihrer allzu grossen
Kleinheit unbestimmbaren, Kalkspathkrystallen bedeckt. Eine
ganz ähnliche Struetur zeigen die Knoten von Cassis cornuta;
die nicht dicht an einander schliessenden Segmente waren
auch hier auf ihren Oberflächen mit kleinen blumenkohlför-
migen stalagmilischen Wärzchen bedeckt, Da sich oft, wenn
man ein mit Knoten beseiztes Stück der Schale von Strombus
von innen betrachtet, eine kleine Vertiefung unter den Kno-
ten findet, welche bei ältern Exemplaren oft ganz verschwun-
den ist, so schliesst Bournon daraus, dass das Thier hei
der ersten Bildung seiner Schale auf seinem Körper Anhänge
halte, über welche hinweg die Schale abgesetzt wurde, dass
es aber in der Folge bei weiterem Anwachsen diese Anhänge
mehr und mehr zurückzog und den verlassenen Raum durch
Kalkschalen nach und nach ausfüllte, wobei leicht manchmal
Zwischenräume zwischen denselben bleiben konnten.
Aehnlich blättrig, wie die Lagen bei der Flügelschnek-
kenschale eonstruirt, sind auch, nachBo urn on’s Untersuchung,
die kalkigen Deckel, welche bei manchen Schnecken vor-
kommen, z.B. bei Turbo, während andere (z. B, die Buceinen)
ganz membranöse, rein animalische Deckel besitzen.
Die ersteren, meist von verlängert sphäroidischer Form,
haben eine feinlamellöse Texiur, bei welcher sich ausserdem
concenlrische Schichten zeigen, indem das Thier beim Fortwach-
sen nicht etwa einen neuen Deckel bildet, sondern sich damit
begnügt, an der ganzen Aussenseite desselben eine neue
Schicht abzulagern.
Obwohl nun die beschriebene Schalenstructur von Strom-
bus gigas vielen andern Schneckenhäusern (z.B. Conus, Voluta)
gemeinsam, ist sie doch nicht allgemein bei allen Einscha-
lern. Purpura lapillus hat z. B. nur zwei Hauptlagen , eine
äussere sehr dicke, welche die bereits bemerklen Eigenthüm-
lichkeiten an sich trägt, und eine innere, sehr dünne. Cy-
praea ligris, in den Verhältnissen der Schalentextur mit Strom-
bus gigas durchaus übereinstimmend, bot eine Eigenthümlich-
keit, welche Bournon bewog, näher die Art und Weise des
Anwachsens der Schale dieses Thieres zu besprechen. Das-
216 Nöggerath: Die Uebereinst. der Muschelschalen u. Perlen
selbe gehört zu den wenigen Schnecken, welche, seiner An-
sicht nach ihre Schalen nicht an der Mündung zu vergrös-
sern vermögend, dieselben auf einmal in einer bestimmten
Grösse bilden, später aber dieselbe verlassen müssen, um
sich auf die nämliche Weise eine andere zu schaffen, sobald
die erste für das weitere Wachsthum des Thieres zu enge
geworden. Wahrscheinlich kann dieses seinen Mantel so weit
ausdehnen, dass eine jede seiner besondern Wohnungen von
vornherein eine solche Weite erhält, welche ihm das Wachs-
thum bis zu einem gewissen Grade gestaltet, ohne es zum
Wechsel seines Gehäuses zu zwingen. Indessen wächst doch
das Thier, wenn es auch nicht vermag die innern Dimensio-
nen seiner Schale zu vergrössern, in der Dicke der Schale
an, indem es ihre Oberfläche mit einer neuen, der ersten
völlig gleichen bedeckt. Drei Hauptlagen setzen jede dieser
Anwachsungen zusammen, bis auf die letzte, welche nur eine
Lage, die die färbende Gelatine enthält — ein Beweis, dass
das Anwachsen nur an der äussern Oberfläche geschieht, —
darbietet. Auch haben. die Conchyliologen beobachtet, dass
der Mantel des Thieres aus zwei Membranen besteht, welche,
wenn sie entfaltet sind, die ganze Schalenoberfläche bedek-
ken, indem sie in der Mitte zusammenkommen, wovon denn
als Spur ein schmaler hellerer Streif zurückbleibt. Ohne
Zweifel lagert der Mantel hier auch das Material zu diesem
Anwachsen ab, welches wahrscheinlich in Zwischenräumen
zu verschiedenen Zeiten geschieht und nur die Solidität der
Schale, wie es scheint, vermehren soll !).
1) Die auch von Lamarck getheilte Meinung, dass die Cypraeen
ihre Schale verlassen, wenn sie sich eine neue bilden, ist durch Lo-
vell Reeve nach einer Beobachtung, welche Hancock machte, da-
hin berichtigt worden, dass das Thier bei einer gewissen Grösse, wo
die Schale bereits vollständig ist, diese völlig aufzulösen vermag , so
dass es eine kurze Zeit nackt erscheint. Es erklärt sich ‘dadurch die
Thatsache, dass die Cypraeen derselben Art in sehr kleinen und in gros-
sen Exemplaren mit vollkommner Mündung erscheinen, so dass dann
kein Wachstum mehr möglich ist, (Vergl. Troschel’s Bericht über
die Leistungen in der Naturgeschichte der Mollusken während des Jahres
1845 in Wiegmann’s Archiv für Naturgeschichte. XI. Jahrgang.
5. 222 f.) N.
in ihrem krystallin. Bau u. and. mineral. Kennz. mit Kalkspath, 217
Die Flügelschnecke verdickt bei vorgerücktem Alter,
vielleicht zu der Zeit, wo das Thier überhaupt aufhört zu
wachsen, die Aussenlippe der Schalenmündung (welche oft
14 Linien in dieser Dimension erreichen kann) indem sie der
dritten Hauptlage , also an der Innenseite der Schale eine
grosse Zahl neuer Schichten von der nämlichen fleischrothen
Farbe ablagert, die, je weiter von der Mündung entfernt, desto
mehr an Dicke abnehmen.
Die zweischaligen Muscheln weichen in ihrer Textur von
der beschriebenen einigermassen ab. Als Beispiel für die-
selben hebt Bournon die Schäle von Tridacna gigas (an-
dere Arlen dieser Gattung zeigen das Nämliche) hervor. Die-
selbe besteht aus zwei Haupllagen. Die eine, aus feinen, eng-
geschlossen aneinander liegenden Blättchen bestehend, bildet
die äussere, über die folgende am Rande der Muschel etwas
hervorragende, die andere die innere Oberfläche der Schale;
letztere ist aus festem kohlensaurem Kalke, dessen Bruch und
Halbdurchsichtigkeit sie vollkommen zeigt, gebildet, und ob-
wohl völlig ungefärbt, bietet sie doch nicht das matle Schnee-
weiss der obern Lage; feine, gegen das Schloss hin zahl-
reichste Schichten setzen sie zusammen. Das Thier vergrös-
sert nämlich beim Anwachsen zuerst die äussere Lage und
lagert späler, zur Verdichtung seiner Schale, immer eine neue
feine, am Schlosse beginnende, jedoch nicht bis zum Rande
der äussern Lage und somit nicht bis zum Rande der Mu-
schel reichende Schicht ab, woraus sich also gewissermassen
das Alter der Schale bestimmen lässt ").
*) Es verdient auch hier angeführt zu werden, was L. von Buch
(Abhandl. der k., Akademie der Wissenschaften zu Berlin a. d. J. 1828-
Berlin 1831. S. 47 ff.) über den Bau der Auster sagt: „Die Auster
besitzt, wie man weiss, nicht nur eine sehr dicke Schale, sondern die
einzelnen Lamellen dieser Schale, welche das Thier von innen heraus,
uach und nach immer weiter vorgreilend, absetzt, sind auch nur sehr
locker mit einander verbunden Die innere Oberfläche der Auster ist
mit dem Schleim des Mantels überzogen und wird dadurch glänzend.
Dieser Schleim bleibt zurück und wird von einer neuen Schale bedeckt,
welches sichtbar wird, wenn man die Schale in Säuren auflöst, Der
organische Stoff löst sich nicht auf. Auch das blosse Auge bemerkt ihn
schon leicht zwischen den Lamellen. Die Austerschale besteht daher
918 Nöggerath: Die Uehervinst. der Muschelschalen u. Perlen
Andere Muscheln zeigen hingegen eine gleichmässige
Dicke vom Schlosse gegen den Rand hin, wie z.B. Arca
glyeymeris und A. anliquata, deren Schalen , wie die von
Strombus, aus drei Hauptlagen bestehen , auch von ähnlicher,
nur. gröberer Textur sind , wobei Jie Blätter gekrümmt 'er-
scheinen. Spondylus goederopus hat nur zwei Lagen, deren
eine dünn und lamellös, die gefärbte Aussenfläche, die andere
ungefärbt und compact, auch dicker, die Innenfläche der
gleichmässig dicken Muschel bildet. Bei Cardium Isocordia
zeigt sich eine äussere dickere und blältrige und eine innere
sehr feine aber compacle Lage; ausserdem haben hier die
beiden Schalen die Eigenthümlichkeit, dass sie, während ihre
Dicke von dem Schlosse nach dem Rande zu die nämliche
bleibt, in der Mitte durch die vermehrte Dicke der Lagen
verstärkt sind, welche Verstärkung auf der Bauchseite des
Thieres bedeutender erscheint.
‚ Sehr eigenthümlich ist die Schalentextur bei den Pinnen;
die Muschel besteht in ihrem grösseren Theile nur aus ei-
ner Lage, welche aber, soweit das Thier im Zustande der
Ruhe mit seinem Körper und dessen Membranen reicht, inner-
lich mit einer zweiten perlmulterarligen Lage bedeckt! ist,
Hier geschieht das Anwachsen der ersteren, indem ein neuer
Streif »arallel dem Rande der innern Perlmulterlage ange-
setzt wird, und zwar so, dass dasselbe etwas unterhalb der
zuletzt abgesetzten Zone beginnt, daher denn bis auf den
jüngsten Anwachsstreifen die äussere Lage allerdings aus
zweien, ja selbst, da oft ein solcher Streif noch: weiter unter
ältere hereinreicht, aus dreien, leicht von einander trennbaren
Lagen besteht. Diese Lagen sind, nach Bournon’s Unter-
suchung , aus feinen Fibern zusammengeselzt, welche ihrer
Oberfläche ein facellirtes , unter dem Mikroscope polygonal-
netzartiges Ansehen geben. Durch Glühen lassen sich diese
Fibern , die sonst schwierig trennbar sind, leicht von einan-
der lösen, indem die, ihre Zwischenräme, wie auch die Ober-
aus zwei Theilen, von welchen der eine der Zoologie, der andere der
Mineralogie angehört: denn der kalkige Theil ist nicht kohlensaurer
Kalk in zoologischer Form, sondern er ist wirklicher Kalkspath und da-
her nichis Organisches mehr, N.
in ‘ihrem. krystallin. Bau u. and. mineral. Kennz, mit Kalkspath, 219
fläche der Lagen überziehende Gelatine verkohlt wird; sie
erscheinen dann unter dem Mikroscope als hexaödrische,
manchmal aber auch penta- oder heptaödrische Prismen '),
die genau ineinander passen; man findet aber auch solche,
die eine pyramidale Spitze besitzen, deren Verbindung mit
den übrigen Bournon jedoch nicht aufzuklären vermochte.
Der Gehalt an thierischer Gallerte ist bei den Scha-
len von Pinna sehr bedeutend und steigt bis auf 0,05 Proc.
Dieser bedeutendere animalische Gehalt und besonders die
Art und Weise wie die Gallerte den kohlensauren Kalk um-
hüllt, ist die Ursache, dass wenn man ein Stück einer sol-
chen Lage in Säure legt, anfangs ein bedeutendes Aufbrau-
‘) Die penta- und heptaädrischen Prismen dürften doch wohl
zweifelhaft, jedenfalls krystallographisch schwer zu erklären sein. Die
Pinna nigrina habe ich selbst untersucht, und möchte ich nicht geneigt
sein, die dickere Lage derselben als aneinander schliessende prismati-
sche Krystalle anzusehen, vielmehr erkenne ich darin eine feinslänge-
lige Zusammensetzung , welches Werner eine geradfaserige Absonde-
rung genannt haben würde. Der ganze Habitus, insbesondere der starke
Glanz dieser Fasern, erinnert viel mehr an Arragonit als an Kalkspath.
Ueberhaupt ‘dürften die slängeligen oder faserigen Lagen vieler Mu-
schelschalen wohl eher ihrer ganzen Natur nach zu dem Arragonit als
zu dem Kalkspath gehören. Dadurch wird aber keineswegs die Bour-
non’sche Beobachtung, dass die blättrigen Lagen der Muschelschalen die
Theilbarkeit des Kalkspaths besitzen und wirklich Kalkspath sind, ir-
gend beeinträchtigt. Necker glaubt nach dem Aufsatze, welcher in
der ersten Note der gegenwärtigen Abhandlung citirt ist, dass die Mu-
schelschalen vorzüglich aus Arragonit beständen , er schliesst dieses
namentlich aus der etwas grösseren Härte jener Schalen gegen diejenige
des Kalkspaths. Nach seinen Beobachtungen ist aber in der Härte der
Schalen vieler von ilım genannten Muscheln eine wesentliche Verschie-
denheit vorhanden. Er nennt mehrere Conchylien, welche dem Kalk-
spatlı nur sehr schwach, andere, die ihn stark , und noch andere, die
ihn schr stark ritzen sollen. Er erkennt aber selbst, dass von den
beiden Schichten , aus welchen gewisse Muscheln bestehen, wie z. B.
Anodonta, Unio u. s. w., die eine Schicht Kalkspath, die andere Arra-
gonit sein dürfte. Dieser Ansicht möchte auch ich nach meinen eige-
nen angestellten Beobachtungen huldigen. Es ist allerdings sehr merk-
würdig, dass der kohlensaure Kalk in den beiden dimorphischen For-
men des Kalkspatlıs und des Arragonits zusammen in den Muschelscha-
len vorkommt, ein Fall, der bei Mineralien von gleichzeitiger Bildung
kaum eintreten dürfte, N.
220 Nöggerath: Die Vebereinst. der Muschelschalen und Perlen
sen entsteht, das sich aber bald mindert und endlich ganz
aufhört, wobei ein unlöslicher Rest zurückbleibt. Dieser
enthält jedoch noch eine nicht geringe Menge kohlensau-
ren Kalks, wovon man sich durch das lebhafte Aufbrausen,
welches die Kohle dieses Restes von Neuem in Säure gelegt,
verursacht, überzeugt. Dabei trennt sich dann die verkohlte
Gallerte und schlägt sich endlich nieder.
Bringt man die nicht perlenmutterarlige Lage der Pinna,
nachdem man sie der Rothglühhitze unterworfen, in Schwe-
fel- oder Salpetersäure, so entwickelt sich während des Auf-
brausens ein starker Geslank, wie etwa der des Kalzenurins,
welchen die Gegenwart eines Hydrosulfurats anzudeuten
scheint und auffallende Aehnlichkeit mit demjenigen hat, der
sich von geriebenem Stinkkalke entwickelt. Ebenso verhält
es sich mit den nicht perlmutterartigen Schalentheilen der
Mytilusarten , welche auch ihrer Textur nach mit ähnlichen
der Pinna übereinstimmen ; wenigstens zeigten Mylilus mar-
garitiferus und M. hirundo diese Verhältnisse. Vielleicht,
meint Bournon, habe man derartigen Conchylien ihrer Zer-
setzung und der Bituminisation ihrer Schalen, oder ihnen
ähnlicher Meereskörper die Ursache des üblen Geruchs bei
dem Stinkkalke zuzuschreiben.
DiePerlmutter, welche so häufig in verschiedener Dicke
die innere Lage vieler Muscheln bildet, ist graulich weiss von
Farbe und wirft an ihrer Oberfläche die Lichtstrahlen, blen-
dend weiss, oft regenbogenfarbig schillernd zurück; daher der
Perlmutterglanz. Dabei scheint sie in dünnen Stücken schön
durch; von etwas geringerer Härte, wie specifischer Schwere,
als der nicht perlmutterglänzende Kalk der Muschelschalen,
niemals phosphoreseirend steht sie dem gewöhnlichen Kalk-
spalhe näher als jener. Sie ist aus einer ausserordentlichen
Zahl sehr feiner Schichten gebildet, welche oft erst nach
dem Glühen erkennbar sind; dann erscheint der Bruch dicht.
Manchmal kann man sie durch einen Schlag mit dem Ham-
mer oder durch ein schneidendes Instrument trennen; die
Oberflächen zeigen dann den nämlichen Perlmutterglanz. Ein
senkrechter Schlag mit dem Hammer auf ein elwas dickeres
Stück erzeugt meist eine auf die Fläche der Schichten zwar
nicht durchaus regelmässig, aber doch zum Theil in einem
in’ ihrem krystallin. Bau u. and. mineral. Kennz, mit Kalkspath. 221
Winkel von 135° geneigt stehende Spaltungsfläche, welche
nicht alle Schichten in der nämlichen Ebene trennt, woher
denn ein solcher Bruch oftstreppenförmig erscheint. Oft ist
der Winkel aber nicht genau derselbe, vielleicht wegen des
grossen Gehalts der Perlmulter an Gelatine.
Geglüht verbreitet die Perlmulter einen sehr starken Ge-
ruch nach verbranntem Horne und nimmt eine aschgraue
Farbe an, behält jedoch stets den Perlmutterglanz, woraus zu
erhellen scheint, dass letzterer gänzlich unabhängig von je-
der Art von Beimischung ‚thierischer Substanz besteht und
allein der Textur angehört. Der Gewichtsverlust nach dem
Glühen beträgt regelmässig %o0 Dis "oo, Das nämliche Re-
sullat ergiebt auch die Lösung in verdünnter Säure, die übri-
gens leichter nach dem Glühen ‚erfolgt, wodurch die sehr
fein zwischen dem Kalke vertheilte organische Materie ent-
fernt und somit der Säure ein leichterer Zugang verschafft
wird. Die sehr brillanten und mannigfaltigen Farben, wel-
che manchmal die Perlmulter ausser ihrem eigenthümlichen
Glanze zeigt, entstehen aus einer eigenthümlichen Moldilica-
tion des Lichtreflexes. Bournon fand nämlich bei den be-
treffenden Schalen zwischen den nicht perlmutterarligen La-
gen und der Perlmutterschicht und häufig noch zwischen den
einzelnen Schichten der letzteren eine Zwischenlage reiner
Gelatine, welcher er einen wesentlichen Antheil an der Ent-
stehung jener lebhaften Farben zuschreibt, namentlich wenn sich
durch das Alter die thierische Gallerte in eine bituminöse Sub-
stanz umgewandelt, und daher eine ins Schwärzliche gehende
Farbe angenommen hat. Sehr auffallend ist diese Erschei-
nung bei Haliotis midas. Ohne Zweifel, so meint Bournon,
beruhe auf der nämlichen Ursache auch der Umstand, dass
Muscheln der Art, wenn sie lange in der Erde oder in Ge-
sleinen eingeschlossen lagen, eine auffallende Intensität der
Farben der Perlmutterlage zeigen.
Indem nun einerseits die Perlmutter bei vielen Conchy-
lien aus fest aufeinanderliegenden dünnen Schichten beste-
hend, eine grosse Aehnlichkeit mit dem Schieferspathe zeigt,
findet sich dieselbe bei andern Conchylien, z.B. bei Anomia
ephippium, in lockern Schichten, die sich auffallend leicht von
einander trennen und zwischen den Fingern zu einem feinen
292 Nöggerath: Die Uebereinst. der Muschelschalen u. Perlen
glänzenden Pulver zerreiben lassen, abgeselzt ‘und gleicht
somit der Werner’schen Schaumerde, und kann, wie der
Glimmer , zum Trocknen der Dinte angewandt werden.
Bei einigen Muscheln besteht die ganze Schale aus Perl-
mutter (z. B. bei Anomia Cepa u, a., wo sie ausserdem einen
weit geringeren Glanz zeigt); bei andern bildet letztere, wie
wir schon oben sahen, nur eine innere Lage der ersteren.
Die Perlen, sowohl die, welche aus einem glanzlosen,
als die, welche aus einem perlmulterarligen Kalke bestehen,
verdanken ihren Ursprung einem krankhaften Ueberschusse
von kohlensaurem Kalke, sind somit krankhafte Ablagerungen,
die sich auch, wenn sie innerhalb des Thierkörpers auflreten,
zwischen den Blättern des kalkabsondernden Organes, des
Mantels nämlich , finden und haben meist, wie die analogen
Erbsensteine, im Innern einen Kern, um welchen sich in fei-
nen concentrischen Lagen der kohlensaure Kalk abgelagert
hat. Oft besteht derselbe auch aus kohlensaurem Kalke; oft
fällt er beim Durchschlagen von selbst heraus, und hinter-
lässt nur eine kleine Höhlung. Der Ueberfluss an kohlen-
saurem Kalke, den das Thier aufgelöst besitzt, veranlasst zu-
weilen so bedeutende und so viele Ablagerungen , dass die
Schale nicht geschlossen werden kann. Auch diese umhüllen
sehr häufig mehr oder weniger beträchtliche Partieen des
Mantels, die mit dem Thiere dann nur noch durch ein oder
mehrere kleine Anhänge zusammenhangen; es sind irreguläre
tuberkulöse Massen, an welchen man die verschiedenen Punkte,
durch welche sie mit dem Mantel verbunden waren, erkennt.
Beim Durchschlagen fand sich im Innern slets eine schwam-
mige animalische Materie, die bereits bituminös geworden.
Die Ablagerung findet ebenfalls an der äussern Oberfläche
des Thieres Statt und zwar gewöhnlich an den Wänden der
Schale, häufig um etwaige Rauhigkeiten oder fremde Körper
an derselben. Alle Zweischaler sind dieser ‚Krankheit un-
terworfen ; die aber, bei welchen sich die eigentlichen, perl-
mutterglänzenden Perlen finden, gehören nur zu denjenigen,
deren Schale ganz oder zum Theil aus Perlmutter besteht,
wie bei den Arten von Mytilus, Avicula und andern.
Die nieht perlmutterartigen kugligen Bildungen finden
sich nicht allein bei zweischaligen Muscheln, die gar ‚keine
‚in ihrem 'krystallin. Bau u. aud. mineral. Kennz. mitKalkspath. 223
‚Perlmutterschicht zeigen (z. B. bei Tridacna gigas, wo sie oft
sehr gross vorkommen), sondern auch bei solchen, bei wel-
chen letzteres der Fall ist. Häufig sind sie matt weiss, manch-
mal rosenrolh, gelb, braun oder grau gefärbt, mit glänzen-
der aber nicht farbenspielender Oberfläche, und ohne in dem
Grade halb durchsichtig zu sein, heilen sie die Eigenschaften
des "gemeinen kohlensauren Kalks der Muscheln und besitzen,
wie dieser, nur eine sehr geringe Menge Gelatine. Manch-
mal ist ihre Textur zugleich eine concentrisch schalige und
eine strahlige.
Die eigentlichen Perlen, je kleiner desto schöner
meist, sind vollkommen der besprochenen Perlmutter analog;
ihr Kern, welchen die concentrischen, dünnen Schichten um-
schliessen, besteht manchmal aus nicht farbenspielendem, koh-
lensauren Kalke, manchmal aus einem Quarzkörnchen, manch-
mal aus animalischer Materie; ihre Grösse variirt zwischen
der eines Mohnsamens und der eines Eies. Diese kugligen
Bildungen von mehr oder weniger sphärischer Form, oft mit
unregelmässiger, knolliger, und dann ‚meist weniger schöner
Oberfläche, haben eine weissgrauliche Farbe, mit dem be-
kannten Perlmutterglanze und sind halb durchsichtig; die-
ses lelztere um so mehr, je geringer ihr Volumen ist. Das
specifische Gewicht, die Härte, das Verhalten gegen Säuren,
die übrigen Eigenschailen der eigentlichen Perlen stimmen
durchaus mit denen des perlmutlerarligen Kalkspaths der Mu-
scheln überhaupt überein, und unlerscheiden sich somit von
dem Schieferspathe nur durch den geringen Gehalt an Gelatine,
Somit bildet der Kalk die Muschelschalen, als das freie
Product der Krystallisalion aus einer von dem Thiere gebil-
deten und abgesonderten Flüssigkeit, — eine eigene, vun dem
gemeinen Kalkspathe nur durch eine geringe Quanlilät zwi-
schengelagerler Gallerte verschiedene Varietät des im Mine-
ralreiche so ungemein verbreiteten kohlensauren Kalkes, und
indem Bournon erörtert, wie allerdings zwar das Thier die
primäre Veranlassung für das Dasein dieser Varietät des
Kalkspalhes sei, indem es seiner Willkühr anheim gegeben,
denselben abzusondern oder nicht, so meint er, da doch,
wenn diese Absonderung einmal erfolgt, der Kalk der Kry-
stallisalion, einem rein anorganischen Akte, überlassen, nach
224 Nöggerath: Die Uebereinst. der Muschelschalen u. Perlen etc.
den Gesetzen derselben die Muschelschale bilde, diese letz-
tere der Mineralogie vindiciren zu müssen. Die Bildung der
Knochen sei hiermit durchaus nicht zu vergleichen, da die-
selben eine Organisation, jene nur eine Textur, diese einen
bedeutenden Gehalt an thierischer Gallerte, eigene Ernäh-
rungsgefässe besitzen, und da von einem Akte der Krystalli-
salion bei ihnen durchaus Nichts bemerkt werden kann; zu-
mal aber hier Resorption und Wiederersatz durch die Ernäh-
rung den ganzen Prozess wesentlich von jenem unterscheide.
Sollte nicht, meint er, da exacte Benennungen in den Natur-
wissenschaften von so wesentlichem Einfluss seien, für diese
Vereinung des Thierreichs mit dem Mineralreiche in den Thie-
ren und Schalen der Conchylien die Einführung einer vierten
Abtheilung unter dem Namen eines minero-animalischen
Reiches zum Nutzen der Wissenschaft gereichen? ')
t) Dass bei dem heutigen Stande der Wissenschaft auf diese
Schluss - Bemerkungen unseres Verlassers kein Werth gelegt werden
kann , bedarf wohl keiner nähern Erörterung. Das Wesen der Dinge
zu kennen ist das Bedeutende; dagegen sind Eintheilungen, wie das
von Bournon’sche minero-animalische Reich, Spitzlindigkeiten, de-
ren Durchführung eben so wenig ausführbar ist, als dadurch der Wis-
senschaft irgend ein Nutzen gewährt werden kann. N.
Veber die Wundtheile einiger Heliceen.
Vom
Herrnusgeben
(Hierzu Taf. IV.)
Seit dem Jahre 1836, wo ich in diesem Archive die
Mundtheile einiger einheimischer Schnecken beschrieben habe,
habe ich manche Gelegenheiten gehabt, diese Untersuchungen
fortzuselzen, und sie auf eine gute Zahl ausländischer Arten
auszudehnen. Ich bin durch dieselben in meiner Ansicht,
diese Organe eignen sich vorzugsweise wegen ihrer festen
und constanten Form zu Charakteren für die systematische
Stellung, nur gestärkt worden, und zu meiner grossen Freude
haben auch Andere, namentlich Loven ') dieselbe Meinung
ausgesprochen.
Früher entstand mir dadurch eine grosse Schwierigkeit
oder doch Hemmung, dass jedesmal die untersuchten Gegen-
stände sogleich gezeichnet werden mussten, weil ich kein
Mittel kannte, diese kleinen Objecte aufzubewahren. Seit meh-
reren Jahren habe ich jedoch von Dr. Oschatz in Berlin
eine Methode erlernt, sie auf eine höchst vortheilhafte Weise
zu erhalten, und bin so im Stande gewesen, mir eine ziemliche
Sammlung zusammen zu bringen, aus der ich jedes Stück nur
unter das Mikroskop zu legen brauche, um alles zu sehen
was überhaupt an ihnen zu sehen ist. Die Kiefer sowohl als
die sogenannten Zungen erhalten sich vortreffiich, wenn man
sie mittelst eines schnell trocknenden Kittes luftdicht zwischen
») Oelversigt of kongl. vetenskaps - Academiens Förhandlingar 1847.
p- 175 fg.
Archiv f, Naturgesch, XV. Jahrg. 1. Bd. 15
996 Troschel:
zwei Glasplatten einschliesst. Zu der Flüssigkeit, in der sie
liegen, habe ich früher Zuckerwasser, später sehr verdünnten
Weingeist, etwa 10 Theile Weingeist auf 90 Theile Wasser,
benutzt, und beides vollkommen bewährt gefunden. Ich be-
sitze Präparate, die sich seit fünf Jahren nicht verändert haben.
Die Zungen der zwittrigen Lungenschnecken stimmen
alle darin überein, dass sie eine Membran bilden, die etwas
länger als breit ist, auf der zahlreiche Zähne stehn, die in
regelmässige Längs- und Querreihen geordnet sind. In je-
der Längsreihe sind die Zähne von vorn nach hinten von glei-
cher Gestalt, jedoch so dass die hinteren noch nicht gehörig
entwickelt, die vorderen oft schon abgestutzt sind. In einer
Querreihe lässt sich immer ein mittlerer Zahn unterscheiden,
an den sich jederseits eine Reihe von Zähnen anschliesst,
die gewöhnlich nach aussen zu an Grösse abnehmen, und
ihre Gestalt mehr oder weniger verändern. — Ein Oberkie-
fer ist gewöhnlich vorhanden.
Wenn schon die Gestalt der Schalen darauf hinweist,
dass unter der grossen Zahl von Heliceen viele Gatlungen
unterschieden werden müssen, so thun dies noch mehr die
Mundtheile, wie dies aus dem Folgenden hervorgehen wird.
Es sind nun zwar schon viele Versuche gemacht, solche Gat-
lungen aufzustellen, aber nicht überall mit Glück. Wenn
auch manche Galtungen, wie Cylindrella, Streptaxis, Clausilia,
wegen der Eigenthümlichkeit ihrer Schalen leicht haben cha-
rakterisirt und begrenzt werden können, so sind andere, wie
namentlich Helix, Bulimus, Achatina durchaus nicht den An-
forderungen der Wissenschaft genügend. Ich glaube, der
Grund liegt darin, dass diese Gatlungen zu weit gefasst wor-
den sind, und man wird sich entschliessen müssen, eine grosse
Anzahl von Gallungen anzuerkennen. Dass es eine grosse
Schwierigkeit hat, diese Gattungen zu erkennen und zu be-
gründen, erkenne ich gern an, und werde auch jetzt nicht
den Versuch machen, solches zu thun. Dies würde nur ein
vergeblicher Versuch mehr sein. Ich bin zwar der Meinung,
dass man die gewünschten Gattungen an den Schalen wird
erkennen können, und dass man zum Trost für die Conchy-
liologen diese Anforderung machen muss, aber man wird die
Schalencharaktere erst mit Sicherheit herausfinden, wenn die
Ueber die Mundtheile einiger Heliceen. 997
Anatomie durch ihre entscheidenden Merkmale uns wird be-
lehrt haben, was denn eigentlich zusammengehört, was zu
irennen ist. Der Weg aus der Betrachtung der Schalen die
anatomisch ähnlich gebauten Schnecken zusammen zu brin-
gen, hat noch zu keinem glücklichen Resultat, wenigstens
nicht überall geführt. So wird man sich dazu bequemen müs-
sen, den umgekehrten Weg einzuschlagen.
Ich glaube zu diesem Zweck einen kleinen Beitrag zu
liefern, wenn ich die Mundtheile einiger Heliceen im Folgen-
den beschreibe und abbilde.
1. Bulimus haemastomusScop.
Diese grosse südamerikanische Art darf man wohl als
eine typische Art der Gattung Bulimus bezeichnen, und wenn
man bei einer Zerspaltung dieser Gallung überhaupt einer
Abtheilung den Namen Bulimus erhalten wollte, dann müssle
man ihn dieser und den verwandten Arten lassen. Das Thier
ist eigenthümlich wegen der Fortsätze an den Seiten des
Mundes, die d’Orbigny ') abbildet. Ich habe Gelegenheit
gehabt, die Mundtheile zu untersuchen, und habe darüber
schon eine Noliz veröffentlicht 2).
Der Oberkiefer (Fig. 1. a.) besteht aus einem einzigen
Stück, wie es bei den Pulmonaten gewöhnlich ist, er liegt
quer über der Mundspalle, ist schwach mondförmig gebogen,
hat einen unteren elwas concaven und einen oberen conve-
xen Rand. Ein mittlerer Vorsprung oder eine Ausschweilung
der Mille ist an dem eoncaven Rande nicht vorhanden. . Auf
seiner äusseren, freien Fläche trägt dieser Kiefer neun ziem-
lich schrofl! hervortretende Leisten, die jedoch schmal sind,
und daher verhältnissmässig weite Zwischenräume zwischen
sich lassen. In ihrem Verlaufe sind sie ziemlich parallel, und
springen am concaven Rande als neun beträchtliche Zähne vor.
Die Zungenzähne stellen gerade, auf der Längslinie senk-
recht stehende Querreihen dar, und haben alle eine fast glei-
che Grösse, Leider kann ich über die Beschaffenheit des
») Voyage dans l’Amer. mer, Mollusques p. 297. pl. 37. fig. 1.2.
?) Rich. Schomburgk Reisen in Britisch Guiana 11I. p. 546.
228 Äroschel:
mittleren Zahns nichts angeben. Fig. 1. b, stellt einige Zähne
in natürlicher Lage von oben gesehen dar. In Fig. 1. d. ist
ein Zahn noch stärker vergrössert, ebenfalls von oben gese-
hen abgebildet; in Fig. 1. c erblickt man ihn von der Seite.
Ein solcher Zahn bildet eine Platte, die der Zungenmembran
flach aufliegt, vorn gerade abgestutzt ist, sich bis gegen die
Mitte zu ein wenig verbreitert, nun sich wieder verschmälert
und am hintern Ende abrundet. Vom vorderen Rande aus
wird der Zahn bis zur Mitte, wo er am breitesten ist, allmäh-
lich dicker oder höher, wie es Fig. 1. c deutlich macht, steigt
dann noch steiler an, bis er gegen das dritte Viertel seiner
Länge seine grösste Höhe erlangt hat, und fällt dann nach
hinten steiler ab, doch so, dass dieser Abhang zwei gleich
grosse flache Einbiegungen macht. Dieser eben beschriebene
Theil des Zahnes oder der Platte ist gleichsam die Basis,
welche den eigentlichen Zahn trägt, der mit seinem Grunde
auf der oberen Einbiegung des hinteren Abhanges steht, und
mit seiner Spilze stark nach hinten gebogen ist. Die nach
hinten liegende concave Seite des Zahns bildet mit der un-
teren Einbiegung des hintern Abhanges fast einen Halbkreis.
Die Spitze des Zahns reicht wenig über den hintern Basal-
rand der ganzen Zahnplatte.
2%. Bulimus gallina sultana Lam.
Auch von dieser grossen, schönen Art habe ich schon
eine kurze Angabe über die Mundtheile gemacht '), sie wei-
chen namentlich in Beziehung auf den Kiefer bedeutend ab.
Am angeführten Orte habe ich bereits erwähnt, dass ich der
Pfeiffer'schen Ansicht, als gehöre diese Art zur Gattung
Succinea ?), oder doch in die Nähe derselben ®), nicht bei-
treten kann, da die Mundtheile, Kiefer sowohl als Zunge, dem
widersprechen; vielmehr bin ich der Ansicht, dass sie den Typus
einer eignen Gattung bilden müsse, der schon von Beck")
) Richard Schomburgk Reisen ete. 1II, p. 547.
?) Pfeiffer sumbolae II. pag. 7.
3) Pfeifer Monographia Heliceorum viventium II. p. 146. Obs,
%) Index Molluscorum Musei Prineipis Christiani Frederici p. 59,
Veber die Mundtheile einiger Heliceen. 590
der Name Orthalicus gegeben worden ist, ohne dieselbe zu
charakterisiren. Ob alle dort zur Gattung Orthalicus gezähl-
ten Arten dahin gehören, mag dahin gestellt bleiben.
Der Kiefer (Fig. 2. a) hat eine halbmondförmige Gestalt
mit spitzen Hörnern, und ohne Vorsprung am concaven Rande.
Als ich ihn mit einer Pincelte von dem Körper des Thieres
entfernen wollte, wunderte ich mich, dass er in einzelne
Stücke zerbrach, die jedoch in ziemlich regelmässiger Weise
geordnet waren. Es fand sich, dass dieser Kiefer gar nicht
‘aus einem einzigen Hornstück bestand, sondern aus mehre-
ren, lose nebeneinander liegenden, an den Rändern ein
wenig übergreifenden Stücken. Das Mittelstück hat eine
fast dreieckige Gestalt, mit nach dem concaven Rande ge-
wandler Spitze. An dieses legen sich jederseits 7 bis 8
schmale Hornstücke an, die nach den Spitzen des Kiefers zu
kürzer werden, sich in unregelmässig wellenförmigen Linien
berühren, alle zur Bildung des convexen und concaven Ran-
des beitragen, und also schrägen Bändern gleichen. Die letz-
ten oder äussersien Stücke sind die kleinsten und haben eine
dreieckige Gestalt. Leisten treten auf der Oberfläche des
Kiefers nicht hervor, doch ist seine Oberfläche schwach senk-
recht gestreift. Seine Farbe ist braun.
Die Zähne der Zunge sind an Grösse unter einander
wenig verschieden. Sie bilden schräge Querreihen, die in
der Mitte zu stumpfen nach vorn convexen Winkeln zusam-
menslossen. Fig. 2. b stellt einige Zähne aus zwei hinter-
einander folgenden Reihen der linken Seite dar. Jeder Zahn
hat eine längliche, vorn abgestutzte,, hinten schwach abge-
rundete Basis, die auf der Membran aufliegt und überall fast
gleich breit ist. Am vordern Rande hat sie einen scharfen
Rand, wird dann allmählich dicker bis ‘zur Mitte; da erhebt
sie sich in einen elwas nach hinten geneigten Vorsprung,
der jedoch auch überall dieselbe Breite behält, wie die Ba-
sis, und an seinem Gipfel eine ziemlich scharfe, stumpf ab-
gerundete Schneide bildet. Von dem hintern Grunde dieses
Vorsprunges fällt die Basis zum Hinterrande wieder allmäh-
lich ab. In Fig. 2. d ist ein solcher Zungenzahn von oben
gesehen dargestellt, in Fig, 2, c sieht man ihn von der Seite,
930 Troschel:
3. Bulimus lita Fer.
Diese Art wird von Beck ') in die Gattung Bulimulus
gesetzt. Auch die Beschaffenheit der Mundtheile, die ich, wie
die der beiden vorigen Arten, an Exemplaren von Richard
Schomburgk habe untersuchen können, und von denen ich
auch schon 2) eine kurze Erwähnung gethan habe, spricht
für generische Verschiedenheit.
Der Kiefer (Fig. 3. a) ist kaum mondförmig zu nennen,
denn sein freier Rand, gegen den die Zunge wirkt, ist sehr
wenig concav, fast geradlinig, und hat keinen mittleren Vor-
sprung. Mehr convex ist der obere Rand, so dass der Kie-
fer in der Mitte viel höher ist, als an den beiden stumpfen
Enden. Auch dieser Kiefer besteht nicht aus einem einzigen
Hornstück, sondern ist aus schmalen, fast senkrecht liegen-
den, völlig glatten Hornstreifen zusammengesetzt, die glalle
Seitenränder haben und in der Milte dicker, als an den Sei-
ten, also gewölbt zu sein scheinen. Die Querlinien auf der
Zeichnung sollen nur die Wölbung, nicht eine Streifung an-
deuten. Es lässt sich deutlich ein mittlerer Streifen unter-
scheiden, der etwas kürzer als seine Nachbarn ist, und also
am concaven Rande einen kleinen Einschnitt bewirkt. Auf
ihn folgen jederseils 15 Streifen, die so aneinander gefügt
sind, dass jeder mit seinem Aussenraude ein wenig über den
Innenrand seines nach aussen folgenden Nachbars übergreift.
Der concave Rand ‘des Kiefers zeigt so viele Einkerbungen,
wie Zwischenräume zwischen den Platten vorhanden sind.
Dies entsteht dadurch, dass jede Platte am freien Rande ge-
radlinig aber ein wenig schräg abgestutzt ist.
An der Zunge lässt sich in jeder Querreihe deutlich
eine mittlere Platte unterscheiden, die an ihrer Schneide nur
einen nach hinten gerichteten stumpfen Zahn trägt. Bei den
übrigen treten zu diesem stumpfen Zahn noch einige benach-
barte hinzu. Jede Platte hat wiederum eine Basis, die vorn
abgerundet aber scharf ist, sich nach hinten verdickt, wie es
1) L. c. p. 64.
2) L. c. p. 547.
Veber die Mundtheile einiger Heliceen, 931
aus Fig. 3.c am besten deutlich werden wird, die eine Zahn-
platte von der Seite darstellt. Von oben gesehen (Fig. 3. d)
ist die Basis hinten schräg abgeslutzt, und erscheint äusserst
fein erenulirt. Von dem vorderen Rande an erhebt sich die
Basis allmählig in einen Vorsprung, der über den hinteren
Rand der Basis hinausragt und eine scharfe Scheide bildet.
Diese Schneide ist es eben, welche die schon oben erwähn-
ten Zähne trägt. An der Mittelplatte ist es, wie bemerkt,
nur ein stumpfer Zahn; die zunächst der mittleren stehenden
ragen jederseils neben dem stumpfen Zahn noch einen spil-
zen, von denen der innere eben so lang als der stumpfe,
(ler äussere jedoch kürzer ist. Noch weiter entfernt von der
mittleren Längsreihe gesellt sich noch nach aussen ein klei-
nes Zähnchen hinzu, gegen den äusseren Rand der Zunge
ein noch kleineres, so dass deutlich an den äusseren Plalten
fünf Zähne wahrgenommen werden können. Fig. 3. b stellt
zwei Reihen solcher Platten dar, wie sie gegen den Rand
hin vorkommen.
4% Bulimus cinnamomeo-lineatus Moric.
In der Sammlung, welche durch Richard Schom-
burgk dem Berliner Museum zugekommen ist, befindet sich
auch diese Art in Weingeist. Ueber die Mundtheile befindet
sich in dem mehrfach erwähnten Werke ') bereits eine kurze
Beschreibung. Ich führe sie hier weiter aus.
Der Kiefer umgiebt die senkrechte Mundspalte fast ganz,
indem er so stark gebogen ist, dass seine Seitentheile sich
unten fast berühren. In der Abbildung (Fig. 4 a) ist dies nicht
richtig dargestellt; hier sind die Seitentheile von einander
entfernt, der Kiefer gestreckt, wodurch denn am convexen
Rande die mittlere Einbiegung, am concaven Rande die Tren-
nung einzelner Platten von einander entstanden ist. Durch
ein geringes Pressen zwischen zwei Glasplatten hat der Kie-
fer an meinem Präparat ein solches Ansehen erhalten, und
danach hat der Künstler die Abbildung angeferligt. Achnlich.
dem der vorigen Art besteht auch dieser Kiefer aus lose ne=
ben einander liegenden Hornstreifen, die sich so neben ein-
') Rich Schomburgk 1. c. p. 546.
933 Troschel:
ander legen, dass ihr äusserer Rand sich immer ein wenig
über den innern Rand des nächstfolgenden Streifens über-
legt, und dass sie mit dem einen Ende den convexen, mit
dem andern Ende den concaven Rand des Kiefers bilden.
Der ganze Kiefer ist dünn, zart und durchsichtig, und so
fest an die Muskeln angewachsen , dass er sich bei seiner
Kleinheit und Hinfälligkeit nicht ganz von denselben trennen
liess. Die einzelnen Streifen sind völlig glatt, scheinen aber
nach dem concaven Rande zu plötzlich viel dünner zu wer-
den, so dass sie hier durchsichtiger und heller erscheinen,
was auch auf der Abbildung ausgedrückt ist. Die Linien sol-
len aber nicht etwa eine Streifung ausdrücken. Die Zahl der
Hornstreifen beträgt 31, indem sich jederseits an den schma-
len Mittelstreifen 15 anlehnen.
Von der Zunge sind (Fig. 4. b) zwei auf einander fol-
gende Querreihen dargestellt, wobei ich jedoch bemerke, dass
sich jederseits noch einige sehr kleine Zahnplatten (bis 20)
anschliessen, die schwer zu erkennen und weniger scharf be-
grenzt sind. Die Mittelplatte zeichnet sich vor den übrigen
sehr aus; sie hat zwei fast parallele Seitenränder, ist hinten
gerade abgestutzt; vorn verdickt sie sich zu einer rhombi-
schen Masse, die höchstens den dritten Theil der Länge der
ganzen Platte erreicht und einen Zahn bildet, der nach hin-
ten nur eine Spilze hat. Die übrigen Zahnplatten sind län-
ger als breit und haben die Gestalt eines Rechtecks. Etwa
in der Mitte ihrer Länge trennt sich von der Basis eine Platte,
wie es am deutlichsten durch Fig. 4. c werden wird, die eine
solche Platte im Profil zeigt. Diese Platte liegt fast horizon-
tal über dem vordern Ende der Basis, bildet mit ihr einen
sehr spitzen Winkel, reicht eben so weit nach vorn, wie die
darunter liegende Basis, wendet sich über deren vorderem
Rande um, so dass der noch übrige, nicht unbelrächtliche
Theil wieder fast horizontal liegt und nach hinten, etwa auf
zwei Drittel der Länge der ganzen Zahnplatte in einem freien
Rande endet. Wie die Grösse der einzelnen Zahnplatten in
jeder Querreihe von der Mitte nach dem Rande zu allmählich
abnimmt, so verändert sich auch die Bildung des freien Hin-
terrandes. Bei den ersten sechs Zahnplatten neben der Mitte
ist der freie Rand durch eine Einkerbung in zwei Zähne ge-
Veber die Mundtheile einiger Heliceen. 933
theilt, von denen der innere grösser und stumpfer ist, als
der äussere. Fig. 4. d stellt eine solche Platte von oben ge-
sehen dar. Von der siebenten Platte an kommt noch eine
Einkerbung hinzu , so dass neben dem Hauptzahn nach aus-
sen zwei kleinere Zähne stehn, von denen immer der äus-
sere der kleinste ist. Gegen den Rand zu nimmt die Zahl
der Nebenzähnchen noch mehr zu, dieselben werden aber
wegen ihrer Kleinheit undeutlich.
5. Bulimus (Bostryx) solutus Trosch.
Herr Dr. v. Tschudi hat mir eine Zahl kleiner perua-
nischer Schnecken zur Beschreibung übergeben, die ich nicht
nur für neu, sondern auch für generisch von den übrigen
Bulimus-Arten verschieden hielt. In diesem Sinne habe ich
sie bereits vor zwei Jahren beschrieben '). Auf ihre Cha-
raktere brauche ich daher nicht mehr zurückzukommen. Wie
schon a. a. O. bemerkt ist, standen mir nur eingetrocknele
Exemplare zu Gebote, deren eins ich aufweichte, um wo
möglich noch die Mundtheile zu finden.
Einen Kiefer konnte ich nicht entdecken, kann aber dar-
aus noch nicht auf seine völlige Abwesenheit schliessen.
Die Zunge habe ich vollständig erkannt, und besitze
sie als ein gutes Präparat: Von ihr ist in Fig. 5. a eine voll-
ständige Querreihe abgebildet. Es ist eine mittlere Zahn-
platte zu unterscheiden, an welche sich jederseits 13 Zahn-
platten anschliessen, so dass die Zunge 27 Längsreihen trägt.
Fig.5.b zeigt eine Zahnplalte von der Seite. Sie hat eine
dicke, kräftige Basis, die vorn und hinten in eine wenig
scharfe Schneide ausgeht. Ihre untere Fläche ist von vorn
nach hinten etwas gewölbt; ihre obere Fläche erhebt sich
von dem vordern Rande an zu einem nach hinten gerichte-
ten kräftigen Vorsprung , dessen hinterer Rand etwa über
der Mitte der ganzen Zahnplatte liegt. Von oben gesehen
(Fig, 5.) verschmälert sich der Zahnvorsprung nach hinten
elwas und sein hinterer Rand ist an den elf oder dreizehn
mittleren Platten einfach abgerundet. An den übrigen ist der
*) Menke und Pfeiffer Zeitschrift für Malacozoologie, Vierter
Jahrgang 1847. April p. 49.
934 Troschel:
hintere Rand mit einer Einkerbung versehen, so dass er in
zwei Zähne ausläuft, von denen der äussere dem inneren an
Grösse bedeutend nachsteht. Die Zahnplalten einer Querreihe
sind so gestellt, dass sie einen sehr stumpfen, nach vorn con-
caven Winkel bilden. Weiter nach aussen wenden sich die
Schenkel eines solchen Winkels wieder ein wenig nach hinten.
6. Nanina retrorsa (Helix retrorsa Gould).
In einer kleinen Sammlung von Thieren in Weingeist,
die der Dr. Theodor Philippi während seines Aufenthal-
tes in Mergui eingesammelt und dem zoologischen Museum
in Berlin überlassen hat, befinden sich auch zwei Schnecken
mit dem Thiere in Weingeist, die sich sehr leicht als Helix
retrorsa Gould und Helix resplendens Phil. nach Pfeifler's
Monographia Heliceorum viventium et. I. p. 76 und p. 56 si-
cher bestimmen liessen. Ich habe beide noch vor meinem
Abgange von dem Berliner Museum, soweit es sich, ohne
die Exemplare zu zerstören, thun liess, untersucht. Sie ge-
hören beide unzweifelhaft der von Gray aufgestellten Gat-
tung Nanina an. Das hervorstechende und entscheidende
Merkmal ist der kurze kegelförmige Fortsatz hinten auf dem
Rücken des Fusses; dieser ist bei beiden Arten sehr deutlich
vorhanden. Er ist allerdings conisch, doch endet er nicht
spitz, vielmehr trägt er am Ende eine kleine Vertiefung, und
es ist gewiss ein Schleimporus, wie er auch sonst wohl z.B.
bei Arion vorkommt, wo er nur nicht zu einer conischen
Hervorragung ausgebildet ist. Somit halte ich die Gattung
Nanina für eine wohlbegründete, die es verdient, erhalten zu
werden, und von der es sehr wünschenswerth wäre, solche
Charaktere kennen zu lernen, die auch eine sichere Bestim-
mung der Schalen möglich machen. In diesem Punkte ver-
mag ich keine Aufklärung zu geben. Auf den hinten abge-
stutzten Fuss, den Gray unter die Galtungscharaktere auf-
genommen hat, darf man keinen zu hohen Werth legen, die-
ser ist eigentlich hinten mehr abgerundet,
Bei meiner Neigung, den Schnecken in den Mund zu
schen, habe ich mich nicht enthalten können, wenigstens die
eine, grössere Art N. retrorsa zu untersuchen.
Ueber die Mundtheile einiger Heliceen, 035
Der Oberkiefer (Fig. 6. a.) ist halbmondförmig gebogen,
völlig glatt, und zeigt am concaven Rande keine Spur von
Leisten oder Zähnen, wie sie sonst bei den bekannten Helix -
Arten gefunden werden. Rechts und links ragt jedoch, was
mir sonst noch nicht vorgekommen ist, eine kleine Spitze
vor, die eine unmittelbare Fortsetzung des oberen convexen
Kieferrandes ist, aber von dem untern Rande durch einen
tiefen, ziemlich spitzen Einschnitt abgesetzt ist.
Die Zunge ist mit vielen Längs- und Querreihen von
Zahnplalten besetzt, gleicht also im Allgemeinen der Zunge
der übrigen zwiltrigen Lungenschnecken; der Bau der ein-
zelnen Zahnplatten ist aber recht eigenthümlich. Eine Mit-
telplatte jeder Querreihe ruht auf einer Basis, deren Vorder-
rand ein wenig concav ist, also zwei kleine seitliche Spitzen
am Vorderrande bildet; nach hinten erhebt sich diese Basis
in einen abgerundeten Fortsatz, der ähnlich wie die Basis
gestaltet ist, eben so weit nach hinten reicht, und von oben
gesehen die Basis völlig deckt, wie in Fig. 6. b, welche eine
Querreihe der Zahnplalten darstellt. Die rechts und links sich
der Mittelplatte zunächst anschliessenden Zahnplalten gleichen
dem Mittelzahn, werden jedoch allmählich nach aussen zu
schmäler und schräger (Fig. 6. e.). Von der achten Zahn-
platte an wird der sich erhebende Theil immer steiler, und
daher scheinbar kürzer als die Basis, wenn man von oben
darauf sieht. Die äussersten Zahnplatten bekommen ganz die
Form eines Stiefelknechts (Fig. 6.d. und 6.c.) Dazu tritt
noch bei den äusseren Zahnplatten die Eigenthümlichkeit, dass
sowohl der hintere Rand der Basis, als der hintere Rand des
Vorsprunges in der Mitte einen tiefen Einschnitt tragen (Fig.
6. c. und 6.d.), wodurch die Zierlichkeit derselben unge-
mein erhöht wird,
Erklärung der Abbildungen.
Fig. 1. Bulimus haemastomus Scop. a Kiefer; 5b Zahnplatten
von der Zunge; c eine solche stark vergrössert von der Seite gesehen;
d eine solche von oben gesehen.
Fig. 2. Bulimus (Orthalieus) gallina sultana Lam. a Kiefer; b
Zahnplatten von der Zunge; c eine Zahnplatte von der Seite gesehen;
d eine solche von oben gesehen.
036 Troschel: Ueber die Mundtheile einiger Heliceen.
Fig. 3. Bulimus (Bulimulus) lita Fer. a Kiefer; 5 Zahnplatten
von der Zunge; c eine Zahnplatte von der Seite gesehen; d eine sol-
che von oben gesehen.
Fig 4. Bulimus cinnamomeo -lineatus Moric. a Kiefer; b zwei
Querreihen von Zahnplatten der Zunge; c eine Zahnplalte von der
Seite gesehen; d eine solche von oben gesehen.
Fig.5. Bulimus (Bostryx) solutus Trosch, a eine Querreihe von
Zahnplatten der Zunge; 5 eine einzelne Zahnplatte von der Seite ge-
sehen; c eine solche von oben gesehen.
Fig. 6. Nanina retrorsa (Helix retrorsa Gould). «a Kiefer; 5
eine Querreihe von Zahnplatten der Zunge; c eine Zahnplatie sehr
weit von der Mitte entfernt; d eine solche etwas weniger weit von
der Mitte entfernt; e eine solche nahe der Mitte,
Einige Worte über das Quinarysystem.
Von
3. Kaup
In Wiegmann’s Archiv 1848, 2tes Heft S. 12 sagt
der verehrte Referent ornithologischer Arbeiten, Herr Hart-
laub: „Das „Quinary- System“ glaubten und hofften wir mit
„Swainson für immer aus der Zoologie verbannt; wie vor-
„eilig diese Hoffnung gewesen, davon belehrte uns die Kaup’-
„sche Monographie der Falkoniden.*
Ich glaube, dass der sonst so gründliche Referent zu
diesem absprechenden Urtheil nicht gekommen wäre, hätte
er sich der kleinen Mühe unterzogen, meine Eintheilung mit
der von Mac’lay -Vigors, Swainson u. S. w. zu ver-
gleichen. Hätte er dies gelhan, so würde er mit Oken
gefunden haben, dass die Systeme dieser sonst verdiensivol-
len Männer cabbalistisch, ohne den geringsten Sinn aufge-
stellt worden sind. Da hingegen meine Ansichten auf fest-
stehende Principien sich stützen, so muss ich gegen jede Ver-
gleichung mit allen jetzigen Quinarysystemen der Engländer
feierlichst Protest einlegen.
Dem Zoologen , welcher einer wahrhaften Beurtheilung
meiner Eintheilungsprinzipien sich unterziehen wollte, würde
ich zum allergrössten Dank verpflichtet sein, und in der Hofl-
nung, dass ein deutscher Gelehrter sich dieser Arbeit unter-
zieht, sei es mir erlaubt, ihn auf die Hauptpunkte meines Sy-
stems hier nochmals aufmerksam zu machen, ohne deren Be-
rücksichligung er weder dieses verdammen noch ihm beistim-
men kann.
Zu widerlegen sind folgende Sätze von Oken, von
welchen ich nur in Geringfügigem abweiche,
238 Kaup:
1) Der Thierkörper besteht aus folgenden 5 anatomischen
Systemen: A. Nerven, B. Alhmungsorganen, C. Knochen,
D. Muskel- oder Ernährungsorganen, E. Haut oder Ge-
neralionsorganen.
2) Die 5 Sinnesorgane, die ich als die Blüthen dieser Sy-
steme betrachte, entsprechen diesen 5 anatomischen Sy-
stemen: A. das edelsteSinnesorgan, das nur leicht ge-
niessende Auge dem nobelsten System der Nerven.
B) Das Ohr, welches nur die bewegte Luft empfindet,
den Athmungsorganen.
C) Die Nase, welche nur die mit fremden Körpern ge-
schwängerte Luft riecht, dem Knochensystem.
D) Die Zunge, welche nur die im Wasser löslichen Kör-
per schmeckt — dem Muskel- oder Ernährungssy-
stem und endlich
E) die Gererationsorgane, in welchen das höchste Ge-
fühl des allgemeinen Haut- und Gefühlsystems sich
darstellt — dem Haut- oder Geschlechtssysteme.
3) Der Thierkörper zerlällt in fünf Regionen, welche die-
sen 5 anatomischen Systemen entsprechen :
A) Der Kopf mit der Blüthe des Nervensystems, dem
Gehirn — dem Nervensystem.
B) Die Brust mit Hals und vorderen Extremitäten, wel-
che die Atlımungsorgane enthalten — dem Athmungs-
system.
C) Der Rumpf mit den Wirbeln — dem Knochensystem.
D) Der Bauch und Schwanz mit dem Magen — dem Er-
‘ nährungssystem.
E) Das Becken und hintere Extremitäten mit den Gene- _
rationsorganen dem Haut- und Generalionssystem.
4) Eins dieser anatomischen Systeme, Einer von die-
sen Sinnen, Eine von diesen Regionen ist in Einer
der fünf Thierklassen eines jeden der drei Unter-
reiche zur vorherrschenden Entwickelung gekommen.
Bei den wahren Thieren sind demnach:
a) Bie Säugelhiere, durch den Menschen als höchstes
Nervenwesen — Nerven-, Augen- oder Kopf-
thiere.
b) Die Vögel, durch die Schwalben, als reinste Alh-
Einige Worte über das Quinarysystem. 239
imungsthiere — Athmungs-, Ohr- oder Brust-
thiere.
€) Die Amphibien sind — Knochen-, Nasen- oder
Rumpfthiere.
d) Die Fische sind — Muskel-, Zungen-, Bauch-
oder Schwanzthiere.
e) Die Mollusken sind — Haut-, Generalions-
oder Beckenthiere.
5) Eins dieser anatomischen Systeme, Einer dieser Sin-
ne, Eine dieser Regionen ist in Einer der fünf
Ordnungen einer jeden Classe zur vorherrschenden Ent-
wickelung gekommen.
Bei den Vögeln sind demnach:
A) Die Zygodacelyli sive Scansores, durch die Psittacidae,
als höchste Nervenvögel — Nerven-, Augen-
oder Kopfvögel.
B) Die Passeres, meine Ornithes, sind durch die Hirun-
dinidae — die Athmungs-, Ohr- oder Brust-
vögel.
C) Die Grallae sind durch die Brevipennes — die
Knochen-, Nasen- oder Rumpfvögel.
D) Die Natantes et Rapaces, meine Ichthyornithes , sind
durch die Pelekane— Muskel-, Zunge-,Bauch-
oder Schwanzvögel ).
E) Die Hühner sind durch die Gallidae — Haut-, Ge-
schlechts- oder Beckenvögel.
Wir haben demnach bei den Vögeln folgende fünf
Ordnungen :
I. Zygodactyli,, II. Passeres sive Ornilhes, Ill. Grallae,
IV, Ichthyornithes, V. Gallinae.
In jeder dieser fünf Ordnungen müssen in den Fami-
lien oder Unterordnungen Eins dieser Systeme, Sinnen und
Regionen zur vorherrschenden Entwickelung gekommen sein.
I. Zygodactyli.
A. Die Psittacidae als die reinsten Nervenvögel, wel-
che die grösste Zahl bekannter Analogien mit den Menschen
*) Der Schwanz mit seinen Wirbeln, nicht die Schwanzledern,
240 Kaup:
und Affen aufweisen, stellen sich hierdurch an die Spitze der
Zygodaclyli und aller Vögel. Von ihnen müssen die analo-
gen Charaktere abstrahirt werden, um den übrigen Familien
u. s. w. den entsprechenden Rang anzuweisen.
B. Die Cuculidae sind Athmungs-, Ohr- oder Brust-
vögel; sie zeigen die meisten Analogien mit den Passeres
und namentlich mit den Schwalben. Cabanis giebt ihnen
konsequent die erste Stelle bei den Scansores, weil er einen
Theil der Passeres als die höchsten Vögel betrachtet.
C. Die Rhamphastidae sind die Knochen-, Nasen-
oder Rumpfvögel ihrer Ordnung. Sie zeigen Analogien mit
den Bucerotidae, die gleichen Rang bei den Passeres ein-
nehmen.
D. Die Picidae sind Muskel-, Zungen-, Bauch- oder
Schwanzvögel, und endlich
E. Die Musophagidae sind die Haut-, Generations-
oder Beckenvögel ihrer Ordnung, die mit den Gallinae, na-
mentlich mit den Cracidae Analogien zeigen. Sie sind die
Hühner der Zygodactyli, während die Cracidae die Papageien
ihrer Ordnung darstellen.
II. Passeres sive Ornithes.
A. Die Conirosires sind durch die Fringillidae die
Nerven-, Augen- oder Kopfvögel ihrer Ordnung.
B. Die Fissirostres sind durch die Hirundinidae —
Athmungs-, Ohr- oder Brustvögel mit den längsten Flügeln
und kürzesten Füssen. Von den Hirundinidae, und nament-
lich Cypselinae, müssen die Charaktere abstrahirt werden, um
allen übrigen Familien und Unterordnungen den entsprechen-
den zweiten Rang zu ertheilen.
C. Die Syndaetyli sind durch die Bucerotidae — Kno-
chen-, Nasen- oder Rumpfvögel. Sie sind, wie die Brevi-
pennes der Grallae, die riesenmässigsten Formen unter den
Syndactyli und allen Ornithes.
D. Die Dentirosires sind durch die Laniidae — Mus-
kel-, Zungen-, Magen- oder Schwanzvögel. Sie sind die
eigentlichen Raub- oder Frassvogeltypen.
E. Die Tenuirostres sind durch die Meliphagidae —
Einige Worte über das Quinarysystem. 241
Haut-, Generations- oder Beckenvögel ihrer Ordnung und
zeigen mit den entsprechenden Gallinae Analogien.
III. 6Grallae.
A. Die Pressirostres sind durch die Charadridae mit
ihren grossen Augen und Köpfen — Nerven-, Augen - oder
Kopfvögel.
B. Die Longirostres sind durch die kleinen Tringidae
die Athmungs-, Ohr- oder Brustvögel, bei welchen Melodie
in den Locktönen auftritt.
C. DieBrevipennes sind durch die Casuaridae die Kno-
chen-, Nasen- oder Rumpfvögel ihrer Ordnung. Da sie als
Ordnung und Unterordnung das nämliche System u. s. w.
darstellen, so müssen sie die meisten Analogien mit den Am-
phibien zeigen. Von ihnen müssen die Charaktere abstrahirt
werden, um den entsprechenden Unterordnungen und Fami-
lien den gehörigen dritten Rang, wie ihn die dritte Classe
der Amphibien besitzt, begründen zu helfen.
D. Die Cultrirostres sind durch die Ardeidae — Mus-
kel-, Zungen- oder Magenvögel. Die Ardeidae zeigen die
meisten Analogien mit den Totipalmati, vierte Unterordnung
der Ichthyornithes.
E. Die Macrodactyli sind durch die Fulicidae — Haut-,
Geschlechts- oder Beckenvögel ihrer Ordnung. Sie zeigen
7
die grösste Zahl Eier und viele Analogien mit den Gallinae.
IV. Ichthyornithes.
(Rapaces et Natantes.)
A. Die Rapaces sind durch die Falconinae der Falco-
nidae — Nerven-, Augen- oder Kopfvögel. Die Falconinae
zeigen deshalb die meisten Analogien mit den Psittacidae.
B. Die Longipennes sind durch die Sternidae — Ath-
mungs-, Ohr- oder Brustvögel und zeigen in die Augen fal-
lende Analogien mit den Schwalben.
€. Die Brachypteri sind durch die Spheniscidae — Kno-
chen-, Nasen- oder Rumpfvögel. Sie zeigen Analogien mit
den Brevipennes.
Archiv f. Naturgesch, XV. Jahrg. 1. Bd, 16
D43 Kaup:
D. DieTotipalmati sind durch die Pelecanidae — Mus-
kel-, Zungen-, Magen- oder Schwanzvögel. Als die Grund-
formen betrachtet, müssen von ihnen die Charaktere in kör-
perlicher und geistiger Hinsicht abstrahirt werden, um allen
entsprechenden Unterordnungen, Familien u. s. w. den Rang
als Frassvogel, d. h. den vierten Rang, wie der entsprechen-
den Classe der Fische, anzuweisen.
Bei den Pelecanidae tritt, wie bei den Fischen, Mangel
äusserer Nasenlöcher auf.
E. Die Lamellirostres sind wie die Hühner — Haut-,
Geschlechts- oder Beckenvögel.
V. 6allinae.
A. Die Familie Cracidae als die edelsten sind die Ner-
ven-, Augen- oder Kopfvögel. Sie zeigen Analogien mit
den hühnerähnlichen Musophagidae des ersten Stammes und
sind die verständigsten der ganzen Ordnung.
B. Die Columbidae sind wie die Schwalben — die
Athmungs-, Ohr- oder Brustvögel mit den längsten Schwin-
gen und kürzesten Füssen. Zeigen Analogien mit den Pas-
seres und Schwalben.
C. Die Crypturidae sind wie die Brevipennes — Kno-
chen-, Nasen- und Rumpfvögel. Mehr Läufer als Flieger.
D. Die Tetraonidae sind wie die Ichthyornithes — Mus-
kel-, Zungen-, Magen- oder Schwanzvögel. Zeigen mit
den Lamellirostres, 4ter Stamm, Analogien in ihrer Anatomie.
E. Die Gallidae sind unter allen Vögeln die eigentlich
wahren Geschlechts-, Haut- oder Beckenvögel. Von ihnen
müssen die Charaktere abstrahirt werden, um den analogen
Lamellirostres, Macrodactyli, Tenuirostres , Musophagidae u.
s. w. ihre Stellung als Geschlechts-, Haut- oder Becken-
vögel noch fester zu begründen.
Auf diese und keine andere Weise entstand meine An-
ordnung der Vögel, die weder mit der von Swainson noch
mit einem sonstigen Gelehrten verglichen werden kann. Sie
ist eine Verbesserung der Cuvier’schen Trennungen, die
sie korrigirt und an ihren fixen Platz verweist.
Einige Worte über das Quinarysystem. 243
Alle Unterordnungen der Passeres, Grallae und Natan-
tes sind von Cuvier, und sind nur von mir theilweise er-
weitert oder beschränkt.
A. B. c. D. E-
iygodactyli. Ornithes. Grallae. Ichthyornithes. Gallinae.
Psittacidae Conirostres, Cuv. Pressirostres, Cuv. Rapaces, L. . Cracidae.
Cueulidae.
7. Picidae,
_ Musophagidae. Tenuirostres, Cuv. Maerodactyli, Cuy. Lamellirostres, Cuv. 5. Gallidae.
Fissirostres, Cuv. Longirostres, Cuv. Longipennes Cuv. . Columbidae.
1
2
(. Rhamphastidae Syndactyli, Cuv, Brevipennes, Cuv. Brachypteri, Cuv. 3. Crypturidae,
4
Dentirostres, Cuv. Cultrirostres, Cuv. Totipalmati, Cuv. . Tetraonidae,
Die nämlichen Grundsätze weiter verfolgend , theile ich die
rnithes wie folgt ein:
A. B. C. D. E.
Donirostres. Fissirostres Syndactyli. Dentirostres. _ Tenuirosires.
_ Fringillidae. 1. Musecicapidae, 1. Prionitidae. 1. Sylvidae. 1. Certhidae.
Artamidae. 2. Hirundinidae. 2. Meropidae. 2. Oriolidae. 2. Trochllidae.
Sturnidae 3. Eurylaimidae. 3. Bucerotidae 3. Corvidae. 3. Upupidae.
Buphagidae. 4. Coracindae. 4. Alcedidae. 4. Laniidae. 4. Sittidae.
Alaudidae. 5. Ampelidae. 5. Pipridae, 5. Paridae. 5. Meliphagidae,
Um den Vogeltypus aufzufinden , theile ich die Hirun-
dinidae in die Subfamilien:
a) Hirundinae , b) Cypselinae, c) Podarginae, d) Ca-
primulginae, e) Steatorninae.
Die Cypselinae stellen als Unterfamilie, als Familie, als
Unterordnung, und Ordnung den wahren Vogel dar und ich
gebe
ihnen, wie die Classe der Vögel, den 2ten Rang.
Die Cypselinae geben sich, den Hirundinidae, den Fis-
siroslres, Ornilhes und den Vögeln als Classe den 2ten Rang.
Auf gleiche Weise ordne ich die Rapaces; ich stelle
dte Falconidae als Nerven-, Augen- und Kopfvögel, welche
die geisligsten Kräfte besitzen, oben an. Sie geben sich
und den Rapaces den ersten Rang unter den Fisch- oder
Frassvögeln; ich gebe den Strigidae als Respirations-, Ohr-
und Brusivögel den 2ten Rang als den Vogeltypen. Sie zei-
gen Analogien mit den Caprimulginae,, den Frassvogeltypus
der Hirundinidae, und haben die weitschallendste Stimme, «den
pneumatlischsten Schädel, das feinste Gehör mil der grössten
544 Kaup:
Ohröffnung und äusserem Ohr mit Opereulum, den allerleich-
testen Körperbau, die grössten Lungen.
Dem Gypogeranus,, einzigem Genus der Gypogeranidae
Bonap., gab ich, als Stelzvogeltypus, den 3ten Rang, wie der
Ordnung Grallae und den Brevipennes als Unterordnung, weil
die Grallaecharaktere: knochiger in die Länge gezogeneKör-
perbau, sehr lange Füsse mit äusserst kurzen Zehen, sehr
langer Hals bei ihm auftreten. Er flüchtet sich mehr mit
Hülfe seiner Füsse als Flügel und ist reiner Amphibienfres-
ser. Die körperlichen wie geistigen Charaktere: lange Füsse,
kurze Zehen, kürzere Flügel, gewandtes Erdlaufen , Amphi-
biennahrung geben den Genera Polyborus, Circaötus, Gera-
nopus, Circus und Harpagus in ihren Subfamilien den 3ten
Rang, den nämlichen, welchen die Gypogeranidae als Fa-
milie einnehmen.
Dem Gypaölus: einzigem Genus der Gypaetidae, gebe
ich, wegen der ungeheueren Gefrässigkeit, weitem Rachen,
spechlähnlichen Zungenbändern , Andeulung zum zusammen-
geselzien und an der Spitze aufgeschwungenem Pelekan-
schnabel, wie den Pelecanidae und Totipalmali, die Ate Stelle;
er zeigt auffallende Aehnlichkeit mit der Fregatte. Wären
alle Glieder dieser Familie erhalten, so würde die Fregatte
wie der Geieradler den Schwalben- oder Milanentypus dar-
stellen.
Die Vulturidae sind so deutlich das Haut- oder Ge-
schlechtswesen ihrer Unterordnung, dass die Laien den Con-
dor und den Papa eher für Hühner als Raubvögel ansehen.
Es giebt in dieser Familie nur drei wahre Genera: Vultur,
Neophron und Cathartes. Alle übrige sind Subgenera die-
ser. Ohne Grund macht G. Gray zwei Familien aus ihnen.
So entstand die Anordnung der 5 Familien der Ra-
paces.
1. Falconidae, 11. Strigidae, Ill. Gypogeranidae, IV. Gy-
paötidae, V. Vulturidae.
Es wäre von Interesse, wenn ein Ornilhologe auf glei-
che Weise die Rangordnung irgend eines Systems begründen
wollte, so z. B. Gründe anzugeben , warum die hässlichen
Vulturidae und die Rapaces an der Spitze aller Vögel ste-
hen; in diesem Falle könnte man sie gegenseilig wägen und
3
+
“
Einige Worte über das Quinarysystem. 945
zusehen, in welcher Waagschale die gewichtigeren sich be-
finden.
Auf vollständig ähnliche Weise habe ich die Grundfor-
ınen der Familie Faleonidae in Ierax, Nauclerus, Geranopus,
Pandion und Ibycter wiederum aufgefunden.
Durch den kleinen /erax mit dem grössten Kopf, gröss-
ten Gehirn gab ich den Falconinae,, durch diese den Falco-
nidae und durch diese allen Rapaces den ersten Rang als
Nervenvögel der Ichthyornithes. Die Charaktere von lerax
abstrahirt, geben allen übrigen Genera den ersten Rang.
Durch Nauclerus, als die ächlesten Luft-, Alhmungs-,
Ohr- oder Brustvögel mit den längsten Schwingen, kürzesten
Armschwingen, kürzesten Füssen, tiefgegabeltstem Schwanz,
leichtestem Körper, die fast den ganzen Tag in der Luft nach
Insekten fliegen, erhalten alle Milvinae als wahre Vogelty-
pen den 2ten Rang. Die von Nauclerus abstrahirten Cha-
raktere geben Tinnuneulus durch das Subgenus Erythropus,
Nisus durch das Subgenus Tachyspizia, Helotarsus und Per-
nis den 2ten Rang.
Durch Geranopus, als Nasen-, Knochen- oder Rumpf-
vogel, gab ich durch seine langgestreckle Gestalt, äusserst
hohe Füsse, sehr kurze Zehen — allen Aceipitrinae die
öte Stelle als Subfamilie. Nach seinen von ihm abstrahirten
Charakteren gab ich Harpagus, Circus, Circaötus und Poly-
borus in ihren Subfamilien die 3te Stelle.
Durch Pandion, als Zungen-, Magen- und Schwanzvo-
gel, der wie die Totipalmati Stosstaucher und reiner Fisch-
fresser ist, gab ich den sämmtlichen Aquilinae die 4te Stelle,
wie der Familie Gypaetidae, mit denen Pandion einige Ana-
logien zeigt. Nach körperlichen und geistigen Charakteren
gab ich den gefrässigen , langzehigen Falco der Falconinae,
den Elanus mit feinschuppigen Tarsen und im Durchschnitt
runden Nägeln bei den Milvinae, den Astur bei den Accipi-
Irinae, und dem fischfressenden Rostrhamus mit Kammnagel
hei den Buteoninae die Ate Stelle.
Durch den huhn- und geierähnlichen Ibyeter gab ich
leracidea, Milvus, Asturina, Haliaölus die Ste Stelle in ihren
Unterfamilien.
Sind wohl alle Bezüge in körperlicher und geistiger
BB»
246 Kaup:
Beziehung, die Jerar mit den Psittacidae, Nauclerus mit den
Schwalben, Geranopus mit den Stelzvögeln, Pandion mit den
Totipalmati und Ibycter mit den Hühnern haben — Spiele der
Natur, dann muss ich gestehen, spielt sie mit eisener Con-
sequenz !
Auf diese und keine’ andere Weise entstand die Anord-
nung der Genera der Faleonidae. Möchte es doch einem
Ornithologen gefallen, auf gleiche Weise irgend welche An-
ordnung zu begründen?
Il. Familie Falconidae.
Falconinae. 1: Ierax. 2. Tinnuneulus. 3. Harpagus. 4. Falco, 5. leracidea.
Milvinae. 1. Ictinia. 2. Nauclerus. 3. Circus. 4. Elanus. 5. Milvus.
Accipitrinae. 1. Spizlaetus. 2. Nisus 3. Geranopus. 4. Astur. 5. Asturina.
Aquilinae. 1. Aquila. 2. Helotarsus. 3. Circaetus 4. Pandion. 5. Hallaetus.
Buteoninae 1. Buteo, 2. Pernis. 3. Polyborus. 4. Rostrhamus. 5. Ibyeter.
Bei allen in Subgenera nach unsern jelzigen Kenninis-
sen theilbaren Genera habe ich das nämliche Prineip durch-
geführt und es selbst bei den Arten angedeutet. Da noch
jedes Jahr neue Falken entdeckt werden, so ist es erklär-
lich, dass noch Lücken bei den Subgenera und Arten genug
vorhanden sind.
Mit solchen. Grundsätzen die Vogelwelt anschauend,
konnte ich unmöglich den Prineipien einiger neueren Gelehr-
ten huldigen, die nach einem einzigen Charakter An- oder
Abwesenheit eines vollständigen Singmuskelapparats die Pas-
seres eintheilen wollen, und äussere Charaktere mit dem an-
oder abwesenden Singmuskelapparat in Einklang zu bringen
versuchten.
Ich konnte diesem fleissigen, allein gewiss nutzlosen Be-
streben nicht beistimmen, weil ich die Erfahrung für mich hatte,
nicht einmal die natürlichsten Subfamilien weder nach inne-
ren noch äusseren Charakteren diagnosiren zu können. Alle
Gelehrten sind mir einig, dass z. B. die Falconinae höchst
natürlich zusammengesetzt sind, allein man versuche es, von
ihnen ein gemeinschaftliches Kennzeichen zu geben. Eckzahn
ein oder zwei besitzt Ictinia und Baza (ein Subgenus von
Pernis); rund in den Knöchen eingebohrte Nasenlöcher be-
Einige Worte über das Quinarysystem. 347
sitzt Ibycter, während Harpagus eine grosse Nasenhöhle ünd
eine total verschiedene Flügelbildung wie ein Sperber zeigt.
Die Milvinae wären zu eharakterisiren, wenn der Gral-
laetypus Circus und Gampsonyx, Subgenus von Elanüs, nicht
existirten.
Bei den Aceipilrinae tritt Spiziaetus mit seinen befie-
derten Tarsen in den Weg und weil die Sperbercharaktere
in der Flügelbildung fast in allen übrigen Unterfamilien und
Genera auftreten.
Bei den Aquilinae treten alle nur denkliche Bedeckun-
gen der Tarsen und Zehen auf, ebenso bei den Buteoninae.
Bei beiden sehen wir alle nur denkliche Variation in der
Flügelbildung.
Das nämliche findet sich bei den zwei Subfamilien der
Strigidae A, Surninae: 1. Glaucidium, 2. Nyctale, 3. Athene,
4. Surnia, 5. lIeraglaux (connivens etc.).
B. Striginae: 1. Scops, 2. Otus, 3. Bubo, 4. Strix,, 5.
Syrnium.
Man kann, weil in allen Subfamilien die 5 Typen auf-
treten, nur sagen: diese und jene Charaktere treten prädo-
minirend in dieser oder jener Subfamilie auf. Da wir mit
Worten nicht den Totalhabitus ausdrücken können, so ist
jede Charakteristik eine Selbsttäuschung. Man muss fühlen,
was sich zusammenreimt, Ohne dieses hilft kein Recept,
mag es von Paris oder Berlin kommen.
Ich kann dieser neuesten Eintheilung meinen Beifall,
an dem diesen Gelehrten ohnediess nichts liegen kann, nicht
schenken, wenn ich die Resultate ihres Systemes ansehe.
Die Papagaien ans Ende der Ordnung Scansores als die
unvollkommensten zu stellen, ist doch wahrlich Zu stark. C a-
banis in Wiegm. Arch. 1847. S. 348.
Könnte man nicht die hier gegebenen Arguniente herum-
drehen und sagen, die Psittacidae sind die vollkommensten,
weil der fleischige nur sparsam mit Schüppehen bedeckte Lauf
dem mensehlichen oder Säugelhierfuss ähnlicher ist, als der
gestiefelte Lauf, der durch seine vorkerrschende Sehildbil-
dung mehr an Amphibien erinnert. Da Schilder, Schuppen,
Federn und Haare dem Hautskelelt angehören und die Feder
eine aufgelöste Schuppe und die Haare total aufgelöste Fe-
248 Kaup: .
dern sind, so kann man den Flügel mit grösserer Zahl Schwin-
gen als eine neue Analogie mit der Haarbildung erklären.
Die Trochilidae, bei denen fast Alles am Kopf Schna-
bel ist, und die fast keinen Rachen besitzen, mit den Cypse-
lidae und Caprimulgidae, bei denen fast Alles Rachen und
der nackte Schnabel fast Null ist, in eine Ordnung Striso-
res! zu vereinigen und hierzu die Opisthocomidae und Mu-
sophagidae zu bringen, kann doch unmöglich eine Anord-
nung empfehlen.
Man muss in diese sterblich verliebt sein, um überhaupt
die Thurmschwalben, die Gott und die Welt für wahre und
ächte Schwalben für ewige Zeiten erkennen werden, von den
Schwalben als eigene Ordnung zu trennen.
Trotzdem bin ich weit entfernt, den Charakteren von dem
Singmuskelapparat, von der Flügel- und Tarsenbekleidung
allen Werth abzusprechen. Sie werden, weise angewendet,
die vortreffiichsten und herrlichsten Dienste thun; nur im
Grossen angewendet, werden sie, wie bereits Belege zeigen,
nur Unheil in der Wissenschaft anrichten. Sie werden zu
einer noch grösseren Zahl von neuen Ordnungen, neuen Fa-
milien, Unterfamilien und Genera die Veranlassung sein, die
in der Natur gar Nicht existiren.
Ich stelle alle Genera, bei welchen Wohllaut der Stimme
und der Singmuskelapparat auftritt, an die Spitze ihrer Fa-
milien, weil ich sie für die geistigeren ansehe. Der Ap-
parat allein, wie die Raben zeigen , macht noch keinen Vo-
gel zu einem Oscines. Nur die aller geringste Zahl der Ar-
ten mit dem Apparat — sind ächte Oscines. So gebe ich
den Hirundinae die erste Stelle bei den Hirundinidae.
Die konsequente Anwendung weniger Kennzeichen ohne
die Berücksichtigung des ganzen Totalhabitus muss die ver-
wandten Formen weit auseinander reissen. So sind doch
gewiss die Podarginae die nächsten Verwandten der Caprimul-
ginae, allein sie als die analogen Caprimulginaeformen zu den
Coraciadae zu bringen, dazu gehörl, dass man Allem na-
türlichen Gefühle entsagt hat.
“Ob die erste Schwinge fehlt oder vorhanden, ob sie
kurz oder lang ist, kann für sich allein keine Differenz in
der Lebensart zur Folge haben.
Einige Worte über das Quinarysystem. 249
Durch die neue Methode werden wir leider in die alte
Bahn zurückgeworfen, in der man mit Anwendung eines ein-
zigen Charakters die Formen ohne Rücksicht auf ihren To-
talhabitus und Lebensart einregistrirte. Wir nähern uns wie-
der der Zeit, wo eine nackte Stelle am Kopf den Gymnoge-
nys zu einem Geier und ein gerader Schnabel die Ibycterar-
ten entweder zu Geiern oder Adlern machte.
Um sich zu überzeugen, dass Nisus lrotz seiner Andeulung
von gestiefelten Tarsen, nicht an die Spitze aller Falken ge-
hört, stelle man sich neben diesen einen Wanderfalken. Man
wäge alle körperliche und geistige Charaktere dieser beiden
Formen gegen einander ab, und ich stehe: dafür, dass jeder
dem Edelfalken, trotz fleischiger und beschuppter Tarse, den
höheren Rang anweisen wird.
Man gehe weiter und stelle sich Pandion halia@tus und
ichthyaötus vor die Augen. Ein nur oberflächlicher Vergleich
zeigt, dass beide einem und demselben Genus angehören,
allein Pandion halaötus zeigt geschuppte Tarsen und nur zur
Hälfte geschildete Zehen, während (Polioa@tus) ichthyaetus
geschilderte Tarsen und total geschilderte Zehen zeigt. Bei
ersterem ist die erste Schwinge des langen Flügels so lang
als die te, bei letzterem ist die erste Schwinge des kürze-
ren Flügels so lang als die Ste. Nach Fussbedeckung und
Flügelbau müssen beide Formen, sonst in Skelett, Schnabel,
Fussbau und Lebensart dieselben, von einander gerissen und
Polioa@tus vielleicht zu Haliaötus gebracht werden.
Man vergleiche Gampsonyx mit Elanus, im Skelett und
Totalhabitus des Schnabels, der Füsse und Nägel, und man
wird und muss sich überzeugen, dass sie als Glieder zweier
Subgenera doch einem Genus angehören. Vergleicht man sie
im Flügelbau, so muss Gampsonyx getrennt und Gott weiss
wohin gebracht werden.
Bei Asturina harpyia und Aslur monogrammicus ist so-
gar individuell der Lauf bald geschildet, bald geschuppt.
Nur allein durch ein vollständiges Eingehen in meine
Anordnung und nach genauer Vergleichung (des innern und
äusseren Körpers und der Lebensart ist es möglich Herpelo-
theres, Gymnogenys , Spilornis, Circaötus und Poliornis als
Subgenera des grossen Genus Circaötus zu erkennen , das
250 Kaup:
äusserlich durch hohe rauhgeschuppte Tarsen, kurze Zehen,
Erdlaufen und Amphibiennahrung sich wesentlich von allen
Aquilinae auszeichnet. Nur durch ein vollständiges Einge-
hen in meine Ansicht wird es klar, dass Herpetotheres den
Falkentypus, Gymnogenys den Milvinaetypus, wie er sich in
Cireus darstellt, Spilornis den Sperber- oder Habichttypus,
Circaötus den Adlertypus und Poliornis den Bussardentypus
ınanifestirt. Alle die systematischen Fehler, dass man Gym-
nogenys zu den Circinae, Herpetotheres zu Astur und Polior-
nis zu den Buteoninae bringt, finden in meiner Ansicht ihre
Erklärung. Sie sind durch völlig irrige Auffassung der Ana-
logien entstanden.
Ganz dasselbe gilt von den Subgenera: Baza sive Hy-
pliopus, Regerhinus, Odontriorchis und Pernis des gros-
sen Genus Pernis, welches sich durch ritzförmige Nasenlö-
cher, kurze geschuppte Tarsen, dicke Haut und Insektennah-
rung auszeichnet. Hyptiopus als Edelfalkentypus zu den Fal-
eoninae, oder Odontriorchis (Cymindis, pars Cuv.) zu den
Adlern, oder sie alle zu den Milvinae zu bringen, ist eine
falsche Anwendung der Analogien, indem Pernis als Genus
die Milvinae bei den Buteoninae darstellt.
Nimmt man genannte Subgenera der Genera Circaötus,
Pernis und Elanus als Genera an, so muss man ebenfalls älle
Subgenera, die ich zum grösstentheil bei den Falconidae
kreirte, auch als wahre Genera belrachten. Es wäre dies
wenigstens konsequent, indem sie sich alle durch Flügelbau
u. s. w. unterscheiden. Dabei muss ich jedoch nur dies zu
bedenken geben, dass hierdurch der Begriff von Genera 10-
tal aufgehoben und ebenso viele Subfamilien geschaffen wür-
den, was doch sicher nicht natürlich wäre. Die weitere Folge
würde dann sein, um die an Arten armen Genera zu berei-
chern, dass man alle Unterarten zu Arten erheben würde,
statt sie den Arten wiederun unlerzuordnen:
Wie ich die 41 Genera des @. Gray in seiner List of
the spec. of birds in the coll. of the brit. Mus. second edit.
nach Entfernung des Gypogeranus auf 25 redueire, die 7
Familien auf 5 zurüekbringe, wie ich die 4 Subfamilien der
Strigidae auf zwei: Tageulen (Surninae) und wahre Eulen
(Striginae) zufückführe, die Genera Ketupa zu Bubo, Nyctea
Einige Worte über das Quinarysystem: 251
zu Surnia, Phodilus zu Sirix zähle, wie ich bei den Alcedi-
dae diese auf eine Subfamilie redueirt habe, die Genera Al-
eyone und Ceyx zu Alcedo versetze und nur die Genera Ta-
nysiptera, Ceryle, Haleyon, Alcedo und Dacelo als solche
kenne, so muss bei einer neuen Revision der Passeres eine
sehr grosse Zahl von Familien, Unterfamilien und Generä,
theils untergeordnet, theils als Nominalbenennungen gestri-
chen werden, wenn Harmonie in das Ganze kommen soll.
Geschieht diess nicht und werden nicht die Unterarten
den wahren Arten, die Subgenera nicht den wahren Genera,
die Subfamilien nicht den wahren Familien, diese den wah-
ren Unterordnungen, diese den wahren Ordnungen nach rein
naturphilosophischen Principien untergeordnet, so gehen wir
einem vollständigen Chaos entgegen, das später nur dem an-
gestrengtesten Studium sich unterwerfen kann.
Indem ich auf meine Eintheilung zurückkomme , muss
ich meinem künftigen Recensenten in diesem Archiv ferner
zumuthen, dass er mir nachweisen wolle:
1) dass ich die Genera, wie Subgenera und die Unter-
familien falsch zusammengesetzt habe.
2) Dass es z.B. ein Öltes Genus der Aquilinae giebt,
das gerade so wesentlich abweicht, wie die vorhandenen Ge-
nera: 1) Aquila, 2) Helotarsus, 3) Circaetus, 4) Pandion,
5) Haliaötus sich unterscheiden.
3) Nachzuweisen, dass z.B. unter Nisus sich ein 6tes
Subgenus findet, das gerade so wesentliche Kennzeichen dar-
bietet, wie die Subgenera : Jeraspizia, Tachyspizia, Scelospi-
zia, Nisus und Urospizia.
4) Nachzuweisen, dass in irgend einem Subgenus, wie
z.B. Herpetotheres eine Öle Art vorhanden ist, die sich un-
terscheidet, wie cachinnans von brachypterus, dieser von
xanthothorax, dieser von concenlricus. In diesem Subgenus
hätte er nur darzuthun , dass das Nominalsubgenus Micraslur
G.Gray, der die 3 letztgenannten Arten hierher zählt, ein
ächtes Subgenus oder gar Genus sei, und (dass meine von
dem Subgenus Herpelotheres gegebenen Charaktere: als seit-
lich zusammengedrückter von der Wurzel gebogener Schna-
bel, enger Rachen, Schleier u. s. w. falsch sind; d. h. dass
cachinnans diese nicht an sich trägt.
952 Kaup: Einige Worte über das Quinarysystem.
5) Endlich durch die That zu beweisen, dass eine von
den guten Arten des Pariser Museums in einem meiner Sub-
genera oder Genera nicht Platz fänden.
Geschieht das Eine oder das Andere, dann ist an mir
die Reihe, einzugestehen, dass die von mir festgestellten Ge-
setze Nichts taugen und verworfen werden müssen.
Geschieht es nicht, dann muss ich die Ormnithologen
bitten, sich die Typen meiner Falconidae so lang vor die Au-
gen zu stellen, bis sie diese begreifen und nicht mehr Ge-
nera bei diesen anzunehmen, als wirklich vorhanden sind;
hierdurch werden sie nebenbei finden, dass meine Principien
nicht in meinem Kopfe entstanden, sondern aus fleissiger
Anschauung der Natur sich entwickelt haben.
Indem bei einer solchen Kritik die Persönlichkeit gar
nicht in Betrachtung zu ziehen, sondern nur die hehre Göl-
tinn, die Wissenschaft, so bitte ich meinen Recensenten mich
als längst gestorben anzusehen.
Ueber das Bohren der Mollusken in Felsen
u.8.w. und die Entfernung von Theilen
ihrer Schalen.
Von
Albany Hancock.
Uebersetzt aus den Annals and Magazine of natural history. (Second
series Vol. II. P.225 October 1848.)
(Schluss.
Nach Feststellung dieser Thalsachen, und nachdem ich
die Gründe durchgegangen bin, die mich veranlassen, die
drei gewöhnlichen Theorien für unzureichend zu erklären,
die man für die Operationen der in Stein und Holz bohren-
den Mollusken aufgestellt hat, gehe ich nun dazu über, meine
eigene Ansicht darzustellen.
Es ist bereits gesagt, dass ich die Meinung aufgestellt
habe, dass der vordere Theil des Thieres das Bohrwerkzeug
sei. Dieser besteht bei Teredo und Pholas aus dem Fuss
und den Rändern des Mantels, die zusammen die ganze vor-
dere Oeffnung der Schale ausfüllen. Bei Saxicava und Ga-
strochaena ist er ganz durch die Mantelränder gebildet, wel-
che verwachsen und verdickt sind. Fuss und Mantel von
Teredo ragen vor der Schale hervor; der erstere ist vorn
rund und convex, und es ist kein Zweifel, wegen der Aehn-
lichkeit desselben Theils bei Pholas, dass er dem Grunde der
Höhlung anhängt, auf den er in der Gestalt genau passl.
Everard Home nennt ihn der Rüssel, der, wie er sagt,
beim lebenden Thier eine wurmförmige Bewegung hat, und
dessen Ende von einem Häutchen nicht unähnlich der Cor-
nea eines Auges bedeckt ist. Derselbe bemerkt auch, dass,
da dieser Rüssel keine Mundöffnung hat, Grund zu glauben
954 Hancock: Ueber das Bohren des Mollusken in Felsen ete.
ist, dass er sich an das Holz ansaugt, und wie ein Centrum-
Bohrer wirkt, wenn das Thier mit der Schale arbeitet. Da
ich Teredo nicht lebend gesehen habe, kann ich die genaue
Form dieser Theile nicht aus eigner Erfahrung bestätigen,
aber nach den Exemplaren in Weingeist zu urtheilen, zweifle
ich nieht an der Genauigkeit der Beschreibung, welche aus-
sagt, dass der Fuss oder der sogenannte Rüssel genau in der
Gestalt zu dem Grunde der Höhlung passt. Die Vergleichung
dieses Theils mit der Cornea eines Auges ist sehr treffend,
dern eine bessere Vorstellung von der Concavität des Grun-
des der Höhlung kann man nicht geben, als durch eine Ver-
gleichung dieser Art,
Der Fuss von Pholas crispata ähnelt dem von Teredo;
er irilt vor die Schalen hervor, ist vorn sehr breit und con-
vex und passt also in den Grund der Höhlung, welchem er
eng und beständig anliegt. Die freien Ränder des Mantels
umgeben das Organ, und füllen mit ihm zusammen den Grund
. der Höhlung aus, deren Concavilät so genau zu der' Conve-
xiläl dieser Theile passt, dass man sie für einen Abguss da-
von halten möchte. P. candida und P, parya haben den Fuss
und den vordern Theil des Thieres ganz ähnlich gebildet, so
dass er nur Species-Verschiedenheit zeigt; und es ist nach der
Analogie wohl unzweifelhaft, dass alle Individuen dieser Gruppe
nach demselben Typus gebildet sind. P. papyracea und P., striala,
da sie im Zustande der Reife vorn geschlossen sind, könn-
len die Meinung erregen, das Thier sei anders gebildet, aber
wir haben die Autorität G.B. Sowerby’s dafür, dass P. la-
minala der Jugendzustand der einen, P. minuta der andern
ist. Wenn dies der Fall ist (und nach genauer Untersuchung
der Exemplare stimme ich der Ansicht bei), so hat das Thier
dieser beiden Arten in der Jugend grosse Achnlichkeit mit
P. erispala, und die Höhlungen müssen in diesem Zustande
gemacht werden. Wir haben bereits gesehen, dass die Bohr-
löcher aller bohrenden Muscheln während des Wachsthums
des Thiers gemacht werden. Bei diesen beiden Arten wird
nun nach Vollendung der Höhlung die vordere Schalenöffnung
geschlossen, und wahrscheinlich der grosse Fuss bedeutend
verkleinert.
So sehen wir denn, dass bei Teredo und Pholas der
und die Entfernung von Theilen ihrer Schalen. 255
vordere Theil des Thieres genau dem Grunde der Höhlung
entspricht, Wie ist dies bei Saxicaya rugosa? Genau eben
so. Doch sind diese Theile von anderer Beschaffenheit.
Das Thier dieser Art und das von Gastrochaena Phola-
dia sind ähnlich; sie sind beide eng vom Mantel eingehüllt,
haben nur die Siphonal-Oeffnungen, und eine kleine Oeff-
nung gegen ein Drittel der Länge für den Durchtrilt des Bys-
sus und eines kleinen dünnen Fusses, der zuweilen hervor-
gestreckt wird. Der Mantel ist vorn sehr verdickt, und bil-
det eine polsterarlige Geschwulst von elliptischer Form, die
sich elwas rückwärts ausdehnt, und die nach dem Willen des
Thieres beträchtlich vor die Schale vorgestreckt werden kann.
Der vordere Bogen dieses Polsters entspricht der Concavität
des Grundes der Höhlung. Wie vorher bemerkt, hat dieser
Theil nicht die Fähigkeit, sich an die zu zerstörende Substanz
anzuhängen, sondern wird durch die Anheftung des Byssus
mit ihr in Berührung gehalten; und wie immer die Aushöh-
lung bewirkt werden mag, gewiss ist dieser verdickte Theil
des Mantels das Werkzeug. Es kommen häufig Höhlungen
mit einem Eindruck im Grunde vor, der genau in Gestalt und
Grösse mit diesem Theile des Thieres übereinstimmt, und es
geschieht sehr gewöhnlich, dass sich eine erhabene Spitze an
dem Eindruck findet, die sehr genau der Lage des Byssus
entspricht. Ich habe in der That den Byssus in einigen Fäl-
len an dem Vorsprunge hängen sehen. Einen überzeugen-
deren Beweis als diesen kann es nicht geben, dass der vor-
dere Theil des Thieres das Aushöhlungs -Instrument sei.
Die Thiere aller der Arten, welche ihre Arbeiten auf
Kalkfelsen beschränken, sind wahrscheinlich wie die von Sa-
xicava und Gaslrochaena gebildet. Pelricola hat nach G. B.
Sowerby die Ränder des Mantels vorn verdickt mit einem
kleinen Loch für den Fuss. Professor Owen beschreibt in
seinem Aufsatz über Clavagella im ersten Bande der Zoolo-
gical Transactions diese Gallung als einen vorn geschlossenen
und verdickten Mantel mit einer kleinen Oeffnung für den
Fuss besilzend. Es genügt zu bemerken, dass dieser ausge-
zeichnete Physiologe glaubt, das Thier erweitere seine Woh-
nung durch den verdickten Theil des Mantels. Ich habe keine
genaue Beschreibung des Thiers von Lithodomus finden kön-
956 Hancock: Ueber das Bohren der Mollusken in Felsen etc,
nen, doch nach den Ueberbleibseln desselben von einem klei-
nen Exemplar, die ich in einer alten Schale fand, kann ich
nicht zweifeln, dass der Mantel vorn geschlossen sei.
Aus dem, was bereits von den Höhlungen der Patellen
gesagt ist, geht deutlich hervor, dass sie auch von der Ge-
slalt des Thieres abhängig sind. Die Richtung der Höhlun-
gen der Acephalen spricht ebenso wie ihre Gestalt für die
Meinung, dass der vordere Theil des Thieres der Bohr- Ap-
parat sei. Ich habe eine grosse Anzahl Höhlungen dieser
Thiere untersucht, und finde, dass die Richtung der Aushöh-
lungen immer ein wenig nach einer Seite geneigt sei. Keine
ist rechtwinklig zu der Oberfläche, durch welche das Thier
eindringt. Die Kanäle der Teredo sind auch an ihrem An-
fange geneigt; aber ihr Verlauf ändert sich bald, und ist
später deutlich von dem Willen des Thieres abhängig. Die
Höhlungen von Pholas und Saxicava setzen im Allgemeinen
ihre ganze Länge in der anfänglichen Richtung fort, sie sind
jedoch zuweilen schwach gekrümmt oder geneigt. Dies kommt
häufiger bei Saxicava als bei Pholas vor, und hat seinen Grund
darin, dass das Thier sich ein wenig mehr nach einer Seite
wendet, als gewöhnlich. Die Schiefheit der Höhlungen ist
der Meinung von drehender Bewegung ungünstig, und kommt
von der Lage des Thieres gegen den ventralen Rand der
Schale hin. Wenn die angreifende Oberfläche also nach ei-
ner Seite hin angebracht ist, so können die Höhlungen nicht
perpendiceulär sein, wenn nicht eine vollkommene Rotation
statt fände, was wir später als unnöthig erkennen werden.
Es bleibt uns nun übrig zu zeigen, dass die vordern
Theile des Thieres mit den Mitteln versehen sind, die ver-
schiedenen Substanzen, in welchen die Höhlungen gemacht
werden, zu enlfernen. Die angewendeten Mittel können nicht
Auflösungsmittel sein, wenn wir sie nicht für fähig halten
wollen, Thon, Kiesel, Kalk und auch Holz zu zerstören; und
wir haben bereits gesehn, dass von Teredo das Holz zu Sä-
gespänen umgewandelt wird, und keineswegs durch chemische
Einwirkung; ebenso dass die Vertiefungen der Patellen zu-
weilen eine zerkratzte Oberfläche zeigen. Diese letztere That-
sache schien auch die Wirkung von Wimperströmen auszu-
schliessen, da man sie schwerlich für geeignet halten kann,
zes
und die Entfernung von Theilen ihrer Schalen. 957
eine solche Oberfläche zu erzeugen. Seit wir wissen, dass
Saxicava keine Wimpern an dem Bohrwerkzeuge besitzt, wer-
den wenige Naturforscher geneigt sein, die von Garner ver-
breitete Theorie zu unterstützen. Alle, die dies thun, müss-
len jedoch zugeben, dass die mächtigen Strömungen der Fluth
weniger mächtig sind, als die geringen Athemströmungen der
Mollusken; und dass diese, mikroskopisch wie sie sind, in
wenigen Monaten tief in harte Schalen und in Kalkstein ein-
dringen können, ja sogar in den härtesten Marmor, der Jahr-
hunderte hindurch dem Angriff der EJemente Trotz geboten
hat. Einige Naturforscher können noch geneigt sein, her-
vorzuheben, dass eine Species mechanisch, die andere che-
misch wirken könne. Aber ist es nicht der Wissenschaft
angemessener, zuzugeben, dass so nahe verwandte Thiere,
oder jedenfalls, dass alle bohrenden Acephalen leichter einen
gleichen Zweck durch dieselben Mittel erreichen, als dass
mehrere Mittel angenommen werden sollen? Gewiss ist dies
mehr mit der Einigkeit der Naturgeselze, und der schönen
Einfachheit, die überall in ihren Werken vorherrscht, in
Einklang.
Wir wollen nun die vorderen Theile des Thieres prü-
fen. Die Oberfläche des Fusses von Teredo norvegica, in
Weingeist aufbewahrt, ist zähe und lederarlig, und ganz be-
deckt mit kleinen unregelmässigen Bläschen. Wenn ein Theil
davon unter den Compressor des Mikroskops gebracht wird,
erscheint er voll von kleinen glänzenden Punkten; und bei
verslärktem Druck entdeckt man verhältnissmässig grosse
Krystall-Körper. Sie sind sehr zahlreich, von verschiedener
Grösse und Form, vorzüglich fünf- oder sechsseitig, aber
durchaus nicht regelmässig ; alle stimmen darin überein, dass
sie in der Milte eine oder mehrere erhabene Spitzen haben.
Diese Spitzen waren es offenbar, welche man zuerst an der
Oberfläche durchscheinen sah. Diese Körper sind im höch-
sten Grade lichtbrechend und sind meist regelmässig über
die ganze convexe Oberfläche des Fusses vertheilt, nur zu-
weilen sind sie in Massen zusammengehäuft. Aehnliche Kry-
stall-Körper sind auch in die Ränder des Mantels, die den
Fuss umgeben, eingebeltet.
Bei Pholas zeigt sich dieselbe Erscheinung im Fuss und
Archiv . Naturgesch, XV, Jahrg. 1. Bd, 17
258 Hancock: Ueber das Bohren der Mollusken in Felsen etc,
in den ihn umgebenden Manlelrändern. Wenn z.B. die vor-
dere convexe Oberfläche des Fusses von P. crispata mit Hülle
des Compressors untersucht wird, so findet man ihn mit-klei-
nen dunklen Flecken besäet, deren jeder in der Mitte einen
glänzenden Lichlpunkt ausstrahlt. Bei stärkerer Vergrösse-
rung wimmelt die ganze Oberfläche von Krystallkörpern, von
denen einige dunkel gefärbt, andere vollkommen durchschei-
nend sind, und denen von Teredo gleichen; doch gewöhn-
lich in kleine Bündel zusammengezogen, und sehr glänzend,
zuweilen auch zu grösseren Massen angehäuft.. Diese Körper
sind bei manchen Exemplaren ganz farblos, doch nicht sel-
ten sind sie dunkel rothbraun, und haben dann beim ersten
Anblick ein drüsiges Ansehen, besonders wenn das umge-
bende Gewebe über ihnen etwas verdickt ist, was häufig vor-
kommt. Die dunklen Flecken von drüsigem Ansehen, welche
Professor Owen in der äusseren Hautschicht des Mantels von
Clavagella beobachtet hat, sind wahrscheinlich ähnliche Kry-
stall- Körper.
Bei Saxicava rugosa ist auch der vordere Theil des
Thieres reichlich mit ähnlichen Krystall-Körpern versehen ;
aber sie sind meist grösser und stärker, und sind gleichfalls
häufig zu Gruppen vereinigt. Sie sind stark lichtbrechend,
völlig farblos und von glasartiger Reinheit; sie liegen in ei-
ner dünnen Epidermis, welche im lebenden Zustande fest an
den verdiekten. Theil des Mantels angeheftet ist, aber sich
leicht lostrennt, wenn das Thier einige Zeit in Weingeist ge-
legen hat. Der verdickte Theil des Mantels von Gastrochaena
ist auch mit ähnlichen Krystall- Körpern versehen, aber aus
Mangel an Exemplaren habe ich sie bei dieser Art nicht so
genau untersuchen können, als ich es gewünscht hätte.
Der Fuss und der Mantel von Patella vulgata zeigen eben-
falls diese glänzenden Körper, aber bei dieser Art sind sie
kleiner und weniger fest, als gewöhnlich. In der Art, von
welcher ich erwähnt habe, dass sie in die grosse Patella von
der Amerikanischen Küste sich einbohrt, haben sie jedoch
einen hohen Grad von Entwickelung. Ich erhielt glücklicher-
weise ein getrocknetes Thier von diesem Bohrer, welches
am Grunde einer Vertiefung hing; und als ich den Fuss und
die Mantelränder in den Compressor brachte, sah ich deut-
und die Entfernung von Theilen ihrer Schalen. 259
lich grosse starke Krystallkörper in unregelmässigen Grup-
pen um den Mantelrand geordnet; ähnliche Körper waren auch
über den Fuss zerstreut, aber ohne die geringste Ordnung.
Sie sind meist fünf- oder sechsseitig, dick, und haben in der
Milte eine erhabene Spitze. Wenn man sie zwischen Glas
queischt, sind sie geneigt, in strahliger Weise zu‘ zerbrechen,
als wenn es durch den Druck auf die mittlere Spitze her-
vorgebracht würde.
Es ist schwer zu sagen, woraus diese Krystallkörper
bestehen, obgleich kaum gezweifelt werden kann, dass sie
modifieirte Epithelium-Schuppen sind, von denen sie sich
vornehmlich dadurch unterscheiden, dass sie fest, lichtbre-
chend und krystallinisch glänzend sind. Der Unterschied zwi-
schen diesen und gewöhnlichen Epithelium-Schuppen wird
sogleich erkannt, wenn man ein wenig von der Oberfläche
des untern Theils der Alhemröhre von Pholas in dem Com-
pressor untersucht. Es scheint auch, dass diese Körper wie
die Schuppen des Epitheliums beständig abgeworfen werden.
Als ich die Schauerstreifen in Grunde ‚der Höhlung von Sa-
xicava erkannte, wie vorhin erwähnt, fand ich daselbst eine
grosse Zahl dieser Körper, die genau mit denen des Mantels
übereinstimmten; und bei der Untersuchung des Niederschla-
ges, der an der Schale von Gastrochaena hing, bestand das
Residuum nach der Behandlung mit Säuren fast ganz aus ih-
nen. Das zerstörte Holz aus Teredo enthält auch glänzende
Krystallkörper, die denen in Fuss und Mantel gleichen. Mö-
gen nun diese Körper Epithelium-Schuppen sein, oder nicht,
wir sehn darin, dass sie abgeworfen werden, das Miltel, um
die Reibefläche wirksam zu erhalten. Durch Druck zerbre-
chen diese Körper in scharfeekige Stücke. Essigsäure löst
sie nicht auf; und bei Saxicava bringt starke Salpetersäure
selbst in mehreren Tagen keine Veränderung hervor. Wenn
diese Säure hinreichende Zeit hat, das umgebende Gewebe
zu zerstören, bleiben die Krystallkörper völlig unverändert
als ein Bodensatz zurück. Die von Pholas und Teredo schei-
nen jedoch zulelzt von dieser Säure angegriffen zu werden,
obgleich sie ihr einige Stunden widerstehen, und nie ganz
durch sie zerstört werden. Sie werden kleiner und spröde,
aber behalten viel von ihrem Glanz und schar/winkligem An-
260 Hancock: Ueber das Bohren der Mollusken in Felsen etc.
sehn; und einige von ihnen, namentlich von Pholas, wurden
sogar kaum verändert, obgleich sie mehrere Tage dieser
kräftigen Säure ausgesetzt waren. Aus diesen Thatsachen
lässt sich vielleicht schliessen, dass diese Krystallkörper ent-
weder ganz aus Kiesel bestehen, oder eine Verbindung von
Kiesel mit thierischer Masse sind. Diese Versuche bewei-
sen es freilich nicht; aber wenn man ihre Resultate mit dem
krystallinischen Ansehn dieser Körper in Verbindung bringt,
und wenn wir an die neuerlichst bekannt gemachte Thatsache
erinnern, dass die Zähne auf der Zunge der Gasteropoden aus
Kiesel bestehen, dann erhält diese Ansicht einen hohen Grad
von Wahrscheinlichkeit; und wenn es richtig ist, dann ist
das Phänomen des Bohrens der Mollusken sehr leicht erklärt ').
Der Fuss und Mantel von Teredo, Pholas und Patella
und der verdickte Theil des Mantels von Saxicava, Gastro-
chaena und ihren Verwandten scheinen also Reibescheiben
von ausserordentlicher Kraft zu sein, besetzt mit diesen Kie-
selkörpern, die ihr die Eigenschaften von feinen Raspeln ge-
ben. Es bleibt nun nur noch übrig, den Beweis von der
Existenz von Muskeln zu geben, welche dieser furchtbaren
Reibefläche die nöthige Bewegung geben.
Diese Muskeln sind reichlich vorhanden, der nächstlie-
gende Theil des Fusses sowohl, wie des Mantels von Teredo,
Pholas und Patella besteht aus verschlungenen Muskeln. Der
vordere verdickte Theil des Mantels von Saxicava besteht
auch aus nach allen Richtungen verlaufenden Muskelfasern.
Und Professor Owen in seiner Arbeit über Clavagella sagt:
„Die Muskelschicht, welche den Sipho und seine Retractoren
bildet, endet am vordern Theil des Mantels, wo sie zu einer
dicken erhabenen Masse von verschlungenen und vorzüglich
queren Muskeln anschwillt.* Gewiss dient dieser kräftige
*) In der History of British Mollusca ist die Existenz von Kie-
selkörpern im Fuss und im Mantel von Pholas und Teredo geleugnet;
vielleicht haben sie die Verf. wegen der Aehnlichkeit mit Epithelium -
Schuppen übersehen. Indessen kann Kiesel kaum als unbedingt notlı-
wendig angesehen werden; ein viel weicheres Material an einer leben-
digen Oberiläche und stets erneuert, ist gewiss geeignet die verschiede-
nen Substanzen zu zerreiben, in denen diese Thiere bohren; wenigstens
gewiss was Pholas und Teredo betrillt, \
und die Entfernung von Theilen ihrer Schalen. 261
Muskelapparat einer wichtigen Funktion: — nicht ein Auflö-
sungsmittel abzusondern, sondern bei dem mechanischen Aus-
höhlungswerk zu helfen.
Wir sehen nun das Bohr- Werkzeug vollständig in allen
seinen Theilen; und ein wirksamerer Apparat könnte nicht
ersonnen werden. Mit Hülfe der kieseligen Bewaffnung’schnei-
det der weiche fleischige Fuss von Pholas und Teredo, an-
hängend an der zu zerstörenden Masse, und unterstützt durch
die Mantelränder, ebenso leicht in Holz, Schiefer , Kreide,
und verschiedene andere Körper, in welche Mollusken boh-
ren. Patella höhlt auf dieselbe Art. Die Weise ist etwas
anders bei Gastrochaena und Saxicava. Sie heften sich mit
dem Byssus fest an den Felsen, bringen dann den bewaffne-
ten und verdickten Theil des Mantels in Berührung mit ihm,
und machen so die verschlungenen Muskeln, aus denen er
besteht, geschickt, mit eben solcher Wirkung zu arbeiten,
wie die in dem breiten ausgesogenen Fuss und Mantel von
Pholas und Teredo.
Bei keiner dieser Arten wird eine starke drehende Be-
wegung verlangt. Bei Pholas und Teredo genügt ein wenig
mehr als die blosse Zusammenziehung der reibenden Ober-
fläche, da jeder Theil des Fusses und Mantels, welche zu-
sammen fast ganz den Grund der Höhlung ausfüllen, unmit-
telbar auf die Substanz wirkt, mit der sie in Berührung ist.
Dasselbe findet bei Patella statt, welche sich offenbar nicht
dreht, da die Höhlen elliptisch sind, wie das Thier, und sehr
genau für die Randzähne der Schale passen. Da die Reib-
scheiben von Saxicava und Gastrochaena kleiner sind als die
Höhlen, so müssen diese Arten sich von einer Seite zur an-
dern in Zwischenräumen bewegen, indem sie sich von neuem
mit dem Byssus festheften, wenn sie ihre Lage ändern. Ueber-
all jedoch wird dieselbe wurmförmige Zusammenziehung der
Theile, wie sie Everard Home an dem Fuss, seinem Rüs-
sel, von Teredo beobachtet hat, erfordert, um die Substanzen
fortzuschaffen, in welchen das Thier bohrt. So ist diese ver-
wirrte Sache vereinfacht und nach der Analogie darf man
kaum zweifeln, dass alle bohrenden Mollusken in derselben
Weise bohren: nicht durch Raspeln oder Schneiden mit ih-
ren Schalen, — nicht durch ein Auflösungsmittel, — nicht
%62 Hancock: Ueber das Bohren der Mollusken in Felsen etc,
durch Wimperströme, . Wir sollten also, glauben, dass keine
Muschel bohre, die nicht entweder mit einem breiten Sauge-
fuss oder mit einem vorn verwachsenen und verdickten Man-
tel versehen wäre. Venerupis perforans könnte vielleicht als
eine Ausnahme von diesem Gesetz angeführt werden; doch
ist es zweifelhaft, ob. sie überhaupt bohrt. An der Küste von
Northumberland, wo eine grosse Menge von weichem Schie-
fer und verschiedenen Felsen vorkommen, Ihut sie es gewiss
niemals, aber häufig ergreift sie Besilz vor den allen Höh-
lungen von Pholas und Saxicava, und dieser Aufenthalt ist
wahrscheinlich die Ursache, dass man ihr eine Fähigkeit zu-
geschrieben hat, welche sie nicht besitzt. Von einem ähnli-
chen Aufenthalt hat man auch der Kellia suborbicularis die
Bohrlähigkeit zugeschrieben, und leicht möchte es bei andern
anerkannten Bohrern nicht besser um ihre Fähigkeit stehn.
Es könnte noch gefragl werden, ob die Bewaffnung von
so furchtbarer Beschaffenheit, ‚wie sie es bei Saxicava ist,
ganz auf kalkige Substanzen beschränkt ist? Warum sollte sie
nicht auch in weicheren Stoffen, wie Holz und Schiefer, boh-
ren? Dies kann durch eine andere Frage beantwortet werden
— warum bohren Teredo und Pholas striata immer in Holz;
und warum wird nicht Saxicava selbst in andern Muschel-
schalen gefunden, wie es häufig mit Lithodomus der Fall ist?
denn gewiss könnte ein saures Auflösungsmittel die Kalk-
schalen ebenso gut auflösen, wie harten Kalkstein.
Gewiss ist ein Instinkt der Führer hierbei und leitet
jede Species zu der Substanz, welche auf die eine oder andere
Art ihr am besten für die Oeconomie ihres Lebens nülzt.
Eine solche Auswahl ohne deutliche Ursache wird überall in der
grossen Natur beobachtet; wir sehen sie bei den Nestern der
Vögel, welche bei nahe verwandten Arten oft aus verschiede-
nem Material gebaut sind, und wir sehen es in entscheidender
Weise bei den Wohnungen der bohrenden Insekten. Von
den Zimmermannsbienen (carpenterbees) (Hylocopae) ist es
bekannt, dass sie in Holz hohren; doch giebt es eine Art
einer verwandten Galtung, Anthophora relusa , welehe. ihr
Nest nicht nur in harten trockenen Dämmen macht, sondern
auch in Mauerspalten, indem sie durch den Mörtel bohrt, und
durch Ablösen der Mauersteine viel Schaden verursacht, Dass
und die Entfernung von Theilen ihrer Schalen. 263
sie nicht in Holz eindringt, kann nicht an dem Mangel an
Fähigkeit dazu liegen.
Auch eine mechanische Ursache könnte bei Saxicava
hiermit zusammenhängen. Es ist bereits gesagt, dass das
Reibewerkzeug durch die Anheftung des Byssus in Berührung
mit der auszuhöhlenden Masse gehalten wird; und da der
Byssus klein ist, so kann man nicht annehmen, dass er an
weichen zerreiblichen Felsen sich festhalten könne, wie an
Schiefer, welcher an der Küste von Northumberland häufig
ausserordentlich zerbrechlich ist, so dass die Algen selten
an ihnen wachsen, und die Patellen sich selten seiner trü-
gerischen Oberfläche anvertrauen. Clavagella scheint jedoch
in weichen Substanzen ebenso gut wie in harten zu bohren,
was leicht dadurch erklärt wird, dass die Anheftung der ei-
nen Schale an die Seite der Röhre, den Nulzen eines Bys-
sus unnöthig macht, und da sie ein grosses Fulerum hat, so
kann diese Art in weichen Massen mit derselben Leichtig-
keit bohren wie Pholas.
Hiermit scheint eine andere Erscheinung in der Ge-
schichte der Mollusken innig zusammenzuhängen — die Fä-
higkeit, welche manche Gasteropoden besitzen, dieDicke der
Spindel zu vermindern, und Dornen oder andere Hinder-
nisse von ihr zu entfernen.
Gray, welcher hierauf in seinem vorhin erwähnten
Aufsatze, in den Philosophical Transactions eingegangen ist,
meint, die Absorption des äussern Theils der letzten Win-
dung und der Dornen sei offenbar durch den Rand des Man-
tels hervorgebracht, und es kann nicht gezweifelt werden,
dass die andern Fälle, welche dieser Verfasser von der Ab-
sorplion grösserer oder kleinerer Strecken der Wände (Sepla)
erwähnt, durch dasselbe Organ bewirkt werde. Um zu zei-
gen, dass diese Ansicht richtig sei, beziehen wir uns nur
auf die Mollusken unserer Küste. Die Schale von Buceinum
undatum zeigt ‘allgemein eine Grube an der Spindel, welche
die ganze Länge der Mündung einnimmt; und wenn man ein
lebendes Exemplar untersucht, so findet man, dass der Man-
telrand vollkommen dieser Grube entspricht. Fusus anliquus
und Purpura lapillus vermindern auch die Dicke der Spindel,
und bei jeder kann man sich leicht überzeugen, dass der
264 Hancock: Ueber das Bolıren der Mollusken in Felsen etc.
Mantel das Werkzeug ist. Bei Buccinum undatum ist der
Einschnitt in die Spindel zuweilen sehr tief, besonders wenn,
der Theil ausgebessert und ein wenig vorgezogen war; dann
ist er häufig unterhöhlt und ragt über den Mantel hervor. Es
ist schwer zu sagen, was in diesen Fällen mit Absorption
gemeint ist, hier kann nicht die Absorption harter unor-
ganischer Materie, wie in den höheren Thieren gemeint
sein, denn es besteht keine Gefässverbindung zwischen dem
Mantel und der-Spindel. Gray sagt: Es ist auffallend, dass
diese Thiere, da sie diese Fähigkeit ihre eigenen Schalen und
die Schalen anderer Mollusken und Kalkfelsen zu absorbiren
besitzen, sie nicht anwenden um fremde Hindernisse, die ih-
nen in der Bildung ihrer Schale hinderlich sind, zu besei-
tigen. Wäre diese Thatsache richtig, so würde die Meinung
unterstülzt sein, dass eine Absorption durch Gefässe oder
etwas ähnliches wirklich stattfände. Ich besitze durch die
Güte vonRichard Howse zwei Exemplare, welche bewei-
sen, dass diese Thiere doch vermögen, fremde Körper von
ihrer Spindel zu entfernen. Das eine ist ein kleines Indivi-
duum von Buceinum undatum mit einer Serpula an der Spira,
welche über den hinteren Theil der Spindel fortgeht. Diese
Serpula ist völlig durchschnitten, gewiss durch den Mantel,
so dass noch fast '/, Zoll darüber fortgeht, das andere ist
ein Fusus antiquus, an dessen Spindel zwei Wallfischpocken
(Balanus communis) hängen. Diesem sind die Wände, wel-
che der Mündung der Schale, auf der sie sitzen, zunächst
liegen, durchschnilten, was es ausser Zweifel setzt, dass der
Mantel die Fähigkeit hat, fremde Körper, die das Wachs-
thum des Thieres hindern, zu entfernen. : Es ist daher deut-
lich, dass diese Entfernungen nicht durch Gefäss-Absorption
geschehen, und es muss nachgewiesen werden, ob sie durch
ein blosses Auflösungsmittel oder durch mechanische Mittel
entfernt werden.
Die vorhin angeführten Gründe gegen ein Auflösungs-
mittel, bei den bohrenden Muscheln, lassen sich auch hier
anwenden. Es ist nicht zu begreifen, wie es angewendet
werden könnte, ohne seine Kraft durch die Vermischung mit
dem umgebenden Element sehr zu verringern. Wenn der
Mantel seine Operationen an der gestreiften Oberfläche von
und die Entfernung von Theilen ihrer Schalen. 965
Buccinum undatum beginnt, werden die erhabenen Runzeln
oder Streifen fast zerstört, bevor die Gruben gemacht wer-
den. Die Oberfläche wird also schnell geebnet; wäre es ein
Auflösungsmiltel, so würde das Umgekehrte stattfinden müs-
sen, denn die Flüssigkeit würde sich in den Vertiefungen an-
sammeln und dort kräftiger wirken, als an den erhabenen
Theilen; es würden daher die Vertiefungen vergrössert wer-
den. Ueberzogene Löcher und Spalten sind nicht erweitert,
was doch durch ein Auflösungsmittel geschehen müsste, wie
Jeder weiss, der sich mit Aetzen beschäftigt. Wie vorhin be-
merkt, können fremde Hindernisse von kalkiger Beschaffen-
heit entfernt werden; die Sandscheide von Terebella lum-
bricalis widersteht jedoch der Kraft des Mantels. Wenn
dieses Thier das Wachsthum der Schnecke hindert, wird es
von der innern Lippe der Schale überzogen und häufig ent-
steht daraus eine Schiefheit. Der Sand, welcher von dieser
Terebella angeklebt wird, besteht meist ganz aus ziemlich
grossen Kieselstückchen und was wir von dem Bohren der
Muscheln wissen, genügt um zu zeigen, dass die Scheide
dieses Thieres nicht entfernt werden konnte. Die Frage wird
zwar hierdurch nicht entschieden, doch man sollte denken,
dass, wenn ein Auflösungsmittel im Spiele wäre, es die Fä-
higkeit haben müsste, zuerst die Epidermis zu entfernen ;
und wenn dies der Fall wäre, dann gäbe es keinen Grund,
warum das Auflösungsmiltel nicht seinen Weg zu der horni-
gen Scheide finden sollte, welche die Kieselstückchen zusam-
menhält, um so den Sand zu befreien. Die Unwahrschein-
lichkeit, dass ein Auflösungsmiltel angewendet werde, wächst
durch die Thatsache, dass es durch dasselbe Organ bereitet
werden müsste, welches die Kalkmasse zur Bildung der in-
neren Lippe absondert. Freilich könnte man annehmen, die-
ses käme von dem hinteren Theile des Mantels, und das
Auflösungsmiltel von seinem äussern Rande, aber dies löst
nicht die Schwierigkeit, denn das eine würde leicht das an-
dere aufheben.
Die Wirkung von Strömen ist hier nalürlich ausser
Frage, da der Mantel nie an der innern Oberfläche mit Wim-
pern besetzt ist; an der der Schale zugekehrten Seite sind
keine, wahrzunehmen, sie ist jedoch mit Krystallkörpern. ver-
266 Hancock: Ueber das Bohren der Mollusken in’ Felsen etc.
sehen, ähnlich den vorhin in dem Fuss und Mantel der boh-
renden Mollusken beschriebenen. Sollten wir nun nicht schlies-
sen, dass durch ihre Thätigkeit die Spindel verringert, und
dass durch sie Dornen und andere Hindernisse entfernt wer-
den? Die Analogie führt uns zu diesem Schluss , vorausge-
setzt, dass wir eine richtige Ansicht von dem Bohren der
Mollusken erhalten haben. Ich habe bei allen bohrenden Ar-
ten zu zeigen versucht, dass der Fuss und Mantel die wir-
kenden Organe sind, und dass bei Patella, mit der die Ana-
logie am grössten ist, der Mantel besonders wirksam ist.
Bei dieser Species haben wir gesehen, dass sie die Fähig-
keit hat, Schiefer, Kalk und ‘Schalen zu zerstören, und diese
Substanzen werden entfernt, so lange die Schale wächst,
offenbar um die Oberfläche zu ebnen, und sie für das Thier
passend zu machen. Was thut der Mantel von Buceinum
undatum und anderen Gasteropoden? Er schafft Hindernisse
von der Spindel fort, und vermindert ihre Dicke, damit das
Thier hinreichenden Raum habe, wenn es wächst. Alle,
Acephalen sowohl wie Gasteropoden, reiben diese harten Sub-
stanzen nur während des Wachsthums fort, und Alle thun es
um erwachsen Schutz und Bequemlichkeit zu finden, bei
Allen geschieht dasselbe, bei Allen wird dasselbe Organ an-
gewendet, und wir können kaum zweifeln, dass es bei Allen
mit denselben Mitteln versehen ist.
Wir hätten ausführlicher in diesen Theil der Betrach-
tung eingehen können, aber es‘ scheint unnöthig, denn wenn
es mir gelungen ist meinen Ansichten in dem ersten Theil
dieser Mittheilung Eingang zu verschaffen, dann bleibt hier
wenig zu sagen übrig; wo nicht, würde das, was ich noch
hinzufügen möchte, wenig helfen, da ich fest überzeugt bin,
dass alle diese Erscheinungen nach einem Gesetze erlolgen.
Noch bleibt zu prüfen das Bohren der fleischfressenden Ga-
steropoden in Muscheln und andern Schalen, doch da dieser
Aufsatz bereits eine zu grosse Länge erhalten hal, kann auf
diesen interessanten Theil des Gegenstandes nicht eingegan-
gen werden, Ich will vor dem Schluss nur eine oder zwei
hierauf bezügliche Bemerkungen machen.
Vor kurzer Zeit fand Riehard Howse eine bohrende
Purpura an der Küste von Durham und in Gesellschaft die-
und die Entfernung von Theilen ihrer Schalen. 267
ses Herrn halte ich einigemal Gelegenheit dieses Thier zu fan-
gen, während es den gemeinen Mytilus, der seine Lieblings-
nahrung zu sein scheint, anbohrte. Die Löcher haben ge-
wöhnlich '/, Zoll im Durchmesser, gerade genug um den
Rüssel durchzulassen, den ich ein oder zweimal in dem Loch
habe stecken sehen. Die Zunge, welche mit Querreihen von
Kieselstacheln bedeckt ist, ist striemenförmig und sehr lang;
sie ist viel schmaler als das Bohrloch und die vorderen Sta-
cheln sind gewöhnlich abgenutzt oder sind nie entwickelt
gewesen. Die Löcher sind meist rund, zuweilen ein wenig
eiförmig, und gehen häufig durch die Epidermis, welche bei
Mytilus hart und hornig ist. Wenn dies der Fall ist, ist die
Epidermis niemals zerrissen, sondern die Ränder sind glatt
und rund wie das übrige Loch. Bei Zusammenstellung die-
ser Thatsachen, ergiebt sich wohl der Schluss, dass das Boh-
ren in diesem Falle mechanisch und dass die Zunge das Werk-
zeug ist, obgleich es schwer zu begreifen ist, wie ein
schmaler pfriemenförmiger Apparat ein rundes Loch ausarbei-
ten kann. Aber wenn man dieses wunderbare kieselige Or-
gan sieht, welches gewiss geeignet ist Kalkmassen zu durch-
dringen, dann wird man schwerlich die deutlichen und ein-
fachen Operationen derNalur durch andere verdrängen wol-
len; eher wird man eine Anwendungsart annehmen, durch
welche die gewöhnliche Greifzunge der Schnecken, zu einem
feilenden und schabenden Werkzeuge wird. Die Abnutzung
der vorderen Stacheln scheint dieser Meinung günstig.
Ueber die Entwickelung des Tergipes
lacinulatus.
Von
Dr. Max. Sigm. Schultze
in Greifswald.
(Hierzu Taf. V.)
Bekanntlich hat Sars ') die interessante Entdeckung
gemacht, dass die Jungen gewisser in der See lebender
Nacktschnecken aus den Ordnungen der Gymnobranchia und
Pomatobranchia beim Auskriechen aus dem Ei mit einer Schale
versehen sind, welche von Nautilusartigem Ansehen das Thier
ganz umhüllt, sowie dass diese jungen Schnecken vermiltelst
zweier grossen Wimperlappen, welche dem vorderen Ende
des Thieres ansitzen, frei im Wasser zu schwimmen vermö-
gen nach Art eines Räderthieres, während an älteren scha-
lenlosen Individuen keine Spur dieser mit langen willkührlich
beweglichen Wimpern beselzien scheibenförmigen Fortsätze
sichtbar sind.
Loven °) bestätigte die von Sars an den Jungen der
Tritonia arborescens und Ascanii, Aeolidia bodoensis, Doris
muricata und Aplysia gultata gemachten Beobachtungen an
eben denselben und auch an Aeolidia branchialis, ‚und gab
interessante Zusätze über die Organisation der mit Schalen
bedeckten Jungen.
') Wiegmann’s Archiv. 1837. p.402; 1840. p. 196; 1845. p. 4.
?) Stockh. Vetensk. Acad. Handlingar. f. 1839. p. 227. Tab. 2
Isis, 1842, p. 359.
Schultze: Ueber die Entwickelung des Tergipes lacinulatus. 269
Van Beneden !) und Allman 2) fanden ersterer
bei mehreren Aplysien, letzterer bei Actaeon eine gleiche
Beschaffenheit der eben das Ei verlassenden Jungen.
Durch eine sehr ausführliche Arbeit von Carl Vogt)
über die Entwickelung des Actaeon viridis wurden die ge-
nannten Eigenthümlichkeiten der jungen Nacktkiemer auch
für dieses Thier erwiesen. Ebenso durch eine Arbeit von
Nordmann’s *) für den Tergipes Edwardsii.
Bei der grossen Verschiedenheit, welche zwischen dem
mit einer Schale bedeckten frei herumschwimmenden Jungen
und dem langsam kriechenden erwachsenen Thiere bei den
genannten Mollusken statt hat, ist die Aufmerksamkeit der
genannten Forscher besonders darauf bedacht gewesen, die
nothwendig durchzugehenden Metamorphosen der Jungen, na-
mentlich was das Abwerfen der Schale und Verschwinden
der Wimperlappen betrifft, zu beobachten. Doch keinem der-
selben ist es gelungen, die Larven, nachdem sie das Ei ver-
lassen halten, so lange lebendig zu erhalten, bis die ange-
deutete Metamorphose eintrat. Die Jungen lebten in den
meisten Fällen mehrere Wochen ohne sich wesentlich zu ver-
ändern, und starben dann regelmässig zum grossen Leidwe-
sen der Beobachter.
So konnten denn bisher über den Verlauf der Metamor-
phose und die Umwandlung mancher offenbar nur transitori-
scher Organe der Jungen nur Vermuthungen aufgestelll wer-
den, zumal da die fehlenden Entwickelungsstufen,, welche
in den Versuchsgläsern sich nicht bilden wollten, auch im
freien Meere nicht aufgefunden wurden, die von v. Nord-
mann beobachteten jungen, schalenlosen, mit Wimperlappen
frei herumschwimmenden Schnecken ausgenommen, welche
dieser Forscher für junge Tergipeden halten zu müssen glaubte.
Diese Lücke in der Kenntniss der Entwickelung bei den
*) Bull. de l’Acad. de Bruxelles T. VII. 1840. p. 239. Ann. d,
sc. nat, 2. Ser. T.XV. 1841. p.123,
?) Ann, and Magaz. of nat. hist. N°. 104. 1845. Vol. XVI. p. 145.
®) Ann. d. sc. nat. 3. Ser. Tom. VI. p. 5.
#) Versuch einer Monographie des Tergipes Edwardsii 1843. Ann.
d, sc. nat, 3. Ser. T. V, p. 109.
9370 Schultze:
Gynmobranchien durch Darlegung schrittweise forischreiten-
der Beobachlungen an einem und demselben Thiere auszu-
füllen , ist der Zweck dieser Abhandlung. Durch den gün-
stigen Fall, dass die jungen Nacktkiemer, welche ich zu beob-
achten Gelegenheit hatte, schon in den ersten Tagen nach
dem Auskriechen ihre Metamorphose vollständig durchmach-
ten, war ich in den Stand gesetzt, die Vorgäuge zu verfol-
gen, auf deren Eintreten meine Vorgänger wochenlang ver-
geblich gewartet halten, z
An der Küste der Ostsee in der Nähe von Greifswald
kommt nicht selten auf der im seichten Wasser vorzugsweise
auf Potamogeton pectinalum ansilzenden Campanularia geni-
eulata eine kleine Nacktschnecke vor, welche ich mit dem
von Forskäl !) zuerst beschriebenen und Limax tergipes
genannten von Cuvier Tergipes lacinulatus umgetauften Thiere
für wahrscheinlich identisch halte 2). _ Diese ausser der Li-
mapontia nigra (Johnston), Pontolimax. varians (Creplin) an
unserer Küste einzige Gymnobranchie konnte ich mir im Octo-
ber dieses Jahres in einiger Menge verschaffen, begünstigt
durch sehr niedrigen Wasserstand, und hatte zugleich Gele-
genheit, sowohl an den aus der See mitgebrachten, als auch
an den bei mir zu Hause erst gelegten Eiern die Entwicke-
lung vollständig zu beobachten.
Das 2—21/,'“ lange, weisse, sehr. zierliche Thierchen,
welches Fig. 11 bei 3maliger Vergrösserung abgebildet ist ®),
legt seine Eier in einzelnen, runden, glashellen Klümpchen
an die Stämme. ‚der Campanularia genieulata, von. welchen
#) Descriptiones animalium, quae in itinere etc. Havniae 1775. p.99.
Forskäl beobachtete das Thier bei Kopenhagen.
2) Die Blainville’sche Abbildung dieses Thieres in der Maloco-
logie. Tab. XLVI. fig. 6. scheint eine Kopie einer von Forskäl gege-
benen zu sein, welche ich mir noch nicht verschaffen konnte. Eine
andere Abbildung oder genauere Beschreibung, als die von Blain-
ville, welcher übrigens, wie er ausdrücklich sagt, das Thier nur durch
Forskal kennt, ist mir nicht bekannt geworden. Von dieser Abbil-
dung weicht unser Thier besonders durch eine andere Gestalt der Stirn-
fortsätze ab.
3) Eine genaue Beschreibung und Anatomie dieses Thieres werde
ich später geben.
Ueber die Entwickelung der Tergipes lacinulatus. 271
das Thier sich ausschliesslich zu nähren scheint (gerade wie
Tergipes Edwardsii Nordm.) oder an die Pflanze, auf welcher
die Campanularia ansitzt, gewöhnlich Potamogeton peclina-
tum. Die Zahl der auf einmal gelegten in einem Klümpchen
vereinigten Eier wechselt von 1—30 und mehr.
Die Form der Eierhaufen oder Eierschnüre ist nach den
Angaben der Schriftsteller bei den verschiedenen Gatlungen
sehr verschieden. Während die meisten spiralig gewundene
oder doch langgezogene Eierschnüre mit einer sehr bedeu-
tenden Anzahl von Eiern legen, (auch. Tergipes coronatus
legt nach Loven gewundene Eierschnüre) stimmt der 'Ter-
gipes Edwardsii aus dem schwarzen Meere darin ‚ganz mit
dem unsern überein, dass er auch die Eier in kleineren,
runden, glashellen Gallertkugeln eingeschlossen legt. Die
Angabe Nordmann’s, dass dies besonders des Nachts ge-
schehe, scheint sich an unserem Tergipes ebenfalls zu be-
stäligen.
Den von Vogt und Nordmann gegebenen genauen
Beschreibungen der Veränderungen, welche die Eier bis zum
Auskriechen der Jungen durchgehen, habe ich Nichts Abwei-
chendes bei unserem Tergipes hinzuzufügen. Nachdem die
Furchung beendet und der Embryo seine Rolationen begon-
nen hat, Irelen Wimperlappen, Otolith und Fuss nebst der
Schale am 4—Öten Tage nach dem Legen des Eies auf.
Die von v. Nordmann beschriebenen und als Parasi-
ten angesehenen bewimperten Körperchen , welche sich ne-
ben den Embryonen seiner Tergipeden innerhalb der Eischale
lebhaft bewegten, sind mir ebenfalls aufgestossen. Ich kann
dieselben jedoch mit C. Vogt für Nichts anderes halten, als
für Theile der Dottermasse, welche nicht zur Embryobildung
mit verwandt wurden, und die an der Entwickelung der Dot-
termasse, welcher sie früher gehörten, noch in soweit Theil
genommen haben, als sie sich, wie jene, mit Flimmerhärchen
bedecklen.
Bei einer Temperatur von durchschnittlich 13—14° R.
verliessen am 13ten bis i4ten Tage nach dem Legen die
Embryonen die Eihülle in der in Fig. 1 dargestellten Form
in einer Grösse von 0,1 bis 0,08 Linie,
Die Schale ist nur sehr schwach gewunden, ‚ähnlich der
272 Schultze:
des Tergipes Edwardsii. Dieselbe ist von äusserster Zerbrech-
lichkeit und wird von Säuren unter Luftentwickelung mit Zu-
rücklassung einer Spur organischer Substanz aufgelöst.
Das Thier ist mit seinem hinteren Ende an dieselbe un-
mittelbar geheftet, ohne dass ein besonderer Muskel, in der
Art, wie ihn Sars, Loven, Vogt und v. Nordmann ab-
bilden, hätte erkannt werden können. Der Mund liegt zwi-
schen den beiden grossen Wimperlappen, welche am vorde-
ren Körpertheil ansitzen. Dicht hinter demselben befindet
sich die einer Kettensäge vergleichbare Zunge mit 8 Zähnen,
welche in Fig. 2 und 3 bei 500maliger Linearvergrösserung
in zwei verschiedenen Lagen abgebildet ist. Die Zähne glei-
chen ganz denen des erwachsenen Tergipes lacinulatus. Das
Vorhandensein dieser Zunge ist eine nicht unbedeutende Aus-
zeichnung für die Larve unseres Tergipes. Vogt und v.
Nordmann erwähnen ausdrücklich, dass unter den von ih-
nen beobachteten Larven keine eine Spur dieses bei den er-
wachsenen Thieren in so ausgezeichnetem Grade vorhande-
nen Organes gehabt hätten, während Sars und Loven die
Zunge mit Stillschweigen übergehen. Es mag also wieder-
holten Beobachtungen vorbehalten bleiben, zu entscheiden,
ob in der That der Tergipes lacinulatus in dieser Beziehung
eine Ausnahme von allen bisher beobachteten, ähnlich sich
entwickelnden Nacktschnecken macht.
Kiefer, innerhalb welcher bei den älteren Tergipeden
die Zunge liegt, habe ich bei den Larven, welche eben das
Ei verlassen hatten, nicht erkennen können.
Magen, Darmkanal und After sind von Sars, Loven,
Vogt und v. Nordmann bei ihren jungen Schnecken ge-
sehen und abgebildet. Um so mehr war ich verwundert,
bei unserm Tergipes durchaus kein klares Bild der Verdau-
ungsorgane erhalten zu können. Eine gleichmässig gross-
körnige, nach dem hinteren Theile des Thieres an Undurch-
sichtigkeit zunehmende, grossentheils aus Dolterkügelchen be-
stehende Masse erfüllt den inneren Raum des Thieres, ohne
dass eine Abgrenzung in einzelne Partieen, wie Magen, Le-
ber, Darmkanal erkannt werden konnte, und eine Afteröff-
nung zu finden, ist mir ebenfalls nicht möglich gewesen.
Ein Herz ist sicher noch nicht vorhanden, und bildet
Ueber die Entwickelung der Tergipes lacinulatus. 973
sich erst weit später. Vom Nervensystem habe ich Nichts er-
kennen können ; es ist aber wahrscheinlich schon entwickelt,
da es nach kurzer Zeit, wie weiter unten beschrieben wer-
den wird, als die Thiere etwas durchsichtiger geworden wa-
ren, auch leicht erkannt werden konnle.
Der Fuss des Thieres trägt einen sehr dünnen, durch-
sichtigen Deckel, mit welchem die Mündung der Schale ver-
schlossen wird, wenn das Thier sich ganz in dieselbe hin-
eingezogen hat.
Wie schon erwähnt, hat keiner der oben genannten For-
scher während der Zeit, dass die Larven der Nacktschnek-
ken beobachtet wurden, wesentliche Veränderungen an den-
selben vorgehen sehen, durch welche sie sich den erwach-
senen Thieren mehr ‘genähert hätten. Die Thiere starben
stets ohne Zeichen einer beginnenden Metamorphose nach 3
bis 4 Wochen.
Ebenso wenig gelang es meinem Freunde Dr.Fr. Mül-
ler hieselbst, die Jungen von Pontolimax varians, welche
derselbe während ihrer Entwickelung im Ei und nach dem
Auskriechen beobachtete, und die die Eigenthümlichkeiten der
anderen Gymnobranchien - Larven theilen, bis zu ihrer Me-
tamorphose lebendig zu erhalten. Sie starben nach etwa 8
Tagen.
Ich war deshalb nicht wenig verwundert, an den Lar-
ven unseres Tergipes schon am zweiten bis dritten
Tage nach dem Auskriechen die Veränderungen vor sich
gehen zu sehen, durch welche dieselben eine dem erwach-
senen Thiere bis auf die Grösse gleiche Form erhielten. Diese
Beobachtungen wurden mehrere Male an zu verschiedenen
Zeiten ausgekrochenen Larven gemacht, und es kann kein
Zweifel sein, dass für den Tergipes lacinulatus diese schnelle
Entwickelung constant ist, was in der That um so mehr
auffallen muss, als ein Thier derselben Gattung, der Tergipes
Edwardsii 3—4 Wochen im Larvenzustande beobachtet wurde.
Nachdem das junge Thier seine Eihülle verlassen,
schwimmt es einige Stunden mit ausgebreileten Wimperlap-
pen frei im Wasser umher, dann geht es gewöhnlich an die
Oberlläche des Wassers (seltener an Pflanzen, Campanularien-
slämme), kriecht mittelst des Fusses an derselben umher, und
Archiv f. Naturgesch. XV. Jahrg. 1. Bd. 18
274 Schultze:
verharrt hier bis es seine Metamorphose durchgemacht hat.
Das Thier scheint hier zuerst elwas Luft in die Schale auf-
zunehmen, vermittelst welcher es sich so hartnäckig an der
Oberfläche des Wassers zu halten vermag, dass es erst nach
starkem Schütteln von derselben entfernt werden kann, wor-
auf es jedoch schnell wieder an die Oberfläche zurückeilt.
Auch zeigte sich bei den Thieren, welche ich von der Ober-
fläche des Wassers ab unter das Mikroskop brachte, stets in
dem Theil der Schale, welchen das Thier nicht ausfüllte, et-
was Luft, welche beim Zerdrücken unter einem Deckgläschen
in Form einer Luftblase hervortrat.
Nicht selten fand ich unter diesen Larven solche, deren
Schale zerbrochen war, und die nur einen kleinen Rest der-
selben, den Theil, an welchem das Thier festgewachsen ist,
nebst dem Deckel trugen, sonst aber nackt waren (Fig. 4.).
Ich war aufmerksam, ob nicht dies Zerbrechen der Schale
etwa der Anfang der Metamorphose sei, überzeugte mich
aber bald, dass dasselbe nur durch starkes Schülteln im
Glase oder unsanftes Berühren der Thiere beim Herausneh-
men aus demselben bewirkt werde, indem bei den in einem
Uhrgläschen ausgekrochenen und in demselben während der
ganzen Metamorphose beobachteten Jungen nie ein solches
Zerbrechen der Schale eintrat. Störend für die weitere Ent-
wickelung des Thieres ist dies Zerbrechen der Schale übri-
gens nicht, indem die von mir in diesem Zuslande gefunde-
nen und isolirt zur weiteren Beobachtung aufbewahrten Thiere
stets dieselben Veränderungen durchmachten, welche die un-
versehrten Thiere zeigten, ja zur Beobachtung derselben sich
ganz besonders eigneten, da sie ganz nackt waren.
Die erste- Veränderung nun , welche mit den jungen
Tergipeden’ vor sich geht, ist die Obliteration der Wimper-
lappen, welche am zweiten Tage beginnt und binnen 9—12
Stunden vollendet ist. Von der Basis an schrumpfen diesel-
ben allmählich ein, die Scheibenform geht verloren, einzelne
Stückchen lösen sich als Kügelchen ab, und die Zahl der
Wimpern verringert in dem Verhältniss, als die Grösse der
Wimperlappen abnimmt. Die Beweglichkeit der Wimpern
bleibt aber bis zum Augenblick ihres Ablösens. In Fig. 5 ist
ein Thier abgebildet, an welchem die Wimperlappen zu ein
Ueber die Entwickelung der Tergipes lacinulatus. 975
Paar kurzen Fortsätzen obliterirt sind, welche an ihrer Spitze
eine geringe Zahl Wimpern tragen. In diesem Zustande die-
nen dieselben nicht mehr als Bewegungsorgane , das Thier
bedient sich nur des Fusses zum Kriechen und lässt die Wim-
pern nur hie und da spielen.
Bei dem Fig. 6 dargestellten Thiere ist die Obliteration
der Wimperlappen so weit vorgeschrilten, dass nur noch
einige wenige willkührlich bewegliche Wimpern die Stelle
bezeichnen, wo dieselben sassen. In Fig, 7 sind auch diese
verschwunden, so dass das Thier jetzt nur noch die Schale
und den Deckel abzuwerfen braucht, um die letzten Spuren
seines Larvenzustandes abzulegen.
Dies Abwerfen der Schale und des Deckels geschieht
in den meisten Fällen gleichzeitig, und bald nachdem die
Wimperlappen ganz verschwunden sind, ohne besondere An-
sirengungen von Seiten des Thieres. Nachdem sich langsam
die Verbindung der Schale mit dem Thiere gelöst, verlässt
letzteres dieselbe. War die Schale vorher zerbrochen , so
wird nur der letzte Rest der Schale, welcher dem Thiere
noch anhing, und der Deckel abgeworfen.
Jedoch findet in Bezug auf die Zeit dieses Abwerfens
der Schale einiges Schwanken statt. Man findet nämlich un-
ter vielen Individuen, welche Schale und Deckel noch tra-
gen, ohne eine Spur von Wimperlappen mehr zu besitzen,
auch welche ohne Deckel und Schale, dagegen noch mit ei-
nem kleinen Ueberrest der Wimperlappen, wie in Fig. 6.
Werfen wir jetzt einen Blick auf die innere Organisa-
tion des Thieres, so stellt sich heraus, dass keine wesentli-
che Veränderung derselben in den seit dem Auskriechen aus
dem Ei verflossenen 2 Tagen vorgegangen ist.
Der Mund lässt jetzt zwar Spuren von Kiefern entdecken,
die vorher nicht aufzufinden waren, 3 dünne, oben abgerun-
dete, harte Blättchen, welche wie Tulpenblätter die gezähnte
Zunge umgeben, die jetzt gewöhnlich 9 Zähne trägt, aber
von einer Gliederung des Darmkanals ist mir auf dieser Ent-
wickelungsstufe ebensowenig wie vorher etwas vorgekom-
men, der ganze Leib des Thieres scheint eine gleichförmige,
dickwandige Höhle zu sein, welche von Dotterkügelchen ähn-
lichen Bläschen ausgefüllt ist, Den After, welcher sicher
376 Schultze:
schon vorhanden ist, habe ich auf dieser Entwickelungsstufe
ebenfalls noch nicht erkennen können. Ein Herz ist noch
nicht vorhanden. Das Nervensystem ist wegen der Undurch-
sichligkeit der umgebenden Substanz dem Auge nicht zu-
gänglich. Auch bei Anwendung eines Druckes durch ein
Deckgläschen lassen sich die sehr bald deutlich erkennba-
ren Ganglien an den Augen und Gehörbläschen jetzt noch
nicht erkennen.
Die nächste Veränderung, welche das Thier in seiner
äusseren Geslalt eingeht, ist die, dass der bis jelzt noch von
dem Körper getrennte Fuss mit dem ersteren verwächst. Der
Fuss nimmt zuerst bedeutend an Länge nach hinten zu, so
dass er den Körper des Thieres bald überragt, und während
dieses Wachsens verschmelzen beide Theile so, dass nach
Verlauf von etwa 12 Stunden das Thier von oben die in
Fig. 8 und einige Stunden späler von der PEN die in Fig. 9
gezeichnete Form zeigt.
Die Länge des Thieres beträgt jetzt /,— '/; Linie. Das-
selbe ist bedeutend durchsichliger geworden, und die ein-
zelnen Organe treten deutlicher hervor.
Am vorderen Körperende liegt der Mund, dicht dahin-
ter die Kiefer mit der Zunge, die jetzt gewöhnlich 10—11
Zähne enthält; es folgt eine dünne Speiseröhre und eine mit
zwei bis drei Blindsäcken versehene mit Flimmerepithelium
ausgekleidete Magenhöhle, von welcher aus der Darm ent-
springt, der unter dem am meisten nach dem Rücken des
Thieres zu gelegenen Blindsacke hin geht, und hinter dem-
selben auf dem Rücken des Thieres als After mündet (Fig. 8
und 9. a.). Dieses Darmrohr ist sehr dünnwandig und schwer
zu erkennen, da es wahrscheinlich nur im Augenblicke der
Darmausleerung sich mit Koth füllt. _ Dasselbe ist, wie die
Magenhöhle, mit Flinmerepithelium ausgekleidet, welches am
After besonders stark entwickelt ist, was bei Anwendung von
starken Vergrösserungen nicht wenig zum leichten Erkennen
der Lage des Afters beiträgt, da um diese Zeit der Körper
des Thieres, so weil er in der Schale verborgen war, noch
keine Flimmerhäärchen trägt. Gehörbläschen und Augen ru-
hen auf deutlich erkennbaren Ganglien, welche neben der
Ueber die Entwickelung der Tergipes lacinulatus. 977
Speiseröhre liegen und durch Commissuren schon verbunden
zu sein scheinen.
Jetzt sucht das Thier begierig nach Nahrung, und wenn
einige Campanularienstämmchen sich im Glase befinden, ver-
sammeln sich die sämmtlichen jungen Tergipeden bald an den
becherförmigen Enden der Zweige, aus welchen die Polypen
hervorkommen, und fressen dieselben aus, ohne sich von den
Nesselorganen der Polypen irre machen zu lassen.
Die nächste Veränderung besteht in dem Hervortreten
von 2 Tentakeln am vorderen und 2 Magenanhängen aın hin-
teren Körperende. Am vierten Tage nach dem Auskriechen
aus dem Ei findet man die Thiere, besonders wenn es ihnen
an Nahrung nicht gefehlt hat, in der in Fig. 10 dargestellten
Form. Dicht über den beiden Augen befindet sich jederseils
ein durchsichtiger Forlsatz, die Tenlakeln, und am hinteren
Körpertheil sind gleichzeitig ein Paar Fortsätze entstanden,
in welche der Nahrungskanal sich erstreckt. Zwischen den-
selben mündet der After auf dem Rücken des Thieres aus.
Von einem Herz ist noch immer keine Spur vorhanden.
Dagegen sieht man von den Ganglien, welche um den Oeso-
phagus liegen, verschiedene Nerven entspringen, besonders
nach den Tentakeln und dem Fuss, in welchem letzteren sich
bald ein erstaunlich dichtes und feines Netz von Nerven ent-
wickelt.
24 Stunden später entsteht ein zweites Paar Fortsätze
in der Mitte des Rückens des Thieres, in welche sich eben-
falls die Magenhöble fortsetzt. Von den beim erwachsenen
Thiere an den Enden dieser Fortsätze befindlichen Kapseln
mit Nesselorganen, welche sich nach aussen münden , und
die v. Nordmann für Schleimdrüsen erklärte, findet sich
jetzt noch keine Spur. Dieselben entstehen erst bei fast er-
wachsenen Thieren.
Die weiteren Veränderungen in der Gestalt des Thie-
res bestehen allein darin, dass sich im Verhältniss zur Grösse
desselben immer mehr Magenanhänge entwickeln, gewöhnlich
paarig, im Anfang nur vor dem zuerst entwickelten Paare,
bald aber auch hinter demselben. Wenn so auf jeder Seite
4-5 Anhänge entwickelt sind, bilden sich unmittelbar ne-
ben diesen neue aus, so dass mit Ausnahme der hinteren
278 Schultze:
Anhänge je 2 zusammenstehen, und wenn das Thier seine
grösste Länge erreicht hat, die von 2—3 Linien, so; findet
man auch zuweilen je 3 Anhänge zusammen.
Die grösste Zahl von Anhängen, welche ich gesehen
habe, betrug 22.
Ehe das Thier vollkommen ausgewachsen ist, bei einer
Länge von etwa 1—Y, Linie, geht am vorderen Ende noch
eine Gestallveränderung vor. Es bilden sich Stirnfortsätze.
Das bis dahin gleichmässig abgerundete breite Vorderende
wächst nach jeder Seite zu einem Forisalze aus in der Art,
wie es Fig. 11 am erwachsenen Thiere bei 3maliger Ver-
grösserung dargestellt ist. Diese Stirnfortsätze weichen von
denen des Tergipes Edwardsii Nordm. und Tergipes coro-
nalus (Loven loco eit.). bedeutend ab, stimmen aber mit
denen des Tergipes adspersus Nordm. aus dem schwarzen
Meere ganz überein.
Die Ansicht Loven’s, dass die Wimperlappen der jun-
gen Nacktschnecken sich allgemein in diese Stirnfortsätze
verwandeln sollten, eine Ansicht, welche dieser Forscher
weitläufig zu begründen sucht, ohne dass directe Beobach-
tungen zu ihrem Beweise exislirten, möchte durch die mil-
gelheilte Verwandlungsgeschichte des Tergipes laeinulatus
widerlegt sein.
Was endlich .die Entwickelung des Herzens betrifft, so
fällt diese auffallender Weise in eine sehr späte Zeit. Ehe
die Thiere nicht eine Länge von beinahe 1 Linie erreicht
halten, und mit 3—4 Magenanhängen auf jeder Seite versehen
waren, ist es mir nie gelungen eine Spur eines Herzens zu
erkennen. 4 Wochen nach dem Auskriechen aus dem Ei
war bei etwas karger Nahrung dieser Zeitpunkt oft noch
nicht gekommen.
Gefässe besitzen die Gymnobranchien bekanntlich aus-
ser einer vom Herzen entspringenden Arterie gar nicht.
Sollte sich die späte Entwickelung des Herzens auch für alle
Gymnobranchien als constant erweisen, so möchte über die
höchst untergeordnete Bedentung dieses Organes bei den ge-
nannten Thieren kein Zweifel mehr sein.
Ueber die Entwickelung des Tergipes lacinulatus. 979
Erklärung der Abbildungen.
Fig. 1. 4 5. 6. 7 sind bei 11ömaliger Vergrösserung, Fig. 8. 9. 10.
bei 80mal. gezeichnet.
Fig. 1. Larve des Tergipes lacinulatus eben aus dem Ei ge-
krochen. a Auge; 5 Otolith; e Zunge; d Deckel am Fusse befestigt.
Grösse '/. Linie.
Fig. 2. Die Zunge dieses Thieres mit 8 Zähnen von der Seite
gesehen bei 500maliger Vergrösserung.
Fig. 3. Dieselbe von vorn gesehen.
Fig. 4. Larve, deren Schale zerbrochen ist. Nur der hintere
Theil derselben und der Deckel haften noch an dem Thiere.
Fig.5. Larve am zweiten Tage nach dem Auskriechen. Die Wim-
perlappen sind schon sehr verkleinert.
Fig. 6. Larve einige Stunden später. Nur noch eine Spur der
Wimperlappen ist vorhanden. Die Schale ist ungewöhnlich früh abge-
worfen. m Mund.
Fig. 7. Larve am Ende des zweiten Tages.
Fig.8. Die Schale ist abgeworfen, der Fuss bedeutend nach hin-
ten verlängert. Kiefer um die Zunge, Ganglien an Auge und Otolith
sind entwickelt. Der After ist deutlich bei a. m Mund. Am dritten
Tage nach dem Auskriechen. Grösse !/;.
Fig. 9. Junger Tergipes ebenfalls am dritten Tage nach dem
Auskriechen, Körper und Fuss sind verwachsen. Seitenansicht. @ After.
nm Mund. Grösse Yan.
„ Fig. 10. Dasselbe Thier am vierten Tage. 2 Tentakeln und 2
Magenanhänge sind entwickelt. Grösse Y;".
Fig. 11. Erwachsener Tergipes lacinulatus. Grösse 3",
Ueber die Mikrostomeen, eine Familie der
Turbellarien.
Von
Demselbem
Hierzu Taf. VI.
Die Mikrostomeen, als Familie der Ordnung Planariea Rhab-
docoela vonOersted'!) aufgestellt und von ©. Schmidt?)
in seiner Monographie der rhabdocoelen Strudelwürmer als
solche etwas modificirt beibehalten, umfassen eine geringe
Anzahl Arten kleiner sehr verbreiteter Strudelwürmer, welche
in ihrer Organisation mannichfache, sie vor allen verwandten
Formen auszeichnende Eigenthümlichkeiten darbieten. Diese
Eigenthümlichkeiten zusammenzustellen, und in Bezug auf die
Stellung dieser Familie im System gehörig abzuwägen, ‚na-
mentlich aber Beobachlungen über die ebenfalls eigenthüm-
lichen, bisher unbekannten Geschlechtstheile derselben mit-
zutheilen, ist der Zweck dieser Abhandlung.
Oersted rechnet zu den Mikrostomeen seine Galtun-
gen Microstoma und Convoluta, erstere mit zwei sicheren Spe-
cies, Microstoma lineare (Planaria linearis O. Fr. Müller)
und leucops (Derostoma leucops und lineare? Duges), letz-
tere mit einer Species Convoluta paradoxa (Planaria convo-
luta nach ©. Fr. Müller). ©. Schmidt, welcher die Con-
voluta nicht beobachtete, und bei Oersted nicht hinreichende
t) Entwurf einer systemat. Eintheilung und Beschreibung der
Plattwürmer. Kopenhagen 1844. p. 73.
2) Die rhabdocoelen Strudelwürmer des süssen Wassers. Jena.
1848. p. 56.
Schultze: Ucber d. Mikrostomeen, eine Familie d. Turbellarien. 281
Beweise für die Verwandschaft dieser Gattung mit den übri-
gen Mikrostomeen fand, lässt dieselbe bei seinen Mikrosto-
meen aus, und mit Recht. Die Gattung Convoluta gehört,
wie ich mich durch Untersuchungen an einer neuen Species
dieser Galtung überzeugen konnte, welche sich von der Mül-
ler’schen durch zwei weisse Querbinden auf dem Rücken aus-
zeichnet, und die ich Convoluta albieincta nenne, zu den Me-
sostomeen '). Somit bleibt für die Mikrostomeen nur die
Oersted’sche Gallung Microstoma. Diese theilt O. Schmidt
in 2 Gattungen Microstomum mit einer Species M. lineare und
Stenostomum mit 2 Species St. leucops (Micr. leucops O erst.)
und einer neuen St. unicolor. Zu diesen kommt noch eine
von Ehrenberg bei Berlin beobachtete und in den Sym-
bolae plıysicae beschriebene sichere Species Derostomum
(Duges) flavicans.
Die Zusammenstellung der Eigenthümlichkeiten, welche
die Mikrostomeen vor allen Rhabdocoelen, denen, wie schon
erwähnt, dieselben zugerechnet werden, auszeichnen, behalte
ich mir bis weiter unten vor; zunächst gebe ich die Beschrei-
bungen der Beobachtungen, welche ich über die periodisch
sich entwickelnden Geschlechtstheile dieser Thiere zu machen
Gelegenheit halte.
Die Vermuthung v. Siebold’s 2), dass die Mikrosto-
meen wegen des Mangels der Geschlechtstheile sich wahr-
scheinlich als Larven anderer Thiere herausstellen würden,
gegen welche sich schon 0. Schmidt 3) ausgesprochen hat,
*) Diese Species beobachtete ich an der östlichen Küste der In-
sel Rügen auf der Halbinsel Mönchguth unmittelbar am Strande an Ba-
trachospermum ansitzend. O0. Schmidt giebt auch in einer späteren
Arbeit (Neue Beiträge zur Naturgesch. der Würmer. Jena 1848) Nichts
über die Stellung der Gattung Convoluta an, trotzdem dass er viele
Exemplare derselben beobachtete, wie er bei seinen Bemerkungen über
das Gehörorgan derselben erwähnt. Frey und Leuckart, welche
(Beiträge u.s. w. 1847. p. 82) das von OVersted für Mund gehaltene
Organ zuerst als Gehörorgan deuteten, sagen, dass sie die Mundöffnung
vergeblich gesucht hätten.
7) Vergl. dessen vergl. Anatomie p- 161 und 169,
*) Die rhabdocoelen Strudelwürmer. p. 58.
982 Schultze:
möchte, durch diese Beobachtungen als ganz beseitigt anzu-
sehen sein.
Im September und October des Jahres 1848 fand ich
in der Ostsee bei Greifswald an den in der Nähe des Stran-
des wachsenden Charen und Batrachospermum häufig Exem-
plare von Microstomum lineare ganz so, wie die bisher nur
im süssen Wasser beobachteten. Dieselben zeigten durch-
gängig die Abschnürungen, welche der Quertheilung vorher-
gehen, und vermehrten sich bei längerer Beobachtung im
Glase durch solche Theilung.
An vielen dieser Exemplare fiel mir ein orangegelber
runder Fleck im hinteren Körperende auf. Dieser ergab sich
bei mikroskopischer Untersuchung als ein Ei, während viele
weniger entwickelte Eier in einem Eierstock daneben lagen.
Man betrachte Fig. 1. Neben dem auf die Seile ge-
drängten Darm des Thieres liegt ein keulenförmig gestalteter,
durch 3-4 Einschnürungen in Abtheilungen getheilter Schlauch,
in seinem unteren angeschwollenen Ende das von Dottermasse
umgebene Ei gewöhnlich mit mehreren Keimbläschen, im
oberen allmählich an Grösse abnehmende Eikeime enthaltend,
welche in den erwähnten Abtheilungen des Eierstockes, die
durch besondere Membranen von einander geschieden sind,
zu 4—8 zusammenliegen. Die Eikeime enthielten, nament-
lich die grösseren, auch die von Doltermasse schon umge-
benen, häufig neben dem Keimbläschen noch mehrere etwas
dunkler contourirte Oeltröpfehen ähnliche runde Bläschen im
Innern. — Von dem unteren Ende dieses Eierstockes geht
ein blasser, kurzer Eileiter nach aussen.
Dies die weiblichen Geschlechtstheile. Eine Trennung
in Keimstock und Dolterstock, wie sie sich bei vielen Rhab-
docoelen findet, ist hier nicht, ebensowenig ein besonderes
Organ zum Aufbewalren der Eier nach dem Ablösen vom
Eierstock. Jedesmal die untersten Eikeime umgeben sich mit
dunkelgelber Dottermasse, werden von den übrigen Eikeimen
durch eine besondere Eihaut abgeschnürt, und ohne dass sich
eine harte Schale um das Ei bildet, ohne dass eine Entwicke-
lung des Embryo oder Furchung staltgefunden hat, wird das
Ei nach aussen befördert.
Eine Spur von männlichen Geschlechtstheilen neben den
Ueber die Mikrostomeen, eine Familie der Turbellarien. 283
weiblichen war in keinem Thiere zu bemerken. Dagegen
fanden sich gleichzeitig Individuen, welche an Stelle der
weiblichen sehr deutlich männliche Geschlechtstheile enthiel-
ten. Dieselben bestehen aus einem ebenfalls im hinteren Kör-
perende liegenden Schlauch von mehr cylindrischer Gestalt
(Fig. 2.), welcher an seinem unteren Ende eine länglich runde,
mit einer harten, gewundenen, durchbohrten Spitze versehene
Blase trägt, welche nach ihrem Inhalte als Saamenblase nebst
Penis gedeutet werden muss, während der cylindrische Schlauch
über derselben Entwickelungsstufen von Spermatozoiden ent-
hält, und als Hode anzusehen ist. Der gewundene, oben ha-
kenförmig gekrümmte Penis, welcher zusammen mit der Saa-
menblase (Fig. 3. bei 500maliger Vergrösserung) abgebildet
ist, besteht aus einer nach oben sich verengenden Röhre,
deren Mündung von einer kurzen, rinnenförmigen Spitze über-
ragt wird. Diesen Penis hat Oersted schon gesehen und
abgebildet '), ohne jedoch von den Geschlechtsverhältnissen
sonst elwas zu melden.
Der Inhalt des Hoden besteht aus Spermatozoidenzellen
in folgenden Entwickelungssiufen. Den obersten Raum im
Hoden nehmen gekernte Zellen (Fig. 4. a. bei 500mal. Ver-
gröss.) ein, welche sich durch Nichts von den Keimzellen der
Spermatozoiden anderer Thiere unterscheiden. Diese werden
bei weiterer Entwickelung, indem der Kern gleichzeitig ver-
schwindet, an einer Seite in die Länge gezogen (Fig. 4. b.),
und gehen allmählich in nicht sehr lange, an beiden Enden
zugespilzte sehr eigenthümliche Spermatozoiden über. Diese
(Fig. 4. c.), welche ich, trotz dem, dass nie eine Bewegung
an ihnen wahrgenommen werden konnte, als die vollkommen
entwickelten Spermatozoiden anerkennen muss, da ich nie
andere, höher entwickelte fand, erscheinen, abweichend von
den bisher beobachteten Spermatozoiden -Formen, aus einer
Reihe in die Länge gezogener Kügelchen zusammengesetzt,
während die beiden Enden fein zugespitzt, aber nicht haar-
förmig ausgezogen sind. Diese Bildung der Spermatozoiden
erkennt man erst, wenn dieselben aus dem Hoden oder der
Saamenblase durch Druck unter einem Deckgläschen in das
#) Entwurf u, s. w. p. 73. tab, Il; fig. 17.
984 Schulize:
umgebende Wasser gebracht sind, wo man sie einzeln genau
beobachten kann. Im Seewasser halten sie sich in dieser
Form mehrere Stunden, ohne durch die Einwirkung des Was-
sers verändert zu werden. Bei den Thieren jedoch, welche
ich in diesem Herbste im süssen Wasser geschlechtsreif fand,
und unter dem Mikroskop zerdrückte, bewirkte dies Wasser
so schnell endosmotische Veränderungen der Spermatozoiden,
dass dieselben in ihrer angegebenen Form, nachdem sie in
das Wasser ausgetreten waren, gar nicht beobachtet werden
konnten. Fast augenblicklich wurden die Contouren blasser,
der zusammengeselzte Bau verschwand, es zeigte sich eine
bedeutende Verbreiterung der Spermatozoiden, auch einzelne
Ausbuchtungen und Anschwellungen stellten sich an denselben
ein, so dass man leicht, wenn man die Veränderungen nicht
direct beobachtet halte, diese durch Endosmose veränderten
Spermatozoiden für Entwickelungsstufen der oben beschrie-
benen halten konnte. Eine Spur Eiweiss, dem Wasser zu-
gesetzt, genügte jedoch, diese schnelle Endosmose zu ver-
hindern, und man konnte nach einem solchen Zusatze leicht
die ursprünglichen Formen längere Zeit beobachten.
Dass dieses wie eingeschnürte Ansehn der Spermatozoi-
den nicht erst etwa durch Exosmose entstanden sei, davon
habe ich mich vielfach überzeugt, indem Wasser mit Eiweiss
verselzt oder Seewasser, welches auf die empfindlichsten Zel-
len der übrigen Körpertheile des zerdrückten Thieres durch-
aus keine exosmotische Einwirkung hatte, doch die Sperma-
tozoiden in der eigenthümlichen Gestalt erscheinen liess, und
zwar schon in dem Augenblick des Austretens aus der Saa-
menblase ins freie Wasser.
Man könnte, wenn man die Spermatozoiden bei schr
starker Vergrösserung unter dem Mikroskop betrachtet, auf
den Gedanken kommen, sie beständen aus je 2 umeinander
gewickelten haarförmigen Gebilden. Offenbar würden solche
ein sehr ähnliches Bild darbieten. Diese Vermuthung wird
jedoch durch die Erscheinungen der Endosmose widerlegt,
aus welchen klar hervorgeht, dass jedes Spermalozoid ein
Einfaches nicht aus zwei Gebilden Zusammengeselztes ist.
Eine Art endlich, wie man sich dieses eigenthümliche
Ansehn der Spermatozoiden auch noch erklären könnte, ist
Ueber die Mikrostomeen, eine Familie der Turbellarien. 985
die, dass man annähme, ein ursprünglich bandförmiges Ge-
bilde sei in der Richtung seiner Längsaxe schraubenförmig
um sich selbst gedreht worden, etwa wie ein Stück Gersten-
zucker. Es ist klar, dass bei der ungeheuren Kleinheit des
.Objectes aus diesem gedrehten Streifchen leicht ein Bild ent-
stehen kann, welches dem, unserer Spermatozoiden gleicht.
Da sich jedoch bei der Bewegung, namentlich Drehung in
der Längsachse diese Art der Bildung auch bei diesen sehr
kleinen Objecten erkennen lassen müsste, mir aber nie ein
Zeichen einer solchen gedrehten Beschaffenheit vorgekommen
ist, so stehe ich nicht an, die Annahme einer solchen als un-
begründet zu verwerfen.
Es bleibt somit, wie mir scheint, Nichts übrig, als dicht
neben einander liegende Einschnürungen des drehrunden, aus
einer langgezogenen Zelle entstandenen Spermatozoids als
Grund dieser eigenthümlichen Gestalt anzusehen.
Die Samenblase, welche gewöhnlich dicht mit diesen
Spermatozoiden angefüllt ist, zeichnet sich durch eine eigen-
thümliche Schicht grosser, kernloser, am einen Ende meist
elwas ausgezogener Zellen aus, welche dieselbe an ihrem
oberen Ende, von welchem der Penis abgeht, bedecken
(Fig. 3.). Wahrscheinlich sind dies contractile Gebilde, wel-
che zur Ejaculation des Saamens beitragen.
Dies die Geschlechtstheile von Microstomum lineare, wie
ich sie im Herbst 1848 bei Individuen aus der Ostsee und in
derselben Jahreszeit 1849 bei Thieren aus dem süssen Was-
ser beobachtete. Zu dieser Zeit waren ohne Ausnahme alle
Individuen mit Geschlechtstheilen versehen.
Im Frühjahr und Sommer ist mir nur einmal ein Exem-
plar dieser Species zu Gesicht gekommen, und zwar ohne
eine Spur von Geschlechtstheilen. Anfangs September fand
ich viele, deren Geschlechtstheile eben in der ersten Anlage
zu erkennen waren, namentlich Männchen, bei welchen ein
kleiner, abgegrenzter Zellenhaufen an der Stelle des künftigen
Hoden und die oberste gekrümmte Spitze des Penis zu er-
kennen war. Im October waren alle Individuen geschlechts-
reif, und zwar fand ich stets mehr Weibchen als Männchen.
Von Stenostomum (Microstomum) leucops, welches mir
viel seltener als Microst, lineare und in der Ostsee gar nicht
986 Schultze:#
vorgekommen ist, fand ich im Sommer einige geschlechtslose
Exemplare. Im Herbste dieses Jahres habe ich ein Indivi-
duum mit entwickelten weiblichen Geschlechtstheilen gesehen,
welche denen des Microstom. lineare sehr ähnlich, nur etwas
mehr der Mitte des Körpers zu gelegen waren. Von männ-
lichen Geschlechtstheilen war keine Spur in diesem Thiere,
und ich zweifle deshalb nicht, dass Stenostomum leucops wie
Mierostomum lineare getrennten Geschlechtes ist.
Aus diesen Beobachtungen erhellt, dass die Geschlechts-
theile der Mikrostomeen sich periodisch im Herbste ent-
wickeln, während die Thiere den übrigen Theil des Jahres
geschlechtslos erscheinen.
Ob nun aber die geschlechtlich entwickelten Individuen,
nachdem sie sich durch Saamen und Eier fortgepflanzt ha-
ben, jedesmal zu Grunde gehen, und nur durch die aus den
Eiern entstehende Generalion die Gatlung erhalten wird,
oder ob die Geschlechtstheile im Winter wieder verschwin-
den und in denselben Thieren alljährlich im Herbste neue
Geschlechtstheile sich entwickeln, darüber habe ich keine
Beobachtungen machen können. Mir sind die Thiere im
Herbste, nachdem ich sie eine Zeit lang beobachlet halte,
stets gestorben, und im Freien habe ich bisher im Winter
vergeblich nach Mikrostomeen gesucht.
Es ist nun noch zu erwähnen, was ich über das Ver-
hältniss, in welchem die Fortpflanzung durch Theilung zu
der durch Saamen und Eier steht, beobachtet habe. Darauf,
dass diese Theilung auf einer reinen Knospenbildung beru-
hen solle, wie Steenstrup annimmt, will ich hier nicht
weitläufig eingehen, da einerseits von O. Schmidt schon
genügende Beobachtungen gegen diese Ansicht vorgebracht
sind, andererseils in dem Nachfolgenden auf die gegen die-
selbe sprechenden Thatsachen noch aufmerksam gemacht wer-
den wird.
Nach den Beobachtungen, welche bisher über die Fort-
pflanzung durch Theilung oder Knospenbildung bei den Wür-
mern gemacht worden sind, war man geneigt zu glauben,
dass diese ungeschlechllichen Fortpflanzungsarten und die ge-
schlechtliche sich gegenseitig so ausschlössen, dass beide nie
Ueber die Mikrostomeen,, eine Familie der Turbellarien. 287
gleichzeitig vorhanden wären 1). Ja es wurde sogar von
Steenstrup ?) die Fortpflanzung durch Theilung, gestützt
auf eine Beobachtung von Quatrefages °) an Syllis,
zum Generalionswechsel gezogen, indem dieser Forscher, et-
was gewagt, als allgemein gültig annahm, dass die geschlecht-
lich entwickelten Individuen typisch verschieden von den un-
geschlechtlich sich fortpflanzenden seien, und erslere erst
durch eine Reihe wachsender Generationen aus letzteren ent-
ständen. Ich verweise in dieser Beziehung auf meine in eben
diesem Hefte gedruckte Abhandlung über die Theilung der
Nais proboscidea, in welcher ich das Unzulängliche dieser
Ansicht für die genannte Nais erwiesen habe.
Für Microstomum lineare lässt sich diese Ansicht eben-
falls durch Beobachtungen widerlegen.
Wie schon erwähnt wurde, zeigten die geschlechtlich
entwickelten Individuen dieses Thieres stets auch eine Fort-
pflanzung durch Theilung, und zwar entwickelten sich, nach-
dem das hintere, die Geschlechtstheile enthaltende Stück des
Thieres angefangen hatte sich abzuschnüren, stets gleichzeilig
im vorderen Thiere wieder Geschlechtstheile, welche zur Reife
gelangten, ehe noch das hintere Thier sich abgelöst halte.
Es erhellt, dass, da geschlechtliche und ungeschlechtliche
Fortpflanzung an einem und demselben Individuum und gleich-
zeilig vorkommt, die zur Annahme eines Generalionswech-
sels nolhwendigen Bedingungen bei unserem Microstomum
fehlen.
Als ein im höchsten Grade eigenthümliches Factum muss
ich hier erwähnen, dass in seltenen Fällen, wenn ein Indi-
viduum mit entwickelten Geschlechtstheilen sich zur Querthei-
lung anschickte, in dem Vorderthier noch vor der Abschnü-
rung sich entgegengeselztes Geschlecht ausbildete, und man
auf diese Weise Individuen traf, deren Hinterende entwickelte
weibliche, derenVorderende entwickelte männliche Geschlechts-
theile enthielten, oder umgekehrt.
Der Anblick eines solchen Thieres könnte sehr leicht
*) 0. Schmidt Handbuch d. vergl. Anatomie. 1849. p. 294,
%) Untersuchungen über d. Hermaphroditismus, p. 104,
») Ann d, sc, nat, 3, ser, T. I, 1844. p. 22.
288 Schultze:#
zu der Ansicht verleiten, dass die Theilung hier auf einer
reinen Knospenbildung beruhe, indem diese Geschlechtsver-
schiedenheit der aneinanderhängenden Individuen sich offen-
bar leichter erklären lässt, wenn man das Hinterthier als ein
von vorne herein Gesonderles, aus dem Vorderthier Hervor-
gesprosstes betrachtet, als wenn man annimmt (wie man den
Beobachtungen zufolge gezwungen ist) '), dass ein ursprüng-
lich z. B. weibliches Individuum, nachdem sich von ihm das
Hinterende mit den Geschlechtstheilen angefangen hat abzu-
lösen, jelzt anstatt, wie man erwarten sollte, wieder weibli-
che Geschlechtstheile in seinem Vorderende zu entwickeln,
männliche Geschlechtstheile in sich ausbildet. Mir scheint diese
Beobachtung abwechselnder Geschlechter bei einem und dem-
selben Individuum einzig dazustehen.
Nachdem somit die eigenthümlichen Geschlechtsverhält-
nisse der Mikrostomeen nachgewiesen wurden, welche diese
Familie vor allen Rhahdocoelen, die bekanntlich hermaphro-
ditisch sind, auszeichnet 2), sei es mir gestaltet, zunächst
die übrigen Organisationsverhältnisse dieser Mikrostomeen
mit denen der zunächst stehenden Formen zu vergleichen,
und dann über die systematische Stellung dieser Thiere einige
Vorschläge zu machen.
Die Mikrostomeen sind bisher ans Ende der Turbellaria
(Planariea) Rhabdocoela gestellt, gewissermaassen als Ueber-
gang zu der nun folgenden Ordnung der Nemerlinen. Ver-
gleichen wir sie mit beiden Ordnungen.
Die Mikrostomeen haben einen geraden, unverzweigten,
fast das ganze Thier ausfüllenden Verdauungskanal mit ei-
ner in der Nähe des vorderen Endes des Thieres liegenden,
sehr ausdehnbaren, ihrem Namen wenig entsprechenden, Mund-
ölfnung und einem After am hinteren Körperende.
#) Auch eine Knospenbildung in der Continuität des Thieres, wie
sie Frey und Leuckart als Ursache der Quertheilung angeben, fin-
det bei unserem Thiere entschieden nicht statt. Die Abschnürung tritt
steis in der Mitte des einfachen Thieres ein, ohne dass eine Neubildung
einer ein ganzes Individuum umfassenden Knospe derselben vorherginge.
2) Ausgenömmen Dinophilus vorticoides (Schmidt), von welchem
unten mehr.
Ueber die Mikrostomeen, eine Familie der Turbellarien. 289
Spuren eines Nervensystems haben bisher nicht an ih-
nen aufgefunden werden können. Augen sind entweder 2
oder keine vorhanden, jedoch ohne brechende Medien. Aus-
serdem finden sich am vorderen Körperende zwei eigenthüm-
liche, bald als Sinnesorgane, bald als Respirationsorgane ge-
deutete Grübchen mit besonders langen und stark wimpern- ,
den Flimmerhaaren besetzt, deren Function vor der Hand
räthselhaft bleibt.
Von einem Gefässsystem sind 'bei Stenostomum leucops
Rudimente in Form eines geschlungenen Wassergefässes im
vorderen Körperende aufgefunden. Nesselorgane, ganz wie
die der Acalephen, hat Microstomum lineare in ziemlicher
Menge in der Haut sitzen. Endlich ist die, allen Mikrosto-
meen gemeinschaftliche Fortpflanzung durch Quertheilung zu
erwähnen.
Fragen wir nun nach den entsprechenden Organen der
Rhabdocoela, so finden wir hier den Verdauungskanal nie mit
einem After, nie die eigenthümlichen Flimmergruben am vor-
deren Körperende , nie Fortpflanzung durch Quertheilung.
Ihre Haut enthält keine solche Nesselorgane, wie Microstomum
lineare; dagegen steht das Nervensystem derselben sicher
auf einer ähnlich niederen Stufe, wie bei den Mikrostomeen,
und in Bezug auf das Gefässsystem ‘scheinen keine wesent-
lichen Verschiedenheiten obzuwalten.
Bei denNemertinen!) dagegen haben wir einen ge-
raden Verdauungskanal mit After am hinteren, und Mund in
der unmittelbaren Nähe des vorderen Körperendes, ferner
constant die eigenthümlichen Flimmergruben und endlich, wenn
zwar auch keine Fortpflanzung durch Quertheilung, so
doch ein Analogon derselben, nämlich die Fähigkeit freiwil-
lig Stücke des hintern Körperendes abzuschnüren (wahr-
scheinlich, wenn es ihnen an Nahrung fehlt, den ganzen Kör-
#) Durch Untersuchung «eines an unserer Küste vorkommenden Te-
trastemma von 1 Zoll Länge bin ich überzeugt worden, dass die Qua-
trefages’sche Deutung der Verdauungs- Organe der Nemertinen falsch,
die von Frey und Leuckart wieder aufgenommene einiger älterer
Naturforscher (Fr. Leuckart, Rathke etc.) die richtige sei. Vergl,
Frey und Leuckart Beiträge etc. p. 71.
Archiv f. Naturgesch. XV, Jahrg. 1. Bd. 19
290 Schultze:
per zu ernähren, wie wir dies von Synapta kennen). Da-
gegen stehen Nerven- und Gefässsystem bei den Nemertinen
auf einer ungleich höheren Stufe der Entwickelung, als bei
den Mikrostomeen und von dem eigenthümlichen Rüssel der
Nemerlinen findet sich bei den Mikrostomeen keine Andeutung.
Nehmen wir dazu nun noch die Geschlechtsverhältnisse,
die stets auf verschiedene Individuen vertheilten Geschlechter
der Mikrostomeen und Nemertinen, die stets in einem Indi-
viduum vereinigten der Rhabdocoela, so liegt die Annahme
einer grösseren Venwandschaft der Mikrostomeen mit den
Nemertinen als mit den Rhabdocoelen auf der Hand.
Diese Verwandschaft der Mikrostomeen mit den Nemer-
tinen berechligt jedoch. nicht zu einer vollständigen Vereini-
gung beider. Das stark entwickelte und deutlich erkennbare
Nervensystem der Nemerlinen, das nicht minder zurückste-
hende Gefässsystem derselben und: endlich der allen Nemer-
tinen gemeinsame Rüssel mit seiner häufig vorhandenen ei-
genthümlichen Bewaffnung lassen dieselben eine natürliche
Familie bilden, in welche die Mikrostomeen: nicht hinein pas-
sen. Ich habe mich somit veranlasst gesehen, die Mikrosto-
meen in eine eigene Ordnung zwischen Rhabdocoelen und
Nemertinen zu stellen, und lasse dieselbe; mit den letzteren
vereinigt die Unterklasse der eingeschlechtlichen Tur-
bellarien bilden, während Rhabdocoelen und Dendrocoe-
len die Ordnungen der hermaphroditischen Turbel-
larien sind.
Doch: ehe ich hierauf näher eingehe, muss ich noch ei-
ner Turbellarie Erwähnung: thun, welche 0: Schmidt ') an
der Küste der Färöer-Inseln; gefunden und Dinophilus vorti-
coides genannt; hat. Dieselbe: ist von; dem genannten, For-
scher zu den Rhabdocoelen gerechnet.
Sie unterscheidet sich von, ‚denselben jedoch dadurch,
dass der Nahrungskanal derselben mit einem After versehen
ist, dass die Geschlechter auf verschiedene Individuen ver-
theilt sind, und dass sich Flimmergruben. seillich am Kopfe
befinden. Wer verkennt bier die Verwandtschaft mit den Mi-
krostomeen? Freilich. fehlt dem, Dinophilus. die Fortpflanzung
ı) Neue Beiträge zur Naturgesch. d. Würmer, 1848, p. 3.
Ueber die Mikrostomeen‘, eine Familie der Turbellärien. 291
durch Quertheilung , welche‘ sämmtlichen Mikrostomeen zu-
kommt, der Mund und Nahrungskanal bieten ebenfalls manche
Verschiedenheiten dar, aber das Vorhandensein eines Alters,
das getrennte Geschlecht und die Flimmergrübchen am vor-
deren Körperende (Respirationsgruben nach O. Schmidt)
trennen den Dinophilus unabweislich von den Rhabdocoelen,
und räumen ihm am natürlichsten. eine Stelle neben den Mi-
krostomeen ein, als einzige Species einer später aufzustellen-
den zweiten Familie der oben angedeuteten neuen Ordnung.
Diese Ordnung, welche, wie erwähnt, mit den Nemer-
linen zusammen die Unterklasse der Turbellaria dioica , der
eingeschlechtlichen Turbellarien bilden soll, ist offenbar, bei
der herrschenden Methode, die Turbellarien nach der Be-
schaffenheit des Darmkanals und der Mundöffnung einzuthei-
len, von den Nemertinen am besten durch die Abwesenheit
des Rüssels characterisirt, und ich möchte die ihr angehö-
renden Formen deshalb unter dem gemeinschaftlichen Namen
der Arhynchia Rüssellose (6vyyos) zusammenfassen, den be-
rüsselten Nemertinen gegenüber, welche (passender als den
von Quairefages in Folge falscher Auffassung der Or-
gane gegebenen Namen Miocoela) den der Rhynchocoela füh-
ren könnten.
Diese Ordnung der Arkynchia würde ausser der Fami-
lie der Mierostomeae mit zwei Gattungen Microstomum und
Sienostomum noch die Galtung Dinophilus enthalten, für wel-
che einen besonderen Familien-Namen aufzustellen, mir jetzt
noch ohne Nutzen scheint.
Die Eintheilung der Turbellarien würde sich demnach
kurz folgendermaassen gestalten:
Classis: Turbellaria.
I. Subelassis: Monoica. (Turbell. hermaphroditica.)
Ordo 1. Dendrocoela.
Familien lassen sich noch nicht hinreichend
Irennen.
Ordo 2. Rhabdocoela.
1. Fam, Prostomea,
292 Schultze: Ucber d. Mikrostomeen, eine Familie d. Turbellarien,
2. Fam. Derostomea.
3. „ Opistomea.
4. „ Mesostomea.
5. Schizostomea.
II. Snbelassis: Dioica.
Ordo 1. Arhynchia.
1. Fam. Microstomea.
Gen. Microstomum. Stenostomum.
2. Fam.
Gen. Dinophilus,
Ordo 2. Rhynchocoela. (Nemertina.)
Familien lassen sich noch nicht hinreichend
trennen.
Erklärung der Abbildungen.
Fig, 1. Ein weibliches Individuum von Microstomum lineare.
a Flimmergrübchen; b Auge; ce Mund; d dEierstock; e eDarm; f Af-
ter; g g g Nesselorgane.
Fig. 2. Hinteres Ende eines männlichen Thieres.. a Hode; b
Samenblase; c Penis; d Darm; e After.
Fig. 3. Penis mit dem oberen Theile der Samenblase. Bei «a ist
die Mündung des Penis, die Spitze über a hinaus ist rinnenförmig.
Fig. 4. Inhalt des Hoden und der Samenblase. a Keimzellen
der Spermatozoiden; b b dieselben in die Länge gezogen; c Entwik-
kelte Spermatozoiden.
Ueber die Fortpflanzung durch Theilung
bei Nais proboscidea.
Von
Demselbem
Man hat in neuester Zeit versucht, die verschiedenen
Arten der ungeschlechtlichen Fortpflanzung im Thierreiche, die
Theilung, die Knospenbildung und den Generationswechsel
unter gemeinsame Gesichtspunkte zu fassen.
So liess man den als Theilung durch Abschnürung eines
einzigen Thieres in mehrere angesehenen Vorgang, welchen
wir von manchen Würmern kennen, auf einer reinen Knos-
penbildung beruhen, indem man annahm, ein Individuum ent-
stände am anderen als etwas von vorne herein Fremdes, zum
Ablösen bestimmtes, wie die Knospe an einer Hydra, welche,
obgleich von dem Mutterthiere ernährt, doch nie einen inte-
grirenden Bestandtheil desselben bildet. Namentlich wurde
von Steenstrup ') diese Ansicht als allgemein gültig aus-
gesprochen.
Dieser Forscher ging jedoch noch weiter, und subsu-
mirte die Fortpflanzung durch Theilung und die Knospenbil-
dung unler den Generationswechsel °), indem er an-
nalım, dass durch „Aufammun g* von den auf ungeschlecht-
lichem Wege sich fortpflanzenden Individuen nach einer für
jede Art bestimmten Reihe, Wesen erzeugt würden, welche
sich durch Eier und Samen fortpflanzten. Ich werde unten
Gelegenheit haben auf diese Ansicht näher einzugehen, und
das Unzulängliche derselben, wenigstens für unsere Nais er-
weisen.
Wenngleich nun für die Annahme, dass die Fortpflan-
zung durch Theilung bei den Würmern auf einer reinen Knos-
*) Untersuchungen über das Vorkommen des Hermaphroditismus,
Aus dem Dänischen von Hornschuch. pag. 48. 49.
?) Ebendaselbst und pag 104.
294 Schultze:
penbildung beruhe, mehrfache Beweise geliefert wurden 2),
so konnte sich dieser Satz in seiner Allgemeinheit doch nicht
halten, da manche Thatsachen gegen denselben sprachen.
Namentlich - wurde von O0. Schmidt,für die Mikrostomeen,
eine Turbellarien-Familie, bewiesen, dass bei denselben eine
wirkliche Abschnürung eines vorher dem Mutterthiere ange-
hörigen Stückes zu einem neuen Individuum stattfände 2).
Auch die nachstehende Abhandlung hat den Zweck,
durch eine umständliche Beleuchtung des Theilungsprocesses
bei Nais proboscidea zu erweisen, dass derselbe nicht in
einer reinen Knospenbildung, sondern in einer nach ganz
bestimmten Gesetzen fortschreitenden Abschnürung eines ein-
zigen Thieres in mehrere beruhe.
Die Nais proboscidea hat durch die schon vor 80 Jah-
ren von dem trefflichen O. Fr. Müller 3) gegebene Be-
schreibung ihrer Fortpflanzung durch Theilung einige Be-
rühmtheit erlangt. Die Beobachtungen Müller’s sind jedoch
“später mit besseren Hülfsmitteln nicht wiederholt worden, so
dass schon deshalb eine Revision der Angaben dieses Natur-
forschers erwünscht sein möchle.
Ehe ich zur Beschreibung meiner Beobachtungen über-
gehe, wird es nöthig sein, die Ansichten 0. Fr. Müller's
über die Theilung an unserer Naide, und die anderer For-
scher über denselben Vorgang an verwandten Thieren kurz
darzulegen.
Die zwei Arten von Theilung, welche O. Fr. Müller
bei Nais proboscidea beobachtete, sind folgende. Die gewöln-
lichere Art soll die sein, dass aus dem letzten Segment („Al-
tergelenk“) eines Thieres eine Menge neuer Leibesringel her-
vorsprossen, welche sich dann mit einem Theile des
Aftergelenkes zusammen zu einem neuen Individuum
abschnüren. Doch schon vor der vollständigen Abschnürung
sollen aus dem übrig gebliebenen Theile desselben After-
- gelenkes des Mutterthieres Glieder zu einem zweiten und ge-
') Vergl. die unten im Auszuge mitgetheilten Beobachtungen von
Milne Edwards, Frey und Leuckart und O0. Schmidt.
2) Die rhabdocoelen Strudelwürmer. 1848. p.57. Vergl, auch
meinen Aufsatz über die Microstomeen in diesem Hefte
») Von d. Würmern d. süssen u, salz. Wassers. 1771. p. 34—50.
Ueber die Fortpflanzung dureh Theilang bei Nais proboscidea. 295
wöhnlich auch noch zu einem dritten Thiere sich so hinter-
einander entwickeln , dass das hinterste jedesmal das älteste
und grösste, das vorderste das jüngste ünd kleinste ist. In
jedem dieser neuen Thiere soll ein Dritttheil des Aftergelen-
kes der Mutter aufgehen, so dass, nachdem dasselbe durch
3 neu entwickelte Thiere absorbirt ist, das vorher verletzte
Glied nun die Funetion des Aftergelenkes übernimmt und
ebenfalls 3 neue Individuen aus sich entwickelt und in die-
sen aufgeht u. s. f. Nachdem auf diese Art das Mutterthier
auf 15—17 Glieder redueirt ist, soll das Aftersegment eine
grosse Zahl von neuen Gliedern aus sich entwickeln, ohne
dass eine Abschnürung stattfindet. Dann, wenn das Thier
eine Länge von einigen 40 Gliedern erreicht hat, soll plötz-
lich eine Abschnürung in der Mitte eintreten (und das ist
die zweite Art der Theilung nach O. Fr. Müller), so dass
aus dem einen 2 Thiere jedes mit einigen 20 Gelenken ent-
stehen, die nun wieder aus ihren Aftergelenken auf die be-
schriebene Art zeugen.
Diese Beobachtungen Müller’s sind später , wie schon
erwähnt, von keinem Naturforscher in ähnlicher Ausführlich-
keit wiederholt worden. Gruithuisen ), welcher eine
Anatomie derselben Nais lieferte, geht über die Details des
Theilungsprocesses leicht hinweg.
0. Fr. Müller erwähnt noch bei einem anderen, ver-
wandten Thiere, der Nereis prolifera (jetzt Syllis), der Quer-
theilung ?), ohne jedoch die Art derselben zu beschreiben.
Er sah mehrere Thiere au Grösse in derselben Weise ab-
nehmend wie bei Nais proboscided zusammenhängen , von
denen das letzte den Schwanz des Mutterthieres trug.
ErstQuatrefages, MilneEdwärds, und Frey und
Leuekart haben in neuerer Zeit an einer Sylks und einem
ähnlichen Kiemenwurme diesen Vorgang wieder beobachtet;
alle drei Forscher berschreiben detiselbent jedoch verschieden.
Quatrefages®) sah eine Syllis (ob mit der Müller’schen
identisch bleibt zweifelhaft) an der Küste der Bretagne in grosser
*) Nov. Acta Acad. Caes. Leop. Bd. Xl. 1. p. 243.
?) Zool. Dan. Tom. Il. p. 15.
?) Amn. d. sc. nat, 3. 8er. Tom. k 1844. p.22.
296 Schultze:
3
Menge, welche sich durch Abschnürung in der Mitte ihres
Körpers fortpflanzte. Genaueres über die Art derselben wird
nicht angegeben, nur noch hinzugefügt, dass die aus der
hinteren Hälfte entstandenen Thiere stets Geschlechtstheile
mit Eiern oder Spermatozoen entwickelt hätten, indem der
Darm derselben zugleich atrophirte, die vorderen Thiere da-
gegen nie Geschlechtstheile enthalten hätten.
Milne Edwards!) beschreibt die Fortpflanzung. durch
Quertheilung an einem neuen sicilischen Kiemenwurme, den er
Myriadine nennt, auf folgende Weise. Aus dem vorletzten
Gliede, zwischen ihm und dem letzten, wurden durch eine
wahre Knospenbildung nach einander eine Reihe neuer Indi-
viduen erzeugt, die in einer längeren Reihe ganz so geord-
net erschienen, wie bei Nais proboscidea nach O. Fr. Mül-
ler. Dass ein Theil des Mutterthieres mit in die neuen In-
dividuen übergehe, wird ausdrücklich verneint, indem ein
und dasselbe verletzte Glied ein für alle Mal die Rolle des
Erzeugenden übernommen.
Frey und Leuckart 2) haben bei Syllis prolifera aus
der Nordsee den Theilungsprocess beobachtet, und sind zu
folgender Ansicht über denselben gelangt. Etwa in der
Mitte eines Thieres entsteht zwischen 2 Leibesringeln eine
Neubildung ähnlich einem jungen Ringel, welche Anfangs
ganz schmal nach und nach breiter und in einzelne Seg-
mente abgetheilt wird. Diese wahre Knospe wird zu ei-
nem neuen Thiere, ohne dass ein Theil des Mutterthieres in
dasselbe übergeht. Bald entsteht vor derselben eine neue
der ersten ganz gleiche Knospe, vor dieser eine dritte u. s. f.;
so dass, ehe noch das hintere Ende des Mutterthieres, wel-
ches sich unterdessen mit einem neuen Kopfe versehen hat,
abgeschnürt wird, eine Reihe von oft 7 —9 zusammenhängen-
den Individuen angetroffen wird, welche sich in Bezug auf
ihr Alter ganz so verhalten, wie Nais proboscidea und My-
riadine.
Dabei waren alle durch solche Knospenbildung in der
Continuität des Thieres sich fortpflanzende Individuen noch
*) Ann. d. sc. nat. 3, Ser. T. II. 1845. p. 171.
?) Beiträge zur Kenntniss wirbelloser Thiere. 1847. p. 91.
Ueber die Fortpflanzung durch Theilung bei Nais proboscidea. 297
nicht ganz ausgebildete Thiere, was aus dem Mangel der Ge-
schlechtstheile und den Cilien an einzelnen Körpertheilen,
welche nur den Jungen zukommen sollen, hervorging. Ge-
schlechtlich ausgebildete Individuen wurden (im Juli) gar
nicht beobachtet, während in den Hinterenden, welche den
Schwanz des Multerthieres trugen, sich manchmal Eierkeime
fanden.
0. Schmidt ') hat Beobachtungen über die Querthei-
lung an Naiden, Mikrostomeen und einem Kiemenwurm, Fi-
lograna Schleideni gemacht. „Bei den Naiden ‚“ sagt dieser
Forscher, „kann man darüber nicht so leicht aufs Reine
kommen, indem es bald den Anschein hat, als trennte sich
eine Anzahl Ringe, die schon in voller Entwickelung inte-
grirende Theile des Mutterthieres gewesen, bald das junge
Thier wie ein Embryo aus dem Ammenthiere, wie es Steen-
strup gern nennen möchte, hervorsprosst.“ Bei den Mikro-
stomeen scheint es ihm „ausser Zweifel, dass wirklich ein
Stück des Mutterthieres in das neue Thier übergeht.* Dage-
gen bei Filograna Schleideni heisst es: „Wenn irgendwo, so
tritt es hier überaus klar hervor, dass die eigentliche Quer-
theilung das geringste Moment in der Entwickelung des neuen
Thieres ist, dass vielmehr dieses als wahre Knospe oder
Sprosse an dem Mutterthiere wächst, und mit diesem den
Darmkanal gemeinsam hat, wie die noch nicht getrennten
alten und jungen Hydren.* «(Vergl. auch 0. Schmidts
Handbuch der vergl. Anatomie. p. 293.) Aus den angege-
benen Ansichten der Schriftsteller über den Hergang der
Quertheilung bei den Würmern erhellt, wie verschieden der-
selbe bei den einzelnen Thieren aufgefasst worden ist.
Wir gehen nun zu unseren Beobachlungen über die
Theilung der Nais proboscidea über.
Beobachtet man ein einfaches möglichst langes Indivi-
duum von etwa 30—40 Leibesringeln, in welchem sich keine
Spur von Geschlechtstheilen zeigt, einige Tage hintereinan-
der, so wird bald etwa in der Mitte des Thieres eine Stelle
in die Augen fallen, an welcher ein Auseinanderweichen
*) Neue Beiträge zur Naturgesch. d, Würmer. 1848, p. 36, u. die
rhabdocoelen Sirudelwürmer, 1848, p. 57;
298 | Schultze: dal)
zweier Leibesringel durch eine sich daselbst bildende dich-
tere, undursichtigere Substanz, ein lebhafter Zellenbildungs-
process, stattfindet. Diese neugebildeteMasse geht von bei-
den anstossenden Segmenten gleichmässig aus,
was man daraus unzweifelhaft erkennen kann, dass der Lei-
besringel- Einschnitt, an welchem diese Neubildung staltfin-
det, in der Mitte quer durch dieselbe hindurchgeht. Dieser
Einschnitt tritt allmählig immer schärfer hervor, während die
Neubildung an beiden Seiten desselben gleichmässig an Breite
zunimmt. Der Darmkanal bleibt an dieser Stelle wegsam,
obgleich ihm zuerst eine bestimmte Wandung noch zu fehlen
scheint, und von dem braunen Pigment, welches in den aus-
gebildeten Gliedern die Wandung des Darmkanals bedeckt,
sich keine Spur innerhalb der Neubildung findet. Wenn diese
Neubildung nun auf jeder Seite des sie in 2 gleiche Theile
scheidenden Querstriches etwa die Breite eines Leibesrin-
gels erreicht hat, so findet man dieselbe besonders an dem
dem Kopfe der Naide zugekehrien Ende, in welchem sich
nun auch schon die ersten Spuren vieler dicht hintereinan-
derliegender nach hinten zu kleiner werdender Fuss- und
Seitenborsten entwickeln, durch einen deutlichen, den Lei-
besringel-Einschnitten des Mutterthieres gleichenden Strich
von dem Gliede des Mutterthieres getrennt, aus welchem
die Neubildung hervorging, so dass man geneigt wird zu
glauben, dass hier eine zweite Abschnürung stattfinden werde,
und dass die Vermehrung ganz auf die von Frey undLeu-
ckart an Syllis prolifera beschriebene Weise, durch Knos-
penbildung in der-Conlinuität des Thieres vor sich gehe.
Es würde dann die zwischen den beiden Einschnürun-
gen liegende neugebildete Masse alle Elemente eines neuen
Thieres in sich enthalten. Dem ist jedoch nicht so. Der
Querstrich zwischen der Neubildung und dem anstossenden
Leibesringel wird zu keiner Einschnürung, sondern behält
ganz die Bedeutung der zwischen je zwei Gliedern befindli-
chen Grenzlinien.
Zunächst entwickeln sich nun in den an Länge immer
mehr zunehmenden neugebildeten Theilen Fuss - und Seiten-
borsten, und zwar in dem künftigen Kopfende des Hinter-
thieres bloss 3—4 Paar Fussborsten ohne Seitenborsten, wäh-
Ueber die Fortpflanzung durch Theilung bei Nais proboscidea. 299
rend in dem Schwanzende des Vorderihieres sich eine sehr
grosse Anzahl dicht hintereinanderliegender Fuss- und Sei-
tenborsten bilden. Wenn dieser letztere Theil etwa die
Länge von 2 gewöhnlichen Segmenten erreicht hat, sieht man
in dessen vorderem Ende auch schon die Grenzen der künf-
tigen Ringel durch Striche angedeutet, und der Darm, des-
sen Wandungen nun deutlich hervortreten, bekommt ebenso-
viele Einschnürungen, als Glieder angedeutet sind. Jetzt be-
ginnt auch eine neue Einschnürung im Vorderthier, aber
nicht da, wo Neubildung und letztes Glied des Vorderthieres
zusammenstossen, wie es vorher den Anschein halle, son-
dern zwischen dem letzten und vorletzten Gliede beginnt
ganz derselbe Process wieder, durch den wir die erste Ab-
schnürung haben zu Stande kommen sehen. Durch diese
zweite Einschnürung der Naide wird nun ein neues Indivi-
duum, ein Mittelthier, zwischen Hinter- und Vorder-
thier abgegrenzt, und dieses neue Individuum besteht aus
einemLeibesringel, welcher einenintegrirenden
Theil der Naide bildete, aus welchem nach einer
Seite eine grosse Zahl Körper- und Schwanz-
glieder gebildet sind, und nach der anderen
Seite die neuen-Kopfglieder entstehen.
Noch ehe das Hinterthier dieser jelzt aus 3 Individuen
bestehen Reihe, welches sich unterdessen mit 3—4 neuen
Kopfgliedern, Augen und Rüssel versehen hat, sich ablöset,
geht der Neubildungsprocess an der zweiten Einschnürungs-
stelle alle die Stadien durch, welche wir an der ersten ver-
folgt haben. An der einen Seite der Einschnürung, wo der
Kopf des Mittelthieres sich bilden muss, entwickeln sich 3—4
Kopfglieder mit Fussborsten aber ohne Seitenborsten, an der
anderen Seite, dem Schwanzende des Vorderthieres, entste-
hen viele neue Glieder mit Fuss - und Seitenborsten, und hier is
die Neubildung wieder gerade so, wie dies bei der Bildung
der ersten Einschnürungsstelle erwähnt wurde, von dem letz-
ten Gliede des Vorderthieres durch eine deulliche Querlinie
geschieden, so dass, wenn man ein solches Thier unter dem
Mikroskope betrachtet, man leicht an dieser Stelle die ersten
Spuren einer künftigen Abschnürung zu erblicken verleitet
wird. Die nächste Binschnürung geschieht jedoch analog der
300 Schultze:
vorigen wieder zwischen dem letzten und vorletzten Gliede
des Vorderthieres, so dass das letzte Glied mit der aus ihm
hervorgegangenen Neubildung zu einem neuen Individuum
wird. Jetzt löst sich gewöhnlich das Hinterthier, dessen Kopf
nun vollständig entwickelt ist, ab, und das erste Mittelthier
wird zum Hinterthier. Die Abschnürungen und Neubildungen
am Vorderthier gehen in der beschriebenen Weise weiter.
Jedem neuen Individuum, welches zwischen zwei Einschnü-
rungen entsteht, liegt ein Glied des Vorderthieres
zum Grunde, welches nach vorn 3—4 Kopfglieder, nach
hinten die ganze Zahl der übrigen Ringel aus sich entwickelt.
Es erhellt, dass das Vorderthier durch dieses fortge-
setzte Abschnüren seines jedesmal letzten Gliedes zu einem
neuen Individuum allmählich an Länge bedeutend abnimmt.
Wenn es auf die Weise bis auf 12—14 Ringel reducirt ist,
tritt eine Pause in den Abschnürungen ein. Das bei der
letzten Abschnürung neu gebildete Schwanzende wächst zu
einer grossen Länge aus, so dass das ganze Thier jetzt eine
Länge von 40—50 und oft noch mehr Gliedern annimmt, ohne
eine Spur vonEinschnürung zu zeigen, und nun beginnt ein
neuer Cyclus von Quertheilungen dadurch, dass auf die oben
beschriebene Weise etwa in der Mitte des Thieres eine Neu-
bildung, welche der Abschnürung vorhergeht, auftritt, jede
folgende Abschnürung aber wieder ein Glied des Vorderthie-
res umfasst.
Es ist mir zwar nicht gelungen, ein und dasselbe Vor-
derthier, nachdem ich es von einer Länge von 12 Ringeln
auf die von einigen 30 halte wachsen sehen, so lange lebend
zu erhalten, bis der Cyclus von Quertheilungen an demsel-
ben anfing; da ich jedoch an anderen Individuen, welche ich
als Mittelthiere hatte entstehen sehen, den Beginn der Fort-
pflanzung durch Theilung auf die angegebene Weise vor sich
gehend beboachtete, zweifle ich nicht, dass auch bei den zu
einer grossen Länge ausgewachsenen Vorderlhieren die neue
Fortpflanzung durch Quertheilung mit einer Einschnürung in
der Mitte anfängt.
Was aus dem bei einem Cyclus von Quertheilungen je-
desmal zuerst abgelösten Hinterthier wird, ob dasselbe sich
noch durch Quertheilungen fortpflanzt, das habe ich nicht
Ueber die Fortpflanzung durch Theilung bei Nais proboscidea. 301
beobachten können. Die nach dem Ablösen isolirt aufbe-
wahrten Hinterenden gingen mir immer nach wenigen Tagen
schon zu Grunde, ehe eine Veränderung an denselben vor-
gegangen war. Die Vermuthung jedoch, dass dieselben etwa
vorzugsweise oder gar allein zur geschlechtlichen Fortpflan-
zung bestimmt seien, wie Steenstrup möchte, will ich hier
im Voraus gleich als ungerechtfertigt bezeichnen. Während
ich in denselben nie eine Spur von Geschlechtstheilen fand,
sah ich dagegen stets in solchen Vorderthieren diese Organe
sich entwickeln, welche sich durch eine Reihe von Abschnü-
rungen schon auf ungeschlechtlichem Wege fortgepflanzt hat-
ten, und zum Theil während der Entwickelung der Geschlechts-
theile noch fortpflanzten.
Vergleichen wir nun kurz die eben beschriebenen
Beobachtungen mit den von anderen Forschern gegebenen
und oben mitgelheilten Beschreibungen der Fortpflanzung
durch Theilung bei unserer Nais und verwandten Würmern.
0. Fr. Müller unterschied bei Nais proboscidea, wie
wir, zwei Arten der Theilung, die in der Mitte eines einfa-
chen Thieres auftretende und die durch eine Neubildung aus
dem „Aftergelenke“ vermittelte. Was die erste Art betrifft,
so weichen die Angaben Müller’s darin von den unsrigen
ab, dass dieser Forscher annahm, die Theilung in der Mitte
eines Thieres geschehe nicht in einem Zwischenraum zwi-
schen 2 Leibesringeln, sondern mitten in einem Ringel, in-
dem derselbe durch die Einschnürung in 2 Theile getrennt
würde. Wir glauben mit Bestimmtheit aus unseren Beobach-
tungen annehmen zu dürfen, dass dieser Angabe ein Beob-
achtungsfehler zu Grunde liegt.
Dagegen finden wir bei Müller die Lücke, welche
in unseren Beobachtungen geblieben ist in Bezug auf die
weitere Fortpflanzung des Vorderthieres, nachdem dasselbe
sich bis auf 12—14 Glieder verkürzt hatte nnd keine weitere
Abschnürungen von demselben stattfanden, ergänzt.
Müller beschreibt nämlich ausführlich (loc. cit. p. 46)
wie er gesehen, dass ein Vorderthier, welches aufgehört hatte
neue Individuen aus sich zu entwickeln, nachdem es von ei-
ner Länge von 17 Gliedern auf die von 44 gewachsen war,
jetzt in der Mitte plötzlich eine Einschnürung bekommen hätte,
302 Schultze:
um sich von Neuem durch Quertheilung fortzupflänzen. Wei-
ter konnte Müller dies Thier jedoch nicht verfolgen, da es
zw Grunde ging.
In Bezug auf die zweite Müller’sche Art der Forl-
pflanzung‘ durch Theilung bei unserer Naide „die Zeugung
aus dem Aftergelenke,* so findet bei Müller darin
eine bedeutende Abweichung von unseren Angaben statt, dass
dieser Forscher nicht das ganze „Aftergelenk* des Vorder-
thieres jedesmal in das neue Individuum übergehen lässt, wie
wir es beobachteten, sondern immer nur ein Stück desselben,
gewöhnlich ein Drittel, so dass aus einem und demselben Seg-
mente mehrere neue Individuen nach und nach hervorsprossten,
welche bei der Abschnürung immer ein Stück dieses Seg-
mentes mitbekamen. Offenbar hat hier, wie auch aus der
Müller’schen Beschreibung klar hervorgeht, die Phantasie
des Verfassers den Mangel an genügenden Hülfsmitteln zur
Beobachtung dieses complieirten Vorganges ersetzt, und wir
halten auf Grund unserer genauen mikroskopischen Untersu-
chungen uns berechtigt, die Angaben dieses sonst so ausge-
zeichneten Beobachters corrigiren zu dürfen.
Die Beobachtung von Milne Edwards über die un-
geschlechtliche Fortpflanzung bei Myriadine lassen, eine Ver-
gleichung mit den unsrigen. schwer zu. Milne Edwards
hat nämlich, wie aus seiner Beschreibung hervorgeht, nur ein
Exemplar beobachtet, welches aus einer Reihe von 7 anein-
anderhängenden Individuen bestand. Aus dieser Reihe bil-
dete sich dieser Forscher seine Ansicht über die Art der
Theilung; ‚welcher‘ eine wahre Knospenbildung zwischen. letz-
tem und vorletztem Gliede zu Grunde liegen sollte. Wie
schwer es aber ist,, aus einem so geringen Material. und ohne
die genauste mikroskopische Untersuchung, zu: entscheiden,
ob ein Glied: des Mutterthieres mit in das Junge. übergeht,
oder nicht, wird Jeder zugestehen,,, der sich: mit; ähnlichen
Beobachtungen beschäftigt hat.
Die Untersuchungen, welcheFrey und Leuckart über
die Theilung. der Syllis prokfera austellten, weisen an diesem
Thiere eine ganz eigenthümliche Art der Fortpflanzung nach.
In der Mitte des einfachen: Thieres soll: zwischen. zwei: Glie-
dern eine Neubildung entstehen, ähnlich‘einem neuen Ringel,
‚Ueber die Fortpflanzung durch Theilung bei Nais proboscidean, 303
von. Anfang an nach beiden anstossenden Gliedern zu scharf
abgegrenzt sein, und sich, ohne einen Theil derselben in sich
aufzunehmen, wie eine wahre Knospe, zu einem neuen Thiere
entwickeln. Vor dieser Knospe, dem Kopfende des Mutter-
thieres zu, sollen sich allmählich auf gleiche Weise immer
mehr solcher Knospen bilden, die sich alle nach und nach
als vollständige Individuen ablösen.
Die grosse Verschiedenheit dieser Fortpflanzungsart der
Syllis von der der Nais proboscidea liegt auf der Hand, und
da uns die genauen Angaben von Frey und Leuckart kei-
nen Zweifel an der Richtigkeit ihrer Beobachtungen erlauben,
so müssen wir trotz mancher Analogien, welche beide Pro-
cesse darbieten, doch von einem Versuche, dieselben unter
einem Gesichtspunkte zu vereinigen, abstehen.
Wir werden die Fortpflanzung der Syllis als eine reine
Knospenbildung ansehen müssen, während die der Nais
proboscidea nur eine Theilung genamt werden kam. ,
Es sei mir noch gestaltet, am Schlusse dieser Abhand-
lung einige Beobachtungen und Bemerkungen über die Ent-
wickelung der geschlechtlich ausgebildeten Individuen, na-
mentlich in Bezug auf den von Steenstrup auch den Nai-
den vindicirten Generalionswechsel, anzufügen.
Die vorstehenden Beobachtungen über die Fortpflanzung
durch Theilung wurden im Mai und Juni an Individuen ge-
macht, welche, wie alle damals gefundenen, keine Spur von
Geschlechtstheilen enthielten. Im Juli fand ich in demselben
Graben, aus welchem ich bisher das sehr reichliche Material
geschöpft halte, neben wenigen geschlechtslosen viele ge-
sehlechtlich entwickelte Thiere, und die Zahl der letzteren
nalın immer mehr zu im Verhältniss zu der der geschlechts-
losen. , Anfang August trocknete der Graben aus, und sämmt-
liche Naiden gingen zu Grunde.
Ich halte es mir alsbald zur Aufgabe gemacht, zu: er-
forschen, ob die Entwickelung dieser mit Geschlechtstheilen
versehenen Individuen zu der der geschlechislosen in einem
solchen Verhältnisse stände,; dassman berechtigt sei, bei die-
sen Thieren eine Reilie wechselnder Generationen anzuneh-
men, und.ob die geschlechtlich entwickelten Individuen als
Endglieder einer solchen Reihe betrachtet werden könnten.
304 Schultze: Ueber d, Fortpflanzung durch Theil, b. Nais probose,
Es musste in diesem Falle eine potentielle Verschiedenheit
der geschlechtslosen, durch Theilung sich fortpflanzenden
Individuen von den geschlechtlich entwickelten nachgewiesen
werden, und vor Allem durfte nicht ein und dasselbe Thier
sich einmal durch Theilung fortpflanzen und ein andermal
Geschlechtstheile in sich entwickeln, sondern die auf unge-
schlechtlichem Wege sich fortpflanzenden Individuen mussten,
ohne selbst jemals geschlechtsreif zu werden, eine Reihe von
neuen Thieren. „aufammen,“ welche ausschliesslich zur ge-
schlechtlichen Zeugung bestimmt wären.
Es stellte sich jedoch sehr bald heraus, dass dieselben
Individuen, welche ihre Hinterglieder nach und nach zu ei-
ner Reihe neuer Individuen abgelöst hatten, nun Geschlechts-
iheile in sich ausbildeten, ja selbst als diese schon vorhanden
waren, sich doch noch durch Theilung fortpflanzten, wäh-
rend andererseils die abgelösten neuen Individuen, so lange
sie beobachtet werden konnten, geschlechtslos blieben, und
einen Cyclus von Quertheilungen durchzumachen begannen.
Unter den mindestens 50 Individuen , welche ich allein
zu der Jahreszeit beobachtete, in welcher die Geschlechts-
theile fast in allen Naiden sich entwickelten, waren mehrere,
welche, trotz der deutlichen Anfänge von Geschlechtstheilen
in ihren Vorderenden, sich doch noch durch wiederholte Ab-
schnürungen fortpflanzten, ja einmal kam mir sogar ein Thier
vor, mit vollkommen entwickelten Spermatozoiden und reifen
Eiern, welches noch in der Theilung begriffen war.
Eine seltene Ausnahme bleibt die Fortpflanzung durch
Theilung während der Geschlechtsreife aber immer.
Es erhellt somit, dass die zur Annahme eines Generations-
wechsels nothwendigen Bedingungen bei unserer Naide fehlen.
Ob die ungeschlechtliche Fortpflanzung als eine nur dem
Jugendzustande zukommende anzusehen, und mit dem Aus-
üben der geschlechtlichen Functionen zugleich der Lebens-
process für jedes Individuum beendet sei, oder ob in den
geschlechtlich ausgebildeten Thieren die Geschlechtstheile
nach einiger Zeit wieder verschwinden, und der geschlechts-
lose Zustand nebst der Fortpflanzung durch Theilung wieder
zurückkehre, das bleibt späteren Untersuchungen vorbehalten,
a
Ueber die Lachs - Arten Schweden’s.
(Aus einem Briefe des Prof. Nilsson in Lund an den
Prof. Sundewall in Stockholm. *)
Aus d. Schwed. von Creplin.
Aus den von mir während der letzteren Monate ge-
machten, theils äusserlichen und theils und meistens osteologi-
schen Untersuchungen will es mir deutlich hervorzugehen be-
dünken, dass, wenn wir als hinreichende Artunterschiede bei
den Lachsfischen die bisher gewählten Kennzeichen der Farbe,
der Verhältnisse zwischen der Länge des Kopfs und des
Körpers nebst des letztern Breite, der Grösse der Augen,
der Länge und Strahlenzahl der Flossen, der Form derSchwanz-
flosse, der Schuppenanzahl in ihren schiefen Querreihen, der
Anzahl der Wirbelbeine u. s. w. annehmen, wir ganz gewiss
eben so grosse Verschiedenheiten zwischen den von mir in
meinem Prodromus (Ichthyologiae scandinavicae) aufgenom-
menen neuen, wie zwischen der einen und andern der alten,
bereits von Linne u. A. als gesonderte betrachteten Arten
finden werden ; und es scheint mir ziemlich gewiss zu sein,
dass, wenn Linne’s Salmo Fario von seinem $. Trutta ver-
schieden ist, auch S. Ocla, Truttula und punctulatus sowohl
unter einander, als auch von jenen beiden verschieden seien.
Ich kann dies durch Original-Exemplare zu Tage legen, wel-
*) Vom Letztern in der Sitzung der Akademie der Wissenschaf-
ten daselbst am 12. April 1848, mit der Bemerkung, vorgetragen, dass
unläugbar von allen zur skandinavischen Fauna gehörenden Fischen die
Lachslische am schwersten zu erforschen seien. S. Öfversigt al K,
Vet-Ak.’s Förhandil., 1848. S. 59—64.
Archiv S, Naturgesch. XV. Jahrg. 1. Bd. 20
306 Creplin:
.
che sich im hiesigen Museum befinden ), und auch durch
Zeichnungen, welche von ihnen gleich nach ihrem Fange,
entworfen worden sind. Aber bei genauer Untersuchung
zahlreicher Exemplare von Lachsfischen aus verschiedenen
Wässern wird man finden, dass alle die genannten Charaktere
bedeutend variiren. Man trifft sogar selten alle dieselben
gleich bei zwei oder mehreren Exemplaren gleicher Grösse
und aus einem und demselben Fange, in demselben kleinen
Haufen , und so offenbar Geschwister [sit venia verbo!] aus
derselben Rogentraube hervorgegangen. Mehr variiren je-
doch noch dieselben Charaktere bei Exemplaren von unglei-
chem Alter und ungleicher Grösse, und. zwar noch mehr bei
denen aus Wässern von verschiedener Höhe und Temperatur,
Weite, Tiefe, verschiedener Stromschnelliekeit, steinigem oder
thonigem Grunde und verschiedenartigen aufgeschlemmten
Bestandtheilen. Vergleichen wir bloss die Extreme dieser
verschiedenen Entwicklungsreihen, so müssen wir sie für
verschiedene Arten halten ; ziehen wir auch alle zwischen-
liegenden Veränderungsfornien in Betrachtung, so finden wir
deutliche Uebergänge, und danach können wir jene nicht
als gesonderle Arten betrachten, sondern bloss als Formen;
und dann bleiben in der That nicht viele gesonderte Arten
mehr stehen. Doch erlaube ich mir das zu wiederholen, was
ich im Anfange äusserle, dass man eben so viel Grund hat,
S. Truttula, Ocla et punctatus für gesonderte Arten anzu-
nehmen, als man annimmt, dass S. Fario von S. Trutta und
S. caecifer von beiden verschieden seien.
Als Resultat meiner bisher angestellten Untersuchungen
bei einer grossen Masse von Lachsfischen aus verschiedenen
Gegenden der skändinavischen Halbinsel ergeben sich mir
keine zureichenden Gründe für die Annahme mehrerer , als
der folgenden Arten: 1) Salmo Salar L., S. Eriox L. ®),
Salmo Trutta, unter welche als Formen Ocla, Truttula, Fa-
rio et punctatus gehören. 2) Salmo Salvelinus aus dem Wet-
tern und 8. Carbonarius aus dem westlichen Norwegen; denn
) Ich habe auch das Original zu S. Ocla gefunden.
2?) Kröyer’'s 8. Eriow scheint einer andern Art anzugehören.
Ueber die Lachs - Arten Schweden’s. 307
mein S. veniricosus ist eine Form von Carbonarius und Lin-
ne’s alpinus eine Form von seinem Salvelinus.
Vielleicht mögen diese wenigen Species sogar noch wei-
ter zu reduciren sein. Es ist wenigstens nicht undenkbar,
dass der kolossale Salmo Salar, welcher den grössten Theil
des Jahres hindurch dem Wellmeer angehört und während
der andern Jahreszeiten in den grössten Flüssen und Seen
im Innern des Landes lebt, in der Länge der Zeit und wäh-
rend allmählich vor sich gegangener geologischer Verände-
rungen in den kleinen und steinigen Bächen, auf welche er
nach und nach beschränkt ward, die Form-Veränderung habe
erleiden können, dass er zur Forelle geworden sei. We-
niger ungereimt, als beim ersten Gedanken daran, möchte
dies erscheinen, wenn man sich daran erinnern will, dass
z.B. der Londoner Drayhorse (Karrengaul) und der Pony
(Klepper) Shetlands die Extreme einer und derselben Art aus-
machen, deren Zwischenglieder Jedermann kennt. Ein näher
liegendes Beispiel bietet uns das Häringsgeschlecht dar. Zwi-
schen dem Smäströming des finnischen Meerbusens und
dem Gräbenssill des atlantischen Oceans, finden sicher-
lich grosse Verschiedenheiten Statt, und doch weiss jeder
Zoologe, dass sie als Extreme einer und derselben Art ange-
hören, deren Zwischenglieder man auch kennt. Bei den
Lachstischen müssen die Formen, Farben u. s. w. noch mehr
aus dem Grunde variiren, weil sie wechselsweise im Meer
und süssen Wasser von sehr verschiedener Beschaffenheit
leben. Bei den Jungen von S. Salar et Fario L. ist Alles
wesentlich gleich , Aeusserliches sowohl, als Innerliches ;
bei Fario erhält sich mehr von der Form und Farbe der
Jungen, als bei Salar, welches andeutet, dass die Forelle
auf einer niedrigern Entwicklungsstufe stehen geblieben ist,
als der Lachs. Was die Farbe betrifft, so ist sie bei wei-
tem nicht beständig; die rothen Flecke längs der Seiten, wel-
che den hauptsächlichen Unterschied zwischen S. Trutta et
Fario ausmachen sollen, finden sich im Anfange bei allen
Lachsfischen, obgleich die in’s Meer hinausgehenden sie dort
verlieren, die im süssen Wasser bleibenden sie behalten; aus-
serdem ist das Weibchen gewöhnlich fleckiger, als das Männ-
chen, die jüngeren sind es mehr, als die älteren. Was die
308 Creplin:
Flossen betrifft, so sind sie allezeit bei den Jungen verhält-
nissmässig länger, kürzer bei den Alten derselben Art; die
Schwanzflosse ist bei den jüngeren stets gespalten; bei eini-
gen erhält sie sich fortwährend gespalten, bei anderen wird
sie mit der Zeit abgestutzt, selbst convex. Die Gestalt der
Kiemendeckel ist meistens ungleich bei den verschiedenen
Geschlechtern derselben Art. — Die Anzahl der Wirbelbeine
variirt bei derselben Art sehr bedeutend, z. B. bei S. Fario
fand Yarrell nur 56, ich fand 58, 59 oder 60, Andere rech-
neten 61. Dass mein Fario derselbe ist, wie Linne’s, ist
um so gewisser, als ich durch Prof. Berlin Exemplare aus
Norrland unter den von Artedi, Spec. 51, 4, angeführten
norrländischen Benennungen Stenbit und Bäckrö bekommen
habe. ‘Die Appendices pyloricae variiren auch bei derselben
Art bedeutend in der Anzahl; Yarrell giebt sie nach Dr.
Richardson bei S. Salar von 63 bis 68 an; hier auf dem
Museum hat man bei einem Exemplare bis 85 gezählt.
Unter so bewandten Umständen und da alle Charaktere
sich in so hohem Grade veränderlich zeigen, möchte man
sich in der That versucht fühlen, es in Frage zu stellen, ob es
hier mehr, als zwei Species von Lachsfischen gebe, Trutta
und Salvelinus, oder gerade die beiden, welche ich im Pro-
dromus als Repräsentanten für gesonderte Gruppen aufgestellt
habe. Obzwar ich mich von dieser Vorstellung nicht los-
machen kann , welche sich bei mir nach jeder wiederholten
Untersuchung mehr und mehr festzuwurzeln scheint, will ich
doch versuchen, durch die beständigsten , oder richliger die
am wenigsten veränderlichen, Kennzeichen, die ich zu ent-
decken vermocht habe , die Arten zu bestimmen, welche ich
für die am meisten gesonderten oder am wenigsten in ein-
ander übergehenden halte, somit
Lachsfische (Salmonacei).
Gattung Lachs (Salmo Artedi).
I. Fohren ') (Truitae) Flecken dunkler, als die all-
') Ich bediene mich dieses oberdeutschen — eigentlieh mit „Fo-
rellen“ gleichbedeutenden — Wortes zur Uebersetzung des Worts
(Öring, eine Forelle, pl.) Öringar im Texte des schwedischen
Aufsalzes. Cr.
Ueber die Lachs- Arten Schweden’s. 509
gemeine Körperfarbe; Schuppen von mittelmässiger Grösse,
etwa 10—12 in einer Reihe von '/, der Kopflänge.
a) Zähne nur auf dem Vordertheile des Pflug-
scharbeines.
1. Blanklachs ') (Salmo Salar L.).
Oberkiefer der längste; Zähue kegelförmig , stehen mit
den dicken Bases dicht zusammen (am skelettirten Kopfe und
wo sie nicht ausgefallen sind): Hinter- und Unterrand des
Kiemendeckels nähern sich einem Kreisbogen; Vordeckel
halbmondförmig, viel breiter nach unten und ohne deutliche
Buchten im Hinterrande. Schwanz gespalten, die längsten
Seitenstrahlen über zweimal so lang, wie die mittleren.
Schaftzunge des Oberkieferbeins horinzontal plattge-
drückt; Suprascapularbein nach unten sehr breit, nach oben
sich allmählich verschmälernd, spitzig: Pflugschar hinter den
Zähnen rauh und cavernös.
Variirt bedeutend; aus kleineren Flüsschen (in Scho-
nen) bekommt man Exemplare von 10—12 Pfund, welche, in
Folge der Entwicklung des Skeleits, weit älter sind, als Exem-
plare von 32—35 Pfund aus den grossen Flüssen Norrlands.
In Richardson’s Fauna boreali - americana, Ill,
Pl. v1. Fig. 1. findet man eine gute Zeichnung der Contouren
der Deckel; aber viele von den Zähnen sind ausgefallen ge-
wesen.
2. Graulachs ?) (Salmo Eriox L.).
Zähne pfriemenförmig, stehen mit den dünneren Bases
getrennt; Hinterrand und Unterrand der Kiemendeckel nähern
sich der Winkelfornm mit abgerundeten Ecken; Vordeckel
kaum breiler nach unten, mit deutlichen Buchten im Hinter-
rande. Schwanz mehr abgestutzt, die längsten Seitenstrahlen
nicht über 1%/,mal so lang, wie die mittleren.
*) Blanklax (im Schwed.) ist einer derjenigen Namen, mit
denen die Schweden sonst den gemeinen Lachs bezeichnen , wenn er
sein völliges Fleisch und Fett hat.“ (Möller’s Wörterbuch.) Cr.
?) Der Name Grälax (im Schwed.) bezeichnet nicht allein den
$. Eriox, sondern nebst ein paar anderen Benennungen, auch den ge-
meinen Lachs, „wenn er sich in den Strömen abgearbeitet hat und ma-
ger und grauer aussehend geworden ist.“ (Möller.) CH
810 h Creplin:
Schaftzunge des Oberkieferbeins senkrecht zusammen-
gedrückt; Suprascapularbein nach unten gleichbreit, wenig
breiter, als das Zwischenstück, welches auch gleichbreit ist;
Pflugschar hinter den Zähnen mit einem dünnen Knochen-
kamme.
In Richardson Fn. bor. am., III, findet man auf Pl.
91. Fig. 2. die beste Zeichnung von den Kiemendeckeln, wel-
che mir zu Gesichte gekommen ist. — Das Suprascapular-
bein, die Pflugschar,, die Zähne u. m. finden sich nirgends
genau abgebildet.
Bei der Herausgabe des Prodromus kannte ich diese
Art nicht. Jetzt habe ich sie von Gefle sowohl, wie auch
aus dem östlichen Schonen.
b) Zähne in einer Reihe längs des ganzen Pflug-
scharbeins.
3. Salmo Trutta.
Kinnladen meistens gleich; Zähne zahlreich, dünn, spit-
zig, stehen getrennt; Hinterrand der Kiemendeckel nach un-
ten stark herausstehend mit abgerundetem Winkel; Vordeckel
wenig breiter nach unten, mit mehr oder weniger deutlicher
Bucht hinten; Schwanz gespalten oder rund ausgeschnilten.
Von dieser Art finden sich mehrere Formen:
«) Salmo Ocla Prodr.
) — Truttula Prodr.
y) — Fariol.
d) — punctatus Cuv. et Nilss.
Ueber die leiztgenannte finde ich in meinen Reisean-
zeichnungen aus den Norwegischen Gebirgsgegenden vom
17. Julius Folgendes : „Das Fjällauret ist nichts Anderes, als
S. Fario, welcher in den Gebirgswässern grösser und fetter
wird, und dessen Seilen und Bauch gelblich sind. Die Sei-
ten sind ausserdem mit rothen Flecken bestreut. Man fängt
bisweilen 12 Pf. schwere.“
II. Rothfohren ') (Salelini). Flecken heller, als
') Ich übersetze durch diesen Namen den schwedischen, Rö-
dingar. Cr.
Ueber die Lachs -Arten Schweden’s. 311
die allgemeine Körperfarbe ; Schuppen sehr klein, etwa 18—20
in einer Reihe von '/, Kopflänge.
4. Salmo Salvelinus L.
Hierher gehören als Formen:
«) Salmo pallidus Prodr.
89) — alpinus L. eine Gebirgsform.
5. Salmo Carbonarius Str.
a) Salmo ventricosus, von Sigdal.
Ueber die Entwickelung der Mollusca
acephala.
Von
Dr. S. L. Loven*).
Aus dem Schwedischen von Dr. F. €. H. Creplin.
Es ist durch Beobachtungen in neueren Zeiten darge-
than worden, dass die Mollusca cephalopoda, wenn sie dem
Ei entschlüpfen, in allen wesentlichen Theilen des ausgebil-
deten Individuums Gestalt und Organe besitzen. Von den
Gasteropoden dagegen wissen wir, seitdem Sars die erste
dahin führende Entdeckung machte, dass die nackten sowohl,
als die beschalten, wenn sie das Ei verlassen, mit einer nau-
tilusförmigen Schale bedeckt sind, auf dem Kopf ein grosses
Velum tragen, welches als homolog mit den acht Armen der
Cephalopoden betrachtet werden kann, und mit seinen vibri-
renden Cirren in diesem Stadium das einzige Bewegungsor-
gan ist, dass ihr noch nicht zum Kriechorgan ausgebildeter
Fuss ein Operculum trägt, mag sich nun ein solches beim
erwachsenen Individuum finden, oder nicht, dass ihnen die
Tentakeln und meistens auch die Augen fehlen, sie aber schon
sehr früh Gehörorgane darbieten und endlich, dass sie nicht
eher, als am Ende dieses ersten Stadiums ein Herz und ge-
sonderte Kreislaufs- und Athmungsorgane besitzen. Die Ga-
steropoden bestehen sonach eine wirkliche Metamorphose, und
bei den nackten geschieht die äussere Verwandlung, Nord-
m ann's Beobachtungen zufolge, aller Wahrscheinlichkeit nach
in Folge von Hautwechsel, während bei den beschalten die
*) S. Öfversigt af Kongl. Vetenskaps - Academiens Förhandlingar,
5te Argängen, 1848, Stockh. 1849, S, 233—257.
Loven: Ueber die Entwickelung der Molluska acephala. 313
Conchylie nur mehr oder weniger die Richtung ihrer Windung
verändert. Dagegen verschwindet das Velum völlig oder gröss-
tentheils, der Fuss wird zum Bewegungsorgane und die Ten-
takeln treten hervor. Die Beobachtungen, welche wir bisher
über mehrere Gattungen der nackten und von den beschalten
wenigstens über Arten von Cylichna, Bullaea, Eulima, Ceri-
thium, Lacuna '), Phasianella ®), Purpura und Nassa ®) besit-
zen, berechligen uns bis auf weiter zur Annahme einer sol-
chen Metamorphose als durchgängig für alle Formen der
Meer-Gasteropoden, während Untersuchungen an Planorbis
und Limnaeus vermulhen lassen, dass sie nicht so allgemein
bei den Süsswasserformen herrsche, in welcher Hinsicht gute
Arbeiten über Nerita, welche eine Trochoide ist, und über
Melania von grossem Werthe sein würden.
Dass auch die Pteropoden in ihrem ersten Stadium mit-
tels eines vibrirenden Velums schwimmen , werde ich künftig
nach noch unvollendeten Beobachtungen an einer an unseren
Küsten lebenden Spirialis darlegen.
Nachdem wir einigermaassen Gewissheit über diese Ver-
hältnisse bei den Cephalophoren erlangt hatten, blieb es noch
zu untersuchen, ob auch die Acephalen eine Metamorphose
erleiden, oder nicht. Die älteren Beobachtungen über Ano-
donta halten es freilich zu Tage gelegt, dass das Thier in
seinem ersten Stadium in gewisser Hinsicht dem ausgebilde-
ten Individuum unähnlich sei, aber doch nicht so wesentlich,
wie bei den Meergasteropoden, so dass es eher den Anschein
haben wollte, als stände Anodonta hinsichtlich der Entwick-
lung in demselben Verhältnisse zu den Meer- Acephalen, wie
Limnaeus und Planorbis zu den Meer-Gasteropoden. Ich hielt
mich deshalb schon vor mehreren Jahren für verpflichtet, der
Akademie einige Beobachtungen über die Jungen einer klei-
nen lebendiggebärenden Muschel, der Montacuta bidentata *)
») S. die „Öfversigt,« 1844, S. 51.
2) Al. v. Nordmann, Versuch e. Entwicklungsgesch. d. Tergi-
pes Edwardsii, S. 98.
») Peach, Ann. of Nat. Hist. XI. 28, XIII. 203, XV. 446.
%) S. diese „Öfversigt,“ 1844, S. 52, Taf. I, Fig. 9, 10. Sie heisst
dort Kellia rubra und steht im Index Moll. Scand. unter dem Namen
Mesodesnra exiguum,. Durch mir gütigst von Alder mitgetheilte Exenı-
314 3 Loven:
vorzulegen, Die Schale hat eine von der des erwachsenen
Thieres abweichende Form, ist in hohem Grade durchsichtig
und kann durch zwei Schliessmuskeln völlig zugeschlossen
werden. Wenn das Thier schwimmt, so streckt es aus sei-
nen Rändern ein aus zwei bogenartig gekrümmten Lappen
zusammengesetztes Schwimmorgan, ein Velum, hervor, wel-
ches am Rande mit lebhaft schwingenden Cirris besetzt ist.
Von inneren Theilen erschienen der Magen mit der Leber,
der Darm und ein unter dem Velum liegender länglich ge-
rundeter Körper, welchen ich für die erste Anlage des Fus-
ses hielt, während der von diesem Körper ausgehende lange
Cirrus die Andeutung einer Byssus, vergleichbar mit dem
musculösen Cirrus auf dem hintern Ende des Fusses bei Emar-
ginula zu sein schien. Vom Herzen zeigte sich keine Spur.
Danächst theilte Holböll in Kröyer's Tidsskrift, Bd.
IV, 8.583, mit, dass Modiolus Faba seine Eier auf Tang
lege ; die Jungen schwimmen „mittels einiger kleinen Schwimm-
organe, die, fast wie bei Daphnia, aussen vor dem vordern
Theile der Schale sitzen,“ umher,
Während eines Aufenthalts imBohuslän im vergangenen
Sommer fand sich Gelegenheit zum Verfolgen dieser Unter-
suchungen. Nach meiner Heimkehr von da kam hier ein
kurzer Auszug aus den von Quatrefages ohne Kenntniss
der oben angeführten Beobachtungen angestellten Untersu-
chungen über die Entwicklung der Teredo !) an. Sie beirel-
fen hauptsächlich die Entwicklung des Embryos im Eie; hin-
sichtlich des Baues des frei gewordenen Jungen werden
das Velum mit seinen Cirris, die Otolithen und „die succes-
sive Entwicklung verschiedener Organe“ angeführt.
Die Beobachtungen, welche ich während des verflosse-
nen Sommers machte, waren folgende:
Erstlich über die ganze Entwicklung aus dem Eie bei
Modiolaria marmorala Forb. (Mytilus discors DaC., Mont.,
Turt.), welche durch die Byssus angeheftet in Höhlungen in
plare habe ich darüber Gewissheit erlangt, dass sie mit Montagu’s
Mya bidentata identisch ist, welche englische Sehriftsteller zu Monta-
euta bringen.
1) Ann. d. sc. nat., Janvier 1848.
Ueber die Entwickelung der Molluska acephala. 315
der Hülle der Ascidien lebt, und bei 'Cardium parvum Phil.,
welche auf den Klippen zwischen Tang, in einer Tiefe weni-
ger Faden lebt.
Modiolaria ist getrennten Geschlechts. Die Geschlechts-
organe breiten sich im Mantel aus, so dass man während
der Paarungszeit durch die dünne Schale hindurch die Weib-
chen an der rosenrothen, die Männchen an der weisslichen
Grundfarbe erkennen kann. Bei der Paarung ergiessen die
Männchen — in den beobachleten Fällen immer zuerst —
milchähnliche Ströme von lauter Spermatozoiden, welche hier
und da noch in Klumpen zusammenliegen, aus denen sie sich
frei arbeiten, von kaum 0,01 Mm. Länge, mit konischem Kör-
per und äusserst feinem Schwanze, welcher keine Schlingen
bildet. Durch die von den Flimmerhaaren der Thiere, wie
auch von den Zusammenziehungen des Mantels und der Scha-
len in dem umgebenden Wasser heryorgebrachte Bewegung
werden diese Ströme von den Weibchen aufgenommen ,
welche kurz darauf die von lebhaften Spermatozoiden umge-
benen, ganz freien, Eier ausstossen, welche zu Boden fallen,
wo sie durch die Bewegungen jener, die sie mitunter hin und
her wälzen,, abgehalten werden, sich einander zu berühren.
Das Ei ist in keiner äussern Kapsel eingeschlossen, und es
giebt dort Nichts, was mit dem Eiweiss zu vergleichen wäre;
die Spermatozoiden berühren unmittelbar die Dotterhaut, drin-
gen aber, so viel man sehen konnte, nie durch dieselbe,
welche, äusserst dünn, durchsichtig und structurlos, ohne
Zwischenraum den Dotter bekleidet. Dieser besteht aus lau-
ler kleinen, etwas ovalen Körnchen und einer Flüssigkeit;
seine im Anfange schwach rosenrolhe , nachher mehr weiss-
liche Farbe schien den Köruchen anzugehören. Ehe die Eier
ausgesiossen wurden, halte das Keimbläschen sich schon nach
der Oberfläche des Eigelbs hingezogen, und dessen Haut halte
sich aufgelöst, — Vorgänge, von denen es noch auszumitteln
ist, wiefern sie dem eignen Leben des Eies, oder der «durch
die Befruchtung bestimmten Entwicklung angehören.
Das neugelegte Ei war, als es zur Beobachtung kam,
sphärisch; in den Säcken des Ovariums ist es mehr oder min-
der langgezogen und da, wo es von seinem Bildungspunkt
ausgeht, beinahe gestielt. An einer Stelle, nahe unter der
316 Lovens
Dotterhaut, zeigte es einen schwach begränzten Bezirk, wel-
cher eine klare, körnerfreie Flüssigkeit, den Inhalt des Keim-
bläschens, einschloss. In der Mitte dieses Bezirkes lag ein
runder, durchsichtiger Körper dicht unter der Dotterhaut.
Dieser dürfte für nichts Anderes anzusehen sein, als für den
durch das Bersten der Keimbläschenhaut frei gewordenen
Keimfleck. Das ganze Ei zeigte nun einige schwache, aber
sehr deutliche Formveränderungen. So herumgewendet, dass
der klare Bezirk und der Keimfleck gerade an seiner Peri-
pherie zum Vorscheine kamen, verkürzte es sich in der Rich-
tung von dem Keimflecke nach dem entgegengesetzten Pole
zu, wurde also einigermaassen sphäroidisch. Durch diese Be-
wegung wird der Keimfleck gegen die Dotterhaut gedrückt.
Diese giebt nach, und es bildet sich eine Erhöhung, welche,
erst halb sphärisch, endlich konisch, den Keimfleck aufnimmt,
welcher, erst breiter, als lang, nachlıer rund, zuletzt länger,
als breit, eiförmig wird, milunter in zwei getheilt, aber im-
mer durch einen eignen, etwas bläulichen Glanz und leb-
hafte Seitenschalten ausgezeichnet, und dem Anscheine nach
solid, keine Blase, sondern Kernkörper, ist. Der konische
Fortsatz wird endlich fast doppelt so lang, als der Keimfleck,
und es zeigt sich ein Zwischenraum in demselben zwischen
dem Keimfleck und der Oberfläche des Dotters, getheilt von
einer gewölbten Haut, welche den Raum des Keimflecks vom
Inhalte des Keimbläschens trennt, welches darauf in den Dot-
ter zurücksinkt, wonach der konische Fortsatz, unter dem
Keimflecke, sich verschmälert und einen Stiel nach diesem
hin bildet, und der Dotter den Raum an der Basis des Fort-
satzes einnimmt, welchen zuvor der Inhalt des Keimbläschens
einnahm. Es scheint, nach der hier concaven Oberfläche
des Dotters zu urtheilen, nicht unmöglich zu sein, dass diese
hier eine Oeffnung behalte, die nämlich, durch welche der
Keimfleck austrat. Der letztere zeigt mehrentheils eine ihm
anhangende Schleppe, einer zusammengefallenen Haut ähnlich,
vielleicht ist es die des Keimbläschens, welche jener, frei ge-
worden, mitnimmt. So drückt denn durch eigene Bewegun-
gen der Dotter den Keimfleck heraus, welcher in Folge des
Nachgebens der Dotterhaut gestielt auf seine Oberfläche zu
sitzen kommt. Er bleibt dort sitzen, bis der Embryo sich
Ueber die Entwickelung der Mollusca acephala. 317
eonstituirt hat. Krankhaft sind wahrscheinlich die Abwei-
chungen, wo der Keimfleck durch ein Bersten der Dotterhaut
aus dieser heraustrill, und wo durch einen unendlich feinen
Faden, vielleicht ein Theil der Dotterhaut oder der Haut
des Keimbläschens an ihr hangen bleibt.
Vom Cardium parvum legten einige Individuen Eier in
der Schale, in welcher sie gefangen gehalten wurden. Auf
dem Boden fand sich eine Anzahl uhrglasförmiger , dicker,
aber ganz durchsichtiger und wenig consistenter, aus meh-
reren Schichten gebildeter Kapseln, äussere Eierschalen, welche
eine klare Flüssigkeit, entsprechend dem Eiweisse, doch viel-
leicht meistens Wasser, und in diesem den sphärischen Dot-
ter einschlossen. Die Kapseln waren bedeckt, aber auch
durchdrungen von Spermatozoiden, die in ihrer Gestalt de-
nen der Cycladen am nächsten kamen, mit spindelförmigem,
nach vorn etwas dickerem, schwach gebogenem Körper und
langem , sehr feinem Schwanze. Wenn sie sich durch die
äusserste Schale hindurch arbeiteten, so schien deren inner-
ste Schicht den meisten Widerstand zu leisten; im Eiweisse
lagen sie, wenn gleich unbeweglich, noch dann, wenn der
Embryo anfing zu roliren, und wurden durch dessen Bewe-
gungen hin und her geschoben. Aber nur in ein paar Eier
drangen sie hinein, und doch entwickelten sich fast alle.
Der 0,064 Mm. im Durchmesser haltende Dotter war, wie bei
Modiolaria, aber weiss. In ein paar Eiern war noch das
Keimbläschen vorhanden, dicht unter der Dotterhaut liegend,
gross, anscheinend fast halb so gross, wie der Dotter, im
Durchmesser, mil klarem Inhalt und in diesem, in der Mitte
oder um diese herum ein sehr kleiner Keimfleck, welcher einen
viel kleinern Körper darbot, dessen Lage in oder auf der
Oberfläche mit Sicherheit nicht zu bestimmen war. In einem
andern, vom Pole des Keimflecks angesehenen Eie war der
klare Umfang des Keimbläschens zusammengezogen, dessen
Contour zerrissen, so als wenn seine Haut seinen Inhalt nicht
mehr von dem Eigelb abgrenzte und dieses in seinen Um-
kreis eindrenge. Der Keimfleck war unverändert. So herum-
gewendet, dass der Keimfleck an der Peripherie zu sehen
war, zeigle auch hier der Dotter langsame Formveränderun-
gen, wonach folgte, dass der Keimfleck, während einer Er-
318 Loven:
weiterung der Dotterhaut, aus dem Eigelb hervorgeschoben
ward, aber ganz , oder bisweilen zweitheilig, sonst von An-
sehen, wie bei Modiolaria, nur eine regelrechte Halbkugel —
keinen Kegel — bildete, welche, nach dem Verschwinden des
hellen Umkreises, an ihrer convexen inneren Oberfläche von
dem Eigelb begrenzt war. Dort sass sie während der Ent-
wicklung des Eies, doch weniger in die Augen fallend, als
der Kegel bei Modiolaria.
Dieselben Erscheinungen zeigten sich in Eiern der Pa-
tella virginea und des Solen pellucidus.
Das Heraustreten eines oder mehrerer runder Körper-
chen oder „Bläschen“ aus dem Eigelb während der ersten .
Stadien des Eies ist :oft beobachtet worden, und zwar mei-
stens bei Mollusken; so bei Limnaeus von Carus (Zuerst
1824), Dumortier, Pouchet, bei Limax und Aplysia von
van Beneden, bei Doris von Kölliker, bei Tergipes von
Nordmann, bei Limapontia [Pontolimax Crepl.] von Fr.
Müller, bei Teredo von Quatrefages; unter den Endo-
zoen bei Strongylus auricularis von Reichert, unter den
Ringelwürmern beim Blutegel von Frey, bei Clepsine von
Grube (Polarring?), bei Sabellaria von Quatrefages;
endlich unter den Wirbelthieren beim Hunde und Kaninchen
von Bischoff, während sich Vorgänge im Vogel- und
Froschei zeigen, welche auf eine ähnliche Bewegung hindeu-
ten. Wird richligerweise dieser Körper in dem vonGrube
beschriebenen Polarringe des Clepsineneies vermulhet, so ist
das der einzige Fall ausser den oben beschriebenen Fällen,
in welchem er an der Dotterhaut befestigt bleibt. Dumor-
tier sah ihn bei Limnaeus anfangs befestigt, späterhin frei,
und dasselbe scheint fast der Fall zu sein, wenn Nordmann
ihn erst beschreibt, wenn er beim Ende der Zertheilung sich
frei im Eiweiss findet. In allen den anderen angeführten Fällen
sind diese Körper als frei ausserhalb des Dotters schwebend
beschrieben worden; nur Fr. Müller legt auf ihre Stellung
im Verhalten zum Dotter Gewicht, und Bishoff führt an,
dass sie der Rotation des Eigelbs im Kanincheneie folgten.
Hinsichtlich der Frage, was diese Körper seien, sind Bischoff
und Kölliker geneigt, sie für den getheillen Keimfleck,
Pouchet, van Beneden, Dumortier und Reichert
Ueber die Entwickelung der Mollusca acephala. 319
für das Keimbläschen oder für Theile von dessen Inhalte zu
halten, und Frey schwankt zwischen den beiderlei Meinun-
gen. Es erhellt aus den oben angeführten Beobachtungen,
warum ich es gewagt habe, sie sogleich als identisch mit
dem Keimflecke zu betrachten; das Ei scheint keinen andern;
ihnen gleicheriden Theil zu enthalten. In den Eiern anderer
Thiere haben sie bisweilen zu gross zu sein geschienen, um
für den Keimfleck gehalten zu werden; aber wir wissen nicht,
welche Volumveränderung dieser bei der Auflösung des Keim-
bläschens erleiden kann. Die Deutung, zufolge welcher der
herausgeschobene, bisweilen getheille Körper hier für den
Keimfleck angesehen wird, möge dann bis eine bessere ge-
geben wird '), gelten so viel sie kann. — Welches ist die
Bedeulung des herausgeschobenen Keimflecks? Für Carus
bezeichnete er die Rotationsachse des werdenden Embryos ;
der Polarring des Clepsineneies zeichnet den thätigen Pol
aus; Reichert hält dafür, dass er in keinem Verhältnisse zu
der Zertheilung stehe, Nordmann vermuthet seinen Zusam-
menhang mit derselben, van Beneden erkennt an seiner
Lage, nach welcher Richtung der Körper des Thieres sich
hinbilden werde, Bischoff begreift sein nahes Verhällniss
zur Zertheilung und nimmt an, dass der Dotter sich da her-
um zu den zwei ersten Zertheilungskugeln gruppire, und Fr.
Müller endlich zeigt durch gute Beobachtung, dass die ur-
sprüngliche Lage der „Bläschen“ gegen den Dotter ohne Aus-
nahme die Richtungen der Theilungslinien bestimmt, wes-
halb er ihnen den Namen Richtungsbläschen giebt 2). Und
so verhält es sich auf’s deutlichste auch bei Modiolaria und
Cardium.
Wenn im Ei der Modiolaria der Keimfleck herausge-
schoben ist, — sein Pol muss der obere, der entgegenge-
seizte der untere heissen — so hat auch der Dotter seine
1) Was ist der wunderbare Körper, welchen man neben dem
Keimbläschen und seinem Keimlleck im Spinnenei antrifft? Ist es ein
„Polarring“? S. Wittich, Obss. de aranearum evolutione, Halis, 1845.
2) Vgl. hier Rathke’s Erklärung dieser von Fr. Müller so ge-
nannten Richtungsbläschen in seinem Aufsatze „Zur Kenntniss des Fur-
ehungspröcesses im Schneckeneie« (5. dies Archiv, 1848, Bd, I. S. 157 lf.),
welches dem Vf. noch nicht bekannt sein konnte, Cr,
320 Loven:
sphärische Form wieder angenommen, und sein Inhalt ist sehr
gleichmässig vertheilt. Aber bald danach treten neue äussere
und innere Veränderungen ein. Der Dotter verlängert sich
und wird zugleich schmäler nach dem untern Pole zu, so
dass er die Gestalt einer Birne bekommt. Sein körniger In-
halt sammelt sich dichter im obern Theile; aber im untern
ist er klarer, als vorher, weniger reich an Körnern, wodurch
sich im Dotter schon von Anfang her zwei Elemente diffe-
rentiiren, deren Bedeutung hier anticipirt werden möge; der
obere, dunklere Theil ist der der peripherischen, der untere,
hellere der der centralen, Elemente. Im obern, peripheri-
schen Theile zeigt sich ein heller, ziemlich begrenzter Kern,
welche Benennung diesem klareren Körper nur hinsichtlich
seiner ceniralen Lage, nicht wegen irgend eines Verhältnisses
desselben zur Zellenbildung gegeben wird. Es scheint Grund
zu der Annahme vorhanden zu sein, dass dieser helle Kern
der Inhalt des Keimbläschens sei, welcher sich nach dem
Austrilte des Keimflecks in das Innere des Dotters zurück-
ziehe; gleichwohl war kein hellerer Streifen zur Bezeichnung
dieses seines Weges bemerkbar, wie es sich hinsichtlich der
Eier anderer Thiere angegeben findet. Fast gleichzeilig mit
dem Hervortreten dieses Kerns verändert sich ferner die äus-
sere Form des Dotters auf die Weise, dass der schmale, klare
Theil des untern, centralen Poles, durch ein Eindrücken vom
obern allmählich abgegrenzt, sich, ohne sich zu biegen, nach
der einen — wir wollen annehmen, der linken — Seite von
einer Linie zieht, welche vorher das Ei von Pol zu Pol in
zwei gleiche Theile getheilt haben würde. Dadurch entsteht
ein bedeutendes Herausstehen der andern, rechten, Seite des
obern Dottertheils. Dieser herausstehende Theil nimmt für
sich eine rundere Form an, wird dabei immer mehr vom
übrigen abgetheilt und schliesslich eine fast sphärische Zer-
theilungskugel, welche mit ihrer abgeplattelen innern Oberfläche
an dem andern, grössern Theile des Eigelbs befestigt ist.
Diese abgeplattete Oberfläche bildet zugleich die Scheidungs-
ebene zwischen den zwei ersten Zertheilungsparthien des
Eigelbs, welche von dem Punkt ausgeht, an welchem der Keim-
fleck aus dem Dotter heraustrat und noch befestigt ist, und
fast völlig dessen Richtung verfolgend fortläuft. Durch diese
Ueber die Entwickelung der Mollusca acephala. 31
auf inneren Bewegungen und Ortsveränderungen der klein-
sten Dottertheilchen beruhende äussere Formveränderung ist
somit die erste Zertheilung in zwei Partien entstanden. Aber
die zwei Partien sind von sehr verschiedener Grösse‘ und
verschiedenem Inhalte. Die eine, rechte,' ist kleiner, beinahe
sphärisch, und enthält nur peripherische Elemente; die an-
dere, linke, ist um das Doppelte grösser, länglich und in der
Mitte mehr oder minder zusammengedrückt; denn sie besteht
aus dem linken Theile des obern, dunklern, peripherischen
Theils und der ganzen untern, klarern,, centralen Partie des
Dotters. Die rechte Zertheilungsparlie sowohl, als der dunkle,
peripherische , obere Theil der linken haben nun jede ihren
klaren Kern; kein solcher ist aber in dem untern, centralen,
durch grössere Durchsichligkeit ausgezeichneten Theile der
linken Partie zu erblicken '). Dieser untere, centrale Theil
der linken Partie geht nun in den obern, peripherischen der-
selben Parlie hinauf, wodurch die ganze Partie allmählich
eine gerundete , eiförmige Gestalt annimmt und das Eigelb
die s. g. Biseuil-Form [Form einer Doppel-Semmel] (Vogt,
Actaeon) bekommt, d.h. aus zwei etwas mehr als halbsphä-
rischen Theilen zusammengesetzt erscheint, von denen der
linke den Elementen des Inhalts nach halb peripherisch,
halb central, gleichwohl bedeutend grösser ist, als der rechte,
ganz und gar peripherische. Ihre abgeplattete Scheidungs-
fläche läuft oberwärls in den Ausgangspunct des Keimflecks
aus. Jetzt tritt eine äussere Ruhe ein, während welcher in
beiden Parlien die Kerne verschwinden und die gleichnässige
Masse des Eigelbs durchsichtig wird. Darauf verdunkelt
sie sich auf’s neue, und die Kerne treten wiederum hervor
worauf ein neues Stadium der Zertheilung wieder damit be-
ginnt, dass durch Verlängerung der grössern linken Partie
deren unterer centraler Theil auf’s neue selbstständig her-
vortrilt, klarer als der obere. Aber der obere dunklere
peripherische Theil dieser Partie und die linke Parlie thei-
len sich nun, jede, in zwei allmählich deutlich begrenzte Ku-
geln, so dass in diesem Stadium der Dotter fünf mehr oder
‘) In einem Falle lag der Kern der linken Partie deren unte-
rem, ceetralem Theile näher, als dem obern, peripherischen.
Archiv f. Naturgesch. XV. Jahrg. 1. Bd, 21
399 \ Loven:
weniger kugelförmige, zusammenhangende Theile darbietet,
von denen vier dunklere peripherische paarweise um die Ba-
sis des Keimfleckstiels sitzen, und der fünfte klarere, mit
centralen Elementen, von der entgegengesetzten Seite ihrer
gemeinschaftlichen Anheftungsstelle ausgeht und solcherge-
stalt' wiederum den untern Pol der in fünf Theile aufgelösten
ursprünglichen Kugel bildet. Die vier dunkleren peripheri-
schen Kugeln zeigen nun, jede, ihren Kern ; aber die fünfte,
klare, kekommt keinen, und sie werden immer runder, so
dass ihre Anheftungsflächen sehr klein werden. Zu gleicher
Zeit aber verschwinden wieder ihre Kerne , und sie werden
so klar, dass die Contouren der hinten liegenden deutlich
durch die vorn liegenden hindurchscheinen, fast eben so klar,
wie die fünfte, centrale; es sieht so aus, als ob eine allge-
meine Ausgleichung der Vertheilung der kleinsten Theilchen
im Dotter stalt fände. Die Dotterhaut schmiegt sich genau
um die Kugeln, geht aber nie zwischen deren Scheideebenen
hinein, sondern springt bogenförmig über deren einwärts ge-
hende Winkel von einer Kugel zur andern. Wenn die Ku-
geln sich hinreichend gesondert haben und die innere Aus-
gleichung vor sich gegangen ist, so geht die fünfte centrale,
kernlose Kugel in einer der vier peripherischen auf, welche
dadurch grösser, als jede der übrigen drei, wird, und alle
vier verändern dergestalt ihre Form, dass ihre freien, ge-
rundeten Flächen kleiner, ihre Anheftungsflächen immer grös-
ser werden, bis sie endlich, von der obern Fläche angese-
hen, eine gerundet -viereckige Figur bilden, deren eine Ecke
etwas grösser ist als die anderen, und in deren Mittelpuncte
die Linien ihrer vier Anheftungsebenen an der Basis des
Keimfleckstiels zusammenlaufen. Sie sind jetzt dunkler, gleich-
sam dichter, und jede von ihnen bekommt einen hellen, am
Ende wohl begränzten Kern. In diesem Zustande ruht das
Ei eine Weile — die bisher beschriebenen Stadien wurden
etwa in anderthalb Stunden durchlaufen — und dann trilt
ein neuer ein. Es ist wieder die klare, centrale Partie des
Dotters, welche, so eben in der einen von den vier dunkle-
ren peripherischen Zertheilungspartien aufgegangen, sich wie-
der von ihr irennt;. dabei vermehren sich diese vier zu einer
grössern Anzahl — in den meisten Fällen kamen acht zum
Ueber die Entwickelung der Mollusca acephala. 323
Vorscheine, gruppirt um den Kegel des Keimflecks, an des-
sen Basis ihre Scheidelinien zusammenslossen. Sie werden
immer kugelförmiger und klarer, wobei ihre Kerne verschwin-
den. Ist aber der innere Vorgang in dieser Richlung voll-
endet, so gehen sie, gleichwie im vorigen Stadium, wieder
zusammen zu vier grösseren, in der gemeinschaftlichen Form
näher aneinander geschlossenen Partien, und in einer der-
selben geht die neunte, die klare, centrale Partie auf, so
dass das Eigelb wiederum aus vier nahe aneinander sich
schliessenden Partien besteht, von denen eine grösser und
halb aus centralen, halb aus peripherischen Elementen zu-
sammengeselzt ist. Daneben treten zugleich wieder die kla-
ren Kerne in dem jetzt dunklern Inhalt auf. Der Kegel des
Keimflecks sitzt inmitten derselben. Ist diese Darstellung
deutlich genug ohne Zeichnungen zu verstehen, so wird man
auch einsehen, wie die Zertheilung weiter forigeht. Die hel-
lere, centrale Partie differentiirt sich wiederum, aber allmäh-
lich minder hell, kaum mehr, als die anderen, und die dunk-
leren peripherischen Partien vermannichfachen sich wieder zu
der doppelten Anzahl oder etwa einer solchen, werden fast
kugelförmig, beinahe frei, wobei sie klar werden und die
Kerne verschwinden, — danach treten sie wieder zusammen,
werden dunkel, und die Kerne kommen hervor. Der Zer-
theilungsprocess zeigt solcherweise gewisse Sladien; jeder
beginnt damit, dass die centrale Partie selbstständig hervor-
Iritt, wonach sich die peripherischen in mehrere Kugeln thei-
len, klar und kernlos werden, aber wieder zusammenschmel-
zen, wobei die centrale in einer von ihnen aufgeht, worauf
sie dunkler werden, die Kerne hervorkommen und Ruhe ein-
tritt. Dies wiederholt sich noch einige Male; aber je mehr
sich die Anzahl der peripherischen Zerlheilungskugeln ver-
grössert, desto schwerer wird es, den Verlauf zu verfolgen,
und dies um so mehr, als der Gang der Entwicklung etwas
modifieirt erscheint. Der Inhalt der Kugeln wechselt nicht
mehr so deutlich Klarheit und Dunkelheit. Die Kerne schei-
nen beständiger zu werden, nicht mehr periodisch zu ver-
schwinden, und in der untern centralen, vorher klaren Partie,
welche jetzt fast so dunkel ist, als die übrigen, sah ich bis-
weilen einen Kern hervorlreten. Wenn, wie es sich aus dem
324 Loven:
Vorhergehenden ergeben mag, das periodisch deutlichere Her-
vorireten der Kerne in dem verdunkelten Dotterinhalt die Ruhe
in den äusseren Formveränderungen begleitet, vielleicht be-
dingt, während ihr Verschwinden und dabei, vermuthlich da-
durch, des Dotterinhalts klarere Beschaffenheit vor sich ge-
hende äussere Formveränderungen bezeichnet, so veranlasst
die, wenigstens scheinbare, grössere Beständigkeit der Kerne
gegen die späteren Stadien der Zertheilung die Vermuthung,
dass die zahlreicheren, aber kleineren peripherischen Thei-
lungskugeln jetzt anfangen, sich als Cellen zu conslituiren,
Aus demselben Grunde scheint es annehmbar zu sein, dass
die ursprünglich klarere centrale untere Partie, in welcher
sich ein Kern später zu zeigen beginnt, auch später als die
anderen in den Theilungsprocess eintrete. Aber die Thei-
lung dieser Partie entzieht sich der Beobachtung dadurch,
dass die obere, peripherische Partie des Dotters bei fortwäh-
rend zunehmender Theilung in mehrere Kugeln die untere
centrale gleichsam überwächst und allmählich zum immer grös-
sern Theile diese einschliesst, welche früher heller, als die
peripherische, gegen das Ende der Zertheilung sich durch
die Schicht der letztern hindurch dunkler und als aus mehr
oder weniger kugelförmigen Concrelionen zusammengesetzt
zeigt. In diesem Stadium — dem nach dem Ansehen s. g.
Maulbeer-Stadium — ist der Dotter birnförmig oval. In sei-
nem untern Theile springt die centrale Partie vor, über wel-
che sich die peripherische Schicht nach und nach schliesst.
Der Kegel des Keimflecks, welcher ursprünglich seinen Platz
im Pole des Eies halte, und dessen Verhältnisse zu den Rich-
tungen der Zertheilungslinien während der letzteren Stadien sich
nicht verfolgen liessen, hat sich jetzt vom Pole etwas nach
der Seite hinab begeben. Er ist jetzt gemeiniglich sehr schmal,
und der Keimfleck selbst erscheint etwas kleiner, als zuvor,
gleichsam zusammengefallen. Der ganze Kegel fällt bisweilen
in den letzten Stadien ab; bisweilen ist er noch vorhanden,
nachdem sich der Embryo conslituirt hat und zu roliren beginnt.
Der Zertheilungsprocess im Eie von Cardium ist im We-
senllichen derselbe, wie er oben geschildert ward; die sich
darbietenden Verschiedenheiten würden sich nicht obne Zeich-
nungen deutlich machen lassen.
Ueber die Entwickelung der Mollusca acephala. 325
Die Theilungskugeln haben bestimmt keine eigenen Häute,
wenn nicht in den letzten Stadien der Zertheilung. Es er-
eignet sich zuweilen, dass die innere Thätigkeit, durch wel-
che in jedem Stadium die Kügelchen sich vermehren, selbst-
ständig und klar werden, eine solche Stärke gewinnt, dass
die Kugeln sich ganz von einander trennen. Dann tritt die
Endosmose in Wirkung, der Inhalt der Kugeln wird wolkig,
und sie sterben ab. In solchen Fällen ist die Dottermembran
auch verschwunden ; vielleicht ist sie aul die Kugeln überge-
gangen, welche wirklich eine Haut zu besitzen scheinen.
Ich habe oben die Vermuthung geäussert, dass der erste
Kern in der noch nicht zertheilten peripherischen Dotterpar-
tie der Inhalt des Keimbläschens sei, welcher nach dem Her-
austreten des Keimbläschens gegen das Innere des Dotters
zurückgesunken sei. Eine solche Annahme scheint mit dem,
was Baer über das Verhalten im Eie des Seeigels äussert,
übereinzustimmen und kann zum wenigsten als eine Vermu-
thung aufgestellt werden. Dieser Kern oder diese Kerne der
Zertheilungskugeln (früher Kölliker’s Embryonalcellen) ha-
ben keine Kernchen (Nucleoli) und zeigen sich unter dem
Pressschieber keinesweges (wenn nicht in den letzten Stadien
der Zertheilung) wie Blasen oder Cellen. Sie scheinen solid
zu sein, aber von einer sehr geringen Consistenz. Ihr perio-
disches Verschwinden kann dem Beobachter nicht gut entge-
hen; schwerer aber ist es, auszumitteln, wie es geschehe.
Ein paarmal habe ich in einer Kugel zwei Kerne, so nahe
an einander und in der Stellung gesehen, dass sie wohl die
Hälften eines Kerns sein konnten, welcher sich getheilt hätte,
aber auch dies erklärt nicht ihr völliges Verschwinden. Nimmt
man dagegen an, dass die kleinsten Theilchen der klaren
Kerne jedes Mal von einander treten und sich mit der vis-
cösen Flüssigkeit des Eigelbs vermischen, so wird es daraus
erklärlich, weshalb der ganze Inhalt der Kugel danach heller
wird, so wie, weshalb er dunkler wird, wenn die kleinsten
Theilchen des Kerns sich in der Mitte wieder sammeln und
dort nach und nach begrenzen, wobei vielleicht des wiederum
soliden Kerns äusserste Oberfläche die Beschaffenheit von
demjenigen annimmt, was man eine siructurlose Membran
nennt.
326 Loven:
Die innere Entwicklungsthätigkeit des Dotters besteht
also hier in einer nach gewissen Gesetzen vor sich gehenden
periodischen Versetzung ihrer ‚kleinsten Theile, welche wahr-
scheinlich auf Anziehung und Abstossung; zwischen ihnen im
Verhältnisse zu gewissen Puncten im Dotter beruht.. Das im
Aeussern sich zu erkennen gebende Ergebniss dieser Ver-
selzungen ist die Theilung des Eigelbs in immer kleinere und
zahlreichere Kugeln, welche in Ermangelung eines treffendern
Namens bisher auch Zerspaltung [im Schwedischen. nämlich
Klyfning, dafür im Deutschen jetzt gewöhnlich Furchung
oder auch Durchfurchung !)] genannt wird.
Wiefern die Kugeln in jedem Stadium am Volumen zu-
nehmen, wenn sie klar und kernlos, abnehmen, wenn sie
dunkler werden und Kerne bekommen, kann ich nicht ent-
scheiden; dem Ansehen nach aber müsste eine solche Volu-
menveränderung sehr geringe sein.
Die Dotterhaut fährt während des ganzen Zertheilungs-
processes fort, nur die äusseren convexen Flächen der Kugeln
zu bedecken. Sie schmiegt sich sehr genau an diese Flächen
und geht nie zwischen die Berührungsflächen der Kugeln.
Der Stiel des Keimflecks hat sich, wie oben erwähnt
ward, während der letzteren Stadien der Zertheilung vom
1) Ich habe mich weder entschliessen können, noch wollen, das
für die Dottertheilung im Originale dieses Aufsatzes gebrauchte
Wort Klyfning durch das jetzt gäng’ und gebe, jenem ührigens für
diesen Fall synonyme, deutsche Wort Furchung — geschweige
Durchfurchung — zu übersetzen; denn erstens drückt dieses an
und für sich nicht den Begriff des Spaltens oder Zerspaltens,
wie jenes, aus, und zweitens liegt in ihm der Begriff einer Wirkung
von aussen nach innen, während doch bei der Dottertheilung gerade
die entgegengesetzte Statt findet. (Vergl. Baer's Bemerkung in diesem
Archive, J. 1848, Bd.I, 5. 70—71, Anm.) Den Process auch im Deut-
schen überhaupt ein Spalten oder Zerspalten zu nennen, würde wohl in
alle Wege besser sein, wenn diese Benennungen nicht für die grosse
Weichheit und Zartheit des Dotters und seiner Kugeln und Kügelchen
doch als gar zu hart erscheinen. So habe ich denn diese sämmtlichen
Ausdrücke in meiner Uebersetzung ganz vermieden und des Vfs. „Klyf-
ning® allemal bloss durch „Theilung« oder „Zertheilung wieder-
gegeben, Cr
Ueber die Entwickelung der Mollusca acephala. 327
obern Pol etwas nach unten an die Seite des Dotters gezo-
gen und sitzt dort, bis der Embryo sich constituirt hat und
sich zu bewegen anfängt, — bisweilen, vermuthlich in ano-
malen Fällen, nachdem dies geschehen ist. An einigen Eiern,
in denen er wahrscheinlich eben abgefallen war, wurde an
der Stelle, an welcher er sich bei anderen noch befand, ein
Loch in der Dotterhaut, und darunter in der centralen Dot-
terpartie eine Oeffnung zwischen den Cellen bemerkt.
Die ganze Doltermasse wird zum Embryo, wie bei den
Gasteropoden. Ihre Verwandlung zum Embryo ist der kritische
Punet; sie stirbt dann oft ab. Was die Modiolaria betrifft,
so ist die genaue Beobachtung von dem Punet an äusserst
schwer; denn so wie der Embryo anfängt zu rotiren, sind seine
Bewegungen völlig frei im Wasser, da keine Capsel ihn ein-
schliesst, und er fliegt unter dem Mikroskope hin und her,
je älter, desto hurliger. Was ich davon beobachten konnte,
stimmt in der Hauptsache mit dem überein, was ich bei den
Embryonen des Cardiums fand, welche über dieses Stadium
weg kamen. Eingeschlossen, jeder für sich, in ihre uhrglas-
ähnliche, klare Capsel, begannen diese zu rotiren. Ihre Form
war gerundet eiförmig. Das Ablegen einer Dotterhaut liess
sich nie wahrnehmen, und so auch keine Spur von ihr um
den Embryo. Aber die Oberfläche des Embryos war mit äus-
serst feinen, dichtstehenden und kurzen Cilien besetzt, deren
Schwingungen ihn herumwälzten. Ist es die Dotterhaut, wel-
che zum ersten Ciliarepithelium des Embryos wird? — wenn
es erlaubt ist, jenen Ausdruck für eine noch vor kurzem
struclurlose, jetzt bewimperte Haut zu gebrauchen — oder
sitzen diese Cilien auf der unten liegenden Cellenschicht ?
Denn unter der Ciliarbekleidung liegt die peripherische Schicht
von ziemlich kleinen, klaren, eckig runden, dünnwandigen
Cellen mit sehr kleinen Kernkörpern. In ihr erschien die
centrale, jetzt dunklere Masse, eine Zusammenhäufung von
Cellen, welche einen nach der Länge laufenden schmalen
Schalten, gleichwie von einer innern Scheidungsfläche zwi-
schen zwei neben einänder liegenden Cellenhaufen, wahrneli=
men.liess. Dieser Schalten steht der einen längerh Seite des
Embryos näher. Die entgegengesetzte Seile hat eine Ver-
liefung; einen Eindruck, vermöge dessen der Embryo, wenn
328 Loven:
diese Seite in der Peripherie des Bildes liegt, eine Nieren-
form darbietet. In diesem Eindrucke sieht man, unter der
Cilienbekleidung, eine querlaufende Oeffnung zwischen den
Cellen der peripherischen Schicht, — wahrscheinlich dieselbe
Oeffnung, welche sich am Eie, nachdem der Keimfleckstiel
abgefallen ist, zeigl, und in diesem Fall die Bezeichnung des
Punctes, an welchem der Dolter ursprünglich eine Oeffnung
bekam, durch welche der Keimfleck austrat, des Punctes, in
welchem die Richtungslinien der Theilungen zusammensties-
sen. Es ward erwähnt, dass dieser Punct während der letz-
teren Stadien der Zertheilung vom Pole nach der Seite der
Oberfläche des Eies hinrücke. Die an der einen Seite des
Embryos, wie bemeldet, existirende Vertiefung zieht sich zu-
sammen, wie sich ein geöffneter Mund schliesst, wodurch
auch die in ihr befindliche Oeffnung hineingezogen wird. Der
Eindruck bleibt endlich nur als eine geringe, allmählich ver-
schwindende Spalte übrig, und der Embryo erhält, von der
Seite angesehen, eine mehr kugelrunde Gestalt, welche bald
trapezoidisch wird. An der einen Seite der Spalte treten
zwei kleine Zäpfchen hervor, welche beide anfangs der Mit-
tellinie des Embryos nahe stehen, allmählich sich aber zu
beiden Seiten von ihr entfernen und zu einer Wulst aus-
wachsen, welche den grössten Theil vom Umfange des Em-
bryos umfasst. Auf dieser Wulst, welche sich in zwei ein-
ander entsprechende Partien theilt, treten nun lange Cilien
oder, richtiger, Cirri hervor, welche vibriren. Es ist das
erste Bewegungsorgan des Thiers, die Anlage des Velums. Der
Embryo hat jetzt Aehnlichkeit mit einem Hulte mit gerundet-
kegelförmigem Kopftheile (die Abdominalpartie), gerundetem
Rande (die Wulste des Velums), dessen Oeffnung aber zwischen
diesen Wülsten von einer convexen Oberfläche, der vordern
Fläche des Velums bedeckt ist. Auf dieser Oberfläche trilt zuerst
von allen Organen nach dem Velum ein einzelner Cirrus, län-
ger, als die schwingenden, hervor. Die äusserste Cellenschicht
der gerundet kegelförmigen Abdominalpartie bildet die Muschel,
die im Anfange ganz dünn wie eine Haul ist, und aus zwei
an der Rückenseite zusammenhangenden Hälften, Valven, ohne
die Spur eines Schlosses, besteht. Wenn die Muschel zuerst
auftritt, so silzt sie wie ein Sattel auf dem Embryo und ist
Ueber die Entwickelung der Mollusca acephala. 329
so weich, dass sie bei seinen Zusammenziehungen auf der
Rückenseite oft eine starke Einbiegung bekommt. Die beiden
Schalen der Muschel wachsen nun allmählich so, dass sie sich
bis innen gegen die Wulst des Velums erstrecken; sie neh-
men eine gerundete Form mit ziemlich gerader Rückenseite
an, Unter der Schale sondert sich demnächst der Mantel ab,
so dass ein Zwischenraum zwischen ihr und der centralen,
jetzt sehr dunkeln Cellenmasse entsteht. Dabei wachsen die
Schalen so stark, dass das Velum zum Theile sich unter ih-
nen verbergen und das Velum, welches sich mehr entwickelt
hat, in sie sich zurückziehen kann; von der Rückenseite des
Thiers sieht man auch Muskelbänder nach dem Velum und
dem Mantel laufen. Von den Schliessmuskeln der Schale ist
besonders der eine, vordere, deutlich. Inzwischen haben
sich die übrigen inneren centralen Elemente in eine grosse
Masse geordnet, welche ungefähr die Mitte der innern Höh-
lung des Thiers einnimmt, und in der Richtung nach der ei-
nen Seite der Muschel zwei unter sich und mit der Richtung
der Oberfläche des Velums parallele dicke Stämme abgiebt,
die ebenfalls solide und dunkel von dicht zusammengehäuf-
ten Centralcellen sind. Die grosse Masse, nahe der Mitte,
ist der Magen mit den beiden Leberlappen, und die von ihr
ausgehenden parallelen Stämme sind, zunächst dem Velum,
die Speiseröhre und, hinter dieser, derDarm. In der gros-
sen Masse treten zuerst der Magen und die beiderseits an
diesem liegenden beiden Leberlappen, gleichwie drei nahe
vereinigte Porlionen von ihr, hervor. In der Magenportion
ziehen sich die Cellen nach der Oberfläche, so dass in der
Mitte eine anfangs kleine, allmählich grössere Cavität ent-
steht, worauf sie, allmählich klar werdend, die Magenhäute
bilden. Auf dieselbe Weise entstehen im Darm und der Spei-
seröhre innere Höhlungen,, welche schliesslich der Höhlung
des Magens entgegen und in Gemeinschaft mit dieser treten;
bedeutend später aber öffnet sich die Speiseröhre nach aus-
sen durch den Mund. Ehe dies geschieht sind die gerun-
deten Leberlappen, vor kurzem bloss Zusammenhäufungen von
Cellen , klar mit zerstreuten Cellenkernen geworden, und der
Darm, welcher bedeutend an Länge zugenommen hat, fängt
an eine Schlinge zu bilden, Dann öffnet sich der Mund nach
330 nid "7 Loven,
‘aussen, und bald nachher beginnen die starken Cilien der
Speiseröhre und des Mundes zu vibriren. Aus der Mitte des
Velums, dessen Textur immer klarer, mit zerstreuten Cellen-
kernen, wird, geht der lange einzelne Cirrus von einem ge-
rundeten Körper aus, welcher hier sehr schwer zu sehen ist.
Das Velum liegt beinahe parallel mit der Rückenseile der
Schale, hinter dem Velum sieht man die Mundöffnung, darauf
— nun elwas weiter von ihm entfernt, als im Anfange —
die Afteröffnung, welche sonach beinahe in der Mitte des
hintern Randes der Schale steht. Vom Herzen erscheint keine
Spur, so auch nicht vom Fusse. Die Schale hat nun eine
Länge von 0,09 Mm., und das Thier schwingt sich unaul-
hörlich herum, gleich als wollte es sich’ herausarbeiten. Seine
kreisenden Bewegungen schienen gleichwohl nicht dazu ge-
eignet zu sein, die Capsel zu zersprengen; ich glaubte aber
zu bemerken, dass diese jelzt weicher beschaffen geworden
wäre, als sie früher war, — als alle die Thiere, ohne frei
werden zu können, sterbend oder todt befunden wurden.
In allem Wesentlichen stimmt mit dieser Beschreibung
das Modiolarienjunge überein.
Weit vollständiger aber stellt sich der Bau des neuge-
bornen Acephalums bei den Montacuta-Jungen dar. Zwei Ar-
ten dieser Gattung, M. ferruginosa et bidentata, — sofern die
letztere nicht von der Galtung zu trennen ist — sind leben-
dig gebärend, d.h. die neu ausgeschlüpften Jungen halten sich
eine Zeitlang innerhalb der Schalen der Mutter auf und wer-
den erst ausgestossen, wenn sie eine gewisse Ausbildung er-
langt haben. Während einer kleinen Weile sieht man: einen
Schwarm, bisweilen von beinahe hundert, aus dem hintern
Theile der mütterlichen Schale hervorströmen‘; sie bilden so-
gleich eine kleine Wolke im Wasser; in diesem ‚hielten sie
sich drei bis vier Tage lang lebendig in einem Glasnapfe,
und stets in einem kleinen Schwärme beisammen. Die Jun-
gen beider Arten sind sich hinsichtlich der Schalenform und
der inneren Theile ziemlich gleich, so dass ich hier in der
Beschreibung nur wenige ilirer Verschiedenheiten bemelde.
Die dünne, durchsichtige, ziemlich 'bauchige'Muschel, hat im
äussern Umrisse beinahe die Form von ?/, eines Cirkels, ‚des-
sen: Chorde die fast gerade Rückenseite wäre; doch ist das
Ueber die Entwickelung der Mollusca acephala, 331
vordere Ende etwas völliger, als das hintere. Die Länge ist
0,13—0,15 Mm. Eine äusserst geringe innere Unebenheit in
der Mitte der Rückenseite deutet das Schloss an. Der vor-
dere Schliessmuskel ist gross und kräftig, der hintere nicht
so deutlich. Die Schale wird inwendig vom Mantel ausge-
kleidet. In der grossen mittlern Cavitäl unter der Rücken-
seite treten die innern Organe sehr deutlich hervor. Dort
liegt der ovale Magen mit ziemlich dicken Häuten, durch
zwei bogengekrümmte Leisten schwach in zwei Räume ge-
theilt. Im Grunde des vordern befindet sich die Gardia, und
von ihr geht schief nach hinten die annoch lange, weite Spei-
seröhre ab, welche nahe der Mundöffnung auf ihrer hintern
Wand einen ganz kleinen, beweglichen Zapfen trägt, der
vielleicht der Zunge der Gasteropoden homolog ist. Die Lip-
pen der Mundöffnıng hangen mit dem Rande des Mantels zu-
sammen. Aus dem Boden des hintern Magenraums geht der
Darm ab, welcher, gleichdick, zuerst aufwärts steigt, darauf
sich nach links und unten, dann wieder nach oben, zur Mitte
hin, und zuletzt gerade hinab zum After biegt, welcher an
dem musculösen Rande des Mantels befestigt und von dem-
selben umschlossen ist. Die Afteröffnung ist von Cilien um-
geben, und Cilien vibriren im Darme, in der Richtung gegen
den Magen zu, auf den Wänden des Magens und am stärk-
sten und grössten in der Speiseröhre. Die Afteröffnung steht,
wenn alle Theile des Thiers sich innerhalb der Schale, aber
mässig zusammengezogen, befinden, etwas oberhalb der Mitte
des hintern Schalenrandes, die Mundöffnung nicht weit von
ihr, nämlich etwas hinter der Mitte ihres untern Randes. Die
Leber besteht aus zwei, wie es scheint, ganz getrennten Lap-
pen, einem an jeder Seite, von denen der linke etwas grös-
ser als der rechte ist, und welche beide von unregelmässig
ovaler Form sind. Sie haben ein besonders gleichmässiges
Gewebe, in welchem man anfangs nur zerstreute Cellenkerne
unterscheidet, die späterhin verschwinden; aber kurz vor
dem Absterben der untersuchten Speeimina zeigte die Leber
eine sehr fein genetzte Structur von dichtstehenden gerundet-
vieleckigen Räumen. Das Innere der Leber steht durch eine
grosse Oeflnung in Verbindung mit der innern 'Magenhöhle.
Mehrmals ereignete es sich, dass die Leberproprio motu sich
332 Loven:
zusammenzog und dann wieder ihren vorigen Umfang aus-
füllte, eine Bewegung, durch welche ihr Inhalt in den Magen
hinein und wieder aus ihm herausgebracht werden musste.
— Das Velum ist sehr ausgebildet. Wenn es vor den unte-
ren Rändern der Muschel ausgespannt und als des Thieres
noch bis dahin einziges Bewegungsorgan in Thätigkeit ist und
das Thier seine untere Seite aufwärts wendet, so bildet seine
Oberfläche ein langes Oval, dessen Ränder dicke Wülste sind.
Auf der innern Seite dieser Wülste sitzen die langen Cirren,
welche sich bei jedem Schlage erst etwas einwärts und dann
auswärts biegen, wobei sie sich zu verlängern scheinen. Die
dünne Haut des Velums, deren Ränder die Wülste bilden,
zeigt viele verzweigte Fasern, die hauptsächlich von einem
Punct in ihrem Vordertheil ausgehen. Unter diesen Fasern
erscheinen hier und da kleine rundliche Gebilde; jene dürf-
ten daher theils als Muskeln, theils als Nerven mit Ganglien
zu betrachten sein. Ungefähr in der Mitte der Oberfläche des
Velums gewahrt man einen umgekehrt herzförmigen, conve-
xen Körper, von dessen unterer und vorderer Oberfläche der
lange, kräftige, einzelne Cirrus ausgeht, welcher oben von
Cardium als erstes sichtbares äusseres Organ zunächst nach
dem Velum erwähnt wurde und seit lange bei Anodonta wahr-
genommen und dort als Byssus betrachtet worden ist. Diese
Deutung, welche auch ich in dem oben angeführten Aufsatze
vor mehreren Jahren annahm, werden wir nachher als ganz
unrichlig erkennen. Der Cirrus mit seinem herzförmigen
Basal-Lobus scheint mir noch mit keinem bei den Mollusken
bekannten Organe verglichen werden zu können, wenn nicht
elwa die Brachiopoden etwas Aehnliches zeigen. Das Ve-
lum, welches hinten nahe an die Mundöffnung grenzt, scheint
sonst überall mit dem Mantel zusammenzuhangen, dessen Rand
jedoch frei ist. — Der Mantel hat am vordern Rande zu
beiden Seiten eine verdickte Partie, welche sich unter dem »
Schliessmuskel in einem Winkel einwärts biegt und durch
einen oval-gerundeten Theil mit dem Velum sowohl, als
auch mit dem Basallappen des Cirrus zusammenhängt, Ein
bandförmiger Muskel steigt zu beiden Seiten von der Rük-
kenparlie des Mantels oberhalb des vordern Schliessmuskels
herab und hebt diesen Theil des Mantels, wenn das Velum
Ueber die Eniwickelung der Mollusca acephala, 333
hineingezogen wird. Ein ähnlicher stärkerer Muskel befestigt
sich zu beiden Seiten am Mantel (an der Schale?) ungefähr
mitten auf dessen Länge, aber näher der Rückenseite, und
breitet sich auf dem vordern Theile des Velums aus, während
ein anderer, noch stärkerer, mit derselben Lage, sich auf
dessen vorderen Theile vertheilt. Durch diese beiden Mas-
keln und vermuthlich noch einen oder den andern ausser
ihnen, welcher durch die dickeren Parlien der Leber und der
Speiseröhre verdeckt werden dürfte, kann das ganze Velum
sehr weit in die Schale hineingezogen werden. — Von einer
um die Afteröffnung liegenden Partie, in welcher ich zwei
ganglienähnliche Körper zu unterscheiden geglaubt habe, ge-
hen an beiden Seiten zwei sehr feine Stränge aus, die sich,
in Bögen gekrümmt, zu den vorderen Theilen des Thiers be-
geben, wo sich der eine, wie es schien, in feine, im Velum
ausgebreitete Zweige auflöste. Am ersten Drittel dieser sei-
ner Ausstreckung scheint er einen kurzen Zweig, möglicher-
weise zu den Nahrungsorganen, abzugeben. Diese Stränge
scheinen sich durch Lage und Gestalt als Nervenstränge zu
erkennen zu geben, und -würden, wenn diese Deutung richtig
ist, mit den Strängen identisch sein können, welche bei den
erwachsenen Acephalen sich von dem grossen Ganglium auf
dem hintern Schliessmuskel längs des Rückens zu den an den
Seiten der Speiseröhre liegenden begeben. — Gleich hinter
der Speiseröhre liegt die runde Kapsel des Gehörorganes und
etwas unterhalb dieser eine etwas grössere Blase, die äusserst
schwer zu unterscheiden ist, und in welcher man einige we-
nige Körner sieht, welche Pigmentkörnern gleichen. Ich
werde weiter unten bemelden, für was, meiner Meinung nach,
diese anzusehen seien. Einige kleinere Theile können hier
nicht beschrieben werden.
Von einem Herzen und von Kiemen — wenn nicht diese
letzteren nur in ihrer ersten Anlage — findet sichnoch keine
Spur bei diesen Acephalenjungen.
Ein glücklicher Zufall verschaffte endlich einige fernere,
nicht unwesentliche Erläuterungen über die Verwandlungen
der Acephalen. Unter der Menge kleiner Thiere, welche sich
bisweilen durch Strömungen an der Wasserfläche ansammeln,
und die in Bohuslän Ganeskar oder Godt, in Schotlland Mai-
334 ‚ala Loven:
dre genannt werden, fand ich eines Tages eine nicht geringe
Anzahl kleiner Jungen von Acephalen. Obgleich von meh-
reren, sehr verschiedenen Formen, waren sie doch nach Ar-
ten oder Gallungen ‘nicht. zu bestimmen. Sechs derselben,
von 0,22 bis.0,37 Mm. lang, wurden genau untersucht und
gezeichnet, ihre äusseren Formen erinnerten. an Venus und
Lueina; aber eines wich in dieser Hinsicht sehr bedeutend
ab. Die linke Schale war convexer, als die rechte; an der
innern Oberfläche des Schlossrandes der Schale zeigten sich
zwei Reihen von drei und vier Zähnen, mit einem glalten
Zwischenraum , und, was am auflallendsten war, der untere
Rand der Muschel hatte eine tiefe, aber schmale Falte, ganz
als ob die crenulirte Biegung des Randes dort mit einer ein-
zigen solchen begonnen hätte. Unberücksichtigt die Verschie-
denheiten, welche die mannigfachen Formen erblicken liessen,
war ihr Bau im allgemeinen der folgende: Das Velum, gross
und kräftig, stand mehr nach dem vordern Rande der Schale;
die kleinen Thiere schwammen mitlelst der Schläge ihrer vi-
brirenden Cirri. Bei mindestens einem von.ihnen ‚ging von
der Mitte desselben noch der einzelne , nicht vibrirende Cir-
rus aus, dessen Basallappen aber durch. die umgebenden
Theile verdeckt ward. ‚Es war jetzt noch deutlicher, als frü-
her, dass dieser Cirrus nicht die Byssus sein könne. — Hin-
ter dem Velum erschien bei den meisten der Mund und die
Speiseröhre mit deren kleiner , zungenförmiger Klappe, und
bei ihnen war die Leber noch wenig grösser, als bei den
Montacuta- Jungen ; aber bei einigen waren Mund und Spei-
seröhre von der Seite nicht sichtbar; sie waren näher unter
die Leber hinaufgezogen, welche, stark grün von Farbe, ver-
grössert und an der Oberfläche zusammengesetzt aus lauter
runden Säckchen, in der Rückengegend den Magen und grös-
sern Theil des Darms umgab. — Ven der Basis des. Velums
an und; gegen die Milte des hintern Randes lagen: zu beiden
Seiten die Kiemen, eine Reihe von vier bis fünf Bögen, an
der innern Seite mit vibrirenden Cilien besetzt. — Zwischen
den beiden Reihen der Kiemenbögen stand ‚der Fuss: hervor,
schon sehr ausgebildet, mit starker Ciliarbewegung, besonders
vorn. Das Thbier vermochte mitlelst des Fusses schon am
Glase zu kriechen. — Gleich vor dem hintern Schliessmus-
Ueber die Entwickelüng der Mollusca acephala. 335
kel lag ein sacklörmiges Organ, dessen Inhalt bei einigen
klar war, bei anderen an den Wänden zerstreute,. feine Kör-
ner oder kleine ovale, klare Bläschen, jedes mit einem bis
fünf sehr feinen inneren Körnern, zeigle. Dies Organ scheint
mir das s. g. Bojanussche zu sein. — Hinter der Basis des
Velums zeigte sich zu beiden Seiten eine Gehörkapsel, rund,
mit einem oder mehreren zitternden Otolithen. Etwas vor
und unter den Gehörorganen, an der Speiseröhre, nahe unter
(dem Mantel, lag ein beinahe ovales, blasenförmiges ‘Organ,
mil dünnen, durchsichtigen Wänden. Die Blase enthielt einen
oder mitunter zwei Haufen kleiner schwarzer Körner, Pig-
mentkörnern gleichend. Wo sich nur ein solcher Körnerhau+
fen in der Blase befand, war dieser, und wo zwei Haufen
vorhanden waren, der grössere, um einen kleinen ovalen
Körper herumliegend , welcher, besonders bei einer Form,
gar sehr einer Linse glich. Diese Blasen mit ihrem Inhalte
sind ohne Zweifel dieselben, welche oben von Montacuta be-
schrieben wurden. Ihre Lage an den Seiten des Mundes, auf
der Oberfläche des Thieres, nahe unter dem Mantel und der
durchsichtigen Schale; nahe den Gehörorganen, an der Basis
des Velums, welches dasjenige umfasst, welches hier als dem
Kopfe der Cephalophoren entsprechend anzusehen ist, die
dunklen Pigmentkörner in jedem, um einen Körper zusam-
menliegend, welcher das Aussehen einer Linse hat, — alles
dieses scheint mir die Annahme zu veranlassen, dass sie Au-
gen seien. Dagegen spricht jedoch, dass bei Pecten die
zahlreichen Augen unbezweifelt im eirrentragenden Rande des
Mantels sitzen, und dass Will Augen bei mehreren anderen
Acephalengaltungen wahrgenommen hat, die auch in den äus-
seren Theilen des Mantels lagen. Diese letztere Beobachtung
habe ich nicht bestätigen können, will sie aber deshalb noch
nicht für unbegründet halten. Dennoch wage ich es, die
Deutung, welche ich diesen blasenförmigen Organen gege-
ben habe, als für jetzt nicht verwerflich anzusehen. *)
Ein Herz konnte ich bei Keinem ‘von ihnen entdecken;
®) Eins scheint mir das Andere nicht auszuschliessen, da wir, den
Beobachtungen Vanbenedens zufolge, von den Ascidien wissen, dass die
Larven das Sehorgan an einem ganz andern Orte tragen, als die erwach-
senen Thiere, ° Amm, des Herausgebers,
336 Loven:
indessen ist es möglich, dass es von anderen Organen ver-
deckt war.
Diese kleinen Acephalenjungen haben also in allem We-
sentlichen die Bildung, welche die Erwachsenen besitzen.
Aber sie besitzen, wie Rissoa am Ende ihres ersten Stadiums,
zwei Arten von Bewegungsorganen, den Fuss und das Ve-
lum, dieses merkwürdige Organ, welches, homolog mit den
acht Armen der Cephalopoden, wie der Fuss es, ist mit de-
ren.s.g. Alhmungsröhre, bei den meisten Gasteropoden ver-
schwindet oder bloss als ein unthäliges Ueberbleibsel zurück-
bleibt, bei den Gymnobranchien nämlich, bei denen eszu den
Lappen wird, welche oberhalb und zu den Seiten des Mundes
liegen und die man Mundtentakeln benannt hat. Suchen wir
nun nach, wo wir bei den erwachsenen Acephalen ein Ve-
lum antreffen, so zeigen sich uns eben diese Tentakeln oder
Palpen („Palpes labiaux*, „Mundlappen“). Sie nehmen den-
selben Platz ein, wie das Velum, wenn wir uns dieses als
tiefer in zwei Lappen getheilt denken. Aber diese Mund-
palpen sind zwei an der Zahl zu jeder Seite — ein Umstand,
welcher für jetzt nicht zu erklären ist und die hier gegebene
Deutung bis auf weiter nur als wahrscheinlich betrachten
lässt. Man nimmt gewöhnlich an, dass die langen, gewun-
denen Arme der Brachiopoden auch als homolog mit den
„Labialpalpen“ der Lamellibranchiaten anzusehen seien. Ver-
hält es sich so, und sind diese letzteren wirklich Umbildun-
gen des Velums, so finden wir in den acht Armen der Ce-
phalopoden, in dem bei den Jungen als Schwimmwerkzeug
wirkenden, nachher mehr oder minder redueirten Velum der
Gasteropoden, in den ebenfalls in den ersten Lebensstadien
als Schwimmwerkzeuge auftretenden „Labialpalpen* der La-
mellibranchiaten und in den langen, gewundenen Armen der
Brachiopoden ein und dasselbe Organ in ungleichen Formen.
Und wie in den geologisch ältesten Perioden die Cephalopo-
den zuerst mit den Tetrabranchiaten auftreten, bei welchen
in jener Ordnung das embryonale Velum der Gasteropoden
am stärksten entwickelt ist, so treten auch die Acephalen zu-
erst mit den Brachiopoden auf, bei denen die gewundenen
beweglichen Arme mehr, als bei den Lamellibranchiaten, selbst-
ständig wirkende Organe sind.
Ueber die Entwickelung der Mollusca acephala. 337
Zufolge des oben Angeführten, und so weit dieses
für die ganze Classe gelten kann, ist Folgendes der Gang,
welchen die Entwickelung der Acephalen nimmt:
Das reife, sphärische Ei besteht aus Dotterhaut, Dolter,
Keimbläschen und Keimfleck; es ist bei Cardium in einer Cap-
sel eingeschlossen und von einer vielleicht albuminösen Flüs-
sigkeil umgeben, bei Modiolaria ganz nackt.
Dem Annähern des Keimbläschens an die Oberfläche
des Dotters und dem Bersten seiner Haut bei unverändertem
Keimflecke, Erscheinungen, welche dem eigenen Leben des
Eies vor der Befruchtung zuzuschreiben sein dürften, folgen,
nach diesem Acte:
Innere Bewegungen im Dotter, begleitet von äusseren
Formveränderungen, durch welche
Der Keimfleck aus dem Dolter herausgetrieben und von
einer konischen (Modiolaria) oder halb-sphärischen (Cardium)
Ausdehnung der Dotterhaut umschlossen, und wonach das Ei
wieder sphärisch wird.
In dem dem Keimfleck entgegenstehenden Pole wird der
Dotter klarer, und dieser Theil des Eies verlängert sich, wo-
durch er sich von Anfang an, als werdende centrale Ele-
mente enthaltend, differentliirt, während der übrige, dunkle
Theil des Dotters die peripherischen enthält.
Im peripherischen Theile tritt ein klarer Kern, vermuth-
lich der Inhalt des Keimbläschens, hervor, welcher sich wie-
derum gegen das Innere gezogen hat.
Die Dotterzertheilung besteht in periodischen Versetzun-
gen seiner kleinsten Theile, wahrscheinlich beruhend auf An-
ziehung und Abstossung zwischen ihnen im Verhältnisse zu
gewissen Puncten im Dolter.
Diese Bewegungen treten zuerst in dem dunkeln, peri-
pherischen Theile des Dolters ein, welcher dadurch, wie es
den Anschein hat, nach einer geometrischen Reihe mit dem
Exponenten 2, periodisch getheilt wird, aber in der ersten
Zeit der Zertheilung, nach jeder Theilung wieder zu dem vor-
hergehenden Multipel von 2 zusammenfällt, worauf äussere
Ruhe eintritt.
Während jeder Ruhe tritt in jeder peripherischen Kugel
ein klarer Kern hervor, wodurch das Uebrige vom Dolter
Archiv f, Naturgesch. XV. Jahrg. 1. Bd. 22
338 Loven:i
dunkel wird, und während jeder vor sich gehenden Theilung
verschwinden die Kerne, während das Ganze des Inhaltes
hell wird.
Im Anfange jeder Theilung tritt die centrale Partie für
sich. hervor, und zwar jedes Mal weniger durchsichtig, und
beim Eintritt einer jeden Ruhe geht sie in einer der periphe-
rischen Kugeln auf.
Durch frühzeitigere und überwiegende Theilung wächst
die peripherische Parlie über die centrale hinüber.
Die centrale tritt späler in den Theilungsprocess, wo
ein Kern in ihr entsteht, und wird endlich ganz und gar von
der peripherischen umschlossen.
Die Kerne sind solide, nehmen aber möglicherweise
periodisch, bei jedem Stadium des stärksten Hervortretens,
die Nalur von Blasen an, indem ihre äussere Oberfläche zu
einer s. g. siructurlosen Membran wird.
Die Zertheilung der peripherischen Partie geht in der
Richtung von dem Punct aus, in welchem der Keimfleck aus
dem Dotter heraustral.
Der Keimfleck begiebt sich während der leizteren Sta-
dien der Zertheilung vom Pole nach der Seite des ovalen Eies.
Wenn er abfällt, so sieht man unter seiner Anheftstelle
auch in der innern, centralen Partie eine Oelfnung zwischen
den Kugeln.
Die Zertheilungskugeln haben, mindestens dann noch,
wenn der peripherischen Kugeln acht sind, keine eigenen
Häule und werden nur von der Dollerhaut bedeckt. Später-
hin werden sie Cellen, und das Ei besteht am Ende der Zer-
theilung aus einer äussern Schicht von hellen peripherischen
Cellen und einer innern Masse von dunkleren centralen.
Der ganze Dotter wird zum Embryo, wenn eine Be-
kleidung von kurzen Cilien an seiner Oberfläche auftritt und
er durch deren Bewegungen zu roliren beginnt.
In einer Vertiefung an der einen Seite des ovalen Em-
bryos steht eine Oeffnung, wahrscheinlich dieselbe, welche
beim Abfallen des Keimflecks entstand.
Diese Vertiefung zieht sich über der Oeffnung, welche
sich schliesst, zusammen.
An ihrem Rande erheben sich zwei Zapfen, welche all-
Ueber die Entwickelung der Mollusca acephala, 339
mählich zu einer um den Embryo laufenden Wulst, die bald
mit starken, schwingenden Cilien besetzt wird, — dem Ve-
lum, werden.
Der Embryo ist damit in eine konische, abdominale und
eine cephalische, Parlie getheilt worden.
An der vordern Oberfläche des Velums trilt ein einzel-
ner, nicht schwingender Cirrus hervor.
Die äussere Cellenschicht des Bauchs wird die Muschel,
sattelförmig, von zwei im Rücken zusammenhangenden Klappen.
Der Mantel trennt sich von den Centralelementen im In-
nern; es treten Muskeln auf, welche das Velum in die immer
mehr vergrösserten Schalen hineinziehen, die mindestens ei-
nen Schliessmuskel, den vordern, besitzen.
Die inneren centralen Elemente ordnen sich zu Magen,
Leberlappen, Speiseröhre und Darmkanal, die anfangs solide,
nachher durch den Uebergang der Cellen in die Wände hohl
sind. Der Mund, welcher sich zuletzt nach aussen öffnet,
liegt im Anfange dem After nahe, an derselben Seite, gleich
hinter dem Velum. Der Magen theilt sich in eine Pars car-
diaca, eine Pars pylorica. Die Leber ist ein ovaler Lobus
an jeder Seite von ihm; ihr inneres communicirt durch eine
grosse Oeffnung mit dem Innern des Magens. Sie ist im An-
fange von gleichmässiger Textur, in welcher später eine bla-
senlörmige Bildung heryortrilt. Danach treten die Gehöror-
gane, die Augen (?), gewisse Nervenstränge (?), die Kie-
men, der Fuss, das Bojanussche Organ, auf. Der Mund ent-
fernt sich vom After und begiebt sich hinter das Velum hin-
auf, welches sich auch allmählich vom untern Rande der
Muschel nach dem vordern hinzieht. Das Velum, welches
noch seinen langen Cirrus besitzt, bleibt noch eine Zeitlang
- Schwimmorgan, nachdem der Fuss schon begonnen hat als
Kriechorgan zu fungiren. Damit das Junge in allem Wesent-
lichen einem erwachsenen Acephal gleich werde, fehlt jetzt
nur noch, dass das Velum auf die vier „Labialpalpen“ redu-
eirt werde, und dass die beiden Augen verschwinden.
Chaetopterus pergamentaceus Cuv.
beschrieben von
Rud Leuckart
in Göttingen.
Fast in einer jeden grössern oder kleinern Gruppe von
Thieren finden wir einzelne Formen, die durch einen beson-
ders abweichenden, seltsamen Bau sich auszeichnen. Zu die-
sen gehört in der Klasse der Anneliden u. a. das Genus
Chaetopterus.
Die erste Nachricht von diesem merkwürdigen Genus
verdanken wir Cuvier, der (Regne anim. Nouv. edit. T. II.
p- 208.) in kurzer Charakteristik die hauptsächlichsten Eigen-
thümlichkeiten der einzigen damals bekannten Art, des Ch.
pergamentaceus, aus dem weslindischen Ocean, hervorgeho-
ben hat. Milne Edwards und Audouin haben später
(Ann. des sc. nat. 1833. T. XXX. p. 416.) dasselbe Exemplar,
welches Cuvier untersuchte, nochmals ausführlicher beschrie-
ben. Sie sehen in diesem Wurme, und gewiss mit Recht,
den Typus einer eignen Familie, der Chaetopteriden.
Eine zweite kleinere Art, die an der norwegenschen
Küste vorkommt und, auch abgesehen von der Grösse, in
mehrfacher anderer Hinsicht sich unterscheidet, Ch. norvegus,
ist durch Sars (Beskrivelser og jagttagelser over nogle Dyr
etc. p. 54.) bekannt geworden.
Noch immer aber ist unsere Kenntniss des Gen. Chaeto-
pterus eine unzulängliche, obgleich seither, nachdem man den
Ch. pergamentaceus auch an der Nordküste des Adriatischen
Meeres entdeckt hat, schon mehreren Forschern Gelegenheit
geworden ist, diesen Wurm zu untersuchen. Es gilt solehes
namentlich von Will, der uns auch (dieses Archiv 1844,
Leuckart: Chaetopterus pelgamentaceus Cuv. 341
Th. 1. S. 331.) einige interessante Notizen über den Chaeto-
pterus, namentlich über das Leuchten desselben, mitgetheilt
hat, mit der versprochenen speciellern Darstellung vom Bau
desselben indessen, so viel ich weiss, noch immer im Rück-
stand ist.
Es mag daher gerechtfertigt erscheinen, wenn ich in
Folgendem eine genauere Beschreibung des Ch. pergamenta-
ceus mittheile.
Die beiden Exemplare, die mir aus der Sammlung des
hiesigen physiologischen Institutes, wohin sie durch Will ge-
kommen sind, zur Untersuchung vorliegen, messen etwa 4
Zolle R. M. Der Körper ist ziemlich breit und namentlich
an der einen Fläche etwas abgeplaltel, sonst aber in den ein-
zelnen Regionen von einer sehr verschiedenen Form. Wie
schon Will erwähnt , lassen sich darnach ganz ungezwun-
gen drei auf einander folgende Abschnille unterscheiden,
ein vorderer, ein mittlerer und ein hinlerer.
In der Segmentirung des Leibes stimmt unser Wurm
mit allen übrigen borstentragenden Anneliden überein. Wenn
er Irolzdem aber so auffallend sich von diesen in seiner
äussern Form unterscheidet, so rührt solches nur daher, dass
die Segmente in den einzelnen Regionen von einer verschie-
denen Entwicklung sind. Auf dieser Verschiedenheit beruht
eben die Bildung der drei erwähnten Körperabschnilte. Schon
bei einigen andern Annelidenformen, bei Serpula, Hermella,
Thelepus u. s. w., tritt uns eine ähnliche Anordnung entge-
gen; überall aber bleibt dieselbe minder auffallend, als bei
Chaetopterus, wo die Heteronomität der Segmente mehr, als
bei irgend einem andern Ringelwurm, uns Verhältnisse vor-
führt, die wir sonst bloss bei den Arthropoden anzutreffen
gewohnt sind ').
Als Bauch haben wir bei unserem Wurm die oben er-
wähnte abgeplaltete Leibesfläche zu betrachten, So belehrt
") Wie wir wissen, beruht die typische Bildung dieser Geschöpfe
gleichfalls auf der Heteronomität der Segmente und Segmentanhänge,
die nur durch ihren morphologischen Werth, nicht durch genetische Ver-
schiedenheit von der erwähnten, bei den Anneliden hier und da auf-
tretenden Heteronomität der Segmente sich unterscheidet. Vergl. meine
Morphologie der wiibellosen Thiere $. 78,
342 Leuckart:;
uns schon bei dem ersten Anblick die Lage und Richtung
der mit Pfriemenborsten versehenen Fusshöcker, so auch die
Anordnung der Hakenborsten, deren Anwesenheit den ältern
Untersuchern indessen unbekannt geblieben ist, und nur von
Will ganz beiläufig erwähnt wird. Um so mehr aber muss
es auffallen, wenn Sars über die Deutung von Bauch und
Rücken in Unklarem blieb und gerade die von mir nach dem
Vorgange von Cuvier, Edwards undAudouin als Bauch
bezeichnete Körperfläche zum Rücken machen will.
Unter solchen Umständen möchte gegen die Richtigkeit
der ältern Annahme vielleicht einiges Bedenken laut werden.
Indessen habe ich mich davon überzeugt, wie durch die La-
gerung, des Nervenstranges die Deutung von Cuvier u. s. w.
vollkommen bestätigt wird. Ich habe im Vorderleibe des einen
von mir untersuchten Exemplares, unterhalb des Oesophagus,
in ‘der Mittellinie der als Bauch bezeichneten Fläche einen
weisslichen Faden gefunden, der eine Strecke vor der Mund-
öffnung in ‚zwei seitliche Stränge sich spaltete, die im-
mer mehr von einander sich entfernten und den Schlund zu
umfassen schienen. Ganglionäre Anschwellungen oder seit-
liche Aeste habe ich nun allerdings daran nicht bemerkt;
trotzdem aber kann ich keinen Augenblick Bedenken tragen,
ihn. als Nervenstrang zu beanspruchen.
Die Segmente des Vorderleibes, deren ich bei dem
einen Exemplar 12, bei dem andern 13 zähle, sind kurz und
breit und eigentlich nur an den Seiten von einander geschie-
den. Sonst sind sie zu einer gemeinsamen, zusammenhän-
genden Masse unter sich verschmolzen, die an dem vordern
Ende den Mund trägt und gewissermassen einem Cephalotho-
rax vergleichbar ist. Die Länge dieser Leibesmasse beträgt
etwa 9 Linien, ihre Breite fast 6 Linien. Sie ist am Rücken
und Bauche abgeplattet, besonders stark am Rücken, der eben,
oder selbst in der Milte, die durch eine nahtförmige Längs-
furche sich auszeichnet, etwas ausgehöhlt ist. Die Seiten-
ränder springen scharf nach aussen vor und gehen an der
Oberseite unmittelbar in die dorsale Fläche über, so wie un-
ten in die ventrale, die, im Vergleich mit der ersteren, ziem-
lich stark convex erscheint.
Das Vorderende zeigt in der Mitte oberhalb der Mund-
Chaetopterus pergamentaceus Cuv. 343
öffnung einen queren Wulst, den ich als das Rudiment eines
Kopfes betrachten möchte. Ob er das Gehirnganglion ent-
hält oder nicht, ob dieses elwa im leiztern Falle unter der
kleinen kugligen Hervorragung gelegen ist, die dicht hinter
dem Kopfwulste in der Mittellinie bemerkt wird, weiss ich freilich
nicht. Vielleicht dass uns Will darüber eine nähere Aus-
kunft geben kann, der ja bei unserm Wurm auch Augen ge-
funden hat, die ich vergeblich suchte.
Zu den Seiten dieses Kopfrudimentes steht jederseils ein
eylindrischer Tentakel, von etwa 3 Linien Länge, mit zu-
gespitztem Ende.
Die Mundöffnung ist eine weite klaffende Querspalte,
die, wie schon erwähnt ist, unterhalb des Kopfes, am vor-
dern abgestutzten Körperende liegt. Sie führt in einen ver-
hältnissmässig dünnen, muskulösen Oesophagus, der in gera-
dem Verlauf den ganzen Vorderleib durchsetzt. Eine Bewaff-
nung fehlt demselben. Ebenso ist er unfähig, nach aussen
wie ein Rüssel hervorgestülpt zu werden. Dafür aber ist
das vordere Körperende selbst in eigenthümlicher Weise enl-
“ wickelt. Der untere und seitliche Rand desselben ist näm-
lich in einen weit vorspringenden muskulösen Lippenwulst
(voile marginale) ausgezogen, (dessen obere Ecken sich einan-
der zukrümmen und in einem tiefen Ausschnitt auf dem Rük-
ken Kopf und Tentakel zwischen sich nehmen. Auf solche
Weise entsteht ein eigner schaufel- oder trichterförmiger
Apparal, der zu den mannichfachsten Bewegungen geschickt
ist, und wohl im Stande sein mag (wie der Lippenrand von
Thetis) bei der Aufnahme der Nahrungsmittel den fehlenden
Rüssel zu ersetzen.
Eine tiefe und breite Furche trennt diesen Lippenwulst
von dem dahinter gelegenen ersten Segmente, das gleich den
übrigen Segmenten des Vorderleibes vornämlich durch die
Entwicklung eines ganz ansehnlichen Fusshöckers sich kund
giebt. Allerdings sieht man bei näherer Betrachtung auch
noch die Querfurchen, welche die einzelnen Segmente von
einander trennen, doch diese sind, namentlich auf der mit
starken Längsmuskelbündeln versehenen Bauchfläche zu wenig
deutlich, als dass man danach Zahl und Grenzeder einzel=-
nen Ringe genau bestimmen könnte,
344 Leuckart:
Die Fusshöcker des Vorderleibes, die auf den vor-
springenden Seitenkanten aufsitzen, sind von einer pyrami-
dalen Gestalt und sichelförmig nach dem Rücken zu gekrümmt.
Die Muskelhüllen des Rückens gehen unmittelbar in sie über.
Die Fusshöcker des letzten Segmenles sind bei Weitem die
grössten und auch in anderer Hinsicht ausgezeichnet. Sie
bilden ein Paar mächtiger flügelförmiger Anhänge, die an
Länge fast dem gesammten Vorderleibe gleichkommen. Im
Wesentlichen aber ist dennoch die Gestalt dieselbe, wie bei den
übrigen Fusshöckern. Nur dadurch unterscheiden sie sich
auch in dieser Hinsicht, dass sie eine grössere Breite haben
(in entsprechender Weise ist auch das betreffende Segment
von allen am Vorderleibe das längste) und auf der dem Rük-
ken zugekrümmten Fläche in der Mittellinie rinnenförmig aus-
gehöhlt sind, wodurch denn die Beschaffenheit derselben we-
niger eine parenchymatöse, als eine häutige erscheint. Von
dem Fortsatze geht diese Furche auf den Rücken des anlie-
genden Segmentes über, das übrigens vor den vorhergehen-
den Segmenten nicht bloss durch eine grössere Länge, son-
dern auch durch eine geringere Breite sich auszeichnet. Hier
bildet dieselbe jederseits neben der kammarlig erhabenen Mit-
tellinie, die in die mittlere Längsnaht des Vorderleibes sich
fortselzt, eine tiefe, nach aussen zu allmählich schmaler wer-
dende Grube.
Die Fusshöcker der übrigen Vorderleibssegmente stim-
men unler sich überein. Sie erreichen kaum ein Drittheil
von der Länge der eben beschriebenen hintern Fortsätze und
dieses auch nur in den mittlern Segmenten. Die vordern und
hintern Fusshöcker nehmen an Länge etwas ab.
In allen Fusshöckern ist ein ansehnliches Bündel von
langen und steifen Borsten enthalten. Die Spitzen ragen äus-
serlich hervor und bilden auf dem convexen, nach der Bauch-
fläche zugewandten Rande einen vielzeiligen Kamm. Nur in
den flügelförmigen Fortsätzen des letzten Segmentes haben
die Borsten eine abweichende Anordnung. Statt an der Spitze
hervorzuragen, sind sie in ganzer Länge am ventralen kiel-
förmigen Rande eingebettet und augenscheinlich bloss dazu be-
stimmt, dem Fortsatz Festigkeit und Halt zu geben.
Die Form der Borsten ist je nach ihrer Stellung in ei-
B
Chaetopterus pergamentaceus Cuv. 345
niger Hinsicht verschieden. In den Flügelfortsätzen des letz-
ten Segmentes sind sie ganz gerade, nach der Spitze zu all-
mählich verdünnt. Eine ähnliche einfache Form besitzen die
Endborsten der vorhergehenden Segmente, nur zeigt sich schon
hier eine schmale Erweiterung vor der Spitze. In den mei-
sten übrigen Borsten ist diese Enderweiterung noch stärker;
slalt einer einfachen Spilze findet sich dann ein schaufelför-
miges, eiwas geschwungenes Ende. So namentlich in den nach
der Ventralfläche zu gelegenen Borsten. Am abweichendsten
ist diese Form in den untern Borsten des vierten und fünften
Fusshöckers,, die durch ihre sehr beträchtliche Stärke sich
auszeichnen und auch schon auf den ersten Blick durch eine
dunkle, fast schwarze Färbung auffallen. Hier ist das Ende
schief abgestutzt, mit einer kleinen zahnarligen Spitze.
Die beiden letzten Segmente des Vorderleibes haben aus-
ser den Pfriemenborsten auch noch Hakenborsten, die an der
Ventralfläche, auf besondern fussartigen Hervorragungen, auf-
sitzen. Wie wir später sehen werden, wiederholen sich diese
ventralen Fusshöcker auch an allen übrigen Körper-
segmenten. Sie erscheinen als quere Fleischwülste oder Lap-
pen, die auf dem ersten der bezeichneten Segmente jederseits
dicht unter der Basis der dorsalen Fusshöcker ihren Anfang
nehmen, und von da bis in die Mitte des Bauches reichen,
während sie am folgenden Segmente durch eine mittlere Sym-
physe zu einem unpaaren Wulste geworden sind. Die vor-
dern Fusshöcker waren lamellöse Lappen, die auf der äus-
sersten Firste eine einfache Reihe dicht stehender Haken
trugen; hier aber sehen wir einen sehr ansehnlichen Quer-
wulst, der in der Mitte der Quere nach saugnapfartig vertieft
ist, und an beiden Rändern, vorn und hinten, Hakenborsten
besitzt. Die ursprüngliche doppelt seitliche Anordnung: ist
übrigens dabei noch insofern angedeutet, als die beiden Rei-
hen der Hakenborsten, namentlich die vordere, in der Mitte
unterbrochen sind. Die Haken haben die Gestalt von kleinen
ovalen Plättchen, die an dem einen Ende auf einem beson-
dern langen und dünnen rechtwinklig gebogenen Stiel auf-
sitzen und am freien hervorragenden Rande eine Anzahl (U)
gekrümmter Zahnforlsätze tragen.
Der Mittelkörper unseres Wurmes, der aus vier Seg-
346 Leuckart:
menten gebildet wird , übertrifft den vordern Abschnitt an
Länge. Er erreicht etwa 1'/, Zoll, ist aber schmaler und von
einer einfachen Cylinderform, die nur durch die merkwürdig
entwickelten Anhänge eine Abänderung erleidet. So wenig-
stens scheint es, wenn man den Wurm an der Ventralfläche
betrachtet. Dann sieht'man einen einfachen, festen und mus-
kulösen Cylinder, der eine unmittelbare Fortsetzung des letz-
ten Vorderleibssegmentes ist, und in regelmässigen Abständen
die den vier Segmenten entsprechenden vier ventralen Fuss-
höcker trägt. Zwischen diesen verläuft in der Mittellinie des
Bauches eine tiefe Längsfurche.
Der erste der ventralen Fusshöcker schliesst sich
in seiner Form und in der Anordnung seiner Hakenborsten
vollkommen an das entsprechende Gebilde des vorhergehen-
den letzten Vorderleibssegmentes. Wie dieser, gleicht er
einem einfachen queren Saugnapf und mag auch immerhin
als solcher wirken. Am folgenden Segmente hat der Fuss-
höcker ‚noch eine ähnliche Gestalt, doch ist schon hier der
Vorderrand weniger scharf und ohne Haken. Noch flacher
wird dieser vordere Rand an den ventralen Fusshöckern der
beiden letzten Ringe des Mittelkörpers, die eine einfache Quer-
erhebung mit Hakenborsien auf der Firste darstellen, und in
der Mitte eine seichte Ausrandung darbieten , als Andeulung
ihrer lateralen Duplieität.
In solcher Weise schliesst sich die Bauchfläche des Mittel-
körpers nach ihrer Organisation unmittelbar an den Vorderkör-
per. Ganz anders aber verhält sich die Rückenfläche. Fusshöcker
mit Pfriemenborsten, die den Vorderkörper so auffallend aus-
zeichnen, fehlen. Statt ihrer sieht man auf dem Rücken vier
häulige, blasenförmig aufgetriebene Schuppen von sehr an-
sehnlicher Grösse, die von vorn nach hinten einander decken.
Dicht oberhalb der ventralen Fusshöcker nehmen sie ihren
Ursprung. Von da umfassen sie, nach Art eines Schirmes,
die ganze seitliche und dorsale Circumferenz des Rückens.
Edwards und Audouin erklärten diese Anhänge für
umgewandelte dorsale Fusshöcker , die der Borsten entbehr-
ten und, wie die Ventralfusshöcker, in. der Miltellinie ver-
schmolzen seien. Wenn man die eigenthümliche Gestaltung
des Rückenfortsatzes am letzten Segmente des Vorderleibes
\
Chaetopterus pergamentaceus Cuv. 347
berücksichtigt, wenn man ferner erwägt, dass bei einer an-
dern Auffassung die dorsalen Fusshöcker den Segmenten des
Mittelkörpers fehlen würden, dann scheint eine solche Deu-
tung auch wirklich sehr annehmbar. Trotzdem aber kann ich
derselben nicht beistimmen, weil das Verhältniss dieser Schup-
pen zu den zugehörenden Segmenten anders ist, als das der
Fusshöcker. Sie erscheinen in jeder Hinsicht als integrirende
Theile der Segmente und zwar als die vordern Enden der-
selben, die durch Auftreibung (resp. Ausstülpung) die erwähnte
merkwürdige Gestalt angenommen haben. Dass diese An-
nahme richlig ist, sieht man sehr deutlich bei einer Verglei-
chung der vordern Hinterleibssegmente, bei denen man trotz
der Anwesenheit besonderer dorsaler Fusshöcker noch eine
ganz ähnliche (nur schwächere) Auftreibung wahrnimmt. Das-
selbe mag man auch daraus abnehmen, dass die Schuppen in
ihrem Innern einen Theil der Eingeweide, namentlich vom
Darmkanal ’) enthalten, während sich diese Gebilde doch
sonst bei den Anneliden beständig auf die Segmente beschrän-
ken und niemals in die Fusshöcker hinein fortsetzen.
Was die vier Segmente des Mittelleibes auszeichnet, ist
also nicht eine eigenthümliche Metamorphose der dorsalen
Fusshöcker, sondern vielmehr die Abwesenheit dieser An-
hänge und eine abweichende Entwicklung der Rückendecke
am Vorderende. Man könnte die Segmente des Mittelkörpers
etwa mit vier excentrisch in einander gefügten Kugeln oder
Tuten vergleichen, die auf einer ebenen Fläche aufliegen und
am gegenüberstehenden Rande nach der Spitze zu umgeho-
gen sind. (Will nennt diese Segmente nicht ganz genau
„linsenförmige“.) Bei Ch. norvegus scheint eine solche An-
ordnung noch weit deutlicher, als bei unserer Art.
Dass die schuppenförmigen Auftreibungen dem Vorder-
ende der Segmente angehören, wird sehr deutlich, wenn man
den Zusammenhang derselben mit dem cylindrischen Stamm
des Mittelleibes untersucht. Dann kann man sehen, wie die
Hinterfläche der Schuppen sich unmittelbar in den anstossen-
») Das Contentum des Darmes besteht in einigen Schuppen aus
eylindrischen Ballen, die in Menge parallel an einunder angelagert sind
und eine graue Färbung haben.
1
348 Leuckart:
den cylindrischen Körper fortsetzt. Am vordern Rande da-
gegen ist eine scharfe Grenze zwischen beiden; die Muskel-
masse des Stammes spaltet sich hier in zwei seitliche Schen-
kel, die den mittlern Theil der Schuppe zwischen sich neh-
men und darauf zu der Ventralfläche des nachfolgenden Seg-
mentes hinabsteigen.
Die Form der Schuppen ist übrigens nicht in allen vier
Segmenten dieselbe und namentlich an dem ersten, das von
allen das längste ist, abweichend. Nur für die Anhänge der
drei hintern Segmente passt eigentlich die Bezeichnung Schuppe.
An dem ersten Segmente ist dafür eine sehr voluminöse Auf-
treibung von unregelmässiger Gestalt vorhanden, an der man
Gwenn ich nach den von mir untersuchten Exemplaren ur-
theilen darf, die an dieser Stelle verletzt waren) drei hinter
einander gelegene Säcke oder Abtheilungen unterscheiden
kann. Die vordre dieser Abtheilungen ist die kleinste und
durch eine darüber hinlaufende Naht, die Fortsetzung der
Rückennaht des Vorderkörpers, in zwei seitliche Hälften ge-
theilt. Die mittlere Abtheilung gleicht einer gestielten Blase,
ist länger als die vordere, und umschliesst im blinden Ende
einen derbhäuligen Beutel, der mit dem Darmkanal in Ver-
bindung zu sein scheint. Die letzte Abtheilung endlich, von
allen die grösseste, hat eine schuppenförmige Gestalt, wie die
Anhänge der folgenden Segmente, nur ist sie nicht ganz so
platt, wie diese. Mit ihnen theilt sie auch die Zartheit der
Bedeckungen, so dass die eingeschlossenen Eingeweide durch-
schimmern.
Der Hinterkörper unseres Wurmes ist von allen drei
Körperabschnitten der längste und enthält auch von allen die
meisten Segmente. Ich zähle deren bei dem einen Exem-
plar 21, bei dem andern 24. Nach der Schwanzspitze wer-
den dieselben immer kleiner und kürzer, und nehmen gleich-
zeitig auch in der Entwicklung ihrer Anhänge ab.
In. den allgemeinsten Umrissen ihrer Form gleichen die
Segmente des Hinterleibes den vorhergehenden Segmenten
(in noch höherm Grade bei Ch. norvegus). Ihr hauptsäch-
lichster Unterschied beruht, wenn wir von den Anhängen ab-
sehen, darin, dass sie weit kürzer sind und dichter auf ein-
ander folgen. Ihre Bauchfläche ist eben so muskulös, ihre
Chaetopterus pergamentaceus Cuv. 349
Rückenfläche eben so zarthäutig und aufgetrieben, doch sind
die Auftreibungen weniger entwickelt und auch minder voll-
ständig von einander geschieden. Ueberdiess beschränken
sie sich nicht mehr auf das Vorderende der einzelnen Seg-
mente, sondern nehmen die ganze Länge der Rückenfläche ein.
Im Anfang des Hinterleibes lässt sich auf dem Rücken
noch hinter jedem zweiten Segment ein tiefer Quereinschnitt
bemerken, durch den dann ein häutiger Sack begrenzt wird,
welchen wir als die zusammenhängenden Auftreibungen zweier
anliegenden Ringe zu deuten haben; weiter hinten aber wer-
den diese Einschnitte immer unvollkommner, bis sie endlich
gänzlich schwinden. Auf solche Weise bildet die Schwanz-
spitze eine eylindrische Masse, die auf dem Rücken zarthäu-
lig und eben ist, am Bauch dagegen eine muskulöse Fläche
mit zahlreichen, den einzelnen Segmenten entsprechenden que-
ren Einschnitten darbietet. Zwischen diesen Einschnitten lie-
gen zu den Seiten der Medianlinie die ventralen Fusshöcker,
weiter nach oben, am Uebergang in die ungegliederte Dor-
salfläche, die Rückenanhänge,
Die ventralen Fusshöcker sind in der Mittellinie
nicht’ mehr verschmolzen. Sie bilden paarige Anhänge und
sind jederseits sogar doppelt vorhanden, indem sich nach
aussen und oben neben dem der Mittellinie zunächst gelege-
nen Höcker (der allein den ventralen Fusshöckern der mitt-
lern Körpersegmente entspricht, wie man namentlich am’ er-
sten Ringe sehr deutlich sieht) noch ein anderer Fusshöcker,
gleichfalls mit Hakenborsten versehen, hervorgebildet hat ").
In allen Segmenten erscheinen diese Fusshöcker als fleischige
Läppchen, die quer gestellt sind und einige Aehnlichkeit mit
den Alterfüssen der Raupen haben. Innere und äussere Fuss-
höcker bleiben beständig durch einen Zwischenraum getrennt,
so dass die letztern, namentlich in den hintern Segmenten,
weil mehr an der Seitenfläche des Körpers liegen, als an der
venlralen. Dicht oberhalb des Aeussern dieser Fusshöcker be-
findet sich ein kleiner fleischiger Cylinder, das Rudiment eı-
nes Cirrus.
u ————
*) Das einzige Beispiel der Art unter den Anneliden. Wenn man
will, so kann man diesen Vorgang mit der bei den Crustaceen sehr
allgemein vorkommenden Bifurcation der Ventralanhänge vergleichen.
350 Leuckart:
Die Hakenborsten gleichen den entsprechenden epider-
moidalen Gebilden auf den Ventralhöckern des Millelkörpers:
Die dorsalen Fusshöcker sind lange eylindrische
Anhänge, die oberhalb der äussern Ventralfusshöcker ihren
Ursprung nehmen und gerade empor gerichtet sind. Im mitt-
lern Drittheil des Hinterkörpers erreichen sie ihre grösste
Länge, doch sind sie schon an den vordern Segmenten ganz
bedeutend.
Im Innern enthalten diese Fortsätze ein Bündel von lan-
gen Borsten, die übrigens, wie in den Flügeln des letzten
Vorderleibssegmentes, nirgends nach aussen hervorragen, son-
dern. bloss zur Stütze dienen, Allerdings sieht man am In-
nenrande des keulenförmig verdickten Endes der Dorsalfort-
sätze vorstehende Borsten, an denen gewöhnlich mancherlei
fremde Körper, Schleim, Koth und drgl., festhaften, aber diese
Borsten stehen mil den eben erwähnten in keiner Verbindung.
Sie sind eigne Nadeln, kurz und spindelförmig, die in gros-
ser Menge neben einander in den äussern Bedeckungen ein-
gepflanzt sind.
Bei dem einen der beiden Exemplare sind die Seiten-
theile der Hinterleibssegmente durch eine anhängende dicke
und schwammige Masse von gallerlarliger Beschaffenheit ver-
unstaltet, die sich nicht entfernen lässt, und aus den äussern
Bedeckungen hervorgequollen zu sein scheint. Minder stark
zeigt sich dieselbe Substanz auf dem Rücken: des Vorderlei-
bes, an der Basis der einzelnen Fusshöcker. Offenbar gehört
dieselbe zu jener mächligen Drüsenmasse, mit deren Vorkom-
men und Lage bei Chaetopterus uns W ill bekannt gemacht hat.
Dieselbe Drüsenmasse mag es auch sein, durch deren
Secret die Röhre unseres Wurmes bereitet: wird. Bei den
untersuchten Exemplaren hat diese die Länge von 9—10 Zoll
und eine Dicke von fast 1 Zoll. Sie ist bogenförmig gekrümmt
und besteht, wie schon Cuvier angab, aus mehrfachen con-
eentrisehen Lagen einer gelblich grauen papierarligen Masse,
die an der Oberfläche leicht ’abhröckeln. Die Innenfläche ist
sehr glatt und ganz eben. Die Enden dieser Röhre sind: in
einen etwa zolllangen dünnern und häutigen 'Fortsalz ausge-
zogen, der an der Spitze olfen ist.
Auf der äussern Fläche fand ich eine Menge parasitischer
Chaetopterus pergamentaceus Cuv. 351
Thierformen. Miessmuscheln und Ascidien waren darauf an-
gesiedelt, während eine eigne kleine Modiola in die Substanz
der Röhre sich eingegraben hatte. —
Man könnte die Frage aufwerlen, ob die hier beschrie-
bene Chaetopterusart aus dem Adrialischen Meere denn auch
wirklich, wie wir es angenommen haben, mit dem Ch. per-
gamenlaceus von Cuvier, der den westindischen Ocean be-
wohnt, identisch sei. Allerdings wäre solches — wenn die
Angabe von Cuvier über den Fundort richtig ist — sehr
auffallend, doch lassen sich zwischen beiden, nach den vor-
liegenden Beschreibungen zu folgern, keine specifischen Un-
terschiede auffinden. Die wenigen Differenzen mögen auf
einer individuellen Verschiedenheit oder auch auf einer Un-
zulänglichkeit der ältern Beschreibungen beruhen. So wird
in letztern der rudimentären Cirren am Hinterleib keine Er-
wähnung gelhan, so auch die Zahl der Vorderleibssegmente
auf 10, die der Hinlerleibssegmente auf etwa 50 angegeben.
Doch das lelzte ist eine blosse ungefähre Schätzung, da bei
dem untersuchten Exemplare der Hinterleib abgerissen. war,
während die Zahl der Vorderleibsglieder, wie schon unsere:
beiden Exemplare beweisen, immerhin um Einiges schwan-
ken mag.
Ueber die dem Gen. Chaetopterus verwandten Wurmfor-
men lässt sich noch wenig sagen, Es slehet unser Genus
ziemlich isolirt und bildet eine eigne kleine Familie, die übhri-
gens, so lässt sich nicht verkennen, am meisten an die Gruppe
der Aricinae sich anschliesst. Hier finden wir eine ähnliche
rudimenläre Entwicklung des Kopfes, eine ähnliche Anord-
nung der Körperanbänge und selbst eine ähnliche Lebens-
weise, Hier sehen wir allein unter den s.g, Dorsibranchia-
ten eine Umbildung der ventralen Fussborsten in Haken, wie
ganz allgemein bei den s. g. Capitibranchiaten, hier auch mit-
unler eine abweichende et des einen oder, andern
Segmentes und der Anhänge, wenngleich niemals in einem
50 hohen Grade, als bei Chaetopterus.
Bemerkungen über den Bau des Orang-
Outang -Schädels.
Von
Prof, Mayer in Bonn.
Der Orang-Outang- Schädel dürfte als die erste Ueber-
gangsform vom Menschenschädel zum Tliierschädel immer ein
allgemeineres Interesse in Anspruch nehmen, daher hier nach-
folgende Bemerkungen über denselben wohl Platz finden mögen.
Die mir zu Gebote stehenden Orang-Outang-Schädel
unseres anatomischen Museums waren folgende:
I. Der jüngste Schädel sammt dem Skelete. Er ist von
Simia Troglodytes. Es sind hier bloss die vier innern Schnei-
dezähne des Ober- und Unterkiefers und der erste Backzahn,
zusammen vier, also acht Zähne ausgebrochen und zu Tage
tretend. Grösster Durchmesser (vom Kinn zum Hinterkopf),
4 Zoll 9 Linien; Gerader Durchmesser (von der Stirne dahin)
3 Zoll 6 Linien. Querdurchmesser 3 Zoll 3Linien. Umfang
11 Zoll, (Umfang des Schädels eines menschlichen Neonatus
12 Zoll.) Der Umfang der Pars facialis verhält sich zu dem
der Pars cranii wie 1: 5.
Die Nasenbeine sehr dünn und geradestehend, die Au-
genhöhlen-Scheidewand sehr schmal. Die Nasenlöcher klein
und nach vorwärts geöffnet. Stirnnaht schon verschwunden.
Der Gesichtstheil tritt fast unter einem rechten Winkel mit
dem Zwischenkieferknochen nach vorwärts. Dieser bildet die
Hälfte des ganzen Ober - Kiefertheiles seiner Seite oder ver-
hält sich dazu wie 1:2. Der Jochtheil (Jochbein) ist schwach
und schief nach hinten gerichtet. Der Gaumen wird zum
Drittel vom Zwischenkiefer gebildet. Der Gaumenbeintheil ist
|
Bemerkungen über den Bau des Orang-Outang-Schädels. 353
sehr schmal. Der Jochbogen ist gerade und schwach, da-
her die Schläfengrube schmal. Der aufsteigende Ast des Un-
terkiefers noch kurz.
Der Schädeltheil ist nach allen Seiten rund gewölbt und
ohne Vorsprung. Das Hinterhauptloch liegt mit der pars ba-
silaris des Hinterhauptbeines fast horizontal. Der äussere
Gehörgang liegt in der Mitte des geraden Schädeldurchmes-
sers. Die Wölbung der Stirne ist gleichförmig und der Fron-
talwinkel 80°.
ll. Der den vorigen nur etwas an Grösse übertreffende
ganz junge Schädel zeigt bereits die zwanzig sogenannten
Milchzähne, wovon die untern Eckzähne die spätesten sind.
Grösster Durchmesser 5 Zoll. Gerader Durchmesser 4 Zoll;
Querdurchmesser 3 Zoll 6 Linien.
Die pars facialis verhält sich zu pars cranii wie 1:4
Nasenbeine, Nasenlöcher und Oberkiefer haben eine schiefe
Richtung angenommen. Das Zwischenkieferbein verhält sich
zum Oberkieferbein wie 1:3. Der Zwischenkiefer bildet
den 4ten Theil des Gaumens. Der Gaumenbeintheil ist relativ
schmäler geworden. Die Schläfengrube hat sich erweitert.
Stirnnaht noch etwas sichtbar.
Der Schädeltheil ist noch gewölbt, aber mehr in die
Breite als Höhe. Der Gehörgang etwas mehr nach hinten.
Das Hinterhauptloch kaum sich aufwärts neigend. In der
Schädelhöhle ist die Wölbung des Umfangs ovalrund. Das
kleine Keilbein '/,—'/, des grossen, die pars basilaris kurz
und gerade liegend.
III. Bei diesem Schädel ist der drilte Backzahn schon
völlig hervorgetreten, so dass 24 Zähne vorhanden. Gröss-
ter Durchmesser 6 Zoll; gerader Durchmesser 4 Zoll; Quer-
durchmesser 3 Zoll 7 Linien. Im Unterkiefer zwei Gruben
für den 4ten und 5ten Backzahn , im Oberkiefer eine grosse
für den 4len zu bemerken. Die pars facialis zur pars cranii
wie 1:2. Stirnnaht verschwunden. Der Stirnwinkel 75°
und die Stirne über den Augenbraunbogen eingesunken. Ge-
sichtsknochen, Jochbein und Jochbogen stärker. Aufsteigen-
der Ast des Unterkiefers schon hoch und breit. Schläfen-
grube grösser. Gehörgang noch mehr zurück. Hinterhaupt-
Archiv f, Naturgesch. XV. Jahrg. 1. Bd. 23
354 Mayer:
loch beträchtlich nach hinten aufsteigend. Schädelbasis schief
liegend. Das kleine Keilbein breiter.
IV. Dieser Schädel ist etwas älter, indem sowohl im
Unterkiefer, als auch besonders im Oberkiefer die letzten zwei
Backzähne'in grossen Gruben zu Tage liegen. Grösster Durch-
messer 6 Zoll 3 Linien; gerader Durchmesser 4 Zoll 1 Linie;
Querdurchmesser 3 Zoll 6 Linien. Die pars facialis zur pars
eranii wie 1 :1'%. Die schiefe Richtung derselben noch
stärker. Schläfengrube grösser. Die Stirne schmaler und zu-
sammengedrängt, gewölbt. Stirn, Scheitel- und Oceipital -
Wölbung schon vorspringend. Ebenso der Zitzenfortsatz-
knorren.
Die Sutura sagitlalis enthält ein ihre ganze Länge ein-
nehmendes, 1—3 Linien breites, Zwickelbein, und nach hin-
ten deren mehre kleine. Der Gehörgang noch mehr rück-
wärts. Das Hinterhauptloch mehr aufsteigend und noch gross.
VW. Dieser Schädel, von einem ganzen Skelete entnom-
men, besitzt 24 Zähne, wovon die vordern schon etwas ver-
braucht und braun sind. Es sind dieses die 20 Milchzähne.,
Die hintern zwei Backzähne etwas hervortretend. Die Schnei-
dezähne schon abgerieben. Grösster Durchmesser 6 Zoll 7
Linien; gerader Durchmesser 4 Zoll; Querdurchmesser 3 Zoll
4 Linien. Die feinen Löcher zu den Gruben der bleibenden
Zähne alle (20) bemerklich. Die pars facialis zur pars cranii
wie 1 : 1. Der Gesichtstheil vorspringend ; der Oberkiefer
gewölbt. Die Stirne noch schmäler. Stirnwinkel 70%. Alle
Nähte noch vorhanden. Der vordere und besonders der hin-
tere Theil der Crista temporalis scharf vorspringend. Hin-
terhauptsloch sehr aufsteigend und kleiner geworden. Schä-
delhöhle an der Slirne keilförmig beengt. Kleines Keilbein
grösser, fast gleich gross mit dem grossen; Processus cli-
noidei unter sieh verwachsen.
VI. Dieser Schädel besitzt 32 völlig enlwickelte blei-
bende Zähne. Grösster Durchmesser 7 Zoll 3 Linien; gera-
der Durchmesser 4 Zoll 2 Linien; Querdurchmesser 3 Zoll
3Linien. Die pars facialis zur pars cranii wie 4:3. Ober-
kiefer gebogen; ebenso die Schneidezähne. Slirne schmal;
Crista temporalis sichtbar. Crista lambdoidea mehr vorsprin-
gend. Gehörgang fast hinten. Hinterhauptloch schmaler,
Bemerkungen über den Bau des Orang- Outang-Schädels. 355
fast gerade aufsteigend. Kleines Keilbein gleich gröss dem
grössern. Schädelbasis lang; Stirntheil derselben schmal,
daher Schädelhöhle conisch-oval, zugespitzt nach vorn, nach
hinten die Basis platt und sehr breit.
VII. Grösster Schädeldurchmesser 9 Zoll 3 Linien; ge-
rader Durchmesser 4 Zoll 6 Linien; Querdurchmesser 3 Zoll
9 Linien, Höhedurchmesser 3 Zoll 7 Linien. Umfang des
Schädels ohne die Vorsprünge der Crista,13 Zoll. (Umfang
des Schädels eines Eingebornen aus Macassar 19 Zoll.) Die
pars facialis zur pars eranii wie 2 : 1. Alle Zähne wie im
Vorigen, nur stärker und schon elwas abgerieben, namentlich
fast die Krone der miltlern obern Schneidezähne. Die Eck-
zähne beträchtlich mehr entwickelt. Stirnwölbung flach, nur
Seitenwölbung und Hinterhauptwölbung. ‚Crista sagittalis dop-
pelt, läuft seitlich bis in das Ende der starken Crista supra-
orbitalis aus. Die Crista lambdoidea ist stark und läuft in
processus mastoideus aus. Das Hinterhauptloch fast aufrecht
stehend. Die Form der Schädelhöhle conisch-oval. Die pars
basilaris oss. occipit. et sphaenoidei, welche noch getrennt,
hat an Breite zugenommen.
Ich knüpfe hier einige Bemerkungen an, welche ich bei
der Untersuchung der Sammlung von Orang -Qutang-Schä-
deln in den Museen zu Wiesbaden und Frankfurt zu machen
Gelegenheit halte.
Im Wiesbadener zoologischen Museum befinden sich 9
Schädel und das Skelet eines erwachsenen Orang- Outangs.
Nr. 1. Ein junger Schädel, woran bereits zwei Back-
zähne zu Tage Ireten, Das,os incisivum ist getrennt,
Nr. 2. Drei Backzähne. Das os ineisivum verwachsen,
Nr, 5. Fünf Backzähne uud die Crista lambdoidea ent-
wickelt.
Nr. 4. Fünf Backzähne, ebenso.
Nr. 5. Fünf Backzähne, die Nase breit, Schädel eines
alten, wahrscheinlich weiblichen Thieres,
Nr. 6. FünfBackzähne. Die Crista supraorbitalis, fron-
talis und lambdoidea stark.
Nr. 7. Ebenso, Die Zähne stark, Nasenbein breit,
Orista stark,
356 : Mayer:
Nr. 8. Jünger, Die Crista hoch, aber dünn. Nasen-
bein getrennt.
Nr. 9. . Die Crista ziemlich stark. Nasenbein nicht breit.
Nr. 10. Der älteste Schädel. Das Kinn breit. Arcus
supraorbitalis dick. Das Nasenbein ist so winzig, dass es
fast unsichtbar ist.
Im zoologischen Museum zu Frankfurt traf ich fünf Ske-
lete vom Orang-Outang und mehrere Schädel an. Nr. 1.
Ein kleiner Schädel mit einem Backzahn und getrenntem os
ineisivum. Nr. 2. Ein Schädel mit alten, schwärzlichen ab-
geriebenen Milchzähnen. Nr. 3. Ein Schädel mit fünf weis-
sen starken Backzähnen; Crista sagiltalis fehlt. Nr. 4. Ein
grosser Schädel mit allen starken Zähnen: und hoher Crista.
Nr. 5. Ein alter Schädel mit abgeriebenen Zähnen; Crista
hoch. Nr. 6. Ein alter Schädel mit harten Knochen. Back-
zähne %; die Cristae fehlen. Nr. 7. Ein Schädel von mitt-
lerm Alter; Backzähne 3.
Es ist wohl ein wesentlicher Unterschied zwischen dem
Schädel des männlichen und des weiblichen Orang- Outangs
anzunehmen. Da aber die Angaben über das Geschlecht die-
ser Schädel gänzlich fehlen, da selbst über den ganzen Ha-
bitus der beiden Geschlechter überhaupt noch nichts Entschei-
dendes bekannt ist, so ist man hier nur auf Vermuthungen
beschränkt. Bei gleichem Alter von dem Zahnbau nach voll-
kommen entwickelten Schädeln, hat man wohl denjenigen
Schädel für den eines weiblichen Individuums zu halten, des-
sen Kiefer- und Zahnbau schwächer entwickelt, und dessen
Crista frontalis et sagittalis nicht sehr hervortreten. So würde
ich den alten Schädel Nr. 6, des Wiesbadener und Nr. 3 und
6 des Frankfurter Museums für weiblich halten. Es dürfte
wohl der Zoologe gewarnt werden, den blossen Geschlechts-
unterschied nicht zu einem der Species zu machen !
Die Löcher für die Blutgefässe und Nerven
betreffend.
Im Allgemeinen sind alle Löcher für die Gefässe und
Nerven auch relativ enger als am Schädel des Menschen,
namentlich der canalis caroticus und das foramen jugulare.
Das loramen spinosum für die art, meningea media fehlt
Bemerkungen über den Bau des Orang-Outang-Schädels. 358
als besondere Oeffnung durchaus an allen von mir
beobachteten Schädeln des Orang-Outangs; ebenso der Sul-
eus dieser Arterie in der Schädelhöhle; dagegen ist, wahr-
scheinlich für die art. meningea ant. der art. ophihalm., eine
eine grosse Oeflnung in der Ecke des grossen Flügels des
Keilbeins vorhanden. An einem Malayen-Schädel fehlt das
foramen spinosum ebenfalls als besonderes Loch. Die Ner-
venlöcher, das foramen ovale, rotundum, opticum, acuslicum,
condyloideum, sind eng. Die Siebplatte ist ganz klein, die
Löcher derselben gross, der canalis infraorbitalis gross ; die
2 bis 3 Ausmündungslöcher desselben im Gesichte klein. Da-
gegen die 1—3 foramina malae gross. Das foramen alveo-
lare post. gross, das foramen mentale klein. Zwei foramina
mentalia interna für die Schneidezähne (2). Der äussere Ge-
hörgang beim Schädel VII. grösser als an obigem Macassar -
Schädel.
Die Nasenbeine betreffend.
Da das Verhalten dieses Knochens am Schädel der Affen
bereits früher von mir und neuerdings auch von Burmei-
ster besprochen wurde, so beschränke ich mich nur auf we-
nige Bemerkungen.
Bei allen mir hier vorliegenden Orang - Oulang-Schä-
deln ist das Nasenbein vorhanden, jedoch, ungleich mit dem
Stadium der Entwickelung des Schädels, verschieden gross.
Ganz dünn bei Nr. I; etwas breiter bei Nr. II; ein feiner
Streifen mit dreieckigem untern Endstücke bei Nr. III; ein
schmaler Streifen bei Nr. IV; schmal mit dem dreieckigen
Ende bei Nr. V; breit ohne selbigen bei Nr. VI; ebensa bei
Nr. VI.
An den Schädeln vom Wiesbadener Museum ist das Na-
senbein gross und breit bei einem vollkommen entwickelten
Schädel (Nr. 6); dagegen bei einem eben so alten (Nr. 10)
fast verschwunden. Bei einem dritten (Nr. 8) ist es in zwei
Theile getrennt, wovon ein Stück oben, ein anderes dreiecki-
ges 3 Linien weiter unten sich befindet.
Auch an den Schädeln des zoologischen Museums zu
Frankfurt war das Nasenbein verschieden geformt.
Es ergiebt sich also für die Nasenbeine des Orang -
‘357 Mayer: Bemerkungen über den Bau des Orang-Outang-Schädels.
Outangs eine verschiedene, mit.dem Alter nicht correspondi-
rende, und von unbekannten. Ursachen abhängige Entwicke-
Jung der Nasenbeine , indem selbe in derselben Periode des
Alters bald breit und gross, bald klein und fast, verschwun-
den sind. —
Der Schädel des Orang-Oulangs hat bekanntlich durch
seinen grossen Gesichtswinkel, seine menschliche Form u. s. f.
früher grosse Aufmerksamkeit erregt. Man hat aber früher
nur Schädel von ganz jungen Thieren vor sich gehabt. Ver-
gleicht man aber Schädel von alten Orang-Outangs mit dem
des Menschen und verschiedener Säugelhiere, so wird diese
Bevorzugung vor den letztern bedeutend herabgestimmt. Wir
sehen nämlich den Kiefertheil des Schädels beim Orang-Outang
im erwachsenen Alter so mächtig vortretend , den Gesichts-
winkel so sehr zurücktreten, dass in Betreff des Verhält-
nisses des Schädeltheiles zum Gesichtstheil der Orang - Outang
von manchem Säugethiere z. B. vom Delphin übertroffen wird.
Ob sich bei Simia Troglodytes das Verhältniss auch beim er-
wachsenen Thiere günstiger als bei Simia Satyrus stelle, ist
noch ungewiss, da wir bisher auch vom Chimpanse nur ganz
junge Thiere zu Gesicht bekommen haben. Einen kleinen
lebenden Chimpanse sah ich im Jahre 1819 in London und
untersuchte dessen Eingeweide als.er starb und von Mr.
Clift secirt wurde. Ueber die Anatomie der innern Theile
von Simia Salyrus und S. Troglodytes behalte ich mir eine
spätere Mittheilung vor.
Ueber einige Anguillulen und die Entwick=-
Jung von Gordius aquatieus.
Von
Prof. Dr. Ed. Grube
in Dorpat.
(Bierzu Taf. VIE)
Es ist durch die neueren Forschungen festgestellt, dass
einige ausserhalb des thierischen Körpers vorkommende Fa-
denwürmer mit den parasilischen Nematoideen in ihrer gan-
zen Organisation übereinstimmen und dass andere bis auf
ihren im erwachsenen Zustande verkümmerten Darmkanal
denselben wenigstens so nahe stehen, dass man sie ihnen
anschliessen muss. Jenes sind die Gatlungen Anguillula, Am-
blyura, Phanoglene und Enchilidium , winzige, zum Theil mi-
kroskopische Thierchen, dieses die durch ihre Länge auffal-
lenden Gordius und Mermis.
Schon Oken hatte ein paar Formen von O.F. Müller’s
Vibrionen zu Gordius hinübergezogen '), worin er freilich
keine Nachfolger fand, und Duges auf die grosse Ueberein-
stimmung eben derselben mit Oxyuris (Ascaris) hingewiesen ?);
Ehrenberg bewies ein gleiches aus der Organisation von
Vihrio anguillula ®%) und sah sich veranlasst, zwei neue Gal-
tungen aufzustellen:
Anguillula. Corpus filiforme, teres, elastieum, natans.
*) Oken Lehrbuch der Naturgesch, Zool. 1. Abtheil. p. 191.
*) Annales des sciences naturelles. 1826. Tom. IX. p. 225.
?) Abhandlungen der Königl. Akademie der Wissenschaften zu
Berlin 1830, p. 85 und Symb, phys.
360 Grube:
Caput corpori continuum. Os orbiculare truncatum. Cauda
acuta vel obtusa, papilla terminali nulla. Alia individua mas-
cula, alia feminea. Penis marium simplex, retractilis, nec
vaginatus.
Amblyura, ganz ähnlich bis auf das Os orbiculare trun-
calum cirratum und die cauda subulata, ob papillam suctoriam
terminalem subelavala.
Zu Amblyura bringt er Vibrio serpentulus Müll. und V.
gordius Müll., welche beide im freien Wasser leben !); zu
Anguillula eine ganze Reihe von Arten, deren Beschreibungen
man an den cilirten Stellen nachlesen und vergleichen kann,
nämlich:
A. fluviatilis = Vibrio anguillula fluvialilis Müll., Ehrenb.
Abhandlungen der Akad. der Wissenschaft, zu Berlin 1830.
p- 85. tab. VII. Fig. V.
4A. inflewa Ehrenb. Symb. phys. Phytoz. Entoz. tab. I. Fig.
12. Vibrio fluviatilis niloticus.
A. coluber = V. coluber Müll. Infus. tab. 8. Fig. 16—18,
eop. Encycl. method. Vers Infus. pl. IV. Fig. 15—15.
A. recticaud@ Ehrenb. Symb. phys. Phytoz. Entoz.
4A. dongalana Ehrenb. Symb. phys. 1. c. tab. I. Fig. 13.
A. aceti = V. aceli Müll. Infus. tab. 9. Fig. 1—11, Du-
ges Ann. des science. nat, 1826. p. 225. pl. 47. Fig. 2 9.
A. glutinis = V. glulinis Müll. Infus. tab. 11. Fig. 1—4,
Duges ]. c. pl. 47. Fig. 4 9.
4A. Agrostis = V. Agrostlis Steinbuch Naturforsch. XX VIII.
Stück. p. 241. tab. V. Fig. 1—5.
A. Phalaridis = \, Phalaridis Steinb. 1. c. p. 257. tab. V,
Fig. 6, 7.
A. Tritici = V. Tritici Roffredi, Rozier Observat. sur la
Physique tab. II. Fig. 1, 2, Steinb. 1. c. p. 251. Bauer Ann. des
scienc. nat. 1824. Tom. II. p. 154. pl. 8.
Alle diese Arten sind nach Ehrenberg?) wahre An-
guillulae, dann aber würde auch der Gatlungscharakter zu än-
dern sein, indem die Fähigkeit zu schwimmen, auf welche
_ 2
#) Ehrenberg Symbolae physicae Phytozoa Entozoa.
2) Die Infusionsthierchen p. 82.
Ueber einige Anguillulen u. die Entwiekl, der Gordius aquaticus. 361
Ehrenberg ein besonderes Gewicht legt, nicht allen zu-
kommt. Die erstgenannten mögen sie besitzen, von den letz-
ten 3, schon durch ihren Wohnort auffallenden, wird es ge-
leugnet '). Diese kommen nämlich in den krankhaften Blü-
then von Gräsern, mitunter auch in deren Halmen vor, wäh-
rend sich die andern im freien Wasser, (A. aceli im Essig
und A. glutinis im Kleister) finden, und weichen auch darin
ab, dass sie nach Steinbuch und Bauer Eier legen, wo-
gegen die übrigen, so weit sie untersucht sind, lebendige
Junge gebären. Die weibliche Genitalöffnung liegt bei jenen
weiter nach hinten als bei diesen, und Bauer beschreibt an
V. Tritici das Vorderende 3-4gliedrig und sehr contractil 2),
womit auch Dug&s in der Darstellung des Essig- und Klei-
sterälchens einigermassen übereinstimmt, so dass A. Agrostis,
Phalaridis und Tritiei vielleicht eine 'eigene Gruppe bilden,
Bei allen aber (A. Tritici ausgenommen) beträgt die Länge
höchstens 1 Linie, sie sind ausserordentlich dünn und ihr
Hinterende ist allmählich oder doch gleichmässig zugespilzt.
Nachdem ich auf diese Verhältnisse, soweit es ohne eigene
Untersuchungen möglich ist, aufmerksam gemacht, will ich
einge Arten beschreiben, welche ich mit keiner der oben ge-
nannten sicher vereinigen kann.
Anguillula mucronata Gr. Corpore 0,5 vel 0,6 lin. longo,
0,047 vel etiam minus lato, extremilate anlica lentius atte-
nuata, truncala, bifariam e longitudine erenata, postica
vix alltenuala, feminae rotundala, mucronata, maris in
paleam maxime excavatam (costulis sustenlam) desi-
nente; oesophago postice bulboso, vulva in medio cor-
pore sita (Taf. VII. Fig. 11, 12, 13, 14.)
Ich fand diese mikroskopischen, höchstens '/, Linie lan-
gen und etwa 12mal so dünnen Würmchen im September in
der feuchten Erde, in welcher ich einige Regenwürmer ge-
halten hatte. Der durchsichtige, im Verhältniss zu andern Ar-
ten wenig schlanke Körper verschmälerte sich nach vorn sehr
allmählich und war hier abgestutzt und zweimal der Länge
#) Bauer |]. c.
®) Bauer |, c.
362 Grube: j
nach leicht, eingekerbt. Das kaum verschmälerle Hinterende
zeigt bei beiden Geschlechtern ein verschiedenes Aussehen.
Ich werde zuerst meine Beobachlungen. über die viel
häufigeren Weibchen mittheilen. Bei diesen ist das Hinter-
ende abgerundet und läuft plötzlich in eine stark abgesetzte
mässig lange sehr feine nadelarlige Spitze aus (Taf. VII. Fig.
11), woher ich diese Art mucronata genannt habe. Durch
die ganze Länge des Körpers erstreckt sich, wie bei dem
Männchen (Fig. 13), ein gerader Kanal, den ich, obwohl er
keinen sichtlichen Inhalt beherbergte, für den Darmkanal halte,
Er beginnt mit einem dünnen muskulösen, von einem äusserst
feinen Rohr durchzogenen, in der Mitte elwas angeschwolle-
nen und dann wieder verdünnten, zuletzt aber stark verdickten
und hier fast zwiebelförmigen Oesophagus (Tab. VII. Fig 11,
130), der, wie es scheint, durch mehrere zarte querlaufende
Muskelbündel mit der Körperwandung verbunden ist, Der
vorderste Theil des sonst so dünnen Oesophaguskanals er-
schien als eine etwas weitere Röhre (Tab. VII. Fig. 15.0‘), das
hintere in der zwiebelförmigen Anschwellung gelegene. Ende
hammerförmig: die beiden den nach hinten gelegenen Stie]
des Hammers begrenzenden Wände begaben sich, obgleiclı
ich keine Stoffe durch den wahrscheinlich ganz vorn gele-
genen Mund eintreten sah, manchesmal auseinander, wodurch
natürlich diese in den Darm führende Längsspalte erweitert
wurde, und dann halle es das Aussehen, als wenn hier eine
quere, nach hinten gerichtete Klappe vorhanden wäre; auch
konnte sich jene Anschwellung mitunter in die nächstgelegene
Partie des Darmkanals zurückziehen. Auf sie folgte ein dünn-
wandiger ovaler, sie merklich an Breite übertreffender und
überall die Leibeswandungen berührender Behälter, den man
für den Magen halten könnte (Fig. 11, 13. m), und dieser setzt
sich in den eigentlichen, ein wenig hin und hergebogenen
Darm fort (d). Er hal einen kleineren Durchmesser als der
Magen, einen grösseren als der Oesophagus, liegt, wenn das
Generationsorgan mit Eiern erfüllt ist, etwas gegen die eine
Wand der Leibeshöhle gedrängt, und zeigt eine überall gleiche
Weite bis an das Hinterende des Körpers, in welchem er
wiederum eine der Form des Magens entsprechende, ringsum
die Leibeswand berührende Anschwellung bildet (Eig. 11, d’).
Ueber einige Anguillulen u, die Entwick. von Gordius aqualicus. 369
Der Darm selbst hat etwa ’/, vom Durchmesser der Lei-
beshöhle und zeigt keine Bewegung, welche man dagegen
am Oesophagus und an seinem verdickten Hinterende und an
der ovalen Enderweiterung des Darms dann und wann wahr-
nimmt. Die auffallende Beweglichkeit einer bestimmten kurz
vor dem Schwanzende befindlichen Stelle der Wandung zeigt
vielleicht die Afteröffnung an (Fig. 11%). Auf einem dunkeln
Grunde betrachtet, sehen die Ränder des Darms intensiv weiss
und glänzend aus, was von einer dünnen, den Darm beklei-
denden Schicht herrührt. Sie besteht aus feinen, ganz dem
Fett ähnlichen Körnchen und diese sind bei manchen Indivi-
duen so regelmässig um einen hellen Centralfleck gelagert,
dass man längs jedem Darmrande eine Reihe oyaler nur we-
nig von einander abstehender Zellen mit Kernen vor sich zu
haben glaubt; ist der Darm aber ganz mit diesen Körnchen
bedeckt, so verschwindet dieses Muster. Am Magen vermisse
ich sie zuweilen ganz oder sie nehmen oft doch nur einen
geringeren Raum ein (Fig. 13.f). Neben dem Darm liegt ein
bald mit Eiern bald mit ausgekrochenen Jungen gefüllter Be-
hälter (Fig. 11.e), welcher hinter dem Magen beginnt ‚und
vor der hinteren Anschwellung des Darms aufhört. Gewiss
ist, dass er beinahe in der Mitte des Körpers an derjenigen
Wand mündet, von welcher der Darm am weitesten absteht,
und die wir nach der Analogie mit den Blutegeln, Regen-
würmern und verwandten Thieren die Bauchwandung nennen
würden. Die Mündung macht sich bei einigen Individuen
durch zwei sehr kleine bewegliche Lippen bemerkbar (Fig.
11. s), bei vielen erhebt sie sich nur als ein schwacher Wulst
und bei mehreren war sie kaum zu erkennen, was vermuth-
lich mit der Annäherung oder dem noch Fernliegen der Ge-
burisstunde zusammenhängt; welches aber die eigentliche Ge-
slalt jenes Behälters, ob er ein langer am Ende umgehogener
oder ein nach vorn und hinten auseinander laufender Kanal
oder nur ein einfacher Sack sei, darüber bin ich nicht in’s
Klare gekommen, ich weiss nur so viel, dass sich die Eier
nie zwischen der Rückenwand des Darms und des Leibes
befanden, und dass eben hier auch niemals die Jungen her-
umkrochen. Die Zahl der Eier belief sich auf 27 und mehr,
sie waren aus einer einfachen Haut gebildet, und enthielten
364 j Grube:
alle schon weit entwickelte ringförmig zusammengebogene
Embryonen, wenn ‘diese nicht anders bereits ausgeschlüpft
waren, in welchem Falle denn viele leere Eihüllen in dem
Behälter umherlagen. Die eben ausgekrochenen Jungen hat-
ten eine Länge von '/,, Linie und eine mehr fadenförmige
Gestalt als die Alten, auch war ihr Schwanzende allmählich
und lang. zugespilzt, ganz ähnlich der Anguillula fluviatilis,
sie durchwanderten munler und lange Zeit die ihnen zugäng-
lichen Räume des Mutterleibes, ehe sie geboren wurden, doch
habe ich den Act der Geburt selbst nie mit angeschaut. Soll-
ten vielleicht diese Jungen in die an der Bauchfläche der Re-
genwürmer mündenden Absonderungsorgane kriechen, und
einerlei mit dem dort vorkommenden Vibrio Lumbriei Morr,
sein?
Die im Ganzen seltenen Männchen von A. mucronata (Tab.
VIL Fig. 12) sind schlanker als die Weibchen, indem die grösste
Körperbreite bei diesen 0,047, bei jenen aber nur 0,03 Linie
beträgt. Was ich oben vom Darmkanal des Weibchens ge-
sagt habe, gilt auch vom Männchen (Fig. 13),' doch scheint
er hinten nicht jene ovale Anschwellung zu bilden und über
die Lage des Afters bin ich noch weniger im Klaren. Die
Stelle des Eierbehälters nimmt bei ihm ein eben so gelager-
tes zelliges aus einer Menge ovaler dichtgedrängter Körper
bestehendes Organ, wahrscheinlich der Hoden ein, Sperma-
tozoen habe ich ebensowenig als den Ausführungsgang bei
irgend einem Individuum entdecken können, obwohl doch alles
dafür spricht, dass er mit dem gleich zu beschreibenden, für
einen Penis zu haltenden Körper in Zusammenhang steht.
Derselbe ist schwach gekrümmt, starr, am Vorderende dicker
und stumpf gerundet, am Hinterende spilz und hat eine milt-
lere Längsspalte oder ist hier wenigstens dünner als an den
wie wulstig aussehenden Seiten (Fig. 12, 14.r); er liegt in
der Regel still und ziemlich weit in den Körper zurückgezo-
gen, dann und wann aber führt er eine zuckende Bewegung
aus, und Iritt bis an’s Hinterende des Leibes, welches einen
vom Weibchen durchaus verschiedenen Bau zeigt; es ähnelt
nämlich einer schmalen stark ausgehöhlten Schaufel, deren
Wölbung, wie es scheint, durch einige in der Wandung lie-
gende Rippen gespannt erhalten oder wenigstens unterstützt wird.
Ueber einige Anguillulen u. die Entwickl. der Gordius aquaticus 365
Diese Würmchen lebten mehrere Tage in feuchter Erde,
selbst wenn ich sie so reichlich begoss, dass das Wasser
mehrere Linien hoch darüber stand; als sie aber eintrocknete,
gingen sie sämmtlich unter und alle Versuche, sie durch
abermaliges Befeuchten zu beleben, waren vergeblich. Ihre
Bewegungen bestanden in Hin- und Herkrümmen des Körpers,
dessen Wandung ziemlich consistent und elastisch, bei jeder
stark umgebogenen Stelle gleichmässig quergestreift erschien
und hier einen gekerbten Contour zeigte. Dasselbe Muster
trat durchweg hervor, so oft ich durch heftigen Druck den
Inhalt des Körpers heraus presste, wobei sich dann der Kör-
per, ohne an Breite zu gewinnen, merklich verkürzte. Sowohl
der Aufenthaltsort als die Form des Körpers weichen von allen
bisher beschriebenen Anguillulen ab, wir kennen keine, bei
deren Männchen das Hinterende eine solche schon an Strongylus
erinnernde Schaufel oder Kappe besässe und bei deren Weib-
chen es in eine so abgesetzte Spitze ausliefe. In letzterer Hin-
sicht finde ich die grösste Aehnlichkeit mit dem von Goeze in
der „Raupe von Phalaena Nupta“ angelroffenen, vonRudolphi
zu Filaria, von Siebold neuerlich zu Mermis gerechneten
Fadenwurm, der Filaria oder Mermis acuminata '). Aber
abgesehen davon, dass dieses Thier, der Abbildung nach zu
urtheilen, über 1 Zoll lang sein muss, so trägt auch sein
Vorderende 4 Knölchen, welche ich bei meiner Art vermisse.
Einen Geschlechtsunterschied hat Go eze nicht angegeben.
Anguillula Brassicae nov. spec.? Corpore 0,04 lin. longo,
fere 0,0015 lato, extremitate antica vix attenuata oblusa
rolundata, haud crenata, poslica sensim subtiliter acu-
minata, cauda feminae fere '/,, maris ’/, corporis ae-
quante pauloque incurva, oesophago postice haud incras-
salo, vulva paene in medio corpore sita (Taf. VII. Fig.
18, 19, 20).
Die Herren Prof. Münter und Oschatz in Berlin hat-
ten diese ausserordentlich kleinen Würmchen vom November
bis in den März in faulem Kohl entdeckt und sie mir milge-
theilt. Die einzigen Formen, mit denen man sie vergleichen
*) Archiv für Naturgesch, 1845, II, p.204, Goeze Naturgesch,
der Eingeweidew. p. 127. Taf. VII,
366 Grube:
kann, sind A. inflewa Ehrenb. und A. reelicauda Ehrenb. ').
Jene wird charakterisirt: „cauda longiore subulata, maris in-
llexa, baseos crassilie ultra decies longiore, corporis fere
octavam partem aequante“ ; diese hingegen, „cauda recla longis-
sima, eorporis quintam sextamve partem aequante“; bei jener
wird die Dicke des Weibchens auf '/,;, die des Männchens
auf '/,, Lin., bei keiner von beiden aber die Länge angege-
ben, so dass, hiernach zu urtheilen, die im faulen Kohl vor-
kommende Art von den beiden andern im freien Wasser le-
benden wahrscheinlich verschieden ist. Die Beschreibung des
Vibrio ministerialis von Bory de St. Vincent habe ich
nicht nachsehen können, Ehrenberg hält ihn möglicher-
weise für einerlei mit A. glutinis, welcher, wie er, ebenfalls
in Pilzen gefunden werden soll; bestätigt sich diese Identität,
so ist damit die Verschiedenheit von unserer Art ausgespro-
chen, da bei ihr die weibliche Geschlechtsöffnung noch etwas
vor der Mitte (Fig. 18.s), bei A. glulinis dagegen, einem
Thierchen von ®/, Linien Länge, etwa am Anfang des letzten
Körperviertheils oder doch nur etwas weiter nach vorn liegt;
der Penis der etwa um '/, kürzeren und ebensoviel dünneren
Männchen (Fig, 19, 20.) ist einfach, spitz und sanft ge-
krümmt, ihr Schwanzende, d. h. das Körperstück vom Penis
bis zur äussersten Körperspitze, beträgt elwa den 4ten Theil
der Gesammllänge, beim Weibchen (wo man seinen Anfang
mit dem Ausgange des Darms annehmen muss) den 6ten, und
ist hier ziemlich gerade, dort etwas eingekrümmt. Die in-
nern Genitalien scheinen sich ähnlich wie bei A. mucronata
zu verhalten, in den Weibchen, deren Eierbehälter deutlich
_ als ein zweischenkliger Sack erschien, sah ich während der
kurzen Zeit meiner Untersuchung nur Eier mit Embryonen,
aber diese waren so weit entwickelt, dass möglicherweise
auch diese Thierchen lebende Junge gebären. Der Oesopha-
gus zeigte keine bestimmte Begrenzung und hinten durchaus
keine solche kugelförmige Anschwellung, wie wir sie von A.
fluviatilis, aceti, glulinis und mucronala kennen. Auf alle
diese Organisalionsverhältnisse ist bei A. inflexa und recli-
cauda nicht eingegangen, und daher der vollständige Beweis
) Symb, physice. |. c,
—
Ueber einige Anguillulen u. die Entwickl. der Gordius aquaticus. 367
für die Begründung einer eigenen Art nicht zu führen, Man
eninimmt übrigens aus der Abbildung von A. inflexa, dass
auch hier das Vorderende stumpf und gerundet, nicht wie
bei A. fluviatilis abgestulzt und eingekerbt sein muss.
Anguiliula linea. Unter diesem Namen will ich vorläufig
eine dritte Art beschreiben, welche vermuthlich mit Oken’s
Gordius linea identisch ist '). Seine kurze Beschreibung lau-
tet: „haarförmig, vorn stumpf, schmulzig, farblos. Darm durch-
scheinend, 2 Lin. lang, den Essigälchen sehr ähnlich, unter-
scheidet sich aber durch geringe Lebhafligkeit. Im Schlamme,
stehenden Wasser. Die Charakteristik meines Wurmes, wel-
che, da mir die Männchen unbekannt geblieben sind, freilich
auf Vollständigkeit keinen Anspruch machen kann, würde
lauten:
Corpore feminarum 2—S8 lin. longo, fere 27-ies tenuiore,
extremitate anlica parum altenuata, truncata, margine
anlico paulo incrassato, poslica lenlius attenuata, cauda
subulala, fere '/, corporis aequante, oesophago poslice
bulboso, aciculam continente, inlestino nigro, vulva paulo
ante medium corpus sita (Taf. VII. Fig. 15, 16, 17.).
Diese Würmchen waren nichts weniger als sellen im
Bodensatz der Gewässer, namentlich kamen sie mit Saenuris
variegala, aber meistens nur von geringer Grösse, 2—3 Lin.
lang vor, gegen ihren durchsichtigen Körper sticht der dunkle,
mit schwarzem Inhalt gefüllte gerade Darm auffallend ab, so
dass vielleicht auch Müller’s 1 Lin. langer Gordius lacteus ?)
auf sie bezogen werden könnte, von dem es heisst: „ope
lentis vitreae lineola obscura margine pellucido eincla con-
spieilur“: aber der Zusatz; „extremitas utraque aequalis“ passt
schlecht dazu, da der Unterschied in der Form des Vorder-
und Hinterendes bei unsern sehr beträchtlich ist. Die grösste
Körperbreite belrägt etwa 1/,, der ganzen Länge, die Länge
des pfriemenförmigen Schwanzes verhält sich zum ganzen
Körper etwa wie 1 : 12 (Fig. 17.), und die Dicke des Leibes
nimmt von seiner Basis gegen die Mitte hin sehr allmählich zu,
und bleibt sich bis zum Vorderende gleich, welches ein wenig
») Oken Lehrb. der Naturgesch. Zoolog. I. Abtheil.-p. 192.
2) Müller Hist, verm, Vol. ]J, P. 11. p. 32.
368 Grube:
verdünnt und vorn abgestutzt ist, mit etwas angeschwollenem
Vorderrande. Der sehr muskulöse Oesophagus, welcher hin-
ten wie bei A. fluviatilis kuglig: endet, scheint in eine ein-
fache unbewaffnete Mundöffnung. überzugehen; wenn ich das
"Thierchen aber zwischen zwei Glasplatten slärker presste,
Irat ein im Oesophagus verborgener ziemlich langer nadel-
artiger Körper hervor (Fig. 16. x); dennoch gelang es mir
nicht, bei jedem Individuum denselben zur Anschauung zu
bringen. Die Endigung des Darms am Grunde: der Schwanz-
spitze fiel wegen des gefärbten Inhalts sehr leicht in’s Auge.
Den Eierbehälter, welcher ein Stück vor der Mitte des Kör-
pers mündete (die durch diese Stelle begrenzten Abschnitte
desselben verhielten sich etwa wie 10 : 15), erschien bei vie-
len Exemplaren als ein etwas querfaltiger, elwa '/, des Kör-
pers einnehmender, sich nach vorn und hinten ziemlich gleich
weit erstreckender, an beiden Enden blinder Schlauch und
enihielt keinesEierchen, bei andern waren sie vorhanden,
zeigten aber weder einen Embryo noch einen von der Zer-
klüftung ergriffenen Dotter. Zuweilen (namentlich an einem
auffallend grossen 8 Lin. langen Exemplar, dessen Bewegun-
gen noch träger als die der kleinen waren), bemerkte ich
2 schmale grünliche Längsstreifen an der Körperwandung,
welche zu beiden Seiten des Darms verliefen (Fig. 16. ©)
und sich bis an das vordere Ende des Oesophagus erstreck-
ten. Bei der unverkennbar grossen Aehnlichkeit mit A. flu-
viatilis Ehrbg. ') ist mir wohl die Möglichkeit eingefallen,
dass diese schon im fortpflanzungsfähigen Zustande nur '/%
Lin. langen Thierchen bei reichlicher Nahrung und unter
günstigen Umständen eine beträchtlichere Länge erreichen
könnten, aber 8 Lin. Länge wäre das Vier und zwanzig-
fache, und überdies erwähnt Ehrenberg durchaus nicht
jener sonderbaren Bewaffnung des Oesophagus.
Von den Amblyuren ist mir nur A, serpentulus ?), Vi-
brio serpentulus Müll. „cauda elongata clavala, feminarum
aperlura genitali in medio corpore* und zwar mit vielen sich
+) Abhandl. der Akad, der Wissensch. zu Berlin 1830, tab, VII.
Fig. 5.
2) Symb, physie. ], e.
Ueber einige Anguillulen u. die Entwiekl. von Gordius aquatieus. 369
in ihren Eihüllen bewegenden Embryonen begegnet. Die Pa-
pilla suctoria terminalis erschien wie eine kleine Längsspalte
unmittelbar vor der Spitze des Schwanzendes, welches die
Bezeichnung subclavata kaum verdiente.
Die Gattungen Gordius und Mermis, welche so lange mit
einander verwechselt, darin übereinstimmen, dass ihr elasti-
scher, mit einer schr consistenten Haut versehener Körper
ausserordentlich lang und gleichmässig dünn, also drahtför-
mig ist und im erwachsenen Zustande zwar noch ein darm-
arliges Rohr aber durchaus keinen After besitzt, und dass
beide sowohl im Freien als parasilisch vorkommen, sind jetzt
durch die Bemühungen von Dujardin und Siebold deut-
lich unterscheidbar gemacht, und man könnte, wenn man alle
Beobachtungen zusammenfasst, die Charakteristik beider Gat-
tungen etwa folgendermassen geben:
Mermis Dug. Corpus filiforme, longissimum, teres, aequale,
laeve, elasticum, antice parumper altenualum, exlremitale
ipsa subinflata, os terminale minimum rotundum, vulva
feminarum in anlico vel medio corpore sita. penis marium
duplex, corneus in extremitate poslica.
Gordius L. s. str. Corpus filiforme, longissimum, teres,
aequale, laeve, elasticum, exlremilate anlica haud inflata,
os haud conspicuum, exitus genilalium in extremitale po-
slica, feminarum rolundata, marium bifurca situs, penis
nullus.
Ausser Mermis nigrescens, welche sich durch ihre dun-
keln, mit gefaserten Endanhängen versehenen Eier und sehr
weit nach vorn gelegene Vulva auszeichnet '), hat Siebold
vor kurzem noch eine andere: Mermis albicans aufgestellt 2),
deren Farbe durchaus weissgelb ist, deren Eier keine gefaserle
Endanhänge Iragen und deren Vulya elwa in der Mitte liegt;
ob ihr Vorderende auch wie bei jener mit einigen kleinen Pa-
pillen beselzt ist, giebt Siebold nicht an; fehlen sie, so
glaube auch ich ein Männchen von dieser Art in unserm Em-
bach gefunden zu haben. Die Mundöffnung schien klein und
») Dujardin Ann. des science. nat, 184°. Seconde ser. Tom,
AVII. p. 142. pl. 6.
*) Entomol. Zeit. 1843. p. 80.
Archiv f. Naturgesch. XV, Jahrg, 1. Bd, 24
370 Grube:
kreisrund, das Vorderende war stumpf dreieckig, das lebhaft
schwefelgelbe Hinterende wenig verschmälert und abgerundet
und auf dem Darmkanal sah ich wenigstens vorn deutlich ein
leicht geschlängeltes Gefäss. An diesem Thierchen, welches
nur 13 Lin. mass, beobachtete ich die bei Anguillula schon
von Müller und Ehrenberg wahrgenommene Häutung. Die
abgestreifte Haut war sehr elastisch und zeigte dieselbe rau-
tenförmige Streifung, wie bei Gordius aqualicus. Sollte die-
ser Mermis albicans vielleicht einerlei mit Müller’s Gordius
filum sein? Dass Siebold als eine drilte Art die Ascaris
acuminata betrachtet, ist bereits oben erwähnt.
Die Gattung Gordius beruht bis jetzt auf 2 Arten, @.
ayuaticus L. und G. tolosanus Duj., welche letztere übrigens
der andern ähnlich, aber mit einer „epidermis exquisite areo-
lata“ versehen sein soll. Ich will hier noch eines, unter den
Anneliden des Berliner Museums gefundenen Gordius erwäh-
nen, welcher, nach seinen Körperverhältnissen zu urtheilen,
eine dritte Art bilden muss :
G. erassus Gr. Badius, exiremilales versus sensim altenua-
tus, 22 unc. fere longus medio ®/, lin. erassus,
Das einzige von mir untersuchte Exemplar war ein Männ-
chen und halte ein kurzgabliges Schwanzende mil elwas ein-
gekrümmten Zinken; der Körperumfang war drehrund, die
Farbe kastanienbraun, die Länge und verhällnissmässig noch
mehr die Dicke übertraf diese Dimensionen hei den grössten
Exemplaren unseres G. aquaticus, die mir je zu Gesicht ge-
kommen waren, doch sank die letztere gegen die Enden hin
bis auf 0,6 Lin. Als Vaterland war Afrika angegeben.
Allgemein bekannt und weit durch Europa verbreitet ist:
G. aquaticus L. = G. sela Müll: Aequalis, subfuscus, ex-
tremitate anlica fusca, Iruncata, planilie lerminali albida,
paulo convexa, 9 ad 13, une. longus, ’/, ad '/, lin.
crassus.
Müller giebt die Länge dieses Thieres auf 5 Zoll 6 Lin.
bei einer Dicke von '/, bis '/, Lin. an, ich habe Weibchen
von 3%, bis 13%, Zoll und Männchen von 9 bis 14'/, Zoll
gehabt, so dass hier der bei den Anguillulis zum Nachtheil
der Männchen ausschlagende Grössenunterschied der Geschlech-
teraufzuhören scheint. Da die Entwicklung der Gordien mei-
Ueber einige Anguillulen u. die Entwiekl. von Gordius aquaticus 371
nes Wissens noch von Niemand beobachtet ist, so will ich
einige Bemerkungen über diesen Gegenstand mittheilen. Vor
geraumer Zeit angestellt, wurden sie in der Hoffnung, dass
ein glücklicher Zufall ihre abermalige Prüfung und Erweite-
rung gestalten würde, bis jetzt zurückgehallen, hierin getäuscht
übergebe ich sie jelzt der Oeffentlichkeit, damit sie andern
begünstigteren Forschern zu Nutzen kommen. Ich hatte im
Anfange des Mai einige Exemplare von Gordius aquaticus er-
halten und diese in einem Wasserglase sich selbst überlassen,
als ich am 7ien Juni an dem Stengel und den Blaltstielen ei-
ner in dasselbe Geläss gelegten Hollonia palustris einige
kleine Massen von weisslicher Farbe und langgestreckt knol-
liger, mitunter fast schnurförmiger Gestalt entdeckte (Tab. VIl.
Fig. 1). Es waren mikroskopische, durch eine Art Gallert
zusammengehaltene Eichen, welche, da sich ausser einigen
Entomostraken keine andere Thiere mit den Gordien zusam-
menbefanden, nur von diesen gelegt sein konnten. Ihre Ge-
stalt war oval, und man konnte um den graulichen kugligen
Dotter herum zweierlei Hüllen erkennen, eine innere, die ihn
in einem merklichen Abstande umgab und, einen durchsichti-
gen Ueberzug (Fig. 3.), welcher, wo die Eichen gedrängt
lagen, sich an den Seiten sechskantig abplaltete und einen
ähnlichen Anblick wie das gewöhnliche Pflanzeuzellgewebe
darbot, während an andern Stellen die Eichen lockerer neben
einander lagen (Fig. 2.). Die unmittelbare Umgebung des
Dolters erschien als ein zarler rölhlicher Ring, dessen Durch-
messer 0,0012 Zoll betrug, die beiden Durchmesser der in-
neren Eihaut, welche ich für die Dotterhaut halte, massen
0,0017 und 0,0023 Zoll, der Zwischenraum zwischen dem
Dotter und der Dotterhaut sah gelblich, die äussere Hülle
bläulich aus. Wurde das Eichen behutsam gepresst, so be-
merkte ich im Innern eine helle scharfumschriebene kreis-
runde Stelle, bald genau in der Mitte, bald elwas näher nach
dem Rande, woraus hervorging, dass diese Eichen schon be-
fruchtet waren und ich die erste ungelheilte Kugel des Fur-
chungsprocesses vor mir halle. In manchen Dottern glaubte
ich, ehe sie noch von der ersten Furche durehzogen wurden,
zwei solcher heller Stellen bemerkt zu haben, doch gelang
es mir nicht, beim Zerdrücken die farblosen Kugeln, welche
372 Grube:
doch gewiss auch hier der Grund dieser Erscheinung sind,
zur Anschauung zu bringen, sondern erkannte nur Fettkör-
perchen von etwa 0,0003 Zoll Durchmesser von hellblauer
Farbe mit röthlichem Umkreise und wenigstens 10mal so kleine
Molekularkörperchen,, deren Bewegung bei dem Zusatz von
verdünnter Schwefelsäure aufhörle. Alsbald begann die nun-
mehr fast durch alle Thierklassen verfolgte Zerklüftung des
Dolters, ich habe die Zwei- und Dreitheilung, die Vier-,
Sechs- und Achttheilung gesehen (Fig. 4, 5.), bis zu welcher
letzterer elwa 36 Stunden vergingen, die Durchklüftung trat bei
den geringeren Segmenizahlen so deutlich zu Tage, dass die
innern Grenzen jedes Segmentes der ursprünglich einfachen
Kugel nicht nur leicht zu erkennen, sondern auch kreisrund,
diese Segmente selbst also wieder kugelförmig waren, und
nur schwach mit einander zusammenhingen (Fig. 4.). Der
helle runde Kern im Innern jeder Theilungskugel war nicht
an allen gleich deutlich zu bemerken, der rothe scharfum-
grenzte Saum um die einfache Dotterkugel, dessen ich oben
erwähnte, zog sich auch in die durch die Zerklüftung her-
vorgebrachten Furchen hinein und verschwand erst bei der
Zunahme der Zahl und der damit nothwendig verbundenen
Abnahme der Grösse der Theilungskugeln. Die weitere Zer-
klüftung schritt allseitig fort, so dass der Dotter bald das
Aussehen einer Brombeere gewann (Fig. 6.), und dass sich
also wahrscheinlich die Leibeswand überall an der ganzen
Peripherie gleichzeitig bildet; dennoch tritt sie an einer Hälfte
offenbar dicker auf und nach der Analogie mit den Lumbri-
einen zu urtheilen, muss dies die Bauchseite sein (Fig. 7.).
Alle diese Zustände zeigten mir neben einander die verschie-
denen Eichen eines Knollens, d. h. wohl einer zu derselben
Zeit gelegten Menge, was mir im Vergleich mit der bei wei-
tem gleichmässigeren Entwicklung der gleichzeitig eingekap-
selten Clepsinen- und Lumbrieinen-Eier in hohem Grade auf-
fallen musste. Nun erfolgte die Einkerbung von der Rücken-
seite her, durch welche der ursprünglich kuglige Leib in ei-
nen nieren- und weilerhin in einen wurmförmigen verwandelt
wird, und man bemerkt in der Mitte der Bauchwandung einen
zumal hinten deutlichen, gegen das Ende hin etwas klaffenden
Längsslreif (Fig. 8.), welcher durchaus an das Zusammen-
Ueber einige Anguillulen u. die Entwickl. von Gordius aquaticus. 373
wachsen der Bauchwandung aus zweien seitlichen Hälften bei
den Lumbricinen erinnert, zwischen denen dann zuletzt noch
eine ganz schmale, hinten breitere Furche bleibt, obwohl ich
jene getrennten Hälften des früheren Zustandes nie bei Gor-
dius gesehen habe. Der Embryo, welcher jetzt einen eng
zusammengebogenen Ring bildet, und dessen Masse sich wäh-
rend aller dieser Vorgänge nicht vermehrt hat, misst 0,004
Zoll, seine Wandung ist sehr durchsichtig und lässt einen
zum Theil mit den Formelementen des Dolters angefüllten
Darınkanal erkennen, welcher an dem beinahe abgestlulzten
Vorderende des Körpers als ein elwas dünneres, leeres und
durchsichtiges Rohr beginnt, gerade nach hinten fortgeht,
hier eben voll Inhalts ist und vor dem plötzlich zugespitzten
Hinterende des Körpers mil einem engen Gange aufhört (Fig. 9).
In der vordern leeren Abtheilung des Darmkanals, welche
man mit Recht als Oesophagus betrachten kann, steckt ein
kurzer , zeitweise aus der Mundöffnung hervortretender na-
delförmiger Körper, und an jeder Ecke des abgestutzten Vor-
derrandes schienen sich 2 gerade etwas bewegliche Spitzen
zu befinden, während ich in der Milte desselben Randes noch
ein paar andere wahrnehme; sie alle kommen erst, wenn der
nadelarlige Körper im Oesophagus hervortreten will, zum
Vorschein, was immer mit einer Umstülpung des Vorderran-
des verbunden ist (Fig. 9.). Auch diese Form erinnert an
den von Goeze beschriebenen, freilich viel dünneren und
längeren Schmarotzer von Calocala Nupta. In diesem Zustande
kriecht der Gordius aus dem Ei, doch hat sich bei manchen
Individuen der Darm schon früher entleert. Zwischen dem
Darmkanal und der Leibeswand bemerkte ich fast bei allen
eine doppelte Reihe winziger, klarer, sich nicht bewegender
Kügelchen, wie zwei vorn in einander übergehende Schnüre.
An den ausgekrochenen Jungen sieht man, sobald sich das
Vorderende ganz umgestülpt hat, die eben erwälnte Bewaff-
nung noch etwas anders: es erscheinen dann jederseits 4
nach hinten gerichtete und 2 Paar in der Mitte liegende Häk-
chen oder Spitzchen und der nadelarlige Körper selbst sieht
beinahe wie eine aus 2 Hälften bestehende Röhre aus (Fig. 10).
Das Hervorlreten und Zurückziehen wird mehrmals hinter
einander wiederholt und geschieht in drei Momenten; im er-
374 Grube:
sten treten die peripherisch gelegenen Häkchen, im zweiten
der centrale nadelförmige Körper heraus, im dritten zieht
sich alles in’s Innere zurück. Anfangs glaubte ich, dass die-
ser Apparat den Embryonen zum Auskriechen, nämlich zum
Durchbohren der Eihaut behülflich sei, da er aber auch in
den freien Jugendzustand übergeht, und sich hier noch mehr
auszubilden scheint, so muss er einen andern Zweck haben,
und man könnte vermulhen, dass sich die jungen Gordien
mittelst seiner vielleicht in das Innere anderer Thiere begeben;
Individuen dieser Species von weniger als 3%, Zoll Länge
sind mir, wie ich schon oben bemerkte, niemals zu Gesichte
gekommen; vielleicht mögen eben so junge Thiere häufiger
schmarotzen. Die Bewegungen dieser ganz jungen Gordius
sind äusserst träge, ihr Vordertheil reicht bis zur Mitte des
Körpers durch dicht auf einander folgende Ringfurchen ge-
ringelt, und der ganze Körper ist im Vergleich mit den erwach-
senen Thieren so auffallend kurz und dick, dass man schwer-
lich in ihm einen Gordius aqualicus wieder erkennen würde.
So viele ich übrigens von diesen jungen Thieren untersuchte,
so zeigte mir doch kein einziges das kurzgablige Schwanz-
ende, das die erwachsenen Männchen besitzen; dennoch ist
nicht gut anzunehmen, dass ich zufällig lauter Weibchen vor
mir gehabt, da im Gegentheil wenigstens in Preussen und Livland
die Männchen viel häufiger zu sein scheinen, sondern dieser
äussere Geschlechtsunterschied wird sich erst im weileren Ver-
lauf des Wachsthums herausstellen. So lückenhaft diese Mit-
Iheilungen sind, so geht doch aus ihnen hinlänglich die grosse
Uebereinstimmung in der Entwicklung der Gordien und As-
eariden und die grosse Verschiedenheit in der Gestall zwi-
schen den jungen und den erwachsenen Gordien hervor.
Erklärung der Abbildungen.
Fig. 1—10. Eier und Junge von Gordius aqualicus.
Fig. 1. Die etwas knolligen, von dem Stengel einer Hollonia palu-
stris abgelösten Eierschnüre 3mal vergrössert.
Fig. 2. Eine Gruppe ziemlich locker liegender Eichen aus einer sol-
chen Schnur etwa 70mal vergrössert.
Fig. 3. Ein einzelnes Eichen noch stärker vergrössert, bestehend aus
der Dotterhaut, um welche ein farbloser Veberzug, mit dem die
Eichen aneinander kleben und dem noch unzerklüfteten Dotter.
Ueber einige Anguillulen u. die Entwickl. von Gordius aquatieus. 375
Fig.
Fig.
Fig.
Fig.
Fig.
Fig.
Fig.
Fig.
Fig.
Fig.
Fig.
Fig.
4,5. Ein 3- und 6-fach zerklüfteter Dotter,
6. Ein brombeerartig zerklüfteter Dotter.
7. Stark verdickte Leibeswand an der einen Hälfte des Dotters.
8. Embryo mit dünnerem Vorder- und diekerem Hinterende, auf
letzterem der Länge nach ein dunkler Schatten, wie eine hinten
breiter auseinander klaffende Einsenkung.
9. Embryo, kurze Zeit vor dem Auskriechen, mit bewaffnetem
Vorderende.
. 9. a. Vorderende desselben Embryo, stärker umgestülpt.
. 10. Vorderende eines jungen Thieres von einigen Tagen, noch
stärker umgestülpt.
. 11—14. Anguillula mucronata Gr.
ig. 11. Weibchen, Fig. 12. Männchen, etwa 70mal vergrössert.
. 13. WVordertheil des Männchens, Fig. 14. Hinterende desselben
noch stärker vergrössert, o Oesophagus, o’ der vorderste erwei-
terte Theil seines Kanals, 0“ die hintere kuglige Anschwellung
des Oesophagus, m die vordere Erweiterung des Darms, viel-
leicht der Magen, d der Darın, d‘ die Enderweiterung des Darms,
* die Stelle, an welcher der After zu liegen scheint, e der Ei-
erbehälter, s die Mündung desselben, %k der Hoden, r die Ruthe,
e die rippenarligen Streifen in der Wandung des schaufelförmi-
een Hinterendes vom Männchen.
15—17. Anguillula linea Ok? Weibchen.
15. Ganze Gestalt eines 8 Lin. langen Exemplares vergrössert.
16. Vordertheil, Fig. 17. Hinterende noch stärker vergrössert,
o Oesophagus, 0” die hintere kuglige Anschwellung desselben,
n der nadelartige Körper, der im Oesophagus steckt, a After,
k 2 grünliche ander Wandung bemerkbare Längsstreifen.
18—20. Anguillula Brassicae Gr.
18. Weibchen ; die natürliche Grösse ist nur 0,04 Lin.
19. Männchen, noch kleiner als das Weibehen.
20. Die Ruthe desselben.
0, d, h, e, s haben dieselbe Bedeutung wie in Fig. 11—13.
Veber die Bewaffnung der Kiemenbogen
der Fische.
Vom
BHBerausgebern
An der concaven Seite der Kiemenbogen finden sich
Fortsätze von grösserer oder geringerer Ausdehnung, die den
Zweck haben, den. Eintritt gröberer Gegenstände aus der
Mundhöhle in die Kiemenhöhle zu verhindern. Ihre Verschie-
denheiten sind, soviel ich weiss, nur von Heckel !) zur
Unterscheidung der Gattungen der Chromiden benutzt, und zur
Anwendung für Systematik gekommen.
In den meisten Fällen besteht diese Bewaffnung an je-
dem Kiemenbogen in zwei Reihen von Fortsälzen. Bei sämmt-
lichen Physostomen steht auch am Rande des Schlundkno-
chens eine Reihe solcher, so dass auch die letzte Kiemen-
spalte von beiden Seiten mit Fortsätzen eingefasst ist; we-
nigstens haben dies die von mir untersuchten Gattungen der
Siluroiden, Characinen , Cyprinen, Cyprinodonten, Salmonoi-
den, Clupeen. Bei letztern sind besonders zierliche und lange
Stacheln vorhanden. Die Galtung Esox macht eine Ausnahme,
sie hat keine Bewaffnung, die Bogen sind nur mit rauhen,
niedrigen Knochenlafeln belegt. Bei den Plectognathen (Mo-
nacanthus und Aluleres) trägt der Rand des Schlundknochens
eine eben solche Reihe kleiner Fortsätze, wie sie die Kie-
menbogen besitzen. Bei Acipenser unter den Ganoiden ist
der Rand der Schlundknochen mit dreieckigen Blättchen be-
wolinel, wie sie auch hier die Kiemenbogen haben.
*) Annalen des Wiener Museums, Band II. Heft 3. 1840,
Troschel: Veber die Bewaffnung der Kiemenbogen der Fische. 377
Während hierin die Plectognathen und Ganoiden mit
den Physostomen übereinstimmen, weichen die Stachelflosser
von ihnen ab, indem bei ihnen der Rand des Schlundkno-
chens glatt und unbewaffnet ist. Unter den Stachelflossern
habe ich nur zwei Ausnahmen gefunden, nämlich die Mugi-
loiden und Cepolaceen. Bei Mugil springen am Rande des
Schlundknochen lange borstenförmige Fortsätze hervor, die
denen des vierten Kiemenbogens ‚gegenüberstehen , und mit
ihnen vortrefflich die letzte Kiemenspalte verschliessen. Auch
sonst ist die Bewaflnung der Kiemenbogen bei Mugil eigen-
Ihümlich: die erste Reihe des ersten Kiemenbogens besteht
aus langen borstenförmigen Stacheln, die zweite Reihe desselben
Bogens aus ganz kleinen, kaum merklichen Stachelchen, von
hieraus werden sie in den folgenden Reihen grösser, so dass
die zweite Reihe des dritten und vierten Bogens beträchl-
liche borstenförmige Stacheln trägt, — Die Gattung Alherina
ist von den Stachelflossern nicht verschieden, der Rand des
Schlundknochens ist unbewaffnet.
Bei Lophotes cepedianus ist die letzte Kiemenspalte klein,
und auch am innern Rande derselben, am Schlundknochen,
finden sich wenige, ganz kleine, durch Stachelchen rauhe Fort-
sälze; Cepola rubescens trägt am Rande des Schlundknochens
eben solche Forlsätze, wie der gegenüberliegende vierte Kie-
menbogen.
Die Pharyngognathen stimmen darin mit den Stachel-
flossern überein, dass der Rand des Schlundknochens glalt
ist; selbst die Weichflosser unter ihnen, die Scomberesoces,
weichen in diesem Punkte von den Physostomen ab. Exo-
coelus und Hemiramphus haben 'Stacheln in der ersten Reihe
des ersten Kiemenbogens,, die andern sind kurze Forlsätze,
wie bei den meisten Stachelflossern; keine Fortsälze am
Schlundknochen, doch liegt an seinem Rande. eine Reihe
Knochenplatten wie bei Esox an allen Bogen. Die Gatlun-
gen Belone und Tylosurus haben alle vier Kiemenbogen ohne
Bewaffnung.
Es verdient wohl bemerkt zu werden , dass viele von
den langstreckigen Formen, die in ihrer äusseren Erschei-
nung den Hechten ähnlich sind, auch eine gemeinsame Be-
deckung der concaven Seite der Kiemenbogen haben, wie cs
378 Troschel:
schon von Esox, Belone und Tylosurus angedeutet ist. Na-
mentlich habe ich dies bei Aulostoma coloratum und Fistu-
laria tabacaria beobachtet. Auch von Sphyraena gilt dasselbe,
Bei allen diesen finden sich statt der Bewaffnung der Kie-
menbogen nur flache, ein wenig rauhe Knochenplatten, die
also einen freien Durchtritt des Wassers aus der Mundhöhle
durch die grossen Kiemenspalten nicht hindern. Dessenun-
geachtet darf man aber nicht etwa den Gedanken fassen, die
Vereinigung der genannten Gattungen möchte eine nalürliche
Gruppe bilden, denn sie gehören theils zu Müller's Acantho-
pteri, theils zu dessen Pharyngognathi,, theils zu den Physo-
stomi. Nicht zu läugnen ist es aber, dass sie analoge For-
men in den genannten Abtheilungen darstellen. — Aehnlich
hat auch Cybium nur rauhe Knochenplatten auf allen Kiemen-
bogen, mit Ausnahme des ersten, auf welchem sich am hin-
teren Ende des horizontalen Theiles drei ganz klein spitze
Fortsätze finden.
Schon in dem eben Gesagten liegt der Beweis, dass
man die in Rede stehenden Organe nicht mit entschiede-
nem Erfolg wird zur Familienunterscheidung benutzen kön-
nen. Dasselbe geht aus den mannichfachen Abweichungen
hervor, die sich innerhalb der einzelnen Familien der Stachel-
Nlosser finden. Ich halte es dennoch nicht für unnütz, einige
anzulühren.
Bei den Percoiden ist in der Regel die erste Reihe am
ersten Kiemenbogen stachelarlig, alle andern Reihen beste-
hen aus kurzen Höckern mit sehr feinen Stachelchen besetzt.
Eine Ausnahme machen die Gattungen Myripristis und Holo-
centrum, indem auch die erste Reihe des zweiten Kiemenbo-
gens stachelarlig ist. Fügt ıman diese Abweichung zu der
grösseren Zahl von Strahlen in der Kiemenhaut und in den
Bauchflossen hinzu, und berücksichtigt man ferner, dass nach
Stannius’ Angabe die Oberkiefer aus mehreren Stücken zu-
sammengeselzt sind, und dass die Schuppen ganz eigenthüm-
lich gebildet sind, so wird man gewiss denen beislimmen,
welche aus ihnen nebst Verwandten eine eigene Familie bil-
den. — Eine andere Ausnahme machen die Gallungen Po-
motis, wo alle Fortsätze der Kiemenbogen, auch die der er-
sten Reihe, kurz sind, nicht stachelartig (die unteren Schlund-
Ueber die Bewallnung der Kiemenbogen der Fische. 379
'knochen sind, nebenher bemerkt, mit granulaarligen Zähnen
besetzt), und Nandus, bei der ebenfalls alle Fortsätze der
Kiemenbogen kurz sind. Diese letztere Gattung steht über-
haupt recht einsam in der Barschfamilie, denn jeder Kiemen-
bogen trägt nur eine einfache Reihe Kiemenblätter , es feh-
len die Nebenkiemen , die Seitenlinie ist unterbrochen , und
das Maul ist vorstreckbar. Polynemus hat in der ersten Reihe
lange Stacheln, die übrigen Reihen sind unbewaffnel, nur mit
rauhen Knochenplatten belegt.
Unter den Sciaenoiden sind mir als Ausnahme bekannt
geworden: Corvina mit ganz kurzen Fortsätzen in der ersien
Reihe des ersten Kiemenbogens, die nicht mehr Stacheln ge-
nannt werden können, doch abweichend sind von den übri-
gen Forlsätzen der Bogen; — und Eques, wo alle Fortsätze,
auch die der ersten Reihe, kurz und höckerarlig sind.
Bei den Sparoiden finde ich zuweilen in einer und
derselben Gattung Verschiedenheiten : so ist bei Chysophrys
sarba die erste Reihe nicht ausgezeichnet, alle Fortsätze sind
kurz, bei Chrysophrys mierodon dagegen trägt der erste Bo-
gen eine erste Reihe ganz langer Stacheln, auch ist hier die
letzte Kieinenspalte grösser als bei der erstgenannten Art,
In demselben Verhältniss stehen Pagellus penna und lithogna-
Ihus zu einander , bei der ersteren sind alle Fortsätze kurz,
flach, breit, gleichsam gestielt, die erste Reihe nicht ausge-
zeichnet, die letzte Kiemenspalte klein ; bei letzterer sind die
Forlsätze der ersten Reihe stachelarlig, von vorn nach hin-
ten an Länge zunehmend, an der ganzen Innenseite durch
Stachelchen rauh, die an der Basis eine Verdickung bilden.
Die übrigen Fortsälze sind breit und flach, ganz rauh durch
Stachelchen. Die angeführten Arten gehören jedoch zu ver-
schiedenen Gruppen derselben Gattung, die wahrscheinlich zu
besonderen Gattungen erhoben werden müssen, wenn alle
Arten einer Gruppe in dem angegebenen Merkmal überein-
stimmen sollten. — BeiGerres zebra Müll. Trosch, sind eben-
falls alle Fortsätze kurz und die letzte Kiemenspalte eng.
Von Cataphracten habe ich zufällig nur wenig Gallun-
gen untersucht. Bei Dactylopterus sind an allen vier Kie-
menbogen nur kurze stumpfe Höcker vorhanden, bei Scor-
paena ist die erste Reihe fast noch slachelarlig zu nennen.
380 Troschel:
Bei den Gattungen Chaetodon und Holacanthus unler
den Squamipennen fand ich alle Fortsätze sehr klein, fein
und spitz, die erste Reihe unbedeutend grösser. Pempheris
dagegen hat in der ersten Reihe lange Stacheln, in den an-
dern Reihen überall kurze stumpfe Fortsätze.
Manche Gattungen der Scomberoiden zeigen keine Aus-
nahme von der Regel, so Naucrates, Trachinotus, Vomer; an- .
dere dagegen, Lampugus, Caranx, Temnodon und Seriola, ha-
ben zwar am ersten Kiemenbogen eine Reihe langer Stacheln,
die drei andern Kiemenbogen sind jedoch nur mit rauhen
Platten bedeckt, die kaum höckerartig vorragen. Bei Cibium
stehen auch in erster Reihe des ersten Bogens nur drei kleine
spilze Fortsätze, wie bereits oben bemerkt,
Bei den Teuthyern sind alle Fortsätze kurz, die der er-
sten Reihe noch kleiner, als die übrigen. So ist es bei Acan-
Ihurus und Naseus.
Rhynchobdella hat keine lange Borsten am ersten Kie-
menbogen.
Von Taeniaceen habe ich Lophotes cepedianus und Cepola
rubescens untersucht. Bei Lophotes sind am ersten Kiemen-
bogen in der ersten Reihe platte Stacheln vorhanden, soweit
der Bogen horizontal ist, hinten wird er senkrecht, und da
sind die Fortsätze kurz, stumpf, rauh durch Stachelchen, und
ganz so wie die Fortsätze der andern Bogen. Dass sich
auch am innern Rande der kleinen lelzten Kiemenspalte we-
nige ganz kleine durch Stachelchen rauhe Fortsätze finden,
ist bereits oben erwähnt.
Bei Cepola rubescens ist die erste Reihe des ersten,
und die erste Reihe des zweiten Bogens stachelarlig. Die
übrigen Reihen bestehen aus kurzen Fortsätzen. Eine solche
Reihe findet sich auch am Rande des Schlundknochens.
Unter den Gobioiden hat Eleotris gyrinus an allen vier
Kiemenbogen nur kurze, stumpfe Höckerfortsätze. Bei Gobius
lanceolatus bestehen die zweiten Reihen , besonders an den
hintern Bogen, aus kleinen fadenförmigen Fortsätzen, die er-
sten Reihen sind kaum zu bemerkende stumpfe Höckerchen.
Bei Blennius gattarugine unter den Blennioiden sind alle
Fortsätze sehr klein, bei Clinus capillatus und peectinifer ist
die erste Reihe stachelartig, aber kurz, die zweite ebenso
Ueber die Bewalfnung der Kiemenbogen der Fische. 381
aber kürzer, die andern Reihen noch kürzer, doch immer so,
dass die Forlsätze der zweiten Reihe der letzten beiden Bo-
> gen grösser sind als die der ersten.
Wenn gleich sich aus dieser Vergleichung der Bewaff-
nung der Kiemenbogen keine für Systematik unmittelbar wich-
ligen Resultate ergeben haben, so möchle es doch nützlich
sein, dieselbe auf möglichst viele Gattungen auszudehnen, die
Abweichungen möchten doch hier und da Fingerzeige geben,
die für die Systemalik nicht unwichtig werden könnten. Je-
denfalls liefert die Bewaffnung der Kiemenbogen Charaktere,
die mit Erfolg für die sichere Unterscheidung von Gallungen
und Arten Bedeutung haben, und in zweifelhaften Fällen den
Ausschlag geben können.
Weber die Begrenzung der Familie der
Sparoiden.
Vom
Herausgeber
Hierzu Taf. VI.
Cuvier hat unter dem Namen der Sparoiden eine An-
zahl von Stachelflossern zusammengefasst, die im Habitus
eine grosse Verwandtschaft zeigen, und die in der That sämmt-
lich bei einander in einer Familie bleiben müssen. Die Cha-
raktere, welche in der Hist. nat. des poissons von Cuvier und
Valeneiennes VI. p. 8 gegeben sind: Pieces operculaires sans
epines ni dentelures, palais sans dents, bouche non protra-
etile, ecailles grandes, sind aber durchaus nicht hinreichend,
um die Familie nalurgemäss zu begrenzen. Der nicht vor-
streckbare Mund soll die Sparoiden von den Maeniden Iren-
nen, die in allen übrigen Punkten so sehr mit den ersteren
übereinstimmen, dass die Maeniden als Familie wenig Aner-
kennung gefunden haben. Vereinigt man sie mit den Spa-
roiden, dann muss der zahnlose Gaumen als Charakter fort-
fallen. Ich glaube für die Sparoiden folgende Charaktere fest-
stellen zu können:
Sparoidschuppen. Eine grosse verlängerte Schuppe in
der Achsel der Bauchflossen, Kiemendeckel glänzend , ohne
eigentliche Dornen oder Zähne ; der Oberkiefer kann zum Theil
unter dem freien Rande des Suborbitalknochens verborgen wer-
den; Stacheln der Rücken- und Afterflosse nackt, meist in
eine Furche einzulegen ; Brust- und Bauchflossen zugespitzt ,
Schwanzflosse gabelförmig.
Fast alle Charaktere sind an sich versländlich. Nackt
nenne ich diejenigen Flossenstrahlen, welche nicht mit dicker
Nleischiger Haut bedeckt sind, wie es bei mehreren Percoiden
Troschel: Ueber die Begrenzung der Familie der Sparoiden. 385
und Squamipennen vorkommt. Der Ausdruck Sparoidschup-
pen bedarf einer näheren Erklärung.
Agassiz macht in den „Recherches sur les poissons fos-
siles Tome 1. p. 86“ über die Schuppen der Sparoiden einige
nähere Angaben: Elles sont grandes mais peu epaisses et,
en general, plus larges que longues. Le centre d’aceroissement
est generalement rapproche du bor«ı posterieur de l’ecaille;
souvent aussi une grande etendue de l’Ecaille autour du cen-
Ire est oceupee par des petites öminences contournees dans
tous les sens et qui se Iransforment seulement sur le bord
de l’ecaille en lignes concentriques plus regulieres. Les lig-
nes concenlriques elles-memes sont souvent paralleles au bord
anterieur de l’ecaille seulement, de maniere que les champs
lateraux de l’eeaille en sont traverses verticalement, ce qui
a surtoul lieu dans les Spares proprement dits ele, Von allen
diesen und den folgenden Charakteren der Schuppen der Spa-
roiden ist der der wichtigste, dass die coneentrischen Linien
eine eigenthümliche Richtung haben, und zwar nicht oft,
sondern immer. Die Schuppen lassen sehr deutlich vier Felder
unterscheiden: das hintere mit den feinen oft leicht abfallen-
den Stachelchen in mehreren Reihen, das vordere, welches
Längskanäle hat, also fächerartig gebildet ist, und zwei Sei-
tenfelder. Während die Streifen (les lignes concentriques )
der andern Stachelflosser in diesen Seitenfeldern immer pa-
rallel dein Rande verlaufen, also eine Längsrichtung haben,
gehen sie bei den Sparoiden von den Streifen des Fächers
aus, deren Forlselzungen sie ja immer sind, mehr oder we-
niger schräg dem Rande der Schuppe zu und endigen an die-
sem Rande. Vergl. die auf Taf. VII. abgebildeten Schuppen.
Wenn man an der Unterscheidung von Ctenoidschuppen
und Cycloidschuppen festhalten will, so muss man die Schup-
pen der Sparoiden als solche ansehen, die sich von den Cy-
eloidschuppen am weitesten entfernen, denn die Streifen sind
bei den übrigen Fischen doch wenigstens im vorderen und
in den beiden Seitenfeldern eycloidisch, hier sind sie es in
den Seilenfeldern nicht. Dennoch. haben einzelne Arten am
hinteren Rande durchaus keine Stacheln oder Zähnchen, und
müsslen also zu den Cyeloidschuppen gerechnet werden. Zu-
gleich liefern die Sparoidschuppen den besten Beweis, dass
384 Troschel:
diese Streifen nicht Anwachsstreifen der Schuppen sein kön-
nen, die durch Ansetzen neuer Schichten entstanden.
Bei der Eigenthümlichkeit dieser Schuppen, die ich der
Kürze wegen Sparoidschuppen nenne, schien es mir zu-
erst nothwendig zu untersuchen, ob in der That alle Cuvier’-
schen Sparoiden derarlige Schuppen besitzen? So weit meine
Beobachtungen reichen, muss ich diese Frage bejahen. Ich
habe folgende Arten untersucht:
Sargus Rondeletii, aunularis, unimaculatus, nocta (Fig. 1.)
Chrysophrys aurala (Fig. 2.), haffara.
Pagrus vulgaris (Fig. 3.)
Pagellus erythrinus, lithognalhus,, centrodonlus, acarne.
Dentex vulgaris, macrophthalmus.
Lethrinus elongatus.
Box vulgaris (Fig. 4), salpa.
Crenidens Forskali.
Oblata melanura.
Sonach glaube ich auch bei den noch fehlenden Galtun-
gen Pentapus, Cantharus und Scatharus die Querstreifung der
Seitenfelder der Schuppen mit grosser Wahrscheinlichkeit
vorausselzen zu dürfen.
Ferner entsteht die Frage, ob ähnliche Sparoidschuppen
nicht auch noch bei andern Fischen sich finden? Der ersle
Verdacht fällt natürlich auf die Maeniden. Leider habe ich
bisher nur zwei Galtungen nachsehen können, nämlich:
Maena vulgaris (Fig. 7.)
Gerres rhombeus, argyreus, brasilianus (Fig. 8), oyena.
Beide haben Sparoidschuppen, erstere hat nichts Abwei-
chendes; bei Gerres möchte erwähnt zu werden verdienen ,
dass bei den meisten Arten (rhombeus, brasilianus, oyena)
kein eigentlicher Centralpunkt vorhanden ist, sondern slatt
dessen ein grosser mil vielen sehr engen, etwas verworren
zusammengedrängten Querlinien bedeckter Raum, vor welchem
die Längskanäle aufhören. Nur bei Gerres argyreus reichen
die Längskanäle weiter nach hinten, so dass ein Centralpunkt
bemerkt werden kann, wenn gleich auch hier auffallende
Querlinien beobachtet werden, die eine Gattungsverwandischaft
mit den andern genannten Arten andeuten. Die Zähne am
hintern Rande sind zwar vorhanden, doch so klein und hin-
Ueber die Begrenzung der Familie der Sparoiden, 385
fällig, dass der hintere Schuppenrand ganz das Ansehen einer
Cyeloidschuppe darbietet, um so mehr, da die Querlinien bis
an den hintern Rand sich erstrecken. Die äusserst treue
Abbildung von Gerres brasilianus (Fig. 8) wird eine bessere
Vorstellung von der Construction einer solchen Schuppe ge-
ben, als ich durch eine Beschreibung sie zu ermöglichen
hoffen darf.
Auch in Beziehung auf die Eigenthümlichkeit der Schup-
pen sind die Maeniden von den Sparoiden nicht zu trennen,
Von andern Familien sind zunächst die Gattungen Mul-
lus und Upeneus als Sparoidschuppen besitzend zu erwähnen.
Ich habe untersucht:
Mullus barbatus (Fig. 5), surmuletus.
Upeneus vittatus (Fig. 6), bifasciatus.
Diese Gattungen haben insofern eine Aehnlichkeit mit
der eben besprochenen Gattung Gerres, als auch hier die
Längskanäle vor einem grossen mit sehr engen Querlinien
bedeckten Raum aufhören, der sich bis an die wohlentwickelten
zahlreichen Zähne des Hintertheiles der Schuppe erstreckt. —
Wegen dieser Schuppenbildung, und weil die übrigen Cha-
raktere kein Hinderniss in den Weg legen, halte ich mich
für berechtigl, diese Gattungen Mullus und Upeneus in die
Sparoidenfamilie zu übersiedeln. Dies gewährt noch dazu
den grossen Vortheil, dass die Barschfamilie von einem sehr
unbequemen und störenden Bestandtheil, der nie recht dahin
hat passen wollen, gereinigt wird. Dass die Gattungen Mul-
lus und Upeneus Gaumenzähne besitzen, kann um so weni-
ger als ein Einwand gegen diese Uebersiedelung gelten, als
ja ohnehin unter den Maeniden auch die Gattung Maena Zähne
am Pflugscharbein besitzt.
Aus der in Fig. 10 gegebenen Abbildung wird es er-
sichtlich, dass auch Sillago acula Schuppen besitzt, deren
Streifen nicht dem Rande der Schuppen parallel laufen, son-
dern ihn schneiden. Die Gattung Sillago hat jedoch keine
auffallende Schuppe in der Achsel der Bauchflossen, weshalb
ich anstehe, dieselbe in die Sparoidenfamilie zu setzen, Bei
den Pereoiden tritt sie jedoch ebenfalls störend auf. Die an-
dern Percoiden mit abdominalen Bauchflossen Sphyraena und
Polynemus (P. tetradactylus) haben keine Sparoidschuppen.
386 Troschel: Ueber die Begrenzung der Familie der Sparoiden.
Ausserdem hat noch Apogon rex mullorum unter den
Percoiden Sparoidschuppen. Die Uebersiedelung dieser Gät-
tung in die Sparoidenfamilie scheint mir weniger Schwierig-
keiten zu haben. Andere Arten derselben, so wie die von
Cüvier und Valenciennes in ihre Nähe gestellten Gättungen
Cheilodipterus und Pomatomus, habe ich nicht zu untersuchen
Gelegenheit gehabt.
Endlich muss ich noch erwähnen, dass die Arten der
Gattung Pseltus ebenfalls Sparoidschuppen haben. Ich habe
zwei Arten Ps. rhombeus und Ps. Commersonii Cuv. Val. un-
tersucht. Von letzterer habe ich eine Schuppe (zur Hälfte)
in Fig. 9 abbilden lassen. Die Gattung Psettus macht freilich
die grössesten Schwierigkeiten. Die Beschaffenheit der Rük-
kenflosse, ihre Beschuppung, besonders aber die in dem vor-
deren Rande zum Theil verborgenen Stacheln, scheinen eine
Einreihung in die Sparoidenfamilie zu verhindern. Die Bauch-
Nossen sind rudimentär, es fehlt ihnen auch die grosse Schuppe
der Sparoiden.
Erklärung der Tafel.
Sämmtliche Figuren stellen Schuppen von Fischen bei einer
hhässigen Vergrösserung dar. - In den Figuren 3—10 ist um Raum zu
ersparen, nur die Hälfte der Schuppen abgebildet. Fig. 1. Sargus nocta;
Fig. 2. Chrysophrys aurata; Fig. 3. Pagrus vulgaris; Fig. 4. Box vul-
garis; Fig. 5. Mullus barbatus; Fig. 6. Upeneus vittatus; Fig. 7. Maena
vulgaris; Fig. 8. Gerres brasilianus; Fig. 9. Psettus Commersonii ; Fig. 10.
Sillago acuta.
3SS3SS338333
ss s3%
Corrigenda
. Z. 6 lies 5 statt 15.
-„ 6 v. u. |. Stilettes.
57. „ 18 v. u tilge den Punkt bei Mus
8 v. o. lies Med comp.
24 lies dictae.
12 setze Sieb. statt des [?]
22 füge hinzu: Ich habe die Notiz von Deslongchamps’
Entdeckung dieses Distomes aus dem Artikel Distome
im Dictionn. class. d’Hist. nat., T. V, entnommen.
„ 26 lies Linea.
=» 3133
- „ 24 lies sind nämlich.
32 tilge den Punkt bei Anas
lies immer Boscas statt Boschas.
8 v. u. lies indicatae. .
11 v. u. fehlen die Häkchen „ vor spi-
20 v. o. lies Distomum. Pericardium.
22 tilge den Punkt bei March.
>» 333
- „ 26 lies Vergl. statt vergl.
-„ 8 v. o. lies wechselnder statt wachsender.
.„ 6 v. o. lies vorletzte statt verletzte.
.» „ 17 v. 0. lies vorletzte statt verletzte.
. 308. 310 lies als Ueberschrift: Nilsson st, Creplin.
. Anm. 1, Z. 1, setze vor Blanklax „
. Z. 1%/., zufolge statt in Folge.
. 315 lies in der Ueberschrift: Mollusca statt Molluska.
. 2. 4 v. u. lies eindränge.
5 v. u. lies Bischoff.
”
-„ Lv. u. Anm. 2, lies welcher statt welches.
”n
4 v. u. Anm. lies erschienen statt erscheinen.
Bonn, gedruckt bei Carl Georgi.
ARCHIV
FÜR
NATURGESCHICHTE.
GEGRÜNDET VON A. F. A. WIEGMANN,
FORTGESETZT VON W. F. ERICHSON.
IN VERBINDUNG MIT
PROF. DR. GRISEBACH IN GÖTTINGEN,
PROF. DR. vos SIEBOLD IN FREIBURG, PROF. A. WAGNER
IN MÜNCHEN UND DR. LEUCKART IN GÖTTINGEN
HERAUSGEGEBEN
VON
Dr. FE, H. TROSCHEL,
PROFESSOR AN DER FRIEDRICH-WILHELMS-UNIVERSITÄT ZU BONN.
FUNFZEHNTER JAHRGANG.
Zweiter Band.
TTS EEHEEHEHEHE m
BERLIN, 1849.
VERLAG DER NICOLALSCHEN BUCHHANDLUNG,
aong aaa nd. aaa Br
DW. Wu 79 Die AETE U n.
ET EEE Ei En
“wm
„ZEHIAORT MU a
nö ar VÄTER ER AAN
ee
DERDABEN AUEWRERAUE E
RR j "es: ‚muinah
Br amynarı Bey Manseraaoaın au da
Pre IE
Inhalt des zweiten Bandes.
Bericht über die Leistungen in der Naturgeschichte der Säuge-
thiere während des Jahres 1848. Vom Prof. Andr. Wag-
ner in München 5 R P
Bericht über die Leistungen in der Antargeschichte der Vogel
während des Jahres 1848. Vom Dr. G. Hartlaub inBremen
Bericht über die Leistungen in der Herpetologie während des
Jahres 1848. Vom Herausgeber .
Bericht über die Leistungen in der Ichthyologie sahen 26
Jahres 1848. Von Demselben ©
Bericht über die Leistungen in der Nanzgerchichtn ae et
ken während des Jahres 1848. Von Demselben
Bericht über die Leistungen in der Entomologie während des
Jahres 1848. Vom Dr. H. Schaum inBerlin . . &
Bericht über die Leistungen in der Naturgeschichte der Crusta-
ceen, Arachnoiden und Myriapoden während der Jahre 1847
und 1848. Vom Dr. W. Peters in Berlin >
Bericht über die Leistungen in der geographischen und syste-
matischen Botanik während des Jahres 1848. Vom Prof.
Grisebach in Göttingen . 6 . . . .
Seite
107
317
zo
ME
BR e se 3
# Aoidansydot et u nyuoreln ih ie
Han damtınad.d wo ‚Atat amıdal zob
benidaw aryaloiagmil sb ei tirguwnsisd lb b
undopeunzeH nF EI TE gern gr
urulloit er otdaideepraintt mb ni arganimiat er ,
. a9dloamn wor ‚Bat aoıdal sol bao
una hılew sigolomalad wh mi nrgnatiin.l ab
seen A
„and ab aLEIDERETTEITEN ab ai none latınt
Yb21 eidal oh bawıdin anbonatigMi han re
2. Bert reme =
age bau asesehlgemgoag "nad; ai aeguuteind te ui
ao mov. ‚BIAR. gpulak ob Yoraraaw ainarolt enspana Y
A er wein ni dandantanı
Bericht über die Leistungen in der Natur-
geschichte der Säugthiere während des
Jahres 1848.
Von
Prof. Andr. Wagner
in München.
Die politischen Unruhen des Unglücksjahres 1848 haben
ihren störenden Einfluss auch auf den Entwicklungsgang un-
serer Wissenschaft, wenigstens auf dem Kontinente, ausge-
übt ; manche literarische Unternehmungen sind zum Erliegen,
andere doch zum Stocken gebracht worden und erst jetzt
fängt ein Theil derselben sich wieder zu erheben an. Unser
vorliegender Jahresbericht, wie wir es keineswegs verhehlen
wollen, hat selbst darunter gelilten.
Warum uns dahier von Waterhouse’s Natural History of the
Mammalia keine Fortsetzungen, so wie von den Verhandlungen der
schwedischen und dänischen Akademie keine Mittheilungen zugekom-
men sind, ist mir unbekannt geblieben.
Seine Zoologia Iypica, or figures of new and rare Mam-
mals and Birds described in Ihe proceedings or exhibited in
Ihe colleclions of Ihe Zoolog. Soc. of London hat L. Fra-
ser heuer mit der 70ten Tafel geschlossen.
Herrliche colorirte Abbildungen in Folio, von denen 28 Tafeln
den Säugthieren angehören ; der Text aber meist sehr dürftig. Wir
werden diese Abbildungen bei den einzelnen Familien oder Gattungen
besonders namhaft machen.
Von Schinz „Monographien der Säugthiere« sind die Hefte
19 bis 22 erschienen.
Archiv I, Naturgesch, XV, Jahrg. 2. Bd, A
2 Wagner: Bericht über die Leistungen in der Naturgeschichte
F. Krauss hat ein neues Unternehmen begonnen un-
ter dem Titel: „das Thierreich in Bildern nach seinen Fami-
lien und Gattungen.“ Siulig. 1ste Lieferung. fol.
Der Anfang ist mit den Säuglhieren gemacht. Es sollen in die-
sem Werke die Ordnungen, Familien und sämmtliche wohlbegründete
Gattungen charakterisirt, überdies von jeder der letzteren eine oder
die andere Art beschrieben und durch colorirte Abbildungen erläutert
werden. Ein sehr zweckmässiges und empfehlenswerthes Unterneh-
men, da sowohl auf dem Text als auf die Abbildungen grosser Kleiss
verwendet ist, die letzteren sorgfältig ausgewählt und entweder nach
der Natur oder nach guten bildlichen Vorlagen angefertigt sind.
Vom verwichenen Jahre her haben wir noch nachträglich zu
erwähnen die: Description de mammiferes et d’oiseaux r&ecemment
decouvertis, precedee d’un tableau sur les races humanes, par M. Les-
son. Paris 1847. — Hinsichtlich der Säugthiere eine blosse Compila-
tion von 31 Arten-Beschreibungen, in denen fast nichts Neues ent-
halten ist.
Von Blainville’s Osteographie ist das 23. Heft herausgekom-
men, das noch mit der Ordnung der Pachydermen sich befasst.
Ueber die Naturalisation neuer Hausthiere lieferte Js. Geoffroy
im Institut einen 3. Artikel [Compt. rend. XXVI. p. 280.], dem er
auch eine Tabelle der wilden Säugthiere und Vögel, die man in Frank-
reich einführen und als Hausthiere benutzen könnte, beifügte, wobei
Ref. das Bedenken nicht unterdrücken kann, dass unter den vorge-
schlagenen Arten keine ist, die einen höhern Nutzen erwarten liesse,
als wir ihn bereils von unsern alt eingeführten Hausthieren ziehen,
wie es denn andererseits auch sehr zweifelhaft erscheint, in wie weit
die Zähmung gelingen und ob die Bilanz zwischen den Unterhaltungs-
kosten und den Nutzniessungen sich günstig herausstellen würde.
C. Langer überreichte der Wiener Akademie eine Arbeit über
den Waarwechsel bei Säuglhieren und Menschen, in welcher der Vor-
gang bei dem alljährlich wiederkehrenden Wechsel der Behaarung au
den meisten einheimischen Säugthiergaltungen verfolgt, und auch am
menschlichen Haare nachgewiesen wurde [Sitzungsberichte der kaiserl.
Akad. 4. S. 132.].
D’Alton legte seine Beobachtungen über die verschiedenen
Typen in den Hand- und Fussknochen der Säugthiere vor [Zeitung für
Zoolog. S. 25.]. — Desgleichen Bardeleben über Vena azygos, he-
miazygos und coronaria cordis bei Säugthieren [Archiv für Anat. 8. 497.].
Von Arbeiten über geographische Verbreitung und be-
stimmte geographische Bezirke sind folgende zu erwähnen.
Schinz, über die geographische Verbreitung der Säugthiere.
Eine allgemeine ausführliche Erörterung, die in den „Verhandlungen
der Säugthiere während des Jahres 1848. 3
der schweiz. naturf. Gesellschaft bei ihrer Versammlung zu Schaff-
hausen“ [1847. S. 132—159.] aufgenommen worden ist.
Zoologie frangaise ou nouvelles vecherches sur les animaux
vivants et fossiles de la France, par M, Paul Gervais. Paris 1848.
Bis jetzt 2 Lieferungen, die mir noch nicht zu Gesicht gekommen sind,
und über die daher erst der nächste Jahresbericht referiren kann.
Beiträge zur Mammalogie [!] und Ornithologie des russischen
Reichs rückte E. Eversmann in’s Bulletin de la. societe imp. des
naturalistes de Moscou 1. p. 186. ein. Die einzelnen Artikel werden
wir gehörigen Orts zur Sprache bringen.
Die algerischen Wirbelthiere wurden von P. Gervais
in den Annal. des sc. nat. X. p. 202 unter dem doppelten Ge-
sichtspunkt ihrer Verbreitung und Domestication betrachtet.
Wir haben hier nur mit den wildlebenden Säugthieren zu thun,
und referiren in der Kürze über die Angaben des Verfassers. Zwei
verschiedene Faunen vermengen sich in Algerien: die ächt afrikanische
und die mittelländische. Die Gazelle ist eine der charakteristischen
Arten des saharischen Algeriens, eben so der Fennek, die Antilope
Bubalis und Ocis tragelaphus ; lelzterer wurde in den Aures von den
Kolonnen,, die diese Gebirge durchzogen , gefunden. — Die Provinz
Oran erlangt viel schneller als die von Algier und Constantine den
afrikanischen Charakter; sie ist auch die einzige, welche die Macro-
scelides geliefert hat. Der Magot fehlt in Oran, man findet ihn
aber an einigen Punkten der Provinz Algier und häufiger ist er in
Kabylien. — Die Gegend von Bona, Calle und Constantine ist im gan-
zen algerischen Gebiete die am meisten Europa ähnliche, daher hat
sie auch mehrere südeuropäische Thiere , als z. B. den Fischotter,
eine Rasse oder besondere Art des Wildschweins, das übrigens
an andern Punkten Algeriens lebt, und besonders den Hirsch und
Damhirsch, die beide nicht selten in den Wäldern von Calle sind.
Der Hirsch scheint zu Cervus corsicanus und nicht zu C. Elaphus zu
gehören. Bären und Wölfe sind nicht gesehen worden. — Löwe,
Panther, Hyäne, Schakal und einige andere Thiere sind beiden
Faunen gemein.
A. Smith’s Illustrations of Ihe Zoology of South Africa sind
"bis zum 27ten Heft vorgerückt; das nächstfolgende soll den Schluss
dieses Unternehmens machen.
Richard Schomburgk’s Reisen in Britisch -Guiana in den
Jahren 1840— 1844 sind reich an werthvollen therologischen Beobach-
tungen. Im dritten Theile, der auch den besondern Titel: „Versuch
einer Fauna und Flora von Britisch - Guiana“ führt, hat J. Cabanis
die systematische Bestimmung der von Sch. beobachteten Säuglhiere
durchgeführt Im Ganzen sind es 73 Arien, die hier aufgezählt wer-
A Wagner: Bericht über die Leistungen in der Naturgeschichte
den; freilich nur ein kleiner Theil von denen, die in diesen reichen
ropischen Gegenden vorkommen mögen.
Die Ste Abtheilung meiner „Beiträge zur Kenntniss der Säug-
thiere Amerikas“ befasst sich mit Auseinandersetzung der brasilischen
Affen [Abh. der mathem. -physikal. Classe der K. Bayer. Akad. der
Wissensch. V. 2. S. 405].
Unter den allgemeineren Arbeiten über die urweltlichen
Säugthiere sind hier besonders hervorzuheben die „Contribu-
tions lo {he history of British Fossil Mammals [first series]
by R. Owen.
Noch sind kaum drei Jahre verflossen, dass Owen seine History
of British Fossil Mammals vollendete, als ihm schon wieder ein reich-
liches Material zuströmte, um wichtige Beiträge zu jenem Werke nach-
liefern zu können. Die erste Lieferung enthält folgende Aufsätze:
1) Ueber die Zähne eines Palaeotherium, denen des P, medium glei-
chend; 2) über die Zähne des Unterkiefers von Paloplotherium; 3)
über den Unterkiefer von Paloplotherium; 4) über Schädel, Oberkiefer
und Zähne von Paloplotherium annectens; 5) über das Zahnsystem und
den Unterkiefer vom Dichodon cuspidatus; 6) über Megaceros hiberni-
cus und Castor europaeus der brittischen pleistocenen Ablagerungen ;
7) über die Gattung Hyopotomus und die Arten H.vectianus und H. bo-
vinus, mit Bemerkungen über die Classifikation der Hufthiere.
Verschiedene Notizen über mehrere, in Deutschland aufgefun-
dene urweltliche Säugthier - Ueberreste sind in H. v. Meyer’s Mit-
theilungen im Jahrb. für Mineralog. S.465 u. f. enthalten.
Im IVten Bande von Haidinger's Berichten über die Mitthei-
lungen von Freunden der Naturw. in Wien wurden von Hörner [S.
83 u. 176], so wie von Ehrlich [S, 197] Notizen über in Oesterreich
vorkommende fossile Ueberreste aus dieser Klasse vorgelegt.
Des Ref. Beschreibung zahlreicher urweltlicher Säugthier - Ue-
berreste aus Griechenland, welche er der gefälligen Mittheilung des
Herrn Dr. Lindermayer verdankt, ist in den vorhin angeführten
Abh, der Bayer. Akadem. S.333 erschienen und mit 4 Tafeln ausge-
slatlel.
Aufschlüsse über die Lagerungsverhältnisse gedachter fossiler
Ueberreste finden sich in Landerer’s Aufsatz über die in Griechen-
land vorkommende Petrefakten [Jahrb. f. Mineralog. S. 513].
Simiae.
Eine Monographie der Affen hal Lesson bearbeitet
[Rev. Zool. p. 159, 191, 233, 255].
Sie erstreckt sich bloss über die eigentlichen Affen der alten
und neuen Welt, und es kann von ihr nicht gesagt werden, dass sie
der Säugtbiere während des Jahres 1848. 5
die Kenntniss und Unterscheidung der Arten in irgend einer Weise ge-
fördert hätte. Wie Lesson’s frühere therologische Arbeiten leidet
auch diese an Oberflächlichkeit,, so wie am Mangel der Autopsie und
einer gründlichen Kenntniss der Literatur.
In Fraser’s Zoologia typica sind aus dieser Ordnung abgebil-
det worden: Colobus ursinus, Cercopithecus albigularis , C. Compbelli,
€. erythrotis, Cynocephalus Thoth und Lemur rufifrons.
Simiae catarrhinae. Die wichtigste Bereicherung, welche
dieser Familie im vergangenen Jahre zugekommen ist, ist
die von Thomas S. Savage gemachte Entdeckung einer
zweiten Art von Schimpanse. Ihre specifische Berechti-
gung wurde schon von diesem angedeutet, ausser Zweifel
aber erst durch Jeffries Wyman und R. Owen gesetzt.
Es war am Gabun-Flusse, wo Savage mit dieser Art bekannt
wurde, von der er selbst aber nur mehrere Schädel verschiedenen Al-
ters und Geschlechtes und einige andere nicht unerhebliche Skelettheile
sich verschaffen konnte, während er über ihre äussere Beschaffenheit
und Lebensweise bloss durch die Aussagen der Eingebornen die nöthi-
gen Aufschlüsse zu erlangen vermochte. Darnach unterschied Savage
diesen Schimpanse als eigne Art, der er den Namen Troglodytes Gorilla
beilegte. Sein mitgebrachtes Material übergab er an Wyman, der
darnach [im Boston Journ. of nat. hist. V. p.4.] die osteologischen
Unterschiede der beiden Arten von Schimpanse auseinander setzte.
Noch ausführlicher und umsichtiger behandelte Owen diesen Gegen-
stand, indem ihm selbst 3 Schädel der neuen Art zur Vergleichung
mit der altbekannten zugekommen waren [Transact. of the Zoolog. soc
IIT. part. 6. p.381]. Als wichtigste Unterscheidungsmerkmale von Tro-
glodytes niger sind hervorzuheben, dass Tr. Gorilla 1) ansehnlich grös-
ser ist; 2) dass bei ihm die vordern Nasenlöcher fast quadratisch sind
oder wenn sie sich der dreiseitigen Form annähern, ihre Spitze abwärts
gekehrt ist, während bei Tr, niger sie dreiseitig sind mit aufwärts ge-
kehrter Spitze; 3) dass an den hintern Nasenlöchern der senkrechte
Durchmesser fast zweimal so gross als der quere ist, während bei Tr.
niger der quere den senkrechten übertrifft; 4) dass am hintern Rand
des knöchernen Gaumens sich ein Ausschnitt in der Mittellinie findet,
während bei Tr. niger ein solcher fehlt; 5) dass die Entfernung zwi-
schen der Nasenöffnung und dem Alveolenrande der Schneidezähne ge-
singer ist als bei letzterer Art. — Sowohl Wyman’s als O wen’s Ab-
handlung sind Abbildungen der Schädel beigegeben, unter denen die
des letzteren von ausgezeichneter Schönheit sind
Burmeister handelte [in seiner mit d’Alton her-
ausgegebenen Zeitung für Zoologie, Zootomie und Palaeozool.
5.3] von einigen osteologischen Anomalien des Orang-Utans,
6 Wagner: Bericht über die Leistungen in der Naturgeschichte
Von 9 Schädeln aus Borneo halle nur ein einziger zwei voll-
ständig gesonderte Nasenbeine. Ein jugendlicher Schädel hat äusser-
lich durchaus keine Spur von Nasenbeinen ; innerlich sieht man jedoch
ein kleines Knöchelchen, welches mitten in der Naht zwischen beiden
Oberkieferästen liegt, und mit der Lupe betrachtet eine feine Längs-
naht zeigt, mithin die Bedeutung des Nasenbeins hat.
Bemerkungen über einige abnorme Bildungen des Nasenbeins
beim Menschen und Orang-Utan lieferte R, Leuckart in derselben
Zeitschrift S. 58.
Blyth theilte weitere kritische Bemerkungen mit über
Gray’s Katalog der von Hodgson eingesendeten Säugthiere
[Ann. of nat. hist. second series. I. p. 454].
Er bemerkt, dass Presbytis Priamus nicht auf Ceylon wohne,
sondern dass die Gruppe von Entellus in der niedern nördlichen Hälfte
dieser Insel durch eine eigne Art repräsentirt ist, die er seitdem als
Pr. Thersites [J. A. S. B. XVI, 1271.] beschrieben und abgebildet habe.
Dabei erinnert er, dass er auch von Pr. Entellus [verus] , Priamus,
hypoleucos, Johniü, cephalopterus, pileatus und Phayrei colorirte Abbil-
dungen gegeben habe.
Simiae platyrrhinae. Ref. hat in der 3ten Abtheilung
seiner „Beiträge zur Kenntniss der Säugthiere Amerikas“ die
brasilischen Affenarten schärfer als bisher auseinander zu
setzen versucht [Abh. der mathem. physikal. Classe der K, B.
Akad. der Wissensch. V. 2. S. 405].
Ein Hauptübelstand der früheren Bearbeitungen der südamerika-
nischen Affen war der, dass häufig ihre Heimath und ihre Lebensge-
schichte nicht näher bekannt war, so dass man bei Festsetzung ihrer
Species Lokal- und Alters-Verhältnissen nicht die gehörige Rechnung
tragen konnte. Indem nun Natterer gerade diese Umstände mit gröss-
ter Genauigkeit beim Einsammeln seiner Exemplare in Brasilien berück-
sichtigt hatte, waren mir dadurch gesichertere Haltpunkte als früher
zur Unterscheidung der specifischen Formen dargeboten, wobei ich
mich jedoch lediglich auf die brasilische Fauna beschränkt habe.
Eine Notiz über 8 neue Arten amerikanischer, aus den
Sammlungen von Castelnau und Deville herrührender
Affen legten Is. Geoffroy und E. Deville vor [Compt.
rendus. XXVII. p. 497].
Bei der Kürze der Angaben müssen wir unser Urtheil über die
Selbstständigkeit dieser Arten so lange verschieben, bis sie durch eine
ausführliche Beschreibung genauer erläutert werden, Es sind folgende
8 Arten,
der Säugtbiere während des Jahres 1848. 7
1) Lagothrir Castelnaui „Pelz braun, grau besprilzelt; Kopf,
Hände, Füsse, Oberseite des Schwanzes gegen das Ende schwarz oder
schwärzlich; am Bauche lange schwärzliche Haare, Aus Brasilien
und Peru, am obern Amazonenstrom. Nähert sich durch die allgemeine
Färbung dem I. infumatus, aber die Farben sind wie bei L. canus
vertheilt,
2) Callithrie discolor; „Pelz oben und auf der Aussenseite der
Arme und Schenkel grau bespritzelt, auf dem Vordertheil des Kopfes
weisslichgrau ; unten und fast allenthalben auf den Gliedmassen ka-
stanien-braunroth; Schwanz aschgrau mit weissen Haarspitzen.“ Peru
[Sarayacu]. Verwandt, aber verschieden, insbesondere durch die Stirn-
färbung und die Bildung des Unterkiefers, einer Art aus derselben Ge-
gend, die von Is. G. nicht ohne einigen Zweifel auf ©. cupreus be-
zogen wird.
3) Nyetipithecus Oseryi; „oben rothgrau , das auf der Mittellinie
ins Braunrothe übergeht; unten gelblich falb; 2 schwarze, Sförmige
Linien an den Gesichtsseiten und eine andere, ebenfalls schwarze,
mittelslirnige; ein weisser Fleck über jedem Auge; Hände braun;
Schwanz oben schwarz, unten zum Theil roth.“ Peru, am obern Ama-
zonenstrom. Verwandt dem N. lemurinus, aber kleiner, mit kürzern
Haaren und anders gefärbtem Kopfe.
4) Pithecia albinasa; „Pelz im Allgemeinen schwarz ; auf der
Nase ein weisser Fleck ; Schwanz so lang als der Körper.“ Provinz Para.
5) Brachyurus rubicundus; „Velz fast auf dem ganzen Körper
und den Gliedern lebhaft roth; Hals falbgelb, Nacken blassgelb ; der
übrige Kopf mit ganz kurzen weisslichen Haaren besetzt; Bart roth;
Gesicht weinroth [rouge lie de vin]; Schwanz ausserordentlich kurz
[10 bis 11 Centimetres] und buschig.“ Brasilien, Dorf St. Paul. Von
ganz eigenthümlicher Physiognomie und nur dem Br, calvus vergleich-
har, der dieselben Regionen, aber auf der andern Seite des Amazonen-
siroms bewohnt. Er ist schon in der Jugend roth mit röthlichem Gesicht,
6) Midas rufoniger; „Mundsaum weiss; Pelz grösstentheils
schwarz; Wangen graulichbraun ; Lenden, Schenkel, Schienbeine und
Unterseite des Schwanzes mehr oder minder lebhaft kastanienroth und
von schwach markirten schwärzlichen Binden durchzogen.“ Peru, am
obern Amazonenstrom. — 7) Midas flavifrons ; „Mundsaum weiss; Stirn
und Vordertheil des Kopfs gelb, mehr oder weniger schwarz besprit-
zeit; Hinterhaupt, Hals, Schultern und Arme schwärzlich ; Rücken falb
und schwarz gescheckt, ohne Disposition zu regelmässigen Binden;
Schenkel und Schwanzwurzel roth, das Ende des leiztern und die 4
Hände schwarz.“ Peru, am oberu Amazonenstrom. Verwandt mit Pu-
chiran’s Hapale Illigeri. — 8) Midas pileatus; Mundsaum, sowie ein
Flecken auf der Innenseite des Schenkels weiss; Oberseite des Kopfs
lebhaft braunroih froux mordore] ; ‘Oberseite des Leiber schwarz und
8 Wagner: Bericht über die Leistungen in der Naturgeschichte
grau gescheckt, ohne bestimmte Binden ; Glieder, Schwanz und Unter-
seite des Körpers schwarz. Brasilien, am Rio - Javary.
Richard Schomburgk hat interessante Beobachtun-
gen über die Affen, die ihm im brittischen Guiana aufgestos-
sen sind, mitgetheilt, und unter den Rollaffen auch eine neue
Art aufgestellt [Versuch einer Fauna und Flora von Brilisch -
Guiana, als 3ter Theil seiner Reisen S$. 767 u. f.].
Er führt 11 Arten auf, mit denen er auf seiner Reise bekannt
wurde. Ateles paniscus, Mycetes seniculus, Cebus apella, C. capucinus,
©. olivaceus, Chrysothrix sciureus, Nyctipithecus trivirgatus, Pithecia
chiropotes, P. satanas, P. leucocephala und Midas rufimanus. — Von
seinem Cebus olivaceus giebt er folgende Charakteristik. Obere Seite
des Körpers und der Gliedmassen ist dunkel olivenfarben, ausgenom-
men Schultern und Arme, die strohgelb sind; die untere Seite des Leibes
wie die obere gefärbt, wegen der dünnern Behaarung aber heller. Auf
dem Scheitel ein schwarzer dreieckiger Fleck, der vorn sich bis zur
Nasenwurzel fortsetzt, hinten aber in die dunkle Färbung des Nackens
sich verliert. Die einzelnen Haare: der Oberseite sind nussfarben, ge-
gen die schwarze Spitze hin aber blass goldgelb, Stirn, Wangen und
Kehle sind nussgelb behaart, das Gesicht ist schwärzlich. Hände und
Füsse, so wie die Innenseite der Unterarme und Unterschenkel sind
schwarz. Der Schwanz oben dem Körper gleichfarbig, unten und an
der Spitze schwarz. Bei einem erwachsenen Weibchen betrug die
Länge des Körpers 16, des Schwanzes 18'/, Zoll. Diesen Rollaffen traf
Sch. nur in der Umgebung des Roraima und nicht in so zahlreicher
Gesellschaft wie die andern. Ihre Art - Berechtigung erscheint Ref.
hiermit noch nicht überzeugend constatirt, wie denn die Cebus eine
Gattung bilden, deren Arten bei den Systematikern noch in der gröss-
ten Verwirrung liegen.
Zur Constatirung der geographischen Verbreitung der Affen ge-
gen ihre Nordgrenze hin, mag hier bemerklich gemacht werden, dass
der Gärtner Heller in den Waldungen des Staats von Tobaco neben
Papageien und Tapiren auch Affen anführt, Genannter Staat liegt mit
seiner Osthälfte zwischen dem 17° 48‘ und 180 45°, und mit seiner
Westhälfte zwischen 17° und 18° 10° n. Breite [Sitzungsberichte der
kaiserl. Akad. d. Wissensch. Wien 1848. 3tes Heft S, 117]. — Bei der
Gelegenheit will ich noch beifügen , dass nach Nachrichten, die ich
bei einem jungen Arzte, welcher sich einige Zeit in Texas aufgehalten
hatte, eingezogen habe, in diesem Lande keine Affen gefunden werden.
Chiroptera.
A.Smith hat im Heft XXVII. seiner Illustrations of the
Zool. of South Africa 3 Arten dargestellt: Vespertilio minu-
der Säugthiere während des Jahres 1848. 9
tus Temm. Tab. 51, Scotophilus Dinganii tab. 53 und Miniop-
terus dasythric Temm. tab. 52. }
Rhinolophus gigas wurde von Ref. in diesem Archive $. 180 aus-
führlich beschrieben.
Von der Lebensweise der Fledermäuse handelte Frauenfeld
in Haidinger’s Berichten über die Mitth. von Freunden der Naturw.
IV. 5.287. Trotz ihres wilden Wesens gelang es ihm doch einen
Vespertilio discolor so zu zähmen, dass er aus der Hand frass.
Insectivora.
Einige Notizen über den Tanrec finden sich von G.
Clark auf der Insel Mauritius in den Ann. of nat. hist 2.
ser. 1. p. 75 mitgetheilt.
Die Fruchtbarkeit dieser Thiere ist ungemein gross: gewöhnlich
bringen sie 12 bis 18, zuweilen selbst 22 Junge auf einmal zur Welt.
Die trockne Jahreszeit verschlafen sie. Von Madagaskar erst einge-
führt, haben sie sich auf Mauritius ausserordentlich vermehrt, obwohl
sie in unzähliger Menge zum Verspeisen weggefaugen werden. Sie
scheinen gänzlich Insektenfresser zu sein.
Eine neue Gattung kündigte J. E. Gray unter dem Na-
nen Ptilocercus an [Ann. ‚of nat. hist. 2. ser. II. p. 212].
Stammt von Sarawak auf Borneo und ist mit Cladobates nahe
verwandt, von dem sie sich jedoch schon gleich durch den langen Rat-
tenschwanz, der nur an seinem Ende, und zwar nach Art eines Pfei-
les, behaart ist, unterscheidet. Die Zahnformel giebt G. folgendermas-
sen an: Schneidezähne ka a Zr , Eckzähne 8 , Backenzähne- ERS
3.8 0 7-7
— Die Art heisst Pt. Lowii; schwärzlichbraun, fein gelblich bespritzelt,
Unterseite gelblich; Schwanz schwarz mit weisser Fahne. Länge 5'/,,
Schwanz 6"/, Zoll.
Das erste Beispiel vom Vorkommen einer Spitzmaus auf
Madagaskar wurde von Coquerel bekannt gemacht. Es
ist dies eine kleine Art, der er den Namen Sorez madagas-
cariensis beilegte [Ann. des sc. nat. IX. p. 193. tab. 11].
Sowohl mit Sorex etruscus als gracilis verwandt, bräunlichgrau,
oben etwas dunkler, Ohren gross, Schwanz dünn und schmächtig. Kör-
16
per 43, Schwanz 25 Millim. Zahnformel a + 5 = 30. — Auch von
4 Sorez gracilis erscheint hier zum Erstenmal eine Beschreibung. Er ist
10 Wagner: Bericht über die Leistungen in der Naturgeschichte
oben dunkel kastanienbraun, an den Seiten lichter, unten graulich,
Schwanz und Pfoten hellbraun, Ohren gross. Körper 40, Schwanz 27
Millim.
Dass in Würtemberg ausser Sorer araneus und fodiens noch ei-
nige andere, bisher nicht genau bestimmte Arten vorkommen, ist eine
von Landbeck in den Württemb. naturw. Jahresheften 1848. I. S. 88
gemachte Bemerkung, die sich eigentlich von selbst aufdringt,
Carnivora.
Ursina. Nach der Form des Ruthenknochens glaubt v.
Nordmann 2 Arten unter den urweltlichen Bären von
Odessa unterscheiden zu dürfen [Bullet. de la classe phys.
math. de l’Acad. de Petersb. VII. p. 140].
Er fand 6 solcher Knochen vor, die zwei auffallende Formver-
sehiedenheiten darboten. Bei 4 derselben ist der Knochen an seinem
Basaltheile weniger hoch als an seinem mittleren dickeren Theile; bei
2 andern übertrifft die Höhe des Basaltheils die des mittlern Theils
wohl um ein Drittel. Von ersterer Sorte hat der grösste Knochen eine
Länge von 8“ 8“, von letzterer 7” 8“ Wie Verf meint, „erlaubt die
bedeutende Formverschiedenheit der Ruthenknochen vielleicht 2 fossile
Bärenspecies anzunehmen, wofür auch der Complex der übrigen Ge-
rüsttheile zu sprechen scheint.“ Die beiden Formen sind auch auf ei-
ner Tafel abgebildet.
Mustelina. In derRev. zool. p. 177 hatSchinz eine
neue Gattung unter dem Namen Melictis aufgestellt.
: 6 Il Be s 5—5
„Dentes primores 5 laniarii 1, “nich, robusti; molares a
antiei supra 3, infra 4 spurii; quartus supra, quintus infra sectorius, quintus
supra parvus, tritorius, tuberculatus. Habitus melinus , corpus robustum,
erassum ; rostrum acuminatum, rhinarium prominulum, extremilates breves;
pedes plantigradi, antici 5 - dactyli, ungues breves, acuti, compressi ‚cur-
vati, falculares; postici 4-dactyli; auriculae breves.* Die Art benennt
Schinz M. Beskü und stammt aus Neu-Freiburg in der brasil. Provinz
Minas. — Ref. muss bemerken , dass diese Gattung keineswegs mehr nen
ist, sondern dass sie identisch mit Lun d’s Jcticyon ist und Melictis Beskü
und Icticyon venalicus ein und dasselbe Thier sind. Da die dänischen
Denkschriften in dänischer Sprache verfasst sind, so darf es nicht
wundern, dass sie eine sehr geringe Verbreitung haben. WUebrigens
hat Schinz dem Thiere seinen richtigen Platz unter den Mardern und
nicht, wie es Lund gelhan hat, unter den Hunden angewiesen, was Ref.
schon im Jahresberichte von 1845. $. 148 berichtigte. Wie selten dieses
der Säugthiere während des Jahres 1848. 11
Thier ist, geht deraus hervor, dass es weder vom Prinzen von Neu-
wied, noch von Spix, noch von Natterer aufgefunden worden ist.
Von Mustela erminea und vulgaris beobachtete Landbeck
dass in Württemberg nur das erstere im Winter weiss wird, während er
von dem letzteren auch in den strengsten Wintern nur braune Exem-
plare sah. [Württemb. naturw. Jahresh. 1848. 1. S. 89].
Mephitis nasuta wurde von Fraser in der Zoologia typica ab-
gebildet.
Viverrina. Zur Gattung Galidietis wurde von J.E. Gray
eine 2le Art, G. vittata, hinzugefügt [Ann. of nat. hist. 2°.
ser. II. p. 210].
Sie ist sehr nahe verwandt der G. striata; während aber bei die-
ser der Schwanz weiss ist, hat er bei G. vittata die Farbe des Rückens
und ist selbst deutlicher schwarz und weiss gescheckt; auch sind die
Streifen schmaler, anders gestellt und in der Breite mehr gleich, als
sie von der erstern Art angegeben werden, und reichen nicht so weit
auf dem Nacken gegen den Kopf hin. Der Schädel gab ein noch nicht
vollständig erwachsenes Thier zu erkennen, und zeigte in jedem Ober-
kiefer einen kleinen, gleich hinter dem Eckzahn folgenden Lückenzahn
mehr, als Js. Geoffroy angiebt. Gedachter Zahn fehlt also nicht
ursprünglich, wie Letzterer meint, sondern fällt nur mit dem Alter aus.
Das Exemplar, auf welches Gray seine neue Art begründete, kam von
der Tulyah-Bai auf Madagaskar.
Herpestes vilticollis, Cynictis melanura und Paradozurus Ogilbyi
wurden durch Fraser a. a. 0. bildlich dargestellt.
Canina. Ueber den Canis cancrivorus erhielten wir von
Schomburgk einige schätzbare Mittheilungen [a. a. O. II.
S. 196].
Dieses Thier, bei den Kolonisten Carasisi , bei den Macusis Mai-
kang genannt, bewohnt hauptsächlich die Savannen, doch auch lichte
Vorwälder, und lebt und jagt in ganzen Kuppeln. Dem C. Azarae sehr
ähnlich, unterscheidet er sich durch kürzeren Schwanz und stumplere
Schnauze. Aus der Kreuzung desselben mit den Indianer- Hunden
entstehn gesuchte Jagdhunde, die sehr theuer bezahlt werden.
Felina. Ueber den Ursprung und die Verbreitung der
Hauskatze hielt Öber-Med.-Rath Jäger einen höchst in-
leressanten Vortrag [Würtemb. naturw. Jahresh, 1848. 1. S. 65].
Frauenfeld berichtete in Haidinger’s Berichten von Freun-
den der Naturw. IV. S. 167, dass in den Forsten des Cisterzienser
Stiftes Lilienfeld in Niederösterreich vom Jahre 1824 bis 1841 an Luch-
sen 7 Stück geschossen und wenigstens eben so viel noch bemerkt
N wurden.
12 Wagner: Bericht über die Leistungen in der Naturgeschichte
Eine mit Felis servalina Jard. ziemlich übereinstimmende
Katze fand Eversmann auf den felsigen Ufern der Hoch-
steppe zwischen dem kaspischen Meere und dem Aralsee auf
[Bullet. de Mose. I. S. 199].
Es kommen daselbst 3 Arten vor: Felis jubata, F. Catolynx und
eine dritte, die so ziemlich mit F, servalina übereinstimmt. Pelz mit 1
bis 1%/, Zoll langen Haaren, Schwanz sehr dünn und schmächtig. Körper
oberhalb schmutzig hellgelblichgrau [das Schmutzige von wegen der
eingemengten "schwarzen Haare], überall mit nicht rein begrenzten,
schwarzen, rundlichen oder länglichen Flecken. Unterseite weiss und
ungefleckt. Wangen jederseits mit 2 schwarzen Streifen. Sohlen schwarz-
braun behaart. Schwanz auf gelblichem Grunde unregelmässige schwarze
Flecken, die hie und da zu undeutlichen Querbinden zusammeniliessen.
Körper 2‘, Schwanz 11”, die ziemlich spitzen Ohren nicht ganz
2” lang.
In Abbildungen wurden durch Fraser Felis melanura und F.
vinerrina vorgeführt.
Marsupialia.
Is. Geoffroy legte der pariser Akademie einen Brief
von J. Verreaux vor, in welchem derselbe auf einige Thiere
von Neuholland und Vandiemensland, deren Uebersiedelung
nach Frankreich er für möglich und nützlich ansieht, auf-
merksam machte [Compt. rend. XXVI. p. 222].
Mit Ausnahme des Einen sind sämmtliche Thiere, die V. in Vor-
schlag bringt, der Ordnung der Beutelthiere, zuständig. Unter diesen
verspricht er sich den meisten Nutzen von verschiedenen Arten Kän-
guruhs, K. maior, Bennettii und Billardieri, welche am häufigsten und
daher am leichtesten zu verschaffen sind. Nicht nur würde Fleisch
und Wolle, sondern insbesondere noch die Felle zu Fussbedeckungen
mit Vortheil verwendet werden können. V. versichert, dass er wäh-
rend seines Aufenthaltes in Hobart-Town auf die Märkte mehr als 100,000
Felle [das Erträgniss eines Jahres] von K. Billardieri oder Walleby,
einer Art, die am meisten für diesen Zweck gesucht würde, habe brin-
gen sehen. — Ein anderes, seines Fleisches wegen sehr geschätztes
Thier ist der Wombat. Obwohl derselbe gewöhnlich in Höhlen lebt,
welche er sich gräbt, wenn er niedere Gegenden bewohnt, so wählt er
sich doch auf den Höhen die Felsenklüfte. Wie V. meint, könnte der
Wombat leicht in den Alpen sich fortbringen, weil er die Kälte nicht
scheut, indem ilın der Reisende auf hohen und selbst während eines
Theils des Jahres mit Schnee bedeckten Bergen antraf. — Auch von
den Phalangern hofft V. Vortheil zu gewinnen , indem sowohl ihr
der Säugthiere während des Jahres 1848. 13
Fleisch als ihr Pelz sehr geschätzt sind ; aus dem letzteren verferligen sie
Mäntel, die sehr theuer bezahlt werden. Zur Acclimatisalion empfiehlt
V. besonders Ph. vulpina und fuliginosa. — Ref. kann nicht unterlas-
sen aul sein früher geäussertes Bedenken hinsichtlich dieser Vorschläge
zurückzukommen.
Eine kleine Beutelratte, die R. Schomburgk in der Ka-
raiben-Niederlassung Arrai am obern Pomeroon häulig an-
traf, sonderte Cabanis als eigne Art unter dem Namen Di-
delphys Musculus ab [Reisen in Britisch- Gujana III. S. 778].
„Hat in der Grösse und Färbung annähernde Aehnlichkeit mit
der Brandmaus [Mus agrarius]. Die Haare der Oberseite sind am Grunde
schiefergrau, an den Spitzen rostbraun. Unterseite gelblichweiss.. Von
der Nase durch die Augen läuft ein dunkler Strich, unmittelbar hinter
der Nase von rothbrauner, weiter nach hinten von schwärzlicher Fär-
bung. Die Ohren sind nackt, ziemlich abgerundet, und mit Ausnahme
der gelbgefärbten Basis der innern Seite, schwärzlich. Schwanz nur
an der Wurzel behaart, sonst nackt. Länge von der Nase zur Schwanz-
wurzel 3%/,“, Schwanz 4°/, Zoll.«© — Scheint zur Gruppe der mit D.
murina verwandten Arten zu gehören, mit denen sie noch weiter zu
vergleichen ist, obwohl sie durch geringere Grösse schon von ihnen
abweichen dürfte.
Rodentia.
Sciurina. Wenn auch die ohnediess schon sehr zahl-
reiche Gattung der Eichhörnchen im verwichenen Jahre sich
mit keiner noch jetzt lebenden Art vermehrt hat, so hat ihr
dagegen H. v. Meyer eine urweltliche Art zugeführt [Jahrb,
für Mineral. 1848. $.472.]
Er sagt von ihr nichts weiter, als dass er in der Sammlung des
Prof, van Breda einen neuen Nager von Oeningen gesehen habe,
dem er den Namen Sciurus Bredai beilege.
In dem Bullet. de la soc. imp. des naturalistes de Moscou 1848. 1.
8.196 macht E. Eversmann bemerklich, dass er aus der Songarei,
namentlich von den Bergen Tarbagatai mehrere Exemplare von Arcto-
mys Bobac erhalten habe, die alle gefleckt sind: gelb mit schwarzen
oder schwärzlichen unregelmässigen Flecken; sonst scheinen sie nicht
von dem uralischen Bobak verschieden zu sein; auch die Unterlippe
ist bei ihnen weiss, wie bei diesem. Unter den uralischen Bobaken
kommen zwar ganz schwarze vor, aber nie gelleckte.
Von Fraser wurden in seiner Zoologia typica abgebildet: Sciu-
rus Stangeri, Sc. rufobrachiatus, Sc. erythrogenys, Sc. Elphinstonei und
j Anomalurus Fraseri,
14 Wagner: Bericht über die Leistungen in der Naturgeschichte
Myoxina. Ref. bereicherte in diesem Archive $. 182
die Siebenschläfer mit einer neuen Art, dem Myoxzus orobi-
nus, der von Kotschy im Sennar entdeckt wurde.
Von Landbeck erfahren wir, dass in Würtemberg Myozus ni-
tela weit zahlreicher als M. avellanarius und bei Mössingen im Stein-
lachthale ganz gemein ist [Württemb. naturw. Jahresh. 1848. I, S. 89.]
Dipoda. E. Eversmann siellte eine neue Art als
Dipus saltator auf [Bullet. de Mosc. 1848. I. S. 188. tab. 1.
fig. 1].
Seine Diagnose lautet: „D. pedibus posticis 5 -dactylis; dentibus
primoribus superioribus pagina antica laevigala; auriculis longitudine
eapilis; vexillae caudalis basi alba, apice nigro; tibiis tarsisque postieis
nigricantibus; pagina antica alba.“ Gehört unserer Gattung Scirtetes an,
und unterscheidet sich von D. Jaculus und Acontion gleich auf den er-
sten Blick dadurch, dass die Fahne des Schwanzes auf der obern Hälfte
schwarz, auf der untern weiss ist, also umgekehrt wie bei jenen bei-
den Arten. Er ist etwa t/,mal grösser als D. Acontion und wurde in
den Steppen an der obern Tschuja des Altaigebirgs in der Nähe des
chinesischen Vorpostens entdeckt.
Als neue Art kündigte W. Ganıbel den Dipodomys
agilis an [Proceed. Acad. nat, sc. of Philadelph. IV. p. 57].
Farbe oben gelblichbraun, mit dunkler Mischung, unten rein weiss,
was sich bis zur Hälfte der Seiten ausdehnt, Kopf gestreckt, von den
Ohren in eine scharfe Spitze auslaufend; Ohren fast rund, spärlich be-
haart; Augen gross, dunkelbraun, eine grosse Tasche zu beiden Seiten
des Kopfs, äusserlich an den Wangen sich ölfnend, Hinter- und Vor-
derfüsse mit 4 Zehen, nebst dem Rudimente einer fünften. Hinterbeine
sehr lang und stark, Schwanz sehr lang, schmächtig, mit Haaren be-
deckt und in einen Pinsel endigend. Länge 10'/, Zoll mit Einschluss des
Schwanzes, der 6," misst. Schneidezähne 2/, , Backenzähne %/,; die
obern Schneidezähne haben eine Längsfurche. Bewohnt häufig die
Weinberge und Felder von Puebla de los Angelos in Ober-Kalifornien,
gräbt ausgedehnte Gänge und springt mit ausnehmender Leichtigkeit,
bisweilen 10 und mehr Fuss in einem Sprung.
Oryeterina. Der von mir in diesem Archive S. 72
erschienenen „Beiträge zur Kenntniss der Arten von Cteno-
mys* habe ich schon im vorigen Jahresberichte mit Hinwei-
sung auf Waterhouse gedacht.
Murina. An demselben Orte S. 185 hahe ich 3 neue
Arten Mäuse beschrieben.
di der Säugthiere während des Jahres 1848. 15
Sie heissen: Mus fuscirostris, M. limbatus und M. maniculatus.
Beide erstere wurden von Kotschy im Sennar, letztere von Pruner in
Aegypten entdeckt.
Auch Eversmann stellte in den Bullet. de Moscou 1848. I.
$. 191. tab. 1. fig.2 in dem Mus Wagneri eine neue Art auf, mit der
Diagnose: „M. supra caudaque griseo -fuseus, subtus abrupte candidus;
auriculis majuseulis; verruca hallucari lamnata; cauda quam corpus
breviore.© Ist selbst noch kleiner als M. minutus, daher eines der
kleinsten Säugthiere, und wurde in der Steppe zwischen der untern Wolga
und dem Ural-Flusse von Prof. Wagner in mehreren Exemplaren ge-
Funden.
Ein weiterer Zugang erwuchs dieser Gattung in dem Mus cali-
fornieus durch W. Gambel [Proceed. Acad. nat. sc. of Philadelph. IV.
p- 78). Dunkel grau, auf Kopf und Schultern lichter, oben mit Hell-
braun überlaufen, an den Seiten falb, unten weiss. Schwanz fast 5"
lang, dicht mit kurzen steilen Haaren besetzt. Kopf conisch zuge-
spitzt; Ohren gross, gerundet, spärlich behaart, 1‘ lang und 5/, breit;
Körper 4°/, Zoll. Bei Monterey in Ober - Kalifornien gefangen , doch
gieng das Exemplar wieder verloren. Ref. bemerkt, dass diese Art
wohl nicht zu Mus, sondern zu Hesperomys gehören wird.
Ueber die ihm zu Gesicht gekommenen Arten von Me-
riones, oder eigentlich von Rhombomys, theilte Eversmann
fa. a. 0. S.192] sehr erwünschte Aufschlüsse mit und ge-
sellte ihnen auch eine neue Art bei.
Zuvörderst macht er bemerklich, dass während Pallas von sei-
nen beiden Arten: M. tamaricinus und M. meridionalis als Vaterland
die Steppen am kaspischen Meere zwischen der untern Wolga und dem
Ural-Flusse angiebt, E. dagegen von dort her nie eine M. tamaricinus,
wohl aber M. meridionalis und opimus erhalten hat, während ihm der
M, tamaricinus mehrmals aus den Steppen der Songarei zukam.
Dann giebt E. einige Bemerkungen über die Unterscheidung ge-
nannter 3 Arten. Den M. opimus unterscheidet er durch die Doppel-
furchung der obern Schneidezähne von den 2 andern Arten, wobei er
bemerkt, dass er nach Vergleichungen in Berlin nunmehr die von ihm
früher für M. tamaricinus gehaltene Art als M. opimus erkannt habe.
Diese Berichtigung habe ich schon viel früher gemacht und überhaupt
von der fraglichen Art unter dem Namen Rhombomys pallidus zuerst
eine scharfe Charakteristik gegeben, wovon indess E., wahrscheinlich
wegen seiner isolirten Stellung, nichts weiss. — Hinsichtlich des M.
famaricinus und meridionalis bemerkt E., dass ersterer dem Volumen
nach etwa 3—4mal grösser als letzterer ist, und dass an seinen Hinter-
füssen die Sohlen braun behaart , auf der Oberseite aber weiss sind,
während bei M. meridionalis die Sohlen weiss behaart sind, Als ganz
16 Wagner: Bericht über die Leistungen in der Naturgeschichte
ganz irrig rügt E. die Angabe, dass bei M. tamaricinus der Schwanz
geringelt sei, was nur Folge der Eintrocknung zu sein scheint. Die
Haare der Oberseite des Schwanzes sind mit Braun untermengt; die
Spitze ist ganz braun.
Noch besitzt E. einen kleinen Meriones [eigentlich Rhombomys]
aus den kaspischen Steppen, der zwar dem M. meridianus sehr ähnlich
ist, aber doch von ihm specifisch verschieden sein könnte, worüber er
indess nicht sicher zu entscheiden getraut, da er nur ein einziges
Exemplar besitzt ; einstweilen will er nur auf ihn aufmerksam machen,
indem er ihn als Meriones fulous bezeichnet. Derselbe ist noch klei-
ner als M. m.; die Rückenseite ganz einfach lebhaft rothgelb, ohne
Beimischung von Braun [bei M. m. hellgelb, stark mit dunklen Haar-
spitzen gemengt]; die weissen Bauchhaare einfarbig [bei M. m. zwei-
farbig]; der Schwanz oben, unten und an der Spitze einfarbig lebhaft
rothgelb [bei M. m. blass röthlichgelb,, oben mit vielen dunklen Haa-
ren, die Spitze ganz braun]; die Krallen weiss [bei M. m. hornbraun].
Vom Meriones myosuros, den ich früher nur kurz charakteri-
sirte, habe ich nunmehr in diesem Archive $. 183 die ausführliche Be-
schreibung nachgetragen.
A. a. 0. S.184 habe ich auch eine neue Wühlmaus, Hypudaeus
cinerascens, von Kotschy in Syrien entdeckt, beschrieben.
Eine neue Eintheilung der Arten von Myodes nebst Be-
merkungen über 2 derselben legte J. E. Gray vor [Ann. of
nat. hist. 2%. ser. Il. p. 456].
Er rügt es, dass bisher M. hudsonicus nach der Grösse und ei-
genthümlichen Form seiner Vorderkrallen als Art unterschieden wor-
den sei, indem viele von der Hudsonsbai - Compagnie eingesandte
Exemplare zu erweisen schienen, dass die grossen Krallen nur bei et-
lichen Individuen oder vielmehr nur bei dem einen Geschlechte [wahr-
scheinlich Männchen] vorkämen, und dass derselbe Fall auch bei M.
helvolus aus den nämlichen Gegenden eintreten dürfte, Genauere Auf-
schlüsse hierüber, von denen indess G. keine Notiz genommen zu ha-
ben scheint, hat schon früher Th. v. Middendorff ertheilt, worüher
nur unser Jahresbericht vom Jahre 1844 S. 34 eingesehen zu werden
braucht.
Die im brittischen Museum enthaltenen Arten von Myodes ver-
theilt G. also:
I. Obere Schneidezähne schmal, glatt, ohne Längsfurchen; Dau-
men mit zusammengedrückter, gekrümmter, spitzer Kralle,
a) Vorderkrallen einfach: M. Lemmus und helvolus.
b) Vorderkrallen einiger [Männchen ?] oben zusammengedrückt,
unten mit runder, erweiterter, ausgebreiteter Sohle: M, groen-
landious,
der Säugthiere während des Jahres 1848. 17
c) Vorderkrallen einiger [Männchen ?] ‚sehr gross, zusammenge-
drückt, rinnenförmig und mit tiefer dreieckiger Kerbe am
Ende: M. hudsonicus.
lI. Obere Schneidezähne breiter, mit mittlerer Längsfurche; Dau-
menkrallen riemenförmig , abgestutzt und an der Spitze gekerbt: M.
helvolus und trimucronatus.
Ueber die Reduction dieser Arten vergleiche man meinen vorhin
angezogenen Jahresbericht.
Cricelus auralus ist in Fraser’s Zoologia typica abgebildet
worden.
Aeculeata. Von seinem Acanthion Cuvieri erinnerte J. E. Gray
fa. a. 0. 1. S.246] nachträglich, dass Fraser einen Schädel und 2
lebende Exemplare desselben aus Algier, Whitfield andere vom
Gambia gebracht habe. Das von Hodgson im Journ. of the Asiat.
Soc. of Caleutt. 1847 p. 772 als Hystrix alopaeus beschriebene Stachel-
schwein hält G. für einen Acanthion und wahrscheinlich für identisch
mit seinem A. Hodgsonü.
Duplieidentata. Auf accessorische Fortsätze an den Lendenwir-
beln der Hasen machte Stannius aufmerksam [Arch. f. Anatom. S. 397].
Edentata.
Die Wundernetze bei den Faulthieren wurden Gegen-
stand weiterer Untersuchungen sowohl von Schröder van
der Kolk und W. Vrolik, als auch von Hyrtl.
Die beiden erstern gaben von den Wundernetzen des Bradypus
tridactylus, sowohl von den arteriellen als venösen, genaue Beschrei-
bungen und Abbildungen [Bijdragen tot de Dierkunde. Amsterd. I. p.1,
im Auszug in den Münchn. ge). Anzeig. XXVIII. S. 113]. — Hyrtl
legte der Wiener Akademie, wie deren Sitzungsberichte [2tes Heft S. 130]
ausweisen , eine Abhandlung über die Carotiden des Bradypus torquatus
vor. Er weist die Existenz regelmässiger, mit der Zahl der Wirbel
übereinstimmender Anastomosen zwischen der Carotis und vertebralis,
die Gegenwart von Wundernetzen an der vordern und hintern Fläche
der Wirbelsäule, so wie im Verlaufe der temporalis , ophthalmica, in-
infraorbitalis und der aus der Carotis cerebralis entspringenden ethmoi-
dalis nach.
Hyrtl erwähnte eben daselbst [S.130], dass mit dem Verlust
seiner sämmtlichen Habe unter andern auch die Tafeln zu Grunde gin-
gen, welche die Anatomie der Wundernetze des Faulthiers, Seehundes,
Delphins, der einheimischen Nager, der Didelphys murina, des Lagi- -
dium peruanum, so wie mehrerer Vögel darstellten. Ferner verlor er
das ganze Material zur Anatomie des gesammten arteriellen Gefässsy-
stems von Dasypus selosus, welches sich dadurch von den bekannten
Archiv f, Naturgesch. XV, Jahrg. 2. Bd. B
18 Wagner: Bericht über die Leistungen in der Naturgeschichte
Formen unterscheidet, dass die einzelnen Schlagadern des Kopfes, Bek-
kens und Schwanzes, des Samenstranges, der Bauchdecken und der
Gliedmassen sich nicht während ihres Verlaufes baumförmig verzwei-
gen, sondern der Stamm einer Arterie plötzlich in ein Büschel von
strahlig divergirenden Röhren auflöst, welche, ohne sich weiter zu ra-
mificiren, zu ihren Bestimmungsorten gehen.
Gray’s Manis multisculata gelangte in Fraser's Zoolog. typica
zu einer schönen Abbildung.
Bemerkenswerthe Aufschlüsse über die Naturgeschichte
des Ornithorhynchus wurden von J, Verreaux mitgetheilt
[Compt. rend. XXVI. p. 224].
Er stellte seine Beobachtungen auf Vandiemensland an, wo er das
Schnabelthier gemein fand, besonders an den Ufern des New - Norfolk -
Flusses, doch hat er auch einige Individuen auf den hohen Theilen des
Wellington-Berges erlegt. Die Beweglichkeit und Intelligenz des Schna-
belthiers hat er viel beträchtlicher gefunden, als gewöhnlich angege-
ben wird. Besondere Mühe gab sich V. die Art und Weise der Säu-
gung zu ergründen, worüber er Folgendes berichtete. „Da ich eine ziem-
lich beträchtliche Anzahl Erwachsener und Junger zur Verfügung hatte,
so sah ich diese letzteren ihre Mutter begleiten, mit welcher sie spiel-
ten, besonders wenn sie zu weit vorn Lande waren, um Nahrung nehmen
zu können. Ich erkannte es sehr deutlich, dass wenn sie solche sich
verschaffen wollten, sie den Moment benulzten, wo die Mutter zwischen
den Wassergewächsen,, in kurzer Entfernung vom Lande, da wo es
keine Strömung hat, sich hefand. Man begreift leicht, dass einmal ein
starker Druck ausgeübt, die Milch auf kurze Entfernung oben auf
schwamm, und das Junge mit Leichtigkeit sie einschlürfen kann; was
geschieht, indem es sich dreht, um davon sowenig als möglich zu ver-
lieren. Dieses Manöver ist um so leichter zu unterscheiden, als man
den Schnabel mit Schnelligkeit sich bewegen sieht. Ich kann die fette
Flüssigkeit des Weibchens nicht besser als mit den irisirenden Farben,
welche die Sonnenstrahlen auf stillem Wasser hervorbringen, verglei-
chen. Ich habe dieselbe Thatsache alle Tage und Nächte sich wieder-
holen sehen.“ — Wie V. weiter anführt, hat Dr. Casy ?2-Nester, ei-
nes mil einem, das andere mit zwei Jungen gefunden, sämmtlich nackt
und mit kurzem dickem Schnabel, welcher die unter den Haaren der
Mutter verborgene Areola umfassen konnte, um die fette Flüssigkeit
einzuziehen. Die Jungen wandten eine beständige Reibung an, welche
sie auf dem Bauche des Weibchens mit den Füssen ausführten. Nach
Verlauf von 15 bis 20 Tagen sind die Jungen mit Haaren bedeckt und
können schwimmen. — Von den Sporen hat sich V. überzeugt, dass
sie nichts Schädliches hätten,
Indem Owen diese Beobachtungen in den Ann. of nat, hist,
der Säugthiere während des Jahres 1848. 19
2° ser. II. p. 317 zur Sprache brachte, machte er zugleich auf die Fra-
gen aufmerksam, die hinsichtlich des Fortpflanzungsgeschäftes der Schna-
belthiere noch zu lösen übrig geblieben seien.
Solidungula.
Die bedeutenden Ueberreste vom Knochengerüste des
Equus primigenius , welche mir aus Griechenland durch die
Gefälligkeit des Herrn Dr. Lindermayer zukamen, habe
ich in den Abhandl. der mathem. -physikal. Classe der K. B.
Akadem. der Wissensch. V. 2. $.337 u. f. ausführlich be-
schrieben und die wichtigsten Formen durch Abbildungen
erläutert.
Der Umstand, dass das Pferd sich nicht erbrechen kann, wurde
von Flourens in Uebereinstimmung mit der ältern Vermuthung von
Bertin, in der Beschaffenheit der obern Magenöffnung gefunden, in-
dem diese einen Sphincter hat und zugleich ihre Richtung schief ist
[Ann. des sc. nat. X, p. 145 tab. 10].
Pachydermata.
Vor Allem müssen wir hier zur Sprache bringen die
neue systemalische Abtheilung, welche R. Owen für die
ganze Gruppe der Hufthiere in Vorschlag gebracht hat [Con-
tributions lo Ihe history of British Fossil Mammals. I. p. 53;
auch im Quaterly Journ. of the Geolog. Soc. n. 14].
Er hebt die bisherige Eintheilung ganz auf und theilt die sämmt-
lichen Hufthiere zunächst in gleichzehige , Ungulata artiodactyla und
ungleichzehige Ungulata perissodactyla. Schon Cuvier halte auf die-
ses Merkmal bei den Hinterfüssen geachtet und dabei noch auf die da-
mit in Verbindung stehende Verschiedenheit des Sprungbeins aufmerk-
sam gemacht; zu den einen zählte er Schwein und Flusspferd, zu den
andern Tapir, Nashorn und Pferd. Hinsichtlich der Hinterbeine des
Anoplotheriums hatte ebenfalls schon Cuvier gezeigt, dass sie theils
denen der Dickhäuter , theils der Kamele gleichen: jenen durch Tren-
nung der Mittelfussknochen, diesen durch das Vorkommen von bloss 2
Zehen. Zu diesen Angaben gesellten sich nun neuere, die Owen hier
zusammenstellt. Die Trennung der Laufknochen des Anoplotheriums
könnte kein ausschliesslicher Grund für Zuweisung desselben an die
Pachydermen sein, seitdem man dieselbe Trennung beim Moschus aqua-
Kieus, ja überhaupt bei allen Wiederkäuern in einem sehr frühen Le-
bensalter gefunden habe. Der Mangel der obern Schneidezähne und
%0 Wagner: Bericht über die Leistungen in der Naturgeschichte
Eckzähne sei auch kein durchgreifendes Merkmal , zumal seitdem man
rudimentäre obere Schneide- und Eckzähne, so wie auch vordere Lük-
kenzähne bei einem Wiederkäuer entdeckt habe, dem sie im späteren
Alter fehlten. Endlich fände sich eine durchgreifende Verschiedenheit
auch in der Bildung des Magens und Blinddarms, je nachdem man
gleichzehige oder ungleichzehige Hufthiere vor sich habe, wobei 0.
hervorhebt, das der Tapir nicht, wie Cuvier angiebt, einen zusam-
mengesetzten, sondern, gleich dem Nashorn und Pferd, einen einfachen
Magen hat. Darnach giebt nun O. folgende Eintheilung der Hufthiere:
1. Artiodactyla, Zehen in gleicher Anzahl, nämlich 2 oder 4
Magen etwas abgetheilt oder zusammengesetzt; Blinddarm einfach und
mässig gross. Beispiele: Ochs, Schwein, Bisamschwein, Flusspferd.
ll. Perissodactyla; auftretende Zehen an den Hinterfüssen in un-
gleicher Anzahl, nämlich 1 oder 3; Magen einfach ; Blinddarm enorm
oder zusammengesetzt. Beispiele : Pferd, Tapir, Nashorn, Klippschlielfer.
ll. Proboscidea; gleich der vorigen Abtheilung ınit ungleichen
Zehen [5] und verhältnissmässig einfachem Magen und enormem Blind-
darm, aber mit einem langen Rüssel so manche andere Eigenthümlich-
keiten verbindend,, dass sie den Rang einer eignen Abtheilung unter
den Hufthieren verdienen,
Aus den weiteren Bemerkungen Owen’s heben wir noch fol-
gende hervor. Genannte 3 Gruppen unterscheiden sich auch im Zahn-
baue. Die Rüsselhufer haben die wenigsten, aber grössten und am
meisten zusammengesetzten Backenzähne. Bei den gleichzehigen Hu-
fern haben die Backenzähne einen gewissen symmetrischen Charakter,
mit Lappen in regelmässigen Paaren, während sie bei den ungleichze-
higen Hufern, insbesondere die des Oberkiefers, gewöhnlich von schie-
fen Leisten durchzogen sind. Bei den ersteren sind auch die Hörner
nach der Quere symmetrisch geordnet, bei den letzteren ist diess nicht
der Fall. Ferner hat bei den ungleichzehigen Hufern das Oberschen-
kelbein einen dritten Umdreher, bei den gleichzehigen nicht. Weiter
haben die gleichzehigen Hufer alle dieselbe Anzahl ächter Wirbel,
nämlich, ausser den Halswirbeln, 19 Rücken- und Lendenwirbel, we-
der mehr, noch weniger ; dagegen ist diese Zahl beträchtlich grösser
bei allen Ungleichzehern, wo sie zwischen 22 [Nashorn] und 29 [Klipp-
schliefer] wechseln; ein Verhältniss, das auch bei denjenigen urwelt-
lichen Hufthieren, von denen ganze Skelete gefunden wurden, sich
durchgreifend gezeigt hat. Endlich ist noch O. durch den Umstand,
dass es Wiederkäuer mit nur dreifachem Magen giebt, und dass auch
bei einem Känguruh, welches ebenfalls einen sehr zusammengesetzten Ma-
gen hat [wenn gleich in anderer Weise als die Ruminanten] ein Akt
von Wiederkäuen beobachtet wurde, bestimmt worden, weniger Gewicht,
als es in der Regel geschieht, auf den wiederkäuenden Magen zu le-
gen, um darnach die als Wiederkäuer bezeichnete Ordnung für eine
wohlbegrenzte und naturgemässe anzuerkennen, Indem nun schliesslich
der Säugthiere während des Jahres 1848. 21
die grossen Lücken zwischen den lebenden Gattungen der Hufthiere
durch die ausgestorbenen immer mehr ausgefüllt werden, kommt Owen
zu folgender Anordnung der Hauptgattungen unter den Hufthieren.
Artiodactyla. Perissodactyla.
Anoplotheriun.
Chalicotherium,
Palaeotherium.
Paloplotherium.
Dichobune. Lophiodon.
Cainotherium. Coryphodon.
Xiphodon. Tapirus.
8 Moschus. Macrauchenia.
3 Antilope. Nesodon.
-S Ovis, Hippotherium.
E
S Bos, Equus.
Cervus. Elasmotherium.
Camelopardalis. Hyrax.
Camelus. Rhinoceros,
Merycotherium. Acerotherium.
\ Merycopdtamus.
Hippopotamus. Proboscidea.
Dichodon. Elephas.
Hyracotherium. Mastodon,
= Hyopotamus.
S Anthracotherium.
‘= Hippohyus.
: Choeropotamus,
S Adapis ?
- Dicotyles.
Phacochoerus.
Sus.
Dabei bemerkt Owen, dass Dinotherium einen Uebergang von den
tapirartigen Hufern zu den rüsseltragenden zu machen scheine, zugleich
mit entschiedener Hinneigung zu den Sirenen, und dass Toxodon zu
den Nagern hinweise, ebenfalls aber auch mit Anzeichen von Verwandt-
schaft mit den Sirenen.
Um zuletzt unser Urtheil über den vorgelegten Schematismus von
Owen auszusprechen, so müssen wir die Umsicht und den Scharf-
sinn bewundern, mit welchem dieser ausgezeichnete Naturforscher da-
bei zu Werke gegangen ist, und wir wüssten seinen Gründen im We-
sentlichen nichts Stichhaltiges entgegenzusetzen, freuen uns vielmehr,
dass neue wichtige Anhaltspunkte zur richtigen Stellung der unterge-
gangenen Gattungen der Hufer gewonnen worden sind; nur das Eine
möchten wir uns reserviren , dass die Ruminantia nicht einfach unter
die Artiodaciyla yntergesteckt würden, sondern als gleichwerthige Ab-
92 Wagner: Bericht über die Leistungen in der Nalurgeschichte
theilung neben die Artiodactyla non -ruminantia und Perissodactyla
[letztere mit oder ohne Ausschluss der Proboseidier] zu stehen kämen.
Es drängt uns hiezu nicht etwa bloss die Vorliebe für eine uns geläu-
fig gewordene alte Gruppirung, sondern hauptsächlich der Umstand,
dass eben doch der Wiederkäuermagen und das Wiederkäuen selbst
unter den übrigen Hufthieren nicht ihres Gleichen finden, denn das
Känguruh, auch wenn sein Wiederkäuen nicht krankhafter Natur wäre,
gehört doch nicht zu den Hufern und sein Magen ist von ganz anderer
Art, als der der Wiederkäuer. Also nur darin würden wir von dem
genialen englischen Systematiker abweichen, dass wir seine beiden Un-
terabtheilungen der Artiodactyla gleichwerthig neben seine beiden an-
dern Hauptgruppen, die Perissodactyla und Proboscidea, hinstellen
würden.
Von diesem Gesichtspunkte ist auch wohl Pomel geleitet wor-
den in einer der pariser Akademie vorgelegten Eintheilung der Huf-
thiere, die nur die vonOwen wiederholt, obgleich dieser nicht genannt
wird, was wohl bloss auf Rechnung des sehr verkürzten Auszuges, der
in den Compt. rend. XXVI. p. 686 und Rev. zool. p. 181 geliefert wurde,
kommen kann.
In dem vorhin angeführten Schema von Owen sind 3
neue, von ihm errichtete Gattungen bereits mit aufgenommen:
Dichodon, Hyopolamus und Paloplotherium.
Da es mir unmöglich fällt, die charakteristischen Merkmale die-
ser Galtungen in der Kürze, wie sie unser Jahresbericht erfordert, an-
zugeben, so sehe ich mich genöthigt auf die höchst genauen, von schö-
nen Abbildungen begleiteten Beschreibungen Owen’s in seinen Con-
tributions to the History of British Fossil Mammals, first series, zu
verweisen,
Höchst bedeutende „Beiträge zur Anatomie des Ele-
phanten und der übrigen Pachydermen“ hat C. Mayer in
Bonn geliefert [Nov. act. academ. nat. cur. XXI. I. p. 1 mit
9 Steindrucktafeln].
Am ausführlichsten sind die Beiträge zur Kenntniss des innern
Baues des Elephanten. Bei den Halswirbeln hebt es der Verf. her-
vor, wie sie so ganz auffallend den Typus der Halswirbel der Cetaceen
darbieten. „Der Atlas und Epistropheus ist stark entwickelt, dagegen
sind der 3te bis 7te Halswirbel nur dünne Ringe. Die Halswirbel un-
seres jungen Elephanten, mit denen eines Skelets vom Narwall von 25°
verglichen, zeigen die frappanteste Aehnlichkeit. Diese Aehnlichkeit
des Elephanten mit den Cetaceen spricht sich auch in der Form der
Schädelhöhle, der Geräumigkeit der Nares, der Kleinheit der Nasen-
beine und in der Asymmetrie des Schädels aus,* — Von einem jungen
weiblichen Tapir und einem Fötus desselben liefert hier ferner der
der Säugthiere während des Jahres 1848. 93
Verf. die Untersuchung der Eingeweide [S. 62). Vom Magen sagt
er: „der Magen ist derbhäutig und muskulös; er bildet einen kurzen
eonischen Blindsack, einen mittleren rundlichen Theil und eine Pars
pylorica, welche von diesem durch eine quere, derbe, halbmondförmige
Falte getrennt ist und noch, vor dem Pylorus, eine kleine Einschnürung
zeigt. Die Längsachse des Magens beträgt 9°; von der Cardia zum
Pylorus sind es 3” und die Höhe des Magens ist 4”. Die innere Flä-
che des Magens hat starke Längsfalten. Im Saccus coecus bemerkt man
viele warzenförmige Erhabenheiten.* — Auch über den innern Bau des
Babirussa, der beiden Arten von Nabelschweinen und des ge-
meinen Schweines sind erhebliche Aufschlüsse beigebracht.
Ueber die Verschiedenheit der Mastodonten in verschiedenen
Gebirgen legte Pomel einige Bemerkungen vor [Bull. geol. p. 257;
Jahrb. f. Min. S. 859].
Der Liste der Säugthiere aus den eocenen Süsswassergebilden von
Alais [Gard), welche Gervais neulich publieirte [Pterodon Requieni,
Tylodon Hombresii, Palaeotheriun medium und Dichobune cervinum]
hat er einen Pachydermen aus der Familie der Palaeotherien, zur Gat-
tung Anchitherium [Hipparitherium] gehörig, beigefügt; eine Gattung,
die bekanntlich Palaeotherium Aurelianense zum Typus hat. Das An-
chitherium von Gard ist wahrscheinlich von derselben Art als P. mon-
spessulanum [Instit. p. 176].
Die Gehörorgane des Mammuths wurden von Claudius an
einem bei Weimar in einem Süsswasserkalkbruche ausgegrabenen Schä-
del erläutert |Froriep’s Notizen. VIII. S. 145 mit Abbild.].
Blainville behandelte im 23. Hefte seiner Osteographie die
Gattung Anoplotherium nebst den mehr oder minder differenten Gattun-
gen: Xiphodon, Dichobune, Adapis , Chalicotherium, Cainotherium, Mi-
erochoerus, Merycopotamus, Hippohyus, Paloplotherium, Dichodon, Hyo-
potamus.
Zur Naturgeschichte der Gattung Rhinoceros er-
schienen verschiedene Beiträge.
J. F. Brandt wies im Bullet. de Mose. VII. p. 305 Spuren
von Sclneidezäbnen oder ihrer Alyeolen bei Rhinoceros tichorhinus
nach. Schon Pallas hatte am vordern Alveolarrande des Unterkiefers
eines am Flusse schikoi gefundenen Schädels 4 in gleichen Abständen
befindliche kleine Gruben bemerkt; eben so sah er auch am vordern
Ende des Alvevlarrandes des Zwischepkielers 2 ähnliche kleine Gruben,
die er gleich den andern für Alveolen erklärte. Bei genauerer Unter-
suchung desselben Schädels, fand Brandt in dem einen Grübchen des
Zwischenkiefers einen kleinen kegelförmigen, 4 Linien langen Zahn. Ue-
berhaupt zeigen sich solche Alveolen nicht selten im Oberkiefer, ja in
einem Falle sah er vor der genannten Grube noch eine zweite. Uebri-
24 Wagner: Bericht über die Leistungen in der Naturgeschichte
gens erfolgt das Schwinden der obern Schneidezähne je nach den In-
dividuen, in sehr verschiedenen Altersperioden. An 3 Schädeln fand B.
4 in gleichen Entfernungen stehende, eine ähnliche Stellung, wie die
Alveolen bei Rh. bicornis und selbst wie bei Rh. javanicus, indicus und
sumatranus einnehmende Grübchen, in deren einem selbst ncch ein klei-
‚nes, nur 1'/, Linien langes Zähnchen steckte.
Nach einer Mittheilung von Paravey [Compt. rend. XXVI. p. 425]
sollen in mehreren älteren naturhistorischen Werken der Chinesen 5
Arten von Rhinoceros unterschieden werden, davon eines 3, ein ande-
res 2, und die 3 übrigen 1 Horn tragen.
Fresnel, französischer Consul in Djedda, sammelte
Nachrichten über die Existenz eines einhörnigen Nashorns
in Africa ein [Compt. rend. XXVI. p. 281], verschieden von
dem zweihörnigen, das schon Bruce aus Abyssinien be-
schrieben hatte.
Dieses einhörnige Nashorn, von den Arabern Abu-Karn [Besitzer
eines Horns] genannt, ist in Waday oder Dar-Sulayh zu Hause, einem
Lande zwischen Darfur und dem Tschadsee. Ein Araber, der dieses
Thier zwar nicht gesehen, aber von ihm gehört hatte, gab an, dass das
Horn zwischen den Augen stehe. Ein anderer, der es aus Autopsie
kannte und befragt wurde, ob der Abu-Karn ausser dem Horn zwischen
den Augen auch noch eins auf der Nase habe, gab zur Antwort, dass
dieses Thier zwar 2 Höcker, rechts und links auf der Stirne hätte, dass
diese Höcker aber keine Hörner wären. Letzterer Angabe ist offenbar
mehr Vertrauen als der erstern zu schenken, um so mehr, als sie die
fabelhafte Stellung des Horns auf der Nase entschieden zurückweist.
Das Reem der Bibel könnte also doch in diesem einhörnigen Rhinoceros
des östlichen Sudans sein Original finden.
Bei dieser Gelegenheit will Ref. noch zufügen , dass Bruce’s
hart, und meist mit Unrecht, angefochtene Glaubwürdigkeit sich doch
auch hinsichtlich seiner Angahe von einhörnigen Nashörnern im nord-
östlichen Afrika immer mehr zu bewähren scheint. Seine Aussage, dass
sich mitunter beim Nashorn selbst 3 Hörner hintereinander finden , ist
ohnedies schon durch Pallas ausser Zweifel gesetzt, indem dieser
ein solches dreifaches Horn, wovon das vordere 18, das mittlere 12 und
das hintere 8“ hoch war, in den Nov. comment. acad. Petropolit. vol,
XIII beschrieb. — Noch habe ich nachträglich zu erwähnen, dass von
dem zweihörnigen Nashorn des nordöstlichen Afrikas, das sowohl von
Bruce alsFresnel gemeint ist, und wovon ich bisher in der Meinung
stand, die erste naturgetreue Abbildung unter dem Namen Rhinoceros cu-
eullatus geliefert zu haben, lange vor mir, und zwar nach demselben, un-
serer Sammlung angehörigen, Exemplare eine bildliche Darstellung be-
kannt gemacht worden ist, Blumenbach nämlich hat seine werth-
der Säugthiere während des Jahres 1848. 25
vollen Anmerkungen zu Volkmann’s Ueberseizung von Bruce's Rei-
sen im Vten Bande S. 284 tab. 45 eine vortreffliche Abbildung unsers,
damals noch im Mannheimer Kabinet befindlichen abyssinischen Nas-
horns, jedoch ohne weitere Beschreibung [mit Ausnahme etlicher Maass-
angaben] beigefügt; gedachter Band erschien schon im Jahre 1791,
diese Abbildung ist aber bisher immer übersehen worden.
Ruminantia.
Hyrtl hat bei Wiederkäuern und Pachydermen Nasal-
wundernetze aufgefunden [Sitzungsberichte der kais. Akad,
d. Wissensch. Wien I. 1. S. 125].
Sie gehören jenen Wänden der Nasenhöhle an, in welche sich
die Tastnerven des quintus verästeln: unterer Theil der Nasenscheide-
wand, Boden und Seitenwand der Nasenhöhle, so wie untere Nasen-
muschel. Das Siebbein-Labyrinth bleibt von Wundernetzbildungen
frei. Die Nasalwundernetze sind Erzeugnisse der Art. sphenopalatina,
welche bei den genannten Thiergattungen auffallend stark 'gefunden
wird. Die Arten, bei welchen die Wundernetze beobachtet wurden,
sind: Ovis aries, Capra hircus, Cervus elaphus, Lama und capreolus,
Antilope rupicapra, Bos taurus, Sus scrofa domestica. Nach den Spu-
ren zu urtheilen, welche die Wundernetze auf den von ihnen bedeck-
ten Knochen zurücklassen, dürfte ihr Vorkommen eine allgemeine Re-
gel in der Ordnung der Wiederkäuer sein.
T'ylopoda. Als Beitrag zur Kenntniss der geographischen Ver-
breitung des Kameels mag es hier in Erwähnung kommen, dass J.
Duncan auf seiner Reise, die er von Dahomey aus weiter in das In-
nere von Westafrika unternahm, von den Städten Zabakano, Gruba und
Sagdo berichtet, dass hier Kameele und Elephanten zahm angetroffen
werden [Travels in Western Africa in 1845 and 1846].
Cervina. In den nov. act. acad. nat, cur. XXI. 1.
S. 343 machte G oldfuss seine Beschreibung der „Knochen-
reste eines in der Papierkohle des Siebengebirges aufgefun-
denen Moschnsthieres“ bekannt,
Das fossile Skelet hat ohngefähr die Grösse des Moschus Napu.
Nach einer brieflichen Mittheilung H. v. Meyer’s an G. dürfte dasselbe
zu Palaeomeryxr medius gehören ; bis zur definitiven Entscheidung hier-
über will es G. als Moschus Meyeri bezeichnet wissen.
Wegen der Anwesenheit der Gallenblase erklärt Owen, abge-
sehen von andern Familien - Charakteren, dass die Antilopen den Mo-
schusthieren näher stehen als die Hirsche [Contribut. to the hist,
of Brit, Foss, Mamm, 1. p. 66].
%6 Wagner: Bericht über die Leistungen in der Naturgeschichte
Die Hefte 19—22 von Schinz Monographien der Säugthiere
enthalten den Anfang von der Darstellung der Gattung der Hirsche,
In der Zoologia typica hat Fraser die Abbildungen von Mo-
schus Stanleyanus, Cervus humilis und Cervus barbarus Benn. milge-
theilt. — Eıstere Art ist hinlänglich bekannt; von der zweiten ist nur
das Weibchen abgebildet, da das Männchen noch immer unbekannt ist.
Cervus barbarus ist in mehreren lebenden Exemplaren verschiedenen
Alters und Geschlechtes nach England gebracht und von Bennett mit
obigem Namen belegt worden, ohne dass bisher eine Beschreibung die-
ser Hirsche erschienen wäre. Auch Fraser begnügt sich, eine Ab-
bildung des Männchens vorzulegen und im Text nur zu bemerken, dass
Bennett wahrscheinlich deshalb die Publikation unterlassen habe,
weil er im Zweifel gewesen sei, ob dieser tunesische Hirsch nicht
identisch mit dem korsischen sein möchte, was wohl der Fall sein
dürfte. Ausser Tunis kommt er noch in einigen Theilen Algeriens vor.
Ueber den Edelhirsch und das Moschusthier aus
dem Altai machte Eversmann einige beachtenswerthe Be-
merkungen bekannt [Bullet. de Moscou. 1848. 1. S. 197].
Der Edelhirsch [Cervus Elaphus] des Altai ist ein Riese im
Vergleich mit dem europäischen. Aus dem Umstand, dass in der gros-
sen Länderstrecke von Russlands westlichen Grenzen bis zum Altai
dieses Thier fehlte, entstand die Vermuthung,, ob nicht der sibirische
Edelhirsch vom altaischen specifisch verschieden sei. Es konnte je-
doch E., ausser der Grösse und dem im Winter grauen Pelze, durch-
aus keinen Unterschied finden. Unter diesen Umständen war es E.
höchst interessant, als er vor zwei Jahren die Entdeckung machle,
dass wirklich Edelhirsche noch jetzt im südlichen Ural vorkommen,
indem ihm von da ein Baschkir ein Paar frischer Geweihe überbrachte.
Dass sie bisher übersehen wurden, mag von dem Umstande herrühren,
dass Elenn- und Edelhirsch im Russischen denselben Namen [Olen]
führen. Uebrigens mag letzterer am Ural allerdings sehr selten sein,
da der dortige strenge und schneereiche Winter ihm nicht günstig ist.
Im Altai fällt [sonderbar genug] nur äusserst wenig Schnee, so dass
die Jagd auf die grossen Thiere gewöhnlich im December und Januar
unternommen wird. — E. macht ferner darauf aufmerksam, dass Je-
mand, der dazu Gelegenheit hätte, das altaische Moschusthier mit
dem tibetanischen vergleichen möchte, ob nicht darunter 2 Species
stecken dürften. Der altaische Moschusbeutel ist nämlich ganz anders
beschaffen [in Hinsicht seiner medicinischen Kräfte] als der tibetanische;
er steht fast auf Unwerth, man kann ihn zu Zeiten für /, Silberrubel
kaufen, während für einen tibelanischen gegen 15 Rubel Silber bezahlt
wird. Ich erinnere hierbei, dass schon Th. Martius in seinem Lehrb.
der pharmaceut, Zool, ähnliche Vernuthungen ausgesprochen und die
der Säugthiere während des Jahres 1848. 97
Unterschiede der altaischen und tibetanischen Moschusbeutel beschrie-
ben und durch genaue Abbildungen erläutert hat.
Eine neue Hirschart stellten Cabanis und Rich. Schom-
burgk unter dem Namen Cervus savannarum auf [Reisen in
Brilisch-Guiana. I]. S. 785].
„Hat Aehnlichkeit mit dem €. virginianus und ©. mangivorus
Schrank, C. gymnotis Wiegm. Besonders kommt er dem €. virginia-
nus in der Form und Bildung des Geweihes sehr nahe, unterscheidet
sich aber von diesem durch viel geringere Grösse und somit auch durch
schwächeres, weniger entwickeltes Geweih. Non €. mangivorus, den
er in der Grösse weniger auffallend überragt, und dem er in der Fär-
bung und Zeichnung sehr ähnlich sieht, unterscheidet er sich durch
stärkeres, in der Form dem des €. virginianus annäherndes Geweih,
und durch behaarte, nicht nackte Ohren. Ein fernerer Unterschied in
der dunklen Zeichnung am Kopfe ist der, dass an der Unterlippe nur
an jeder Seite ein dunkelbrauner Fleck ist, und dass diese Flecke nach
unten nicht zusammenstossen. Ganze Länge etwa 5’. Schwanz 3+ 4",
mit der Behaarung etwa 5%, Zoll.“ Nur über die grosse Savanne
verbreitet, wo man ihm vereinzelt, höchstens in Rudeln von '3 bis 4
Stück begegnet, übrigens gemein, so dass Schomburgk’s Jäger we-
nigstens 200 Stück erlegten.
Dass Megaceros hibernicus nicht bloss in Irland, sondern auch
in England vorkommt , hat Owen in seinen Contributions to the
hist. of Brit. Foss. Mammals. 1. p. 26, seinen Gegnern gegenüber, aus-
ser allen Zweifel gesetzt; dabei auch nachgewiesen, dass er gleich-
zeilig mit Mammuth, Nashorn und andern ausgestorbenen Säugthieren
aus der Bildungsperiode der jüngsten tertiären Süsswasser - Ablagerun-
gen gelebt habe, und dass durch keine Thatsache verbürgt werde, dass
seine Lebens -Existenz bis in die historischen Zeiten herein sich er-
streckt hätte.
Cavicornia. Die meist sehr seltenen und ungenau ge-
kannten Antilopen: Antilope Bennelti, A. Cuvieri, A. Doria,
4.Ogilbyi und A. Kob hat Fraser in seiner Zoologia Iypica
durch schöne Abbildungen genauer kennen gelehrt.
Zu Ogilby’s A. Kob zieht Fraser als synonym A. adenota H,
Smith, und als Weibchen Gray’s A. annulipes.
Aufein eigenthümliches Wildschaf der Songarei machte
Eversmann aufmerksam [Bullet. de Moscou. 1848. 1. p. 197].
Das hohe Gebirg Ala-Tau der Songarei wird von einem wilden
Schafe bewohnt, das zwar Ovis Argali sehr ähnlich ist, jedoch viel-
leicht spezifisch verschieden sein dürfte, worüber indess E. nicht zu
98 Wagner: Bericht über die Leistungen in der Naturgeschichte
bestimmen wagt, da er nur ein Exemplar besitzt. Die Hörner sind
weit kleiner als bei O. Argali, etwa nur doppelt grösser als bei dem
Weibchen des letztern und weit weniger gebogen. Nun könnte man
zwar dieses Exemplar von E. für jung halten, allein die Eingebornen
jener Gebirge, denen es unter dem Namen Kuldscha bekannt ist,
behaupten, es werde nicht grösser. Ausserdem unterscheidet sich die-
ses Schaf vom Argali dadurch, dass das Gesäss dieselbe rostgelbe Farbe
hat wie der übrige Körper, während beim Argali Gesäss und hinterer
Theil der Hinterbeine weiss ist.
Ovis Gmelini Blyth wurde durch Fraser in der Zoolog. typica
in einer schönen Abbildung dargestellt.
Ueber die Entwicklung der Geschlechtstheile des Schafs, mit
Rücksicht auf die abnormen Bildungsverhältnisse, rückte H. Meckel
einen Aufsatz in die Zeitung für Zoolog., Zootom. und Palaeozool.
S. 93 ein.
Schimper, der unermüdliche, in die Zoologie wie
in die Botanik eingeweihte Reisende, entdeckte eine 3te Art
von europäischen Steinböcken [Compt. rend. XXVI. p. 318;
Rev. zool. p. 90].
Dieser Steinbock ist ziemlich gemein in der Sierra Nevada und
der Sierra- de Ronda, wo Sch. 8 Stück zusammenbrachte und wo das
Thier unter dem Namen Capra montes oder Montesa allgemein bekannt
ist; ein 9tes Exemplar erhielt er von Maladetta in den Pyrenäen, wo
indess selbiges ganz unbekannt ist. Grösse und Form ist wie beim
Beden. Der Pelz ist kurz, ohne Flaum, falbbraun, unten und auf der
Innenseite der Gliedmassen schmutzig weiss. Ein schwarzer Fleck auf
dem Hinterkopf zieht sich als Binde längs des Rückgraths fort. Der
Bart ist kurz, schwarz und abgestutzt; der Vordertheil der Beine schwarz;
ein schwarzer Streif trennt ebenfalls die braune Rückenseite von der
weisslichen Bauchseite. Die Hörner sind gross, dick, an der Wurzel
fast zusammenstossend, dreieckig, mit schneidender und einwendig ge-
richteter Kante, mit Querwülsten, die bei den Alten verwischt, bei den
Jungen sehr deutlich sind; sie erheben sich gerade auf der Stirn und
fast parallel, um sich alsdann plötzlich von einander zu entfernen un-
ter Beschreibung eines Bogens, der sich etwas gegen den Horizont
neigt; gegen die Spitze wenden sie sich wieder gegen die Achse und
richten sich wieder auf, indem sie einen halben Umgang beschreiben.
— Das Weibchen ist kleiner, ohne alle Spur von Bart, mit kleinen
und etwas zusammen gedrückten Hörnern. Schimper giebt diesem
Steinbock den Namen Capra hispanica.
Ueber die Ziegenrassen auf Mauritius gab G. Clark ziemlich
ausführliche Erörterungen [Ann. of nat. hist, 2°, ser. Il, p. 361].
der Säugthiere während des Jahres 1848, 29
Pinnipedia.
,
Die Bearbeitung der Robben für die allgem. Ency-
klopaedie von Ersch und Gruber übernahm Burmeister.
Sie findet sich im XXIV. Theil unter dem Artikel Pkoca und
ist sowohl in zoologischer als anatomischer Hinsicht vortrefflich durch-
geführt. i
Hinsichtlich einer bei Salem an der Nordküste der Vereinigten
Staaten getödteten Robbe blieb Lesson [Rev. zool. p. 1] in Ungewiss-
heit, ob er sie der Phoca vitulina oder Ph. foetida zutheilen solle,
was man auch uns seiner Beschreibung nicht entnehmen kann, da er
in derselben gerade diejenigen Merkmale unberücksichtigt gelassen
hal, durch welche man beide Arten sehr leicht und sicher von einan-
der unterscheiden kann.
Cetacea.
Ueber neuerdings von dem Praeparanten des zoologi-
schen Museums in Petersburg, J. Wosnesenski, von der
Berings-Insel eingesandie Skeletreste der Rhylina borealis s.
Stelleri erstaltete Brandt einen kurzen Bericht [Bullet. de
Petersb. VI. p. 46].
Sie bestehen aus einem vollständigen Schädel mit dem Unter-
kiefer, dem Atlas, 3 Fragmenten von Rippen und 3 Knochen, deren
Bedeutung noch ungewiss erscheint. Der Gesammteindruck des Schä-
dels deutet entschieden auf grössere Verwandtschaft mit dem Manati
als mit dem Dujong hin.
Nach der Zahnform will Lesson 3 Arten Physeter un-
terscheiden [Descript. de mammif. p. 167].
Diese sind Ph. macrocephalus, Ph. breviceps Blainv., der indess
eher ein Delphin sein könnte, und Ph. pterodon, eine neue Art, die
Lesson nach einem von seinem Bruder mitgebrachten Zahn aus der
Südsee zu errichten sich berechtigt ansah. Gedachter Zahn ist weni-
ger als 6 Centim. lang, bei 2 Breite, im Innern tief kegelförmig aus-
gehöhlt; der Wurzeltheil 2*/, Centim. lang, vollkommen cylindrisch
und mit kreisformigen Wellenlinien garnirt; der Kronentheil konisch,
elwas rückwärts gekrümmt und beiderseits mit einer vorspringenden
und schneidenden Kante eingefasst. Ref. meint denn doch, dass man
auf einen so unvollständigen Anhaltspunkt hin noch kein Recht habe,
eine neue Art fesistellen zu wollen.
30 Wagner: Bericht über Säugthiere i. J. 1848..
Ueber Chorion und Uterindrüsen des Delphins machte Stannius
im Arch. für Anat, S. 402 seine Untersuchungen bekannt.
In den Proceed. of the Acad. of nat. sc. of Philadelph. IV. p. 57
erklärte sich Gibbes nach weiteren Untersuchungen für berechtigt,
seine Gattung Dorudon, die er auf Owen’s Autorität bei Zeuglodon
untergebracht hatte, wieder herzustellen. — Eben daselbst $.4 stellte
Agassiz eine neue urweltliche Gattung unter dem Namen Sauroce-
tus auf. — Ehrlich machte in Haidinger’s Berichten IV. $. 197
Abbildungen von Schädeltheilen des in Oberösterreich anfgefundenen
Zeuglodon bekannt.
Bericht über die Leistungen in der Natur-
geschichte der Vögel während des
Jahres 1848.
Von
Dr. G. Hartlaub
in Bremen.
Eine Zeit, wie die Unsrige, hat nothwendig wenig auf-
munlerndes für Arbeiten rein wissenschaftlicher Art, und es
ist beinahe zu verwundern, dass die Ornithologie nach wie
vor eine nicht ganz geringe Anzahl von Freunden zählt, wel-
che entweder durch schriftstellerische Thätigkeit zur Förde-
rung derselben beitrugen, oder welche durch Anlagen von
Sammlungen oder doch wenigstens durch ihre Betheiligung
an litterarischen Unternehmungen im Fache der Ornithologie
ihr Interesse für diesen Zweig der Thierkunde an den Tag legen.
Die letztere Klasse ist namentlich zahlreich vertreten in Eng-
land. Das umfangreichste und kostspieligste aller ornitholo-
gischen Prachtwerke, Gould's „Birds of Australia,“ gedieh
dort ohne alle Unterstützung von Seiten der Regierung zum
Schlusse, und eine Reihe ähnlicher grossarliger zoologischer
Publicationen nahm ihren ungestörten Fortgang. Dagegen ist
in Frankreich ein vortreffliches Werk, Desmurs „lconogra-
phie Ornithologique* aus Mangel an der nölhigen Theilnahme
ohne Fortselzung geblieben, und in Deutschland würde es,
unserer Ueberzeugung nach, zunächst geradezu unmöglich
sein, ein ornithologisches Kupferwerk miltleren Umfangs bloss
durch die Gunst des Publicums zum Erscheinen zu bringen.
— In der Zahl der neuentdeckten Arten scheint die fast er-
freulich zu nennende Abnahme, deren wir für das Jahr 1847
erwähnten, andauern zu wollen. Die Mehrzahl derselben ge-
32 Hartlaub: Bericht über die Leistungen in der Naturgeschichte
hört Asien an; auch America lieferte des Neuen noch viel,
weniger seit kurzem Australien, und am wenigsten Africa.
Das Verzeichniss der Vögel Europas dürfte wohl als geschlos-
sen zu betrachten sein. — Unter den systematischen Arbei-
ten beanspruchen die sehr eigenthümlichen Kaup’s mit Recht
eine hervorragende Stellung. Ein nicht geringes Interesse
werden diese Arbeiten selbst bei denen erwecken müssen,
welche, wie Ref., den in denselben ausgesprochenen Ansich-
ten zunächst nicht beistimmen können, und welche, wie Ref.,
nun und nimmer dahin kommen werden, in dem weisslichen
Streifen an der Halsseite der Eisvögel eine Andeulung der
Fischkieme zu erkennen. — Um unsere bis daher nur sehr
fragmentarische und ungenügende Bekanntschaft mit den aus-
gestorbenen drontenartigen Vögeln haben sich fast gleichzei-
tig englische und russische Gelehrte in höchst ausgezeichne-
ter Weise verdient gemacht.
Unter den ornithologischen Arbeiten allgemeineren In-
halts verdient zunächst ein Aufsatz Kaup’s auf Seite 194 der
Isis „über die Charactere der Vögel“ Erwähnung.
Derselbe sucht darin in gewohnter schroffer Weise seine ei-
genthümlichen Ansichten von Systematik und philosophischer
Zoologie zu begründen. Mit Recht wird die Eintheilung der
Singvögel nach ausschliesslicher Berücksichligung des
Singmuskelapparats als durchaus künstlich und nicht durch-
führbar angegriffen und widerlegt.
C. Fuhlrott Characteristik der Vögel, als Ein-
leitung in die Näturgeschichte dieser Thierklasse. Elberfeld
in 12mo. Der erste und zweite Abschnilt dieses Schriftchens
sind der Anatomie des Vogelkörpers gewidmet, der dritte
der äusseren Bekleidung und Topographie desselben; der
vierte behandelt die Ernährung, Fortpflanzung, Bewegung und
„die Empfindungsweise* der Vögel, d. h. den Instlinct, das
Wandern und die Stimme derselben,
A. B. Reichenbach Naturgeschichte der Vö-
sel für Gebildete aller Stände, Heft 1 und 2. Jedes
Heft enthält 4 schlecht colorirte Abbildungen und Text dazu.
25 Helte sollen erscheinen. Ein sehr überflüssiges Unternehmen,
der Vögel während des Jahres 1848. 33
* Edw. Stanley „a familiar history of Birds“
edit. 4, with additions. London 1848. Ein in Deutschland
wenig gekanntes aber in England (wie wir erfahren mit Recht)
geschätztes populäres ornithologisches Buch.
Alphons Blanc Legons de Zoologie generale pour
servir d’introduelion a l’elude de l’Ornithologie publiee sous
les auspices de M. Isid. Geoffroy St. Hilaire. Paris. 9%, Bo-
gen. Es gelang uns nicht dieses Buch zur Ansicht zu er-
halten. Der letztgenaunte Name hat übrigens einen gulen
Klang und lässt Gutes vermulhen.
Sir W.Tardine Contributions to Ornilhology
for 1848. Der erste Band dieses in unbesliimmten Zwischen-
räumen herauszugebenden Werkes liegt vor uns.
Dasselbe schliesst sich in würdiger Weise an die früheren werth-
vollen Arbeiten des Verfassers und enthält in drei Heften: 1) Winke
für die Zubereitung und Uebersendung ornithologischer Exemplare aus
fernen Gegenden; 2) Papyrographie und deren Anwendbarkeit für or-
nithologische Abbildungen; 3) Ornithologischer Kalender für 1849; 4)
Abbildungen und Beschreibungen von Turdus zanthoscelus, Chrysoptilus
Kirkii, Pericrocotus erylhropygius, Muscicapa hemileucura, Heterura syl-
vana, Scops cristala, Tityra surinama und Timalia leucotis; 5) Anato-
mische Notizen über Ortalida ruficauda und Penelope cristata. Papy-
rographie nennt Jardine eine eigenthümliche Anwendung des anasta-
tischen Druck’s oder die Uehertragung einer mit öligem Material auf
Papier gemachten Zeichnung auf eine Zinkplatte. Die papyrographischen
Abbildungen dieses Werkes wurden von Strickland ausgeführt und sind
recht hübsch; es scheint jedoch die Manier selbst weitere Vervollkomm-
nung zuzulassen.
G. R. Gray’s grosses Werk „The Genera o[Birds*
nahm einen regelmässigen Fortgang und wird mit dem 50sten
Hefte vollendet sein. Unser früher mitgetheiltes Urtheil hin-
sichtlich desselben hat im Verlaufe der Publication keine we-
senlliche Modification erfahren. Die untadlige Schönheit der
Abbildungen blieb sich gleich; der Text leidet nach wie vor
an den schon erwähnten und freilich wohl kaum zu vermei-
denden Mängeln.
F.A.L. Thienemann Fortpllanzungsgeschichte der ge-
sammien Vögel, Heft III Das dritte Heft dieses schönen
Werkes enthält Bogen 13 bis 18 des Textes und die Kupfer-
ee 21 bis 30 (Singvögel).
Archiv 1. Naturgesch. XV. Jahrg. 2. Bd. C
34 Hartlaub: Bericht über die Leistungen in der Naturgeschichte
G. Dickie. Ueber die Siructur der Eierschaale ’der
Vögel und über die Natur und den Sitz der Farbe: Ann. and
Mag. of Nat. Hist. vol.2, p. 169. Darnach würde die Grund-
farbe des Ei’s ihren Sitz theils im Epithelium, theils in den
tiefern Schichten haben; die Flecken aber, Congregationen
kleiner Pigmentkörnchen, scheinen nur im Epithelium zu sitzen.
Dureau de la Malle. Beobachtungen über die Stun-
den des Erwachens und des Gesanges bei einigen Tagvögeln
im Mai und Juni 1846: Academ. des Sc. de Paris, Seance
Nov. 6, 1848. Es wurde an 8 Arten beobachtet.
W. Vrolick, Aderligke Vlechten der ledematen biy de
Vogels: Biydrag. tot de Dierkunde, etc. I. Diese wichtige
durch 4 schöne Kupfertafeln erläuterte Abhandlung hat die
schon von Barkow und Neigebauer besprochenen Aderge-
flechte (Wundernetze) in den Gliedern der Vögel zum Ge-
genstande. Dieselben werden beschrieben und vortrefflich
abgebildet bei verschiedenen Arten aus den Ordnungen Ra-
paces, Passeres, Scansores, Columbae, Gallinae, Grallatores,
Anseres.
Zu unserm lebhaften Bedauern blieben in diesem Jahre
ohne Fortsetzung 1) der ornithologische Theil der „Zoology
of H. M. S. Erebus and Terror“ 2) Dubus „Esquisses Orni-
thologiques“ und 3) Desmurs „Iconographie Ornithologique“,
drei treffliche Werke, deren weiterem Erscheinen hoffentlich
keine andauernde Hindernisse im Wege stehen werden.
Der ornithologischen Beiträge zu den Lokalfaunen
waren ziemlich viele. €. D. Degland, Vorsteher des Mu-
seums in Lille, kündigt das baldige Erscheinen eines zwei-
bändigen Werkes an, betitelt: „Catalogue analytique et rai-
sonne des oiseaux observes en Europe“.
C. C. Malan „A systematic catalogue of Ihe eggs of
British Birds arranged with a view lo supersede the use of
labels for eggs. 178 S. Eine sehr nützliche Compilation für
Eiersamnier.
J. B. Bailly Observations sur les moeurs et habitudes
des oiseaux de la Savoie, 1 vol. Svo. 1088. Chambery 1847.
Eine recht interessante Arbeit voll eigenthümlicher Beobach-
tungen, zumal was Nestbau und Eierlegen belriflt; am Schlusse
4
l
der Vögel während des Jahres 1848. 35
derselben wird eine neue Baumläuferart beschrieben und Cer-
thia Costae genannt. Dieselbe bleibt aber zunächst zweifelhaft.
Edm. Fairmaire Iconographie des Vertebres de France ,
ou descriptions des animaux vertebres qui vivent en France ä
letat sauvage, etc. Deuxieme parlie: Oiseaux. Von diesem
Werke sind uns nur einige Kupferlafeln mit recht hübsch li-
thographirten und colorirten Vögelabbildungen in natürlicher
Grösse zu Gesicht gekommen, kein Text.
Edm. de Selys Longchamps, Observations sur les
phenomenes du regne animal et particulierement sur les mi-
gralions des oiseaux en Belgique de 1841 a 1846 Mem. de
l’Acad. roy. de Belg. t. 21. Fleissige talentvoll angestellte
Beobachtungen, wie man sie im Interesse der Wissenschaft
auch in den übrigen Länderstrecken Europas angestellt wün-
schen möchte.
C. G. Löwenhjelm, Ornithologische Beobachtungen
auf einer Reise in der Ume-Pite- und Lulelappmark: Kongl.
Academ. Handling. 1845, Heft 2, p. 441 bis 458. Es wur-
den von dem Verfasser dieser wichligen und anziehend ge-
schriebenen Arbeit 113 Vögelarten beobachtet oder doch de-
ren Vorkommen erkundet.
Ueber mehrere derselben werden ausführliche Mittheilungen bei-
gebracht, so z. B. sehr interessante über die Bergraubmöve, Lestris
Buffonii, Skaiti der Lappen, welche die Hochhaiden innerhalb der Schnee-
region der lappländischen Gebirge bewohnt. Man vergleiche Isis 1848,
p- 214.
J. €. Lapierre „Notes et observations sur la ponte
des oiseaux qui se trouvent a l’ouest de la France“ 8vo,
vermochten wir uns nicht zur Ansicht zu verschaffen.
Unter den Beiträgen zur vaterländischen Vögelkunde
verdient C.G, Friedrich's Naturgeschichte aller deutschen
Zimmer-,Haus- und Jagdvögel, nebst einem Anhange
über die ausländischen Vögel, welche in Deutschland im Han-
del vorkommen, mit 200 colorirten Abbild. auf 17 Tafeln,
und 3 Tafeln zur Versinnlichung des Vogelfangs, 1 vol. 8vo.,
mit Recht hervorgehoben zu werden. Abbildungen und Text
verdienen Lob. Der Abschnitt über die ausländischen Vögel
u. 5. w. leidet im höchsten Grade an Unvollständigkeit. Wir
rathen dem Verfasser gelegentlich den Vogelhändlern auf St,
36 Hartlaub: Bericht über die Leistungen in der Naturgeschichte
Pauli in Hamburg einen Besuch abzustatlen; wir fanden dort
vor kurzem allein 17 exotische Fringillidenarten in Käfichen,
der Mehrzahl nach Westafrikaner.
Dr. €. Achtermann Taschenbuch der vorzüglichsten
Stubenvögel Deutschland’s, enth. die Wartung, Fülterung, Le-
bensweise und Behandlung derselben bei Krankheiten. Nebst
einer naturhist. Beschreibung der Singvögel. Quedlinburg ;
Basse.
Brehm theilt in seiner hübschen gemüthlichen Weise
„einige naturhistorische besonders ornithologische Bemerkun-
gen auf einer Reise nach Köthen“ mit: Isis, S. 1. Diese Ar-
beit enthält neben allerlei Ausführlichem über einzelne Arten,
als z.B. Calamoherpe pinetorum , osipreussische Strix uralen-
sis u. Ss. w. auch eine recht anziehende Beschreibung von
Naumanns Haus und Garten in Ziebigk. Ferner verdanken
wir Brehm „Beobachtungen des verstorbenen Gr. v. Gourey
Droitaumont über mehrere deutsche Vögel, als Ruticilla
arborea, lithys, Petrocossyphus saxatilis und cyaneus, Turdus
merula und torqualus:* Isis, p. 82. — Ders. „Ueber das all-
mähliche Fortrücken der Vögel in Bezug auf die Brüteplätze :«
Isis, p. 421. Dieses Forlrücken, bemerkt B. mit Recht, sei als
ein freiwilliges zu betrachten. — Von demselben : Fortge-
setzte „Beobachtungen über Stubenvögel“: Isis, p. 490. Recht
weilläufig und wiederum nicht ohne neue Arten !
„Verzeichniss der im Wupperthale vorkommenden von
Dr. Hopf beobachteten Vögel, mitgelheilt von Dr. Fuhlrott
in Elberfeld,“ Verhandl. des nalurhistor. Vereines der Rhein-
lande, Jahrg. 5, p. 227. Es werden 165 Arten namhaft ge-
macht, darunter als zufällig vorgekommen Teirao urogallus,
Strie Tengmalmi und Fring. linaria.
A. v. Maltzan, Verzeichniss der bisjelzt in Meklen-
burg beobachleten Vögel: Archiv des Vereins der Freunde
der Naturgeschichte in Meklenburg, Heft 2.
Chr. L. Landbeck, Systemalisches Verzeichniss der
Vögel Würtembergs: Jahreshefte des Vereins für vaterländi-
sche Naturkunde in Würtemberg, Jahrg. 2, Heft 2. — Ebendas.
Jahrg. 3, Heft1: Calwer Ueber gesellige Brüteplätze ein-
heimischer Vögel.
Joh. Jäckel, Beiträge zur Ormnithologie Frankens:
der Vögel während des Jahres 1848. 37
Isis p. 20 und 373. In dieser sehr verdienstlichen Arbeit fin-
den ausnahmsweise auch die Entozoen der Vögel Berücksich-
tigung. Der Verf. macht 234 Arten namhaft, bringt mehr-
fache Berichtigungen zu Küster’s „Vögel um Erlangen“ bei
und benutzt sehr passlich: A. Wagner’s „Beiträge zur Kennt-
niss der bairischen Fauna* in Nr. 82 und 83 der Gelehrten
Anzeigen, herausg. von Mitgliedern der Kön. Bair. Acad. der
Wissensch. Vögel, S. 662 bis 671.
In M’Crie’s „The Bass Rock* wurde der ce
Theil von Fleming bearbeite. Er enthält eine anziehende
Schilderung des Treibens der Seevögel auf dieser wüsten
Felseninsel Schottland’s.
Asien.
Schon in den früheren Jahresberichten haben wir die
Verdienste E. Blyth’s um die Ornithologie Indiens als be-
sonders ausgezeichnet hervorheben zu müssen geglaubt. Das
„JournaloftheAsialicSociely ofBengal“ für 1848
hal wiederum eine Reihe vortrefflicher Arbeiten von demselben
aufzuweisen, von deren wenigstens theilweiser Mittheilung und
Beleuchtung im Einzelnen uns nur der diesem Berichte zu-
gestandene spärliche Raum abhalten kann. Auch S. 456 des
ersten Bandes-der neuen Ann. and Mag. of Natur. Hist. fin-
den sich von ihm Berichtigungen zu seinen früher er-
wähnten „Critical remarks on Mr. Gray’s Calal. of Mamma-
lia and Birds of Nepal@ ete. Von dem Eifer und den Kennt-
nissen Blyth’s, verbunden mit den Vortheilen seiner Stellung,
steht in der That für die Fortbildung und selbst für eine
rasche Bearbeitung der Ornithologie Indiens viel zu hoffen.
Ein dürfliges und kahles Namensverzeichniss von 60
Vögelarten Borneo’s findet man auf S. 409 des Werkes
‚„Sarawak, its inhabitants and productions etc.
by Hugh Low, 1 vol. in 8vo.
Es sind dies fast alles Arten, welche man schon von Sumatra
kannte, Dieses Verzeichniss zählt unter andern 9 Bucerosarten auf,
6 Nectarineen, 5 Timalien, 4 Pitta’s, 5 Buceoarten u.s.w. Das Ganze
hat wenig Werth.
Jerdon’s „Illustrations of Indian Ornitho-
logy“ sind mit dem 4ten Theile zum Schlusse gekommen,
38 Hartlaub: Bericht über die Leistungen in der Naturgeschichte
Die günstige Aufnahme, welche dieses Werk mit Recht ge-
funden hat, scheint den Verfasser zur Herausgabe eines zwei-
ten Cyelus in ähnlicher Weise veranlassen zu wollen. ?
Von der ornithologischen Abtheilung der „Fauna Ja-
ponica“ sind 1848 die Hefte 4 bis 8 herausgekommen. Es
ist dieses Werk den wichtigsten und ausgezeichnetsten sei-
ner Art beizuzählen. Es gereicht in jeder Hinsicht seinen
Verfassern zur Ehre.
Nicht uninteressanle biographische Notizen über einzelne
Vögelarlen Kamtschalkas, zumal der Umgegend von Ochotzk,
enthält der dritte Band des historischen Theils von Ad. Er-
man's Reise um die Welt, und es verdienen dieselben hier
um so eher erwähnt zu werden, als sie im Nordmann’schen
Atlas fehlen. So unter andern über Tootanus guttifer Nordm.,
über die Zugvögel jener Gegend, über gewisse Entenarten,
z. B. Anser grandis Pall u. s. w.
ANfwilcta:
Von Andrew Smith’s „Illustrations of Sonth
African Zoology“ sind die Lieferungen 26, 27 und 28
erschienen. Die 30ste wird das Werk vollenden.
Galinier et Ferret „Voyage en Abyssinie“,
ein in Lieferungen erscheinendes Reisewerk , kennen wir
noch nicht aus eigner Anschauung. Es erschien aber hbe-
reits Ornithologisches, und zwar sowohl Abbildungen wie
Text. Die Beschreibungen der neuen oder muthmasslich
neuen Arten dieser wissenschaftlichen Expedition nach Abys-
sinien wurden schon vor einigen Jahren von Gu£rin in
der Revue zoologique veröffentlicht.
Ref. wählte die überaus merkwürdige und eigenthüm-
liche Ornithologie Madagascars zum Gegenstande
einer Abhandlung im ersten Bande von H. Burmeister und
E. d’Alton’s „Zeitung für Zoologie, Zootomie und Paläozoo-
logie.* Man kennt etwa 112 Arten madagascarischer Vögel,
von welchen , soviel bekannt, 65 dieser grossen Insel aus-
schliesslich auzugehören scheinen. Dasselbe gilt von den
11 Gattungen Euryceros, Falculia, Mesites, Oriolia, Leptoso-
mus, Cona, Philepitta, Brachypteracias, Atelornis, Coracopsis
und Biensis. Dass die Fauna Madagascars deutliche Spuren
der Vögel während des Jahres 1848. 39
einer Verwandtschaft mit der indisch-australischen zeigt, ist
schon von Is. Geoffr. St. Hilaire hervorgehoben worden.
Eine englische Ueberselzung dieser Abhandlung lieferte
Strickland im zweiten Bande der neuen Serie der Annals
and Magaz. of Nat. Hist. p. 383.
America.
Die Ornithologie Americas hatte sich zahlreicher und
wichtiger Bereicherungen zu erfreuen. In der Sitzung der
pariser Academie vom Öten März stellte de Castelnau die
fabelhaft klingende Behauptung auf, im tropischen America sei
die Individuenzahl der Vögel nicht grösser, als in Eu-
ropa. Er untersuchte während seiner weiten Reisen in Süd-
america 3750 Individuen anatomisch und er fand unter ihnen
nur 297 Weibchen. Aus dieser Thatsache zieht Castel-
nau den anscheinend sehr gewaglen Schluss, die tropische
Hitze sei der „mutabilit€ du type et au changement des for-
mes“ günstig, dagegen sei aber die Vermehrung der Indivi-
duen meist geringer, als unter der gemässigten Zone. Rev.
zool. p. 90.
Dubus lieferte im Bulletin de l’Academ. roy. de Beleg.
die Beschreibungen von 15 Arten neuer südamericanischer
Vögel aus Mexico, Peru und Guatemala. Lafrenaye re-
produeirte diese Beschreibungen in der Rev. zool. p. 239,
und fügte denselben kritische Bemerkungen hinzu. Näheres
bei den einzelnen Arten,
J. Cassin Verzeichniss von Vögeln gesammelt und
beobachtet von W. S. Pease während des Marsches der
Armee der Ver. Staaten von Vera Cruz nach Mexico: Pro-
ceed. Acad. Nat. Scienc. of Philadelph. 1848, p. 97.
Dieser nicht unwichtige Catalog zählt bis jetzt 45 Arten, reicht
aber erst bis zu den Spechten. Mehr als die Hälfte derselben gehö-
ren Mexico ausschliesslich an, 11 kommen auch in Süd- und 9 auch
in Nordamerica vor, Eine willkommene Beigabe bilden kurze Notizen,
die Farbe der Iris, Lokalität, Lebensweise u. s. w. betreffend.
W. Gambel Contributions to American Ornithology :
Proceed, Ac. N. Sc. of Philad. 1848, p. 126. Betrifft mehrere
schon bekannte nordamericanische Vögel und ein Paar für
die Vögelfauna Nordamericas neue, nämlich Rosthramus so-
40 Hartlaub: Bericht über die Leistungen in der Naturgeschichte
ciabiles, V., welcher in Florida zu brüten scheint, und Vireo
altilogquus V., ebendaselbst nicht selten vorkommend.
Der wichtigste und interessanteste aller Beiträge, deren
wir unter dieser Rubrik zu erwähnen haben, ist aber unstrei-
tig W. Gambels Arbeit über die von ihm in Obercealifor-
nien beobachteten Vögel: Journ. of the Acad. of N. Sc. of
Philad. I. p. 25. Die von Cabanis in diesem Archive mitge-
theilte und durch wichtige Anmerkungen bereicherte Ueber-
seizung derselben, macht jede weitere Besprechung unserer-
seits überflüssig. Das Original giebt sehr schöne Abbildun-
gen von Chamaca fasciata, Parus montanus und inornalus,
Zonotrichia chlorura und Pieus scalaris.
T. Giraud’s Werk „The Birds of Long Island“
kennen wir nicht selbst, finden dasselbe aber von america-
nischen Recensenten sehr gerühmt.
Ein in der Isis auf S. 409 mitgetheilter Aufsatz von Dr.
C. Siedhoff „Naturgeschichtlliches aus den vereinigten Slaa-
ten von Nordamerica“ betitelt, enthält auch viel Ornithologi-
sches, die Lebensweise einzelner Arten Betreffendes, so z. B.
ganz anziehend geschriebene Notizen über Thalassidroma pe-
lagica, Orpheus polyglottus, felivow und rufus, über Sialia
Wilsonü u. s. w.
Eine Ueberselzung von J. Reinhardt's „Ichthyo-
logischen Beiträgen,“ einer Arbeit, deren Einleitung
bekanntlich viel interessante Bemerkungen zu Grönland's Vö-
gelfauna enthält, findet sich in der Isis auf $. 248. Dieselbe
erschien ursprünglich in den Kongl. Danske. Vidensk. Selsk.
Nalurvid. og malhem. Afhandel. vol. VII. 1838.
Rob.Schomburgk's,„HistoryofBarbados“1vol.8.
enthält auf S. 631 ein gedrängles Verzeichniss der auf dieser
waldarmen Insel vorkommenden Vögelarten. Sch. kennt de-
ren 51, der Mehrzahl nach auch in Nordamerica vorkommend.
Von eigentlich westindischen Arten werden namhaft gemacht
Tachornis phoenicobia Gosse,, Certhiola flaveola, Trochilus cristatus,
Turdus jamaicensis, Quiscalus crassirostris, Spermophila bicolor und Sp.
n. sp., Dendrocygna arborea, Sula rubripes und parva. Nur 15 Arten,
worunter der südamericanische Psitlacus passerinus, sind wirklich ein-
heimisch, die übrigen besuchen die Insel nur auf dem Zuge Unter
Jen Grallatoren wird merkwürdiger Weise auch Philomachus pugnaz
der Vögel während des Jahres 1848. 4
aufgeführt, eine bis jetzt in keinem anderen Theile America's beobach-
tete Art.
P. H. Gosse „Illustrations of the Birds of Ja-
maica“ 1 vol. 8vo. Dieses ursprünglich auf 120 Kupferta-
feln berechnete Werk enthält deren nach einem veränderten
Plane nur 52. Es ist dazu bestimmt Gosse's im vorigen Be-
richte besprochenes Buch „The Birds of Jamaica“ zu erläu-
tern, enthält also keinen Text. Die Abbildungen sind leicht
lithographirt und colorirt, aber der Mehrzahl nach recht
hübsch.
Sie betreffen natürlich zunächst sämmtliche neue Arten des Ver-
fassers, dann aber auch einige ältere bisher entweder gar nicht oder sehr
schlecht abgebildete, z B. Nyctibius jamaicensis, Merula leucogenys, M-
Jamaicensis, Corvus jamaicensis, Quiscalus crassirostris Sw., Tanagrella
ruficollis, Euphonia jamaica, Spermophila bicolor etc.
Ref. veröffentlichte in der Isis, S. 408, eine zweite Ab-
iheilung seiner Arbeit „über den heuligen Zustand unserer
Kenntniss von der Ornithologie Westindiens.*
Aus traten:
The Birds of Australia, by J. Gould“ ist der
Titel der grossarligsten aller ornithologischen Publicationen,
eines Werkes, dem an innerem und äusserem Gehalt, an Um-
fang, an Schönheit und Treue der Abbildungen, so wie an
fesselndem Reize des Textes kaum irgend ein anderes an die
Seite gestellt werden kann. Dieses herrliche Werk ist mit
der 36sten Lieferung vollendet. Es umfasst 7 Foliobände mit
600 Kupfertafeln.
Von den 636 darin beschriebenen Arten bewohnen 385 (soviel
bis jetzt bekannt) Neusüdwales, 289 Südaustralien, 243 Westaustralien
(Swan River), 230 Nordaustralien und 181 Van Diemensland. Von die-
sen sind 88 Neusüdwales eigenthümlich, 16 Südaustralien, 36 Westau-
stralien, 105 Nordaustralien und 32 Van Diemensland Das grosse Ue-
bergewicht der Artenanzahl in N.-S.-Wales hat man ohne Zweifel der
eigenthümlichen mit der üppigsten Vegetation bekleideten Niederung,
„brushes“ genannt, zuzuschreiben, welche sich längs der südlichen und
südöstlichen Küste zwischen den Gebirgszügen und der See hinerstreckt.
Die weit südlichere also kältere Lage V. Diemensland’s erklärt dage-
gen auch genügend die Artenarmuth dieser Insel. Merkwürdig ist der
grosse Reichthum an eigenthümlichen Arten in Nordaustralien. -— Wir
entnehmen diese Notizen der für die Freunde Goulds besonders in
42 Hartlaub; Bericht über die Leistungen in der Naturgeschichte
Octavformat abgedruckten „Introduction to the Birds of Australia« einem
höchst interessanten Bändchen von 137 Seiten, welches in nuce das
Wichtigste des grossen Hauptwerkes wiedergiebt, ein kurzes aber frap-
pantes physisches Gemälde Neuhollands vor uns aufrollt, hinzufügt was
der Verfasser während des Verlaufs der Publication Neues für seinen
Zweck in Erfahrung gebracht, die Charactere der von ilım aufgestell-
ten neuen Genera enthält, und uns schliesslich in der Vorrede mit dem
Näheren der neuholländischen Reise Gould’s, so wie mit dem endlichen
Schicksal seiner an 600 Arten und gegen 1800 Exemplare dorther-
stammender Vögel umfassenden Sammlung bekannt macht. Letztere
blieb leider nicht in Europa , sondern kam für 1000 Pf, Sterl. in den
Besitz Dr. T. B. Wilson’s in Philadelphia, desselben Mannes, welcher
kürzlich die unvergleichliche ornithologische Sammlung des Herzogs
von Rivoli in Paris für 36000 Franks, wie wir hören, an sich ge-
bracht hat.
Einzelne interessante Notizen über neuholländische Vö-
gel enthält Leichhardt’s „Journal ofan Overland
Expedition from MoretonBay toPortEssington.*
Die Kupfertafeln des omithologischen Theils der Zoolo-
gie von Dumont d’Urvilles Voyage an Pol Sud sind
vollständig erschienen; dagegen fehlt der Text noch gänz-
lich. Viele der abgebildeten Vögel sind von grossem Inter-
esse, und tragen, obgleich nicht von Neuholland, ein ächt
australisches Gepräge an sich.
Acecipitres.
Von Gray’s „List of Ihe specimens of Birds in the
collection of the Brilish Museum, part I. Aceipitres“ ist eine
zweite Auflage erschienen. In derselben werden bei jeder
aufgeführten Art die Synonymen vollständig mitgetheilt. Ein
höchst zweckmässig abgefasster Index erleichtert die Benut-
zung dieses Catalogs , welchen wir als Muster in seiner Art
empfehlen möchten. Die Sammlung des brit. Museums zählt
darnach nicht weniger als 281 Arten Raubvögel.
Ueber die Lebensweise von Cathartes californidnus so wie über
C. Burrowianus vergleiche man Gambel und Cabanis: Erichs. Arch. XIV,
p- 82. — Ueher die specifischen Unterscheidungsmerkmale zwischen
Spizaetus braccatus Spix und Sp. Iyrannus Pr. Neuwied, liegen zwei
ausgezeichnete und überzeugende Arbeiten vor, die eine von Desmurs,
Rev. zool. p. 35, die andere von Lafrenaye: ib. p. 135. Beide Ar-
ten sind einander sehr ähnlich, unterscheiden sich aber in der Färbung
der Vögel während des Jahres 1848. 43
und noch mehr in der Grösse. — Eine andere gründliche und hübsche
Arbeit von Desmurs beschäftigt sich mit der specifischen Unterschei-
dung das „Caffre“ Levaill. und der Aquila Verreauxü, Less. A. Smith
hatte beide zuerst für identisch erklärt; der ächte Caffre Levail. ist
aber, wie es scheint, bis jetzt noch nicht aufgefunden worden.
Neue Arten. Circaetos fasciolatus, Kaup, Isis, p. 954. Port Na-
tal. — Buteo infulatus, Kaup ib. Galapagosins, — Arviceda sumalrensis,
Lafren. Rev. zool. p.210, von Sumatra. — Morphnus mexicanus,
Dub. Rev. zool. p. 239. Ist anthracinus Licht. — Ischnoscelis niger, Dub.
ib. 241 von Guatemala. Lafrenaye möchte ihn nur für eine Varie-
tät von hemidactylus halten. — Ephialtes sagittatus, Cassin; Indien.
Proceed. Acad. N. Sc. Philad. 1848, p. 120. — E. Watsonü, Cass.
ib.123. Südamerica. — Syrnium albogulare, Cass. ib. 124. Südamerica.
— Syrnium virgaltum , Cass. ib. Südamerica. — Micrastur guerilla,
Cass. ib. p. 87. Jalappa.
Abbildung. Scops sunia, Hodgs. Ierd. Illustr. pl. 41. — Falco
luggur, H. ib. pl.44. — Ephialtes grammicus, Gosse, Illustr. part. 8. —
Secops eristata, Daud. von Coban: Jard. Contrib. Nr. 3. — Aceipiter
polysonos, Less. Desm. Iconogr. pl.61. — Cymindis Wilsonü, Cass.
Journ. Ac. Phil. I. pl. 7.
Gambel hält die nordamericanische Minireule für verschieden
von der südamericanischen und nennt erstere Athene socialis. Cabanis
spricht sich dagegen für die Identität beider aus: Arch. p. 19. Es fehlt
uns an einer hinreichenden Anzahl von Exemplaren beider Lokalitäten,
um selbstständig in dieser Frage urtheilen zu können,
Passerinae.
Corvinae.
Neue Arten: Cyanocorax nanus, Dub. Rev. zool. p. 243. Me-
xico. — C. unicolor, Dub. ib. Mexico. Ist identisch mit €. concolor,
Cassin, Proceed. Ac. Nat. Sc. of Philad. 1848, P-26. — C. viola-
ceus, Dub. Peru. ibid. scheint gleichartig zu sein mit ©. Harrisii,
Cass.|.c. von Guajaquil, so wie mit €. hyacinthinus, Caban. Schomb,
Reise, III. p. 683, von Venezuela,
Ueber €. californicus Vig. vergl. Gambel: Erichs, Arch. 14,
p. 112. — Corvus jamaicensis, L. abgehild. Gosse Illustr. Birds of
Jam. pl. 52. — Den Gattungsnamen Pica ändert Gambel höchst über-
Nüssiger Weise in Cleptes um: Journ. Acad. Philad. I p. 46.
Fringillidae.
Neue Arten: Pyrrhula orientalis, Tem ın. Fyuna Japon. Ay, pl.
53. — P, sanguinolenta, T. ib. pl. 5%. — Emberiga variabilis , T. ib.
44 Hartlaub: Bericht über die Leistungen in der Naturgeschichte
pl. 56. — Emb. cioides, T. ib. pl.59. — E. sulphurea, T. ib. pl. 60.
Sämmtlich aus Japan. — Carduelis notata, Dub. Rev. zool. XI. p. 247.
Mexico. — Passer molitensis, A. Smith Illustr. S. Afr. Zool. Nr. 27. Süd.
africa. — Pyrenestes coccineus, Cassin Proceed. Ac. N.Sc. Philad. 1848,
p- 65. Sierra Leone. — Euplectes nigroventris, Cass. ih. Zanzibar. —
Eupl. erythrops, nob. Rev. zool. XI. p. 109. von St. Thome. — Syco-
bius St. Thomae, nob. ib. St. Thome. — Vidua albonotata, Cass. Pro-
ceed. Ac. Philad. 1848, p. 65. Port Natal. — Vidua concolor, Cass.
ib. Africa — Pitylus flavocinereus, Cass. ib. Südamerica. — Tanagra
nigroaurita, Cass. ib. Rio Negro. Steht der gularis und capitata sehr
nahe. — Arremon ophthalmieus, Dub. Rev. zool. p. 247. Mexico. Ist
gleichartig mit A. albitempora, Lafren. ib. p. 12, von Bogota. —
Pitylus poliogaster, Dub. 1. c. 245. von Guatemala. Ist wahrscheinlich
gleichartig mit flavocinereus, Cassin. — Pipilo torquatus, Dub. ibid.
246, von Mexico. — P. rufopileus, Lafren. Rev. zool. p. 176, von
Caraccas. — Tachyphonus canigularis, Lafr. ib. p. 11, von Caraccas. —
T. ruficeps, Lafr. ib. p. 173. Venezuela. — Pyranga cucullata , Dub.
Rev. p. 245. Ob nicht gleichartig mit P. rubriceps, Gray? Mexico.
Abbild. Fringilla kawarahiba, Tem m. F. Japon. Av. t. 48. und
Fr. kawarah. minor, ib. 1.49. — Coccolhraustes vulgaris japonicus, T.
ib. t. 51. — Arremon aurantürostris, Lafr., Desm. lconogr. pl. 55. —
Aglaja Fanny, l,afr. ib. pl. 56. — A. Wilsonüi, Lafr. ib. pl. 56. —
Zonotrichia chlorura, Audub. Journ. Ac. Philad. I. pl. 9, fig. 1. Ist
von Gambel in den Proceed. Ac. N. Sc. Philad. I. p. 260 als Frin-
gilla Blandingiana beschrieben worden. — Spermophaga margaritata,
Striekl., Desm. Iconogr. pl. 64. — Sp. anoxantha, Gosse, Illustrat.
pl. 62. — Sp. bicolor, ibid. pl. 64. — Sp. adora, Gosse, ibid.
pl. 61. — Arremon flavopectus, Lafr. ist ein Tachyphonus. Rev, zool.
p. 11.
Sturnidae.
Neue Arten: IJcterus maculialatus, Cassin, Journ. Acad, Nat.
Sc. Philad. vol. I. p. 137, pl. 16, fig. 1. Vera Cruz. — I. auricapillus,
Gass. ibid. pl. 16, fig.2. Mexico. — I]. Giraudü, Cass. ibid. p. 138.
pl. 17. St. Fe de Bogota.
Quiscalus crassirostris Sw. ist abgeb. Gosse Illustr. Birds of
Jam. part. 9.
Dentirostres.
Heft 44 von Gray’s „Genera of Birds“ enthält die Vireoninae,
nämlich Vireo mit 11 Arten. — Eine gute Arbeit von Lafrenaye aul
S.39 der Revue zoolog. hat die Gattung Attila, Less. zum Gegen-
stande (Dasycephala, Swains.). Dass Attila brasiliensis, Less. nicht das
Weibchen sei von Tijuca nigra hatte schon Pucheran nachgewiesen,
ELafrenaye zählt folgende Arten der Gattung Attila auf: 1) A. bra-
der Vögel während des Jahres 1848. 45
siliensis Less. 2) A. rufus, Vieill. 3) A. spadiceus, Lath. (D, rufe-
scens, Sw.) 4) A. bolivianus, Lafr. (Tyrannus rufescens, Lafr. et d’Orb.)
5) A. rutilus, Less. (Tyr. rulilus, Less.) 6) A. flammulatus, Lafr. n,
sp. Columbien. Wir bemerken noch, dass sp. 1 gleichartig ist mit Mu-
seicapa uropygiala, Pr. Wied.
Neue Arten: Tyrannula cineracea, Lafr. von Caraccas. Rev.
zool. Xl. p.8. — Setophaga albidiadema, Lafr. ib. p.8. — Laniarius
leucorhynchus, nob. Rev. p. 108. Goldküste. — Lan. major, nob. ib.
Goldküste. — Tyrannula Vieillotioides, Lafr. Rev. p. 174. Caraccas. —
Tityra albitorques, Dub. Rev. p.244. Peru. Steht der Jardinei sehr
nahe. — Myiagra coneinna, Gould, Ann. and Mag. II. p. 281. Nord-
westküste Australiens. — Cracticus picatus, Gould, ibid. p. 453. Nord-
australien.
Abbild. Tyrannula pallida, Gosse, lllustrat. Birds of Jam, pl. 40.
— T.tristis, Gosse, Illustr. part. 9. — Tityra surinama, (L.) Strickl,
Jard. Contribut. of Ornith. Heft 3. — Vireo virescens, V. Gray Gen.
of Birds, part. 44.
Ueber Scaphorhynchus chrysocephalus, v. Tschudi, und Tyran-
nula cinchoneti v. Tschudi vergl. Lafren, Rev, zool. XI. p.5. u. 7.
Subulirostres,
Gray behandelt in Heft 44 seiner „Genera of Birds“ die Accen-
torinae: Accentor 9 Arten, Enicocichla 2, Gericornis 7, Acanthiza 26.
Derselbe ferner Malurinae: (Helt 45) Orthotomus 7, Prinia 11, Dry-
moica 67, Calamanthus 5, Melurus 10, Stipiturus 1, Alrichia 1, Amy-
tis 3, Sphenura 3, Chaetornis, Gr. 2, Cinclorkamphus 3 und Megalurus
7 Arten. Ferner die Lusciniadae: Calamodyta 33, Luseinia 2, Ae-
don 5, Sylvia 42, Regulus 21, Cyanotis 1 und Culicivora 6 Arten,
Obseryations sur le sousgenre des Pouillots Ficedula et no-
tamment sur la F. polyglotta de Vieillot, par H. Schlegel: Biydrag. tot
de Dierk. I. Schlegel theilt diese Vögel in drei Gruppen, nämlich
1) F. trochilus, rufa, sibilatrie, Bonelli und coronata, 2) F, hypolais
und polyglotta, 3) F. olivelorum und elaeica. Es werden sehr genaue
vergleichende Messungen an hypolais und polyglotla, so wie an olive-
torum und elaeica mitgetheilt. Die Schnäbel, Füsse und Flügel aller
Arten sind abgebildet. Diese Arbeit ist namentlich interessant neben
der von P. Gerbe. Beiträge zur Naturgeschichte der Sylvia nisoria
liefert Schenk: Arch. Ver. Freunde d. Naturg. in Mecklenb, Helt 2,
Neue Arten: Parus minor, Temm. F. Japon. Av. 1.33. — P.
— frieirgalus, Temm. ib. t. 34. — P. nuchalis, Jerd. Illustr. Ind. Orn,
pl.46. Bengalen. -—- Zosterops lugubris, nob. Rev. XI, p 169. St,
Thome. — Sylvia taeniata, Dub. Rey. p. 245. Mexico, — Merula oli-
entra, Lafr. Rev. p. 2. Caraccas, — M. atrosericea, Lafr ib. p. 3.
— baraccas. — Turdus nudigenys, Lalr. ib, p. 4, Caraccas, — T. mini-
46 Hartlaub: Bericht über die Leistungen in’ der Naturgeschichte
mus, Lafr. ib. p. 5. Bogota. — Turdus zanthöscelus;, Jard. Contribut.
Nr. 1. Tobago. — Megalürus eitrinus, Gray, Gen. of Birds, Heft 45. —
Timalia leucotis, Strickl. Contrib. Heft 3. Malacca. Steht der T. ni-
gricollis T. am nächsten. — Bradornis mariguensis, A. Smith. Illustr.
S. Afr. Zool. Nr. 26.
Abbild. Chamaea fasciata, Gamb. Journ. Acad. Philad, I. pl. 8.
fig. 3. — Parus montanus, Gamb. ih. fig. 1. — P. inornatüus, Gamb.
ib. fig. 2. — Accentor strophiatus, Hodgs. Gray Gener. part. 43. —
Anthus similis, Jerd. Illustr. Ind. Zool pl. 45. — Calamodyta affınis,
Hodgs. Gray, Gen. p.45. — Regulus castaneoceps, Hodgs. ibid. —
Sylvicola eoa, Gosse, lllustr. pl. 34. — S. pharetra, G ib. pl. 38. —
Ficedula polyglolta, icterina, elaeica und olivetorum abgebild. in Desm.
Iconogr. Ornith. Text von P, Gerbe. — Merula leucogenys, Gm.
Gosse, Illustr. pl. 23. — M. jamaicensis, Gm. ib. pl. 24.
Turdus atrogularis wurde bei Abbeville geschossen: Rev. p. 318.
— Ueber T. Pallasii, Caban. (T. nanus, Audub.) vergl. Gamb. Arch. 14.
p- 201. — Ueber Orpheus curvirostris, Sw. (Toxostoma velula, Wagl.)
vergl. M’Call: Proceed. Ac. Philad. 1848. p. 63. Häufig um Matämoros.
Kommt auch in Texas vor. Eine zweite, Art dieser Gallung ist Toxo-
stoma rediviva, Gamb. (früher Harpes) Journ. Ac. Philad, I. p. 42.
Californien.
Certhiaceae.
Heft 43 der Genera of Birds enthält die Epimachinae: Neo-
mörpha1, Epimachus 4 Arten; Heft 46 die Grypinae: Phaetornis 21,
Oreotrochilus 5, Grypus 1Art; ferner die Trochilinae: Polytmus 89,
Trochilus 1, Topaza 9, Calothorax 15 Arten; und endlich die Melli-
suginae: Mellisuga 101, Hylocharis 49, Heliotryx 4 Arten.
Neue Arten: Conirostrum atrocyaneum, Lafr, Rev. p.9. Carac-
cas. — Melithreptus chloropsis, Gould, Ann. and Mag. II. p. 280.
Westaustralien. — M. albogularis, Gould, ib. Ost- und Nordostau-
stralien. — Troglodytes albinucha, Oabot: Proceed. Boston Soc. of Nat.
Hist. p 257 Ann. and Mag. II. p. 364. Yukatan. — Trochiliden: He-
lianthea eos, Gould, Proceed. Zool. Soc. — Aglaeactis caumalonotos,
G. Peru. — Heliangelus mavors, G. Venezuela. — Thalurania viridipe-
ctus, G. — Campylopterus obscurus, G. — Troch. caligatus, G. — T.
cephalus, Bourcier, Rev. 269. Centralamerica. — T. Castelnaudü, ib.
Südamerica. — T. Pucherani, B. ib Brasilien. — T. Josephinae, B.
ib. 272. — T. Devillei, B. Guatemala. — T! Phaeton, B. ib. — T.
amaryllis, B. Neugranada. — T. eucharis, B, ib. 274 — T. alice, B.
ib. Caraccas.
Abbild. Picolaptes capisirata, Less. Desm. Iconogr. pl. 63. —
Phyllornis Jerdoni, Jerd. Mlustr. pl. 43. — Xiphorhynchus süpercilia-
ris, Hodgs. ib. pl, 49, — Phaetornis Pretrei, Gr, Gen. of Birds, 46, —
—
der Vögel während des Jahres 1848. 47
Polytmus dquila, Loddig. ib. Bogota. — Mellisuga mirabilis, Loddig.
ib. — M. humilis, Gosse Illustr. pl. 21. — Ueber Trock. anna, Less,
(T. icterocephalus, Nutt.) vergl. Gamb. Erichs. Arch. p. 94.
Hirundinaceae.
Abgebild. Hirundo euchrysea, Gosse, Illustr. Birds of Jam. pl.
12. — Tachornis phoenicobia, Gosse, ib. pl. 9.
Clamatores.
Macrochires.
Eine sehr dankenswerthe und ausführliche Arbeit über die Cyp-
seliden des Berliner Museums verdanken wir Streubel: Isis, S. 384.
Darüber hinaus geht die Artenkenntniss des Verfassers nicht weit. Er
unterscheidet 4 Gattungen I) Cypselus (parvus, melba, apus, caffer,
abyssinicus, pygargus und vielleicht ambrosiacus; 2) Pseudoprocne,
(cajennensis L.); 3) Hemiprocne (pelasgia, acula , torquala , leuco-
notos, giganlea, fumigata, Nalt. hier zuerst beschrieben , senex, welche
Str. Temminkii genannt wissen will, salangana, fuvivora) ; 4) Chhe-
lidonia (mystacea, comala und longipennis). Diese letzteren heissen
aber längst Macropteryx, Sw. Sehr genaue Beschreibungen und Mes-
sungen einzelner Arten geben dieser Arbeit besonderen Werth.
Abgebild. Cypselus niger, Gm. Gosse Illustr. pl. 10.
Caprimulginae,
Abgebild. Nyctibius jamaicensis, Gm. Gosse Illustr. pl. 6.
Todidae.
Neue Art; Prionites carinatus, Dub. Rev. p.249. Guatemala, —
P. Lessoni, Less. abgebild. Desm. Icon. pl. 52.
Lipoglossae.
Hier wäre zunächst eine interessante Arbeit vonKaup zu erwäh-
nen: „Die Familie der Eisvögel (Alcedidae)* betitelt, 21 S. Nach K.
zerfallen die Alcediniden in 5 Genera, und zwar in folgende 1) Ta-
nysyptera, zerlallend in die SubgeneraSyma und Todirhamphus , 2)
Ceryle. Die Subgenera sind a. Chloroceryle,, (amazona, americana
u, s. w.) b. Ceryle, (rudis) c. Megaceryle, (maxima, alcyon) 3) Hal-
eyon, in 3 oder 4 Subgenera zerfallend, 4) Dacelo. Die Subgenera
sind a. Dacelo (gigantea, cervicalis, b) Citlura, K. (eyanotis, T.) c.
Melidora. 5) Alcedo. Hier die Subgen. a. Ispidina, (pieta und nitida)
b. Corythornis, (nais, caeruleocephala , cristata , cyanosligma, vintsioi-
des ; c, Ceyz (rubra und lepida) d, Alcedo (leucogaster, biru, menin-
48 Hartlaub: Bericht über die Leistungen in der Naturgeschichte
ting , bengalensis, semilorquala , ispida, eurysona; e. Alcyone (pusilla,
azurea, ‚solilaria). Verschiedene dieser Arten sollen dann, nach K., in
Subspecies ‘zerfallen ; so z. B. sei ispida und eurysona nur subspeeilisch
verschieden Wir sind in diesem und vielen andern Punkten anderer
Meinung. Alcedo cyanostigma Rüpp. ist ganz bestimmt nur der
jüngere Vogel von A. caeruleocephala. 5 an
Neue Arten: Alcedo nikda, Kaup. |. c. p. 12. — A. nais, K.
ib. Africa. — A. melanura, K. ib. p. 14. Philippinen. — Galbula lep-
tura, Sw. auch in Venezuela: Karst, Blühend. Gew. Ven. I. p. 7
Buceros albocristatus, Cassin, Journ. Acad. N. Sc. of Philad. 1. pl. 15.
p- 135. St. Pauls River, Sierra Leone; steht dem comatus zunächst. —
Ebendaselbst ist zuerst beschrieben Buc. elatus, Temm. von Sierra
Leone. !
Eine hübsche monographische Notiz über die indischen Buce -
rosarten gab Blyth: Journ, As. Soc. of Beng. 1847. p. 992.
Zygodactyli. -
Cuculinae.
Abgebildet sind Pjaya pulvialis, Gm. Desm. Iconogr. pl. 65. und
Gosse Illüstr. Birds of Jam. pl.9, — Piaya erythropygia Less. Desm.
Iconogr. pl. 66. San Carlos. — Indicator wanthonotos, ak Jerd.
Illustr. Ind. Orn. pl. 50. ni 3 e
Simotes albiverter, Bl yth' Journ. As. Soc. of Beag ist! gleich-
artig mit Cuculus leueolophus, Sal. Müller, Verhand. Nieuw Guin.
pag. 22
Bucconidae.
Neue Arten: Monasa unitorques, Dub. Rev. p. 248 Peru. Wäre
nach Lafrenaye, der ächte Bucoo fuscus , auct. , welchen Wagler
irrthümlich für den jüngeren Vogel von forquatus halte. — Mon. inor-
nata, Dub. ib. Guatemala.
Picinae. £
Picus callonotus, Waterh, (P. cardinalis, Less.) abgebild, Desm.
lconogr. pl’ 59° — P. ceylonus, auet. abgeb. Jerd. Illustr. öf’Ind. Orn.
pl. 47. > 'Chrysoptilus Kirki, Jard. von Tobago, abgebild. Jard. Orn.
Contribut. Nr. 1,
Psitteeinae.
Pucheran über Strigops habroptilus, Gr. Compt. rendus heb-
domad, des seances de l’Academ. XXV. p. 682. — Lafrenaye sur
le genre ‚Psütfacula ; Rev. p. 170. Es werden zwei neue Arten unter-
_ schieden , Ps. conspieillata, La fr. von Columbien und Psittacula viri-
dissima, Lafr. von Caraccas. Beide reihen sich an Psüt, passerina und
der Vögel während des Jahres 1848. 49
P. coelestis, Less. — Eine sehr merkwürdige neue Art ist Coracopsis
personata, G. R. Gray, wahrscheinlich von Neuguinea. Lebend in
Lord Derby’s Menagerie. — Pionus melanotis Lafr. ist abgebildet: Desm.
leonogr. pl. 60.
Columbinae.
Eine interessante neue Art ist Peristera puella, Schleg. von
der Goldküste: Biydrag. tot de Dierk. livr. I. p. 17. c. fig. pulch, —
Ucber Columba leucoptera, L. berichtet M’Call: Proceed. Acad. N. Sc.
of Philad. 1848, p. 64. Dieselbe ist häufig um Matamoros in Mexico.
— Col. Elphinstonii, Syk. ist abgeb. Jerd. Illustr, Ind. Orn. pl. 48, —
Die merkwürdige Taubenform, Didunculus strigirostris, Jard. von den
Samoainseln wurde schön abgebildet von Gould Birds of Austral.
vol. V. pl. 76, und von G. R. Gray Gen. of Birds, II. pl. 120. Sir
W,. Jardine nannte diese Gattung Gnathodon: Ann. and Mag. N.
H. XVI. p. 175. pl. 9, und Reichenbach unnützerweise Pleiodus.
Mit Recht bildet Gray für diesen Vogel eine eigene Unterfamilie Di-
dunculinae. Der erste Entdecker desselben war Mr. Titian Peale,
einer der Naturforscher der U. St. Exploring Expedition. Nach der
Mittheilung des Missionärs Stair nährt sich derselbe von den Wurzeln
verschiedener Zwiebelgewächse.
Wir hätten jetzt noch über die letzte und ausserordent-
lichste Form taubenartiger Vögel zu berichten, über die Dronte
und einige ihr verwandle Arten (Didinae). Strickland
and Melville „The Dodo and its Kindred or Ihe history
alfinity and osteology of Ihe Dodo, Solitaire and other ex-
stinct birds of the islands Mauritius, Rodriguez and Bourbon“
1 vol. in 4to, 140 S. und 15 Tafeln. — Dr. J. Brandt „Ver-
such einer kurzen Nalurgeschichte des Dodo“ 45 S. in 8vo.
— Dr. J. Hamel „Der Dodo, die Einsiedler und der erdich-
tele Nazarvogel“ 47 S. in 8vo. Petersb. 1848. — E. de Se-
lys Longchamps „Resume concernant les oiseaux Brevi-
pennes mentionnes dans l’ouyrage de Mss. Strickland et Mel-
ville sur le Dodo“: Rev. zool. p. 294.
Die Wiederauffindung des Drontenkopfes der alten Gottorpschen
Kunstkammer in Kopenhagen bezeichnet den glücklichsten Wendepunkt
In der Geschichte dieser ausgestorbenen Vögelgattung. Denn wie man
einerseits eine sorgfältige Prüfung und Vergleichung aller historischen
Originalbeweise für die einstige Existenz der Dronte als nothwendig
zu erkennen begann, s0 gelanglen andererseits die Besitzer jener weni=
Archiv f. Naturgesch, XV. Jahrz. 2. Bd. D
50 Hartlaub: Bericht über die Leistungen in der Naturgeschichte
gen unschätzbaren Ueberbleibsel derselben zu der Ueberzeugung, dass
diese für die Wissenschaft erst dadurch wahrhaft und dauerd nutzbar
gemacht werden könnten, wenn sie einer discrelen Behandlung mit dem
anatomischen Messer anvertraut und theilweise zergliedert würden. Dies
letztere ist in der zweckmässigsten Weise geschehen, und jenen mühe-
vollen antiquarisch-historischen Nachforschungen haben sich fast gleich-
zeitig und völlig unabhängig von einander Strickland in Oxford
und Hamel in Petersburg unlerzogen, und zwar beide mit glänzendem
Erfolge. Dagegen scheinen die umfassenden Studien Brandrs über
den Dodo vorzugsweise darauf hingerichtet zu sein , die Alfinität des-
selben zu anderen Vögelgaltungen und damit die systematische Stellung
in ein möglichst helles Licht zu bringen. Die von ihm gewonnenen
Resultate weichen von denen Striekland’s ab; denn dieser erklärt
den Dodo für eine colossale Taube, während Brandt ihn am meisten
den Charadrien nähern zu müssen glaubt. Wir entscheiden uns für die
erstere Ansicht, zumal in Berücksichtigung des zur Begründung dersel-
ben benutzten reichen anatomischen Materials Das erste Capitel des
Strickland’schen Werkes hat die eigentliche Dronte von Mauritius, Di-
dus ineplus, zum Gegenstande, das zweite den Solitaire von Rodri-
guez, Pezophaps solitaria, Strickl., das dritte den kurzflüglichten Vo-
gel von Bourbon. Diesen leizteren nennt Selys Lon gchampsl.e.
Apterornis solitaria, bringt als zweite Species dahin den „Oiseau bleu“
des Sieur D. B. (Apterornis caerulescens) und als dritte die „Gelinottes“
Leguat’s (Apt. bonasia). M elville's Osteologie desDodo und des So-
litaire bildet die zweite Hauptabtheilung des Strickland’schen Werkes.
Eines Auszugs in sehr gedrängter Form sind die oben genannten Ar-
beiten nicht fähig. Die erste Bekanntschaft europäischer Seefahrer mit
der Drente fällt nachweislich auf den 17ten Sept. 1598, die letzte
sichere Nachricht von ihrem Vorkommen in das Jahr 1679.
Gallinaceae.
Eine neue Art ist Orlya thoracicus, Gamb. Proceed. Ac. N. Se.
of Philad. p. 77. Mexico. — Francolinus benulasa, Jerd,. Mlustr. of
Ind. Ornith. pl. 42.
Cursores.
Interessant ist die Entdeckung einer zweiten Art Apleryx in Neu-
seeland. Dieselbe stammt von der sogenannten Mittelinsel. Grösse des
A. australis, Schnabel kürzer und gekrümmter als bei diesem; Gefie-
der ungemein dicht und haararlig, dunkelgewellt; Flügel noch rudi-
mentärer. Es ist höchst wahrscheinlich, dass eine dritte weit grössere
Art auf der Südinsel Neuseelands existirt; die Robbenschläger, welche
der Vögel während des Jahres 1848, 51
jene Küste alljährlich besuchen, kennen diesen Vogel und nemnen ihn
„Fireman.“ Ein 5 Zoll langes von dorther stammendes Ei, im Besitze
von Dr. Wilson in Philadelphia, gehört schwerlich einer der beiden
kleineren Arten an. Gould nennt die oben beschriebene neue Art
Apteryx Owenii und giebt eine sehr schöne Abbildung davon: Transact.
of the Zool. Soc. I1l. p. 379, pl. — Proceed. Zool. Soc. 1847, p. 93.
Prof, Harrisson Ueber die Luftröhre und den Luftsack daran
bei Dromaius novae Hollandiae: Proceed. of the Roy. Irisı Academy,
II. p. 61.
R. Owen „Ueber Dinornis, enthaltend eine Beschreibung des
Schädels und Schnabels dieser Gattung, und derselben characteristischen
Theile bei Palapteryz und zwei anderen Vögelgattungen, Notornis und
Nestor, sämmtlich Theile einer umfangreichen Sammlung von ormithi-
schen Ueberbleibselun entdeckt von W. Mantell bei Waingongoro auf
der Nordinsel Neuseelands „Transact. of the Zool. Soc. III, part. 5, und
Ann. and Magaz. II. p. 53. Eine sehr wichtige Arbeit. Es wurden
diese Knochen in losem vulkanischen Sande gefunden, zwischen Wan-
ganui und Taranaca, nahe der Mündung des Wanganuiflusses. Die wich-
tigsten derselben sind: ein ziemlich vollständiges Cranium von Pala-
pleryx geranoides, diese Galtung steht von den noch lebenden strauss-
arligen Vögeln der Gattung Dromaius am nächsten ; dann ein vollständi-
ges Cranium von Notornis Mantelli, steht Porphyrio nahe, zeigt aber
auch viel Verwandtschaft zu der Gattung Brachyptrallus, Lafren.;
endlich die obere Mandibel einer Art Nestor : (Proceed. Zool. Soc. 1848.
p- 1). Die Beschreibungen sind meisterhaft genau und werden durch
vortreflliche Abbildungen erläutert.
Grallae.
Fulicariae,
Gosse liefert in seinen „Illustrations of the Birds of Jamaica“ gute
Abbildungen von Rallus concolor und Ortygometra minuta, Lath.
Erodii.
Gray behandelt in part 43 seiner „Genera of Birds“ die Cico-
_ ninae: Dromas 1, Ciconia 8, Leptoptilos 5, Mycteria 2 und Anastomus
2 Arten.
j Neue Arten sind: Ciconia microscelis, Gr. Gen. part. 43. ffg. opt.
! — Herodias plumiferus, Gould, Ann. and Mag. II. p. 280, von Neu-
südwales. — H.pannosus, Gould, ibid. Neusüdwales. — Ardetta sta-
gnatilis Gould, ib. Port Essington. — Ardetta macrorhyncha Gould,
Ib, p. 452. — Grus australasiana Gould, ib. p. 280, Neuholland; der
52 Hartlaub: Bericht über die Leistungen in der Naturgeschichte
antigone nahe stehend. Niese sämmtlichen Arten sind im 6ten Bande
der „Birds of Australia“ vortrefflich abgebildet. — Egretta ruficollis
Gosse ist abgeb. Illustr. Birds of Jam. pt. 93.
Limicolae.
Nr. 44 von Gray’s „Genera of Birds“ enthält die Phalaropodi-
nae: Phalaropus mit 3 Arten. Abgeb. ist Ph. Wilsonii, Sab.
Neue Arten sind: Actitis empusa Gould, dem Aypoleucus nahe
stehend, von Port Essington: Ann. and Mag. Il. p. 281. — Limosa
wropygialis Gould, ib. p. 451. Australien. — Charadrius veredus G.
ib. Nordaustralien. — Totanus griseopygius Gould, ib. 452 Port Essing-
ton. — Schoeniclus magnus, G. ib. Australien. Diese sämmtlichen Arten
sind im 6ten Bande der „Birds of Australia abgebildet.
Natatores.
Longipennes.
Larus Bonaparlei Sw. u. Richards., wurde zum ersten Male
in Europa erlegt in der Nähe von Belfast. Genaue Beschreibung : Ann.
and Mag. N. H. I. p. 194.
Neue Arten: Sterna gracilis, Gould, Ann. and Mag. II. p. 282.
Westküste Neuholland’s: Birds of Austral. VII. pl. 27. — Sterna acu-
flavida, Cabot; Küste von Yukatan ; soll sich durch viel kleinere Sta-
tur und durch Färbungsverschiedenheiten Von cantiaca unterscheiden :
Ann. and Mag. Il. p. 364. — Sterna frenala, Gamb. Proceed. Ac. of
Philad. p. 128. Ist die minuta Wils. aber sowohl verschieden von
der europäischen minuta als auch von der Brasilischen argentea. —
Sterna regia, Gamb. ibid. Ist die cajana der nordamericanischen Or-
nithologen , aber nach Gam bel bestimmt verschieden von der ächten
südamericanischen cajana (??) — Sterna elegans, Gamb, ibid, von
Mazatlan, 17‘ lang, untenher gelblichweiss.
Tubinares.
Interessante Beiträge zu unserer Kenntniss von der geographi-
schen Verbreitung der Sturmvögel und Diomedeen lindet man in einigen
Briefen von J. Maegillivray, Naturforscher auf H. M. S. Rattle-
snake, an Prof. Forbes: Ann. and Mag. 1. p. 21.
Unguirosires.
Gosse’s „Illuste, of the Birds of Jamaica“ geben Abbildungen
von Anas marima Gosse, und von Cyanopterus inornalus G, ib, part, 8,
der Vögel während des Jahres 1848. 53
Steganopodes.
Part. 45 von Gray’s „Genera ol Birds“ enthält die Plotinae ;
Plotus mit 4 Arten. Abgebildet ist Pl. novae Hollandiae Gould.
Pygopodes.
In part. 43 desselben Werkes die Phaleridinae: Phaleris 8 Ar-
ten, Cerorhina 1 Art. Abgeb. Phal. nodirostris Bonap. (welcher aber
nichts als P. pygmaea Pall. ist.) Endlich noch in part. 44 die Uri-
nae: Brachyrhamphus 6, Uria 6, Arctica 3 Arten, darunter eine neue,
A. Cassinüi, Gamb. Abgebildet ist Brachyrh. antiquus, Pall.
Bericht über die Leistungen in der Herpe-
tologie während des Jahres 1848.
Vom
Herausgeber
In der Fauna und Flora von Britisch Guiana, die den
dritten Band zu Rich. Schomburgk’s „Reisen in Britisch
Guiana. Leipzig 1848. 8.“ bildet, wird p. 645 gesagt, dass
die Amphibien zahlreich vertreten seien. Leider ging ein
grosser Theil der Sammlungen des Reisenden verloren, so
‚dass er nur 8 Schildkröten, 23 Eidechsen, 33 Schlangen und
12 Batrachier nach Europa gebracht, und an das zoologische
Museum zu Berlin abgegeben hat. Unter den zahlreich vor-
kommenden Schlangen schätzt Sch. den achten Theil für gif-
tig. Die Schildkröten und einige Eidechsen, unter denen
Alligatoren, bieten den Eingebornen ein gesuchtes Nahrungs-
mittel. Die Bestimmung der Arten, und die Beschreibung
der neuen, deren sich unter dem vorhandenen Material 1
Schildkröte, 1 Eidechse, 1 Schlange und 2 Frösche fanden,
hat der Referent übernommen. Sie werden unten ange-
führt. In dem Reisebericht Band I. und II. finden sich man-
che interessante Beobachtungen über das Vorkommen und
die Lebensweise einzelner Arten.
Die Amphibien sind auf der Insel Barbados wenig ver-
treten. Schomburgk („The history of Barbados. London
1848“ p. 679) fand daselbst nur 15 Arten, nämlich : 10 Ei-
dechsen, 1 Schlange, 3 Seeschildkröten,, 1 Batrachier (Bufo
agua).
Troschel: Bericht über Herpetologie i, J. 1848. 55
„Historia fisica y polilica de Chile segun documentos
adquiridos en esta republica durante doce anos de residen-
cia en ella y publicada bajo los auspicios del supremo go-
bierno por Claudio Gay, ciudadano chileno ct. Zoologia.
Tomo secundo. Paris und Chile 1848. 8.“ Das erste Heft
des zweiten Bandes des unter diesem Titel erscheinenden
Werkes enthält die Amphibien, bearbeitet von Guichenot.
Zwei Eidechsen und ein Frosch sind als neu beschrieben,
ihre Diagnosen werden unten mitgetheilt.
Gervais giebt in den Annales des sc, nat. 1848 Oc-
tober p. 204 ein Verzeichniss der [Amphibien Algeriens, das
47 Arten enthält, nämlich : 3 Schildkröten, 27 Saurier, 2 Am-
phisbaenen, 9 Ophidier, 6 Batrachier.
Chelonii.
„Ueber die Entwickelung der Schildkröten. Untersuchun-
gen vonHeinrich Rathke. Mit 10 Steindrucktafeln, Braun-
schweig 1848. 4.“
Dieses wichtige Werk besteht aus drei Abtheilungen: 1. Ueber
die Beschaffenheit des Eies und die frühesten Entwickelungszustände von
Emys europaea, 2. Ueber die späteren Entwickelungszustände verschie-
dener Arten von Schildkröten. 3. Beschreibung zweier Embryonen von
Emys europaea ungefähr aus der Mitte des Fruchtlebens.
Eigenthümliche Moschusdrüsen bei Schildkröten ent-
deckte Peters, beschrieb und bildete sie ab (Müller’s Ar-
chiv 1848. p. 492. Tal. XVII) Sie finden sich ausschliess-
lich bei Gatlungen der Familie der Sumpfschildkröten, näm-
lich bei Pelomedusa galeata Wagl. (Pentonyx capensis Dum.
Bibr,), bei der sie zuerst gefunden wurden, und bei Chelys,
Platemys, Sternotherus, Chelodina, Cinosternon und Stauroty-
pus. Sie münden überall unten nahe dem Seitenrande vor
und hinter dem Brusischilde Die Verschiedenheiten sind auf
der Tafel abgebildet.
Podocnemis unifilis Trosch. bei Schomburgk | ec, hat nur einen
kurzen Bartfaden,, unterscheidet sich auch von P. expansa durch die
Färbung des Kopfes. Im Rupununi und Tacutu.
56 Troschel: Bericht über die Leistungen in der Herpetologie
Sauri.
De systemate vasorum Psammosauri grisei, aut. A. Corti,
Vindobonae 1847. 4. mit 6. Tafeln,
P. Gervais sprach in der Academie des sciences de
Montpellier über die Farbenveränderungen beim Chamäleon
(Chamaeleo vulgaris). Er stimmt der Ansicht von Milne
Edwards (vergl. dies Archiv 1835. II. p. 293) bei. Wenn
man mit der Lupe ein Chamäleon betrachtet, welches vom
Weiss in Grün oder Braun übergeht, sieht man eine Menge
kleiner, schwarzer Punkte hervorschiessen, besonders in den
Erhabenheiten der Haut; erscheinen sie in geringer Menge,
dann wird der Grund grün oder gelbgrün, erscheinen sie in
grosser Menge, so dass ein kleiner weisser Zwischenraum
zwischen ihnen bleibt, dann wird die Färbung braungrün,
violett oder schwärzlich. Diese Erscheinung kann partiel oder
allgemein sein ; im ersteren Fall zeigen sich Marmorirungen,
Flecke u. s. w., es kann auch jede Seite des Körpers ver-
schieden sein. Die Vermengung von Gelb und Schwarz in
verschiedenen Verhältnissen erklärt ferner die Veränderungen
der Farbe. Das dunkle Pigment in isolirten Körnern, bald
flammig, bald büschelartig, bald einfach, in den Maschen der
Haut, und diese besteht aus einem Gewebe von rechtwinklig
sich kreuzenden Fäden, welche conlraelil sind. Dass die Cha-
mäleons gern sich die Farbe ihrer Umgebung ‚geben, wird
bestätigt. So lange Verf, ein Chamäleon mit seinem Käfig
in einen grünen Baum stellte, blieb es fast beständig grün,
im Zimmer blieb es fast immer braun. (Institut 1848. p. 250;
Comptes rendus XXVII, p. 234; Schleiden und Froriep No-
tizen VIII. p. 104).
Oplurus (Tropidurus Wiegm.) Bibronü Gay |. c. capite squamis
parvis, laevibus, convexis aequalibus atque numerosis, teclo: auribus ma-
gnis, ovalibus, margine anteriore denticulato; squamis temporum subco-
nieis, poslice acutiusculis; dorsalibus collaribusque granulatis, eliam la-
teralibus; abdominis squamis subquadratis ; facie posleriore minimis gra-
nulosis; crista cervicali nulla. Cordilleren in der Provinz Coquimbo.
ist abgebildet. e
Aporomera ocellata Guichenot bei Gay |. c. corpore superius
fusco-rubescente, maculis ocellatis albidis, nigro - marginalis ornato;
infra subflavescente an albicante; membris nigris undulantibus notatis.
In der Nähe von Santiago.
Es
während des Jahres 1848. 57
Anolis planiceps Wiegmann ist vom Referenten bei Schom-
burgk Britisch Guiana p, 649 als neue Art beschrieben. Der Name fand
sich an einem Exemplar des Berliner Museums von Caraccas, mit dem
das Exemplar von Guiana übereinstimmte. — In einer Note giebt Ref.
an, dass Wiegmann’s Draconura Nitschü allerdings Anolis chrysole-
pis, wie Dumeril und Bibron vermuthen, sei; dagegen sei Wiegmann’s
Dactyloa biporcata von A. carolinensis und Dactyloa nebulosa von A.
Sagrei verschieden. In einer andern Note hat es Ref. ausgesprochen,
dass Cnemidophorus undulatus Wiegm. fälschlich von Dumeril und Bi-
bron zu Ameiva vulgaris gezogen sei, die Art sei namentlich an
den grossen Schildern unter der Kehle zu erkennen. Daselbst konnte
Ref. die Bemerkung nicht, unterdrücken, dass Cnemidophorus Sacküi
und guitatus Wiegm. fälschlich zu Cn. sexlineatus Dum. Bibr, gezogen
seien.
Nach Gosse ist Ameiva dorsalis, eine der gewöhn-
lichsten Amphibien Jamaicas, ein niedliches, sanftes, auf der
Flucht ungemein schnelles Thier. Es liebt sandige Gegenden
und hält sich besonders gern an der Küste. Es pickt wie
ein Vogel im Sande, und kratzt ihn mit den langen und be-
weglichen Vorderfüssen, die es abwechselnd gebraucht, hin
und wieder anhaltend, um mit den Hinterfüssen den Kopf zu
kratzen. Sie graben sich Höhlungen, und sollen durch Ab-
fressen der keimenden Samenkörner schädlich werden; Verf,
fand jedoch nur Insecten in ihrem Magen. Verf. sah sie ein-
mal auf den äussersien Zehenspitzen gehen, auch können sie
schnell an senkrechten Wänden hinlaufen. In einem Weib-
chen fanden sich vier Eier, zwei jederseils: sie sind weiss,
und haben eine kalkige dünne biegsame Schale, Diese Ei-
dechsen gehen nicht freiwillig ins Wasser, schwimmen aber,
wenn hineingeworfen. An den Schenkelporen liegen unter
der Haut drüsige Organe, die eine gelbe gummiartige Masse
absondern. Bei einem alten Männchen von 17'/, Zoll Länge
war der Kopf und die Seiten des Nackens hell röthlich braun,
die Vorderschenkel und die Seiten dunkler, der mittlere Theil
des Rückens hellgrün, Schwanz und Hinterbeine dunkelbraun,
Kehle und Brust weiss, Bauch und Unterseite der Hinterbeine
hellblau, Unterseite des Schwanzes blau, in der Mitte weiss;
an jeder Schulter zwei schwarze Flecke, Die Seiten des
Körpers und Schwanzes mit runden azurblauen Flecken. (An-
nals 2. Ser. II. p. 214).
In der Provinz Preussen kommt, nach v. Nowicki,
58 Troschel: Bericht über die Leistungen in der Herpetologie
auch Lacerta viridis vor, und zwar bei Podgorze und in dem
Cherniewicer Walde, also an der äussersten Südspitze der
Provinz. Auch soll derselbe in demselben Walde den Coluber
thuringiacus gefunden haben. (Neue Preussische Provinzial-
Blätter 1848. V. p. 337.)
Serpentes.
Castelnau ist während seiner Reisen in Südamerika
der Ansicht geworden, dass die Schlangen in den Aequato-
rialgegenden Amerika’s nicht zahlreicher an Individuen sind,
als in unseren gemässigten Gegenden, obgleich die Zahl der
Arten viel grösser ist; ebenso dass das Verhältniss der eif-
tigen ‚Arten zu den unschädlichen gering ist. Während der
Reise von 4, Jahren konnte er nur 91 Schlangen, die zu
64 Arten gehörten, einfangen, von diesen Arten waren 53
unschädlich , und 11 giftig, die Zahl der giftigen Exemplare
betrug 21. In geographischer Beziehung vertheilen sich diese
91 Schlangen folgendermassen: von Rio-de-Janeiro bis Santa
Cruz de la Sierra , also in einer Region von grosser Hitze,
48 von denen 11 giftig; in Bolivia und Peru, in bergigen
und oft kalten Gegenden 7, von denen I giftig, die in den
warmen Thälern der Anden vorkam; auf der Rückkehr sam-
melte der Reisende am Ucayale und Amazonenstrom 43, un-
ter denen 9 giftig. Die Schlangen erheben sich selten über
2000 Meter, nur 2 wurden in höheren Gegenden angetroffen,
Die Eidechsen sind sehr gemein auf den Hochebenen Bolivia’s
und Peru’s, in Höhen von 3000 bis 3500 Meter, Die Balra-
chier gehn am höchsten. Verf. hat einen Laubfrosch am
Eingange der Höhle von Samson-Marchay bei Cerro de Pasco
höher als 4000 Meter gefunden, (Institut 1848. p. 19; Com-
ptes rendus XXVI. p. 101.)
Heterodon quianensis Trosch. |, c. bei Schomburgk ist von H.
rhinostoma Schl. durch die völlig glatten Schuppen in 19 Längsreihen
unterschieden, von coccineus durch völlig abweichende Färbung und
durch andere Beschildung des Kopfes. Sie ist einfarbig braun, am Nak-
ken etwas dunkler, unten hellgelblich. Bei Pirara.
Berthoud machte die Folgen des Bisses von Coluber
cerastes und Vipera brachyura bekannt, in Folge dessen in
während des Jahres 1848. 59
Algerien Meerschweinchen, Schildkröten , Frösche, Eidechsen,
Chakals, Hunde, Schlangen starben (Rev. zool. 1848. p. 74.)
Batrachii.
Ueber die Herznerven des Frosches. Von €. Ludwig.
s. Müller’s Archiv 1848. p. 139.
Bemerkungen über das Zellenleben in der Entwickelung
des Froscheies von Herm. Cramer s. Müller's Archiv
1848. p. 20.
Ueber das Erwachen der Frösche (Rana temporaria)
finden sich Angaben von Selys-Longchamps in den
Memoires de l’Acad. de Belgique XXI. 1548. Die Frösche
erschienen bei einer Temperatur von 10—12°.
Cystignathus aeneus Guichenot bei Gay |. c. cute supra om-
nino granulosa, colore corporis membrorumque subtus aeneo, viridi-cu-
preo variegato, fasciis fusco limbatis, tribus longitudinalibus irregulari-
bus ornato; abdomine laevi an tenuissime granuloso,, albido pallidiore;
membris infra ferrugineis. Lebt in der Nähe von Valdivia. — C. Schom-
burgkü Trosch. ].c. bei Schomburgk schliesst sich an C. gracilis Dum.
Bibr. an, mit dem die Gaumenzähne übereinstimmen. Der Oberkiefer
steht vor dem Unterkiefer vor, das Paukenfell ist deutlich, Farbe oben
einfarbig braun, unten hell. Die Vordergliedmassen reichen bis an die
Spitze der Schnauze; der dritte Finger ist wenig länger als der erste,
der zweite ist viel kürzer, fast so kurz wie der vierte. Kein häutiger
Rand an den Zehen der Hinterfüsse. Der Eingang in den Kehlsack liegt
als kleine Spalte jederseits unter der Zunge; aufgeblasen tritt derselbe
ziemlich stark hervor und bildet jederseits eine blasenförmige Erwei-
terung.
Hyla calcarata Trosch, ib. schlank, mit einer spitzen Hautausdeh-
nung am Fersengelenk. Kopf ziemlich spitz, Augen gross, Paukenfell
rundlich. Zehen der Vorderfüsse am Grunde durch eine kleine Haut
verbunden, die Innenzehe völlig frei, die Zehen der Hinterfüsse bis zum
vorletzten Gliede durch Schwimmhaut verbunden. Farbe röthlich braun,
mit einem schwärzlichen Längsstreifen auf der Mitte des glatten Rük-
h kens, Hinten an den Seiten des Körpers etwa 7 kurze senkrechte dunkle
Streifen; an den Schenkeln dunkle Querbinden,
.
! Pouchet sandte der Pariser Academie eine Nole über
die Veränderungen der Färbung bei den Laubfröschen (In-
stitut 1848. p. 165; Comptes rendus XXVI. p. 574; Schleiden
j und Froriep Notizen VII. p. 326).
#
60 Troschel: Bericht über die Leistungen in der Herpetologie
Der grüne Laubfrosch zeigt ähnliche Veränderungen der Farbe,
wie die Chamäleons und andere Eidechsen. Er ist bald dunkler bald hel-
ler gefärbt, bald gefleckt. Verf. sucht die Erscheinung durch das mi-
kroskopische Studium der Haut aufzuklären. Unter einer starken Lupe
erscheint die Haut des Rückens genetzt mit regelmässigen schwärzlichen
Maschen, deren Zwischenräume vertieft sind und gleichsam einen mi-
kroskopischen Spiegel bilden, der eine malte Goldfarbe ausstrahlt, wenn
grelles Licht auffällt. Ausserdem bemerkt man eine Menge grösserer
schwarzer Punkte, die ebensoviele Ausdunstungsporen darstellen. Die
Haut besteht aus 4 Schichten: die ungefärbte Epidermis, die obere fär-
bende Schicht, von der die grüne Farbe des Thiers herrührt, und die
die Maschen erfüllt, die untere färbende Schicht, die aus einem schwärz-
lichen Pigment besteht, eingeschlossen in sternförmigen oder pinselför-
migen Quasten, deren Verzweigungen in den Maschen enden, und die
eigentliche Haut. Die schwärzliche Farbe hängt nun von der Ausdeh-
nung des schwarzen Pigments nach der Peripherie aller Quasten hin ab,
Diese dringen in die Maschen des schwarzen Netzes ein, erweitern es,
und verkleinern den Durchmesser der kleinen Spiegel in den Zwischen-
räumen,‘ Die helle Farbe hängt von der entgegengesetzten Erscheinung
ab. (Vergl. dies Archiv. 1835. II. p. 293.)
Bericht über die Leistungen in der Ichthyo-
logie während des Jahres 1848.
Vom
Herrusgebern.
Von der Histoire naturelle des Poissons von Cuvier
und Valenciennes erschien der 21 Band, welcher den
Schluss der Häringe, und die Lachse enthält.
Im Jahre 1848 erschien von dem früher begonnenen
Reisewerke „Zoology of the Voyage of H.M. S. Erebus and
Terror under the Command of Captain Sir James Clark Ross
during Ihe Years 1839—1843 edited by J. Richardson
and J. E. Gray“ Part. VII. der Fische; bearbeitet von Ri-
chardson, womit nunmehr die Fische dieser Reise been-
digl sind, so dass im Ganzen 60 Tafeln mit Fischen erschie-
nen sind. Titel und Register sind beigegeben, Ausser einer
Uebersicht der Arten der Gallungen Ophisurus und Congrus
sind mehrere neue Fische beschrieben, die unten am entspre-
chenden Orte genannt sind.
Ferner begann ein neues Reisewerk unter dem Titel :
„Ihe Zoology of Ihe Voyage of H. M. S. Samarang under
Ihe Command of Captain Sir Edward Belcher during the Years
1843—1846. Edited by Arthur Adams.“ Die erste Lie-
4 ferung ist den Fischen gewidmet, sie sind von Richard-
son bearbeitet und in dieser Lieferung beendigt, Ohne wei-
tere Einleitung werden nur die Arten beschrieben und auf
10 Tafeln abgebildet. Die neuen sind unten angegeben.
In „The history of Barbados ct. by Sir Robert H,
62 Troschel: Bericht über die Leistungen in der Ichthyologie
Schomburgk“ ist der Abschnitt über Fische p. 665-678
bearbeitet von J. Müller und dem Referenten. Die dort
gesammelten, und nach Europa (an das zoologische Museum
zu Berlin) gesandten Fische gehörten 93 Arten an, denen
noch 21 Arten als in Barbados vorkommend von Schomburgk
hinzugefügt sind. Einige unter diesen Fischen hielten die
Verf. für neu, sie werden unten genannt. Allen ist der Name
hinzugefügt, unter dem sie den Bewohnern von Barbados be-
kannt sind.
Die Fische in Rich. Schomburgk’s „Reisen in Bri-
tisch Guiana Leipzig 1848. 8.“ Band Ill. p. 618 sind von J.
Müller und dem Referenten bearbeitet. Nach den Beob-
achtungen des Reisenden, welcher 139 Arten nach Europa
brachte, obgleich er grosse Verluste an seinen Sammlungen
erlitt, sind besonders die Familien der Welse und Characinen
stark vertreten, Lachse und Cyprinoiden fehlen ganz. Die
Gallungen Sudis, Osleoglossum, Hydrolycus, Pimelodus, Ara-
kaima, Xiphostoma leben bloss in den Savannenllüssen, Ano-
dus, Tetragonopterus, Catoprion, Acara, Chaelobranchus, Geo-
phagus, Leporinus, Piabuca, Chilodus nur in den stehenden Ge-
wässern und Sümpfen, Callichthys, Symbranchus, Gymnothorax,
Epicyrtus sind den Gräben der Plantagen und denen der Küste
eigenthümlich. Andere bleiben stets von der Küste fern,
Unter den Arten sind manche neue, die unten angeführt wor-
den sind. Die Charaeinen der Schomburgk’schen Sammlung,
welche ein reiches Malerial lieferte, sind schon von densel-
ben Verf. in diesem Archiv 1844. I. p.81 aufgestellt und in
den Horae ichthyologicae beschrieben und zum Theil abge-
bildet worden (vergl. den Bericht im XII. Jahrgang dieses
Archiv’s p. 408). Den einzelnen Arten fügte Schomburgk
Bemerkungen über Vorkommen und die Lebensweise hinzu.
Derselbe ist im Anfange des Jahres 1849 nach Adelaide aus-
gewandert. Möge er dort Musse finden, der Ichthyologie
einen ähnlichen Dienst zu erweisen, wie er es durch seine
Reise in Britisch Guiana gelhan hat, }
Paul Gervais fügte den bisher bekannten 4 Arten
von Süsswasserfischen (Barbus callensis und maeropogon,
Leueiscus callensis und Anguilla callensis) Algeriens einen
neuen (Acerina Zillü s. u.) hinzu, und ist der Meinung, es
während des Jahres 1848. 63
würden sich unsere europäischen Fische dor! mit grossem
Nutzen acclimatisiren lassen. (Annales des sc. nal. 1848.
Oct. p. 203.)
Nach Thompson (Additions to the Fauna of Ireland,
Annals 2 Ser. I. p. 637 wurde bei Killinchy , Strangford
lough ein Syngnathus ophidion gefangen.
G. Boceius. Fish in rivers and sireams. A lrealise on
Ihe production and management of Fish in fresh waters by
artificial spawning , breeding and rearing ; shewing also Ihe
cause of Ihe depletion of all rivers and streams. 8. Lon-
don 1848.
Quatrefages hat über die künstliche Befruchtung der
Fische eine Mittheilung gemacht. Es genügt eine Menge Laich
von mehreren Weibchen in ein Gefäss zu legen, und dann
in demselben den Milch eines Männchens zu zerdrücken, um
sämmtliche Eier zu befruchten. Darauf an einen günstigen
Ort in einem Teiche oder in einem Bache gebracht, und
gegen äussere Angriffe geschülzt, entwickeln sich die mei-
sten und geben eine zahlreiche Menge junger Fische. Verf.
meint, diese Methode sei geeignet, werthvolle Fische zu
übersiedeln, selbst aus fremden Ländern, und so die vielen
Gewässer nulzbarer zu machen. (Institut 1848. p. 342; Comp-
tes rendus XXVII. p. 415; Schleiden und Froriep Notizen
VII. p. 337.).
Notes anatomo-physiologiques sur la structure du coeur
de l’Esturgeon et de la Raie; par M. Parchappe (Comptes
rendus XXVII. p. 24).
Stannius: Ueber das Pankreas der Fische. Müller’s
Archiv 1848. p. 405. Hebt das Wesentliche aus Brock-
manns Dissertation „de pancreate piscium,* in welcher Verf.
seine Entdeckungen niedergelegt hatte, hervor. Vergl. auch
- den Bericht im Jahrg. 1847. p. 346.
Agassiz machte in der Boston Sociely einige Bemer-
_ kungen über die Existenz von zahlreichen kleinen Röhren
bei Fischen, welche sich nach aussen öffnen , und welche
bisher für Schleimröhren gehalten sind, von denen sich aber
Verf. überzeugt hat, dass es Röhren seien, die den Zweck
haben, Wasser in den Körper zu führen, Diese Oeffnungen
64 Troschel: Bericht über die Leistungen in der Ichthyologie
sind bei manchen Fischen ausserordentlich zahlreich und sind
über die ganze Oberfläche verbreitet. Bei Süsswasserlischen,
und bei denen, die im seichten Wasser leben, seien sie we-
niger häufig; am zahlreichsten kommen sie bei Fischen vor,
die in grossen Tiefen schwimmen. Diese kleinen Röhren ver-
einigen sich zu grösseren, wie es scheint, in jeder Klasse
nach derselben Weise. Verf. glaubt, dies möchte einen
Werth für die Classification haben. Die Röhren werden wei-
ter, je mehr sie sich dem Herzen nähern. Sie öffnen sich
in der Nähe des Herzens in das Circulationsystem. Verf.
hat das Herz durch diese Röhre injieirt, und hat durch eine
Spritze Blut aus ihnen gezogen. Er hat die äussere Ober-
fläche durch eine einzige Röhre injieirt, mochte sie sich am
Kopfe, am Schwanze oder an einem anderen Theile des Kör-
pers öffnen. Er hält diese Röhren für einen Apparat, der
die Fische in grosser Tiefe befähigt, dem Drucke , welchem
. sie unterworfen sind, zu widerstehen. (Proc. Bost. Soc.
Nat. Hist. April 19, 1848. p. 27; Silliman American Journal
2. Ser. VI. p. 431.)
Dipnoi.
Smith und Gulliver haben die Blutkügelchen von
Lepidosiren annectens gemessen , und sie sehr gross gefun-
den. Der grössere Durchmesser beträgt '/,,,, der kürzere
Ygy, Zoll. Sie halten dies für nicht unwichtig für die Stel-
lung dieses Thiers im System, da kein Fisch so grosse Blut-
kügelchen habe, während dieselben nach ihrer Grösse zwi-
schen Siren und Triton stehen. (Annals 2. Ser. Il. p. 292.)
Teleostei.
Acanthopteri.
Acerina Zillii Gervais |. c. Körper höher als beim gewöhnli-
chen Kaulbarsch, Vordeckel nicht gezähnt, Deckel abgerundet. D. 14.
11; A. 3. 7. in dem Wasser der artesischen Brunnen bei Tuggurth.
Serranus impetiginosus Müll. Trosch. Barbados 1. c. mit dunk-
len erbsengrossen Flecken bedeckt, ein schwarzer Fleck auf der Rük-
kenflosse, ein anderer auf dem Rücken des Schwanzes. D. 11. 17;
A.3. 8. — S. galeus Müll. Trosch. Guiana |. c. Entfernung der Au-
gen grösser als ein Durchmesser eines Auges; der Körper ist dunkel
während des Jahres 1848. 65
gefleckt, auf der Rückenllosse ausserdem grosse weisse Flecken. D.11.
16: A. 3.9.
Plectropoma monacanthus Müll, Trosch. Barbados. Mit nur ei-
nem Dorn vor dem Winkel des Präoperculums. D. 11. 19; A. 3. 9.
Centropristes macrophthalmus Müll. Trosch. Barbados l.c. Auge
breiter als der Zwischenraum zwischen den Augen, der letzte Strahl
der Rücken - und Afterllosse verlängert. D. 10.11; A.3.8. Die Verf.
bemerken, dass Serranus filamentosus und $. oculalus ebenfalls zu Cen-
Iropristes gezogen werden müssen.
Stannius: Ueber die Schwimmblase des Priacanthus
snacrophthalmus und einiger andern Percoiden. (Müller's Ar-
chiv 1848. p. 399.) Bei dieser Gelegenheit wird bemerkt,
dass sich Myripristis und Holocenirum durch einen aus meh-
reren Stücken zusammengeselzten Oberkiefer auszeichnen.
Psammopercanov. gen. Richards. Erebus et Terror. Pis-
eis acanthoplerygius e familia Pereidarum. Dentes praemaxillarum, man-
dibulae, vomeris, ossiumque palati minuti, rotundati, numerosissimi, con-
ferti; canini nulli. Os praeorbitale integerrimum , simul ac nasus et
mandibula porosum, squamisque carens. Maxillae partim squamis minu-
tis leclae. Genae operculaque prorsus squamosae. Praeoperculum disco
inferiore arcto squamis exiguis teneris tecto, margineque inlegerrimo
munitum, anguloque eius in spinam acutam decurrente, limboque erecto
acute peclinato dentato. Öperculum spina gracili, solitaria armatum,
lobo membranaceo desinens. Anus medianus. Squamae ctenoideae,
basi Nlabellatim suleatae. Linea lateralis antice arcuala. Corpus com-
pressum, a latere ellipticum. Os humile, terminale. Membrana bran-
chiostega radiis 7 sustentala. Pinna dorsi profunde emarginata, spinis
validis, aeque ac pinna ani in theca squamosa movens, Pinnae ventris
sub axillas pinnarum pectoris posilae, squamis longis, composilis extra
interque fultae. Pinna caudae valde rotundata. Membranae omnium
pinnarum squamis teneris arcle appressis obvelatae, praeler membranam
spinas dorsi interpositam, in qua squamae ordinalae iuxla spinas lantum
adsunt. Die Art, nach welcher diese Gattung aufgestellt ist Ps. dat-
nioides D. 8, 12; A. 3. 9. stammt von Australien.
Datnia elliptica Richards. ib. D. 12. 13; A. 3. 8. Aus den
Flüssen von Westaustralien.
Budge: Ueber den Zungenbeinkiel von Sphyraena Bar-
racuda, vergl. Müller's Archiv 1848. p. 385.
Platycephalus eirrinasus Richards, Erebus et Terror D. 9—12
A- 11. von Botany -Bai,
Archiv [. Naturgesch, XV, Jahrg. 2. Bd, E
66 Troschel: Bericht über die Leistungen in der Ichthyologie
Apistes depressifrons Richards. Samarang. D. 13. 7; A. 3.5
Japan. — A. multicolor ib. D. 15. 6; A. 3. 4. China. — A. leucoga-
ster ib. D. 13. 8; A. 3. 7. China.
Minous Adamsü Richards. Samarang. D. 10. 10 vel 11; A.
10 vel 11. China.
Choridactylus nov. gen, Richards. Samarang. Dieser Fisch
hat die Charaktere von mehreren Galtungen von Cottoiden. Zugleich
mit den Präorbitaldornen von Apistes oder Minous zeigt er die hohlen
Wangen, die vorspringenden Augenränder, die langen dünnen Rücken-
stacheln, die Fäden der Flossen, die freien Brustflossenstrahlen und die
an den Körper angewachsenen Bauchflossen von Pelor. Er hat jedoch
weder den langstreckigen Körper, den niedrigen Kopf und die horizon-
tal vorspringende Schnauze, noch die Vomerzähne dieser Gattung, und
die Haut der Rückenflosse ist vollständig, dick und schwammig, wäh-
rend sie bei Pelor zwischen den hintern Dornen fehlt. In der schlal-
fen Haut, in der Gestalt des Kopfes und in der allgemeinen Gestalt
kommt er einigen Arten Synanceia näher, von denen er sich jedoch
durch seine freien, gekrümmten Brustflossenstrahlen unterscheidet. Die
Art Ch. multibarbus ist 3 Zoll lang. D. 13. 9; A. 2. 8. China.
Sthenopus nov. gen. Richards. Samarang. Der Kopf ist zu-
sammengedrückt, und ganz von der bunten Haut überzogen; die Zähne
der Kiefern sind sehr klein, noch kleiner am Vomer, und fehlen am
Gaumen. Die ersten drei Strahlen der Rückenflosse stehen zwischen
den Augen und sind von der ersten Rückenllosse durch einen tiefen
Einschnitt getrennt; alle diese Stacheln sind mit dicker Haut bedeckt,
und mit Fäden beselzt. Die Art S. mollis ist schwärzlichgrau mit einer
Reihe heller Flecken an der Seitenlinie, am Kopf, den Seiten und den
Flossen. B. 6.D 3-9. 8; A. 1.9.
Podabrus nov. Gen. Richards. Samarang. Der Präorbital-
knochen ist glatt am unteren Rande; in den Kiefern Binden sammetar-
tiger Zähne, auch der Vomer ist ähnlich bewaffnet und an den Rändern
der Gaumenbeine finden sich kleinere Zähne. P. centropomus B. 6; D.
10—20; A. 18. Bei der Insel Quelpart. 4'/, Zoll. — P. cottoides B.
6; D. 10—19; A. 18. China. 31% Zoll.
Mieropogon trifilis Müll. Trosch. bei Schomburgk Guiana 1. ec.
besitzt nur 3 kleine Fäden unter dem Kinn in einer Querreihe, keine
Schleimporen und Hautlappen an der aufgetriebenen Schnauze. D. 10—1.
2bN A..2. 0.
Dieselben Verf. stellten auch eine neue Galtung in der Familie
der Sciaenoiden auf ib: Polycentrus. Sechs Strahlen in der Kiemen-
haut, ein Stachel am Kiemendeckel, der Vordeckel gezähnelt, desglei-
chen der erste Infraorbitalknochen ; hechelförmige Zähne in den Kiefern,
keine am Vomer und Gaumen ; bedeckte Nebenkiemen ; gelrennte Schlund-
während des Jahres 1848. 67
knochen mit hechelförmigen Zähnen. Keine Seitenlinie, sehr zahlreiche
Stacheln in der Afterflosse. Die Art P. Schomburgkii ist braun, an-
derthalb Zoll lang. D. 16. 85 A. 13. 7.
Lethrinus chrysostomus Richards. Erebus et Terror D. 10. 8;
A. 3. 8. Von der Norfolk - Insel.
Crenidens simplex ib. D. 15. 12; A. 3. 12 von Port Jackson.
Scorpis aequipinnis ib. D. 10.27; A. 3.26. King George's Sound,
Australien.
Gerres zebra Müll. Trosch. Barbados I. ec. silberfarbig, mit
5—7 senkrechten Binden, kurzer Schnauze, grossen Augen. D. 9. 10.
A. 3.7.
Acharnes Müll. Trosch. nov. gen. Guiana |. c. Hechellör-
mige Zälne in den Kiefern, keine Gaumenzähne ; vorstreckbares Maul,
fünf Strahlen in der Kiemenhaut; Rückenflosse tief eingeschnitten; ge-
trennte Schlundknochen, keine Bewalfnung der Kiemendeckelstücke ;
unterbrochene Seitenlinie; keine Nebenkiemen. Diese Gattung unter-
scheidet sich von allen Maeniden durch die unterbrochene Seitenlinie.
Die Art A. speciosus ist bräunlich, unten silberglänzend, ein schwarzer
Längsstreifen durch die Mitte der Schwanzflosse. D. 16. 16; A. 3. 11.
Guichenot trennte von der artenreichen Gattung Chaetodon
zwei Arten Ch. bifacialis und Leachii Cuv. Val. als eigene Gattung
unter dem Namen Megaprotodon. Dieselbe soll sich von Chaetodon
durch eiuen Haufen längerer Zähne unterscheiden, die hakenförmig en-
den, und am Ende des Unterkiefers stehen (Rev. zool. 1848. p. 12).
Pempheris Schomburgki? Müll. Trosch. Barbados l.c. hat einen
Strahl weniger in der Rückenflosse als P. mexicana, die im stillen
Ocean lebt.
Caranz paraspistes Richards. Erebus ct Terror D. 8-1. 21;
A. 2—-1. 16. Nordküste von Australien.
Equula serrulifera ib. D. 8. 17; A. 2. 14 Australien.
c Caprophonus Müll. Trosch. nov. gen. Barbados |. ec. un-
terscheidet sich von Capros durch eine einzige Reihe von Zähnen oben
und unten, durch die Rauheit des Oberkiefers, und dadurch, dass die
drei Dornen der Afterllosse eine besondere Flosse vor den weichen
Strahlen bilden. Die einzige Art C. aurora ist schön roth gelärbt, D.
34;A.3 + 322.
Nemichthys scolopacea noy. gen. Richards. Samarang. Die
allgemeine Gestalt ist fadenlörmig, dünner beim Kopf, allmählich dicker
werdend im vorderen Viertel des Körpers, und dann unmerklich dünner
werdend bis zur äussersten Schwanzspitze, die so dünn wie ein Haar ist.
Das Auge ist gross, und sehr deutlich wegen der dunkel purpurblauen
Farbe. Die Kiefer sind lang und dünn, und der Mund ist bis hinter das
68 Troschel: Bericht über die Leistungen in der Ichthyologie
Auge gespalten. Die inneren Oberflächen beider Kiefer sind convex
und wie eine Feile ganz bedeckt mit kurzen dreieckigen oder halb
lancettförmigen Zähnen, deren Spitze nach hinten gebogen ist. In je-
dem Zwischenkiefer scheinen etwa sechs Reihen solcher Zähne vor-
handen zu sein, und die Zahnfläche verschmälert sich am Eingange des
Schlundes zu einer schmalen Spitze ; die Oberkiefer tragen drei Rei-
hen ähnlicher Zähne. Keine Zunge. 9-10 Strahlen der Kiemenhaut,
fein wie ein Haar und gekrümmt wie bei Muraena; ein schmaler Raum
trennt die Kiemenspalten unten, nach oben reichen sie zur Hälfte des
Kopfes. Alter zwischen den kleinen Brustilossen. In den Brustllossen
11 Strahlen; zwischen ihnen schwillt der Körper ein wenig an. Auf
dem Rücken eine Reihe zahlreicher kurzer spitzer Stacheln, jeder mit
einer Membran in seiner Axe. Die Strahlen der Afterflosse sind grösser
und zahlreicher als in der Rückenilosse. Eine Furche ersetzt die Sei-
tenlinie. Die Farbe ist weiss mit dnnkelbraunen Flecken, der Kopf
nelkenfarbig. Die Haut ist ganz schuppenlos. 14 Zoll. Im Süden des
Atlantischen Oceans. Ueber die Stellung im System wird nichts ge-
sagt, er wird wohl zu den Taenioiden gehören ?
Atherina stipes Müll. Troseh. I c. Barbados. Hat Aehnlichkeit
mit A. Boieri. D’ 5—1. 9; A 1.12.
Gadopsis marmoralus Riehards. Erebus et Terror D. 10. 25;
A. 3. 19. Flüsse im südlichen Australien. Der Fisch ist 4 Zoll lang.
Verf, hat nur eine einzige trockene llaut gesehen, er hält ihn für eine
neue Gattung der Familie der Blennioiden.
Gobius Bishopi Müll. Trosch. Barbados 1, e. gehört in die
Gruppe, wo die oberen Strahlen der Brustllossen in zahlreiche Fäden
endigen, gelbgrau mit vier grossen dunklen Flecken, darunter und am
Schwanze einige kleinere Flecken. 4 Zoll.
Stannius: Ueber die Arteriae laterales von Lophius piscalorius
s. Müller’s Archiv 1848. p. 401.
Aulostoma coloratum Müll. Trosch. (Trompetero colorado Parra)
Barbados ]. c. ist von Fistularia chinensis Bl. mit dem dieser Fisch
verwechselt wurde, verschieden. Er ist an den Seiten des Kopfes weiss
gefleckt, und drei braune Flecken bilden daselbst eine Längsreihe, am
Rücken finden sich jederseits zwei Reihen schwarzer Flecke, an jeder
Seite des Körpers sieben weisse Längsbinden, am Bauche eine Reihe
schwarzer Flecke.
Pharyngognathi.
Richardson beschreibt Erebus et Terror auch zwei Labroidei
eycloidei als nen, die der Gattung Tautoga angehören: T. luculenta D.
9. 11; A. 3. 10. Von den Küsten Australiens, Norfolk-Insel, — T.
inseripta D. 9. 14; A. 3. 10. Norfolk-Insel,
während des Jahres 1848. 69
Malacanthus brevirostris Guichenot (Rev. zool. 1848. p. 14.)
elongatus, capite declivi, rostro brevi, obtuso; oculis magnis, dentibus
validis, inaequalibus, auetis; dorsali analique altis; caudali quadrata;
corporis colore omnino flavo, versum dorsum saturiore (sic!), duabus
longitudinalibus vittis nigris in caudali; omnibus pinnis flavis. Mada-
gascar, Bourbon.
Julis maculipinna Müll. Trosch. |. c. Barbados. Hat einen schwar-
zen Fleck auf der Rückenflosse; jederseits unter der Seitenlinie eine
breite dunkle Binde, darunter einen dunklen Fleck. D. 9. 11; A. 3. 11.
Glyphisodon taurus Müll. Trosch. I. c. Barbados. Zähne gekerbt,
die Mundspalte erreicht nicht das Auge, am Mundwinkel ist der Sub-
orbitalknochen so breit wie ein Augendurchmesser. D. 12. 12; A. 2.10.
Pomacentrus leucostietus Müll. Trosch. ib. unterscheidet sich
durch zahlreiche weisse Flecke, die besonders häufig unter der Rücken-
und über der Afterllosse sind, von P. fuscus.
Acara Heckeli Müll. Trosch. bei Schomburgk Guianal. c. auf
den Backen fünf Schuppenreihen, ein schwarzer Fleck unfer der Sei-
tenlinie, keiner am Schwanz; Flossen weiss punktirt. D. 14. 10; A. 3.8.
Geophagus surinamensis Müll. Trosch, ib. (Sparus surinamen-
sis Bl; Geoph. megasema Heckel). — @. leucostictus ib. Seiten des
Kopfes mit vielen kleinen weissen Flecken, eine einfache Reihe sol-
cher unter der Rückenflosse ; diese und die Schwanzflosse weiss ge-
fleckt. D. 16.8; A. 3. 6.
Budge unterscheidet (Müller’s Archiv. 1848. p. 383) eine neue
Art der Gattung Belone: B. 11 radiata, die sich von B. acus Risso un-
terscheiden soll, weil sie nur 11 anstatt 12 Strahlen in den Brustflossen
besitze, weil sie oben und unten zwei Reihen von Zähnen in den Kie-
fern trage, und weil die Zahl der Zähne eine andere sei. Von die-
ser Art wird eine accessorische Drüse in der Analgegend beschrieben.
Exocoetus Roberti Müll. Trosch. |. c. Barbados. Die Rücken-
llosse ist niedriger als bei E. cyanopterus Cuv. Val., die Brustllossen
sind dunkel und durchscheinend, und haben innen an der Basis einen
grossen weissen Fleck. D. 11; A, 12.
Physostomi.
Bagrus coelestinus Müll. Trosch. bei Schomburgk Guiana 1. ce.
Augen um das dreilache ihres Durchmessers entlernt, 6 Bartfäden, Ma-
xillarfäden bis zum Ende der Brustilosse. Fetflosse klein. D. 1. 7;
A. 20. — B. emphysetus ib. Augen um das fünffache ihres Durch-
messers entfernt, 6 Bartfäden, Maxillarfäden reichen über die Basis der
Rückenflosse, Fettflosse kleiner als die Afterllosse, D. 1. 7; A. 20,
Pimelodus eristatus ib, Augen um etwas mehr als ihren Durch-
70 Troschel: Bericht über die Leistungen in der Ichthyologie
messer von einander entfernt. Die Maxillarbartfäden reichen bis unter
die Mitte der Fettflosse ; die Basis der Feiflosse mehr als dreimal so
lang als die Basis der Rückenflosse. D. 1. 6; A. 15. -— P. foina ib.
Entfernung der Augen gleich einem Durchmesser ; Maxillarbartfäden rei-
chen bis an das Ende der Bauchflossen ; die Basis der Fetiflosse dop-
pelt so lang als die Basis der Rückenflosse. D. 1. 6; A. 11. — P.
eques ib. Entfernung der Augen 1'/, des Durchmessers, die Maxillar-
bartfäden erreichen das Ende der Schwanziflosse ; die Basis der Fettflosse
doppelt so lang, wie die Basis der Rückenflosse. D. 1. 6; A. 12. —
P. Stegelichü ib. Entfernung der Augen 2'/, des Durchmessers, Fett-
flosse sehr lang. D. 1. 6; A. 12.
Callichthys exaratus Müll. Trosch. ib. Oberseite des Kopfes
linienartig eiselirt ; Entfernung der Augen gleicht viermal dem Durch-
messer. — C. pietus ib. Kopf und Seitenschienen rauh durch feine
Stachelchen; Brust und Bauch schwarz gelleckt.
Loricaria platyura Müll. Trosch. ib. Schwanz oben und un-
ten ohne Kiel; oberhalb sechs breite schwarze Querbinden. D. 1. 7;
Ar 1. 0.
Hypostomus nudiceps Müll. Trosch. ib. verwandt mit H. bu-
fonius, Kopf fast bis zu den Augen nackt; Stachel der Brustflossen
reicht über den Anfang der Bauchllossen, die Augen mehr seitlich, D,
1..75,A. 1,4.
Nach Klinsmann kommt in Preussen auch der Spie-
gelkarpfen vor; Cyprinus amarus ist in den Stadtgräben von
Danzig nicht selten; Acipenser Lichtensteinii kommt häufig
vor aber nur in jungen Exemplaren. (Neue Preussische Pro-
vinzial-Blälter. 1848. V. p. 383).
E. Boll bemerkt im Archiv des Vereins der Freunde
der Naturgeschichte in Meklenburg 2. Heft 1848, dass nach
mündlicher Mittheilung des Herrn Prof. Hornschuch von den
Greifswalder Zoologen 9 neue Cyprinus-Arten in der Ostsee
entdeckt worden seien, eine Beschreibung sei noch nicht ge-
geben worden.
Heckel stellte eine neue Galtlung aus der Familie der
Poecilien mit rochenarligem Anklammerungsorgane auf (Sil-
zungsberichte der kaiserlichen Akademie der Wissenschaften
zu Wien. Heft 3. p. 161):
Xiphophorus Zähne kurzborstig, auf einer schmalen Binde
stehend, die eine geschlossene Reihe etwas stärkerer Zähne umgiebt;
während des Jahres 1848. 71
Bauchflossen vorgeschoben, wie bei der Gattung Mollienesia ; Alterflosse
des Männchens dicht hinter den Bauchllossen, kurz, die vorderen Strah-
len verdickt, milsammen zu einer langen Klinge verbunden, deren Ende
mit Anklammerungsorganen versehen ist, die hinteren Strahlen sehr
kurz ; Kiemenstrahlen 5. Am Weibehen hat die Afterflosse eine ge-
wöhnliche schief abgestutzte Gestalt und sitzt weiter rückwärts. Die
drei Arten sind neu, und leben in klaren Bächen des Gebirges Ori-
zaba in Mexico: X. Hellerii Rückenflosse vor der Afterflosse anfan-
gend, Schwanzilosse beim Männchen unten in eine weit vorragende
Spitze verlängert, ein schwarzer Längsstreif an jeder Seite, Rücken-
Nlosse punktirt. D. 14; A.7. — X. bimaculatus Rückenflosse niedrig,
beim Männchen hinter, beim Weibchen vor der Afterflosse beginnend ;
ein schwarzer Fleck über dem Anfang der Kiemenspalte , ein grösse-
rer in der obern Hälfte der Schwanzflosseubasis; in der Rückenflosse
drei Reihen schwarzer Punkte. D. 15; A. 10 (Weibchen 9). — X. gra-
eilis Rückenflosse kurz, beim Männchen hinter, beim Weibchen über
der Afterllosse ; ein schwarzer Längsstreif an jeder Seite, Flossen un-
gefleckt. D.8; A. 8 (Weibchen 9). Alle drei Arten sind nebst einzel-
nen vergrösserten Theilen auf zwei Tafeln abgebildet.
Valenciennes hat im 21. Bande der Histoire na-
turelle des poissons die Familie der Häringe beendet, indem
er noch diejenigen Gallungen nachtrug, bei denen der Un-
terkiefer kürzer ist, als die Schnauze.
Hier unterscheidet Verf. die Gattungen: Engraulis mit 23 Arıen,
Coilia (von voriger besonders durch die Brustilossen unterschieden,
die über sich zwei Gruppen von Fäden tragen) mit 6 Arten, Odonto-
gnathus mit 1 Art, Chatoessus mit 12 Arten. Endlich folgt die Gattung
Notopterus, als den Uebergang von den Häringen zu den Mormyrus
bildend mit 3 Arten,
Ueber das Aufsleigen der Maifische (Clupea alosa)
machte Selys-Longchamps Beobachlungen in den Me-
moires de l’Acad. de Belgique XXI. 1848. bekannt. Sie er-
scheinen zwischen dem 7. und 23. April.
Alosa apicalis Müll. Trosch. bei Schomburgk Barbados |. e.
Die Spitze der Rückenflosse und der llinterrand der gabligen Schwanz-
llosse schwarz. D. 18; A. 17. — A. Bishopi ib. ein schwarzer Fleck hinter
dem Kiemendeckel, Rückentlosse ohne schwarze Spitze. D. 17; A. 17.
Engraulis thrissoides Müll. Trosch, bei Schomburgk Guiana 1.
6. Oberkiefer über den Mundwinkel verlängert, bis an sein Ende mit
Zähnchen besetzt, Rückenflosse über dem Anfang der sehr langen Al-
terflosse, D. 16; A. 39
72 Troschel: Bericht über die Leistungen in der Ichthyologie
Der 21.Band von Cuvier und Valenciennes Hist.
nat. des Poissons enthält ausser den Häringen auch noch die
Familie der Lachse.
Es wird zunächst die bisherige Gattung Salmo in drei Gattungen
getheilt. Bei Salmo ist der Körper des Vomer zahnlos, und trägt nur
Zähne auf seinen Schenkeln , so dass der Zwischenraum zwischen den
Gaumenbeinen glatt ist; bei Fario trägt der Körper des Vomer eine
Reihe Zähne, bei Salar zwei Reihen Zähne. Zu ersterer Gattung ge-
hören 25 Arten, in die zweite 4, in die letzte 8 Arten, Ihnen folgen
17 zweifelhafte Arten. Daran schliessen sich dann die Gallungen Os-
merus mit 4, Malottus mit 1, Argentina mit 4, Thymalus mit 8, und
Coregonus mit 34 Arten.
A. Young. Natural history and habits of Ihe Salmon.
18°. London 1848 ist mir nicht bekannt geworden.
Argentina relropinnaRichards. Erebus et Terror D. 11; A 20.
Bay of Islands, Neuseeland.
Saurus undosquamis Richards, Erebus et Terror. D. 11; A.11.
Nordwestküste Australiens.
Unter dem Namen Aperioptus pielorius bildet Richardson
Samarang einen Fisch ab, der verloren gegangen ist. Er sah aus wie
ein Galaxias, aber ohne Zähne. Er stammte von Borneo. D. 13; A. 11,
Richardson gab in Erebus und Terror eine Ueber-
sicht der Arten der Gattung Ophisurus:
A. Zähne kurz, conisch, mehr oder weniger stumpf.
a. Brustflossen lang. Zähne drei- oder mehrreihig in den ein-
zelnen Knochen.
OÖ. cancrivorus, sinensis, semieinelus, boro.
b. Brustflossen klein, oder rudimentär.
1. Vomerzähne drei- oder mehrreihig, Gaumen - und Mandi-
bularzähne zweireihig.
0. breviceps, pardalis.
10
Vomerzähne zweireihig, Gaumenzähne einreihig, Mandibu-
larzähre ein- oder fast zweireihig.
0. fasciatus, colubrinus.
B. Zähne spitz, conisch - pfriemförmig, pfriemförmig oder nadel-
förmig.
a. Brustflossen klein und zierlich, mässig oder ziemlich. gross.
1. Vomerzähne dreireihlg, Gaumen- und Kieferzähne zwei-
reihig.
0. pallens.
während des Jahres 1848, ı Ne
2. Vomerzähne zweireihig, Gaumen- und Kielerzähne zwei-
reihig.
O.hijala, maculosus, intertinetus.
3. Vomerzähne fast zweireihig oder einreihig, Gaumen - und
und Kieferzähne einreihig.
0. spadiceus, versicolor.
Vomerzähne einreihig, Gaumen- und Kieferzähne zwei-
reihig.
0. sugillatus, ocellatus, parilis, dicellurus, rostellatus.
5. Vomerzähne einreihig, Gaumenzähne einreihig, Kieferzähne
zweireihig.
r
0. compar,
6. Vomerzähne einreihig , Gaumenzähne zweireihig,, Kiefer-
zähne einreihig.
0. regius, serpens. :
b. Brustflossen klein, keine senkrechte Flossen, Zähne in allen
Knochen einreihig.
0. vimineus.
Von diesen genannten Arten sind als neu beschrieben: O0. can-
erivorus von Port Essington. — 0, sinensis von Canton. — 0. semi-
einclus von Westafrica. — ®. breviceps von China. — 0. pallens von
China. — 0. interlinetus von Westindien. — 0. versicolor von den
Molukken. — 0. sugillatus von Westindien? — 0. parilis von Westin-
dien. — 0. rostellatus vom Senegal. — O. compar von Sumatra.
In demselben Reisewerk findet sich von Richardson
auch eine Eintheilung der Galtung Congrus.
1. Gaumen- und Kieferzähne dünn, aber meisselförmig an den
Spitzen, und so eng gestellt, dass sie einen schneidenden Rand
bilden.
C. vulgaris, leucophaeus,
2. Gaumen - und Kieferzähne in Haufen oder nadelförmig und haar-
förmig.
C. myrus, lepturus.,
3 Zähne meist conisch und mehr oder weniger stumpf.
6. habenatus,
4. Vomerzähne kräftig, zusammengedrückt, scharfrandig und dreispit-
zig; Kieferzähne ähnlich den Vomerzähnen (Muraenesox MeClelland.)
©. protervus, trieuspidatus, angustidens, bre vieuspis, hamo,
Vomerzähne dreispitzig; Kieferzähne ähnlich den Gaumenzähnen
(Muraenesox McUlelland.)
©, eurvidens.
or
74 Troschel: Bericht über die Leistungen in der Ichthyologie
Davon sind folgende Arten als neu beschrieben : ©. leucophaeus
ohne Angabe des Vaterlandes, — C. habenatus von der Cooksstirasse,
Neuseeland. — C. protervus woher ? — C. anguslidens von China. —
©. brevieuspis woher? — C. curvidens woher ?
Ebenda beschreibt Richardson zwei neue Aale: Anguilla Auck-
landii von den Aucklandinseln und A. labrosa aus der Südsee,
Bei Schomburgk Guiana |. c. wurde von Müller und Tro-
schel die Gattung Carapus in drei Galtungen zertheilt, nämlich: 1.
Carapus mit kegelförmigen Zähnen in einer Reihe, und deprimirtem
Kopf; die vordern Naslöcher stehn am Rande des Mauls (Gymnotus fa-
scialus Pall.) 2. Sternopygus nov. gen. hechelförmige Zähne, Kopf
comprimirt, die vordern Nasenlöcher an der Oberseite des Kopfes. Dahin
Gynnotus macrurus Bl., Gymnotus aequilabiatus Humb., Sternarchus vi-
vescens Val. bei d’Orbigny , und eine neue Art St. linealus von heller
Farbe mit dunkler Seitenlinie auf 2; der Höhe, dicht über der After-
flosse eine zweite Linie, zwischen beiden eine dritte. 3. Rhamphich-
thys nov. Gen. Keine Zähne, die vordern Nasenlöcher stehn am vordern
Rande des Mauls, After an der Kehle noch vor den Augen. Dahin
Gymnonotus rostratus Bl. Schn.
Sternarchus oxyrhynchus Müll. Trosch, ib. Körper sehr com-
primirt, fast bandförmig; Kopf in eine lange Schnauze ausgezogen, an
deren Ende das kleine Maul mit kegelförmigen Zähnen. Die Rücken-
peitsche entspringt vor dem letzten Drittel, und reicht bis ans Ende
der Afterflosse; Schwanzflosse klein. A. 215.
Zwei Zilteraale (Gymnolus electricus) wuchsen in der
Gefangenschaft so, dass sie von 1 Pfund Gewicht in sechs
Jahren bis zu 40 und 50 Pfund zunahmen. (The Zoologist.
No, 78. 1848; Schleiden und Froriep Notizen VII. 1848. p. 88.)
Plectognathi.
Tetrodon (Chelichthys) pachygaster Müll, Trosch. I. ce. Barba-
dos. Ueberall glatt, hellbraun mit dunkleren Flecken am Rücken. 14
Zoll. D. 10; A. 9. — T. (Chelichthys) asellus Müll. Trosch. bei
Schomburgk Guiana. Rücken und Bauch rauh; oberhalb sechs dunkle
Querbinden ; Basis der Brustllosse, ein Fleck unter dem Schwanz und
die hintere Hälfte der Schwanzflosse schwarz. D. 10; A. 9.
Tetrodon atratus Richards. Samarang. D. 9; A. 8. Oberhalb
schwarz mit helleren Flecken; rauh. 5'/, Zoll. China — T. naritus
ib. D. 33; A. 28. Die Nasenlöcher sind sehr gross, einfach, und sind
ebenso weit, wie die ganze Nasenhöhle. 8 Zoll, Sarävakfluss in Bor-
neo. — T. insignitus D. 9; A.8. mit kleinen rauhen Dornen bedeckt;
während des Jahres 1848. 75
oben mit blauen dunkel gerandeten Linien, ein grosser schwarzer Fleck
mit hellblauem Rande jederseits unter der Rückenflosse. 21/, Zoll China.
Balistes senticosus Richards. Samarang. D. 3.25; A.22. Ohne
Bewaffnung des Schwanzes, überall sind die Schuppen dornig. Schwanz
gefleckt. 6 Zoll. China.
Selachii.
Trygon garapa und strogylopterus Schomburgk Fishes of Guiana
Part II. sind von Müller und Troschel bei Schomburgk Guiana p.
642 genauer beschrieben: T. garapa gebört in die Abtheilung mit obe-
rem und unterem Hautsaum des Schwanzes, der Schwanz ist länger als
der Körper; T. strogylopterus gehört in die Abtheilung mit völlig flos-
senlosem Schwanz; dieser ist kürzer als die Scheibe. Beide sind rauh
durch kleine Stachelchen.
„Einige Beobachtungen über die Entwickelung der Ner-
ven des electrischen Organs von Torpedo Galvanii* von A.
Ecker finden sich in v.Siebold und Kölliker Zeitschrift
für wissenschaftliche Zoologie I. p. 38.
Bericht über die Leistungen in der Natur-
geschichte der Mollusken während des
Jahres L8S48,
Vom
Herausgebern
Von Philippi's „Abbildungen neuer oder wenig gekann-
ter Conchylien* erschien im Jahr 1848 nur eine Lieferung,
die dritte des dritten Bandes. Sie enthält Tafeln der Gat-
tungen Oliva, Melania, Litorina, Cytherea, Venus und Unio.
Das Jahr 1848 brachte uns von Küster’s neuer Aus-
gabe von Martini und Chemnitz „Systematischem Con-
chylien-Cabinet* die 73 bis 79. Lieferung. Eine von den-
selben ist der Fortsetzung der Gallung Cyclostoma gewidmet,
und in ihr die Arten von 51 bis 92 fortgeführt. Die Gattung
Helix füllt drei Lieferungen, und in ihnen wird die Zahl der
Arten von 88 auf 166 gebracht; eigentlich neue Arten sind
nicht dabei, doch sind viele hier zum erstenmal abgebildet, und
es wird daher dieser Abschnitt ganz besonders wichlig. Das
Trochus-Heft verfolgt die Aufzählung der Arten von 33—37
im Text, geht aber mit den Abbildungen schon weit voraus.
Die 75. Lief. enthält den Text von Terebratula, unter denen
mehrere neue, und Abbildungen von Osirea, Spondylus und
Pecten. In der 78. Lieferung beginnt Küster die Galltung
Unio, von der der Text bereits 22 Arten enthält; auffallend ist
es, dass auf den Abbildungen nirgend eine Schale von innen
gezeigt ist, so dass man auch über die Schlossbildung keinen
Aufschluss erhält,
Troschel:Bericht üb, d. Leist. in d. Naturgesch. d. Mollusken 1848. 77
Im Jahr 1848 erschienen von Kiener’s Species gene-
ral nur die Lieferungen 124—126, die die Forlseizung des
Textes von Conus brachten, nebst Abbildungen von Turbo.
Im Jahre 1848 erschienen von Chenu’s „Ilustrations
eonchyologiques ou description -et figures de toules les co-
quilles connues vivantes et fossiles classees suivant le systeme
de Lamarck“ die Lieferungen 76—79. Sie enthalten den Text
der Gattung Leptoxis Raf. (Anculoius Say), bearbeitet von
Stehman Haldeman und den Text von Oliva bearbeitet
von Duclos. Von Leptoxis werden 26 Arten beschrieben,
unter denen 4 neue; der Text von Oliva enthält nur das All-
gemeine, geht noch nicht auf die Arten ein. Die Tafeln be-
ziehen sich auf die Gattungen Columbella (7 Tafeln), Venus,
Ostrea, Crassatella, Psammobia, Haliotis, Helix, Cyrena, Tel-
lina, Trochus und Ammonites (5 Tafeln).
Von G. B. Sowerby’s „Thesaurus conchyliorum or
figures and descriplions of recent shells“ erschien im Jahr 1848
Part, IX, das erste Heft des zweiten Bandes. Es enthält die
Gatlungen Cancellaria mit 68 Arten in 106 Abbildungen, Nau-
tüilus mit 5 Arten in 7 Abbildungen und Ovulum mit 48 Ar-
ten in 113 Abbildungen; ferner eine Tafel mit neuen Oyeclo-
stoma- Arten ohne Text.
Von „The Zoology of the Voyage of H.M.S. Samarang
under Ihe Command of Caplain Sir Edward Belcher during
the Years 1843—1846.* Editedby Arthur Adams erschien
im Jahr 1848 die dritte Lieferung, welche das erste Heft für
Mollusken, bearbeitet von Adams und LovellReeve enl-
hält. Das Heft ist von 9 Tafeln begleitet. Es beschäftigt
sich mit den Cephalopoden und mit den Gattungen Conus
und Ovula.,
Ueber die neuen Gallungen und Arten der Conchylien,
welche in Griffith’s englischer Ausgabe von Cuvier’s Thier-
reich vorkommen, gab Philippi in d’Alton und Burmeisters
Zeitung für Zoologie 1848. p. 85. einen kritischen Bericht.
Menke lieferte eine „Geographische Uebersicht der um
die Molluskenfauna Deutschlands verdienten Schriften, Ken-
ner und Sammler“ in der Zeitschr. für Malak. p. 33.
„A history of hritish Mollusea and their shells by Ed-
78 Troschel: Bericht über die Leistungen in der Naturgeschichte
ward Forbes and Sylvanus Hanley. London. 8.* Von
diesem Werke erschienen im Jahre 1848 zwölf Lieferungen,
monatlich eine, jede mit vier Tafeln Abbildungen. Dasselbe
erscheint in systematischer Anordnung, und beginnt mit den
niedern Formen. Es sind einige neue Gallungen und Arten
aufgestellt, die unten bezeichnet werden.
Thompson (Additions to the Fauna of Ireland; Annals
2 Ser. I. p. 63.) verzeichnet als in Irland vorkommend einige
Mollusken: Idalia aspersa Ald. et Hanc., Tellina pygmaea
Phil., Ascidia tubularis Müll., grossularia Van Bened., Amo-
rucium albicans Edw., Didemnum gelatinosum Edw., Botryllus
violaceus und smaragdus Edw.
In den Bulletins der Naturforschenden Gesellschaft zu
Moscau XXI. 1848. findet sich eine „Uebersicht der Land-
und Süsswasser-Mollusken Livlands“ von Schrenk. Es
sind hier in 24 Gattungen 77 Arten aufgezählt und mil Be-
merkungen über das Vorkommen versehen. Im Allgemeinen
stimmt die Fauna Livland’s mit der des nördlichen Deulsch-
land überein. Auffallend ist es mir, dass manche Arlen ganz
zu fehlen scheinen, so Helix nemoralis, Planorbis carinalus,
Unio tumidus. Von Limax sind drei Arten als mulhmasslich
neu aufgestellt, s. unten.
Hieran schliesst sich ein „Grundriss für eine Geschichte
der Malakozoographie Russlands“ von v. Middendorff, in
welchem der Schriftsteller und Schriften, welche irgend sich
mit der Beschreibung russischer Mollusken befasst haben, von
Pallas bis auf die neueste Zeit, gedacht wird. Darauf geht
Verf. in allgemeine Betrachtungen über die Molluskenfauna
Russlands ein. Er nennt sie ungemein arm. Mit Ausnahme
eines bandarligen südlichen Striches, der von den Küsten des
Pontus über den Kaukasus, das Kaspische Meer und den Aral-
see fort, sich vielleicht durch den Altai bis Transbaikalien
hinüberzieht, lassen sich die Land- und Süsswassermollusken
der Fauna Mittel- und Nord-Europa’s zuzählen; von da aus
scheint das grosse Reich auch bevölkert zu sein, da, je wei-
ter nach Osten, die Artenzahl geringer wird. Nicht minder
arm sind die Meere des russischen Reiches. Die Mollusken-
Fauna des Russischen Antheils des Eismeeres bis zum Ob ist
völlig identisch mit der Küstenfauna des Europäischen Eis-
der Mollusken während des Jahres 1848. 79
meeres. Der Finnische Meerbusen ist noch ärmer als der
Bolhnische. Der Pontus ist idenlisch mit der Fauna des Mit-
telmeeres, nur viel ärmer. Völlig verarmt sind das Kaspische
und das Aral-Meer. Auch die Südküsten des Ochotskischen
Meeres und der Schanlarischen Gewässer sind arm, doch ist diese
Armulh an Arten hier zur Hälfte mit einem originellen Cha-
rakter gepaart. Die Küsten der Nord - Amerikanischen Colo-
nien in ihrer südlicheren Hälfte, so wie die noch unbekann-
ten Kurilen, versprechen eine mittelmässige Reichhaltigkeit
an Formen nebst Originalität des Charakters.
Mason lieferte ein Verzeichniss der Landschnecken von
Tenasserim (Journal ofthe Asiatie society of Bengal Vol. XVII.
1848). Helix ist sehr reich an Arten, es sind mindestens 9,
die alle von Gould als neu bestimmt, doch unzureichend be-
schrieben sind. Unter ihnen werden in Anmerkungen H. an-
ceps = H. serrula Bens. ; H. honesta = Nanina vesicula Bens.;
und H. relrorsa = H. interrupta Bens. erklärt. Die Gallung
Cyclostoma hat 3 Repräsentanten in Tenasserim, von ihnen
ist in einer Note C. pernobilis = C. involvulus Bens. erklärt.
Von den 3 Bulimus- Arten soll B. atricallosus = B. eilrinus
Lam. Var. E. Swainson sein. Ferner kommt eine Clausilia
(El. eochinchinensis Phil.), eine neue Succinea, eine neue
Vitrina, eine Achatina und eine Pupa vor.
„Die Südafrikanischen Mollusken. Ein Beitrag zur Kennt-
niss der Mollusken des Kap- und Natallandes und zur geo-
graphischen Verbreitung derselben, mit Beschreibung und Ab-
bildung der neuen Arten“ von F. Krauss. Mit sechs Stein-
tafeln. Stuttgart 1848, A.
Verf. stellt hier 460 Arten zusammen, von denen 74 Arten den
Acephalen (7 im süssen Wasser), 3 den Brachiopoden, 1 den Pteropo-
den, 364 den Gasteropoden (57 Land- und Süsswasserschnecken), 10
den Cephalopoden angehören. Davon kommen 247 Arten in der Kap-
kolonie, 258 in Natal, 55 in beiden Ländern gemeinschaftlich vor. Von
den aufgezählten 460 Arten gehören 269 Arten Südafrika ausschliess-
lich an. Die übrigen Arten kommen ausserdem theils in den Europäi-
schen Meeren, theils im atlantischen Ocean, theils am Senegal, theils
im stillen Ocean, theils in der Südsee, im rothen Meere, im Chinesi-
schen Meere, im Indischen Ocean (die meisten) oder in Australien vor,
Die neuen Arten sind abgebildet und werden unten, falls sie nicht schon
anderwärts aufgestellt sind, angeführt.
80 Troschel: Bericht über die Leistungen in der Naturgeschichte
Für Rich. Schomburgk's „Reisen in Britisch Guiana*
Il. p. 545 hat Referent die Mollusken bearbeitet. Die
dorlige Molluskenfauna ist äusserst dürflig; am ärmsten ist
die Küste. Die ganze Sammlung besteht aus 22 Arten: 5
Bulimus, 6 Ampullaria, 3 Melania unter denen 2 neue, 1 Ne-
rilina, 1 Unio, 1 Monocondylea, 3 Hyria wovon 1 neu, 1 Ca-
slalia, 1 Anodonta.
Ein Verzeichniss der Mollusken von Barbados und den
westindischen Inseln überhaupt, findet sich in Rob. Schom-
burgk’s „History of Barbados. London 1848.* Es ist ein
nackter Catalog und enthält 469 Arten.
Gould beschrieb einige Conchylien aus Connecticut,
die von Linsley gesammelt und benannt waren ; sie sind
in Holzschnitt abgebildet s. unten (Silliman American Jour-
nal 2. Ser. VI. p. 233).
Pappenheim und Berthelin theilten ihre Untersu-
chungen über die mikroskopische Vertheilung der Nerven in
den Muskeln der Gasteropoden der Pariser Academie mil.
(Institut 1848. p. 78.)
Ebenso ihre Untersuchungen über die Circulation der
Schnecken. Es giebt keine Lücken. Alle feinen Gefässe sind
geschlossen und mil eigenen Wänden versehen. Arterien
und Venen unterscheiden sich in ihrer Structur, wenn man
ihre Stämme untersucht. Die Structur der sogenannten Lun-
genvenen ist zusammengeselzter als die der Arterien. Es
giebt keine Analogie mit den Gefässen der Wirbelthiere. (In-
slitut 1848. p. 117.)
Dieselben Verfasser machten der Sociel& philo-
malique de Paris eine Mittheilung in Betreff der Geschlechts-
heile der Schnecken, in welcher behauptet wird, die zungen-
förmige Drüse sei der wirkliche Hode und in ihm bilden sich
zugleich die Spermatozoen, die Geschlechtsorgane seien völ-
lig gesondert und die von Meckel angegebene doppelte Haut
sei nicht vorhanden. (Institut 1848. p. 119). Dagegen sprach
dann (ib.) Laurent, den seine Untersuchungen gelehrt ha-
ben, dass in dem Organ hinten in der Leber, das Cuvier als
Hoden betrachtete, Spermatozoen und Eier zugleich vorkom-
men, Untersuchungen, die er bereits 1842 und 1843 der Ge-
der Mollusken während des Jahres 1848, &
sellschaft vorgelegt habe (vergl. dies Archiv 1843. 11. p. 120),
und er stimmt den Ansichten Meckel’s auch jetzt bei. Das-
selbe thut Referent in Folge seiner Beobachlungen.
In den Comptes rendus XXVI. p. 445 ist von densel-
ben Verfassern auch von den Geschlechtsorganen der
Zwitterschnecken die Rede. Sie meinen zu der Zeit, wo man
in der sogenannten Zwilterdrüse die Eier und Spermatozoiden
zugleich fände, kämen die letzteren auch in vielen anderen
Organen vor; ihr Ursprung sei jedoch in der zungenförmi-
gen Drüse, die schon Cuvier als Hoden ansah.
Zur Kenntniss des Furchungsprocesses im Schneckeneie
von Fr. Müller. Dies Archiv 1848. I. p. 1. — Zur Kemt-
“ niss des Furchungsprocesses im Schneckeneie von H. Rathke
ib. p. 157.
Hancock trug der Britischen Versammlung der Na-
lurforscher seine Ansicht über das Bohren der Muscheln
in den Stein vermittelst Kieseltheilchen, welche im vordern
Theile des Mantels und Fusses enthalten sind, vor, eine An-
sicht, die bereits 1845 in den Annals XV.p. 113 (vergl. auch
dies Archiv 1846. II. p. 419) aufgestellt ist. (Institut 1848.
p- 355). In den Annals 2. Ser. II. p. 225 ist über diesen
Gegenstand eine grössere Abhandlung niedergelegt, zu der
auch eine Tafel mit Abbildungen gehört, auf welcher die
Krystallkörperchen aus dem Mantel von Saxicava rugosa, Pa-
tella und Teredo norvegica dargestellt sind. Dieselbe wird
im Jahrgang 1849 dieses Archiv’s in der Ueberselzung mit-
getheilt.
Portlock hörte Helix aspersa Töne von sich geben
(Report of*the british association p. 80). Taylor hörte so-
gar bei Bathcalva auf Ceylon Schnecken (?) singen; er ver-
gleicht die Töne mit denen eines Accordions, einer Acols-
harfe oder einer Guitarre (ib. p. 82).
Cephalopoda.
Das grosse bereits im Jahre 1855 begonnene Werk von
Ferussaec und Alcide d’Orbigny „Histoire nalurelle ge-
nörale et particuliere des Cephalopodes acclabulileres vivants
Archiv 1, Naturgesch. XV, Jahrg. 2. Bd, F
82 Troschel: Bericht über die Leistungen in der Naturgeschichte
et fossiles* ist nunmehr nach langer Unterbrechung im Jahr
1848 vollendet, und besteht aus einem Bande Text und ei-
nem Allas.
Octopus argus Krauss Südafr’ca 1. c. unterscheidet sich von O.
lunulatus Q. et G. durcli eine grössere Zahl von Saugnäpfen (120),
durch die Cirrhen auf dem Körper und die violette Farbe mit weissen
Flecken,
Lovell Reevelegte der Versammlung der Britischen
Naturforscher im Jahr 1848 zwei Arten Argonauta vor, wel-
che Belcher auf der Reise des Samarang mit dem Thier ge-
fangen hat.
Eine von ihnen A. Owenii ist neu und unterscheidet sich durch
die seitlich zusammengedrückte Gestalt und durch die beträchtliche Ent-
wickelung der Runzeln. Die andere ist A. gondola Dillwyn/ welche
seither als Jugendzustand von A. hians oder tubereulosa angesehen ist,
aber eine eigene Art bildet. Die seitlichen Runzeln sind weniger zahl-
reich, der Kiel ist ungemein gross, die Höcker sind entfernt von ein-
ander und mehr zusammengedrückt. (Report of the 18 Meeting of the
british association 1948. p.80; Institut 1848. p. 355.)
In der Reise des Schiffs Samarang sind die beiden oben
erwähnten Arten und A. hians Dillw. (A. nilida Lam. ab-
gebildet.
A. Owenii ist folgendermassen charakterisirt: tesla lateribus con-
vexo-compressa, radialim rugala, rugis anguslis, valde prominentibus,
undulatis, alternis brevioribus medio descendentibus ; carina mediocri,
fortiter tubereulata, tuberculis valde prominentibus; apertura subangusta,
auriculis simplieibus ; colore fulvo-fuscescente. Im südlichen Atlanti-
schen Ocean.
Adams erwähnt eines Falles von Herstellung des zer-
brochenen Gehäuses einer Argonaula argo,, in welchem ein
.abgebrochenes Stück so zur Reparalur verwendet war, dass
es umgekehrt lag, die concave Seite nach aussen. Verf.
schliesst daraus, dass die neue Masse nicht von den blatt-
förmigen Armen, sondern von dem inneren Thier abgeson-
dert sei, da die Ränder des verletzten Theiles nur an der
Aussenseite sichlbar waren (Silliman american Journal 2. Ser.
VI. p. 137; Annals 2. Ser. Il. p. 217.)
Loligopsis ellipsoptera Adams und Lovell Reeve Samarang
der Mollusken während des Jahres 1848. 83
l. e. pallio magno, laxo , infundibuliformi, antice aperto, semipellucido,
per euius parieles viscera obscure conspiciuntur, extremitate caudali
longa et lastigiata, confirmata alque intus corpore longo, gracili, penni-
formi, corneo sustentata; lobis caudalibus sive pinnis magnis, depres-
sis, extra rolundatis, forma semieireulari coniunctis, pinnam ovalem ho-
rizontalem terminalem efficientibus; infundibulo permagno, extremitate
truncata; capite magno, rotundato, utrinque dilatato , oculis grandibus,
depressiuseulis, argenteo iridescentibus, pupilla nigra; brachiis octo tri-
fariam divisis, duobus superioribus medianis, tribus inferiorihus brevio-
ribus, acetabulis undique munilis. Aus dem Nord-atlantischen Ocean.
Ueber das chemische Verhalten einiger Skelettheile der
Sepien. Von J. C. Strahl. Müller’s Archiv 1848. p. 337.
Owen lieferte in der Zoology of the Voyage of H.M.
S. Samarang im öten Heft p. 6-17 eine Beschreibung von
zwei verstümmelten Exemplaren von Spirula Peroniü, mil ei-
nigen Bemerkungen über Spirula ausiralis und reticulata.
Eine Tafel mit Abbildungen stellt die drei genannten Arten
in verschiedenen Ansichten dar; einige Figuren beziehen
sich auf innere Theile. Manche Punkte der Organisation die-
ses interessanten Thiers werden durch diese Arbeit aufge-
klärt, in deren Details ich hier nicht eingehe.
CTephalophora.
Pteropoda.
Hyalaea tvuncata Krauss ]. c. kuglig, durchsichtig, weiss, La-
bram und Rücken hellbraun.
Gasteropoda.
Referent hat in der von ihm und Rulhe besorgten
dritten Auflage von Wiegmann’s Handbuch der Zoologie (Ber-
lin 1848) eine nene Eintheilung der Gasteropoden niederge-
legt, die sich namentlich auf die Geschlechtsverhältnisse,
Mundtheile und Athmungsorgane gründet.
Verf, erkennt zwei parallele Reihen unter den Gasteropoden,
von denen die eine getrennten Geschlechts, die andere zwittrig ist, und
in denen sich die einzelnen Unterordnungen entsprechen. Dieselben
fügen sich in folgendes Schema.
84 Troschel: Bericht über die Leistungen in der Naturgeschichte
A. Getrennlen Geschlechts. B. Zwitter.
1. Pulmonata operculata Fer. 5. Pulmonata,
2. Ctenobranchia. 6. Notobranchia Tr.
3. Rhipidoglossa Tr. 7. Monopleurobranchia Blainv.
4. Cyclobranchia Cuv. 8. Hypobranchia,
1. Pulmonata operculata Fer. Getrenntes Geschlecht.
Lungen. Zunge mit 7 Längsreihen von Platten, Schale mit Deckel. Fam.
Cyelostomidae, Helicinacea, Ampullariacea.
2. Ctenobranchia. (Pectinibranches Cuv.) Getrenntes Ge-
schlecht. Kammförmige Kiemen in einer Kiemenhöhle am Nacken. Au-
gen ohne besondere Stiele,
a. Taenioglossa Tr. Zuuge bandförmig, mit 7 Reihen von Plat-
ten, kein Rüssel. Fam. Potamophila, Littorinacea (wohin auch
Solarium), Tubulibranchia, Capuloidea, Sigaretina, Coriocellacea,
Cerithiacea, Alata, Involuta.
b. Tozoglossa Tr. Statt der Zunge zwei Reihen langer hohler
Zähne, deren jeder an einem langen Muskelfaden befestigt ist.
Fam. Conoidea, Pleurotomacea.
ec. Proboscidea Tr. Ein vorstreckbarer Rüssel. Zunge schmal
mit meist nur 3 Plattenreihen. Fam. Volutacea, Canalifera, Mu-
ricea, Cassidea, Buccinea,
3. Rhipidoglossa Tr. Getrenntes Geschlecht. Federförmige
Kiemen in einer Kiemenhöhle. Augen auf einem besonderen Stiel. Mehr
als 7 Plattenreihen auf der Zunge, an die sich jederseits noch zahl-
reiche Blätichen fächerförmig anschliessen. Fam. Neritacea, Trochoidea,
Haliotidae, Fissurellacca.
4. Cyelobranchia Cuv. Getrenntes Geschlecht. Blattför-
mige Kiemen unter dem Rande des Mantels, Auf der Zunge liegen
hornige Balken, deren vorderes Ende einen dicken Zahn trägt; jeder-
seits schliessen sich flache Hornplatten an. Fam. Patellina, Chitonidae.
Cirrobranchia.
5. Pulmonata. Zwilter. Lungen, Fam. Limacina, Helicea,
Auriculacea, Limnaeacea, Amphipneustea.
6. Notobranchia Tr. Zwitter, Kiemen auf dem Rücken.
Fam. Doridea, Tritoniacea, Aeolidiae (Phlebenterata), Aplysiacea, Acera.
7. Monopleurobranchia Blainv. Zwilter. Die feder-
förmige Kieme zwischen der Sohle und dem Mantelrande an einer Seite.
Fam. Pleurobranchidae, Ancyloidea, Siphonariacea.
8. Hypobranchia. Zwitter; blattartige Kiemen jederseits in
einer Reihe zwischen der Sohle und dem Mantelrande. Fam. Phylli-
diacea.
Note sur la classification naturelle des Mollusques ga-
steropodes par Milne Edwards, (Annales des sc. nat. 1848,
der Mollusken während des Jahres 1848. 85
IX. p. 102; Schleiden und Froriep Notizen VII. p. 225). Verf.
erkennt mit Recht die Eintheilungen der früheren Zoologen
für ungenügend; vielmehr sieht er das vornehmste Unter-
scheidungsmiltel in dem Embryonenzustande. Er kommt dann
zu einem System, welches so wenig natürlich ist, dass es,
nach der Ansicht des Ref., keinen Vorzug vor den früheren
vom Verf. getadelten hat.
A. Eigentliche Gasteropoden. Fuss lleischig, platt,
gross, Bauch entwickelt.
1. Lungengasteropoden. Die Larve mit nacktem Kopfe; die
Gefässe des kleinen Blutlaufs netzartig geordnet, Zwitter.
2. Kiemengasteropoden. Die Larve am Kopfe mit Schwimm-
apparat; dieGefässe des kleinen Blutlaufs büschelförmig geordnet.
Ordn. Opistobranchi. Halsgegend unbedeckt.
Ordn. Prosobranchi. Ueber dem Halse eine gewölbte
Mantelhöble.
B. Uneigentliche Gasteropoden. lleteropoden. Mit senk-
rechtem fleischigem Fusse, rudimentärem Bauch.
Als Seitengruppe der Gasteropoden, sich den Prosobranchen an-
nähernd, wird die Familie der Chitonen angesehen.
Dagegen ist viel einzuwenden. Nicht alle Lungenschnecken sind
Zwitter, wo bleiben die Pulmonata operculata ? — Nicht alle Kiemen-
gasteropoden haben in der Jugend den Schwimmapparat, man denke
nur an unsere Paludinen u. s. w. — Dann wird hier gar zu viel Ver-
schiedenarliges in einen Topf geworfen. Und weshalb wird den Chi-
tonen eine so seilwärls gelegene Stellung angewiesen? Sie sind ge-
rade so gut Schnecken, wie alle andern.
Pulmonata operculata.
Cyelostoma »-carneum Menke ist in Küster’s Conchyliencabinet
aufgestellt. Fundort unbekannt. — €. Creplini Dunker Zeitschr, für
Malak. p. 177. von Zanzibar.
In einer Note über die Gattung Pterocyclos Benson (Stegano-
toma Troschel) giebt Benson das Historische. Im Jahre 1832 nannte
Benson zuerst die Gattung Pterocyclos (Journal of Ihe asiatie sociely
of Caleutta Vol. 1.), 1833 fügte Pearson (ib. Vol. II.) zwei Arten
unter dem Namen Spiraculum hinzu; 1837 stellte Referent die Gat-
tung unter dem Namen Steganotoma auf (dies Archiv). Verf, kennt
6 Arten, unter denen jedoch zwei neue unbenannte nicht beschrieben
werden. Die übrigen vier sind: Pt. rupestris, Bens. (Steganoloma pic-
ta Trosch.), Pt. hispidus Pearson (Cyel. spiraculum Sow., Cyel, angu-
86 Troschel: Bericht über die Leistungen in. der Naturgeschichte
'lifera Souleyet, Steganotoma Princepsi Busch.), Pt. parvus (Spiraculum
parvum), Pt. bilabiatus (Cycl. bilabiatum Sow.) (Annals 2. Ser. I. p. 345.)
Gwyn Jeffreys giebt die britischen Fundorte von Truncatella
atomus Phil. an, und will diese Schnecke zur Gattung Skenea Fle-
ming ziehen. Thier und Schale seien schr ähnlich mit Dentalium
Trachea Montagu, wofür Clark den Namen Dentaliopsis vorgeschla-
gen hat. Verf. vermuthet, dass Helix bicolor Adams dieselbe Schnecke
sei. (Annals 2. Ser. I. p. 239.).
Eine methodische Anordnung aller bekannten Helieina-
ceen gab Pfeiffer Zeitschrift für Malak. p. 81.
Verf. zählt 90 ihm bekannte Arten auf, und beschreibt am Schluss
als neu: Trochatella Grayana von Jamaica, Helicina pallida von Ota-
heite, inconspieua ebendaher, Guildingiana, turbinat« Wiegm. MS.
von Mexico, alata Menke MS. von Mexico, Antoni, Kusteriana von
Otaheite, Besckei von Brasilien.
Ampullaria Libyca Morelet aus der Provinz Gabon in Africa
(Rev. zool. 1848. p. 354) gehört in die Galtung Lanistes. — A. Cecillii
von Nossibe, Largillierti ebendaher , orienlalis von Java Philippi
Zeitschr. für Malak. p. 191.
Referent beschrieb die Mundtheile von Ampullaria
orinoccensis Ziegl. bei Schomburgk]. c., die er für ge-
nerisch verschieden von Ampullaria erklärt.
Cienobranchia.
Taenioglossa.
E. Boll fand am Strande der Insel Rügen ein Exemplar von’Pa-
ludina impura in der Ostsee unter Neritina fluviatilis, Cardium, Tellina,
Mya arenaria, Limnaeus vulgaris und Paludina muviatica. (Archiv des
Vereins der Freunde der Naturgeschichte in Meklenburg 2. Heft 1848.
p- 103. — P. ovata, knysnaensis und fasciata Krauss l.c. Alle
drei klein.
Melania nigritina Morelet aus der Provinz Gabon (Rev. zool.
1848. p. 355.). — M. brevior Troschel bei Schomburgk 1 e. ist bei
Philippi Abb. abgebildet. — M. chloris Troschel ib. verwandt mit
der vorigen, hellgrün. — M.Petiti von Neu-Caledonien, picta von Ma-
nila, spadicen ebendaher, villosa Philippi Zeitschr. für Malak. p. 154.
— Bei Philippi Abb. sind M. pulchra v. d. Busch, atra Richard,
subimbricata Phil,, brevior Troschel, zonataPhil., angusta Phil.,
fontinalis Phil., Liebmanni Phil., adspersa Trosch., lineolata (Strom-
bus) Wood zur Abbildung gekommen.
der Mollusken während des Jahres 1848. 87
Das Thier von Melania atra untersuchte Referent bei Schom-
burgk 1. ce.
Leptoxis (Anculotus Say) cerassa, pisum, fusca, turgida Halde-
mann bei Chenu.
Littorina parvula von Panama, phasianella von Panama, Gund-
lachi von Cuba Philippi Zeitschr. für Malak. p. 149. — Als abgebil-
det bei Philippi Abb, Band III, 3 sind zu erwähnen L. filosa Sow,
obesa Sow., glabrata Ph., ambigua (Phasianella) Nuttall, granularis Gray,
erarala Phil., albida Phil, globosa Dkr., vittata Phil., litorea L.
monstr., limata Loven, granosa Phil., millegrana Phil., saxatilis
Johnst „ fabalis Turt., tenebrosa Mont, obligata Say, jugosa Mont.,
arclica Möll., palliata Say.
In der Britischen Versammlung der Naturforscher im Jahr 1848
sprach Jeffreys über die lebenden britischen Arten der Gattung Odo-
siomia, mit der er die Gattungen Chemnitzia und Eulimella vereinigt.
Er legte 32 Arten vor, von denen 9 als neu charakterisirt werden: O.
notata, alba, dubia, acula, diaphana, dolioformis, fenestrata, clathrata,
formosa. (Institut 1848. p. 355; Report of the 18 Meeting ct. p. 79.)
Derselbe Gegenstand ist in Form einer ausführlichen Abhandlung in
den Annals ct. 2. Ser. II. p. 330 gegeben.
Jeffreys beschreibt (Annals 2. Ser. Il. p. 351) zwei Arten der
Gattung Rissoa von den Küsten von Guernsay R. pulcherrima und opa-
lina. —R. nigra Krauss |. c. schwärzlich, glatt. — R. fenestrata ib.
durch 6 Quer- und 16 Längsrippen gegittert. — R. Pinnae ib. mit
stumpfen entfernten Längsrippen. — R. arata, rufa, solidula Phil,
Zeitschr. für Malak. p. 167, sämmtlich von Guinea.
Rissoina scalarioides Adams Zeitschr. für Malak. p.13. von den
Antillen.
Chemnitzia lactea Krauss |. c. milchweiss, längsgerippt, auf
der letzten Windung 28 Rippen.
Turritella capensis Krauss l. c. mit stumpfen Linien umgeben,
Mündung an der Basis winklig, — T. knysnaensis ib. zwei deutliche
Rippen auf den Umgängen, Mündung fast dreiseitig.
Solarium cancellatum Krauss |. c. klein, flach, weiss, gegit-
tert. — 12 Arten dieser Gattung wurden von Philippi Zeitschr. für
Malak. p. 167 beschrieben, unter denen die meisten neu —
Vermetus quadrangulus Philippi von Yukatan Zeitschr. für Ma-
lak, p. 17. —
9 Arten Natien- stellte Philippi ib. p. 155 auf,
Adeorbis scaber Phil, ib. p. 129 von Panama.
Cerithium erassilabrum Krauss ]. e, weiss , braun punktirt , mit
verdickter Aussenlippe. — C. (Potamides) Hegewischii von Mexico, si-
83 Troschel: Bericht über die Leistungen in der Naturgeschichte
nense von China, Largillieri von China Philippi Zeitschr. für Ma-
lak. p. 19. — C. pulicarium von Yukatan , versicolor , atlenualum von
den Philippinen, Kochi, Rüppelli aus dem rothen Meer, armatum, bal-
tealum, scabridum aus dem rothen Meer, punctatum (Trochus puncta-
tus L.?), nigrinum Philippi ib. p.20. — C. carbonarium von China,
flosum von Californien Phil. ib. p. 142.
Planazis acuta Krauss |. c. gestreckt, zugespitzt, glänzend, ka-
stanienbraun, fein gestreift. — P. piliger von Bourbon, taeniatus Phil.
Zeitschr. für Malak. p. 164. x
Von Adams und Lovell Reeve sind in der Reise des Sama-
rang 13 Arten der Gattung Ovula zum Theil mit dem Thier abgebildet
und beschrieben.
Bei Philippi Abb. III. 3 wurden 5 Arten Oliva abgebildet,
nämlich O. subangulata Ph. aus dem stillen Ocean, pantherina Ph.,
splendidula Sow., zeilanica Lam., coniformis Ph.
Hier lasse ich die beiden folgenden, der Stellung nach
immer noch so zweifelhaften, hierher jedoch gewiss nicht
gehörenden Gattungen folgen.
Scalaria lactea Krauss. c. klein, milchweiss,, mit 27 Rippen.
Janthina turrita v. d. Busch. Zeitschr. für Malak, p. 15. — J.
ineisa Phil. ib. p. 149 vom Senegal.
Tozoylossa.
5 Arten Conus sind von Adams und Lovell Reeve Sama-
rang ]. c. beschrieben und abgebildet. — Conus caffer Krauss l. c,
fast eylindrisch , an der Basis fein gefurcht, schwärzlich, in der Mitte
mit einer weissgelleckten Binde. — C. Loveni ib. fein quergestreift, an
der Basis zart gefurcht, grauweiss mit weissen braungegliederten Li-
nien, und braunen Flecken und Binden. —
Pleurotoma (Mangelia) fulgurans Krauss I c. Die schiefen
Längsrippen verlieren sich auf der letzten Windung, thurmförmig, weiss-
lich mit braunen winkligen Linien. — P. Gruneri Philippi Zeitschr.
für Malak, p. 12. von St. Thomas.
Proboscidea.
Marginella Chrysomeline Redfield (Annals of the Lyceum of
New-York 1848. Vol. IV. p. 492) testa ovali, nitida, alba; maculis sub-
quadratis fulvis sexfasciala; fasciis intermediis niveis; spira relusa, ob-
tecta; aperlura angusla, antice valde cmarginata ; labro intus crenulato,
extus albo, varicoso; columella 6 aut 7 plicata, plicis superioribus ob-
scuris ; plica perultima tumida, bifida, exterius producta. Westindien? —
M. Philippinarum ib. (Marginella ayena Sow., non Kiener) beide sind
der Mollusken während des Jahres 1848. 89
abgebildet. — Daran schliessen sich Bemerkungen über einige Arten
aus Sowerby’s Monographie der Marginellen im Thesaurus Conchylio-
rum. — M. capensis Dunker bei Krauss I. c. weisslich, Labrum in
der Mitte eingedrückt, 4 Falten. — M. Dunkeri Krauss ib. weisslich
mit einer braunen Binde in der Mitte. —
Voluta signifer Broderip (Annals 2. Ser. II. p. 366.) testa
ovato-fusiformi, longitudinaliter ereberrime lineata, subflava, signis spa-
diceo -brunneis irregularibus interruptis vittata; spira mediocri, subtu-
mida, apice subacuto mammillari,, glabro; anfractibus 3, ultimo longe
maximo , subventricoso ; labro acuto; columella quadriplicata, plieis
magnis. 3'/, Zoll. Ostindien ?
Mitra Adansoniü Phil. Zeitschr. für Malak. p. 155.
Cancellaria tenera Phil. von Yukatan ib. p. 24.
Fasciolaria badia Krauss 1. c. verwandt mit filamentosa , aber
gedrängt gestreift und mit kürzerem und breiterem Kanal. — F. cro-
cata Phil. von Yukatan Zeitschr. für Malak. p. 25.
Fusus Trumbulli Linsley. Gould. |. c. testa subventricosa,
elongato - conica, solida, laevi, albida ; anfractibus 6 convexis ; sutura
impressa, marginata; ultimo subangulato ; apertura angusta, elongala ;
columella sinuosa, anlice striis volventibus arata. hs Zoll. — F. mul-
tangulus Phil. von Yukatan Zeitschr. für Malak. p. 25. — F. candi-
dus vom Senegal, gileus Phil. ib. p. 148. —
Pyrula Kieneri und cerassicauda Phil. Zeitschr. für Malak, p. 98.
Ficula gracilis Phil. ib. p. 97.
Murex Wahlbergü Krauss. c. länglich, mit 10 lamellenartigen
Varices , quergeslreiften Zwischenräumen, kurzem Kanal. — M. Dun-
keri ib. 8 Varices durch Quergürtel netzartig.
Trichotropis Kroyeri Phil. Zeitschr. für Malak, p. 175 von Spitz-
bergen.
Buccinum zonale Linsley. Gould. |. c. testa minuta , solida,
laevi, fusiformi, pallide incarnata ; anfractu ultimo zona lactea, infrasu-
turali et altera mediana einelo; spira conica, acuta, anfractibus 6 con-
vexiuseulis; apertura angusta, subovali; canali producta Y/ Zoll. — B.
cereale Menke bei Krauss |. c. klein, längsgerippt, gelblich, mit wink-
lig welligen braunen Linien. — B. Ceeili Phil. von Manila Zeitschr.
für Malak. p. 27. — 12 Arten Buceinum Philippi ib. p. 133 —
Bullia plicata Redfield (Annals of the Lyceum of New-York.
1848. Vol. IV, p. 491) testa elongato-turrita, albido-lutescente ; anfra-
etibus septem planatis, superne erenulato plicatis, inferne collosis; co-
lumella excavata, subsinuata, callosa; labro tenui; apertura laevi, ca-
stanen, anlice late emarginata. Californien? Ist abgebildet. — B. na-
talense Krauss |, c, Die beiden letzten Windungen haben kurze
090 Troschel: Bericht über die Leistungen in der Naturgeschichte
Längsfalten an der Naht, die durch mehrere zarte Querlinien durch-
kreuzt sind. —-
Lovell Reeve bezeichnet eine Schale aus der Cuming’schen
Sammlung als neue Gattung Fastigiella, in der er ein Zwischen-
glied zwischen Turritella, Cerithium und Buceinum sieht, die er aber
in die Familie der Canaliferen Lam. stellt. Sie findet wohl neben Buc-
einum ihren passenden Platz, wenn gleich erst die Beschaffenheit des
Thiers entscheiden kann, ob sie nicht vielmehr in die Nähe von Ceri-
thium gehört. Ihre Charaktere sind: Testa elongato-turrita, basi con-
tracta et umbilicata, apertura parva, canaliculata, canali brevissimo,
subeontorto. Die Art F. carinata ist 1°/, Zoll lang, und in Holzschnilt
abgebildet (Annals 2 Ser. II. p. 66.)
Ricinula scabra Koch Zeitschr. für Malak. p. 26.
Purpura dubia Krauss I, ce (Purp. lagenaria Var. Kiener pl. 40.
f, 94. a.) — P. Wahlbergii ib. spindelförmig, weisslich, quer gestreift,
Labrum gekerbt. — P. incisa und javanica Phil, Zeitschr. für Malak.
p- 26. —
Harpa crassa Philippi bei Krauss 1. c. Schale und Lippe
sehr dick.
Rhipidoglossa.
Delphinula granulosa Dunker bei Krauss l.c. klein, rosenroth,
gerippt.
Trochus (Oxystele) tabularis Krauss |, c. — T. multicolor ib.
verwandt mit roseus Gm. — T. Benzi ib. — T. Ludwigi ib. — In
Zeitschr. für Malak. p. 101 und p. 123 liess Philippi die Diagnosen
von 54 Arten Trochus abdrucken, die meist bei Küster Conchylien-
Cabinet abgebildet sind. Jeder Art ist der Name der Untergaltung
hinzugefügt. — 4 andere Arten werden ib. p. 188 beschrieben,
Turbo natalensis Krauss |]. c. kuglig, ungenabelt, gerippt. Dek-
kel wie bei sarmaticus. — T. virens Anton, laelus Phil., patulus
Phil. Zeitschr. für Malak. p. 99.
Phasianella Kochii Philippi bei Krauss l. c. und Ph. elongata
Krauss ib, — Ph. flammulata aus dem stillen Ocean und Ph. pygmaea
Philippi Zeitschr. für Malak. p. 18. — Ph. perforata Phil, ib. p. 164
von Panama.
Nerita umlaasiana Krauss |, e, glatt wie N. polita, Innenlippe
ganz glatt, Deckel gekörmt — N. chloroleuca, scabrella Philippi
Zeitschr. für Malak. p. 14. — N. Largillierti von Guinea und bicanalis
von OTaiti Philippi ib. p. 160.
Zwei neue Arten der Gattung Nerilina: $. sangara und ae-
quinoctialis von Westalvica stellte Morelet (Rev. zool. 1848. p. 355)
auf; erstere ist nach einer späteren Angabe (ib. 1849, p. 383) N. Adan-
der Mollusken während des Jahres 1848. 91
soniana Recluz. — N. Brandt, eircinnata Philippi Zeitschr. für
Malak. p. 161. —
Adams beschreibt eine neue Art Haliotis. H. ponderosa lesta
magna, ovala, crassissima, convexa; siriis incrementi magnis, irregula-
ribus ; rugis concentrieis, irregularibus, subnodosis; spira elevata, sub-
terminali; foramıinibus quatuor, magnis ; externe rubra, intus maculis
plurimis rubris viridibusque iridescente. 8%, Zoll. Ohne Angabe des
Vaterlandes. (Silliman American Journal 2. Ser. VI. p. 138; Annals 2. Ser.
1. p- 221.) — H. latilabris Philippi (an H. ovina Reeve?), Gru-
neri Phil. von China, neglecta Phil. von Sicilien. Zeitschr. für Ma-
lak. p. 15.
Fissurella incarnata, natalensis, cruciata und australisKraussl. c.
Stomatella cancellata Krauss 1. c. genabelt, gegittert. 6,
Oyelobranchia.
Unter den 21 Arten Patella, dieKrauss von Südafrica beschreibt,
werden als neu angesehen: P. labularis, oblecta, Argenvillei (l,epas
ecaill& Arg.), echinulata (an P. atromarginata Blainv.), natalensis, va-
riabilis, Dunkeri, pruinosa. — 5 Arten Patella Philippi Zeitschr. für
Malak. p. 162. .
Mouretia costata Krauss l.c. Wirbel in der Mitte, seltener nach
hinten gewendet.
J. E. Gray stellte in einem Aufsatz „On the structure
of Chitons. Philosophical transactions of the royal sociely of
London. 1848. I. p. 141.* eine Betrachtung der Schalen von
Chiton an, und kommt darin zu dem Resultat, dass das hin-
tere Schalstück das eigentliche sei, welches der Schale von
Patella entspreche und das am meisten entwickelte sei, zu
welchem noch andere accessorische Stücke hinzukommen, die
übrigen 7 Schalstücke, von denen wiederum das vorderste
Stück das unvollkommenste sei. Die Schuppen oder Stacheln
auf den Seiten des Mantels werden als rudimentäre Schal-
stücke angesehen, Die Schalen der normalen Arten, welche
zum Theil bloss liegen, sind mit zwei Schichten (additional
coals) von der Grösse des entblössten Theiles versehen, die
bei anderen Mollusken sich nicht finden; die zwischenlie-
gende Schicht ist von poröser Textur, und füllt die symme-
Irischen Spalten aus, welche in der innersten Schicht ge-
wöhnlich gefunden werden, Diese Schalen sind nicht bloss
02 Troschel: Bericht über die Leistungen in der Naturgeschichte
an der Oberfläche des Mantels durch Muskeln befestigt, son-
dern mit ihrem Rande in die Substanz des knorpligen Man-
tels eingesenkt.
Krauss beschreibt I. c. 19 südafricanische Arten Chiton, darun-
ter als neu: Ch. literatus, Wahlbergi mit glattem Rande, tigrinus , oni-
scus, cyaneopunclatus mit schuppigem Rande, pustulatus mit borstentra-
gendem Rande.
Dentalium texasianum Phil. Zeitschr. für Malak. p. 144. von
Galveston. .
Pulmonata.
Limax capensis Krauss |. c. hinten spitz, schlank, glatt, Schild
ebenfalls glatt. 27. —
In diesem Jahre ist die „Monographia Heliceorum viven-
tium“ von Pfeiffer (vergl. den vorigen Bericht) mit dem
7. Hefte vollendet. Das dritte Heft beschliesst den ersten
Band und zugleich die Galtung Helix, deren Artenzahl bis
auf 1132 angewachen ist, wobei noch zu bemerken , dass
zuweilen mehrere auf eine Nummer kommen, so dass ihre
Anzahl noch höher sich beläuft. Ausserdem sind in einem
Nachtrage noch viele Arten hinzugefügt. In einer Einleitung
zum ersten Bande sind die Gattungen charakterisirt, und die
benutzten Werke alphabetisch aufgezählt. Den Beschluss des
ersten Bandes macht ein alphabetischer Index desselben. —
Heft 4 bis 7 bilden den zweiten Band. Er umfasst die Gat-
tungen Bulimus mit 632 Arten, Achalinella mit 28 Arten,
Achatina mit 157 Arten, Gibbus mit 2 Arten, Pupa mit 156
Arten, Cylindrella mit 50 Arten, Balea mit 7 Arten, Torna-
tellina mit 11 Arten, Clausilia mit 222 Arten, Daudebardia
mit 3 Arten, Vitrina mit 61 Arten, Suceinea mit 68 Arten.
Am Ende sind auch hier 4 Bulimus-Arten nachgetragen, Zu-
letzt ist ein Index alphabeticus generum et subgenerum He-_
liceorum in Monographia recensitorum und ein Inhaltsver-
zeichniss des zweiten Bandes angefügt. Hoffentlich wird
sich nun die Zahl der neuen Arten mindern, da in diesem
Werke das Mittel gegeben ist, auf leichte Weise zu entschei-
den, ob eine Art neu sei.
-
der Möllusken während des Jahres 1848. 03
In der Zeitschrift für Malak. p. 89 und 113 giebt Pfeiffer Nach-
träge zur Monographia Heliceorum viventium,
Vitrina natalensis Krauss |. c. ty".
Succinea concisa Morelet (Rev. zool. 1848. p.251) vom Fluss Gabon
in Afrika. — S. amphibia var. africana, strialau. exarata Kraussl.c.
Benson beschreibt einige neue Arten der Gattung Helix, wel-
che nicht in Pfeiffer's Monographie enthalten sind, nänlich H. Orobia
solata, crassicostata, Capitium, Infula, radicicola, Trolteriana, sämmtlich
aus Ostindien. Ferner werden Bemerkungen über einige Arten dersel-
ben Gattung gemacht und namentlich werden H. Cestus, tapeina und
climacteria Bens. von neuem beschrieben. (Annals 2. Ser. Il. p. 158).
— H. egenula, troglodytes, Adansoniae und Folini aus dem westlichen
Africa beschrieb Morelet (Rev. zool. 1848. p. 351). — H. pinguis,
aenea, Loveni, microscopica, vernicosa, rivularis, aprica Krauss |. ce.
Helix revelata ist von Benson bei Falmouth gefunden worden.
(Annals 2. Ser. II. p. 359.)
On the habits and geographical distribution of Bulimus,
a Genus of airbreathing Mollusks. By Lovell Reeve (Annals
2 Ser. I. p. 270). Verfasser giebt einige Notizen über die
Gattung Bulimus. Auf den Philippinen seien die Arten gross
und fest, in Chili und Peru klein und zart, in Brasilien sei
die Mündung oft gezähnt, in Neu-Caledonien, Venezuela, Neu-
Granada und den neuen Hebriden seien sie nicht selten Au-
ricula-ähnlich. In Beziehung auf das Thier seien die Ver-
schiedenheilen gering. Die Chilesischen Arten seien meist
hell, und wenige seien gefleckt; die Philippinischen Arten
seien meist dunkel- olivenbraun und wohnen familienweise.
Die zerbrechlichen Arten mit einfachem Mundrande seien
meist lebendiggebärend , während die mit umgeschlagenem
Mundrande eierlegend seien. Die auf Bäumen lebenden Ar-
ten der Philippinen legen ihre Eier in kleinen Trauben auf
die Bäume zwischen zwei Blätter, welche das Thier um ein-
ander wickelt, und alle sind weich mit Ausnahme von B,
Mindorensis , welcher kalkige Eier in parallelen Reihen auf
ein Blatt legt, alle senkrecht stehend , und am Grunde mit
einer schleimigen Masse angeklebt. In Neuholland und in
Neuseeland ist die Artenzahl sehr gering. Auch in Africa
sind sie selten, und durch Achatina ersetzt; auf den Sand-
wichinseln sind sie erselzt durch Achatinella, aul den Socie-
94 Troschel: Bericht über die Leistungen in der Naturgeschichte
tätsinseln durch Partula. In Westindien herrschen Achalina
und Glandina vor. In Indien und China kommen wenige Ar-
ten vor. In Europa sind die Bulimus klein und unscheinbar,
ebenso in Nordamerika. Besonders reich ist Columbien und
steht den Philippinen wenig nach, sie werden dort häufig von
den Eingebornen gegessen.
Bulimus pupulus, lotophagus, fasligiatus und eminulus Morelet
von Westafrica (Rev. zool, 1848, p. 252). Ferner ib. B. zegzseg, Cail-
leanus, und Solimanus mit dem Bemerken, dass sie zur Gattung Acha-
tina gehören; vom B. cailleanus wird später ib. 1849. p. 383 gezwei-
felt, ob er nicht eine Var. von Achalina aequaloriae Reeve sei? —
B. turriformis und linearis Krauss l. ec. beide pfriemförmig. — B.
orientalis und compactus Frivaldsky Zeitschr. für Malak. p. 6.
Von Bulimus haemastomus, einnamomeo-linealus, lita und gallin«
sultana beschrieb Referent bei Schomburgk 1. c. p. 546. die Mund-
theile. — B. ovoideus Brug. gehört nach Schuttleworth zuPupa
grandis Pfr. Zeitschr. für Malak, p. 79.
Pupa crystallum, senegalensis und sorghum Morelet von West-
africa (Rev. zool. 1848. p. 354. — P. Wahlbergi und fontana Krauss
l. c. — P.scyphus Frivaldsky und squalina Rossmaessler Zeit-
schrift für Malak. p. 7. — P. cerea Dunker ib. p. 177 aus Africa.
Clausilia corpulenta , olympica, varnensis, strumosa, eircumdala ,
pulchella, socialis, hetaera, nectarina, dacica, Lopedusae, subulata, Mi-
chaudiana Frivaldsky Zeitschr, für Malak. p.7.
Vier neue Arten Physa: natalensis (bei Küster abgebildet),
diaphana, tropica, Wahlbergi beschreibt Krauss |, c.
Physopsis Krauss nov. gen. |. c. tesa sinistra, imperforata,
tenuis, ovata; apertura longitudinalis, peristomate acuto ; columella in-
voluta, plicata, basi truncata; margo columellaris nullus. Unterscheidet
sich von Physa, wie Achatina von Bulimus, Eine neue Art Ph. afri-
cana 5'/,“' lang. Ob von Physa zu trennen ?
Dunker stellte 16 neue Arten der Gattung Planorbis aus der
Cuming’schen Sammlung auf. (Proc. zool. soc. März 1848; Annals 2,
Ser. 1I. p. 453.) — P. Pfeifferi, costulatus, natalensis Krauss l. c.
Limnaeus Burnetti Alder (Annals 2. Ser. II. p. 396. pl. IX. fig, 1.)
wurde von Burnett zuerst im Magen einer Forelle in Loch Skene
entdeckt, später auch dort lebend gefunden. Dieser britische Limnaeus
ist eiförmig, genabelt, mit weiter Mündung, kurzer Spira, hat fast die
Gestalt von Amphipeplea glutinosa. — L. natalensis Krauss |. c. von ]..
succinea Desh, durch kürzeres Gewinde und Streifen auf den Umgän-
gen verschieden.
-
der Mollusken während des Jahres 1848. 95
Netobranchia.
Blanchard theille der Pariser Academie die Resultate
seiner „Recherches sur organisation des Mollusques gasle-
ropodes de l’ordre des Opisthobranches M. Ed. (Nudibran-
ches, Inferobranches et Tectibranches Cuv.)“ mit (Institut 1848
p: 61; Comptes rendus XXVI. p. 244; ausführlicher Annales
d. sc. nat. 1848, IX. p. 172.; Schleiden und Froriep Nolizen
VI. p. 263.)
Diese Untersuchungen betreffen zunächst das Nervensystem, und
Verf. will hier vier Gruppen unterscheiden: 1) das Gehirn oder Gehirn-
ganglien, 2) die Halsganglien, 3) Bauch- oder Fussganglien, 4) die
Kiemenganglien (branchio-cardiaques). Von der Leber bei Tethıys wird
angegeben, dass sie zwar massig sei, aber von ihrer Oberfläche dünne
Fäden zu jeder Kieme entsende, und so den Anfang bilde sich zu zer-
theilen. In Betreff des Circulationsapparates wird angegeben, es seien
die Arterien mit vollständigen Wänden versehen, wogegen die Venen
durchaus fehlen.
Ferner von demselben Verf.: Du systeme nerveux chez
les Invertebr&s (Mollusques et Anneles) dans ses rapports avec
la classification de ces animaux (Comptes rendus XXVII,
p- 623).
Verf. ist geneigt, in Folge der Verschiedenheiten des Nerven-
systems, die Pleropoden von den Gasteropoden zu Irennen.
Koren und Danielsen machten Bemerkungen zur
Entwicklung der Mollusken bekannt. (Nyt Magazin for Nalur-
videnskaberne udgives al den Physiografiske Forening i Chri-
stiania, Dahl V. 3. 1847. 8; Isis 1848. p. 202.)
Ueber die Entwickelung der Nudibranchien wird bemerkt, dass
die Verf. das blasenförmige, ovale Organ in der Nähe des Afters nur
für eine Umschlingung und Erweiterung des Darmes halten; die Bewegung
im Magen rühre von Cilien her; das Herz bilde sich gleichzeitig mit dem
Darmkanale, liege in der Mitte des Körpers hinter der Speiseröhre. Ge-
fässe seien nicht vorhanden , .bei den ÜContractionen ergiesse es das
Blut in die Höhlung des Körpers. Bei dieser Gelegenheit werden Mol-
luskenembryonen beschrieben , die in der Hülle einer Ascidia venosa
gelunden waren.
Doris natalensis Krauss |. ec. oben mit schwarzen Flecken, gros-
sen Warzen, und 5 Kiemenlappen ; 2.
96 Troschel: Bericht über die Leistungen in der Naturgeschichte
Tritonia lineata Alder und Hancock unter Steinen bei Scar-
borough. (Annals 2. Ser. 1. p. 191.)
Alder und Hancock zeigen an, dass Sceyllaea pela-
gica an den britischen Küsten vorkomme. (Annals ct. 2 Ser.
I. p. 189.)
De Quatrefages gab in den Annales des sec. nal.
1848. X. p. 121. ein „Resume des observalions faites en 1844
sur les Gasteropodes phlebenteres.
Hancock und Embleton liessen die Fortselzung von
der Anatomie von Eolis erscheinen (On the Anatomy of Eolis,
a genus ofMollusks of Ihe order Nudibranchiala. Annals 2 Se-
ries I. p. 88.)
Sie beschäftigen sich hier mit den Geschlechtsorganen und mit
dem Circulations- und Athmungs- Apparat. Obgleich das Object der Un-
Untersuchungen besonders Eolis papillosa, also dasselbe ist, welches Frey
und Leuckart einer Untersuchung unterzogen haben (vergl. den vo-
rigen Bericht) so kommen die Verf, doch zu einer sehr verschiedenen
Deutung. Das Organ, welches von Freyund Leuckart als Zwitterdrüse
angesehen wurde, erklären Hancock und Embleton für Eierstock,
das gewundene Vas deferens wird als Hode gedeutet. Auch von Eo-
lis coronata und Drummondi sind diese Organe abgebildet, beschrieben
und in ähnlicher, ich glaube unrichtiger Weise, gedeutet. Die Circu-
lations-Organe werden als geschlossen dargestellt, bestehend aus Herz
mit Vorkammer und Herzkammer , und aus Arterien und Venen. Die
Function des Athmens wird der ganzen Oberfläche der Haut mit Ein-
schluss der Papillen zugeschrieben, und die letzteren als eine Modifi-
cation der Vergrösserung der Oberfläche erklärt; doch seien dieselben
nicht die Athmungsorgane ausschliesslich, sondern nur Hülfsorgane.
Eolis Peachii und exigua Alder undHancock (Annals 2. Ser.
15-191.)
In den Annals 2 Ser. I. p. 401 beschreiben Alder und
Hancock die bereits im vorigen Bericht besprochene Gat-
tung Ictis, deren Name hier inCenia umgeändert wird, und
bilden die Art ©. Cocksü ab. Ebenso werden Limapontia
nigra Johnst. und Acteonia corrugata n. sp., deren Kopf an
den Seiten gekielt und jeder Kiel in einen kurzen, flachen,
ohrähnlichen, weisslichen Tentakellortsatz ausgezogen ist, be-
schrieben und abgebildet, Die aufgestellte neue Ordnung Pelli-
der Mollusken während des Jahres 1848. 97
branchiata wird festgehalten, und von Hancock wird eine
Anatomie von Limapontia nigra hinzugefügt.
Es konnte keine Spur von Kiefern wahrgenommen werden, aber
eine Zunge mit einer Reihe Haken ist deutlich; vor der Mundmasse
liegen Speicheldrüsen. Der Schlund ist lang und dünn, und erweitert
sich zu einem Magen, dessen hinterer Theil von der Leber umhüllt, und
daher undeutlich ist; der Darm ist kurz und endet in einen After, der
in der Mitte des Rückens liegt. Die Leber bildet jederseits ein langes
körniges Gefäss, das sich mit seiner Mitte dem Magen anfügt. Aehn-
lich ist das Verdauungssystem bei Cenia und Acteonia. Der Eierstock
besteht aus rundlichen Blasen von gelber Farbe, deren Ausführungs-
gänge sich vereinigen; dann erweitert sich der Eierleiter und mündet
in die Röhre des Penis. Ein Organ, das sich in viele blindendigende
Säcke theilt, wird als Hoden angesehen. Eine gestielte Blase (sper-
matheca) ist vorhanden. Der Penis tritt vorn rechts aus einer Oeffnung
hervor ; dahinter liegt eine Schleimdrüse, die sich dicht hinter dem
Penis öffnet. Von der gestielten Blase führt ein Gang nach hinten
(copulatory channel), der in eine seichte Tasche vor der Geschlechts-
öffnung sich erweitert. Diese Deutung der Theile weicht von den Deu-
tungen anderer Forscher bei ähnlichen Thieren ab, es ist sehr schwie-
rig, darüber zu entscheiden. — Das Herz besteht aus Vorkammer und
Herzkammer ; die aus der letzeren hervorgehende Aorta konnte nicht
weit verfolgt werden. Die Respiration wird der Oberfläche des Kör-
pers, der mit Wimpern bedeckt ist, zugeschrieben.
Alder und Hancock fanden ein neues Mollusk, das verwandt
mit ihrer Gattung Proctonotus sei und vielleicht zu der Gattung Janus
Verany gehöre. Sie nennen es Antiopa splendida und charakteri-
siren die Galtung so: Körper oval, niedrig, hinten zugespitzt. Vier
Fühler, das dorsale Paar linear, blättrig, nicht zurückziehbar, am Grunde
durch eine lleischige Leiste vereinigt: Kopf ohne Segel, aber mit zwei
kurzen eylindrischen Mundtentakeln. Kiefer hornig. Kiemen papillen-
arlig, verlängert, die Seiten des Rückens bekleidend und sich bis vorn
an den Kopf ausdehnend. After hinten am Rücken in der Mittellinie,
Das Verdauungssystem mit zwei seitlichen Stämmen, welche Zweige zu
den Papillen abgeben. Die gemeinschaftliche Geschlechtsöffnung rechts
(Annals 2 Series 1. p. 190),
Bulla natalensis Krauss 1. c. durchscheinend, gelbgrün, längs-
gestreift. — B. panamensis Phil, Zeitschr. für Malak. p. 141.
Bullaea ezarata Phil, ib, p. 141 vom nördlichen China, —
Monopleurobranchia.
Pleurobranchus granulatus Krauss |. c. oben gekörnt, Mantel an
beiden Enden abgerundet, Schale in der Mitte des Mantels. —
Archiv S, Naturgesch, XV, Jahrg. 2. Bd. G
98 Troschel: Bericht über die Leistungen in der Naturgeschichte
Ancylus caffer Krauss 1. c. Wirbel auf /, der Länge, nach
rechts gebogen.
Siphonaria oculus Krauss 1]. c. mit einem querliegenden längli-
chen Flecken unter dem Wirbel. — S. variabilis ib. (S. concinna Sow.).
— S. aspera ib. conisch, mit 30—40 engen, stachlig-schuppigen Rip-
pen. — S. natalensis ib. mit scharfen ungleichen Rippen.
Acephala.
Brachiopoda.
Gray theilte (Annals 2 Ser. II. p. 435) die Brachiopo-
den folgendermassen ein:
Subelassis I Ameylopoda. Die Arme gekrümmt, an festen
Anhängen der Scheibe der ventralen Schale befestigl. Schale eng
durchbohrt.
Ordo 1. Ancylobrachia. Die Arme an Kalkplatten befestigt,
die Reifen bilden, welche an dem Schlossrande der ventralen Schale
angeheftet sind, und in ihre Höhlung hineinragen. Fam. Terebratulidae
mit den Gättungen Terebratula Retz (Terebratella d’Orb.), Magas Sow.,
Gryphus Megerle (Terebratula d’Orb.), Terebratulina d’Orb., Terebrirostris
d’Orb., Fissirostris d’Orb.
Ordo 2, Cryptobrachia. Die Arme in Gruben in dem er-
habenen Centrum der inneren Fläche der ventralen Schale eingesenkt.
Fam. Thecidaeadae, mit den Gattungen Argiope Longchamps (Megatheris
d’Orb.) und Thecidaea,
Subelassis II. Mlelictopoda. Arme in der Ruhe regelmässig
spiral gewunden.
Ordo 3. Sclerobrachia. Ein vom Schlossrande der ventralen
Schale entspringendes Kalkband stützt die Arme. Fam. Spiriferidae mit
den Gattungen Spirifer Sow. M’Coy, Martinia M’Coy, Atrypa Dalman,
Athyris M’Coy, Strigocephalus King und Fam. Rhynchonellidae mit den
Gattungen Rhynchonella Fischer, d’Orb. (Hypothyris Phillips), Comero-
phoria King, Uneites Defrance,? Trigonoremus Koenig, Rhyncora Dalman,
Pygope Link, Delthiridaea M’Coy, Pentamerus $Sow. ‘Von allen Gattun-
gen dieser Ordnung enthält nur Rhynchonella eine lebende Art.
Ordo 4 Sarcicobrachia. Die Arme lleischig ohne Kalkstütze.
Dahin die Familien 1. Productidae mit den fossilen Gattungen Productus
Sow., Stropholosia King, Chonetes Fischer, Leptaena und Orthis Dalman»
Strophonema Ralinesque, Calceola Lam. 2. Craniadae, wohin die Gat-
tung Crania. 3. Discinidae, mit der Gattung Orbieula Owen. 4. Lin-
gulidae, mit der Galtung Lingula. ;
Ordo 5. Rudistes. Das Thier ist unbekannt, Dahin die Familien
Radiolitidae, Hippuritidae und Caprotinadae.
Terebratula aperts Küster Conchyliencabinet testa irregulariter
subquadrate, planiuseula, tenera, pellucida, longitudinaliter sulcata, mar»
der Mollusken während des Jahres 1848, 99
Eine frontali convexa; foramine maximo, incompleto. — T. unguis Kü-
ster ib. tesla parva, ovata, compressa, integra, nilidiuscula, striis con-
centrieis tenerrimis cincta, sanguinea, flavomarginala, rostro obtuso, inlus
canaliculato, foramine integro parvo. — T. cancellata Koch ib, testa
ovala, ventricosa, tenera, sericea, ’sordide fusca, longitudinaliter subtilis-
sime siriata, transversim sulcata, marginibus sinuatis, integris; foramine
integro, magno. Westaustralien. — T. californiana Koch ib. testa
maxima, ovata, venlricoso-convexa, robusta, cornea, opaca, concentrice
striata et sulcata, marginihus integris, sinuatis, rostro obtuso, incurvo,
area late trigono , foramine integro, parvo. Californien. — T. Kochii
Küster ib. testa magna, subrotunda, ventricosa, nilida, pellucida, cor-
neo-lutea, striis concentricis instrucla, marginibus acutis, integris, sub-
reclis, rostro acutiuseulo, recurvo, foramine paryo, integro. — T. exi-
mia Philippi ib. testa maxima, convexa, ovato-rotunda, tenera, sub-
pellucida, sordide corneo-flava, striis concentricis suleisque eircumdata ;
rostro maiore prominente, truncalo, foramine magno, completo.
Lamellibranchia.
Unter dem Titel „Conchylia dithyra insularum britannica-
rum“ erschien (bei Theodor Fischer in Cassel 1848) ein äl-
teres englisches Werk von William Turton in neuer Ge-
stalt, nachdem es 1822 zuerst publieirt war. Die Eintheilung
der Conchylien in diesem Werk ist wunderlich genug, und
jedenfalls als höchst künstlich und daher unnatürlich, zu ver-
werfen. Von den 5 Klassen Monothyra mit einer, Dithyra mit 2,
Polythyra mit vielen freien Schalen, Monothalamia mit ein-
kammeriger und Polythalamia mit mehrkammeriger fester
Schale kommt hier nur die zweite Klasse Dithyra in Be-
tracht. Die 56 Galtungen zerfallen in 3 Abtheilungen: ohne
Ligament, mit äusserem Ligament und mit innerem Ligament.
Zur ersten gehören nur Pholas und Teredo; jede der beiden
andern spaltet sich wieder in 3 Gruppen, jenachdem das Schloss
keine Zähne, Schlosszähne, oder Schlosszähne und Seitenzähne
enthält. Nach einer in dieses Schema gebrachten Aufzählung
und kurzen Charakteristik der Gallungen folgt eine ähnliche
Aufzählung der Arten, nämlich 219 Seeconchylien, und 14
Flussconchylien.. Dann folgt eine nähere Beschreibung aller
einzelnen Arten. 20 Tafeln recht hübscher colorirter Abbil-
dungen in Kupferstich zieren das Werk,
100 Troschel: Bericht über die Leistungen in der Naturgeschichte
Anomia chinensis Phil. Zeitschr. für Malak. p. 130 von China.
Pecten fuseus Linsley. Gould ]. c. testa parva, tenui, rolun-
dato-ovali, convexiuscula, subaequilaterali, costiolis radiantibus filifor-
mibus ad 24, et lineis divaricantibus microscopieis sculptis; auribus
subaequalibus, postico vix emarginato ; colore rubro-fusco, Y%, Zoll.
Plicatula deltoidea Dunker Zeitsch. für Malak. p. 178 von
Südafrica, ’
Perna dentifera Krauss |. c. p. 28.
Avicula Largillierti Phil. Zeitschr. p. 133. von der Insel Basi-
lan. — A. serrulata, tortirostris, rufa Dunker ib. p. 178.
Pinna squamosissima Phil. ib. p. 164. von Carolina.
Von H.P. Nyst erschien in den M&emoires der Brüsse-
ler Academie Band XXII. Brüssel 1848 ein „Tableau synop-
tique et synonymique des especes vivantes et fossiles de la
famille des Arcacees avec l’indicalion des depots dans les-
quels elles ont et& recueillies. Premiere parlie. Genre Arca.
Unter forllaufender Nummer sind die Artnamen, die Autoren,
die Jahreszahl der Aufstellung, das Werk, in dem sie be-
schrieben und abgebildet sind, ob sie der Jetziwelt angehören,
oder welcher Formation, und der Fundort angegeben. Hin-
zugefügt sind Bemerkungen über die Identität oder Verwandt-
schaft mit anderen Arten.
Im Ganzen werden 459 Arten aufgezählt, von denen Verf, 18 als
zweifelhaft ansieht. Unter diesen sind 162 Arten lebend, von denen
27 auf den nördlichen Ocean, 7 auf den südlichen Ocean, 93 auf den
mittleren (l’oc&an &quinoxial) kommen, und von denen 35 unbekannten
Vaterlandes sind. Nur 3 Arten gehen aus der nördlichen in die heisse
Zone über, nur 2 aus der heissen in die südliche. Uebrigens ist hier
die Gattung Arca so verstanden, dass Cucullaea und Byssoarca, sowie
Isoarca und Dolabra nicht abgetrennt werden.
Arca Cecillii von China, speciosa Phil. Zeitsch. für Malak. p.
131. — A acuminata Krauss, Kraussü Phil., natalensis Krauss
l:icApn 14}
Unio Zeyheri Menke vom Cap. Zeitschr. für Malak. p. 28. —
U. Casaeblancae und nuculinus Phil. ib. p. 176. — U. coriaceus, Pfeif-
feri, granuliferus, Besckeanus Dunker ib. p. 181 von Rio de Janeiro,
— U. nux persicae Dunker ib. p. 182. von China. — U. caffer Krauss
l. c. p. 18. — Bei Philippi Abbild. ist III. 3. eine Tafel mit Unio-
nen, auf welcher 6 Arten U. cyrenoides Phil., psammactinus Bronn
von Brasilien, subtrapezius Ph., membranaceus (Mya) Maton, australis
Lam. und Parreyssi v. d. Busch aus dem weissen Nil bildlich dar-
gestellt worden.
der Mollusken während des Jahres 1848. 101
Hyria humilis Troschel bei Schomburgk 1. ce. länglich , eiför-
mig, das vordere Ohr wenig vorgezogen; der hintere Flügel wenig
erhaben.
Castalia sulcata Krauss Zeitschr. für Malak. p. 99 von Surinam,
Iridina Wahlbergü Krauss Südafr. p. 19. ist vielmehr eine Spatha,
Anodonta housatonica Linsley Gould, |, c, testa oblonga, re-
trorsum dilatata, antrorsum compresso-cuneala ; margine antico rotun-
data, basali arcuata, postico obliqua et ad apicem truncala, dorsali re-
etilineari; umbonibus parvis undulatis, ad trientem anteriorem silis;
valvis postice tumidis, epidermide nilida, fulvo-cornea indutis; intus
lactea, salmonaceo-tincla; limbo basali postice incrassato. 3%, Zoll. —
A. Milleti Ray et Drouet (Rev. zool. 1848. p. 235.) testa mediocriter
magna, ovala, tumida et ventricosa, subradiala, transversim multo sul-
cata, supra rariter laevi, infra rugosa, mediocriter crassa, posterius
(die Verf. sehen die Anodonten noch falsch an, wie Lam.) brevi et ro-
tundata, anterius rolundata, attamen subangulosa, altissima, dilatatissima;
margine inferiore non compresso, regulariter rotundato, non sinuato,
tenui; nalibus retusis, supra albis, subter rubiginosis ; ligamento pro-
minulo, curvato ; sinu ligamentali ovato ; epidermide flavo-eleagino, vel
flavescente-brunneo ; testa interius albida, paululum coerulea, parum ni-
tida; lamina cardinali areuata ; sinu cardinali notabili: margine interiore
non crasso. Bei Troyes. Ist abgebildet. — A. cornea, atrovirens, Ni-
caraguae Phil. Zeitschr. für Malak. p. 130. Alle drei vom Nicaragua.
Menke beschrieb einige neue, theils neuholländische und mexi-
canische Mytilaceen seiner Sammlung (Zeitschr. für Malak. 1848. p. 1.),
nämlich Mytilus spatula von Mazatlan, cochlear von den Fidji-Inseln,
biceps von Veracruz, nitens von der Westküste Neuhollands. — M. me-
ridionalis, variabilis Krauss. 1. c. Südafr. — .
“ Modiola Phillippiana von Neuholland , semilaevis von Mazatlan.
Menke Zeitschr. für Malak. p. 4 — Modiola (Lithophagus) crispata
Phil, ib. p. 155. — Lith. erenulata Dunker ib. p. 180. von Porto
Cabello. — M. capensis, auriculata und eylindrica (Lithophagus) Krauss
Südafr. p. 20. —
Recluz trennte Linne's Mytilus bilocularis als eigene Gattung
unter dem Namen Septifer testa epidermide vestita,. aequivalvis, valde
inaequilateralis, ventri concava ac emarginata pro bysso. Apices ter-
minales, subinflexi, Cardo edentulus, septo lamelloso, verticaliter sub
apicibus instructus. Fossulae ligamentiferae lineares , marginales, dor-
sales, anticique, corpore eretaceo , subspongioso intus marginatae. Im-
pressiones musculares dune, superliciales: antica minima, rolundata, in
margine interna, postica, inferaque sepli posita ; postica subdorsalis, re-
niformis, ligula angusta, ventrali, simplice coalitae. Dahin Mytilus bi-
Tocularis; Lamarck’s M, biloeularis Var, c, wird als besondere Art
102 Troschel: Bericht über die Leistungen in der Naturgeschichte
Sept. fuscus angesehen , dieselbe ist aber schon von Wiegmann in
diesem Archiv IIl. 1. p. 49 Tichogonia virgata genannt, Gewiss gehört
auch Tich. excisa Wiegm. hierher, und es wird das zahnlose Schloss
aus der Gattungs-Diagnose zu streichen sein. Uebrigens halte ich die
Gattung für gerechtfertigt, sobald man alle gestreiften und im Meere
lebenden Arten von Tichogonia zu ihr rechnet (Rev. zool. 1848. p. 275.)
Cardita teretiuscula Phil. Zeitschr. für Malak. p. 141.
Cardium modestum Phil. Zeitschr. für Malak. p. 142. von China,
— C.natalense Krauss I. c. p. 12.
Cyclas truncata Linsley. Gould l. c. testa parva, tenui, fragili,
ventricosa, subaequilaterali, transverse rotundato-ovata, postice dilatata,
et late subtruncata, lineis inerementi confertis et ordinatis striala, epi-
dermide olivaceo-cornea induta; umbonibus magnis et perelevatis: den-
tibus cardinalibus minutis, obtusis ; dentibus lateralibus conspicuis, elon-
gatis. Y/ Zoll. — C. capensis rundlich und ©. ferruginea ovalrhombisch
Krauss. c.
Cyrena africana Krauss ]. c. Unter diesem Namen werden
C. Gaurilziana Krauss in litt., radiata Parr., und pusilla Parr. ver-
einigt, und zwar so, dass die beiden ersteren die Var, olivacea, die
dritte die Var. albida bilden. —
Galatea Bengoensis Dunker Zeitschr. für Malak. p. 183. aus dem
Bengofluss bei Loanda. — G. laela, rubicunda, lenuicula Philippi
ib, p. 190.
Diplodonta subrugosa und Venezuelensis Dunker ib. p. 183.
Artemis Gruneri und anus Philippi Zeitschr. für Malak. p.
132. — A. alta Dunker ib. p. 184.
Cytherea nucula Phil. Zeitschr, für Malak. p. 144 von Peru. —
€. Hagenowi aus dem rothen Meer, cordiformis von Zanzibar Dunker
ib. p. 184. — Von der Gattung Cytherea wurden bei Philippi Abb.
III. 3. 7 Arten dargestellt: €. erythraea Jonas, Pfeifferi Ph., calli-
pyga (Venus) Born, C. adenensis Ph. von Aden, arabica (Venus)
Chemn., indecora Ph. von Mergui, birmanica Ph, ebendaher. —
Venus Rodatzi Dunker Zeitschr. für Malak. p. 185. — V. chlo-
relica, gilva, isabellina Phil, ib. p. 186. — Auch der Gattung Venus
ist bei Philippi Abb. eine Tafel gewidmet. Sie enthält V. sulcosa
Ph., amabilis Ph., euglypta Ph., semirugata Ph., lirata Ph., araneosa
Ph., rimosa Ph., Deshayesii Hanl., Kroyeri (Artemis) Ph.
Aus Venus undata machen Edward Forbes und Sylvanus
Hanley in der „History of british Mollusca and their shells“ eine be-
sondere Gattung Lucinopsis. Schale dünn, gleichschalig, schwach
ungleichseitig, geschlossen; Obertläche glatt oder concentrisch gestreift;
innere Ränder ganz, Muskeleindrücke länglich oder fast kreisförmig,
fast gleich; Mantelbucht weit, tief, central, stumpf. Schloss mit zwei
divergirenden Zähnen, von denen einer zweispaltig, in der rechten
der Mollusken während des Jahres 1848. 103
Schale, mit drei, von denen der mittlere zweispaltig , in der linken.
Ligament äusserlich, vorstehend, ziemlich lang ; keine deutliche Lunula.
Thier fast kreisförmig, sein Mantel ganz offen, die Ränder ganzrandig.
Röhren kurz, divergirend, getrennt, die Kiemenöffnung gefranzt, die Af-
teröffnung einfach. Fuss lanzetiförmig, Mundlappen klein, dreieckig.
Lucina brasiliensis, Chemnitzii von Yukatan, clausa Philippi
Zeitschr. für Malak. p. 150.
Donaz panamensis, angusta, parvula, pusilla, Roemeri, tumida
Philippi Zeitschr. für Malak. p. 145. — D. exarata Krauss |. c,
Tellina anomala und panamensis Phil. Zeitschr. für Malak. p.
175. — T. natalensis, Ludwigii und litoralis Krauss |. c.
Astarte mactracea Linsley. Gould. 1. c. testa parva, solida, sub-
triangulari, sed antice rotundata et ad basin arcuata, concentrice costalo-
undulata, inter undas radiatim striolata, fulvo-viridi, fusco-radiata, apice
acuto: areola magna, profunda. '/, Zoll. — A. Pfeifferi Phil. Zeitschr.
für Malak. p. 133 von Cuba.
Psammobia bipartita (Chemn. VI. 10. f. 92) von Manila und stri-
atella Philippi Zeitschr. für Malak. p. 166. —
Mactra Adansonü, Largillierti, pulla alle von Guinea, rostrata
von Galveston, velata von Panama Philippi ib. p. 152. — M. ad-
spersa Dunker ib. p. 186 von Südafrica.
Amphidesma deforme Phil. ib. p. 129 von Galveston.
Corbula operculata Philippi ib. p. 13. von St. Thomas.
Strange macht die Bemerkung, dass Myochama anomioides nicht,
wie man angenommen hat, an Trigonia pectinata ausschliesslich gebun-
den sei, er hat sie auch an Pandora, Pectunculus, Struthiolaria und
Mytilus gefischt (Annals. 2 Ser. II. p. 222.)
Petricola costata und robusta Philippi Zeitschr. für Malak, p.
163. — P. ventricosa Krauss |. c. —
Alder beobachtete, dass bei Kellia rubra die Athemröhre am
Grunde offen und nur eine Verlängerung des Mantels sei, während die-
selbe bei Kellia suborbicularis eine geschlossene Röhre sei. Die Schil-
derung des Thiers der Gattung Poronia, zu der Recluz die Kellia
rubra zieht, sei aber irrthümlich, wenn sie auf das in Rede stehende
Thier angewendet werde (Annals. 2 Ser, Il. p. 217.). — K; pulchra
Phil. Zeitschr. für Malak, p: 149 von Nordamerika.
Solen albus (Tellina Martyn), exaratus, pietus Phil. Zeitschr. für
Malak, p. 174.
Unter dem Namen Ceratisolen trennen Edward Forbes
und Sylvanus Hanley in der „History of british Mollusca“ Solen
legumen als besondere Gattung, und sehen sie als ein Verbindungsglied
zwischen Solen und Solecurtus an: Schale verlängert, zusammenge+
104 Troschel: Bericht über die Leistungen in der Naturgeschichte
drückt, gleichschalig, mehr oder weniger ungleichseitig, dünn, an den
Enden klaffend. Oberfläche in der Diagonale getheilt, strahlenförmig
gestreift, mit Epidermis, Muskeleindrücke deutlich, ungleich , wie bei
Solen ; Manteleindruck mit einer kurzen weiten Bucht. Schloss sub-
central, wie es von $. legumen bekannt ist. Ligament äusserlich.
Schalen unter dem Schloss durch eine starke schiefe Rippe verdickt.
Thier zusammengedrückt, klein; Mantel vorn (in front) geschlossen,
vorn (anteriorly) offen. Fuss eiförmig, verlängert, abgestutzt. Die Röh-
ren gelrennt, divergirend, mit gefranzten Oeffnungen. Nur die eine
Art C. legumen.
Quatrefages schlägt vor, um die Schiffsbohrwürmer,
Teredo, zu vermindern, die Samenthierchen zur Zeit der Be-
galtung zutödten, und zwar durch Gift. Er giebt einige Stoffe
an, die bei starker Verdünnung die Spermatozoen zerstören,
oder doch zur Befruchtung unfähig machen: (Institut 1848
p. 40; Comptes rendus XXVI. p. 113.)
Derselbe trug der Societe philomatique de Paris die
Resultate seiner Beobachtungen über die Entwickelung des
Eies bei Teredo vor. (Institut 1848. p. 149; Annales d. sc.
nat. 1848, IX. p. 33).
Er erkannte einen Dotter, ein Purkinjesches Bläschen, und einen
Keimfleck. Nach vollendetem Furchungsprocess, in der 11. Stunde,
bilden sich Wimpern, die immer länger und zahlreicher werden, und
mittelst ihrer bewegt sich der junge Bohrwurm nach allen Richtungen
in der Flüssigkeit von der 24. bis zur 48. Stunde, Nun bildet sich das
erste Rudiment der Schale, die unregelmässig eiförmig und häutig ist;
bald wird sie herzförmig und kalkig. Mit der Bildung der Schale sieht
man sich einen Wimperapparat am einen Ende des Körpers entwickeln,
der als Bewegungsorgan die Wimpern ersetzt, mit denen die ganze
Larve bedeckt war. Verf. konnte die Beobachtung nur bis zur 130.
Stunde verfolgen, wo die Jungen starben. Doch eine der beiden beob-
achteten Species bewahrte während des ganzen Winters die im Herbste
ausgeschlüpften Jungen in der Mantelröhre, und daran liessen sich die
Beobachtungen fortsetzen. Die allgemeine Gestalt des Thieres verän-
dert sich noch, bis es kuglig wird. Zugleich sieht man die ersten Ru-
dimente der Mantelröhren erscheinen, die Otolithen, und einen langen
Fuss, mit dessen lülfe das Thier auf dem Boden kriecht, während ihm
der Wimperapparat gestattet, mit grosser Lebhaftigkeit zu schwimmen.
Hieran anknüpfend bemerkte Laurent (ib. p. 150), dass
nach seinen Beobachtungen Teredo ovovivipar und zwittrig
der Mollusken- während des Jahres 1848. 105
sei, und sich nicht bloss in der schönen Jahreszeit, sondern
auch im Herbst und Winter fortpflanze.
In einer späteren Sitzung der Societe philomalique kommt
Quatrefages auf den Gegenstand zurück und erklärt seine
untersuchte Art für neu, da die schmale Schale und die Ge-
stalt der Paletten von den bekannten Arten der Gallung Te-
redo abweichen, und sich mehr an Fistulana annähern ; die
Stiele der Paletten sind lang. Ferner behauptet Verf. , diese
Thiere seien eierlegend, und erklärt die frühere Ansicht, dass
sie ovovivipar seien, dadurch, dass die im Herbst ausge-
schlüpften Larven während des ganzen Winters in der Kie-
menhöhle verweilten. Auch hält Verf. diese Thiere für ge-
trennten Geschlechts, da er nie in dem Geschlechtsorgan Eier
und Spermatozoen zugleich gefunden habe (Institut 1848. p. 190.)
Tunicata.
Aus der Abtheilung der Tunicaten ist diesmal von zwei
Werken zu berichten:
Das eine hat den Titel „Rare and remarkable animals
of Scotland represented from living subjeets, with practical
observalions on their nature by Sir John Graham Dalyell,
Baronet. Volume second. London 1848. 4“. In diesem Werke,
das sich mit Zoophylen beschäftigt, ist ein Abschnitt p. 138
—173 und pl. 34—41 den Ascidien gewidmet.
Von einfachen Ascidien sind abgebildet und beschrieben: Ascidia
villosa, die nicht festgewachsen ist, A. intestinalis, ruslica, scabra, men-
tula und papilla. Von letzterer Art ist die Umwandlung der geschwänz-
ten Larven in Ascidien beobachtet worden. Von zusammengesetzten
Ascidien ist nur Botryllus verrucosus beobachtet worden. — Verf. giebt
folgendes Resume: Die Ascidia papilla ist ein einzelnes vollständiges
Thier. Sie ist gewöhnlich einzeln im erwachsenen Zustande, aber lebt
auch in zahlreichen Gesellschaften oder Gruppen von Individuen, welche
einander innig genähert sind. Unter beiden Umständen ist es mit der Basis
an einen fremden Körper angeheftel, Es pflanzt sich mittelst einer
kaulpadden ähnlichen Larve fort. Dieselbe ist erst sehr lebhaft in Be-
wegung, wird dann ruhend, um sich zu einer Ascidie umzubilden, in
welchem Zustande sie verbleibt. — Der Botryllus verrucosus ist eine
zusammengeselzte thierische Masse von fleischiger oder gallertartiger
106 Troschel; Bericht üb, d. Leist. in.d. Naturg. d. Molluskeni. J. 1848, -
Beschaffenheit, stets mil der Basis einem festen Körper angeheftet. Sie
besteht aus zusammengehäuften vereinigten Ascidien, die die Substanz
überziehen. Die einzelnen Ascidien sind in bestimmten Gruppen oder
Systemen um eine gemeinsame innere Höhle geordnet, und eine Anzahl
solcher Systeme bildet einen Botryllus. Jede Ascidie ist selbstständig
in Beziehung auf die Circulation in den Blutgefässen und die Ernährung
durch Schlamm aus dem umgebenden Element. Der Botryllus lebt un-
ter zusammengesetzten Bedingungen, er hat ausser der Blutcirculation
der einzelnen Ascidien eine gemeinschaftliche Cireulation, und eine
allgemeine Ernährung. Er pflanzt sich durch eine Larve fort, die einer
Kaulpadde gleicht, wie bei Ascidia papilla, die zuerst lebhaft und be-
wegt ist für eine unbestimmte Zeit, dann festwurzelt und sich in eine
Ascidie verwandelt. Solche junge Ascidie ist ein vollständiges Thier
mit den Lebensfunctionen, wie bei einem Individuum aus einem Sy-
stem des Botryllus. Die erste junge Ascidie erzeugt nun ohne andere
Larven andere junge Ascidien, vereinigt sich mit ihnen zu Systemen,
so dass zuletzt der Botryllus eine gemeinsame Masse darstellt.
Das zweite Werk ist: „A history of british Mollusca and
their shells byEdward Forbes and Sylvanus Hanley#,
welches mit den unteren Formen beginnt,
In demselben sind als neu beschrieben:
Leptoclinum punctatum Forbes.
Ascidia arachnoidea Forbes.
Molgula Forbes nov. gen. Körper mehr oder weniger kug-
lig, angeheftet oder frei, mit häutigem Mantel, gewöhnlich mit Srem-
den Gegenständen bekleidet; die Oeflnungen an sehr contractilen und
nackten Röhren ; Kiemenöffnung sechslappig, Afteröffnung vierlappig.
M. oculata Forbes. Dahin auch Ascidia tubulosa Rathke.
Von der Gattung Cynthia sind daselbst aufgestellt C. quadran-
gularis, informis, tessellata, limacina und morus.
Als eine neue Familie von Tunicaten wird die Gattung
Pelonaia angesehen und so charakterisirt: Schale cylindrisch,
unangeheftet. Oeffnungen ohne Strahlen, an zwei gleichen
genäherten papillösen Vorsprüngen am Vorderende. P. cor-
rugata Hülle dunkelbraun, sehr verlängert, grob querrunzelig.
— P.glabra Hülle grüngelb, glatt, haarig, nicht so stark ver-
längert, wie die vorige. Auch die Anatomie ist gegeben.
PEDe" eo
Bericht über die Leistungen in der Ento«-
mologie während des Jahres 1848,
Vom
Dr. Hermann Schaum ,
Privatdocent an der Universität zu Berlin.
Jährliche Berichte über die Fortschritte der Entomologie,
wie sie der frühere Herausgeber dieses Archivs zwölf Jahre
hindurch geliefert hat, sind bei der Fülle von Forschungen
auf diesem Gebiet ein so allgemein gefühltes Bedürfniss ge-
worden, dass mich vorzugsweise die Befürchtung, dieselben
möchten ins Stocken gerathen, zu der Uebernahme dieser
sehr mühevollen und wenig dankbaren Arbeit bestimmt hat.
Undankbar wird sie besonders dadurch, dass sie sich an die
früheren Berichte Erichson’s anschliesst, und dass somit
eine Vergleichung mit den letztern sich ganz von selbst auf-
drängt. Erichson war durch ausgehreitele Kenntnisse in
allen Theilen der Entomologie und durch seine während ei-
nes Zeitraums von 15 Jahren nie unterbrochene Thätigkeit
am enlomolögischen Museum der hiesigen Universität in den
Stand gesetzt, fast über jede der zahlreichen Abhandlungen
ein aus selbstständiger Prüfung gewonnenes Urtheil abzugeben.
Meine geringe Bekanntschaft mit mehreren Insectenordnungen
gestaltet mir dies nicht, und wenn ich auch durch die Güte
des Herrn Geh. Med. R. Klug die reichen Schätze der sei-
ner Leitung anvertrauten Sammlung benutzen konnte, se war
es mir doch nicht möglich, im Laufe weniger Monate mich
mit derselben so vertraut zu machen, um ähnliche Vortheile,
wie Erichson, aus ihr ziehen zu können,
108 Schaum: Bericht über die Leistungen in der Entomologie
Meine Aufgabe bei der Ausarbeitung des vorliegenden
Berichts musste daher darauf beschränkt bleiben, ein mög-
lichst getreues Bild der wissenschaftlichen Leistungen
während des Jahres 1848 zu geben. Ich liess es mir dem-
gemäss besonders angelegen sein, das literarische Material
in möglichster Vollständigkeit zu beschaffen, und hoffe, dass
wenigstens in dieser Beziehung der Bericht nicht hinter den
früheren zurücksteht ; ich muss indessen hier erwähnen, dass
aller angewandten Mühe ungeachtet es mir nicht gelungen
ist, zwei englische Zeitschriften, das „Journal of the royal
agricultural Sociely*, in welchem Curtis mehrere Aufsätze
entomologischen Inhalts veröffentlicht hat, und die von E.
Newman herausgegebene Monalsschrift „the Zoologist“ zur
Benutzung zu erhalten. Sodann war ich bestrebt, das Referat
über die Arbeit des jedesmaligen Schriftstellers möglichst
wenig durch mein subjectives Urtheil zu trüben. Nur in be-
sondern Fällen bin ich von diesem Grundsatze abgewichen
und habe mir einige kritische Bemerkungen beizufügen ge-
stattet.
Da Erichson’s letzter Bericht mit den Hymenopteren
abschliesst, so habe ich in dem meinigen auch die während
des Jahres 1847 veröffentlichten Arbeiten, welche sich mit
den Ordnungen der Lepidoptera, Diptera, Hemiptera, Thysa-
nura und Parasita beschäftigen, aufgenommen. Dagegen bil-
den die Crustaceen und Arachniden den Gegenstand eines
besondern von Dr. Peters bearbeiteten Berichtes.
Im diesjährigen Berichte ist zuerst des Lehrbuchs der
vergleichenden Anatomie der wirbellosen Thiere von €. Th.
v. Siebold, Berlin. 1848, zu gedenken, dessen vierzehntes
Buch den Insecten gewidmet ist. Der berühmte Verfasser hat
in diesem dem Inhalt und der Form nach gleich ausgezeich-
neten Werke den ganzen Bestand unserer gegenwärtigen
Kenntnisse über den innern Bau der Insecten zusammenge-
stellt. Die Arbeiten früherer Entomotomen sind ebenso voll-
ständig benutzt als umsichtig geprüft, und ein grosser Schatz
eigner Untersuchungen und Ansichten vom Verf. in diesem
Abschnitte niedergelegt. Es ist hier um so weniger der Ort,
auf den Inhalt im Einzelnen einzugehen, als das Werk für
jeden wissenschaftlichen Entomologen unentbehrlich, und die
während des Jahres 1848. 109
ihm gebührende Verbreitung ausserhalb Deutschlands durch
eine französische Ueberselzung gesichert ist.
Die illustrirte Ausgabe von Cuvier’s Regne animal,
welche von mehreren Schülern Cuvier’s besorgt und im
Verlage von Fortin, Masson et Co. (früher Crochard) erschie-
nen ist, ist gegenwärtig beendigt worden „Le regne animal
par Cuvier. Edition accompagnde de planches gravees; par
une reunion de disciples de Cuvier“. Der Atlas zu den In-
secten istvon Audouin, Blanchard, Doyere undMilne
Edwards herausgegeben. Auf den elegant ausgestalteten
Tafeln sind die Typen sämmtlicher im Latreille’schen Texte
erwähnten Gattungen, die charakteristischen Kennzeichen der
einzelnen Gruppen und die innere Anatomie der Familien dar-
gestellt.
Einen ziemlich vollständigen Ueberblick über die wich-
ligsten Leistungen im Gebiete der systematischen Entomologie
während der letzten acht Jahre hat Westwood in dem Sup-
plemente der englischen Ueberseizung von Cuvier’s Regne
animal S. 675—690 gegeben.
W. Spence hat in zwei sehr anziehenden, an den
Stiftungstagen der entomologischen Gesellschaft in London
gehaltenen Reden die in England in den Jahren 1847 und
1848 erschienenen entomologischen Abhandlungen sehr voll-
ständig aufgezählt und zugleich die wichligsten auf dem Con-
tinent herausgegebenen Werke erwähnt (Adress delivered at
Ihe anniversary meeling of the ent. Soc. of London 22. Jan.
1848 und 1849.)
Blanchard’s Arbeit über den Blutumlauf der Insecten
ist jetzt vollständig erschienen. „De la circulation dans les
insecles“ Annal. d. scienc. nalur. 1848. IX. S. 359, übers. in
Schleid. und Fror. Notiz. 1849. Sept. S.257. Der Verf. hatte
die Hauptresultate seiner Untersuchungen bereits 1847 in den
Comptes rendus veröffentlicht, sie sind daher auch schon im
vorigen Jahresberichte mitgetheilt worden.
Der gegenwärtige Aufsatz zerfällt in vier Abschnitte. Im ersten
bespricht der Verf. die verschiedenen Ansichten, welche über die Cir-
eulation der Insecten entwickelt worden sind und giebt einen histori=-
schen Ueberblick über die auf diesen Gegenstand bezüglichen Beob-
achtungen, Der zweite Abschnitt enthält die vom Verf. selbst ange-
110 Schaum: Bericht über die Leistungen in der Entomologie
stellten Experimente. Sie bestehen in Einspritzungen gefärbter Flüs-
sigkeiten in das Gefässsystem der Insecten. Fein präparirtes Berliner-
blau, mit Terpentin verdünnt, erwies sich dazu am geeignetsten. Die
Injectionen wurden in eine der hintern Kammern des von oben bloss-
gelegten Rückengefässes gemacht. Nach der Zergliederung des Kopfes
und Blosslegung der Gehirnganglien konnte stets beobachtet werden,
dass das vas dorsale unter den letztern hinläuft, sich dann etwas er-
weitert und in einige sehr kurze Aeste spaltet, deren Wandungen
bald dünner werden und ganz verschwinden. In seinem Verlaufe
giebt das Rückengefäss keine Aeste ab. War eine hinreichende
Menge Flüssigkeit in dasselbe eingespritzt, so hatten sich alle Kör-
perhöhlen des Insects damit gefüllt. Diese Präparate wurden dann
in Wasser gelegt, an dessen Oberfläche sich die specifisch leich-
tere Injectionsflüssigkeit ansammelte ; sie konnte nur an solchen Orten
zurückbleiben, wo sie von bestimmten Wandungen eingeschlossen war.
Hier ergab sich nun, dass sie sich nicht bloss im Rückengeläss erhielt,
sondern dass sie auch in das Tracheensystem eingedrungen war, und
zwar nicht in Folge einer Ruptur in die Höhle der Tracheen,, sondern
zwischen die beiden Membranen derselben, welche den Spiralfaden ein-
schliessen. Sie ergiesst sich durch das Rückengefäss in die Körperlücken
und gelangt aus den Lücken, welche den Anfang der Tracheen umgeben,
zwischen die beiden Häute der letztern. Alsdann wird sie in das Rük-
kengefäss durch die Kanäle zurückgeführt, welche auf der obern
Wandung des Abdomen von der Basis der Tracheenbündel zu den
seitlichen Spalten des Rückengefässes verlaufen. Diese letztern Kanäle,
welche schon von Newport beobachtet worden sind, haben keine
besonderen Wandungen, sondern werden nur vom Zellgewebe gebildet
und sind deshalb schwierig, oft gar nieht zu isoliren. — Der Verf.
hat mit einem andern Verfahren dasselbe Resultat erzielt. Die Injec-
tionen wurden direct in die Körperlücken unternommen , und füllten
ebenso vollständig das ganze Circulationssystem , als wenn sie vom
Rückengefäss aus gemacht waren; auf diese Weise erzielt man sogar
noch den Vortheil, dass das Rückengefäss selbst besser injieirt wird,
als auf directem Wege. — Eine Bestätigung dafür, dass die Blut-
flüssigkeit der Insecten die beschriebene Bahn durchläuft, erhielt der
Verf. durch directe Beobachtung von Blutkörperchen zwischen den
Membranen der Tracheen. Er bemerkt ferner, dass bei den Insecten,
wo die Tracheen grün, gelb oder röthlich gefärbt sind, das Blut in grös-
serer Menge gesammelt immer denselben Farbenton besitzt. — Im drit-
ten Abschnitt entwickelt der Verf., auf die mitgetheilten Beobachtungen
sich stützend, eine neue Aulfassung des Respirations- und Ernährungs-
prozesses der Insecten. Indem das der Luft bedürftige Blut beständig
zwischen den Tracheenhäuten circulirt und nur durch eine sehr feine
Membran von der in den Tracheen enthaltenen Luft getrennt ist, unter-
scheidet sich der Respirationsapparat der Insecten nur noch durch seine
während des Jahres 1848. 111
Verbreitung über den ganzen Körper von dem der durch Lungen und
Kiemen atlımenden Thiere; der physiologische Prozess ist derselbe, und
der Unterschied, wie ihn Cuvier ausgesprochen hat, dass bei den In-
secten nicht das Blut die Luft, sondern die Luft das Blut aufsuche, fin-
det nicht statt. Sind nun schon die Tracheen ihrer wesentlichen Bedeu-
tung nach Respirationsorgane, so vertreten sie doch zugleich, indem sie
sich vielfach verästeln und zwischen ihren Wandungen, die mit dem
Sauerstoff der Luft in Berührung gekommene Blutflüssigkeit allen Kör-
pertheilen zuführen, die Stelle der arteriellen Gefässe, Es erfolgt dem-
nach auch die Ernährung bei den Insecten in derselben Weise, wie bei
den Wirbelthieren, den Mollusken und Krebsen, und die Ansicht, dass
ihre Organe bloss vou Strömen der Blutflüssigkeit gebadet werden , ist
unrichtig. Nur der anatomische Unterschied besteht, dass es bei ihnen
keine der Ernährung oder der Respiration ausschliesslich dienenden
Organe giebt, sondern dass die Tracheen beide Funktionen erfüllen.
Wie den Mollusken und Crustaceen , fehlen den Insecten die eigentli-
chen Venen, welche durch das Lückensystem des Körpers ersetzt wer-
den. — Der vierte Abschnitt behandelt den Circulationsapparat der ver-
schiedenen Insectenordnungen. Das Rückengefäss unterscheidet sich in
den einzelnen Ordnungen nur durch seine Grösse und Dicke und durch
die Beschaflenheit der Muskeln, welche es an den Rücken befestigen ;
bei den Hemipteren ist es gar nicht angeheftet, daher leicht zu isoli-
liren. Die Kammern sind hier im Herztheile nur wenig sichtbar, die
Wandungen desselben sind oben und unten sehr zart, an den Seiten
dagegen sehr dick, die des Aortentheils überall von gleicher Dicke.
Die Körperlücken der Insecten sind gleichfalls nur der Grösse nach ver-
schieden. Auch die Tracheen zeigen in ihrer Form und der Zahl ihrer
Verästelungen nur geringfügige Abweichungen. (Es ist, wie es scheint,
vorzugsweise ein einzelner Typus einer jeden Ordnung untersucht wor-
den. Obwohl im vorliegenden Falle das Resultat durch diese Methode
nicht getrübt sein mag, so ist es doch im Allgemeinen unzulässig, aus
den Untersuchungen einzelner Formen Schlüsse auf ganze Abtheilungen
zu ziehen.) Für bildliche Darstellungen hat der Verf. auf die Tafeln
in der illustrirten Ausgabe von Cuvier’s Regne animal verwiesen.
Ich kann es nicht unterlassen, einige Bedenken gegen die Be-
hauplung, dass das Blut zwischen den beiden Membranen der Tracheen
eireulire, hier auszusprechen. Geht die Darstellung Blanchard’s schon
über die Art und Weise, wie das Blut aus den Körperlücken zwischen
jene beiden Häute eindringt, etwas leicht hinweg, so lässt uns dieselbe
ganz im Unklaren darüber , wie dasselbe aus dem Zwischenraume der
Membranen in die rückführenden Canäle gelangt. Auch ist es nicht
wohl erklärbar , wie die Tracheen durch Aufnahme von Luft den be-
kannten schönen Silberglanz erhalten können, wenn zwischen ihren
Häuten das Blut cireulirt. Mir will es scheinen, als ob die Färbung
112 Schaum: Bericht über die Leistungen in der Entomologie
der Tracheen nach den Injectionen Folge einer Imbibition der gefärbten
Injectionsflüssigkeit in die Häute derselben sei.
Bassi hat auf dem italiänischen Congresse zu Venedig
einen Vortrag über die Resorption.von Farbestoffen gehalten,
welche dem Futter von Raupen beigemengt waren. Rapporto
alla sezione di zoologia, anat. compar. e fisiol. del Congr. di
Venezia. sul passagio delle materie ingerite nel sistema tra-
cheale degli Insetti del C. Bassi. (Mir ist dieser Vortrag nur
aus dem Annal. de la soc. entom. de Franc. Il. ser. t. VI.
Bull. S. IV mitgetheilten Auszuge bekannt.)
Aus den von einer wissenschaftlichen Commission angestellten
Beobachtungen geht hervor: 1) dass Farbestoffe, welche in den Darm-
kanal von Schmetterlingsraupen gelangen, unverändert resorbirt werden
und noch im Tracheensysteme nachgewiesen werden können; 2) dass
der Farbestolf noch in den Puppen und vollkommenen Insecten zu erken-
nen ist; 3) dass die Färbung nicht immer constant ist, sondern sich biswei-
len auf einzelne Körpertheile beschränkt; 4) dass die Färbung der Tra-
cheen nicht einer Injection der Kanäle, sondern nur einer Resorption
der Gewebtheile zuzuschreiben ist.
Will hat in seiner Abhandlung „Ueber die Gallenor-
gane der wirbellosen Thiere“, (Müller’s Arch. f. Anat., Phy-
siol. und wissensch. Medic. 1848 S. 502) auch die Gallenor-
gane der Insecten besprochen.
Wie fast alle neueren Schriftsteller ist der Verf. der Ansicht, dass
die drüsigen Ueberzüge und Anhänge des Chylusmagens die Stelle der
J,eber bei den Insecten vertreten, mögen sie nun als eine Schicht ein-
zelner Drüsen zwischen den Häuten des Chylusmagens und des Darms
liegen, oder in Form von kleinen blinddarmartigen Zöltchen oder von
grossen cylindrischen Blinddärmen oder von einfachen Ausstülpungen
erscheinen. Einen Unterschied in der Structur dieser Organe hat der
Verf. nur insofern wahrnehmen können, als dieselben in denjenigen
Fällen, wo sie zwischen den Häuten des Magens liegen, immer aus ein-
zelnen kleinen Drüsen zu bestehen scheinen, während die Ausstülpun-
gen unmittelbar als Leber zu betrachten sind, da die Secretionszellen
in der ganzen Ausdehnung der Anhänge unmittelbar an einander liegen
und bis an, oder besser, in die Höhle der Anhänge selbst reichen,
Den feinern Bau des Fühlerfächers der Lamellicornien
als eines muthmasslichen Geruchswerkzeuges hat Burmei-
ster erläutert (Zeit, für Zoologie, Zootomie und Paläontol,
während des Jahres 1848. 113
von D’Alton und Burmeister. No. 5. 8.49. Tafel 1. f.
25-29.)
Der Verf, hatte schon in seinem Handbuche der Entomologie
Tb. IV. S. 12. auf die zellig gegitterte Beschaffenheit der innern gegen
einander liegenden Flächen des Fühlerfächers bei Glaphyrus und Am-
phicoma aufmerksam gemacht; fortgesetzte Untersuchungen haben ihn
überzeugt, dass die innern Seiten der Fächerglieder hei allen Lamelli-
cornien fein gegittert und mit zahlreichen Poren versehen sind. Das Horn-
gewebe zwischen den Poren ist zellig sculpirt, stels ganz glatt, nie mit
Haaren bekleidet. In der Beschaffenheit dieser Poren zeigen die Abthei-
lungen der l.amellicornien drei Differenzen. Bei den Phaneropygen des
Verf. sind sie fach und von einer glasarligen Warze ausgefüllt, deren
Wölbung den Rand der Vertiefung nicht überschreitet. Bei einigen Me-
lolonthiden finden sich solche Poren auch auf den äussern Seiten und auf
den Rändern der Fächerglieder. Die neuholländischen Liparetriden wei-
chen allein darin ab, dass sich aus dem Grunde der Poren klare durch-
sichtige Haare erheben. Von den zur Abtheilung der Stegopyga des Verf.
gehörenden Gruppen haben die Pectinicornia, Coprophaga, Stercoricolae
und der grössere Theil der Arenicolae Poren, welche mit langen, spitzen,
ihren Rand überschreitenden Haaren ausgekleidet sind. Der dritte Fall ist
der, wo einige Poren mit Haaren versehen, andere grössere haarlos sind ;
er kommt nur bei einigen Gattungen der Arenicolae, bei Bolboceras und
Scarabaeus vor, die wieder darin eine Dilferenz zeigen, dass die haar-
losen Poren bei Bolboceras ganz leer, bei Scarabaeus von einer kegel-
förmigen Warze ausgefüllt sind, — Die Frage nach der Function des
geschilderten porösen Organs beantwortet der Verf. dahin, dass es die
Perceptionsfläche des Geruchssinns sei.
Dieses Resultat ist dasselbe, zu welchem Erichson in seiner
im vorigen Jahresbericht besprochenen Schrift „de fabriea et usu an-
tennarum“ gelangt war, die Beobachtungen Burmeisters weichen in-
dessen in einzelnen Puncten von denen Erichson’sab. Nach Erich-
son sind die Poren von der Innenseite mit einer feinen Haut geschlos-
sen, nach Burmeister sind sie, wenigstens bei vielen Lamellicornien,
von einer pilzförmigen Warze ausgelüll. Nach Erichson ist die
Hornsubstanz zwischen den Poren behaart, nach Burmeister sitzen
nur in den Poren Haare.
Laboulbene und Follin haben den Puder mikro-
skopisch untersucht, welcher die Oberfläche der Lixus-Arlen,
der Buprestis giganlea im frischen Zustande, die Puppen von
Noctua nupla und sponsa, sowie die Coccons von Bombyx
neustria bedeckt (Annal. d. l. soc. entom, d. Franc. II. ser.
t. VI. S. 301.)
Er besteht aus rundlichen Sporen mit klarem Centrum und aus
Archiv f, Naturgesch, XV. Jahrg. 2. Bd, H
114 Schaum: Bericht über die Leistungen in der Entomologie
Fäden, die von reihenweise verbundenen Sporen gebildet zu sein schei-
nen. Die Verf. erklären ihn für eine eryplogamische Bildung, welche
sich im normalen Zustande auf der Oberfläche der genannten Insecten
entwickele und mit dem Tode des Thieres aufhöre, sich zu reproduci-
ren ; sie unterscheidet sich durch ihr Aussehen, ihre mikroskopische
Structur und durch den Mangel eines Einflusses auf das Insect von den
parasilischen Cryptogamen der Muscardine, welche eine pathologische
Production sind und den Tod des Individuum herbeiführen, — Mir scheint
es, als hätte man es hier mit einer Zellenbildung in einem thierischen
Exsudate zu thun.
Die ersten Veränderungen , welche in den Eiern der
Insecten vor sich gehen, hat Leidig in seiner Abhandlung
„Die Dolterfurchung nach ihrem Vorkommen in der Thierwelt
und nach ihrer Bedeutung“ (Isis 1848. Heft 3.) geschildert.
Die Oelkugeln im Dotler der Insecten machen nie einen Fur-
chungsprozess durch, wenn aber neben denselben Molecularkörperchen
als Dotterbestandtheil vorhanden sind, so bilden sich diese zu Furchungs-
kugeln um, welche den fetttropfigen Dotter umwachsen. Besteht der
Dotter bloss aus Fetikugeln, so sieht man als erstes Entwicklungsmo-
ment glashelle Bläschen, in denen der Zellencharakter nicht immer
deutlich erkannt werden konnte, den Dotlter umwachsen. Dies findet
z. B. bei Coccus adonidum statt. Die Entwicklung der Aphis- und
Dorthesia - Arten bietet sehr abweichende Verhältnisse dar. Die Eier-
stocksröhren der viviparen Weibchen enthalten in ihrem obersten Ende
gegen 12 Zellen mit bläschenlörmigem Kern. Eine dieser Zellen son-
dert sich ab, wächst und dehnt die Eierstocksröhren zu einer zweiten
Anschwellung aus. Gleichzeitig treten freie (Dotter-)Körperchen als
Inhalt der Zelle auf. — Die dritte Anschwellung der Eierstocksröhre
enthält eine doppelte Substanz, eine äussere helle Schicht aus kleinen
Zellen, eine innere aus einem Haufen Molecularkörperchen gebildet. In
der vierten Anschwellung ist dieser mittlere Haufen verschwunden. In
den nächstfolgenden Eiern treten Windungen auf, welche auf ein Zer-
fallen der Zellenhaufen zu Embryonalgebilden hinweisen, bis sich all-
mählich der vollkommene Embryo ausgebildet hat. In den Bierstöcken
der oviparen Weibehen besteht der Kern der Zellen der obern Kammer
aus einer gallertartigen Grundsubstanz und einzelnen Fetttröpfehen. In
den ausgebildeten, vollkommen reifen Eiern der untern Kammer ist
immer ‚noch das Keimbläschen zu erkennen, in den gelegten ist es ge-
schwunden,
Burmeister hal einen Beitrag zur Entwicklungsge-
schichte der Ephemeren geliefert, welcher von allgemeinem
Interesse ist, indem er aul' eine Verschiedenheit in der ersten
während des Jahres 1848. „» #15
Anlage des Embryo bei den Inseeten mit vollkommner und
unvollkommuer Verwandlung hinweist (D’Alt. und Burm. Zeit-
schrift f. Zool., Zoot. und Palaeont. S. 109. Taf. I. Fig. 20 —24.)
Die an Palingenia horaria angestellten Beobachtungen des Verf.
weichen, was die erste Anlage des Embryo betrifft, wesentlich von
denjenigen ab, welche Kölliker an Chironomus, Simulia und Dona-
'eia, drei Insecten mit vollkommner Verwandlung, gemacht hat. Bei
den letztern scheidet sich der Primitivstreif aus der den Dotter gleich-
mässig überwachsenden Keimhaut in longitudinaler Streckung um den
ganzen Dotter herum ab, und hat eine grössere Ausdehnung in die
Länge als der spätere reife Embryo ; er rollt sich hier um sich selbst
so auf, dass seine stärkere Krümmung der äussern Bauchseite, seine
geringere der Rückenseite oder innern Körperhöhle entspricht, Bei Pal.
horaria, einem Insecte mit unvollkommner Verwandlung, scheint zwar
auch die Keimhaut Anfangs den ganzen Dotter zu überkleiden, aber ist
nicht von gleicher Dicke, sondern nur an einer kurzen Strecke neben
dem spitzen Ende des Eies zu einem wahren Primitivstreifen verdickt;
letzterer ist hier nicht bloss kürzer als das Ei, sondern behält auch
seine erste Länge unverändert bei, und wächst durch Krümmung nach
einer entgegengesetzten Riehlung, d. h. die stärker gekrümmte Seite
desselben entsprieht der innern Körperhöhle, und die geringer gekrümmte
der äussern Bauchfläche, Während also bei jenen Insecten mit voll-
kommner Verwandlung die erste Anlage des Embryo durch Evolution
des Primitivstreifens erfolgt, indem die Afterspitze desselben sich vom
Rücken her gegen den Kopf zurückbiegt, geht sie bei Palingenia durch
Involution des Primitivstreifens, welcher sich vom Bauche her zum
Munde hinaufbiegt, vor sich. Sollten sich diese Beobachtungen , mit
welchen die von Rathke an Gryllotalpa vulgaris gemachten überein-
stimmen, allgemein bestätigen, so würden sich die Insceten mit unvoll-
kommner Verwandlung viel mehr an gewisse Abtheilungen der Krebse
und Spinnen als an die Insecten mit vollkommner Verwandlung an-
schliessen.
Newport hal der Linneschen Gesellschaft eine Ab-
handlung über die Anatomie und Entwicklungsgeschichte von
Meloe vorgelegt, welche für die Embryologie der Glieder-
theile im Allgemeinen von grosser Wichtigkeit ist. Dieselbe
ist bisher nur im Auszuge veröffentlicht worden (Ann, of. nat,
hist. 1848. I. 8. 377; 11.8. 145. Gardener’s Chronicle 1847.
No. 45.)
Die äussere Körperbedeckung der Gliederthiere entsteht zuerst,
und zwar unmittelbar aus dem Blastoderma, dessen Zellen im jüngsten
116 Schaum: Bericht über die Leistungen in der Entomologie
Zustande den jungen Pflanzenzellen sehr ähnlich sind. Die Formver-
änderungen des Embryo sind ganz von der Entwickelung dieses Ge-
webes abhängig. Das Tegument wächst durch Theilung seiner Zellen-
kerne, welche zu neuen und grössern Zellen werden und wiederum
Kerne entwickeln, die sich nochmals theilen , und wird so, nachdem
sich nach und nach erdige Stoffe um die Zellenkerne ansammeln, in
ähnlicher Weise wie die Rückenwirbel verknöchern,, zum Hautskelet.
Der Verf. hält darnach das Tegument der Insecten seiner Entwicklung
und Function nach für analog der Schildkrötenschale. Die Haare und
Dornen entstehen aus dem Mittelpunkte einer Tegumentzelle, und sind
nur übermässige Entwicklungen der letztern. Die äussern Respirations-
organe entwickeln sich in diesem Tegumente in Lücken , welche zwi-
schen den Hautzellen im körnigen Gewebe an der Seite des Körpers
liegen. Die Cornea wird bei der jungen Meloe aus Schichten von Haut-
zellen gebildet, welche (den Zellen der Kopfbedeckung sehr ähnlich
sind, aber im Centrum der cornea (in der Sehachse) um eine einzige
Zelle, welche doppelt so gross als die übrigen ist, angeordnet sind.
Der Kopf der Gliederthiere wird aus einer bestimmten Zahl ursprüng-
lich getrennter Segmente gebildet. — Die Metamorphosen der Insecten
gehen nicht von der Hautbedeckung aus , sondern es ist die directe
Wirkung der Muskeln, welche die Körperlorm zur Zeit der Verwand-
lungen so rasch ändert. Die Thäligkeit der Muskeln scheint zuerst
durch die Ausdehnung und Zusammenziehung des wachsenden Muskel-
gewehes selbst angeregt zu werden. Die Kraft der Muskeln ist es
auch, durch welche ein aus der Puppe auskriechendes Insect Flügel und
Beine ausbreitet und in kurzer Zeit verlängert.
Ueber die Entwicklung der innern Geschlechtistheile bei
den Lepidopteren hat Meyer sehr werthvolle Untersuchun-
gen angestellt, deren Ergebnisse in den Mitth. d. naturforsch.
Ges. in Zürich Heft 2 S. 206 veröffentlicht sind.
Die Entwicklung dieser Theile kann nur in der Raupe erforscht
werden, da sie in der Puppe schon zu weit vorgeschrilten ist. Auch
die Entwicklung der Samenfäden und Eier ist schon lange vor der
Verpuppung vollendet. Die Beobachtungen des Verf, sind an den Rau-
pen mehrerer Spinner, vorzugsweise aber an denen von Hypomeneuta
evonymellus angestell. Der Fettkörper der Insecten wird aus einer
grossen Menge einzelner, flacher, meist vielzipfliger Lappen gebildet ;
diese Lappen sind Schläuche von structurloser Wandung mit Fetttropfen
gefüllt. Jeder solcher Schlauch ist ursprünglich eine einfache Zelle
mit grossem wandsländigen Kern. In diesen Zellen lagern sich die
Feittropfen unmittelbar ab, oder — und dies ist der gewöhnliche Kall —
es entstehen kernhaltige Zellen als Tochterzellen, diese bilden die
Fetttropfen als ihren Inhalt, und lösen sich dann auf, wobei das Reit
2
während des Jahres 1848. 117
frei wird und den Raum der Mutterzelle (des Schlauches) erfüllt. Die
Fettkörperlappen hängen durch ihre Zipfel unter sich und mit dem
Rückengefässe zusammen. — Als erste Entwicklungsstufe der Hoden
und der Eierstöcke zeigen sich in zwei einander gegenüberliegenden
Fettkörperlappen je vier structurlose, in das Fett eingebettete geschlos-
sene Schläuche. Die Achse dieser Schläuche , welche wahrscheinlich
einfache Zellen sind, steht, wenn sie die Bedeutung der Hoden haben,
senkrecht auf der Körperachse, wenn sie die der Eierstöcke besitzen,
parallel der letztern. Ein hohler Zipfel des Fettkörperlappens zieht
sich als Anlage des künftigen Ausführungsganges gegen die hintere
Seite des Körpers hin. Zahlreiche Tracheen verbreiten sich auf diesem
Gebilde und sind häufig knäuelartig gewunden. Die Hodenschläuche
liegen frei in dem Inhalte der Fettkörperlappen, die Ovariumschläuche
sind mit einer einfachen Zellenschicht (äusseres Epithelium) bedeckt.
Wo Hoden und Ovarien pigmentirt sind, da sind die einzelnen Schläu-
che von einer einfachen Schicht kernhaltiger Pigmentzellen umgeben,
an welche sich nach aussen Zellen anreihen, welche alle Uehergangs-
stufen zwischen diesen Pigmentzellen und den Fettzellen zeigen. Bei
den Ovariumschläuchen liegt die Pigmentschicht ausserhalb des äussern
Epitheliums. Die Eröffnung der Schläuche in den Ausführungsgang
scheint sehr spät zu erfolgen, da sie in den Raupen stets geschlossen
sind. — Die Hoden verändern sich nun nur noch in Hinsicht auf ihre
Grösse, die beider Seiten lagern sich an einander und bilden so schein-
bar einen einfachen runden Hoden. Die Ovariumschläuche dehnen sich
sehr in die Länge und werden mit der Entwicklung der Eier weiter.
Das Pigment wächst, wo es vorhanden ist, nicht in gleichem Verhält-
nisse mit den Ovariumschläuchen, sondern bleibt in seiner Ausdehnung
auf die Spitze des ausgebildeten Ovarium beschränkt. — Die Entwick-.
lung der Samenelemente beginnt damit, dass im Hodenschlauche Kerne
entstehen. Um diese bilden sich Zellen, in denen die Zahl der Kerne,
vielleicht durch Theilung des ursprünglichen, bedeutend zunimmt, gleich-
zeitig wird die Zelle selbst grösser. Um jeden Kern in derselben bil-
det sich sodann eine Tochterzelle. Die Tochterzellen geben den Sa-
menfäden Entstehung, die Mutterzelle umschliesst, allmählich lang ge-
streckt, das in ihr entstandene Samenladenbündel als Schlauch. Die
Samenfadenbündel sind demnach von einer Membran umschlossen und
nicht bloss in eine eiweissartige Masse eingebettet. Die Entwicklung
der Eier nimmt ihren Anfang mit der Bildung von zweierlei der Grösse
nach verschiedenen Kernen im Ovariumschlauche. Um beiderlei Kerne
bilden sich Zellen. Die Zellen um die kleinern Kerne bleiben unver-
ändert, die Zellen um die grössern erzeugen, vielleicht durch Theilung
des ursprünglichen Kerns, eine gewisse Anzahl von Kernen, 5-10, in
sich. Diese Kerne wachsen und werden etwa doppelt so gross als der
ursprüngliche, und umgeben sich dann mit einer Zelle. Diese Zellen
sind die Keimbläschen, Die Mutterzellen der Keimbläschen liegen in
118 Schaum: Bericht über die Leistungen in der Entomologie
der Achse des Ovariumschlauchs in einfacher Reihe hinter einander.
Zwischen ihnen schnürt sich der Ovariumschlauch paternosterförmig
ein, Die unveränderten kleinen Zellen werden zu einer innern Epi-
theliumschicht des Ovariumschlauchs und liegen zwischen diesem und
der Mutterzelle der Keimbläschen. Die Keimbläschen umgeben sich
darauf , während die Mutterzelle vergeht, jedes mit einer, Zelle, dem
Eie. Von den Eiern, welche um die Keimhläschen der Mutterzelle ent-
stehen, wird jedoch nur das dem Eierleiterende zunächst gelegene zunı
reifen Ei, die andern gehen abortiv zu Grunde. Zuerst füllt sich hier-
bei das Keimbläschen mit Fett, dann vergeht /dasselbe so, dass das
ganze ‚abortive Ei nur mit Fett erfüllt ist, dann vergehen die abortiven
Eier selbst. Das innere Epithelium des Ovariumschlauchs liegt in run-
den Zellen um den Raum der abortiven Eier, in langgestreckten Zellen
um das wirkliche Ei. Diese Zellen unter sich und mit dem Chorion
des Eies verschmolzen, bilden die halbkuglige feste Eischale des reifen
Eies. Das gelegte Ei hat noch eine verhärtete dünne Eiweissschicht
um diese Hüllen herum, welche wahrscheinlich schon im Ovarium-
schlauche gebildet wird. Der Beginn der Eierbildung um die Keim-
bläschen fällt noch in die letzten 8—10 Tage des Raupenlebens.
Frauendorf machte auf die sehr ungleiche Dauer der
Metamorphose bei verschiedenen Individuen einer und der-
selben Insectenart aulmerksam (Haidinger Berichte über d.
Mittheil. v. Freunden d. Naturwiss. in Wien B. 4. S. 247.)
Zwei Nester von Raupen der Gastropacha lanestris waren Ende
Juni 1836 eingetragen, die Raupen hatten sich Mitte August sämmtlich
versponnen, den 18. Sept, entwickelte sich der erste Schmetterling, am
14. Dec. der zweite, beide waren Männchen, einige 20 Stück beiderlei
Geschlechts kamen im Frühjahr 1837 aus, andere im Herbste 1837,
einzelne in den folgenden Jahren, das letzte am 4. März 1842, der Pup-
penzusland hatte bei diesem also 5t/, Jahre, bei dem zuerst ausgekro-
chenen Individuum derselben Generation eben so viele Wochen ge-
dauert. Aehnliche Beobachtungen, wenn schon der Zeitunterschied ge-
ringer war, wurden bei der Erziehung anderer Arten vun Gastropacha,
bei in Erdballen versponnenen Eulen und Schwärmern gemacht, aber
nie kam ein derarliger Fall bei Tagschmetterlingen und Microlepidopte-
ren vor. Gallen von Quercus pedunculata, welche 1339 gesammelt
waren, lieferten ebenfalls bis 1842 Gallwespen und deren Inquilinen.
Brämi gab eine Zusammenstellung der Inseeten, wel-
che im Canton Zürich von der Eiche ihre Nahrung ziehen
(Mittheil. über d. Insecten d. Eiche in den Milth, d. naturf.
Ges. in Zürich Heft 2. S. 1.)
Es sind 184 Arten namentlich aufgeführt, unter diesen sind 157,
während des Jahres 1848. 119
welche sich von Blättern und Knospen nähren (hauptsächlich Lepido-
ptera, Hymenoptera und Coleoptera, aber auch einige Hemiptera, von
Dipteren zwei Arten von Üecidomyia), 15 leben von Rinde, Splint
und Holz (fast bloss Coleoptera,, aus andern Ordnungen nur Lecanium
Quercus L., Lachnus Roboris L. und Cossus ligniperda), 12 vom Moder
der Eiche (7 Coleoptera: Lucanus Cervus , parallelopipedus, Trichius
faseiatus, Campylus dispar, Ampedus praeustus, Melandrya canaliculata,
Diaperis versicolor; 4Diptera: Ctenophora atra, eine neue Tipula, Lim-
nobia picta, Volucella iullata, ein Schmetterling : Lampros majorella). —
Nach den einzelnen Ordnungen vertheilt ergeben sich 111 Lepidopte-
ren, 32 Coleopteren, 24 Hymenopteren, 11 Hemipteren , 6 Dipteren.
Von diesen 184 Bewohnern gehören den bisherigen Beobachtungen nach
50 ausschliesslich der Eiche an; unter denen die zahlreichen Gallwes-
pen die am meisten beinerkenswerthen sind.
Einen „Nachtrag zu Ratzeburg’s Forstinsecten“ hat Nör d-
linger veröffentlicht (Entom. Zeitschr. $. 225—271.)
Derselbe ist reich an interessanten Beobachtungen über die Le-
bensweise und Verwandlungsgeschichte solcher Inseeten, welche in
Würtemberg in forstlicher Hinsicht von Wichtigkeit sind, namentlich
aus den Ordnungen der Coleopteren und Lepidopteren.
Verschiedene Missbildungen an Insecten sind von Lu-
cas, Doue&, Brisout de Barneville im Bull. der Annal.
d. 1. soc. ent, d. Fr., von Douglas in den Transact. of the
ent. Soc. V. S. 99., von Westwood Ann. of nat. hist.
1848. I. S. 377 bekannt gemacht worden.
Die von Lucas (Bull. S. XIX.) zur Sprache gebrachten Fälle
betreffen Solenophorus strepens mit misgebildetem rechtem Fühlhorne
und einen Carabus nodulosus, dessen linker Vorderschenkel unten an
der Basis einen starken mit drei Spitzen bewaffneten Höcker besitzt;
die von Westwood erwähnten einen Chiasognathts Grantii mit de-
formirtem rechten Fühler, eine neue Art von Elater aus Ceylon, dessen
rechtes Mittelbein drei an der Basis verwachsene Schenkel, drei voll-
kommene Schienen, zwei vollkommene und einen unvollkommenen Fuss
zeigt, und eine indische Copris, welcher der obere Theil der Stirn
fehlt, und deren Mundtheile daher blossliegen. Dou& macht mehrere
Beispiele von Käfern bekannt (Bull. 8.XV), bei welehen die beiden
Flügeldecken von verschiedener Färbung sind. In allen Fällen waren
die Exemplare vollkommen frisch und reif, die Verschiedenheit in der
Färbung kann daher keiner Ursache zugeschrieben werden, welche nach
dem Auskriechen eingewirkt hat, Douglas beschrieb eine Segetia
xanthographa, deren rechte Flügel das normale Aussehen haben, wäh-
rend auf der linken Seite der Oberflügel gelb ist und nur einen breiten
120 Schaum: Bericht über die Leistungen in der Entomologie
braunen Streifen und einige dunkle Flecke zeigt, der Unterflügel da-
gegen dunkel ist mit einem breiten gelben in der Mitte herablaufenden
Fleck. Dieses Exemplar ist a. a. 0. Taf. 14. Fig. 1 abgebildet. Dou-
glas ist der Ansicht, dass eine mangelhafte oder fehlerhafte Ernährung
der Raupe oder die Einwirkung atmosphärischer Agenlien auf die Puppe
die vollkommene Ausbildung des Pigments verhindert hat. Brisout
de Barneville (Bull. S. LIV) beobachtete einen Hermaphroditen von
Acridium dispar, es ist. dies der erste bekannt gewordene Fall von
Zwitterbildung unter den Orthopteren.
Guerin Men&ville hat in Gemeinschaft mitRobert
die Entdeckung gemacht, dass die Anwendung des Terpen-
tinöls, namentlich in Räucherungen, ebenso wie Räucherungen
mit Schwefelsäure und Chlor die Sporen des Muscardine zer-
stört, ohne den Seidenraupen zu schaden (Ann. d. 1. soc.
ent. d. Fr, Bull. S. LXVII. Compt. rend. 1848. Oct. 17. 23.)
Eine neue Zusammenstellung derjenigen Insecten, welche
bisher als Wohnthiere von Fadenwürmern beobachtet worden
sind, hat v. Siebold Ent. Zeit. p. 295 gegeben.
Die unterirdische Fauna der Stalaclitengrotten Krains
und Istriens ist der Gegenstand eines Berichts, welchen
Schiödte der dänischen wissenschaftlichen Gesellschaft vor-
getragen hat, und welcher Oversigt over det Kong. dansk.
Vidensk. Selsk. Forh. 1847. no. 6. veröffentlicht ist.
Durch die Nachforschungen von Ferd. Schmidt in Laybach,
sind bereits mehrere den Höhlen eigenthümliche Gliederthiere entdeckt
worden, von Käfern Anophthalmus Schmidtii St., Pristonychus Schrei-
bersii Schmidt, Homalota spelaeaEr., von Crustaceen Pherusa alba Koch.
Eine ähnliche unterirdische Fauna besitzen, den Entdeckungen von
Wyman, Thompson und Tellkampf zufolge, die Mammuthhöhlen
von Kentucky (s. dies. Arch. Jahrg. 1844.) Der Verf. hat im Jahr 1845
die Höhlen von Krain und Istrien besucht, und die Liste der unterir-
dischen Gliederthiere mit mehreren neuen Formen bereichert,
Alle den Höhlen eigenthümliche Insecten gehören Familien an,
welche lichtscheue Thiere enthalten, sie haben vorzugsweise ein fauni-
stisches Interesse, es finden sich unter ihnen aber auch einige höchst
ausgezeichnete Formen. Charakteristisch für sie ist besonders der Man-
gel der Augen und eine sehr blasse Körperfarbe. Alle sind an das
Kalkwasser der Höhlen gebunden, ein neuer Gammarus lebt in
den Kalkwasserpfützen , die übrigen auf den wachsenden und immer
feuchten Säulen, nur Anophthalmus kam in der Lucgger Grotte
während des Jahres 1848. 121
zwischen verroltetem Holz vor. Eine Schwammform Byssus fulvus ist
die einzige Pflanze, welche in den Höhlen gefunden wurde, sie ent-
wickelt sich an den eingebrachten Holzstücken. — Ausser diesen ei-
genthümlichen, nur in den Tiefen der Höhlen lebenden Thieren, kom-
men näher dem Eingange, wo schwaches Licht einfällt, viele Glie-
derthiere aus allen Ordnungen vor. Sie zerfallen ihrer Verbreitung
nach in zwei Abtheilungen, die eine besteht aus -Arten, welche
sich nicht anderwärts zu finden scheinen als in den Höhlen, sie zeich-
nen sich durch kleine Augen aus. Hierher gehören Homalota spe-
laea Er., welche in grosser Zahl in der grössten Luegger Grotte und
Pristonychus Schreibersii Schmidt, welcher in verschiedenen Höhlen ge-
fangen wurde (den letztern hält der Verf. mit Recht für identisch mit
Pristonychus elegans Dej., es ist ihm aber entgangen, dass er durch
ungezahnte Klauen von der Gattung Pristonychus abweicht). Zur zwei-
ten Abtheilung gehören ziemlich viele Arten lichtscheuer Gattungen, wie
Pterostichus, Pristonychus , Quedius, Homalota , Omalium, Ptilium, Hi-
ster, Cryptophagus, Atomaria, Ptinus, Ceraphron, Belyta, eine Locusta,
welche nur im Larvenzustande beobachtet wurde und daher nicht nä-
her bestimmt werden konnte (wahrscheinlich Phalangopsis cavicola
Kollar) Trichoptera, Sciara , Psychoda, Phora , Heteromyza, Sapromyza,
Tomocerus, Linyphia, Gamasus, Scolopendra, Julus und Asellus. Einige
Fliegen kommen einzeln in den Tiefen der Höhle vor, z.B. eine Phora,
der maculata Meig. nahe verwandt, ebenso dringen Heteromyza flavipes
Zett. und Sapromyza chrysops Zett, tief in die Höhlen ein, aber keine
kommt jemals auf ganz frischen Säulen vor. — Die neu entdeckten
eigenthümlichen Höhleninsecten sind zwei neue, vom Verf. zur Familie
der Silphen gerechnete Gattungen Stagobius und Bathyscia, deren Cha-
raktere weiter unten mitgetheilt sind.
Märkelund v.Kiesenwetter veröffentlichten in der
enlomologischen Zeitung einen Bericht über eine Excursion
in die Kärnthner Alpen (Ent. Zeit. S. 210.)
Derselbe enthält viele interessante Beobachtungen über das Vor-
kommen alpiner Insecten und schliesst mit einer Aufzählung der be-
merkenswertheren, auf dieser Reise gesammelten Arten aus den Fami-
lien der Carabieinen und Staphylinen. Es sind mehrere neue der letz-
tern angehörige Arten beschrieben, welche weiter unten namhaft ge-
macht sind. *
Von der „Exploration scientifique de l’Algerie pend. |.
a. 1840-42, publiee par ordre du gouvernement, Zoologie.
Histoire naturelle des animaux arlicules par H. Lucas“ sind
im Jahre 1848 einige Lieferungen ausgegeben worden; da
das Werk aber im Jahre 1849 beendigt. worden ist, auch
122 Schaum: Bericht über die Leistungen in der Entomologie
die Titelblätter der drei Bände, aus denen es besteht, diese
Jahreszahl tragen, so bleibt der Bericht besser dem künftigen
Jahrgange vorbehalten,
Die reiche von Wahlberg während der Jahre 1838
—45 im südöstlichen Africa gemachte Ausbeule an Insecten
hat Boheman angefangen zu. bearbeiten (Insecta caffraria
annis 1835-45 a J. A. Wahlberg collecta deser. Boheman.
Pars I. Fasc. I. Holmiae 1848.)
Der von Wablberg bereiste Theil Africa’s liegt zwischen dem
30% 25° und 230 südlicher Breite und zwischen, dem 32° 40°. bis 270
östlich von Greenwich. Es sind hier drei Regionen zu unterscheiden ;
1) die dem Meere angrenzenden Natalländer, nordwestlich vom Kaslam-
bagebirge begrenzt, ein unebenes, von tafelförmigen Bergrücken viel-
fach durchschnittenes, gegen das Gebirge hin allmählich sich erhebendes
Land. In der Nähe des Meeres ist es sandig, mit zahlreichen Durch-
brüchen plutonischer Gebirge, weiter nach Westen tritt Sandstein auf
und, vorzüglich in. den Thälern , ein dunkler an Steinkohlen reicher
thoniger Schiefer. Ueppige Waldungen wechseln bier mit pflanzenrei-
chen Hügeln, und zahlreiche Flüsse bewässern das Land. 2) Das obere
Flussgebiet des Orangellusses. Der gegen 8000‘ hohe Kaslamba be-
grenzt dasselbe im Südosten, seine zahlreichen tafelförmigen Sandstein-
gipfel haben einige Aehnlichkeit mit der sächsischen Schweiz. In
Winter (Juni bis August) bleibt der Schnee mehrere Monate liegen.
Im Nordwesten dieses Berges beginnt eine ausgedehnte Hochebene, in
welcher man oft, während einer Reise von mehreren Tagen, keinen
Strauch sieht. Die Hochebene ist von zahlreichen Flüssen, welche
meist eine westliche Richtung haben , durchströmt. Die wenigen
Sträuche, welche man in den gebirgigen Gegenden findet, gehören der
Familie der Proteaceen an. Unter den zahlreichen Steinen finden sich
viele Coleopteren, namentlich Cureulionen und Carabieinen. Der Win-
ter ist in dieser Hochebene streng und es schneit bisweilen ; der Schnee
bleibt indessen nie lange liegen. 3) Das Flussgebiet des Limpopon.
Das Land steigt hier noch mehr empor und wird unebner, allmählich
ansteigende Bergrücken bilden gemeinschaftlich mit dem Berge Makhali
die Wasserscheide zwischen dem Orangefluss und dem Limpopon. Der
Makhali ist steil, besonders im Süden, er bildet einen einförmigen Rük-
ken ohne besondere Formen in der Richtung von Osten nach Westen.
Hier fängt die Waldregion an, in den Bergen finden sich eigenthüm-
liche Baumgattungen , in den ausgedehnten waldigen Ebenen , welche
besonders nach Norden liegen, wachsen in grosser Menge niedrige
dornige Acacien. Das Klima ist mild und die Vegetation an den Ufern
der zahlreichen, in den Limpopon sich ergiessenden Flüsse üppig. —
TE ED
während des Jahres 1848, 123
Die Regenzeit dauert im westlichen Africa den ganzen Sommer hin-
durch vom October bis April. Gewaltige Güsse wechseln dann mit
Sonnenschein, und die Pflanzen wachsen mit überraschender Schnellig-
keit, Im Winter regnet es selten, aber der Thau fällt bisweilen Nachts
so reichlich, dass er den Regen ersetzt. Die Temperaturverschieden-
heit bei Tag und Nacht ist sehr gross. Die Pflanzen vertrocknen in
dieser Jahreszeit sehr rasch und werden von den Einwohnern angezün-
det, Die Ostküste Africa’s weicht in dieser Hinsicht ganz von der
Westküste ab, hier ist der Sommer sehr trocken und die Regenzeit
fällt mit dem Winter zusammen.
Die Zahl der von Wahlberg gesammelten Insectenarten be-
läuft sich auf etwa 4780, von denen 2534 zu den Käfern, 120 zu den
Orthopteren, 523 zu den Hemipteren , 528 zu den Lepidopteren, 40 zu
den Neuropteren, 356 zu den Hemipteren, 622 zu den Dipteren, 17 zu
den Apteren, 8 zu den Myriapoden, 32 zu den Arachniden gehören.
Unter den Käfern sind besonders die Cureulionen, Lamellicornien, Chry-
somelinen, Cerambyeinen und Carabicinen zahlreich vertreten, dann
folgen die Sternoxen und Melasomen.
Der vorliegende Theil der Bearbeitung umfasst die Cicindeleten,
Carabieinen, Hydrocantharen, Gyrinen und Staphylinen. Die Zahl der-
selben beläuft sich auf 326, von denen 26 der ersten, 218 der zwei-
ten, 43 der dritten, 10 der vierten, 39 der fünften Familie angehören.
Bei den einzelnen Arten ist stets genau angegeben, in welcher der
drei Regionen sie gefunden sind. — Die Fauna ist sehr eigenthümlich,
nur wenige der gesammelten Insecten kommen auch in andern Theilen
Africa’s vor, viele in den letziern gemeine Arten fehlen hier gänzlich.
In den hier bearbeiteten Familien finden sich von 26 Cieindeleten sechs
gleichzeitig in Südafrica am Cap, eine (Cic. aegyptiaca) gleichzeitig in
Niederguinea, Nubien und der Berberei und verbreitet sich selbst bis
nach Sicilien. Von den Carabicinen sind nur 15 Arten bis jetzt im
Kaplande aufgefunden; 9 waren schon am Senegal und in Guinea beob-
achtet. Unter den Hydrocantharen, welche überhaupt eine weite Ver-
breitung haben, finden sich mehrere Arten, die in einem grossen Theile
von Afrika einheimisch zu sein scheinen, zwei, Cybister africanus und
Hydaticus Leander, welche selbst bis nach Europa reichen, indessen
sind auch hier 21 neue Arten beschrieben. ' Unter den 10 Gyrinen sind
4 neu. Von den Staphylinen waren 3 Arten aus dem Kaplande, 2 aus
Angola, 1 (Paederus aestuans Er.) vom Senegal und Aegypten bekannt,
2 (Philonthus varians und Oxytelus piceus) sind auch in Europa einhei-
misch, die übrigen sind neu
Observations entomologiques sur divers insectes recueil-
lis a Madagascar (Annal. de la soc. entom, de France t. 77.
5. 177 u. 275,
124 Schaum: Bericht über die Leistungen in der Entomologie
Es sind hier die früheren Stände mehrerer in Madagascar ein-
heimischer Insecten und einige neue Arten beschrieben, über welche
unten berichtet ist.
Das von Westwood herausgegebene Werk „The Ca-
binet of Oriental Entomology“ ist mit der 14ten Lieferung
geschlossen worden.
Der Inhalt der ersten sieben Hefte ist bereits im vorjährigen Be-
richte angezeigt worden, die in den leizten sieben Heften abgebildeten
Arten habe ich bei den einzelnen Familien, zu denen sie gehören, nam-
haft gemacht.
Winter -Insects of Eastern New-York by Asa Fitch.
(Von dieser kleinen Abhandlung habe ich nur einen Sepa-
ratabdruck vor mir gehabt, der wahrscheinlich in den Transact.
of Ihe New-York State Agric. Soc. veröffentlicht ist.
Der Verf. hat 4 Neuropteren,, 3 Dipteren und eine Podura be-
schrieben, deren Erscheinen im östlichen Theile des Staates New- York
in die Wintermonate fällt; sie sind unten einzeln aufgelührt. Die Be-
schreibungen selbst sind ausführlich, die Diagnosen aber nicht geeignet,
die Arten auch nur vermuthungsweise erkennen zu lassen, daher ich
von der Mittheilung derselben Abstand genommen habe.
Gosse hat in den Annals of nat. hist, II. Ser. t. I und
II ein Verzeichniss der Coleopteren und Lepidopteren mitge-
theilt, welche er während eines Aufenthalts von 11), Jahren
in Jamaica gesammelt hat, und mit einigen allgemeinen Be-
merkungen über die entomologische Fauna dieser Insel be-
gleitet.
Dem Verf. zufolge ist Jamaica nichts weniger als reich an In-
secten. Einige Schmetterlinge aus den Galtungen Pieris, Callidryas,
Terias, Heliconia, Argynnis, Cystineura, mehrere Nymphaliden und Ly-
caeniden sind zwar zu allen Zeiten und an allen Orten gemein, aber
weder die Zahl der Arten und Individuen dieser Ordnung, noch die
der Käfer und Fliegen hält einen Vergleich mit derjenigen aus, welche
auf dem nordamerikanischen Festlande während des Sommers erscheint.
Einige Plätze machen von dem bier Gesagten eine Ausnalme. Als
solche führt der Verf. an: Bluefields, eine verlassene Zuckerplantage
in der Nähe des Meeres, deren verfallene Gebäude vielen Insecten zum
Schlupfwinkel dienen, Bluefields Mountain mit einem Gipfel von 2560
Fuss, der höchste Berg ‘des westlichen Jamaica, von einem dichten
Walde bedeckt, Feigenbäume, von zahlreichen Orchideen umschlungen,
a
während des Jahres 1848. 125
Calophylien, Sloaneen, dichte Gebüsche von Piper geniculatum, Palmen
und baumartige Farren stehen hier in üppigem Wachsthum. Einzelne
Stellen, an denen der Wald ausgerottet ist, und welche eine Zeitlang
eultivirt, namentlich zur Anpflanzung von Cocusbäumen benutzt worden
sind, nachher aber brach gelegen haben, sind hier besonders ergiebig.
Das niedrige Gebüsche, welches solche Plätze rasch überzieht, beher-
bergt besonders zahlreiche Tagschmetterlinge, namentlich Nymphaliden
und Hesperiaden. Das sandige flache Seeufer bei Gabito, mit Pancratium
und Cocoloba bewachsen und landeinwärts von einem schwarzen Moraste
begrenzt, ist der Fangplatz für Aganistos Orion, Charaxes Cadmus, Char.
Astyanax, Papilio Pelaus, P. Uresphontes, P. Polydamas, P. Marcellinus
u. A. Da wo sich das Ufer erhebt und von Cedern, Mahagony, wilden
Kaffebäumen (Tetiramerium odoratissimum), von Plumerien und Portlan-
dien bedeckt ist, sind mehrere Arten von Pieris, Callidryas, Terias, He-
liconia, Charitonia, viele Nymphaliden, Lycaenen und Hesperien fast zu
allen Jahreszeiten in Menge anzutreffen. Das ebenfalls sandige Meeres-
ufer bei Belmont hat eine etwas andre Vegetation, hier wachsen längs
der Küste Acacien, Bromelia Pinguin, verschiedene Kriechpflanzen der
Gattimg Ipomea, Clitoria Plumeri und Passionsblumen, und hier wurden
einige Arten von Melitaea, Cystineura Mardania, mehrere Glaucopiden
und Pyraliden erbeutet, Ziemlich zwei Drittheile der ganzen Ausbeute,
namentlich die meisten Cerambyeinen, Lampyriden, Buprestiden und
Chrysomelinen, wurden aber im Monat Juni auf Büschen und Sträuchen
gesammelt, welche eine in der Höhe von 1500—2000° durch den Ur-
wald führende Strasse von Black River naclhı Hampstead einfassen.
Das specielle Verzeichniss zählt 142 Coleopteren auf, darunter
viele neue, welche indessen nur erwähnt und mit einer Gatlungsbestim-
mung versehen sind. (Die Microcoleopteren sind sehr vernachlässigt.)
Die meisten Arten scheinen Jamaica eigenthümlich zu sein, ein Theil
findet sich indessen auch in Cuba, einige wenige auch im Süden der
Vereinigten Staaten. Das Verzeichniss der Lepidoptera reicht in dem
vorliegenden Jahrgange nur bis Polyommatus, unter 55 Arten sind 11
(1 Pieris, 1 Terias, 1 Melitaea, 1 Libythea, 7 Thecla) als neu aufge-
führt, aber ebenfalls nicht näher charakterisirt
The history of Barbados by Sir Robert H. Schom-
burgk. London 1848.
Der Verf, hat auf $. 639654 die schädlichen und lästigen In-
secten der Insel Barbados besprochen, seine Mittheilungen berühren
indessen fast nur bereits bekannte Thatsachen. Mehrere Ameisen, na-
mentlich Myrmica omnivora J.., Formica cephalotes Fabr., caustica
Koll. und ein Termes, T. devastans Koll. richten oft grosse und allge-
meine Verwüstungen an. Dem Zuckerrohre wird besonders die Raupe
einer Pyralide, der Diatraea sacchari Guild, schädlich, die Larve von
126 Schaum: Bericht über die Leistungen in der Entomologie
Calandra sacchari Guild. greift gewöhnlich nur krankes Rohr an, auch
die von Cal, palmarum findet sich bisweilen im Zuckerrohre, zieht
aber in der Regel Acrocomia fusiformis vor. Seit 1831 ist auch Del-
phax saccharivora Westw. auf Barbados bemerkt worden und hat den
Zuckerplantagen wiederholt bedeutenden Schaden zugefügt. — Ganze
Pflanzungen von Cocusnussbäumen wurden von einer-Art von Aleyrodes,
welche in Gardener’s Chronicle Jahrg. 1846. als Al. cocois beschrie-
ben ist, verwüstel, Den Orangen- und Citronenbäumen werden Dor-
thesia citris, Coccus adonidum, und eine noch unbeschriebene Art von
Coceus nachtheilig. Die Raupe eines Abendschwärmers, wahrscheinlich
die einer Chaerocampa, richtet bisweilen auf den Batatenfeldern erheb-
lichen Schaden an. Die Zahl der auf Barbados vorkommenden Schmet-
terlinge ist übrigens sehr gering, der Verf, macht nur 14 Arten nam-
haft, welche sämmtlich bereits als Bewohner der Antillen bekannt sind.
— Von Hymenopteren ist Xylocope Teredo Guild. erwähnt, welche in
den Brettern ‘und Pfosten der hölzernen Häuser bohrt. — Die Mos-
quitos sind sehr zahlreich an Individuen, der Verf. beobachtele drei
Arten: Culex molestus, trifurcatus und pulicaris. Auch Simulium per-
tinax wird in hohem Grade lästig,
Reisen in British Guiana von Richard Schomburgk.
Ster Theil: Versuch einer Fauna und Flora von Brilish Guiana.
Insecten von Erichson. 1848,
Das von Erichson ausgearbeitete Verzeichniss der von Schom-
burgk gesammelten Insecten enthält 261 Arten von Coleopteren (dar-
unter 70 neue), 69 Orthoptera (15 neue), 4 neue Neuroptera, 71 Hy-
menoptera (18 neue), 170 Lepidoptera (9 neue), 29 Diptera (1 neue A.),
69 Hemiptera (19 neue), 7 Homoptera (4 neue). Die neuen, durch
Diagnosen kenntlich gemachten Arten sind weiter unten von mir bei
den betreffenden Familien angeführt worden, Schomburgk hat die-
sem Verzeichnisse einige Mittheilungen über das Vorkommen einzelner
Insecten vorausgeschickt. Mehrere Coleoptera und Lepidoptera wurden
nur in ‚scharf begrenzten Localitäten gelunden , von Coleopteren die
Arten von Phanaeus, Copris, Chalcas, Rutela, von Lepidopteren mehrere
Ageronien, Agraulis u. A. nur auf der Savanne. Die Orthopterengattun-
gen Acanthodis und Tropinotus kamen nur an Flussufern vor. Ein Theil
der Lepidoptera, besonders aus der Familie der Papilioniden, ist weit,
über die ganzen Antillen und auf dem südamerikanischen Continent bis
Para, verbreitet. Das Roraimagebirge und die Sandsteinregion hat eine
eigenthümliche Coleopterenfauna. Hier wurden einige neue ausgezeich-
nete Buprestiden, Cratosomen und Chlamyden entdeckt.
Voyage au Pole Sud et dans l’Oceanie sur les Corvetles
l’Astrolabe et la Zelece execul& pend. l. a. 1837—40 sous le
commandement de M. Dumont d’Urville, publie 5, 1. auspices
während des Jahres 1848. 127
du dep. d. l. marine sous la direction de M. Jaequinot. Atlas
d’Histoire naturelle. Zoologie par MM. Hombron et Jac-
quinol. Paris chez Gide.
Von Insecten sind bisher 19 Tafeln mit Coleopteren, drei Tafeln mit
Orthopteren und drei mit Lepidopteren ausgegeben, deren Publication zum
grössten Theil schon in frühere Jahre fällt. Da aber noch gar kein
Text erschienen ist, so hleibt eine Aufzählung der vielen neuen abge-
bildeten Arten besser einem spätern Berichte vorbehalten.
Coleoptera.
Von Faunen sind fortgeselzt worden:
Küster „Die Käfer Europa’s, nach der Natur beschrie-
ben, mit Beiträgen mehrerer Entomologen“ mit dem 12—15.
Hefte.
Diese Hefte enthalten die Beschreibungen einer Anzahl Staphylinen
von Kiesenwelter, das 14te die einiger Scarabaeiden von Erich-
son. Die verhältnissmässig wenigen neuen Arten sind unten einzeln
namhaft gemacht. In sehr grosser Zahl begegnen wir dagegen solchen,
welche kürzlich in Monographien oder andern Faunen sorgfältig be-
schrieben worden sind. Dem 13ten und löten Hefte sind drei, dem
I2ten und 14ten zwei Taleln beigegeben, auf denen fast nur bekannte
Arten ohne Beziehung zum Texte dargestellt sind,
Erichson’s „Naturgeschichte der Insecten Deutsch-
lands* mit der Öten Lieferung des dritten Bandes.
Hiermit ist der dritte (einzige) Band dieses klassischen Werkes
beendet worden. Die vorliegende Lieferung enthält den Schluss der
Scarabaeides und behandelt die Gruppen der Aphodiidae, Orphnidae,
Trogidae, Lucanini.
L. Redtenbacher’s „Fauna Austriaca. Die Käfer
nach der analytischen Methode bearbeitet mit dem zweiten
bis vierten Hefte. Da das fünfte (letzte) Heft auch bereits
Anfangs 1849 erschienen ist, so dehne ich hier den Bericht
auf das ganze Werk aus.
Die vorliegenden Lieferungen enthalten den Schluss der Tabellen
zur Bestimmung der im Erzherzogihum Oesterreich einheimischen Ar-
ten, die fünfte einen Anhang, in welchem die Diagnosen der in 0e-
sterreich nachträglich entdeckten und der im übrigen Deutschland nörd-
lich von den norischen Alpen beobachteten Arten mitgetheilt sind.
Dieses eben so zweckmässig angelegle, als in der Hauptsache
128 Schaum: Bericht über die Leistungen in der Entomologie
glücklich durchgeführte Unternehmen ist vorzugsweise berechnet, An-
Sängern als Leitfaden beim Bestimmen zu dienen, und ist dazu auch
durch die übersichtliche Anordnung des Materials in hohem Grade ge-
eignet. Durch viele selbstständige Untersuchungen des Verf. ist das
Werk indessen auch für wissenschaflliche Entomologen von Be-
deutung. Besonders sind die Galtungscharaktere immer mit grosser
Sorgfalt festgestellt. Die Familien sind ziemlich in derselben Folge
an einander gereiht und in demselben Umfange angenommen, wie
dies von Stephens in seinem Manual of British Coleoptera gesche-
lien ist, indessen hat der Verf. die neuern systematischen Arbei-
ten Erichson’s, so weit sie ihm vorlagen, überall sorglältig benutzt,
Die Arten sind natürlich in denjenigen Familien besser unterschieden,
für welche der Verf. ausgezeichnete Vorarbeiten in neuern Faunen und
Monographien besass, als in denjenigen, wo er ganz auf seine eignen
Hülfsmittel beschränkt war, oder deren Studium durch die früheren Be-
arbeiter eher erschwert als gefördert wird. In diesen, z. B. in den
Familien der Buprestiden und Chrysomelinen , vermisst man bisweilen
eine scharfe Kritik in der Bestimmung der Arten. So sind, um nur
einige Fälle zu erwähnen, Dicerca berolinensis des Verf. nicht Bupr.
berolinensis Fabr., sondern B. Fagi Lap. et Gor., Alni Fisch, Chryso-
mela Cacaliae und bifrons Redt., nicht die gleichnamigen Käler ande-
rer Schriftsteller, sondern Varietäten eines bisher noch unbeschriebenen
Käfers. Die Zahl der vom Verf, als neu aufgestellten Arten ist nur
gering, es lässt sich daher wohl voraussetzen, dass sie einer sorgfälti-
gen Prüfung unterlegen haben. Für die Beurtheilung der österreichi-
schen Fauna giebt das Werk nicht überall einen völlig sichern Maass-
stab, indem theils Thiere aufgenommen sind, für deren Vorkommen im
Erzherzogthume zur Zeit directe Beobachtungen noch fehlen dürften,
z. B. Anthicus ater Ill., Hydroporus pygmaeus Sturm, anderntheils man-
che nicht erwähnt werden, welche von allen deutschen Ländern vor.
zugsweise in Oesterreich einheimisch sind, z. B. Cetonia crinita Charp.,
Trichius abdominalis Schmidt, Dicerca quadrilineata Meg. Auch ist na-
mentlich in den aus kleinern Formen bestehenden Gattungen der grosse
Reichthum der Fauna wohl noch nicht erschöpft. Dieser an sich und
namentlich in Berücksichtigung des Zweckes , welchen der Verf. ver-
folgte, geringfügige Uebelstand, thut indessen der Brauchbarkeit des
Werkes keinen Eintrag. — Der Anhang, in welchem die beschriebenen
deutschen, der österreichschen Fauna fremden Arten kurz charakterisirt
sind, enthält manche Lücken, Auch mussten die Diagnosen hier gros-
sentheils den Beschreibungen früherer Schriftsteller entlehnt werden,
da dem Verf. die Thiere selbst, der Mehrzahl nach, unbekannt waren.
Die schweizerischen Käfergattungen in Abbildungen nach
der Natur von Labram. Nach Anleitung und mit Text von
Dr. Imhof. Basel. Heft 1—12.
4
y während des Jahres 1848. 129
Das einzelne Heft enthält 4 Tafeln Abbildungen in Steindruck,
jede Tafel stelli den Repräsentanten einer Gatlung, ohne weitere Ana-
Iyse der Gattungscharaktere dar, und ist durch ein Textblatt erläutert.
Die Gattungstypen sind den verschiedensten Familien entlehnt, doch
herrschen in den vorliegenden Heften die Rüsselkäfer vor.
Andersch hat in den Preussischen Provinzialblältern
1848. no. V. das Vorkommen einer Anzahl Käferarten in der
Provinz Preussen bestätigt.
Es werden 56Arten aufgeführt, welche bereits Kugelann als der
preussischen Fauna angehörig beschrieben hat, v. Siebold aber nicht
wieder hatte auffinden können und für deren Vorkommen hier neue
Belege beigebracht werden.
Das Verzeichniss der im Kolywano-Woskresenskischen
Hüttenbezirk Süd-West-Sibiriens beobachteten Käfer von Dr.
Gebler ist im Bull. d. Mosc. 1848. (Tom. I. S. 317—423,
tom. II, S.3—85) beendigt worden.
Es sind in diesem Theile der Arbeit, welcher die Curculionen
(sämmtlich von Schönherr untersucht), die Xylophagen, Longicornien,
Chrysomelinen, Trimeren und Zusätze zu den früher behandelten Fa-
milien enthält, mehrere neue Arten aufgestellt, die Beschreibungen
von vielen weniger bekannten vervollständigt und zahlreiche synony-
mische Bemerkungen mitgetheilt.
Catalogue des insectes recueillis par feu Lehmann avec
les descriptions des nouvelles especes par M. Menetries
(Mem. d. Se. nat. de l’Acad. d. Petersb. t. VI. 1847. Taf. 1.
und 2.)
Ueber Lehmanns Reise erfahren wir hier nichts Näheres, er
scheint vorzugsweise in Turcomanien und in den Kirgisensteppen ge-
sammelt zu haben Der vorliegende Theil des Verzeichnisses reicht,
dem Latreille'schen System folgend, bis an das Ende der Lamellicornien,
es sind 371 Arten aufgezählt, unter denen sich 40 neue befinden, von
diesen sind 28 auf den beiden beigegebenen Tafeln abgebildet. Beson-
ders bemerkenswerth ist eine neue Gallung aus der Gruppe der Scari-
linen Harpactes und eine neue Elaterengaltung Pleonomus.
Eine Anzahl nordamerikanischer Käfer ist von Leconte in ei-
ner im Journal of Ihe Acad. of natur, seienc. of Philadelphia. New
Ser. Vol.1. P. 1. Philadelphia 1547. veröffentlichten Abhandlung „Frag-
menta enlomologica“ beschrieben worden. Da diese Zeitschrift weni-
gen zur Hand sein wird, werde ich die Diagnosen der neuen Arten
unten miltheilen,
Archiv f. Naturgesch, XV, Jahrg. 2. Bd. l
130 Schaum: Bericht fiber die Leistungen in der Entomologie
Einen wichtigen Beitrag zur Kenntniss der Fauna des
südlichen Neuholland lieferte Germar durch die Bearbeitung
der von Behr bei Adelaide gesammelten Käfer (Beiträge
zur Insectenfauna von Adelaide Linnaea entom. II. S. 153).
Die Gattungen, zu denen die hier beschriebenen Käfer gehören,
sind fast sämmtlich über einen grossen Theil von Neuholland verbrei-
tet, dagegen scheinen die Arten in ihrer Verbreitung weit beschränk-
ter zu sein, indem von 185 hier aufgeführten mehr als zwei Drittheil
neu sind. In der Einleitung sind noch einige Bemerkungen über das
Vorkommen einzelner Arten mitgetheilt. Die plattgedrückten Carabi-
einen aus der Gruppe der Pseudomorphinen, aus den Gattungen Philo-
phloeus und Scopodes finden sich unter Eucalyptusrinde, Lamprima
varians, besonders auf einer Malvacee, Adelium similatum unter Euca-
lyptusrinde, Ad. parallelum, Amycterus morosus, Prypnus tuberculatus
in Kuhdünger, Chrysolopus spectabilis ist gemein auf Acacien.
Nachträge und Berichtigungen zu den in der Entomol.
Zeit. 1847 mitgetheilten Bemerkungen über Linne'sche und
Fabrici’sche Käfer hat Ref. ebenda. 1848. S, 333 gegeben.
Dieselben sind der Mehrzahl nach aus der Banks’schen und Hun-
ter'schen Sammlung geschöpft, welche Ref. in England verglichen hat.
Cicindeletae.
Chaudoir hat im Bull. d. Mosc. 1848. No. I. S. 3 (Memoire
sur la famille des Carabiques) zahlreiche und wichtige Mittheilungen
über die Mitglieder dieser Familie niedergelegt. Auf die früher von
ihm beschriebene Cicindela miranda aus Brasilien gründet er hier eine
neue Gattung Eulampra, welche sich an Cheilonycha Lac. anschliesst
und besonders durch die Form der Mandibeln und der Seitenlappen des
Kinns charakterisirt wird. Die Beschreibung dieser Theile lautet: Man-
dibulae longitudine capilis, basi dente maiusculo bilobo, pone dentem
abrupte altenuatae, graciles, perparum arcualae , denle aculo breviu-
seulo armalae, sinistrae spatio intermedio (inter dentem basalem et api-
calem) inermi, dextrae bituberculato, tuberculo posteriore aculiore, an-
teriore parvulo obtusissimo. Mentum brevius quam in Cicindelis, lobis
subtransversis apice haud productis, fere obtusis, dente breviore tenui,
acutissimo, recto, styli apicem haud aequante. — Als neue Arten stellte
er auf Ozycheila oxryoma, der femoralis Lap. nahe verwandt, äber
mit rundem gelben Fleck auf den Flügeldecken, Iresia ver sicolor
aus Brasilien, Therates fulvipennis von den Philippinen, Collyris
parvula aus Ostindien. Mit den Beschreibungen der Ozycheila und
des Therates ist eine Aufzählung der bereits bekannten Arten dieser
während des Jahres 1848. 131
Gattungen verbunden. — Ferner gab er eine ausführliche Beschreibung
der Caris trinotata Fisch. unter dem Nanien Clenostoma Fischeri;
es war diese Art den neuern Schriftstellern unbekannt geblieben und
von Lacordaire irrig zu Procephalus Lap. gezogen worden.
Als wesentlicher Charakter der letztern Gattung wird die Bildung
des zweiten Gliedes der Kiefertaster hervorgehoben, welches von der
Basis bis zur Mitte angeschwollen, dann plötzlich verdünnt ist, die An-
schwellung ist zusammengedrückt, innen mit 7 scharfen Zähnen verse-
hen (diese Bildung ist allerdings hei Pr, Jaequieri Dej. und zwei neuen
Arten der Berliner Sammlung sehr ausgeprägt, bei Pr. ornatus Klug in-
dessen nur schwach angedeutet). — Ausserdem vertheidigt der Vert.
die Artrechte seiner Pseudorycheila lategutiata gegen Erichson, welcher
sie, wie es mir scheint mit Recht, als Varietät von Ps. bipustulata Latr.
betrachtet hatte, und bemerkt, dass Dromica clathrata Klug (= gigan-
tea de Breme) ihrer erweiterten Fühler wegen zu Myrmecoptera Germ.
zu stellen ist, dass Colliuris rugicollis Klug = Horsfieldii Mac Leay,
Pogonostoma nigricans Klug = Psilocera brunnipes Gor. ei Lap., Pog.
chalybaeum Klug = Psil. spinipennis Gor. et Lap. ist (die letztere An-
gabe ist unrichtig, ich glaube die von Klug abgebildete Art in Psil.
atra Gor, et Lap. wiederzuerkennen, ausserdem ist Pog. coerulescens
Klug = Psil. elegans Brull. und Psil. viridis Gor. et Lap. wohl nur
geringe Abänderung von Pog. eyanescens Klug).
In einer 1847 in Kiew besonders gedruckten und „Observations“
betitelten Abhandlung bemerkt Chaudoir, dass die früher von ihm
beschriebene Megacephala laevigata (Bull. Mosc. 1843) , wie Erichson
richtig erkannt — chilensis Lap., Meg. obscurata Chaud. (Bull. 1844)
= infuscala Nannh., Cicindela linearis Chaud. (Bull. 1843) = Phy-
sodeutera Adonis Lap., Cicindela obseurata Chaud. |. c. wahrscheinlich =
nigrita Krynieki, aber nicht nigrita Dej., Cie. assimilis Chaud. Varietät
von ©. soluta, Cie. subtruncata Bull. 1844 vielleicht eine Varietät von
C. germanica, aber nicht dieselbe ist, welche Fischer als C. angustata
beschrieben hat.
Boheman stellte Ins. Callr, $. 19 eine neue Gattung Cosmema
auf, welche sich von Dromica durch die in der Mitte vorgezogene Ober-
lippe, dünne fadenförmige Fühler und die Bildung der Taster unter-
scheidet. An den Kiefertastern ist das vorletzte Glied kurz, das letzte
um die Hälfte länger, an den Lippentastern ist das vorletzte Glied in
der Mitte stark verdickt (der Verl. beschreibt die Kiefertaster sowohl
hier als bei den weiter unten anzuführenden neuen Carabieinengaltun-
gen als fünfgliedrig „articulis 1 et 2 brevissimis ,* ich erkenne wohl
eine Einschnürung an der Wurzel des ersten Gliedes, kann mich aber
von der Anwesenheit zweier getrennter Glieder nicht überzeugen). Die
Gattung enthält fünf neue Arten €. [urcata, marginella, lepida,
elegantula, gilvipes aus dem südöstlichen Alrica.
132 Schaum: Bericht über die Leistungen in der Entomologie
Als neue Arten beschreibt Boheman a. a. 0. Manticora ti-
bialis (nach Klug die echte M. maxillosa Fabr., Dej.), Megacephala
(Aptema) regalis, Cicindela rufomarginata Melly., fatidica (schon
von Gu£r. Rev. Zool. 1845. S. 4 unter demselben Namen bekannt ge-
macht), notata, pudica, vivida, barbifrons, Euryoda (Hepto-
donta) gutlipennis, quadripustulata, Physodeutera angusti-
eollis. E
Gue&rin stellte Rev. Zool. 1848. S. 347 zwei neue von Bo-
cand& im westlichen Africa zwischen dem 11 u. 13° nördl. Breite u.
1— 14° westl. Länge entdeckte Arten von Megacephala auf, M.Bocandei,
der senegalensis verwandt, aber länger und mit glatten nur schwach
glänzenden, an der Spitze gelb gerandeten Flügeldecken, nur in einem
Exemplare gefunden, und M. Cabounca, der. quadrisignata sehr nahe
stehend, aber mit kleinern gelben Flecken der Flügeldecken, und breiterm,
dickerm Halsschilde. — Derselbe macht a. a. O. auch auf eine Ver-
schiedenheit in der Bildung des Hinterleibes bei M. senegalensis und
quadrisignata aulmerksam, er besteht bei der erstern in beiden Ge-
schlechtern nur aus sechs Ringen, deren letzter unten abgerundet ist,
das Männchen von MN. quadrisignata hat dagegen sieben Ringe, und der
sechste ist in der Milte stark ausgerandet. M. Bocandei und Cabounca
verhalten sich wie M. quadrisignata.
Als neue Arten sind aufgestellt: von Parry (Trans, of the en-
tom. Soc. V. 8. 80. tab. 11. fig. 2,) Cicindela Shivah von Sylhet,
von (). princeps Vigors durch längere Gestalt, parallele Seiten der Flü-
geldecken und andere Gestalt der Flecken unterschieden. — Der-
selbe gab zugleich eine Abbildung der früher von ihm beschriebenen
Cic. assamensis von Ghaudoir (Bull. d. Mosc. 1848. Il. p. 442.)
Cicindela Nordmanni von Yerson in Neu-Russland, von Ü. soluta
hauptsächlich durch längere Gestalt und stärkere Krümmung der mitt-
leren Flügeldeckenbinde abweichend; von Mene&tries (Cat. d. ins.
rec. p. Lehm. Taf. 1. Fig.1.) Cic. decempustulata von Bokhara,
der C. campestris verwandt.
Von Erichson (Schomb. Reis. III. Th.) Cieindela pavida aus
Britisch Guiana.
Reiche bemerkte (Bull. d.1|. soc. ent. de Franc. S. XCIII), dass
die Sägezälne der vier letzten Fühlerglieder der Männchen von La-
phyra Audouinü Barthel. (Cie. Ritchii Vigors), weder ein generischer
noch ein speeifischer Charakter sind, indem in der Regel nur die bei
Tripolis vorkommenden Individuen sie besitzen , während eine grosse
Zahl um Oran gesammelter Männchen keine Spur derselben zeigten.
Die Nymphe der Cicindela campestris wurde von Blisson Ann,
d. I. soc. ent. d. Franc. 1848. $. 155. beschrieben und pl. VII. No. II,
ahgebildet.
a
während des Jahres 1848. 133
Carabiei.
Diese Familie ist mit vielen neuen Entdeckungen bereichert
worden.
Boheman’s sorgfältige Bearbeitung der von Wahlberg gesam-
melten Carabicinen liefert einen wichtigen Beitrag zu unserer Kenntniss
der Fauna des südöstlichen Africa. Es sind sechs neue Gattungen auf-
gestellt, welche unten namhaft gemacht werden, aus bekannten Gattun-
gen sind 1 Art von Lasiocera, 2 Drypta, 4 Zuphium , 2 Cymindis, 8
Calleida, 2 Coptoptera, 2 Dromius, 6 Lebia, 2 Axinopsophus, 4 Copto-
dera, 2 Orthogonius, 2 Helluo, 2 Aptinus, 4 Brachinus, 1 Mastar, 2
Ihyreopterus, 1 Catascopus (Cat. affinis, schon von Chaudoir unter
dem Namen Cat. rufifemoratus beschrieben) 13 Graphipterus, 6 Piezia
(P. laticollis Boh. ist = aptinoides Perroud), 20 Anthia, 1 Siagona,
5 Scarites, 3 Clivina, 1 Morio, 1 Tefflus, 1 Calosoma , 4 Panagaeus,
3 Callistus, 2 Vertagus, 20 Chlaenius, 1 Epomis, 2 Dinodes, 3 Oodes,
1 Pogonus, 1 Euleptus, 5 Megalonychus, 1 Anchomenus, 2 Drimostoma,
11 Feronia, 1 Lophidius, 1 Cyclosomus, 1 Platymetopus, 1 Selenopho-
rus, 2 Anisodactylus, 1 Bradybaenus, 8 Hypolithus, 17 Harpalus, 2 Ste-
nolophus, 6 Acupalpus, 1 Tetragonoderus, 1 Trechus, 5 Bembidium be-
schrieben, welche zum grössten Theil neu sind.
Germar beschrieb (Linn. entom. III.) die von Behr bei Adelaide
gesammelten Arten, darunter folgende neue: Helluo longipennis (steht
Aenigma noctis Newm. sehr nahe, ist aber beträchtlich kleiner. Die
Gattung Aenigma scheint nicht von Helluo Bon. abzuweichen, der von
Newman als Unterlippe beschriebene Theil ist das Kinn), Philophloeus
Eucalypti, fuscipennis, Lebia plagiata, Thyreopterus suban -
gulatus (die ganz unkenntlich beschriebene Lebia lutosa Newman)
durch stumpfen Kinnzahn und queres herzförmiges Halsschild von den
übrigen Arten von Tliyreopterus abweichend; Scopodes sigillatus
(vielleicht Molpus sexpunctatus Newm.) Homothes guttifer, micans,
Pterostichus (Argutor) holomelanus, Pt. (Steropus) civilis, Pro-
mecoderus concolor, gracilis, Harpalus inornatus, Sphallo-
morpha suturalis. (Zu bemerken ist noch, dass die vom Verf, als
Adelotopus gyrinoides Hope beschriebene Art, nicht gyrinoides, sondern
Fortnumi Hope Trans. ent. Soc. IV. ist.)
Menetries hat (Cat. d. Ins. rec p. Lehmann) folgende neue
Arten aufgestellt: Polystichus brevipennis aus Turcomanien, Glycia
dimidiata Taf. 1. Fig.2. von Kisil-Koum, Cymindis quadrisignata
Taf. 1. Fig. 3. von Samarkand, Dromius erclamationis Tal, 1. Fig.4.
von Bokhara (wie der Verf. später erkannt hat — D. patruelis Chaud.‘,
Lebia trisignata Tal. ı. Fig 5., der L, trimaculata Gebl, schr ähn-
lich aus Turcomanien, Carabus Jaegeri Mannlı. Taf, 1. Fig. 8. aus dem
134 Schaum: Bericht über die Leistungen in der Entomologie
Baschkirenlande, dem Estreicheri , namentlich der Varietät adoxus Stw.
sehr ähnlich, €. variolaris Taf. 1. Fig. 9. von Kisil-Koum, vom Ü.
perforatus Fisch. fast nur in der Sculptur verschieden und vielleicht
blosse Abänderung desselben, Chlaenius melampus Taf. 1. Fig. 10.
dem Chl. nigricornis nahe stehend, aus Turcomanien, Pogonus virens
von Bokhara, Agonum extensum aus Turcomanien, Poecilus laevi-
gatus Taf.1. Fig. 11, von Samarkand, P. planatws aus Turcomanien,
Platysma siagonica Taf. 1. Fig. 12. aus dem Lande der Baschkiren
und Kirgisen, Celia saginata aus Turcomanien, Ophonus tataricus
von Samarkand, Harpalus maculifrons aus Turcomanien, H, pezus
von Noyaia Alexandrovskaia; H. amplicollis Mannh. Taf. 1. Fig. 13, eben-
daher, H.pastus Taf.1. Fig. 14. aus Baschkirien, H. celioides wahr-
scheinlich aus der Kirgisensteppe, H. pulvinatus von Bakali-tau, und
eine neue höchst ausgezeichnete Gattung Harpactes, der Gruppe
der Scaritinen angehörig, welche unten näher angezeigt wird.
Eine wichtige Arbeit über diese Familie ist Chaudoir’s Memoire
sur la famille des Carabiques (Bull. d. Mose. 1848. I. S. 3.) Beson-
ders dankenswerth ist es, dass der Verf. das ihm zu Gebote stehende
reiche Material dazu benutzt hat, Uebersichten über den Bestand ein-
zelner Gruppen zu geben. Ausserdem sind auch mehrere neue Gattun-
gen und viele neue Arten aufgestellt, welche weiter unten erwähnt
werden.
Derselbe veröffentlichte ferner einen Aufsatz „Description d’une
esp&ce nouvelle de Cicindele trouvee en Russie et de quelques Cara-
bes inedits de Russie et du Nord de l’Anatolie“ (Bull. d. Mosc. 1848. II.
$. 442), und ein kleines Heft „Observations“ betitelt und in Kiew 1847
gedruckt, welches vorzugsweise synonymische Bemerkungen über meh-
rere vom Verf. u. Andern früher aufgestellte Arten, aber auch die Be-
schreibungen einer neuen Calleida, eines neuen Carabus und Scarites
enthält. Da das Schriftchen nicht in den Buchhandel gekommen zu
sein scheint, werde ich die in demselben niedergelegten Bemerkungen
der Hauptsache nach unten mittheilen.
In der Abtheilung der Truncatipennien hat Chaudoir (Bull.
Mose. 1. S. 26.) die Gruppe der Odacanthides auf den Inhalt der beiden
bisherigen Gattungen Odacantha und Casnonia beschränkt. Zu den
hauptsächlichsten Kennzeichen derselben gehören die an der Spitze freien
der Zunge an Länge gleichen, oder sie noch übertreffenden Paraglossen,
und das nar an der Spitze etwas ausgerandete oder seitlich in Lappen
verlängerte vierte Glied der in beiden Geschlechtern fast gleichen Füsse.
Sie ist vom Verf, auf folgende Weise in fünf Gattungen zerlegt worden.
L. Paraglossae ligula multo longiores. a. Palporum artienlus_ ul-
timus praecedente brevior Plagiorhytis. b. Palporum artieulus ul-
timus praecedente longior dpiodera. Al. Paraglossae ligulae subae-
während des Jahres 1848. 135
quales. a, Tarsorum articulus quartus utrinqgue in lobum productus,
Ophionea b. Tarsorum articulus“ ullimus subemarginatus. «. Thorax
antice attenuatus, collum globosum,. Casnonia. f. Thorax anlice non
atlenuatus, collum cylindrieum. Odacantha.
Die neue Gattung Plagiorhytis ist auf eine neue columbische Art P.
flavomaculata gegründet, die ebenfalls neue Gattung Apiodera
wird von 14 bisher zu Casnonia gerechneten (z. B. C. rugicollis Dej.,
inaequalis Dej.) und zwei neuen Arten A, tuberculata ans Colum-
bien und A. insignis aus Brasilien gebildet. Ophionea hat denselben
Umfang wie bei Schmidt-Goebel, Casnonia enthält hier neun beschrie-
bene Arten, von denen €. pensylvanica die bekannteste ist, und eine
neue ©. Pilati aus Yucatan , bei welcher C. fusca Reiche fraglich als
Synonym angeführt wird. Odacantha hat den früheren Umfang be-
halten.
Derselbe begründete (a. a. 0. S.52) die Gruppe Rhago-
crepidites, welche durch zweilappiges, bis zur Basis gespaltenes
viertes Fussglied, die an der Spitze gerundeten Flügeldecken, die nur
an der Basis verwachsenen Paraglossen u. s. w. charakterisirt wird. Sie
enthält folgende Gattungen:
1. Unguiculi haud pectinati. A. Ligula apice emarginata. Rha-
gocrepis B. Ligula apice integra, a. Unguiculi basi dilatati. Pionycha,
b. Unguieuli basi unidentati Schidonycha, 2. Unguieuli pectinati. Cteno-
dactyla.
Von Rhagocrepis Eschsch. (— Leptotrachelus Dej. = Sphaeracra
Say.) sind sechs bekannte Arten aufgeführt, und zwei neue Rh. ae-
quinoctialis aus Columbien, der Rh. brasiliensis nahe verwandt,
und Rh. planicollis aus Brasilien, im Aussehen an Calleida erin-
nernd, beschrieben. Die neue Gattung Pionycha ist aus Ctenodactyla
maculata Gory und tristis Gory gebildet, von Schidonycha Klug ist bis
jetzt nur eine Art (S. brasiliensis Kl.) bekannt geworden. Bei Cieno-
dactyla verbleiben 3 Arten; Ct. Chevrolatii Dej., Langsdorfi Klug und
Drapies Gory.
Zu den Truncatipennien gehören ferner folgende neue
Gattungen :
Hystrichopus Boheman (Ins. Caflr, $. 42), Calleida und Gly-
cia nahe stehend, aber im Baue der Füsse abweichend, Diese sind er-
weitert, unten dicht behaart und mit Borsten versehen, die vier ersten
Glieder nehmen allmählich an Grösse ab, das vierte ist an der Spitze
ausgerandet , die Klauen sind von der Basis bis fast zur Spitze stark
gekrümmt. Die Gattung enthält 3 Arten: H. angusticollis, femo-
ralis und rufipennis; bei der leiztern wird Dolichus rufipennis Dej.
fraglich als Synonym citirt,
Haplopeza desselben (a, a. 0. $.62) gründet sich auf eine
neue Art H. vriolacea von der Weihnachtsbai, welche im Aussehen
136 Schaum: Bericht über die Leistungen in der Entomologie
an Lebia und Coptodera erinnert, sich von diesen aber durch dünne,
schmale Füsse und einfache Klauen unterscheidet.
Crepidogaster desselben (ebendas. $. 68), Aptinus nahe
verwandt, aber die Fühler sind kurz, das 4—10te Glied ziemlich rund,
schnurförmig, die Kiefertaster mit grossem fast eiförmigem Endgliede,
die J,ippentaster mit dünnem, etwas nach aussen verdickten vorletzen
und grossem beilförmigen letzten Gliede, die Füsse kräftig, mit kurzen,
nach der Spitze an Länge abnehmenden Gliedern. Hierher Cr. bima-
culatus neue Art, und €. infuscalus, wahrscheinlich mit Aptinus
infuscatus Dej. identisch.
Plagiopyga desselben (S. 75), zwischen Dyscolus und Pro-
mecoptera in der Mitte steliend und auf folgende Weise charakterisirt:
Mentum sinu simpliei absque dente. Palpi maxillares articulis duobus
basalibus brevissimis 3° et 5° longitudine aequalibus, hoc versus apicem
modice incrassato, 410 sequenti nonnihil breviore sensim incrassato, la-
biales articulu penultimo oblongo subeylindrico, sensim incrassato, ul-
timo longitudine antecedentis, eylindrico, apice truncato. Tarsi subtus
breviter pubescentes et selulosi , anteriores parum dilatati, postici te-
nuiores, articulis qualuor primis longitudine decrescentibus. 1 Art Pl.
ferruginea.
Xanthophaea Chaudoir (Bull. Mose. S. 73.), Calleida ver-
wandt, aber die Zunge ist an der Spitze gerundet, mit vier Borsten be-
setzt und wird nur hier, aber nicht an den Seiten, von den Paraglos-
sen überragt, das letzte Glied der Maxillar - und Lippentaster ist etwas
angeschwollen und an der Spitze zusammengedrückt, das zweite Fuss-
glied ist fast, das dritte entschieden breiter als lang, der Körper schmal
und flach. Hierher eine neue Art, X. grandis von Melbourne (Neu-
Holland) und wahrscheinlich auch Calleida vittata Dej.
Crossonychus Chaudoir (Bull. Mosc. S. 97.), auf Dromius
viridis Dej. errichtet, weicht von den eigentlichen Dromien durch ei-
nen starken einfachen und gerundeten Zahn in der Ausrandung des
Kinns ab.
Mystropomus Chaudoir (Bull. S. 107.), in den Charakteren
sehr mit Ozaena übereinstimmend, selbst mit dem kleinen Vorsprung
am Aussenrande der Flügeldecken versehen, welcher Ozaena so sehr
auszeichnet, aber von gänzlich verschiedenem Aussehen, Kopf und
Halsschild erinnern an Pristonychus, die Flügeldecken an Cychrus. M.
subcostatus, neue Art aus Neuholland.
Stenoglossa Chaudoir (Bull. Mose. S. 116.), von Coptodera,
durch die Bildung des Kinns, welches in der Mitte nach vorn verlän-
gert und hier abgerundet ist, und besonders durch die schmale eiför-
mige, sehr lange Zunge, die sehr langen Paraglossen und die schmale
Oberlippe unterschieden. S# variegata neue Art von Venezuela,
wer
während des Jahres 1848. 137
Agonocheila Chaudoir (Bull. Mose. S. 119.): mentum dente
medio magno excavato, apice integro, subrotundato -acuto. Labrum
sat breve, antice omnino rotundatum, medio subtruncatum. Antennae
breves, apicem versus crassiores, arlieulis exterioribus subquadralis.
Cetera ut in Coptoderis. A. guttata neue Art von Melbourne (Neu-
Holland).
Labocephalus desselben (Bull. Mose. S. 122.) auf Eury-
dera striata Gu6ör. (= Thyreopterus spinosus Klug Wiegm. Arch. 1.) ge-
gründet, weicht durch zweispaltigen, Kinnzahn , kurze, dieke und sehr
gewölbte Mandibeln und die hintere Verlängerung des Kopfes von Eu-
rydera ab, und bildet das vollständigste Mittelglied zwischen Eurydera
‘und Mormolyce, welche letztere Gattung im Baue der Mundtheile, Beine
und in andern Charakteren fast ganz mit Eurydera übereinstimmt , und
bisher irrig bald zu Sphodrus, bald zu Agra gestellt worden ist.
Eurycoelus desselben (Bull. Mosc. S. 124.): Ligula por-
recla , angusia, crassa, apice lruncata, quadriciliata, paraglossae ei
omnino connalae,, eaque latiores et salis longiores, tenues, parallelae,
apice truncato-rotundalae, angulo interno recto. Mentum breve, valde
transversum lobis extus valde dilatatis, apice suboblique fere truncatis,
intus parallelis, angulo antico recto, sinu profundo, haud dentato. Man-
dibulae breves, compressae, exius valde rotundatae, intus rectae, apice
breviter incurvo, acuto. Labrum planum, latitudine paulo brevius, an-
tice truncatum , haud emarginatum. Unguiculi pectinati. Cetera ut in
Thyreopteris. Hierher Coptodera ? fasciato-punctlata Reiche, welche hier
nochmals ausführlich beschrieben ist. (Eine zweite Art dieser Gattung
ist Lebia poeciloptera Buquet Ann. d. |. soc. ent. d. France. t. III.)
Blechrus Motschulsky (Bull. Mosc. 1848. I. S. 540.) auf
Dromius glabratus errichtet, welcher sich von Dromius und Metabletus
durch ungezähnelte Klauen, von Lionychus durch einen gespaltenen Zahn
in der Ausrandung des Kinns unterscheidet.
Scaritini. Eine neue, sehr merkwürdige Gattung dieser Gruppe
ist von Menetries (Cat. d. Ins. rec. par Lehmann S. 9. Taf. 1. Fig. 7.)
unter dem Namen Harpactes aufgestellt. Da dieser Name bereits
vergeben ist, hat ihn der Verf. nachträglich in Dioctes umgeändert.
Die Mandibeln sind ungemein kräftig, die linke innen mit vielen klei-
ven Zähnen, die rechte nur mit einem Zahne an der Basis versehen,
das Kinn breit ausgerandet, ohne Zahn in der Ausrandung, artieulirt
mit dem Kopfe in einer tiefen, in der Mitte erweiterten Querfurche.
Die Beine lang, namentlich die Schienen, die vordern gegen die Spitze
sehr wenig erweitert, aussen ohne Zähne, die Mittelschienen nament-
lich aussen mit langen steifen Haaren dicht besetzt. H. Lehmanni
15” lang, im Aussehen einer Manticora nicht unähnlich, ist bei Kisil-
Koum gemein und lebt in Erdlöchern.
138 Schaum: Bericht über die Leistungen in der Entomologie
Chlaenini. Baheman Ins Caffr. 8.133, errichtete die Gat-
tung Rhysotrachelus, welche von Chlaenius durch kürzere Fühl-
hörner, deren 4—8tes Glied breiter und zusammengedrückt sind, durch
dreieckige Endglieder der Taster und durch das grosse, oben fast ebene
Halsschild unterschieden ist. Hierher drei Arten: Rh. quadrima-
culatus, bimaculatus und myops, die letztere vielleicht mit Pa-
nagaeus myops Gory Ann, d. Franc. t. II. identisch.
Anchomenini. Boheman a. a. 0. S,165. stellte die Gat-
tung Rhopalomelus auf, Sie hat die Gestalt von Sphodrus, aber
eine grosse, an der Spitze ausgerandete Oberlippe, ein schmales Hals-
schild, gebogene Schienen und eigenthümlich gebildete Taster. Au den
Kiefertastern ist nämlich das dritte (zweite) Glied lang, gebogen, etwas
nach aussen verdickt, das vorletzte an der Basis dünn und cylindrisch,
nach der Spitze zu kuglig, das letzte an der Basis dünn, nach aussen
erweitert, länglich eiförmig, an der Spitze abgestutzt. Eine neue 14”.
lange Art Rh. angusticollis.
Als neue Arten sind ausserdem beschrieben worden;
Von Chaudoir im Bull. de Mosc. I. S. 65 und ff.: Galerita
lugens aus Cayenne, Trichognatha eincta aus Columbien, bisher mit
Tr. marginata verwechselt, Helluo carinatus von Melbourne (Neuhol-
land), Pleuracanthus inconspicuus aus Brasilien, Glycia unicolor
aus Oberägypten, Demetrida picea aus Neuseeland, Calleida quadr i-
impressa, obscuroaenea, diluta, cupreocincla, saphy-
rina, alle aus Brasilien, punctulata aus Mexico , Cylindronotum
ceursorium aus Brasilien, Agra hypolasia ebendaher, Lionychus
einctus vom Cap, Orthogonius femoralis vom Plateau der Neelghe-
ries, Ozaena parallela aus Brasilien, O. verticalis aus Golumbien,
O0. mezicana aus Mexico, Pericalus undatus von den Philippinen,
Catascopus cyanellus von Nepaul, Graphipterus Goryi, dem minu-
tus sehr ähnlich, aus Arabien, Anthia tetrastigma und A. polio-
loma aus Abyssinien, A. sercostata, der limbata sehr nahe kom-
mend, vom Cap; im Bull, .d. Mose. II. S. 444 u. ff.: Carabus accura-
tus dem Estreicheri und excellens nahe verwandt, durch kürzere und
fast rechteckige Flügeldecken von dem letztern unterschieden, aus Bess-
arabien oder Cherson. C. Nordmanni aus dem Taurus von C. Spino-
lae Cristof. (Bonplandi Men.) hauptsächlich durch längere Gestalt und
deutlicher punktirte Oberseite abweichend, C. inconspicuus vor-
nehmlich durck abgerundete Schultern und kleine Abweichungen in
der Sculptur von ©. Motschulskii Kolen. unterschieden , wahrscheinlich
aus Armenien, ©. Bischoffii, dem gemmatus nahe stehend, vom Ara-
rat, ©. DeHaanii, dem prodigus Er, verwandt, aber durch die an der
Spitze nur schwach buchtigen Flügeldecken des Weibchens sogleich zu
unterscheiden; in den „Observations. Kiew 1847“; Calleida capensis,
der C. angustata sehr ähnlich, aber von breiterer, kürzerer Gestalt,
während des Jahres 1848. 139
vom‘ Cap, Scarites Richteri von Port Natal, von dem portugiesischen
Scar. polyphemus hauptsächlich durch relative Abweichungen unter-
schieden, Carabus macrogonus aus der Verwandtschaft des C. Som-
meri Karelin, Hollbergii Mannh., Scovitzii Fald., besonders durch die
sehr hervorragenden, flachen Hinterecken des Halsschilds charak-
terisirt,
Von Boheman Ins. Caffr. S. 114. not.: Anthia Hedenborgi
und A. intermedia aus Sennaar,
Von Erichson. (Schomb. Reis. in Brit. Guiana 3. Tb.): Galerita
melanaria, Barysomus cephalotes.
Von Küster (Käf. Europ.) Notiophilus puncticollis (XIM. 1.)
von Ragusa, Masoreus affinis (XIII. 2.) von Karthagena, Dromius in-
terstitialis (XIV.2.) ebendaher, von D. glabratus besonders durch
erhöhten dritten Zwischenraum der Flügeldecken unterschieden , Cala-
thus later alis (XII. 34.) von Cagliari, dem circumseptus sehr ähn-
lich, Agonum dalmatinum (Xll. 39) dem A. austriacum sehr nahe
stehend und von Dejean als Varietät dieser Art angesehen , Olisthopus
sardous (Xl1.’42.) zwischen O. punctulatus und fuscatus die Mitte
haltend,
Eine kleinere, in Thüringen einheimische Abänderung des Cara-
bus monilis, welche unter dem Namen Car. reqularis Knoch verbreitet
ist, wurde von Wissmann Ent. Zeit. S. 77. besprochen. Sie steht
dem C. allinis Panz, St. sehr nahe. Die Vermuthung des Verf., dass
C. monilis, wie Fabrieius angiebt, auch bei Halle vorkomme, ist un-
gegründet. — Ders, bemerkte in Bezug auf Harpalus fuliginosus Duft-
schm., Sturm, dass ein mit Sturm’s, Abbildung genau übereinstimmen-
der Käfer im Harze bei Clausthal 2000: über dem Meere vorkommt,
welcher sich von H, tardus, besonders durch das längs des ganzen Hin-
terrandes dicht und fein punktirte Halsschild unterscheidet.
Referent hat die in den Werken von Stephens beschriebenen
britischen Carabieinen nach den Originalexemplaren einer Prüfung un-
terworfen (Entom, Zeit. S. 34. u. $.333., ins Englische übersetzt in
den Ann. of nat. hist. 1848, No.1.). Es hat sich bei dieser Untersu-
chung das Resultat ergeben, dass die in Grosshrittanien vorkommenden
Arten fast sämmtlich auch auf dem Continent einheimisch sind, und
dass die zahlreichen von Stephens nen aufgestellten Arten mit bereits
bekannten zusammenfallen, oder unerhebliche Abänderungen von sol-
chen sind. Nur zwei scheinen der brittischen Fauna eigenthümlich zu
sein: Leistus montanus Steph. aus den Gebirgen Schottlands und ein
als Blemus pallidus beschriebener und irrig für Trechus pallidus Sturm
gehaltener Käfer von der Insel Wight und der Meeresküste von Irland.
Eine Zahl von Arten der Gattungen Harpalus und Peryphus haben nicht
140 Schaum: Bericht über die Leistungen in der Entomologie
ermittelt werden können, da Ref. inLondon keine in diesen Gattungen
richtig bestimmte Sammlung vergleichen konnte.
Chaudoir in seiner Schrift „Observations Kiew 1847« hat folgende,
meist synonymische Bemerkungen mitgetheilt. Helluo erythropus Chaud.
gehört zur Gattung Dailodontus Reiche (S. 4). — Siagona rufa Chaud.
= Gerardii Buquet Rev. Zool. 1840. (S.4). — Aspidoglossa cayennen-
sis Putz. — Clivina striatipennis Gory Ann. d. Fr. t. II. (8.6). — Ne-
bria barbara Chaud. — andalusia Ramb. (S. 6). -— Molops subtrunca-
tus Chaud., wie Putzeys richtig erkannt. = M. terricola Q; da-
gegen scheint M. terricola var. B. Dej. eine eigene Art zu bilden, wel-
che der Verf. ovipennis benennt ($. 7). — Leiocnemis latiuscula
Chaud. ist ein Leirus (S. 7). — Zabrus globosus Gory Ann, d. Fr. II.
= Polysitus farctus Zimm. (S.9). — Feronia elegantula Chaud. — Pla-
Iysma pulchellum Fald. (Obs. S. 10). — Stomis americanus Lap. Et. =
Feronia fatidica Dej. — Die Gattung Lozomerus Chaud. (= Heteroda-
etylus Guer.) ist in die Nähe von Dyscolus Dej. und Metius Guer. zu
stellen (S. 12). — Cyphogenius pallipes Chaud. ist, wie Erichson Jalh-
resber. f. 1843. S. 260, bemerkt hatte — Cratognathus mandibularis
Dej., die Trennung der Gattung Eucephalus Lap. (Daptomorphus Chaud )
erscheint aber dadurch gerechtfertigt, dass hier das Männchen, bei Cra-
tognathus das Weibchen einen angeschwollenen Kopf hat (S.1). -—
Amblygnathus niger Gory —= Cratacanthus scaritides Perty und zur Gat-
tung Melanotus Dej. gehörig. (S.2). — Die Gattung Pteroglossus Chaud.
ist nicht, wie Erichson behauptet hat, mit Harpalus fulvus Dej. iden-
tisch, da der Name Pteroglossus bereits anderwärts vergeben, wird er
hier in Ooidius umgeändert (Obs. S. 2). — Ophonus longicollis Chaud.
Abänderung von Harpalus incisus Dej. (Obs. S.7). — Harpalus viola-
ceus Chaud. — erosus Gebl. (S. 10). — Masoreus steht richtiger bei
den Harpalinen als bei den Brachininen und die vom Verf. beschriebene
Gattung Macracanthus bildet ein Mittelglied zwischen Masoreus und
Somoplatus (S 13.)
Derselbe bemerkte ferner (Bull. d. Mosc. S. 93), dass Agra
fossulata Brull& = catenulata Klug (Chevrolatii Gory) ist, dass Co-
ptodera flavosignata Gory und wahrscheinlich auch Copt. trisignata Buq.
zu der von ihm errichteten Gattung Labodontus gehören, und dass in
diesem Falle die von ihm trisignatus benannte Art trimaculatus zu
benennen sei (ebenda $. 121), dass C. Wagneri Er. Küster = saphy-
rinus Cristof. ei Jan ist. (Bull. d. Mosc. t, II. S. 448.)
Die Larve und Nymphe der Nebria brevicollis hat Blisson he-
schrieben und jabgehildet (Ann, d. 1. soc. ent. d. Fr. S. 73. pl. I. No. II,
übers. in Schleid. u. Fror. Not. 1849. Nov. S. 104). Die Larven leben
in Löchern, welche sie auf sandigen Feldern und in Gärten anlegen,
sind Nachtthiere und verwandeln sich vor Ende des Winters zur Nym-
während des Jahres 1848, 141
phe, aus welcher nach 18—20 Tagen das vollkommene Insect aus-
kriecht.
Die Harnorgane von Brachinus complanatus hat Karsten un-
tersucht (Müller’s Archiv f. Anat., Physiol. und wissensch. Mediein S,
367 Tafel X.) — Entgegen der Ansicht der meisten neuern Schrift-
steller sieht der Verf. die eigenthümlichen Organe, welche bei den
Brachinen den bekannten Dunst secerniren, für Harnorgane an: dieser
Dunst kommt aus zwei Üeffnungen hervor, welche sich im After ober-
halb der Mündung des Masidarms befinden und die Mündungen der
Ausführungsgänge von zwei gelblichen Drüsenkörpern sind. Dieser
letztere Apparat besteht bei dem columbischen Br. complanatus jeder-
seits aus zwölf sternförmigen Drüsen, welche sich mit ihren Ausfüh-
rungsgängen in eine Blase senken. In dieser Blase sammelt sich das
Secret, welches die Brachinen ihren Verfolgern entgegenpuffen. Die
Drüsen bestehen aus zwei Häuten, zwischen welchen die spindelför-
migen Drüsenzellen so liegen, dass sie senkrecht auf der innern Haut
aufsitzen uud vielleicht in den von dieser Haut eingeschlossenen Ca-
nal einmünden. Auch die Ausgänge der sternförmigen Drüsen enthal-
ten noch Drüsenzellen. Die Blase, welche die zwölf Ausgänge auf-
nimmt, ist aussen mit einer Schicht sich kreuzender Muskelfasern be-
deckt. Das Secret ist eine wasserhelle Flüssigkeit, welche brennend
auf die Haut wirkt und sich an der Luft zersetzt, wobei Stickstoffoxyd
und salpetrige Säure gebildet werden. Ausser diesem Zersetzungsproduct
finden sich zwei krystallisirbare und eine fettartige Substanz, von de-
nen die erstern einige Aehnlichkeit mit dem Harnstoff haben.
Dyltiscidae.
Letzner stellte (Jahresbericht der Arb, der Schles. Gesellsch.
f. d. J. 1848. S.9.) Agabus Kotschyi nach einem einzelnen im Für-
stenthum Teschen gefangenen Exemplar als neue Art auf, sie steht in
der Mitte zwischen A. gultalus und silesiacus Letzn. (Schles. Jahresber.
f. 1843.), und wird hauptsächlich durch weitläufigere nelzförmige Run-
zeln der Oberseite von beiden unterschieden,
Eine Reihe neuerer Arten aus dem südöstlichen Africa ist von
Boheman (Ins. Caffr. 5.233.) beschrieben worden: Cybister bino-
tatus (ein bereits von Klug vergebner Name), C. marginicollis,
Hydatieus flavolineatus, caffer, apicalis, Copelatus obtusus,
siriatellus, basalis, Laccophilus adspersus, Noterus (Hydrocan-
thus) quadrivittatus, Hyphidrus caffer, Hydroporus elegantu-
lus, lineolatus, infirmus, evanescens, ruficeps (vergebner
Name), inquinatus, lateralis, collaris (bereits benutzter Name)
vitticollis, ezilis,
Germar beschrieb (Linn. entom, II. $, 171.): Cybister scu=
142 Schaum: Bericht über die Leistungen in der Entomologie
tellaris, Agabus spilopterus, Hydroporus dispar, neue Arten
von Adelaide.
Gebler stellte (Bull. d. Mosc. 1848. II. S. 72.) als neue Arten
auf: Rantus luteicollis Mannh. dem adspersus Fabr. ähnlich, aber
länglicher, das Halsschild verhältnissmässig flacher und breiter, Agabus
altaicus Mannh., kürzer als chaleomotus, und nicht verengt, auch dem
A. opacus Mannh. verwandt, aber glatter, A. lineatws Mannh., gelb,
mit fünf bis sieben abgekürzten schwarzen Streifen auf den Flügel-
decken und Hydroporus vestitus dem H. opatrinus ähnlich, alle aus
Südwestsibirien.
Gyrinites.
Erichson beschrieb (Schomb. Reis. i. Brit. Guiana 3. Th.)
Gyretes discus aus Britisch Guiana.
Von Boheman aufgestellte neue Arten aus dem südwestlichen
Afrika sind; Gyrinus flavipes, amoenulus, Orectochilus bicosta-
tus, Dineutes caf fer.
Bupreslides.
Nomenclature of Coleopterous Insects in the collection of the
British Museum Part III. Buprestidae London 1848. Dieses von White
angefertigte Verzeichniss weist einen grossen Reichthum an neuhollän-
dischen, ostindischen und westafrikanischen Arten auf, ist dagegen arm
an kleinern, namentlich europäischen Formen, so dass in der Gesammt-
zahl der Arten das brittische Museum hinter der ehemaligen Dejean’-
schen Sammlung zurückbleibt. Synonymische Aufschlüsse und Berich-
tigungen enthält der Katalog nicht, obgleich gerade in dieser Beziehung
viel zu leisten gewesen wäre, dagegen wird er dadurch sehr brauchbar,
dass bei jeder Art auf eine oder ein Paar der besten Abbildungen, wo
solche vorhanden sind, verwiesen wird, und dass eine grosse Zahl der
vielen in englischen Schriften zerstreut beschriebenen Arten mil genauer
Angabe des Citats aufgeführt ist.
Eine sehr ausgezeichnete neue Stigmoderen-Form aus Neuhol-
land ist von Parry Trans. of the ent. Soc. Y, 82. tab. 11. fig.7. un-
ter dem Namen Metaxymorpha Grayi beschrieben und abgebildet
worden. Diese neue Untergattung stimmt mit Calodema in der Verlän-
gerung des Prosternums überein, weicht aber darin von dieser und
den andern Untergattungen von Stigmodera ab, dass jede Flügeldecke
an der Spitze mit drei Zähnen versehen ist.
Als neue Arten sind aufgestellt worden:
Von Germar (Linn. entom. IM. $. 175): Buprestis simplex,
suaveola, beide zur Untergattung Melobasis Gor. et Lap. gehörig,
Ethon nubeculosum, chalcopterum, notulalum, Coraebus
erde
PE>PZ
während des Jahres 1848. 143
ehrysopygius, Amorphosoma tasmanicum, Aphanistu canali-
eulatus, aus Adelaide.
Von Menetries (Cat. d. Ins. rec. p. Lehmann): Capnodis ex-
cisa (Taf. 2. Fig.2.), durch das an den Seiten vor der Basis ausge-
schnittene Halsschild sehr ausgezeichnet, häufig bei Kisil-Koum , An-
Ihazia auriceps (iaf.2.Fig 4). Der A. ferulae Gene verwandt, auf
den Blüthen von Ferula persica bei Agathma, Sphenoptera chaly-
baea Taf.2. Fig. 5. aus Baschkirien.
Von Coquerel (Ann. de l. soc, ent. d. Franc, S. 276. tab. 6.
fig. 1.) Polybothris aurocyanea, eine ausgezeichnete Art von Ma-
dagascar.
Von Erichson (Schomb. Reis. 3. Theil): Conognatha clara,
Colobogaster celsa, Phaenops subeuprea aus British Guiana.
Eucnemides.
Eine neue mit Galba und Pterotarsus verwandte Gattung Gal-
bella ist von Westwood (Cab. of orient. entom.) errichtet worden.
Sie hat die kurze eiförmige Gestalt eines Drapetes, gesägte Fühler und
tiefe Fühlerrinnen auf der Unterseite des Halsschildes. Das Proster-
num ist hinten verlängert und wird von der erweiterten Spitze des Me-
sosternum aufgenommen. Beine breit, vier Fussglieder mit Haftlappen.
Die Art G. violacea aus Ostindien ist Taf. 41. Fig. 1. abgebildet.
Elaterides.
Eine ausgezeichnete neue Gattung Pleonomus ist von M&-
netries (Cat. d. Ins. rec. p. Lehmann $, 32.) aufgestellt, sie steht
Campylus nahe, hat aber stärkere Mandibeln, der Vorderrand der Stirn
ist weder zurückgebogen noch wulstförmig vorgestreckt. Die Taster
sind zarter. Das Halsschild ist walzig, oben ganz eben, die Fühlhör-
ner zwölfgliedrig, die Füsse sehr lang und dünn. P, tereticollis
von Bokhara ist auf Taf. 2. Fig. 6. abgebildet. Eine zweite Art der
Gattung scheint, so weit sich dies nach dem fühlerlosen typischen
Exemplare beurtheilen lässt, der von Faldermann als Serropalpus spi-
nicollis beschriebene Käfer zu sein.
Eine Reihe ausgezeichneter grossentheils neuer ostindischer Ar-
ten hat Westwood Cab. of orient. Ent, Taf. 35. abgebildet. Es sind:
Campsosternus Templetonii aus Ceylon, €. Stephensii Hope aus Ne-
paul, €. Dohrnii aus Assam, C. Hopei aus Tenasserim, Ozynopte-
rus Cumingii Hope von den Philippinen, Pectocera Mellii Hope von
Thibet, Alaus moerens, sculptus vom Lasyabgebirge, sordidus
von Ceylon,
144 Schaum: Bericht über die Leistungen in der Entomologie
Von Germar (Linn. entom. Ill. S. 180.) neu aufgestellte Arten
aus der Umgegend von Adelaide sind: Pristilophus impurus, Lacon
costipennis und Cylindroderus corrigiolatus, der letztere von den
typischen südamerikanischen Arten der Gattung Cylindroderus nur durch
etwas längeres drittes Fühlerglied abweichend.
Ferner sind als neue Arten beschrieben:
Von Küster: Dolopius rudis (Käl. Europ. XIV. 34.) von Cat-
taro in Dalmatien und Cryptohypnus pallipes (Käf. Europ. XV. 19.)
von Karthagena, dem Drasterius bimaculatus sehr nahe stehend und
vielleicht nicht einmal specifisch verschieden.
Von Menetries: Adrastus piceus (Cat. d. Ins. rec. p. Leh-
mann $. 33.) aus Turcomanien.
Von Erichson (Schomb. Reis.) : Monocrepidius proletarius,
Dicrepidius porosus, chloropterus, atricornis, Cardiorhinus
hypocrita aus British Guiana.
Ueber das Leuchten des Pyrophorus noctilucus hat Gosse Ann.
of nat. hist. II. ser. I. S. 200. seine Beobachtungen mitgetheilt. Der
Käfer ist von Februar bis Mitte Juni in den flachen Gegenden von Ja-
maica gemein. Das Licht, welches von den beiden ovalen Flecken
am Hinterrande des Halsschildes ausgeht, hat eine gelbgrüne Farbe,
und ist dem Willen des Thieres unterworfen. Wenn der Käfer nicht
beunruhigt wird, sind die Flecken gewöhnlich ganz matt. Von der
leuchtenden Stelle an der Bauchfläche zwischen dem ersten Hinterleibs-
ringe und dem Metathorax strahlt ein sehr lebhaftes rothes Licht aus,
es erscheint aber nur, wenn, wie es im Fluge geschieht, die Flügel-
decken geöffnet und der Hinterleib in die Höhe gebogen wird; wenn
der Käfer sitzt oder kriecht, ist jene Stelle vom hintern Ende des Me-
tathorax bedeckt, und das Licht kommt nicht zum Vorschein, Es ist
sehr zweifelhaft, ob der Wille des Thieres auch auf dieses Licht einen
Einfluss ausübt, es intermittirt zwar während des Fluges, das Erschei-
nen und Verschwinden hängt aber wahrscheinlich nur davon ab, ob
die Rücken- oder Bauchlläche dem Beobachter zugekehrt ist, Das
grüne Licht swwahlt der Käfer, wenn er fliegt, nur selten aus, thut, er
es aber, so gewährt die Verbindung desselben mit dem rothen Licht
einen sehr schönen Effect. In einem Glase aufbewahrt, verliert, das
hier schon in zwei lagen das Vermögen, zu leuchten.
Laboulbene theilt (Bull. d.1. soc. ent, de France. S. XXX VI.)
die Beobachtung mit, dass Ludius crocatus in der Gefangenschaft an-
dere Insecten verspeist und ist geneigt, daraus den, wie es mir scheint,
voreiligen Schluss zu ziehen, dass die Elateren carnivor sind.
während des Jahres 1848. 145
Rhipicerides.
Leconte beschrieb (Journ. of the Acad. of Phil. N. Ser. I. P. I.
5.89) eine zweite Art der Gatlung Zenoa Say, Z. vulnerata: nigra,
punctala, thorace inaequali, vilta media cruentata, elytris lineis tribus
elevatis. Long. 6” von St. Louis, und bemerkte, dass die von Say
(Bost. Journ. of Nat. Hist I. S. 152.) beschriebene Zenoa brunnea —
Melasis picea Palis. Beauv., Callihirpis p. Dej. Cat. ist.
Cyphonidae.
Von Erichson (Schomb. Reis. 3. Th.) neu aufgestellte Arten
aus British Guiana sind: Artematopus tenuicornis, Scirtes pallens,
adspersus, fasciatellus.
Lampyrides.
Erichson beschrieb (Schomb. Reis. 3. Th.) Photuris rubi-
eunda und Emplectus desmocerus, neue Arten aus British Guiana.
Die nordamerikanischen Lycus-Arten hat Leconte auseinander-
geselzt. „De Lycis boreali-americanis.“ (Journ. of the Acad. of nat.
sc. of Phil. N. Ser. I. P.I. S. 73). Es sind folgende:
1. Lycus mit 1 Art, Lygistopterus lateralis Melsh.
2. Dyectioptera 1 A., substriatus Dej.: niger thorace canali-
eulalo, transversim biimpresso, lateribus late luteis, elytris rugosis,
obsolete strialis.
3. Digrapha Newm. 7 A.: D. discrepans Newm., D. typica
Newm., D. affinis: nigra subtiliter pubescens ; thorace lateribus late
fulvis; elytris reticulatis fascia media angusta integra apiceque late
nigris. Long. 0,45. aus dem Missouri - Territorium. D. dorsalis Newm.
D. apicalis: nigra, subtiliter pubescens, thorace anlice parum angustato,
apice subangulato flavo, villa lata nigra elytris flavo-Iuteis, apice late
nigris, aus dem Missouri-Territorium. Long. 0,65., D. terminalis Say,
D. reticulata Fabr. Dem Verf. unbekannt sind D. divisa Newm. und san-
guinipennis Say. —
4. Caenia Newm. 1 A. dimidiata Fahr. (scapularis Newm.) —
5. Celetes Newm. 3A.: C. basalis: alra vel alro-brunnea, tho-
racis lateribus humerisque fulvis, illo carinato apice producto, lateribus
sinualo, angulis poslicis valde productis, elylris coslis 4 elevatis; an-
tennarum articulis ramo longo interno basali. Long, 0,3. C. myslacina:
nigra, Ihorace lateribus humerisque fulvis; illo brevi carinato apice
subproducto, emarginato, lateribus sinuatis, angulis posticis productis,
disco medio antice elevato, elytris quadri - costalis, antennis arlicu-
Jis triangularibus, angulo interno producto, vom Obersee. Long. 0,34.
©. tabida: nigra, thorace lateribus humerisque fulvis, illo carinato an-
lice leviter angustato, apice subangulato, lateribus parum sinuatis basi
Iruncato, elyiris parallelis 4- costatis; antennis artieulis triangularibus,
angulo interno producto. Long. 0,3,
Archiv f, Naturgesch, XV, Jalırg, 2, Bd, K
146 Schaum: Bericht über die Leistungen in der Entomologie
6. Eros Newm. 19 Arten, welche in folgende Gruppen zerlegt
sind: A. Elytris costis quaiuor, margine forliter eleyatis * ihorace cellulis
quinque:E.coccinalus Say. (var. minor mundus Say); E. humeralis Fabr.;
E. oblitus? Newm.; E. incestus: niger, thorace latitudine non bre-
viore, margine tenui fulvo, cellulo mediano antice carinato , carina
postice bifurcata. Long. 0,3.; E. sculptilis Say. * * thorace cellulis qua-
tuor: E. trilineatus Melsh., E. cerenatus Germ, (crucialus Randall, alatus
Newm.) B. Elytris costis novem minus elevatis * costis alternatim
elatioribus: E. modestus Say; E. timidus: niger, thorace latitudine
paulo breviore, antice leviter angustato, basi foveolato , lateribus late
fulvis. Long. 0,3. * * costis subaequaliter parum elevatis, interstitiis
uniserialim reticulatis. a. Antennae subserratae: E. aeger (alatus?
Newm.): niger, thorace breviore, antice parum anguslalo, poslice cana-
lieulato, lateribus late fulvis vix sinualis, antennarum articulo secundo
ferrugineo. Long. 0,3. E. soeius: niger, thorace latitudine paulo bre-
viore antice leviter angustato, poslice foveolato, profundeque transver-
sim impresso, lateribus fulvis. Long. 0,32; E. mollis (lietor? Newm.):
niger, Ihorace fere semicirculari canaliculato, canali antice dilatata, disco
utrinque leviter impresso,, lateribus lata luteis. Long. 0,26; E. /floralis
Melsh.; E. nanus Melsh. ; E. minutus Dej.: niger, thorace latitudine
sesqui breviore, antice vix anguslato, apice rotundato lateribus sinualis,
angulis posticis acutis, fulvo, vitta late pone medium dilatala nigra.
Long. 0,2; E. canaliculatus Say. b. Antennae valde serraläe, fere fla-
bellatae: E. lascivus: niger, (horace latitudine vix breviore, anlice
anguslato, apice angulato, lateribus rectis, angulis posticis acutis, elylris
distinctius reticulalis, Long. 0,27; E. sollicitus: elongalus, niger,
thorace latitudine non breviore, anlice anguslato, apice dislincelius an-
gulato, lateribus rectis, canaliculatus, lateribus obscure fulvis. Long.
0,27; E.vilis: elongatus, niger, thorace latitudine vix longiore, anlice
angustato, apice valde rotundato, laleribus parum sinualis, angulis po-
stieis acutis leviter productis, disco canaliculato, canali antice subob-
soleta, transversim obsolele biimpresso, basi ulrinque transverse fovealo;
nigro lateribus late fulvis, elytris 9- coslalis, distinelius relieulatis,
Long 0,2.
Telephorides.
Eine neue, sehr merkwürdige Gattung Ichthyurus ist von
Westwood (Cab. of or. entom.) aufgestellt. Sie ist Malthinus ver-
wandt, hat abgekürzte Flügeldecken mit verschmälerter Spitze, die
Flügel sind fast von der Länge des Hinterleihes, dieser endigt mit ei-
nem grossen hornigen, in beiden Geschlechtern tief gespaltenen Gliede.
Die Augen sind gross, die Fühler fadenförmig, die Mandibeln zart,
scharf, innen zweizähnig, alle Taster mit beilförmigem Endgliede, die
Mittelbeine des Männchens abnorm gestaltet, die Schenkel geschwollen,
gekrümmt, die Schienen kurz, von unregelmässiger Bildung. I. la-
während des Jahres 1848. 147
teralis von Java und J. costalis von Moulmein sind auf Tafel 41 f. 2.
und 3. abgebildet; im Text sind in einer Note noch zwei andere Arten
I. basalis ebenfalls von Moulmein und I. discoidalis von Sierra Leona
beschrieben.
Melyrides.
Germar beschrieb (Linn. entom, III. S. 182.) Lajus trisignatus
und zwei neue Arten der merkwürdigen Gatlung Carphurus, C. bre-
vipennis und cervicalis, von Adelaide, — Küster: Attalus Ge -
nei (Käf, Eur. XII. 13.) aus Sardinien, Anthocomus parallelus
(XI. 14.) ebendaher, Colotes nigripennis (XII. 18.) von Kartha-
gena, — Erichson (Schomb. Reis. 3. Th.): Chalcas turgidus aus
British Guiana.
Clerü.
Als neue bei Adelaide einheimische Arten sind von Germar
(Linn. entom, 111. S. 186.) Aylotretus leucaspis (= Llerus simplex
Newm.) und Lemidia inanis beschrieben.
Ptiniores.
Zwei neue Gattungen dieser Familie sind von Redtenbacher
(Faun, Austr. S. 346 und 347.) aufgestellt: Trypopitys von Anobium
durch gesägte Fühler, von Ochina durch den langen walzenförmigen Kör-
per und beilförmiges letztes Tasterglied unterschieden, ist auf Anobium
serricorne Duftschm. gegründet und Oligomerus mit zehngliedri-
gen Fühlern, die drei letzten Glieder zusammen länger als alle übri-
gen , Endglied der Taster walzenförmig , auf Anobium brunneum Ol, St.
errichtet.
Eine neue Art ist Apale'obsipa Germar (Linn. entom, II.
$. 222) von Adelaide. *
Paussili.
Westwood gab im Cabinet of Orient. Entom. schöne Abbildun-
gen von Merismoderus Bensoni Westw. und Paussus Jerdani Westw.
(s. vor. Jahresb. $. 89.)
Derselbe beschrieb (Trans. of the ent. Soc. V. 8.29. tab.)
eine neue Art: JPaussus Parrianus von Port Natal, sie gleicht im
Aussehen den asiatischen P. Fichtelii und thoracicus, gehört aber in
die Abtheilung mit fast zweigetheiltem Halsschilde und hinten ausge-
höhlter Fühlerkeule, aus welcher bereits vier alricanische Arten P. ru-
ber Thunb,, excavatus, Latreillei und Klugii Westw. bekannt sind, —
Die Zahl der beschriebenen Arten beläuft sich jetzt auf 63. Was die
Lebensweise derselben betrifft, so ist durch die Beobachtungen ver-
schiedner Sammler festgestellt, dass wenigstens die meisten Arten in
Ameisennestero vorkommen. Nach einer Mittheilung von Benson
(Trans. a. a. 0. S. 30.), bombardirt der bei einer kleinen braunen
Ameise lebende P. Parrianus, wenn man ihn fängt, Auf den Rücken
148 Schaum: Bericht über die Leistungen in der Entomologie
gelegt, benutzt er die grosse Fühlerkeule als Hebel, um sich wieder
umzudrehen ; die Beine sind zu kurz, um dabei wesentliche Dienste
zu leisten. — Eine Art der Gattung Cerapterus ist von Wilson (Trans,
of the ent. Soc. Proc.) bei Adelaide wiederholt unter trocknem Kuh-
miste gefunden worden.
Staphylinü.
Eine ausgezeichnete neue Gattung Trigonurus ist von Mul-
sant (Ann. d. lasoc.roy. de Lyon 1847 p. 515. Taf. 7. Fig. 2.) beschrie-
ben und abgebildet worden. Sie gehört der Gruppe der Coprophilinen
an, hat wie Deleaster, Micralymma und Syntomium einfache Vorderschie-
nen; das vierte Glied der Kieferlaster ist doppelt so lang als das dritte,
die Vorderfüsse des Männchens sind merklich erweitert. Tr. Mellii
wurde in einer faulenden Tanne auf der grossen Chartreuse nahe bei
Lyon entdeckt.
Eine andere neue, zur Gruppe der Xantholinen gehörige Gattung
Homorocerus hat Boheman (Ins, Caflr. S. 272.) errichtet. Sie ist
in folgender Weise charakterisirt: Antennae fraclae breviusculae, in-
crassatae, articulis 2° et 3° rolundatis, 4°—100 brevissimis, apice trun-
catis, ultimo obtuso. Mandibulae arcualae, edenlalae, apice acuminalae.
H. rufipennis ist eine neue Art aus dem südöstlichen Afrika.
Ausserdem beschrieb derselbe folgende neue Arten: Myrme-
donia dispar, terminata, longicornis, porliza, Homalota atri-
capilla, Aleochara rufipes, Conurus obesus, Tachinus ezilis,
Xantholinus amabilis, Staphylinus Erichsonii, nigriventris,
eaffer, Philontus natalensis, morio, caffer, bisignalus,
minutus, rufipes; Lathrobium caffer, Lithocharis brevicollis,
Siilieus bimaculatus, Paederus crassus, collaris, ca[fer, Pi-
nophilus punctatus, Oedichirus abdominalis, Megalops plicalus,
Osorius rugiceps, Oxylelus picipennis, pusillus.
Als neue Arten sind ferner aufgestellt:
Von Kiesenwetter (Entom. Zeit. S. 320): Homalota subru_
gosa, Tachinus latiusculus, Othius lapidicola, Philontus ad-
scitus, frigidus, Platystelhus laevis, Anthophagus fallax (vom
Verf. auch in Küster’s Käf, Eur. XV. beschrieben). Anthobium pube-
rulum, alle aus den Kärnthner Alpen. — Derselbe gab (ebendas.)
auch eine ausführlichere Beschreibung von Aleochara rufitarsis Heer.
Von demselben (Küst. Käf. Eur.) Quedius chrysurus
(XU. 55.) dem Q. fulgidus und cruentus verwandt, aber viel kleiner
und durch die Bildung des Halsschilds abweichend , in Ameisenhaufen
an verschiedenen Orten Deutschlands aufgefunden, und Q. specula-
tor (XV. 57.) aus den Kärnthner Alpen.
Von Küster: Xantholinus angulatus von Karthagena und in-
termedius aus Sardinien (Heft XII, 7. 8.); der erstere scheint mir
nicht von X. fulgidus abzuweichen.
während des Jahres 1848. 149
Von Germar (Linn. entom. II. S. 174): Paederus eruenti-
collis von Adelaide, durch rothe Vorderhüften, lebhaft blaue und tie-
fer punctirte Flügeldecken von dem nahe verwandten europäischen P,
sanguinicollis unterschieden.
Von Gebler (Bull. d. Mose. 1848. 11. S.79): Oxytelus sulcatus
und Arpedium limbatum Mannh. aus Südwestsibirien.
Von Men&tries (Cat. d. Ins. rec. p. Lehmann Taf. 2. Fig. 1.):
Ocypus fulvipes aus Turcomanien.
„Studi entomologiei publicati per cura di Flaminio Baudi e
di Eugenio Truqui T.I. Fasc. II. Torino 1848.“ (vermuthlich in den
Memoiren der Turiner Academie veröffentlicht). Die Abhandlung ent-
hält die Beschreibungen vieler Staphylinen, scheint aber noch nicht
nach Deulschland gelangt zu sein und hat daher auch für den gegen-
wärtigen Bericht nicht benutzt werden können.
Coquerel hat (Ann, d. |, soc. ent. d. Franc. S. 180. pl. 4.
No. IV. Fig. 3.) die frühern Stände von Osorius incisicrurus Latr. be-
kannt gemacht.
Pselaphii.
Die brittischen Arten dieser Familie hat Referent (in New-
man’s Zoolog. 1847.) gemustert, und die in England herrschenden Be-
slimmungen mit denen des Festlandes in Einklang gebracht. Die wich-
tigsten synonymischen Bemerkungen, welche sich hierbei ergeben ha-
ben, sind auch in der Ent. Zeit. 1848. S. 44. mitgetheilt.
Scydmaenides.
Ueber mehrere englische Arten der Gattung Scydmaenus gab
Ref. (Newm, Zool. 1847. und Ent, Zeit. 1848, S. 44.) nach den Origi-
nalexemplaren Aufschluss.
Silphales.
Eine neue sehr interessante Galtung Apatetica ist von West-
wood (Cab. of or. entom. tab. 41.) errichtet. Sie ist mit Pteroloma
(und mit Leptinus) nahe verwandt, der Kopf ist breit, wird vorn en-
ger, die Oberlippe quer, mit häutigem, gewimperten Vorderrande, die
Mandibeln hornig, sichelförmig, scharf , innen gewimpert, die äussere
Lade der Maxillen breit, kurz, dicht behaart, die innere kurz, gewim-
pert, die Kiefertaster fadenförmig, das 2—4te Glied von gleicher Länge,
die Fühler lang, fast fadenförmig, Halsschild breit, quer mit erhabenen
Rändern, die Flügeldecken fast viereckig, die Beine lang, zart, das
vierte Fussglied etwas zweilappig, die Vorderfüsse kürzer und breiter
als die andern, Die Art A. lebioides ist im Himalaya einheimisch
und Tafel 41. Fig. 9. abgebildet,
Schiödte hat (Overs, ov. d. dansk. Vidensk. Selsk. Forlı. 1847.
No. 6. S. 79.) eine neue Gattung dieser Familie Bathyscia aufge-
150 Schaum: Bericht über die Leistungen in der Entomologie
gestellt, welche jedoch mit Adelops Tellkampf (s. dies. Archiv 1844)
einerlei ist. Schiödte’s Charakteristik, welche die von Tellkampf in
manchen Punkten ergänzt, lautet so: Maxillae mala interiori unco ter-
minata corneo. Palpi maxillares articulo ultimo conico acuminalo. Li-
gula membranacea, apice acute emarginala, paraglossis membranaceis,
breviter ciliatis. Antennae longiores, extrorsum erassiores, articulo
octavo conliguis minore. Tarsi antici quadriarticulati, posteriores
quinquearticulati, omnes articulo primo subsequentibus haud longiore.
Oculi nulli, Habitus Cholevae. Mesosternum carinatam. Alae nullae.
Structua interna a Choleya praesertim dilfert: vasis malphighianis ge-
niculatis apicem versus sensim paulo erassioribus, capsulis spermaticis
numerosis minulis, cum lunica earum communi magnum efformanti-
bus globum, vesiculis seminalibus utriusque paris brevioribus, aequa-
libus, minime convolulis. Schiödte beschreibt zwei neue Arten.
B. byssina: breviter ovala, valde convexa ferruginea, fulvo- pube-
scens, nono anlennarum arliculo octavum ter superante. Long. / lin.
et ultra, aus der Adelsberger Höhle in den Zwischenräumen von Bys-
sus fulvus, und B. montana: ovala, convexa, ferruginea, fulvo-pu-
bescens, nono antennarum arliculo oclavum dimidia parte superante.
Long. vix '/ lin., in bedeutender Zahl in der Luegger Grotte, 'zwischen
loser Erde, kann aber nicht als eigenthümliches Höhleninsect angesehen
werden, da sie sich in noch viel grösserer Menge auf schattigen Klip-
pen beim Schlosse Veldes in den Krain'schen Alpen fand.
Ein anderer höchst ausgezeichneter, in der Adelsberger und Magda-
len-Grotte in Krain vorkommender Käfer ist von Schiödte (a.a. 0.S. 78.)
unter dem Namen Stagobius troglodytes beschrieben worden. Er
wird vom Verf. dieser Familie eingereiht und als Mittelglied zwischen
Sceydmaenus und Choleva bezeichnet. Die Charaktere desselben lauten:
Maxillae mala interiori spinulis terminata. Palpi maxillares articulo ul-
limo conico acuminato. Ligula membranacca, apice acute emarginalta ,
paraglossis membranaceis breviter ciliatis, ligulam haud superantibus.
Antennae corpore longiores graciles, extrorsum crassiores, arliculis elon-
gatis, clavatis, octavo contiguis minore. Pedes elongati graeillimi , tarsi
filiformes, setis longioribus, antiei quadriarticulati, posteriores. quinque-
articulati, omnes articulo primo elongato unguiculis elongatis. Oculi
nulli. Caput elongato -obovatum, deflexum. Prothorax subeylindrieus,
ante basin coarctalus ; sternum lolum simplex. Coleoptera connata
ampla, elliptica, convexissima , undique declivia. Alae nullae. St iro-
glodytes laevis nitidus fusco-brunneus, capite thoraceque fuscis,
Long. 2'/,—3 lin. (Der Käfer war schon vor Jahren von F. Schmidt
mit dem auch dem Verf. bekannt gewordenen Namen Leptodirus Hohen-
wartii belegt und ist neuerdings von F. Sturm (Deutschl. Faun. Heft 20.)
unter demselben beschrieben und ausgezeichnel schön abgebildet wor-
den. Sturm, dem die nahe Verwandtschaft des Thieres mit Mastigus
nicht entgangen ist, stellt es zu den Scydmaeniden. Aus seiner Dar-
nn
während des Jahres 1848. 151
stellung ergiebt sich übrigens, dass die Vorderfüsse nur im männlichen
Geschlechte viergliedrig, beim Weibchen fünfgliedrig sind).
Als neue Arten sind beschrieben von Fairmaire (Ann. d. |.
soc, entom. d. Franc. S. 168.) Silpha Souverbii aus den Pyrenäen,
— von Menetries (Cat. d. Ins. rec, par Lehmann). Catops lateritius
und fuscipes, beide dem agilis Ill. Er. verwandt von Nowaia Alexan-
droyskaia.
Histerini.
Küster beschrieb (Käf. Eur. XV. 27.) Abraeus seminulum
von Montenegro. — Menetries a.a.0. Hister pusio (Taf.2. Fig. 7.),
planulus (Fig. 8.), Saprinus turcomanicus (Fig. 9.); alle drei aus
Turcomanien.
Trichopterygia.
Motschulsky, welcher diese Familie jetzt Trichoptilia nennen
will, hat (Bull. d. Mosc. 1848. $. 569.) eine Uebersicht der Gattungen
veröffentlicht und die ihm bekannten Arten aufgezählt. Der Aufsatz
entspricht ebenso wenig als die früheren des Verf. über diese Familie
wissenschaftlichen Anforderungen; es ist daher” hier nicht der Ort, nä-
her auf denselben einzugehen.
Phalacrides.
Küster beschrieb (Käf. Eur, XI. 26.) Olibrus bimaculatus
als neue Art aus Norditalien.
Nitidulariae.
Küster beschrieb Brachypterus laticollis (Käf. Eur. XV. 35.)
von Spalato in Dalmatien, B. meridionalis (XV. 38.) von Kartha-
gena, B. flavicornis (XV. 40.) aus Italien, Meligethes australis
(XV. 42.) von Karthagena, M. angustatus (XV. 44.) aus Sieben-
bürgen.
Thalycra australis von Adelaide ist von Germar (Linn. ent.
III. 187.) aufgestellt worden, sie weicht von Thalycra und den übrigen
Gallungen mit vorragendem Prosternum durch die Dornen an der Aus-
senkante aller Schienen ab, und bildet wohl den Typus einer eigenen
Gattung.
Mannerheim macht (Bull. de Mose. II. S. 82.) darauf aufmerk-
sam, dass unter Peltis squamulosa Gebler (Leperina squ. Erichs.) Exem-
plare mit getheilten und andere mit ungetheilten Augen vorkommen,
und dass darin wohl ein Geschlechtsunterschied liege. Die viel seltneren
mit vier Augen scheinen die Männchen zu sein.
Colydii.
Eine neue Gattung dieser Familie ist Petalophora West-
wood (Cab, of Orient, Ent, Tab. 41. Fig. 7.), durch die Bildung der
Fühlhörner sehr ausgezeichnet, diese sind elfgliedrig, die drei letzten
’
15% Schaum: Bericht über die Leistungen in der Entomologie
Glieder bilden eine grosse Keule, welche aus flachen Blättern besteht,
das erste dieser Blätter ist klein, das letzte sehr gross und borstig.
Körper fast walzig, ziemlich lang, Kopf klein, dreieckig, Oberkiefer
fast dreieckig mit zwei kleinen Zähnen unterhalb der Spitze, Maxillen
mit zwei breiten, häuligen,, innen gewimperten Laden, Taster einfach,
Schienen innen mit langem Enddorn. Die Art P. costata ist aus Java,
Zu welcher der von Erichson errichteten Gruppen diese Gattung gehört,
ist nicht zu bestimmen, da der Verf. über die Stellung der Hinterbeine
und die Länge der einzelnen Bauchringe Nichts bemerkt hat.
Die von Germar (Linn. ent. III. S.222.) aufgestellte Gattung
Sigerpes, durch dreigliedrige Fühlerkolbe, vorgestreckten Hals und
langes, hinten stark verengtes Halsschild von Pycnomerus unterschie-
den, ist mit Deretaphrus Newm. identisch. S. piceus ist eine neue Art
von Adelaide. Neue Arten sind ferner: Bolkryderes anaglyplicus
Germar (Linn, entom. 111. S. 224.) von Adelaide und Cortlicus [fo -
veolatus Fairmaire Ann. d.|. soc. ent. d. Franc. S. 171. pl. 7. No.1ll.
Fig. 2. aus Sicilien.
Cueujipes.
Als eine mit Passandra und Calodromus verwandte Gatlung ist
von Westwood (Cabin. ol Orient. Ent. tab. 41. fig. 6.) Priono-
phora eylindrica aufgestellt; indessen ist weder die Gattung noch
die Art neu, die erstere ist von Erichson (Naturgesch. d. Käf. Deutschl.)
Ancistria genannt, die letztere ist mit Colydium retusum Fabr. identisch.
Laemophloeus Dufourii ist eine neue, von Laboulbene Ann.
d. 1. soc. ent. de Franc. $. 297. beschriebene und auf einem Holzschnitt
abgebildete Art aus dem südwestlichen Frankreich , welche besonders
durch die an der Spitze abgestutzten und im männlichen Geschlechte
erweiterten Flügeldecken mit nach unten gebogener Endecke sich aus-
zeichnet.
Gebler beschrieb (Bull. d. Mose, 1848. I. $. 385.) Cueujus si-
biricus Mannh. aus Südwestsibirien, welcher indessen mit C. haema-
todes Er. identisch ist.
Prostomis mandibularis in seinen verschiedenen Ständen ist
von Wissmann (Ent. Zeit. S. 76.) in modernden alten Eichenstöcken,
welche von Formica brunnea bewohnt waren, in grösserer Anzahl auf-
gefunden worden. Die Larve ist bereits von Erichson beschrieben.
Dieser Familie glaube ich als eine besondere Gruppe die Gattung
Trietenotoma anschliessen zu müssen, welche von Westwood (Cabi-
net of Orient. Entomol. Taf. 23.) erläutert ist. Sie weicht von den
übrigen Mitgliedern derselben allerdings durch die in beiden Ge-
schlechtern heteromeren Füsse und die grossen ausgerandeten Augen
ab, zeigt aber sonst in ihren Charakteren eine grosse Uebereinstimmung
mit denselben. Westwood hat sie, dem Beispiele Dejean’s folgend, den
Longicornien angereiht, denen sie im Baue der Mundtheile, im Flügel-
während des Jahres 1848. 153
geäder und in der Gliederung des Hinterleibes nahe kommt , und: hat
sie hier als eine besondere Gruppe aufgestellt, welche durch heteromere
Füsse und die nach innen vorgezogenen Endglieder der Fühler charak-
terisirt wird, während sie durch den vorgestreckten Kopf und Mandibeln
und durch die schwach ausgerandeten Augen in die nächste Verwandt-
schaft mit den Prioniden tritt. Mir scheint gegen diese Verbindung
nicht allein die Zahl, sondern auch die Bildung der Fussglieder, sowie
die Stellung der Fühler unter dem Stirnrande, die Gestalt der Mittelhüf-
ten und die weile Entfernung der Beine von einander zu sprechen. —
Westwood bildet drei Arten dieser Gattung ab, die bekannte Tr. Chil-
drenii Gray im weiblichen, Tr. Templetonii, eine neue Art aus Cey-
lon im männlichen, Tr. aenea Parry (s. vor. Jahresber. S. 106.) im
weiblichen Geschlecht. — Parry hat die Charakteristik von Tr. Tem-
pletonii durch die Beschreibung des Weibchens vervollständigt, (Trans,
of the ent. Soc. V. S. 84.)
Cryptophagides.
Die früheren Stände von Cryplophagus cellaris sind von Newport
(Trans. of the Lion. Soc. XX. S. 351. pl. 14. fig. 34. a.) beschrieben
und abgebildet worden. Die Larve wurde in einer Zelle von Antho-
phora relusa gefunden und lebte von den Excrementen der jungen Bie-
nenlarve. Die Nymphe ist der von Diaperis Boleti sehr ähnlich, das
Jeizte und vorletzte Segment sind mit einem Paare kurzer gegliederter
Griffel, die Seiten des Körpers mit langen Haaren versehen.
Myeetophagides.
Die Varietäten, welche bei Mycetophagus variabilis in der Zeich-
nung der Flügeldecken vorkommen, sind von Letzner (BetNen Jah-
resb. f. 1848.) aufgezählt.
Dermestini.
Küster (Käf. Eur.) beschrieb als neue Arten Anthrenus gra-
vidus (XI. 37.) von Ragusa, isabellinus (XIII. 38.) von Kartha-
gena, und Altagenus marginicollis (X11. 76) dem A. megatoma ähu-
lich, ebendaher.
Byrrhii.
Suffrian erörterte einige Arten dieser Familie (Ent. Zeit. $. 98.).
Die eine von den Pyrenäen stimmt in mehreren Punkten nicht mit Stef-
fahny's Beschreibung von Byrrhus pyrenaeus (sie ist auch von demsel-
ben specilisch unterschieden), wurde indessen ebensowenig benannt als
eine andere aus Siebenbürgen, welche dem B. regalis Steff. sehr nahe
steht (sie ist sogar mit B. regalis identisch). Eine dritte ausgezeich-
nete und bestimmt neue Art, ebenfalls aus Siebenbürgen, wird als B,
franssylranicus beschrieben, sie gehört der Gattung Morychus Er,
an und stelit im Habitus in nächster Verwandtschaft mit B. aeneus; durch
den Mangel der Flügel und die Anwesenheit eines Hautläppchens unter
154 Schaum: Bericht über die Leistungen in der Entomologie
dem dritten Fussgliede schliesst sie sich aber enger an M. auratus Duft-
schm. an, auf welcher Stellahny die Gattung Pedilophorus gegrün-
det hatte.
Hydrophilü.
Als neue Arten sind von Küster (Käf, Eur.) beschrieben: Be-
rosus hispanicus (XII. 80.) aus Spanien, Cercyon flavipenne (XIN.
56.) von Karthagena , Cyclonotum hispanicum (Xlll. 39.) ebendaher
und dalmatinum (XIII. 40.) aus Dalmatien.
Scarabaeides.
Dynastidae. Als neue Arten wurden aufgestellt von Erich-
son (Schomb. Reis, 3. Th.) Agaocephala bicuspis, Tomarus Gyas
Hoffgg. , Phileurus pusio, Cyelocephala stolata aus British Guiana ;
von demselben (Küst. Käf. Eur. XIV.) Pentodon distans vom Cas-
pischen Meere; — von Küster (Käf. Eur. XIII. 42. u. 43.) Pentodon
emarginatus aus Südrussland und P. suleifrons aus dem Cau-
casus, von Mönetries (Cat. d. Ins. rec. p. Lehm. Taf. 2. Fig. 12.)
Aylotrupes Attila von Tchakyr-ata (ein weiblicher Oryctes).
Leconte setzte (Journ. of the Acad. of nat. sc. of Phil. N, Ser,
Vol. I.) die americanischen Arten der Gattung Bothynus Hope in folgen-
der Weise auseinander:
A. Clypeus versus apicem bidentalus:: a. thorace aequali: 1. re-
lietus Say. (Dolicaon Dej.); b. thorace anlice mucronato. «. elytris
grossius punctato-strialis. 2. neglectus (juvencus Dej.). ß. elytris te-
nuiter punclato -strialis. morio (gregarius Dej.): y. elytris striis
internis fere obliteratis. 4 obsoletus. B. Clypeus versus apicem li-
nea transversa elevata integra: 5. pyriformis. C. Ülypeus versus
apicem tridentatus, apice summo emarginato rellexoque: a. castaneus
postice valde dilatatus. 6. variolosus; b. niger postice modice di-
latatus. 7. tridentatus Say; c. niger dente medio obsoleto. 8. ca-
staneus Melsh. (obesus Dej.). — Der Verf. hat Burmeister’s Handbuch
d. Ent. Bd. V. noch nicht benutzen können, in welchem mehrere der
hier erwähnten Arten unter Heteronychus, andere unter Podalgus be-
schrieben sind.
2
6
o
Die neuholländische Gattung Cryptodus wurde von Germar (Linn.
entom. III. S. 189.) mit zwei neuen Arten von Adelaide bereichert, Cr.
passaloides zu der Abtheilung mit zehngliedrigen und Cr. piceus
zu der mit neungliedrigen Fühlern gehörig, der letzte ist dem Cr. pa-
radoxus M. Leay jedenfalls sehr nahe verwandt , durch die Punktirung
der Flügeldecken aber, wie es scheint, verschieden.
Cetoniadae. Mehrere neue Arten sind von Hope (Trans. of the ent,
Sue. V. 32 ) beschrieben und auf Tafel 4. abgebildet worden: Diplognatka
herculeana von Cap Palmas, der D. silicea verwandt, D. ornatipennis,
Cetonia rubrocincta, Glycyphana werwginosa ebendaher (die letz-
en
während des Jahres 1848, 155
tere ist wahrscheinlich nur Abänderung von Cet. impar Gor. et Perch.),
Macronota sticlica von Mysore. Ausserdem bildete derselbe eine
Varietät des Männchens von Coelorhina gultata Oliv. , bei welcher die
beiden Hörner des Kopfschildes mit einander verwachsen sind, und ei-
nige früher nur ungenügend charakterisirte Arten ab: Cetonia propin-
qua ‚Gor. et Perch. mit ihren Mundtheilen, welche mit Trichostetha fa-
scieularis und capensis in den wichtigsten Punkten übereinstimmt, Chn-
teria tetraspilota Hope und Diplognatha admizta Hope.
Referent machte zwei Decaden neuer Cetonien (Trans. of the
ent. Soc. V. 64.) bekannt: Heterorrhina Swanzyana Parry von der
Goldküste von Guinea, der Untergattung Plaesiorrhina angehörig, H. bi-
costata Melly aus Guinea, welche in der viereckigen Gestalt des Ko-
pfes mit H. viridieyanea Pal. Beauv. übereinstimmt, aber durch die kur-
zen Hinterfüsse, gefurchten Mittel- und Hinterschienen und die Kürze
des Mesosternalfortsatzes von allen bisher errichteten Untergattungen
abweicht, Gymnetis poecila (pl. 8. fig. 2.) aus Mexico, der G. marmo-
rea Ol. und Sallei Chevr. verwandt, Gymn. Wollastonii (pl. 8. fig. 3.)
aus Oaxaca, G. Dyzoni White und foeda von Venezuela, Stethodesma
haematopus Parry aus dem südwestlichen Theile von Mexico (nicht
wie irrig angegeben ist, aus Columbien), Macronota quadrivittala,
der M. quadrilineata sehr ähnlich, aber mit vertiefter Mitte des Hals-
schildes, aus Ceylon, Glycyphana (Gametis) Kuperi White (pl. 8. fig. 6.)
aus China, plagiata Horsfield aus Java, und Behrii vom indischen
Archipel östlich von Java, Ozythyrea septicollis von Ashantee in
Guinea, 0. Helenae (pl. 8. fig. 7.) ausAbyssinien, Tephraea morosa
aus dem südwestlichen Africa, Cetonia (Protaetia) Whitehousii Parry
aus Ceylon, Cet. (Pachnoda) crassa, der limbala Fabr. verwandt, aus
Abyssinien, Schizorhina (Diaphonia) palmata (pl.8. fig. 4.) von
Adelaide, durch die im männlichen Geschlechte stark erweiterten Vor-
derfüsse sehr ausgezeichnet, rugosa aus Neuholland, Ischnostoma na-
suta Boheman pl. 8. fig. 5. aus dem südöstlichen Africa, Platygenia
ezarata Melly aus Guinea, von Plat. barbata in mehreren wichtigen
Charakteren abweichend , der Kopf ist schmaler, der clypeus zweizah-
nig, die Füsse sind länger. Das hier beschriebene Exemplar ist ein
Weibchen, nicht, wie in Folge eines Druckfehlers gesagt ist, ein Männ-
chen. Das letztere, welches vom Männchen der Pl. barbata durch ein-
fache Klauen abweicht, ist nachträglich (Trans, of the ent. Soc. V. Proc.
5. XLIV.) vom Ref, charakterisirt worden.
Von Parry wurden (Trans. of the ent. Soc. t.V. pl. 11.) die
vom Ref. beschriebenen Protaetia Whitehousii, Macronota quadrivittata,
Diaphonia rugosa, so wie Pygora lenocinia Gor, et Perch. abgebildet
und zwei neue Arten Clinteria incerta und pantherina aus Ley-
lon-(a. a. 0. $. 81.) aufgestellt, die erste ist Abänderung von Cetonia
imperialis Schönh., die zweite eine der @ymnelis moerens Gor. et Perch,
verwandte, noch unbeschriebene Art,
156 Schaum: Bericht über die Leistungen in der Entomologie
Eine durch ihre Sculptur ausgezeichnete neue Art der Gattung
Anochilia ist von Coquerel in Madagascar entdeckt, und unter dem
Namen A. republicana (Ann. d. 1. soc. ent. d. Franc. VI. S. 277.
pl. 8. fig.2. a. b.) bekannt gemacht worden. — Derselbe bildete
(ebenda fig. 3.4 u. 5.) eineAbänderung von Leucocelis eustalacta Burm.
und zwei von Oxythyrea amabilis Schaum ab, die eine ohne alle weis-
sen Flecke auf der Oberseite und mit röthlichem Schimmer, und äus-
serte die Vermuthung, dass beide Arten, obwohl die erstere beträchtlich
breiter ist, doch vielleicht nur Varietäten von einander sind (a. a. 0.
5. 280.).
Eine neue Art ist ferner noch Schizorhina (Diaphonia) zan-
Ihopyga Germar (Linn. entom. III. S. 195.) von Adelaide,
Referent widersprach (Bull. d. 1. soc. ent, d. Franc. S. L1,)
der von Melly geäusserten Ansicht, dass Mecynorhina Savagei Harris
Varietät von M. polyphemus Fabr., und dass Goliath. giganteus, Drurü
und cacicus Abänderungen einer Art seien. Es kommen allerdings
Exemplare vor, welche zwischen den G. Drurii und cacicus ziemlich in
der Mitte stehen, aber die schwarze Naht der Flügeldecken scheint ein
eonstantes Kennzeichen des letztern zu sein.
Smith machte in Newman’s Zoologist darauf aufmerksam , dass
ausser dem bekannten Trichius fasciatus, auch Tr. abdominalis in
England einheimisch ist, und setzte die Unterschiede beider Arten aus-
einander.
Auf das Vorkommen der Cremasiocheilen in Ameisennestern
machte Haldeman (Silliman’s Journ. 1848. Jul.) aufmerksam. Ref.
kann diese Beobachtung bestätigen. Wahrscheinlich untergehen diese
Thiere dort ihre Verwandlung, wie dies von mehrern Cetonien be-
kannt ist.
Referent gab ein Verzeichniss der Lamellicornia melitophila
Stettin 1848 heraus, dasselbe ist indessen durch viele Druckfehler und
inehrere Auslassungen entstellt und nicht in den Buchhandel gelangt.
Rutelidae. Erichson behandelte in Küster’s Käf. Eur. H. XIV,
die nicht in Deutschland vorkommenden europäischen Arten der Gat-
tung Anomala. Es sind sechs beschrieben: A. errans Ill. (= praticola
Fabr., Burm.), profuga aus Portugal, ausonia aus Süditalien, lu-
eulenta aus Südrussland, vagans Ill. aus Portugal und Spanien, de-
vota Rossi aus Italien.
Derselbe stellte (Schomb. Reis. 3. Th.) Leucothyreus ana -
choreta und pallens als neue Arten aus British Guiana auf.
Von Menetries (Cat, d Ins. ree. p. Lehm.) wurde Adoretus com-
ptus (= Gematis obscura Fisch. , non Fabr.} von Djan-Daria beschrie-
ben und Taf. 2. Fig. 13. abgebildet.
Melolonthidae. Gray stellte eine neue Art von Cheirotonus unter
dem Namen Ch. Perrii auf, welche sich von Ch. Mac Leayi Hope haupt-
während des Jahres 1848. 157
sächlich durch geringere Grösse, kürzere, schwächer gebogene und ge-
zahnte Vorderschienen und tiefere Punktirung des Halsschilds und Schild-
chens unterscheidet. Ich halte diese Abweichungen nur für individuell,
die Biegung der Vorderschienen ist ein Kennzeichen des männlichen Ge-
schlechts , welches ohne Zweifel, wie andere excessiv entwickelte
Geschlechtscharaktere, wie die Mandibeln der Lucanen, die Hörner der
Dynastiden, die langen Fühler vieler Anthriben und Cerambyeinen, be-
deutenden Abweichungen bei verschiedenen Individuen unterliegt. Dass
bei kleinern männlichen Individuen, welche sich überhaupt dem weib-
lichen Typus nähern, die diesem Geschlechte eigenthümliche dichtere
Punktirung auftritt, ist eine in vielen Lamellicorniengattungen gemachte
Beobachtung.
Ueber die Lebensart des Ckeirotonus Mac Leayi bemerkte Hut-
ton (Trans. of the ent. Soc. V. S. 86.), dass der Käfer nicht sehr sel-
ten, aber local ist, in Gesellschaft von Hirschkäfern angetroffen wird,
und wie diese den aus Baumwunden ausfliessenden Saft leckt. Die
Verwandlung geschieht in faulen Stämmen von (uercus incana.
Als neue Arten sind beschrieben worden:
Von Lucas (Ann. d. |. soc. ent. d. Franc. Bull. S. VIII.) Eila-
phocera rubripennis aus Algerien.
Von Menetries (Cat. d. Ins. rec. p. Lehm. Taf. 2. fig. 14.)
Ancylonycha holosericea (Melolontha porosa ? Fisch.), eine schöne
weissbestäubte Art aus Bokhara.
Von Erichson (Schomb. Reis. 3. Th.) Ancylonycha sericata
und leporina aus British Guiana.
Von Germar (Linn. entom. III. 390.) Melolontha heteroda-
elyla, Pachygasira tasmanica, Liparetrus phoenicopterus,
nigrinus, picipennis, iridipennis, nudipennis aus Ade-
laide. (Die erste weicht erheblich von Melolontha ab, und muss wohl
eine eigne Gattung bilden. Die Klauen sind bei beiden Geschlechtern in
der Mitte gezahnt, die Fühlerkeule im männlichen Geschlechte sieben-
gliedrig, im weiblichen sechsgliedrig, das dritte Glied des Fühlers in
einen Dorn verlängert, die Hinterfüsse des Weibchens sind beträchtlich
kürzer als die Schienen. Die Hinterleibsspitze dieses Geschlechtes ist
stumpf. Der Gattungsname Pachygastra ist ein Schreibfehler für Pro-
chelyna , aber auch von dieser in Erichson’s Naturgesch. der Käfer
Deutschland S.683 aufgestellten Gattung, weicht die hier beschriebene
Art noch durch ausgehöhltes Kopfschild und ausgerandete Lefze ab.)
Hyposoridae. Leconte beschrieb (Journ, of the Acad. of
Philad. N. Ser.1.8.85.) Hybosorus carolinus als neue Art aus Caro-
lina, sie ist indessen nicht von dem über Südeuropa und Africa ver-
breiteten H. arator Fabr, verschieden.
! Geotrupini. Westwood hat der Linn@’schen Gesellschaft in
London zwei mit vielen Abbildungen begleitete Abhandlungen über die Gat«
158 Schaum: Bericht über die Leistungen in der Entomologie
tung Bolboceras vorgelegt, von welchen bis jetzt nur Auszüge in den
Ann, of nat. hist. 1848. II. S. 143. u.353. veröffentlicht sind. In der ersten
sind mehrere australische Arten: B. Kirbii von Van-Diemensland, B.
Reichei Guer. (Kirbii Hope, Bainhr.) von der Insel Melville, B. ca -
preolus und B. Bainbridgii vom Swan River beschrieben. Auf eine
andere ebenfalls neuholländische Art, B. nigricornis ist eine eigene
Untergattung Stenaspidius errichtet, sie unterscheidet sich von Bol-
boceras durch längere Gestalt, längliehes nicht dreieckiges Schildchen
und durch die Zahl der Streifen auf den Flügeldecken, deren sich nur
fünf zwischen Schulter*und Naht finden, auch ist die Fühlerkeule
schwarz. — Die zweite Abhandlung enthält die Beschreibungen von 20
neuen oder in Klug’s Monographie nicht beschriebenen Arten aus den
übrigen Welttheilen: B. Cyclops Fabr., grandis aus Ostindien , fur-
cicollis Cast. aus Nordamerica, ferrugineus Cast. aus Ostindien?, care-
nicollis Cast., Catanus, laevicollis, lateralis, nigricans
aus Ostindien, politus vom Senegal, Corypkaeus Fabr. vom Cap., sca-
bricollis ebendaher, capitalus, inaequalis, bicarinatus,
dorsalis, nigriceps (vielleicht 2 von dorsalis), (ransversa-
lis, indicus, lineatus sämmtlich aus Ostindien. Auf Bolb. Me-
liboeus Fabr. aus Nordamerica ist eine eigene Untergattung Eucan-
thus errichtet, welche in folgender Weise charakterisirt wird: Corpus
minus depressum quam in reliquis, pronolo antice haud retuso , tibiae
anticae dentibus duobus apicalibus magnis aliisque minulis externis ver-
sus basin armatae. Elytra striato-punctata, singulo striis quinque tan-
tum inter humeros et suluram, punctis profundis.
Derselbe hat auch Beschreibungen von mehreren neuen Arten
der Gattung Athyreus der Linn@’schen Gesellschaft vorgelegt. Die Dia-
gnosen sind in den Ann. of nat. hist. I. Ser. I, 387. mitgetheilt, Es
sind A. gigas aus Brasilien, A. armatus und subarmaltus aus
Mittelamerika, tuberculatus aus Brasilien ‚-rotundus ebendaher,
vielleicht das Q des vorigen, bellator (bifurcatus Cast., aber weder
bifurcatus Mac-Leay, noch bifurcatus Klug) aus Brasilien und Cayenne,
Bilbergii Gray von Demerara und Cayenne, Pholas von Santa Fe
de Bogota, purpureipennis aus Centralamerika, centralis aus
Neu Granada, Tıoeedyanus von Haili. —- Ath. recticornis Guer. ist
als Synonym von Bolboceras hastifer Bainbr. nachgewiesen, der letztern
Gattung gehört auch Athyreus porcatus Cast, an.
Leconte beschrieb (Journ. of nat. sc. ofthe Ac. of Phil. N. Ser,
Vol. I. P.1. S. 86.): Ochodaeus obscurus: atro -brunneus, fere opa-
eus, punctlatus, pilis brevibus favis minus dense vestitus, Ihorace lineis
tribus basalibus parum elevatis laevibus. Long. 0,28. aus den südlichen
und westlichen. Staaten Nordamerica’s.
Leon Fairmaire stellte (Ann. d. 1. soc. ent, $. 172.) Geotru-
pes subarmalus als neue Art aus Griechenland auf, es scheint ihm
aber nicht dieselbe Art vorgelegen zu haben, welche Dejean so be-
während des Jahres 1848. 159
2
nannt und Erichson (Naturg. d. Käf. Deutschl. S. 727.) kurz charakteri-
sirt hat, sondern der von Waltl (Isis 1838. S. 456.) beschriebene G.
fossor Friw.
Coprides. Burmeister setzte die Arten der Gattung Deltochilum
Eschsch. (Hyboma Enc., Anamnesis Vigors) auseinander und schilderte
die früheren Stände von D. brasiliense („die Entwieklungsgeschichte der
Gattung Deltochilum“ in d’Alt. und Burm. Zeitschr. für Zool., Zoot. und
Paläont. S. 133. Taf. 1. Fig. 1—12.), Die Gattung wird hier durch
fehlende Vorderfüsse, weit auseinander stehende Mittelhüften, aussen un-
gezahnte Schienen, von denen die mittlern mit zwei Spornen versehen
sind, durch breite ausgehöhlte Brust und völlig entwickelte Flügel
charakterisirt, Dem Verf. sind 12 Arten bekannt, welche hier diagno-
stieirt werden: D. dentipes Enc. (Anamn. Mac Leayi Vigors), Icarus
Oliv., gibbosum Fabr. , brasiliense Lap., aequinoctiale Buquet, furcatum
Lap., irroratum Kirb., bidentatum, neue Art aus Cayenne, vielleicht
= melallicum Lap., morbillosum Klug, (= scabripennis Dej.), aus Bra-
silien, rubripenne Gory, mezicanum aus Mexico, speciosum Reiche
aus Neu Granada. Eine dreizehnte, dem D. Icarıs nahe stehende, dem
Verf, nicht in natura bekannte Art ist Ayboma chalcea Buq. Rev. Zool.
1844. S. 19. — Hyboma hyppona und arrogans Buq. 1. e. gehören, da
sie Vorderfüsse besitzen, ebensowenig in diese Gattung als Ayb. cari-
nata Westw. und elevatum Lap. Auch H. laeve Lap. und Lacordairii
Lap. sind Burmeister unbekannt geblieben und schwerlich zu Delto-
chilum zu rechnen. — Die Larven leben in grossen kugelrunden Lehm-
ballen, deren äussere, bei D. brasiliense ®/, Zoll dicke Schicht aus einer
erdigen Substanz besteht, und deren innere Höhlung von dem Miste
eines Pllanzenfressers ausgefüllt ist. Die Larve befindet sich in einer
von ihr selbst ausgefressenen kugellörmigen Höhle an der Grenze des
Mistes und der Erdrinde, Sie ist an beiden Enden zugespitzt und in
Folge ihres Aufenthalts in der erwähnten engen Höhle völlig zusam-
mengekrümmt. Die Beine sind sehr schwach, Die Puppe liegt frei in
einer besondern runden schwarzen Hülle, welche inwendig ganz glatt
ist und aus Larvenkoth gebildet wird. Sie ist sehr weich und durch
scharfe Ecken und stumpfe Fortsätze, welche über die Fläche des Pup-
penkörpers hervorragen, vor Verletzungen bei der Berührung mit der
Wand der Höhle geschützt. Solche Fortsätze finden sich auf dem Rücken
über der Alterölfnung in der Gestalt eines stumpfen Doppelhöckers, an
dem Vorderrande des Brustkastens in Form zweier gelrennter Lappen,
über der Schulterhöhe als ein Paar stumpfe Kanten, am Seitenrande des
Alen und 5ten Hinterleibsrings als ein Paar alle Organe der Puppe seit-
lich überragende Kolben.
Als neue Arten sind beschrieben :
R Von Möeneätries (Cat. d. ins. rec. p. Lehm. S. 41.) Onitis p a m=
philus Dej. aus der Kirgisensteppe und Oniticellus speculifer
Mannh, von Kisil-Koum,
160 Schaum: Bericht über die Leistungen in der Entomologie
Von Erichson (Schomb. Reis. 3. Th.): Canthon subceya-
neus, Copris coenosa, quadrata aus British Guiana.
Von Leconte (Journ. of the Ac. of Phil. N. S. Vel. I. $.85.):
Canthon perplezus: brevis, convexus, nigro- cuprascens, pernitidus;
thorace minus subtiliter punctato, elytris apice non truncatis tenuiter striatis,
subtiliter sparse punctulatis. Long. 0,18. aus Illinois. — Phanaeus tor-
rens: cupreus, subnitidus, subtiliter rugosus, clypeo. „71 postice hrevi-
ter cornuto, thoracis disco Iriangulariter planato , elytris obsolete pun-
clatis, profunde striatis, striis basi dilatatis A Long. 0,59. 2 long. 0,74.
v..St. Louis. Von P. nigro- cyaneus M. L. durch die Farbe und die
gewölbtern, kaum sichtbar punktirten Zwischenräume der Flügeldecken
unterschieden, und P. difformis: capite Ihoraceque viridibus, illo
breviter cornuto, hoc valde rugose scabrato, luberculo elongato pone
medium utrinque spalioque subhexagonali anlice deplanato, elytris cya-
neis profunde strialis, interstiliis grossius punctatis. Long. 0,79, aus Texas.
Aphodiidae, Als neue Arten sind beschrieben von Germar
(Linn. entom. III. S. 189.): Aphodius spilopterus von Adelaide (ist
der über alle Welttheile verbreitete A. lividus Ol.)
Von Menetries (Cat. d. ins, rec. p. Lehm. $. 45) Aphodius
Menetriesii Dej. (Taf. 2. f. 10.) und A. longulus (Taf.2. f. 11.)
beide aus Bokhara.
Von Gebler (Bull. d. Mose. 1848. II. S. 85.): Aphodius cost alis
Mannh. aus Südwestsibirien.
Trogidae. Erichson (Nat. d. Käf. Deutschl. p. 925) stellt
eine neue Galtung Liparochrus auf, welche in der Körperform an
Acanlhocerus erinnert, aber nicht Kugeln kann; die hintern Schienen
sind auch nicht schildförmig erweitert, sondern dick und mit Borsten-
reihen besetzt. Das erste Glied der Fühler nicht erweilert und die
Augen nicht durchsetzt. Die Gattung ist in Neuholland einheimisch.
— Ferner charakterisirte derselbe die noch unbeschriebene Gattung
Glaresis Friw. ; sie erinnert im Aeussern an Psammodius. Die Füh-
lerkeule ist sehr gross, die Mandibeln mit schmaler scharfer Spitze, Au-
gen halbdurchsetzt,, Hinterleib ganz bäutig, von unten durch die ver-
diekten Hinterbeine gedeckt. Die Hinterschienen an der Spilze haken-
förmig verlängert, Hinterfüsse sehr kurz. Die noch unbeschriebene Art
Gl. rufa findet sich in Ungarn. In Bezug auf die systematische Stel-
lung der Gattung bemerkt der Verf., dass sie vermuthlich auch die-
ser Gruppe anzureihen sei, sie weicht von den übrigen Trogiden dadurch
ab, dass die Beine keine Scharr-, sondern wirkliche Grabbeine sind.
Lucanini. Die oslindischen Lucanen mit theils gelben, theils
schwarzen Flügeldecken hat Westwood (Cab. of orient. Entom.) er-
läutert. Sie besitzen sämmtlich vollständig getheilte Augen, gedornte
Vorderschienen im männlichen Geschlechte, unbewehrte Mittel - und
Hinterschienen in beiden Geschlechtern. und eine dreiblättrige Fühler-
keule, und gehören dalıer der Untergattung Odontolabis Hope an, Ar-
während des Jahres 1848. 161
ten werden nur zwei unterschieden. L. bicolor Vliv., mit grossem run--
den Augenkiel, die Vorderschienen des Nännchens gebogen, die Flü-
geldecken gelb mit schwarzer Naht, von welcher ein aus Nepaul stam-
mendes Männchen (pl. 26. Fig.1.) sehr schön abgebildet ist, und L.
Gazella Fabr., welcher nach der Ausbreitung der gelben Farbe drei in
verschiedenen Theilen Asiens einheimische Unterarten bildet. Bei der
ersten sind die Flügeldecken halb gelb und halb schwarz. Sie ist in
Siam zu Hause, und der typische L. Gazella Fabr., Ol. gehört hierher.
Bei der zweiten in Sylhet vorkommenden Varietät sind zwei Drittheile
der Flügeldecken gelb, nur das innere Drittheil schwarz. Luc. Cuvera
Hope, Prinseppii Hope, Saundersü Hope, bicolor var. Saund., Burmeisteri
Hope, sind männliche Individuen dieser Form, welche nur in der Ent-
wicklung der Mandibeln von einander abweichen. L. Prinseppii ist
von Westwood auf Taf. 26. Fig.5 abgebildet. Das hierher gehörige
Weibchen ist von Guerin als L. Delessertii beschrieben. — Die dritte
Unterart findet sich in China, hier sind die Flügeldecken schwarz mit
gelbem Rande, der nicht mehr als ein Drittheil der Breite einnimmt,
Auf Taf. 26 sind Fig. 3. 4, 5. zwei Männchen und ein Weibchen die-
ser Abänderung dargestellt. Dass alle diese Formen nur eine Art bil-
den, hatte bereits Burmeister (Handb. d. Ent. t. V.) erkannt, er ist
aber zu weit gegangen, indem er auch L. bicolor Oliv. und L. casto-
noplerus Hope mit derselben verbindet. Um die specifische Verschie-
denheit des letztern zu beweisen, bildet Westwood hier (pl. 26. fig. 6)
das Weibchen desselben ab, nachdem er schon früher (pl. 10) das Männ-
chen dargestellt hatte. Diese Art gehört einer zweiten Gruppe der Gat-
tung Odontolabis an, in welcher der Kopf des Männchens seitlich hinter
den Augen keinen Dorn hat.
Lamprima varians aus Adelaide ist von Germar (Linn. entom.
II. S. 195.) aufgestellt worden. Sie wurde schon etwas früher von
Burmeister (Handb. d. Ent t. V.) unter diesem Namen beschrieben.
Tenebrionites.
Eine Reilıe neuer Arten ist von Küster (Käf. Eur.) bekannt
gemacht worden: Tagenia sardoa von Cagliari (XIV. 83), carinata
von Ragusa (XIV. 89), Scaurus giganteus (XIII. 54) aus Sardinien,
algiricus (Xlll. 56) aus Algier, lugens (Xlll. 57) aus Sardinien,
gracilis (XlIl. 61) von Carthagena, Gnaptor graecus (XII. 64)
aus Griechenland, Blaps lineata Dej. (Xlll. 65) aus Aegypten, B.
brachyura (Xlll. 66.) von Carthagena. Cistela lutea (X11. 82.) von
Carthagena.
Germar beschrieb (Linn, entom. III.) Prosodes? Behrii (des
sichtbaren Schildchens, der unten an der Spitze gefurchten Schenkel
und der unbewehrten Seiten der Schienen wegen vielleicht von Proso-
des generisch zu trennen), Cilibe tristis, granulata, Upis eylin-
drica, Adelium similatum, parallelum, Amarygmus purpu-
Archiv f, Naturgesch, XV. Jahrg, 2, Bd. L
162 Schaum: Bericht über die Leistungen in der Entomologie
reus, fervens, fastuosus, Adelphus iaesicollis, Allecula tri-
stris, carbonaria, cylindrica, fastigiata von Adelaide, die
beiden letzten weichen von Allecula durch schmale, fast walzenförmige
Gestalt, zugespitztes letztes Fühlerglied und kürzere dicke Beine ab,
(die beiden ersten stehen vielleicht besser bei Atractus Dej.)
Als neue Arten von British Guiana sind von Erichson (Schomb.
Reis. 3. Th.) aufgestellt worden: Opatrinus geminatus, Blapstinus
ruficornis, Epitragus roscidus, Stenochia compta, Allecula for-
lipes, spadicea.
Die merkwürdige neubolländische Gattung Helaeus wurde von Hope
(Trans. of the entom, Soc. V. 52) mit neun nenen Arten bereichert, von
denen schöne Abbildungen beigegeben sind: H.princeps (tab. 5. f. 1.)
von Norfolk Sound, H. contractus (tab. 6. fig. 2.) vom Swan River,
H. Spinolae (tab. 6. fig. 3.) ebendaher, H. testudineus (tab. 6.
fig.4.) von Port Essington, H. Bremei (tab. 6. fig. 5.) vom Swan Ri-
ver, H. echinatus Mac Leay (tab. 7. fig. 1.) ohne nähere Vaterlands-
angabe, H. simplez (tab. 7. fig.2.) vom Swan River, H. tarsalis
(tab. 7. fig. 3.) ebendaher, H. marginellus (tab. 7. fig. 4) von Nor-
folksund. Die Mundtheile und einzelnen Körpertheile der meisten Ar-
ten sind ebenfalls abgebildet. In der 1842 erschienenen, in den Erich-
son’schen Berichten aber nicht angezeigten Monographie des Cossyphi-
des von de Breme waren bereits 38 Arten dieser Gattung beschrieben,
durch den gegenwärtigen Beitrag steigt die Zahl derselben auf 47.
Eine neue Gattung und Art Mitua Burchellii Mac Leay wurde
von Hope (Trans. of the ent. Soc. V. $.57.) aufgestellt, und (Taf. 7.
Fig. 6) nebst den Mundtheilen abgebildet, die Galtungscharaktere sind
aber nicht aus einander geselzt. — Derselbe gab ebenda (Taf. 7.
Fig. 5) eine gute Abbildung von Saragus laevicollis Fabr.
Hypophloeus Ratzeburgii ist eine neue von Wissmann
(Ent. Zeit. S. 77.) beschriebene Art. Sie lebt in Buchenrinde, ist dem
H. depressus nahe verwandt, aber nur halb so gross und mit regel-
mässigen Reihen feiner Punkte auf den Zwischenräumen der Flügeldek-
ken versehen.
Leconte beschrieb (Journ. of the Ac. of Phil, N. Ser. t. I, S.
92) Heliopates latimanus: opacus, niger, subtiliter muricatus, vix
conspieue fulvo - pubescens, elytris obsoletissime striatis. Long. 0,55
durch die stark zusammengedrückten, dreieckigen, doppelt längern als
breiten, aussen mit 5 undeutlichen Kerben versehenen Schienen ausgezeich-
net, und Opatrum fossor: opacum densissime griseo-squamosum, ely-
ptris postice obsolete tessellatis, margine antice erenato, Long, 0,18
von Trenton in New-York.
Essai sur les Collapterides par M, Solier 14. Tribu Blapsites,
gleichzeitig mit den „Studi entomologici publicati per cura di F. Baudi
e di E. Truqui T. I. Fasc. Il.“ Torino 1848 vermuthlich in den Abhand-
lungen der Turiner Academie veröffentlicht, ist noch nicht in den deut.
Te
während des Jahres 1848, 163
schen Buchhandel gekommen, hat daber für den vorliegenden Bericht
nicht benutzt werden können.
Lagriariae.
Die nordamerikanischen Arten der Gattung Pedilus Fisch. sind
von Leconte (Journ. of the Acad. of Phil. N. Ser. I. S. 83) in fol-
gender Weise auseinander gesetzt worden: A. Totus niger a. pedibus
nigris. P. imus Newm. b. pedibus fulvis. P. fulvipes Newm, B. Thorace
rufo a. macula magna discoidali, pedibus rufis. P.pulcher b. immacu-
lato, pedibus rufis. P. ruficollis Ziegl. c. maculato vel immaculato, pe-
dibus nigris. P. infumatus Hentz. C. Elytris macula apicali testacea a.
thorace pedibusque nigris. P. lugubris Newm. b. thorace rufo, pedibus
nigris. P, guitula Newm. c. thorace rufo, pedibus rufis. P. elegans
Hentz. — P. imus Newm. ist — nigricornis Ziegl., P. elegans Hentz
— haemorrhoidalis Ziegl., P. infumatus Hentz = rufithorae Newm. =
marginicollis var. Ziegl. Die Diagnose der neuen Art P.pulcher lautet:
niger, parum nitidus, antennarum arliculo primo pedibusque rufis, tho-
race leviter cordalo, macula magna discoidali nigra, elytris punctatis,
apice subgibboso laevissimo. Long.0,35 aus Kentucky. Dem Verf, ist
die in dieser Gattung vorhandene Geschlechtsdifferenz entgangen, bei
dem einen Geschlechte sind die Flügeldecken eben, bei dem andern vor
der Spitze etwas eingedrückt, die Spitze selbst gewölbt, die letztere
Bildung hat der Verf. bei P. pulcher als specifischen Charakter an-
gesehen.
Mordellonae.
Als neue Arten wurden von Germar (Linn. ent. II. S. 203)
Mordella leucosticta und ezilis von Adelaide, -- von Küster
(Käf. Eur. X111. 79) Rhipiphorus apicalis von Karihagena beschrieben,
Oedemerites.
Nachträge zu der im ersten Bande der Linnaea entom. enthalte-
nen Monographie der Europäischen Oedemeriten hat Suffrian in der
Ent. Zeit. S. 165 veröffentlicht, Sie betreffen vorzugsweise die Syno-
nymie und die geographische Verbreitung einzelner Arten. Als neu
werden Probosca plumbea und Chitona strigilata von Karthagena
aufgestellt, welche indessen bereits etwas früher von Küster (Käf.
Eur. X11, 87. 88.), die erste unter dem Namen Chitona unicolor, die
zweite als Chitona ornata bekannt gemacht worden sind.
Kriechbaumer beschrieb (Ent, Zeit. S. 163.) Osphya? aenei-
pennis, eine ausgezeichnete, vom Verf. bei Chur entdeckte Art,
welche mir unbedenklich zur Gattung Osphya zu gehören scheint.
j Coquerel beschrieb (Ann. d. |. soc. ent. d, France. $. 177.)
Nacerdes maritima, neue Art von der Insel Marosse, nordwestlich
von Madagascar, nebst ihren früheren Ständen. Die Larve (pl. 7. No,
WW. Fig. 1.) wurde in einem faulen Baumstamme gefunden, welcher zur
164 Schaum: Bericht über die Leistungen in der Entomologie
Fluthzeit ganz vom Meere bedeckt war, sie ist der von L. Dufour ab-
gebildeten Larve von Oedemera dispar nicht unähnlich, doch ist das
erste Thoraxsegment viel grösser, hinten dreieckig, das zweite und
dritte, so wie die drei ersten Bauchsegmente sind oben mit Höckern
versehen.
Anthicides.
Leconte theilte (Journ. of the Acad. of Phil. I. S, 89.) ein
Verzeichniss der nordamerikanischen Arten von Notozus mit. Es sind
fünf aufgezählt: N. bifasciatus: niger, thorace ferrugineo, cornu
antice concavo poslice elevato, lateribus integris elytris fasciis duabus
albis. Long. 0,14 aus den westlichen Staaten der nordamerikanischen
Union. N. anchora Hentz; N. serratus: fusco-testaceus longe albo-
pubescens, thorace, cornu antice concavo, postice elevalo, lateribus ser-
ratis, elytris faseia poslica, gultisque nonnullis fuscis vom Felsengebirge;
N. monodon F.; N. bicolor Say.
Küster beschrieb (Käf. Eur. XII. 68.) Notozxus exzcisus, neue
Art von Karthagena.
Monographie des Anthicus et genres voisins Col&opteres Hetero-
meres de la tribu des Trachelides par M. F. de la Fert& Sen&ctere
trägt zwar auf dem Titel die Jahreszahl 1848, ist aber erst im Sommer
1849 erschienen.
Meloides.
Die bisher noch sehr in Dunkel gehüllte Verwandlungsgeschichte
von Meloö ist von Newport fast durch alle Stadien verfolgt worden.
„On the natural history, anatomy and development of the Oil Beetle,
Meloö, more especially ofMelo& eicatricosus Leach (Trans. of the Linn.
Soc. tom. XX. p. 297. tab. 14.).“ Die Abhandlung ist durch Gründlich-
keit der Untersuchung und durch echt wissenschaftlichen Geist der Me-
thode gleich ausgezeichnet. Sie besteht aus zwei Theilen, ein kurzer
Auszug des ersten ist bereits in den Ann. of nat. hist. XVII. S. 350
erschienen (S. Erichs. Bericht für 1846. S.116.). Die Beobachtungen
des Verf. über das Eierlegen und die jungen aus den Eiern sich ent-
wickelnden Larven bestätigen die ältern von Goedart, Frisch und De-
geer. Die Eier werden gegen Ende April, mehrere Tage nach der
Begaltung in einem grossen Haufen in ein Erdloch gelegt, welches das
Weibchen an sonnigen Plätzen an Graswurzeln gräbt und nachher wie-
der zufüllt. Dasselbe Weibchen legt ohre Wiederholung der Begattung
zwei bis vier Packete von Eiern in Zwischenräumen von 2—3 Wochen,
Die Zahl der Eier ist sehr gross, Newport fand über 2000 reife in ei-
nem Ovarium,. Nach Verlauf von 4-5 Wochen schlüpfen die jungen,
wohlbekannten Larven aus, welche Linne und Fabricius als Pediculus
apis, Leon Dufour als Triungulinus Andrenetarum beschrieben haben,
Die der verschiedenen Arten weichen nur in der Grösse von einander
ab und sind stets von gelber Farbe, sie können 15—R20 Tage ohue
während des Jahres 1848. 165
Nahrung leben und ohne sich zu verändern. Im Freien kriechen sie
in die Blüthen von Ranunculus und Taraxacum, und von da an ver-
schiedene Grabwespen (Andrenidae, Eucerae, Osmiae, Anthophorae und
Bombi), welche diese Blumen besuchen, auch an Zweiflügler, die als
Parasiten in den Nestern jenen leben. Ohne Zweifel werden die jun-
gen Larven auf diese Weise in die Nester der genannten Hymenopte-
ren getragen, wo sie sich weiter entwickeln. Jede Art von Melo&
scheint aber auf eine besondere Art von Hymenopteren angewiesen zu
sein, in den Nestern von Anthophora retusa z. B. nur Melo& cicatrico-
sus parasitisch zu leben. Wenigstens missglückte ein Versuch, junge
Larven von M. violaceus und proscarabaeus dort einzubürgern, die letz-
tere Art scheint auf Saropoda angewiesen zu sein. Trotz zwölf Jahre
lang fortgesetzter Nachforschungen gelang es dem Verf. nicht, die Larve
in ihrem nächsten Stadium zu beobachten. Nur so viel steht fest, dass
sie sich mehrfach häutet und eben so rasch wächst als die genannten
Hymenopterenlarven; denn Ende Juli und Mitte August fand Newport
bereits die ausgewachsenen Larven und dieNymphen von Melo& cicatrico-
sus, in besondern Zellen eingeschlossen, in den Nestern von Anth. re-
tusa. Der vollwüchsigen, fast fusslosen Larve, hängt stets ein Theil
der zuletzt abgestreiften Larvenhaut an, aus deren Untersuchung sich
ergiebt, dass die Larve in allen frühern Perioden ein actives Thier ist,
drei Paare kurzer schuppiger, mit einfachen Klauen endigender Beine
und starke gezähnte, etwas stumpfe Mandibeln besitzt. Die Nymphe ist
gewöhnlich noch von der letzten Larvenhaut umgeben. (Dieser Um-
stand widerlegt Erichson’s a. a. 0. geäusserte Vermuthung, dass New-
port eine Bienenlarve für die vollwüchsige Larve von Melo& angesehen
habe). Geoffroy’s Beschreibung der Melo@larve passt nicht auf diese,
sondern auf die Larve von Timarcha tenebricosa. — In dem zweiten
Theile ebenda $.371 „the history, and general anatomy of Melo& and
its alfinilies compared with those of the Strepsiptera and Anoplura with
reference 10 the connexion which exists between Structure, function
and instinet“ hat Newport die Beobachtungen zusammengestellt, welche
über die parasitische Lebensweise verwandter Gattungen, Tetraonyx,
Mylabris, Horia, Sitaris, Apalus, Rhipiphorus, Sym-
bius, Pelecotoma veröffentlicht sind, und verfolgt die Analogie,
welche zwischen den Strepsipteren und Melo@ in dem Parasitismus der
frühern Stände, und im Zusammenhange damit in der Organisation der-
selben besteht. Aus der Form der dünnen, scharfen, wie bei den My-
riapodengallungen Cermatia und Lithobius dreigliedrigen Mandibeln zieht
der Verf, den Schluss, dass die jungen Melo@larven die Hymenopteren-
larven selbst angreifen ; wahrscheinlich schmarotzen sie von aussen an
ihnen, wie die Larve von Seolia Nlavifrons an der von Oryctes nasicor-
nie. Die Veränderung, die mit der Larve während ihrer Entwicklung
vor sich geht, die Umwandlung der spitzen Oberkiefer in dicke, stumpfe
kurze, die Verkümmerung der Beine und der Bau des Koples in den
166 Schaum: Bericht über die Leistuägen in der Entomologie
letzten Stadien führen zu der Vermuthung, dass sie nach Zerstörung
der jungen Bienenlarve, in dem spälern Stadium von dem für die letz-
tere eingetragenen Blüthenstaub lebt, und dass so der Uebergang von
der carnivoren Lebensweise des ersten Larvenzustandes zu der herbi-
voren des vollkommenen Insects allmählich vermittelt wird. —
Ueber eine dritte, besonders in embryologischer Hinsicht wichtige
Abhandlung desselben Verf, von welcher bis jetzt nur Auszüge in den
Annals of nat. hist. und in Gard, Chronicle veröffentlicht sind, ist be-
reits oben berichtet worden,
Leconte beschrieb (Journ. of the Acad. of Phil. N. Ser. t. 1.
S. 30.) drei neue Arten von Cantharis Geoffr. (Lytta Fabr.) 1. C. ful-
gifer: aeneo-olivacea, capite, thorace abdomineque cupreis, politis,
antennis tarsisque nigris. Long. 0,9. von Long’s Peak. 2. C. nigri-
cornis: aenea, vix nitida, thorace campanulato, ulrinque punctato,
antennis nigris, pedibus rufis. Long. 0,56 von St. Louis. 3. C. fili-
formis: purpurea, vix nilida,, thorace fere quadrato, antennis nigris,
pedibus rufis, genubus tarsisque fuscis. Long. 0,33 aus Texas und eine
neue schöne Art von Pyrota: P. Engelmannii: supva flava, anten-
nis pedibus nigris, capite 4-gultato thorace 6-gultato, elytris maculis 4,
duabus basalibus interdum confluentibus nigris. Long. 0,72. von St. Louis,
Neue Arten sind ferner: Zonitis diehroa Germar (Linn, entom.
11. S. 204.) von Adelaide. — Lytta subvittata, anthracina, fla-
gellaria, glandulosa Erichson (Schomb. Reis. 3. Th.) von
British Guiana.
Brenthides.
Germar beschrieb (Lion, ent. III. $.209.) als neue Gattung und
Art Cordus hospes Schönh, aus Adelaide , die Gattung ist inzwischen
bereits von Schönherr selbst (Mant, 2,) charakterisirt worden.
Curculionides.
Von Suffrian sind in der Entomologischen Zeitung -($. 52—62.)
die bereits im vorhergehenden Jahrgange angefangenen Beiträge zur
Systematik der Rüsselkäfer fortgesetzt worden. Sie verbreiten sieh hier
über die Europäischen Cureuliones Brachyrhynchi des Schönherr’schen
Systems, welche besonders hinsichts des Baues der Beine, sowie der
Rüssel- und Fühlergruben, einer genauen Untersuchung unterworfen
werden; es ergiebt sich daraus, dass im Vergleich mit den Langrüsslern
Schönherrs, sich bei jenen eine weit geringere Mannigfaltigkeit in der
Beschaffenheit jener Theile, so wie ein nur seltenes Zusammentreffen
der bedeutendern Abweichungen vom Normaltypus bei denselben Thieren
herausstellt, Dadurch wird die Bildung natürlicher Gruppen ungemein
erschwert: aufgestellt sind deren hier einstweilen 16, unter denen nur
die Brachyderiden und die Molyliden eine grössere Anzahl von Gat-
tungen enthallens die 7te (Oleonus und Pachycerus) und die 10te
während des Jahres 1848, 167
(Tanysphyrus) werden zu den Mecorhynchen (sprachrichtiger Macro-
rhynehen) gebracht, und jene mit den Lariniden, diese mit den Erirhi-
niden verbunden. Bemerkenswerih im Einzelnen ist noch, dass bei den
Phyllobien (welche, der. etwas abweichenden Fühlergrube ungeachtet
auch Polydrosus und Metallites mit einschliessen) die Spornen an den
untern Schienenenden als Geschlechtsmerkmal , und zwar des j aul-
treten ; dass in der Gattung Tlıylacites Schh. neben dem normalen Kral-
lenbau auch Arten mit einem einzigen bis zur Mitte getheilten Kral-
lenhaken (Th. fritillum, pilosus) vorhanden sind; dass Barynotus und
Tropiphorus, lange zu einer einzigen Gattung verbunden, nach dem Bau
der Krallen nicht einmal in derselben Gruppe untergebracht werden
können; endlich, dass Cleonus plicatus Oliv, sich durch deutlich geflü-
gelten Rüssel, sowie durch normal zweihakige Krallen wesentlich von
den übrigen Cleonen unterscheidet, und deshalb nicht länger mit ihnen
vereinigt bleiben kann. Die Gatiung Platytarsus Schh. wird eingezogen,
da die einzige Art (Pl. setiger Schh.) später von Schönherr als Trachy-
phloeus inermis noch einmal beschrieben ist, und in letzterer Gattung
ihre natürliche Stelle findet: der vakante Name Platylarsus wird dage-
gen mit Germar auf einen kleinen sieilianischen Rüsselkäfer (Pl. au-
rosus Gm.) übertragen, der sich von Ptochus hauptsächlich nur durch
gespornte Schienen unterscheidet, und auch mit Ptochus, Omias und
Peritelus in eine Gruppe gebracht ist.
Labram und Imhoff’s Gattungen der Rüsselkäfer sind mit
zwei neuen Lieferungen (das 14te und 15te) fortgesetzt worden. In
der 14ten sind die Gattungen Somatodes (S. misumenus Schl.) Cherrus
(Ch. plebejus Oliv.) Catasarcus (C. spinipennis und rufpes Schh.) Ophry-
astes (0. vittatus Say) Pachyrrhynchus (P. orbifer und jugifer Schh.)
Apocyrtus (A. conicus und subfasciatus Schh.) Deracanthus (D. Karelini
Schh.) abgebildet und im Text erläutert worden. Das 15te Heft ent-
hält die Gattung Hipporhinus, welche auf folgende Weise eingetheilt
wird: 1. Rüssel an der Wurzel oberwärts eben und fast in gleicher
Fläche mit dem Kopfe verlaufend (A. nivosus). 2. Rüssel oben mit ei-
ner Längsfurche (H.spectrum). 3. Rüssel oben fast dreifurchig (H. in-
facetus); 4. Rüssel an der Wurzel tief eingeschnürt (H. ramphastus).
Ferner sind daselbst die Gattungen Polyphrades (paganus Schh.), Pro-
sayleus (atheropterus Schh.) Dermatodes (granulatus Schh.) , Platycopes
(squalidus Schh.) und Blosyrus (asellus Oliv. und ingequalis Schh,) ab-
gebildet worden.
Als neue Gattungen stellle Germar (Lion. entom. II.) auf:
Acanthomus der Brachycerengruppe angehörig , von ihr jedoch durch
breite Füsse und nach vorn vorgezogene Schultern, von den Entimiden
und Amyeterus durch die Kürze der Fühlhörner, das unten nicht ge-
fürchte Halsschild und die plötzlich nach unten gebogene Fühlergrube
abweichend. Die vollständige Charakteristik lautet: Bostrum breve,
angulatum, spice inorassatum, scrobe profunda, curyala, Autennae bre-
168 Schaum: Bericht über die Leistungen in der Entomologie
ves, funiculo sexarticulato. Oculi ovati immersi. Thorax pone gulam
late emarginatus, pone oculos lobatus. Scutellum nullum. Elytra ob-
longa, lateribus late inflexa, humeris antrorsum productis. Pedes medio-
eres, libiis terelibus apice truncatis, tarsis latis sublus spongiosis. Zwei
neue Arten von Adelaide A. perfossusund suleicollis— und Oops,
zur Gruppe der Cyclomiden gehörig, durch kurzen Fühlerschaft, eilör-
mige Augen, an der Wurzei gerade abgeschnitlene Flügeldecken aus-
gezeichnet, mit folgenden Charakteren: Antennae breviusculae minus
tenues, thoracem vix superantes, scapo oculi medium attingente, funiculo
septemartieulato, artieulo 1, 2. longioribus, 1 validiore, 3—7 brevibus
apice Iruncalis ; clava oblongo-ovata. Rostrum angulatum,, breve supra
planiusculum, canaliculatum apice profunde emarginatum, scrobe oblonga,
cavernosa, apicali, recta. Oculi laterales, ovati, plani. Thorax latus sub-
tus pone gulam emarginalus pone oculos lobatus, basi truncalus scu-
tellum nullum. Coleoptera basi truncati thoracis latitudine, humeris
rectangulis, pone medium latiora, apice deflexa acute rotundata. Pedes
longiusculi, femoribus modice elavatis, mutieis, tibiis terelibus apice
truncatis, anticis intus sinualis denticulatis, tarsis latis, subtus spongio-
sis. O. pictor neue Art von Adelaide.
Bostrichus fagi Nördlinger (Ent. Zeit. p.247.) ist eine neue,
dem B. Lichtensteinii Ratz. verwandte Art, diein den Würtembergischen
Gebirgen in der Buche vorkommt.
Lion Fairmaire errichtete (Ann. d, 1. soc. ent. d. Franc. $.
173.) eine neue, zur Abtheilung der Brachyderiden gehörige Galtung
Ulomascus. Sie ist auf folgende Weise charakterisirt: Corpus et
rostrum deplanata, antennae fractae, funiculo septemarliculato , clava
elongata acuta, funieuli articulis quinque ultimis fere globosis. Protho-
rax latus, lateribus rotundalis, punctalus. Elylra striatopunclata elongata,
lateribus fere reclis. Metasternum valde excavatum. Abdomen medio
concavum. Femora dilatala, antica inflata, posteriora dentala, tibiis bre-
vibus, ineurvis. U. caviventris aus Guiana ist (pl. VII. No. III. f. 1.)
abgebildet.
Eine besondere Untergattung von Calandra stellte White un-
ter dem Namen Hyposarothra (Ann. of nat. hist. II. ser. 1. 108.)
auf, sie ist indessen mit Poteriophorus Schönh., identisch. Die neue,
auf den Philippinen von Cuming entdeckte Art H. imperatoria ist
auf einem Holzschnitte abgebildet.
Walton setzte in den Annals of nat. hist. II ser. seine werth-
vollen kritischen Untersuchungen über brittische Rüsselkäfer fort. T.I.
5.295 sind die Gattungen Pissodes (3 Arten) Hypera (14 Arten), Limo-
bius (2. A.) Tropiphorus (1. A.), Barynotus (1. A.), $.416 die Gattung
Anthonomus (5. A.), T. Il, S. 166 Erirkinus (3. A.), Notaris (4 A.),
Procas (2 A.) abgehandelt, Neu ist Procas granulicollis, dem P.
picipes nahe verwandt, aber der Kopf mit einer Grube versehen, der
N
EURER
während des Jahres 1848. . 169
Rüssel an der Spitze etwas verdickt, das Halsschild gekörnt , vielleicht
eine Abänderung von P. Steveni Schh,
Blanchard (Ann. d. sciene. nat. 3. ser. X. 143.) bereicherte
die Gattung Eurkinus Kirby (Eurkynchus Schönh.) mit zwei neuen Ar-
ten E. fulvofasciatus von der Westküste von Neuholland und E.
splendidus von einer der Inseln des stillen Meeres.
Als neue Arten sind beschrieben :
Von Erichson (Schomb. Reis. 3. Th.): Bruchus ramicornis,
Spermophagus lupinus, Attelabus columbinus, A.(Euscelus) car-
neolus, Platyomus chlorostictus, ochroleucus, Naupactus ros-
cidus, faustus, Tylomus rubiginosus, Cratosomus scapularis,
cancellatus aus British Guiana.
Von Germar (Linn ent. 1II.): Belus hemistictus, scalaris,
sparsus, angustulus, filiformis, phoenicopterus, fumi-
gatus, Brachycerus australis, Cherrus nitidilabris, Calasarcus
iransversalis, Prosayleus comosus, dispar, Pelororhinus spar-
sus, Leptops humeralis, angustior, Prypnus trituberculatus,
Amycterus sublineatus, Calalalus obscurus, Merimnetes tenuis,
Lirus tasmanicus, Cryptorkynchus albicollis von Adelaide.
Von Küster (Käf. Eur.): Urodon argentatus (Xll. 91). al-
bidus (XII. 82.), canus (XI. 83.), parallelus (XIll. 84.) von
Karthagena, Spermophagus suleifrons (XV. 52.) von Ragusa, S. Eu-
phorbiae (XV.54.) von Montenegro, Cathorniocerus vestitus (XV.61.)
von Triest,
Von L. Fairmaire (Ann. d. I. soc. ent. $. 171.) Styphlus m u-
scorum, bei Bordeaux und Lyon aufgefunden.
Von Gebler (Bull. d. Mose. S. 344.): Cleonus pygmaeus und
kenardii aus Südwestsibirien.
Von Lucas (Ann. d. ]. soc. ent. d, Franc. S. XVII.) Coniatus
chrysochlora aus Algerien.
Von Nördlinger (Entom. Zeit. S. 250.) Hylesinus Spartii
in dem Stamm der Besenpfrieme lebend, dem H. minimus am nächsten
stehend.
Von Letzner (Schles. Jahresb. S. 13.) Bostrichus Jalappae,
in Stücken von radix Jalappae lebend gefunden, steht dem B. lineatus
Hb. sehr nahe.
Coquerel hat (Ann. d. I. soc, ent. d. Franc. $. 181. pl. 7. no.
IV.) die frübern Stände von Rhina nigra beschrieben und abgebildet.
Die Verwandlung geht in den Stämmen von Vinsonia utilis vor sich,
Perris erläuterte (ebenda $. 147. pl. 7. No. 1.) die Metamor-
phose von Lizus angustatus, sie erfolgt in verschiedenen Malvaceen, na-
mentlich in Malva sylvestris,
Sitona lineata und tibialis werden den Erbsen und Bohnen sehr
nachtheilig, indem sie die jungen Blätter und Stiele abfressen, so wie
sie über der Erde erscheinen, Um sie zu vertilgen, soll man einige
170 Schaum: Bericht über die Leistungen in.der Entomologi e
Hennen mit ihren Küchlein auf das Feld lassen (Gard. Clıroniel. no. 22,
S. 364)
Robert machte ein neues Verfahren bekannt, um die von Ec-
coptogaster angegriffenen Ulmen zu heilen. Es besteht in dem Abtra-
gen der ganzen oberflächlichen Rindenschichten des Baums und soll
noch wirksamer sein, als das vom Verf. früher (s. Jahresber. f. 1846.
S.125.) vorgeschlagene Ausschälen von Längsstreifen aus der Rinde.
Der Zutritt der äussern Luft zu den Galerien der Käfer und der ver-
mehrte Säftezufluss tödtet die jungen Larven (Compt, rend. XXVI. S.
379; Guer. Rev. zool, S. 93.)
Cerambyeini.
Ein Verzeichniss der bisher im Canton Graubündten aufgefunde-
nen Longicornien hat Kriechbaumer (Ent. Zeit. S. 199) veröffent-
licht. Es sind 89 Arten beobachtet worden. In dem Vorherrschen der
Lepturinen über die eigentlichen Cerambyeinen und Lamiarien stimmt
die Fauna der Alpen mit der des scandinayischen Nordens überein. Ein
anderes gemeinsames Merkmal zeigt sich in dem Mangel der Parmeni-
nen, dagegen treten auch einzelne Arten, wie Rhagium bifasciatum und
Rhamnusium salicis auf, welche Schweden fehlen, und wie in den be-
nachbarten mitteleuropäischen Ländern haben die Saperden das Veber-
gewicht über die Lamien.
Corrections and Additions to his paper on the Longicornia of the
United States by 6. S. Haldeman (Proc. of the Acad. of Phil, S. 373).
Es sind hier viele meist synonymische Berichtigungen und Nachträge zu
der im vorigen Jahrgange angezeigten Bearbeitung der nordamerikani-
schen Cerambycinen niedergelegt, eine neue unten angeführte Gattung
errichtet, und 39 beschriebene Arten aufgezählt, welche in dem frühe-
ren Verzeichnisse fehlen, Die Zahl der bekannten nordamerikanischen
Arten steigt dadurch auf 323.
Prionii. Zu den fünf bereits bekannten Arten von Macrodontia (M.
cervicornis Linn., erenata Ol., flavipennis Chevr., serridens Chevr., Dejeani
Gory) fügte Blanchard (Ann. d. sc. nat. 3 ser. t. IX. p.210.) zwei
neue hinzu; M. impressicollis, der flavipennis ähnlich, aber durch
gekerbte Seiten und feine Punktirung des Halsschilds unterschieden.
60 millim. lang aus Brasilien, und M. castanea, der crenata Ol. ähn-
lich, aber mit 5—6 Kerbzälınen zwischen den heiden Halsschilddornen,
der vordere Dorn zurückgebogen, und die Flügeldecken weniger er-
weitert. 68 mill. lang aus Columbien (die hier angegebenen Unterschiede
könnten recht wohl in beiden Fällen nur sexuelle Bedeutung haben.)
Leconte beschrieb (Journ. of the Acad, of Phil. N. Ser. I. S. 93.)
Spondylis sphaericollis: caslaneus rugose purctatus, thorace sub-
globoso, collo parvo utringue ad medium, elytris costis tribus valde
obsoletis. Long. 0,68 von Savannah.
Neue Arten sind ferner Tragocerus subfasciatus Germar
während des Jahres 1848. 171
(Linn. ent. III. 224.) von Adelaide, von Tr. Spencii durch schwarze
Fühler unterschieden, und Ergales corticarius Erichson (Schomb.
Reis. 3. Th.) von British Guiana,
Ceramb. genuini. Neue Gattungen sind:
Leioderes Redtenbacher (Faun. Austr. S, 482) Callidium nahe
verwandt, Flügeldecken fast dreimal so lang als beide zusammen breit.
Mittelbrust zwischen den Mittelhüften nach rückwärts mit einem brei-
ten, an der Spitze lief ausgerandeten Fortsatze endigend. Vorderhüf-.
ten nahe an einander stehend. L. Kollari, neue Art von Wien, röth-
lich gelb punktirt, fein und ziemlich lang behaart, Augen schwarz, Flü-
gel hellbräunlich gelb 51%—6.
Notorrhina desselben (S.485.) Zweites und drittes Füh-
lerglied wenig an Länge verschieden. Augen schwach ausgerandet.
Halsschild länglich viereckig, die Ecken abgerundet, Flügeldecken kaum
breiter als das Halsschild , an den Seiten gerade. Hüften aller Beine
genähert. Schenkel in der Mitte verdickt. Die einzige hierher gehö-
rige Art ist das seltene Collid. muricatum Gyll.
Drymochares Mulsant (Ann. d. Lyon 1847. 518. Taf. 7.
fig. 1.) mit Hesperophanes verwandt, vorzugsweise durch die Bildung
der Maxillartaster und des Prosternum unterschieden. Die erstern sind
wenigstens noch einmal so lang als die Lippentaster, das. erste Glied
sehr klein, das zweite etwas niedergedrückt , von der Basis zur Spitze
erweitert, länger als das dritte, dieses verkehrt dreieckig, das letzte
das längste, beilförmig, das Prosternum breit, trennt die Hüften in ih-
rer ganzen Länge, ist dann aussen gekrümmt bis zur Mitte des hintern
Theils der Hüften, vor dem Mesosternum abgestulzt. Dr. Truquii
neue Art in den Seealgen entdeckt,
Tessaroptes. Haldeman (Proc. of the Ac. of Philad.). Aus-
sehen und Fühler, wie bei Molorchus, aber der Kopf ist mehr vertikal,
die Augen getheilt, der untere Theil der grössere, oval und vorragend,
Vorderrücken einfach, cylindrisch, Füsse kurz und zart, Schenkel nicht
keulenförmig verdickt. Körper und Fühler behaart, die letztern länger
als der Körper. T. tenuipes ist schwarz, punktirt rauh, die Basis der
Flügeldecken gelb und die Haare der Fühler stehen fast aufrecht. Hier-
her Molorchus tenuipes Hald. und eine zweite Art T. ventralis schwarz,
punktirt, rauh, Hinterleib gelb, Schenkel bisweilen gelb 3” lang.
Westwood bildete (Cab, of Orient. Entomol. Tab. 41.) folgende
neue Arten ab: Purpuricenus decempunctalus (fig. 2.) aus Assam
und novempunctlatus (fig.3) aus Java (beide scheinen mir zu Ro-
salia zu gehören), Pachyteria dimidiata von Assam (fig. 4.) und Ce-
rambyz telephoroides (fig. 1.) (der letzte möchte wohl eine eigene
Gattung bilden, er kommt Closteromerus nahe, das Halsschild ist an den
Seiten unbewehrt, die Schienen an der Spitze erweitert). — Auch Sa-
perda? bicolor Westwood (a, a. O, tab, 29, fig. 9,) scheint eine
172 Schaum: Bericht über die Leistungen in der Entomologie
besondere, dieser Gruppe angehörige Galtung zu sein; die horizontale
Richtung des Kopfes entfernt sie von den Lamiarien,
Leconte beschrieb (Journ. of the Acad. of Phil, N. Ser I.
5.83.) zwei neue Arten von Telraopes, T. femoratus: punctalus,
niger, densius griseo-pubescens, capite femoribus thorace elylrisque coc-
eineis, his maculis utrinque 4 scutelloque nigris, antennis einereo-an-
nulatis. Long. 0,56. vom Arkansasflusse — und T. annulatus: minor,
niger, dense griseo-pubescens, punctatus, capite, pedibus, thorace, elytris-
que coccineis, his utringue maculis tribus, scutelloque nigris, anten-
nae cinereo-annulatae, vom Platlefluss.
Als neue Arten sind ferner beschrieben :
Von Erichson (Schomb. Reis. 3. Th.): Criodon casanopte-
rum, Cosmisoma a eneicollis, Eriphus collaris, Eburia perspi-
cillaris, Sphaerion melanurum, procerum, Piesocera coriacea
von British Guiana,
Von Germar (Linn. entom. III. S. 224.) Hammaticherus tur-
binaticornis, picipennis, Phoracantha robusta, inscripta,
Stenocorus annulicornis von Adelaide.
Von L. Fairmaire (Ann. d. |. soc. ent. d. Franc. S. 167.) Ham-
malicherus intricatus aus den Appeninen.
Von Küster (Käf. Eur. XV. 76.) Clytus lugens von Karthagena.
Von Lucas (Ann. d. 1. soc. ent. d. Franc. Bull. S. XLVII.)
Clytus quinquepunclatus aus Algerien.
Wissmann erörterte (Ent. Zeit. S. 78.) die Unterschiede von
Clytus tropieus Panz., antilope 11l., rhamni Germ. und arietis Linn. und
wies nach, dass Clytus gazella Fabr. — arietis Linn.; Clyt. arietis
Fabr. = antilope Ill. ist. (Dies ist bereits von Illiger Mag. IV. 119.9,
bemerkt worden.) Dem Cl. gazellaGor. et Lap., Muls. muss der Name
Rhamni Germ. verbleiben.
Die frühern Stände von Xystrocera globosa Oliv. hat Coquerel
(Ann. d. ]. soc. ent. de Franc. S. 180. pl. 7. No. IV.) beschrieben und
abgebildet.
Lucas bemerkte (Ann. d. ]. soc. ent. d. Franc. Bull. S. LXIIL.),
dass er mehrere Exemplare von Hesperophanes griseus und Stenopterus
mauritanicus aus Cylisus spinosus erzogen habe, die fünf Jahre und
neun Monate zu ihrer Verwandlung gebraucht haben. Eine so lange
Lebensdauer ist bei Cerambycinenlarven noch nicht beobachtet worden.
Lamiariae. VonWestwood wurden (Cabinet of Orient. Ent.
tab. 29.) Monohammus bifasciatus, ueue Art vom Himalaya, Abryna
eximia Newm., Doliops geometrica Waterh. und Anoplura lucipor Newm,
von den Philippinen abgebildet.
Als neue Arten sind beschrieben :
Von Germar (Linn, ent, III. S. 227.) Acanthoderes fuscicor-
während des Jahres 1848. 173
nis, Anaesthelis lepida, COrossolus varicornis, Saperda paulla
von Adelaide.
Von Erichson (Schomb. Reis. 3. Th.) : Acanthoderes mona-
cha, funesta, Colobothea passerina, Hebestola operaria, Hip-
popsis dasycera aus British Guiana.
Von Küster (Käf, Eur.) Dorcadion Handschuchii (XV. 77.)
von Karthagena, D. quadrimaculatum (XV.79.) aus der Türkei,
Phytoecia fumigata (XV. 81.) aus Griechenland, Ph. vestita (XV. 82.)
aus der Türkei, P. Cyclops (XIII, 88.) von Karthagena, Oberea coec.a
(XIII. 85.) ebendaher, O0. balcanica Friw. vom Balcan.
Von Gebler (Bull. d. Mosc. 5.397.) Astynomus carinulatus
Eschsch. und Monohammus salluarius Eschsch. aus Südwestsibirien.
White erörterte (Ann. of nat, hist. II. ser. I. S. 66.) die Syno-
nymie von Aemona villosa. (Saperda villosa Fabr. = S. hirta Fabr,
olim — Aemona humilis Newm. — Isodera villosa White Ereb. and
Terr. Zool. tab. 4. fig. 1.).
Lepturinae. Als neue Arten sind aufgestellt: Pachyta sep-
temsignata Küster (Käf. Eur. XV. 89.) und P. erythrura des-
selben (XV.90.) aus der Türkei; Pachyta angusticollis Gebler
(Bull. d. Mosc. S. 411.) und Leptura Renardi desselben ($. 420.)
aus Südwestsibirien,
Chrysomelinae.
Von der Monographie des Col&opteres subpentameres de la fa- i
mille des Phytophages par Th. Lacordaire ist der zweite Theil er-
schienen, welcher zugleich den fünften Band der M&emoires de la so-
ciet@ royale des sciences de Liege bildet. Leider ersehen wir aus der
Vorrede, dass der Verl. vor der Hand verhindert ist, das grossartig an-
gelegte Werk, eine der gediegensten monographischen Arbeiten in der
entomologischen Litteratur, weiter fortzuselzen,
Der vorliegende Band behandelt nur die Gruppe der Chythriden,
Für die Bearbeitung’derselben hat dem Verf, ein ausserordentlich reiches
Material aus fast allen bedeutenderen [ranzösischen und deutschen, und aus
einzelnen schwedischen und russischen Sammlungen zu Gebote gestanden.
Es sind nicht weniger als 697 Arten beschrieben, fast dreimal so viel
als der Dejean’sche Catalog enthält ®). Die Gruppe hat hier denselben
Umfang wie bei Latreille und Dejean, sie unterscheidet sich von den
nahe verwandten Cryptocephalen , mit denen sie besonders im Larven-
*) Es lässt sich aus dem vorliegenden Falle wohl der sehr walır-
scheinliche Schluss ziehen, dass die Zahl der gegenwärtig in den
Sammlungen des europäischen Continents vorhandenen Käferarten
die dreifache der im Dejean’schen Cataloge aufgeführten ist, und
sich auf etwa 70,000 belaufen möchte,
4174 Schaum: Bericht über die Leistungen in der Entomologie
zustande eine grosse Uehereinstimmung zeigt, durch die an der Innen-
seite beständig in grösserer oder geringerer Ausdehnung gezähnten
Fühlhörner, welche bei den Cryptocephalen stets lang und fadenförmig
sind. Daher werden jetzt auch vom Verf. in Uebereinstimmung mit
den frühern Systematikern die Gattungen Chlamys und Lamprosoma, wel-
che er früher (tom. I. S.L.) geneigt war, der Bildung des Prosternums
wegen mit den Cryptocephaliden zu vereinigen, wieder den Clythriden
angeschlossen.
Die Gruppe zerfällt in folgende fünf Unterabtheilungen: I. Füh-
ler im Zustande der Ruhe frei. A. Klauen einfach; a. das Prosternum
obne Fortsatz Clythrideen; b. das Prosternum mit deutlichem Fort-
satz Megalostomideen. B. Klauen mit Anhägen versehen oder
zweispaltig Babideen. II, Fühler im Ruhezustand in Furchen des
Prothorax aufgenommen. A, Augen sehr schwach ausgerandet Lam-
prosomideen. B. Augen stark ausgerandet Chlamydeen.
Die Unterabtheilung der Clythrideen enthält nur die formen-
und artenreiche Gattung Clythra mit 255 vorzugsweise der alten Welt
angehörigen Arten (nur 15 sind bisher in America und eine in Austra-
lien entdeckt). Der Verf. hat sie in 39 auf habituelle Charaktere be-
gründete Untergattungen zerlegt, welche, obwohl sie keineswegs scharf
begrenzt sind, mit besonderen Namen belegt sind. Einige derselben,
wie Labidostomis, Lachnaea, Macrolenes, waren bereits von Chevrolat
als Gattungen in Dejeans Catalog aufgestellt, es bieten dieselben aber
ebenso wenig sichere Charaktere dar, als viele von demselben Entomo-
logen in andern Gruppen der Chrysomelinen errichtete. Die zahlrei-
chen europäischen Arten der Gattung Clythra gehören den Untergattun-
gen Labidostomis, Calyptorhina, Macrolenes, Tituboea, Lachnaea, Cly-
ihra s. siriet., Gynandrophthalma, Cheilotoma, Coptocephala an.
Die Unterabtheilung derBabideen bildet einen interessanten Pa-
rallelismus mit der vorigen, viele einzelne Formen entsprechen sich in
beiden auf das genauste. Mit Ausnahme einer einzigen alrikanischen
Art sind die Mitglieder dieser Unterabtheilung sämmtlich amerika-
nisch. Sie zerfällt in 10 Galtungen. Bei den ersten sieben sind die
Lappen der Epipleuren schwach, bisweilen gar nicht vorhanden, breit
abgerundet. Sie unterscheiden sich in folgender Weise: A. Proster-
num undeutlich, von den Vorderhüften versteckt, diese stossen an ihrer
Spitze zusammen. Mesosternum sehr schmal; a. Klauen zweispallig:
1. Tellena mit einer Art; aa. Klauen mit Anhängen versehen ; b. Au-
gen sehr gross. 2. Dinophtkhalma mit vier Arten ; bb. Augen von
normaler Grösse länglich; ec. Kopf lang, etwas keilförmig, vorn stumpf.
3. Pnesthes 2 Arten; ce. Kopf fast so breit: als lang, plötzlich in ei-
nem kurzen Schnabel sich endigend; d. Vorderrand des Halsschildes
gerade abgestutzt. 4. Dachrys mit 23 Arten, von denen eine am
" Cap einheimisch ist; dd. Vorderrand des Halsschildes vorgezogen, 5.
Babia 15 Arten. B. das Prosternum und Mesosternum mehr oder we-
» während des Jahres 1848, 175
iger breit, Vorderrücken an der Basis mehr oder weniger stark ge-
lappt; a. Vorderbeine lang, Füsse nach den Geschlechtern verschieden.
6. Stereoma mit 12 Arten; b. Beine von gleicher Länge, Füsse in
den beiden Geschlechtern übereinstimmend. 7. Urodera mit 21 Ar-
ten. Bei den letzten drei Gattungen ragen die Lappen der Epipleuren
mehr oder weniger hervor. Das Schildehen ist vorn abschüssig bei
Aratea (1 Art) mit wenig gewölbtem stark an der Basis gelapptem
Halsschilde und bei Ischiopachys (10 Arten) mit sehr gewölbtem,
an der Basis schwach gelapptem Halsschilde. Bei der letzten Gattung
Sazinis (6 Arten) ist das Schildchen eben , der Vorderrücken ge-
wölbt, kaum an der Basis gelappt.
Die Unterabtheilung der Megalostomideen umfasst fünf rein
amerikanische Gattungen. Die Augen sind ganz, bisweilen sehr leicht
gebuchtet bei den 4 ersten Gattungen: Proctophana mit breitem
ebenen, das Mesosternum erreichenden Prosternum , 2 neue Arien aus
Brasilien. Euryscopa mit schmälerem, das Mesosternum nicht er-
reichenden Prosternum, die innere Kieferlade doppelt, die Flügeldecken
reihenweise punktirt; hierher 18 Arten, z. B. Clythra ceingulata Latr.
Coscinoptera. Die innnere liieferlade einfach. Die Punktirung der
Flügeldecken ohne Ordnung. Die Augen mässig gross, oval und vor-
stehend ; 7 Arten, darunter Olyıhra dominicana Fabr. Themesca von
der vorbergehenden Galtung durch schr grosse, lange und wenig vor-
ragende Augen abweichend, auf eine brasilische Art Clythra auricapilla
Germ. gegründet, — Bei der fünften Gattung Megalostomis sind die
Augen deutlich ausgerandet, das Prosternum breit, das Mesosternum er-
reichend, die innere Kieferlade doppelt. Sie zerfällt wieder in 4 Un-
tergaltungen: Minturia mit 13, Megalostomis s. str.mit 11, Sca-
phigenia mit 5 und Heterostomis mit 2 Arten.
Die vierte Unterabtheilung derLamprosomiden enthält 3 Gat-
tungen Lychnophaes ohne deutliches Pygidium und mit einfachen
Klauen. Hierher neun amerikanische Arten, darunter Eumolpus globo-
sus Oliv. Lamprosoma ebenfalls ohne deutliche Afterdecken, aber
die Klauen mit Anhängen verselien. Mit 67 amerikanischen Arten ver-
einigt der Verf. in dieser Gattung den europäischen Oomorphus con-
color Curtis (Byrrhus concolor Sturm), der sich nur in der Form des
nicht gelappten, an der Basis abgerundeten Halsschildes, durch die etwas
längern,, aber ebenso gebildeten Fühler und durch die Abwesenheit
der Unterllügel von den typischen Lamprosomen unterscheidet. Eine
‚kleine Art L. annectens von Columbien und eine andere L. longilrons
von Puertorico , bilden iu der Gestalt des Halsschildes den vollkom-
mensien Vebergang zu den eigentlichen Lamprosomen. Sphaerocha-
is mit deutlicher Alterdecke und zweispaltigen, an der Basis ange-
wachsenen Klauen, Zwei neue Arten aus Brasilien.
4 Die fünfte Unterabtheilung, die Chlamydeen, sind wieder
176 Schaum: Bericht über die Leistungen in der Entomologie
sehr zahlreich an Arten, welche vom Verf, in sieben Gattungen ver-
theilt werden: 1. Pseudochlamys. Der Kopf deutlich vom Hals-
schild abgesetzt, das Kopfschild? (epistome) tief und viereckig ausge-
randet, die Vorderecken der Ausrandung in eine Spitze verlängert.
Hierher nur eine Art P. megalostomoides aus Brasilien und Columbien.
Bei den übrigen Gatlungen ist der Kopf ganz in das Halsschild einge-
senkt, das Kopfschild nicht oder nur schwach ausgerandet. Hier scheidet
sich zunächst eine sehr merkwürdige Art durch die Anwesenheit zweier
Schildchen, eines Meso- und Metascutellum von den übrigen ab. Diaspis
paradoxa aus dem südlichen Mexico (der Gatlungsname ist bereits von
Bremi bei den Schildläusen in Anwendung gebracht). Die andern Gat-
tungen ordnen sich auf folgende Weise: A. Schenkel und Schienen
stark erweitert Carcinobaena mit einer Art Chlamys pilula Klug. B.
Beine einfach ; a. die Klauen mit Anhängen versehen; «. das Metaster-
num vorn ohne Spitze, * die Fühler wenigstens vom öten Gliede an ge-
zähnt Chlamys mit 179 amerikanischen und einer südafricanischen Art. -
** Die Fühler vom sechsten Gliede an gezähnt Exema mit 14 ameri-
kanischen, einer südafrikanischen und einer ostindischen Art. (Chl. in-
dica Guer.). $. das Metasternum vorn in eine dreieckige Spitze ver-
längert. Hymetes mit einer Art H. javana: b. Klauen einfach Po-
ropleura 6 südamerikanische Arten, z. B. Chlamys monstrosa Dliv.,
Chl. bacca Kirby etc.
Sagrides. Eine neue Gattung Polyoptilus ist vonGermar
(Linn. entom. IIl,) aufgestellt; sie ist Megamerus und Mecynodera ver-
wandt und auf folgende Charaktere gegründet: Caput trigonum collo
adfixum, Oculi prominuli, globosi, integri, fortius granulati, palpi filifor-
mes, mandibulae prominentes, thorax oblongus, basi coarclatus, coleo-
pleris anguslior, Femora postica incrassala, angnlata, dentata. Hierher
zwei neue Arten P. Lacordairei und Erichsoni von Adelaide,
von denen die zweite, namentlich durch kürzere Fühlhörner und andere
Färbung der Flügeldecken unterschieden, leicht das Weibchen der er-
sten sein könnte,
Donacides. Perris beschrieb (Ann. d. ]. soc. ent. d, Franc.
$. 33) die Verwandlungsgeschichte der Donacia Sagiltariae. Die Larve
lebt zwischen den Blättern und den Wurzeln von Sparganium ramosum,
sie scheint sich nur vom Safte derselben zu nähren und das Gewebe
der Pflanze nicht zu zerstören. Sie hat 11 Körperringe und 8 Stig-
menpaare. An der Insertionsstelle der beiden Haken , mit denen der
letzte Körperring bewaffnet ist, finden sich zwei stigmenähnliche Schei-
ben, welche innen mit dem Tracheensysteme in Verbindung stehen, nach
aussen aber durch eine Membran geschlossen sind. Der Verf. glaubt,
dass die Respiration der im Wasser enthaltenen Luft vermittelst der
Endosmose durch diese Membran vor sich geht. Die Verwandlung der
Larve zur Nymphe in braunen Tönnchen ist seit lange bekannt.
Criocerides, Dass Lema Suffriani Schmidt, (Ent, Zeit. 1842,
während des Jahres 1848. 177
S. 27.) wie Lacordaire und Sullrian angenommen, nur Varielät von L.
brunnea ist, wurde von Strübing durch die Beobachtung eines ge-
meinschaftlichen Vorkommens und die Auffindung verschiedener Ueber-
gänge noch weiter nachgewiesen (Ent. Zeit. $. 28).
Clythrides. Küster stellt (Käf. Eur. XV. 100.) als neue
Art Coptocephala bistrimaculata von Karthagena auf.
Das Gehäuse, in dem die Larve von Clythra quadripunctata
lebt, ist aufs Neue von Vallot (Compt. rend. t. XXVI. Rev. Zool. S.
180.) beschrieben.
Cryptocephalides. Suffrian hat (Linn, entom. III. S. 2—
152.) die Revision der europäischen Arten der Gattung Cryptocephalus
beendigt ($. vor. Jahrsb. S. 122). Von Cryptocephalus sind im Ganzen
111, von Pachybrachys 15, von Stylosomus 3 Arten sehr sorgfältig,
darunter viele zum ersten Male, beschrieben. Ein besonderer Fleiss
ist auch auf dieSynonymie verwandt worden, welche grossentheils nach
Originalexemplaren festgestellt ist. Die Diagnosen der einzelnen Arten
hat L.Fairmaire (Ann. d. |. soc. entom. d. Franc S, 294.) begonnen
ins Französische zu übersetzen.
Als neue Arten sind beschrieben :
Von Germar (Linn. entom. III.) Cryptocephalus (Cadmus) chla-
mydiformis, pauperculus, (Ditropidius) seminulum (Crypt,
globulus? Boisd.), eistellus von Adelaide,
Von Erichson (Schomb, Reis. 3. Th.) : Pachybrachys hyacin-
thinus und argentatlus aus British Guiana,
Von Gebler (Bull. d. Mosc. 1848. II. S. 47.) Cryptocephalus
erux, dem C. Böhmii verwandt, aus Südwestsibirien.
Cassidariae. Eine neue Art ist Cassida mera Germar (Linn.
entom. 111. S. 246.) von Adelaide.
Pflueger hat (Ent. Zeit. S. 91.) durch genaue Beobachtungen
nachgewiesen, dass die Nahrungspflanze ohne Einfluss auf die Färbung
der Individuen von Cassida murraea ist, dass die grüngelfärbten, wel-
ehe die C. maculata Linn. bilden, unreif sind und im Verlaufe ihrer
Ausbildung ziegelrotli werden.
Hispides. Germar beschrieb (Linn. entom. Ill. S. 246. )
Hispa albispinosa und H. albipennis von Adelaide; die letztere
ist durch die weisse Farbe der Flügeldecken sehr ausgezeichnet.
Chrysomelariae. Als neue Arten wurden beschrieben :
Von Germar (Linn. entom. Ill.): Paropsis nigerrima, al-
fernala, polyglypla, sanguinipennis, teslacea, serialta,
(verrucosa? Marsh.), remota, laesa, sulturalis, Chrysomela
hypochalcea, punclipes, colorata (Mac Leayi? Boisd.) pa-
rallela, repens, acervala, fulvilabris von Adelaide,
Von Erichson (Schomb, Reis, 3. Th.) Doryphora sinuata
aus British Guiana.
Archiv (. Naturgesch. XV. Jahrg, 2. Bd, M
178 Schaum: Bericht über die Leistungen in der Entomologie
Von Gebler (Bull. d. Mosc. 1848. t. I. $.23.) ‚Chrysömela
montana Mannh., subcostata Mannh., der C. limbata verwandt und
Phaedon foveolatus aus Südweslsibirien.
Von Küster (Käf. Eur.): Phratora eoerulescens (XIV. 100)
aus der Türkei, Oreina ignita (XIII. 90.) aus der Schweiz (die letz-
tere ist eine ‚feuerrolhe Abänderung von Chr, viridis Redt., bifrons
Duftschm.)
Letzner machte (Schlesische Jahresber. $. 10.) auf eine Art
von Phaedon aufmerksam, welche bisweilen mit Ph. Cochleariae ver-
wechselt worden ist, und sich in verschiedenen Sammlungen unter den
Namen galeopsis Letzn. , smaragdinus Waltl und sabulicolus Heer vor-
findet.
Heeger hat (Isis 1848. $. 322. Taf. 3.) die Verwandlungsge-
schichte der Spartophila sexpunctata Fabr. geschildert. Die Larve lebt
vom Luzernklee und wird in manchen Jahren schädlich.
Gallerucides. Als neue Art ist von Gebler (Bull. d. Mose.
1848. t. II. S. 12.) Adimonia eonfinis Mannh. aus dem Altaigebirge
— vonErichson (Schomb. Reis. 3. Th.) Galleruca sep ta aus British
Guiana beschrieben.
Eumolpides. Neue Arten sind Colaspis ehrysura, suar-
veola, mutica Germar (Linn. entom. III. 239.) von Adelaide. —
Colaspis gentilis lenta, virescens, Noda exilis, humilis
Erichson (Schomb. Reis. 3. Th.) aus British Guiana.
Küster (Käf. Eur. XIII. 92.) beschrieb als neue Art Pachnepho-
rus globosus von Karthagena, sie ist indessen mit Eum. aerugineus
Fabr. identisch.
Halticae.
Von Germar ist (Linn. entom. III. $.243.) eine neue Gattung
Arsipoda aufgestellt und durch folgende Charaktere begründet wor-
den: Caput pronum, femora postica sublus, tibiae dorso profunde cana-
liculatae, tibiae posticae apice spinula simpliei armatae, tarsi tibiis bre-
viores, earum apici inserli, subtus spongiosi, articulo primo dilatato,
ungue sensim incrassalo. A. kolomelana, neue Art von Adelaide.
Als neue Arten sind beschrieben :
Von Küster (Käf. Eur.) Crepidodera rufa (XV. 91.) von Kar-
thagena, marginicollis (XV. 92.), abdominalis (XV. 95.) von Spa-
lato in Dalmatien, und Luperus ceyanipennis (XIV. 98.) von Mon-
tenegro.
Von Germar (Lion, entom. Ill.) Monolepta croceicollis,
Haltica (Balanomorpha) consuta von Adelaide,
Von Erichson (Schomb. Reis. 3.Th.) Diabrotica angulicol.
lis, Homophoeta clerica, Oxygona melanocera aus British Guiana,
während des Jahres 1848, 179
Erotylenae.
Erichson beschrieb (Schomb, Reis. 3. Th.) Erotylus parda-
lis und Brachysphenus regularis als neue Arten aus British Guiana,
Leconte veröffentlichte (Journ. of the Ac. of Phil. N. Ser. L
$. 71.) eine Synopsis der nordamerikanischen Arten von Triplaz. Es
sind deren 17 unterschieden. A; Corpus ellipticum , subelongatum: 1;
festiva Lac. (fasciata Melsh.). 2. thoracica Say. (melanoptera Lac.).
3. flavicollis Lac. B. Corpus ovalum: (Tritoma Fabr.). 4. affinis Lac.
5. atriventris: nigra, nilida, capite thorace antennarum basi palpis
pedibusque laete rufis, elytris punctato-striatis, ihterstitiis subliliter pun+
etulatis aus Südcarolina. 6. unicolor Say, Lac. 7. angulata Say (fla-
vipes Lac.). 8. brunnea Lac. 9. livida Lac. 10. vittata: atra, mi-
tida, capite thoracisque limbo rufescentibus, antennarum basi pedibus-
que flavis, elylris rufis, sutura margineque late piceo-infuscatis von
Nen-York, 11. erythrocephala Lac. 12. ruficeps: convexa, nigra,
nitida, capite elytrorum macula humerali antennarum basi palpis pe-
dibusque rufo - llavis aus Südcarolina, 13. taeniata: nigra, nitida,
elytrorum macula humerali coccinea, palpis pedibus antenuärum basi
anoque rufo-flavis. 14. bigullata Say. (basalis Lac.). 15. pulchra Say.
(dimidiata Lae., Tritoma basale Melsh.). 16. sanguinipennis Say. 17.
cincla Lac.
Eine neue Art der Gattung Helota, H. Mellii aus Thibet hat
Westwood (Cabin. of orient. entom, pl. 41. fig. 8.) abgebildet. Die
Zahl der beschriebenen Arten steigt dadurch auf vier (H. Vigorsii Mac
Leay, Sereillei Hope, Gwerinii Hope, Mellii Westw.).
Eine einfarbig hellbraune Abänderung der Engis rufifrons wurde
von Strübing in Menge in einem Schwamme angetroffen und sechs
Wochen hindurch beobachtet, ohne dass in der Färbung der Käfer eine
Veränderung vorging (Ent. Zeit. $. 30).
Coceinellidae.
Als neue Arten sind beschrieben Exochomus pubescens Kü-
ster (Käf. Eur. XIll. 54.) von Karthagena, — Coceinella racemosa
Germar (Linn. entom. Ill. S. 245.) von Adelaide, — Coceinella an -
tipodum Mulsant (Ann. of nat. hist. Il. ser, I. S, 66.) von Neusee-
land. White hat hier die ilm von Mulsant mitgetheilte Bemerkung
beigefügt, dass Coce, Tosmanii White (Ereb. a. Terr. XI.) Abänderung
von ©, leonina Fabr. ist.
j Zwei neue Gattungen, welche sich zunächst an die Familie der
Coecinellen anzuschliessen scheinen, Calyptomerus und Micro-
sphaera, wurden vonRedtenbacher (Faun. Austr, 8. 159.) aufge-
stellt. Die letztere ist indessen mit Pithophilus Heer und wahrschein-
lich auch mit Orthoperus Steph. einerlei, die erstere stimmt im Baue
der Mundtheile, in den neungliedrigen Füssen und in den sehr grossen
180 Schaum: Bericht über die Leistungen in der Entomologie
plattenförmigen, die Beine ganz verdeckenden Hinterhüften, mit Clam-
bus überein, die Fühler sind indessen weit vor den Augen in einem
rinnenarligen Einschnitte des Kopfschildrandes eingefügt, und haben nur
zwei grosse Endglieder, die vordern Füsse vier-, die Hinterfüsse drei-
gliedrig. C. alpestris 1“ lang, wurde auf dem Schneeberge bei
Wien auf den Blättern des Huflattig gefangen. Redtenbacher stellt beide
Gattungen, ebenso ‚wie Clambus, zu den Anisotomen.
Olypeastres.
Diese Familie wurde von Redtenbacher begründet (Faun.
Austr. $. 50. u. $. 572.). Sie hat viergliedrige Füsse, alle Glieder sind
einfach, das dritte zwar kleiner als das zweite, aber nie wie bei den
Coceinellen in diesem versteckt, der Kopf vollkommen unter das Hals-
schild zurückgezogen, die Flügel, wie bei den Ptilien, lang bewimpert. Sie
enthält drei Gattungen, Olypeaster And. Die Fühler elfgliedrig mit fünf-
gliedriger Keule (1 Art Cossyphus pusillus Gyll.. Gryphinus Redt.
Die Fühler zehngliedrig mit drei grössern Endgliedern (? Arten Cossy-
phus lateralis Gyll. und Clypeaster pusillus Comolli) und Corylophus
Leach. Die Fühler neungliedrig mit dreigliedriger Keule (1 Art C. cas-
sidoides Marsh.).
Die Verwandlungsgeschichte des Clypeaster ( Gryphinus) late-
ralis wurde von Heeger (Isis 1848. S. 325. Taf. 3.) beschrieben. Die
Larven, welche grosse Aehnlichkeit mit Coccinellenlarven haben, leben
von faulen Pflanzentheilen,
Endomychides.
Eine neue Art ist Corynomalus quadrimaculatus Erichson
(Schomb. Reis. 3. Th.) aus British Guiana.
An diese Familie glaube ich die neue, von Redtenbacher
(Faun, Austr. S. 158.) errichtete Gattung Symbiotes anschliessen zu
müssen, welche von ihrem Begründer den Cryptophagen beigezählt und
so charakterisirt wird: Fühler elfgliedrig, auf der Stirn vor den Augen
eingefügt, mit drei grossen Endgliedern. Oberkiefer mit zweizahniger
Spitze. Innere Lade der Unterkiefer sehr kurz, schmal, häutig, äussere
hornig behaart. Endglied der Kiefertaster eiförmig, schief abgestutzt.
Zunge hornig, gegen die Spitze erweitert, an den Ecken lang bewim-
pert. Letztes Glied der Lippentaster kugelförmig. Füsse viergliedrig.
S. latus ist eine neue, bei Wien unter Ameisen gesammelte Art.
Coquerel hat (Ann. d. ]. soc. entom. de France. $. 181. pl. 7.
IV. £,5.) die frühern Stände von Calyptobium Kunzei beschrieben und
abgebildet. Die Larve hat zwölf Segmente und sechs sehr kleine Beine,
sie ist hinten zugespitzt und am Ende mit zwei feinen Häkchen be-
waffnet. Der Kopf ist klein, das zweite und dritte Thoraxsegment be-
sonders gross. f
Die bisherigen Cis sind von Mellie (Ann. d. 1. soc. entom,
«. Franc. S. 205 u, 313. pl. 9—12,) in einer ausgezeichneten Monograz
während des Jahres 1848, 181
phie behandelt worden: „Monographie de l’ancien genre Cis.“ Eine Ue-
bersicht der Gattungen hatte der Verf. bereits 1847 in der Rev. Zool.
S. 108. veröffentlicht, und sie ist im vorigen Jahresberichte mitgetheilt
worden. In der gegenwärtigen Arbeit ist von den dort aufgestellten
Gattungen die eine Octotemnus, in welcher die Arten mit achtgliedrigen
Fühlern vereinigt waren, wieder aufgelöst, ein Theil derselben, welcher
sich nur in der Zahl der Fühlerglieder von der Gattung Ennearthron
unterscheidet, ist als Untergattung Ceratis an diese angeschlossen wor-
den. Der Rest der Arten, welcher schmale an der ganzen Aussenseite
gezahnte Schienen besitzt, ist in zwei Gattungen Orophius Redt. und
Octotemnus Mellie zerlegt, in der erstern ist das dritte Fühlerglied nur
wenig länger als das vierte, die Mandibeln des Männchens sind gross
und vorgestreckt ; in der zweiten ist das dritte Fühlerglied, wie bei
Ceracis, so lang als die beiden folgenden zusammen, die Mandibeln
des Männchens nicht vorragend. — Die Zahl der scharf unterschiede-
nen Arten ist sehr gross, sie vertheilen sich auf folgende Weise: En-
decatomus 2 Arten. (E. reticulatus Herbst und eine neue E. dorsa-
Tis aus Texas); Nylographus 9 Arten (X. bostrichoides L. Duf. = cri-
bratus Lucas aus Südeuropa und Algier und acht neue exotische), Ro-
palodontus 1 Art (Cis perforatus Gyll.), Cis 62 Arten, darunter 50 neue,
Ennearthron 16 Arten (E. cornulum Gyll., affıne Gyll., forticorne Panz.
und 13 neue exotische, von denen 5 zur Untergattung Ceracis gehö-
ren) ; Orophius 1 Art (0. mandibularis Gyll.), Octolemnus 2 Arten (0.
glabrieulus Gyll. und O. dilatatus aus Madera). 13 früher beschrie-
bene Arten sind dem Verf. unbekannt geblieben, so dass die Gesammt-
zahl 106 beträgt. Auf vier beigegebenen Kupfertafeln sind die Details
der einzelnen Gattungen, die Larve und Nymphe von Cis boleti und die
Mehrzahl der beschriebenen Arten sehr kenntlich dargestellt.
Redtenbacher (Faun. Austr. $. 348.) trennte, ohne die Ar-
beit von Mellie in der Revue zoologique zu kennen, drei neue Gat-
tungen von Cis ab, Dietyalotus, identisch mit Endecatomus Mellie,
Entypus, identisch mit Ennearthron Mellie und Orophius, von Mel-
lie in seiner Monographie angenommen.
Strepsitera.
Eine sehr sorgfältige, auf eignen Untersuchungen beru-
hende Darstellung der Naturgeschichte und Anatomie dieser
Ordnung hat Newport seiner Abhandlung „on the natural
history, analomy and development of Melo&“ (Trans. of the
Linn. Soe. 1.XX. 8.330.) einverleibt.
Die Beobachtungen des Verf., denen eine vollständige Uebersicht
der bisher über diese Ordnung veröffentlichten Arbeiten vorausgeschickt
182 Schaum: Bericht über die Leistungen in der Entomologie
ist, bestätigen die v. Siebold’s in allen Punkten; sie sind an einer neuen Art,
Stylops aterrimus, angestellt, welche von Andrena Trimmerana erhalten
wurde, tief schwarz und dem in Andrena nigro-aenea sich entwickeln-
den Stylops Melittae sehr ähnlich ist, sich aber von diesem durch den
tief ausgerandeten Hinterrand des Kopfes zu unterscheiden scheint,
Beide Geschlechter und die Larve in den ersten Stadien ihrer Entwick-
lung sind auf Tafel 14 abgebildet. Nur in Bezug auf den Darınkanal
stimmen Newport’s Beobachtungen nicht mit denen y. Siehold’s überein.
Nach v. Siebold endigt derselbe in einem einfachen Blinddarm, und hat
keine Afteröffnung; nach Newport setzt sich der Oesophagus in einen
erweiterten Chylusmagen fort, welcher vom ersten bis zum vierten Hin-
terleibsringe reicht, hier sich umbiegt und wieder nach vorn verläuft,
dann im dritten Ringe sich wieder zurückbiegt, undeutlich wird, im
letzten Segmente aber wieder als Rectum erkennbar ist. Aller Wahr-
scheinlichkeit nach hat die Larve in dem frühern Stadium einen After,
der sich aber später, wenn sie im Abdomen der Bienenlarve schmarotzt,
verschliessen mag. Im entwickelten Männchen ist der Darmkanal aber
wieder geöffnet. Die Respiralionsorgane scheinen beim ausgebildeten
Weibchen in einem grossen Stigma am Thorax zu bestehen, welches
mit ansehnliehen , im Körper sich verzweigenden Tracheen in Verbin-
dung steht. An allen Larven beobachtete Newport acht Paare dunkler
beutelförmiger Körpef am Abdomen, welche, ihrer Lage an den Seiten
des Öten und I1ten Segments und ihrer Aehnlichkeit mit Kiemensäcken
nach, unvollkommne kiemenähnliche Respirationsorgane zu sein schei-
nen. Den Schluss der Abhandlung bildet eine Vergleichung der Strep-
sipteren mit Melo& in ihrer Lebensweise und Organisation,
Newman hat im Zoologist 1847 einen Aufsatz über die Ver-
wandtschaften von Stylops veröffentlicht, Ich habe leider diese Zeit-
schrift für den gegenwärtigen Bericht nicht benutzen können.
Orthoptera.
Additamenta quaedam leyia ad Fischeri de Waldheim
Orthoptera rossica auctore Dr. E. Eversmann fol.
Dieser für die Kenntniss der russischen Orthopteren wichtige Bei-
trag ist in einer Gratulationsschrift veröffentlicht, durch welche die
Moscauer naturforschende Gesellschaft das 5Ojährige Doctorjubilaeum
Fischer’s von Waldheim gefeiert hat. Der Verf. beschreibt hier 14 'mei-
stens neue Arten und theilt eine Anzahl synonymischer Bemerkungen
zu Fischer’s Werk mit, welches allerdings vielfacher Berichtigungen in
dieser Hinsicht bedarf, Da die Schrift nicht in den Buchhandel gekom-
men zu sein scheint, so sind unten die Diagnosen der neuen Arten
und die kritischen Notizen einzeln angeführt worden.
während des Jahres 1848, 183
Skandinaviens rälvingade Insekters Natural-Historia af
J. B. v. Bork. med 4 lith. Planch. Lund. 1848.
Die in Scandinavien einheimischen Orthopteren (im älteren Sinne)
sind hier sehr ausführlich beschrieben und grossentheils auf den beige-
gebenen Tafeln kenntlich abgebildet. In der Systematik ist der Verf.
Burmeister gefolgt, die Synonymie ist nicht ohne Sorgfalt behandelt,
doch sind einige wichtige Arbeiten, wie Audinet -Seryille’s Hist. nat.
d. Orthopt. und Philippi’s Orthoptera berolinensia gar nicht verglichen.
Die Benutzung des Werkes wird dadurch sehr erschwert, dass es ganz,
selbst mit Einschluss der Diagnosen, in schwedischer Sprache geschrie-
ben ist, Es sind im Ganzen 39 Arten aufgeführt, und zwar 4 Forfi-
cula, 2 Periplaneta, 2 Blalta, 1 Gryllotalpa, 1 Gryllus, 1 Locusta, 1 Xi-
phidium, 1 Meconema, 2 Barbitistes, 5 Decticus, 2 Podisma, 4 Oedipoda,
13 Gomphocerus, 2 Tetrir.
Forfieulariae.
Eine neue Art ist Pygidierana bivittata Erichson (Schomb.
Reis. 3. Th.) aus British Guiana.
Blattariae.
Erichson beschrieb (a. a. 0.) Blabera postica und Blatta
phalerata, neue Arten aus British Guiana,
Brisout de Barneville stellte (Ann.d. |. soc. ent. d, Franc,
Bull. S. XIX.) die ihm bekannt gewordenen Fälle von Blatta-Arten zu-
sammen, wo einzelne Füsse nicht aus fünf, sondern nur aus vier Glie-
dern bestehen. Diese (schon von Burmeister erwähnte) Anomalie wurde
besonders häufig bei Blatta indica beobachtet; von 51 verglichenen
Exemplaren besassen 10 an einem oder an einigen Füssen nur vier
Glieder.
Spectra.
Eine Anzahl neuer ostindischer Arten wurde von Westwood
(Cabin. of Orient. Ent. pl. 38. u. 39.) bekannt gemacht: Necroscia hi-
laris, N. maculicollis aus Assam, N.? curtipes, filum von
den Philippinen, Acanthoderus bufo, mesoplatus ebendaher, de-
spectus aus Sylhei, lacertinus aus Assam, Pachymorpha draco-
ninum, deplanalum von den Philippinen, Lonchodes lute o-viri-
dis aus Assam, uniformis von der Prinz Wales-Insel, Bacteria ge-
niculosa ebendaher.
Achetae.
Von Eversmann (a. a. 0. 8. 7.) wurde der den neuern Schrift-
stellern unbekannte Gryllus aqueus Fabr. sorgfältig beschrieben und Taf, A.
Fig. 1. a. b. in beiden Geschlechtern abgebildet, Diese Art steht dem
Vecanthus italicus nahe, ist aber durch sehr breit eiförmige Oberflü-
gel’in beiden Geschlechtern, durch blassen Leib und die sehr grosse
184 Schaum: Bericht über die Leistungen in der Entomologie
Trommelhaut des Männchens, welche den ganzen Oberflügel einnimmt,
unterschieden. Sie ist durch ihren hellen, lauten Gesang vor allen aus-
gezeichnet. Meconema varia Fisch. (Orth. ross. tab. 8. fig. 6.) ist das
Weibchen derselben (Erichson hatte Jahresber. f. 1846. S. 139. dieses
Citat irrig zu Oecanthus pellucens gezogen).
Auf das Vorkommen der Acheta sylvestris in Niederhessen machle
Wissmann (Ent. Zeit. S. 80.), auf das in Baden Fischer (ebenda
S. 224.) aufmerksam.
Locustariae.
Westwood gab (Cabin. of orient. entom. tab. 25.) schöne Ab-
bildungen von Acanthodis imperialis White (Ann. nat. hist. XVIII.),
Donovani Don., Phylloptera san guinolenta und octomaculala,
die beiden letzten sind neue Arten aus Sumatra.
Von Coquerel (Ann. d. |. soc. entom. d. Franc. S. 282, pl. 8.
fig. 6. a—d.) wurde Anostostoma cuniculator als neue Art aufge-
stellt, sie ist vom Verf. auf der kleinen Insel Nossi Be an der Nord-
ostküste von Madagascar entdeckt; sie scheint sich Gallerien in verfaul-
tem Holze auszuhöhlen. Es ist dies die dritte Art dieser merkwürdigen
Gattung, von welcher bis jelzt nur flügellose Individuen bekannt ge-
worden sind.
Eversmann (a. a. 0.) beschrieb Decticus dilutus Charp, und
als neue Art Locusta longicauda (tab. A. fig. 2.) von den Vorbergen
des Ural, sie ist indessen mit L. caudata Charp. und wahrscheinlich auch
mit Conocephalus Kolenatii Fischer identisch.
Derselbe bemerkte (ebenda), dass Decticus sinuatus Fisch, =
brevipennis var. und Pferolepis pustulipes Fisch. — Locusta ephippiger
Fabr. ist.
Aeridii.
Von v. Bork (a. a.0. S. 134. pl. 4. fig. 6.) wurde Gomphoce-
rus abruptipennis als neue Artaus Goltland aufgestellt, sie scheint
mir indessen mit G. pullus Phil, identisch zu sein. — Derselbe gab
eine Abbildung des noch wenig bekannten Podisma frigidum (Gryllus
frigidus Boh.), vereinigte Gomphocerus ventralis Zeit. als Weibchen mit
G. rufipes Zett. und führte für G. morio Charp. elegans Boh. den Na-
men G. melanopterus ein, da G. morio Fabr. der Kopenhagener
Sammlung zufolge = @. lineatus Panz. Charp. ist.
Eversmann beschrieb (a. a. 0) Oedipoda salina (Gryllus sa-
linus Pall., insubricus Charp., O. montana (Gryllus montanus Charp.) und
folgende neue Arten: O. gracilis thorace unicarinato, antice coarclato,
grisea, cretaceo-adspersa, vittis quatuor thoracis cretaceis , tibiis posti-
cis albis diaphanis, elytris angustissimis, abdomine longioribus pallidis,
fuseo-variis,, alis aqueis der O. tlıalassina verwandt aus der Songarei,
O0. albicornis (tab. A. fig. 3.) thorace tricarinalo, carinis lateralibus
angulatis, fusca, ventre albido, antennis albis, elytris longitudine abdomi-
nis, griseis, fusco-maculatis, margine postico Iuteo, alis limpidis, Fem
AT
während des Jahres 1848, 185
aus der Provinz Saratow; O. brevicollis (tab. A. fig. 4. A 2) fü-
scescens, subtus albida, pronoto cruciato, aeque longo ac lato, eruce re-
ctangula alba, elytris longitudine abdominis, fusco-maeulatis, villa co-
stali albida, alis aqueis, tibiis postieis rubris, annulo albido ante annu-
lum basalem nigrum, nach Fieber die echte O. cruciata Charp., (von
welcher cruciata Philippi, Fisch. verschieden ist) von Orenburg; 0.
Fischeri (tab. A. fig. 5. 7 2.) thorace Iricarinato, carinis laterali-
bus pauxillum inflexis pallidis, femoribus postieis immaculatis, geniculis
nigris, tibiis postieis rubris, elytris fuscescentibus guttula albida nota-
tis, alis limpidis. Mas elytris abdomine longioribus subimmaeulatis, ab-
domine superne apiceque rubra. Fem. elytris abdomine brevioribus di-
Jute fusco-maeulatis, abdomine superne fuscescente, subtus albente, der
0. lineata Panz. verwandt, in den Vorbergen des Ural; O0. carbona-
ria (tab. A. fig. 6. 2) thorace tricarinato, carinis Jateralibus inflexis,
elytris alisque nigris abdomine longioribus. Mas der O. morio Fabr.
ähnlich, aber viermal kleiner, von Sarepta. 0. vagrans Fieber: pu-
bescens, fusca, thoracis carinis lateralibus angulatis, angulo paululum
rotundato, antennis filiformibus, elytris longitudine abdominis (2), vel
paulo longioribus (71), femoribus postieis vitta lata interna baseos, der
0. bicolor und arvalis Burm. sehr ähnlich, aus dem Orenburger Bezirk.
0. discoidalis: thorace Lricarinato, carinis Jateralibus angulatis, fusca,
geniculis postieis nigrieantibus, elytris abdomine longioribus fuscescenti-
bus, dilute fusco-maeulatis ; conclavi elytrorum discoidali lato, seriebus
duabus cellularum impleto. Fem. aus dem Ural. 0. moderata (tab. A.
fig. 7): thorace tricarinato, carinis rectis subparallelis, griseo-fuscescens,
elytris linearibus griseo-fuscis, immaculatis alisque limpidis corpore
longioribus, pedibus posticis sordide testaceis, immaculatis von Oren-
burg im Ural und an der untern Wolga. 0. homoptera (tab. 8. fig. 8.):
thorace tricarinato, carinis lateralibus subrectis, virescens aut lutescens,
elytris alisque abdomine multo longioribus, pallidis unicoloribus, capite
maxime declivi, abdominis segmento ultimo conico, acuto vom Ural,
nach Fieber OÖ. longierus Fisch. mit vollkommnen Flügeln.
Derselbe bemerkt, dass Oedipoda smilacea Fisch. (tab. 33. fig. 13.)
= Podisma dispar Fisch. 2. — 0. smilacea Fisch. (tab. 33. fig. 14.) =
P. longierus Fisch. 2. — 0. germanica Fisch. (tab. 22. fig.7 et 8.) =
Aer. salinum Fisch. (Ent. ross. I. Orth. tab. 1. fig. 3.), Gryllus salinus
Pall., Gr. insubrieus Charp., Germ. — Oed. subcoeruleipennis Fisch.,
Charp. = Gr. variabilis Pall. und dass Gr. rhodoptilis Charp., Acridium
affıne Fisch. (Ent. ross 1.) und Oed. insubrica Fisch. Varietäten dieser
Art sind. — dass Oed. scalaris Fisch. = Gr. morio Fabr., Charp. —
Oed. pulla Fisch. = Gomphocerus biguttatus @ Charp. — Arcyptera co-
thurnata Fisch. — Gr. fuscus Pall. ist. — Oed. biguttula Fabr., bico-
lor Charp, , arvalis Burm., mollis Charp. und modesta Seidl werden in
Vebereinstimmung mit Fieber als Varietäten einer Art bezeichnet.
Erichson stellte (Schomb, Reis. 3. Th.) Aecridium prastor,
186 Schaum: Bericht über die Leistungen in der Entomologie
Oedipoda straminea und caligata als neue Arten aus British
Guiana auf,
Ein Verzeichniss der bei Paris vorkommenden Acridier ist von
Brisout de Barneville (Ann. d. |. soe. ent. d.Frane, $. 411) mit-
getheilt worden. Es werden 18 Arten von Acridium und 3 von Tetrix
aufgezählt und mit Ausnahme der bekanntern beschrieben, darunter zwei
neue: Acridium declivum (sic! elegante Costa?) und Tetriv de-
pressa.
Derselbe stellte (Ann, d. |, soc. entom. Bull, S. LXXXII.)
Acridium brevipenne als neue Art von den Pyrenäen auf, und be-
merkte (a. a. 0. S. XXXVIIl. und Rev. Zool. 1848. S, 190.) dass Acri-
dium smilaceum Fischer früher von Germar (Faun. Ins. XVIL. 7.) als
Podisma dispar Heyer abgebildet worden ist.
Derselbe machte (Ann. d. 1. soc. entom. d. Franc. Bull. S.XXXV.)
auf die häutigen und durchsichtigen seitlichen Erweiterungen der Hin-
terschienen und des ersten Gliedes der Hinterfüsse von Tetriz harpago
Serv. aufmerksam, sie stehen mit dem Schwimmvermögen des Thieres
(s. vor. Jahresber. S, 128.) im Zusammenhange. Da dieselbe Bildung
der Hinterbeine sich auch bei Tetr. produeta und uncinata vorfindet,
so lässt sich auf eine ähnliche Lebensweise dieser Arten schliessen, und
die Trennung derselben als Gattung unter dem bereits von Seryille vor-
geschlagenen Namen Scelimena findet hierin eine hinreichende Be-
gründung.
Eine ungewöhnliche Form von Gryllus pedestris Linn. (Aeridium
p- Serv.) wurde von Nylander (Notis. ur Sällsk. pro Faun. et Flor.
Fenn. Förh. Bihang t, Act, Soe. Fenn. 1. Häft. 5 294.) beobachtet,
Bisher waren nur Exemplare mit verkürzten Flügeln bekannt, das hier
erwähnte ist ein Weibchen mit völlig entwickelten Flügeln, Dieses
Insect gehört vermuthlich nicht zu Podisma pedestre, sondern zu einer
Art der Gattung Gomphocerus).
Fälle des Vorkommens von Gryllus migratorius in Deutschland
während des Jahres 1847 sind von Boie, Suffrian, Cornelius
und Junker in der Entom. Zeit. S. 90 angeführt.
Termitides.
Eine neue Art ist Termes decumanus Erichson (Schomb.
Reis. 3. Th.) aus British Guiana.
Perlariae.
Perla nivicola und Nemoura nivalis sind zwei neue von
Asa Ritch (Winter Ins. of Eastern New-York) aufgestellte Arten, wel-
che durch ihr Erscheinen während der Wintermonate im östlichen Theile
des Staates New - York von besonderem Interesse sind. Die erstere
kriecht in der letzten Hälfte des Winters auf dem Schnee umher und
ist besonders zur Zeit, wenn der Schnee schmilzt, sehr gemein, Nemoura
während des Jahres 1848, 187
nivalis, der Repräsentant der europäischen N. nebulosa in Nordamerika,
zeigt sich etwas später, ebenfalls in grosser Menge.
Newport beschrieb (Ann. of nat, hist. Il. ser. II. 356.) Perla
citrinata, minima, Capnia vernalis und Nemoura glacialis
als neue Arten vom Albany-Fluss in Canada, und wies die Identität der
Perla arenosa Pictet mit P. abnormis Newm. nach. Aus Nemoura gla-
eialis und N. trifaseiata Pictet, welche durch kurze Vorderflügel der
Männchen von den übrigen Nemouren abweichen, schlägt Newport vor,
eine eigene Untergattung Brachyptera (vergebner Name) zu er
richten.
Derselbe vervollstindigte (ebenda) die Charakteristik der Gat-
tung Pteronarcys Newm., und fügte die Beschreibung einer neuen Art,
Pt. californicus, aus Californien bei.
Ueber die Anatomie der Pleronarcys regalis legte Newport der
Linne’schen Gesellschaft in London eine Abhandlung vor, von welcher
in Gardener’s Chronicle n. 21. $. 334 em Auszug mitgetheilt ist. Als
Newport zuerst die Anwesenheit von Kiemen an einem geflügelten In-
secte entdeckte, war er geneigt, ihr Vorkommen als zufällig zu be-
trachten, seitdem hat er sie aber, obgleich unvollkommen erhalten, bei
allen getrockneten Stücken dieser Gattung im Britischen Museum vor-
gefunden, so dass diese Insecten im vollkommenen Zustande Organe
für Luft- und Wasserathmung haben. Der Verf. beschreibt dann die
Kiemen ihrer feinern Structur nach, die Art, wie das Blut in ihnen
eireulirt, und spricht seine Ueberzeugung aus, dass die Kiemen der
Pteronarcys active Organe sind, während das Insect zugleich Luft-
löcher für unmittelbare Luftathmung besitzt. Diese auffallende Abwei-
chung weist er als in der Lebensart des Thieres begründet nach , es
findet sich an feuchten Stellen halb unter Wasser, fliegt schwer-
fällig und kommt während der Nacht zum Vorschein. Der Nahrungs-
kanal weicht sehr von dem der übrigen Perliden ab, er wird nämlich
vorzugsweise von einem ungemein verlängerten Oesophagus gebildet,
welche nach hinten bis zur Mitte des Abdomen reicht; auch hat der
eigentliche verdauende Magen in seiner Wurzel nicht eine Spur von den
grossen Drüsen, welche bei Perla vorhanden sind. Hinsichtlich der
Verwandtschaft der Perliden bemerkt der Verf,, dass sie den Blattiden
am nächsten ständen,, und vielleicht an die Spitze der Neuropteren ge-
slellt werden müssten. Nach Doubleday halten sich die Pteronareys wälı-
send des Tages in den Schluchten der Felsen auf, welche dem Sprit-
zen der Wasserfälle ausgesetzt sind,
Psocides.
Das Eierlegen des Psocus quadripunctatus und das Gespinnst, mit
welchem. die Eier geschützt werden, hat Hardy (Newm,'s Zool. 1848.
No. 69., übers. in Schleid, u, Fror, Not. Nov. 1848, S. 121.) beschrieben.
Die letztern werden gewöhnlich in eine Vertiefung des Blattes zwischen
188 Schaum: Bericht über die Leistungen in der Entomologie
dessen Nerven, häufiger an der Unterseite desselben als an der Ober-
seite, abgesetzt. Sie sind länglich eiförmig, weiss, ihre Zahl variirt
von 5—16. Das Gespinnst bildet weisse eiförmige von ferne einer
Fischschuppe nicht unähnliche Flecken.
Libellulinae.
Die in den Departements Maine et Loire vorkommenden Arten
hat M. Millet (Mem. de la Soc. d’Agric., Scienc, et Arts d’Angers 1847.)
sorgfältig beschrieben, es sind im Ganzen 37 beobachtet, von denen 7
zu Libellula, 2 zu Cordulia, 4 zu Gomphus, 1 zu Cordulegaster, 1 zu
Anaz, 4 zu Aeschna, 2 zu Calopteryz, 2 zu Platypoda, 5 zu Lestes und
9 zu Agrion gehören, und die sämmtlich bereits bekannt sind.
Ein Verzeichniss der europäischen Libellulidae und die Diagno-
sen von vier neuen Arten veröffentlichte Selys Longehamps (Rev.
Zool. 1848. S. 15). Die letztern sind: L. albistyla aus Südfrankreich
und Oesterreich, L. Cyenos, L. Ramburii der mediterranischen
Fauna angehörig,, und Aeschna alpina aus den Schweizer-Alpen. Die
vollständigen Beschreibungen sind der Revue des Odonates vorbehalten,
welche der Verf. gegenwärtig in Gemeinschaft mit Hagen herausgiebt.
Die Zahl der in Europa beobachteten Arten beläuft sich nach dem hier
gegebenen Verzeichniss auf 98, welche in 14 Gattungen, 6 Tribus und
3 Familien vertheilt sind.
Erichson stellte (Schomb. Reis. 3. Th.) als neue Arten auf: Li-
bellula attenuata, cardinalis, bicolor, erratica, fervida,
famula, gutiata, Ictinus latro, Gynacantha feroz, Lestes tri-
color, sämmtlich aus British Guiana.
Den Kiemenapparat der Libellenlarve hat L&on Dufour (Compt.
rend. n. 10. 1848; Schleid. und Fror.. Not. Jul. 1848. S.84.) bespro-
chen und das Kiemenathmen derselben mit: dem Athmen der Fische
verglichen, ohne indessen etwas Neues über den Gegenstand beizubringen.
Die beschriebenen fossilen Libellen sind von Hagen (Ent. Zeit.
S. 6.) zusammengestellt und einer kritischen Prüfung unterworfen wor-
den. Obgleich er für die letztern nur auf die Abbildungen der früheren
Schriftsteller angewiesen war, so entfernt er sich doch in der Bestim-
mung der Gattungen mehrfach von seinen Vorgängern. Die 15 bekannt
gewordenen Arten, von denen die meisten im Solenhofer Juraschiefer,
einige im englischen Lias und im bituminösen Mergelschiefer von Ra-
doboj in Kroatien aufgefunden , zwei in Bernstein eingeschlossen
sind, gehören alle zu gegenwärtig noch existirenden Gattungen und zwar
zu Agrion ?, zu Lestes 1, zu Gomphus 2, zu Cordulegaster 1, zu Gy-
nacantha 1, zu Anax. 4, zu Aeschna 3, zu Libellula 1 Art.
Nach Heer (Mitth. d. naturf. Ges. in Zürich $. 53.) gehören Li-
bellenlarven zu den häufigsten Versteinerungen Oeningens. Er kennt
deren 9 Arten, 7 gehören zur Gattung Libellula, eine zu Aeschna,
eine zu Agrion; von beiden letzten nur in einzelnen Exemplaren auf-
während des Jahres 1848, 189
gelunden, dagegen treten Libellenlarven in so grosser Zahl auf, dass
auf einzelnen Steinplatten oft gegen 100 Exemplare beisammen liegen.
Im vollkommnen Zustande ist noch keine einzige Libellula, aber 4 Arten
von Agrion und ? von Aeschna vorgekommen.
Ephemerinae.
„Beiträge zur nähern Kenntniss der Palingenia longicauda Oliv.
von Cornelius, Elberfeld 1848.“ Eine sehr interessante Abhandlung,
welche unsere Kenntniss von der Naturgeschichte dieses merkwürdigen
Thieres wesentlich vervollständigt. Das massenhafte Erscheinen des
vollkommnen Insects auf der Lippe bei Hamm in der Mitte Juni wird
nach öfters wiederholter Anschauung anziehend geschildert. Die Nym-
phe und das vollkommne Insect nebst den Mundtheilen genau beschrieben
und durch gute Abbildungen erläutert. Die Beschreibung der Flügel-
haut zeigt, dass Pictet nur Männchen vor sich gehabt und Charaktere,
welche nur diesem Geschlechte zukommen, auf die Art übertragen hat.
— Der Verf. bestätigt, nach öfters wiederholter Beobachtung, Swam-
merdam’s Angabe , dass die Weibchen sich nur einmal, die Männchen
sich zweimal häuten, eine aullallende Anomalie in der Familie der Ephe-
merinen, da Pictet von allen übrigen Gattungen die Weibchen im Zu-
stande der Pseudimago abbildet. Die bisher noch nicht beobachtete Begat-
tung findet, nach Cornelius, auf folgende Weise statt: „Zur Zeit, wenn
die Menge der fliegenden Thiere ihre grösste Höhe erreicht hat, schwimmt
eine grosse Zahl von Weibchen ruhig auf der Oberfläche des Wassers,
indem sie sich ganz passiv verhalten und den Besuch der Männchen eı-
warten, welche über dem Wasser dahin fliegen. Jeizt setzt sich ein
Männchen auf das Weibchen, das gewöhnlich nur dann unruhig wird,
wenn mehrere Männchen sich um seinen Besitz streiten. Sobald nun
beide in Ruhe gekommen sind, weiss das Männchen zur rechen Seite
-des Weibchens sich so hinabzusenken und zu wenden, dass es fast ganz
unter das letztere zu liegen kommt, Der Hinterleib des Männ-
chens steht dabei unter dem des Weibchens weit her-
vor. Das Männchen krümmt jetzt den Hinterleib so weit aufwärts nach
vorn, dass es die Hinterleibsspitze des Weibchens erreicht, und die Be-
gattung, welche also fast in enlgegengeseizier Weise als bei den Li-
bellen stattfindet, wird rasch vollzogen, Dies alles geht vielleicht bin-
nen einer Viertelminute vor sich. Das Männchen erhebt sich darauf
wieder in die Luft, um bald zu sterben, die Weibchen sah ich meist
sogleich eine kleine Strecke nahe über dem Wasser dahin fliegen, ohne
Zweifel, um die befruchteten Eier ins Wasser fallen zu lassen.“ (Die-
selbe Beobachtung, dass bei den Ephemerinen das Weibchen während
der Begaltung über das Männchen zu liegen kommt, ist schon von
Ehrenberger Diss. d. Neuropt. anat, mitgetheilt worden.) Die zwei in-
nern Anhänge an der untern Seite des vorletzten Hinterleibsringes beim
Männchen werden vom Verf. mit Recht als Copulationsorgane gedeutet,
190 Schaum: Bericht über die Leistungen in der Entomologie
sie finden sich allgemein bei den Ephemerinen und ersetzen den Klap-
penapparat des Penis (S. v. Siebold vergl. Anat. S. 661.)
Das Eierlegen der Palingenia horaria Burm. (virgo Pict.) wurde
von Burmeister beobachtet. Die Ephemeren gebären ihre Eier alle auf
einmal durch Dehiscenz des Hinterleibes. Der weit ausgestreckte Hin-
terleib wird dabei krampfhaft nach oben gebogen und die Eier in Ge-
stalt zweier cylindrischer Gruppen, welche den Eierstöcken der Thiere
entsprechen, gleichzeitig durch zwei Oeffnungen aus der Verbindungs-
haut zwischen dem vorletzten und drittletzten Bauchringe hervorgetrie-
ben. Nachdem die Eier gelegt sind, wird ein Theil des bei den reifen
Ephemeren mit Luft gefüllten chylopoätischen Darms durch die heftigen
Contractionen der Muskeln des Hinterleibes in Gestalt einer Luftblase
durch jene Ruptur herausgedrängt, ein Umstand , der den baldigen Tod
des Thieres nach jenem Acte zur Folge hat. Die einzelnen Eier sind
eiförmig gestaltet, an dem einen Ende etwas dicker als an dem andern
und auf diesem spitzern Ende sitzt ein opaker kreideweisser Anhang.
Lepismenae.
Gervais hat (Histoire naturelle d. Insectes Apteres £. IV. Paris
1847. S. 359.) die seit seiner frühern Bearbeitung (s. Jahresber. f. 1843.)
beschriebenen Arten dieser Familie namhaft gemacht.
Neuroptera.
Eine Uebersicht der neuern, die Neuroptera Linne’s be-
treffenden Litteratur hat Hagen (Ent. Zeit. S. 144.) begon-
nen zu veröffentlichen. In dem hier vorliegenden Theile sind
nur diejenigen systematischen und faunistischen Werke ana-
lysirt, welche die ganze Ordnung in dem Umfange, welchen
ihr Linne gab, umfassen. Die Litteratur der einzelnen Fa-
milien hat der Verf. erst im Jahrgange 1849 zu behandeln
angefangen.
Hemerobini.
Eine Reihe neuer Arten aus Ostindien ist von Westwood (Cab.
of Or. Ent. tab. 34.) abgebildet worden: Ascalaphus (Ogcogaster) tes-
selatus, segmentator, (Bubo)canifrons, Myrmeleon singulare,
Chauliodes su bfasciatus, Nemoptera filipennis, Mantispa no-
dosa. In einer Note sind im Text noch Ascalaphus (Ogeogaster?) den-
tifer, angulatus, (Haploglenius) obscurws, ebenfalls drei neue
ostindische Arten beschrieben.
Von Eri;chson (Schomb. Reis. 3. Th.) wurden Hemerobius öd-
lidus und Corydalis nubila als neue Arten aus British Guiana auf-
gestellt,
während des Jahres 1848. 191
Evans hat (Trans. of the ent. Soc. V. 77.) die dreizehn bereits
von Stephens beschriebenen britischen Arten von Chrysopa Llabellarisch
angeordnet und (auf Tafel 9 und 10) nach den Exemplaren der Ste-
phens’schen Sammlung abgebildet, :
Haliday wies (Trans. ofthe ent. Soc. V. Proc. p. XXXII.) nach,
dass die von Burmeister und Rambur in der Nähe von Psocus und Ter-
mes gestellte Gattung Coniopterye von Westwood und Wesma&l richti-
ger den Hemerobinen angeschlossen ist. Die Verwandlung derselben
ist der von Hemerobius sehr ähnlich; auch der innere anatomische Bau
stimmt in den wesentlichen Charakteren mit dem letztern,
Derselbe begründete (ebenda) die von Erichson (Jahresb. für
1842. 8.235.) ausgesprochene Meinung, dass das in Süsswasserschwäm-
men lebende und von Westwood unter dem Namen Branchiotoma Spon-
gillae beschriebene Thier die Larve einer Sisyra ist, Die nahe Ver-
wandischaft mit den Hemerobienlarven ist besonders in der Zalıl und
Stellung der Augen, in dem Bau und der Verbindung der beiden Kie-
ferpaare, in den doppelten Mündungen des Oesophagus und in der Zahl
und Anordnung der malpighischen Gefässe ausgesprochen. Die Haupt-
verschiedenheiten des Thieres von den Hemerobienlarven und die Ana-
logie mit der Larve von Sialis, in dem Auftreten gegliederter Kiemen
sind durch das Leben des Thieres im Wasser und die Beschaffenheit
seiner Nahrung bedingt. Auclı sind die Unterschiede, welche in dem
Darmkanale und seinen Anhängen zwischen Branchiotoma und Sisyra
bestehen, genau denen analog, welche bei den verschiedenen Ständen
von Hemerobius beobachtet werden. Das häufige Vorkommen der Sisyra
fuscata an den Stellen, wo das Thier des Süsswasserschwammes gefun-
den wird, lässt kaum einen Zweifel übrig , dass das letztere die Larve
dieser Art ist.
Westwood wurde durch die hier mitgetheilten Bemerkungen
Naliday's veranlasst, in Gardener’s Chronicle 1848. 34. S. 557. Sisyra
fuscata und Branchiotoma Spongillae als die dazu gehörige Larve auf
einem Holzschnitte darzustellen.
Die Naturgeschichte von Hemerobius schilderte West wood (Gard,
Chron. n. 24. $. 380.)
v. Nolcken beobachtete, dass die Entfaltung der Flügel von
Myrmecoleon formiearius nach dem Auskriechen sehr langsam vor sich
geht und oft mehrere Tage währt, (Ent. Zeit. 1847. S. 224.)
Die Anatomie der Gattungen Chrysopa, Raphidia und Sialisist von Löw
durch schöne Abbildungen erläutert worden. (Linn, entom. II. $. 345,
„Abbildungen und Bemerkungen zur Anatomie einiger Neuröpterengat«
ungen.“ Tal. 1.2.3 und6): Der Text, welcher sich auf das Genaueste
an die Abbildungen anschliesst , ist nicht wohl zu einem Auszuge ge-
eignet, er vervollständigt übrigens nur die frühern Mittheilungen des
Verl, über denselben Gegenstand, (S, Jahresbericht für 1842. S. 233.)
192 Schaum: Bericht über die Leistungen in der Entomologie
„Recherches anatomiques sur la larve ä branchies exierieures du
Sialis lutarius par L. Dufour“ (Ann. d sciene. nat. 3&me ser. t. IX.
5.91). Die Beschreibung der äussern Theile enthält nichts Neues, sie
bestätigt namentlich die Darstellung, welche Degeer gegeben hat. Der
bisher nicht geschilderte innere Bau zeigt eine fast vollständige ‚Ueber-
einsiimmung mit dem des vollkommnen Insects. Das Kopfganglion ist
sehr klein, Thoraxganglien zählt der Verf. drei, Abdominalganglien acht
(nach Löw finden sich beim vollkommnen Insect nur sieben). Stigmen
konnten nicht entdeckt werden, obgleich der Verf. Pictel’s Beobachtnng
bestätigt, dass die Larve vor der Verwandlung längere Zeit ausser Was-
ser lebt. Der Darmkanal zeigt nichts Abweichendes.
„Recherches sur l’anatomie et histoire naturelle de l’Osmylus ma-
eulatus par L.Dufour“ (Ann. d.sc. nat. 3eme ser. t. IX. S.344. pl. 16.
fig. 11—29; Schleid. u. Fror,. Not. 1849. Oct. S. 36).
Dieser Aufsatz füllt eine wesentliche Lücke in unserer Kennt-
niss des innern Baus der einzelnen Neuropterenfamilien aus. — Das
Bauchmark enthält wie bei den Perliden und Phryganeen sechs Gan-
glien. Die Tracheenstämme sind sehr fein und zart, ohne blasige Erwei-
terungen, welche bei dem schwachen Flugvermögen des Thieres über-
Nüssig sind. Stigmata konnten nicht entdeckt werden, am Abdomen
fehlen sie wohl ganz, am Thorax sind sie wahrscheinlich vorhanden,
aber jedenfalls sehr klein. Seiner Lebensweise nach ist das Thier in-
sectivor. Die Mundtheile, welche genau beschrieben werden, bieten
nichts vom Familientypus Abweichendes dar. Die Speichelgefässe sind
ähnlich wie bei Sialis, ein einfacher secernirender Schlauch erweitert
sich kurz vor der Einmündung in den Schlund in ein blasiges Reser-
voir. Der Darmkanal ist wie bei carnivoren Insecten überhaupt kurz
und gerade; in den ovalen Oesophagus mündet ein wurstförmiger
Schlundanhang. Der kleine Kaumagen zeigt acht säulenartige Wulste,
welche eine Art Pylorus vor dem Chylusmagen bilden. Der letztere
ist lang und gross; Dünn - und Dickdarm sehr kurz. Die Zahl der
Gallengelässe ist acht. Die Section der Genitalien erwies, dass Ram-
bur fälschlich die Individuen mit Haken an den Vorderhüften für Männ-
chen gehalten hat, es sind die Weibchen, bei denen überdies unten am
Ende des Hinteileibes eine schwarze, länglich viereckige, vorn ausge-
schnittene und mit zwei eingliedrigen Scheidentastern versehene Platte
sich findet; diese ist in der Mitte gespalten und verbirgt in der Tiefe
dieser Spalte After und Scheidenöffnung. Die Ovarien bestehen aus
zehn Eiröhren, die kurzen Eileiter vereinigen sich zu einem sehr er-
weiterten Oviduct, welcher sich in die Scheide fortsetzt, In den Ovi-
duet münden zwei Schleimdrüsen, welche in einer Pulpe von Fett und
Tracheen liegen, sie bestehen aus einer eiförmigen secernirenden Blase
mit fadenförmigem Ausführungsgange von elastischer Textur, welcher
sich spiralförmig aufrollt. Nur bei der Dipterengatiung Scenopinus hat
während des Jahres 1848. 193
Dufour eine ähnliche Structur beobachtet, hier ist aber eine einfache
unpaarige Drüse vorhanden. Die in den Eiröhren weisslichen Eier werden
nach der Befruchtung gelbgrau mit weisslichem Knöpfchen am Vorderrande.
Die Hoden liegen in einem gemeinschaltlichen, herzförmigen Scrotum, eine
Structur, welche Dufour sonst nur bei Hymenopteren beobachtet hat, sie
bestehen aus einem Conglomerat von etwa 20 Samenkapseln. Der Sa-
menleiter liegt mit seinem Anhange ebenfalls im Scrotum, durchbohrt
dasselbe und mündet in den untern Theil der Samenblase. Von seinem
Austrilte aus dem Scrotum an ist er von einem netzarligen Gekröse
(fraise &piploique) scheidenartig umhüllt, eine bei Insecten noch nicht
beobachtete Bildung. Samenblasen finden sich zwei Paare, das eine
die Samenleiter aufnehmende Paar, sind dicke mehrfach abgeschnürte
Schläuche, welche vorn in eine fadenförmige Schlinge endigen; ihrem
hintern Ende ist das zweite accessorische Paar in Form kurzer Haken
angehängt. Ein ductus ejaculatorius konnte nicht erkannt werden, auch
ein horniges Begattungsorgan liess sich nicht nachweisen. Ausserdem
findet sich beim Männchen am Ende. des Hinterleibes und der Genita-
lien, aber ohne Zusammenhang damit, jederseits ein eigenthümliches
Organ, welches noch bei keinem andern Insecte beobachtet ist, Es
ist ein länglicher , platter, am freien Ende stumpfer Körper, welcher
mit dem andern dünnen Ende am Anus fixirt ist, er besteht aus einer
innern derben Tasche in Form einer Schuhsohle und einer losen weis-
sen Hülle. Vielfache Tracheen umgeben ihn. Dufour vermuthet, dass
er ein Secret liefert, welches die gelegten Eier einhüllt.
History and transformalions of Corydalis cornutus by Halde-
man. Internal anatomy of Corydalis cornulus in ils three stages of exi-
stence by Leidy (Journ. of the Amer. Acad. of Arts and Science. Bost.
1848. pl. 1-3).
Das vollkommne Insect erscheint in Pennsylvanien im Juli und
verschwindet Anfangs August, es ist nicht häufig, obwohl man Larven
und Puppen in Menge antrifft; die Zahl der Männchen übersteigt die der
Weibchen um das Zehnfache. Es fliegt in der Kegel nicht bei Tage,
ist sehr schwerfällig, angefasst biegt es Kopf und Thorax stark nach
hinten und den Hinterleib aufwärts und entleert einen weissen stinken-
den Saft. Alle Stände sind ausführlich beschrieben. (Ueber die Ver-
wandlungsgeschichte halte Haldeman bereits früher das Wesentliche
mitgetheilt s. Jahresber, f. 1846. $. 143). Ein besonders bemerkens-
wertlier Charakter des vollkommnen Insects ist eine vollständige Durch-
bohrung des Kopfes an der vordern Basis eines jeden Fühlers, welche
an der engsten Stelle das Einbringen einer Borste gestattet, und vor
und hinter dieser Stelle sich erweitert. — Der Verdauungskanal zeigt
in den drei verschiedenen Zuständen bedeutende Abweichungen. Der
Proventriculus der Larve ist mit 12 kräftigen musculösen Säulen ver-
sehen, welche sich über die innere Fläche der Höhle erheben, sie ha
Archiv f. Naturgesch, XV, Jahrg. 2. Bd. N
194 Schaum: Bericht über die Leistungen in der Entomologie
ben eine sehr regelmässige Lage und Gestalt, sechs derselben sind breit
und wechseln mit sechs andern verhältnissmässig schmalern ab. Der
untere Theil der breitern dient hornigen Zähnen zum Ansatz. Der ei-
gentliche Magen ist ein vierseitiges Behältniss, scheinbar von vier an-
einandergelegten Cylindern gebildet, welche nach vorn elwas aus ein-
ander gehen und in ebenso vielen Blindtaschen endigen. Der Dünn-
darm ist lang und erweitert sich, nachdem er eine kurze Schlinge ge-
bildet hat. Speichelgefässe fehlen. Gallengelässe sind acht vorhanden.
In der Puppe ist der Oesophagus kürzer geworden, der Proventriculus
mit seinem Zahnapparate ist verschwunden, es hat sich aber ein Saug-
magen abgeschnürt, Der Magen geräumig und lang, von demselben
gehen vier lange sackförmig eingeschnürte Blindsäcke aus, zwei sind
spitz und schmal, die beiden andern sind am Ende rund und erweitert.
Dünndarm und Gallengefässe ziemlich wie bei derLarve. Im vollkom-
menen Insecte ist der Oesophagus wieder länger geworden und dehnt
sich, allmählich nach hinten sich erweiternd, in einen geräumigen Vor-
magen aus, welcher bis zum fünften Hinterleibsringe reicht, aber keine
Zähne hat und hinten mit einem kleinen Blindsacke, dem Analogon des
Saugmagens der Puppe, versehen ist. Der Magen ist sehr verkürzt, die
Blindsäcke sind nicht mehr sackförmig eingeschnürt und am Ende
sämmtlich stumpf. Der Dünndarm ist mit einem Coecum versehen, auf
welchem zahlreiche Drüsen liegen, — In allen drei Stadien findet sich
im letzten Hinterleibsringe, am Ende des Dünndarms, ein unregelmäs-
sig eiförmiger Sack, welcher eine zähe grünliche Flüssigkeit enthält,
Die Mündung dieses Sackes, welchen der Verf. für eine Urinblase zu
halten geneigt ist, befindet sich an der Afteröffnung.
Die Geschlechtsorgane sind in der Larve nur schwach entwickelt.
In der Puppe dagegen sind die Hoden schon sehr ausgebildet, die Sa-
mengefässe sind kurze querliegende, gegen das vas deferens convergi-
rende Röhren und enthalten schon Samenfäden. Im vollkommenen In-
secte sind diese Röhren strotzender geworden, sonst wenig verschie-
den. Die vasa deferentia vereinigen sich zu einem kurzen ductus
ejaculatorius, welcher an der Spitze einer unscheinbaren Papille mün-
det; diese Papille ist die einzige Spur eines Penis und liegt unten
zwischen dem vorletzten und letzten Hinterleibsringe. Am letzten Seg-
mente sitzen vier gegliederleAnhänge, welche bestimmt zu sein schei-
nen die Weibchen bei der Begattung festzuhalten. Die Eierstöcke sind
gross, kürzer als die Hoden, aber dreimal so breit, sie bestehen aus
zahlreichen quer angeordneten Röhren, welche in eine Spitze auslau-
fen. Die beiden Eileiter vereinigen sich zu einer gemeinschaftlichen
kurzen Röhre, welche sich in die Scheide fortsetzt; diese ist kurz, rund
und endet in einer durchbohrten Papille. Eine besondere Begaltungs-
tasche ist nicht vorhanden , es scheinen die Papillen der beiden Ge-
schlechter beim Coitus an einander gelegt zu werden. Das Nervensy-
stem verändert sich in den verschiedenen Entwicklungsstufen nur we-
während des Jahres 1848. 195
nig. Das Bauchmark besteht aus drei Brust- und acht Hinterleibsgang-
lien. Die Larve hat sechs einfache Augen.
Panorpatae.
Die merkwürdige Gattung Boreus ist von Asa Fitch (Winter-
Inseets of Eastern New-York) mit zwei neuen Arten bereichert worden,
die eine, B. nivoriundus, kriecht im östlichen Theile von New-York
von December bis April nicht selten auf dem Schnee herum, sie steht
dem europäischen B. hiemalis sehr nahe, hat aber ganz schwarze Fühler,
die Oberseite des Thorax, Flügelrudimente, Rüssel und Beine sind gelb,
die zweite, B. brumalis, erscheint eiwas früher im Jahre, und bei
strengerer Kälte zuweilen aber gemeinschaftlich mit dem erstern und
unterscheidet sich blofs durch schwarze Farbe des Rüssels, der Beine
und Flügel und tief schwarzgrüne Farbe des übrigen Körpers. (Wie
es von B. hiemalis hell und dunkel gefärbte Exemplare giebt, so
möchte vielleicht auch B. brumalis von B. nivoriundus nicht specifisch
verschieden sein). y
Erichson (Schomb. Reis. 3. Th.) beschrieb als neue Art Bitta-
cus geniculatus von British Guiana.
Löw hat die Anatomie der Gattung Panorpa durch schöne Ab-
bildungen erläutert. (Linn. entom. III. S. 365. Taf. 4 u. 5).
Phryganides.
Diese Familie hat Kolenati monographisch zu behandeln be-
gonnen. „Genera et Species Trichopterorum. Pars prior ; Heteropalpoi-
dea. Prag 1848. 410.“ Die Arbeit ist mit einem reichhaltigen Material
unternommen. Im allgemeinen Theile des Werkes ist eine sorgfältige
Darstellung des Flügelgeäders dem Verf. eigenthümlich,, das Studium
desselben hat ihm Charaktere für die Begründung der einzelnen Gat-
tungen geliefert, und namentlich in der schwierigen Gruppe der Lim-
nophiliden ist er auf diesem Wege zu eigenen Resultaten gelangt. Drei
beigefügte Tafeln zeigen die Differenzen der Reticulation in allen vom
Verf. beschriebenen Gattungen. Abweichend von Burmeister giebt der
Verf. an, dass drei Nebenaugen bei allen Phryganiden existirten ; mir
ist es nicht gelungen, an mehreren Arten von Myslacides irgend eine
Spur derselben aulzufinden. — Dem periodischen und massenhaften Er-
scheinen der einzelnen Arten hatK. eine besondere Aufmerksamkeit ge-
widmet, und seine Resultate auf S. 23 und 24 in einer Tabelle zusam-
mengestellt. Auch die geographische Verbreitung hat er überall be-
zücksichtigt; wenn er aber die Umgegend von Petersburg und den La-
dogasee zur arctischen Fauna rechnet, so spricht dagegen schon der
_ Umstand, dass der grösste Theil der vom Verf. an jenen Orten gesam-
melten Arten auch an verschiedenen Punkten des nördlichen Deutsch-
Jands häufig vorkommt,
2 Für die Eintheilung der Familie hat sich Kolenati ziemlich ge=
196 Schaum: Bericht über die Leistungen in der Entomologie
nau an Burmeister gehalten, jedoch die Gliederung weiter verfolgt und
einigemal mit Geschick verbessert.
Die sämmtlichen Phryganiden *) sind nach Burmeister in zwei
Hauptgruppen getheilt, in der einen sind die Maxillartaster nur beim
Weibchen fünfgliedrig, beim Männchen drei- oder viergliedrig; in
der zweiten sind sie in beiden Geschlechtern fünfgliedrig. Kole-
nati nennt die erstere Heteropalpoidea, die zweite Isopalpoi-
dea, zwei als voces hybridae durchaus unstatthafte Benennungen. Der
Umfang dieser Abtheilungen ist bei Kolenati und Burmeister nur inso-
fern verschieden, als Kolenati mit Recht die Hydroptiliden der letztern
einreiht. Die in dem vorliegenden Theile allein behandelten Hetero-
palpoidea sind auf eine natürliche Weise in drei Tribus vertheilt: Lim-
nophiloidea mit dreigliedrigen, Phryganoidea und Sericostomoidea mit
viergliedrigen Maxillartastern im männlichen Geschlechte; bei jenen sind
die Taster nackt und die Sporne der Schienen unbeweglich, bei diesen
sind die Taster stark behaart und die Sporne beweglich. — Die Lim-
nophiloidea von Leach und Stephens in vier Gattungen, von Burmei-
ster in ebensoviele Abtheilungen einer Gattung vertheilt, sind von Ko-
lenati in vierzehn Gattungen aufgelöst, welche 53 Arten enthalten. Bei
der Begründung der Gattungen ist die Zahl der Sporne an den Schienen
benutzt. Der bei weitem grölsere Theil (nämlich 50 A.) hat drei an
den Mittelschienen. Von 11 hierher gehörigen Gattungen haben die
neun ersten vier, die beiden letzten drei Sporne an den Hinterschie-
nen: Glyphidotaulius (mit2A., Ineu), Gramm otaulius (3 A.),
Chaetotaulius (9 A., 5 neu), Colpotaulius (2 neue A.), Go-
niotaulius (10 A., 2 neu), Desmotaulius (4 A., 2 neu), Pha-
copteryz(1 neue A.), Stathmophorus (3 A., 1 neu), Steno-
phylaz (8 A., 3 neu), Hallesus Steph. (5 A., 1 neu), Chaeto-
pteryz Steph. (3 A., I neu). In den drei nächsten Gattungen , die
jede nur aus einer Art bestehen, sind die Mittelschienen mit zwei Spor-
nen versehen, sie werden nach der Zahl der Sporne an den Hinter-
schienen unterschieden, bei Ptyopteryz sind zwei, bei Eccliso-
pteryz drei, bei Apatonia vier vorhanden.
In der kleinen Tribus Phryganoidea ist die Zahl der Schienen-
spornen gleich und durch die Zahlen 2.4.4. für die drei Paar Beine
auszudrücken, Sie umfasst die Gatlungen Agrypnia Curt. (2 A., 1 neu),
Anabolia Steph. (in zwei Untergaltungen Oligostomis und Holo-
stomis zerlegt, 5 A., 1 neu), Trichostegia (3 A.). (Der letztern
Gattung muss der Name Phryganea verbleiben , sie enthält die Arten
grandis, varia, minor, für welche von Stephens, Curtis, Leach, Burmei-
*) Der Name Trichoptera , welcher übrigens schon 1803 von Mei-
gen an eine Fliegengattung vergeben ist, muss offenbar dem äl-
teren von Latreille dieser Familie ertheilten Phryganidae weichen,
während des Jahres 1848. 197
ster und Rambur mit Recht der alte Linne’sche Gattungsname beihe-
halten ist.)
Die letzte Tribus, die Sericostomoidea, enthält in 12 Gattungen
23 Arten. Mit Ausnahme der beiden letzten Gattungen haben die Vor-
derschienen bei allen zwei Sporne: Prosoponia Leach. (3 A., hier wäre
der ältere Latreille'sche Namen Sericostomum beizubehalten gewesen),
Notidobia Steph. (1 A.), Hydronautia (2 A.), Plectotarsus (1
neue A.), Sphathidopteryz (1 A.), Aspatherium (2 A.), Goera
Hoffm. (3 A., 1 neu), Potamaria Leach (2? neue A.), Silo Curt. (1 A.),
Ptilocolepus (1 neue A.). Die beiden letzten Gattungen Hydr.a-
chestria (2 A.) und Hydroptila Dalm, (4 A., 1 neu) haben keine
Sporne an den Vorderschienen.
Kolenatli hat nur die ihm aus eigener Anschauung bekannten Ar-
ten aufgeführt, die von frühero Schriftstellern beschriebenen , die er
nicht selbst gesehen hat, gar nicht erwähnt, obwohl die Zahl der letz-
tern die der erstern ansehnlich übersteigt. Mit Ausnahme einer einzi-
gen aus Neuholland (Plectotarsus Gravenhorstii Kol.) und einer grön-
ländischen sind die von Kolenati beschriebenen sämmtlich in Europa ein-
heimisch. Von 19 Arten hat er die Larven beobachtet, in 4 Fällen
waren dieselben unbekannt, die übrigen finden sich schon bei Rösel,
Degeer und Pictet abgebildet.
Der schwächste Theil der Arbeit ist nächst dem wahrhaft bar-
barischen Latein , in welchem sie geschrieben ist, und nächst den al-
len Gesetzen zuwiderlaufenden Namensbildungen auf taulius, welche
bereits Zeller (Ent. Zeit. 1848. S. 374) scharf gerügt hat, ohne Zweifel
der literarische; die früher über diese Familie erschienenen Werke sind
vom Verf. theils gar nicht, theils nicht mit der nöthigen Sorgfalt benutzt.
Das Erstere ist z. B. mit Rambur’s list, nat. d, Neuropt. der Fall. Eine
umsichtige Benutzung gerade dieses Werkes würde für die Arbeit des
Verf. von grossem Vortheile gewesen sein, indem sie ihn auf die Wich-
tigkeit der männlichen appendices anales hingewiesen haben würde,
deren Form in mehreren Fällen von Rambur gut beschrieben ist, und
die in dieser Familie ebenso sichere specifische Unterschiede darbieten,
als bei den Libellen. In Folge dieser mangelhaften Berücksichtigung
früherer Arbeiten werden ohne Zweifel viele der hier als neu aufge-
stellten Arten wieder eingehen und die von Kolenati ertheilten Namen
älteren Benennungen weichen müssen. Es wäre sehr wünschenswerth,
dass ein mit dem Gegenstande speciell vertrauter Entomolog eine sorg-
fällige Reduction der Synonymie vornehmen wollte. Wie nachlässig
gerade der literarische Theil von Kolenati behandelt ist, geht schon
daraus hervor, dass er bei gewöhnlichen Arten die von Pictet gegebe-
nen Synonyme mit den Druckfehlern abdruckt, $, 45 u. 53 Roscius statt
Rossius, S.64 Acta Ursalia statt Upsalia.
Eine tabellarische Uebersicht der in diesem Bande abgehandelten
198 Schaum: Bericht über die Leistungen in der Entomologie
Gattungen und Arten hat Kolenati (Entom. Zeit. $. 16. 59) mit-
getheilt.
Den Nutzen der Phryganiden erläuterte derselbe (ebenda S. 50).
Die Anwesenheit von Larven ist besonders beim Anlegen von Fisch-
teichen zu berücksichtigen, sie beweist, dass das Wasser eine lür das
Fortkommen der Fische günstige Beschaffenheit hat, namentlich rein
von Kalk oder Eisensalzen ist. Auch sind die Larven und Eier ein
vortreflliches Nahrungsmittel für die Fische.
Als neue Art ist von Erichson (Schomb. Reis. 3. Th.) Ma-
cronema arcuala aus British Guiana aufgestellt worden.
Description et Anatomie d’une larve ä branchies externes d’Hy-
dropsyche par Leon Dufour (Ann. d, scienc. nat. 3. ser. 1847. tom,
VIN, p. 341. pl. 15.)
L. Dufour hat im Adour bei St, Sever eine Hydropsychelarve
in Menge gefunden, welche der von Pictet abgebildeten Larve von H.
alomaria zwar schr nahe kommt, aber doch mehrere Unterschiede dar-
bietet. Sie gehört zu denjenigen, welche sich Gehäuse bauen, diesel-
ben aber zeitweilig verlassen. Der Verf. berichtigt zunächst einen Irr-
thum in Pictet’s Darstellung der Maxillen; das von Pictet als ungeglie-
dert beschriebene äussere Stück ist der viergliedrige Taster, das innere
die eigentliche Lade. Das von Pictet als „liere“ beschriebene Organ
hält Dufour für die Lippe, Taster konnten an derselben nicht entdeckt
werden. Hinter den Mundtheilen auf der Unterseite befinden sich ein
paar horvige,, vorn abgestutzte, fast bis zur Spitze verwachsene Lap-
pen, in die sich die beiden Spinnkanäle getrennt münden, und die Du-
four als Spinnorgane deutet, DieLarve hat Brust- und Hinterleibskie-
men; die ersteren, welche nach Pietet’s Angabe ganz fehlen sollen, be-
stehen in zwei Paaren einfacher Quasten zwischen den Hinterbeinen
und einem Paare zwischen den Mittelbeinen. Am Hinterleibe ist das
1—6te Segment jederseits mit 3 Quasten, zwei seitlichen und einer
mittleren versehen, das 7te hat nur die mittleren, dem Sten und 9ten
fehlen auch diese. — Der innere Bau ist ausführlich geschildert, das
Nervensystem fand Dufour ganz so, wie es Pictet abgebildet hat; in
der Darstellung der Respirationsorgane hat Pictet die Zahl und Stellung
der Kiemenquasten nicht richtig angegeben. Was den Darmkanal be-
trifft, so hat Pictet den Faltenmagen ganz übersehen, er liegt zwischen
dem Kaumagen und dem Chylusmagen,, ist eilörmig, schwielig, innen
mit etwa dreissig parallelen hornigen Längsstreifen versehen. Die zwei
kleinen Blinddärme, welche auf jeder Seite in das Rectum einmünden,
und die Pictet als Theile des Respirationsapparats betrachtet, hält Du-
four für Schwimmblasen, sie zeigen, ausgespannt, seitliche Quasten,
welche den Tracheen stets fehlen. Gallengefässe fand Dufour stets
sechs, Pietel’s Angabe, dass nur fünf vorhanden sind, hält er für einen
Irrthum, da er dieselben bisher nur bei Culex in ungerader Zahl ange-
während des Jahres 1848. 199
troffen hat. — Das vollkommene Insect kennt Dufour nicht, es bleibt
daher auch noch zweifelhaft, ob er wirklich die Larve einer Hydro-
psyche vor sich gehabt hat, und ob nicht wenigstens einige der
Abweichungen von Pictel’s Darstellung, welche Dufour hervorgehoben
und als Irrthümer der letztern bezeichnet hat, namentlich die in Bezug
auf die Zahl und Stellung der Kiemenquasten, in einer generischen
Verschiedenheit der hier geschilderten Larve begründet sind.
Bremi berichtete über ein Phryganeengehäuse aus Brasilien
(Mitth. der maturf. Ges, in Zürich 2. Heft S. 61). Diese auf der Schale
eines Unio aufsitzenden Gehäuse weichen in ihrer Substanz sehr von
denen der europäischen Arten ab; sie bestehen aus einer homogenen,
compakten, hornartigen, fast schwarzen Masse von bedeutender Elasti-
eität, welche durch Erwärmung nicht verloren geht. Feine concentri-
sche Ringe, welche diese Röhren ihrer ganzen Länge nach zeigen, ma-
chen ein Wachsthum durch successives Ansetzen einer allmählich sich
erhärtenden, von dem Thiere abgesonderten Flüssigkeit wahrscheinlich.
Verletzungen, welche einige dieser Gehäuse während des Lebens des
Thieres erlitten hatten, waren nicht mit dem ursprünglichen Materiale
geschlossen, sondern mit groben Sandkörnern zugemauert. Es scheint
hieraus hervorzugehen, dass wenigstens nicht alle Phryganeenlarven
ihre zerstörten Wohnungen in der ursprünglichen homogenen Weise
wieder zu bauen vermögen.
Derselbe machte (ebenda S. 62) auf zwei andere Phryganeen-
gehäuse aufmerksam ; das eine aus Corsica stammend, ist aus durch-
sichtigen Quarzkörnchen in Gestalt eines hochgewundenen Schnecken-
gehäuses aufgebaut, und hat längere Zeit unter dem Namen Valyata
granifera für eine Molluskenspecies gegolten; das andere von Bremi
entdeckte besteht aus lauter Confervenfäden, die von zwei Seiten halb-
kreisförmig gegen einander gekrümmt und in ihren Zwischenräumen
mit Gummi ausgefüllt sind, und stellt eine ovale, an beiden Enden offene
Tasche dar, welche von der Larve auf der Kante getragen wird. Zur
Zeit der Verwandlung legt die Larve diese Tasche auf die breite Seite
an eine glatte Fläche und befestigt sie an vier Ecken mit fächerförmig
ausgespannten Fäden,
Hymenoptera.
Das Gift im Wehrstachelapparat der Hymenopteren hat
Will untersucht (Schleid. u. Fror. Not. 1848. Sept. $. 17.).
Aus seinen Versuchen bei Ameisen, Bienen und Wespen geht
hervor, dass besonders zwei Substanzen, Ameisensäure und ein weiss-
licher, fettiger bitterer Rückstand im Secrete des Giftapparats vorhan-
den sind, und dass die ätzend wirkende Ameisensäure der eigentlich
wirksame Giftstoff ist.
200 Schaum: Bericht über die Leistungen in der Entomologie
Tenthredinetae.
Eine neue Art-ist Hylotoma lobata Erichson (Schomb, Reis.
3. Th.) aus British Guiana.
Die Larve von Lyda inanita und die tragbare Scheide, welche
sie sich aus Rosenblättern verfertigt, wurde von Menzel (Mitth. d.
naturf. Ges. in Zürich Heft 2. S. 106.) genau beschrieben.
Boie erzog aus einer Afterraupe , welche in den Blättern von
Rubus fruticosus minirt, eine Fenusa, der F. pumila verwandt, welche
er F.Rubi benennt, über die sich indessen, da keine genaue Beschrei-
bung beigegeben ist, nicht urtheilen lässt. (Ent. Zeit. 1848. S. 340.)
Westwood hat (Gardeners Chronicl. 1848. n. 32. S. 524.) die
Selandria atra Steph., deren Larve auf Birnbäumen lebt, in ihren verschie-
denen Ständen dargestellt. Die Art ist von Klug und Hartig irrig für
Tenthr. aethiops Fabr. gehalten worden.
Derselbe schilderte (ebenda) die Verwandlungsgeschichte von
Selandria aethiops, deren Larve den Rosenblättern öfters nachthei-
lig wird,
Gimmerthal beschreibt (Arb. d. natf. Ver. in Riga I. S. 330.)
die Afterraupe von Nematus appendiculatus Hartig, welche auf Stachel-
beersträuchern lebt und denselben bisweilen schädlich wird.
Ichneumonides.
Einen sehr wichtigen Beitrag zur Artenkenntniss dieser Familie
liefert die Mantissa Ichneumonum Belgii, welche Wesmäel (Bull. d.
l’Acad. roy. de Bruxell. S. 138—187 u. S.292—328) veröffentlicht hat,
und welche ein Supplement zu der früher vom Verfasser herausgege-
benen Arbeit über die belgischen Ichneumonen bildet. Die frühere Ein-
theilung (s. Jahresber. f. 1845. S. 267) ist unverändert beibehalten, von
den dort aufgestellten Untergattungen sind indessen einige eingezogen,
Eristicus (subg. 1) und Eupalamus (subg. 2) mit Ichneumon (subg. 5),
Automalus (subg. 12) mit Trogus (subg. 11) vereinigt worden, Die früheren
Beschreibungen vieler Arten werden vervollständigt, mit Aufklärungen
über die Geschlechtsverschiedenheiten und mit neuen Varietäten berei-
chert, ausserdem sind viele neue Arten aufgestellt; von diesen gehören
18 zu den I. exypygi und zwar 16 zur Untergaltung Ichneumon, 2 zu
Hoplismenus; 3 zu den I. amblypygi und zwar 2 zu Amblyteles 1 zu
Anisobas; 1 zu den J. platyuri. subg, Platylabus; 6 zu den ]J. pneuslici,
2 zu Phaeogenus, 1 zu Athecerus, 3 zu Diadromus.
Ratzeburg (die Ichneumonen der Forstinsecten Bd. 2) hat eine
Anzahl neuer Arten erzogen und beschrieben. Zwei derselben bilden
neue Gallungen. Bei Neurateles ist nicht allein der Hinterleib, son-
dern auch der ganze Rumpf zusammengedrückt, der zweite nervus re-
eurrens kaum zu erkennen, die kurzen Fühler haben nur 20—21 Glie-
der und der Bohrer ragt wie ein nach oben gekrümmter Haken über
während des Jahres 1848. 201
die Bauchspitze hervor. Eine neue Art N. papyraceus aus Kiefern
erzogen, lebt wahrscheinlich in Pissodes notatus. — Cubocephalus
(vox hybr.). Der Hinterleib erinnert an die Form eines gestiellen Cam-
poplex oder an Xorides, ebenso der fast cubische Kopf, die kleinen
Augen und kurzen Beine; die Fühler sind aber kurz und dick. C.,
fortipes, wahrscheinlich Cryptus fortipes Grav., aus Allantus cingu-
latus und Tryphon niger erzogen. — Die Wirthe der von Ratzeburg
erzogenen Ichneumoniden gehörten der allergrössten Zahl nach den
Lepidopteren und Hymenopteren an.
Erichson beschrieb (Schomb. Reis. 3. Th.) Polycyrtus luci-
dator und Ophion sphacelatus als neue Arten aus British Guiana.
Von Metopius necatorius, von dem bisher nur das Männchen be-
kannt war, hat Nylander beide Geschlechter bei Helsingförs gefun-
den. Das Weibchen ist $'/, Millim. lang, unten bräunlich, Fühler, Ge-
sicht und Mundiheile sind schwarz, die gelbe Zeichnung am Thorax und
den Beinen beschränkter oder fast verschwindend, Schienen und Füsse
ziegelfarbig, valvula analis ventralis schwarz, durch zwei deutliche Vor-
sprünge am Ende gespalten (das Männchen besitzt solche Vorsprünge
nur kürzer auf der valvula analis dorsalis), Legestachel gelblich (Notis.
ur Sellsk. pro Faun. et Flor. Fenn. "Förhandl. Bihang till. Act. Soc.
Fenn. 1. H. Helsingförs).
Boie ist geneigt, Ichneumon balticus Ralz. für identisch mit
Trogus alboguitatus Gray. zu halten (Ent. Zeit. p. 289.).
Braconides.
Die Kenntniss dieser Familie ist durch Ratzeburg's ausge-
zeichnetes Werk „die Ichneumonen der Forstinsekten in entomologische
und forstlicher Beziehung. 2. Band, Berlin 1849.“ ausserordentlich ge-
fördert worden. Der Verfasser hat mehrere neue Gattungen aufgestellt
und eine grosse Zahl neuer Arten beschrieben. Besonders werthvoll
sind seine Untersuchungen aber dadurch geworden, dass alle Arten er-
zogen worden sind, und dass somit auf das genaueste das Verhältniss
der einzelnen Schmarotzer zu ihren Wohnthieren festgestellt werden
konnte, Im Allgemeinen sind die Braconiden unter allen Schmarotzern
diejenigen, welche am wenigsten vagabondiren. Pantophage kommen un-
ter ilınen, wie es scheint, gar nicht vor, polyphage nur in geringer Zahl;
die Monophagen gehen nur von einem Holzinsekt zum andern über. Als
ihre Wirthe lernen wir besonders die Käfer kennen. Die neu entdeck-
ten Arten mache ich hier um so weniger namhaft, als das Werk zum
Artenstudium der Ichneumonen und verwandten Kamilien unentbehrlich
ist. Die neuen Gattungen sind:
Microtypus zwischen Mierodus Nees und Microgaster Latr.
stehend, von der ersteren Gattung durch grosse Randzelle und weniger
scharfkantigen Scheitel, von Microgaster durch kahle Augen und voll-
202 Schaum: Bericht über die Leistungen in der Entomologie
ständig geschlossene hintere Radialzelle abweichend. Die einzige Art
M. Wesmaelii wurde aus Cynips terminalis erzogen.
Orthostigma. Die Mandibeln wie bei Alysia auseinander ge-
sperrt, der Bohrer hervorragend, das Randmal linienförmig, hat in der
Flügelbildung grosse Aehnlichkeit mit Opius. Die hierher gehörige Art
war schon früher von Ratzeburg als Aphidius lavipes beschrieben und
aus Raupen von B. monacha erzogen worden,
Cosmophorus in vieler Beziehung sehr ausgezeichnet, im Ha-
bitus Alysia sich nähernd. Die Kiefertaster sehr fein, nur viergliedrig,
Lippentaster nur eingliedrig. Innere Mundtheile verkümmert. Oberkie-
fer zweizähnig, stark gekrümmt und daher abstehend. Die kurzen ei-
genthümlichen Fühler entspringen aus einem hohlen Horneylinder,, der
leicht für das erste Glied angesehen werden kann. Vor den Fühlern
zeigt das Gesicht eine sehr grosse Auschwellung, welche sich mit zwei
symmetrischen Hörnern vor die Fühler legt.
Die einzige 1“ lange Art, C. Klugii, wurde aus Hylesinus
polygraphus erzogen.
Von Erichson (Schomb. Reis. 3. Th.) wurden Bracon in qui-
sitor, deflagrator und Rogas melanopterus als neue Arten aus
British Guiana beschrieben.
Chaleidiae.
Diese Familie ist von Ratzeburg (a. a. 0.) mit einer sehr
grossen Zahl neuer, aus Forstinsekten erzogener Arten bereichert wor-
den. Unter denselben fanden sich auch drei neue Gattungen:
Telegraphus von Eneyrtus durch die sehr grossen, breiten,
das ganze Gesicht überragenden Fühler unterschieden, Schaft und Geis-
sel derselben breitgedrückt, die neungliedrige Geissel aus sehr kurzen
und breiten, fast gesägten Gliedern zusammengesetzt, ist auf der Aus-
senseite des Schaftblattes etwas unterhalb des Endes desselben in einem
rechten Winkel eingefügt. T. maculipennis neue Art aus Coccus-
weibehen erzogen. Eine zweite Art der Gattung ist Enceyrtus mirabi-
licornis Först.
Tridymus, auf Pierom. Salicis Nees und zwei neue Arten ge-
gründet, weicht von Pteromalus besonders in der Zusammensetzung des
Mesothorax ab, welcher aus drei so strak gesonderten Lappen besteht,
dass jeder für sich eine bald mehr bald weniger deutliche Wölbung
macht.
Sciatheras, durch einen grossen, fast rechtwinkligen Vor-
sprung am Gesicht ausgezeichnet , mit einem Büschel feiner Börstchen
an der Flügeljunctur , wohl die ausgezeichnetste Gattung der Familie.
Die Gegend des Gesichts ist eingedrückt, während die Backen scharf
hervortreten. Die Fühler sind gegen das Ende verdickt, neungliedrig,
das Wendeglied nach aussen stark gebuchtet. Mundtheile sehr klein
und nach unten gedrängt. Hierher eine neue Art 9, irichotus,
während des Jahres 1848. 203
Die Namen der drei früher aufgestellten Gattungen Trichocerus,
Stylocerus, Pachycerus werden hier, da sie schon anderweitig in Ge-
brauch sind, in Geniocerus, Storthygocerus und Roptrocerus umgeändert.
Von den zu dieser Familie gehörigen Gattungen schmarotzen die
Encyrten besonders in Schildläusen, die Eulophen in den Blattminirern,
die Torymi in Gallwespen, die Pteromalinen in Holzkäfern, Motten,
Gallwespen, Schildläusen, Mücken und Fliegen. Teleas wohnt vornehm-
lich in Eiern. Eurytoma ist am gewöhnlichsten Schmarotzer - Schma-
rotzer,
List of the species of hymenopterous insects in the collection of
the British museum. Part II. Chalcidites. Additional species. Lond. 1848.
— Dieses von Walker angefertigte Verzeichniss enthält die Aufzäh-
lung der Arten und Varietäten, mit welchen das britische Museum seit
dem Erscheinen des in dem Jahresberichte von 1846. S. 149 angezeig-
ten Walker’schen Catalogs bereichert worden ist. Ein Anhang giebt
die Beschreibung von 149 neuen Arten, von denen 5 ebenso vielen neuen
Gattungen angehören, Die neuen Gattungen, sämmtlich in England ein-
heimisch, sind Elatus ($.153), mit Perilampus und Callimone ver-
wandt, Tetramesa (S. 154), zwischen Asaphes und Gastraneistrus
eingereiht, Macromesus (S. 161), zwischen Raphitelus und Mero-
malus gestellt, Tityros (8. 164), zwischen Cyrtogaster und Pachylar-
Ihrus, Metallon (5.220), zwischen Cheiloneurus und Cerchysius ge-
stellt. Das Werk ist namentlich für das Artenstudium nicht zu ent-
behren.
Die Laryen eines Elachistus, welche in der Raupe von Anarta
myrtilli schmarotzt, wurde von Menzel sehr genau beschrieben (Mitth.
d. vaturf. Ges. in Zürich, Heft2. S. 105). In der ersten Jugend glei-
chen sie Fliegentönnchen, 1,“ lang haben sie jedoch eine birnför-
mige Gestalt; mit dem verdickten 'Vorderende saugen sie sich an die
Raupe an. Das verdünnte %,“ lange Hinterende besteht aus vier Ringen,
welche ausgestreckt und eingezogen werden können. Der Schwanz-
ring zeigt ein rundes Höckerchen, welches unten mit zwei kurzen flei-
schigen Häkchen, oben mit vier kleinen spitzen Körnchen besetzt ist.
Der Vorderkörper ist 1’ lang und besteht, ohne den Kopf, aus neun
oben hoch gewölbten,, unten flachen Ringen, welche jederseits einen
Längswulst besitzen. Kopf und Schwanzende sind gegen unten stark
zusammengeneigt. Der Spinnfaden,, mit dem die Larven den Raupen-
körper an die Umgebungen befestigen, tritt, abweichend von der allge-
meinen Regel, nicht aus der Unterlippe, sondern aus dem Schwanzende,
wie es scheint, aus einer Spitze des vorletzten Segmentes heryor. Die
Farbe der Larve ist grün, unten und hinten gelblich.
Kallenbach’s Erfahrungen über die Wohnthiere vieler Chal-
eidier, namentlich aus den Gattungen Callimome, Pteromalus, Eulophus,
Tetrastichus u. a. sind von Walker (Ann. of nat, hist. IL, ser. I. 77.)
veröffentlicht worden.
204 Schaum: Bericht über die Leistungen in der Entomologie
Pteromalus Salieis, Eneyrtus Tennes, Platygaster niger wurden
von Walker aus den Larven von Cecidomyia Salicis erzogen. (Ann.
of nat. hist, II. ser. II. S. 218).
Walker gab einen wichtigen Beitrag zur Synonymie der Gat-
tung Pteromalus, indem er diejenigen Arten verzeichnete, welche unter
verschiedenen Nanren von ihm in seinen früheren Schriften und von
Förster in seiner Monographie der Pteromalinen beschrieben worden
sind. (Ann. of nat. hist. Il. ser. II. S. 219.)
Derselbe beschrieb (ebenda) Callimome Nephthys fem. und C.,
Aerope? fem.
Crabronites.
Ueber die Lebensweise von Trypozylon figulus und Mellinus ar-
vensis hat F, Smith seine Beobachtungen mitgetheilt (Transact. of the
ent. Soc. V. p. 56.) Wenn schon Spinnen die gewöhnliche Beute von
Trypoxylon figulus sind, so hat doch Smith auch Gelegenheit gehabt,
sich von der Richtigkeit einer bereits früher von Shuckard gemachten,
von Westwood (Introd. II. S. 195.) bezweifelten Beobachtung zu über-
zeugen, dass das Insekt bisweilen auch Massen von Blattläusen ein-
trägt. An einem solchen Klumpen von Blattläusen entdeckte Smith das
Ei, aus dem sich nach 4 Tagen die Larve entwickelte, die letztere wuchs
sehr rasch und frass in 10 Tagen den ganzen Vorrath aufgespeicherter
Aphidien auf, von denen sie nur die Beine und Flügel übrig liess.
Nachdem sie dann 3 bis 4 Tage in einem Zustande von Lethargie zu-
gebracht hat, verfertigt sie sich ein Gespinnst, in welchem sie sich erst
im nächsten Frühjahre durch Abstreifen der Larvenhaut zur Puppe und
dann zum vollkommenen Insekt verwandelt. Eben so wenig als Try-
poxylon figulus ist Tachytes pompiliformis auf eine bestimmte Art von
Nahrung angewiesen. Mellinus arvensis trägt gewöhnlich todte Fliegen
ein, weicht aber darin von den meisten nicht gesellig lebenden Hyme- -
nopteren ab, dass er nicht erst das ganze Fulter aufspeichert und dann
sein Ei legt, sondern dass er das letztere an die erste eingetragene
Fliege absetzt, und fortfährt Nahrung zuzuführen , nachdem die Larve
sich schon entwickelt hat. Dieselbe Beobachtung machte Smith auch
bei Ammophila sabulosa.
Sphegimae.
Neue von Erichson (Schomb, Reis. 3. Th.) aufgestellte Arten
sind Sphex latro, caliginosa, und Podium giganteum aus Bri-
tish Guiana.
Die Brutstelle des Pelopaeus destillatorius Dahlb. ist von Evers-
mann (Bull. d. Mose. 1848. II. S. 248.) in den Vorgebirgen des Ural
beobachtet worden. Das Nest war an einem überhängenden Felsen aus
sehr fester Erde gebaut und bestand aus einem unregelmässig längli-
chen Erdklumpen von 2'/, bis 3” Durchm. , mit nierenförmiger, ziem-
während des Jahres 1848, 205
lich glatter Oberfläche. Im Innern enthielt es etwa 14 länglich-ellip-
tische Zellen, neben und über einander, von a! Länge und 3/4 Breite.
Jede Zelle war mit Spinnen einer Art, mit dem seltenen Thomisus ci-
tricus vollgepropft, welche sämmtlich noch einiges Leben besassen. In
jeder Zelle befanden sich etwa 10 Stück Spinnen. Die Entwicklung
der Larven in den einzelnen Zellen beweist, dass die Wespe so lange
neue Zellen baut, als sie noch Eier zu legen hat, und in jede Zelle
nur ein Ei legt.
Das Nest von Pelopaeus spirifexr hat Bellier de la Chavi-
gnerie beschrieben. (Ann. d. soc. ent. d. Franc. Bull. S. XXXII.).
Pompilii.
Erichson (Schomb. Reis. 3. Th.) beschrieb: Pepsis strenua,
equestris, fhalassina, Plutus als neue Arten aus British Guiana.
Seolietae.
Nylander hat („Mutillidae, Scoliidae et Sapygidae boreales.“
Notiser ur Sellskapets pro Fauna et Flora Fennica Forh. Bihang. till
Act. Soc. Fenn. 1. H. Helsingf. 1848.) folgende Arten als Bewohner
des nördlichen Europa beschrieben: Thiphia femorata Fabr., morio
Shuck., minuta var. d. Lind.
Sapygidae.
Nylander beschrieb (a. a. 0.) Sapyga punclata Klug, clavi-
eornis Linn., similis Fabr.
Muiillariae.
Als Arten des nördlichen Europa sind von Nylander (a. a. O.)
beschrieben worden: Mutilla europaea Linn., M. obscuran. sp., nur
im männlichen Geschlechte bekannt, dem Männchen der vorigen Art sehr
ähnlich aber kleiner und mit schwarzem Thorax. M. clava Villers,,
M. ephippium Fabr., M. maura Linn. — Myrmosa melanocephala Latr.,
M. pulla n. sp., nur das Männchen aus Sibirien, ganz schwarz, dünn
grau behaart, etwas glänzend, Kopf und Halsschild punktirt, Flügel
ganz glashell mit graubraunen Nerven und Stigmen. Methoca ichneumo-
nides Latr.
Von Baer sind einige angeblich neue Mutillen aus Russland be-
schrieben und abgebildet worden, (De Mutilliae nonnullis Rossicis. Bull.
d. Mosc, 1848. S. 228. T.2.) Myrmosa bicolor 2. Mutilla Kaschi-
riensis, (auch in Kärnthen einheimisch.) fraterna 2, margina-
ta 2 (die echte europaea Linn. von Fabr.), gibba 2 (= rufipes Fahr.,
Latr., sellata Panz.), nemoralis &, petiolata (wahrscheinlich re-
galis Fabr.), sexmaculata (= sexmaculata Cyrill.).
Formicariae.
Nylander hat einen zweiten Nachtrag zu seiner Bearbeitung
der nordischen Ameisen gelielert (Additamentum alterum adnotationum
%06 Schaum: Bericht über die Leistungen in der Entomologie
in monographiam Formicarum borealium. Act. Soc. Fenn. S.26.). Es
sind in demselben die früheren Angaben von Formica dominula , con-
gerens, truncicola, exsecla, fusca, Myrmica laevinodis, ruginodis, lobi-
cornis , nitidula vervollständigt; drei neue finnische Arten aufgestellt:
Myrmica rugulosa bei Helsingförs unter Steinen, sublaevis in den
Nestern der Myrmica,acervorum und hiriula in den Nestern der Myr-
mica muscorum vorkommend, und in einem Anhange 14 neue südeu-
ropäische Arten beschrieben, nämlich: Formica nigrata aus Sieilien
und Südrussland, pallens aus Sicilien, beide der ersten Abtheilung
(s. Jahresber. f. 1846. S. 152.) angehörig, F. dalmatica aus Dalma-
tien zwischen der ersten und zweiten Abtheilung in der Mitte stehend,
F. atricolor und aenescens aus Südrussland, der dritten Abthei-
lung einzureihen. Myrmica mulica, strialula, lippula, diluta
aus Südrussland ; pallida, pallidula aus Sicilien, flavidula aus
Südrussland, sordidula und rubriceps aus Sicilien. Die beiden
letzten sind durch den fast dreieckigen Hinterleib ausgezeichnet , über
dessen abgeschnittener Basis der Stiel sich anheftet,, der Alter ist bei
ihnen spilz.
Derselbe hat die von Linn& beschriebenen schwedischen Arten
von Formica zu bestimmen gesucht (Notis. ur Sellsk. pro Faun. et Flor.
Fenn. Forh. Bihang till Act. Soc. Fenn. 1. H. S.289.) F. herculeana
L. ist ein flügelloses Weibchen der unter diesem Namen gangbaren
Art. — FE. rufa L. die gleichnamige Art der neueren Schriftsteller. —
F. fusca L. — glebaria 2 Nyl., Mon, fusca Nyl., Addid. — F. nigra
L. = nigra Latr. — F. obsoleta L., welche Zeiterstedt auf Arbeiter
und Weibchen der F. rufa gedeutet hat, ist wahrscheinlich ein flügel-
loses Weibchen von Iruncicola Nyl. — F. rubra L. wohl Myrmica ru-
ginodis Nyl., oder laevinodis 2. — F. cespitum L. wahrscheinlich Myrm.
ruginodis J-
In den Ann. a. mag. of nat. hist. Il. ser. I. 240. hat Denny die
Frage aufgeworfen , ob Ameisen, wenn sie ihrer Königia beraubt sind,
eine der Arbeiterinnen dazu erwählen und diese dann zu einem frucht-
baren Weibchen wird, wie dies von den Bienen bekannt ist. Eine von
Denny gemachte Beobachtung scheint dafür zu sprechen. In einer Co-
lonie von etwa 60 Stück der Form. fusca? welche Denny einsammelte,
fand sich kein Exemplar, welches durch besondere Charaktere ausge-
zeichnet für die Königin hätte angesehen werden können. Sechs Mo-
nate später beobachtete Denny in derselben Colonie, welche er getrennt
aufbewahrt hatte, Eier, ans denen sich Larven und Puppen entwickel-
ten, die indessen zu Grunde gingen.
Ueber die Lebensart und das Vorkommen einiger Aineisenarten
in warmen Klimaten veröffentlichte Delacoux seine Beobachtungen
(Rev. Zool. 1848. S. 138.). Sie enthalten wenig Neues und verlieren
dadurch ihre Bedeutung, dass die Ameisenarten weder mit ihren wis-
senschaftlichen Namen bezeichnet, noch sonst genauer charakterisirt sind,
während des Jahres 1848. 207
Heer besprach in den (Mitth. d. naturf. Ges. in Zürich Heft. 2,
8.167.) die fossilen Ameisen von Oeningen und Radoboj. Die Ameisen
gehören zu den häufigsten fossilen Insekten, es werden fast nur Ge-
schlechtsameisen gefunden, was offenbar darin seinen Grund hat, dass
nur diese bei ihren Flügen ins Wasser gerathen und darin umkommen
konnten. Die Weilchen sind dreimal so zahlreich als die Männchen,
eine Erscheinung, die, obwohl sie dem Zahlenverhältniss der Geschlech-
ter in der Gegenwart widerspricht, eben so wenig befremden kann, da
die schwereren und unbeholfnern Weibchen leichter verunglückten. Ar-
ten unterscheidet der Verfasser 55, 34 sind von Radoboj, 28 von Oe-
ningen bekannt, 7 kommen an beiden Orten vor. Sie gehören den Gat-
tungen Myrmica (8 A.), Alta (3 A.), Ponera (3 A.), die übrigen der
Gattung Formica an. Aus dem Vergleich der fossilen Arten mit den
jetzt lebenden ergiebt sich, das die Fauna Oeningens in der tertiären
Periode mit den jetzigen Mittelmeerischen am meisten übereinstimmt,
die von Radoboj schon an die subtropische erinnert.
Vespariae.
Ueber die Metamorphose von -Odynerus aculus haben wir von
Menzel genaue Kunde erhalten. (Bemerkungen zur Entwicklungsge-
schichte einiger Hymenopteren. Mitth. d. naturf. Ges. in Zürich. Heft 2.
5. 97.) Das Weibclien legte in zwei vom Verf. beobachteten Fällen 4
Eier und trug für jedes Ei 10 Raupen, von Botys urticalis, fünf vor,
fünf nach dem Ablegen desselben in eine Zelle ein, welche durch ei-
nen Deckel verschlossen wurde. Am 7. Tage nach dem Ablegen des
Eies, spaltet sich die Haut des letzteren. Die Larve durchläuft meh-
rere Stadien der Entwickelung. Vom Anbeginn an ist sie abwärts ge-
krümmt, spindelförmig, hat einen deutlich abgesetzten aufgetriebenen
Kopf mit einem dicken Saugnapfe, in den die Mundtheile zurückgezo-
gen sind. Seitlich scheint der weisse Tracheenstamm, längs des Rük-
kens das blasse Rückengefäss durch. In dieser Periode saugt die junge
Larve die Säfte der Raupe aus und erlangt dadurch eine dunkelgrüne
Färbung. Am fünften Tage nachdem sie eine Länge von 5" erlangt
' hat, häutet sie sich und tritt in ein zweites Stadium. Ihre Körperge-
stalt ist jetzt verändert, jederseits am Rumpfe läuft ein Längswulst der
an den Grenzstellen der Segmente eingeschnürt ist und an dessen obe-
rer (wenze in schiefen Furchen 10 Stigmen sich befinden. Der Saug-
napf des Kopfes ist kleiner, die Mundtheile sind deutlich geworden. Die
Lefze ist quer, die Oberkiefer zweizahnig, die Unterkiefer am Ende ge-
rundet, die Lippe halbkreisförmig; das leizte Segment mit deutlichem
Querspalt, das Tracheeneystem schärfer ausgeprägt. Die Farbe ist grün-
lich grauweiss geworden und bleibt so. Die Larve begnügt sich nicht
mehr mit dem Saugen der Raupensälte, sondern frisst jetzt alle weichen
Theile des Körpers auf, — Nach dieser Häutung wurde noch eine zweite
beobachtet, welche nach 4 Tagen statt land, in Folge derselben hatte
208 Schaum: Bericht über die Leistungen"in der Entomologie
die Larve den Saugnapf völlig eingebüsst, die Mundtheile treten frei
hervor, die seitlichen Längswulste sind fast ganz verschwunden, Der
Verf. vermuthet, dass noch eine dritte Häulung stallfindet, ohne sie in-
dessen beobachtet zu haben. Als die Larven 7“ lang und 16—18 Tage
alt waren, umhüllten sie sich mit einem dichten Gespinnste.
Apiariae.
Ueber die nordischen Bienen hat Nylander unter dem Titel:
Adnotaliones in exposilionem monographicam apum borealium (Notis. ur
Sellsk, pro Faun. et Flor. Fenn. Förh. Bihang til Act. Soc. Fenn. 1. H.
Helsingf. 1848. S. 165.) eine umfassende Arbeit veröffentlicht. Es sind
140 Arten aufgezählt, welche in Dänemark, Schweden, Finnland, Sibi-
rien und auf der Insel Sitka beobachtet sind, darunter 32 neue.
Von Gattungen sind folgende vertreten: Epeolus durch 2 Arten:
E. variegatus Latr. und E. pictus, neue Art aus Sibirien. Nomada
20 Arten, darunter fünf neue: N. nigella aus Sibirien, N. eincti-
cornis aus Schweden und Finnland, N. obtusifrons aus Schweden
und Finnland, N. fuscicornis aus Finnland, N. truncata aus Finn-
land. Prosopis mit der geringen Zahl von 4 Arten, darunter eine
neue: P. armillata aus Sibirien. Sphecodes 4 Arten. Halictoides
neue Gattung: habitu Halicti, lingua angusta lineari subulata, areis cu-
bitalibus trihus, terlia aperta; @ merolegida, pilis pollinigeris solum in
tibiis femoribusque pedum postlicorum distinetis, rima denudata segmenti
abdominalis quinti nulla: 71 ore haud descendente, antennarunı flagel-
lis submoniliformibus. Hierher zwei neue Arten H. dentiventris
aus Schweden und Finnland und H. inermis aus Sibirien. Halictus
mit 11 Arten, darunter eine neue H, fasciatus aus Schweden. Col-
letes mit drei bekannten Arten. Andrena mit 22 Arten, darunter sechs
neue: A. clypearis aus Schweden und Finnland, A. cinerascens
aus Schweden, A. cincta aus Schweden, Finnland und Lappland (fu-
scipes Kirb.?), A. subopaca aus Schweden , Finnland und Sibirien,
A. nanula aus Schweden , Finnland und Sibirien, A. tarsata aus
Finnland. Panurginus neue Galtung , von Panurgus, hauptsächlich
durch die wahrscheinlich parasitische Lebensart unterschieden. P. ni-
ger, neue Art aus Sibirien. Panurgus zwei Arten. Dasypoda eine
Art. Apis eine Art, Bombus 31 Arten, darunter 6 neue: B. pleura-
lis aus Sitka, B. sporadicus aus Finnland, B. patagiatus aus
Sibirien, B. sitkensis aus Sitka, B. melanopyge von Silka, B. lul-
lianus aus Finnland. Psithyrus 5 Arten. Megilla 4 Arten. Kirbya 1
Art. Macropis 1 Art. Eucera 1 Art. Coelioxis 5 Arten: C. acuta aus
Schweden und Finnland. C. hebescens Nyl. (conica Kirb.), C. man-
dibularis aus Schweden und Finnland, ©, temporalis aus Schwe-
den, C. tridentata aus Finnland. Megachile 4 Arten. Osmia 7 Ar-
ten , darunter eine neue O. tuberculata aus Finnland. Anthidium.
A. manicatum und minus, neue Arten aus Schweden und Finn-
während des Jahres 1848. 209
land. Heriades 6 Arten, darunter 3neue: H.nigricornis aus Schwe-
den und Finnland, H. robusta aus Finnland, H. breviuscula aus
Schweden. Stelis 2 Arten.
Ein Verzeichniss der in Schlesien einheimischen Einsiedlerbienen
hat Schilling (Schles. Jahresber. S. 13.) mitgetheilt.
F. Smith hat die (70) brittischen Arten von Andrena (Newman’s
Zool. 1847), die von Halictus, Hylaeus, Prosopis, Cilissa, Dasypoda
(ebenda Jahrg. 1848.) beschrieben.
Derselbe veröffentlichte dort auch einen Nachtrag zu seiner Be-
schreibung der briltischen Bienen. Mir ist leider die genannte engli-
sche Zeitschrift hier in Berlin unzugänglich gewesen, und obige Auf-
sälze sind mir nur aus Spence’s an den Stiftungstagen der entomologi-
schen Gesellschaft in London 1848 und 49 gehaltenen Reden bekannt
geworden.
Neue von Erichson (Schomb. Reis. 3. Th.) aufgestellte Arten
sind: Hemisia clitelligera, varia, Exaerete lucida, aurata,
Melipona lateralis aus British Guiana.
Newport hat auf den wässrigen Dunst aufmerksam gemacht,
welcher zu gewissen Zeiten während des Actes des Ventilation aus dem
Innern der Bienenstöcke ausströmt (On the Aqueus Vapor expelled from
Bechives. Trans. of the Linn. Soc. XX. 8.277). Es findet diese Erscheinung
besonders in klaren, kühlen Nächten zu Ende des Sommers statt; der
feuchte Dunst schlägt sich dann oft in Tropfen an der Eingangsölfnung
der Stöcke nieder. Es scheint ein Product der Respiralion und Tran-
spiration der Bienen zu sein, wird während der Nacht in Dunstform
ausgeschieden und condensirt sich, indem er mit der klaren Nachtluft
während der Ventilation der Stöcke in Berührung kommt. Die Quan-
tität desselben hängt von der Munterkeit und freien Respiration der
Bienen ab; sie ist am grössten, wenn die grösste Hitze in den Stöcken
entwickelt wird, in einem Falle, wo der Verf, eine Glasflasche an der
Eingangsöffnung des Stockes anbrachte, schlugen sich binnen 12 Nacht-
stunden 1'/, Drachmen Flüssigkeit nieder. Die Temperatur dieses Dun-
sites ist uur mehrere Grad höher als die im Innern des Bienenstocks.
Es ist nicht unwahrscheinlich, dass die schwärzliche kohlenartige Masse,
die man im Spätsommer auf dem Boden der Stöcke nahe der Eingangs-
öffuung findet, und welche die Waben daselbst dunkel färbt, davon
herrührt, dass eine überschüssige Menge von Kohlenstoff in diesem
Dunst aufgelöst ist und aus demselben abgelagert wird,
In Gard. Chron. n.28. $.452. ist von Rusticus eine Beob-
achtung milgetheilt, dass die Mauerwespe, Odynerus parielinus, den
Bienen nachtheilig wird. Unmittelbar greift sie zwar die Bienen nicht
an, aber sie dringt zuweilen, um ihre Nester anzulegen, in solcher Menge
in die Bienenstöcke (wie sonst in altes Mauerwerk), dass die Bienen
dadurch sehr eingeengt und ihre Stöcke wertllos werden.
Archiv f. Naturgesch XV. Jahrg. 2. Bd. [0]
910 Schaum: Bericht über die Leistungen in der Entomologie
Lepidoptera.
„Ueber die Fortpflanzung von Psyche. Ein Beitrag zur Natur-
geschichte der Schmetterlinge“ von C. T. v. Siebold (Zeitschr.
für wissensch. Zool. von C. T. v. Siebold und A, Kölliker.
Bd. I. H. 1. S. 93). Dieser Aufsatz ist von hohem wissen-
schaftlichen Interesse, indem er nicht allein genaue Beob-
achtungen über die weiblichen Geschlechtsorgane der Psychi-
den enthält, sondern auch die Thatsache, dass von unbefruch-
teten Schmelterlingsweibchen fruchtbare Eier gelegt werden,
aufs Neue gänzlich in Zweifel stellt,
Die schon von Reaumur und Degeer gemachte und seitdem viel-
fach bestätigte Beobachtung, dass die flügellosen Weibchen von Psyche,
ohne sich mit Männchen zu begatten , lebendige Brut erzeugen , hatte
den Verf. (Handb. d. vergl. Anat. II. p. 635.) veranlasst, diese Erschei-
nung mit dem Generationswechsel, wie er bei den Aphiden vorkommt,
in Verbindung zu bringen. Die hier zunächst sich aufwerfende Frage
ist die, ob bei den Psychen,, wie bei den Blattläusen, mehrere Gene-
rationen hindurch nur weibliche Individuen oder vielmehr Ammen auf-
treten, welche ohne Begaltung mit Männchen sich fortpflanzen. Die
Beobachtungen von Degeer und Speyer scheinen dies insofern wahr-
scheinlich zu machen, als sie aus Säcken von Talaeporia lichenella nur
weibliche Individuen erzogen. Ein Kriterium für die Richtigkeit die-
ser Ansicht war in dem anatomischen Bau der Geschlechtstheile zu fin-
den; es liess sich voraussetzen, dass sich diese Individuen, wie es der
Verf, von den viviparen Aphidenammen nachgewiesen hat, in der Form
und Structur der Ovarien und namentlich durch den Mangel des Recep-
taculum seminis von den der Begattung benöthigten Weibchen unter-
scheiden würden. Die anatomische Untersuchung vieler flügelloser
Individuen von Psyche graminella und Talaeporia nitidella bewies aber
das Gegentheil, dass alle ohne Ausnahme mit völlig entwickelten, zur
Begattung eingerichteten Geschlechtsorganen versehen sind, und dass
sich bei ihnen, wie bei den übrigen Schmetterlingsweibchen, besondere
von dem Gebärorgane getrennte Begallungsorgane vorfinden. Im Ue-
brigen ergaben sich zwischen den beiden Gattungen erhebliche Ver-
schiedenheiten im Baue der Genilalien. Die mit sechs Beinen, geglie-
derten Fühlern und zusammengesetzien Augen versehenen Weibchen
von Talaeporia nitidella haben eine sehr lange dünne Legeröhre, wel-
che aus zwei dünnen Cylindern besteht, und perspectivarlig ein- und
ausgezogen werden kann. Sie ragt, wenn sie zurückgezogen ist, aus
der Mitte des drittletzten Hinterleibsringes als kurze Spitze vor und
wird im Innern von sechs langen und dünnen Horngräten gestützt, Vier
während des Jahres 1848. 211
dieser Gräten werden an ihrem vordern Ende scheidenartig von Muskel-
röhren umhüllt und können durch Contraction derselben nach hinten
geschoben werden, wodurch die eingezogene Legeröhre aus dem Hin-
terleibe hervortritt. Durch die ganze Länge der Legeröhre zieht sich
der Eierleiter hindurch , seine äussere Mündung befindet sich an der
abgestutzten Spitze der Legeröhre, innen nimmt er bei seinem Eintritt
in den Hinterleib den Ausführungsgang eines länglichen, gablig getheil-
ten Drüsenschlauchs auf, welcher dem Kittorgane der übrigen Schmet-
terlingsweibchen entspricht. Hierauf bildet er eine sackförmige Aus-
stülpung, aus der ein enger Kanal bogenförmig hervortritt und in eine
blasenförmige Erweiterung übergeht; diese letztere weist sich durch
Anwesenheit von Spermatozoiden bei befruchteten Individuen als Rece-
placulum seminis aus. Etwas weiter hinauf theilt sich der Eileiter in
zwei kurze Tuben, welche zu vier mehrfächrigen Eierstocksröhren füh-
ren. Geirennt von der äussern Oeflnung des Eierleiters, findet sich auf
der Unterseite der Legeröhre der Eingang zu dem muskulösen, ziemlich
langen Ruthenkanale, welcher eine ziemliche Strecke weit neben dem
Eierausführungsgange hinläuft und zuletzt der Insertion des Receptacu-
lum seminis gegenüber in denselben einmündet. An dieser Einmün-
dungsstelle hängt mit dem Ruthenkanale eine kurzgestielte Bursa co-
pulatrix zusammen. Anders verhalten sich die madenförmigen Weib-
chen von Psyche graminella, welche weder vollkonımene Beine, noch
gegliederte Fühler, noch deutliche Augen besitzen. Es fehlt ihnen die
Legeröhre gänzlich, der ganz kurze Eileiter mündet am letzten Hinter-
leibsringe. Das Kittorgan besteht in einem doppelten Drüsensacke mit
einfachem kurzen Ausführungsgange. Oberhalb desselben stülpt sich
der Eileiter sackförmig aus und nimmt die Mündung des kurzen Kanals
auf, welcher dem Receptaculum seminis angehört. Die beiden kurzen
Tuben gehen in je vier sehr lange vielfächrige Eierstocksröhren über.
An der Bauchseite des vorletzten Segmentes findet sich die von zwei
fleischigen Wulsten eingefasste Oeffnung des Ruthenkanals, welcher dem
Receptaculum seminis gegenüber in den Eileiter mündet, und hier mit
einer rundlichen Bursa copulatrix in Verbindung steht.
Bei so vollkommen entwickelten Genitalien muss man den Ge-
dauken an eine Existenz ammenartiger Individuen fallen lassen. Es
scheint sonach nur die Annahme einer spontanen Entwicklung der Eier
übrig zu bleiben, wie sie auch bei andern Schmetterlingsweibchen vor-
gekommen sein soll. Diese Annalıme widerspricht aber gerade einem
Haupigesetze in der Geschichte der Zeugung, und ist so lange von
der Hand zu weisen, bis die Möglichkeit eines Irrthums oder einer
Täuschung gänzlich ausgeschlossen ist. Bis dahin sind die Beobachtun-
gen, dass sich aus unbefruchteten Eiern Räupchen entwickelt haben,
für unzuverlässig anzusehen. Bei der Geilheit der Schmetterlingsmänn-
chen, namentlich der Spinner, bei der ungemein scharfen Witterung,
die sie besitzen, kann der Beobachter sehr leicht in Bezug auf eine
212 Schaum: Bericht über die Leistungen in der Entomologie
stattgefundene Begatlung hintergangen werden, und eine genauere Prü-
fung der bekannt gemachten Beispiele erweckt überall Zweifel an der
Richtigkeit der Behauptung.
Directe Beobachtungen über die Lebensweise der Psychen , be-
sonders der Talaeporia nitidella und Psyche graminella, haben den
Verf. nicht überzeugt, dass, hier eine spontane Entwicklung aus unbe-
fruchteten Eiern stattfindet, dagegen haben sie eine Reihe von Erschei-
nungen in der Fortpflanzungsgeschichte kennen gelehrt , welche von
frähern Beobachtern übersehen oder falsch gedeutet worden sind, und
vorzugsweise dem Glauben an eine spontane Entwicklung der Eier Ein-
gang verschafft haben. 1. Bei einigen Arten (z. B. Psyche graminella
und atra) verfertigen sich die Raupen, welche sich zu weiblichen In-
dividuen entwickeln, andere Säcke als die männlichen Raupen. Diese
Beobachtung wurde schon von Pallas und Scheven gemacht, ist aber
unbeachtet geblieben. 2. Gewisse Psycheweibchen halten sich im Rau-
penzustande getrennt von den männlichen Raupen an besondern Fut-
terpflanzen auf. Diese Erscheinung ist bereits von Zinken erwähnt,
aber ebenfalls vergessen. 3. Um sich zu verpuppen, verlassen die
meisten Sackträger ihre Futterpflanzen und spinnen die vordere Mün-
dung ihres Sacks an Baumstämme, Breiterwände, Steine u. s. w. 4
Vor der Puppenumwandlung kehren sich die Raupen in den Säcken um,
so dass ihr Kopf dem hintern freien Ende des Sacks zugekehrt ist. 5.
Die weiblichen Puppen bleiben fortwährend ruhig im obern festgespon-
nenen Ende des Sacks. Die männlichen Puppen sind sehr beweglich,
und schieben kurz vor dem Auskriechen ihren Vorderleib weit aus der
hintern Oelfnung des Sackes heraus. 6. Die madenförmigen Weibchen
von Psyche kriechen aus der Puppenhülse heraus, ohne den Sack selbst
zu verlassen. Sie erwarten im hintern freien Ende die Männchen. 7.
Nach der Begattung schieben sich die Weibchen von Psyche in die ver-
lassene Hülse zurück, um ihre Eier in dieselbe abzulegen. 8. Die
Weibchen von Talaeporia kriechen aus der hintern Mündung der kur-
zen Säcke hervor und klammern sich mit ihren Beinen am untern Ende
des Sackes fest, wo dann die Begattung erfolgt. 9. Diese Weiber be-
geben sich, um die Eier zu legen, nicht wieder vollständig in die Pup-
penhülse, sondern dringen rückwärts mit ihrem Hinterleibsende in den
Sack ein und füllen die Puppenhülse mittelst ihrer langen Legeröhre
mit Eiern. 10. Die Puppenhülse wird völlig mit Eiern ausgefüllt,
so dass sie fast wieder das Ansehen einer noch unausgeschlüpften Puppe
erhält. ‘11. Die Männchen von Psyche haben keine lange Ruthe, kön-
nen aber den Hinterleib sehr verlängern, die Begattung ‘geht so vor
sich, dass die Männchen den Hinterleib in den weiblichen Sack tief hin-
einschieben und so ihre Geschlechtstheile mit dem Ruthenkanale der im
Sacke verborgenen Weibchen in Verbindung bringen.
(Es ist zu bedauern, dass der Verf. seine anatomischen Untersu-
chungen der weihlichen Genitalien nicht auf Talaeporia Jichenella hat
während des Jahres 1848. 913
ausdehnen können, da die von Speyer angestellten, im vorigen Jahresbe»
richte S.44. mitgelheilten Beobachtungen es bis zur Evidenz darge-
than zu haben scheinen, dass bei dieser Art zwei auf einander folgende
Generationen vorkommen, welche blos aus weiblichen Individuen be-
stehen.)
Will hat die Raupen von Bombyx processionea mikros-
kopisch chemisch untersucht, um die Ursache der schädlichen
Einwirkung, welche mehrere behaarte Raupen auf die mensch-
liche Haut haben, zu ermitteln. (Schleid. und Fror. Not. 1848.
Aug. S. 145.)
Der wirksame Stoff ist Ameisensäure und zwar in freiem, höchst
concentrirten Zustande; sie ist in allen Theilen der Raupe vorhanden, be-
sonders aber in den Faeces, in dem grünlich-gelben Safte, welcher aus-
fliesst, wenn man die Raupe anschneidet und endlich in den Haaren.
Sie klebt den Haaren nicht äusserlich an, sondern die Haare sind
vielmehr hohl und mit einer krümligen Masse angefüllt, ihre Röhre
ist an der Wurzel nicht geschlossen, sondern dringt durch die allge-
meine Haut bis in die Leibeshöhle und scheint dort mit Drüsen in Ver-
bindung zu stehen,
Karsten veröffentlichte Bemerkungen über einige scharfe
und brennende Absonderungen verschiedener Raupen (Müller’s
Archiv 1848. S. 375. Taf. 11 und 12.)
Die Raupe von Papilio Asterias hat ein ausstülpbares Organ im
Nacken wie P. Machaon. Es enthält eine drüsige Stelle, deren sauer
reagirendes, ähnlich der Buttersäure stark riechendes Secret sich in
dem eingezogenen Organ ansammelt und beim Umstülpen desselben er-
gossen wird. Das Hervorstrecken und Zusammenziehen wird durch
zwei an der Spitze des Organs liegende Muskelbündel bewirkt. — Die
Raupen einer Saturnia sind mit ästigen Stachelhaaren besetzt, deren
Aeste am Stamme articuliren, und deren feine Spitzen sich aus den
offnen Enden der hornigen Stachelwände erheben. Diese Spitzen sind
hohl und communieiren durch die Haare mit einer Blase, welche un-
ter dem Stachel im Körper liegt und das ätzende Secret absondert. Der
Erguss desselben durch die abgebrochenen Spitzen verursacht den hef-
tigen Schmerz bei der Berührung der Raupe. — Die Raupen von Va-
nessa, Acraca und Argynnis haben ähnliche ästige Stachelhaare, aber
ihre Aeste articuliren nicht, und ihrer Basis fehlt das blasige Secre-
lionsorgan, sie erregen deshalb auch kein Nesseln
Von Herrich-Schäffer's „Systematische Bearbeitung der
Schmetterlinge von Europa als Text, Revision und Supplement
zu Hübner’s Sammlung europäischer Schmetterlinge“ sind in
214 Schaum: Bericht über die Leistungen in der Entomologie
den Jahren 1847 und 1848 das 21—36ste Heft erschienen.
In denselben ist auf Bogen 14—24 des zweiten Bandes die
Bearbeitung der Noctuo-bombyces fortgesetzt und zwar mit
dem 21sten Bogen die der Spinner geschlossen, auf Bogen
3—23 des dritten Bandes die Bearbeitung der Geomelriden
beendigt und auf Bogen 1—10 des vierten Bandes die der
Crambiden begonnen.
Die Noctuo-bombyces (s. Jahresb. f, 1846. S. 157.) sind in fol-
gende Gruppen getheilt:
A. Hinterflügel ohne Hafıborsten (keine Nebenaugen.) 1. Satur-
nides, die 4te und öte Rippe der Hinterflügel sind an ihrem Ursprunge
weit von einander entfernt, aus den Gattungen Saturnia Schrank (4 A.),
Aglia Ochs. (1 A.) und Caloptera Friw. (1 A) (s. Jahresber, f, 1846.
S.166.) bestehend. — 2. Endromides, die 4te und 5te Rippe entsprin-
gen sehr nahe beisammen; die erste Rippe der Vorderflügel ent-
springt mit zwei Aesten aus der Flügelwurzel , mit der einzigen Gat-
tung Endromis Ochs. (1.A.). — 3. Bombyeides, 4te und öte Rippe wie
bei der vorigen Gruppe, aber die erste Rippe entspringt einfach aus
der Flügelwurzel, mit den beiden Gattungen Gastropacha Ochs. (29 A.)
und Lasiocampa Schrank. (3 A.).
B. Hinterllügel mit Haftborste. 4. Cilicides, Rippe 1 a der Hinterflügel
sehr kurz, mündet in der Mitte des Innenrandes aus; Ste Rippe der
Hinterflügel entspringt aus der 7ten, mit einer Galtung Cilie Leach.
(1. A.). — 5. Drepanulides, Rippe 1 a. wie bei der vorigen Gruppe, aber
die Ste entspringt aus der Basis der Hinterflügel, mit einer Gattung Platy-
pteryz Lasp. (6 A.). — 6. Notodontides, Rippe 1a. der Hinterflügel
läuft in dem Afterwinkel aus. Rippe 5 entspringt und verläuft genau
zwischen 4 und 6 aus, Cnetkocampa Steph. (6 A.), Gluphisia Boisd,
(1 A.), Harpyia 0. (7 A.), Hoplitis H. (1 A.), Stauropus Steph. (1 A.),
Pulophora Steph. (1 A.), Uropus Ramb. (1 A.), Drymonia Curt. (3 A.),
Notodonta Ochs. (8 A.), Drynobia Dup. (2 A.), Spatalia H. (1 A.), Lo--
phopteryz (3 A.), Ptilodontis (1 A.), Phalera H. (3 A.), Pygaera 0,
(5 A.). — 7. Liparides , Rippe 1 a. wie in der vorigen Gruppe, Rippe
5 entspringt näher an 4 als 6; Rippe 8 der Hinterflügel entspringt
aus der Flügelwurzel, mit den Gattungen Orgyia Ochs. (9 A.), Pen-
thophora Germ. (1 A.)', Dasychira Steph. (4 A.), Liparis 0, (4 A.),
Porthesia Steph. (2 A.), Ocnera H. (1. A.), Psilura Steph. (2 A.), Lae-
lia Steph. (3 A.), — 8. Chelonides, Rippe 8 aus des Mittelzelle,
deutliche Nebenaugen, aus den Gattungen Trichosoma Ramb. (3 A.),
Euprepia Ochs. (1 A.), Estigmene H. (1 A.), Spilosoma Steph, (7 A.),
Chelonia Latr. (22 A.), Phragmatobia Steph. (2 A.), Callimorpha Latr.
(6 A.), Emydia Boisd. (4 A.) bestehend. — 9. Lithosides, ohne Ne-
benaugen,, die Galtungen Setina Schrank (9 A.), Paidia H, (1 A.), Li-
während des Jahres 1848, 215
thosia F, (14 A.), Grophria Steph. (2 A.), Nudaria Steph, (5 A.),
Roeselia Hübn. (10 A.) enthaltend.
Die hier genannten 9 Gruppen werden unter dem Namen der
Spinner begriffen, die Cymatophoridae, Noctuidae und Nycteolidae ent-
sprechen den Treitschke’schen Noctuen. Von diesen sind hier die Cy-
matophoridae mit den Gatlungen Cymatophora Tr. (8 A) und Thyatyra
0. (2 A.) bearbeitet, bei ihnen entspringt die Rippe 5 der Hinterflügel
viel näher an 4 als an 6, die Rippe 8 aus dem vordern Winkel der
Mittelzelle.
Die Geometriden haben borstenförmige Fühler, ungetheilte Flü-
gel, die vordern mit einer, die hintern höchstens mit zwei freien In-
nenrandsrippen, die hintern mit einer Hafıborste ; zwei Palpen, keine
Ocellen. Die Raupen haben zwei (nur bei einigen Arten vier) Bauch-
füsse, immer aber Afterfüsse und leben frei. Sie zerfallen in zwei
Zünfte: Phytometrides , bei denen die Ste Rippe aus der Flügelwurzel
entspringt und nach- ihrem Ursprung die Mittelzelle nur auf eine kurze
Strecke berührt, und Dendrometrides, bei denen die Ste Rippe aus der
Mittelzelle kurz vor ihrer vordern Ecke emtspringl. Zu den erstern
gehören folgende Gattungen: Geomelra Tr. (13 A.), Pseudoterpna H.
(4 A.), Acidalia Tr. (64 A.), Ephyra Dup. (9A.), Emmiltis H. (4 A.),
Gypsochroa H. (1 A.), Aplasta H. (1 A.), Eusarca H. (3A.), Eremia
H. S. (1 A.), Boletobia Boisd. (1 A.), Heliothea Ramb. (1 A.), Timia
Boisd. (1 A.), Metrocampa Latr. (5 A.), Eugonia H. (7 A.), Crocallis
Tr. (4 A.), Odontopera Steph. (1 A.), Himera Dup. (1,A.), Selenia H.,
(5 A), Pericallia (1 A), Epione Dup. (3A.), Therapis H. (3 A.),
Macaria Curt. (5 A), Elicrina Boisd. (2 A.), Venilia Dup. (2 A.),
Urapteryx Kirb. (1 A.), Rumia Dup. (1 A.), Eurymene Dup. (1 A.),
Hypoplectis H. (3 A.), Ploseria (1 A.), Phasiane Dup. (1 A.), Hibernia
Latr. (6 A.), Scoria Steph. (1 A.), Cleogene Boisd. (3 A), Angerona
Dup. (1 A.), Zerene Tr. (5 A), Scodiona Boisd. (6 A.), Numeria Boisd,
(3 A.), Bapta Steph. (3 A.), Stegania Dup. (3 A.), Gnophos Tr. (18 A.),
Boarmia Tr. (27 A.), Fidonia Tr. (31 A.), Orthostizis H. (1 A.), Mnio-
phila Boisd. (3 A.), Aspilates Tr. (4 A.), Chemerina Boisd. (1 A.), Stha-
nelia B. (1 A.), Ligia Bup. (3 A.),, Apocheima H. S. (1 A.), Am-
phidasys Tr. (9 A.), Psodos Tr. (4 A.), Torula Boisd. (1 A.).
Zu den Phytometriden gehören: Anisopteryx Steph. (2 A.), Ly-
Ihria H. (3 A.), Sterrha U. (3 A.), Minoa Boisd. (3 A.), Hydrelia H.
(6 A.), Eupithecia Curt. (56 A.), Larentia Tr. (132 A.), Cheimatobia
Steph. (2 A,), Lobophora Curt. (9 A.), Chesias Tr. (12 A.).
Die Crambiden sind durch die auf gemeinschaftlichem Stiele ent-
springende Tte und Ste Rippe der Hinterflügel charakterisirt. Von den
hierher gehörenden Gattungen sind in den vorliegenden Heften Cata-
elysta H. (1 A.), Duponchelia Zell. (2 A.), Tegostoma Z. (1 A.), Nym-
phula U. (8 A.), Agrotera Schrk. (1 A.), Endotricha Zell. (1 A.), Ste-
Hia Guen, (6 A.), Cynaeda H. (2 A.), Hereyna Tr. ($3A.), Botys Latr.
916 Schaum: Bericht über die Leistungen in der Entomologie
(101 A.), Stenopterye Guen. (1 A.), Eudorea Curt. (17 A.), Prosmizis
Zell. (1 A.), Chilo Zink. (5 A.), Scirpophaga Tr. (1 A.), Crambus Fabr.
(63 A.), Ancylomia H. (5A.), Pempelia H. (21 A.) abgehandelt worden.
Auf den Kupfertafeln der vorliegenden Hefte ist auch eine grosse
Anzahl von Arten abgebildet, welche zum Theil schon früher, zum
Theil noch nicht bearbeiteten Familien angehören, und deren Beschrei-
bungen erst später erscheinen werden.
Den ersten die Tagschmetterlinge enthaltenden Band von
Herrich-Schäffer’s systematischer Bearbeilung der europäischen
Schmetterlinge Regensb. 1845 hat A. Speyer in der Entom,
Zeit. S. 67 u. 136 einer speciellen Kritik unterworfen.
Diese Kritik ist im hohen Grade anerkennend. Der Verf. geht
speciell auf die systematischen Charaktere der verschiedenen Abthei-
lungen und Gruppen ein, und theilt zahlreiche einzelne Bemerkungen,
namentlich über die Erscheinungszeit vieler Arten mit.
Von Freyer’s „Neuere Beiträge zur Schmetterlings-
kunde“ sind in den Jahren 1847 u. 48 das 85—88sle Heft
erschienen.
Ein Verzeichniss der brittischen Lepidoptera hat H.
Doubleday (London 1847 bei F. Newman) zu veröffent-
lichen begonnen.
Es ist besonders in synonymischer Hinsicht von Wichtigkeit, in-
dem der Verf. die in England herrschenden Bestimmungen mit denen
des Festlandes in Einklang bringt.
Schmidt berichtete (Preuss. Provinzialblätt. 1848. n.V.)
über die während der letzten beiden Jahre in Preussen neu
aufgefundenen Schmetterlinge und gab eine vergleichende
Uebersicht über die Schmelterlingsfauna dieser Provinz und
der angrenzenden Länder.
Es sind bisher nur die Macrolepidopteren sorgfältig gesammelt,
von denen jetzt 746 Arten als preussisch nachgewiesen sind, und zwar
108 Papilionen, 42 Schwärmer, 103 Spinner, 268 Eulen, 225 Spanner.
Die Schmetterlingsfauna Preussens übertrifft an Reichhaltigkeit die von
Dänemark, Pommern, Liv- und Kurland und steht nur der von Schle-
sien nach. Besonders die Spinner und Spanner sind zahlreich vertre-
ten, dagegen ist die Zahl der Schwärmer und Papilionen im Vergleiche
mit der für Europa ermittelten verhältnissmässig gering.
Zeller hat in der Isis 1847 eine Abhandlung über die
von ihm in Italien und Sieilien beobachteten Schmetterlings-
| en
während des Jahres 1848. 217
arten veröffentlicht, welche als ein Muster bezeichnet werden
kann, wie die naturhistorische Ausbeute einer Reise zu ver-
arbeiten ist.
Bei der Aufzählung der einzelnen Arten hat der Verfasser über-
all auf die Faunen der benachbarten-Länder Rücksicht genommen und
namentlich die Abweichungen , welche klimatische , periodische, locale
Verhältnisse in der Lebensweise der Individuen erzeugen , einer sorg-
fältigen Prüfung unterworfen. Auch die Synonymie ist mit grosser Um-
sicht festgestellt. Ein Auszug aus Costa’s Fauna del regno di Napoli,
der alles Erwähnenswerthe aus diesem Buche mittheilt, ist mit dem
Verzeichnisse der von Zeller selbst gesammelten Falter vereinigt. Die
Gesammtzahl der aufgeführten Arten beläuft sich auf 409, unter denen
sich sehr viele neue, namentlich aus der Familie der Microlepidopte-
ren, befinden.
Zeller hat auch ein Verzeichniss der von Loew in der
Türkei und Asien gesammelten Lepidoptera veröffentlicht (Isis
1847. S. 3).
Es enthält 103 Arten, darunter viele neue, welche unten einzeln
aufgeführt werden. Die Westküste Kleinasiens besitzt zwar eine An-
zahl eigenthümlicher Falterarten , sie stehen aber vereinzelt zwischen
den vielen mit der europäischen Südküste und dem Westen der Ber-
berei gemeinschaftlichen. Von diesen eigenthümlichen Faltern gehören
die allerwenigsten (wie Euploca, Chrysippus und vielleicht Doritis
Apollinus) durch die Fremdartigkeit ihres Charakters wirklich einer an-
dern Fauna an, die Mehrzahl derselben sind nur Stellvertreter für an-
dere in westlichen Gegenden vorkommende Arten. Die allen Küsten
des Mittelmeeres gemeinschaftlichen Falter sind gleichfalls doppelter
Natur, entweder haben sie, wie Paph. Jasius, Hec. Celtis ein eigenes
Gepräge, welches ihren Gegensatz zum Norden bezeichnet, oder sie
slimmen mit den Arten des mittlern Europa überein. Die letztern bilden
die überwiegende Zahl und es gehören zu ihnen vorzugsweise solche
Arten, die einer Erhöhung des Üolorits fähig sind und daher meistens
darin, nicht selten auch in der Grösse, vielleicht sogar in der Gestalt
durch den Einfluss der Temperatur , des Lichtes und der Nahrung mo-
difieirt werden. Der Verfasser hat sich bei Abfassung des vorliegen-
den Verzeichnisses die Aufgabe gestellt, diese Abweichungen zu prü-
fen und mitzutheilen.
Ein sorgfältiges Verzeichniss der in Finnland vorkom-
menden Microlepidoptera ist von Tengström veröffentlicht
worden („Bidrag till Finlands Fjäril-Fauna af I.M. I. af Teng-
siröm.* Notiser ur Sällsk. pro Faun, et Flor. Fenn. Förh,
Bihang till Act. Soc. Scient. Fenn, I. H.. Helsingf. 1848.)
218 Schaum: Bericht über die Leistungen in der Entomologie
Die Abhandlung ist reich an Bemerkungen über die Lebensweise
der hier verzeichneten Schmetterlinge und enthält die Beschreibungen
einer Anzahl neuer Arten, welche unten aufgeführt sind.
Eine Anzahl neuer russischer und sibirischer Schmet-
terlinge ist von Eversmann beschrieben worden (Bull. d,
Mosc. 1847. II. S. 66, 1848. II. S. 205.)
Die Arten sind unten namhaft gemacht.
„Zwei lepidopterologische Excursionen in das Riesenge-
birge* sind von Standfuss (Ent. Zeit. p. 44. p. 153 u. p.
306) beschrieben worden.
Diese Schilderung enthält eineMenge interessanter Beobachtungen
Die in grösserer Zahl erbeuteten alpinen Schmetterlinge waren: Hippar-
chia Euryale in zahlreichen Varietäten , Cidaria luctuata, Scopula alpina,
Phoxopteris fluctigerana, Eudorea sudelica, eine neue Art Pterophorus
Zetterstedtii, Psodos horridaria, Sericoris sudelana und eine neue Art
von Eupithecia,
Einen Bericht über eine lepidopterologische Excursion
in die Bretagne und Vendee hatGraslin (Annal. d. 1. soc.
ent. d. Franc. 1848. S.49) veröffentlicht.
In der Bretagne wurde die in Frankreich noch nicht beobachtete
Apamea Haworthii Curtis und eine neue Larentia entdeckt, in der Nähe
der beweglichen Dünen der Vendee fand Graslin mehrere für die Fauna
des südlichen Frankreichs charakteristische, aber auch einige eigenthüm-
liche Arten ; unter den letzteren ist besonders ein neuer Heliophobus
bemerkenswerth.
Bemerkungen über die im Juli und August in der Um-
gebung von Gavarnie vorkommenden Schmelterlinge, theilte
Pierret (Ann. d. l. soc. Ent, d. France, $. 397.) mit.
Als charakteristisch für die genannte, hoch in den Central-Pyre-
näen gelegeme Localität werden folgende Arten aufgeführt, über deren
Vorkommen der Aufsatz interessante Notizen enthält: Erebia Lefeburei,
gorge, Torula equestraria, Parnassius Mnemosyne, Pieris Callidice,
Lycaena pyrenaica (von orbitulus verschieden), L. eros, Zygaena Con-
taminei, Emydia Rippertii (vielleicht nur Varietät von Cribrum), Zygaena
Anthyllidis, Erebia manto, dromus, Cassiope, Euryale, pyrrha, gorgone,
evias, Colias phiconome, Argynnis pales, Parnassius apollo, Deilephila
lineata, Nemeophila plantaginis, Agrotis simplonia, corticea, Cleogene
Peletieraria, Anailis praeformaria, Eupisteria quinquaria, Hadena pernix,
Maillardi, Larentia flavieinctaria, Lycaena aegan, Syrichthus carlinae,
er
während des Jahres 1848. 219
Melitaea phoebe, dydima, Satyrus alcyone, Zygaena minos, hippocrepi-
dis, Scabiosae.
Einen Beitrag zur Schmelterlingskunde von Labrador
gab Möschler (Ent. Zeit. S. 172.)
Das Verzeichniss zählt 12 Tagschmetterlinge, 1 Spinner und 4
Eulen auf, es sind zum grossen Theile solche Arten, für deren Vater-
jand Lappland, Finnmarken und Island angegeben wird.
Bemerkungen über ostindische Schmetterlinge sind von
Thomas (Trans. of the entom. Soc. V. $.45) veröffentlicht
worden.
Sie betreffen vorzugsweise die vom Verf. bei Mussoree beobach-
teten Arten von Papilio, diese sind: P. Machaon, Epius, Demoleus, Pro-
tenor, dissimilis, Panope, Polytes, Pammon, Glycerion, Agestor, Sarpe-
don, Cloanthus und zwei nicht mit Sicherheit bestimmte Arten, Boiduval’s
Vermuthung, dass P. Polytes Varietät des Weibchens von Pammon sei,
wird dadurch widerlegt, dass von jeder Art beide Geschlechter vor-
kommen.
Ueber einige Ceylonesische Schmetterlinge theilte Tem-
pleton (Trans. of the ent. Soc. V. S.44) seine Beobach-
lungen mit.
Sie beziehen sich vornehmlich auf das Vorkommen einiger Arten
der Gattung Papilio in Ceylon.
Die Buchhandlung von F. C. Sepp und Sohn in Am-
sterdam hat unter dem Titel: „Surinamische Vlinders* 50 Ab-
bildungen surinamischer ‘Schmelterlinge mit ihren früheren
Ständen herausgegeben, welche der Gouveneur Wichers be-
reits zu Ende des vorigen Jahrhunderts in Surinam selbst
von einem Zeichner Namens Scheller hatte anfertigen lassen,
welche aber bisher noch nicht veröffentlicht worden sind.
Von den 50 abgebildeten Arten sind 37 neu. Die Abbildungen
sind kaum mittelmässig, viele gänzlich verfehlt, keine einzige mit den
meisterhaften des Sepp’schen Werkes über europäische Schmetterlinge
entfernt zu vergleichen. Der holländisch und französisch ahgefasste
Text ist nach den Noten zusammengestellt, welche an Ort und Stelle
niedergeschrieben sind und ebenfalls ohne Werth.
Zeller hat in der Ent, Zeit. $.369 seine Bemerkun-
gen zu den von Kolenati Meletem. fasc. V, aufgezählten cau-
easischen Lepidopteren milgelheilt,
920 Schaum: Bericht über die Leistungen in der Entomologie
Päris entwickelte (Ann. S. 194) die Ansicht, dass eine
grosse Zahl von Tagschmetterlingen, die man als selbstständige
Arten anzusehen gewohnt ist, nur durch Klima und Locali-
täten bedingte Varitäten sind. Fast alle die angeführten Fälle
werden indessen von Bellier de laChavignerie (ebenda
S. 307) widerlegt.
Frauendorf (Haid. Berichte. Bd. 4. S.355.) und Herrich-
Schaeffer (Korresp.-Blatt d. zoolog. mineral. Vereins in Regensburg.
1. Jahrg. 1847. S. 103.) wiesen eine doppelte Generation im Laufe ei-
nes Jahres für eine Anzahl Schmetterlinge als normal nach.
Ueber den Geruchsinn der Schmetterlinge von Schlen-
zig (Allg. deutsch. naturhist. Zeit. S. 97.)
Enthält wenig, was für das Vorhandensein des Geruchsinnes be-
weisend, und welches nicht übrigens schon bekännt wäre.
Sodoffsky beschrieb „Die Metamorphose des Schmet-
terlings“ (Arb. d. naturf. Ver. in Riga. Bd. I. H. 1. 8.61.)
und veröffentlichte „einen Beitrag zur Lehre vom Schmerz des
Schmetterlings“ (ebenda H. 4. S. 355), ohne indessen we-
sentlich Neues über diese Gegenstände mitzutheilen,
Lepidopterologisches von Freyer (Ent. Zeit. 1847.
8. 91.)
Der Verfasser äussert sich über die von ihm gelieferten Abbil-
dungen einiger Tineen und versichert wiederholt gegen Zeller, dass sie
getreu sind.
Lepidopterologische Mittheilungen von Zeller (Ent.
Zeit. 1847. S. 176.)
Sie betreffen das Reinhalten der Schmetterlingssammlungen von
Staubläusen, das Sammeln, Einfangen und Spannen der Microlepiulopteren.
Lepidopterologisches von Standfuss (Ent. Zeit. 1848.
S. 26.)
Enthält Notizen für die Sammler , namentlich über das Fangen
und Aufspannen von Microlepidopteren.
Papiliones.
The genera of diurnal Lepidoptera, comprising their ge-
neric characters, a notice of ihe habits and transformation
and a catalogue of the species of each genus by Edw.
während des Jahres 1848, 291
Doubleday, Illustrated with seventy five imperial quarto
coloured plates by W. Hewitson. London.
Von diesem eben so schön ausgestatteten als durch Sorgfalt der
Bearbeitung und Reichhaltigkeit des Materials ausgezeichneten Werke
ist das 1te und 2te lleftschon 1846, das 3te—17te 1847, das 181e—23te
1848. erschienen. Jedes Heft enthält zwei Tafeln und einige Blätter
Text. — Zur Feststellung der Gattungen sind vorzugsweise die Cha-
raktere, welche Mundtheile, Beine und Flügelgeäder darbieten, benutzt
worden. Von hohem Interesse sind auch die Beobachtungen über Ver-
wandlung und Lebensweise vieler exotischer Arten , welche der Verf.
theils nach den nachgelassenen Manuscripten und Zeichnungen von
Abbot in Georgia und von Hardwicke in Indien, theils nach mündlichen
Mittheilungen englischer Reisenden hier veröffentlicht hat. In dem kri-
tischen Verzeichnisse der zu jeder Gattung gehörigen Arten ist die Sy-
nonymie mit besonderer Sorgfalt gemustert und in grosser Vollständig-
keit zusammengestellt. Auf den sehr schön ausgeführten lithographir-
ten Tafeln ist in der Regel nur eine Art von jeder Gattung abgebildet,
in arlenreichen Gattungen aber mehrere. Zu bedauern ist, dass nir-
gends die Unterseite dargestellt ist, da dieselbe oft viel charakteristi-
scher ist als die Oberseite. Leider ist das treffliche Werk durch den
im December 1849 erfolgten Tod des Verfassers ins Stocken gerathen;
es wäre in hohem Grade zu wünschen, dass es von einem seiner Lands-
leute zu Ende geführt werden möchte.
List of the specimens of Lepidopterous insects in the
eolleclion of the British Museum. Part II. London 1847. Ap-
pendix 1848.
Diese von E. Doubleday zusammengestellten Verzeichnisse
schliessen sich an einen im Jahre 1844 herausgegebenen ersten Theil
an. In dem zweiten Theile sind die Arten der Erycinidae, Eumaeidae
und Lycaenidae, welche im britischen Museum vorhanden sind, aufge-
zählt, der Nachtrag enthält diejenigen Tagschmetterlinge mit Ausnahme
der Hesperien, mit welchen das brittische Museum seit Herausgabe der
beiden früheren Cataloge bereichert worden ist.
Papilionarii. Eine eigene Varietät des Pap. Podalirius von
Messina beschrieb Zeller unter dem Namen P. Pod. Zanclaeus, er fügte
viele Bemerkungen über die verschiedenen Generationen des P. Poda-
lirius sowohl als des P. Machaon hinzu (Isis 1847. S. 213.).
Als neue Arten sind aufgestellt:
Von Eversmann (Bull. Mosc. 1847. 8.71. Taf. 3. fig. 1. 2.)
Doritis Apollonius, eine sehr ausgezeichnete Art aus der Songarei.
Von Doubleday (Ann. nat. hist. XIX. $. 173.) Ornithoptera
Poseidon von Darnley Island, von O. Priamus hauptsächlich durch
kleinere Hinterflügel und einige Abweichungen in der Färbung unter,
992 Schaum: Bericht über die Leistungen in der Entomologie
schieden, und Papilio Zagreus von Venezuela, eine sehr merkwürdige
Art, in Gestalt und Farbe einer Heliconia, namentlich der H. Eva, ähn-
lich, besonders auch durch blasse Fühlhörner ausgezeichnet.
Von Westwood (Trans. of the Ent. Soc. V. S. 36. pl. 3.) Pa-
pilio Erostratus, dem P. Adamas verwandt, aus Centralamerika;
und P. Zetes von St. Domingo.
Von demselben (Cab. of Orient. Entom.) Papilio Icaricus
(Taf. 2.) von Assam, durch sehr lange Hinterllügel mit kurzen erwei-
terten Schwänzen ausgezeichnet, Caunus (Taf. 9. Fig. 2.) demP, pa-
radoxus Zink. sehr nahe stehend und vielleicht nur Abänderung dessel-
ben, wahrscheinlich von Java, Astina (Tal. 9. Fig. 3.) aus Java, von
der vorigen Art bosonders durch den im weiblichen Geschlecht schwach
ausgerandeten Aussenrand der Vorderllügel unterschieden. Abgebildet
sind hier ausserdem : Ornithoptera Poseidon Doubl. nach beiden Ge-
schlechtern (Taf. 11 u. 13.), Papilio Philozenus Gray in drei Varietäten
(Taf. 40. Fig. 2. 3. 4. 5.), Minareus Gray (Taf. 40. Fig. 1.), nach West-
wood wohl ebenfalls Abänderung von Philoxenus, Evan Doubl, (Taf. 31.
Fig. 1.), nach Westwood wahrscheinlich locale Abänderung von Payeni
v..d. Hoeven, Eiphenor (Taf. 31. Fig. 2), paradozus Zink, (Taf. 9,
Fig. 1.)
Die früheren Stände von Papilio Feisthamelü, welcher in Algier
den P. Podalirius ersetzt, und vielfach für eine klimatische Varietät des-
selben angesehen wird, sind von Levaillant (Ann. d. l. soc. enlom,
1848. S. 407.) beschrieben worden, Die Raupe lebt auf Apfel-, Pfirsich -
und besonders auf Pflaumenbäumen, ist der des Podalirius sehr ähnlich,
aber dicker und oft mit braunen Flecken besäet. Der Verf, ist geneigt,
P. Feisthamelii als eigene Art anzusehen, da gegen die Annahme , dass
er klimatische Varietät von Podalirius ist, wenigstens der Umstand
spricht, dass P, Machaon in Algier nicht durch das Klima verän-
dert wird.
Diese Gruppe enthält inDoubleday’s Gen, of diurn. Lepidopt.
Teinopalpus 1 Art, Ornithoptera 10 A., Papilio 268 A., Leptocircus 2 A.,
Euryeus 1 A., Parnassius 12 A. (mit Einschluss von Ismene Nick.), Do-
ritis 1 A., Thais 3 A.
Abgebildet sind folgende Arten: Teinopalpus imperialis Hope, Or-
nithoptera Amphimedon Boisd., Papilio Iswara White, P. Evan Doubl.,
P. Polyeuctes Doubl., P. Epidaus Boisd., P. Endochus Boisd., P. Rid-
leyanus White, P. Dionysius Doub. n. sp. aus Westafrica , P. Homerus
F., P. Lenaeus Doub., P. Thymbreus Boisd., Leptoeircus Curius (F.),
Thais Rumina (L.), Doritis Apollinus (Hbt.), Parnassius Smintheus Doubl.,
Eurycus Cressida (F.).
Pierides. Sehr beachtenswerth sind die Bemerkungen Zel-
ler's (Isis 1847. $. 219.) über die Generationverschiedenheiten der
italiänischen Fauna,
während des Jahres 1848. 223
Als neue Arten sind aufgestellt:
Von Zeller Rhodocera farinosa von Macri, nach einem ein-
zelnen Männchen von Rh. rhamni nnterschieden (Isis 1847. S.5).
Von Eversmann Colias Melinos und €. Chloe beide aus
dem östlichen Sibirien (Bull. Mose. 1847. II. S. 72. Taf. 3. Fig. 3—6.,
Taf. 4. Fig. 1—4.).
Von Lucas Anthocharis Levaillantii, der A. Charlonia nahe
stehend, aus Algier (Aun. d,. l. soc. ent. d. Fr. Bull. S. XLIX.).
Von Boisduval Dryas Leda aus Südafrica (Delegorg. Voy.II.
S. 588.)
Von Doubleday Euterpe Dysoni von Venezuela, E. Teu-
tila aus Mexico, E. Tota, E. Colla und E. Pinava aus Bolivien
(Ann. of nat. hist. XIX. S. 385.) — Euterpe Manco aus Bolivien, Le-
ptalis Eumara aus Centralamerica, L. Theucharila von Venezuela,
L. Theugenis aus Bolivien (Ann. of nat. hist. II. Ser. I. S. 121.)
Von Freyer sind Pontia Eupheme Esp. (Taf. 511.), Glauca
Il. (Taf. 512.), Chrysidice Keferst. (Taf. 512, Varietät von Callidice Esp.),
Colias Pelidne Boisd. (T.511.) abgebildet worden.
Io Doubleday’s Gen. of diurn. Lepid. sind folgende Gattungen
beschrieben : Euterpe 10 Arten, Leptalis 27 A., Leucophasia 2 A., Pon-
lia 5 A., Pieris 130 A., Zegris 3 A., Nathalis 2 A., Anthocharis 36 A.
— in drei Untergattungen getheilt: Eroessa (chilensis), Anthocharis (la-
ges), Callosune (Eucharis F.) — Idmais 5 A., Thestias 5 A., Hebo-
moia Hüb. (Iphias Boisd.) 2 A., Eronia Hüb. (Callidryas sp. Boisd. —
mit fünfästigem Subcostalnerven — P. Valeria (Cr. u. a.) 9 A., Cal-
lidryas Boisd. (mit vierüstigem Subecostalnerven) 24 A., Gonepteryz Leach,
(Rhodocera Boisd.) 11 A., Colias 23 A., Terias 53 A.
Abgebildet sind: Euterpe Nimbice Boisd., Eu. Mariana Boisd.,
— Leptalis Eunoe Doub., L. Medora Doub., — Pontia Narica Boisd,
— Leucophasia Sinapis Steph. — Pieris Habra Doub., P. Thestylis
Doub., P. Clemanthe Doub., Theora Doub., Lalage Doub., Eleone Boisd.
— Anthocharis Creusa Doub,, A. Danae F. — Zegris Eupheme Esp. —
Nathalis Plauta Boisd. — Idmais Chryconome Kl. — Thestias Pirene
var. (L) — Iphias Leucippe (Cr.) — Gonepteryz Verhuellii v. d. Hoew.,
Leachiana God. — Iphias Cleodora Hüb. — Colias Dimera Boisd., C.
Philippa (R.) var, — Callidryas Gorgophone Boisd. — lerias gratiosa
Boisd., T. Brenda Doub.
Ageronidae, Diese Gruppe gründet Doubleday (Gen. of
diurn. Lep.) auf die Gattung Ageronia Hüb. (Peridromia und Amphi-
chlora Boisd.). Sie enthält 10 Arten. Abgebildet sind: A. fornaz Hüb,
und Arete Boisd, 7 2.
Derselbe bemerkte, dass A. Feronia im Fluge einen schnar-
renden Laut hören lässt. (Proceed, Ent Soc. Lond. $. 123.)
Danaidaec, In d. Gen, of d.Lep, führt Doubleday folgende
224 Schaum: Bericht über die Leistungen in der Entomologie
drei Gattungen auf: Euploea 33 A., Danais 39 A., Hestia Hüb. (Idea F.)
9 A. Abgebildet sind: Eupl. Pelor Doub., Eu. Treitschkii Boisd., Eu.
Niavius L. — Danais Limniace (Cr.), D. Cleothra God., D. Cleophila
God., D. Tytia Gray. — Hestia Idea (L.), H. Leuconoe (Er.), H, Dur-
villei (Boisd.).
Von Westwood (Cab. of Or. Entom.) wurden als neue Arten
aufgestellt Euploea Deione von Assam, Hestia Hypermnestra von
Borneo, H. bella von Java (Taf. 37.), H. Jasonia von Ceylon (Taf.
42.) Was die Arten der letzten Gattung betrifft, so vermuthet West-
wood, dass sie sich vielleicht alle als geographische Abänderungen ei-
ner einzigen ausweisen dürften.
Heliconidae. Diese Gruppe theilt Doubleday in folgende
Gattungen: Titkhorea n. g. (Irene Drury) 6 A. — Heliconia (z. B.
Charitonia L.) 52 A. — Lycorea.n. g. (Pasinuntia Cr.) 5 A. —
Olyrasn.g.1.n.sp. — Athesisn. g.1. n. sp. — Eutresis n.g.
12 A. — Itunan. g. (Themisto Hüb.) 1 A. — Thyridia Hüb.,
Doub. (PsidiiL.). — Dircenna n.g. (Melanida Cr.) 5 A. — Itho-
mia mit den Untergattungen Hymenitis (diaphana Dr.), Ithomia (Flora
Cr.), Aerio Hüb. (Eurymedia Cr.) und Ceratinia Hüb. (Neso Hüb.) 81 A.
— Mechanitis F. (Lysymnia Hüb.) 18 A. — Sais Hüb. (Rosalia Cr.)
4 A. — Hamadryas Boisd. (P. Assaricus Cr.) 2 A.
Abgebildet sind: Tithorea Bonplandi Guer. und T. Megara God.
var. — Heliconia Atthis Doub. n. sp. von Gouajaquil, H. Telchinia
Doub. n. sp. von Venezuela, H. Hortensia Guer., H. Telesiphe Doub.
n. sp. aus Bolivien, H. Cydno Doub. n. sp. von Bogota, H. Anaclo-
rie Doub. n. sp. aus Bolivien. — Lycorca Atergatis Doub. n. sp.
von Venezuela. — Olyras Crathis n.sp. ebendaher. — Athesis Clea-
rista Doub. n. sp. ebendaher. — Thyridia Aedesia Doub. n. sp.
ebendaher, — Sais Cyrianassa Doub. n. sp. von Para. — Ithomia
Coeno Boisd., I. Iphianassa Kl., I. Ocalea Doub. n. sp. von Vene-
zuela und Brasilien, /J. Paemonoe Doubl. n. sp. aus Venezuela, 1.
Dercetis Doubl. n. sp. ebendaher. — Ituna Phenarete Doubl. n,
sp. aus Bolivien. — Dircenna Jambe Doubl. n.sp. aus Venezuela, —
Mechanitis Satevis Doubl. n. sp. aus Bolivien, M. Lilis Doubl. aus
Venezuela. — Hamadryas Zoilus Boisd,
Erichson beschrieb: Heliconia Metharme, Astydamia,
Elimaea als neue Arten aus British Guiana (Schomb. Reis, 3, Th.).
Acraeidae. Diese Gruppe besteht in Doubleday’s Gen. of
diurn. Lep. aus der einzigen Gattung Acraea Fabr. mit 6 Unterabthei-
lungen; Hyalites (horta L.), Planema (Lycoa God.), Gnesia (Medea
Cram.), Telchinia (Cepheus L.), Pareba (VestaF.), Actinote (Thalie L.)
45 Arten.
Als neue südafricanische Arten sind vonBoisduval Acraea Pe-
traea, Nohara, naltalica, Violarum, Amasoula beschrieben
worden (Delegorg. Voy. II. S. 569.)
|
während des Jahres 1848, 995
Nymphalides. In Doubleday’s Gen. of diurn. Lepid. sind
in den vorliegenden Heften (bis incl. 23.) folgende Gattungen behan-
delt worden: Eueides Hübn , Doubl. (Thales Cr.) 9 A. — Colaenis Hüb.,
Doubl. (Delila F. — Julia F. — Pharusa L., DidoL.) 5 A. — Cetho-
sia F. (Biblis Dr.) 3 A. — Agraulis Boisd. (Vanillae L.) 3 A. — Clo-
thilda Blanch. (Arg. Briarea God.) 3 A. — Cirrochroa n.g. (Cla-
gia God.) 5 A. — Terinos Boisd. 1 A. — Lachnoptera:n. g. (Jole
F., Laodice Cr.) 1 A. — Messaras.n. g. (Erymanthis Cr.) 2. A. —
Atella n. g. (Phalanta F.) — Euptoietan. g. (Claudia Cr.) 2A.
— Argynnis 40 A. — Melitaea 31 A. — Eresia Boisd. (Langsdorfii
God.) 8A. — Synchloe Boisd. n. gen. (Saundersi Doubl.) 7 A. —
Araschnia Hübn. (Prorsa L.) 1A. — Laogona Boisd. (Hyppocla Cram.)
2 A. — Eurema Boisd. n. g. (Zabulina God.) 6 A. — Grapta Kirb.
(C. aureum L.) 8 A. — Vanessa 12 A.
Abgebildet sind: Eueides procula Doubl. n. sp. von Venezuela,
Colaenis Dido L., ©. Euchroia Doubl. n. sp. von Venezuela, Cetho-
sia Hypsea Doubl. n. sp. von Borneo,, Eresie Carne Doubl. n. sp.
von Venezuela, Argynnis Sagana Doubl.n. sp. aus China, Cirrochroa
Aoris Doubl.n.sp. aus dem nördlichen Indien, Terinos Clarissa Boisd.,
Clothilda Euryale Kl., Melitaea Chalcedona Boisd., M. Anicia Doubl.
n. sp. von den Rocky Mountains, M. Nycteis Doubl, n. sp. aus den
Vereinigten Staaten, M. Proclea Doubl. n. sp. aus Jamaica, M,.
Astarte Doubl. n. sp. (dem Texte $. 181 zufolge eine Argynnis),
Agraulis Moneta Hübn., Lachnoptera Jole Fabr., Atella Eurytis Doubl.
n. sp. aus dem westlichen Africa, Brenthis Amathusia F., Callithea Sa-
phira Hübn., Synchloe Saundersii Boisd. n. sp. von Venezuela, Eu-
rema Kefersteinii Doubl. n. sp. ebendaher, Anartia Amalthea L.
var., Laogona Hypselis God., Junonia Hadrope Boisd., Pyrameis Cor-
delia Doubl., Cynthia Arsinoe Cr. , Salamis Cytora Boisd., Myscelia
Chromis Doubl., M. Cyaniris Doubl., Epiphile Lampethusa Doubl., Cyb-
delis Mnasylus Doubl., Cyclogramma Pandama Doubl., Callianira Al-
cmena Doubl., Catagramma Cynosura Doubl., C. Cyllene Doubl., C.
Lyca Boisd., €. Euryclea Doubl., Cystineura Mardania Cr., Didonis
Pasira Doubl , Olina Azeca Doubl., Eurytela Hiarba Drur., E. Mor-
gani Doubl., Gynoecia Dirce L., Callisona Aceste L., Epicallia Aglaura
Doubl., E. Pierretii Doubl., Timetes Corinna Latr. var., T. Harmonia
Kl. var., Cyrestes Thyodamas Doubl., C. Risa Doubl., Pyrrhagyra Edocla
Doubl., Victorina Stelenes L., Amphirene Epaphus Latr., Marpesia Eleu-
cha Hübn., Limenitis Zouleima Doubl., M. Ismene Doubl., M. Inara
Doubl., M. Daraxa Doubl., M. Eulalia Doubl., Heterochroa Irmina
Doubl. H. Alala Hewits., H. Cestus Hewits., H. Arecosa Hewits., Lime-
mitis Larymna Doubl., L, Metella Doubl,, L. Zaida Doubl,, L, Zayla
Doubl , Diadema Nyctelia Doubl., D. Anthedon Doubl., D. Boisduvalü
Doubl., D. Salamis Or., D. Nama Doubl., Godartia Eurinome Cr., Ro-
maleosoma Sophron Doubl, R. Pratinas Douhl,, R. Arcadius F,, Pen-
Archiv S, Naturgesch. XV, Jahrg, 2. Bd. 4
226 Schaum: Bericht über die Leistungen in der Entomologie
thema Lisarda Doubl., Enispe Euthymius Doubl., Harma Theobene Boisd.,
Pallene Eupithes Doubl., Herona Maratkus Doubl., Euripus Halitherses
Doubl., Ithanus Phemius Doubl., Adolias Dirtea Fabr., A. Teuta Doubl ,
4A. Dunya Doubl., Agrius Aedon Hewits., Prepona Hercules Klug. , P.
Deiphile God., Nymphalis Erithaleon Boisd. , Megistanis Beotus Boisd.,
Pycina Zamba Boisd., Zeuxidia Luxeri Hübn.Q., Kallima Rumia Boisd.,
K. paralecta Horsf. 2.
Eine neue Galtung dieser Gruppe Agrias Boisd. MS. ist von
Hewitson (Proc. of the zool. Soc. XVI. S. 45.) aufgestellt und aus-
führlich charakterisirt worden. Die ebenfalls neue Art Agrias Aedon
stammt aus Neu-Granada.
Als neue Arten sind.beschrieben und zum Theil auch abgebildet:
Von Eversmann Melitaea Lalonigena von Irkutsk, M.Di-
dymoüdes von Kiachta, Argynnis Eugenia von Irkutsk (Bull. Mose,
1847. II. S. 66, Taf. 1. Fig. 1—4.)
Von Boisduval Salamis Ceryne, Euryphene coerulea,
Crenis natalensis, Charaxes Ethalion aus Südafrica (Deleg. Voy.
11. $. 592.)
Von Doubleday Amathusia Amythaon von Sylhet (Ann. of
nat, hist. XIX. S. 175.)
Von Westwood (Cab. of Orient. Ent.) Charares Dolon (Taf.
27.), dem Eudamippus Doubl. nahe verwandt, von Malwah, Ch. Psa-
phon von Ceylon und Ch. Marmaz von Assam (Taf. 21.), Nymphalis
Euphrone von Assam (Taf. 21.), diese Art ist indessen, wie in den
Erratis bemerkt ist, schon früher von Doubleday als Diadema Lisarda
beschrieben, Aconthea Doubledaii (Taf. 37. die Gattung ist irig
Acontia genannt), Amathusia Patalena von den Inseln in der Nähe
von Torres Straits (Taf. 19.), A. Pkilarchus von Ceylon (Taf. 27.). —
Derselbe bildete (ebenda Taf. 19.) Amathusia Amythaon Doubl. nach
beiden Geschlechtern ab.
Eine mehr monographische Arbeit hat Hewitson mit der Be-
schreibung von 12 Arten von Heterochroa geliefert (Ann. of nat. hist,
XX. 5.257. Taf.20.21.), nämlich H, Nea von Para, H. Melona von
Columbien, H. Cestus und Alala von Venezuela, H. Coreyra von
Neu Granada, H. Erotia, Lerna, Aricia von Bolivien, H. col-
lina von Quito, H. Fessonia von Honduras, H. Donysa und Are-
cosa aus Mexico, die letztere auch aus Westindien,
Von Freyer (N. Beitr.) wurden Melitaea Deione Boisd. (Taf. 493.),
Argynnis Selenia (Taf.493.) von Augsburg (kleine Form von Selene
Fabr., die Sommergeneration ist immer kleiner als die des Frühjahrs)
und A. pandora Esp. (Taf. 517.) abgebildet.
Das sehr eigenthümliche Geäder der Vorderflügel von Zeuridia
Luxeri wurde von Doubleday (Trans. of theent. Soc. V. Proc, p. XI.)
beschrieben und von Westwood (Cab, of Orient. Entom. tab. 19. fig. 5.)
durch eine Zeichnung erläutert.
während des Jahres 1848. 227
Zeller wies (Ent. Zeit. 1848. S. 23.) nach, dass Papilio Cinzia
L. der Linn@’schen Beschreibung nach ebensogut zu M. Cinzia Ochs.,
(Delia Hübn.) als zu M. Athalia Esp. gehören könne. (Stainton hat
in der Linn@’schen Sammlung M. Delia als P. Cinxia bezeichnet vor-
gefunden S. Trans. of the ent. Soc. V. Proc. S. LXII.)
Biblides. Eine neue Art ist Cyslineura cana Erichson aus
British Guiana (Schomb. Reis. 3. Th.).
Satyrides. Eine neue Gattung dieser Gruppe Corades ist
von Hewitson (Proc. of the zool. Soc. XVI. $. 115.) aufgestellt und
ausführlich beschrieben worden. Sie ist auf C, Enyo n. sp. von Ca-
racas gegründet.
Als neue Arten sind aufgestellt:
Von Zeller Hipparchia telmessia von Syracus und Macri,
der H. Janira äusserst nahe stehend (Isis 1847. S. 4.)
Von Eversmann Hipparchia Ur da und Sedakowi aus Daurien
(Bull. Mose. 1847. II. S. 69. Taf. 2. Fig. 1—4. und Taf. 1. Fig. 5. 6.)
Von Boisduval Satyrus Natalii und Panda aus Südafrica
(Delegorg. Voy. I. S. 593.)
Von Erichson Hetaera Astyoche aus Britsh Guiana (Schomb,
Reis. 3. Th.).
Von Westwood (Cab. of orient. Ent. pl. 4.) Morpho (Thau-
mantis) Camadeva vom Himalaya.
Von Freyer (N. Beitr. Taf. 499.) wurden Hipparchia Syllus
Esp. und Statilinus Ochs. abgebildet.
Derselbe brachte (Ent. Zeit. 1847. S. 93.) die Verschiedenheit
der Hipparchia Pronoe von H. Medea zur Sprache und wollte für die
erstere den Namen HM. Pitho Hübn. eingeführt haben. Metzner wies
indessen (ebenda S. 244.) das Unstatthafte dieser Aenderung nach, da
die Art zuerst von Esper unter dem Namen H. Prono& wissenschaftlich
begründet worden ist.
Standfuss erörterte (Ent, Zeit. 1848. S. 46.) die zahlreichen
Varietäten von Hipparchia Euryale. H. Adyte und Philomela Hübn. wer-
den als solche nachgewiesen und eine neue ausgezeichnete Abänderung
mit sehr breiter rothgelber Binde auf den Vorderflügeln beschrieben.
Erycinides. Neue von Erichson (Schomb, Reis. 3. Th.)
aufgestellte Arten sind: Caria Trockilus und Emesis monostigma
aus British Guiana.
Lyeaenides. Als neue Arten sind aufgestellt:
Von Zeller Thecla caudatula von Macri und Patara, T. Ili-
eis zunächst verwandt, und Lycaena Lo ewii von Macri (Isis S.6u. 9.)
Von Donzel Cigaritis Zohra aus der Berberei (Ann. d. |.
Soc, Ent. d. Fr, $.528. Taf. 8. 1. Fig. 5. 6.) Die Gattung ist von
Boisduyal aufgestellt, und enthält Polyomm, Palmus, Thysbe, Thero, Pe-
298 Schaum: Bericht über die Leistungen in der Entomologie
talus und Nicetus Enc.; alle bisher bekannten Arten sind in Nord- oder
Südafrica einheimisch.
Von Boisduval Lycaena Delegorguwei und Tingra tr opi-
ealis aus Südafrica (Delegorg. Voy. II. S. 588.)
Von Eversmann Lycaena cyanecula, der L. Orion nahe ver-
wandt, von Kiachta und L. callimachus, der L. Ballus sehr ähnlich
in den Steppen zwischen der Wolga und dem Ural (Bull. Mosc. 1848.
II. S. 207.)
Von Freyer (N. Beitr.) wurden Lycaena Bavius Eversm. (Taf.
511.), Spini F. (Taf. 523.), Iphigenia Friw. (Taf. 511.) von Brussa
abgebildet (die letztere ist auch von Herrich-Schäffer auf Taf.73
dargestellt).
Zeller wies (Ent. Zeit. 1847. S, 331.) nach, dass Hesperia Ce-
rasi Fabr. auf Thecla Acaciae 2 zu beziehen ist und knüpfte einige
Bemerkungen über die Unterschiede der zur Gattung Thecla gehörigen
Arten an.
Die Raupe der Lycaena baelica lebt nach der Mittheilung von
Bellier de la Chavignerie von den Schoten der Colutea arbo-
rescens (Ann. d. |. soc. ent. d. Franc. 1847. Bull. S. XCIV.)
Hesperides. Zeller (Isis 1847. $. 286.) beschrieb eine neue
Art Hesperia floccifera von Syracus und Rom, und theilte sehr be-
achtenswerthe Bemerkungen über die übrigen in Italien beobachteten
(11) Arten dieser Gattung mit.
Von Erichson (Schomb. Reis. 3. Th.) sind Hesperia clavus,
Syrichthus domicella, S. leucodesma, S. festivus, als neue
Arten aus British Guiana aufgestellt.
Von Freyer (N. Beitr.) wurden abgebildet: Hesperia paniscus
Fabr. var., H. pumilio Hübn. (Taf. 513.), H. coecus (Taf. 493.) neue
Art aus den Tyroler Alpen, Cacaliae Ramb. ähnlich, aber nur so gross
wie Alveolus, die Unterseite der Hinterflügel blendend weiss mit blass-
aschgrauer Nuaneirung, H. unicolor (Taf, 505.) von den griechischen
Inseln (Abänderung von H. Tages).
Nyctalideae.
Von Westwood (Cab. of orient. Entom. pl. 33.) wurden Euse-
mia maculatrixz , bellatriz, victriz, amaltriz, dentalriz
als neue Arten aufgestellt, sie sind sämmtlich in Assam einheimisch.
Boisduval beschrieb Agarista Echione und Egybolis Na-
talii als neue Arten aus dem südöstlichen Africa (Delegorg. Voy. II.
5.595.)
Sphingides.
Von Westwood sind folgende Arten abgebildet worden: Dei-
lephila Cyrene von Centralindien und Ceylon, Smerinthus? Panopus
Cram., Spinz Orneus, Macroglossa Iriopus von Assam, COhoerocampa
während des Jahres 1848, 999
dolichus von Sylhet, Ambulyz substrigilis ebendaher Acherontia
Lethe aus Ostindien (= Sph. Lachesis Fabr., Acher. Satanas Boisd.),
A.siyz ebendaher (Cab. of orient. entom. Taf. 6. Fig. 30 u. 42.)
Freyer (N. Beitr. Taf. 518.) bildet Deilephila Celerio nebst sei-
nen frühern Ständen ab.
In dem trockenen Sommer 1846 haben sich Sph. Neriü und Ce-
lerio in Deutschland weit verbreitet und in ungewöhnlicher Zahl ge-
zeigt. Celerio ist sogar bis Stralsund hinauf vorgedrungen. Eine Ue-
bersicht über das Vorkommen beider Arten gab Hering (Entom, Zeit.
5.130), eine ausführliche und genaue Beschreibung seiner Beobachtungen
an Sph. Nerii Cornelius (ebenda 5.132). — Schinz machte die
Mittheilung, dass sich beide Schwärmer auch in Bündten und Zürich
gezeigt hätten und die Raupe des Celerio von Dr. Hess auf einer Calla
aethiopica beobachtet sei, dass sie übrigens die Blätter der Weinrebe
und selbst einer Begonia sich schmecken liess. (Mittheil. d. naturf. Gef.
in Zürich S. 37.) — Beide Schmetterlinge sind auch in mehreren Ge-
genden Frankreichs gefangen worden. Das gelegentliche Vorkommen
des Sph. Nerii erklärt Bruand durch den Pflanzenhandel mit Olean-
dersträuchen, wodurch die Eier eingeführt würden (Ann.d. 1. Soc. Ent.
d. Fr. 1847. Bull. S. LIV.
Sesiariae.
Von Westwood (Cabinet of orient. entom. Taf. 6.) sind fol-
gende neue Arten abgebildet worden: Trochilium Ashtaroth aus As-
sam, T. Astarte von Centralindien, T. Eurytion von Sylhet, T.
Ceto, wurde Westwood als Ostindier mitgetheilt, ist aber wahrschein-
lich aus Nordamerika, T. Phorcus aus Centralindien, Sesia inferna-
lis von Sylhet und Assam.
Zeller beschrieb: Sesia leucomelana, trivittalta, Loe-
wii aus Kleinasien (Isis 1847. S. 12.), Sesia icteropus, mamer-
tina und aerifrons aus Sicilien (Isis 1847. S. 403.), und theilte
namentlich für die Synonymie wichtige Bemerkungen über die übrigen
in Italien beobachteten (9) Arten dieser Galtung mit.
Sesia allantiformis Eversmann (Bull. 1848. II. S. 210.)
ist eine neue Art aus den südwestlichen Vorbergen des Ural,
Chelonar iae.
Von Herrich-Schäffer sind folgende neue Arten aufgestellt
worden: Chelonia honesta aus Südrussland (Fig. 1. 2.), Ch. cau-
ceasica aus dem Caucasus (Fig. 42—44.), Phragmatobia placida
Friw. aus der Türkei (Fig. 31—33.), Setina Andereggii aus den
Walliser Hochalpen (Fig. 45. 46.), Lithosia morosina Kef. von Con-
-stanlinopel (Fig. 54—56.), Nudaria cinerascens aus der Türkei (Fig.
143.), Roeselia aneipitalis (Fig. 132. 133.)
Die Gattung Gynautocera Guer, hat Doubleday (Ann. of nat;
230 Schaum: Bericht über die Leistungen in der Entomologie
hist. XIX; 73.) mit, mehreren neuen Arten aus dem nördlichen Indien be=
reichert. G. Namouna, Aliris, Azsim, Camadeova gehören zur
Untergatlung Amesia Hope; G. Zuleika, Zelika und Zenotia zu
Chalcosia Hübn., G. sezpunctata zu Helerusia Hope. Die drei
zu Chalcosia gehörigen Arten sind auf Tafel 7 abgebildet,
Als neue Arten wurden ferner beschrieben :
Von Zeller: Alychia tenuicornis, notata und Zygaena
Syracusia, der Trifolii nahe stehend, von Syracus (Isis 1847. S. 303.)
— Procris obscura, Lithosia ceostalis von Brussa (Isis 1847. 8. 15.)
— Derselbe unterschied (ebenda S.303.) Z. transalpina Ochs. von
transalpina der übrigen Schriftsteller unter dem Namen Z. Ochsen-
heimeri.
Von Eversmann: Lithosia atrata, Euprepia funerea aus
Ostsibirien (Bull. d. Mosc. 1847. 11, 76. Taf.5. Fig. 4.), Lithosia diaphana
von Irkutsk (a. a. O0. 1848. Il. S, 212.)
Von Möschler: Euprepia gelida aus Labrador (Ent. Zeit,
1848. S. 174.)
Von Boisduval: Zygaena Namaqua, Naclia puella, gna-
tula, Syntomis Natalii, Thyretes montana, Amazoula, Chelonia
madagascariensis, erytkronota, Lithosia eborella, Pan-
dula, Euchelia amanda aus dem südöstlichen Africa (Delegorg. Voy.
II. S. 596.)
Von Erichson: Glaucopis Mysis aus British Guiana (Schomb,
Reis. 3. Th.).
Von Freyer (N. Beitr.) sind abgebildet: Zygaena Contaminei
Boisd, , dahuriea Boisd., syracusia Zell. (Taf. 506.), Lithosi@ arideola
Hering (Taf. 494.), Lithosia mundana nebst ihren früheren Ständen
(Taf. 525.)
Zeller wies nach (Ent. Zeit. 1847. S. 337), dass unter Lithosia
luteola drei verschiedene Arten vereinigt werden. Die erste Art mit
schwärzlicher Stirn hält Zeller für Phal. lutarella Linn., Lithosia luteola
Ochs., die zweite Art L. pallifrons hat eine gelbliche Stira und kür-
zeıe Vorderflügel. Die dritte Art hat ebenfalls eine hellgelbe Stirn, bei
ihr sind aber die Vorderflügel am längsten gestreckt und so wenig wie
bei der ersten erweitert. Ueber die Bestimmung der letzten Art ist der
Verf. zu keinem bestimmten Resultate gelangt, (sie ist nach Hering =
gilveola Ochs.).
Derselbe gab (S. 339.) eine Diagnose von Liüth. cereola Hübn.,
welche Treitschke irrig zu L. helveola gezogen hatte,
Durch die eben erwähnten Mittheilungen Zellers veranlasst, ver-
öffenllichte auch Hering (Ent. Zeit. 1848. S. 101.) seine Bemerkun-
gen über einige Arten der Gattung Lithosia. Sie betreffen 1. Lithosia
unita Hübn. und gilveola Ochs., von denen als dritte nahe verwandte
Art L. palleola Hübn. (von Ochsenheimer mit unita vereinigt) unter-
während des Jahres 1848. 951
schieden wird 2. L. arideola Hering, die von Herrich-Schäffer einmal
unter diesem Namen und einmal als unita var. abgebildet ist. 3. L.
morosinaH. 5. — costalis ZellerIsis. 4. L.ritellina, die von Treitschke
unter diesem Namen beschriebene Art ist gegenwärtig unbekannt. L,
vitellina 7 Boisd. scheint pallifrons Zeller zu sein. L. vitellina 2 Boisd,
ist vielleicht nieht von caniola verschieden. 5. L. cereola Hübn. aus
Steyermark wird von helveola, mit welcher sie Treitschke vereinigte,
unterschieden.
Die schlesischen Euprepien hat Döring (Ent, Zeit. 1848. $. 302.)
zusammengestellt und mit kurzen Diagnosen versehen.
Die Unterschiede von Euprepia Menthastri und Urticae setzt
Metzner (Ent. Zeit. 1847. S. 124.) sehr genau auseinander.
Eine neue, zur Gruppe der Notodonliden gehörige Gattung Hy-
Taeora ist von Doubleday Proc. of the zool. Soc. XVI. S. 117 aus-
führlich beschrieben worden. H. Eucalypti findet sich bei Sidney, wo
die Raupe von Eucalyptus-Arlen sich nährt. (Abbildungen des Schmet-
terlings und der Raupe sind für die Trans. of the zool. Soc. be-
stimmt).
Bombyces.
Westwood errichtete (Trans. ol the Ent. Soc. V. Proc. S. XLII.)
auf Penthophora nigricans Curt. eine besondere Gattung Pachythe-
lia, welche von Penthophora durch die Metamorphose, den Mangel
der Flügel im weiblichen Geschlecht, die Abwesenheit der Taster und
durch das eigenthümliche Flügelgeäder abweicht, Die beiden letztern
Charaktere so wie die rudimentären ungegliederten Fühler des Weib-
chens unterscheiden sie von Psyche fusca und der Gattung Fumea Ha-
worth. Am nächsten verwandt ist ihr Oiketicus Mac Leayi Guild.
Von Templeton (Trans. of the Ent. Soc. V. S. 38. pl. 5.) sind
zwei nette Arten von Oiketicus aus Ceylon beschrieben und abgebildet
worden, die eine 0. tertius wurde aus einem sehr eigenthümlich ge-
formten Cocon erzogen, welchen der Verf. an einem Zweige von Ci-
trus decumana angeheftet fand; Cocon und Puppenhülse dieser Art sind
ebenfalls abgebildet ; die zweite, 0, consortus (sic!), steht in naher
Verwandtschaft mit 0, (Cryptothelea Dune.) Mac Leayi Guild. Aus-
serdem gab der Verf, die Abbildung eines Gehäuses, welches an einem
Blatte von Delima sarmentosa gefunden ward , und welches aus einer
Zahl parallel angeordneter und mit feinen Fäden umwickelter Stäbchen
besteht. Der Schmetterling, dessen Raupe dieses Gehäuse anfertigt, ist
dem Verf. noch nicht bekannt geworden.
Eine andere neue Art, Oiketicus elongatus vonSidney in Neu-
südwales, ist von Saunders (Trans, of the ent. Soc. V. S. 40.) auf-
gestellt worden. Nach den Beobachtungen von Stepbenson werden die
Raupen derselben bis 3” lang, und bewohnen Säcke, welche an ver-
schiedene Arten von Leptospermum und Melaleuca aufgehängt sind und
932 Schaum: Bericht über die Leistangen in der Entomologie
sehr in die Augen fallen. Ehe die Verwandlung zur Puppe vor sich
geht, dreht sich die Raupe im Gehäuse um. Die Puppen in den gröss-
ten Säcken sind 2” lang '/;” breit, dunkelkastanienfarbig und liefern
die ungeflügelten Weiber. Die Puppen der kleinern Säcke, aus denen
die Männchen auskriechen, sind kleiner, etwa 1'/,” lang, dunkler, der
Hinterleib sehr verschmälert. Der Hinterleib des männlichen Schmet-
terlings kann bis zu einer Länge von 2“ ausgedehnt werden, um die
Geschlechtstheile des Weibchens, welches im Sacke mit dem Kopfende
nach hinten liegt, zu erreichen. — Ein Ichneumon ist ein. häufiger
Parasit.
Von Herrich-Schäffer (a.a.0.) sind folgende neue Arten aul-
gestellt worden: Gastropacha Terreni Friw. (Fig. 120—123.) von
Constantinopel (ist die bekannte G. cocles Hübn.), G, Eversmanni
Kind. (Fig. 73. 74.) vom Ural, Lasiocampa balcanica Friw. (Fig.
26—28.) vom Balkan, Cnethocampa solitaris Friw. (Fig. 16.17.) aus
der Türkei, Liparis Terebinthi Friw. (Fig. 37—40.) ebendaher.
Eine Anzahl neuer Arten von Saturnia ist von Westwood (Cab.
of orient. Ent.) abgebildet worden: Saturnia Zuleika vonSylhet und
Assam, S. Katinka ebendaher , S. Lola von Thibet (Taf. 12.), S.
Simla von Simlalı in Oberbengalen, S. Assama von Assam (Taf. 20.),
S. Larissa von Java, S. Pyretorum von China (Taf. 24.) — Aus-
serden Rombyr Huttoni (Taf. 12. Fig. 4.) von Mussooree, wo seine
Raupe in Wäldern, gleich der des B. Mori, von dem wilden Maulbeer-
baume sich nährt, sie gleicht der letztern in Grösse und Färbung, ist
aber mit langen Dornen bedeckt. Das Gespinnst wird jn einem zu-
sammengesponnenen Blatte angelegt und enthält sehr feine blassgelbe
Seide. Actias Maenas Doubl., Leucophlebia lineata von Centralindien
und Assam (Taf. 22.), Limacodes hilaris von Centralindien, L. gra-
tiosa von Üeylon. (Taf.24.) Im Texte ist noch L. laeta von Ceylon
beschrieben.
Die Naturgeschichte des Bombyx Hultoni wurde von West-
wood auch in Gardener’s Chron. 1848. n. 12. S. 188: „the new Indian
Silk Moth“ geschildert.
Als neue Arten sind ferner beschrieben :
Von Boisduval Liparis subfusca, lulea, crocata, pi-
eta, Bombyz patens, Thunbergii, edulis, Panda, Salurnia
Mimosae, Wahlbergii, Delegorguei, apollinaris aus dem
südöstlichen Africa (Delegorg. Voy. II. S. 598-- 601.)
Von Doubleday Actias Maenas, der A. Selene nahe ver-
wandt, aber grüngelb, mit längeren Schwanz und rundern Vorderflü-
geln (Ann. of nat. hist. XIX. 95. Taf. 7. Fig. 1)
Von Gu&rin Bombyx Mittrei von Madagascar (Rev. Zool. 1847.
5. 229.)
Yon Hammerschmidt Zeusera Redtenbacherii in Wien
während des Jahres 1848. 233
aus einer mexikanischen Agave erzogen (Haidinger Naturwiss. Abh.
Bd. II. S. 151. Taf. 14.)
Von Eversmann Liparis ochropoda, der chrysorrhoea ähn-
lich, aber die Geschlechter weichen in der Farbe des Hinterleibes
nicht von einander ab, aus Sibirien (Bull. Mosc. 1847. 11. S. 76. Taf. 5.
Fig. 1—3) und Cossus salieicola (pantherinus Faun. Volg.- Ural.,
non Ochs.) aus dem Saratowischen Gouvernement. (a. a. 0. 1848. II.
S.211.) —Derselbe vervollständigte die Charakteristik von Saturnia
Boisduvalii (s. Jahresber. f. 1846. S. 165.) durch die Beschreibung und
Abbildung des Weibchens (a. a. O. 1847. II. S. 74. Taf. 4. Fig. 5)
Von Freyer Psyche Uralensis aus dem Ural (N. Beiträge
Taf. 505.)
Von Freyer (N. Beitr.) wurden ausserdem Gastropacha sube-
rifolia Ramb. (Taf. 505.), Crataegi L. nebst der Raupe (Taf. 500.), eine
Varietät von Chimaera appendiculata Esp. (Taf. 513.) und Psyche Steti-
nensis Hering mit ihren frühern Ständen (Taf. 494.) abgebildet.
Shirley Palmer hat in Newman’s Zoologist 1847 eine an-
geblich neue brittische Art von Lasiocampa beschrieben. Leider habe
ich die genannte Zeitschrift nicht benutzen können.
Zeller erklärt sich (Ent. Zeit, 1847. 8.334.) für die Ansicht
von Laspeyres, dass Bombyr Catax L. nicht auf Gastrop, catax der
übrigen Schriftsteller, sondern auf Gastr. everia „1 zu beziehen sei.
Für Gastrop. eatax Ochs. Esp. nimmt‘ er den Namen G. rimicola des
Wiener Verzeichnisses auf.
Hutton erörterte die Weise, wie Actias Selene das Auskriechen
aus dem Cocon bewerkstelligt. Der Schmetterling trägt an der Schul-
tergliederung des Flügels einen starken, harten, schwarzen Sporn mit
Spitze und schneidender Ecke. Die Spitze dieses Instruments wird
durch den Cocon hindurch gestossen und die schneidende Ecke quer
durch die Fasern gezogen, bis sie so weit getrennt sind, dass der
Schmetterling heraus kann. (Trans. of the ent. Soc. V. S. 85.)
Sur les moeurs de la chenille processionaire et sur les maladies
qu’occasionne chez l’homme et les animaux cet insecte malfaisant par
Morren (Bull. de l’Acad. roy. de Brux. 1848. t. XV. P.2. S. 132.)
Der Aufsatz enthält im Wesentlichen nur eine Bestätigung früherer Er-
fahrungen. Reaumur hatte schon erkannt, dass es nicht die grossen,
sondern die nahe der Haut gelegenen, bei der Verwandlung zur Puppe
ausfallenden und zu wolkigen Flocken sich zusammenballenden Haare
sind, welche die bekannte Entzündung der Haut hervorrufen, Der
Verf, giebt eine Abbildung der Haare, welche er in einer solchen Flocke
vorfand, sie zeigen in Grösse, Dicke, Gestalt und Farbe beträchtliche
Unterschiede, die meisten haben im Innern einen Kanal, welcher in
Zwischenräumen mit einer Substanz ausgefüllt ist. Untermengt mit die-
sen Haaren finden sich einige Flügelschuppen des Schmetterlings, und
234 Schaum: Bericht über die Leistungen in der Entomologie
diese sind von Reaumur irrthümlich als die Haare selbst abgebildet
worden.
Einige Notizen über den Seidenwurm theilt Kolenati mit (Ent.
Zeit. 1848. S.84.) Sie haben besonders auf die Angabe von Lucas
Bezug, dass wenn zwei Raupen ein gemeinschaftliches Gespinnst ma-
chen, die Schmetterlinge selten sich vollständig entwickeln, dass im gün-
sligen Falle aber stets Männchen und Weibchen aus ihnen hervorgehen,
und dass das Weibchen zuerst ausschlüpft. Unter 1000 Cocons finden
sich, nach Kolenati, 10 Doublons und ein Triplon, die Doublons liefern
ebensowohl beide Geschlechter, als zwei Männchen oder zwei Weib-
chen; Kolenati fand, dass gewöhnlich die Männchen zuerst auskriechen,
Aus den Triplons schlüpfen selten alle Schmetterlinge aus, gewöhnlich
erstickt einer oder zwei im Puppenzustande.
Die Naturgeschichte des Cossus ligniperda wurde von West-
wood (Gardeners Chroniele Nr, 19, $. 303.), die des Rombye Neusiria
von Sodoffsky (Arb. d. naturf, Ver. in Riga. Bd.I. H.4, S. 276.)
geschildert.
Berce& zeigte den Cocon einer Saturnia carpini vor, welcher an
beiden Enden eine Oeffnung halte. Er enthielt nur eine Puppe, welche
einen wohlgebildeten Schmetterling lieferte (Ann. d. 1. soc. ent, d. Franc.
1847. Bull. S. CX11.)
Guyon berichtete (Compt, rend. 1848. t. XXVI. S. 187.) über
den Schaden, welchen die Raupen einer Liparis den Korkeichen in der
Provinz Constantine zufügen.
Noectuae.
Sehr reich an wichligen Bemerkungen ist Zeller’s Arbeit über
die von ihm in Italien gesammelten und die von Costa, beschriebenen
Arten dieser Familie (Isis 1847. S. 435—486.)
Als neue Arten sind aufgestellt:
Von Freyer (N. Beitr.): Agrotis tripuncta (Taf. 501.) von
Augsburg (wohl nur dunkle Abänderung von Hadena lutulenta), lüne-
burgensis (Taf. 526.), Polia [arinosa (Taf. 509.) ohne nähere Angabe
des Vaterlands, Simyra Eogene Led., nebst den, früheren Ständen
(Taf. 514.) von Sarepta, Xylina ingenua (Taf.508.), Ophiusa genti-
litia (Taf. 505.), Catocala separata, der disjuneta sehr nahe stehend
(Taf. 508,), die drei letzten von den griechischen Inseln.
Von Zeller (Isis 1847,): Agrotis dimidia (S. 439.), Caradrina
Junceti (S.445.), Anarta jocosa ($.450.), vielleicht nur südliche
Abänderung ‘von A. heliaca, von Sicilien.
Von Eversmann (Bull. d. Mose. 1847, 1.11): Noctua Con-
taminei,(S. 77. Tal.5, Fig. 6.) von Sarepta, Hadena bombycina
(Taf. 6. Fig. 1.2., lZeueophuea Faun. Volg.-Ural), nigrieula (S. 79.)
vom Ural und von der Wolga, Nonagria Russa (S. 79.) von Sarepta,
EEE ER WERDE SEERLWEEENE
während des Jahres 1848. 935
Acontia cr elacea (5.80. Taf. 6. Fig. 3., ist mit Cleophana Laudetii Boisd.
identisch). — (Bull. d. Mosc. 1848. II. S. 213 u. folg.), Orthosia murina
von den südwestlichen Vorbergen des Ural, Caradrina grisea, der
C. Kadenii täuschend ähnlich, albina aus dem südlichen Ural, di-
stracta vonKiachta, Leucania verecunda vom Ural, Xanthia su b-
flava in den Steppen der Wolga.
Von Donzel (Ann. d. 1. soc. ent. d. Franc. 1847. S.525.):
Agrotis hastifera (pl. 8. I. Fig 1.2), bei Digne in Frankreich ent-
deckt, Orthosia amicta (Fig. 3.) von Hyeres, Caradrina laciniosa
(Fig. 4.) von Marseille.
Von Rambur (Ann. d.]. soc. ent. de Franc. 1848. S. 70. pl. 1.
N. 1. Fig. 1.2.): Agrotis Graslinii aus der Vendee. In einem Vorwort
hat Rambur seine Ansichten über den Umfang der Gruppe der Agroti-
den und über die systematische Stellung mehrerer dahin gerechneten
Arten ausgesprochen und zwei neue beschrieben: Episema hispana,
von Duponchel mit trimacula verwechselt und unter diesem Namen ab-
gebildet, aus Spanien und Algerien und Agrotis lipara, der obesa
verwandt, aus Algerien,
Von Westwood: Phyllodes ustulata, consobrina (con-
spieillator Fabr. non Cram. Boisd.), und Erebus rivularis von Sylhet,
Noctua (Apatela?) radians von Assam (Cab. of Orient. Ent. pl. 28.)
Ausserdem sind von Freyer (a. a. 0.) abgebildet worden: Epi-
sema hirta Hübn. (Taf. 515.), Agrotis fennica Tausch. (T.507.), aga-
thina Dup. (Taf, 515.), Ericae B, (Taf.515.), saucia nebst der Raupe
(Taf. 525.), lidia Hübn. (Taf. 526.), Hadena baltica Hering (Taf. 509.),
dentigera Ev. (Taf, 516.), Polia canescens Boisd. (Taf. 516.), Apamea
rubella Dup. (Taf. 520.), Mamestra albicolon Hübn, (Taf. 501.), cervina
Ey. (Taf. 507.), Calpe Thalictri Borkh. nebst den frühern Ständen (Taf,
519,), Orthosia cavernosa Ev. (Taf. 507.), Leuconia hesperica Ramb,
(Taf. 501.), Nonagria fulva Hübn. (Varietät von fluxa Hübn, (Taf. 501.),
phragmitidis Hübn. (Taf. 515.), Xanthia sulphurago Tr. nebst ihren frü-
hern Ständen (Taf. 495.), puniceago B. (Taf. 516.), Xylina oculata Germ,
(Taf, 516.), Leautierii B. (Taf. 526), lapidea Hübn. (Taf. 526.), Cleo-
phana Dejeanii B. (Taf. 520.), Lactucae Esp. nebst der Raupe (Taf. 502.),
Cucullia propingua Ev. (Taf. 508.), pustulata Ev. (Taf.508.), Plusia au-
rifera (Tal. 509.), Catocala pacta L. Sf 2 nebst der Raupe (Taf. 496.
503.), paranympha L. (1. 527.), Brephos parthenias L. (Tat. 497.)
Von Graslin (Ann. d. |. soc. ent, d. Franc. 1848. $. 58. pl, 1.
N. I. Fig. 3—6,) wurden vier Varietäten von Apamea Haworthü Curt,
(erupta Freyer, morio Ev.) beschrieben und abgebildet, Die Art wurde
vom Verf. in der Bretagne an den Ufern der Erdre aufgefunden,
Die systematische Stellung der Noctua aprilina L. ist von Metz-
ner (Ent. Zeit. 1847. 8.188.) erörtert worden. Guönee hatte auf diese
einzige Art die Gattung Chariptera gegründet, Boisduval hatte diesen
236 Schaum: Bericht über die Leistungen in der Entomologie
Namen mit Agriopis vertauscht. Metzner wies nach, dass N. aerugi-
nea, convergens und Protea in dieselbe Gattung. gehören, für welche
der ältere Hübner’sche Name Dichonia wieder in Gebrauch kommen
muss. Die Raupen von Orgyia pudibunda haben in den Forsten Lo-
thriogens im Jahr 1848 bedeutende Verwüstungen angerichtet (Ann. d.
l. soc. ent. d. Franc. 1848. Bull. S. LVI.)
Doubleday bemerkte (Trans. of the Ent. Soc. V. Proc. S.XXXIV),
dass der Schmetterling, dessen Raupe im Jahre 1846 die Baumwollen-
pflanzungen in den südwestlichen Staaten‘ Nordamerika’s verwüstet und
ein Drittheil der ganzen Ernte vernichtet hat, wahrscheinlich Noctua
Aylina Say sei. Diese Art kommt der Gattung Ophiusa zwar nahe, kann
aber keiner europäischen Gattung zugezählt werden.
Colin berichtete (Ann. d. l. soc. ent. d. Franc. 1847. Bull.
S. CX.), dass er bei Boulogne auf dem Sande am Meere unter trock-
nen Kräutern Spelotis praecox gefunden habe; sie versteckte sich förm-
lich im Sande und aufgescheucht flog sie nicht auf, sondern suchte
sich wieder zu verbergen.
Bellier de la Chavignerie erzog aus 35 Raupen der Lu-
perina conspicillaris nur zwei Exemplare der typischen conspicillaris,
dagegen dreissig Stück der Abänderung, welche Boisduval in seinem
Index als melaleuca anführt und drei, welche zwischen beiden in der
Mitte stehen (ebenda S. XXXIV.)
Geometrae.
Eine sehr bedeutende Anzahl europäischer Arten, darunter viele
neue, welche ich hier nicht im Einzelnen namhaft mache, sind von
Herrich-Schäffer (Systemat. Beschr. der Schmetterl. von Europa
Bd. 3.) abgebildet worden.
Einen grossen Reichthum wichtiger Beobachtungen und Bemer-
kungen über die Arten dieser Familie enthält Zeller’s Bearbeitung
der von ihm in Italien gesammelten Schmetterlinge (Isis 1847. S. 506.)
Eine ausgezeichnete neue Gattung dieser Familie Erateina ist
von E. Doubleday (Trans. of the ent. Soc. V. 110.) aufgestellt wor-
den. Sie zeigt in der Gestalt eine grosse Aehnlichkeit mit den Ery-
einiden , ist mit Odezia, Torula und Psodos verwandt, findet sich wie
diese im Gebirge und fliegt am Tage. Der erste Hinterleibsring ist
durch eine merkwürdige Höhlung ausgezeichnet, welche der Verf. auch
bei einigen Glaucopiden beobachtet hat, und die er für ein Analogon
der Trommel der Cicaden anzusehen geneigt ist. Dieses Organ hat in-
dessen bei den getrockneten Exemplaren ebenso wenig wie ein Paar
eigenthümliche Afteranhänge untersucht werden können, welche wenig-
stens bei einigen Arten in beiden Geschlechtern vorhanden zu sein
scheinen. Beim Männchen der einen Art (E. Zoraida) bestehen diese
Anhänge in zwei grossen muschelähnlichen Klappen, welche innen mit
Haaren bekleidet und oben jederseits mit einem Büschel langer Haare
während des Jahres 1848, 937
versehen sind; es scheint, als könnten sie ganz in den Leib zurückge-
zogen werden. Sehr eigentbümlich ist auch die mikroskopische Stru-
cetur der Schuppen und Haare in der Falte des Innenrandes der Hinter-
flügel. Die Schuppen sind oval, ähnlich denen der eigenthümlichen
Flecken auf den Flügeln mancher Colias- und Callidryas-Arten , sehr
schwach gestreift. Die Haare sind gegliedert, bestehen aus geslreiften
Cylindern, welche den Dornen eines Echinus ähnlich sind, leicht von
einander getrennt werden können und dann wie kleine cylindrische
Schuppen aussehen. Die Gattung zerfällt nach der Gestalt der Hinter-
flügel in drei Abtheilungen. In der ersten sind dieselben lang, ge-
schwänzt, aussen gezähnt, der Schwanz wird von einer Verlängerung
der ersten und zweiten Mittelader gebildet und erinnert an die Hinter-
flügel von Diorhina Rhetus und verwandten Arten. Zu dieser Abthei-
lung gehören E. Zoraida (pl. 12. Fig. 1.2.), Janthe (Fig. 3. 4.)
und Julia (Fig.5.), drei von Dyzon in den hohen Gebirgen von Ca-
racas nahe bei Venezuela entdeckte Arten. In der zweiten Abtheilung
sind die Hinterflügel fast viereckig, indem durch die Verlängerung der
2ten und 3ten Mittelader der Aussenrand eine Ecke bildet. Diese Form
erinnert an die Gattung Ancyluris. Hierher nur eine Art E, Neaera
(pl. 12. Fig. 6.) In der dritten Abtheilung sind die Hinterflügel ver-
kehrt eiförmig und erinnern an Eurygona Uranus, Hierher E. Cynthia
(pl. 12. Fig. 7.) Die beiden letzten sind in den Anden von Bolivia
entdeckt.
Diese Familie ist mit einer ansehnlichen Zahl neuer Arten berei-
chert worden.
Eversmann beschrieb (Bull. d. Mosc. 1847.): Fidonia prae-
canaria (8.81, Tab. 6. Fig. 4.5. = emueidaria Faun, Volg.-Ural. non
Hübn.), serrularia (Tab.6. Fig. 6.) vom Altaigebirge, Acidalia per-
pusillaria (5.82. Tab. 6. Fig. 7.) von der untern Wolga. — (Bull.
d. Mosc. 1848. II. S. 221 u. folg.): Boarmia psoricaria von der
untern Wolga, Amphidaris liquidaria in den kirgisischen Steppen,
Fidonia pauperaria aus den Steppen der Songarei, grisolaria
aus den Steppen zwischen Ural und Wolga, circumflezaria von
Irkutsk, Cabera stemmataria vom See Noor Saisan, Acidalia fila-
ria ebendaher, Larentia mollicularia ebendaher und sinuosaria
von Irkutsk,
Von Freyer wurden (a.a. 0.) als neue Arten abgebildet: Boar-
mia defessaria (Tal. 510), Acidalia sulphuraria Led. von Sarepta
(Taf, 516), nebulosaria aus den Alpen.
Von Zeller wurden aufgestellt: Boarmia correptaria von
Pera und Smyrna, Minoa flavicornata von Macri, Idaea luridata
von Rhodus (Isis 1847. 5.18 u. folg,), Larentia tempestivata von
Messina und Rhodus, Idaea congruata, aridala, Acidalia [racti-
hineata und pinguedinata aus Sieilien (Isis 1847. $. 508 folg.),
238 Schaum: Bericht über die Leistungen in der Entomologie
Geomelra porrinata, der viridata sehr nahe verwandt, aus der Ge-
gend von Jena (Ent, Zeit. S. 273.)
Standluss beschrieb Amphidasis extinctaria, der pilosaria
verwandt, nach einem einzelnen im Riesengebirge gelangenen Exemplare
(Ent. Zeit. 1847. S. 62.) und Eupithecia silenata, eine neue der
satyrata nahe stehende, iu der kleinen und grossen Schneegrube im
Riesengebirge entdeckte Art. Die Raupe findet sich Ende Juli auf Si-
lene inflata, verpuppt sich im August, der Schmetterling erscheint im
Freien Anfangs Juni.
Von Graslin (Ann. .d. I, soc, ent. d. Franc. 1848. $.22. pl. 1.
N. 1. Fig. 7. 8.) wurde Larentia melanoparia, neue Art aus der Bre-
tagne, beschrieben und abgebildet.
Zeller bemerkte (Ent. Zeit. 1847. S. 186), dass der von ihm in
der Isis 1839, $.340. als Weibchen von Geometra leucophaearia be-
beschriebene flügellose Spanner nach Mann als Weibchen zu @. pro-
gemmaria gehört, und beschrieb das eigentliche Weibchen der G. leu-
cophaearia, welches Mann wiederholt in Begattung mit dem Männchen
gefangen hat.
Derselbe wies nach (ebenda 5. 333), dass Geomelra Ihymiaria
Linn. nicht zu G. aestivaria, sondern zu bupleuraria gehört, und dass
mithin die letztere den Linne’'schen Namen zu führen hat.
Von Freyer wurden ferner (a. a. ©.) abgebildet: Ennomos
irinolata Metzn. (Taf. 520), aestimaria Hübn. (Taf. 528), Crocallis dar-
douinaria Donzel aus Frankreich (Taf. 516), Boarmia einctaria W. V.
nebst der Raupe (Taf. 498), Larentia flavicinctaria Hübn., nebst den
frübern Ständen (Taf. 50%), spissilineata Metzn. (Taf. 520), columbaria
Metzn. (Taf. 521), sororaria Hübn. (Taf. 528), cassiata Tr, (Taf. 528),
Acidalia polycommata Hübn, nebst der Raupe (Taf, 522), affıniaria
Wood. (Taf. 510), perpusillaria Eversm, (Taf. 516), Cidaria collinaria
Metzn. (Taf. 521).
Pyralides.
Zeller hat (Isis 1847. S. 561 folg.) die von ihm in Italien beob-
achteten (56) und die von Costa aufgestellten neuen Arten dieser Fa-
milie abgehandelt. In diesem Aufsatze sind melirere neue Gattungen
errichtet worden:
Tegostoma auf Botys comparalis Tr. gegründet, ist besonders
durch den ausgezeichneten Kopfbau charakterisirt: Epistomium horizon-
taliter productum, subtas excavatum, antice subemarginatum. Palpi te-
nues, maxillares breves, (maris nulli?) labiales elongati, epistomium
vix excedentes, articulo ultimo brevi, nudo. Haustellum spirale, Pedes
modice longi, anticorum tibiae breves, intus fasciculo pilorum armatae,
posticorum libiae teretes bicalcaratae.
Duponchelia, von allen Pyralidengattungen durch die Kürze
und Nacktheit der Discoidalzelle der Vorderllügel unterschieden; Palpi
während des Jahres 1848. 939
maxillares nulli, labiales breviusculi ascendentes squamati, articulo
ultimo breyi obtuso. Haustellum longum, Abdomen elongatum. Pedes
longiusculi, tibiae anticae brevissimae, posticae bis bicalcaratae, tarsos
posticos longitudine aequantes. Alarum anteriorum cellula discoi-
dalis brevissima depressa hyalina. D. fovealis neue Art auf Salz-
boden bei Syracus eutdeckt.
Endotricha, auf Asopia flammealis Tr. errichtet, besonders
durch die sehr auffallend gestalteten Schultereeken des Männchens aus-
gezeichnet : Palpi maxillares absconditi, breves, filiformes ; labiales bre-
viusculi ascendentes, compressi, infra squamato-pilosi, articulo terminali
brevi. Maustellum spirale. Ocelli duo. Antennae maris ciliatae. Pa-
tagia maris angusla, elongala, sublus nuda. Pedes meliocres, tibiae
poslicae tereles bis bicalcaratae. Oviductus articulatus, elongatus.
Hypotia, auf Asopia corlicalis W. V. gegründet, palpi maxil-
lares porrecti, triangulares, labiales horizontales, artieuli secundi squa-
mis iofra in barbam produetis, articulo terminali erecto, longiusculo
filiformi. Haustellum brevissimum. Antennae mediocres, maris ciliatae,
articulus basalis fasciculo squamarum producto instructus. Ocelli nulli.
Patagia mediocria, squamis terminalibus adscendentibus. Pedes mediocres,
tibiae poslicae bis bicalcaratae, tarsis longiores. Abdomen utrinque fa-
scieulatum. Ab Aglossa, cui palpis labialibus, defectu haustelli et ocel-
lorum afline est genus, Jiffert palporum maxillarium, antennarum arti-
euli basalis ei abdominis structura, ab Asopia palpis, antennis, hau-
stello etc.
Neue von Zeller (ebenda) beschriebene Arten sind: Bolys te-
slacealis, argillacealis, Asopia domesticalis, Choreutes
stellaris, sämmtlich aus Sicilien.
Von Freyer (N. Beitr. Taf. 521.) sind als nen aufgestellt: Botys
characteralis Mann von Livorno, eomptalis Metzn. aus dem
südlichen Frankreich.
"Eine neue Art ist ferner Bolys venosalis v. Nolken (Arb, d.
nalurf. Ver. in Riga Bd.I. S. 283. Taf. 1. Fig. 10.), sie ist von Frau
Lienig benannt und in der lepidopterolog. Fauna von Liev- und Cur-
land (Isis 1848) schon erwähnt, aber nicht beschrieben. Sie findet sich
bei Kowno und ist der cilialis Tr. sehr ähnlich.
Bouch& beschrieb (Ent. Zeit, 1847. 8.163.) die Raupe von Py-
rausles punicealis, sie findet sich im Mai und Juni, eine zweite Gene-
ration im August in den zusammengewickelten Spitzen der Mentha-Ar-
ten. Der Puppenzustand währt 2—3 Wochen.
Crambidae.
„Die Gallerien und nackthornigen Phyciden beschrieben von P.
©. Zeller“ (Isis 1848. 8.569, 641, 721.). Die sehr sorgfältig bear-
beitete Gruppe wird hier nach den Verschiedenheiten, welche die Männ-
chen der Phyeideen im Baue der Kopftheile und Flügel darbieten, in
940 Schaum: Bericht über die Leistungen in der Entomologie
zwei Abtheilungen und 21 Gattungen aufgelöst, die von Guenee früher
auf die Lebensart der Raupen gegründeten Genera sind nicht stichhal-
tig, theils weil die Verschiedenheit der Nahrung sich als ganz unwe-
sentlich erweist, theils weil sie keine Verschiedenheit im Baue der
Raupen bedingt.
Die von Zeller aufgestellte Eintheilung ist folgende:
Div.I. Galleriae. Palpi labiales maris breves, articulo ultimo
acuto inlus excavato, nudo, feminae squamati, elongati, porrecti. Alarum
anteriorum vena subdorsalis ad basin furcata. Hierher folgende vier,
hauptsächlich im Flügelgeäder verschiedene Gattungen.
1. Galleria Fabr. Antennarum dens artieuli basalis distinctus. Ala-
rum ant vena subdorsalis ad furcam appendiculata, maris cellula
media opaca valde producta. Alarum posteriorum vena mediana
quadrifida. 1 Art melonella L.
2. Aphomia Hübn. Ant. dens art. basalis distinetus. Alarum ant.
vena subdorsalis sine appendice; maris cellula media opaca la-
tissima, ad marginem posticum usque extensa. Alarum post. vena
mediana trifida. 1. Art, colonella L.
3. Melissoblaptes. Ant. dens art. bas. obsoletus. Alarum ant.
vena subdors. sine appendice ; maris basis iuxta costam incrassala;
cellula media angusta, non opaca. Alarum post. vena subdors.
trifida. 3 Arten, foedellus Zell., bipunctanus Curt., anellus S. V.
4. Achroea Hübn. Ant. dens art. bas. distincetus. Alae ant. sine
appendice venae subdorsalis; cellula media angusta, non opaca.
Alarum post. vena subdorsalis trifida; prima subdors. obsoleta.
1 Art, grisella Fabr,
Div. I. Phycideae. Palpi labiales in ulroque sexu subae-
quales squamati. Alarum anteriorum vena subdorsalis simplex.
Nach der Bildung der Fühler giebt es hier zwei Gruppen:
1. männliche Fühler über der Basis mit einer Biegung und in
dieser mit einem starken Schuppenbusch bekleidet: knotenhornige
Phyceideen (diese Gruppe ist von Zeller früher bearbeitet, Isis 1846.
S. 729. S. Jahresber. für 1846. S. 169.)
2. männliche Fühler, wenn sie eine Biegung besitzen, doch ohne
den Schuppenbusch, nur bei einigen Gattungen mit selr kurzen, etwas
gestäubten Schüppchen bekleidet: nackthornige Phycideen.
Diese letzteren werden bier ausführlich behandelt und die Gat-
tungen auf folgende Weise unterschieden:
1. Antennae masculae selaceae, sine arcu, simplices, basi inermes.
a, Alae ant. masc, subtus sine fasciculo pilorum, post. integerrimae
simplices.
+ palpi squamis appressis, articulo ultimo aculo.
* thorace bivittato, palpis porrectis. Eucarphia Hübn. „ vine-
tella Fabr,
während des Jahres 1848. 241
** ıhorace unicolore Myelois Hübn. 28 Arten, welche in folgende
Unterabtheilungen gebracht werden: A. Taster aufsteigend oder
zurückgekrümmt; a. Medianader der Hinterllügel vierästig; «.
Vorderflügel breit, unbandirt: rosella Scop., cirrigerella Zink.,
incompta Zell., cribrum S. V., cribratella Zell. £. Vorderllü-
gel breit, verloschen bandirt: erudella Zell. aus Russland
und Ungarn , contactella F. R. aus dem Ural. y. Vorder-
Nügel breit, deutlich bandirt : terebrella Zink, dulcella F.R.
aus Ungarn , legatella Hühn. , suavella Zink, , advenella Zink.,
epelydella E. K. d. Vorderflügel schmal: umbratella Tr., Wal-
seriella F. R. von Kagusa, telricella S. V., Ceratoniae
Zell. b. Medianader der Hinterllügel dreiästig: argyrogrammos
Zell., transversella Dup. , osseatella Tr., compositella Tr. B.
Taster gerade, horizontal ausgestreckt; a. Medianader der Hin-
terflügel dreiästig (Zophodia H.): convolutella Hüb. b. Median-
ader vierästig. Maxillartaster deutlich (Bradyrrhaea Zell.):
contenerella Dup., gilveolella Tr., saxeella F.R. von Ragusa,
confiniella Metzn. aus der Türkei, ilignella F. R. c. Me-
dianader vierästig, Maxillartaster des Männchens fast feh-
lend , des Weibcheus deutlich (Megasis Guen.); rippertella Bdv.
+ + palpi squamis appressis,, art. ult. Iruncato, emarginalo: @ly-
photeles Zell. eine neue Art: leucacrinella aus Sachsen
und Schlesien.
+77 palpi hirsuti (porrecti) Asarta: Zell. (Chionea Guen.): aelhio-
pella Dup. und alpicolella F. R.
b. Alae ant. sine fascieulo pilorum, posteriores :
7 margine antico emarginato: Eccopisa Zell. eine neue Art:
effractella aus Toscana,
+ + margine anlico integro, foveola basali hyalina: Nyctegre-
tis Zell. 1 Art: achatinella Hübn.
©. Alae ant. masculae subtus ad basin fascieulato - pilosae: Ephe-
slia Guen.: elutella Hübn., abstersella Zell., cinerosella F. R.,
bigella Zell, aus Italien, biviella von Wien, oblitella aus
Sieilien, interruptella Hübn.
2. Antennae masc, selaceae, sine arcu, supra basim brevissime exci-
sae : Homoeosoma Curt. : nebulella S, V., nimbella Zell , binae-
vella Nübn., sinuella Fabr.
3. Ant. masc. supra basim lateraliter arcuatae, squamularum barba
laterali in arcu: Cryptoblabes Zell. 1 Art: rutilella F. R.
4. Ant, masc. setaceae vix arcuatae, art. bas. squamis in dentem
productis. Acrobasis Zell., in drei Untergaltungen aufgelöst.
A. Acrobasis pr. mit zarten Lippentastern, das Basalglied der Füh-
ler mit einem deutlichen Zahn: obtusella H., porphyrella Dup.,
amoenella neue Art aus der Türkei, obliqua Zell., elusinella
Archiv f. Naturgesch XV. Jahrg. 2. Bd. Q
942 Schaum: Bericht über die Leistungen in der Entomologie
aus Toscana, bithynella aus Kleinasien, eonsociella H., soda-
lella aus Toscana, Lumidella Zink. ,, rubrotibiella F. R. B. Tra-
chonitis. Lippentaster zart, Basalglied der Fühler mit stumpfem
Zahn, Fühlerbiegung mit Schuppenzähnchen bekleidet: eristella H.
©. Taster erweitert und zusammengedrückt, am Anfange der Fül-
lerbiegung ein zweihöckriger Schuppenwulst: angustella N.
5. Ant. masc, supra basim arcuatae, dorso exasperatae, ocelli di-
stinchi.
a. palpi max. breves , filiformes.
* pectus masculum sine fascieulo pilorum. Hypochalcia Hübn.:
A. Palpis lab. longe porrectis, conulo epistomii distincto: mela-
nella Tr. , ahenella S.V., rubiginellaTr,, disjunctella aus
dem Ural, candelisequella Ev., affiniella aus Ungarn, li-
gnella H. , decorella H., Germarella Zink.
B. Palpis lab. adscendentibus, breviusculis, epistomii squamis ap-
pressis (Catastia H., Diosia Dup.): chalybella Ev., marginella
S. V. auriciliella H.
# # pectus masc. fasciculo pilorum armalum: Epischnia Hühn.: pro-
dromella H., adultella neue Art aus dem Caucasus, illotella Z.
b. palpi max. penicillo terminantur: Gymnancyla Zell., ca-
nella S. \V.
c. palpi max. desunt: Ancylosis Zell., einnamomella Dup., an-
guinosella neue Art von Sarepta.
6. Ant. masc. supra basim arcualae, dorso exasperatae, ocelli nulli:
Anerastia Hübn. A. Palpi lab. horizontaliter porrecti: lotella
Hübn., transversariella neue Art von Ragusa, venosa Z., pu-
dieella Zink., oblutella Z., punctatella Tr. B. Palpi lab. erecti a.
recti, art. ult. crassiusculo: vulneratella Z. b. arcuati, art, ult. gra-
eili, acuto (Hypsotropa Zell.), limbella neue Art aus Oestreich.
“ Den Schluss der Abhandlung bilden Nachträge zur Monographie
der knotenhornigen Phyciden (Isis 1846), sie beziehen sich auf die
Synonymie und das Vorkommen einzelner Arten, und enthalten die Be-
schreibung einer neuen Pempelia, P. turturella aus Toscana.
Sehr viele Arten dieser Familie sind von IHlerrich-Schäffer
(a. a. 0.) abgebildet worden.
Zeller musterte die süditaliänischen, von ihm selbst gesammel-
ten und von Costa beschriebenen Arten dieser Familie und stellte fol-
gende neue auf: Crambus pectinatellus, carectellus, anapiel-
lus, zonellus Metzu., vinculellus Metzn. Myelois eribratella,
abstersella, Epischnia vulneratella ausSicilien (Isis 1847. $. 745.)
Die Gattung Eromene Hübn. wird hier von ihm durch den fast
gerade abgeschnittenen Pinsel der Maxillartaster, durch das Geäder und
die Zeichnung der Vorderflügel und durch einen dreieckigen Fleck in
der Medianzelle der männlichen Vorderflügel von Crambus unterschie=
EU Tu U MEET REED
während des Jahres 1848. 243
den. Als Arten werden zu derselben gezogen: Cr. contaminellus, ana-
piellus, sonellus, bellus, Cyrilli Costa, (funiculellus Tr.), vinculellus,
Derselbe beschrieb (Isis 1847. $.29.) Eudorea coarclata
von Phinik (Kleinasien) , Myelois argyrogrammos von Makri, in-
compta ebendaher, obligwa von Khodus, Epischnia venosa von
Kellemisch.
Eine neue Art der Gattung Eudorea wurde von Standfuss im
Riesengebirge auf dem Kamm entdeckt und als E. petrophila be-
schrieben (Ent. Zeit. 1848.
Eudorea borealis, aus Lappland, der sudetica Zell. nahe ver-
wandt, wurde von Tengström (a, a. 0.) als neue Art aufgestellt.
Description de la Nephopteryx angustella Zeller par Bruand
(Ann. d. ]. soc. ent. d. Franc. 1847. S.289. pl. III. fig. II.) Der Verf.
entdeckte die Raupe in den Samen von Evonymus europaeus, wo man
sie im October vollwüchsig findet. Der Schmetterling erschien zwischen
dem 20—30sten Juni, er ist nach den verschiedenen Ständen hier ge-
nauer beschrieben,
Die Raupe der Myelois elutella Hübn. ist von Kowats als Ver-
wüsterin der Herbarien beobachtet worden (Haidinger Berichte Bd. 4.
5.257.)
Tortrices. u
Einen grossen Reichthum von synonymischen Bemerkungen, aber
einen noch weit grössern von Beobachtungen über Lebensweise hat
Zeller in seiner Bearbeitung der italiänischen Wickler niedergelegt
(Isis 1847. S. 653.) Er stellte daselbst eine neue Gattung Crocido-
soma auf: „palpi triangulares , artieulo apicali brevi, antenrae pube-
scenli-ciliatae. Alae anteriores aculae, apice ocellari speculi instructae,
maris sine ptychi coslali, posteriores maris in basi barba floccosa in-
siruclae, venae medianae furca brevissima, vena transversa obliqua. Ge-
nus Paediscae alfine dilfert ptychos defectu, alarum posteriorum venis
et barba basali.“ Cr. plebejana ist eine neue Art von Syrakus.
Derselbe beschrieb folgende neue Arten: Penthina thapsiana,
Tortrie dumicolana, productana, albipalpana, Sericoris por-
rectana, indusiana, Sciaphila pumicana, segetana, stra-
tana, [ragosana, Paedisca [ultana, enicicolana, mollitlana,
albuneana, griseolana, modicana, fusculana, fervidana,
Grapholitha gemellana, conseguana, capparidana, cyti-
sana, selenana, Phoxopteris venosana, Cochylis cancellana,
molliculana, contractana, notulana, sämmtlich aus Sicilien
(Isis 1847. S. 654 folg.). Sciaphila Loewiana von Rhodus, Sericoris
arlemisiana von Brussa, auch in Schlesien eiheimisch (ebenda
8. 27.)
Als neue finnländische Arten sind von Tengström (Bidtr. t.
Finl. Fjaril Faun.) beschrieben : Grapholitha nemorivaga der vacci-
944 Schaum: Bericht über die Leistungen in der Entomologie
niana nahestehend, aureolana, der coronillana Zell. verwandt, agi-
lana, arcigerana, siragulana, ovulana, Cochylis flam-
meolana, Penthina bicinctana, Tortrix unipunctana, Coc-
cyz sciurana.
Douglas beschrieb (Trans. of Ihe ent. Soc. V. S.21. Tab. 2.
Fig.4.): Anchylopera subarcuana, eine neue Art aus England, welche
zwischen biarcuana und diminulana in der Mitte steht, sich aber von
beiden sogleich durch weissen Kopf und Palpen unterscheidet,
Costa (Annali dell Accad. degli Aspir. nat. 2 Ser. Vol.1. S. 75.)
beschrieb als neue Art Sericoris Duponcheliana: alis anticis
albomargarilaceis lascia transversa media aliaque postica maiori paral-
lela ex nigro fulvo argenteoque griseis, squamisque ereclis fasciculatis
ornalis, alis postieis griseo-cinereis micanlibus, immaeulatis.
: Guenee theilte seine Bemerkungen über einige Linneische
Wickler-Arten mit, welche uns bisher unter anderen Namen bekannt
waren, so wie aueh über Paedisca solandriana (Ann d. |. Soc. Ent. d.
Fr. S. 421.). Die Aufschlüsse über die Linne'schen Arten hat der Verf.
von Doubleday erhalten. Von 42 Linn@'schen Arten sind gegenwär-
tig 28 wohlbekannt, 3 andere ebenfalls hinreichend bekannte gehören
zu den Schaben, es bleiben also noch 11 zweifelhaft (Koeckeritziana,
rosana , avellana, ameriana, Branderiana, Hastiana, lediana, Logiana,
Brunnichana, Modeeriana und cruciana).
Ueber fünf derselben ist folgende Aufklärung gegeben:
1) Rosana hat man bisher als Weibchen von ameriana betrach-
tet, ist aber nach Linnes Sammlung einerlei mit laevigana.
2) avellana, bisher verschieden gedeutet, ist nach Linne’s Samm-
lung das Männchen von laevigana.
3) Branderiana ist einerlei mit maurana Hübhn., Tr., Dup.,
Steph. ; fuscana L. ist nicht davon verschieden und von Linne selbst
in der 12. Ausg. des S. N. damit vereinigt; endlich sind Donzeliana
Gn. und viduana Dup. (non Hübn. nee Fröhl.) Abänderungen derselben.
4) Hastiana ist einerlei mit Buringerana Hübn. 216; Abän-
derung ist scabrana W.Vz. Hübn. 58. 169, Tr., Dup., elevana F.
5) Brunnichana L. ist nach Linne’s Sammlung eine der zahlrei-
chen Abänderungen der Paedisca Solandriana, deren Synonymie
hier auf folgende Weise gesichtet ist:
a. Solandriana L. , semilunana Fröh., parmalana Fisch., semi-
maculana Dup., Tr. — subvar. semimaculana Hübn. 48.
b. Trapezana F. Steph., Sparmannia Haw. Steph. Cat., parma-
tana Hübn. 254. F.R., ratana Dup. Fröhl., sylvana Dup. Tr. — sub-
var, sylvana Hübn, 128.
ec. Brunichana L. parmatana Hübn. 211., Fröhl., Dup. — Sub-
var. parmatana Dup., F. R.
d. Sinuana W. Vz., Hüb. 216, Fröhl., Dup. — Subvar. Par-
malana Dup., F. R.
nr
während des Jahres 1848. 845
e, Ralana Hübn. 236, vittana Curt.
f. sordidana Hübn. 292, Steph. piceana Steph.
g. semifuscana Steph., melaleucana Dup.
h. occulcana Dougl. i litt.
Einen Beitrag zur Naturgeschichte der Sericoris artemisiana ver-
öffentlichte Zeller (Ent. Zeit. 1847. S. 282.) Die Raupe lebt nicht,
wie Zeller vermuthet halle, an Artemisia campestris, sondern an An-
chusa offieinalis, sie wohnt einzeln in den mit etwas Seidengespinnst
zusammengezogenen Blattbüscheln am Ende der jungen Triebe und geht
zur Verwandlung gewölinlich an die Erde. Die Puppenruhe dauert im
Sommer 10—12 Tage. Es scheinen drei Generationen vorzukommen.
Bouche beschrieb (Ent. Zeit. 1847. S. 163.) die Verwandlungs-
geschichte von Carpocapsa splendana. Die Raupe lebt den Herbst und
Winter hindurch in Eicheln; die Verwandlung geschieht in den Eicheln
selbst oder zwischen Baumrinde in einem losen Gespinnste.
Memoire sur la Cochilis omphaciella, Teigne de la Vigne, et
moyen de la detruire par Sauzey (Ann. d. Lyon 1847. S, 423.) ent-
hält nichts wesentlich Neues. Die von der Raupe angefressenen Bee-
ren sind rechtzeitig abzupflücken und die Puppen, welche in den Spal-
ten der Weinstöcke überwintern, durch heisses Wasser zu zerstören.
Die Naturgeschichte der Grapholitha succedana hat Goureau
beschrieben (Ann. d. |. Soc. Ent. d. Franc. 1847. $. 248.)
Bemerkungen über den Weinwickler (Tortr. vitana F.) und des-
sen Zerstörung, theilte Westwood in (Garden. Chron. n. 24. S.
388.) mit,
Tineae.
„Die Gracilarien, beschrieben von P.C. Zeller“ (Linnaea Ent. Il.
5. 303— 383.) Diese Schabenform, welche Treitschke mit den Coleo-
ptoren als erste Abth. seiner Gattung Ornix vereinigte, hat der Verf.
schon 1839 als eine aus mehreren Gattungen bestehende kleine Gruppe
der auf der niedrigsten Stufe befindlichen Tineaceen betrachtet, Die Merk-
male dieser Gruppe sind: 1. die Maxillartaster lang, fadenförmig, mehr-
gliediig und abstehend; 2. die Mittelschienen sind durch Behaarung,
‚vorzüglich längs der unteren Seite verdickt; 3. die Vorderflügel haben
eine sehr lauge Mittelzelle, von welcher am hintern Ende 7—9 Adern
auslaufen; die Subcostalader ist nicht weit von der Basis unterbrochen ;
die Hinterllügel sind lang, schmal, spitz, mit unvollkommener Mittelzelle ;
4. die Raupen haben 14 Beine \B. 5. 6. 7.); 5. sie miniren in der Jugend
in Blättern, erwachsener rollen sie gewöhnlich die Blätter oder Blatt-
Iheile zu Röhren von verschiedener Gestalt. — Die Anordnung ist
folgende :
I. Gattung Gracilaria (Graeillaria Haw.): Capilli appressi ; pulpi
labiales squamis appressis, fasciculo pilorum artieuli seoundi nullo,
946 Schaum: Bericht über die Leistungen in der Entomologie
A. Gracilaria pr. — alarum anteriorum cellula discoidalis no-
vem venas emiltit. Meist die grösseren Arten, deren Vorderflügel an
der Mitte des Vorderrandes gewöhnlich ein helles, nicht selten verlo-
schenes, flaches Dreieck haben oder einfarbig sind mit wolkigen Ver-
dunkelungen und zerstreuten dunkeln Punkten. Hierher gehören 1.
Franckella Hübn. (hilaripennella Tr.), 2. Oneratella Z. n. sp. von Glo-
gau; 3. Stigmatella F. (upupaepennella Hübn.); 4. Falconipenella Hübn. ;
5. Hemidactylella W. Vz.; 6. Picipennella Y. R. n. sp. von Wien; 7.
Populetorum Zell. (tetraonipennella Dup.); 8. Rufipennella Hübn.; 9.
elongella (elong. und punctella L., signipennella Hübn.); 10. Roscipen-
nella Hübn. ; 11. Tringipennella F. R.,Zell.; 12. Limosella F. R. n. sp.
von Wien; 13. Syringella F. (ardeaepennella Tr.); 14. Simploniella
Boisd., F. R.
B. Euspilopteryx (Euspilapteryz Steph.?) alarum anteriorum cel-
lula discoidalis octo venas emiltit. Sie gehören alle zu den kleineren
Arten und sind dadurch ausgezeichnet, dass ihre Vorderllügel auf sehr
dunklem (braunem oder schwärzlichem) Grunde helle Puncte oder Flecke
meist in lebhafter Farbe haben. Zwei der 8 aus der Diskoidalzelle kom-
menden Adern sind in der Regel zu einer Gabel vereinigt. a. Cilia-
rum caudula nulla: 15. LacertellaF.R.; 16. Phasianipennella Hüb. ;
17. Quadruplella Zell.; 18. Quadrisignatella Zell.; 19 Ononis Zell. —
b. Ciliis caudula instructis: 20. Pavoniella Metzn. n. sp.
von Wien; 21. Kollariella F, R.
II, Gattung. Coriscium Zell.: Capilli appressi ; palporum la-
bialium articulus secundus infra fascieulo pilorum instruclus est.
A. Alarum anteriorum cilia caudulata; cellula discoidalis acuta
poslica venas octo emittit; vena subdorsalis deest; 1. Quercetellum Zell.
B. Alae anteriores sine caudula ; cellula discoidalis obtusa po-
slica venas novem emittit; vena subdorsalis adest: 2. Alaudellum Dup.
(ligustrinellum Zell.; 3. Citrinellum F. R.
II. Gattung Orniz (Tr.), Zell.: Caput lanatum: palpi labiales,
squamis appressis, fasciculo pilorum nullo.
A. Cilia non caudulata : 1. Meleagripennella Hübn.; 2. Angu-
ferella Z. n. sp. von Wien; 2-3. Caelatella n.sp. aus Toskana;
3. Guttiferella Zell.
B. Cilia caudatula: 4. Caudulatella Zell.
„Die Argyresthien, beschrieben von P.C. Zeller“ (Linnaea Ent. Il.
$.234—302.) Die Raupen dieser Gattung, aul das Auslressen von Blü-
thenknospen angewiesen, sind ohne weitere Auszeichnung, als dass
Kopf und Prothorax von etwas festerem Bau, und dadurch zum Einboh-
ren geeigneter sind. Der Schmetterling gehört zufolge seiner lanzelt-
förmigen, langlvanzigen Hinterflügel zu den niederen Formen der Ti-
neen. Treitschke hat 8 Arten von Argyresthia mit 13 anderen Gattun-
gen unter Oecephora vereinigt, Stephens zerlegt Argyresthia ohne Noth
während des Jahres 1848. 947
in zwei Gattungen Ismene und Argyrosetia; eher noch würden die
einfarbigen (Blastotere) und die naclı einem anderen Typus gezeichne-
ten Arten (Uedestis) eine Absonderung erlauben, da wenigstens ihr Flü-
gelgeäder ein wenig abweicht, Eine wirkliche Trennung fand der Verf.
sich aber veranlasst mit der ehemaligen Arg. argentella vorzunehmen,
bei welcher das Flügelgeäder so mangelhaft als der Tasterbau ist, und
eine niedrigere Stufe der Ausbildung anzeigt. Die 26 hier beschrie-
nen Arten von Argyresthia sind auf folgende Weise gruppirt:
1. Palpi graciles, squamis appressis. Alae anteriores laevigatae,
vitta dorsali alba aut unicolores. Venae ex cellulae discoidalis parte
postiea novem oriuntur. Oviductus 2 plerumque exsertus.
A. Alae anteriores vitta dorsali alba variisque signis ornatae, —
a. Vitta dorsali alarum anteriorum semel tantum interrupla (Argyresthia
pr. Ismene Steph.): 1. Andereggiella F. R. — 2. Pruniella L. — 5»
Nitella F. (pruniella Z. ol., Ratzeb.) — 4. Spinella F.R., Zell. — 5.
Fagetella Moritz, Zell. — 6. coniugella Zell. — 7. Pulchella Lien. —
8. Tetrapodella L. (caesiella Tv.) — 9. Glaucinella Zell. b. Vita dor-
sali al, ant. bis vel saepius interrupta. — «. Minores: 10. Fundella
Fisch., F. R — 11. Retinella Z. — 12. Abdominalis Z, — 13. Di-
lectella n. sp. von Glogau. ?. Maiores (Argyrosetia Steph.) 14. Cor-
nella F. — 15. Serbiella Tr. 16. Pygmaeella Hübn. — 17. Goedartella
L. — 18. Brockeella Hübn.
B. Alae anteriores unicolores. Venae ex cellulae discoidalis
parte posliea octo oriuntur. Femina plerumque mare minor. (Blastotere
Ratzeb.): 19. Arceuthina Zell. — 20. Certella n. sp. von Reinerz. —
21. Praecocella Zell. — 22. Illuminatella F. R. (Bergiella Ratz.) —
23. Glabratella n. sp. von Reinerz. — 24. Amiantella Koll. n. sp.
aus Oesterreich.
Il. Palpi breviusculi, inerassati, pilosuli. Alae anteriores pulve-
rulenlae, fascia ante medium signatae. Cellula discoidalis postice venas
oclo ‚sexve emiltit. Oviductus 2 absconditus. (Cedestis Zell.): 25 Gys-
seleniella Kuhlw,, Zell. — 26. Farinatella Zell.
Die oben erwähnte, aus der Pinariella (Arg. argentella und pi-
nariella 4. ol., Oecoph. gulactitella Ev.) gebildete Gattung Ocnero-
stom« ist auf folgenden Kennzeichen gegründet: „Caput comosum, epi-
stomio Jaevi. Antennne alis anterioribus breviores, setaceae, articulo
basali crassiusculo. Palpi brevissimi, bulbilliformes. Haustellum
brevissimum, Alae anteriores (unicolores, acuminatae) cellula discoidali
acuminala, postice imperlecla, venas quinque emittente;
posteriores lanceolatae, venis duabus furcatis,
Die Gattungen der mit Augendeckeln versehenen blattminirenden
Schaben sind von Zeller (Linn, entom. Il.) bearbeitet worden. Die
kleinsten Schabengatiungen haben, so ähnlich auch ihr Aussehen ist,
doch nur sehr wenig Uebereinstimmendes, und stehen nicht in so na-
948 Schaum: Bericht über die Leistungen in der Entomologie
her Verwandtschaft, um eine einzige Gruppe auszumachen. Selbst die
beiden in der Ueberschrift angegebenen Charaktere kommen nicht allen
Galtungen zu, einzelne haben vollkommene Augendeckel und miniren
nicht in Blättern (z. B. Buceulatrix), andere sind Blattminirerinnen und
haben keine Augendeckel (z. B. Tischeria). Scharf begrenzte Gruppen
werden sich aber erst dann aufstellen lassen, wenn die sämmtlichen
Gattungen der kleinsten Tineaceen monographisch bearbeitet sind. —
Die hier behandelten und die früber erläuterte Gattung Lithocollectis
(s. Jahresber. f. 1846. S. 171) werden auf folgende Weise angeordnet.
A. Ranhköpfig. a. Mit Augendeckel am Fühler. 1. Obergesicht
glattschuppig. «. Nur am Hinterkopfe aufgerichtete Haare. (Fühler von
Vorderflügellänge, Vorderllügel gesehwänzt mit gabelichter Subcostalader)
Lyonetia mil vier Arten: Clerckella L., Prunifoliella Hübn., Padifoliella
Hübn. , Pulverulenta F. R. ß. Scheitel mit Haarschopf. Taster faden-
lörmig, Vorderflügel nur mit vier einfachen Längsadern. Opostega mit
4 Arten: Saliciella Tr., Reliquella Zell. n. sp. aus Schlesien, Auri-
tella Hübn. , Crepusculella £. R. y. Scheitel mit Haarschopf, Taster
fehlen, Vorderflügel mit Mittelzelle und ästigen Adern, Bucculatrir
mit 9 Arten, die Fühler sind über der Basis nicht eingeknickt bei Ci-
darella Tisch, Ulmella Mann n. sp. aus Deutschland und Italien,
Crataegi Zell., Boyerella Dup., Gnaphaliella Tr. Die Fühler sind über
der Basis zusammengezogen und oben eingeknickt (Cerocla stis Zel-
ler), bei Frangulella Goeze, Hippocastanella Dup. , Nigricomella Zell,
Cristatella F. R. 2. Obergesicht behaart. «. Subcostalader der Vor-
derllügel gabelförmig, oberwärts olıne Zusammenhang mit andern Adern.
Trifurcula mit 2 Arten: Pallidella F. R. nov. sp. von Wien und
Italien, Immundella Zell. 5. Subcostalader gabelförmig, die Gabel mit
der Medianader durch einen Ast verbunden, Vorderllügel gegen die
Spitze verdunkelt oder sonst hart. Nepticula Heyden mit folgenden
Arten: Samaliella Z., Subnitidella F. R. von Wien, Aurella Fabr.,
Lemniscella Z., Centifoliella Heyd., Argentipedella Z., Argyropeza Z.,
Intimella 2. von Glogau, Hemargyrella Koll., Sericopeza Z., Cursoriella
Heyd., Assimilella Metzu. von Wien, Rufella Z. b. Ohne Augen-
deckel am Fühler. 1. Wurzelglied des Fühlers ohne Zopf, Lithocolle-
tis (s. Linn. ent. I. 167.). 2. Wurzelglied des Fühlers mit einem Sei-
tenzopf, männliche Fühlerglieder langfranzig Tischeria Z. Hierher Com-
planella Hübn., Riciardella Costa, Emyella Dup., Gaunacella F. R.,
Angusticollella Heyd.
B. Mit ganz glattschuppigem Kopfe (Fühler mit Augendeckel).
a. Taster fadenförmig. Phyllocnistis. llierher Suffusella Z. und
Saligna Z. b. Taster fehlen. Cemicostoma. 3 Arten: Spartifolielle
Hübn., Zanclaecella von Messina, Scitella Metzn.
Zeller hat (Isis 1847. S. 801 u. 881) sowohl die von Costa
beschriebenen als die von ihm selbst gesammelten süditaliänischen
Arten dieser Familie sehr sorgfältig gemustert, Er hat in dieser Ah.
während des Jahres 1848. 249
handlung drei neue Gattungen errichtet: Calantica Heyden. Caput
longe crinitum , epistomio laevigato. Oculi hemisphaerici valde distan-
tes. Ocelli nulli. Antennae mediocriter longae, articulo basali squamis
in conchulam dilatato. Palporum maxillarium vix rudimentum adest,
palpi labiales breves, penduli, acuti. Haustellum brevissimum. Pedes
breviusculi, tibiae anticae squamis incrassatae, in quiete
protensae, poslicae pilosae bis bicalcaratae, pari calearium superiore
e medio prodeunte. Alae latae; anteriorum cellula mediana postice
truncala venas tres in marginem costalem, sex in posticum emittente,
vena subdorsalis in basi furcata. Cilia haud ita longa; mit Lyonetia und
Opostega zunächst verwandt. Hierher ©. dealbatella Zell. n. A,
aus Sicilien und albella Heyd. aus dem Taunusgebirge.
Eriocottis: Caput superne et in facie lanatum. Oculi me-
dioeres, ocelli magni supra oculos pone antennas positi.
Antennae mediocres, tenues, pubescentes, setaceae. Palpi maxillares lon-
giusculi filiformes, labiales mediocres porrecti acuti, articulo secundo in-
fra setis dispersis instructo. Haustellum brevissimum. Oviductus femi-
nae longe exsertus. Alae anteriores oblongae cellulae medianae
pars superior areolam format, ambitus decem venas emittlit,
quarım qualuor in marginem costalem, reliquae in posticum , venae
subdorsalis basis furcata. Alae posteriores ovatae, mediocriter ciliatae,
e cellulae medianae ambitu venae sex prodeunt. E. fuscanella
S. 813. aus Sicilien.
Pierolonche: capilli decumbentes, epistomium obumbrantes.
Oculi hemisphaeriei , ocelli nulli. Antennae supra oculos antice inser-
tae longae, artieuli hasalis latus anterius pilis conchulae instar crista-
tum est. Palpi maxillares nulli, labiales medioeres porreeti, compressi,
pilosi, artieulo terminali declinato, breviore, acuto. Haustellum nullum.
Pedes longiusenli, tibiae posticae compressae , pilosae, bisbicalcaratae,
pari calcarium priore ante apicem inserto. Alae lanceolatae, acutae,
longius ciliatae,, anteriorum cellula mediana simplex postice venas tres
in marginem coslalem , quinque in posticum emiltit, venae subdorsalis
basis furcata , pterostigma nullum posteriorum cellula mediana postice
emarginala, unam venam in marginem costalem, quinque in posticum
mittit. Oviductus feminae non exserlus. Eine durch die Fülilermuschel
und das Flügelgeäder ausgezeichnete Gattung von unsicherer Stellung.
Pt. albescens, neue Art aus Sicilien (S. 896.)
Neue in dieser Abhandlung beschriebene Arten sind: Tinea cras-
sicornella, Micropteryr sicanella, Nematopogon sericinellus,
Ypsolophus ezustellus, Anchinia brevispinella, Oecophora gra-
vratella, dissitella, tributella, terrenella, Depressaria pe-
loritanella, Ihapsiella, ferulae, veneficella, Gelechia vi-
lella, detersella, segetella, plebejella, lamprostoma,
salinella, remissella, diminutella, nigrinotella, nigri-
tella, paupella, Coleophora erepidinella, praecursella, fre-
250 Schaum: Bericht über die Leistungen in der Entomologie
tella, pabulella, deviella, Elachista Dohrnii, contami-
nella, disemiella, Opostega suffusella, Lyonetia somnulen-
tella, sämmtlich aus Sieilien,
Auch in der Abhandlung über die von Löw in Kleinasien ge-
sammelten Schmetterlinge (Isis 1847. Heft 1.) bat Zeller eine neue
Gattung Hapsifera aufgestellt und in folgender Weise charakterisirt :
„differt a genere Tinea, cuius habitum prae se fert, capillis non diver-
gentibus, sed in medio convergentibus , haustelli et palporum maxilla-
rium defectu — ab Euplocamo palporum articulo ultimo nec setiformi
nec erecto, antennis nudis, non ciliatis, ab Ochsenheimeria oculis multo
maioribus, antennis longioribus, nudis.“ H. luridella, neueA. von Patara,
Ausserdem sind von demselben (ebenda $. 33.) folgende neue
Arten aufgestellt: Nemotois barbatellus von Rhodus, Dasycera imi-
tatrixz von Rhodus und Kleinasien, Oecophora apicalis von Kelle-
misch, Celeophora cuprariella, fuscicornis, argyrogrammos,
aus Kleinasien, die letztere Art findet sich auch in Italien.
Neue von Tengström (Bidr. t. Finlands Fjäril - Fauna) aufge-
stellte Arten ausFinnland sind: Tinea truncicolella, spilotella,
heide der rusticella ähnlich, corticella, der granella verwandt, ochra-
ceella, rufella, conspersella, nubeculella, fuscatella,
Ochsenheimeria hirculella, scabrosella, Plutella horticola,
Oecophora disparella, Depressaria sordidatella, Gelechia vio-
lacea, pullatella, flavipalpella, plantariella, serrula-
tella, cinerosella, Argyresihia inauratella, Coleophora cro-
einella, incanella, murinella, lineatella, therinella,
sirialipennella, punctlipenella, annulatella, Graeilaria su-
berinella, Elachista moniliella, magnificella, trifasciella,
Iristictella, bistietella, salieis, albidella, Lyonelia con-
eolorella, Nylandriella.
Von Heeger (Isis 1848. 5.338.) wurde Coleophora sapona-
riella Schäff., neue Art, nebst ihren frühern Ständen beschrieben und
(Taf, 5.) abgebildet. Die Raupe lebt auf Festuca ovina.
Von demselben ist (ebenda) Holoscolia forficella Hübn.
nebst ilıren früheren Ständen ausführlich beschrieben und abgebildet.
Wocke beschrieb (Bericht über die Arhb. der entomolog. Sect.
Schles. 1848. $. 19,) Lithocolletis Parisiella, neue Art, vom Verf. aus
Raupen erzogen, welche er im bois de Boulogne bei Paris gesammelt
hatte. Derselbe theilte (ebenda) einige Beobachtungen über die Ver-
breitung uud Erscheinungszeit der von ihm bei Breslau und Paris ge-
sammelten Lithocolletis-Arten mit,
Stainton hat (Newman’s Zoologist 1848.) eine neue Monogra-
- phie der brittischen Arten von Argyromiges veröffentlicht und drei neue
Arten von Aphelosetia beschrieben. (Ich habe die genannte englische
Zeitschwift leider nicht benutzen können,)
Die Synenymie der Tinea biseliella Hummel (crinella Sodollsky,
während des Jahres 1848, 1
Tr.) besprach Zeller (Ent. Zeit. 1848. 5.221); er glaubt in dieser Art
T. Sareitella Linn. zu erkennen.
Freyer gab (Ent. Zeit. 1847. S. 92.) Erläuterungen über seine
Abbildungen von Tinea Wagnerella, ianthinella, holosericeella.
Bouche& berchrieb (Ent. Zeit. 1847. $. 162.) die frühern Stände
mehrerer Tineen. Die Raupe von Gelechia atriplicella F. R. findet sich
im September häufig in den Spitzen von Chenopodium, sie wickelt die-
selben zusammen und frisst dieSamen aus. Der Schmetterling erscheint
im Frühjahre. Die Sackträgerraupe von Coleophora lusciniaepenella Tr.
lebt den Sommer hindurch auf der Birke, die von Lüthocolletis pasto-
rella Zell. minirt im August in den Blättern von Salix alba. Der
Schmetterling entwickelt sich im folgenden Juni. Lyonetia padifoliella
minirt im August in den Blättern der Birke und entwickelt sich nach
2—3 Wochen, L. Clerkella L. minirt im August und September in den
Blättern der Kirschen und Birken Die Entwicklung erfolgt in vierzehn
Tagen. L. ulmifoliella lebt im August auf der Birke, deren Blätter sie
zur Mälfte umlegt und das Fleisch abschält. Die Entwicklung geht in
14 Tagen vor sich.
Note pour servir a l’histoire de !’Hyponomeula padella et a celle
de ses Parasites. par Goureau (Ann. d. |. soc. ent. d. Franc. 1847.
S. 239.) — Die Raupen fand der Verf.’ bei Cherbourg auf Weissdorn-
sträuchen (Mespilus oxyacantha) , welche von ihren Gespinnsten ganz
überzogen waren. Unter den Parasiten machte sich besonders eine
Fliegenlarve bemerkbar, welche frei in dem Gespinnste herumkroch und
die Raupen aussog, so wie sie sich zur Verwandlung anschickten, so-
dann ist eine Schlupfwespe vorgekommen, welche der Verf, nach bei-
den Geschlechtern als Ichneumon padellae beschrieben hat, Das
Männchen derselben ist das der Pimpla scanica, was unter dem Weib-
chen verstanden wird, ist mir unbekannt. Endlich ein Encyrtus, wel-
eben der Verf., da er ihn bei Walker nicht beschrieben fand, als E.
eyanocephalus charakterisirte, welcher aber mit Enc. atricornis
Dalm., Pieromalus eyanocephalus Bouch& identisch ist.
Rosenhauer theilte (Ent. Zeit. 1847, S.318.) die Beobachtung
mit,dass die Raupen von Hypomeneuta evonymi Zell. sehr häufig von
Filaria truncata bewohnt werden, Dieser Fadenwurm wandert, wenn
sie der Verpuppung nalıe sind, aus ihnen aus, was immer den Tod der-
selben zur Folge hat, (und verwandelt sich nach v. Siebold's Entdek-
kung (Ent. Zeit. 1848. S. 293. in Mermeris albicans.)
Pterophorii.
Neue Arten dieser Familie sind von Zeller (Isis 1847. $. 898.)
Adaciyla meridionalis, paralia, Frankeniae, Pierophorus
distans, laetus, marginellus, aridus, malacodactylus,
siceliola, Alucite sonodactyla, palodactyla, alle aus Sicilien,
952 Schaum: Bericht über die Leistungen in der Entomologie
Von demselben (Isis 1847. 5. 38.) Pterophorus Loewii aus
Rhodus.
Die grünlich- gelbe Raupe der Alucita mierodactyla lebt nach
Bouch& (Ent, Zeit. 1847. S. 163.) im Juli auf Kohlblättern und hält
sich auf der Unterseite auf. Nach Zeller ist die von Bouche erzogene
Art aber nicht der wahre Pterophorus microdactylus, sondern eine nahe
verwandte unbeschriebene Art (s. ebenda Note).
Diptera.
„Estralto con annolazione della memorie sulle famiglie
dei Ditteri Europaei di Camillo Rondani*“ (Nuovi Annali
delle Scienz, natur. d. Bologn. 2. Ser. VII. S. 5.)
Enthält eine neue systematische Eintheilung der Zweillügler, wel-
che ich hier vollständig aufnelıme, da die italiänische Zeitschrift, in der
sie veröffentlicht ist, nur Wenigen zugänglich sein dürfte.
A. Antennae saepe articulis tribus , (slilo vel arista exceplis si adsunt),
rare duobus tantum ad summum articulis sex insiruclae el lunc
palpi articulis duobus constant et non ultra.
Palpi saepe articulo unico, raro duobus, ad summum tribus et
non ultra instructi sunt.
B. Antennae articulo tertio haud eirculatim suleiolato. Si sülus et
arista desunt vel si loco stili articulus aliquis distinctus apicalis
adest, tunc proboseis solida plus minusve porvecta et palpi non
patentes. ä
C. Proboscis saepissime membranosa brevis et labiata, si raro solida
et porrecta vel arista dorsuali est, vel caput buccatum, vel abdo-
men maris laminis et fimbriis validis instructum,
Arista fere semper dorsualis, si raro terminans proboseis membra-
nosa et non porrecta , vel caput buccatum si raro solida est et
elongata $ £ 5 R Stirps I. Muscidae.
GC. Proboseis saepissime solida saepe porrecta et non raro valde
elongata et exilis, si brevior et submembranosa caput non buccea-
tum et abdomen maris fimbriis et laminis validis non instructum.
Stilus vel arista antennarum semper terminans nisi abest,
aliquando loco stili artienlus aliquis distinctus et Iune proboseis
solida et paulo porrecta palpisque non exsertis
Stirps I. Empidae.
BB. Antennae arliculo tertio transversim suleiolato , aliquando in ar-
ticulos quinque vel sex dislinctos divisae et tune palpi exserli vel
proboseis brevissima et membranosa ; rarissime suleiolis transversis
in ultimo arlieulo non manifestis el lune arista et stilus nulli et
antepnue prope os insertae suntl.
Stirps II. Coenomidae,
während des Jahres 1848. 253
AA, Antennae arliculis pluribus instructae,, raro sex tantum et tunc
palpi saltem articulos quatuor praebent.
Palpi plerumque articulis quatuor vel quinque, si raro minus
tune antennae arliculis octo vel novem constant.
Stirps IV. Tipulidae
Stirps I. Muscidae.
a. Proboseis non aut vix apice dislinea. — Os non manifestum vel
fere clausum - E s - Fam. I. Oestrinae.
aa. ()s magis vel minus apertum. Proboscis semper manifesta.
b. Organa copulatoria maris nec laminis latis nec fimbriis longis
instrucla, raro paulo porrecta et appendicibus brevibus conco-
mitata et tunc venae longitudinales alarum saltem octo similes
in diverso sexu.
ce. Alarum areolae duae vena longitudinali spuria intersecta. Vena
quinta et sexta longitudinales extrinsecus cubilalae el praece-
dentibus ad apicem coniunctae. - Fam. II. Syrphinae.
ec. Vena spuria areolas intersecans nulla fere semper, si raro
adest brevis, ettunc vena quinta aut sexta aut ambae extrinse-
cus non cubitatae et apici non coniunclae praecedentibus.
d. Proboscis saepe elongata exilis et cornea, si raro brevis et la-
biala antennae claviformes vel subfusiformes stilo apicali bre-
vissimo. Caput buccatum. Corpus setis rudibus nullis.
e. Antennae claviformes vel subfusiformes stilo apicali brevissimo.
Fam. Ill. Conopinae.
ee. Antennae patelliformes stilo dorsuali. Fam. IV. Myopinae.
dd. Proboscis brevis crassa et labiata, si raro elongala et exilior
antennae patelliformes, caput non buccatum et corpus selis
rudibus instructum,
f. Oculi magnitudine ordinaria; facies non linearis.
g. Autennae longe ab ore insertae, dellexae, et arista dorsuali.
— Alae venis non spuriis rarissime unica lanlum excepla.
ee
Fam. V. Muscinae.
gg. Antennae prope os inserlae, et deflexae saltem in foemina,
Alae venis tribus vel quatuor spuriis. Fam. VI. Phorinae.
ggg. Antennae longe ab ore insertae,, ereclae et arista ter-
minante. — Venae alarım non spuriae.
Fam. VII. Collomynae.
fl. Oculi maximi caput fere totum occupantes. Facies linearis.
Fam. VII. Pipunculinae,
ae Te a en < e
bb. Organa copulatoria maris fimbriis vel laminis latis instructa. An-
h tennae ereclae. — Alae venis diversis in diverso sexu vel in
R utroque sexu longitudinales ad summum quinque,
{
254 Schaum: Bericht über die Leistungen in der Entomologie
h. Alae venis in diverso sexu diversis transversariis nullis
intermediis. . $ Fam. IX. Lonchopterinae.
Iıh. Alae venis similibus in ulroque sexu, transversariis in-
termediis nonnullis. . Fam. X. Dolichopodinae.
Stirps. II. Empidae.
a. Proboseis membranosa labiis manifestlis.
b. Antennae triarticulatae seta vel stilo instructae. Vertex inter ocu-
los non valde excavatus.
c. Tarsi pulvillis tribus. Palpi exserti. Antennae seta seu arista
apicali vel subapicali a 8 Fam. XI. Leptinae.
ee, Tarsi pulvillis duobus. Palpi fere oceulti. Antennae stilo bre-
vissimo apicali n B n Fam. XII. Therevinae.
bb. Antennae articulis quinque, apicalibus magnis, stilo et seta nul-
lis. Vertex inter oculos valde excavalus.
Fam. XII. Mydasinae.
aa. Proboscis cornea magis vel minus producta, labiis- non mani-
feslis.
d. Vertex inter oculos valde excavatus. Fam. XIV. Asilinae.
dd. Vertex haud valde excavalus.
e. Caput hemisphaericum magnitudine ordinaria.
{, Proboseis antice porrecla sed non elongala in nostratibus, —
Autennae basi remotae. Alae non reticulatae.
Fam. XV, Anthracinae.
if, Proboscis longissima (in quiete) sub ventre flexa. Alae re-
tieulatae. - - e Fam. XVI. Nemestrinae.
if. Proboscis exilis et longa, antice porrecta. Antennae basi
appropinquatae. Alae non reliculalae.
Fam. XVII, Bombylinae.
ee. Caput subglobosum exiguum. 1
g. Proboseis antice porreca . Fam. XVII. Hybotinae.
gg. Proboseis subperpendicularis vel postice flexa.
b. Tarsi pulvillis duobus manifestis. Fam. XIX. Eimpidinae.
hh. Tarsi pulvillis tribus distinetis. Fam. XX. Ogcodinae.
Stirps III. Coenomydae.
a. Antennae articulo terlio non cireulatim suleiolato.
Fam. XXI. Scenopinae.
aa. Antennae articulo terlio magis vel minus manifeste sulciolato vel
rarissime in arlieulos aliquos distinctos diviso.
b. Scutellum dentatum vel tubereulatum, vel si inerme antennae stilo
vel seta praeditae . . Fam. XXIl. Stratiomynae.
bb. Sceutellum inerme; antennae nunquam stilatae nec aristatae.
Fam. XXIII. Tabaninae.
ie
unotn!t während des Jahres 1848. 255
Stirps IV. Tipulidae.
a. Antennae arliculis saltem novem, ad summum undecim in ulroque
sexu instruclae, capilis et Ihoracis coniunelim longitudinem ad
-summum aequantes. Alae venis pluribus quamvis multis spuriis.
b. ©celli nulli. Antennae distinetae longe ab ore inserlae.
Fam. XXIV. Simulinae.
bb. Ocelli manifesti. Antennae prope os insertae.
Fam. XXV. Bibioninae *).
aa. Antennae arliculis saltem duodecim et saepe numero maiori in-
struetae, si raro arliculis minus numerosis , capite et thorace lon-
giores sallem in maribus, aut venae longitudinales alarum cireiter
qualuor,
e. Ocelli manifesti, si raro non perspicui antennae distincte com-
pressae.
d. Antennae articulis non peliolatis nec in uno nec in altero sexu,
Fam. XXVI. Sciophilinae.
dd. Antennae arlieulis petiolatis magis vel minus distinctae saltem
in maribus . - Fam. XXVU. Lestreminae.
ec. Ocelli nulli. Antennae nunguam manileste compressae,
e. Artieulus primus tarsorum brevissimus. Alae venis longitudi-
nalibus ad summum quatuor Fam. XXVII. Cecidomynae.
ee. Arlieulus primus larsorum sequentibus longior. — Alae nisi
obliteratae vel abortivae sunt venis pluribus longiludinalibus
instructae.
f. Venae longitudinales alarum venulis Lransversariis non con-
iunelis. - : - Fam. XXIX. Psychodinae.
if, Venae nonnullae longitudinales transversis brevissimis con-
junctae, a
g- Proboscis longitudine saltem capitis, vel crassa, vel longior
et exilis,
h. Proboscis crassa longitudine eirciter capitis. — Palpi non
erecti. Fam. XXX. Phlebotominae,
*) Örphnepbilae Deviae Halid. (Chenesia testacea Macg.) nonnulla in-
dividua utriusque sexus, primus ipse Detector humaniter mihi com-
municavil, ex quorum studio nunc pro certo habeo genus hoc fa-
miliam distinclam constituere possg inter Bibioninas et Scophilinas
locandam sub divisione A, ceui addenda erit subdivisio, characteri-
bus hisce distincta.
bbb, Alae venis non spuriis. Ocelli nulli. Antennae prope
08 insertae, ‚ B . Fam, Orphnephilinae mihi,
n
%56 Schaum: Bericht über die Leistungen in der Entomologie
hh. Proboseis exilis longior capite. — Palpi longi et erecti
saltem in uno sexu. . Fam. XXXI. Culicinae
gg. Proboscis brevior capite vel brevissima.
i. Antennae maribus plumalae. — Venae longitudinales ala-
rum fere omnes spuriae. Fam. XXXIl. Chironominae.
ii. Antennae non plumatae etiamsi pilosae. — Venae alarum
non spuriae,
k. Palpi articulo exiremo longissimo et llexili saltem in mare,
Fam. XXXII. Tipulinae.
kk, Palpi artieulis longitudine parum diversa, ultimo non flesili.
l. Alae perfectae in omnibus Fam. XXXIV. Trichocerinae.
ll. Alae nullae in utroque sexu. Fam. XXXV. Chioneinae.
„Diptera Scandinaviae disposila et descripta auct, Zel-
terstedt. Tom. VI. Lundae 1847. Tom. VII. 1848.
Mit dem siebenten Bande ist die Bearbeitung der Diptera bracho-
cera vollendet worden.
Dipteres exoliques nouveaux ou peu connus par Mac-
quart. Supplement. Paris. 1846. 2. et 3. supplöments 1847
et 1848.
In dem ersten Supplemente, welches schon 1846 erschienen, in
diesen Jahresberichten aber noch nicht angezeigt ist, sind gegen 360
neue Zweillügler beschrieben, von denen indessen nur wenige zur Auf-
stellung neuer Gattungen Veranlassung gegeben haben,
Das zweite Supplement enthält besonders eine grosse Zahl neuer
australischer Arten. In der Vorrede desselben giebt der Verfasser eine
Uebersicht der australischen Dipteren-Fauna, so weit sie bis jetzt be-
kannt ist. Alle Familien haben in diesem Welttheile ihre Vertreter,
drei Achtel der Gattungen sind neu, indessen gehören fünf Sechstel
der Arten Gattungen an, welche eine weitere Verbreitung haben. Unter
den Australien eigenthümlichen Formen sind die zahlreichen Rutilien
durch ihre Farbenpracht und Grösse gleich ausgezeichnet. Die Tipu-
larien liefern die auf Anstralien. beschränkten Gattungen Gynoplistia, Pti-
logyna, Cerozodia und Apeilesis, die Tabanier, welche sehr artenreich
sind, die Gattung Dasybasis, die Notacanthen Metoponia, die Asilen Cra-
spedia und Brachyrhopola, die Henopier Pterodontia. Zwischen den
Nemestrinen und Xylotomen kommt eine neue Gattung Pomacera zu
stehen, welche so eigenthümliche Charaktere besitzt, dass sie zur Er-
richtung von besonderen Familien Veranlassung gegeben hat. Die Le-
ptiden treten nur in der neuen Gattung Exeretoneura auf. Unter den
australischen Bombyliern finden sich die Typen der Gattungen Tricho-
psidea, Comptosia und Apiocera, unter den Tachinarien die der Gattun-
gen Trichoptera, Exechopalpus, Heterometopia und Tritaxys. Die Scio-
während des Jalıres 1848. 3 5%
myziden enthalten den Typus der Gattung Tapeigaster, die Ortalideen
liefern die Gattungen Coelometopia, Lamprogaster und Couphiocera, die
Tephitiden, Cardiacera und Bactrocera.
Durch das dritte Supplement steigt die Zahl der im Ganzen von
Macquart zuerst beschriebenen exotischen Zweiflügler auf 1800, bereits
früber waren durch Wiedemann 2400 Arten und eine geringe Zahl von
anderen Schriftstellern bekannt gemacht. Die Zahl der von Macquart
neu errichteten Galtungen beträgt gegen 150, die in den vorliegenden
Supplementbänden zuerst aufgestellten sind unten erwähnt. Ueber die
Metamorphosen ausländischer Zweiflügler besitzen wir zur Zeit noch
fast gar keine Mittheilungen.
Dritter und vierter Beitrag zur Dipterologie Russlands
von Gimmerthal (Bull. d. Mosc. 1847.)
Der dritte Beitrag umfasst die Familien der Xylophagen, Tabani-
den, Leptiden, Xylotomen und Bombyliden. Neue Arten sind hier nicht
beschrieben worden.
Der vierte Beitrag enthält Nachträge zu dem früher mitgetheilten
Verzeichnisse der Tipulariae, Tabanii, Xyloliomae Bombyliarii und eine
Aufzählung der den übrigen Dipterenfamilien angehörigen Arten, wel-
che dem Verfasser als russisch bekannt geworden sind. Es sind hier
einige neue Arten aufgestellt, welche unten namhaft gemacht werden.
Systematisches Verzeichniss der zweiflügelichten Insecten
des Erzherzogihums Oesterreich mit Angabe des Standortes,
der Flugzeit und einigen anderen physiologischen Bemerkun-
gen von Dr. F. Rossi. Nach des Verfassers Tode heraus-
gegeben von Haidinger. Wien 1848.
Es sind nur solche Arten aufgezählt worden, welche bereits von
Meigen u. A. beschrieben sind. Die Eintheilung des Verf. ist folgende:
I. Proboscidea. Mund offen, mit einem oft ganz eingezogenen Saug-
rüssel, an dem zwei Taster eingefügt sind.
A. Pterophora 1. Nemocera. 2. Brachocera. B. Pterygoidea (Apte-
rina) C. Aptera.
Il. Cryptoproboscidea. Mund geschlossen, Rüssel und Taster verborgen.
A. Inflata. B. Parasitica (Oestridae.)
Il. Nothoproboseidea. Mund eine zweiklappige Scheide, in der die
fadenförmige Zunge liegt. Keine Taster.
A. Pterophora. B. Pterygoidea, C. Aptera,
List of the specimens of Dipterous inseets in Ihe col-
lection of the British Museum. Part. I. 1848.
Dieses Verzeichniss, welches von F. Walker angefertigt ist,
Archiv f. Naturgesch. XV. Jahrg, 2. Bd. R
258 Schaum: Bericht über die Leistungen in der Entomologie
enthält die im brittischen Museum vorhandenen, den Familien der Culi=
cinae, Tipulariae, Xylophagi, Tabanii, Leptides, Xylotomae, Midosii an-
gehörigen Arten. Es ist durch die sorgfältige Zusammenstellung der
Synonymie, durch genaue Angabe der Fundorte und durch die bedeu-
tende Anzahl hier zuerst beschriebener,, meistens exotischer Arten für
das Studium dieser Ordnung unentbehrlich. In der Familie der Tipu-
lariae sind einige neue Galtungen errichtet, welche unten aufgeführt
werden. Zu bedauern ist, dass die vom Verf. eingeführten Artnamen
zum Theil willkürlich gebildete Laute ohne allen Sinn sind, welche
in der Wissenschaft keinen Eingang finden werden.
Dipterologische Beiträge von Prof. Loew. II. und II.
Theil. Posen 1847.
Der zweite Theil ist ursprünglich als Programm des Königlichen
Friedrich- Wilhelms-Gymnasiums zu Posen veröffentlicht, und behandelt
die Arten der Gattung Thereua.
Der dritte Theil, auch im Jahresbericht des naturwissenschaftli-
chen Vereins zu Posen für 1848 enthalten, erläutert die italiänischen
Arten der Gattung Conops und die europäischen der Gattung Sapromyza.
Bemerkungen über einige in neuerer Zeit publieirte Di-
pteren - Gattungen und Arten von Loew. (Ent. Zeit. 1847.
S. 146.).
Der Aufsatz ist eine Anzeige der von Rondani in verschiedenen
Zeitschriften veröffentlichten dipterologischen Abhandlungen, und ent-
hält eine grosse Zahl kritischer Bemerkungen und synonymischer Be-
richtigungen.
Ueber einige von Ruthe 1831 in der Isis beschriebene
Dipteren gab Loew (Ent. Zeit. 1847. S. 66.) Aufschlüsse,
die um so dankenswerther sind, als der Aufsatz von Rulhe
von späleren Schriftstellern ganz übersehen worden ist.
Auf die grosse Zahl von Dipterenlarven, welche die
Blätter der Pflanzen aushöhlen, machte Goureau aufmerk-
sam. (Bibl. univ. d. Geneve 1847. Schleid. u. Fror. Not, 1848.
Febr. S. 298.)
In jeder Pflanze scheint sich eine besondere Art zu entwickeln,
im Geissblatt z. B. Phytomyza obscurella, in der Luzerne Agromyza
nigripes, die letztere wird oft sehr schädlich. Zur Verpuppung gehen
alle diese Larven in die Erde, die Mehrzahl wird indessen schon vorher
durch Witterungsverhältnisse und Ichneumoniden vernichtet.
Kaltenbach’s Beobachtungen über die Lebensweise einer
während des Jahres 1848. 259
Anzahl Dipteren sind von Walker veröffentlicht worden
(Ann. of nat. hist. 2. ser. II. S. 73.).
Sie beziehen sich vornehmlich auf die Nahrungspflanzen vieler
Arten von Cecidomyia, Trypeta, Phytomyza und Agromyza.
Culicidae.
Culer hiemalis ist eine neue von Asa Fitch (Wint. Ins. of
East. New-York S. 8.) aufgestellte Art, welche im Staate New-York in
den letzten Tagen des Herbstes und in den ersten des Frühjahrs er-
scheint,
Walker (List oft the Dipt. Ins. of the Brit. Mus. P. 1.) beschrieb
eine neue Art von Sabelhes und eine von Culer.
Der Nahrungskanal der Mücke (Culez pipiens L.) wurde vonPou-
chet untersucht. Derselbe ist durch acht blasenförmige, gesonderte,
eirunde, feine, symmetrisch um den Darm gestellte Magen ausge-
zeichnet, welche jeder durch einen kurzen Gang mit dem Nahrungs-
kanal in Verbindung stehen. Bei jungen Larven, die eben aus dem Ei
kommen, sind sie erst eben angedeutet und noch ohne Höhlung; erst
bei weiterem Wachsthume derselben bilden sie sich aus. Sie haben in
ihrer Form und. Verrichtung grosse Uebereinstimmung mit den Magen
der polygastrischen Infusorien, wie sie von Ehrenberg beobachtet sind.
Mit den sogenannten Saugblasen, wie sie von Treviranus u. A. bei ver-
schiedenen Dipteren und Lepidopteren beschrieben sind, will, der Verf.
sie nicht verglichen wissen, weil man in ihnen denselben Inhalt wie
im Nahrungskanal findet, es ist indess dem Verf. unbekannt geblieben,
dass durch Löw von diesen sogenannten Saugblasen dasselbe nachge-
wiesen ist, so dass sie also mit diesen wohl übereinstimmen. — An
den gefüllten Magenblasen bemerkte der Verf, Zusammenziehungen, in
Zwischenräumen von 25—30 Secunden, um die in ihnen enthaltene Nah-
rung in den Darm zu treiben. (Compt. rend. XXV. S. 589.)
Ueber (ie Moskito-Plage in ‚heissen Ländern theilt Delacoux
einige Erfahrungen mit (Apergu sur quelques entomogenoses des pays
chauds: Rev. Zool, $. 124.) Bemerkenswerth ist, dass der Verf. in
gewissen Fällen die Moskitostiche als Heilmittel angewendet wissen
will, nämlich als Reizmittel in der Schlafsucht, welche sich in der letz-
ten Periode der bösartigen Fieber einzustellen pflegt. Er erzählt einen
Fall dieser Art: Im Jahr 1843 wurde er in Vera- Cruz zu eiuer deut-
schen Dame gerufen, welche im dritten Stadium einer Gehirn-Rücken-
marksentzündung seit 12 Stunden in tiefer Schlafsucht lag, und wo alle
Erscheinungen den baldigen Tod erwarten liessen.. In Abwesenheit der
behandelnden Aerzte konnte der Verf, nichts ihun, als das Bett zu Öfl-
nen, unter dem Vorwande, frische Luft zuzulassen. So blieb die Kranke
zwei Stunden lang den unablässigen Stichen der Moskitos ausgesetzt.
Die Schlafsucht hörte auf, und die Kranke war, zum grössten Erstaunen
260 Schaum: Bericht über die Leistungen in der Entomologie
Aller, am anderen Morgen nicht allein noch am Leben, sondern befand
sich auch viel besser.
Tipulariae.
Macquart beschrieb (Dipt. exot Suppl. I. S. 8.) eine neue Gat-
tung, Apeilesis. Die Fühler des Männchens bestehen aus 13, die
des Weibchens aus 12 Gliedern, das erste Glied etwas lang und an der
Spitze angeschwollen, das zweite kurz und becherförmig, das dritte
viermal so lang als das vierte. Der Hinterleib ist an der Spitze aul-
gebogen, wie bei Panorpa, die Schienen ohne Spornen. Die Füsse sind
sehr lang und klein, fünf hintere Flügelzellen, die zweie und dritte ge-
stielt A. cinerea stammt aus Tasmanien.
Von Walker (Listof theDipt. Ins. in the Brit. Mus. P.1) wur-
den folgende neue Gattungen aufgestellt:
Pterocosomus (S. 78). Fühler des Weibchens borstenför-
mig, siebengliedrig, nicht länger als die Brust. Mund kaum vorgezo-
gen. Taster viergliedrig, Hinterleib des Männchens verkehrt keulenför-
mig, länger als der des Weibchens, welcher am Ende zugespitzt ist, Aus-
serdem zeigt das Flügelgeäder noch mehrere Eigenthümlichkeiten. Zwei
neue Arten: Pt. velufinus aus Nepaul und Pt. Hilpa von Hongkong.
Hesperius (S.81.) Fühler borstenförmig, behaart von mehr
als halber Körperlänge, Glieder lang , lineär, zweites Glied sehr kurz
drittes lang, viertes von der halben Länge des dritten, die folgenden bis
zum zwölften allmählich etwas an Länge abnehmend. Beine ohne Dor-
nen. Sonst noch durch das Flügelgeäder charakterisirt. H. brevi-
frons Barnston , neue Art von den St. Martinsfällen des Albany - River,
nahe der Hudsonbai.
Diomonus (S. 87.) Fühler wie bei Platyura, Flügel wie bei
Leptomorphus, nur ist die areola unter dem Vordeırande des Flügels
hier vorhanden. D. nebulosus Barnston vom Albanyfluss, nahe der
Hudsonsbai.
Symmerus (S. 88.) Platyura verwandt; Fühler wie bei dieser
Gattung 16ögliedrig? etwas länger als die Brust. Hinterleib zusammen-
gedrückt, ziemlich lang, Schienen dornig, an den Spitzen mit 2 lan-
gen Dornen. Flügel nur mit zwei deutlichen Längsadern. S. ferru-
gineus aus England.
Walker (a. a. 0.) stellte 20 Chironomus, 1 Tanypus, 5 Cera-
topogon, 1 Asthenia, 1 Lasioptera, 1 Cecidomyia, 1 Psychoda, 3 Pedi-
cia, 31 Limnobia, 24 Tipula, 1 Gynoplistia, 4 Ctenophora, 1 Ptycho-
ptera, 1 Anisomera, 2 Chionea, 2 Trichocera, 2 Diva, 1 Asindulum,
1 Leptomorphus, 3 Platyura, 1 Sciophila, 3 Leja, 15 Mycetophila, 16
Sciara, 2 Simulium, 3 Scatopse, 3 Plecia, 3 Dilophus, 9 Bibio als neue
Arten auf, darunter besonders viele von der Hudsonsbai.
Von Asa Fitch (Wint. Ins. of N. York S. 9.) wurden Chiro-
nomus nivoriundus und Trichocera brumalis als neue Arten be-
schrieben, die erstere ist während des Winters auf dem Schnee sehr
während des Jahres 1848. 961
häufig und erscheint oft in zahlreichen Schwärmen, die zweite ist an
warmen Wintertagen in den Wäldern gemein und fliegt selbst bei einer
Temperatur unter 0.
Löw wies (Ent. Zeit. 1847. S. 252.) die Identität von Asthenia
fasciata Westw., Blepharicera limbipennis Macq. und Liponeura cinera-
scens Loew nach, und berichtigte die Charakteristik der Gattung, wel-
cher der Name Asthenia verbleiben muss.
Derselbe bemerkte (ebenda S. 66.), dass Thaumalia testacea
Ruthe später von Haliday als Orphnephila devia und von Macquart als
Chenesia testacea aufgestellt worden ist, er beschrieb diese Art noch-
mals genauer und unterschied davon eine zweite neue, von Zeller in
Sicilien entdeckte Th. tarda. — Nach demselben ist ferner Diadokia
flavicans Ruthe = Macroneura Winthemi Macq., Psilocerus occulius
Ruthe, wie dies schon Zeller erkannt hatte, — Hydrobaenus lugabris
Fries., Aspistes inermis Ruthe kein Aspistes, sondern eine Scalopse, und
vielleicht nicht von Se. soluta Loew verschieden.
Eine neue Art von Aspistes aus dem nördlichen Russland ist (ebenda
5. 69.) von Löw als A. borealis beschrieben; in Bezug auf A, be-
rolinensis wird bemerkt, dass der Fühlerbau sehr veränderlich ist und
keine specifische Bedeutung hat.
Gimmerthal stellte als neue Arten auf: Ceratopogon barbipes
Limnobia nigrirostris, (Corr. bl, d. Naturf. Ver. z. Riga 1. S.102.) Chi-
ronomus virens, Ceratopogon flavipes, Limnobia viridipennis, Sciophila
fasciata, lineata (Bull. d. Moc. 1847. t. 11.), alle aus Curland,
Eine treflliche Arbeit über die Gallmücken: „Beiträge zu einer
Monographie der Gallmücken, Cecidomyia Meig.“ hat Bremi in den Neu.
Denkschr. d. allg. schweiz. Gesellsch, f. d. ges. Naturwiss. Bd. IX. 1847.
geliefert, wobei er die Aufmerksamkeit besonders auf die Erzeugnisse
der Gallmücken an Pflanzen, als dem wichtigsten und merkwürdigsten
Theile ihrer Naturgeschichte gerichtet hat. Diese Erzeugnisse bringt
der Verf. in folgende Abtheilungen :
I. Gallenbildungen.
1. Wahre Gallen: „sie werden durch das Insect erzeugt,
und ihre Substanz und Bekleidung hat nichts mit dem Organismus der
Pflanze, an der sie sich entwickeln, gemein.“ — a.Deckelgallen,
sie haben einen besonderen Deckel, der seiner Zeit sich ablöst, und
fallen hei ihrer Reife aus dem Blatte, mit Zurücklassung einer Oeff-
nung im Blatte. Hierher eine Galle auf Lindenblättern (Cec. tiliacea)
und eine kleine eylindrische Galle auf Buchenblättern (Cec. tornatella.)
— b. Normalgallen:; „diese sind ein gleichförmiges Ganzes , blei-
bend festsitzend, und mit dem kleinsten Theile ihrer Oberfläche mit dem
nährenden Pflanzentheile zusammenhängend.“ Hierher die bekannten Gal-
len von € fagi und annulipes Hart, auf Buchenblättern, — c. Dop-
pelgallen; so nennt der Verf, diejenigen, „welche auf beiden Seiten
262 Schaum: Bericht über die Leistungen in der Entomologie
des Blattes, hervortreten, und deren weiteste Cavität in dem Parenehym
des Blattes liegt. Diese entfernen sich schon vom Typus einer ächten
Galle, sind jedoch noch selbstständig.“ Gallen dieser Art beobach-
tete der Verf. auf den Blättern der Zitterpappel (Cecid. polymorpha),
der Spiraea ulmaria (Cec. uImaria), an den Blättern und Stengeln von
Urtica dioica (Cee. Urticae Perr.) und an den Blättern von Hieracium
pilosella (Cec. gemini.)
2. Scheingallen: „sie werden nur durch das Insect er -
regt, und sind keine 'selbsiständige Eutwickelung,, denn ihre Entste-
hung liegt darin, dass das Insekt seine Eier in das Innere eines Pflan-
zentheils legt, und die ausgekommene Larve eine Aushöhlung verur-
sacht, um die sich Pflanzenzellen anhäufen und zusammendrängen ; die
Folge davon ist eine härtliche Anschwellung, deren Bekleidung aber
die unveränderte Epidermis bleibt.“ — d. Knollen: „gänzlich geschlos-
sen, und fest durch eine Schicht verhärteter Zellen; beobachtet an ein-
jährigen Zweigen der Salix purpurea (Cec. Degeerü), am oberen Theil
der Stengel von Medicago sativa (Cec. Medicaginis) und auf der mitt-
leren Rippe der Fiederblättchen von Fraxinus excelsior (Cec. Frazint).
— e. Blasen: „gänzlich geschlossen und weich; ein linsenförmiges,
convexes, beiderseitiges Hervortreten der Epidermis an Blättern ohne
wesentliche Verdichtung derselben ;“ sie finden sich an den Blättern von
Viburnum lantana (Cec. Reaumurii‘, von Sonchus oleraceus (Cec. Son-
chi), von Leontodon Taraxacum (Cec. Leontodontis), und in den Wur-
zelblättern von Hieracium murorum (Cec. sanguinea.)
Il. Taschenbildungen. Unter diesem Namen begreift der
Verf. „alle jene gallenartigen Formationen, welche lediglich aus dem
Zusammenziehen zweier Pflanzentheile (zwischen denen
die Larve wie in einer Tasche geborgen liegt) entstehen, wobei ein
Punect offen bleibt, durch den das Inseet seinen Ausgang findet,“
Hier sind folgende Grundformen unterschieden: a, Saekform, „diese
kann nur wegen ihrer Oeflnung hierher gezogen werden, in jeder an-
dern Beziehung steht sie ganz vereinzelt;* beobachtet an den Blättern
von Glechoma hederacea (Cec. bursaria). — b. Kapselform, „diese
scheint dadurch zu entstehen, dass das Insect seine Eier in den Blu-
menblätterboden der Leguminosen oder in den Fruchtknoten der Um-
belliferen legt, wodurch die gepaarten Samen von diesen oder die sechs
Blumenblätter von jenen zusammengezogen und in abnormer Form und
Farbe blasenarlig aufgetrieben werden; seiner Zeit nimmt das Insect
seinen Ausweg durch die obern Berührungspuncte der Blätter oder Sa-
men.“ Beobachtet sind in den Blüthen von Lotus corniculatus (Cec.
Loti Deg.), und in den Blüthen der wilden Daucus canota (Cee. peri-
carpücola). — c. Schuppenform, „eine Zusammensetzung, ‚welche
vollkommen derjenigen von Tannenzapfen gleicht, und nach meiner An-
sicht dadurch entsteht, dass die Mücke ihre Eier an die innere Basis
der Terminalblättehen (nicht in das Centrum der Kunospe) legt, dadurch
A
während des Jahres 1848. 863
wird die Entwickelung dieser Blättchen nicht gehemmt, wohl aber ihre
normale Ausbildung und die proportionirte Verlängerung ihrer Achse;
daher wachsen sie so breit als lang, bleiben zusammengedrängt und le-
gen sich übereinarder. Zwischen je zwei solcher Blättchen liegen die
Larven ;“ diese Form findet sich an den Spitzen der jungen Triebe von
Salix purpurea (Cee. strobilin«), an den unfruchtbaren Zweigen der Eu-
phorbia cyparissias (Cee. capiligena) , und noch eine andere Form an
derselben Pflanze (Cec. subpatula),. — d. Blätterschöpfe, „diese
entstehen, indem das Insect sein Ei in das Centrum einer Terminal-
knospe legt, in Folge dessen die zwei innersten Blättchen sich nicht
weiter entwickeln, sondern zusammenschiessen und die Laryenkammer
bilden, die äusseren aber wachsen fort, obwohl nicht im normalen Aus-
maasse und stehen zusammengedrängt, weil die Zweigspilze nicht fort-
wachsen kann.“ Hierher die bekannten Weidenrosen an den Zweig-
spitzen von Salix caprea (Cec. salicis Degeer), die von Frisch beschrie-
bene „rothe Weidenknospenmade* (Cec. Frischü) und die von Degeer
beobachtete (Cec. JuniperiDeg.) an den Zweigspitzen von Juniperus com-
munis. — e. Taschenform: „diese scheint dadurch erzeugt zu wer-
den, dass die Mücke mehrere Eier an die innere Basis zweier Termi-
nalblätter legt; diese Blätter schliessen sich dann mit den Rändern fest
an einander und die breite Blattlläche treibt sich gallenartig auf, ver-
diekt sich: zuweilen und wird sogar härtlich. Sind die Blätter der be-
treffenden Pflanze sonst mit Haaren beselzt, so häufen sich diese auf
den zusammengezogenen filzartig. Alle Larven solcher Taschen beste-
hen ihre Verwandlung innerhalb derselben.“ Dergleichen kommen vor:
an den jungen Trieben von Galeobdolon luteum (Cee. strumosa), an den
Seitentrieben von Stachys sylvatica (Cee. Stachydis), an den Spitzen der
nicht blüthentragenden Stengel von Veronica ‚chamaedrys (Cec. Vero-
nicae) und an den Spitzen der Zweige von Hypericum perforatum (Cec.
Hyperici). — f Schotenform: „Diese scheint dadurch zu entstehen,
dass ‚eine Mücke ihre Eier auf die mittlere Blattrippe (die Fortsetzung
des Blattstiels) legt, und zwar auf die Oberseite, in Folge dessen sich
die beiden Blatthälften genau auf einander legen. Da wo die Larve
liegt, wird das‘ Blatt ausgedehnt, während der übrige Theil Nach ‚bleibt,
so dass das Ganze vollkommen einer Schote gleicht, an welcher die
Körner als rundliche Erhabenheiten sichtbar werden. Nur an der Spitze
bleiben die Blätichen ein wenig offen, woselbst die Larven ihren Aus-
gang finden, um sich an der Erde zu verwandeln ;# beobachtet an Ono-
‚brychis sativa (Cee. onobrychidis), an Rosa canina (Cec. Rosae), an Salix
Yimioalis (Cee. marginemtorquens und an Salix alba (Cee. clausilia). —
g. Tütchenform: „Das ganze Blatt, oder einzelne Theile desselben
werden so eingerollt, dass die Rolle nur an dem einen Ende ganz und’
spützig geschlossen ist. Die Larven leben frei und zerstreut an den
Seiten der Tute ;“ ‚beohaohtet ‚an Alnus incana (Cee. tortilis), an ‚Ranun-
‚eulus bulbosus (Cec. ranunculi), an Trifolium pratense (vielleicht die-
264 Schaum: Bericht über die Leistungen in der Entomologie
selbe) und an Acer pseudoplatanus (Cec. irregularis),. — h. Filz-
form: „Ihr Charakter besteht in einer enormen Anhäufung von Haaren
auf Blättern, welche übrigens selbst nur wenig und unregelmässig ver-
bogen werden. Die Larven stecken vereinzelt im Filze der Einbiegun-
gen.“ An den Wurzelblättern von Poterium sanguisorba findet sich C.
eriana, eine ähnliche Filzbildung findet sich an Schossen von Salix ca-
prea. Die darin steckenden Larven weichen aber etwas von denen der
Ceeidomyien ab. Eine andere von denen der Cecidomyien etwas ab-
weichende Larve fand der Verf. in papillenförmigen Erhabenheiten der
Blattfläche von Salix caprea, vielleicht gehört diese einer Campylomyza
an. — Ausserdem sind zur Zeit noch 15 Gallmückenarten bekannt,
welche sich in verschiedenen Pflanzentheilen von deren Säften nähren,
ohne besondere Bildungen zu veranlassen. — Eine einzige jährliche
Generation scheint nur bei wenigen, zwei bis vier aber bei der Mehr-
zahl der Gallmücken stattzufinden. Drei Generationen beobachtete der
Verf. bei €. ulmaria, bursaria, strumosa, marginemtorquens und veroni-
cae, ohne die Beobachtung über die ganze Entwicklungszeit der Pflanze
fortzusetzen, zwei bei ©. Stachydis, Rosae, capitigena, [enestralis,
Reaumuri und Hyperici. In der Landwirthschaft sind einige Arten wich-
tig durch den Schaden, den sie anrichten; dem Getreide sind ©. de-
structor Say. und ©. Tritiei Kirby. nachtheilig, €. nigra Meig. richtet
unter jungen Birnen grosse Verheerungen an, ©. Onobrychidis kann,
wenn sie in Massen erscheint, eine Kleepflanzung unbrauchbar machen,
und €. brachypiera Schwäg. die Kiefern im Wachsthum zurücksetzen.
In einem folgenden Abschnitte seiner Abhandlung giebt der Verf.
eine Aufzählung der bis dahin beschriebenen (57) Arten, mit Hinwei-
sung auf ihre Auctoren, ihr Vaterland und ihre Nahrungspflanzen, und
beschreibt darauf die von ihm beobachteten, theils gefangenen, theils
bereits oben angeführten erzogenen neuen Arten, Diese sind: ©.
grossa, gef,; €. formosa, gef.; C. cornuta, gel.; €. limbi-
lorquens, C. grisea, gel,; C. Veronicae, gez.; C. capiti-
gena und ©. subpatula aus Euphorb. cypariss. erz.; ©. ulmaria
von Spiraea ulm. erz.; €. bursaria von Glechom. hed. erz.; €.
Onobrychidis von Onohr. sativ. erz.; €. Hyperici von Hyp. per-
forat. erz.; €. Ranunculi von Ran. bulbos. erz.; C. bicolor von
Carpinus betulus erhalten; ©. varicolor, aus feuchter Erde erh.;
©. Stachydis, von Stach, sylvat. erz.; €. fenestralis, an Fen-
stern gel. — C. Die folgenden neueneArten: ©. Reaumuri, Sonchi,
Leontodontis, strobilina und strumosa hat der Verf. zwar ebenfalls er-
zogen, aber noch keine Beschreibung von den Mücken entworfen. End-
lich bleiben noch vierzehn der oben genannten Arten übrig, deren Er-
zeugnisse der Verf, als die von Gallmücken erkannte, ohne dass es ihm
gelang, die Mücken zu erziehen, nämlich: €. tiliacea, tornatella, poly-
morpha, gemini, Medicaginis, Fraxini, sanguinea, pericarpücola, Rosae,
olausilia, tortilis, ürregularis, eriana, Frischii. Endlich theilt der Verf.
während des Jahres 1848, 265
noch genauere von Amstein entworfene Beschreibungen der ©. gran-
dis, carnea und fasciala Mg. mit, so wie einer früher als neu erkann-
ten Art €. pilosa, welche nach dem Urtheile des Verf. mit C. pini Ratz.
einerlei sein möchte. Schliesslich ist noch zu bemerken , dass die vom
Verf. beobachteten Erzeugnisse der Gallmücken: auf zwei Tafeln sehr
schön abgebildet sind.
Eine neue Art von Cecidomyia wurde von Westwood (Gard.
Chron. n. 36. S. 558.) dargestellt. Sie findet sich auf verschiedenen
Arten von Weiden (Salix viminalis, rubra u. a.); die Larven leben im
Mark der Zweige und scheinen sich vor der Verpuppung einen Gang
bis auf die Rinde zu bohren, denn die Puppen dringen, wenn die Mücke
ausfliegt, durch die Rinde vor. Die Larven fressen bis Mitte Mai’s, die
Mücken erscheinen gegen das Ende dieses Monats oder zu Anfange des
Juni. Die von den Larven bewohnten Zweige werden zum Zaunflech-
ten unbrauchbar. Diese Gallmücke ist von Westwood Cee. (Rabdo-
phaga) viminalis genannt.
In einem andern Artikel (ebenda n. 37. S. 604.) beschrieb der-
selbe die Naturgeschichte der Cecid. tritiei, (übers. in Schleid. und
Fror. Notiz, IV. S. 344.)
Auch von Loew wurde eine neue Gallmücke, Cecidomyia
Inulae beobachtet und nach allen Ständen ausführlich beschrieben
(Allgem. deutsch. naturhist. Zeit. 2. Jahrg. S. 296.) Die Larve lebt in
Gallen an Inula britannica, welche sich bald vorzugsweise am Stengel,
bald noch unter der Erde am obersten Ende der Wurzel , seltener an
der allgemeinen Blüthenhülle, vom Juli bis in den Herbst hinein, fin-
den. Die Grösse der ausgewachsenen Galle ändert ab von der einer
Erbse bis zu der einer Bohne; ihre Form ist länglich eirund, ihre Farbe
am Stengel grün, unter der Erde weisslich ober röthlich. Jede hat
eine innere Höhlung. — Bemerkenswerth ist übrigens die Bemerkung,
welche der Verf. über die Arten von Cecidomyia überhaupt macht
(S. 299), dass viele derselben jährlich eine mehrfache Generation ha-
ben, von denen die spätere einen ganz anderen Wohnplatz als die frü-
here hat, ja dass dieselbe Generation durchaus nicht immer ihren Wohn-
platz auf derselben Pflanze oder überhaupt in gleicher Localität auf-
schlägt. Es ist also immer Gefahr dabei vorhanden, wenn eine Art nur
nach ihrem Wohnorte aufgestellt wird,
Die Verwandlungsgeschichte von drei neuen Arten der Gattungen
Ceeidomyia wurde von Bouche& (Ent. Zeit. 1847. S. 144.) beschrieben.
Die Larve von €. Pyri lebt im Juni und Juliin den sich entwickelnden
Blättern der Birnen, deren Seiten sich durch den Stich zurückrollen
und verdorren, wodurch sie den jungen Birnen-Anpflanzungen oft sehr
schädlich werden. — Die Larve von €. Bryoniae lebt gesellig zu
Hunderten in den sehr verdickten Spitzen von Bryonia alba. €, tu-
bife» verursacht Auswüchse an den verdickten Spitzen der Artemisia
campestris,
966 Schaum: Bericht über die Leistungen in der Entomologie
„The Hessian fly, its history , character, transformations and ha-
bits“ ist der Titel einer sehr anziehenden Abhandlung von Asa Fitch
über Cecidomyia destrucior Say (Americ. Journ. of Agrie, and Science.
Vol. V.) Der Verf. weist nach, dass diese Gallmücke ursprünglich in
Europa zu Hause, in Deutschland, Frankreich, der Schweiz und Italien
zu wiederholten Malen dem Waizen sehr nachtheilig gewesen ist. Die
ersten positiven Nachrichten darüber sind vom Jahre 1732. Nach Ame-
rica wurde sie wahrscheinlich mit dem Proviant der Hessischen Solda-
ten gebracht, welche im August 1776 auf Staten- und Long - Island
landeten, sie vermehrte sich aber erst 1779 auf diesen Inseln in dem
'Maasse, dass sie der Waizenernte erheblichen Eintrag that... Von dort
aus verbreitete sie sich immer weiter und rückte jährlich 10—20 Mei-
len nach allen Richtungen hin vor. Ein oder zwei Jahre nach ihrem
ersten Auftreten wurde in den heimgesuchten Gegenden .die Waizen-
ernte fast gänzlich vernichtet. Diese Verwüstungen wiederholten sich
in der Regel mehrere Jahre hinter einander, dann pflegten sie, wahr-
scheinlich in Folge der Ueberhandnahme parasitischer Chaleidier , er-
heblich nachzulassen oder ganz aufzuhören. Von Zeit zu Zeit cı-
scheint das Insect wieder in ungeheurer Menge an einzelnen Orten
und wird ausser dem Waizen auch dem Roggen und der Gerste nach
theilig.
Es giebt zwei Generationen im Jahre. Die Eier gleichen kleinen
röthlichen Körnern und werden gewöhnlich im Monat September in die
Falten der Blattoberfläche gelegt, wenn der Waizen nur wenige Zoll
hoch ist. Nach etwa 1 Woche entwickeln sich die kleinen Maden und
kriechen zur Basis des Blattes, wo sie unmittelbar über dem Boden
verweilen und vom Safte der Pflanze leben , deren Gelbwerden und
Absterben sie veranlassen, ohne sie indessen zu verwunden. Die kleine
weisse Larve ist in etwa 6 Wochen ausgewachsen, sie verwandelt sich
in ein Flachssamen ähnliches Tönnchen, in welchem die Ausbildung
der Puppe im nächsten Frühjahre vor sich geht. Der Puppenzustand
währt 10—12 Tage. Die Mücke erscheint im Anfange Mai, legt die
Eier für die zweite Generation und stirbt bald nachher. Die aus .die-
sen Eiern auskriechenden Larven nisten sich in den untern Ringen des
Halmes ein, diese verlieren die Kraft , das Gewicht der Aehre zu Ira-
gen, neigen sich zu Boden und lallen selbst ganz nieder. Ein solches
Feld sieht zur Erntezeit aus, als wäre Vieh über dasselbe getrieben.
Die Verbreitung der Mücke wird hauptsächlich durch die auf dieselben
angewiesenen Parasiten aus der Ordnung der Hymenopteren in Schran-
ken gehalten, unter denen ein Platygaster ‚und namentlich Ceraphron
destructor Say die bei weitem häufigsten sind. Da die Ceeidomyia
ihre Eier im September zu legen pflegt, so kann durch ‚ein späteres Aus-
säen des Waizens ein Theil des ‚Schadens verhület werden; ‚bemerkt
man im Herbste oder im nächsten Frühjahre , dass zahlreiche ‚Eier ab-
gesetzt sind, so ist es zweckmässig , die Felder von Schafen abweiden
N nm
während des Jahres 1848. 267
zu lassen, oder eine schwere Rolle darüber hinzuführen, damit so viele
Eier als möglich zerdrückt werden.
Notes sur les metamorphoses de la Trichocera annulata Meig., et
de la Seatopse punctata Meig. pour servir a Phistoire des Tipulaires.
Par. M. Ed. Perris (Ann. d. 1. Soc. Ent. d. Fr. 1847. $. 37. T. 1.
F. III. IV.) Die Larve der Trichocera annulata ist 7—8 Millim. laug
und 1 Mill. breit, elliptisch-linienförmig, etwas flachgedrückt, die Haut
etwas mehr lederartig als bei den meisten Tipularien, die Farbe schimut-
zig röthlich und die vordern Theile des Kopfes etwas dunkler. Die
Mundtheile bestehen aus einem Paar nach unten gekrümmler, zweizäh-
niger Mandibeln und jeder Seite der Lelze einem ungegliederten Taster.
Die äusserst kurzen, kegelförmigen, zweigliedrigen Fühler liegen in einer
kleinen Vertiefung. Auf jeder Seite des Kopfes liegt ein schwarzes
Pünktchen, welches ein Auge zu sein scheint. Der Körper besteht aus 11
Ringen, diese sind aber schwer zu unterscheiden, weil der ganze Körper
sehr querrunzlig ist. Der letzte Ring endet mit vier Fleischlappen, zwei
oben und zwei unten; unter den obern liegt ein Paar grosser Stigmen.
Zwei andere kleinere Stigmen sieht man am Hinterrande des ersten
‚Ringes. Der ganze Körper ist, mit Ausnahme der beiden ersten Ringe,
mikroskopisch behaart. Die Behaarung scheint den Zweck zu haben,
den Körper vor der unmittelbaren Berührung .der Stoffe, in denen die
Larve lebt, zu bewahren. Der Verf. fand sie sowohl in faulenden Ve-
getahilien, als auch in den modernden Resten von Seidenwurmgespinn-
sten. Zur Verwandlung geht die Larve in die Erde, die Nymphe ist
nackt. Nach einigen Tagen kommt das vollkommne Insect schon zum
Vorschein.
Die Verwandlungsgeschichte der Scatopse punctata kommt im
Wesentlichen mit der im Jahresb. f. 1846. S. 176. angezeigten von Sc.
nigra überein ; besonders ausführlich ist das nur theilweise Ablegen
der letzten Larvenhaut bei der Verpuppung beschrieben.
Notes pour servir a l’histoire des Ceratopogon. Par M. Ed. Peı-
ris. (Ann. d. 1. Soc. Ent. d. Fr. 1847. S. 555. T. 9. F. III.)
Es sind 2 Arten beobachtet: C. brunnipes n. sp. und C. lucorum
Mg. Die Larven beider haben auf dem Rücken zwei Reihen geknopfter
Borsten, die an der Spitze ein Tröpfehen einer Feuchtigkeit tragen.
Sie haben überhaupt ‚grosse Uebereinstimmung mit einander, zeigen aber
auch ‚einige Artunterschiede;»z. B. dass der Forisatz auf der Unterseite
des ersten Ringes bei der ersteren zweilappig, bei der zweiten unge-
theilt ist, Die Larve des O. hrunnipes fand der Verf. an Pilzen, die
‚des O0. Jucorum unter faulenden Blättern; die Nymphe, welche mit dem
hinteren Theile in der Larvenhaut steckt, ist an den Körpern befestigt,
welche die Larve bewohnte. Die Verwandlung zum vollkommnen In-
seci geht in 5—10 Tagen vor sich.
Gimmertbal beschrieb (Arb, .d. naturf, Ver. in Rigal. S. 325.)
%68 Schaum: Bericht über die Leistungen in der Entomologie
die frühern Stände von Sciara vittata Meig. und Psychoda humeralis Meig.,
welche, obenso wie Sciara longipes, von ihm aus faulenden Kartoffeln
erzogen wurden.
Die Naturgeschichte von Simulium reptans Linn. hat Westwood
(Gard. Chron. 1848. $. 204 „the watereress-fy“) geschildert und durch
Abbildungen erläutert.
Simulium columbaschense Fabr., welches in Ungarn dem Viehstande
und selbst dem Menschen oft sehr gefährlich wird, und Chiones arene-
oides Dalm. wurden von Heeger (Isis 1848. 'S. 328 u. 332. Taf. .)
ausführlich beschrieben und abgebildet.
Tabani.
Macquart (Dipt. exot. 2. suppl. S.25.) stellte die neue Gattung
Dasybasis auf, welche zwischen Tabanus und Chrysops in der Mitte
steht, von Tabanus durch die Abwesenheit des Zahnes am dritten Füh-
lergliede, durch die Haare, welche die beiden ersten besetzen und die
Gesichtsschwielen, von Chrysops durch die Kürze des dritten Fühler-
gliedes, durch Abwesenheit der Ocellen u. s. w. sich unterscheidet.
Eine neue Art ist D. appendiculata aus Neuholland.
Walker beschrieb (List of Dipt. Ins. P. 1.) 29 Pangonia, 92
Tabanus, 4 Dichelacera, 3 Silvius, 16 Chrysops, 2 Haematopota, 1 Ha-
drus, 1 Diabasis.
Saunders hat (Trans. of the ent. Soc, IV. S.233.) das Männ-
chen von Gastroxides ater beschrieben und (Taf. 14. Fig. 3.) abgebildet.
(S. Jahresber. f. 1841. S. 297.)
Asiliei.
Die Asilicen des europäischen Faunengebietes sind von Loew
einer monographischen Bearbeitung unterworfen worden. (Ueber die
europäischen Raubfliegen Linnaea Ent. II. S. 384. III. S. 386. IV. S. 1.)
Der letzte Theil ist zwar erst 1849 erschienen, ich dehne aber hier den
Bericht gleich auf die ganze Arbeit aus. — Der Verf. sondert dieRaub-
fliegen in zwei grosse Gruppen, welche auf einem scheinbar nur ge-
ringfügigen Unterschied im Flügelbau beruhen, die indess für die ganze
Lebensweise von durchgreifender Bedeutung zu sein scheint. Es mün-
det nämlich die zweite Längsader des Flügels entweder in den Flü-
gelrand, (Leptogaster, Damalis, Ceraturgus, Dioctria, Dasypogon) oder
in die erste Längsader (Laphria, Asilus, Ommatius) ; durch den letzte-
ren Umstand wird die Flugkraft, wie es auch in anderen Familien, na-
mentlich bei den Syrphien der Fall ist, ausserordentlich verstärkt, es
gehören demnach in die zweite Gruppe die flugfertigeren, stärkeren
Räuber, während die der ersteren Gruppe die trägeren und schwäch-
licheren Formen enthält, mit Ausnahme jedoch mehrerer Dasypogon-For-
men, welche in ihrem kräftigen Bau den Asilen sich annähern. Macquart
hat naturgemäss drei Gruppen, die Dasypogen-, Laphria- und Asilus..
er
zur
2
“
h
4
i
3
8
&
während des Jalıres 1848. %69
artigen erkannt, er stellt aber die Dasypogonen und Laphrien vereinigt
den Asilen gegenüber, während nach der obigen Betrachtung die Da-
sypogonen die eine Hauptabtheilung, die Lapbrien und Asilen zusam-
men die zweite ausmachen, in welcher die Laphrien eine Unterabthei-
lung mit stumpfem, die Asilen eine andere mit spitzem und mit einem
mehr oder weniger borstenförmigen Endgriffel versehenen Fühlerende
bilden.
Im zweiten Bande der Linnaea sind die Dasypogon - und die
Laphrien-artigen Raublliegen abgehandelt. Die letztere enthält nur La-
phria (17 Arten), die erstere die Gattungen Leptogaster (11 Arten, dar-
unter 6 neue), Dioctria (18 Arten) und Dasypogon (48 Arten). Unter
Dasypogon hat der Verf. Xiphoura und Acnephalum Macq. mit begriffen,
weil sie nicht sowohl auf einer systematischen Auflösung der alten Gat-
tung, als auf einer Absonderung einzelner abweichender Formen beru-
hen; ebenso Leptarthrus Steph. und Anarolius Lw. Dagegen ist die
Gattung Dasypogon in drei Abtheilungen und 17 Gruppen, welche eigne
Namen als Untergatiungen erhalten haben, zerlegt: A. Vorderschienen
mit einem Enddorn. Hierher die Gruppen Saropogon und Dasy-
pogon. B. Vorderschienen ohne Enddorn. a. Mit gestreckter Körper-
form. Mit 12 Gruppen Stenopogon, Habropogon, Xiphoce-
rus Mq., Holopogon, Eriopogon, Heteropogon, Isopogon,
Oligopogon, Stichopogon, Lasiopogon, Cyrtopogon,
Anarolius Lw. b. Von breitem Körperbau, Acnephalum Nq., Pyeno-
pogon, Crobilocerus.
Im dritten und vierten Bande der Linnaea sind die Asilusartigen
Raubfliegen beschrieben. Sie sind bereits von Maequart in eine Reihe
von Gattungen zerlegt, welche hier angenommen und durch einige neue
vermehrt werden. Die Eintheilung ist folgende:
A. Hinterleib sehr breit und flach, am Rande büschlig gefranzt.
1. Craspedia Macq. B. Hinterleib schmal , am Rande nicht gefranzt.
a. Drei Unterrandzellen. «. Letzte Unterrandzelle halb so gross als die
davorliegende, Fühler entfernt. + Hinterleib dick und kurz, Klauen
äusserst stumpf. 2. Mallophora My. +4 Hinterleib conisch, ziemlich
gestreckt. Klauen scharf. 3. Promachus n, gen. (A. fasciatus, ma-
eulatus Fabr.). . JLeizte Unterrandzelle viel länger als die Hälfte der
davorliegenden. Kühler genähert. 7 Die letzte Unterrandzelle hat etwa
2/, bis ®/, von der Länge der davorliegenden. 4. Philodicus nov.
gen. (A. jaranus Wied.). jr Letzte Unterrandszelle etwa so lang als
die davorliegende. 5. Alcimus (Trupaea longipes Macq.). b. Zwei
Unterrandzellen, die zweite mit Aderanhang. «. Die weiblichen Geni-
talien ohne Doruenkranz. 7 Hinterast der Gabelader nach hinten gebo-
gen. 6. Apoclea Mg. +7 Beide Aeste der Gabelader nach vorn ge-
bogen. 7. Proctacanthus Mq. ß. Die weiblichen Genitalien mit Dornen-
krenz. ; Hinterleib bei beiden Geschlechtern mehr oder weniger zu-
sammengedrückt. Die männliche Haltzange gross, zusammengedrückt,
270 Schaum: Bericht über die Leistungen im der Entomologie
aufgerichtet. Die Legeröhre des Weibchens lang, stark zusammen-
gedrückt. 8. Erax Scop. ++ Hinterleib' bei beiden Geschlechtern nie-
dergedrückt. Männliehe Haftzange sehr dick und breit, gerade nach
hinten gerichtet. Weibliche Legeröhre sehr kurz, mehr oder weniger
niedergedrückt. 9; Eristicws. c. Zwei Unterrandzellen, zweite ohne
Aderanhang. «. Fühlergrilfel nackt, erstes Griffelglied viel länger als
das zweite. Mittelschienen mit starkem Endsporn. 10. Polyphonius.
+7 Erstes Griffelglied viel länger als das zweite, Mittelschienen ohne
Enddornen. 11. Asilus Linn. . 8. Fühlergriffel unten langhaarig Omma-
tius Il. — Von diesen Gättungen gehören dem: europäischen Faunen-
gebiete an: Promachus mit einer neuen Art, Polypkönius mit einer eben+
falls neuen Art, Asilus mit 7% Arten. Die letzte Gattung ist, zur Er-
leichterung der Artbestimmung, in zwei Hauptabtheilungen, solche mit
zusammengedrückter Legeröhre und solche , bei denen die Legeröhre
konisch oder kolbig, aber nie zusammengedrückt ist, und in 16 mit
besonderen Namen belegte Gruppen aufgelöst, welche auf habituelle
Aehnlichkeil der Arten begründet sind. Neun dieser Gruppens Lo-
phonotus, Eutoemus, Machimus, Mochtherus, Cerdistus,
Stilpnogaster, Itamus, Tolmerus, Epitripsus gehören der
ersten; sieben: Antiphrüsson, Asilus, Rhadiurgus, Pampo-
nerus, Antipalus, Eohthistus, Philonicus der zweiten
Hauptabtheilung an.
Eine neue von Macquart aufgestellte Gattung ist: Brachy-
rhopala (Dipt. exot. Suppl. 2. S. 35.) der Dasypogongruppe angehö-
rig, besonders durch den kurzen bis zur Spitze des zweiten Ringes
sich einziehenden , dann sich vergrössernden und an der Spitze gerun-
deten Hinterleib ausgezeichnet. B. rufieornis, neus Art aus Neu-
holland.
Gimmerthal (Bull. d. Mose. 1847. II. S. 159.) beschrieb als
neue Arten; Dasypogon Kolenatii, rwfipes aus dem südlichen Russ-
land, Asilus töbialis ebendaher,
Zeller (Entom. Zeit. 1847. S. 280.) theilte einige Bemerkungen
über Meigen’sche Asilus- Arten mit. A. varipes Meig, ist einerlei mit
A. zanthopygus und maerurus Ruthe und A. aurifluus und tenax Zell,
(vergl. Loew ebenda 8. 67.) — A. pallipes Meig. — pallipes Zell. —
A. rufinervis Meig. = rufinervis Zell. — A. calceatus Meig. scheint
aestivus var. a. Zell. zu sein. — A. opacits Meig. — atricapillus Fall.
= bicornis Zell.
Lucas beschrieb (Ann. d. I. Soc entom. d. Franc. 1848. Bull.
5. LXXXIIL.) die Metamorphose von Laphria maroccana. Die Fliege
wurde aus einem Aste von Cylisus spinosus erzogen. Lucas vermulhet,
dass die Larve entweder xylophag sei oder von Larven xylophager Kä-
fer lebe,
während des Jahres 1848. 1
Tachydromiae.
Gimmerthal beschrieb als neue Art Tachydromia semihya=
lipennis aus Curland (Bull, d. Mosc. 1847. II. S. 166.).
Leptides.
Macquart beschrieb (Dipt. exot. S. 105.) eine neue durch ihr
Flügelgeäder sehr ausgezeichnete Galtung Exeretoneura, welche
ihrer drei Fusspolster wegen zu den Leptiden gestellt wird, im Aus-
sehen übrigens an Atherix erinnert. Drei Submarginalzellen, die beiden
hinteren erreichen den Aussenrand. Die erste Hinterzelle ist ziemlich
kurz und erdigt auch an diesem Rande, die zweite und dritte laufen
am Aussenrande hin, die vierte ist geschlossen, die fünlte von gewöhn-
licher Gestalt. E. maculipennis neue Art aus Neuholland.
Leptis conjungens Ruthe (Isis 1831.) ist nach Loe w (Ent, Zeit,
1847. S. 70,) nicht von annulats Deg. zu trennen.
Aylotomae.
Die europäischen und kleinasialischen Arten von Thereua hat
Loew einer sehr sorgfältigen Musterung unterworfen (Dipterologische
Beiträge 2. Abth., im Programm des Königl. Friedrich-Wilhelms-Gymna-
siums. zu Posen erschienen). Die Gattung Psilocephala Zett. ist vom
Verf. als Gattung wieder eingezogen, aber als Abtheilung festgehalten,
mehr um nicht gegen eine einmal eingeführte Eintheilungsweise zu
verstossen. Es ist nämlich nicht zu verkennen, dass dadurch verwandte
Arten auseinandergerissen werden. Eher könnten eine vortretende Stirn,
zurückgehendes Untergesicht und grosse Mundöllnung als Kennzeichen
einer eigenen Gruppe gelten, so dass Th. anilis, nigripes und confinis
mit ihren nächsten Verwandten den Zettersted’schen Psilocephala-Arten
vereinigt würden, doch würde auch diese Gruppe schwerlich zum Range
einer Gattung erhoben werden können. — Die Auseinandersetzung um-
fasst folgende Arten:
A. Untergesicht lang behaart. — I. Die vierte Hinterrandzelle ge-
schlossen (Schienen rostgelb oder rostbraun. 1, Th. flavescens n.sp.
von Clios und Kleinasien. — 2. Th. subfasciata Schum. — 3. Th. fulva
Ng. — 4. Th. nobilitata F. — 5. Th. arcuata n. sp. aus Deutschland,
Italien, Sicilien. — 6. Th. tristis n. sp. aus Italien. — 7. Th. sub-
tilis n. sp. aus Sicilien. — 8. Th. tuberculala n.sp. ebendaher. —
9. Th. lugens n. sp. aus Deulschland.. — 10. Th. didyma n. sp.
von Rhodus. — 11. Th. circumscripta n.sp. (frontalis Schumm.?)
aus Schlesien und Südfrankreich. — 12. Th. spinulosan. sp. aus
Sieilien. — 13. Th claripennis n. sp. aus Kleinasien. — 14. Th.
binotata n. sp. aus Sicilien. — 15. Th. bipunctata Mg. — 16.
Th. nervosan. sp. aus dem nördl. Russland und Sibirien. — 17. Th.
marginula Mg. (albipennis Zeu.), — 18. Th, poecilopteran. sp.
%72 Schaum: Bericht über die Leistungen in der Entomologie
aus Sieilien. — 19. Th. bivittala Lw. (abgebildet in Germ. Faun.
Ins. Eur. XXIV. Taf. 20.). — 20. Th. annula F. 11. Die vierte Hin-
terrandzelle offen. — a. Beine zum Theil oder ganz hell gefärbt: 21.
Th. anilisL. — 22. Th. obtectan. sp, aus Sicilien. — 23. Th.
valida n. sp. aus Schlesien. — 24. Th. mierocephala n sp. aus
Schlesien. — 25. Th. brevicornis n.sp. aus Dalmatien — b. Beine
ganz schwarz: 26. Th. nigripes Lw. (rustica Lw. Isis). — 27. Th.
alripes n. sp. aus Russland und Sibirien.
B. Untergesicht nackt. I. Die vierte Hinterrandzelle offen: 28.
Th. melaleuca n. sp. von Frankfurt a. M. — 29. Th. eximia Mg.
— 30. Th. nigripennis Ruthe (lapponica Zett.). — 31, Th. dispar
Mg. 11. Die vierte Hinterrandzelle geschlossen: 32. Th. imberbis
Mg. — 33. Th. Ardea F. (confinis und ruficaudis Mg.).
Gimmerthal stellte als neue Art Thereua ruficornis von
Charkow auf (Bull.'d. Mose. 1847. Il. S. 155.)
Von Walker (List of Dipt. ins. in the Brit. Mus. P. 1.) sind
11 neue Arten von Thereua beschrieben.
Von Macquart (Dipt. exot. 3. suppl. $. 31.) wurde eine neue
Gattung Anabarhynchus errichtet, sie steht Thereua nahe, aber die
Fühler sind gegen die Unterseite des Kopfes hin inserirt, das erste
Glied ceylindrisch, das zweite kurz, becherförmig, das dritte weniger
lang als das erste, ziemlich dick, in einer Spitze endigend, Griffel
kurz, die Stirn bein Weibchen lang, schmal, ohne Schwielen, der Rüssel
vorstehend , gegen das Gesicht zurückgebogen. A. fasciatus neue
Art aus Neuholland.
Midasü.
Macquart errichtete (Dipt. exot. 3. suppl. S.19.) auf Midas
brevicornis Wied. die Gattung Dolichogaster. Das erste Fühler-
glied ist kurz, das zweite sehr kurz, das dritte kegelförmig, doppelt
so lang als das erste, das vierte und fünfte von der Länge der drei er-
sten bilden eine herzförmige, an der Basis ziemlich breite , am Ende
stumpf zugespitzte Masse. Der Hinterleib sehr lang. Die Flügel ver-
hältnissmässig kurz, erreichen nicht die Spitze des Hinterleibes; an der
Mitte der Mediastinzelle findet sich eine kleine Stigmenzelle, an wel-
che die Rand - und Unterrandzelle anstossen.
Westwood hat (Trans. of the ent. Soc. V. 87.) diese Familie
mit mehreren neuen Arten bereichert: Midas melleipennis (Taf. 13.
Fig. 1.) aus dem westlichen Neuholland, M. bipennifer (Tat. 13.
Fig. 2.) ebendaher, M. sordidus (T. 13. Fig. 3.) aus Adelaide, M.
limpidipennis aus dem westlichen Neuholland.
Walker beschrieb (List of Dipt. Ins. P. I.) zwei neue Arten
von Midas
Aylophagei.
Macquart beschrieb eine neue Gattung Metoponia, sie un-
während des Jahres 1848. 273
terscheidet sich von Beris durch kurze, kleine Taster, sehr breite Stirn,
gegen die Unterseite des Kopfes eingefügte Fühler, von denen das erste
Glied etwas lang, das dritte von der Länge des ersten ist und acht
Theilungen hat. Augen klein. Nebenaugen auf dem Scheitel. Schild-
chen ohne Spitzen. M. rubriceps neue Art aus Neuholland.
Leon Dufour beschrieb eine neue Art der Gattung Subula,
$S. citripes, nebst ihren früheren Ständen (Ann. d. sc. nal. 3. ser,
tom. VII. p. 5. pl. 17. Vol. VI. fig.6.). Die Diagnose derselben lautet:
nigra, albido-sericeo pubescens, ore, palpis, linea laterali thoracis, scu-
tello, halteribus, "pedibus cum coxis flavo-citrinis, abdomine penitus nigro,
tarsis apice nigrescentibus, antennis atris capite longioribus, genitali-
bus testaceis, alis immaculatis. Long. 8—10 mill. von St. Sever. Die
Larve wurde in einem breiigen Ulmengeschwür gefunden, sie brauchte
ein Jahr zu ihrer Entwickelung, verwandelte sich im März zur Puppe,
aus welcher im April die Fliege auskam.
Derselbe beschrieb (ebenda S. 12.) die Puppe von Subula mar-
ginata; es scheint ihm entgangen zu sein, dass dieselbe schon durch
Wesmael (Ann. d.1, soc. ent. 1837.$. 91.) bekannt gemacht worden ist,
Die Unterschiede des Xylophagus ater und cinctus setzte Loew
(Entom. Zeit. 1847. S. 70.) auseinander. Veranlassung dazu gab die
Bemerkung von Ruthe (Isis 1831), dass sie Varietäten einer Art seien,
Ruthe hat eine Varietät von X. cinctus für ater gehalten.
Dolichopodes.
Drei neue Arten von Dolichopus hat Loew beschrieben. D. Ru-
thei von Berlin. (Ent, Zeit. 1847. S.71.), D. rotundipennis und
D. sagittarius aus Sibirien (ebenda 1848. S. 329.)
Bombyliarü.
Macquart, beschrieb (Dipt. exot. 3. supp. $. 35.) eine neue
Gattung Heterostylum, sie ist Mulio verwandt ; durch die einan-
der genäherten Fühler nähert sie sich aber mehr an Bombylus. Das
dritte Glied derselben ist mit kleinen Haaren bedeckt, der Griffel so
lang als dieses Glied. H. flavum neue Art aus Brasilien.
Anthrax hela Erichson ist eine neue Art aus British Guiana.
(Schomb, Reis. 3. Th.)
Anthrax humilis Ruthe (Isis 1831.) ist nach Loew mit der von
Zeller (ebenda 1840. $. 28. beschriebenen) Anthrar mucida identisch.
(Ent. Zeit. 1847. S. 67.)
Westwood (Cab. of Orient, Ent. Taf. 18.) bildete Cola? va-
riegatus, neue Art von China ab. Westwood tritt der Ansicht von
Macquart bei, dass die Gattung besser bei den Nemestrinen als bei den
Oestriden stehe, trotz des sehr rudimentären, bei Nemestrina sehr ent-
wickelten Mundes.
Archiv f. Naturgesch. XV. Jahrg. 2. Bd, 5
274 Schaum: Bericht über die Leistungen in der Entomologie
Straliomydae.
Eine neue Gattung wurde von Loew (Ent, Zeit. S. 370. Taf. 1.
Fig. 11—15.) aufgestellt: Chauna, antennae 3-arliculatae,, articulis
2 basalibus brevissimis, terminali lato furcato, ramo superiori setam api-
calem stylumque antapicalem crassiusculum gerente ; proboscis brevis,
palpis subprominulis ; scutellum quadrispinosum ; abdomen breve infla-
tum, Die Art Ch. variabilis ist von Cuba.
Eine neue Art ist Stratiomys ventralis desselben (ebenda
S, 369.) aus Sibirien; sienähert sich im Fühlerbau der Gattung Hoplomyia.
Gimmerthal beschrieb (Bull. d. Mose. 1847. II. S. 167.) als
neue Arten Nemotelus aerosus und Stratiomys russica beide von
Charkow; die erstere ist von Gimmerthal auch im Programm z. 50jähr,
Doctorjub. Fischers 1847. Riga. S. 10 charakterisirt worden.
Syrphiei.
Von Macquart neu aufgestellte Gattungen sind:
Copestylum (Dipt. exot. 1 suppl. S. 124.) steht Volucella sehr
nahe, aber die Fühler sind höher inserirt,, das zweite Glied ist länger,
der Griffel erweitert sich in einen langen sehr eigenthümlichen Ast. C.
flaviventris neue Art aus Columbien.
Somula (Dipt. exot. 2. suppl. S. 57.), Chrysotoxum verwandt;
die Fühler sınd kürzer als der Kopf, das zweite Glied kurz, kegelför-
mig, das dritte etwas geneigt, kreisförmig; ausserdem durch das höcker-
lose Gesicht, die seitlich etwas zasammengedrückten, kurz behaarten
wenig gebogenen Schienen und durch die am zweiten Drittheil der
Diskoidalader gelegene sehr schiefe Querader unterschieden. S. de-
cora neue Art von Philadelphia.
Die europäischen Arten der Gattung Eumerus wurden von Loew
(Ent. Zeit. 1848. S. 108. u. S. 130.) erörtert. Der Verfasser bemerkt,
dass in dieser Gattung die von der Farbe der Fühler und Beine ent-
lehnten Charaktere eben so trügerisch seien als die von Gestalt und
Grösse des dritten Fühlergliedes hergenommenen, die gewöhnlich erst
beim Eintrocknen entstehen. Die Meigen’sche Eintheilurg der Gattung
in Arten mit deutlich und dicht behaarten und in Arten mit fast nackten
Augen wird aufgegeben, da frisch entwickelte Exemplare häufig stark
behaarte Augen haben, während verflogenere derselben Arten nacktäu-
gig erscheinen. Der Verfasser nimmt mit Zetterstedt folgende zwei
Sectionen an: 1. Hinterleib an den Seiten mit mehr oder weniger aus-
gebreiteter rolher Färbung. Hierher E. ovatus (mirtus Meig.) , E. an-
nulatus Pz., E. tarsalis nov. sp., E. sabulonum Fall., (trieolor Fbr. ?
Meig.) sämmtlich aus Mitteleuropa. — 2. Hinterleib an den Seiten ‚ohne
rothe Färbung. E. olivaceus nov. sp., nudus noy. sp., Iris nov.
sp. aus Sicilien, eilitarsis nov. sp. vermuthlich aus Oesterreich, Z,
lunulatus Meig., E. emarginatus nov. sp. aus Sicilien, ang wsti-
während des Jahres 1848. 275
frons noy, sp. von Adalia, basalis nov. sp. aus Rhodus, ruficornis
Meig., pulchellus nov. sp-, alle drei sowohl in Kleinasien als Sicilien
einheimisch, amoenus noy. sp., pusillus nov. sp., lucidus nov.
sp. von Rhodus, argyropus noy. sp. von Rhodus und Rom,
Syriüta spinigera Loew (Entom. Zeit. 1848. S. 330.) ist, eine
neue Art aus Kleinasien, den griechischen Inseln und Sicilien,
Von Gimmerthal ist: Volwcella Hochhuthii von Kiew als
neue Art aufgestellt worden (Progr, z, 50jähr. Dr. - Jub, 1847. S. 11.
und Bull. d. Mosc, 1847. IH. p. 177.).
Gu&rin Meneville beschrieb (Ann..d. ]l. soc. ent. .d. Franc.
1848. Bull. S. LXXL) als neue Art Baccha cochenillivor a, deren
Larve in Guatimala ein gefährlicher Feind von Coccus cacti'ist.
Die Verwandlungsgeschichte der Ceria conopsoides ist vonLeon
Dufour beschrieben worden (Ann. d, 1. soc.Ent. d. Franc. 1847. 8.19.
Tab. 1. Fig. 1.). Die Larve fand der Verlasser in der breiigen Abson-
derung von Ulmengeschwüren. Sie ist länglichoval, oben gewölbt, unten
flach, raub, am Rande borstig; an der Körperspitze eine ziemlich lange
Athemröhre; die vorderen Luftlöcher bilden auf dem Rücken des Pro-
thorax ein Paar kleine kegelförmige Erhöhungen. Die Puppe ist nicht
ganz richtig dargestellt, sie hat ganz die Form einer Syrphuspuppe, ist
vorn verdickt, nach hinten zugespilzt. Die hintere Athemröhre bleibt.
Derselbe beschrieb (Ann. d. scienc. nat. 3. ser. IX. S. 199.)
‘die früheren Stände von Brachyopa bioolor. Die Larve wurde in einem
breiigen Ulmengeschwüre gefunden, wo auch die Verwandlung zur
Nymphe erfolgte. Das Insect braucht ein Jahr zu seiner Entwickelung.
Derselbe schilderte (ebenda S.205.) die Verwandlungsgeschichte
einer neuen bei St, Sever entdeckten Art von Cheilosia, Ch. aerea,
welche der Ch. mutabilis Meig. und Schmidtii Zett. nahe steht, und
deren Diagnose so lautet: rufescenti-aenea, villosa, abdominis segmen-
tis secundo terlioque in mare alris, opacis antennis pedibusque nigris,
genubus tibiarumque apice testaceis, alis diaphanis. 3% bis 4 lin. Die
Larve lebt gesellschaftlich zwischen faulenden Blättern von Verbascum
pulverulentum und verwandelt sich dort zur Puppe. In einem Nachtrage
berichtigt der Verfasser mehrere Punkte in seiner früher von ihm ver-
ölfentlichten Beschreibung der Larye von Ch. scutellata (s. Erichs. Jah-
resber. für 1840. 8. 235.).
Die Larve von Microdon apiformis wurde vonWissmann (En-
tom. Zeit. 1848. S. 79.) in Colonien von Formica fusca aufgefunden,
sie ist der von Microdon mutabilis (s. Jahresber. für 1845. p. 287.) sehr
ähnlich , aber etwas grösser und oben völlig glatt. Ihre Nahrung ist
noch unbekannt,
Die früberen Stände von Eumerus aeneus sind von Bouch& (En-
som. Zeit. 1847. p. 145.) beschrieben worden. Die Larve lebt in Zwie-
belo von Allium Cepa, von denen sie oft die ganze Ernte zu Grunde
276 Schaum: Bericht über die Leistungen in der Entomologie
richtet. Sie verpuppt sich in der Zwiebel oder geht in die Erde. Die
Puppenruhe dauert zwei bis drei Wochen, Die Larve des Eum. aeneus
var. strigata weicht etwas ab, und lässt auf eine specifische Verschie-
denheit schliessen , sie lebt über der Erde in den Blüthenstielen von
Allium Cepa, an deren Basis sie sich verpuppt.
Inflata.
Westwood beschrieb eine Zahl meist neuer Arten’ dieser Fa-
milie (Trans. of the ent. Soc. t. V. $. 92.), Psilodera affinis vom Cap,
Psil. capensis Gray (Anim. Kingd. pl. 128.) ebendaher, Lasia aurico-
ma und L. rufipes aus Brasilien, Philopota maculicollis Westw. Lond.
and Ed. Phil. Mag. 1835 (vidwa Erichs. Entom.) aus: Brasilien, ‚eine
fragliche Abänderung der Phil. conica, für welche Westwood den Na-
men nitida in Bereitschaft hält. Ph. liturata, tuberculata: und
ovata aus Brasilien, zwei Varietäten von Ph, histrio Erichs., ‚Ptero-
dontia flavipes Gray aus Georgia in Nord-Amerika, Pt. Macquartü (fla-
vipes Macq.) aus Neuholland, vielleicht Abänderung von Pt. Mellii Erichs.,
Pi.,analis aus Georgia, Acrocera nigrina, unguiculata und
fumipennis ebendaher, A. subfasciata und bulla aus dem Staate
New-York.
Eine neue Gattung Pteropezus wurde von Macquart (Dipt.
exot. $. 97.) aufgestellt, sie ist, Mesophysa verwandt und. vorzüglich
durch die auf der Höhe des Kopfes eingefügten Fühler , die behaarten
Augen, die schmale Stirn, das Knie der Flügel am Aussenrand, und durch
die Anordnung der Flügeladern, deren mehrere ‘sich an diesem Knie
vereinigen, unterschieden. Pt. bicolor neue Art aus Neu-Granada.
Conopica.
Die italiänischen Arten der Gattung Conops sind von Loew mo-
nographisch bearbeitet. (Dipterol. Beilr. 3. Th., im Jahresb. d. natur-
wissenschaft. Vereins zu Posen f. 1846. Posen 1847.) Die von Ron-
dani aufgestellten Gattungen sind vom Verf. nicht angenommen, theils
weil die oft nur auf den Weibchen beruhenden Kennzeichen nicht aus-
reichen, theils weil es an Uebergängen zwischen den verschiedenen
Formen nicht fehlt. Dagegen ist die Gattung hier jn eine Reihe von
Abtheilungen und Gruppen gegliedert, in welchen die Arten sehr natür-
lich vertheilt sind. Zunächst zerfällt die Gattung in zwei Abtheilun-
gen; in der ersten ist der Hinterleib des Männchens zwar keulenför-
mig, aber durchaus nicht gestielt, der Hinterleib des Weibchens ist
eylindrisch oder doch fast cylindrisch; die Schenkel sind bei beiden
Geschlechtern von gewöhnlichem Baue, an der Wurzel nicht unregel-
mässig verdickt. In der zweiten Abtheilung ist der Hinterleib des Männ-
chens gestielt, der des Weibchens sehr verschmächtigt, ohne indessen
eigentlich gestielt zu sein ; die Schenkel, besonders die hintersten, sind
an der Wurzel unregelmässig verdickt, gegen die Spitze hin sehr ver-
während des. Jahres 1848. 2977
schmächtigt. In diesen beiden Abtheilungen hat der Verf. die in Ita-
lien und auf den Alpen vorkommenden Arten auf folgende Weise ge-
ordnet:
1. Abth. A Mit-sehr kurzem Rüssel: 1. C. capitatus.n. sp.
im. Alpengebiet, auch in den schlesischen Gebirgen einheimisch. — 2.
€. brevirostris Germ. (Fn. 13.24. — Leopoldius erostratus Rond.) — 3.
C. diadematus (Leop. diademat. Rond.).
B. Mit langem Rüssel; 1. Schwarz und gelb gefärbte Arten, a.
Beine. schlanker, Schenkel einfarbig. «. Hinterleib vorherrschend gelb,
ohne Glanz: 4. C. silaceus Mg. — 5. C. vitellinus n.sp.,von Triest,
— #. Hinterleib vorherrschend schwarz mit sehr mässigem, aber deut-
lichem Glanze: 6. C. 4fasciatus Mg..(Conopaeus Afasc. Rond.) — 7.
€. scutellatus Mg. (Klassif.). — b. Beine etwas minder schlank, Schenkel
schwarz und,gelb gefärbt: 8, C. ceriaeformis Mg. (Conopilla ceriaeform.
Rond.). — 9. €. acuticornis n. sp. im Alpengebiet, auch in Wür-
temberg und Schlesien. — 10. €. flavipes L. — 11. C. auricinctus Lw.
(Con. trifasciata Mg.). — 2. Rostbraun und gelb gefärbte Arten; 12. C,
vesicularis (C. macrocephala L. 2, und C, vesicularis L. 2). — 3.
Bräunlichroth und schwarz gefärbte Arten: 13. C. elegans Mg. — 14.
€. flavifrons Mg.
II. Abth. A, Mit langen Fühlern von gewöhnlichem Baue. 1.
Stira mit schwarzer Längsstrieme : 15. €. niger Deg. Mg. (macroce-
phala F.). — 16. C. rufipes F. — 2. Stirn, obne ‚Längsstrieme. a, Die
braune Flügelstrieme reicht nicht bis zum Vorderrande. selbst, sondern
uur bis zur ersten Längsader. «. An den Brustseiten keine, weiss schil-
lernde Binde: 17. ©. vittatus F. — 18. C. fraternus Lw,.(C. dor-
salis Mg.?) — 8. An den Brusiseiten eine ‚weiss schimmernde Binde:
19. ©. chrysorrhoeus (C. chrysorrhoea Mg. und C. Pallasii Ng.2) —
20. C.truncatusn.sp. aus Sicilien. —b. Die braune Flügelstrieme reicht
bis zum Vordorrande selbst: 21. €. temer n. ‚sp. aus Sicilien. —
Schliesslich ist eine eigenthümliche vom ‚Verf. bei Brussa in Kleinasien
entdeckte Art ©, brevicornis.n. sp. beschrieben, ‚welche zur zwei-
ten Abıheilung gehört, und sich durch. äusserst kurze Fühler aus-
zeichnet.
Einen Nachtrag zu der vorigen Abhandlung bildet die von Löw
(Ent. Zeit. 1848. S. 300.) mitgetheilte Beschreibung einer neuen Art
Conops insignis von Ragusa, sie gehört in die Abtheilung 1. B. 1. a.
und bildet in derselben eine eigene dritte Unterabtheilung y, welche
dadurch charakterisirt wird, dass der schwarze Hinterleib fast goldgelb
bestäubte Binden und Hinterenden hat.
Oestrides.
Die im Jahresberichte für 1846 erwähnte, aber noch nicht ange-
zeigie Abhandlung von Joly über die Oestriden ist unter dem Titel „Re-
eherches zoologiques, anatomiques, physiologiques et medicales sur les
278 Schaum: Bericht über die Leistungen in der Entomologie
Oestrides en general et partieulierement sur les Oestres, qui attaquent
l’homme, le cheval, le boeuf et le mouton“ in den Annal. des science.
phys. et nat. d’agric. etc. de Lyon t. IX. 1846. S. 157—305. erschie-
nen. Ein grosser Theil der Abhandlung ist Compilation, namentlich
der über die Artenkenntniss, dabei aber weit hinter dem gegenwärti-
gen Stande der Wissenschaft, da dem Verf. die deutsche und schwe-
dische Literatur so unbekannt ist, dass er nicht einmal Meigens Werk
benutzt hat. Gleich unvollständig sind die anatomischen Untersuchun-
gen. Selbst beobachtet hat der Verf. Oestrus equi , O. haemorrhoida-
lis, Cephalomyia ovis, Hypoderma bovis.
Bei der ersten Art bestätigt der Verf. die Angaben von Clark,
dass nicht die Eier, sondern die ausgekrochenen jungen Larven von den
Pferden aufgeleckt werden, dagegen bezweifelt er Clark’s Angabe,
dass Oephalomyia ovis lebendig gebärend sei aus dem Grunde, weil er
selbst bei unbefruchteten Weibchen nur Eier im Eierstock be-
beobachtet habe, während doch allgemein bekannt ist, dass bei leben-
dig gehärenden Thieren die Entwickelung des Eies erst nach der Be-
fruchtung beginnt. — Unter den sehr unvollständig gesammelten An-
gaben über Oe. hominis, theilt der Verf. auch einen Fall mit, wo ein
Mensch bei lebendigem Leibe von Fliegenlarven verzehrt wurde, und
schliesst daran eine eigene Beobachtung, wo er sah, dass „Sargophaga .
carnaria« ihre Brut auf ein Stück mit Larven von Oe. equi besetzter
Magenhaut absetzte, und die Fliegenlarven sich in Bremsenlarven ein-
bohrten und sie verzehrten. Es ist aber längst bekannt, dass die Sar-
cophaga-Arten ihre Eier in Dünger legen, es wird also wohl die Schmeiss-
fliege gewesen sein, welche der Verf. gesehen hat.
„Bemerkungen über die als Larven im Roth- und Rehwilde leben-
den Oestrus« von Kellner (Ent. Zeit. 1847. S. 366.). Der Verf, hat
nicht bloss Oestrus Trompe (oder vielmehr Oe. auribarbis) vielmal aus
den Köpfen des Rothwilds erhalten und die Fliege daraus erzogen, son-
dern auch O. pictus Meig. Beide Larven sind von ihm beschrieben.
Zwei andere Arten leben auf dem Rücken unter der Haut des Roth-
wilds, die eine ist wahrscheinlich 0. lineatus Vill., die Erziehung der
zweiten ist noch nicht gelungen. Diese beiden Arten kommen auch
auf dem Rücken unter. der Haut der Rehe vor. Diese vier Larven
schlüpfen, um sich zu verwandeln, zwischen der letzten Hälfte des März
und Juni aus dem Wildpret.
In Südafrica fand’ Delegorgue alle wilden Thiere von bedeu-
tenden Massen von Oestrus bewohnt. Die Catoblepas (Antilope), Gnu
und Gorgon lassen beständig dergleichen aus den Nasenlöchern fallen.
Bei Acronotus (Antilope) lunatas fanden sich die Stirnhöhlen damit aus-
gefüllt. Redunca (Antilope) Lalandii hatte Larven (nicht Puppen, wie
der Verf. angiebt), von bedeutender Grösse (13 millim.) unter der Haut;
ein Weibchen 34 Stück derselben Die Rhinoceros-Arten beherbergen
Oestruslarven im Magen, bei Rhin. simus kommen immer nur einige
während des Jahres 1848. 279
wenige vor, dagegen beim Rh. bicornis Africanus in unglaublicher
Menge. (Voy. 1I. S. 356.)
Van der Hoeven zeigte der Entomol.- Gesellschaft in London
eine Oestruslarve vor, welche er einem weiblichen Patienten extrahirt
hatte. Doubleday erwähnte einen ähnlichen Fall, der ihn. selbst
in Nordamerica betroffen hatte, von andern hatte er gehört; namentlich
sollen einem Kinde drei Larven vom Nacken genommen sein (Trans. of
the Ent. Soc. V. Proc. $. XVII.)
Muscariae.
Der sechste Band von Zetterstedt’s Diptera Scandinaviae ent-
hält den Schluss der Ortaliden, die Opomyziden, die Heteromyziden und
die Geomyziden. Der siebente die Osciniden, Agromyziden, Phytomy-
ziden und Trineuriden. Nämlich Ortaliden: Tephritis Latr. 56 sp.,
Psairoptera Wahlb. 4 sp., Palloptera Fall. 7 sp., Sepsis Fall. 19 sp.,
Lissa Meig. 1 sp., Sapromysa Fall. 35 sp., Lonchaea Fall. 13 sp., Lau-
zaniaF. 8sp., Ulidia Meig. 1sp. — Opomyziden: CalobataF. 5 sp.,
Micropesa Latr. 1 sp., Loxocera Fbr. 4 sp., Scatophaga F. 21 sp.,
Tetanura Fall. 1 sp., Opomyza Fall. 6 sp., Tanypeza Fall. 1 sp., Chy-
liza Fall. 3sp., Colobaca Zeit. 1sp. — Heteromyziden: Helomysa
Fall. 28 sp., Heteromyza Fall. 6 sp., Actora Meig. 1 sp., Orygma Meig.
1 sp., Coelopa Meig. 3 sp., Copromysa Fall. (Borborus Meig.) 16 sp.,
Limosina Macq. 16 sp., Piophila Fall. 16 sp., Rhynchaea Zett. 1 nov.
spec. — Geomyziden: Geomysa Fall. 9 sp., Diastata Meig. 5 sp.,
Drosophila Fall. 23 sp., Asteia Meig. 3 sp., Stegana Meig. 2 sp. —
Osciniden: Platycephala Fall. 2 sp., Meromyza Meig. 4 sp., Oseinis
F. 56 sp., Madiza Fall. 4 sp., Leiomyza Fall. 1 sp., Gymnopa Fall. 1 sp.
— Agromyziden: Macrochira Zeit. 1 sp., Amphipogon Wahlb,
nov. genus, 1 n. sp., Cnemocantha Macgq. 1 sp., Euromyia Zett. 1 sp.,
Anthophilina Zeit. 11 sp., Aulacigaster Macq. 1 sp., Leucopis Meig.
7 sp., Milichia Meig. 5sp., Lobioptera Wahlb. 1 sp. (s. u), Agromysa
Fall. 46 sp., Heteroneura Fall. 4 sp., Selachops Wahlb. 1 sp. , Chlo-
rops Panz. 4 sp. — Phytomyziden; Lonchoptera 8 sp., Phytomyza
Fall. 29 sp. — Trineuriden: Gymnophora Macq. 1 sp., Trineura
Meig. 37 sp.
Von Robineau Desvoidy’s Bearbeitung der Fliegen der Pari-
ser Gegend sind drei weitere Fortsetzungen erschienen (Myodaires des
environs de Paris. Suite. Ann. d. 1. Soc. Ent. d. Franc, V. 8.255. 591.
v1. 5.129.)
Die erste enthält die Gruppe der Entomobien, „Bombomydae,«
welche sich von der vorigen durch die auf das Untergesicht herahrei-
chenden Fühler unterscheidet, und ausserdem durch die gekrümmten
und am Aussenrande mit einer Wimperreihe starrer Haare eingefassten
Binterschienen auszeichnet. Sie enthält die Gattungen : 1. Sturmia R.
D. (Senometopia atropieora Mag. 4 Arten). — 2. Winthemia R. D.
280 Schaum: Bericht über die Leistungen in der Entomologie
(M. variegata und quadripustulata Fbr., meditata Meig. etc. 11 Arten).
— 3. Dorbinia R. D. (Senomelopia aurifrons Macq. 4 Arten). — 4.
Carcelia R. D. (Tach. gnava Meig. 11 Arten), — 5. PalesR. D.
(T. pumicata. Meig. 5 Arten). — 6. BuquetiaR. D. (1 neue Art).
Die zweite enthält die fünfte und sechste Gruppe der Entomo-
bien „Herelleae“ und „Brachymeraiae.“ Die Herelleen enthal-
ten die beiden Gattungen Smidtia R.D. (Senometopia vernalis Macq.,
4 Arten) und Damonia R. D. (1 neue Art.) — Die Brachymeraten
bestehen ebenfalls aus zwei Gattungen, Hübneria R. D. (Tach. ala-
eris und arvicola Meig. 22 Arten) und Meliboea R.D. (Senometopia
lepida Macq. und Masicera Blendelii Macq., 6 Arten).
Die dritte enthält die siebente und achte Gruppe der Entomo-
bien „Eryrthoceratae“ und „Graosomae.“ Die Erythroceraten
bestehen aus sechs Gattungen: Phryno R.D. (Eurygaster agilis Macq.
3 Arten), Eurygaster Maeq. (2. A.), Erythrocera R.D. (7 A.), Cur-
tisia R. D. (1A.), Hebia R. D. (Myobia flavipes Macq. (2 A.), Ro e-
selia R. D. (Tachina antiqua Meig. (7 A.) Die Graosomen enthalten
fünf Gattungen: Myobia R.D. (6A.), Leskia R. D, (Tackina aurea
Meig. (2 A.), Solieria R. D. (Tach. inanis Fall. (21 A.), Orillia
R. D. (3 A.), Fischeria R. D. (Myobia bicolor Macq.).
Eine Anzahl neuer Gattungen ist von Macquart aufgestellt
worden in der Gruppe der Tachinarien:
Hystricephala (Dipt. exot. 1. Suppl. S.154.) von dem Anse-
hen einer Nemoraea, aber das Gesicht in der Hälfte seiner Höhe gewim-
pert, die Stirn beim Männchen breit, das dritte Fühlerglied von der
Länge des zweiten, die Augen nackt, die erste Hinterzelle der Flügel
geöffnet. H. nigra neue Art aus dem Kaffernlande.
Hoplacephala (Dipt. exot. 1. Suppl. S. 155.), besonders durch
zwei lange Borsten auf der Mitte der Stirn ausgezeichnet, die an den
Seiten der Stirn und auf dem Hinterrande des zweiten Hinterleibsringes
kurz, der Fühlergrifel nur wenig angeschwollen. H.tesselata aus
dem östlichen Kaffernlande. (Wer Gattungsname ist bereits vergeben).
Lamprometopia (a. a. 0. S. 159.) mit Tachina und Metopia
in mehreren Beziehungen übereinstimmend, von der ersten durch die
breite vorragende gerundete Stirn des Weibchens, von der zweiten durch
verhältnissmässig kürzere Fühler, geringere Hervorragung der Stirn und
kürzere Stirnborsten, von beiden durch behaarte Augen und die Lage
der zweiten Querader gegen die Mitte des Flügels zwischen der ersten
und dem Knie unterschieden. L. caffra n.sp. aus dem Kaffernlande.
Microtrichodes (a. a. O S.160.) im Ansehen an Exoristes
und Phorocera erinnernd und besonders durch die Zartheit, Kürze und
grosse Zalıl der Stirnborsten ausgezeichnet, M. analis n. sp. aus
Brasilien.
Senotainia (a. a. O. S 167.) Miltogramma in der Körperform
während des Jahres 1848. 981
und durch die Kürze der Fühler verwandt , aber durch linienartige
Stirnbinde mit sehr genäherten seitlichen Borsten unterschieden. S. ru-
briventris neue Art aus Texas.
Aporia (a. a. O. S. 168.) durch die fast linienartige Stirn der
Männchen, den behaarten und nur an der Basis angeschwollenen Füh-
lergriffel und die ziemlich langen Füsse von den Tachinarien abwei-
chend, dieser Gruppe aber durch die übrigen Charaktere am nächsten
stehend. A. gquadrimaculata aus Kolumbien.
Heterometopia (a.a.0.S. 170.) Gesicht ohne Wimpern, Stirn
ohne Vorragung, breit beim Weibchen, ohne Zwischenbinde, aber mit
einer Furche, an deren Rändern sich eine Reihe anliegender Borsten
befindet. Die zwei ersten Fühlerglieder kurz, das dritte viermal so
lang als das zweite, mit geraden Seiten und abgerundeter Spitze. Au-
gen nackt. Polster und Klauen der Füsse beim Männchen klein. Erste
Hinterzelle mündet an der Spitze aus, äusserer Mittelnerv am Knie ge-
rundet, dann etwas grade, zweiter Quernerv fast in der Mitte zwischen
dem ersten und dem Knie. H. argentea n. sp. aus Neuholland.
Ebenia (a. a. 0. S. 171.) Taster cylindrisch, Gesicht wenig
geneigt, nicht gerandet, Vordergesicht nicht vorragend, Stirn ohne
Höcker, Fühler fast anliegend, zweites Glied ziemlich lang, drittes drei-
mal so laug als das zweite, Griffel mit langen Haaren. Augen nackt.
Die erste Hinterzelle erreicht die Spitze, der äussere Mittelnerv ist hin-
ter der Ecke etwas gebogen. Die zweite Querader perpendiculär, ge-
rade , liegt etwas jenseits der Mitte zwischen der ersten und dem Knie,
keine Spitze am Aussenrande. E. clavipennis, neue Art aus Bra-
silien.
Trichophora (Dipt. exot. 2. Suppl. S. 62.) mit Dejeania in
der Länge und Dünnheit des Rüssels, mit Micropalpus in der Abwesen
heit oder Kürze der Taster übereinstimmend, besonders durch die Krüm-
mung des Hinterleibes von allen Tachinarien abweichend. T. nigra
n. sp. aus Brasilien. (Der Galtungsname ist bereits anderweitig ver-
geben.)
Lasiopalpus (2. Suppl. S. 63.) mit sehr eigenthümlicher Ta-
sterbildung. Diese sind sehr hervorragend, von der Länge des Kopfes,
dünn, an der Basis spatelförmig erweitert und an der Spitze gerundet,
unten an der Spitze mit langen Borsten besetzt. Im übrigen Hystricia
verwandt. L. flavitarsis n. sp. unbekannten Vaterlandes.
Tritazys (2. Suppl. S. 66.) von Nemoraea hauptsächlich durch
anliegende Fübler und die in drei Reihen angeordneten Seitenhorsten
der Stirn beim Weibchen unterschieden. T. australis neue Art aus
Tasmanien.
Ezechopalpus (2. suppl. $. 75.) Rüssel lang wie bei Dejea-
nia, Taster lang, an der Spitze etwas angeschwollen, denen von Lasio-
palpus nicht unähnlich. E. rufipalpus n. sp. aus Neuholland.
282 Schaum: Bericht über die Leistungen in der Entomologie
In der Gruppe der Dexiariae:
Microtropesa (1. Suppl. S.185.) auf Rutilia sinuata Dan.
gebildet, welche sich von Amphibolia besonders durch längeren Körper,
kleinen Kiel des Vordergesichts, an der Basis mehr genäherte Fühler
und durch die erweiterten Vorder- und Mittelfüsse und geraden Ver-
lauf der äusseren Mittelader hinter dem Knie unterscheidet.
Senostoma (2. Suppl. S. 80.) durch stark vorragendes Vorder-
gesicht und einen langen schmalen Mund ‚von den übrigen Dexarien
abweichend. 8. variegata.n, sp. aus Neuholland.
In der Gruppe der Musciae:
Apatemyia (1. Suppl. S. 197.) vereinigt die Charaktere der
Muscarien mit dem Ansehen der Dexiarien. Körper schmal, Füsse lang,
wie bei den letztern, aber der Stirnkiel und die Borsten des zweiten
Hinterleibsringes fehlen und die Fühler sind lang. Steht Ochromyia im
Uebrigen am nächsten. A. longipes n. sp. aus Neuholland.
In der Gruppe der Sciomyzidae.,
Tapeigaster (2. Suppl. S.86.) an Dryomyza sich anschlies-
send, durch die Dicke der männlichen Schenkel und die Bildung des
Hinterleibs in beiden Geschlechtern auszeichnet. Der letztere besteht
aus fünf Ringen, ist nach unten gekrümmt und endigt beim Männchen
mit zwei stumpfen Haken, beim Weibchen mit einer zweispaltigen
Klappe, das vorletzte Segment ist unten mit einem Höcker versehen,
T. annulipes, neue Art aus Neuholland.
Physegenua (2. Suppl. S. 60.) zwischen Sciomyza und Sapro-
myza stehend, besonders durch eine Anschwellung des untern Gesichls-
theils characterisirt. Ph. vittata, neue Art aus Brasilien.
In der Gruppe der Psilomydae:
Eumetopia (2. Suppl. S. 87.) Tetanops und Eurina verwandt,
unterscheidet sich von der erstern Gattung besonders durch verborge-
nen Rüssel, Länge des zweiten Fühlergliedes, nicht nach unten ge-
krümmten Oviduct, von der zweiten durch die an der Spitze der Stirn
eingefügten Fühler, durch Grösse und Form der Augen und durch das
Flügelgeäder. E. rufipes, neue Art von Philadelphia. (Der Galtungs-
name ist bereits vergeben.)
In der Gruppe der Ortaliden:
Heterogaster (1. Suppl. S. 206.) schliesst sich in der Bildung
des Hinterleibes und Punctirung des Körpers an Platystoma an, stimmt
mit Herina in der Länge des dritten Fühlergliedes und der geringen
Vorragung des Gesichts überein. Die zwei {Queradern sind einander
genähert und die Mediastinzelle lang. H. fascipennis, neue Art
aus dem Kaffernlande, (Der Gattungsname ist vergeben.)
Epidesma (Dipt. ex. 1. Suppl. 5.209.). Kopf fast kuglig. Ge-
sicht nackt, 'hohl, Vordergesicht vorragend. Mund mit dieken Lippen.
Stirn mit sehr kurzen Haaren und einer Borste jederseits. Fühler ge-
neigt, die zwei ersten Glieder kurz, das dritte viermal so lang als das
u
während des Jahres 1848. 983
zweite, oben am Ende etwas spitz. Griffel kurz behaart. Augen gross,
fast rund. Hinterleib ziemlich schmal, aus fünf Ringen bestehend. Füsse
nackt. Mittelschienen am Ende mit zwei Spitzen. E. fascipennis
aus dem Kaffernlande. (Der Gattungsname ist vergeben.)
Euprosopia (2. Suppl. S. 89.) Platystoma verwandt. Gesicht
lang, flach, oben etwas vorragend, Vordergesicht nicht vorragend. Stirn
hohl. Augen entfernt, in einer Grube liegend, Fühler lang, aber nicht
das Vordergesicht erreichend; die beiden ersten Glieder kurz, das dritte
prismatisch, ziemlich dünn, sechsmal so lang als das zweite. Thorax nicht
punetirt. Zweite Querader in gleicher Entfernung von der ersten und
dem Flügelrande. E. tenuicornis, n. sp. aus Neuholland und eine
früher als Plastystoma australis beschriebene, vielleicht nicht einmal
verschiedene Art. (Auch dieser Gattungname ist bereits vergeben.)
Coelometopia (2. Suppl. S. 91.). Besonders durch runde, Au-
gen, Höhlung der Stirn, Lage der Ocellen auf einer Hervorragung in
der Mitte der Stirn, Länge der Schenkel und Anordnung des Flügelge-
äders charakterisirt, C. ferruginea n. sp. aus Brasilien.
In der Gruppe der Tephritiden:
Cardiacera (2. Suppl. S.92.). Besonders durch die Bildung
des Kopfes und der Fühler ausgezeichnet. Gesicht geneigt, Vorderge-
sicht wenig vorragend, untere Fläche des Kopfes erweitert und gewölbt.
Stirn vorragend mit stumpfer und hohler Spitze. Die Fühler geneigt,
auf der Vorragung der Stirn inserirt, zweites Glied kegelförmig, drit-
tes herzförmig, Griffel nackt. C. dispar aus Neuholland.
Enicoptera (3. Suppl. S.63.). Besonders im Flügelgeäder
abweichend. Mediastinzelle sehr lang, bis zum dritten Viertel des Aus-
senrandes sich erstreckend, Randzelle schmal, an der Spitze geschlos-
sen, Stigmenzelle deutlich, ziemlich kurz, innen gerundet, äussere Mit-
telzelle bis zum dritten Viertel des Flügels sich erstreckend, erweitert
und innen gerundet, erste Hinterzelle kurz, an der Spitze stark zusam-
mengezogen. E. flava, neue Art aus Java.
Die Lage der lachinenlarven im Körper der Raupe ist von Brants
untersucht (Over de plaatsing van vliegenmaden in het ligchaam van
rupsen : Tijdschr. v. d. Wis.- en Natuurkund. Wetensch. 1. S. 74.) Die
Eier oder lebendigen Jungen der Tachinen werden äusserlich an die Haut
der Raupe gelegt, die Jungen durchbohren die Chitinlage der Haut,
und dringen dann nach innen, wobei die Haut sich einsenkt und die
Larve umschliesst. Der Sack , der sowohl von der Ober - als Unter-
haut gebildet wird, vergrössert sich mit dem Wachsthum der Larve und
der Verf. meint, dass wenn man Tachinenlarven frei im Raupenkörper finde,
entweder die Bälge zerrissen seien, oder es kurz vor der Verpuppung
der Fliegenlarven vorkommen möge; er selbst habe aber auch noch die
Fliegenpuppen in den Bälgen eingeschlossen gefunden. — Die Nahrung
erhalten die Tachinenlarven aus den Säften der Raupe, welche durch
284 Schaum: Bericht über die Leistungen in der Entomologie
Endosmose in ihre Bälge eindringen ; die Luft durch dieselbe Oeffnung
der Haut, durch welche die junge Tachinenlarve eingedrungen war, und
welche verhornt als ein schwarzer Punkt erscheint. — Die Untersuchun-
gen sind an den Raupen der Apamea piniperda angestellt. — Aehnliche
Untersuchungen von Verloren sind in d, Allgem, Konst. en Letter-
bode N. 37. 1846. im Auszuge mitgetheilt.
Macquart’s Bearbeitung ‘der europäischen Tachinarien ist
in den (Ann. d. I. Soc. Ent. d. Franc. VI. 85. T. 3—6.) fortgesetzt
worden (Nouvelles Observations sur les Dipteres d’Europe de la tribu
des Tachinaires, Suite, s. Jahresber. für 1845. S. 293.)
Diese Fortseizung enthält den Schluss der Gattungen mit. drei-
gliedriger und den Anfang der Gattungen mit zweigliedriger Fühlerborste.
Die ersteren sind auf folgende Weise auseinandergesetzt;
B. Das zweite Glied der Fühlerborste kaum länger als das erste,
A. Rüssel lang. a. Erste hintere Zelle der Flügel geschlossen: 9.
Rhamphina (1 Art Stomoxys pedemontana Meig.).. b. Erste hintere
Zelle der Flügel etwas geöffnet: 10. Rhynchosia (1 Art Olivieria lon-
girostris Meig.), — B. Rüssel kurz. a. Drittes Fühlerglied doppelt so
lang als das zweite. «. Flügelnerven ohne Dornen. + Gesicht ge-
neigt: 11. Chrysosoma Macq. (3 A.). +7 Gesicht fast verlical: 12. Po-
lidea (2 A. Tachina aenea und conspersa Meig.). ß. Flügelnerven mit
Dornen versehen: 13. Plagia Meig. (4A.). b. Drittes Fühlerglied we-
nigstens viermal so lang als das zweite: Doria Meig. (1 A.).
Von den Gattungen mit zweigliedriger Fühlerborste sind hier die-
jenigen behandelt, bei denen die Fühler das Vordergesicht nicht errei-
chen; das dritte Glied kaum doppelt so lang als das zweite und der
Hinterleib eiförmig ist; nämlich: Trixa Meig. mit sehr dicken Tastern
und nackten Augen (8 Arten) und Nemoraea R. D. mit schwach oder
gar nicht angeschwollenen Tastern und behaarten Augen’ (30 A.). —
In einem Nachtrage zum ersten 1845 veröffentlichten Theile der Ab-
handlung ist eine neue Gattung Pachystylum aufgestellt , welche
sich an Gonia Meig. anschliesst, sich aber durch die Längenverhältnisse
der Fühlerglieder, deren erstes und zweites kurz, deren drittes sechs-
mal so lang als das zweite ist, durch die geringere Breite der mit Bor-
sten besetzten Stirn, durch die Borsten des Hinterleibes und die Spitze
des Aussenrandes der Flügel unterscheidet. P. Bremei neue Art aus
der Schweiz. Ausserdem sind hier zwei neue Arten der Gattung Mi-
eropalpus und zwei von Tryphocera beschrieben.
A. Costa (Ann. Accad. Aspir, Nat. 2, Ser.I. S. 127.) bescrieb:
Echinomyia Paolilli: „nigra, facie argentea, fronte pallide fulva vitta
utrinque nigra albido-micante, antennarum articulis duobus primis te-
staceis, thorace et scutello nigro-subaenais, albido parce pruinosis, ab-
domine rufo -testaceo, vilta dorsali subinterrupta , alia ventrali anoque
nigris , alis infuscatis basi flavescentibus. — Long. 6 lin. Obyenit in
montibus Matese.“
während des Jahres 1848. 285
Von Gimmerthal (Bull. d. Mosc. 1847. 1I. S.186.) wurde
Gonia viridescens von Charkow als neue Art aufgestellt.
„Einige neue Tachinarien vom Prof. Loew“ (Ent. Zeit. 1847.
S. 249.). Diese neuen Arten sind Olivieria suavissima von Neapel,
Plesina liturata von Triest, Pl. nubilipennis von Neapel, Rhino-
phora tonsa aus Sicilien, Rh. triangulata von Rhodus, Rh. ob-
seuripennis aus der Nähe von Rom, Rh. subpellucida vom
Aelna, Rh. deceptoria von Syracus, Rh. laeviventris von Rho-
dus, Rh. lucidiventris von Ephesus, Rh. pallidicornis von Ma-
kri in Kleinasien, Rh. simplicissima von Posen, Rh. inornata
von Wien, Clista aberrans von Syracus, Scopolia gravicornis
von Messina, Sc. angusticornis von Calania, Sc. anacantha von
Meranriza in Kleinasien, Actia sonaria von Syracus,
Derselbe (ebenda 1848. S. 377.) beschrieb Metopia mesome-
lana, neue Art aus Ungarn.
Die Gattungs- und Artbeschreibung der bis dahin nur im weib-
lichen Geschlechte bekannt gewesenen Lophosia fasciata Meig. vervoll-
sländigte Apetz nach einem bei Altenburg gefangenen Männchen.
(Osterländ. Mittheil. Bd. 10. H. 3.)
Loew (Ent. Zeit. 1847. S. 251.) unterschied zwei Arten der Gat-
tung Wiedemannia, die eine W. compressa (Ocypt. compr. Fabr.) ist
in Südeuropa einheimisch, während W. rufiventris (Muse. rufiventr. Fall.,
Deria compressa Mg.) über Mittel- und Nordeuropa verbreitet ist,
Leon Dufour lieferte (Ann. d. ]. soc. ent. d. Franc. 1848.
$. 427.) einen Beitrag zur Naturgeschichte von Phasia crassipennis, sie
lebt in den frühern Ständen parasitisch in Pentatoma grisea, die Larve
ist noch nicht bekannt, die Puppe hat grosse Aehnlichkeit mit der von
Ocyptera,
Die südeuropäische Idia fasciata Meig.. wurde von Nylander
in einem männlichen Exemplare 1844 im September bei Helsingförs in
Finnland gefangen (Not. ur Sellsk, pro Feun. Fenn. Förh. Bihang t.
Act. Soc. Fenn. 1. H. S. 296.)
Lispe bereicherte Loew (Entom, Zeit. 1847. S.23.) mit mehre-
ren neuen Arten, nämlich: L. flavicincta aus dem südl. Russland,
L. melaleuca aus Sicilien, L. scalaris vonSmyrna, L. pulchella
aus Kleinasien, Griechenland und Unteritalien, L. simplicissima, ebenso
verbreitet, L. crassiuscula aus Sicilien. Ausserdem erläuterte der
Verf. L. uliginosa Fall. und L. litorea Fall.
Die Arten von Tetanocera sind durch Loew mehrfach erläutert
worden. „Ueber Tetanocera slictica und ihre nächsten Verwandten,
nebst Beschreibung zweier anderen neuen Tetanocera.Arten“ (Ent, Zeit.
1847. 8. 114.) Die ersteren sind T. stictica (F.) Meig. aus Italien, T.
Zelleri nn. sp. von Neapel, T. nubila n. sp. aus Sicilien, T. pro-
minens n. sp. von hodus, die letzteren sind T. catenata n. sp. von
286 Schaum: Bericht über die Leistungen in der Entomologie
Posen und T. flavescens aus Carolina. „Ueber Tetanocera ferru-
ginea und die ihr verwandten Arten“ (ebenda $. 194.). Diese sind: 1.
T. robusta Lw., T,.arrogans Zett.; 2. T. ferruginea Fall, Meig. Mcq.
Zett.; 3. T. arrogans Mg. Mcq. ; 4. T. silvatica Mg. Meg, Zett.; 5. T.
unicolor n.,sp., wie die vorigen und die folgende, im ‚mittleren und
nördlichen Europa verbreitet; 6. T. elata auct.; 7, T. plumos« n. sp.
von Sitka; 8. T. laevifrons n. sp. aus Deutschland,
„Tetanocera trifaria und Schlussbemerkungen ‚über die, Gattung Te-
tanocera“ (ebenda S.246.) Die neue Art T. trifaria ist von Syrakus.
Nach einigen Bemerkungen über: ‚die. Synoymie mehrerer Arten: theilt
der Verf, eine Uebersicht derihm bekannten 33 europäischen Arten mit.
Gimmerthal beschrieb als neue Art: Tetanocera albipen-
nis aus Curland (Bull, d. Mose. 1847. Il. S. 198. Corr. bl. d. Natf. Ver.
in Riga I. $. 104.)
Die Larve der Tetanocera ferruginea ist von Leon Dufour be-
schrieben worden (Compt. rend. XXIV. S. 1030.) Er fand sie im Was-
ser einer Pfütze zwischen Lemna und Callitriche. Sie war 15—20 mm.
lang, greis, in der Form: sehr veränderlich, je nachdem: sie sich aus-
streckte oder zusammenzog. Der Verf. erkannte 3 Kopfringe, 3 Tho-
raxringe und nur 5 Hinterleibsringe. Die Kopfringe sind röhrig, in ein-
ander einziehbar, einen Kopf und einen zweigliedrigen Rüssel vorstel-
lend, ohne äussere Organe. Ferner fand der Verf, nur ein Paar Luft-
löcher, welche auf dem äusserst beweglichen letzten Leibesringe am
Grunde einer Stigmenhöhle liegen ; diese ist von aclıt dreieckigeu Blätt-
chen eingefasst, welche sie öffnen, wenn die Larve an der Oberfläche
des Wassers athmet, und sich anlegen und die Stigmenhöhle verschlies-
sen, wenn sie untertaucht. Die schwärzliche Puppe schwimmt nachen-
artig auf dem Wasser; sie ist auf der nach unten gekehrten Fläche
gewölbt, auf der nach oben gerichteten flach; nach vorn geht sie in
einen kurzen Hals aus, dessen Ecken Höcker bilden , auf denen man
mit der Lupe ein Büschel ausgebreiteter Haare bemerkt; an dem hin-
teren schwanzförmigen und nach oben gekrümmten Ende bemerkt man
noch die Spuren der Zähnchen , welche die Stigmenhöhle der Larye
umgaben. Die Puppe überwintert.
Gimmerthal beschrieb mehrere neue Arten von Cordylura: Ü.
fuscipennis, C. albofasciata, (. Zetterstedtii (Corrbl. d.
Naturf. Ver. in Riga S. 102), €. marginipennis (Bull. d. Mosc. 1847.
N. S. 189.)
Ortalis trimaculata ist eine neue vonLoew (Ent. Zeit, 1847.
S. 375. Taf. 1. Fig. 16.) aufgestellte Art aus Sibirien.
Die Verwandlung von Ortalis fulminans erfolgt nach Bouche
(Ent. Zeit, 1847. S. 145,) in den Stielen von Asparagus officinalis, die
Larve gräbt Gänge bis zur Wurzel und wird dadurch oft schädlich. Sie
verpuppt sich im Herbst und die Fliege kommt im Frühjahr aus,
während des Jahres 1848, 287
Die Kenntniss der Gattung Trypeta ist durch mehrere Beiträge
bereichert worden: Loew (Entom. Zeit. 1847. $. 373.) fügte seiner
Monographie noch zwei Arten zu: Tr. distans nov. spec. aus der Pa-
riser Gegend und Tr. plantaginis Halid. (Ent. Mag. I. 170.) aus Eng-
land. — Boie theilte seine Erfahrungen über die Entwickelungsge-
schichte mehrerer Arten mit (ebenda $. 326.) Tr. centaurea erhielt er
aus überwinterten Puppen, deren Larven in den Blättern von Rumex
aquaticus (s. hydrolapathum var.) minirt hatten; auch vermuthet er,
dass die hellere Abänderung (Tr. heraclii) die Sommergeneration sei.
Die Larve der Tr. elongata Lw. minirt in den Blüthen der Bidens cer-
nua; die der T. onotrophes minirt in den Blüthen von Cnicus oleraceus;
Tr. cornuta ausschliesslich aus den Saamenkapseln von Centaurea sca-
biosa erzogen; “Tr. reliculata Schr. wurde von v. Winthem aus den
Blüthen von Hieracium sylvaticum erzogen; die Larve der Tr. stellata
scheint in den Blüthen von Matricaria chamomilla zu miniren ; Tr. gna-
phalüi erzog der Verf. aus Gnaphal. arenarium, soll, nach v. Winthem,
aber auch in Gnaph. margaritaceum vorkommen ; die Larve der Tr.
Sonchi minirt in den Blüthen des Sonchus oleraceus, — Derselbe
bemerkte ferner (Ent. Zeit. 1848. S. 81.), dass Tr. onotrophes auch in
den Blüthenköpfen von Cnicus palustris und Centaurea jacea minirt.
Die aus der letztern Pflanze erzogenen Individuen bilden eine Sommer-
generation ; Tr. cognata wurde von ihm aus den Blättern von Tussilago
und aus Arctium lappa erzogen, Tr. flava und Winthemi aus den Blü-
thenköpfen von Cnicus palustris, Tr. Tussilaginis aus Köpfen von Ar-
clium tomentosum, Tr. reliculata aus Hieracium sabaudum. Aus den zu
Gallen erhärteten Blüthenköpfen von Carduus crispus entwickelte sich
in grosser Menge Tr. solstitialis, aus denen von Carduus lanceolatus
Tr. stylata. — Loew erzog aus Blüthenköpfen des Sonchus arvensis
Tr. dilacerata und Sonchi (Allg. deutsch. naturhist. Zeit. 2. Jahrg,
5. 292.) — Derselbe theilte eine Beobachtung von Bremi mit, nach
welcher Tr. Zoe als Minirlarve in Senecio vulgaris lebt (Ent. Zeit. 1847,
$. 375.) — Eine Zusammenstellung der bis dahin ermittelten Nahrungs-
pflanzen der Trypetenlarven gab derselbe in der Allg. deutsch. na-
turhist. 2. Jahrg. S.294. Die Zahl der Arten, deren Lebensweise be-
kannt ist, beläuft sich auf 43. — Rosenhauer bestätigte das Vor-
kommen der Tr. arnicivora Lw. in Arnica montana (Entom. Zeit. 1847,
5. 323.). — Die Verwandlung von Tr. parietina geht nach Wissmann
(Entom. Zeit. 1848. S. 80. im Marke vertrockneter Stengel von Artemi-
sia vulgaris vor sich. — Die Naturgeschichte der Tr. Cardui erläuterte
Westwood in Garden. Chronicl. N. 50. 8. 315. 318.
Einige ausgezeichnete Ostindische Fliegen sind von West-
wood (Orient, Ent. T. 18.) abgebildet worden: Diopsis Westwoodii
De Haan nov. sp. aus Java, D. subnotata nov. sp. von den Philippinen,
Sphyracephala Hearseiana Westw. aus Ostindien und Achias maculi-
pennis noy. sp. von Java.
288 Schaum: Bericht über die Leistungen in der Entomologie
Die Naturgeschichte von Ceratitis capitata ist von Westwood
(Gard. Chronicl. 1848. n. 37. S. 604.) ‚geschildert worden. Die Larve
lebt in den Apfelsinen und veranlasst die Fäulniss, durch welche im
Durchschnitt ein Dritiheil der in England eingeführten Früchte unbrauch-
bar wird:
Dacus ‚Oleae hatte sich in Südfrankreich so ausgebreitet, dass durch
die Eingriffe dieses Insects die Oelernte sehr beeinträchtigt und in vie-
len Fällen ganz vereitelt wurde. Gu£rin halte vorgeschlagen, die Oli-
ven vor der Reife abzunehmen und zu pressen, wo die Maden noch
darin sind, und verfehlt nicht, den günstigen Erfolg. dieses Mittels zu
verkündigen, wodurch sowohl eine grosse Menge der Maden zerstört,
als auch noch eine halbe Oelernte gewonnen wird, während sonst bei
späterem Pressen noch weniger und schlechteres Oel erhalten wird.
Gimmerthal (Bull. d. Mosc. 1847. Il. S. 196.) stellte Micro-
pesa Kawallii als neue Art aus Curland auf.
Die. Arten. der Gattung Gymnopa wurden von Loew erörtert,
(Entom. Zeit. 1848. S. 13.) Von den fünf von Meigen beschriebenen
Arten gehören zwei G. glabra und rufitarsis nicht in diese Gattung, die
drei andern @. subsultans, aenea und nigra werden vom Verf. als Va-
rietäten einer Art nachgewiesen, als neue Art dagegen G. albipen-
nis von Messina beschrieben.
Lucas bemerkt (Ann. d. 1. soc. ent. d, Franc. 1848, Bull. S.L.),
dass ‚Helomyza ustulata und pallida an Orten vorkommen, wo sich
Trüffeln finden; er vermuthet, dass die Larven derselben in Trüffeln
leben.
Die europäischen Arten von Sapromyza sind von demselben
gemustert („Ueber die europäischen Arten der Gattung Sapromyza, Jah-
resber. des naturwissensch. Vereins zu Posen f. 1846.“ Posen 1847.
S. 25—44.) Die Gränzen dieser Gattung sind durch den Verf. etwas
enger und fester gezogen; zunächst scheidet der Verf. die von Meigen
mit Sapromyza verbundenen Arten der Gattung Palloptera Fall. aus,
welche durch den Mangel des Borstenhaars auf der Aussenseite der
vorderen Schienen, und durch das Vorhandensein eines langen hornigen
Legebohrers beim Weibchen sich unterscheidet, Ferner will der Verf.
eine Gruppe vorzugsweisse kleiner Arten (flava, interstincta, binotlata,
femorella u. s. w.) von Sapromyza entfernt wissen, welche durch die
linsenförmige Gestalt des dritten Fühlergliedes, eigenthümlichen Bau
des Untergesichts, Abrückung der hinteren Querader vom Hinterrande
des Flügels und Mangel aller-Borstenhäärchen vor und am Ende der
Schienen kenntlich ist, und welche je nach dem Geschlecht die Gattun-
gen Lisella und Scyphella Rob. Dev. bilden, von welchen beiden Na-
men der Verf. den letzteren dieser Form als Gattungsnamen erhalten
wissen will. — Eine besondere Schwierigkeit bietet noch die Feststel-
lung der Grenze zwischen Sapromyza ‘und Lauxania dar; als Kennzei-
chen von Lauxania nimmt der Verf. metallische Körperfarbe , ein der
während des Jahres 1848, 289
Quere nach eingedrücktes Untergesicht und ein mehr oder weniger
verlängertes drittes Fühlerglied an, so dass Laux. longipennis noch zu
Sapromyza zu rechnen wäre. Die auf diese Weise festgestellte Gat-
tung Sapromyza gliedert der Verf. auf folgende Weise in Abtheilungen
und Unterabtheilungen:
1. Flügel ungefleckt, auch bei keiner Art die Flügelspitze und
zugleich die Queradern dunkelgesäumt. — A. Fühlerborste gefiedert:
1. S. longipennis (Lauz. longip. Ng.). — 2. S. lupulina (Laux. lup. Mg.).
3. S. longiseta n. sp. von Messina. — 4. S. dimidiata n. sp. aus
Kleinasien. — 5. S. fasciata (Laux. fasc. Fall., Sapr. rivosa Mg. —
6. S. subvittata n. sp. aus Italien, Griechenland , Kleinasien. — 7.
S. plumicornis Fall. — 8. S. flavipalpis n. sp. von Neapel und Si-
eilien. — 9. S. biseriata n. sp. von Constantinopel. B. Fühlerbor-
ste kurz behaart. 1. Thorax grau : 10. S. pallidiventris Fall. — 2.
Der ganze Körper gelb. a. Der Hinterleib mit schwarzen Puncten: 11.
8. bipunctata Ng. — 12. 8. 4punctata (L.),. — 13. S. 6punctata Mg.
— b. Hinterleib unpunctirt: 14. 8. albiceps Fall. — C. Stirn und
Untergesicht nicht weiss. — «. Fühler ohne schwarze Spitze. — * Ta-
ster ohne schwarze Spitze: 15. 8. septentrionalis n. sp. aus dem
nördl. Russland. — 16. 8. corida Fall. — 17. S. platycephala n.
sp. von Mehadia. — ** Taster an der Spitze geschwärzt. — 18. S.
decipiens n. sp. aus Nord- und Mitteleuropa. — 19. S. intonsa
n. sp. aus Kleinasien und den griechischen Inseln. — $. Fühler an der
- Spitze schwarz — * Taster gelb: 20. S. anisodactyla Lw. — 21. S.
simplez n. sp. aus Deutschland. — ** Taster an der Spitze schwarz:
22. S. obsoleta Fall. — 23. S. apicalis Lw. (pallida Mg.). — 24. S.
üllota Lw. (praeusta Fall.).
IL. Flügel gefleckt oder doch die Spitze nebst der hintern oder nebst
beiden Queradern dunkel gesäumt. — A. Nur die Flügelspitze nebst der
hinteren oder nebst beiden Queradern dunkel gesäumt: 25. S. praeu-
sta Fall. — 26. S. biumbrata n. sp. von Posen. — B. Der Vor-
_ derrand und die Queradern dunkel gesäumt: 27. 8. obscuripennis
n. sp. aus Deutschland. — C. Die Flügel gefleckt: 28. S. 10punctata
Fall. — 29. S. tenera n. sp. aus der Gegend von Cassel. — 30. 5,
motata Fall. (notata und 42punctata Mg.). — 31. 8. maculipennis
nm. sp. aus Oesterreich? — 32. S. multipunctata Fall. — D. Die Flü-
gel mit einem dunkeln Schweife umzogen: 33. S. Wiedemanni Lw.
(litura var. 1 Ng.). — 34. S. Baumhaueri Lw. (litwra var. 2 Ng.).
Im Anhange ist noch 8. suavis, eine sehr zierliche neue Art
aus Brasilien, beschrieben.
Von Gimmerthal (Bull. d. Mosc. 1847. 11. S. 191.) wurden
Sapromysa serzmaculata, novempunctala, dubia als neue Ar-
ten aus Curland aufgestellt.
A. Costa beschrieb (Ann. dell, Accad. degl. Aspir. natur. Sec.
Ser. Vol. 1. S. 129.): Sapromysa (Minettia) flaviventris: nigro-ci-
Archiv f, Naturgesch XV. Jahrg. 2, Bd. m
290 Schaum: Bericht über die Leistungen in der Entomologie
nerea, facie argenteo - micante, antenniS geniculis antieis , tibiis tarsis-
que mediis cum femorum apice pedibusque poslicis fulvis , abdomine
flavo, alis flavescentibus subopaeis. Long. 2 lin. Rarissima in montibus
Matese.
Die frühern Stände von Sapromysa obsoleta wurden von Bou-
ehe (Ent. Zeit. 1847. S. 245.) beobachtet Die Larve ist kegelförmig,
weiss, der After mit vier fleischigen Spitzen versehen; sie lebt im März
unter faulem Baumlaube. Die Puppenruhe währt 4 Wochen,
Die von Heyden iu den Salzwerken zu Neuheim entdeckte Coe-
nia halophila (s. Jahresb. f. 1844. S. 157.) wurde von Diruf auch in
den Salinen von Kissingen beobachtet. Die Larven fanden sich vor-
zugsweise in einer 4—6 procenligen Soole, die Puppen erscheinen im
Mai und Juni an den innern Wandungen der Soolkästen. Die Mücke
schlüpft im Juni und Juli aus, Die Nahrung der Larve ist noch nicht
ermittelt.
Von Ochthera unterschieden sowohl Loew (Ent. Zeit. S. 371.),
als Rondani (Ann. d. |. Soc, Ent. d. Fr. 1847. Bull. S. XXIX.) zwei
Arten, nämlich Loew: 0. mantis („abdomine nilido, lateribus albo
punctatos“) und 0. mantispa („abdomine viridi-cinereo, opaco“), die
letztere von Rhodus und auch von Rom. — Rondani’s Bezeichnung
lautet: O. mantis „pedes omnino vigricantes, vix larsis intermediis basi
fusco-rufescentibus, abdomen maculis albidis lateralibus ımanifestis“ und
0. Schembrii „pedes nigricantes, larsis qualuor anticis rufescenlibus,
apice excepto nigricante ; tibiarum omnium ima basi fusco-rufescente :
abdomen non manifeste albo-maculalum ; diese neue Art ist auf Malta
einheimisch. — Es ist nicht unwahrscheinlich, dass O. mantispa Lw.
und 0. Schembrü Rond. zusammenfallen , indess ist, nach Angabe der
Verff. , die erste stets merklich kleiner, die letztere elwas grösser als
0. mantis.
Gimmerthal beschrieb (Bull. d. Mosc. 1847. 11. S. 201.) als
neue Arten: Ephydra maculipennis aus Curland, E. quinque-
punctata und E. orichalcea von Charkow.
Derselbe stellte (Corrbl. d. Naturf. Ver. in Riga L. S. 103.)
als neue Art Lonchoptera cingulata aus Curland auf,
Die Larve von Teichomysa muraria Macq. findet sich, nach Ro-
bineau-Desvoidy (Ann. d. |. soc, entom. d. Franc. t. VI. Bull. S. XCIV.)
nicht im Cemente, wie Maequart angiebt, sondern nur im menschlichen
Urin, hier aber in grosser Menge. Robineau-Desvoidy will die Fliege
desshalb Scatella urinaria nennen. Sie scheint übrigens erst in den
letzten Jahrzehnten in Paris vorzukommen und ‚sich beständig weiter
nach Westen auszubreiten.
Westwood entdeckte in dem Fleische von Seleri die Larve
einer Fliege, welche er Piophila Apii nennt. Die Fliege ist schwarz
mit schwachem Erzschein, der Kopf kastanienbraun, der Mund blasser,
während des Jahres 1848; | 291
die Stirn in der Mitte schwarz, die Augen und das dritte Fühlerglied braun,
die Fühlerborste gelb, die Beine mit den Hüften blassstrohgelb , die
Füsse, besonders die hintern, schwärzlich, die, Fühler wasserklar. Die
Larve fand der Verf. im Februar, sie ist! vom Kleische des Seleri nicht
zu unterscheiden, mag deshalb oft mit gegessen werden; sie hat grosse
Aehnlichkeit mit der Käsemade. Die Fliege erscheint in der Mitte des
Mai (Gard. Chronicl. 1848. n. 21. $. 332.) ,
Gimmerthal beschrieb als neue Art Drosophila maculipen-
nis aus Ourland. (Corrbl.. d. Naturf. Ver. in Riga I. S. 106. 5; Bull.
d. Mosc. II. $. 199.)
Derselbe stellte (Bull, Mosc. 11. $.. 206.) Borborus nigrinus
als neue Art aus Curland auf.
Loew hat eine Abbildung seines Mycetaulus Hoffmeisteri in
Germar’s Faun. las. Eur, XXIV. Taf, 25 geliefert,,; es. ist diese, Fliege
indessen, nach des Verf, eigener Mittheilung, mit Geomyza bipunctala
Fall., Upomyza bip. Meig. identisch.
Waga berichtete (Rev. Zool. 1848. $, 51.) über ‚das Erscheinen
von Chlorops laeta Meig. in vielen Millionen von Individuen bei War-
schau. Waga vermuthet, dass Chl. nasula Meig. (lineata Guer,) von die-
ser Art nicht verschieden ist,
Die Naturgeschichte von Chlorops lineata Fabr. wurde von West-
wood (Gard. Chroniel. 1848. 48. 8.780. u. 5.796.) geschildert‘ und
durch Holzschnitte erläutert. '
Der Schaden, welchen Chlorops lineata den, Waizenfeldern bei
Caen zugefügt hatte, ist der Gegenstand "eines Berichtes der Pariser
Academie (Compt. rend. 1848. t. XXVII. S. 170.)
Die Larven von Leucopis puncticornis und grisea wurden von
Bouche& beobachtet (Ent. Zeit. 1847. $. 144.), sie sind 1'/," lang,
vorn zugespitzt blassziegelroth, die Segmente jederseits mit einem bor-
stligen Griffel. Sie leben von Blattläusen. Die Puppe ist ein längli-
ches scharfes Tönnchen, das Kopfende vorgezogen, die Afterstigmen-
träger kegelförmig vorstehend, an der Spitze dreizähnig.
Gitona disligma wurde von 1L,öw aus den Blüthenköpfen von
Sonchus arvensis erzogen (Allg. deutsch. naturhist, Zeitschr. 2. Jahrg.
8. 295.).
Die Verwandlungsgeschichte von neun Arten der Gattung Agro-
mysa hat Bouch& (Ent. Zeit, 1847. $. 142.) beschrieben. Die Lar-
ven miniren in Blättern, die der einzelnen Arten sind wenig von ein-
ander verschieden, sie schen den blattminirenden Larven von Antho-
myia sehr ähnlich, sind kegelförmig, hinten abgestutzt, nackt und weiss-
lieb, Die Puppen bilden hellbraun gereifte Tönnchen, deren Afterstig-
menträger erhöht sind. Sie gehen zur Verwandlung an ‚oder Nach in
die Erde. A. amoena minirt in Blättern von. Sambucus nigra, A. stri=
gata in Campanula Trachelium, A. mobilis und Jateralis in Cynoglossum
298 Schaum: Bericht über die Leistungen in der Entomologie
officinale, A. variegata in Colutea arborescens und Coronella varia zu
2—4 Stück gesellig, A. Verbasei n. sp. in Verbascum nigrum und
Lychnites, A. Tkapsi n.sp. in Verbascum Thapsus, A. holosericea
n. sp. in Verbascum nigrum, A. Heraclei n. sp. in Heracleum.
Nylander bemerkte (Not. ur Sellsk. pro Faun. Fenn. Förh,
Bih. t. Act. Soc. Fenn. 1. H. S. 296.), dass Tengström im Marke von
Lappa minor bei Helsingförs blassgelbe Puppen gefunden hat, aus de-
nen sich Agromysa aeneiventris Fall. entwickelte.
Von Wahlberg (Öfvers. of Kon, Vetensk. Acad. Förh, 1847. n. 9.
S. 259. Taf. 7. Fig. 1.) wurde eine neue Gattung Lobioptera aufge-
stellt, deren Charaktere auch in Zetterstedt’s Dipt. Scand. t. VII. mit-
getheilt sind. Die Gattung enthält nur L. ludens, neue Art aus
Schweden.
Coquerel hat als neue Art Phora camariana nebst ihren
frühern Ständen beschrieben und abgebildet, welche sich in Madagas-
car in ‚grosser Menge in den Hinterleibern von Camaria chaleoptera
entwickelte (Ann. d. 1. soc. entom. d. Franc. 1848, S. 188. pl. IV.
N. IV. fig. 7.)
Gimmerthal stellte als neue Art Phora bovista aus Curland
auf (Arb. d. natur. Ver. in Riga Bd. I. S. 329.) Die Larve wurde im
Juli in einem noch frischen Lycoperdon Bovista in Menge angetroffen.
— Derselbe erzog Phora annulata aus faulenden Kartoffeln. Puppe
und Fliege sind Taf. 3. Fig. 4. u. 5. abgebildet.
Die in faulenden Raupen beobachtete Larve der Phora rufipes ist
von Bouche (Ent. Zeit. 1847. S. 146.) beschrieben worden.
Coriaceae.
Die scandinavischen Arten dieser Familie sind im 7. Bande von
Zetterstedt’s Diptera Scandinaviae beschrieben und zwar von Hippo-
bosca 1 A., Ornithobia 1 A , Ornithomyia 1 A., Leptopteryr 1 A,
Stenopteryx 1 A., Anapera 1A., Leptotena 1 A, Melophaga 1 A. Von
Ornithobia pallida wird bemerkt, dass sie auf Cervus Elaphus vor-
kommt und vielleicht das Männchen von Leptotena Cervi sei (Ref. hat
Ent. Zeit. 1849. S. 294. nachgewiesen, dass unter der letztern die ver-
stümmelten , ihrer Flügel beraubten Individuen der erstern begriffen
werden.)
Als neue Art wurde von Gimmerthal Anapera siberiana
aus Sibirien aufgestellt. (Progr. z. 50jähr. Doctorjubil. Fischers 1847.
$. 12. Bull. d. Mose. 1847. Il. S. 208.)
Suetoria.
Die früheren Stände von Pulex irritans sind von Westwood
(Gardeners Chron. 1848. March. 4.) beschrieben und abgebildet worden.
Die Mundtheile der Larve bestehen aus zwei grossen braunen hornigen,
an der Spitze scharf hakenförmig gekrümmten Kiefern und einer gros-
während des Jahres 1848. 293
sen fleischigen etwas zweilappigen Lippe, welche mit zwei sehr klei-
nen zweigliederigen Tastern versehen ist. Dieser kräftige Bau des
Mundes macht es wahrscheinlich, dass die Larven von den Haaren wolle-
ner Zeuge und von Federn sich nähren.
Gervais hat (Hist. nat. d. Ins. Apt. T.IV. S. 356.) einige lite-
rarische Nachträge zu seiner frühern Bearbeitung dieser Familie gege-
ben (s. Jahresber. f. 1843. S. 325.)
Hemiptera.
Amyot hat von seiner „Entomologie frangaise. Rhyn-
chotes. Methode mononymique“ Fortsetzung und Schluss ge-
liefert (Ann. d. l. soc. Ent. d. Franc. 1847. S. 143, 453.)
Der achte Band von Herrich-Schäffer’s wan-
zenarligen Insecten ist mit dem sechsten Hefte geschlossen
worden.
Nya Suenska Homoptera beskrifna af C. Boheman (K.
Vetensk. Acad. inl. Nov. 1847.).
Enthält die Beschreibungen von 29 in Schweden noch nicht beob-
achteten Arten aus den Familien der Cicadellae und Fulgorellae, von
denen die meisten neu sind.
Zwei Cenlurien der Wanzen des Neapolitanischen Rei-
ches sind von A. Costa aufgeführt und beschrieben: Cimi-
cum Regni Neapolitani Centuria prima. Cimicum Regn. Neap.
Cent. secunda Decas. I—V., Cim. Regn. Neap. Cet. sec. Dec.
VI—X. : Alti del reale istitulo d’incoragiamento alle scienze
nat. di Napoli. T. VII. 1847.5.143— 216, 239—280, 365— 406.
Da diese Schriftten Wenigen zugänglich sein werden, führe ich
die neuen Arten mit ihren Diagnosen auf; sie sind übrigens auch weit-
läuftiger beschrieben und meist durch Abbildungen erläutert.
Verschiedene Formen der Hemipt. Heteroptera sind von
Westwood beschrieben und durch ‚Abbildungen erläutert.
(Deseriplious of various exolic: Heteropterous Hemiptera:
Transact. of the Ent. Soc. of Lond. IV. $. 243. T. 18.)
Pentatomides.
Westwood (Transact. Ent. Soc. IV. S. 243.) vervollständigte
die Beschreibung des Plataspis bucephalus White, und stellte zwei neue
Arten von Plataspis auf, welche jede eine eigene Untergattung bildet;
Pl. (Aphanopneuma) biloba und Pl, Cantharodes) coenosa,
%9% Schaum: Bericht über die Leistungen in der Entomologie
beide vom Palmencap im tropischen Africa. Die Untergattung Apha-
nopneuma unterscheidet sich von den ähnlichen Formen mit genäherten
Nebenaugen durch die‘ mehr gleich breite Form des flachen Körpers,
den kegelförmigen vorgestreckten Kopf, die fast geraden Seiten des
Halsschilds, durch’ den 'nur bis zur Wurzel der Hinterbeine reichenden
Rüssel ‚ vorzüglich aber‘ durch. die versteckte Lage der Luftlöcher. —
Die andere Untergattung Cantharodes ist die grösste ‘der bisher bekann-
ten Scutelleriden, hat ebenfalls die Nebenaugen ziemlich genähert und
von den Netzaugen entfernt; den Kopf vorragend, fast halbkreisförmig,
oben ausgehöhlt, nach hinten fast halsförmig verengt und von einem
tiefen Ausschnitte des Halsschilds aufgenommen; dieses ist in der vor-
deren Hälfte in vier Beulen aufgetrieben ; auch die Wurzel des Schild-
chens ist in.der ‚Mitte etwas aulgetrieben ; die Farbe ohne Glanz.
Eine neue Gattung Eumenotus wurde von demselben
(ebenda S. 246.) aufgestellt; sie hat grosse Uebereinstimmung mit
Amaurus Burm., unterscheidet sich aber durch die nicht erweiterten
Fühler und durch die Form des Kopfes und Halsschilds, Der breite
Kopf ist am Rande ‚mit vier Hörnchen bewehrt, zwei zwischen den
Fühlern und einem vor jedem Auge, Das Halsschild ist vorn von der
Breite des Kopfes, an den Seiten gerade, bis hinter die Mitte, wo sie
einen stumpfen', wenig‘ vorragenden Winkel bilden. Eine neue Art,
E obscura, unbekannten Vaterlandes.
Costa (Ann. d. I. Soc. Ent. d. Fr. 1847. Bull. S. XXVIL) stellte
zwei neue Arten von Aspongopus aus Java auf: Asp. affinis: „pal-
lide ochreus, unicolor, antennis obscurioribus, (articulo ultimo ignoto),
stigmätibus ventralibus nigris; pronoto scutelloque sensim transversim
rugosis ; tibiis posticis prope basin paulo dilatatis. Long. 61, Affı-
nis A. olivaceo.“ —..Asp., marginalus: „supra fusco-niger, suhaeneus,
capilis, pronoti elytrorumque corii margine lato pallide ochreo ; subtus
flavescens, maculis pectoralibus, aliis ventris marginalibus pedibusque
fusco-nigris, subaeneis ; pronoto scutelloque punctatissimis, obsolete
transversim rügosis ; tibiis, postieis simplieibus. Long. 6'/+.*
Von A: Costa ‘(Atli etc.) neu aufgestellte Arten sind. Telyra
granulata:'„supra valde convexa, scutello basi triangulariter elevato,
postice plane declivi; impresso-punctata , granulis laevibus in scutello
sparsis, flavescens,, lituris interruptis e punctis nigris. Long. 3?/, 1.“
Der T. tuberculata ähnlich , aber viel grösser, auf der Oberseite pun-
etirt und nur anf dem’ Schildchen mit zerstreuten glatten Körnchen, das
Schildchen ungekielt, an der Wurzel mit einer dreieckigen Erhabenheit,
der Kopf etwas breiter und die Färbung ganz verschieden; in den süd-
lichen Theilen des Königr. Neapel und in Sicilien einheimisch. (S. 400.
Taf, 4. Fig. 13.) — Podops curvidens, vom P. inunctus unterschie-
den „prothorace antice utrinque dente valido depresso, apice obtuso ;
capilis lobis lateralibus ultra medium coniunctis;* bei Neapel einhei-
misch. (S, 108, Fig. 12) — COydnus punctulatus, anguste Ovatus,
während des Jahres 1848. 295
depressiusculus, capite bilineato et utringue bifoveolato ; pronoto laevi,
nitido, lateribus et medio postice punetulato ; scutello anguste producto
elytrisque punctulatis; niger, elytris brunneo-piceis, antennis pedibus-
que piceis; long. 2 1.“ Im Winter bei Neapel nicht selten. (S. 394.
Taf. 4. Fig. 11.) — Cydnus laevicollis: dem vorigen sehr ähnlich,
nur das Halsschild ganz glatt; ebenfalls von Neapel (S. 395. Taf. 4.
Fig. 12.) — Aelia bifida, von Ael. inflexa (Cim. perlatus Pz.) unter-
schieden „capite latiori, marginibus lateralibus distinetius flexuosis, api-
eeque bifido ;“ aus den Abruzzen (S. 391. Taf. 4. Fig. 9.) — Pentatoma
laborans „supra roseo-lerruginea virescenti mixla, capilis lineis qua-
tuor ad pronotum anticum produclis, humeris late rotundatis seutellique
maeulis tribus basalibus onsoletis fusco-roseis, punetis interieclis nigris,
subtus cum pedibus flavo-ferruginea, tibiis larsisque rufescentibus; an-
tennis sanguineis, apice nigris; 2; long. 6 I.“ Dem P, Eryngii Germ,
(€. varius F.) sebr ähnlich ; von Neapel (S. 384. Taf. 4. Fig. 1.) —
Pentaloma distinguenda: „[usco-ferruginea, anlennis primo articulo
excepto, capitis lineis qualuor al pronotum anlicum productis, humeris
rotundatis, scutelli maeulis tribus in triangulum basalibus abdominisque
dorso nigris; pronoti marginibus lateralibus abdominisque maculis mar-
ginalibus flavo-auranliacis; seutelli apice pallido; subtus flava, pedibus
ferrugineis, tibiarum apice tarsisque luseis; 71; long. 4', I,“ Dem vo-
rigen sehr nahe verwandt, vielleicht das Männchen desselben; 'eben-
falls von Neapel. (S. 385. Tal. 4. Fig. 2.) — Pentatoma analis:: „fer-
rugineo-rufescens , fusco-punctata , scutelli apice abdominisque dorso
rufis, hoc maculis marginalibus nigris ; sublus flavo-grisea fusco-pun-
ctata , macula subquadrata ante anum nigro-aenea nilida; antennarum
basi pedibusque pallidis ; long. 3—3'/, 1.“ Von Neapel und den Abruz-
zen. (8.387. Taf. 4. Fig. 4.) — Pentatoma consimilis: „pallide gri-
sea, punctata, pronoto antice albido, ventre pedibusque pallide griseo-
Nlavescentibus, fusco-punctatis ; scutelli punctis duobus magnis subqua-
dratis callosis albidis , apice fusco, albido limbato ; abdominis dorsi ni-
gri marginibus pallidis punctis nigris; antennis apice fuscis; femina ab-
domine obtuso; long. 2%/, 1.* Vom Matese-Gebirge und aus Siecilien.
Von Erichson (Schomb, Reis. 3. Th.) sind folgende neue Ar-
ten aus British Guiana beschrieben worden: Coryssoraphis carneo-
lus, Empicoris cariosus, Cataulav marmoratus, apicalis,
Ochlerus ecerdo, Edessa helix, Moschus, alces, transversa-
lis, cordigera, discors, abdominalis, corallipes,
Sketch of the Genus Poecilocoris, belonging to Ihe Hemipterous
family Seutelleridae by Dallas (Trans. of the ent. Soc. V. S, 100.
Taf. 13.)
Die Gattung war ursprünglich von White Poeeiloehroma genannt,
da dieser Name aber bereits bei den Lepidopteren vergeben ist, so ist
er hier in Poeeilocoris abgeändert worden. (Mir erscheint die Trennung
won Scutellera keineswegs gerechifertigt:) Es sind 10 Arten beschrie-
296 Schaum: Bericht über die Leistungen in der Entomologie
ben: P. latus n. sp. aus China, P. interruptus Hope, Germ., purpu-
rascens Hope, Germ., Druraei L., obsoletus n, sp. von Hongkong,
pulcher n. sp., Childreni White, Hardwickii Hope, Germ. (nepalensis
H. Scheff.), dives Guer. und longirostris n. sp. aus Java. Die
Mehrzahl der Arten ist abgebildet.
Aus der Gattung Cydnus und einigen verwandten Formen hat
Schiödte eine besondere Gruppe Cydnini gebildet. (Om en Gruppe
af gravende Cimices. Kroyer's Naturbist. Tidskr. N. R. II. Bd. S. 447.)
Sie ist in folgender Weise charakterisirt: Pedes fossorii, tarsi graciles,
articulo secundo distineto,, plantis nudis. Segmentum abdominis pri-
mum ventrale obtectum. Elytra libera. Corpus breve, eiliatum. Color
fuscus vel piceus, rarius ferrugineus. Pictura propria nulla. Hierher
gehörige Gattungen sind: Cydnus Fabr.: tarsi aequales, tibiae poste-
riores angustae, compressae, spinosae, anticae pectinalae truncatae, mit
einer grossen Zahl nicht weiter namhaft gemachter Arten. Cephalocte-
nus Duf.: tarsi aequales, minutissimi, tibiae posteriores clavatae, seto-
sae, externe spinosissimae, anlicae pectinatae, truncatae. Hierher ge-
hören zwei vom Verf. früher beschriebene Arten. Lactistes nov.
gen.: tarsi inaequales, antici longiores, subrecepti. Tibiae anticae pe-
ctinatae hamatae, poslicae angustae, compressae, spinosae mit zwei neuen
Arten: L. vericulatus: oblongus, tibiis antieis interne ante apicem
unidentatis, tertio antennarum articulo tertia parte longiore secundo, hoc
obconico. 2°/, lin. aus Guinea und L. rastellus: ovalis, tibiis anli-
eis interne ante apicem rotundatis, tertio antennarum articulo quarta
parte breviore secundo, hoc cylindrico, L. 2, lin. aus Bengalen,
Scaptocoris Perty: tarsi inaequales, postici pusilli , antici
elongati, subrecepti, tibiae anticae setosae, hamatae, posticae valde in-
crassatae , clayatae, setosae, truncatae; mit folgenden fünf Arten: $.
molginus: subovalis, rostro longitudine pectoris, secundo antennarunı
articulo sesqui longiore tertio, scutello transverse rugoso, apice late
rotundato, elytris punctatis 41,5“ aus Bengalen. — S. tabulatus:
breviter ovatus,, rostro longitudine pectoris, secundo antennarum arti-
culo quarta parte longiore tertio, scutello transverse striato, apice acule
rolundato, elytris laevibus. 3'/, lin. von Travankore. — 8. callidus:
obovatus, rostro longitudine prosterni, secundo antennarum tertium ae-
quante, scutello convexiusculo, rugose punctato, apice rotundato, ely-
tris minute punctatis aus Bengalen. — $. terginus: obovatus, ro-
stro longitudine prosterni, secundo ant, articulo tertium aequante, scu-
tello valde convexo , rugose punctato, apice utrinque dilatato, elytris
profundius punctatis. 2%/, lin. aus Brasilien. — 8. castaneus Perty:
subovalis, rostro longitudine prosterni, secundo ant. articulo tertium ae-
quante, scutello transverse striato, apice rotundato, elytris punctatis aus
Brasilien. Der Verf. spricht die Vermuthung aus, dass $. castaneus
Burm. eine von castaneus Perty verschiedene Ari sein möge.
Anhangsweise ist eine neue Gattung Legnotus aufgestellt wor-
während des Jahres 1848. 297
den, welche zwischen den Cydninen und kurzen Cimexformen in der
Mitte steht, mit den erstern in der kurzen Gestalt, dem verborgenen er-
sten Schnabelgliede, in den kleinen Füssen und besonders in den mit
feinen Dornen versehenen Schienen übereinstimmt, deren Fusssohlen
aber, wie die der übrigen Cimices, eine dichte Bekleidung weicher
Haare haben. Die Charakteristik lautet: tibiae spinulosae, tarsi articulo
secundo brevissimo, abdomen segmento primo ventrali obtecto. Corpus
breve nudum limbo saepius picto. Prosternum longitudine capitis, ca-
naliculatum. Mesosternum carinatum. Membrana elytrorum parce ve-
nosa. Diese Gattung ist über die ganze Welt verbreitet, aber ärmer
an Arten als Cydnus; in Dänemark finden sich vier: bicolor L., bigulta-
tus L., albomarginatus Fabr., morio L.
Coreides.
Neue Gattungen sind:
Petascelis Signoret (Description d’un Hemiptere Heteroptere
formant le type d'un nouveau genre. Ann. d. |. soc, ent. d. Franc.
1847. S. 301. Taf. 3. Fig, 4.) Kopf viereckig, Fühlerhöcker vorragend,
mit einer Ausrandung dazwischen. Fühler ohne Erweiterung, das erste
Glied länger als die andern, das dritte kürzer als die beiden andern,
alle Schienen erweitert. Das Männchen mit einem Höcker am Grunde
des Bauches. Die übrigen Kennzeichen wie bei Pachylis.. Die Art P,
remipes ist von der Weilinachtsbai (der Gatltungsname müsste Petalo-
scelis heissen).
Stenotoma Westwood (Trans. of the ent. Soc. IV. S. 248.),
durch die Bildung der Fühler ausgezeichnet, deren drittes Glied mit
dem zweiten und deren viertes mit dem dritten durch einen fadenför-
migen Stiel verbunden ist. Die Art St. Desjardinsii ist von der
Insel Mauritius. Das Inseet ist indessen nicht neu, sondern, wie Sig-
noret (Ann. d. |. soc. ent. d. Franc, 1849. S. 327.) nachgewiesen hat,
mit Phricodus hystriz Spin., Germ, identisch. Spinola’s Beschreibung
ist nach einem Exemplare mit verstümmelten Fühlern entworfen und
nicht ganz genau. Auch darin hat, wie es mir scheint, Signoret Recht,
dass er (die Gattung nicht hierher, sondern zur Gruppe der Sciocoriten
unter die Pentatomiden gestellt wissen will,
Ceraleptus, A. Costa (Atti etc. S. 375. Taf. 3. Fig. 6. 7.).
Zunächst mit Merocoris verwandt, und durch schlankere, nicht stark
behaarte und raube Fühler, und durch die nicht gezahnten Seitenrän-
der des Halsschilds unterschieden; gegründet auf Coreus gracilicornis
Herr.-Schäll. und einer neuen Art C. squalidus: „pallide testaceus,
subtus cum pedibus dilutior, femoribus posticis spinosis apice conlertim
fusco-maeulatis, abdominis dorso pallide coceineo lateribus fuseis ‚pal-
lido-maeculatis, pronoti angulis anticis haud productis; long. 41/,—5 1,4
von Neapel und Sicilien.
Metacanthus. A. Costa (ebenda S. 258.) aus dem Berytus
298 Schaum: Bericht über die Leistungen in der Entomologie
elegans Curt. gebildet, der durch nicht blattförmig vortretende Stimm, ge-
dorntes Schildehen und seitliche Fortsätze des Hinterrückens von den
eigentlichen Berytus abweicht. Eine zweite neapolitanische Art dieser
Gattung ist Beryt. meridionalis desselben (S. 167. Fig. 4.): „li-
nearis, antennis pedibusque longissimis, gracillimis ; antennarum articu-
lis secundo et tertio subaequalibus; elytrorum corio apicem haud at-
tingente: Hlavescens ; prothorace aureo-micante, antennarum articulo ul-
timo nigro, apice albo; capitis lineis duabus utroque latere et tarsorum
apice nigris; antennis pedibusque fusco-arnulatis; long. 3 1.«
Ausserdem sind von demselben (ebenda) zwei neue Arten von
Merocoris aufgestellt: M. Spinolae: „supra fusco-rufescens, subtus
flavescens, villosus hispidusque: corpore magis angustato ; oris orificii
lateribus in processum spiniformem rectum anlice ultra capilis margi-
nem anticum productis; prothorace postice parum elevato, scabro, mar-
ginibus lateralibus et posticis usque ad scutellum crebre denticulatis,
spina minuta supra illius angulos ; elytris scabris; long. 3%, I.“ Dem
M. denticulatus sehr ähnlich. Von Neapel und aus Sicilien (S. 173.
Fig. 5.) — M. serratus: „supra fusco-cinereus, pronoti limbo late-
rali cum dentibus albido, elytrorum corii et membranae nervis pallido
maculalis ; subtus flavo-ferrugineus, lateribus fusco-irroralus ; antenna-
rum articulo ullimo nigro, apice cinereo; capite pronotoque minute et
eonfertim granulalis; hoc antice parum declivi, marginibus lateralibus
dentatis, dentibus distinctis obtusis seligeris, margine poslico bispinu-
loso; femoribus posticis spinulosis; long. 3'/, 1.“ Von Neapel (S. 371.
Taf. 3. Fig. 3.)
Coquerel gab (Annal. d. I. soc. ent. d. Franc. 1848. $. 186.)
eine Aufzählung der zur Gattung Phyllomorpha gehörigen Arten, und
beschrieb eine neue, Ph. madagascariensis von Madagascar, der
Ph. Latreillei am nächsten verwandt (pl. 1V. N. IV. Fig. 6.)
Eine neue Art ist ferner SparlocerapuberaErichson (Schomb,
Reis. 3. Th.) aus British Guiana.
Lygaeites.
Von A.Costa (Atti. etc.) sind folgende neue Arten aufgestellt:
Aphanus insignis: „niger, capite et prothorace punctato-granulatis ;
prothorace postice fusco - cinnamomeo; elytrorum corio albido,, macula
media fusca, membrana pallide fusca maculis duabus albidis; antenna-
rum articulo secundo pedibusque rufo-testaceis, femoribus medio nigris,
tibiis 4 postieis annulo lato pallido; femoribus antieis dentibus tribus
deerescentibus apice armatis; @ ano rufescente; long. 1% 1.“ Von
Neapel, den Abruzzen, aus Calabrien u. s. w. (S. 185. Fig. 7.) — Pa-
chymerus ditomoides: „capitis lobis lateralibus utringue ante oculos
et lobo medio supra os late productis; niger, opacus; prothorace grosse
punclalo, elytris albidis, nervis et corii margine postico fuseis; anten=-
narum articulo secundo, tibiis tarsisque flavescentibus; long. 1%, 1,*
während des Jahres 1848. 290
Von Neapel, häufig in Daunien, in knolligen Gallen des Oelbaums (S.
272. Taf.2. Fig. 8.) — Pachymerus albofasciatus: „elongatus, pube-
scens, grosse punctalus, niger, elytris fuscis fascia baseos albida; anten-
narum articulo secundo pedibusque testaceis, femoribus medio fuseis,
anticis denticulatis; long. 1'/, 1.“ Von Capri und den Abruzzen (S. 379.
Taf. 3. Fig 8.) — Pachymerus nabiformis: „valde elongatus angu-
statusque ; niger,, capite pronotoque pubesericea adpressa teclis; anten-
nis, pedibus, pronoli margine postico, seutelli apice elytrisque pallide
testaceis, horum corio lineola fusca ; femoribus antieis sublus spinulo-
sis; long. 3'/, 1.“ Von Neapel und aus Calabrien (S. 380. Taf. 3. Fig. 9.)
— Anthocoris parvicornis: „antennis exilibus, capite et prothorace
simul haud longioribus, fusco niger, antennis tihiisque pallide flavo-ru-
fescentibus, elytris fuscis parce villosis, basi margineque externo rufe-
scentibus ; long. ®/,, 1.“, dem A. obscurus Hahn verwandt (S 263. Taf. 2.
Fig 6.) — Anthocoris rufescens: „iavo vel brunneo-rufescens, iin-
maculatus, pedibus pallidioribus, oculis nigris ; antennis validioribus, ca-
pite et prothorace sinul paulum longioribus; long. 1 lin.“ Beide bei
Neapel im Winter unter Baumrinden (S. 264).
Eine neue Gattung PAyllocoris bildet derselbe (ebendas.
5. 260.) aus Anthocoris nemorum Fall., Cimez nem. L., sie unterschei-
det sich von Xylocoris durch die längeren Fühler, deren Endglieder
nicht borstenförmig sind, wie es bei Xyloc. der Fall ist, und von An-
thocoris durch den bis zu den Mittelbeinen reichenden Rüssel, während
dieser bei Anthoc. nicht über die Vorderbeine herausreicht.
Herrich-Schäffer bildete (Wanz. Ins. t. VIII. H. 6.) fol-
gende Arten dieser Familie ab: Pyrrhocoris clavimanus Fabr. (Abände-
rung von P. Forsteri), P. Forsteri? Fabr. nach einem Exemplare aus
Java, welches von den capensischen nicht zu Irennen ist,) Leptocoris
haematoloma n. sp. aus Mexico, Lygaeus zanthostaurus n. sp.
aus Brasilien, L. incomptus n. sp. aus Java, L. unifasciatus Hahn
var. ? aus Brasilien, L, bimarginatus n. sp. von Cuba.
Zwei neue Arten, Lygaeus maculicollis aus Dalmatien und
L. Nerii aus Sicilien, Griechenland und Kleinasien sind von Ger mar
(Kaun. Ins. Eur. XXIV. 16. 17.) abgebildet.
Eine neue Art ist ausserdem Lygaeus zonatus Erichson
(Sehomb. Reis. 3. Th.) aus British Guiana.
Waga wies (Ann. d. l. soc. ent. d. Franc. 1848. Bull. S. VI.)
die Identität von Ophthalmicus Wlrichii Fieber mit O, dispar Waga (Ann.
4. Fr. t. VII.) nach.
Capsini.
Phytocoris pabulinus wurde in England auf Kartoffeln angetrof-
fen, und von Unkundigen als Ursache der Kartoffelkrankheit angespro-
chen, von Westwood und Hobbs jedoch gezeigt, dass sie durch
ihre Stiche wohl dem Kraut nachtheilig würden , aber in viel zu ge=
300 Schaum: Bericht über die Leistungen in der Entomologie
ringer Menge erschienen, um eigentliche Verheerungen anrichten zu
können (Gard. Chron. n. 29. S. 468. Proceed. Ent. Soc $. XVII.)
Globiceps variegatus. A. Costa (Atti ete. $.193. Fig. 10.),
bei Neapel auf Quercus pubescens vorkommend, ist, wie ich glaube =
Capsus bifasciatus Fabr.
Aradites.
Eine Uebersicht der zu dieser Familie gehörigen Gattungen und
Arten hat Herrich-Schäffer (a. a. O.) geliefert. Es werden nur
drei Gattungen: Aradus , Dysodius und Aneurus angenommen, Brachy-
rhynchus Lap., Burm. wird mit Dysodius vereinigt, da beide nur in den
Längenverhältnissen der Fühler von einander abweichen. In einer Syn-
opsis der Gattung Aradus werden 10 Arten unterschieden, von denen
sieben schon in früheren Heften, drei hier zuerst abgebildet sind, die
letzteren sind A. lugubris Fall., A. americanus n. sp. aus Nord-
amerika (= acutus Say), A. tristis n. sp. aus Süddeutschland.
Von Dysodius sind sechs Arten dargestellt, D. lunatus Fabr.‘
furcatus Germ. , Tremulae Germ. , membranaceus Fabr., orientalis Lap.
und fruncatus n. sp. aus Java.
Eine neue Art Aradus dissimilis beschrieb A. Costa (Atii.
S. 254. Taf. 2. Fig. 1.): „fusco-griseus, prothoracis angulis anticis ely-
trorumque basi extus dilatato albidis, membrana alba, griseo-maculata ;
antennarum articulis primis tribus rufo ferrugineis, supra pallido-macu-
latis, quarto nigro, quinto cinereo, secundo tertio longiore ; abdomine
ferrugineo, subtus nigro-punctato; rostro mesosterni medium atlingens ;
1 2; long. 2—2/, lin. Von Neapel.
Tingidiles.
A. Costa (a. a. ©. S. 255.) beschrieb drei neue neapolitanische
Arten von Cataplatus Spin.: C. parallelus: „rufo ferrugineus, su-
pra flavo-griseus nigro irroratus, antennarum articulo ultimo nigro; pro-
thorace tricarinato , marginibus complanatis, angustlis, cellularum serie
unica ; elytris simul subparallelis, marginibus cellularum serie du-
pliei ; long. 1", 1.“, dem C. Cardui sehr ähnlich, — C. variolo-
sus: „pallide flavescens, immaculatus, antennarum articulo ultimo stig-
matibusque nigris; oculis rubellis; alis fuliginosis: prothorace tricari-
nato marginibus reflexis, una cum elytris distinete ac regulariter minute
foveolatis ; long. 11%, 1,“ — C. auriculatus: „griseo-llavescens, pro-
thorace elytrisque nigro-maculatis, abdomine pedibus antennisque flavo-
rufescentibus, harum articulo ultimo sternoque nigris : prothorace tri-
carinato nodulisgue humeralibus elevatis, marginibus reflexis, medio
emarginatis, antice dilatato-rotundatis
Phymatites.
Herrich-Schäffer (a. a. 0.) erlänterte die Galtung Macro-
cephalus. Es werden M. manicatus F. und prehensilis F. abgebildet.
während des Jahres 1848. 301
Die erstere ist indessen nicht die gleichnamige Art von Fabricius, wel-
che in Nordamerika einheimisch ist, sondern M. alfinis Guer. (Icon. d.
r. an. Taf. 56. Fig. 10. S. 349.) Die von Westwood gelieferte Mono-
graphie dieser Gattung (Trans. of the ent. Soc. t. III. S. 18.) ist dem
Verf. unbekannt geblieben.
Reduwvini.
Eine neue Gattung Epirodera ist von Westwo.od beschrie-
ben (Transaet. Ent. Soc. IV. S. 247.), eine der kleineren Formen,
vom Ansehen eines Aradus, und mit an der Spitze nicht verdünnten
Fühlern. Das Geäder im Hauttheil der Halbdecken gleicht dem von
Enicocephalus und Holoptilus. Das Halsschild ist sehr breit, die Sei-
ten aufgetrieben-gerundet, hinter der Mitte eingeschnürt, der Hinterrand
zweihöckrig, die Fühler um die Hälfte länger als der Kopf, das zweite
Glied das längste, das vierte nicht dünner als das dritte, gestreckt ei-
förmig. Die Beine kurz, ziemlich dick, die Schenkel dick, unten säge-
förmig gezähnelt. Eine Art, E. notata, unbekannten Vaterlandes.
(Taf. 18. Fig. 3.)
Herrich-Schäffer (a. a. O.) hat die Gattung Alydus erläu-
tert und folgende Arten abgebildet: A. sinuatus F. aus Mexico, A. re-
ceurvus .n. sp. aus Brasilien, A. dentipes n. sp. aus Java, A. eru-
entus n. sp. aus Nordamerika, A. tarsatus Fahr. aus Brasilien, A. pi-
losulus n. sp. aus Nordamerika.
Zwei neue Arten von Nabis beschrieb A. Costa (Atti. etc. $.
250.): N. punctatus: „griseo-cinereus, capite et prothorace vittis tri-
bus nigris, lateralibus postice abbreviatis; scutello nigro, maculis dua-
bus flavo-rufescentibus; elytris corpori concoloribus nervis et intersti-
tiis fusco-punctatis, membrana albo-hyalina, nervis fuscis; abdomine
nigro, marginibus et vittis duabus subtus flavis; ‘femoribus fusco--pun-
etatis ; Jong. 3*/, 1.“, dem N. ferus sehr ähnlich, aber das Corium der
Decken mit zahlreichen und deutlichen braunen Puncten. — N. lon-
gipennis: „angustalus, pallide cinereus, subflavescens, capite et pro-
thorace vittis tribus fuscis, lateralibus abbreviatis; scutello nigro, late-
ribus flavo-rufescentibus ; elytris abdomine plus terlio longioribus, corio
punctis duobus nigris, membrana albo-hyalina subopalizante; long. corp.
3'/, l., cum elytr. 4 1.«; beide von Neapel.
Erichson (Schomb. Reis. 3. Th.) stellte folgende neue Arten
aus British Guiana auf: Pirates morio, myrmecinus, Spiniger al-
bispinus, Apiomerus geniculatus, Arilus rhombeus, Conorrhi-
nus lutulentus.
Eine neue Art ist ferner Ploiaria maculata Haldeman (Pro-
ceed. Acad, Philad, III. S. 151.) aus Pennsylvanien.
Ploteres.
Eine neue Gallung und Art ist Hydrobates linearis Erich-
302 Schaum: Bericht über die Leistungen in der Entomologie
son (Schomb. Reis. 3. Th.) aus British Guiana, sie ist ungelügelt uud
stimmt mit Hydrometra in der Länge des Hinterleibes, mit Halobates in
der Kürze des Proihorax überein, welcher sich nicht auf dem Rücken
des Mesothorax verlängert; der letzte Hinterleibsring ist beim Weibchen
scharf zugespitzt, beim Männchen ebenlalls zugespilzt, aber kürzer, an
der Wurzel auf jeder Seite mit einem zurückgekrümmten Häkchen be-
wallnet.
Herrich-Schäffer (a. a. 0.) hat die Arten der merkwürdi-
gen Gattung Halobales beschrieben und H. sericeus Eschsch. und pi-
ctus n. sp. abgebildet, die letztere lebt auf dem atlantischen Ocean,
in der Nähe der nordamerikanischen Küsten. (Eine von Templeton
[Trans. of the ent Soc. t. I. S. 230. Taf. 22, Fig a.] aufgestellte Art,
Hal. Streatfieldiana ist dem Verf, entgangen).
Die Ansicht Amyot’s, dass die Gattung Halobates auf Larven ge-
gründet sei, wurde von Fairmaire (Ann.d. ]. soe, ent, d. Frane.
1848. Bull. S. XXVI.) widerlegt, welcher wiederholt Eier in den Lei-
bern weiblicher Individuen von H. flaviventris und sericeus gefunden
hat. Das von Amyot als Halob. albinervis beschriebene geflügelte In-
sect lebt nicht auf dem Meere und gehört gar nicht in diese Gattung.
Riparii.
A, Costa (Atti. ete. 8.243. Taf. 1. Fig. 4-7.) beschrieb fünf
neapolitanische Salda- Arten: S. riparia Fall., 8. littoralis F., S. o.cel-
latan. sp.: „subovala , supra planiuscula, nigro-aenea, aureo parce
villosa, ‚prothorace holosericeo-micante , elytris corio maculis duabus
majoribus in margine externo punctis oblongis interjectis fuscis; pedi-
bus pallidis, femoribus, medio fuseis ; long. 1Y%, 1.« — 8. bieelor:
„subovata, supra planiuscula, nigro-aenea, aureo parce villosa; elytris
niveis, basi suturaque scutellari nigris ; membrana nervis vix fuscescen-
tibus, pedibus pallidis ; long. 15%, 1.“ — S. pallipes F.
Nepides.
Die Naturgeschichte und Anatomie der Gattung Belostoma ist
von Leidy geschildert worden (Journ. of the Acad. of Phil. N. Ser.
Vol. I. P. I. S. 57. pl.. X.) ‚Sie ist in den Vereinigten Staaten durch
zwei Arten vertreten, B. grande und haldemanum n. sp., die letz-
tere unterscheidet sich durch schwächere Vorderschenkel und den Man-
gel der doppelten Grube auf den Vorderschenkeln und der einfachen:
auf den Vorderschienen; auch verschwinden die Flecke der Scherkel
und Schienen. Die Länge variirt von 2—2'),”, die Breite von 9— 1.
Auf einige kleinere verwandte Insecten gründet der Verf. die neue Gat-
tung Perthostoma, die Unterschiede von Belostoma sind: Schnabel
eylindrisch, im Zustande der Ruhe eingebogen, Fühler sehr kurz, unter
den Augen verborgen, das zweite und dritte Glied ästig, das letzte halb-
elliptisch, Halbdecken glatt, mit Ausnahme eines kleinen runden Haar-
während des Jahres 1848. 303
lecks an der innern Ecke des lederartigen Theils, da wo er sich an
den häutigen anschliesst; Hinterschienen nicht ınehr zusammengedrückt
als die Mittelschienen und schmäler als die Schenkel, Schwanzborsten
sehr kurz und spatellörmig. P. testaceum: Körper spatelförmig-ei-
rund, gelb, Schenkel und Schienen mit drei deutlichen Flecken , obere
Fläche des Hinterleibs schwarz, mit gelben Ecken, Seitenränder des
Prothorax zusammengedrückt, etwas ausgerandet. Schwanzborsten Yyyı
lang. Länge 8‘, Breite 4'/," und P. aurantiacum: blassgelb,
Schenkel undeutlich gefleckt, Seitenränder des Vorderrückens etwas
ausgerandet, Oberfläche des Hinterleibs tief schwarz, mit orangefarbe-
nen, an den Ecken ins Gelbe übergehendem Rande. Schwanzborsten
1'/'*, Länge 11’, Breite 5“. Eine blassgelbe Abänderung, hat, keine
Flecken. Beide Arten sind in Pennsylvanien zu Hause. — Die Mit-
theilungen über die Lebensweise dieser Thiere enthalten nur Bekann-
tes. — Der Verdauungskanal von B. haldemanum zeigt wenig Eigenthüm-
liches. Der Magen (richtiger der Vormagen) ist vielfach eingeschnürt, das
Duodenum (richtiger der zweite Abschnitt.des Chylus-Magens) ist eylin-
drisch, mehrfach um sich selbst geschlungen, nach hinten etwas aufgebläht.
Der Dünndarm lang, am Uehergange in den Diekdarm mit einem sehr geräu-
migen Bliuddarm, der Dickdarm durch eine Einschnürung in zwei Ab-
schnitte getheilt. Der Verf. vermuthet, dass der grosse Blinddarm als
Schwimmblase dienen möge, da er von den Arten von Perthostoma oft
beobachtet hat, dass sie an die Oberfläche des Wassers kommen, den
Hinterleib vorstrecken und einen Wasserstrahl vom After aus in eine
beträchtliche Entfernung ausspritzen, dann scheinbar eine Quantität Luft
einathmen und verschwinden. Der After ist eine klappenarlige Oeffnung
an der Spitze einer Verlängerung des Hinterleibes. Die Speichelgefässe
bestehen aus vier gelappten Drüsen, zwei längern und zwei kürzern
(die kleinern sind eigentlich nur fingerförmige Fortsätze der grösseren).
Vor der Einmündung der grössern findet sich jederseits eine kleine
Blase, vielleicht ein Speichelreservoir. Ausser diesen gelappten Drü-
sen sind noch ein paar einfache Sigmaartig geschlungene Schläuche
vorhanden, welche mittelst eines schmalen Ganges in den Anfang der
Speiseröhre münden. — Die Hoden werden als unregelmässig gerun-
dete Massen, die von einer einfachen, langen, gewundenen Röhre ge-
bildet werden , beschrieben. Das vas deferens ist zuerst schmal, wird
dann, rückwärts verlaufend, weiter, ist eiwas gewunden und vereinigt
sich mit dem ‘der andern Seite zu einem kurzen ducius ejaculatorius,
Der Penis ist gegliedert, 3” lang und an der Spitze getheilt, der obere
Theil hat die Gestalt eines Hakens, der untere die eines Löffels. Zwi-
schen beiden befindet sich die Oellnung der Urethra. Im Ruhezustand
ist er in eine Scheide zurückgezogen , welche aus einer obern Anal -
und einer untern dreieckigen kurzen Genitalklappe besteht. Von der
Genitalklappe gehen die zwei Schwanzborsten aus, welche ganz in den
Hinterleib zurückgezogen werden können. Unmittelbar hinter densel-
304 Schaum: Bericht über die Leistungen in der Entomologie
ben liegen zwei hakenförmige Anhänge, mit denen wahrscheinlich die
Weibchen bei der Begattung festgehalten werden. Die Eierstöcke be-
stehen aus je fünf Röhren, welche innerhalb des Thorax schmal und
gerade, innerhalb des Hinterleibs weiter, dünnhäutiger und sehr zusam-
mengewickelt sind, die fünf Röhren gehen in einen kurzen Oviduct aus,
welcher mit dem der andern Seite eine kurze Scheide bildet. Die Ha-
ken an der Genitalklappe existiren im rudimentären Zustande auch beim
Weibchen. Die glandulae odoriferae bestehen in zwei mässig langen,
im Metathorax gelegenen gewundenen Röhren, welche aussen zwischen
den Hüften der Hinterbeine sich öffnen.
Das Nervensystem stimmt ziemlich mit dem von Nepa überein,
die Gehirnganglien sind sehr entwickelt, das Bauchmark besteht aus
einem kleinern vordern und grössern hintern Brustganglion, welche
weit von einander entfernt liegen.
Notonectides.
Eine neue Art Corira basalis stellte A.Costa (a.a. 0.S. 147.
Fig.1. S.242.) auf: „pallide flava, prothorace lineis sex transversis
nigris, integris; elytris lineolis transversis brevibus parum sinuosis fa-
vescentibus, basi interna pallide flava, lineis nigris maioribus transver-
sis reclis ; abdomine supra testaceo basi nigro ; long. 3 1.“ von Neapel.
Eine vortreffliche „Synopsis aller bisher in Europa entdeckten Arten
der Gattung Corisa“ hat Fieber (Bull. d. Mosc. 1848. 1. S. 505. Taf. 10.)
veröffentlicht. Es werden 31 meist neue Arten scharf unterschieden,
von denen Europa fünf mit Nordamerika gemein hat. (C. hieroglyphica
Leon Duf., limitata Fieh. , Germari Fieb., praeusta Fieb. und fossarum
Fieb.). Die Geschlechtsunterschiede, welche bisher theils gar nicht,
theils unvollständig erkannt waren, bestehen nach dem Verf. 1. in der
besondern Bildung des schaufelförmigen, bei den Männchen jeder Art
anders gebildeten Tarsus der Vorderbeine ; 2. in dem an Umfang grös-
seren oder geringeren Eindruck der Stirn beim Männchen und der ge-
wölbten oder selten platten Stirn des Weibchens; 3. in den parallelen
Bauch - und Rückenschienen des Weibchens und den wellenförmig ge-
schweiften, zusammengeselzen Bauchschienen des Mannes.
Ein grosser Schwarm von Notonecta glauca ist an den Ursprün-
gen des Mississippi unter dem 48° nördl. Breite in einer Strecke von
25—30 engl. Meilen von G Simpson beobachtet worden. Es ge-
schieht dieser Beobachtung in den Trans. of the ent. Soc. V. Bull.
XXC. Erwähnung, und es wird hier zugleich bemerkt, dass dies der
erste bekannt gewordene Fall der Wanderung eines Wasserinsects in
grossen Schwärmen sei.
Fulgorellae.
Von Westwood sind (Cab. of Orient. Ent.) folgende ostin-
dische Arten abgebildet worden: Fulgora clavala West., gemmata
während des Jahres 1548. 305
n. sp. vom Himalaya, guttulata Westw., virescens Westw., viridiro-
stris n.sp., der candelaria sehr ähnlich, von Assam, (Taf. 3.) oculata
Wesiw. var., alle zur Untergattung Hotinus Amyot gehörig, Aphaena scu-
tellaris White, imperialis White und die merkwürdige Ancyra appendicu-
lata White. (Ann. of nat. hist. 1845, im Jahresber. f. 1845 nicht erwähnt),
deren Vorderflügel an der Spitze einen langen dünnen Anhang haben,
während die Hinterflügel an der Spitze tief ausgeschnitien sind.
Eine neue zur Untergattung Holinus gehörige Art von Borneo ist
Fulgora Sultana Adams (Proc. zool. Soc. $. 83. Ann. of nat. hist. XX.
S. 204.)
Von Erichson (Schomb. Reis. 3. Th.) wurde eine neue Gat-
tung Labicerus aufgestellt, welche mit Derbe verwandt ist und sich
besonders durch die Fühlerbildung auszeichnet, das dritte Glied ist
nämlich in zwei Aeste gespalten, der innere doppelt so lang als der
äufsere, stark zusammengedrückt. L. elegans neue Art aus British
Guiana. Neue von demselben (a. a. 0.) beschriebene Arten sind:
Poeocera porphyrea aus British Guiana und Poeciloptera fritil-
laria aus Brasilien.
Boheman (Nya Suensk. Homopt. $. 39.) bereicherte die Gat-
tung Derbe mit zwanzig neuen, in Schweden einheimischen Arten: D.
lepida, nasalis, longifrons, mutabilis, hamata, trunca-
tipennis, pallidula, brevipennis, collina, raniceps, ob-
scurella, lugubrina, pallida, forcipata, moesta, tri-
stis, discolor, elegantula, denticauda, ezigua.
Für das Leuchten der Fulgora laternaria hat sich wieder einmal
eine Stimme vernehmen lassen, es ist die eines H. Edwards, wel-
cher den Amazonenfluss bereist hat; er hat übrigens das Thier nicht
selbst gefangen, sondern stützt sich nur auf die Aussagen einiger Ein-
gebornen (Trans. of the ent. Soc. Proc. S. XXXVII). — Dass das In-
sect in Wirklichkeit nicht leuchtet, wird dagegen durch eine Mitthei-
lung von Beske (Ann. d. |. soc. ent. d. Franc. 1848. Bull. S. XV.),
welcher seit 14 Jahren in Brasilien ansässig, dasselbe in allen Ständen
beobachtet hat, aufs Neue ausser Zweifel gesetzt.
Membracides.
Eine neue Art ist Membraeis decorata Erichson aus British
Guiana (Schomb. Reis. 3. Th.)
Cicadellae.
Boheman (a. a. 0, S.24.) hat die schwedische Fauna mil fol-
genden, meist neuen Arten bereichert: Aphrophora corticea Germ., Del-
focephalus maculiceps, multinotatus, Athysanus brachypte-
rus, siylatus, Thamnotettiv punctifrons Fall., phragmitis, si-
Inalipennis, Jassus impurus.
Archiv f. Naturgesch. XV. Jahrg. 2. Bd. U
306 Schaum: Bericht über die Leistungen in der Entomologie
Stridulantia.
„Ueber die Verbreitung der singenden Cicaden in Deutschland«
theilte v. Siebold seine Beobachtungen mit (Entom. Zeit, S. 6.). Es
kommen in Deutschland sechs Arten vor, nämlich : C. haematodes L. F.,
C. concinna Gern, C. Orni L,, C. sanguinea F. (haematodes Pz,, hel-
vola Germ.), C. obscura F. und C. Frazini F. — Obgleich der Verf.
sich vielfach deshalb bemühte, ist es ihm doch nie gelungen, eine die-
ser Arten in Deutschland lebend zu Gesicht zu bekommen, dagegen hat
er den Gesang der C. concinna bei Erlangen, Muggendorf, in mehre-
ren Gegenden der fränkischen Schweiz, bei Freiburg, bei Neckarsteinach,
Heidelberg, Darmstadt, Bingen und am Prachenfels bei Bonn vernom-
men. Sie kommt hier oft in solcher Menge vor, dass ihr Chorgesang
schon einen Begriff.von dem Lärmen geben kann, den die grossen Ci-
caden des Südens hervorbringen. Sie lässt sowohl an sonnigen Tagen
als bei warmen Nächten ihren Gesang hören, bei trübem Himmel und
verminderler Lufttemperatur schweigt sie durchaus; sie kommt erst
während der warmen Sommerzeit zum Vorschein, hält dann aber bis zum
Spätherbst mit ihrem Gesange aus. Am liebsten bewohnt sie junge
Eichbäume.
Weitere Bemerkungen „über Singeicaden,“ sowohl über die Syno-
nymie als über das Vorkommen derselben in Deutschland theilte Dr.
Fischer mit (ebenda S. 237.).
Ueber das Erscheinen der Cicada septendecim im Staate Ohio ver-
öffentlichte Hildreth seine Erfahrungen (Sillim. Am. Journ. 2. Ser. IH.
$. 216. — Ann. of nat. hist. XX. S. 136. — Schleid. u. Fror. Notiz. IH.
S. 241.) Im Jahre 1829 war sie dort zuletzt aufgetreten. Die Larven
waren indess in der Zwischenzeit gelegentlich bemerkt worden, na-
mentlich 1838 und 1840. Im letzten Jahre waren ihre Zellen um !/;
kleiner als sie im 17ten Jahre sind. Diese Zellen sind eirund, (21/,«
lang und °/,“ breit) innen glatt, ringsum geschlossen. 1840 waren sie
2‘ —4 unter der Oberfläche des Erdbodens. Die Wandungen sind
wahrscheinlich wasserdicht, denn die Stelle, wo sie gefunden wurden,
stand einmal 5—6 Tage unter Wasser. Von Exerementen ist keine
Spur in der Zelle zu bemerken. Ehe die Puppe auskriecht, gräbt sie
einen glatten Gang an die Oberfläche, oft von 4 Länge. Auf feuchtem
Boden sah der Verf. sie thurmartige Erdröhren 5—6” in die Höhe füh-
ren, um ins Trockne zu gelangen ; bei einigen derselben, wo die Spitze
des Thurms geschlossen war, fand sich die Puppe noch darin. Die
vollkommenen Insecten leben etwa 30 Tage. Sie lieben die Wärme
und lassen ihren Gesang in der sonnigen warmen Tageszeit erschallen,
bei Nacht sind sie fast stumm. In Gärten legen sie ihre Eier am lieb-
sten in die vorjährigen Triebe der Aepfelbäume; die Blätter dieser
Zweige vertrocknen dann nach wenigen Tagen, und sie selbst werden
bald vom Winde abgebrochen, Die Jungen kommen in 60 Tagen aus,
‘während des Jahres 1848. 307
"Nach Miss Morris Erfahrung wird den Larven der Cicada sep-
tendecim sehr von Maulwürfen nachgestellt, so dass da, wo diese nicht
hinkommen, die Obstbäume sehr leiden. (Proceed. Acad. Philadelph. IIR
8.190.)
Eine neue Gattung, Cephalozxys wurde von Signoret auf-
gestellt: der Kopf ist klein, einen spitzen Winkel von 40 Gr. bildend,
schmaler als das Halsschild, der Mittellappen vorstehend und die Sei-
tenlappen überragend, eine Spitze von der Länge des Kopfes bildend;
der Rüssel bis zu den Mittelhüften reichend. Die Augen sitzend. Die
Decken sehr lang, die Flügel durchsichtig. Die Stimmdeckel klein, die
Stimmhöhlen nicht ganz bedeckend. Zwei Arten ©. viridis und he-
melytra beide von Java (Description de deux Hemipteres-Homopte-
res, tribu des Octicelles, groupe des Cicadides: Ann. d. 1. Soc. Ent. di
Fr. v. 5. 293.):
. Ders. beschrieb auch zwei neue Arten von Cicada, EC. 4tuber-
culata und tuberosa von Java (Description de deux Cigales de
Java du genre Cicada: ebenda S. 297.).
Eine neue Art ist ferner Cicada (Zammara) erimia Erich-
son (Schomb. Reis. 3. Th.) aus British Guiana.
Psyllidae.
Eine neue Art, Psylla Cerastii wurde vonLoew beschrieben.
(Ent, Zeit, 1847 8.349. Taf. 1.Fig, 1-5.) Sie lebt beiiEger auf Ce-
rastium vulgatum, auf welchem sie eine. eigenthümliche Missbildung
erzeugt. ; Diese trifft, stets den obern Theil des Stengels und besteht in
einer Verkürzung und Verdickung der Stiele und einer Ilypertrophie ‚der
Blüthentheile mit Ausnahme der Staubgefässe, welche verkümmern oder
wenigstens welk werden. In den Achseln der missgebildeten Blüthen-
theile sitzen die plattgedrückten Larven und Nymphen mit losen Flok-
ken einer weissen Wolle bedeckt.
Förster veröffentlichte in den Verhandlungen des naturhistori=
schen Vereins der preussischen Rheinlande 1848. 3. eine Uebersicht
der Gattungen und Arten der Psylloden. Der Familiencharakter. wird
hier in folgender Weise festgestellt: Kopf mit zwei Netz - und drei
Nebenaugen, letztere weit von einander getrennt, Fühler 8 - 10gliedrig,
das letzte Glied mit zwei feinen Borsten, Hinterbrust mit zwei spitzi-
gen Zähnchen, die Flügel mit einer starken Randader, die Vorderflü-
gel lederartig oder häutig. Die Gattungen sind auf folgende Weise
angeordnet: A. Netzaugen rund, über die Kopflläche sich erhebend oder
hervorquellend,, a. Der Kopf vorn in zwei (Stirn) ‚Kegel verlängert. 1.
Die Unterrandader mit zwei Aesten. «. Die Flügel ohne Stigma, *,
Vorderflügel lederartig, runzlig , undurchsichtig. Livilla Curt. 1..A.,
L. Ulieis Curt, #*, Vorderflügel häutig, durchsichtig. Arytaena nov,
gen. 2 A. Spartii Harlig und radiata Först, aus Oestreich. ß, Die
Elügel mit deutlichem Stigma; Psylla Geoffr. mit 34 Arten, Ps. Alni Linn.,
308 Schaum: Bericht über die Leistungen in der Entomologie
fuscinervis, Buxil., Visci, UlmiL., Orataegicola (viridisHart?),
Salicicola, Mali, Carpini, dubia, Frazinicola, Hippo-
phaes,,viridula, peregrina, insignis, ambigua, mela-
noneura, spartiopkila, Crataegi Scop., costatopuncta-
ta, rufula, fumipennis, Pruni Scop., Pyri L., pyricola,
apiophila,,, pyrisuga, Saliceti, ferruginea, simulans,
Fraxini, (Chermes F. Linn.), Heydeni, alpina aus den Berneral-
pen, picta aus England, die übrigen Arten vom Rheine, 2, Die
Unterrandader ‚mit ‚3 Aesten: Triosa: noy. gen. 23, Arten, Urticae
L., apicalis (Cerastü Linn? Loew?), eupoda Harl., protensa;
remolta; crassinervis, curvalinervis,. albiventris, pal-
lipes, forcipata, modesta, sanguinosa, haematodes,
cinnabarina, pinicola (Chermes Pini Linn?) , nigricornis,
femoralis , aculipennis Zett., Galii, velutina, abieticola;
munda, Walkeri, ‚die drei letzten aus England, die übrigen aus
Deutschland. .b. Der Kopf ohne Stirnkegel. ;. Die Flügel ohne Stig-
ma: Aphalara nov. gen. 7A., flavipennis, ezilis Weber et Mohr,
Polygoni, nervosa, subfasciata, innozia, subpunclata,
alle in der Rheinprovinz einheimisch. +7. Flügel mit einem. ofinen
Stigma: Rhinocola noy. gen.2A., Rh. Aceris (Chermes Aceris Pla-
tanoides L.) und Ericae ÜCurt.- B. Die Netzaugen flach, erheben sich
nicht über die Kopflläche: Livia Latr. 1 A., 2. juncorum Latr. (Nahe
verwandt ist die vom Verf. nicht erwähnte Diraphia limbata Wag. Ann.
di 1. soc. ent. d. France. t. Xl.).
In einem ersten Nachtrage sind drei neue Gattungen errich-
tet: Anisostropha (— Homotoma Gucr. Icon. 370.), Fühler bor-
stenförmig ‘behaart, Kopf ohne Stirnkegel, Flügel etwas zugespitzt, der
eine Ast der 2. Gabelzelle weit vor der Spitze in den Vorderrand ein-
mündend, Flügel ohne 'Stigma 1. A.: A. Ficus (Chermes 'F. Linn.) —
Euphyllura, Fühler Sgliedrig, Kopf ohne Stirnkegel, Flügel ohne
Stigma ;2te: Gabelzelle: mit: sehr kurzem Stiel, das unpaarige Neben-
auge ‚liegt weit vom Vorderrande des kiopfes entfernt. Zwei neue Ar-
ten: E. Obeae', Phillyreae. — Spanioneura. Kopf mit stark
verlängerten 'Stirnkegeln , die, Fühler 10gliedrig, Flügel zugespitzt, der
Radius ganz genau in die Flügelspitze einmündend, 1 neue’ A. Sp.
Fonscolombüii. Ausserdem sind hier als neue Arten Psylla subgra-
nulata und Triosa maura beschrieben. Alle sind von Aix in der
Provence.
Ein zweiter Nachtrag enthält Jie Beschreibungen von 3 neuen
A. von Aphalara: A. Artemisiae aus Schlesien, Sonchi aus Ir-
land, Schlesien und vom Harz, Ulicis aus Irland. 4 von Psylla: Ps.
argyrostigma:aus Schlesien, Alatemi, aeruginosa, oceulta
aus Irland. ' 2 Triosae: Tr. flavipennis vom Harz, vitripen-
nis von Aachen. Von den Arten der älteren Autoren sind dem Verf,
noeli ‚folgende 11 unbekamnt: FagiL., SorbiL., Calthae L., BetulaeL.,
sigolomon!! während des Jahres 1848, sıln2 809
Salieis L., QuercusL.., Rhamni Schrk., Humuli Schrk., ‚Pinö Gmel., Evo-
nıyjmi Gmel., Senecionis Gmel.
Aphidü.
Ein wichtiger Beitrag zur Kenntniss dieser Familie ‚sind die Be-
schreibungen brittischer Aphiden, welche Walker zu veröffentlichen
begonnen hat (Deseriptions of Aphides Ann. of nat: hist. II. ser...
8.249.328. 443. 11. 8. 43. 95. 190. 421.).. Der Verf, hat stets alle
ihm bekannt gewordenen Formen einer jeden Art ausführlich geschil-
dert und genaue Beobachtungen über Vorkommen und Lebensart den
einzelnen Beschreibungen augeschlossen. ‘Besonders glücklich ist er in
der Auffindang vieler Männchen gewesen, von ‘denen einige ‘in einer
geflügelten und ungeflügelten Form vorkommen. Auch der Act der! Be-
gattung ist vom Verf. in zahlreichen Fällen beobachtet 'worden. Die ein-
zelnen hier abgehandelten Arten sind auf folgende Weise in 19, zum
Theil nicht weiter charakterisirte Gruppen getheilt: 1. Die Saftröhren
und das letzte Fühlerglied sehr lang. Die Individuen der. hierher 'ge-
hörigen Arten leben zerstreut, und es giebt hier drei Formen: ein le-
bendig gebärendes, geflügeltes Weibchen, ein eierlegendes, ungeflü-
geltes Weibchen und ein geflügeltes Männchen. Hierher: A. platanoi-
des Schrank. und A. Acerina neue Art auf Acer Pseudoplatanus ent-
deckt. — 2. Wie die vorige Gruppe, aber die Saftröhren ‚erheben sich
kaum über die Oberfläche des Abdomen, und das siebente Fühlerglied
ist kürzer als das sechste. A. Betulae Linn. (nigritarsis Heyd. Kalt.),
A. comes neue Art, auf Betula alba gefangen. — 3. Die einzige Art
dieser Gruppe, A. oblonga Heyd. kommt ausser in den erwähnten drei
Formen auch als ungeflügeltes, lebendig gebärendes Weibchen vor, —
4. Die einzige hierher gehörige Art, A. Fagi Linn. ist durch die: baum-
wöllenähnlichen Fasern, welche ihrem Körper anhängen, charakterisirt,
sonst stimmt sie im Bau mit der vorigen Gruppe überein, und hat auch
vier Formen wie diese. — 5. A. antennata Kalt.) welche in: drei For-
men, als lebendiggebärendes geflügeltes Weibchen, flügelloses Weibchen
und geflügeltes Männchen beobachtet wurde. — 6. Diese Gruppe ist
durch vier Formen: geflügelte lebendiggebärende und flügellose eier-
legende Weibehen, flügellose und geflügelte Männchen charakterisirt
und enthält nur eine Art, A. Tiliae Linn. — 7, In dieser Gruppe er-
scheinen flügellose, lebendiggebärende Weibchen , aber das geflügelte
Weibchen ist sehr vorherrschend, die Individuen leben zerstreut; Die
Flügeladern gewöhnlich mehr oder weniger wolkig. A. betulicola Kält.,
juglandina neue Art, auf dem Wallnussbaume entdeckt, Coryli Götze,
Quercus Kalt., Quercea Kalt,, Alni Fbr., juglandicola Kalt. Hierher 'wabr-
scheinlich auch die in England nicht einheimische platanicola Kalt. —
8. A. Juglandis Frisch;, wie die Arten der ersten Gruppe in drei Fors
men bekannt; von sehr eigenthümlichem Baue. — 9. A. bifrons neue
Art, wahrscheinlich auf der Erle lebend, — 10. A. Populi Linn. und
310 Schaum: Bericht über die Leistungen in der Entomologie
A. hirticornüs neue Art, lebt auf der Eiche. — 11. A, Aceris Linn,
und A. Acericola neue Art auf, auf Acer Psendoplatanus. — 12,
A. populea Kalt. und A. Salicis Linn. — 13. A. Salicivora neue
Art, lebt auf Salix caprea, oft in ungeheurer Menge, sowohl die Männ-
chen als auch die lebendiggebärenden und eierlegenden Weibchen
scheinen stets ungeflügelt zu sein. — 14. Die Arten dieser Gruppe: le-
ben 'auf Gräsern und Binsen, ihr Körper ist flach, Fühler und Beine sind
kurz, ihre Saftröhren‘ ragen kaum hervor und sie erscheinen sehr: sel-
ten in der geflügelten Form. A. Glyceriae Kalt., A. littoralis neue
Art, häufig auf Gräsern am’ Meeresufer, A. hirtellus Haliday, A..Cy-
peri neue Art. — 15. A. Eriophori neue Art von Haliday in Menge
auf Eriophorum vaginatum entdeckt. — 16. A. bufo Halid.;neue Art
auf Lycopsis arvensis und Carex arenaria an der Meeresküste entdeckt.
— 17. A. serrulatus (Atheroides serr. Halid.) von sehr abweichendem
Bau und wie es scheint in allen Formen ungeflügelt. — 18. A. Piceae
Panz. (Lachnus grossus Kalt.), A. Pini Linn., A. Pinicola Kalt., (pini-
phila 'Ratzb.), A. Pineti Fabr., A. Abietis auf Abies excelsa, A. co-
stata Zeit. (Lachnus fasciatus Burm. Kalt., Cinara Symphiti Curt.),
A. Laricis neue Art, A. Juniperi Fabr., A. submacula neue Art,
auf der Insel Portland entdeckt, A: saligna Sulz., A. Roboris Linn., A.
agilis Kalt. — 19, Diese Gruppe ist zahlreicher an Arten als. alle an-
deren zusammengenommen, dieselben sind einander zum Theil sehr
ähnlich und dieselbe Pflanze ist oft der Wohnort von mehreren, in ein-
zelnen Fällen von neun Arten, andererseits ‘haben aber die Wande-
rungen von einer Pflanzevzur anderen zur Vervielfältigung ‚der Arten
Veranlassung ‘gegeben, ' Geflügelte und ungeflügelte Formen wechseln
mit einander ab); aus den Eiern entwickeln ‚sich. zuerst flügellose.‚In=
dividuen;, diesen folgen gellügelte Nachkommen, welche ‚durch ihre
Flügel in den Stand gesetzt sind zu: andern Pflanzen zu wandern ‚ we
sie wieder eine flügellose Nachkommenschaft bilden. In dieser Weise
wechseln die Generationen oft bis zum Herbste, wenn die Männchen
und die flügellosen eierlegenden Weibchen erscheinen. | Diese. Gruppe
ist als die typische anzusehen, in welcher die Eigenthümlichkeiten der
Familie, die Gestalt des Kopfes, der Saftröhren und der Spitze. des Hin-
terleibes ihre ‚höchste Entwicklung erreichen. ' A. Rosae Linn., A.
Sonchi Linn., (A. Serratulae, Jaceae, Picridis, Solidaginis, Campanur
lae und Taraxaei Kalt. sind dieselbe Art, welche auf einer sehr, gros-
sen Menge von Pflanzen vorkommt), A. Millefolii Fabr., (A. Millefolii
etAchillaeae Fbr: Kalt.) vielleicht nicht specifisch von ‚der. folgenden
verschieden, A. Absinthii Linn. (A. Tanaceti Lion., Tanacetaria Kalt.,
Tanaceticola Kalt. sind dieselbe Art), A. Ulmariae Schrank. (4A. ‚Pisi
Kalt.), A... Rubi Kalt., A, Urticae Schrank., A. Vincae noy, spec, ge-
mein auf Vinca major, A. Malvae Mosley (Pelargonü Kalt,), A. pal-
lida neue Art in Gewächshäusern ‚auf Calceolarien beobachtet, A,
Fragariae, neue Art, auf Fragaria Vesca entdeckt,
während des Jahres 1848. 311
Derselbe theilte auch in den (Trans. of the ent. Soc. V. 60.)
Beobachtungen über Aphiden mit. Aphis Rumicis entwickelt sich im
Frübjahr auf dem Ampfer aus Eiern, die zweite Brut, welche geflügelt
ist, wandert von da auf Bohnen, Schoten, Disteln, Chenopodium ete.
Später lässt sie sich auf vielen anderen, Pflanzen nieder, ohne daselbst
fortzukommen, sie schwärmt oft in grosser Menge. Im November er-
schieu das Männchen und das flügellose Weibchen legte seine Eier
auf die Spitze des Ginsters. — Viele Arten, namentlich die wandern-
den, haben abwechselnd geflügelte und ungeflügelte ‚Generationen. Die
Wanderungen werden unternommen , um. frisches, Futter. aufzusuchen,
nicht um Eier zu legen , die Schwärme bestehen, ‚nur, aus' Weibchen,
Die Männchen erscheinen im October oder November. Der Verf. hat
eine 'ansehnliche Zahl von Arten in Begattung beobachtet, in allen die-
sen ‚Fällen. ‚waren ‚die. Männchen geflügelt. In einem Falle ist die Be-
galtung eines gellügelten Weibchens von Hardy ‚beobachtet worden,
Bei A. Saliceti wechseln geflügelte und flügellose Generationen mit ein-
ander ab, aber im Juni erscheinen, ungellügelte eierlegende Weibchen,
welche von. den lebendiggebärenden erheblich abweichen und von flü-
gellosen Männern begleitet sind, mit denen sie sich begalten. Von A.
juglandicola, welche auf Wallnussbäumen lebt, gebären die ‚Weibchen
im ‚Juni „und Juli lebendige Junge, im August, erscheinen plötzlich
Männchen und eine Abänderung des Weibchens; die Begattung wurde
aber nicht.beobachtet und die Männchen starben nach wenigen Tagen.
Ders. (Ann. nat. hist, XX. S. 209.) bemerkt, dass Aphis humuli
sich auf der Schlehe entwickele, dass die zweite Generation von dort
auf denHopfen übergehe, welcher durch die dritte und vierte Brut sehr
erschöpft, werde, dass diese sich aber nach einiger, Zeit verminderte
oder verschwände, worauf dann die Blattlaus zur Schlehe zurückkehre.
Ders. gab (on the migrations of Aphides Ann. ‚of nat, his. 1848,
Il. Ser. t. I; no. V.; Schleid. u. Fror. Not. 1848. Aug, $. 182.) ein: Ver-
zeichniss. von Aphisarten,; welche periodisch, Wanderungen von einer
Pflanze zur andern antreten, oder deren Futter durch die Cultur gewis-
ser Pilanzen verändert worden ist. Zu. den ersteren gehören: A. Ro-
sae, welche von der Rose auf die Distel, A, Avenae, die von Grasar-
arten aufs Getraide, A. Capreae, die von der Winde auf, Dolden ‚A.
Urticaria, die vou der Nessel zum Brombeerstrauche wandert, A. hu-
muli, die ursprünglich auf der Schlehe lebt, und erst im Sommer auf
den Hopfen übergeht, weshalb man keinen ‚Schlehenbaum in der Nähe
won Hopfenfeldern dulden sollte. Aphis Brassicae ursprünglich auf dem
Meerkohle und wilden Senfe einheimisch, hat’ sich’ auf den‘ kultivirten
Koblarten angesiedelt, A. Pruni, die eigentlich »äuf dem’ Schilfe vor-
kommt und auch A; Arundinjs genannt wird, auf dem Pllaumenbaume,
A. Persicae, deren zweiter Name prunicola den eigentlichen Wohnsitz
bekundet, auf: der Pfirsiche u. s. w.
Auch in Newman’s Zool. für 1848 hat Wal er Beschreibungen
312 Schaum: Bericht über die Leistungen in der Entomologie
von Aphiden veröffentlicht, ich habe diese; Zeitschrift indessen für den
vorliegenden Bericht nicht benutzen können.
Die Naturgeschichte der Artischockenblattlaus hat Westwood
(Gardener’s: Chron. 1848. n.25. S. 399.) geschildert. Sie ist von ihm
früher als Rhizobius Helianthemi (S. Jahresber. f. 1844.) beschrieben.
Sie lebt an den Knollen Jerusalemer Artischocken und findet sich auch
im Winter an denselben. Der Verf. vermuthet, dass sie mit Trama ra-
dieis Kalt. einerlei sein möge. Das Insect bedient sich, nach Westwood’s
Beobachtung der Hinterbeine als Fühler,
Aphis rapae (oder vastator), gemein auf Turneps, von Unkundi-
gen als Urheber‘ der Kartoffelkrankheit betrachtet, ist von „Ruricola«
genauer geschildert in Gard. Chron. 1847. n.2. S. 21.
Kollar beobachtete an den Blättern von Quercus sessiliflora
Smith im Garten von Schönbrunn ein Insect, welches Chermes nahe
verwandt, sich jedoch von dieser Gattung durch den Mangel der Flü-
gel und durch stachelförmige Fortsätze am Rande des Körpers, so wie
durch seine Productionen an den Blättern unterscheidet, diese beste-
hen in kreisrunden Erhöhungen auf der Oberfläche des Blattes, denen
auf der Unterseite Vertiefungen entsprechen. Die Maigeneration des
Thieres, welches Acanthochermes Quercus genannt wird, legte
Eier, weiter konnte der Eutwicklungscyelus desselben aber nicht ver-
folgt werden, die aus den Eiern sich entwickelnden Jungen ‘gingen
zu Grunde und im Juli war auf den Eichen das Insect nicht wieder auf-
zufinden. (Kollar Sitzungsber. d. Wien. Acad. .d. Wiss. 1848. H. III;
Schleid u. Fror. 1849. Jul. S. 327.).
Newport hat über. die Entwicklung der Blattläuse Beobach-
tungen mitgetheilt (Notes on the Generation 'of Aphides. Trans. of the
Linn. Soc. t. XX. S.281.). Sie bestätigen nur die früheren Erfahrungen,
dass Blattläuse zu einer Zeit lebendige Junge gebären, zu einer ande-
ren Eier legen. Diese letztern sind nicht Kapseln, welche den fer-
tig gebildeten Embryo umhüllen, sondern bestehen aus gelbem Dotter
und einer dünnen Schicht von Eiweiss, der Dotter aus Kernzellen und
einem grossen Keimbläschen mit einem deutlichen Fleck. Das Bläs-
chen verschwindet erst einige Zeit nach dem Legen (abweichend von
den übrigen Insecten).
Coceides.
Bremi hat in ‚den Verhandlungen d. Schweizer naturforsch.
Ges. b. i. Versamml. ‘zu Schaffhausen 1847 einige Mittheilungen über
Schildläuse veröffentlicht, In der Schweiz sind von ihm 26 Arten von
Aspidiotus , 9 von Lecanium, 4 von Dorthesia, 1 von Porphyrophora,
1 von Monophlebs, 3 von Aleurodes beobachtet worden. Von diesen
sind den Kulturpflanzen besonders: nachtheilig Dorthesia Vitis , welche
an den Zweigen des Weinstocks nächst den Blattachseln und Augen
sich festsetzt, einige Arten von Lecanium, welche an Spalierbäumen in
während des Jahres 1848... .: >» 318
grosser Menge vorkommen und mehrere Aspidiotus, ‚welche auf, Treib-
hauspflanzen angewiesen sind. Die letztere Gattung zerfällt.in zwei
Sectionen, die eine hat ein einfaches Schild und die Arten derselben
breiten "sich vorzugsweise auf den ‚Blättern aus, die andere. ist in
beiden Geschlechtern durch doppelte Schilder charakterisirt. Das, erste
dieser Schilder ist sehr klein, an der Spitze des zweiten viel grösse-
ren aufsitzend, welches gewöhnlich eine sehr gesireckte Gestalt zeigt.
Die Larve sitzt frei unter diesem Schilde, Die Arten dieser Gruppe,
welche der Verf. mit dem Namen Diaspis belegt, scheinen ausschliess-
lich auf der Rinde holzartiger Pflanzen zu leben, nur selten gehen sie
von den Zweigen auf den Blattstiel und die mittelste Blattrippe, nie
anf die Blattfläche über. Ihre Vermehrung ist ungeheuer, und sie wer-
den daher auch sehr verderblich. Eine besonders schädliche Art lebt
unter den halblosen Rindenschuppen der Stämme der Apfelbäunıe, eine
andere auf den Zweigen junger Apfel - und Pflaumenbäume. Der Verf.
hat mehrmals Obst - und Waldbäume beobachtet, welche durch Arten
dieser Abtheilung zum gänzlichen Absterben gebracht waren. Als ein
wirksames Mittel, um die Schildläuse zu tödten, wird das Bestreichen
der Gewächse mit Weingeist und das Bürsten der Aeste und Stämme
mit einer rauben in Tabakslauge getauchten Bürste empfohlen.
Chavannes beschrieb zwei neue brasilische Arten von Coccus
(Bull. d. 1. soc. d. sc. nat. d. cant. d. Vaud, abgedruckt Ann. d.1.soc.
ent. d. Franc. 1848 S. 139): C. Psidii auf einem Psidium, und ©.
Cassiae auf einer Cassia lebend, beide sind von ansehnlicher Grösse,
liefern einen rothen Farbestoff und exsudiren eine so bedeutende Menge
von Wachs, dass ihre Cultivirung von praktischem Nutzen werden
könnte.
Westwood bemerkte (Trans. of the ent. Soc. Proc. S. V), dass
Coccus Cacti darin von den übrigen Cocciden abweicht, dass das Weib-
chen seine Jungen lebendig hervorbringt, und dass die männlichen Pup-
pen in einem beutelartigen Coccon enthalten sind, dessen unteres Ende
offen ist, und aus dem das vollkommene Insect, die Flügel rückwärts
über den Kopf gelegt, herauskriecht. Der Verf. findet darin eine Be-
slätigung seiner früher ausgesprochenen Ansicht, dass aus dieser Art
eine besondere Gattung (Pseudococcus) zu bilden ist.
Chevreuil hat die Algier’sche Cochenille mit der Zaccatilla
von Mexico verglichen und gefunden, dass die erstere ein geringeres
Färbungsvermögen besitzt als die mexicanische, dass der Unterschied
aber für Scharlach unbedeutender ist als für Karmoisin. Die Ursache
dieses Unterschiedes wird von Ch, so erklärt, Gewöhnlich nimmt man
an,-dass die Cochenille den rothen Farbestoff fertig in dem Cactus
coceinellifer, auf dem sie lebt, vorlindet, dies scheint'aber nicht‘ der
Fall zu sein, da sie sich vom Blatte nährt, welches nicht roth ist, aus-
serdem auf Cactus Opuntia vorkommt, welcher gelbe Blüthen hat. Es
scheint vielmehr, dass das Insect in den Pilanzen Stoffe findet, welche
814 Schaum: Bericht über die Leistungen ‘in der Entomologie
durch leichte Umwandlungen,, die sie im Innern ‘des Thiers erleiden,
carminroth oder gelb werden. Wahrscheinlich findet nun die Zacca-
tilla in dem Cactus coccinellifer nicht so viel von dem gelben Farbe-
stoff, als es bei dem in Algier cultivirten Cactus Opuntia der Fall sein
mag (Compt. rend. 1848 t. XXVI S. 375.).
Thysanura.
Von dieser Ordnung hat Nicolet eine neue systematische Be-
arbeitung veröffentlicht (Essai sur une Classification des Insectes apte-
res de l’ordre des Thysanures. Ann. d. 1. Soc. Ent. d. Fr. 1847. S. 335.
T. 5, 6.), in welcher die Gattungen neu begründet, und die einzel-
nen Arten mit ihren Synonymen aufgeführt sind, also eine wichtige
Abhandlung über diese so lange vernachlässigte Abtheilung. Nur dass
der Verf. die Lepismenen, welche so entschieden die Kennzeichen der
Orthopteren besitzen, den Poduren anschliesst, scheint mir nicht zweck.
mässig. Die jetzige Eintheilung ist folgende:
1. Gruppe. Sminthurellen: 1. Gatt. Sminthurus Latr. 19 Ar-
ten, 2 Gatt. Dicyrtoma Bourl., 7 Arten.
2. Gruppe. Podurellen: 3. Gatt. Orchestella Templ. (Heteroce-
rus und Aethocerus Bourl.) 20 Arten. — 4. Gatt. Degee-
ria Nic. (Isotoma Bourl.) 21 Arten. — 5. Gatt. IJsotoma
Bourl. (Desoria Nie.) 22 A. — 6. Gatt. Podura auct.
(Hypogastrura Bourl.) 1A. — 7.Gatt, Achorutus Templ.
(Hypogastura Bourl., Podura Nic.) 12 A. — 8. Gatt. To-
mocerus Nic. (Macrotoma Bourl.) 3A. — 9. Gatt. Cy-
phoderus Nic. (Lepidocyrtus Bourl.) 15 A.
3. Gruppe. Lipurellen: 10 Gatt. Anurophorus Nic. (Onychiurus
Gerv., Adicranus Bourl.) 5A. — 11. Gatt. Anoura Gery.
(Achorutes Nic.) 8 Arten.
Unter den hier, aufgeführten 131 Arten sind 31 neue, meist aus
Lucas ‚Bearbeitung der algierischen Fauna und Gay’s Beschreibung von
Chile. Nur drei neue europäische Arten sind hier genauer beschrie-
ben : Sminthurus Lusseri aus der Schweiz, Sm. fuliginosus von
Neuchatel, und Anoura granaria von Paris,
Westwood erläuterte in Gard, ‚Chronicl. 1847. n. 14. 8. 220.
Podura viatica und fimetaria, welche in Gärten zuweilen in grosser
Menge erscheiaen, aber durchaus nicht nachtheilig sind, da sie nur ‚von
modernden; Pflanzenstoflen, sich nähren.
Podura nivicola Asa Fitch (Winter-Ins, of East. N. York,
8.10.) ist eine neue, 'Art, welche in New-York die europäische P. ni-
valis ‚ersetzt und oft in ungeheurer Zahlıauf dem. Schnee erscheint.
Gervais hat (Hist. nat. d. Ins. Apt. t. IV. Paris 1847. S. 357.)
die seit seiner 'frühern Bearbeitung (s. Jahresber. für 1843. S, 81.)
beschriebenen Arten dieser Familie aufgezählt.
oinolom während: des Jahres 18484191 ımunın? SO
Thysanoptera.
. v.;Bülow-Rijeth (Entom. Zeit. 1847 8. 377) ‚machte ‚auf die
Beschädigung aufmerksam , welche eine ‚Art von Thrips dem, Getreide,
und zwar dem Winterroggen sowohl als dem Sommerroggen zugefügt
habe, Obgleich Ratzeburg, der,in dem Insect einen, Thrips, wahrschein-
lich Tb. physapus, erkannte, und Rector, Hess, ein; anerkannter, Botani-
ker, Zweilel gegen die nachtheilige Thätigkeit des Thrips ‚aussprachen,
und den Schaden atmosphärischen Einflüssen ‚zugeschrieben wissen, wol-
len, besteht v. Bülow doch, , und, wie, es scheint, mit Recht, auf seiner
Meinung. Die Beschädigung bestand darin, dass an den befallenen Ael-
ren ein grosser Theil der mittleren Aehren taub blieb; auf welche, Weise
der Thrips diess veranlasste, konnte der Verf. aus Mangel an Beobach-
tungsmitteln nicht ‚nachweisen (vergl. darüber Kirby, Trans. ‚of the Lion.
Soc. Ill S. 247.,. Westwood Introd. to the mod. .classif. IL. S. 4.). ..,
Parasita. Bir
Ueber die Mundbildung. von ‚Pedieulus von.Prof. Buirmeishe,r
in Halle (Linnaea Ent. II 5. 569—584 Tafel 1.). — Diese Abhandlung
hat den Zweck, die-Richtigkeit der von Swammerdam und Nitzsch mit-
getheilten Beobachtungen zu bestätigen und die Angabe Erichson’s
(Jahresber. f. 1838 S. 375), dass die Läuse Mandibeln und Taster ha-
ben und beissen, zu widerlegen.
Die Läuse haben zum Saugen des Bluts ein ausstülpbares Organ
am Kopfe, welches unter der Form eines fleischigen Kegels erscheint,
der am Ende verdickt und daselbst mit mehreren Reihen von Haken
besetzt ist. Es bildet dieses Organ eine Scheide um einen hornigen Sta -
chel, welcher aus der Spitze desselben hervorlritt und wahrscheinlich
die Wunde in der Haut macht. Dieser Stachel besteht aus vier horni-
gen Halbröhren, die je zwei und zwei mit einander zu einem ganzen
Rohr verbunden sind und in einander stecken, so dass zwei als grösse-
res Rohr die beiden feineren umhällen, die innern können aus den äus-
seren hervorgeschoben werden, nachdem letztere aus dem fleischigen
Kegel hervorgetreten sind. Zur Untersuchung hat dem Verf. die Laus
des Schweins (Pediculus Urius) gedient. — Die Operation des Saugens
geschieht auf folgende Weise. Zuerst wird der mit Haken besetzte Ke-
gel ausgestülpt, hierauf der Stachel vorgeschoben, bis er in ein Blut-
gefäss des Wohnthiers eingedrungen ist, dann wird das innere Rohr
des Stachels vor- und rückwärts bewegt; die Blutflüssigkeit steigt durch
Capillarattraction in dem Rohre empor und die Bewegung des Blut-
stroms wird noch durch die peristaltische Bewegung des Oesophagus
unterhalten.
Zu einem andern, die frühere Angabe Erichson’s bestätigenden
Resultate ist G. Simon gelangt, welcher gemeinschaftlich mit Eri ch-
son die Mundbildung von Pedieulus capitis untersuht hat (Simon’s Haut-
316 Schaum: Bericht über die Leistungen’in der Entomologie
krankheiten $.273.) Unterhalb des im Kopfe,liegenden Rüssels befin-
det sich ein Paar bräunlich gefärbter Mandibeln und am Rüssel selbst
ein Paar viergliedriger Taster. Diese Theile sind auf Taf.7 Fig.4 u.5
abgebildet. S. und E. setzen wegen des Vorhandenseins der Mandibeln
voraus, dass die Läuse zuerst mit diesen in die Haut einbeissen und
dann in die so gemachte Wunde den Rüssel zum Saugen einsenken,
und dass die Taster ihnen vermuthiich zum Aufsuchen der zum Saugen
geeigneten Stellen dienen. (Mir scheint gegen die Richtigkeit dieser
Darstellung der Umstand zu sprechen, dass die Mandibeln hinter und
unter den Tastern liegen sollen, was gegen alle Analogie ist. Auch
zeigen die als Mandibeln gedeuteten Theile in der Abbildung keine
Kaufläche.)
Lucas beschrieb als neue Art Haematopinus Cervicaprae,
welche in grosser Menge auf Antilope Cervicapra lebt. — Eine andere
neue Art derselben Gattung, H. bicolor, findet sich in Luisiana auf
dem Hunde (Notice sur une nouvelle espece d’epizoique appartenant
au genre des Haematopinus et qui vit parasitique sur l’Antilope des
Indes, Antilope Cervicapra Pall. Annal. d. l. Soc. ent. d. Franc. 1847.
5. 531 Taf. 8 Fig. 2.)
Bericht über die Leistungen in der Natur-
geschichte der Crustaceen, Arachnoiden
und Myriapoden während der Jahre
1847 und 1848.
Von
Dr. Wilhelm Peters.
Crustacea.
Lavalle (Ann. des sc. nat. 3. serie. 7. Bd. 1847.
S. 352 fgg.) hat mikroskopische Untersuchungen der, kalki-
gen Schale des Krebses gemacht.
Verf. unterscheidet daran drei Schichten. 1) Die äusserste Schicht
ist sehr dünn und durchscheinend, und wird als Epidermis betrachtet;
unter dieser folgt 2) eine zweite 4— 5 Mal dickere Schicht, welche
roth gefärbt und undurchsichtig ist. Sie ist von Kalknetzen imprägnirt,
enthält die abgerundete Basis der Haare, und zeigt eine Menge fei-
ner Linien, die unter sich parallel und in der Richtung der Oberflä-
che der Schale liegen ohne Anastomosen zu haben. Man findet ausser-
dem hie und da kleine Körperchen in derselben. L. nennt diese zweite
die Pigmentschicht. 3) Die innerste Schicht, viel dicker als die
andere, bildet gegen fünf Sechstel der ganzen Schale. Man findet keine
Spur von Pigment in derselben, und sie ist durch ihre Weisse und
Undurchsichtigkeit ausgezeichnet. Man findet ebenfalls in dieser Schicht
parallele Linien, welche aber viel deutlicher und durch grössere Zwi-
schenräume getrennt sind. Die kleinen unregelmässigen Körperchen der
2ten Schicht findet man auch hier wieder. Auch ist diese Schicht von
einer Anzalıl Canälchen durchbohrt , welche an die Basis der Haare
oder der Tuberkeln der Schale gehen.
Die Zahl der in der britischen Fauna vorkommenden
Crustaceen ist durch Thompson (Ann. and Mag. Nat, Hist.
XX. p.239 fgg. id. new series vol. I. 1848. p. 64.) vermehrt
worden.
818 Peters: Bericht über die Leistungen in der Naturgeschichte
Von bisher nicht an den englischen Küsten beobachteten Crusta-
ceen finden sich nach Thompson Repräsentanten der Gattungen Opis,
Aonyx, Lestrigonus, Aegina ?, Tanais, Trebius, Lernaeopoda und die spe-
eifischen Formen Crangon fasciatus, Eurynome scutellata, Bopyrus hip-
polytes Kr., Cirolana hirtipes, Caligus minutus, C. curtus, C. diaphanus,
C. pectoralis, C. Nordmanni und C. sturionis. Von schon bekannten
britischen Formen wurden an den irländischen Küsten ausser den frü-
her beobachteten auch Arten der Gattungen Amphitoö, Cerapus, The-
misto (Maeromysis), Cynthia, Jaera , Eurydice, Cymodocea, Munna, Ce-
tochilus; Canthocarpus und Phoxichlidium: entdeckt.
VonLievin erschien eine sehr dankenswerthe, mit Ab-
bildungen versehene Beschreibung‘ der Branchiopoden von
Danzig. (Die Branchiopoden,.der Danziger Gegend. Ein Bei-
trag zur Fauna der, Provinz Preussen. „Von Dr. Lievin. Mit
11 Tafeln in Steindruck. Danzig 1848. 4. *).
Die beobachteten Formen sind Branchipus diaphanus, Apus can-
eriformis und eine neue mit Limnadia verwandte Gattung Hedessa aus
der Abtheilung der Phyllopoden,, Sida crystallina, Str., brachyura nov.
sp., Daphnia pulex, sima, quadrangula, intermedia, brachiata, mucronata
Echinisca rosea M. E., Acanthocercus rigidus, A. sordidus nov. spec.,
Eunica longirostris Koch , Lynceus' lamellatus‘, ' quadrangularis), trun=
catus ,, trigonellus, ‚sphaericus , striatus, macrurus,, Pasithea rectirostris,
Polyphemus oculus.
„u,.Die von Dana.bei: der Weltumsegelung . unter .Wilkes
gesammelten: und beschriebenen Crustaceen' aus der’ Ahthei-=
lung’ der Cyclopen (Copepoda) sind aus den Proceed. of the
Amer. Acad. of Arts. and Scienc. Mai 1847 in dieses Archiv
(Jahrg. 1847. .p. 301 qq.) ‚aufgenommen ‚worden.
Die von Adams und White in der Zoology of the
yoyage of H.M. S. Samarang, Lond, 1848 u. 1849 beschrie-
benen. und abgebildeten neuen Crustaceen sind :
Inachidae, Oneinopus neptunus, Inachus lorina , Doclea' cal-
cirapa.
Majadae,. Pisa sinope Philippinen‘, Pisa planasia Chinesis.
Meer, Chorinus acanthonotus Boineo, Chorinus verrücosipes Ostind. Meer,
Schizophrys serratus Mauritius, Pericera’ tiarata Philippinen, Pericera
setigera Philippinen, \\Menaethius 'subserratus‘ Philippinen, Menaethius
porcellus ‚Mauritius , Menaethius tuberculatus; Mauritius, ‚Huenia fronta=
bis, Zebrida Adamsii Borneo.
*) Neueste Schriften der Naturf. Ges. in Danzig. Bd. IV.
der ‚Crustaceen' während der Jahre 1847 u. 1848; 319
Parthenopidae. Lambrus harpax Borneo , Lambrus | lamelli-
frons Philippinen, Lambrus turriger Philippinen, Lambrus pisoides Phi-
lippinen , Lambrus hoplonotus Ostind. Meer, Cryptopodia dorsalis Soo-
loosee, Gonatonotus penlagonus Borneo, Ceratocarcinus longimanus
Borneo, Parthenope calappoides Ostind.' Meer, Parthenope tarpeius Ostind.
Meer. -
Canceridae. Carpilius cinclimanus Philippinen, Carpilius sig-
natus Isle de France, Atergatis sinuatifrons Mauritius, Atergatis subdi-
visus Philippinen, Atergatis insularis Philippinen, Atergatis lateralis
Ostind. Meer, Actaea nodulosa Mauritius, Xantho depressa Philippinen,
Xantho cultrimanus Philippinen, Xantho lamelligera Mauritius, Chlorodius
hirtipes Philippinen, Chlorodius fragifer Philippinen, Chlorodius pilum-
noides Singapore und Philippinen, Panopeus dentatus Philippigen, Pano-
peus caystrus Ostind. Meer, Panopeus formio, Pilumnus dilatipes, Pi-
lumnus scabriusculus und Pilumnus ursulus Ostind. Meer.
Portunidae. Lissocarcinus polybioides Oestliche Meere, Lu-
pocychus rotundatus von der Insel Balambangan , nördlich von Borneo,
Charybdis dura Mauritius.
Ocypodidae. Gelasimus cultrimanus, Gelasimus crassipes, Ge-
lasimus bellator alle‘drei von den Philippinen , Gelasimus Porcellanus,
Gelasimus forcipatus von Borneo.
Grapsidae. Utica gracilipes Philippinen.
Leucosidae. Leucosia haematosticta Ostind. Meer , Oreopho-
rus reticulatus Sunda-Strasse, Ica megaspis Philippinen, Harrovia albo-
lineata Philippinen, Iphis novem-spinosa Philippinen, Ipkiculus spon-
giosus Philippinen, Tlos muriger Borneo.
Corystidae. Trichocera porcellana Philippinen.
Hippidae. Cosmonotus Grayiü von Borneo.
Calappidae. Cryptosoma orientis Oestl. Meer.
Decapoda.
White hat mit Adams verschiedene neue Gattungen
und: Arten von Crustaceen bekannt gemacht, deren Beschrei-
bung sieh in der Proc. of the zool. soc. part. XV. 1847. .u.
XVI. 1848. befindet, und die meist auch in der oben ange-
führten Reise des Samarang abgebildet und beschrieben sind.
Da die Arten bereits oben angeführt sind, geben wir
hier nur die Characteristik der Gattungen,
Majadae, Hyastenus, mit Hyas und Chorinus verwandt;
Schale oblong, hinten an den Seiten abgerundet, vor und hinter den
Augen gerade ; eine seichte Querfurche im obern Augenhöhlenrande ;
Stirn mit zwei Hörnern von der Länge der Schale; Glieder der äussern
Antennen sämmtlich cylindrisch; Insertion des Basalgliedes unter dem
Stirnhorn versteckt, Vordere Füsse dünn ; zweites Fusspaar am läng-
320 Peters: Bericht über die Leistungen in der Naturgeschichte
sten und ‚sehr dünn ;; Endglied am Rande. bedornt. _ Die hierher gehö-
rige einzige Art Hyastenus Sebae kommt. von den Philippinen und ist
identisch mit dem bei Seba abgebildeten Cancer araneus cornutus alter
Thes. 111. 45. Taf. 18. Fig. 12.
Xenocarcinus, der Galtung Acanthonyx Leach, nahe ste-
hend; Schale lang, schmal, oben kantig, mit sehr langem dickem Schna-
bel; letzterer cylindrisch, horizontal, conisch, am Ende mit zwei klei-
nen Spitzen versehen. Innere ziemlich dicke Antennen in einer tiefen,
vorn dreieckigen Aushöhlung liegend. Augen mit einem kurzen dicken
Stiel. Aeussere Antennen unter dem Schnabel gerade’ vor den Augen
hervorkommend, 8- oder 9gliedrig; das erste Glied. verlängert, etwas
gebogen, das 2te nicht halb so lang; beide am Ende mit 2 oder 3
Haaren versehen ; die andern Glieder bilden eine Borste. Die äussern Pal-
pen bilden ein Quarre ; ihr erstes Glied ist sehr schmal an der Basis,
am innern Rande fein gezähnt; das 2te Glied ist sehr lang, mit fast
parallelen Seiten, das Ende allmählich zugespitzt; ‘das 3te Glied etwas
birnförmig,, mit einem Zahn an der Spitze. Beine cylindrisch, einige
Glieder leicht gebogen; Klauen lang , leicht gebogen, an der innern
Seite mit vielen nahe an einanderliegenden kleinen Zähnen versehen.
Schwanz: (der Weibchen) trapezoidisch, in der Mitte ausgehöhlt, die
Segmente mit Ausnahme des letzten, zu einem Stücke verschmolzen. Die
Art X. tuberculatus Wh. ist von Long-Island, Cumberland-Gruppe, Au-
stralien, und ebenfalls in dem Appendix zu der Narrative of the voyage
of the Fly beschrieben worden.
Zebrida, eine den Acanthonyx und Huenia nahestehende Gat-
tung. Schale flach , fast so breit wie lang. Stirn horizontal, leicht
nach unten gebogen, und aus zwei platten, conischen,, nach vorn ge-
richteten, und mit ihren Enden aneinanderweichenden Dornen gebildet. Die
Augenhöhlen rund ; der Augenstiel sehr breit und dick, breiter von
einer Seite zur andern , als von oben nach unten; Cornea über den
äussern Stirnrand hervorspringend,, die Augenhöhle , deren oberer Rand
vorspringt, beinahe ausfüllend. Die vorderen Seitenränder der Schale
mit einem einzigen, starken, platten Fortsatz versehen. Erstes Glied
der äussern Fühler sehr breit, lang, cylindrisch ; die Fühler selbst vom
Rostrum ‚bedeckt. Epistom ähnlich wie bei Acanthonyx. Die Scheeren
sind kürzer als bei dieser Gattung, und bedornt; das 2te Glied triangulär,
mit innerem und äusserem conischen Dorn; das 3te Glied mit drei Dornen
bewaffnet; das 4te Glied mit einem scharfen platten Dorn kammartig
versehen. Beine kurz, dick, sehr stark comprimirt ; 3tes Glied vorn
mit 2 Dornen versehen; AtesGlied vorn mit 1:Dorn, und das 5te Glied
ist breit und nach hinten zu mit 1 Dorn versehen. Z. Adamsii Wh.
fand sich ‘auf sandigem Grunde in 6 Klafter Tiefe an der Mündung des
Pantsiflusses, an der Küste von Borneo. Sie ist im lebenden Zustande
ganz apatisch wie Lambrus. Eine Varietät dieser Art fand sich bei 12
Klafter Tiefe in den Sooloomeeren.
der Crustaceen während der Jahre 1847 u. 1848. 321
Schizophrys. Thorax ovalis, depressus, poslice paululum at-
tenualus. Rostrum profunde incisum : superiore canthorum parte alte
incisa, valido dente in media incisione; inferiore canthorum parte appen-
dice elongato intus, duobus dentibus ad extremitatem. Chelae reliquis
pedibus breviores; digiti sine dentibus. Cauda maris septem artliculis;
latere fere parallela. Sch. serratus von Mauritius.
Die früher von White aufgestellte Gattung Telmessus gehört
ebenfalls zu den Majaden und nicht zu Plagusia (Samarang. p. 14).
Parthenopidae. Ceratocarcinus, der Gattung Eumedonus
Edw. nahe verwandt. Schale etwas pentagonal; Seiten über der In-
sertion des ersten Fusspaars, in einen langen nach. vorn gerichteten
Dorn ausgezogen; Stirn breit und vorragend, jederseits in der Gestalt
von conischen Hörnern hervorspringend. Augen klein, Pedunkel kurz;
das Auge passt in einer Verliefung zur Seite des Schnabels. Aeussere
Antennen sehr entwickelt, Endanhänge wenigstens halb so lang als
die Antennen, und die Stirnhörner überragend.
Gonalonotus, dem Vorhergehenden nahestehend. Schale pen-
tagonal, deprimirt, die Seitenwinkel sehr scharf; Stirn sehr breit, la-
mellös, abgerundet, äm Ende schwach gekerbt. Augen gross, hervor-
ragend; Pedunkel kurz, in einer verlielten Seitenkerbe inserirt. Aeus-
sere Antennen verlängert.
Thelphusidae. WVuldivia mit Trichodactylus verwandt.
Zweites Glied der äusseren Mundfüsse breiter als lang; drittes Glied
länger als breit, am Ende leicht gekerbt. Schale deprimirt, abgerun-
deter als bei Telphusa; vorderer Seitenrand mit vier scharfen Zähnen
nach vorn gerichtet; Beine selır lang, letztes Glied sehr lang, glatt.
Grapsidae. Utica. Schale etwas Sceckig, der vordere Sei-
tenrand mit drei Zähnen; der hintere Seitenrand der Schale schief; hin-
ten ist die Schale gerade; hinter der Mitte befindet sich ein sehr star-
ker Kamm. Drittes Glied der äusseren Kinnladenfüsse aussen gerade,
nicht erweitert. Vorderfüsse klein; Hinterfüsse sehr lang; Tarsus we-
nig breit, etwas verlängert, behaart.
Portunidae. Lissocarcinus. Pedipalpi externi arliculo
tertio, ad basin, latiora quam longiora, ad marginem anteriorem non
ineisum prope angulum. Thorax trapezoidalis, poslice coarelatus. Frons
prominens, lamellaris, in medio valde incisa. Antennae internae articulo
secundo elongato, usque ad fissuram porrecto. Pedes posteriores pedi-
bus Portuni simillimi. Abdomen (feminae) artieulis septem Jlateribus
subparallelis. (Voy. of H. M. S. Samarang pag. 45. tab. XI. fie. 5.)
Lupocyelus. Pedipalpi externi articulo secundo ad apicem
tenuiore (quam in Lupa), articulo terlio minore quam in Lupa. Thorax
suborbieularis, postice coarclalus, margine latero - anteriore spinis aculis
eonicis prorsum inclinatis. Frons semieircularis, in lobos quinque
aequales divisa; canthi margine superiore subfisso poslice, dent& magno,
Archiv. f. Naturgesch. XV, Jahrg. 2. Bd. V
322 Peters: Bericht über die Leistungen in der Naturgeschichte
conico, 'curyato, Chelae longae, spiniferae, pedes posteriores graciles,
compressae, pari quinto valde dilatato. Abdomen (miaris) triangulare,
articulis quinque. (Voy. Sam. p. 46. Tab. XII. Fig. 4.)
Leucosidae. Harrovia. Thorace subpentagono, dense to-
nıentoso, lineis duobus elevatis, tubereulisque quatuor obtusis; marginibus
latero-anterioribus dentibus tribus obtusis. Fronte valde recta in me-
dio emarginata, angulo canthi externe prominente dentiformi. Chelis
granulosis, brachio supra spinis duabus interne spina duplicata, carpo
tuberculo unico, manu cylindrica suleata, digiti ad basin tubereulo parvo
externe. (Voy. Samarang. p. 55.)
Iphiculus. Thorax sublatior quam longior, denso tomento
spongioso obsitus; marginibus latero-anterioribus spinis quatuor fim-
briatis; marginibus latero-posterioribus tubereulis duobus obtusis, ‘parte
eoarctala lineis impressis duabus longiludinalibus, et suleo transverso,
postice tuberculo subelevatiusculo. Frons tuberculis duobus depressis,
fissa separalis. Chelae, manu gibbosa, digitis perlongis, gracilibus,
multis denticulis longis instructis. Abdomen (maris) ad articulum ba-
salem fovea profunda sublongitudinali. (l. c. 'p. 56.)
Tlos |. ce. p. 57. „Der Name Tlos ist von der Stadt dieses Na-
mens in Lycia. — — Er ist hinlänglich von Tylos, einem andern Ge-
nus von Crustaceen unterschieden, um nicht damit verwechselt zu wer-
den.“ (Dieses ist der Grund für die Aufstellung eines Namens für einen
Krebs aus Borneo !) Thorax latior quam longior laevis ; regionibus latera-
libus valde excavatis, marginibus lateralibus trilobatis, margine posteriore
excavato, lolia bicarinata; multis tuberculis parvis ad basin circumdatis.
Frons integra rolundata deorsum rellexa. Chelae branchio triangulare,
carpo supra bicarinalo, manu carina tuberculifera, digitis ad fines cur-
vatis. Abdomen (feminae) articulis septem, ovale tuberculosum,
Hippidae. Cosmonotus. Schale oval, seitlich sehr compri-
mirt, besonders vorn, in der Mitte mit einem hervorragenden Kiel: ver-
sehen. Stirn mit einem kleinen Dorn zu jeder Seite eines eckigen
Ausschnitts, in welchem die Augen liegen. Vorderbeine stark, dreieckig,
die obere Kralle gebogen, die untere klein und am Rande gezähnelt.
(I. e, p- 60.).
In Jukes Reise wurden ebenfalls von White die oben-
erwähnte Gallung Xenocarcinus, X. tuberculatus und 4
andere neue Decapoden: Carpilius cinclimanus , Xantho. de-
planatus, Grapsus latifrons und Cymopolia Jukesii (Narrative
of the surveying vogage of H. M. S. Fly ete. Vol. II. Lond.
1847. p. 335. pl. 2.) beschrieben und abgebildet.
White (Proc. of the zool. soc. XVI. 1848. p. 47.) be-
schrieb eine neue Species von Lithodes als Echinocerus ci-
der Crustaceen während der Jahre 1847 u. 1848, 323
barius aus Nordamerika von \der Mündung des Columbia-
flusses.
Unter dem Namen Bellia stellte M. Edwards (Ann. des. sc.
nat. 3, serie, IX. 1848. p. 192.) eine neue Gattung der Oxystomen auf,
welche durch die Disposition der, innern Antennen sich den Corystes
nähert. Diese inneren Fühler sind sehr lang, hervorragend und nicht
zurückzielhbar; es mangeln die Grübchen, und die äusseren Antennen
sind rudimentär und auf ilır Basalstück redueirt. B. pieta Edw. aus
der Bai von S. Nicolas, an der Küste von Peru.
Macrophthalmus Verrauzii nov. spec. Edw. aus Neuholland (Ann.
d. sc, nat. 3. serie, IX. 1848. p. 358.)
Stenorynchus tenuirostris und 8. phalangium sind nur Varietäten
einer Art, und Eurynome scutellata ist nicht verschieden von E. aspera
(Thompson. Aun. nat. hist. XX. 1847. p. 237, 238.)
Pagurini.
Milne Edwards stellte die Species der Gattung Pa-
gurus zusammen und beschrieb hierbei eine Anzahl neuer
Species. (Ann. d. sc. nat. 3. Ser. X. 1848. p. 59.) Für die
Unterablheilungen sucht er nicht, wie früher, die Charactere
in der grösseren: oder geringeren Entwickelung der Augen-
stiele, sondern in der verschiedenen Bildung des ersten Fuss-
paars, und zerfällt sie darnach in linke, rechte und gleich-
armige.
Die neuen Species sind: P. brevipes aus Island, P. perlatus aus
Chili, P. pustalatus von der Küste von Gorea, P. gemmatus von den
Marquiseninseln , P. imbricatus in Ruffles-Bai, P. venosus aus Guade-
loupe, P. spinimanus von den Seychellen, P. scutellatus von Zanzihar,
P. eruentatus von Neuseeland, P. aculeatus von Port-Western, P. elon-
gatus von Hogolou, P. lineatus von La Pena, P. asper aus den Indi-
schen Meeren, P. taeniatus (= P. clibanarius Qu. et G.), P. corallinus
aus Neuholland, P. annulipes von Neuguinea, P, lividus aus Indien, P.
Gaimardii von Amboina, P. cristimanus unde?, P. tomenlosus, P. seto-
sus von Neuguinea, P. Weddellii von Peru.
Pagurus strigimanus White (l. c. p. 121.) aus Van Diemensland,
P. comptus Wh. von den ‚Falklandsinseln, und P. Clavipes Wh, aus
Bramble Key, Australien.
Maeroura.
Desmarest beschrieb einen ‚monstruösen weiblichen
Flusskrebs, mit 4 Eileitern und dem entsprechend , ausser den
324 Peters: Bericht über die Leistungen in der Naturgeschichte
beiden Oeffnungen an der Basis des 3ten Fusspaars noch
zwei andere an dem Äten Fusspaare. (Annales de la societe
entomol. de France. 2. serie. Tome VI. Paris. 1848.)
Newport (Ann. and Magaz. of nat. hist, Vol. XIX. 1847. p. 158.)
beschrieb vier neue Arten der Galtung Atya, A. sulcalipes, aus den
süssen Gewässern von San Nicolao (Cap Verdische Inseln), abgebildet
auf taf. VIII. fig. 1., A. occidentalis aus Westindien, A. spinipes von den
Philippinen und A. pilipes aus brakischem Wasser von Apia, Upola
und Neuseeland.
Von Macrouren stellte White (Proc. Zool. soc. p. 123. Vol. XV.
1847.) eine neue Gattung Alope auf, zu der Abtheilung der Alpheen
gehörig. Sie steht der Gattung Pontonia am nächsten und wird durch
die folgenden Merkmale characterisirt: Schale sehr breit, hinten an den
Seiten ausgedehnt, und in der Mitte ausgebuchtet. Schnabel kurz, oben
gezähnelt, in einer tiefen Grube liegend , welche vorn einen Dorn zu
jeder Seite hat, der fast zur Spitze des Schnabels reicht. Augen dick
und kurz gestielt, in einem hohlen Dorn zur Seite gelegen, der kür-
zer als der innere Dorn ist. Innere Antennen dick und verlängert;
zweites Glied viel länger als das dritte, welches am Ende leicht ge-
spalten ist, und zwei Endspitzen hat, deren eine sehr lang und cylin-
drisch, die andere kurz und comprimirt ist. Aeussere Antennen liegen
nach aussen von den inneren; der lamellöse Anhang verlängert, länger
als die dicken Basalglieder; der Endfaden halb so lang wie der Körper.
Aeussere Palpenfüsse sehr breit; von der Basis fast so lang wie der
Körper; erstesGlied am längsten, bis zum Ende der lamellösen Anhänge
der innern Antennen reichend; 3tes Glied mehr als doppelt so lang
wie das zweite. Erstes Fusspaar zweiklauig, dick, etwas über das
2te Glied der Palpenfüsse hervorrägend; ?tes Fusspaar fadenförmig
zweifingerig, 3tes, Ates und Öles Paar dicker als das 2te, einfingerig;
Klauen breit, unten gesägt. A. palpalis aus Neuseeland.
Ebenda Gebia hirtifrons Wh. aus der Südsee und Astacus zealan-
dicus Wh. aus Neuseeland,
Stomatopoda.
Squilla multicarinata n.sp. (White, Proc. Zool. soc. XVI. 1848.
p-. 144.) Alima aphrodite n. sp. White (Proc. Zool. soc. XV. 1847.
p- 124.).
Amphipoda.
Auch aus dieser Abtheilung beschrieb White eine neue Gattung
Ephippiphora, zwischen Orchestia und Talitrus stehend. Kopf ziem-
lich gross, Antennen auseinander stehend; oberes Paar an seinen Ba-
salgliedern sehr dick, in einem tiefen Einschnitt vor dem Kopfe inse-
rirt; zwei Borsten an ihrem Ende. Unteres Paar der Antennen am Ba-
der Crustaceen während der Jahre 1847 u. 1848. 325
salgliede etwas verlängert und behaart. Körper sehr comprimirt, seit-
liche Anhänge der ersten 8Glieder sehr breit, und fast die Beine ver-
bergend ; Anhang des 4len Gliedes sehr breit am Ende; 8tes bis 11tes
Glied an der Rückseite leicht gekielt; Anhänge der 3 letzten Glieder
des Abdomens länglich, mit kurzen Dornen am Rande hinten versehen.
E. Kroyeri Wh. aus Van Diemensland (Proc. of the zool. soc. XV.
1847. p. 124.)
Eine neue Art Gammarus fand Schiödte in kleinen Wasser-
pfützen der Magdalenen- und Adelsberger-Höhle. Gamm. stygius: ocu-
lis nullis, niveus, dorso laevi, appendice antennarum superiorum mi-
nuta viginlesimam flagelli partem vix compleote,, biarticulata, processu
inferiori pedum abdominalium ultimi paris brevissimo subeyathiformis,
exteriori valde elongato, biartieulato; appendice caudali biloba, lobis
parce serrulalis, Long. 5—7 Lin. (Oversigt over det Kongl. dansk. Vid.
Selsk. Forh. 1847. No. 6.)
Milne Edwards beschrieb eine neue Species von Lysianassa,
L. Magellanica, von ausserordentlicher Grösse (9 centim. lang, 3 cim.
hoch), die von d’Orbigny im Magen eines Fisches am Cap Horn gefun-
den wurde (Ann. des sc. nat. 3. serie, IX. 1848. p. 398.)
Kröyer lieferte die Beschreibung von Nebalia bipes Fabr. in
seiner Naturh. Tidskr. 2ten Bds. Ates Heft. 1847. p. 436.
Chelura terebrans Phil. wurde von Allman abgebildet und be-
schrieben (Ann. et Mag. Nat. Hist. Vol. XIX. p. 361.). Auch Thomp-
son machte einige Bemerkungen über die Zerstörungen, welche jene
Chelura und die Limnoria terebrans in Gemeinschaft mit zwei Mollusken,
der Teredo norvegica und Xylophaga dorsalis im Holzwerke des Ha-
fens von Androssan an der Küste von Ayshire anrichten. (Ann. et Mag.
of Nat. Hist. XX. 1847. p. 157.)
Isopoda.
Kröyer (Nalurhistorisk Tidskrift, Ny Raekke, 2ten Bds.
4tes Heft 1847.) in seiner Fortsetzung nordischer Carcino-
logie, gibt jetzt die ausführliche Beschreibung von Tanais
gracilis, tomentosus, Oersiedi und curculio, deren Diagnosen
bereits früher mitgetheilt wurden. Neue Gattungen sind:
Henopomus und Munna. Erstere steht zwischen Asellus und
Jaera und ist folgendermaassen characterisirt: Antennae superiores me-
diocris longitudinis (tertiiam quarlamve Jlongitudinis animalis partem
aequantes), flagello multiartieulato. Antennae inferiores longissimae,
longitudinem animalis aequantes aut superantes, flagello centumarticulato
et ultra. Mandibula palpo insiruela triarliculato, pes maxillaris palpo
quinquearticulato et flagello. Thoracis annuli margine laterali inciso
et dentato, Pedes thoracici articulo sexto subrudimentario, unguibus
326 Peters: Bericht über die Leistungen in der Naturgeschichte
binis, anteriori majori. ‘Par pedum thoraeicorum primum manu sub-
cheliformi,, cuius palma articulo quarto, digitus arliculo quinto sexto-
que iunctis efficitur; reliqui thoracis pedes ambulatorii. Abdomen in
unicum coalitum annulum, cuius pedes branchiales unica teguntur la-
mina permagna, in feminis integra, in maribus postlice incisa, triloba.
Pedes abdominales sexti paris exserti, varia magnitudine, nunquam vero
stylis rudimentariis. Von den beiden Arten findet sich die eine A.
muticus an den skandinavischen Küsten, die andere H. tricornis bei
Grönland. Die andere Gattung Munna kommt mit zwei Arten: M.
Fabricii und Boeckü ebenfalls an den Küsten Grönlands vor: Ch. gen.
Forma feminarum dilatata, ovalis ; marium elongala, sublinearis. Caput
latissimum (duplo ferme latius quam longum), longitudine quarlam quin-
tamve longitudinis animalis partem aequans. Oculi angulos capitis po-
stico-laterales obtinentes, prominentissimi, quasi pedunculati (non vero
mobiles). Antennae superiores in superficie capitis superiori libere
sitae, supra (vix vero intra) antennas inferiores, basinque earum par-
tim obtegentes, breves (capite tamen longiores), pedunculo quadriarti-
culato, flagello pauciarticulato. Antennae inferiores longissimae, longi-
tudinem animalis aequantes vel superantes, pedunculo quinquearticulato
flagelli multiartieulati longitudinem aequante aut parum vincente, Man-
dibula forma ferme vulgari, palpo armato triarliculato. Pes ıwnaxillaris
palpo quinqueartieulato. Pedes thoracici quatuordecim binis armati un-
guibus ; primum par ceteris brevius robustiusque , manu armatum sub-
cheliformi ; reliqua paria ambulatoria, sensim longitudine crescentes, ut
ultima longitudinem animalis aequent aut superent. ‚ Abdomen capite
longius, thorace multo angustius, unico constans annulo bene distincto,
unicaque infra Jamina praeditum tectoria; appendicibus caudalibus fere
evanescentibus vel prorsus rudimentariis.
Drei andere neue Arten von Isopoden, Anceus elongatus Kr. und
ldothea Sabini aus Grönland, und Anthura carinata Kr. aus dem Sunde
sind ebenda ausführlich beschrieben worden.
Entomostraca.
Drei vonWahlberg von Port Nalal aus süssem Was-
ser milgebrachte Branchiopoden werden von Loven be-
schrieben. (Öfvers. af Kongl. Velensk. Ak. Förh. 3. Jahrg.
1846. Stockh. 1847.)
Limnetis Lov&n n. gen, Limnadiae et Cyzico alfine, anten-
nis internis biarticulatis, cauda truncata, appendicibus mobilibus facie
inferiore destituta. L. Wahlbergii L. testa globosa, capite maximo, scu-
talo, pedum paribus duodecim. Long. 3mm., alt. 2,3mm. —
Cysicus australis Lov. rosiro producto, spinigero; pedum paribus
21, setis anlennarum exteriorum 1011 artieulatis, cauda aculeis circa
13 inaequalibus armata,
der Crustfaceen während der Jahre 1847 u. 1848, 327
Branchipus caffer Lov. thoraci inermi, lamina branchiali externa
pedum: maiore, integra; maris [ronte in rostrum lunatum producta, an-
tennis ‚primariis longis flexuosis, appendice basali lacinulata brevi.
Apus glacialıs Kroyer (Naturbist. Tidskr. Neue Reihe. 2ten
Bdes 4tes Heft p. 431.) neue Art aus Grönland,
Hedessa Sieboldii ist die einzige Species einer neuen von Lie-
vin (s. oben) aufgestellten Gattung. Männchen und Weibchen sind gross,
und ähneln einer kleinen Uyclas. Die Schalen sind fast kugelförmig,
sehr bauchig, und lassen den Kopf ein wenig hervortreten. Sie sind
an ihrem hintern Rande durch ein Ligament vereinigt, und mit dem
Rumpfe durch zwei starke Muskeln verbunden. Die innere Oberfläche
der Schale ist mit einer feinen Respiralionsmembran ausgekleidet, wel-
che, wie bei den Cladoceren, die abgeworfenen Schalen reproduceirt.. Der
Kopf von '/, Körpergrösse bildet einen grossen, spitzen Schnabel und
ist aus zwei Ringen zusammengesetzt. Die vorderen Antennen, Tast-
antennen , sind zweigliedrig, und ihr zweites kolbiges Glied ist mit
Wimpern versehen. Das zweite Antennenpaar, Ruderantennen, steht
nahe dahinter, und bildet das Schwimmorgan des Thiers, welches sich
nicht stossweise, sondern gleichmässig fortbewegt. Es ist gegliedert
und endet mit zwei borstentragenden Aesten. Es sind zwölf Paar
Füsse, ähnlich denen der Limnadia vorhanden, an denen Lievin fünf
besondere, jedoch nicht durch Gelenke abgesetzte, durch eigene Mus-
keln unabhängig bewegliche Abtheilungen unterscheidet: 1) Einen obern
sichelförmigen Anhang mit dem, den übrigen Phyllopoden gemeinschaft-
lichen Beutelchen, welches letztere der Verf. jedoch nicht für das Re-
spirationsorgan hält; 2) einen vordern oberen undeutlich gegliederten,
mit Borsten versehenen Fortsatz; 3) nahe der Basis ein den Fress-
werkzeugen zuzuzählender Anhang; 4) vor diesem letzteren eine dünne
Lamelle, das Kiemenblatt und 5) das zwischen 2 u. 4 liegende aus 4 Ab-
schnitten bestehende Fussende. An dem letzten Paare verschwindet das
sichelförmige Blatt, ebenso wie an den letzten 3 Fusspaaren von dem
fingerförmigen Fortsatz keine Spur mehr vorhanden ist, während die 3te
den Fresswerkzeugen zuzuzählende Abtheilung wenig an Grösse und
Form verändert wird. Die beiden letzten Leibesringe tragen keine
Füsse. An dem letzten findet sich eine Einkerbung zur Ausmündung
des Mastdarms; und über dem After liegen zwei kurze, weiche Schwanz-
krallen. Die Mundtheile bestehen aus einer beweglichen Oberlippe,
zwei starken Mandibeln und zwei Maxillen. Der Schlund geht in einen
weiten Darm über, welcher sich ohne Schlingen zu bilden bis zum
dritten Leibesringe erstreckt, und sich durch die beiden letzten Ringe
als Mastdarm fortsetzt. Dicht hinter dem Oesophagus münden die bei-
den Ausführungsgänge der grossen viellappigen Leber. Vom Gefäss-
system wurde nur das Herz beobachtet, welches an der Berührungs-
stelle des Nackenschildchens mit den Schalen liegt. Das Auge enthält
zahlreiche birnförmige Linsen, und empfängt 'seino Nerven aus einem
328 Peters: Bericht über die Leistungen in der Naturgeschichte
grossen Augenknoten. Es zerfällt, in Essigsäure gelegt, leicht in zwei
gleiche seitliche Theile. An dem vor dem Auge gelegenen Pigment=
fleck bildet ein aus dem Gehirn kommender Nerv eine gangliöse An-
schwellung. Die Männchen unterscheiden sich von den Weibchen durch das
‚zum Greiforgan umgestaltete erste Fusspaar, mit dem es das Weibchen
bei der Begaltung umfasst. Das 9te und 10te Fusspaar der Weibchen
enthalten Canäle, welche Copulationsorgane zu sein scheinen.
Die Gattungen und Arten der Cladoceren wurden von dem Verf.
revidirt, und müssen wir hierin auf die sehr lesenswerthe Schrift selbst
verweisen.
Loven characterisirte eine neue Gattung von Entomostraceen,
welche Wahlberg aus den süssen Gewässern von Port Natal gesandt hat.
Broteas Lov. Öyelopinae et Euchaetae alfine, annulis thoracis quinque,
aulennis primariis multiarliculatis, secundariis bifidis; pedibus natat.
oecto, bifidis, ramo externo tri -, interno bi- ariiculato, pedibus quinti
paris dissimilibus, ped. maxillaribus tertiis longissimis, apice in digitos
falcatos productis; abdomine in mare annulis sex, in femina tribus.
B. faleifer Lov. Long. Amm, (Öfvers. af Kongl. Vetensk. Akad. För-
handl. 3ter Jahrgang 1846. Stockliolm 1847.)
Kröyer (Nat. Tidsk. 2ter Bd. ötes Heft 1848. p. 527 sqgq.) gibl
Beschreibungen und Diagnosen der verschiedenen Calanusarten , von
denen 7, Calanus spitzbergensis, hyperboraeus, minulus, affınis, quinque-
annulalus, cristalus und caudatus den nordischen, C. carinatus dagegen
den Meeren von Südamerika (Brasilien) angehören.
Allmann (Ann. and Mag. of Nat. Hist. Vol. XX. 1848. pag. 1.)
gab die Beschreibung und Abbildung eines neuen Entomostracons aus
der Kiemenhöhle von Ascidia communis. Gen. Notodelphys: Kör-
per verlängert. Kopf schildförmig, an der Stirn mit einem einzigen
mittleren Auge versehen. Antennen 2, fadenförmig, vielgliedrig. Mund
mit einem Paar Mandibeln, und von 5 Paar Anhängen umgeben, von
denen das erste und das letzte greifend sind. Thorax aus nur zwei
deutlichen Ringen bestehend, indem das erste vordere mit dem Kopf
verschmolzen ist, Vier zweirudrige Schwimmfüsse. Abdomen besteht
aus fünf Ringen, von denen der letzte mit zwei borstentragenden An-
hängen versehen ist. N. ascidicola; Weibchen von etwas weniger als
1“ Läng; hat Aehnlichkeit mit Cyclops. Männchen unbekannt. Zwi-
schen dem letzten Thoraxringe und dem Abdomen befindet sich ein
grosses Receptaculum für die grünen Eier, welche, wenn sie reif sind,
aus einer Oeffnung über dem Abdomen herausschlüpfen. Auch beob-
achtete der Verf. verschiedene Entwickelungsstadien des Thieres, von
denen besonders das erste interessant ist, indem das Thier noch. keine
Segmente und nur 3 Paar Füsse hesitzt; die Augen sind wohl ent-
wickelt und fliessen zusammen. Es findet sich keine Spur von Anten-
nen, so dass das Thier in diesem Stadium grosse Aehnlichkeit mit dem
früheren Zustande der Acariden hat,
der Crustaceen während der Jahre 1847 u, 1848. 329
Caligidae.
Caligus Strömii Baird. (Laxe luus Ström) vom Lachs bei Berwick
als verschieden von C. vespa Edw. beschrieben in Ann. and Mag. Nat.
Hist. II. series. Vol.I. 1848. p. 396.
Pennellina.
Pennella pustulosa Baird (Ann. and Mag. of Nat. Hist. Vol. XIX.
1847. p. 280 aus Angas’ Savage Life and Scenes in Australia. Vol. I.
p- 31.) abgebildet.
Cirripedia.
Leidy fand an Balanus rugosus auf der dunkelrothen Membran,
welche die Schale und die zu den Operkeln gehenden Muskelbündel
überzieht, zu jeder Seite von der Mittellinie einen kleinen runden,
schwarzen Körper, der von einem farblosen Ringe umgeben war, und
der, mikroskopisch untersucht, von ihm als Auge erkannt wurde, be-
stehend aus einem Glaskörper, der hinten bis auf zwei Drittel von
schwarzem Pigment überzogen , und an einem Nervenfaden befestigt
ist, den er bis zu den oberen Schlundganglien verfolgte. (Aus den
Proc. Acad. Nat. Sc. Jan. 11. 1848. p. 1. Vol.V., in Ann. and Mag. Nat.
Hist, II. series, Vol. I. 1848. p. 222.)
Gray zeigte eine neue Species Analifa an, aus Madeira, auf
Gorgonia sich aulhaltend, A. crassa (Proc. of the zool. soc. part. XVI.
1848. p. 44.)
Ebenda stellt er eine neue, Scalpellum verwandte Gattung von
Cirripedien auf: Thaliella mit 11 Valven; Klappenvalven subtrian-
gulär, Dorsalvalven verlängert, gebogen; untere Dorsal- und vordere
Valve comprimirt, mit zwei Paar seitlichen Valven in der Körpermitte
über der Basis. Stiel mit Ringen dachzivgelförmiger horniger Schup-
pen. Unterscheidet sich von Scalpellum durch die Vereinigung der
vorderen und hinteren Seitenpaare und durch den Mangel einer mittleren
basalen Seitenvalve. T. ornata auf Plumularia in der Algoa-Bay vom
Cap der Guten Hoffnung.
Arachnidae.
Die zweite Hälfte des A4len und letzten Bandes von
Walckenaer’s Apteren, welche im Jahre 1847 erschien,
enthält viele wichtige Zusätze zu den vorhergehenden Bänden,
und wir glauben denjenigen Lesern, welchen das Werk selbst
nicht zugänglich ist, durch die Mittheilung des dadurch
veränderten Tableau’s von den Spinnen einen angenehmen
Dienst zu erweisen,
330 Peters: Bericht über die Leistungen in der Naturgeschichte
I. Theraphoses: Mandibules articul&es horizontalement.
Yeux au nombre de huit.
Les Latebricoles. Se cachant sous les pierres, dans les
troncs d’arbres, ou les grandes feuilles des plantes dures ou dans les
trous creuses dans le sol. Mygale (Ctenize, Tarantula) , Oletere (Aty-
pus, Ctenize), Calommate (Paschylocelis, Actinopus), Acanthodon, Cyr-
tocephale , Sphodros (Paschylocelis, Actinopus, Cratoscelis), Missulene
(Eriodon), Filistate (Teratodes).
II. Araigne&es: Mandibules artieul&es verticalement ou sur un
plan incline. Yeux au nombre de huit, de six ou de deux,
l. Les Binocule&es. Yeux au nombre de deux: 1) Les Cry-
pticoles. Aranedides se cachant sous les pierres ou dans les inter-
stices obscurs des roches ou des murailles. Nops.
II. Les Senoculees. Yeuxau nombre de six: 2) Les Tu-
bicoles. Araneides tendant des fils et construisant dans les inter-,
stices des roches ou des plantes, ou dans les angles des pierres et des
murailles des tubes, ou cellules de soie, oü elles se liennent &piant leur
proie. Dysdera (Harpactes, Agores, Conops), Segestrie. — 3) Les
Capteuses. Araneides tendant des fils isole&s ou en reseaux inlormes,
pour attraper leur proie. Scytode (Omosiles), Ecobe, Rachus (Pholcus),
Sicarius.
II. Les Octoculdes. Yeux au nombre de huit: 4) Les
Coureuses, Araneides vagabondes, courant avec agilit& pour attraper
leur proie, et s’enveloppant dans leurs toiles. Lycose (Phalangium,
Tarantula), Dolomede (Lycosoides, Lycaena, Ocyale, Pirata), Deinope,
Storene, Clene (Phoneutria), Hersilie, Dolophone (Aranea). — 5) Les
Voltigeuses. Aranedides vagabondes, sautant et voltigeant avec agi-
lite, pour attraper leur proie et s’enveloppant dans leurs Loiles. Myr-
mecie (Myrmarachne, Janus), Chersis (Palpimanus, Platyscellum, Aranea),
Eröse (Aranea, Molitor, Dorceus), Attus (Saltieus, Heliophanus, Pyropho-
rus, Calliethera, Dendryphantes, Thiania, Icelus, Alcmena, Cocalus, Amy-
cus, Assaracus, Eris, Marpissa, Phiale, Phidippus, Plexippus, Hyllus,
Deinercsus, Toxeus, Janus, Philia, Dorceus). — 6)Les Marcheuses,
Araneides vagabonldes, a pattes &lalees lateralement , marchant de cöle
ou en arriere, et tendant occasionellement des fils pour attraper leur
proie. Delene (Thomisus), Arkys, Thomise (Xysticus), Selenops (Hy-
poplatea), Eripe (Thomisus), Monaste , Philodrome (Thomisus, Artamus,
Thaumasia, Linyphia, Thanatus) , Olios (Thomisus, Araneus), Clastes,
Sparasse (Oxyopes, Idiops, Micrommata, Philodromus, Tegenaria, Tex-
trix, Araneus, Corinna, Agelena). — 7) Les Niditeles. Araneides
errantes, mais se faisant de leurs nids une toile ol aboutissent des fils
pour attraper leur proie. Clubione (Ciniflo , Caelotes, Anyphaena, Me-
lanophora, Lucia, Cheiracanthium, Amaurobius, Agelena, Drassus), De-
sis, Drasse (Pythonissa, Macaria, Melanophora, Theridion, Caelotes, Clu-
der Arachniden während der Jahre 1847 u, 1848. 331
biona), Clotko (Uroctea, Enyo, Lucia, Theridion), Othiothops, Latrodecte
(Meta, Theridion). — 8) Les Filiteles. Araneides errantes, mais
tendant de longs fils de soie dans les lieux ou elles se meuvent. Phol-
cus (Rachus). Arteme. — 9) Les Tapiteles. Arandides sedentaires,
fabriquant de grandes toiles a tissus serres, en forme de hamaes, et
des tubes ou cellules rondes, y residant pour attraper leur proie. Te-
genaire (Aranea, Philoica, Textrix, Agelena, Hahnia), Lachesis, Agelene
(Aranea , Arachne, Megamyrmackion, Dyetion, Clubiona). — 10) Les
Orbiteles. Arandides sedentaires, tendant des fils a mailles ouver-
tes et regulieres en cercles ou en spirales, et se tenant au milieu ou
ä cöle pour attraper leur proie. Epeira (Nephila, Galena, Miranda,
Zilla, Atea, Zigia, Meta, Singa, Micrathena, Argyopes, Gasteracantha,
Acrosoma). Plectane (Gasteracantha, Acrosoma, Micrathena, Epeira,
Eurysoma), Tetragnatke (Eugnatha, Deinagnatha), Ulobore (Zygia, Phi-
lodromus). — 11) Les Retiteles. Araneides sedentaires, formant des
toiles ä mailles ouvertes, a reseaux irreguliers, ou des nappes ou
tapis suspendus au milieu de reseaux irreguliers, et se tenant sur
leurs toiles ou ä cöt& pour attraper leur proie. Linyphie (Theridion,
Pachignatha, Argus, Philodromus, Micryphantes). Theridion (Liny-
phia, Steatoda, Argus, Bolyphantes, Dictyna, Pachygnatha, Eucha-
ria, Drassus, Phrurolithus, Asagena, Ero, Amaurobius, Phaeopus,
Micryphantes). Uptiote (Mithras), Argus (Erigone, Zodarion, Micryphan-
tes, Lucia, Linyphia, Theridion, Manduculus, Walckenaera , Neriene,
Hahnia) , Episine. — 12) Les Aquitäles. Araneides plongeuses,
nageant au milieu de l’eau, y construisant un nid rempli d’air, et ten-
dant des fils, qui y aboutissent pour altraper leur proie. Argyronete
(Araneus).
Ueber die Reproductionskraft der Spinnen wurden von
Blackwall (Ann. and Mag. of Nat. Hist. Il. series, Vol. I
1848. p. 173 sqq.) Experimenle an jungen Individuen von
Tegenaria civilis angestellt, aus denen hervorging, dass ein
Bein bis zur Reife des Thiers vier- bis sechsmal amputirt
und bei jeder darauf folgenden Härlung wieder erzeugt wer-
den kann,
Die Grösse des reproducirten Gliedes steht im umgekehrten Ver-
hältnisse zur Verletzung; indem Taster und Füsse, welche am Axillar-
gliede und an der Coxa amputirt wurden, gewöhnlich symmetrisch aber
verkleinert wieder erschienen, während die, welche zwischen Finger-
und Radialglied und in der Mitte der Tibia oder des Miltelfusses ampu-
tirt waren, immer viel grösser und unsymmetrisch wieder hervorkamen.
Die Eutwickelung des neuen Gliedes hängt von der Capacität der nicht-
abgelösten Portion des verstümmelten Theils ab; da, wenn ein Bein
nahe der Mitte des Metatarsus amputirt ist, Coxa, Femur und Tibia die-
332. Peters: Bericht über die Leistungen in der Naturgeschichte
selben Dimensionen haben wie die des entsprechenden Gliedes der an-
deren Seite, Metalarsus und Tarsus aber sehr klein sein werden. Wenn
dagegen die Amputation nahe dem vordern Ende der Tibia gemackt wird,
so werden Hüfte, Schenkel und Knie normal, Tibia, Tarsus und Meta-
tarsus dagegen sehr abnorm sein. — Die Lebensdauer von Tegenaria ci-
vilis schätzt Blackwall auf vier Jahre (l. c.p. 178). Die von Kirby
und Spence aufgestellte sonderbare Meinung, dass Spinnen an der Stein-
krankheit litten, erklärt Blackwall dadurch, dass die Excremente
der Spinnen, wenn sie an den Geweben hängen bleiben , die Gestalt
einer Kugel annelımen, die durch Trocknen ganz hart wird, und deren
weisse in eine graue schwarzgefleckte Färbung übergeht.
Nach John Davy zeigte ein feines Thermometer am
Unterleibe einer Mygale in Barbados eine Temperatur von
86° 25 Fahrh., während ein anderes daneben gehaltenes die
Luftwärme zu 86° angab. An einem anderen Tage zeigte
die Spinne eine Wärme von 88°5, die Luft 88°. Auch auf
seine Veranlassung angestellte Versuche in Trinidad an My-
gale avicularia ergaben einen Wärmeunterschied von /,— 3/19,
in jedoch weniger sorgfältig angestelllen) anderen Experi-
menten selbst eine Differenz von 11%,—2°, indem in einem
Falle die Wärme von 85° auf 86'/,°, in einem andern von
83° auf 85° stieg. (The Edinb. New Phil. Journ. Vol. XLIV.
1848. Oct. 1847.— Apr. 1848. p. 123.).
Von Adams wurden Beobachtungen über die Lebens-
weise und Gewebe einiger asiatischer Spinnen mitgetheilt,
namentlich von Nephila, Acrosoma, Altus (füttert mit seinem
Gewebe die Schalen abgestorbener Truncatellen aus) u. A.
(Ann. and Mag. of Nat. Hist. XX. 1847. p. 289.)
Betrachtungen von Guillebert über die Lebensart der
Spinnen und über ihre Gespinnste finden sich in dem Bulle-
tin de la Soc. des scienc. nat. de Neuchatel. Tom. I. 1847.
Blanchard beschrieb den Verlauf der Gefässe der
Araneiden. (L’Institut 1848. No. 764. Schleid. u, Fror. No-
tizen, 3te Reihe. Bd. 8. 1848. p. 200 sqq.).
Die Aorta geht, wie auch bereils Duge&s gesehen, nach vorn
durch den Stiel des Unterleibs in den Thorax; über der zwischen bei-
den Magentheilen befindlichen Oeffnung bildet sie zu jeder Seite eine
der Arachniden während der Jahre 1847 u. 1848. 333
zurücksteigende Arlerie für den Magen und Darm. Die beiden Haupt-
stämme der Aorta gehen an die untere Seile des Thorax, geben die
Augenarlerien, einen Ast für die Giftdrüsen und Aeste für die Beine
und Palpen ab. Das Blut sammelt sich wieder in Lacunen, gelangt in
die Lungen und wird durch Lungenherzgelässe wieder ins Herz geführt.
Diese Untersuchungen wurden vorzüglich an von dem Herzen aus in-
Jieirten Kreuzspinnen gemacht.
Araneae.
Von Koch’s wichligem Werke über die Arachniden
ist der 14te Band und Taf. COCCCLXIX—DIV erschienen.
Es wurden von den Saltigraden noch folgende neue Arten
aufgestellt: Euophrys vigorala aus Griechenland, E. saxicola aus der
Oberpfalz, E. laetabunda bei Erlangen, E. pratincola in Bayern, E.
paludicola aus der Oberpfalz, E. floricula in den Donauwiesen bei Re-
genshurg, E. atellana in Bayern’s Gebirgen, E. lineata aus Griechen-
land, Attus striolatus bei Carlsbad, A. petrensis in der Oberpfalz, He-
liophanus melallicus in Deutschland, H. nitens bei Carlsbad, H. flavipes
in Deulschland, Maevia flavocincta von der Insel Bintang in Hinterin-
dien, M. capistrata von Bintang, Maevia micans von Bintang. — Die
Abtheilnng der Lycosiden zerfällt der Verf. in folgende Galtungen und
Untergattungen:
1. Gen. Zora (— Lycaena Sundevall, ein schon bei den Lepi-
dopteren vergebener Name); die zwei Augenreihen an der vordern
flachen Kopfabdeckung, beide rückwärts gebogen, die hintere mehr als
die vordere, die Augen in jeder fast gleich gross, die der hintern
Reihe grösser als die der vorderen, alle in gleichen Zwischenräumen
stehend, die vordere Reihe nalıe am Vorderrande. Das Weibchen befe-
stigt das Eiernest unter Steinen, trägt es aber nicht mit sich fort,
wodurch die Arten dieser Gallung sich wesentlich von den Dolomedes
unterscheiden.
2. Gen. Ocyale Sav. Die Augen der beiden Reihen sind klein,
die vordere Reihe wenig, die hintere stark rückwärts gebogen; die zwei
Mittelaugen der hintern Reihe sind ein wenig grösser als die Seiten-
augen, die vordere Reihe liegt hoch über dem Vorderrande. Der Eier-
slock ist sehr gross, rund, anfangs weiss, späler gelblich und wird von
der Mutter, zwischen den Beinen gehalten, umhergeschleppt.
3. Gen. Dolomedes Walck. Vordere Kopffläche schief abge-
dacht, der Quere nach etwas abgerundet. Augen der vordern Reihe
klein, gleich gross, die Reihe nur wenig gebogen ; die zwei Mittelau-
gen gross, die Seitenaugen kleiner, an einem Hügelchen und schief
rückwärts sehend, die vordere Augenreihe etwas hoch über dem Vor-
derrande des Kopfes. Der Eiersack wird, wie bei Ocyale, von den
334 Peters: Bericht über die Leistungen in der Natargeschichte
Weibchen getragen und auch die Jungen legen nach ihrem Heraus-
schlüpfen ein weilschichliges Gewebe an, worin sie eine Zeitlang ge-
sellschaftlich zusammenleben.
4. Gen. Arcetosa. Kopf dickbackig und breit, nicht sehr hoch,
vordere Fläche rund abgedacht; Augen der vordern Reihe klein, die
zwei miltleren dieser Reihe etwas grösser als die zur Seite, die Reihe
schwach gebogen; Augen der hintern Reihe fast auf der Scheitelfäche
liegend, alle vier nicht gross, die zwei hinteren kaum kleiner als die
zwei vorderen, zusammen in ein etwas kurzes Trapez gestellt; die vordere
Reihe ziemlich nahe über dem Vorderrande des Kopfes. Die Grund-
zeichnung besteht auf dem Vorderleibe in zwei gebogenen Längsstrei-
fen, auf dem Hinterleibe in dunkieren Staubflecken und Längsreihen
weisser Staubflecken. Sie bewohnen die Ufer des Oceans, der Seen und
Flüsse, Scheinen nächtliche Thiere zu sein. Sie graben sich Erd-
höhlen, welche sie mit ihrem Gespinnste auskleiden, in welcher das
Weibchen die Eier in eine weiche Hülle legt, sie aber nicht mit sich
herumträgt.
5. Gen. Trochosa. Form des Kopfes und auch die Stellung
der Augen dieselbe, aber die des Trapezes doppelt so gross. Charac-
terzeichnung des Vorderleibs besteht in drei hellen Längsbinden. Das
Weibchen sitzt auf dem schneeweissen runden Eiersäckchen in unter-
irdischen Schlupfwinkeln, und nimmt es mit sich fort.
6. Gen. Lycosalatr. 1. Subgen. Tarantula. Vordere Kopf-
fläche steil abgedacht, an derselben steht die vordere Augenreihe auf
einer Querschwiele ziemlich hoch über dem Vorderrande, Augen der
Vorderreihe sehr klein und ziemlich gleich gross; diese Reihe reicht
nicht über die Mittelaugen der hintern Reihe hinaus, und ist sehr we-
nig vorwärts gebogen; die vier hinteren Augen stehen im Trapez, die
beiden andern sind gross und sehen vorwärts, die beiden hinteren sind
kleiner und sehen seilwärts. Leben in trocknen Gegenden, Das weiche,
kugelrunde Eiersäckchen an den Spinnwarzen angeheftet trägt das
Weibchen immer mit sich herum. 2. Subgen. Aulonia. Kopf schmal,
Vorderseite senkrecht, mit eingezogenem Mundrande. Augen der Vor-
derreihe stehen nicht hoch über dem stark eingezogenen Vorderande,
sind sehr klein, das äussere ein wenig grösser als das mittlere; die
vier hinteren stehen in einem engen Trapez, die vorderen gross und
vorwärts, die hintern kleiner und rückwärts gerichtet. Halten sich an
buschigen Plätzen auf, laufen bei Tage frei umher und verbergen sich gern
unter Moos und Steinen. Das Eisäckchen ist dünn und lässt die Eier
durchscheinen ; es wird vom Weibchen an den Spinnwarzen angeheftet
getragen. 3. Subgen. Potamia; Kopf breit und niedrig, an der Vor-
derseite mit breiter, schief abgerundeter Abdachung. Augen der vordern
Reihe liegen nahe über dem Vorderrande, sind klein, gleichgross, und
ziemlich weit in einer fast geraden Livie auseinander stehend. Die
der Arachniden während der Jahre 1847 u. 1848. 335
vier Scheitelaugen stehen in einem kurzen breiten Trapez, die beiden
vordern grossen nach vorwärts, die hinteren etwas kleineren nach der
Seite. Sie halten sich an und auf stehenden Gewässern auf, und lau-
fen mit Leichtigkeit über das Wasser. Das Weibchen trägt das kugel-
runde, weisse Eisäckchen an den Spinnwarzen mit sich herum. 4.
Subgen. Leimonia. Kopf ziemlich breit, mässig hoch, vorn fast
senkrecht abgedacht, breit und der Quere nach gerundet. Vor-
dere Augenreihe kurz und grade, liegt ziemlich in der Mitte zwi-
schen Vorderrand und miltlern Scheitelaugen ; diese Augen sind sehr
klein. Die vier Scheitelaugen bilden ein kurzes Trapez ; die beiden
vorderen sind gross und sehen vorwärts, die hinteren sind nur halb so
gross und sehen seitwärts. Ihr Aufenthalt ist an feuchten Orten, sum-
pfigen Wiesen, Torfmooren, und an den Ufern der Gewässer... Das
Eisäckchen ist etwas linsenförmig, anfangs dunkel olivenfarbig, später
heller und dann gelbbräunlich, stets mit einer weissen Naht ringsum
versehen. 5.Subgen. Pardosa. Der Kopf ist schmal, vorn abgedacht
und hoch, die Stellung und Grösse der vordern Augenreihe wie bei
Leimonia, das Trapez der vier hintern Augen aber länger. Sie le-
ben an trocknen Orten, erscheinen nur bei Tage und verstecken sich
schon mehrere Stunden vor Sonnenuntergang. Die Eiersäckchen sind
linsenförmig, olivengrün, später bräunlich mit weisser, dunkel hegrenz-
ter Naht, und sind unter den Spinnwarzen der Weibchen angeheftet.
7. Gen. Sphasus Walck.
8. Gen. Ctenus. Mittelaugen der vordern Reihe und Mittelaugen
der hintern Reihe ein Quadrat bildend, die zwei hintern merklich grös-
ser; die äusseren der beiden Reihen weit von einander entfernt, das
äussere an einem Hügel.
9. Gen. Phoneutria Perly. Die vier Mittelaugen in der Stel-
Jung wie bei der Gattung Ctenus, aber grösser, die zwei Seitenaugen
genähert und an einem gemeinschaftlichen Hügel, das hintere grösser
als das vordere.
10. Gen. Trielaria. Kopf vorn flach abgedacht, Augen weit
vom Vorderrande, die vordere Reihe etwas rückwärts gebogen ; die
Reihe der Augen in enger Stellung, die zwei mittleren einander ziem-
lich genähert, die hinteren weit auseinander stehend. Beine lang, mit
langem dünnen Tarsengliede; die Stachelborsten fein und lang.
Die neuen Arten der Lycosiden, so weit sie erschienen, sind:
Dolomedes oblongus, D. sacer, (letztere wahrscheinlich nur eine Var,
von D. oblongus) beide ausSädamerika (Montevideo), D. scapularis aus
Nordamerica, Penasylvanien, D. binotatus aus Nordamerika, D. aerugi-
neus, wahrscheinlich ebendaher, Arclosa variana aus Griechenland (Nau-
plia), Arctosa farinosa 21 aus Deutschlaud, A, cingara aus Aegypten,
A. picta und A. Iynz aus Baiern, Trochosa vafra ans Amerika, T. in-
fricaria aus Norddeutschland, T. umbraticola von Erlangen, Lycosa (Ta-
raniula) funesta aus Neulholland, Vandiemensland, L. (T.) obsoleta aus
336 Peters: Bericht über die Leistungen in der Naturgeschichte
Asien, L. (T.) erythrostoma aus Brasilien, S. Paul, L. (T.) poliostoma
aus Südamerika, Montevideo, L. (T.) helvola aus St. Cruz, L. (T.) vul-
pina aus Brasilien, L. (T.) isabellina aus Südfrankreich, L. (T.) rufi-
mana aus Montevideo, L. (T.) grisea, L. (T.) sagittata und L.(T.) fus-
cipes aus Griechenland (Nauplia). —
Eine durch ihre Färbung ausgezeichnete Varielät von jEpeira
diadema aus dem Walde von Bondy wurde von Lucas beschrieben.
(Annales soc. entom. Vol. V. 1847. p. LXXVII.)
Schiödte (Oversigt over det Kongl. dansk. Vid. Selsk. Forh.
1847. No. 6.) stellte eine neue mit Dysdera verwandte Gattung auf,
welche auf {rischen Säulen in der Magdalenen- und Adelsberger-Höhle
entdeckt wurde. Stalita. Ocelli nulli. Mandibulae subporrectae, coni-
cae, cephalothoracem dimidium subaequantes, nudae, ungue sublaterali-
ter inflexo. Maxillae nudae , processu palpigero distincto, mala elon-
gata, apice oblique truncata, margine interiori dense ciliato. Palpi
duplo longiores mandibulis. Pedes elongali, parce selulosi, unguiculis
apicalibus elongatis, basi pectine longo ; proporlio pedum : 1. 2, 4. 3.
Cephalothorax breviter obovatus impressus, glaber. Abdomen breviter
ovatum, nudum; spiracula omnia peritremate corneo, anteriora poste-
rioribus duplo latiora. Maxillae textoriae quatuor, breves, conicae. St.
taenaria: ferruginea, nilida, abdomine niveo. Long. 3. Fin.
Rachus benennt Walckenaer ein neues auf den Pholcus qua-
dripunctatus von Lucas begründetes Genus (l. c. p. 459.).
Tracheariae.
Blanchard (Ann. des sc. nat. 3. serie. Tom. 8. 1847.)
hat den Darmkanal und das Nervensystem von Galeodes be-
schrieben und abgebildet, da jedoch diese Abhandlung be-
reits in Siebold’s vortreffichem Handbuch der vergl. Anato-
mie benulzt ist, wird es überflüssig sein, die Resultate dersel-
ben hier zu wiederholen,
Eine neue zwisehen Chelifer und Obisium stehende Galtung von
Tracheenspinnen aus der Magdalenen- und Adelsberger-Höhle beschrieb
Schiödte in der Oversigt over det Kongl. dansk, Vid. Selsk. Forh. 1847.
No. 6. Blothrus: Ocelli nulli. Corpus nudum. Abdomen crassum,
ovatum, membranaceum , sculis corneis nullis. Bl. spelaeus: pallide
ferrugineus, manibus apice fuscis, abdomine niveo ; cephalothorace ob-
longo-quadrato, convexo, medio sub - impresso, mandibulis magnis ce-
phalothoracem dimidium aequantibus; palpis duplo longioribus corpore.
Long. 2%".
Pyenogonidae.
Neue Species: Nymphon Johnstonianum und N. Phasma aus der
der Arachniden während der Jahre 1847 u. 1848. 337
Südsee von White beschrieben in den Proceedings of the zool. soc,
XV. 1847. p. 125.
Acaridae.
Halarachne halichoeri, eine dem Gammasus nahe ver-
wandte Galtung wurde von Allman ausführlich beschrieben und ab-
gebildet (Ann. and Mag. Nat. Hist. XX. 1847. p.47. Taf. 11. II.) Char.
Gen. Palpen frei, fadenförmig; Mandibeln zweifingerig ; Sternallippe
zweispaltig. Letztes Glied der Beine enden mit zwei Haken und
einer mittleren dreilappigen Carunkel. Körper verlängert, fast cylin-
drisch, vorn mit einer Rückenplatte versehen. Augen fehlen. H. hali-
choeri hält sich an den hintern Nasenöffnungen von Halichoerus Gryphus
auf. Der Darmkanal ist sehr eng, und schien Blinddärme in jeden
Fuss abzusenden ; kurz vor seinem Ende nimmt das Rectum jederseits
einen Canal auf, der aus dem ersten Fusspaar hervorkommt und eine
weisse undurchsichtige Substanz (Harnsäure?) enthält. Die Tracheen
entspringen jederseits von einer Oeflnung am vorderen Ende des Ab-
domens, und communieiren neben einander durch einen grossen Quer-
stamm. Das Hauptganglion des Nervensystems liegt in der Mitte des
Cephalothorax unter dem Darmcanal. Es ist fast sternförmig, und sen-
det zu jeder Seite 2 Zweige ab, einen vordern zwischen den ersten
und zweiten, und einen hintern zwischen den zweiten und ten Fuss.
Die vier Seitenlappen des Nervensystems sind an Bau und Farbe von
der übrigen Nervenmasse verschieden und scheinen durch die äussere
Hülle des Thiers hindurch. Der Verf. verwahrt sich gegen die An-
nahme, dass diese Theile nicht dem Nerven- sondern dem Gefässsy-
stem angehörten. Als zum Geschlechtsorgan gehörig wird ein Strang
angesehen, der einerseits in einen Blindsack, andererseits in eine trich-
terförmige Erweiterung ausgeht, und ganz nahe neben der Tracheen-
öffnung mündet, Die Larve ist sechsbeinig (das Ate Fusspaar ist nur
rudimentär vorhanden) und der Darmkanal derselben zeigt gleich hinter
der Centralnervenmasse jederseits zwei grosse Blindsäcke. Ins Rectum
münden ebenfalls zwei Blinddärme wie bei dem erwachsenen Thier
aus, es fehlt aber jede Spur von Tracheen.
Erasm. Wilson in der zweiten Ausgabe seiner Hautkrankheiten
(On diseases of the Skin. Lond, 1847) hat dem Simon’schen Haut-
thierchen wieder einen neuen Galtungsnamen: Steatosoon gegeben.
Gimmerthal hat in den krankhaften, faulenden Kar-
toffeln zwei Milben gefunden, und dieselben abgebildet; ob
dieselben mil den von Gu&rin angeführten Glyciphagus und
Thyroglyphus übereinstimmen, lässt sich nicht bestimmen, weil
das der Academie vorgelegte Memoire noch nicht erschienen
is. Gimmertihal fand ausserdem noch verschiedene In-
Archiv. f. Naturgesch, XV, Jahrg. 2. Bd. W
338 Peters: Bericht über die Leistungen in der Naturgeschichte.
sektenlarven, aber keine Myriapoden in den Kartoffeln. (Ar-
beiten des naturf. Vereins zu Riga. 1. Bd. Rudolstadt. 1848.
p- 320.).
A. Diplopoda
(Chilognatha oder
Chiloglossa Latr.)
\
Myriapoda.
Die Myriapoden sind in dem 4ten Bde. von Walcke-
naer’s Apieren (Histoire Naturelle des Insectes. _Apt£res,
Tome 4. Paris 1847.) von Paul Gervais bearbeitet wor-
den. Die folgende Tebelle giebt eine Uebersicht über die
systematische Anordnung; derselben.
| 1. Pollyxenidae 1.
1
U. Glomeridae 1
III. Polydes-
midae
. Glomaris Latr.
. Zephronia Gray.
. Glomeridesmus P. Gerv.
. Oniscodesmus nov. gen.
. Cystodesmus nov. ‚gen.
- Polydesmus Latr.
. Strongylosoma Brdt.
. Platydesmus Luc.
. Lysiopelalum Brdt.
. Julus.
. Stemmiulus P. G.
. Blaniulus P. G.
. Polyzonium Brdt.
. Siphonotus Brdt.
. Siphonophora Brät.
. Pollyxenus Latr.
der Myriapoden während der Jahre 1847. u. 1848. 339
[ I. Schizotarsia. | I. Seutigeridae 1. Gen. Scutigera Lam.
Gen. Lithobius Leach.
[1 Lithobidue]
. Gen. Henicops Newp.
BreElopod Gen. Heterostoma Newp.
Gen. Scolopendra L. partim. ,
Gen. Cryptops Leach.
. Theatops Newp.
Gen. Scolopendropsis Brdt,
Gen. Scolopocryptops Newp.
Gen. Newportia nov. gen.
a a EEE
[-P}
©
5
II. Holo-/!I- Scolopen-
starsia dridae
IL. Geophi- $1. Gen. Scolopendrella P. Gerv.
lidae 2. Gen. Geophilus Leach.
Wright hat die Giftdrüsen von Geophilus longicornis
untersucht. Sie liegen an der Basis der Mandibeln zwischen
den hier befindlichen willkührlichen (quergestreiften) Mus-
kelbündeln. Sie bilden zwei oblonge compacte Körper, wel-
che nur aus Bündeln von Zellen zusammengesetzt und von
einer Kapsel umschlossen sind, welche lose in den hohlen
Theilen der Mandibeln an ihrer Basis eingebettet liegt; von
dem vordern Theil der Drüse geht ein einfacher Ausführungs-
gang aus, der in gebogener Richtung nach vorn geht, in
einen Canal des hornigen Theils des durchbohrten Kiefers
eintritt, und an seiner Spitze, wie bei den Arachniden, aus-
mündet. (Ann. and Mag. of Nat. Hist. , 2. series, Vol.l.
1847. p. 140.)
Bericht über die Leistungen in der geogra-
phischen und systematischen Botanik wäh-
rend des Jahres 1848.
Von
Dr. A. Grisebach,
A. Pflanzengeographie,
Dureau de la Malle leitet aus den unveränderten
Entwickelungsperioden von 140 syslemalisch festgestellten
Gewächsen den Beweis ab, dass seit Cato’s Zeit die Ver-
theilung der Wärme in Italien dieselbe geblieben ist (Com-
ptes rendus Vol. 27. p. 333—334. u. 349—356). Auch die
Polargrenze der Dattelreife, die für Nordafrika und Syrien
von Plinius angegeben wird, hat sich seit dem ersten Jahr-
hundert nicht im mindesten verschoben : wodurch die im vo-
rigen Berichte erwähnten Ansichten von Fraas über das
Klima Griechenlands gründlich widerlegt werden.
Eine grosse Beihülfe für pflanzengeographische Unter-
suchungen gewähren Dove’s Temperaturtafeln,, die mit Be-
merkungen über die Verbreitung der Wärme und ihre jähr-
liche Periode ausgestattet sind Berlin, 1848. 4. 120 pag. Vel.
dessen Abhandlungen über Linien gleicher Monatswärme mit
3 die Monats-Isothermen darstellenden Karten und über den
Einfluss der Windesrichtung auf die Temperatur u. s. w. in
den Abh. der Berliner Akademie f. 1848. S. 197—244.)
ee
Grisebach: Bericht üb. d. Leistungen in d. geographischen 341
I. Europa
Tengström’s Schrift über den Vegetationscharakter
des nördlichen Finnlands (Ostbothnien) (s. Jahresb. f. 1846.
S. 411.) ist mir gegenwärlig zugekommen.
Nach der verschiedenen Gestaltung der Bodenfläche ändern sich
die Polargrenzen einzelner Pflanzen in den gegenüberliegenden Küsten-
ländern des bothnischen Meerbusens. In Schweden sind die lappischen
Alpen näher und ihre waldigen Ausläufer, die zum Meere sich herab-
ziehen, lassen der Entwickelung einer campestren Vegetation keinen
Raum, die in Ostbothnien vorherrscht; dagegen erstrecken sich in ih-
ren geschützten Thälern manche Waldformen, namentlich Tilia, Acer,
Corylus höher nach Norden, als im ebenen Finnland. Die Ebene Finnlands
reicht nordostwärts bis in die Nähe des Polarkreises, wo waldige Hö-
henzüge mit subalpiner Vegetation zwischen den Seen von Kuusamo
und Kemiträsk sich ausbreiten. Unter den charakteristischen Pflanzen
des nördlichen Tiefands werden z. B. genannt: Trollius europaeus,
Dianthus superbus, Saxifraga Hirculus, Tussilago frigida, Sonchus sibi-
ricus, Andromeda calyculata, Pedicularis Sceptrum u. a. Die Mannig-
Saltigkeit derselben nimmt im mittlern Finnland rasch ab, über dessen
armselige Flora nur einige aphoristische Bemerkungen vorliegen.
C. A. Meyer bearbeitete die Materialien zu einer Flora
des Gouvernement Wjätka (Florula provinciae Wiatka in den
Beiträgen zur Pflanzenkunde des russischen Reichs. Lief. 5.
Petersburg, 1848. 8. 78 pag. und 1 Taf.).
Die Landschaft an der Wjätka, eine hügelige Abflachung der
Vorberge des Ural, ist von undurchdringlichen Nadelholzwäldern und
grossen Sümpfen bedeckt und mit Flüssen reichlich ausgestattet; nur
ein Viertel der Oberfläche ist urbarer Acker und Wiese, das Uebrige
Wald oder Sumpf. Die vorherrschenden Nadelhölzer sind Pinus sylve-
siris, Abies sibirica und Picea sp. (wahrscheinlich P. obovata und vul-
garis) ; seltener kommt eine Lärche vor, welche Meyer für L. sibirica
hält, indem er die Vermuthung äussert, dass nur diese Lärchenart im
europäischen Russland einheimisch sei. Von Laubhölzern ist nur die
Birke allgemein (Bet. corticifraga und alba) ; zerstreut finden sich Pru-
nus Padus, Sorbus aucuparia, Populus tremula, Ulmus (U. campestris
und effusa) und Alnus (A. incana und glutinosa).
Die Materialien zu Meyer’s Flora umfassen 372 Gefässpflanzen,
unter denen 3 Arten neu unterschieden sind : Cirsium esculentum (= C.
acaule 8, Led.), Centaurea conglomerata von Ü. austriaca Kch. wenig
verschieden und ein sehr ausgezeichneter, krauliger Rubus, R. humu-
lifolius tab, 1,, der sich von R. saxatilis durch einfache Blätter unter-
342 Grisebach: Bericht üb. d. Leistungen in d. geographischen
scheidet und auch im Ural gefunden ward. — Nur :/,, der gesammel-
ten Pflanzen ist dem östlichen Europa eigenthümlich, die übrigen sind
wenigstens bis nach Deutschland verbreitet und bezeichnen den gleich-
artigen Vegetationscharakter der nördlichen Bezirke unseres Erdtheils.
Die Grenzen jener östlichen Gewächse sind nach Meyer’s Unter-
suchungen folgende :
a) Aconitum excelsunı nach Led. von Daurien bis Pensa ; Crataegus
sanguinea, Bupleurum aureum, Cacalia hastata und Cirsium esculentum
westlich bis Wjätka und Kasan; in diese Kategorie scheinen auch Cor-
nus sibirica und die oben erwähnten Coniferen zu gehören , so wie
Alnus fruticosa, die durch Sibirien bis Mesen und Wjätka verbreitet ist;
b) Crepis sibirica und Cypripedium 'guttatum westlich bis zur
Ukraine und Moskau;
ec) Geum strietum, Agrimonia pilosa, Cenolophium Fischeri, Sola-
num persicum,, Carex rbynchophysa M. (= C. laevirostris Fr.) und
Athyrium cerenalum von Daurien bis zur Westgrenze Russlands;
d) Anemone altaica, Erysimum Marschallianum, Acer talaricum,
Gentaurea Marschalliana, Gentiana livonica und Dracocephalum thy-
miflorum scheinen endemisch für den mittlern Theil des russischen
Reichs: ‘doch wächst Acer tataricum auch in Ungarn, Rumelien und
Albanien.
e) Rubus humulifolius und Centaurea conglomerata s. 0.
Mit der Eiche (Quercus pedunculata) erreichen einige zwanzig
Arten in Wjätka ihre Ostgrenze, gegen vierzig andere im Ural, wäh-
rend die übrigen den Ural überschreiten und grossentheils bis Daurien
verbreitet sind.
Den Vegetationscharakter der Krim berührt Koch in
der Einleitung zu seinen Beiträgen zu einer Flora des Orients
(Linnaea, 21. S. 347—351.)
Humoser Steppenboden reicht bis zur Mitte der Halbinsel, von
hieraus steht südwärts ein weisses, sehr lockeres und leicht in Staub zer-
fallendes, tertiäres (?) Kalkgestein an, dessen Unfruchtbarkeit durch die
Dürre noch vermehrt wird. Dasselbe steigt allmählich zu der südli-
chen Hochfläche (Jaila) an und legt sich hier an eine andere Kalkfor-
mation (Juraform. nach K.) an, die nebst Thonschiefern und plutoni-
schen Gesteinen das Randgebirge bildet, welches aus einer Höhe von
3000-4000’ südwärts ungemein schroff zum Meere abstürzt.
Die nördliche Seite des Gebirgs besitzt nur die gewöhnliche
Steppenvegetation Südrusslands , von der, als der Reisende hier im
Herbste verweilte, nur noch Artemisien, Marrubien und Seseli übrig
waren. Der steile Südabhang ist mit Eichengebüsch , wie es scheint
von Quercus pubescens, bedeckt, in der obern Region kommt einzeln
die Lariciofichte (Pinus taurica K.) vor (verg). M. Wagner im Jahresb,
EEE GELERNT TWERRDEBEN AWUE
und systematischen Botanik während des Jahres 1848. 343
f. 1843. p. 378.) Diese Gebüsche enthalten eine Reihe verschiedenar-
tiger Gesträuche und werden der hauptsächlichste Fundort für die mit-
telmeerischen Formen der Krimllora sein. Mittelwälder von- schönen
Eichen finden sich in kesselförmigen Thälern: man berührt sie auf der
Strasse, die dem Litoral entlang führt.
Einzelne Gattungen der russischen -Flora sind von C.
A. Meyer und von Steven monographisch bearbeitet (von
Ersterem: de Cirsiis nonnullis commentalio , Separatabdruck
aus denMem. de l’acad. deSt. Petersbourg. Se. ‚nat. Vol. 6. 18
pag. 4.; von Letzterem verschiedene Ranunculaceen und Va-
lerianella, so wie neue Arten von JImpaliens, Staphylea und
Sambucus vom Kaukasus im Bullet. de Moscou Vol. 21. 2,
p. 267—234.)
Beiträge zur skandinavischen Flora: W. P.Schimper
neue, auf einer Reise in Skandinavien gefundene Moose
(Kongl. Vetenskaps-Akademiens Handlingar v. 1846. Stock-
holm, 1848.); C. Hartmann fil. Flora von Gefle (Flora Ge-
valensis. Gefle, 1347. 57 pag. 8.); Wahlström Flora von
Norrtelge (Planlarum vasc. in regione Telgae borealis sponte
crescenlium synopsis. Upsala, 1847. 40 pag. 8.): 729 Gefäss-
pflanzen; Lindeberg Flora der nordöstlich vom Mälarsee
gelegenen Gegend (Synopsis plantarum vasc. in regione Mae-
lari orientali- boreali sponte nascentium. Upsala, 1848, 33
pag. 8.); Blytt norwegische Flora, nach dem Sexualsystem
bearbeitet (Norsk Flora. Heft 1. Christiana, 1847. 160 pag. 8.):
der Anfang eines im grossen Maassstabe angelegten Werks
von dem gründlichsten Kenner der Vegetation seines Landes,
die beiden ersten und einen Theil der dritten Klasse umfas-
send, in letzterer eine neue Auffassung der nordischen Ca-
lamagrostris-Arten enthaltend. — Von E. Fries’ Herbarium
normale Sueciae erschienen in Upsala 1846 das elfle und
zwölfte, 1849 das dreizehnte Heft.
Britische Lokallloren: Gardiner the Flora of Forfar-
shire (London, 1848. 8. 308 pag. und 2tab.): auch die Kry-
plogamen umfassend, zum Begleiter in den pflanzenreichsten
Gegenden der schottischen Hochlande bestimmt; R. T. Webb
Flora Hertfordensis (Part. I. London, 1848. 8.): in der ersten
Lieferung nur die Einleitung zu einer Flora von Hertford-
Shire enthaltend, — Systematische Arbeiten über britische
344 Grisebach: Bericht üb. d. Leistungen in d. geographischen
Pflanzen: neue Entdeckungen für die Flora von Mitten (Lond.
Journ. of Bot. 7. p. 528—533, und 556—557.), Harvey
Gib. p. 569— 571.) Newman (Phytologist 1847. p. 1050.) und
Babington (Ann. nat. hist. New series 1. p. 81. 239. und
Report of Brit. associat. 1848. p. 84.): namentlich Saxifraga
Andrewsii Harv. durch verwachsenen, dem Ovarium anhän-
genden Kelch von S. umbrosa unterschieden und in den Ber-
gen von Kerry in Irland entdeckt; Anacharis Alsinastrum Bab.
(Syn. Udora canadensis Newm., nach Koch’s Beschreibung
weder U. pomeranica Rehb. noch U. lithuanica Pers.) in
Leicestershire, auch bei Chichester und Dublin, nur in weib-
lichen Exemplaren beobachtet ; Triticum biflorum Brign., einst
von G. Don auf Felsen des Ben Lawers in Schottland ge-
funden und jetzt nach seinen Exemplaren in Borrer’s Samm-
lung von Mitten bestimmt; — Babington Supplement zu
seiner Darstellung der britischen Rubus-Arten (Ann. nat, hist,
l. ce. 2. p. 3% —43.); Schriften über britische Farne von
Deakin (the ferns of Britain and their allies, comprising
Equisetaceae etc. London, 1848. 8. 139 pag.) und von Th.
Moore (a handbook of British ferns. London 1848. 16.
156 pag.): beide mit einigen neu unterschiedenen Arten von
zweifelhaftem Werth ; fortgeseizte Mittheilungen über briti-
sche Pilze von Berkeley und Broome (Ann. nat. hist.
l. e. 2. p. 259—268.).
Untersuchungen über kritische Pflanzen der niederlän-
dischen Flora sind von einem Verein von Gelehrten unter
dem Vorsitz von v. d. Bosch und Dozy mitgetheilt (Ne-
. derl.‘kruidkundig Archief. Bd. 1. $. 369—563.)
V. d. Bosch beschäftigt sich hier auch mit der Frage, welche
holländische Pflanzen als wirklich einheimisch zu betrachten seien. Er
zeigt, dass die Küstenvegetalion mehr mit England übereinstimme, das
Binnenland mit Deutschland: so finden in den Niederlanden von See-
strandspflanzen ilıre kontinentale Nordgrenze Frankenia pulverulenta,
Euphorbia Paralias, Trifolium subterraneum, Sparlina stricta, Alopecu-
rus bulbosus, Glyceria Borreri und procumbens, Polypogon monspelien-
sis. Elymus geniculatus Curt. soll daselbst nicht vorkommen (p. 383.)
— Einige monographische Bearbeitungen, z. B. die der niederländischen
Polygonen von de Bruyn, sind nicht ohne allgemeinere Bedeutung.
Allgemeine Werke über die deutsche Flora: Reichen-
bach’s Icones Vol. 10. Dek. 6—10. und Vol. 11. Dek. 1—4,
Tr
cn u en SEE 1 El Ze u 22225
und systematischen Botanik während des Jahres 1848. 345
mit dem Schluss der Liliaceen und Smilaceen, den Coniferen,
Cylineen, Santalaceen, Thymelaeen, Elaeagneen und dem An-
fang der Saliceen; Schenk’s Werk Bd. 9.; Sturm’s Flora,
Abth. 3. Heft 25. 26. mit 24 von Preuss aufgestellten Pilz-
formen, so wie Heft 27.28. mit Polyporus, vonRostkovius
bearbeitel und mit 14 neuen Arten vermehrt; Petermann’s
Flora Lief.6—8.; Koch’s Taschenbuch, in zweiter unver-
änderter Auflage ; Maly’s Anleilung zur Bestimmung der
Gattungen , in zweiter Auflage (s. Jahresb. f. 1846.). — Von
Rabenhorst’s deutscher Kryptogamenflora erschien die dritte
Abtheilung des zweiten Bandes, die Moose und Farne um-
fassend, womit dieses Unternehmen beschlossen ist; von D.
Dietrich's Kupfertafeln deutscher Kryptogamen Hft. 9—13.
(s. vor. Jahresb.) — Von F. Schultz Flora Galliae et Germa-
niae exsiccata wurden 1848 die lite und 12te Centurie aus-
gegeben. Die unter dem Namen Archives de la Flore de France
etc. erscheinenden Beigaben enthalten Mittheilungen über kri=
tische Gewächse.
Deutsche Lokalfloren und Beiträge zur deutschen Pflan-
zen-Topographie: Patze, Meyer und Elkan Flora der
Provinz Preussen (Königsberg , 1848—50. 8. in 3 Lieferun-
gen) musterhaft gearbeitet, Quellenwerk für Pflanzengeogra-
phie und auch von systematischem Interesse; €. J. v. Kling-
gräff Flora von Preussen oder die in der Provinz Preus-
sen wild wachsenden Phanerogamen (Marienwerder 1848. 8.
560 pag.): nach Koch’s Methode; der Verf. entdeckte in
Preussen Isoötes und einige andere im Consortium von Lo-
belia wachsende Pflanzen (Bot. Zeit. 6. S. 736.) ; Schmidt’s
Flora von Pommern und Rügen, in ‚zweiter Auflage bearbei-
tet von Baumgardt (Stellin, 1848. 8.): charakteristische
und neuerlich aufgefundene Arten sind z. B. Ranunculus re-
plans am Strande der Ostsee und des Haffs, Alyssum campe-
sitre im Odergebiet, Silene nemoralis, Evonymus latifolius in
Wäldern bei Finkenwalde, Trifolium ochroleucum bei Proch-
now, Rubus chamaemorus im Dars und bei Greifswalde, Ri-
bes pelraeum unweit der Ostsee bei Stolpemünde, Seseli glau-
cum bei Garz und Stargard, Lonicera Caprifolium soll in
Wäldern am Haff einheimisch sein, Andromeda calyculata bei
Greifswalde, Verbascum orientale, Kochia hirsuta auf Use-
346 Grisebach: Bericht üb. d. Leistungen in d. geographischen
dom, Salix daphnoides, Alisma parnassifolium, Malaxis mono=
phyllos auf Usedom und Rügen, Eriophorum Scheuchzeri, Ca-
rex laxa im Torfmoor bei Trantow nach Hornschuch, Avena
versicolor, wie mehrere zu verificiren, Festuca borealis im
Oderthal, Triticum rigidum bei Kolberg und T, glaucum bei
Swinemünde; Boll Flora von Mecklenburg--Strelitz nebst
Beiträgen zur gesammten mecklenburgischen Flora (im Arch.
mecklenb. Freunde der Naturgesch., Neubrandenb. 8. 146 pag.):
Aufzählung aller bis jetzt in Mecklenburg gefundenen Gefäss-
pflanzen und Moose nach Koch’'s Methode; Fiedler Bei-
träge zur mecklenburgischen Pilzflora (Heft 1. Uredo. 4.):
durch beigegebene Pilzexemplare illustrirt; Rabenhorst
Aufzählung der holsteinischen Farne (Bot. Zeit. 6. S. 648.);
Wimmer Nachträge und Berichtigungen zur Flora von
Schlesien (Regensb. Flora f. 1848. S. 305—314. und $. 321
—334.): fortgesetzte Mittheilungen über hybride Weiden;
Knebel und Wimmer Neuigkeiten der schlesischen Flora
von 1848. (Arbeiten der schles. Gesellschaft f. 1848. S. 125
—130.): darunter Geranium sibiricum; Pestel und Ger -
hard Flora von Parchwitz d. h. des Mündungsgebiets der Katz-
bach in die Oder (das. S. 114-124.): Aufzählung der Pflanzen,
nach pflanzengeographischen Formationen geordnet; Itzig-
sohn Verzeichniss der in der Mark Brandenburg gesammel-
ten Laubmoose (Berlin , 1848, 8. und ein vom Verf. besorg-
ter Auszug in Regensb. Flora f. 1848. $. 225—229.) ; Stöss-
ner Flora der nächsten Umgebung von Annaberg (Annaberg
1848. 12. 185 pag.): werthlos; Garcke Flora von Halle
(Halle, 1848. 8. 125 u. 595 pag.): auch die weiteren Um-
gebungen berücksichtigend,, auf genaue Autopsie der heuti-
gen Fundorte und sichere Artenkenntniss begründet und ei-
nen entschiedenen Fortschritt in der Erforschung einer der
pflanzenreichsten Gegenden Deutschlands bezeichnend ; A.
Sprengel Anleitung zur Kenntniss aller in der Umgegend
von Halle wild wachsenden phanerogamischen Gewächse
Halle 1848. 8. 533 pag.): grösstentheils sich an C. Spren-
gels Schriften anschliessend, dem Garcke’schen Werke
weit untergeordnet; J. Müller Verzeichniss der im Regie-
rungsbez, Arnsberg aufgefundenen Gewächse (Verhandl. des
naturf. Vereins der preuss. Rheinlande'f. 1848. S. 39—245.):
Es EEE EEE EEE WERTEN
und systematischen Botanik während des Jahres 1848. 347
bis jetzt nur die kryptogamischen Gefässpflanzen , unter den
Gebirgspflanzen von Medebach z. B. Lycopodium alpinum,
Asplenium germanicum; Wirtgen Flora von Bertrich, einem
etwa 9 Meilen westlich von Coblenz gelegenen Badeorte (das.
8. 189—297.); A. Schenk Flora der Umgebung von Würz-
burg (Regensburg, 1843. 8. 199 pag.): Aufzählung der Pha-
nerogamen nach Koch’s Methode, mit eingestreuten krili-
schen Bemerkungen und pflanzengeographischer Einleitung,
zuverlässig für die Verbreitungsbezirke der Arten , doch die
interessanten Gebirgszüge der Rhön und des Spessarts nicht
umfassend; Berger Nachträge zu Schenk’s Flora aus der
Umgegend von Kitzingen (Regensb. Flora f. 1848. S. 497—
503.); Schnizlein und Frickhinger die Vegetations-
verhältnisse der Jura- und Keuperformation in den Flussge-
bieten der Wörnitz und Altmühl (Nördlingen, 1848. 8. 344 pag.
mit einer geognestischen Karte): ausführliche pflanzengeo-
graphische Darstellung mit reichhaltigen Gesichtspunkten ;
Caflisch die Vegelationsgruppen der Umgebung Augsburgs
(Regensb. Flora f. 1848. S. 335—397.): kurze Uebersicht der
Formationen ;Maly Enumeratio plantarum phanerogamicarum
imperü austriaei universi (Vindob. 1848. 8. 423 pag.): Auf-
zählung der österreichischen Pflanzen nach Endlicher's
System, aus den Quellen geschöpfte, vollständige Zusammen-
stellung, ohne kritische Selbständigkeit; derselbe Nachträge
zu seiner 1838 erschienenen Flora styriaca (Grätz, 1848. 8.
20 pag.); Sendtner Beobachtungen über die klimatische
- Verbreituung der Laubmoose durch das österreichische Kü-
stenland und Dalmatien (Regensb. Flora f, 1848. S. 189—197,,
210— 221. und 229—240.): von 272 Arten die Angabe der
Regionen, welche sie bewohnen.
Von neu entdeckten Pflanzen im Gebiete der deutschen Flora sind
zu erwähnen: Ranunculus pygmaeus Wahlenb. in der alpinen Region
des Krimler Taunrer in Tyrol (Wendland in Bot. Zeit. 6. S. 136.),
Oxytropis cyanea (also wahrscheinlich O. Gaudini Bg.) im oberen Um-
balıhale am Südabhange der Dreiherrenspitze (ders. das.), Hypericum
Coris im südlichen Tyrol nach Cesati (Linnaea, 21. p.5.), Taraxacum
Pacheri ©. N. Schultz neben dem Salmgletscher auf dem Grossglockner
mit Orange-Blumen (Regensb. Flora f. 1848. S. 170.), Eupatorium ma-
eulatum L. unweit Basel, vielleicht Flüchtling aus Gärten (das, $. 169.),
Urtica oblongata Koch in lit. bei Weichelstetten in Steiermark unter
348. Grisebach: Bericht üb. d. Leistungen in d, geographischen
den gewöhnlichen Nesseln (Maly Nachträge a. a. 0.): vergl. U. dioeca
var. angustifolia Fl. altaic., Carex lJaxa Wahlb. bei Greifswalde (s. o.),
C, tricostata Fr. in Schlesien (schlesische Neuigkeiten s. o.)
Boll schrieb über die Seestrands - und Salinenflora der
deutschen Ostseeländer (Mecklenb. Archiv s. o. 2. S. 67—86,)
Der Verf. zählt gegen 70 Halophyten auf, die nach dem Sub-
strat in Sand-, Geröll-, Lehm- und Wiesenpflanzen gesondert wer-
den. Die Nordseeküste hat die baltischen Halophyten fast ohne Aus-
nahme, aber gegen 20 Arten vor den Ostseeländern voraus.
In Boll’s Flora von Mecklenburg-- Strelitz (s. 0.) is
eine erweiterte Untersuchung über Brückner’s mecklen-
burgische Vegetationsgebiete (Jahresb. f. 1841. S. 428.) ent-
halten.
Die Ufervegetation der Elbe und Oder , zweier Ströme, die, in
demselben Gebirgszuge entspringend, von hier aus gewisse Pflanzenarten
in das Tiefland verbreiten, besitzt aus diesem Grunde eine Anzahl iden-
tischer Arten, welche in der Richtung der Wasserscheiden ihrer Ne-
benflüsse mehr und mehr verschwinden: z. B. Thalietrum flavum, Viola
striela, Cucubalus baccifer, Cnidinm venosum, Petasites spurius, Lim-
nanthemum, Cuscuta monogyna, Gratiola, Veronica longifolia, Mentha
Pulegium, Scutellaria hastifolia, Teucrium Scordium, Euphorbia palu-
stris, Allium acutangulum, Scripus radicans. Dagegen hat die Elbe eine
grössere, die Oder eine geringere Anzahl von Uferpflanzen vor dem andern
Strome voraus, wobei die Vergleichung ergiebt, dass die Verschieden-
heit auf klimatischen Ursachen beruht, indem die eigenthümlichen Ar-
ten der Elbe meist durch eine südöstliche, die der Oder durch eine
nordwestliche Vegetationslinie beschränkt sind: zu den Elbpflanzen ge-
hören Viola uliginosa nach Langmann, Isnardia, Oenothera muricata,
Bulliarda aquatica bei Wittenberg, Senecio Fuchsii; zu den Oderpflan-
zen Euphorbia lucida und Betula fruticosa. Andere Angaben B’s sind
irrig: z. B. seine Ononis sp. auf den Elbdeichen ist 0. repens, Sene-
cio saracenicus wächst auch an der unteren Elbe, wie an der Oder,
ebenso kommt auch Primula farinosa an der Steckenitz im Lauenburgi-
schen nach Steinvorth vor, Euphorbia Gerardiana aber wächst bei Ham-
burg nicht.
Die Darstellung der Flora von Parchwitz (s. 0.) ge-
währt ein allgemeineres Inleresse, insofern sie die Einsicht
in die Vegetationsverhältnisse der Alluvialebene des westli-
chen Schlesiens befördert.
Hier findet sich kein anstehendes Gestein mehr, dia Erdkrume
ist sandig, mit Thonlagern wechselnd, aber die mannichfaltige Mischung
und systematischen Botanik während des Jahres 1848. 349
des Detritus zweier Gebirgsflüsse lässt sich in der reichen Flora, in
ihren Kalkpflanzen nicht verkennen. Die Wälder sind theils Eichen -,
theils Kiefernbestände (Quercus pedunculata und Pinus sylvestris); un-
ter den übrigen Formationen sind die Wiesen, die Wiesenmoore, die
Uferpflanzen der Flüsse die wichtigsten, während der grösste Theil der
Gegend aus beackertem Lande besteht. Charakterpflanzen sind z. B.:
a) im Laubwalde : Arabis Gerardi, Stellaria viscida, Vicia cassu-
biea, Potentilla rupestris und recta, Astrantia major, Chaerophyllum
aromalicum, Peucedanum Oreoselinum, Melittis Melissophyllum, Gladio-
lus imbricatus und communis;
b) im Nadelwalde: Silene chlorantha, Lembotropis nigricans, Po-
tentilla alba, Seseli annuum, Cnidium venosum, Pyrolae, Carlina acau-
lis, Scabiosa suaveolens, Goodyera;
e) auf den Wiesen: Thalietrum aquilegifolium und angustifolium,
Trollius, Viola persieifolia, Dianthus superbus, Galium vernum, Vero-
nica longifolia, Allium acutangulum, Tofieldia calyculata;
d) in den Flussthälern : Euphorbia lueida, Eryngium planum, Cus-
cuta monogyna, Leersia;
e) im stehenden Wasser : Stratiotes, Salvinia, Iso&tes;
f) auf der bebauten Fläche: Rosa gallica, Potentilla norvegica
und aufSandboden: Silene Otites, Astragalus arenarius, Sedum reflexum,
Plantago arenaria.
Die Untersuchungen im Gebiete der baierischen Flora
(Ss. 0.) gehören zu den wichtigsten Bereicherungen der Pflan-
zengeographie im verflossenen Jahre.
Die Flora von Unterfranken, auf welche sich Schenk’s Werk be-
zieht, hat die allgemeinere Bedeutung, dass nur durch sie die Lücke zu
erklären ist, welche eine beträchtliche Anzahl von thüringischen Pflan-
zen von deren Verbreitungsareal am Rhein absondert. Ich habe in
meiner Schrift über Vegetalionslinien gezeigt, dass dieselben durch eine
nordwestliche Grenze klimatisch eingeschlossen werden, welche vom
Rhein nach Thüringen verläuft, und dass die Abnahme derselben in Hes-
sen davon abhängig sei, dass hier die Kalkformationen fehlen, welche
den meisten Formen dieser Reihe nothwendig sind. Ist diese Ansicht
begründet, so mussten die ersten südostwarts folgenden Kalkgebilde
eine beträchtliche Anzahl dieser in Hessen fehlenden Gewächse besitzen.
Nun beweist Schenk’s Flora in der That, dass der Muschelkalk der Ge-
gend von Würzburg bereits die Hälfte (49 sp.) der Formen geliefert
hat, welchen ich dort in Bezug auf Thüringen jene nordwestliche Ve-
getalionslinie beigelegt habe. Einige Beispiele sind: Clematis recta,
Thalictrum aquiligifolium, Adonis vernalis, Sisymbrium striclissimum,
Erysimum odoratum und repandum, Dietamnus,, Coronilla varia, Poten-
tilla alba und cinerea, Peucedanum Oreoselinum, Scabiosa suaveolens
350 Grisebach: Bericht üb. d. Leistungen in d. geographischen
und ochroleuea , Jurinea cyanoides , Orchis laxiflora, Stipa, Sclerochloa
u. Ss. w.
Durch die Verbreitung des Muschelkalks und der ostwärts darüber
abgelagerten, zum Steigerwald sich erliebenden Sandsteine der Keuper-
formation begrenzt Schenk die Würzburger Flora gegen den bunten
Sandstein des Spessart und gegen die vulkanische Rhön. Er erwähnt
(p. VIL. u. VIII.) diejenigen Pflanzen, welche diese Gebirge vor dem ge-
gen 900° hoch liegenden Muschelkalkplateau (in das’ der Main 440° tief
einschneidet) voraus haben. Den Spessart charakterisirt er durch Vi-
eia Orobus, Prenanthes purpurea, Digitalis purpurea und Osmunda re-
galis, so wie dadurch, dass Buchen- und Eichenwälder und in den-
selben Sarothamnus und Genista pilosa den Typus der Landschaft be-
dingen. Der Khön, die durch ihre weiten, hochgelegenen Wiesenflä-
chen und durch ähnliche Laubholzwälder bezeichnet wird, schreibt
Schenk folgende Arten zu, welche dem Würzburger Gebiet fehlen:
Lunaria rediviva, Cardamine sylvatica, Dentaria, Silene Armeria, Dian-
thus caesius,, Epilobium alpinum, Circaea intermedia, Sedum villosum,
Ribes alpinum, Carlina acaulis, Carduus Personata, Andromeda, Vacci-
nium uliginosum, Pyrola unillora, Thesiam pratense, Alnus incana, Be-
tula pubescens , Corallorrhiza, Convallaria verticillata, Scheuchzeria,
Eriophorum vaginatum: diesem Verzeichnisse kann ich nach Beobach-
gen auf einer Rhönreise im J. 1849 noch beifügen Aconitum Napellus
und Stoerkeanum, Prenanthes purpurea, Hieracium pallidum Biv. und
vulcanicum m. — Juncus sphaerocarpus entdeckte Schenk auch in der
Nähe von Würzburg.
Unterfranken scheint für verschiedene Pflanzen, wie für den Weinbau,
die Polargrenze zu sein: doch begegnen wir bei Schenk nur der ge-
legentlichen Bemerkung, dass Euphorbia verrucosa und Salvia verlicil-
lata hier ihre nördlichsten Standorte haben. Dass dies noch mit meh-
reren andern der Fall sei, ist nicht zu bezweifeln. Als charakteristische
Gewächse der einzelnen Formationen sind folgende anzuführen:
a. Die Laubholzwälder bestehen vorzugsweise aus Buchen, bei-
den Eichenarten ‚und Carpinus, sie bezeichnen den Muschelkalk und
bunten Sandstein und sind reich an Unterholz,. Sparsamer und für den
Keuper charakteristisch treten Nadelwälder auf, die aus Pinus sylve-
stris bestehen. — Unter den Schattenpflanzen finden sich z. B. Tha-
lictrum aquilegifolium , Ranunculus aconitifolius, Arabis brassiciformis,
Vicia cassubica, Astrantia, Doronicum Pardalianches, Cineraria spalhu-
lifolia, Centaurea nigra , phrygia und montana, Pulmonaria mollis und
azurea, Dracocephalum Kuyschiana, Melittis, Euphorbia amygdaloides,
Seilla bifolia,
b. Formation der Felsen und Kalkgerölle, besonders im Mainthal:
Clematis recta, Erysimum odoratum, Sisymbrium austriacum, Isatis, Hut-
chinsia petraea, Helianthemum oelandicum und polifolium, Acer mons-
“
=;
2;
und systematischen Botanik während der Jahres 1848. 351
pessulanum, Potentilla inclinata und cinerea, Trivia, Galium glauenm,
Achillea nobilis, Echinops, Lactuca perennis, Euphrasia lutea, Teucrium
montanum, Iris germanica, Melica ciliata.
ec. Formation der Laubsträucher (z. B. Prunus spinosa, Rosa etc.):
Euphorbia verrucosa, Buphthalmum salieifolium, Inula hirta, Thesium
intermedium.
d. Formation der Sandpflanzen: Jurinea eyanoides, Androsace
septentrionalis.
e. Ackerpflanzen: Fumaria parviflora, Erysimum repandum, Vi-
cia villosa, Turgenia, Passerina, Allium rotundum, Muscari racemo-
sum u. a.
Das Gebiet, welches in der Schrift von Schnizlein und Frick-
hinger abgehandelt wird, hat keine natürliche Grenzen, es begreift die
von Jurahöhen umgebene Alluvialebene des Ries bei Nördlingen und
erstreckt sich einige Meilen ringsum über die umliegenden Landschaf-
ten bis Ansbach, Ellwangen, Donauwörth und Eichstädt. Die mittlere
Höhe des Juraplateaus beträgt hier 1650‘, der höchste Punkt der Land-
schaft ist der Hesselberg (2156°) ; die Ebene des Ries liegt 1300 hoch,
im Norden senkt sich die Rednitz bis 990. An die Hochebene des
Jura und ihre nordwestlichen, felsigen Abstürze reiht sich die hügelige
Keupergegend Mittelfrankens, wo das bebaute Land mit düstern Nadel-
gehölzen wechselt.
Die Jurakette, durch die Alpen von dem klimatischen Einflusse
des europäischen Südens abgesondert , dagegen der Nordseeküste pa-
rallel und in ihrem Verlaufe einer Linie gleicher Temperaturmaxima
entsprechend, ist nicht bloss als Gebirge Pllanzengrenze, sondern we-
gen dieses klimatischen Verhältnisses für eine beträchtliche Anzahl von
Gewächsen nordwestliche Vegetationslinie. Dieser Linie, die der vom
Rhein üher Würzburg nach Thüringen verlaufenden parallel liegt, ent-
sprechen diejenigen Pflanzen, die hier ihre absolute Nordwestgrenze
finden, in Unterfranken und auf dem Würzburger Muschelkalk fehlen,
während sie sich von Nördlingen bis zum Nordende des Baireuther Ju-
ra’s erstrecken und grossentheils, ohne an ein bestimmtes Substrat ge-
bunden zu sein, bis nach Sachsen und Schlesien angetroffen werden :
dahin gehören Draba aizoides bis Baireuth, Polygala Chamaebuxus bis
Lobenstein, Euphorbia virgata von Schlesien bis Nördlingen, Cytlisus ratis-
bonensis ebenso, Lembotropis nigricans bis Dresden und Schlesien,
Myricaria bis Oberschlesien, Cirsium rivulare bis Schlesien und Preus-
sen, Leontodon incanus im Bereich des Jura’s, Barkhausia setosa bis
Schlesien, Symphytum tuberosum bis Sachsen und Schlesien, Salix
incana bis Schlesien. Ausserdem kreuzen sich in der Gegend des
Ries noch mehrere andere Vegetationslinien: namentlich eine nörd-
liche oder nordöstliche, die durch verschiedene, im Rheingebiet ver-
breitete Arten bezeichnet wird, z. B. Myagrum perfoliatum, Vieia lu-
352 Grisebach: Bericht üb. d. Leistungen in d. geographischen
tea, Prunus Mahaleb, Gentliana utriculosa; ferner eineandere, die sich
auf das schwäbische Areal von Silene linicola, Euphorbia stricta und
Armeria purpurea zu beziehen scheint; endlich die äussersten sporadi-
schen Standörter von Kalkgebirgspflanzen der Alpen, wie Rhamnus sa-
xatilis, Saxifraga Aizoon, Laserpitium Siler, Erigeron alpinus, Crepis
alpestris, Gentiana asclepiadea, Calamintha alpina, Carex alba.
Diese Charakteristik des Gebiets, welche ich aus dem Pflanzen-
katalog der Verf. schöpfe, ist von ihnen nicht aufgefasst, indem sie
sich vorzüglich mit den Einflüssen des Bodens auf die Vegetation be-
schäftigen und die klimatischen Beziehungen, die sich aus der Ver-
gleichung weiterer Räume ergeben, vernachlässigen. Indessen erhalten
wir doch auch in dieser Rücksicht sehr schätzbare Untersuchungen
über die vertikale Verbreitung der Pflanzen auf dem oberbaierischen
Plateau (S. 236 u. f.). Ich hebe davon einige Angaben über die un-
tere Grenze von Gebirgspflanzen heraus:
Ueber 2100’: Stachys alpina, Erigeron alpinus;
— 1900‘: Rhamnus saxatilis, Calamintha alpina;
— 1700°: Arabis alpina, Draba aizoides, Laserpitium Siler, Gentiana
asclepiadea ;
— 1500’: Thlaspi montanum;
— 1450’: Carduus delfloratus ;
— 1400: Polygala Chamaebuxus, Chaerophyllum hirsulum, Crepis
suceisifolia, Alnus incana ;
— 1350°: Arnica montana;
— 1280‘: Polemonium coeruleum, Primula farinosa;
— 1250’: Leontodon incanus, Carex alba;
— 1100: Gentiana verna.
Merkwürdig, jedoch unerklärt bleibt die Beobachtung (S. 230.),
dass innerhalb des Gebiets einige Jurapflanzen nur westlich, andere nur
östlich von dem weiten Thaleinschnitte des Ries vorkommen: östlich
z. B. Alyssum saxatile, Polygala Chamaebuxus , Dictamnus, Lembotro-
pis, Rosa cinnamomea, Spiraea Aruncus, Peucedanum Oreoselinum, Ar-
temisia compestris, Symphytum tuberosum, Andropogon Ischaemum; west-
lich z.B. Thalictrum minus, Ranunculus aconitifolius, Helleborus foeti-
dus, Barkhausia foelida und taraxacifolia, Orchis militaris, Ophrys myo-
des und aranifera, Peristylus viridis, Gymnadenia odoratissima.
Ueber den Einfluss des Substrats sind die Verf. durch ihre Beob-
achtingen zu klaren Einsichten gelangt, die mit den in diesen Jahres-
berichten mehrfach anerkannten Grundsätzen übereinstimmen, dass nicht
die geognostische Natur, sondern die chemische Constitution das erste
Agens sei, dem sich sodann der physikalische Bodeneinfluss in zweiter
Linie anreihen lässt. Au Beweisen für die Richtigkeit dieser Sätze
ist: die Schrift überaus reich. Die physischen und chemischen Gegen-
‘
&
und systematischen Botanik während des Jahres 1848, 353
sätze der Keuper - und Juraformation machten das Gebiet für Untersu-
chungen dieser Art sehr geeignet, indem die erstere hauptsächlich durch
Kieselpllanzen, die letztere durch Kalkpflanzen charakterisirt wird. Das
Hauptergebniss ist in dem $. 221—224. gegebenen Katalog der in Hin-
sicht auf chemischen Bodeneinfluss geprüften Arten enthalten ; wir fin-
den hier ausser den Kiesel- und Kalkpflanzen und ‘den bodenvagen
Arten auch noch Reihen von Thon- und Humuspflanzen , die jedoch
den Standort auf ihrem Substrat nicht dessen chemischen, sondern den
physischen Eigenschaften, der Adhäsion des Wassers u, s. w. verdan-
ken. Bei den Kalk - und Kieselpflanzen machen die, Verf. auf den na-
turgemässen Unterschied aufmerksam, ob eine Pflanze eine grosse Menge
oder nur Antheile von kohleusaurem Kalk im Boden bedarf: im ersten
Falle („Kalkzeiger“) "wächst sie nur da, wo das kalkige Substrat so-
gleich zu erkennen ist, im zweiten („Kalkdeuter“) bedarf es oft der
chemischen Bodenanalyse , um zu beweisen, dass die Pflanze wirklich
kalkstet sei. Allein weniger richtig ist die Anwendung dieses Prin-
cips auch auf die Kieselpflanzen , da es bei diesen weit weniger auf
die äusserlich hervortretende Menge von Kieselerde, als auf deren Lös-
lichkeit ankommt, daher denn auch unter den Kieselzeigern der Veıf.
vielmehr solche Arten zu verstehen sind, die die physischen Bedingun-
gen des Sandbodens aufsuchen: ja sogar unter den Kieseldeutern fin-
det sich hier Herniaria glabra, von welcher die Verf, an einem andern
Orte (S. 56.) ausdrücklich die Beobachtung mittheilen, dass sie die-
selbe auf einem Dolomitberge fanden, der „keine Kieselerde enthält«,
und sie daher nur sandigen Grund, möge dieser Kieselsand oder Kalk-
sand sein, bedürfe. — Da die Anzahl der kalksteten Pflanzen in dem
Gebiete nach den Verf. über 110 Arten umfasst, so beschränke ich
mich hier auf die Anführung ihrer Kalkzeiger : Helleborus foetidus, Ara-
bis arenosa (wohl auszuschliessen, indem sie auf Kalk-: und Kieselsand
gedeiht), Erysimum odoratum, Lunaria rediviva, Thlaspi monlanum, Ono-
brychis saliva, Cotoneaster, Saxilraga eaespilosa (auszuschliessen, indem
die Verf. diese Felspflanze nur deshalb als Kalkstet ansehen, weil vor-
vorzugsweise der Jura in ihrem Gebiete Felsen besitzt), .$. Aizoon,
Bupleurum longifolium,, Libanotis , Laserpitium Jatifolium , Orlaya, Bu-+
phthalmum salieifolium , Carduus delloratus, Veronica prostrata , Teu-
erium monlanum, Euphorbia amygdaloides, Allium fallax,, Carex virens,
Festuca glauca, Elymus europaeus, Asplenium Trichomanes, Man sieht,
dass oflenbar mehrere Arten nur deshalb zu den Kalkzeigern gebracht
sind, weil sie auf felsigem Boden wachsen, ohne dass sie deshalb vom
kohlensauren Kalk mehr an Nahrungsstoff bedürfen, als viele andere.
Um solche neue Unterscheidungen in die Wissenschaft einzuführen und
fruchtbar zu machen, wäre es nöthig, sie nicht bloss auf Beobachtun-
gen im Freien, sondern auch auf Aschenanalysen zu stülzen.
Mil grosser Auslührlichkeit ist die Vertheilung der Pflanzen des
Gebiets in Formationen behandelt ($. 65—93. und 271—301.), ferner
Archiv Sf. Naturgesch. XV, Jahrg, 2. Bd. IR
354 Grisebach: Bericht üb. d. Leistungen ind. geographischen
das Verhältniss der Soeialität und die Statistik der Arten (S. 301—318.).
Aus der Uebersicht der Formationen, die hier wegen der eigenthüm-
lichen Auffassung ungeachtet der übermässigen Unterscheidung voll-
ständig zu erwähnen sind, hebe ich zugleich einige charakteristische
Beispiele zur vollständigeren Bezeichnung des Gebiets heraus:
1. Wasserpflanzen in Quellen und Gräben, 9 sp.
2. Wasserpflanzen der Bäche und Flüsse, 14 sp., z. B. Lim-
nanthemum.
3. Wasserpflanzen in stehendem Wasser, 49 sp., z. B. Utrieu-
laria intermedia und Bremii.
4. Quelluferpflanzen, 54 sp.
5. Flussuferpflanzen, 45 sp., z. B. Hippophae, Myricaria, Salix
incana, hippophaefolia, daphnoides und nigricans, Sisymbrium strictis-
simum.
b) Teichuferpflanzen , 21 sp., z. B. Elatine Hydropiper und pa-
ludosa.
6. Sumpfformation mit 66 sp., z. B. Carex chordorrhiza, Bux-
baumii, Eriophorum alpinum und gracile, Cirsium rivulare,
b) Mit Kieselunterlage (?), in dem Keupergebiet, z. B. Sedum
villosum, Vaceinium uliginosum, Armeria purpurea, Scheuchzeria, Schoe-
nus nigricans.
7. Wiesen. a. Sumpfige Wiesen, 95 sp., z, B. Cirsium bulbo-
sum, Gentiana utriculosa, Primula farinosa, Scutellaria minor und ha-
stifolia, Fritillaria, Allium acutangulum, Tofieldia, Carex lomentosa.
b) Fruchtbare Wiesen, 88 sp., z. B. Trollius, Scorzonera humi-
lis, Phyteuma orbiculare, Gentiana verna.
8. Ackerunkräuter, 168 sp., mit weiterer Eintheilung nach der
Bodenart und nach der Bewirthschaftungsweise, z. B. Silene linicola
und gallica, Androsace elongata, Chamagrostis auf Sand; Thlaspi per-
foliatum, Fumaria Vaillantii, Turgenia und Orlaya, Asperula arvensis,
Ajuga chamaepitys auf Kalk; Myagrum perfoliatum, Conringia, Alopecu-
rus agrestis auf Thon; Coronilla varia, Silene noctiflora auf dem Brach-
felde ; Lathyrus Nissolia, Aphaca und hirsutus in Sommerfelde ; Vicia
villosa und tenuifolia, Euphorbia virgata im Winterfelde.
9. Gartenunkräuter, 29 sp.: Ruderalpflanzen.
10. Pflanzen an Wegrändern, 79 sp.
11. Pflanzen der Raine und kleinen Abhänge, 74 sp.: der cam-
pestren Formation entsprechend, z.B. Erysimum repandum , Linum te-
nuifolium, Euphorbia verrucosa, Rosa gallica, Peucedanum alsaticum,
Linosyris, Inula germanica, Asperula cynanchica, Orobanche caerulea,
Phleum asperum.
12. Pflanzen der Schuttplätze, 25 sp.: von nr. 9. nicht zu un-
terscheiden.
und: systematischen Botanik während des Jahres 1848. 355
13. Pflanzen an Mauern und in der Nähe der Häuser, 33 sp.:
Gemisch verschiedenarliger Vegetationsbedingungen.
14, Weidepflanzen , denen hier nur ganz lokal ein „mehren-
theils feuchter Standort“ vindieirt wird, 66 sp: ohne charakteristische
Unterschiede gegen die campestre und Wiesenformation.
15. Waldwiesenpflanzen, 61 sp.: Modificalion von nr. 7b.
16. Haiden, worunter hier Gesträuchformationen verstanden sind,
die als Schafweide dienen und sich durch grössere Trockenheit von
nr. 14. unterscheiden sollen, 130 sp., z. B. Sarothamnus , Genista tin-
etoria, Juniperus, Calluna, ferner Polygala ‚Shamnehuxes die Kräuter
vom Substrate bedingt.
17. Felspflanzen, ohne beträchtliche Ablagerung von Erdkrume,
36 sp. (5. 0.)
18. Pflanzen der Hecken und Gebüsche, 67 sp.: in andere For-
mationen verfliessend.
19. Pflanzen des lichten Waldes, 107 sp., besonders auf Kalk-
boden entwickelt, z.B. Helleborus foelidus, Viola collina, Trifolium
rubens, Vicia lutea und cassubica, Syspone sagiltalis, Cylisus ralisho-
nensis, Potentilla alba, Bupleurum longifolium, Centaurea nigra, Me-
littis, Orobanche epithymum, Ophrys apifera, Juncus tenuis.
20. Schattenpflanzen :
a) des Laubholzwaldes, 147 sp., z. B. Aconitum Napellus und
variegatum, Dentaria enneaphyllos, Euphorbia amygdaloides und dulecis,
Coronilla montana, Astrantia major, Laserpitium prutenicum, Knautia
sylvatica, Centaurea phrygia und austriaca, Cirsium Erisithales, Prenan-
thes purpurea, Buphthalmum salicifolium, Phyteuma nigrum, Pulmona-
ria angustifolia, Digitalis purpurea, Veronica longifolia, Orchis pallens,
Poa sudelica;
b) des Nadelwaldes, 28 sp., z. B. Sarothamnus, Galium rotun-
difolium und boreale, Pyrola uniflora, Rhinanthus angustifolius, Goo-
dyera repens;
c) in beiden ohne Unterschied, 23 sp.
21. Felspflanzen, wo der Fels mit Erdkrume bedeckt ist:
a) Kalkfelsen, 57 sp. (s. 0.)
b) Sandfelsen, 10 sp.: nach den Verf. ohne Verschiedenheit von
den Sandpflanzen , weil der Keupersandstein durch Verwitterung in
starken Sandboden zerfalle.
22. Pflanzen auf schattigen Felsen, 18 sp.
23. Den Laubwald constituirende Gewächse, 47 sp. von Holz-
gewächsen.
24. Den Laubhochwald constituirende Gewächse, folgende 8 Ar-
ten: Acer platanoides und pseudoplatanus, Fraxinus, Ulmus eflusa und
campestris, die beiden Quercus und Fagus.
356 Grisebach: Bericht üb. d. Leistungen in d. geographischen
Eine grössere Anschaulichkeit, als durch eine solche formale
Vollständigkeit erreicht werden kann, gewährt der richtige Blick in
die Eigenthümlichkeiten einer Landschaft, wie er sich in der Skizze
der Formationen bei Augsburg von Caflisch unbefangen äussert. Die
Gegend gehört zu dem tertiären Schuttgebiet zwischen Alpen und
Jura und wird durch die Wertach und den Lech, welche die grosse
horizontale Lechebene umschliessen, gegliedert. Diese Ebene zerfällt
in Kulturland, in eine sterile Haide (das Lechfeld) und in ein langge-
strecktes Moor. Die bairischen Hügelreihen , welche ostwärts jenseits
des Lechs folgen, sind von zahlreichen kleinen Wäldchen und Gebü-
schen bekleidet, in welche die Vegetation der Alpenvorwälder sich
hereinzieht; westlich grenzen an die Lechebene die ausgedehnten Hoch-
waldungen Schwabens. In der Lechebene gehören zu den pflanzen-
reichsten Standorten die Kiesbänke an den Ufern des Lech’s, die, mit
Gesträuch von Alnus incana, Salix incana, daphnoides und nigricans,
von Hippophae und Myricaria bedeckt, viele herabgeschwemmie Arten
der alpinen Region, sei es periodisch, sei es dauernd zur Entwickelung
bringen; zu diesen gesellen sich andere charakteristische Gewächse, wie
Pedicularis sceptrum, Buphthalmum salicifolium, Typha minima, Hiero-
chloa odorata. Eine zweite Formation längs des Lech’s bilden lichte
Kieferwälder, die sogenannten Lechauen, «deren Unterholz grösstentheils
aus Ligustrum und Berberis, deren Rasen oft auf grosse Strecken von
Carex alba gebildet wird: häufig konımen hier Erica carnea, Polygala
chamaebuxus, Daphne Cneorum vor, von Bellidiastrum Michelii und
Ranunculus montanus begleitet. Das Lechfeld ist eine mil dünner Erd-
krume bedeckte, magere Grasfläche, die von den benachbarten Alpen
aus mit einer beträchtlichen Anzahl von Gebirgspflanzen versorgt wird,
von denen mehrere in grosser Individuenzahl auftreten ; andere Strek-
ken des Gebiets von ähnlicher Bodenbeschaffenheit, jedoch ohne diese
Flussverbindung mit dem Gebirge, besitzen von den seltenen Pflanzen
des Lechfelds kaum eine Spur. Das Lechmoor ist nur noch in einzel-
nen Gegenden in ursprünglichem Zustande und wird hier durch einige
seltene Arten bezeichnet, z, B. Cirsium bulbosum und rivulare, Orchis
laxiflora, Schoenus nigricans und ferrugineus, Gentiana utriculosa, Al-
lium suaveolens u.a. Die torfigen Wiesen, die sich z.B. an der Wer-
tach entlang ziehen, besitzen wenig Eigenthümliches: es werden Trol-
lius, Primula farinosa, Phyteuma orbiculare u. e. a. erwähnt.
Die Hügel auf der Ostseite des Lech’s tragen sandige Aecker
und Nadelwälder, aber besitzen einen fruchtbaren, quellenreichen und
durch die Lage gegen Westsüdwest begünstigten Abhang, wo charak-
teristische Laubgehölze auftreten: unter Eichen und Buchen findet man
hier z.B. Lembotropis, Trifolium rubens, Chaerophyllum hirsutum, Ste-
nactis annua.
Die westlichen Hügel der schwäbischen Lechseite sind von sum-
pfigen Thälern durchfurcht, deren Moor von dem der Lechebene ganz
und systematischen Botanik während des Jahres. 1848. 357
verschieden bewachsen ist, z. B. von Alsine stricta, Saxifraga Hircu-
lus, Pedieularis Sceptrum, Betula humilis. Die Hochwälder dieser Ge-
gend bestehen grösstentheils aus Pinus Abies und haben einige selte-
nere Schattenpflanzen, z.B. Prenanthes purpurea, Spiraea Aruncus, Ca-
rex brizoides. Zu den allgemein durch die Gegend von Augsburg ver-
breiteten Pflanzen gehört Syspone sagittalis.
H. und A. Schlagintweit haben pflanzengeographi-
sche Untersuchungen in den bairischen Voralpen bekannt ge-
macht (Regensb. Flora f. 1848. S. 417—429. u. 432—447.)
Sie besuchten die Benediktenwand zwischen München und Inns-
bruck zur Zeit des Frühlings (Anfang Mai), um die klimatischen Ver-
hältnisse kennen zu lernen, unter denen sich die Gebirgspflanzen ent-
wickeln. Mit Instrumenten hinlänglich ausgerüstet, bestimmten sie zu-
gleich die wichtigeren Pflanzengrenzen und entwarfen zu diesem Zweck
ein hypsometrisches Netz über die ganze Gebirgsgruppe. — In der
Waldregion war die Vegetation des Waldes weiter entwickelt, als auf
den Wiesen, indem die Kälte der Frühlingsnächte auf offenem Boden
durch Strahlung zunimmt: um so auffallender war der Umstand, dass
diejenigen Arten, welche beiden Lagen gemeinsam sind, wie Gentiana
ecaulis oder Prinıula elatior, auf den Wiesen früher als im Walde blü-
hen. Dies sind eben Gewächse, die durch die kalten Frühlingsnächte
nicht afficirt werden, aber in Folge des wärmeren Tags um so rascher
wachsen. — Eine erst vor Kurzem schneefrei gewordene Stelle zeigte
sich ganz ohne vegetative Entwickelung, weil der Boden geneigt war
und der Druck des gleitenden Schnee’s die Triebe gewaltsam vernich-
tet: denn auf ebener Fläche folgte die Entwickelung der Pflanzen dem
Schmelzen des Schnees unmiltelbar. In einem Niveau, wo noch sehr
grosse Schneemassen vorhanden sind, tritt aber wiederum die entge-
gengesetzte Erscheinung ein: hier erwacht die Vegetation auf den frei-
gewordenen Stellen nicht, mag die Neigung des Bodens sein, welche
sie wolle, weil durch den hier weit umfassenderen Schmelzungspro-
cess des Schnee’s zu viel Wärme gebunden wird. — Die obern Gren-
zen vieler Pflanzen liessen sich im Frühling nicht bestimmen, weil die-
selbe Art in tielern Lagen blüht, wenn sie weiter oben noch unter
dem Schnee ruht: aber für die Bestimmung unterer Vegelationsgrenzen
war der Zeitpunkt um so geeigneter. Ich führe daher hier nur die
Ergebnisse von einigen Messungen der letztern Art an, so wie die An-
gaben über die Grenzen der Holzgewächse, die in den bairischen Vor-
alpen sehr niedrig liegen:
a) Dentaria enneaphyllos. 3290‘ —
Tussilago alba. 2390° —
Primula Auricula, 2870 —
Soldanella alpina. 4100-5522‘ (Gipfel).
Convallaria verticillata. 2720” —
358 Grisebach: Bericht üb. d. Leistungen in d. geographischen
b) Acer pseudoplatanus. 1860’—3765’.
Sorbus aucuparia. — 4000°. (lokal — 2930°).
Fagus sylvatica. — 4148.
Pinus Abies. — 4384‘.
Juniperus nana. 4100’.
Rhododendron.
. a A110.
Lonicera nigra.
— alpigena.
Fischer-Oester hat die Temperaturverhältnisse der
verschiedenen Pflanzenregionen in den Alpen zu bestimmen
gesucht (Mittheilungen der Berner naturf, Gesellschaft. 1848.
8. 31 pag.).
Der Verf. summirt die täglichen Wärmewerthe während der Ve-
getationszeit und nennt diese Summe absolute Wärme eines Orts: diese
Methode ist physiologisch zu verwerfen, weil die Vegetationsphasen
ihrer Dauer nach nicht durch Abscissen, sondern durch Ordinaten der
Temperaturkurve bestimmt werden. Seine miltleren Temperaturen für
die von Kämtz angenommenen Regionen sind folgende: a) — 3000’ —
+ 6° bis über 90%. b) 3000‘ (2700) — 4000° = + 6° bis + 39,5.
ec) 4000’ -- 5500° = + 30,5 bis + 1°. d) 5500’ — 7500’= + 1° bis
— 3%. e) 7500° — 9000‘ = — 3° bis — 60.
In der Einleitung zu der oben erwähnten Abhandlung
von Sendtner entwickelt der Verf. seine Ansicht über dıe
Pflanzenregionen in den dinarischen Alpen, in der Richtung
von Triest nach Norden.
Sendnter unterscheidet folgende Regionen:
a. 0‘— 500‘ Küstenregion mit immergrünen Holzgewächsen.
b. Waldregion.
aa, 500°—2000‘. Region von Quercus Cerris, die bis zur Höhe. des
Karstplateau hinaufsteigt,
bb. 2000°—-4000°. Buchenregion. Lokal erhebt sich die Buche in
den julischen Alpen bei Tolmein nur bis 3600’.
cc. 4000°- 6000. Knieholzregion: Leskea incurvata sei der Pinus
Pumilio isohypsil. An einigen Orten zeige sich zwar eine schmale
Nadelhozregion zwischen der Buchengrenze und dem Knieholz,
aber diese fehle z. B. am Predil und vielen anderen Karstalpen,
wo die Buche unmittelbar an Pinus Pumilio grenzt und Pinus
Abies entweder ganz fehlt oder der Buche isohypsil ist.
ce. 6000‘. — Alpine Region. Moosrepräsentanten, z,. B. Bryum de-
missum und arcticum, Desmatodon Laureri.
Wa
und systematischen Botanik während des Jahres 1848, 359
Von Baumgarten's in den J. 18i4—16. erschiene-
ner, siebenbürgischer Flora’ ist jetzt die die Kryptogamen
enthaltende Abtheilung theilweise erschienen ( Enumeratio
slirpium magno Transsilvaniae principatui indigenarum. Tom.
IV. Sect. 1—3. 236 pag. 8. Cibin. 1846.)
Thurmann hat als Vorläufer seiner später erschiene-
nen Pflanzengeographie des Schweizer Jura’s einen Katalog
der Flora von Porrentruy herausgegeben (Enume£ralion des
plantes vasculaires du district de Porrentruy. Porrentruy,
1848. 8. 52 pag.)
Von der im vor, Berichte charakterisirten, französischen
Flora von Grenier und Godron erschien die zweite Ab-
theilung , die Calycifloren bis zum Schluss der Umbelliferen
enthaltend (Flore de France. T. 1. Partie 2. Paris 1848. p.
336— 766. 8.)
Jordan (s. vor. Jahresb.) hat nach dem Abschlusse
seiner Fragmente angefangen, seine Novitäten in dem Samen-
katalog von Dijon (f. 1848.) zu publieiren: der Inhalt ist in
der Regensburger Flora abgedruckt (1849. S. 449—462. und
467—480.); derselbe enthält wieder 40 als neue Arten auf-
gestellte Formen, darunter allein 14 Hieracien.
Desmazieres lieferte den 15ten Beitrag zur franzö-
sischen Kryptogamenkunde (Annales des sciences natur. 1848.
Vol. 9. p. 330—337. und Vol. 10. p. 342—361.): verschie-
dene Pilze und eine Flechte enthaltend.
Ein neuer, im Roussillon, am linken Tetaufer bei Ille
gefundener und übrigens in Catalonien einheimischer Strauch
ist Sarolhamnus catalaunicus Webb’s (Ann. sc. nat. ]. c. 9.
p- 63.)
Französische Lokalfloren : H. de Latourette Flore de
Tancien Velay (Puy, 1848. 8. 49 fol.); Flore du Dauphine
par feu Mr. Mutel. 2. Edition, entierement refondue (Gre-
noble, 1848. 16. 24'/, fol.).
Durocher beleuchtet die Abhängigkeit der Vegetation
vom geognoslischen Substrat in der Bretagne (Comptes ren-
dus. Vol. 27. p. 506 --509.)
Die Bretagne zerfällt in drei geognoslisch, wie agronomisch ge-
schiedene Zonen: in ein fruchtbares, granitisches Litoral, in die Thon,
360 Grisebachz Bericht, üb, d. Leistungen in. d. geographischen
schiefer und Grauwacken des Inners, wo sich die meisten Wiesen fin-
den, wo die Viehzucht blüht, und zwischen diesen beiden Zonen liegt eine
mittlere, aus quarzreichen Gesteinen gebildet, die. von Heiden und Wäl-
dern überkleidet, nur den Eisenminen einen eigenthümlichen Erwerb
verdankt. Die ganze wellige Oberfläche des Jandes erscheint aus der
Ferne wie ein Wald, indem die Grundstücke durch lebendige Hecken
und durch Gräben, die mit Eichen und Kastanien bepflanzt sind, von
einander abgesondert werden. Den grössten Gegensatz gegen diesen
landschaftlichen Typus bilden die Kalkformationen der Normandie, wo
wenig Bäume forikommen und auch diese aus anderen Arten bestehen.
Bäume des Kalkbodens sind hier die Ulme, Acer campestre und Juglans,
aber auffallender ist, dass hier die Buche granilisches Substrat vorzu-
ziehen scheint. — Die kalksteten Pflanzen der Bretagne werden vom
Verf. genannt, sie stimmen grösstentheils mit denen des westlichen
Deutschlands überein.
Link berichtet über seine Reise nach Korsika und
schildert den Vegetationscharakter dieser Insel (Bot. Zeit. 6.
Ss. 667-669.)
Montebaxo, aus Stephanocarpus, der vorherrscht, ferner aus Erica
arborea und Arbutus Unedo gebildet, denen sich an den untern Ab-
hängen auch Pistacia Lentiscus zugesellt, bedeckt die Berge bis zu ei-
ner bedeutenden Höhe, oft ganz, besonders in der Nähe der Ostküste,
doch tragen die Gipfel hier und da auch schöne Kastanienwälder. In
diesen obern Regionen fängt eine andere, eine für Korsika und Sardi-
nien endemische Flora an. Dies zeigt sich sogleich darin, dass im
Kastanienwalde überall Helleborus lividus und Genista corsica erschei-
nen, so wie auch auf freien Plätzen Stachys glulinosa, mit ruthenför-
migen Zweigen geziert. Auf den höheren Bergen folgt über der Ka-
stanienregion der Wald von Pinus Laricio, der z. B. am Monte d’Oro
eine bedeuterde Strecke einnimmt und den Link fortwährend von P.
austriaca verschieden hält; der Wuchs sei verschieden, bei der Lari-
ciofichte Korsika’s stehen die Zweige fast wagerecht, und die Spitzen
wenden sich nach oben; von der Gestalt einer hohen, schlanken Pyramide
errege, die Krone einen heiteren Eindruck, während P. austriaca ein
düsterer Baum sei. Auch die Fichte des Aetna ist ihm jetzt eine be-
sondere P. aetnensis, — Am Monte d’Oro steht über dem Laricio-
Walde ein Buchenwald von grossen und starken Bäumen, über diesem
breitet sich eine nackte, unfruchtbare Höhe aus. Hier erreicht die
Strasse von Bastia nach Ajaccio ein Niveau von 7956‘, wenig unter
dem des Monte rotondo, dem höchsten Gipfel Korsika’s, der nach den
neusten Messungen 8016’ hoch ist.
Von der sehr langsam fortgesetzten italienischen Flora
von Bertoloni ist 1848 das erste Heft des 7ten Bandes
und systematischen Botanik während des Jahres 1848. 361
erschienen (s. Jahresb. f. 1846.) — Derselbe publieirte
Abbildungen von 6 ligurischen Pflanzen (Manipulo I. di pi-
ante della Liguria in Memorie della societä di Modena. Tom.
94. P.1.): darunter Iris juncea, Convolvulus pseudotricolor,
Campanula sabalia. — Boissier liess zwei neue Cruciferen
aus der alpinen Region Piemont’s abbilden (Memoires de Ge-
neve. P. 11. Partie 2. 1848.): Arabis pedemontana aus der
Gegend der Waldenser Thäler und Barbarea augustana vom
Passe des M. Pennino.
Schouw untersuchte die Verbreitung der Birken in
Italien (Oversigt Videnskab. Selsk. Forhandl. i 1847. p. 16—
19.): er tritt bei diesem Anlass gegen die Annahme von
Pflanzenwanderungen auf, allein seine Gründe lassen auch
andere Erklärungen zu
Betula alba wächst in den italienischen Alpen zwichen 3000‘ und
6000°, dann auf den Euganeischen Hügeln bei 1200’—1800‘ und fehlt
dem übrigen Italien mit Ausnahme des Aetna (5000‘—-6500’), indem B.
aetnensis nicht verschieden sei. — Von Alnus kommen vor: A. glutinosa
(0°—-5000°), A. incana (Alpen und Apennin), A. viridis (Alpen); A. cor-
difolia Ten., ein grosser Baum, der zwischen 39° und 41° bis 3700‘ die
Wälder bildet.
Die im Jahresb. f. 1844. erwähnte Schrift von Cesati
über die Pflanzengeographie und Flora der Lombardei ist vom
Verf. in deutscher und bereicherter Bearbeitung publicirt wor-
den (Linnaea Vol. 21. S. 1—64.)
Die Anzahl der den Verf. aus der Lombardei und den angren-
zenden Gebieten bekannt gewordenen Arten beträgt \gegen 2640 Pha-
nerogamen, von denen hier ein Katalog, jedoch ohne Fundorte, gege-
ben wird.
Den südlichen Vegetalionscharakter an den italienischen Alpen-
seen fasst der Verf. nach örtlichen Bedingungen auf und zeigt, dass
die Entfaltung mittelmeerischer Formen zunimmt, wenn man in der
Richtung von Westen nach Osten, von Piemont nach Verona die Reihe
dieser Seen verfolgt. Die Ufer des Lago d’Orta (gegen 800‘ hoch)
und des ähnlichen bei Varese zeigen keine Spur von südlichen Pflan-
zen; auch am Lago Maggiore (600) giebt es gegenwärtig keinen Oel-
baum mehr, sondern nur auf den Inseln künstliche Gartenkultur: am
Lago d’Idro unweit des Gardasee’s wachsen in einem höher gelegenen
Niveau (gegen 1200”) Euphorbia nicaeensis, Centaurea alba, Bupleurum
aristatum. Die Grenze der Olivenkultur erreicht am Comer-See 1500’,
am Gardasee fast 2000’; nur dieser letztere hat bis über 1100, im
362 Grisebach: Bericht üb. d. Leistungen in d, geographischen
Bergkessel von Bogliaco, Citronenbäume im Freien, die freilich gegen
die Alpenwinde geschützt werden , und bei Maderno sieht man einen
ganzen Bergabhang mit Agaven bewachsen. Cesati meint, dass diese
jetzt in ihrem Vegetationscharakter isolirten Seebezirke einst durch eine
schmale Olivenzone mit einander verbunden gewesen seien: einzelne
Ueberreste unweit Pusiano, bei Montevegghia und um Brescia wären
hievon noch übrig. In der loınbardischen Ebene und namentlich west-
lich von der Adda findet man heutzutage südliche Pflanzenformen aus-
schliesslich auf die Reisfelder beschränkt. Jenseits der Etsch beginnen
mittelmeerische Charakterpflanzen, wie Arbutus Unedo und ehemals
auch Cistus laurifolius auf den Berischen und Euganeischen Hügeln. —
Des Verf. Darstellung der Regionen an der Südseite der Alpen be-
zieht sich grösstentheils auf eine Aufzählung der seltenen Arten.
Il. Asien.
Koch hat angefangen, die botanischen Ergebnisse sei-
ner orientalischen Reisen herauszugeben (Beiträge zu einer
Flora des Orients. Heft I., Separatabdruck aus der Linnaea.
Vol. 21. S. 289—443.). Der Reisende beginnt mit einer
pflanzengeographischen Uebersicht der von ihm besuchten
Länder und es ist daher jetzt an der Zeit, auf seine im Jah-
resberichte für 1846. (S. 435.) erwähnte Reisebeschreibung,
so weit sie seine jetzige Publication näher erläutert, zurück-
zukommen. Ueber Armenien, einen der Hauptschauplätze sei-
ner Thäligkeit, liegen die gleichzeitig erschienenen Reisebe-
richte von M. Wagner (Reise nach dem Ararat und dem
Hochlande Armenien. Stuttgart, 1848. 331 pag. 8.) und
Buhse (Bullet. de St. Petersbourg Vol. 7. nr. 7.) vor, deren
pflanzengeographische Ergebnisse sich an Koch’s Milthei-
lungen anreihen.
Koch gebührt: das Verdienst, die pontische Gebirgskette von
Lasistan, d. h. den nordöstlichsten Theil des anatolisch - armenischen
Randgebirges in weiterem Umfange untersucht und sich hiebei nicht
auf die Heerstrasse von Trebisond nach Erserum beschränkt zu haben.
Von Risa aus, einem östlich von Trebisond gelegenen Küstenplatze,
überstieg er Ende Juli den aus Porphyren gebildeten Demirdagh und
gelangte über einen gegen 9000’ hohen Pass in das Längsthal des
Tschoruk ; er kehrte von hier aus über einen zweiten, eben so hohen
Rücken zum schwarzen Meere, nach Alina, zurück, schätzte auf die-
sem Wege die Schneegrenze zu 10000‘ (Wanderungen Bd. 2. S. 101.)
und beobachtete hier den merkwürdigen klimatischen Kontrast, dass
und systematischen Botanik während des Jahres 1848. 363
eine Wolkenregion an der Seite des Pontus hängt, während klarer
Himmel den armenischen Abhang bezeichnet. Die höchsten Erhebun-
gen (Khatschkhar-Dagh) schätzt er auf 12000‘ bis 13000‘ (Linnaea a,
a. 0. S. 309.) Endlich durchschnitt er die Axe der pontischen Kette
zum dritten Male zwischen Choppa und Artwin, von wo er Ende August
in das Quellgebiet des Kur weiterreiste. An dem pontischen Ab-
hang haben die Wälder „eine weit grössere Ausdehnung als am Kau-
kasus« und bilden eine Buchenregion, an welche sowohl abwärts als
aufwärts sich zunächst Gesträuchformationen anschliessen: Buchen von
4 oder 5 Fuss im Durchmesser sind nicht selten und mitten unter ih-
nen erscheint stellenweise eine „prächtige“ Edeltanne, die Koch irrig
für neu erklärt (Picea sp.), die jedoch zufolge seiner späteren Bearbei-
tung der gesammelten Coniferen ohne Zweifel Tournefort's Pinus
orientalis sein wird. Zur näheren Charakteristik der Regionen dienen
folgende Angaben:
a. 0‘—4600°. Immergrüne Gesträusche. Bei Risa breiten sich
Geküsche von strauchartigen Eichen (Quercus pubescens) , von Cory-
lus und Carpinus orientalis aus: ihnen folgen und häufen sich auf-
wärts Azalea pontica, Rhododendron ponticum und Prunus Laurocerasus
mit einzelnen Buchen; bei 3600‘ treten wieder andere Eichengesträu-
che mit Vaceinium Arctostaphylos und einzelnen Fichten auf (Wand. 2.).'
Bei Alina werden in der immergrünen Region auch Buxus (— 4500°)
und Ilex aquifolium angeführt; von hieraus sei nach der Mündung des
Tschoruk hin das Litoral feuchter als bei Trebisond, die Ueppigkeit der
Holzgewächse grösser und aus den Gesträuchen erheben sich einzelne
Baumgruppen, Buchen, Erlen, Ulmen, Linden und Ahorn (das. $. 137.). Da-
gegen scheint hier die Ostgrenze für mehrere Sträucher zu liegen, welche
bei Trebisond vorkommen und sich gegen die Tschorukmündung verlieren
(L. 8, 313.): namentlich Paliurus, Rhamnus Alaternus, Arbutus Unedo,
Vitex, Elaeagnus, Laurus (letzterer einzeln bis Gurien). — Obstbaum-
pflanzungen sind in dieser Region allgemein ; Kirschen werden in Menge
ausgeführt.
b. 4600‘—5700 Buchenregion. Einen grossartigen, aus Buchen
und Tannen gemischten Hochwald traf der Reisende über Atina , wo
hohe Stauden, wie Pyrethram macrophyllum , Campanula lactiflora im
Schatten üppig wucherten. Von den Gesträuchen der immergrünen
Region steigen Prunus Laurocerasus und Rhododendron ponticum durch
die ganze Region dieser Wälder und gedeihen selbst da noch, wo die
Buche schon zum Krummholz wird. Aber auch die übrigen Sträucher
treten zum Theil isohypsil mit den Buchen auf und bilden Dickichte,
welche mit dem Walde abwechseln und in denen Azalea pontica, auch
Vaceinium Arctostaphylos zu finden sind. Bemerkenswerth ist, dass
auch hier, wie auf den südeuropäischen Gebirgen , die Baumgrenze
nicht über 6000° steigt.
£. 5700.—-8000°. Region des Rhododendron caucasicum (Wand. 2.
364 Grisebach: Bericht üb. d. Leistungen in d. geographischen
5.17.). Das Gesträuch dieser Alpenrose mit schön weissen Blüthen
überzieht grosse Strecken und in gleicher Höhe beginnt eine Fülle
alpiner Formen: so wurden unweit Dschimil bei 6000‘ gegen 200 Ar-
ten gesammelt, die prächtige Matten mit hohen Kräutern, z. B. Vale-
riana alliarifolia (5—7000‘) und Gräsern bilden. Da die Pflanzen erst
zum geringsten Theile bearbeitet sind, so erfahren wir vorläufig über
diese und die holzlose alpine Region (8—10000°) noch nichts Spe-
cielleres.
Der dem armenischen Hochlande zugewendete Südabhang des
pontischen Gebirges ist ohne Hochwald und scheint, wie ich aus
dem Vorkommen der Traganthsträucher und der dormigen Staticen
(Wand. 2. S. 36. 53.) schliesse, den armenischen Hochsteppen sich an-
zureihen. Nur der Thaleinschnitt des Tschoruk ist nicht ohne Ufer-
waldungen: so erscheinen im obern Theile desselben (2500‘) eine nie-
drige Kiefer (P. pontica K.) und Juniperus excelsa; hier werden die
Gesträuche aus Salix, Quercus, Rosa, aus Pyrus elaeagnifolia und Lo-
nicera iberica gebildet, mit denen Morina persica und die auch im
südlichen Taurus angetroffene Pelargonienform in Verbindung wachsen;
weiter abwärts, wo jene Nadelhölzer aufhören, werden die Gesträuche
bedeutender und namentlich bei Artwin aus Carpinus, Quercus, Arbu-
tus zusammengesetzt, unter denen auch Cotoneaster nummularius, Jas-
minum und Ephedra auftreten (das. S. 178.).
Indem ich mich jetzt zu Armenien wende, lege ich zunächst
die Darstellung Wagner's zu Grunde, woraus sich, indem man zu-
gleich auf Abich (Jahresb. f. 1846.) fusst, ein physisches Gesammt-
bild dieses Hochlandes entwerfen lässt. Armenien ist ein Hauptglied
in dem grossen Zuge vorderasiatischer Hochflächen, die sich vom In-
dus bis zum Westen Anatoliens ausdehnen und hier von nördlichen und
südlichen Randgebirgen schroffer zum Pontus und zu den georgischen
Thälern, sanfter gegen das mesopotamische Tiefland abfallen. Dieser ar-
menische Antheil nun unterscheidet sich sowohl von dem persischen
als kleinasiatischen Plateau sehr vortheilhaft durch seinen Wasserreich-
thum, der, aus den beiden benachbarten Binnenmeeren, dem Pontus und
dem kaspischen See gespeist, vermöge mannichfacher Unterbrechungen
und Unregelmässigkeiten in den aufgesetzten Gebirgsketten zu den wei-
ten und grossen Flussgebieten des Araxes, Kur, Tschoruk und der Eu-
phrat- und Tigris - Zuflüsse sich gleichmässig befruchtend anordnet.
Abich will das feuchte Klima Armeniens auf die Gegend des Gokt-
schai-Sees beschränken (a. a. O.), wo im Spätsommer die Heerden
von fernher zusammenströmen und auf reichen Alpentriften weiden,
während das übrige Hochland längst verdorrt ist. In der That geht
hier die Vegetation langsamer von Statten, als im übrigen Armenien,
wo der Sommer kurz ist, wo stellenweise das Getraide in zwei Mona-
ten von der Saat bis zur Ernte reift. Allein dieser klimatische Ge-
gensatz findet eben auch nur im Sommer statt, der dem inneren Arme-
rm
und systematischen Botanik während des Jahres 1848, 365
nien Ost- und Südostwinde bringt (Wand. S. 259.) und deshalb wol-
kenlos, dürr und heiss ist. Im Winter hingegen, der in der Regel vom
Oktober bis zum Mai, also volle acht Monate dauert ($..255.), herrschen
dieselben Nordoststürme, die vom kaspischen Meere zum Goktschai und
Alaghes wehen und die vermöge der unregelmässigen Gestalt der Ketten
und der offenen Lage des Araxes-Thals den Wasserdampf bis zu den west.
lichen Gebirgen von Erserum treiben. Daher die Klagen in ganz Ar-
menien über die unermesslichen Schneeanhäufungen auf der Hochfläche,
durch welche der eigenthümliche Charakter des Landes, der Reichthum
an Quellen und wasserreichen Flüssen in beträchtlichen Meereshöhen
vollständig erklärt wird. Vergleichen wir hiemit die wasserleeren per-
sischen Plateaus oder die schwachen Flussadern Anatoliens, so ist in
Betracht zu ziehen, dass diese Hochländer weit minder bedeutende,
aufgesetzte Ketten und in der Regel nur äussere Randgebirge besitzen,
an denen etwaige Seewinde die Feuchtigkeit einbüssen. — Eine andere
bemerkenswerthe Eigenthümlichkeit des armenischen Hochlandes scheint
in der verhältnissmässigen Kälte seines Klimas zu bestehen. Die Lage
der Schneelinie und der Vegelationsgrenzen könnte hiefür einen An-
haltspunkt gewähren: allein diese Werthe sind bis jetzt nur am Ararat
von Parrot, Wagner und Abich mit Genauigkeit und übereinstim-
mend festgestellt und zwar die Baumgrenze zu 8000‘, die Schneelinie
zu 13300‘, was im Vergleich zum Kaukasus eine Elevation der ent-
sprechenden Grösse von mehreren Tausend Fuss ergiebt. Diesen Wer-
then kommt indessen keineswegs eine allgemeinere Geltung für das
Hochland zu, vielmehr erklärt Wagner sie mit Recht für örtliche
Anomalien des Ararat, die in der isolirten Lage desselben, so wie in
seiner Gestalt und Struktur begründet sind (S.275.). Im inneren Ar-
menien,, zwischen 37° und 40° N. Br., schätzt Wagner die Linie des
ewigen Schnees nur zu 10500‘ bis 11000°, was sehr wohl mit den Er-
fahrungen Koch’s im lasischen Randgebirge in Einklang steht. Dies
wäre gegen den Kaukasus, wo die Schneelinie nach Dubois und
Kupffer zwischen 9960‘ und 10380’ schwankt, eine unbedeutende
Elevation, weit geringfügiger als sonst bei der Vergleichung von Ket-
tengebirgen und Hochllächen vorkommt und würde daher, schärfer fest-
gestellt, das armenische vom centralasialischen Plateau wesentlich un-
terscheiden. Als eine Wirkung mannichfaltiger Gliederung und eines
häufiger umwölkten Himmels könnte auch dieses Ergebniss mit dem
vorigen in Verbindung gesetzt werden. Indessen bleibt es zur Zeit
noch zweifelhaft, ob die tiefe Lage der Schneelinie in Armenien wirk-
lich auf einer niedrigen Jahreswärme oder auf der Gestalt der Tempe-
raturkurve, d. h. auf dem Verlaufe der Jahreszeiten beruht. Die kurze
Dauer des Sommers auf den von Wagner bereisten, durchschnittlich
5000° bis 6000’ hoch liegenden Flächen, war ihm besonders auffallend
und wird von ihm den entgegengesetzten Verhältnissen der benachbarz
ten Tielländer lebhaft gegenübergestellt, Jm April, bemerkt er, herrscht
366 Grisebach: Bericht üb. d. Leistungen in d. geographischen
zu Mossul am Tigris ein heiterer Himmel und den dürftigen Graswuchs
der mesopotamischen Ebene beginnt bereits die Sommerhitze zu ver-
sengen. Um dieselbe Zeit sind anı Pontus bei Trebisond die Mandel-
bäume verblüht, die Laubwälder prangen im schönsten Grün, die Rho-
doreensträucher haben ihre prächtigen Kronen geöffnet und die Wärme
steigt gewöhnlich zu 18° bis 2000. (S. 253.). Die Hochebene von Er-
serum liegt alsdann noch in Schnee und Eis begraben. Späterhin er-
folgt der Uebergang vom Winter zum Sommer rasch, wie auf den Hö-
hen der Alpen: zu Erserum soll die mittlere Wärme im Mai 6% bis 8°,
im Junius 16° bis 18°%, im Julius und August 22° bis 240 C. betragen.
Die tiefer gelegene Araxesebene (3000‘) hat. einen kürzeren, wiewohl
strengen Winter.
Die kurze Dauer einer dem Pflanzenleben entsprechenden Wärme
lässt im armenischen Hochlande keinen Wald aufkommen, sondern er-
zeugt nur alpine Gewächse, während durch die Regenlosigkeit der
Sommer monate die klimatische Analogie mit den oberen Regionen der
Alpen und des Kaukasus wiederum aufgehoben wird. Dies ist der
Grund der Eigenthümlichkeit der armenischen Flora, die bei aller Dürf-
tigkeit doch viele endemische Formen besitzt und sich näher an die
persische, als an die kaukasische anzuschliessen scheint. Auf der
Araxesebene ist ungeachtet der geringeren Meereshöhe ebenfalls kein
Wald, aber, da zu Eriwan die Obstbäume so gut fortkommen, meint
Wagner, seien hier die Wälder wohl ausgerottet. Dieselbe Ansicht
spricht Koch (L. $. 333.) für ganz Armenien aus, indem er Erschei-
nungen, die den aufgesetzten Ketten angehören, wo, wie am Ararat,
doch auch die Waldentwickelung jetzt nur schwach und ohne Zusam-
menhang ist, nicht hinreichend von dem Vegetationscharakter der Hoch-
ebenen selbst absondert. Ein zusammenhängender Waldhbestand gehört
in Armenien gegenwärtig nur den äusseren Randgebirgen an, deren
feuchter Sommer einen entschiedenen Gegensatz zwischen der Flora
des inneren Armeniens und der Vegetation in den Alaghes-Gegenden
hervorruft, wodurch der allmähliche Uebergang zu den Pflanzenformen
des Kaukasus vermittelt wird.
So wenig demnach Armeniens landschaftlicher Charakter durch
Waldbildungen bestimmt wird, so gehört es doch zu den bemerkens-
werthesten Erscheinungen in diesem Lande, dass unter örtlichen Ein-
flüssen die Baumgrenze daselbst weit höher liegen kann, als unter glei-
cher Breite im südlichen Europa oder selbst im nahen Gebirge von La-
sistan. Wir kennen die hohe Baumgrenze des Alaghes (7000° bis 7800‘)
und des Ararat (7800°—8000‘) (s. Jahresb. f. 1846. S. 436.): nun traf
Wagner in einem der Hochthäler des Kussa-Dagh , zwischen Deli-
baba und Mollah-Soliman, unter 40° N. Br., ein Wäldchen von Birken,
Zitterpappeln und Weiden sogar noch in der Höhe von 8200‘ an ($.316),
wobei er ausdrücklich auf die ganz geschützte Lage des Standorts hin-
weist. Früher habe ich gezeigt, dass die Ursache, weshalb die süd-
u.
En A Di A
es „EN
und systematischen Botanik während des Jahres 1848. 367
europäische Baumgrenze mit abnehmender Polhöhe nicht nach aufwärts
rückt, in der Trockenheit und Schneearmuth der dortigen Gebirge be-
gründet sei. Die Verbreitung schmelzender Schneefelder in Armenien,
die reichliche Spende des liessenden Wassers und die durch die Ge-
staltung des Hochlands gesteigerte Sommerwärme ergeben entgegenge-
setzie Bedingungen, unter denen die Bäume da gedeihen , wo durch
Schutz gegen die veränderlichen Winde in den Uebergangsjahreszeiten
eine längere Dauer der Vegelation verbürgt ist.
Aehnliche Einflüsse liegen auch dem dortigen Ackerbau zu Grunde
und stehen dadurch mit der historischen Bedeutung und Entwickelung
des armenischen Volks in engem Zusammenhang. Ein Land, welches,
von Alpenwiesen oder Hochsteppen bedeckt, nach Meereshöhe und Bo-
dengestaltung nur der Sennwirthschaft zugänglich erscheint und wo
in der That nach Zerstreuung der ursprünglichen Bewohner, wie in
Anatolien, Nomaden umherschweifen, ist dennoch schon frühzeitig der
Gesittung eines Ackerbau treibenden Kulturvolks theilhaft geworden,
weil die künstliche Bewässerung des Bodens durch zahlreiche Flüsse
erleichtert und die rasche Reife der Ernten durch die höhere Wärme
eines heiteren Sommers gesichert ist, Unter solchen Bedingungen reicht
der Getraidebau am See Wan und am Bingöl-Dagh nahebei zu 6500°
und die 6100‘ hohe Ebene von Erserum gewährt ergiebige Waizenern-
ten: während in dem umwölkten Kessel der Goktschai schon bei 5500’
nur noch die Gerste forikommt und in manchen Jahren nicht einmal
zur Reife gelangt (S. 317.).
Wagner bereiste die Gegenden vom Goktschai bis zur Südseite
des Ararat in der günstigen Jahreszeit vom Mai bis Julius: indessen
ist seine bolanische Ausbeute nicht bearbeitet worden. Was er von
den Regionen des pontischen Nordrandes berichtet und wahrscheinlich
aus einer Reise von Trebisond nach Erserum geschöpft hat, stimmt
ziemlich genau mit Koch’s Angaben über Lasistan überein:
a. 0'—-1000° vom schwarzen Meere aus. Immergrüne Region,
charakterisirt durch l,aurus, Buxus, Castanea, Olea, Planera.
b. 1000’—-4500°. Buchenregion mit den isohypsilen Rhodoreen.
Coniferen treten bei 3000° auf. |
ce. — 5600‘ Nadelholzregion.
Bei der Vergleichung der Flora des inneren Armeniens mit der
der Araxesebene bemerkt Wagner ziemlich unbestimmt, dass jene
ihn an die reinen Tinten der Alpenmatten, diese an die russischen Step-
pen erinnere: wobei er wahrscheinlich mehr an die alpine Region des
Alaghes als au die Flächen des inneren Armeniens gedacht hat. Hier
haben wir weit genauere Ergebnisse von Koch’s Forschungen zu er-
warten, wiewohl derselbe freilich in einer sehr ungünstigen Jahreszeit
(September und Oktober) das Land besucht hat.
Ende August begab sich Koch von Lasistan in das Kurthal nach
Artahan, dessen Vegetationscharakter hier mit dem des inneren Arme-
368 Grisebach : Bericht üb. d. Leistungen in d, geographischen
niens bereits übereinstimmt (Wand. 2. $.219.). Er nennt das Land
eine Hochsteppe, um die Analogie mit den russischen Steppen auszu-
drücken, wiewohl die Arten durchgehends von denen der letzteren
verschieden seien (S. 221... Die physiognomische Hauptverschieden-
heit scheint in dem Auftreten zahlreicher Astragaleen, besonders der
Traganthsträucher begründet. Diese nahmen z. B. auch tief im Innern
zwischen Erserum und Musch, in Verbindung mit „Stalice acerosa,«
weite Strecken ein (das. $. 354.). Einzeln gesellen sich auch andere
niedrige Sträucher zu den Traganthastragalen (S. 221.): Rosen und
Spiraeen, von denenKoch irrig behauptet, dass sie in Südrussland der
Steppe fehlen. Die Stauden der armenischen Steppen bestanden zu
der Jahreszeit, als sie Koch besuchte, ausser den Astragalen, vorzüg-
lich aus Umbelliferen, Scabiosen urd zahlreichen Synanthereen, sowohl
Disteln als Artemisien (Linn. $.332.). — Von Bäumen, die theils die
Uferwaldung der Flüsse bilden, theils in den Thalschluchten der Ge-
birge hier und da zusammentreten,, nennt Koch eine ganze Reihe,
doch olıne schärfere Bestimmung der Arten: mehrere Kieferarten sind
späterhin von ilım beschrieben, Juniperus excelsa wird mehrfach er-
wähnt, doch scheinen Laubhölzer, wie Salix, Quercus, Acer obtusatum,
Fraxinus oxycarpa u.a,, so wie auch Gesträuchformationen von Eichen,
Rosen, Pyrus elaeagnilolia, Tamarix, u. dgl. häufiger zu sein.
Die Wälder des untern Kaukasus, d. h. des georgisch -ar-
menischen Grenzgebirgs sind zwar nach Koch denen der pontischen
Küstenkette ähnlich, unterscheiden sich aber wesentlich durch den Man-
gel sämmtlicher immergrüner Sträucher (Liun. S. 336.).
Die Araxesebene untersuchte Buhse, für die Formen der
transkaukasischen Flora wohl vorbereitet, in günstiger Jahreszeit (April
und Mai 1847.). Zwischen Eriwan und Nachitschewan waren Pega-
num, Sophora alopecuroides und Zygophyllum Fabago sehr verbreitet.
In der einlörmigen Ebene liegen die Baumpflanzungen der Dörfer wie Oa-
sen zerstreut: sie bestehen aus Morus, Elaeagnus, Prunus avium und
Persica. Auf diese durch künstliche Bewässerung des Bodens frucht-
bare Gegend folgt gegen Nachitsehewan eine völlig wüste Salzsteppe
ausschliesslich von Chenopodiaceen und Artemisien bedeckt. Von hier-
aus übersiieg Buhse das zum unteren Kaukasus gehörende Grenzge-
birge von Karabagh, wo er in einer Region von 6000’ bis 7000’ (ge-
schätzt) Eichenwaldungen antraf; die tieferen Gegenden von Karabagh
waren baumlos, die oberen Abhänge zum Theil trefflich bewaldet.
Der Bericht des Verf. enthält Verzeichnisse der gefundenen Pflanzen:
nicht ganz 400 sp. wurden beobachtet.
In einer gleich günstigen Jahreszeit reiste Koch von Tiflis aus
durch den östlichen Theil Transkaukasiens über Elisabethpol
durch Schirwan nach Baku, von hier längs des kaspischen Meeres an
die nordöstlichen Abhänge des Kaukasus nach Kuba, sodann zurück
nach Schirwan über den Kaukasus (Mai bis Julius), Von Schirwan her
|
und systematischen Botanik während des Jahres 1848, 369
breitet sich längs des kaspischen Meeres grossentheils Artemisiensteppe
aus : aber die Ausläufer des Kaukasus bei Kuba sind bewaldet. Doch
können diese Wälder den prächtigen Hochwäldern Mingreliens am
schwarzen Meere durchaus nicht gleichgesetzt. werden: sie sind dichter,
aber weit niedriger (Wand. 3. S.286.); während am Rion die Buche
entschieden vorherrscht (Linn. a. a. 0. $.339.), sind hier verschiedene
Laubhölzer gemischt: Carpinus, Fagus, Querceus, Populus tremula, Fra-
xinus, Drupaceae; auch fehlen die immergrünen, pontischen Sträucher
und die mingrelischen Lianen, die Rebe und der Epheu. Während ab-
wärts nach dem kaspischen Meere bei Derbend hin auf diese Vorge-
birgswaldungen Eichengesträuche folgen, fand Koch in höheren Re-
gionen reine Buchenbestände (Wand. 3. S. 491.), dann wieder dichte
Gebüsche mit dem Walde wechselnd.
Die Bearbeitung von Koch’s Pflanzen giebt eine Uebersicht alles
dessen, was er auf seinen Reisen selbst gesammelt oder aus anderen
Quellen erhalten hat. Eine geographische Sonderung wäre zu wün-
schen gewesen: denn wir finden hier Gewächse des Kaukasus, Arme-
nien’s mit andern von Constantinopel und aus dem Banat nur durch ein
systematisches Band vereinigt. Die erste Lieferung, der bald andere
gefolgt sind, umfasst die Gramineen (234 sp.)
Uebersicht der neuen Formen aus Armenien (A.), Lasistan (L.)
und Transkaukasien (T.), bei denen die Vergleichung mit Boissier's
Publikationen vermisst wird: 1 Agroslis (A.; eine andere, A. anato-
lica K. = A. verticillata ligula producta ist A. Candollei Parlat.), 2
Alopecurus (L.: alpine Region), 1 Phleum (A.), 2 Calamagrostris (T.),
1 Avena (T.), 1 Anisantha n, gen. (L. s. u.), 1 Melica (T.), 1 Koele-
ria (L.), 1 Sesleria (A.), 1 Wilhelmsia n. geu. (T. s. u.), 1 Poa (L.:
alpine Region), 1 Scleropoa (T.), 4 Festuca (T. u. Kaukasus), 1 Roe-
gneria n. gen. (Kaukasus s. u.), 5 Bromus (1 L., 4 T.; B. glaberrimus
scheint nach dem Szovits’schen Syn. B. tomentellus Boiss, zu sein),
1 Brachypodium (A.), 2 Agropyrum (A.), 2 Hordeum (T.), 2 Lolium
(T.), 1 Milium (T.), 2 Stipa (T. u. A.), 2 Sorghum (T. u. eine kulti-
virte Art).
Eine eigene Bewandtniss hat es mit dem vonKoch gefundenen
Secale, welches er für eine Varietät des Roggens hält und wenigstens
früher als dessen Stammpflanze anzusehen geneigt war. Jetzt bemerkt
er nur, dass dieses Gras sich durch längere Cilien an den Paleen vom
Roggen unterscheidet, dass es 5000° bis 6000‘ hoch in Lasistan spar-
sam an Wegrändern vorkomme, ohne dass Roggen daselbst gebaut
werde, und dass er die Pflanze für „wild oder verwildert“ halte. Hie-
mit stellt er die wichtige Frage ins Ungewisse, allein Exemplare, die
er einem anderen Herbarium mitgetheilt, wo ich sie zu sehen Gelegen-
heit halte, beweisen, dass hier nicht von verwildertem oder wildem
Roggen, sondern von einer ganz verschiedenen Secale-Species geredet
wird, die durch gegliederte Rhachis von $. cereale und durch den
Archiv f,Naturgesch. XV. Jahrg. 2, Bd. Y
370 Grisebach: Bericht üb. d. Leistungen in d. geographischen
Blüthenbau von S. fragile sich unterscheidet: wahrscheinlich S. anato-
licum Boiss., welches in der alpinen Region Kleinasiens gefunden ist.
Steven hat einige neue kaukasische Pflanzen publieirt
(Bullet. Mosc. 21. 2. p. 275—277.): namentlich einzelne Ar-
ten von Paeonia, Impatiens, Staphylea und Sambucus.
M. Wagner hat auch von seiner Reise im Kaukasus
eine Beschreibung herausgegeben (Der Kaukasus und das Land
der Kosaken. 2 Bände in 8. Leipzig, 1848.).
Basiner’s Reise nach Chiwa (s. Jahresb. 1843, S. 408.)
ist jetzt vom Reisenden in ausführlicher Darstellung beschrie-
ben (Naturwissenschaftliche Reise durch die Kirgisensteppe
nach Chiwa in v. Baer und Gr. Helmersen Beiträge zur
Kenntniss des russischen Reichs. Bd. 15. S. 379. Petersburg,
1848.). Diese treffliche allgemeine Darstellung des Steppen-
gebiels zwischen Orenburg und Chiwa und der durch die
Bewässerung des Amu-Darja hervorgerufenen Kulturoase
dieses Chanats dient zur Ergänzung zu den systematischen
Arbeiten über die Steppenflora Asiens.
Im Süden des aralischen Depressionsgebiets folgen den Steppen bis
zum Fusse des persischen Tafellandes vegelationslose Sandwüsten, gleich
der Sahara. Ein excessives Klima ist diesen Steppen und Wüsten
Asiens gemeinsam, aber in den Steppen ist zwischen der Schneedecke
des Winters und dem regenlosen Sommer eine kurze Frühlingsvegeta-
tion eingeschaltet, während die Wüste von Chiwa einem Gebiete an-
gehört, wo alle atmosphärischen Niederschläge fehlen und Pflanzen
nur da sprossen können, wo fliessendes Wasser, wie in Egypten, sie
befruchtet. Wir wissen, dass die Regenlosigkeit des nördlichen Afrika's
durch den Passat, d. h. durch ununterbrochen wehende Polarströmun-
gen bedingt ist, allein in den asiatischen Wüsten, die in höhere Brei-
ten der gemässigten Zone heraufreichen und durch hohe Gebirge von
dem Einflusse der Tropen, des Heerdes der Passatentwickelung abge-
sondert werden, ist dieser Zusammenhang zwischen den Bewegungen
der Athmosphäre und dem Typus der Natur bis jetzt weniger klar er-
kannt worden. Die Wichtigkeit dieses Problems ist Basiner nicht
entgangen, und, wiewohl er dessen Lösung nicht findet, hat er dieselbe
doch durch seine Beobachtungen erleichtert.
Basiner erklärt nämlich die Dürre der asiatischen Steppen aus
der physischen Beschaffenheit ihres Bodens: die Sandwüste , welche
die Kulturoase Chiwa von drei Seiten umgiebt, erhitze sich im Sommer
so sehr, dass Blaremberg im Sande am Sir-Darja während des Ju-
und systematischen Botanik während des Jahres 1848. 371
nius Temperaturen von mehr als 50° R. beobachtete ($. 216.), diese
hohe Wärme theile sich der Luft mit und steigere ihre Trockenheit, zu
welcher der Mangel an Waldungen und Gewässern mitwirke. Man er-
kennt leicht, dass der Reisende in dieser Auffassung die Wirkung mit
der Ursache verwechselt, und dass, wenn die umliegenden Hochgebirge
in demselben Masse, wie sie Flüsse entsenden, auch Regenwolken her-
beiführten, die Vegetation in den Thalbildungen des fliessenden Was-
sers sich über die ganze Ebene ausbreiten und auch die physische Na-
tur der Erdkrume allmählich ändern würde. Sodann übersieht Basi-
ner, dass da eine Erklärung aus örtlichen, auf dieLage und den Bo-
den des Chanats eingeschränkten Verhältnissen nicht am Platze ist, wo
die zu erklärende Erscheinung über die ganze Breite des grössten Kon-
tinents sich ausdehnt: denn die Frage, weslıalb es in Chiwa Wüsten
giebt, ist offenbar dieselbe, als warum ein pflanzenleerer Gürtel mit ge-
geringfügigen Unterbrechungen von Arabien bis nach Peking reicht,
und über Hoch- und Tiefländer, über felsigen und alluvialen, über
salzreichen und salzlosen Boden gleichmässig sich ausbreitet.
Die Lösung dieses Problems scheint mir auf der Beobachtung
eines Passatwindes zu beruhen, der in Chiwa ebenso regelmässig weht,
wie in der Sahara, und der nach Kuppfer ($.218.) sogar noch zu
Peking bemerklich ist. In Chiwa herrschen nicht bloss in den unte-
ren Schichten der Athmosphäre östliche Luftströmungen, die, wie Ba-
siner bemerkt, als eine örtliche, durch die Richtung der turkestani-
schen Gebirgszüge bedingte Ablenkung des allgemeinen Nordostpassats
zu betrachten sind, sondern dieser Reisende weist auch aus dem unun-
terbrochen nach Nordosten gerichteten Zuge der Cirrhus - Wolken das
Vorhandensein eines oberen, rückkehrenden Südwest-Passatwindes nach.
Es wiederholen sich daher in Centralasien genau dieselben klimatischen
Verhältnisse, welche im Westen der alten Kontinente in einer niedri-
geren Breite herrschen: so wie sich im Norden der Sahara ein Vege-
tationsgebiet mit hoch entfalteter Frühlingsvegetation und regenlosem
Sommer anreiht, indem der Passat mit wachsender Polhöhe auf die
wärmsten Monate des Jabres sich zusammenzieht, so folgen vom nörd-
lichen Rande der regenlosen Zone Asiens aus die grossen Steppen, de-
ren Vegelation an die unbeständigen Winde des Frühjahres und dessen
Niederschläge geknüpft ist. Es bleibt daher, um den Vegetationscha-
rakter Centralasiens zu erklären, nur noch die Frage zu lösen , wes-
halb hier der Passat in höhere Breiten reicht, als unter anderen Me-
ridianen: eine Frage, die, da sie mit der zum Himalajah, also gleich-
falls weit nach Norden gerückten Polargrenze tropischer Regenzeiten zu-
sammenhängt, olfenbar nur durch einen richtigen Blick auf die allge-
meine Konfiguration des Kontinents aufgeklärt werden kann. Der ge-
ringe Umfang des Festlands innerhalb der Tropen , die Entwickelung
grosser Flächen von übereinstimmendem Niveau und deren Gliederung
zu südlichen Tafelländern und nördlichen Depressionen müssen eine
372 Grisebach: Bericht üb. d. Leistungen ind. geographischen
grössere Regelmässigkeit in der Vertheilung der Wärme hervorrufen:
dies scheinen einige der Momente zu sein, wodurch das Hemmniss der
Gebirgszüge wider die Luftsirömungen ausgeglichen und im östlichen
Centralasien der regenlose Passat bis zum 50ten Breitengrade hinauf-
getrieben wird. Unter solchen Bedingungen rückt im Sommer die heis-
seste Zone der asiatischen Meridiane an den Wendekreis und über
ihn hinaus (vergl. Dove’s Monatsisothermen z. B. Junius): dann weht
demzufolge dem Südwestmonsun ein nordöstlicher Passat aus der ge-
mässigten Zone entgegen, während sich im Winter der normale Wind
der heissen Zone auf dem grossen Kontinent weithin, aber weniger
gleichmässig fortpflanzt.
Die Oase von Chiwa liegt zwar zum Theil diesseits des Wüsten-
gürtels, der das Chanat von Persien scheidet, im ‘Bereich der Steppe,
wo im Winter sparsamer Schnee fällt und im Frühlinge westliche
Winde wehen und unregelmässige Niederschläge stattfinden: allein die
kurze Vegetationszeit im Uebergange vom Winter zum Sommer würde
ohne die Beihülfe des Stroms keinen Ackerbau zulassen. Diese Bei-
hülfe aber ist so mächtig und die Kanalisation des Landes so weit ge-
trieben, wie in Egypten. Können wir Egypten als eine vom Nil be-
fruchtete Oase der Sahara betrachten (vergl. Jahresb. f. 1844. $. 385.),
so scheint die Aehnlichkeit beider Länder gross und in der That er-
klärt Basiner Chiwa für eine der fruchtbarsten Gegenden des Erd-
kreises ($. 220.). Aber ein bedeutungsvoller Gegensatz liegt in dem
thermischen Unterschiede der Jahreszeiten, den der heilere Passathim-
mel verstärkt und über einen so grossen Theil Asiens verbreitet. Das
excessive Klima Chiwa’s wird durch folgende Angaben Basiner’s über
den Temperaturgang und die Entwickelung der Vegetation bezeichnet. '
Der Eisgang des Amu-Darja beginnt zwar schon in der ersten Hälfte
des Februars, aber starke Nachtfröste dauern bisweilen bis in den
April und erst Ende März wagt man die wegen der Winterkälte um-
wickelten Weinstöcke, Feigen - und Granatbäume zu entblössen (S. 207.).
Um diese Zeit belauben sich auch die Bäume. Schon im April wird
die Hitze sehr gross und steigert sich ununterbrochen bis gegen Ende
Julius zum Unerträglichen. Im Junius oder spätestens zu Anfang des
Julius reift der Waizen: gleichzeitig die Pflaumen und Aprikosen, die
essbaren Cucurbitaceen und frühen Weintrauben (Chalili). Mit dem
August nimmt die Wärme allmählich ab; schon im September stellen
sich zuweilen Nachtfröste ein, durch welche die Ernte der Hirse (Sorghum
cernuum), des Reis und der späten Weintraube vereitelt werden kann.
Die Entlaubung der Bäume dauert von der zweiten Hälfte des Oktober
bis Anfang December. Der December ist der kälteste Monat, in dem
der Amu-Darja und Aral zufrieren: eine Eisschicht von 16 Zoll Dicke
kommt vor, doch scheint die Kälte durch Nebelbildungen hier gemäs-
sigter als in den nördlicher gelegenen Steppen. Während seiner Reise
beobachtete Basiner folgende mittlere Monatstemperaturen: Okt. =
|
und systematischen Botanik während des Jahres 1848. 373
++ 109,0 R.; Nov. — + 6%,4; Dec. = — 29,3; 1—11. Jan. = — 29,9:
und am 22. Dec. das Temperaturmaximum von — 19° R. Kämtz
hat aus diesen Daten die wahrscheinliche Temperatur aller Monate be-
rechnet (S. 362.): er erhält für Chiwa als Jahresmittel — 109,6 R,, als
Wärme des Januar = — 30,7 R., des Julius = + 24%,5R.
Die ungünstige Jahreszeit, in welcher Basiner das Chanat be-
reiste, gestattete zwar keine Untersuchung der Vegetation: indessen
enthält seine Auffassung des landschaftlichen Charakters doch einiges
Interessante. Das südliche Gestade des Aralsees ist von einem breiten
Schilfwalde umgürtet, der sich über die sumpfigen Niederungen aus-
breitet und an den Flussarmen heraufzieht: derselbe besteht, wie am
kaspischen und schwarzen Meere , aus Phragmites und erreicht eine
Höhe von 15 bis 20 Fuss. Ausserdem finden sich in diesen Niederun-
gen zwei Gesträuchformationen: Tamariskendickichte von 10 bis 12‘
Höhe (Tamarix gallica = Dschingil tatar.) und Saxaulgebüsche von 15’
Höhe und mehr (vergl. Jahresb. f. 1843. S.408.); den Habitus dieses
merkwürdigen Gewächses (Anabasis Ammodendron), auf welches ich
im systematischen Berichte zurückkomme, vergleicht Basiner mit dem
der Casuarinen. Der Pappelwald unweit der Mündung des Amu-Darja
(Populus diversifolia — Tarangä latar., P. nigra, P. alba , Salices und
Elaeagnus: vergl. a. a. 0. S. 409.) hat Stämme von mehr als 20‘ Höhe,
von Cynanchum acutum und Clematis orientalis umrankt. Von hieraus
fand sich nach Süden kein wildgewachsenes Holzgewächs mehr, es
begann eine völlig dürre Lehmfläche, die weiterhin in die pflanzenleere
Sandwüste übergeht, welche den südlichen Theil der schmalen Oase
umschliesst. Im Bereiche dieser selbst fehlt es an Baumpflanzungen
nicht, die ebenso, wie die Aecker und Gärten, nur auf der künstlichen
Bewässerung des Bodens beruhen: hier erscheinen als Unkräuter Pflan-
zen der nördlich gelegenen Steppe; da man jedoch wegen des sandi-
gen Detritus des Stroms nicht die ganze Fläche überschwemmt, son-
dern das bebaute Land nur mit dem Wasser der Kanäle durch Schöpf-
räder benetzt, so stellen selbst die Zwischenräume desselben das Bild
pflanzenloser Wüste dar, hier nur einen nackten, durch Dürre steinhar-
ten Thon dem Auge darbietend, der dann weiter abwärts vom Strome
an die sandigen Strecken angrenzt.
Verzeichniss der wichtigsten Kulturpflanzen der Oase von Chiwa:
Triticum vulgare (Budai tatar.) als Winterwaizen (Saatzeit Ende Sept.,
Ernte von 12 bis 15 Körnern im Junius), seltener als Sommerwaizen
(Saatzeit Ende März, Ernte im Juni); Oryza sativa (Schale Chiw.)
(Saatzeit Anfang April, Ernte im Sept.); Panicum miliaceum (Tare Ch.);
P. italicum (Kunak Ch.); Sorghum cernuum (Dschugarä Ch.) (Saatzeit
Anfang April, Ernte im Sept. oder Anfang Okt.); Hordeum vulgare
(Arpa Ch.); — Plaseolus Max (Masch Ch.): Stoppelfrucht nach dem
Waizen ; Dolichos Lubia (Lobia Ch.) ; Medicago sativa (Joindscha Ch.):
wichtigstes Futterkraut , Grundlage der Viehzucht, auch mit dem Reis
374 Grisebach: Bericht üb. d, Leistungen in d. geographischen
gesäet, damil es während ‘dessen Ueberstauung faule und zum Dünger
diene; — Cucumis Melo (Kaun Ch.): Hauptnahrungsmittel der ärmeren
Klassen ; Cucurbita Citrullus (Charpus Ch.); — Vitis vinifera : nur als
Obst genossen; Persica vulgaris (Schaptala Ch.); Prunus Armeniaca
(Uriak Ch.);; Pr. domestica (Piwendi etc. Ch.); Pyrus Malus (Alma Ch.);
Punica (Anar Ch,); Morus alba; — Gossypium herbaceum (Kowatscha):
allgemein ‚gebaut, Hauptgegenstand des Handels mit Russland (Saatzeit
im April, Ernte im Sept.); Sesamum orientale (Kundscha Ch.); Rubia
tinetorum (Rujan Ch.).
Ueber die Vegelation des Ustjurt, d. h. des 600‘ hohen Pla-
teaus zwischen dem kaspischen Meere und Aral giebt Basiner jetzt
eine genauere und zugleich übersichtliche Darstellung. Er unterschei-
det nach der Bodenbeschaffenheit 4 Formationen, unter denen die Ve-
getation des Lehmbodens so sehr vorherrscht, dass sie den grössten
Theil der Oberfläche einnimmt. Zur Zeit der Reise war diese Lehm-
fläche dürr und nackt , weil die Vegetationszeit des Frühlings längst
geendet hatte: nur die Chenopodiaceen widerstehen der Dürre und bil-
den nebst Atraphanis spinosa, einem Strauch, der zuweilen grosse Flä-
chen bedeckt, die einzige, jedoch nur sparsam verbreitete Pflanzen-
form. Ausser dem Saxaul, der nur an einer Lokalität wuchs, waren
dies folgende: Salsola Arbuscula, S. glauca, S. rigida, Anabasis aphylla
und Brachylepis salsa. — Die Formation des Sandbodens ist nur im
Nordwesten des Aralsees entwickelt: die Gewächse sind saftleer und
von unterdrückter Blattentwicklung, es herrscht Pterococcus aphyllus,
in dessen Gesellschaft 7 andere Pflanzen vorkamen, darunter z.B. Ta-
marix gallica, Ceratocarpus, Corispermum. — Pflanzenreicher sind die
Mergel, welche den östlichen Abhang des Ustjurt bedecken und im
Sommer weder die allzufeste Erdkrume des Lehms noch die Lockerheit
des Sandbodens besitzen. Hier konnte Basiner im Herbste noch ge-
gen 40 verschiedene Pflanzen unterscheiden, unter denen als charak-
teristisch 4 Arten von Astragalus, Alhagi camelorum, Rosa berberifolia,
Artemisia scoparia, Statice suffruticosa und 8 Chenopodeen hervorzuhe-
ben sind. — Die vierte Formation besteht aus den Halophyten am Ge-
stade des Arals: 13 Arten wurden gefunden, die nicht einmal alle auf
diese Gegend beschränkt sind; von Chenopodeen Salsola ericoides,Scho-
beria mierophylla, Haloenemum, Halostachys und Atriplex laciniata.
Als Beigabe erhalten wir ein vollständiges, systematisches Ver-
zeichniss der gefundenen Pflanzen (S. 299—325.), von denen jedoch
viele bei Orenburg und an der Emba gesammelt sind: die Gesammtzahl
beträgt 212 sp., darunter 36 Chenopodeen.
Die Entfaltung der Steppenvegetalion im Frühlinge wurde von
Basiner bei Orenburg beobachtet. Während die heitere April-
sonne den Schnee schmilzt, entwickelt sie sich schon und hat bereits
zu Aufang Mai ihren höchsten Glanzpunkt erreicht ($. 30). Aber die
Pracht von vier Tulpenarten währt kaum länger als acht Tage und
und systematischen Botanik während des Jahres 1848. 375
schon Anfangs Junius erscheint „alles Grünende falb und verdorrt.“ Als
charakteristische Gewächse der Steppe bei Orenburg nennt Basiner
ausser den Tulpen Fritillaria ruthenica, Gagea balbifera, 6 Cruciferen,
Ceratocephalus, 2 Gypsophila-Arten und Rheum caspium. — Die Steppe
zwischen Orenburg und dem Ustjurt ist in drei Formationen gegliedert
(S. 62.). Von Orenburg bis zum Ilek erstreckt sich Grassteppe, durch
folgende Gewächse charakterisirt: die häufigsten Gräser sind Phleum
pratense, Alopecurus pratensis, Triticum prostratum, Poa annua und
Avena pratensis; von Kräutern kommen Artemisia austriaca, 3 sp. Li-
nosyris, Glycyrrhiza glandulifera, Veronica incana, Potentilla bifurca
und Ceratocarpus häufig vor, von Sträuchern Amygdalus nana und Pru-
nus chamaecerasus. — Zwischen dem Ilek und Ati-Dschaksy verliert
sich das Gras, ein dürrer Lehmboden trägt Tragopyrum lanceolatum
und Artemisien, weite Strecken sind pflanzenleer, Chenopodiaceen zei-
gen sich einzeln. — Dann folgt zwischen dem Ati-Dschaksy und Ust-
jurt eine Cbenopodiensteppe, wo ein dürrer Thonboden ausser 6 Che-
nopodiaceen nur noch Artemisia fragrans hervorbringt. In dieser Ge-
gend der Kirghisensteppe kommt auch Lecanora esculenla häufig vor.
In Bezug auf das Wachsthum dieser Flechte bemerkt Basiner,
dass sie ursprünglich dem festen Lehmboden angewachsen zu sein
scheine: durch die Dürre abgelöst, wachse ihr Lager, sich nach unten
vereinigend, zu einer geschlossenen Kugel aus, wobei nicht selten et-
was Erdkrume in ihre innere Höhlung aufgenommen werde ($. 66.).
Turczaninow hat seine Flora der Baikalgegenden
(s. Jahresb. f. 1542. u. f.) fortgesetzt (Bullet. Moscou 1848. 8.
p- 86—124. u. 470—510.): diese Arbeit enthält den Schluss
der Synanthereen (34 sp.), die Lobeliaceen (1 sp.), Campa-
nulaceen (13 sp.), Vaccinieen (4 sp.), Ericeen (12 sp.),
Pyroleen (4 sp.) und Monotropeen (I sp.).
Der dritte Band von A. Erman’s Reise um die Erde
(Berlin, 1848.) enthält die Beobachtungen des Reisenden bei
Ochotsk und in Kamtschatka.
Das Gebirge von Uchotsk, welches Erman auf dem Wege von
Jakutsk nach Ochotsk zu übersteigen hatte und das ihm einen Quer-
durchmesser von mehr als 50 geogr. Meilen darbot, bildet die Ostgrenze
für das excessive Klima Sibiriens. Bei Ochotsk giebt es keine gefro.
rene Erdschichten mehr und Erman berechnet, freilich nur aus weni-
gen Daten, die Mitteltemperatur zu + 0,25 R. Aber während in dem
warmen Sommer von Jakutsk Getraide reift und Buchenwälder ihr Ge-
deihen linden, kommt an der Seeküste von Ochotsk kein Korn fort und
die Bäume schrumpfen zu Krummholz zusammen. Ja der mit Geröllen
bedeckte Sırand bei der Stadt ist so völlig vegetationslos, dass man
376 Grisebach: Bericht üb. d. Leistungen in d. geographischen
daselbst „den ganzen Sommer verlebt, ohne irgend eine Pflanze zu ses
hen« ($.14.). Ausser dem Bereich dieser Kieselebene trifft man Ge-
sträuche von Pinus Cembra var. pumila und Lärchengehölze mit ganz
dünnen und niedrigen Stämmen (S. 79. es ist vielleicht die von der
sibirischen Pin. Ledebourii specifisch verschiedene Pin. kamtschatica),
aber erst am oberen Stromlaufe der Küstenflüsse hochwüchsige Lärchen,
die zu Bauholz sich eignen. Im Zirbelgesträuche besteht der Rasen
aus Andromeda Iycopodioides, Azalea procumbens, Phyllodoce, Dia-
pensia und Rhodiola. Andere Formationen werden durch Betula alba
und nana, Rubus arcticus und Sorbus sambueifolia (Pyrus Cham.) cha-
rakterisirt. Zur grössten Zierde der Gegend gereichen die Gesträuche
von Rhododendron chrysanthum. Die Entwickelung der Vegetation be-
ginnt in der zweiten Hälfte des Junius: die Lärche hatte schon den
21. Juni Blätter, den 30. blühte erst die Birke, Sorbus sambucifolia
hatte Blätter und Blüthenknospen (S. 31.). Rhododendron chrysanthum
blüht zu eben derselben Zeit: dieses Gewächs, welches im Innern des
Kontinents, wie die europäischen Alpenrosen, nur die subalpinen Re-
gionen bewohnt, steigt hier unter dem Einflusse der Küstennebel und,
bespült von dem eiskalten Wasser des schmelzenden Schnees, bis zum
Meeresniveau herab.
Das Klima von Kamtschatka ist der Vegetation ungleich gün-
stiger, wie es scheint, wegen längerer Dauer der Vegetationszeit.
Sechs Monate lang, vom April bis September, herrschen hier Südwinde,
während der übrigen Zeit nordnordöstliche Luftströmungen,, die den
Winter freilich rauher machen, aber doch den Charakter maritimer
Gleichmässigkeit des Klimas nicht aufheben. Sofern diese regelmässi-
gen Winde über die ganze Halbinsel wehen und deren Klima wesent-
lich bestimmen, wird auch die Gleichartigkeit der Vegetation an bei-
den Küsten ($. 562.) hiedurch erklärlich. Nach den vieljährigen meteo-
rologischen Beobachtungen von Stanizki in Peterpaulshafen, welche
Erman bearbeitet hat, sind die wichtigsten klimatischen Werthe für
den Hauptort folgende (S. 560.):
Mittl. Jahreswärme . . = + 1975 R.
— Wärme des Frühlings = —- 03=.
— — _— Sommes = + 10043 =.
— .— — Herbstes = + 2049 =.
— — — Wines = — 50,69 —.
Extreme Tagestemperaturen
28. Jul. = + 120,00 =.
14. Jan. = — 6023 =.
Einige Nachrichten über die pflanzengeographischen Beobachtun-
gen Erman’s in Kamtschatka waren von dem Reisenden schon in sei-
nem naturhistorischen Atlas im J. 1835. vorläufig mitgetheilt: diese
werden jetzt von ihm ausgeführt und vervollständigt, Indessen hatte
und systematischen Botanik während des Jahres 1848. 377
v. Kittlitz (s. Jahresb. f. 1844. S. 364. s. f.) ein treffliches Gesammt-
bild der Vegetation von Kamtschatka entworfen: aber zu diesem fü-
gen Erman’s Mittheilungen eine höchst werthvolle Ergänzung, theils
weil er einen weit grösseren Theil der Halbinsel bereiste, theils weil
seine, wenn auch nur wenig zahlreichen Pflanzen vonChamisso (im
nalurh. Atlas) und von Ledebur (in der Flora rossica) genauer be-
stimmt worden sind. Erman ging in günstiger Jahreszeit (Aug. und
Sept. 1829.) von der Westküste bei Tigilsk aus quer über das Mittel-
gebirge nach dem nnteren Stromlaufe der Kamtschatka, bestieg hier die
beiden Vulkane Schiwelutsch und Kliutschewsk, wodurch sich das Ve-
getationsbild auch zu den Gebirgsregionen erweitert, folgte sodann
dem Läugenthal der Kamtschatka aufwärts bis zu deren Quellen und
erreichte von hieraus Peterpaulshafen.
An der Mündung des Tigil fehlen, wie in der ganzen Westebene
der Halbinsel, die Nadelhölzer gänzlich. Der Boden des Marschlandes
wird hier von jenen üppigen Grasfluren bedeckt, deren hochwüchsige
Stauden, mit Gesträuchen gemischt, durch Kittlitz bekannt geworden
sind. Von Stauden erwähnt Erman im Gebiete von Tigilsk Spiraea
kamtschatica (während der Blüthe 10—15‘ hoch), der sich bei Tigilsk
Sp. Aruncus und Sp. digitata zugesellen, Epilobium angustifolium und
E. latifolium, Urtica sp. (ähnlich der U. urens, aber ohne Brennhaare),
Aconitum kamtschaticum, Lobelia kamtschalica, Rumex domesticus (=
R. Hippolapathum Cham.), Polygonum Bistorta, P. alpinum, Senecio
eannabifolius, Cacalia hastata, Achillea grandiflora, Anthemis ptarmici=
folia, Rubus chnmaemorus und arcticus, Trillium sp. u. a.; von Sträu-
chern Betula nana, Salix ovalifolia Traut. (— S. myrtilloides var. Cham.),
S. glauca, Ledum palustre, Empetrum, nigrum, 4 Vaccinia, Spiraea be-
tulifolia und salicifolia, so wie Lonicera coerulea (limolast Kamtsch.).
Der letztgenannte Strauch trägt in Kamtschatka äusserst schmackhafte
Früchte und hier reifen diese erst im Spätsommer (S. 159.): das euro-
päische Gewächs entwickelte in botanischen Gärten seine Beeren schon
Anfang Junius und hier waren sie fade und in einem andern Falle von
widerwärliger Bitterkeit.
Weiter aufwärts am Flusse Tigil beginnen Anfangs krummholzar-
tig niedergebogene , bald aber hochaufstrebende Laubholzwaldungen,
Dickichte von Erlen (Alnus fruticosa Rupr. = A. viridis Cham.), Wei-
den und Sorbus sambucifolia, gemischt mit der knorrigen, reichbelaub-
ten Betula Ermani ($. 169.: diese letztere hat man irrig für eine
strauchartige Birke gehalten, sie ist vielmehr der allgemeine Wald-
baum Kamtschatkas, der nur im Kamtschatka-Thale durch die nordische
Weissbirke (Bet. alba L. = B. pubescens Ehrh.) ersetzt wird. Mit
Birken „von kräftigstem Wuchse“ wachsen im oberen Tigil-Thale auch
hochstämmige Pappeln (vielleicht P. suaveolens Fisch., die Balsampap-
pel Kittlitz’s), während in den Niederungen noch immer mannshohg
Gräser und Standen herrschten (S. 205.).
378 Grisebach: Bericht üb, d. Leistungen in d, geographischen
Von Sedanka aus wurde das Mittelgebirge auf dem Wege nach
Jelowka, welches an einem Nebenflusse der Kamtschatka liegt, über-
stiegen. Zuerst berührte man hochstämmige Birkenwälder, in denen
zwischen den Loniceren und hohen Stauden zum erstenmal das von
Kittlitz (Taf. 22.) dargestellte, gigantische Heracleum auftrat (S. 217.),
welches Fischer neuerlich als H. dulcee (= H. lanatum Bong.) be-
schrieben hat. Am Abhange des Baidaren-Kraters wurden die Birken
zwischen 1000‘ und 1600‘ schon seltener , hier zeigte sich Krummholz
von Pinus Cembra und Sorbus, von nicht minder üppigem Krautwuchs
begleitet (S. 223.). In diesem trachytischen Gebirge ist die obere Bir-
kengrenze schon. bei 1900‘ anzunehmen (S. 228.) und ebenda beginnt
Salix arclica, die nie über einen Fuss hoch wird. Als die Passhöhe,
von der man zuerst den Osten der Halbinsel überblickte, bei 2328’ er-
reicht war, zeigte sich wieder Rhododendron chrysanthum, welches hier
mit jener Salix, so wie mit Alnus incana und Betula nana in Gesell-
schaft wächst (S. 234.).
Die Waldregion der östlichen Ahhänge gegen Jelowka bildet ei-
nen entschiedenen Gegensatz gegen die westlichen: mit der Weiss-
birke beginnt hier sogleich ein doppelter Koniferengürtel. Zuerst tra-
ten beim Herabsteigen Lärchen auf, „Stämme von äusserster Schönheit,
die an die Lärchen der Baikalgestade erinnerten“ (S. 242.): dies ist
ohne Zweifel die noch wenig bekannte P. Kamtschalica,, die nur auf
einen inselartigen, ebenen und von steil einfallenden Bergen umschlos-
senen Bezirk in Kamtschatka beschränkt und durch die Quellgebiete
der Zuflüsse zum Kamtschatkathale begrenzt ist. MNäher am Thale der
Jelowka, die von dem russischen Namen der Tanne (Jel) so genannt
worden ist, folgt sodann Tannenwaldung (P. Pichta Fisch. nach Lede-
bur = P. Abies Erm.).
Von Jelowka, das nur 460‘ über dem Meere liegt, besuchte Er-
man den 9900‘ hohen Vulkan Schiwelutsch- Die unteren Abhänge
waren mit Birken und Gesträuchen von Alnus fruticosa und Sorbus be-
deckt: aber noch che man das Niveau von 1800‘ erreichte, begann
schon Alnus incana zu herrschen, deren obere Grenze bei 2650‘ be-
stimmt wurde. In dieser letzteren Region wechselten mit dem Erlen-
gesträuch Anfangs Gebüsche von Empetrum und Vaccinien, weiter auf-
wärts (über 2300‘, wie im Mittelgebirge) von Rhododendron chrysan-
thum und Salix arctica. Auf dem höchsten Punkte, den Erman an
dem steilen Berge in der Nähe der Schneegrenze erreichte (4936),
standen noch Gestrüppe dieser Weide, begleitet von 2 Saxifragen (S.
Nerkii Fisch. und nitida Cham.) und Parrya Ermani (= Ermania par-
ryoides Cham.). — Erman macht darauf aufmerksam, dass Alnus vi-
ridis und Sorbus aucuparia in der Schweiz beinahe bis zur oberen
Grenze der Alpenrosen ansteigen , während die von Chamisso mit
jener für identisch gehaltene Erle und Sorbus sambucifolia in Kamt-
schatka nur in den Ebenen, letztere bis 1500%, vorkommen: die Erklä-
und systematischen Botanik während des Jahres 1848, 379
rung liegt darin, das Chamisso A. frulicosa mit A. viridis verwech-
selte und daher die verglichenen Gewächse nicht identisch sind.
Etwas abweichend verhalten sich die von Erman später be-
stimmten Pflanzengrenzen am Kliutschewsk , der der Ostküste näher
liegt. Alnus incana stieg hier 240‘ höher an der Nordseite des Ber-
ges bis 2890‘ und ebenso viel höher lag auch die Grenze des ewigen
Schnees, etwa 5200°: die Ursache sieht Erman in einem Einflusse
der inneren Vulkangluih auf die äussere Bodentemperatur,, sie möchte
aber vielmehr in dem grösseren Umfange des Berges zu suchen sein.
Die wichtigsten einheimischen Nahrungspflanzen in Kamtschatka
sind nach Erman folgende: a. Essbare Beeren: Lonicera coerulea
(limolost s. 0.), Rubus Chamaemorus (Maroschki), R. arcticus (Knjaje-
niza), Vaceinium Myrtillus ete. (Golubel), Empetrum ; b. Knollen:
Fritillaria Sarana (Sarana), Polygonum Bistorta und die systematisch
noch unbekannten, nur im Westen vorkommenden Kemtschiga-Knolien,
deren Wohlgeschmack mit dem der Kastanie verglichen und ebenso wie
der der Fritillarie sehr gerühmt wird; c. zu Gemüse dienen die Blü-
thentriebe von Spiraea Kamtschatica, auch Epilobium angustifolium. Aus
dem von Heracleum dulce secernirlen Zucker wird ein berauschendes
Getränk bereitet und zu ähnlichem Zwecke die narkotischen Stoffe von
Agaricus muscarius und Aconitum kamtschaticum angewendet. Zu Ge-
weben wird die hohe Urlica, so wie auch eine Glumacee (wahrschein-
lich Eriophorum latifolium) verarbeitet.
Kunze hat die Farne Japans und des Archipels von
Bonin-Sima nach reichhaltigen Materialien systematisch be-
arbeitet (Pteridographia japonica in Bot. Zeit. 6. S. 489, u.
s. w. — 589.): aus Japan gegen 50 Farne, 6 Lykopodia-
ceen und 2 Equiseten, aus dem erwähnten Archipel gegen
25 Arten, wenige mit den japanischen identisch.
Von Fortune ist ein Bericht über seine chinesische Reise
bereits in zweiter Auflage erschienen (Three years’ wanderings
in the northern provinces of Chine. London, 1847. 420 pag. 8.).
Fortune hatte die Aufgabe, Zierpflanzen aus China für die
Horticultural Sociely einzuführen: hievon abgesehen ist die bolanische
Ausbeute der Reise, so weit sie in seinem übrigens sehr anziehenden
Berichte niedergelegt ist, unbedeutend. Indessen hat er mehrere an
der Küste des Kontinents und auch eine Strecke landeinwärts gelegene
Gegenden China’s besucht, die noch kein Botaniker betreten hatle, und
bier Gelegenheit gehabt, über die Kultur des Bodens bedeutende Beob-
achtungen zu sammeln. ü
So besuchte er die ergiebigsten Gegenden Tschekiang’s, die rei-
chen Kulturebenen südlich von der Mündung des Yang-tse-kiang zwi-
380 Grisebach: Bericht üb. d. Leistungen in d. geographischen
schen den Städten Shanghae und Ningpo. Der Boden ist sowohl un-
gemein fruchtbar, als auch die Landwirthschaft weit fortgeschritten:
der Reisende weiss den Charakter der Landschaft nur mit den Ufern
der Themse zu vergleichen, fremdartig erschienen ihm nur die Bambu-
sen - Pflanzungen (p. 115.). Das Hauptprodukt von Shanghae ist die
Nanking-Baumwolle, im Uebrigen vorzugsweise Waizen, Reis, Gerste
nebst unzähligen Gemüse - Arten. Fortune fand hier keine andere
Baumwollenart kultivirt, als Gossypium herbaceum und erklärt die
Pflanze, welche den gelben Nanking liefert, für eine blosse Spielart
desselben (p. 268.). Der Boden der Baumwollenfelder ist ein reicher,
niemals sumpfiger Lehm, der mit dem Schlamm der Kanäle und dadurch
auch mit dem von zahlreichen Wasserpflanzen gebildeten Humus ge-
düngt wird. Die Saat findet Ende April oder Anfang Mai statt, wenn
der Monsun wechselt und in Folge ‚dessen reichliche Niederschläge
bevorstehen; die Reife tritt nicht gleichzeitig ein und die Ernte währt
daher auf demselben Felde die Monate September und Oktober unun-
terbrochen fort. Zuletzt werden die Stauden selbst heimgebracht, die
zur Feuerung dienen, dessen Asche wieder mit dem Dünger gemischt
wird, so wie auch die Samen ausser der Baumwolle das Oel liefern.
Die Baumwollenfelder liegen ferner im Winter nicht immer brach: ge-
wöhnlich sprossen schon andere Gewächse, wie Bohnen, Klee u. s. w.,
noch ehe die Stauden entfernt sind, oder es wird Waizen als Winter-
frucht gesäet, welche erst Ende Mai geerntet werden kann, so dass die
Baumwollensamen auf dem reifenden Waizenfelde in die Erde kommen
und deren Keimpflanzen zur Erntezeil einige Zoll über dem Boden sich
erheben. Diese Verschränkung von zwei Vegetationszeiten ist noth-
wendig, weil die Baumwolle die Fröste des Spätherbstes (unter 31°
N. Br.) nicht erträgt und daher frühzeitig gesäet werden muss.
Aehnlich verhält es sich mit dem Reisbau in Tschekiang. Da
die Frühlingsregen, die den Wechsel des Monsun begleiten, 'erst im
Mai folgen, so kann dieses Sumpfgewächs erst Ende Mai gesäet wer-
den und reift dann zu Anfang des Oktober. - Eine zweimalige Reis-
ernte, wie im südlichen China, ist daher in Shanghae nicht mehr mög-
lich. Aber schon in Ningpo (30°N. Br.), wo der Sommer länger währt,
erzielt man diese dadurch, dass man zwei bis drei Wochen nach der
hier in die Mitte des Mai fallenden Saat eine zweite Saat in den Acker
bringt: diese, durch jene in der Entwicklung gebemmt, schiesst erst
hoch auf, nachdem zu Anfang August die erstere geerntet ist und
liefert demnächst eine zweite Ernte im November (p. 302.). Im süd-
lichen China erhält man nicht bloss allgemein zwei Reisernten im Som-
mer, sondern schaltet sogar noch eine Grünfrucht im Winter ein.
Am wichtigsten sind die auf eigener Anschauung beruhenden
Nachrichten über die Theekultur. In den eigentlichen Theedistrikten,
den Provinzen Fokien, Tschekiang und Kianguan (25°—31° N. Br.) wird
pur Thea viridis gebaut: der im europäischen Handel vorkommende
und systematischen Botanik während des Jahres 1848. 381
Thee stammt ansschliesslich von dieser Pflanze. Thea Bohea ist dage-
gen der Theestrauch des südlichen China’s: dieses Gewächs ist allge-
mein bei Canton, wo Th. viridis nicht mehr gedeiht, und liefert einen
Thee von schlechter Qualität. Was den Unterschied des grünen und
schwarzen Thees betrifft, so bestätigt Fortune die von Warington
durch mikroskopische Analyse nachgewiesene Thatsache, dass der eu-
ropäische, grüne Thee ein durch Färbung mit Berliner Blau und Gyps
gefälschter schwarzer Thee ist: aber in China selbst hat man einen
ächten grünen, jedoch dunkler gefärbten Thee, dessen Farbe auf einer
verschiedenen Art des Dörrens beruht und der, ohne in den auswärligen
Handel zu kommen, sowohl von Th. viridis als von Th. Bohea bereitet
wird. — Th. viridis gedeiht demnach keineswegs, wie man bisher glaubte,
am besten in tropischen Gebirgsländern, sondern ihre klimatischen Bedin-
gungen finden sich am vollkommeusten unter dem 30. Breitegrade vereinigt
Hier liegen die Theegärten an hügeligen Abhängen in einem tiefen Ni-
veau, aber schon vier Grade südlicher, zu Foo-tschow-foo, wo der
schwarze Thee Stapelprodukt des auswärtigen Handels ist, ist der An-
bau auf eine höher gelegene Gebirgsregion eingeschränkt und scheint
weiter südwärts von Th. Bohea vertrelen zu werden. Die Kultur ge-
lingt nur auf einem sehr fruchtbaren Boden, weil durch die mehrma-
Jige Entlaubung die mineralischen Nahrungsstoffe sehr in Anspruch ge-
nommen werden: in den nördlichen Theedistrikten ist dies ein reicher,
sandiger Lehmboden. Bei Ningpo werden schon in der Mitte des Aprils
die unentwickelten Laubknospen gesammelt: diese geben die kostbar-
ste, aber nur in geringer Menge vorhandene Theesorte, die in Europa
unter dem Namen des russischen Thees bekannt ist. In Folge des
Frühlingsregens entwickeln sich rasch neue Knospen und schon im
Mai ist der Strauch neu belaubt: nun findet die Ilaupternte statt; die
Blätter einer dritten Blaltgeneration geben kein gutes Produkt mehr.
(Vergl. über die Theekultur auch das gleichzeitig erschienene Werk
von $. Ball: an account of the eultivation and manufacture of Tea in
China. London 8. Der Verf. bestätigt die Angahe, dass der grüne und
schwarze Thee durch verschiedene Zubereitung der Blätter derselben
Pflanze entstehen.)
Von andern Kulturgewächsen China’s finden wir bei Fortune
eine ziemlich reichhaltige Uebersicht , aus welcher ich folgende als
neu oder weniger bekannt heraushebe: Isatis indigotica, welche aus-
serhalb des Bereichs der Indigo-Kultur, zu gleichem Zwecke allgemein
unter dem Namen Tein-tsching angebaut wird; Brassica chinensis ist
die in Tschekiang allgemein kultivirte Oelpflanze, deren Samen im
Mai reifen; Urtica nivea giebt eine dem Manilla-Hanf nachstehende
Pilanzenfaser ; von Nahrungspflanzen erwähnt Fortune neben Nelum-
bium speciosum und Trapa bicornis auch Seirpus tuberosus und Con-
volvulus reptans ; zwei Leguminosen, ein Trifolium und eine Coronilla,
werden nicht als Futtergewächse gezogen, da der chinesische Acker-
382 Grisebach: Bericht üb. d. Leistungen in d. geographischen
bau nicht auf Viehzucht beruht, sondern in den grossen Reisniederun-
gen von Tschekiang allgemein während des Winters zwischen die Reis-
ernten eingeschaltet, um als Gründüngung zu dienen: eine hier von
Alters her übliche und den animalischen Dünger ersetzende Methode, die
erst durch die neueren Untersuchungen Boussingault’s über die
eigenthümliche Stickstoffernährung der Leguminosen ihre wissenschaft-
liche Erklärung findet.
Die hohe Stufe der Entwickelung, welche der chinesische Acker-
bau erreicht, beruht theils auf der Regelmässigkeit eines Monsun-Kli-
mas, welches China vor Europa voraus hat, theils auf der unerschöpf-
lichen Fruchtbarkeit des Bodens, welche im Mündungsgebiete des Yang-
tse-kiang nicht bloss auf die Alluvialebenen beschränkt ist, sondern
auch die hügeligen Gegenden, wo die Theekultur vorherrscht, bezeich-
net, Diese fruchtbare Erdkrume reicht nach Süden bis zum Flusse
Min (26° N. Br.) , an dessen Mündung die sorgfältige Terrassen - Kul-
tur von Bataten und Arachis nebst Theesträuchern sich auf den Gebirgs-
abhängen bis zur Höhe von 3000’ hinaufzieht. Indessen sind auch die
fruchtbarsten Bergdistrikte Centralchina’s keineswegs überall angebaut
(„on the contrary, by far the greater part lies in a state of nature, and
has never been disturbed by the hand of man“ p. 297.). Schon am Min
wird die Erdkrume sandiger, ist jedoch noch reich an Humus: nun aber
beginnt von hieraus eine wilde, unfruchtbare Felsküste, die bis Canton
sich ununterbrochen ausdehnt. In Amoy (24°) kann man auf dem Gra-
nit und dem verbrannten rothen Thonboden, der aus seiner Verwitte-
tung entsteht, weite Strecken durchwandern, ohne nur ein wildgewach-
senes Gewächs anzutrellen; an anderen Orten wächst hohes Gras und
niedriges Gesträuch, welches den Bewohnern zur Feuerung dient: je-
der günstige Flecken Landes ist aber auch hier überall der Terrassen-
Kultur gewonnen , allein der bebaute Boden hat im ganzen südlichen
China einen sehr geringen Umfang gegen die öden und dem Ackerbau
für immer unzugänglichen Bestandtheile der Oberfläche.
Die Bewaldung des ganzen chinesischen Küstenlandes ist sehr
sparsam. Die grösste geographische Verbreitung hat Pinus sinensis,
die ebensowohl auf Chusan (30°), wie bei Canton gedeiht. Auch am
Flusse Min ist diese Kiefer häufig, wo sie von Cunninghamia lanceo-
lata begleitet wird, Bei Shanghae, gegen den Yang-Ise-kiang, treten
andere Formen von Coniferen auf: hier wachsen mit Cunninghamia
sinensis auch Salisburia als hochstämmiger Baum und Cryptomeria japo-
nica , die wegen der herabhängenden Krone mit der Trauerweide zu
vergleichen ist. Von den Bäumen des Südens ist hier Ficus nitida, die
noch am Min die Pagoden zu umschatten pflegt, völlig verschwunden,
aber doch werden durch die überall häufigen Bambusen auch im cen-
tralen China die tropischen Vegetalionsformen vertreten.
Noch auffallender ist der Gegensatz des Südens und Nordens in
den immergrünen Geslräuchen, welche zu den charakteristischen For-
und systematischen Botanik während des Jahres 1848. 383
mationen der chinesischen Flora gehören und die als Ziergewächse die
Aufmerksamkeit des Reisenden in höherem Grade auf sich zogen. Schon
in Honkong, also in der Nähe des Wendekreises, fiel es ihm auf, dass
die Azaleen, Polyspora axillaris und Enkianthus nur in einer Gebirgs-
region über dem Niveau von 1500‘ vorkamen; als er weiter nach Nor-
den, nach Chusan und Ningpo kam, fand er die gleichen oder entspre-
chende Pflanzenformen ausschliesslich in der Küstenregion, während hier
in den höher gelegenen Gegenden europäische Gattungen , wie Rosen
und Veilchen, hervortraten (p. 10.). Besonders reich war jene Ge-
sträuchformation auf dem Archipel von Chusan vertreten: hier blühten
gleichzeitig im Frühlinge die neuen Arten Azalea ovata und Daphne
Fortuni Lindl. und auf der Buddhisten-Insel Poo-to sah Fortune wild-
wachsende Camellien von 20 bis 30 Fuss Höhe.
Einige neue Pflanzen aus Honkong hatHance beschrie-
ben (Lond. Journ. of Bot, 7. p. 471—473.): 4 Arten. —
Die von Anderson in China gesammelten Moose hat Wil-
son bestimmt (däs. p. 273—278.): Laubmoose, darunter 5
neue Arten.
Die im vorigen Jahresberichte (S. 295.) erwähnten und
nicht in den Buchhandel gekommenen Schriften des verstor-
benen Griffith bestehen nach einer Anzeige der Annals
of natural hisjory bis jelzt aus folgenden Abtheilungen: 1)
aus einem in botanischer Hinsicht sehr reichhaltigen Reise-
journal (Journals of travels in Assam, Burma, Bootan, Affga-
nistan, and the neighbouring countries, arranged by Mac
Clelland. Calcutla, 1847. 8. 500 pag.); 2) aus morphologi-
schen Untersuchungen über asialische Pflanzen (Notulae ad
plantas asialicas. Part. 1. Development of organs in Phanero-
gamons plants); 3) aus Pflanzenabbildungen (Icones planta-
rum asialicarum. Part. 1.).
Thomson, welcher eine von der ostindischen Regie-
rung nach Tibet gesandte wissenschaftliche Expedition als Na-
turforscher begleilele, hat angefangen, in Briefen an Sir W.
Hooker über seine Erfolge zu berichten (Lond. Journ. of
Bot. 7. p.28. 97. 200. 657.). Des Zusammenhanges wegen
ist es zweckmässig, hiemit die Uebersicht über seine späte-
ren Untersuchungen zu verbinden (Hooker’s Journ. of Bot,
1849, 1. p. 68, 149, 176.).
384 Grisebach: Bericht üb. d. Leistungen in.d. geographischen
Die Expedition brach von Simla im August 1847 nach den Päs-
sen von Klein Tibei auf und erreichte schon im folgenden Monate von
Danker im Spiti-Thale aus, dem äussersten Punkte, zu welchem Jac-
quemont vorgedrungen ist (vergl. Jahresb. f. 1844. S. 376.), nach
Uebersteigung von zwei 18600‘ (Parang-Pass) und 18000‘ hohen Päs-
sen das Thal des Indus oberhalb Le. Den September und Oktober
brachte Thomson in Ladak zu, machte einen "Versuch am Shayuk,
einem bedeutenden im Küen-lün entspringenden Nebenflusse des Indus,
nordwärts nach diesem Gebirge vorzudringen und überwinterte dann,
am Indus hinabsteigend, in Iskardo, dem Hauptorte von Ballistan, der
durch einen bequemen Pass von Kaschmir getrennt ist. Im folgenden
Jahre begab er sich zu Anfang des Aprils nach Kaschmir, überstieg
von Islamabad aus im Mai den 10000° hohen Bamahal - Pass, der nach
Kohestan, d. h. dem Himalajah des Pendschab führt und untersuchte
dessen Vegetation bis zur Mitte des Junius. Dann kehrte er vom obe-
ren Thale des Chenab (7000°) aus über einen mehr als 18000‘ hohen
Pass nach Ladak zurück und gewann nun erst durch mehrmonatlichen
Aufenthalt in günstiger Jahreszeit einen vollständigen Ueberblick über
die Flora von Klein-Tibet. Jetzt (August — Mitte Sept.) gelang es
ihm auch, längs des Shayuk und durch das Nubrathal bis zu dem be-
rühmten Passe Karakorum im Küen -lün an der Strasse nach Yarkand
vorzudringen: in einem Niveau von elwa 15000’ wurde die südliche
Küen-lün-Reihe, welche’ der Shayuk durchbricht, quer durchschnitten,
ein System von „wenigstens 24000° hohen“ Schneebergen, in dessen
Seitenthälern zu dem öden Flussthale überall Gletscher herabhingen,
sodann ein Plateau oder altes Seebecken van 2 geogr. Meilen Durch-
messer erreicht, das im Niveau von 17500‘ lag und von hieraus der
sanftgeneigte Abhang des Passes Karakorum (18600°) erstiegen, welcher
in der nördlichen, niedrigeren, aus 20000’ bis 21000‘ hohen Bergen be-
stehenden Reihe des Küen-lün liegt. Zu Anfang des Oktobers 1848.
kehrte Thomson endlich von Le über Dras nach Kaschmir zurück.
Da der grösste Theil von Thomson’s denkwürdiger Reise sich
auf botanisch und die Untersuchung des Küen-lün sogar auf geogra-
pbisch unerforschtem Gebiete bewegt, so scheint es zweckmässig, den
specielleren Ergebnissen einige allgemeinere Betrachtungen vorauszu-
schicken, die sich auf den bisherigen Zustand unserer Kenntnisse von
jenen Gegenden beziehen (vergl. die Nachrichten über die Reisen von
Moorcroft im Jahresb. von 1842., so wie von Vigne und Jac-
quemont im Berichte von 1844.). Die Frage über die Grenzen der
Floren Indiens und Centralasiens ist nun um einen bedeutenden Schritt
der Lösung näher geführt und es bestätigt sich hier auf’s Neue das
allgemeine Gesetz, dass scharfe Vegetalionsgrenzen einem schroffen
Wechsel klimatischer Bedingungen entsprechen, und dass einzelne
Pflanzenarten, die von den letzteren unabhängig sind, von beiden Sei-
ten aus über jene Grenzen hinausrücken. Das wichtigste Ergebniss
'und systematischen Botanik während des Jahres 1848. 385
von Thomson’s Reise aber scheint mir darin zu bestehen, dass die
tibetanische Flora, nun sie uns vollständiger erschlossen ist, als ein
Glied indem grossen Vegetationsgebiete der vorderasiatischen Hoch-
steppen erscheint, mit denen sie unter gleichen klimatischen Bedingun-
gen’ steht, obgleich , wie v. Humboldt zuerst erkannte, die Gestal-
tung des Bodens keineswegs dem Typus der Plateaubildungen unter-
worlen ist, welche man hier bisher so allgemein voraussetzte. Von
einzelnen Seebecken abgesehen, breiten sich weder das Hauptthal des
Indus in Klein-Tibet (1. p. 78.) noch dessen Nebenthäler irgendwo zu
Tafelländern aus, sondern die mannigfaltig gegliederten Bergketten tre-
ten dieht an die Furchen des fliessenden Wassers und ein geneigler
Boden ist daher allgemeiner Charakter des zwischen dem Himalajah
und Küen-lün eingeschlossenen Theils von Centralasien. Ungeachtet
dieser über sechs Breitengrade ausgedehnten Ketlengliederung der Ge-
birgsoberlläche gehört der ganze Raum vom chinesischen Turkestan bis
zu den Grenzpässen zwischen Ladak und dem britischen Himalajah zu
jener regenlosen Zone, in welcher der Ackerbau in den Flussthälern
auf einer künstlicher Benutzung des fliessenden Wassers beruht (I.
p- 79.). In dem Hauptthale des Indus, welches Thomson von des-
sen 13000‘ holıem Niveau oberhalb L& abwärts bis 6000’ erforscht hat,
finden keine Niederschläge statt, die „den Boden vollständig benetzen ;«
auch im Winter fällt wenig Schnee und die Flüsse empfangen ihr Was-
ser aus den mehr als 10000‘ höheren Bergketten, an denen sich der
Wasserdampf der Polarströmung niederschlägt und zu einer weitläufti-
gen Region ewigen Schnee’s ansammelt. Der wolkenlose Himmel über
diesen Landschaften, der ilır excessives Klima bedingt, ist der deutlich-
sie Beweis, dass die Polarströmung hier nicht minder wirksam ist, als
in den Tief - und Hochländern Vorderasiens.
'Ahr der Südseite der tibetanischen Pässe erstreckt sich im Innern
des Himalajah eine klimatische Uebergangszone, die, zwar noch ganz
unberührt von den tropischen Soimmerregen, doch so viel Niederschläge
empfängt, dass neben zahlreichen Vertretern der Steppenvegetation eine
mehr oder minder vollständige Entwickelung von Wäldern möglich
wird: diese Zone umfasst die Landschaften Kunawur, das obere Tsche-
nab-Thal in Kohestan, Kaschmir und das Thal des Indus um Iskardo
(vergl. Ber. f. 1844. S. 375. u. 377.). ‚Viele Pflanzen haben diese
Gegenden gemeinsam und der verschiedene Grad ihrer Bewaldung
scheint von der Häufigkeit der Niederschläge abzuhängen : das feuch-
tere Kaschmir hat prächtige Hochwälder, während die Waldungen von
Kunawur unbedeutend sind. Untersucht man den Ursprung der Flora
des Uebergangsgebiets, so ergiebt sich, dass wenige Formen, wie die
eharakteristische Pinus Gerardiana, endemisch sind, und dass die übri-
gen grösstentheils von den Nachbarfloren abstammen, So stammen die
meisten Waldbäume aus den Gebirgsregionen des tropischen Ilimalajah,
obme hier von den eigentlich tropischen, durch die Wasserlülle des
Archiv f,Naturgesch. XV. Jahrg. 2. Bd. Z
386 Grisebach: Bericht üb. .d. Leistungen. in .d.' geographischen
Sommers entwickelten Gewächsen begleitet zu sein; so verbreiten sich
hieher. zahlreiche Formen des tibetanischen . Steppenklima's, z. B. die
dornigen Astragalen, die Thomson nicht bloss in Kaschmir. antraf,
sondern von.denen eine Art sogar in die Tropenlandschaft des südli-
chen Kohestan ‚hinabsteigt, wo sie von’einer Daphne begleitet: wird,
die zugleich in Baltistan und in Kamaon vorkommt. ‚Ein ‘dritter Be-
standtheil jener. Flora aber ‚scheint aus.ieiner viel entfernteren Hei-
math herzustammen und auf die Vegetalionscentren der kaukasisch-
europäischen Gebirgszüge bezogen werden zu müssen. Die Analogie
klimalischer Bedingusgen, die kurze Vegetationszeit: und ‚die Feuchtig-
keit der alpinen Regionen in Mitteleuropa, so wie die entsprechenden
thermischen Verhältnisse im Bereiche der Nadelholzwälder erklären die
Uebereinstimmung der Formen (der Familien und Gattungen) im Hima-
lajah und in. den Alpen : aber ebenso begreiflich ist die geringe An-
zahl identischer Arten, weil. die ‚breite, regenlose Zone Vorderasiens
die Wanderung der Pflanzen von einem dieser Gebiete in das andere
in so hohem Grade erschwert. Thomson hält die Zahl kaukasischer
Arten, welche er südlich vom. Indus auf dem Wege nach Kaschmir
antraf, für grösser 'als sie sein wird: aber indem er zwei Beispiele
einer solchen Verbreitungssphäre, nämlich Thymus Serpyllum und Tau-
scheria lasiocarpa anführt, (1. p. 177.), bemerkt er mit Recht, dass die
Einwanderung durch den Gebirgszusammenhang längs des Hindu-kusch
vermittelt sei, „weil dieselben weder die schweren Regengüsse des in-
dischen Himalajah-Abhangs noch das trockene Klima Tibet's ertragen.“
Tauscheria gehört indessen als russische Steppenpflanze nicht in jene
Kategorie: dagegen finde ich einen. weit merkwürdigeren Beleg. der
Thatsache in der Verbreitung von Juniperus excelsa, die die ‚oberste
Waldregion in Kunawur bildet: und Vjenseits der Pässe . den, einzige
wildwachsende Baum im Spiti-Thal ist, sodann, vom übrigen Ladak aus-
geschlossen, abwärts am Indus bei 7000’ wieder in Baltistan auftritt
und in Kaschmir mit den Nadelhölzern des Himalajah zusammentriflt
(7. p- 37. 659. 667.);, die Lücke zwischen diesem Areal und den aus
demselben Baume gebildeten Wäldern des Taurus und Armenien’s, zu
denen wieder das excentrische Vorkommen bis nach: Arabien, ‚der Krim
und der Insel Tassos im Archipel\in: ähnlicher Beziehung steht, wird
wahrscheinlich durch künftige Beobachtungen in den ’persisch- afgha-
nischen Gebirgsketten ausgefüllt werden.
Die Uebergangszone des Himalajahı wird südwärts wiederum durch
eine Hauptkette von den durch die Monsun-Regen befeuchteten Abhän-
gen abgesondert; einige Flüsse, wie der Tschenab, durchschneiden sie
und begünstigen dadurch die Vermischung der Pilanzenformen, der Sut-
ledsch durchbricht sogar nicht bloss diese, sondern auch die zweite
Tibet umgrenzende Kette‘ gleich dem Indus. 'Royle hat am klarsten
die pflanzengeographische Eigenthümlichkeit dieser indischen Abhänge
dadurch bezeichnet , dass auch in den der gemässigten Zone entspre=
hund systemalischen, Botanilı während des, Jahres 1848.1. 1) 387
chenden Regionen den nordischen, Pflanzenformen „sich ‘tropische, einmi-
sehen; ähnliche Verhältnisse beobachtete Thomson in den Gebirgen
des: Pendschab. Die Identität zahlreicher und zum Theil. der. den laud-
schaftlichen Charakter -bestimmenden Arten in den waldigen Bezirken
des inneren ‚und der Amentaceen - ‚und Coniferen-Region. des tropischen
Himalajah,, so wie die. noch grössere Uebereinstimmung, der alpinen
Flora spiegeln zwar die thermischen 'Werthe ab, die dem ganzen. Ge-
birge und überbaupt allen ‚kettenförmigen Erhebungen des Bodens ge-
meinsam sind: allein nicht auf die idertischen, ‘sondern auf. die enger
begrenzten Pilanzenformen bezieht’ sich. die klimatische ‚Gliederung des
Himalajah, die ich in den vorstehenden Bemerkungen ‚versucht,,habe.
Ich wende mich jetzt zu den specielleren Ergebnissen von Thom-
son’s Reise, so weit dieselben den bisherigen, pllanzengeographischen
Gesichtskreis erweitern und aufhellen.. -In,Ladak,. wo die tiefsten
Niveau’s des Indus-Tbals, wie gesagt, noch ‚über der Grenze 'von Juni-
perus excelsa liegen , ist‘ zwar. baumarliges Wachsthum selten, aber
fehlt doch nicht ganz: die Bildung’ der Holzgewächse bewegt sich'in
ähnlichen Pilanzenformen , wie in. der Kirgisensteppe, : Zwei Pappel-
arten und eine Weide, welche Mooreroft .als, die einzigen Bäume
des Landes bezeichnet, gehören freilich. nur der Kultur in ‚den, Fluss-
thälern an und eine strauchartige Hippophae ist. das grösste einheimi-
sche Holzgewächs bei L& (7. p. 201.): aber in einer Nebenschlucht, des
Indus entdeckte Thomson im Niveau von 14600‘ ein Gehölz, das aus
einer bis zu 15“ hohen ‚Myricaria. von fussdickem: Stamm bestand (7.
p: 101.). Zur Feuerung ist man auf Sträucher beschränkt und.benutzt
hauptsächlich eine die höheren Abhänge bekleidende Caragana (C. ver-
sicolor Benth.) (7. p. 98.). Aber auch Gesträuchformationen sind sel-
ten und finden sich nur da, wo die..Feuchtigkeit im: Boden sich, sam-
melt (1. p. 80.) : Tamarisken und Weiden, sind\die, charakteristischen
Formen. So begleiten die Flussufer allgemein .2 Myricarien. nebst Hip-
pophae, im Nubrathale, eine, Tamarix; die übrigen, Gesträuche sind Sa-
lices, Populus, Loniceren, Lycium, Ephedra, Rhamnus und die weit ver-
breitete Rosa Webbiana. An den geneigten Abhängen, die, vom schmel-
zenden Schnee getränkt, von Thomson: als alpine, Region iunterschie-
den werden, wachsen mit jener Caragana', zahlreichere, Weidenarten,
Ueberhaupt zeigt sich eine durchgreifende Verschiedenheit zwischen
der Vegetation der Thäler und. des, stärker geneigten Bodens der ‚Ge-
hänge über denselben: allein dies sind nicht, wie Thomson meint,
zwei durch Höhe und Klima gesonderte Regionen, sondern durch
den Bodeneinfluss und dessen verschiedenartige Befeuchtung bestimmte
Pfllanzenformationen , wie schon 'aus seinen widersprechenden Anga-
ben über‘ ihr Niveau. erhellt, Denn nachdem. er Anfangs, beim Ue-
bersteigen des Parang-Passes, anführt, dass die Pllanzen ‚ die er zwi=-
schen 14000’ und 15000 d.h. in. der dortigen 'Ühalsohle antraf, durch“
weg verschieden. wären von den zwischen 16009 und 17000" gesam-
388 Grisebach : Bericht üb. d. Leistungen’ in d. geographischen
melten (7. p. 99.), sagt er später (1. p. 79.) allgemein, dass die alpine
Flora schon bei 14000’ anfange, jedoch überhaupt auf die Ufer der Ge-
birgsbäche und die Ränder des schmelzenden Schnee’s eingeschränkt
sei, ohne sich auf die völlig wüsten, von pflanzenlosem Geröll bedeck-
ten Abhänge auszubreiten: damals nämlich befand er sich zu Le (12000’),
wo die Vegetation der Thalsohle des Indus in dem viel tieferen Ni-
veau von 11000‘ sich entwickelt.‘ Auch passt die Beschränkung einer
alpinen Region auf die oberen Abhänge hier um so weniger, als auch
die Formationen der Thäler eben so wohl Repräsentanten alpiner Gat-
tungen enthalten und der Charakter der ganzen Flora daher
eben auf der Vermischung von arktischen mit Steppen-
“formen beruht. Die letzteren werden allerdings, während das
Klima ihnen überall zusagt, in den Flussthälern dadurch mehr, als auf
den Bergen begünstigt, dass sich häufig in alten Seebecken ein salz-
haltiger Boden findet, der dann sofort Chenopodeen und Artemisien
hervorruft. — Der wesentlichste Unterschied des landschaftlichen Cha-
rakters der Thäler und geneigten Abhänge besteht offenbar darin, dass
jene eine zusammenhängende Pflanzendecke erzeugen und dass diese
grösstentheils eine pflanzenlose Gebirgswüstenei darstellen, weshalb
Jacquemont mit Recht an den Pässen des Spiti- Thals von einer
2000° breiten, nackten Region zwischen der Vegetationsgrenze und 'der
Schneelinie sprach (Ber. f. 1844. S. 377.): dies ist ein Gegensatz, der
auf der Vertheilung des fliessenden Wassers, der ersten und nothwen-
digsten Bedingung des Pflanzenlebens in einem so trockenen Klima be-
ruht. Allein die Oede der Natur auf einem grossen Theile der Ober-
fläche des Gebirgs wird einigermassen durch das ungemein hohe An-
steigen alpiner Pflanzenformen auf‘ befeuchtetem Boden ausgeglichen:
die höchste Phanerogame des Parang- Passes war die von Jacque-
mont in ähnlichem Niveau entdeckte Allardia glabra (Pyreihrum ro-
seum Th.), welche Thomson hier noch bei 17500‘ beobachtete; am
Sanak-Pass wuchs noch bei 18000° eine Crucifere und 200° tiefer wa-
ren noch viele Alpenpflanzen vereinigt.
Thomson schätzt die Zahl der in Ladak gefundenen Pflanzen
auf ungefähr 500 Arten. Diese Zahl ist bei der Kürze der Vegetations-
zeit gross, da gegen Ende Junius erst die Frühlingsformen , Primeln,
Gageen und Üruciferen blähten. — Uebersicht der krautarligen For-
men, unter denen als numerisch vorherrschende Familien Crueiferen,
Boragineen, Labiaten, Chenopodeer und Astragaleen genannt werden:
1. Formationen der Thäler.
a) Triften (open barren tracts): zahlreiche Cruciferen, z.B.
Matthiola; Corydalis; Capparis; Euphorbia; Tribulus; Astragaleen,
darunter auch Gueldenstädtia und häufig Oxytropis chiliophylla; von
Synanthereen besonders Artemisia, auch Echinops wird genannt;
Labiaten, z.B. Dracocephalum heterophyllum, allgemein verbreitet ist
Nepeta floccosa; Boragineen, besonders Echinospermum; Primula; Che-
«.'madysystematischen Botanik während ‚des Jahres 1848. ., 389
nopodeen, im Oktober die Fläche eionehmend, darunter 3 Salsolae,
Corispermum, Echinopsilon, Eurotia, Ambrina , Alriplex, Chenopodiumz
Liliaceen, z. B. Gagen, Lloydia.
b) Wiesen (grassy meadows): Ranunculus, Thalictrum ; Parnas-
sia; Astragalus; Potentilla in mehreren ‚Formen ; Epilobium ; Ca-
rum; Galium ; Gnaphalium , Senecio, Taraxacum; Gentiana; Pedieu-
laris, Euphrasia; Plantago ; Allium; Iris; Gramineen.
ce) Sumpfwiesen (marshplants): ‘unter herrschenden Glumaceen,
namentlich vielen Carex-Arten, z. B.; Ranunculus Cymbalaria, Hippuris,
Taraxacum, Veronica Anagallis, Glaux, Triglochin.
d) Kulturfläche. Hauptgetraide sind Waizen und Gerste ; übrigens
werden gebaut etwas Buchwaizen, Hirse, Erbsen, Bohnen und eine Oel
gebende Sinapis. Europäische Unkräuter sind zahlreich und es werden
über 20 Arten angeführt, z. B. Capsella Bursa, Sisymbrium ‚Sophia,
Lamium amplexicaule, Convolvulus arvensis:u. a Im Herbste: zeigen
sich im Industhale auch einzelne tropische Unkräuter Indiens , z. B:
ein Cyperus bei Le, andere steigen nur bis Dras (8000) an.
2. Formation der geneigten Abhänge (alpine Flora): von Ra-
nunculaceen Ranunculus, Anemone, Thalictrum, Delphinium; zablreiche
Cruciferen, namentlich Draba; Papaver; Alsineen; Parnassia; von. Le-
guminosen ausser der Caragana, Phaca, Oxytropis, Astragalus, Ther-
mopsis; Biebersteinia odora; Crassulaceen; Saxifraga ; von Synanthe-
reen mehrere Saussureen und Allardia; Primula, Androsace; Veronica ;
Gentiana; Rheum.
Die Flora des Shayuk - Thals im’ Küen-lün ist der von Ladak
sehr ähnlich: allein da der untere Lauf des ‚Flusses tiefer liegt als der
Indus bei Le, so stimmt: dieser Theil des Gebiets mehr mit Baltistan
überein. Die Baumvegetation ‘ist hier ienergischer: unter den Kultur-
bäumen finden sich neben den häufigen Pappeln und Weiden auch mehr
Fruchtbäume,, z. B. Wallnuss- und Apfelbäume, Elaeagnus Moorcrof-
tiana und Aprikosen häufig, deren zu L& nur wenige sind. Als ein-
heimischer Baum wird eine Pappel erwähnt, die Thomson für .die
mesopotamische P. euphratica, hielt (1. p. 81.); auch läuft der Shayuk
zwischen kahlen Schneebergen durch ein Jungle von Hippophae, die
hier zu einem kleinen Baume auswächst (7. p. 201.). — Weit interes-
sanler war die alpine Vegetalion der oberen Gebirgsstufen , deren all-
gemeine Uebereinstimmung mit den entsprechenden Bestandtheilen der
Flora von‘ Ladak sich aus folgender Uebersicht der genannten Gattun-
gen ergiebt, von denen die artenreicheren durch. gesperrte Schrift) her-
vorgehoben sind: Thalictrum, Delphbinium ; Papaver; Draba; Alsine,
Cerastium, Lychnis; Myricaria; Astragalus, Thermopsis, Cicer; Po-
tentilla, Sibbaldia; Heracleum; Saxifraga; Allardia, (4 sp.);
Pyrethrum, Artemisia, Saussurea, Taraxacum ; Primula; Gen-
tiana; Echinospermum, Cynoglossum ; Nepeta, Dracocephalum, Marru->
bium ; Eurotia; Urtica; Allium; Carex; Stipa,
390 Grisebälch:Bericht üb. ''d.' Leistungen im di"geographischen
‘In Baltistan wiederholt sich mit dem Klima von’Kunawür auch
die Kultur der Obstbäume und auch ‘der Weinbau fehlt nicht'ganz: am
häufigsten sind die Aprikosen, sodann Wallnüsse und Maulbeerbäume
(7. p: 658). ' Ungeachtet‘ der Nähe des waldreichen Kaschmir - Thals,
welches 'nur durch eine Bergkette getrennt! ist,’ findet sich‘ hier im -Ni-
veau von Simla’ausser der'sparsam verbreiteten Juniperus excelsa kein
einheimischer Baum.‘ Erst’ als Thomson den Versuch machte, von
Iskardo am Indus weiter hinabzusteigen, fand er Pinus excelsa Wall.
wieder, aber nur'an den Abhängen südlich vom Strom: also’ ‚deutlich
von Süden her eingewandert. }
Sobald er den 11300/ hohen Pass nach Kaschmir überstiegen
hatte, entwickelte sich eine schöne Waldregion, deren üppiges: Wachs-
thum an ‘die Gegenden ‘des tropischen Himalajahı von Simla eriänerte.
Die ‘oberste Baumform "ist hier, ‘gleich wie an den übrigen‘ nach
Kaschmir führenden Pässen, die Birke, deren Waldungen ‚mit‘ einer
Weide -gemischt,, "bis etwa zu 12000* anzusteigen scheinen und daher
bis zu den Abhängen gegen Baltistan eine kurze ‚Strecke hinüber-
reichen, was''mit‘ den tiefer‘ ‘wachsenden Coniferen nicht der Fall
ist. Diese ‘schattigen, feuchten Birkenwälder ‚sind reich an mannich-
faliigen, 3—4“"hoch aufschiessenden‘ Stauden, die der tibetanischen
Flora fremd sind‘, z. B. Aconitum, grosse Umbelliferen, Veronica, Achil-
lea, Polemonium, Nepeta Govanniana u. a. — Der Coniferengürtel be-
gann gleich unterhalb ‘des Passes (11000°) mit Pinus excelsa und P.
Pindron und reichte in die 9000‘ hohe Thalsohle herab: ‚Ihm‘ ordnen
sich in Kaschmir aber auch bald‘ viele Laubhölzer an, die Region der
wilden Obstbäume bei Jacquemoent, die Thomson am Passe über
Islamabad gegen Kohestan aus Cerasus, Aesculus und Acer ‚gebildet fandi
Das Hauptithal'von Kaschmir selbst ist, abgesehen ‘von den ‘zahlreichen
Fruchtbäumen, waldlos, "eine weitläuftige,' im Frühling überschwemmte,
zum Theil sumpfige Kulturebene (7.'p. 667.). Einige .charakleristische
Pflanzenformen derselben 'sind : Berberis, Rubus,'Zizyphus, Parrotia (Fo-
thergilla involuerata bei) Th.);/Prangos 'pabularia und’andere Umbellife-
ren." Als Beispiele tibetanischer Typen ‚die sich nach‘ Kaschmir, ver-
breiten, führt Tbomson'die zahlreichen’ Orueiferen des Frühlings' an,
ferner Viola,’ Myriearia, die. dornigen’ Astragali, Rosa Webbiana, ‚Ribes;
auch ‘die Kulturbäume sind dieselben wie in Baltistan.
Die Flora von Kohestam ist der des indischen Himalajah-Ab-
hangs’ sehr ‘ähnlich, wie 'sich’aus folgender Charakteristik der-Regionen
ergiebt. ' Bei 11000” herrscht’ "Rhododendrom eampanulatum ‚vermischt
mit Viburnum 'nervifolium: ' Die'Coniferenregiom besteht aus Pinus Pin-
dron, 'P+"Khutrow (P. Smithiana' bei Th.), P:Deodara iundP. longifolia,
von: denen’ die‘ letätere so ‘weit nach abwärts steigt, dass sie «beiiJamw
mit Phoenix'sylvestris'zusammen: wächst‘; diese: Nadelhölzer wechseln
mit: Eichenwäldern 'von Querens lanata und 'Q.'semicarpifolia, so wie
derselben Region auch Rhododendron arboreum und Andromeda ovali«
"und systematischen Botanik während des Jahres 1848. 391
Tolia angehören. Weiter abwärts beginnt im Thale des Tschenab im
Niveau von 2500‘ die rein tropische Vegetation, hier, wie am unteren
Sutledsch, durch Dalbergia Sissoo, Acacia Lebbek, Bauhinia, Rottlera
tinetoria, Adhatoda und die Scitaminee Colebrookia bezeichnet.
Madden entwarf eine. Vegelationsskizze von Kamaon
und der Gegend von Almora, ‚worim die ‚Verzeichnisse der
gesammelten Pflanzen enthalten sind (Journal of the Bengal
Asiatic. Soc. 1848. p. 349—450.; vergl. Auszug in Hooker’s
Journal I. p. 57.).
Stocks hat seine Nachrichten über Sinde. (Jahresb. f.
1846. S. 443.) fortgesetzt (Proceed. of Linn. Soc. 1848. Apr.
und Lond. Journ. of Bot. 7. p. 539. u. f.): er berichtigt zu-
gleich mehrere Irrthümer in einer Abhandlung von Vicary
über die Flora von Sinde, welche in dem Journal der ben-
galischen Gesellschaft enthalten ist (1847., daraus abgedruckt
in Ann. of nat. hist. 1848. 1. p. 420-—434.). Auf des Letz-
teren aphorislische Mittheilungen ist hier um so weniger An-
lass näher einzugehen, als die Publikation einer grösseren
Arbeit von Stocks in den Abhandlungen der Linnean So-
ciety bevorsteht: was von diesem gründlichen Kenner des
Landes jetzt vorliegt, beschränkt sich auf eine Aufzählung
der vegelabilischen Produkte in den Basar’s von Sinde und
auf einen kurzen brieflichen Bericht über seine Exkursion
nach Shah Bilawul im südöstlichen Winkel von Beludschistan
(Lond. Journ. of Bot. 7. p. 550.).
Die Beschreibung der Nordwestküste von Borneo, wel-
che durch Brooke’s Ansiedelung zugänglich geworden ist,
von Low enthält Nachrichten über die nutzbaren Produkte
des Pflanzenreichs (Sarawak, its inhabitants and productions.
London, 1848, 8. 416 pag.).
Ueber den Vegetationscharakter von Borneo 'erfahren wir, aus
diesem Buche wenig mehr, als dass die Insel, über welche die der
Nordwesiküste parallelen Gebirgszüge nach allen Seiten grosse Ströme
aussenden, überall von tropischen Wäldern bekleidet wird und des höch-
sten Masses aequatorialer Fülle geniesst. Die Nordwestküste steht
zwar unter der Herrschaft der Monsune , die der Gebirgsaxe parallel
wehen, aber die Niederschläge finden demungeachtet das ganze Jahr
hindurch statt und die Entwickelung der Pllanzenwelt wird durch keine
392 Grisebach: (Bericht/üb,, d. Leistungen. ind. geogtaphischen
Unterbrechung. beschränkt (p. 30.): hiebei: wird bemerkt, dass .die ‚ei=
gentliche Regenzeit den vom April bis Oktober: wehenden Nordost-
Monsun begleite, ‚dass jedoch auch in den übrigen. Monaten selten ein
Tag-ohne Niederschläge vorkomme.
In den Wäldern von Sarawak (2° N. Br.) fallen als eigenthüm-
liche Pflanzenform besonders die epiphytischen Rhododendren auf, von
denen Low fünf verschiedene Arten unterschied (z. B. Rh. Brookea-
num): es scheint dies jedoch eine besondere Gattung) zu. sein, die sich
durch einen sehr kleinen Kelch und Semina comosa unterscheidet (p.
65.). — Längs der Küste finden sich nicht überall Mangrovewälder,
sondern, wo der schlammige Boden fehlt , schaltet sich, wie auf Su-
matra, zwischen der Fluthlinie und dem tropischen Mischwalde eine
Zone von Casuarinen ein (p. 35l.). An anderen Orten kommen salz-
haltige Marschen vor , die von der Nipapalme (Nipa fruticans) bedeckt
sind. Im höheren Niveau der Gebirgskette folgt dem Mischwaide eine
einförmigere Coniferenregion, aus Dacrydium gebildet (p. 67.).
Von einheimischen Nulzgewächsen sind für die Eingebornen die
Palmen am wichtigsten : ausser der Nibongpalme, die an den Fluss-
mündungen sehr verbreitet, einen geschätzten Palmkohl liefert, werden
Cocos, Metroxylon als Sagopalme, Arenga sacharifera (Gomuti), Cala-
mus und Nipa genannt. — Von eigenthümlichen Pflanzenprodukten Bor-
neo’s für den auswärtigen Handel sind zu erwähnen: Kampher von
Dryobalanops Camphora ; von mehreren Dipterocarpus-Arten das soge-
nannte vegetabilische Talg, welches in England zum Gebrauch bei
Dampfmaschinen sogar dem Olivenöl vorgezogen wird; Guttapercha von
Isonandra; Kautschuk von der Apocynee Urceola und einige andere
Stoffe, deren Stammgewächse noch nicht systematisch bestimmt sind.
Auch Antiaris toxicaria kommt vor, so wie überhaupt Borneo nach
seinen Vegetationsbedingungen Jaya näher zu stehen scheint, als
Sumatra.
Systematische Beiträge zur Flora der holländischen Be-
sitzungen im indischen Archipel: Has skarl plantae javani-
cae rariores (Berlin, 1848. 8. 554 pag.): systemalisch zu-
sammenhängende Darslellung der vom Verf. in Java beob-
achteten, zum Theil früher aphoristisch. publicirten Pflanzen
(gegen 400 sp.); Korthals Uebersicht der Sterculiaceen
und Byttneriaceen in niederländisch Indien (Nederl. kruid-
kundig Archief I. p. 301—313.): 3 Bombaceen, 5 Helictereen,
16 'Sterculieen, 7 Byltnerieen, 1 Hermanniee, 6 Dombejeen ;
desselben Bemerkungen über die Violarieen des indischen
Archipel’s (das. p. 356—363.): 11 sp.; Miquel die Pipera-
ceen der Reinwardt’schen Sammlung (Linnaea 21, .p, 480—
und systematischen Botanik während des Jahres 1848, 393
486.); Kunze fortgeselzte Bemerkungen über javanische Farne
(s. Jahresb. f. 1846. S. 452.) (Bot. Zeit. 1848. S. 97—103.
113—122. 141—146. 172—177. 189—199. 209—216. 234
239. 258—263. 282—285. und 304—306.).: diese wichlige
Arbeit enthält die Diagnosen von mehr als 60 neuen Arten und
kritische Bemerkungen zu den übrigen; Lindenberg Be-
stimmungen javanischer Lebermoose in Zollinger’s Sammlung
(das. S. 462.) : 4 neue Arten.
Hooker d. J. berichtet über eine Exkursion in der
britischen Niederlassung Aden in Arabien , welche er. auf
seiner Reise nach Ostindien besuchte (Lond. Journ. of Bot,
7. p. 307—314.): blaltlose Euphorbien, Capparideen, Zygo-
phylleen und dornige Acacien-Gebüsche drückten den arabi-
schen Charakter der Vegetation aus.
IL Afrika
Dunal beschreibt einige neue Cislineen und eine Nar-
cisse aus Nordafrika (Petit bouquet mediterranden. Montpel-
lier. 4.)
Hooker d. J. schreibt über seinen Aufenthalt in Kairo
und Suez im December 1847. (Lond. Journ. of Bot. 7. p. 249
— 268. u. 297—307.).
Den Charakter der Wüste bei Kairo bezeichnet Hooker da-
durch, dass er anführt, auf einem Acre Landes wären kaum fünf Pflan-
zenindividuen zu finden: am häufigsten war ein saftiger, früh grünen-
der Hyoscyamus, sodann einige Gräser, Zypophylleen, Rutaceen, Cap-
parideen. Es kommen auch einzelne Oasen-äbnliche Stellen von ger
ringem Umlange vor, wo zwischen zerstreuten Acacien jener Hyo-
scyamus sich geselliger ausbreitet,
Bentham’s Bearbeitung der Leguminosen des tropi-
schen und südlichen Aflrika’s, so wie Ostindien’s , ist nach
mehrjähriger Unterbrechung (Jahresb. f.. 1843. $. 410.) fort-
gesetzt worden (Lond. Journ. of Bot. 7. p. 580-— 657.): diese
Fortsetzung enthält nur die auf die Capflora eingeschränkte
Gruppe, von Aspalathus, von welcher 172 Arten beschrieben
werden,
394 Grisebach:'Bericht üb. d. Leistungen ind," geographischen
IV. Amerika
Asa Gray hat ein klassisches Kupferwerk über die
Pflanzengattungen der vereinigten Staaten begonnen (Genera
Florae Americae boreali-orientalis illustrata: the genera of
the plants of the United States, illustrated by figures and
analyses by J. Sprague, superiniended and with descrip-
tions by Asa Gray. Vol. I. tab. 1—100. Boston, 1848, 8.):
der erste Band dieses nach dem Muster des Nees’schen Werks
entworfenen Werkes umfasst die Reihe der Familien von den
Ranunculaceen bis zu den Portulaceen. — A. Gray hat fer-
ner eine compendiöse, auch die Moose umfassende Flora der
nördlichen Staaten 'publicirt, welche westlich bis Wisconsin
und südwärts bis Ohio und Pennsylvanien reicht CA Manual of
the Botany of the Northern United Stales. Boston, 1848. 12.
710 pag.): Carey hat in diesem Buche die Gattungen Sa-
lix, Populus und Carex, Sullivant die Laub- und Leber-
moose bearbeitet. — A. Young besorgt eine Flora exsic-
cata von Maine (A Flora of Maine, illustrated with specimens.
Vol. I. fol. 40 sp.).
Systematische Beiträge zur Flora von Nordamerika :
Nuttall Beschreibung der von W.Gambel in, den Rocky
Mounlains und Oberkalifornien gesammelten Pflanzen (Procee-
dings of the Academy of Natural Sciences of Philadelphia):
die neuen Arten sind aus den Gegenden zwischen Santa Fe
und der Küste des slillen Meers; ‚Engelmann Diagnosen
der neuen von Wislizenus gesammelten Pflanzen (s. u.);
gegen 50 sp.; Torrey und Engelmann Uebersicht der
° Ausbeute vonEmory’s Expedition (s. u. bei Emory p. 135
— 159.) mit 14 lithogr. Tafeln; Scheele Beiträge zur Flora
von Texas (Linnaea 21. p. 455—472. 576—602. 747—768.):
Beschreibung von etwa 60 für neu gehaltenen Pflanzen, wel-
che F. Roemer in Texas gesammelt hat; Sullivant Bei-
träge zur Kenntniss der nordamerikanischen Laub- und Le-
bermoose (Memoirs of the Americ. Acad. N. Ser. Vol. 3.).
Bromfield berichtetüber seine botanischen Reisen in den
a u u ELF u el
"nd systematischen Botanik während des Jahres 1848. 395
vereinigten Staaten (Lond. Journ. of Bot. 7. p. 138—161.
205— 213. 370—384.): Excursionsergebnisse in der Gegend
von Neu-York und Philadelphia enthaltend, , mit besonderer
Berücksichtigung der Baumarten und Ruderalpflanzen.: — No-
tizen über die als Nahrungspflanze am oberen Missisippi die-
nende Psoralea esculenta theillLamare-Picquot der fran-
zösischen Academie, mit (Comptes, rendus,; 26,. p. 326. u. f.).
In den Congress-Reports von 1848. sind die wichtigen
und vielseitigen Untersuchungen über Neu-Mexico und Ober-
Kalifornien enthalten, zu welchen eine Expedition im ‚mexi-
canischen Feldzuge Veranlassung: gab‘, die mehrere. wissen-
schaftlich gebildete Officiere und Naturforscher begleiteten
(30% Congress, first Session; Report nr. 26.: Memoir of a
tour to Northern Mexico, eonnected with Col. Doniphan's. ex-
pedilion in 1846. and 1847, by. A. Wislizenus, with.a
botanical appendix by G. Engelmann, al. tit. Sketch'of
the Botany of Dr. Wislizenus’s expedition. Washington, 1848.
8. 115 pag.; und nr..41.:. Notes of, a military, reconnoissance
from Fort Leavenworth in Missouri. to S. Diego. in ‚California,
by W. H. Emory ib. eod. 8. 614 pag., ‘mit einer botani-
schen Beilage von Torrey und Engelmann s. 0.)
Nachdem wir durch Geyer und Fr&emont (Jahresb. f. 1845.)
die Vegetationsverhältnisse der Prairieen diesseits und jenseits der Rocky
Mountains zwischen dem 38sten, und 43sten Parallel in ihren grossen
Zügen, kennen gelernt haben , gewinnen wir; aus, vorstehenden. Schrif-
ten den ersten Ueberblick ‚über eine zweite, südlichere Durchschnilts-
linie durch den Kontinent, welche ostwärts von Santa F& zwischen dem
3östen und 39sten Parallel eingeschlossen, durch das, Hochthal von
Neu-Mexico zu 32° N. Br, herabführt und ‚dann unter diesem letz-
teren Parallel nach ‚S.,Diego an die Küste, von Kalifornien ‚hinüber-
reicht. ‚Hieran schliesst sich.ferner die Reise von Wislizenus, der
von Santa, F& aus die nördlichen Provinzen Alt-Mexico’s besuchte und
dadurch den Uebergang, der Prairieenflora ‚in die Vegelation des mexi-
canischen Tafellandes geographisch aufgeklärt hat,
Das allgemeinste Ergebniss, dieser, Untersuchungen, besteht darin,
dass die baumlose , und durch Uferwaldungen, oder bewaldete Gebirgs-
keiten unterbrochene Prairie viel weiter nach. Süden reicht ‚ als (rüher
angenommen wurde, und, dass. sie ‚mit allmählichem ‚Wechsel: der 'Cha-
rakterpflanzen unmittelbar in die mexicanische Flora übergeht: allein
396 Grisebach: Bericht üb, d, Leistungen in d. geographischen
dieses Ergebniss ist so eng mit der Gestaltung des Bodens in .diesem
Theile von Amerika verknüpft, dass zuerst die geographischen Entdeckun-
gen der Reisenden kurz zu bezeichnen sind, ehe die botanische Glie-
derung des Gebiets zum Verständniss gebracht werden kann.‘ Das 'zu
beiden Seiten’ allmählich abgeflachte Prairien-Plateau, ‘dessen, höchstem
Rücken die Rocky Mountains aufgesetzt sind, gelıt ohne irgend eine
Unterbrechung nach Süden in das mexicanische Hochland über, wo die
Anden von Chihuahua ebenfalls dem mittleren Theile desselben aufge-
lagert sind, doch ohne die Höhe der Rocky Mountains zu erreichen,
Diese‘ beiden Gebirgsketten, welche denselben Verlauf, haben , dachte
man sich bisher auf der Westseite des Thals von Neu - Mexico in Zu-
sammenhang: allein dies ist nicht der Fall; die Rocky Mountains er-
leiden bei Santa Fe eine Depression, um weiter südwärls ganz aufzu-
hören; unter 33° ist das amerikanische Anden - System ganz' unterbro-
chen und nur das’ ebene, hier kaum über 6000‘ hohe Plateau übrig ge-
blieben, bis sich im Süden die Sierra Madre von Chihuahua wieder
ebenso allmählich erhebt. Am deutlichsten ergiebt sich diese merk-
würdige Thatsache, durch welche die Verbreitung der Pflanzen von
Neu-Mexico nach dem kalifornischen Golf erklärlich wird, aus dem Be-
richte des Oberst Gooke (Em. p. 415.), der ein Kommando von dem
Thal des Norte auf ebener Prairie südwestlich nach Sonora führte und
sich von hieraus nordwärts zum Gila begab, ohne ein Gebirge zu
durchschneiden („from the high valley of the Norte I ascended to the
table land of Sonora by an almost insensible slope over smooth prairie
and for 150 miles:on this level table land F journeyed without any
difficulty«).
Westlich von Independence anı Missouri (39° N. Br.) ist die
Prairie wellig gestaltet (rolling prairie), ohne sich bis zum Arkansas
(81° W. L. Ferro) beträchtlich zu erheben (1040‘—2000° Wisl.). Mit
der Erhebung des Bodens zu höheren Niveau’s ist ein auffallender Wech-
sel der Vegetation verbunden. Nach Abert’s Schilderung (Em. p. 387.
u. f.) reicht bis 80° W. L. hohes, üppiges Gras und die Uferwaldung
enthält viele Laubholzarten, wie in Missouri. Unter jenem Meridian
beginnt das kurze, krause Buffalo -Gras (Sesleria dactyloides p. 158.
t. 10.) und nun besteht auch der Uferwald bald nur noch aus Popu-
lus canadensis (Cotton-wood). Ebenda (80° W. L. und 38° Br.) sah
Wislizenus auch die ersten Cacteen, die nun von hieraus bis zum
stillen Meere nicht wieder aufhören; die erste Form, die das Gebiet des
Arkansas ‚bezeichnet, ist nach Engelmann (Wisl. p 89.) eine Opun-
tia, die. wahrscheinlich zu 0. vulgaris gehört, womit er vielleicht O.
missouriensis meint, die nach Asa Gray von James daselbst beob-
achtet wurde. — Von dem Punkte aus, wo die Strasse von Santa Fe
den Arkansas erreicht, erhebt sich der Boden der Prairie bis zu dem
östlichen Fusse der Rocky Mountains allmählich , aber sehr bedeutend,
von 2000-6500’ (Arkansas bei 82° L, = 2700‘, Cimarron-Creek 84 =
"und systematischen Botanik während des Jahres 1848, '' 397
3830‘, Zufluss des Canadian unter 860 _ 64909. Dieser Theil der
Prairie behält denselben Vegetationscharakter, der am Arkansas begann:
der Boden dehnt sich völlig Nach als trockerre Sandsteppe aus, Wasser
und Holz sind selten, der Pflanzenwuchs ärmlich, das Buffalo-Gras und
die Opuntien bleiben die Charakterformen, das Cotton-wood am oberen
Arkansas ist oft unterbrochen (Em. p. 13.). Bei Bentsfort am Arkan-
sas (86° L.) treten im Niveau von 4000‘ auch salzhaltige Prairieen auf:
wenigstens bemerkt Abert, dass er hier zuerst Artemisien mit Obione
und Yucca angustifolia antraf (das. p. 405.). — Charakteristische For-
men der Prairieen unter 38° und 39° Br., von Wislizenus im Mai und
Junius gesammelt, nach Engelmann: von Leguminosen Schrankia
2 sp., Hoffmanseggia Jamesii, Sophora sericea, Baptisia australis, Pso-
ralea, Petalostemon, Astragalus caryocarpus ; Synanthereen Aplopappus,
Engelmannia, Echinacea, Cosmidium,, Gaillardia, Pyrrhopappus, Lygo-
desmia; ferner Oenothera, Talinum, Rhus trilobata, Krameria lanceolata,
Uucumis perennis, Pentstemon.
Die südlichen Ausläufer der Rocky Mountains, welche das
Längsthal des Rio del Norte, d. h. Neu-Mexico umschliessen, bilden auf
dem Wege nach Santa Fe nur noch unbedeutende Höhenzüge: der nie-
drigste Pass liegt nur 7250’ hoch, also nicht 800° über der Plateaufläche
der Prairie und die Stadt Santa Fe am jenseitigen Abhange im Niveau
von 7000’ (Pass der Raton Mountains bei Em. = 7500’ ; höchster Ue-
bergangspunkt bei Wisl. — 7250’ engl.; Santa Fe = 7047° nach Wisl.,
6800‘ nach Em.). Die höchsten Berge, welche man von Sänta FE aus
im Nordosten sieht, sind jedoch mit Schnee bedeckt und Wislizenus
schätzt sieauf 10—12000’, worauf sie sich südwärts sofort auf 6—8000°
abflachen (Wisl. p.22.). Diese mamnichfaltig gegliederten Gebirgsket-
ten würden daher nach Massgabe ihrer relativen Höhe als Vegetations-
grenze der Prairie weniger bedeutend hervortreten, wenn nicht ihr
geneigter Boden Wälder erzeugte, welche den östlich und westlich ge-
legenen Ebenen ausserhalb ihrer Stromfurchen völlig fremd sind. Das
ganze Gebirge ist dicht mit Coniferen- Hochwald bedeckt (covered
thickly with pine-timber Wisl. p. 16.). Die hier vorkommenden Pinus-
Arten waren unbeschrieben : die häufigste ist P. brachyptera Eng. mit
3 Nadeln in der Scheide, ein Baum von 80—100° Höhe, eine zweite
kleinere, selten über 20’ hohe Art mit 2 Nadeln, P. edulis Eng: (Pirion),
hat essbare Samen und wird von Engelmann als ein westlicher
Repräsentant von P. Pinea und Cembra der alten Welt betrachtet (das.
p- 89), die dritte von Fendler gesammelte Art ist P. Nlexilis James
mit 5 Nadeln, der Weimuthskiefer verwandt. — Der Charakter der Ve-
gelation in diesem Gebirge wird sodann durch mehrere neue Cacteen
bezeichnet (1 Opuntia, 1 Mamillaria, 3 Echinocerei s. u.) am auffal-
lendsten ist unter diesen Opuntia arborescens Eng. (Syn. Cact. Bleo
Torr. nee Kth.), die hier zuerst als ein 5’ bis 10‘ hohes Gewächs auf-
tritt, sich Jängs des Rio del Norte nach Mexico verbreitet und in der
898 Grisebach:/Bericht; üb. (d., Leistungen in d, geographischen
südlicheren, Breite vom Chihuahua, zu der, Höhe, von, 20 bis. 40. Fuss
auswächst, — Andere charakteristische Formen sind nach Engelmann
und. Torr: Geranium. Fremontii Torr. ‚(Syn., Gr; pentagynum Eng.),
Lathyrus ornatus, Fallugia paradoxa Endl. Em. t:2. (Syn. ? Geum,drya-
doides DC.), ‚ein Strauch, der auch im Thal ‚des, Norte ‚vorkommt, Po-
tentilla, ‚Artemisia cana Pursh. ’
Das: Hochthal von Neu-Mexico, ist eine durch ‚den ‚oberen
Stromlauf, des Rio, del Norte bezeichnete Furche des Plateaurückens,
die sädwärts.bis El Paso (32°) reicht, wo der Fluss auf die östliehe
Prairie frei hinaustritt, und die nach. Norden bis zur Breite von Santa
Fe (35°—36° Br.) erforscht wurde. Diese -Furche senkt sich auf die-
sem Raume nach Süden um 1000° und hat ein Durchschnittsniveau von
4300‘ (Albuquerque unter 35° = 4800°, El Paso del Norte = 3800'
Wisl.). Das Klima, von Neu-Mexico ist dem der höher gelegenen Prai-
rieen ähnlich, trocken, aber weniger excessiv, als in den höheren Brei-
ten derselben : wichtiger ist die Veränderung der: Vegelationszeit, die
tiefer ‘in den Sommer hineinrückt., Denn während zu Santa Fe der
Himmel fast das ‚ganze Jahr heiter, ist, (Wisl. ‚p- 28;), bemerkt, man. im
südlichen Theile von Neu-Mexico eine Regenzeit, welche vom Julius
bis zum Oktober dauert, aber weniger beständig und regelmässig ist,
als in den südlichen vereinigten Staaten (das. p. 25.). Diese Nieder-
schläge, wahrscheinlich eine Kolge der Vermischung beider Passate in
der Nähe von deren Polargrenze in den Sommermonaten, bewirken, dass
die Entwiekelung der Prairie-Pflanzen hier nicht, wie in höheren Brei-
ten, auf den Frühling, beschränkt ist, sondern vorzüglich im Spätsom-
mer stattfindet: ,,so stand die Hochebene zwischen El Paso und Chi-
huahua, als Wislizenus sie im; August durchreiste, in ‘voller Blüthen-
pracht. Da ferner ‚die Niederschläge des, Thals in der Richtung nach
Süden häufiger werden, so gedeihen bei El Paso Fruchtbäume und
treffliche Trauben , von. denen in Santa Fe nicht die Rede ist. Der
Ackerbau ist indessen in Neu-Mexico allgemein an künstliche Bewässe-
rung aus dem‘Strome gebunden und wird, wie Emory charakteristisch
bemerkt, unter amerikanischer Herrschaft daniederliegen, weil die bei einem
solchen System nothwendige, despotische Verwaltung der Gemeinden
zu wenig mit den nordamerikanischen Sitten übereinstimmt. — Der
Vegetationscharakter von Neu-Mexico ist zwar durch die Beschränkung
des Baumwuchses. auf. das, Flussthal und. die Gebirge, durch die Ver-
breitung ‘der ‚Cacteen , durch die beträchtliche Anzahl übereinstim-
mender Arten, ‚auch durch gleiche Halophyten, wie die Chenopodeen
Sarcobatus , Obione dem der benachbarten Prairieen ähnlich: allein
ebenso bestimmt stellt sich eine Annäherung an die Flora des nörd-
lichen Mexico’s heraus. Diese ist nicht bloss durch ‚Agaven und
zahlreichere Cacteen ausgedrückt, von denen sich einige bis, nach
Mexico verbreilen, sondern vorzüglich durch Gesträuchformationen ,
hier Mezquite's genannt, welche vorzüglich aus Mimoseen, wie
PR
und’ systematischen Botanik während 'des' Jahres: 1848, | « ı) 399
Algarobia glandulosa, bestehen. ‚Andere: Strauchformen weisen gleich-
falls auf ‚Mexico , namentlich die, Zygophyllee Lärrea mexicana ‚Mor.
Em.t, 3. (Syn. L. glutinosa Eng.), das Kreosot- Gewächs ‚oder von den
Neumexicanern Jodeodondo genannt,.die schon am oheren Arkansas
beginnt und von: hier durch das Thal des; Norte bis Mexico und Kali
fornien verbreitet, ist, ferner Fouquiera splendens: Eng. von 33° bis
250 Br. beobachtet, die Bignoniacee Chilopsis glutinosa Eng. zwischen
34% und 28°, die Synantheree Tessaria. borealis: Torr., ein mit Bacharis
verwandter, aromatischer Strauch, der vom Thal des Norte aus längs des
Gila bis Kalifornien den Sarcobatus zu begleiten pflegt. — Charakteristi-
sche Formen von Neu- Mexico sind nach Engelmann und Torrey
ausser den genannten: von Capparideen Wislizenia (s. u.), Cruciferen
Dithyrea, Euphorbiaceen Hendacandra texensis, 'Leguminosen Prosopis,
Hoffmanseggia Jamesii, Dalea formosa Torr. (Em. t. 1.): ein 3‘ hoher
Strauch ; ‚von‘ Cacteen mehrere Opuntia - Arten, darunter die mexicani-
sche O. Tuna bei El Paso, der gigantische Echinocactus Wislizeni Eng.,
der ‚zuweilen bei 4‘ Höhe 6° im Umfange misst und dem E.ingens
Zuec. nur weuig an Grösse nachsteht, Mamillaria und Echinocereusz
von Loaseen: Mentzelia, ferner Cevallia sinuata; von Synanthereen Ar-
temisia dracunculoides (Sage engl.),. sehr verbreitet und A. filifolia
Torr., Riddelia tagetina Nutt. (Em. t. 5.), Bailaya (t.6. s. u.) , Zinnia
grandillora (t..4.): holzig, Franseria, Cosmidium ; von anderen Mono-
petalen Datura, Maurandia, Eustoma , Bolivaria, Euploca, Gilia, die
Nyctaginee Abronia ; von Chenopodeen ausser Sarcobatus ‘Obione ar=
gentea und Eurotia lanata, von Polygoneen Eriogonum ; von Monoko-
tyledonen ausser Agave und Yucca die Bromeliacea Dasylirion, von
Gräsern Chondrosium, das für die Heerden wichtige Gramma-Gras, wel-
ches hier und am Gila das Buflalo-Gras vertritt.
Sierra de Mimbros heissen ‚die ‘in der Depression des’ An=
den-Systems liegenden, niedrigen Bergzüge, welche die Wasserscheide
zwischen dem Rio. del Norte und dem Gila bilden und die Emory
unter 33° Br. in einem 6170‘ hohen Passe überstieg, von dem er: dann
sogleich zw der Thalfurche des Gila (hier 4350‘ hoch gelegen) in west-
lieber Riehtung hinabstieg. ‘Auf’ diesen Bergen wachsen wieder Coni-
feren, aber auch allgemein immergrüne Eichen : unter den ersteren wird
eine hochwüchsige : Ceder (Juniperus sp.) erwähnt, die der J. virgi-
niana verwandt, aber noch nicht beschrieben ist; die Eiche, Qu. Emoryi
Torr. (Em. t.4.), ist neu und ebenso eine niedrige Esche, Fraxinus
velutina Torr.
Das Thal des Gila, dem Emory bis zur Mündung in den Co-
lorado, d.h. bis in die Nähe des Golfs von Kalifornien folgte, senkt
sich ebenso allmählich nach Westen, wie der Arkansas oder Missouri
nach den Ebenen des Missisippi. Auch bleibt der Typus der Natur
überall der nämlich, Emory bemerkt (p. 98.) dass ein gleich
mässiger Charakter der Landschaft den weiten Raum vom Arkansag
400 Grisebäch Bericht \üb..d. Leistungen’in d. geographischen
bis zum Colorado beherrsche:' nirgends reichen die atmosphärischen
Niederschläge zum: Ackerbau aus, der daher an die Stromufer gebannt
bleibt, die Flüsse sind’schwach und durch weite Ebenen oder Höhen
getrennt, wo. es’ anı Wasser mangelt und oft pflanzenlose Wüste sich
ausbreitet ; wo aber Gräser und Prairieengewächse den Boden bedek-
ken, ist dieser doch‘ baumlos und nur in den Thalfurchen entwickelt
sich Cotton-wood und Weidengesträuch. Indem wir nun ‘diese Natur-
schilderung theils mit Fremont's theils mit Wislizenus’ Darstellun-
gen-in’Verbindung setzen, ergiebt sich über den Umfang der nordame-
rikanischen Prairieen, dass sie nordwestlich in der Nähe des Colorado-
Thals in die kalifornische Salzwüste übergehen, westlich bis zur Küsten-
Cordillere (Sierra Nevada) und zum kalifornischen Golf sich erstrecken
und nach Süden die mexicanischen Provinzen Sonora und Chihuahua
begreifen ‘oder bis in die Nähe des Wendekreises ‚in Neu-Leon nach-
zuweisen sind: wobei: freilich eine weitere Gliederung. durch charakte-
ristische Planzenformationen nicht ausgeschlossen ist. — Die Gegenden
am Gila sind namentlich mit'Neu-Mexico in ihrer Vegetation nahe ver-
wandt, sie besitzen dieselben Mezquite -Gesträuche, denselben Ueber-
fluss an Cacteen. Unter den letzteren ist ein hoher Säulen-Cactus,
Cereus giganteus Eng. (Em. p. 72. tab.), besonders merkwürdig, der
zwischen 92° und 94° allgemein angetroffen wurde: dieses Riesenge-
wächs, von den Eingebornen Pitahaya genannt, hat einen Stamm von
25 bis 60 Fuss Hölle, der nach oben in einige: fast vertikal gestellte
Aeste ausläuft, die Peripherie mass bis zu 6 Fuss, seine Früchte sind
wohlschmeckend. Die Mezquite- Gesträuche bestehen auch am Gila
vorzüglich aus Algarobia glandulosa und anderen Prosopis-Arten, allein
die übrigen Sträucher sind zum Theil von denen Neu - Mexico’s ver-
schieden und drücken vielleicht eine Annäherung an die kalifornische
Flora aus. — Uebersicht der charakteristischen Gewachse nach Torrey:
Berberis pinnata Lag., Rhus trilobata, Prosopis Emoryi. Torr., Spiraea
californica. Torr., die der Fuchsia ähnliche, strauchartige Zauschneria
ealifornica; von Cacteen 13 Arten (Em. t, 13. 14.), darunter 6 Opun-
tien,- 3 Mamillarien, 2 Echinocacti und 2 Cerei; van Synanthereen
Dieteria, Linosyris graveolens, ein 2‘ hoher Strauch, Baccharis, Tessa-
ria borealis, Hymenoclea (s. u.), Dicoris (s. u.), Artemisia dracuncu-
loides und filifolia, Tetradymia; von Ericeen Arctostaphylos , Scerophu-
larineen Pentstemon und Castilleja; von Chenopodeen ausser Sarcoba-
tus: Obione polycarpa Torr.; ferner Platanus mexicana Mor. (Syn. Pl.
californica Benth.); Ephedra trifurca Torr. (Syn. E. occidentalis auct.),
von der Sierra de Mimbres bis jenseits des Colorado sehr verbreitet,
imHabitus dem Sarothamnus gleichend‘;; von Gramineen 3 Arten Gram-
ma-Gras (Chondrosium eriopodum T., foeneum T. t. 12. ‘und polysta-
chyon Benth:), Chloris alba, Bouteloua curtipendula T., Leptochloa fili-
formis, Andropogon; von Farnen Adiantum tenerum.
Zwischen dem Colorado und der Küsten-Cordillere kam Emory
"und systematischen Botanik: während | des Jabres 1848. 401
durch den Südrand der Salzwüste, wo er den Boden, freilich im
November, beinahe ohne Vegetation fand (Em. p. 101.): doch kamen
auch hier noch einzelne Sträucher von Ephedra und Prosopis vor, von
Gräsern Aristida. Ausser einigen Chenopodeen werden neue Arten: von
Aplopappus und von der Euphorbiacee Stllingia erwähnt.
Ueber die kalifornische Cordillere, die unter 330 Br.
gleichfalls sehr nackt zu sein scheint und die Emory in einem nie-
drigen Einschnitte zwischen 3000° bis 5000° hohen Bergen über-
schritt, erfahren wir wenig mehr, als dass Dickichte ‘von Agaven (A.
mexicana) die Thäler ausfüllen. Es wurden indessen in)diesen Pässen
noch zu Anfang December folgende interessante „ gnösstentheils neue
Gewächse gesammelt: von Rosaceen 2 Arten von Adenostoma. und;Rho-
tinia arbutifolia L. (unter diesen ist Ad. sparsifolium T. ein 30%haher
Baum); von Synanthereen Corethrogyne tomentella (Estaliat, ‚Heilmit-
tel gegen die Cholera) , Perityle, Wyethia; eine strauchartige Salvia
und Fouquieria spinosa t. 8. (Bronnia Kih.), ein 12°.bis 25° -hoher
Dornenstrauch mit schönen Scharlachblumen.
Die spätere Reise von Wislizenus durch das nördliche
Mexico ist zwar reich an botanischen Entdeckungen gewesen, allein
über den pflanzengeographischen Charakter sind ausser genauen Nivau-
bestimmungen die Mittheilungen sparsamer. Ich beschränke mich da-
her, einige der wichtigsten Pflanzenlormen aus Engelmann’ Dar-
stellung zu, entlehnen. _a) Prairieen zwischen El Paso und Chihuahua
(32° bis 29° Br.) 4000‘ bis 5000‘ hohe Ebenen, deren Regenzeit im
Julius und August herrscht (Niveau der Stadt Chihuahua = 4640, des
höchsten Punktes der Strasse nach El Paso = 5320‘) : Mimoseengesträuche
allgemein, Cacteen, mehrere Yucca-Arten; die Pedalinee Martynia mit
2 neuen Arten, von -Bignoniaceen Tecoma; die Uebereinstimmung mit
den nördlichen Prairieen ausgedrückt durch Formen wie Oenothera)
Linum, Gilia , mit Neu-Mexico durch Cevallia sinuata. — b) Cosihui-
riachi in der Sierra Madre, gegen 20 geogr, Meilen. westlich von Chi=
hualhua gelegen, im Niveau von 6275’, der höchste Berg in der Nach-
barschaft 7920° hoch: das Gebirge ist mit Nadelholz und einer immer-
grünen Eiche bewaldet; der Coniferenwald besteht aus 3 neuen 3—
Önadeligen Kieferarten, in der unteren Region aus Pinus Chihuahuana E,,
einem 30 bis 50‘ hohen Baum, über 7000’ treten P. macrophylla E.
von 70° und P. strobiformis E. von über 100’ Hölre an die Stelle, zu-
letzt ein kleiner Arbutus-Baum , das Gesträuch enthält Juniperus und
Thuja, so wie die Rosacee Cowania ; charakteristische Formen der übri-
gen Flora, die grösstentheils neue Arten geliefert hat, sind: Delphi-
nium; Silene; Geranium; Lupinus, Dalea, Phaseolus ; Echeveria ; 9
Cacteen, darunter 4 Echinocerei, 3 Mamillariae, Opuntia, Echitioeaetus;
von Umbelliferen Eryngium; ferner Heuchera ; von Rubinceen Bouvar-
dia; viele Synanthereen, darunter Zinnia, Centauren; sodann Lohelia
mit 3 neuen Arten; Gentiana; Gilia ; Pentstemon, Buchnera, Castilleja;
Archiv f. Naturgesch. XV. Jalırg. 2. Bd. Aa
402 Grisebach: Bericht üb. d. Leistungen in d. geographischen
Eriogonum. — c) Plateau zwischen Chihuahua und Saltillo (29% bis
26° Br.), 4000° bis 5000” hoch, im April und Mai durchreist, endlich
Abhang des mexicanischen Tafellandes nach Monterey (östlicher Pla-
teaurand — 6000‘, Monterey = 1630): dieser Theil des Hochlands wird
charakterisirt durch eine Formation dorniger Gesträuchdickichte,, wel-
che die Landessprache Charparrals nennt und die aus einem Ge-
misch' verschiedenartiger Familien bestehen, namentlich aus Rhamneen,
Celastrineen, Koeberlinia (Junco mex.), Euphorbiaceen, Mimoseen, Zy-
gophylleen (Larrea und Guajacum) , der Rosacee Greggia (s. u.), der
Bignoniavee Chilopsis , Berberis trifoliata Mor., Fouquiera und Yucca;
von Cavteen werden. 8 Arten genannt, von denen 2 auch in Texas ein-
heimisch sind, nämlich Opuntia frutescens und Echinocactus texensis,
ausserdem 3: Echinocerei, 2 andere Echinocacti, 1 Mamillaria, mit de-
nen'auch . blattlose Euphorhien auftreten; von Bäumen wird nur eine
kleine, der neumexicanischen Pinus edulis zunächst stehende P. osteo-
sperma E. erwähnt, welche 10‘ bis 20° hohe Gehölze bei Saltillo
bildet.
Sir R. Schomburgk hat ein Werk über Barbadoes
herausgegeben, worin ein Verzeichniss einheimischer, und
kultivirter Gewächse, so wie ausführlichere Untersuchungen
über die letzteren enthalten sind (A History of Barbados.
London, 1848. 8.). — H. Crueger theilt botanische Notizen
aus Trinidad mit, worin der Vegetalionscharakter dieser In-
sel geschildert wird (Bot. Zeit. 6. S. 745—754.).
Liebmann erläutert die mexicanischen Lykopodiaceen
(Overs. ‚over det danske Vidensk. Selsk. 1847. p. 37—43.):
es kommen vor von Lycopodium 14 sp., Selaginella 19 sp.,
Psilotum 2 sp. ; nur eine Art ist neu.
Ueber die wichtige Reise von Oersted nach Guali-
mala hat Poulson einige vorläufige Nachrichten gegeben
(Bot. Zeit. 6. S. 875—881.).
Der östliche Abhang der Anden von Nicaragua und Costa Rica
(10°—13° N. Br.) ist weniger untersucht worden, weil er fast unbe-
wohnt, von unzugänglichen Urwäldern bedeckt und wegen seines un-
gesunden Klima’s verrufen ist: die Wälder sind reich an Palmen, un-
ter ihnen ist die höchste und schönste Iriartea -exorrhiza Mart. Das
Klima dieser Wälder ist äquatorial: Niederschläge fallen das ganze
Jahr unter dem Einflusse des herrschenden Nordostpassats, der hier
die auf dem karaibischen Meere empfangene Feuchtigkeit verliert. Die
Mitte des Landes bildet unter 10° Br. die 5000‘ hohe Hochebene von
"und systematischen Botanik während des Jahres 1848. ' ' 403
Carthago, über welche diese Wirkung des Passats nicht hinausreicht.
Denn der westliche Abhang von Guatimala hat bekanntlich ein regel-
mässiges Passatklima : in dieser Breite dauert daselbst, die Regenzeit
vom Junius bis zum Oktober. In Folge dessen wiederholt sich hier
unter Savanen die Formation der brasilianischen Catinga’s, lichter Wäl-
der, die in der trocknen Jahreszeit ihr Laub verlieren. Diese Forma-
tion ist auch hier aus sehr verschiedenartigen ‚Baumarten zusammen-
gesetzt, z. B. Inga, Robinia, Bursera, Cupania, Cedrela ‚und. Swietenia,
Bombax und Guazuma, Gardenia, Cordia, Coceoloba : während der Bo-
den des Waldes ein ebenso mannichfaltiges Unterholz 'von \dornigen
Mimoseen, Cassieen, Bromelien, Croton, Solanum und Lantana bedeckt.
Die bemerkenswertheste Beobachtung von Oersted bezieht sich
auf die verschiedene Anordnung der Regionen an der Küste des stillen
Meers und auf dem Plateau des Innern, welche an die vor zwei Jah-
ren entwickelten, analogen Verhältnisse von Sumatra und Java erin-
nert. An der Küste des stillen Meers treten nämlich im Bereiche der
tropischen Region Eichen und Coniferen, so wie in geringer Meeres-
höhe alpine Formen auf, so dass eine raschere Abnahme der Wärme
in den oberen Luftschichten hier, wie an der europäischen Küste, durch
insulare Lage hervorgebracht zu werden scheint. Im Inneren fehlt die
Coniferenregion, die Eichen rücken in ein weit höheres Niveau, ebenso
wie die alpinen Sträucher. Dieses Verhältniss erhellt aus der Verglei-
chung von den beiden Vulkankegeln Viejo und Irasu.
1. Regionen des Viejo, eines unter 13° Br. zwischen dem stil-
len Meere und dem Golf Fonseca zu 5000’ sich erhebenden Bergs: a)
0‘’—1500‘. Tropischer Wald. b) 1500’—2200°. Region der Palme Acro-
comia, untermischt mit Quercus. ec) 2200-3000’. Savane., d) 3000’
—4200'. Region einer Pinus. e) 4200‘-5000’. Region von Agave
mit alpinen Formen, die nicht näher bezeichnet sind,
2. Regionen des Irasu, eines über das Plateau von ‚Cartago
(40° Br.) sich erhebenden, 11000‘ hohen Vulkankegels: a): 0-—6500’.
Tropischer Wald, darin z. B. Laurineen, Anonaceen, Cedrela u..a. b)
6500-—10400’, Eichenregion, wo das Unterholz des Eichenwalds aus
Fuchsia, Baccharis und Eupatorium, Lobelia, Columnea, Cestrum, und
der Vaeciniee Macleania besteht. c) 10400°—11000‘. Region alpiner
Sträucher , namentlich von Gaultheria, Arbutus, Andromeda nebst Spi-
raea argenlea; eine Grasnarbe von Agrostis ist von Alchemilla , Lupi-
nus u, a. begleitet.
Die Beiträge von Klotzsch zur Flora des tropischen
Amerika’s (Jahresb. f. 1844. u. 1847.) sind fortgesetzt wor-
den (Linnaea 21, p. 487—526.): Bearbeilung der Laurineen
von Neesv. Esenbeck.
Ueber die Flora von Venezuela ist ein Kupferwerk von
404 Grisebach: Bericht üb. d. Leistungen in d. geographischen
Karsten begonnen (Auswahl neuer und schön blühender
Gewächse Venezuela’s. Berlin, 1848. 4. Heft1.2.): bis jetzt
12 Tafeln, darauf 1 Capparidee, 1 Tropaeolum, 2 Melasto-
maceen, 1 Eugenia, 1 Gesneriacee, 1 Verbenacee, 1 Aristo-
lochia und 3 Orchideen. — Die Laubmoose der Linden’-
schen Sammlung aus Venezuela hat Müller bestimmt (Bot.
Zeit. 6. S. 761. 779.): darunter 8 neue Arten.
Zu den bedeutendsten Erscheinungen des verflossenen
Jahres gehört das Werk von Rich. Schomburgk über
das britische Guiana, worin ein alle daselbst bis jetzt beob-
achteten Pflanzen umfassendes und mit Fundorten und Blü-
thezeit ausgeslalletes Verzeichniss enthalten ist, welches,
unter Beihülfe von Klotzsch , Nees v. Esenbeck, Bartling, C.
H. Schultz und mir entstanden, als die erste vollständige Ve-
getationsübersicht eines tropischen Landes seit langer Zeit,
einen wichtigen Platz in der botanischen Literatur behauptet:
die neuen Formen werden in Klotzsch’ Beiträgen zur Flora
des tropischen Amerika’s (s. 0.) beschrieben. (Versuch ei-
ner Fauna und Flora von British Guiana. Leipzig 1848. 8.
1260 S. al. tit. Reise in British Guiana von Rich. Schomburgk
III. Theil).
In der Einleitung giebt der Verf. eine Uebersicht des Charakters
von 4 Vegetationsbezirken, in welche er sein Gebiet geographisch ein-
theilt und nach denen auch das Verzeichniss nicht ganz zweckmässig
geordnet ist:
1. Die Küstenregion, welche sich 2 bis 5 geogr. Meilen
oder auch noch tiefer, d. h. so weit der Einfluss des Seewassers auf
die Flüsse wirkt, landeinwärts erstreckt. Längs der Küste und an den
Stromufern herrschen hier die Mangrovewälder, aus Rhizophora, Avi-
cennia, Conocarpus, Laguncularia und Urostigma Miq. gebildet. Wo der
Einfluss der Fluth aufhört, besteht der Urwald dieses Marschbodens
vorzüglich aus Leguminosen, Laurineen, Melastomaceen und Palmen.
2. Die Waldregion folgt den Flüssen Guiana’s bis zum Niveau
von 4000‘ und ruht grösstentheils auf granitischem Boden mit einer
tiefen Dammerde. Wiewohl eine trockene Jahreszeit unterschieden wird,
so verlieren doch dann nur wenige Bäume ihr Laub: dies sind fast aus-
schliesslich Bignoniaceen und Erythroxyleen. Die übrigen Bäume, un-
ter denen die Laurineen,, Leguminosen, Rubiaceen und Euphorbiaceen
am bedeutendsten hervortreten, sind immergrün, wiewohl auch sie mit
und systematischen Botanik während des Jahres 1848, 405
der Regenzeit neu anfangen zu treiben. Unterholz findet sich nur an
den Stromufern; die Lianen, Parasiten und übrigen Schattengewächse
sind die gewöhnlichen Formen tropischen Urwalds.
3. Die Region des Sandsteingebirgs (Roraima) , 3000’
—8000°, mit ununterbrochener Vegetation, die pflanzenreichste Gegend
des Gebiets, durch das Auftreten der Cinchoneen, Proteaceen, Ternstroe-
miaceen, Farnbäume, Vellosien, Ericeen und grosser Erd - Orchideen
charakterisirt.
4. Die Region der Savanen, gegen 350‘—400’ hoch gelegen
und das Innere des Landes begreifend, eine wellenförmig gestaltete
Ebene mit einzelnen Hügelgruppen und granitischen Felsen bis zu 600°
Höhe, von Waldinseln unterbrochen, durch eine scharf gesonderte, trok-
kene Jahreszeit, die vom August bis Mitte April dauert, von den übri-
gen Gebieten unterschieden. Ueber die charakteristischen Pflanzen vgl.
Jahresh. f. 1844. S. 406.
Uebersicht der Flora von britisch Guiana mit Angabe der Gattun-
gen. Gesammtzahl der einheimischen Arten — 3828 (3254 Pha-
nerogamen und 574 Kryptogamen).
1 Ranunculacee (Clematis); 19 Dilleniaceen (Tetracera 8 sp.,
Doliocarpus, Curatella, Davilla 5 sp., Delima); 30 Anonaceen (Xylopia,
Unona, Uvaria, Guatteria 9 sp., Anona 10 sp., Rollinia 5 sp.); 9 Me-
nispermaceen (Cissampelos 7 sp., Trichoa, Abuta); 5 Prosopidoclineen,
eine vonKlotzsch neu aufgestellte Familie (Peridium, Schismatopera,
Lepidocroton); 2 Myristicae; 1 Cabomba; 5 Nymphaeaceen (Nelum-
bium, Nymphaea, Victoria); 1 Sarraceniee (Heliamphora); 10 Cappari-
deen (Gynandropsis, Crataeva, Cleome 5 sp., Physostemon, Singana);
5 Bixaceen (Bixa, Banara, Carpotroche); 20 Caseariae; 15 Violaceen
(Noisettia, Jonidium, Corynostylis, Alsodeia 9 sp.); 5 Sauvagesiae; 3
Droserae ; 32 Polygaleen (Polygala 16 sp., Badiera, Securidaca 9 sp.,
Bredemeyera, Krameria); 6 Trigoniae; 2 CGaryophylleen (Drymaria, Po-
Iycarpaea) ; 9 Portulaceen (Portulaca, Sesuvium, Talinum, Mollugo); 2
Phytolacceen (Microtea, Phytolacca); 43 Malvaceen (Urena, Pavonia
11 sp., Hibiscus 7 sp., Paritium, Sida 14 sp., Gaya, Malachra, Abuti-
lon); 13 Stereuliaceen (Pachira, Bombax, Eriodendron, Myrodia, Heli-
eteres, Stereulia); 33 Byttneriaceen (Theobroma , Herrania, Byttneria
6 sp., Guazuma, Pentaceres, Ayonia, Waltheria 6 sp., Melochia 13 sp.,
Ridlea); 36 Tiliaceen (Dasynema, Sloanea 5 sp., Ablania, Apeiba 6 sp.,
Corchorus 6 sp., Mollia 6 sp., Lühea, Triumfetta 6 sp., ‘Vanta-
nea); 30 Ternstroemiaceen (Cochlospermum, Ternstroemia 10 sp., Lett-
somia, Laplacea, Bonnetia, Catostemma , Caraipa 7 sp., Mahurea, Ar-
chytaea, Kielmeyera, Ochtocosmus, Godoya); 7 Olacineen (Ximenia,
Heisteria, Pogopetalum, Liriosma, Olax); 8 Hypericineen (Vismia); 32
Guttiferen (Tavomitia 5 sp., Havetia, Quapoya 8 sp., Clusia 12 sp,
Arrudea, Renggeria, Moronobea, Gareinia, Calophyllum); 6 Maregraa-
viaceen (Maregraavia, Norantea, Ruyschia) ; 9 Hippoerateaceen (Hippo-
406 Grisebiach:) Bericht üb. d. Leistungen-in .d. ‘geographischen
eratea: 6 sp., ‚Tontelea, 'Salacia);. 70 Malpighiaceen (Malpighia, Byr-
sonima 18 sp:,. Coleostachys, Plerandra, Spachia, Blepharandra, Buncho-
sia, Brachypteris, Lophopteris , Stigmaphyllon 9.'sp.,, Banisteria 6 sp.,
BHeteropteris 8 sp., Tetrapteris 10 sp., Hiraea ‚8sp., Camarea); 14 Ery-
throxyla ; 6. Rhizoboleen (Caryocar 5 sp. , Anthodiscus); 46 Sapindaceen
(Cardiospermum, ‚Urvillea, Serjania 5 sp., Toulicia, Paullinia 7 sp., Sa-
pindus, Matayba, Schmidelia, Cupania 8 sp., Talisia, Thouinia, Ophio-
caryon, Dodonaea, Lasianthemum, Lamprospermum, Koernickea, Mono-
pteris); 9 Humiria ; 19 Meliaceen (Trichilia 7 sp., Moschoxylon, Guar-
rea.9 sp., Carapa) ; 2 Cedrelae; 10 Cissi; 3-Oxalides; 1 Guajacum;
6,Diosmeen (Galipea, Ticorea, Monniera); 3 Zanthoxyla;.6 Simarubeen
(Quassia, Picraena, Simaba); 12 Ochnaceen (Elvasia, Hosimannia, Kunz-
mannia, Sclerosia, Gagernia, Gomphia 7 sp.).
4 Celastrineen (Goupia, Maytenus, Stachyanthemum);; 10 Ilicesz
» 1 Rhamnee (Gouania); 3Homalia; 3 Chailletiaceen (Chailletia, Tapura);
8 Terebinthaceen (Anacardium, Spondias 7 sp.) ; 13 Burseraceen (leica
9 .sp., Bursera, Trattinickia, ‚Pieramvia); 1 Amyris; 10 Connaraceen
(Connarus, Omphalobium 8 sp.); 382 Leguminosen (26 Loteen:
Crotalaria 11 sp-, Indigofera , Lonchocarpus 6 sp., Sesbania, Tephrosia
7.sp.; ‚48. Hedysareen: Zornia, Stylosanthes‘ 6. sp., Aeschynomene
14:sp., Nicolsonia, ‚Desmodium 19 sp., Alysicarpus; 53 Phaseoleen:
Clitoria, Neurocarpum, ‚Macrotrullion, Centrosema 7 sp-, Stipellaria, Ga-
lactia, Stenolobium,, Collaea, Dioclea, Canavalia, Cymbosema, Mucuna,
Erythrina, Phaseolus 7 sp., Dolichos 5 sp., Vigna, Eriosema 6 sp.,
Rhynchosia, Abrus; 42 Dalbergieen: Amerymnum, Ecastaphylinm, Mou-
touchia, Amphymenium 8sp., Drepanocarpus 6 sp., Machaerium 5:'sp.,
Centrolobium, Geoffroya, Trioptolemea, Deguelia, Andira 5 sp., Dipte-
ryx, Müllera, Pterodon, Vataiera; 8 Sophoreen: Bowdichia , Ormosia,
Myrospermum,. Diplotropis, Bollea, Alexandra; — 45 Caesalpinieen:
Leptolobium, Haematoxylon, Cassia 43 sp.; 17 Swartzieen: Martia,
Swartzia 14 sp., Aldina, Desteria; 26 Amherstieen: Brownea, Elisabe-
tha, Eperua, Parivoa, Campsiandra , Heterostemon,, Tachigalia,, Outea,
Vouapa 5 sp., Rodschiedia, Hymenaea, Peltogyne ; 10.Bauhinieen: Bau-
hinia‘, Schnella 6. sp., Etaballia; 17 Cynometreen: Cynometra 6 sp.,
Crudya 5 sp., Dialium, Palovea, Copaifera, Amorphocalyx; 3 Dimor-
pbandreen: Mora, Dimorphandra; — ‚87 Mimoseen: Pentaclethra, En-
tada, Piptadenia, Neptunia, Desmanthus, Mimosa 12 sp., Schrankia,
Acacia, Calliandra,, Picetholobium 14 sp., Inga 36 sp.); 48 Chrysoba-
laneen- (Parivarium, Moquilea..6 sp., Chrysobalanus, Hirtella 16 ‘sp., Li-
cania 20, sp.); 1.Rubus ;.18 Combretaceen (Bucida, Termivalia, Cono-
carpus , Laguneularia, ‚Combretum 10 sp., Cacoucia); 16 Vochysiaceen
(Qualea, Vochysia 9;sp-, Lightia, Erisma); 3 Rhizopboreen (Rhizophora,
Cassipourea); ‚17 Onagrarien (Jussieua); 10 Lythrarieen (Cuphea 5 sp.,
Maja, Crenea, Dodecas, Ginoria); 126 Melastomaceen (Tibouchina,
Chaetogastra 8 sp., Macairea 5 sp., Microlieia 6 sp., Comolia, Marce-
Ze
und systematischen Botanik während: des ‚Jahres 1848. 407
tia, Leiostegia, Spennera 13 sp., Salpinga, Rhynchanthera 5 sp., Meiss-
neria, Cambessedesia, Münteria, Jucunda, Diplochita 5 sp., Maieta, Os-
saea, Tococa 7 sp., Henriettea, Clidemia 19 sp., Loreya, Miconia 32 sp.,
Blakea , Karstenia, Phyllopus, Decarrhaphe, Chaenopleura) ; 2 Mouri-
riae; 63 Myrtaceen (Campomanesia, Psidium 7 sp., Myrtus, Myrcia
13 sp., Calyptranthes , Eugenia 25 sp., Gustavia, Catinga', Couponi,
Couratari, Lecythis 7 sp., Courouptia, Bertholletia);: 2 Nhandirobeen
(Feuillea); 7 Cucurbitaceen (Sieyos, Anguria, Trichosanthes, Melothria);
43 Passilloreen (Patrisia, Cieca 5sp., Dysosmia, Decaloba 13 sp., Pas-
siflora 11 sp. „ Tacsonia, Distephana 6 sp. , Astrophea, Murucnja); 18
Turneraceen (Turnera 15sp., Piriquela); 1 Mesembryanthemum; 10 Cacteen
(Melocaetus, Cereus 5 sp., Phyllocaclus, Rhipsalis);; Saxifrageen (Wein-
mannia); 2 Umbelliferen (Hydrocotyle, Eryngium); 1 Panax; 1 Cornee
(Votomita); 35 Loranthaceen (Viscum 9sp., Struthanthus 22 sp., Psit-
tacanthus, Gaiadendron).
176 Rubiaceen (Borreria 9 sp., Spermacoce , Diodia 5 sp:,
Richardsonia, Mitracarpum, Perama, Geophila, Cephaelis 15 sp., Cara-
pichea, Palicourea 7 sp., Psychotria 26 sp., Coffea 8sp.; Faramea 10:sp.,
Chomelia, Ronabea, Coussarea, Chiococea, Declieuxia, Siderodendron,
Guettarda, Malanea, Nonatelia, Commianthus, ‚Cordiera, Sabicea, Evos-
mia, Brignolia, Alibertia, Patima, Isertia, Gonzalea, ‚Retiniphyllum, En-
dolithodes, Oldenlandia, Sipanea, Rondelelia, Aspidanthera, Calycophyl-
lum, Cosmibuena, Contarea, Remijia, Ladenbergia, Uncaria , Coccoey-
pselum, Bertiera, Randia, Gardenia, Genipa, Possoqueria, Tocoyena,
Amajoua 5 sp., Sphinctanthus) ; 104 Synanthere en (23. Vernonia-
ceen: Sparganophorus, Pacourina, Oliganthes, Vernonia 11 sp. , Cen-
tratherum, Elephantopus, Elephantosis, Distreptus, Trichospira, Pectis;
35 Eupatoriaceen: Coelestinia, Ageratum , Ooclinium, -Hebeclinium,
Campuloclinium, Eupatorium 13 sp., Mikania 16 sp.; ‚7 Asteroideen:
Conyza, Baccharis, Pterocaulon, Eclipta; 36 Senecionideen: Riencour-
tia, Latreillia, Clibadium, Unxia , Acanthospermum, Ambrosia ,: Lipo-
chaete, Verbesina, Spilanthes‘, Synedrella „.Wedelia ,‚ Calea,;; Wulfia,
Trinchinettia, Bidens, Porophyllum , Achyroeline, Gnaphalitum ; 3 Muti-
siaceen: Dermatophyllum, Gongylepis, Leria); 2 Lobeliaceen (Centro-
pogon, Lobelia); 16 Gesneriaceen (Rytidophyllum, Gesneria, Besleria,
Columnea, Alloplectus, Tussacia, Episcia, Centrosolenia); 12. Ericeen
(Gaultheria, Thibaudia, Vaceinium, Hughsia, Befaria,, Beckerathia).
19 Lentibularieen (Utrieularia 17 sp-, Polypompholix);..1% Myr-
sineen (Myrsine , Grammadenia, Conomorpha ,„‚Arindellia , Cybianthus,
Badula, Weigeltia, Icacorea,. Ardisia); 1 Theophrastee (Olavija); 16
Sapoteen (Chrysophyllum 8 sp., Pouteria, Sideroxylon 5. sp., Mimusops) ;
1 Ebenacee (Diospyros);, 5 Styraceen (Symplocos, Styrax); 77 Apo-
eyneen (Allamanda, Couma, Pacouria, Hancornia, Rauwollia, Thevetia,
Bonafousia, Odontadenia, Pesquiera, Tabernaemontana 10 sp-, Plumiera,
Malouetia 6 sp., Thyrsanthus, Cameraria, Aspidosperma, Anisolobus,
408 Grisebacht Bericht üb. d. Leistungen in d. geographischen
Haemadictyon, Prestonia, Forsteronia 6 sp., Echites 25 sp., Dipladenia);
21 Asclepiadeen (Metastelma 6 sp. , Orthosia, Sarcostemma, Asclepias,
Telesilla, Hygaea, Olympusa, Tassadia, Gonolobus, Macroscepis, Chryso-
themis); 17 Loganiaceen (Spigelia 5 sp., Strychnos 5 sp., Rouhamon,
Bonyunia, Pagamea, Antonia, Potalia); 30 Gentianeen (Contoubea,
Schultesia 6 sp. , Lisianthus 8 sp., Irlbachia, Tachia , Voyria 8 sp.,
Leiothamnus, Limnanthemum) ; 40 Bignoniaceen (Bignonia 17 sp., Mac-
fadyenia, Lundia, Arrabidea, Picethoctenium, Jacaranda, Spathodea, Zey-
heria, Tabebuia 10 sp., Crescentia); 2 Hydroleae; 47 Convolvulaceen
(Maripa, Lysiostylis, Rivea, Dieranostylis, Quamoclit, Batatas, Pharbi-
tis, Ipomoca 19 sp., ‘Aniseia, Bevostia, Evolvulus 6 sp., Cuscuta, Mou-
roucoa) ; 33 Boragineen (Cordia 17 sp., Tournefortia 11 sp., Heliotro-
pium, Heliophytum); 23 Solaneen (Solanum 21 sp., Physalis); 2 Ce-
stra; 29° Scrophularineen (Schwenkia, Brunfelsia, Angelonia, Beyrichia,
Stemodia, Herpestes, Bacopa, Vandellia, Ilysanthes, Mieranthemum, Di-
gomphia, Alectra, Conobea, Gratiola, Torenia, Capraria, Scoparia, Buch-
nera, Gerardia); 28 Acanthaceen (Mendoucia,, ‘Hygrophila, Crypbiacan-
thus, Stemonacanthus, Arthroxylon, Dipteracanthus, Trichanthera, Telio-
stachya, Aphelandra, Thyrsacanthus, Rhytiglossa, Leptostachya, Belope-
rone, Dicliptera); 35 Verbenaceen (Tamonea, Stachytarpha, Lippia,
Lantana, Citharexylon, Petrea, Volkameria, Clerodendron, Aegophila
6 sp., Amasonia, Vitex, Avicennia) ; 18 Labiaten (Marsupianthes, Hy-
plis 13 sp-, Leonurus, Leonotis) ; 1 Plantago.
21 Polygoneen (Polygonum, Coccoloba 13 sp., Triplaris, Symme-
ria, Ruprechtia) ; 8 Nyctagineen (Boerhavia, Pisonia 5 sp.); 15 Ama-
rantaceen (Iresina, Alternanthera, Buchholzia, Sertürnera, Hebanthe,
Philoxerus, Achyranthes, Desmochaeta, Pupalia, Amarantus, Chamis-
soa), 1 Chenopodium; 26 Laurineen. (Mespilodaphne, Acrodiclidium,
Aydendron 5 sp., Nectändra 6 sp., Dieypethium, Aionea , Goepperlia,
Oreodaphne 7 sp. , Cassyta); 2 Thymelaeen (Lasiadenia , Goodallia) ;
8 Proteaceen (Andripetalum, Rhopala 6 sp.); 5 Aristolochiae; 61 Pi-
peraceen (Acrocarpidium, Peperomia 12 sp., Heckeria, Nematanthera,
Arthante 44 sp.); 1. Chloranthee (Hedyosmum); 87 Euphorbia-
ceen (Euphorbia 8 sp., Dalechampia 5 sp., Maprounea , Hippomane,
Dactylostemon, Güssonia,, Adenogyne, Stillingia, Microstachys, Tragia, _
Conceveiba, Omphalea, Traganthus, Alchornea, Mabea , Siphonia, Cro-
ton 11 sp., Astraea , Bartramia, Caperonia 6 sp., Jatropha, Cnidosco-
lus, Asterocroton, Maerocroton, Palamostigma, Geisleria, Brachystachys,
Podostachys , Asterandra, Phyllanthus 13 sp. , Podocalyx, Discocarpus,
Amanoa); 3 Lacistemae; 25 Urticeen (Urtiea 6 sp., Sponia, Brosimum,
Pourouma, Ceeropia,, Coussapoa, Olmedia, Urostigma 7 sp. , Pharma-
cosycea); 7 Podostemeen (Ariadnea, Podostemon, Mniopsis, Lacis, Ario-
ristia, Mouera) ; 1 Ceratöphyllum ; 1 Gnetacee (Thoa).
58 Palmen (Chamaedorea , Hyospathe, Leopoldinia, Euterpe,
Oenocarpus, Triarten, Mauritia, Lepidocaryum, Geonoma 12 sp, Mani-
und 'systemalischen Botanik während’des Jahres 1848; | 1") 409
caria, Desmonius, Bactris 10 sp. , Guilelma, Martinezia, Acrocomia,
Astrocaryum 7 sp., Attalea, Elaeis, Maximiliana); 3 Pandaneen (Car-
ludovicea , Cyelanthus); 2 Typhaceen (Typha, Sparganium) ; 40 Aroi-
deen (Lemna, Pistia, Arisaema , Colocasia, Caladium, Xanthosoma,
Acontias, Philodendron 7 sp., Dieffenbachia, Monstera, Anthurium 14 sp.,
Spatiphyllum, Dracontium); 7 Alismaceen (Alisma , Sagittaria 6 sp.);
3 Butomeen (Hydrocleis, Limnocharis) ; 3 Hydrocharideen (Udora, Lim-
nobium); 214 Orchideen (19 Malaxideen: Pleurothallis 11 sp.,
Specklinia, Physosiphon , Octomeria, Stelis, Liparis, Bolbophyllum; 45
Epidendreen: Epidendron 36 sp., Diothonea , Isochilus, Brassavola,
Cattleya, Schomburgkia ; 123 Vandeen : Aspasia, Ornithidium, Trizeu-
xis, Ornithocephalus, Trigonidium, Aganisia, Maxillaria 16 sp., Tricho-
centron, Bifrenaria, Batemannia , Scaphyglottis 6 sp., Dierypta, Cyeno-
ches, Myanthus, Catasetum 6 sp. , Monachanthus, Stanhopea, Houlletia,
Gongora, Coryanthes, Peristeria, Cymbidium, Galeandra, Zygopetalum,
Cyrtopodium, Notylia, Masdevallia, Jonopsis, Rodriguezia, Burlingtonia,
Macradenia, Oneidium 12 sp., Fernandezia,, Dichaea , Odontoglossum,
Brassia 6 sp. , Angraecum, Promenaea, Huntleya, Pseuderiopsis; 7
Ophrydeen: Habenaria 5 sp. , "Bonatea; 10 Arethuseen : Cleistes , Po-
gonia, Sobralia, Epistephium, Vanilla; 7 Neottieen: Neottia,, Spiran-
thes, Stenorhynchus, Goodyera ; 3 Cypripedia); 11 Zisgiberaceen (Re-
nealmia, Uostus 6 sp., Allucia); 25 Cannaceen (Thalia, Maranta 10 sp.,
Phrynium, Calathea, Thalianthus, Myrosma, Canna); 10 Musaceen (Heli-
conia 8 sp., Phenakospermum, Ravenala); 5 Burmanniaceen (Burman-
nia, Dietyostega); 4 Irideen (Sisyrinchium, Cipura) ; 21 Amaryllideen
(Crinum 5 sp., Amaryllis, Hippeastrum, Hymenocallis 7 sp., Bomarea,
Agave, Fourcroya); 27 Bromeliateen (Ananassa, Bromelia 6 sp. , Pit-
eairnia, Bilbergia 5 sp., Tillaudsia 10 sp., Encholirium, Puya); 1 Vel-
loziee (Barbacenia); 4 Haemodoraceen (Xiphidium, Troschelia, Nietne-
ria); 2 Hypoxides; 10 Pontederiaceen (Heteranthera 5 sp., Pontedera,
Eichhornia); 10 ‘Smilaces ; 9 Dioscoreen (Rajania, Dioscorea 8 sp.); 1
Melanthacee (Isidrogalvis); 6 Rapateaceen (Rapatea, Spatanthus , Sa-
xofridericia, Stegilepis) ; 17 Conimelineen (Commelina 7 sp., Callisia,
Anileima, Dithyrocarpus, Tradescantia, Campelia , Dichorisandra); 13
Xyrideen (Xyris 11 sp., Abolboda) ; 1 Mayaca ; 19 Eriocauloneen (To-
nina, Paepalanthus 15 sp., Eriocaulon); 120 Cyperaceen (Cyperus
33 sp., Mariscus, Kyllingia 5 sp., Leptoschoenus, Remirea, Eleocharis
8 sp., Seirpus, Eriophorum, Kuirena, Isolepis 6 sp., Oxycarpum, Holo-
schoenus; Fimbristylis 8 sp., Hemicarpha, Trichelostylis, Abildgaardia,
Hypolytrum, Mapania, Diplasia, Diehromena 9 sp. , Psilocarya, Rhyn+
chospora 8 sp., Acrocarpus, Lagenocarpus, Hymenolytrum, Scleria14 sp.,
Beequerelia , Calyptrocarya); 105 Gramineen (4 Oryzeen: Luziola,
Pharus, Leersia, Oryza ; 70 Paniceen: Paspalum 12 sp., Olyra, Eriochloa,
Panicum 37 sp., Isachne, Oplismenus, Setaria, Pennisetum, Cenchrus,
Echinolaens, Aristida; 3 Agrostideen: 'Sporobolus ; 1. Arundince : Gy-
410 Grisebach: Bericht üb. d. Leistungen in d. geographischen
nerium ; 10 Chlorideen : Cynodon, Dactyloctenium, Chloris, Leptochloa
5 sp., ‚Eleusine, Spartina; 6 Festucaceen: Poa,Orthoclada, Arundinaria,
Guadua, Zeugiles; 4 Tiiticee: Pariana;. 10° Saeccharineen : Saccharum,
„Andropogon 7 sp.).
228 Farne (30 Hymenophyllaceen: Feea, Hymenostachys, Tri-
chomanes 16 sp., Neurophyllum, Didymoglossum, Hymenophyllum, Sphae-
rocionium; 3 Marattiaceen: Danaea; 3 Ophioglossa; 6 Schizaeaceen ;
Actinostachys, Schizaea 5 sp.; 5 Aneimiae; 5 Lygodia ; 6 Mertensiae;
11 Cyatheaceen:: Üyathea, Hemitelia‘, Alsophila 8 sp.; 1 Dicsonia ; 1
Davallia; 22 Lindsaeae ; 30 Adiantaceen: Adiantum 10 sp; , Hypolepis,
Pteris 7 sp., Doryopteris, Lomaria,: Salpiglaena, Blechnum 6sp.; 9 As-
plenia ; 15 Aspidieen : Nephrolepis, Aspidium 12 sp. ;: 81 Polypodiaceen::
Ampbidesmium, Polypodium 35 sp., Mecosorus , (Gymnogramma, Menis-
cium, -Antrophyum, Hemionitis, Acrostichum 26 sp-, Polybotrya, Taeni-
tis, Viltaria, Xiphopteris; 21 Lykopodiaceen (Lycopodium 11 sp., Se-
laginella 10 sp.); 58 Laubmoose (Octoblepharum , Hydropogon, Cry-
ptangium,, Hookeria, ‚Macromitrium, Schlotheimia, Dieranum, Bryum,
Leucobryum, Bartramia, Calymperes 5 sp., Polytrichum, Pterigynandrum,
Neckera 6 sp., Leskea, Hypnum 8 sp., Drepanophylium, Phyllogonium,
Fissidens 9 sp., Sphagnum); 54 Lebermoose (Plagiochila 10 ‚sp., Jun-
germannia , Mastigobryum, Micropterygium, Radula, Phragmicoma, Le,
jeunia 24 sp., Frullania.10 sp., Aneura, Metzgeria); 104 Lichenen
(Usnea, Ramalina, Stieta, Parmelia 8 sp., Collema, Coenogonium, Cia-
donia.8'sp., Biatora, Lecidea, Ustalia, l,ecanactis ,. Opegrapha 8 sp.,
Fissurina, Graphis, Medusala, Glyphis, Sagedia,, Pertusaria, Thelotrema,
Pyrenastrum , Verrucaria 22 sp., Astrothelium , Trypethelium 10 sp.);
96 ‚Pilze (Agarieus 6 sp., Coprinus, Lentinius 10 sp., Merulius, Schizo-
phyllum, Lenzites, Polyporus 23sp., Trametes, Daedalea, Favolus, The-
lephora, Stereum, Clavaria, Calocera , Exidia, Peziza , Hysterium, Sti-
etis, Sphaeria 17 sp., Dothidea, Meliola, Asteroma, Acospora, Phoma,
Antennaria); 13 Algen (ohne bestimmten Charakter).
Uebersicht der eingeführten Nutzgewächse, mit, Ausschluss der
gleichfalls von Schomburgk aufgezählten: Zierpflanzen: Anona mu-
ricata (Sour Sop Tree), A. palustris (Aligator Apple), A. squamosa
(Sugar Apple), A, reticulata (Custard Apple), und. A. glabra ; Crataeva
gynandra (Garlick Pear); Hibiscus, esculentus (Ockra), Gossypium her-
baceum (Bollard Cotton), G. hirsutum (Sea island C,), G. vitifolium und
barbadense, (Small Cott. Tree); Theobroma Cacao, (Chocolate Nut Tree);
Citrus 5 sp. Risso, ©. decumana (Shaddok Tree), C. Hystrix. (Grape
Fruit Tree), ©. buxifolia (Forbidden Fruit Tree), Triphasia.trifoliata
(Myrtle Lime) ; Gareinia Mangostana, Mammea americana (Mammee iree),
Calophylium Calaba (Bastard Mammee) ; Melicocca bijuga (Honey Berry);
Vitis vinifera; Anacardium oceidentale (Cashew Tree), Mangifera in-
dica (East India Mango Tree), Spondias purpurea (Jamaica Plum), Sp-
dulcis (Golden Apple); Indigofera Anil, Arachis hypogaea (Ground nut),
und systematischen Botanik während des Jahres 1848. 411
Phaseolus 4 sp., Lablab 2 sp., Cajanus indicus (Pigeon Pea Tree),
Tamarindus indica; Terminalia Catappa (Almond Tree) ; Psidium po-
miferum und pyriferum (Guava,Tree), Eugenia ligustrina (Black Cherry),
E. Pimenta, Jambosa vulgaris, Grias cauliflora (Anchove Pear) ; Cucu-
mis 2 sp., Cucurbita 2sp., Trichosanthes anguina (Sweet Gourd) , Se-
chium edule (Christophine), Momordica 2 sp., Luffa aegyptiaca; Carica
Papaya (Pawpaw Tree) ; Apium, Daucus ; Coffea arabica ; Chrysophyl=
lum Cainito (Star Apple), Ch. glabrum (Damacen Tree), Sapota Achras
(Sapadilla Tree), Bumelia nigra (Bastard Bully), Dipholis salicifolia
(White Bully) ; Sesamum indieum und oceidentale (Oil plant); Batatas
edulis (Sweet Potatoe); Lycopersicum, Caspicum 7 sp.; Basella cor-
difolia (Calalue); Cinnamomum zeylanicum (Cinnamom Tree), Persea
gratissima (Avigato Pear); Manihot utilissima (Cassada), M. Janipha
(Sweet Cassada), Ricinus communis (Negro Oil), Cieca disticha (Ola-
heite Gooseberry); Artocarpus incisa (Bread Nut), A. integrifolia |(Jaca
Tree. — Oreodoxa oleracea (Cabbage Tree), O.regia, Rhapis fabelli-
formis (Dwarf Tree), Elaeis guineensis (Palm-oil Tree), Cocos ; Co-
locasia esculenta (Scratch Cocco Eddas), C. nymphaeifolia (Indian Cale) ;
Zingiber officinale, Maranta arundinacea; Musa paradisiaca (Plantain
Tree), M. sapientum (Banana Tree), M. chinensis (Dwarf Plantain);
Dioscorea alata, aculeata und sativa (Yam), D. bulbifera (Grenada Yam) ;
Zea Mays, Bambusa arundinacea, Saccharum, Andropogon Sorghum.
Bentham hat die Bearbeitung der Schomburgk’schen
Pflanzen wieder aufgenommen und benutzt zu seiner Arbeit
jetzt auch Sammlungen aus dem holländischen und französi-
schen Guiana (Lond. Journ. of Bot. 7. 116—137.): der vor-
liegende Abschnitt enthält die Malpighiaceen (74 sp.).
Beiträge zur Flora von Surinam : Fortsetzung von de
Vriese’s Arbeit über Splitgerber's Nachlass (s. vor. Jah-
resb.) (Nederl. kruidk. Arch. I. p. 314—355.): Bestimmung
der Pflanzen aus beinahe 40 Familien, mit,neuen Arten von
Lentibularieen (3), Ebenaceen (1), Malvaceen (5) , Boragi-
neen (1), Verbenaceen (1) und Acanthaceen (1); Focke
botanische Briefe aus Surinam (Tydschr. voor Wetenschap.
Deel I. p. 209— 212. Amsterdam, 1848.): darin zwei neue
Gallungen von Orchideen (s. u.); von verschiedenen Ver-
fassern Plantae Kegelianae surinamenses (Linnaea, 21. p. 181
—254.): darin von Meisner 83 Leguminosen (6 sp. neu),
Schauer 10 Myrtaceen (2 n.), ©. H. Schultz 23 Synan-
thereen, Nees v. Esenbeck 8 Acanthaceen, Schauer 10
412 Grisebach: Bericht üb. d. Leistungen in d. geographischen
Verbenaceen, Nees 7 Laurineen, Meisner 8 Polygoneen (2 n.),
von mir 6 Amaryllideen (1 n.), 1 Haemodoracee, 2 Dios-
coreen (1 n.), 1 Smilacee, 2 Liliaceen, 2 Rapateaceen, 1
neue Xyridee, 1 Alismacee, 1 Nymphaeacee, vonKunze 103
Farne (3 n,) und 2 Rhizospermen, Müller 34 Laubmoose
(14 n.); Fortsetzung von Miquel’s Beiträgen zur Flora von
Surinam (s. Jahresb. f. 1846.) (Linnaea, 21. p. 473—479.):
die Euphorbiaceen enthaltend, mit 2 neuen Arten.
Die Reise von Gardner in Brasilien (Jahresbericht
f.. 1846.) , jetzt in deutscher Bearbeitung erschienen (2 Bde,
Dresden, 1848. 8. 298. u. .374.8.), enthält die allgemeine
Schilderung der Vegetationsverhällnisse von Rio, Minas Ge-
raes, einem Theil von Goyaz, Piauhy und Ceara, die zu den
älteren Darstellungen von v. Martius und Andern wenig
Neues hinzufügen: doch sind die Nachrichten über die kli-
matischen Verhältnisse Brasilien’s nicht ohne Interesse.
Durch die Lichtung der Wälder hat sich das Klima der Gegend
von Rio Janeiro in neuerer Zeit bedeutend verändert : früher regnete es
fast das ganze Jahr hindurch, jetzt ist die Feuchtigkeit in solchem Grade
verringert, dass die Regierung die weitere Ausroltung der Bäume auf
dem Corcovado-Gebirge untersagt hal; seitdem beginnen die regelmäs-
sigen Regengüsse im Oktober und dauern bis Ende April, es fehlt je-
- doch auch in den übrigen Monaten nicht an Niederschlägen (1. S. 14.).
— Auch auf den Campo’s von Goyaz (11°S. Br.) dauert die Regenzeit
von Anfang Oktober bis April (2. S. 107.), während unweit der See-
küste von Pernambuco (9 S. Br.) die Niederschläge in der entgegen-
geselzten Jahreszeit fallen (Mitte April bis Mitte August) (1. $. 178.).
Den Vegetationscharakter der Campo’s von Piauhy und von Goyaz
unterscheidet Gardner in folgenden Zügen: das östliche Piauhy ist
durch die Campos Mimosos bezeichnet, welche Catinga’s und im Rasen
zahlreiche, jährige Gräser besitzen, der westliche und mittlere Theil
dieser Provinz durch die Campos agrestes, wo die Rasen höher und
perennirend sind und die Bäume einzeln stehen : aber das Laub fällt
auch hier in der trockenen Jahreszeit ab, ausgenommen bei einem im-
mergrünen Zizyphus (Joazeira); in den Campos der Hochlande von
Goyaz stehen die Rasen einzeln, die Zwischenräume werden ‚durch
mannichfaltige Sträucher (Diplusodon und Kielmeyera) und schön blü-
hende Stauden (Gentianeen) ausgefüllt, auch sind die Bäume der Savane
eigenthümlich z. B. die Vochysiaceen Qualea, Salvertia, Vochysia, die
Leguminose Commilobium, die Vernoniacee Albertinia.
und systematischen Botanik während des Jahres 1848. : : 413
Auch A. Saint-Hilaire hat jetzt seine Reise in Goyaz
@s. vor. Jahresb.) in vollständiger Bearbeitung herausgege-
ben (Voyage dans la province de Goyaz. 2 Vol. 8. Paris,
1848.). — Tulasne’s Arbeit über neue Leguminosen aus
Brasilien (Archiv. du Museum, 4. p. 65—196.) enthält die
Beschreibungen von beinahe 80 Arten.
Taylor hat neue Moose vom Pichincha in Quito, wel-
che Jameson gesammelt, beschrieben (Lond. Journ, of Bot. 7.
p. 187—199. u. 278—285.): 32 Laubmoose , 6 Lebermoose,
auch zum Schluss ein Baeomyces.
Eine Zusammenstellung der ‚botanischen Nachrichten
über die Länder an der Maghellans - Strasse ist von Rein-
wardt erschienen (Tijdshr. voor Wetenschappen. Deel 2.
p- 33 —47.).
V. Australien und oceanische Inseln.
Mitchell’s Entdeckungsreise in Australien enthält Ver-
zeichnisse der gefundenen Pflanzen und ist durch die Diagno-
sen der neuen Arten (etwa. 140 sp.) bereichert (Journal of
an expedition into the interior of tropical Australia. London,
1848. 437 pag. 8.)
Mitchell versuchte im Jahr 1846 in einem grösseren Abstande
von der Ostküste, als Leichhardt, von Sidney nach dem Golf von
Carpentaria zu gelangen (unter 1650—166° O0. L. von Ferro) : allein,
wiewohl er den Wendekreis glücklich erreichte, war er doch bald dar-
auf (unter 21° S. Br.) genöthigt umzukehren, worauf er noch tiefer
im Nordwesten den wichtigen, wahrscheinlich in den Golf mündenden
Fluss Victoria (24° Br. und 163° L.) entdeckte. Die Wasserscheide
zwischen den nach Norden und südwärts zum Darling fliessenden Ge-
wässern bildet eine von West nach Ost streichende Gebirgskette, die
sich im Gipfel Pluto zu 2420‘ erhob. Der Charakter des neu entdeckten
Theils von Australien zwischen dem Darling und Victoria weicht nicht
wesentlich von dem anderer Landschaften des Kontinents ab: Waldsavanen
waren vorherrschend, doch auch der Scrub , der häufig aus Callitris be-
stand, verzögerte nicht selten die Reise, die gleich Anfangs durch Was-
sermangel sehr erschwert wurde. An den Nebenflüssen des Darling,
dem Bogan und Macquarie , so wie an den von Norden kommenden
waren die Marschen allgemein salzhaltig: Halophyten aus der Kamilie der
Chenopodeen treten in Folge dessen auf, deren Genuss die Rindviehzucht
414 Grisebach: Bericht üb. d: Leistungen in d.'geographischen
begünstigt. Eine derselben, die Rhagodia esculenta Br. (Salt-bush der
Squatter) enthält in ihren, Blättern 5. Procent an salzigen Bestandthei-
_ len: andere häufige Formen sind Salsola australis, Kochia, Auriplex,
Auch Polygonum junceum ist eine socielle Pflanze dieser Ebenen, Pa-
nicum laevinode ein gutes Futtergras. — In der Gegend der Wasser-
scheiden (25° Br.) wurde ein merkwärdiger Baum mit flaschenförmig
angeschwollenem Stamm (p. 154. Taf.) angetroffen, der den Habitus
der brasilianischen Chorisia ventricosa Ns. wiederholt und ebenfalls
zu den Sterculiaceen gehört, unter denen er die neue Gattung Delabe-
chea bildet: dieser an die nahe verwandten Bombaceen erinnernde
Typus unförmlicher Stammverdickung steht demnach ebensowohl in Au-
stralien wie in Südamerika mit dem Savanenklima in Beziehung.
Uebersicht der neuen Pflanzen von Mitchell, die grössten-
theils von Lindley und Hooker beschrieben werden : Pleuran-
dra‘; 2 Capparis *; Melicylus ; Comesperma '*; 2 Pittosporum 1*, Bur-
saria. *;:2 Frankenia *; 2 Calandrinia; Hibiscus, 3 Sida; Delabechea
(25°—27'/,° Br.); Keraudrenia *; Triphasia; 10 Dodonaea, wovon 9*,
demnach die charakteristische Pflanzenform der Wasserscheiden; 2 Bo-
ronia *, Eriostemon *, 3 Geijera 2*, Pilotheca *, Phebalium, Zieria;
Catha, Elaeodendron; Ventilago; 7 Acacia 5 *, Aotus *, Bossiaea ®,
3.Cassia 1 *, 2 ‚Crotalaria, Cyclogyne, Daviesia, Erythrina*, Gompho-
lobium *, Hovea *, Indigofera, Jacsonia *, Kennedya, Labichea *, Le-
ptocyamus, Lotus, Psoralea, Swainsona, 2 Vigna; 5 Eucalyptus 3*,
Callistemon *, Leptospermum *, 2 Melaleuca *, Tristania, 2 Haloragis 1*,
Myriophyllum; 4 Löranthus 1 *; Canthium; Calotis, Calocephalus, Eu-
rybia *, Ethulia, Flaveria, Helichrysum, Helipteres, Myriogyne , Ruti-
dosis *; Goodenia, Linschoteria * (s. u.), Velleya *, 2 Jasminum;
Logania *; Polymeria; Trichodesma *; Myoporum *, Eremophila, 4
Stenochilus 3*; Mentha, 3 Prostranthera 1*; Brunonia ; 2 Trichiniun;
Atriplex, Chenopodium, 3 Kochia, Suaeda *; Pimelea; 3 Grevillea *,
2Hakea 1 *; Conospermum *; Euphorbia *, Micranthemum *, 2 Adria-
nia; Pterostylis; Anthistiria, Chloris, Danthonia, 3 Pappophorum, Stipa,
Sporobolus.
Heward hat seine Berichte über Leichhardt’s spä-
tere Reise fortgesetzt (vergl. vor. Jahresb.) (Lond. Journ.
of Bot. 7. p. 322—332.): diese verbinden unter 26° S. Br.
Mitchell’s Route mit der Küste von Moreton-Bay.
In dem Berichte des vorigen Jahres ist hiernach der Fehler zu
*) Die mit * bezeichneten Formen sind in dem Höhenzuge der
Wasserscheiden und nördlich von demselben, die übrigen im Stromge-
biete. des Darling gefunden,
und systematischen Botanik während des Jahres 1848, 415
verbessern, dass Iron-bark als eine Acacie gedeutet wurde : unter
diesem Namen werden ebenso wie unler der Bezeichnung Gum ver-
schiedene Arten von Eucalyptus verstanden.
v. Schlechtendal publieirt einen Nachtrag (s. vor.
Jahresb.) zu seiner Bearbeitung von Behr’s südaustralischen
Pflanzen (Linnaea, 21. p. 444-452.): darin von neuen Ar-
ten 2 Synanthereen, 1 Goodenia und ein Lotus ; Berichtigun-
gen zu v. Schlechtendal’s Arbeit giebtMeissner (Bot. Zeit.
6. S. 393—397.):: darin die Diagnosen von 2 neu unterschie=
denen Pimeleen.
Berkeley beschreibt neue Pilze aus Tasmanien (Lond,
Journ. of Bot. 7. p. 572—578.): 10 sp.; Wilson 3 neue
australische Laubmoose (das. p. 26.).
Eine Uebersicht der Kryptogamenflora von Otaheite ist
von Montagne bearbeitet (Ann. sc. nat. III. Ser. 10. p. 106
—136.): darin von neuen Arten 2 Laubmoose, 3 Lebermoose,
9 Pilze und 10 Lichenen.
B. Systematik.
Von De Candolle's Prodromus systematis naturalis
wurde der zwölfte Band herausgegeben , welcher die Sela-
gineen von Choisy, die Labiaten von Bentham, die Stil-
baceen, Globulariaceen und Brunoniaceen von De Candolle
und die Plumbagineen von Boissier enthält (Paris, 1848. 8.).
— Walpers hat angefangen, als Fortsetzung seines Reper-
torium die seit dem J. 1846. publicirten Pflanzenbeschreibun-
gen zu sammeln und in systematischer Reihenfolge abdrucken
zu lassen (Annales Botanices systematicae. Fasc. I. Lips.
1845. 8.). — Von D. Dietrich’s Encyklopädie der Pflan-
zen erschienen Heft 2. und 3, (Jena 1848, 4. Taf. 30—85.).
Von Endlicher’s Paradisus vindobonensis: (Jahresb.
f. 1846.) erschien unter Zuziehung von Fenzl die erste
Lieferung des zweiten Bandes (Wien 1848. Fol.).
416 Grisebach:,Bericht ‚üb... Leistungen, in d. geographischen
Dikoiyledonen.
Die Abhandlung von Walpers über die Charakteristik der Di-
kotyledonen fördert die Systemkunde nicht (Allg. Gartenzeit. 1848.
nr. 5—8.).
Eine ausführliche und genaue Darstellung des Bau’s der dikoty-
ledonischen Laubknospen hat Henry: gegeben (Nov. Act. Leop. 22.
p- 169— 342. tab. 16—32): wiewohl der Verf., wie in seinen früheren
Arbeiten , nicht auf systematischem, sondern morphologischem Stand-
puncle steht, so gewährt doch diese umfassende Arbeit auch dem Sy-
stematiker eine Fundgrube schätzbarer Beobachtungen. — Eine ähn-
liche, jedoch nur auf die einheimischen Laubhölzer ‚beschränkte Ab-
handlung publieirte Döll (Zur Erklärung der Laubknospen der Amenta-
ceen. Frankf., 1848. 8. 28 pag. u. 23 fig.).
Leguminosen. Bentham revidirt den Charakter von’ Aspa-
lathus (Lond. Journ. of Bot. 7. p. 583. u. f.), ‘womit er sowohl die
von Presl abgesonderten Typen ‚als auch Sarcocalyx Thunb. ‚wieder
vereinigt, während er Ecklon’s Buchenroedera (— A. foliis petiolatis
saepe slipulatis, ovario 8—10 oyulato, legumine abbreviato submono-
spermo) anerkennt und erweitert. Unter den von Presl angewende-
ten Gattungscharakteren sind einige, wie die Nervatur des Kelchs,
nach einem übereinstimmenden Plane gebildet, andere, wie die Gestalt
der Hülse, durch Vebergänge in solchem Grade vermittelt, dass Ben-
tham seine Galtungen nicht einmal als Sectionen beibehalten konnte:
statt dessen hat er 12 Artenreihen nach habituellen Kennzeichen zu-
sammengestellt,;unter welchen der dritten , die auf Verwachsung der
Staminen mit, den 4 vorderen Petalen gegründet ist, eine höhere Wich-
tigkeit zuzukommen scheint. — Neue Gattungen: Jansonia Kip-
pist (Proceed. Linn. Soc. May 1847.): Podalyriee in Swan River,
nahe verwandt mit Brachysema,, unterschieden durch Calyx bilabiatus,
ovarium 4-6 ovulatum und flores capitulati; Spirotropis Tulasn. (Ar-
ehiv. du Mus. 4. p. 113.): Sophoree — Swartzia longifolia DC. ; Der-
matophyllum Scheele (Linnaea, 21. p. 458.): ein Baum bei Neubraun-
fels in Texas mit blauen Blüthenranken, nach der Beschreibung von
Sophora nur durch zweilippigen Kelch nicht deutlich geschieden; He-
terocarpaea ej. (ib. p. 467.): angeblich eine Phaseolee aus Texas, an-
scheinend Arachis hypogaea selır. nahe stehend und auch mit einem
Legumen hypogaeum versehen; Cereidium Tulasn. (a.a.0. p. 133.):
Caesalpiniee in Mexico, verwandt mit Parkinsonia; Thylacanthus Tu-
Lasn. (ib.)p. 175.): Amherstiee von Para.
Rosaceen. C. A. Meyer bearbeitete die Gruppe von Rosa
cinnamomea monographisch (Bullet. de $t. Petersb. 6. p.44. u, f.)
Die Section ist durch Ovaria breviter slipitata, Fructus ruber calyce
connivente coronatus und Stipulae ramorum florentium latiores charak-
terisirt; von anderen Gruppen unterscheiden sich Pimpinellifoliae durch
| ——öoo
und systematischen Botanik während der Jahres 1848. 417
schwarze, Eglanteria durch gelbe Früchte, Operculatae (= R. rubrifolia,
lueida u. a.) durch abfallenden Kelch. Die R. cionamomeae bilden
folgende Reihen: a. Rami florentes inermes = R. alpina, blanda und
macrophylia (R. pyrenaica wird wohl eigene Art sein, sie ist hier zu
der erstern, so wie R. fraxinifolia Borkh. gegen A. Gray's Autorilät
@zuR. blanda gezogen) ; b. Aculei setacei v. suhulati = R. strieta und
acieularis Lindl. (zu letzterer gehören R. Karelica Fr. und Gmelini
Bong.); c. Aculei stipulares, ceterum nulli aut difformes — R. Wood-
sii, californica, laxa Retz. (Syn. R. songarica Bg.), cinnamomea und
R. amblyotis n. sp. aus Kamischatka ; d. Rami villosi (in a—c. glabri)
=R. rugosa Tbunb. (Syn. R. ferox, Kamtschatica). — Neue Gat-
tung: Greggia Engelm. (Wisliz. Append. nr. 51.): Dryadeenstrauch
im nordöstlichen Mexico, von Cowania durch Calyx imbricalivus, Stylus
deciduus und rothe Blüthen unterschieden.
Lecythideen. Crüger sendet aus Trinidad die Entwicke-
lungsgeschichte der Blüthe von Couroupita (Linnaea, 21. p. 737—746.).
Dass die Lecythideen keine Myrtaceen-Gruppe bilden, ja dass sie nicht
einmal in den Verwandtschaftskreis dieser Familie gehören, war klar:
aber um so unerwarteter sind ihre Beziehungen zu dem der Cucurbi-
taceen, welchen Crüger durch eine parakarpische Fruchtanlage nach-
weist, die das jüngere Ovarium noch vollkommen einfächerig_ erschei-
nen lässt: diese Verwandtschaft wird ihm durch die Aehnlichkeit der
Früchte „gewisser Lecythideen“ mit denen von Feuillea bestätigt und
es lässt sich mit dieser Ansicht der trimerische Typus der Karpophyllie
und anderer Blüthenkreise allerdings sehr wohl vereinigen. Von den
6 Sepalen steht bei Couroupita eins der Axe abgewendet, ein anderes
derselben zugekehrt; den 6 Karpophylien sind sie opponirt. Die Sti-
pulen sind nach Crüger’s Beobachtung an den Brakteen sekundäre
Aurikulen der Blätter.
Melastomaceen. Walpers vindicirt Brachyandra den Os-
beckieen (Bot. Zeit. 6. S. 286.) — Neue Gattungen: Schweri-
nia Karst. (Ausw. Gew. Venez. 1. p. 12. t. 4.): Lavoisiereen in Vene-
zuela; Grischowia Karst. (das. 1. p. 16. t. 5.): Osbeckieen eben-
daher.
Trapeen. Barndoud hat seine Untersuchungen über Trapa
(s. vor. Jahresb. S. 320.) später ausführlicher mitgetheilt (Ann. sc.
nat. III. 9. p. 222—244. tab. 12—15.)
Meliantheen. Planchon u die Struktur und Stel-
Jung der Meliantheen (Proceed. Linn. Soc. 1848. March). Er vereinigt
mit dieser Gruppe die von Bernhardi (Jahresb. f., 1846.) zu den
Sapindaceen gebrachten Gattungen Natalia und Bersama und begründet
auf Melianthus minor und comosus Vahl seinen neuen Typus Diple-
risma. Die Ansicht von der Verwandtschaft dieser Gattungen, welche
auch in den nachgelassenen Schriften Endlicher's (Gen. suppl. V.)
aufgestellt ist, wird durcli die übereinstimmende, innere Struktur des
Archiv f, Naturgesch, XV, Jalırg. 2, Bd. Bb
418 Grisebach: Bericht üb. d. Leistungen in d. geographischen
Samens bei jenen beiden Typen des östlichen Afrika’s , deren Frucht
Planchon hier zuerst kennen lehrt, bekräftigt: aber eben der axile
Embryo ist seiner Meinung, die Meliantheen von dem Verwandtschafts-
kreise der Zygophylleen zu dem der Sapindaceen überzuführen, in ho-
hem Grade ungünstig.
Euphorbiaceen. Neue Gattung: Cremophyllum Scheidwei-
ler (Allg. Gartenzeit. 1848. nr. 17.): Strauch aus Brasilien.
Empeitreen. Asa Gray (Chlor. bor. - am. t. 1.) zieht Oake-
sia Tuckerm. (Tuckermannia Kl.) zu Corema, erklärt den Diseus hypo-
gynus der Empetreen für nicht vorhanden und disponirt die drei Gat-
tungen dieser Gruppe nach folgenden Charakteren: Empetrum: 15,
© 6-9, perigon. proprium petaloideum, semina pendula radicula su-
pera; Ceratiola 2, 2 2 stigmate 4-partito, perig. propr. 0., se=
mina erecta radicula infera; Corema AD 3 2 3-6, perig. propr.
o., semina”erecta radicula infera, flores capitati.
Sapindaceen. Irmisch revidirt den Blüthenbau von Aescu-
lus (Bot. Zeit. 6. S. 713—725.). Er beschreibt die imbrikative Aesti-
vation der beiden äusseren Wirbel, von denen das fünfte Kelchblatt der
Axe zugewendet ist und weist nach, dass von den Staminen die äus-
sere Reihe bis auf 2 unentwickelt bleibt, indem die übrigen 5 der
Corolla opponirt sind. Ganz ähnlich ist das oktandrische Cardiosper-
mum gebaut. — Neue Gattung: Schiechia Karsten (Bot. Zeit.
6. S. 398.): Liane aus Caracas, von der Karsten nur der Bau der
Frucht bekannt geworden; sie soll Cupania zunächst stehen, aber hat
einfache Blätter.
Meliaceen. Die von Henschel aufgestellte und zweifelhaft
zu den Meliaceen gebrachte Gattung Cordyloblaste (Bot. Zeit. 6. S. 604.),
von der nicht einmal der Bau der weiblichen Organe bekannt ist, ge-
hört nicht zu jener. Familie, sondern scheint nach der Beschreibung
eine Styracinee zu sein.
Polygaleen. Eine Abhandlung über die Verwandtschaft die-
ser Familie ist von Miquel herausgegeben (Tijdschr. voor Weten-
schapen. D. 1. p. 134—154.). Seiner Ansicht, nach welcher die Po-
lygaleen wieder neben die Leguminosen zu stellen wären, steht am
meisten die Struktur des Samens entgegen. Auch kann Krameria nicht
mehr als Verbindungsglied zwischen beiden Familien gelten, seitdem
A. Gray (Gen. bor. amer. 2. p. 227.) den Irrthum R. Browns be-
richtigend, nachgewiesen, dass bei dieser Gattung das fünfte Kelchblatt
von der Axe abgewendet ist, wie bei den Leguminosen, mit denen auch
der Bau der Frucht und des Samens übereinstimmt: Krameria ist nichts
weiter wie eine Caesalpiniee mit hypogynischer Insertion. Der Arbeit
von Miquel ist auch eine kritische Uebersicht der Securidaca-Arten
beigefügt.
Stereuliaceen. Neue Galtungen: Covilkamia Korthals (Ne-
derl. Kruidk. Arch, I. p. 307.): aus Borneo, Zahlenverhältniss: 6. 0, ©, 3;
und systematischen Botanik während des Jahres 1848. 419
Delabechea Mitchell (Trop. Austr. p. 155.), nach Lindley von
Brachychiton nur durch die wie bei Sterculia vom Hilum abgewandte
Radicula verschieden (über die Heimath s. o.).
Malvaceen. Neue Gattungen: Sidalcea A. Gray (Mem. Ame-
ric. Acad. 4. p. 18.) = Sidae sp. tubo stamineo duplici, exteriori in
phalanges 5 corollae oppositas soluto, von denen 8 Arten in Neu-Mexico
und Ober-Kalifornien vorkommen ; Malvastrum Gr. (das. p. 21.) umfasst
theils die bisherigen Malva-Arten mit einem Stigma capitulatum, theils
Arten von Sida, von der die neue Gattung durch Ovula adscendentia
und Radicula infera abweicht.
Cacteen. Von Pfeiffer’s Abbildungen blühender Cacteen
erschienen die vierte und fünfte Lieferung des zweiten Bandes (Cassel,
1848. 4). — Neue Gattungen: Leuchtenbergia Hook. (Bot. mag.
1848. t, 4395.) : eine holzige, habituell mit den Cycadeen verglichene
Cactee, bei welcher die Mamillen zu Aloe-Blättern auswachsen, ein-
heimisch bei Rio del Monte in Mexico, im Blüthenbau sich an Cereus
anschliessend, Frucht unbekannt; Echinocereus Engelm. (Wislizen.
append. p. 91.) begreift die niedrig wachsenden Cerei Nord-Mexico’s,
von denen einige auch bei der auf Süd-Amerika beschränkten und be-
sonders in La Plata einheimischen Gattung Echinopsis untergebracht
waren und die sich von Cereus durch einen fast geraden Embryo mit
kurzen Kotyledonen, kurzröhrige, bei Tage geöffnete Blumen und ovale,
rasenförmig vegetirende Stämme unterscheiden. Bei Aufstellung dieses
Typus macht Engelmann auf eine wichtige Verschiedenheit im Bau
des Samens der Cacteen aufmerksam. Die Kotyledonen sind mit ihrer
Fläche in einigen Gattungen der flachen, in anderen der scharfen oder
Hilum-Seite des Samens zugewendet und hiernach zerfällt die Familie in
folgende beide natürliche Gruppen: 1. Parallelae (cotyledonibus accum-
bentibus). Mamillaria mit geraden ; Echinocactus mit meist gekrüämmtem
Embryo; wahrscheinlich die noch nicht untersuchte Gattung Melocactus.
2. Contrariae (cotyledonibus incumbentibus). Echinocereus mit ziemlich
geradem ; Cereus mit gekrümmtem Embryo und blattartig ausgebildeten
Kotyledonen ; Opuntia a. Öylindricae mit zirkelförmigem,, b. Ellipticae
mit spiraligem Embryo; die Samen der übrigen Gattungen sind nicht
verglichen, sie scheinen indessen nach ihrer Inflorescenz sämmtlich zur
zweiten Abtheilung zu gehören. Denn habituell wird Engelmann’s
Eintheilung dadurch gerechtfertigt, dass die Parallelae ihre Blüthen auf
Zweigen desselben, die Contrariae auf Zweigen des vorhergehenden
oder früherer Jahre entwickeln, wonach sie Engelmann auch als
Apiciflorae und Laterillorae bezeichnet.
Cueurbitaceen. Für die mehrfach von mir urgirte und aus
der Entwicklungsgeschichte nachgewiesene, ursprünglich von Seringe
aufgestellte Ansicht, dass die Cirrhen dieser Familie metamorphisirte
Blätter sind, spricht sich auch Gasparrini ausführlich aus (Rendi-
eonto di Napoli 1847. Noy., abgedruckt in Ann. sc. nat, III. 9, p. 207—
420 Grisebach: Bericht üb. d. Leistungen in d. geographischen
218.) und widerlegt Tassi, der sie für Blüthenstiele erklärt hatte. —
Neue Gattungen: Pileocalye Gasp. (das. p. 220.) — ÜCucurbita
Melopepo L., durch ein Ovarium semisuperum von den übrigen Cucur-
bitaceen abweichend und dadurch ein Uebergangsglied zu Feuillea: was
die Nomenklatur betrifft, so wäre die Wiederherstellung des Namens
Melopepo clypeiformis C. Bauh. angemessener gewesen; Tristemon
Scheele (Linnaea, 21. p.586.): aus Texas, soll durch 3 Staminen
von Cucurbita abweichen , doch ist an getrockneten Exemplaren die
Grenze zwischen Triadelphie und Triandrie schwierig festzustellen.
Fouquieraceen. Engelmann (Wisliz. app. p. 98.) ver-
vollständigt den Charakter von Fouquiera und vereinigt damit Bronnia
Kth., indem eine neue Art, F. splendens, in der Mitte steht und keine
Trennung zulässt; derselben Ansicht ist Torrey (Emory p. 147. t. 8.),
der sich auch über die Stellung der Gattung ausspricht. Beide wei-
chen in der Beschreibung des Ovarium’s von einander ab, welches
nach Engelmann einfächerig und mit 3-parietalen, an der Axe zu-
sammentreffenden aber unverwachsenen Placenten versehen ist, nach
Torrey dagegen dreifächerig sein soll. Engelmann, dem vollstän-
digere Materialien zu Gebote standen , kennt die Gattung genauer als
Torrey, der nur eine Beschreibung von F. spinosa (Bronnia Kth.)
giebt, die übrigens mit der von Kunth übereinstimmt. Engelmann
bemerkt nämlich , dass bei der späteren Entwickelung des Ovarium’s
die 3 Placenten in der Axe verwachsen (capsula immatura 3-locularis),
und dass zuletzt die Placenten sich von der Wand ablösen (capsula
matura unilocularis, placenta centrali libera triangulari), Die Kapsel
von Fouquiera stimmt hiernach vollständig mit Kunth’s Beschreibung
von Bronnia überein und ebenso der Bau des Samens mit Ausnahme
der Radicula hilo contraria, die nicht vorhanden ist, indem die Radicula
infera, nur eine Folge der Ovula adscendentia, neben dem Hilum lie-
gen muss. Auch findet Torrey die Testa aus sehr zierlichen Spiralzellen
(t. 8.) gebildet. — Die Stellung von Fouquiera gehört bekanntlich zu
den bestrittensten des Systems. Torrey schliesst sich der früher von
Lindley geäusserten , späterhin (Veg. Syst. p. 795.) von ihm aufge-
gebenen Meinung an, duss sie eine Polemoniacee sei: wiewohl der
Bau der Frucht an diese Familie erinnern muss, so ist es doch unbe-
greiflich, wie man eine Pflanze,mit hypogyner Insertion und geringer
Entwickelung des Albumen’s in diese Verwandtschaft hat bringen kön-
nen. Ebenso sehr widerspricht der Bau des Samens der Stellung bei
den Frankeniaceen (Endlicher) oder bei den Portulaceen (Kunth). Nach
meiner Ansicht bewährt hier DeCandolle einen richtigen Blick: der
Habitus, der Mocino verleitete, die Fouquieren für Echeverien zu hal-
ten, spricht für die Verwandtschaft mit den Crassulaceen, mit deren Sa-
menstruktur sie genau übereinstimmen, während der Bau des Ovarium’s
und die Theilung des Griffels auf die Reihe der parakarpen Familien
hinweisen, unter denen die Cacteen in Mexico, der Heimath von Fou-
und systematischen Botanik während des Jahres 1848. 421
quiera, ihr Vegetationscentrum besitzen. Man kann nach diesen An-
haltspunkten die Fouquieraceen von den monopetalen Crassulaceen,
denen sie zunächst stehen würden, durch hypogynische Inserlion und
parakarpe Fruchtanlage unterscheiden und wird sich daran erinnern, dass
genau dieselben Abweichungen vom Typus auch in der analogen Fa-
milie der Saxifrageen vorkonmen,, wo unter den hemiapokarpen und
perigynischen Formen parakarpe und hypogynische nicht einmal als
besondere Gruppe, ja bei Saxifraga die verschiedenen Insertionen sogar
nicht generisch zu scheiden sind.
Violaceen. ‚Neue Gattung: Neckia Korth. (Nederl. kruidk.
Arch. I. p. 358.): Strauch in sumpfigen Gebirgsgegenden Sumatra’s, von
Jonidium durch Bündel von Drüsen ausserhalb der Staminensäule und
1 bis 2sterile Staminen unterschieden, Corolle unbekannt.
Droseraceen. Eine Monographie dieser Familie verdanken
wir der bedeutenden Thätigkeit Planchon’s (Ann. sc. nat. Ill. 9.
p- 79—99., 185—207. u. 285—309. tab. 5. 6.). Nachdem er die Dro-
'seraceen früher (Jahresb. f. 1846. S. 187.) mit Pyrola verglichen hatte,
kommt er auf diese Idee, gegen welche sowohl der Bau der Frucht
als des Embryo’s spricht, nicht wieder zurück und scheint sie aufge-
geben zu haben. Dagegen sollle man, wenn man Planchon’s Be-
trachtungen über die karpologischen Charaktere der Familie liest,
meinen, dass dieselbe nur ein Aggregat heterogener, fast nur durch die
Drüsen, die Vernation der Blätter und deren Irritabilität habituell ver-
bundener Typen ausmache, welches im System nicht bestehen könnte:
nur Drosera und wahrscheinlich Aldrovanda, deren Samenstruktur noch
unbekannt ist, haben die parietale Placentation der Parakarpen, bei
Drosophyllum und Dionaea wiederholt sich die freie, vielsamige Pla-
centa der Caryophylleen und bei Byblis und Roridula ist der synkarpe
Typus vorhanden und die Eier sind axil befestigt, wiewohl in der er-
steren Gattung die Scheidewand unvollständig bleibt. Berücksichtigt
man indessen, dass in der Klasse der Saxifrageen die Placentation un-
bestimmter ist, als in anderen Abtheilungen des Systems, dass nur die
Trennung der Griffel den dahin gehörigen Familien gemeinsam ange-
hört und dass der Bau des Samens bei einigen derselben mit dem von
Drosera übereinstimmt: so gelangt man über die Stellung der Drosera-
ceen zu einer Ansicht, welche Planchon nicht berührt hat, wiewohl
er die mannichfachsten Berührungspunkte der Droseraceen mit anderen
Familien zusammenstellt (p. 90.), ohne ihre nächste Verwandtschaft zu
bestimmen. Es würde jedoch, wenn man sie als eine hypogynische
Gruppe in der Klasse der Saxifrageen betrachten wollte , nothwendig
sein, die beiden letzten der genannten Typen auszuschliessen, die Rori-
duleen, welche nicht bloss durch die synkarpe Frucht, sondern auch
durch einen bis zur Narbe ungetheilten Griffel und durch den axilen
Embryo, der bei Drosera, Drosophyllum und Dionaea als ein kleines,
kaum in das Albumen eingedrücktes Körperchen auftritt, so weit von
422 Grisebach: Bericht üb. d. Leistungen ind. geographischen
diesen Gattungen abstehen, dass ich vorschlagen muss, sie auszuschlies-
sen und zu einer besonderen Familie zu erheben, welche nach Plan-
chon zwischen die Sauvagesien (Luxemburgia) und Pittosporeen (Chei-
ranthera) zu stellen wäre. Byblis nähert sich, nach Planchon, durch
seine nach innen und zuweilen durch Poren geöffneten Antheren der
letzten Gattung, während die übrigen bisher zu den Droseraceen ge-
rechneten Typen Antherae extrorsae besitzen; die neue Roridula gorgo-
nias dagegen soll habituell den Luxemburgien völlig gleichen (p. 308.).—
Von Drosera, mit welcher Planchon Sondera wieder vereinigt (p.299.),
kennt er 85 Arten, welche in 135 Sectionen zerfallen. Einige der
wichtigsten, neuen Sturklurverhältnisse sind folgende : perigynische In-
serlion bei 2 anlarktischen Arten (D. uniflora W.); undeutliche oder
fehlende Schnecken - Vernation der Blätter, ausser bei Dionaea, auch
bei der drüsenlosen D. Arcturi Hook, Tasmanien’s; Zahlenverhältnisse
4—5—8, 4-5—8, 4-5—8,3—5; Auricularbildungen der Blattstiele
(Stipulen bei Planchon), lateral, intraaxillar oder fehlend. Nach der
geographischen Verbreitung ist mehr als die Hälfte der Droseren au-
stralisch, unter den Tropen besitzt das Maximum Amerika (14 sp.). —
Von Byblis führt Planchon 5 australische Arten an. Doch sind
darunter wahrscheinlich zwei generische Typen: a. Antherae rimulis
2 apicem versus dehiscentes; b. Drosophorus Br. mscr. Antherae rimis
in porum 1 confluis, capsula bivalvis.
Capparideen. Miers vervollständigt den Charakter seiner
chilenischen Galtung Atamisquea (Proceed. Linn. Soc. 1848. Jan.): die
auffallende Zahlenreihe 2, 6, 9, 2., die er annimmt, ist doch wohl
in folgende aufzulösen: 2+2,4,6-+3...,2. — Neue Gättung:
Wislisenia Engelm. (Wisliz. App. p. 99.): jährige Pflanze in Neu-Me-
xico, vom llakitus der Üleomella, aber abnorm und nebst Oxystylis Torr,
einen Vebergangstypus zu den Crueiferen bildend, indem das Ovarium
zweifächerig ist; auch das Vorkommen von Brakteen und laciniirten Au-
rikulen an den Blättern ist ausgezeichnet: wiewohl die Zahlen 4, 4,
6, 2. für die Stellung bei den Cruciferen sprechen, welche Torrey
seiner Gattung vindicirte, so scheint doch das entwickelte Gynophorum
und die Isometrie der Staminen Engelmann’s Ansicht zu begründen,
Cruciferen. Moquin-Tandon und B. Webb beschäfti-
gen sich mit der Morphologie der Cruciferenblüthe (Lond. Journ. of
Bot. 7. p. 1—16.). Ihre Arbeit ist eine gediegene Kritik der bisheri-
gen Ansichten, wobei die Literatur indessen nicht vollständig berück-
siehtigt ist. In Hinsicht auf die Staminen treten sie der gewöhnlichen
Annahme von zwei Wirteln entgegen und suchen De Candolle's
Meinung zu vertheidigen, dass alle Staminen einem einzigen Kreise an-
gehören, der mit der Corolle alternire, und dass zwei derselben durch
eine Theilung verdoppelt werden (dedoublement nach dem Begriffe
Moquin-Tandon’s). Dieser Ansicht widerspricht die Beobachtung
Krause's, nach welcher die 4 längeren Staminen bei ihrem ersten
"und systematischen Botanik während des Jahres 1848. 423
Auftreten den Petälen opponirt seien: aber die Verf. behaupten. das
Gegentheil, indem sie bei Sinapidendron die Alternanz eines Filament-
Paars mit den eben erscheinenden Blumenblättern um so deutlicher
sahen, je Jünger die untersuchten Knospen waren, Abgesehen von
diesem nur durch neue Beobachtungen aufzuklärendem Widerspruch in
den Thatsachen,, führen sie verschiedene Sirukturverhältnisse an, die
ihrer Theorie günstig sind : bei Clypeola eyelodontea sind die beiden
kurzen Filamente mit zwei, die längeren nur an der Ausenseite mit
einem Zahn verseben; bei Sterigma tomentosum sind die langen Sta-
minen paarweise bis zur Mitte, bei Anchonium Billardieri auf zwei
Drittel ihrer Länge verwachsen und ihr verbundener Theil alternirt mit
den Petalen; die tetrandischen Cruciferen zeigen dieselbe Stellung und
so kommt Draba muralis bei Montpellier normal tetrandisch vor, wobei
die Anisometrie des Wirtels weglällt; durch Missbildung verdoppeln
sich zuweilen, z. B. bei Matthiola incana, die kurzen Filamente ebenso,
wie dies nach der Ansicht der Verf. bei den langen der Typus der
Familie ist; endlich sind bei hexandrischen Capparideen, z. B. bei Gy-
nandropsis , die Insertionspunkte der Staminen am Gynophorum so ge-
stellt, dass zwei Paare dem Interstitium von je zwei Petalen gegen-
überstehen. — Den Drüsenapparat der Blüthe führen die Verf. auf 4
zu den Filamenten gehörenden Drüsen zurück. — Den Fruchtbau er-
klären sie ähnlich wie ich gethan (Jahresb. f. 1847. S. 328.) aus zwei
Karpophylilen, deren Marginalnerven in die Narben auslaufen (so dass
jede Narbe als aus zwei organogenisch geschiedenen Hälften bestehen
würde). Ich muss hier nach den Angaben der Verf, in Bezug auf
meine Darstellung das Historische in sofern berichtigen, als die Idee,
dass die Scheidewand zu den Placenten gehört, zuerst von Lestibou-
dois ausgesprochen zu sein scheint, und dass die irrige Theorie Kunth’s
ursprünglich Lindley angehört, der sie keineswegs, wie die Verf.
(p- 17.) andeuten, aufgegeben hat. — Eigenthünlich ist die Auffassung,
dass die typische Zabl der Karpophylie bei den Cruciferen 4 sei, weil
diese Zahl bei Tetrapoma vorkommt; allein der Typus ist nicht aus
dieser abnormen Gattung oder aus Missbildungen abzuleiten und von
einem Abort zweier Karpelle kann hier nicht die Rede sein; die ver-
minderte Zahl der Organe in dem innersten Wirtel ist eine so allge-
meine Erscheinung, dass die Zurückführung derselben auf eine ideale
Symmetrie der Blüthe zur leeren Abstraktion wird.
Ranunculaceen. Steven revidirt mehrere Gallungen von
russischen Ranunculaceen (Bullet. Mosc. 21. 2. p. 267—275.). Die
beiden Geratocephalen löst er in 7 Arten auf: ©. falcatus ist ihm nur aus
Südfrankreich bekannt, die deutsche Pflauze scheint ihm abzuweichen,
doch besitze ich die Steven’sche Art auch aus Griechenland und Me-
sopolamien; C. Salcatus Led. ist sein wohl charakterisirter O, incurvus,
wozu auch mein thracischer C. (Spieil. rum.) gehört, Auch die jähri-
gen Adonis-Arten bestimmt Steven genauer; A, aestivalis MB. ist A,
494 Grisebach: Bericht üb. d. Leistungen in d. geographischen
squarrosa Stev., A. autumnalis MB. und dentata Led. seine A. caudata;
beide Arten erkenne ich nach seinen Charakteren in orientalischen
Sammlungen. Auf Ranunculus orientalis L. (nec Led.), mit welchem
R. cornutus DC, in der Fruchtbildung übereinkommt, will Steven die
neue Galtung Xiphocoma (p. 270.) gründen, weil der Schnabel des
Karpell’s hier nur aus dem Rückennerv, bei R. arvensis u. a. auch aus
Lateralnerven entspringe : dies genügt zur generischen Unterscheidung
nicht und wird nicht von habitueller Uebereinstimmung unterstützt. —
Crossocoma Nutt. (Pl. Gambelian. nach Lond. Journ. of Bot. 7. p. 392.),
ein Strauch der Insel Catalina an der Küste von S. Pedro, dessen Sa-
men in ein Arillar-Gewebe von Fäden eingebettet sind, wird mit Paeo-
nia verglichen, indessen geht die Stellung dieser neuen Galtung aus
dem Texte nicht hervor.
Araliaceen. Von Roeper sind Bemerkungen über diese
Familie und besonders über Gastonia publieirt (Bot. Zeit. 6. S. 225.
249.). Roeper berichtigt den Irrthum Commerson’s, nach dem
die Staminen paarweise den Petalen opponirt stehen sollten : sie alter-
niren vielmehr und sind ihnen isomer; die Formel für die Wirtel ist
nach Roeper: —, 7—12, 7—12, 7—12. Aus der Vergleichung der
nahestehenden Typen ‚folgert der Verf. mit Recht, dass die Araliaceen
einer Revision bedürfen.
Umbelliferen. Gay untersucht den Charakter von Eryngium
und exponirt 7 Arten dieser Gattung (Ann. se. nat. III. 9. p. 148—184.)
An den entwickelten Kelchzähnen derselben bestätigt er De Candol-
le’s Beobachtung, nach welcher 2 dem äusseren, 5 dem inneren Car-
pidium angehören. Er behauptet die Allgemeinheit des Vorkommens
der Vitten und weist deren 5 bei Eryngium nach, wo sie bisher über-
sehen waren. Die fehlenden Juga treten rudimentär an der Spitze des
Carpidium’s bei E. tenue auf. Das Stylopodium ist bei einigen Arten
hemisphärisch, z. B. beiEE. tenue, galioides, viviparum, bei den übrigen
ringförmig, z. B. E. alpinum, maritimum, planum. Die Gegenwart ei-
nes Carpophorum stellt Gay völlig in Abrede. — Die ausführlich be-
schriebenen Arten, an denen einige neue Strukturverhältnisse aufgefun-
den sind und deren Synonymie berichtigt wird, sind folgende: E. Du-
riaei G. (ilicifolium Brot. nec Lam.), von den Gebirgen des nördlichen
Portugal’s bis Asturien verbreitet, der Stengel nicht dichotomisch, son-
dern mit alternirenden Zweigen, olıne blauen Farbestof; E. tenue Lam.
(pusillum L. sp. z. Theil), durch die Juga und Paleae 4 -cuspidatae von
allen übrigen verschieden, in Spanien und Nordafrika einheimisch;; E.
galioides Lam. (pusillum Roch. u. Boiss.) mit 3-6-blüthigen Köpfchen,
fast unterdrückten ‚Paleen, Vitten olne ätherisches Oel, portugiesisch
und südspanisch; E. viviparum Gay t. 11, (pusillum Boiss. z. Theil),
und zwischen Lorient und Vannes gefunden, mit dem vorigen in den
angeführten Charakteren übereinstimmend und sehr nahe verwandt,
aber durch perennirendes Rhizom und unterdrückte Bekleidung der
ne ce
und systematischen Botanik während des Jahres 1848. 495
Frucht (vesiculae tubum calyeinum coronantes minutissimae), so wie
durch eigenthümliche Knospenbildung verschieden ; E. Barrelieri Boiss.
(pusillum L. z. Theil), süditalienisch , sardinisch und algerisch, dem
vorigen noch näher stehend, aber die Köpfchen 10-16-blüthig, die
Vitten hier mit Oel gefüllt; E. nudicaule Lam. und nasturtiifolium Juss.
— Indem Gay auch die Charaktere der verwandten Gattungen revi-
dirt, bemerkt er, dass die grossen Vitten von Astrantia major nicht bei
allen Arten vorhanden sind und hiernach zwei Sectionen zu unter-
scheiden wären: a. Juga late fistulosa, cortice bilamellato, vittis jugo
oppositis linearibus; dentes calycis margine scarioso cincti , subulati ;
involucrum pigmento roseo saepe tinctum — A. major, Biebersteinii,
intermedia und helleborifolia; b. Juga anguste fistulosa, cortice simpliei,
vittis obsoletis; dentes calycis scariosi; involucrum non coloratum =
A. minor, pauciflora, gracilis und carniolica.
Sapoteen Neue Gattung: Macria Ten. (Memorie di Modena
Vol. 24. P.1. p. 362—367.): ein brasilianisches Gewächs, welches
zwischen den Sapoteen und Ebenaceen stehen soll.
Lentibularieen. Bentham weist nach, dass die im vori-
gen Jahresb. erwähnte Gattung Benjaminia auf einem Irrthum beruht,
indem Benjamin bei deren Aufstellung die Frucht oder das Ovarium
nicht untersucht zu haben scheint (Lond. Journ. of Bot. 7. p. 567.):
seine Arten sind nämlich Scrophularineen aus verschiedenen Gattungen,
wie die Origioalexemplare Gardner’s und Cuming’s darthun, näm-
lich B. utrieularioides — Herpestes reflexa, B. glabra — Limnophila
gratioloides var., die beiden übrigen scheinen Benjamin nach der
Beschreibung Arten von Dopatrium zu sein. — Benjamin publieirt
eine Abhandlung über den Bau und die Physiologie der Utricularien
(Bot. Zeit. 6. 5. 1. i7. 45. 57. 81.): nach ihm ist die Klappe an den
Schläuchen ein Ventil, welches durch einen Druck von aussen (das
Wasser im Herbste) geöffnet, durch einen Druck von innen (die secer-
nirte Luft im Frühling) geschlossen wird; eine Wurzel sei bei den
einheimischen Arten zu keiner Zeit vorhanden. Auch Treviranus
(das. S.444.), der die Bildung der Schläuche bei einigen exotischen
Arten verglich, erklärt sie für blattartige, den Ascidien von Cephalo-
tus entsprechende Organe, wodurch die Meinung A. De Candolle’s,
dass ein Theil der sogenannten Blätter oder Blattstiele als Wurzel zu
deuten sei, widerlegt werden würde, weil Wurzeln keine Blätter, also
auch keine den Blättern entsprechende Schläuche erzeugen können. —
Die Frage, ob Pinguicula einen Embryo indivisus habe, entscheidet
Treviranus (das. S. 441. Taf. 4.) durch eine bildliche Darstellung der
Keimungsgeschichte von P. vulgaris, wonach aus dem ungetheilten
Körper des Embryo an der Spitze zuerst ein schwach emarginirtes,
dann ein zweites Primordialblatt sich entwickelt, also keine Kotyledo-
nen vorhanden sind, wie sieGärtner, auch neuerlich Lindley, ah-
gebildet und R. Brown anerkannt hatte, Hiebei bedarf die Angabe
426 Grisebach: Bericht üb. d. Leistungen in d. geographischen
St. Hilaire's, der zwar in Bezug auf diese Art Treviranns bei-
gepflichtet, aber P. lusitanica zwei Kotyledonen vindicirt, einer erneuer-
ten Untersuchung. Klotzsch, der gegen Treviranus die Keimung
von P. vulgaris mit 2 ungleichen Kotyledonen behauptet hatte, scheint
die Primordialbläuter als solche zu deuten. — Neue Gattung: Diu-
rospermum Edgeworth (Proceed. Linn. Soc. 1847. Dec.): eine auf
feuchten Felsen des Himalajah im Niveau von 8000‘ wachsende Pflanze
mit zweilippigem Kelche und einer Placenta mit wenigen Samen, wel-
che an den Enden durch Haare geschwänzt sind und dem Entdecker
eine Annäherung an die Öyrtandraceen anzudeuten scheinen, wobei
jedoch die Struktur des Embryo unbekannt bleibt; 2), %, 2, —.
Orobancheen. Duchartre hat seine Untersuchungen über
die Anatomie und Entwickelungsgeschichte der Lathraea clandestina,
welche früher nur im Auszuge mitgetheilt waren, vollständig heraus-
gegeben (M&m. de l’acad&mie per div. savants, 10. p. 423-538. mit 8
Taf. Paris, 1848.). — Neue Gattung: Ceratocalye Cosson (Ann. sc.
nat, 111. 9. p. 145. t. 10.) = Orob. macrolepis Coss. in Bourgeau pl.
pyren., von Orobanche wegen eines Calyx truncatus getrennt und zwei
Monate später von F.Schultz Boulardia genannt (Archiv. Fl. Franc.
1847.), aber durch O. gamosepala Reut, mit Orobanche verbunden;
wächst in Catalonien auf Rosmarinus.
Gesneriaceen. Die im vor, Bericht erwähnte Arbeit von
Regel ist auch in der Regensburger Flora mitgetheilt (das. 1848. S.
241—252.). — Neue Gattungen: Arctocalye Fenzl (Sitzungsber. der
Wien. Acad. 3. p. 29.) = Besleria insignis Galeott. aus Mexico; Hein-
tzia Karsten (Ausw. Venez. 2. t. 11.): aus Venezuela.
Bignoniaceen. Engelmann vervollständigt den Charakter
von Chilopsis Don (Wisliz. app. p. 94): ?/,, 5, ?/,, 2; antherae nudae
lobis ovatis obtusis, rudimentum stam. V. nudum, capsula siliquifor-
mis seplo contrario placentifero, semina transversa margine utroque
comosa.
Acanthaceen. Planchon untersucht die Struktur des Ei’s
und Samens von Acanthus (Ann. sc. nat. Ill. 9. p. 72—79. t.5.). Die
zu lösende Schwierigkeit lag hier darin, dass, wiewohl das Ei kampy-
lotrop ist, doch die Radicula, centripetal gegen die Axe der Frucht
gerichtet, sich an der dem Anheftungspunkte entgegengesetzien, inne-
ren tınd oberen Seite des Samens befindet, Um die ohne Zweifel rich-
tige Erklärung zu verstehen, ist es nöthig,, den Bau des Ei’s genauer
zu bezeichnen. Planchon erklärt dasselbe für einen nackten Nu-
cleus, weil die Mikropyle fehle und die äussere Zellenuschicht, im orga-
nischen Verbande mit den inneren Theilen des Nucleus stehend (fig.
A.2.), als Epidermoidalgewebe desselben zu betrachten sei. Nach der
Analogie mit dem ähnlichen Bau bei Datura möchte ich indessen ver-
muthen, dass diese Schicht in der That ein einfaches Integument sei,
und dass die Mikropyle nur deshalb fehlt, weil Spitze des Nucleus und
und systematischen Botanik während des Jahres 1848. 427
Rand des Integuments in gleieher Ebene liegen : jüngere Zustände, als
die von Planchon beobachteten, können allein dieseFrage entschei-
den. -Der Embryosack bildet im unbefruchteten Ei eine lineare, der
kampylotropen Krümmung entsprechende halbzirkelförmig gekrümmte
Zelle, die von der Chalaza bis zur Spitze des Nucleus reicht. Nach
der Befruchtung entwickelt sich nur die untere Hälfte dieser Zelle zum
Einbryonalbebälter, der in der oberen Region des Nucleus gelegene
Theil bleibt ein linearer, bald verkümmernder Strang. Die Radicula
des nicht gekrümmten Embryo's kann dennach nicht gegen die Nucleus-
spitze gerichtet sein und daher auch nicht neben dem Hilum liegen,
sondern entspricht dem oberen Ende der auswachsenden Hälfte des
Embryosacks. Hiedurch wird die scheinbare Ausnahme, dass die Ra-
dieula nicht an die Stelle der Nucleusspitze tritt, erklärt und diese Er-
klärung wird bestätigt durch Iusticia, wo der obere Theil des Embryo-
sacks nicht verkümmert und die Radicula des gekrümmten Embryo's
in der That zu der organischen Spitze des Ei’s neben das Hilum oder
die Chalaza herabrückt. — Die geographische Verbreitung der Acan-
thaceen bearbeitete nach den Materialien des Prodromus Franken-
heim (Linnaea, 21. p. 527—562.). Er gelangt durch diese Special-
Untersuchung zu richtigen Ansichten über die ursprüngliche Heimath
der Pflanzenarten und deren Wanderungen: er findet, dass sich für 99
Procent der beschriebenen Acanthaceen ein einziger Ursprungsort nach-
weisen lasse; wenn er jedoch dem letzten Procent „zwei Urheimath-
lande“ vindieiren will, so ist es wahrscheinlicher anzunehmen, dass
bei diesen entweder die Mittel des Transports (z. B. wandernde Vögel)
noch nicht erkannt sind oder dass die fortschreitende Systmatik in an-
deren Fällen specilische Differenzen zwischen den Formen entlegener
Gegenden ausmilteln wird. Die Verbreitung der Acanthaceen ergiebt
sich im Allgemeinen aus folgenden Zahlen (p. 551.): von 1490 sp. sind
in Amerika 669, im tropischen Asien 486, im Caplande 102, im Nilge-
biet und Arabien 81, auf Madagaskar und den Maskarenen 73, in West-
afrika 51, in Neuholland 15, in Polynesien 5, im mittelmeerischen Ge-
biete 5 und in Japan 3 einheimisch.
Serophularineen. Dickie untersuchte das Ei von Euphra-
sia oflieinalis (Ann. nat. hist. 11. Vol. 1. p. 260—267., daraus übersetzt
in Ann. se. nat. III. 10. p. 238., wo jedoch die Holzschnitte fehlen,
ohne welche der Text kaum verständlich ist): nach seiner ziemlich
verworrenen Darstellung entspringt hier ein aus dem Ei hervortreten-
des, dem Polleuschlauch ähnliches Gebilde im Embryosack, wahrschein-
lich aus der Primordialzelle des Embryo. Zu Untersuchungen über die
Präexistenz der letzteren vor dem Befruchtungsakte würde daher diese
Pflanze sich besonders eignen, wenn Dickie seine Beobachtung rich-
tig gedeutet hat. — Der Parasilismus in der Familie der Scrophulari-
neen ist nach Decaisne's Vorgange (vor, Juhresb. S. 334.) von ver-
schiedenen Seiten untersucht worden. Nach Crueger (Bot, Zeit, 6,
498 Grisebach: Bericht üb. d, Leistungen in d. geographischen
$.777) hat Alectra -brasiliensis, ein Wurzelparasit des Zuckerrohrs,
keine Markstrahlen , wohl aber Spaltöffnungen auf der unteren Blatt-
fläche: andere Arten dieser Gattung scheinen dagegen ohne Chloro-
phbyll zu sein und besitzen, wie die Stengelbasis von A. brasiliensis,
nur Schuppen, die der Spaltöffnungen entbehren. Diese Gattung würde
demzufolge den Uebergang von den grünen zu den blattlosen Parasi-
ten vermitteln. Knorz spricht sich (das. S. 239.) gegen den Para-
sitismus der Rhinanthaceen aus, doch nur weil er keine organische
Verbindung mit einer lebenden Mutterpflanze gefunden hat: er bemerkte
jedoch an den Wurzelzasern parenchymatose Anschwellungen, die zu-
weilen an abgestorbenen Pflanzentheilen hafteten. Es scheinen indes-
sen bei manchen Wurzel - Parasiten Verschlingungen der Fasern zum
Saftübertritt hinzureichen, ohne dass eine Vereinigung des Gewebes
statt findet. Ebenso sah J. Clarke die Wurzelzasern von Rhinanthus
sich mit kleinen runden Anschwellungen (tubers) an die Wurzeln der
Gerste anlegen und sie umschlingen (Report of Brit. Assoc. f. 1848.
p- 84.): in Folge dessen sterbe nicht selten die Mutterpflanze ab und
ganze Gerstenernten würden auf Thonboden zuweilen durch diesen
Parasiten zerstört. Die Versuche von Henslow (Ann. nat. hist. II.
Vol. 2. p. 294.) beweisen, dass Rhinanthus, wenn andere Pflanzen aus
ihrer Nähe ausgeschlossen sind, zwar keimt, aber schon abstirbt, wenn
der Stengel kaum einen Zoll hoch ist; Euphrasia Odontitis verhielt
sich ebenso, trieb aber fusslange Wurzeläste, um eine Roggenpflanze
zu erreichen. — Neue Gattung: Gambelia Nutt. (Pl. Gambel. a.
a. 0.): mit Galvesia verwandter Antirrhineenstrauch von der Insel Ca-
talina an der Küste von S. Pedro in Kalifornien.
Solaneen. Miers beschreibt eine Anzahl neuer Solaneen aus
Südamerika (Lond. Journ. of Bot. 7. p.333—369.). Er vereinigt jetzt
seine Gattung Chaeresthes mit Jochroma Benth.; auch scheint Dunalia
nur wenig von Acnistus verschieden zu sein. Neue Gattungen : Cleo-
chroma Mrs. (das. p. 349.) = Jochromatis sp. calyce inflato et corol-
lae limbo 5-partito ; Poecilochroma Mrs. (das. p. 354.) = Saracha pun-
ctata R. P. nebst 6 neuen Arten, am nächsten mit Lycioplesium ver-
wandt, aber dornenlos und mit glockenförmiger Corolle, die Arten aus
Peru und Ecuador ; Sclerophylae Mrs. (das. p. 18.): dieser wichtige
neue Typus, den Miers für eine den Nolaneen am nächsten verwandte,
eigene Familie (Sclerophylaceen p. 57.) hält, ist nach meiner Ansicht
eine Solanee, deren Placenten auf ein einziges, hängendes Ei reducirt
sind und die von den Nolaneen nach dem Bau des Samens und der
Frucht weit abstehen; 3 Arten sind. bis jetzt gelunden, sämmtlich
krautartige Halophyten der Papas von Buenos Ayres mit rasenförmig
niederliegendem Stengel und gepaarten Blättern; Charakter: 5, 5, 5,
2; sepala basi connala, demum indurala; corolla hypogyna, limbo pli-
cativo subbilabialo, lobis aestivatione induplicato-valvatis; stamina epi-
petala, V brevius, antheris cordatis connectlivo destitutis rima extus
und sysiemalischen Bolanik während des Jahres 1848. 429
dehiscentibus; ovarium biloculare, stylo terminali simpliei, ovulis soli-
tariis apice appensis analropis, achenio biloculari calyce incluso, em-
bryone axili paullo incurvalo, cotyledonibus oblongis crassiusculis.
Convolvulaceen. Schnizlein berichtigt einige Irrthümer
in neueren Darstellungen des Baus von Cuscula (Bot. Zeit. 6. p. 63.).
Selagineen. Choisy hat diese Familie inDe Candol-
le’s Prodromus bearbeitet (12. p. 1—26.). Neue Gattung: Gosela
Chois. (p.22.) = Selago sp. Ecklon, durch zwei sterile Staminen
davon unterschieden. — Gymnandra ist zwar am Schluss als anomale
Gattung aufgenommen, indessen wird bemerkt, dass Habitus, kopflör-
mige Narbe und andere Verhältnisse in der Blüthe entgegen sind: mir
scheint sie wieder zu den Scrophularineen zurückgebracht werden zu
können, deren Verwandtschaft mit den Selagineen sie andeutet. Sie
wird in ihrer alten Familie einen ähnlichen Platz behaupten, wie Scle-
rophylax bei den Solaneen.
Globularieen. Sie sind ebenda von De Candolle bear-
beitet (Prodr. 12. p. 609—614.). Derselbe schliesst aus der knieför-
mig gebogenen Griffelbasis, dass das hintere Karpophyli fehlgeschlagen
sei. Wiewohl es sich gegen die Ansicht Lindley’s ausspricht, der
die Globularieen mit den Selagineen vereinigt hat, so scheint mir in
jener Andeutung über die Anlage der Frucht ein neuer Grund zu Gun-
sten Lindley’s enthalten zu sein: Globularia verhält sich nämlich zu
den Selagineen (nicht zu den Labiaten, wie De Candolle meint),
wie Phryma zu den Verbenaceen. — Neue Gattung: Carradoria A. DC.
(das. p.610.) = Gl. incanescens Viv.: die einfache Oberlippe hat
bier nur einen einzigen Mittelnery, die Narbe ist ungetheilt und es
fehlt der hypogynische Drüsenapparat, den De Candolle bei Globu-
laria aufgefunden hat.
Stilbineen. A. De Candolle, der diese ‚Gruppe gleich-
falls bearbeitet hat (Prodr. 12. p. 604—608.) , schliesst sich den An-
sichten Kunth’s über ihre Stellung neben den Selagineen an, die auch
durch E. Meyer's Analyse des Samens bestätigt wird: allein er be-
rücksichtigt die Beobachtung Lindley’s nicht, nach welcher die Sta-
minen nicht dem Schlunde der Corolle, sondern zwischen ihren Lap-
pen inserirt sind. Kunth’s Angabe, dass die Corolle in der Knospe
valvirt sei, wird dadurch berichtigt, dass die beiden hinteren Lappen
sich decken. — Neue Gattung: Euthystachys A, DC. (das. p. 606.) =
Campylostachys abbreviata E. Mey.
Verbenaceen. Von Glos werden die Gattungen der Verbe=
neen kritisirt (Ann, sc. nat, Ill. 10. p. 378—381.): seine Ergebnisse
stimmen mit denen Schauers im Wesentlichen überein; Dipyrena
unterscheidet er schärfer von Priva durch einen Calyx fissus, — Neue
Gattung: Brückea Klotzsch und Karsten (Ausw. Venez 2. 1.10.)
= Aegiphila verrucosa Schau. (Syn. Lycium grandifolium W. herb.).
Labiaten. Bentham hat im Prodromus (12. p. 27—603.) eine
430 Grisebach: Bericht üb. d. Leistungen in d. geographischen
sehr bereicherte und von einem schärfer begründeten Eintheilungsprin-
eip ausgehende Bearbeitung seiner mit Recht berühmten Monographie
geliefert, trefflich wie diese in der Charakteristik und Anordnung der
Gattungen und Artenreihen, nicht immer gleich sicher in der Begren-
zung der Species, indem namentlich von den europäischen nicht sel-
ten zu viele zusammengezogen sind. Die neue Begrenzung des Tribus
ist folgende:
Trib. I. Ocimoideae. Stamina declinata.
Trib. II. Saturejeae. (incl. Menthoid. et Melissin. Benth. Lab.).
Stamina distantia recta, divaricala v. sub labio superiori connivenlia, 4
v. 2. (antheris tum bilocularibus , connectivo non filiformi). Corollae
lobi plani. — Neu begrenzte Gattung: Calamintha (p. 226.) = Melis-
sae sect. Calamintha, Macromelissa, Calomelissa, Acinos, Clinopodium
et Heteromelysson.
Trib. IH. Monardeae. Stamina 2 recta v. adscendentia, anthera-
rum loculis oblongo - linearibus v. solitariis v. connectivo filiformi dis-
Junctis, in Perovskia approximatis.
Trib. IV. Nepeteae. Stamina 4, postieis longioribus.
Trib. V. Stachydeae. (inel. Scutellarineis Benth. Lab.) Stamina
4 sub galea parallele adscendentia. Nuculae laeves v. tuberculatae a
basi liberae erectae. — Neue Gattung: Tupeinanthus Boiss. (p. 436.) :
Jährige Pllanze bei Teheran.
Trib. VI. Prasieae. Nuculae carnosae basi connatae.
Trib. VII. Prostanthereae. Nuculae basi connatae (vulgo reti-
eulato-rugosae), stylo persistente.
Tribus VIII. Ajugeae. Nuculae reticulato-rugosae, basi subcon-
natae. Corollae labium superius minimum v. declinatum, fissum.
Gentianeen. Neue Gattung: Reichertia Karsten (Bot. Zeit. 6.
S. 397.) = Schultesia gracilis Mart. nebst einer neuen Art aus Vene-
zuela, nur durch Filamenta basi bidentata von Schultesia ungenügend
unterschieden, womit der Habitus übereinkommt.
Asclepiadeen. Turczaninow beschreibt neue Formen
aus dieses Familie (Bullet, Mose. 21. 1. p. 250—262.) und stellt fol-
gende Gattungen auf: Tripolepis (p. 251.): Liane aus Lugon (Cuming
nr. 1025.); Nematuris (p. 25%.): von Puerto Cabello, mit Roulinia ver-
wandt; Symphyoglossum (p. 255.) = Cynanchum Bungei Deecs.
Caprifoliaceen. Agardh weist nach, dass die scheinbare
Verwachsung der Ovarien zweier Blüthen bei Lonicera nur auf einer
Involueralbildung beruht, welche sie eng umschliesst und über sie hin-
wächst: hiernach ist dieses Involucrum ein mit den Bracteolen z. B.
von L. alpigena identisches Organ (Kongl. Vetensk. Akad. Handl. für
1846. p. 37--49.). Die generische Trennung von Isika Ag., welche
die Arten begreift, wo die äussere Fruchtschicht aus jenem Involuerum
hervorgeht, scheint dabei nicht erforderlich, — Aus einer Mittheilung
=
und systematischen Botanik während des Jahres 1848. 431
von Caspary (Bot. Zeit. 6. S. 681.) ergiebt sich, dass die sogenannten
Nebenblätter von Sambucus Zucker aussondernde Drüsen sind. — Ir=
misch (das. $. 894.) macht die wichtige und weiter zu verfolgende
Bemerkung, dass bei Cornus sanguinea und alba der Embryo horizon-
tal in der Frucht liegt, so dass also keine Radicula supera vorhanden
ist: bei C. mas ist dagegen die Lage des Embryo normal.
Rubiaceen. Weddel, der in der Folge ein schönes Kupfer-
werk über die Cinchonen herausgegeben hat, revidirt vorläufig die
Systematik dieser Gattung (Ann. sc. nat. III. 10. p. 1—14.). Indem
er sie mit mehreren neuen Arten bereichert, sondert er zugleich fol-
gende Typen ab: Cascarilla (p. 10.) = Cinchona sect, Cascarilla Endl.,
Gomphosia (p. 14.) = Exostemma dissimiliflorum R. $. nebst einer
neuen Art. — Eine neue Gardeniee aus Venezuela ist Stannia Kar-
sten (Ausw. Venez. 2. t. 9.).
Campanulaceen. Die Griffelhaare von Campanula sind nach
einer neuen Untersuchung Wilson’s, wodurch er seine frühern An-
gaben berichtigt, Sammelhaare für den Pollen, der, indem gleichzeitig
diese sich einwärts falten und die Narben sich ausspannen, leicht auf
die letzteren gelange (Lond. Journ. of Bot. 7. p. 92.): diese Ergeb-
nisse stimmen ganz mit denen Schleiden’s überein.
Cyphocarpaceen. Dies ist eine neue Familie, welche Miers
(Lond. Journ. of Bot. 7. p. 59—64.) auf die unbeschriebene, chilenische
Staude Cyphocarpus (p. 62.) begründet, die Bridges (coll. nr. 1293.)
bei Coquimbo entdeckt hat. Sie steht zwar den Lobeliaceen und Goo-
denovieen sehr nahe: allein da die Staminen über der Mitte der Co-
rollenröhre inserirt sind, so kann sie mit diesen nicht verbunden wer-
den und bildet vielmehr eine merkwürdige Mittelstufe zwischen den
Klassen der Campanulinen und Aggregaten Endlicher's. Zwar macht
der Verf, die wichtige Bemerkung, dass auch bei einigen Arten von
Lobelia eine Insertion der Staminen auf der Blumenkrone (dicht über
ihrer Basis) vorkomme: allein von den Lobeliaceen unterscheidet sich
Cyphocarpus auch durch getrennte Antheren; dagegen von den Goo-
denoviaceen durch das fehlende Grillel-Indusium und, wie es nach der
Beschreibung der Corolle scheint, durch die Stellung des fünften Kelch-
blatts, welches wie bei den Lobeliaceen hiernach von der Axe abge-
wendet sein wird. Die Aestivation der Corolle ist bei den Goodeno-
vieen nach Miers’ Beobachtung nicht einfach induplieirt, wie in sei-
ner neuen Gattung, sondern durch eine gegenseitige Einwickelung der
klappenförmig eingeschlagenen Ränder charakterisirt („marginibus ae-
stivatione inter se involuto-plicatis, plicaturis valvalim clausis“). Auch
sind in dem neuen Typus die maskirte Lippenblume, die zuletzt freie
Centralplacente und die Bildung der Narbe eigenthümlich. Nahe liegt
es auch die Pongatieen (Sphenoclea) zu vergleichen, die man zu den
Campanulaceen gestellt hat und die gleichfalls durch epipetalische In-
sertion abweichen : allein die fehlenden Sammelhaare des Griffels, die
432 Grisebach: Bericht üb. d. Leistungen in d. geographischen
an der Narbe vor Cyphocarpus nicht fehlen, macht deren Stellung doch
zweifelhaft und keinenfalls können sie mit letzteren vereinigt werden,
weil ihre regelmässige Blüthe, ihre sitzenden Antheren und die gerin-
gere Entwickelung des Albumens einer wahren Verwandischaft enige-
genstehen. Charakier von Cyphocarpus: 5, Yus 5, 2; calyx limbo
supero profunde 5-fido; corolla persistens tubo elongato cylindraceo,
labio superiori galeato in lobum oblongum excurrente, inferiori 4-fido,
palato gibboso plicis 3-intus prominulis aucto; stamina supra medium
tubum inserta, aequalia, inclusa, antheris erectis bilocularibus rima mar-
ginali dehiscentibus, polline globoso simplici ; ovarium cylindraceo-5-go-
num, biloculare, septo contrario tenui medio placentifero mox placenta
centrali superstite evanido, ovulis © adscendentibus; stylus basi annulo
einctus, glaber ; stigma capitato-bilobum, lobis clausis extus setosis de-
mum reflexis glabratis, sinu glandulifero ; capsula incurva, unilocularis,
rima longitudinali postice dehiscens, placenta cum stylo persistente
eontinua; semina © brevi funiculo suffulta, ovata,, testa reticulata, em-
bryone axili tereti, radicula infera; herba scabrida, foliis imis oblon-
gis dentiferis, inflorescentia spicata floribus bibracteolatis.
Goodenovieen. Neue Gattung: Linschotenia Vries. (ap.
Mitchell tropic. Austral. p. 345.): Halbstrauch im subtropischen Neu-
holland (s. o.), Dampiera nahe stehend, aber durch einen Appendix an
der inneren Seite der Corolle sehr ausgezeichnet („corollae lobi 2 mi-
nores interne appendice propria cuculliformi instructi«).
Brunoniaceen. Sie sind von A. De Candolle im Pro-
dromus (12. p. 615—616.) bearbeitet und zwischen die Globularieen
und Plumbagineen gestellt: sie bestehen auch jetzt nur aus den beiden
Smith’schen Arten.
Synanthereen. Fries hat eine klassische, an neuen That-
sachen überaus reiche Monographie der für die tiefere Begründung des
Artbegrilfs so wichtigen Gattung Hieracium publieirt (Symbolae ad hi-
storiam Hieraciorum in Act. Upsal. Vol. 13. 14., Separatabdruck von
220 pag. 4. Upsala, 1848.): da mich diese Arbeit zu einer besonde-
ren Publikation veranlasst, so gehe ich hier für jetzt nicht näher auf
den Gegenstand ein. — Stschegleew will Aplolaxis mit Saussurea
vereinigt wissen und zeigt die nahe Verwandtschaft von S. obvallata
Edgew. mit A. involucrata Kar. (Bullet. Mosc. 21.2. p. 241—247.). —
Neue Gattungen: Kegelia C. H. Schultz (Linnaea 21. p. 245.) =
Melampodii sp. Sw., aus Surinam und vielleicht identisch mit M. ru-
derale Sw.; Hymenoclea Torr. Gr. (ap. Emory p. 142.): Ambrosiee
in Oberkalifornien (s. 0.); Dicoris Torr. Gr. (das. p. 143.): Ivee da-
her (s 0.); Bailaya Harv. Gr. (das.): Helianthee daher, gleich den
beiden vorigen a. a. 0. ohne Charakteristik.
Valerianeen. Bei Valeriana ist nach Schnizlein (Bot.
Zeit. 6. S. 61.) die Blumenkrone durch eine Falte, wie durch eine
Scheidewand, in zwel Räume getheilt, von denen der kleinere den
und systematischen Botanik während , des Jahres 1848, 433
Griffel aufnimmt: bei Centranthus reicht diese Falte bis zum Schlunde
herauf. An der Corolle von Valerianella dentata bemerkt derselbe die
Andeutung eines Sporns und berichtigt den Galtungscharakter dieser
Pflanze.
Salvadoraceen. Planchon wird eine Monographie von
Salvadora publieiren (Ann. sc. nat. III. 10. p. 189—192., auch in den
Compt. rend. 27. p. 367—369.). Vorläufig theilt er die Ergebnisse
seiner Untersuchung mit, nach ‘welcher diese Gruppe, durch einen
falschen Gattungscharakter bis jetzt verlarvt, neben die Oleineen ge-
stellt werden muss , von denen sie sich durch Tetrandrie unterschei-
det. Mit Salvadora gehören ferner in dieselbe Gruppe: 1) die zwei-
felhaft zu den Ilicineen gestellte und von Gardner und Wight zu
einer besonderen Familie erhobene Cap’sche Gattung Monetia, mit
welcher der irrthümlich bei den Celastrineen untergebrachte javanische
Actegiton, nach Planchon, zusammenfällt; 2) Dobera Juss., ein ara-
bischer Baum, mit dem der abyssinische Schizocalyx Hochst., welchen
man unter die Meliaceen gestellt hatte, identisch ist. Aus dem abgekürzten
Familiencharakter Planchon’s entnehme ich Folgendes: 4, 4, 4, 2;
calyx 4-denticulatus; corolla marcescens, profunde divisa, imbricativa;
stamina epipetala , antheris bilocularibus introrsis; discus hypogynus
4-lobus; ovarium superum, biloculare, loculis biovulatis, ovulis ana-
tropis supra basin septi adscendentibus, stigmate subsessili bilobo;
bacca 1-2-locularis, 1-4-sperma; semina exalbuminosa , radicula in-
fera, cotyledonibus carnosis plano -convexis; — spicae paniculatae ;
folia integerrima, opposita, minute biauriculata,
Plumbagineen, Diese Familie ist durch die vorzügliche
Bearbeitung Boissier’s im Prodromus (12. p. 617—696.) sowohl an
neuen Formen bereichert als durch Begründung natürlicher Gattungen
und Sectionen ungemein gefördert worden. Ausser Acantholimon wird
jetzt auch Goniolimon (p. 632.)- = Statice sect. Tropidice Spicil. rum.
generisch abgesondert und durch neue und scharfe Charaktere in der
Griffel- und Narbenbildung festgestellt.
Proteaceen. Neue Gattung: Orothamnus Pappe (Bot. mag.
t. 4357.), vom Cap, neben Mimetes gestellt.
Nyetagineen. Duchartre beschäftigte sich mit der Genese
der Blüthenorgane und des Embryo’s dieser Familie (Ann. sc. nat. III,
9. p. 263—284. tab. 16—19., auch Compt. rend. 26. p. 417—501.).
Die Vermuthung des älteren Jussien, dass der verhärtende Theil des
Perigonium von Mirabilis ein Kelch sein könne, dessen ungetheiltem
Rande eine Corolle inserirt werde, wird durch die Entwickelung dieses
Wirtels widerlegt, die ein einfaches System von Blättern nachweist.
Die Verwachsung der Staminen erfolgt durch Symphyse. Wenn die
Zahl derselben die der Perigonialblätter übertrifft, wie bei Bougainvil-
lea, so alterniren zwar Anfangs beide Wirtel, wie bei der pentandri-
schen Mirabilis, während die überzähligen Staminen, 2 oder 3 an der
Archiv f, Naturgesch. XV. Jahrg. 2, Bd, Ce
434 Grisebach : Bericht üb. d. Leistungen in d. geographischen
Zahl, welche mit den übrigen zu demselben Kreise gehören, in ihrer
Ausbildung zurückstehen und ihrer Stellung nach den Perigonialblättern
opponirt sind: bald aber wachsen sie auch stärker aus, drängen die
übrigen aus ihrer Lage und so hört alle Symmetrie der Stellung zwi-
schen den 5 Perigonialblättern und den 7 bis 8 Staminen auf. Diese
Entwickelungsweise, welche Duchartre als Intercalation der Organe
eines Wirtels von der Wirtelvermehrung sowohl als von der Verviel-
fältigung der Organe durch Theilung unterscheiden will, scheint jedoch
recht wohl auf den idealen Abort eines äusseren dem Perigonium op-
ponirten Staminalkreises zurückgeführt werden zu können, von dem
bei Bongainvillea 2 oder 3 Organe sich entwickeln: denn es können
auch Organe verschiedener Wirtel durch Symplıyse verbunden werden
und dadurch in der Erscheinung als ein einziger Wirtel sich darstellen.
Sehr gelungen sind Duchartre’s Beobachtungen über die Entwicke-
lung des Pistills: ein einziges, lange Zeit offen bleibendes Karpophyli
bildet das Ei an seinem Basilartheil, die Ränder verwachsen und zu-
letzt bleibt nur noch eine mikroskopische Apertur an der Ventralseite
übrig (fig. 22.); der Griffel ist ein solider Fortsatz des Medianus ohne
Kanal, der an der Spitze in die zahlreichen, drüsentragenden Narben-
arme sich theilt. Das Ei, mit 2 Integumenten versehen, bildet nach
Duchartre eine Mittelstufe zwischen dem kampylotropen und ana-
tropen Ei: allein die Hemitropie ist sehr unbedeutend und man kann es
recht wohl als kampylotrop bezeichnen. Der merkwürdigste Punkt in
Duchartre’s Untersuchung ist seine Beobachtung über die Bildung
des Embryo. Der Embryosack theilt sich nämlich bei Mirabilis durch
Einschnürung (fig. 61.) in eine obere und untere Zelle: die letztere,
der Mikropyle zugewendet, ist die Bildungsstätte des Embryo, während
in der oberen Zelle 3 Tochterzellen durch Theilung des ganzen Raums
entstehen (fig. 74. 75.), die nicht wieder verschwinden und vielleicht
als die rudimentäre Andeutung eines Endosperms betrachtet werden
können. Dass übrigens das Albumen der Nyctagineen Perisperm ist
und der Embryo sich krüämmend dasselbe gerade wie bei den Caryo-
phylleen durchwächst, wird durch Duchartre’s Tafeln bestätigt. Die
Primordialzelle des Embryo besitzt, während sie anfängt sich zu thei-
len, zugleich eine Suspensor-Zellenreihe nach aussen (fig. 53.) und
dieser Fortsatz ist es, der nach Duchartre mit dem Pollenschlauche
sich begegnet. — v. Schlechtendal begann eine Arbeit über Pi-
sonia (Linnaea 21. p. 603—608.): er giebt zunächst einen genaueren
Gattungscharakter.
Polygoneen. Neue Gattung: Eucycla Nutt. (Pl. Gambel.) =
Eriogoni sp. Torr., aus Oberkalifornien.
Chenopodeen. Basiner beschreibt den eigenthümlichen
Bau des Holzkörpers von Anabasis Ammodendron, dem 15—20’ hohen
und 8” dicken Saxaul-Baum (v. Baer und Gr..Helmersen Bei-
träge zur Kenntn. des russ. Reichs. Bd, 15. S. 93... Das Cambium
und systematischen Botanik während des Jahres 1848. 435
bildet keinen gleichmässigen Jahresring rings um den Stamm, sonderh
„uur wulstförmige ,* nach der Axenrichtung „herablaufende und sich
bisweilen netzartig vereinigende Streifen, die sich durch die grünliche,
in’s Braune spielende Farbe von dem an den Zwischenräumen zu Tage
liegenden älteren Holze unterscheiden.“ Diese Holzstreifen rücken nach
oben um so dichter zusammen, je dünner die Axentheile werden, so
dass sie an den jüngsten Zweigen geschlossene Cylinder werden:
ein deutlicher Beweis für die Bildung des Cambiums in den Blät-
tern, so wie auch die unterdräckte Entwiekelung der Blätter dieses
Baums das unvollkommene Wachsthum des Holzkörpers erklärt. Das Holz
ist von ausserordentlicher Härte, das specifische Gewicht = 1,07, dabei
ist aber die Sprödigkeit so gross, dass man ziemlich dicke Aeste mit der
Hand abbrechen kann. Sinnreich bemerkt hierüber der Reisende, dass
dieser Baum auch deshalb keine Blätter habe, weil jeder Windstoss ihn,
wenn er belaubt wäre, zerbrechen würde: ebenso gut kann man sa-
gen, dass das dürre Klima der Steppe keine belaubte Bäume erträgt,
"und dass die Blätter, weil sie rudimentär bleiben , wenig Holz erzeu-
gen und dass dieses Holz um so mehr Festigkeit haben muss, je ge-
ringer seine Masse ist.
Saliceen. Wimmer hat seine Untersuchungen über spontane
Hybridität bei den Weiden (s. vor. Jahresb.) fortgesetzt (Regensb.
Flora f. 1848, S. 305—314. 321—334.): ich muss indessen jetzt be-
merken, dass meine neueren Beobachtungen, an Salix rubra angestellt,
diesen Ansichten nicht günstig sind.
Urticeen. Eine ausgeführte Monographie der Ulmaceen und
Celtideen verdanken wir Planchon (Ann. sc. nat. III. 10. p. 244—
341.): er betrachtet diese Gruppen mit Recht, nach Treecul’s Vor-
gange, so wie diejenigen, in welche man die Urticeen aufgelöst hatte,
als Glieder einer einzigen Familie, deren Uharakter und Grenzen er
feststellt. Er sondert namentlich folgende Gruppen und zweifelhafte Gat-
tungen ab: die Antidesmeen, Cynocrambeen, Gunneraceen, Putranjiveen
Scepaceen (wobei Aporosa Bl. für identisch mit Scepa erklärt wird) und
die Phytocreneen; ferner Bosea (Chenopodee nach Webb), Bruecea
Gaud. (Euphorbiacee nach Pl.), Euptelea Zuce. , Sciaphila (mit Triuris
Mrs. sehr nahe verwandt und daher monokotyledonisch). Die Phy-
tocreneen (s. vor. Jahresb. S. 340.) werden von Planchon den
Olaeineen durch Gomphandra verwandt gehalten und nehmen nach ihm
folgende Typen auf: Pyrenacantha Hook. (Syn. Adelanthus End]. gen.
dub. sed, — Cavanilla Thunb. und Jenkinsia Griff), Miquelia Meissn.
(Araliacee bei Wight), Sarcostigma W. A. (Hernandiacee bei Endlicher),
Natsiatum, Jödes Bl. (Menispermee bei dem Gründer) und Gynocephalium.
Die wesentlichen Charaktere der Ulmaceen, mit welchen Plan-
ehon die Celtideen vereinigt, sind nach ihm folgende : 3—9, 3—9, 1;
Nlores hermaphroditi-polygami ; stamina (hypogyna, was irrig ist,) pe-
rigonio imbricativo opposita, antheris aestivatione non inversis (wie dies
436 Grisebach: Bericht üb. d. Leistungen in d. geographischen
bei Morus der Fall ist), connectivo obsoleto; ovarium a perigonio di-
stinetum, uniovulatum, ovulo pendulo anatropo aut hemitropo, stylo bi-
partito; achenium albumine o v. tenui; pl. lignosae succo aqueo, fo-
liis alternis distichis, stipulis caducis, pedicellis articulatis, pubescentia
aspera neque urente. Die Elasticität und linospenlage der Staminen
ist in dieser Gruppe von geringerer Wichtigkeit, als bei anderen Urti-
ceen: aufrecht liegen sie in der Knospe bei Ulmus, einwärts bei den
Celtideen und bei Celtis tetrandra bemerkte Roxburgh die Irrita-
bilität von Urtica, die übrigens den Ulmaceen fremd ist; ein sehr aus-
gezeichneter und übersehener distinkter Charakter für die Ulmideen
besteht auch in den nach aussen geöffneten Antheren. Der erst
von Kunth berichtigte Irrthum , dass bei Ulmus das Ovarium, zwei-
fächerig sei, wird dadurch aufgeklärt, dass zuweilen zweiläche-
rige Samaren sich ausbilden, wobei das eine Fach kleiner ist und
taub bleibt: diese monströse Bildung wird bei Holoptelea in den Gat-
tungscharakter aufgenommen. Das Ei der Ulmaceen zeigt die Eigen-
thümlichkeit, dass Hilum und Chalaza sich nie genau entsprechen, und
dass daher eine wahre Kampylotropie niemals anzunehmen ist, so sehr
die Hemitropie sich bei Celtis auch dieser Bildungsweise nähert; die-
selbe geht andererseits bei Ulmus in reine Anatropie über. Auch der
Embryo hat zwei Bildungsformen: er hat ebene Kotyledonen bei Ul-
mus, während bei Holoptelea diese sich vom Medianus aus über ein-
ander zusammenfalten, also sich ähnlich wie die conduplicirten Koty-
ledonen der Cruciferen verhalten. — Den Blüthenstand führt Plan-
chon auf die Cyma zurück und bemerkt, dass die Blüthenstiele ohne
Ausnahme eine Gliederung zeigen. Mannichfaltigen Typen folgt die
Entwickelungsperiode der Blüthen: bei Ulmus nennt Planchon die-
selben nati posthumi, weil sie im Frühling an blattlosen Zweigen des
vorigen Jahres entstehen; bei Celtis und Planera tragen die Zweige
in demselben Jahre Blüthen und Blätter ; und an den Grenzen der tro-
pischen Zone giebt es immergrüne Ulmen (z. B. U. parvifolia), die an
vorjährigen Zweigen gleichzeitig vorjährige Blätter und disjährige Blü-
then besitzen. — Die Stellung der Blätter ist beständig: doch ver-
dient es eine erneuerte Untersuchung, dass nach einer alten Beobach-
tung Adanson’s die Primordialblätter von Ulmus opponirt sein sollen.
Uebersicht der Ulmaceen-Gattungen nach Planchon: Subtrib. 1. Ul-
ınideen. Antherae extrorsae. Rudimentum ovarii in flore 210. Albumen o.
— a. Ulmeen. Samara a latere compressa, raphe cotyledonum commissurae
respondente. Filamenta aestiv. recta. Holoptelea Pl. (p. 259.) = Ulmus
integrifolia Roxb.; Ulmus, womit Mieroptelea Sp. verbunden wird, mit 13
Arten, wovon nur eine indische neu ist. — b. Planereen. Utriculus, raphe
cotyledonum dorso respondente. Filam (sec. Spach.) aestiv. incurva. Pla-
nera, womit Zelkova Sp. wieder vereinigt wird. — Subtrib.2. CGeltideen.
Antherae introrsae. Rudimentum ovarii in flore 7 obvium (floribus
polygamis). Albumen parcum. Filamenta aeslivatione incurya, Celtis,
und systematischen Botanik während des Jahres 1848. 437
wozu Mertensia reducirt wird, mit 52 sp.; Sponia mit 34 sp.; Apha-
nanthe Pl. (p. 265.): neue Gattung von den Philippinen, durch monoe-
cische Blumen und Atheiliges Perigonium von Sponia verschieden; Ne-
mostigma Pl. (ib.) = Gironniera Gaudich. (Voy. de la Bonit. t, 85.) et
Antidesma sp. Wall. nr. 7289,, mit 4 Arten ; Chaetachme Pl. (p. 266.)=
Celtis aristata etc. E. Mey., eine Art vom Cap, diklinisch und mit der
Frucht von Urostigma, dalıer und weil auch die axillären Nebenblätter
von den übrigen Celtideen abweichen, vielmehr bei einer anderen Tri-
bus der Urticcen unterzubringen.
Balanophoreen. Die von Göppert emendirte Gattung Rho-
palocnemis Jungh. u. Göppert (Nov. Act. Leop. 22. p. 148. t. 11—
15.), von Junghuhn in Java entdeckt, steht neben Helosis und hat
folgende Charaktere: Flores dioeci, bracteati; 7 perigonio 4 -fido,
staminum columna in antheram mutilocularem abeunte; 2 ovario bilo-
eulari, stylis 2, stigmatibus 6-fidis, fructu uniloculari.
Casuarineen. Miquel hat die Casuarinen monographisch be-
arbeitet und mehr als 30 Arten gründlich auseinandergesetzt (Revisio
crilica Casuarinarum in Nieuwe Verhandl. der I. Klasse v. h. Nederl.
Instit. Amsterd., 1848. p. 267—350. u. 12 Taf.).
Cycadeen. Miquel setzt über diese Familie seine systema-
tischen Beiträge fort (Tijdschr. voor Wetenschapen, Deel1. p. 33—43.,
103—109. u. 197—208. : Beschreibungen neuer Arten : Deel 2. p. 280
—302.: Epierisis systematis Cycadearum; Linnaea, 21. p. 563—568.:
Nachträge). In dem letztgenannten Aufsatze ist auch die Keimungs-
geschichte eines Encephalartus enthalten, woraus sich ergiebt, dass der
Embryo, völlig dikotyledonisch, sich ‘durch eine sehr entwickelte Plu-
mula auszeichnet und darin sich den Coniferen anschliesst,
Monokotyledonem
Ueher das Wachsthum der Gewebe bei den Monokotyledonen
stellt Henfrey einige Betrachtungen an, die er durch die Analyse
des Samens von Sparganium erläutert (Ann. nat. hist. Il. 1. p. 180—187,
und tab. 9. 10.).
Aroideen. Neue Gattung: StaurostigmaScheidweiler (Allg.
Gartenz. 1848. nr. 17.): Zwiebelgewächs aus Brasilien.
Orchideen. Neue Gattungen : Dubois- Reymondia Karsten
(Bot. Zeit. 6. S. 397.) = Duboisia im vor. Jahresb. ; Ornithocephalus
Focke (Tijdschr. voor Wetenschapen 1. p. 211.) und Plectrophora ej.
(Gb. p. 212.): beide aus Surinam (vergl. auch desselben Enumeratio
quarundam ÖOrchidearum surinamensium das. 2, p. 194—204.).
Burmanniaceen. Neue Gattung: Ophiomeris Mrs. (Proceed.
Linn. Soc. 1847, Apr.): 2 parasitische, 1—3 Zoll hohe, einblüthige,
blattlose Knollenpflanzen bei Rio de Janeiro, die nahe mit Thismia ver=
438 Grisebach: Bericht üb. d. Leistungen in d, geographischen
wandt sind. , Bei diesem Anlass giebt Miers eine schätzbare Ueber-
sicht .der,nach ihm zu, den Burmanniaceen gehörenden Gattungen : Trib.
1.,Burmannieen.. Perigonium tripterum. Stamina,3. Ovarium trilocu=-
lare, placenta centrali. — Burmannia; Gonyanthes. Trib. 2. Apterieen.
Perigonium simplex. Stamina 3. Ovarium uniloculare, placentis 3 pa-
rietalibus. — Dictyostega; Cymbocarpa; Apteria; Gymnosiphon. Trib, 3,
Thismieen. Perigonium simplex. Stamina 6. Ovarium uniloculare, pla-
centis 3 parietalibus, pericanpio ceircumscisso. — Thismia (corollae tubo
aequali, staminibus monadelphis); Ophiomeris (corollae tubo gibbo, sta-
minibus distinctis).
k Dioskoreen, Eine Abhandlung über die Systematik dieser
Familie erschien von Kunth (Abhandlungen der Berliner Acad. f. 1848.
$. 51—73.). Diese Gruppe kann, nach seiner Ansicht, füglich als eine
Abibeilung der Smilaceen betrachtet werden, von denen sie sich nur
durch das Ovarium inferum unterscheidet. Ihre Gattungen sind, wie
schon dass Verbältniss von Tamus und Dioscorea andeutet, nach der
Fruchtbildung zu begrenzen, während ich in einer früheren Arbeit
versucht habe, auf die Verschiedenheiten in dem Bau der männlichen
Blüthe die Sectionen der artenreichen Gattung Dioscorea zu begrün-
den. Diesen Grundsalz erkennt Kunth als richtig an, wiewohl er in
der Anwendung desselben, zum Theil nach individuellen Auffassungen
der Verwandtschaft, zum andern Theil auf den Grund reicherer Mate-
rialien yon mir abweicht. In der letzteren Beziehung sind namentlich
seine neuen Gattungen und die verbesserte Charakteristik der frühe-
ren anzuerkennen: Dioscorea wird auf die mit einem Flügelrand am
Samen versehenen Arten (semina ala cincta) eingeschränkt, davon Te-
studinaria durch Semina apice alata und die neue Gattung Helmia (p.
55 = Diosc. sp. 30.) durch Semina basi alata unterschieden ; Rajania
hat ebenso wie die übrigen Dioscoreen in jedem Fache des Ovarium’s
zwei Eier. — In dem am Schlusse der Abhandlung gegebenen Fami-
liencharakter ist die genauere Darstellung des Samens bemerkens-
werth ; die Höhlung des Albumens fehlt bei Tamus, übrigens ist sie am
richtigsten als eine Cavitas centralis amplissima nach Gärtner zu be-
zeichnen ; auch der Embryo ist bei Tamus eigenthümlich gebildet: e.
ovato-conieus, albumine inclusus, fissura transversa in basi cotyledonis
eonicae incisus; bei den übrigen: e. spathulatus, asummo vavitatis an-
gulo exceptus, cotyledone plana basi excavato -semivaginante, plumula
minutissima.
Smilaceen. Kunth hat ebendaselbst ($.31—49.) such die
von ihm zu den Smilaceen gerechneten Gattungen der Kritik unterwor-
fen und folgende neue Typen, unterschieden : Trillidium (S. 31.) —
Trillium Goyianum Wall.; Asteranthemum. (S. 33.) — Smilacina stel-
lata, dahurica und trifolia; Jocaste (das..) = Sm. purpurea; Medora
(S. 34.) = Sm. fusca; Coprosanthus (S. 35.) — Smilax herbacea etc.
oler die gleichnamige Section dieser Gattung bei Torrey; Heterosmilax
und systematischen Botanik während des Jahres 1848, 439
(8. 36), von Smilax durch ein Perigonium 2 monophylium , ore con-
strietum unterschieden; Clara (S.44.), eine neue, brasilianische, ne-
ben, Herreria stehende Gattung, die Kunth nicht zu den Smilaceen
zählt, indem er die Herreriaceen als besondere Familie anerkennt. —
Einige der bedeutendsten Berichtigungen bei älteren Gattungen sind
folgende: Luzuriaga hat in jedem Fach ungefähr 6 anatrope Eier; bei
Callixine ist der Embryo bisher irrig beschrieben: e parvus, inclusus,
cylindrieus, exostomio contiguus ; Bulbospermum .Bl. ist in erweiterter
Fassung nahe mit Peliosanthes verwandt und vorzüglich durch freies
Ovarium , ungetheilte Narbe und 3—+ Eier im Fache verschieden. —
Die Aspidistreen werden charaklterisirt und bestehen bei Kunth aus
folgenden Typen: Aspidistra; Pleciogyne , durch 6 Eier in jedem Fach
von jener verschieden ; Tupistra; Macrostigma Kth. (p. 48.): eine Tu-
pistra ähnliche Pflanze des Berliner Gartens, von unbekannter Her-
kunft; Rohdea. !
Gramineen. &Ü. Koch erörtert die Morphologie der Gras-
blüthe (Linnaea, 21. S. 365—369.): er erklärt sich für Schleiden’s
Auffassung, indem er dessen Abbildung der Entwickelungsgeschichte
von Agrostis für einen unwiderlegbaren Beweis hält, dass die Palea
superior aus 2 Blättern hervorgehe: allein diese Figur selbst (Grund-
züge, 2. t. 2. lig.22.) zeigt für beide Seitenhälften derselben eine
gemeinsame Basis. Ob man diese Torus oder Blattbasis nennen will,
ist eben nicht mehr Sache der Beobachtung, sondern der Deutung und
eben deswegen die Entwickelungsgeschichte nicht der einzige Weg
zur Lösung der Frage. Koch’s eigene Beobachtung der Entwickelung
ist mir nicht verständlich, indem er von einem Deckblatte spricht,
„welches, wie bei Umbelliferen und Cruciferen , sehr zeitig abfällt«
und das „Nägeli wahrscheinlich als die spätere Spelze ansah“: ein
solches Deckblatt scheint weder Schleiden noch irgend ein Ande-
rer zu kennen. — Neue Gattungen: Anisantha C. Kch, (das. S. 394.):
jährige Avenee aus Armenien; Wilhelmsia C. Kch. (p. 400.): aus
Grusien,, neben Echinaria gestellt; Roegneria C. Kch. (das. S. 413.),
von Brachypodium wenig verschieden , in Wäldern des östlichen Kau-
kasus ; Cienopsis de Notar. (Sem. Genuens. a. 1847., daraus in Ann,
sc, nat. 111.9, p. 324.) = Festuca pectinella Del., nahe mit Leptochloa
verwandt,
Kryptogamen.
Körber hat eine Anleitung zum Studium der kryptogamischen
Gewächse herausgegeben (Grundriss der Kryptogamen-Kunde. Breslau,
1848. 8. 203 pag.) — Die Darstellung der auf die Sexualität der Kry-
ptogamen bezüglichen Thatsachen von Dougall enthält keine neue
Gesichtspunkte (Ann. nat, hist, II, 1. p. 236, 238. 464.). — Auf nicht
naturwissenschaftlichem Boden steht das Buch von Eisengrein über
440 Grisebach: Bericht üb. d. Leistungen in d. geographischen
die Gefässkryptogamen (die Pflanzenordnung der Gonatopteriden oder
Hydropteriden. Frankf., 1848. 8. 584 pag.).
Lykopodiaceen. Von Spring’s im nächsten Jahresberichte
zu besprechender Monographie dieser Familie erschien ein Prodromus
im Bulletin der Brüsseler Akademie (Vol. 15. P. 1.). — K. Müller be-
schrieb die Keimung von Isoetes lacustris (Bot. Zeit. 6. S.297. 313.
329. 345. Taf.2.): gegen diese Arbeit werden von Mettenius (das.
S. 688.) bedeutende Ausstellungen gemacht, indem dieser behauptet,
Müller habe „die Sporenzelle bei Isoätes ebenso wie früher bei Ly-
copodium übersehen“ und „seine Beobachtungen an bereits keimenden
Sporen angestellt.“ Die spätere Entwickelung der Keimpflanze ist
durch die Figuren Müller’s sehr anschaulich dargestellt: aus einer
kugelförmigen Mutterzelle (fig. 7.) wird ein Gewebe, an dem sich bald
Stengel (Nahrungsspeicher M’s) nach unten und hinten, Wurzelanlage
nach unten und vorn, so wie erstes Blatt nach oben und hinten un-
terscheiden lassen ; nach oben und vorn entsteht sodann das zweite (fig.
13.', zwischen dem zweiten und ersten das dritte Blatt. Dunkel bleibt
das Verhältniss jener Mutterzelle zur Spore: es entwickelt sich offen-
bar aus letzterer ein cellulöser Körper, welcher zwar die Kugelge-
stalt der Spore besitzt, aber morphologisch als Proembryo gelten müsste;
es scheint nun, dass in einer grösseren Centralzelle desselben sich
Stärkemehl ablagert und in diesem Stärkemehlbehälter sich auch die
Primordialzelle der Keimpflanze bildet: aber diese Centralzelle (fig. 3.)
und deren vorherige Theilungen und sonstige Bildungsprocesse sind von
Müller undeutlich aufgefasst.
Farne. Die wichtigste Entdeckung des verflossenen Jahres
ist die Befruchtung der Farne an deren Proembryo, welche Gr. Less-
czyk-Suminsky nachweist (Zur Entwickelungsgeschichte der Farn-
kräuter. Berlin, 1848. 4. 26 pag. u. 6 Taf.). Ausser den Antheridien
finden sich am Proembryo, von dessen unterer Fläche oder vom Rande
gleich jenen frei hervorragend, Eier, die ihrer Struktur! nach mit ei-
nem nackten Nucleus verglichen werden können, der aus einer gros-
sen Zelle (dem Keimsack) im Innern einer einfachen Zellenschicht be-
steht und die Bildungsstätte des Wedelkeims ist. Sieht man nun auch
von dem zweifelhaften Eindringen der mit Wimpern versehenen Phy-
tozoen in diesen frühzeilig geschlossenen Nucleus ab, so ist doch das
dynamische Verhältniss beider Organe, d.h. das Zusammenwirken der-
selben zum Behufe der Bildung der Keimpflanze im Keimsack nicht in
Abrede zu stellen. Der wichtigste Punkt ist in dieser Rücksicht die
vollkommene Analogie zwischen der Entwickelung des Embryo’s der
Phanerogamen aus einer vom Gewebe des Embryosacks frei bleibenden
Primordialzelle mit der Entstehung und Fortbildung des Wedelkeims in
der Flüssigkeit des Keimsacks der Farne. Was man bisher für eine
Knospenbildung am Froembryo hielt, kann nicht mehr dafür gelten,
weil jede Knospe wenigstens bei ihrer Entstehung in organischem Ver-
und systematischen Botanik während des Jahres 1848. 441
bande mit ihrer Matrix ist oder mit anderen Worten aus einer Zellen-
theilung, nicht aus einer freien und wie beim Embryo, frei bleibenden
Zellenbildung hervorgeht. — Die systematischen Folgen dieser Ent-
deckung sind weder vom Entdecker selbst, der die Farne nunmehr für
Monokotyledonen erklärt (S. 21.), noch von Anderen richtig gewürdigt
worden. Allerdings kann die Befruchtung nicht zur Unterscheidung der
Phanerogamen und Kryptogamen dienen: allein dies war schon früher
eip ungenügendes Merkmal, während der positive Charakter der Krypto-
gamen, die Reproduction der Individuen durch einfache Zellen, die, von
von der Mutterpflanze ‘getrennt, sich fortbilden, auch nach Suminsky’s
Entdeckung bestehen bleibt. Grosse Aehnlichkeit hat die Befruchtung
der Farne offenbar mit dem Generationswechsel, welchen Steen-
strup in fast allen unteren Thierklassen (z. B. Akalephen , Polypen,
Mollusken) nachgewiesen hat: geschlechtslose Individuen erzeugen Me-
tamorphosen mit einem Geschlechtsapparat, wobei nun wieder verschie-
dene Fälle möglich sind, je nachdem der erste Zeugungsakt der ge-
schlechtslosen Individuen oder die Fortpflanzung ihrer Metamorphosen
oder beide Akte mit einer Vervielfältigung der Individuenzahl verbun-
den sind. So haben wir bei den Farnen den ersten Fall, der bei den
Thieren, wo die beiden anderen Fälle vorkommen, noch nicht beob-
achtet zu sein scheint: Vervielfältigung am geschlechtslosen Individuum
(dem Wedel), keine Vervielfältigung, sondern einfache Metamorphose
bei der Erzeugung des Wedels durch die Sexualorgane des Proembryo.
Physiologisch kann dieser Vorgang so aufgefasst werden , dass die in
zwei verschiedenen Organen gebildeten und durch die Bewegung des
einen zum anderen (Befruchtung) vereinigten Nahrungsstoffe hier nicht
zur Fortpflanzung, sondern zur Entwickelung eines Organismus dienen, der
im Leben des Individuums die Bedeutung der Knospe hat. Morphologisch
besteht die Eigenthümlichkeit der Farne darin, dass Jie Fortpflanzungszel-
len (Sporen) nicht die Kraft haben, die Organe des mütterlichen Organis-
mus hervorzubringen, sondern nur einen Thallus (den Proembryo) erzeu-
gen, an welchem die zu jenem Zwecke wesentliche Befruchtung nachge-
holt wird: wollte man diese Einrichtung mit der der Phanerogamen paral-
lelisiren, so könnte man den Proembryo mit Zellenbildungen im Embryo-
sack vergleichen, welche der Befruchtung vorausgehen oder unabhängig
von ihr stattfinden (Endosperm). Die schärfere Auffassung des bisher man-
gelhaft entwickelten und nieht morphologisch, sondern physiologisch zu
bestimmenden Begriffs des vegetabilischen Individuums, so wie eine
bereicherte Erfahrung über das Wesen der Befruchtung , welche mög-
licher Weise nicht auf die Fortpflanzung beschränkt, sondern auch in
der Entwickelungsgeschichte der Organe denkbar ist, werden vielleicht
zu einfacheren Ideen über den Generationswechsel der Farne führen :
allein für ihre systematische Stellung steht es schon jetzt fest, dass
Suminsky’s Entdeckung keine Acnderung derselben nothwendig
macht, Sie bleiben von den Phancerogamen dadurch getrennt, dass ihre
442 Grisebach: Bericht üb. d. Leistungen in d. geographischen
Fortpflanzungszellen als solche vom Wedel sich ablösen-und dass die. Be-
fruchtung nicht durch Pollenschläuche , sondern durch Phytozoen ver-
mittelt. wird ; sie, behaupten den obersten Platz in der Reihe der Kıy-
plogamen, weil sie in ihrem Befruchtungsapparat sich den Moosen. am
nächsten anschliessen, aber durch ihren Generationswechsel und die da-
durch bewirkte köhere Ausbildung der Organe sich weit über diesel-
ben erheben. — Presl hat Untersuchungen über den Verlauf der Ge-
fässbündel, im Farnstamm bekannt gemacht (Abhandl. der böhm. Ge-
sellsch, Fünfte Folge, Bd. 5. S. 307—357.u. Taf. 7.). — Von Kunze's
Kupferwerk über Farne erschien die erste Lieferung des zweiten Ban-
des (Leipz. 1848. 4.) : tab. 101—110. — Neue Gattungen: Mona-
chosorus Kz. (Bot. Zeit. 6. S. 119. und sodann am ebengenannten Orte
tab. 101.): Polypodiacee aus Java; Ampelopteris Kz. (das. S.114.):
ebenfalls aus Java, mit Gymnogramme nahe verwandt und noch unvoll-
ständig bekannt.
Moose. Schimper hat Untersuchungen über die Anatomie
und Morphologie der Moose herausgegeben (Recherches anatomiques
et morphologiques sur les mousses. Strassb, 1848, 4. 92 pag. mit 9
Taf.): die Darstellung des Peristoms, wonach z. B. die Zähne Zellen-
reihen sein sollen, ist nach den Beobachtungen von Lantzius (s. vor,
Jahresb.) vollkommen unrichtig, wie sich aus dessen in den Leopoldini-
schen Akten erscheinenden Tafeln ergeben wird; in Hinsicht auf die
Vegetationsorgane stimmen Schimper's Ergebnisse mit denen Nä-
geli’s (Jahresb, f. 1845.); die ganze Abhandlung enthält übrigens
eine reichhaltige Auffassung der Thatsachen und zeichuet sich durch
Beobachtungen über die Sterilität nicht befruchteter Moose aus. —
Eine ähnliche Beobachtung theiltK. Müller mit (Bot. Zeit. 6. S. 619.):
durch eine Monstrosität waren die Perichätialblätter der weiblichen
Pflanze seines Leucobryum giganteum umgebildet, hatten Antheridien
entwickelt und nur diese monströsen Exemplaren trugen Sporangien,
— Eine alle Moose umfassende, systematische Bryologie hatK. Müller
begonnen und dieselbe im J. 1848. bis zum dritten, im J. 1849. bis zum
fünften Hefte geführt (Synopsis Muscorum frondosorum omnium hucus-
que cognitorum. Vol. 1. Berol., 1848—49. 8. 812 pag.). Uebersicht
seines System’s, so weit es bis dahin vorlag, wobei das Princip zu
Grunde liegt, dass die Tribus nach der anatomischen Textur der Blät-
ter zu charakterisiren sind: A. Schistocarpi: theca valvis dehiscens.
Andreaea. — B. Uleistocarpi : theca indehiscens. Trib. 1. Bruchiaceae.
(Archidium, Astomum, Bruchia). Trib. 2. Phascaceae. (Acaulon , Pha-
scum). Trib. 3. Ephemereae. (Ephemerum, Ephemerella M. — Phasc.
recuryifolium, Voitia). C. Stegocarpi: theca operculo dehiscens. a. Acro-
carpi .(d. h. naeh Müller’s Begrifisbestimmung: axis primarius theca
terminatus). aa. Distichophylli. Trib. 1. Schistostega. Trib. 2. Dre-
panoplyllum. Trib. 3. Distichiaceae. (Distichium, Eustichia). Trib. 4.
Fissidens. = bb. Polystichophylli. «. Folia papillosa. Trib. 1. Leu-
E
f
und systemätischen Botanik während des Jahres 1848. 443
cobryaceae (Leucobryum, Schistomitrium, Leucophanes, Arthrocormus,
Octoblepharum). Trib. 2. Sphagnum. £. Folia epapillosa. ««. F. laxe areo-
lata. Trib. 1. Funarioideae. Subtr. 1. Funariaceae. (Funaria, Pyrami-
diun, Physcomitrium, Entosthodon, Amblyodon). Subtr. 2. Splach-
naceae. (Gallungen, wie bei Bruch und Schimper). Trib. 2. Discelia,
Trib. 3. Buxbaumia. — 8. Folia dense areolata. Trib. 1. Mnioideae.
Subtr. 1. Mniaceae. (Cinclidium, Mnium, Hymenodon, Georgia — Tetra-
phis, Leptotheca, Leptostomum, Timmia). Subtr. 2. Polytrichaceae. (Ca-
tharinea, Polytrichum, Dawsonia, Lyellia). Trib. 2. Bryaceae. (Mielich-
hoferia, Leptochlaena, Orthodontium , Bryum). Trib. 3. Dicranaceae.
(Blindia, Eucamptodon, Dienemon, Pilopogon, Holomitrium, Dieranum).
Trib. 4. Leptotrichaceae. (Brachyodus, Campylostelium , Seligeria, Gar-
ckea M., Eceremidium, Angströmia, Leptotrichum, Lophiodon, Tremato-
don, Symblepharis). Trib. 5. Bartramioideae. Subtr. 1. Meeseaceae,
(Meesea, Paludella). Subtr. 2. Bartramiaceae. (Conostomum, Bartramia,
Oreas, Catoscopium). Trib. 6. Pottioideae. Subtr. 1. Calymperaceae.
(Encalypta, Calymperes , Syrrhopodon). Subtr. 2. Pottiaceae. (Pottia,
Schistidium, Trichostomum, Barbula, Ceratodon, Tridontium, Weisia incl.
Gymnostomo et Hymenostomo). Subtr. 3. Orthotrichaceen. (Zygodon,
Drummondia, Orthotrichum, Cryptocarpus , Macromitrium, Schlotheimia.
— Coscinodon, Glypbomitrium, Brachysteleum = Ptychomitrium, Güm-
belia, Grimmia). Trib. 7. Diphyscium. Hiemit schliesst das fünfte
Heft dieser zeitgemässen Publikation. — Neue Moosgattungen:
Fiedleria Rabenh. (Regensb. Flora f. 1848. S. 252.) = Poltia sub-
sessilis Br. Sch.; Aulacopilum Wils. (Lond. Journ. of Bot, 7. p. 90.):
Baummoos in Neuseeland, soll unter den Pleurokarpen Calymperes ent-
sprechen ; Cymbaria Tayl. (das. p. 190.): vom Pichincha in Ecuador,
im Habitus Fissidens gleichend, mit dem Peristom von Sclerodon ; Cal-
licosta C. Müll. (Linnaea 21. p. 188.) = Neckeriae sp.; Mniadelphus
C. Müll. (das. p. 196.) = Hookeriae sp.
Lebermoose. Neue Gattungen: Athalamia Falconer (Pro-
ceed. Linn. Soc. 1847. Jun.): Marchantiacee, neben Lunularia stehend ;
Notothylas Sullivant (Mem. Americ. Acad. 1848. nach Regensb. Fl.
1849, 5. 698.) = Targionia orbicularis Schwein. etc.
Lichenen. Fresenius beschäftigte sich mit Untersuchun-
gen über Calycium (Regensb. Flora f. 1848. $. 753—763.): er findet
Verschiedenheiten und scharfe diagnostische Merkmale im Bau und in
der Grösse der Sporen, von denen er mikrometrische Messungen mit-
theilt. Das Apothecium hat keineswegs nackte Sporen , sondern die
gewöhnlichen Lichenen-Aseci: der Stiel, der sich nach oben kelchartig
erweitert, besteht aus braunen Kaserzellen (Excipulum carbonaceum
Aut.); die auf dem Excipulum ruhende, convexe Schicht endet nach
auswärts in eine „helle, feine Zone von zarten Sporenschläuchen und
Paraphysen.“ Nach den Sporen bilden die Calycien folgende drei Rei-
hen: a. Einfache, längliche Sporen: z. B, C, disseminatum, Coniocybe
444 Grisebach: Bericht üb. d. Leistungen in d, geographischen
nigricans ; b. Einfache, runde Sporen: z. B. C. trichiale, turbinatum,
Conioc. furfuracea, pallida; c. Doppelsporen: C. adspersum, hyperel-
Jum, nigrum, Trachylia inquinans, sessilis und tigillaris. — Ueber die
Systematik des Lichen esculentus Pall. herrschte eine Meinungsverschie-
denheit zwischen Link, der mit Hampe die algierische Flechte von
der russischen trennt, und Treviranus, der auf die Vielförmigkeit und
die Monstrositäten dieses merkwürdigen, nach ihm über die Sahara bis
Centralasien verbreiteten Gewächses hinweist (Bot. Zeit. 6. S. 53.
665. 889. 891.). — Neue Gattung: Byssophytum Montagn. (Ann.
sc. nat. III. 10. p. 132.): Collemacee ohne Asci, zweifelhaft,
Algen. J. G@. Agardh hat eine Synopsis sämmtlicher Algen
begonnen, von welcher der erste Band die Fukoideen begreift (Spe-
cies, genera et ordines Algarum. Vol. 1. Lund. 1848. 8. 363 pag.).
Seine Systematik ist wesentlich die in seinen früheren Schriften be-
gründete. Neu aufgestellt sind die Gattungen Taonia (Dictyotee), Fu-
codium und Cystophyllum (Fucaceen). — Kritische Bemerkungen über
Sarcophycus von Areschoug und von Agardh über Iridaea sind
der Stockholmer Akademie mitgetheilt (Översigt af Förhandl. 1848,,
auch übersetzt in Regensb. Flora f. 1849. S. 167—175.). — Trevi-
san publicirt eine Monographie der Palmelleen und Hydrureen, welche
er unter dem Namen Coccothallen zusammenfasst, und er fügt dieser
Arbeit eine Uebersicht seines eigenen Algensystems nebst Andeutung
neu zu unterscheidender Gattungen bei (Saggio di una Monografia delle
Alghe coccothalle. Padova, 1848. 8. 112 pag.). Seine neuen Galtungen
sind folgende: Embryosphaera — Uhlorocoecum infusionum Menegh.,
Diplocystis — Polycystis sp. Kütz., Calialoa — Micraloa protogenita
Men., Cagniardia = Palmella sp. Kütz., Brachtia (neben Coccochloris),
Thaumaleocystis — Coccochl. deusta Men., Hassallia (neben Palmogloea).
Die übrigen in Trevisan’s System nur namentlich aufgeführten, aber
durch Synonyme näher bezeichneten Gattungen sind: von Diatomeen
Himantosoma = Himantidium Arcus Ehrenb., Lobarzewskya — Diatoma
elongatum Ag. ete., Diatomosira — Bacillar., pectinalis etc., Thauma-
leorhabdium — Fragilar. unipunctata Lyngb., Cyclopea = Cyclotella
sp. Kütz., Sphenoneis — Sphenella sp. Kütz., Microphycus = Micro-
theca octoceras Ehr., Losanaea — Geminella interrupta Turp., Gym-
nodesmus — Bambusina Kütz.; von Confervaceen Porphyrostromium =
Bangia repens Zanard., Heterophycus — Desmotrichum Külz. nec Le-
veill., Haemmerlenia — Percursaria Meneg. ; von Fukoideen Ditomocla-
dia (1841.) = Carpomitea Kütz. (1843.), Oerstedtia — Contarinia Endl.
nec Zanard.; von Florideen Corinaldia (1841.) = Mertensia lumbrica-
lis Rth. und Clıampia sp. Harv.; Gymnosorus — Nardoa heteromorpha
Zanard. — Ueber die Desmidieen erschien ein Werk von J. Ralfs,
welches in England grossen Beifall gefunden hat (The British Desmi-
dieae. London, 1848. 226 pag. u. 35 tab,): die beweglichen Sporen
deutet er als Knospen, welche, von beschränkterer Entwickelungfähig-
und systematischen Botanik während des Jahres 1848, 445
keit, ein neues Individuum nur dann hervorbringen, wenn sie gleich
nach ihrer Ablösung weiter wachsen können; wirkliche Sporen sind
ihm die durch Befruchtung d. h. Conjugation entstandenen Körper (Spo-
rangien bei R.), die gleich dem Samen, einer Unterbrechung ihrer
Lebensakte fähig sind (retaining the vital principle uninjured through-
out long periods of drought). — Pockels zeigt die vegetabilische
Natur der von Goodsir im Magen gefundenen Sarcina (Diss. de Sar-
cina Goodsirii Wirceb. 1848. 8.29 pag-): es gelang ihm. die blaue
Reaktion der Cellulose hervorzubringen (p. 17.) und die Gattung scheint
ihm mit Tetraspora verwandt. — Jessen publicirt eine gediegene Mo-
nographie von der Ulvacee Prasiola (Prasiolae monographia. Diss. Kil.,
1848. 4. 20 pag. 2 tab.). — Perty’s Gaitung Blepharophora (Ble-
pharoph. Nymphaeae, ein Beispiel automatischer Wimperbewegung. Bern,
1848. 4.) ist, wie Harting gezeigt (Bot. Zeit. 6. S. 589.) ein Süss-
wasserpolyp. — Die Brüder Crouan bringen Turner’s Fucus Wigg-
hii zu Endlicher’s Gattung Naccaria und stellen zwei neue Gattun-
gen auf (Ann. sc. nat. III. 10. p. 361—376. tab. 11. 12.): Atracto-
phora (p. 371.) — Chaetospora Wigghii Ag. und Grammitella (p. 372.):
bei Brest, verwandt mit Rhytiphloea.
Pilze. Leveille hat seine Beschreibungen neuer Pilzformen
(s- Jahresb. f. 1846.) forıgesetzt (Ann. sc. nat. 111. 9. p. 119—144. u.
245 —262.). Da hier die systematische Anordnung seines neuen und
wichtigen Pilzsystems befolgt ist, so kann ich jetzt einige charakteri-
sche Beispiele zu den im vor. Berichte bezeichneten Tribus anführen:
1. Basidiospores. a. Ectobasides. Agaricus, Tremella, Exidia. b. Ento-
basides coniogastres. Schizostoma , Bovista, Scleroderma, Trichia, Cri-
braria, Physarum, Graphiola. 2. Thecaspor&s endotheques. Peziza, Sphae-
ria. 3. Clinospores. a. Ectoclines. Tubercularia. b. Endocliues. Septo-
ria, Leptostroma, Melasmia = Xyloma alneum, Sphaeropsis — Rhytisma
quereinum ete., Vermicularia. 4. Cystispores. 5. Trichospores. Aste-
roma, Septonema. 6. Arthrospores, — Schnizlein giebt eine Mit-
theilung über den Bau des Hymenium bei Agaricus (Bot. Zeit. 6. S.
86.). — Dozy beschreibt den Bau von Exidia ampla (Nederl. kruidk.
Archief. 1. p. 364—368. mit Taf. 1.). — Bonorden charakterisirt Bau
und Entwickelung von Spumaria alba (Bot. Zeit. 6.8. 617—619. tab. 5.
fig. 1—6.): es wurde hier zuerst eine körnerreiche Flüssigkeit auf dem
Blatte bemerkt, die dahin zusammenströmt, wo der Pilz sich entwickelt,
und dieser soll aus jener hervorgehen (?). — Einen Beitrag zu den
Mucedineen giebt Spring (Bullet. de Bruxell. 15. 1. p.486.). —
Neue Gattungen. Hymenomyceten: Microcera, Desmaz,
(Ann. sc. nat. Ill. 10. g.359.): neben Fusarium,, auf Seidenraupenco-
cons; Catinula L&v. (das. 9. p. 247.): neben Exidia, an alten Fichten-
slämmen in Frankreich, Pyrenomyceten: Aschersonia Montagn.
(das. 10. p. 121.): mit Hypocrea verwandt, tropischer Blattpilz; Ma-
stomyces Mont. (das, p, 134.) = Sphaeria uberiformis Fr., Perithecien
446 Grisebach: Bericht üb. d. Leistungen u. s. w.
aus Faserzellen gebildet, Basidialzellen tragen einen Askus mit 4 Spo-
ren, den M. jedoch für eine einzige Spore mit 3 Scheidewänden hält
(une spore munie de trois cloisons, ou, ce qui est peut-etre plus exact,
renfermant quatre sporules), weshalb er die Pflanze zu den Coniomyce-
ten neben Septoria stell. Gasteromycet: Sclerangium Le&v. nec
Pers. (das. 9. p. 131.) = Sceleroderma geäster Fr. Hyphomycet:
Ascomyces Mont. und Desmaz. (das. 10. p. 344.): Mucoroidee auf
den lebenden Blättern von. Quercus toccifera.. Coniomycet: Aca-
Iyptospora Desm. (das. p. 342.): mit Puccinia zunächst verwandt, pa-
rasitisch auf Ulmenblättern.
Bonn, gedruckt bei Carl Georgi.
Berichtigungen
Archiv für Naturgeschichte. XV. Jahrg. 1849. 2. Band.
Br
| Fa
i E77
. 112. Z 1. v. o. lies: Folge einer Infiltration st. Folge einer Imbi-
bition ‘
. 114. 2. 16. v. u. lies: feine (Dotter-) Körperchen st. freie (Dotter-)
Körperchen
S 123. Z.13. v. o. lies: 523 zu den Hymenopteren st. zu den He-
mipteren
S. 132. Z.17. v. u. ist ein ; hinter Cic. assamensis zu setzen.
5.140. Z.7. v. u. lies: Carabus saphyrinus st. C. saphyrinus
5.143. Z.1. v: o. lies: Aphanisticus st. Aphanistus
S. 168. Z.20— 22. v. o der Satz „‚Bostrichus fagi — in der Buche vor-
kommt“ ist hier zu streichen und $.169. Z.13. hinter die Worte
„dem H. mim Mrhisten stehend“ einzuschalten.
$. 168. 2.23. v. o. lies: Leon Fairmaire st. Lion Fairmaire
$. 169. Z. 23. v. o. lies: Cathormiocerus st. Cathorniocerus
S. 171. Z. 18. v. u. lies: in den Seealpen entdeckt st. in den Seealgen
S. 176. Z. 9. x. u. lies: Sie hat ohne den Kopf 11 Körperringe st. Sie
hat 11 Körperringe
$. 179. Z. 8. v. u. lies Cocc. Tasmanii st. Cocc. Tosmanii
S. 180. ist vor Z.2. v. u. der Familienname Cisödae einzuschalten.
$.181. Z. 8. v. u. lies: Strepsiptera st. Strepsitera
S. 186. Z. 16. v. u. ist ein ( vor dieses zu setzen.
$. 188. Z. 1. v. n. lies: die beiden letzten st. von beiden letzten
5.189. Z. 11. v. o. lies: geschildert, die Nymphe st. geschildert. Die
Nymphe
S. 203. Z. 4. v. u. lies: Kaltenbach’s st. Kallenbach’s
8.211. Z.8. v. u. lies: widerspricht aber geradezu st. widerspricht aber
gerade
S. 245. Z. 15. v. u. lies: mit den Coleophoren st. mit den Coleo-
ptoren
S.250. Z. 14. v. u. sind die Worte „die Raupe lebt auf. Festuca
ovina“ zu streichen und dafür zu setzen „Die Raupe findet
sich auf Saponaria olficinalis*
SHE
5.250... 12. v. u. ist hinter „beschrieben und abgebildet“ der ana ein-
zuschalten EN Be lebt auf WE" ovina“
u # } ; : 2
5. 288. 2. 20. v. u. Jiokz die Arten von Sapron ‚von Loew st.
sind von dem selben x E3:
S. 290. Z. vu lies: seit den = I
S. 312. Z. 24. v. u. ist hinter den
ten: Auf einer beigege
Thieres abgebild
ei
Taf II.
N
x
3
3
S
N
Kr)
S
1849.
yo Troschal v0.
Autor del.
In,
RITERRER
ERRERT
be 33
"
k \
E72 CE
ka
48
Ai
INN
_
P|
f
Isunn
y SM
| u EEES EL LEN LEN Euer... At N
E>y,cKa
DD A,
Hugo Troschel se
LA
1549.
EI
Hugo Troschel we
Autor del
LRAN
KNIRREM —
DD.
Ye
Hugo Troschel del.et se,
EN
Eye
lei
Bir
a1
EERHTE
Fan
ger
Hi
1F
llnaalı ee,
RI RER HR,